Darmstädter Tagblatt 1912


02. Dezember 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 26 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

kommen ſoll. Mit dieſem Standpunkt iſt eine
Kulturkampfhetze gegen den Bundesratsbeſchluß nicht
vereinbar.

Die Kaiſerin iſt am Samstag von Straßburg nach
Langenburg und von dort nach Baden=Baden ab=
gereiſt
.
Der Reichstag lehnte das ſozialdemokratiſche
Mißbilligungsvotumfür den Reichskanz=
ler
in Angelegenheit der Fleiſchteuerungs=
fragen
mit 174 gegen 140 Stimmen ab.
Der dritte Dreadnought Oeſterreich=
Ungarns, Prinz Eugen, iſt am Samstag
vormittag in Anweſenheit des Erzherzogs Peter Fer=
dinand
in Trieſt vom Stapel gelaufen.
Der franzöſiſch=ſpaniſche Marokko= Ver=
trag
, der 30 Artikel enthält, wird allen Signatar=
mächten
mitgeteilt und ſobald als möglich in Madrid
ratifiziert werden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Bundesrat, Jeſuitengeſetz und Zentrums=
partei
.

C Die gewaltige Agitation, die ſowohl das Zen=
trum
als auch der katholiſche Klerus ſeit Monaten auf=
geboten
haben, um den Bundesrat, wenn nicht für die
Aufhebung des ganzen Jeſuitengeſetzes, ſo doch wenig=
ſtens
für die ihr nahe kommende bayeriſche Interpreta=
tion
zu gewinnen, iſt ohne Eindruck geblieben. Denn der
Bundesrat hat durch ſeinen Beſchluß über den Antrag
Bayerns, den Begriff der verbotenen Ordenstätigkeit
authentiſch auszulegen, der bayeriſchen Auf=
faſſung
eine Niederlage bereitet.
Nach der bayeriſchen Auffaſſung blieb den Jeſuiten
nur die Abhaltung von Miſſionen verboten, da=
gegen
wurden ihnen Konferenzvorträge und
ſolche prieſterliche Handlungen, die vom
zuſtändigen Pfarramt zur vorübergehenden Aushilfe in
der Seelſorge angeordnet werden, geſtattet. Der jetzige
Bundesratsbeſchluß läßt hiervon beinahe nichts beſtehen.
Denn als verbotene Ordenstätigkeit ſoll jede prieſterliche
oder ſonſtige religiöſe Tätigkeit gegenüber anderen, ſowie
die Erteilung von Unterricht gelten, ausgenommen das
Leſen ſtiller Meſſen, Familien=Primizfeiern und das
Spenden der Sterbeſakramente. Ein gewiſſes Entgegen=
kommen
bedeutet der Bundesratsbeſchluß nur inſoweit,
als wiſſenſchaftliche Vorträge, die das religiöſe Gebiet
nicht berühren, nicht unterſagt werden; bisher geduldet,
ſind ſolche Vorträge nunmehr ausdrücklich erlaubt und
können auch in Kirchen gehalten werden. Deswegen
braucht man jedoch nicht zu beürchten, daß die jetzt ge=
ſtatteten
wiſſenſchaftlichen Vorträge an die Stelle der von
Bayern zugelaſſenen Konferenzvorträge treten werden.
Letztere nämlich liegen ganz überwiegend auf dem Gebiet,
das die wiſſenſchaftlichen Vorträge nicht berühren
dürfen: auf dem religiöſen. Der klerikale Bayeriſche
Kurier hat hierüber am 27. April dieſes Jahres folgendes
ausgeführt:
Die Konferenzvorträge haben zumeiſt ſozialen oder
apologethiſchen Inhalt, behandeln in beſonderer Weiſe
gerade aktuelle Zeitfragen des religiöſen Lebens,
Schwieriakeiten, die gegen religiöſe Glaubenswahrheiten
gerade erhoben werden, widerlegen erhobene Einwände
und ſuchen die Wahrheiten unſeres Glaubens als uner=
ſchüttert
und unerſchäitterlich nachzuweiſen. Daß damit
zugleich auch die Aufforderung zur Treue im Glauben
uſw. verbunden wird, iſt ſelbſtverſtändlich.
Der Schlag der bayeriſchen Regierung gegen das
Jeſuitengeſetz iſt alſo in der Hauptſache vom Bundesrate
abgewehrt worden. Daß die Zentrumspreſſe nach den ge=
waltigen
agitatoriſchen Anſtrengungen, den Bundesrat
mindeſtens für den bayeriſchen Standpunkt zu gewinnen,
nun ſtark enttäuſcht iſt, kann nicht wundor nehmen. Wenn
die Zentrumspreſſe aber die Seele des katholiſchen Vol=
kes
zum kochen bringen will und den Bundesratsbeſchluß
als eine Wiedererneuerung des Kulturkampfes bezeichnet,
ſo muß gerade die bayeriſche Regierung dem
begegnen. Denn einerſeits hat ſie den Bundesratsbeſchluß
veranlaßt, andererſeits hat Freiherr v. Hertling am
17. April in der bayeriſchen Reichsratskammer erklärt:
Es handelt ſich lediglich um eine Rechts=
frage
, um eine Frage der Auslegung, die nunmehr auf
ordnungsmäßige Weiſe zum Austrag

Zu den Verhandlungen des Bundesrats
über die Auslegung des Jeſuiten=
geſetzes
erfährt die Tägliche Rundſchau noch, daß der
preußiſche Antrag mit über wiegender
Mehrheit zur Annahme gelangte, nur die
bayeriſchen Stimmen wurden dagegen abgegeben. Als
beſonders bemerkenswert iſt noch hervorzuheben, daß Mi=
niſterpräſident
v. Hertling perſönlich weder an den Aus=
ſchußſitzungen
noch an der entſcheidenden Plencrſitzung
des Bundesrats über die Jeſuitenfrage teilnahm und
die Verteidigung des bayeriſchen Erlaſſes den übrigen
bcheriſchen Bevollmächtigten überließ. Hervorzuheben
iſt ferner, daß mehrere Bundesregierungen mit faſt rein
evangeliſcher Bevölkerung den preußiſchen Vorſchlag als
zu entgegenkommend bezeichneten und für eine ſchärfere
Faſſung eintraten. Der Vertreter eines mitteldeutſchen
Kleinſtaats wollte ausdrücklich die bayeriſche Auslegung
als ungeſetzlich bezeichnet wiſſen. Die preußiſche Regie=
rung
hat den vermittelnden Standpunkt wäh=
rend
der ganzen Dauer der Verhandlungen, die ſtellen=
weiſe
recht lebhaft geführt wurden, innebehalten und er=
folgreich
durchgeſetzt.
Die freikonſervative Poſt ſchreibt: Mit dieſer Stel=
lungnahme
hat der Bundesrat einen ebenſo überflüſſigen,
wie bedenklichen Streit aus der Welt geſchafft; denn wenn
auch die Germania androht, daß nun der Entrüſtungs=
ſchrei
des katholiſchen Volkes mit verdoppelter Stärke
nach Gerechtigkeit verlangen werde, ſo wird man darüber
um ſo eher zur Tagesordnung übergehen können, als ſich
eine Entrüſtung auf katholiſcher Seite bisher nur in
den Spalten der ultramontanen Blätter bemerkbar ge=
macht
hat. Die überwiegende Mehrheit des katholiſchen
Volkes hat in dem ganzen Verlauf des Jeſuitenſtreites
durchaus den Standpunkt vertreten, daß die von Bayern
angeregte Frage nicht wichtig genug ſei, um die unaus=
bleibliche
Gefährdung des konfeſſionellen Friedens zu
rechtfertigen, und der proteſtantiſche Volksteil weiß für
dieſe einſichtige Haltung der katholiſchen Bevölkerung auf=
richtigen
Dank. Auch Freiherr von Hertling wird viel=
leicht
die Stellungnähme des Bundesrates nicht allzu
tragiſch nehmen, und wir wollen die Frage offen laſſen,
ob er nicht gar im ſtillen Kämmerlein der Vorſehung
dankbar dafür iſt, daß ihn die vis major von einer Ver=
pflichtung
befreit hat, die er ſicherlich eines Tages ſelber
noch einmal als ſehr unangenehm empfunden haben
würde.
Die bisher vorliegenden bayeriſchen Preßäußerun=
gen
die Zentrumsblätter ausgenommen konſtatieren
durchweg eine ſchwere Niederlage des Miniſteriums
Hertling und eine ſchwere Bloßſtellung des von Frei=
herrn
von Hertling als die Grundlage ſeiner Politik in
den Vordergrund geſchobenen Herrſcherwillens.

Die Botſchafterkonferenz.

Nun ſoll die Regelung der Balkandinge auf einer
Konferenz erfolgen; allerdings ſoll dieſe nicht die eigent=
liche
Streitfrage zwiſchen der Türkei und den verbündeten
Balkanſtaaten erledigen, ſondern ſie ſoll ſich in mehr all=
gemeine
Punkte erſtrecken; auch iſt erfreulicherweiſe von
Herrn Grey, von dem der Vorſchlag ausgeht, nicht eine
große internationale Konferenz angeregt worden, ſondern
es ſoll entweder in Paris oder London oder Berlin eine
ſogenannte Botſchafterkonferenz ſtattfinden, die ſich, wie
gemeldet, auf folgende Punkte erſtrecken ſoll: 1. Die al=
baniſche
Frage, 2. die Frage der ägäiſchen Inſeln und 3.
die Meerengenfrage. Die Londoner Pall Mall Gazette
will über die Hauptzüge des Greyſchen Vorſchlages von
diplomatiſcher Seite folgendes Ffahren haben: Die Mächte
werden erſucht, ihre Botſchafter in einer der Hauptſtädte
zu ermächtigen, ſofort, ehe der Krieg beendet iſt, zu einer
Konferenz zuſammenzutreten, die jedoch keine Beilegung
der einzelnen Probleme verſuchen, ſondern nur möglichſt
ſchnell bekunden ſoll, daß über die erwähnten Hauptpunkte
allgemeine Einmütigkeit herrſche. Für Albanien könnte
beiſpielsweiſe die Anerkennung der Unabhängigkeit ecklärt
werden. Der ſerbiſch=öſterreichiſche Konflikt ſoll
in die Erörterung nicht hineingezogen werden und
das iſt ſehr gut, denn Oeſterreich würde ſich jede Ein=

miſchung der Goßmächte auf das allerentſchiedenſte ver=
bitten
, weil darin eine Beeinträchtigung ſeiner Würde
als Großmacht zu erblicken wäre.
Was hier von engliſcher Seite vorgeſchlagen wird, iſt
im weſentlichen ein Wechſel der ſonſt üblichen Methode
des Meinungsaustauſches von Kabinett zu Kabinett,
um auf dieſe Weiſe den diplomatiſchen Meinungsaustauſch
zu beſchleunigen. Möglich iſt auch, daß es nicht bloß bei
den erwähnten drei Hauptpunkten bleibt, ſondern daß die
eine oder andere Macht auch ihrerſeits mit neuen Anreg=
ungen
kommt. Es liegt auf der Hand, daß derartige Be=
ſprechungen
in der Tat geeignet ſind, manche Differenz=
punkte
hinwegzuſchaffen auf dem Wege einer friedlichen,
freundſchaftlichen Verſtändigung. Der Vorſchlag Greys
zeigt erneut das Beſtreben der Mächte, um keinen Preis
den Balkankonflikt auszudehnen, und man muß England
laſſen, daß es in der jüngſten Phaſe der Balkanwirren
eine durchaus loyale Haltung bewahrt hat. Insbeſondere
wird von Londoner wie auch von deutſcher offiziöſer Seite
aus beſtätigt, daß beide Mächte in ihren Anſchauungen
über die Löſung der Balkanfrage völlig einig ſeien und
Hand in Hand gehen. Bei der Triple=Entente ſcheint das
nicht ganz der Fall zu ſein, und ſo wird denn auch über
Paris gemeldet, daß man dort von dem neuerlichen Vor=
ſchlage
des engliſchen Miniſters nicht ſehr erbaut ſei, und
daß man nur mit ſüßſaucem Lächeln zuſtimmen werde.
Ob bei der Konferenz etwas herauskommen wird,
läßt ſich natürlich heute nicht ſagen, immerhin ſteht zu
hoffen, daß ſich bei dem auf allen Seiten vorhandenen
guten Willen kein neuer Konfliktſtoff daraus entwickeln
wird. Jedenfalls kann der Vorſchlag Sir Edward Greys
als ein optimiſtiſches Zeichen der augenblicklichen Lage
aufgefaßt werden.

Deutſches Reich.

Die Regierung und die Enzyklika.
Wie die Frankfurter Zeitung aus angeblich guter Quelle
erfährt, hatte der Reichskanzler von Bethmann Hollweg
am 27. November einen bekannten Führer des Reichs=
tagszentrums
zu ſich gebeten und ihm mit voller Be=
ſtimmtheit
erklärt, daß die jüngſte päpſtliche Enzyklika
über die Arbeiterorganiſationen das Letzte ſei, was ſich
die preußiſche Regierung von der Kurie an Eingriffen in
die Rechte des Staates und in die Selbſtändigkeit der
nichtkonfeſſionellen Arbeiter= und ſonſtigen Verbände
habe bieten laſſen. Sollte wieder derartiges vorkommen,
werde ſie unbedingt die diplomatiſchen Beziehungen zum
Vatikan einſtellen.
Die Arbeiten der Strafrechtskom=
miſſion
ſollen in erſter Leſung bis Weihnachten be=
endet
werden. Die zweite Leſung wird im Januar be=
ginnen
. Während der zweiten Leſung ſollen der Tägl.
Rdſch. zufolge Vertreter der Preſſe über alle jene Beſtim=
mungen
als Gutachter vernommen werden, die im Zu=
ſammenhang
mit der Preſſe ſtehen.
Das Luftflottengeſetz. Zu der Nach=
richt
der Täglichen Rundſchau von einem bevorſtehenden
Luftflottengeſetz bemerkt die Neue Politiſche Korreſpon=
denz
, es iſt ganz klar, daß wir weiterhin dieſe wichtig
gewordene Sache zu vermehren ſuchen und uns in dieſer
Vermehrung beeilen werden. Aber ein Luftflottengeſetz
gehört in das Reich der Phantaſie.
Aerzteverbände und Krankenkaſſen.
Wie in der Sitzung des Geſchäftsausſchuſſes des Deutſchen
Aerztevereinsbundes in Leipzig mitgeteilt wurde, hat
der Staatsſekretär des Innern zur Anbahnung einer Ver=
ſtändigung
zwiſchen den ärztlichen Organiſationen und
den Krankenkaſſenverbänden in den Fragen der ärztlichen
Verſorgung der Kaſſenmitglieder eine gemeinſame Be=
ſprechung
mit Vertretern der beiden Gruppen im Reichs=
amt
des Innern in Ausſicht genommen. Geladen ſind auf
ärztlicher Seite ſämtliche überhaupt in Frage kommenden
Verbände, von der Partei der Krankenkaſſen der Haupt=
verband
deutſcher Ortskrankenkaſſen in Dresden, der Ver=
band
zur Wahrung der Intereſſen der deutſchen Betriebs=
krankenkaſſen
in Eſſen (Ruhr), der Verband deutſcher
Innungskrankenkaſſen, der allgemeine deutſche Knapp=
ſchaftsverband
und die Zentrale für das deutſche Kran=
kenkaſſenweſen
in Berlin. Als Unterlage für die Ver=
handlungen
hat der Staatsſekretär einen vorläufigen
Entwurf von Grundzügen für die Vereinbarung zwiſchen
den beiden Parteigruppen aufſtellen laſſen. In ihm wird
ausdrücklich feſtgelegt, daß durch die vorgeſchlagene Ver=

[ ][  ][ ]

einbarung der grundſätzliche Standpunkt der vertrag=
ſchließenden
Teile zur Frage der organiſierten freien
Arztwahl oder des freien Rechts der Krankenkaſſen zur
Abſchließung von Verträgen mit den dazu bereiten Aerz=
ten
, nicht berührt werden ſoll. Dagegen wird für den
Bezirk jedes Oberverſicherungsamts ein beſonderes
Schiedsamt eingerichtet, das im Zweifelsfalle die Be=
dingungen
feſtzuſtellen hat, die für Arztverträge als an=
gemeſſen
zu gelten haben. Streitigkeiten aus den Ver=
trägen
zwiſchen Kaſſen und Aerzten ſoll ein Schiedsaus=
ſchuß
ſchlichten. Die Beſprechung dieſes Entwurfs im
Miniſterium iſt auf Erſuchen des Geſchäftsausſchuſſes
des Deutſchen Aerztevereinsbundes auf Mitte Dezember
verſchoben worden.
Viehzählung am 2. Dezember. In
Durchführung des immer noch zu Kraft beſtehenden Bun=
desratsbeſchluſſes
vom Jahre 1892 ſoll heute, Montag,
den 2. Dezember, die ſogenannte große Viehzählung im
Deutſchen Reiche ſtattfinden. Nach bisheriger Gewohn=
heit
galt nicht der 2., ſondern der 1. Dezember als Stich=
tag
der Viehzählung. Da aber in dieſem Jahre der 1. De=
zember
auf einen Sonntag fiel, ſo iſt die Viehzählung
vom 1. auf den 2. Dezember verſchoben worden.
Die Landtagsſtichwahlen in Würt=
tember
g. Im zweiten Wahlgange am Freitag ſtanden
24 Mandate zur Entſcheidung. Es erhielten die Volks=
partei
8, Konſervative und Bauernbund 6, Nationallibe=
rale
5, Sozialdemokraten 3 und das Zentrum 2 Mandate.
Insgeſamt ſind bis jetzt gewählt: 21 Zentrum, 17 Konſer=
vative
und Bauernbund, 15 Volkspartei, 13 Sozialdemo=
kraten
und 9 Nationalliberale. Am Schluß des alten
Landtages hatten Mandate: Zentrum 25, Volkspartei 24,
Sozialdemokratie 16, Dentſche Partei 12, Konſervative
und Bund der Landwirte 15. Die Nachwahlen haben
der Rechten eine weitere Stärkung auf Koſten der beiden
liberalen Parteien und namentlich auf Koſten der Volks=
partei
, gebracht. Der Gewinn der Rechten beträgt wei=
tere
drei Mandate, ſo daß ſie jetzt zuſammen über 38
Mandate verfügt gegen nur 32 vor ſechs Jahren. Nimmt
man an, daß die Proporzwahlen keine Veränderung brin=
gen
, ſo verfügen Zentrum und Konſervative, bezw. Bünd=
ler
, im neuen Landtag über 45 von insgeſamt 92 Man=
daten
. Die drei Parteien der Linken würden alsdann ge=
rade
nur noch die Mehrheit haben; der etwaige Verluſt
eines weiteren Mandats an die Rechte würde zwei genan
gleich ſtarke Gruppen herſtellen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die neuen öſterreichiſchen Riegie=
rungsvorlagen
. Dem Juſtiz= und dem Wehraus=
ſchuß
des öſterreichiſchen Abgeordnetenhauſes, denen die
eingebrachten drei neuen Regierungsvorlagen, ſowie die
Vorlage über das Rekrutenkontingent ohne erſte Leſung
zugewieſen worden waren, beſchloſſen, nachdem ſich die
Regierung bereit erklärte, die Berkchte über die Motive,
ſowie das einſchlägige Geſetzmaterial in der nächſten
Sitzung zu unterbreiten und am Dienstag nachmittag die
Geſetzvorlagen in Verhandlung zu ziehen.
Frankreich.
Die Abnahme der Geburten und der
Rekruten. In der Kammer=Debatte über das
Cadregeſetz wies der Deputierte Reinach eingehend auf
die Abnahme der Geburtenzahl Frankreichs und die Fol=
gen
hin, welche die Tatſache für die Armee nach ſich
zieht. Die Zahl der männlichen Geburten, welche vor
vierzig Jahren 494000 geweſen ſei, betrage jetzt nur
400000 und nehme täglich ab. Die Zahl der Geſtellungs=
pflichtigen
ſei im Jahre 1893 343000 geweſen und belaufe

ſich gegenwärtig auf 301000. Die Zahl der eingeſtellten
Rekruten, welche im Jahre 1904 238000 betrug, ſei auf
215000 zurückgegangen und nehme noch ab. Man könne
vorausſehen, daß die Zahl der eingeſtellten Rekruten im
Jahre 1927 auf 196000 zurückgehen werde, mit anderen
Worten, Frankreich hat 1908 48 Bataillone, 1912 94 Ba=
taillone
verloren und werde im Jahre 1921 110 Bataillone
und im Jahre 1928 154 Bataillone verlieren. Angeſichts
dieſer Lage gebe es nur eine Abhilfe: Die Einrahmung
der Reſervetruppen, ſonſt würde man die Truppen, wie
groß auch ihre Tapferkeit und ihr Kampfesmut wäre,
nicht zum Siege, ſondern zur Schlachtbank führen.
Poincarés Erklärung über die aus=
wärtige
Lage. Poincaré teilte dem Obmann des
Kammerausſchuſſes für auswärtige Angelegenheiten
Barthou mit, daß er am Donnerstag vor dem Ausſchuß
eine Erklärung über die äußere Lage abgeben werde, doch
dürfte an ihn keine beſondere Frage gerichtet werden
Poincaré hatte es ſchon vorher abgelehnt, eine etwaige
Interpellation über die äußere Politik zu beantworten.
Die Gruppe der geeinigten Sozialiſten beſchloß, eine Er=
klärung
des Miniſterpräſidenten über die auswärtige Lage
hervorzurufen.
Der Generalreſident von Marokko
General Liautey, wird im Laufe der nächſten Woche vor
dem Kammerausſchuß für auswärtige Angelegenheiten
erſcheinen, um über die gegenwärtige Lage in Marokko
Bericht zu erſtatten.
Der antimilitariſtiſche Arbeiterver=
band
. In der Kammer griff der frühere Kriegsminiſter
Meſſimy gelegentlich der Interpellation über die Lehrer
des Sou du ſoldat die verbrecheriſche Propaganda des
Allgemeinen Arbeiterverbandes an. Unter lebhafter Be=
wegung
der Kammer erklärte er, die Regierung habe im
Juli und Auguſt letzten Jahres die Eventualität einer
Mobiliſierung ohne Schwäche ins Auge faſſen und da=
mals
die Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung
im Innern nicht gegen Spione, ſondern gegen die Sabo=
teure
des Arbeiterverbandes verſtärken müſſen, da dieſe
Vorbereitungen trafen, die Mobiliſierung zu lähmen.
Antimilitariſtiſche Herde gab es bereits 1911. Damals
ſeien in etwa 15 Regimenter die gefährlichſten Sol=
daten
der Strafkompagnien geſteckt worden. Gegenwärtig
ſei der Geiſt des Heeres gut, aber man buche 80000 (?)
Soldaten, die ſich nicht geſtellt hätten.
Dänemark.
Kontrolle des auszuführenden Flei=
ſches
. Auf die Initiative des Landwirtſchaftsminiſte=
riums
unter Mitwirkung der vom Miniſterium einge=
ſetzten
Exportkontrolle wird auf Wunſch des Miniſteriums
von der königlich däniſchen Landhaushaltungsgeſellſchaft
und dem däniſchen Exportverein verſuchsweiſe eine Kon=
trolle
der Qualität des von Dänemark nach dem Auslande
ausgeführten friſchen Fleiſches eingerichtet. Die Kontrolle,
die eine freiwillige iſt, leitet der däniſche Exportverein
und wird von vom Staate autoriſierten Exporttierärzten
ausgeführt.
Rußland.
Flottenbau. Der Marineminiſter brachte in der
Reichsduma eine geheime Geſetzesvorlage ein, die ſich auf
Hafenbauten und die Vorbereitung künftiger Flotten=
aktionen
im Zuſammenhang mit dem Programm eines
verſtärkten Flottenbaus für 1912 bis 1916 bezieht.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 2. Dezember.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kolonnenführer der Frei=
villigen
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz zu Alzey,
J. Schmitz in Alzey, die Erlaubnis zur Annahme und
zum Tragen der ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer,

König von Preußen, verliehenen Rote Kreuz=Medaille
3. Klaſſe erteilt.
* Ernannt wurde der Hofbibliothekdiener Ludwig
Treutel in Darmſtadt zum Kanzleidiener bei der
Staatsanwaltſchaft am Landgericht der Provinz Starken=
burg
mit Wirkung vom 15. Dezember 1912.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß be=
ſchäftigte
ſich in ſeiner Sitzung am Samstag mit der Be=
ſchwerde
des Buchdruckereibeſitzers Max Teichmann
zu Zwingenberg gegen eine Strafverfügung des Großh.
Kreisamts Bensheim vom 9. September d J. Auf Grund
des § 103e der Gewerbeordnung hat die Handwerkskam=
mer
am 27. Mäcz 1912 eine Bekanntmachung erlaſſen,
durch die in Poſition 5 die Zahl der Lehrlinge, die in Buch=
druckbetrieben
gehalten werden dürfen, nach den beſchäf=
tigten
Gehilfen folgendermaßen geregelt wird: Bis zu
2 Gehilfen 1 Lehrling, bis zu 5 Gehilfen 2 Lehrlinge. Im
erſten Falle kann ein weiterer Lehrling gehalten werden,
wenn der Lehrling in den letzten beiden Lehrjahren ſteht. Bei
einer Reviſion durch die Handwerkskammer im April 1912
wurde feſtgeſtellt, daß der Buchdruckereibeſitzer Teichmann
bei 1 Gehilfen 3 Lehrlinge beſchäftigte und daß er im Be=
geiff
war, einen vierten Lehrling einzuſtellen. Trotz der
Aufforderung der Handwerkskammer, den dritten und
vierten Lehrling zu entlaſſen, kam dieſer dem nicht nach.
Deshalb erließ das Kreisamt Bensheim am 9. September
auf Antrag der Handwerkskammer eine Strafverfügung
von 10 Mark, gegen die Teichmann Beſchwerde beim Mi=
niſterium
erhob. Das Miniſterium gab die Sache an den
Provinzialausſchuß ab. Der Beſchwerdeführer gibt an,
der eine Lehrling käme nicht mehr in Betracht, da dieſer
nur drei Jahre bei ihm lernen ſollte das vierte auf dem
Technikum. Es kämen alſo bei zwei Gehilfen drei Lehr=
linge
in Betracht. Es ſei ihm unmöglich, Gehilfen zu
bekommen, deshalb wolle er ſich ein Stammperſonal heran=
ziehen
. Der Vectreter der Handwerkskammer führte aus,
daß es nicht angehe, den vierten Lehrling als Gehilfen
anzuſehen, da durch die Handwerkskammer die Lehrzeit
auf vier Jahre feſtgeſetzt wurde; aber auch, wenn man
dieſen als Gehilfen anſehe, wären zwei Lehrlinge
zuviel beſchäftigt. Die Lehrzeit ſei im Jahre 1902
auf Anſuchen der beteiligten Gewerbe auch für das Buch=
druckgewerbe
auf vier Jahre feſtgeſetzt worden. Sie ent=
ſprach
den Wünſchen des Buchdruckervereins und des
Tarifamts; es könne deshalb von einer Rigoroſität nicht
die Rede ſein. Die Lehrlingsſkala iſt mit dem Tarif der
Buchdrucker identiſch. Auch der Einwand, die Handwerkss
kammer ſei zur Reviſion nicht berechtigt, ſei falſch, denn
von zuſtändigen Inſtanzen ſei mehrfach entſchieden wors
den, daß ſelbſt Buchdruckereien mit 40 bis 50 Gehilfen der
Handwerkskammer unterſtehen. Der Provinzialausſchuß
gab der Beſchwerde inſofern ſtatt, als die Strafe auf
5 Mark herabgeſetzt wird, da die Beſtimmungen noch neu
ſind und Teichmann noch nicht vorbeſtraft iſt. Der
Wäſchereibeſitzer Wilhelm Schickedanz II. zu Neu=
Iſenburg klagt gegen einen Polizeibefehl des Großh.
Kreisamts Offenbach vom 31. Juli 1912. Sch. hat auf
ſein Hintergebäude einen Fachwerkbau aufgeführt, der ihm
als Trockenboden genehmigt wurde. Da der Verdacht be=
ſtand
, daß Sch. den Aufbau zu Wohnungszwecken benutzen
würde, mußte er einen Revers unterſchreiben, durch den er
ausdrücklich erklärte, den Bau nicht zu Wohnzwecken zu
verwenden. Trotz dieſes Reverſes bezog Schickedanz den
Trockenſpeicher, weshalb gegen ihn ein Polizeibefehl eſ=
laſſen
wurde, durch den für jeden Tag der Zuwiderhand=
lung
50 Mark Geldſtrafe feſtgeſetzt wurden. Gegen dieſen
Befehl legte Sch. Beſchwerde ein. Inzwiſchen hat er beim
Kreisamt ein Dispensgeſuch eingereicht, das vom Ge=
meinderat
befürwortet wurde. Er gibt an, er ſei duſech
ſeine ſchlechte Vermögenslage gezwungen, eine beſſere
Rentabilität ſeines Grundſtückes zu erzielen. Da ihm die
Errichtung eines maſſiven Aufbaues wegen des
ſchwachen Unterbaues nicht geſtattet wurde, ſei er
um Genehmigung zur Errichtung eines Trockenbodens
eingekommen. Er habe geglaubt, im Revers nur
anerkannt zu haben, daß er dieſe Räume nur
nicht als Wohnräume vermieten dürfe. Er ſei der Anſicht
geweſen, für ſich ſelbſt dürfe er die Räume benutzen. Der
Provinzialausſchuß gab der Klage inſoweit ſtatt, daß die
feſtgeſetzte Polizeiſtrafe auf eine einmalige Geldſtrafe von
50 Mark feſtgeſetzt wird. Im übrigen wurde die Klage
abgewieſen unter Verurteilung des Klägers in die Koſten
des Verfahrens. Der Maurergeſelle Johannes Bier=
baum
aus Geiſenheim fiel am 28. November 1911 bei
Dacharbeiten, die er im Auftrage ſeines Vaters ausführte,
mehrere Meter herunter vom Dach. Er wurde in der Zeit

Neue Briefe aus Deutſchlands
großer Zeit.

(2) Ergreifende Schilderungen aus der großen Zeit
der Geburt des Deutſchen Reiches, aus dem Siegeszuge
unſerer Truppen von Sedan bis Paris, bieten die
Briefe des Grafen Beuſt die ſeine Tochter, die
Gräfin Wedel, in der Deutſchen Revue (Deutſche Ver=
lags
=Anſtalt in Stuttgart) veröffentlicht. Der Graf be=
gleitete
den Großherzog Karl Alexander von Sachſen=
Weimar 1870 ins Feld und erzählt aus eigenem Erleben
die Uebergabe Sedans und die Gefangen=
nahme
Napoleons.
Wie Dir der Telegraph ſeitdem gemeldet hat, haben
wir heute den weltgeſchichtlichſten Tag unſerer Generation
erlebt. Von früh an beſchoſſen die Unſerigen aus nächſter
Nähe die Truppen von Sedan, während nach Moltkes
unvergleichlichem Plan der Kronprinz von Preußen von
der einen, der Kronprinz von Sachſen von der anderen
Seite Mac Mahon einſchloſſen. Nach blutiger, tapferer
Gegenwehr waren die Franzoſen genötigt, gegen 4 Uhr
ſich mit dem ganzen Korps nach Sedan zurückzuziehen.
Da kam die Meldung: Napoleon ſei in der Feſtung! So=
fort
wurde, um das Blut unſerer tapferen Truppen zu
ſchonen, Sedan bombardiert. Nach den erſten zwanzig
Schüſſen brannte die Stadt an vier Stellen, und ſofort
parlamentierte Napoleon und ſchickte den General Reille
mit einem Brief an den König, in welchem er ihm ſeinen
Degen zu Füßen legte da er den Tod nicht habe finden
können! Der Jubel war namenlos. Alle ſuchten ſich dem
König zu nähern und ihm die Hände zu küſſen. Des
Königs Antwort wurde mit einer Feder und Tintenfaß
vom Reiſeneceſſaire des Großherzogs geſchrieben, wobei
die Huſarentaſche von Otto Guſtedt (Sohn der Gräfin
Beuſts Stiefſchweſter, Baronin Guſtedt) ihm als Schreib=
mappe
diente. Ich glaube, daß der Krieg, wenigſtens das
Blutvergießen, jetzt zu Ende iſt. Aber welche Opfer hat
er gekoſtet!
Auch der Begegnung zwiſchen König Wil=
helm
und ſeinem kaiſerlichen Gefangenen
wohnte Graf Beuſt an und berichtet, daß der König dem
liefgebeugten Napoleon lange ſtumm die Hand gedrückt
habe. Die Generäle in des Kaiſers Umgebung hätten ſich

in ſcheinbar heiterem Tone laut unterhalten. Vom 5. Sep=
tember
ſchreibt Graf Beuſt:
Geſtern ſaß ich bei Tafel neben Bismarck, der mir
erzählte, daß er am Tage nach Sedan, während Moltke
die Uebergabe der Feſtung mit General Wimpffen ab=
ſchloß
, zwei Stunden mit Napoleon eine Zigarre geraucht,
und da es geſchmacklos geweſen wäre, während dieſer
Zeit in der kleinen Bauernſtube von Politik zu ſprechen,
er ungefähr eine Unterhaltung mit ihm geführt habe, wie
ein Fähnrich mit einem Backfiſch, mit dem er zum erſten
Male den Kotillon tanzt und den er wenig kennt.
Nach dem Dankgottesdienſt in Ferrieres ſitzt Beuſt bei
Tiſch neben dem alten Roon:
Wir ſprachen natürlich vom Tode ſeines Sohnes,
und er erzählte mir, wie dieſer, gleich nachdem er den töd=
lichen
Schuß empfangen, das Abendmahl verlangt habe.
. Unſere Unterhaltung war ſehr gemütlich, aber wir
hatten beide oft Tränen in den Augen. Ich erinnerte ihn
daran, wie er mir neulich geſagt: Wenn man Söhne in
der Armee hat und der Krieg bricht aus, ſo nimmt man
Abſchied von ihnen, und wenn ſie geſund wiederkehren,
ſo nimmt man ſie wie neu geſchenkt aus Gottes Hand
und ich ſagte ihm, ich hätte Dir dieſe Worte als Beiſpiel
heroiſcher Ergebung geſchrieben. Ach ſagte er, das
iſt auch mehr Theorie bei mir. In der Praxis habe ich
auch ſchwere Stunden erlebt.
Solch ſchwere Stunden hatten auch Beuſts, denn ihr
geliebter zweiter Sohn Thilo fand den Heldentod bei
einem Gefecht in der Normandie. Die Kaiſerpro=
klamation
in Veyſailles ſchildert der Graf in
einem langen Briefe als die ſchönſte Zeremonie, der ich
je beigewohnt. Nach der Proklamation und dem Hoch
des Großherzogs von Baden eilte der Kaiſer
zuerſt auf feinen Sohn zu, um ihn zu um=
armen
, worauf ſich der Kronprinz vor ihm auf die
Knie warf und ihm beide Hände küßte. Nun machte das
ganze Offizierkorps rechtsum und defilierte, ſich verbeu=
gend
, vor dem Kaiſer, der nun vom Throntritt hinabſtieg
und an der ganzen Reihe der Mannſchaften herabſchritt,
mit vielen redend, einigen beſonders Dekorierten die
Hand ſchüttelnd; dabei ſah der Herr (in der Uniform des
erſten Garde=Regiments) wunder=, wunderſchön aus!
Es war nur eine Stimme darüber, daß das Ganze ſehr
würdevoll war und ſogar taktvollerweiſe nicht ein Hof=

fourier oder Hoflakai zu ſehen war (um den Charakter
einer Hofzeremonie ganz zu vermeiden), ſondern nur Sol=
daten
. Hätte man Hofdienerſchaft verwendet, von der
nur ein kleiner Teil hier iſt, ſo wäre die Sache ärmlich
erſchienen. So aber war es Kaiſer Wilhelm, getragen,
geehrt, proklamiert von der Armee, die ihm zujubelt!
Am 25. Januar iſt Jules Favre in Verſailles; über
ſeine Miſſion waltet tiefſtes Geheimnis. Bringt er
Frieden?
Ein Umſtand läßt mich hoffen, und zwar in verſtärk=
tem
Maße. Du weißt, daß, wenn auf der Jaad der Hirſch
von den Hunden gepackt iſt, der Jäger ein Halali bläſt.
Als geſtern Bismarck mit Favre geſprochen und dann
Seiner Majeſtät Bericht erſtattet hatte, ging er an dem
Zimmer vorbei, in welchem die Flügeladjutanten bei
Lehndorff den Tee tranken, ſteckte nur den Kopf zur Türe
hinein und pfiff Halali und verſchwand wieder recht
originell, wie alles, was Bismarck tut, der doch immer
neben dem genialen Staatsmann der uſtige Sportsmann
iſt und bleibt.
Farbig ſchildert Beuſt den Einzug in Paris:
Die Pariſer ſtanden, Kopf an Kopf, ohne einen Laut.
Als wir am Arc de Triomphe ankamen, fing das Volk
auf einmal an, zu Zweitauſenden gleichzeitig uns aus=
zupfeifen
und fortwährend: Vive la republique zu
rufen. Dazwiſchen ſchrien ſie uns greuliche Schimpfworte
zu, was wir lachend, mit Triumphatormienen, ohne ein
Wort zu erwidern, hinnahmen. Das ärgerte ſie glaube
ich, am meiſten. Uebrigens verhallte ihr Pfeifen und
ihre Schimpfreden dadurch, daß ſämtliche Muſikkorps zu=
gleich
ſpielten, und zwar denſelben Pariſer Einzugs=
marſch
, mit dem wir 1815 eingezogen ſind. . . . Fabelhaft
mutig, faſt herausfordernd, hat ſich Bismarck benommen,
der, als wir in Paris einzogen, uns ſchon, als von dal
zurückkehrend, in voller Küraſſieruniform, eine Zigarre
rauchend, entgegengeritten kam. Er war auch nach der
Revue allein hineingeritten, als erſt unſere ſchwache
Avantgarde in der Stadt war.
Der letzte ergreifende Vorgang im Hauptquartier
von Verſailles war die Anrede des Kaiſers an die Ge=
nerale
nach der Revue vom 5. März, wobei er mit einer
mehrmals vor Rührung erſtickten Stimme ſagte, daß ex
Gott innig danke, der ihn in ſeinem hohen Alter noch ſo
Großes habe erleben laſſen.

[ ][  ][ ]

vom 2. Januar bis 16. März 1911 in der Ernſt=Ludwig=
Heilanſtalt behandelt. Die Berufsgenoſſenſchaft, die fur
die Koſten aufzukommen hatte, iſt der Anſicht, daß die Ge=
meindekrankentaſſe
des Kreiſes Groß=Gerau ihr für 13
Wochen Krankengeld zu erſtatten habe. Die Berufs=
genoſſenſchaft
hat dieſe Unterſtützung bei Uebernahme des
Heilver,ahrens zu beanſpruchen, wenn der Verunglückte
auf Grund einer verſicherungspflichtigen Tätigkeit Mitglied
einer Krankenkaſſe ſein mußte. Die Gemeindeverſicherung
des Kreiſes Groß=Gerau wurde nun von dem Vorſtand
der Sektion II der Heſſen=Naſſauiſchen Baugewerksberufs=
genoſſenſchaft
in Darmſtadt auf Zahlung des Kranken=
geldes
verklagt, obwohl Bierbaum nichr Mitglied war=
Die Beklagte wendet ein, daß es ſich hier nicht um eine
verſicherungspflichtige Tätigkeit gehandelt habe, da B. von
ſeinem Vater keinen Lohn erhalten habe, ſondern nur Koſt
und Logis, ſowie das übliche Taſchengeld. Der Provin=
zialausſchuß
weiſt die Klage der Berufsgenoſſenſchaft zu=
rück
unter Verurteilung des Klägers in die Koſten des
Verfahrens. Adam Seelinger XI. in Lampertheim
hat bereits im Jahre 1907 um die Wirtſchaftskonzeſſion
für ſein neuerbautes Haus in der Wormſer Straße zu
Lampertheim nachgeſucht, die ihm damals auch vom Pro=
vinzialausſchuß
erteilt, vom Miniſterium aber wegen
mangelnden Bedürfniſſes verſagt wurde. Am 15. Juni
ds. Js. hat nun der Provinzialausſchuß ebenſo wie der
Kreisausſchuß das Geſuch abgelehnt. Wegen eines Form=
fehlers
hob diesmal das Miniſterium die Entſcheidung
auf und hatte ſich nunmehr der Provinzialausſchuß noch=
mals
mit der Sache zu befaſſen. Er beſchloß die Vor=
nahme
einer Augenſcheinnahme.
Zur 15. Sitzung der Stndtverordneten= Verfamm=
lung
am Donnerstag, den 5. Dezember, nachmittags
3½ Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt:
1. Mitteilungen. 2. Geſuch um Geſtattung einer Aus=
nahme
von der Beſtimmung in § 4 der Ortsbauſatzung
über die Anlage und Benutzung der Vorgärten für den
Vorgarten des Hauſes Eckhardtſtraße 35. 3. Aenderung
der Straßenfluchtlinie an der Nordoſtecke Wendelſtadt=
ſtraße
=Bismarckſtraße. 4. Beſchaffung eines Entſtaub=
ungsapparates
für die ſtädtiſchen Gebäude. 5. Errichtung
eines Milchausſchankhäuschens auf dem Platz vor dem
Hauptbahnhof. 6. Ankauf von Gelände zur Herſtellung
eines direkten Verbindungswegs aus dem Oberwald nach
der Gemarkung Groß=Zimmern. 7. Anſchluß an die
Induſtriegleisanlage in der Weiterſtädter Straße. 8. Er=
weiterung
des Waſſerleitungsanſchluſſes des Bahnhofs
Kranichſtein. 9. Abſchluß der Stadtkaſſe und der ſtädti=
ſchen
Nebenkaſſen für 1911. 10. Verwendung des Ueber=
ſchuſſes
der ſtädtiſchen Sparkaſſe für 1911. 11. Geſuch der
Guttemplerloge Heſſens Hoffnung um Gewährung
eines ſtädtiſchen Beitrags. 12. Geſuch um Aufhebung
des Oktrois auf inländiſchen Wein. 13. Waſſerverſorg=
ung
der Kohlenlagerplätze am Hauptbahnhof. 14. Auf=
ſtellung
eines öffentlichen Brunnens im Eiſenbahn=
arbeiterviertel
am Dornheimer Weg.
D Handwerkskammer. Am Freitag, den 29. Novem=
ber
, fand im Sitzungszimmer der Handwerkskammer zu
Darmſtadt eine Vorſtandsſitzung ſtatt, in welcher die Re=
viſion
der gewerblichen Genoſſenſchaften, ferner die Ab=
grenzung
der Geſellenprüfungsbezirke, insbeſondere die
Neueinteilung einiger Bezirke der Kreiſe Mainz und
Bensheim behandelt wurden. Die längeren Verhand=
lungen
über die Bäckereiverordnung konnten zum Ab=
ſchluß
gebracht werden. Auf dem Gebiete des Verding=
ungsweſens
wurde beſchloſſen, die pridaten Verdingungs=
Protokolle auf die das Handwerk ſchädigenden Beſtim=
mungen
einer Prüfung zu unterziehen und deren Beſei=
tigung
in die Wege zu leiten.
D Perſonalien der Handwerkskammer. Mit Wirk=
ung
vom 1. Januar k. Js. an wurde Finanzaſpirant
Wilhelm Schüttler zu Darmſtadt zum Handwerks=
kammeraſſiſtenten
ernannt.
V.V. Volksvorſtellung. Am Sonntag, den 8. De=
zember
, wird als Volksvorſtellung Der Pfarrer von
Kirchfeld gegeben.
Vertretung der Angeſtellten im Hanſa=Bund. Am
Freitag abend hat wieder eine Sitzung des An=
geſtellten
=Ausſchuſſes der Ortsgruppe Darm=
ſtadt
des Hanſa=Bundes ſtattgefunden, in welcher
zunächſt über die Frage der Gewährung von Sommer=
urlaub
an die Angeſtellten verhandelt worden iſt. Es
wurde die Feſtſtellung der gegenwärtigen Verhältniſſe
bezüglich Urlaubsgewährung beſchloſſen. So bald das
gewünſchte Material in überſichtlicher Zuſammenſtellung
vorhanden ſein wird, werden die einzelnen Ausſchüſſe
des Hanſa=Bundes die Angelegenheit weiter beraten und
dann dem Geſamtausſchuß zur endgültigen Stellung=
nahme
unterbreiten. Weiter wurde noch über Fragen
der Verbeſſerung des Lehrlinasweſens, ſowie der weite=
ren
Ausgeſtaltung deß Kaufmänniſchen Fortbildungs=
ſchulunterrichts
verhandelt. Auch wurde mit Befriedi=
gung
von dem Ergebnis der Sitzung des Ausſchuſſes für
die Angeſtelltenfragen im Hanſa=Bund, welche gelegent=
lich
der Hanſa=Woche in Berlin ſtattaefunden hat. Kennt=
nis
genommen. Es geht aus dieſen Verhaßdlungen
hervor, daß ſich der Hanſa=Bund auch die Vertretung
der Angeſtelltenfragen ſehr angelegen ſein läßt.

* Der Ortsgewerbeverein verweiſt auf ſeine heutige
Anzeige für den Lichtbildervortrag am nächſten
Montag, den 9. Dezember, abends, im Kaiſerſaal.
Die Mitglieder werden gebeten, ſich baldigſt Karten
für ſich und Angehörige zu beſorgen, die, ſo lange
noch Vorrat reicht unentgeltlich bei Herrn Sattlermeiſter
Wallauer, Rheinſtraße 37, gegen Vorzeigen der Mit=
gliedskarte
abgegeben werden. Gäſte können durch Mit=
glieder
eingeführt werden. (Näheres in den Anzeigen.)
Das Zeppelinluftſchiff Viktoria Luiſe über=
flog
am Samstag nachmittag nach 2 Uhr in ſchneller
Fahrt Darmſtadt. Am Vormittag ſtattete es Mainz
einen Beſuch ab, das in geringer Höhe überflogen wurde.
Das Luftſchiff muß bekanntlich nach dem Unterſtützungs=
vertrag
mit der Militärbehörde noch eine militäriſche
Fahrt unternehmen, ehe es ſeine Fahrten für dieſes
Juhr einſtellt. Die Fahrten gelten militäriſchen
Uebungen. Es werden Zielverſuche mit kleinen Sand=
ſäcken
, ſowie Verſuche mit der drahtloſen Telegraphie
dabei unternommen.
Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bil=
der
neu ausgeſtellt: Der deutſche Kaiſer bei der Hofjagd
in Springe im Geſpräch mit dem Erzherzog Franz Fer=
dinand
von Oeſterreich; Bilder zum öſterreichiſch= ſerbi=
ſchen
Zwiſchenfall wegen des Konſuls Prohaska; Mann=
ſchaften
vom Panzerkreuzer Goeben als Wache im deut=
ſchen
Botſchaftergebäude in Konſtantinopel von den
Kämpſen um die Tſchataldſchalinie: türkiſche Soldaten
erwarten einen bulgariſchen Vorſtoß in den Schützen=
gräben
bei Hademkoej.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Ka. 1,40 M., in Partien
1,30 M., Eier 911 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 2225 Pf.,
Handkäſe 410 Pf., Kartoffeln Zentner 2.252.50 M.,
Kumpf (10 Liter) 3040 Pf., ½ Kg. 34 Pf., Mäuschen
Kumpf 1 M., ½ Kg. 89 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel
Zentner 715 M. ½ Ka. 715 Pf., Birnen Zentner
815 M., ½ Ka. 815 Pf., ausländiſche Trauben ½ Kg.
4050 Pf., Nüſſe 100 Stück 6070 Pf., Zitronen 67 Pf.,
Kaſtanien ½ Kg. 1820 Pf.; Salat, Gemüſe u. dgl.:
Kopfſalat, Körbchen Feldſalat 10 Pf., Endivien 610 Pf.,
Bündel Radieschen oder Römiſch=Kohl 23 Pf., Rettiche
56 Pf., Meerrettich 1230 Pf., Roterüben, Zwiebeln ½ Kg.
410 Pf., Tomaten ½ Kg. 2530 Pf., Spinat ½ Kg. 18 bis
22 Pf., Weißkraut 510 Pf., Zentner 1,501,70 M., Rot=
kraut
1030 Pf., Wirſing 310 Pf., Blumenkohl 1550 Pf.,
Roſenkohl ½ Kg. 20 Pf., Gelberüben ½ Kg. 5 Pf., Grün=
kohl
36 Pf.: Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 85
bis 90 Pf., Enten 3,003,50 M., Hahnen und Hühner
1,502,50 M., Tauben 6070 Pf., Haſen 3,003,50 M.,
Lapins 0,901,00 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen
90 Pf., Aal 1 M., andere Rheinfiſche 3550 Pf., Rot=
zungen
60 Pf., Schollen 40 Pf., Kabeljau 23 Pf., Schell=
fiſche
30 Pf., Portionsſchellfiſche 26 Pf., Seehecht 35 Pf.
in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch, Hackfleiſch
76 Pf., Rindsfett 70 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.,
Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes und Koteletts 1,06 M.,
Schwartenmagen und Fleiſchwurſt 90 Pf., Leber= und
Blutwurſt 76 Pf.
Unfall. Der Fahrburſche Sommer wurde am
Samstag vormittag gegen 9 Uhr am Marktplatz von
einem Wagen der elektriſchen Straßenbahn umge=
fahren
. Er hat dabei Kopfwunden erlitten und wurde
deshalb von der Rettungswache nach dem Krankenhaus
gebracht, konnte aber nach Anlegung eines Verbandes
wieder entlaſſen werden. Den Führer des Wagens trifft
dem Vernehmen nach keine Schuld.
Pfungſtadt, 28. Nov. In der heutigen Gemeinde=
ratsſitzung
wurde die Einrichtung von Fiſchkoch=
kurſen
beſprochen und einſtimmig beſchloſſen, nachdem
der Großh. Kreisſchulinſpektor Prof. Dr. Frenzel ein=
gehende
Erläuterungen gegeben hatte. Nahezu 100 Teil=
nehmerinnen
haben ſich bis jetzt gemeldet. Ein für Schul=
zwecke
nicht mehr gebrauchter Saal im alten Schulhauſe
ſoll zur Küche hergerichtet und mit Waſſerleitung, Waſſer=
ſtein
und Beleuchtung verſehen werden. Zur Anſchaffung
von 3 Herden und den nötigen Küchengeräten bewilligte
der Gemeinderat 500 Mark. Kurſusleiterin wird die Haus=
haltungslehrerin
Fräulein Simmer in Darmſtadt.
Jeder Kurſus wird 4 Tage mit 34 Arbeitsſtunden
dauern. Die Teilnehmerinnen bezahlen je 2 Mark für den
Kurſus, wofür ihnen die im Kurſus zubereiteten Fiſch=
gerichte
unentgeltlich überlaſſen werden. Man kann
anderen Gemeinden nur wärmſtens empfehlen, ſich die
Stadt Pfungſtadt hier zum Muſter zu nehmen.
Pfungſtadt, 30. Nov Für den im Jahre 1914 vor=
zunehmenden
inneren Umbau und die Renovie=
rung
des hieſigen Rathauſes wurden 22000 Mark
vorgeſehen. Man will u. a. in die ſeither größtenteils
unbenutzt gebliebenen Räume des Erdgeſchoſſes die
Stadtkaſſe, die Zahlſtelle der Gemeindekrankenverſicherung,
ſowie die Wachſtube und das Bureau für das Stadtbau=
amt
unterbringen. Das geräumige Dachgeſchoß ſoll für
das neu zu gründende Heimatsmuſeum eingerichtet wer=
den
. Um zweckentſprechende Pläne für dieſe Umbauten
zu gewinnen, erläßt die Stadtbehörde ein Preisausſchrei=
ben
. Die ausgedehnten Kieferwaldungen hie=

ſiger Stadt verſprechen heuer einen reichen Ertrag von
Kiefernſamen. Da nach einem Bericht der Forſtbehörde
der Preis der Kiefernzapfen geſtiegen iſt und aus der
Ernte ein anſehnlicher Gewinn für den Stadtſäckel zu
erzielen iſt, ſo will die Stadtverwaltung die Verſteige=
rung
der Kiefernzapfenkreszenz erneut vornehmen
laſſen. Infolge der Ausdehnung der Induſtrie hat ſich
die Einwohnerzahl im letzten Jahre um 150 vermehrt,
während vorher ein Stillſtand nach dieſer Richtung zu
verzeichnen geweſen war.
Nieder=Modau, 30. Nov. Eine wichtige Entſcheidung
traf das Landgericht Starkenburg in der Nieder=
Modauer Sparkaſſenaffäre. Einige ſehr
vermögende Mitglieder der Kaſſe hatten nach dem Be=
kanntwerden
des Zuſammenbruchs das von ihren Frauen
eingebrachte Vermögen hypothekariſch ſichergeſtellt, in der
Erwartung, daß ſie für die Verluſte haftbar gemacht wür=
den
. Der Konkursverwalter der Kaſſe hat dieſe hypothe=
kariſchen
Eintragungen gerichtlich angefochten, und das
Landgericht hat nun eine Entſcheidung dahin gefällt, daß
dieſe Hypotheken ungültig ſind, weil durch dieſe Eintra=
gungen
die Rechte der Spareinleger in geſetzwidriger
Weiſe geſchädigt würden.
Bickenbach, 30. Nov. Auch in unſerm Ort hat der
Zuſammenbruch der Darlehenskaſſe in Nieder=
Modau ein Opfer gefordert. Der allſeitig geachtete
und ſeither in guten Vermögensverhältniſſen lebende
Schneidermeiſter und Kolonialwarenhändler Guſtav
Rau hat durch Gift ſeinem Leben ein Ende gemacht,
nachdem kurz vorher auf Antrag der Kaſſe eine Zwangs=
verſteigerung
von lebendem und totem Inventar bekannt
gegeben wurde. Er hinterläßt eine Witwe mit einem
unmündigen Kinde. Der geachteten Familie wird allſei=
iges
Bedauern entgegengebracht.
Offenbach, 30. Nov. Die Off. Ztg. ſchreibt: In der
geſtrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten=
verſammlung
richtete der Stadtverordnete Hamann an
die Verwaltung die Anfrage, ob ihr bekannt ſei, daß der
Großh. Handelskammer ſeitens des Kreisamts eine Mit=
teilung
zugegangen ſei, wonach im Fahrplan des
Eiſenbahndirektionsbezirks Frankfurt vom 1. Mai 1912
ab Aenderungen vorgeſehen ſeien, die für Offenbach!
geradezu unglaubliche Ueberraſchungen mit ſich brächten.
Insgeſamt ſollen 18 Züge die bisher die Station
Offenbach berührt haben, über die neue Eiſenbahnbrücke
am Schlacht= und Viehhof nach dem Oſtbahnhol
geleitet werden.
Worms, 30. Nov. Wie alljährlich, ſo nahm auch am
Freitag wieder der Großherzog an der Faſanen=
jagd
des Generalmajors Frhr. v. Heyl=Darmſtadt auf
deſſen Gut im Nonnenbuſch teil. Die Strecke hatte fol=
gendes
Ergebnis: 310 Faſanen, 30 Faſanenhennen, 40
Kaninchen und 16 Haſen. Der Großherzog kehrte mit Ge=
folge
gegen 4 Uhr nach Darmſtadt im Automobil zurück.
Wegen Aenderung in den Reiſedispoſitionen mußte Prinz
Heinrich die Teilnahme aufgeben.
Worms, 30. Nov Von befreundeter Seite wird
der W. Ztg. mitgeteilt, daß am 22. Nov. der Sekretär
des kaiſerl. deutſchen Konſulats in Charkow, Herr Ernſt
Strecker infolge eines Schlaganfalls im 57. Lebens=
jahre
verſchieden iſt. Bei ſeinen älteren Freunden aus
den 80er Jahren, wo er Beamter des Hauſes Heyl war
und ſich als eifriges Mitglied bei der Neubelebung des
Karnevals allgemeiner Beliebtheit erfreute, wird der
Heimgang Streckers warme Teilnahme erwecken. Ein
echter, aufrichtiger Freund, der ſein altes Worms nie ver=
geſſen
konnte, iſt mit ihm geſchieden. In einen Topf
heißen Waſſers fiel geſtern abend in einem Hauſe
in der Eiſenbergerſtraße das 6jährige Söhnchen eines
Fabrikarbeiters, wobei es ziemlich ſchwere Brandwunden
erlitt. Das Kind hatte in der Küche geſpielt und ſich,
während es herumlief, ein Stück Papier vor das Geſicht
gehängt. In einem unbewachten Augenblick ſtieß es
wider den Topf, den die Mutter kurz vorher mit heißem
Wiaſſer gefüllt und auf den Küchenboden geſtellt hatte, und
fiel kopfüber ins Waſſer. Ein herbeigerufener Arzt ord=
nete
die ſofortige Verbringung ins Krankenhaus an.
Ein Schwindlerpaar macht zur Zeit Rheinheſſen
unſicher. Das Paar, das ſich als Mann und Frau aus=
gibt
, ſucht in den Ortſchaften Beſtellungen auf Emaille=
broſchen
, läßt ſich von den Leuten die Beträge zwiſchen 4
und 1.50 Mk. im Voraus bezahlen und verſchwindet dann,
ohne die Beſtellungen auszuführen. In einer Reihe von
Fällen hat der Mann die erhaltenen Beträge mit dem
Namen L. Dehl, Worms, quittiert. Nachforſchungen
haben ergeben, daß eine derartige Perſönlichkeit in
Worms unbekannt iſt. Vor den Schwindlern wird drin=
gend
gewarnt.
Gießen, 30. Nov. Ein älterer Mann, der krank=
heitshalber
in die Klinik fahren wollte, kam geſtern mittag
in dem 12 Uhrzug von Büdingen tot hier an.
Bad=Nauheim, 29. Nov. Der 23jährige Weißbinder=
gehilfe
Wilhelm Wolff aus Rödgen wollte heute mit
einen Arbeiten an einer Villa beginnen. Als er dazu
aus dem Dachfenſter des vier Stock hohen Hauſes ſtieg,
verlor er das Gleichgewicht und ſtürzte in den Vorgarten.
wo er tot liegen blieb.

Feuilleton.

Woodrow Wilſon als Student. Einige intereſſante
Reminiſzenzen aus den Studentenjahren des Mannes,
der als Nachfolger Tafts das Amt des Präſidenten der
Vereinigten Staaten antritt, werden in einer amerikani=
ſchen
Zeitſchrift veröffentlicht. Die Männer, die damals
mit dem jungen Wilſon das ſtudentiſche Leben am College
der Univerſität von Virginien teilten, ſind ſicherlich am
wenigſten von dem Abſchwenken Wilſons in die Politik
überraſcht worden, denn ſchon damals zeigte der junge
Studioſus eine ausgeſprochene Vorliebe für Politik und
für das öffentliche Leben. Den Amerikaner drängt es,
ſeine Kenntniſſe und Erkenntniſſe von Anfang an auf den
Weg der Praxis zu leiten, und ſo ſehen wir Wilſon ſchon
als Studenten Vorträge über Politik und über Staats=
fragen
halten. Dabei war er aber bei weitem nicht das,
was man einen Muſterſtudenten nennt. Er war durch=
aus
der Durchſchnittstypus eines ſtudierenden jungen
Amerikaners, und auffallend an ihm war nur ſeine unge=
wöhnliche
Rednergabe, die ihm auch einen Univerſitäts=
preis
eintrug. Die Jurisprudenz faſziniert ihn im
Grunde nur wenig: er erfüllt ſeine Pflicht, erfüllt ſie ge=
wiſſenhaft
und gründlich. Ihm fehlt die Begeiſterung
für ſein Fach, wie ihn überhaupt die Spezialiſierung auf
eine Fachwiſſenſchaft nicht verlocken konnte; ſchon damals
ſtrebte er der Breite des Lebens zu. Alles zieht ihn an,
wo er wirken kann und wo perſönliche Leiſtungen in Be=
tracht
kommen; an allen akademiſchen Vorgängen nimmt
er aktiv teil, fehlt bei keinem turneriſchen Wettſpiel, iſt
ſtets im Debattierklub und betreibt auch Journalismus.
Seine Kommilitonen überraſcht er durch eine umfaſſende

Bildung, und in der Tat iſt ſein Leſehunger gar nicht zu
efriedigen. Aber ſchon damals zeigt ſich hier die aus=
geſprochene
Vorliebe für nationalökonomiſche Fragen
und Werke. Dabei iſt der junge Wikſon ein ausgezeich=
neter
Kamerad und alles andere als das, was wir in
Europa einen Büffler nennen. Seine Freunde erinnern
ſich ſeines unerſchöpflichen Humors; er war in jenen Zei=
ten
einer der luſtigſten und übermütigſten Studenten und
alles andere als ein künftiges Genie‟ Luſtige Neger=
anekdoten
begeiſterten ihn, er konnte ſie auch prachtvoll
erzählen. Seine ſtarke Begabung aber zeigte ſich eigent=
lich
nur in ſeinen Reden, und durch die erlangte er auch
damals ſchon an der Univerſität eine gewiſſe Berühmt=
heit
. Er ſprach ausgezeichnet, beherrſchte ſtets ſein Thema
vollkommen, und es war eine Freude, zu beobachten, wie
er am Rednerpult klar gealiederte, oft überraſchende Ge=
danken
mit einer faſt klaſſiſch ſchönen Form und zugleich
mit temperamentvoller Begeiſterungsfähigkeit zu ver=
einigen
wußte.
Roſige Zähne. Die launiſche Mode iſt in der Wahl
ihrer Anläſſe zu überraſchenden Neuerungen nicht allzu
wähleriſch; wenn irgendwo, dann gilt auf dem Gebiete
der Mode das Wort von den kleinen Urſachen und den
großen Wirkungen. Die neueſte Mode im eleganten Paris
geht auf die zweifelhafte Vorliebe eines Zahnarztes für
Experimente der Charakterdeutung zurück; der Künſtler
der Gebiſſe verkündete eines Tages auf Grund einiger ſehr
gelehrt ausſchauender Beobachtungen das Evangelium
der roſigen Zähne. Er erklärte, daß junge Damen. bei
denen das Elfenbeinweiß der Zähne einen zarten roſigen
Hauch zeigt, die beſten und prächtigſten Frauen werden,
während die Damen mit ganz weißen Zähnen in der
Regel Beſitzerinnen eines kalten und ſehr berechnenden

Temperaments ſein. Und das genügte, wenn auch einige
Zeit verſtreichen müßte; heute aber ſind die roſigen Zähne
der Damen auf der Tagesordnung, ſind der Ehrgeiz der
eleganten Pariſerin und jüngſtes Geſetz der Mode. Die
Zahnärzte aber ſind in dieſem Falle die lachenden Drit=
ten
, denn überall werden ſie von ihren ſchönen Klientinnen
beſtürmt, ihnen jenen diskreten roſigen Anflug der Zahn=
arbe
zu verſchaffen. Am Anfang gab es in den Sprech=
zimmern
Erſtaunen, aber bald fanden ſich einige beſon=
ders
geſchickte Dentiſten, die irgend ein Mittel erſonnen zu
haben glaubten und nun alle Ausſicht haben, in kurzer
Zeit reiche Leute zu werden. Denn ſie werden nun, wie
eine franzöſiſche Wochenſchrift berichtet, von unzähligen
Pariſerinnen beſtürmt. Ueberall herrſcht nur der einzige
Ehrgeiz: um Gottes willen keine ganz weißen Zähne; ein
Königreich für ein roſiges Gebiß. Und wie man ſich die
Haare durch allerlei Mixturen verſchönern läßt, ſo färbt
man jetzt die Zähne; und bald wird in die Kunſt im buch=
ſtäblichen
Sinne das roſige Lächeln der Pariſerin ihren
Einzug gehalten haben.
215 Millionen Mark in Zägaretten verraucht. Es
iſt eine recht ſtattliche Summe, die jährlich in Deutſchland
für Zigaretten ausgegeben wird. Und dabei wächſt dieſe
Summe von Jahr zu Jahr. Im letzten Rechnungsjahre
wurden laut Süddeutſche Tabakzeitung 9854 Millionen
Zigaretten für 211 Millionen Mark verſtenert gegen 8054
Millionen Zigaretten für 174 Millionen Mark im vor=
letzten
Rechnungsjahre. Dazu kommen aber noch einige
Millionen Mark für Zigaretten, die ſich die Raucher ſelbſt
gedreht haben. Man wird demnach ſagen können, daß
im Deutſchen Reiche im letzten Jahr mindeſtens 215 Mil=
lionen
Mark für Zigaretten ausgegeben worden ſind.

[ ][  ][ ]

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 30. Nov. Der inter=
nationale
Schüleraustauſch hat in dieſem Jahre
wieder eine nicht unweſentliche Erweiterung erfahren.
Durch das Berliner Komitee wurden 54 Austauſche ver=
mittelt
; davon entfallen 45 auf Frankreich und 9 auf Eng=
land
. Die letztere Zahl iſt allerdings noch gering, wobei
jedoch zu berückſichtigen iſt, daß erſt zu Beginn dieſes Jah=
res
die Organiſation des Austauſches mit England durch
einen perſönlichen Beſuch von Berliner Komiteemitglie=
dern
in die Wege geleitet iſt. Dies war notwendig, weil
im vorigen Jahre von 22 deutſchen Geſuchen nach Eng=
land
nur drei befriedigt werden konnten. Nachdem ſich
aber jetzt in London ein Arbeitskomitee gebildet hat, dem
namhafte Perſönlichkeiten angehören, wird wohl ſchon im
nächſten Jahre eine weſentlich größere Zahl von Aus=
tauſchen
mit England zuſtande kommen. An den 54 Aus=
tauſchen
waren 40 Knaben und 14 Mädchen beteiligt. Den
größten Anteil daran hatten die weſtlichen Provinzen und
Berlin. Zu den Leuchtgasvergiftungen in
der 41. Gemeindeſchule verlautet, daß alle Kinder
jetzt wieder wohlauf ſind. Die Unterſuchung hat ergeben,
daß das Gas vom Erdgeſchoß nach dem Erfriſchungsraum
in den Keller der Schule zurückgeſchlagen iſt. Eine Fahr=
läſſigkeit
oder Unvorſichtigkeit lag nicht vor.
Straßburg i. E., 30. Nov. Die Kaiſerin iſt um
7 Uhr 30 Minuten vormittags, von dem Prinzen Joachim
zum Bahnhof geleitet, nach herzlicher Verabſchiedung von
dieſem nach Langenburg zu kurzem Beſuche bei der
Fürſtlich Hohenloheſchen Familie abgereiſt. Der Hofzug
nahm den Weg über Kehl-Karlsruhe. Am Nachmittage
trifft die Kaiſerin in Baden=Baden zu mehrtägigem Be=
ſuche
ein.
Straßburg, 29. Nov. Vor der Strafkammer wurde
während dreier Tage ein Beleidigungsprozeß
des Biſchofs Benzler von Metz gegen das Jour=
nal
d’Alſace Lorraine bezw. den verantwortlichen Redak=
teur
Lutz und den bekannten Abbé Thilemont verhandelt.
Die Klageurſache war eine Beleidigung, die in einem Ar=
tikel
des genannten Blattes ſtand, deſſen Verfaſſer Abbé
Thilemont war. Der Biſchof war in dem Artikel der
Verleumdung bezichtigt worden. Abbé Thilemont gab heute
eine Erklärung ab, daß er bereue, den Artikel geſchrieben
zu haben. General=Dekan Pelt glaubte, daß der Biſchof
geneigt ſein würde, die Klage zurückzuziehen. Zu die=
ſem
Zweck wurde ihm eine Friſt von drei Tagen geſtellt.
Sollte der Vergleich nicht zuſtande kommen, wird eine
weitere Verhandlung ſtattfinden.
Nieder=Walluf, 30. Nov. Aus Anlaß des ſchweren
Einbruches in ein Herrſchaftshaus, woſelbſt für etwa
10000 M. Wert= und Schmuckgegenſtände geſtohlen wor=
den
ſind, haben die Beſtohlenen auf die Ermittelung der
Täter eine Belohnung von 400 M. ausgeſetzt.
Freiburg, 29. Nov. Die heutige Bürgerausſchußſitz=
ung
hat nach fünfſtündiger Beratung den Antrag betref=
fend
die Erbauung einer Bahn auf den Schloß=
berg
in Verbindung mit der Erſtellung eines Ausſichts=
turmes
auf demſelben mit 59 gegen 42 Stimmen abge=
lehnt
, dagegen einſtimmig einen Kredit von 246000
Mark zur Freilegung des hiſtoriſchen Schwabentores be=
willigt
.
Pforzheim, 30. Nov. Heute nacht iſt ein neu kon=
ſtruierter
, dem Flieger Lamprecht gehöriger Flugappa=
rat
im Werte von 10000 Mark, der in einem Schuppen
untergebracht war, durch Feuer zerſtört worden. Man
nimmt an, daß Obdachloſe, die in dem Schuppen nächtigen
wollten, den Brand verurſacht haben.
Donaueſchingen, 30. Nov. Der Kaiſer, der Fürſt
von Fürſtenberg und die Jagdgeſellſchaft begaben ſich heute
vormittag zur Jagd nach dem Unterhölzer Wolfsbühl.
Das Frühſtück wurde im Freien eingenommen.
Aachen, 29. Nov. Hier haben ſich ungefähr 50 Fälle
von Typhus ereignet. Die Verſeuchung iſt durch an
hieſige Milchhäuschen von einer auswärtigen Molkerei
gelieferte infizierte Milch hervorgerufen worden. Die
Stadt hat alle Maßnahmen ergriffen, um eine Verbreit=
ung
der Seuche zu verhüten.
Düſſeldorf, 29. Nov. Die politiſche Polizei
beſchlagnahmte in dem ſozialdemokrati=
ſchen
Bureau für Rheinland und Weſtfalen 20000
Exemplare einer antimiltäriſchen Broſchüre,
wovon ein Teil bereits verſandt war.
Marienwerder, 30. Nov. In zwei Hotels wurden
zwei Fremde unter dem Verdacht, ruſſiſche
Spione zu ſein, verhaftet. Morgens um 4 Uhr
wurde im Hotel Königlicher Hof ein Reiſender von
einem Offizier des hier liegenden Artillerie=Regiments
in Begleitung von drei Unteroffizieren verhaftet und
zur Vernehmung zum Garniſonkommando gebracht. Der
Reiſende hatte einen polniſch klingenden Namen und ſoll
ein ruſſiſcher Spion ſein. In ſeiner Begleitung hatte
ſich ein junger Mann befunden, der im Königlichen Hof
kein Zimmer mehr finden konnte; er mietete ſich deshalb
in einem anderen Hotel ein. Auch er wurde aus dem
Bett heraus verhaftet und unter militäriſcher Begleit=
ung
zum Garniſonkommando geführt. Von dort wurden
ſie von ſechs Feldartilleriſten zum Bahnhof und in einem
beſonderen Abteil eines Zuges nach Graudenz ins
Unterſuchungsgefängnis gebracht. Der eine der Verhaf=
teten
ſoll ein ruſſiſcher Major ſein. Während dieſer in
einer Droſchke unter Bedeckung zum Gefängnis fuhr, legte
der andere, ein kleiner, ſchmächtiger junger Mann, den
Weg durch die Stadt in Begleitung eines Unteroffiziers
und drei Soldaten, ſowie eines Schutzmannes zu Fuß
zurück. Die ganze Spionageaffäre klärte ſich aber bald
auf; die angeblichen ruſſiſchen Spione waren harm=
loſe
Reiſende einer Berliner Kleider=
ſtoff
=Firma und befanden ſich auf der Geſchäfts=
tour
. Sie waren in Marienwerder auf die Anzeige eines
Bahnbeamten verhaftet worden, weil ſie die Eiſenbahn=
brücke
bei Marienwerder abgezeichnet haben ſollten. Beide
wurden bald in Freiheit geſetzt.
Flensburg, 29. Nov. Als das Schulſchiff
Württemberg geſtern ankern wollte brach die
Backbord=Ankerkette. Dabei wurde der Matroſe Schwedes
aus Kaſſel ſchwerverletzt. Er ſtarb bald nach ſeiner
Einlieferung ins Krankenhaus.
London, 29. Nov. Als die Polizei in Aberdeen einen
Saal durchſuchte, in dem der Schatzkanzler Lloyd
George heute abend vor einer Verſammlung ſprechen
ſollte, entdeckte und verhaftete ſie ein zu den Suffra=
getten
gehöriges Mädchen, das eine Bombe
beſaß.
Petersburg, 30. Nov. Nach einer Meldung will der
ruſſiſche Thronfolger, wenn er die Erachten der
Aerzte befolat, den Winter an einem kleinen Ort am
Schwarzen Meer verbringen.
New=York, 30. Nov. Eine Depeſche aus Manila
beſagt, daß infolge der Telegraphenſtörungen es unmöglich
f, einen Ueberblick über die furchtbaren Verluſte zu
vinnen, die der letzte Taifun verurſachte. Nach den

bisher vorliegenden Nachrichten ſind in Samar und in
Leyte 260, in anderen Gebieten 50 Perſonen getötet
worden.
Waſhington, 30. Nov. Wie der Gouverneur der
Philippinen meldet, zerſtörte ein Taifun am 26. Novem=
ber
die Orte Tagloban und Gapiz. Der Gouver=
neur
hat Schiffe zur Hilfeleiſtung dorthin entſandt. Die
Verluſtziffer teilt die amtliche Depeſche nicht mit. Anderen
Meldungen zufolge ſollen 15= bis 17000 Menſchen umge=
kommen
ſein.

Verein Heſſiſches Lehrerinnenheim.

St. Darmſtadt, 30. November.
Der Verein Heſſiſches Lehrerinnenheim‟
hielt heute nachmittag im Rathausſaale ſeine Generalver=
ſammlung
ab. Den Vorſitz führte Frau Lili Wolfs=
kehl
, die die Erſchienenen herzlichſt begrüßte und die
Entſchuldigungsſchreiben bekannt gab. Sie erteilte ſodann
Herrn Direktor Daub das Wort zum Rechenſchaftsbericht.
Aus dem Bericht geht hervor, daß das Ergebnis des Ge=
ſchäftsjahres
erfreulich gut iſt, doch iſt die Mitgliederzahl
leider zurückgegangen. Es wird empfohlen, Mitglieder zu
werben, damit der Beſtand erhalten bleibt, reſp. die Zahl
vermehrt wird. Aus den) Zahlenaufſtellungen dürfte
Nachſtehendes intereſſieren: Der Kaſſenbeſtand beträgt
2784 Mk., die Einnahmen an Beiträgen 3119 Mk., an
Pflegegeldern für ſtändige Inſaſſinnen 7424 Mk., für Paſ=
ſantinnen
7210 Mk., zuſammen 14635 Mk. Die Verwalt=
ingseinnahmen
betragen zuſammen 22152 Mk., hierzu
kommen die Vermögenseinnahmen mit 12903 Mark.
Summe der Einnahmen: 35055 Mk. Dieſen ſtehen 31912
Mark an Ausgaben gegenüber, der Ueberſchuß beträgt
alſo 3143 Mk. Das Vermögen des Vereins beträgt
130 223 Mk. Der Voranſchlag für 1913 ſieht u. a. vor
an Pflegegeldern: 8000 Mk. von ſtändigen Inſaſſinnen,
500 Mk. von Paſſantinnen. Insgeſamt ſind an Ein=
nahmen
vorgeſehen 20400 Mk., an Ausgaben die gleiche
Summe. Rechnung und Voranſchlag werden genehmigt.
Den Geſchäftsbericht erſtattete Frl. Welſch.
Danach wurde das Heim beſucht von 67 Paſſantinnen, für
die 1137 Pflegetage in Frage kommen. Das Heim iſt von
11 ſtändigen Inſaſſinnen beſucht, darunter 10 frühere und
1 aktive Lehrerin. Am Mittagstiſch nahmen noch 10
Damen aus der Stadt teil. Der Geſundheitszuſtand der
Inſaſſinnen iſt befriedigend. Herrn Dr. Draudt wird
für ſeinen ärztlichen Rat und Beiſtand berzlichſt Dank ge=
agt
, desgleichen Herrn Stadtſekretär Dächert für die
Unterſtützung bei der Rechnungsführung. Weiter ſagt der
Vorſtand herzlichſten Dank Frl. Cramolini, die eine
übſche Gartenhütte für das Heim geſtiftet hat und Herrn
Kommerzienrat Heuchelheim=Gießen, der aus Anlaß
ſeines 70. Geburtstages dem Verein 1000 Mark überwieſen
hat. Der Verein zählt 349 außerordentliche und 171 ordent=
liche
Mitglieder. Namens des Vorſtandes wird der
Leiterin des Heims, Frl. Bindewald, Dank und An=
erkennung
ausgeſprochen für die Umſicht und Treue, mit
der ſie das Heim leitet. Mit einem Appell an die An=
weſenden
, neue Mitglieder zu werben, ſchließt der Bericht.
Ueber eine notwendig gewordene Satzungsänderung
referierte Frl. Müller. Es handelt ſich darum, auch
Oberheſſen im Vorſtand vertreten zu ſehen. Dazu muß
die Zahl der Vorſtandsmitglieder von 11 auf 12 erhöht
werden. Die Satzungsänderung wird ohne Debatte ge=
nehmigt
und als neues Mitalied Frl. Louiſe Flick=
Gießen in den Vorſtand gewählt.
Darauf hielt Frl. Welſch einen Vortrag über deut=
ſche
Lehrerinnenheime. In warmherziger Weiſe vertrat
die Rednerin die Notwendigkeit ſolcher Heime und ſchil=
derte
ihre ſegensreiche Wirkung. In allen Teilen Deutſch=
lands
beſtehen ſchon Lehrerinnenheime und Feierabend=
häuſer
, die, getragen von edlem Gemeinſinn, vielen Lehrer=
innen
, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, eine
Stätte bietet, wo ſie ihren Lebensabend in Ruhe und
Frieden verbringen können. Die meiſten der Heime ſind
modern und komfortabel ausgeſtattet und bieten auch für
vorübergehenden Beſuch angenehmen und preiswürdigen
Aufenthalt. Bedingung iſt nur faſt überall die Mitglied=
ſchaft
zu den Lehrerinnenvereinen. In eingehender Weiſe
verbreitete ſich die Rednerin über die Einrichtungen und
Leiſtungen der Heime in den verſchiedenen Städten. Sie
ommt zu dem Schluß, daß Lehrerinnenheime nicht nur
nicht überflüſſig, ſondern daß ſie ein Segen ſind für
alle nicht mit Glücksgütern geſegneten Lehrerinnen. Die
Deutſchen Lehrerinnen dürften ſtolz ſein auf das, was ſie
begonnen und erreicht haben, und ſie ſind dankbar für die
Hilfe und Unterſtützung, die ihnen von vielen Seiten, von
Behörden und Privaten, zuteil wurde. Lebhafter Bei=
fall
dankte der Vortragenden für ihre warmherzigen und
erſchöpfenden Ausführungen. Die Vorſitzende, Frau Lili
Wolfskehl, ſprach der Vortragenden Dank aus und
ſchloß mit einem warmen Appell auch an alle Eltern, das
Lehrerinnenheim zu unterſtützen, die Generalverſamm=
lung
. Von einer Heiminſaſſin wurde dem Verein herz=
lichſt
gedankt. Man fühle ſich nach wie vor glücklich in
dem Heim.

Die Trauerfeierlichkeiten in Brüſſel.

* Brüſſel, 29. Nov. Der deutſche Kron=
prinz
iſt heute um 10 Uhr abends auf dem Nordbahn=
hof
angekommen. Er wurde vom König und dem deut=
ſchen
Geſandten v. Flotow empfangen und nahm in dem
Königsſchloſſe Wohnung. Vor dem deutſchen Kronprinzen
waren ſchon der Fürſt von Hohenzollern, Prinz Max von
Baden und Prinz Rupprecht von Bayern eingetroffen.
Auch ſie waren vom König Albert empfangen und nach
dem Schloſſe geleitet worden.
* Brüſſel, 30. Nov. Heute vormittag 11 Uhr
fand unter großem Zeremoniell die Beerdigung der
Gräfin von Flandern ſtatt. Die Leiche wurde
von dem Palais nach der Uddula=Kirche übergeführt, wo
ein feierlicher Trauergottesdienſt in Anweſenheit des
Kardinal=Erzbiſchofs v. Mecheln abgehalten wurde. Von
dort wurde der Sarg nach der Stadtkirche zu Laeken über=
geführt
, wo die Gräfin an der Seite des Grafen von
Flandern in der königlichen Familiengruft beigeſetzt
wurde. Auf dem Wege von dem Palais zur Kirche bil=
dete
Militär Spalier, und trotz des ſtarken Regens hatte
eine andachtsvolle Menge die Straße ſtark beſetzt. An
Fürſtlichkeiten waren zu den Beiſetzungsfeierlichkeiten
anweſend: Der deutſche Kronprinz Prinz
Rupprecht von Bayern, der Herzog von Urach, Prinz Karl
von Hohenzollern. Prinz Max von Baden, der Prinz von
Anhalt, Prinz Wilhelm von Hohenzollern und der Kron=
prinz
von Rumänien. Außerdem waren faſt ſämtliche
europäiſchen Höfe vertreten. Auch eine Anzahl deutſcher
Bundesſtaaten hatten Vertretungen entſandt.
* Brüſſel, 30. Nov. Der deutſche Kron=
prinz
hat heute abend die Rückreiſe nach Berlin an=
getreten
.

Der Balkankrieg.
Zur Lage.

* London, 29. Nov. Die Anſicht, die offizielle
britiſche Kreiſe von der europäiſchen Lage hegen,
geht dahin, daß man nichts zu befürchten brauche,
obſchon man auf Schwankungen vorbereitet ſein müſſe.
Die Situation ſei nicht in ein beunruhigendes Stadium
getreten und nähere ſich auch nicht einem ſolchen, und in
den beiden verſchiedenen Fragen, die gegenwärtig be=
ſtünden
, ſei eine friedliche Regelung durchaus möglich.
* London, 30. Nov. Daily Telegraph ſchreibt:
Niemand hätte geglaubt, daß die Spannung in den
Beziehungen zwiſchen Berlin und London,
die den Kontinent ſo lange aufgeregt und alarmiert
hat, ſchließlich verringert und gemindert wer=
den
würde. Nicht durch diplomatiſche Beſprechungen,
ſondern durch die wechſelnden Glücksfälle eines gefürch=
teten
Balkankrieges. Doch iſt es die eingekartete und
paradoxe Tatſache, die ſich von unſeren Augen abſpielt,
Plötzlich kommt die Entdeckung, die in den beiden Haupt=
ſtädten
zugleich gemacht wird, daß identiſche Ziele loyal,
wenn auch unabhängig voneinander, verfolgt werden
Wir haben das erfreuliche Schauſpiel, daß die Wilhelm=
ſtraße
die Politik in der Downingſtreet herzlich und gene=
rös
unterſtützt.
* London, 30. Nov. Lord Curzon ſagte geſtern
in einer konſervativen Verſammlung in Plymouth: Es
iſt lange keine beſſere Nachricht zu uns gekommen als dien
daß England und Deutſchland zuſammenarbei=
ten
, um am Balkan die Sache des Friedens zu fördern,
und viele Leute würden gerne dieſe Cooperation auf ein
weiteres Gebiet ausgedehnt ſehen.
Die Waffenſtillſtandsverhandlungen.
* Konſtantinopel, 29. Nov. Wie Ikdam erfährt
überreichten die türkiſchen Botſchafter in London
Paris und Petersburg der Pforte Ratſchläge der
dortigen Kabinette. Die Ratſchläge veſagen, das Inter=
eſſe
der Pforte erfordere einen ſchnellen Abſchluß
der Friedensverhandlungen. Wenn der Krieg
fortgeſetzt werde und unter den Mächten Konflikte ent=
ſtänden
, ſo würden dieſe nicht zum Vorteil der Türkei
auslaufen. Die Mächte der Tripel=Entente hätten auch
den Balkanländern geraten, Frieden zu ſchließen, ohnen
auf übertriebenen Forderungen zu beſtehen, da die Türkeil
den Frieden nur unter Wahrung ihres militäriſchen
Preſtiges und der nationalen Intereſſen wünſche. Viel
bemerkt wird hier, daß der Führer der Entente Liberale
Damad Ferid Paſcha, der als Freund Englands bekann
iſt, nach der geſtrigen Konferenz mit dem Großweſir die
Botſchafter Englands und Frankreichs beſuchte und das
nach dem Großweſir von dem Ergebnis der Unterredung
berichtete.
* Konſtantinopel, 29. Nov. Der Miniſter des
Inn.: Reſchid und der Senator Ferid Paſcha be=
gaben
ſich in das Hauptquartier, um an den Verhand
lungen der Bevollmächtigten teilzunehmen
Sie werden nachts hier wieder eintreffen. Der Miniſte‟
rat wird die Nacht hindurch verſammelt bleiben, um daß
Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten, welches m
großer Spannung erwartet wird, da die Bevollmächtigten
der verbündeten Balkanſtaaten Gegenvorſchläge bezüglich
Adrianopels machen müſſen. In eingeweihten Kreiſen
glaubt man, daß, wenn der Waffenſtillſtand abgeſchloſſen
werden kann, auch der Friedensſchluß geſichert ſein wird
Sofia, 30. Nov. Miniſterpräſident Geſchom
erklärte, wahrſcheinlich würden die Waffenſtill
ſtandsverhandlungen bis Montag beendet ſein
Bulgarien ſei mit dem Erreichten zufrieden. Die Ver=
teilung
des eroberten Landes an die Verbündeten ſeil
noch nicht geregelt. Wie ſich Bulgarien zu einer Kon=
ferenz
, von der es noch keine Kenntnis erhalten, ſtellen
würde, könne noch nicht geſagt werden. Ueber die viel=
genannte
bulgariſche Verſtimmung gegen Rumänien und
über den öſterreichiſch=ruſſiſchen Konflikt äußerte ſich Ge=
ſchow
dahin, er wiſſe von beiden nichts, womit er an
ſcheinend ſeiner Hoffnung auf eine gute Erledigung dieſen
Fragen diplomatiſchen Ausdruck geben wollte.
* Konſtantinopel, 29. Nov. Sabah weiſt auf
die Notwendigkeit des Friedens hin, der, ohne
die türkiſche Eigenliebe zu verletzen, es ermöglicht, mit
den Balkanſtaaten, beſonders mit Bulgarien, in aufrich=
tigen
Beziehungen zu leben. Der Vertrag von San Ste=
fano
müſſe wieder hergeſtellt werden, der bereits vor 34
Jahren von der Türkei unterzeichnet und ſpäter durch den
Berliner Vertrag erſetzt wurde. Der Berliner Vertrag
ſei die Urſache der Unruhen auf dem Balkan, während der
Vertrag von San Stefano eine ſtabile Lage geſchaffen
hätte. Es ſei unmöglich für die Türkei, auf Adria
nopel zu verzichten, ſelbſt wenn es von den Bul=
garen
eingenommen werde. Die Türkei bedürfe einen
natürlichen, vernünftigen Grenze. Wenn Bulgarien das
anerkenne, ſei der Friedensſchluß leicht zu erreichen,
Die albaniſche Frage.
* Valona, 30 Nov. Nachdem in einer Verſamm=
lung
der albaniſchen Abgeordneten die Un
abhängigkeit Albaniens proklamiert worden
war, ſchritt man zur Bildung der proviſoriſchen Regier
ung. Es wurden gewählt: Präſident: der Muſelmand
Ismail Kemal Bey, Vizepräſident: der Vertreter des
katholiſchen Klerus' Nikolaus Cacciero aus Durazzon
Sekretär: der Katholik Louis Guracuski. Auf dem Kona
und den öffentlichen Gebäuden wurde die albaniſche
Flagge gehißt. Infolge von Nachrichten von der ſerbie
ſchen Beſetzung der Städte Durazzo und Elaſſona, die
bereits die Unabhängigkeit proklamierten, gab Ismai
Kimal Bey telegraphiſch den Befehl, keinen Widerſtan
zu leiſten, da Albanien ſich nun als neutrales Gebiet be
trachte, deſſen Verteidigung die Mächte übernähmen unſ
deſſen Grundlage die Anwendung des Nationalitäts
prinzips auf die Balkanfrage bilde.
Die Serben in Durazzo.
* Rom, 30. Nov. Giornale d’Italia meldet aus
San Giovanni di Medua: Die Mannſchaft des
öſterreichiſchen Dampfers Albanien der heute aus Du
razzo hier eingetroffen iſt, beſtätigt, daß die ſerbiſch
Diviſion Paunovitſch geſtern wenige Kilometer von
Durazzo angelangt iſt und ein Bombardement auf die
Stadt begonnen hat. Sobald jedoch die albaniſche Flagg
auf der alten venezianiſchen Feſtung hochging, ſandte, ſt
wird erzählt, der Kommandant der ſerbiſchen Truppen
Parlamentaire an die albaneſiſchen Notabeln, um über die
Beſetzung der Stadt zu verhandeln. Die kleine türkiſch
Garniſon leiſtete keinen Widerſtand und eine Eskadror
ſerbiſcher Kavallerie zog in Durazzo ein. Zahlreich
Albaneſen haben die Stadt verlaſſen und ſich mit einen
Dampfer nach Trieſt begeben. Die Stadt iſt augenblick
lich ruhig. Die albaneſiſchen Notabeln ſandten an die
Regierung in Belgrad und an die proviſoriſche Regierung
in Valona Proteſtſchreiben.

[ ][  ][ ]

Vom Kriegsſchauplatze.
* Rjeka, 29. Nov. Nach einer Pauſe von mehreren
Tagen iſt im Laufe der letzten Nacht ein heftiges Ge=
ſchützfeuer
gegen die Stellung der türkiſchen Truppen
auf dem Taraboſch und die Vorwerke von Skutari er=
öffnet
worden. Dasſelbe wurde morgens eingeſtellt. Es
herrſcht regneriſches Wetter. Erbprinz Danilo iſt leicht
erkrankt und hütet auf ärztlichen Rat das Bett.
Rjeka, 30. Nov. Die Zahl der jetzt unter dem
Kommando König Nikolaus’ ſtehenden Truppen vor
Skutari beträgt 36000 Mann. Das Hauptquartier
wird morgen nach Gruda, in der Nähe von Skutari, ver=
legt
. Eine energiſche Aktion wird erwartet, da man an
eine raſche Beendigung der Friedensverhandlungen nicht
glaubt.
* Belgrad, 29. Nov. Geſtern früh iſt die ſer=
biſche
Armee nach erbittertem Kampfe gegen
einige türkiſche Detachements, die nach der Schlacht bei
Monaſtir zerſprengt waren, in Dibra eingerückt. Gegen
das Meer hin iſt keinerlei Widerſtand mehr anzutreffen.
In Monaſtir wurden 66 Kanonen und eine Menge Mu=
nition
für Gewehre, Kanonen, ſowie Magazine mit
Lebensmitteln und Kleidung erbeutet. Geſtern abend
haben ſich in Resna und Ochrida zwei Bataillone mit
Offizieren ergeben. In Monaſtir ſind geſtern 160 Ver=
wundete
angekommen.
Letzte Nachrichten.
H. B. Sofia, 30. Nov. Der Gedanke, an Stelle des
Waffenſtillſtandes die Einſtellung der Feind=
ſeligkeiten
zu beſchließen, iſt auf türkiſcher Seite auf=
getaucht
und dürfte angenommen werden. Die Friedens=
ausſichten
haben ſich ſeit geſtern ſtark gemehrt, hauptſäch=
lich
mit der Rückſicht auf die in Regierungskreiſen here=
ſchende
Auffaſſung, daß eine europäiſche Differenz unver=
meidlich
ſei. Auch ſcheine Rußland viel daran zu liegen,
daß die Verbündeten mit der Türkei ſobald als möglich
ſich vasſtändigen.
* Belgrad, 30. Nov. Das offiziöſe Amtsblatt
Samouprava ſchreibt: Während die Türkei die Waffen=
ſtillſtands
= und Friedensverhandlungen
hinauszieht und die europäiſche Preſſe die Nachricht ver=
breitet
, daß die Moral der türkiſchen Armee ſich beſſerte.
daß die Türken Verſtärkungen echalten hätten und
die verbündeten Heere ermüdet ſeien, denken in Wirklich=
keit
die ſeebiſche und die griechiſche Armee daran, nachdem
ſie ihre Aufgabe in Mazedonien und Albanien beendet
haben, an den militäriſchen Operationen vor Konſtan=
tinopel
teilzunehmen und in Konſtantinopel einzuziehen.
Beide Armeen müßten ſich zur Vermeidung von Zeit= und
Geldverluſten und von der Türkei gezwungen, ſich bereit=
machen
, die Orientfrage endgültig zu löſen. Die Balkan=
armeen
würden in Konſtantinopel einziehen. Alsdann
werde der Friede unterſiegelt und die Türken würden nach
Aſien zurückgeworfen werden.
* Wien, 30. Nov. Dem Vertreter des Wolff=Bureaus
wird mitgeteilt: Ueber die Berichte der Konſuln Pro=
haska
und Edl, bezüglich der Ereigniſſe in Prizrend
und Monaſtir, ſind vielfach Nachrichten verbreitet worden
die anſcheinend auf Kombinationen beruhen. Bisher liegt
nur ein telegraphiſcher, teilweiſe verſtümmelter Bericht
Prohaska vor, über den noch keinerlei Mitteilungen ge=
macht
worden ſind Es iſt beabſichtigt, erſt nach dem
mündlichen Bericht des Konſuls Edl, der bekanntlich mit
der Unterſuchung der Angelegenheit betraut worden iſt,
die Schilderung über die Vorgänge der Oeffentlichkeit zu
übergeben Falls Willkürlichkeiten auf ſerbiſcher Seite bei
der Uebermittelung der Chiffredepeſchen Prohaskas nach
gewieſen werden ſollten dürfte auch dies der Oeffentlich=
keit
gegenüber nicht verſchwiegen werden. Edl trat bisher
die Rückreiſe nach Wien nicht an und hat auch noch keinen
Auftrag dazu.
Paris, 30. Nov. Die Agence Havas meldet aus
Konſtantinopel: Der Miniſterrat hat in der heuti=
gen
Sitzung dem Protokoll über den Waffen=
ſtillſtand
der morgen unterzeichnet werden ſoll, zu=
geſtimmt
. Ein kaiſerliches Jrade, das das Protokoll
genehmigt, iſt bereits erlaſſen worden.
* Wien, 1. Dez. Das Neue Wiener Journal bringt
die vorläufig unbeſtätigte Meldung, die ruſſiſche Regie=
rung
habe dem Wiener Auswärtigen Amte mitgeteilt, daß
Rußland keineswegs geneigt ſei, die ſer=
biſchen
Wünſche zu unterſtützen. Nach einer
Mitteilung von unterrichteter Seite liegt der Meldung
vermutlich nichts anderes zugrunde, als die bereits öfters
von Blättern unwiderſprochen gebrachte Nachricht, daß
die ruſſiſche Regierung in Belgrad Ratſchläge zur Mäßi=
gung
erteilt haben dürfte.
* Konſtantinopel, 1. Dez. Daß der Miniſter=
rat
in ſeiner geſtrigen Sitzung dem Protokoll über den
Waffenſtillſtand zugeſtimmt habe, beſtätigt ſich.
Das Protokoll enthält folgende Bedingungen: Er=
ſtens
: Der Waffenſtillſtand wird für 14 Tage geſchloſſen;
zweitens: die türkiſche und die bulgariſche Armee verblei=
ben
in ihren gegenwärtigen Stellungen; drittens: keine
der beiden Parteien darf in den Befeſtigungsarbeiten fort=

fahren und Truppen= und Munitionstransporte vorneh=
mnen
; viertens: die belagerten Plätze Adrianopel und Sku=
tari
werden während der 14 Tage in der Weiſe mit Le=
bensmitteln
verſorgt, daß die Zufuhr der nötigen Le=
bensmittel
von Tag zu Tag erfolgt. Die türkiſchen Un=
terhändler
, unter denen ſich der Handelsminiſter und der
Miniſter des Innern befinden, begeben ſich heute zur Un=
terzeichnung
des Protokolls nach Tſchataldſcha.
Konſtantinopel, 1. Dez. Zu Punkt 2 des
Waffenſtillſtandprotokolls iſt zu bemerken, daß nicht
nur die türkiſchen und bulgariſchen, ſondern auch die
Truppen der anderen Verbündeten ihre gegenwärtigen
Stellungen beibehalten.
*Konſtantinopel, 2. Dez. Es verlautet, daß die
Unterzeichnung des Waffenſtillſtandprotokolls auf morgen
oder übermorgen vertagt wurde, um es den Ver=
tretern
Griechenlands zuzuſtellen, die an den Verhand=
lungen
nicht teilnahmen.

Vermiſchtes.

R. Der deutſche Unteroffizier. Zu dem
Kapitel: Betrachtungen über die Gründe der
Mißerfolge der türkiſchen Truppen im
gegenwärtigen Balkankriege wird uns aus
unſerem Leſerkreiſe von einem ehemaligen, langjährig ge=
ienten
Unteroffizier geſchrieben: Während man in den
bisherigen Veröffentlichungen über die inneren Urſachen
der Unterlegenheit der Türken allgemein die nicht auf der
Höhe ſtehende Qualität des Offizierkorps und deren.
Tapferkeit betonte, ferner die nicht genügende Organi=
ſation
und Durchführung der Arbeiten und Vorbereir=
ungen
des Kriegsminiſteriums, der Intendanturen uſw.
hinſichtlich der Verpflegung, Bekleidung ꝛc. geltend machte,
darf man aber bei Vergleichen mit unſeren Heeresverhält=
niſſen
noch einen Faktor nicht vergeſſen: das iſt die
Unteroffizierfrage. Zweifellos iſt dieſe ebenſo
wichtig wie alle anderen, ſie iſt jedoch bis jetzt bei Be=
urteilung
der türkiſchen Verhältniſſe im Zuſammenhang
mit unſeren nicht in gebührender Weiſc hervorgehoben
worden. Jeder Eingeweihte und objektiv Denkende weiß,
welchen unſchätzbaren Wert unſer Heer in ſeinem gut aus=
gebildeten
Unteroffizierkorps beſitzt. Insbeſondene ver=
mögen
hierüber die Feldzugsteilnehmer ein Gutachten ab=
zugeben
, welche hervorragenden Leiſtungen der deutſche
Unteroffizier in ernſter Zeit gezeigt hat. An der Schlag=
fertigkeit
und guten Diſziplin eines Heeres hat nicht zu=
letzt
ein in jeder Beziehung gutes Unteroffizierkrups er=
heblichen
Anteil. Es iſt nicht zu verkennen, daß die Aus=
bildung
der Mannſchaften in ihrem Anfangsſtadium zu=
nächſt
dem Korporal zufällt; daß deſſen intenſive Arbeit
auch in den weiteren Abſchnitten bis zum beendeten Ma=
növer
nicht zu entbehren iſt, kann namentlich ein Kom=
pagniechef
ꝛc. beſtätigen. Es iſt daher ein löbliches Stre=
ben
der deutſchen militäriſchen Behörden und Truppen=
teile
, daß das Unteroffizierkorps in ſeiner Intelligenz ge=
hoben
wird. Immerhin muß hierin noch mehr geſchaffen
werden als bisher, und daß dies nur zum Segen fürs
Vaterland geſchehen würde, beweiſen uns die militäri=
ſchen
Vockommniſſe auf dem Balkan, Um nun die Intelli=
genz
der Unteroffiziere zu erhöhen, gibt es verſchieden?
Wege: nicht zuletzt kommt hier auch die Möglichkeit der
Beſetzung beſſerer Stellen mit geeigneten ehemaligen
Unteroffizieren in Betracht. Es liegt nahe, daß durch
ſolche Maßnahme den Unteroffizieren Gelegenheit gegebe
wird, ihre Kenntniſſe beizeiten im militärdienſtlichen
Intereſſe wie zu ihrem eigenen Vorteil zu erweitern.
Vorſtehende Ausführungen ſollen in dem Schluſſe
gipfeln: Neben dem Hauptfundamente unſeres Heeres
ſeinem tüchtigen Offizierkorps muß man in den deuk=
ſchen
Landen ſtets auf die Erhaltung eines guten Unter=
offizierſtandes
bedacht ſein, der ebenſo einen ausgezeich=
neten
Grundpfeiler für die Schlagfertigkeit ausmacht.
Ein originelles Preisausſchreiben
zur Erlangung künſtleriſcher und wirkungsvoller Inſe=
ratentwürfe
hat der Muſikverlag Adolph Fürſtner,
Berlin=Paris, für die von ihm herausgegebenen billigen
Klavierauszüge von Wagners Tannhäuſer, Fliegen=
der
Holländer und Rienzi erlaſſen, deſſen Reſultat
nunmehr feſtſteht. Ein Preisausſchreiben zu ſolchem
Zweck war bisher noch nicht unternommen worden. Es
ſtand den Bewerbern frei, in ihren Entwürfen Porträts
oder Karikaturen von Wagner, Hauptfiguren der Szenen
aus den drei Opern oder nur wirkungsvolle Schriften zu
erfinden. Daß auf ſo liberale Bedingungen faſt 800 Ent=
würfe
, nicht nur aus Deutſchland, ſondern auch aus dem
Auslande, z. B. England, Frankreich. Rußland, Skandi=
navien
uſw., eingelaufen ſind, iſt kaum verwunderlich.
Die drei Preisrichter, Profeſſor E. Döpler d. J., Fritz
Koch=Gotha und Ernſt Stern haben mit der Sichtung die=
ſes
Materials keine leichte Arbeit gehabt. Von 88 in die
engere Wahl gekommenen Entwürfen wurden ſchließlich
die Preiſe folgenden Künſtlern einſtimmig zuerkännt:
Bruno Jakob=Charlottenburg 1. Preis für ein Schrift=
nſerat
in der Manier älterer franzöſiſcher Kupfertitel,
Arno Dreſcher=Dresden 2. Preis für ein Schriftinſerat
in freiem Empire. Beim 3. Preis konnte ſich das Preis=
richteramt
nicht auf einen Entwurf einigen, der Preis

wurde daher geteilt zwiſchen Otto und Wilhelm Muck=
Berlin für ein modernes Schriftinſerat und Johann B.
Maier=München für eine witzige Karikatur.

Literariſches.

* Architektoniſche Rundſchau. (Paul Neff,
Verlag Max Schreiber), Eßlingen a. N.) Jährlich 12
Hefte. Die Architektoniſche Rundſchau ſtellt ſich nach
wie vor zur Aufgabe, die hervorragendſten Bauwerke un=
ſerer
Zeit in dentbar beſten Abbildungen wiederzugeben.
Beſondere Anregung werden die in jedem Hefte enthal=
tenen
farbigen Tafeln nach Originalen anerkannter Dar=
ſteller
dem Architekten bieten. In den drei Jahrzehnten
ihres Beſtehens hat die Architektoniſche Rundſchau ſtets
die erſten Baukünſtler zu ihren Mitarbeitern gezählt, und
für den neuen Jahrgang iſt wiederum eine große Anzahl
jüngerer führender Architekten gewonnen worden. Stren=
ger
noch als bisher ſoll das Mittelmäßige aus ihren
Blättern verbannt werden.
In den Proſpekten vielleicht mit Recht als das
Weihnachtsbuch von 1912 bezeichnet, erſcheint ſoeben im
Verlage von Leonhard Simion Nachf. in Berlin SW 48
zum Preiſe von 7,50 Mk. das Prachtwerk: Gerd Fritz
Leberecht, Luftfahrten im Frieden und
im Kriege‟. Das ungemein aktuelle Buch iſt die popu=
lärſte
und feſſelndſte Darſtellung des Luftfahrtweſens
überhaupt, die den Laien ausgezeichnet informiert und
begeiſtert, wozu die 100 trefflichen Photographien auf
Kunſtdruckpapier beſonders beitragen. Es wird im deut=
ſchen
Hauſe von allen Familiengliedern bis zu den heran=
wachſenden
Söhnen herab freudig begrüßt werden, am
meiſten Anerkennung aber in militäriſch intereſſierten
Kreiſen finden. Daß es nicht nur von einem Militär=
ſchriftſteller
erſten Ranges, ſondern auch von einem glän=
zenden
Stiliſten und Plauderer ſtammt, wird man ver=
ſtehen
, wenn man hört, daß Gerd Fritz Leberecht iden=
tiſch
mit Lookout iſt, deſſen Englands Weltherrſchaft und
die deutſche Luxrusflotte im Frühling d. J. in 26000
Exemplaren Abſatz fand und begeiſterte Anerkennung
weckte.
Frauenleben. Herausgegeben von Hanns
von Zobeltitz. (Velhagen u. Klaſing, Leipzig.) Neu
erſchienen: Bd. 16: Karoline von Humboldt.
Von Alfred Wien. 1 Mit 5 Kunſtdrucken. 4 Mk. Ein
Buch voll Innigkeit. Die wundervolle Frauengeſtalt der
Karoline von Humboldt ſchildert der bekannte Literatur=
hiſtoriker
in ſeſſelndſten Zügen. Er gibt uns ein volles,
feines Bild dieſes merkwürdigen Menſchenſchickſals, das
aus der Einſamkeit in die große Welt führt, um ſchließ=
lich
wieder in der Stille zu landen. Er gibt aber auch ein
Bild der merkwürdigen Zeit, in der Karoline mit ihrem
Mann die Sonnenhöhe ihres Glückes erlebte, jener Zeit,
in der Wilhelm von Humboldt den preußiſchen Staat
in Rom (18011806) vertrat, um dann als Kultusmini=
ſter
am Neuaufbau Preußens mitzuarbeiten.

Der franzöſiſch=ſpaniſche Marokkovertrag.

* Madrid 30. Nov. Der franzöſiſch=ſpaniſche
Marokkovertrag enthält 30 Artikel, die ſich in drei
Teile zuſammenfaſſen laſſen. Der erſte Teil behandelt
beſonders die Berichtigung der Grenze der ſpaniſchen
Zone und die Enklave von Ifni. Der zweite Teil be=
handelt
ausſchließlich finanzielle Fragen, beſonders die
Garantien für die Inhaber von Anleihen von 1904 und
1910, die Staatsbahnen und das Tabakmonopol. Der
dritte Teil ſieht für die Zukunft eine abgeänderte Beſtim=
mung
über die Schutzgenoſſen und die Schaffung von
Juſtizorganen vor. Der Vertrag wird allen Signatar=
mächten
mitgeteilt und ſobald als möglich in Madrid rati=
fiziert
werden.
* Madrid 30. Nov Zu dem franzöſiſch=
ſpaniſchen
Vertrag wird noch mitgeteilt: Staats=
bank
und Tabaksmonopol bleiben mit allen ihren
Rechten in der ſpaniſchen, wie in der franzöſiſchen Zone be=
ſtehen
, aber die Verwaltung wied Veränderungen erleiden
können, die der territorialen Organiſation jeder Zone an=
gepaßt
ſind. Die beiden Regierungen behalten ſich das
Recht vor, das Tabakmonopol in ihrer Zone zurückzu=
kaufen
. Der Zolltarif kann nur im gemeinſamen Ein=
vernehmen
abgeändert werden. Die Verteagsbeſtimmungen
über Schutzgenoſſen uſw. ſollen nur im Einverneh=
men
mit den anderen Mächten abgeändert werden können.
Franl eich und Spanien können in ihren Zonen Ge=
richtsorg
aniſatiogen entſprechend ihren eigenen
ſchaffen, denen auch die Franzoſen in der ſpaniſchen Zone
und die Spanier in der franzöſiſchen Zone unterworfen
ſind. Dem Vertrage iſt ein Protokoll über die Eiſen=
bahn
Tanger=Fez angefügt. Danach werden Frank=
reich
und Spanien in eine: Friſt von drei Monaten nach
der Unterzeichnung einen Entwurf der Linienführung
herſtellen und die hauptſächlichen Bahnhöfe in ihren Zonen
beſtimmen. Die ganze Linie wird einer einzigen Geſell=
ſchaft
konzeſſioniert werden, die ſie im endaüſtigen Bau=
plan
auszuführen, den Bau und den Betrieb der Linie
übernimmt. In der franzöſiſchen Zone wird der Sultan
die Konzeſſion untt: der Autorität und Garantie
Frankreichs erteilen, in der ſpaniſchen Zone das Khalifat
unter der Autorität und Garantie Spaniens, in der Zone
von Tanger die Behörde von Tanger. Die Aktien und
das Obligation Skapital der Bahn beſteht zu 60
Prozent aus franzöſiſchem, zu 40 Prozent aus ſpaniſchem
Kapital. Der Teil des Kapitals, der nach einem gemein=
ſamen
Uebereinkommen dem Kapital andere: Nationali=
täten
überlaſſen werden kann, iſt auf acht Prozent feſtge=
ſetzt
, die zur Hälfte vom franzöſiſchen und ſpaniſchen Teil
in Abzug gebracht wird. Der Verwaltungsrat beſteht aus
neun Franzoſen und ſechs Spaniern; ein 16. Mitglied
einer dritten Nationalität wvird im Einverſtändnis mit
Fxankreich und Spanient ernannt werden können. Der
Genera Idirektor der Geſellſchaft wird ein Franzoſe
ſein, der zweite Direktor ein Spanier. Beide Reaier=
ungen
behalten ſich das Recht vor, den in Betracht kom=
menden
Teil zurückzukaufen mit der Verpflichtung, den
Betrieb ſelbſt zu führen ode; durch eine Geſellſchaft der
gleichen Nationalität führen zu laſſen.

Die Schuldentilaung im Reichshaushaltsetat,

* Berlin, 30. Nov. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Der Entwurf des Reichshaus
haltsetats für das Jahr 1913 wird im allge=
meinen
gut aufgenommen. Der vereinzelt erhobene Tadel
richtet ſich eigentlich nur gegen die vorgeſchlagene Ver=
wendung
der Ueberſchüſſe aus dem Jahre 1911,
die teils zur Abbürdung der Vorſchüſſe für Vorausbe=
ſchaffungen
der Heeres= und Marineverwaltung, teils zur
Beſtreitung einmaliger, auf Grund der diesjährigen Ge=
ſetze
über die Verſtärkung von Heer und Flotte notwen=
dig
gewordener Ausgaben herangezogen werden ſollen.
Die Behauptung, daß der Betrag der in die Einnahmen
eingeſtellten Uebrſchüſſe einen dauernden Fhlbetrag im
Reichsbudget darſtelle, bedarf nicht der Widerlegung. Ein

Großherzogliches Hoftheater.

Sonntag, den 1. Dezember.
Rigoletto
W-l. Als Rigoletto in Verdis gleichnamiger Oper
eendete Herr Georg Baklanoff heute ſein Gaſt=
ſpiel
. Schon vor Beginn der Vorſtellung war an der
Kaſſe ein ausverkauftes Haus angezeigt. Aber ſo aus=
verkauft
hat man es lange nicht geſehen.
Der Individualität Baklanoffs ſagen ſo ſtark aus=
geprägte
Charakterrollen und dämoniſche Charaktere wie
Mephiſto, Rigoletto und Othello beſonders zu, weshalb
er dieſe in ſeinem Repertoire bevorzugt. Der durch die
Brutalität und Scheußlichkeit ihrer Handlung abſtoßen=
den
Oper Rigoletto, in der die Tugend unterliegt und
as Laſter ſiegt, kann nur ein bedeutender Vertreter der
Titelpartie neues Leben und Intereſſe verleihen, und
dies geſchah durch Herrn Baklanoffs wahrhaft grandioſe
Leiſtung in kaum geahnter Weiſe. Höchſte Kunſt des
Sängers und des Schauſpielers vereinigten ſich hier zu
einer vollendeten, in größtem Stile gehaltenen Kunſt=
leiſtung
, die wohl allen, welche das Glück hatten, ſie auf
ſich wirken laſſen zu können, unvergeßlich bleiben wird.
Nur das beiſpielloſe Können in geſanglicher und dar=
ſtelleriſcher
Hinſicht und die wunderbare Vereinigung bei=
der
Künſte, über die Herr Baklanoff gebietet, ſind im=
ſtande
, eine ſolche ideale Kunſtleiſtung hervorzubringen,
die um ſo mächtiger wirkt, als bei ihr nichts Gemachtes
und Theatraliſches mitunterläuft, ſondern alles mit wun=
derbarer
Selbſtverſtändlichkeit und Harmonie von innen
heraus und aus ſeiner ureigenen Künſtlernatur ſich ergibt.
Dieſe ſeine Kunſt, die etwas Titaniſches hat, kam in der
Darſtellung des armen Narren im dritten Akte in einer

Weiſe zum Ausdruck, daß man von der ergreifenden
Tragik des unglücklichen Vaters bis in die tiefſte Seele er=
ſchüttert
wurde und man etwas wie das Walten eines
furchtbaren Schickſals ſpürte. Ein gottbegnadeter Künſt=
ler
, dem es gegeben iſt, die Seelen der Menſchen ſo zu
rühren und ſie auf die höchſten Höhen der Kunſt zu
führen!
Das Publikum bewährte ſich heute als kunſtſinnig im
wahren Sinne des Wortes. Während der offenen Szene
wurde kein Beifall geſpendet und ein leiſer Verſuch dazu
unterdrückt, nach den Aktſchlüſſen aber brachen Stürme
der Begeiſterung los; nach dem dritten Akte wurde der
Gaſt zwölfmal hervorgerufen und als ein ſeltener Fall
in der Geſchichte des Theaters verdient verzeichnet zu
werden, daß er nach etwa zwanzig Hervorrufen am
Schluß nochmals aus der kleinen Tür des eiſernen Vor=
hanges
heraustreten mußte.
Unſer Opern=Enſemble zeigte ſich heute von ſeiner
beſten Seite. Herr Globerger ſang die Partie des
Herzogs mit ſo viel Ausdruck, Schönheit und Wärme des
Tones, daß man annehmen muß, er ſei am Freitag nicht
disvoniert geweſen. Frau Kallenſee beherrſchte den
Stil der Verdiſchen Oper mit großer Sicherheit und ſan
die vielgerühmte Arie des zweiten Aktes Teurer Name‟
meiſterhaft. Herr Stephani ſang den Fluch mit
vieler Energie des Tones und dramatiſcher Verve. Die
kleineren Partien des Marullo, des Sparafueile und der
Maddalena waren durch die Herren Semver und
Schützendorf und Fräulein Jacobs gut beſetzt.
Herr Kapellmeiſter Lert dirigierte mit jugendlichem
Feuer und ſicherte der Aufführung in Gemeinſchaft mit
Herrn Oberregiſſeur Valdek einen vollen künſtleriſchen
Erfolg.

[ ][  ][ ]

malige, nicht wiederkehrende Ausgaben bedürfen nur ein=
maliger
Deckung. Die Verwendung der Ueberſchüſſe im
vorgeſchlagenen Sinne entſpricht überdies genau den An=
ordnungen
des Paragraph 4 des Etatsgeſetzes für 1912
und ſtellt demnach lediglich eine Ausfuhrungsmaßregel
dar, die niemand überraſchen ſollte. Die Abbürdung der
Vorſchüſſe zu den Vorausbeſchaffungen der Heeres= und
Marineverwaltung iſt überdies bereits in der Denkſchrift
des Reichshaushaltsetats für 1912 unter Ziffer 9 einge=
hend
erläutert. Trotzdem ſcheint ſie noch vielfach auf
Nichtverſtändnis zu ſtoßen. Es handelt ſich um eine
Maßnahme, die einen nach mehrfacher Richtung hin be=
denklichen
Zuſtand beenden ſoll. Die Vorſchüſſe belaſten
die Betriebsmittel der Reichskaſſe, erhöhen den Auf=
wand
des Reiches an Diskont für kurzfriſtige Schatzan=
weiſungen
und zwingen teilweiſe die Bundesſtaaten mit
eigener Heeresverwaltung zu Vorſchußleiſtungen aus
Landesmittel. Die Abbürdung der Vorſchüſſe iſt alſo
wirtſchaftlich nichts anderes als Schuldentilgung, und
zwar Tilgung einer am wenigſten zu rechtfertigenden
Schuld. Hiernach iſt es durchaus unzutreffend, zu be=
haupten
, die Vorſchüſſe des Etatsentwurfs vereitelten die
Schuldentilgung, welche noch Anfang 1912 in der Denk=
ſchrift
des Nachtragsetats für 1912 aus den Ueberſchüſſen
in Ausſicht geſtellt worden iſt. Im Gegenteil: Der Vor=
ſchlag
enthält noch eine erweiterte Erfüllung des Verſpre=
chens
. Die Denkſchrift berechnete, daß zur Schuldentil=
gung
oder Abbürdung der Heeresvorſchüſſe noch 92 Mil=
lionen
übrig bleiben; der Etatsentwurf für 1913 ſtellt
nicht nur 92 Millionen, ſondern mehr als 106 Millionen
hierzu bereit.

Parlamentariſches.

Die Zweite Kammer tritt am Dienstag,
den 10. Dezember, vormittags 10 Uhr, zu ihrer 39. Sitzung
zuſammen. Auf der Tagesordnung ſtehen zunächſt:
1. Dringlicher Antrag des Abgeordneten Adelung und
Genoſſen, den Geſetzentwurf über die Abänderung des
Geſetzes, die Beſoldungen der Staatsbeamten vom
9. Juni 1898 betreffend. In Verbindung hiermit: Dring=
liche
Anfrage der Abgeordneten Bähr und Genoſſen in
gleichem Betreff. 2. a) Regierungsvorlage, Entwurf
eines Geſetzes, die Ausführung der landwirtſchaftlichen
Unfallverſicherung betreffend; b) Antrag der Abgeord=
neten
Senßfelder und Genoſſen, Abführung der Beiträge
zur land= und forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft
betreffend. 3. Regierungsvorlage, die Abänderung des
Geſetzes vom 6. Auguſt 1902 über die Landeskreditkaſſe
betreffend. 4. Neuwahl eines Abgeordneten im V. Wahl=
kreis
der Provinz Rheinheſſen Wörrſtadt betreffend.
5. Neuwahl eines Abgeordneten für den I. Wahlkreis
der Provinz Starkenburg (Beerfelden - Hirſchhorn-
Wimpfen) betreffend. Ferner kommt eine große Zahl
von Anträgen und Anfragen zur Verhandlung.

Winterfeſt des Velociped=Klub Darmſtadt.

In ſeltener Harmonie gehen innerhalb des Velo=
zipedklubs
Darmſtadt die ſportlichen Erfolge und Auf=
ſtiege
mit den geſellſchaftlichen Hand in Hand. Längſt iſt
es anerkannt, daß der V.=C. D. ſportlich einer der lei=
ſtungsfähigſten
und ſieggewohnteſten nicht nur im ganzen
Gau, ſondern im ganzen deutſchen Radfahrerbund iſt,
Von vielen Straßen= und Bahnrennen, auch von den
neuerdings bis faſt an die Grenzen der Leiſtungsfähig=
keit
hinaufgeſchraubten großen Dauer= und Diſtanzfahrten
kehrten ſeine Mitglieder mit Siegestrophäen heim und von
den glänzenden Erfolgen der Saal=, Reigen= und Kunſt=
fahrermannſchaften
konnte ſchon oft in dieſem Blatte ver=
meldet
werden. Auch ſeine geſellſchaftlichen Veranſtal=
tungen
haben längſt in Darmſtadt einen Rahmen und Ruf
ſich errungen, der weit das überbietet, was man gemein
hin von den im Zeitalter des Automobils und des Flug=
apparates
unmodern gewordenen Radſportvereinen ge=
wohnt
iſt. Und der rührigen und zielbewußt arbeitenden
Leitung des Vereins gelingt es ſtets aufs neue, zu über=
raſchen
. Davon war auch das Winterfeſt im Städti=
ſchen
Saalbau erneut Beweis. Allerdings iſt es nicht
allzuſchwer, ein künſtleriſch reiches Programm zu bieten,
wenn die bekannteſten und bewährteſtenKräfte der Hof=
bühne
in der Mitgliederliſte des Vereins zu finden ſind,
ſodaß der Vorſtand mit beſonderem Stolz auf ſein Pro=
gramm
ſetzen kann: Sämtliche Mitwirkende ſind Mit=
glieder
des Velozipedklubs Darmſtadt und doch hinter
jedem Namen den zusraftigen Zuſatz anbringen kann
vom Hoftheater
Das Winterfeſt war außergewöhnlich ſtark beſucht.
und das reichhaltige und viel Abwechſlung bringende
Programm wickelte ſich flott, wenn auch mit einigen Aen=
derungen
, ab. Sportlich wurde der Abend nach einem
Konzertſtück der Kapelle Hauske eingeleitet mit einem
hübſch arrangierten und ſauber gefahrenen Begrüßungs=
reigen
von 16 Mitgliedern des Klubs unter Leitung des
erſten Saalfahrwarts, Herrn H. Schlitt. Weiter brachte
der ſportliche Teil des Abends ein intereſſantes Kunſt=
fahrerduett
der Herren Gebrüder Göttmann, die im
Biedermeiſterkoſtüm fuhren und ihre ſchwierigen Piecen
in humoriſtiſches Gewand gekleidet hatten. Dann ein 12er
Jugendreigen (gefahren von 12 Mitgliedern der Jugend=
abteilung
, geleitet von deren Fahrwart, Herrn L. Hax)
in dem ein 68jähriges Pärchen flott und ſicher mitfuhr
und der beſonders ſtarken Beifall auslöſte. Die erſte
Saalfahrmannſchaft fuhr einen 8er Stab=Schmuckreigen
unter Leitung des Herrn Schlitt, der eine Reihe farben=
froher
und figurenreicher Uebungen brachte. Ein Polo=
wettſpiel
und ein hochintereſſantes Radball=Wettſpiel
zwiſchen je zwei Mannſchaften des Klubs beſchloſſen die
Sportdarbietungen des Abends.
Den künſtleriſch=unterhaltenden Teil leitete Frau
Opernſänger Becker=Gerder ein, die zwei Lieder von
Grieg und Reinh. Becker ſang und durch den Umfang und
der Klangſchönheit ihres Organes, das allerdings die
routinigete Bühnenſängerin verriet, geradezu überraſchte.
Die Künſtlerin ſang ſpäter noch den Ezardas aus der
Fledermaus mit dem ſie ebenfalls rauſchenden Beifall
auslöſte. Ihr Gatte, Herr Gg. Becker, unſer Heldentenor,
hatte ſeine vornehme Sangeskunſt ebenfalls zur Verfügung
geſtellt. Er ſang Ihr Bild und Der Doppelgänger
von Franz Schubert mit künſtleriſch ſouveränem Vortrag
und ließ ſpäter noch eine Reihe Lieder von Schumann u. a.
folgen. Der jubelnde Beifall veranlaßte den Künſtler zu
liebenswürdigſt gebotenen Beigaben. Seine Leiſtungen
ſind ebenſo wie die des Frl. Käthe Gothe und des
Hrn. Peterſen, die zwei Tanzduette aus den Operetten
Große Roſinen und Brüderlein fein boten, ſchon ſo
oft in dieſem Blatte anerkannt und gelobt worden, daß
oft geſagtes hier nur wiederholt weden könnte. Den
Schluß des Programms bildete die Aufführung eines
Theaterſtückes, Das Verſprechen hinterm Herd‟ Sing=
ſpiel
in 1 Aufzug von Alexander Baumann, in folgender
Beſetzung: Michel Quantner, Wirt in rer Abtenan, Hert
Herrmann, Loisl, ſein Sohn, Herr Peterſen

Nandl, im Dienſt bei Quantner, Frl. Gothe Freiherr
von Strizow, Herr Schneider. Das ausgelaſſene tolle
Stückchen wurde köſtlich geſpielt und fand ebenſo jubelnden
Beifall. Dann begann der Ball, der mit einer Polo=
naiſe
von zirka 200 Perſonen eröffnet wurde. Nich dem
offiziellen Program fanden Kabarett= Vorſtell=
ungen
in den oberen Räumen des Saalbaues ſtatt, bei
denen Frl. K. Gothe Frl. J. Bieger; Herren Herr=
mann
, Kroczak, Peterſen, Schneider,
Thommſen, ſämtlich vom Hoftheater mitwirkten; am
Klavier waren abwechſelnd in der Begleitung tätig die
Herren Heinrich Arnold, H. Fiſcher, Kapellmeiſter
Wach.
Das ſchöne Feſt verlief in beſter Stimmung und darf
in der Chronik des Klubs als beſonders gelungen ver=
St.
zeichnet werden.

Darmſtadt, 2 Dezember.
* Großh. Hoftheater. Alexander Moiſſi vom
Deutſchen Theater in Berlin wird hier am 10. Dezember
als Hamlet gaſtieren und am 13. Dezember in der Erſt=
aufführung
von Hugo von Hofmannsthals Jedermann
die Titelrolle krèiren. Die zykliſche Darſtellung
der Werke von Friedrich Hebbel wird im Laufe
dieſer Woche mit einer Aufführung von Gyges und ſein
Ring weitergeführt. Der vollkommen neuen ſzeniſchen
Gewandung, in der das Werk diesmal erſcheint, liegt das
Prinzip der Stilbühne zu Grunde. Der Zyklus bringt
demnächſt auch Maria Magdalena und Agnes
Bernauer
g. Der Kriegerverein Darmſtadt beging am Sams=
tag
abend im großen Saale der Turnhalle am Woogs=
platz
die Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoh
des Großherzogs, zu welcher ſich die Mitglieder mit
ihren Angehörigen ſowie Gäſten äußerſt zahlreich einge=
funden
hatten. Unter der großen Zahl der militäriſchen
Ehrengäſte war u. a. der Diviſionskommandeur Exz. v.
Plüskow erſchienen. Mit herzlichen Worten begrüßte
der erſte Vorſitzende des Vereins Hauptmann d. L.
Waldecker die Feſtverſammlung und teilte mit, daß
Herr Oberfinanzrat Dr. Hellwig, der ſich bereit
erklärt hatte, die Feſtrede zu halten, leider im letzten
Augenblick verhindert wurde und daß ſich nunmehr Herr
Reviſor Bruchhäuſer freundlichſt dazu bereit erklärte.
Weiter bemerkte der Vorſitzende, daß leider in dieſem
Jahre das Programm nicht ſo glänzend ausgeſtaltet
werden könne. Das ſei aber lediglich auf die teuren
Zeiten zurückzuführen, denn die Kriegervereine ſeien ja
nicht in erſter Linie Geſelligkeitsvereine, ſondern ſie ſeien
vor allem zur Unterſtützung bedürftiger Krieger da,
(Lebh. Bravo.) Es ergriff hierauf Herr General=
najor
v. Heyl das Wort, um der unverbrüch=
lichen
Treue zu unſerem Landesfürſten und der
Treue zu Kaiſer und Reich Ausdruck zu verleihen.
Es trug nunmehr mit Sicherheit und in ausdrucksvoller
Rede Otto Bruchhäuſer den von Friedrich Kuſchel
gedichteten Prolog auf Großherzogs Geburtstag vor,
der durch lebhaften Beifall ausgezeichnet wurde. Fräulein
Hede Schaub, das beliebte Mitglied unſerer Hof=
bühne
, erfreute mit der glänzend vorgetragenen Arie des
Pagen aus Figaros Hochzeit. Nicht endenwollender
Beifall dankte ihr für dieſe Darbietung. Herr Bruch=
häuſer
feierte hierauf inſſeiner Feſtanſprache, die hervor=
ragenden
Charaktereigenſchaften unſeres Großherzogs und
ſeine Verdienſte um Kunſt und Wiſſenſchaft, Handel
und Induſtrie. In das von ihm ausgebrachte Hoch
ſtimmte die Feſtverſammlung freudig ein, worauf ſtehend
die Fürſtenhymne geſungen wurde. Als nächſter Red=
ner
ergriff der Diviſionskommandeur, Exz. v. Plüs=
kow
, das Wort, um mit treffenden Worten den Eltern
die Erziehung der heranwachſenden Jugend zu
kraftvollen deutſchen Männern warm ans Herz
zu legen. Sein Hoch galt dem feſtgebenden
Verein. Fräulein Hede Schaub ſang nochmals
drei herrliche Lieder: Dort in den Weiden Feinslieb=
chen
, du ſollſt nicht barfuß gehen von Brahms und
Frühling von Theo Schäfer und fand damit ſolchen
inklang, daß ſie noch eine Zugabe machen mußte. Die
Klavierbegleitung hatte in vorzüglicher Weiſe Frau Anna
Jöckel ausgeführt. Die Kapelle des Großh. Artillerie=
Korps unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters
Mickley trug durch ein ſorgfältig ausgewähltes Pro=
gramm
hervorragend zum Gelingen der Feier bei. Ein
flotter Tanz ſchloß ſich an, der die Feſtteilnehmer noch
inige Stunden fröhlich beiſammen hielt.
HW. Wandervogel. Einen wohlgelungenen Ver=
auf
nahm der vom Wandervogel, Ortsgruppe
Darmſtadt am Samstag im Saale der Baugewerk=
ſchule
veranſtltete, ſehr gut beſuchte Unterhaltungs=
abend
. Er wurde eingeleitet durch eine Anſprache des
Herrn Rechtsanwalts Landzettel. Er führte unge=
fähr
folgendes aus: Im Namen der Ortsgruppe Darm=
ſtadt
heiße ich Sie alle herzlich willkommen. Wir wollen
uns heute abend mit einer Beſchäftigung befaſſen, die für
viele von Ihnen, namentlich die Eltern, ja nichts Neues
mehr iſt, und wir wollen verſuchen, ſo gut es geht, einen
Einblick zu gewinnen in das Wandervogelleben. Die
militäriſche Tauglichkeit iſt gefährdet, eine Erziehung der
Jugend iſt erforderlich. Das will der Wandervogel über=
nehmen
; unter der Führung von Studierenden ſollen ſie
hinauswandern in die ſchöne Natur. Ueber den geſund=
heitlichen
Wert des Wanderns brauche ich wohl nicht zu
ſprechen. Das Wandern iſt eine Schule des Willens, des
Charakters und der Selbſtändigkeit. Man lernt einfach
zu leben, Entbehrungen zu ertragen. Man lernt auch
Neues kennen, macht Bekanntſchaft mit anderen Stäm=
men
und deren Sitten und Gebräuchen. Der Wander-
vogel
hat aber auch nationale Bedeutung, er führt
die jungen Leute an die Stätten, wo deutſches Weſen ſich
am urſprünglichſten erhalten hat, er hat das Volkslied
wieder gefunden und gepflegt. Nun zur Organiſa=
tion
. Auf der einen Seite die wandernde Jugend, an
ihrer Spitze die junge Führerſchaft, denen die Leitung
der Wanderungen, des Fundamentes der Bewegung, ob=
liegt
, auf der anderen Seite der eigentliche Verein, die
Eltern und Freunde. Er trägt die Verantwortung für
Veranſtaltungen, er beſtätigt die Führer, er muß die Wan=
derungen
genehmigen. Der Wandervogel iſt kein Schüler=
verein
, es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen ſeinen und
den Schülerwanderungen, die uneigennützige Lehrer un=
ternehmen
. eBi uns ſoll die Jugend unter ſich ſein. Ueber
unſere Verfaſſung beſtehen mancherlei falſche Gerüchte.
Die Leute, die ſie vorbringen, ſollen aber erſt prüfen, dann
urteilen. Und nun wollen wir verſuchen, die Praxis etwas
kennen zu lernen an Lichtbildern, die von Wandervögeln
aufgenommen worden ſind.
Es folgten Bilder von Wanderfahrten der
Darmſtädter Wandervögel, denen ſolche von ſüddeutſchen
Wandervögeln folgten. Sie gaben dem, der kein Wan=
dervogel
iſt einen intereſſanten Einblick in das Leben
der Wandervögel auf einer Ferienfahrt. Da ſah man ſie
ausziehen aus dem Heimatsort, man ſah die erſte Raſt,
abkochen, zeltſchlagen uſw. Eine ſtimmungsvolle Beglei=

tung des Vortrags bildeten Volkslieder, die reichen Bei=
fall
auslöſten. Nach dem intereſſanteen Vortrag hielt noch
fröhlicher Tanz, heiteres Spiel und Scherz die Wander=
vögel
bis 11 Uhr zuſammen.
* Griesheim, 1. Dez. Geſtern abend gegen 11 Uhr
wurde unſer Ort durch Feueralarm in Aufregung
verſetzt. In der Wohnung des Philipp Diefenbach in
der Kirchgaſſe war ein Brand ausgebrochen, welcher als=
bald
das ganze ältere Haus ergriffen hatte und das
vollſtändig ausbrannte. Durch das raſche Eingreifen der
hieſigen Freiwilligen Feuerwehr wurde ein weiteres Um=
ſichgreifen
verhindert.
* Groß=Gerau, 1. Dez. Die Monatsverſamm=
lung
des Nationalliberalen Vereins Groß=
Gerau erfreute ſich eines außerordentlich zahlreichen Be=
ſuches
von hier und außerhalb. Auch von Darmſtadt
waren mehrere Parteifreunde herübergekommen, darunter
der Vorſitzende der Heſſiſchen nationalliberalen Landes=
vartei
, Herr Landtagsabgeordneter Dr. Oſann. Nach=
dem
der Vorſitzende des Vereins, Herr Amtsrichter Dr.
Hof, die Erſchienenen begrüßt hatte, ergriff Herr Land=
tagsabgeordneter
Dr. Oſann das Wort zu einem ein=
ſtündigen
Vortrag, in dem er außerordentlich intereſſante
Rückblicke und Ausblicke hinſichtlich der politiſchen Lage
im Reiche und in Heſſen gab. Lebhafter Beifall der Ver=
ſammlung
dankte dem Redner für ſeine Darlegungen.
Im Laufe des Abends kam noch Herr Geheimer Regier=
ungsrat
Dr. Wallau in längeren Ausführungen auf die
Darlegungen des Vorredners zurück und verſicherte ihn
in warmen Worten des unerſchütterlichen Vertrauens der
Parteifreunde. Der einmütige Beifall der Erſchienenen
zeigte, daß der Redner allen aus dem Herzen geſprochen
hatte. Noch lange ſaß man in ernſter und heiterer Unter=
haltung
zuſammen und empfing auch an dieſem Abend
wieder mancherlei Anregung zu eifriger Weiterarbeit im
Sinne der Nationalliberalen Partei.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 1. Dez. Der ruſſiſche Generalmajor à lasuite
des Kaiſers, Tatiſchtſchew, hat heute ſeinen gewöhn=
lichen
Dezemberurlaub angetreten.
Berlin, 1. Dez. Zum Gedächtnis des verſtorbenen
Direktors des Leſſingtheaters Brahm wurde in der
neuen Berliner Urnenhalle heute Vormittag eine Trauer=
feier
veranſtaltet. Gegen 10 Uhr füllte ſich die Halle
mit einem hochanſehnlichen Kreis von Freunden, Kollegen
und Mitarbeitern des Verewigten, deſſen ſterbliche Hülle,
bedeckt mit Kränzen, unter Lorbeer und Palmen aufge=
bahrt
war. Orgelſpiel und Chorgeſang leitete die Feier
ein. Alsdann trat Gerhart Hauptmann an die Bahre
und widmete dem dahingeſchiedenen Freund herzliche
Abſchiedsworte.
* Langenburg, 30. Nov. Die Kaiſerin iſt heute
mittag 1 Uhr 10 Minuten, von Straßburg kommend, hier
eingetroffen und am Bahnhofe von dem Erbprinzen von
Hohenlohe=Langenburg empfangen worden. Die Kaiſerin
begab ſich im Automobil ins Schloß. Um 3 Uhr 20 Mi=
nuten
erfolgte die Abreiſe der Kaiſerin nach Baden=Baden
* Baden=Baden, 30. Nov. Die Kaiſerin iſt heutel
abend 7 Uhr 50 Min. mittelſt Sonderzug hier einge
troffen. Zum Empfang waren die Großherzogin Luiſ=
von
Baden, Prinz Eitel Friedrich, der preußiſche Ge=
ſandte
und der Oberbürgermeiſter erſchienen. Am Mon=
tag
wird auch der Kaiſer von Donaueſchingen aus hier
eintreffen.
Baden=Baden, 1. Dezbr. Prinz Eitel Friedrich
on Preußen iſt heute Vormittag nach Station Wild=
park
abgereiſt.
* Donaueſchingen, 1. Dez. Heute vormittag nahm
der Kaiſer mit dem Fürſten zu Fürſtenberg und dem
Gefolge an dem evangeliſchen Gottesdienſt in der
Stadtſchule teil und beſichtigte anſchließend den Neubau
der evangeliſchen Stadtkirche. Zur Frühſtückstafel im
fürſtlichen Schloß waren der Statthalter Graf v. Wedel
und Gemahlin geladen. Nach der Tafel wurde ein Auto=
mobilausflug
auf das Stettener Schlößchen unternommen
Der Kaiſer hat noch weitere Auszeichnungen verliehen,
darunter ſein Bild mit Rahmen mit der eigenhändigen
Unterſchrift dem fürſtlichen Kabinettsrat Würth, dem
Stadtpfarrer Feurſtein und dem Bürgermeiſter Schön.
* Emden, 30. Nov. Das Schiff Arcona iſt
geſtern Nachmittag zur dauernden Stationierung im
Emdener Hafen eingetroffen. Heute Nachmittag fand
im Emdener Außenhafen anläßlich der Stationierung
eine Begrüßungsfeier durch den Magiſtrat und die
ſtädtiſchen Kollegien ſtatt. Oberbürgermeiſter Geheimrat
Fürbringer bewillkommnete die Mannſchaft und brachte
ein Hoch auf den Kommandanten des Schiffes
aus. Der Kommandant der Arcona, Korvetten=
kapitän
Hippel, erwiderte mit herzlichen Worten
und wies darauf hin, daß Emden der Heimathafen der
kurbrandenburgiſchen Flotte geweſen ſei. Hieran ſchloß
ſich ein Rundgang durch das Schiff, worauf dasſelbe
dem Publikum freigegeben wurde. An den Kaiſer wurde
ein Huldigungstelegramm abgeſandt. Darauf ging vomſ
Kaiſer folgende Antwort an Geheimrat Fürbringer ein:
Ich danke Ihnen und den ſtädtiſchen Kollegien, Bez
hörden, Vereinen und allen Feſtteilnehmern herzlichſt
für den Huldigungsgruß aus dem Neſſerland. Möge
die gemeinſame Freude ebenſo wie die auf das gemein=
ſame
Wohl des Vaterlandes gerichtete Tätigkeit dieſem
zum Heil und Segen gereichen. Wilhelm I. R.
* Breslau, 2. Dez. Die Uraufführung von
Ernſt von Wolzogens Fürſtliche Maul=
ſchelle
fand geſtern abend im Lobetheater einen un=
beſtrittenen
wärmſten Erfolg. Der anweſende Autor
wurde lehhaft gefeiert.
* Peſt, 30. Nov. Die Regierung legte drei Geſetz=
entwürfe
vor: Erſtens einen Geſetzentwurf betreffend
die Verhängung des Ausnahmezuſtandes im Falle der
Mobiliſierung; zweitens einen Entwurf betreffs Requi=
ſition
von Pferden, Fuhrwerken und Automobilen; drit=
tens
einen Entwurf betreffs Requiſition von Gebäuden
und Wohnungsräumlichkeiten im Falle der Mobiliſierung.
*Bukareſt, 30. Nov. Bei den Wahlen desl
zweiten Wahlkörpers zur Kammer wurden
23 Konſervative, 20 Demokratiſch=Konſervative und
7 Liberale gewählt; 2 Stichwahlen ſind erforderlich.
London, 1. Dez. Der deutſche Botſchafter, Fürſtſ
Lichnowsky, hielt geſtern auf dem Jahresbankett
der Royal Society of London ſeine erſte öffentliche Rede
in England, in der er ausführte, er benütze mit Freuden
die Gelegenheit, darauf hinzuweiſen, daß England und
Deutſchland Seite an Seite für die Aufrechterhaltung
des eurpoäiſchen Friedens arbeiteten, und daß die
politiſchen Beziehungen der beiden Mächte niemals ver=
traulicher
und aufrichtiger geweſen ſeien, als gegen=
wärtig
. Es werde immer ſein aufrichtiger Wunſch ſein.
dieſen glücklichen Anfang ſeiner amtlichen Tätigkeit in
London weiter zu entwickeln zum Heile beider Nationen.

[ ][  ][ ]

Berlin, 30. Nov. Durch kaiſerliche Verordnung vom
15. November, die heute amtlich bekannt gegeben wird,
wird ein Schiedsgericht für die Angeſtellten=
verſicherung
, und zwar für das ganze Reichsgebiet,
verrichtet. Dieſem Schiedsgericht wird die Entſcheidung
auch in ſolchen Fällen zufallen, in denen es ſich um Ver=
ſicherte
oder deren Angehörige handelt, die außerhalb des
Gebietes des Deutſchen Reiches wohnen oder beſchäftigt
ſind.
Berlin, 1. Dez. Die Aufnahme des Paſſus über
die Einſchränkung der erlaubten religiöſen
Tätigkeit für die Jeſuiten durch landesrecht=
liche
Beſtimmungen iſt wie die Mil.=pol. Korreſpon=
denz
von Bundesratsſeite hört mit Rückſicht auf die
Wünſche der Königlich Sächſiſchen Regier=
ung
erfolgt. Sachſen iſt von Anfang der ganzen Frage
an bis zu der Erledigung des Streites im Bundesrate
für die ſchärfſte Auslegung des Jeſuitengeſetzes
und der Bundesratsverordnungen von 1872 eingetreten.
Es hat damit erreicht, daß die bisher geübte ſehr ſtrenge
Praxis im Königreich und in einzelnen thüringiſchen
Staaten durch die Bundesratsentſcheidung nicht berührt
wird.
Berlin, 30. Nov. (Ohne Gewähr.) Der Berliner
Lokalanzeiger meldet aus Berlin: Der 14jährige Kauf=
mannslehrling
Schultze bei der Union= Lehrmittel=
geſellſchaft
ſollte heute mittag 2100 Mark für ſeine Firma
nach der Deutſchen Bank bringen. Beim Paſſieren des
Belle=Alliance=Platzes wurde ihm die Aktentaſche, in der
ſich das Geld befand. von einem Radfahrer entrif=
ſen
. Der Räuber entkam.
Magdeburg, 30. Nov. Heute nachmittag fand die
Einweihung des Denkmals für den Heerführer im deutſch=
franzöſiſchen
Krieg Eeneral Franſecky ſtatt. Als Ver=
treter
des Kaifers war der kommandierende General Sirt
von Arnim erſchienen.

Frohgelannte Kinder, geſunde Kinder.

Winke für Mütter.
Du darfſt von Deinem Kinde nicht erwarten, daß es
Dir ſagt, was und wo ihm etwas fehlt. Du, die Mutter,
biſt naturgemäß diejenige, welche täglich das Weſen und
Treiben der Kleinen überwacht, und die jede Störung ſo=
fort
erkennen ſollte. Von Dir wird zu allererſt Rat und
Hilfe erwartet.
Nun zeigt ſich ja jede, ſelbſt die geringſte geſundheitliche
Störung bei den Kleinen alsbald durch ein Nachlaſſen des
Spieleifers, durch ein Schwtnden der fröhlichen Laune.
Treten zu dem noch Appetitmangel, belegte Zunge, un=
kuhiger
Schlaf und dergleichen Anzeichenmehr, dann zögere
nick,t länger, ſondern gib Deinem Liebling einen Kaffee=
löffel
voll des beliebten Califig, Californiſcher Feigen=
ſirup
, und in kürzeſter Friſt wirſt Du ſehen, wie die
Störungen ſchwinden, und das Kind wieder munter und
fidel wird.
Califig iſt eine glückliche Kombination des ſüßen
Feigenſaftes mit heilſamen, als wohltuend bekannten
Kräuterauszügen. Sein Geſchmack iſt ſo angenehm, daß
alle Kinder Califig gerne nehmen. Califig reinigt die
Verdauungsorgane in prompter, dabei milder, beſchwerde=
loſer
Weiſe, regelt den Stuhlgang und beugt Verſtopfung
vor. Eine genaue Gebrauchsanweiſung für die Anwen=
dung
bei Erwachſenen und Kindern liegt jeder Flaſche
bei=Eine Flaſche Califig gehört in jede Hausapotheke,
damit man ſie immer bei der Hand hat. Wenn Du noch
keine haſt, dann vergiß nicht, Dir eine beim nächſten Aus=
gänge
zu beſorgen.
In allen Apotheken zu haben zu 1,50 Mk. die Flaſche.
Extra große Flaſche 2,50 Mk. Beſt.: Syr. fici Californ. 75
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Ecke Wilhelminenstr. 1 in reicher Auswahl.
Reelle prompte Bedienung. (24684a

überall im Ge=
Eientra-Kerzen brauch! Wun=
derbares Licht,
rinnen nicht, riechen n cht. Guß leicht beſchädigte billiger.
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Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. am weißen Turm.
V 17266

Aus dem Geſchäftsleben.

Die Unterhaltung der Großſtadt braucht
niemand zu entbehren, der im Beſitze des weltbekannten
Muſikinſtrumentes Grammophon=Gramola iſt. Dieſe
wunderbare Maſchine bringt in jedes Heim die Vor=
träge
der größten Stars, mdgen ſie der Oper, Operette,
dem Varieté, Kabarett angehören. Das Grammophon
iſt das einzige Muſikinſtrument, über deſſen Qualität
viele Muſikautoritäten ein Urteil abgegeben haben:
Unerreicht. Die koſtenloſe Vorführung findet in den
offiziellen Verkaufsſtellen der Deutſchen Grammophon=
Aktiengeſellſchaft ſtatt; in Darmſtadt bei K. Jäger,
Georgenſtraße 11, Telephon 2579, und bei J. Teſchel,
Schillerplatz 3, Telephon 1589.
Ein guter Wink! Der ſchlanken Birke ſonn=
durchglühte
Kraft dem Haare üppige Fülle, Glanz und
Weichheit ſchafft. Dr. Dralle’s Birken=Haarwaſſer iſt
ein gutes, reelles und ſolides Haarpflegemitzel, welches
auf kahlen Köpfen keine Haaresfülle hervorzaubern will,
ſondern das erzielt, was nach dem heutigen Stande der
Wiſſenſchaft von einem ernſten Haarpflegemittel über=
haupt
zu erwarten iſt: Stärkung und kräftige Anregung
des Haarwuchſes, Reinigung der Kopfhaut und Ver=
hütung
der Kopfſchuppen. Seit Jahrzehnten hat ſich
Dieſes Haarpflegemittel bewährt und Dank der Weiter=
Lempfehlung von Aerzten und Publikum ſeinen Weg um
den ganzen Erdball gemacht. Auf die heutige Annonce
der Firma Dralle in dieſem Blatte ſei hierdurch hinge=
wieſen
. Man lernt eine leicht durchzuführende Methode
kennen, die bei einiger Ausdauer zum Ziele führt. Her=
vorzuheben
wäre, daß Dr. Dralles Birlen=Haarwaſſer
auf 6 Weltausſiellungen die höchſten Auszeichungen,
nämlich eine goldene Staatsmedaille und 5 Grand Prie
erworben hat.

Kelie nkust
UiidGRasrukunst
E Wilh. Götze
Bildhauer, Vertreter der Wies-
:: badener Gesellschaft
Darmstadt, Kar,strasse 94
Ständiges Lager ven Grabdenk-
mälern
, Medellen u. Skizzen in
jeder Preislage.

B7091

m Einem Teil der Stadtauflage unſerer heutigen
Ausgabe liegt ein Proſpekt bei von Speier’s
Schuhwarenhaus, Ludwigsſtraße 16, worauf hiermit
hingewieſen wird.
(24679

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Amerika 26. Nov. 11 Uhr 30 Min
morgens von New=York über Plymouth und Cherbourg
nach Hamburg. Barcelona nach Newport News,
27. Nov. 1 Uhr 30 Min. nachm. in Philadelphia.
Bosnia nach Baltimore, 27. Nov. 8 Uhr 45 Min,
morgens in Boſton. Motorſchiff Chriſtian X. 27. Nov.
12 Uhr 45 Min. mittags in Philadelphia. Moltke‟
von New=York, 27. Nov. 1 Uhr 45 Min. nachm. in
Genug. Pallanza 25. Nov. 1 Uhr nachm. von Mon=
treal
nach Rotterdam und Hamburg. Preſident Grant
28. Nov. 12 Uhr 30 Min. morgens in New=York.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
Rotterdam 26. Nov. vorm. von New=York abgegangen.
Noordam 22. Nov. vorm. in Rotterdam eingetroffen.
Ryndam 19. Nov. vorm. von New=York abgegangen.
Potsdam 26. Nov. nachm. in New=York eingetroffen.

Familiennachrichten.

Statt Karten.

Die glückliche Geburt eines gesunden
Mädchens zeigen hocherfreut an
Postdirektor, Hauptmann d. L. Walter
und Frau Cäcilie, geb. Scheyrer.
Mosbach (Baden), 29. November 1912.
(24705)

Statt Karten!

Die glückliche Geburt eines
Mädchens
zeigen hocherfreut an
(24725
Fritz Aufnagel und Frau Lina,
geb. Bopp.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute entſchlief ſanft nach kurzer, ſchwerer
Krankheit meine liebe, gute Tochter, unſere
(24724
Schweſter
Anna
im vollendeten 24. Lebensjahre.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Waas.
Darmſtadt, den 1. Dezember 1912.
Nieder=Ramſtädterſtraße 34.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. Dez.,
nachmittags 2½ Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.

Todes=Anzeige.
Hiermit machen wir Verwandten, Freun=
den
und Bekannten die ſchmerzliche Mitteilung,
daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat,
unſeren innigſtgeliebten, treubeſorgten Vater,
Großvater, Bruder, Schwiegervater, Schwager
und Onkel
Herrn August Brenner
Mühlenbesitzer
(Sensfeldermühle)
ganz unerwartet zu ſich zu rufen. (24726
Die trauernden Hinterbliebenen.
Gräfenhauſen, den 1. Dezember 1912.
Die Beerdiguna findet Dienstag, den 3. Dez.,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.
Dem Herrn über Leben und Tod
hat es gefallen, meine liebe Frau,
unsere gute Mutter, Schwester, Tante
und Schwägerin
(24701
Frau Auna Doerr
geb. Vogel
im 52. Leben-jahre nach langem,
schwerem Leiden sanft und ruhig in
sein himmlisches Reich abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Carl Doerr
und Kinder:
Eduard, Carl, Marie, Lydia, Helene.
Nieder-Ramstadt, am 30. Nov. 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. Dez.,
nachmittags 2½ Uhr, statt.

Todes=Anzeige.
Verwandten und Bekannten die traurige
Nachricht, daß heute morgen unſer lieber Vater
und Großvater, Bruder und Onkel (24710
Herr
Alexander Bernhard
Maschinenmeister
im Alter von 76 Jahren ſanft entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 30. November 1912.
Schützenſtr. 12.
Die Beerdigung findet Montag, 2. Dez., nachm.
4 Uhr, vom Portale des Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter,
Schwiegermutter, Schweſter, Schwägerin u. Tante
Henriette Emich
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren herzlichſten
Dank.
(24719
Die trauernden Hinterbliebenen:
Franz Wilding.
Darmſtadt, den 30. November 1912.

Die Wetterkarte

bekommt im Winter eine für weite Kreiſe angenehme
Neuerung: Sie enthält Mittwochs und Samstags eine
Ueberſicht über die Schneeverhältniſſe der benachbarten
Gebirge. An dieſen Tagen berichten eine Reihe von
Winterſportplätzen über die dortigen Schneeverhältniſſe an
die Wetterdienſtſtelle des Phyſikaliſchen Vereins Dieſe
Nachrichten werden in die Wetterkarte aufgenommen und
dadurch ſchon in den Mittagsſtunden den Abonnenten der
Wetterkarte mitgeteilt. Durch die Verbindung mit der
Wetterkarte bekommen dieſe Schneeberichte einen erhöhten
Wert, weil man nämlich aus der Prognoſe zugleich auf
etwaige Aenderungen ſchließen kann. Eine Erhöhung des
Abonnementspreiſes der Wetterkarte iſt damit nicht ver=
bunden
; man kann ſie nach wie vor bei jeder Poſtanſtalt
für 50 Pfg. monatlich beziehen.

Tageskalender.
konzert der Großh. Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Henriette Arendt um 8¼ Uhr im Kaiſer=
ſaal
(Verein für Frauenſtimmrecht).
Geflügel=Ausſtellung im Mathildenhöhſaal.

Puppen=Ausſtellung im Gewerbemuſeum, Neckar=
ſtraße
3 (geöffnet von 111 und 35 Uhr, Mittwochs
von 37 Uhr).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
us dem Geſchäftsleben: Hans Heit, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Heute Montag, den 2. Dezember beginnt unser
Gro0oer

Wir haben uns auch dieses Jahr wiederum bemüht, grosse Extraposten Ware in sämtlichen Ab-
teilungen
, die speziell für Weihnachts-Geschenke geeignet sind, zu erstehen, und ist somit
unserer werten Kundschaft Gelegenheit geboten, Geschenk-Artikel enorm billig einzukaufen.

Kleiderstoffe

Hauskleiderstoffe, solide, gute Qua-
litäten
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gestreiften Mustern, enorme Auswahl
Mtr. 1.10, 90, 75, 45
Cheviot, strapazierfähige Ware, 110 cm
breit, in allen gangbaren Farben, reine
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Wolle . .
Satintuche, 98110 cm breit, rein-
wollenes
Gewebe, in allen gangbaren
. Mtr. 2.40, 1.95, 1.50
Farben
Kleiderstoffe, gestr. u. kariert, sowie
in vielen gemust. Artik., 95110 cm
breit, rein wollene Ware Mtr. 1.60, 1.50
Kinder-Schotten, doppelbreit. Ware,
hübsche Muster, speziell für Kinder-
Mtr. 1.20, 1.10, 95, 75,
kleider,
Blusen-Stoffe, halb- und reinwollene
Artikel, in modernen Streifen, sowie
chang., große Ausw., Mtr. 1.80, 1.50, 35

Eolienne, 120 cm breit, halbseidenes
Gewebe mit wunderbaren Borden für
Tanzstunde und Abendkleider sehr
geeignet, reg. Wert Mtr. 4.80, Mtr. nur

Seide und Samt

Messaline, mod. Farben mit hübsch.

2.75

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Paillette, in elegant. Streifenmust.,
solides Gewebe
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Foulardseide, ca. 60 cm breit, in
feinen Mustern
. Mtr.
Taffet, ca. 60 cm breit, schwarz-weiß
gestreift. Ware, in großer Auswahl
für Blusen, Unterröcke
Mtr.
Paillette changeant, sehr modern,
in vornehmen Farben
Mtr.
Samt, in vielen Farben, gute Lindner
Fabrikate . . Mtr. 2., 1.80, 1.50,
Samt-Reste, beste Lindner Fabrikate,
in verschied. Farb., Mtr. solang. Vorrat

Weisse Stückware
Croisé, gut gerauhte Qualitäten, für sämt-
liche
Leibwäsche Mtr. 70, 65, 58, 48,
Flock-Piqué gute Fabrikate, schwere,
. Mtr. 70, 60, 50.
solide Ware
Cretonne, 80/82 cm breit, für Leib-
und Bettwäsche, bekannt gute Qualitäten,
in fein- und dickfädig Mtr. 60, 55, 48,
Renforcé, 80/82 cm breit, äußerst solid
für Leib- und Bettwäsche Mtr. 55, 48,
Bettdamast, 130cm breit, für 1½schläf.
Betten, prima seidenglänzende Qualitäten,
Meter 1.90, 1.60, 1.30,
Bettdamast, 160cm breit, für2schläfige
Mtr. 2., 1.60, 1.30,
Betten
Bettuch-Cretonne, schwere, solide
Qualitäten, 160 cm breit . Mtr. 1.20,
Bettuch-Halbleinen, ca. 160 cm
breit, prima Ware, äußerst haltbar,
Meter 1.90, 1.50, 1.30,

Handtuchstoffe

Drellhandtuchstoff, halbleinen, rein-
leinen
und baumwolle, weiß und weiß
mit Kante . . . Mtr. 75, 50, 45, 35, 28
Jacquardhandtuchstoff, rein- und
halbleinen, Ia Qualitäten, weiß und mit
Mtr. 75, 65, 45, 35, 25
Kante .
Gerstenkornhandtuchstoff, solide
waschechte Ware, weiß und farbig
Meter 60, 45, 35, 28
½ abgepasste Handtücher, rein u halb-
leinen
. gesäumt u. gebänd., 42/1 1Ocm. weiß
u.weiß-farb. Kante ½ Dtzd. 4.90, 3.50,2.25,1.98

9

Taschentücher
Linontuch, gesäumt für Kinder, weiß
mit bunter Kante
½ Dtzd. 75,
gebrauchsfertige Tücher, gesäumt.
weiß
½ Dtzd. 1.20,
halbleinen Tücher, weiß und mit
Kante .
Dtzd.
reinleinene Tücher, gesäumt, weiß
Dtzd.
Buchstaben-Tücher, aus Ia Batist,
½ Dtzd.
Batisttücher, mit Seidenglanz, für
Herren, uni mit aparten Kanten Stück 35,

Ainver

Damenwäsche

Damenhemd, Achsel- oder Vorder-
schluss
mit Stickerei u. Banddurchzug
oder mit Festonverzierung, gute, solide
Qualitäten, Stück 4 50, 3.25, 2 25, 1.80,
Damenhemd, Reformschnitt mit
Madeira-Handstickerei, sowie Hand-
feston
aus fein gewebter prima Ware
Stück 3.30,
Damenbeinkleid, Knie- oder Bünd-
chenfasson
, mit Bogen- oder Stickerei-
besatz
, prima Qualitäten
Paar 3.50, 2.80, 1.90,
Croisé-Beinkleid, vorzügl. Qualit.,
gebogt oder mit Stickereieinsatz und
Spitze . . . Paar 3.20, 2.50, 1.80,
Untertaillen aus gutem Cretonne u.
Renforcés, mit Ia Stickereiverzierungen
oder mit Klöppelspitzen in enorm
grosser Auswahl, sämtliche Weiten
Stück 2.50, 1.80, 1.50, 95 u.
Nachtjacken aus Cretonne oder Croisé
mit u. ohne Umlegekragen, mit eleg.
Stickerei-Verzierung
Stück 3.80, 2.50, 1.80,
Stickereiröcke aus Ia Cretonne oder
Renforcé, mit eleg. Stickereivolant, in
hervorragend hübscher Auswahl
Stück 1050, 8.50, 5., 3.25,

Bettwäsche

Bettbezüge, 1½- u. 2schläfig, aus
prima Damastware, in großer Auswahl
Stück 6., 4.50, 4.,
Kissenbezüge aus prima Cretonne
od. Renforcé, gebogt od. breit. Stickerei-
einsätzen
, oder mit -Klöppelecken
Stück 1.95, 1.20, 90,
Bettücher aus pr. Halbl. od Cret.,
vollständ, groß, St. 4., 3.25, 2.70.
Ueberschlaglaken in großer Aus-
wahl
. . . Stück 7.50, 6.50, 5.50,

3.75
55
2.25
3.80

Tischwäsche

Tischtücher, volle Größe, reinleinen,
halbleinen, baumwolle in hübschen
Jacquard-Drellmustern, prima Quali-
täten
, Stück 4.80, 3.90, 3., 2.40, 1.20
Servietten, rein- u. halblein., sow. in
Baumwolle, Ia Ware, in hübsch. Must.,
½ Dtz. 4.20, 3.50, 3., 2.40, 1.80, 1.20
Teegedecke, Tischt m. 6 Servietten,
weiß und weiß mit farbigem Rand
das Gedeck 7.50, 5., 4., 3.50
Kaffeedecken, doppelseitig, wasch-
echte
Qualitäten, volle Größe
Stück 4.50, 3.60, 2.40, 1.80,
95

Markt 7

Guggenheim & Marx

Markt 7.

[ ][  ][ ]

Heute beginnt in unseren sämtlichen Abteilungen
Grosser

unser

Unsere Schaufenster zeigen Ihnen in großer Menge Artikel, die speziell für Weihnachtsgeschenke
sich vorzüglich eignen und bitten wir Sie, dieselben eingehend zu besichtigen. Wir ersuchen
unsere werte Kundschaft, den Einkauf möglichst in den Vormittagsstunden zu erledigen, um
: :: jeden einzelnen unserer Kunden mit der größten Aufmerksamkeit bedienen zu können. :: :.

Baumwollwaren
Kleider-Velour in hübsch. Mustern
prima Qualitäten . Mtr. 75, 65. 55.
Rhenania für Blusen und Kinder-
kleidchen
in groß. Ausw. Mtr. 75. 65.%
Blusentennis-Flanelle neue Must.
gute waschechte Ware . Mtr. 70, 60.4
Kleiderbaumwollzeuge in vielen
hübschen Mustern, vorzügl. Qualität.,
Mtr. 90, 80,
Kleiderdruck, schwere, waschechte
Qualitäten
Mtr. 60,
Schürzendruck, 120 cm br., gutes,
solides Fabrikat
Mtr. 1.10, 95,
Schürzenbaumwollzeug, 120 cm
br., waschechte Ware Mtr. 1.10, 95,
Schürzensatin, neue türk. Muster
in prima Qual. . .
Mtr. 85, 75,
Jackenbiber helle u. dunkle Must.
Mtr. 65, 55,
Hemdenflanelle, gestreifte u. kar.
waschechte Ware . Mtr. 65, 55, 45,
Rockvelour in schönsten Streifen,
Mtr. 70, 65, 48,
einfarbig
Bettkattun, prima Qualitäten, wasch-
. Mtr. 60, 45, 35,
echte Ware

Normalwäsche u. Strickwaren

Normalhose, solide Fabrikate
Paar 1.80, 1.50,
Normalhemd, in allen Weiten und
Größen . . Stück 2.25, 1.75, 150,
Normaljacken, f. Herren- u. Damen
in großer Auswahl . . 1.50, 1.20,
Futterunterhosen für Herren, warm
. Paar 2.10, 1.85,
gefüttert:
Leib- und Seelhosen für Kinder
in allen Größen und Weiten anfgd.
. Stück 1.10, 95, 85,
Gr. 60
Sweaters für Kinder, in Wolle,
Halbwolle und Baumwolle in großer
Auswahl . Stück 2.25, 1.50, 1.20,
Herren- und Damenwesten, vor-
zügliche
Qualitäten, große Auswahl
Stück 6., 5., 4., 2.30, 1.80.
Reinwollene Shawis, in versch.
. Stück 1.25, 88,
Sortiments
Gestrickte Mützen für Kinder und
Damen, weiß und farbig in großer
Auswahl . . . . Stück 1.20, 95,

95 Pf.
95 Pf.
12

Schürzen

Blusenschürzen aus guten wasch-
echten
Stoffen mit Volant u. Tasche
inenorm. Auswahl, St. 3.25, 1.80, 1.20,
Reformschürzen aus la Stoffen mit
hübsch. waschecht. Besätzen, sauber
verarbeitet . St. 3.50, 2.40, 1.75,
Kimonoschürzen aus Ia Schürzen-
stoffen
oder aus gutem Schürzensatin
Stück 7., 4.50, 3.25, 2.10,
Zierschürzen weiss u. farbig, mit u.
ohne Träger, in hervorragend schöner
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Cretonne oder Louisianatuch, hübsch
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hohen Volants, St. 10.50, 9.50, 7.50,
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oder Lüstrevolants . Stück 4.50,
Unterröcke aus Seideod. seidentrikot-
rumpf
, elegantes Tragen . Stück

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Korsett, gute Drellware, mit Spiral-
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federn
Korsett, Frackf., m. u. ohne Strumpf-
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Markt 7.

24698

[ ][  ][ ]

Zum Schluß der Ausſtellung Der Menſch
in Darmſtadt.

Am vergangenen Sonntag abend iſt die Ausſtellung
Der Menſch in Darmſtadt geſchloſſen worden. Wie
im vergangenen Jahre in Dresden, ſo hat auch hier die
Ausſtellung einen gewaltigen Zuſtrom von Beſuchern
gehabt, die ſich an dem großen Material Belehrung und
Aufklärung holen wollten, über Dinge, denen man bisher
mit einer gewiſſen Gleichgültigreit gegenüberſtand.
Hunderttauſende, Einheimiſche und Fremde, ſind zur
Ausſtellung gekommen. Eine große Zahl von Vereinen
aller Richtungen mit vielen Tauſenden von Mitgliedern
hat die Ausſtellung gemeinſam beſucht, ſo daß gleich nach
der Eröffnung räumliche Veränderungen für dieſe
Maſſenbeſuche vorgenommen werden mußten. Zahlreiche
Fabriken und Großbetriebe haben ihren Arbeitern und
Angeſtellten Urlaub und finanzielle Unterſtützung zum
Beſuch der Ausſtellung gewährt, und auch den Schulen
wurde die Beſichtigung der Ausſtellung mit Erfolg
empfohlen. Insgeſamt iſt die Ausſtellung Der Menſch
von rund 250000 Perſonen beſichtigt worden. Ueber
100000 Karten zu ermäßigten Preiſen wurden aus=
gegeben
, und zwar für Vereine, für Arbeiter, für
Militär und Schulen. Der Kinematograph, der als
Ergänzung zur Ausſtellung täglich wiſſenſchaftliche Kino=
vorführungen
brachte, iſt von über 20000 Perſonen beſucht
worden.
Dieſe große, nicht alltägliche Anziehungskraft einer
Ausſtellung kam wohl in erſter Linie daher, daß die Aus=
ſtellung
ſich nicht an einzelne Berufsklaſſen wendete, daß
ſie keine Fachausſtellung war, die ſchwierige und medi=
ziniſche
Lehren verbreitete, ſondern daß ſie den Ange=
hörigen
aller Stände und Berufsklaſſen nützen wollte,
vor allem aber dem hygieniſch ungebildeten Laien. Es
war hier zum erſtenmal eine Ausſtellung geſchaffen, die
über alles aufklärte, was die menſchliche Geſundheit und
das menſchliche Wohlbefinden angeht, die ſich alſo mit
dem befaßte, was uns alle bis in den innerſten Lebens=
nerv
berührt, und die zeigte, wie jeder Einzelne imſtande
ſei, ſich einen geſunden Körper zu verſchaffen und zu er=
halten
. Wenn der Begriff Hygiene früher für den Laien
unklar war, ſo weiß heute faſt jeder, daß Hygiene alles
das umfaßt, was das menſchliche Daſein betrifft, daß
beinahe alles, was uns auf unſerer Lebensbahn, von der
Geburt bis zum Grabe zuſtößt, unter den Begriff Hygiene
fällt und daß hygieniſch leben nichts weiter heißt, als ſo
zu leben, wie es die Regeln der Geſundheit und der Ver=
nunft
verlangen.
Von ihrem: Schöpfer als ein großes, leben=
diges
und populäres Lehrbuch der Hygiene gedacht,
hat die Ausſtellung nie vergeſſen, daß die Anordnung des
Stoffes dem Verſtändnis des Laien angepaßt ſein muß.
Und man kann wohl ſagen, daß die Ausſtellung Der
Menſch es verſtanden hat, dem nicht mit wiſſenſchaftlichen
Kenntniſſen ausgerüſteten Laien den Stoff in lebendiger
Form zu bieten, ſo daß der Beſchauer vor Ermüdung und
Langeweile bewahrt blieb. Vor allem war vermieden,
das Material ängſtlich zu hüten und, wie es vielleicht
ſonſt in Ausſtellungen üblich und nötig iſt, von jeder Be=
rührung
zu bewahren. Wohl gab es auch hier, wie in
jeder Ausſtellung, die mit Präparaten und Modellen
arbeitet, einzelne Gegenſtände, die, weil allzu empfindlich,
vor dem Anfaſſen geſchützt werden mußten. Aber faſt
in jeder der vielen Gruppen waren kunſtvolle Apparate
und bewegliche Modelle, die den Beſchauer zu Verſuchen
lockten, die im wahrſten Sinne einluden, ſelbſt zu prüfen
und ſich von dem, was gezeigt und gelehrt wurde, durch
den eigenen Augenſchein zu überzeugen.
So darf man wohl ſagen, daß die Ausſtellung Der
Menſch, die ſeinerzeit in Dresden den Hauptanziehungs=
punkt
der großen Internationalen Hygiene=Ausſtellung
bildete, die großen Ziele, die dem Veranſtalter vor=
ſchwebten
, erreicht hat. Sie hat Aufklärung in die
breiteſten Maſſen getragen, ſie hat die Gleichgültigen auf=
gerüttelt
und ſie gelehrt, daß das Glücksempfinden, das
Gefühl von Wohlbehagen, Kraft und Friſche in erſter
Linie einen gefunden Körper verlangt, und ſie hat uns
gezeigt, wie jeder Einzelne imſtande iſt, ſich einen geſun=
den
Körper zu verſchaffen und zu erhalten. Wenn die
Ausſtellung nun auch für immer geſchloſſen iſt, ſo darf man
doch hoffen, daß die Ideen, die ſie verbreitete, erhalten
bleiben und reiche Früchte tragen werden zum Wohle
der Geſundheit des Einzelnen und der Allgemeinheit.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 30. Nov. Präſident Dr. Kaemp
eröffnet die Sitzung um 11,17 Uhr. Erſter Punkt der
Tagesordnung iſt die namentliche Abſtimmung
über den
ſozialdemokratiſchen Antrag,
daß die Behandlung der den Gegenſtand der Interpella=
tion
(betreffend die Teuerungsverhältniſſe) bildenden
Angelegenheit durch den Reichskanzler nicht der An=
ſchauung
des Reichstages entſpreche. Es werden von
323 gültigen Stimmen 140 für den ſozialdemokratiſchen
Antrag, 174 dagegen abgegeben, 9 Abgeordnete enthalten
ſich der Abſtimmung. Der Antrag iſt ſomit abgelehnt.
Es folgt die erſte Beratung eines
Geſetzentwurfes über den Zuſammenſtoß von Schiffen,
ſowie über die Bergung und Hilfeleiſtung in Seenot. Der
Entwurf will die Vorſchriften der inneren deutſchen
Geſetzgebung mit den Beſtimmungen, die auf Grund der
Staatsverträge künftighin für den internationalen Rechts=
verkehr
zur Anwendung kommen werden, in Einklang
bringen. Staatsſekretär Dr. Lisco: Nachdem der
Reichstag im Mai v. J. als erſtes aller Parlamente ſeine
Zuſtimmung zu internationalen Verträgen ausgeſpro=
chen
hat, ſind eine Reihe anderer Staaten gefolgt und
die Zeit der Ratifikation iſt näher gerückt. Unter dieſen
Umſtänden iſt es wünſchenswert, daß ſie nunmehr den
Geſetzentwurf betr. Anwendung der inneren Geſetzgebung
möglichſt bald verabſchieden. Abg. v. Boehlen=
dorff
=Zoelpin (konſ.): Dieſe Vorlage iſt lediglich
formaler Natur. Wir halten eine Kommiſſionsberatung
nicht für notwendig. Abg. Dr. Semmler (natlib.):
Dieſer internationale Vertrag iſt ein Kulturwerk erſten
Ranges und wert, ihm weitere Aufgaben zuzuweiſen.
Hinſichtlich der Zollabfertigung wäre auf internationa=
lem
Wege eine Erleichterung des Seeverkehrs anzuſtreben.
Der Vertrag iſt inſofern ein großer Kulturfortſchritt, als
künftig nicht mehr allein kollidierende Schiffe einander
Hilfe zu leiſten haben, ſondern jedes Schiff der verun=
glückten
Mannſchaft beizuſpringen hat. Das Auswär=

tige Amt ſollte dafür ſorgen, daß auch China dieſem
Vertrag beitritt. Abg. Dr. Herzfeld (Soz.): Die
internationalen Verträge ſollten ſich auch mit der Frage
der Abrüſtung befaſſen. Wir begrüßen den Vertrag als
ein Glied in der Kette der Solidarität unter den Völkern.
Wir ſtimmen der Vorlage zu. Ein Vertreter des Aus=
wärtigen
Amts erklärte, daß die Türkei und China zu
den Verhandlungen eingeladen geweſen ſeien. Ihr Bei=
ritt
ſtehe ihnen noch frei. Abg. Dr. Heckſcher
(Fortſchr. Vpt.): Wir ſtimmen ebenfalls dem Vortrag
zu. Damit iſt die erſte Leſung erledigt. Das
Geſetz wird in der ſofort vorgenommenen zweiten
Leſung ebenfalls angenommen.
Es folgt die erſte Beratung des
Kinderfaugflaſchengeſetzes.
In dem Geſetz werden Kinderſaugflaſchen mit Röh=
ren
oder Schlauch verboten. Abg. Rühl (Soz.): Bei
den letzten Teuerungsdebatten iſt auf die Kinderſterblich=
keit
nicht eingegangen worden, obgleich dabei die beſte
Gelegenheit dazu geboten war. Es iſt ein beſchämendes
Zeichen für unſeren Kulturzuſtand, daß ein ſolches Geſetz
überhaupt möglich iſt. (Lärm bei der Mehrheit. Präſident
Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.) Man
muß ſich wirklich ſchämen, ein Deutſcher zu ſein. (Abg.
Kreth ruft: Sie ſind ja gar kein Deutſcher, Sie ſind
international!) Der Verfaſſer der Begründung dieſes
Geſetzes hat kein Gefühl gehabt für die Eindrücke und das
Beſchämende, das in dieſem Geſetz liegt. Deutſchland iſt
immer in der Welt voran, wenn es ſich um Unkultür han=
delt
. (Großer Lärm. Präſident Dr. Kaempf ruft den
Redner zum zweiten Male zur Ordnung.) In erſter Linie
ſind die Proletarierkinder die Opfer der mörderiſchen
Säuglingsſterblichkeit. Die Säuglingsſterblichkeit iſt
nicht ausſchließlich eine Nahrungsfrage. Die Wohnungs=
frage
und ſonſtige Verhältniſſe ſpielen hierbei eine große
Rolle mit. Das Geſetz iſt lediglich eine Vorſpiegelung,
als ob etwas gemacht wird, bei der man das Uebel nicht
in der richtigen Stelle anpackt. Der Export wird der In=
duſtrie
in vollkommen unberechtigter Weiſe unterbunden.
Die Interpellationsberatung halten wir für nötig. Ich
beantrage die Einſetzung einer Kommiſſion von 14 Mit=
zliedern
.
Miniſterialdirektor v. Jonguiéres: Die Vor=
würfe
des Redners, daß die Materie nicht genügend er=
ſchöpft
wird, wären berechtigt geweſen, wenn wir ein
Geſetz zur Bekämpfung der Säuglingsſterblichkeit vorge=
legt
hätten. Ein ſolches iſt nicht denkbar. Die Frage der
Säuglingsſterblichkeit kann nicht durch ein Geſetz gelöſt
werden, ſondern nur durch eine Summe von Maßnah=
nen
auf dem Wege der Praxis und der chriſtlichen Liebes=
tätigkeit
. Das haben viele Kommunen und Privatvereine
eingeſehen, die ſich mit Eifer und Hingebung dieſer An=
gelegenheit
widmen. Dank dieſer iſt es gelungen, die
Sterblichkeit von 20,7 auf 16,2 Prozent herunterzudrücken.
Dieſe Tätigkeit hat auch allgemein Anerkennung gefunden.
Ihrer gedachte auch der Internationale Kongreß zur
Bekämpfung der Säuglingsſterblichkeit in Berlin, und
auch die Deutſche Vereinigung zur Bekämpfung der Säug=
lingsſterblichkeit
in Darmſtadt. Jetzt haben wir es nur
mit einer einzigen Maßnahme zu tun und uns nur zu fra=
gen
, ob ſie auch geeignet iſt, ihrerſeits etwas zur Vermin=
derung
der Säuglingsſterblichkeit beizutragen. Dieſen
Nachweis glauben wir erbracht zu haben. Wir ſind
Frankreich gefolgt, das für dieſe Spezialfrage eine Spe=
zialgeſetz
geſchaffen hat. Die Einzelheiten des Geſetzes
können in der Kommiſſion geprüft werden. Wir erkennen
es mit Genugtuung an, daß die Regierung uns eine ge=
eignete
Maßnahme vorſchlägt, um den beklagten Uebel=
ſtänden
der Säuglingsſterblichkeit entgegenzuarbeiten.
Praktiſch durchführbare Vorſchläge hat der Abg. Rühl
trotz ſeiner großen Worte nicht gemacht. Wenn er von
er Düngung des Friedhofes mit Kinderleichen ſprach,
ſo wird das Volk darüber urteilen, ob das eine würdige
Sprache iſt. Für ſolche Worte hat das deutſche Mutter=
herz
kein Verſtändnis und der Redner verurteilt ſich ſelbſt.
(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)
Abg. Schulenburg (natl.): Die Rede des Sozial=
demokraten
zeigt, daß den Sozialdemokraten jede Saug=
flaſche
recht iſt, um ſich mit Haß gegen die jetzige Geſell=
ſchaftsordnung
voll zu ſaugen. (Sehr gut! Heiterkeit.)
Wir halten eine Kommiſſionsberatung für angebracht.
Hinſichtlich der Religion in den Schulen ſind wir der An=
ſicht
, daß dieſer Unterrichtsgegenſtand nicht aus den
Schulen entfernt werden darf. Abg. Müller= Meinin=
gen
(Fortſchr. Vpt.): Die Bekämpfung der Kinderſterb=
lichkeit
iſt das wichtigſte Kapitel der Geſundheitspflege.
Wenn wir auch nur etwas der Kinderſterblichkeit abhelfen
können, ſo iſt das Geſetz zu begrüßen. Wir ſtimmen für
die Kommiſſionsberatung. Abg. Burckhardt (Wſch.
Vag.): Erfreulich iſt, daß die Parteien mit dem Grund=
gedanken
des Geſetzes einverſtanden ſind. Sämtliche
Aerzte, welcher Parteirichtung ſie auch angehören, unter=
ſtützen
das Geſetz. (Sehr gut!) Damit ſchließt die
Debatte. Die Vorlage geht an eine Kommiſſion von
14 Mitgliedern.
Es folgt die erſte Leſung des
Poſtſcheckgeſetzes.
Das Geſetz will das durch Verordnung eingeführte
Poſtſcheckweſen geſetzlich regeln und das Verfahren mehr=
fach
ändern. Die Stammeinlage ſoll von 100 auf 50 Mark
herabgeſetzt und das Tarifweſen geändert werden.
Staatsſekretär Krätke: Das Poſtſcheckweſen hat ſich
günſtig weiter entwickelt. Oeſterreich=Ungarn, Belgien,
die Schweiz und Luxemburg haben ſich dem Scheckverkehr
angeſchloſſen. Weitere Verhandlungen ſind im Gange
Die ganze Einrichtung hat den Beifall der Beteiligten
gefunden. Es hat ſich aber herausgeſtellt, daß die Grenze
zwiſchen Zahlern und Empfängern betreffs der Gebühren
im Geſetz nicht richtig gezogen iſt. Insbeſondere wurde es
als Laſt empfunden, daß bei mehr als 600 Buchungen für
einen Kontoinhaber eine Zuſchlagsgebühr von 7 Pfg. für
jede Buchung in Anrechnung gebracht wurde. Dadurch
wurden Unklarheiten hervorgerufen. Alle dieſe Unbe=
quemlichkeiten
ſollen dadurch beſeitigt werden, daß bei
der Einzahlung eine Frankierung eintritt. Ich bitte, den
Geſetzentwurf wohlwollend zu behandeln. Abg. =
dekum
(Soz.): Im ganzen ſind bisher erſt 75000 Konten
errichtet worden. Das iſt geradezu ein Mißerfolg. Der
Zuſchlagstarif war die unglücklichſte Beſtimmung in dem
Scheckweſen. Dieſer wird beſeitigt, aber durch eine er=
neute
Verſteuerung belaſtet. Fiskaliſche Rückſichten dür=
fen
nicht ausſchlaggebend ſein. Wir beantragen Berat=
ung
in der Budgetkommiſſion. Abg. Irl (Zentr.):
Wir ſtimmen dem Antrage auf Kommiſſionsberatung zu.
Abg. Frommer (Ztr.): Mit Genugtuung begrüßen

wir, daß die weitere Zinsloſigkeit des Guthabens be=
ſeitigt
bleibt. Abg. Beck=Heidelberg (natl.): Die Be=
fürchtungen
des Vorredners ſind nicht ſtichhaltig. Wir
egrüßen die Herabſetzung für das Stammkapital, weil
adurch der Poſtſcheckverkehr weiteren Kreiſen der Bevöl=
kerung
zugänglich gemacht wird. Für die weitere Aus=
geſtaltung
des Poſtſcheckverkehrs wäre die Schaffung eines
Beirats notwendig. Auch die Ueberweiſungsgebühren
nüſſen beſeitigt werden. Wir ſtimmen dem Antrage auf
Kommiſſionsberatung zu. Abg. Dove (Fortſchr.
Vpt.): Im großen und ganzen ſind wir mit dem Entwurf
einverſtanden. Wir ſind dem Staatsſekretär dafür dank=
bar
, daß der Poſtſcheckverkehr ohne Störungen ſich glatt
ingebürgert hat. Damit iſt die Tagesordnung erſchöpft.
Nächſte Sitzung Montag 2. Dezember. Tages=
ordnung
: Erſte Leſung des Etats.

Handel und Verkehr.

Patent=Erteilungen. (Mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Klemens Herszberg u. Co., Patent= und
Ingenieur=Büro Darmſtadt. 81 c. 254 730. Rahmen=
faltſchachtel
. Albert Heß, Friedberg i. Heſſen, Bismarck=
ſtraße
3. 13. 2. 12. H. 56 856. Patent= Anmel=
dungen
. 12 o. J. 13772. Verfahren zur Herſtellung
von Eſſigſäure. Weſtdeutſche Bleifarbenwerke Dr. Kal=
kow
, G. m. b. H., Offenbach a. M. 10. 5. 12. 45 k. F.
32866. Waſſer= und Dampfheizung für Gewächshäuſer
u. dgl. Adolf Frömmig, Heppenheim a. d. B. 9. 8. 11.
49 b. C 19677. Selbſttätige Schaltvorrichtung für die
Stahlhalter von Hebelmaſchinen. Collet & Engelhard,
G. m. b. H., Offenbach a. M. 12. 8. 10. 48 a. M. 48 731.
Verfahren zur Reinigung und Entfettung von Metall=,
insbeſondere Schmuckgegenſtänden, mittels alkaliſcher
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ſtraße
4/10. 5. 11. 12. B. 60 710. 3 c. 531 397. Damen=
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Schutzhülſe, bearbeitet als Portemonnaie zur Aufnahme
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bach
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Telephoninhaberverzeichnis. Ludwig Quandt, Oſfen=
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bleitem
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Bergſtraße. 13. 11. 12. M. 43 609. 33 b. 531 119. Doppel=
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Bernardsſtraße. 4. 11. 12. M. 44059. 33 d. 531 448.
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Heinrich Hendrichs. Worms a. Rh., Siegfriedſtraße 10.
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Seifenwaſſerabfänger. Wilh. Sturm, Mainz, Weintor=
ſtraße
25. 30. 10. 12. St. 16 943. 34 1. 530 772. Eigelö=
ſcheider
. Heinrich Stein. Offenbach a. M., Waſſerhof=
ſtraße
29. 21. 10. 12. St. 16908. 44 a 531071. Blu=
mennadel
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Material. Carl Stautz, Darmſtadt. Gutenbergſtraße 62.
29. 7. 12. St. 16 586. 44 b. 530 809. Zigarren=Etui mit
Vertiefungen zum beſſeren Schutz der Zigarren. Johann
Georg Höfle, Offenbach a. M., Kaiſerſtraße 14. 4. 11. 12.
H. 58 225. 45 b. 531 565. Hackrahmen für Drillmaſchi=
nen
. Fa. A. J. Tröſter, Butzbach. Heſſen. 31. 10. 12.
T. 15055. 45 h. 531 163. Zerlegbare Hundehütte. Wil=
helm
Scherer, Offenbach a. M., Darmſtädterſtraße 22.
22. 8. 12. Sch. 45165. 54 g. 520 999. Reklametransva=
rent
. Peter Kunkelmann. Frankfurt a. M.=Bockenheim,
Adalbertſtraße 37, und Fritz Förſter. Offenbach a. M.,
Frankfurterſtraße. 28. 9. 12. K. 55035. 63 b. 530 871.
Einrädiger Transportkarren. Fa. F. W. Ruſt, Offenbach
a. M. 31. 10. 12. R. 34 224. 77 L. 531082. Vorrich=
tung
zum Feſthalten von Theaterkuliſſen. Carl Schäfer,
Offenbach a. M., Bismarckſtraße 207. 25. 10. 12. Sch.
45 838

Aus dem Geſchäftsleben.

Alles ſchreit heute Ach und Weh über die Fleiſch=
teuerung
. Regierungen und Behörden ſuchen nach Mitteln
und Wegen, um eine Linderung der Fleiſchnot herbei=
zuführen
. Auch verſchiedene Stadtverwaltungen haben
durch Errichtung von Verkaufsſtellen dafür geſorgt, daß
das Publikum als Erſatz für das teuere Fleiſch friſche
Fiſche für billiges Geld bekommen kann. Die Induſtrie
iſt ebenfalls nicht untätig; ſie bietet billige und aute
Erſatzprodukte an. So bringt die Firma Knorr in Heil=
bronn
die bekannten Knorr=Suppenwürfel für 10 Pfg.,
ausreichend für 3 Teller, in den Handel. Bei der gegen=
wärtigen
Lebensmitel=Teuerung iſt eine gute kräftige
Knorr=Suppe gewiß zu ſchätzen, um ſo mehr, wenn man
ſie für ſo billiges Geld ohne Fleiſchbrühe zubereiten kann.
Kinderſpielzeug. In den letzten Jahren iſt
eine Induſtrie entſtanden, die berufen iſt, unſeren
Kindern Spielwaren in die Hände zu geben, die allen
Anſprüchen in Bezug auf Giftfreiheit, Naturtreue der
Modelle, Schönheit der Bemalung und Haltbarkeit ent=
ſprechen
. Lineolſoldaten und Lineoltiere haben ſich in
kurzer Zeit, weil ſie dieſe hervorragenden Eigenſchaften
beſitzen, den Markt erobert. Die Soldaten werden als
Lehrmittel beim Militär und in Schulen gebraucht.
Darum kann der Kauf dieſer Artikel für unſere Kinder
empfohlen werden.

Aus Bädern.

Nordſeebad Büſum (Holſtein). In einer Ver=
ſammlung
des Badevereins ſprach der Badekommiſſar
Herr E. v. Müller=Berneck über die Saiſon von 1912. An
der Hand von Frequenzzahlen anderer Bäder und
Sommerfriſchen zeigte er, daß Büſum mit ſeinem dies=
jährigen
Beſuche recht zufrieden ſein könne. Im Jahre 1911
hätten alle Bäder, dank des herrlichen Wetters, größere
Beſucherzahlen als dieſes Jahr gehabt. Auch in Büſum
ſei die Beſucherzahl des Vorjahres nicht ganz erreicht,,
aber, daß man ihr ſo nahe gekommen ſei, trotz des ge=
radezu
abſchreckenden Wetters, beweife glänzend, daß die
ſpezifiſche Eigenart, das Wattenlaufen, welche Büſum
neben dem Seebade noch bieten könne, Kurgäſte auch
dann noch anzuziehen vermag, wenn ſogar unfreund=
liches
Wetter von einer Badereiſe abrät.

Rheumatische Schmerzen, Reißen,
Hexenschuß. In Apotheken Fl. M 1,30.

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Grofh. Polizeiamts Darmſadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher, 1 Dachshund. 1 deutſcher Schäferhund,
1 Pinſcher, 1 Jagdhund (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(24675

Verloſung von Schuldverſchreibungen der
Stadt Darmſtadt.

In Vollziehung des Schuldentilgungsplanes der Stadt Darm=
ſtadt
ſind heute nachſtehende 3½prozentige Schuldverſchreibungen auf
den Inhaber durch Verloſung zur Rückzahlung berufen worden,
nämlich:
1. Rückzahlbar am 1. Februar 1913.
Buchſt. H Abt. I über 2000 Mk. Nr. 104, 108, 231, 331, 431,
486, 662, 752, 891.
H II über 1000 Mk. Nr. 88, 91, 226, 234, 249, 293,
373, 461, 516.
H III über 500 Mk. Nr. 57, 191, 197, 450, 452, 588,
797, 862.
H IV über 200 Mk. Nr. 120, 133, 174, 215, 373,
603, 681, 709, 859.
2. Rückzahlbar am 1. Juni 1913.
Buchſt. U Abt. I über 1000 Mk. Nr. 18, 44, 72, 88, 144, 169,
274, 306, 352, 388, 446, 611, 654, 701,
719, 840, 903.
U II über 500 Mk. Nr. 134, 335, 345, 478, 637,
664, 665, 670, 699, 777, 901, 919, 941,
966, 971, 977.
U III über 200 Mk. Nr. 1, 53, 67, 80, 138, 140,
168, 213, 269, 286, 349, 381, 421, 449,
532, 534, 604, 613, 729, 821, 973.
3. Rückzahlbar am 1. Juli 1913.
Buchſt. K Abt. I über 2000 Mk. Nr. 5, 57, 138, 187, 193, 264,
303, 380, 394, 463, 492. 570, 644.
K II über 1000 Mk. Nr. 24, 152, 351, 370, 447,
480, 484, 509, 630, 646, 770, 825, 840,
892, 894, 1037, 1065, 1187, 1197, 1279,
1308, 1345, 1379, 1498, 1500, 1546, 1571,
1784, 1905, 1995.
K III über 500 Mk. Nr. 122, 139, 204, 330, 345,
368, 543, 714, 728, 771, 929, 966, 989,
1035, 1141, 1296, 1356, 1411, 1439, 1444,
1449, 1492, 1506, 1523, 1539, 1051, 1748,
1904, 1950, 1951.
K IV über 200 Mk. Nr. 301, 475, 483, 499, 512,
668, 797, 897, 924, 954.
4. Rückzahlbar am 1. Oktober 1913.
Gaswerksſchuldverſchreibungen Buchſt. A über 200 Mk. Nr. 10/
205, 215, 334, 355, 398, 412, 539, 598, 605, 692, 711, 823, 840, 905, 929,
1052, 1061, 1117, 1159, 1186, 1206.
Die Einlöſung aller Stücke geſchieht bei der Stadtkaſſe Darm=
ſtadt
, außerdem erfolgt die Rückzahlung der Schuldverſchreibungen:
des Anlehens Buchſt. H bei der Dresdener Bank in Berlin
und deren Niederlaſſung zu Frankfurt a. M., bei der
Oldenburgiſchen Spar= und Leihbank zu Oldenburg
und bei dem Bankhauſe Ephraim Meyer & Sohn zu
Hannover;
des Anlehens Buchſt. U bei der Bank für Handel und In=
duſtrie
zu Darmſtadt und Berlin und deren übrigen
Niederlaſſungen;
des Anlehens Buchſt. K bei der Bank für Handel und In=
duſtrie
zu Darmſtadt und Berlin und deren übrigen
Niederlaſſungen, bei den Bankhäuſern Delbrück, Schickler
& Cie. zu Berlin, Ferdinand Sander zu Darmſtadt
und Frankfurt a. M. und bei der Deutſchen Vereins=
bank
, Filiale Darmſtadt, vormals Ed. G. Gerſt zu
Darmſtadt;
des Gaswerksanlehens Buchſt. A bei dem Bankhauſe Ferdi=
nand
Sander zu Darmſtadt und Frankfurt a. M.
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hört mit den oben
genannten Verfallterminen auf.
(24447fo
Darmſtadt, den 22. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.

Städt. Fleiſch=Verkauf
Aeue Markthalle im Schlachthof
und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr an
Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.

Maßnahmen gegen die Fleiſchteuerung.
Nachdem die Reichsregierung die Einfuhr holländiſchen lebenden
nach Darmſtadt genehmigt hat, ſind als erſte
Rindviehs Sendung 27 Stück vollwertige gemäſtete Schlacht=
tiere
eingetroffen.
Die nachbenannten Metzger haben ſich verpflichtet, das ihnen
von der Stadt überlaſſene Fleiſch zu 90 Pfg. das Pfund nach den
hier üblichen Geſchäftsgebräuchen an das Publikum abzugeben.
wird bis auf weiteres
Der ſtädt.
Verkauf von Schweinefleiſch in den Verkaufslokalen
(Schlachthof und Kiesſtraße 21) zu den bisherigen Preiſen fortgeſetzt.
Ludwig Brenner, Bleichſtr. 39 Oskar Kraft, Beſſ. Str. 68
J. Wieſeneck, Holzſtr. 15
Philipp Küſter, Beſſ. Str. 29
R. Katzenſtein, Arheilger Str. 46
Friedr. Geyer, Karlsſtr. 119
Friedr. Krell, Liebfrauenſtr. 59 Fr. Emrich, Hügelſtr. 18
J. Rückert, Tannenſtr. 1
Gg. Schimpf, Wienersſtr. 49
M. Kaffenberger, Kaupſtr. 54P. Vogel, Hügelſtr. 2
Friedr. Dreſſel, Gr. Ochſeng. 2 Ludw. Vogt, Kiesſtr. 45
Aug. Krug, Heidelberger Str. 80 Fr. Schumann, Roßdörferſtr. 14
Konrad Laux, Landwehrſtr. 1Gg. Böhm, Liebigſtr. 36½
Peter Frick, Roßdörferſtr. 51½
M. Frei, Mühlſtr. 20
J. Blumenſchein, N.=Ramſtädter= Johs. Rudolf. Weinbergſtr. 3
Gg. Riedel, N.=Ramſtädterſtr. 52
ſtraße 25
J. Trumpfheller, Alexanderſtr. 21
H. Thumann, Grafenſtr. 41
J. Schmidt, Kranichſteinerſtr. 9 1G. Brunner, Ludwigshöhſtr. 37
J. Rüdinger, Pallaswieſenſtr. 23.
L. Hausmann, Bleichſtr. 22
(24672ods
Darmſtadt, den 30. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

gemiſcht, Ztr. 12 2.
Cafeläpfel, 10 Pfd. 1.,30 M.
*13134oid)
Riegerplatz 8.

per Pfund 8 und
Tafeläpfel 12 Pfg. (*13099
Hohler Weg 80.

Bauplanänderung.

Der auf Grund Genehmigungs=
verfügung
Großh. Miniſteriums
des Innern vom 12. d. M. feſtge=
ſtellte
Bebauungsplan über Aende=
rung
der Fluchtlinie an der Ecke
Pankratius= und Lauteſchläger=
ſtraße
liegt bei dem Stadtbau=
amt
, Grafenſtraße 30, zur Einſicht
offen.
(24708
Darmſtadt, 27. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.

Dur Verhütung des Auffrierens
der Regenrohre infolge man=
gelhaften
Abfluſſes des Regen=
und Tauwaſſers wird den Haus=
beſitzern
empfohlen, vor Eintritt
von Froſtwetter eine gründliche
Reinigung ihrer in den Fußſteigen
angebrachten Regenrohrſintkaſten
vornehmen zu laſſen. (24704oi
Darmſtadt, 30. November 1912.
Städtiſches Tiefbauamt.

Bekanntmachung.

Montag, 9. Dezember I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Metzgermeiſter
Philipp Treßer dahier zugeſchriebe=
nen
Immobilien:
Flur Nr. qm
IV 568¾/10 375 Hofreite Gar=
diſtenſtraße
,
IV 5684/100 101 Grasgarten da=
daſelbſt
,
IV 5684/100 600 Bauplatz daſ.,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K90/12
Darmſtadt, 2. November 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
ſüller. (V22854

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Geehrter Herr Apotheher!
Nächſt Gott danke ich Ihnen für
die gute Rino=Salbe, die ſich an meinen
Händen, ſeit 4 Jahren naſſe, freſſende
Flechte, gut bewährt har.
Indem ich Ihnen nochmals meinen
herzlichſten Dank entgegenbringe, be=
grüße
ich Sie
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Bismark, 1./11. 1905.
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werden bereits von jetzt ab an meiner Kasse
spesenfrei eingelöst. (24678
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Filiale Darmstadt, Rheinstr. 33.

Wethnachtsmeſſe 1912.

Die Weihnachtsmeſſe und der Chriſtbaummarkt werden in
dieſem Jahre auf dem Paradeplatz und am Schloßgraben ab=
gehalten
.
Diejenigen hieſigen Einwohner, die Waren oder Chriſtbäume
feilhalten wollen, werden aufgefordert, ſich am Mittwoch, den
4. Dezember, nachmittags zwiſchen 2½ und 5 Uhr, bei dem
ſtädtiſchen Marktmeiſter (im Rathaus am Marktplatz) perſönlich zu
melden. Nachträglich eingehende, ſowie ſchriftliche Geſuche können
keine Berückſichtigung finden.
Die Plätze zum Verkauf von Chriſtbäumen auf dem Parade=
platz
und am Schloßgraben werden zuſammen unter den ſämtlichen
Bewerbern verloſt.
Mit dem Aufſchlagen der Verkaufsbuden kann am Mitt=
woch
, den 11. Dezember, vormittags 9 Uhr, mit Herrichtung der
Stände für Chriſtbäume am gleichen Tage, nachmittags 2½ Uhr,
nach erfolgter Ausloſung der Plätze begonnen werden.
Die Gebühr für die nächtliche Bewachung der Buden und
Stände iſt alsbald bei der Meldung an den ſtädtiſchen Markt=
meiſter
zu entrichten. Die Verkäufer müſſen den zugewieſenen Platz
ſelbſt benutzen; die Vergebung des Platzes an einen anderen Händler
ꝛc. darf ohne Genehmigung des Marktmeiſters nicht erfolgen. Der
Verkäufer oder ſein Vertreter müſſen während der Verkaufszeit ſtets
am Platze anweſend ſein. Wer ſich den Anordnungen des Markt=
meiſters
nicht fügt, kann von der Weihnachtsmeſſe ausgeſchloſſen
werden.
(24696oi
Darmſtadt, den 30. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Kraftloserklürung von Pfandſcheinen.

Die Inhaber der angeblich abhanden gekommenen Pfandſcheine
Nr. 4614, 14582, 17 483, 17 484, 17485, 20 592, 24388,
25 492, 26706, 28030, 28 219, 28268, 28578, 28 769,
28898, 29049 und 29859 werden hiermit aufgefordert, ihre
Anſprüche innerhalb 14 Tagen, vom Tage des Erſcheinens dieſer
Bekanntmachung an gerechnet, in unſerem Geſchäftszimmer Kirch=
ſtraße
Nr. 9 geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf dieſer
Friſt gemäß § 32 des Statuts vom 18. Auguſt 1900, betreffend die
ſtädtiſche Pfandleihanſtalt Darmſtadt, die Kraftloserklärung der
Pfandſcheine erfolgen wird.
Darmſtadt, den 1. Dezember 1912.
(24673
Städtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.

Weihnachtsbitte.
Damen=Verein der Kleinkinder=Schule
Mauerſtraße.
Die Kleinkinder=Schule in der Mauerſtraße bittet für ihre
Chriſtbeſcherung ihre Freunde herzlich um Gaben an Geld und
Kleidungsſtücken, wie ſie für Kinder von 2 bis 6 Jahren paſſen.
Zur Entgegennahme ſind bereit: Frau Oberſtleutnant Cramolini,
Annaſtraße 36, Frl. v. Gandenberger, Wienersſtraße 63, Frau Major
v. Kietzell, Ohlyſtraße 38, Frl. E. Klump, Kiesſtraße 85, Frl.
Knorr, Wilhelminenplatz 14, Frau Landgerichtsdirektor Meiſel,
Mathildenſtraße 25, Freifrau Schäffer v. Bernſtein, Schießhaus=
ſtraße
67, Frau Juſtizrat Scharmann, Roquetteweg 2 und die
Schweſtern, Mauerſtraße 5.
(24193a

Kansa
Allgemeines Handefs-Institut
Heinrich Moeller.

Moratorien.
Vergleiche zur Vermeidung
und Beendigung von Konkursen.

Bilanzprüfungen. :: Gutachten.
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Beratung in Steuerangelegenheiten. :: Vermögensverwaltungen.
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Beratung in Beteiligungsangelegenheiten u. beiserlösen Gründungen.
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Roman aus Maſuren von Horſt Bodemer.
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27)

Der Abend oder vielmehr die Nacht, die Wullnows
mit Uruſoff verbrachten, war ſehr ſtürmiſch. Vom Theater
ging es in ein ſehr elegantes Reſtaurant auf dem Newsky=
proſpekt
, dann in der Troika hinaus auf die Inſeln, von
den Zigeunerinnen ließen ſie ſich etwas vortanzen, und
Uruſoff gab ihnen Sekt zu trinken und warf ihnen Gold=
ſtücke
zu.
Wullnow war wie umgewandelt, ſeine ſpöttiſche Ader
ſchien verſiegt, ſeine Lebensluſt brach ſo heftig durch, daß
er ſogar Urnſoff zu überbieten verſuchte, und zum Schluß
tanzten die beiden wahrhaftig vor Gunilds Augen einen
Lecht ruſſiſchen Tanz, den der Fürſt dem Freunde in Bel=
grad
beigebracht hatte.
Gunild wußte nicht, was ſie zu dem allen ſagen ſollte.
Es blieb ihr nichts übrig, als abzuſehen. Andere Völker,
andere Sitten! Und ruſſiſch iſt’s heute himmelhoch=
jauchzend
, und morgen zu Tode betrübt zu ſein.
Ihr Mann nörgelte nicht mehr, klagte auch nicht mehr
über den Schreiberdienſt in der Botſchaft, denn kaum ein
Tag verging, an dem nicht das Telephon klingelte, und
Alexei Dimitrowitſch Uruſoff irgend einen Vorſchlag zu
unterbreiten hatte.
Gunild ſtellte der Fürſt ſeine wunderbare Troika zur
Verfügung, beſpannt mit drei edlen, feurigen euſſiſchen
Rappen, die durch die breiten Straßen ſtürmten, als gelte
es Minuten der Ewigkeit abzujagen. Die Abwechſelung
Stat ihr gut, ihre Wangen röteten ſich wieder, Petersburg
fing an ihr zu gefallen.

und ef üingeite es uich uach Mlenicht. Aünſef
kam auf ein Stündchen, trank den Tee bei ihr, rauchte
ohne Unterlaß, ſchnell, nervös ein Dutzend Zigaretten und
phantaſierte am Flügel, bald ſchwermütig, bald toll.
Eines Abends ſtritten ſie ſich über Muſik. Der Fürſt
lachte.
Pah alles nur Temperamentſache! Ich werde
Ihnen einmal aus der Cavalleria von Mascagni vor=
ſpielen
und zwar ſo, wie ſie Richard Wagner nach meinem
Gefühl aufgefaßt hätte.
Die nervöſen Finger glitten über die Taſten, ein tolles
Gemiſch von Tönen drang ans Ohr, und doch es klang
genial!
Mitten im Spiel brach Uruſoff ab, lachte, ſprang auf
und ſchlug Wullnow auf die Schulter. Bummeln wir
noch ein wenig, Freundchen!
Gunild, kommſt Du mit?
Sie hatte keine Luſt. Aber laß Dich nicht abhalten,
Friedrich Karl! ſagte ſie.
Und der ſchien ſich bald beſſer zu amüſieren, wenn
ſeine Frau nicht bei der Partie war.
Kind, ich bin morgen bei der Chevaliergarde zum
Eſſen eingeladen, ich muß hin! Sieh mal, gerade aus
dieſem Truppenteil iſt ſchon mancher bedeutende ruſſiſche
Staatsmann hervorgegangen. Man kann nie wiſſen, ob
mir ſpäter eine ſolche Beziehung nicht nützlich werden
wird.
Und dort hatte er andere Herren kennen gelernt, die
ihre Karten bei Wullnows abgaben und ſich öfters mit
Friedrich Karl verabredeten. Nur ſelten nahm Gunild
an ihren Vergnügungen teil. In der ruſſiſchen Geſell=
ſchaft
lieben es die Herren, unter ſich allein zu bleiben,
man hat eben andere Begriffe vom Leben,

Wilnene nichte des ſeie Trehem ſchut nrdig. 5i1
kam er erſt morgens gegen acht nach Hauſe mit einem ge=
hörigen
Jammer. Und wenn er dann klagte, mahnte ihn
Gunild, ſolider zu ſein.
Eine Diplomatenfrau muß Konzeſſionen machen; ich
muß Fühlung bekommen mit den Leuten die Einfluß auf
die Geſchicke dieſes Rieſenreiches haben oder haben wer=
den
. Manches Wichtige kann ich dann nach Berlin berich=
ten
. Für uns Diplomaten heißt es: alles hören, alles
ſehen und nichts Unberufenen ſagen. Je beſſer meine
Meldungen ſind, um ſo mehr ſteigen meine Chancen
und ich will doch raſch in die Höhe kommen!
Gunild konnte ſich nicht vorſtellen, daß von dieſen
leichtlebigen Offizieren welterſchütternde Dinge zu erfah=
ren
ſeien, aber ſie ſchwieg, in der Hoffnung, ihr Mann
werde von dem unſoliden Leben bald genug haben.
Aber ſie hatte ſich getäuſcht.
Die Nächte durchſchwärmſte er, und wenn er vom
Dienſte in der Botſchaft kam, war er totmüde und legte
ſich ſchlafen.
Alſo das war das glänzende Los, das ihr die Mutter
in ſo leuchenden Farben vorgemalt hatte? Ging es denn
den anderen Damen der Botſchaft nicht beſſer? Gunild
beſuchte ſie jetzt häufiger, da lernte ſie ſchnell erkennen,
daß man in dieſen Familien ſolider und würdiger lebte.
Gewiß, die Herren nahmen öfters einmal an einem
Herrendiner teil, dieſe Art der Gaſtfreundſchaft iſt in
Petersburg beſonders ſcharf ausgeprägt, aber Nacht für
Nacht waren ſie nicht außer dem Hauſe. Oft fühlte ſie
mitleidige Blicke auf ſich ruhen, die ſcheuchten ſie immer
wieder ſchnell weg aus den Häuſern, in denen Zufrieden=
heit
und Harmonie herrſchte. Erſt hatte man Gunild die
Schuld zugeſchoben, man hielt ſie für hochmütig, und

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Wullnow war doch ein charmanter Menſch. Aber nach
und nach ſah man hinter die Kuliſſen und fing an, die
junge Frau zu bedauern. Das war Roßdorffs Verdienſt.
Er nahm ſich kein Blatt vor den Mund.
Zufällig traf Gunild Roßdorff auf der Straße als ſie
aus einem Laden in der Morskaja, der Hauptgeſchäfts=
ſtraße
, kam. Ein paar hundert Schritte gingen ſie plau=
dernd
zuſammen.
Haben Sie Nachricht aus Tempiſchkehnen?
Jawohl, gnädige Frau, es geht den Herrſchaften gut.
Ließe ſich nicht wieder ein beſſeres Verhältnis mit
meinem Manne anbahnen, damit mich Agathe beſuchen
könnte?
Er ſah der jungen Frau forſchend ins Geſicht. Sie
mußte die Augen ſenken. Roßdorff war der allerletzte, der
Einblick in ihre troſtloſe Lage bekommen ſollte.
Ja, gnädige Frau, wiſſen Sie denn nicht, daß wir
vor einigen Tagen Frieden geſchloſſen haben?
Erſtaunt ſah ſie ihn an, kein Wort hatte ihr Mann ge=
ſagt
, ſie fand ſo ſchnell keine Ausrede.
Roßdorff runzelte die Stirn und ſagte ſehr kühl: Auf
Befehl des Botſchafters.
Alſo bis zu ihm waren ſchon Gerüchte gedrungen!
Ihre Gedanken verwirrten ſich, aber irgend etwas mußte
ſie doch erwidern. Ich hoffe, Sie werden nun den Weg
wieder häufiger zu uns finden!
Mit Freuden werde ich Ihnen in den nächſten Tagen
meine Aufwartung machen, gnädige Frau!
Sie ſchwieg. Es kränkte ſie doch, daß Roßdorff immer
noch nicht aus ſeiner Reſerve ihrem Manne gegenüber
heraustrat. Schnell rief ſie eine Troſchke an und treunte
ſich von ihm mit flüchtigem Händedruck. Zu Hauſe über=

dachte ſie ihre Lage. Was war ſie denn anderes, als das
Spielzeug ihres Mannes? Nur den Erfolg hatte er vor
Augen, alles andere war ihm gleich. Immer hatte er
ſchlechte Laune, wenn er zu Hauſe war, verließ ſein Ar=
beitszimmer
eigentlich nur zu den Mahlzeiten, und bei
Tiſch nörgelte, er an allen möglichen Dingen herum. Ein=
mal
hatte ſie in verzweifelter Stimmung ihrem Vater ihr
ganzes Leid geklagt, aber der hatte ſehr froſtig geant=
wortet
: Liebes Kind, ich bedauere Dich, aber Du haſt
Deinen Willen durchſetzen wollen, alſo trage Dein Schick=
ſal
und verſuche ihm die beſten Seiten abzugewinnen.
Würde ich Friedrich Karl Vorwürfe machen, ſo verbeſſerte
ſich Deine Lage keineswegs.
Den Brief nahm ſie wieder aus ihrem Schreibtiſche
und las ihn zum hundertſten Male. Und da tauchte vor
ihrem geiſtigen Auge der ehrliche Plattangen auf. Sie
wollte das Bild bannen, aber ſeinen traurigen Blick beim
Wohltätigkeitsbaſar wurde ſie nicht los, er peinigte ſie.
Wie würde ſie es wohl an ſeiner Seite gehabt haben?
Als einfache Landjunkersfrau! Nicht geſchniegelt und ge=
bügelt
würde er immer vor ihr geſtanden haben, in Jagd=
joppe
vielleicht mit ſchmutzigen Stiefeln, abec Friſche und
Natürlichkeit hätte er ſicher mitgebracht aus ſeinen grünen
Wäldern, von den wogenden Getreidefeldern, und die Luſt
zum traulichen Plaudern und Ausruhen bei ſeinem Weibe.
Da weinte Gunild gar bitterlich.
Wullnow kam in ſehr fideler Stimmung heim. Gu=
nild
, ich habe einen vierzehntägigen Urlaub in der Taſche!
Sprachlos ſah ſie ihren Mann an. Er wurde erregt.
Na ja es ging alles ſo plötzlich. Heute früh kam
der Uruſoff nach der Botſchaft und fragte mich, ob ich nicht
mit ihm auf ſeine Beſitzungen bei Charkow in der Ukraine
fahren wolle nur auf ein paar Tage, liebe Gunild!

Und ’s iſt doch gut, ich lerne Land und Leute kennen, ge=
rade
da unten rumort es jetzt öfters, unter Umſtänden
kann das ſpäter für mich von Wichtigkeit werden.
Ich hindere Dich nicht, erwiderte ſie.
Er tat, als bemerke er den bitteren Unterton nicht,
und fuhr eifrig fort: Natürlich hab’ ich auch an Dich ge=
dacht
! Wie wäre es, Du ließeſt Deine Baſe Agathe Ditt=
mark
kommen? Irre ich nicht, ſprachſt Du vor geraumer
Zeit ſchon einmal den Wunſch aus.
Du haſt mit Roßdorff Frieden gemacht?
Erſtaunt ſah Wullnow Gunild an. Was, ſollte denn
dieſer Seitenſprung bedeuten?
Ja das heißt ausſtehen können wir uns eigentlich
beide nicht. Ich vergaß, es Dir zu ſagen. Formſache nur,
ſonſt wird dummes Zeug auf der Botſchaft zuſammen=
geredet
.
Roßdorff ſprach mich heute in der Stadt an. Es war
mir fatal, von Dir nicht in Kenntnis geſetzt worden zu
ſein.
Ja, was hat das denn aber mit meiner Reiſe zu tun?
Mehr als Du denkſt, Friedrich Karl. Fährſt Du,
wird ſich Roßdorff oft bei mir ſehen laſſen.
Da bekam Wullnow wieder einmal einen Anfall von
Eiferſucht. Erklär‟ Dich, bitte, deutlicher!
Er intereſſiert ſich für Agathe. Alſo, wenn ſie kommt.
Und das beruht auf Gegenſeitigkeit?
Gewiß!
Dann iſt die Sache in Ordnung, wenn ich auch über
die Tatſache, Roßdorff zum Vetter zu bekommen, nicht
gerade heillos erfreut bin!
Ich werde gleich nach Tampiſchkehnen telegraphieren!
Ja, tu das, Gunild, denn übermorgen früh reiſe ich!
Er war froh, ſo leichten Kaufes fortgelaſſen zu werden,
(Fortſetzung folgt.)

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ist es für jeden Geschäftsmann, vor Jahresschluss in seinen Büchern die älteren,
offenstehenden Kontis zu prüfen und sich zu fragen:
Soll ich diese Posten auf Konto dubio buchen oder noch-
mals
in das neue Jahr hinübernehmen?
Wir sagen Nein! Heraus aus den Büchern mit diesen alten
Posten!
Warum wollen Sie denn solche Posten durch Ihre Bücher
schleppen, bis sie tatsächlich uneinbringlich und längst ver-
jährt
sind ?
Am 31. Dezember ds. Js. verjähren die Forderungen aus dem Jahre 1910;
soweit die Forderungen den Gewerbebetrieb des Schuldners betreffen, kommt die
vierjährige Verjährungsfrist in Frage und kommen hier die Posten aus 1908 in
Betracht.
Ueberweisen Sie daher die fällig gewesenen Posten unserer
Inkasso-Abteilung zum Einzug und Sie werden von den Resultaten
angenehm überrascht sein; wir haben schlagende Beweise:
Ueber 20000 Posten mit nahezu 150000 Mark kassierten wir im
Jahre 1910.
Im Jahre 1911 konnten wir zirka
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einkassieren, während wir im laufenden Jahre diese Summe bereits erheblich über-
schritten
haben.
Diese gewaltigen Beträge haben wir unseren Mitgliedern durch zielbewusstes
Arbeiten gerettet!
Ueberweisen Sie uns Ihre Aussenstände schon jetzt, nicht erst kurz vor
Jahresschluss.
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bildung
. Die dem Thema Deutſchland in der
Weltwirtſchaft, beſonders neben Eng=
land
gewidmete Vortragsreihe von Profeſſor Berg=
hoff
=Iſing erreichte am Freitag abend bei gleich leb=
haftem
Intereſſe der Hörerſchaft ihr Ende. Dieſer andert=
halbſtündige
Schlußvortrag knüpfte an das früher er=
wähnte
Verhältnis zwiſchen Induſtrie und Landwirt=
ſchaft
Deutſchlands an und beleuchtete einleitend, wie ſich
die letztere zu der Induſtrialiſierung geſtaltet hat. In
dieſer Hinſicht weiſen wir eine günſtigere Lage als Eng=
land
auf, das jetzt die Hälfte ſeines Getreide= und Fleiſch=
bedarfs
einführen muß, während es im Jahre 1830 bei=
des
noch durch eigene Produktion zu decken vermochte.
Das Deutſche Reich mit 65 Millionen Einwohnern ( gegen=
über
45 Millionen in England) hat ſich zwar aus einem
Agrarland in einen Induſtrieſtaat umgewandelt und ver=
zeichnet
demgemäß einen gewiſſen Rückgang der Land=
wirtſchaft
, doch iſt dieſer nur zahlenmäßig und betrifft
weder die bebaute Bodenfläche, noch die durch Intenſität
aufs Vierfache in 100 Jahren geſteigerte Produktion oder
die Vermehrung der ſelbſtändigen Betriebe. Der deutſche

Rindviehſtand beträgt 21 Millionen Stück gegenüber 7
Millionen in England, und die Stückzahl der Schweine
22 Millionen gegenüber nur 2½ Millionen in England.
Was die deutſche Beteiligung am Welthandel betrifft, ſo
betrug ſie im Jahre 1890 in Einfuhr 4½ und in Ausfuhr
rund 3½ Milliarden, während ſie 1910 mit 9,7 Milliar=
den
Einfuhr und 8,1 Milliarden Ausfuhr ſich auf die
Geſamtſumme von 17,8 Milliarden gegenüber 20,3 Mil=
liarden
(11,1 Einfuhr und 9,2 Ausfuhr) Englands bezif=
ferte
. Von größter Bedeutung erſcheint die Zuſammen=
ſetzung
dieſer Einfuhr und Ausfuhr, wobei in erſter
Richtung die Rohſtoffe mit 54 Prozent, die Nahrungs=
mittel
mit 28,7 und die Induſtrieartikel mit 14 Prozent
vertreten ſind. Unſere etwa 900000 Menſchen beſchäf=
tigende
Textilinduſtrie bedarf der Baumwolle und Wolle,
ſo daß hiervon für je 520 Millionen Mark alljährlich ein=
zuführen
iſt. Die deutſche Ausfuhr bezieht ſich in erſter
Linie auf Maſchinen; ihnen reiht ſich die Zuckerinduſtrie
und die chemiſche Induſtrie (beide die erſten der Welt)
an, von denen die letztere innerhalb der 4 verfloſſenen
Jahre ihre Ausfuhr verdoppelt hat.
Nach der ausführlichen Darlegung der weſentlichſten
deutſchen Welthandelsfaktoren ging der Vortrag auf die
Folgen dieſer wirtſchaftlichen Entwickelung ein, indem
er die ſich gegenüberſtehenden Richtungen unſerer Volks=
wirtſchaftslehre
in ihren Hauptvertretern, den Profeſſoren
Dr. Adolf Wagner, Brentano uſw., als Optimiſten und
Peſſimiſten erwähnte. Der Redner verkannte hierbei nicht
manche Nachteile und Gefahren, welche die Induſtriali=
ſierung
mit ihrem ſtarken Bevölkerungszuwachs, ſowie die
für manche Rohſtoffe und Nahrungsmittel eingetretene
Abhängigkeit vom Auslande mit ſich führt. Deutſcher
Umſicht, Tatkraft und kultureller Leiſtungsfähigkeit muß

es vorbehalten bleiben, jenen Gefahren zu begegnen und
Deutſchlands Platz in der Weltwirtſchaft zu ſichern.
Die deutſchen Sprachinſeln in
Europa. Der Allgemeine Deutſche Schulverein, All=
deutſcher
Verband, Allgemeiner Deutſcher Sprachverein,
Deutſche Kolonialgeſellſchaft und der Oſtmarken=Verein
veranſtalteten am Freitag abend im Fürſtenſaal einen
Vortragsabend über die deutſchen Sprachinſeln in
Europa. Nach einer Begrüßungsanſprache des Vorſitzen=
den
des Alldeutſchen Verbandes ergriff Herr Realſchul=
direktor
Dr. Schnell=Butzbach das Wort zu ſeinem
ausführlichen Vortrag. Er ſchilderte zunächſt, wie im
Mittelalter Deutſche beſonders nach dem Oſten drangen,
um dort kulturelle Arbeit zu ſchaffen, wie ſie ſich dort eine
neue Heimat errangen und treu an deutſchen Sitten und
Gebräuchen, an der deutſchen Sprache feſthielten. Der
Vortragende ließ im einzelnen alle jene Gebiete an dem
Geiſte ſeiner aufmerkſamen Zuhörer vorübergehen, wo
die Deutſchen, eingeſchloſſen von fremden Nationen, von
anderen Sprachſtämmen, ihre deutſche Mutterſprache ſieg=
reich
zur Geltung gebracht haben. Er ging ſodann die ſo=
genannten
deutſchen Sprachinſeln in Oeſterreich, beſonders
in Mähren, Steiermark, Kärnten, Siebenbürgen uſw.
durch. Bezüglich der deutſchen Stämme im Norden
Rußlands äußerte Redner die Befürchtung, daß wohl mit
Ausnahme der baltiſchen Sprachinſel, allmählich das
deutſche Sprachelement durch das unaufhaltſam vor=
wärtsdrängende
Ruſſentum verdrängt werde. Zum Schluß
erwähnte er noch das Wirken der Deutſchen in Belgien,
Luxemburg und der Schweiz. Dem intereſſanten Vor=
trag
wurde lebhafter Beifall gezollt, dem der Vorſitzende
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abends 8½ Uhr im gelben Saale des Restaurants Sitte,
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Tagesordnung:
1. Vorſtandswahl;
2. Rechnungsablage;
3. Vortrag des Herrn Referendar Dingeldey über:
Deutſcher Imperialismus und die gegen=
wärtige
auswärtige Politik.
Hieran anſchließend Diskuſſion;
4. Organiſationsfragen.
Zu dieſer Verſammlung bitten wir unſere Mitglieder ſowie die
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Freunde unſerer Beſtrebungen zahlreich zu erſcheinen.
Der Vorſtand des Nationalliberalen Vereins.
Kriegerverein Darmſtadt.
Monatsverſammlung
Mittwoch, den 4. Dezember 1912,
abends 8½ Uhr,
im Vereinslokal in der Turnhalle am Woogsplatz.
Tagesordnung:
1. Geſchäftliche Mitteilungen.
2. Bericht über den Bezug von Karten zu den weiter ermäßig=
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Sondervorſtellungen und Sonntags=Volksvorſtellungen
im Großß. Hoftheater.
3. Verſchiedenes.
4. Vortrag eines Kameraden über ſeine Fahrt mit dem Zep=
5. Bücherausgabe.
pelin=Luftſchiff Viktoria Luiſe von Frankfurt a. M. nach
Gießen zum Oberheſſiſchen Flugtag am 27. Oktober d. Js.
NB. Zugleich teilen wir unſeren Mitgliedern mit, daß ſich die
Großh. Hoftheater=Direktion bereit erklärt hat, auch uns Karten zu
weiter ermäßigten Preiſen für die in der Woche abends 8 Uhr ſtatt=
findenden
Sondervorſtellungen zu überlaſſen. Die näheren Be=
dingungen
werden in der Monatsverſammlung bekannt gegeben. Die
nächſte Vorſtellung (Zauberflöte‟) findet am Freitag, 6. Dezember,
ſtatt und können Karten jedesmal durch unſeren Vereinsdiener Kam.
Herrn Schlander, Bismarckſtraße 3, bezogen werden. Die Volks=
vorſtellungen
an den Sonntagen bleiben auch fernerhin beſtehen.
24709)
Der Vorſtand.
Darmstädter Vortragsverband.
Freitag, 6. Dezember 1912, abends 8 Uhr,
im grossen Saale des Kaisersaals:
Lustiger Abend

Alexander Roda Roda.
Eintrittskarten: Sperrsitz zu 3 Mk., Saal zu 2 Mk., Galerie
zu 1.50. Mk., Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten zu 75 Pfg.
sind im Verkehrsbureau und abends an der Kasse Zu haben. (24706
Der Vorstand.

nfangr 3 Uhre

Orpheum

360

Ernesto

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Das telepathische Phänomen.
Dazu das brillante
1. Dezember
leué Programm.
Eine Revue erster Kunstkräfte.

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Berlin-London (24669

Ausikverenn
Protektor: Seine Königliche Hoheit der Grossherzog.
Zoches konzert
im Winter 1912/13
(Einundachtzigſtes Vereinsjahr)
unter Leitung des Herrn Hofkapellmeiſters Hofrat W. de Haan
und unter Mitwirkung
der Konzertſängerin Frau Tilly Calnbley-Hinken aus
Würzburg, der Hofopernſänger Herren Georg Baldszun
aus Kaſſel und Willy Fenten aus Mannheim, einiger
Herren vom Sänverchor des Lehrervereins von hier,
ſowie der Grossgerzoglichen Hofkapelle.
Montag, den 9. Dezember 1912im Haalbau
Anfang abends 7 Uhr. Ende nach ½10 Uhr
1. Die Nonnen,
für Chor und Orcheſter von Max Reger.
2. Vier Lieder
am Klavier für Sopran von Max Reger.
3. Alexander’s Feſt,
für Soli, Chor und Orcheſter von G. F. Händel.
Die verehrlichen Damen werden dringend erſucht, vor
Betreten des Konzertſaales die Hüte abzunehmen.
Sonntag, 8. Dezember, vormittags 10 Uhr, im
Haupfprobe: Saalbau. Der Zutritt iſt nur gegen die Haupt=

Preise der Einhmiskar

Stotfern

(20200M

heilt gründlich C. Denhardt’s Anst. Stutt-
gart
. Seit . 0 J. ausgeübt. staatl. ausgezeichn.
Heilverf. Prosp. gr t. Honorar nach Heilung.
Zur Notiz!
Man kann bei den ſich maſſenh.
mehrenden zweifelhaft. Mitteln geg.
Haarleiden nicht genug auf das be=
reits
ſeit 44 Jahr. ſich bewähr., von
Autoritäten empfohlene, ſich durch
Güte und Billigkeit auszeichnende
Haarwaser v. Retter, München
aufmerkſ. machen, welches wirklich
leiſtet, was es verſpr.: Konſervie=
rung
u. Kräftigung der vorhand.
Haare, Reinig. v. Schuppen, Weich=
u
. Glänzendmach. der Haare. Z. h.
um 40 Pfg. u. Mk. 1.1) (3730fl
Dunkelbr. Dackelhünd. zugelauf.
*13117) Heidelbergerſtr. 130, II.r.

probekarten geſtattet.
(für Nichtmitglieder
erhältlich in der Hof=
buchhandlung
von
A. Bergstraesser, Rheinſtraße 6, ſowie abends an
der Kaſſe).
Numerierte Plätze in den vier Balkonlogen
Mk. 6.00
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 1. Reihe Mk. 4.50
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 2. Reihe Mk. 2.50
Nichtnumerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien)
3. Reihe
Mk. 1.50
Mk. 1.50
Plätze in dem Vorſaal
Texte 20 Pfennig.
Die hier nicht genannten Plätze ſind nur den Mitgliedern vorbehalten.
Fremde (d. h. außerhalb Darmſtadts Wohnende, welche ſich
vorübergehend hier aufhalten), können Karten für Saal und Eſtraden
zu Mk. 4.50 erhalten. Geſuche ſind an den Platzordner des Vereins,
Herrn Architekten J. Harres, Saalbauſtraße 79, zu richten. (24677
Volks=Vorltellung
im Großherzogl. Hoftheater.
Als nächſte Volksvorſtellung wird am Sonntag, 8. Dezember,
nachmittags ½3 Uhr
Der Pfarrer von Kirchfeld‟
gegeben. Kartenbeſtellungen haben bis ſpäteſtens Mittwoch,
den 4. ds. Mts., 12 Uhr mittags, bei den betreffenden Vereins=
ſtellen
zu erfolgen.
(24695
Verkehrs-Verein.

Braderer Pläschen Palluns
in wirtichaften und Niederlagen.
Blrent Von der brauerer

[ ][  ][ ]

Zu den hier abgebildeken Modellen ſind
die Welkruf genießenden
Bukterick’s Schnittmuſter
nach denen jede Dame ohne Schwierig=
keit
ihre Garderobe ſelbſt anfertigen
kann, erhältlich.

Bei Beſtellung iſt genaue Angabe der
Nummer, Taillenweite, Hüftweite und
Oberweite erforderlich. Bezugsquelle für
Butterick’s Schnittmuſter
ſind die überall beſtehenden Butkerick’s=
Agenkuren oder auch die Schnitkmuſter=
Abteilung von Butterick’s Moden=Revue,
Berlin W8, Leipziger Straße 102.

Vorkeile der Hausſchneiderei.
In Modeberichten wird in der Regel von allerhand herrlichen und koſt=
baren
Dingen erzählt, die man in Daris ſieht und in London, und es wird
in einem Tone von denſelben geſprochen, als trüge ſie dort die erſte beſte
Nachbarin, die an der nächſten Ecke wohnt, und in der Drovinz in Deutſchland
ſchlägt man die Hände über dem Kopf zuſammen, iſt man oft verſucht, zu
glauben, ganz Daris und ganz London ſeien ein Meer von Luxus, wo es nichts
dergleichen gibt wie ein beſcheidenes Toilettenbudget, mit dem es heißt Haus
zu halken. Ich kann zu dieſem Dunkt nur bemerken ſo flüchtig als der
ſehr begrenzte Naum es geſtattet daß die Ausländerinnen in mittleren
Lebensbedingungen im allgemeinen beſſer mit ihrem Toilettengeld zu wirt=
ſchaften
verſtehen als die deutſche Frau. Ich bitte dieſe Bemerkung nicht
mißzuverſtehen, ich will in nichts die Qualitäten der Deutſchen zu ſchmälern
verſuchen, ich will nur konſtatieren, daß die Ausländerin, ſpeziell was ihren
Anzug anbelangt, mit
ihrem Geld oft weiter
kommt, d. h. daß ſie es
beſſer verſteht, mit dem=
ſelben
zu ſpekulieren:
ſie iſt geſchickter in der
Auswahl der Dinge und
geſchickter im Herſtellen
derſelben. Denn das
halte man ſich ſcharf vor
Augen nicht darauf
kommt es an, daß man
überhaupt nähen und
ſchneidern kann, ſondern
lediglich darauf, wie die
Objekte, diemanher=
ſtellt
, ausſehen. Es
bedeutet eine ganz ge=
ringe
Erſparnis, Kittel=
chen
für Kinder herzu=
ſtellen
und Schürzen
und Arbeitsbluſen
dieſe Dinge wirft die
Induſtrie heute ſo un=
begreiflich
billig auf den
Markt aber es be=
deuket
eine große Er=
ſparnis
, kokette, elegante,
56766
hochmoderne Kleidungs=
ſtücke
auszuführen.
In ſehr vielen
Fällen kann man den
Beſitz derſelben nur da=
durch
ermöglichen, daß
man ſie ſelber herſtellt,
denn Gegenſtände aller=
letzter
Modernität finden
wir nur in Geſchäften,
die Apothekerpreiſe‟
haben, haben müſſen,
denn ſie laſſen ſich die
Note der Modernität
bezahlen, die Idee, den
Schnitt weniger das
Material. Die kleine
Schneiderin kann ſich
ganz unmöglicherweiſe
darauf einlaſſen, für jede
56811 u. 56855
Kundin neue Schnitte
auszuprobieren, Rafſi=
nements
zu erſinnen und auf beſondere Liebhabereien einzugehen; dafür ſind die
Dreiſe, die ſie nimmt, zu gering. Jeder aber, der für ſich ſelber arbeitet, kann
ſich die Zeit nehmen, ein Arrangement zu ſtecken und wieder zu verändern, kann
vor dem Spiegel ausprobieren, was das Kleidſamere iſt. Ich will hier ein
praktiſches Beiſpiel anführen, das vielleicht mancher Frau Anregung geben wird.
Die Bluſe iſt und bleibt unerläßlich zum Anzug der eleganken Mode=
dame
wie der ſchlichten Frau. Aus der Fülle der Neuheiten, die geboten
werden, greife ich eine heraus. Wir finden ſie nur in ganz feinen Geſchäften,
denn ſie verkörpert erſtens das, was wir als ganz feinen Geſchmack be=
zeichnen
, ſie bedeutet weiter großen Luxus, wenn wir ſie fertig kaufen. Aber
wenn wir dieſe Neuheit ſelber anferkigen, iſt die Sache nicht gar ſo ſchlimm.
Ich ſehe unter Nr. 56766 eine Bluſe ahgebildet die den Schnitt, den die
luxurioſe Mode von einer Art der ſtreng modernen Bluſe verlangt, genau
wiedergibt. Ihr Cachet, ihr Lurus beſteht darin, daß ſie weiß iſt und aus
Seide. Da man keinerlei Aufputz benötigt, nicht einmal Futter, kann man
einen ſehr guten Stoff wählen, und zwar ſchwere Charmeuſe oder, was viel
praktiſcher iſt und dabei auch die allerletzte Mode vorſtellt, ſchwere weiße
Tuſſorſeide. Jeder weiß, daß dieſe waſchbar iſt ſo iſt alſo eine ſolche
Bluſe, ſelbſt wenn der Stoff ſehr teuer ſein ſollte, doch billig; daß ſie im
Hauſe gewaſchen wird, ſetze ich voraus es muß eine ſchlechte Wirtin ſein,
die eine Bluſe, die waſchbar iſt fremden Händen anvertraut. Eine Bluſe
aus dem genannten Stoff, nach dem abgebildeten Schnitt ausgeführt, be=
kommen
wir heute nur, wie erwähnt, in Geſchäften allererſter Stufe, in die
ſich manche Frau nicht hineinwagt. An der Hand eines verſtändigen Nates,
eines guten Schnitkes, und ausgeſtattet mit etwas Geſchick, kann ſie aber in vielen
Fällen herſtellen, was nur in dieſen ihr unzugänglichen Geſchäften zu haben iſt.

Die gleiche Form eignet ſich es iſt das allerdings luxuriöſer zum
Nacharbeiten aus Voile Ninon. Man verarbeitet dieſen in doppelter Lage
und verſchafft ſich dadurch das Luxuriöſeſte und ſo ziemlich Elegankeſte, was
es auf dem Gebiete der Bluſe gibt, um ſehr geringen Dreis. Ein dunkler
Tuchrock, vervollſtändigt durch eine Bluſe aus gleichfarbigem Voile Ninon
mit weißem Atlas= oder Lingeriekragen, bringt uns in den Beſitz eines eleganten
Nachmittagskleides, das jede Frau ſelber anfertigen kann, ohne ihre Börſe
allzuſehr zu erleichtern, während ſie in einem Geſchäft für dieſe Dinge in
feiner Ausführung hohe Dreiſe zahlen muß.
M. v. Suttner.
Beſchreibung der Abbildungen.
Nr. 56766. Anter Nr. 56766 finden wir ein Hemdbluſenmuſter abgebildet, das ſicher
mit Freuden begrüßt werden wird und aus Wollſtoff, Sammet oder Seide hergeſtellt
werden kann. Die augenblicklich ſehr moderne, im Norfolkſtil gearbeitete Bluſe hat ein
glattes Rückkeil, lange oder halblange Aermel und iſt mit oder ohne Daſſenbekleidung an=
gefertigt
. Am hübſcheſten
wirkt dieſe Bluſe wohl mit
flachem Kragen, wie die
Illuſtration zeigt, es iſt
jedoch auch ein Steh= oder
Amlegekragen vorgeſehen.
Material bei einer Ober=
weite
von 91 cm: Von
81 cm breitem Stoff
2,40 m. Von 88 cm breitem
Stoff für den Kragen,
die Manſchetten und den
Gürtel 35 cm. Preis des
in 7 Größen erhältlichen
Muſters 65 Pfennig.
Nr. 56811. Mitvielen
der immer noch ſo be=
liebten
Tunikaröcke erzielt
man eine gleich ſchöne
Wirkung, ob ſie nun aus
Woll= oder Seidenſtoff her=
geſtellt
ſind. Einen ſolchen
Rock finden wir unter
Nr. 56811 abgebildet. Bei
dieſem mit gehobener
Taillenlinie gearbeiketen
Nock iſt die vierkeilige Ober=
partie
mit vier unken an=
gefügken
Teilen im Tunika=
ſtil
verbunden. Für jede
Dame, die gern zwei ver=
ſchiedene
Stoffe verwendet,
iſt dieſer Rock ein geeig=
nekes
Vorbild. Makerial
bei einer Taillenweite von
61 cm: Von 120 cm breitem
Stoff für den oberen Teil
2,15 m. Von 110 cm
breitem Stoff für den
unteren Teil 1,50 m. Dreis
des in 8 Größen erhältlichen
Muſters 85 Pfennig.
Nr. 56855. Jackettlaut
Abbildg. Nr. 56855 iſt nicht
nur außerordentlich hübſch,
ſondern auch ſehr praktiſch.
Der gut geſchnittene, große
Kragen iſt gleich den Man=
ſcherten
aus abſtechendem
Stoff gearbeitet. Das
Jacketk kann 69 oder 86 cm
lang ſein, die letztgenannte
Länge wird uns auf der
57222
56911
Abbildung vorgeführt. Die
Aermel ſind lang und zwei=
nähtig
, oder dreiviertellang und einnähtig. Die Anfertigung dieſes Koſtüms iſt ſehr
leicht. Die geeignetſten Stoffe ſind Kammgarn, Chevior, Covercoat uſw. Makerial bei
einer Oberweite von 91 cm für ein 86 cm langes Jackett: Von 120 cm breitem Stoff
2,35 m. Von 70 cm breitem Stoff für den Kragen und die Manſchetten des zwei=
nähtigen
Aermels 60 cm. Dreis des in 7 Größen erhältlichen Muſters 85 Pfennig.
Nr. 56911 zeigt ein reizendes Kinderkleidchen, das, aus Sammet oder Seide her=
geſtellt
, naturgemäß ſehr elegant iſt. Soll das Kleid einfachen, praktiſchen Zwecken
dienen, dann verwendet man Cheviot, Serge, Tuch, Natinéſtoffe. Zur Verzierung des
Kleides genügen ein Kragen und einige Beſatzknöpfe. Zum Gürtel eignet ſich ſehr gut
eine einfache gedrehte Schnur oder eine Schnur, die man aus je mehreren Wollfäden
flicht. Es iſt das eine hübſche Neuheit. Die Aermel ſind lang oder halblang und an
die langen Schulkern mittels einfacher Naht angefügt. Der gerade Rock iſt in der er=
hodten
Lmkeminie erwas eingekrauſt. Muſter Nr. 56911 iſt außergewöhnlich leicht her=
zuſtellen
. Makerial für ein zehnjähriges Mädchen für das Kleid mit langen Aermeln:
Von 70 cm breitem Stoff 2,55 m. Von 46 cm breitem Spitzenſtoff für den Kragen 25 cm.
Von Spitzenbändchen 85 cm. Dreis des in 9 Größen erhältlichen Muſters 65 Pfennig.
Nr. 57222. Ein für den täglichen Gebrauch geeignetes Modell wird uns unker
Nr. 57222 vor Augen geführk. Der hübſche Vorderſchluß und die diagonal über den
Rock laufende Verſchlußkante brauchen nur mit einigen Beſatzknöpfen verziert zu werden.
Der kleidſame Robespierrekragen kann aus Leinen, Batiſt oder Seide hergeſtellt werden.
Die ganz neuartigen Aermel beſtehen aus drei Teilen und ſind ganz= oder halblang.
Der fünfteilige Nock wird in gehobener Taillenſchlußlinie an die Bluſe gefügk und zeigt
an jeder Seite des Hinterpaneels eine Falte. Jeder moderne Stoff kann für dieſes
Kleid verwendet werden, das, da nur wenig Beſatzmaterial nötig iſt, mit geringen
Koſten herzuſtellen iſt. Für die Bluſe iſt auch ein Futtermuſter vorgeſehen. Material
bei einer Oberweite von 91 cm: Von 110 cm breitem glakken Stoff 3,45 m. Von
46 cm breitem Spitzenſtoff für den Robespierrekragen 15 cm. Von Spitzenbändchen
75 cm. Dreis des in 8 Größen erhältlichen Muſters 1 Mark.

XII.

Nachdruck auch mik Quellenangabe verboten.

[ ][  ][ ]

Hiermit benachrichtige ich meine Geſchäftsfreunde,
daß ich mit Heutigem mein Geſchäft von Grosse
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Maße entgegengebrachte Vertrauen auch fernerhin zu
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tät
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mit der Kunst in Berührung kommt muss deshalb
im eigensten Interesse darauf bedacht sein, diesen
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Weihnachtsbitte!

Die Zeiten ſind teuer! Das merkt jeder Hausvater und jede
Hausmutter beim Einkauf von Lebensmitteln. Und wenn die Ein=
nahmen
nicht ſteigen, nur Jahr für Jahr die Ausgaben, dann will
ſich manchmal die Sorge ins Herz ſchleichen: Wie ſoll es im kom=
menden
Winter gehen? beſonders wenn nicht nur zwei oder drei
zu ſättigen ſind. Wo kann mehr geſpart werden? die Frage wird
immer ernſter auch für die Leſer dieſes Blattes denn ſo reich
ſind wenige, daß ſie nirgends zu ſparen brauchten.
Und dennoch wagen wir, die Epileptiſchen=Anſtalt zu Nieder=
Ramſtadt und alle ihre Bewohner, um Gottes Willen die herzliche
Weihnachtsbitte: Ihr lieben Leſer ſpart nicht an uns! Wenn ſich
bei uns Tag für Tag mehr als 200 Kranke an unſere Tiſche ſetzen,
in der Erwartung, daß ſie ſatt gemacht werden, welche Sorge
bedeutet das für uns, die Hauseltern. Und wie gut ſchmeckts unſeren
Kranken! Und wenn wir in unſerer Anſtalt Weihnachten feiern und
die Kranken zu dem ſtrahlenden Chriſtbaum führen o, dann
finden die Kleinen und die Großen ſo gerne auch etwas unter dem
Baum: Allerlei Kleidungsſtücke, etwas zum Spielen, etwas zum
Leſen. Wer will unſeren Kranken eine Weihnachtsfreude bereiten
und damit ſich ſelbſt?
(24721oo
Jede Gabe iſt uns willkommen, ſei es Geld oder ſonſt etwas.
Allen Leſern dieſer Bitte wünſcht eine durch Gottes größtes Weih=
nachtsgeſchenk
ſorgenfreie Weihnachtsfeier
Die Anſtalt für Epileptiſche zu Nieder=Ramſtadt.

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Sport.

Kartell=Vertrag zwiſchen K. A. C. und A. D. A. C.
Entgegengeſetzt zu den kürzlich durch einen Teil der Tages=
und Fach=Preſſe gegangenen Nachrichten, daß die Löſung
des ſeit 1905 beſtehenden Kartell=Vertrages durch den
K. A. C. betätigt worden ſei, geben beide Klubs gemeinſam
und offiziell Folgendes bekannt: Der zwiſchen dem Kaiſen=
lichen
Automobil=Club=Berlin und dem Allgemeinen
Deutſchen Automobil=Club=München beſtehende Kartell=
Vertrag wurde durch gegenſeitiges Uebereinkommen mit
heutigem gelöſt. Gezeichnet iſt die Kundgebung von den
beiderſeitigen Präſidien. Es iſt zu begrüßen, daß die bei=
den
in Deutſchland maßgebendſten Klubs in Frieden ſich
getrennt haben, nachdem ſich die Beſtimmungen des Kar=
tell
=Vertrages unter den heutigen Verhältniſſen, beſonders
infolge des rapiden Wachstums und der großzügigen
wirtſchaftlichen Tendenzen des A. D. A. C.=München, in
der Praris als unhaltbar erwieſen hatten.
Der A. D. A. C.=München teilt uns hierzu mit, daß er
feſt entſchloſſen iſt, in friedlichem Wettbewerb mit dem
bisherigen Vertrags=Klub an den gemeinſamen Zielen zu
arbeiten. Er müſſe allerdings die durch ſeinen Umfang
(22000 Mitglieder) und ſeine tatſächlichen Leiſtungen für
den Geſamtautomobilismus durchaus begründete Gleich=
berechtigung
mit ſonſtigen führenden Klubs unbedingt für
ſich in Anſpruch nehmen.

Luftfahrt.

* Thorn, 29. Nov. Die Leutnants Joly und
Heinz von der Fliegertruppe Döberitz, die heute vor=
mittag
in Döberitz aufgeſtiegen waren, ſind heute mittag
um 12 Uhr in der Feſtung Thorn glatt gelandet.
Den Rückflug beabſichtigen ſie morgen auszuführen.
sr. Der Angriff auf den Diſtanz= Welt=
rekord
für Freiballons den der franzöſiſche
Sportsmann Dubonnet mit ſeinem Ballon Condor von
Compiegne aus unternahm, iſt mißglückt. Der Ballon
wurde nach der deutſchen Oſtſeeküſte getrieben und landete
dort, in der Nähe von Malente. Nach Feſtſtellung der
Perſonalien der Luftſchiffer wurden dieſe freigelaſſen und
konnten dann die Rückreiſe nach Paris antreten. Auch
ein Angriff auf den Dauerrekord für Flug=
maſchinen
, der zurzeit von Fourny mit 13 Stunden

17 Min, gehalten wird, mißglückte dem belgiſchen Avia=
tiker
Fiſcher. Dieſer war auf dem Flugplatz von Etam=
pes
mit einem Henry=Farman=Doppeldecker aufgeſtiegen.
Nach zirka 6ſtündiger Flugzeit entſchloß ſich Fiſcher aber
mit Rückſicht auf die große Kälte und den zunehmenden=
Wind zur Landung.

Handel und Verkehr.

* Leipzig, 29. Nov. In der heute zur Beſchluß=
faſſung
über die Auflöſung des Mitt eldeutſchen
Braunkohlenſyndikats einberufenen Verſamm=
lung
wurden die entgegenkommenden Vorſchläge des Syn=
dikats
von dem Michelkonzern wiederum abgelehnt. Die
Bildung eines erweiterten Syndikats iſt damit unmöglich
geworden. Der am Samstag ſtattfindenden Sitzung bleibt
es vorbehalten, die Entſcheidung über die Auflöſung des
Mitteldeutſchen Braunkohlenſyndikats zu bringen.

Literariſches.

Herbſtſtudien im Deutſchen Wald. Far=
benphotographiſche
Studien von Hans Hildenbrand. Mit
einem Geleitwort von Geh. Hofrat Trinius. 10 präch=
tige
Kunſtblätter auf hochfeinem weißen Karton mon=
tiert
in hocheleganter Mappe 10 Mk. ( Farbenphotogra=
phiſche
Geſellſchaft m. b. H., Stuttgart, Auguſtenſtraße 13.)
Die Photographie iſt in unſeren Tagen außerordentlich
hoch entwickelt und wenn das Problem der Farbenphoto=
graphie
auch noch nicht reſtlos gelöſt iſt, ſo wird doch auch
auf dieſem Gebiete ſchon etwas geboten, das vornehmſter
wahrer Kunſt gleichkommt. Freilich gehört dazu nicht
allein die Photographie= und Drucktechnik, ſondern vor
allem ein künſtleriſcher Geſchmack in der Auswahl der
Bilder und der Begrenzung des Bildausſchnitts. All
das eint ſich in der vorliegenden Mappe zu einem Meiſter=
werk
ſeiner Art. Es ſind wunderbare Naturſtudien und
köſtliche farbenprächtige Bilder zugleich. Eine gleich
ſchöne Mappe zu gleichem Preiſe enthält 10 Kunſtblätter
Herbſt in den Schweizer Alpen mit einem
Vorwort von J. C. Heer. Von den Herbſtſtudien im
Deutſchen Walde und in den Schweizer Alpen werden
die Mitglieder der Touriſtenvereine, Naturfreunde. Jäger,
Kunſtfreunde, Maler, Amateurphotographen, wie alle ge=
bildeten
Kreiſe entzückt ſein.
* Aus dem Irrgarten der Geſchichte‟
24 hiſtoriſche Bilder von Emil Gebhart. (Verlag Julius
Hoffmann, Stuttgart. Broſch. 3 Mk.) Die Wirklichkeit,
von genügend hoher Warte und mit kundigem Auge ge=
ſchaut
, iſt oft wunderbarer und romantiſcher als die der
menſchlichen Phantaſie entſpringenden Dichtungen. In
Emil Gebharts Werk finden ſich 24 ſolcher hiſtoriſcher
Wirklichkeitsromanzen in packender Darſtellung zu einem
farbenprächtigen Moſaik vereinigt. Auf den Ergebniſſen
neueſter Sonderforſchung fußend, ſchildert Gebhart zu=
meiſt
Epiſoden, und da er in der Wahl der Stoffe eine
Vorliebe für das Pathologiſche der Menſchennatur und
für das Schreckenerregende zeigt, ſo entrollt ſich in ſeinen
Skizzen eine Reihe ergreifender Bilder, zum Teil von
packender Tragik. Der Autor hat den Stoff meiſterhaft
behandelt und gibt neben überaus feſſelnden geſchicht=
lichen
Darſtellungen eine pſychologiſch vertiefte Charakte=
riſierung
und in dem Ganzen eine geſchickt dramatiſch
aufgebaute Lektüre voller Spannung.
Heine=Kalender 1913. Herausgegeben
von Eugen Korn. (Fenien=Verlag, Leipzig. Broſch.
1,50 Mk.) Der nun im 4. Jahrgang erſcheinende Heine=
Kalender vornehm ausgeſtattet und reich illuſtriert
bildet wiederum eine koſtbare Ergänzung und Vergrößer=
ung
der Heine=Literatur, über deren neuen Erſcheinungen
er übrigens in einem beſonderen umfangreichen Abſchnitt
eine Ueberſchau gibt. Vortrefflich redigiert, iſt das Buch
eine Zierde für jede Bücherſammlung, vor allem für
jeden Literaturkenner.
* Tenien=Almanach 1913. (Fenien=Verlag,
Leipzig, Bismarckſtr. 18. Preis 50 Pfg.) Rechtzeitig vor
dem Weihnachtsfeſt iſt der reichhaltige, hübſch und inter=
eſſant
illuſtrierte Tenien=Almanach erſchienen. Reich
an literariſchen Beiträgen aus ſchöngeiſtiger Lektüre und
an Bildbeigaben, unter denen eine Anzahl Reproduk=
tionen
von Goethes Handzeichnungen beſonders feſſeln.

Gewinnansing
der
1. Dreußiſch-Käddentſchen
(227. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie

5. Klaſſe 18. Ziehungstag 29. November 1912
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und I.
(Nachdruck verboten)
(Ohne Gewähr A. St.=A, f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
40 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 40000 Mk. 38779
2 Gewinne zu 15000 Mk. 101223
2 Gewinne zu 10000 Mk. 124640
4 Gewinne zu 5000 Mk. 27510 28645
90 Gewinne zu 3000 Mk. 671 15553 23240 27071
28452 35316 41099 42376 44037 44908 59144 60872
62341 78685 80055 81326 88935 89967 96028 100994
103607 104740 110901 113448 113759 114150 114433
118477 125710 131339 132066 151060 155155 155590
156324 162464 166597 177890 182064 185288 165625
189491 191693 195668 206516
152 Gewinne zu 1000 Mk. 1916 6077 7203 10136
11047 16365 21507 22935 26346 27481 27499 31626
31799 31899 33255 36266 43750 46826 48873 50444
58340 64483 65149 67284 68178 69506 71182: 71744
73612 75272 76472 76959 81604 82044 87008 91676
102998 106867 109677 116883 119431 122515 124599
131136 132072 135141 138821 139373 141402 142603
143714 145026 148160 148965 153365 156595 165322
170158 174653 178290 179275 180073 181498 182425
184277 187719 188281 189271 194121 197564 199273
199837 201253 201815 204983 207801
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6857 7136 8515 9322 15105 22625 26886 32937
35085 36318 37339 37612 40883 41085 41396 45203
46072 47296 49894 50684 56829 60967 62417 65989
70478 71934 73098 75621 77647 79822 80078 81835
82258 83125 84345 86132 86747 89996 93784 95763
99362 102683 104356 104841 104941 107618 115330
116925 116977 117836 118479 118792 120182 120641
122900 123458 125812 128277 128927 130351 131507
131542 131842 134406 134448 134589 137072 138141
138195 138748 141530 141614 142371 142821 148459
151938 153050 156523 156916 157979 159281 161061
162877 166196 174719 179862 180043 180239 162862
186700 186558 187782 188636 188673 191508. 199336
199603 201946 202427 203157 206601 207772
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
8 Gewinne zu 5000 Mk. 83703 125492 131416
174604
72 Gewinne zu 3000 Mk. 6368 14685 17016 24333
27053 37413 51063 52130 54246 57314 62297 72439
73809 78253 86584 89862 92971 99976 102173 107046
109868 114049 126514 136545 138823 138903 142446
146226 149623 151688 152633 154181 154551, 157971
197509 202736
118 Gewinne zu 1000 Mk. 6387 6706 8312 10142
10909 11582 11836 12027 21185 23418 31600 34666
35121 43118 46741 49295 49766 54643 56607 61199
65525 71315 72197 75463 78745 79380 81160 81386
83112 84655 67435 89769 91726 94675 100613 106832
110723 117798 120557 121254. 125796 127524 131306
141281 145354 149906 157126 162450 166776 167233
170172 170299 172534 176633 190955 193426 203347
204274 206868
210 Gewinne zu 500 Mk. 1174 7747 9218 10791
20296 20586 26851 27645 32218 35134 35629 35776
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49646 51645 52708 54784 57863 60369 62045 64320
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