Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
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tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
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gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt geſtern vormittag zur Jagd nach
Trachenberg in Schleſien gereiſt.
Geſtern lief der Kleine Kreuzer „Erſatz
See=
adler” auf der Germaniawerft in Kiel von Stapel
und wurde auf den Namen „Karlsruhe” getauft.
Geſtern iſt der ſächſiſche Landtag nach ſeiner am
23. Mai erfolgten Vertagung zu einer Herbſt=Seſſion
zu=
ſammengetreten.
Bei Beratung der Homerule=Bill erlitt
die engliſche Regierung eine
Nieder=
lage, indem ein oppoſitioneller Abänderungsantrag in
finanzieller Beziehung mit 22 Stimmen Mehrheit
angenommen wurde.
Das Befinden des ruſſiſchen
Thron=
folgers iſt andauernd gut. Die Geſchwulſt nimmt
langſam ab.
König Guſtav von Schweden, der zurzeit in
Baden=Baden weilt, traf geſtern nachmittag in
Straß=
burg ein, um dem Statthalter von Elſaß=Lothringen,
Grafen Wedel, und deſſen Gemahlin einen Beſuch
abzu=
ſtatten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
„Made in Germany”.
T. W. London, 9. Nov. Die Handelserfolge
Deutſchlands laſſen das arme Großbritannien nicht
ſchla=
fen. Trotzdem es ſich eigentlich über nichts zu beklagen
hat, die wirtſchaftlichen Verhältniſſe kaum etwas zu
wün=
ſchen übrig laſſen, kann es nicht darüber hinwegkommen,
daß ihm ein ebenbürtiger Rivale entſtanden, und wenn
von fremdem Wettbewerb und ſeiner Bekämpfung die
Rede iſt, handelt es ſich ſtets um den deutſchen. Man
hatte nun ein ſo wirkſames Mittel gegen ihn zu finden
gemeint, indem man das „Made in Germany”
er=
ſann! Jeder Käufer im In= und Auslande, ſo dachten ſich
die ſtolzen Briten, würde ſofort, wenn er dieſe Deviſe
leſe, ſich ſagen, daß es ſich nur um ein minderwertiges,
weil nicht engliſches Produkt handeln könne und ſich, ſelbſt
wenn es wohlfeiler ſei, von ihm abwenden. Aber, wie
Lord Avebury in einer Rede ſoeben darlegte, die er in
einer Verſammlung hielt, die zum Zweck der Abwehr der
fremden Ponkurrenz ſtattfand, hat das „Made in
Ger=
many”, zu deſſen Anwendung das engliſche Houſe of
Com=
mons die deutſchen Fabrikanten zwang, die umgekehrte
Wirkung gehabt, als wie beabſichtigt war. Die Käufer,
die früher gemeint hatten, britiſche Waren zu kaufen,
er=
kannten, daß ſie dieſe in Deutſchland ebenſo gut und
billiger haben könnten und das „Made in Germany” hat
ſſich für den deutſchen Handel ſo vorteilhaft erwieſen, daß
ſes von den deutſchen Produzenten allgemein angebracht
wird.
Es hat ſich hier nun eine Geſellſchaft gebildet, deren
Zweck die Hebung des engliſchen Handels iſt, und die
idieſes Ziel durch die Annahme einer „Britiſch Empire
Trade Mark” zu erreichen meint. Dadurch würde es
ver=
hindert werden, daß engliſche Waren für fremde gelten
oder vielmehr umgekehrt, dieſe als jene genommen werden
könnten und ein großer induſtrieller Aufſchwung würde
die Folge ſein. Es iſt dies wirklich ein Optimismus,
der beinahe eine andere Bezeichnung verdient. Man
ſchmeichelt ſich hier nämlich, daß nicht nur in den engliſchen
Kolonien, ſondern auch in den meiſten anderen Ländern
die Käufer den engliſchen Waren den Vorzug geben und
fremde — will ſagen, deutſche — oft kaufen, weil ſie ſie
für britiſche halten. Die „Empire=Mark” wird ſie eines
beſſeren belehren. Aber die Erfahrung mit dem „Made in
Germany” hat doch nun gezeigt, daß es jetzt in voller
Kenntnis der Sachlage geſchieht, wenn deutſche
Erzeug=
niſſe bezogen werden, man ſie keinesfalls mehr kauft, weil
ſie für engliſche gelten. Natürlich wird nicht, wie dies
mit dem „Made in Germany” geſchah, der engliſche
Fabrikant ſich gezwungen ſehen, die „Empire=Mark”
anzu=
nehmen, ſondern dies ganz in ſeinem Belieben ſtehen. So
wird er es tun oder laſſen, je nachdem er es nützlich findet.
Es entbehrt aber nicht eines pikanten Beigeſchmacks,
daß man jetzt die Engländer veranlaſſen will, ihren Handel
durch ein Mittel zu heben, das man einſt erfand, um
den deutſchen Wettbewerb zu bekämpfen.
Die Verluſte bei Lüle=Burgas im Vergleich
mit denen anderer Schlachten.
* Man ſchreibt den Berl. N. Nachrichten: Nach dem
nunmehr veröffentlichten authentiſchen Bericht von
bulga=
riſcher Seite iſt feſtgeſtellt worden, daß die Türken in der
Schlacht von Lüle=Burgas mehr als 40000 Mann
verloren haben. Die Stärke der türkiſchen Infanterie iſt
dabei auf über 120000 Mann berechnet, wozu 65
Eska=
drons Kavallerie und über 300 Geſchütze traten, ſo daß
man wohl im ganzen eine Geſamtſtärke von rund 140000
Mann annehmen kann. Demnach würde der Verluſt der
Türken etwa 30 v. H. betragen, mit Gefangenen und
Ver=
mißten ſogar etwas mehr.
Unzweifelhaft dürfte dieſe Schlacht blutiger als
die von Mukden geweſen ſein, in der allerdings
40 v. H. Verluſte bei den Ruſſen feſtgeſtellt wurden. Man
muß aber unbedingt berückſichtigen, daß, wenn auch der
Prozentſatz der Ruſſen in Mukden höher zu berechnen iſt,
das Ringen vor Mukden vom 23. Februar bis 10. März
dauerte, in welcher Zeit zehn Tage lang ſcharf gekämpft
wurde, während die Schlacht von Lüle=Burgas nur etwa
4½ Tage währte. Demnach iſt wohl die Schlacht von
Lüle=Burgas tatſächlich eine der verluſtreichſten
der neueren Kriegsgeſchichte, aber ſie kann
ſich ebenſo wie die bei Mutden weder mit den Schlachten
des napoleoniſchen, noch des
frideriziani=
ſchen Zeitalters in dieſer Beziehung meſſen. Auch die
Schlachten des Krieges 1870/1871, die durchſchnittlich
ge=
ringere Prozentſätze an Verluſten aufweiſen, können nicht
zu Vergleichen herangezogen werden, da ſie in
verhält=
nismäßig kurzer Zeit ſich abſpielten.
Die blutigſte Schlacht im vorigen Jahrhundert war
die bei Borodino, wo die Ruſſen den enormen Verluſt
von faſt 50 v. H. erreichten. Sie waren 90000 Mann ſtark
und verloren 40000. Die ſonſtigen Schlachtverluſte der
napoleoniſchen Kriege belaufen ſich zum Teil auf 20—30
v. H. So bei Aſpern, Vauxchamp, bei Belle=Alliance,
Preußiſch=Eylau, wo die preußiſche Armee einen Verluſt
von 26000 Mann bei einer Stärke von 82500 hatte. Die
Verluſte im Jahre 1870/1871 ſind am bedeutendſten für
die Franzoſen bei Sedan (15,7 v. H.) und bei
Grave=
lotte (10,2 v. H.), während die deutſche Armee in letzterer
Schlacht 9,8 v. H. einbüßte. Wenn man bedenkt, daß die
Schlachten des Krieges 1870/1871 vielfach in ſehr kurzer Zeit
entſchieden wurden, ſo kann man immer noch zweifelhaft
ſein, ob die Verluſte der Ruſſen bei Mukden und der
Tür=
ken bei Lüle=Burgas vergleichsweiſe bedeutender ſind. Die
weitaus größten Verluſte hatten die Schlachten im
fri=
derizianiſchen Zeitalter aufzuweiſen. Die Schlachten
wurden zudem ſämtlich an einem Tage, manche ſogar in
einigen Stunden entſchieden. An der Spitze ſteht
Col=
lin mit 41,5 v. H., Kunersdorf mit 38 v. H. und
Torgau mit 37,5 v. H. Verluſten für die Preußen. Der
Krieg von 1866 weiſt bedeutende Verluſte für die
Oeſter=
reicher bei Königgrätz (8,7 v. H.) auf.
Deutſches Reich.
Das neue Kaiſerſchiff. Die viel
um=
ſtrittene Frage eines Erſatzbaues für die Kaiſerliche Jacht
„Hohenzollern” iſt jetzt entſchieden. Die erſte Rate von
5 Millionen Mark für den Erſatz des 1892 vom Stapel
gelaufenen Schiffes iſt in den Reichshaushaltvoranſchlag
für 1913/14 eingeſtellt und bereits vom Bundesrat
ge=
nehmigt worden. Die neue „Hohenzollern” ſoll bis zum
Frühjahr 1915 verwendungsbereit ſein. In einer
Denk=
ſchrift über die Notwendigkeit des Neubaues, die dem
„Etat für die Verwaltung der Kaiſerlichen Marine auf
das Rechnungsjahr 1913” beigegeben ſein wird, iſt u. a.
auf die Erfahrungen beim Untergange der „Titanic”
zu=
rückgegriffen und nachgewieſen worden, daß die
Seefähig=
keit der „Hohenzollern” nicht mehr hinreicht, um die
Bürg=
ſchaft für die nötige Sicherheit des Kaiſers an Bord zu
gewährleiſten. Die Jacht „Hohenzollern” gehört zur
Marineſtation der Oſtſee und wird von dem Kaiſerlichen
Flügeladjutanten Kapitän zur See Karpf befehligt.
Die Regierung über das Petroleum=
Monopol. Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung ſetzt
ſich in einem längeren Artikel mit der Kritik des
Reichs=
petroleum=Monopols durch die Gegenintereſſenten
aus=
einander und ſchreibt:
Der Entwurf wird nebſt der Begründung in nächſter
Woche veröffentlicht. Eine Publizierung der Maßnahmen,
die die Regierung zur Vorverſorgung Deutſchlands mit
Leuchtöl getroffen hat oder zu treffen gedenkt, insbeſondere
der geſchloſſenen Vorverträge, kann ſelbſtverſtändlich nicht
erfolgen, da derartige vorbereitende Maßnahmen geheim
behandelt werden müſſen. Mitteilungen werden erſt in
der Reichstagskommiſſion und auch dort nur vertraulich
gemacht werden können. Die Bedenken gegen den
Ent=
wurf konzentrieren ſich in der Hauptſache auf zwei Punkte:
einmal wird die Befürchtung ausgeſprochen, die Ausübung
des Monopols durch die Vertriebsgeſellſchaft könne zur
Begünſtigung einzelner Banken führen. Einer derartigen
Möglichkeit iſt aber durch eine Reihe Beſtimmungen im
Geſetz wie auch durch andere Maßnahmen vorgebeugt.
Auch der Befürchtung, daß die geplanten Maßregeln zur
Verteuerung des Leuchtöls führen müßten, fehlt jede
tat=
ſächliche Unterlage. Sie ließe ſich nur an Hand genauer
Einzelberechnungen über die gegenwärtigen Betriebskoſten
beſtehender Unternehmungen und der zu errichtenden
Ver=
triebsgeſellſchaft begründen. Eine ſolche Vergleichung iſt
aber kaum durchführbar. Der Zweck des geſetzgeberiſchen
Vorgehens iſt, zu verhindern, daß der deutſche Verbraucher
einem in ſeiner Machtſphäre und in der Preisbemeſſung
faſt unbeſchränkten Privatmonopol preisgegeben wird.
Solcher Schutz kann dem Verbraucher nur dadurch gegeben
werden, daß das Reich eingreift und durch eine
kaufmän=
niſch geleitete Geſellſchaft den Betrieb und die Feſtſetzung
beſtimmter Normen für die Abgrenzung von Gewinn und
Preiſen führen läßt. Dieſer Ausgangspunkt hat in den
Erörterungen eine Erſchütterung nicht erfahren können.
— Geſetzentwurf über
Kinderſaug=
flaſchen. Offiziös wird bekannt gegeben: Der
Reichsanzeiger hat den Entwurf eines
Reichs=
geſetzes über Kinderſaugflaſchen veröffentlicht. § 1
des Entwurfs verbietet, Kinderſaugflaſchen mit Rohr
oder Schlauch oder Teile zu ſolchen Flaſchen
gewerbs=
mäßig herzuſtellen, zum Verkauf vorrätig zu halten, zu
verkaufen, ſonſt in Verkehr zu bringen oder aus dem
Aus=
land einzuführen. § 2 enthält entſprechende
Strafandroh=
ungen. Nach dem letzten § 3 ſoll das Geſetz drei Monate
nach ſeiner Verkündung in Kraft treten. Der Entwurf
wurde vom Bundesrat bereits angenommen und wird
demnächſt dem Reichstag zur Beſchlußfaſſung zugehen. Da
an der Annahme durch den Reichstag nicht zu zweifeln
iſt, werden die an der Herſtellung und dem Vertrieb von
Kinderſaugflaſchen beteiligten Geſchäftskreiſe gut tun, ſich
ſchon jetzt darauf einzurichten.
— Ueber die Stellung der
Gewerkſchaf=
ten zur päpſtlichen Enzyklika wird aus
Ge=
werkſchaftskreiſen gemeldet: Die neueſte päpſtliche
En=
zyklika zum Gewerkſchaftsſtreit wird an der grundſätzlichen
Stellung der chriſtlich=nationalen Gewerkſchaften und an
den Beſchlüſſen des Dresdener Gewerkſchaftskongreſſes
nichts ändern.
Eine neue
Fleiſchteuerungskon=
ferenz. Wie verlautet, ſoll die Konferenz, die zur
Auf=
klärung der Frage der beſtehenden Spannungen zwiſchen
Vieh= und Fleiſchpreiſen vom Reichsamt des Innern
ein=
berufen wird, am 22. d. Mts. ſtattfinden.
Ausland.
Italien.
Die Beziehungen zu der Türkei. In einer
Unterredung, die der neue türkiſche Botſchafter Nabi Bey
mit einem Vertreter des Giornale d’Italia hatte, ſagte
der Botſchafter, er ſei glücklich, in Rom das in Ouchy
be=
gonnene Werk der Annäherung der beiden Länder
fort=
ſetzen zu können. Die Türkei und Italien hätten
zukünftig keinen Grund zu einem Gegenſatz, ſondern im
Gegenteil eine Anzahl gemeinſamer Intereſſen. Er glaube,
daß die Beſtimmungen des Vertrages von Lauſanne zur
vollen Zufriedenheit erfüllt werden würden. Die
Räu=
mung Libyens durch die ottomaniſchen Truppen werde ſich
regelmäßig vollziehen in einer Weiſe und dem
Augen=
blick, die von den lokalen Verhältniſſen, auf die Rückſicht
genommen werden müſſe, bedingt würden. Chems
Ed=
din werde nach Rom kommen, um ſich dort mit den
zuſtän=
digen Stellen über die Maßnahmen zur Pazifizierung
Libyens ins Einvernehmen zu ſetzen.
England.
Die Zuverläſſigkeit der Flotte. Der
Marineminiſter Churchill hielt auf dem Lordmayors=
Bankett eine Rede, in der er ausführte: Nachdem ich ſeit
einem Jahre Gelegenheit gehabt habe, die Angelegenheit
ſelbſt ſich entwickeln zu ſehen und ſie zu beurteilen und
nachdem ich den Rat der fähigſten Offiziere zur Seite
hatte, kann ich mit Nachdruck ſagen, daß Sie in die
Zu=
verläſſigkeit unſerer Flotte volles Vertrauen haben
kön=
nen. In der Flottenfrage haben wir im vergangenen
Jahre keine Schwierigkeit geſchaffen, im Gegenteil, das
Ergebnis iſt ein ſehr günſtiges geweſen. Die Beziehun=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
gen zwiſchen den beiden Völkern haben ſich im letzten
Jahre derart gebeſſert, daß wir unſere Abſicht klar und
deutlich bekannt gegeben haben, uns in unſerer
Ueber=
macht zur See niemanden zuvorkommen zu laſſen. Wir
haben voriges Jahr noch nicht daran gedacht, daß wir
vor 1915 ein 6. Geſchwader hätten, aber ein 6. Geſchwader
wird ſchon im nächſten Jahre bereit ſein.
Rußland.
Die Wahlen zur vierten Duma ſind mit
Ausnahme von zwei in ganz Rußland beendet. Es ſind
gewählt: 152 Mitglieder der Rechten, 80 Oktobriſten, 69
Nationaliſten, 36 Progreſſiſten, 56 Kadetten, 21 Mitglieder
der nationalen Fraktionen, 14 der Arbeitsgruppe, 12
So=
zialdemokraten und 6 Parteiloſe. Die Geiſtlichkeit iſt durch
49 Mitglieder vertreten. Im Vergleich zur dritten Duma
gewann die Rechte 97 Plätze. Die Kadetten verloren 5,
die Oktobriſten 60, die Nationaliſten 23, die nationalen
Fraktionen 6, die Progreſſiſten 4, die Sozialdemokraten 3,
die Parteiloſen 8 Plätze. Die vierte Duma wird am
28. November zuſammentreten.
Jubiläumsbriefmarken zum
Regie=
rungsjubiläum des Kaiſers. Die
Reichspoſt=
verwaltung wird zum Regierungsjubiläum des Kaiſers
im kommenden Frühjahr eine beſondere Jubiläumsmarke
erſcheinen laſſen. An Stelle der Geſtalt der Germania
wird ſie das Porträt Kaiſer Wilhelms II. zeigen, auch
wird ſie in lebhaftem Druck (mehrfarbig) gehalten ſein.
Die Vorbereitungen ſind ſchon im Gange; die Entwürfe
werden in Kürze dem Kaiſer zur Genehmigung vorgelegt
werden. Die Marke wird nur in einer beſchränkten Zahl
gedruckt werden und dürfte ſomit für die Sammler der
ganzen Welt ein bemerkenswertes Sammelobjekt abgeben.
— Eine penſionsberechtigte
Gatten=
mörderin belaſtet den Etat der Stadt
Nürn=
berg. Es iſt eine Rektorswitwe, die ihren Gatten
erſchoſſen hat und wegen Totſchlags zu 4½ Jahren
Gefängnis verurteilt wurde. Mit ihrem Anſpruch
auf Witwengeld wurde ſie von der erſten
In=
ſtanz, der Regierung von Mittelfranken, abgewieſen, bei
der 2. Inſtanz, dem Königlichen Verwaltungsgerichtshof,
hat ſie dagegen Erfolg gehabt. Welche Entſcheidung
zu=
treffend ſei, unterſucht in Soergels juriſtiſcher Rundſchau
Das Recht (Hannover, Helwing) der Jenenſer
Rechts=
lehrer Geheimerat Danz. Er geht dabei von der
Auf=
findung und Ausfüllung der unvermeidlichen Lücken
im Recht aus, deren eine in dem Nürnberger Fall die
Grundlage des Anſpruches bildet. Denn die Satzungen
der ſtädtiſchen Penſionsanſtalt, die durch den Abſchluß
des Dienſtvertrages mit dem erſchoſſenen Rektor ein Teil
dieſes Vertrages geworden waren, enthalten nichts
da=
von, daß der Witwe bei dem hier vorliegenden
Tatbe=
ſtand das Recht auf Witwengeld verloren gehen ſolle.
Eine Entziehung der Penſion auf Grund dieſes
Ver=
trages ſei — führt Danz aus — nur möglich, wenn vom
Richter feſtgeſtellt werde, daß eine Lücke im Vertrag
vor=
liege, weil in ihm über die Rechtsfolgen des
vorliegen=
den Tatbeſtands zwar nichts vereinbart wäre, aber durch
Auslegung des Vertrages „nach der Verkehrsſitte” oder
aus anderen Gründen ſich ergäbe, daß die Lücke durch
die Beſtimmung auszufüllen ſei: es ſolle beim
vorlie=
genden Tatbeſtand kein Witwengeld gewährt werden.
Danz legt ausführlich dar, wie der Richter zu entſcheiden
habe, ob ein lückenhafter oder ein lückenloſer Vertrag
vorliege, und kann ſich für ſeine Auffaſſung auf die Praxis
der Stadt Nürnberg berufen, die inzwiſchen durch neue
Satzungen der Penſionsanſtalt beſtimmt hat, daß der
Anſpruch auf Witwen= und Waiſengeld dem
Familien=
mitglied verloren geht, das den Tod des Beamten
ver=
kanlaßt hat. Auch im ſächſiſchen Geſetz vom 15. Juni 1912.
betreffend die Verſorgung der Hinterlaſſenen von
Staats=
dienern, iſt derſelbe Verluſtgrund, den vorher wohl nur
Mecklenburg=Schwerin kannte, aufgeführt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. November.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Hermann zu
Stolbera=Wernigerode iſt am Freitag
nach=
mittag 2 Uhr 49 Min. wieder abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Danktelegramm. Auf den Ihren Königl. Hoheiten
dem Großherzog und der Großherzogin zum
Geburts=
tag des Erbgroßherzogs von Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing telegraphiſch übermittelten Glückwunſch
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt iſt folgende
Depeſche eingelaufen: „Herzlichſten Dank für freundliche
Wünſche. Ernſt Ludwig. Eleonore.”
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Johannes Schönhals aus Reuters, Kreis Lauterbach,
die Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Schlechten=
wegen, in demſelben Kreiſe.
* Ernannt wurden zu Regierungsbaumeiſtern die
Regierungsbauführer Ferdinand Beck, Karl
Hall=
wachs, Willy Horſt, Alfred Keſſel, ſämtlich aus
Darmſtadt, und Adolf Mangold aus Berlin.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Kortelshütte, Kreis Erbach,
Ludwig Arnold auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom
1. Dezember 1912 an.
g. Strafkammer. In der geſtrigen
Strafkammer=
ſitzung wurde der 33jährige Schuhmachermeiſter Auguſt
Dickry aus Saargemünd, zuletzt in Mainz, wegen
Ver=
brechens nach § 176,3 des Strafgeſetzbuches in mehreren
Fällen zu einer Gefängnisſtrafe von 1 Jahr
8 Monaten verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte
wurden ihm auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt.
g. Ausloſung der Geſchworenen. Bei der geſtrigen
Ausloſung für die Geſchworenenliſte der am Montag, den
2. Dezember unter dem Vorſitz des Großh.
Landgerichts=
rats Dr. Lehr beginnenden vierten
Schwurgerichts=
periode wurden folgende Herren ausgeloſt: Landwirt
An=
ton Dehn in Reinheim, Gaſtwirt Heinrich Heberer in
Dietzenbach, Kaufmann Friedrich Wilhelm Göbel in Ober=
Ramſtadt, Prokuriſt Erhard Wagner in Lorſch,
Beigeord=
neter Philipp Lautenſchläger in Meßbach,
Bauunterneh=
mer Felix Auguſt Beck in Offenbach, Rechner Georg
Wil=
helm Schwinn I. in Rodenberg, Landwirt und
Beigeord=
neter Georg Wilhelm Arnold I. in Fahrenbach, Rentner
Karl Müller in Auerbach a. d. B., Kaufmann Hermann
Weißmann in Viernheim, Bürgermeiſter Johann Joſeph
Horn II. in Mainflingen, Landwirt Johann Georg Bähr
in Ebersberg, Maurermeiſter Johann
Brunnen=
gräber XIII. in Lorſch, Rechner Wilhelm Weyrich in
Waldamorbach, Beigeordneter Wilhelm Sattler in
Unter=
ſcharbach, Bäcker Franz Mey in Dieburg, Beigeordneter
Johann Philipp Poth in Neutſch, Mühlenbeſitzer
Leon=
hard Johann in Oberſchönmattenwag, Fabrikant Louis
Lautz in Darmſtadt, Landwirt Philipp Guthier in Unter=
Hambach, Zimmermeiſter Heinrich Buxbaum II. in
Offen=
bach, Möbelhändler Wilhelm Schaaf in Groß=Gerau,
Bei=
geordneter Jakob Gärtner in Lindenfels, Kaufmann
Theo=
dor Heyl in Darmſtadt, Obergärtner Georg Gärtner in
Jugenheim, Beigeordneter Adam Adam II. in Klein=
Bieberau, Metzger Philipp Glaſer in Altheim,
Weinhänd=
ler Johann Grimm IV in Heppenheim, Rentner Philipp
Rauch in Nordheim, Betriebsdirektor Dr. Wilhelm Struck
in Gernsheim.
— Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung zur
Sitzung des Provinzialauſchuſſes der Provinz
Starken=
burg am Samstag, den 16. November, vormittags
10 Uhr, lautet: 1. Geſuch des Franz Geulen aus
Aachen um Erlaubnis zum Betriebe einer
Schankwirt=
ſchaft (Automatenreſtaurant) im Hauſe Eliſabethenſtraße
Nr. 2. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Wieblingen
gegen den Ortsarmenverband Darmſtadt wegen
Ueber=
nahme von Pflegekoſten für den Schreiner Friedrich
Bourgeois aus Darmſtadt. 3. Beſchwerde des
Amts=
richters Dr. Lutz zu Berlin wegen Heranziehung zu
den Straßenherſtellungskoſten durch die Gemeinde Neu=
Iſenburg. 4. Enteignung von Gelände für die
Er=
weiterung des Bahnhofs in Babenhauſen.
H Vom Großh. Hoftheater. Die erſte Wiederholung
des „Hamlet” in der neuen Inſzenierung findet heute,
Dienstag, als 55. Abonnementsvorſtellung, Buchſt. C
14, ſtatt. Die Hoftheaterleitung entſpricht mit der
An=
ſetzung des Werkes vielfach geäußerten Wünſchen, die, von
der mächtigen Wirkung der Aufführung auf der Stilbühne
angeregt, eine Wiederholung der Tragödie in der ſzeniſchen
Gewandung der Shakeſpearebühne verlangten. Für dieſe
Vorſtellung gelten die kleinen Preiſe. Am Mittwoch
wird nach längerer Pauſe Verdis „Troubadour”
un=
ter der muſikaliſchen Leitung von Kapellmeiſter Lert, als
56 Abonnementsvorſtellung, Buchſt. B. 14, in Szene gehen.
Für Donnerstag iſt die zweite Sondervorſtellung
vorge=
ſehen, die gleichzeitig eine Feier von Glucks 125.
Todes=
tag darſtellt. Zur Aufführung gelangt „Iphigenia
in Aulis” in der Beſetzung der Eröffnungsvorſtellung,
Dirigent Herr Hofrat de Haan, ſzeniſche Leitung Herr
Oberregiſſeur Valdek. Zu dieſem Abend ſindet kein
Karten=
verkauf ſtatt. Im Laufe dieſer Woche wird unſer
Hof=
theater aus Anlaß von Gerhart Hauptmanns 50.
Geburts=
tag eine Ehrung des Dichters durch die Erſtaufführung
ſeines „Gabriel Schillings Flucht”
veran=
ſtalten.
Von der Künſtlerkolonie. Herr Profeſſor Ernſt
Riegel der ſeit ſechs Jahren eine Zierde der
Darm=
ſtädter Künſtlerkolonie bildet, hat, wie auswärtige
Blät=
ter melden, ein ehrenvolles Anerbieten der preußiſchen
Regierung als Lehrer an der Kunſtgewerbeſchule
zu Köln angenommen. Dem Künſtler wird ein
eigenes Atelier zur Verfügung geſtellt werden mit
fünf=
zehn Arbeitsplätzen für Gehilfen und fortgeſchrittene
Schüler. Wie wir authentiſch erfahren, iſt dieſe Meldung,
wenn ihr auch die offizielle Beſtätigung noch fehlt,
lei=
derrichtig. Für unſere Künſtlerkolonie iſt der Verluſt
gerade dieſes Künſtlers, der ſo oft und ſo wirkſam ihren
Namen und Ruf hinausgetragen in die Welt der Kunſt
und des Kunſtgewerbes ein außerordentlich ſchmerzlicher.
Es entzieht ſich unſerer Kenntnis, ob von den
maßgeben=
ßen Stellen alles getan und verſucht worden iſt, den
Künſtler für Darmſtadt zu halten; doch iſt dies bei der
all=
gemeinen Wertſchätzung und der unbeſtritten
hervor=
agenden Stellung, die Herr Profeſſor Riegel auf dem
Bebiete ſeiner Kunſt einnimmt, wohl anzunehmen.
Hof=
fen wir, daß es möglich iſt, für den Scheidenden Erſatz zu
inden; wir möchten ſein befruchtendes Kunſtſchaffen an
der Künſtlerkolonie nicht miſſen.
Rh. Von der Techniſchen Hochſchule. Im laufenden
Winter=Semeſter wird an Stelle des erkrankten Herrn
Ge=
heimrats Dr. Beſt Herr Oberjuſtzirat Schwarz die
Vorleſungen über Rechtswiſſenſchaft halten und damit am
Dienstag, den 12. d. M., beginnen. — Diejenigen
Stu=
dierenden und Hörer, die mit der Einlieferung ihres
An=
meldebogens an das Sekretariat der Hochſchule zwecks
Berechnung der Studiengelder noch im Rückſtand ſind,
haben dies bis ſpäteſtens Mittwoch, den 13. d. M.,
nach=
zuholen. — Die Einholung der Teſtate bei den einzelnen
Dozenten muß bis ſpäteſtens Samstag, den 23. November,
erfolgt ſein. Nach dieſem Termin kann das Anteſtieren
nur ausnahmsweiſe aus ganz beſonders triftigen
Grün=
den geſtattet werden. Die betreffenden Studierenden und
Hörer haben zwecks Erteilung der Genehmigung zum
nachträglichen Teſtieren ein ſchriftliches, gehörig
begrün=
detes Geſuch unter Beifügung des Anmeldebogens beim
Rektorat einzureichen. Werden die angegebenen
Verhin=
derungsgründe vom Rektorat als triftig anerkannt, ſo wird
ein entſprechender Vermerk in den Anmeldebogen
einge=
ragen. Die im Anmeldebogen nicht teſtierten oder ohne
Genehmigungsvermerk verſpätet anteſtierten Vorleſungen
und Uebungen werden bei den ſpäter auszuſtellenden
Se=
meſtral= und Abgangszeugniſſen nicht berückſichtigt. — Die
Studiengeld=Rückſtände für das laufende Semeſter ſind bei
Vermeidung der Anforderung bei den Eltern oder
Vor=
nündern bis ſpäteſtens Montag, den 18. November, an
die Kaſſe zu entrichten. — Herr Profeſſor Köhler
beab=
ſichtigt, am Dienstag nachmittag mit den Studierenden
es Maſchinenbaufaches die Lokomotiv=Werkſtätte II am
Dornheimer Weg zu beſichtigen. Treffvunkt iſt um 2¼ Uhr
am Eingang der Werkſtätte. — Das Exkurſionsamt
der Freien Studentenſchaft unternimmt am Mittwoch
eine Exkurſion nach Guſtavsbura zur Beſichtiaung der
ausgedehnten Anlagen des dortigen Werkes der Maſchi= Augsburg=Nürnbera mit der intereſſanten
Ab=
teilung für Hochbaukonſtruktionen. Die Abfahrt erfolgt
mittag 1,52 Uhr, die Rückkunft gegen 7 Uhr abends.
H. K. Meiſterprüfung. Am 1. Oktober 1913 iſt
die geſetzliche Uebergangsfriſt abgelaufen,
welche Handwerkern die Ablegung der
Meiſterprüfung ohne den Nachweis einet
beſtandenen Geſellenprüfung geſtattet.
Ar=
tikel II Abſ. II der Novelle zur Reichsgewerbeordnung
om 30. Mai 1908, deren Beſtimmungen am 1. Oktober
1908 in Kraft getreten ſind, beſtimmt hierüber: Während
der erſten 5 Jahre nach dem Inkrafttreten dieſes Geſetzes
darf die Zulaſſung zur Meiſterprüfung von dem Beſtehen
der Geſellenprüfung nicht abhängig gemacht werden. Für
Perſonen, die beim Inkrafttreten dieſes Geſetzes zur
An=
leitung von Lehrlingen befugt ſind, gilt das gleiche auch
nach Ablauf dieſer fünf Jahre. Wer alſo am 1. Oktober
1908 nach den beſtehenden geſetzlichen Vorſchriften die
Be=
fugnis zum Anleiten von Lehrlingen beſaß, kann auch
nach dem 1. Oktober 1913 zur Meiſterprüfung zugelaſſen
werden, ohne den Nachweis der abgelegten Geſellenprü=
Mit dem Motor ins innerſte Afrika.
Von Oberleutnant Paul Graetz.
(Nachdruck verboten.)
VIII.
Durch Neukamerun zurück zum Kongo.
In Queſſo am Sſanga, an Bord der „Hygiama”,
den 27. Auguſt 1912.
Die Flickarbeiten an der „Hygiama” ſchreiten hurtig
voran. Zweimal täglich ſpaziere ich mit Kunze nach der
Mündung des Lupi, wo das Boot an Land liegt. Am
Morgen werden die Anweiſungen an die ſchwarzen
Hand=
werker gegeben, am Abend wird das Tagewerk geprüft.
Sieben Holzſpanten werden durch eiſerne erſetzt. Das
75 Zentimeter lange Leck wird ſauber ausgeſägt und durch
zwei meiſterhaft eingepaßte Planken afrikaniſchen
Maha=
goniholzes von 95 bezw. 135 Zentimeter Länge geſchloſſen.
Der geſplitterte Kiel erhält eine Maske aus Kupferblech.
— Zinko liegt darnieder. Die Fieberkurve ergibt, daß
die Erkrankung keineswegs auf Malaria zurückzuführen
iſt, ſondern lediglich eine Erkältung oder eine Folge der
überſtandenen körperlichen Anſtrengung in Verbindung
mit begreiflicher Nervenerregung darſtellt. Das Gegenſtück
zu meinem 42 erreichenden Fieber in Mtengula nach
jenen wilden Kämpfen der „Sarotti” gegen die
Sturm=
wogen des Niaſſaſees Die zweite Fiebernacht wache ich
perſönlich bei Zinko und erneuere bis zum Morgen alle
zehn Minuten die Kühlverbände. Sieben Uhr morgens
iſt Zinko zwar frei vom Fieber legt jedoch trotz kräftig
einſetzender Eßluſt eine unbegreifliche Mutloſigkeit an den
Tag. Ich habe bei willensſchwachen Naturen ſchon öfter
in Afrika ähnliche Zuſtände beobachtet — doch bei Zinko,
dem Mann von Stahl und Eiſen, der zweimal die Welt
umſegelt der mit Stolz erzählt, daß er 8 Jahre in der
K. K. öſterreichiſchen Kriegsmarine gedient, daß er bei
eiſiger Januarkälte in die Adria ſprang, um ein
Menſchen=
leben zu retten, nimmt mich das wunder.
Der „Djah” der neueſte 50 Tons=Dampfer der
Ge=
ſellſchaft Süd=Kamerun nach dem Fluſſe Dſcha
unortho=
graphiſch benamſt, dampft den Bumba herauf — fürwahr
ein ſtolzes Schiff, deutſchen Unternehmungsgeiſtes
wür=
dig. Auf dem mit Flaggen und Girlanden geſchmückten
Promenadendeck ſitzt am Abend eine ſtattliche Tafelrunde.
„Na, Zinko, übermorgen ſauſen wir los!” Unter den
Klängen mehrerer Grammophone gehen wir an Land
zur Ruhe. Der Direktor der D. S.H bittet mich noch auf
ein Wort in ſein Haus. „Ich halte es für meine Pflicht,
Ihnen mitzuteilen, daß Ihr Herr Zinko bei unſerer
Ge=
ſellſchaft und bei den hieſigen deutſchen Faktoreien um
An=
ſtellung nachgeſucht hat, da er ſich den Anforderungen
Ihrer Expedition nicht mehr gewachſen fühlt. Ich
be=
zweifle jedoch, daß es ihm mit der Qualifikation, die er
ſich ſelbſt hier gegeben, gelingen wird.” Als ich Zinko
am Morgen zur Rede ſtelle, heult er wie ein Weib
Was doch dieſes Afrika mit einem bißchen Fieber aus dem
. Ich belege für Zinko eine Kabine
Menſchen macht
auf dem „Djah” bis Kinſhaſa und ſchicke ihn mit dem
nächſten Dampfer nach Antwerpen und von dort nach
Graz zurück, woher er gekommen und wo er beſſer
ge=
blieben wäre.
Die erſte Fahrt der geflickten „Hygiama” geht nach
der Unfallſtelle. Das Waſſer iſt ſeit dem Schiffbruch mehr
als einen Meter geſtiegen. Die gefahrſchwangere Klippe,
ant der wir geſcheitert, markiert ſich kaum mehr an der
Waſſeroberfläche — doch dort liegt der tote Baum,
unter=
halb deſſen wir die Feuerſtellen der Unglücksnacht finden.
Wir ſuchen nach Strandgut, unter anderem nach der
Löt=
lampe zum Anwärmen des Motors, für welche Kunze in
der Dampferwerkſtatt einen Erſatz in einer
Spirituslöt=
lampe aufgeſtöbert, die wir in Ermangelung anderen
Brennſtoffes mit Terpentinſpiritus ſpeiſen. Auch den
Wimpel vom Motor=Jagdklub hofkten wir zu finden.
Enttäuſcht kehren wir nach Molundu zurück. Frau von
Stetten, welche die Gefahren und Anſtrengungen
glän=
zend überſtanden, näht aus alten Zeltflaggen einen neuen
Klubwimpel, dann wird alles zur Abfahrt vorbereitet.
Die „Hygiama” ſoll am 23. Auguſt mit dem „Djah”
ſtar=
ten, doch der Motor ſpringt nicht an. Während der 2½
Stunden Fahrt bis Tibundi liegt die „Hygiama”
feſtge=
macht längsſeits des „Djah”
Die Expedition hat einen Zuwachs erhalten: Ein
ent=
zückendes Kätzchen, ein Andenken des Faktoreibeſitzers
de Curry in Molundu. Dieſes kleine weiße Lebeweſen
— von mir auf den Namen „Mutſch” getauft ſoll mir in
Zukunft auf meiner einſamen Fahrt die Möglichkeit geben,
deutſch zu ſprechen.
In Tibundi hält mich der Motor zweieinhalb
Tage auf. Die als Saugklappe arbeitende Gummiſcheibe
am Kurlelgehäuſe iſt gebrochen. Eine Reſezvellappe
haben mir die Grademotorenwecke vorenthalten. Aus
einem) Eſtück vulkaniſierten Gummis wird eink nzue
Scheibe geſchnitten, die, nur halb ſo ſtark wie die
Original=
klappe, nicht funktionieren will. Der Motor kommt nicht
über drei, vier Exploſionen hinaus. Schließlich wird die
Lötlampe noch obendrein undicht. Die Deutſchen von
Tibundi, Kittlaß und Hilpert leiſten mir tatkräftigen
Bei=
ſtand. Am deitten Tage morgens wird in ſtrömendem
Regen weiterexperimentiert. Endlich, ein Uhr mittags,
ſpringt der Motor an und kommt auf Touren. Wir
wer=
fen ſofort los und ſteuern ſtromabwärts, um heute noch
Queſſo zu erreichen. Der Motor arbeitet gut, trotz der
neuen Saugklappe. Plötzlich einige klappernde Schläge —
James hat einen dicken Wulſt Twiſt in die Antriebskette
der Kühlwaſſerpumpe fallen laſſen, welche infolge der
Spannung reißt und in den Kielraum fällt. Wir ſtreben
an Land. Auch für die Kette fehlt jedes Reſerveglied.
Zum Glück iſt kein Glied geriſſen, vielmehr nur Splink
und Haltemutter eines Bolzens weggeſprengt. Ich ſetze
den Bolzen ohne Mutter ein und lege einen Draht durch
das Splintloch weiter. Eine Panne löſt heute die andere
ab. Infolge Materialfehlers bricht der eiſerne Halter des
Oelkaſtens, der mittels Drahtſeil befeſtigt wird. Das
hintere Lager läuft infolge mangelnden Oelzufluſſes
warm, ſo daß wir am Dorf Mbenja anlauſen, juſt wo wir
auf der Fahrt flußaufwärts Frühſtückshalt gemacht. In
der Nacht kommen die Nilpferde ſchnaubend bis dicht an
das Boot, in dem ich mein Lager aufgeſchlagen und
brin=
gen mich um die verdiente Nachtruhe. Nach gründlicher
Ueberholung des Motors wird am ſpäten Morgen des
27. Auguſt angekurbelt. Ich habe in Tibundi einen
Ban=
galaboy angenommen, der an Zinkos Stelle das Steuer
führt, während James den Motor beaufſichtigt. Ein
kleiner franzöſiſcher Dampfer kreuzt unſeren Kurs. In
glatter Fahrt erreichen wir gegen mittag den Sſanga,
an deſſen rechtem Ufer ſich die Häuſer von Queſſo
hin=
ziehen. Ich nehme hier Petroleum über und verſuche
vergeblich, Spiritus für meine Lötlampe zu kaufen, die
bei dem erneuten Anwärmen des Motors leck wird. Ein
portugieſiſcher Kaufmann ſtellt mir ſeine kleine
Fahrrad=
werkſtatt für die Reparatur zur Verfügung. Als wir
ſtarten wollen, ſpringt ein Tornado mit ungeheuerer
Hef=
tigkeit auf und zwingt uns, in Queſſo zu nächtigen.
Durch die ſturmgeveitſchten, hochgehenden Wellen des
Glanga kämpft ſich ein Kanoe vom anderen Ufer herüber,
Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 3.
fung zu erbringen. Alle übrigen Handwerker müſſen
hin=
gegen, wenn ſie nach dem 1. Oktober 1913 die
Meiſter=
prüfung ablegen wollen, ſich zuvor der
Geſellenprü=
fung unterziehen. Es liegt daher im Intereſſe
der in Betracht kommenden Perſonen, die kurze Friſt noch
auszunützen und ſobald wie möglich die Vorbereitungen
zur Meiſterprüfung in Angriff zu nehmen.
Erfahrungs=
gemäß zögern immer noch viele teils aus Läſſigkeit, teils
aus Verkennung des Wertes des Meiſtertitels mit
Able=
gung der Meiſterprüfung. Jeder junge Handwerker, der
durchdrungen iſt von Berufs= und Standesehre, muß es
ſich aber zur Ehre anrechnen, die Meiſterprüfung abzulegen
und damit den Nachweis eines abgeſchloſſenen
Bildungs=
ganges und die Berechtigung zur Führung des
Meiſter=
titels zu erwerben. Der Beſitz des Meiſtertitels wirkt
achtunggebietend und empfehlend auf den Kundenkreis und
legt äußerlich ſchon Zeugnis davon ab, daß der Inhaber
dieſes Titels ſein Handwerk ordnungsgemäß erlernt hat
und beherrſcht. Auch ſonſtige materielle Erfolge werden
nicht ausbleiben, da immer weiter daran gearbeitet wird,
bei Arbeitvergebungen durch Behörden pp. in erſter
Linie bezw. überhaupt nur diejenigen Handwerker zu
be=
rückſichtigen, die die Berechtigung zur Führung des
Mei=
ſtertitels beſitzen. Alle diejenigen, die eine genügende
Geſellenzeit zurückgelegt, z. Zt. aber noch mit Ablegung
der Prüfung gezögert haben, ſeien ernſtlich ermahnt, ſich
im kommenden Jahre derſelben zu unterziehen, denn die
bis Oktober k. Js. beſtehende Vergünſtigung erfährt keine
Verlängerung, für die Folge kann ſich aber auch der junge
Handwerker die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen
nur noch durch Ablegung der Meiſterprüfung nach
vor=
hergegangener Geſellenprüfung erwerben.
* Handelskammerwahl. In der Erwerbsgruppe
„Kleinhandel” wurden geſtern gewählt: Fritz
Becker (in Firma Leinenhaus Becker) mit 90 Stimmen
und Ludwig Fiſcher (in Firma Ludwig Fiſcher) mit
58 Stimmen.
* Der Wormſer Verkaufstag hat, wie man uns
mitteilt, einen Ertrag von 53000 Mk., nicht, wie
geſtern irrtümlich aus Worms gemeldet, 36000 Mk.
er=
geben. Die nach den vorläufigen Berechnungen
feſtgeſtellte Summe von 53000 Mk. dürfte ſich noch um
einiges erhöhen.
— Jubiläum. Die Feier des 25jährigen
Dienſt=
jubiläums des Herrn Bahnmeiſter Schröter am
9. ds. Mts. geſtaltete ſich zu einer rechten Ehrung des
Jubilars. Nachdem vormittags der Jubilar durch die
Direktion der H E.=A.=G, beglückwünſcht und ihm von
den Direktionsbeamten ein koſtbares Geſchenk überreicht
worden war, wurde er abends im Konkordiaſaal durch
eine Familienfeier des Bezirksvereins Darmſtadt des
Verbandes Deutſcher Privateiſenbahnbeamten in
gebüh=
render Weiſe geehrt. Zu der Feier hatten ſich die
Direk=
itoren beider hieſiger Eiſenbahn=Geſellſchaften, ſowie eine
Reihe Oberbeamte, Beamte und Bedienſtete derſelben
ein=
gefunden. Ein Prolog, von Herrn Aſſiſtent M. Klein
ver=
faßt und von Frau Eiſenbahnſekretär Groß vorgetragen,
eröffnete die Feier. Sodann wurde dem Jubilar das vom
Verband geſtiftete Diplom und ein ſchönes Geſchenk des
Bezirksvereins überreicht. Zur weiteren Verſchönerung
des Feſtes trugen noch verſchiedene Vorträge, wie Duette,
Singſpiel und Theater bei. Bis zu ſpäter Nachtſtunde
hielten die Teilnehmer aus und ein Tanz trug den
Tanz=
luſtigen bis zu früher Morgenſtunde in vollſtem Maße
Rechnung.
* Der heſſiſche Landesausſchuß zur Errichtung eines
Bismarck=Nationaldenkmals trat geſtern vormittag 11 Uhr
im Sitzungsſaal der Zweiten Kammer der Stände in
Darmſtadt zuſammen. Staatsminiſter Ewald Exz.
be=
grüßte die Erſchienenen, unter denen man die Miniſter
Braun Exz. und v. Hombergk zu Vach Exz., mehrere
Kreis=
räte, Mitglieder der Erſten und der Zweiten Kammer,
den Präſidenten des Oberkonſiſtoriums, die Rektoren der
Landesuniverſität und der Techniſchen Hochſchule bemerkte,
und erteilte dem Geſchäftsführer der Vereinigung zur
Er=
richtung des Bismarck=Nationaldenkmals Generalſekretär
Peter=Köln das Wort zu dem Bericht über die
Entwick=
lung und den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit.
Dem Vortrag, auf den wir kurz zurückkommen werden,
folgten die Wahlen: zum Vorſitzenden des
geſchäftsfüh=
renden Landesausſchuſſes wurde der Präſident der
Zwei=
ten Kammer, Oberbürgermeiſter Köhler=Worms, zum
ſtellvertretenden Vorſitzenden der Präſident des Großh.
Verwaltungsgerichtshofes, Geheimerat Dr.=Ing. Weber,
zu Mitgliedern Bankdirektor Brink und Legationsrat Dr.
Neidhart gewählt. Juſtizrat Calmann= Alzey gab
Winke für die Einleitung der Sammlungen; ſodann
dankte Oberbürgermeiſter Köhler für die Wahl und
bat um eifrige Unterſtützung, worauf Staatsminiſter
Ewald Exz. um halb 1 Uhr die Verſammlung mit
Dankes=
worten ſchloß.
— Der Akademiſche Chor zu Darmſtadt beging am 9.
und 10. November, den Tagen ſeines 14. Stiftungsfeſtes,
die Weihe ſeines in der Riedlingerſtraße gelegenen
Korporationshauſes. Schon am
Begrüß=
ungsabend am 8. November hatten ſich im Reſtaurant
zur Oper viele Alte Herren und Vertreter verſchiedener
auswärtiger Kartellkorporationen des Sondershäuſer
Verbandes deutſcher Studenten=Geſangvereine
eingefun=
den. Am 9. vormittags erfolgte die feierliche Weihe des
Hauſes, die durch Reden des Vorſitzenden des Alt=Herren=
Verbandes und des Präſidenten der Korporation, ſowie
durch muſikaliſche Vorträge des aktiven Vereins ihren
Rahmen erhielt. Anſchließend erfolgte die Beſichtigung
des Hauſes. Da dieſes als erſtes in Darmſtadt für den
beſtimmten Zweck eines Korporationshauſes erbaut iſt,
trägt es allen Anſprüchen einer Korporation Rechnung; es
enthält Kneipſaal, Wohn= und Leſezimmer, Eßzimmer,
Vorſtandszimmer und Paukraum, daneben die Wohnung
des Verbindungsdieners, der Haushälterin und der
Dienſt=
boten. Außerdem bietet es noch einigen Bundesbrüdern
in fünf Studentenbuden ihr Heim. Nach dem
Früh=
ſchoppen auf dem Hauſe erfolgte ein Feſteſſen im Hotel
zur „Traube.‟ Ein Kaffee in der „Oper” leitete zu der
Feſtkneipe am Abend über. Zu dieſer waren erſchienen
Seine Magn. der Herr Rektor der Techniſchen Hochſchule,
ſowie der Herr Prorektor und noch eine große Anzahl
an=
derer Herren Profeſſoren der Hochſchule, außerdem eine
ſtattliche Reihe von Vertretern der Darmſtädter
nicht=
farbentragenden Korporationen, ſowie der auswärtigen
Kartellkorporationen des Akademiſchen Chors. Sonntag
vormittag fanden ſich die Alten Herren zu einem A.=H.=
Konvent auf dem Hauſe zuſammen, während die
Akti=
vitas mit ihren Gäſten einen Frühſchoppen in der „Oper”
einnahm. Mittags traf man ſich zu einem gemeinſamen
Eſſen auf dem Hauſe, dem nach einem Exbummel aufs
Oberwaldhaus abends eine Schlußbowle auf dem Hauſe
folgte, mit der das Feſt ſeinen harmoniſchen Abſchluß
er=
hielt.
— Muſikverein. Der am Samstag in den Räumen
des Vereinshauſes veranſtaltete Herrenabend hatte
ſich ſeitens der Aktiven und Inaktiven einer weſentlich
regeren Beteiligung als im Vorjahr zu erfreuen. Nach
dem gemeinſamen Mahl ſtellte ſich bei einem
vorzüg=
lichen Tropfen aus dem Weinkeller des Vereinshauſes
bald eine ungezwungene Fröhlichkeit ein. Zahlreiche, auf
künſtleriſcher Höhe ſtehende Vorträge von Gäſten und
Vereinsmitgliedern (Doppelquartette, Soli für Flöte,
Violine, Zither und Geſang, Deklamationen) ernteten
den verdienten Beifall. Der Chroniſt des Muſikvereins
darf dieſen Abend als einen wohlgelungenen regiſtrieren.
W. Turngemeinde Darmſtadt. Anläßlich ihres
45 jährigen Beſtehens hielt die
Turnerſingmann=
ſchaft am vergangenen Samstag ein Konzert ab,
das ſich von ſeiten der Mitglieder, wie auch Gäſte eines
guten Beſuches zu erfreuen hatte. Die Vortragsfolge,
welche mit dem gemiſchten Chor Schön Rothtraut”
be=
gann, wickelte ſich in ſchöner Weiſe ab. Die
Singmann=
ſchaft hat ſich unter Leitung ihres Dirigenten Herrn W.
Etzold ſehr gut emporgearbeitet. Sämtliche Chöre
wurden hervorragend zu Gehör gebracht und fanden
allſeitig Anerkennung und ungeteilten Beifall. In Herrn
V. Härtl lernte man einen vortrefflichen Violinſpieler
kennen. Er meiſterte ſein Inſtrument in wirklich
künſt=
leriſcher Weiſe. Für Fräulein Schaub, die leider abſagen
mußte, wurde Fräulein Kaſten von der Großh. Hofoper
gewonnen. Auch dieſe vielverſprechende Künſtlerin
ent=
ledigte ſich ihrer Aufgabe beſtens. Herr Winter brachte
einige Rezitationen ernſten und heiteren Inhalts, mit
welchen er die Anerkennung der Beſucher erwarb, auch
Herrn W. Etzold, der in bekannter Weiſe zwei Stücke auf
dem Violoncello zum Beſten gab, wurde reicher Beifall
gezollt. Nach Beendigung des reichen Programms nahm
der 1. Sprecher Veranlaſſung, allen Mitwirkenden zu
danken. Er gab dem Wunſche Ausdruck, daß ſich die
Singmannſchaft, welche ſich in aufſteigender Linie
be=
findet, ſich weiter entwickeln möge. Sein mit Begeiſterung
aufgenommenes „Gut Heil” galt dem ferneren Blühen
der Mannfchaft. Mit dieſem Konzert zeigte die
Sing=
mannſchaft, daß ſie ihrer Aufgabe vollauf gewachſen iſt.
Mit Genugtuung kann ſie und mit ihr die Turngemeinde
auf die in allen Teilen gelungene Veranſtaltung
zurück=
blicken.
* Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt, e. V. Am
Sams=
tag fand im Kaiſerſaal und Fürſtenſaal das Stiftungsfeſt
des Kaufmänniſchen Vereins ſtatt. Der Saal war faſt
zu klein, um alle Erſchienenen zu faſſen. Der Vorſitzende
begrüßte die Erſchienenen und wies in kurzen Worten auf
die Ziele und die Tätigkeit des Vereins hin, auf das
Streben des Vereins, das Anſehen des
Kaufmannsſtan=
des zu heben und ein gutes Einvernehmen zwiſchen den
ſelbſtändigen Kaufleuten und den Angeſtellten im
beider=
ſeitigen Intereſſe zu pflegen und zu fördern. Er gedachte
in ſeinem Rückblick der zehnjährigen aufopfernden
Tätig=
keit des früheren Vorſitzenden, Herrn Wilhelm Kölb,
der in Anbetracht ſeines erſprießlichen Wirkens zum
Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde, und
über=
reichte Herrn Kölb die Ehrenurkunde. In kurzen Worten
dankte Herr Kölb für die ihm zuteil gewordene Ehrung,
Nicht ſeiner Perſon allein verdanke der Verein ſein
Auf=
blühen, ſondern der planvollen, eifrigen Tätigkeit des
Ge=
ſamtvorſtandes. — Für den unterhaltenden Teil war
reich=
lich geſorgt. Liedervorträge kamen durch Fräulein
Krömmelbein und Herrn Kugler zum Vortrag,
u. a. auch Kompoſitionen von Herrn May, Mitglied des
Kaufmänniſchen Vereins, und Herrn Obermuſikmeiſter
Hauske. In reizender Weiſe wurden durch die Genannten
mehrere Duette in Rokoko=Koſtümen aufgeführt, die
ſo=
wohl ihres Vortrages wegen, als auch der vornehmen
Aufmachung, die Anweſenden entzückten. Die Begleitung
lag in den Händen des Herrn May, der auch durch einen
Solo=Vortrag zur Verſchönerung des Abends in
dankens=
werter Weiſe beitrug. Unter der Leitung der Mitglieder
Herren Hansl und S. Guthmann, Tanzlehrer, war eine
Tanzaufführung zuſtande gekommen. Die Mitwirkenden,
Damen und Herren des Vereins, verſtanden es, dieſe
Auf=
führung zum Glanzpunkte des Feſtes zu geſtalten; alle
gaben ihr Beſtes. Nicht unerwähnt ſoll bleiben, daß auch
die Muſik, die unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſter
Hauske konzertierte, ein vornehmes Programm
zu=
ſammengeſtellt hatte, und in jeder Weiſe mit zum Gelingen
des Feſtes betrug. Reicher Beifall dankte allen
Mitwirken=
den. Ein flotter Tanz beſchloß den ſchönen Abend.
* Der chriſtliche Verein junger Männer „Wartburg”
hielt am Sonntag ſein Jahresfeſt ab.
Nach=
dem bereits am frühen Morgen der unter Herrn
Ham=
mers trefflicher Leitung ſtehende Poſaunenchor von der
Höhe des Stadtkirchturmes der Stadt ſeinen Gruß
entbo=
ten hatte, fand um 10 Uhr ein gut beſuchter Gottesdienſt
in der Stadtkirche ſtatt, in dem Herr Pfarrer Beringer
an der Hand des Pauluswortes: „Zuletzt, meine Brüder,
ſeid ſtark in dem Herrn und in der Macht ſeiner Stärke‟
dem Verein ſeine großen und ernſten Aufgaben in
packen=
der Weiſe zeichnete. Der Nachmittag brachte dann eine
interne Verſammlung der Mitglieder und auswärtigen
Gäſte im Vereinslokal bei Bewirtung mit Kaffee und
Kuchen. Sie bot neben dieſen leiblichen Genüſſen aber
auch recht viel Anregendes und Gemütliches; muſikaliſche
Darbietungen, Deklamationen, gemeinſame Geſänge und
Spiele und begeiſtert aufgenommene Anſprachen des
Lei=
ters der Verſammlung, Herrn Pfarraſſiſtent Müller.
Den Schluß des Feſttags brachte dann die würdig und
glänzend verlaufene Feier im „Feierabend” die ebenfalls
vorzüglich beſucht war. Von den Leiden und Freuden,
den Enttäuſchungen und Hoffnungen des Vereins gab
deſ=
ſen Vorſitzender, Herr Pfarrer D. Dr. Diehl, in ſeiner
nie des Ernſtes entbehrenden humorvollen Art ein
an=
ſchauliches Bild in das Leben des Vereins ſelbſt wurden
die Gäſte und Freunde durch die Darbietungen der
Ver=
einsmitglieder eingeführt. Was von Herrn
Beſt und dem unermüdlichen Poſaunenchor, was von der
Turnerriege und den einzelnen Mitgliedern ſonſt geboten
wurde, fand reichen Beifall. Viel Freude machte
insbe=
ſondere die unter Herrn Sckretär Reegs Leitung ſtehende
Aufführung des Stückes „die Vorſtandswahl” Um
½11 Uhr ſchloß Herr Pfarrer D. Dr. Diehl mit warmen
Worten des Dankes und mit einem mutmachenden
Aus=
blick in die Zukunft die Abendfeier und damit das in
jeder Hinſicht ſchön verlaufene Feſt.
— Verein für katholiſche Kaufleute und Beamte
„Konſtantia” Zur Feier des 29. Stiftungsfeſtes
der „Konſtantia” fanden ſich am Sonntag vormittag
die Mitglieder und auch die Jugendabteilung zu dem
Feſtgottesdienſt in der St. Eliſabethenkirche ein und
wies Herr Pfarrer Fink, der geiſtliche Beirat des
Vereins, bei der Predigt auf die Bedeutung des Feſtes
hin. Zur weltlichen Feier im Konkordiaſaal hatte ſich
abends eine große Anzahl von Feſtteilnehmern
einge=
funden, die den herrlichen Worten des Feſtredners,
Herrn Kaplan Quinkert, begeiſtert lauſchten. Der
zweite Vorſitzende des Vereins, Herr Schmidt,
be=
grüßte die zahlreich Erſchienenen und fanden die
muſi=
kaliſchen als auch theatraliſchen Darbietungen
unein=
geſchränktes Lob, deren Arrangement Herr Raible gütigſt
übernommen und damit wieder Hervorragendes geleiſtet
hatte. Beſonders hervorzuheben iſt auch die Mitwirkung
der Mitglieder der Jugendabteiung. Ein Tänzchen
be=
ſchloß die würdia verlaufene Feier.
* Frauenverein der Martinsgemeinde: Am Sonntag
nachmittag fand im großen Saal der Turngemeinde am
Woogsplatz eine ſehr gutbeſuchte Familienfeier des
Frauenvereins der Martinsgemeinde ſtatt, die einen
ſchö=
nen Verlauf nahm. Die Fülle der Darbietungen
dekla=
matoriſcher, geſanglicher, muſikaliſcher und humoriſtiſcher
Auf dem Boden des Einbaumes liegt ein mächtiger
Go=
rilla, ein ſchwarzer Jäger ſchoß ihn im Dickicht des
Ur=
waldes. Mit einem hart unter der Schulter ſitzenden
Schuß griff die Aeffin mit der letzten Lebenskraft den
Schützen an, der ihr den Kolben ſeines Vorderladers um
den Kopf ſchlug und den Unterkiefer zerſchmetterte, worauf
der Gorilla zuſammenbrach In der letzten
Lebensbeweg=
ung iſt der Gorilla erſtarrt. Der rechte Arm liegt quer
über der Bruſt, wie wenn er ausholen wollte, der Mund,
der menſchenähnliche Eindruck gibt mir dies Wort in die
Feder, iſt weit aufgeſperrt, den zerſchmetterten Kiefer
zeigend mit dem furchtbaren Gebiß, die Augen ſchimmern
gläſern durch die halbgeſchloſſenen Lider. Der Gorilla iſt
ueben dem Elefanten und Büffel das einzige den Jäger
angreifende Tier in dieſen Breiten.
Queſſo iſt uns bei dem vorjährigen Marokko=
Abkom=
men vorenthalten worden. Die Grenze des von
Frank=
reich abgetretenen Gebietes ſpringt vom Kandekofluß,
dem ſie von ſeinem Zuſammenfluſſe mit dem Bokiba ab
nach Norden folgt, ganz unvermittelt nach Nordoſten zum
Sſanga ab, greift wie eine Kralle um Queſſo herum bis
zum Einfluß des Dſcha in den Sſanga und wendet ſich
dann nach der ſüdöſtlichen Ecke von Spaniſch=Guineg. Die
Franzoſen wußten ſehr wohl, weshalb ſie die Kralle um
Queſſo legten — die Deutſchen hatten wohl keine
Vor=
ſtellung von der Wichtigkeit des Platzes, für die die
folgen=
den beiden Begebenheiten uns die Augen öffnen mögen:
Wie ſchon von meiner Fahrt Sſanga aufwärts berichtet,
haben die Franzoſen die Sſangabevölkerung nach Queſſo
gezogen durch verleumderiſche Hetzereien gegen die
Deut=
ſchen und ein geradezu lächerlich erſcheinendes Appellieren
an das Nationalbewußtſein der Sſanganeger als
fran=
zöſiſche Untertanen. Für dieſe Manipulation brauchte
man das als Hauptſitz der franzöſiſchen Regierung
wohl=
bekannte Queſſo. — Der neue Dampfer „Djah” der
Ge=
ſellſchaft Süd=Kamerun ſtellte einen Rekord auf, indem er
die Strecke Molundu=Queſſo in ſieben Stunden
zurück=
legte — er wollte ſo ſchnell als möglich Kinſhaſa und
damit den Poſtanſchluß an den Europadampfer erreichen.
Die franzöſiſche Zollbehörde in Queſſo machte von dem
ihr zuſtehenden Rechte Gebrauch, den ganzen Dampfer
zwecks Zollkontrolle entladen zu laſſen, was ſich in
Brazza=
ville, der Hauptſtadt des franzöſiſchen Kongo am
Stanley=
pol, wiederholt. Auf der Rückfahrt haben die deutſchen
Dampfer die gleichen Zollſchwierigkeiten zu überwinden,
die einen Zeitverluſt von mehreren Tagen und mitunter
— wie bei der erſten Fahrt des „Djah” — Geldſtrafen
für kleine Verſtöße gegen die Zollvorſchriften im Gefolge
haben. Die Zollbehörde in Queſſo macht jetzt umſo lieber
und ſtrenger von ihren Rechten gegen die deutſchen
Dampfer Gebrauch, als ſie dadurch den Schwarzen die
franzöſiſche Macht gegenüber der deutſchen Flagge auf dem
Sſanga zeigen kann. Daher die Kralle um Queſſo
Außer Regierungspoſten iſt Queſſo Hauptplatz der
franzöſiſchen Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft,
Verwaltungs=
niederlaſſung der Konzeſſionsgeſellſchaft Ngoko=Sſanga,
deren Gebiete zum Teil jetzt ebenfalls deutſch geworden
ſowie der Compagnie Foreſtiére Sſanga=Oubangni, deren
größter und wertvollſter Gebietsteil an Deutſchland
ge=
fallen, und ſchließlich Handelsplatz mehrerer
kaufmänni=
ſcher Privatfirmen. Für den Fall von Verwickelungen,
vor denen man bei den Franzoſen niemals ſicher iſt,
be=
herrſcht Queſſo den Dſcha als Fahrtſtraße nach Süd= und
dem weſtlichen Neu=Kamerun und den oberen Sſanga als
ſolche durch Neu=Kamerun nach Norden. Nach Gerüchten
welche neuerdings hier auftauchen, ſoll durch die Juni=
Verhandlungen ds. Js. Queſſo an Deutſchland abgetreten
ſein, was aus oben angeführten und manch anderen
Gründen nur zu begrüßen wäre und uns im Sinne des
vorjährigen Marokko=Abkommens unbedingt zuſteht.
Ueber das Weſen und die Exiſtenzberechtigung der
Konzeſſionsgeſellſchaften in ihrem jetzigen Umfange iſt
ſchon viel disputiert worden. Es iſt zweifellos, daß es
ſelbſt bei größter Rührigkeit, die man den Geſellſchaften
gern zubilligen mag, undenkbar iſt, derartig große Gebiete
gleichzeitig rationell auszunutzen. Die Geſellſchaften haben
bei Uebernahme der immenſen Länderſtrecken für Kinder
und Kindeskinder überreichlich vorgeſorgt. Die
Com=
pagnie Foreſtiere Sſanga=Oubangni beiſpielsweiſe
deren Intereſſen übrigens jetzt der langjährige verdiente
Gouverneur von Kamerun, Jesco von Puttkamer, in
Berlin wahrnimmt — hatte von den 17 — ſage
ſieben=
zehn — Millionen Hektar Konzeſſionsgebiet, das ſich als
ein auf der Spitze ſtehendes, faſt gleichſchenkliches Dreieck
vom Kongo zwiſchen Sſanga und Oubangni nordwärts
erſtreckt bis nahe an den 6. Grad nördlicher Breite, im
Januar ds. Is nach mehr als einem Jahrzehnt ſieben
ſogenannte Aménengagements=Gummi=Erntebezirke mit
einem Flächeninhalte von ca. fünfzigtauſend Hektar und
ca. ſechshunderttauſend Gummibäumen in regelrechter
Bewirtſchaftung nach der in Broſchürenform jedermann
zugänglichen Aufſtellung der Arbeitsleiſtungen der
Com=
pagnie. Freilich iſt zu bedenken, daß von den 17
Mil=
lionen Hektar Konzeſſionsgebiet für Gummi, den
Kardi=
nalwert des Landes, nur der äquatoriale Urwald
als die Heimat des Gummibaumes in Frage kommt, der
ſich als ein Streifen von 1½ Breiten durch das Gebiet der
Compagnie Foreſtiére hindurchzieht. Im Intereſſe
gleich=
zeitiger ergiebiger Verwertung unſeres neuen
Kolonial=
beſitzes, der durchaus nicht nur in einem Stück
ſchlafkran=
ken Sumpflandes beſteht, wie es zuhauſe heißt, ſondern
eine reiche wirtſchaftliche Ausbeute gewährleiſtet, würde
es liegen, wenn die franzöſiſchen Geſellſchaften, dem
Bei=
ſpiel der Geſellſchaft Süd=Kamerun folgend, gegen
Ab=
tretung von Teilen ihres jetzigen enormen
Konzeſſions=
ſtandes die brreits in Bewirtſchaftung genvmmenen
Teilſtrecken als Eigengebiet eintauſchen würden. Dieſe
Löſung der Frage, welche für die Geſellſchaften keinesfalls
einen Nachteil, vielmehr einen Vermögensvorteil bedeuten
würde, iſt der ebenfalls laut gewordenen, jedoch wenig
ſympathiſchen vorzuziehen, daß die deutſche Regierung auf
Grund der auf ſie übergegangenen Rechte aus den
Kon=
zeſſionsverträgen bezw. infolge von leicht nachweisbacen
Verſtößen gegen die Verpflichtungen ſeitens der
Geſell=
ſchaften einen großen Teil des Konzeſſionsgebietes ganz
einfach wieder an ſich nähme, wie dies allerdings andere
antike und moderne Kolonialmächte in dubio ganz
ſicher=
lich getan haben würden.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
Unterhaltung war ſo reich, daß wir es uns verſagen müſ.
ſen, auf das Einzelne einzugehen und allen Leiſtungen ein
darum aber nicht minder warmes Geſamtlob ſpenden.
Um den Erfolg der Feier machten ſich beſonders die
Damen Fräulein Krömmelbein (Geſang und
Kla=
vier), Fräulein S. Stoll (Klavier), Fräulein Elſe
und Lili Waitz (Klavier und Violine), Fräulein
Eli=
ſabeth Zeißler (Klavier und Deklamation), ferner
der Jungfrauenverein des Weſtbezirks mit prächtigem
Keulenreigen und die Jugendvereinigung der
Martins=
gemeinde mit ſehr exakten und elegant ausgeführten
Py=
ramiden in hervorragender Weiſe verdient.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Die
Karneval=
ſaiſon 1913 wurde am Sonntag abend im „Kaiſerſaal”
„Fürſtenſaal” durch die „Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla” mit ihrer Elferfeier eröffnet. Es war
wohl hauptſächlich der bekannte gute alte Ruf der
Geſell=
ſchaft, der jung und alt, Männlein und Weiblein, in
er=
ſtaunlich zahlreicher Menge nach dem „Kaiſerſaale” lockte.
Als Herr Anſpach, der bewährte Ehrenpräſident der „
Kar=
nevalgeſellſchaft Narrhalla, die den Beweis aufs neue
erbracht haben dürfte, daß der Karneval in Darmſtadt
feſten Fuß gefaßt hat und daß die eifrige Förderung
des=
ſelben ihr eine treue Anhängerſchar ſchaffte, die Feier
er=
öffnete, war im „Kaiſerſaal” kein Stuhl mehr zu haben
und unten im Saal, wie auf den Galerien, herrſchte
drang=
volle Fülle. In herkömmlicher Weiſe beſtand die
Eröff=
nungsfeier in karnevaliſtiſchem Konzert und Tanz. Daß
fröhliche, ausgelaſſene Stimmung unter den Beſuchern
mehr und mehr Platz griff, dafür ſorgte in ausgiebiger
Weiſe die Kapelle Weber, die in vielſeitigſter Weiſe mit
ihrem karnevaliſtiſchen Programm ungezwungener
Fröh=
lichkeit entſprechenden Ausdruck gab. Von Stunde zu
Stunde wurde die Stimmung angeregter. Von Galerien
zum Saal hinab, von Tiſchen zu Tiſchen, die bald
raſchelnde bunte Papierſchlangen in zahloſen Bändern
in=
einander verſchlang, war der Zuſammenhang hergeſtellt.
der alles einte in echter karnevaliſtiſcher Fröhlichkeit. Auch
als der Tanz begann, dauerte das frohe Treiben im Saal
fort. Lieder wurden geſungen, jugendlicher Uebermut
trieb verzeihlichen harmloſen Ulk in und außer der
Ord=
nung. Beſonders fand das von Herrn Robert Schneider
zur Eröffnung der neuen Saiſon gedichtete Lied lebhaften
Anklang. Um 12.11 Uhr hielt das Komitee der „
Narr=
halla” ſeinen programmäßigen Einzug. Herr M. Anſpach
verkündete unter lebhaftem Jubel die Eröffnung der neuen
Saiſon, die nach dem Ergebnis des Abends auf einen
beſonders glanzvollen Verlauf ſchließen laſſe; er gab in
bekannt trefflicher Weiſe der fröhlichen Stimmung des
Saales Ausdruck und verſprach, den neuen Präſidenten
in der erſten Sitzung der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla
vorzuſtellen. Weit über Mitternacht hinaus hielt die
fröh=
liche Stimmung die Sitzfeſten beiſammen, und auch der
Tanz im Nebenſaal dehnte ſich bis zum Morgen aus. Die
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla kann aber wieder einmal
mit Stolz auf eine urgelungene, erfolgreiche und zufrieden
verlaufene Veranſtaltung zurückblicken, die die günſtigſten
Ausſichten für den Karneval 1913 eröffnet.
* Das Bild der Tänzerin Tortola Valencia, das
Herr Kunſtmaler Hanns Pelar während der Zeit ihres
hieſigen Gaſtſpiels gemalt hat, wird am Samstag und
Sonntag von 10—1 Uhr im Atelier des Künſtlers
aus=
geſtellt.
— Der Verband evangeliſch=kirchlicher Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen hält am Donnerstag, den
14. November, nachmittags 3 Uhr, ſeine erſte diesjährige
Frauenkonferenz in Darmſtadt im Gemeindehaus
der Johannesgemeinde, Kahlertſtraße 26, ab. Nach den
geſchäftlichen Mitteilungen wird Herr Dr. Sell=
Winter=
kaſten einen Vortrag halten über: „Zweckmäßige
Ernäh=
rung‟ Dieſes bei den heutigen teuren Zeiten gewiß
will=
kommene Thema aus fachmänniſchem Munde behandelt
zu hören, wird gewiß den Mitgliedern der Frauenvereine
von großem Nutzen ſein, und dürfte deshalb der Beſuch
des Vortrags aufs wärmſte empfohlen werden.
* Der Verein Kunſtfreunde hält ſeine
Hauptver=
ſammlung am Donnerstag, den 28. November, im
„Grünen Zimmer” des Kaiſerſaales ab. (Näh. ſ. Anz.)
* Heimverband Darmſtadt. In dem Hauſe
Anna=
ſtraße 53 ſind, wie man uns berichtet, alle verfügbaren
Zimmer zurzeit vermietet. Für durchreiſende Damen
ſteht aber noch ein Fremdenzimmer zur Verfügung. Auch
an dem Mittagstiſch können Damen ſtändig oder
vorüber=
gehend teilnehmen Das Nähere ſiehe die Anzeige.
* Vortrag über die Fremdenlegion. Es wird
noch=
mals auf den heute abend im Saale des „Hotels zur
Traube” ſtattfindenden Lichtbildervortrag des
Herrn A. Wohlgemuth hingewieſen. Herr W. beſitzt
eine ganze Reihe anerkennender Beſprechungen die ihn als
einen der beſten Kenner Nordweſtafrikas und der
Fremden=
legion bezeichnen.
* Rudolf Herzog, der am heutigen Dienstag zum
erſtenmale nach Darmſtadt kommt, um hier aus eigenen
Werken vorzuleſen, gehört heute zu unſeren meiſtgeleſenen
Schriftſtellern. Er iſt Rheinländer, wurde am 6.
Dezem=
ber 1869 in Barmen geboren und, nachdem er die Schulen
durchlaufen hatte, der Tradition der Heimat und der
Fa=
milie gemäß, zur kaufmänniſch=induſtriellen Laufbahn,
und zwar zum Farbentechniker beſtimmt. Aber Frau
Kunſt, die ſchon den Knaben lächelnd geküßt hatte, ließ
ihm dabei keine Ruhe In ſeiner Seele lebten andere
Farben, als die, die in der Induſtrie gemiſcht werden.
Sonnige Bilder eines Lebens voll ſtürmiſchen Drangs,
kühnen Wagens und heißen Liebens leuchteten darin, und
ſo entzog er ſich immer wieder dem Bannkreiſe der
nüchternen geſchäftlichen Welt, darin die Seinen in
wohl=
meinender Sorglichkeit ihn feſtzuhalten trachteten. Mit
20 Jahren wandte er ſich ſeinem Lebensberuf, der
Schrift=
ſtellerei, ganz zu und ging 1890 zu weiteren Studien nach
Berlin. Die Pole ſeines Werdeganges waren in Berlin,
Frankfurt a. M., Hamburg und wieder Berlin, wo er die
letzten zehn Jahre verbrachte. Heute lebt Rudolf Herzog
im Siebengebirge, den Rheinſtrom zu Füßen. Dort unter
den Zinnen der „Oberen Burg” zu Rheinbreitach, wo der
Rolandsbogen und der Drachenfels durch die Wipfel
ur=
alter Eichen, Eſchen und Epheugeränke in die Fenſter
hereingrüßen, hat er ſich einen Poetenſitz geſchaffen, von
dem uns noch manche lebensfrohe Mär kommen ſoll. Im
vorigen Jahre hat Herzog eine ungemein erfolgreiche
Vor=
tragsreiſe durch Amerika gemacht und auch von ſeinen
Vorträgen in Deutſchland konnte er ſchreiben: „Bis jetzt
hatte ich in allen Städten die Freude, vor ausverkauftem
Saale zu ſprechen.”
— Geflügelzuchtverein „Ornis”. Auf der vom 9. bis
11. d. M. abgehaltenen Geflügel=Ausſtellung
des Vereins für Geflügel= und
Vogel=
zucht „Ornis” in den Räumen der „Stadt Pungſtadt”
wurden nachſtehenden Ausſtellern Preiſe zuerkannt: Auf
Hühner: Herr Karl Joh. Berntheiſel 5 Ehrenpreiſe,
7 1., 7 2., 6 3. Preiſe, 4 lobende Anerkennungen. Frau
Rentner Bonte 3 1., 1 2. Preis, 1 lobende Anerkennung.
Herr M. Bormet 1 2., 2 3. Preiſe, 4 lobende
Anerkennun=
gen. Herr Gg. Breunig 1 2., 1 3. Preis, 2 lobende
An=
erkennungen. Herr Jean Diefenbach 6 1., 2 2. Preiſe, 6
lobende Anerkennungen. Herr P. Dietz, Wixhauſen, 2.
Ehrenpreiſe, 3 1., 4 2., 5 3. Preiſe, 1 lobende Anerkennung.
Herr Georg Geiger IV 2 2., 3 3. Preiſe, 1 lobende
An=
erkennung. Herr Wilh. Geyer XIll. 1 3. Preis, 3 lobende
Anerkennungen. Herr G. Großmann, Eberſtadt. 1
Ehren=
preis, 2 1., 1 2. Preis. Herr Wilh. Heß 1 Ehrenpreis,
1 1., 1 2., 3 3. Preiſe, 1 lobende Anerkennung. Herr E.
Heuterkes 1 lobende Anerkennung. Herr Karl Kratz 4
lo=
bende Anerkennungen. Herr A. Lehmann 1 1., 1 2., 1 3.
Preis, 1 lobende Anerkennung. Herr J. D. Mertes 1
Ehrenpreis, 1 1. Preis. Frau Müller 1 1., 1 3. Preis.
Herr Wilh. Nungeſſer 1 1., 2 2. Preiſe, 1 lobende
Aner=
kennung. Herr Joſeph Otto 1 1. Preis, 1 lobende
Aner=
kennung. Herr Georg Schleidt 2 2., 2 3. Preiſe, 2 lobende
Anerkennungen. Herr Fr. Schoemer 1 1., 2 2. Preiſe,
1 lobende Anerkennung. Herr Gg. Schulz 1 Ehrenpreis,
2 1., 3 3. Preiſe, 1 lobende Anerkennung. Herr Hch.
Schmitt, Plattenhof bei Erfelden, 1 2. Preis. 3 lobende
Anerkennungen. Herr Gg. Vollhardt 2 2. Preiſe, 3
lo=
bende Anerkennungen. Herr F. Wenz 1 1., 1 2., 1 3.
Preis, 2 lobende Anerkennungen. Herr F. Wührer,
Ar=
heilgen, 1 2., 1 3. Preis, 3 lobende Anerkennungen. — In.
Sammelklaſſe: Herr K. Joh. Berntheiſel 1
Ehren=
preis, 1 1. Preis, 1 lobende Anerkennung. Herr Jean
Diefenbach 1 2. Preis Herr P. Dietz, Wixhauſen, 1
Ehren=
preis, 1 1. Preis. Herr Adam Feth 2 3. Preiſe, Herr A
Lehmann 1 2. Preis. Herr I D. Mertes 1 3. Preis,
1 lobende Anerkennung. Herr C. W. Schäfer 1 3. Preis.
Herr F. Wührer 1 Ehrenpreis, 1 1., 1 3. Preis. — Auf
Puten (Truthühner): Herr K. Joh. Berntheiſel 2
lobende Anerkennungen. Frau Rentner Bonte 1 3. Preis.
Herr Georg Schleidt 1 Ehrenpreis, 1. 1., 1 Preis.
Auf Gänſe: Herr K. Joh. Berntheiſel 1 1. Preis. Herr
Jean Diefenbach 2 lobende Anerkennungen. Herr Wilh.
Geyer XII. 1 Ehrenpreis, 2 1. Preiſe. Herr Gg. Schleidt
1 2., 1 3. Preis, 2 lobende Anerkennungen. — Auf Enten:
Herr K. Joh. Berntheiſel 1 Ehrenpreis, 2 1. Preiſe. Herr
M. Bormet 2 3. Preiſe, 4 lobende Anerkennungen. Herr
P. Dietz, Wirhauſen. 2 3. Preiſe, 1 lobende Anerkennung.
Herr Gg. Geiger IV 1 3. Preis, 2 lobende
Anerkennun=
gen. Herr W. Geyer XII. 1 1., 1 3. Preis, 2 lobende
An=
erkennungen. Herr Georg Schleidt 2 2., 1 3. Preis, 1
lobende Anerkennung. — Auf Tauben: Herr H. Joh.
Berntheiſel 3 Ehrenpreiſe, 5 1., 4 2., 3 3. Preiſe. 6 lobende
Anerkennungen. Herr Georg Biermann 1 Ehrenpreis,
1 1., 1 2., 8 3. Preiſe, 7 lobende Anerkennungen. Herr
Chr. Debus 1 1., 1 2., 5 3. Preiſe, 5 lobende
Anerkennun=
gen. Herr P. Dechert 1 Ehrenpreis, 1 1., 1 2. Preis,
3 lobende Anerkennungen. Herr P. Dietz, Wixhauſen,
4 1., 2 2.. 3 3. Preiſe, 1 lobende Anerkennung. Herr W.
Geyer XII. 1 3. Preis, 2 lobende Anerkennungen. Herr
Heinrich Hein 1 1., 1 2., 1 3. Preis, 3 lobende
Anerkennun=
gen. Herr E. Heuterkes 1 Ehrenpreis, 1 1., 3 3. Preiſe,
1 lobende Anerkennung. Herr A. Lehmann 1 lobende
An=
erkennung. Herr W. Nungeſſer, 2 lobende Anerkennungen.
Herr Nikol. Schäfer 1 Ehrenpreis, 1 1., 1 3. Preis, 1 lo=
bende Anerkennung. Herr M. Schäfer 1 Ehrenpreis, 3 1.,
1 2., 3 3. Preiſe, 3 lobende Anerkennungen. Herr Hch.
Schmitt, Plattenhof bei Erfelden, 1 Ehrenpreis, 1 1., 1 2.,
2 3. Preiſe, 6 lobende Anerkennungen. Herr Georg Schulz
1 2., 2 3. Preiſe, 2 lobende Anerkennungen. Herr A.
Welz=
bacher 1 1., 2 3. Preiſe. Herr F. Wührer 1 3. Preis,
5 lobende Anerkennungen. — Auf Sing= und
Zier=
vögel: Herr Gg. Wedel auf Kanarien (
Konkurrenz=
ſänger) für Geſamtleiſtung 1 Ehrenpreis, 8 2. Preiſe. Herr
Konrad Schnell 6 2. Preiſe. Herr L. Erbes auf eine
Sammlung Waldvögel 2 lobende Anerkennungen. Herr
Joſeph Otto auf eine Sammlung Waldvögel 1
Ehren=
preis. — Auf Geräte und Futterartikel: Firma
Fr. Pfeffer auf eine Sammlung Käfige 1 1. Preis. Herr
Wilh. Nungeſſer auf Futterartikel 1 1. Preis. Spratts
Patent, Aktien=Geſellſchaft, Rummelsburg=Berlin, Vertr.;
E. Adler, Mauerſtr. 20, 1 1. Preis.
Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 11 des
Adreß=
buches für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter — Möller,
Emil, bis Paſſarge, Hermann, — liegt im
Haupt=
meldebureau, Hügelſtraße 31/33, Zimmer Nr. 13, während
der Bureauſtunden (8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr
nachmittags) bis zum 14. November vormittags zur
Ein=
ſichtnahme offen.
§ Feſtgenommener Brillantendieb. Der am
21. März 1891 zu Wernigerode geborene Kaufmann
Willi Schmoll, welcher im September l. Js. hier bei
einem Juwelier einen Brillantring im Werte von über
1000 Mk. entwendete und in der Zwiſchenzeit in
ver=
ſchiedenen Städten in Juwelierläden Diebſtähle
aus=
führte, iſt in Nürnberg feſtgenommen worden.
§ Feſtgenommen. Ein 22 Jahre alter Reiſender
aus Naſtätten iſt hier wegen Betrug und ein
29 Jahre alter Taglöhner aus Waldhauſen wegen
Unter=
ſchlagung feſtgenommen worden.
* Mörfelden, 11. Nov. In der Nähe der Station
Mörfelden fuhr heute vormittag ein Rangierzug auf
einen Perſonenwagen auf, wodurch dieſer entgleiſte. Der
Materialſchaden iſt unerheblich. Perſonen wurden nicht
verletzt.
— Zwingenberg a. d. B., 11. Nov. Der hieſige
Obſtmarkt findet nach wie vor Montags und
Donnerstags, nachmittags 2½ Uhr, jedoch
nurnoch=
in dieſem Monat (November) ſtatt. Ab Dezember
bleibt der Markt geſchloſſen. Allen Intereſſenten
nament=
lich auch Privatleuten, die ihren Bedarf an Winterobſt
noch nicht gedeckt haben, kann der Beſuch des Marktes als
in eigenem Intereſſe gelegen nur angelegentlichſt
empfoh=
len werden.
Offenbach, 11. Nov. Aehnlich dem Vorgehen anderer
Städte beabſichtigt die Stadt Offenbach die Einführung
einer ſtädtiſchen Arbeitsloſenverſicherung.
Neben den Vorſchlägen der Verwaltung hat das
Gewerk=
ſchaftskartell einen Satzungsentwurf dem ſozialen
Aus=
ſchuß unterbreitet, der ſich an das Genter Syſtem in der in
Stuttgart zur Anwendung gebrachten Form anlehnt.
Da=
nach ſollen unverſchuldet arbeitslos gewordene
Mit=
glieder ſolcher Berufsorganiſationen, die ſelber
Arbeits=
loſenunterſtützung bezahlen, zu ihrer vom Berufsverein zu
zahlenden Arbeitsloſenunterſtützung Zuſchüſſe in Höhe
von 50 Prozent, höchſtens jedoch 1 Mark im Tag, für die
Dauer der Arbeitsloſigkeit erhalten, aber nicht länger als
die Unterſtützung durch den Berufsverein läuft.
Arbeits=
loſe, die keinem Berufsverein mit
Arbeitsloſenunterſtütz=
ung angehören, ſollen ebenfalls ſtädtiſche Zuſchüſſe ers
halten, wenn ſie für die Zeiten der Arbeitsloſigkeit bei der
ſtädtiſchen Sparkaſſe einen Sparfonds anſammeln. Sie
hätten dann bei Eintritt der Arbeitsloſigkeit wöchentlich
einen beliebigen Betrag — aber nur bis zur Höhe von
12 Mark wöchentlich — von ihrem Sparguthaben
abzu=
heben und würden hierzu aus ſtädtiſchen Mitteln
jedes=
mal 50 Prozent der wöchentlichen Abhebung an
Arbeits=
loſenzuſchuß erhalten, und zwar ſo lange die
Arbeitsloſig=
keit dauert, bezw. bis das Sparguthaben erſchöpft iſt,
je=
doch nicht für längere Zeit als 60 Tage innerhalb eines
Rechnungsjahres.
Offenbach, 11. Nov. Ein Unglücksfall mit
tödlichem Ausgang ereignete ſich heute
vormittag=
um ½8 Uhr in der Schmirgelwarenfabrik von Mayer und
Schmidt, Waldſtraße 195. Der dort beſchäftigte
Fabrik=
arbeiter Wendelin Günther aus Höchſt i. O., geriet
in=
folge eigener Unachtſamkeit in die Transmiſſion und
wurde ſo ſchwer verletzt, daß er kurz darauf ſtarb.
Günther, der 1877 geboren wurde, hinterläßt Frau und
Kinder.
Worms, 12. Nov Eine hübſche Epiſode vom
Verkaufstag. Als das Großherzogspaar ſich im
Reſtaurationszimmer geſtärkt hatte, kehrte es in die Säle
zurück und verweilte längere Zeit bei den einzelnen
Ständen. u. a. auch am Stand der Frau
Oberbürger=
meiſter Köhler. Eine große Menſchenmenge verſammelte
ſich hier, die aber, als der Großherzog zum Kaufen
auf=
forderte, zurückwich. „Aha” ſagte der Großherzog, „wenn
gekauft werden ſoll, dann flüchten die Herrſchaften.” Nur
das kleine Töchterchen des Herrn Direktors Multhauf trat
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 10. November.
„Wallenſtein”
W-l. An Schillers Geburtstag gelangte heute als
Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen die Wallenſtein=
Trilogie im Zuſammenhang zur Aufführung. Die
Vor=
ſtellung war nicht ſo gut beſucht, wie die früheren
Volks=
vorſtellungen an Samstagen. Es iſt eben nicht
jeder=
manns Sache, ſich am Sonntag nachmittag ins Theater
zu ſetzen und acht Stunden auszuharren. Die erſte
Vor=
ſtellung dauerte von ½3—½7 Uhr, die zweite von ½8 bis
¾12 Uhr. Am Schluſſe der Vorſtellung waren nicht nur
der Stern Wallenſteins, ſondern auch die Laternen der
Stadt erloſchen.
Das Hauptintereſſe an der heutigen
Wiederaufführ=
ung der Wallenſtein=Trilogie nahm die Neuinſzenierung
in Anſpruch, die ſich auf alle Szenen erſtreckte. Für das
Lager war eine möglichſt einfache, dem Charakter und
der Stimmung des Vorſpiels. angepaßte Szene mit
freiem Himmel im Hintergrunde geſchaffen worden, die
ſehr hübſch wirkte, womit jedoch nicht geſagt ſein ſoll, daß
die frühere Inſzenierung mit der maleriſchen
Winterland=
ſchaft und dem buntbewegten Lagerbild weniger ſchön
und wirkſam geweſen wäre. Auf die Inſzenierung der
übrigen, in Pilſen und Eger ſpielenden Szenen war
ſehr viel Sorgfalt und Liebe verwendet worden, und im
einzelnen waren ſtil= und ſtimmungsvolle Interieurs ge.
ſchaffen worden, die ebenſo viel hiſtoriſchen Sinn wie
feinen künſtleriſchen Geſchmack verrieten und von intimer
Wirkung waren. Beſonders ſchön und ſtimmungsvoll
gedacht und inſzeniert war u. a. die Szene zwiſchen Max
und Thekla im 3. Akt am offenen Kaminfeuer im
Dämmerlicht, die bewies, wie viel erreicht werden kann,
wenn Regiſſeur und Dichter ſich zu ergänzen imſtande
ſind. Das Gaſtmahl beim Grafen Terzky war in der
Weiſe inſzeniert worden, daß die Bühne in zwei Räume
abgeteilt war, die durch eine Schiebetür getrennt waren.
Beim Oeffnen dieſer Türe ſah man in den Feſtſaal hinein,
in dem das Gelage ſtattfindet, das ſchon beim Beginn der
Szene einen ſehr lebhaften Charakter angenommen hatte.
Während der Szenen, die ſich auf der vorderen Bühne
abſpielten, wurde die Türe geſchloſſen, ſo daß dieſen
Szenen volle Aufmerkſamkeit geſchenkt werden konnte und
ſie nicht unter dem Tumult des Gaſtmahles untergingen,
das hinter der Türe ſeinen ungeſtörten Fortgang nahm.
Von den Aufführungen befriedigte uns die des Lagers
am wenigſten. Es griff hier nicht alles ſo ineinander,
wie man es wohl gewünſcht hätte, und der Darſtellung
wäre ein flotteres Tempo zu wünſchen geweſen. Daß
es ſchwer iſt, für alle Rollen gute Sprecher zu finden, iſt
ja genügend bekannt. Die von den Herren Thomſen,
Kräger und Schützendorf geſungenen Schlußlieder
miß=
langen. Vortrefflich war der markige Wachtmeiſter des
Herrn Riechmann, auch Herr Jordan als
Kapu=
ziner, Herr Schneider als Erſter Jäger und Herr
Baumeiſter als Küraſſier ſind lobend zu erwähnen.
Deſto ſchöner geſtaltete ſich die Aufführung der beiden
anderen Teile, die einheitlich und wohlabgerundet und
von echtem künſtleriſchem Geiſte beſeelt war. Im
Mittel=
punkte des Ganzen ſtand Herrn Heinz’ groß angelegter
und prachtvoll durchgeführter Wallenſtein, der, wie wir
früher ſchon hervorgehoben haben, zweifellos ſeine beſte
Rolle iſt. Unter den neuen Erſcheinungen der
Wallen=
ſtein=Tragödie intereſſierte Herrn Baumeiſters
Okta=
vio, eine ariſtokratiſche Erſcheinung, aber wohl etwas zu
wenig Intrigant. Der feurige Max, die eigentliche
tra=
giſche Figur der Tragödie, wurde von Herrn Ehrle im
Einne des Dichters aufgefaßt und mit der ganzen
Hin=
gabe ſeines jugendlichen Temperaments geſpielt. Eine
ſcharf ausgeprägte und feſt umgrenzte Charakterfigur war
der Buttler des Herrn Weſtermann. Im übrigen
ſind noch der Terzky des Herrn Hacker, der Illo des
Herrn Semler, der Iſolani des Herrn Jürgas, der
Wrangel des Herrn Riechmann und der Queſtenberg
des Herrn Knispel beſonders hervorzuheben. Die
beiden Rollen der Herzogin und der Gräfin waren, wie
früher, durch die Damen Heumann und Alſen
ver=
treten.
Als Thekla gaſtierte Frl. Charlotte Pils vom
Hof=
theater in Weimar, die ſeinerzeit das Gretchen bei der
Aufführung des „Urfauſt” in Weimar geſpielt hat. Ihre
ſelbſtändige Auffaſſung der Rolle, die ſich von der
tradi=
tionellen Auffaſſung der reſignierten und tränenreichen
Jungfrau fern hielt und das ſich freudig zu ſeiner Liebe
bekennende ſtolze und charakterſtarke, ſeines Vaters
wür=
dige Kind des großen Wallenſteiners erkennen ließ, war
ſehr wohltuend und die Darſtellung der Rolle zeugte von
einem außergewöhnlichen Darſtellungstalent. Immerhin
aber iſt es erwünſcht, daß Frl. Pils noch in einer zweiten,
dieſe ergänzenden Rolle gaſtiert, da ihr etwas tief
liegen=
des, dem Heroinenhaften ſich näherndes Organ im
Zwei=
fel darüber läßt, für welches Fach ſie am meiſten
prädeſti=
iert iſt.
Die Regie führte Herr Oberregiſſeur Valdek. Ein
nicht minder großes Verdienſt um die intereſſante
Neu=
inſzenierung der Trilogie, als ihm, gebührt Herrn
Hof=
theatermaler Kempin, deſſen unermüdlichem Fleiß und
Schaffenskraft die neuen ſzeniſchen Bilder zu verdanken
ſind. Die Herren Valdek, Kemvin und
Schwerdt=
feger haben mit dieſer Neuinſzenierung ihren bisherigen
künſtleriſchen Taten eine neue hinzugefügt.
Die Begeiſterung des Publikums, unter dem die
Tugend ſehr zahlreich vertreten war. kannte keine Grenzen.
Nach manchen Aktſchlüſſen wurden die Künſtler ſechs bis
ſiebenmal hervorgerufen.
Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 5.
an den Stand. „Du biſt die einzig Vernünftige”, lobte
der Großherzog das Kind, „komm, ich will Dir etwas
ſchenken” und er hängte ihm eine ſchöne Kette um. Nun
kamen auch die Anderen herbei, um zu kaufen. (W. Ztg.).
Oſthofen, 11. Nov. Geſtern nachmittag 4½ Uhr
ver=
nahm man hier ſchon wieder Feuerlärm. In
dem=
ſelben Gehöfte in der Mainzer Straße, in dem am vorigen
Sonntag ein Nebengebäude niederbrannte, ſtand geſtern
ebenſo plötzlich die Scheuer in hellen Flammen. Aus dem
in ihr befindlichen Stalle konnte nur das Vieh noch
ge=
rettet werden. Die Scheuer war mit Getreide gefüllt, das
bald lichterloh brannte und nicht zu retten war, obſchon
die beiden hieſigen Wehren baldigſt am Brandplatz
er=
ſchienen. Ihrer raſchen Hilfeleiſtung war es zu
ver=
danken, daß das Feuer von den Nachbargebäuden
fernge=
halten werden konnte. Das Dach der Scheuer ſtürzte bald
zuſammen, und das Gebälke, ſowie das aufgeſpeicherte
Ge=
treide verbrannten. Nur die Umfaſſungsmauern des
Ge=
bäudes blieben ſtehen Wegen Verdachts der
Brand=
ſtiftung wurde der Knecht des Beſitzers Jean Blaß
verhaftet.
Weiſenau, 11. Nov. Aufſehen erregt das ſpurloſe
Verſchwinden des im 24. Lebensjahre ſtehenden
Volksſchullehrers Montag. Der junge Mann
hatte vor wenigen Wochen Urlaub genommen, um ſich in
Darmſtadt der Definitorialprüfung zu unterziehen. Dort
hat er ſich indeſſen nicht eingefunden. Trotzdem bereits
einige Wochen ſeitdem verfloſſen ſind, iſt Montag bis jetzt
noch nicht wieder zum Schuldienſt eingetroffen. Alle
Nach=
forſchungen der Mutter, einer zu Bobſtadt im Ried
wohnenden Witwe, blieben bis heute erfolglos. Es iſt
nirgends eine Spur von dem Verſchollenen aufzufinden.
Das rätſelhafte Verſchwinden des jungen Lehrers erſcheint
um ſo unbegreiflicher, als gegen denſelben nach keiner
Seite hin irgendwie dienſtliche Verfehlungen vorliegen.
Alzey, 11. Nov. An den Folgen des
Ueber=
falles iſt der Brauereivertreter Franz Joſeph Koch
geſtorben. Die Leiche des Verſtorbenen wird im Laufe
des Nachmittags nach dem Friedhof übergeführt, wo die
gerichtliche Sektion ſtattfindet.
(*) Gießen, 10. Nov. Sein 20. Stiftungsfeſt
feierte geſtern und heute der hieſige Marineverein
unter dem Ehrenvorſitze des Fürſten Karl zu Solms=
Hohenſolms=Lich. Die Hauptfeier fand geſtern abend im
großen Saale des Café Leib unter ſehr ſtarker
Beteilig=
uing ſtatt. Der Vorſitzende des Marinevereins K. Schwarz
hielt die Begrüßungsrede. Die Feſtrede hielt Kamerad
Privatdozent Dr. Fei ſt. Dr. Häuſer ſprach für den
Flottenverein, Profeſſor Dr. Krausmüller für den
Männerturnverein. Kapitän Schmel überbrachte dem
Ver=
ein die Glückwünſche der Marine und beſonders des
Schlachtſchiffes „Heſſen”. Dann folgten in bunter Reihe
lebende Bilder und theatraliſche Darbietungen.
(*) Alsfeld, 10. Nov. Der Bund der
Land=
wirte für den Wahlkreis Alsfeld=Lauterbach=Schotten
hielt heute nachmittag im Saale „Zum Deutſchen Kaiſer”
eine Wahlkreisverſammlung ab, die aus allen Gebieten
des Vogelsbergs ſtark beſucht war. Die Tagung begann
um ½2 Uhr mit einer geſchloſſenen
Vertrauensmänner=
verſammlung, auf der 54 Stimmen vertreten waren. Der
bisherige Wahlkreisvorſitzende, Oekonomierat Fritz
Schade=Altenburg, der mehr nach der nationalliberalen
Seite neigte, legte wegen der Zerſplitterung bei der
letz=
ten Reichstagswahl und mit Rückſicht auf ſein Alter den
Vorſitz nieder. An ſeine Stelle wurde
Landtagsabgeord=
neter Lutz=Elpenrod gewählt; zum Schriftführer wurde
Stein=Stumpertenrod gewählt. Bezirksvorſteher für den
Bezirk Alsfeld wurde Heſſe=Otterbach, Stellvertreter
Steuernagel=Rainrod. Um ½3 Uhr eröffnete
Oekonomie=
rat Lucke, der ſtellvertretende Vorſitzende des Bundes der
Pandwirte, die Wahlkreisverſammlung. Lutz=Elpenrod
übernahm als neuer Vorſitzender die Leitung. Der
Lan=
desvorſitzende, Oekonomierat Korell, hielt eine Anſprache,
in der er mit Entſchiedenheit den Vorwurf zurückwies,
die Landwirte trieben Brot= und Fleiſchwucher; die
jetzige Teuerung ſei auf das Konto des Notjahres 1911
zu ſetzen. Die Landwirtſchaft müſſe geſchützt und
ge=
hoben werden, denn mit ihr ſtehe und falle das Deutſche
Reich. Lutz=Elpenrod erſtattete das Referat über
Reichs=
politik in großen allgemeinen Geſichtspunkten.
Land=
tagsabgeordneter Brauer=Ober=Ofleiden ſprach über:
Die Arbeiten der wirtſchaftlichen Vereinigung im
heſſi=
ſchen Landtag”.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 10. Nov. Der heutige
10. November war der 70. Geburtstag des verſtorbenen
OOberbürgermeiſters Kirſchner. Am frühen Morgen
er=
ſchien in Begleitung einiger Stadträte Bürgermeiſter Dr.
Reicke auf dem ſtädtiſchen Friedhofe in Friedrichsfeld,
um für den Magiſtrat Berlin einen Kranz am Grabe
Kirſchners niederzulegen. Der Magiſtrat ließ ferner der
Witwe Kirſchners den Ehrenbürgerbrief für ihren
werſtorbenen Gemahl ſowie ein Oelgemälde, das
Amtszimmer des Oberbürgermeiſters im
Rat=
hauſe darſtellend, überreichen. — In faſt allen
Kirchenbezirken Groß=Berlins fanden heute
Wah=
len ſtatt. Sie zeigten eine außerordentlich ſtarke
Betei=
ligung. In einigen Bezirken iſt die Stimmenzahl gegen
früher ſogar um 100 Prozent geſtiegen. Die Poſitiven
konnten den Liberalen nur in der Apoſtel Paulusgemeinde
ein Mandat entreißen. Die Liberalen eroberten die
Lazarus= und die Samaritergemeinde. Alle übrigen
bis=
her in ihren Händen befindlichen Sitze behaupteten ſie. —
Freitag abend ſind, wie vom Magiſtrat mitgeteilt wird,
11 Waggons mit 800 Zentnern Rind= und 700 Zentnern
Schweinefleiſch, am Samstag 7 Waggons und
zwar 5 mit Rindfleiſch und 2 mit Schweinefleiſch hier
eingetroffen. Für Montag ſind unterwegs 9 Waggons
mit 1020 Zentnern Rindfleiſch und 200 Zentnern
Schweine=
fleiſch. Es ſind demnach beträchtliche Vorräte
vorhanden, die Anfang der nächſten Woche zum Verkauf
gelangen werden.
Frankfurt, 11. Nov. Der Rieſenzirkus der
Fünfzehnſtauſend wird binnen wenigen Tayen
vollendete Tatſache ſein. In der Feſthalle zu Frankfurt
a. M. ſind hunderte von Arbeitern am Werke, um den
ge=
waltigen Umbau des Innern vorzunehmen; für den
16. November iſt die Eröffnungsvorſtellung angeſetzt, und
bereits am 14. November wird Sarraſani in Frankfurt
a M. Einzug halten, um zwei Tage ununterbrochen die
Proben vorzunehmen, die der Regiekunſt die Aufgabe
ſtellen, im knappen Raume von 3 Stunden 200 Pferde,
200 exotiſche Tiere und 400 Menſchen durch die Manege
zu führen. Zwiſchen 40 Pfennigen und 2,50 Mark ſollen
ſich (von den Luxuslogen abgeſehen) die Preiſe der Plätze
bewegen. So ſoll es jedem ermöglicht werden, den
Rie=
ſenzirkus mit ſeinen fortwährenden Abwechſlungen nicht
einmal, ſondern mehrmals zu beſuchen.
Wiesbaden, 11. Nov. Oberbürgermeiſter von Ibell,
der ſeit 36 Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung
Wiesbaden ſteht, hat dem Magiſtrat ſeinen Entſchluß
mit=
geteilt, am 1. April 1913 aus dem Amt zu ſcheiden.
Er motiviert ſeinen Wunſch mit ſeinem vorgerückten
Lebensalter und dem ſtets wachſenden Umfang der
von der Stadtverwaltung zu löſenden Aufgaben,
indem er die Ueberzeugung gewonnen habe, daß es
den beiderſeitigen Intereſſen entſpräche, wenn er ſchon
vor Ablauf ſeiner Wahlperiode (1915) um die Entbindung
von ſeinem Amte bäte, um einer jüngeren Kraft den Platz
zu überlaſſen. v. Ibell iſt 65 Jahre alt und war vor
ſeiner Wiesbadener Oberbürgermeiſtertätigkeit
Rechtsan=
walt und Notar in Frankfurt a. M.
München, 10. Nov. Als heute nachmittag der
Unter=
offizier Doch in einem Speicher des 2. Infanterie=
Regi=
ments mit einem Militärgewehr Schießübungen machte
und dabei auf den neben ihm ſtehenden Unteroffizier
Weiß anlegte, ging plötzlich der Schußlos und verletzte
Weiß am linken Auge ſchwer. Als Doch ſeinen
Kame=
raden zu Boden ſinken ſah, ſtürzte er, in der Meinung,
Weiß erſchoſſen zu haben, auf ſein Zimmer und erſchoß
ſich dort.
Troppau, 11. Nov. In der Gemeinde Botenwald
wurden im Jahre 1904 die drei Schweſtern Kriſchke
er=
mordet, ohne daß der Täter ermittelt werden konnte.
Jetzt iſt die Gendarmerie zufällig in den Beſitz von
Be=
weiſen gelangt, aus denen hereorgeht, daß der eigene
Bru=
der die drei Mädchen ermordet hat. Die Verhaftung des
Mörders, der in der Steiermark lebt, wurde angeordnet.
Paris, 10. Nov. Ein hier etablierter deutſcher
Ge=
ſchäftsmann namens Schwartzloſe, 68 Jahre alt, iſt am
Samstag in ſeinem Bureau von zwei Banditen
über=
fallen worden. Sie verſuchten ihn zu erdroſſeln,
raub=
ten ihm ſeine Brieftaſche mit 340 Francs und wollten
auch den Geldſchrank erbrechen, wobei ſie geſtört wurden
und entflohen.
Paris, 10. Nov. Wie aus Cherbourg gemeldet wird,
erſuchte der Seepräfekt den ſozialiſtiſch=republikaniſchen
Bürgermeiſter und Deputierten Mahien, den Soldaten
des Landheeres und der Flotte den Eintritt in das
Theater zu unterſagen, weil daſelbſt von den
Arbeiterſyndikaten ein antimilitariſtiſches Stück aufgeführt
wurde. Da der Bürgermeiſter dies Anſuchen ablehnte,
ließ der Seepräfekt vor dem Theatergebäude Patrouillen
aufſtellen, um den Soldaten den Eintritt zu verwehren.
Madrid, 10. Nov. Einen furchtbaren
Aus=
gang nahm ein Amateur=Stierkampf, den
meh=
rere Mitglieder der ſpaniſchen Hochariſtokratie in La
Co=
rodella bei Sevilla veranſtaltet hatten. Zu den
Teil=
nehmern gehörten u. a. auch der Graf Boſa, Mitglied der
Cortes und ein intimer Freund des Königs, ſowie der
Sohn des früheren Miniſterpräſidenten Maura. Mehrere
Kämpfe waren ſchon ohne Zwiſchenfall zu Ende
gegan=
gen, als plötzlich einer der Stiere ſich auf den Grafen
Boſa ſtürzte und ihm eine ſchwere Verletzung an der
Bruſt beibrachte. Jetzt eilte der junge Maura zu Hilfe
und es gelang ihm auch, das wütende Tier zu töten,
wo=
ei er ebenfalls verletzt wurde. Die Verletzungen des
Grafen Boſa ſind ſo ſchwer, daß er hoffnungslos
daniederliegt.
Kriſtiania, 9. Nov. Um Mittel zum Bau einer
deutſchen evangeliſchen Kirche zu erlangen,
haben die hieſigen Deutſchen einen großen Baſar
ver=
anſtaltet. Er wurde geſtern in Anweſenheit der
Mitglie=
der der kaiſerlichen Geſandtſchaft mit dem Grafen von
Oberndorff an der Spitze, ſowie zahlreichen Vertretern
des Hofes, der Diplomatie, amtlicher und erſter
Geſell=
ſchaftskreiſe in glänzender Weiſe durch ein
Feſtkon=
zert eröffnet, bei dem Ellen Gulbranſon, Elſa Wagner
und Nanne Storm durch meiſterhafte muſikaliſche
Dar=
bietungen das übervolle Haus zu ſtürmiſchem Beifall
hin=
riſſen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
uehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
Inſtrumentalverein. Es ſei nochmals
auf den morgen Mittwoch, den 13. November, im
Saal=
bau ſtattfindenden 100. Vereinsabend aufmerkſam
gemacht. Soliſt des Abends iſt Herr Willy Hutter, der
ſich hier als Künſtler einer allgemeinen Beliebtheit erfreut.
Bei den Ouvertüren von Glinka und Goldmark ſind die
Inſtrumente, die von Vereinsmitgliedern nicht zu beſetzen
ſind, durch erſte Kräfte der Kapellen des Leibgarde=Inf.=
Regts. Nr. 115 (Obermuſikmeiſter Hauske) und des
Feld=
artillerie=Regiments Nr. 61 (Obermuſikmeiſter Weber)
be=
ſetzt. Bei dem 100. Vereinsabend iſt ſomit das Orcheſter,
das zirka 60 aktive Mitglieder zählt, auf zirka 70
Mitwir=
kende ergänzt. Als Erſatz für die Harfe wird in der
Gold=
markſchen Ouvertüre hier zum erſten Male die neue
Orcheſter=Celeſta aus der J. P. Schiedmayerſchen
Hofpia=
nofortefabrik gebraucht, die, von Dr. Richard Strauß,
Profeſſor Dr. Max Schillings, Profeſſor Siegmund von
Hausegger u. a. glänzend begutachtet, in Kompoſitionen
der genannten Meiſter wiederholt mit großem Erfolge zu
Gehör gebracht wurde. Es wird beſonders intereſſieren,
daß Dr. Richard Strauß ſie in ſeiner neueſten Oper
„Ariadne auf Naxos” als ſelbſtändiges
Orcheſterinſtru=
ment verwendet. Die numerierten Plätze ſind für das
Konzert nahezu ausverkauft; es wird ſich daher
empfeh=
len, umgehend ſich in der Hofmuſikalienhandlung von
Heinrich Arnold, Wilhelminenſtraße 9, mit Karten zu
ver=
ſehen. Das Konzert beginnt pünktlich abends 8¼ Uhr.
* Zum Beſten des Feſthaus=Vereins
Darmſtadt werden hier in den nächſten Wochen eine
Reihe hervorragender Konzert= und Vortragsabende
ver=
anſtaltet werden. Den Anfang macht am nächſten
Don=
nerstag, den 14. November, einer der erklärten Lieblinge
des Darmſtädter Publikums, Frau Kammerſängerin
Erika Wedekind aus Dresden, die uns eine
ſchim=
mernde Perlenreihe von erſten Glanznummern ihres
Arien= und Liederprogramms beſcheren will. Pianiſtin
des Abends iſt Frau Profeſſor Marcelle Chéridjian=
Charrey vom Konſervatorium in Genf, der ein
glänzender Ruf als Klaviervirtuoſin vorausgeht. Beide
Damen haben in liebenswürdigſter und uneigennützigſter
Weiſe ihre große Kunſt in den Dienſt der guten Sache
geſtellt. Vorverkauf bei Heinrich Arnold.
* Die Freie Literariſch=Künſtleriſche
Geſellſchaft zeigt für Mittwoch, den 20. November,
(vergl. Mitteilung im heutigen Anzeigenteil d. Blattes)
einen Strindberg=Abend an. Er wird eingeleitet
durch einen kurzen Vortrag des Vorſitzenden der
Geſell=
ſchaft, in dem in der Hauptſache die Einflüſſe dargelegt
werden, die Strindberg zu der tiefen Leidenſchaftlichkeit
ſeiner Betrachtung des Lebens und der Menſchen —
ins=
beſondere des Weibes — geführt haben. Alsdann folgt
die Aufführung des naturaliſtiſchen Trauerſpiels „
Fräu=
lein Julie” bekanntlich das Drama, in dem die
Sub=
jektivität Strindbergs — ſein Haß gegen die Oberklaſſe
und ſeine Verachtung des Weibes — ihren ſtärkſten
Aus=
druck findet. — Geſpielt wird das Drama von den erſten
Darſtellern des Neuen Theaters in Frankfurt a. M. Sie
ſind für die urſprünglich in Ausſicht genommenen
Mün=
chener Schauſpieler eingetreten, deren Gaſtſpiel, nachdem
es leider von der Geſellſchaft ſelbſt verſchoben werden
mußte, ſich für November nicht mehr hat ermöglichen
laſſen.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 10. Nov. Der nicht
geneh=
migte Initiativ=Geſetzentwurf der
bei=
den Ständekammern! Entſprechend dem jüngſt
eingebrachten freiſinnig=ſozialdemokratiſchen dringlichen
Antrag inbetreff des bisher nicht publizierten Initiativ=
Geſetzentwurfs über die anderweite Gehaltsregelung der
Beamten beider Ständekammern hat jetzt auch die
Frak=
tion des Bauernbundes eine dringliche Anfrage an
die Regierung gerichtet, worin ſie unter Hinweis auf die
Erklärungen des Herrn Finanzminiſters in der
Kammer=
ſitzung vom 11. Juli dieſes Jahres fragt: Welche Gründe
veranlaßten die Großh. Regierung, dieſen Geſetzentwurf
bis jetzt nicht zur Ausführung zu bringen? — Die
Feuilleton.
C2) „Intimitäten von Hof und Geſellſchaft” plandert
„die Witwe eines Diplomaten” in einem ſoeben in
Lon=
don erſchienenen Buche aus, in dem ſie allerlei amüſante
und intereſſante Geſchichten aus Paris, Rom, Berlin,
St. Petersburg und London mitteilt. Die Dame, die über
ihre Perſönlichkeit nur verrät, daß ſie Amerikanerin iſt,
war in Rom beim 90. Geburtstage Papſt Leos XIII.,
in Rußland während der Krönung des jetzigen Zaren, in
Berlin während der Regierung des Kaiſers Friedrich und
in London zur Zeit des erſten Regierungsjubiläums der
Königin Viktoria und der erſten Parlamentseröffnung
durch König Georg. Aus Rom erzählt ſie uns viel von
Königin Elena und will ſelbſt um die ſo glückliche
Ehe, die die Königin mit ihrem Gatten führt, einen
Schatten der Tragik hüllen „Die Königin,” ſo erzählt
ſie, „iſt in ewiger Angſt, daß ihr Mann dasſelbe Schickſal
haben könnte wie ſein Vater, und mehrmals ſchon, wenn
er von irgend einer öffentlichen Veranſtaltung ſpät
zurück=
kehrte, hat er ſie in hyſteriſchen Krämpfen gefunden, weil
ie überzeugt war, er ſei getötet worden. Der König teilt
dieſe Furcht vor einem Attentat, und ſchon als Jüngling
hat er ſein Gefolge beauftragt, ſich eng hinter ihm
zu=
ſammenzuſchließen, mit der Begründung: „Wenn ich
er=
dolcht werden muß, laßt es wenigſtens nicht in den Rücken
ſein.‟ Eine luſtige Geſchichte weiß die Diplomatenfrau
von der Königin Margherita zu berichten: „Sie
war etwas eingebildet auf ihre ſchöne Erſcheinung,
ob=
wohl der Unterkörper zu kurz war im Verhältnis zu der
Größe des Kopfes und des Oberkörpers und ſie nur gut
ausſah, wenn ſie ſaß. Ihre ewige Anfechtung war die
Nachläſſigkeit, mit der Umberto ſein Aeußeres behandelte.
Als ſein borſtiges Haar, das aufrecht über ſeinem Kopf
ſtand, ganz grau geworden war, ſuchte ſie ihn dazu zu
bewegen, es zu färben, und ſchickte ihm jedes nur
erreich=
bare Färbemittel in ſein Ankleidezimmer. Eines Tages
erſchien er mit all den Flaſchen beladen in ihren
Ge=
mächern und kurz danach lief ihr Lieblingshund ein
wei=
ßer Spitz, als ein vollkommener Mohr durch das Zimmer.
Ueber das Entſetzen der Königin lachte Umberto und
ſagte: „Siehſt Du, Margherita, ganz ſo lächerlich würde
ich ausſehen.‟ Die Gattin Criſpis wurde in der
römiſchen Geſellſchaft nicht für voll anerkannt, und ſo
entſtanden hundert tragikomiſche Situationen, wenn z. B.
eine Dame erklärte: „Ich habe das Blut der alten
römi=
ſchen Kaiſer in meinen Adern und werde dieſe Frau nicht
empfangen” — und ſie dann doch empfing Recht ſchlecht
kommt Mme. Falliéres in den Plaudereien der
Diplomatenfrau fort, „dieſe gute, einfache Frau aus dem
Süden mit ihrer Provinzausſprache, in der die Silben
durcheinander tanzen. Mme Falliéres hat die
Einfach=
heit in Kleidung und Manieren, die zu ihren Idealen
ge=
hört, wie zu ihrer Geburt und Geſellſchaftsklaſſe. Sie
würde froh ſein, wenn ſie den Hintergrund des Hoflebens
weniger zeremoniös und pomphaft geſtalten könnte. Aber
es iſt weiter ſo feierlich wie in den Tagen der alten
Mo=
narchie und in ſeinem Lurus unübertroffen in Europa.”
CK. Eine altägyptiſche Ordenskette. Orden und
Ehrenzeichen waren ſchon den alten Aegyptern bekannt;
Porträtſtatuen von Offizieren und hohen Würdenträgern
zeigen reichen Goldſchmuck, dicke Halsketten und breite
Armreifen, die den Dargeſtellten vom Pharao als
beſon=
dere Auszeichnungen verliehen wurden. In den Beſitz
der ägyptiſchen Abteilung der Berliner Muſeen iſt nun
eine ſolche altägyptiſche Ordenskette gelangt, und in den
Amtlichen Berichten aus den Königlichen
Kunſtſamm=
lungen beſchreibt Dr. Möller dies merkwürdige Stück. Die
Kette beſteht aus lauter goldenen Fliegen von faſt
doppelter Lebensgröße, die mit Perlen aus Gold und
Fayence an der Kette aufgezogen ſind. Die Aufreihung
iſt zwar modern, doch muß die urſprüngliche Mordnung
im Weſentlichen dieſelbe geweſen ſein. Es iſt aus
In=
ſchriften und Darſtellungen bekannt, daß Goldfiguren von
Fliegen neben Löwenfigürchen während der 18. Dynaſtie
(etwa 1500—1400 v. Chr.) als königliche Auszeichnungen
für Tapferkeit verliehen wurden. Die eigenartige
Sym=
bolik der Tiere läßt ſich dahin erklären, daß der Löwe den
Träger des Ehrenzeichens als einen „Löwen auf dem
Schlachtfeld” allgemein kenntlich machen ſoll. Die Fliegen
gelten als Symbol für den Eifer und die Unermüdlichkeit
im Angriff, ein Begriff, den jeder verſteht, der unter der
Fliegenplage in Aegypten gelitten hat. Uebrigens galt
auch bei den Griechen die Fliege als Verkörperung des
Mutes. Die Fliegen des Schmuckſtückes ſind aus dünnem
Goldblech gepreßt, mit einer tonartigen Maſſe ausgefüllt
und durch Auflöten eines glatten Blechſtückes auf der
Rückſeite verſchloſſen.
* Die neuen Briefmarken des Balkanbundes. Der
Balkankrieg und die Erfolge der verbündeten vier Länder
erfüllen ſogar die ſoſt den Ereigniſſen des Tages
fern=
ſtehende ſtille Welt der Briefmarkenſammler mit
Spann=
ung und Erregung: denn ſchon ſind neue Marken,
Kriegs=
marken, erſchienen, und in den nächſten Tagen erwartet
man die Ausgabe jener Markenſerien, die in gleicher
Aus=
führung und in gleichem Muſter in den vier Staaten des
Balkanbundes zur Ausgabe kommen werden. Der Fall,
daß vier verſchiedene Länder Briefmarken gleichen Muſters
ausgeben, iſt in der Geſchichte der Poſtwertzeichen ein
Unikum. Nur die Zeichnung im Mittelpunkte, die eine
Stadtanſicht darſtellt, wechſelt. Und zwar wird auf den
bulgariſchen Marken die Anſicht Sofias, auf den
ſer=
biſchen die Belgrads, auf den montenegriniſchen die
Cet=
tinjes und auf den griechiſchen die Athens erſcheinen.
Bei allen aber taucht über der Stadt eine leuchtende Wolke
auf, in der man in Flammenſchrift die Worte lieſt: „In
hoc signo vinces.‟ Die Marken des Balkanvierbundes
ſollen den Sieg des Kreuzes über den Halbmond
ſym=
boliſieren.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
dringliche Anfrage iſt von ſämtlichen 15 Mitgliedern der
Fraktion unterzeichnet.
*X* Darmſtadt, 10. Nov. Der
Geſetzgeb=
ungsausſchuß der Zweiten Kammer ſetzte
am Samstag ſeine Beratung über den Entwurf eines
Geſetzes betreffend die landwirtſchaftliche
Un=
fallverſicherung fort. Nachdem eine allgemeine
Beſprechung und Verſtändigung der Ausſchußmitglieder
unter ſich ſtattgefunden hatte, wurde eine längere
Aus=
ſprache mit den Vertretern der Regierung abgehalten, in
welcher die vom Ausſchuß gewünſchten Abänderungen
beſprochen wurden. Der auf die Krankenverſicherung der
kand= und forſtwirtſchaftlichen Arbeiter ſich beziehende
Abſchnitt des heſſiſchen Ausführungsgeſetzes muß nach der
am 1. Januar in Kraft tretenden neuen
Reichsverſicher=
ungsordnung in Uebereinſtimmung mit dem Reichsgeſetz
gebracht werden. Der neue Geſetzentwurf geht davon
aus, daß die Vorſchriften des heſſiſchen
Ausführungsge=
ſetzes vom 10. Mai 1902, inſoweit ſie ſich bewährt haben,
mit den notwendigen redaktionellen Aenderungen in das
Geſetz übernommen werden. Im übrigen weicht der
vor=
liegende Entwurf von dem bisherigen Geſetz in folgenden
Hauptpunkten ab: Die Wahl der Mitglieder der
Genoſſen=
ſchaftsverſammlung und des Vorſtandes erfolgt mit
Rück=
ſicht auf die Vorſchrift des § 15 R.V.O. nach den
Grund=
ſätzen der Verhältniswahl, worüber das Miniſterium des
Innern eine Wahlordnung erläßt. Weiter tritt der
ver=
änderten Gemeindeſteuer=Geſetzgebung entſprechend
an=
ſtelle der Grundſteuerkapitalien der Steuerwert nach dem
neuen Gemeindeumlagengeſetz als Maßſtab für die
Um=
legung der Beiträge, ſofern durch die Satzung nichts
an=
deres beſtimmt wird. Während ſeither die Einführung
der Gefahrenklaſſen der Genoſſenſchaftsverſammlung
über=
laſſen war, wird ſie jetzt geſetzlich vorgeſchrieben, falls die
Beiträge nach dem Steuerwert umgelegt werden. Seither
wurden die Beiträge in der Gemeinde erhoben, in der die
Grundſtücke belegen waren, ſo daß ein
Betriebsunter=
nehmer, deſſen Grundbeſitz zum Beiſpiel in drei
verſchie=
denen Gemeinden gelegen war, auch drei
Anforderungs=
zettel erhielt. Zur Vereinfachung iſt nunmehr
vorge=
ſchrieben, daß die Beiträge grundſätzlich in der Gemeinde
des ſteuerlichen Wohnſitzes erhoben werden. Der
Aus=
ſchuß hat nun zu den einzelnen Beſtimmungen des
Aus=
führungsgeſetzes verſchiedene Abänderungsanträge .
ge=
ſtellt, die in der gemeinſamen Sitzung mit der Regierung
vom Ausſchußreferenten Abg. Reh=Alsfeld vorgetragen
und begründet wurden. Nach den von der Regierung im
Ausſchuß darüber abgegebenen Erklärungen ſtimmt ſie
den meiſten Abänderungen zu, ſo daß eine Verſtändigung
über das Geſetz im Ausſchuß geſichert erſcheint. In einer
auf Freitag, den 15. Nov., anberaumten neuen
Ausſchuß=
ſitzung ſoll die endgültige Feſtſtellung des Geſetzentwurfs
erfolgen.
Schluß der Lutherfeſtſpiele.
* Die Aufführungen von Devrients Lutherfeſtſpiel die
zuletzt immer vor ausverkauften Sälen ſtattfanden, ſind
mit der 10. Vorſtellung am Sonntag zu Ende
ge=
gangen. Aus dieſem Anlaſſe fand am Abend im großen
Saale des Saalbaues eine Feſtfeier ſtatt, an der die
Mitglieder der Ausſchüſſe und die meiſten Mitwirkenden
(weit über 300 Perſonen) teilnahmen und zu der zur
all=
gemeinen Freude auch Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing
erſchienen war Die Reihe der Anſprachen eröffnete der
Vorſitzende des Feſtausſchuſſes, Prof. Pfannmüller,
der einleitend des am Sonntag gefeierten
Geburts=
tages Martin Luthers gedachte, einen Rückblick auf die
von ungeahntem Erfolge gekrönten Feſtvorſtellungen warf
und allen Spielgenoſſen wärmſten Dank abſtattete, in
erſter Linie aber dem großen Verdienſte der Regiſſeure
Dalmonico und Edward, ſowie den Darſtellern des
„Luther” und der „Käthe” Albert Schmidthoff und Luiſe
Thorade mit Worten größter Anerkennung gedachte. Der
Vorſitzende des evangeliſchen Bundes, Pfarrer D. Waitz,
rühmte in beredten Worten die außerordentlichen
Leiſt=
ungen des Vorſitzenden und ließ ſodann in
humor=
ſprühender Rede die einzelnen Feſtausſchüſſe Revue
paſ=
ſieren, auf die er durchgehends Zitate aus dem Feſtſpiel
anzuwenden verſtand. Profeſſor Knoll brachte den
bei=
den Inſpizienten Reviſor Enders und Landgerichtsrat
Conradi, ſowie dem muſikaliſchen Leiter der
Aufführ=
ungen, Lehrer Borngäſſer, ſein Hoch. Die Herren
Dal=
monico und Schmidthoff dankten für alle ihnen
er=
wieſenen Ehrungen in bewegten Worten, aus den die
Hoffnung auf baldiges Wiederſehen herauszuhören war.
Humoriſtiſche Vorträge der Herren Bürgermeiſterſekretär
Göbel und Reviſor Enders in denen all die kleinen Leiden
und Freuden der Feſtſpielwoche ſich noch einmal
wieder=
ſpielten, wobei kaum ein geflügeltes Wort der
Devrient=
ſchen Dichtung unzitiert blieb, wechſelten mit ſchönen
Ge=
ſangsdarbietungen ab, und zum Schluſſe kam auch noch die
zahlreich vertretene tanzluſtige Jugend zu ihrem Rechte.
So klang die anſtrengende Feſtſpielwoche in froheſter und
harmoniſcher Weiſe aus.
Folgender Ozean=Brief vom Dampfer „
Cleve=
land” traf vei Profeſſor Pfannmüller ein: Vom Angeſicht
der Inſel Kreta ſende durch Ozeanbrief Ihnen, dem
Ko=
mitee und ſämtlichen Mitwirkenden des herrlichen
Luther=
feſtſpiels zum feſtlichen Abend des 10. November herzlichſte
Glückwünſche zur Vollendung des ſchönen Unternehmens
Heil und Gruß! Huao Edward‟
Die letzte Aufführung endete mit einem
ſchwung=
vollen, von Frau Käthe Enders=Kuhlmann
ge=
ſprochenen Epilog, den wir auf Seite 10 zum Abdruchk
bringen.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rehaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Nachdem die Gehaltserhöhung der ſtädtiſchen
Be=
amten ohne Oppoſition genehmigt wurde, ſollte jetzt die
Bürgermeiſterei auch der notleidenden Hausbeſitzer
ge=
denken und Hilfe leiſten! Nach dem Beſchluß der kürzlich
ſtattgefundenen Hausbeſitzerverſammlung iſt die
Grün=
dung einer Anſtalt für 2. Hypotheken dringend
nötig und klar feſtgelegt worden. Eine ſolche Anſtalt oder
Bank, oder eine Angliederung bei der Heſſiſchen
Landes=
hypothekenbank wird vorausſichtlich eine große
Verbeſſer=
ung der wirtſchaftlichen Verhältniſſe bringen. Viele
Hausbeſitzer, Geſchäftsleute, Handwerker können, wenn
ſie die Möglichkeit haben, unkündbares Geld auf ihre
Hofreite bis zu 75—80 Prozent zu erhalten, an
Erweiter=
ung ihres Betriebes denken, oder neue lukrative
Erwerbs=
zweige eröffnen, das ganze Erwerbsleben hätte Vorteile
davon. Man müßte unbedingt für das im
Immobilien=
beſitz feſtliegende Geld die Möglichkeit ſchaffen, es flüſſiger
machen zu können, und beſonders auch der
Verſchleuder=
ung des Immobilienbeſitzes entgegentreten. Auch in
anderen Städten geht die Bürgermeiſterei mit aller und
raſcher Energie vor, ſo hat die Stadt Düſſeldorf 11
Mil=
lionen für 2. Hypotheken in den Voranſchlag eingeſtellt.
Einſender hält es nicht ſo ſchwer, von ſeiten der
Ge=
meinde eine ſolche Anſtalt zu gründen, das Grundkapital
müßte durch Aktien aufgebracht werden, und die
ausge=
gebenen Prioritäten erhalten ſtädtiſcherſeits zu leiſtende
Bürgſchaft. Die Aktien fänden ſicher guten Abſatz, bezahlt
doch die Hamburger Hypothekenbank 9 Prozent, die
Frankfurter Kreditvereinsbank 10 Prozent Zinſen an die
Herren Aktionäre. Baldige Hilfe tut dringend not, das
R.
ſoll die Stadtverwaltung beherzigen.
— In den letzten Tagen der vergangenen Woche
zeichnete ſich das Waſſer im ſüdöſtlichen
Stadt=
teil wieder einmal durch ſeine beſonders ſchöne dunkle
Färbung aus; die Hausfrau, die das Glück hatte, in dieſen
Tagen zu waſchen, konnte mit beſtem Willen kein reines
Stück aus der Wäſche bringen. Beſonders ſchlimm war
die Sache aber am Sonntag, wo das Waſſer ein geradezu
ekelerregendes Ausſehen hatte. Wie lange noch müſſen
die Einwohner Darmſtadts ſich derartige Mißſtände
ge=
fallen laſſen? Warum bringt keiner unſerer Herrn
Stadt=
verordneten, unter denen doch auch Techniker ſitzen, dieſe
Sache einmal zur Sprache? Die Stadt erhebt Waſſergeld
und hat, ebenſo wie jeder Kaufmann, die Verpflichtung,
K.
für gutes Geld gute Ware zu liefern.
Mit Freuden las ich in Ihrem geſchätzten Blatte,
daß die Maulbeer=Allee elektriſchen Kabelanſchluß hat.
Aber zu verwundern iſt, daß in Straßen, die in den
1870er Jahren gebaut wurden (Johannesviertel), heute
noch Extraverzinſung des Kabels verlangt wird.
Handel und Verkehr.
* Lloyd Rhénan Société an, de
Trans-
ports, Antwerpen. Die Rheiniſche Transport=
Ge=
ſellſchaft William Egan und Co. in Frankfurt a. M., die
vor kurzem in Konkurs geriet, hatte bekanntlich vor etwa
zehn Jahren den Lloyd Rhénan gegründet, dem ſie ihr
ganzes Reederei= und Schiffahrtsgeſchäft übertrug. Die
Aktien hatten ſich im Beſitze der Firma Egan befunden
waren aber bei verſchiedenen Stellen für ihre
Verbindlich=
keiten verpfändet worden Nach dem Zuſammenbruch der
Firma Egan hatten ſich die Bemühungen darauf gerichtet,
den Lloyd Rhénan, der in den letzten Jahren je 6
Pro=
zent Dividenden zu verteilen vermochte, möglichſt zu
er=
halten. Dieſe Beſtrebungen ſind nunmehr von Erfolg
be=
gleitet geweſen, denn, wie wir erfahren, ſind heute
Ab=
machungen zuſtande gekommen, wonach die
Aktienmajori=
tät des Lloyd Rhénan in den Beſitz des Konzerns der
Rheinſchiffahlrts=A.=G. vorm. Fendel in
Mannheim übergeht. Dieſem Konzern gehören
be=
kanntlich außerdem noch an die Badiſche A.=G. für
Rhein=
ſchiffahrt und Seetransport in Mannheim, die Neue
Karlsruher Schiffahrt=A.=G in Karlsruhe, die
Straß=
burger Rheinſchiffahrts=Geſellſchaft m b H. und die
Firma Th. Fuegen in Ludwigshafen. In dieſen Konzern
wird der Lloyd Rhénan als ſelbſtändiges
Schiffahrts=
unternehmen eingegliedert und er ſoll ſeinen Betrieb in
der gleichen Weiſe wie ſeither führen. Durch dieſe
An=
gliederung erfährt der Fendel=Konzern eine weſentliche
Erweiterung; er verfüat nunmehr über 150 eigene
Schleppkähne, 70 Mietkähne, 13 Radſchleppdampfer, 21
Schraubendampfer und 38 Eilgüter=Schraubendampfer
mit einer Geſamttonnage von über 250000 Tons. Die
Oberleitung des Lloyd Rhénan wird vom Generaldirektor
der Fendel=Geſellſchaft, Herrn G. Jäger, mitübernommen.
Für den Winterbetrieb der Speditionsabteilung der
Firma Egan wird außerdem eine Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung mit dem Sitz in Frankfurt
a. M. errichtet, die an allen Plätzen, an denen die Firma
Eaan bisher Filialen hatte, ebenfalls Zweigſtellen
er=
richten wird, alſo in Mainz. Mannheim, Straßburg,
Köln, Düſſeldorf. Krefeld. Rotterdam, Amſterdam und
Antwerpen. Auch iſt beabſichtigt, die Agenturen
unver=
ändert beſtehen zu laſſen.
Der Balkankrieg.
Die Türkei.
* Konſtantinopel, 10. Nov. Die Pforte
ver=
öffentlicht folgendes Communiqué: Der mit den vier
Balkanſtaaten begonnene Krieg iſt nicht zu dem
gewünſch=
ten Erfolge gelangt. Die Oſtarmee hat die Notwendigkeit
anerkannt, ſich auf die Verteidigungslinie von
Tſcha=
tal dſchazurückzuziehen, wo ſie ihre Konzentrierung
voll=
endet. Da dieſe Verteidigungslinie ſozuſagen das Tor
der Hauptſtadt bildet, iſt die Anweſenheit des Feindes vor
dieſer Linie von großer Bedeutung, denn ſchon die
Mög=
lichkeit eines Mißerfolges in dem Kampfe vor den Toren
der Hauptſtadt iſt geeigner, die Aufmerkſamkeit auf ſich
zu ziehen. Die Regierung verſäumt nichts hinſichtlich der
Verteidigung und wahrt die Rechte und die Intereſſen der
Türkei. Sie mußte aber auch zu diplomatiſchen
Maßnahmen greifen, um die Hauptſtadt des
Reiches zu beſchützen. Die erſte Bedingung
hier=
für iſt, daß jedermann ſeine perſönliche Meinungen und
öffentliche Handlungen vermeidet, die zu gewöhnlichen
Zeiten nur geringen Schaden verurſachen würden. Die
Regierung konnte es nicht unbeachtet laſſen, daß einzelne
Perſonen eigennützige Zwecke verfolgen und einige
leicht=
ſinnige Köpfe falſche Gerüchte verbreiten, die geeignet ſind,
die Verteidigung der Hauptſtadt zu durchkreuzen. Dieſe
Gerüchte haben einige auswärtige Staaten veranlaßt, das
Erſuchen zu ſtellen, zu geſtatten, daß nach Konſtantinopel
proviſoriſch Kriegsſchiffe entſendet werden. Die
kaiſer=
liche Regierung, obwohl ſie alle Maßnahmen ergriffen
hat, befand es für gut, dem Erſuchen ſtattzugeben. Das
zeigt jedoch, daß die Verbreitung falſcher Nachrichten
Ver=
rat, ja ſogar ein Verbrechen iſt. Die Regierung iſt
ent=
ſchloſſen, diejenigen ſtreng zu beſtrafen, die wiſſentlich
oder unwiſſentlich derartige Gerüchte in die Welt ſetzen
oder verbreiten, und gegen jeden Verſuch,
Beunruhigun=
gen hervorzurufen, ernſte Maßnahmen zu ergreifen. Die
gegenwärtige Regierung wird in dem Wunſche, dem
Wohle des Vaterlands zu dienen, feſt und ohne zu zögern
handeln. Schließlich richtet das Communigué an die
Preſſe die Aufforderung, nur ernſten Artikeln in ihren
Spalten Raum zu geben.
Die Mächte.
II.B. Paris 11. Nov Der Korreſpondent des
Journal in Sofia ſchreibt: Die Großmächt e mit
Aus=
nahme Oeſterreich=Ungarns haben geſtern morgen der
bulgariſchen Regierung eine gemeinſame Note
unterbreitet, die von den Vertretern Rußlands,
Deutſch=
lands, Italiens, Frankreichs und Großbritanniens
über=
reicht wurde. In dieſer Note bieten die Mächte
Bul=
garien ihren Vermittelungsdienſt an. Eine
Ant=
wort der bulgariſchen Regierung iſt noch nicht erfolgt,
denn man ſagt, daß ſie erſt den Ausgang der großen
Schlacht abwarten will, die gegenwärtig bei Tſchataldſcha
vor ſich geht. Wie verlautet, ſind die Bulgaren nicht
gewillt, in Unterhandlungen einzutreten, bevor nicht ihre
Armee ſich eine ſichere Poſition verſchafft hat, wo ſie ihr
Winterquartier aufſchlagen und warten kann, bis der
Friede abgeſchloſſen iſt. Man glaubt, daß Bulgarien von
den Mächten die unverzügliche Verſicherung fordern wird,
daß das von ihm eroberte Gebiet auch fernerhin in
Leinem Beſitz verbleibt. Andernfalls werde es ſeine
Trup=
pen in Konſtantinopel einrücken laſſen und ſie erſt dann
zurückziehen, wenn der Friedensvertrag unterzeichnet ſei.
Ein ſolcher kann jedoch nicht herbeigeführt werden,
ſo=
lange die Schlacht bei Tſchataldſcha andauert.
* London, 11. Nov. Die Zeitungen beſchäftigen
ſich mit der Rede des Premierminiſters. Daily
News tritt dafür ein, daß Serbien einen Hafen erwerben
müſſe. Daily Chronicle erwartet, daß der Rat Miſter
Asquiths bei dem Grafen Berchtold ins Gewicht
fal=
len würde und erwartet, daß die verhältnismäßig
unbe=
deutende Frage eines Adria=Hafens für Serbien nicht die
gemeinſame Aktion der europäiſchen Mächte verhindere
und eine Aktion der Großmächte an ihre Stelle ſetzen
würde. Der Daily Telegraph zweifelt, ob die Anregung
des Premierminiſters, dieſe Frage bis zur allgemeinen
Löſung nach Beendigung der Feindſeligkeiten
aufzuſchie=
ben, Zuſtimmung finden könne. Daily Graphic bemerkt,
Oeſterreich kann für ſich in Anſpruch nehmen, daß auch
Serbien ſeine Anſprüche auf einen Adriahafen bis zur
allgemeinen Abrechnung aufſchiebe. Die Times begrüßt
die Erklärungen des Premierminiſters über das enge
Zu=
ſammenwirken der Mächte. Das Blatt ſchreibt weitert
Es wäre unklug, anzuerkennen, daß das albaniſche
Prob=
lem und die ſerbiſchen Anſprüche auf einen Hafen oder
auch Häfen einen heftigen Streit hervorrufen könnte. Wir
ſind nicht in der Lage, an dieſen Erörterungen
teilzu=
nehmen, während die Armeen noch in den aktiven
Opera=
tionen begriffen ſind und während der Streit ſelbſt noch
keinen offiziellen Charakter angenommen hat. Je weniger
darüber vor dem Waffenſtillſtand geſagt wird, deſto beſſer,
Die Politik Englands ſtrebt nach der Erhaltung des
europäiſchen Friedens. Dieſe Politik wird nicht durch hefs
tige Verſuche gefördert für oder gegen ſtückweiſe
Vor=
ſchläge zu Felde zu ziehen, die nur einen Teil und nicht
den wichtigſten des großen Problems bilden. Wenn wir
die erwachende Eiferſucht verſchlimmern wollen, ſo iſt das
ſchnellſte Mittel dazu, die Verfügung über noch nicht
er=
oberte Landgebiete zu erörtern. Die ſerbiſche Macht iſt
noch nicht in Durazzo und wenn das Schwert wieder in
der Scheide ſteckt, wird es Zeit genug ſein, in Betracht zu
ziehen, ob ſie am beſten dort bleiben würde. Die Frage
von Durazzo iſt wie die Frage von Saloniki. Die
unmit=
telbare Beſitzergreifung kann ihr endgültiges Schickſal
nicht entſcheiden.
Vom öſtlichen Kriegsſchnuplatze.
* Konſtantinopel 11. Nov. Privainachrichten
zufolge rückte ein Teil der türkiſchen Oſtarmee, der ſich in
Tſchorlu befand, geſtern bis Lüle=Burgas vor und geriet
in einen Kampf mit den Bulgaren. Die Türken ſollen
große Verluſte erlitten haben. Die Blätter melden, daß
das Hauptquartier wieder nach Tſchorlu verlegt wurde,
was als Beweis dafür betrachtet wird, daß die bei
Tſcha=
taldſcha konzentrierte Armee ſich nicht auf die Defenſive
beſchränken wird, ſondern auch die Offenſive ergreifen
wird. — Es verlautet, daß der aus dem ruſſiſch=türkiſchen
Kriege bekannte Marſchall Fuad Paſcha zum
Komman=
deur des erſten Teiles und der Diviſionsgeneral Bahri
Paſcha zum Kommandeur des zweiten Teiles der
Oſt=
armee ernannt werden wird.
* Wien 10. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt meldet aus dem bulgariſchen Hauptquartier
vom 9. November: Die gemeldete Einnahme zweier
türkiſcher Poſitionen auf der Südoſtfront des
Adria=
nopeler Fortsgürtels durch die Bulgaren
er=
folgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Nach einem
furchtbaren Artilleriefeuer wurde eine Brigade, der
wei=
tere Reſerven folgten, zum Sturm auf die beiden Forts
Karkal Depeh und Papas Depeh angeſetzt. Trotz türkiſcher
Scheinwerfer und des Geſchoßhagels, der den Angreifern
entgegenſchlug, gelang es der bulgariſchen Infanterie
ſchließlich, die beiden Forts zu ſtürmen. Die Bulgaren
zogen ſofort Verſtärkungen nach, namentlich Artillerie,
wieſen alle Gegenangriffe der Türken zurück und
began=
nen, die genommenen Poſitionen auf der Kehlfront
gegen=
über Adrianopel zu befeſtigen. Von den eroberten Forts
wurde beſonders Karkal Depeh ſtark befeſtigt. Das Fort
liegt auf einem 143 Meter hohen Hügel und beherrſcht
ſo=
wohl die Stadt, wie die ſich anſchließenden Gürtelwerke.
Die Einnahme dieſer Forts, ſowie die gleichzeitig erfolgte
Erſtürmung des Forts Papas Depeh machen die weitere
Verteidigung ausſichtslos. Die Kapitulation der Feſtung
wird ſtündlich erwartet.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatze.
* Rjeka, 10. Nov. Geſtern und heute war heftiges
Geſchützfeuer vom Taraboſch und aus Skutari hörbar.
Den Montenegrinern iſt es gelungen, einige Forts an der
Südſeite des Taraboſch zu zerſtören. Geſtern konnten trotz
des ununterbrochenen Geſchützfeuers der Türken nach
An=
ordnung des Kronprinzen mehrere ſchwere
Angriffskano=
nen in Poſition gebracht werden. Seit heute ſind auch
Aeroplane bei der montenegriniſchen Armee in
Verwend=
ung. In Skutari ſoll die Not aufs höchſte geſtiegen ſein.
König Nikolaus iſt heute nach Antivari abgereiſt.
* Konſtantinopel, 11. Nov. Das Preſſebureau
veröffentlicht offiziell ein Telegramm der Kommandeure
der Weſtarmee, in welchem gemeldet wird, daß die
türkiſchen Truppen die Griechen erneut bei
Soro=
wvitſch angegriffen und dabei ſieben Kanonen und
Munition erbeutet haben. Die Griechen flohen in
Un=
ordnung. — Auch am 9. November hätten die Türken
zehn griechiſche Kanonen und Munition erbeutet.
* Athen, 10. Nov. Der Juſtizminiſter Raktiwan
als Vertreter der griechiſchen Regierung iſt mit
zahl=
reichem Verwaltungsperſonal nach Saloniki abgereiſt.
Raktiwan bleibt Miniſter.
Die Geſamtzahl der türkiſchen
Kriegsge=
fangenen beträgt 29000 Mann. Dazu kommen noch
2000 Mann von Montenegro nach Griechenland geſchickte
Kriegsgefangene.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 11. Nov. (8 Uhr morgens.)
Nach einer Meldung des Kommandanten der
türki=
ſchen Flotte wurden die bulgariſchen Geſchützbatterien
der Bulgaren an der Küſte von Rodoſto vernichtet und
die Stadt wieder von den Türken beſetzt.
Nach=
dem die Bulgaren Rodoſto beſetzt hatten, erhielt die
tür=
kiſche Flotte den Auftrag, Rodoſto zu bombardieren und
3000 Mann, die mit zwei Transportſchiffen dorthin
transportiert worden waren, die Landung zu ermöglichen.
Nach dem Beginn des Bombardements verließen die
Bul=
garen die Stadt, die ſofort von den Türken wieder beſetzt
wurde.
HB. Konſtantinopel, 11. Nov. Hier zirkulieren
Gerüchte, wonach unter den Truppen in Tſchataldſchg
die Cholera ausgebrochen ſei,
Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 7.
2 Kieka, 11. Rov. Von einem verhänguisvollen
Irrtum der Türken berichten die Kundſchafter folgendes:
Als vor einigen Tagen türkiſche Abteilungen, die bei
Giovanni die Medua zur Sicherung des
Grenz=
überganges Patrouillen zu poſtieren ſuchten, im eigenen
Rücken Truppen bemerkten, eröffneten ſie das Feuer, auch
mit Maſchinengewehren. Beim Näherkommen bemerkten
ſie, daß ſie infolge des herrſchenden Nebels auf eine
türki=
ſche Abteilung geſchoſſen, von der ſie eine Anzahl
Solda=
ten töteten und verwundeten.
HB. Sofia, 11. Nov. Ueber die Streitfrage
zwiſchen Oeſterreich=Ungarn und Serbien
verlautet mit Beſtimmtheit, daß der Balkanbund es als
eine conditio sine qua non betrachte, daß Serbien einen
Ausgang nach der Adria erhalte. Von einem Hafen an
der Adria iſt nicht die Rede.
* Sofia, 11. Nov. In bulgariſchen
Offizierskrei=
ſen erklärt man, daß die Gerüchte, die türkiſchen
Niederlagen ſeien auf die Unterlegenheit des
Artilleriematerials zurückzuführen, jeder
tatſächlichen Grundlage entbehren. Die
Ausbildung des türkiſchen Soldaten ſei dagegen völlig
ungenügend. Auch die bulgariſche Armee verwende im
Feldzuge viele Krupp=Kanonen und größtenteils
Krupp=
ſche Munition, deren Wirkung ausgeseichnet ſei. Die
er=
beuteten Krupp=Kanonen, die die Türken nicht einmal
unbrauchbar zu machen verſtanden hätten, bildeten eine
ſehr wertvolle Verſtärkung der bulgariſchen Artillerie und
ſollen unverzüglich verwendet werden.
* Belgrad, 11. Nov. Privaten Meldungen aus
Uesküb zufolge ſind die Vortruppen der dritten
ſerbi=
ſchen Armee bis an die Küſte der Adria vorgedrungen.
Eine ſerbiſche Abteilung traf an der Mündung des
Ma=
tifluſſes ſüdlich von Aleſſion mit
montenegrini=
ſchen Truppen zuſammen, und rückt die Meerresküſte
ent=
lang gegen Drintal durch unwegſames Gelände
ge=
radenwegs auf Durazzo, ohne auf bewaffneten Widerſtand
zu ſtoßen. Infolge des meterhohen Schnes rückt ſie
je=
doch nur ſehr langſam vorwärts. In längſtens zwei
Tagen wird das Eintreffen der ſerbiſchen Truppen in
Durazzo erwartet.
* Belgrad, 11. Nov Wie nachträgliche amtliche
Berichte melden, wurde Doiran bereits am 5. d. M. von
ſerbiſcher Kavallerie eingenommen. Tauſend türkiſche
Soldaten ſind dabei gefangen genommen worden. Das
10. ſerbiſche Infanterie=Regiment befand ſich im
Augen=
blicke der Uebergabe von Saloniki an die Griechen vor der
Sſadt.
* Malta, 11. Nov. Der deutſche Kreuzer
„Breslau” der heute hier angekommen iſt, nahm
Koh=
len ein und fuhr dann nach Oſten weiter. Für den in
kurzem erwarteten deutſchen Panzerkreuzer „Goeben”
wer=
den die Leichter bereitgemacht, der, nachdem er Kohlen
eingenommen hat, ebenfalls ſofort nach der Levante
wei=
torgehen ſoll. Für jedes der beiden Schiffe waren 3000
Tonnen Kohlen verlangt worden; es konnten jedoch nur
je 1000 Tonnen geliefert werden.
* Wien, 11. Nov. Die Wiener Sonntags= und
Mon=
tagszeitung meldet aus Peſt: Der Präſident der
bulgari=
ſchen Sobranſe Danew hatte geſtern mit dem Grafen
Berchtold eine einſtündige Beratung. Er überbrachte
eine wichtige Botſchaft, welche ſich auf die Stellungnahme
Bulgariens und Serbiens zu Oeſterreich=Ungarn bezieht.
Danew bleibt vorläufig in Peſt. Sein Aufenthalt dürfte
möglicherweiſe den Ausgangspunkt wichtiger
Verhand=
lungen mit dem Balkanbund bilden. Vor ſeiner Reiſe
nach Peſt wurde Danew von dem König der Bulgaren
und dem Könia von Serbien empfangen.
HB. London, 11. Nov. Wie aus Konſtantinopel
gemeldet wird, iſt der Gouverneur von
Konſtan=
tinopel Membuh Bey nach einem Spruch des
Kriegs=
gerichts erſchoſſen worden, weil er die Garniſon
auf=
gereizt hatte, Chriſten=Maſſakres zu inſzenieren und
Ab=
dul Hamid wieder auf den Thron zu ſetzen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 11. Nov. Wie wir erfahren, nimmt der
Erzherzog=Thronfolger Franz Ferdinand am 22.
ſund 23. November an den Hofjagden in Springe teil.
* Potsdam, 11. Nov. Der Kaiſer reiſte heute
vor=
mittag 10 Uhr 15 Minuten zur Jagd nach Trachenberg in
Schleſien. Im Gefolge befinden ſich Hofmarſchall Graf
von Platen=Hallermünde, die Flügeladjutanten Oberſt=
keunant von Mutius und Maſor von Caprit, ſowie Beib. (
uud Generalarzt von Ilberg, ferner der Vertreter des
Auswärtigen Amtes Geſandter von Treutler.
* Karlsruhe, 11. Nov. Der Großherzog iſt, wie
die Karlsruher Zeitung meldet, infolge leichter,
fieber=
hafter Erkrankung an Mumps ſeit dem 8. ds. Mts.
ge=
zwungen, das Bett zu hüten und wird ſich noch
einige Tage Schonung auferlegen müſſen.
* Kiel, 11. Nov. Beim Stapellauf des
Klei=
nen Kreuzers „Erſatz Seeadler” auf der
Ger=
maniawerft in Kiel hielt Oberbürgermeiſter Siegriſt
aus Karlsruhe die Taufrede, die mit den Worten ſchloß:
Einen friedlichen Klang wird der Name dieſes neuen
Kriegsſchiffes tragen. Möge es ihm vergönnt ſein, im
Frieden die ihm geſtellten Aufgaben zu löſen. Auch die
friedliche Arbeit des Seemanns ſtellt ja, das wiſſen wir.
an ſeine Tatkraft, ſeinen Mut und ſeine Selbſtverleugnung
die höchſten Anforderungen. Wenn aber je das Schickſal
es anders fügen ſollte, dann wird auch die Beſatzung des
Schiffes, deſſen Patenſtadt die Deviſe „Fidelitas” im
Wappen führt, ehrenvoll und todesmutig kämpfen für
ihren Kaiſer und ihr Vaterland. Darauf taufte er auf
Befehl des Kaiſers das Schiff auf den Namen „
Karls=
ruhe‟.
* Triebel, 11. Nov. Der Kantinenwirt Friſchke
verwundete in einem Modewarengeſchäft, in dem ſeine
Frau aushilfsweiſe beſchäftigt, dieſe durch zwei Schüſſe in
die Bruſt und Schulter. Dann ſchoß er ſich eine Kugel in
die Schläfe und verletzte ſich ſchwer.
* Wien, 11. Nov. In einem Hotel erſchoß ſich der
Major des Ruheſtandes v. Motodor. In einem
hinter=
laſſenen Zettel gibt er als Urſache ein amerikaniſches
Duell an.
* Peſt, 11. Nov. Erzherzog Franz Ferdinand
iſt heute morgen aus Wien eingetroffen und beabſichtigt
einige Tage hier zu verweilen.
* London, 11. Nov. Im Unterhaus iſt die
Regier=
ung bei Beratung der Homerule=Bill heute mit 22
Stim=
men geſchlagen worden, indem ein
Abänderungsan=
trag der Oppoſition in finanzieller Beziehung mit 225
gegen 203 Stimmen angenommen wurde. Das Haus hat
ſich hierauf unter großer Aufregung vertagt.
* Bukareſt, 11. Nov. Den geſetzlichen Beſtimmungen
entſprechend werden am 14. Nov die Mannſchaften des
älteſten Jahrganges zur Reſerve übergeſchrieben.
Die Entlaſſung der Mannſchaften erfolgt in dem Maße,
als die Rekruten einrücken.
— Stuttgart, 11. Nov Der vor einigen Tagen nach
umfangreichen Wechſelſchwindeleien geflüchtete
Tapeten=
fabrikant Nacher erſchoß ſich in einem hieſigen Hotel.
— Hamburg, 11. Nov. Hier verletzte der Kaufmann
Saſſer ſeine Frau durch einen Revolverſchuß und
er=
ſchoß ſich dann ſelbſt.
Naumburg, 11. Nov. Den aus Gotha
verſchwun=
denen Bankdirektor Völker fand man heute vormittag als
Leiche in der Saale.
H.B. Stralſund, 11. Nov Hier wurde geſtern ein
Ehepaar unter eigenartigen Umſtänden tot in ſeiner
Wohnung aufgefunden. Der Waifenhaus=Vater
Schiel und ſeine Frau wurden tot in der Badewanne
aufgefunden. Die Todesurſache iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Dem Manne drang Blut aus der Naſe. Sonſtige
Verletzun=
gen wieſen die Leichen nicht auf.
II B. Wien, 11. Nov. Aus Peſt kommt die
über=
raſchende Nachricht daß der Thronfolger Franz
Ferdinand heute morgen 8 Uhr eintraf und noch
vormittags vom Kaiſer Franz Joſef empfangen
wor=
den iſt. Der Thronfolger hatte die Teilnahme an den
Hofjagden, zu denen er von Kaiſer Wilhelm eingeladen
worden war, wiederholt abgeſagt. Der Erzherzog kehrte
nachmittags nach Wien zurück. Seine Anweſenheit in
Peſt galt angeblich wichtigen militäriſchen
Angelegenhei=
ten. Der Kaiſer empfing geſtern außer dem Grafen
Verchtold auch den Kriegsminiſter und den Chef des
Generalſtabes.
Paris, 11. Nov. Nach Blättermeldungen aus
Namur erkrankte der frühere franzöſiſche Kriegsminiſter
General Picard plötzlich.
Brieſtaſen.
H. hier. Automobilſpritzen hat die Stadt Mainz
überhaupt noch nicht; wohl aber einen
Automobl=
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treter Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
„Kronprinzeſin Ceeilie” 7. Nov. 12 Uhr mittags von
New=York abgegangen. „Prinzeß Irene‟ 7. Nov.
10 Uhr vorm. von Genua abgegangen. Berlin=
6. Nov. 11 Uhr vorm. in New=York angekommen.
„Hannover” 8. Nov. 1 Uhr vorm. Dover paſſiert. „Friedrich
der Große‟ 7. Nov. 8 Uhr vorm. in Bremerhazen=
„Königin Luiſel 6. Nov. 2 Uhr nachm. von Balimorr
ab=
gegangen. „Brandenburg‟ 7. Nov. 12 Uhr mittags in
Baltimore angekommen. „Goeben” 8. Nov. 11 Uhr vorm.
in Antwerpen angekommen. „Bülow‟ 7. Nov 8 Uhr
vorm. von Port Said abgegangen. „Prinz Eitel
Friedrich” 7. Nov. 12 Uhr mittags in Shanghai. Vorck=
6. Nov. 8 Uhr vorm in Nagaſaki angekommen. „Prinzeß=
Alice‟ 8. Nov. 1 Uhr vorm. in Penang. „Scharnhorſtä
7. Nov. 12 Uhr mittags in Neapel angekommen. Zieten=
7. Nov. 3 Uhr nachm. von Neapel nach Auſtralten.
„Franken” 7. Nov. 3 Uhr nachm. in Bremerhaven
an=
gekommen. „Eaſſel‟ 8. Nov. 12 Uhr mittags in
Brisbane angekommen. „Heſſen” 8. Nov. 9 Uhr vorm.
in Adelaide angekommen. „Sigmaringen” 8. Nov. in
Bremerhaven angekommen. „Auchenarden” 6. Nov. in
Buenos Aires angekommen. „Coburg” 7 Nov. von
Funchal nach La Plata abgegangen. „Strathalbyn”
8. Nov. von Funchal nach La Plata labgegangen.
„Wyneric‟ 7. Nov. von Galveſton nach Breinen
ab=
gegangen. „Ingbert” 8. Nov. von Bremerhaven nach
Cuba abgegangen. „Pallanza” 6. Nov. in Quebec
an=
gekommen. „Gothal 7. Nov. in Rio de Janeiro
an=
gekommen. „Aachen” 7. Nov. Dover paſſiert. Altair”
6. Nov. in Antwerpen angekommen. „Prinz Heinrich=
6. Nov, 2 Uhr nachm. von Alexandrien abgegangen.
„Prinz=Regent Luitpold” 6 Nov. 11 Uhr vorm. von
Marſeille abgegangen nach Alexandrien.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
„Rotterdam‟ 1. Nov. vorm. in Roterdam eingetroffen.
„Nieuw Amſterdam” 5. Nov. vorm. von New=York
ab=
gegangen. „Noordam” 4. Nov. nachm. in New=York
eingetroffen. Potsdam‟ 29. Okt. vorm. von New=
York abgegangen.
Kentenanſtal a. G. uno gevensverſtcherungsvann zu Barmſtaot.
Die unter dem Protektorat Seiner Königlichen Hoheit
des Großherzogs von Heſſen und bei Rhein ſtehende
Rentenanſtalt a. G. und
Lebensverſiche=
rungsbank zu Darmſtadt hat, nachdem die
jüngſte Jahresgeſellſchaft Ende 1911 geſchloſſen worden
iſt, wiederum eine neue Jahresgeſellſchaft für die
Ver=
ſicherung ſteigender Renten eröffnet. Bei dieſer
Gelegen=
heit möchten wir nicht verfehlen, auf die großen Vorteile
aufmerkſam zu machen, die ſich jedermann durch bare
Ein=
zahlungen für ſeine ganze Lebenszeit bei ihr verſchaffen
kann. — Die Verſicherung ſteigender Renten,
eine auf Gegenſeitigkeit und
Erbverbrüde=
rung beruhende Verſicherungsart, erfreut ſich ſeit
Be=
ſtehen der Anſtalt in allen Schichten des Publikums der
größten Beliebtheit. Sie bezweckt, gegen
größere oder kleinere unwiderrufliche
Kapital=
einlagen jährliche, mit zunehmendem
Lebens=
alter der Verſicherten wachſende Renten
zu gewähren und ſichert ihren Teilnehmern die beſte
Altersverſorgung. Mittelt der Rentenverſicherung ſoll.
alſo nicht für die Erben des Verſicherten
ge=
ſorgt, ſondern ihm ſelbſt ein größeres Einkommen
vor=
zugsweiſe für das höhere Lebensalter, in welchem
die eigene Erwerbsfähigkeit abnimmt und die Sorge um
die zeitliche Exiſtenz oft eine drückende Laſt iſt, verſchafft
werden. Dieſe Verſicherungsart eignet
ſich daher in erſter Linie für ſolche
Per=
ſonen, welche nicht ſofort auf höhere
Ren=
ten zu rechnen nötig haben. Durch ſie iſt
jeder=
mann Gelegenheit geboten, in den Zeiten der Jugend und
Manneskraft einen Teil des Einkommens zur Verſorgung
für ſich ſelbſt, für Frau oder Kinder anzulegen und
da=
durch Penſionen. Witwen= und Waiſen=Gehalte ganz oder
teilweiſe zu erſetzen. Man ſichert dadurch dem ſpäteren
Alter eine Einnahme, welche ſelbſt dann nicht aufhört,
wenn alle anderen Hilfs= und Erwerbsquellen abnehmen
oder ganz verſiegen und die Befriedigung der
unentbehr=
lichſten Lebensbedürfniſſe immer ſchwieriger wird, oder
wohl gar die Unterſtützung des Staates, der Gemeinde
oder der Angehörigen in Anſpruch genommen werden
müßte — Jeder, ohne Rückſicht auf Alter.
Geſund=
heitszuſtand und Geſchlecht, kann Mitglied wer=
den und genießt gleiche Rechte, namentlich in bezug auf
die ſeiner Jahresgeſellſchaft und ſeiner Altersklaſſe
zu=
fallenden Renten. Jede volle Einlage von 100 Mark
ge=
währt vom zweiten Jahre nach dem Beitritt an den baren
Bezug einer jährlichen Rente, die anfänglich 3 Mark
60 Pfg. beträgt, nach und nach aber durch die
charakteri=
ſtiſche Eigenſchaft einer Kapitalauflöſungsgeſelſchaft bis
zum Betrage von 150 Mark ſteigen kann. Die Anzahl der
Einlagen für ein und dieſelbe Perſon iſt unbeſchräntt.
Um auch geringer Bemittelten im ſpäteren Alter die
Mög=
lichkeit eines Rentengenuſſes zu gewähren, können eine
oder beliebig viele Teileinlagen im Betrage von
minde=
ſtens 25 Mark, in den ſpäteren Altersklaſſen von mindeſtens
50 Mack gemacht werden, die ſich von ſelbſt zu
Vollein=
lagen ergänzen. Eine ſo ergänzte Teileinlage wirft
als=
dann dieſelbe Rente ab, wie die urſprüngliche volle
Ein=
lage. Außerdem kann die Ergänzung jederzeit durch
Nachzahlungen, die jedoch nicht unter 10 Mark betragen
dürfen, beſchleunigt werden. Verwendet man z. B. 250
Mark Kapital zu 10 Teileinlagen, jede von 25 Mark für
ein Kind ſo werfen dieſelben bei eingetretener
vollſtän=
diger Ergänzung die nämliche Rente ab, als wenn
ur=
ſprünglich 1000 Mark in einer Summebar eingelegt worden
wären, Es kann alſo aus dem anfänglich aufgewandten Kapital
von 250 Mark ein jährliches Einkommen von mindeſtens
36 bis 1500 Mark als höchſter Betrag bezogen werden.
Sieht man auch von der höchſten Rentenſumme ab,
welche der Natur der Sache nach nicht vielen Mitgliedern
einer Jahresgeſellſchaft zugut kommen kann, ſo liegen doch
zwiſchen den beiden äußerſten Grenzen Rentenbeträge,
wie ſie mit einem gleich großen Kapital durch eine andere
Art von Rentenverſicherung oder durch eigene Aufſparung
nicht zu erzielen ſind.
Einige Beiſpiele mögen noch veranſchaulichen, in
welch hohem Maße ſich der auf ſtreng wiſſenſchaftlicher
Grundlage aufgebaute Gedanke, bejahrten Perſonen aus
verhältnismäßig kleinen Kapitalanlagen mit
zunehmen=
dem Alter eine überwiegend höhere Rente, als die des
landläufigen Zinsſußes, zu ſichern, in der Praris
ver=
wirlicht hat.
Für ein Fräulein A. G. aus M. wurden 1844 in
ihrem 22. Lebensjahre 25 fl., im Jahre darauf nochmals
10 fl. und endlich 1866 5 fl., im ganzen alſo nur 68 Mark
75 Pfg. nach heutiger Währung, eingelegt Im Jahre
1869 in den Genuß der Rente getreten, hat die Dame
bis=
her 2457 Mark 10 Pfg. oder im Durchſchnitt 83½ Prozent
der für ſie geleiſteten Barzahlung von der Anſtalt erhalten.
Ende 1912 wird ihr wie im Vorjahre wiederum die
höchſt=
mögliche Rente von 257 Mark 14 Pfg., nämlich 150
Prozent einer damaligen Volkeinkage oder
375 Prozent des eingelegten Rentenkapitals ausgezahlt.
ſicherlich eine höchſt willkommene Beigabe in den heurigen
(23884
Zeiten der Teuerung.
Ein Fräulein, das ſich für ihr Alter eine Rente ſichern
wolle, machte bei der Anſtalt eine Teileinlage in Höhe
von 20 fl. die ſich durch ſpätere Nachzahlungen und durch
die Erbanfälle in ihrer Altersklaſſe almnählich zur
Voll=
einlage ergänzte; im ganzen wurden nach heutiger
Währ=
ung 128 Mark 57 Pfg. eingezahlt. Die Dame, die ſich
ſpäter verheiratete, brachte dadurch ihrem Gatten ein
ſicheres, mit den Jahren ſich vermehrendes,
unver=
äußerliches Einkommen in die Ehe und bezieht zur
Zeit eine jährliche Rente von 256 Mark 99 Pfg. — Ein
treubeſorgter Vater legte im Jahre 1857 für ſeine damals:
bereits 36jährige Tochter den Betrag einer damaligen
Volleinlage (100 fl. — 171 Mark 43 Pfg.) ein, um ihr
ſofort eine Rente zu ſichern. Sie hat in den 53 Jahren
bisher im ganzen 2362 Mark 1 Pfg., im Durchſchnitt pro
Jahr 26 Prozent des urſprünglich für ſie eingezahlten
Kapitals erhalten und bezieht für das Jahr 1912 eine
Rente von 232 Mark 41 Pfg.; fürwahr eine
Lei=
ſtung, wie ſie kaum von einem anderen oder
ähnlichen Inſtitute geboten werden dürfte.
Dieſe Beiſpiele denen noch eine große Anzahl
an=
derer angereiht werden kömte, beweiſen zur Genüge, daß
die Erwartungen die man auf dieſe Einrichtung der
vor=
ſichtig und ſparſamſt verwalteten Anſtalt in Darmſtadt
geſetzt hat, ſich nicht nur vollauf erfüllt haben, ſondern noch
bei weitem übertroffen worden ſind. Mögen daher dieſe
Tatſachen manchem zu ſeinem eigenen Nutzen und zum
weiteren Wohle der gemeinnützigen Anſtalt eine ernſte
Mahnung ſein, die ſich jetzt darbietende Gelegenheit zu
ergreifen, um den Seinigen eine ſeinem Stande und
Ver=
mögen angemeſſene Beihilfe für die Zukunft zu bereiten.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute entſchlief nach ſchwerem Leiden
unſere liebe Schweſter, Schwägerin u. Tante
Fräulein
Eina Glockler.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Sanitätsrat Dr. Markel,
Familie Apotheker Türck.
Darmſtadt, den 11. November 1912.
Die Einäſcherung findet in Offenbach ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend abgelehnt. (23422
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Unſere liebe Mutter, Schwiegermutter und
Großmutter
Anna Margarete Eusling
geb. Schleidt
Witwo des Brauereibesitzers Adam Ensling
iſt heute nachmittag 2¾ Uhr nach langem,
ſchwerem Leiden ſanft verſchieden.
Wir geben allen Verwandten, Freunden
und Bekannten hiervon Kenntnis mit der Bitte
um ſtille Teilnahme.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Einäſcherung in Mainz findet in aller
Stille ſtatt.
(23412
Einſegnung: Dienstag, den 12. November,
nachm. 2½ Uhr, im Trauerhauſe Hölgesſtr. 3.
Kondolenzbeſuche dankend abgelehnt.
Todes=Anzeige.
Heute früh entſchlief nach langem, ſchwerem
Leiden unſere liebe, gute, unvergeßliche Mutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (*11575
Frau
K. Kahrhof Witwe.
Darmſtadt, Wiesbaden,
den 11. November 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet ſtatt: Mittwoch, den
13. November, nachmittags 2½ Uhr, vom
Por=
tale des ſtädtiſchen Friedhofes aus.
Blumenſpenden dankend verbeten.
Todes=Anzeige.
In tiefem Schmerz teilen Verwandten
und Freunden mit, daß unſer heißgeliebter
Gatte und Vater
(23418
Herr
In. Christlan Schmtagalt
Bankbeamter
geſtern nachmittag 2½ Uhr ſanft verſchieden iſt.
Frau Katharine Schmidgall,
Fritz Schmidgall.
Darmſtadt, den 11. November 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
3½ Uhr, vom Sterbehauſe Neckarſtraße Nr. 4
aus, ſtatt; die Einſegnung ¼ Stunde vorher.
Todes=Anzeige.
Samstag, den 9. November, abends 9 Uhr,
verſchied ſanft nach langem, ſchwerem Leiden
unſere gute Mutter, Großmutter u. Schwieger=
(23427
mutter
Frau
Henriette Valentin
geb. Lichtenberger
im 67. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 11. November 1912.
Rückertſtraße 18.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. Ludwig Metzler.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. d. M.,
nachmittags 3¾ Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Todes=Anzeige.
Geſtern vormittag 10½ Uhr entſchlief ſanft
infolge eines Schlaganfalles mein lieber Gatte,
unſer treubeſorgter Vater, Großvater u. Bruder
Herr
Adolf Langheinz
Gütervorsteher.
Gießen, den 11. November 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag
nach=
mittag 4½ Uhr, von dem Portale des
Darm=
ſtädter Friedhofes aus.
(23441
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer unvergeßlichen Mutter
Frau Henriette Arnold
für die liebevolle Pflege der Schweſtern und die
troſtreichen Worte des Herrn Pfarrers Herpel
(B23417
ſagen wir Allen unſeren Dank.
Familie Seelbach,
Familie Schüler.
Dankſagung.
Allen, welche an dem ſchmerzlichen Verluſt
unſeres einzigen lieben Söhnchens und Enkels
teilgenommen, unſeren herzlichſten Dank. (23440
Familie Löding,
Carl Lemmer.
Darmſtadt, den 11. November 1912.
Tieferschüttert zeigen wir an,
dass mein innigstgeliebter Gatte,
unser Sohn, Bruder und Schwager
Zahnarzt
Dr- Berhnardhandsberg
Berlin
im 44. Lebensjahre nach kurzem
Leiden verschieden ist.
Frau Paula Landsberg,
Frau Friederike Landsberg,
Sanitätsrat Dr. Hollaender u. Frau,
geb. Landsberg,
Zahnarzt Fritz Landsberg u. Frau,
Ernst Landsberg.
Berlin, Darmstadt, den 10. Nov. 1912.
Man bittet von Beileidsbesuchen Abstand
zu nehmen.
Die Feuerbestattung findet Mittwoch, den
13. Novbr., nachmittags 3 Uhr, in
Ham-
burg statt.
(23378
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
11—4 und Sonntags von 10—4 Uhr.
Unentgeltliche Beratungsſtelle für
Al=
koholkranke, Wilhelminenſtraße 34.
Sprech=
ſtunden jeden Montag von 3—5 Uhr.
Geſtern entſchlief plötzlich meine lieber
Gatte, unſer guter Vater und Großvater
Johann Georg Feser.
Die trauernden Hinterbliebenen
Familie Feser.
Meſſel, den 10. Nov. 1912.
(*11573
Die Beerdigung findet Dienstag, den 12.
No=
vember, nachmittags ½ 4 Uhr, ſtatt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nördliche Zyklone iſt ſüdoſtwärts gewandert und
liegt heute mit ihrem Kern über der Nordſee. Auf ihrer
Südſeite herrſcht bei uns trübes, regneriſches Wetter;
Niederſchläge fielen verbreitet und oft in großen Mengen.
Die Temperaturen haben ſich nicht weſentlich verändert.
Da das Tief ſeinen Weg weiter verfolgen wird, haben
wir morgen Rückſeitenwetter zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 12.
No=
vember: Wechſelnd bewölkt, Regenſchauer, kühl, ſpäter
Nachlaſſen der Niederſchläge, Aufklaren.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. C), Anfang 7 Uhr:
„Hamlet, Prinz von Dänemark”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Rudolf Herzog=Abend um 8¼ Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz (Vortragsverband).
Zuſammenkunft des Engliſchen Klubs um 8½ Uhr
im „Darmſtädter Hof”
Wahl zur Handelskammer (Gruppe Großhandel)
von 10—12 Uhr Rheinſtraße 9.
Bilder vom Tage. (Auslage: Rheinſtraße 23)7
Dr. Woodrow Wilſon, der neue amerikaniſche Präſident.
Dr. Kaempf; Konteradmiral Trummler, der das
Kom=
mando der nach den türkiſchen Gewäſſern entſandten
deutſchen Schiffe übernahm; die letzte
Verteidigungs=
ſtellung der türkiſchen Armee; die Zitadelle von
Sa=
loniki; verwundete türkiſche Offiziere werden von
Mit=
gliedern der deutſchen Botſchaft in Konſtantinopel
ge=
pflegt.
Verſteigerungslalender.
Mittwoch, 13. November.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der „Ludwigshalle‟.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſes
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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mitgenommen hat, wird dringend
erſucht, ſie wieder zu bringen, da
der Herr jetzt erkannt iſt,
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Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 9.
Eine sehr wichtige Aufgabe
ist es für jeden Geschäftsmann, vor Jahresschluss in seinen Büchern die älteren,
offenstehenden Kontis zu prüfen und sich zu fragen:
Soll ich diese Posten auf Konto dubio buchen oder
noch-
mals in das neue Jahr hinübernehmen?
Wir sagen Nein! Heraus aus den Büchern mit diesen alten
Posten!
Warum wollen Sie denn solche Posten durch Ihre Bücher
schleppen, bis sie tatsächlich uneinbringlich und längst
ver-
jährt sind ?
Am 31. Dezember ds. Js. verjähren die Forderungen aus dem Jahre 1910;
soweit die Forderungen den Gewerbebetrieb des Schuldners betreffen, kommt die
vierjährige Verjährungsfrist in Frage und kommen hier die Posten aus 1908 in
Betracht.
Ueberweisen Sie daher die fällig gewesenen Posten unserer
Inkasso-Abteilung zum Einzug und Sie werden von den Resultaten
angenehm überrascht sein; wir haben schlagende Beweise:
Ueber 20000 Posten mit nahezu 150000 Mark kassierten wir im
Jahre 1910.
Im Jahre 1911 konnten wir zirka
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einkassieren, während wir im lanfenden Jahre diese Summe bereits erheblich
über-
schritten haben.
Diese gewaltigen Beträge haben wir unseren Mitgliedern durch zielbewusstes
Arbeiten gerettet!
Ueberweisen Sie uns Ihre Aussenstände schon jetzt, nicht erst kurz vor
Jahresschluss.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
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Epilog.
Geſprochen bei der Schlußaufführung des Devrientſchen
Lutherfeſtſpiels in Darmſtadt, 10. November 1912, durch
Frau Käthe Enders=Kuhlmann.
Das große Werk iſt löblich nun vollbracht.
Verkündet iſt des Evangeliums Macht
Auf’s neu in Luthers Bild mit ſchlichter Klarheit,
Sein Rieſenkampf um Freiheit, Recht und Wahrheit
Trat klar vor jeden Blick und, hingeriſſen
Von ſeines Worts Gewalt, ward das Gewiſſen
Auf’s neu geweckt in aller Hörer Bruſt.
Erſchüttert ward ſich’s jeder neu bewußt,
Welch herrlich Gut doch der gewalt’ge Mann
Der ganzen Menſchheit todeskühn gewann,
Welch reiches Erbe er bei ſeinem Scheiden
Uns Enkeln hinterließ. — Fürwahr beneiden,
Mein deutſches Volk, darf dich die ganze Welt
Um deinen Luther! — Welcher Siegesheld!
In aller Zeiten Lauf trat gleich wie er
Der Widerſacher unzählbarem Heer
Entgegen ja ſo ganz allein, ſo bloß,
So allen Schutzes, aller Waffen los,
Bis auf das Eine: Gottes reines Wort
Als einz’ge Zuverſicht, als einz’gen Hort?!
— Des Herren Wort, des Heilands lautre Lehre,
Die waren ihm im Kampfe Schild und Wehre,
Und, ganz erfüllt von ſeiner Gottesſendung,
Bracht’ er ſein Wollen kraftvoll zur Vollendung.
Roms Macht zerſtoh vor ihm wie Spren im Wind
Die Welt ward ſehend, die vordem ſo blind,
Ein Geiſtesfrühling brach herein mit Macht,
Ein Morgen ſtrahlte in die Glaubensnacht,
Und, wie von langem, ſchwerem Alp befreit,
Hob froh das Haupt die ganze Chriſtenheit;
Laut grüßten die erleuchteſten der Geiſter
Den „Wittenberger Mönch” als ihren Meiſter,
Und Deutſchlands Volk, es fiel ihm jubelnd zu,
Sein Wort, ſein Beiſpiel zündeten im Nu.
Sahſt ahnungsvoll in dieſem Heldenleben,
So voller Demut und ſo gottergeben,
Und doch ſo mannhaft kühn und krafterfüllt,
Vielleicht du, deutſches Volk, dein eig’nes Bild?
Fürwahr, ſo iſt’s! — Schau’ dir den Gottesmann,
Mein Volk, nur recht mit offnen Augen an.
Dein ganzes Weſen, deine echte Art,
In ihm ſind ſie getreulich offenbart,
Dein eig’ner Kampf, dein Ringen und dein Streben
In ſeinem Streiten klar ſich wiedergeben!
Wie Luther kühn gekämpft zu ſeiner Zeit,
Stehſt heut’ du ſelbſt noch mitten drin im Streit.
Drum laß’ das Bild des teuern Glaubenshelden
Als Beiſpiel ſtets dir und als Anſporn gelten
Und präg’ die Mahnung ſpät’ſten Enkeln ein:
Deutſch ſtets und evangeliſch ſtets zu ſein!
Deutſch, evangeliſch, ſo wie Luther war;
Nicht weichen der Gewalt; vor der Gefahr,
Die her von Menſchen ſtammt, nicht zag erbeben:
Um Recht und Wahrheit ſcheu’n nicht Gut noch Leben;
Kämpfen wie Luther; ſiegen ſo wie er,
Und wär der Gegner Zahl wie Sand am Meer;
Allein auf Gott vertrau’n in Not und Streit:
Treu deutſch und evangeliſch allezeit!
— Das iſt es, was das Feſtſpiel euch wollt’ ſagen,
Mög’ ſeine Lehre tiefe Wurzeln ſchlagen!
Dank allen, die mit Rat und Tat das Spiel
Durchführen halfen zum erwünſchten Ziel!
Dank für die Opferwilligkeit, die Treue,
Die ſelbſtlos ihr bewieſen ſtets! — Es freue
Sich jeder des Erfolgs! — Wie hat den Saal
Der Beiſallſimm durchbrauſt ſo manches Mal
Euch allen iſt der Jübelruf erklungen,
Euch allen galt das Lob von tauſend Zungen! — —
— Verrauſcht ſind nun die weihevollen Tage
Der Jubelfeier. — Reiche Früchte trage
Sie unſerm teuern Evangel’ſchen Bunde!
Wie ward beim Feſt doch aus beredtem Munde
Uns kund ſo manches ernſte, kluge Wort
Und fand in unſerm Herzen ſeinen Ort.
Wie fühlten wir beſtärkt uns im Bekennen,
Nachfolger Luthers freudig uns zu nennen!
Und Luthers Name, Luthers Lehre war
Der Feier Haupt= und Grundton immerdar.
Von allen Gaben aber wohl die beſte,
Die man den Gäſten gab zum Jubelfeſte,
War, — ohne Ueberhebung darf ich’s ſagen, —
Doch unſer Feſtſpiel, drin in dieſen Tagen
Wir alleſamt uns ſtolz vor Stadt und Land
Zu Luthers Lehre wiederum bekannt.
Und heut’, da Luthers Wiegenfeſt begeht,
Mit Dank, wer irgend treu noch zu ihm ſteht,
Heut’, da zum letzten Mal der Vorhang rauſchte
Vor unſerm Spiel, zum letzten Male lauſchte
Die Menge andachtsvoll den hehren Worten,
Draus Luthers Geiſt lebendig neu geworden,
Heut’ laßt, das wohlgelung’ne Werk zu krönen,
Einſtimmen uns mit der Begeiſt’rung Tönen
In das Gelöbnis: „Treulich immerfort
Steh’n wir zu unſers Luther Lehr und Wort!
Wir bleiben treu und ſei’s in Not und Streit,
Treu deutſch und evangeliſch allezeit!
Wir halten feſt an Luthers Lehr
Und unſerm reinen Glauben,
Die laſſen beid’ wir nimmermehr
Durch Lug und Trug uns rauben!
Gen aller Feinde Trutz und Spott
Woll’n kämpfen wir und ſchaffen;
Ein feſte Burg iſt unſer Gott
Ein gute Wehr und Waffen!”
(Orgel. Allgemeiner Chorgeſang: Ein feſte Burg iſt unſet
Gott.)
H. Enders.
aefse
Boonekamp
CEIFET IDEN
Dhokuf
Ichhabe inletzterZeit wiederholtfestgestellt, daßinmeinen Originalflaschenmit gesetzl. geschütztem Bodenbrans 5
andere Boonekamp- bzw. Bitterfabrikate vertrieben werden. Auch haben wiederholt Gastwirte und Restaurateure
solche Fabrikate aus Flaschen verschänkt, die mit meinem, sowohl in seinen einzelnen Teilen, als auch in
seinem Gesamtbilde geschützten Etikett versehen waren. Dies veranlaßt mich zu der Erklärung, daß ich im
Iteresse meiner verehrlichen rechtdenkenden Kundschaft und des konsumierenden Publikums von jetzt ab jede
miß-
bräuchliche Benutzung meiner Original-Faschen und Original-Etiketts strafrechtlich verfolgen werde.
Zugleich mache ich darauf aufmerksam, daß außer anderen Warenzeichen-Eintragungen auch die Warenzeichen
„Underberg” sorie „Underberg-Boonekamp
für mich in die Zeichenrolle des Kaiserlichen Parentamtes eingetragen sind, so daß also unter diesen
Waren-
bezeichnungen nur mein Fabrikat verabreicht bzw. in den Verkehr gebracht werden darf.
Rheinberg (Rheinland)
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Bekanntmachung.
Nachſtehend bringen wir eine von dem Direktorium der
Relchsverſicherungs=
unſtalt für Angeſtellte ausgearbeitete Anleitung, betreffend den Kreis der nach dem
Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte verſicherten Perſonen, zur allgemeinen Kenntnis
und empfehlen den Großh. Bürgermeiſtereien, ſowie den hieſigen Ausgabeſtellen, ſich
mit dem Inhalt vertraut zu machen.
Darmſtadt, am 4. November 1912.
(23410
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Anleitung,
betreffend den Kreis der nach dem Verſicherungsgeſetze für Angeſtellte vom
20. Dezember 1911 verſicherten Perſonen. Vom 20. Juni 19122).
A. Verſicherungspflicht.
1. Einleitung. Das Geſetz nimmt davon Abſtand, den Begriff des Angeſtellten
Zu beſtimmen. Es grenzt den Kreis der Verſicherungspflichtigen dadurch ab daß nach
mnten hin alle der handarbeitenden Bevölkerungsklaſſe angehörenden Perſonen (
Ar=
beiter, Gehilfen, Geſellen, Lehrlinge, Dienſtboten), nach oben hin die Selbſtändigen
von der Verſicherung ausgeſchloſſen werden. Abweichend von der
Reichsverſicherungs=
ordnung erfaßt das Geſetz auch ſolche Angeſtellte, die in einer über das Maß der
Betriebsbeamten und Werkmeiſter hinaus gehobenen Stellung beſchäftigt werden, ins=
Heſondere Perſonen mit einer höheren, mehr künſtleriſchen oder wiſſenſchaftlichen
Tätigkeit, ſowie Angeſtellte in leitender Stellung.
In der Abgrenzung der innerhalb dieſes allgemeinen Rahmens in Betracht
kommenden Perſonengruppen ſchließt ſich das Geſetz in der Hauptſache an die
Reichs=
werſicherungsordnung an (vgl. § 210 Abſ. 3, 4).
Die allgemeinen Bedingungen der Verſicherungspflicht ſind, daß eine zu den im
Geſetze genannten Gruppen gehörende Perſon, die das 16. Lebensjahr vollendet hat
zund nicht berufsunfähig iſt, gegen Entgelt als Angeſtellter beſchäftigt iſt und daß ihr
Jahresverdienſt 5000 Mark nicht überſteigt.
Der Eintritt in die verſicherungspflichtige Beſchäftigung iſt nach Vollendung des
60. Lebensjahres ausgeſchloſſen.
Die Verſicherung kann früheſtens mit dem Inkrafttreten des Geſetzes beginnen.
2. Räumlicher Bereich. Allgemeines. Der Verſicherungszwang ergreift
grundſätzlich alle im Inlande — deutſche Schutzgebiete gelten hierbei als Ausland —
werrichteten Tängkeiten ohne Rückſicht darauf, ob ſie mit einem ausländiſchen Betriebe
zuſammenhängen (z. B. auf Fahrzeugen eines ausländiſchen Schiffahrtsbetriebs
ge=
leiſtet werden), oder ob die im Inlande (z. B. in einer an der Grenze belegenen=
Fabrik) tätige Perſon im Auslande wohnt. Jedoch gelten fremde Kriegsſchiffe oder
unter der Flagge ihres Staatsoberhaupts fahrende ſonſtige Seeſchiffe auch bei ihrem
Aufenthalt in deutſchen Häfen völkerrechtlich nicht als Inland. Da es zweifelhaft ſein
kann, inwieweit ausländiſche Staaten oder Perſonen, die nicht der inländiſchen
Gerichtsbarkeit unterſtehen, für die von ihnen im Inlande beſchäftigten Perſonen die
Pflichten der Arbeitgeber zu erfüllen haben, iſt dem Bundesrat in § 5 die Beſugnis
gegeben worden, den deutſchen Bedienſteten ſolcher Staaten oder Perſonen die
Pflichten der Arbeitgeber aufzuerlegen.
Biedienſtete deutſcher Beamten im Auslande. Da der
Ver=
ſicherungszwang begrifflich an den Grenzen der inländiſchen Staatsgewalt ſeine
Schranke findet, unterliegen im Ausland beſchäftigte Perſonen grundſätzlich der
Ver=
ſicherungspflicht nicht, ohne Unterſchied, ob ſie ſelbſt Inländer oder Ausländer, ob ſie
bei Inländern oder bei Ausländern bedienſtet ſind.
Nach § 3 ſind jedoch Deutſche verſichert, die bei einer amtlichen Vertretung des
Reichs oder eines Bundesſtaats im Ausland oder bei deren Leitern oder Mitgliedern
beſchäftigt ſind. Das Geſetz hat hierbei die Behörden im Auge, die zur Vertretung des
Reichs oder eines Bundesſtaats im völkerrechtlichen Sinne berufen ſind.
Ausſtrahlung eines inländiſchen Betriebs. Eine weitere
Aus=
nahme von dem Grundſatz in Abſ. 2 gilt, wenn eine im Auslande ſtattfindende
Tätig=
keit nach Lage des beſonderen Falles als Teil, Zubehör, Fortſetzung oder Ausſtrahlung
eines inländiſchen Betriebs anzuſehen iſt. Sie iſt dann verſicherungspflichtig. Beiſpiele:
im Auslande belegene Grenzſtation eines inländiſchen Eiſenbahnunternehmens;
Her=
ſtellung von Bauten im Auslande von einem inländiſchen Betrieb aus mit dazu
aus=
geſandten Arbeitskräften. Daß die beſchäftigte Perſon vorher im Inland in demſelben
Betriebe tätig war, iſt nicht erforderlich.
Aehnliches gilt, wenn perſönliche Bedienſtete ihren Arbeitgeber bei einem
vor=
übergehenden Aufenthalt im Auslande begleiten.
In allen dieſen Beziehungen kann der Reichskanzler mit Zuſtimmung des
Bundes=
rats mit auswärtigen Staaten nach Maßgabe des § 362 eine abweichende Regelung
vereinbaren
Seeſchiffahrt. Während die obigen Grundſätze auch auf die
Binnenſchiff=
fahrt Anwendung finden, unterliegt die Seeſchiffahrt einer abweichenden Regelung.
Hier entſcheidet nach § 1 Abſ. 1 Nr. 6 lediglich die Staatszugehörigkeit des Fahrzeugs.
Die deutſchen Seeſchiffe gelten, wo ſie ſich auch befinden, gewiſſermaßen als deutſcher
Boden, die Tätigkeit der Beſatzung (der Inländer wie der Ausländer) als Tätigkeit
im Inkand. Ebenſo iſt umgekehrt die Beſatzung (ſ. darüber Ziffer 18) fremder
See=
fahrzeuge auch in deutſchen Gewäſſern von der Verſicherung frei.
I. Allgemeine Vorausſetzungen der Verſicherungspflicht.
3. Perſönliche Umſtändc. Alter. Der Verſicherungszwang beginnt mit dem
erſten Tage des 17. Lebensjahrs.
Eine Altersgrenze nach oben ſieht das Geſetz in der Geſtalt vor, daß Perſonen,
die das 60. Lebensjahr vollendet haben, in den Kreis der Verſicherungspflichtigen nicht
eintreten können.
Geſchlecht. Familienſtand Keinen Unterſchied machen grundſätzlich
Geſchlecht oder Familienſtand. Das Geſetz findet Anwendung ebenſowohl auf
männ=
liche wie auf weibliche Perſonen, auf Verheiratete wie auf Ledige.
Jedoch begründet die Beſchäftigung eines Ehegatten durch den anderen keine
Verſicherungspflicht (§ 6).
Staatsangehörigkeit. Wird ein Beſchäftigungsverhältnis gemäß
Ziffer 2 durch das Geſetz räumlich erfaßt, ſo iſt es, vorbehaltlich der Vorſchrift in § 362,
ohne Belang, ob der Arbeitgeber oder der Beſchäftigte oder beide deutſcher oder
fremder Staatsangehörigkeit ſind. Namentlich ſind die im Inlande beſchäftigten
Aus=
länder grundſätzlich verſicherungspflichtig, wenn ſie auch demnächſt in das Ausland
zurückzukehren beabſichtigen und daher keine Ausſicht auf Erfüllung der Wartezeit oder
den Bezug der Verſicherungsleiſtungen haben.
4. Erwerbsfähigkeit. Berufsunfähigkeit ſchließt die Verſicherungspflicht aus.
Berufsunfähig iſt der Verſicherte, deſſen Arbeitsfähigkeit infolge körperlicher Gebrechen
oder infolge Schwäche ſeiner körperlichen und geiſtigen Kräfte auf weniger als die
Hälſte der Arbeitsfähigbeit eines körperlich und geiſtig geſunden Verſicherten von
ähn=
licher Ausbildung und gleichwertigen Kenntniſſen und Fähigkeiten herabgeſunken iſt
(§ 25 Abſ. 1 Satz 2). Die Frage nach der Berufsunfähigkeit wird ſich in den
ein=
facheren Fällen einheitlich beantworten laſſen. Wo das nicht zutrifft, iſt ſie in die
beiden Fragen zu zerlegen, wieviel Perſonen gleicher Art zu verdienen imſtande ſein
müßten, um erwerbsfähig zu ſein (Verdienſtgrenze) und ob der Einzelne nach ſeinem
körperlichen und geiſtigen Zuſtande dieſen Betrag durch angemeſſene Tätigkeit noch
erreichen kann (perſönliche Leiſtungsfähigkeit).
Zu den körperlichen Gebrechen im Sinne der angeführten Vorſchriften gehören
auch die Krankheiten.
5. Unſelbſtändigkeit. Allgemeines. Die in § 1 Abſ. 1 bezeichneten
Per=
ſonen ſind nur dann verſicherungspflichtig, wenn ſie als Angeſtellte beſchäftigt werden.
Danach wird tatſächliche Arbeitsleiſtung vorausgeſetzt: jedoch ſteht eine ſtändige
Dienſt=
bereitſchaft, die auch für die Pauſen Unfreiheit mit ſich bringt, der wirklichen Arbeit
gleich. Ferner beſteht das Beſchäftigungsverhältnis während eines Urlaubs fort.
Das „Beſchäftigtwerden” ſetzt ein Verhältnis perſönlicher und wirtſchaftlicher
Abhängigkeit des Beſchäftigten von einem Arbeitgeber voraus. Auf die rechtliche
Erſcheinungsform dieſer Beziehungen kommt es nicht entſcheidend an; ein
Beſchäf=
tigungsverhältnis kann z. B. in die Geſtalt eines Pachtvertrags gekleidet ſein.
Mittelbares Beſchäftigungsverhältnis. Es kommen mittelbare
Beſchäftigungsverhältniſſe vor, bei denen der Beſchäftigte von einem Mittelsmann
angenommen wird, der Erfolg ſeiner Tätigkeit aber einem Dritten zugute kommt und
der Entgelt für ſeine Tätigkeit in der dem Mittelsmanne gewährten Vergütung
ent=
halten iſt. Ein derartiges Beſchäftigungsverhältnis kann zwiſchen dem Arbeitgeber
und dem Mittelsmanne vereinbart ſein. Es iſt aber auch dann anzunehmen, wenn
*) Unter „Geſetz” iſt das Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte vom 20. Dezember
1911, unter Paragraphen ohne nähere Bezeichnung ſind die Paragraphen dieſes
Geſetzes zu verſtehen.
der Beſchäftigſe ohne ausbrüicliche Abrede mit dem Arbeigeber, alber mit deſſen Wiſen
die dem Mittelsmann übertragenen Arbeiten in erheblichem Umfange verrichtet, ſo
beſonders wenn der letztere regelmäßig verhindert iſt, die Arbeiten ſelbſt zu verrichten.
Der Beſchäftigung mit Wiſſen und Willen des Arbeitgebers ſteht es gleich, wenn dieſer
nach Lage der Umſtände annehmen muß, daß der Beſchäftigte zur Ausführung der
ihm übertragenen Aufgaben einer Mithilfe bedarf. Dies kann z. B. bei der Ehefrau
eines Geſchäftsführers zutreffen, die durch ihre Tätigkeit eine fremde Hilfskraft erſetzt.
Beteiligung bei einem Geſamtunternehmen. Ein
Beſchäf=
tigungsverhältnis liegt nicht vor, wenn mehrere Perſonen gemeinſam bei demſelben
Unternehmen mitwirken; z. B. können die Mitglieder einer genoſſenſchaftlich geſtalteten
Muſikkapelle gleichberechtigte Mitunternehmer ſein.
Anderſeits ſchließt die Beteiligung bei einem Geſamtunternehmen nicht aus, daß
der einzelne Beteiligte ein verſicherungspflichtiger Angeſtellter dieſes Unternehmens
iſt. So kann das Direktionsmitglied einer Privatſparkaſſe deren Betriebsbeamter ſein,
obwohl er zugleich Garant iſt; ferner kann das Mitglied einer Molkereigenoſſenſchaft
als ihr Buchhalter, Handlungsgehilfe, oder ein Mitreeder auf einem ſeiner Reederei
gehörigen Schiffe Kapitän ſein.
6. Entgelt. Die Verſicherungspflicht iſt auf Perſonen beſchränkt, die gegen
Entgelt tätig ſind. Zum Entgelt gehören neben Gehalt oder Lohn auch
Gewinn=
anteile, Sach= und andere Bezüge, die der Verſicherte, wenn auch nur
gewohnheits=
mäßig, ſtatt des Gehalts oder Lohnes oder neben ihm von dem Arbeitgeber oder einem
Dritten erhält (§ 2 Abſ. 1).
Es kommt alſo nicht darauf an, worin die Leiſtung beſteht, ſofern ſie nur
Ver=
mögenswert hat. Neben der Hingabe von Geld oder Naturalien kommt namentlich die=
Gewährung von Gelegenheit zu einem lohnenden Nebenerwerb in Betracht. Zum
Entgelt gehören auch Proviſionen. Ferner, ſoweit ſie für den Verſicherten einen
wirt=
ſchaftlichen Vorteil bedeuten, Reiſeſpeſen und Reiſekoſten; dagegen nicht der Teil der
Vergütung, der z. B. den Poſtagenten für Beſchaffung, Heizung und Beleuchtung eines
Dienſtraums gewährt wird und dafür erforderlich iſt.
Zum Entgelt gehören auch ſogenannte Weihnachtsgratifikationen und ähnliche
Leiſtungen, die ohne Vertragszwang in gewiſſer Höhe gegeben zu werden pflegen.
Von den in § 2 erwähnten Arten des Entgelts bezeichnet „Gehalt die auf
längere Zeiträume bemeſſene Vergütung für Dienſtleiſtungen höherer Art, „Lohn” die
auf kürzere Zeiträume oder, nach der Menge der Leiſtung bemeſſene Vergütung für
untergeordnete Leiſtungen. „Gewinnanteil” iſt jeder Anteil am Ertrage der Arbeit,
bei Handlungsgehilfen u. dgl. meiſt nach dem Geſchäftsgewinn eines Jahres bemeſſen,
aber auch die in anderer Weiſe nach dem Ertrage bemeſſene Vergütung (z. B. Erhöhung
der feſten Vergütung bei Verſtärkung des Betriebs). Sachbezüge” umfaßt alles, was
als Gegenſtand menſchlichen Gebrauchs oder Verbrauchs verwendbar oder verwertbar
iſt, alſo nicht nur Wohnung, Kleidung, Nahrungsmittel, Feuerung u. dgl., ſondern auch
z. B. Landnutzung, Biehfutter Ausſaat Erlaubnis zur Einſtellung von Schafen in die
Herde des Dienſtherrn, ſo daß ſie an Futter und Weide teilnehmen, ſowie freie
ärzt=
liche Behandlung.
Die Vorſchrift des § 2 Abſ. 1 bezieht ſich nicht nur auf Sachleiſtungen neben
Geldlohn, ſondern auch auf einen ausſchließlich in Sachbezügen beſtehenden Entgelt.
Für Sachbezüge ſieht Abſ. 2 des § 2 eine Wertfeſtſetzung nach Ortspreiſen vor,
die namentlich für die Anwendbarkeit des § 16 Bedeutung hat.
7. Freier Unterhalt. Nach § 7 des Geſetzes iſt eine Beſchäftigung, für die als
Entgelt nur freier Unterhalt gewährt wird, verſicherungsfrei. Der „freie
Unter=
halt” erfüllt an ſich den Begriff des Entgelts; § 7 nimmt ihm dieſe Eigenſchaft nicht,
begründet vielmehr nur eine Ausnahme hinſichtlich des Eintritts der Verſicherungspflicht.
„Freier Unterhalt” iſt dasjenige Maß von wirtſchaftlichen Gütern, das zur
unmittelbaren Befriedigung der notwendigen Lebensbedürfniſſe des Angeſtellten
er=
forderlich iſt. Hierzu gehören jedoch nicht nur Unterkunſt, Beköſtigung, Kleidung
u. dgl., ſondern auch mancherlei kleinere, je nach dem Alter, dem Geſchlecht und den
Lebensgewohnheiten verſchiedene Leiſtungen.
Im einzelnen iſt folgendes zu bemerken:
Insbeſondere: a) Sachleiſtung, nicht Geldlohn. Grundſätzlich kommen
nach der vorſtehenden Begriffsbeſtimmung nur Sachleiſtungen in Betracht. Wer nur
Geldzahlungen empfängt, mögen ſie auch den unbedingt zum Lebensunterhalt
erforder=
lichen Betrag nicht überſteigen oder nicht einmal erreichen, fällt nicht unter § 7.
Andern=
falls würde zu Unrecht eine Arbeit ſchon deshalb von der Verſicherung frei ſein, weil
ſie gering gelohnt wird. Die Geringfügigkeit der Zahlung kann indes die
Eigen=
ſchaft als Arbeitsentgelt ausſchließen.
Geldaufwendungen des Arbeitgebers, um z. B. den Arbeitnehmer bei einem
Dritten in Koſt zu geben oder einzumieten, machen den Arbeitsentgelt nicht zu einem
Geldlohne. Dies trifft auch dann zu. wenn der Arbeitgeber in jedem Bedarfsfalle dem
Bedienſteten ſelbſt den zur Anſchaffung des erforderlichen Gegenſtandes (z. B. von
Kleidungsſtücken) notwendigen Geldbetrag gibt. Die Vorſchrift des § 7 iſt im
allge=
meinen auch dann anwendbar wenn zwar urſprünglich Geldlohn verabredet war, dieſer
aber demnächſt nicht gezahlt, ſondern auf den tatſächlich gewährten Unterhalt verrechnet
wird. Anderſeits verliert die Vergütung nicht dadurch die Eigenſchaft des Barlohns,
daß ſie dem Beſchäftigten lediglich in Geſtalt des freien Unterhalts zugute kommt.
b) Nebenſächliche Geldleiſtungen. Neben dem vollſtändigen oder
teilweiſen Unterhalte gewährte unerhebliche Barlohnzahlungen (z. B. ſogenanntes
Taſchengeld) die den Empfänger in den Stand ſetzen ſollen, gewiſſe geringfügige
Lebensbedürfniſſe zu befriedigen, haben häufig, auch wenn ſie nicht lediglich freigebige
Zuwendungen und dann überhaupt nicht „Entgelt” ſind, keine ſelbſtändige rechtliche
Bedeutung. Vielmehr nehmen ſie als nebenſächliches Zubehör das Weſen der
Haupt=
leiſtung, nämlich der Unterhaltsgewährung, an. Ob dies zutrifft, läßt ſich nur nach
Lage des einzelnen Falles unter Berückſichtigung der Lebensumſtände der Beteiligten
entſcheiden.
) Art und Maß der Sachleiſtungen. Damit § 7 anwendbar wird,
müſſen die Sachbezüge nach Art und Maß zur Beſtreitung des Unterhalts geeignet und
beſtimmt ſein. Eine Reihe von Sachbezügen ſcheidet ſchon damit aus, daß ſie nicht
zur unmittelbaren Befriedigung der Lebensbedürfniſſe dienen (Landnutzung, Weide,
Geſpannvorhaltung u. dgl.). Aber auch Lebensmittel uſw. brauchen nicht unter den
Begriff des Unterhalts zu fallen. Dies iſt vielmehr nur dann der Fall, wenn die
Lebensmittel nach Umfang und Art des Bedarfs unmittelbar zum Ver= oder Gebrauch,
nicht aber nach vorbeſtimmtem Maße zu beliebiger Verfügung gegeben werden.
8. Löhnung durch Dritte oder an Dritte. Ein Beſchäftigtwerden gegen Entgelt
kann in der Weiſe vorkommen, daß dieſer nicht von dem eigentlichen Arbeitgeber,
ſondern von Dritten gewiſſermaßen für Rechnung des Arbeitgebers hergegeben
wird (val. § 2 Abſ. 1 am Ende), oder daß nicht der Arbeitnehmer, ſondern eine
Mittelsperſon die Vergütung von dem Arbeitgeber empfängt.
Unter dem erſteren Geſichtspunkte ſind die Gebühren, auf die manche Arten von
Angeſtellten anſtatt feſter Beſoldung angewieſen werden, als „Entgelt” im geſetzlichen
Sinne anzuſehen.
Unter den zweiten Geſichtspunkt gehören Fälle, wie der einer Ehefrau, die durch
den Arbeitgeber ihres Ehemannes mit einem Teil der von dieſem übernommenen
Arbeiten ohne geſonderte Bezahlung beſchäftigt wird (vgl. Ziffer 5).
9. Obergrenze des Jahresarbeitsverdienſtes. Der Jahresarbeitsverdienſt des
Beſchäftigten darf 5000 Mark nicht überſteigen, wenn die Verſicherungspflicht
Platz greifen ſoll.
Einkünfte aus anderen Quellen als der Lohnarbeit, z. B. ein Zinseinkommen,
bleiben bei der Berechnung des Jahresarbeitsverdienſtes außer Betracht. Ferner iſt
ab=
zurechnen, was auf die Arbeitsleiſtung einer anderen Perſon, z. B. der Ehefrau, als
Vergütung entfällt.
Zuſammenzurechnen iſt, was dieſelbe Perſon aus verſchiedenen unter das Geſetz
fallenden Stellungen bezieht.
II. Die einzelnen Gruppen der Verſicherungspflichtigen:
10. Angeſtellte in leitender Stellung. Hauptberuf. Angeſtellte in
leiten=
der Stellung ſind Perſonen, die nach der Art ihrer Stellung nicht zu ausführender,
ſondern zu ſelbſtändiger Tätigkeit berufen ſind, alſo z. B. die Betriebsdirektoren in
Induſtrie und Bergbau, die Leiter kaufmänniſcher Btriebe, die Verwalter größerer
Landgüter. Sie ſind verſichert, wenn dieſe Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet.
Das Erfordernis, daß die Beſchäftigung als Angeſtellter den Hauptberuf des
Beſchäftigten bilden müſſe, ſchließt die Anwendung des Geſetzes für vorübergehend
Beſchäftigte, ſowie für ſolche Angeſtellte aus, die ihre Stellung nur nebenamtlich verſehen
(z. B. Gewerbetreibende, die nebenbei die Geſchäfte eines Gemeindeſchreibers, eines
Poſt=
agenten, des Rendanten einer Darlehenskaſſe wahrnehmen). Der Hauptberuf beſtimmt
ſich bei mehreren Erwerbstätigkeiten nach dem Verhältniſſe der auf ſie verwendeten
Arbeitszeit und des dafür gewährten Entgelts. Wenn neben einer hierher gehörigen
Tätigkeit keine andere Erwerbstätigkeit ausgeübt, vielmehr der Lebensunterhalt im
übrigen aus Vermögen beſtritten wird, ſo bildet ſie darum nicht notwendig
den Hauptberuf. Es kommt noch darauf an, ob die Beſchäftigung, ſei es, weik
Nummer 131.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Dienstag, den 12. November 1912.
ſie die Arbeitskraft hauptſächlich in Anſpruch nimmt, ſei es, weil ſie den Beſchäftigten
einem beſtimmten Geſellſchaftskreiſe zuweiſt, für die Lebensſtellung tatſächlich oder nach
ſeiner Anſicht maßgebend iſt; dabei wird auch auf die Höhe und Sicherheit des
Arbeits=
entgelts Wert zu legen ſein. Werden mehrere Tätigkeiten ausgeübt, deren jede den
Beſchäftigten zum Angeſtellten macht, ſo kommt es darauf an, ob die Geſamtheit dieſer
Beſchäftigungen gegenüber der ſonſtigen, nicht verſicherungspflichtigen Tätigkeit den
Hauptberuf bildet.
11. Betriebsbeamte. Das Geſetz faßt Betriebsbeamte, Werkmeiſter und andere
Angeſtellte in gehobener Stellung nach gewiſſer Richtung hin zuſammen.
Der Begriff des Betriebsbeamten erfordert das Vorhandenſein eines
Betriebes und eine gewiſſe Stellung innerhalb dieſes Betriebes.
Ein Betrieb in dieſem Sinne iſt ein Inbegriff fortdauernder wirtſchaftlicher, d. h.
auf Erwerb gerichteter Tätigkeiten. Die Gemeinnützigkeit des Unternehmens ſchließt
den Betriebsbegriff nicht aus. Der Stellung des Betriebsbeamten im Betrieb iſt
eigen=
tümlich ein Zurücktreten der perſönlichen Mitwirkung bei den Herſtellungs= und
Ge=
winnungsvorgängen, eine gewiſſe Beteiligung bei der Leitung, eine Aufſichtsſtellung
gegenüber den nur ausführenden Arbeitern, Geſellen und Gehilfen. Ein
Betriebs=
beamter iſt demnach eine in dem Betriebe mit einer über die Tätigkeit des Arbeiters oder
Gehilfen hinausgehenden, leitenden oder beaufſichtigenden Stellung betraute Perſon.
Die Geſchäfte eines Einzelhaushalts bilden keinen Betrieb auch, nicht die
Bewirt=
ſchaftung eines Haus= oder Ziergartens. Wohl aber kann die Wirtſchaftsführung eines
Penſionats und ähnlicher Anſtalten den Betriebsbegriff erfüllen. Dasſelbe gilt, wenn
mit der Hauswirtſchaft ein gewerbliches Unternehmen oder eine Landwirtſchaft
ver=
bunden iſt.
Um wirtſchaftliche Tätigkeiten handelt es ſich nicht bei der Ausübung
obrigkeit=
licher Befugniſſe. Demgemäß ſind die lediglich bei den ſogenannten regiminellen
Auf=
gaben der Kommunalverwaltung beſchäftigten Perſonen nicht Betriebsbeamte, und
zwar auch dann nicht, wenn ſich ihrer eigentlichen Amtsverwaltung eine wirtſchaftliche
Tätigkeit, z. B. auf dem Gebiete der Land= oder Forſtwirtſchaft oder des Bauweſens,
hinzugeſellt.
Soweit aber der Staat oder die Gemeindeverbände Träger eines beſonderen auf
Erwerb gerichteten Unternehmens ſind, wie bei ſtaatlichen Fabriken Berg= und
Hütten=
werken, einer ſtädtiſchen Brauerei oder Gasanſtalt, einer ſtädtiſchen Sparkaſſe, bei
Gemeindeforſten uſw., iſt auch ein Betrieb im Sinne des Geſetzes gegeben.
Ein Betrieb kommt ferner nicht in Frage bei den Verwaltungen der
Ver=
ſicherungsträger.
Als Betriebsbeamte ſind hiernach anzuſehen, ſoweit ſie nicht Angeſtellte in noch
höherer, insbeſondere in leitender Stellung ſind:
die Gutsverwalter, Gutsinſpektoren und in ähnlicher Stellung Beſchäftigten,
die techniſch gebildeten Betriebsbeamten in Induſtrie, Bergbau, Baugewerbe,
Gärtnerei, Tierzucht, Forſtwirtſchaft, Jagd, Handel und Verkehr, einſchließlich
der Gaſt= und Schankwirtſchaft, z. B. Prokuriſten, Disponenten,
Betriebs=
inſpektoren, Ingenieure, Chemiker und Techniker in Fabriken, Leiter einer zu
einem Bergbaubetriebe gehörigen Muſik= (Berg=) Kapelle, der Koloriſt einer
Kattunfabrik, der Aufſichtsbefugniſſe gegenüber dem Farbkochmeiſter und deſſen
Perſonal, ſowie anderen Arbeitern ausübt, der Kaſſierer einer Volksbank, der
Inſpektor einer Verſicherungsgeſellſchaft.
Betriebsbeamte ſind nur verſicherungspflichtig, wenn dieſe Beſchäftigung ihren
Hauptberuf bildet; vgl. hierüber Ziffer 10.
12. Werkmeiſter. Der Werkmeiſter bildet eine Mittelſtufe zwiſchen dem
Betriebsbeamten und dem Gewerbegehilfen (Vorarbeiter, Arbeiter), in der die
betriebs=
leitende und die auf körperlicher Mitwirkung beruhende Tätigkeit ungefähr von gleicher
Bedeutung ſind. Hierher gehören neben eigentlichen „Werkmeiſtern”, Oberſteiger und
Steiger, die mit einer gewiſſen Selbſtändigkeit ausgeſtatteten Monteure größerer
Bau=
unternehmungen, Zuſchneider in beſonderen Fällen.
Werkmeiſter ſind nur dann verſicherungspflichtig, wenn dieſe Beſchäftigung ihren
Hauptberuf bildet; vgl. hierüber Ziffer 10.
13. Andere Angeſtellte. Die Klaſſe „andere Angeſtellte” iſt zuerſt durch das
In=
validenverſicherungsgeſetz vom 13. Juli 1899 in die Verſicherungsgeſetzgebung eingeführt
worden. Dieſes Geſetz fügte die „ſonſtigen Angeſtellten, deren dienſtliche Beſchäftigung
ihren Hauptberuf bildet”, hinzu, um Ungleichheiten zu beſeitigen, die dadurch erwuchſen,
daß Perſonen in zwar abhängiger, aber doch die der eigentlichen Arbeiter uſw.
über=
ragender Stellung verſicherungsrechtlich verſchieden beurteilt werden mußten, je
nach=
dem, ob ſie einem „Betriebe” (vgl. Ziffer 11) angehörten oder nicht. Die
Geſetzesänder=
ung ſollte hauptſächlich ſolche Perſonen treffen, die innerhalb eines nicht unter die
Bezeichnung „Betriebe” fallenden, aber ähnlich gearteten Inbegriffs von Geſchäften
eine von deſſen Leitung abhängige und durch ſie näher beſtimmte Stellung einnehmen,
gleichwohl nach der Art ihrer Tätigkeit nicht mehr zur Klaſſe der niederen, lediglich
ausführenden Hilfsarbeiter gezählt werden können, andererſeits auch nicht eine höhere,
mehr wiſſenſchaftliche Tätigkeit ausüben. Das hindert aber nicht, den Begriff „andere
Angeſtellte” auch auf Perſonen anzuwenden, die in einem auf Erwerb gerichteten
Betriebe tätig ſind.
Die Reichsverſicherungsordnung bezeichnet dieſe Perſonengruppen als „andere
Angeſtellte in ähnlich gehobener Stellung”.
Das Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte erweitert den Kreis dieſer Perſonen,
in=
dem es auch die in einer höheren Stellung befindlichen Angeſtellten hinzufügt. Danach
können auch Perſonen in einer eigentlich wiſſenſchaftlichen Beſchäftigung hierher gehören,
zumal die Art der Vorbildung keinen Unterſchied begründet. Andererſeits ſchränkt das
Geſetz den Begriff der „anderen Angeſtellten” ein, indem es die Bureauangeſtellten
herausnimmt und beſonders behandelt.
Mit dieſem Vorbehalte gehören hierher hauptſächlich die Angeſtellten mittlerer
Stufe, das wiſſenſchaftlich, techniſch oder kaufmänniſch gebildete Verwaltungs= und
Aufſichtsperſonal in öffentlichen oder privaten Verwaltungen und Geſchäftsbetrieben
jeder Art, ſowie im Haushalte, ſoweit nicht der Begriff des Betriebsbeamten zutrifft
Angeſtellte in einer Stellung, welche ähnlich wie die der Betriebsbeamten und
Werkmeiſter gehoben iſt oder ſie überragt, ſind z. B.:
Chemiker und Techniker in Fabriken, Muſtermaler, Zeichner in
Konſtruktions=
bureaus von Fabriken oder in Architektenbureaus, Lokomotivführer, u. U.
Oberkellner, Küchenchefs.
Fleiſchbeſchauer und Trichinenſchauer, die in Schlachthäuſern angeſtellt oder als
Einzelbeamte tätig ſind, Erheber, Eichmeiſter, Bezirksbauſchätzer, Feuerſchauer
Bezirksbaukontrolleure in Baden, Stadtmiſſionare, Poſtagenten und ihre
Vertreter, Küſter, wenn ſie nicht lediglich niedere Dienſte verrichten, Verwalter
bei gemeinnützigen Stiftungen, Hausväter von Wohltätigkeitsanſtalten oder
Rettungshäuſern, ſoweit ſie nicht als Erzieher anzuſehen ſind, ferner
Privat=
ſekretäre, Kinderfräulein Geſellſchafterinnen, Hausdamen, Repräſentantinnen,
Juſtitiare,
das Verwaltungsperſonal an Bibliotheken, wiſſenſchaftlichen Inſtituten,
wiſſen=
ſchaftlichen und Kunſtſammlungen im Muſik=, Theater= und
Schauſtellungs=
weſen, das Verwaltungs= und Warteperſonal an Krankenanſtalten,
Redakteure und Schriftſteller, ſoweit zur Preſſe gehörig, die Berichterſtatter der
Preſſe und die ſonſtigen Journaliſten; dagegen nicht Berichterſtatter, die
ledig=
lich Nachrichten für Anzeige= und dergl. Blätter ſammeln, ohne daß dabei
ſelbſtändige geiſtige Leiſtungen in Frage kämen.
Zu den Angeſtellten gehören — wie in den Verhandlungen im Reichstage
feſt=
geſtellt wurde — nicht die ſogenannten Oekonomiebaumeiſter (d. ſ. Großknechte, die als
Gehilfen anzuſehen ſind) Handwerksgeſellen, die vorübergehend z. B. nach dem Tode
des Meiſters, einen Handwerksbetrieb leiten; ferner im allgemeinen nicht die Agenten
der Verſicherungsgeſellſchaften. Flieger werden im allgemeinen als Chauffeure, die
einen Motor bedienen, zu betrachten ſein.
Angeſtellte ſind nur dann verſicherungspflichtig, wenn dieſe Beſchäftigung ihren
Hauptberuf bildet; vgl. hierüber Ziffer 10.
14. Bureauangeſtellte. Bureauangeſtellte, ſoweit ſie nicht mit niederen
oder lediglich mechaniſchen Dienſtleiſtungen beſchäftigt werden. Danach ſind die
ledig=
lich mit körperlichen Arbeiten, z. B. mit dem Reinigen der Zimmer oder mit
Boten=
dienſten beſchäftigten Perſonen, von der Verſicherung ausgeſchloſſen. Aber auch die in
einem Burean mit ſchriftlichen Arbeiten beſchäftigten Perſonen ſind nicht ſämtlich
ver=
ſicherungspflichtig. Vielmehr ſind Perſonen, die lediglich abſchreiben, gleichviel ob mit
der Hand oder mit der Maſchine, verſicherungsfrei. Verſichert ſind dagegen Expedienten,
Regiſtratoren, Kalkulatoren, Kaſſenbeamte, Gemeindeſchreiber, Gemeinderechner,
Kirchenrechner, Perſonen, die in Rechtsanwaltsbureaus Schriftſätze anfertigen oder
Koſtenrechnungen aufſtellen, Rechnungsführer und Buchhalter der Gutsverwaltungen,
Stenographen.
Bureauangeſtellte ſind nur dann verſicherungspflichtig, wenn dieſe Beſchäftigung
ihren Hauptberuf bildet; vgl. hierüber Ziffer 10.
15. Handlungsgehilfen, Gehilfen in Apotheken. Handlungsgehilfen ſind
nach § 59 des Handelsgeſetzbuches vom 10. Mai 1897 (Reichs=Geſetzbl. S. 219) Perſonen,
„die in einem Handelsgewerbe zur Leiſtung kaufmänniſcher Dienſte angeſtellt” ſind. Was
als Handelsgewerbe anzuſehen iſt, beſtimmt ſich nach den Vorſchriften der §§ 1 bis 3
des Handelsgeſetzbuches. Zu den Handlungsgehilfen gehören hiernach Verkäufer,
Kaſſierer, Reiſende, Korreſpondenten, Buchhalter; dagegen weder die in
geſindeähn=
licher Stellung beſchäftigten Hilfsperſonen, wie Hausdiener, Ausläufer, Wächter, noch
auich die bei den gewerblich=techniſchen Aufgaben eines Betriebs mitwirkenden Arbeits=
kräfte, wie Geſellen, Fabrikarbeiter, Packer, Rollkutſcher, Koch oder Kellner eines
Gaſt=
wirts, Zuſchneider.
Neben den Handlungsgehilfen führt das Geſetz in § 1 Abſatz 1 Nr. 3 auch die
Gehilfen in Apotheken auf.
16. Bühnen= und Orcheſtermitglieder. Schauſpieler, Artiſten und
Muſiker ſind nach § 1 Abſatz 1 Nr. 4 des Geſetzes verſicherungspflichtig, wenn ſie
Bühnen= oder Orcheſtermitglieder ſind. Ob das der Fall iſt, läßt ſich nur
nach der Lage des einzelnen Falles beſtimmen. Ein Orcheſter kann ſchon beim
Zu=
ſammenwirken von drei oder vier Perſonen gegeben ſein. Vorauszuſetzen iſt, daß ſich
die Mitwirkenden einem Dirigenten oder einem ſonſtigen Unternehmer derart
unter=
ordnen, daß ſie als abhängig, nicht als Mitunternehmer anzuſehen ſind.
Schauſpieler, Artiſten oder Muſiker, die nicht Bühnen= oder Orcheſtermitglieder
ſind, können je nach den Umſtänden ſelbſtändige Unternehmer, insbeſondere
Mitunter=
nehmer (vgl. Ziffer 5), oder Gewerbegehilfen eines Wirtes — und dann
verſicherungs=
frei — oder als „andere Angeſtellte” nach Nr. 2 in Abſatz 1 des § 1
verſicherungs=
pflichtig ſein.
Die in Uebereinſtimmung mit der Ausdrucksweiſe der Reichsverſicherungsordnung
(vgl. § 165 Abſ. 1 Nr. 4, § 1226 Abſ. 1 Nr. 4 daſelbſt) hinzugefügten Worte „ohne
Rückſicht auf den Kunſtwert der Leiſtungen” ſchließen eine Unterſcheidung aus, wie ſie
in der früheren Rechtſprechung der Krankenverſicherung und der Invalidenverſicherung
gemacht wurde und wonach die höhere, mehr künſtleriſche Tätigkeit im Gegenſatz zu der
mehr gewerblichen Betätigung verſicherungsfrei blieb.
17. Lehrer und Erzieher. Die Tätigkeit der Lehrer und Erzieher richtet
ſich auf die geiſtige Entwicklung auf dem Gebiete der höheren und elementaren
Wiſſen=
ſchaften und der ſchönen Künſte, ſowie auf die Bildung des Charakters und des Gemüts.
Im allgemeinen iſt danach die Tätigkeit des Lehrers eine höhere, mehr geiſtige Arbeit,
die ein gewiſſes Maß von Bildung und Kenntniſſen vorausſetzt. Dahin gehört auch
die Unterweiſung in körperlichen Uebungen und Fertigkeiten, ſoweit ſie dem
Erziehungs=
zwecke dient.
Zur Lehrtätigkeit in dieſem Sinne gehört dagegen nicht der vom
Erziehungs=
zwecke losgelöſte und überwiegend nach gewerblichen Geſichtspunkten betriebene
Unter=
richt in körperlichen und mechaniſchen Fertigkeiten, wie er in Reit= und
Schwimm=
anſtalten, Fahrradinſtituten, von Fecht= oder Tanzlehrern oder Schneiderinnen erteilt
wird. Die von ſolchen Inſtituten oder Unternehmern angeſtellten Reit= uſw. Lehrer
ſind nicht Lehrer im Sinne des § 1 Abſatz 1 Nr. 5, ſondern Gewerbegehilfen. In
beſon=
deren Fällen können ſie „andere Angeſtellte” im Sinne der Nr. 2 ſein.
Für die Beurteilung, ob jemand Lehrer iſt, macht es keinen Unterſchied, ob er
Erwachſene oder Unerwachſene unterrichtet, ob er Lehrgegenſtände der allgemeinen
Bildung oder der Fachbildung behandelt (Lehrer an einer gewerblichen
Fortbildungs=
ſchule, an einer Handelsſchule, Baugewerkſchule, Ackerbauſchule, an einem
Militärpäda=
gogium, Technikum uſw.).
Der Verſicherungszwang ergreift aber nur Lehrer und Erzieher in abhängiger
Stellung, wie angeſtellte Lehrer an öffentlichen oder privaten Schulen oder Anſtalten
und Hauslehrer; ferner ſolche Perſonen, die aus dem Stundengeben bei wechſelnden
Auftraggebern ein Gewerbe machen (ſelbſtändige Muſiklehrer, Sprachlehrer uſw.), und
zwar auch, ſoweit ſie im eigenen Hauſe unterrichten. Dagegen nicht Lehrer oder Erzieher,
die Inhaber einer Lehranſtalt ſind.
Es ſind verſichert:
18. Schiffsbeſatzung. Aus der Schiffsbeſatzung deutſcher Seefahrzeuge
und aus der Beſatzung von Fahrzeugen der Binnenſchiffahrt Kapitäne, Offiziere des
Decks= und Maſchinendienſtes, Verwalter und Verwaltungsaſſiſtenten, ſowie die in
einer ähnlich gehobenen oder höheren Stellung befindlichen Angeſtellten ohne Rückſicht
auf ihre Vrrbildung, ſämtlich, wenn dieſe Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet (§ 1
Abſatz 1 Nr. 6).
Als deutſches Seefahrzeug gilt jedes Fahrzeug, das unter deutſcher Flagge fährt
und ausſchließlich oder vorzugsweiſe zur Seefahrt benutzt wird. Vgl. hierzu das Geſetz,
22. Juni 1899 (Reichs=Geſetzbl. S. 319)
betreffend das Flaggenrecht der Kauffahrteiſchiffe vom 29 Mai 1901 (Reichs=Geſetzbl. S. 184)
Ueber die Frage, ob eine Beſchäftigung den Hauptberuf bildet, vgl. Ziffer 10.
19. Selbſtändige Perſonen. Selbſtändige Perſonen ſind nach dem
Geſetze nicht verſicherungspflichtig. Nach§ 4 kann aber der Bundesrat allgemein die
Verſicherungspflicht auf ſolche Perſonen erſtrecken, welche eine ähnliche Tätigkeit wie
die in § 1 genannten auf eigene Rechnung ausüben, ohne in ihrem Betriebe Angeſtellte
zu beſchäftigen. Der Bundesrat hat von dieſer Ermächtigung bisher noch keinen
Ge=
brauch gemacht.
Wegen der freiwilligen Verſicherung der Unternehmer vgl. Ziffer 21.
III. Ausnahmen von der Verſicherungs= oder Beitragspflicht.
20. Ausnahmen von der Verſicherungspflicht. a) Allgemeines. Die §§ 8
bis 14 regeln eine Reihe von Ausnahmen von der Verſicherungspflicht. Sie gehen
davon aus, daß die Verſicherung entbehrlich iſt für Perſonen, die bereits auf anderem
Wege eine ausreichende Fürforge erhalten oder die wegen des Zweckes oder der Art
ihrer Beſchäftigung oder wegen ihres vorgeſchrittenen Lebensalters vorausſichtlich nicht
zu einer anſpruchreifen Anwartſchaft gelangen werden.
In dieſen Fällen tritt die Ausnahme von der Verſicherungspflicht teils
unmittel=
bar kraft Geſetzes ein beim Vorliegen der geſetzlichen Vorausſetzungen, teils wird ſie
auf Antrag des Arbeitgebers durch den Bundesrat oder auf Antrag des Verſicherten
durch den Rentenausſchuß ausgeſprochen.
b) Freiheit kraft Geſetzes. a) Nach § 8 beſtimmt der Bundesrat,
wie=
weit vorübergehende Dienſtleiſtungen verſicherungspflichtig ſind. Eine ſolche
Beſtim=
mung iſt noch nicht ergangen.
b) Weiter ſchreibt § 9 folgendes vor:
„Verſicherungsfrei ſind die in Betrieben oder im Dienſte des Reiches, eines
Bundesſtaates, eines Gemeindeverbandes, einer Gemeinde oder eines Trägers der
reichsgeſetzlichen Arbeiter= und Angeſtelltenverſicherung Beſchäftigten, wenn ihnen
An=
wartſchaft auf Ruhegeld und Hinterbliebenenrente im Mindeſtbetrage nach den Sätzen
einer vom Bundesrat feſtzuſetzenden Gehaltsklaſſe (§ 16) gewährleiſtet iſt; dabei iſt das
Durchſchnittseinkommen der betreffenden Beamtenklaſſen zu berückſichtigen.
Das gleiche gilt für die Geiſtlichen der als öffentlich=rechtliche Korporationen
an=
erkannten Religionsgeſellſchaften, ſowie für Lehrer und Erzieher an öffentlichen Schulen
oder Anſtalten.
Ob eine Anwartſchaft als gewährleiſtet anzuſehen iſt, entſcheidet für die
Beſchäf=
tigten in Betrieben oder im Dienſte des Reiches oder eines vom Reiche beaufſichtigten
Trägers der reichsgeſetzlichen Arbeiter= und Angeſtelltenſicherung der Reichskanzler; im
übrigen entſcheidet die oberſte Verwaltungsbehörde desjenigen Bundesſtaates, in deſſen
Betrieben oder Dienſt die Beſchäftigung ſtattfindet oder in deſſen Gebiete der
Gemeinde=
verband oder die Gemeinde liegt oder der Träger der reichsgeſetzlichen
Arbeiterver=
ſicherung ſeinen Sitz hat. In den Fällen des Abſ. 2 entſcheidet die oberſte
Verwaltungs=
behörde desjenigen Bundesſtaates, in deſſen Gebiete die Korporation oder die
öffent=
liche Schule oder Anſtalt ihren Sitz hat.”
Als Gemeindeverbände und Gemeinden kommen nur die politiſchen Verbände
und Gemeinden in Betracht. Welche Verbände als Gemeindeverbände zu gelten haben,
beſtimmt die oberſte Verwaltungsbehörde (§ 321 Abſatz 1 Nr. 1).
Iſt bezüglich eines Verbandes keine Entſcheidung der oberſten
Verwaltungs=
behörde ergangen, ſo entſcheiden die rechtſprechenden Behörden.
Für die Abgrenzung der Begriffe des Ruhegeldes und der gewährleiſteten
An=
wartſchaft wird die Rechtſprechung auf dem Gebiete der Invalidenverſicherung als
Anhalt dienen können.
e) Nach § 10 ſind verſicherungsfrei:
1. Beamte des Reiches, der Bundesſtaaten, der Gemeindeverbände und der
Gemeinden, Geiſtliche der als öffentlich=rechtliche Korporationen
anerkann=
ten Religionsgeſellſchaften, Lehrer und Erzieher an öffentlichen Schulen
oder Anſtalten, ſolange ſie lediglich für ihren Beruf ausgebildet werden,
ſowie die im Reichs= oder Staatsdienſte vorläufig beſchäftigten Beamten
und vorläufig beſchäftigten Geiſtlichen der als öffentlich=rechtliche
Korpo=
rationen anerkannten Religionsgeſellſchaften;
2. Angeſtellte in Eiſenbahn= Poſt= und Telegraphenbetrieben des Reichs oder
der Bundesſtaaten, die Ausſicht auf Uebernahme in das Beamtenverhältnis
und Anwartſchaft auf eine ausreichende Invaliden= und Hinterbliebenen=
Fürſorge haben;
3. Perſonen des Soldatenſtandes die eine der in § 1 bezeichneten Tätigkeiten
im Dienſte oder während der Vorbereitung zu einer bürgerlichen
Beſchäftig=
ung ausüben, auf die § 9 anzuwenden iſt:
4. Perſonen, die während der wiſſenſchaftlichen Ausbildung für ihren
zukünf=
tigen Beruf gegen Entgelt unterrichten;
5. Aerzte, Zahnärzte und Tierärzte in ihrer beruflichen Tätigkeit.
Ob die Vorausſetzungen der Nrn. 1, 2 vorliegen, entſcheiden die nach § 9 Abſ. 3
zuſtändigen Stellen.
Die Vorſchrift in Abſ. 1 Nr. 4 trifft z. B. zu auf Hilfslehrer, die in der Zeit der
Vorbereitung auf die zweite Lehrerprüfung an Volksſchulen unterrichten, und auf
aus=
ländiſche Lehrer, die in der Heimat die erforderlichen Prüfungen teilweiſe abgelegt
haben und in Deutſchland, wo ſie die deutſche Sprache erlernen wollen, an einer
Privatſchule unterrichten; dagegen nicht auf Lehrer, die zwiſchen der Ablegung der
Prüfung und ihrer Verwendung im öffentlichen Schuldienſt an einer Privatanſtalt
unterrichten, noch auf franzöſiſche Lehramtsaſſiſtenten an einer deutſchen höheren Schule,
Nummer 131.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Dienstag, den 12. November 1912.
c) Befreiung und Antrag. d) § 11 ſchreibt folgendes vor:
„Auf ſeinen Antrag wird von der Verſicherungspflicht befreit,
wem von dem Reiche, einem Bundesſtaat, einem Gemeindeverband, einer
Gemeinde oder einem Verſicherungsträger der reichsgeſetzlichen
Arbeiter=
verſicherung, oder
wem auf Grund früherer Beſchäftigung als Lehrer oder Erzieher an
öffent=
lichen Schulen oder Anſtalten
Ruhegeld, Wartegeld oder ähnliche Bezüge im Mindeſtbetrage nach den Sätzen der
Gehaltsklaſſe A bewilligt ſind und daneben Anwartſchaft auf Hinterbliebenenfürſorge
(§ 9) gewährleiſtet iſt.”
Ueber den Antrag entſcheidet der Rentenausſchuß (§ 98).
Das Nähere hierüber, ſowie über den Widerruf der Befreiung und den Verzicht
auf ſie, regeln die §§ 12, 13.
e) Für die Uebergangszeit gilt folgendes:
Angeſtellte, die beim Inkrafttreten des Geſetzes das 55. Lebensjahr bereits
vollendet haben, werden auf ihren Antrag von der Verſicherungspflicht befreit, wenn
ihnen die Abkürzung der Wartezeit nicht geſtattet wird oder aus einem anderen Grunde
unmöglich iſt (§ 397).
k) § 14 beſtimmt folgendes:
„Der Bundesrat kann auf Antrag des Arbeitgebers beſtimmen, wieweit § 9,
§ 10 Nr. 1, 2, §§ 11 bis 13 gelten für
1. die in Betrieben oder im Dienſte anderer öffentlicher Verbände oder von
Körperſchaften oder von Eiſenbahnen des öffentlichen Verkehrs oder als
Lehrer und Erzieher an nicht öffentlichen Schulen oder Anſtalten
Beſchäf=
tigte, wenn ihnen mindeſtens die im § 9 bezeichneten Anwartſchaften
gewähr=
leiſtet ſind oder ſie lediglich für ihren Beruf ausgebildet werden,
2. Perſonen, denen auf Grund früherer Beſchäftigung bei ſolchen Verbänden
oder Körperſchaften oder Eiſenbahnen, Schulen oder Anſtalten Ruhegeld,
Wartegeld oder ähnliche Bezüge im Mindeſtbetrage nach den Sätzen der vom
Bundesrate feſtgeſetzten Gehaltsklaſſe (§ 9) bewilligt ſind und daneben eine
Anwartſchaft auf Hinterbliebenenfürſorge (§ 9) gewährleiſtet iſt,
3. Beamte und Bedienſtete der landesherrlichen Hof=, Domanial=, Kameral=,
Forſt= und ähnlichen Verwaltungen, der Herzoglich Braunſchweigiſchen
Land=
ſchaft, der Fürſtlich Hohenzollernſchen Fideikommißverwaltung und der
ſtandesherrlichen Verwaltungen, ſowie Angeſtellte in Betrieben, für die eine
beſondere Invaliden= und Hinterbliebenenverſorgung bereits durch
reichs=
oder landesrechtliche Vorſchriften geregelt iſt”
g) Befreiung des Angeſtellten von der Beitragsleiſtung.
Angeſtellte, für die vor dem 5. Dezember 1911 bei öffentlichen oder privaten
Lebensverſicherungsunternehmungen (§ 1 des Geſetzes über die privaten
Verſicherungs=
unternehmungen vom 12. Mai 1901 — Reichs=Geſetzbl. S. 139 —) ein
Verſicherungs=
vertrag geſchloſſen iſt, können auf ihren Antrag von der Beitragsleiſtung befreit
werden, wenn der Jahresbetrag der Beiträge für dieſe Verſicherungen beim
Inkraft=
treten dieſes Geſetzes mindeſtens den ihren Gehaltsverhältniſſen zur Zeit des Antrags
entſprechenden Beiträgen gleichkommt, die ſie nach dieſem Geſetze zu tragen hätten.
Das Gleiche gilt für Angeſtellte, die beim Eintreten in die verſicherungspflichtige
Beſchäftigung das 30. Lebensjahr überſchritten haben und ſeit mindeſtens drei Jahren
in einer dem erſten Abſatz entſprechenden Weiſe verſichert ſind (§ 390).
Der Antrag auf Befreiung von der Beitragsleiſtung iſt in der erſten
Aufnahme=
karte (§ 188) zu ſtellen. Mit dem Antrag iſt der Verſicherungsſchein (
Aufnahme=
ſchein u. dgl.) vorzulegen. Die Befreiung iſt in der Aufnahme= und Verſicherungskarte
zu beſcheinigen, Streit über die Befreiung wird nach § 210 entſchieden (§ 391).
B. Freiwillige Verſicherung.
21. Freiwillige Verſicherung. I. Die Selbſtverſicherung kennt das Geſetz nur in
den Fällen des § 394. Dort iſt folgendes beſtimmt:
„Im erſten Jahre nach dem Inkrafttreten dieſes Geſetzes hat die
Reichsver=
ſicherungsanſtalt auf Antrag Angeſtellten mit einem Jahresarbeitsverdienſte von
fünf=
tauſend bis unter zehntauſend Mark zu geſtatten, ſich nach den Vorſchriften dieſes
Geſetzes über die freiwillige Verſicherung ſelbſt zu verſichern, wenn ſie den Nachweis
führen, daß ſie in den letzten vier Kalenderjahren vor dem Inkrafttreten des Geſetzes
eine nach dieſem Geſetz ohne Rückſicht auf das Jahreseinkommen verſicherungspflichtige
Beſchäftigung von mindeſtens dreißig Kalendermonaten ausgeübt haben.
Dasſelbe Recht ſteht Perſonen zu, die in ihrem Betriebe regelmäßig höchſtens
drei verſicherungspflichtige Perſonen beſchäftigen, vorausgeſetzt, daß ſie in mindeſtens
30 Kalendermonaten eine den Beſtimmungen des § 1 entſprechende Beſchäftigung
ausgeübt haben.
Die im § 51 bezeichneten Zeiten ſind der verſicherungspflichtigen Beſchäftigung
gleich zu achten.”
II. Ueber die freiwillige Weiterverſicherung ſchreibt § 15 folgendes vor:
„Wer aus einer verſicherungspflichtigen Beſchäftigung ausſcheidet und mindeſtens
ſechs Beitragsmonate auf Grund der Verſicherungspflicht zurückgelegt hat, kann die
Verſicherung freiwillig fortſetzen. Hat er 120 Beitragsmonate zurückgelegt, ſo kand er
ſich die bis dahin erworbene Anwartſchaft durch Zahlung einer Anerkennungsgebühr
(§ 172 Abſ. 2) erhalten.
Unter den gleichen Vorausſetzungen kann die Verſicherung auch während des
Aufenthalts des Verſicherten im Auslande freiwillig fortgeſetzt oder aufrecht
erhalten=
werden.”
Eine freiwillige Verſicherung iſt höchſtens in derjenigen Gehaltsklaſſe zuläſſig, die
dem Durchſchnitte der letzten ſechs Pflichtbeiträge entſpricht oder am nächſten
kommt (§ 18).
III. Ueber die freiwillige Höherverſicherung beſtimmt § 19 folgendes:
„Der Verſicherte kann bis zum vollendeten 25. Lebensjahr in eine höhere
Gehalts=
klaſſe, als der Höhe ſeines Jahresarbeitsverdienſtes entſpricht, übertreten.
Ein Verſicherter, der in eine verſicherungspflichtige Beſchäftigung mit geringerem
Entgelt, als ſeiner bisherigen Gehaltsklaſſe entſpricht, eintritt, kann in ſeiner
bis=
herigen Gehaltsklaſſe bleiben, falls er mindeſtens ſechs Beitragsmonate in der höheren
Gehaltsklaſſe auf Grund der Verſicherungspflicht zurückgelegt hat.
Der Arbeitgeber iſt nur dann zum höheren Beitrage verpflichtet, wenn dies
vereinbart worden iſt.”
Berlin=Wilmersdorf, den 20. Juni 1912.
Direktorium der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte.
Koch.
Dem Valentin Heß in Eberſtadt wurde die jederzeit widerrufliche
Ermäch=
tigung zur Ausbildung von Kraftwagenführern erteilt.
(23385
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Nach unſerer Verfügung vom 13. Dezember 1897 (Tagblatt Nr. 295) ſind ſ. Zt.
ſämtliche Gemeinden des Großherzogtums der Vereinbarung beigetreten, nach der die
bſendenden Behörden in allen Fällen die Korreſpondenz zu frankieren haben.
In letzter Zeit iſt nun darüber geklagt worden, daß das Abkommen
insbeſon=
dere von den Bürgermeiſtereien der Landgemeinden nicht immer befolgt werde.
Wir bringen deshalb die fragliche Portovereinbarung in Erinnerung mit dem
eſonderen Hinweis darauf, daß ſich dieſe Portovereinbarung ſelbſtverſtändlich auf
alle Gemeindebehörden, insbeſondere auch auf die Stadt= und Gemeindekaſſen erſtreckt,
Darmſtadt, den 8. November 1912.
(23409
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Herſtellung von Hausanſchlüſſen.
Um Straßen= und Fußſteig=Aufbrüche und die, beſonders bei
Froſt= und Regenwetter damit verbundenen Unzuträglichkeiten,
Be=
läſtigungen und Gefahren für das Publikum im bevorſtehenden
Winter zu vermeiden, fordern wir alle Hausbeſitzer, die Kanal=,
Waſſer=
oder Gasanſchlüſſe herzuſtellen beabſichtigen, hiermit auf, baldigſt und
längſtens bis zum 10. kommenden Monats bezügliche Anträge bei
den betreffenden Verwaltungen zu ſtellen, damit dieſe Anſchlüſſe noch
vor eintretendem Froſt ausgeführt werden können.
Bei Froſtwetter dürfen keinerlei derartige Arbeiten in Angrift
genommen werden, ſofern nicht genügende Gründe die alsbaldige
Herſtellung erfordern.
Auch für die im ſtädtiſchen Intereſſe vorzunehmenden Arbeiten
wird nach dieſem Grundſatz verfahren werden, nur einige
unter=
geordnete Herſtellungen werden zur Beſchäftigung arbeitsloſer Leute
zur Ausführung gelangen müſſen.
Die betreffenden Arbeiten finden jedoch in weniger
verkehrs=
reichen Straßen ſtatt.
(23093dis
Darmſtadt, den 6. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V. Ekert.
Verhütung von Feuersgefahr.
Nach § 368 des Reichsſtrafgeſetzes wird derjenige mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft, der es
unterläßt dafür zu ſorgen, daß die Feuerſtätten in ſeinem Hauſe in
baulichem und brandſicherem Zuſtande unterhalten, oder daß die
Schornſteine zur rechten Zeit gereinigt werden. Im Falle der
Ent=
ſtehung eines Brandes kann auf Gefängnisſtrafe erkannt werden.
Ich ſehe mich veranlaßt, die Hausbeſitzer auf dieſe Beſtimmungen
um deswillen beſonders hinzuweiſen, weil wiederholt Brände dadurch
entſtanden ſind, daß bei dem Verſetzeu von Oefen und Herden in
andere Räume die dabei außer Benutzung gekommenen
Rauchrohr=
öffnungen der Schornſteine entweder gar nicht oder nicht mit
feuer=
ſicherem Material, ſogar mit leicht entzündlichem Material (Papier,
Lumpen und dergl.), verſchloſſen worden ſind.
(23408a
Darmſtadt, 7. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.
Veräußerung eines Bullen.
Die Gemeinde Griesheim beabſichtigt, einen zur ferneren Zucht
ungeeigneten, gut gehaltenen Bullen im Wege öffentlichen Angebots
zu veraußern. Angebote auf Lebendgewicht ſind bis
Freitag, den 15. ds. Mts., vormittags 11 Uhr,
bei der unterzeichneten Stelle ſchriftlich einzureichen, woſelbſt die Be=
(23420
dingungen offen liegen.
Griesheim, am 11. November 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Griesheim.
Kunz.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, 13. November 1912, vormittags 11 Uhr
werden im Pfandlokal Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration „Zur
Roſenhöhe ) dahier verſchiedene Möbel, als:
Vertikos, Kleiderſchränke, Diwans, Spiegel, Regulateure
Trumeauxſpiegel, 1 Cauſeuſe und 4 gepolſterte Stühle,
Schreibtiſche, Spiegelſchrank, Kommoden, 1
Porzellan=
ſchrank, 1 Pianino, 1 Tafelklavier, ferner 2 Kaſſenſchränke
Ladenregale mit Schubfächer, 1 Nähmaſchine, Kokosläufer,
Kokosteppiche, Kokosmatten, Silber, 1 Grammophon und
im Anſchluß hieran an Ort und Stelle: 1
Lichtdruck=
maſchine, 1 Kaſſenſchrank und 1 photogr. Schwingſtativ=
(23428
Kamera
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Georgenſtraße 11.
En unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
einge=
tragen hinſichtlich der Firma:
Brauereiverein Darmſtadt,
Geſellſchaft mit
beſchränk=
ter Haftung, Darmſtadt.
Durch Beſchluß der Geſellſchafter
vom 25. September 1912 iſt die
Geſellſchaft aufgelöſt. (23383
Friedrich Sieger iſt als
Ge=
ſchäftsführer ausgeſchieden.
Rechts=
anwalt Joſeph Carnier in
Darm=
ſtadt iſt als Liquidator beſtellt.
Darmſtadt, 6. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
a teilung A, wurden heute
fol=
gende Einträge vollzogen:
Hinſichtlich der Firmen:
1. Georg Graeff, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Kürſchner Georg Graeff in
Darmſtadt übergegangen.
2. Valentin Schropp, Darm=
(23382
ſtadt
Die Firma iſt erloſchen.
Darmſtadt, 6. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 13. November 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle” (
Ober=
gaſſe) zwangsweiſe, öffentlich, meiſtbietend gegen Barzahlung:
1 Diwan, 1 Sofatiſch, 1 Trumeau mit Spiegel, 1 Vertiko,
1 Büfett, 6 Bände Meyers Lexikon u. a. m.;
ferner hieran anſchließend auf freiwilligen Antrag:
1 Schrank, 1 Kommode, 1 runden Tiſch, 1 Spiegel.
Damſtadt, den 11. November 1912.
(23432
Kapp, Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Friedrichſtraße 24, I.
Die Rechnung
der evangeliſchen Paulusgemeinde für 1911
liegt 8 Tage lang auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur
Einſicht offen.
(23423
Darmſtadt, den 11. November 1912.
Der Kirchenvorſtand:
Rückert.
Gehrock=, Frack=, Smoting=
An=
züge, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (18320a
Gandwaſcherei u. Glanzbügelei
Frau Winter, Heidelbergerſtr. 40,
1. St. Poſtk. gen. (*11587
Bekanntmachung.
Auf Antrag der Erben der
Martin Darmſtädter Eheleute
da=
hier ſollen die denſelben im
Grund=
buch der Gemarkung Beſſungen
zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 395/10 274 Hofreite, das
Win=
gertsfeld im
Gäßchen (
Kies=
bergſtraße Nr. 9),
I 373//10 86 Grabgarten
Sand=
ſtraße (
Kies=
bergſtraße),
Montag, 18. November 1912,
vormittags 11 Uhr,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, freiwillig zum
drit=
en= und letztenmal verſteigert
werden.
Darmſtadt, 6. November 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VII23125
Zichung:15. November 1912
Darmstädter
Sehloßfreiheit-
Geld-Lotterie
3329 Geldgewinne im Betrage v. M. 2
San
1 Hauptgewinn
2 Hauptgewinn
Der frühere Lokvmotivſchuppen
der Heſſiſchen Ludwigsbahn
nebſt 2 Anbauten, ſowie der frühere
Lokomotivſchuppen der Main=
Neckar=Bahn, auf den alten
Bahn=
höfen Darmſtadt, ſollen auf
Ab=
bruch verkauft werden.
Angebotsunterlagen können
ſo lange der Vorrat reicht — gegen
porto= und beſtellgeldfreie
Einſen=
dung von 50 Pfg. von der
unter=
zeichneten Dienſtſtelle bezogen
(J23392
verden.
Eröffnung der Angebote am
22. November ds. Js., vormittags
0 Uhr, im Bureau der
Bauab=
teilung (nordöſtlicher Flügel des
früheren Main=Neckar=Bahnhofes.)
Großherzogliche Eiſenbahn=
Bauabteilung Darmſtadt.
(22176a
Speiſekartoffel, per Zentner
2 Mk. 75 Pfg.
gelbſt. Induſtrie
Kiesſtr. 14
Porto u. Liste
Lose 3 1 Mk., 25 Pfg. estt
Zu haben bei den König
reussisc
Lotterie-Einnehmern u. in
en Lose
verkaufsstellen oder direkt durch:
O. Petrenz, Darmstadt,
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§ 13 g. d. Exp. (*11461oi
Ich kaufe
getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets
kon=
kurrenzl. Preiſe. Der erſte Verkauf
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2il
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Roman aus Maſuren von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
10)
Doch da waren ſie auch ſchon vor dem Hotel
Continen=
tal angekommen.
Tag auch, Herrſchaften, hab Euch ſchon erwartet!
Aus einem bequemen Seſſel im Veſtibül erhob ſich Herr
von Sollenſtern; ſein dickes Geſicht glänzte. Alſo nun
nen Kriegsplan! Wo gehen wir jetzt hin? — Gunildchen,
machen Sie einen Vorſchlag!
Es iſt mir wirklich ganz gleich.
Ich habs — Ihr junges Volk! Veſpern wir bei
Borchardt ein bißchen Kaviar oder ſonſt was Schönes
und trinken wir ein Pullchen Sekt dazu!
Die Jungens ſtrahlten und ſtießen ſich mit den
Ell=
bogen an.
Ja, Onkel, das wäre fein!
Schönchen — machen wir!
Und der alte Sollenſtern hatte eine heilloſe Freude
über den Appetit von Egbert und Sigismund
Gunild war ziemlich ſtill. Als aber ihre Brüder
einen ſchier unſtillbaren Hunger entwickelten, fing ſie an
mahnen. Ich dächte, nun wärs es vorläufig genug!
Nee, nee, Jungens, laßt Euch nicht ſtören! Eſſen und
Trinken hält Leib und Seele zuſammen — nur beſchwipſt
Euch nicht!
Sie bekamen rote Backen und ließen ſichs weiter
ſchmecken.
Gunildchen, Sie ſollten auch mal feſte zulangen. Wir
Oſtpreußen ſind nicht zimperlich, uns freuts, wenn unſere
Gäſte ordentlich futtern!
Eigentlich war er ärgerlich über die Tochter ſeines
Freundes. Das hübſche Mädel ſaß ſteif wie eine Latte
da, nippte einmal am Sektkelch und aß faſt gar nichts.
Ich danke wirklich, Herr von Sollenſtern!
Und vor ein paar Jahren haben Sie Bonbonchens
gelutſcht, daß es nur ſo eine Freude war!
Man wird auch älter.
Natürlich, Gunilchen, wird man. Aber die Freude
am Leben ſoll man ſich nicht nehmen laſſen! Unter dem
Salonſchliff darf der Menſch nicht verloren gehen! Wenn
ich denken müßte, Sie würden nichts anderes, wie ſo’n
Modepüppchen, ſollte mirs wahrhaftig bitter leid tun!
Gott ſeis geklagt, Wirklichkeit und Schein verwiſcht ſich
in unſerem gediegenen Preußen immer mehr. Unſere
maſuriſche Ecke iſt zu meiner Freude noch ziemlich von
ſolcen Albernheiten verſchont geblieben. Wir haben
unſere ehrliche, mitunter etwas derbe Haut behalten —
dafür ſind wir zuverläſſig bis zum letzten Augenbliche,
und ich denke, gerade das macht ein zufriedenes Leben aus!
Alſo ſchon wieder bekam ſie eine nicht
mißzuver=
ſtehende Andeutung zu hören! Sie warf den Kopf in
den Nacken, machte ein hochmütiges Geſicht und ſchwieg.
Sollenſtern dachte: Damliche Krät!
Im Theater bekam er ſeine alte gute Laune wieder.
Er lachte herzhaft über die Witze des Stückes, noch mehr
aber über die Jungen, die ganz aus dem Häuschen vor
Freude waren.
Auch Gunild gefiel das Stück ſehr gut. Die heimliche
Angſt, Plattangen könne plötzlich auftauchen, war von
ihr gewichen, ſie lachte wie in ihrer Kindheit Tagen,
wenn der gute Onkel Sollenſtern mit feierlicher Miene
bei Onkel Albrecht eingetreten war und eine große
Pra=
linentüte aus der Taſche gezogen hatte.
Als ſich der Vorhang zum letzten Male ſenkte,
klatſchten die Jungen wie beſeſſen.
Onkel, war das fein!
Der ſchmunzelte. Und nun nehmen wir eine Droſchke
und fahren zu Mitſcher zum Abendbrot und trinken
Ana=
nasbowle. Das viele Lachen wird Euch durſtig gemacht
halen!
Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
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tern ablieferte, hatten die Jungen einen kleinen Schwips.
Frau von Dittmark drohte mit den Fingern. Dachte
ich mirs doch, Herr von Sollenſtern!
Na ja dochchen, ſie haben ſich halt amüſiert!
Sigismund, der jüngere, verſuchte ſofort auf der
Tep=
pichkante zu gehen; es gelang ihm auch tadellos.
Rauch noch ’ne Zigarre bei mir, Chriſtoph, ſagte der
Hausherr.
Auf die Länge bleib ich gern noch da, Andreas.
Die Dienerſchaft war ſchon ſchlafen gegangen, Gunild
ſtellte die Kiſten und eine Flaſche Rheinwein zurecht,
dann zogen ſich auch die Damen zurück.
Ich hab heute abend eine ziemlich ſcharfe
Ausein=
anderſetzung mit meiner Frau gehabt, und Du warſt die
Urſache, ſagte Dittmark nach einer Pauſe.
Nimm mirs nicht übel, Andreas, mir tuts nicht weh!
Der ſah dem Rauch ſeiner Zigarre nach. Natürlich
lag ſie mir mit Wullnow in den Ohren, der heute abend
kurz vorſprach, wenige Minuten, nachdem die Kinder das
Haus verlaſſen hatten.
Du meinſt — die beiden finden ſich?
Die letzten Zweifel nahm mir vorhin meine Frau.
Ich war noch nicht vom Dienſt zurück, als er kam. Er hat
ſehr deutlich geſprochen!
Und ich ſage Dir, Andreas, ich bin zwar Partei,
glaube aber felſenfeſt, die Ehe läuft nicht gut aus; der
Wullnow macht nicht den Eindruck, als ob er ein Mann
wäre nach dem Herzen Deines temperamentvollen Mädels.
Der Ueberzeugung bin ich auch! Aber was ſoll ich
tun? Meine Frau hat nun einmal Gunild in den Kopf
geſetzt, daß die Diplomatenlaufbahn die Krone aller
Be=
rufe ſei!
Das Mädel iſt doch alt gnug! Oeffne ihr die Augen,
wies im Leben zugeht, daß man vom Knickſen vor
aller=
höchſten Herrſchaften auf die Dauer nicht zufrieden, nicht
glücklich wird! Selbſt wenn mein Mannchen nichts von
Deiner Tochter wiſſen wollte, ſo würde ich Dir genau ſo
raten. Allerdings bin ich in den Augen der
geſchmeichel=
ten und gebügelten Berliner natürlich weiter nichts wie
ein dickfälliger Krakeeler aus der maſuriſchen Ecke!
Ich weiß, Chriſtoph, Du meinſt es gut mit uns! Hier
in Berlin geht alles im Laufſchritt vorüber. Nur nicht
zu ſpät kommen! Man hält ſich für klüger, als die Leute
draußen in der Provinz und nimmt ſich nicht einmal die
Zeit, in Ruhe nachzudenken!
Viel Blendung — weiß ich!
Richtig, da haben wirs. Und über uns alte
Men=
ſchenkinder, die groß geworden ſind in einer ernſteren
Zeit, geht man mit einem ſpöttiſchen Lächeln zur
Tages=
ordnung über. — Mein lieber Chriſtoph, ich fühle es in
dieſen Tagen mehr denn je, ich bin verbraucht, ich habe
nicht mehr die Kraft, zu einer zähen Oppoſition, nicht
ein=
mal gegen Weib und Kind! Bin zufrieden, wenn man
mich ungeſchoren läßt!
Da ſah erſt der gute Sollenſtern, wie tief die Falten
waren, die das Antlitz des Freundes durchfurchten. Er
ſchlug mit der Fauſt auf ſeine Knie. Die Jugend iſt auch
nicht anders! Ich wollte Mannchen die Sporen geben,
hab ihm geſagt, er ſoll dieſen Wullnow bei Gunild aus
dem Sattel heben; aber der Junge macht ein
trübe=
tümpliches Geſicht und meint, es nütze ja doch nichts! Du
lieber Gott, ſind das Menſchen! Andreas, häng deinen
Beruf an den Nagel, komm heim, in unſerer Ecke wirſt
Du wieder aufleben, irgendwo in der Nähe werde ich ſchon
ein Herrenhaus für Dich zur Miete finden, wenn Du Dich
nicht ankaufen willſt!
Lieber Chriſtoph, das ſagt ſich ſo leicht, aber wenn
man verheiratet iſt —
Da haben wirs! — Gute Nacht, ſchlaf gut und
nimm dir dein Mädel morgen früh mal tüchtig vor.
Alſo, Mannchen, was ich für Dich habe tun können,
iſt geſchehen. Dittmark iſt auf Deiner Seite, aber ſeine
Frau hat an dieſem Wullnow einen Affen gefreſſen, und
Gunildchen ſcheint nicht recht zu wiſſen, was ſie eigentlich
will.
Du haſt dich ja ſehr genau informiert, Onkelchen!
Hatt ich Dir doch verſprochen! — und heute zum
Abendbrot gehſt Du mit mir zu Dittmark.
Auf keinen Fall.
Mannchen, ’s kommt mir ja eigentlich komiſch vor,
den Freiwerber zu ſpielen, nun hab ich aber einmal in
den ſauren Apfel gebiſſen, da eſſe ich ihn auch auf! — Ich
habe dich angemeldet, willſt Du nicht unhöflich und
feige ſein, mußt Du alſo mitkommen.
Es hat ja gar keinen Zweck, wird nur ein für alle
peinlicher Abend!
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 16.
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den nächsten Tagen eine Speditions-Gesellschaft gründen.
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bitten, einstweilen die Güter nach wie vor bei den Filialen
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Nummer 267.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Seite 19.
Volks=Vorstellung
im Großherzogl. Hoftheater.
Als nächſte Volksvorſtellung wird am Sonntag, 17. November,
nachmittags ½3 Uhr
Ce
„Alt-Heidelbergs
gegeben. — Kartenbeſtellungen haben bis ſpäteſtens Mittwoch,
den 13. ds. Mts., 12 Uhr mittags, bei den betreffenden
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ſtellen zu erfolgen.
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100. Vereinsabend. (22726a
Mittwoch, den 13. November, abends 8¼ Uhr
im großen Saale des städt. Saalbaues.
Solist: Herr Willy Hutter von hier, Klavier.
Zeitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für
Tonkunst.
1. Glinka: Ouvertüre zu „Russlan u. Ludmilla‟ für Orchester.
2. Mozart: Klavierkonzert A-dur Nr. 23. 3. Tschaikowski: Serenade
ov. 48 f. Streichorchester. 4. Chopin: Polonäse op. 22 Es-dur für
Klavier u. Orchesterbegleitung. 5. Goldmark: Ouvertüre zu „
Sakun-
tala‟ op. 13 f. Orchester,
Konzertflügel: Ibach, Barmen. Orchester-Celesta: J. P. Schiedmayer,
Stutigart. Vertreter beider Firmen: Hoflieferant Heinrich Arnold,
Wilhelminenstr. 9 u. Mühlstr. 1—3.
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Studenten und Schülerkarten Mk. 1.—. Karten in der
Hof-
musikalienhandlung von Heinrich Arnold, Wilhelminenstr. 9.
Mitgliedsbeiträge: 1. Für ein aktives Mitglied jährlich
Mk. 12.—; für jedes weitere Familienglied, das als aktives
Mit-
glied eintritt, jährlich Mk. 4.—; für jedes weitere Familienglied,
idas als inaktives Mitglied eintritt, numerierter Platz Mk. 4.—
unnumerierter Platz Mk. 3.—. — 2. Für ein inaktives Mitglied
numerierter Platz Mk. 8.—, unnumerierter Platz Mk. 6.—, für
jedes weitere Familienglied Mk. 6.— bezw. Mk. 4.—; Studenten
und Schüler höherer Lehranstalten unnumerierter Platz Mk. 3.—
Aufnahmegesuche sind zu richten an den I. Vorsitzenden,
Herrn Justizrat Hallwachs, Hügelstr. 47. Für die inaktiven
Mit-
glieder liegt ausserdem noch eine Einzeichnungsliste auf in der
Hofmusikalienhandlung Heinrich Arnold, Wilhelminenstr. 9.
Vereinigte Gesellschaft.
Donnerstag, den 14. November, abends 8 Uhr
Tiſchkarten für das Balleſſen zum Preiſe von 2 Mk. ſind bis
November, mittags 12 Uhr, bei dem Geſellſchaftswirt zu
löſen. Für Teilnehmer ohne Tiſchkarten erhöht ſich der Preis auf
2,50 Mk. Im Intereſſe geordneten Servierens wird gebeten, die
Pöſung von Tiſchkarten nicht zu verſäumen.
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Sonntag, den 17. November 1912, abends 8 Uhr
Saal „Zur Traube‟
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17. und 18. Jahrhundert. Aus der Biedermeierzeit.
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in der Hofmusikalien- und Pianohandlung Gg. Thies
Nachf., L. Schutter, Elisabethenstr. 12, und an der
Abendkasse Mark 3.—, 2.—, 1.—. (23436ids
Verein Kunstfreund.
Die Hauptverſammlung
findet Donnerstag, den 28. November 1912, abends
8½ Uhr, im „grünen Zimmer” des Kaiſerſaals
(Grafenſtraße) ſtatt.
Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorſitzenden. 2.
Rech=
nungsablage. 3. Neuwahl des Vorſtandes. 4. Jahresverloſung.
(23421
5. Verloſung gemäß § 8 der Satzungen.
Der Vorstand.
Turngemeinde Darmſtadt.
Protektor Se. Kgl. Hoheit der Großherzog.
Die Männerſingſtunden finden
Dienstags, abeuds 9 Uhr,
der Kinderchor
Mittwochs, nachmittags 5 Uhr,
der Frauenchor
unde
Donnerstags, abends ½9 Uhr, ſtatt.
Der unterzeichnete Vorſtand bittet um pünktliche und zahlreiche
(*11589
Beteiligung.
Die Obmannſchaft.
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Dienstag, den 12. November 1912.
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von Norwegen Guſtav Semler
Gertrude, Königin
von Dänemark,
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lonius Tochter . Käthe Meißner
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Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
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Seite 22.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 12. November 1912.
Nummer 267.
Diedesangsprobe
braucht nicht auszufallen, meine Herren,
wenn Sie ſich angewöhnen, Wybert=
Tab=
letten bei ſich zu führen und bei belegter
Stimme o. rauhem Hals davonzu nehmen.
„Es gibk hein beſſeres Mitfel, um die
Stimme ſofort klar und friſch zu machen.=
Dies iſt der Inhalf zahlloſer Zeugniſſe über die in ihrer Wirkung
un=
erreichken Wybert=Tabletken, die in allen Apotheken und Drogerien
Mark pro Schachtel koſten.
Sport.
Pferdeſport. Rennen zu Strausberg.
Preis von Rüdersdorf; 2500 Mark, Diſtanz 1200 Meter:
1. Dr. J. Meyer I. Seneca (Torke), 2. Delila (H.
Teich=
mann), 3. Kaſſala (Jentzſch). Tot. 128:10. — Preis der
Walküre; Ehrenpreis und 4000 Mark: 1. Herrn Orbergs
Premier (Schläfke), 2. Moslem (Jentzſch), 3. Burgunder
(Ludwig). Tot. 48:10. — Preis von Werbig; Ehrenpreis
und 2700 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn H. Weitz
Herkus Monte (Herr v. Hatten), 2. Wunderhold (Beſ.),
3. Stretenſe (Lt. v. Keller). Tot. 18:10. — Leuenburger
Hürden=Rennen; 2500 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn
Dr. F. Rieſes Künſtler (Fritſche), 2. Germania I (
John=
ſon), 3. Ops (Jentzſch). Tot. 22:10. — Preis von der
Burg; Ehrenpreis und 2100 Mark, Diſtanz 4000 Meter:
1. Herrn O. Kampfhenkels Hilda (Lt. Demnig), 2. Baiſſe
(Lt. von Platen), 3. Quäkerin (Lt. von Keller). Tot.
57:10. — Uebungs=Jagdrennen; 2500 Mark, Diſtanz 3000
Meter: 1. Herrn O. Reislands Konſtantin (Fritſche),
2. Harzroſe (Jentzſch), 3. Jeſſonda (Theilen). Tot. 95.10.
Rennen zu Dresden. Reitpferd=Jagd=Rennen:
drei Ehrenpreiſe, Diſtanz 2500 Meter: 1. Lt. Frhrn. von
Strahlenheims Exmore (Beſ.), 2. Tuſchka, 3. Rittm.
von Einſiedels braune Stute. Tot. 29110. — November=
Jagd=Rennen; drei Ehrenpreiſe, Diſtanz 3000 Meter:
1. Major Graf Wuthenaus Tetzel (Lt. Streſemann), 2.
Triumvir, 3. Bobby. Tot. 15:10. — Dresdener Steeple=
Chaſe; drei Ehrenpreiſe, Diſtanz 3500 Meter: 1. Lt. Menz‟
Laſt not leaſt II (Beſ.), 2. Barklay, 3. Dan Mac Gregor.
Tot. 48:10. — Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 1600 Mark,
Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn Wolffs Ellipſe (Lt. v. Moſch),
2. Jamaika, 3. Beſſy. Tot. 25:10. — Herren=Hürden=
Rennen; Ehrenpreis und 1600 Mark, Diſtanz 2800 Meter:
1. Lt. Miezes Adelsberg (Lt. v. Egan=Krieger), 2.
Sa=
mum, 3. Koronation. Tot. 28:10. — Herren=Flachrennen;
(Ehrenpreis und 1100 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Herrn
v. Schilgens Douce Amie (Beſ.), 2.— Chauri, 2.— Bra
Lady. Tot. 70:10.
— Der Kartellausſchuß der deutſchen Automobilklubs
hielt in den Räumen des Kaiſerlichen Automobil=Klubs
in Berlin unter dem Vorſitz des Präſidenten Herzog von
Ratibor und unter Beteiligung von 30 durch 72 Delegierte
vertretenen Klubs ſeine Delegiertenſitzung ab.
Nach den Ausführungen des Admirals Rampold über die
allgemeinen Richtlinien, die für die Aufnahme neuer
Klubs in das Kartell künftig maßgebend ſein ſollen und
nach einer kurzen Mitteilung über die vom Kaiſerlichen
Automobilklub beſchloſſene Löſung des
Kartellverhält=
niſſes zum Allgemeinen Deutſchen Automobilklub wurden
der Großherzogliche Automobilklub Oldenburg und der
Herzogliche Automobilklub in Gotha in das Kartell
auf=
genommen. Die Aufnahmegeſuche des zurzeit dem
Wies=
badener Automobilklub als Sektion Rheinheſſen und
Starkenburg angehörenden Heſſiſchen
Automo=
bilklubs in Darmſtadt und des dem Frankfurter
Automobilklub als Sektion Oberheſſen angeſchloſſenen
Oberheſſiſchen Automobilklubs in Gießen um Aufnahme
als ſelbſtändige Kartellklubs wurden zurückgeſtellt, um den
Klubs zunächſt Gelegenheit zu einer Vereinigung unter
ſich zu geben. Ebenſo wurde das Anſuchen des Lippiſchen
Automobilklubs in Lemgo zwecks einer weiteren
Verſtän=
digung mit dem Automobilklub Weſtfalen zurückgeſtellt.
Das Aufnahmegeſuch des Oberſchleſiſchen Automobilklubs
in Beuthen war zurückgezogen worden. Bezüglich der
nächſtjährigen ſportlichen Unternehmungen erklärte der
Kaiſerliche Automobilklub, daß er Vorſchläge für eine
größere, von ihm zu veranſtaltende Fahrt zurzeit noch
nicht machen könne, da die Ermittelungen über Art, Zweck
und Ziel einer ſolchen Fahrt infolge der jetzigen
außer=
gewöhnlichen Verhältniſſe noch nicht abgeſchloſſen ſeien.
* Radſport. Die Pariſer Winterbahn brachte
am Sonntag ein äußerſt reichhaltiges Programm zur
Ent=
ſcheidung. Den Hauptanziehungspunkt bildete das Match
Ellegaard-Goullet in zwei Läufen, in welchem ſich der
Auſtralier von ſeiner dreimaligen Niederlage durch den
Dänen revanchieren ſollte. Ellegaard beſtätigte aber ſeine
bisher gezeigte ausgezeichnete Form und es gelang ihm,
beide Läufe leicht mit zwei reſpektive einer Länge zu
ge=
winnen. Goullet eröffnete jedesmal zirka 300 Meter vor
dem Ziel den Entſpurt, konnte aber nicht verhindern, daß
ihn Ellegaard jedesmal leicht paſſierte. Das Match hinter
Motoren in zwei Läufen zwiſchen Seres und Lavalade
wurde in beiden Läufen von Seres gewonnen. In dem
15=Kilometerlauf endete Lavalade vier Runden vor dem
in 12:31,6 ſiegenden Seres, und im 25=Kilometerlauf
ge=
wann Seres in 21118,6 mit acht Runden Vorſprung vor
ſeinem Gegner. Bei einem Rekordverſuch über zehn
Kilo=
meter gelang es Seres, den auf 8112,6 ſtehenden alten
Rekord um 0,4 Sekunden zu verbeſſern. Ein weiteres
Flieger=Match Frankreich-Amerika, das von Dupre-
Pouchois bezw. Lawſon-Cavanagh beſtritten wurde,
wurde von Frankreich mit zehn Punkten vor Amerika,
12 Punkte, gewonnen. Im erſten Lauf ſiegte Dupre mit
einer Länge vor Cavanagh, im zweiten Lauf Lawſon mit
einer Viertellänge vor Pouchois, im dritten Lauf
Pou=
chois mit einer Länge vor Cavanagh, im vierten Lauf
Dupre mit einer halben Länge vor Lawſon und im
fünf=
ten Lauf Lawſon mit einer Länge vor Dupre, Pouchois
und Cavanagh. Der Amerikaner Lawſon, der Dupre im
vierten Lauf behindert hatte, wurde mit 50 Francs in
Strafe genommen. Ein Verfolgungs=Rennen zwiſchen
M
dem neuen Stundenweltrekordmann, dem Schweizer Egg,
und dem Auſtralier Schneider, gewann Egg, der ſeinen
Rivalen in 4:37,2 nach Zurücklegung von 3,450 Kilometer
einzuholen vermochte. Im Hauptfahren ſiegte Didier vor
Moretti, Polledri und Schilling, und ein Prämienfahren
landete Seigneur vor Heller und Germain.
* Fußballſport. Kronprinzen=Pokal. Die
Fußballſpiele um den vom deutſchen Kronprinzen
geſtifte=
ten Wanderpokal für die deutſchen Landesverbände
nah=
men am Sonntag mit der Zwiſchenrunde ihren Fortgang,
ie die Siege des Verbandes Brandenburgiſcher Ballſpiel=
Vereine (Berlin) und des Weſtdeutſchen Spielverbandes
brachten. In Berlin trafen ſich auf dem Herta=
Sport=
platz die repräſentativen Mannſchaften von Berlin und
Norddeutſchland. Letztere hatten als guten Erſatz für den
internationalen Verteidiger Möller=Kiel Beye=(Viktoria=)
Hamburg mitgebracht. Die erſte Spielhälfte ſah die
nord=
deutſche Mannſchaft ſtark im Angriff, da die Berliner
Läu=
fer mit Ausnahme von Völker den gut ſpielenden Sturm
der Gäſte nicht genügend zu decken vermochten. Einen
Elf=
meterball wegen unfairen Spiel ſchoß Ladwig hoch über
das Tor. Glänzende Leiſtungen des internationalen
Mit=
telſtürmes führten durch das gute Spiel der Berliner
Ver=
teidigung zu keinem Erfolge, ſo daß die Seiten mit 0:0
gewechſelt wurden. In der zweiten Spielhälfte wurde
die Berliner Mannſchaft zuſehends beſſer, was auch ſchon
nach wenigen Minuten durch den Mittelſtürmer zum erſten
Erfolge führte. Einige ſichere Chancen wurden dann
von den Norddeutſchen ausgelaſſen, bis ein überraſchend
langer Schuß des halblinken Stürmers Läſſig den
Aus=
gleich herbeiführte. Eine Minute ſpäter brachte jedoch
ein Schuß des Rechtsaußenſtürmers Arndt die Führung
für Berlin, und nach gleichmäßigem Spiele fielen durch
Ladwig (22. Minute), Arndt (33. Minute) und Vogt (37.
Minute) drei weitere Tore, denen die Gäſte nichts
ent=
gegenzuſtellen vermochten. Somit gewann Berlin mit 5.1.
— In Duisburg lieferten ſich Süddeutſchland, der
Verteidiger des Pokals, und Weſtdeutſchland einen
auf=
regenden Kampf, den die beſſere Stürmerreihe von
Weſt=
deutſchland mit 211 (110) zu ihren Gunſten entſchied. Das
einzige Tor in der erſten Spielhälfte ſchoß Fiſcher=
Duis=
burg. Nach dem Seitenwechſel erzielte der „Halblinke‟
Kipp=Stuttgart das ausgleichende Tor. Das ſiegbringende
Tor fiel von einem Flankenball Webers durch den
halb=
linken Stürmer Steinhauer=Duisburg. Süddeutſchland
blieb bis zum Schluß erfolglos. Im Schlußſpiel werden
ſich nunmehr, vorausſichtlich im Juni 1913, im Stadion
Weſtdeutſchland und Berlin, und zwar zum erſten Male,
gegenüberſtehen.
Berliner Fußballer außerhalb. Herta
verlor gegen den deutſchen Meiſter Holſtein=Kiel mit 2:3
(Pauſe 111). Das ſiegbringende Tor fiel kurz vor Schluß.
— Dagegen gewann Britannia in Dresden gegen den
dor=
tigen Sportklub überlegen mit 4:0 (Halbzeit 0.0).
Außerdem ſchlug der Berliner Ballſpielklub die dortige
Viktoria knapp mit 322 (Pauſe (3:0), trotzdem bald nach
Beginn der rechte Läufer von Berlin, Lange, infolge einer
Verletzung ausſcheiden mußte.
sr. Die Berliner Hockeyſpiele um die
Verbandsmeiſter=
ſchaft brachten am Sonntag dem Sportklub
Charlotten=
burg einen Sieg über Tennis= und Hockeyklub Friedenau
mit der außergewöhnlichen Torzahl von 8:7 (Halbzeit
5:3). Im Geſellſchaftsſpiel ſchlug der Berliner Sportklub
nach ſehr intereſſantem Kampfe mit 1:0 (0.0) Preußen.
Der Berliner Hockeyklub hatte den Leipziger Akademiſchen
Sportklub zu Gaſt und ſiegte nach beſſerem Spiel mit 5.1
(1:1). Wenige Minuten nach Beginn ſchoſſen die Leipziger
ihr einziges Tor.
* Achter Berliner Armeegepäckmarſch. Wenig
günſti=
ges Wetter war dem Berliner Sportklub Komet bei ſeiner
Veranſtaltung am Sonntag beſchieden, denn ein feiner
Regen begleitete die Geher auf dem ganzen Wege vom
Start auf den Sportplatz Rummelsburg=Oſt über
Ober=
ſchöneweide, Johannisthal, Rudow bis hinter
Walters=
dorf, und ebenſo auf dem Rückwege. 131 Bewerber
mach=
ten ſich morgens kurz nach halb 9 Uhr auf die
beſchwer=
liche, 50 Kilometer lange Reiſe, darunter auch der
vor=
jährige Sieger Buſch. Von Anfang an wurde ein enorm
ſchnelles Tempo eingeſchlagen. Namentlich Wilsmeyer=
Düſſeldorf machte ſich raſch von dem übrigen Felde frei
und hatte in Oberſchöneweide, das er nach 33 Minuten
38 Sekunden erreichte, bereits einen Vorſprung von faſt
2 Minuten; Rudow paſſierte er nach 1 Stunde 57 Minuten
42 Sekunden, bereits 4½ Minuten vor Buſch (Worthy),
dem weitere 2 Minuten ſpäter Schulze folgte. Der dort
ſchon ſehr erſchöpfte Buſch lag in Waltersdorf bereits über
12 Minuten zurück, ſo daß ihn gleich darauf auch Schulze
paſſieren konnte. Der Wendepunkt ſah Wilsmeyer in der
großartigen Zeit von 2443:05 als Erſten, dann folgte
Schulze II in 2:56:35, gleich darauf Klein (Heros), ferner
noch Bendick II vor Buſch in 2:59.00, und dem erſten
Aktiven, Sergeant Hering (Füſilier=Regiment) in 2:59:20;
insgeſamt kamen noch 100 Teilnehmer hier an, von denen
aber 20 weitere bald aufgaben. Die Entſcheidung war
dann bereits gefallen. In der Reihenfolge der Nächſten
traten allerdings noch mehrfache Verſchiebungen ein; ſo
fiel Buſch bis auf den zwölften Platz zurück, und auch der
Gardejäger Schulze mußte manchen ſeiner Konkurrenten
an ſich vorbeiziehen laſſen; dagegen arbeitete ſich Sergeant
Hering mit großer Energie nach vorn, um ſchließlich
Jo=
hannisthal 15 Minuten hinter Wilsmeyer als Zweiter vor
Bendick II zu paſſieren. Allerdings mußte er dieſen auf
dem letzten Teile des Weges wieder vorbeilaſſen. Der
Düſſeldorfer hatte unterdeſſen ſeinen Weg ruhig fortgeſetzt
und erreichte in völlig friſcher Verfaſſung das Ziel auf
dem Sportplatz Rummelsburg=Oſt in der ganz
hervor=
ragenden Rekordzeit von 6 Stunden 2
Minu=
ten 30,6 Sekunden. (Bisher 6113:25,8.) Innerhalb
der allerdings knapp bemeſſenen Maximalzeit von 7½
Stunden erreichten 50 Geher, darunter 28 Soldaten, das
Ziel. Dort hatte ſich neben vielen Offizieren der hieſigen
Regimenter auch Generalfeldmarſchall von der Goltz
ein=
gefunden, der den Sieger, ſowie den zuerſt angekommenen
Soldaten, Sergeant Hering, perſönlich beglückwünſchte.
Das genaue Reſultat war: 1. Wilsmeyer=Düſſeldorf
6 Stunden 2 Minuten 30,6 Sekunden (Rekord), 2.
Ben=
dick II. (Vegetarier) 6117.55, 3. Sergeant Hering (Füſ.=
Regt.) 6:20119, 4. Klein (Heros=Berlin) 6222:32,
5. Schulze II. (Garde=Jäger=Bat.=Potsdam) 6:23:52,
6. Bendick I. (Vegetarier) 6:23:09, 7. Bendick III. (
Vege=
tarier) 6:30.04, 8. Wegener (Eliſabeth=Garde=Gren.=Regt.)
6:31:02, 9. Arthur (Komet) 6:33:03, 10. Buſch (Worthy)
Eliſab.=Regt.
hys. Ein neuer Weltrekord im Tauchen. Vor ſechs
Jahren überraſchte der bekannte Schwimmer Enpeh die
geſamte Sportwelt durch ein Verweilen von faſt fünf
Mi=
nuten unter Waſſer, ſeit jener Zeit wurde dieſe
Leiſtung=
nicht mehr überboten; nur ein gewiſſer Cavill machte den=
Verſuch dazu, wurde aber, nachdem fünf Minuten
ver=
ſtrichen, als Leiche hervorgezogen. Wie die franzöſiſche
Sportzeitung Auto meldet, iſt der Weltrekord nun kürzlich
übertroffen worden. Der Franzoſe Pouliguen
blieh=
vor einem zahlreichen Publikum 6 Minuten und 29
Se=
kunden unter Waſſer. Nachdem der berühmte
Schwimmer=
untergetaucht und Envehs Rekordzeit erreicht war, brach
das Publikum in Ovationen aus, die verſtummten, als
Pouliguen nach fünf Minuten noch immer nicht an der
Oberfläche erſchien. Das Signalſchütteln mit der Stange,
an der der Taucher ſich halten ſollte, blieb ohne Erfolg
und dann ſprangen einige Kollegen ebenfalls in das
Baſſin, um Nachſuchungen anzuſtellen, doch keiner fand
Pouliguen. Eben als die Damen die Flucht ergriffen,
um nicht Zeuge eines vermutlichen Dramas zu werden,
erſchien Pouliguen genau nach 6,29¼ Minuten wieder
wohlgemut und friſch an der Oberfläche unter den
Beifalls=
ſtürmen des Publikums. Der Taucher ſprang dann
ſo=
fort nochmals ins Waſſer, um in größter Geſchwindigkeit”
einige Schwimmübungen vorzuführen.
Gewinnansiug
der
1. Drenßiſch-Füddeutſchen
(227. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
5. Klaſſe 2. Ziehungstag 9. November 1912
Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(Nachdruck verboten)
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 30000 Mk. 20916
2 Gewinne zu 10000 Mk. 5382
2 Gewinne zu 5000 Mk. 175137
66 Gewinne zu 3000 Mk. 636 4367 6316 9433
11053 18295 24236 29133 39004 42070 55660 56172
57336 82847 93347 95686 100200 116113 124006
130374 136554 145198 153971 154058 154070 158938
180717 184105 185527 191857 201690 202581 204201
136 Gewinne zu 1000 Mk. 2651 7774 9372 11192.
12563 13127 18398 18574 29142 32550 32854 32860
35750 42063 45182 46208 46613 47442 47747 47881.)
60267 61121 61180 61284 64312 66445 67394 73076
79430 84100 84585 93709 94123 108246 108458 112700
113630 115240 115622 117814 125838 128266 134923
134972 142539 145142 145315 152083 161309 161563
162063 168730 168897 169123 170802 171742. 175269
175758 177815 178357 178722 179850 185303 190300
193068 194889 198648 207596
238 Gewinne zu 500 Mark 4139 7040 7511 11812
15413 16533 18165 18351 22780 22934 25498 25783
28582 32522 33770 34029 34886 36518 36525 38131.
38358 45309 45534 48725 49198 49556 50757. 53297
659342 61079 62932 63589 65203 65928 66188 66378
66778 70404 72505 73227 74527 74579 75611 75716
75845 77195 78846 82991 89806 92662 93979 95105
95382 96090 96122 96394 100336 100951 101780
101942 108218 108826 110867 111679 113378 114484
115643 116121 116254 118615 119868 122375 123562
125430 130002 132149 133772 136236 138446 139130
139892 141629 144026 146760 146781 148260 154541
157067 159640 159970 160515 161948 163197 164409
167654 170613 172128 173303 173400 175015 178006
178984 180785 181130 181492 182695 183071 184812
184819 185226 186967 194775 197930 200891 201192
202852 204182 204433 207093
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 40000 Mk. 105765
6 Gewinne zu 5000 Mk. 20920 153895 176266
84 Gewinne zu 3000 Mk. 253 514 15781 17501
19908 22583 26844 43220 48920 54510 58282 61083
68917 69615 71003 73476 75039 77678 79533 89285
94685 103402 113236 122860 126831 130641 131364
182861 135707 137321 152133 157247 162094 164050
168045 175348 183380 184253 185363 186514 201214
202171
154 Gewinne zu 1000 Mk. 2047 2759 6846 8562.
8588 10088 15438 25020 25899 27209 29270 30736
32237 33464 38200 40514 42145 45471. 46128 50904
57153 60797. 70749 71536 75224 75521 77214 78624
82206 87062 87097 89317 91137 97865 105544 107346
108627 112365 113755 116831 117079 117323 118239
120672 121010 121977 122450 123773 124395 128221.
130673 132739 139252 140231 141150 146913 156044
156440 156617 158424 159226 163340 165328 166911
168384 171859 172036 178463 180618 184578 187604
187830 189069 190322 190439 198306 201288
182 Gewinne zu 500 Mk. 2681 3498 3601 4907
12288 14543 19678 20086 20822 21344 27029 27296
35165 36773 39386 39442 39640 39948 42738 43573
47923 52660 54388 57275 57490 57575 65041 65716
73717 76124 77649 81593 86819 86907 90336 90640
91402 92372 93611 96414 97176 97302 97649 104118
105699 111220 111662 111857 116484 121059 123098
124649 127154 129364 131644 134606 135143 137757
139157 139550 143206 143966 146172 146501 147310
152278 123333 154205 157157 158169 159333 166568
167170 168618 168662 169577 176555 177625 17779o
185745 185796 186597 191433 193542 195436 196865
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