Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoneen=Expeditionen. — Bes
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Prinz Heinrich von Preußen iſt am Freitag
in Moskau eingetroffen und am Samstag mit der
Prinzeſſin Heinrich nach Spala weitergereiſt.
Durch vorzeitige Exploſion einer Mine in der
Kieler Bucht wurden ein Kapitänleutnant und
ein Matroſe getötet und ein Leutnant ſchwer verletzt.
Infolge eines Bergſturzes bei Petroutz (
Buko=
wina) ſtürzten 50 Häuſer ein und kamen viele
Menſchen ums Leben.
Ein Orkan zerſtörte den größten Teil der
Hafen=
ſtadt Acapulco in Mexiko.
Die Städte Nochixtlan und Quechultenango in
Mexiko ſind durch Ueberſchwemmungen faſt vollſtändig
zerſtört worden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Deutſchland und England.
— In London fand in den letzten Tagen der
ver=
floſſenen Woche eine deutſch=engliſche
Verſtän=
digungskonferenz ſtatt, an der von beiden Seiten
hervorragende Perſönlichkeiten teilnahmen. Man war,
wie ſchon der Name der Konferenz beſagt,
zuſammen=
gekommen, um auf dem Wege, ein beſſeres Verhältnis
zwiſchen beiden ſtammverwandten Völkern herzuſtellen,
rüſtig weiter zu arbeiten, in der Erwartung, daß eine
derartige Ausſprache von großem Nutzen ſein und
heil=
ſame Folgen nach ſich ziehen würde. Es iſt ja richtig,
daß es in England nicht wenige Leute gibt, die von der
antideutſchen Bewegung nichts wiſſen wollen und ſich
ſagen, daß nichts wünſchenswerter ſei, als ein gutes
Verhältnis zu Deutſchland, das für beide Teile angeſichts
der engen wirtſchaftlichen Beziehungen von Vorteil ſein
müßte. In dieſen Kreiſen befinden ſich auch verſchiedene
recht einflußreiche Perſönlichkeiten, leider aber iſt ihre
Macht doch nicht ſo groß, um ſowohl die Stimmung in
der Bevölkerung zu beeinfluſſen, wie auf den Gang der
Politik beſtimmend zu wirken. Auf dieſer
Verſtändi=
gungskonferenz unterhielt man ſich recht gut, verſchiedene
bekannte Perſönlichkeiten hielten ſchöne Vorträge über alle
möglichen Themen. Aber mit dieſen Beſtrebungen geht
es ähnlich wie mit der internationalen
Friedensbewe=
gung, bei der immer ſchöne Worte gemacht werden,
während der Einfluß dieſer Kreiſe in der Praxis gleich
Null iſt.
Heutzutage werden die Geſchicke der Völker von den
Völkern ſelbſt beſtimmt, und es kommt oft genug vor, daß
die leitenden Kreiſe dem Volkswillen ſich in ihrer Politik
beugen müſſen, wenn anders ſie am Ruder bleiben
wol=
len. Beiſpielsweiſe hat die Regierung in Sofia ſehr, ſehr
lange gezögert, ehe ſie den Wünſchen nach Krieg, der
ſtür=
miſch gefordert wurde, endlich nachgab, wenngleich man
ſich natürlich ſeit langem auf diefe Eventualität einge
richtet hatte. Die Abneigung gegenüber Deutſchland iſt
in England ſo leicht nicht auszumerzen, ſie liegt
gewiſſer=
maßen im Blute. Irgendwelche politiſchen Gegenſätze
beſtehen im Grunde genommen eigentlich überhaupt nicht,
lediglich die wirtſchaftliche Rivalität iſt es, die unſere
Vettern jenſeits des Kanals beunruhigt. Der engliſche
Handel ſieht ſich vom deutſchen bedroht und man ſucht
darum ſein weiteres Anwachſen um jeden Preis zu
ver=
hindern. Darum auch der große Flottenbau, der einmal
vorgenommen wird, um im Ernſtfalle den deutſchen
Ueberſeehandel völlig lahm zu legen, dann aber auch,
um aus eben dieſem Grunde die maritime Ueberlegenheit
beizubehalten. Darum dieſe Eiferſüchteleien, darum
Vor=
bereitungen für den Ernſtfall, die lediglich mit
Deutſch=
land als Gegner rechnen.
Unter ſolchen Umſtänden iſt an eine wirkliche intime
Freundſchaft vorläufig leider nicht zu denken. Immerhin
werden die Bemühungen der Konferenz dazu beitragen,
die deutſchen Verhältniſſe objektiver zu beurteilen und
durch deren Kenntnis zu verhindern, daß die engliſche
Politik ſich in eine abenteuerliche Politik gegenüber
Deutſchland einläßt. Deshalb ſollen die Verdienſte jener
Konferenz nicht verkannt, aber auch nicht überſchätzt
werden.
Fürſt Bismarck über die Polenfrage.
* Das neue Deutſchland, eine in der
Verlags=
anſtalt „Politik” erſcheinende konſervative Wochenſchrift,
bringt in einem Artikel „Zur Oſtmarkenpolitik”
von L. Raſchdau unveröffentlichte Aeußerungen
des Fürſten Bismarck in der Polenfrage.
Die Anregung hierzu hat der Verfaſſer aus der
Emp=
fehlung geſchöpft, die Profeſſor Hans Delbrück einer in
Krakau von polniſcher Seite erſchienenen Denkſchrift über
die Entſtehung der Bismarckſchen Polenpolitik mit auf
den Weg gegeben hat. Dort erinnert Profeſſor Delbrück
an die letzten „großen preußiſchen Kriege und Siege, an
denen auch die polniſchen Untertanen des Königs ihren
ruhmvollen Anteil hatten und durch die gemeinſamen
Großtaten ſich enger als bisher mit ihren deutſchen
Staatsgenoſſen verbunden fühlten”, und äußert dabei die
Anſicht: „Eine geſchickte, dieſer Stimmung
entgegen=
kommende Politik von oben hätte in dieſer Zeit das
pol=
niſche Nationalbewußtſein völlig entwurzeln können.”
Dieſe Darſtellung bezeichnet der Verfaſſer als in
keiner Weiſe den hiſtoriſchen Verhältniſſen entſprechend,
und er glaubt, ſie wegen der damit beabſichtigten
Wir=
kung nicht unwiderſprochen laſſen zu dürfen. Zu dem
Zwecke läßt er den Fürſten Bismarck in Erlaſſen aus jener
Zeit reden, die noch von dem Fürſten ſelbſt als zur
Ver=
öffentlichung geeignet bezeichnet, bisher aber einem
grö=
ßeren Kreiſe nicht bekannt geworden ſind.
Fürſt Bismarck verweiſt unter dem 2. Auguſt 1871
den Miniſter des Innern Grafen zu Eulenburg auf die
Zuwanderung aus Frankreich ausgewieſener Polen:
„Nach meinem Dafürhalten würde jedoch dieſer Aufenthalt
unter allen Umſtänden nur ſolchen Perſonen dieſer
Kate=
gorie zu geſtatten ſein, die bei uns heimatsberechtigt
ſind, wogegen ich es für Pflicht der Regierung gegen das
Land halte, die fremden Elemente ſofort und
unnachſicht=
lich auszuweiſen”.
Ein weiterer Erlaß an denſelben Miniſter vom
31. Dezember 1871 beſagt, daß das „1 auf revolutionäre
Zwecke gerichtete Vereinsweſen der Provinz Poſen in
neueſter Zeit einen verſtärlten Aufſchwung genommen
hat; 2. die polniſche Preſſe ſich überwiegend in den
Hän=
den polniſcher Emigranten befindet; 3. nach Vertreibung
der bei der Pariſer Kommune beteiligten polniſchen
Re=
volutionsführer aus Frankreich eine erhebliche Anzahl
feindſelig geſinnter Ausländer ſowohl in der Stadt Poſen
als auf dem platten Lande der Provinz eine Zuflucht
ge=
funden haben.‟ Deshalb wird der Miniſter erſucht, „den
Polizeibehörden der Provinz Poſen die unverzügliche
Ausweiſung aller politiſch tätigen Perſonen aus der Stadt
und der Provinz Poſen zu beſehlen, welche nicht ihre
ver=
faſſungsmäßige Berechtigung zu ihrem dortigen
Aufent=
halte nachzuweiſen imſtande ſind.”
In einem Zirkular an ſämtliche Staatsminiſter vom
13. Februar 1872 bringt Fürſt Bismarck eine Denkſchrift
des Grafen Renard über die kirchlichen und politiſchen
Zu=
ſtände Oberſchleſiens Weſtpreußens und Poſens
ver=
traulich zur Kenntnis, die dem Kaiſer zu der Bemerkung
Veranlaſſung gegeben hat, daß die „geſchilderten,
emi=
nenten Uebelſtände gemeinſchaftlich ſehr ernſt und energiſch
in die Hand zu mehmen” ſeien, und knüpft daran Anträge.
nach denen der deutſchen Sprache gegenüber der polniſchen
wieder zu ihrem Rechte verholfen, in überwiegend
deut=
ſchen Gemeinden die deutſche Predigt zur Regel erhoben,
die deutſche Sprache als ausſchließliche Gerichtsſprache
anerkannt, die polniſchen Garniſonen mit deutſchen
Regi=
mentern belegt und bei Auswahl der Aufſichts= und
Ver=
waltungsbeamten ſorgfältig verfahren werden ſoll.
Die neue Zeitſchriſt zieht noch weitere Erlaſſe
Bis=
marcks, vornehmlich an den Miniſter des Innern, an, um
dann daraus zu folgern:
„So lagen die Verhältniſſe nach dem Urteil des
zu=
ſtändigſten Beobachters Anfang 1872. Was daſach von
der heute mit offenſichtlicher Tendenz aufgeſtellten
Be=
hauptung zu halten iſt, die ſeindſelige polniſche Bewegung
im Oſten ſei in jener Zeit im Erlöſchen geweſen, und es
hätte nur des preußiſchen Entgegenkommens bedurft. um
das polniſche Nationalgefühl völlig zu entwurzeln,
über=
laſſen wir dem Urteil jedes unbefangenen Leſers.”
Deutſches Reich.
— Der Beſuch Giulianos in Berlin.
Mar=
quis di San Giuliano wird möglicherweiſe ſich direkt von
Berlin nach Wien begeben; das hängt von dem Ergebnis
der Beſprechungen ab, die der italieniſche Miniſter des
Aeußern mit den deutſchen Staatsmännern haben wird.
Man verſichert, daß gegenwärtig die vollkommene
Ueber=
einſtimmung in den Balkanfragen zwiſchen den
Regierun=
gen des Dreibundes herrſcht. Die offiziöſe Tribung ers
klärt bei einer Beſprechung der Meldung des Temps,der
die Erneuerung des Dreibundes ankündigte, daß dieſel
Nachricht ſich auf keine Tatſachen gründe, trotzdem werde
man nicht fehlgehen, wenn man verſichere, daß von der
Erneuerung des Dreibundes bei den Beſprechungen San
Giulianos mit den leitenden Staatsmännern in Berlin
die Rede ſein werde.
— Einfuhr ſchwediſchen Fleiſches nach
Deutſchland. Wie Stockholmer Blätter melden, ſind
die Fleiſchpreiſe in Schweden auf der ganzen Linie im
Rückgang begriffen. Bisher war es wegen ihrer Höhe
faſt unmöglich, eine Ausfuhr nach Deutſchland zu
unter=
nehmen. Unter den neuen Preisverhältniſſen wird die
Ausfuhr nach Deutſchland jedoch ſofort lohnend. Es ſind
bereits deutſche Kommiſſionäre in Malmö eingetroffen,
um das reichlich aufgetriebene Vieh zu kaufen und
aus=
führen zu laſſen. In Hedentorp ſoll eine große
Export=
ſchlächterei mit Geleiſeanſchluß an Stockholm zur
Aus=
fuhr nach Fleiſch, beſonders nach Deutſchland, errichtet
werden. Der Betrieb wird am 5. Dezember funktionieren.
Man rechnet auf einen Wochenverſand von zehn Wagen.
— Die Einnahme aus dem
Güterver=
kehr deutſcher Eiſenbahnen betrug im
Septem=
ber 174730135 Mark, d. ſ. 933 437 Mark mehr als im
Vormonat und 6 760076 Mark mehr als im gleichen
Monat des Vorjahrs. Dies bedeutet gegen das Vorjahr
eine Mehreinnahme von 86 Mark oder 2,69 v. H. auf
1 Kilometer.
Ausland.
Italien.
Eine geheime Klauſel im
Friedensver=
trag? Dem Temps wird aus angeblich guter Quelle
aus Samos gemeldet: Die Uebergabe der Aegäiſchen
Inſeln an die Türkei wird nicht ſo erfolgen, wie man
nach dem Wortlaut des italieniſch=türkiſchen
Friedensver=
trages annehmen könnte. Dieſem Vertrag iſt nämlich
eine geheime Klauſel hinzugefügt, wonach die Italiener
ſich verpflichten, die Inſeln an die Türkei erſt dann
zu=
rückzuerſtatten, bis dieſe es ſelbſt verlangen würden. Dieſe
Geheimklauſel wurde am Tage nach der griechiſchen
Kriegserklärung auf Anſuchen der Türkei ſelbſt
hinzuge=
fügt, die im Hinblick auf die Ueberlegenheit der
griechi=
ſchen Flotte es vermeiden wollte, daß die Inſeln in einem
Augenblick zurückgegeben würden, wo ſie dies als
unzweck=
mäßig, ja ſogar als gefährlich für ſie anſehe.
Frankreich.
Zu der Parlamentseröffnung, die am
Dienstag ſtattfindet, wird gemeldet, daß die Kammer
ſofort die im Juli unterbrochene Beratung des Budgets
wieder aufnehmen werde. Da die Herbſtſeſſion
voraus=
ſichtlich faſt vollſtändig von der Erörterung des Budgets
in Anſpruch genommen werden wird, dürften die meiſten
anderen Fragen erſt in der am 14. Jan. n. J. beginnenden
ordentlichen Tagung zur Erledigung gelangen. Als
be=
merkenswert wird hervorgehoben, daß das Parlament
diesmal in der Zeit vom 14. bis 17. Januar die
Präſi=
denten des Senats, der Kammer und der Republik zu
wählen haben wird.
Dänemark.
Einſchränkung der
Sozialgeſetzge=
bung. In der däniſchen Sozialgeſetzgebung iſt eine
Einſchränkung beabſichtigt. Es handelt ſich dabei um
Einſchränkungen des geltenden
Arbeſtsloſenkaſſenge=
ſetzes. Beide Geſetze beruhen auf dem fakultativen
Ver=
ſicherungsgrundſatz ſowie darauf, daß der Staat an die
Kaſſen einen Zuſchuß zahlt, der auf Grund der
Mitglie=
derzahl und der von den Mitgliedern geleiſteten Beiträge
bemeſſen wird. Nach dem neuen Entwurf ſoll kein lediger
Arbeiter der Arbeitsloſenkaſſe beitreten, wenn er mehr
als 1500 Kronen Jahresverdienſt hat; außerdem ſoll
Unterſtützung keinem Mitgliede gewährt werden, das ſich
weigert, eine ihm angebotene Arbeit anzunehmen, falls
ſie nach der Auffaſſung des Kaſſenvorſtandes den
Fähig=
keiten des betreffenden Mitgliedes entſpricht. Die
Kran=
kenverſicherung wird durch den neuen Entwurf auf „
unbe=
mittelte‟ Perſonen beſchränkt, als welche Ledige mit einem
Einkommen von 800 bis 1500 Kronen (je nachdem ſie in
Landbezirken oder Städten wohnen) und Verheiratete
mit einem Einkommen von 1100 bis 1800 Kronen gezählt
werden.
China.
Die Einnahme aus der Salzſteuer. Die
chineſiſche Regierung hat beſchloſſen, die Proteſie der
Bankiers der Sechsmächte=Anleihe gegen die Verpfändung
der Einnahmen aus der Salzſteuer an das Crispſche
An=
eiheſundikat zu berückſichtigen. Das Finanzminiſterium
wird angewieſen werden, die Geſamteinnahmen der Salz=
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Nummer 260,
ſteuer zur Bezahlung der Boxerentſchädigung zu
verwen=
den, außer dem Teil, der für eine frühere Anleihe
reſer=
viert wurde. Es verlautet, bis zur Bezahlung der
völ=
ligen Boxerentſchädigung werde für die Crispſche
An=
leihe eine andere angemeſſene Sicherheit geboten.
* London, 1. Nov. Die deutſch=engliſche
Verſtändigungskonfierenz hielt am Freitag
ihre Schlußſitzung ab. Die Konferenz nahm eine
Reſolu=
tion an, worin die Förderung beſſerer Beziehungen
zwi=
ſchen beiden Ländern für notwendig erklärt wird.
Nach=
dem die deutſchen Delegierten ihren Dank für die
erwie=
ſene Gaſtfreundſchaft ausgeſprochen hatten, wurde die
Kon=
ferenz geſchloſſen. Abends wurde ein Diner zu Ehren
der deutſchen Delegierten gegeben. Sir Franc Lascelles
präſidierte. Unter den Anweſenden befanden ſich: Sir
Münſter, Graf Leyden, Lord Braſſey, Lord Kinnaird,
der Biſchof von Wincheſter, der deutſche Geſchäftsträger
von Mühlmann, der deutſche Generalkonſul, ferner Sir
Lodge, Sir John Brunner und andere. Graf Leyden
verlas ein Telegramm des Königs, der ein
Huldigungs=
telegramm nach dem Beſuche in Windfor beantwortete.
In Erwiderung auf einen Toaſt ſagte Sir Franc
Lascelles, der Erfolg der Konferenz werde von allen
Sei=
ten zugegeben. Aber man dürfe von ihr nicht zu viel
glauben und ſie nur als Anfang, nicht als Ende der
Be=
ſtrebungen betrachten. Nach dem Diner fand ein Empfang
bei Lord Braſſey ſtatt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. November.
** Der Großherzogliche Hof iſt am Samstag von
Jagdſchloß Wolfsgarten wieder nach dem Neuen
Palais übergeſiedelt.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Major Rehfeld,
Bataillonskommandeur im 9. Badiſchen Infanterie=
Regi=
ment Nr. 170 in Offenburg, den Hauptmann v. Henning
auf Schönhoff im Großen Generalſtab, den Oberleutnant
Riedeſel Frhrn. zu Eiſenbach (Ludwig) vom Leib=
Dra=
goner=Regiment (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24, kommandiert
zur Dienſtleiſtung bei S. K. H. dem Großherzog, den
Oberleutnant v. Wachter vom Leibgarde=Infanterie=
Regi=
ment (1. Großb. Heſſ.) Nr. 115, den Geheimen Poſtrat
Henrici von Offenbach, den Oberlehrer Profeſſor Ottmann
von Neu=Iſenburg, den Amtsrichter Weitert von
Offen=
bach, den Geheimen Oberregierungsrat Dr. Clemm
v. Hohenberg von Kolmar, den Regierungsrat a. D.
Dr. Clemm v. Hohenberg von Freiburg, den
Muſik=
direktor Vogel, den Lehrer Metzler von Nieder=Erlenbach,
den Rendanten Thon von Langen, den Rendanten
Wolfſchmidt von Offenbach; zum Vörtrag den
Staats=
miniſter Ewald, den Finanzminiſter Braun, den Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog die Krone zum Silbernen Kreuz des
Verdienſt=
ordens Philipps des Großmütigen den Wachtmeiſtern a. D.
Karl Dietz und Andreas Leidner, beiden zu ihrem
Ausſcheiden aus dem Großh. Gendarmerie=Korps, ſowie
dem Werkführer in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahn=
gemeinſchaft Karl Barth zu Darmſtadt aus Anlaß der
am 1. November d. J. eintretenden Vollendung einer
50 jährigen Dienſtzeit das Silberne Kreuz des
Verdienſt=
ordens Philipps des Großmütigen.
* In den Ruheſtand verſetzt wurden der
Werk=
führer in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Karl Barth zu Darmſtadt auf ſein Nachſuchen und der
Oberlehrer an der Volksſchule zu Mainz Rektor Adam
Stenner auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner mehr als 50 jährigen treuen Dienſte, mit Wirkung
vom 16. November d. J. an.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 35 enthält:
Vorſchriften für den Betrieb und den Schutz der
elek=
triſchen Nebenbahn Kreuznach-(heſſiſche Landesgrenze)—
Sprendlingen-St. Johann.
-g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
ver=
handelte in ſeiner Sitzung am Samstag die Beſchwerde
der Firma Geſchwiſter Strauß hier gegen einen
In=
nungsbeſchluß der hieſigen Photographen=Zwangsinnung.
Paragraph 10b des vom Kreisamt genehmigten
Innungs=
ſtatuts unterſagt den Mitgliedern jede öffentliche
Bekannt=
gabe der Preiſe. Auf Grund dieſes Paragraphen wurde
die Firma Strauß in eine Ordnungsſtrafe von 20 Mark
genommen, da ſie wiederholt in Tageszeitungen ihre
bil=
ligen Angebote bekannt gab. Der Kreisausſchuß hatte die
eingelegte Beſchwerde abgewieſen, und hatte ſich nunmehr
der Provinzialausſchuß damit zu beſchäftigen. Der Ver=
treter der Firma erachtet den § 10b des Statuts als gegen
den § 100 zu der Gewerbeordnung verſtoßend, der den
Innungen unterſagt, die Mitglieder in der Feſtſetzung
ihrer Preiſe zu beſchränken. Das Verbot der
Veröffent=
lichung der Preiſe ſtelle aber zweifellos eine derartige
Beſchränkung dar. Das Gutachten der
Handwerks=
kammer, das ſich auf gutachtliche Aeußerungen von
Photographen aus Offenbach, Gießen und Sprendlingen
ſtützt, kann einen Verſtoß gegen § 100 zu der
Gewerbe=
ordnung nicht erblicken. Paragraph 181a gebe den
In=
nungen beſondere Rechte ihren Mitgliedern gegenüber.
Das Geſchäftsgebaren der Firma ſei als reell nicht zu
be=
zeichnen. Der Vertreter der Photographen=Innung,
Pho=
tograph Schramm, führte aus, daß die veröffentlichten
billigen Angebote der Firma eine Täuſchung des
Pu=
blikums darſtelle, denn die Gratiszugabe eines großen
Bildes, das nach ſeiner Anſicht Anſpruch auf künſtleriſche
Bewertung nicht erheben könne, habe viele veranlaßt, von
den billigen Preiſen Gebrauch zu machen. Hierdurch ſei
aber eine Schädigung des Publikums zweifellos
ent=
ſtanden, denn wenn ein Dutzend Viſitbilder für 1,80 Mk.
geliefert werde, die ſonſt bei einem reellen Photographen
7 Mark koſten, könne man eine gute Arbeit nicht erwarten.
Der Vertreter der Firma ſtellt feſt, daß bei der
Anfertig=
ung auch der billigen Bilder nur erſtklaſſiges Material
verwendet werde, was daraus hervorgehe, daß ſich auf
das Ausſchreiben der Firma, demjenigen 1000 Mark zu
zahlen, der die Verwendung minderwertigen Materials
nachweiſt, niemand meldete. Wenn bei den billigen
Bil=
dern auch kein großer Verdienſt erzielt werden könne, ſo
werde dies doch durch den großen Umſatz und auch bei
anderen Arbeiten ausgeglichen. Dieseſei in jedem
kauf=
männiſchen Geſchäft üblich und könne ihm deshalb auch
nicht unterſagt werden. Wenn andere Photographen für
ein Dutzend Kabinettbilder 20 Mark verlangen, ſo hätten
ſie mindeſtens einen Reingewinn von 15 Mark.
Glanz=
bilder koſteten auch nicht 20, ſondern nur 10 Mark, er
fer=
tige ſie für 4,80 Mark an. Der Vorſitzende der Innung
gibt an, er könne dies nicht feſtſtellen, eine Preisdifferenz
zwiſchen Glanz= und Mattbildern ſei aber nicht
gerecht=
fertigt, denn die Herſtellungskoſten ſeien in jedem Falle
dieſelben. Die Innung müſſe es ſich zur Aufgabe ſtellen,
das Gewerbe zu ſchützen vor Unternehmern, denen es auf
die Erhaltung von Kunden nicht ankommt, ſondern nur
auf momentanen Gewinn und die die Stadt wieder
ver=
laſſen, wenn ſie den Platz abgegraſt haben. Der
Provin=
zialausſchuß verwirft den Rekurs der Firma Strauß
als unbegründet unter Auferlegung der Koſten
des Verfahrens. Die Beſtimmung des § 10b des Statuts
ſei gerechtfertigt durch den § 181a der Gewerbeordnung.
Auch der § 100g ſtehe dem nicht entgegen.
Am 20. März 1912 fand in Ober=Kinzig die
Wahl des Bürgermeiſters ſtatt, bei der Georg
Reeg I. 55 Stimmen, Michael Eiſenauer 50
Stim=
men erhielt. Reeg wurde ſomit gewählt. Gegen die
Wahl wurden von verſchiedenen Seiten Reklamationen
erhoben und zur Begründung derſelben angeführt, daß
die Bekanntmachung der Offenlegung der Wählerliſten
erſt am Tage vor der Offenlegung erfolgte, daß einem
Wähler mit Totſchlagen gedroht wurde, daß der Gewählte
ſelbſt Wahlzettel austeilte und ſchließlich, daß am Abend
vor der Wahl in Ober= und Mittel=Kinzig wie in
Gum=
pertsberg von Reeg Freibier geſpendet wurde. Das
Kreisamt Erbach überwies die Reklamationen dem
Kreis=
ausſchuß, der in ſeiner Sitzung vom 15. Juni die
Reklama=
tionen abwies. Gegen dieſes Urteil wurde von einigen
Reklamanten Rekurs beim Provinzialausſchuß erhoben.
Einige Einſprüche, wie das Bekanntgeben der Offenlegung
der Wahlliſten, erledigten ſich, da die Wahl nach der alten
Landgemeindeordnung erfolgte. Zum Beweis der
üb=
rigen Behauptungen waren ſowohl von den drei
Rekla=
manten als auch vom Gewählten mehrere Zeugen geladen,
die jedoch nicht vernommen wurden. Der=
Provinzial=
ausſchuß verwirft den Rekurs als unbegründet unter
Ver=
urteilung der Reklamanten in die Koſten des Verfahrens
und der anwaltlichen Vertretung der Gegenſeite. Die
Verurteilten haften ſolidariſch für die Koſten.
Der Müller Gottlieb Friedrich Häcker aus Neckar=
Weſtheim ſuchte beim Kreisamt um Erteilung eines
Wan=
dergewerbeſcheins zum Verkauf von Webwaren im
Um=
herziehen nach. Das Kreisamt verſagte dieſen auf Grund des
§ 57a der Gewerbeordnung, da der Geſuchſteller erſt 21
Jahre alt iſt. Dieſer Paragraph geſtattet die Erteilung
nur dann bei einem geringeren Alter als 25 Jahren, wenn
der Geſuchſteller entweder Ernährer einer Familie oder
bereits 4 Jahre im Wandergewerbe tätig iſt. Auf ſeine
Beſchwerde holte das Kreisamt eine Aeußerung des
Poli=
zeiamts ein, das ſich gegen die Erteilung ausſpricht, da
Häcker hier keinen feſten Wohnſitz innehat und das
Umher=
ziehen bei dem jugendlichen Alter dem ſittlichen
Wohl=
ergehen nicht förderlich ſei. Auch ſei die Möglichkeit des
verſteckten Bettelns nicht von der Hand zu weiſen. Das
Kreisamt trat dieſer Aeußerung nicht in allen Punkten
bei, ſtellte vielmehr die Entſcheidung dem
Provinzialaus=
ſchuß anheim. Häcker iſt Müller von Beruf, hat aber vor
zwei Jahren bei einem Unfall den linken Arm verloren
und hat auch ſeinen 57 Jahre alten, lungenkranken Vater
zu unterſtützen. Der Provinzialausſchuß weiſt die Klage
ab, da die Heimatbehörde zur Ausſtellung des
Wander=
gewerbeſcheins zuſtändig ſei.
Es wurde weiter die Beſchwerde der Anlieger der
Mühlen=, Kriemhilden=, Verlängerten Neuen Schul=,
Friedrich=, Bismarck= Jakob= und Hohenzollernſtraße in
Lampertheim gegen die Heranziehung zu Straßengelände=
Erwerbs= und=Herſtellungskoſten verhandelt. Die Ge= hatte zunächſt dieſe Koſten direkt angefordert. Auf
den Einſpruch der Anlieger ordnete das Kreisamt an, daß
die Koſten nur auf Grund eines Hebregiſters erfolgen
dürfen. Gegen das Hebregiſter haben nun am 16. Februar
1911 35 Anlieger Einſpruch beim Kreisamt geltend
ges=
macht, und zwar zunächſt ohne Begründung. Rechtsanwalt
Schmidt als Vertreter von 26 Anliegern reichte dann
eine eingehende Begründung ein, die in neun Punkten
gipfelt. Die Gemeinde ſei ſchon Eigentümerin des Grund
und Bodens geweſen, als die Herſtellung der Straßen
er=
folgte. Dies iſt nach der Aeußerung der Gemeinde
aller=
dings der Fall, denn die Grundſtücke wurden im Jahre=
1907 hierzu erworben, aber der Ortsbauplan beſtand ſchon
ſeit 1906. Einige Straßen ſeien nur verbreitert und nicht
neu hergeſtellt, verſchiedene Straßen ſeien noch gar nicht
gepflaſtert uſw. In letzterem Punkte gab die Gemeinde
nach und zog für die betreffenden Straßen Beiträge nicht
ein. Der Kreisausſchuß Bensheim verwarf die Beſchwerde,
ſoweit ſie gegen die Erhebung der Umlage überhaupt
ge=
richtet iſt, im übrigen wurde ihr ſoweit ſtattgegeben, als
bei der Verrechnung der Geländeerwerbskoſten nur die
für die Vermeſſung des Straßengeländes, nicht auch des
übrigen Baugeländes entſtandenen Koſten hinzuzurechnen
ſind und als bei den Straßenherſtellungskoſten ſtatt 10,94
Mark nur 9,30 Mark für den laufenden Meter in Anſatz
zu bringen ſind. Ferner wurde erkannt, daß diejenigen
Angrenzer oder Rechtsnachfolger zu den Koſten
heranzu=
ziehen ſind, die zur Zeit der Fertigſtellung der Straßen
Eigentümer der angrenzenden Grundſtücke waren. Gegen
dieſes Urteil legten die Beſchwerdeführer Rekurs an den
Provinzialausſchuß ein. Der Provinzialausſchuß hob dier
Entſcheidung des Kreisausſchuſſes des Kreiſes Bensheim
vom 4. März d. J. auf und wies die Sache zur
noch=
maligen Verhandlung und Entſcheidung an den
Kreis=
ausſchuß Bensheim zurück.
Als letzter Fall kam zur Verhandlung der Rekurs des
Heinrich Becker zu Nieder=Ramſtadt gegen den
Kreis=
ausſchußbeſcheid, der ſeinerzeit die Konzeſſion für den
Betrieb einer Kaffeewirtſchaft mit dem Ausſchank von
alkoholfreien Getränken in der Frankenberger=Mühle
verſagte. Diesmal hatte der Gemeinderat die Bedürfnis= bejaht, doch der Kreisausſchuß lehnte wiederum
das Geſuch ab. Der Provinzialausſchuß verwarf aus
feuer= und baupolizeilichen Gründen den Rekurs.
g. Strafkammer. Der 20jährige vorbeſträfte
Tag=
löhner Georg Martin aus Viernheim hat im Märzi
dieſes Jahres der Witwe Adler in drei Fällen 26 Mark
geſtohlen. Er war durch das offenſtehende
Küchenfenſter=
in die Wohnung eingeſtiegen und hatte alle erreichbaren
Behältniſſe durchſucht. Beim dritten Diebſtahl wurde der
im gleichen Hauſe bei ſeinen Eltern wohnende
Dieb=
abgefaßt. Das Gericht verurteilte ihn unter Zubilligung
mildernder Umſtände zu fünf Monaten
Gefäng=
nis. — Der 20jährige Sattler Wilhelm Melchior Schott
aus Würzburg hat im Juni in Viernheim bei Kunden
ſeines Meiſters zur Hand liegende Taſchentücher mite
genommen. Er wird zu vier Monaten
Gefäng=
nis verurteilt. — Der 19jährige Zwangszögling
Wil=
helm Milleck von Hildesheim war von dem Schloſſer
Heß in Lampertheim, den er in Worms kennen gelernt
hatte, eingeladen worden. Bei dem Beſuch eignete ſich
nun Milleck ein neues Fahrrad an, mit dem er ſchleunigſte
das Weite ſuchte. Er will es ſpäter in Hamburg verſetzt
haben. Das Gericht erkannte gegen ihn auf ſechs
Mo=
nate Gefängnis wegen Rückfallsdiebſtahls. — Die
Brüder Leonhard Keinz und Heinrich Keinz I. aus
Bürſtadt waren vom Schöffengericht Lorſch wegen
Haus=
friedensbruch, Mißhandlung und Bedrohung zu
erheb=
lichen Freiheitsſtrafen verurteilt worden. Sie hatten in
der Neujahrsnacht in einer Bürſtädter Wirtſchaft
gewalt=
tätige Exzeſſe begangen, u. a. der Wirtstochter ein Glas
Bier über den Kopf gegoſſen, der Wirtin Schläge ins
Ge=
ſicht verſetzt u. a. m. Der Schloſſer Leonhard Keinz hatte
2 Monate 3 Wochen Gefängnis und 4 Wochen Haft,
Hein=
rich Keinz I. 5 Monate Gefängnis und 4 Wochen Haft
erhalten. Leonhard Keinz hatte ſich bei dem Urteil
beruhigt, während Heinrich Keinz I. Berufung einlegte.
Die Strafkammer ſprach ihn auch wegen der Bedrohung
frei und ermäßigte die Gefängnisſtrafe auf zwei
Mo=
nate und eine Woche.
Wirkungen eines modernen Krieges.
C) Die Meldungen von den Kriegsſchauplätzen am
Balkan erhalten die Welt in Spannung; der Blick der
Oeffentlichkeit iſt auf die Schlachtfelder gerichtet, wo im
menſchenmörderiſchen Ringen die Entſcheidungen fallen.
Unwillkürlich verknüpft man mit dem Worte Krieg nur
die Vorſtellung von kämpfenden Heeren, von Siegen,
Niederlagen, Angriffen und Rückzügen. Aber der Krieg
herrſcht nicht allein auf dem Schlachtfeld. Er gleicht einem
Vulkane, bei dem die Schauplätze der Kämpfe ſich mit den
Krateröffnungen vergleichen laſſen; der Strom der Lava
aber zieht weit, weit hinaus ins Land und begräbt Aecker
und fruchtbare Gärten auf ſeinem Wege. Mit dieſen
Wirkungen eines modernen Krieges
be=
ſchäftigt ſich der engliſche Kriegsberichterſtatter Charles
Hands; ſeine Schilderung gibt ein ernſtes und
eindrucks=
volles Bild von den Folgen eines modernen
Völker=
ringens, von jenen Folgen, die ſich weit ab vom
Schlacht=
felde und fern von der kämpfenden Armee daheim geltend
machen und mit einem Schlage das Leben eines ganzen
Volkes zum Stillſtand zu bringen ſcheinen.
Hands ſchildert, wie es vor acht Tagen in Sofia
ausſah, eine Woche nach Beginn des Feldzuges, alſo in
Tagen, da die Wirkung des Krieges ſich erſt fühlbar zu
machen begann. Er geht auf eine Bank: ſie iſt geſchloſſen.
Die jungen Bankbeamten kämpfen vor Adrianopel. Und
die älteren, die vom Kriegsdienſt freien, ſind
beſchäftigungs=
los. Das wirtſchaftliche Leben ſtockt, keine Arbeit iſt da:
alſo ſchließt man das Kontor. „Ich ging zu einem großen
und bekannten Handelsherrn. Er iſt Vierziger, vom
Dienſt befreit, und waltet nun allein in ſeinem großen
Kontor. Der Schreibtiſch, an dem ſonſt der Teilhaber
ſitzt, iſt leer; der junge Partner iſt Unterleutnant, ſein
Regiment ſteht vor Adrianopel. Und leer ſind auch die
Schreibtiſche der Gehilfen. Die Gehilfen ſtecken in
Uni=
formen, führen ſtatt der Feder das Gewehr; ſie ſtehen vor
Adrianopel. Der Beſitzer führte mich in das Warenlager.
Es war faſt leer; überall Totenſtille. Nur ein kleiner
Kontorjunge iſt da. Aber Sauberkeit und Ordnung
überall. Was ſoll man auch ſonſt tun? Mit ſeinem
klei=
nen Lehrling hat der Chef, der reiche Handelsherr, die
unfreiwillige Muße dazu benutzt, ſauber zu machen.
Und er ſelbſt mit ſeinem Lehrling macht täglich rein. Er
hat nichts Beſſeres zu tun. Aller Handel liegt tot. Die
Eiſenbahnen können keine Waren befördern. Der Krieg
legt alles lahm. So lange Krieg iſt, kann er von den
Kunden kein Geld bekommen; ſo lange Krieg iſt, zahlt er
keinen Lieferanten. Ohne dieſe ſtillſchweigende und
ſelbſt=
verſtändliche Verſchiebung in der Erfüllung aller
Verbind=
lichkeiten würde man bankrott machen.” Jener
Handels=
herr erwartete aus Liverpool 5000 Säcke Kaffee. Er hat
keine Ahnung, wo dieſe 5000 Säcke heute ſein mögen, er
weiß nicht, wann er ſie erhalten wird. Irgendwo unter
der Lava des Krieges liegen ſie verſchüttet. Die meiſten
Waren kamen über Warna oder Burgas, die bulgariſchen
Häfen am Schwarzen Meer. Aber ſeit einer Woche iſt
das Schwarze Meer aus der Handelsgeographie der Welt
ausgelöſcht; und wenn die Schiffe den Hafen erreichen
könnten: die Bahn könnte die Waren nicht
weiterbeför=
dern. Die Vorräte im Magazin aber ſind faſt erſchöpft:
die Regierung hat requiriert. Er ſelbſt, der Beſitzer, iſt
Mitglied der Kommiſſion, die über Requirierungen
be=
ſtimmt. Und die Kommiſſion verlangte von ihm 500
Säcke Reis, 10000 Kilo Zucker, 5000 Kilo Tee 2000 Kilo
pulveriſierten Alauns — das dient zur Desinfizierung
des ſchlechten Waſſers, mit dem die Soldaten ſich oft
be=
helfen werden müſſen. Ein ſchöner großer Auftrag, aber
ſein Nutzen wird aufgehoben durch die Art der
Bezahl=
ung. Denn die Bezahlung beſteht einſtweilen nur in einer
Quittung. Das Geld aber wird man erſt erhalten, wenn
die Regierung die Bezahlung als ratſam anſieht. Und
das kann lange dauern. 20 Prozent Bruttogewinn
wer=
den zugeſtanden: aber die Zinsverluſte bis zur Bezahlung
ſind größer. „Ich gehe in eine Schule, in ein ſchönes
neues Gebäude, um zu ſehen, wie es den Kindern geht,
nun, da die Ernährer im Felde ſtehen. An der Tür des
Schulhauſes ſteht ein Militärpoſten. Die Schule iſt ge=
ſchloſſen, denn alle Lehrer ſtehen im Kriege; das
Schul=
gebäude iſt Militärdepot geworden. Ich blicke in eine alte
Moſchee, die ein Muſeum romaniſcher Altertümer beherbergt.
An der Tür ſteht ein Militärpoſten, die Archäologie iſt
ſuſpendiert. Ich gehe zu der kleinen ſtändigen
landwirt=
ſchaftlichen Ausſtellung, wo landwirtſchaftliche Produkte
Bulgariens und kleine Proben von Roſenöl neben
Spitzen ausgeſtellt ſind und verkauft werden. An der Tür
ſteht ein Militärpoſten, die Ausſtellung iſt requiciert. Ich
gehe zu der kleinen Seidenfabrik die vor zwei Jahren von
einem unternehmenden jungen Bulgaren in einem Vorort
Sofias gegründet wurde und die gute Fortſchritte machen
ſoll. Auf mein Klingeln öffnet die Frau des
Eigen=
tümers ſelbſt. Ihr Mann ſteht vor Adrianopel. Und mit
ihm die 60 Arbeiter, die er beſchäftigt: alle draußen im
Kriege. Nur fünf ſind geblieben: Ausländer, Franzoſen.
Ich gehe in ein Arbeiterhaus. Der Mann iſt im Kriege=
Seine Frau und die Kinder leben von 40 Zentimes am
Tage: dieſer Betrag wird ihnen ausgezahlt. Die Frau
weiß nicht, wo ihr Mann ſteht, weiß nicht, ob er kämpfte,
ob er noch lebt. Denn die Regierung veröffentlicht keiner
Verluſtliſten. Ich blicke in einen kleinen Gemüſeladen
nebenan. Ein kleiner Junge von 12 Jahren führt jetzt
das Geſchäft. Sein Vater gehört der Reſerve an, er iſt
draußen im Kriege. Aus einem hinteren Zimmer kommt
die Frau. Ja, ſie ſeien ſehr arme Leute, und die Kund= könne jetzt nicht mehr kaufen; wenn die Leute früher
für 20 Pfennig Zwiebeln kauften, ſo kaufen ſie heute nur
für 5 Pfennig. In den Vororten Sofias gähnen kahl und
verlaſſen die Baugerüſte. Kahle, halbhohe Mauern,
Back=
ſteinhaufen, Sandhaufen, aber alles tot und verlaſſen=
Die Maurer ſind im Kriege.
Und ſo ſtockt alles, ſo ruht alles, die Stille legt ſich
wie ein Alp über Stadt und Land. Das Volk iſt im
Kriege. Und die Frauen ſind ſtill und ruhig. Sie jubeln
nicht, ſie ſind nur ſtolz, aber ihre Freude bleibt gedämpft.
Denn ihre Männer ſtehen vor Adrianopel und noch hat
die Regierung keine Verluſtliſten veröffentlicht.
Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Mantag, den 4. November 1912.
Seite 9.
Volksvorſtellung im Großh. Hoftheater, Als nächſte
Volksvorſtellung wird am Sonntag, den 10. No=
Zember 1912, die Wallenſtein=Trilogie gegeben
und zwar: nachmittags 2½ Uhr: „Wallenſteins
Lager” dann „Die Piccolomini” abends 7½ Uhr:
„Wallenſteins Tod‟ Hierzu werden nur Karten
zu beiden Vorſtellungen gültig ausgegeben.
Kartenbe=
ſtellungen ſind bis ſpäteſtens Mittwoch mittag 12 Uhr bei
den betreffenden Vereinsſtellen zu machen.
Von der Techniſchen Hochſchule. Das Rektorat
ſchreibt uns: Bezugnehmend auf die Notiz in Nr. 255
Ihres Blattes legen wir Wert darauf, feſtzuſtellen,
daß=
die Angaben darin ungenau ſind. Es handelt ſich um
ein von der Techniſchen Hochſchule neu eingerichtetes
In=
ſtitutfürwiſſenſchaftliche undangewandte
Photographie, das bereits in den nächſten Wochen
ſeiner Beſtimmung übergeben werden wird.
Feſthaus=Verein Darmſtadt. De nächſten
Ver=
anſtaltungen zum Beſten des Feſthaus=Vereins werden,
wie uns mitgeteilt wird, folgende ſein: 1. Montag.
4. November 1912, im großen Saale dee Hotels „Zur
Traube‟: Loewe=Balladen=Abend des Vereinsmitgliedes
Herrn Konzertſängers Kar! Göt aus Godesberg a. Rh.,
unter Mitwirkung des Piaaiſten Hern Hans Hautz aus
Mannheim. 2. Dienstag, *2. Novemßer 1912. im
Feit=
ſaale ber Turngemeinde: Kenzert von Frau
Kammer=
ſängerin Erika Wedekind aus Dresden (Sopran) und
Frau Profeſſor Marcelle Chéridfian=Charrer aus Genf
(Klavier). 3. Samstag, 23. November 1312, im Feſtſaale
der Turngemeinde: Konzert des Vereinsmitgliedes Herrn
Geheimen Hofrats Profeſſors Willy Burmeſter, unter
Mitwirkung des Pianitten Herrn Albert Schmidt=
Badekow aus Berlin. 4. Mantag, 30. Dezember 1912,
im Feſtſaale der Turngemeinde: Lieder=Abend des
Darmſtädter Vokalquartetis: Frau Sophie Schmidt=
Illing (Sopran), Fräulein Elſe Diefenthäler (Alt), Herrn
Konzertſänger Franz Müller (Tenor) und Herrn
Hof=
opernſänger Alfred Stephani (Baß), unter Mitwirkung
von Herrn Hofkonzertmeiſter Ernſt Schmidt (Klavier).
5. Mittwoch, 15. Januar 1913, im Feſtſaale der
Turn=
gemeinde: Peter Roſegger=Abend des Königl. Bayeriſchen
Hofſchauſpielers Herrn Max Hofpauer ans München.
* Lutherfeſtſpiel. Während die ſeitherigen
Veran=
ſtaltungen ſtets überfüllt waren und viele Wünſche nach
Karten unbefriedigt bleiben mußten, ſind wie uns
mit=
geteilt wird, zu der Aufführung am heutigen Montag
noch ſehr gute Plätze zu haben, worauf alle Intereſſenten
beſonders aufmerkſam gemacht ſein mögen. Es finden
danach nur noch drei Vorſtellungen ſtatt: am
Mitt=
woch, Samstag und Sonntag. Eine Verlängerung der
Aufführungen iſt gänzlich ausgeſchloſſen. — Trefflich
ge=
lungene Bilder der Mitwirkenden aus dem Atelier
Pöllot Nachfolger ſind im Schaufenſter der
Hofbuchhand=
lung von Johs Waitz ausgeſtellt.
* Richard Wagner=Verein. Zu dem
Jubiläums=
konzert des Vereins am 7. November haben Ihre
König=
lichen Hoheiten der Großherzog und die
Groß=
herzogin ihren Beſuch in ſichere Ausſicht geſtellt.
Das Publikum wird daher freundlichſt erſucht, bereits
10 Minuten vor ½8 Uhr ſeine Plätze einnehmen zu
wol=
len. Der größte Teil der vorhandenen Eintrittskarten
iſt bereits verkauft. — Max Regers Romantiſche
Suite (op. 125), die an dieſem Abend hier ihre
Erſt=
aufführung erlebt, gelangte letzthin auch in München mit
großem Erfolge zur Wiedergabe. Die Kritik ſchreibt
dar=
über: „Die größte Ueberraſchung in letzter Woche bot das
neue Werk von Reger. Dieſe dreiſätzige Suite,
an=
geregt durch die Gedichte von Eichendorff, zeigt nämlich
nicht nur all die glänzenden Eigenſchaften, die auch ſonſt
ſchon an Reger zu bewundern waren, ſo beſonders eine
vollkommene Technik, muſikaliſche Folgerichtigkeit und
unerſchöpfliche Erfindungsgabe, ſondern ſie beſitzt auch
in hohem Grade, was ſonſt ſo oft und ſchmerzlich zu
ver=
miſſen war: Farbe, Stimmung und Ausdruck.” — Außer
dem feſtgebenden Verein feiert an dieſem Abend auch
eines der aufgeführten Werke ein Jubiläum: Das
Vor=
ſpiel zu Wagners „Meiſterſinger von
Nürn=
berg” das, 1861 in Biebrich ſkizziert und vollendet, am
1. November 1862, alſo nun gerade vor 50
Jahren, im Gewandhausſaale zu Leipzig nach dem
Manuſkript in einem von Wendelin Weißheim, unſerem
heſſiſchen Landsmann, gegebenen Konzert unter Leitung
von Richard Wagner zur erſten Aufführung kam.
* Die Freie literariſch=künſtleriſche Geſellſchaft
hat in ihrem Programm eine Aenderung eintreten laſſen
müſſen. Dr. Otto Borngräber, der durch Aufführung
ſeines Myſteriums „Die erſten Menſchen” in der zweiten
Hälfte dieſes Monats ſtark in Anſpruch genommen iſt,
wird hier bereits am 8. November ſeine Tragödie des
Weltfriedens „König Friedwahn” leſen. Die Aufführung
von Strindbergs „Frl. Julie” iſt bis Ende dieſes
Monats zurückgeſtellt worden.
— Der Muſik=Verein lädt für den 9. November
d. Js. zu einem Herrenabend in ſein Vereinshaus
ein. Nach dem wohlgelungenen Verlauf der gleichen
Veranſtaltung im vorigen Jahr iſt zu erwarten, daß die
Herren Aktiven und Inaktiven ſich auch diesmal in den
gemütlichen Räumen des Vereinshauſes zahlreich
ein=
finden werden. Der Vergnügungsausſchuß iſt eifrig
be=
müht, den Teilnehmern an jenem Abend einige
genuß=
reiche Stunden zu bereiten. (Siehe Anzeige.)
* Volksbildungsverein. Die im „
Winterarbeits=
plan” verzeichneten drei Vorträge von Hochſchulprofeſſor
Dr. Berghoff=Iſing über: „Deutſchland in der
Weltwirt=
ſchaft, insbeſondere neben England” beginnen nicht am
19. November, ſondern Freitag, den 15. November; die
beiden anderen Vorträge folgen, wie angegeben, am 22.
und 29. November. Karten werden verabfolgt ab
Mon=
tag im Verkehrsbureau und bei J. Mylius, Herdweg 2.
Näheres beſagen die demnächſtigen Anzeigen.
— Turngemeinde Darmſtadt. Es wurde bereits
auf das von der Turner=Singmannſchaft zur Feier
ihres 45 jährigen Beſtehens am Samstag, den 9.
No=
vember, ſtattfindende Konzert aufmerkſam gemacht.
Außer Fräulein Schaub, Großh. Hofopernſängerin,
haben noch weitere hervorragende Künſtler ihre
Mit=
wirkung zugeſagt. Die Singmannſchaft wird mit neu
eingeſchulten Männerchören vertreten ſein, und der
ge=
miſchte Chor, welcher ſchon längere Zeit wieder in
Tätig=
keit iſt, dürfte zum Gelingen des Feſtes weſentlich
bei=
tragen.
Eine Frage von hoher Bedeutung, die ſich dem
modernen Menſchen aufdrängt, iſt es, ob das
Chriſten=
tum noch zeitgemäß und lebenskräftig, ob es im
Nieder=
gange oder im Fortſchreiten begriffen ſei. Auf dieſe
Frage wird ein genauer Kenner der Verhältniſſe, der
auch als gewandter Redner bekannte Schriftleiter der
All=
gemeinen lutheriſchen Kirchenzeitung, Pfarrer Laible
zu Leipzig, Montag, den 11. November, im
hieſi=
gen Kaiſerſaal Antwort geben. Mit Rückſicht auf
den zu erwartenden Beſuch von auswärts ſoll der
Vor=
trag, zu dem der Eintritt unentgeltlich iſt und auf den
eine freie Ausſprache folgen wird, bereits am Nachmittag
ſtattfinden. Genaueres wird in den nächſten Tagen in
dieſem Blatte durch beſondere Anzeige bekannt gegeben
werden.
* Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla‟ Eine neue
Karnevalſaiſon ſteht vor der Tür. Mögen auch noch
einige Wochen vergehen, bis Prinz Karneval ſein
ſorgen=
verſcheuchendes, luſtiges Szepter unbeſchränkt ſchwingen
darf, ſein närriſches Miniſterium wird eifrig tätig ſein,
den Herrſchaftsantritt der Närriſchen Hoheit würdig
vor=
zubereiten. Am 11. 11., dem hiſtoriſchen Tag der
Begrü=
ßung jeder neuen Karnevalſaiſon, dem Tage des im
karne=
valiſtiſchen Leben ſo bedeutungsvollen 11. eröffnet die
Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla” altem, immer wieder
freudig begrüßtem Brauch gemäß, ihre Karnevalſaiſon
mit einer Elferfeier. Es bedarf wohl keines Hinweiſes,
daß dieſe Elferfeier den Traditionen unſerer erſten, ſtets
bewährten Karnevalgeſellſchaft, nur Beſtes in neuer Art
zu bieten, entſprechen wird. Man weiß, die „Narrhalla”
wartet ſtets mit Ueberraſchungen auf und wenn ſie ein
karnevaliſtiſches Konzert, wie es zur Elferfeier in
ſämt=
lichen Räumen des „Kaiſerſaals”—,Fürſtenſaals” geplant
iſt, veranſtaltet, dann iſt nicht allein der Trubel und Jubel
groß, dann herrſcht angeregteſte, gemütliche Stimmung,
zu der die nach dieſer Richtung hin beſtens bekannte
Ka=
pelle des Feld.=Art.=Regts. Nr. 61 (Obermuſikmeiſter
Weber) nach Kräften mit den neueſten Schlagern und mit
einem wähleriſch zuſammengeſtellten karnevaliſtiſchen
Programm beitragen wird. Da herrſcht fröhliche, nicht
über das Ziel hinausſchießende Ausgelaſſenheit. Da iſt
bei Sang und Klang alles vertreten, was Darmſtadt an
lebensfreudiger, bkühender Jugend birgt. Jeder kommt
auf ſeine Rechnung, vor allem die junge Welt, für die
bald nach Beginn des übermütigen Eröffnungsfeſtes der
„Fürſtenſaal” zum Tanz ſich öffnet. Sämtliche Räume
des „Kaiſerſaales”,Fürſtenſaales” ſind von dem
Komi=
tee der „Narrhalla” belegt, das für die vielſeitigſte
Unter=
haltung ſeiner bei dem geringen Eintrittspreis hoffentlich
recht zahlreichen Gäſte ſorgen wird Hübſche Dekorationen
werden die Feſträume ſchmücken. In den oberen Räumen
laden lauſchige Niſchen zu traulicher Raſt und allerlei
weitere Ueberraſchungen ſind verſprochen. Der
Höhe=
punkt des urgelungenen, populären Feſtes wird natür=
lich erreicht werden, wenn 12,11 Uhr die jubelnde
Begrü=
ßung des neuen Karnevals erfolgt. (Siehe auch Anzeige.)
— Grundſtücksverkehr. Bei dem Großh. Amtsgericht
Darmſtadt I wurden im Monat Oktober 1912
abge=
ſchloſſen: 11 Kaufverträge über bebaute Grundſtücke mit
einem Geſamtkaufpreis von 406 100 Mark; 4
Kaufver=
träge über unbebaute Grundſtücke mit 19 498 Mark.
Zu=
ſammen 425598 Mark. (Mitgeteilt von dem Darmſtädter
Hausbeſitzer=Verein.)
Srädtiſche Schulzahnklinik, Waldſtraße 21, für
die Volksſchulkinder der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darm=
ſtadt. Im Oktober wurden behandelt: 480 Kinder (271
Mädchen, 209 Knaben) mit 620 Konſultationen. Gefüllt
wurden: 316 Zähne, ausgezogen wurden: 247 Zähne
(230 Milchzähne, 17 bleibende Zähne). Zahl der Tage,
an denen Sprechſtunden abgehalten wurden: 24.
* Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 6 des
Adreß=
buches für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter —
Guten=
berg, Berthold, bis Heuß, Albert — liegt im
Haupt=
meldebureau, Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13,
während der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr
vor=
mittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 6.
No=
vember vormittags zur Einſichtnahme offen.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,40 M., in Partien
1.30 M., Eier 7—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 2.25—2.50 M.,
Kumpf (10 Liter) 30—40 Pf., ½ Kg. 3—4 Pf., Mäuschen
Kumpf 1 M., ½ Kg. 8—9 Pf.; Obſt u. dgl.: Aenfel
und Birnen Zentner 8—15-M., ½ Kg. 8—15 Pf., Trai,
ben ½ Kg. ausländiſche 30—35 Pf., einheimiſche 25 Pf.,
Zitronen 7 Pf., Nüſſe 100 Stück 50 Pf.; Salat,
Ge=
müſe: Kopfſalat 8—10 Pf., Endivien 5—8 Pf., Bündel
Radieschen 2—3 Pf., Rettiche 3—5 Pf., Roterüben ½ Kg.
8—10 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf., Spinat ½ Kg.
16—20 Pf., Meerrettich 12—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 bis
10 Pf., Tomaten ½ Kg. 15—20 Pf., Wirſing 3—10 Pf.,
Blumenkohl 5—30 Pf., Rotkraut 10—30 Pf., Roſenkohl
Kg. 25 Pf., Weißkraut 5—8 Pf., Zentner 2 M.,
Gelbe=
rüben ½ Kg. 5—10 Pf., Erdkohlrabi 5—10 Pf.: Geflügel,
Wild: Gänſe ½ Kg. 1 M., Enten 3,00—3,50 M., Hahnen
und Hühner 1,50—2,50 M., Tauben 60—70 Pf., Haſen 3,50
bis 4,00 M., Lapins 0,90—1,00 M.; Fiſche ½ Kg.:
Rheinbackfiſche 40—50 Pf., Rotzungen 50 Pf., Schollen
22 Pf., Kabeljau 23—27 Pf., Schellfiſche 26 Pf., Seelachs
24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 70 bis
76 Pf., Hackfleiſch 76 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rindswürſtchen
(Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes und
Koteletts 1 M., Schwartenmagen, Fleiſchwurſt 90 Pf.,
Leber= und Blutwurſt 76 Pf.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bil=
der neu ausgeſtellt: Prinzeſſin Rupprecht von Bayern ſ
Großfürſt=Thronfolger Alexej, der einzige Sohn des
ruſſi=
ſchen Zarenpaares, zu ſeiner Erkrankung; Graf von
Schwe=
rin=Löwitz, der frühere Reichstagspräſident, wurde zum
Präſidenten des preußiſchen Abgeordnetenhauſes gewählt;
das Schlachtfeld bei Podgoritza; Geſamtanſicht von
Adria=
nopel, das von den Bulgaren belagert wird.
— Traiſa, 31. Okt. Bei der geſtrigen
Schöffen=
gerichtsverhandlung in der Privatklageſache
Backfiſch gegen Koch von hier, wurde trotz des gewaltigen
Zeugenaufgebotes ſeitens Backfiſch', gegen eine vom
Großh. Kreisamte erhobenen Beſchwerde das Urteil dahin
gefällt, daß Koch den Wahrheitsbeweis erbrachte und
frei=
geſprochen wurde. Backfiſch wurde in die ſämtlichen
Koſten des Verfahrens verurteilt.
Auerbach, 2. Nov. Vom 1. November ab iſt die
Schloßwirtſchaft nur noch Sonntags
ge=
öffnet ſowie an den Tagen, an welchen vom Turme
des Schloſſes herab die Fahne weht.
Offenbach, 2. Nov. Geſtern vormittag wurde in der
Nähe der chemiſchen Fabrik Werk Oehler eine unbekannte
weibliche Leiche aus dem Main geländet. Die
Un=
bekannte iſt etwa 50 Jahre alt. — Der 45 Jahre alte
Maurer Herſcher ſtürzte heute vormittag 10 Uhr
vom dritten Stock eines Neubaues in der
Lilli=
ſtraße herab glücklicherweiſe auf einen Sandhaufen,
wodurch der Fall bedeutend abgeſchwächt wurde.
Im=
merhin trug er ziemlich ſchwere innere und äußere
Ver=
letzungen davon und mußte ins Krankenhaus gebracht
werden.
Mainz, 2. Nov. In einem Orte Rheinheſſens haben
zwei Standesbeamte den § 1318 des B.=G.=B.,
der vorſchreibt, daß Perſonen, die zu Trauzeugen
herange=
zogen werden, volljährig ſein müſſen, außer acht gelaſſen
und unter Zuhilfenahme Minderjähriger die wichtige bin=
Max Reger‟).
Perſönliches und Allgemeines.
Von Max Hehemann.
Es iſt noch keine zehn Jahre her, da ſaßen in München
verſchiedene Muſiker beieinander und ſprachen über einen
dort anſäſſigen jungen Kollegen. Einer von ihnen — er
iſt mittlerweile ein berühmter Mann geworden — meinte,
man ſolle ihm möglichſt oft Gelegenheit zum
Konzert=
beſuche geben, denn es ſei ſehr wichtig, daß ein Muſiker
wie dieſer höre, „wie ein Horn klingt‟ Der junge Muſiker,
von dem da die Rede war, iſt heute Leiter der Meininger
Hofkapelle, Hofrat, Profeſſor und Ehrendoktor zweier
Univerſitäten, und heißt Max Reger.
Den hat man lange als muſikaliſches Kurioſum
be=
trachtet, das man ſich auf den Tonkünſtlerverſammlungen
zeigte, von dem aber die wenigſten eine Note kannten.
Eines Tages aber hatte er einen Namen, bald war er
be=
rühmt, und heute wäre die deutſche Muſik ohne Reger
überhaupt nicht mehr zu denken. Daß die Muſiker ſich ſo
plötzlich für Reger intereſſierten, mag wohl auch darin
gelegen haben, daß ein Nichtzünftiger ihnen ins
Hand=
werk pfuſchte. Und das kam ſo. Auf der Frankfurter
Tonkünſtlerverſammlung im Jahre 1904 ſpielte Reger
mit Marteau ſeine be-rühmte C=dur=Sonate zum
Ent=
ſetzen vieler, die ſolch bösartige Muſik nicht wohlgetan
fanden. Als die Sonate zu Ende war, ging ich zu Reger
hin und bot ihm zu ſeinem größten Erſtaunen ein
Kon=
zert in der damals zu Eſſen beſtehenden und von mir
ge=
leiteten Muſikaliſchen Geſellſchaft an. Am 6. Januar 1905
fand dieſer Abend ſtatt und brachte zunächſt die C-dur=
Sonate op. 72, das A-moll=Trio op. 77, das D-moll=
Quartett op. 74 mit dem Waldemar=Meyer=Quartett aus
Berlin und ſchließlich die Beethoven=Variationen für zwei
Klaviere. Ein Muſikfeſt bringt nun nicht mehr Muſiker
und Dirigenten auf die Beine, als dieſer Kammermuſik=
*) Da Max Reger am nächſten Donnerstag in dem
Jubiläumskonzert des Richard Wagner=Vereins an der
Spitze der Meininger Hofkapelle zum zweiten Male vor
das Darmſtädter Publikum tritt, dürfte obiger Artikel
ge=
nade jetzt von Intereſſe ſein.
abend, wo alles auf einen koloſſalen Hereinfall lauerte
und zum Schluſſe das Publikum — es waren etwa 1200
Perſonen — wie eine Mauer ſtand und vor Enthuſiasmus
ſich die Hände wund ſchlug. Es gab Leute, die vorher
an meinem Verſtande zweifelten, daß ich ſo etwas
unter=
nommen hatte. Man erzählte ſich von den ſechzig
Pro=
ben, die das Quartett gehalten, wie von den Stimmen,
die vor Wut ob ſolchen Studierens in die Ecke geflogen
waren, und drückte uns vor’m Konzert die Hand wie
Men=
ſchen, von denen man in der nächſten Stunde Hals= und
Beinbruch erwartet. Dieſe Abſchiedsſtimmung ſchlug
allerdings gründlich um, und die Folge war eine ganze
Reihe von Regerabenden in Rheinland und Weſtfalen,
wo ſich denn auch ſchon einmal Ziſchen in die muſikaliſchen
Klänge miſchte. Dann kam Anfang Oktober 1905 die
Uraufführung der Sinfonietta unter Felix Mottl in Eſſen,
der, als er ſie in München ſchließlich herausbrachte, ein
ganzes Konzert auf Hausſchlüſſeln und Hundepfeifen
heraufbeſchwor. Aber der Bann war gebrochen und
Reger in aller Munde. Um die Sinfonietta gehen
aller=
dings noch heute die Dirigenten herum wie um einen
biſſigen Hund, und halten ſich lieber an die im Jahre
darauf erſchienene freundlich=ſchwärmeriſche Serenade
oder die genialen Hillervariationen, das poetiſch=verklärte
Bild froh bewegten Lebens. Die haben dem Komponiſten
gar viele Freunde gewonnen, und doch ſind manche
ge=
rade durch den furchtbar ernſten, rückſichtsloſen Prolog
zu einer Tragödie auf den Wea zu Reger geführt worden.
Zwiſchen eiſig ablehnendem Schweigen und ergriffener
Zuſtimmung wechſelt hier die Haltung der Hörer, die oft
raſtlos vor dieſem Koloß ſtehen, der die Tragödie ſelbſt,
und daher alles andere wie ein Vorſpiel iſt.*3)
An dieſem Prologe nun wird wie in ſeinen großen
Orgelwerken und dem 100. Pſalm offenbar, was
Reger, abgeſehen von allem Muſikaliſchen, aus der Reihe
der anderen modernen Komponiſten rückt. Das iſt ſein
andächtiges Verhältnis zur Gottheit. In ihm lebt die
religiöſe Sehnſucht unſerer Zeit, und ſelbſt in
die von fröhlichſtem Getümmel bewegten Schöpfungen
**) Näheres darüber und über die anderen Werke in
meinem Buche: Max Reger. Verlag von R. Piper
u. Ko. in München.
dringt oft plötzlich ein geheimnisvoller Klang wie aus
einer anderen Welt. So derb ſeine Muſik manchmal auf
den Füßen ſteht, ihr Herz ſchlägt im Lande der tiefſten
Geheimniſſe und ſeine Töne geben uns Kunde, was er
dort im myſtiſchen Schauen geſehen und erlebt. Wer
acht gibt auf Regers Adagios, vor allem das im
Klavier=
konzert und Sextett, wer ſeine großen, überſinnlichen
Lie=
der kennt, der findet den Schlüſſel zum Herzen dieſes
ſenſiblen Rieſen, zum Herzen eines Mannes, der wie
einer die Freuden und Leiden der modernen Menſchen
in der Tiefe ſeiner Seele erlebt und im muſikaliſchen
Bilde einfängt.
Daran müſſen wir feſthalten, daß Reger, trotzdem
er auf Bach fußt, nur als moderner Menſch, als
ein Geſchöpf unſerer Zeit verſtanden werden kann. Man
hat vielfach nur ein verwegenes harmoniſches Spiel in
alten Formen ſehen wollen, wo in Wirklichkeit ein heiß
empfindender Mitmenſch ſein Herzblut verſpritzte. Weil
eben der Inhalt ſo unmittelbar aus unſerer Gegenwart
geſchöpft war, verſtand man oft die Sprache dieſer Muſik
nicht, denn Reger iſt, wie alle Heutigen, ein
individuali=
ſtiſcher Künſtler, deſſen Muſik auch die kleinſte
Seelen=
regung ſpiegelt. Er hat Lieder geſchrieben, die zart
ſind wie ein duftiger japaniſcher Farbenholzſchnitt oder
ein hingehauchtes Aquarell, Lieder, deren freie melodiſche
Linie ſich hoch und höher ſchwingt, als wollte ſie ſchier
kein Ende nehmen, Sonaten, die nichts ſind, als ein
ein=
ziges Rezitativ. Sie ſagen die leiſeſten Dinge, ſingen
von Glück und Wonne, von Wehmut und bitterem
Schmerz, von Verzweiflung und Vertrauen zu dem, der
alle Wege zum Guten lenkt. Und daneben ſtehen dann
trotzige Stücke von ungeberdiger Kraft, wie die grandioſe
Paſſacaglia für zwei Klaviere und das
Klavier=
quartett op. 113, ſowie auch Lieder, denen unſere
be=
rühmten Sänger ſcheu aus dem Wege gehen. Wo aber
iſt des Lebens Arbeit und Geſchäftigkeit, ſeine Freude und
Köſtlichkeit in unſeren Tagen glückſtrahlender beſungen
worden, wie in den Hillervariationen, dem
Streichquartett op. 109 in Es=dur und den
ſonni=
gen Beethovenvariationen, dieſen
Stamm=
gäſten der Kammermuſikſäle? Alter Meiſter Kunſt lebt
mit neuem Inhalt auf in Regers Konzert im alten
Stile op. 125. Dieſer Mann iſt eine ſo komplizierte
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Nummer 260.
dende Handlung vorgenommen. Ob die auf dieſe Weiſe
vereinigten Paare, die geſetzlich nicht vollſtändig
gebun=
den waren, von dem „Weg ins Freie”, wie in einem
modernen Luſtſpiel, Gebrauch gemacht haben, iſt nicht
be=
kannt geworden. Die beiden Standesbeamten hatten ſich
dieſer Tage vor der Mainzer Strafkammer zu
verantwor=
ten und jeder wurde zu drei Mark Geldſtrafe
ver=
urteilt. — In einem Hauſe der Stallgaſſe wurde ein
15 Jahre altes Mädchen von einem Manne angegriffen,
zu Boden geworfen und ihm der Haarzopf
abge=
ſchnitten und entwendet.
Mainz, 2. Nov. Großfeuer meldeten geſtern
nach=
mittag kurz nach 2 Uhr die Alarmglocken der Stadt. Auf
dem Speicher der Thonſchen Druckerei, Emmeransſtr. 29,
war ein Brand ausgebrochen, der ſich in kürzeſter
Zeit über den ganzen Dachſtuhl des langgeſtreckten
Ge=
bäudes ausdehnte. Man glaubt, daß das Feuer durch
Anglühen des Gebälks neben dem Kamine entſtand. Der
Schaden dürfte ſich auf etwa 20000 Mark belaufen.
Bei der Errichtung eines neuen Stellwerks auf dem
Süd=
bahnhof waren der Gehilfe Bingenheimer und der
Lehrling Adam Jeimerich von Oppenheim mit
Ar=
beiten auf dem Gerüſt beſchäftigt, als ein Teil
des=
ſelben plötzlich nachgab zuſammenſtürzte und die
beiden mit in die Tiefe riß. Der Gehilfe Bingenheimer
erholte ſich von ſeiner Bewußtloſigkeit wieder, während
der Lehrling Jeimerich ſchwer verletzt dem
Rochusſpital zugeführt wurde. Eine Kommiſſion hat
be=
reits die Unfallſtelle beſichtigt, um feſtzuſtellen, wen das
Verſchulden an dem Unfall trifft.
Bingen, 2. Nov. Der Matroſe Burkhäuſer aus
Haßmersheim iſt ſeit vorgeſtern abend verſchwunden. Der
auf einem hier vor Anker liegenden Schleppkahn
bedien=
ſtete Matroſe befand ſich mit einem Kollegen in der Stadt.
Beide Matroſen kehrten um 11 Uhr abends mit ihrem
Boot an Bord zurück. Als es aber am Schleppkahn
an=
kam, befand ſich nur noch der eine Matroſe im Nachen,
Burkhäuſer war nicht mehr darin. Es handelt ſich nach den
Feſtſtellungen der Polizei um den Schiffsführer des
Schleppkahns „Urmitz I.” aus Mannheim. Er wollte
das Steuer des Schleppkahns feſtmachen, ſtürzte
da=
bei in den Rhein und ertrank. — Ein reiches
Vermächtnis iſt der hieſigen Kapuzinerkirche in der
letzten Zeit ausbezahlt worden. Es handelt ſich um
das der Kapuzinerkirche von dem im vergangenen Jahre
verſtorbenen Rittergutsbeſitzer Kommerzienrat Karl
Pu=
ricelli vermachte Kapital von 100000 Mark.
Oppenheim, 2. Nov. Die geplante
Automobil=
verbindung von Eimsheim, Wald=Uelversheim über
Oppenheim, Nierſtein nach Geinsheim=Groß=Gerau, mit
der eine Rheinüberfahrt mittels Dampffähre
verbun=
den ſein ſoll, findet ſowohl von der Handelsvereinigung,
wie auch von den anderen Korporationen und Behorden
eifrige Unterſtützung, ſo daß für das
Zuſtande=
kommen des Projektes ſichere Ausſicht vorhanden iſt.
Gießen, 2. Nov. Die Gehaltserhöhung für
die ſtädtiſchen Beamten und Lehrer wurde
in der geſtrigen nichtöffentlichen Sitzung der
Stadtver=
ordneten=Verſammlung abgelehnt. Der
Finanzaus=
ſchuß hatte eine Vorlage ausgearbeitet, die im laufenden
Jahre 83 685 Mark Mehrausgaben verurſacht haben
würde. Die Erhöhung der Gehälter der Beamten und
Lehrer (letztere ſollten um 11 Prozent ihres ſeitherigen
Gehaltes aufgebeſſert werden) ſollte vom 1. April ds. Js.
ab und die der Arbeiter vom 1. Oktober ds. Js. eintreten.
Der Vorſitzende und der Finanzausſchuß waren ſich
dar=
über klar, daß die Durchführung dieſer Vorſchläge nicht
ohne Steuererhöhung möglich ſein werde und dieſe
Aus=
ſicht war wohl die Urſache, die die Mehrheit der
Ver=
ſammlung zur Ablehnung der Vorlage brachte. Dagegen
wurde die Aufbeſſerung der Arbeiter vom 1. Oktober ab
gutgeheißen. Für das laufende Rechnungsjahr beträgt
der dadurch eintretende Mehraufwand 10350 Mark. Durch
die Ablehnung der Gehaltserhöhungen für Lehrer und
Beamte bleibt ſonach der Stadtkaſſe eine weitere
Mehr=
aufwendung von 73 285 Mark erſpart.
(*) Aus der Wetterau, 1. Nov. Das elektriſche
Kraftwerk zu Wölfersheim iſt jetzt ſoweit gediehen,
daß vom 1. Dezember an der neue Friedberger
Güter=
bahnhof elektriſche Beleuchtung erhalten ſoll. Maſchinen=
und Keſſelhaus des Kraftwerks werden im Laufe des
Winters gänzlich fertiggeſtellt werden, ſo daß die
groß=
zügige Kraftzentrale für Oberheſſen, ſpeziell für die
Wet=
terau, mit dem Frühjahr vollſtändig in Tätigkeit treten
dürfte.
Butzbach, 2. Nov. Für den 31. Oktober war
Ein=
ladung in den Rathausſaal an alle evangeliſchen Ge=
meindeglieder zur Gründung eines
evange=
liſchen Kirchengeſangvereins ergangen. Schon
bald nach 8½ Uhr reichten die bereitgeſtellten Stühle und
Bänke nicht mehr aus. Es mußte ſchnell für weitere
ge=
ſorgt werden. Als Pfarrer Loos um ¾9 Uhr die
Ver=
ſammlung im Namen des evangeliſchen Kirchenvorſtandes
und der evangeliſchen Gemeindevertretung eröffnete, war
der geräumige Saal dicht beſetzt. Pfarrer Loos ſprach
zu=
nächſt herzliche Begrüßungsworte an alle Erſchienenen.
Sodann erinnerte er an die hohe Bedeutung gerade des
31. Oktobers für unſere evangeliſche Kirche, für das ganze
deutſche Volk und noch viel weitere Kreiſe und gab der
Ueberzeugung Ausdruck, daß gerade die Pflege des
evan=
geliſchen Kirchengeſanges ein treffliches Mittel ſei,
evan=
geliſche Dankbarkeit für das große Geſchenk der
Reforma=
tion zu bekunden und evangeliſche Mitarbeit am
Ge=
meindeleben zu leiſten. Der äußere Anlaß zur
Begrün=
dung eines evangeliſchen Kirchengeſangvereins, nämlich
der Eingang unſerer Chorſchule, ſowie die inneren
Be=
weggründe dafür wurden dargetan, Zweck, Ziel und
Auf=
gaben der evangeliſchen Kirchengeſangvereine wurden
dargeſtellt und zum Schluſſe betont, daß die Neugründung
auch eine wertvolle Vorbereitung für das große
Refor=
mationsjubiläum des Jahres 1917 ſei. Darauf wurde
die Gründung eines evangeliſchen Kirchengeſangvereins
in Butzbach einſtimmig beſchloſſen. Die Einzeichnung in
die aufgelegten Liſten ergab für den Anfang 78, 72 aktive
und 6 inaktive Mitglieder, 55 Frauen, 23 Männer. Zwölf
der Anweſenden wurde der Auftrag gegeben, eine
Vorbe=
ratung der Satzungen vorzunehmen.
(*) Alsfeld, 1. Nov. Eine neue Poſtautoſtrecke
iſt im nördlichen Vogelsberg geplant, und zwar diesmal
von Alsfeld in das mittlere Schwalmtal über
Schwaben=
rod Heidelbach, Holzburg, Schanksbach, Röllshauſen,
Salmhauſen bis Zella. Dies würde alſo neben den
Strecken Alsfeld-Neuſtadt und Ehringshauſen-Kirtorf-
Kirchhain die deitte Autoſtrecke im nördlichen Vogelsberg
ſein.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 2. Nov Im Berliner
Magiſtrat iſt man überzeugt, daß die Aufbringung
ver=
mehrter Steuereinnahmen und die
Erſchließ=
ung neuer Steuerquellen zwingende Notwendigkeiten
ge=
worden ſind. Die Prüfung der Lohnverhältniſſe der
ſtädtiſchen Arbeiter drängt ebenſo zu erhöhten
Anforder=
ungen an die ſtädtiſche Steuerkraft wie die Einführung
der Mädchenpflichtfortbildungsſchule; insbeſondere
er=
heiſcht auch die Kohlenbeſchaffung für die ſtädtiſchen
Gas=
werke bedeutende Mehrausgaben. Es ſollen den
Stadt=
verordneten zwei neue Steuern vorgeſchlagen werden:
eine Bierſteuer und eine Kinoſteuer. Die neue
Steuer ſoll das Bier direkt verſteuern, und zwar das in
Berlin gebraute und das eingeführte. Die Kinoſteuer iſt
nicht als Pauſchalſteuer, ſondern als Kartenſteuer gedacht,
und zwar ſollen auch die billigſten Plätze betroffen
wer=
den, denn dieſe haben die ſtärkſte Beſucherzahl, nämlich
90 Prozent. — Die Fleiſchkrawalle in Wedding,
die ſich am 24. Oktober abſpielten und die in der‟
Er=
ſtürmung des Morgenſternſchen Fleiſchladens und
ande=
rer Geſchäfte gipfelten, werden ein gerichtliches
Nachſpiel haben. Schon am Tage nach den Unruhen
war es gelungen, zwei der Rädelsführer zu ermitteln und
in Haft zu nehmen. Am Donnerstag wurde nun auch
der 17 Jahre alte Arbeiter Paul Wolky verhaftet. Wolky
geſtand, ſich an dem Aufruhr beteiligt und aus dem
Mor=
genſternſchen Geſchäft Wurſt und Schinkenſpeck geraubt zu
haben. Weiter wurde ein 16jähriger Gelegenheitsarbeiter
ſiſtiert. Weitere Verhaftungen ſtehen bevor.
Dresden, 2. Nov. An der ſächſiſch=böhmiſchen Grenze
iſt es zwiſchen Zollbeamten und Schmugglern zu
einem ſcharfen Kampfe gekomnſen. Die Aufſeher
zwangen die Schmuggler zur Herausgabe großer Mengen
Zündhölzer und Tabak. Den Schmugglern wurden
ins=
geſamt 10000 Schachteln Streichhölzer und 400 Pakete
Tabak im Gewichte von über 200 Kilogramm abgenommen.
Leipzig, 1. Nov. Vor dem zweiten und dritten
Strafſenat des Reichsgerichts fand heute der
Spionage=
prozeß gegen den mehrfach vorbeſtraften 32jährigen
Journaliſten und früheren Eiſenbahnaſſiſtenten Alfred Ott
aus Singen in Baden ſtatt. Ott iſt angeklagt, im Jahre
1912 ſich vorſätzlich in den Beſitz von Karten der deutſchen
Reichspoſt geſetzt zu haben in der Abſicht, ſie einer
frem=
den Macht auszuliefern. Zur Verhandlung waren vier
Zeugen und vier Sachverſtändige erſchienen; die
Oeffent=
lichkeit war ausgeſchloſſen. Der Angeklagte wurde wegen
vollendeten Verbrechens gegen § 3 des Spionagegeſetzes
zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren
Ehr=
verluſt verurteilt, außerdem die Zuläſſigkeit unter
Poli=
zeiaufſicht ausgeſprochen. Drei Monate der
Unterſuchungs=
haft wurden angerechnet. Bei der Strafzumeſſung kam
verſchärfend in Betracht, daß Ott als intelligenter Menſch
bei der Handlungsweiſe die Gefährdung des Deutſchen
Reiches vorausſehen konnte.
Wien, 2. Nov. Wie aus Warſchau gemeldet wird,
hat das Kriegsgericht geſtern den Prozeß gegen den
preußiſſchen Artillerieleutnant Dahm
aus Wolfenbüttel zu Ende geführt. Leutnant Dahm
wurde zu fünf Jahren ſchwerer Zwangsarbeit verurteilt
jedoch gegen Stellung einer Kaution von 30000 Mark auf
freien Fuß geſetzt.
Czernowitz, 2. Nov. Aus Petroutz wird gemeldet,
daß ſich am Berge Dealnianare infolge eines Erdrutſches
eine ſchreckliche Kataſtrophe ereignet hat. Durch ſtarke
Regengüſſe der letzten Tage hatte ſich das Erdreich gelockert
und ein großer Teil des Berges kam ins Rutſchen,
wodurch 50 Häuſer einſtürzten. Eine 5köpfige
Fa=
milie wurde getötet, zahlreiche Perſonen werden noch
ver=
mißt und ſind wahrſcheinlich umgekommen.
Moskau, 1. Nov. Prinz Heinrich von
Preu=
ßen traf mit dem ſibiriſchen Expreßzuge hier ein. Am
Bahnhofe wurde er von der Großfürſtin Sergius, der
Prinzeſſin Heinrich Irene, dem Stadthauptmann, dem
Gouverneur und anderen Perſönlichkeiten empfangen.
Archangelsk, 1. Nov. Der Dampfer „Obnowka”
der von Norwegen eingetroffen iſt, meldet, daß der
Dampfer „Heilige Phoka”, der am 27. Auguſt mit den
Mitgliedern der Polarexpedition des Kapitäns Sedom,
von hier abgegangen iſt, verunglückt ſei.
ſtätigung fehlt.
San Juan del Sur (Nicaragua), 1. Nov. Wie
draht=
los hierher gemeldet wird, zerſtörte ein Orkan den
größten Teil der Hafenſtadt Acapulco in Mexikol
Eine Anzahl Eingeborener wurden verletzt.
Luftfahrt.
— Gordon=Bennett=Rennen der Freis
ballone. Von den noch ausſtehenden
Landungsmeld=
ungen der Bennett=Ballone iſt jetzt auch die des letzten
franzöſiſchen Ballons „Isle de France” beim Komitee in
Stuttgart eingegangen. Der Führer Leblanc landete am
Dienstag nachmittag in der Nähe von Moskau, nicht weit
entfernt von dem Landungsplatz des Ballons „Picardie‟
„Isle de France” hat mit 2000 Kilometer Flugweite
an=
nähernd den Rekord der „Picardie” mit 2180 Kilometer
erreicht, ſo daß Frankreich in dem internationalen
Luft=
wettkampfe die beiden erſten Plätze einnimmt. Von dem
Ballon „Düſſeldorf II” mit dem der Amerikaner Watts,
bekanntlich außer Konkurrenz aufgeſtiegen war, liegen
immer noch keine Nachrichten vor. Man befürchtet, daß
der Ballon in der Oſtſee verunglückt iſt. — Das
Klaſſe=
ment iſt demnach, vorbehaltlich des Ergebniſſes der
offi=
ziellen Diſtanz=Vermeſſung, folgendes: 1. „Picardie‟
Frankreich, 2 180 Kilometer; 2. „Isle de France‟=
Frank=
reich, 2000 Kilometer; 3. „Uncle Sam”=Amerika, 1500
Kilometer; 4. „Zürich”=Schweiz, 1480 Kilometer; 5
„Reichsflugverein II‟= Deutſchland, 1380 Kilometer; 6
„Belgica II‟=Belgien, 1350 Kilometer; 7. „Honeymoon”
England, 1280 Kilometer; 8. „Frankfurt”=Oeſterreich, 1270
Kilometer; 9. „Minkelars”=Belgien, 1260 Kilometer; 10
„Andromeda”=Italien, 1170 Kilometer; 11. „Harburg III‟
Deutſchland, 1120 Kilometer; 12. Bearn”=Frankreich, 980
Kilometer; 13. „Busley”=Oeſterreich, 780 Kilometer; 14
„Aſtarte‟=Oeſterreich, 720 Kilometer; 15. „Libia‟=Italien
680 Kilometer; 16. „Million Population=Klub”=Amerika,
670 Kilometer; 17. Clouth IV‟=Frankreich, 400 Kilos
meter; 18. „Azurea”=Schweiz, 190 Kilometer.
* Bremen, 1. Nov. Boesmanns Bureau meldet
Die Teilnehmer an der Gordon=Bennett=Fahrt,
Albert v. Hoffmann und Jean Berry aus St. Loujs,
Beſitzer bezw. Führer des Ballons „Million Population=
Klub”, gaben auf unſerem Bureau folgende Erklärung ab:
Nachdem unſer Ballon nach 19ſtündiger Fahrt bei
Gram=
bin in der Nähe von Ueckermünde, hart am Waſſer, am
Montag, den 28. Oktober, gegen 12 Uhr gelandet war,
er=
blickten wir eine Stunde ſpäter in einer Höhe von etwa
3000 bis 3500 Metern einen Ballon, der in nordöſtlicher
Richtung trieb und bald in den Wolken verſchwand. Nach
unſerer Anſicht kann es ſich dabei nur um den bis jetzt noch
vermißten Ballon „Düſſeldorf II” handeln, der
amerika=
niſche Bemannung an Bord hatte. Wir ſind der
Ueber=
zeugung, daß der Ballon die Richtung nach Norwegen
Natur, daß er die größten Gegenſätze in ſich vereinigt und
Werke der verſchiedenſten, ja widerſprechendſten Art
her=
vorbringt. Die ſchroffen Stimmungswechſel ſeiner Werke
ſind nichts wie ein Spiegel ſeines Innern. Er iſt wie ein
Januskopf; ſein eines Antlitz ſchaut zurück in die
Ver=
gangenheit, das andere in eine ferne Zukunft, und ſo
kommt es, daß ſeine Werke manchmal etwas
Zwieſpäl=
tiges haben, und die alte Form feſthalten möchte, was in
wildem Drange vorwärts ſtürmt. Auch in Regers
Suchen und Wollen, im Gelingen wie Mißlingen, ſehen
wir das Ringen der Gegenwart.
Wie wäre er nun ein moderner Muſiker und nicht
zugleich ein Meiſter der Farbe? Allerdings nicht jenes
ſchillernden Orcheſterkolorits, das Richard Strauß ſich
zum Zwecke ſubtilen Ausdrucks bildete, ſondern jener
un=
endlich mannigfaltigen Akkordfarben, jener „changeant-
Harmonik” die allen Duft zarter Wechſelfarben, wie die
ſchwere Pracht reicher Gewänder hat. Von der leiſeſten
Regung des Gemütes bis zur erſchütternden Gewalt des
die Seele durchtobenden Sturmes iſt dieſer Harmonik
alles untertan. All die Augengeſpenſter, die uns auf den
Notenblättern ſchrecken, ſie löſen ſich unter Regers Händen
am Flügel auf in Gebilde, über denen als höchſtes Geſetz
der Adel des Klanges ſteht. Wie einſtens Mozart, ſo
möchte dieſer von Diſſonanzen zerriſſene Mitkämpfer
un=
ſerer Zeit all ſeine Wonnen und Leiden in Schönheit
auf=
löſen. Die alte Muſikerſehnſucht lebt und tönt dort wie
hier.
Wer näher zuſieht und ſich durch die Fülle einander
verwandter Werke nicht verwirren läßt, weiß auch, daß
Regers Weg kein Stillſtehen kennt. Er iſt kein
Schoß=
kind des Glückes geweſen, und wie bisher ſein Leben
Ar=
beit war, ſo ſteht auch jetzt, wo er als ein Großer
aner=
kannt iſt, als erſtes vor ihm die Pflicht gegen das ihm
verliehene Pfund. Es iſt die eiſerne Strenge gegen ſich
ſelbſt, die ihn groß gemacht hat, ihn aus kleinen
Anfän=
gen hinauf zur Höhe führte. Schon jetzt läßt ſich
er=
kennen, und ſpätere Werke werden es erweiſen, daß dieſer
Individualiſt von dem Sehen ins Kleine und
Kleinſte der Seele hinein nach dem großen Schauen
ſtrebt, wo der Tondichter zum Künder deſſen wird, was
uns alle bewegt.
Die Muſik hat die Entwickelung vom Ausdruck des
Allgemeinen zu dem des Beſonderen bis in die feinſten
Veräſtelungen durchmeſſen, nicht zuletzt gerade durch
Regers Kunſt. Was ſie dabei gewonnen, wird ihr von
höchſtem Nutzen ſein auf dem Pfade, den ſie jetzt wohl
be=
ſchreiten will. Am Anfang unſerer lebenden Muſik ſteht
die jeden Vergleiches bare Geſtalt eines Johann Sebaſtian
Bach, der wie kein anderer das Schauen ins Kleine
hin=
ein mit dem Blick ins Große verband und beide in
un=
erhörte muſikaliſche Taten umſetzte. Sein Vorbild ſteht
als leuchtendes Fanal am Ende des Weges, den die
Muſik nun wieder vor ſich ſieht. Daß er uns dorthin
führen möge, iſt der Wunſch, mit dem wir Reger auf
ſei=
nen Pfaden begleiten!
Feuilleton.
Tagebücher der Königin Viktoria, In den nächſten
Tagen wird in London ein hiſtoriſch und menſchlich
intereſſantes und denkwürdiges Buch erſcheinen, an deſſen
Herausgabe die Königin Mary eifrig mitgearbeitet hat
die Mädchentagebücher der Königin Viktoria. Die beiden
Bände, die von Lord Eſher herausgegeben werden,
ge=
währen einen feſſelnden Einblick in das Weſen der
Königin und zeigen, wie kindliche Anſchauungen und
kind=
liche Intereſſen Schritt um Schritt einem wachſenden
Ver=
antwortlichkeitsgefühl weichen. Die Tagebücher, die zwei
ſtattliche Bände darſtellen, erſtrecken ſich auf die Zeit von
1832 bis zur Vermählung. Am 1. Auguſt 1832 macht die
13jährige kleine Prinzeſſin Viktoria die erſte Eintragung,
die lautet: „Dieſes Buch gab mir Mutter, damit ich hier
das Tagebuch meiner Reiſe nach Wales eintrage.‟ Die
Einleitung, die Lord Eſher dem Werk vorausſchickt, gibt
ein anſchauliches und pſychologiſch bedeutſames Bild von
dem Charakter und dem Weſen der verſtorbenen
Herrſcherin. „Sie war als Achtzehnjährige nicht anders,
wie ein junges Mädchen ihres Alters im Durchſchnitt iſt.
Wenn ihr Geſpräch nicht geiſtreich war, ſo war dafür ihr
Herz gütig und ihr Urteil geſund. Sie war klug und
un=
gewöhnlich wahrhaftig. Trotz ihrer kleinen Geſtalt hatte
ſie eine ſeltſame Würde. Die Stimme war muſikaliſch
und trug weit. Vor allem aber war ihr Rechtsgefühl
un=
erſchütterlich und ihr Pflichtgefühl ſo hoch und ſtreng, daß
ſie alle Mängel der Phantaſie erſetzten Sie war
be=
ſcheidenzlewenn auch vielleicht nicht zärtlicher Gemütsart.
Sie war leidenſchaftlich und gebieteriſch, aber ſtets ehrlich
und treu.” Beſonderes Intereſſe erregen die den Bänden
beigegebenen eigenen Zeichnungen der Königin, ſie
ver=
raten ein ausgeſprochenes Talent, hervorſtechende
Cha=
rakterzüge graphiſch feſtzuhalten und Aehnlichkeiten zu
er=
zielen.
** Die Lebensphiloſophie der göttlichen Sarah,
Sarah Bernhardt, die große Schauſpielerin, die bereits
von drei Generationen bewundert worden iſt, hat in den
letzten Jahren noch größere Erfolge als auf den Welt
be=
deutenden Brettern im Leben ſelbſt errungen durch die
Siege, die ſie über Alter und Zeit davonträgt. Die
Ur=
großmutter, die den Siebzigern nahe iſt, fühlt ſich noch
immer jung und das Geheimnis ihrer Lebensphiloſophie
enthüllt ſie in einer Plauderei in Pearſons Magazine,
„Ich bin einfach deswegen nicht alt, weil ich mich jung
fühle. Und meine Anſicht von der Altersfrage iſt, was
mein Geſchlecht anbetrifft, folgende: Eine Frau iſt ſol
jung, wie ſie ſich fühlt. Perſönlich glaube ich, daß das
Ge=
heimnis meiner Jugend in dem Umſtand liegt, daß
Arbeit die größte Leidenſchaft meines Lebens iſt und
daß ich, wenn mein Doktor mir ſagt, ich ſollte nichts tun
— es niemals tue. Groß iſt mein Tagewerk. Am
Mor=
gen, wo ich mich eigentlich ausruhe, tue ich doch ſchon ein
gut Stück Arbeit, denn ich erledige meine Korreſpondenz=
So habe ich z. B. vor einigen Tagen mit meiner
Sekre=
tärin in etwas über zwei Stunden nicht weniger als 248
Briefe geleſen und beantwortet.‟ Dann bee nnt erſt der
wirkliche Arbeitstag für die große Tragödin mit Proben,
Beſprechungen und Beſuchen, mit dem Auftreten am
Abend, bis ſie ſpät nach Mitternacht den Schlaf des
Ge=
rechten findet. Von künſtlichen Mitteln, die die
Jugend bewahren ſollten, hält die göttliche Sarah nichts.
„Jugend kommt von innen heraus und nicht von außen.
Die Jüngſten unter uns ſind die, die den Geiſt jung
halten — die einzig erfolgreiche Methode, die nur erreicht
werden kann durch harte Arbeit, durch viel Bewegung in
freier Luft, durch Kräftigung des Geiſtes mit guten
Büchern und geſunden Gedanken Die Bedeutung dieſen
geiſtigen Geſundheit iſt von unſchätzbarem Wert als ein
Gegengewicht gegen den furchtbarſten unſerer Feinde
die Zeit.” Sarah ſpricht dann davon, warum Frauen
von über 50 faſt immer intereſſanter ſind als Mädchen
von 20, und ſie erklärt dies daraus daß die Frau in
Jugend ſtets exrerimentiert, in ihrer Kleidung,Une
Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 5.
eingeſchlagen hat. Da er ſich in enormer Höhe befand
und eine Geſchwindigkeit von mindeſtens 60 Kilometern
entwickelte, konnte er nicht vor Anbruch der Dunkelheit
herabkommen. Es war ihm nach unſerer Ueberzeugung
unmöglich, ſich vor Tagesanbruch zu orientieren. Um
dieſe Zeit mußte er aber mindeſtens 1000 Kilometer weiter
geflogen ſein und, wenn er die von uns beobachtete
Richt=
ung weiter beibehielt, nach dem äußerſten Norwegen
bezw. Lappland, oder gar darüber hinaus ins Eismeer
verſchlagen ſein.
* Stuttgart, 2. Nov. Zu der Nachricht, nach
wel=
cher die amerikaniſchen Ballonfahrer Albert von
Hoff=
mann und John Berry glauben, der vermißte Ballon
„Düſſeldorf 2” habe die Richtung nach Norwegen
einge=
ſchlagen, teilt uns die Oberleitung des Gordon=Bennett=
Fluges, A. Dirlmann, mit, daß es ſich wohl hier um
eine Täuſchung handelt. Verſchiedene der in Rußland
und an der ruſſiſchen Grenze gelandeten Ballone ſeien
erſt ein Stück weit über die See geflogen, hätten dort dann
eine Rechtsdrehung erfahren und ſeien ſo wieder über
das Land getrieben worden. Die meteorologiſche Station
in Frankfurt a. M., die über die Möglichkeit, daß der
Bal=
lon über das Meer getrieben worden ſei, befragt wurde,
hat ſich dahin geäußert, daß dies bei der am Montag und
Dienstag herrſchenden Wetterlage und Windrichtung
aus=
geſchloſſen ſei. Die telegraphiſche Anfrage der Flug=
Ober=
leitung bei den deutſchen Marine Wetter= und
Schiffs=
ſtationen, ſowie in Dänemark, Schweden und Norwegen,
ergaben übereinſtimmende Antworten dahin, daß nirgends
ein Ballon über See geſehen worden iſt. Auch die
Be=
fragung der inzwiſchen eingetroffenen Schiffe führte zu
keinem Ergebnis, doch haben ſowohl die Kommandanten
der Kriegs= wie auch die der Handelsſchiffe den Auftrag
erhalten, auf einen etwa im Meere treibenden Ballon zu
achten und ſofort telegraphiſche Mitteilung darüber zu
machen. Schließlich iſt die Oberleitung des Fluges der
Anſicht, es ſei nicht ausgeſchloſſen, daß der Ballon im
in=
neren Rußland gelandet ſei und die beiden Flieger von
den Behörden dort feſtgehalten werden, dann, abgeſehen
von der Möglichkeit, daß der Ballon ſogar auf den
Kriegs=
ſchauplatz getrieben wurde.
* Stuttgart, 2. Nov. Bei der Oberleitung iſt
von Petersbur g auf eine Anfrage folgende Meldung
eingelaufen: Ueber die vermißten Luftſchiffer
fehlen Nachrichten. Maßregeln zur Auffindung ſind
er=
griffen durch Benachrichtigung der Behörden am
Balti=
ſchen Meer und in Finland. Auf allen anderen Anfragen
iſt eine negative Antwort eingegangen.
Der Balkankrieg.
Vom öſtlichen Kriegsſchauplatze.
* Am Samstag wurde ein Erfolg der Türken
bei Wiſa gemeldet. Ob dieſer nur ein vorübergehender
geweſen iſt, oder von Bedeutung für den weiteren Verlauf
der Kämpfe auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatze ſein wird,
müſſen die ſpäteren Meldungen erſt ergeben. Die
dies=
bezüglichen Meldungen lauten:
* Konſtantinopel, 1. Nov 10 Uhr vormittags.
(Amtlich.) Nach eingetroffenen Nachrichten des Generals
Nazim Paſcha dauert der ſeit vier Tagen auf der
Linie Wiſa-Lüle=Burgas tobende Kampf noch an
Auf dem rechten Flügel (Wiſa) iſt der Feind unter großen
Verluſten zurückgeworfen worden. Gegen den von
Norden kommenden Feind leiſten die türkiſchen Truppen
tapferen Widerſtand. Bei den Kämpfen um Adrianopel
wurden die Bulgaren zurückgeworfen.
* Konſtantinopel 1. Nov. Nazim Paſcha
telegraphierte heute um 2 Uhr nachts: Der rechte
Flügel unſeres Heeres rückt ſeit geſtern in nordweſtlicher
Richtung vor. Die Armee Mahmud Mukthar Paſchas hat
die Bulgaren geſchlagen und viele Kanonen und
Munition erbeutet. Ich habe allen Armeekorps befohlen,
die Offenſive zu ergreifen und vorzugehen. Eine andere
Depeſche Nazim Paſchas von 4.45 Uhr nachmittags
be=
ſagt: Wir haben Bunar=Hiſſar wieder genommen und
be=
lagern die bulgariſchen Truppen in der Gegend von
Bunar=Hiſſar von allen Seiten.
* Konſtaninopel, 1. Nov. Das
Miniſte=
rium des Außern hat an die türkiſchen Vertreter im
Auslande eine Depeſche gerichtet in der es die Depeſche
des Generaliſſimus beſtätigt. Das Telegramm ſchließt
mit den Worten: Wir haben den Feind in der
Gegend von Wiſa ſiegreich zurückgeworfen
* Konſtantinopel 1. Nov. Der
Kriegskor=
reſpondent der Sabah telegraphiert: Die Bulgaren
wurden aus Lüle=Burgas vertrieben. Die
Ver=
luſte ſind auf beiden Seiten, beſonders bei den Bulgaren,
groß. In der Nacht wurden 1800 Verwundete hierher
geſchafft. Zahlreiche Kurden ſchreiben ſich als Freiwillige
ein und tragen einen Fez mit der Aufſchrift: „Nach
Sofia oder in den Tod”.
* Wien, 2. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt meldet aus dem Hauptquartier der zweiten
Armee vom 31. Oktober, 7 Uhr 30 Min. abends, über die
dreitägige Entſcheidungsſchlacht: „Die
große, dreitägige Entſcheidungsſchlacht trat nach den
Ein=
leitungskämpfen am Montag am Dienstag früh in ein
entſcheidendes Stadium, als die Bulgaren bei Bunar=
Hiſſar mit einem gewaltigen Vorſtoß zur Offenſive
übergingen. Auf dieſem Flügel verſuchten die Türken, der
ihrer Rückzugslinie infolge des eingeleiteten bulgariſchen
Vorrückens über Saroj-Tſchadaltſcha drohenden
Gefahr durch ein offenſives Vorgehen von Saroy über
Wiſa gegen den linken bulgariſchen Flügel
zuvorzukom=
men. Es war den Türken bereits gelungen, die
Vortrup=
pen der Bulgaren bis über den Kara=Gaſchfluß
nach Bunar=Hiſſar hinaus zurückzudrängen, als am
Dienstag gegen ihren rechten Flügel eine machtvolle
Gegenoffenſive der Bulgaren auf der Linie Uesküb-
Hadzifakli einſetzte. Die vordere Linie der Türken
wurde durch einen überraſchenden, mit beiſpielloſem Elan
durchgeführten Angriff einfach überrannt. Doch gelang es
ihnen, durch immer neue Reſerven das Gefecht zeitweilig
wieder herzuſtellen. Gleichzeitig griff der bulgariſche
rechte Flügel von Baba=Eski=Jeniköi her die
türkiſchen Poſitionen bei Lüle=Burgas an und warf
die Türken aus ihren befeſtigten Stellungen am
Telan=
fluß, Ajvalefluß und Erfnefluß gegen Lüle=
Burgas. Die bulgariſche Infanterie nahm die meiſten
türkiſchen Poſitionen im Sturm mit dem Bajonett; ſie
wurde hierbei vorzüglich von der Artillerie unterſtützt, die
die Türken in dem entſcheidenden Augenblick durch ein
vernichtendes Feuer niederzuhalten wußte. Die blutigen
Kämpfe am Dienstag brachten den Bulgaren ſowohl bei
Bunar=Hiſſar, wie bei Lüle=Burgas Erfolge, doch war
noch keine Entſcheidung gefallen, da die Türken
alle verfügbaren Reſerven eingeſetzt hatten, um das
Vor=
dringen der Bulgaren aufzuhalten.
Am Mittwoch früh griffen die Bulgaren mit ſtarken
Kräften, die in Gewaltmärſchen von Adrianopel
herange=
zogen waren, über Kovakdero=Invanköi an, um
das Zentrum der ſeindlichen Poſitionen zu durchbrechen.
Der Stoß traf die feindlichen Truppen, die teils in einer
Waldzone ſüdlich von der Straße nach Kirk=Kiliſſe
ſtanden oder ſich nordweſtlich von Lüle=Burgas
ver=
ſchanzt hatten. In heftigem Kampfe, der ſich durch den
Wald hinzog und immer neuen blutigen
Bajonettangrif=
fen, gelang es den Bulgaren, bis zum Mittag, die türkiſche
Stellung zu durchbrechen und im Verein mit einem
gleich=
zeitig gegen Lüle=Burgas angeſetzten Angriff den ganzen
linken Flügel der Türken aufzurollen. In den erſten
Nach=
mittagsſtunden des Mittwochs begann der allgemeine
Rückzug des türkiſchen Heeres auf der Linie
Lüle=Burgas-Bederköi längs der Bahnlinie in
der Richtung auf Tſchorlu. Die Bulgaren nahmen
ſo=
fort die Verfolgung mit großem Nachdruck auf, auch
wäh=
rend der Nacht, was eine vollſtändige Auflöſung der
tür=
kiſchen Truppen auf dieſem Flügel herbeiführte.
Gleich=
zeitig hatten die Bulgaren auf dem eigenen linken Flügel
ſüdöſtlich von Bunar=Hiſſar die Türken von Nordoſt
voll=
ſtändig umfaßt.
Im Morgengrauen des Donnerstags erfolgte auf der
Linie Urun-Bejli-Wiſa der entſcheidende Angriff
gegen die rechte türkiſche Flanke. Die durch die
vorange=
gangenen Kämpfe bereits ſchwer erſchütterten türkiſchen
Truppen vermochten dem übermächtigen Flankenangriffe
der Bulgaren nicht zu widerſtehen. Sie gaben ihre
Rück=
zugslinie über Arej preis und gingen in faſt aufgelöſten
Maſſen über Kongara, Tepiköi in gerader ſüdlicher
Richt=
ung auf Tſchorlu zurück. Auch die Parallelverfolgung
ſtellte eine beſtändige Ueberflügelung längs der
Hauptver=
bindungslinie der Türken über Zarei-Tetarkö i-
Tſcherkesköi dar, wobei verſucht wurde, ihren
Rück=
zug hinter die Tſchadaltſchalinie abzuſchneiden. Wie die
Verhältniſſe heute, am Donnerstag abend, liegen, werden
vorausſichtlich nur Bruchteile des türkiſchen Heeres hinter
die Tſchadaltſchalinie gelangen, Somit iſt der die
Vernicht=
ung der türkiſchen Oſtarmee bezweckende Plan der
bulga=
riſchen Heeresleitung als vollſtändig gelungen anzuſehen,
trotz der Gegenmaßnahmen, durch die Nazim Paſcha ihn
zu vereiteln ſuchte.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Um Mitternacht
teilte die Pforte den türkiſchen Blättern folgende, auf
einem Telegramm des Generaliſſimus beruhende
Infor=
mation mit: Die Kämpfe, die vor vier Tagen begonnen
haben, dauern fort. Die im Norden von Lüle=
Bur=
gas konzentrierten ottomaniſchen Armeekorps halten dem
von dieſer Seite her vorrückenden Feinde kräſtig
Wider=
ſtand. Die Fortifikation von Adrianopel verteidigt ſich
andauernd mit Entſchiedenheit. Die bei Wiſa vereinigten
Korps rücken vor.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatz.
* Athen, 2. Nov. Als die Bewohner der nordöſtlich
von Berxia gelegenen Stadt Njauſta erfuhren, daß die
griechiſche Armee auf Saloniki marſchiere, verjagten
ſie die türkiſchen Behörden und ließen dem griechiſchen
Thronfolger ſagen, daß die Stadt griechiſch ſei und täglich
25000 Rationen Brot liefern wolle.
* Athen, 2. Nov. Zur Verwaltung des
ma=
zedoniſchen Gebietes wurden von der griechiſchen
Regierung Beamte entſandt, die dem Oberkomandierenden
der Armee, dem Kronprinzen, unterſtehen und auf Grund
des dort herrſchenden Rechts regieren ſollen.
Sonſtige Meldungen.
HB. London, 2. Nov. Der Korreſpondent des
Daily Chronicle in Konſtantinopel entwirft
folgen=
des Bild von der dortigen Lage. Ueber die türkiſche
Niederlage ſickern allmählich in Konſtantinopel recht böſe
Nachrichten durch. Infolgedeſſen macht ſich in der
Bevöl=
kerung große Aufregung bemerkbar. Es herrſcht
Unſicher=
heit. Die unteren Volksſchichten nehmen eine drohende
Haltung ein und es beſtehen Anzeichen, daß ſchwere
Un=
ruhen ausbrechen werden. Von allen Seiten kommen
zweifelhafte Exiſtenzen nach Konſtantinopel herein.
Grau=
ſame Kurden ſtreichen in den Straßen herum und man
gewinnt den Eindruck, als wenn ſie ſich gegenſeitig zu
Gewalttaten aufreizten. Stambul iſt von ankommenden
Flüchtlingen überfüllt. Die Bevölkerung ſucht ſich vor
den anſtürmenden Bulgaren in die Stadt zu retten. Die
Bewohner der einſamen Orte am Bosporus fliehen, weil
ſie Mord und Plünderungen fürchten, und zwar nicht nur
von den Bulgaren, ſondern auch ſeitens der türkiſchen
Soldaten.
Die Haltung der Mächte.
* Wien, 2. Nov. In einer dem Neuen Wiener
Tag=
blatt von beſonderer Seite zugehenden Aeußerung wird
auf die Intereſſengemeinſchaft Oeſterreich=Ungarns
und Italiens hinſichtlich der in der Balkankriſe
zu befolgenden Politik hingewieſen. Insbeſondere wird
geſagt, daß ſich der Standpunkt der italieniſchen
öffent=
lichen Meinung von der Unantaſtbarkeit Albaniens
abſo=
lut mit dem Standpunkte Oeſterreich=Ungarns decke. Dies
gehe auch unwiderleglich aus dem Umſtande hervor, daß,
wie ſeit der Miniſterſchaft Tittonis der Oeffentlichkeit
be=
kannt iſt, ſchon ſeit langem zwiſchen Oeſterreich=Ungarn
und Italien ein Abkommen über Albanien beſtehe, das
auch in der neuen Situation die Richtlinien für die
wei=
tere Entwicklung Albaniens angebe; es biete daher auch
die Gewähr für eine weitere Uebereinſtimmung zwiſchen
den Verbündeten in der Anſehung Albaniens.
* Peſt, 2. Okt. Der Peſter Lloyd ſchreibt über die
Ereigniſſe am Balkan: Mit der Unbedenklichkeit, die eine
Wirkung der äußerſten Ueberraſchung iſt, ſetzte die
öffent=
liche Meinung ganz Europas den Status quo auf die
Verluſtliſte des Balkankrieges. Wenn die Ueberzeugung
der Unhaltbarkeit des Status quo, in dem ſich das
poli=
tiſch denkende Publikum der europäiſchen Länder
einigte, auch auf die Regierungen übergreifen ſollte, was
heute noch nicht vorauszuſagen iſt, und ſich weder
beſtäti=
gen noch ausſchließen läßt, dann allerdings wäre die
Stunde nahe, wo die Monarchie vor die folgenſchwerſten
Entſcheidungen ſich geſtellt ſehen würde: Entſcheidungen
von ſolcher Tragweite, daß wir uns in Gedanken
rechtzei=
tig auf ſie vorbereiten und jeden möglichen Weg, auf den
ſie uns führen könnten, ſchon heute ſcharf ins Auge faſſen
müſſen. Allenthalben erhebt ſich die Frage, welche
Po=
litik Oeſterreich=Ungarn zu machen haben
werde, wenn ſich die Situation in der angedeuteten Weiſe
bis zur völligen Umkehrung des Zuſtandes, an den wir
durch länger als ein Menſchenalter gewöhnt waren,
ver=
ändern ſollte. Wir glauben, daß in dem von der
Gene=
ration unſerer Väter entworfenen Orientprogramm, das
für die Leitung unſerer auswärtigen Angelegenheiten
durch Jahrzehnte maßgebend geweſen iſt, die
Hauptprin=
zipien ſich vorfinden, von denen die Entſcheidungen der
Monarchie auch des heutigen Tages nicht losgelöſt werden
dürfen. Die wichtigſte dieſer Prinzipien ſpricht aus, daß
die Monarchie auf keine territorialen Eroberungen
aus=
zugehen, ſondern die Intereſſen auf dem Wege möglichſt
guter Beziehungen zu den Balkanſtaaten zu wahren habe.
Nur die Abſicht, die Aufrichtigkeit unſerer Politik in Frage
zu ſtellen und uns den Stimmungen der Völker zu
ent=
fremden, konnte in den ſeit dem Berliner Kongreß abge=
haltung und ihren Launen unſicher iſt und dadurch den
Mann verwirrt. Die reife Frau aber hat vom Leben
ge=
lernt; ſie hat ihre feſten Anſchauungen, hat jene große
Sicherheit, die nur Erfahrung gibt. Und die Frau als
Schauſpielerin? Iſt ihr Beruf zu empfehlen?
„Die befriedigende Antwort auf dieſe Frage läßt ſich nur
nach der Perſönlichkeit des einzelnen Individuums
er=
teilen. Gewiß iſt die Bühne eine der wenigen den Frauen
offenen Berufe in dem bei einem Erfolg ein großer und
wertvoller Preis die glückliche Künſtlerin erwartet. Aber
ſolcher Preiſe ſind überall im Leben nur wenige, und ſie
ſind auf der Bühne ſeltener, als in anderen
Erwerbs=
zweigen. Ich hatte merkwürdigerweiſe nie eine
Vor=
liebe für die Bühne. Mein Ideal wäre es
ge=
weſen, ein Doktor der Medizin zu werden, das iſt wahrlich
eine edle Laufbahn. Aber in meiner Jugend dachte man
noch nicht an ſo etwas. Und nun ein letztes Wort.
Iſt es wahr, daß ich in einem Sarg geſchlafen
habe? Gewiß, aber dieſe etwas trübſelige Ruheſtätte
wählte ich auf ganz natürliche Weiſe. Vor Jahren war
ich ſehr dünn und meiſt krank. Man dachte ich hätte die
Schwindſucht. Ein Freund ſagte zu mir: „Ich möchte Ihnen
ein Geſchenk machen” und ich antwortete: „Dann ſchicken
Sie mir lieber einen Sarg.” Und wirklich, er ſchickte ihn.
Der Sarg ſtand in meinem Schlafzimmer und iſt noch in
meinem Beſitz. Eines Abends wurde meine Schweſter bei
mir krank und ich legte ſie in mein Bett. Um ſie nicht
allein zu laſſen, ſchlief ich in dem Sarg .
* Den Täufling verloren. Aus Toblach wird von
einer glücklicherweiſe ſelten vorkommenden Dienſtleiſtung
eines Landbriefträgers berichtet. Nachdem in einer
Nach=
barkirche ein neugeborenes Mädchen die Taufe erhalten
hatte, ſcheinen die Taufgäſte im Gaſthauſe zur Stärkung
für den Heimweg allzuviel dem Weine zugeſprochen zu
haben, denn die Trägerin des Kindes verlor auf dem
Heimwege plötzlich die in die chriſtliche Gemeinſchaft neu
aufgenommene kleine Erdenbürgerin und ging, ohne des
Verluſtes gewahr zu werden, weiter. Glücklicherweiſe
kam kurz darauf der Landbriefträger des Weges. Er las
den verlaſſenen Täufling auf und ſtellte ihn der „
Verluſt=
trägerin” zu. Welche Zuſtellungsgebühr der Wackere
da=
ffür erhielt, iſt nicht bekannt.
Großherzogliches Hoftheater.
Samstag, 2. November.
Zum erſten Male:
„Ma g dalen a”.
Ein Volksſtück in 3 Aufzügen von Ludwig Thoma.
W-l. Das Stück ſpielt in Berghofen, einem Dorfe des
Dachauer Bezirks. Dort wohnt der Gütler Thomas
Mayr, genannt Paulimann. Er und ſeine Frau haben in
den 37 Jahren ihrer Ehe auf ihrem Anweſen „ihr Lebtag
von der ehrlichen Arbeit gelebt” und ſind brave Leute.
Die Frau liegt im Sterben. Der Gram über ihre „in die
Schand” geratene Tochter Magdalena hat ihre Lebenskraft
gebrochen. Jene, für die Landarbeit nicht geeignet, hatte
in der Stadt das Nähen gelernt, war in ſchlechte Hände
geraten und ein Opfer der Großſtadt geworden und von
der Sittenpolizei beſtraft worden. Jetzt wird ſie „am
Schub” von dem Gendarmen in das Haus ihrer Eltern
zu=
rückgebracht. Der Mosrainer, der Bürgermeiſter des
Dor=
fes, ein Feind Thomas Mayrs und ein heimtückiſcher
Ge=
ſelle, hat dafür geſorgt, daß dies möglichſt auffallend und
zum „Gaudi” der Dorfbewohner geſchieht. Die ſterbende
Mutter hat ihre Tochter nochmals mit eindringlichen
Wor=
ten ermahnt und gebeten, umzukehren; aber es war
ver=
geblich. Nach ihrem Tode hauſt der Vater mit der
Toch=
ter allein in ſeinem Anweſen. Er glaubt nicht an die
Möglichkeit ihrer Beſſerung und an ihren guten Willen
und hält ihr täglich ihre Vergangenheit und ihre Schande
vor. Dadurch wird ihr der Aufenthalt im Vaterhauſe
unerträglich, und nachdem ihr Liebeswerben um den
Aus=
hilfsknecht von dieſem verächtlich zurückgewieſen worden
iſt und auch er das Haus ihretwegen verlaſſen hat, hält ſie es
nicht länger aus und will wieder in die Stadt zurück. Da
ſie aber ohne alle Geldmittel iſt, läßt ſie des Nachts den
Bauernſohn Martin Lechner zu ſich ein und verlangt ihm
Geld ab. Als dies ruchbar wird, bricht eine allgemeine
Empörung unter den Bauern aus, die von dem
hinter=
liſtigen Bürgermeiſter noch geſchürt wird. Die Bauern
verzeihen allenfalls noch die Schand — denn es gibt noch
mehrere Magdalenen im Dorfe —, nicht aber, daß ſich eine
dafür bezahlen läßt. So wird der Vater von dem
Bür=
germeiſter aufgefordert, ſeine Tochter aus dem Hauſe zu
ſchaffen, damit die Jugend des Dorfes nicht ins Verderben
gebracht werde. Er will die Geſchichte anfangs nicht
glau=
ben; als ſie es aber ſelbſt eingeſteht, reißt ihn der Zorn
und die Empörung fort und er erſticht ſie mit den Worten:
„Jetzt weiſt ſie naus in d’ Schand”.
Der Verfaſſer hat das Stück ein Volksſtück genannt.
Richtiger wäre die Bezeichnung „Bauerntragödie”
ge=
weſen. Denn ſowohl das Milieu als auch die Moral des
Stückes wurzeln lediglich in dieſer Dachauer Bauernwelt.
Eine allgemein giltige Idee und Moral fehlen dem Stück.
Auch Anzengruber hat ſeine Stücke, die Ausſchnitte aus
dem bäuerlichen Leben darſtellen, als Bauernkomödien
bezeichnet. Und als Bauerntragödie muß man dem
Thomaſchen Stücke volle Gerechtigkeit widerfahren laſſen.
Sowohl die Milieu= als auch die Charakterzeichnung ſind
volkstümlich und echt und erinnern an die beſten
Anzen=
gruberſchen Bauernſtücke. Auch die Technik der „
Magda=
lena”, die auf alles Theatraliſche und alle bewußten
Ef=
felte verzichtet und die Handlung natürlich und mit
zwing=
ender Logik aaus dem bäuerlichen Milieu und den
Charak=
teren ſich heraus entwickeln läßt, ſteht der unſerer beſten
Volksſtücke nicht nach. Durch geſunde Realiſtik und
präch=
tige Schilderung zeichnen ſich die Eingeigsſzenen zwiſchen
den beiden Eheleuten, die Unterredung zwiſchen
Pauli=
mann und dem Bürgermeiſter und die tragikomiſche Szene
der Werbung Magdalenas um den Knecht Lorenz im
zweiten Akte aus.
Wenn trotz der ſtarken Wirkung des Stückes, die ſich
auch bei der hieſigen Aufführung bemerkbar machte, die
innere Anteilnahme an dem Schickſal der Perſonen, das
ſeeliſche Mitempfinden hinter dem Intereſſe der Handlung
zurückſtand, ſo ſind wir uns nicht ganz klar darüber, ob
dies in dem Stoff begründet iſt, oder einen anderen
Grund hatte. Es müßte doch nicht ausgeſchloſſen ſein, daß
man mit der Maadalena, die gegen ihren Willen und durch
die Menſchen wieder in die Schande getrieben wird, ſo
etwas wie Mitleid empfindet. Für einen Augenblick bricht
dieſes auch in der Szene mit dem Knecht Lorenz hindurch,
aber es müßte mehr motiviert ſein, und für eine
eigent=
liche tragiſche Figur, zu der man den Vater hat machen
wollen, fehlt dieſem alles; er erſticht ſeine Tochter im
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Nummer 260
laufenen Jahren der öſterreichiſch=ungariſchen Politik
Er=
oberungsabſichten zuſchreiben. Ohne Beeinfluſſung durch
irgend welchen Druck ſtellten wir uns auf das Programm
der territorialen Enthaltſamkeit und banden uns
freiwil=
lig an das Programm, proklamierten es nicht nur
wiederholt und unzweifelhaft vor ganz Europa, ſondern
widerſtanden auch den mannigfaltigen ſtarken
Verſuchun=
gen, uns ſeiner zu entledigen. Den markanteſten
Aus=
druck fand das Hauptprinzip unſerer auswärtigen Politik
in den letzten Jahren unter dem Grafen Aehrenthal, der
nach der Annexion Bosniens und der Herzegowina das
von ſeinen Zeitgenoſſen nicht vergeſſene Wort geſprochen
hat: Wir ſind ſaturiert; nur Leichtfertigkeit ſondergleichen
würde erlauben anzunehmen, daß die damals von einem
ſo ernſten Staatsmann in vollem Bewußtſein der
Ver=
antwortung abgegebene Erklärung von der
öſterreichiſch=
ungariſchen Politik des heutigen Tages außer Kurs geſetzt
ſein ſoll. Nach wie vor ſind unſere leitenden Kreiſe und
in vollem Einklange mit ihnen alle Vertreter unſerer
öffentlichen Meinung entſchloſſen, an dem obigen
Pro=
gramm feſtzuhalten, das unſeren Intereſſen am meiſten
entſpricht.
Die Intereſſen ſind heute die gleichen wie in der
Ver=
gangenheit. Es iſt abſolut unmöglich, daran zu zweifeln,
daß die Selbſtbeſchränkung, die wir uns aus freiem
Ent=
ſchluſſe auferlegten, von uns als bindend anerkannt wird,
ſo lange unſere Intereſſen wirklich gewahrt werden
kön=
nen, und derentwillen wir ſie auf uns genommen haben.
Aber ebenſo ſicher und unzweifelhaft iſt, daß ſelbſt der
Friedlichſte der Friedlichen in dieſer ganzen Monarchie
von einem Ueberbordwerfen der Intereſſen nichts wiſſen
will und zu ihrem Schutze jeder nur denkbaren
Neugeſtalt=
ung auf dem Balkan gegenüber auf der Forderung
behar=
ren wird, daß die Garantien für ein bleibend gutes
Ver=
hältnis zu den Balkanſtaaten in politiſcher und
wirtſchaft=
licher Hinſicht geboten ſein müſſen. Zweierlei verlangt
unſer altes bewährtes Orientprogramm: Verlangt von
uns Beſcheidenheit, daß wir nicht auf Eroberung
aus=
gehen und uns mit der Entwicklung deſſen begnügen, was
wir haben; und verlangt von uns Feſtigkeit, daß wir
unſere Zukunft nicht dem Zufall preisgeben und ihr ſchon
gegenwärtig eine Schutzmauer und Bürgſchaften errichten.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Die türkiſche
Preſſe fährt fort, ſich gegen eine Intervention
auszuſprechen. Tanin ſagt, Pflicht der Regierung ſei es,
der europäiſchen Intervention zuvor zu kommen. Wenn
die Regierung Erfolg habe, werde ſie trachten müſſen, ohne
neue Verpflichtungen davon zu kommen, ſonſt müſſe ſie
eine Intervention ablehnen. Wir glauben nicht. ſchließt
der Tanin, daß Europa wie im Jahre 1877 Rußland
beauftragen wird, uns Gewalt anzutun. Inzwiſchen
wer=
den wir noch viele militäriſche Transporte durchführen
können.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 1. Nov. (6 Uhr abends.)
Amtlich wird ein Telegramm veröffentlicht, das der
Oberſtkommandierende Nazim Paſcha am 31. Oktober
an das Großweſirat richtete: Laut Nachrichten aus Bunar=
Hiſſar hatte der Feind in der geſtrigen Schlacht
beträcht=
liche Verluſte. Wir haben große Mengen Munition,
Geſchütze und andere Waffen, ſowie Ausrüſtungsſtücke
genommen. Die Schlacht dauert fort.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Nach Mitteilungen,
die geſtern vom Kriegsminiſterium ausgingen, ſoll das
Umgehungsmanöver der türkiſchen Armee
erfolgreich geweſen ſein. Die bei Wiſa und Lüle=
Burgas ſtehenden Korps hätten ſich vereinigen können.
Die im Ausland verbreiteten Meldungen, General Prinz
Aſis ſei erſchoſſen worden, ſind unzutreffend.
H. B. Muſtapha Paſcha, 2. Nov. Ein offizielles
Bulletin der bulgariſchen Heeresleitung
be=
ſagt: Die Türken verſuchten am 30. Oktober einen
zwei=
ten Ausfall über das rechte Ufer der Maritza mit zwei
Regimentern, wurden aber mit großen Verluſten
zurück=
geworfen und mußten ihre Toten und Verwundeten
zurück=
laſſen. — In Mazedonien ſind die Ortſchaften Köprülü
und Iſtip in unſerem Beſitz. — Während des Rückzuges
von Kirk=Kiliſſe nach Kawakli ſchloſſen die Türken. um
ſich für ihre Niederlage zu rächen, eine Anzahl chriſtliche
Soldaten vom 15. Regiment in ein Haus ein und machten
ſie nieder. Darauf ſchleppten ſie einen bulgariſchen
Prie=
ſter fort, töteten ihn mit Bajonettſtichen, ſchnitten ihm die
Naſe ab und ſtachen ihm die Augen aus. Dann
ermorde=
ten ſie ſeine Frau und Kinder.
* Konſtantinopel, 2. Nov Die Blätter
be=
ſtätigen die Wieder=Einnahme Bunar=Hiſſar
durch die Türken. — Die Jeni Gazetta bringt
fol=
gende Einzelheiten über die Schlacht: Nach dem Kampf
am 22. Oktober entwickelte die zweite bulgariſche Armee
ihre Front mit dem rechten Flügel bei Baba=Eski, dem
Zentrum vor Bunar=Hiſſar und dem linken Flügel vor
Wiſa. Die Armee bildete ſo einen weiten Bogen. Die
türkiſche Armee hatte ſich gegen Lüle=Burgas konzentriert
über Tſchuerenli, Tatarli, Ahmed Bey, Sakizkoej, Baba=
Eski. Die Tage vom 22. bis 25. Oktober vergingen mit
Vorbereitungen und Erkundungen beiderſeits. Die Schlacht
begann am 26. Oktober mit dem Vorrücken der Türken auf
Wiſa und dehnte ſich auf die ganze Linie bis Lüle=Burgas
aus. Vorgeſtern und geſtern leiſteteten die Türken
hel=
denhaften Widerſtand gegen die Bulgaren, welche die
Verteidigungslinie Wiſa-Lüle=Burgas ſprengen wollten.
Geſtern gingen die vereinigten Streitkräfte bei Lüle=
Burgas zum Angriff über und warfen die
Bul=
garen bis Tſchon=Gara zurück und drangen nach
hef=
tigem Kampf bei Karagatſch bis Bunar=Hiſſar vor. Nach
heute nacht eingelaufenen Meldungen beſetzten die Türken
Kawaklue ſüdöſtlich von Kirk=Kiliſſe. Die bulgariſchen
Streitkräfte ſind auf der ganzen Linie gegen Kirk=Kiliſſe
zurückgewichen. Es iſt den Türken gegluckt, ſich zwiſchen
Bunar=Hiſſar und Kawaklue feſtzuſetzen. — Der Tanin
ſchreibt, daß nach Anſicht militäriſcher Kreiſe Kirk=Kiliſſe
bis abends wieder genommen ſein werde. Die Bulgaren
hatten ſehr große Verluſte erlitten.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Der Großweſir
richtete an den Genergliſſimus Nazim Paſcha eine
Depeſche, in der er ihn zu ſeinem militäriſchen Erfdlge
be=
glückwünſcht und hinzufügt, es ſeien auch diplomatiſche
Erfolge erzielt worden. — Der Sultan, der eine lebhafte
Befriedigung über die Schlachtenberichte bezeugt, richtete,
als er geſtern die Moſchee verließ, an die Offiziere einige
Worte und ſprach die Hoffnung aus, die Freude möge
bald allgemein werden.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Jeni Gazetta will
erfahren haben, daß die Bulgaren wegen der
ſchwie=
rigen Lage der bulgariſchen Armee zwiſchen Lüle=Burgas
und Wiſa beſchloſſen hätten, durch Heranziehung der
Truppen von Küſtendil die Oſttarmee zu verſtärken. Die
Verteidigung der Grenze überließen ſie den Truppen der
dritten Klaſſe.
* Konſtantinopel 2. Nov. Amtliche Nachrichten
aus dem Hauptquartier beſtätigen, daß die Bulgaren
weſtlich und bei Bunar=Hiſſar zurückgeworfen
wor=
den ſind. Auf dem linken Flügel bei Lüle=Burgas haben
nur Scharmützel ſtattgefunden.
* Belgrad, 2. Nov. Aus Uesküb wird amtlich
gemeldet, daß die ſerbiſchen Truppen Goſtivar und
Prilep beſetzen dürften. Die ſerbiſche Armee ſtoße au
keinen nennenswerten Widerſtand, nur ganz vereinzelt
feuern die Türken aus dem Hinterhalt, um dann ſofort
ihre Flucht wieder fortzuſetzen. Die ſerbiſchen Truppen
dürften bei Prilep mit den griechiſchen Truppen
zuſammen=
treffen.
* Paris 2. Nov. Die Agence Havas meldet aus
Konſtantinopel von 9 Uhr abends: Die Bulgaren
haben bei Lüle=Burgas den Sieg
davonge=
tragen.
* Berlin, 3. Nov. Wie wir erfahren, erhielten die
zurzeit ſich im Mittelnkeer befindenden drei Kreuzer
„Hertha‟, „Vineta” und Geyer” den Befehl, ſich zum
Schutz von Leben und Eigentum der Deutſchen in die
türkiſchen Gewäſſer zu begeben. Außerdem iſt
die Entſendung zwei weiterer Kreuzer aus
Kiel beabſichtigt
Kiel, 3. Nov. Der Panzerkreuzer „Goeben” und
der kleine Kreuzer „Breslau”, welche gegenwärtig mit
Uebernahme von Proviant und Munition beſchäftigt ſind,
werden, wie verlautet, bereit gemacht, um binnen 24
Stunden in See zu gehen.
* Wien 3. Nov. Das Fremdenblatt ſtellt feſt, die
allgemeine Auffaſſung der europäiſchen Mächte gehe dahin,
daß die bedeutenden Intereſſen, welche Europa auf dem
Balkan beſitzt, nicht berührt werden dürften. In dieſem
Sinne habe ſich auch Saſonow unzweideutig geäußert.
Gerade auf dieſer Auffaſſung beruhe aber der Wille
aller Mächte zur Einmütigkeit und
gemein=
ſamen Handeln ein Wille, der ſich ſelbſtverſtändlich
während der Dauer des Krieges noch nicht habe betätigen
können. Die Balkanſtaaten ließen erkennen, daß auch ſie
den ungeſtörten Fortbeſtand der europäiſchen Intereſſen
auf dem Balkan in Rechnung ziehen. Den vereinzelten
ſerbiſchen Stimmen, die mit der in Europa
vorherrſchen=
den Friedensſtimmung nicht im Einklang ſtänden, möchte
das Blatt keine übermäßige Wichtigkeit beilegen. Es kann,
ſo ſchließt das Blatt, der beſtimmten Erwartung Raum
ge=
geben werden, daß der Balkankrieg keine weiteren ernſten
Komplikationen nach ſich ziehen wird.
* Rom, 3. Nov. In Verbindung mit den
Nachrich=
ten, von der Entſendung von Kriegsſchiffen
durch die Großmächte nach türkiſchen Häfen weiſt die
Tribuna darauf hin, daß Italien im Aegäiſchen, Meere
durch die erſte Diviſion des zweiten Geſchwaders, beſtehend
aus den Schiffen „Regina Margherita”, „Emanuele
Fili=
berto” „Ammiraglio di Saint Bon” und „Coatit”, unter
dem Admiral Amero Daſte vertreten iſt.
* London, 3. Nov. Große Aufregung herrſcht
in Chatham infolge der Austeilung zahlreicher
Tele=
gramme der Admiralität, durch die die auf Urlaub
befind=
lichen Offiziere und Mannſchaften an Bord der
Schiffe zurückberufen werden. Ebenſo wie für
Chatham ſind für die Häfen Devonport und
Ply=
mouth ſämtliche Offiziere und Mannſchaften der Schiffe
vom Urlaub zurückgerufen worden. Die ſiebente
Torpedozerſtörerflottille und verſchiedene andere Schiffe
ſollen am Sonntag und Montag von Devonport und die
fünfte Zerſtörungsflottille am Montag von Plymouth
ab=
gehen. Man glaubt, daß ſämtliche Schiffe nach dem
nahen Oſten beſtimmt ſind.
Portsmouth, 3. Nov. Eine Sonderausgabe
der „Evening News” meldet, daß auf der ſechſten
Zeir=
ſtörerflottille große Tätigkeit herrſche. Die
Zer=
ſtörer ſeien bereit in See zu gehen. Es verlautet, daß
die Seeleute und die Offiziere an Bord berufen worden
ſeien und daß die Flottille heute Nacht mit
ver=
ſiegelter Order abfahren werde.
Belgrad, 3. Nov. Es verlautet, daß Iſſa
Boljetinac ſich mit 15000 Albaneſen den ſerbiſchen
Truppen ergeben habe.
* Sofia, 3. Nov. Seit geſtern früh wird
Adria=
nopel beſchoſſen. Es waren Gerüchte verbreitet
daß die Feſtung bereits kapitulierte, die Gerüchte ſind
jedoch amtlich noch nicht beſtätigt worden. — Mehrere
bulgariſche Aeroplane umkreiſten Adrianopel zwecks
Re=
kognoszierung.
* Konſtantinopel, 2. Nov., 4 Uhr nachmittags.
Aus Adrianopel eingetroffene Nachrichten beſtätigen, daß
die Stadt in der Linie von Akbunar nördlich, von Kemal
nordweſtlich und von Kunjunli weſtlich von Adrianopel
eingeſchlvſſen iſt. Es herrſcht verhältnismäßige
Ruhe. Es kam zu einem Zwiſchenfall, als gefangene
bulgariſche Flüchtlinge ausbrechen wollten. Die türkiſchen
Truppen hinderten ſie durch Gewehrfeuer an der
Ausführ=
ung ihres Vorhabens. Der öſterreichiſch=ungariſche Konſul
hat Maßnahmen getroffen, um die
öſterreichiſch=
ungariſche und deutſche Kolonie im Notfalle
zu ſchützen. Es heißt, daß türkiſche Soldaten auf der
Flucht die Geſchäfte in Hasköj geplündert hätten und
daß=
ein türkiſcher General von ſeinen Soldaten mißhandelt
wurde.
* Konſtantinopel, 4. Nov. Amtlich. Die
türkiſche Armee ſah ſich genötigt, ſich auf die Tſchataldſcha=
Linie zurückzuziehen. Rodoſto wurde von den
türkiſchen Truppen geräumt. — Es heißt, daß die
Bot=
ſchafter an die Pforte das Erſuchen richteten, einem
Kreu=
zer jeder Nation die Durchfahrt durch die Meerenge zu
geſtatten.
Athen, 3. Nov. Es wird bekanntgegeben, daß
die Stadt Prepeſa am Golf von Arta kapitulierte,
Unfall durch eine Minenexploſion.
* Kiel, 2. Nov. In der Kieler Bucht ereignete
ſich heute vormittag bei einer Sprengübung des
gro=
ßen Kreuzers „York” ein Unfall. Die Uebungen
wur=
den von einem Boot des Kreuzers aus veranſtaltet, als
plötzlich eine Sprengpatrone vorzeitig explodierte. Hierbei
wurde Kapitänleutnant Jacobſen und der
Torpedoboots=
matroſe Wilhelm Fuchs aus Lyck getötet; ſchwer
ver=
letzt wurde der Leutnant zur See Werner Wilſcheck (Bruch
beider Beine), leicht verletzt Torpedobootsmatroſe Wilh=
Puels aus Altona=Bahrenfeld.
* Kiel, 2. Nov. Das Minenunglück ereignete
ſich am Vormittag zwiſchen Laboe und Buelk während
einer Minenſuchübung, an der ſich einige Boote
beteilig=
ten. Als ein Boot des Panzerkreuzers „York” ſich einer
Mine näherte, explodierte dieſe vorzeitig und
zer=
ſchmetterte das Boot vollſtändig. Eine ſofort zur
Hilfe=
leiſtung herbeigeeilte Pinaſſe des Panzexkreuzers „
Goe=
ben” nahm die Toten und Verletzten auf und rettete auch
die übrige Beſatzung, die ohne Verletzung davonkam. Die
Verletzten wurden ins Marinelazarett gebracht.
Vermiſchtes.
— Preisausſchreiben. Die Verlagsanſtalt”
Alexander Koch=Darmſtadt veranſtaltet einen
Wettbewerb zur Erlangung künſtleriſcher Inſeratentwürfel
für die Propagierung ihrer bekannten Kunſtzeitſchriften
Deutſche Kunſt und Dekoration, Innen=Dekoration,
Stickerei=Zeitung und Spitzen=Revue. Als Preiſe ſind
2000 Mark ausgeſetzt, und zwar ein Preis zu 500 Mark,
ein Preis zu 300 Mark, zwei Preiſe zu je 200, drei Preiſe
zu je 100 Mark; ferner ſind vier Ankäufe zu je 50 Mark
und zehn Ankäufe zu je 30 Mark vorgeſehen. Als
Preis=
richter werden fungieren: Hofrat Alexander Koch, Maler
Lucian Bernhard=Berlin, Maler Ludwig Hohlwein=
Mün=
chen, Architekt E. J. Margold=Darmſtadt, Redakteur Fr.
Stanger=Darmſtadt, Redakteur H. Lang=Danoli=
Darm=
ſtadt. Die einzureichenden Entwürfe ſollen die Größe von
zirka 22:30 Zentimeter haben und in Schwarz=Weiß=
Tech=
nik reſpektive Federmanier gehalten ſein. In den
Ent=
würfen iſt entweder auf alle drei Zeitſchriften gleichzeitig
oder auf nur eine derſelben aufmerkſam zu machen. Der
Text darf zugunſten einer ſtarken Bildwirkung in den
Hin=
tergrund treten. Die ganze Zeichnung muß auch in ſtarker
Verkleinerung noch wirkſam ſein. — Die Entwürfe, mit
Kennwort verſehen, ſind bis zum 20. Dezember 1912 an
die Redaktion der Deutſchen Kunſt und Dekoration,
Darm=
ſtadt, einzuſenden; in Briefumſchlag mit gleichem
Kenn=
wort ſind die Adreſſen der Urheber niederzulegen.
Alle=
prämiierten und angekauſten Entwürfe gehen mit
ſämt=
lichen Rechten in den Beſitz der Verlagsanſtalt über. —
Zweckdienliche Unterlagen für Text uſw. ſtellt die
Ver=
lagsanſtalt auf Erſuchen gerne zur Verfügung.
Affekt. Der Zorn und die Wut über die Schande, die ihm
angetan iſt, laſſen ihn zum Mörder ſeiner Tochter werden.
Da Herr Wagner den bayeriſchen Dialekt
meiſter=
haft beherrſcht, war er von vorneherein der berufene
Ver=
treter für die Rolle des Thomas Mayr, die er mit
darſtel=
leriſcher Ueberlegenheit und einheitlicher Charakteriſtik
durchführte, aber vielleicht etwas zu gutmütig und zu
kleinbäuerlich und ohne tragiſche Alluren. Die
Magda=
lena wurde von Fräulein Alſen ſo aufgefaßt und
ge=
ſpielt, daß man die Ueberzeugung gewann, ſie ſei, wie der
Vater ſagt, mehr aus Dummheit, als aus Schlechtigkeit zu
Falle gekommen. Das Gemiſch von Beſchränktheit,
Verſtocktheit und Leichtſinn brachte ſie in ihrer Darſtellung
ſehr überzeugend zum Ausdruck. Eine raffinierte Dienerin
der Venus vulgivaga war dieſe verſchüchterte und
ge=
fügige, über die Abweiſung des Lorenz heulende
Magda=
lena des zweiten Aktes nicht. Die ſterbende Mutter ſpielte
Fräulein Heumann ſehr gut. Zwei vortreffliche
Leiſt=
ungen von echter Volkstümlichkeit waren der Moosrainer
des Herrn Weſtermann der in dieſer Rolle einen
neuen Beweis ſeiner Vielſeitigkeit gab, und Herr
Bau=
meiſter als Knecht Lorenz, ein in ſeiner Herzenseinfalt
prächtiger Bua, der in der mehrfach genannten
tragikomi=
ſchen Szene mit Magdalena Frau Förſters Knödeln und
Sauerkraut mit recht bäuerlichem Appetit zuſprach. Den
hartherzigen, Belehrung ſtatt Troſt und Steine ſtatt Brot
reichenden Kooperator ſpielte Herr Schneider mit
rich=
tigem Verſtändnis für ſeine Aufgabe. Die kleineren
Rol=
len waren durch Frau Müller=Rudolph (Barbara
Mang), Herrn Heinz (Bauer Plank), Herrn Eisner
(Martin Lechner) und Herrn Kroczak (Bauer Scheck)
gut beſetzt.
Die Regie führte Herr Baumeiſter, der als
ge=
borener Bayer für das Milieu der in der Stube des Tho=
mas Mayr ſich abſpielenden bayeriſchen Bauerntragödie
ein beſonderes Verſtändnis bekundet und die bäueriſchen
Details auf den rechten Ton abgeſtimmt hatte.
Das Publikum nahm die Neuheit mit ſehr ſtarkem,
nach jedem Akte ſich wiederholenden Beifall auf.
Konzerte.
mm. Robert Kothe=Abend. Während vor
Jahrzehnten noch ſeltener Gelegenheit geboten war, ältere
deutſche Volkslieder in Originalfaſſung zu hören, hat ſich
in den letzten Jahren das geſchichtliche Verſtändnis für
die Eigenart des Dialektes ſo ſehr entwickelt, daß
Vor=
träge dieſer Art zu den beſuchteſten Veranſtaltungen
ge=
hören. Aeltere uns überlieferte Lieder mit
Klavierbegleit=
ung konnten auch nicht ganz die erhoffte Wirkung haben,
weil die Laute, jenes alte Hausinſtrument, die Weiſen
mit den entſprechenden Klängen begleiten muß. Robert
Kothe, der in Geſtalt und Auftreten ſchon den
gebil=
deten „fahrenden Scholaren” gut wiedergibt, hatte am
Samstag abend im Saale „Zur Traube” einen ſehr
hüb=
ſchen Deutſchen Volkslieder= und Balladen=
Abend zur Laute, die er ſelbſt meiſterhaft behandelt,
veranſtaltet. Eine ſorgſam ausgewählte
Vortragsord=
nung mit wertvollen Erläuterungen lag ihm zugrunde.
Daß außer humorvollen Geſängen auch ernſte und
tief=
empfundene Lieder dort ihre Stelle finden mußten, erklärt
ſich daraus, daß der ſangesfrohe, als Gaſt in vornehmen
Häuſern aufgenommene, reiſende Scholar des ſpäteren
Mittelalters — den man mit dem gering geachteten, nur
zum Tanz aufſpielenden Muſikanten nicht auf eine Stufe
ſtellen darf — in kunſtvoll gebundener Form die geſellige
Unterhaltung belebte, um ſpäter immer heiterere Exleb=
niſſe improviſierend zu berichten. Neben den beiden
lieb=
lichen älteren Marienliedern aus Franken und Schleſien
intereſſierte am meiſten wohl der „Schwäbiſche Totentanz
aus dem 17. Jahrhundert” jedenfalls ein Soldatenliedg
durch die eigentümliche Miſchung ernſter und profaner
Ge=
danken und Tonfolgen; eine muſikaliſche Bereicherung
ge=
währt der einfachen Melodie der aus dem „Dies irge‟
entnommene Kehrreim durch die Hereinziehung der
ernſten Molltonart in die ſchlichte Volksweiſe. Recht
in=
tereſſant war ein altes Hannoveraner Soldatenlied aus
den Türkenkriegen, welches ſich im 94. Eiſenacher)
Regi=
ment erhalten hat, ferner ein ſarkaſtiſches Spottlied aus
Franken, ſowie das Altberliner Guckkaſtenlied, denen ſich
als Zugabe das hübſche Aachener Tanzlied („Danz, danz,=
Liſſelche”) anſchloß. Humorvoll wirkten alle plattdeutſchen
Lieder, unter ihnen beſonders das naive Lied vom kleinen
„Peterlele” (d. h. Pisrre=le=le, dem Bisrlälä des bekannten
Studentenliedes), deſſen Name im Niederdeutſchen zur
komiſchen Figur „Burkala” wurde Die (für unſer
Ohr=
nachläſſig klingende) Bildung der Vokale, die ſich mit
Schriftzeichen kaum angeben läßt, und von manchem kaum
nachgeahmt werden kann, gelang vortrefflich. Auch hier
wurde ein Schwäbiſches Tanzlied zugegeben. Kothes
Vortrag zeichnete ſich aus durch große Klarheit und ſchöne,
deutliche Ausſprache, die auch in den niederdeutſchen
Lie=
dern ein Nachleſen kaum nötig macht. Dazu kommt der
Wohlklang ſeiner angenehmen und modulationsfähigen
Stimme, die auch bei Aecenten ſich in den Grenzen ſchöner
Tongebung hält. Der geſchickte Lautenſatz iſt auch ſeine
Arbeit. Seine beſondere Begabung zeigt ſich im
vokal=
reichen niederdeutſchen Liede ein dankbares Objekt zu
finden. Lebhafter Beifall nötigte den Sänger zuletzt noch
zu weiteren Zugaben.
Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 7.
Darmſtadt, 4. November.
Jahresfeſt der Pfadfindergruppe Darmſtadt.
Im Muſikvereinsſaal beging geſtern nachmittag die
Ortsgruppe Darmſtadt des Deutſchen
Pfad=
finderbundes die Feier ihres einjährigen
Be=
ſtehens durch ein geſchickt arrangiertes Jahresfeſt. Der
intime Saal war von Pfadfindern und ihren
Angehöri=
gen, ſowie Freunden der Pfadfinderſache bis auf den
letzten Platz gefüllt. Anſtelle des Abweſenden Feldmeiſters
gab Herr Haubach einen kurzen Bericht über die
Ent=
wickelung und die erſprießliche Tätigkeit der Ortsgruppe im
erſten Jahres ihres Beſtehens gegründet am 31. Oktober
1911 hatte ſie im Laufe des Jahres viele Schwierigkeiten
zu überwinden, die aber durch das unermüdliche Wirken
der Leiter und die Beihilfe der Mitglieder alle beſiegt
werden konnten. Dank der regen Propaganda, die der
Ortsgruppe zuteil wurde, iſt die Mitgliederzahl in der
kurzen Zeitſpanne eines Jahres auf 150 geſtiegen,
ſodaß eine gedeihliche Weiterentwickelung
gewähr=
leiſtet iſt. Zum erſten Male traten in Darmſtadt
die Pfadfinder an die Oeffentlichkeit anläßlich des
deutſchen Feſtes am 15. Dezember 1911 und dann vor
kurzem durch die Teilnahme am Jungdeutſchlandfeſt.
Entſprechend der Tendenz der Pfadfinderſache wurde an
der Weiterbildung der Jugend und an der Erziehung zu
vaterländiſchem Geiſt fleißig gearbeitet. Durch
Wande=
rungen und Spiele wurde der Körper geſtählt und durch
Pflege des Geſanges ein froher, geſunder Sinn in die Herzen
der Jugend gebracht. Für die jüngeren Mitglieder wurde
ein Handfertigkeitsunterricht eingeführt, der rege
Teil=
nahme fand. Nach dem mit großem Intereſſe
entgegen=
genommenen Bericht begann der unterhaltende Teil des
Feſtes, zu dem ſich Damen und Herren aus dem Verein
zur Verfügung geſtellt hatten. Einem Chorgeſang folgte
ein dramatiſches Stück „Der Deſerteur” das von dem
Hauptdarſteller, als Dilettanten, mit imponierender
Sicherheit vorgetragen wurde. Bei den
tief=
empfundenen, mit echtem Gefühl geſprochenen
Dia=
logen konnte man des öfteren vergeſſen, daß nur
Ge=
legenheitsſpieler auf der Szene waren. Der lebhafte
Beifall am Schluſſe war denn auch wohlverdient. Es
folgten nun eine reizende Rezitation und die Szene vom
Rautendelein und Nickelmann aus Gerhard Hauptmanns
„Die verſunkene Glocke‟. Nach einem Muſikſtück und einem
gemeinſamen Lied führten weißgekleidete Mädchen einen
wunderſchönen altdeutſchen Reigen auf, der den lebhafteſten
Beifall fand. Zur Abwechslung gab es nun eine längere
Kaffeepauſe, während der die Gäſte von den Pfadfindern
mit= Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. In dem
zweiten Teil des umfangreichen Programms folgten in
reicher Abwechslung ein Stück von Hans Sachs,
Lieder=
vorträge und ein Reigen, ſodaß den Gäſten die angenehmen
Stunden wie im Fluge vergingen. Jedenfalls können
die Pfadfinder auf ihr erſtes ſelbſtändiges und durchaus
gelungenes Feſt mit Freude zurückblicken, ſpiegelte ſich
doch in der ganzen Veranſtaltung ein friſcher, froher
Sinn, beſeelt von vaterländiſchem Geiſt, wieder, ein
Erfolg des unermüdlichen Wirkens der Leitung.
* Mainz, 3. Nov. Unter Beteiligung von etwa 5000
Perſonen fand heute in der Stadthalle in Anweſenheit
der Spitzen der Behörden die 50jährige Jubelfeier
des Gaues Rheinheſſen der Deutſchen Turnerſchaft
ſtatt. Das Gut Heil auf Kaiſer und Großherzog brachte
Turner Weitzel=Mainz aus. Die Feſtrede hielt
Gauver=
treter Schill=Oſthofen. Es folgten weitere Feſtanſprachen
uud feſtliche Veranſtaltungen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 2. Nov. Unter dem Vorſitz des Profeſſors
Freiherrn v. Soden wurde heute in Anweſenheit von
Vertretern der Kinderhorte im deutſchen Reiche der
„Deutſche Kinderhort=Verband” gegründet
und zu ſeinen Vorſitzenden der ſeit Jahren auf dieſem
Gebiet tätige Heumann=Barmen gewählt. Zur Zeit
be=
ſtehen in 278 Städten 570 Kinderhorts und verwandte
Anſtalten. Der Verband iſt der deutſchen Zentralſtelle
für Jugendfürſorge angegliedert.
* Karlsruhe, 2. Nov. Auf Erſuchen des Stadtrats
an das Miniſterium des Innern, die einzelnen Städten
des Oſtens erteilte Befugnis zur Einfuhr von friſchem
Schweinefleiſch aus Rußland auch für
Karls=
ruhe zu erwirken, da ſolches Fleiſch zu außerordentlich
niedrigem Preiſe zu haben wäre, teilt das Miniſterium
den ablehnenden Beſcheid des Reichsamts des Innern
mit, wonach der preußiſche Miniſter für Landwirtſchaft
dem Wunſche der Stadt das Bedenken entgegenſetzt, daß
die Einfuhr von friſchem Schweinefleiſch aus Rußland
den öſtlichen Städten einen Ausgleich dafür bieten ſoll,
daß für ſie die Einfuhr von Schlachtrindern aus Holland
nicht in Frage komme, und, daß eine Ueberlaſtung des
ruſſiſchen Marktes durch Kaufaufträge eintreten würde,
wenn auch weſtliche Städte die Einfuhrerlaubnis
er=
hielten.
Düſſeldorf, 2. Nov. Auf der Strecke Hausmeer-
Uerdingen der Rheiniſchen Bahngeſellſchaft ereignete ſich
heute nachmittag in einer wenig überſichtlichen Kurve
zwiſchen Stratum und Latum=Lank ein ſchwerer
Zu=
ſammenſtoß zwiſchen einem Sonderzug und
einem Güterzug. Bei dem Zuſammenſtoß
verun=
glückten zwei den Sonderzug führende Aufſichtsbeamte
und ein Paſſagier des Güterzuges ſchwer.
Wien, 2. Nov. Im Etabliſſement Ronacker
ent=
kam ein Bär aus dem Käfig im Keller, drang
in die Küche ein und verletzte die Abwaſchfrau und den
Schankburſchen ſchwer. Schließlich ſchlug ein Dienſtmann
mit einer Keule dem Bären auf den Kopf, worauf das
Tier betäubt in den Keller zurücklief, deſſen Ausgang
von der Polizei bewacht wurde. Im Keller wurde er
dann von 20 Wachleuten durch ungefähr 60 Schüſſe
getötet.
Madrid, 2. Nov. Der Miniſterpräſident erklärte,
daß die ſogenannte Lex Cadenas, betreffend die
reli=
giöſen Geſellſchaften auf ein Jahr zurückgeſtellt
worden ſei.
London, 3. Nov. Wie bis jetzt feſtgeſtellt iſt,
haben bei dem Brande in Kenſingtan vier weibliche
Angeſtellte, die aus den Fenſtern geſprungen waren,
den Tod gefunden.
London, 3. Nov. Heute früh um 2 Uhr entſtand
ein Brand in dem großen Warenmagazin von John
Barker in Kenſington, deſſen man erſt um 7 Uhr Herr
werden konnte. In dem Magazin haben zahlreiche
An=
geſtellte ihre Schlafräume. Nach den bisherigen
Feſt=
ſtellungen ſind drei Perſonen umgekommen; elf wurden
ſchwer verletzt darunter ein Feuerwehrmann.
Moskau, 2. Nov. Das Prinzenpaar Heinrich
mit Gefolge ſind von Spala abgereiſt. Auf dem
Bahn=
hofe war die Großfürſtin Eliſabeth Feodorowna ſowie
Vertreter der Zivil= und Militärbehörden erſchienen.
* Konſtantinopel, 2. Nov. Abdul Hamid der
hier eintraf, iſt, wie gemeldet wird, heute früh an Bord
der „Loreley” durch ein türkiſches Dampfboot nach dem
Palaſte Beylebey übergeführt worden. Mittwoch mittag
holte ihn ein von Oberleutnant Becker kommandiertes
Boot in Saloniki vom Kai ab. Nach Beſteigen des
Bootes ſprach Abdul Hamid ſeinen Dank aus, welchen
er an Bord der „Loreley” dem Kommandanten,
Kapi=
tänleutnant v. Arnim, und dem erſten Offizier,
Ober=
leutnant Roſe, wiederholte. Er ſagte auf Franzöſich:
„Ich danke Seiner Majeſtät ſehr für die Freundſchaft,
die er mir auch in dieſen dunklen Tagen beweiſt.”
Guerrero (Mexiko), 2. Nov. Die Städte Nochiſtlan
und Quechultenango ſind am Donnerstag durch
infolge wolkenbruchartigen Regens eingetretene
Ueber=
ſchwemmungen faſt völlig zerſtört worden. Flüchtlinge
melden, daß ein Viertel der Einwohnerſchaft
umgekom=
men ſei.
— Berlin, 3. Nov. Der wegen Unterſchlagung von
60000 Mark verfolgte Prokuriſt Dickmann von der
Düſſeldorfer Gummi=Induſtrie=Geſellſchaft wurde heute
nacht von zwei Schutzleuten erkannt. Er ſprang, um
ſeiner Verhaftung zu entgehen, zur zweiten Etage eines
Hauſes auf die Straße hinab, wo er lebensgefährlich
verletzt liegen blieb.
— Karlsruhe, 3. Nov. Im Schwarzwald
ver=
urſachte ein heftiger Schneeſturm großen Schaden
an den Telefon= und Telegraphenleitungen. Die
Temperatur ſank auf 5 Grad unter Null. In der
Rhein=
niederung ſind Wieſen und Felder vielfach überſchwemmt.
Der-SKafabend
war wieder außerordentlich gemüklich, wir
e=
haben einen guken Durſt entwickelt und 82
die Luft war zum Schneiden. Daß ich
froßdem keinen rauhen Halshabe, danke ich
den Wyberi=Tabletken, die ich gleich beim
Heimkommen und heuke früh genommen habe. Sie machen den Hals frei
und benehmen auch den üblen Geſchmack im Mund. Die Schachkel koſtet
in allen Apotheken und Drogerien 1 Mark und hält lange vor.
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die Umgebung eines begüterten Ottomanen zu verſetzen.
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ſtraße weiſt in ſtimmungsvoller dekorativer Wirkung die
feinſten Exemplare wirklich echter, teilweiſe alter
Perra=
teppiche, Seidenvorlagen ꝛc. auf; das nächſtfolgende
Schaufenſter zeigt einen orientaliſchen Verkaufsbaſar, in
welchem in überſichtlicher Anordnung alle Erzeugniſſe
antiker und moderner Handarbeiten, wie chineſiſche und
perſiſche Stickereien, Milieusdecken, Vorhänge, Bronzen,
Vaſen und zierliche Korbgeflechte dem Auge prangen.
Zu Weihnachtsgeſchenken bieten die zivilen Preiſe aller
Ausſtellungsartikel eine ſehr günſtige Gelegenheit.
Familiennachrichten.
OSEHHSSSHH0
Die glückliche Geburt eines gesunden
Knaben
zeigen hocherfreut an
(*10905
Stadtsekretär August Decher
u. Frau, geb. Ott.
OSHSHSE-SZh
3h8E80
Todes=Anzeige.
Geſtern früh entſchlief ſanft nach längerem
Leiden unſere gute Mutter, Schwiegermutter
(22882
und Großmutter
Frau
Charlotte Holschuh
geb. Büchler
im 67. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Pfeddersheim und Aachen,
3. November 1912.
Die Beerdigung findet am Dienstag nachmittag
um 3 Uhr, vom Portale des Darmſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Geſtern nacht 3 Uhr verſchied infolge von
Herzſchlag mein lieber, unvergeßlicher Mann,
unſer treuer, herzensguter Vater,
Schwieger=
ſohn, Bruder, Schwager und Onkel (*10898
Restaurateur
Peter Tix
im Alter von 48 Jahren.
Wir bitten um ſtille Teilnahme.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Waldfriede bei Eberſtadt, Engelskirchen,
Darmſtadt, Wetter a. d. R., Brüſſel, Hamm,
2. November 1812.
Die Beerdigung findet Montag, den 4.
No=
vember, nachmittags 1½ Uhr, vom
Trauer=
hauſe aus, ſtatt.
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Sommer, und
Kranke. Winter besucht.
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Prospekte durch Dr. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
Statt beſonderer Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber,
guter Mann, unſer Sohn, Bruder, Schwager
und Onkel
(22883
Herr Ludwig Franz
Kaufmann
heute unerwartet geſtorben iſt.
Dortmund=Darmſtadt, 3. November 1912.
Ardeyſtraße 58.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Michael Franz, Stadtkaſſediener i. P.
Die Beerdigung findet in Dortmund ſtatt.
Statt jeder beſonderen Meldung.
Hierdurch die traurige Mitteilung, daß am
Samstag vormittag 11¼ Uhr meine liebe, gute
Mutter, unſere Großmutter und Tante
Frau Kath. Rapp
Witwe des Großherzoglichen Palais=
Inſpektors Wilhelm Rapp
infolge Herzlähmung im Alter von 82 Jahren
ſanft entſchlafen iſt.
(22881
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Eleonore Haas Witwe, geb. Rapp,
und Kinder.
Darmſtadt, den 2. November 1912.
Die Beerdigung findet am Montag
nachmit=
tag 2½ Uhr, von der Leichenhalle aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem ſchweren Verluſte meines guten Gatten,
unſeres Vaters und Großvaters
(22872
Herrn Jakob Weicker
ſagen wir innigen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 1. November 1912.
8
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. A), Anfang 7½ Uhr:
„Glaube und Heimat”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Lutherfeſtſpiel um 7 Uhr im Saalbau.
Loewe=Balladen=Abend von Karl Götz=Loewe
um 8 Uhr im Hotel „Zur Traube‟.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der „Krone”.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 5. November.
Kiſten= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr im Hofe
der Materialprüfungsanſtalt der Techniſchen Hochſchule.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 1½ Uhr zu
Seeheim (Zuſammenkunft am Geflügelpark Roſenhof).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redattionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Seite 8.
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Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 9.
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wert, wohl stundenweit zu
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unüber-
troffenen Billigkeit ausgiebigsten
Gebrauch zu machen.
Unser November-Verkauf
bildet mit seiner einzigartig
vor-
teilhaften Einkaufsgelegenheit
ein Ereignis, das aus der Reihe
der allgemeinen Angebote
hervor-
ragt. Wir bringen so vollendete
Zusammenstellungen, wie sie nur
an Hand langjähriger Erfah-
— rungen gelingen können.
Unser Novenber-Verkauf
wird diesmal eine Bedeutung
erlangen, wie sie unser
Kauf-
haus trotz der bisherigen
Er-
folge aller unserer
Veranstal-
tungen wohl noch nicht gekannt
hat. Alles, was wir in den letzten
Monaten an Unterpreisposten
er-
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[ ← ][ ][ → ]Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Herbſt kontroſſgerſammtungen im Beſtri des Hanſtmeidenmts 1 Darmſtadt=
Zu den diesjährigen Kontrollverſammlungen haben
zu erſcheinen:
I. In dem Exerzierhaus auf dem ſüdöſtlichen Teile des
Infanterie=Exerzierplatzes zu Darmſtadt.
Montag, den 4. November 1912, vormittags 9 Uhr:
Wehrleute aller Waffen, die in der Zeit vom 1. April bis
30. September 1900 eingetreten ſind, und alle Waffen,
Jahresklaſſe 1905.
Montag, den 4. November 1912, vormittags 10,30 Uhr:
Alle Waffen, Jahresklaſſe 1906.
Dienstag, den 5. November 1912, vormittags 9 Uhr:
Alle Waffen, Jahresklaſſe, 1907.
Dienstag, den 5. November 1912, vormittags 9,45 Uhr:
Alle Waffen, Jahresklaſſe 1908.
Dienstag, den 5. November 1912, vormittags 10,30
Uhr: Alle Waffen, Jahresklaſſe 1909.
Mittwoch, den 6. November 1912, vormittags 9 Uhr:
Infanterie, Jahresklaſſen 1910, 1911 und 1912.
Mittwoch, den 6. November 1912, vormittags 9 Uhr:
Alle Waffen, ausgenommen Infanterie Jahresklaſſen
1910, 1911 und 1912, ſowie ſämtliche Dispoſitionsurlauber.
Mittwoch, den 6. November 1912, vormittags 9,45
Uhr: Sämtliche Offizieraſpiranten und Offizier=
Stellver=
treter der Reſerve, ſowie die der Landwehr I, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten
ſind.
II. Im Hofe der neuen Schule zu Arheilgen:
Montag, den 4. November 1912, nachmittags 4,30
Uhr: Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſe 1905 bis 1912,
Dispoſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der
Zeit vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind,
aus Arheilgen.
III. Im Hofe der Eleonorenſchule zu Eberſtadt:
Dienstag, den 5. November 1912, nachmittags 3 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Eberſtadt, Malchen und Nieder=Berbach.
IV. Im Hofe der neuen Schule zu Griesheim:
Mittwoch, den 6. November 1912, nachmittags 2,30 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Griesheim.
V. Im Gaſthaus „Zur Krone” zu Wixhauſen:
Donnerstag, den 7. November 1912, nachm. 3,15 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Wixhauſen und Gräfenhauſen.
VI. Im Gaſthaus „Zur Ludwigshalle” zu Erzhauſen:
Freitag, den 8. November 1912, nachm. 3,15 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Erzhauſen.
VII. Im Gaſthaus Laumann zu Meſſel:
Samstag, den 9. November 1912, nachm. 4,15 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Meſſel.
VIII. Im Schulhofe zu Nieder=Ramſtadt:
Montag, den 11. November 1912, nachm. 3 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Nieder=Ramſtadt, Traiſa und Waſchenbach.
IX. Im Hofe der neuen Schule zu Ober=Ramſtadt:
Dienstag, den 12. November 1912, nachm. 3,15 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Ober=Ramſtadt.
X. Im Schulhofe zu Pfungſtadt:
Mittwoch, den 13. November 1912, nachm. 3,30 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Pfungſtadt, Hahn, Eich und Eſchollbrücken.
XI. Im Hofe der neuen Schule zu Roßdorf:
Donnerstag, den 14. November 1912, nachm. 4 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912,
Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der Zeit
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Roßdorf.
XII. Im Schulhofe der 4. und 5. Klaſſe zu Weiterſtadt:
Freitag, den 15. November 1912, nachm. 2,10 Uhr:
Sämtliche Reſerviſten, Jahresklaſſen 1905 bis 1912, Dis=
poſitionsurlauber, ſowie die Wehrleute, die in der
Zeit=
vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten ſind, aus
Weiterſtadt, Braunshardt und
Schneppen=
hauſen.
Anmerkung: Die für zeitig feld= und
garniſons=
dienſtunfähig, und die für dauernd garniſonsdienſtfähig
anerkannten Mannſchaften der Reſerve und Landwehr
I. Aufgebots erſcheinen mit den Mannſchaften ihrer
Waffen und Klaſſen.
Auf dem Deckel eines jeden Militärpaſſes iſt die
Jahresklaſſe des Inhabers angegeben. Für die
Mann=
ſchaften des Jahrganges 1905 finden Fußmeſſungen ſtatt.
Dieſe haben mit reinen Füßen und Fußbekleidungen zu
erſcheinen.
Zugleich wird zur Kenntnis gegeben:
1. Beſondere Verordnungen durch ſchriftlichen Befehl
erfolgen nicht mehr. Dieſe öffentliche Aufforderung iſt
der Beorderung gleich zu erachten.
2. Willkürliches Erſcheinen zu einer anderen als der
ihm befohlenen Kontrollverſammlung wird beſtraft. Wer
durch Krankheit am Erſcheinen verhindert iſt, hat ein von
der Ortsbehörde beglaubigtes Geſuch ſeinem Bezirtsſeldt
webel baldigſt einzureichen.
3. Diejenigen Mannſchaften, welche aus perſönlichen
Gründen zu einer anderen als der befohlenen
Kontroll=
verſammlung erſcheinen wollen, haben dies mindeſtens
3 Tage vorher dem Bezirksfeldwebel behufs Einholung
der erforderlichen Genehmigung zu melden.
4. Wer bei der Kontrollverſammlung fehlt, wird mit
Arreſt beſtraft.
5. Es iſt verboten, Schirme und Stöcke auf den
Kon=
trollplatz mitzubringen.
6. Jeder Mann muß ſeine Militärpapiere (Paß und
Führungszeugnis) bei ſich haben.
7. Im Militärpaß muß die, vom 1. April 1912 ab
gültige, rote Kriegsbeorderung oder Paßnotiz eingeklebt
ſein.
Geſuche um Befreiung von der Kontrollverſammlung
ſind, amtlich beglaubigt, nur in dringenden Fällen und
mindeſtens 8 Tage vor der Kontrollverſammlung den
Hauptmeldeamt 1 Darmſtadt einzureichen.
Nachträgliche Entſchuldigung an Ort und Stelle von
Arbeitgebern uſw. können als ſolche nicht gelten und
ſchützen nicht vor der geſetzlichen Strafe.
Lehrer, Polizeibeamte und Angeſtellte der
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bahn können an einem beliebigen Appell teilnehmen.
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Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 11.
Becker, Großh. Gerichtsvollzieher.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird
die Pankratiusſtraße zwiſchen der Müller= und Wenckſtraße vom
1. bis zum 23. Nov. ds. Js. für den Fuhrwerksverkehr geſperrt. (22833
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Holzgelder und Zeitpachtbeträge
ſind, bei Meidung der Beitreibung,
bis zum 20. November ds. Js.
an die Bezirkskaſſe Darmſtadt
(Lindenhofſtraße) zu entrichten.
Darmſtadt, 30. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing. (22869a
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über
das. Vermögen des Kaufmanns
W ’helm Sieberling in
Darm=
ſtadt iſt infolge eines von dem
Gemeinſchuldner gemachten
Vor=
ſchlags zu einem Zwangsvergleiche
Vergleichstermin auf
Donnerstag, 14. Novbr. 1912,
vormittags 11¾ Uhr,
vor dem Großherzoglichen
Amts=
gericht I in Darmſtadt, Zimmer
Nr. 219, anberaumt.
Der Vergleichsvorſchlag iſt auf
der Gerichtsſchreiberei des
Kon=
kursgerichts zur Einſicht der
Be=
teiligten niedergelegt. (22832
Darmſtadt, 31. Oktober 1912.
Der Gerichtsſchreiber des
Großherzogkichen Amtsgerichts I
Bekanntmachung.
Montag, 9. Dezember I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Metzgermeiſter
Philipp Treßer dahier
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nen Immobilien:
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IV 568¾/10 375 Hofreite
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diſtenſtraße,
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Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über
den Nachlaß des Holz=, Kohlen=
und Baumaterialien=Händlers
Philipp Höhl III. zu Griesheim
iſt zur Abnahme der
Schlußrech=
nung des Verwalters, zur Erhebung
von Einwendungen gegen das
Schlußverzeichnis der bei der
Ver=
teilung zu berückſichtigenden
For=
derungen — und zur
Beſchluß=
faſſung der Gläubiger über die
nicht verwertbaren
Vermögens=
ſtücke — der Schlußtermin auf
Mittwoch, 27. November 1912,
vormittags 9 Uhr,
vor dem Großherzoglichen
Amts=
gericht II hierſelbſt, neues
Ge=
richtsgebäude, Erdgeſchoß, be=
(22867
ſtimmt.
Darmſtadt, 27. Oktober 1912.
Merkel,
Gerichtsſchreiber des Großherzogl.
Amtsgerichts II.
Im Konkursverfahren
über das Vermögen des Cark
Nies in Pfungſtadt liegen 676 M.
62 Pfg. in der Maſſe. Die
nicht=
bevorrechtigten Gläubiger, welche
6692 M. 61 Pfg. zu fordern haben,
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Darmſtadt, 4. November 1912.
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Ende November 1912 bis Anfang Januar 1913.
Die Beſitzer von altem, künſtleriſch intereſſantem Spielzeug
(Puppen, Puppenhäuſer, Puppenmöbel uſw.), ſind höflichſt eingeladen
ſich durch Leihgaben an der Puppenausſtellung des Gewerbemuſeums
beteiligen zu wollen. Gefl. Mitteilungen nimmt entgegen
Der Direktor des Gewerbemnſeums und der Bibliothek
der Großh. Zeutralſtelle für die Gewerbe.
22784so)
Odchwaldhlan
Ortsgruppe Darm-
Stadt E. v.
Donnerstag, den 7. Novemb. 1912, abends
8½ Uhr (pünktlich)
mit Lichtbilder=Vor=
Vortrag führungen des Herrn
Kaufmann Paul Kruſe „Freiburg i. B. und
der ſüdliche Schwarzwald” im Gartenſaale
des ſtädt. Saalbaues.
Die Mitglieder und Freunde des Klubs
nebſt Damen ſind hierzu herzlichſt eingeladen.
22799sod)
Der Vorſtand.
Verenturvoger d. Gerdgelzachf
(älterer Verein)
Montag, den 4. November 1912, abends 9 Uhr
im Vereinslokal „Brauerei zur Krone‟
Monats-Verſammlung
NB. Verlosung von einem Stamm Gold-Wayandottes.
Der Vorſtand.
22868)
Musik=veren!
Samstag, 9. November 1912, 8 Uhr pünktlich:
helich Nocnd
(für Aktive und Inaktive)
im Vereinshaus.
Durch Mitglieder eingeführte Gäſte ſind willkommen. Trockenes
Gedeck Mk. 2.—
Anmeldungen bis ſpäteſtens 7. November bei dem
Haus=
meiſter (Steinſtraße 24, Fernſprecher 970) erbeten.
(22835
Karnevalgesellschaft
„arrhalla‟
Sonntag, 10. November 1912, abends 8 Uhr 11 Minuten
Eirer Ferer
zur Eröffnung der Karnevalsaison
(22871
1913
Karnevalistisches Konzert.
Tanz
in sämtlichen Räumen des
Kaisersaal: Fürstensaal
Kapelle Weber
1211 Uhr Begrüßung
des Karnevals
1913
Eintrittspreis
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konzertiert ab 1. November
Salon-Damen-Orchester
Dir.: Kapellm. „iser‟
Stets freier Eintritt.
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für Ladengeſchäfte werden
ange=
fertigt. Offu D 62 Exp. (22570a
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Pfund 10 u. 12 Pfg.
22771so) Pitthan, Carlshof.
Montag, 4. Nov. 1912, 8 Uhr, Saal zur Traube
52. klassischer Loewe-Balladen-Abend von
Karl Gotz-Loewe.
Am Ibach-Flügel: Pianist Hans Hautz-Mannheim.
— Zu Gunsten des Baues eines Festspielhauses in Darmstadt.
(K. Götz ist Mitglied.)
Programm: 1. „Goethe-Loewe‟. Der Du von dem
Himmel bist. Ich denke Dein. Der Erlkönig, op. 1. 2. Chopin:
Hans Hautz: G-moll-Ballade. 3. Lieblingsballade Sr. Majestät:
Kaiser Heinrichs V. Waffenweihe (Schwab). Franz Liszt:
Hans Hautz: A-moll-Etude. Campanella. 5. Lieblingsballade
von Franz Liszt: Der Mutter Geist (altschottisch) von Loewes
Schwägerin, Therese Amalie Luise von Jakob-Taloy, ins
Deutsche übersetzt.
(22632dso
Karten à 3.—, 2.— und 1.— Mk. (für Studierende
Ermässigung) in der Hofmusikalien- und Pianohandlung
G. Thies Nachf., Leopold Schutter, Elisabethenstrasse 12, und
an der Abendkasse.
Eufeane S Uhre
rpheum
Gastspiel
Vera Forstu. Rob. v. Valberg.
Die G’schamige
Ein Dialog zu dem bek.
Bilde
von F. von Reznicek.
Vorher: das brillante
SNE U E-5
I. November-Programm
Ermässigter Vorverkauf wie
be-
kannt! Num. Parkett
ausschliess-
lich bei Hugo de Waal,
Rhein-
strasse 14, sowie an der
Abend-
kasse. Bestellungen auch
telep onisch. (22879
Großherzogl. Hofthearer
Montag, den 4. November 1912.
50. Ab.=Vorſtellung A 13.
Glaube und Heimat.
Die Tragödie eines Volkes (3 Akte)
von Karl Schönherr.
Spielleiter: Hans Baumeiſter.
Perſonen:
Chriſtof Rott . . Hs. Baumeiſter
Rott Peter .
. K. Weſtermann
Der Alt=Rott . . Ludw. Wagner
Die Rottin.
Herta Alſen
Der Spatz, ſ. Sohn Käthe Gothe.
Die Mutter der
. Minna Müller=
Rottin . .
Rudolph
Der Sandperger
zu Leithen . . Guſtav Semler
Die Sandpergerin Sofie Heumann
Der Unteregger . W. Riechmann
Richard Jürgas
. Adolf Jordan
Der Bader . . . Paul Eisner
Der Schuſter . . Paul Peterſen
. Emil Kroczak
Karoiine von Hessen-Darmstadt
die grosse Landgräfin.
Ihr Aufenthalt in Prenzlau 1750 bis 1756.
(16785
Von E.Mentzel.
Mit mehreren Illustrationen. Preis Mk. 2.50.
Zu beziehen in der Expedition des Tagblatts u. durch
alle Buchhandlungen.
Der Englbauer v.
der Au
Ein Reiter des
Kaiſers . . . . Johs. Heinz
Der
Gerichts=
ſchreiber
Der Keſſelflick=
Wolf. . .
Das
Straßen=
trapperl . . . . Elſa von Blanl=
Ein Soldat
. Auguſt Kräger
Ein Trommler Adolf Klotz
Spielt zur Zeit der
Gegenrefor=
mation in den öſterreichiſchen
Al=
penländern.
Geſtaltung des Bühnenbildes:
Hoftheatermaler Kurt Kempin u.
Oberinſpektor Ernſt Schwerdtfeger.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe.
Kleine Preiſe:
Proſzeniumsloge 5.10 M.,
Mittel=
loge 5.10 M., Balkonloge 4.60 M.,
I. Rang 4.10 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.05 M., 7. u. 8. Reihe 1.65 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 3.60 M.,
14.—20. Reihe 3.10 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.25 M., 6.—8. Reihe
1.85 M., I. Galerie 1.05 M., II.
Ga=
lerie 0.55 M.
Anfang 7½ Uhr. — Ende 9½ Uhr.
Kartenvk. v. 9½ —1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Dienstag, 5. Nov. 51. Ab.=Vſt.
D13. „Der Freiſchütz.”
Aenn=
chen . . Frau Margarete Beling=
Schäfer vom Hof= und
National=
theater in Mannheim, a. G. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 6. Nov. 52. Ab.=Vſt.
C 13. „Zar und
Zimmer=
mann.” Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
Donnerstag, 7. Novbr. Außer
Abonnement. I.
Sondervor=
ſtellung. „Wilhelm Tell”
Schauſpiel von Schiller). Zu
dieſer Vorſtellung findet ein
Kar=
tenverkauf nicht ſtatt. Ueber
ſämt=
liche Plätze iſt anderweitig verfügt.
Anfang 8 Uhr.
Die Erhebung der 2. Rate
des Abonnementsgeldes für 1912/13
findet Dienstag, den 5., bis
Don=
nerstag, den 7. November 1912,
nachmittags von 3½ bis 5 Uhr,
tatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im
Hoft heater.
Tag
u.
Nacht
geöffnet.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 19.
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Große Umwälzungen
und Kulturfortſchritte ſind ſchon
aus kleinen Beobachtungen
er=
ſwachſen. Auch die wichtigſten
Fingerzeige für Geſundheit und
Wohlergehen kann jeder
Ein=
zelne ſelbſt aus kleinen
Wahr=
nehmungen am eigenen Körper
gewinnen. Man beachte
bei=
ſpielsweiſe einmal, in wie
über=
raſchendem Maße das Bedürfnis
nach teurer Fleiſchkoſt ſich mindert,
wenn man ſtatt des
herkömm=
lichen, vielfach nur aus
Schlen=
drian beibehaltenen Kaffees
den ungemein eiweißreichen!
Meine Schaufenster sind sehenswert. Sie zeigen
stets die neuesten Erzeugnisse der Mode zu sehr
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Kakao morgens und nachmittags
zu ſich nimmt! Man wird dann
(an das Wort erinnert: Kaffee
zehrt, Kakao nährt. Kaffee ſcheint
wie andere ſtarke Reizmittel den
Eiweiß=, alſo Fleiſchhunger
auf=
zuſtacheln. Reichardt=Kakao übt!
eine ſo koſtſpielige Nebenwirkung
nicht aus, hilft vielmehr das
vor=
ſhandene natürliche
Eiweißbe=
dürfnis decken. Einer
wirt=
ſchaftlichen Hausfrau wird
ſo=
fmit klar ſein, wie ſehr die
Ge=
ſamtkoſten des Haushalts durch
das Morgen= und
Vesper=
getränk beeinflußt werden
kön-
nen. Erhältlich iſt Reichardt-
Kakao zu Fabrikpreiſen in
Darmstadt: Ludwigsplatz 6
Fernſprecher 1627. (228530
Mannchen.
Roman aus Maſuren von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
4)
Sollenſtern war bald mobil, er ſtampfte, auf ſeinen
Stock geſtützt, von einem Zimmer durchs andere, prüfte
die Etiketten der Weinflaſchen und ſchmunzelte.
Mann=
chen hatte gebührende Rückſicht auf den Geſchmack ſeines
alten Onkels genommen.
Das wurde ein Abend! Sollenſtern riß Witze über
Witze, die Leutnants hielten ſich den Leib vor Lachen.
Kinderchen, das iſt wieder ein Tag, der mir altem
Manne gefällt!
Mit einem Zuge leerte er ſein Glas.
Einige weniger trunkfeſte Kameraden ſchliefen bald
den Schlaf des Gerechten, Plattangen war auch ſchon
ziemlich fertig — Roßdorff, der mäßig getrunken, behielt
den klarſten Kopf. Er war der einzige, der dem alten
Sollenſtern noch die Stange halten konnte. Der wollte
durchaus noch zum Sekt übergehen.
Aber Roßdorff lehnte ab. Ich danke, hab” jetzt
genug.
Menſch, ſeien Sie kein Froſch!
Roßdorff ſchielte nach Plattanggn, er druſelte eben
auf ſeinem Lederſeſſel ſanft ins Reich der Träume.
Sollenſtern fing an laut zu werden, er ſprach von
ſeinem getreuen Hektor, den er ins Jenſeits hatte be=
fördern müſſen, die Tränen kollerten ihm die dicken
roten Backen herunter.
Ja, ’s iſt zum Heulen, Roßdorffchen, das gute Tier
hat mich angeſehen, wie der Sterbende den Doktor, als ich
die Flinte hob. Meine Lichter wurden richtig trübe,
dreimal hab ich abſetzen müſſen — dreimal! Aber dann
ſaß die Kugel. Hektorchen ſchnappte noch einmal, und
dann war die Reiſe durch dieſes Jammertal für ihn zu
Ende!
Und nun bekam Onkelchen das heulende Elend.
Roßdorff ſaß ihm gegenüber, zog bedächtig an ſeiner
Zigarre und ſagte kein Wort. Mit Donnergepolter rollte
im Nebenzimmer einer vom Sofa.
Gottchen ja, man hat ſeine Sorgen, ſtöhnte
Sollen=
ſtern und wiſchte ſich die Tränen aus den Augen.
Die hat Ihr Neffe auch, erwiderte Roßdorff, der die
Stunde für paſſend hielt, Onkelchen klaren Wein über
Plattangen einzuſchencken.
Mannchen — Sorgen?
Er iſt verliebt, Herr von Sollenſtern!
Der blickte Roßdorff ganz verdutzt an. Verliebt?
Neechen doch, — machen Sie keine ſchlechten Witze!
Und das Schlimme iſt, der gute Junge wird ſich
einen Korb holen!
Dafür wird er noch ſpäter Gott einmal danken.
Ich hab mich als Junggeſelle ſehr ſchön durch die Welt
gefunden!
Im großen und ganzen iſt es doch der Welt Lauf,
daß ein Mann heiratet.
Na, hören Sie, das ſtimmt nicht! Das tun bloß
Leutchen, die abſolut nicht ohne Sorgen leben können!
Roßdorff blieb ganz ruhig, er kannte den
einge=
fleiſchten Junggeſellen. Plattangen hatte ihm einmal
erzählt, daß Onkelchen auch ſeine Affäre hinter ſich hatte und
ſich erſt nachher in ſeine jetzigen Anſchauungen
ver=
biſſen habe.
Jedenfalls iſt es Tatſache: unſer Mannchen liebt.
So heftig, daß er ſeinen Rennſtall verkaufen und den
Abſchied nehmen will.
Da verſuchte Sollenſtern zu pfeifen, es wollte ihm aber
nicht recht gelingen. Mit zitternder Hand ſchenkte er ſich
ein Glas ein aus der erſten beſten Flaſche, die er
er=
wiſchte, und leerte es in einem Zuge. Dann rieb er ſich
mit der flachen Hand ſeine große Glatze.
Wär’ ſchön, Mannchen käm’ nach Hauſe! Wird elend
langweilig in unſerer maſuriſchen Ecke. Meine
Jngend=
freunde ſind mehr oder weniger niedergebrochen, ſoweit
ſie unſer Herrgott überhaupt noch auf der Erde rum
laufen läßt.
Ich ſage Ihnen das nur, Herr von Sollenſtern,
da=
mit Sie Plattangen ein wenig aufmöbeln. Der gutt
Junge iſt nahe daran, ſchwermütig zu werden.!
Teufel noch mal — alſo richtig krank?
Jawohl, richtig krank!
Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 14.
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reizbar, ſchwach und hinfällia ſind,
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ſprudel Starkquelle trinken. Eine
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Min deit Anaet wit ic ritwdien hentent
Knien Sie nur Mannchen feſt aufs Leder!
Einer der Offiziere ermunterte ſich und ſchüttelte
Plat=
kangen. Mannchen, laß den Leichenwagen anſpannen!
Es wird Zeit, daß wir unſeren Burſchen zur Nachtruhe
übergeben werden!
Plattangen brummte der Schädel mörderiſch, der
Zi=
garren= und Zigarettenrauch, der Weindunſt hatte ſich
allen ſchwer auf den Kopf gelegt. Als letzter
verabſchie=
dete ſich Roßdorff.
Mannchen riß die Fenſter auf, die kalte Nachtluft
ſtrömte erfriſchend ins Zimmer.
Onkelchen, nun wird’s auch für uns Zeit, ſchlafen zu
gehen!
Häng’ den Schädel noch ein bißchen zum Fenſter
hinaus und iß nen Apfel! Das macht Kopf und Magen
klar.
Plattangen lächelte. So toll geht’s bei uns nur zu,
wenn Du kommſt. Sonſt ſind wir ſehr ſolide Hühner.
Wer’s glaubt, Mannchen!
Haſt Du Grund zu zweifeln?
Ganz ſicher! Warum läßt Du denn in Plattangen in
der letzten Zeit ſo viel abholzen?
Weil die Preiſe jetzt gut ſind.
Und das Geld legſt Du auf die hohe Kante?
Da wurde Mannchen ärgerlich. Na, irgend wohin
wird’s ſchon wandern!
Du, der alte Agrameit
Oneihen, ich bire Dih, nach nir ſeit meinenf
Brummſchädel nicht noch ſchwerer!
Nu nee! Aber nach Hauſe ſollteſt Du kommen!
Werd’ ich — wenn der Birkhahn balzt.
Auf immer?
Höchſt wahrſcheinlich.
Mannchen, das wäre bei Gott das Allekvernünftigſte!
Haſt ja lange genug gedient. Ich hab’ nach drei Jahren
den Königsberger Koller ausgezogen und den Pallaſch
an die Wand gehängt.
Plattangen ſpielte mit ſeinem Briefbeſchwerer.
Ritt=
meiſter wär’ ich gern noch geworden!
Der Agrameit wird alt. Es wird Zeit, daß Du in
Plattangen das Heft in die Hände bekommſt.
Haſt recht, Onkelchen. Nun aber wollen wir ſchlafen
gehen, morgen iſt auch noch ein Tag!
Denn gute Nacht, mein Junge! Morgen fahren wir
nach Berlin!
Die Herbſtnebel wogten über Maſurenland, ballten
ſich über den Seen zuſammen, kletterten die
dichtbewal=
deten Hänge hinauf, durchzogen die weiten Wälder und
naſſen Wieſen. Die Sonne machte vergebliche
Anſtreng=
ungen, ſie zu zerteilen, nur feſter wurden ſie auf Land
und See gedrückt. Ein kalter Wind kam ſtoßweiſe aus
Oſten über die ruſſiſche Grenze und warf die grauen
Ne=
belſchleier weiter und weiter nach Weſten. Ein paar
Krähen flogen krächzend auf, ein morſcher Aſt knackte vom
Baume, ſonſt lag Totenſtille über dem Lande.
Somiegneger wuers
Ein Mann in hohen Stiefeln und dicker Lodenjoppe,
über die der lange weiße Bart herabfiel, einen dicken
Stock mit Hirſchhorngriff in der breiten, riſſigen
Arbeits=
hand, ging durch die Wälder — Johann Agrameit.
Langſam ſtieg er eine Anhöhe hinauf, der kalte Wind
warf ſeinen langen Bart zur Seite, mit ernſtem Geſicht
blickte er vor ſich hin hin. Dann und wann konnte er
hundert Meter weit ſehen, wenn die Nebelſchleier zerriſſen,
da ſtarrte ihn die Waldblöße an mit vielen gelblich=
wei=
ßen Augen. Die Stümpfe von Baumſtämmen waren es,
deren Wipfel noch voriges Jahr ſtolz im Sturme gerauſcht.
Hier und da ſtand noch ein Haufen Klafterholz, in den
mit braunſchwarzen Buchſtaben eingebrannt war:
Herr=
ſchaft Plattangen. Der alte Mann runzelte die Stirn.
Seit fünfzig Jahren hatte er den Wald gehegt und
ge=
pflegt, unter ihm war er zum ſtolzen Rieſen geworden,
und als der Befehl kam: Laſſen Sie fünfzig Morgen am
Spirdingſee abholzen, da hatte ihm das Herz geblutet. Er
war hinübergefahren nach Klotzowen zu Herrn von
Sol=
lenſtern und hatte gefragt, ob er den Befehl wahrhaftig
ausführen ſollte, der gnädige Herr Baron möchte doch
erſt noch einmal an den Herrn Oberleutnant ſelbſt
ſchrei=
ben. Sollenſtern hatte ihn ausgelacht und geſagt:
Agra=
meit, da wird Geld gebraucht, und ein anſtändiger Kerl
bezahlt ſeine Schulden!
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 260.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
Seite 15.
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[ ← ][ ]Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. November 1912.
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Vom Kriegsſchauplatz.
Von Heiner Bennelbächer.
II.
Köprüſü, am 25. Okt. 1912.
Poſten, Zelte, Werdarufer,
Luſt’ge Nacht am Donauufer.
So ungefähr hadd ich mer’s vorgeſtellt, wie ich uf
Belgrad los maſchiert bin. Owa erſtens kimmts
gewehn=
lich annerſt, zweitens wie ma denkt. — Des Ooſezeig
hadd nemlich immerall die Makierunge ausgekratzt un
die Wääkweiſa erum gedreht un do hob ich mich
nadier=
lich vun vornerein ſchun geheerig valaafe. Un wie ich
dann ſo zwiſche Nacht und Beſemſtiel glicklich uf de
rich=
dige Wääk kumme bin, hadd ich mer en Wolf gelaafe
un ’s hot anfange zu räjene un hot geſchidd wie mit
Kiwwel. Mei Hut is meer vawaacht un mei Peif is mer
ausgange un ich war froh, wie ich bis uf die Haut naß
geweſe bin, dann do wor ich ſicher, weida geht’s net un
näſſa kann ich net mehr wern. Aus de Scheografie konnt
ich mich noch als klaana Bub erinnern, daß unſa olda
Schullehrer Feierhooke als geſogt hot, bei Belgrad do
dhet die Sau in die Donau falle, owa ’s wor ſo dunkel
wie in ere Kuh un do hob ich vun dem indreſſante
Schau=
ſpiel aach nix zu ſehe kriekt. Endlich hob ich dann ſo
e klaa Werdshäusje enddeckt, owa wie ich enei kumme
bin, do hob ich for mich gedenkt: Es war ein Mann, der
ful unda die Raiwa! Soe Geſellſchaft hot do beiſamme
geſeſſe! — No, clest la guerre, ich hob aach nit grod
ſalon=
fähig ausgeſehe un hob mich dezu geſetzt un mer wos
zu eſſe un zu drinke beſtellt. De Werd, ſoe olda dicka
Babbſack, bringt mer mei Sach un guckt mich emol an un
dann klobbt er mer uf die Achſel un ſeegt: „Sie ſcheine
net vun hier zu ſein, Herr Nochber?” „Wen geht dann
des noch mehr nix an?” ſog ich. „No, nix for ungut, ich
maan blos nor, weil mer doch ewe e bisje Krieg howe
dhete un weil’s do als hie un do blackeweis for Fremde
ungemiedlich wern kennt. Dann Sie miſſe wiſſe, wann
gana nooch zehe Owends uf de Strooß gedabbt werd, do
muß er mit un muß die Nocht iwwa in de
Kammiß=
bäckerei helfe. Desweje maan ich, ’s wär gut, wann Se
ſich beizeit dinn mache dhede, dann ich muß ſo wie ſo
glei die Bud zumache. ’s es jo aach net weit vun do an
de Bahnhof.” —
Weil ich nu auße meine ſchebbe Baan owa aach net
die geringſte Anlage zum Bäcker beſitze dhu, hob ich mich
bei meine dicke Werd heflichſt for ſein gude Rood bedankt,
hob mei Zech berabbt un bin an de Bahnhof gange. Do
wor e ſcheena Druwel! ’s hadd ufgeheert zu räjene un de
Mond hote Fratz geſchnitte, als wann er e Zidron im
Maul hedd un die Menſchheid is dorchenanner gelaafe
un hot gekriſche un geſunge, un gedanzt un gedobt, daß
es aane ganz dormelich worn is. ’s worn Extrablädda
angebabbt, die Derke hedde ferchderlich Makkes kriekt un
ihr Generalfeldmarſchall, de Abdul Haamzu, wär gefange
un de Suldan wollt abdanke un de Dibbelshof kaafe! —
No, ich hob mit Ach un Krach mei Fahrkadd kriekt, der
Mann am Schalter hot mer glickliche Reiſ’ gewunſche un
ich hob grod noch de Nachtſchnellzug nach Sofig erwiſcht.
In aller Herrgottsfrieh ſin mer nooch Sofia kumme
es wor beinoh noch dunkel. Ufem Bahnhof is es drunna
un driwwa gange, do ſin Drubbe angerickt, dort howe
ſchun zwa lange Zieg voll zum Abfahrn barat geſtanne,
Abdeilung Ardollerie is angerumbelt kumme, die Muſik
hot geſpielt un die Landſe hawe geſunge, korz, e Läwe
wie im Summa! Ich bin in de Waddſaal enei, do wor’s
voll wie inere Worſchdhaud mit Offiziern un Milledeer
Gefrorn hot’s mich, wie en naſſe Aff, un wie ich mer am
Biffeee Taß Kaffee gewwe loß, do ſeegt e Saldod:
„Ui, do leit joe Wanz in Ihne Ihre Milch! Werd ma
„Gewiß, wann ſe net
ſe dann jetz noch brauche kenne?
erſoffe is”, hob ich geſagt un hob mein Kaffee ſchwazz
gedrunke.
Uf aamol ſeegt Jemand newwa mer: „Gemorje, Herr
Bennelbächer, no, wolle Se uns aach emol beſuche? Sunſt
geht’s Ihne doch noch, oja?” Ich guck mich ganz erſtaunt
um un do war des der lang Owerſt Slibowicz vum
297. bulgariſche Infanterie=Rejemend, den wo ich de
vorige Summa in Münche kenne gelernt hadd. „No, des
freit mich owa, Herr Owerſt, daß ich Ihne geſund un
munda in Ihne Ihrm Handwerk begrieße derf. Des hädde
mer uns domols im Hofbräu gach net dreime laſſe!‟ Ich
hob em korz ausenanner geſetzt, wos mei Gejewadd hier
bezweckt un do freegt er mich: „Wolle Se mit uns
fahrn? In zehe Minude geht mei Zug mit 2500 Mann
nooch Köprüſü ab un in ere knabbe Stund ſin mer dort.”
Er hot mich noch ſchnell ſeine Adjudande und e poor
annern Offeziern vorgeſtellt, un dann, heidi, is es fort
gange in die Derkei. —
Wie mer ausgeſtieje ſin, freegt er mich: „Hawe Se
ſchun gefriehſtickt?” „Naa”, hob ich geſagt, „owa ’s wär
mer net unangenehm, wann ich bald dezu kumme dhet.”
„No, do gehn Se nor mit uns, mir wolle blos erſt noch
ſo en klaane Morjendſpaziergang mache.” Mir ſin enaus,
erſt dorch’s Feld, dann dorch de Walld, immer höher enuf,
un die Gäjend war ſo ſchee un die Sunn hot’s ſo gut
gemaant, daß ma gornet an de Krieg gedenkt hot un
glaawe konnt, ma dhed ſoe ſchee Odewaldwanderung
mache, ſo ungefähr um de Katzebuckel erum. Uf amol hob
ich owa als hie un do en Poſte geſehe, dort driwe uf dere
Lichdung hot Infanderie gelagert, aach e poor
Maſchine=
gewehrn hadde ſo dabei, do hinne, e bisje höher enuf hadd
ſich Ardollerie eingeniſt’, uf ere Waldwies wor en Drubb
Gawallerie, owa alles hot ſich maisjeſtill vahalde. Mhm,
hob ich gedenkt, wie ich geſehe hob, daß do ganz
bedei=
dende Drubbe zammenkonzendriert wern, do ſcheint ſich
jo en Hauptſchlag vorzubereide. Jetz is e Ordenanz
geridde kumme un hot dem Owerſt wos gemeldt. Er hot
nor mit’m Kobb genickt, die Ordenanz is wida fort un
valleicht nooch fünf Minude is e Korberaal mit 20 oda
25 Mann Infanterie zu uns geſtoße un noch 5 oder 6
Mann howe e Maſchinengewehr gezoge. „n Morjen,
Leute!” ſeegt de Owerſt un ſchmunzelt un die Leid worn
kreizfidel. Jetz ſin mer ume Ecke erum un wida in’s
Freie kumme, do worn Wingert un Aecka bis eruf an de
Wald un net weit vun uns hot ſoe klaa Haisje
ge=
ſtanne. Do howe mer Halt gemacht un unſa Friehſtick
ausgewickelt. ’s wor ſoe Art Wingertshaisje, mite
poor ſcheene Nußbaimen drum erum un mit ere
pracht=
volle Ausſicht. Vor uns is es ziemlich ſteil dief unng
gange un drunne im Dal hot ſich die Schoſſeeh enaus
geſchlengelt un driwe an de Höh enuf. Uf de annere
Seit, ſo uf de halwe Höh, war e Wäldche, un wie ich
mit meim Feldſtecher emol eniwa guck, ſeh ich, daß es
do net ganz ſauwa drin is. Wie mer ferdig
gefrieh=
ſtickt hadde, is die Feldflaſch noch emol erum gange un
dann ſeegt de Owerſt: „So un jetz wolle mer emol
viſi=
diern, wo de Derk eigentlich ſtecke dhut.‟ Er winkt mit
de Hand un . . . . rrrrrrrtt, macht des Maſchinegewehr,
un tat, tat — tat — tat tat tat — knalle e poor Landſe
hinne nooch. Do is owa uf amol driwe de Deiwel los
geweſe un ’s hot geſchnorrt un geknallt an alle Ecke un
Ende. Iwa uns in de Nußbaim hot’s gerabbelt un die
Aeſt ſin uns nor ſo uf die Kebb gepraſſelt. „Aha, do
ſeid ihr dehaam, un zu hoch ſchieße dhut ihr ach” ſeegt
de Owerſt, do geht’s driwe los: Bumbum, — bum, un
hoſte net geſehe, uiitiiiii, — baafdich, — ſchrumm! geht
des Dach vun unſam Haisje zum Deiwel un en halwe
Nußbaam geht mit em. „No, no, no, ſo hawe mer net
gewett’ halb ſo grob dheed’s aach”, ſeegt de Owerſt, „owa
jetz waaß ich wenigſtens, daß ſe do driwe aach Ardollerie
debei hawe. — Macht eich fort, Kinna, do fengt’s ewe
an, ungemiedlich zu wern un ’s dauert kaa Verdelſtund
mehr, do fange die do driwe an zu ſiege. Un Sie, Herr
Bennelbächer, ſin Se ſo gut und laafe Se mer gefelligſt
net alsfort ſo in de Schußlinie erum! Bei dere Knallerei
kennt Ihne wos baſſiern un dann derfte mir Ihne for
gut bezahle.‟ — Mir hawe uns uf unſa Deckung
zurück=
gezoge un konnte grod noch ſehe, wie ’s drunne uf de
Schoſſeeh anfange hot zu wimmele von lauda Derke. Wie
die Katze ſin ſe eruf gekrawwelt un wie ’s Gewidda hadde
ſe des Haisje geſtermt un drei Worſchdbabbiern un e leer
Feldflaſch erowert. — Sie howe dere Geſchicht owa doch
net ſo recht getraut, denn ſie ſin bald wida abgezoge.
Owa am nechſte Morgend hadde ſe en große Sieg iwa
85000 Bulgarn in ihre Zeidunge. —
Wie mer wida bei unſere Drubbe warn, hawe mer
in de Fern Kanonedunna geheert. „Aha” hott der Owerſt
geſagt, „alleweil ſcheint do unne bei Kirk=Kiliſſe de Danz
los zu gehn. No, do wern mir aach noche Werdche
mitredde!” Jetz ſind noch vaſchiedene höhere Offiziern
zu uns kumme un de Owerſt hot mich eingelade, ich ſollt
an ſo me klaane Kriegsrood deilnemme, den wo ſe jetz
halde wollte. „Ihne Ihre ſchätzbare milledeeriſche
Kennt=
niſſe wern uns ſehr vun Wert ſein un Ihne machts
weida kaa groß Mieh, dann Sie brauche kaa Wort mit
zu ſchwätze”, ſeegt de Owerſt zu mer. Un dodemit ſin
mer ins Zelt enei gange un de Kriegsrood hot angefange.
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