Darmstädter Tagblatt 1912


07. November 1912

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175. Jahrgang
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der franzöſiſche Miniſterpräſident gab
im Miniſterrat Keuntnis von der Antwort Heſter=
reichUngarns
Deutſchlands und Italiens
auf die letzte von Frankreich, England und Rußland ge=
machte
Mitteilung. Die Antwort halte den Kon=
takt
mit allen Mächten aufrecht und laſſe unter
befriedigenden Bedingungen Raum für Unterredungen.
3
Der türkiſche Botſchafter hat dem Miniſterpräſi=
denten
Poincaré am Dienstag abend das offizielle
Erſuchen der Türkei um Vermittlung
überreicht.
*
Wilſon iſt nach dem Wahlergebnis als der gewählte
Präſident der Vereinigten Staaten zu
betrachten.
Wie die Johannisburger Rand Daily Mail meldet, wurde
ein Diamant von 1649 Karat gefunden, welcher der
größte Diamant der Welt iſt.
In Liberia iſt ein Aufſtand ausgebrochen. Zum
Schutz der deutſchen Untertanen wird ein deutſches
Kriegsſchiff, wahrſcheinlich der Panther, nach Liberia
entſandt werden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Eine Interpellation über das Privat=
beamtengeſetz
.

* Das preußiſche Abgeordnetenhaus beſchäftigte ſich
mit der Interpellation über die Unklar=
heiten
des Privatbeamtengeſetzes. Der
nationalliberale Redner, Abgeordneter Dr. Beumer, wies
auf die unerklärlichen Mißſtände hin. Er führte aus,
daß er lange genug im Parlament ſei, um zu wiſſen, daß
neben der guten Ueberlieferung auch haſtige Geſetzmacherei
vorkomme. Aber jeder Beſchreibung ſpotte, was wir mit
dem Geſetz über die Privatbeamten erlebten. In einer
einſtündigen Rede ſtellte nun der Interpellant den Mi=
niſter
vor eine Reihe von Fragen. Der Handelsminiſter
Sydow warnte davor, in ein Gebiet von Reichstag
und Bundesrat einzugreifen, denn das Abgeordneten=
haus
wahre ſich auch gegen den umgekehrten Fall. Sämt=
liche
Parteien im Reichstage, insbeſondere auch die natio=
nalliberale
, hätten ſeit Jahren nach dieſem Geſetz ge=
drängt
. Der Interpellant überſchätze die Macht der Staats=
regierung
und des Bundesrats; eine Befugnis, Zweifel
im Wortlaut des Geſetzes deklaratoriſch zu löſen, ſtehe
dem Bundesrat nicht zu. Ueber das Verhältnis zu den
Lebensverſicherungsgeſellſchaften ſei eine Verordnung in
Arbeit. Ueber die Frage wegen der Erſatzkaſſen werde
rechtzeitig vor dem 1. Januar entſchieden werden. Alle
Zweifel könnten natürlich noch nicht gelöſt ſein, denn das
Schiedsgericht und das Oberſchiedsgericht müßten erſt
noch in Wirkſamkeit treten. Auch liege es in der Natur
der Sache, daß eine ſo ſchwierige Materie, wenn ſie auch
mit noch ſo viel Sorgfalt behandelt worden iſt, Zweifel
übrig läßt, die, erſt im Laufe der Jahre gelöſt werden
können. Das Geſetz ſei nun einmal verabſchiedet und
trete am 1. Januar in Kraft, alle Beteiligten müßten alſo
loyal an der Durchführung mitarbeiten, dann würden die
Schwierſigkeiten in einigen Jahren überwunden ſein.
In der Beſprechung wurde von konſervativer
Seite zunächſt das Recht des Hauſes betont, die Ausfüh=
rung
des Geſetzes zu beſprechen, und dem Abgeordneten
Dr. Beumer gedankt, daß er die immer zunehmenden Kla=
gen
hier beleuchtet habe. Die Beunruhigung namentlich
auch in der Frage der Erſatzkaſſen müſſe ſo ſchnell wie
möglich aus der Welt geſchafft werden. Der freikonſer=
vative
Abgeordnete Dr. Wagner erörterte einzelne Wider=
ſprüche
. Der Abgeordnete Giesberts (Zentr.) führte aus,
Schwierigkeiten habe es auch bei anderen Geſetzen ge=
geben
. Wolle man das Geſetz heute zenſieren, ſo müſſe
man ihm nur eine gute Note erteilen. Die große Mehr=
heit
der Angeſtellten ſei für das Geſetz, nur eine kleine ra=
dikale
Gruppe ſei dagegen. Der neugewählte fortſchritt=
liche
Abgeordnete Dr. Mugdan erklärt das Geſetz für aus=
gezeichnet
, man werde ſich damit abfinden. Das vorge=
brachte
Material rechtfertige die Interpellation nicht.

Heereslaſten und Parteiſteuer.

* Die Kyffhäuſer=Korreſpondenz ſchreibt: Die Sozial=
demokraten
wettern unausgeſetzt gegen unſere Rüſtungs=
ausgaben
, die angeblich das deutſche Volk zugrunde rich=
ten
. Es ſoll nicht beſtritten werden, daß das deutſche
Volk für ſeine nationale Sicherheit ſchwere Laſten zu tra=
gen
hat. Doch ſind dieſe nicht ſchwerer, ja nicht einmal ſo
ſchwer, wie die anderer Völker, weil unſere gute Ver=
waltung
jeden Pfennig gewiſſenhaft und ſparſam ver=
wendet
und daher billiger wirtſchaftet als es anderswo
geſchieht. Daß das deutſche Volk nicht zu ſchwer trägt,
beweiſen am beſten die großen Fortſchritte, die es auf
wirtſchaftlichem Gebiete in der Zeit der immer ſteigenden
Militärlaſten gemacht hat, die die Sozialdemokraten als
eine Zeit des Niederganges hinſtellen. Daß in derſelben
Zeit die Aufwendungen Deutſchlands für ſoziale Zwecke
noch ganz erheblich mehr geſtiegen ſind, ja, daß Deutſch=
land
in dieſer Zeit ſeine ſoziale Geſetzgebung erſt geſchaf=
fen
hat, die den Arbeitern alljährlich mehr als eine Mil=
liarde
Mark an Renten, Unterſtützungen uſw. bringt,
das verſchweigen die Sozialdemokraten.
Selbſt wenn das deutſche Volk ſeine Rüſtung ſchwerer
trüge als es der Fall iſt, dürfte man an eine Verringe=
rung
doch nicht denken, weil die Ausgaben für Heer und
Flotte uns den Frieden ſichern, der die Grundlage unſeres
wirtſchaftlichen Aufſchwunges iſt, und daher unter die
nutzbringenden, werbenden Ausgaben gerechnet werden
müſſen. Nach ſachverſtändiger Schätzung würde bei dem
heutigen Stande der Kriegstechnik ein gewonnener Krieg
wenigſtens 10 bis 15 Milliarden Mark, ein verlorener
aber das Doppelte bis Dreifache koſten. Dieſe Zahlen be=
weiſen
am beſten, daß die für die Sicherung des Friedens
ausgegebenen Summen gut angewandt ſind. Schließlich
muß dabei doch auch berückſichtigt werden, daß faſt der
ganze Bedarf für unſere militäriſchen Zwecke im Lande
hergeſtellt wird und Tauſenden, ja Millionen von fleißi=
gen
Händen Arbeit und Verdienſt gewährt, und daß ein
Aufhören dieſer Rüſtungen zahlloſe Menſchen brotlos
machen würde.
Wie aber ſteht es demgegenüber mit den Steuern, die
die Sozialdemokratie kraft eigener Machtvollkommenheit
von ihren Anhängern und denen erhebt, die ſie ſich dienſt=
bar
gemacht hat? Im Jahre 1911 betrug der Durch=
ſchnittsbeitrag
eines jeden Gewerkſchaftsgenoſſen 29,01 M.
und ſtieg bei einzelnen ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaf=
ten
erheblich höher, ſo bei den Lithographen und Stein=
druckern
auf 91,22 Mk. Dazu kommen dann noch die Bei=
träge
für die politiſche Parteiorganiſation, ſogenannte
freiwillige Sammlungen und ſonſtige Ausgaben, die man
mit 20 bis 30 Mk. im Durchſchnitt im Jahr ſicherlich nicht
zu hoch veranſchlagt. Nicht mitgerechnet iſt dabei der Wert
der von den Parteimitgliedern für die Partei oder Ge=
werkſchaft
direkt geleiſteten Arbeiten, durch Agitation,
Zettelaustragen uſw., ſowie der entgangene Verdienſt bei
Ausſtänden, die im Nutzen der Partei unternommen wer=
den
. Das ſind Opfer, die viel höher ſind als die für die
Sicherung des Friedens und die Ehre des Vaterlandes
aufgebrachten Summen. Doch verliert die Sozialdemo=
kratie
darüber kein Wort, weil ſie ſie braucht, um die poli=
tiſche
Macht an ſich zu reißen. Und doch hätten ihre An=
hänger
und die politiſch an demſelben Strange ziehenden
Gewerkſchaftler alle Veranlaſſung, dieſe Ausgaben auf=
merkſam
zu betrachten; ſind doch von den ſozialdemokra=
tiſchen
Gewerkſchaften, wie der Geſchäftsführende Vor=
ſitzende
des Deutſchen Kriegerbundes, Geheimer Regie=
rungsrat
Profeſſor Dr. Weſtphal, unlängſt feſtgeſtellt hat,
im Jahre 1911 an Verwaltungskoſten nicht weniger als
8 Mk. auf den Kopf aufgewendet worden, um 1667 Mk.
als Unterſtützungen für die eigentlichen Gewerkſchafts= und
für Wohlfahrtszwecke zahlen zu können. Was das heißt,
kann man daraus ermeſſen, daß beiſpielsweiſe die deut=
ſchen
Kriegervereine im Verhältnis zu ihren Verwal=
tungskoſten
16 Mal mehr für Unterſtützungen uſw. leiſte=
ten
als die ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften.

Deutſches Reich.

* Die Reichstagserſatzwahl in Berlin
bedeutet eine glänzende Vertrauenskundgebung für den
bisherigen Abgeordneten und Reichstagspräſidenten
Kaempf. Nach dem amtlichen Wahlergebnis wurden im
ganzen 9503 Stimmen abgegeben. Kaempf erhielt 4 888,
Düwell (Soz.) 3840, Ullrich (rechtsſt. Part.) 587, Erz=
berger
(Ztr.) 174. Zerſplittert waren 16 Stimmen. Kaempf

iſt ſomit gleich im erſten Wahlgange gegen die drei
anderen Kandidaten gewählt, was ſeit Jahrzehnten in
dieſem Wahlkreiſe nicht mehr vorgekommen iſt. Bezeich=
nend
auch für dieſe Nachwahl iſt der Rückgang der ſozial=
demokratiſchen
Stimmen von 4408 auf 3840, der um
ſo mehr ins Gewicht fällt, als anzunehmen iſt, daß dem
ſozialdemokratiſchen Kandidaten auch von den 1390 Stim=
men
der Demokratiſchen Vereinigung noch Stimmen zuge=
fallen
ſind. Die Zahl der Wahlberechtigten in dieſem
Wahlkreiſe iſt in ſtetiger Abnahme begriffen. Sie betrug
1907: 16 286, im Januar 1912 13 407 und jetzt 11 990.
Der Arbeitsſtoff des Reichstags. Den
Reichstag erwartet eine reiche Fülle neuer Arbeit. So=
weit
feſtſteht, gehen zunächſt dem Reichstage zu: Der
Haushalt für 1913, das Poſtſcheckgeſetz, das Petroleum=
monopolgeſetz
, ein Entwurf, betreffend Maßnahmen zur
Linderung der Fleiſchnot (Zollerſtattung für ausländi=
ſches
Fleiſch), ein Saugflaſchengeſetz, Novellen zur Ge=
werbeordnung
über die Erſchwerung der Konzeſſionser=
teilung
für Rummelplätze und Animierkneipen ſowie zur
Regelung des Kinematographenweſens, ein Nachtrags=
haushalt
für Neukamerun (Erforſchung und Vermeſſung
der neuen Kolonien), ein Entwurf über die Konkurrenz=
klauſel
, ein Entwurf über die Neuregelung der Sonntags=
ruhe
im Handelsgewerbe, eine Novelle zum Patentgeſetz,
ſchließlich ſpäter Beſitzſteuerentwürfe. Wie in parla=
mentariſchen
Kreiſen verlautet, wird die erſte Sitzung des
Reichstags nach der Sommerpauſe auf Donnerstag,
28. November, anberaumt werden. Urſprünglich war der
26. November in Ausſicht genommen worden.
Der Papſt und die Gewerkſchaften. Man
ſchreibt der Köln, Ztg.: Die unerfreulichen Erfahrungen,
die die Kurie ſchon wiederholt mit der Veröffentlichung
ihrer Dekrete in lateiniſcher Sprache gemacht hat, und auf
die an dieſer Stelle ſchon hingewieſen worden iſt, ſcheinen
zu einer Neuerung inſofern geführt zu haben, als das
in der Gewerkſchaftsfrage zu erwartende Dokument
Pius’ X. von der Fuldaer Konferenz der preußiſchen
Biſchöfe ins Deutſche übertragen und, wie in unterrichte=
ten
Kreiſen verlautet, gleichzeitig in deutſcher und latei=
niſcher
Sprache veröffentlicht werden ſoll. Was den In=
halt
der Kundgebung betrifft, ſo ſcheinen ſich die Mel=
dungen
zu beſtätigen, die bisher von einem ausgleichen=
den
Standpunkt des Dekrets zu berichten wußten. Offen=
bar
läßt der Vatikan beide Arten von Arbeiterorganiſa=
tionen
, Gewerkſchaften und Fachvereine zu, und betont
lediglich, daß Mitglieder der chriſtlichen Gewerkſchaften
unter allen Umſtänden einer katholiſchen Arbeiterorgani=
ſation
zuzugehören haben. Da die Statuten der chriſt=
lichen
Gewerkſchaften die Zugehörigkeit zu anderweitigen
konfeſſionellen Vereinen nicht beanſtanden, entſtehen durch
den im päpſtlichen Dekret ausgeſprochenen Wunſch kei=
nerlei
Schwierigkeiten. Wie verſichert wird, ſucht die
Enzyklika Pius’ X. auch einen die Kölner und Berliner
Richtung gleicherweiſe berückſichtigenden Standpunkt ein=
zunehmen
und enthält Worte der Ermahnung und Aner=
kennung
, die von beiden Seiten gleichmäßig auf ſich be=
zogen
werden können. Die Haltung, die der Hl. Stuhl
in ſeiner Entſcheidung zur Gewerkſchaftsfrage an den Tag
legt, wird in unterrichteten Kreiſen nicht zuletzt der =
tigkeit
des Münchener Nuntius zugeſchrieben, der eine
Zeit lang in Rom nicht ſehr gern mehr geſehen war, der
ſich aber, wie es ſcheint, dank ſeinem perſönlichen hohen
Anſehen bei Pius X. ſchließlich doch mit ſeinen Anſichten
durchgeſetzt hat. Die Veröffentlichung des bedeutungs=
vollen
päpſtlichen Dokuments iſt bald zu erwarten.

Ausland.

Schweiz.
Das Motuproprio ungültig. Einige Kan=
tone
fragten beim Bundesrat an, ob das Motu proprio
vom 9. Oktober 1911 über die Anklagen von Geiſtlichen
bei weltlichen Gerichten im Gebiet der Eidgenoſſenſchaft
Geltung habe, und ob nicht eventuell eine Intervention
des Bundesrates beim Heiligen Stuhl in Betracht zu
ziehen ſei. Der Bundesrat ſtellt nunmehr in ſeiner Ant=
wort
auf Grund juriſtiſcher Gutachten feſt, daß das Motu
proprio in der Schweiz keine Geltung beanſpruchen könne
und lehnt auch die Intervention ab.
Frankreich.
Der Wiederzuſammentritt des Parla=
ments
. Die erſte Sitzung der Deputiertenkammer fand
am Dienstag unter dem Vorſitz des Präſidenten Des=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Nummer 263.

chanel ſtatt. Zahlreiche Abgeordnete hatten ſich eingefun=
den
. Der Vorſchlag Cocherys, des Präſidenten der Bud=
getkommiſſion
, im Intereſſe der Beſchleunigung der Bud=
getberatungen
Vormittags=Sitzungen ſtattfinden zu laſ=
ſen
, wird von Jaurés mit auffallender Schärfe bekämpft
Er meinte, kein Abgeordneter dürfe von 9 Uhr morgens
bis 7 Uhr abends beiwohnen, die Parlamentarier wür=
den
entweder gar nicht kommen oder die andern Oblie=
genheiten
ihrer Mandate vernachläſſigen. Schließlich ent=
ſcheidet
ſich das Haus dafür, daß an drei Tagen der Woche
Vormittags=Sitzungen abgehalten werden ſollen, Bei Be=
ſprechung
der Reihenfolge, in der die Interpellationen be=
raten
werden ſollen, wird die Priorität der Anfrage betr.
die auswärtige Politik beantragt, worauf der Miniſter=
präſident
Poincaré kurz erklärte, das Haus könne ſicher
ſein, daß er, ſobald er in der Lage ſein würde, ſich poli=
tiſch
völlig auszuſprechen, ſich zur Verfügung der Inter=
pellanten
halten wird. Das Haus akzeptierte dieſe Er=
klärung
und vertagte ſich bis Donnerstag. Im Senat
kündigte der in Kolonialkreiſen bekannte Abgeordnete
Hubert eine Interpellation über die auswärtige Lage an.
In Vertretung des Miniſterpräſidenten erſuchte der
Juſtizminiſter Briand den Senat, die Erörterung dieſer
Interpellation bis auf weiteres zu vertagen, indem er im
Sinne der vom Miniſterpräſidenten in der Kammer abge=
gebenen
Erklärung eine baldmögliche Erörterung in Aus=
ſicht
ſtellte. Hubert erklärte ſich mit dieſer Vertagung ein=
verſtanden
, gab aber zugleich der Hoffnung Ausdruck,
der Miniſterpräſident möge nicht der Anſicht ſein, daß der
ſpäteſte Zeitpunkt für die Erörterung der Interpellation
der günſtigſte ſei.
Rußland.
Die Literaturkonvention. Die Kommiſ=
ſton
, die über die Literaturkonvention beriet, hat den deut=
ſchen
Vorſchlag betr. Feſtſetzung einiger Vergünſtigungen
bei der Tranſkription von Muſikwerken, der Reproduk=
tion
von Clichés, der Ueberſetzung verſchiedener Werke
uſw. für unannehmbar erklärt. Der deutſche Vorſchlag,
den Konventiossentwurf einer Konferenz von Vertretern
beider Regierungen zu unterbreiten, wurde angenommen,
Hinſichtlich des Abkommens mit Belgien und Dänemark
wurde beſchloſſen, als Muſter den Text der ruſſiſch= franzö=
ſiſchen
Konvention vorzuſchlagen, wobei Dänemark auf=
gefordert
werden ſoll, einen Spezialparagraphen über die
Benützung von photographiſchen Aufnahmen einzufügen.
Amerika.
Präſidentenwahl in den Vereinigten
Staaten. Wilſon iſt als gewählt zu betrachten. Nach
Berechnung des republikaniſchen Blattes Evening Sun
vereinigte Wilſon von 531 Stimmen des Wahlmänner=
kollegiums
303 auf ſich. Die zur Wahl nötige Zahl be=
trug
266.
Die neue Regkerung in Nicaragua. Nach
einer bei dem Generalkonſulat von Nicaragua in Berlin
eingetroffenen Staatsdepeſche wurden zum Präſidenten
der Republik Diaz, zum Vizepräſidenten Solorzano ge=
wählt
. Das Land iſt ruhig. Der Kriegszuſtand wurde
wieder aufgehoben. Es herrſcht vollſtändige Freiheit.
Afrika.
Aufſtand in Liberia. Nach Privattelegram=
men
, die aus Monrovia an Hamburger Firmen gelangt
ſind, iſt an der Baſſa=Küſte in Liberia ein Aufſtand aus=
gebrochen
. Die Regierung von Liberia iſt außerſtande,
energiſch einzugreifen. Deutſche Faktoreien ſollen geplün=

dert und die farbigen Angeſtellten gefangen genommen
worden ſein. Etwa 20 deutſche Landwirte ſind auf ihren
vorgeſchobenen Faktoreien von der übrigen Welt abge=
ſchnitten
und in Lebensgefahr. Wie es heißt, ſoll ein
deutſches Kriegsſchiff nach Liberia beordert worden ſein.
China,
Die Anleihe. Die Times meldet aus Peking vom
5. ds. Mts. Miniſter Crisp hat der chineſiſchen Regie=
rung
mitgeteilt, daß er infolge der Balkankriſe keine wei=
teren
Mittel bereitſtellen könne. Der Finanzminiſter hat
die Sechsmächtegruppe offiziell zwecks Wiederaufnahme
der Unterhandlungen über die Anleihe angegangen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. November.

* Der Großherzog und die Großherzogin trafen
Dienstag nachmittag zum Beſuch des Landgrafen von
Heſſen in Frankfurt ein und wohnten mit ihm der Auf=
führung
des Ruſſiſchen Balletts im Opernhaus bei.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen geſtern den Hofkapellmeiſter Hofrat
de Haan, den Pfarrer Dr. Koch von Langd, den Regie=
rungsrat
Dr. Wüſt, Mitglied des Oberverſicherungsamts,
den Oberregierungsrat Dr. Stammler, den Amtsrichter
Dr. Werner von Reichelsheim i. O., den Bürgermeiſter
Dr. Kayſer von Bad Nauheim; zum Vortrag den Staats=
miniſter
Ewald, den Finanzminiſter Braun, den Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Gerichtsaſſeſſor Dr. Franz Bittel aus
Mainz zum Oberlandesgerichtsſekretär bei dem Ober=
landesgericht
in Darmſtadt, mit Wirkung vom 11. No=
vember
1912.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Poſtſchaffner Georg Roth
in Frankfurt a. M. die Erlaubnis zur Annahme und
zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer, König von Preußen, verliehenen Allgemeinen
Ehrenzeichens in Bronze erteilt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer an der höheren
Bürgerſchule zu Homberg Auguſt Grünewald eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Ehringshauſen,
Kreis Alsfeld.
* Zulaſſung zu konſulariſchen Verrichtungen. Der
zum Generalkonſul der Vereinigten Staaten von Amerika
in Frankfurt a. M. ernannte Herr Heaton W. Harris,
dem das Reichsexequatur erteilt wurde, iſt zur Aus=
übung
konſulariſcher Verrichtungen im Großherzogtum
zugelaſſen worden.
* Militärdienſtnachrichten. Generalmajor v. Etzel
Kommandeur der 25. Inf.=Brigade (in Allenſtein) (zuvor
Oberſt und Kommandeur des Leibgarde=Inf.=Regts.
Nr. 115), in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuchs mit
der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition geſtellt. Die=
bert
(früher Militärhilfsgeiſtlicher der 25. Diviſion in
Darmſtadt), Diviſions=Pfarrer der 37. Diviſion in Allen=
ſtein
, zur 9. Diviſion nach Glogau verſetzt. Salzſieder
(früher Militärhilfsgeiſtlicher der 25. Diviſion), Militär=
hilfsgeiſtlicher
bei der 4. Diviſion in Gneſen, unter Be=
laſſung
in dieſem Standort zum Diviſions=Pfarrer er=
nannt
.
Seinen 90. Geburtstag feiert heute, körperlich und
geiſtig friſch, Herr Geh. Baurat Ferdinand Becker,
eine in weiten Kreiſen, beſonders Muſikkreiſen, beſtens
bekannte und geſchätzte Perſönlichkeit. Herr Geheimrat
Becker iſt eines der älteſten Mitglieder des Muſikvereins,
dem er ſeit über 66 Jahren angehört, und der ſein treues
Mitglied mehrfach aus Anlaß der Jubiläen herzlich ehrte.
Der nun 90jährige iſt ein Kind unſerer Stadt und hat
ſeine Vorbildung auf der damaligen höheren Gewerbe=
ſchule
hier erhalten. Seine erſte praktiſche Ausbildung ge=
noß
er in der Jordanſchen Maſchinenfabrik, dann war er
während mehrerer Jahre als Konſtrukteur in der
E. Keßlerſchen Maſchinenfabrik in Karlsruhe tätig. Mit
Dekret vom 27. November 1846 zum Werkführer bei der
Zentralwerkſtätte der kurz vorher in Betrieb geſetzten

Main=Neckar=Eiſenbahn ernannt, hat er über ein halbes
Jahrhundert im Dienſte dieſes Inſtituts zugebracht. Am
22. Juli 1851 wurde er zum Werkmeiſter und am 11. De=
zember
1860 zum Maſchinenmeiſter ernannt. Bei der
Neuorganiſation des Dienſtes der Main=Neckar= Eiſen=
bahn
am 1. April 1873 erfolgte ſeine Ernennung zum
Maſchinen=Ingenieur. Am 12. September 1879 wurde=
ihm
von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog
Ludwig IV. der Charakter als Baurat verliehen. Auch=
an
ſonſtigen äußeren Zeichen der Anerkennung ſeiner
Dienſte fehlte es ihm nicht; neben Dekorationen des
eigenen Landesfürſten ſchmückt eine Reihe von Orden an=
derer
Souveräne ſeine Bruſt. Gelegentlich ſeines 50 jäh=
rigen
Dienſtjubiläums im Jahre 1896 kam die Wert=
ſchätzung
, deren ſich der Jubilar in allen Kreiſen zu er= hatte, bereits zum Ausdruck. Im Februar 1897
trat Herr Becker in den Ruheſtand und erhielt den Titel=
Geheimer Baurat verliehen. Seinem Muſikverein hat er
die Treue bis heute gewahrt. Den gewiß zahlreichen
Gratulationen zum heutigen Tage fügen wir die unſeren
von Herzen bei.
* Reichsverband der deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften. Der Generalanwalt erläßt folgende Er=: In zahlreichen Blättern der politiſchen
Preſſe wurde vor einiger Zeit die Anſicht kundgegeben,
daß ſich aus Anlaß der neuerlichen Entwickelung der Ge=
ſchäftsbeziehungen
der Reichsgenoſſenſchaftsbank ein
grundſätzlicher Wandel in den bisheeigen Anſchauungen
des Reichsverbandes über die zentrale Ausgeſtaltung der
Kreditorganiſation im ländlichen Genoſſenſchaftsweſen
vollzogen habe. Dieſe Anſchauung iſt unzutreffend Der
Reichsverband als ſolcher hat keinen Anlaß genommen,
ſeine ſeitherigen Anſchauungen in dieſer Frage abzu=
ändern
.
Luther=Feſtſpiele. Die neunte Aufführung
findet Samstag, den 9 November, abends 7 Uhr als
Volksvorſtellung zu halben Preiſen (30 Pfg., 50 Pfg.,
1 Mk., 1,50 Mk. und 2 Mk.) ſtatt. Die zehnte und
letzte Aufführung zur Feier von Martin Luthers
Geburtstag Sonntag, den 10. November, nachmittags
4 Uhr.
Richard=Wagner=Verein. Das heutige Jubi=
läumskonzert
des Vereins war bereits geſtern
nahezu vollſtändig ausverkauft, ſo daß an der Abendkaſſe
faſt keine Kartenabaabe mehr ſtattfinden kann. Das
Publikum ſei nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß
das Konzert pünktlich um ½8 Uhr beginnt, und daß es=
wegen
des Erſcheinens der Allerhöchſten Herrſchaften
dringend erwünſcht iſt, daß ſpäteſtens um 7½ Uhr die
Plätze eingenommen werden.
* Der heutige Vortragsabend im Hotel Zur
Traube, zu dem unſere Flugſtudien= Geſell=
ſchaft
und der Luftflotten=Verein einladen,
bietet unſerer Stadt inſofern ein beſonderes Intereſſe,
als die Frage der Erbauung einer Luftſchiff=
halle
und die Gründung einer Luftwerft
von der Finanzgruppe, welche das Bucherſche Lenkluft=
ſchiff
und den Dorpeldecker Condor des Herrn von
Klöſterlein baut, im Anſchluſſe an den Vortrag erörtert
werden wird. Direktor Waner aus Heidelberg iſt zu
dieſem Zwecke bereits eingetroffen.
* Der Basler Hilfsverein für die Frauenmiſſion
in den Heidenländern wird ſeinen ſeit längerer Zeit
vorbereiteten Verkauf zum beſten des Miſſions=
werkes
Mittwoch, den 13. November, vormittags bis
6½ Uhr abends im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ab=
halten
. Die Verkaufstiſche ſind von vielen freundlichen
Geberinnen reich ausgerüſtet worden. So werden die
Käufer gute Gelegenheit haben, ihren Bedarf für Armen=
beſcherungen
und Weihnachtsgeſchenken nach ihren
Wünſchen zu befriedigen. Auch der Tiſch mit feineren
Korbwaren, Spielſachen und Miſſionsſchriften verdient
Beachtung. Ein Büffet mit Kakao, Tee, Kuchen,
Brötchen ſorgt für Erfriſchungen. Sollten Freunde der
Sache noch weitere Gaben bereit halten, ſo werden
dieſe auch jetzt noch mit herzlichem Dank durch Frau
Miſſionar Gengnagel, Erbacherſtraße 61, und Freiin
W. Riedeſel zu Eiſenbach, Wilhelmſtraße 4, entgegen=
genommen
. Möchte ein recht zahlreicher Beſuch des
Verkaufes zu einem ſchönen Gewinn für das Frauen=
miſſionswerk
in den Heidenländern verhelfen.

Bulgariſcher Opfermut.

C) Ehe die Belagerung Adrianopels durch die Bul=
garen
begann, ſtellte König Ferdinand ſeinem Gene=
raliſſimus
Saſſoff die Frage, wie lange Adrianopel
einer Belagerung oder einem Angriffe trotzen könne. Die
Antwort des Generals iſt durch einen Zuſall bekannt ge=
worden
: Majeſtät, Adrianopel kann in zwei Tagen
unſer ſein, aber das fordert ein Opfer von 50000 Men=
ſchen
. Arnaldo Cipolla, der Kriegskorreſpondent der
Stampa, berichtet von dieſer Szene und erzählt, wie das
Herz des Königs ſich dieſem furchtbaren Opfer wider=
ſetzte
und wie aus dieſem Widerſtand des Zaren ſener
neue kühne und geiſtreiche Kriegsplan entſtand, der von
vornherein Kirk=Kiliſſe und Lüle=Burgas in den Mittel=
punkt
der Operationen ſtellte und jetzt das bulgariſche
Heer mit einer geradezu verblüffenden Schnelligkeit bis
nahe an die Tore von Konſtantinopel geführt hat. Die
hölzernen Häuſer Adrianopels ſtehen in Flammen und
die Truppen Rasko Dimitriefs ſind im Begriffe, gegen die
Vorlinie von Tſchataldſcha vorzubrechen. Und all das
ward erreicht, weil Bulgarien in dieſem Feldzuge der
Schnelligkeit alles geopfert hat: weil man die eige=
nen
Verwundeten zu Tauſenden ſich ſelbſt überließ, da es
unmöglich war, ſie fortzuſchaffen, weil man hinter ſich
die Tauſende und Abertauſende von Toten unbeſtattet
auf der Wahlſtatt weiter ſchlummern ließ. Von Anfang
an war dieſer Kampf ein Rennen, ein einziger Sturm,
eine raſtloſe, atemloſe Jagd nach vorn und ein einziger
wilder Schrei nach Rache und nach dem Siege, ein Schrei,
der ſich an den Kuppeln der Sophienmoſchee brechen
wird. Denn die Bulgaren werden in Konſtantinopel
einziehen. Man braucht dies Volk in Waffen während
der denkwürdigen Tage nur geſehen zu haben, um dieſe
Ueberzeugung zu gewinnen. Sie werden einziehen, weil
es ihr Wille, ihr Stolz und ihr Ziel iſt, und ſie werden
das tun, was die Ruſſen vor 35 Jahren nicht getan haben.
Die ungeheuren Opfer, die man gebracht hat, geben ihnen
dazu das Recht. Denn wenn ein Volk, ſo führt Cipolla
aus, in zwei Kriegswochen 40000 Menſchen geopfert hat
und das iſt wenigſtens die Zahl der kampfunfähig ge=
wordenen
Bulgaren dann kann dieſes Volk einen Bal=
ſam
für ſeine Wunde fordern. In Sofia allein beher=
bergt
man über 6000 Verwundete, und es gibt keine
Stadt, kein Städtchen Bulgariens, das heute ihrer nicht
Hunderte beherbergt. Auf allen öffentlichen Gebäuden
dieſes Landes weht heute die Flagge des Roten Kreu=
zes
: und doch erbleicht niemand angeſichts der furcht=
baren
=Zahl der Toten und der noch größeren der Ver=
wundeten
. Ja die Zahl wird nicht erwähnt, denn das

Verweilen bei dieſem Gedanken wäre ein Verrat am
Vaterland.
Welche Kraft und welcher Wille gibt einem ganzen
Volke die Macht, ein ſolches Wunder zu vollbringen? Wie
iſt es möglich, die Mütter zu verhindern, am Grabe ihrer
Söhne zu weinen? Ich ſelbſt ſo berichtet der Ita=
liener
, ſah dieſe Mütter zu Dutzenden den Zügen mit
den Verwundeten entgegengehen, ſah ſie mit den verbun=
denen
Kämpfern ſprechen, hörte ſie nach ihrem Manne,
ihrem Sohne fragen. Mit einem kurzen Worte erfuhren
ſie das Unglück, ihr Unglück. Aber eine wie die andere,
alle blieben ſie ſtarr und ruhig aufrecht und gingen lang=
ſam
davon, mitten durch die Menge, die Hurra ſchrie.
Das iſt der einzige Schrei, der dies Volk zum Sturm be=
rufen
hat, und es iſt auch der einzige Schrei, der die Her=
zen
der Mütter tröſtet. Ungeheuerlich iſt die Zahl der
Opfer dieſes Krieges. Aus Lüle=Burgas ſchrieb ein
Militärarzt ſeiner Familie einen Brief. Und dieſer Brief
enthielt nur das eine Wort furchtbar und darunter
die Unterſchrift. Und ſo ſind alle Briefe vom Heere. Die
Grauſamkeit des Krieges geht ihren Weg, ohne zu er=
zählen
. Seine Einzelheiten, ſeine Gräßlichkeiten und
ſeine Größe wird man erſt am Tage nach dem Frieden
erfahren. Dann vielleicht werden die Männer ſprechen;
heute können ſie es nicht. Heute ſind in Bulgarien alle
Gefühle, alle Zärtlichkeit, alle Liebe, aller Schmerz auf=
gehoben
, ſind aufgehoben wie jede Tätigkeit, die nicht
zum Kriege gehört. Und vielleicht nie wird man erfah=
ren
, wie in den Bulgaren der Inſtinkt des Menſchen
ſprach, der mit eigener Hand das Blut des Feindes ver=
gießen
muß, das Blut dieſes Feindes, der ſeine Schuld
nur mit dem Leben bezahlt. In Kirk=Kiliſſe mußte Ge=
neral
Dimitrief ein Kavallerieregiment vorſchicken, nur
um ein Infanterieregiment aufzuhalten und zurückzu=
holen
, das im wilden Haſſe und in wilder Begeiſterung
zu einem ſinnloſen Angriff vorſtürmte und durch die Offi=
ziere
nicht mehr gehalten werden konnte. Zwiſchen Kirk=
Kiliſſe und Adrianopel ſind zwei ganze Infanterieregi=
menter
, das erſte und das ſechſte, durch derartige wilde
Angriffe buchſtäblich vernichtet worden; von
dieſen zwei ganzen Regimentern ſind 3 Offiziere und 70
Mann übriggeblieben. Und es iſt keine Phraſe, ſondern
Wirklichkeit, daß die Soldaten ſich gegenſeitig zuſchworen,
eher Selbſtmord zu verüben, als in die Hände der Tür=
ken
zu fallen. Im Falle dieſer beiden Regimenter iſt die=
ſer
grauſige Schwur von Hunderten gehalten worden.
Und während draußen in Thrazien die Armee ringt,
kämpft und ſiegt, während die erſten Reſerveformationen
jubelnd zur Grenze ziehen, arbeitet man ſieberhaft an
der Formation der zweiten Linie an der Ausbildung
der Erſatztruppen. Von allen Seiten ſtrömen die Frei=

willigen herbei, werden ausgebildet, üben und war=
ten
auf den Augenblick, daß ſie endlich, endlich hinaus
dürſen. Dieſes zweite Heer umfaßt nicht weniger als
100000 Männer, Männer aller Berufe und aller Lebens=
alter
. Schon am 31. Oktober ſind die erſten Formationen
dieſer Erſatzkorps gegen die Grenze zu in Bewegung ge=
ſetzt
worden; allein Sofia ſendet 10000 neue Kämpfer
zur Front Und während auf der einen Seite der Haupt=
ſtadt
die Züge mit den Verwundeten einlaufen, marſchie=
ren
am anderen Ende zu Fuß die neuen Truppenkörper
hinaus, hinaus in den Kampf, hinaus auf den Spuren
der ſieggekrönten Brüder. Sie ziehen vorbei an den Häu=
ſern
, in denen die Verwundeten liegen, und von drinnen
antworten die zu Krüppeln Geſchoſſenen weinend und
jubelnd mit den Strophen des Kriegsliedes, in
dem es heißt: Haſt Du zwei Hände und ein Auge, mehr
brauchſt Du nicht, um in den Krieg zu ziehen, das Blei,
das ſuchſt Du bei den Türken.
Und dieſe Kriegsweiſen ſpiegeln den Geiſt dieſes
Volkes, das hinauszog, nur erfüllt von dem Willen zum
Siege. In einem Zeitalter der komplizierteſten und bei=
ſpiellos
vervollkommneten Kriegskunſt, in einem Zeit=
alter
, da Europa von Luftkriegen träumt, haben die Bul=
garen
vor den Augen Europas einen Krieg mit dem
Bajonett gewonnen; und ſie hätten auch geſiegt,
wenn ſie nur mit Dolchen bewaffnet ausgezogen wären.
Ohne Buchſtabenweisheit, ohne Tauſende von Elemen=
ten
, die von einem modernen Heere untrennbar ſcheinen,
ohne Kavallerie, mit karger Munition, ohne Geld, ver=
fügten
ſie nur über eine Kraft, die jeder beiſteuerte, über
Mut und Opferfreudigkeit. Denn während draußen die
Soldaten kämpfen, ringt hier ein ganzes Land ſtumm
mit der Not: die Familien der Einberufenen ernähren
ſich mit 40 Centimes am Tage, die Beamten verzichten
auf ihr Gehalt. Blut, Tränen, Hunger, Entbehrungen,
alles bringt dieſes Land freudig dar, dieſes Volk, das
kaum ſo zahlreich iſt, wie die Bevölkerung von London.
Man muß ſich vorſtellen, was das bedeutet: von dieſen
Tauſenden von Verſtümmelten, Verkrüppelten, die heim=
kehren
, verrät nicht einer auch nur dem am meiſten ge=
liebten
Menſchen den Namen des Ortes, wo er fiel. Denn
ſo will es das Kriegsgeſetz. Keiner der Heimgekehrten
öffnet die Lippen, um von ſeinen Eindrücken und Erleb=
niſſen
zu erzählen. Und keiner wird der Mutter, dem
Weibe, der Schweſter des neben ihm gefallenen Kame=
raden
verraten, daß der Sohn, der Mann, der Bruder
nicht mehr unter den Lebenden weilt. Dieſes undurch=
dringliche
Geheimnis, das über dieſem Kriege waltet,
iſt das erſtaunlichſte, iſt nur möglich, wenn ein gan=
zes
Volk. Menſch um Menſch, ſich freudig
für das Vaterland opfert.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Seite 3.

B Handelskammerwahlen. Die Handelskammer macht
im Anzeigenteil des heutigen Blattes die Termine für die
Vornahme der Handelskammerwahlen der ver=
ſchiedenen
Erwerbsgruppen bekannt.
* Rekruten=Vereidigung. Die Vereidigung der
in dieſem Herbſt neu eingetretenen Rekruten, ſowie der
Einjährig=Freiwilligen findet für ſämtliche Truppenteile
der Garniſon und des Truppenübungsplatzes heute
Donners tag vormittag im Exerzierhauſe am
Ererzierplatz ſtatt. Der Vereidigung geht für beide Kon=
feſſionen
Gottesdienſt in den betreffenden Kirchen vor=
aus
.
D Die Städtiſche Rechtsauskunftsſtelle, Waldſtraße 6,
Telephon Nr. 2516, erteilt unentgeltlich Rat und Auskunft
in Rechtsangelegenheiten und iſt bei Verfolgung begrün=
deter
Anſprüche durch koſtenloſe Anfertigung von Schrift=
ſätzen
behilflich. In Arbeiterverſicherungsſachen über=
nimmt
ſie auch die Vertretung der Verſicherten vor den
Verſicherungsbehörden. Im Monat Oktober haben 402
Ratſuchende die Rechtsauskunftsſtelle in Anſpruch genom=
men
; hiervon waren 212 Männer und 190 Frauen, 56
Arbeitgeber, 259 Arbeitnehmer und 87 ſonſtige Perſonen.
An Schreiben und Schriftſätzen wurden 100 angefertigt.
In 30 Fällen fanden Vergleichsverhandlungen ſtatt. Der
abgelaufene Monat ergab die ſtärkſte Inanſpruchnahme
der Rechtsauskunftsſtelle ſeit ihrem Beſtehen (1907). Ueber
die friedensrichterliche Tätigkeit der gemeinnützigen
Rechtsauskunftsſtelle und ihre Ausgeſtaltung im Dienſte
der Rechtspflege bringt die neueſte Nummer der Deutſchen
Juriſten=Zeitung wertvolle Ausführungen. Es wird dar=
gelegt
. wie gerade die Rechtsauskunftsſtellen berufen ſind,
vermeidbare Prozeſſe in Bagatellſachen zu verhindern
und Armenrechtsprozeſſen durch ihre aufklärende und ver=
mittelnde
Tätigkeit vorzubeugen. Schon heute entfalten
die gemeinnützigen Rechtsauskunftsſtellen nach dieſer
Richtung hin eine ausgedehnte Tätigkeit. In noch weit
höherem Maße werden ſie aber der Rechtspflege und dem
Rechtsfrieden dienen können, wenn ſie bei der bevorſtehen=
den
Reform der Zivilprozeßordnung in den Organismus
unſerer Rechtspflege eingeliedert und ihnen alle die Auf=
gaben
zugewieſen werden, zu deren Löſung ſie ganz be=
ſonders
berufen erſcheinen. Die Vorſchrift eines Vor=
termins
vor der Rechtsauskunftsſtelle in allen Streit=
ſachen
mit einem Objekt unter 100 Mark und in allen ver=
mögensrechtlichen
Armenprozeſſen, würde die Gerichte
Vvorausſichtlich außerordentlich entlaſten und auch den
(Rechtsanwälten die Laſt der Armenanwaltſchaft bedeu=
tend
erleichtern. Man kann nur wünſchen, daß die Re=
form
unſeres Prozeßrechtes dieſen Erwägungen hin=
reichend
Rechnung trägt.
Warnung. Dr. Hawleys Kropfkur wird als Goitre
Streatment oder als Kropfmittel des Dr. L. Bertram
Hawley oder der New=York Medical Co in Rocheſter in
(Tageszeitungen, Unterhaltungsblättern uſw angekündigt:
Filialen werden in Paris, Rue de l'Isly Nr. 9, und in
Mailand, Via Torino Nr. 21, unterhalten. In einer Der
Kropf (Schilddrüſengeſchwulſt) und wie derſelbe ohne
ſchirurgiſche Operation geheilt werden kann betitelten
Druckſchrift wird die in dieſer Schrift gerühmte Behand=
hlungsweiſe
als das einzige Heilmittel hingeſtellt, das den
Kropf entfernt, unter welchen Erſcheinungen ſich dieſer
auch immer zeige. Die Behandlungsweiſe, durch deren
Anwendung in den drei letzten Jahren angeblich 60 000
Perſonen von Kropfleiden befreit worden ſein ſollen, wird
u. a. als eine himmliſche Vorſehung bezeichnet. Die
Beſtandteile der bei der Behandlung in Anwendung ge=
brachten
Präparate werden geheim gehalten. Der Preis
für die Behandlung beträgt 100 Mark, in Ausnahmefällen
950 Mark. Um die Höhe dieſes Preiſes dem Publikum
gegenüber zu rechtfertigen, heißt es in der genannten
Druckſchrift (Seite 23), daß der Patient nicht nur die
Arznei an und für ſich, ſondern auch den Dienſt, die Ge=
nugtuung
, das Vertrauen und die Gewißheit eines guten
Erfolges bezahlen müſſe, die ihm die Behandlung geben
wird, wenn er ſich derſelben unterwirft. Es handelt
ſich um ein ſchwindelhaftes Geheimmittel, vor deſſen Be=
zug
die Bevölkerung gewarnt wird.
* Detailhandels=Berufsgenoſſenſchaft. Bei der in
Berlin abgehaltenen konſtituierenden Verſammlung der
* Detailhandels=Berufsgeenoſſenſchaft wurde
der Vorſitzende des hieſigen Detailliſten=Vereins, Herr
Wilhelm Kalbfuß, zum ſtellvertretenden Vor=
ſitzenden
der neugegründeten Genoſſenſchaft gewählt.
Sterbekaſſe=Verein. In voriger Woche ſtarb im
Alter von 71 Jahren die langjährige, treue und un=
ermüdliche
Dienerin des Sterbekaſſe=Vereins
Darmſtadt, Frau Barbara Lenges, hier. Da ſie ſich
durch ihre Unverdroſſenheit und Freundlichkeit die

Achtung aller Mitglieder erworben hatte, wird ihr
Heimgang ſeitens des ganzen Vereins aufrichtig be=
dauert
.
Verein für Vogel= und Geflügelzucht (älterer Ver=
ein
). In der im Vereinslokale zur Krone abgehaltenen,
von 59 Mitgliedern beſuchten Monatsverſamm=
lung
gab zunächſt Herr Brohm der Verſammlung be=
kannt
, daß der Diener des Vereins Herr Karl Bott ge=
nau
25 Jahre in Dienſten des Vereins ſteht. In einer
ſchönen Anſprache ehrte er den Jubilar und überreichte
ihm ein von den Mitgliedern geſtiftetes namhaftes Geld=
geſchenk
. Hierauf berichtete Herr Stoll über die lang=
jährige
Tätigkeit des Jubilars im Darmſtädter Brief=
taubenklub
, welchem Verein er ſeine Kräfte bereits ſeit
18 Jahren zur größten Zufriedenheit zur Verfügung ge=
ſtellt
habe. Der Vorſitzende gab ſodann der Verſamm=
lung
bekannt, daß der Anmeldetermin für die Arheiliger
allgemeine Geflügel=Ausſtellung vom 4. bis 7. November
verlängert wurde. Als Einläufe ſind zu bezeichnen
die Aufnahme zweier neuer Mitglieder, und zwar
der Herren Fr. Mund, Reſtaurateur, und A. Lang,
Militär=Effektenhändler. Herr H. Heß hielt unter
den verſammelten Mitgliedern Umfrage, welche
Herren noch gewillt ſeien, ihre Dienſte bei den
Ausſtellungs=Kommiſſionen zur Verfügung zu ſtel=
len
, worauf ſich noch verſchiedene bereit erklärten.
Der Vorſitzende teilte weiter mit, daß alle Vor=
bereitungen
für die am 30. November bis 2. Dezember im
Mathildenhöhſaal ſtattfindenden Ausſtel=
lung
getroffen ſeien. Es entſpann ſich nunmehr eine
längere Debatte über Ausſtellung und Prämiierung von
Sammelklaſſen, welche ſchließlich durch einen Vorſchlag
des Vorſitzenden, über welchen er die Verſammlung ab=
ſtimmen
ließ, ihre Erledigung fand. Herr Brohm ſtellte
den Antrag, für Ausſteller von Brieftauben wie im
Vorjahre für beſondere Flugleiſtungen aus der Vereins=
kaſſe
25 Mark zur freien Verfügung der Preisrichter zu
ſtellen, was einſtimmig genehmigt wurde. Herr Stoll
will mit dem Vorſtande des Brieftauben=Klubs unter=
handeln
, damit evtl. ein beſonderer Flug arrangiert
wird. Die Firma C. J. Wenz, Hoflieferant, hier
ließ eine preiswerte Knochenmühle Heureka vor=
führen
, welche den allgemeinen Beifall der Verſammlung
fand Es kam ſodann ein ſchöner Stamm 1,2 Gold=
Wyandottes zur Verloſung und war der alückliche Gewin=
ner
Herr Stukkateur J. Zabel. Der Vorſitzende teilte noch
mit, daß die Anmeldebogen für die am 30. November bis
2. Dezember ſtattfindende Vereins=Ausſtellung den Mit=
gliedern
noch im Laufe dieſer Woche zugehen. Den Schluß
der angereat verlaufenen Verſammlung bildete die Gra=
tis
=Verloſung von Futter.
* Odenwald=Klub. Wie ſeither, ſo wird die Orts=
gruppe
Darmſtadt auch in dieſem Herbſt und Winter
Vorträge mit Vorführung von Lichtbildern veran=
ſtalten
. Der große Vortrag findet bereits am 7. No=
vember
, abends 8½ Uhr (pünktlich), im Gartenſaal des
Städtiſchen Saalbaues ſtatt. Herr Kaufmann Paul Kruſe
wird über Freiburg i. B. und der ſüdliche Schwarz=
wald
ſprechen. Die Mitglieder und Freunde des
Klubs ſeien auch an dieſer Stelle auf die Veranſtaltung
hingewieſen.
* Elferfeier der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla Wie
ſchon gemeldet, veranſtaltet die Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla zur Eröffnung der Karnevalſaiſon 1913 in
ſämtlichen Räumen des Kaiſerſaales,Fürſtenſaales
am Sonntag, den 10. November eine Elferfeier. Die
Narrhalla will mit dieſer Eröffnungsfeier wieder all
die zahlreichen Getreuen um ſich ſammeln, die die Freuden
echten karnevaliſtiſchen Treibens bei der Narrhalla zu
ſchätzen wiſſen und ſie will auch neue Freunde werben
für ihre Veranſtaltungen in einer Zeit, wo man nur
wünſchen kann, daß mehr denn je fröhliche Ausgelaſſen=
heit
grauen Alltags=Sorgen und Forderungen gegenüber
einen heilſamen Ausgleich bietet, wie ihn die oft beklagte
Hochflut alltäglicher Vergnügungen kaum gewährt. Und
ein ſolches Leben und Treiben, wie es ſich am nächſten
Sonntag, 8.11 Uhr im Kaiſerſaal entfalten wird, hat
man nicht alle Tage. Der bekannte Ruf der Kapelle Weber
bürgt dafür, daß das karnevaliſtiſche Konzert in die nötige
Stimmung verſetzt und dann wird der übliche Tanz, der
ſchon bald nach der Eröffnung im Fürſtenſaale einſetzt,
dafür ſorgen, daß die gleichgeſtimmten Seelen ſich zu=
ſammenfinden
. Einen beſonderen Jubel wirds geben,
wenn die Begrüßung des neuen Karnevals erfolgt. Wer
möchte dieſen hiſtoriſchen Moment verſäumen! Auch da=
rauf
ſei hingewieſen, daß die zahlreichen oberen Neben=
räume
, in denen lauſchige Niſchen errichtet wurden, den

Beſuchern geöffnet ſind. Aber es ſei nicht zu viel ver=
raten
. Gerade der Umſtand, daß die Narrhalla jedem,
der ihre ſtets gelungenen Feſte beſuchte, etwas Eignes
bieten wollte und konnte, ſchaffte bisher ihren Veranſtal=
tungen
den Ruf, den ſie auch mit der neuen Eröffnungs=
eier
aufrecht zu erhalten beſtrebt ſein wird.
* Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 7 des Adreß=
buches
für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter Heuß,
Friedrich, bis Junghaus, Georg Martin, liegt auf
dem Hauptmeldebureau, Hügelſtraße 31/33, Zimmer
Nr. 13. während der Bureauſtunden (812 Uhr vor=
mittags
und 26 nachmittags) bis zum 9. November
vormittags, zur Einſichtnahme offen.
-g. Flüchtiger Sträfling. Der am vorigen Mittwoch
von der hieſigen Strafkammer wegen zweier in Offen=
bach
und Sprendlingen verübten Wechſelſchwindeleien zu
einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilte
Architekt Guſtav Mez aus Mannheim iſt auf dem
Transport in die Strafanſtalt Plötzenſee in Char=
lottenburg
entwichen. Mez war bereits von einem
Berliner Gericht wegen ähnlicher Vergehen im Februar
zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, war aber
auf Erſuchen für kurze Zeit beurlaubt. Die hieſige Straf=
kammer
ordnete nach ſeiner Verurteilung die ſofortige
Verhaftung an, da bei der hohen Strafe Fluchtverdacht
vorlag. Mez hat nun trotzdem Gelegenheit gefunden, ſich
vorläufig der Strafvollſtreckung zu entziehen.
§ Ueberfall. Am Dienstag abend zwiſchen 8 und
9 Uhr wurde an der Ecke Wald= und Wilhelminenſtraße
eine ältere Dame von einer unbekannten Mannsperſon
zu Boden geworfen und ihr elne ſchwarze Handtaſche
mit etwa ſechs Mark, ſowie noch verſchiedenen Waren
Inhalt gewaltſam entriſſen. Der Täter ergriff unter
Mitnahme der Handtaſche die Flucht in der Richtung
nach der Altſtadt.
Eberſtadt, 6. Nov. Die Neue Eberſtädter Zeitung
ſchreibt zur Frage der Eingemeindung Eber=
ſtad
ts nach Darmſtadt und der Frage der elek=
triſchen
Bahn: Die Eingemeindung und die Elek=
triſche
hält hieſige gut ſituierte Leute zurück und bringt
noch neue hinzu. Seither kam es nicht ſelten vor, daß
ſteuerkräftige Leute uns wieder verließen und nach der
Stadt überſiedelten. Sobald jedoch Eberſtadt Darmſtadt
eingemeindet iſt, fällt jeder Grund hinweg, ſonſtwo ſeinen
Wohnſitz zu wählen. Wer in Eberſtadt wohnt, wohnt
dann auch in Darmſtadt, kann während des ganzen Tages
alle viertel Stunden und noch öfters hin und zurück fahren
uſw. Auch iſt anzunehmen, daß dann wenigſtens manche
Eilzüge am Main=Neckar=Bahnhof halten und unſer jetzi=
ger
Bahnhof in Darmſtadt=Süd umgetauft wird. Die
Reiſenden, die von der Bergſtraße kommen und nach dem
ſüdlichen Stadtteil Darmſtadts wollen, ſteigen dann am
beſten in Eberſtadt aus und benützen vom Bahnhof Eber=
ſtadt
aus die elektriſche Bahn. Unſere Gemeindevertre=
tung
hat auch früher in anerkennenswerter Weiſe manches
getan, um Fremde anzuziehen. Erinnert ſei nur an den
preiswerten Verkauf von Bauplätzen im Villenviertel
und am Bahnhof für Anlegung von Fabrikbetrieben. Aber
ganz beſonderen Dank würde ſie verdienen, wenn durch
ihre Bemühungen der Wunſch der Bevölkerung: Einge=
meindung
und Elektriſche bald erfüllt würde. Denn manche
Beamte wären ſchon längſt wegen der günſtigen Lage
und den billigen Wohnungsverhältniſſen nach Eberſtadt
gezogen, wenn ſie nicht die Pflicht hätten, in Darmſtadt,
woſelbſt ſie angeſtellt ſind, auch zu wohnen. Erſt die
Eingemeindung macht ihnen dies möglich. Auch iſt es
ſicher, daß alsdann neue Fabriken in Eberſtadt erbaut
werden, und daß von Darmſtadt aus gelegentlich auch
höhere Schulen, Erholungsheime, Penſionate, Kranken=
häuſer
, Kaſernen uſw. im Stadtteil Eberſtadt errichtet
werden. Dies alles bringt Eberſtadt unſchätzbare Vor=
teile
. Daher nicht ruhen und raſten, bis es gelingt, die
Eingemeindungsfrage zu einem günſtigen Abſchluß zu
bringen! Es darf nicht mehr lange heißen: Eberſtadt bei
Darmſtadt, ſondern muß bald heißen: Darmſtadt= Eber=
ſtadt
. Das klingt ganz anders. Auch in Darmſtadt
würde man ſich gewiß über die baldige Eingemeindung
freuen.
Pfungſtadt, 6. Nov. Die Zentrale des heſſi=
ſchen
Gelbrübenhandels bildet in dieſem Jahre
unſere Stadt. Enorme Mengen Gelbrüben kommen täg=
lich
hier zum Verſand. Insbeſondere decken jetzt viele
größere Städte des Inlandes und der Schweiz, ſowie
Surrogat= und Marmeladefabriken jetzt ihren Bedarf.
Bezahlt wird für den Zentner Gelbrüben 1,20 Mark.

Zum 50jährigen Jubiläum von
Richard Wagners Meiſterſinger=Vorſpiel.

Das Programm, auf dem die Leipziger Ur=
aufführung
des Meiſterſinger=Vorſpiels, die nach
dem Manuſkript erfolgte, im Oktober 1862 angezeigt
wurde, hatte folgenden Wortlaut:
Konzert von Wendelin Weißheimer im
Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, Sonnabend,
den 1. November 1862. Unter Mitwirkung der Herren
Hofkapellmeiſter Richard Wagner, Hofpianiſt Hans
p. Bülow Muſikdirektor John; Opernſänger Rüb=
ſamen
und Fräulein Leſſiak. Die Ausführung der Chöre
durch Mitglieder mehrerer Geſangvereine, ſowie den
Akademiſchen Geſangverein Arion. Erſter Theil: Vor=
ſpiel
zu die Meiſterſinger von Nürn=
berg
von Richard Wagner. (Neu.) Unter
der Leitung des Komponiſten. Das Grab im
Buſento‟ Ballade für Baßſolo, Männerchor und
Orcheſter, komponiert von W. Weißheimer. Das Solo
geſungen von Herrn Rübſamen. Konzert für das Pia=
noforte
, in A=dur (Nr. 2), von Franz Liszt, vorgetragen
von Herrn v. Bülow. O lieb, ſo lang du lieben kannſt.
1 Kantate für gemiſchten Chor und Solo mit Orcheſter von
W. Weißheimer. Zweiter Theil: Ritter Toggenburg
Symphonie in einem Satze (5 Theile) für großes Orcheſter
von W. Weißheimer. Chöre: I. Trocknet nicht,
Thränen der ewigen Liebe II. Frühlingslied; kompo=
niert
von W. Weißheimer. Der Zwiegeſang im Früh=
lingslied
, geſungen von Fräulein Leſſiak und Herrn John.
Ouverture zur Oper Tannhäuſer von Richard Wag=
ner
. Unter Leitung des Komponiſten.
Die Signale für die muſikaliſche Welt ſchrieben da=
mals
darüber: Herr Wendelin Weißheimer, ein
eifriger Anhänger der weimariſchen Schule, hat am ver=
gangenen
Sonnabend (den 1. November) im Saale des
Gewandhauſes ein Konzert veranſtaltet, in welchem er
nicht nur verſchiedene Kompoſitionen von ſich vorführte,
ſondern welchem er auch dadurch ein beſonderes Relief
zu geben wußte, daß er Richard Wagner zur Mit=
wirkung
gewonnen hatte. Von dieſem ſei alſo zuerſt die
Rede. Er eröffnete das Konzert mit der Direktion des
Inſtrumentalvorſpieles zu Die Meiſterſinger
zu Nürnberg, ſeinem neueſten, wohl noch nicht

ganz vollendeten muſikaliſch=dramatiſchen Werke. Bei ob=
genanntem
Titel muß einem zuvörderſt unwillkürlich auf=
fallen
, daß Wagner von ſeinem in ſeinen Schriften ge=
predigten
Grundſatze: man dürfe Stoffe zur Oper (oder
zum Muſikdrama, wie er es nennt) nur aus der Sage
holen abgegangen iſt. Geſteht er damit die Unhalt=
barkeit
des Grundſatzes zu? Oder hat er die Meiſter=
ſingerei
zu Nürnberg ebenſo wie den Sängerkrieg aufeder
Wartburg mit einer Sage in Verbindung geſetzt?
Beide Annahmen, von denen allerdings die zweite die
erſte in etwas aufhebt, ſind erſt nach Bekanntwerden der
ganzen Oper zu entſcheiden. Nun zu dem in Rede ſtehen=
den
Vorſpiel ſelbſt! Die etwaigen Beziehungen desſelben
zur darauffolgenden Oper kennen wir natürlich nicht
kümmern uns auch nicht ſonderlich darum, denn das ſpe
zifiſch Muſikaliſche, abgetrennt von allem äußerlich Cha=
rakteriſierenden
, iſt uns Hauptſache. Als Muſikſtück an
ſich nun dem Vorſpiel nur den mindeſten Geſchmack abzu=
gewinnen
, ſind wir nicht imſtande. Es iſt reizlos, wüſt,
nnüberſchaulich, weil ohne gehörige melodiſche und
rhythmiſche Gliederung; die Erfindung iſt ebenſo barock
wie die Ausarbeitung unorganiſch, verworren und unbe=
holfen
. In dem ganzen Stücke iſt nichts, woran entweder
der Laie oder der Muſiker Freude haben könnte, eben aus
den oben ausgeſprochenen Gründen. Oder wird man,
um nur vom Muſiker zu reden, die vorkommende Ver=
arbeitung
mehrerer Themen zu gleicher Zeit uns als
Muſtermuſik muſikaliſcher Kombination entgegenhalten
wollen? Dann erklären wir, daß es an ſich gar keine ſo
ſtupende Kunſt iſt, verſchiedene Themas miteinander zu
bringen und daß es bei derlei Verknüpfungen als Haupt=
ſache
darauf ankommt. immer durchſichtig, klar und faßlich
zu erſcheinen. Und iſt dies der Fall bei den bewegten
Stellen im Vorſpiel? Nein und abermals nein! Ein
Thaos, ein Tohu=Wabohu iſt vorhanden, weiter nichts
Nun noch eins. Die Meiſterſinger ſollen, wie wir ver=
nehmen
, eine komiſche Oper ſein; dieſes Vorſpiel aber
mit ſeinem aller Heiterkeit abſolut baren, rohen und lär=
menden
Weſen mit ſeiner ungeſunden Aufgedunſenheit
läßt in der Tat keinen günſtigen Schluß auf die Fähigkeit
Wagners zur komiſchen Oper ziehen. Ueberigens mußte
das Vorſpiel, auf Verlangen verſchiedener Enthuſiaſten
da capo geſpielt werden, was nur dazu diente, unſere An=
und Einſicht von der Sache noch mehr zu befeſtigen.

Im Gegenſatz hierzu brachte die damals vielgeleſene
Mitteldeutſche Vol ks zeit ung folgenden
Kunſtbericht:
Konzert von Wendelin Weißheimer unter Mit=
wirkung
der Herren Hofkapellmeiſter Richard Wagner ꝛc.
Dies Konzert fand im Gewandhausſaal am 1. November
vor einem mehr gewählten als großen Publikum ſtatt,
das ſicher ein zahlreicheres geweſen wäre, wenn die Preis=
ſtellung
nicht über den hieſigen Maßſtab hinausgegangen
wäre, zu deſſen Ueberſchreiten unſere Geldleute (wie auch
dieſelben Erfahrungen im Theater bezeugen) ſich nicht be
wegen laſſen. Da Herr Richard Wagner in die=
ſem
Konzerte zum erſtenmal in der ſächſiſchen Heimat er
ſchien und dirigierte, ſo war es doppelt natürlich, daß ihr:
das Hauptintereſſe ſich zuwendete. Sein neues Vorſpie
zu Die Meiſterſinger von Nürnberg mit dem er da
Konzert eröffnete,, war aber auch ein Werk von ſolche
Friſche, Anmut und Großartigkeit, daß es augenblickli=
in
allen Herzen zündete und unter lautem Beifallsjubel ſtür
miſch da eapo verlangt ward, ein Wunſch, dem der gefeier
Dirigent, wie das ſelbſt mit Enthuſiasmus ſpielend
Orcheſter mit dankenswerter Bereitwilligkeit entſprache
und die Wiederholung ward durch das nun erreich
höhere Verſtändnis zum doppelten Genuß. Das ed!
Nürnberg, Das Reliquienkäſtchen des deutſchen Reichs
öffnete ſich wieder einmal vor uns, und dem Meiſter deu
ſcher Tonkunſt war es vorbehalten, daraus einen neue
Schatz zu heben und in Tönen die Blütezeit des Mitte
alters vor uns hinzuſtellen. Nach dieſem Vorſpiel.
ſchließen, haben wir in den Meiſterſingern ein friſche
und urdeutſches Werk zu erwarten, das Wagners Pop;
larität mit einem Male verdoppeln wird. Mit gleichen
Enthuſiasmus ward die Tannhäuſer=Ouvertüre zum B=
ſchluß
aufgenommen, die der Komponiſt ohne Partitt
dirigierte, und die ſo präzis und vollendet geſpielt war
wie wir ſie noch nie gehört. Lächelnd mußten wir an da
Schickſal denken, das dieſe Ouvertüre vor achtzehn Jahre
an derſelben Stelle und geſpielt von demſelben Orcheſt=
hatte
! Diesmal erhob ſich das ganze Publikum m
lautem dreimaligen Hoch für Wagner in das der Tuſ
des Orcheſters einſtimmte. Dem höchſten Kunſtgem
miſchte ſich die Freude, den Langentbehrten wieder
grüßen zu dürfen.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Nummer 263.

Gernsheim, 6. Nov. Eine Aenderung der Gen=
darmeriebezirke
iſt vor kurzem erfolgt. Zum Be=
zirk
Gernsheim kam Crumſtadt, Geinsheim kam zum Be=
zirk
Goddelau und Trebur zum Bezirk Biſchofsheim. Im
ganzen Kreiſe ſind jetzt ſechs Gendarmerieſtationen mit 32
Orten.
Offenbach, 6. Nov. In Koblenz wurde ein frecher
Gauner verhaftet, der auch in der hieſigen Gegend ſein
Unweſen getrieben und in Offenbach und Frankfurt
Pelze im Werte von 3000 Mark geſtohlen hatte. Der Ver=
haftete
, der unter falſchem Namen operierte, entpuppte ſich
als der Kellner Hermann Weisheit aus Koburg. Seine
Feſtnahme in Koblenz erfolgte wegen eines Sittlichkeits=
verbrechens
. In Darmſtadt hatte er einen Wirt um
75 Mark geprellt und ein Motorrad geſtohlen, das er in
Koblenz verſetzte.
sd. Beerfelden, 5. Nov. Das Automobil des
Brauereibeſitzers Breimer von hier ſtieß am geſtri=
gen
Nachmittag zwiſchen Olfen und Affolterbach mit
einem Fuhrwerk aus Hiltersklingen zuſammen.
Wagen und Pferde blieben unbeſchädigt. Der Lenker des
Wagens erlitt einen ſchweren Beinbruch. Nach
angeſtellten Ermittelungen trifft den Führer des Kraft=
wagens
keine Schuld.
Birkenau, 6. Nov. Da die Aufhebung des hie=
ſigen
Poſtamts und die Errichtung einer Poſtagen=
tur
am hieſigen Platze ſich zu verwirklichen droht, zirkuliert
gegenwärtig unter der hieſigen Bevölkerung eine Bitt=
ſchrift
zur Unterſchrift, in welcher unter Klarlegung der
Gründe die Oberpoſtdirektion gebeten wird, von einer Ver=
legung
des hieſigen Poſtamts nach Mörlenbach abſehen
zu wollen.
Lampertheim, 5. Nov Geſtern wurde hier in der
Hauptſtraße mit dem Verwiegen des Tabaks und
zwar des ſogenannten Sandblatts das ſind die
unteren Blätter des Tabaks, die früher geerntet werden,
als der eigentliche Tabak, begonnen. Es wird in dieſem
Jahre zumeiſt ſehr ſchöne Ware geliefert. Obwohl
der Tabak dieſes Jahr auch qualitativ ſehr gut ausge=
fallen
iſt, ſo werden doch verhältnismäßig gute Preiſe er=
zielt
. Es werden für das Sandblatt 3132 Mark der
Zentner bezahlt, ein Preis, der vielfach nicht für den Ta=
bak
erlöſt worden iſt. Ueber den Preis des Tabaks ver=
lautet
hier zurzeit noch nichts.
Mainz, 5. Nov. Auf Veranlaſſung der hieſigen
Handelskammer fand im Kaſino Hof zum Gutenberg
eine Verſammlung ſtatt, die ſich mit den Schwierigkeiten
befaßte, die ſchon ſeit längerer Zeit auf dem Immobilien=
markt
für die Beſchaffung zweiter Hypotheken eingetreten
ſind. Zu der Verſammlung waren der Herr Oberbürger=
meiſter
, die ſämtlichen übrigen Mitglieder der Bürger=
meiſterei
u. a. erſchienen. Den Vorſitz führte der Präſi=
dent
der Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat Dr.
Bamberger. Im Mittelpunkt der Verhandlungen
ſtand ein Vortrag von Dr. Freſenius, Direktor der
Landeshypothekenbank Darmſtadt, der ein Bild gab über
die ſeither von den verſchiedenſten Seiten gemachten Vor=
ſchläge
, Geld für zweite Hypotheken zu beſchaffen. Die
Haupturſache für die Unbeliebtheit der zweiten Hypotheken
bei dem Publikum erblickt der Vortragende darin, daß in=
folge
der Steigerung aller Preiſe des Lebensaufwandes
viel Kapital ſich den, höheren Gewinn verſprechenden
induſtriellen und ausländiſchen Wertpapieren zugewandt
habe, weiter darin, daß durch die unerträglich hoch ge=
wordene
Belaſtung des Immobilien=Verkehrs mit Son=
derſteuern
viele Leute von dem Kauf oder der Beleihung
von Grundſtücken und Gebäuden abgeſchreckt würden. Ab=
zulehnen
ſei, daß Spargelder für zweite Hypotheken ge=
geben
würden; höchſtens könne in Betracht kommen, Spar=
kaſſenüberſchüſſe
dafür zu verwenden. Die Gründung be=
ſonderer
Hypothekenbanken für zwei Hypotheken ver=
ſpreche
auch wenig Erfolg, ebenſo die genoſſenſchaftliche
Selbſthilfe unter den Hausbeſitzern. Für möglich hält
Redner aber in Heſſen eine Mitwirkung der Kommunen
bei der Beſchaffung zweiter Hypotheken, und zwar in An=
lehnung
an die Landes=Hypothekenbank in Darmſtadt.
In der Ausſprache, die ſich an den Vortrag anſchloß, er=
klärte
Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann, daß die Bür=
germeiſterei
die Frage der zweiten Hypotheken ſchon bis=
her
unausgeſetzt verfolgt habe. Herr Senſal Cahn bit=
tet
. auch die Beſtrebungen zu unterſtützen, die darauf aus=
gehen
, den inneren Wert der zweiten Hypotheken dadurch
zzu heben, daß die Erträgniſſe des Grundſtückes noch mehr
als bisher für die Hypotheken haftbar gemacht würden.
Herr Direktor Volk hält den von dem Vortragenden
empfohlenen Weg für durchaus gangbar und befürwortet
ihn. Es ſprachen weiter noch die Herren Gewerberat
Falk und Geh. Juſtizrat Dr. Görz. Letzterer empfahl
auch die Gründung einer Verſicherungsgeſellſchaft für
zweite Hypotheken zu erwägen, welchem Vorſchlag
gegenüber Herr Dr. Freſenius darauf hinwies, daß
bereits Verſuche mit der Hypotheken=Verſicherung gemacht
worden, aber ohne befriedigende Erfolge geblieben ſeien.
Worms, 6 Nov. Das Großherzogliche Paar wird
Freitaa, 8. ds Mts., um 10 Uhr mittels Extrazugs hier
eintreffen und ſich vom Bahnhof ſofort in das Spiel= und
Feſthaus begeben, um dort verſönlich bei der Einrichtung

des Standes der Großherzogin tätig zu ſein. Um halb
2 Uhr begibt ſich das Großherzogliche Paar in die
Wohnung des Herrn Oberbürgermeiſters zum Frühſtück.
Um 3 Uhr erfolgt die Rückreiſe. Am Samstag, 9. ds.
Mts., dem Verkaufstag, trifft das Großherzogliche Paar
wiederum um 10 Uhr mittelſt Extrazugs hier ein und
wird bis zum Sonntag um 2 Uhr im Heylshof abſteigen.
Am Sonntag nehmen die Allerhöchſten Herrſchaften
an der Einweihung der Lutherkirche teil; um
2 Uhr erfolgt die Rückreiſe mit Extrazug. Das rege In=
tereſſe
aus allen Ständen von Worms und Umgebung
läßt auf eine lebhafte Beteiligung am Verkaufstage
ſchließen. Unſere rheinheſſiſche Bevölkerung verſteht es,
Wohltaten zu üben, das hat ſie ſchon öfters zur Genüge
bewieſen. Wie wir erfahren, iſt zum Verkaufstag auch
dafür Sorge getragen, daß die verkauften Gegenſtände im
Spiel= und Feſthaus ſelbſt aufbewahrt, alsbald verpackt
und, in beſchränktem Maße, auch in die Wohnungen der
Käufer befördert werden können.
Worms, 6. Nov. Ein Unfall ereignete ſich geſtern
abend gegen 6 Uhr im Stadtteil Worms=Neuhauſen. Der
Knecht des Fuhrunternehmers Arnheiter war im
Begriff, mittels eines zweiſpännigen Karrens Fabrik=
abgänge
nach einer außer Betrieb geſetzten Grube zu fah=
ren
. Jedenfalls war der Knecht der Böſchung zu nahe
gekommen, infolgedeſſen er mit ſeinem Fuhrwerk in die
Tiefeſtürzte. Der Knecht und die Pferde kamen unter
das Fuhrwerk, und erſt nach mehr als einſtündiger Arbeit
konnten der Knecht und die Pferde aus ihrer gefährlichen
Lage befreit werden. In der Nacht zum Sonntag wur=
den
aus einem Kleidergeſchäft eine Anzahl Weſten,
Hoſen, Paletots uſw im Geſamtwerte von 420 Mark
geſtohlen. Die Türe zu dem betreffenden Raum war
mittels Nachſchlüſſels oder Dietrichs geöffnet worden. Be=
züglich
der Täterſchaft konnte bis jetzt noch nichts ermittelt
werden. Im Verlauf der geſtern vor der Strafkammer
Mainz ſtattgehabten Hauptverhandlung gegen ein ſeiner
Zeit von hier flüchtig gegangenes Wirtsehepaar wurde
ein als Zeuge vernommener junger Mann von hier
unter dem dringenden Verdacht, einen Meineid geleiſtet
zu haben, auf der Stelle verhaftet.
Guſtavsburg, 6. Nov. Heute vormittag wurde der
bei dem Ueberbau der Keſſelſchmiede auf der Guſtavsburg
beſchäftigte Taglöhner Anton Mehlinger aus Biſchofs=
heim
durch ein abſpringendes Stück Holz vom Gerüſt ge=
riſſen
und ſtürzte 11 Meter tief ab. Er hat anſchei=
nend
ſchwere innere Verletzungen erlitten und
mußte nach dem Hoſpital nach Mainz gebracht werden.
Nieder=Olm, 6. Nov. Am Montag fand im Saale
des Gaſthauſes Zur Krone die amtliche Konferenz
der Lehrer des Landkreiſes Mainz ſtatt. Ge=
heimerat
Dr. Breidert eröffnete die Konferenz mit herz=
lichen
Worten der Begrüßung. Das erſte Referat er=
ſtattete
Lehrer Roth aus Nieder=Olm über das Thema:
Heimat und Schule‟ Lehrer Ritter=Bretzenheim
verbreitete ſich mit Hilfe von Zeichnungen, Apparaten
und Experimenten über drahtloſe Telegraphie. Schulrat
Schrod gab noch einige Ausſchreibungen der Großh.
Regierung bekannt über die Ergänzungsmethode, Schul=
ſparkaſſen
und das Deutſchtum im Ausland. An die
Konferenz ſchloß ſich ein gemeinſames Mittageſſen an.
Dabei hielt Geheimerat Dr. Breidert eine bedeutſame
Rede über die Wichtigkeit der Volksſchule für die vater=
ländiſche
Erziehung im allgemeinen und über die Auf=
gabe
des Lehrers in Anſehung der Jugendpflege im De=
ſonderen
.
(*) Gießen, 5. Nov. Sein Jahresfeſt begann
heute hier der Oberheſſiſche Verein für Innere
Miſſion. An die heute nachmittag ſtattgehabte ge=
ſchloſſene
Mitgliederverſammlung ſchloß ſich um 6 Uhr ein
Feſtgottesdienſt in der Stadtkirche an. Pfarrer Mahr
aus Langsdorf hielt die Feſtpredigt. Abends um 8½ Uhr
begann in Steins Garten der Familienabend, der
ſehr ſtark beſucht war. Kirchenrat D. Schloſſer be=
grüßte
als Vorſitzender die Gäſte. Andere Herren,, da=
runter
Prof D. Schian hielten Anſprachen. Im Mittel=
punkt
des Abends ſtand der Vortrag des Chr. Ahl=
mann
Vertreter des Verbands der deutſch=evangeliſchen
Gemeinden in Paris.
Gießen, 6. Nov. Geſtern nacht wurden in der Jo=
hannesſtraße
, in der Süd=Anlage und in der Bleichſtraße
nicht weniger als zwölf Straßenlaternen zer=
trümmert
. Die ganze Bleichſtraße war die Nacht in
Dunkel gehüllt. Außerdem wurden auch die Glasſcheiben
an dem Wetterhäuschen in der Süd=Anlage eingeſchla=
gen
. Die Täter wurden vom Inhaber des Wach= und
Schließ=Inſtituts und einem Schutzmann bei dieſer Ar=
beit
betroffen und namhaft gemacht.
Friedberg, 6. Nov. Die Einnahmen des hier ab=
gehaltenen
Baſars betrugen 3000 Mark, der Rein=
gewinn
2400 Mark, wovon ein Teil dem Baufonds zur
Erbauung eines evangeliſchen Vereinshauſes zufließt.
(*) Butzbach, 5. Nov. Einen Verluſt von
211976 Mark hat die Butzbach=Licher=Eiſenbahn=
Aktien=Geſellſchaft für das abgelaufene Rechnungsjahr
1911/12 zu verzeichnen. Das Aktien=Konto beläuft ſich auf
1867000 Mark, die Schuldverſchreibungen auf 1547000

Mark. Der hieſige Gemeinderat befaßte ſich heute mit dem
Sanierungsvorſchlag der Bahngeſellſchaft.
Ortenberg, 6. Nov Während des Ortenberger
Pferdemarktes tranken noch ſpät in der Nacht drei
Burſchen in verſchiedenen Wirtſchaften. Zwei gaben ſich
als Koppelknechte aus und ſie beobachteten den dritten,
der bei Begleichung der Zeche Geld ſehen ließ. Am Aus=
gang
des Marktes trennten ſich die Koppelknechte von dem
dritten, um den Letzteren in der Nähe der Hanauer
Mühle 10 Minuten von Ortenberg, wieder einzuholen.
Die beiden Genoſſen teilten ſich in die Arbeit, einer ver=
hinderte
ihn zu ſchreien, hielt ihn umfaßt, während der
andere das Portemonnaie raubte, entleerte und dem
Beraubten wieder in die Taſche ſteckte und davonliefen
Gegen morgen ſah der Ueberwältigte, ein Dreſch=
maſchinenarbeiter
aus Wolferborn, ſeine Räuber wieden
in der Stadt und ſie konnten mit Hilfe des Polizeidieners
Kneipp verhaſtet werden. Sie wurden ins Amtsgerichts=
gefängnis
nach Ortenberg eingeliefert. Auf einem
Wagen fuhren mehrere Marktbeſucher vom Ortenbergen
Kalten Markt heimwärts. An einer abſchüſſigen Stelle
konnten die Pferde das Fuhrwerk nur ſchwer halten und
bei einem heftigen Ruck des Wagens ſtürzten drei Per=
ſonen
unter die Räder, von denen ſie arg verſchunden und
überfahren wurden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 5. Nov. Der Kaiſer
empfing den italieniſchen Miniſter des Aeußern di San
Giuliano und verlieh ihm den Schwarzen Adlerorden.
Um 8 Uhr fand bei dem Kaiſerpaar ein Diner ſtatt, an
dem der Miniſter teilnahm. Heute kurz nach Mit=
ternacht
iſt der Tiergartendirektor Freudemann nach
längerem ſchweren Leiden geſtorben. Ueber einel
neue Reklame berichten die Blätter: Die Johannis=
thaler
Bürger haben dank der Nachbarſchaft des Flug=
platzes
ſchon viel auf den Kopf bekommen‟ Daß ſie
aber von oben her mit Schokolade bombardiert wurden,
dürfte den Johannisthalern ebenſo neu wie angenehm ge=
weien
ſein. Das Parſeval=Luftſchiff Stollwerck ſollten
geſtern nachmittag eine Fahrt nach Berlin machen, um
über der Reichshauptſtadt ein Bombardement mit Schoko=
ladentafeln
zu eröffnen. Letztere befanden ſich in feſten
Umſchlägen, denen ein Bild des Stollwerck beigefügt
war. Das Luftſchiff fuhr indeſſen wegen des Nebels nurk
bis Johannisthal, und hier ließ Regierungsbaumeiſter
Hackſtaedter die Schokolade über Bord werfen. Die
Jugend ſammelte im Handumdrehen Hunderte der Brief=
täfelchen
auf. Am Sonntag wurde im Berliner Kunſt=
auktionshauſe
der Gebrüder Heilbron die Ausſtellung des
Nachlaſſes Johann Orths eröffnet als Vorſpiell
für die Verſteigerung, die am Montag, 11. November
beginnen und volle acht Tage dauern wird. Im Erd=
geſchoß
und in fünf Stockwerken iſt alles aufgeſtapelt;)
was aus den großen Sammlungen der Schlöſſer und
ſonſtigen Beſitzungen des ehemaligen Erzherzogs irgend=
wie
von Wert iſt; 28 Eiſenbahnwagen, ſchreibt
die Tägliche Rundſchau, waren dazu nötig, es nach Ber=
lin
zu ſchaffen. Nun ſteht alles, was liebevoller Sammel=
eifer
zuſammengebracht hat, noch einmal vereint, um bald
in alle vier Winde verſtreut zu werden. Es heißt, der
alte Kaiſer Franz Joſef wollte nicht, daß die Verſtei=
gerung
in Oeſterreich geſchehen ſollte, was man verſtehen
kann. Die Ausſtellung währt bis zum nächſten Sonn
tag; am Montag darauf beginnt das Bieten und Ueber=
bieten
.
Hanau, 6. Nov. Das hieſige Schwurgericht verurteiltel
den Arbeiter Koch aus Bergen wegen Ermordung ſeinen
15jährigen Tochter im Iſenburger Walde zum Tode
Das Verſchwinden der 15jährigen Anna Koch aus Ber=
gen
, die am 28. Mai d. J. mit ihrem Vater, um eine
Bluſe umzutauſchen, nach Frankfurt kam, hatte damalsg
großes Aufſehen krregt. Zwei Tage danach wurde der
Vater, der Fabrikarbeiter Guſtav Joſeph Koch, im Röder=
walde
, vollſtändig heruntergekommen, aufgefunden und
machte dem ihn verhörenden Bürgermeiſter von Bergen
Angaben, wonach er ſeine Tochter an der Konſtablerwache
in Frankfurt verloren habe. Ueber ihren Aufenthalt wollter
er keinerlei Auskunft geben können. Er wurde verhaften
und wenige Tage danach in das Polizeigefängnts Frank=
furt
abgeliefert, wo er im Laufe der nächſten Wochen ein
umfaſſendes Geſtändnis ablegte. Er gab zu, mit ſeinen
Tochter ins Wäldchen gegangen zu ſein der 28 Mai
war der Wäldchestag und ſie dann in der Nähe der
Flitterwieſen in einer Tannenſchonung des Iſenburger
Waldes ermordet zu haben.
Karlsruhe, 5. Nov. Das Oberkriegsgericht
verurteilte heute den Dragoner und Hilfstrompeter Adolf
Prüßer aus Lenow vom hieſigen Leibdragoner= Regi=
ment
, der am 24. Januar in Karlsruhe ſeine Geliebte,
das Dienſtmädchen Margarete Benz, durch einen Schuß
in die Schläfe getötet hatte, zu 10 Jahren Zuchthaus,
5 Jahren Ehrverluſt und Entfernung aus dem Heere
Prüßer war am 2. Mai vom Kriegsgericht unter der An=
klage
des Mordes unter Zubilligung mildernder Umſtände
zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden, wogegen der
Gerichtsherr der 28. Diviſion Bernſung eingelegt hatte)

Vorträge.

J Ueber ihre Erfahrungen und gemein=
ſamen
Reiſen in Inner=Afrika ſprachen am
Dienstag abend Herr Kapitänleutnant a. D. Hans
Paaſche und ſeine Gattin im Rahmen eines Lichtbilder=
vortrages
im Städtiſchen Saalbau vor zahlreichem Audi=
torium
. Der Vortragsabend geſtaltete ſich zu einer ſehr
geſchickten und gediegenen Propaganda für die Natur=
ſchutz
= und die Abſtinenzbewegung, die mit dem Erfolge
des Abends auch wohl zufrieden ſein kann. Da Herr
Kapitänleutnant Paaſche und auch ſeine junge Gattin mit
warmem Herzen und offenem Blick, nach den Schönheiten
des Landes ſuchend und in dem Beſtreben, die Menſchen
und die Natur dort drüben kennen zu lernen, Afrika durch=
quert
haben, wirkte die Schilderung der eigenen Erlebniſſe
lebendig und wahr und feſſelte die Zuſchauer unmittelbar.
Unſer Wiſſen über eine Welt, die wir nicht ſehen, iſt
meiſt nicht groß, ſo führte Herr Paaſche aus; aber wir
können uns mit dieſer Welt doch ſo beſchäftigen daß wir
ſie mit unſeren Gedanken durchdringen. Der Wert einer
Weltreiſe beſteht darin, daß wir das, was wir ſehen,
durchleben und prüfen, was wir daraus lernen können für
die Heimat. Es harren dort draußen in Oſtafrika, wo wir
von unberührten Gebieten ſprechen können, eine Menge
Fragen der Löſung. Und zwar auf allen Gebieten des
menſchlichen, tieriſchen und pflanzlichen Lebens, und wir,
das deutſche Volk, müſſen bedenken, daß unſere Anſchau=
ungen
über Nutzen und Schaden, über die ganze Kultur
für dieſes unberührte Land nicht nur Nutzen, ſondern
auch Schaden bringen können; müſſen vor allem darauf
bedacht ſein, daß wir nicht vorzeitig zerſtören, was die
Natur in Jahrtauſenden dort ſchuf. Wir müſſen vor allem
aber, wenn wir draußen ſchaffen und wirken wollen,

nach Bedingungen ſuchen, unter denen der Europäer drü=
ben
leben kann. Wir, die wir jetzt in Afrika eindringen
wollen, leben unter dem Eindruck, daß wir dem Lande
Glück bringen mit unſerer Kultur, und bedenken nicht, daß
wir ihm mit deren Segnungen auch ihr Unheil, ihre
Schäden mit hinüber bringen. Die Lebensbedingungen
ſind drüben für geſunde, vernünftig lebende Menſchen
nicht gerade gefahrdrohend. Von großer Wichtigkeit iſt
es, zu wiſſen, daß auch die deutſche Frau drüben leben
kann, ohne die eine Ausbreitung des Deutſchtums nicht
möglich iſt.
Frau Ellen Paaſche gab dann in kurzen, inter=
eſſanten
Schilderungen Bilder von ihrer Reiſeg auf der ſie
den Gatten begleitet und von ihrem Leben in Afrika. Die
Begleiter waren nur Neger, und dieſe erwieſen ſich bei
guter Behandlung, die auf ihre Eigenart nach Möglichkeit
Rückſicht nehmen muß, als durchaus zuverläſſig und an=
ſtellig
und treu, obwohl es ganz unkultivierte Kerle waren.
Man machte auf der Reiſe Fußmärſche von 6 bis 8 und
mehr Stunden täglich und bezog des Nachts die mit=
reſpektive
nachgeführten Zeltlager, denn oft reiſte das Ehe=
paar
den Negern ſtundenweit voraus. Die Gefahren der
Reiſe, auch des Klimas, waren nicht ſo groß, als man
ſich wohl vorſtellt, weil es allerlei Möglichkeiten gibt, ſich
dagegen zu ſchützen. So iſt vor allem wichtig, ſich vor In=
ſektenſtichen
, namentlich der Moskitos, zu hüten, die die
Seuchenkeime übertragen. Waſſer darf nur abgekocht ge=
noſſen
werden uſw. Eine ganz einfache und geſunde
Lebensweiſe ſcheidet viele Gefahren aus. Dazu gehört
auch die ſtrikte Enthaltſamkeit von Alkohol in jeder Form,
die auch die Leiſtungsfähigkeit im Wandern nach jeder
Richtung erhöht.
Dieſer letzte Punkt fand dann eine eingehendere Be=
handlung
durch Herrn Paaſche, der im Anſchluß daran in

einer Weiſe, die der Unterſtützung jedes vernünftigen
Menſchen wert iſt, die unſinnigen Auswüchſe der Mode in=
bezug
auf die Federn als Schmuck der Damenhüte be=
kämpfte
, Die Ausführungen des Vortragenden gipfelten im
weſentlichen darin, daß gegen die Verwendung von Fe=
dern
als Hutſchmuck abſolut nichts zu ſagen iſt, ſoweit es
ſich um Federn von Schlachtgeflügel oder von Strau=
ßen
uſw. handelt. Aufs ſchärfſte aber muß bekämpft
werden, wenn die Mode Federſchmuck diktiert, deſſen Be=
ſchaffung
die Ausrottung ganzer Vogelgattungen im
Gefolge haben muß, wie vor allem Reiher, Kolibris uſw
Es folgte die Vorführung zahlreicher prachtvoller Licht=
bilder
nach eigenen photographiſchen Aufnahmen des
Redners, die einen Einblick in die wunderſamen Natur=
ſchönheiten
des Landes erſchloſſen, und vieler feſſelnden
Jagdbilder.
Im Anſchluß an den Vortrag fand im Herrſchafts=
ſaale
eine ebenfalls zahlreich beſuchte zwangloſe Zuſam=
menkunft
ſtatt, in der durch Frage und Antwort noch
Wiſſenswertes erörtert werden ſollte. Es ergab ſich im
weſentlichen eine Debatte über die Frage, ob Mäßigkeit
im Trinken oder völlige Enthaltſamkeit vorzuziehen ſeil
Herr Kapitänleutnant Paaſche forderte ſtrikte das letz=
tere
, weil Mäßigkeit immer wieder zur Unmäßigkeit führt
und das Uebel nur dann wirkſam bekämpft werden kann,
wenn es mit der Wurzel ausgerottet wird. Beſonders
gefahrbringend ſei der Alkoholgenuß für Afrika; darum
ſollte man mit allen Mitteln zu verhindern ſuchen, daß
das Alkoholkapital drüben Eingang findet. Den gleichen
Standpunkt vertrat Herr Dr. Vidal. Beide Herren for=
derten
zur Organiſation auf, denn dadurch bekenne man
ſich frei und offen zur Abſtinenzbewegung, und nur offene
und freie Kämpfer können dieſe Bewegung zum Beſten
des deutſchen Volkes fördern helfen.

[ ][  ][ ]

Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Seite 5.

Das Oberkreegsgericht verurteilte den Angeklagten ſo=
dann
am 24. Mai wegen Mordes zum Tode, wogegen
Reviſion beim Reichsmilitärgericht eingelegt wurde, das
dann die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das
Oberkriegsgericht der 28. Diviſion zurückverwies.
Köln, 5. Nov. Freiherr Emil Oppenheim ent=
ſchloß
ſich, aus Geſundheitsrückſichten mit dem 1. Januar
1913 als Teilhaber des Bankhauſes Sal. Oppenheim jr.
u. Ko. auszuſcheiden. Er wird der Firma, deren Kapital=
verhältniſſe
unverändert bleiben, fernerhin als Komman=
ditiſt
angehören.
Hildesheim, 5. Nov. In der Zuckerfabrik in
Dinklar entſtand heute früh infolge Selbſtentzündung in
der Trockenanlage Großfeuer, das die Anlage voll=
ſtändig
vernichtete. Der Schaden wird auf 200000 bis
250000 Mark geſchätzt.
Paris, 5. Nov. Aus Rochefort wird gemeldet:
Heute nacht ſtieß der norwegiſche Dampfer Eva in
der Nähe der Inſel Aix mit dem ſpaniſchen Dampfer
Arena zuſammen. Die Arena ſank ſo ſchnell, daß
von der 25 Köpfe zählenden Bemannung nur 8 gerettet
werden konnten.
London, 6. Nov. Als die Ablehnung des Frauen=
ſtimmrechtszuſatzes
zu der Homerulebill im Unterhauſe
geſtern bekannt wurde, rotteten ſich am Abend wieder die
ganzen Wahlweiber von London zuſammen. Sie
zogen truppweiſe nach der Bond Street und ſchlugen
zahlreiche Schaufenſterſcheiben ein. Es dauerte längere
Zeit, ehe dem Exzeß Einhalt geboten werden konnte, und
ein großes Aufgebot von Schutzleuten mußte dazu auf die
Beine gebracht werden. Nur drei der wütendſten Weiber
wurden von der Polizei verhaftet.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
nehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)

Zweites Hofmuſik=Konzert. Nach
längerer Pauſe erſcheint nächſten Montag als mitwirken=
der
Gaſt im 2. Konzert der Hofkapelle ein erkorener Lieb=
ing
der Darmſtädter Muſikfreunde, die Kammervirtuoſin
Frau Frida Kwaſt=Hodapp. Wer je ihrer wunderbaren
Kunſt gelauſcht hat, der weiß, daß ſie zu den wenigen Be=
gnadeten
gehört, die die geheimnisvolle Kraft beſitzen,
dem an ſich ſo ſpröden Klavier eine ſingende Seele ein=
zuhauchen
. Frau Kwaſt ſpielt hier neben kleineren Solo=
ſtücken
das A-moll=Konzert von Grieg, das in ſeiner nor=
diſchen
Stimmungs=Romantik der Künſtlerin ausgiebig
Gelegenheit zur vollen Entfaltung ihrer vielſeitigen Mei=
ſterſchaft
geben wird.

Die neue Automobilfeuerſpritze der
Freiwilligen Feuerwehr.

St. Geſtern nachmittag wurde die für unſere Frei=
willige
Feuerwehr von der Stadt angeſchaffte neue Auto=
mobilſpritze
einer Anzahl Intereſſenten, Vertretern der
Stadt und der Polizeibehörde uſw im Betrieb vorge=
führt
und hat ſich dabei glänzend bewährt. Es waren
u. a. erſchienen die Herren Beig. Ekert, Regierungsrat
Gennes, Waſſerwerlsdirektor (Rudolph, Vel.reter
der Brandverſicherungskammer, Branddirektor Müller=
Offenbach, mehrere Stadtverordnete uſw.
Herr Branddirektor Fiſcher hielt zuerſt einen kur=
zen
inſtruktiven Vortrag über die Beſchaffenheit und Aus=
rüſtung
der neuen Spritze, die gewiſſermaßen Erſatz für
zwei andere Wagen, einer Dampfſpritze und einem
Mannſchaftswagen, bieten ſoll. Der von der Firma Adam
Opel=Rüſſelsheim gelieferte Wagen hat 25000 Mark
gekoſtet. Er iſt ſelbſtredend auf das Modernſte ausgeſtat=
tet
und hat noch während der Fertigſtellung, beſonderen
Wünſchen unſerer Feuerwehr Rechnung tragend, Verände=
rungen
und Verbeſſerungen erfahren, die ſeiner ſchnellen
und zuverläſſigen Verwendbarkeit zugute kommen. Faſt
raffiniert ſind alle ſich ergebenden Räume an dem ſehr
gefällig, ja elegant ausſehenden Wagen ausgenutzt, ſo
daß außer dem ausreichenden Werkzeua und Erſatzteilen
für Wagen und Motor dauernd mitgeführt werden kön=
nen
etwa 500 Meter Schlauch, zahlreiche Verſatzſtücke mit
verſchiedenen Gewinden, ſo daß Anſchluß an alle Hy=
dranten
, auch der verſchiedenen großen Fabriketabliſſe=
ments
uſw., möglich iſt, Rettunaseinrichtungen, wie
Sprungtuch, Rauchhelm und Maske, Sauerſtoffapparat,
Aufſtelleiter, mehreren Hakenleitern, 10 Meter lange
Verbindungs= reſpektive Saug=Schläuche zum An=

ſchluß an Hydranten oder ſonſtigen Waſſerſpendern (offenen
Waſſern und dergleichen), eine ganze Anzahl verſchieden
großer Strahlrohre, ein Sanitätskaſten mit Verbandszeug
u. v. a. Kurz alles, was eventuell ſchnell gebraucht werden
kann. Dabei bietet die Automobilſpritze noch für zehn
Mann Bedienung Sitzplätze. Auf jeder Seite des Wagens
iſt eine Druck= und eine Saugvorrichtung, ſo daß die
Spritze, ganz gleich, von welcher Seite ſie anfährt, ſofort
angeſchloſſen und in Benutzung genommen werden kann,
ohne lange wenden zu müſſen, was beſonders bei Ver=
wendung
in engen Gaſſen und Höfen von Wichtigkeit iſt.
Der Wagen wird durch zwei elektriſche Scheinwerfer und
zwei große Preßgas=Laternen erleuchtet. Er iſt ausge=
ſtattet
mit einem Vierzylinder=Motor, der 64 Pferdekräfte
entwickelt. Dreifach verſchiedene Zündungen bieten Ge=
währ
dafür, daß der Motor ſchnell und ſicher in Gang
und Betrieb geſetzt werden kann. Die Pumpe iſt eine
vierſtufige Zentrifugalpumpe, die, durch den
Motor des Autos getrieben, 2000 Liter Waſſer in der
Minute in die Luft ſchleudern kann. Der Benzinbehälter
faßt 135 Liter Benzin, die für einen ſiebenſtündigen Be=
trieb
des Motors ausreichen. Die Nachfüllung von Ben=
zin
kann überdies gefahrlos auch bei laufendem Motor
erfolgen.
Dem Vortrag des Herrn Branddirektors folgte eine
praktiſche Vorführung der Autoſpritze, die ihre Leiſtungs=
fähigkeit
in zufriedenſtellendſter Weiſe bewies. Für den
allererſten Bedarf, oder auch zur Bekämpfung kleinerer
Zimmerbrände uſw. führt die Spritze ſtets etwa 300 Liter
Waſſer als eiſernen Beſtand mit ſich, die auch nötig ſind,
um, wenn die Saugpumpe in Tätigkeit treten ſoll, die
Saugleitung zu füllen, da die Zentrifugalpumpe nicht
trocken anſaugt. Dieſer Waſſervorrat wurde zunächſt mit
der Kraft des Motors in die Höhe geſchleudert, was
äußerſt ſchnell vor ſich ging. Dann folgte der Anſchluß
an den Hydranten, zuerſt mit einer, dann mit 24
Schlauchleitungen, ohne motoriſche Kraft, und dann mit
angeſtelltem Motor. Die Leiſtung desſelben war gerade=
zu
frappierend. Die Waſſerſtrahlen wurden faſt doppelt
ſo hoch geſchleudert, als vorher der Hydrant allein es ver=
mochte
. Strahlen von 30 Millimeter Dicke erreichten von
der Erde aus die oberſte Plattform, ja ſpäter die oberſte
Kugel und gar die Wetterfahne des Stadtkirchenturmes,
die übrigens von einer bis auf die Plattform geführten
Leitung noch weit überſpritzt wurde. Die gleichen
Leiſtungen wurden bei engeren Strahlrohren erreicht, bei
gleichzeitiger Speiſung von vier und ſechs Schlauch=
leitungen
mit 15 Millimeter ſtarkem Strahl und bei ſechs
Schlauchleitungen mit je 10 Millimeter ſtarkem Strahl.
Gleichzeitig wurde jedesmal die bis auf die Plattform
geführte Schlauchleitung mitgeſpeiſt, ſo daß insgeſamt
ſieben Leitungen die oberſten Partien des Stadtkirch=
turmes
vollſtändig beherrſchten, und zwar aus einem ein=
zigen
Hydranten. Das war bei den bisherigen Spritzen
unmöglich. Es kommt dies beſonders in Frage bei Be=
kämpfung
von Bränden in hochgelegenen Stadtteilen, wo
der natürliche Druck der Hydranten bekanntlich nicht mehr
ausreicht. Zwei gleichzeitig in Tätigkeit geſetzte Schlauch=
leitungen
, je eine vom Hydranten und von der Motor=
pumpe
geſpeiſt, zeigten den koloſſalen Unterſchied in den
Leiſtungen.
Die Vorführungen dehnten ſich bis 5 Uhr nachmittags
aus. Sie befriedigten in hohem Maße ſowohl die Laien,
wie die anweſenden Fachmänner und Sachverſtändigen
Zur Unterweiſung im Fahren und in der Bedienung der
Autoſpritze weilte ein Angeſtellter der Firma Opel ſeit
14 Tagen hier. Es werden gleichzeitig vier Fahrer aus=
gebildet
, ſo daß die Feuerwache ſtets in der Lage iſt,
ſchnellſtens mit der Autoſpritze auszurücken. Unſere an=
erkanntermaßen
ganz vorzüglich, in vieler Hinſicht muſter=
haft
organiſierte und geleitete Freiwillige Feuerwehr
iſt mit der neuen Autoſpritze um ein wertvolles Gerät
bereichert worden, das ſie wieder um einen erheblichen
und erfreulichen Schritt vorwärts bringt und ihre
Leiſtungsfähigkeit bedeutend erhöht. Daß die Männſchaft
es in der Bedienung des neuen Gerätes in der kurzen
Zeit ſchon ſoweit gebracht hat, daß faſt alles tadellos
klappt, darf ihr zum Lobe angerechnet werden. Ihr und
ihrem unermüdlichen, vorwärtsſtrebenden Leiter, Herrn
Branddirektor Fiſcher. Der Stadtverwaltung,
die das Opfer für die Sicherheit der Einwohner gebracht,
ſei Dank gezollt, und lebhafte Anerkennung verdient un=
ſere
heſſiſche Induſtrie, inſonderheit die Firma
Opel, die das vorzügliche Werk hervorgebracht

Luftfahrt.

* Halberſtadt, 6. Nov. Auf dem hieſigen Flug=
platze
verunglückten heute nachmittag zwei Flie=
ger
tödlich. Leutnant Altrichter vom Infanterie=
Regiment Nr. 20 in Wittenberge war auf einem Doppel=
decker
mit dem Ingenieur Meyer aufgeſtiegen. In einer
Höhe von 20 Metern verſagte plötzlich der Motor
und der Apparat ſtürzte ſenkrecht zur Erde. Di=
beiden
Flieger waren ſofort tot.
* Chartres, 6. Nov Der Fliegerunteroffizier
Marechal ſtürzte in Houville mit ſeiner Maſchine
aus einer Höhe von 150 Meter ab. Er war ſofort tot.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* * Das türkiſche Vermittelungsgeſuch an die
Mächte, welchem man im erſten Augenblick eine zu große
Bedeutung in bezug auf die Beendigung des Kriegs zu=
geſchrieben
hatte, wird wohl ohne jede praktiſche
Folgen bleiben. Denn ehe die Mächte ſich über die zu
enternehmenden Schritte einig ſind und den Wunſch der
Türkei an deren Gegner weitergegeben haben, wird der
Krieg um ein Erhebliches vorgeſchritten ſein, ſo daß ſich
eine neue Situation ergibt, die wieder andere Grund=
lagen
für die Friedensvermittelung fordert. Im übrigen
ſind die Gegner der Türkei keineswegs geneigt, die Feind=
ſeligkeiten
einzuſtellen und die Operationen zu unter=
brechen
, bevor nicht ganz beſtimmte, unter den vier Bal=
kanſtaaten
vereinbarte kriegeriſche Erfolge erzielt worden
ſind. Man will ſich den Sieg nicht verkümmern laſſen,
und es ſoll nicht etwa ſpäter heißen, daß die Erfolge mehr
oder weniger auf das Konto der Nachgiebigkeit der Tür=
kei
zu ſchreiben ſeien. Soviel ſteht alſo feſt, daß weiter=
gekämpft
wird. bis das Osmanenreich völlig am Boden
liegt und ſich auf Gnade oder Ungnade ſeinen Gegnern
unterwerfen muß.
Inzwiſchen haben ſich für die Mächte, wie zu er=
warten
war, die Schwierigkeiten erheblich geſteigert.
Poincaré fährt fort, Vorſchläge zur Löſung zu machen,
aber ſie ſcheinen nicht viel zu taugen und namentlich den
öſterreichiſchen berechtigten Intereſſen zu wenig Rechnung
zu tragen. Der Schwerpunkt der ganzen Balkanfrage
liegt angeblich jetzt in Wien bezw. Peſt, wo man vor wich=
tigen
Entſchlüſſen ſteht, die den internationalen Charakter
der Balkan=Angelegenheit weſentlich zu beeinfluſſen ver=
mögen
. Das Halt welches Graf Berchtold dem ſer=
biſchen
Vordringen nach der Adria hin entgegenrief, zeigt,
daß Oeſterreich unter keinen Umſtänden geſonnen iſt, ſich
ſeine Intereſſenſphäre verletzen zu laſſen, und man braucht
nicht daran zu zweifeln, daß der Kaiſerſtaat an der Donau
auch nicht einen Augenblick zögern wird, ſeinem Halt!
Geltung zu verſchaffen, wenn es nötig ſein ſollte. Reſpek=
tiert
Serbien die öſterreichiſche Mahnung, im Kriegseifer
nicht zu weit zu gehen, dann liegt keine Gefahr für größere
Verwickelungen vor, und man kann nur wünſchen, daß die
Belgrader maßgebenden Kreiſe ein Einſehen haben.
Andernfalls iſt Oeſterreich aufs Aeußerſte gefaßt, und in
dieſen Tagen, wo das gemeinſame Parlament und die ge=
meinſame
Regierung mit dem Kaiſer in Peſt ver=
einigt
iſt, wird ſicherlich auch über die zu befolgende Bal=
kanpolitik
der Monarchie der entſcheidende Beſchluß gefaßt
werden, von dem für die nächſte Zukunft Europas viel
abhängt.
* Paris, 6. Nov. Der Korreſpondent des Matin
in Sofia veröffentlicht eine Unterredung mit dem
geſtern aus dem Hauptquartier zurückgekehrten Präſi=
denten
der Sobranje, Danew, der unter an=
derem
ſagte: Wir ſind keine Fanatiker des Krieges und
wir ſchlagen uns nicht bloß um das Vergnügen, uns zu
ſchlagen. Wir verfolgen mit dem Krieg ein Ziel, ſo=
bald
dies erreicht ſein wird, wird der Krieg von ſelbſt
aufhören. Die Frage eines Waffenſtillſtandes muß vor
allem von militäriſchen Geſichtspunkten aus geprüft werden.
denn die Türkei verfügt in Aſien über Reſerven, die ſie
nach Europa werfen könnte. Die erſte Bedingung wäre
demnach, daß die Türkei den Waffenſtillſtand nicht dazu
benutze, um neue Streitkräfte zu ſammeln, die ſie im ge=
gebenen
Augenblick gegen uns wirft, und die zweite Be=
dingung
wäre, daß wir Adrianopel und gewiſſe Stellun=
gen
auf dem Kriegsſchauplatz im Weſten beſetzen. Was
die Frage anlangt, ob wir Wert darauf legen, in Konſtan=
tinopel
einzumarſchieren, ſo muß ich ſagen, daß die tür=

Feuilleton.

W.l. Großh. Hoftheater. Als Aennchen in Webers
Freiſchütz gaſtierte am Dienstag Frau Beling=
Schäfer vom Hoftheater in Mannheim. Wenn mit dem
Gaſtſpiele Engagementszwecke verbunden ſind, ſo dürfte
ſchon das erſte Gaſtſpiel, das einen unbeſtrittenen Erfolg
hatte, zu Gunſten der Sängerin entſchieden haben. Ihre
Stimme beſitzt echten Soubrettencharakter und viel
Charme im Ton, iſt in allen Lagen gleichmäßig ausgebil=
det
und aller erforderlichen Tonnuancen fähig. Vortrag
und Spiel laſſen die muſikaliſch gebildete, ſangestüchtige
und bühnenſichere Künſtlerin erkennen. Das Publikum
bereitete dem Gaſt eine ſehr freundliche Aufnahme und
ſpendete nach ihren ſchmuck geſungenen Arien reichen Bei=
fall
bei offener Szene. Im Hinblick auf ihre Sicherheit
und die künſtleriſche Abgeſchloſſenheit ihrer Leiſtung iſt
kaum anzunehmen, daß das zweite Gaſtſpiel der Sängerin
den günſtigen Eindruck, den das erſte hinterließ, abſchwä=
chen
wird.
Ein Labſal für Ohr und Herz iſt es, Frl. Geyers=
bach
die Agathe ſingen zu hören. Wir können uns kaum
denken, daß ſie ſchöner geſungen werden kann.
* Ueber das Vermögen des Kaiſers macht Rudolf
Martin in ſeinem ſoeben erſchienenen Jahrbuche des
Vermögens und Einkommens der Millionäre in Berlin
intereſſante Angaben. Er beziffert das kaiſerliche Ver=
mögen
auf mindeſtens 140 Millionen, ſein Einkommen
auf 22 Millionen. Der Kaiſer wäre ſonach zwar nicht
die reichſte Perſon in Preußen, da Frau Bertha Krupp
von Bohlen und Halbach, Fürſt Henckel von Donners=
marck
und Fürſt Chriſtian Kraft zu Hohenlohe= Oehrin=
gen
höhere Vermögen beſteuern, wohl aber beſitzt er das
höchſte Einkommen. Der Hauptbeſitz des Kaiſers beſteht
in 72 420 Hektar Forſten mit einem jährlichen Rein=
gewinn
von 1,7 Millionen Mark und 47406 Hektar Feld=
gütern
mit einem jährlichen Reingewinn von 1,7 Millio=
nen
Mark. Man lieſt mitunter in Zeitungen, daß der
Kaiſer 53 Schlöſſer und ſchloßähnliche Gebäude neben
rund 83 Gütern beſitze. Dieſe Nachricht iſt nicht ganz
richtig, da ein großer Teil dieſer Schlöſſer ſich nicht in
dem Eigentum des Kaiſers, ſondern des Staates befin=
den
und dem Kaiſer nur zur Verfügung geſtellt ſind. Als
perſönliches Eigentum beſitzt der Kaiſer in Berlin 3, in
Potsdam und Umgebung 13, und im ganzen mehr als
40 Schlöſſer und ſchloßähnliche Gebäude. Außerdem iſt

der Kaiſer Beſitzer zahlreicher Gebäude in Berlin, in der
Wilhelmſtraße, Oranienburger Straße, Prinz=Louis=
Ferdinand=Straße 6, Prinz=Friedrich=Karl=Straße 3,
Georgenſtraße uſw., des Häuſerblocks Schloßplatz 7 und
Breiteſtraße 3036, und Niederlagſtraße, Werderſche,
Roſenſtraße und Oberwallſtraße, die zum größten Teile
das ſtattliche Heer der 400 Hofbedienſteten beherbergen,
die einſchließlich ihrer Familien 2000 Perſonen umfaſſen.
Die Zivilliſte des Kaiſers beträgt 17719296 Mark. Der
Kronprinz iſt Beſitzer des Thronlehns Fürſtentum Oels,
welches eine Geſamtgröße von 10094 Hektar und einen
Grundſteuerreinertrag von 142551 Mark hat und auf 14,2
Millionen Mark geſchätzt wird.
ml. Eidechſen als Damenſchmuck. Eidechſen ſtehen
bei den eleganten Damen der Londoner Geſellſchaft als
Haus= und Luxustiere zurzeit in um ſo höherer Gunſt
als die grünſchillernden, mit goldenen oder ſilbernen
Halsbändern gezierten Tierchen, um den Hals oder Arm
gerollt, einen kleidſamen Schmuck bilden. Sie ſind oben=
drein
überaus billig. Für 10 Mark kann man ſchon eine
hübſche Eidechſe erſtehen, und mit dem Aufwand von 8
Mehlwürmern pro Tag ſind alle Unterhaltungskoſten be=
ſtritten
. Heutzutage halten ſich ungezählte Damen,
deren Namen in der Geſellſchaft guten Klang haben,
anſtelle der bisher beliebten Schoßhündchen ihre Eidechſe‟
belehrte Mr. Seal, ein bekannter Londoner Tierhändler,
den Berichterſtatter eines Londoner Blattes. Die Mode
iſt erſt jetzt aufgekommen. Eine Malerin hatte vier blaue
perſiſche Katzen, die ihrem Farbenſin nicht genügende Ab=
wechslung
boten. Sie kaufte ſich daher ein paar gras=
grüne
dalmatiniſche Eidechſen, die jetzt mit den blauen
Katzen auf dem Flur des Ateliers der Künſtlerin das ge=
wünſchte
eigenartige Farbenbild repräſentieren. Ihre
Bekannten waren entzückt über die originelle Idee und
ſorgten durch begeiſterte Schilderungen des Eindrucks da=
für
, daß die Sache Mode wurde. Ich habe in den letz=
ten
zwei Monaten Hunderte von Eidechſen verkauft. Ge=
fährlich
ſind die harmloſen Tierchen ganz und gar nicht.
Sie werden überdies vor dem Verkauf dreſſiert. Wir
halten ſie zu dieſem Zwecke über ein Gefäß mit Waſſer,
wenn ſie hineinfallen, bringt ihnen das auch keinen Scha=
den
, bis ſie ſich an uns gewöhnt haben und nicht mehr
nach uns ſchnappen. Iſt dies einmal erreicht, ſo iſt nichts
mehr von den Tierchen zu beſorgen. Unter den verſchie=
denen
Eidechſenarten ſind die dalmatiniſchen und die ge=
ſprenkelten
großäugigen Eidechſen die beliebteſten. Die

als Haus= und Luxustier gehaltene Eidechſe trägt ein
dünnes goldenes oder ſilbernes Halsband, das an eine
Kette angeſchloſſen iſt, die ein Ausreißen des Tierchens
verhindert. Wenn die Beſitzerin nach Hauſe kommt, ſetzt
ſie die Eidechſe in einen Glaskaſten, in dem ein Glas
Waſſer und ein paar Mehlwürmer untergebracht ſind.
Und man ſollte es nicht glauben, wie folgſam und ge=
lehrig
die Tiere ſind. Sie hören auf den Namen, auf den
ſie ihre Beſitzerinnen taufen, und kommen auf Anruf
herangekrochen, um ihr Futter zu holen. Sie können ſich
davon in meinem Laden überzeugen. Alle Eidechſen
wiſſen genau, wenn die Fütterzeit herangekommen iſt;
komme ich dann mit den Würmern, ſo heben ſie ſofort
den Kopf und ſperren das Mäulchen auf. Aber ſie
nehmen nur lebendige Mehlwürmer und lehnen die toten,
die man ihnen reicht, unweigerlich ab. Bei richtiger Be=
handlung
und Pflege kann eine Eidechſe viele Jahre in
der Gefangenſchaft leben!
CK. Die Rekordgage der Gaby Deslys. Aus London
wird berichtet: Die bekannte Tänzerin Deslys, die vor ſechs
Jahren noch völlig unbekannt war, iſt am Freitag von
Liverpool nach Amerika abgereiſt, um dort ein Engage=
ment
anzutreten, deſſen Bedingungen für eine Tänzerin
wohl einen Rekord darſtellen. Das Engagement erſtreckt
ſich auf zwölf Wochen und ſetzt der Tänzerin eine Wochen=
gage
von 5000 Dollars, alſo von mehr als 20000 Mark,
aus. In London, wo ſie in den letzten Wochen im Palace=
Theater tanzte, erhielt ſie bereits 7000 Mark Gage in der
Woche. Noch vor ſechs Jahren ſpielte Gaby Deslys un=
beachtet
in einer Revue in Paris eine Nebenrolle. Dort
ſah ſie der engliſche Impreſario George Edwards und
engagierte ſie mit einer Gage von 300 Mark in der Woche
für den Neuen Aladin der im Londoner Gaietytheater
vorbereitet wurde. In London erhielt die junge Choriſtin
Unterricht im Singen und im Tanzen, und als Miß Lyly
Elſie ſpielte ſie im Neuen Aladin auch die Hauptrolle.
Aber damals endete die Aufführung mit einem ſehr mäßi=
gen
Erfolge, und das Stück mußte bald wieder abgeſetzt
werden.
* Franzöſiſcher Witz. Der unparteiiſche Zeitungs=
verkäufer
. Der Zeitungsverkäufer ſtürmt durch die Stra=
ßen
. Neueſtes vom Kriegsſchauplatz! Großer Sieg der
Türken! . . Ein Sous! Halt, hierher! Schön,
mein Herr, wollen Sie nicht noch ne Nummer, nochmal
dieſelbe Schlacht: Großer Sieg der Bulgaren!

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

kiſche Hauptſtadt bisher nicht das Ziel unſerer Anſtren=
gungen
war. Auf die Frage, weiche Haltung die vervun=
deren
Balranſtaaren im Hinolick auf eine europaiſche In=
tervention
einnehmen werden, antwortete Danew: Ich
hoffe zum miuoenien iſt das meine perſonliche Meinung.
, daß Europa unſere Errungenſchaften beſtatigen wird.
Was Oeſterreich=Ungarn anlangt, ſo hat dies die
Wahl zwiſchen territorialer Vergroßerung und einer Po=
litit
der wirtſchaftlichen Durchdringung. Es könnte durch
den ſchmalen Gang des Sandſchars vorwarts dringen,
aber aus geographiſchen und ſtrategiſchen Gründen dürfte
dieſe Polinik nicht lange aufrecht eryalten werden können.
Die Doppelmonarchie könnte ſich auch bemühen, ſich die
wirtſchaftliche Durchdringung des Balkans zu ſichern.
Niemand würde daran denten, ihr dies Recht ſtreitig zu.
machen. Falls ſie dieſe Politik will, dann erlaube ich
mir, ihr eine große Zukunft vorauszuſagen. Außerdem
würde eine ſolche Politik gute Beziehungen zwiſchen
Oeſterreich=Ungarn und den Balkanſtaaten ſichern.
Die Haltung der Mächte.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt: Der
türkiſche Botſchafter hat im Auswärtigen Amt
das Erſuchen ſeiner Regierung mitgeteilt, auf Einſtellung
der Feindfeligkeiten hinzuwirren und damit den Frieden
vorzubereiten. Darauf iſt geantwortet worden, die
deutſche Regierung würde bereit ſein, den Wunſch an
die Regierungen der gegen die Türkei krieg=
führenden
Staaten weiterzugeben, wenn
auch die anderen Großmächte hierzu geneigt ſeien. Aller=
dings
ſtehe es bei den Regierungen der Kriegführenden,
ob ſie auf den Wunſch eingehen wollten oder nicht.
* Die Agence Havas meldet aus London: Nach Aus=
künften
aus Wien und Berlin ſoll die Antwort der
Dreibundmächte auf den franzöſiſchen Vorſchlag
ziemlich zufriedenſtellend (plutöt satisfaisante) ſein. Die
Dreibundmächte erkennen die Nutzlichkeit der Ver=
mittelung
an, bemerken aber, daß eine ſolche nicht aufer=
legt
werden könne, ſondern von wenigſtens einem der
Kriegführenden nachgeſucht werden müſſe. Sobald ein ſol=
ches
Anſuchen geſtellt ſei, würden die Dreibundmächte
geneigt ſein, mit der Tripelentente ſich zu vereinen, um
nach Bedingungen zu ſuchen, unter welchen eine Ver=
mittlung
eintreten könne. Der franzöſiſche Miniſterprä=
ſident
gab im Miniſterrat Kenntnis von der Antwort
Oeſterreich=Ungarns, Deutſchlands und
Italiens auf die letzte von Frankreich, England und
Rußland gemachte Mitteilung, Die Antwort hält den Kon=
takt
mit allen Mächten aufrecht und läßt unter befriedi=
genden
Bedingungen Raum für Unterredungen.
Im engliſchen Unterhauſe fragte King Sir
Edward Grey, ob er gehört habe, daß die Balkanverbün=
deten
bereit ſeien, mit der Türkei über den Frieden zu
verhandeln, aber nicht geneigt ſeien, Friedensunterhand=
lungen
mit den Großmächten anzunehmen, weiter, ob mit
Rückſicht auf die Siege das Recht der Balkanverbundeten,
der Türkei die Friedensbedingungen vorzuſchreiben, voll=
kommen
anerkannt ſei. Grey erwiderte, er habe eine
Andeutung über das, was King im Sinne habe, von den
Balkanſtaaten nicht empfangen. So viel er wiſſe, wolle
bisher mit Rückſicht auf das Ergebnis des Krieges nie=
mand
den Balkanſtaaten das Recht ſtreitig
machen, Bedingungen aufzuſtellen, unter
denen ſie zum Friedensſchluß bereit ſeien.
Er glaube nicht, daß die Großmächte langſamer geweſen
ſeien und langſamer ſein werden als irgend jemand, ihre
eigenen Anſchauungen dem Gang der Ereigniſſe anzu=
paſſen
. Morrell fragte an, ob bereits ein Vorſchlag einer
der Großmächte, die in der Lage ſeien, eine Vermit=
telung
anzubieten, vorliege, um die kriegführenden
Parteien zu verſöhnen, wie es ſeitens Amerikas beim
Abſchluß des ruſſiſch=japaniſchen Krieges der Fall ge=
weſen
ſei. Grey erwiderte, es ſei natürlich wahr, daß
die Pforte an die Mächte appellierte, aber er möchte be=
tonen
, daß, obwohl dieſe Mächte zurzeit ihre Meinun=
gen
austauſchten, es für die Mächte eine ſehr heikle An=
gelegenheit
ſei, zwiſchen zwei Kriegführenden zu ver=
mitteln
, wenn ſie es nicht auf Anſuchen beider Parteien
könnten. Grey erklärte in Beantwortung weiterer An=
fragen
: Was die Bewegungen und Abſichten der briti=
ſchen
Schiffe betrifft, ſind es diejenigen, welche Asquith
angab. Die Beſtimmung der Schiffe iſt, wie ich glaube,
genau dieſelbe, wie die der Schiffe, welche die anderen
Nationen abgeſandt haben oder abſenden werden, um das
Leben ihrer Landsleute zu ſchützen. Ueber die Ausſichten
der Schiffe verſtändigten ſich die Mächte gemäß den An=
ſichten
, die die Konſtantinopeler Botſchafter einſchließlich
des engliſchen ausdrückten. Soviel ich weiß, iſt die Lage
in Konſtantinopel wie geſtern. Sie kann dahin aufgefaßt
werden, daß Beſorgnis vor den künftigen Entwickelungen
beſteht, wenn der Krieg ſich den Toren Konſtantinopels
nähert. Bisher iſt es in der Stadt zu keinerlei Unzuträg=
lichkeiten
gekommen.
* London, 6. Nov. Die Times begrüßt die geſtri=
gen
Erklärungen Sir Edward Greys, die bei
aller Kürze doch die Richtung der amtlichen Auffaſſung
A ennen ließen und die ſich völlig im Einklang mit der
dffentlichen Meinung befinden. Die Times betont, daß
England völlig desintereſſiert ſei, erkennt aber an, daß
andere Mächte ſehr beſtimmte Intereſſen in der Balkan=
frage
haben. Das Blatt ſchreibt: Oeſterreich hat an dem
Balkanproblem ein nahes praktiſches Intereſſe, das nicht
ohnehin behandelt werden kann. Die Realität des öſter=
reichiſchen
Intereſſes iſt den Verbündeten ſo durchaus
gegenwärtig, daß wir nicht zweifeln, daß ſie bereits eine
vollſtändige Berückſichtigung der öſterreichiſchen Wünſche
im Sinne haben. Die Politik Oeſterreich=Ungarns iſt
mit einer Löſung, die alle befriedigen ſollte, nicht unver=
einbar
. Die Zurückhaltung und Mäßigung in der öſter=
reichiſchen
Auffaſſung trägt viel dazu bei, die Ausſichten
auf eine ſolche Löſung zu erleichtern. Und wenn es noch
eines weiteren Beweiſes bedürfte, ſo iſt ſie in der außer=
ordentlich
gemäßigten Erklärung des Grafen Berchtold
enthalten.
* Paris, 6. Nov. Die Agence Havas veröffentlicht
folgende Note: Der türkiſche Botſchafter hat dem Mini=
ſterpräſidenten
Poincaré geſtern abend das offizielle
Erſuchen der Türkei um Vermittelung
überreicht. Es lautet: Die ottomaniſche Regierung
bittet die Großmächte um ihre Kollektiv=Mediation zur
unverzüglichen Beendigung der Feindſeligkeiten und Feſt=
ſetzung
der Friedensbedinaungen. Poincaré machte den
Botſchafter darauf aufmerkſam, daß das Vermittelungs=
Erſuchen jeden Gedanken an eine Preſſion auf die Krieg=
führenden
ausſchlöſſe, und fügte hinzu, daß die Mächte
in ein Mediationsverfahren nur eintreten könnten, wenn
alle Kriegführenden einwilligten. Poincaré hat allen
Mächten ohne Ausnahme unverzüglich mitteilen laſſen,
daß Frankreich geneigt wäre, ſich mit ihnen über das neue
Erſuchen der Türkei ins Einvernehmen zu ſetzen.
Das Expoſé des Grafen Berchtold.
Der Ausſchuß für Auswärtige Angelegenheiten der
Delegation des ungariſchen Reichsrates trat in Peſt zu

ſeiner erſten Sitzung zuſammen. Graf Berchtold
führte aus: Sehr ernſt hat ſich die Lage im nahen
Orient geſtaltet, wo ſämtliche Balkanſtaaten zu den
Waffen gegriffen haben. Es iſt Ihnen bekannt, daß die
Diplomatie der Großmächte über die Anregung Poincarés
ſeit dem Ausbruche der Feindſeligkeiten es ſich angelegen
ſein läßt, durch wechſelſeitige Fuhlungnahme die Mog=
lichkeit
anzubahnen, im gegebenen Zeitpunkte vermit=
telnd
aufzutreten und dadurch die Kriegsgreuel einiger=
maßen
abzukürzen. Wir haben im engſten Einvernehmen
mit unſeren Verbündeten und in reger Fühlung mit
Rußland und England an dieſem Gedankenaus=
tauſch
teilgenommen und befinden uns auch derzeit im
Kontakt mit den Mächten, überzeugt, auf dieſem Wege
auch einem bei uns allgemein gehegten Wunſche zu dienen,
daß der Brand tunlichſt bald gelöſcht werde. Der bis=
herige
Verlauf des Krieges brachte den Balkanſtaaten
große Erfolge, Erfolge, unter deren Einfluß dieſelben ihr
ſelbſtgewähltes Ziel weſentlich verrückt haben. Während
urſprünglich die Einführung von adminiſtrativen Refor=
men
, welche die Lebens= und Exiſtenzbedingungen der
Stammesgenoſſen im Osmaniſchen Reiche verbeſſern ſoll=
ten
, das Poſtulat der Balkanſtaaten gebildet hat und als
ſolches auch in den Kriegsmanifeſten zum Ausdruck ge=
kommen
iſt, ſind gegenwärtig die Aſpirationen der Ver=
bündeten
viel weitergehender Natur und mit dem Prinzip
der Integrität der Türkei nicht mehr vereinbar.
Für unſere Politik, die von keinen Expanſions=Tendenzen
beeinflußt iſt, kann nur die Sorge maßgebend ſein, das
Bedürfnis nach Erhaltung des Friedens mit der oberſten
uns auferlegten Pflicht zu vereinigen: die Intereſſen der
Monarchie vor jeder Einbuße zu ſchützen. Wir haben
durch unſere bisherige Haltung gegenüber den Kriegs=
ereigniſſen
Zurückhaltung und Mäßigung le=
wieſen
, die allen Ortes gewürdigt worden iſt. Wir ge=
denken
auch weiterhin auf dieſem Wege zu verharren im
Bewußtſein der uns innewohnenden Kraft, die die volle
Sicherheit bietet, daß wir unſerer Stimme Geltung ver=
ſchaffen
können. Ich zweifle nicht daran, daß dies uns
möglich ſein wird, ohne mit den berechtigten Anſprüchen
anderer in Widerſtreit zu geraten. Wir ſind bereit, der
durch die Siege der Balkanſtaaten geſchaffenen neuen
Situation in weitgehender Weiſe Rechnung zu tragen und
ſo die Grundlagen zu einem dauernden, freundſchaftlichen
Einvernehmen zu denſelben zu ſchaffen. Andererſeits
aber haben wir das Recht, zu verlangen, daß die legi=
timen
Intereſſen der Monarchie durch die
Neuregelung der Dingg keinen Schaden erlFi=
den
. Die ruhige und maßvolle Haltung des uns eng be=
freundeten
Königreiches Rumänien war für den Verlauf
der Ereigniſſe von nicht zu unterſchätzender Bedeutung,
und wir hoffen, daß ſeine auf der geographiſchen Lage
beruhenden namhaften Intereſſen entſprechende Berückſich=
tigung
finden werden. Die Ausführungen des Miniſters
wurden) wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen
und ſympathiſch aufgenommen.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatze.
* Wien, 5. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt meldet aus dem Hauptquartier der bulgari=
ſchen
Oſtarmee vom 5. November: In den letzten
Tagen wurde eine Teilung des großen Haupt=
quartiers
vorgenommen. Stara=Zagora lag ſchließlich
nur mehr in bezug auf die Operationen gegen Adrianopel
und die Leitung des Nachſchubdienſtes günſtig, für die
Leitung der Operationen der Feldarmee jedoch zu weit
ab von dem Schauplatz der entſcheidenden Kriegsoperatio=
nen
. Daher wurde die Teilung derart vorgenommen, daß
nur das ſozuſagen repräſentative königliche Hauptquartier
noch auf bulgariſchem Boden verblieb, während das
eigentliche militäriſche Hauptquartier mit dem Generaliſſi=
mus
, General Sawow, und dem Chef des Generalſtabes,
Fitſchew, auf Kirk=Kiliſſe vorgeſchoben wurde. Nach
dem Fall von Adrianopel ſoll dann auch die Verlegung
des Königlichen Hauptquartiers erfolgen.
Die Verfolgungsoperationen der Haupt=
armee
gegen die türkiſche Feldarmee werden trotz der
enormen Inanſpruchnahme in der dreitägigen Schlacht
fortgeſetzt. Die Offenſive erfolgte entſprechend der
Gruppierung der bulgariſchen Hauptarmee in der Schlacht
von Lüle=Burgas-Wiſa, in zwei Hauptrichtungen.
Eine ſüdliche Armeegruppe drängte in weſt=
öſtlicher
Richtung über Tſchorlu nach, während ein zweiter
Vorſtoß aus dem Norden über Saraj und Strandſcha er=
folgte
. Die ſüdliche Gruppe rannte die türkiſchen Nach=
hutſtellungen
hinter dem Beazköviderf=Fluß bei Kaci=
ſchadiran
und Gekerler, ſowie hinter dem Ergene=Fluß
durch einen gleichzeitigen Frontalangriff und Umgehung
des linken Flügels über Tſchengerler=Muſelimki über den
Haufen und warf die Türken in die Deroute hinter
Tſchorlu. Das ungeſtüme Nachdrängen der Bulgaren
ſcheint neuerlich eine vermehrte Verwirrung unter den
türkiſchen Maſſen hervorgerufen zu haben, denn trotz der
großen Gefahr, durch die bulgariſche Nordgruppe in der
rechten Flanke umgangen und abgeſchnitten zu werden,
haben ſtarke türkiſche Kräfte hinter Tſchorlu neuerdings
Stellung genommen, wo ſie von den Bulgaren aus den
Richtungen Gekerler, Karah, Sankoei und Müſelimkoei
angegriffen und nach heftigem Kampfe unter großen Ver=
luſten
zurückgeworfen wurden. Die bulgariſche
Nordgruppe iſt mit ſtarken Kräften im Vorgehen über
Sarai begriffen und erreichte mit ihrem linken Flügel,
etwa eineinhalb Diviſionen, die Höhen von Siranza. Eine
weitere Offenſive dieſes bulgariſchen Flügels wied nur
mit ſchwächeren Kräften ſüdlich auf Tſcherkeskoei und
Jenitzkoei erfolgen. Der Hauptteil geht ohne Rückſicht
auf die ſüdlich ſtehenden türkiſchen Streitkräfte direkt über
Strandza gegen den Raum zwiſchen Derkoſſee und Tſcha=
taldſcha
vor, während die ſüdliche Armeegruppe der Bul=
garen
den Hauptſtoß entlang an der Bahn und über
Fenarkadikoei frontal gegen Tſchataldſcha führt. Die all=
gemeine
Abſicht bei dieſem Vorgehen iſt, die nicht abge=
ſchnittenen
Teile des türkiſchen Heeres durch ſcharfes Nach=
drängen
noch vor der Tſchataldſcha=Poſition zur Schlacht
zu ſtellen und gleichzeitig mit den geſchlagenen türkiſchen
Truppen in dieſe Stellung einzudringen. Erſt wenn dies
nicht gelingt, ſoll ein normaler Angriff unter Mitwirkung
von ſchwerer Artillerie Platz greifen. Die unaufhaltſame
Offenſive der bulgariſchen Armee wäre trotz der außer=
ordentlichen
Leiſtungen der Truppen nicht möglich, wenn
nicht der Verpflegungs= und Nachſchubapparat tatſächlich
ohne Klagen funktionieren würde. Das Zuſammen=
arbeiten
von Intendantur und Generalſtab iſt ideal zu
nennen. Man erkennt hieraus die außerordentlich vor=
bereitende
Friedensarbeit des bulgariſchen Heeresappa=
rates
. Die Trophäen aus den letzten ſiegreichen Kämpfen
ſind außerordentlich zahlreich. Die erbeuteten Schnell=
feuerbatterien
werden, ſoweit Munition vorhanden iſt,
zu der Verſtärkung der mit altem Material ausgerüſteten
Reſervediviſionen verwendet.
* Sofia, 5. Nov. Nach einer aus amtlichen Krei=
ſen
ſtammenden Nachricht aus dem Hauptquartier iſt die
Nachbut der Türken aus mehreren Stellungen zwi=

ſchen Tſchorlu und Sarai nach äußerſt heftigem Wider=
ſtande
auf Tſchataldſcha zurückgeworfen worden,
wobei die Türken größere Verluſte erlitten hätten als bei
Lüle=Burgas.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 6. Nov. Der britiſche
Kreuzer Weymouth iſt in die Dardanellen ein=
gelaufen
und geſtern abend als erſtes fremdes Kriegsſchiff
im Bosporus eingetroffen.
* Konſtantinopel, 6. Nov. Die Botſchafter
haben darum erſucht, einem zweiten Panzerkreuzer die
freie Durchfahrt durch die Dardanellen zu geſtatten,
* Konſtantinopel, 6. Nov. Der Sultan be=
ſuchte
geſtern nachmittag die Verwundeten im Hoſpital
Niſchantaſch und tröſtete ſie. Der franzöſiſche
Botſchafter hatte geſtern während des Miniſterrates, in
dem die Möglichkeit der Einſtellung der Feindſeligkeiten
erörtert wurde, eine Unterredung mit dem Miniſter des
Aeußern.
* Konſtantinopel, 6. Nov., 7 Uhr abends
Wiener Korr.=Bur. Die Regierung bereitet einen kräf=
tigen
Widerſtand auf der Tſchataldſcha=
linie
vor. Verſtärkungen werden abgeſandt, um dier
Truppen zu ermutigen. Denſelben Zweck verfolgt auch
die Entſendung der Ulemas zur Front. Dem Al Emdan
zufolge begann heute der Vormarſch der Armee. Eing
amtliche Beſtätigung liegt nicht vor. Nach einer Mit=
teilung
der Pforte iſt die Blockade der bulgari=
ſchen
Häfen vorläufig aufgehoben worden.
* Belgrad, 6. Nov. (Amtlich.) Die ſerbiſchen
Truppen beſetzten geſtern Prilep.
* Malta, 6 Nov. Der deutſche Kreuzer Hertha‟
iſt hier angekommen. Er ankerte einige Stunden im
Hafen, um ſich zu verproviantieren. Er ging dann wieder
in See, wie es heißt, nach Meſſina.
* Malta, 6. Nov. Die Linienſchiffe King
Edward VII., Zealandia, Hinduſtan und Africa
erhielten den Befehl, ſich direkt nach dem Orient zu
begeben, anſtatt nach Malta zu kommen. Die Linien=
ſchiffe
Hibernia Britannia und Commonwealth
bleiben in Malta und warten Befehle ab. Die Kreuzer
Good Hope und Dartmouth begeben ſich in die tür=
kiſchen
Häfen, um Flüchtlinge aufzunehmen.
* Wilhelmshaven, 6. Nov. Der Panzier
kreuzer Goeben hat heute vormittag die Aus=
reiſe
angetreten.

Darmſtadt, 7 November.

Ein neuer Karneval=Präſident. Die Karneval=
geſellſchaft
Narrhalla wählte in ihrer geſtern
abend im Hotel Heß abgehaltenen Sitzung Herrn Rechts=
anwalt
Alois Kern, hierſelbſt, Bismarckſtraße 24, zu
ihrem Präſidenten. Herr Kern bringt für dieſes Amt=
alles
mit, was zu den beſten Ausſichten für eine Hebung
des Karnevals erforderlich iſt: glücklicher, Meenzer Humor,
der ſich mit dem Darmſtädter paart, und eine geſellſchaft=
lich
repräſentative Stellung. Wir dürfen der Karneval=
geſellſchaft
Narrhalla zu ihrem neuen Präſidenten
gratulieren und hoffen, daß ſeine Amtszeit die gleiche
ſeines Vorgängers, des jetzigen Ehrenpräſidenten Max
Anſpach, mindeſtens erreicht.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 6. Nov. Eine kaiſerliche Kabinettsordre
vom 4. November beſtimmt, daß ſämtliche Offiziere der
Kavallerie für den verſtorbenen Generalleutnant von
Windheim drei Tage Trauer anzulegen haben.
* Berlin, 6. Nov. Um ein Uhr fand in der italieni=
ſchen
Botſchaft ein Frühſtück für Herrn v. Kiderlen=
Wächter ſtatt, an dem Marquis di San Giuliano,
der italieniſche Botſchafter und Gemahlin, die Staats=
ſekretäre
v. Tirpitz und Dr Solf mit Gemahlinnen, Ro=
bert
v. Mendelsſohn und Gemahlin, v. Schwabach u. a.
teilnahmen.
* Neues Palais bei Potsdam, 6. Nov. Das Prin=
zenpaar
Heinrich, welches heute vormittag in
Berlin eingetroffen war, iſt im Automobil im Neuen Pa=
lais
angekommen.
* Greiz, 6. Nov. Anläßlich des 75jährigen Beſtehens
der Textilwarenfirma Friedrich Arnold in Greiz ſtif=
teten
die Inhaber der Firma 100000 Mark für den Ar=
beiterunterſtützungsfonds
und 100000 Mark für die Stadt
Greiz.
* Peſt, 6. Nov. Aus Anlaß des heutigen Empfangs
der Delegationen beantwortete Kaiſer Franz.
Joſef die Huldigungsanſprachen der Präſidenten fol=
gendermaßen
: Mit aufrichtiger Befriedigung und wärm=
ſtem
Dank nehme ich die Verſicherung Ihrer treuen Er=
gebenheit
entgegen. Seit dem Zuſammentritt der letzten
Delegationen ſind ernſte kriegeriſche Verwickelungen auf
der Balkanhalbinſel ausgebrochen, welche eine erhöhte
Wachſamkeit gebieten. Im Hinblick darauf, daß bedeu=
tende
Intereſſen der Monarchie durch den Konflikt be=
rührt
werden können, erſcheint die baldige Wiederkehr
geordneter politiſcher und kommerzieller Verhältniſſe im
nahen Orient dringend wünſchenswert. Meine Regier=
ung
wird bereit ſein, im Einverſtändnis mit den verbün=
deten
Kabinetten an einem geeigneten Zeitpunkt an der
auf die Wiederherſtellung des Friedens abzielenden
Aktion der Großmächte teilzunehmen. In der letzten Dele=
gationsſeſſion
wurden mit einer dankenswerten Opfer=
willigkeit
für Heer und Marine außerordentliche Kredite
bewilligt, wodurch die Schlagfertigkeit unſerer Wehrmacht
eine erfreuliche Stärkung erfuhr. Das laufende Erfor=
dernis
meiner Kriegsverwaltung bewegt ſich in nor=
malen
Grenzen. Nur zur Löſung der Unteroffiziers=
frage
, die die notwendige Ergänzung des durch das neue
Wehrſyſtem bedingten organiſatoriſchen Ausbaues der
Armee und der Flotte darſtellt, wurde ein Mehrbetrag
angeſprochen. Die Verhältniſſe in Bosnien und der Her=
zegowina
ſind dank der loyalen und patriotiſchen Halt=
ung
der Bevölkerung in einer ruhigen Entwickelung be=
griffen
. Ein reichhaltiges legislatives Arbeitsprogramm
wird dem Lande Gelegenheit geben, den kulturellen und
wirtſchaftlichen Fortſchritt beider Länder zu fördern. Ich
bin überzeugt, daß Sie an die Prüfung der Ihnen zu=
gehenden
Vorlagen mit bewährter Einſicht und pflicht=
getreuem
Eifer herantreten werden und wünſche Ihrek
Arbeit einen gedeihlichen Erfolg. Ich heiße Sie herzlich
willkommen!
* Peſt, 6. Nov. In ſeiner Anſprache an den
Kaiſer beim Empfang der öſterreichiſchen Delegierten
ſprach der Präſident der öſterreichiſchen Delegation, Graf!
Merveldt die ſichere Erwartung aus, es werde der
Regierung gelingen, die Aufgabe welche der Monarchie
unter den gegenwärtigen Verhältniſſen auf dem Balkan
zufalle, glücklich zu löſen und die Rechte der Monarchie
auf dem Balkan zu wahren. Die Delegation werde die
Regierung unterſtützen, wie alljährlich die Vorlagen, be=,
treffend die Wehrmacht der Monarchie, prüfen und dabet

[ ][  ][ ]

Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Seite 7.

lickſicht nehmen, daß das Auftreten der Monarchie nach
ſußen, wo es erforderlich, mit dem nötigen Nachdruck ge=
ſchehe
. Wir können daher, erklärte Merveldt weiter,
Der Zukunft mit Ruhe und in eigenem Kraftbewußtſein
rtgegenſehen. Wir freuen uns aber auch über die Wahr=
ſehmung
, daß unſere Verbündeten das zwiſchen der
onarchie und ihnen beſtehende Bündnis um ſo mehr zu
ſſchätzen wiſſen, je länger es währt und je öfter das treue
Feſthalten an demſelben klac in Erſcheinung tritt. Der
Präſident feierte dann den Monarchen als einen von ganz
EEuropa verehrten vorbildlichen Hort des Friedens, dem
les vergönnt ſein möge, alsbald auch auf dem Balkan den
Frieden einziehen zu ſehen. Redner ſchloß mit
einem begeiſtert aufgenommenen Hoch auf den Kaiſer.
Der Präſident der ungariſchen Delegation, Graf Zichy,
gedachte in ſeiner Anſprache an den König gleichfalls des
Krieges, der an den Grenzen wüte und von Tag zu Tag
die Beſorgnis erhöhe. Es könne nur gewünſcht werden,
daß das Einvernehmen der Großmächte nicht geſtört werde
Nund daß der Krieg keine größere Ausdehnung annähme.
Der Präſident ſprach ferner den Wunſch aus, daß es dem
Einvernehmen zwiſchen den Großmächten gelingen möge,
dem Krieg ein Ende zu ſetzen und den Weltfrieden auf=
rechtzuerhalten
. Er ſchloß mit begeiſtert aufgenommenen
Eljenrufen auf den König.
* Rom, 6. Nov. Der Popolo Romano drückt ſeine
lebhafte Freude über den warmen und überaus herzlichen
Empfang aus, der SanGiuliano in Berlin zuteil
wurde. Das Blatt ſchreibt: Der Empfang iſt ein Beweis
der innigen unwandelbaren Freundſchaft, die außer dem
Bündnis die Herrſcherhäuſer und Regierungen der bei=
den
Länder vereint. Unſer Land empfindet tief die
Kundgebungen und vor allem auch den Charakter, den
der Kaiſer dem Empfang San Giulianos dadurch gab,
daß er ihm den Schwarzen Adlerorden überreichte und
zu ſeinen Ehren ein Galadiner veranſtaltete, an dem auch
der Kaiſer teilgenommen hat. Dieſe Herzlichkeit und
Feierlichkeit geben dem Empfang eine Bedeutung, die
nicht allein uns Italienern, ſondern allen Freunden des
europäiſchen Friedens zur Stärkung dient.
* Mancheſter, 6. Nov. Der Mancheſter Guardian ver=
öffentlicht
eine Zuſchrift von Lord Roberts, in der
er ſich gegen die mißverſtandene Auslegung
ſeiner in Mancheſter gehaltenen Rede wendet. Lord
Roberts ſchreibt: Die Auffaſſung, daß ich als engliſche
Politik dringend empfohlen hätte, England ſolle ſtärker
rüſten als Deutſchland und dann Deutſchland bekriegen.
ganz gleich, ob es ſich um eine gerechte Sache handele
oder nicht, ja ſogar ob Streit beſtehe oder nicht, nur weil
England glaube, ſiegen zu können, dieſe Auffaſſung iſt
mir ſo fremd und zuwider, daß ich außerſtande bin, zu
verſtehen, wie ſie mir zugeſchrieben oder aus meiner Rede
herausgeleſen werden konnte. Roberts erklärt, ſeine
Rede und alle ſeine Bemühungen bezweckten lediglich, den
Mitbürgern die ſchreckliche Gefahr deutlich zu machen, in
der ſich Englands Nation allein befinde, untrainiert, un=
organiſiert
und unbewaffnet inmitten Europas, wo nicht
nur die Großmächte, ſondern auch kleinere Staaten als
Völker in Waffen daſtänden.
* Spala, 5. Nov. Die Kräftigung des Thronfol=
gers
nimmt andauernd zu; ſein Appetit wächſt und
ſein Befinden beſſert ſich. Heute früh betrug die Tem=
peratur
37, am Tage 37,1, abends 37,3 Grad; der Puls
früh 112, am Tage 116, abends 118.
* New=York, 6. Nov. Die Stimmenzahl, die
Wilſon erhielt, iſt wahrſcheinlich die größte, die je ein
Präſidentſchaftskandidat erhalten hat. Sicher hat er 404
Wahlmännerſtimmen aus 38 Staaten. Taft erhielt bis=
her
nur Idcho, Vermont, Utah und Wyoming mit 15
Stimmen, Rooſevelt Illinois, Jowa (das anfangs für
Wilſon gewonnen ſchien), Waſhington, Kanſas, Michigan
und Pennſylvania mit 112 Stimmen. In allen zweifel=
haften
Staaten ſiegte Wilſon. Sein Sieg in den repu=
blikaniſchen
Hochburgen Moine und Maſſachuſetts iſt be=
ſonders
bemerkenswert. Rooſevelt hat weniger Stim=
men
erhalten, als ſeine Anhänger erwartet haben; er war
in vielen Landesteilen dritter. In New=York erhielt
Wilſon 698000, Taft 493000, Rooſevelt 419000 Volks=
ſtimmen
. Die New=Yorker Staatslegislatur iſt demo=
kratiſch
geworden. Das ſozialiſtiſche Mitglied der New=
Yorker Legislatur, der ſozialiſtiſche Kongreßmann Ber=
ger
, iſt anſcheinend geſchlagen. In das Unterhaus
des Kongreſſes werden vorausſichtlich 2930 Demokraten,
132 Republikaner und 13 Progreſſiſten einziehen. Im
Bundesrat haben die Demokraten anſcheinend eine Mehr=
heit
von ſechs Sitzen erobert. Die demokratiſche Kon=
trolle
der Durchführung des Tarifprogramms iſt not=
wendia
. Die republikaniſche New=York Tribune er=
klärt
, Wilſons Sieg ſei die Folge von Rooſevelts Wunſch,
die republikaniſche Partei zu zerſchmettern, und die Folge
ſeines übertriebenen Ehrgeizes und ſeiner perſönlichen
Animoſität. Der New=York Herald führt in einem an
Wilſon gerichteten Leitartikel aus, er hoffe, daß Wilſon
das Tarifprogramm unter Erhaltung der neubegonnenen
Proſperität durchführe.
* New=York, 6. Nov., morgens 5 Uhr. Wilſon
hat anſcheinend in Joma geſiegt, Rooſevelt in South
Dakota, Taft in Wyomina. Wilſon erhielt 408 Elektoral=
ſtimmen
, Rooſevelt 104, Taft 11.
Landsberg a. W., 6. Nov. Ein auf dem Ritter=
gut
Morrn beſchäftigter Galizier, der ſich in angetrun=
kenem
Zuſtande im Felde zum Schlafen niederlegte, er=
litt
den Tod durch Erfrieren.
Paris, 6. Nov. Am 2. November wurde Baron
Gedalia, der ehemalige Sekretär des verſtorbenen
Herzogs von Bellevue, in ſeiner Wohnung erhängt
aufgefunden. Er hinterließ einen Zettel mit den Wor=
ten
: Ich töte mich am 1. November um 3 Uhr 40 Minu=
ten
nachmittags. Nachforſchungen ergaben, daß der
Selbſtmord erſt am 2. November verübt wurde. Baron
Gedalia ſoll am Abend des 31. Oktober, wo im Bois du
Boulogne die Protiſtuierte Souavin ermordet wurde, von
einer Freundin der letzteren in der Geſellſchaft der Er=
mordeten
geſehen worden ſein, und zwar gegen 7½ Uhr,
in der Stunde des Mordes. Die Affäre erregt in Paris
großes Aufſehen.
London, 6. Nov. Der Rechtsanwalt Thomſon
wurde, als er ein elektriſches Bad nahm, vom Strom
getötet.

H. B. New=York, 6. Nov. Wilſon wurde von
einem Zeitungsvertreter über ſeine nächſten Ziele befragt,
Er ſagte aus, daß ſeine Politik das Ziel verfolge, den
Truſts und dem Zolltarif den Krieg zu erklären. Hier=
auf
werden wir uns den Arbeitergeſetzen zuwenden,
welche bei uns ſehr im Argen liegen, weiter den fiskali=
ſchen
und den Feldgeſetzen. Für unſere Farmer muß
alles getan werden, was im Intereſſe der Landwirtſchaft
iſt. Der Ackerbau=Kredit, welcher in Frankreich in ſo
hoher Blüte ſteht, muß auch bei uns eingeführt werden.
Was die Finanzreform anbelangt, ſo werden wir ver=
ſuchen
, ſie in kürzeſter Zeit einzuführen. In den auswär=
tigen
Angelegenheiten kann man ſicher ſein, daß die Ver=
einigten
Staaten ihre loyale und Kiedliche Politik auch
in der Folgezeit weiter führen werden und daß die inter=
nationalen
Probleme in dem Sinne weitgehendſter
Gleichheit für alle gelöſt werden.

Von unendlichem Wert
wenn Ihr Kräftezuſtand zu wünſchen übrig läßt, wenn Sie
blutarm, nervös oder arbeitsmüdeſind, iſt es für Sie, dieſen
Brief vom 12.6.1912 zu leſen. Bioſonſtählt Körper u. Nerven
in oft ungeahnter Weiſe. Infolge einer Magenoperation
war ich ganz heruntergekommen u ſah ſoblaß aus, als hätte
ich keinen Tropfen Blut mehr in mir. Ich griff daher zu
Bioſon, um wieder Blut u. Kraft zu erlangen und kann
Ihnen beſtätigen, daß Ihr Präparat meine Erwartungen bei
weitem übertroffen hat. Ich erhielt raſch wieder ein friſches
Ausſehen, Kraft u. Energie hoben ſich weſentlich und nach
Verbrauch von 4 Doſen fühlte ich mich wieder kräftig und
wohl wie früher. Franz Golder, Düſſeldorf, Birkenſtr. 105.
Unterſchrift beglaubigt: Dr. Pfahl, Kgl. Notar. Bioſon,
hergeſtellt unter Benutzung des Reichspatents 171371, iſt
das beſte u. billigſte Nähr= u. Kräftigungsmittel ſeiner Art,
Doſe (ca. ½ Kilo) 3 Mk. in Apotheken, Drogerien. (23053D

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Spezialgeschäft für Herren-Wäsche
ferfig und nach Mass
Unterzeuge, Cravaffen, Sportarkikel.

(21390.

Statt jeder beſonderen Anzeige.

Heute nacht verſchied nach längerem Leiden
meine treue Gattin, unſere liebe Mutter
Frau
Mathilde von Wachter
geb. Beck.
Michelſtadt, den 6. November 1912.
Ludwig von Wachter, Hauptmann a. D.,
Hilda von Wachter,
Ilſe von Wachter,
Friedrich=Carl von Wachter, Leutnant
im Leibgarde=Infanterie=Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115,
Karola von Wachter.
Einſegnung im engſten Familienkreis; Bei=
ſetzung
in Darmſtadt.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen wird
gebeten Abſtand zu nehmen. (23110

Todes=Anzeige

Heute entſchlief ſanft nach langem, ſchwerem
Leiden meine treubeſorgte Mutter, unſere liebe
Schweſter und Tante
(23104
Frau
Elisabeth Herrmann
geb. Bär.
Darmſtadt, 6. November 1912.
Pallaswieſenſtraße 41.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Marie Lerch.
Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Novbr.,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen
Friedhofes aus, ſtatt.

Aus dem Geſchäftsleben.

Man ſchreibt uns: Es dürfte von Intereſſe ſein, zu
erfahren, daß Theodore Rooſevelt auf 24 Underwood=
Autiſten perſönlich gehaltene Briefe ſchreiben läßt, um
eine große Anzahl neuer Anhänger zu gewinnen. Der
Autiſt in Verbindung mit einer regulären Underwood=
Maſchine vervielfältigt ſelbſtändig einen einmal nieder=
geſchriebenen
Text in beliebiger Anzahl. So ſchreibt er
tauſende von perſönlich gehaltenen Briefen und ſetzt auto=
matiſch
auf jeden Brief eine andere Adreſſe ein. Der
Autiſt führt das Schreibpapier von ſelbſt in die Maſchine
ein, ſchreibt den Brief, ändert ſelbſttätig den Adreſſaten
und ſteht nur ſtill, wenn das Papier aufgebraucht iſt.
Rooſevelt iſt vermöge ſeiner 24 Underwood=Autiſten in
der Lage, 1000 bis 1200 Briefe in der Stunde, bei 10 ſtün=
diger
Arbeitszeit 10000 bis 12000 Briefe pro Tag, mit
verſchiedenen automatiſch geſchriebenen Adreſſen nach allen
Richtungen der Vereinigten Staaten von Amerika hinaus=
zuſchicken
. Intereſſenten wenden ſich an die Allein= Ver=
tretung
der Original=Underwood=Schreibmaſchine: Hof=
lieferant
Heinrich Elbert, Geſellſchaft mit beſchränk=
ter
Haftung, Darmſtadt.
Flüſſige oder trockene Yoghurt= Prä=
parate
? Die trockenen Yoghurt=Bakterien brauchen
zu ihrer Entwickelung Wärme von ca. 45 Grad Celſ.
und längere Zeit. Dieſe Tabletten und Pulver haben
den großen Vorzug, wie neue Unterſuchungen im
Hygieniſchen Inſtitut zu Dresden 1912 gezeigt haben,
eine Haltbarkeit von mindeſtens 1½ Jahren zu beſitzen.
Solche vertrauenswürdige, unter bakteriologiſcher Kon=
trolle
hergeſtellte Präparate, welche ſtändig von vielen
Aerzten ſelbſt gebraucht und verordnet werden, ſind die
Yoghurt=Präparate von Dr. Ernſt Klebs, Bakteriol.
Laboratorium, München 33. Proben dieſet Präparate
nebſt Zeugniſſen über deren Wirkung können koſtenlos
daſelbſt bezogen werden.

Todes=Anzeige.
Heute nacht 1¼ Uhr entſchlief unſer einzig
geliebtes Söhnchen und Enkelchen
(22999
Karl Arnelu Heilrich Loulns
im Alter von 11 Jahren.
Familie Adolf Löding,
Carl Lemmer.
Darmſtadt, den 5. November 1912.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den
7. November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer=
hauſe
, Liebfrauenſtraße 93 aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe aufrich=
tiger
Teilnahme bei dem Tode unſerer
unvergeßlichen. Mutter, Schwieger=
mutter
, Großmutter und Tante (B23057
Charlotte Holschuh
ſagen wir Allen unſeren herzlichſten
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Srau
Kanner

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez.
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Wetter.

Ausſichten für Donnerstag, den 7. November:
Meiſt heiter und trocken, tags mild, nachts Froſt.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Sondervorſtellung), Anfang
8 Uhr: Wilhelm Tell.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert der Meininger Hofkapelle um 7½ Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wagner=Verein).
Vortrag von Ingenieur Bucher um 5 Uhr im Hotel
Zur Traube (Flugſtudien=Geſellſchaft).
Vortrag mit Lichtbilder von Kaufmann Kruſe um
8½ Uhr im Saalbau (Odenwaldklub).
Hauptverſammlung des Bicyele=Klubs um 9 Uhr
im Perkeo.
Monatsverſammlung des Gartenbauvereins um
8 Uhr im Fürſtenſaal
Preiskegeln im Bürgerverein Darmſtadt.
Konzert um 8 Uhr im Rummelbräu.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 8. November.

Pferde=Verſteigerung um 10 Uhr in der Train=
kaſerne
(Eſchollbrückerſtraße).

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114 und Sonntags von 104 Uhr.

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Nummer 263.

[ ][  ][ ]

Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Seite 9.

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Nummer 263.

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Nurechf
In gelben Packeten,mit der Schnitferin‟
Seubf

Ein Beſuch bei Ediſon.
Skizze von Baron Roquebrune=Hérault.
(Nachdruck verboten.

Das Genie beſteht aus 2 Prozent Erfindungsgabe
und 98 Prozent Fleiß. Dieſes lannige Wort des gro=
ßen
amerikaniſchen Erfinders iſt charakteriſtiſch für ſeine
Lebensarbeit. Wenn je ein Menſch hartnäckig und ſyſte=
matiſch
, mit einer Tag wie Nacht ruheloſen, eiſernen
Energie gearbeitet hat, ſo er. Ediſon wußte, daß die
Götter vor den Erfolg den Schweiß geſetzt haben, und
daß, ſelbſt wenn man etwas iſt einem die großen Ge=
danken
nicht und noch viel weniger die Erfolge vom Him=
mel
fallen. Darum arbeitete er ſchon als Junge mit einer
Zähigkeit, die andere erſt Jahrzehnte ſpäter inmitten des
harten Daſeinskampfes ſich aneignen, arbeitete, um in die
Höhe zu kommen und als er auf der Höhe angelangt war,
um ſein Lebenswerk, als Verpflichtung der Menſchheit
gegenüber, möglichſt umfangreich und glänzend auszu=
ſtatten
.
Wenn wir heute Miſter Thomas Alva Ediſon auf
ſeiner prächtigen Beſitzung in Orange (New=Jerſey) einen
Beſuch abſtatten, ſo können wir uns eins gegen tauſend
wetten, ihn auch dort bei der Arbeit zu finden. Ein Wun=
derbau
, das Laboratorium, welches ſich der Erfinder dort
inmitten eines herrlichen Parkes angelegt hat. Es be=
ſteht
aus fünf großen Gebäuden, deren weite Säle mit
Sammlungen und Inſtrumenten angefüllt ſind. Für Phy=
ſik
, Chemie, Photographie, Radio=Aktivität uſw. beſtehen
beſondere Abteilungen, die gleichzeitig die Verſuchs= und
Arbeitskabinetts enthalten. Das Muſeum für Chemie
beherbergt eine Sammlung, die in ihrer Reichhaltigkeit
auf der Welt einzig daſteht; nicht ein bekanntes Metall
oder Metalloid, organiſcher oder anorganiſcher Stoff fehlt
in demſelben. Ediſon arbeitet in dieſem Laboratium mit
einem wahren Generalſtab von Gelehrten, Ingenieuren,
Zeichnern uſw. Er ſelbſt hat ſich allerdings nur ein be=
ſcheidenes
Kabinett reſerviert, das nichts weiter enthält
als einen Tiſch, bedeckt mit Inſtrumenten, Zeichnungen,
Büchern, ſowie ein paar wackelige Stühle. In dieſem
Milieu von klaſſiſcher Einfachheit empfängt uns der For=
ſcher
, der auch in ſeiner Kleidung ſo ſchlicht iſt, wie ein ge=
wöhnlicher
Arbeiter. Ein Rock, der einmal neu geweſen
iſt jetzt aber eine Muſterkarte von Flecken, aus den
ſämtlichen Gebieten der Phyſik und Chemie darſtellt
was kümmert das den Mann, der mit ſeinem Feuergeiſt

den letzten Geheimniſſen der Natur auf den Ferſen iſt!
Immerhin: auf eine untadelige weiße Krawatte legt.
Miſter Ediſon Gewicht. Mit einer Liebenswürdigkeit,
welche den gereiften Mann und vornehmen Charakter ver=
rät
, heißt der König der Elektrizität uns willkommen.
Ediſon zählt gegenwärtig 65 Jahre und ſeine ſchlicht ge=
kämmten
Haare ſind ſchon weiß wie Schnee. Aber unter
ſeiner hohen ſchönen Stirn leuchten ein paar Augen in
jugendlichem Feuer, und die Bewegungen des alten
Herrn ſind elaſtiſch und kraftvoll wie die eines Jüng=
lings
. Wir bemerken während der Unterhaltung, daß
Ediſon auf das Spiel unſerer Lippen achtgibt, wie es
Leute zu tun pflegen, die taub ſind. In der Tat hört
der Erfinder mit dem linken Ohr ſchwer, er hat deshalb
die Gewohnheit angenommen, bisweilen die Hand unter
die linke Ohrmuſchel zu halten und im übrigen aus den
Bewegungen der Lippen die Worte des Sprechenden zu
erraten. Die rechte Hand verſenkt er gewöhnlich in die
Hoſentaſche; ſie zur Unterſtützung des Gehörs zu gebrau=
chen
, hätte keinen Zweck, da, wie Ediſon ohne Bitterkeit
bemerkt, die Schallmaſchine auf der rechten Seite infolge
eifriger Benutzung nicht mehr funktioniert. Der Erfinder
liebt es, ſeine Unterhaltung mit Bonmots und ironiſchen
Anſpielungen zu würzen, wie er denn überhaupt alles
andere iſt, nur nicht ſteif und offiziell‟. Im Gegenteil,
er pflegt ſeine Mitarbeiter ſogar zu duzen und verſchmäht
es nicht, bei Gelegenheit mit irgend einem ſeiner Haus=
diener
oder jungen Gehilfen jovialen Spaß zu treiben.
Kein Wunder, daß ſeine Leute ihn als Onkel Ediſon
verehren und nicht müde werden, ſeine Leutſeligkeit und
ſchlichte Herzensgüte zu rühmen. Wie manchem von
ihnen und wie manchem anderen, die einer Hilfe bedurften,
hat er, ohne viel Weſens zu machen, beigeſtanden! Die
Unterhaltung dreht ſich naturgemäß um die Probleme
der Naturwiſſenſchaften, in deren Gebiet der Erfinder zu
Hauſe iſt, wie kein Zweiter.
Aber auch für alle anderen Beſtrebungen der Kultur
hat Ediſon ein lebendiges Intereſſe und eine Schärfe des
Blickes, die in Erſtaunen ſetzt. Man fühlt inſtinktiv, daß
hinter dieſer wundervoll modellierten Stirn die Gedan=
ken
eines großen modernen Menſchen wohnen, eines Men=
ſchen
, der ſtolz iſt und zugleich demütig wie ein Kind,
klug und ſelbſtbewußt und zugleich voll Ehrfurcht gegen=
über
dem Leben und ſeinen Wundern. Manchmal erzählt
der Erfinder aus ſeiner Laufbahn in den ſeltenen
Stunden der Ruhe und dann könnte man glauben, einen
Roman zu vernehmen. Er lächelt ein wenig moquant,
wenn er des guten und hölzernen Schulmeiſters gedenkt,
der eines Tages dem achtjährigen Buben im Donnerton
pädagogiſchen Eifers verſicherte, daß er zeitlebens ein
Dummkopf bleiben werde. Gewiß, er hat Recht behal=
ten
ſcherzt der geniale Mann, denn eine gehörige Por=
tion
Fragen, die ich löſen will, ſind von der praktiſchen
Verwirklichung noch weit entfernt. Mit Wehmut gedenkt
Ediſon ſeines Vaters, eines Mannes, der in keiner Le=
benslage
ſeinen guten Humor verlor, und der prächtigen
Mutter, einer energiſchen, klugen Frau. Schon früh ging
der für ſein Alter merkwürdig reife Junge in die Welt
hinaus, um Geld zu verdienen und ſich umzutun. Die
Enge und das Stubenhocken konnten ſeinem feurigen und
wißbegierigen Geiſt nicht gefallen. Mit elfeinhalb Jah=
ren
etablierte er ſich als Zeitungs= und Zigarrenverkäu=
fer
in den Zügen, die zwiſchen Detroit und Port=Huron
verkehren. Infolge des Krieges von 1860 war das Ver=
langen
nach Neuigkeiten ſehr groß, und der junge Ver=
käufer
hatte nicht unklug mit dieſer Konjunktur gerech=

net. Im zweiten Jahre, ſeiner ,Eiſenbahntätigkeit ver=
fügte
der kaum dem Kindesalter Entwachſene bereits
über 2000 Dollars Erſparniſſe. Er hatte nichts eiligeres!
zu tun, als dieſe Summe ſeinen Eltern zu bringen, um
ihnen als guter Sohn beizuſtehen. Ediſon geſteht ſelbſt,
daß dieſer Moment das erſte große Glück ſeines Lebens
geweſen iſt. Inzwiſchen hat der junge Welteroberer in
dem Winkel eines Eiſenbahnwaggons eine kleine Drucker=
preſſe
eingerichtet und ſtellt hier den Weekly Herald
her, eine Zeitung in Liliputformat, die in einer Auflage
von 500 Exemplaren während der Fahrt herausgegeben
wird. Ediſon vereinigt in ſeiner Perſon den Verleger,
Redakteur, Reporter und Annoncenſucher des Blattes,
das in amerikaniſchem Tempo floriert. Leider ge=
nügte
dem 15jährigen Feuerkopf dieſe Tätigkeit noch nicht.
Er richtete ſich in dem anderen Winkel das Waggons ein
kleines Laboratorium ein, denn die Naturwiſſenſchaften
hatten es ihm mittlerweile angetan. Als er aber eines
Tages durch Unvorſichtigkeit einen Brand in ſeinem
phyſikaliſchen Winkel verurſachte, nahm ihneder Zugfüh=
rer
einfach beim Kragen und ſetzte ihn an die Luft. Das
war nun entſchieden unangenehm. Was ſollte aus dem
Weekly Herald werden und den Problemen, die dem
Knaben ſchon jetzt den Schlaf der Nächte raubten? Ediſon
bedachte ſich nicht lange, ſondern ſuchte einen Lehrer, der
ihn im Telegraphieren unterrichten ſollte. Dieſe Kunſt
intereſſierte ihn nämlich. Nach zwei Monaten Lernzeit
war er perfekter Telegraphiſt und tat Nachtdienſt in einem
Bureau in Boſton. Von dort ging er im Jahre 1870 nach
New=York. Als er hier eines Tages durch die Wallſtreet
ging, bemerkte er einen Auflauf vor einer Agentur, welche
das Monopol für automatiſche Apparate beſaß. In dem
betreffenden Gebäude war die Zentralſtation für die
Tickers der Börſe eingerichtet; alle Welt war in der
größten Aufregung, weil die Zentrale plötzlich nicht mehr
funktionierte. Ediſon bahnte ſich einen Weg durchs Ge=
dränge
, ſtellte ſich dem Direktor des Etabliſſements vor
und erbot ſich, den Schaden zu reparieren. Er entdeckte
auch richtig einen kleinen Maſchinenteil, der zwiſchen die
Zahnräder gefallen war zwei Minuten ſpäter funktio=
nierten
die Apparate wieder. Der begeiſterte Direktor
engagierte Ediſon auf der Stelle für ein Monatsgehalt
von 1200 Mark. Der Dreiundzwanzigjährige nimmt an,
ohne mit der Wimper zu zucken. Um ſeine Freude aus=
zutoben
verbeſſerte er die Tickers der Kompagnie in ver=
blüffend
kurzer Zeit und ſchaffte ein wahres Meiſterwerk,
der Technik. Als Belohnung und Geſchäftsanteil erhielt
er von der Firma bare 160000 Mark.
Ediſon war damit ein gemachter Mann. Dieſem er=
ſten
Erfolge ſtanden die Arbeiten und Reſultate der nun
folgenden Jahrzehnte keineswegs nach. Ein Schaffen,
Experimentieren und Wühlen begann, das einen anderen
wie Ediſon zweifellos umgebracht hätte; ihm war es ein
Bedürfnis. Man braucht nur die Worte Glühlampe,
Telephon, Phonograph, Kinematograph auszuſprechen,
um ſich daran zu erinnern, was der geniale Amerikaner
für die moderne Kultur geleiſtet hat. Und wieviele andere
Erfindungen, die nicht lebensfähig waren, hat er verbeſ=
ſert
und ſo erſt für die Praxis nutzbar gemacht!
Wir ſcheiden von ihm, den all die ſtolzen Erfolge ſei=
nes
Lebens nicht hochmütig gemacht haben, der im Ge=
genteil
auch in ſeinem Charakter ein großer Menſch ge=
worden
iſt, mit dem Gefühl eines tiefen und aufrichtigen
Reſpekts. Ein praktiſcher Idealiſt! Solche Leute tun
unſrer Zeit not!

NI6
Silmenbenner
EINEF

(VII 22987

Rheinſalm
Weſerſalm
Silberſalm
Lachsforellen
Zander
Steinbutt
Heilbutt
Seezungen
ff. Nordsee-
ff
. Nordsee-
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. Nordsee-

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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

§6 120.

Donnerstag, 7. November.

1912.

An die Großherzozligen Bürgermeſtereien des Kreſes,

Nachſtehend teilen wir Ihnen die Zuſammenſtellung der Ergebniſſe der im laufenden Jahre
von der Körkommiſſion vorgenommenen Beſichtigungen mit. Folgende Faſelwärter wurden für
gute Haltung und Fütterung der Tiere mit Prämien bedacht: 1. Heinrich Schneider, Beſſungen,
2. Friedrich Kölſch, Eberſtadt, 3. Adam Wannemacher, Erzhauſen, 4. Valentin Roth, Eſchollbrücken
5. Phil. Reitz, Gräfenhauſen, 6. Eduard Morgenroth, Griesheim, 7. Georg Strauch, Hahn,
8. K. Laumann, Meſſel, 9. J. Walter II, Nieder=Ramſtadt, 10. G. Burger, Ober=Ramſtadt,
11. Ludwig Rau IV., Pfungſtadt, 12. Friedrich Emich, Roßdorf, 13. H. Heß IV., Weiterſtadt,
14. Friedrich Joſt, Wixhauſen.
Darmſtadt, am 31. Oktober 1912.
(23080
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.

Ergebniſſe der Beſichtigungen der Bullen, Eber u. Ziegenböcke im Jahre 1912.

Vorbemerkungen: Die Note 1 bedeutet ſehr gut, die Note 2 bedeutet gut, die Note 3
bedeutet mittelmäßig, die Note 4 bedeutet gering.
I. Bullen.

Name
Name des 5 2 Abſtammung,
des
Bemerkungen
Gemeinde
Bullen=
Farbe
Bullen=
Raſſe
wärters
halters
Arheilgen Gemeinde H. Maurer 2Simmth. Reinz. rotſcheck
1 1-2 1 lahmt
2½
gelbſcheck 21 1 11.2 1
21 11.21
21 (1-21
5 Braunshardt A. Benderl.
2.3222
(6. Schulilt
2.3 2122
7Darmſtadt
Arheilgerſtr. Gemeinde D. Römer (1½
11
Beſſungerſtr.
H. Schneider (2
1111
111
1¾/Simmenth. Kreuz.
2 1-21.2 1 Klauen ausſch.
10) Eberſtadt
Fr. Kölſch 3
11
2 Simmth. Reinz.
12/1-211-2 1
12) Erzhauſen
1d. Wannemacher 14½
12.3) 11
13
111
14 Eſchollbrücken
111
Val. Roth 4½
11
15
2212 2.3
16) Eich Ph. Dickler
4½ Simmenth. Kreuz.
17 Gräfenhauſen Gemeinde! Ph. Reitz 2½ Simmth. Reinz.
ſte1111
18
11-211
11½
3¾/Simmenth. Kreuz.
19
111
Ed. Morgenrothſ4 Simmth. Reinz.
121
20) Griesheim
1 (1.2 1
(1½
2111211
1211 1
Georg Strauchſ2½
Hahn
1-2111
,,
1 K. Laumann 5 Orig. Simmenth.)
1-2211
Meſſel
Simmth. Reinz.
211111
2111
11½
Simmth. Kreuz.
Mac-huneshie ben
2 2 2 2.3
Simmth. Reinz.
12 23)
20)
15
111
80 Nieder=Ramſt. Gemeinde J. Walter II.1¾/ Simmth. Kreuz. gelbbläß
Simmth; Reinz. gelbſcheck211 1
31
32Ob.=Ramſtadt
111
G. Burger
33)
111
34
1111
1.211 1ſrdritt Bulleiſt
351 Pfungſtadt
Ludw. RaulV. 4½
nochangeſch.
ſte) 111
36)
2½ Simmth. Orig.
. Simmth. Reinz.
37) Roßdorf
111
Fr. Emich 2
1
38
39
22
40SchneppenhauſenſP. Kunz II.
4 Simmth. Kreuz.
2222
A larntelles,
41
2.3)11
42) TraiſaGemeinde
DieKlauen ſind
2.3) 1
43) Weiterſtadt
H. Heß IV. 14½
auszuſchneiden
14½
21
44
gelbbläß 2
45
2.
Friedrich Joſt 3½ Simmth. Reinz. gelbſcheck 2
46) Wixhauſen
47

48

II. Eber.

Name NameAlter
des Abſtammung
Bemerkungen
Gemeinde
des
des Ebers Raſſe2
Eberhalters Eberwärters
Jahre
¼ Deutſch. Edelſchw. weißl3-4) 3 2 2
(Gesntru
1322
2222
3 Braunshardt Val. Schmitt
4Darmſtadt
1
Arheilgerſtr.! Gemeinde D. Römer
1111
H. Schneider 1½ Vered. Landſchw.
Beſſurgerſtr.
1.2/1-2/1-2 1
Deutſch. Edelſchw.
Friedr. Kölſch
Eberſtadt
11-2/1-21-2 1
1½
211
8 Erzhauſen
Ad. Wannemacher
222
9Eſchollbrücken Ludw. Opper
¾ Vered. Landſchw.
222 2
Deutſch. Edelſchw.
10 Gräfenhauſen! H. Brenner
2 2.312.3/3.4
Vered. Landſchw.
111 Griesheim H. Höhl X.
Deutſch, Edelſchw. 2 22 2.3
H. Feldmann
12
112 223
13 Hahn (Dan. Stark
2221
Sinner III.
14
2212 2
15 Meſſel J. Laumann
32 2
16Nied.=Beerbach Adam März
111
2
17Nd.=Ramſtadt! Gemeinde Z. Walter
211
18Ob.=Ramſtadt
G. Burger
3111
19)
Verkauft, lahm
22 2
20) Pfungſtadt
Ludwig Rau
1-2/1.22 1
21
2222
22) RoßdorfK. Gunkel II.
3222
23 Schneppenhauſen K. Zimmermann
111
24) Traiſa Gemeinde M. Rieſinger
22 2 2.3
25) Weiterſtadt Peter Jung

3 (2.312.3/2.3)
M. Petri
26
22122
27) Wixhauſen Georg Lotz VI.

III. Ziegenböcke.

Name Name Alter
des
Gemeinde des des
Bemerkungen
Bockes
5
65
Halters Wärters Jahre 2
Arheilgen Gemeinde Heinr. Maurer 1½Saanenlweiß! 2 2311
2 23112
2 12
2 112
2 12
2 12
13
14 Braunshardt P. Klink
15Darmſtadt GemeindeDaniel Römer 1½
Arheilgerſtr.
16
17
1,
18
19)
20 Darmſtadt
H. Schneider 1½
Beſſungerſtr.
21
1½
22
1½
23
24
25) Eberſtadt
2
Fr. Kölſch 1½
26
12112
1½
12112
½
2 112112
2 112112
12112
121
32) Erzhauſen
1d. Wannemacher 1½
2 12
33
2 12
11½
34)
2311.
35
2311.
36 Eſchollbrücken
Val. Roth II. 1½
37
38)
(18
39)
1.
40 Gräfenhauſen
3 112l 2
Phil. Reitz VI.
41
2 12 2
114
42)
2 12) 2 1

45)
2 112) 2 11-
44
2 2
45) Griesheim
Ludwig Luft 2½
1½
1½
1½
1½
51
52
53)
54
55
56) Hahn
Georg Strauch 1½
57
1½,
88
Meſſel
K. Laumann 1½
61
62Nied.=Beerbach Ad. März
1½
63)
64Nd.=Ramſtadt Gemeinde J. Walter II. 2½
2
65
12
67
68Ob.=Ramſtadt
Georg Burgerl 2½
2½
1½
½
4 Pfungſtadt
Ludw. Rau 1½
75
11
23
76
82) Roßdorf
Fr. Emich

12/1
2 3 Böcke fehlen noch
3
85/Schneppenhauſen L. Bender
2 23
86
3 23)
TraiſaGemeinde M. Rieſinger
88

39) Weiterſtadt
H. Heß VI.
2 (12112
90
1½
2 12123 Böcke fehlen nocht
1212 2
Wixhauſen
Friedrich Joſtl 1½
2 1212
1½
2 11212
2 1212
2 12112l
2 12112

Die bei Berechnung der Lieferungen für die Armee zugrunde zu legenden Durch=
ſchnittsmarktpreiſe
im Kreiſe Darmſtadt haben im Monat Oktober 1912 für Hafer 23 Mk
(23050
für Heu 8 Mk für Stroh 5 Mk. pro 100 Kilo betragen.

Die Stadt Friedberg beabſichtigt, mit den am 4. Februar und 21. Oktober 1913
in Friedberg ſtattfindenden Pferde= und Fohlenmärkten je eine Verloſung von Pferden,
Fohlen und Gebrauchsgegenſtänden zu verbinden. Großherzogliches Miniſterium des
Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung dieſer Verloſungen unter
der Bedingung erteilt, daß je 12000 Loſe zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden
dürfen und mindeſtens 55% des Bruttverlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum An=
kauf
von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Der Vertrieb der Loſe im Groß=
herzogtum
Heſſen iſt geſtattet.
(23051

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 3 Pinſcher. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
(23065
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Froſt= und Regenwetter damit verbundenen Unzuträglichkeiten, Be=
läſtigungen
und Gefahren für das Publikum im bevorſtehenden
Winter zu vermeiden, fordern wir alle Hausbeſitzer, die Kanal=, Waſſer=
oder
Gasanſchlüſſe herzuſtellen beabſichtigen, hiermit auf, baldigſt und
längſtens bis zum 10. kommenden Monats bezügliche Anträge bei
den betreffenden Verwaltungen zu ſtellen, damit dieſe Anſchlüſſe noch
vor eintretendem Froſt ausgeführt werden können.
Bei Froſtwetter dürfen keinerlei derartige Arbeiten in Angriff
genommen werden, ſofern nicht genügende Gründe die alsbaldige
Herſtellung erfordern.
Auch für die im ſtädtiſchen Intereſſe vorzunehmenden Arbeiten
wird nach dieſem Grundſatz verfahren werden, nur einige unter=
geordnete
Herſtellungen werden zur Beſchäftigung arbeitsloſer Leute
zur Ausführung gelangen müſſen.
Die betreffenden Arbeiten finden jedoch in weniger verkehrs=
(23093dis
reichen Straßen ſtatt.
Darmſtadt, den 6. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V. Ekert.

Offenlegung der Gemeinde=Rechnung pro 1911.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Ge=
meinde
=Rechnung und Waſſerwerks=Rechnung der Gemeinde Eberſtadt
vom Jahre 1911 von Donnerstag, den 7. November I. Js. an, eine
Woche lang, während der üblichen Geſchäftsſtunden von vormittags
812 und nachmittags 26 Uhr im Büro der unterzeichneten Stelle zur
Einſichtnahme offen liegt, und daß während der Offenlegungsfriſt
jeder Beteiligte etwaige ſchriftliche Bemerkungen dazu bei dem Großh.
Bürgermeiſter einreichen kann.
(23111
Eberſtadt, den 4. November 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. Novemver 1912.

Nummer 265.

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, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen, vor=
mittags
von 8½ bis 12½ Uhr,
hierher zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
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die Großh. Ludwigs= Oberreal=
ſchule
, die Vorſchule der Großh.
Gymnaſien, die Viktoriaſchule
und das Lehrerinnenſeminar, die
Eleonoren= und Frauenſchule,
ſowie die Mittelſchulen für das
IV. Kalendervierteljahr 1912
iſt bei Meidung des Beitrei=
bungsverfahrens
bis Ende lfd.
Mts. an den Werktagen, vormit=
tags
von 8½ bis 12½ Uhr, hierher
zu entrichten.
Darmſtadt, 2. November 1912.
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Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

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Roman aus Maſuren von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)

Am Sonntag bummelte er die Friedrichſtraße entlang
den Linden zu. Er wollte nach der Gemäldeausſtellung
von Schulte, dort traf ſich zwiſchen zwölf und zwei die
Berliner Hofgeſellſchaft immer in größerer Zahl. Man
plauderte ein wenig, ein Wort gab das andere, und oft
ſchon hatte er zu hören bekommen: Wenn Sie nichts vor=
haben
, Herr von Wullnow, ſo eſſen Sie doch heute mittag
bei uns!
Er hatte nichts vor. Selbſt die beſten Reſtaurants
ſind Sonntags in Berlin überfüllt, und er gehörte nicht zu
denen, die ſich gern bei verbrauchter Luft in ein über=
volles
Lokal ſetzen. Für ſein Alter beſaß er ſchon eine
ganz gehörige Portion Nerven.
Bei Boenicke kaufte er ſich in der Franzöſiſchen Straße
ein paar Importen und wöllte ſeinen Weg fortſetzen, da
ſtraf er, als er den Fahrdamm überſchritten, unverſehens
mmit Gunild Dittmark zuſammen.
Das nenne ich Zufall, gnädiges Fräulein guten
Tag!
Sie hatte ein kleines Paket in der Hand und konnte
ihre Verlegenheit nicht verbergen. Ich habe ſoeben bei
Borchardt noch eine Kleinigkeit eingekauft.
Sie geſtatten doch, daß ich Sie begleite?

Sc mer dertie en
Sein Herz ſchlug ſchneller, ſeine Begleiterin in
ſchickem dunkelblauem Kleide, einen großen Rembrandt=
hut
auf dem vollen Haare, ſah tadelles aus. Ihr Gang
war elaſtiſch, ihre Haltung vornehm, das lange zarte Ge=
ſicht
mit den ſchmalen Naſenflügeln, den vollen roten
Lippen, durch die die weißen Zähne blitzten, verriet Tem=
perament
, alle ihre Bewegungen hatten etwas Abgerunde=
tes
, Geſchloſſenes.
Leider hatte ich in den letzten Tagen keine Gelegen=
heit
, einmal bei Ihren Eltern vorzuſprechen, ich war
eben auf dem Wege, log er.
Das trifft ſich ja ſehr gut ich ſielle mich alſo unter
Ihren Schutz, Herr von Wullnow!
Er lächelte und lüftete den Zylinder ein wenig, und
doch war er unzufrieden mit ſich. Frau von Dittmark
würde ihn in der eleganteſten Weiſe feſtzulegen verſuchen,
und das wollte er wenigſtens vorläufig durchaus nicht.
Als ſie bei Kranzler um die Ecke bogen, waren ſie ge=
rade
Plattangen und deſſen Onkel in die Arme gelaufen!
Er ſah wohl, wie Gunild bei dem flüchtigen Gruße
rot geworden war, aber er ſchwieg.
Plötzlich blieb Gunild ſtehen und ſtampfte unmutig
mit dem Fuße auf. Da habe ich eben eine furchtbare
Dummheit begangen, Herr von Wullnow!
Inwiefern denn?
Plattangens Begleiter, ſeinen Onkel Sollenſtern, hätte

ic beguhen nüſſe, Er iſder Nacbermeines Oneld uns
hat mich immer raſend verwöhnt, wenn ich in Maſuren
zu Beſuch war!
So wollen wir umkehren, gnädiges Fräulein!
Einen Augenblick zögerte ſie, dann antwortete ſie ſehr
entſchieden: Nein, das hat keinen Sinn! Herr von
Sollenſtern wird uns in den nächſten Tagen ſicherlich be=
ſuchen
, in dem Gedränge würden wir ihn auch ſchwerlich
finden, er kann in die Friedrichſtraße abgebogen oder
weiter nach dem Schloſſe gegangen ſein. Aber ärgerlich
bin ich doch!
Wullnow dachte ſich ſein Teil. Gewiß wollte Fräulein
von Dittmark nicht mit Plattangen zuſammen treffen, und
das erfüllte ihn mit Befriedigung.
Zu Hauſe erzählte Gunild erregt, nachdem die Eltern
Herrn von Wullnow ſehr willkommen geheißen: Wißt
Ihr, wen wir getroffen haben? Herrn von Sollenſtern!
Und als ſie hörten, daß die Tochter ihn nicht begrüßt,
wollten ſie auch die Ausrede nicht gelten laſſen, daß man
in der Menſchenmenge einander vorbeigeſchoben worden
ſei und einander erſt im letzten Augenblicke erkannt habe.
Der wirkliche Geheime Oberregierungsrat ſchüttelte
mißbilligend den Kopf. Der gute Sollenſtern wird es
Die ſehr übel nehmen, liebe Gunild!
Und deren Mutter fragte raſch: War er denn allein?
Da ſtieg wieder die Röte in Gunilds Geſicht. Nein,
Herr von Plattangen war bei ihm!

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Nummer 263.

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Dann iſt er ja in guter Geſellſchaft, erwiderte Frau
von Dittmark ruhig, ſonſt hätte ich Dir ernſtliche Vorwürfe
machen müſſen, daß Du den guten Sollenſtern nicht mit=
gebracht
haſt! Aber Sie bleiben doch zum Mittageſſen
da, Herr von Wullnow?
Mit dem größten Vergnügen, gnädige Frau!
Herzlich reichte ſie dem Legationsſekretär die Hand,
die dieſer höflich an die Lippen führte.
Herr von Dittmark aber machte ein ſehr ernſtes
Geſicht.
Bei Tiſch ſaß Wullnow zwiſchen den Damen, Frau
von Dittmark beherrſchte das Geſpräch, ſie war von hin=
reißender
Liebenswürdigkeit. Umſo ſtiller war ihr Mann,
und das behagte dem jungen Diplomaten durchaus nicht.
Unſchwer konnte er feſtſtellen, daß ſeine halbe Werbung
um die Tochter des Hauſes bei den Eltern verſchiedene
Meinungen ausgelöſt haben mußte. Und Gunild ſelbſt
ging aus einer gewiſſen Reſerve nicht heraus. Laſtete auf
ihr der Zwieſpalt im eigenen Hauſe, oder hatte ſein
Brief bei ihr ein unbehagliches Gefühl geweckt?
Der Kaffee wurde im Salon eingenommen. Frau
von Dittmark bat die Herren, ſich eine Zigarre anzuſtecken.
Da ſchellte die Klingel, der Diener brachte auf einer
Schale eine Viſitenkarte.
Liebe Frau, Chriſtoph Sollenſtern! rief der Hausherr
erfreut.
Einen Augenblick biß ſie ſich auf die Lippen. Na, das
iſt wohl ſchön, da kommt er doch noch! ſagte ſie dann.
Herr von Dittmack ſtand auf und ging hinaus, um
den Ingenfreund zu begrüßen. Wullnow warf Gunild
einen kurzen Blick zu. Der ſchien das Kommen des alten
Herrn ſehr unangenehm zu ſein, und ihre Mutter brachte
ſie in noch ärgere Verlegenheit.

Du ſagteſt doch, Du hätteſt Herrn von Sollenſtern mit
ſeinem Neffen Plattangen getcoffen?
Hab’ ich auch, Mama!
Nun, es iſt ganz guat, daß er nicht mitgekommen zu
ſein ſcheint. Sie merkte ſofort, ſie hatte einen Fehler
gemacht, deshalb fügte ſie ſchnell einlenkend hinzu: Mein
Mann hat nämlich Herrn von Sollenſtern unſagbar gern
und wird ſich mit ihm über ganz Maſuren gründlich aus=
ſprechen
wollen.
Wullnow, dem dieſe Worte galten, machte eine
ſtumme Verbeugung, er verſtand den Wink mit dem
Zaunpfahl wohl.
Gunild war raſch aufgeſtanden und holte noch eine
Taſſe und ein Likörglas für den neuen Beſuch herbei.
Da trat auch ſchon Chriſtoph Sollenſtern über die
Schwelle und ſagte in ſeinem breiten, gemütlichen Oſt=
preußiſch
: Meine gnädigſte Frau, allerſchönſten guten
Tag! Grüße bring’ ich von Albrechts, einen ganzen Hut
voll, alle ſind wohl und laſſen Ihnen ſagen, unſer ſchönes
Maſurenland läge nicht aus der Welt und warte auf Sie:
Frau von Dittmark ſchüttelte ihm die Hand und er=
widerte
einige liebenswürdige Worte, dann ſtellte ſie ihm
Herrn von Wullnow vor.
Sollenſtern machte nur eine etwas komiſche Verbeug
ung. Freut mich ſehr! Dann ging er auf die Tochter des
Hauſes zu. Donnerwetter, Gunildchen, ſchlank und rank
geworden! Gottchen nee, gnädige Frau, was uns ſo
alles über den Kopf wächſt! Aber vorbei läuft ſie an dem
alten Bonbononkel, die Naſe hoch, wie mein armes altes
Hektorchen, wenn er nem alten Wechſel nicht mehr traute!
Ja, Herrſchaften, den hab’ ich totſchießen müſſen, das gute
alte Hundchen!

Herr von Sollenſtern, ich wollte noch einmal um=
kehren
, aber
Er ſah ſie mit ſeinen kleinen blauen Augen freundlich
an und unterbrach ſie. Aber gibt’s im Leben immer ne
ganze Maſſe, Gunildchen, und ich hab’s auch gar nicht
übel genommen.
Wo haſt Du denn Deinen Neffen gelaſſen, Chriſtoph?
Gunild ſagte uns, Du wäreſt mit ihm zuſammen geweſen?
Der läßt ſich den Herrſchaften allerſchönſtens empfeh=
len
und iſt bummeln gegangen. Mag der Himmel wiſſen=,
was der Junge hat, Andreas, er gefällt mir aber auch
gar nicht!
Da kamen die beiden Söhne, Egbert und Sigismund;
mit freudig leuchtenden Augen ins Zimmer.
Guten Tag, Onkel Sollenſtern!
Kinder, ihr ſeid nun zu groß, dürft nicht mehr Onkel=
ſagen
, mahnte die Mutter.
Aber gnädige Frau, laſſen Sie doch den Jungens die)
Freude! Bin ja heillos froh, wenn die Jugend mich mit.
ſo vergnügten Augen anſieht. Euch nehme ich mal mit in
ein ſchönes Theaterchen, wo man ſich die Tränen aus den=
Augen lachen kann wollt ihr?
Sie jubelten und machten Vorſchläge.
Schönchen, ſchönchen, immerzu mir iſt’s ganz egal,
wenn Ihr Euch nur amüſiert, denn ich will mich über
Euch freuen, und er fuhr den beiden großen Jungens über
den Kopf.
Gunild bot ihm Kaffee und Likör an.
Immer her damit, ſoll mir gut ſchmecken, von ſo nen
ſchönen jungen Hand kredenzt!
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

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Zur Abhaltung von Festlichkeiten, sowie als
Treffpunkt der die Ausstellungen besuchen-
den
Vereine bringe den grossen Festsaal
in empfehlende Erinnerung.

§t 203.

Donnerstag, 7. November.

1912.

Handelskammeroat

Für den Kreis Darmſtadt finden Ergänzungs= und Erſatz=
wahlen
zur Handelskammer im Sitzungszimmer der Großh. Handels=
kammer
, Rheinſtraße 9, an folgenden Tagen ſtatt:
für die Erwerbsgruppe Kleinhandel
am Montag, den 11. November, vormittags 1012 Uhr,
für die Erwerbsgruppe Großhandel
am Dienstag, den 12. November, vormittags 1012 Uhr,
für die Erwerbsgruppe Induſtrie
am Mittwoch, den 13. November, vormittags 1012 Uhr.
Die Vertretung des Wahlberechtigten kann nur durch einen für
ihn im Handelsregiſter eingetragenen Prokuriſten oder, wenn ein
ſolcher nicht vorhanden iſt, durch einen volljährigen kaufmänniſchen
oder techniſchen Angeſtellten ſeines Geſchäfts erfolgen; der Angeſtellte
bedarf dazu ſchriftlicher Vollmacht.
(23083
Darmſtadt, den 5. November 1912.
Die Großherzogliche Handelskammer.
Der Syndikus:
Der Vorſitzende:
Dr. Human.
C. Pareus.

Odenwaldkluh

Oriseruppe Darm-
Stadt E. V.
Donnerstag, den 7. Novemb. 1912, abends
8½ Uhr (pünktlich)
mit Lichtbilder=Vor=
Vortrag führungen des Herrn
Kaufmann Paul Kruſe Freiburg i. B. und
der ſüdliche Schwarzwald im Gartenſaale
des ſtädt. Saalbaues.
Die Mitglieder und Freunde des Klubs
nebſt Damen ſind hierzu herzlichſt eingeladen.
Der Vorſtand.
22799sod)

Darmstädter Vortragsverbaud.
Dienstag, 12. November 1912, abends 8 ¼ Uhr,

im Festsaale der Turngemeinde

Kadofr Herzog-Abend.
Vorlesung des Dichters aus eigenen Werken.
Eintrittskarten: Sperrsitz zu 2.50 Mk, Saal zu 1.50 Mk., Vor-
saal
zu 1 Mk., Galerie zu 75 Pfg., Studentenkarten zu 50 Pfg.
und Schülerkarten zu 30 Pfg. im Verkehrsbureau und abends
(23047.
an der Kasse.
Der Vorstand.

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iſt Gelegenheit geboten ſich für
den enorm billigen Preis von
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Verein f. naturgemaße Lebens= u. Heilweiſe e. B.
(Aaturheilverein) Darmſtadt.
Auf unſeren Wunſch hat ſich Herr Dr. med. Kennel hiet
bereit erklärt, wie in früheren Jahren wieder einen
Kurſus in den Anwendungsformen
der Naturheilkunde und für hygi=
:::: eniſche Lebensführung : ::
abzuhalten.
Derſelbe umfaßt Theorie und praktiſche Uebung der häuslichen
Anwendungen. Es werden ferner wichtige hygieniſche Fragen im
Sinne der Naturheillehre beſprochen: Reform der Küche, Diät und
Alkoholmißbrauch, Kleidung, das Licht=Luftbad uſw.
Der Kurſus iſt für Damen und Herren beſtimmt.
Es ſind 5 Unterrichtsabende vorgeſehen; dieſelben werden
im ſogenannten Kneipfaal der Turngemeinde (Woogsplatz 5) ab=
gehalten
, und zwar jeweils von 8½ Uhr abam
Freitag, den 8. November,
Montag, den 11.
Freitag, den 15.
Montag, den 18. und
Freitag, den 22. November 1912.
Als Beitrag zu den Koſten des Lokals und der Anzeigen wird
von den Mitgliedern Mk. 1.50, für jedes weitere Mitglied derſelben
Familie Mk. 1. und von Nichtmitgliedern Mk. 5. erhoben.
Neu eintretende Mitglieder können zu dem geringeren Satz
teilnehmen.
Da an dem Unterrichtskurſe nur eine gewiſſe Anzahl Perſonen
teilnehmen können, ſo empfiehlt ſich baldige vorherige Anmeldung
(22709sd
bei dem Unterzeichneten, Kirchſtraße 20.
Darmſtadt, den 1. November 1912.
Der Vorſitzende: L. Saeng.

Bürger-Verein
Vereinshaus: Saalbaustr. 67.
Donnerstag, den 7. November:
Preiskegeln.
(23086
Samstag, den 9. November:
Gans-Essen- u. Preisverteilung.

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Sport.

sr. Der Kampf um das Championat iſt allerorts ein
ſehr hartnäckiger. Leutnant von Egan=Krieger und
Leutnant Freiherr von Berchem ſind mit 59 bezw. 58
Siegesritten bekanntlich nur noch um einen Punkt aus=
einander
. Sogar bei den Toten Rennen ſtehen gegen=
wärtig
bei den Hindernis=Jockeis Weishaupt und der
hauptſächlich auf den Bahnen Rheinland=Weſtfalens rei=
tende
Kühl mit je 32 Siegen. Aehnlich liegt die Situation
in England bei den Flachrennreitern. Frank Wootton,
der Champion der drei letzten Jahre führt gegenwärtig
mit 106 Siegen nur noch um einen Punkt Vorſprung vor
ſeinem alten Rivalen Dan Maher. Bei den deutſchen
Flachrenn=Jockeis nimmt dagegen der Graditzer Stall=
Jockei F. Bullock eine überragende Stellung ein und es
gelang ihm ſogar, mit 89 Siegen den von OConnor im
Jahre 1906 mit 74 Siegesritten ausgeſtellten deutſchen
Relord weit zu übertreffen. Auch in der noch nicht be=
endeten
Flachrenn=Saiſon führt der Amerikaner O Neill
mit weitem Vorſprung.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 29. Oktober bis 4. November.
Infolge günſtigerer Beurteilung der politiſchen Lage
und unter dem Einſtuſſe ermnäßigter amerikaniſcher For=
derungen
machte ſich in der Berichtswoche eine ſchwächere
Tendenz im internationalen Getreidehandel geltend. Ruß=
land
meldete zwar frühzeitigen Eintritt von Froſt und in=
folgedeſſen
eine Behinderung des Getreidetransportes im
Imer, indes ſind die Frachten vom Schwarzen Mer in
den letzten Tagen auf 1920 Mark zurückgegangen und
ſowohl der Süden als auch der Norden Nußlands zeigte
ſich in den Anſtellungen entgegenkommender. In Auſtra=
lien
ließen Niederſchläge die in der Vorwoche geäußerten
Beſorgniſſe zurücktreten, dagegen wurde in Argentinien
über zu viel Regen geklagt, ohne daß aber die Hoffnung
auf eine gute La Plata=Ernte dadurch ſonderlich erſchüttert
worden wäre. Wenn ſich am Schluſſe der Berichtswoche
die Tendenz wieder etwas feſter geſtaltete, ſo war dies
zum Teil auf politiſche Beſorgniſſe, zum Teil auf das
kälter gewordene Wetter zurückzuführen. Man hat bisher
nirgends für Wintervorräte vorgeſorgt auch im Hinblick
auf die ſchwachentwickelten Saaten gibt der Umſchwung
zu winterlicher Witterung zu Bedenken Anlaß. Das An=
gebot
vom Inlande hat immer noch geringen Umfang,
mußte ſich aber angeſichts zurückhaltender Kaufluſt mit
niedrigeren Preiſen abfinden. Für Weizen erwies ſich
neben ſchwierigem Abſatz die Nachgiebigkeit Amerikas als
preisdrückender Faktor Für Roggen fällt die ausländiſche
Konkurrenz zwar wenig ins Gewicht, auch ſind die Mühlen
ſchwach verſorgt, indes beſtand auch für dieſen Artikel

ten ehtant, Some ger eenenteghit 1ent
ſich Weizen um ca. 2 Mark niedriger als vor acht Tagen.
Für Roggen zeigte ſich per Otober noch einiges Deckungs=
bedürfnis
, das erſt bei 186½ Mark befriedigt wurde, wäh=
rend
Dezember von 179¾ auf 176½ zurückging, um heute
1¼ Mark einzuholen, ſo daß ſchließlich noch ein Verluſt
von 2¼ Mark übrig bleibt. Die im Hafer herrſchende Ge=
ſchäftsunluſt
wurde durch vermehrtes Provinzangebot noch
verſchärft auch drückten ermäßigte amerikaniſche Offerten
auf die Stimmung. Braugerſte find wenig Beachtung,
nur feine Ware konnte ihren Preisſtand behaupten. Ruſ=
ſiſche
Futtergerſte wurde billiger angeboten. Der Um=
ſtand
, daß mit Hilfe der Notſtandstarife viel Gerſte auf
dem Landwege herankommt, beeinträchtigt anſcheinend den
Abſatz von Hamburg. Für Mais zeigte ſich Argentinien
entgegenkommender, zumal Amerika ſtärker mit Offerten
für ſpätere Abladung herauskam. Es ſtellten ſich die Preiſe
für inländiſches Getreide am letzten Markttage wie folgt:

Weizen Roggen
Hafer
174½ (4½) 170
Königsberg. . 205 (
. 198
174½ (2½) 176
Danzig
. 198
Stettin
180
174
. 205
170.
176
Poſen
. 201
176
Breslau.
176
. 205
176½
204
Berlin
174
Magdeburg . 206
194
. 203
Halle .
177
)200
Leipzia
. 204
200
174
174
Roſtock
173
185
. 210
Hamburg
182
182
Hannover . . 206
202,
192
203
Düſſeldorf . 212
210
Frankfurt a. M. 212½
186
Mannheim. . 225
190
197½
München . . 22
190
202

Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Dez. 203(
Peſt April 199,95 (0,70), Paris Nov. 226,60 (4-8,40),
LiverpoolDez. 172.50 (4), Chicago Dez. 139,20 ( 2,50),
Roggen: Berlin Dez. 177,50 (2,25), Hafer: Berlin Dez.
180 (2.25), Futtergerſte Südruſſ. frei Hambure un=
verzollt
ſchwim. 141,50 (3,25), Nov. 141,50 (3), Mais:
La Plata ſchwim. 11511,50), Mired Dez.=März 116.50
(2) Mark.

Literariſches.

Dem auf die überſichtliche Gruppierung des Schnell=
zugsverkehrs
gerichteten Bedürfnis entſpricht in faſt un=
übertrefflicher
Weiſe das Lloyd=Kursbuch der
Schnellzüge (Weltreiſe=Verlag. G. m. b. H. Ber=
lin
W. 35. Preis: nur eine Mark). Der Reiſende
braucht bei großen Reiſen nicht drei bis fünf Fahrpläne
nachzuſchlagen, wie dies alle anderen Kursbücher not=
wendig
machen, außerdem überſieht er mit einem Blick,
wie es in der betreffenden Verbindung um Durchgangs=,
Speiſe=, Schlaſwagen, Fahrpreiſe ſteht, kurzum: das
Lloyd=Kursbuch iſt das moderne Kursbuch.
Wenn alles teurer wird, freut es ſicher jede Haus=
frau
auch, von etwas, das billiger wird, zu hören. Dies
iſt der Fall mit Buttericks Moden=Revue, dem
beliebten Frauen=Journal das bei gleicher unübertroffe=
ner
Reichhaltigkeit und bisherigem Umfang im Abonne=
ment
nur noch 50 Pf monatlich koſtet (Probeheſt 60 Pf.).
Die unübertreffliche Reichhaltigkeit der Berichte über alle
Gebiete der Mode, die eingehenden Erläuterungen der
Modelle, die von erſten Künſtlern ausgeführten Vier=

farbenbrucke und Abbildungen, der glänzend rebigierte
Unterhaltungstert mit ſpannenden Romanen, flotten
Novellen, reizenden Aufſätzen und Plaudereien haben dem
Blatte längſt eine dominierende Stellung unter den
Frauen=Journalen verſchafft. Beſtellungen nehmen die
Buchhandlungen, Buttericks Schnittmuſter=Agenturen,
jede Poſtanſtalt oder auch direkt der Verlag von Buttericks
Moden=Revue, Berlin WV. 8, Leipziger Straße 102, ent=
gegen
.
* Daß wildernde Hunde und Katzen im Revier einen
ungeheuren Schaden anrichten, ja eine ganze Jagd unter
Umſtänden ruinieren können, wird meiſt nicht bedacht,
Im neueſten 5. Heft der illuſtrierten Zeitſchrift Zur
Guten Stunde‟ (Deutſches Verlagshaus Bong
u. Co Verlin W. 57. Preis des Vierzehntagsheſtes
40 Pfg.) unternimmt es nun der bekannte Tierpſychologe
Dr. Th. Zell in einem längeren Aufſatz, dieſe Verhältniſſe
klarzuſtellen. Dieſe neueſte Lieferung der beliebten Zeit=
ſchrift
iſt beſonders intereſſant und reichhaltig. Vor allen
Dingen iſt der ein gewiſſes Aufſehen erregende Roman
von Alfred Schirokauer Das Lied der Parzen zu er=
wähnen
, der ein ungemein ſpannendes und modernes
Erzählungswerk darſtellt. Novellen, Gedichte, kleine
Aufſätze ſchließen ſich an. Zwei Ertrarubriken Erfin=
dungen
und Entdeckungen und Für unſere Frauen,
beide reich illuſtriert, bringen das Neueſte aus dem Reich
der Naturwiſſenſchaft, der Technik und des Haus= und
Wirtſchaftslebens. Aus dem Bilderſchmuck des Heftes
ſeien beſonders die farbige Kunſtbeilage Koketterie von
Gelhay und Medovics großes Gemälde Chriſtenverfol=
gung
unter Nero erwähnt.
Ein Kalender der Frau Prinzeſſin
Eitel Friedrich von Preußen. Im Kunſtver=
lage
der Firma Raphael Tuck u. Sons Berlin SW. 48,
erſcheint ein künſtleriſch ausgeführter Kaſlender für das
Jahr 1913, zu dem die Frau Prinzeſſin Eitel Friedrich
die Vorlage in Form von meiſterhaft ausgeführten
Aquarellen geliefert hat. Als Motive, die die hohe Frau
benutzt, dienen die Schlöſſer Eutin, Charlottenhof uſw.
Lauſchige Winkel im Belvedere, maleriſche Stille eines
alten Gutshofes, ſtimmungsvolle Schlöſſer ſind hier als
Motive in geſchmackvoller Weiſe zu einem vierblättrigen
Kalender vereinigt, der ein kleines Kunſtwerk darſtellt.
Zu jedem Bilde ſind Verſe, teils aus eigenen Dichtungen,
teils aus Gedichten der Prinzeſſin Feodora zu Schleswig=
Holſtein gewählt. Außer einer Lurusausgabe zum
Preiſe von 2,50 M. iſt ein Kalender mit einem Abreiß=
block
für das Jahr 1913 zum Preiſe von 1 M. nach den=
ſelben
Aquarellen erſchienen. Der Reinertrag aus den
Verkäufen dieſes Kalenders iſt für wohltätige Zwecke be=
ſtimmt
.
Lehrbuch der praktiſchen Weltſprache
Reform=Neutral von W. Roſenberger mit
einem Vorwort von Prof. Dr J. Baudouin de Courtenay.
Verlag von Raſcher und Co. in Zürich und Leipzig.
8. 1912. Geh. 2 Mk. 250 Fr. Das Reſorm=Neutral iſt
die Quinteſſenz der europäiſchen Sprachen. Ein Text in
Reform=Neutral bedarf keiner Ueberſetzung. Wer ſich der
kleinen Mühe unterzieht die wenigen grammatikaliſchen
Regeln des Reform=Neutral zu erlernen, kann mit Hilfe
des beigegebenen Wörterbuches von zirka 12000 Wörtern
ſofort mit jedem Gebildeten korreſpondieren. Das Vor=
wort
von dem weltbekannten Sprachforſcher Baudouin de
Courtenay iſt eine wertvolle Beigabe von hohem wiſſen=
ſchaftlichem
Intereſſe.

Immer größer wird die Zahl der Hausfrauen, die bei den teueren Fleiſchpreiſen regelmäßig Knorr=Suppenwürfel
verwenden, aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die dieſe für jeden Haushalt nützlichen und praktiſchen Knorr=Suppen
noch nicht kennen. Warum! Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pfg. 3 Teller gute Suppe
liefern. Warum kann Knorr für wenige Pfennige ſo viel bieten? Weil in dem großen Fabrikbetrieb alle Vorteile
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[ ][  ][ ]

Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. Rovember 1912.

Seite 19.

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verkäufer
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aus der Kavallerie=Kaſerne Nr. 24
in der Sonntag Nacht ein großer,
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ausgewachſener
Kriegshund
Airedale=Terrier, auf den Namen
Strolch hörend, ſtaupenlahmend
am linken Hinterbein. Geg. gute
Belohnung abzugeben bei
Leutnant von Roél,
Hügelſtraße 85.

Bei

Haarausfall
m Kopfſchuppen

hat ſich Dr. Dralles Birken=Haarwaſſer ſeit Jahr=
zehnten
ausgezeichnet bewährt. Man waſche zunächſt
den Kopf mit Dralles Kopfwaſchpulver Kopfrein
(20 Pfg.), welches infolge ſeiner eigenartigen Zu=
ſammenſetzung
Schweiß und Staub ſofort auflöſt und
entfernt. Hierauf befeuchte man die Kopfhaut gut
mit Dr. Dralles Birkenwaſſer (1.85 und 3.70) und
maſſiere ſie nach jeder Richtung eingehend mit
deu Eiugerſtinen. Bei trockenem, ſprödem Haar reibe
man nach der Behandlung mit Birkenwaſſer die Kopf=
haut
und das Haar mit Dralles Birken=Brillantine ein
(0.60 und 1.), die dem Haar einen ſchönen natür=
lichen
Glanz verleiht.
Die kleine Mühe dieſer Behandlung (wöchentlich
12 mal) wird ſich reichlich lohnen, denn ſie verhindert
den Haarausfall, regt den Haarwuchs kräftig an und
verhütet die Schuppenbildung. Aerzte und Publikum
haben ſich höchſt anerkennend über die Wirkung von
Dr. Dralles Birken=Haarwaſſer ausgeſprochen. Ver=
langen
Sie koſten= und portofrei Gutachtenbroſchüre
von der Firma Georg Dralle, Hamburg=Altona.
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Höchſte Auszeichnung Grand Prix
auf folgenden Welt=Ausſtellungen:
St. Louis 1904 Mailand 1906 Brüſſel 1910
Int. Hygiene=Ausſt. Dresden 1911.
Turin 1911

Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, 7. November 1912.
I. Sonder-Vorstellung.
Wilhelm Tell.
Schauſpiel in 5 Akten von Fried=
rich
Schiller.
Spielleiter: Emil Valdek.
Perſonen:
Hermann Geßler,
Reichsvogt . . K. Weſtermann
Werner, Frhr. v.
Attinghauſen . . Herm. Knispel
Ulrich v. Rudenz Frz. Schneider
Werner Stauf=
facher

. Johannes Heinz
Konrad Hunn . Chriſtoph Speer
Itel Reding Rich. Jürgas
Hans a. d. Mauer Frd. Jachtmann
Jörg im Hofe . Ludwig Hinkel
Ulrich der Schmid Adolf Braun
Joſt von Weiler . Ludwig Indorf
Walter Fürſt . . W. Riechmann
Wilhelm Tell . . Hs. Baumeiſter
Röſſelmann, der
Pfarrer . . . . Auguſt Kräger
Petermann, der
Sigriſt . .
. A. Fleiſchmann
Kuoni, der Hirte Paul Peterſen
Werni, der Jäger Willi André
Ruodi, d. Fiſcher Guſtav Semler
Arnold v. Melchtal Kurt Ehrle
Konrad Baum=
garten

. . Ludw. Wagner
Meier v. Sarnen Edm. Göllnitz
Struth v. Winkel=
ried

Frz. Herrmann
Klaus v. d. Flüe Fritz Lang
Burkhardt am
Bühel
. Joſef Grote
Arnold v. Sewa. Jean Sautier
Jenni, Fiſcher=
knabe
. . . . . Hede Schaub

. Greta Kumpf
. Sofie Heumann

Seppi, Hirten=
knabe

Gertrud, Stauf=
fachers
Gattin . Hertha Alſen
Hedwig, Tells
Gattin
Walther, Tells Hdw. Jungkurth
Wilhelm,Knaben Erna Jungkurth
Berta v. Bruneck Barb. Uttmann
Armgard, Bäue= Ilſe Berka
Mechthild,rinnen Marie Hartig
Frießhardt, Söld= Adolf Klotz
Leuthold, ner Adolf Jordan
Rudolf d. Harras Emil Kroczak
Johs. Parricida . Heinrich Hacker
Stüßi, der Flur=
ſchütz
.
Paul Eiſner
Wanderer
. Br. Waigandt
Meiſter Steinmetz Cornel. Dobski
Frohnvogt
. Franz Geibel
Ein alter Mann . Ad. Jungmann
Geſtaltung d. Bühnenbildes: Hof=
theatermaler
Kurt Kempin und
Oberinſpektor Ernſt Schwerdtfeger.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Zu dieſer Vorſtellung findet ein
Kartenverkauf nicht ſtatt.
Anf. 8 Uhr. Ende geg. 11½ Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Freitag, 8. Nov. 53. Ab. Vorſt.
A 14. Zum erſten Male wieder=
holt
: Magdalena. Kleine
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 9. Nov. 54. Ab.=Bſt.
D 14. Der liebe Auguſtin.
Gew. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Sonntag, den 10. November 1912.
Zur Feier v. Schillers Geburtstag.
Neu einſtudiert:
Wallensteintrilogie.
Nachmittags 2½ Uhr:
Fünfte Volksvorſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Wallenſtein’s Lager.
Die Piccolomini.
Abends 7½ Uhr:
Sechſte Volksvorſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Wallenſtein’s Tod.
Für dieſe Vorſtellungen werden
Zykluskarten, für Nachmittag und
Abend giltig, ausgegeben. Karten
für die einzelnen Vorſtellungen
werden erſt am letzten Tag, Sonn=
tag
, den 10., zum Verkaufe ge=
langen
. Der Karten=Vorverkauf
für die ganze Trilogie findet bis
Freitag abends im Verkehrsbüro
(Ernſt=Ludwigsplatz) ſtatt. Die
reſtierenden Karten werden Sams=
tag
und Sonntag ausſchließlich an
der Kaſſe des Hoftheaters verkauft
und zwar werden am Samstag
nur Karten für beide Vorſtellungen
gemeinſam ausgegeben. Am Sonn=
tag
findet dann, nach Maßgabe
der etwa noch vorhandenen Plätze,
der Verkauf für die einzelnen Vor=
ſtellungen
ſtatt.
Auch beim Einzelverkauf gelten
für die Nachmittags=Vorſtellung
Volksvorſtellungspreiſe, hingegen
werden Einzelkarten für abends
nur zu kleinen Preiſen abgegeben.
Preiſe der Zykluskarten
(für Nachmittag u. Abend giltig):
Sperrſitz (1.13. Reihe) M. 3.10
(14.20. Reihe) M. 2.10
Parterre (1.5. Reihe) . M. 2.10
(6.8. Reihe) . M. 2.10
Proſzeniumsloge . .
M. 4.10
Mittelloge
M. 4.10
Balkonloge.
M. 4.10
I. Rang
M. 4.10
II. Rang (1.6. Reihe) M. 2.10
II.
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Nummer 263.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 7. November 1912.

Seite 20.

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§5 268.

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ſucht für Mittags einige Stunden
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