Darmstädter Tagblatt 1912


02. November 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 40 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der neue Botſchafter in London, Fürſt von
Lichnowsky, verſchob ſeine Abreiſe um eine Woche.
Bei Bebra ſtießen geſtern früh zwei Güterzüge
zuſammen; gegen 30 Wagen entgleiſten. Der
Materialſchaden iſt erheblich.
Der italieniſche Miniſter des Aeußern
trifft am 3. November in Berlin ein.
Die unter dem Befehl Nazim Paſchas ſtehenden Türken
wurden bei Lüle=Burgas von den Bulgaren ge=
ſchlagen
und zogen ſich nach Tſchorlu zurück.
Bei Alicante iſt ein Automobil ins Meer geſtürzt;
neun Perſonen ſind ertrunken.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Politiſche Wochenſchau.

Der Balkankrieg nimmt ſeinen Fortgang
und wird wohl kaum ſo ſchnell beendigt ſein, wie manche
Zeitungsmeldung glauben machen will. Ein klares Bild
über die Kriegslage wird mit jedem Tag ſchwieriger,
weil die einlaufenden Meldungen immer widerſprechender
lauten. Offenbar mit Abſicht wird der Stand der Armeen
von den offiziellen Stellen heute ſo, morgen ſo angegeben,
um den Gegner auf falſche Fährte zu locken. Bisher
hatte man angenommen, daß die türtiſche Armee mit
ihren Hauptſtreitkräften ſüdlich des Ergene=Fluſſes ſtände.
Nach neueren Mitteilungen trifft dieſe Annahme nicht
mehr zu, ſie ſteht vielmehr weiter öſtlich und zwar in der
allgemeinen Linie Lüle=Burgas und Bunar=Hiſſar, mit
der Front nach Nordweſten. Dieſe Stellung iſt ſehr viel
günſtiger als die frühere, weil ſie nicht das Meer im Rül=
ken
hat, ſondern unmittelbar vor Konſtantinopel liegt. Im
Falle eines Mißerfolges ſteht ihr alſo der Rückzug dort=
hin
ofſen und ſie iſt nicht der Gefahr ausgeſetzt, in das
Meer geworfen zu werden. Auch deckt ſie auf dieſe Weiſe
Konſtantinopel beſſer und kann die dorthin führende
Bahnlinie ausnützen. Auch die beiden Flanten ſind veſſer
angelehnt und gegen Umgehungsverſuche geſichert. Glaub=
würdige
Berichte über den Ausgang der Entſcheidungs=
ſchlacht
bei Lüle=Burgas liegen noch nicht vor, private
Meldungemn aus Sofia dagegen behaupten, daß die bul=
gariſche
Armee nach zweitägigem erbitterten Kampfe
einen vollſtändigen Sieg über die türkiſchen Hauptſtreit=
kräfte
erfochten und daß letztere ſich in größter Unordnung
zurückgezogen hätten. Lüle=Burgas ſei von den Bulgaren
bereits eingenommen, die bis Muratli vorgerückt ſeien,
von wo aus ihre Kavallerie=Patrouillen bis ans Mar=
mara
=Meer gelangt ſind. Die Türken dagegen wollen die
Bulgaren verſchiedentlich mit großen Verluſten zurückge=
ſchlagen
haben. Wenn auch nach den bisherigen Erfah=
rungen
die türkiſchen Berichte ſich ſtets als falſch erwie=
ſen
haben, ſo wird man doch gut daran tun, zunächſt die
amtlichen bulgariſchen Depeſchen abzuwarten. Auf dem
weſtlichen Kriegsſchauplatz in Mazedonien haben die Ser=
ben
bei Kumanowo einen viel größeren und entſcheiden=
deren
Erfolg erzielt als man bisher angenommen hatte.
Dementſprechend ſind auch die Verluſte auf beiden Seiten
ſehr groß. Die Türken ſollen ihre ganze Artillerie ver=
loren
haben Skutari hält ſich noch immer, trotzdem es
von allen Seiten eingeſchloſſen iſt und die Beſchießung
des Taraboſchberges fortgeſetzt wird. Im Sandſchak haben
ſich ſerbiſche und montenegriniſche Truppen vereinigt,
ſo daß dieſes Gebiet vollſtändig von ihnen beſetzt iſt.
Die Griechen ſind ſowohl in Mazedonien wie im Epirus
im ſiegreichen Vorſchreiten. Ihre Spitzen haben Veria
verreicht, einen Ort, der in derſelben Höhe wie Saloniki,
etwa 70 Kilometer weſtlich davon liegt. Von allen Sei=
ten
dringen die verſchiedenen Kolonnen der Bulgaren,
Serben und Griechen in der Richtung auf Monaſtir vor,
wo ſie bald zuſammentreffen werden. Während alſo
auf der ganzen Linie die Kämpfe unverändert fortdauern,
verhandeln die Diplomaten in den europäiſchen Hauvt=
ſtädten
weiter über die Folgen des Krieges für die betei=
ligten
und unbeteiligten Staaten. Vor dem Balkankriege
und noch in ſeinen erſten Tagen ſchwuren ſie auf die Auf=
rechterhaltung
des Status quo. Nach den raſchen Er=
folgen
der Verbündeten iſt dieſer Gedanke, wie es ſcheint,
aufgegeben. In Oeſterreich hat das Blatt des Thron=
folgers
das Ziel in die treffenden Worte zuſammenge=
faßt
daß die Doppelmonarchie ſich mit der Macht einigen
müſſe der die Zukunft gehöre. Das iſt natürlich nicht
die Türkei, ſondern der Balkanvierbund. In welcher
Weiſe die Aufteilung erfolgen ſoll, das iſt natürlich den
Diplomaten noch ſehr unklar. Soviel ſteht jedenfalls feſt,
daß die Türkei, wenn ſie nicht noch unerwartete große
Erfolge erzielt, ordentlich bluten muß.
Es liegt auf der Hand, daß der Krieg die geſamte
Politik beherrſcht und daß eine Rückwirkung auf die ein=
zelnen
Länder nicht ausbleiben kann, ſei es auf wirtſchaft=
lichem
wie auf volitiſchem Gebiete In wirtſchaftlicher
Hinſicht iſt das allerdings augenblicklich noch in geringem
Maße wahrzunehmen, die ſchweren Nachteile werden ſich

erſt in der Folge bemerkbar machen Es iſt nicht ohne
Intereſſe, daß im preußiſchen Abgeordneten=
hauſe
bei der Beratung des Sparkaſſengeſetzes der
Finanzminiſter Lentze auf die Kriegswirren an=
ſpielte
, und auf die Bedeutung der Sparkaſſen in dieſer
Zeit aufmerkſam machte. Dieſer Hinweis hat recht großes
Aufſehen erregt, mehr als es ſonſt bei Erklärungen der Fall
iſt, die an dieſer Stelle abgegeben werden. Es iſt wohl
auch nicht von ungefähr, daß die Fleiſchnotinterpellation
einen ſo ruhigen und ſachlichen Verlauf nahm. Auch hier
fehlte es nicht an Hinweis auf die kritiſche Situation
und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß man
auf der Linken weniger ſcharf vorging, weil man im Aus=
lande
keinen ſchlechten Eindruck über die Stellung des
deutſchen Volkes hervorrrufen wollte. Eine Uneinigkeit
Deutſchlands in ſolcher Zeit wäre unſeren lieben Freun=
den
ſehr erwünſcht geweſen, ſo aber kann es im Aus=
lande
nicht ohne Wirkung bleiben, wenn man dort ſehen
muß, daß man unter Umſtänden Zwiſtigkeiten vergeſſen
kann, wenn es ſich darum handelt, Intereſſen der Regie=
rung
zu wahren. Zudem hatte es Herr von Bethmann
Holweg in ſeinen Darlegungen recht geſchickt verſtanden,
der Oppoſition den Wind aus den Segeln zu nehmen und
Maßnahmen vorzuſchlagen, die auf allen Seiten des Hau=
ſes
mit Sympathie begrüßt wurden. Die Ankündigung
von einer verſtärkten Förderung der inneren Koloniſation
kann nur ein freudiges Echo wecken und ſie dürfte ſich als
eine Maßnahme erweiſen die dem preußiſchen Lande für
immer von Nutzen und Segen ſein wird.
Auch der Beſuch, den in der nächſten Woche der.
italieniſche Miniſter des Aeußern San Giuliano in
Berlin abſtatten will, dürfte den Gang der Dinge auf
dem Balkan nicht unweſentlich beeinfluſſen. Aeußerlich ſtellt
ſich dieſe Viſite zwar als ein Gegenbeſuch dar, in Würklich=
keit
hat man aber doch ſehr wichtige Dinge bei dieſer Ge=
legenheit
zu behandeln und zwar bringt die Begegnung
zweifellos eine Fortſetzung der Beſprechungen, die Graf
Berchtold mit ſeinem italieniſchen Kollegen kürzlich ge=
habt
hat, inſonderheit hinſichtlich der Maßnahmen zur
Erneuerung des Dreibundes, die zweifellos erfolgen wird.
Wie hoch Italien die Vorteile einſchäpt, die ihm aus dem
Dreibunde erwachſen, beweiſt, daß es trotz aller Lockun=
gen
von anderer Seite an dem Bündnis feſthalten will, ſo=
wie
der Wunſch, daß auch die neuen Beſitzungen in Libyen
in den Geltungsbereich der Dreibundbeſtimmungen hin=
eingezogen
würden.
Ein Echo finden die Kriegswirren in der mit großer
Spannung erwarteten Bankettrede des franzöſiſchen Mi=
niſterpräſidenten
Poincaré. Dieſer betonte noch ein=
mal
die Bemühungen der Mächte, den Krieg auf ſeinen
Herd zu beſchränken, um dann aber vor allem ein hohes
Lied von der Trivle=Entente zu ſingen. Er hatte dies
umſomehr notwendig, als es ein offenes Geheimnis iſt.
daß man gerade wegen der Balkanangelegenheit nicht
ganz übereinſtimmte, indem der eine oder der andere
eigene Wege zu gehen ſuchte, namentlich England. Dieſe
Divergenzen blicken auch deutlich aus den Ausführungen
des Premierminiſters hindurch, aber er will doch vor
aller Welt konſtatieren, daß trotz allem die Ententemächte
feſt zuſammenhalten. Bezeichnend iſt. daß Herr Poincare
dieſe Unterſtreichung als ſehr notwendig gehalten hat und
dies ſcheint gerade kein Beweis für die unerſchütterte
Feſtigkeit dieſer Mächtekonſtellation zu ſein.

Zum Beſuche San Giulianos in Berlin

ſchreibt der römiſche Vertreter der Täglichen Rundſchau:
Wie bereits gemeldet, trifft der italieniſche Miniſter
des Auswärtigen Anfang November zum Beſuche Kider=
len
=Waechters in Berlin ein. Ueber den Zweck der Reiſe
verbreiten diejenigen Blätter, die mit den leitenden Re=
gierungskreiſen
enge Fühlung haben, folgende Auffaſ=
ſung
: In San Roſſore hat ſich gelegentlich des Beſuches
von Berchtold ein vorläufig unüberbrückbarer Gegen=
ſatz
zwiſchen italieniſcher und öſterreichi=
ſcher
Auffaſſung der Balkanlage gezeigt,
allen frommen offiziöſen Lügen zum Trotz, Italien ſteht
in dieſer Frage infolge ſeiner Abmachungen mit Rußland
und ſeiner traditionellen Politik auf dem Standpunkt,
daß der Balkan den Balkanſtaaten und nicht Oeſterreich
angehöre. San Giuliano will nun in Berlin für
dieſe Auffaſſung Propaganda machen, und man hofft hier,
daß ſich Deutſchland Italien anſchließen wird, um
die Militärpartei in Oeſterreich von einer Dummheit
abzuhalten. Deutſchland, ſo meint man hier, habe kein
Intereſſe daran, als Nachläufer Oeſterreichs zu gelten,
denn die immer größere Slawiſierung Oeſterreichs dränge
einerſeits die Bedeutung des Deutſchtums in Oeſterreich=
Ungarn immer mehr zurück, und anderſeits bringe es den
Slawen in und außerhalb der Donaumonarchie die Mei=
nung
bei, daß es der Deutſche iſt, der ihr politüſcher Geg=
ner
und Bedrücker ſei, wodurch ein Raſſenhaß großge=
zogen
werde, den ſich unſere franzöſiſchen und engliſchen
Gegner immer zunutze machen würden. Wenn jetzt
Oeſterreich einſeitig vorgehe, um einen Keil in die geo=

graphiſche Vereinigung der Balkanvölker zu treiben,
könnte leicht der europäiſche Frieden ein Ende
nehmen, und im günſtigſten Falle würden ſowohl die
Türken wie die Balkanvölker auch auf Deutſchland ſchlecht
zu ſprechen ſein. Deutſchlands Intereſſen ſeien doch auf
dem Balkan nur handelspolitiſcher Natur und gerade
dieſen Intereſſen könnte eine beſſere Verwaltung der be=
treffenden
Provinzen nur förderlich ſein. Italien werde
darum in Berlin den Vorſchlag machen, daß man auf
einer europäiſchen Konferenz, auf welcher die kleinen
Balkanſtaaten als Gleichberechtigte ſitzen werden, ihnen
eine kleine Gebietserweiterung zugeſtehe und die drei
Wilajets von Mazedonien einem chriſtlichen Gouverneur
mit ausreichenden Vollmachten unterſtelle. . . .

Deutſches Reich.

Der Bundesrat überwies die Vorlage be=
treffend
die Ausführungsbeſtimmungen nach § 395 des
Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte und die Vorlage, be=
treffend
Einteilung des Geſamtumlaufes an Reichskaſ=
ſenſcheinen
den zuſtändigen Ausſchüſſen, vollzog die Wahl
von ſtändigen Mitgliedern des Reichsverſicherungsamtes,
ſtimmte den Aenderungen der Ausführungsbeſtimmungen
zum Wechſelſtempelgeſetze zu und nahm die Vorlage be=
treffend
die weitere Amtsdauer der Vertreter von Arbeit=
gebern
und Verſicherten in den Krankenkaſſen= Organiſa=
tionen
, den Antrag, betreffend die Aenderung des § 18,
1ce der Ausführungsbeſtimmungen zum Fleiſchbeſchau=
geſetz
vom 3. Juni 1900 und die Vorlage betreffend den
Entwurf der Beſtimmungen über die Konkursſtatiſtik an.
Der neue engliſche Botſchafter, Fürſt
von Lichnowsky, verſchob ſeine Abreiſe um eine Woche.
Er wird ſein Beglaubigungsſchreiben dem König von
England am 18. November auf Schloß Windſor über=
reichen
, wo zu dieſem Zeitpunkt Fürſt und Fürſtin Lich=
nowsky
empfangen werden.
Die Petroleummonopol=Vorlage iſt
am Donnerstag in dem Bundesratsausſchuß ſehr ein=
gehend
beraten worden. Die Verhandlungen, die von
morgens 11 bis abends 9 Uhr dauerten, wurden zu einem
Abſchluß gebracht, aber mit Rückſicht auf die Wichtigkeit
der Vorlage ſoll noch eine zweite Leſung im Ausſchuß
abgehalten werden. Man nimmt an, daß in der Plenar=
ſitzung
am Donnerstag der nächſten Woche der Entwurf
vom Bundesrat verabſchiedet werden kann und daß dann
auch ſofort ſeine Veröffentlichung erfolgen wird.
Zum Seſſionsſchluß des bayeriſchen
Landtags. Die am Mittwoch geſchloſſene erſte Seſſion
des bayeriſchen Landtags hat acht Monate gedauert. Am
27. Februar ds. Js. war das Parlament nach der Neu=
wahl
des Abgeordnetenhauſes zuſammengetreten, Welche
Stimmung in letzterem herrſchte, zeigte ſich alsbald bei
der Präſidentenwahl, an welcher die Linke ſich nicht betei=
ligen
zu wollen erklärte, da das Zentrum den Liberalen
nur den Poſten eines zweiten Vizepräſidenten einzuräu=
men
geneigt war. Und ſo wurde denn ein ausſchließlich
aus Zentrumsmitgliedern zuſammengeſetztes Präſidium
gewählt. Im Laufe der Tagung kam es öfter zu erbit=
terten
Konflikten zwiſchen beiden Parteilagern, und die
Regierung, insbeſondere aber der neue Miniſterpräſident,
wurde von der Linken heftig befehdet. Anlaß dazu gab
in erſter Linie der Jeſuitenerlaß, dann die Feuerbeſtat=
tungsfrage
, bei welcher die Regierung wegen ihrer ab=
lehnenden
Haltung gegenüber der fakultativen Feuerbe=
ſtattung
viel Tadel über ſich ergehen laſſen mußte, was
auch wegen ihres Zögerns in der Frage der Ausnutzung
der Waſſerläufe geſchah. Angriffe erfuhr auch der Erlaß
des Kultusminiſters gegen den Guttemplerorden. Von
allgemein intereſſierenden Ergebniſſen der Seſſion ſeien
noch genannt die Einführung des Unterſtützungswohnſitz=
Geſetzes und der Lotterievertrag mit Preußen, der nach
anfänglichem Scheitern ſchließlich doch unter Dach und
Fach kam. Die gereizte Haltung zwiſchen den beiden
Parteigruppen hielt bis zum Schluſſe der Seſſion unver=
mindert
an.

Ausland.

Frankreich.
Die Entvölkerung Frankreichs. Der
franzöſiſche Miniſterrat hat den Finanzminiſter beauf=
ußerparlamentariſche
Kommiſſion einzuſetzen
tragt,
mit der Aufgabe, alle nationalen, ſozialen und fiskaliſchen
Fragen, die auf die Entvölkerung Frankreichs Bezug
haben, zu prüfen und auf Mittel zur Abhilfe zu ſinnen.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

England.
Das Unterhaus nahm den neuen Vorſchlag der
Regierung über die Ergänzung der Mitglieder des iri=
ſchen
Senats nach dem Proportionalwahlſyſtem, der
bei der Beratung der Homerule=Bill dem Hauſe vorgelegt
wurde, an.
Rußland.
Die Fleiſchausfuhr. Das Komitee der Pe=
tersburger
und Moskauer Fleiſchbörſe hat dem Handels=
miniſter
ein Memorandum eingereicht, in welchem in Hin=
ſicht
auf die Fleiſchausfuhr nach Deutſchland auf die un=
vermeidbare
Fleiſchteuerung in Petersburg und Moskau
hingewieſen und die Aufhebung des billigen Tarifes für
Fleiſchausfuhr verlangt wird.
Vereinigte Staaten.
Die Chancen zur Präſidentenwahl.
Während bisher Wilſons ſofortige Wahl für geſichert er=
achtet
wurde, macht ſich jetzt einige Unſicherheit bemerkbar,
die pſychologiſch mit beeinflußt iſt durch die New=Yorker
Ovation für Rooſevelt. Man hörte die Befürchtung
ausſprechen, es könnte vielleicht kein Kandidat die abſo=
lute
Majorität des Elektoral=Kollegiums erhalten, ſo daß
die Entſcheidung dem Kongreß zufiele. Allerdings dürfte
dann erſt recht Wilſon der nächſte Präſident werden.
Perſien.
Die Türken räumen Perſien. Die Peters=
burger
Telegraphen=Agentur meldet: Die Türken began=
nen
die Räumung des perſiſchen Gebiets. Die Soldaten
verließen das Dorf Kenjany zwiſchen Choi und Dilman
und begaben ſich nach der Türkei.
* London, 31. Okt. Die Sitzung der deutſch=
engliſchen
Verſtändigungskonferenz wurde
vom Grafen Leyden eröffnet. Dann hielt Abg. Prof.
Eickhoff einen Vortrag über die Unverletzlichkeit des Pri=
vateigentums
zur See in Kriegszeiten. Er betonte den
großen Fortſchritt im internationalen Seerecht, der durch
die Beſtimmungen der Haager Konferenz im Jahre 1907
und durch die Londoner Deklaration von 1909 geſchaffen
worden ſei, und ſprach den Wunſch aus, daß ſich die öffent=
liche
Meinung aller Länder für die Ratifizierung einſetzen
ſollte. Dies ſei der erſte unerläßliche Schritt zur end=
gültigen
Abſchaffung des Seebeuterechts. Er drückte die
Ueberzeugung aus, daß dieſes Ideal verwirklicht werden
würde. Frank Lascelles verlas einen zuſtimmenden Brief
von Sir Macdonell. Lord Avebury wies auf die Verluſte
hin, die England ſelbſt und namentlich die engliſchen Ver=
ſicherungsgeſellſchaften
in der Vergangenheit durch Aus=
übung
des Seebeuterechts erlitten und brachte eine Reſo=
lution
ein für das Prinzip der Unverletzlichkeit des Pri=
vateigentums
. Direktor Spiecker ſprach zugunſten einer
Reviſion der Beſtimmungen der Londoner Deklaration
über die Blockade. Anſprachen von Lord Weardale of
Stanhope, Sir Brunner, Dr. Liwrence und Profeſſor
Mendelsſohn=Bartholdy folgten. Maddiſon befürwortete
ein Kompromiß zwiſchen England und Deutſchland in
Fragen des Seebeuterechts und der ſchwimmenden See=
minen
. Die Konferenz nahm die Reſolution Aveburys
an. In einer Nachmittagsſitzung behandelte man die
Frage der Abgrenzung der engliſchen und der deutſchen
Intereſſenſphären auf kolonialem Gebiet. Harry Johnſton
erörtert die in Deutſchland herrſchende Unzufriedenheit
mit dem gegenwärtigen Stande von Deutſchlands An=
ſpruch
auf ein Kolonialreich. Es folaten die Verleſung
des Vortrags von Paſtor Umfried und Reden von Pro=
feſſor
Arndt (Frankfurt) und Lord Braſſey. Letzterer
zollte der Entwickelung von Deutſchlands Induſtrie, Han=
del
und Schiffahrt Bewunderung und befürwortete ein
engliſch=deutſches Zuſammenarbeiten ſtatt der gegenſeitigen
Eiferſucht.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 2. November.

* Vom. Hofe. Der Schriftſteller Hermann Bahr
nahm am Donnerstag an der Frühſtückstafel in Jagd=
ſchloß
Wolfsgarten teil. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzoa hoben dem Reichsgerichtsrat Dr. Buff
in Leipzig die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen

es ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer, König von
Preußen, verliehenen Roten Adler=Ordens 4. Klaſſe erteilt.
* Erteilt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den durch die Dekanatsſynode des Dekanats
Büdingen für den Reſt der laufenden Wahlperioden
vollzogenen Wahlen des evangeliſchen Pfarrers Auguſt
Schäfer zu Büdingen zum Dekan und des evan=
geliſchen
Pfarres Ludwig Bär zu Lindheim zum Stell=
vertreter
des Dekans des Dekanats Büdingen, mit
Wirkung vom 16. November d. J., die Beſtätigung.
* Uebertragen wurde dem Gymnaſiallehrer i. P.
Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann zu Rodheim v. d. H. mit
Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs
die Verwaltung der evangeliſchen Pfarrei Ober=Eſchbach
und dem Lehrer Jakob Lippert zu Rimhorn, Kreis
Erbach, die fünfte Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Höchſt i. O., in demſelben Kreiſe.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Kreisvollziehungsbeamten Johannes
Kammer zu Darmſtadt die Krone zum Silbernen
Kreuz des Verdienſtordens Philiops des Großmütigen.
Verſonalien von der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſen=
bahngemeinſchaft
. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben den Bahnwärtern Franz Sonneck und
Wilhelm Wedel zu Guntersblum, Friedrich Stein zu
Kohden, dem Bahnſteigſchaffner Philipp Heſſel zuh
Bingerbrück aus Anlaß ihrer Verſetzung in den Ruhe=
ſtand
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
Für treue Dienſte verliehen; der Lokomotivführer
Martin Wenderoth zu Bebra und der Weichenſteller
I. Klaſſe Adam Mundſchenk zu Weiſenau wurden
auf Nachſuchen in den Ruheſtand verſetzt.
* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 27,
enthält: 1. Ordensverleihungen. 2. Ermächtigung zur
Annahme und zum Tragen fremder Orden. 3. Namens=
veränderung
. 4. Zulaſſungen zur Rechtsanwaltſchaft.
5. Aufgabe der Zulaſſung zur Rechtsanwaltſchaft. 6. Dienſt=
nachrichten
. 7. Dienſtenthebung. 8. Dienſtentlaſſungen.
9. Erhebung in den Adelsſtand. 10. Charaktererteilungen.
11. Ruheſtandsverſetzungen.
g. Strafkammer. Des Vergehens gegen die Vor=
ſchriften
des Weingeſetzes und des Nahrungsmittelgeſetzes
ſind angeklagt der Chemiker Dr. Hofmann aus Lüden=
ſcheid
, der Kaufmann Friedrich Rößler aus Bensheim
und der Kaufmann Paul Hirſch aus Mannheim. Der
Angeklagte Dr. Hofmann wurde im Jahre 1909 in die da=
mals
der Familie Geibel gehörige Chemiſche Fabrik in
Auerbach aufgenommen, nach ſeiner Angabe ohne Kapital
Die Fabrik erhielt ſodann den Namen Chemiſche Fabrik
Dr Hofmann, G. m. b. H. Hofmann führte, um den Ge=
ſchäftsbetrieb
zu erweitern, ein Konſervierungsmittel für
Früchte, Fruchtſäfte, Fleiſch, Wein uſw. ein, das er unter
dem Namen Bacitolin in den Handel brachte. In die
Firma wurde ſpäter als Geſchäftsführer der Angeklagte
Rößler aufgenommen, und nach deſſen Ausſcheiden über=
nahm
Hirſch die Geſchäftsführung. Dieſe hat er im Auf=
trage
einer Mannheimer Bankfirma noch heute inne. Das
erwähnte Konſervierungsmittel enthält neben Benzoe=
ſäure
benzoeſaures Natron, Chlornatrium, ſchwefligſaures
Natrium. Im vergangenen Jahre wurde nun in zahl=
reichen
Fällen das Konſervierungsmittel beſchlagnahmt
und dem Chemiſchen Unterſuchungsamt zur Analyſierung
übergeben. Das Ergebnis veranlaßte die Staatsanwalt=
ſchaft
, die Strafverfolgung gegen die drei Angeklagten ein=
zuleiten
. § 4 des Weingeſetzes überläßt dem Bundesrat,
Beſtimmungen darüber zu erlaſſen, welche Stoffe dem
Wein zugeſetzt werden dürfen. Die Zuſetzung des von
den Angeklagten vertriebenen Bacitolin iſt nicht geſtattet.
Auch gegen das Nahrungsmittelgeſetz verſtoße der Ver=
trieb
, denn die chemiſche Zuſammenſetzung ſei nicht an=
gegeben
, auch gehe aus den Gutachten hervor, daß die in
dem Bacitolin enthaltene Benzoeſäure ſchädigend auf
die Geſundheit ſchwächlicher Perſonen einwirke. Der An=
geklagte
Hofmann beſtreitet dies, während Rößler und
Hirſch erklären, ſie hätten ſich dabei ganz auf Hofmann
verlaſſen. Als Sachverſtändige ſind zu der Verhandlung
geladen der Kreisaſſiſtenzarzt Dr. Beſt und Profeſſor Dr.
Weller. Dr. Beſt aibt ſein Gutachten dahin ab, daß
die Benzoeſäure eigentlich nur in derartigen Stoffen ſchäd=
lich
ſein könne, die in großen Mengen genoſſen werden,
da dann auch die Benzoeſäure in größeren Doſen dem
Körper zugeführt wird. Dr. Weller berichtet über den
Befund der beſchlagnahmten Mittel; er ſchließt ſich dem
Gutachten des Herrn Dr. Beſt an. Der Staatsanwalt
ſtellte bei dem Angeklagten Hofmann die Entſcheidung
in das Ermeſſen des Gerichts gegen Rößler und Hirſch
beantragte er je 100 Mack Geldſtrafe. Das Gericht ſetzte
die Urteilsverkündung auf den nächſten Donnerstag feſt.
Vom Großh. Hoftheater. Die heutige Erſtauffüh=
rung
von Ludwig Thomas Volksſtück Maadalena
iſt die 48. Abonnementsvorſtellung Buchſt. D 12. Der

Beginn iſt auf 7½ Uhr angeſetzt. Morgen, Sonntag fin=
det
, um 2½ Uhr beginnend, die vierte Volksvorſtellung
zu ermäßigten Preiſen ſtatt. Es gelangen Schillers
Räuber zur Aufführung. Zu dieſer Volksvorſtellung
findet der Kartenvorverkauf im Verkehrsbureau (Ernſt Lud=
wig
=Platz) ſtatt, die eventuell noch vorhandenen Karten
werden am Sonntag an der Hoftheaterkaſſe erhältlich
ſein, welche zu dieſem Zwecke an dieſem Tag ab 11 Uhr
offen gehalten wird. Sonntag abend iſt als 49. Abonne=
mentsvorſtellung
, Buchſt. B t3, die erſte Wiederholung von
Leo Falls erfolgreicher Operettennovität Der liebe
Auguſtin angeſetzt. Montag wird nach längerer
Pauſe Karl Schönherrs Tragödie eines Volkes Glaube
und Heimat in Szene gehen. An dieſem Abend gel=
ten
die kleinen Preiſe. Dieſe Inſtitution, die ſich ſtets
wachſender Beliebheit erfreut, hat das Intereſſe der weis
teſten Kreiſe für die klaſſiſchen Werke neu entfacht, was
ſich in den an Tagen der Volksvorſtellungen ausverkauf=
ten
Häuſern beredt ausſpricht.
O Gewerbemuſeum. Es ſei auch an dieſer Stelle auf
die im Gewerbemuſeum bis zum 17. November neu aus=
geſtellten
Arbeiten aufmerkſam gemacht. Im Lichthof be=
finden
ſich Stickereien von Fräulein G. Dodt=München.
Fräulein Dodt, die aus dem Atelier Debſchitz in München
hervorgegangen und mit ihren Arbeiten an der dies=
jährigen
Münchner Gewerbeſchau hervorgetreten iſt, be=
dient
ſich zur Ausführung ihrer Arbeiten der Kurbel=
ſtickmaſchine
. Die ausgeſtellten Arbeiten Tiſch=
decken
, Portieren, Handtaſchen, Bluſen uſw beweiſen,
daß es die Künſtlerin vorzüglich verſteht, innerhalb der
Grenzen, die die Kurbelſticktechnik der Arbeit der Stickerin
zieht, möglichſt mannigfaltige und künſtleriſch ausgezeich=
nete
Wirkungen zu erzielen. Die Kurbelſtickmaſchine iſt
keine Maſchine, die mit mechaniſchen Handgriffen bedient
wird. Wie bei allen Techniken, bei denen Auge und Hand
eine Rolle ſpielen, handelt es ſich auch bei der Kurbel=
ſtickerei
nicht um ein genaues Nachbilden des Entwurfes.
Die Stickerin muß ſich in die Abſichten des Entwurfs
verſetzen können und, während die Maſchine in ſchnellem
Gang gehalten wird und Linien, Kurve und Kreiſe unter=
der
Hand der Arbeiterin entſtehen, die Andeutungen des
Entwurfs in die Wirklichkeit der techniſchen Sprache über=
ſetzen
. Die Ornamente, di die Arbeiten von Fräulein
Dodt zeigen, ſind ſozuſagen aus dem Gang der Maſchine
entwickelt, ohne einförmig und leblos zu ſein, im Gegen=
teil
iſt die techniſche Ausdrucksfähigkeit der Künſtlerin
ſehr entwickelt. In Verbindung mit dem geſchmackvoll
ausgeſuchten und zuſammengeſtellten Material und ihrem
kräftigen und ſicheren Farbenempfinden ergeben ſich Wir=
kungen
von eigenartiger Schönheit. In Handſticker ei,
goldene Schnurſtickerei auf weißem und rotem Damaſt,
ſind zwei Meßgewänder gearbeitet, deren Ausführung=
aus
dem Kloſter der Servitinnen in München ſtammt. Ein
drittes Meßgewand, ein Chorrock mit Filetſpitze, iſt von
Ch. Behr=Augsburg ausgeführt. Im Mittelraum iſt auch
eine neue Arbeit von Profeſſor Ernſt Riegel, Mitglied der
Darmſtädter Künſtlerkolonie, ausgeſtellt. Es iſt ein ſilber=
vergoldeter
, reich mit Filigran geſchmückter Becher, der
von der freien Studentenſchaft Darmſtadt der italieniſchen
Studentenſchaft zur Erinnerung an die Studienfahrt
deutſcher Studenten im Sommer 1911 geſtiftet worden iſt
und der im Rektoratsſaal der Univerſität zu Rom aufge=
ſtellt
werden wird. Im rechten Flügel des Muſeums iſt
eine zweite Serie von Architekturaufnahmen
von Suſanne Homann=Darmſtadt ausgeſtellt. Die
Aufnahmen ſind, wie die in der erſten Serie gezeigten,
ausgezeichnet durch die Liebe zu den künſtleriſchen Schön=
heiten
unſerer alten Städte und Städtchen und durch den
Geſchmack, mit der jedesmal ein geſchloſſenes Bild aus=
gewählt
worden iſt. Es genügt, die Namen der Städte
zu nennen, die diesmal in den Aufnahmen vertreten ſind;
München, Augsburg, Donauwörth, Nördlingen, Dinkels=
bühl
, Schwäbiſch=Hall. Wir machen darauf aufmerkſam,
daß ſowohl die ausgeſtellten Aufnahmen, wie auch die
danach in Kupferdruck angefertigten Poſtkarten, beim
Aufſichtsbeamten beſtellt werden können. Eine dritte
Gruppe ſind Arbeiten von Hermann Pfeiffer=
Kammerhof bei Leeheim, der beſonders als Buchkünſtler
hervorgetreten iſt. Es ſind hübſch erfundene Silhouetten.
die als Illuſtrationen für ein Liederbuch der Wandervögel
entſtanden ſind, und ähnlichen graphiſchen Arbeiten. Von
Pfeiffer ſtammt auch der Fries am Reif eines großen
Kronleuchters, der aus den Werkſtätten von Schüz
u. Behringer in Mainz ſtammt. Der Fries, in Meſ=
ſingblech
ausgeſägt. zeigt Szenen einer Hirſchjaad. Die
ausgeſtellten Korbmöbel ſtammen von Valentin
Elſeſſer in Hamm i. W.
H. K. Lehrlingshaltung in Handwerksbetrieben. In
letzter, Zeit mehren ſich in auffälliger Weiſe die Fälle, in

Himmelserſcheinungen im November.

A.K. Nur noch 9 Grade hat die Sonne in ihrer
ſcheinbaren Südwärtsbewegung vom 1. November an bis
zum 22 Dezember, dem Winterſolſtitium, zurückzulegen;
von dieſen entfallen auf den November allein mehr als
7 Grade, die Deklination der Sonne betrug nämlich
am 1. November 14 23' 53.8 und beträgt am 30. No=
vember
21 38' 19.1. Daraus findet man als Mit=
tagshöhen
in den verſchiedenen geographiſchen Brei=
ten
: für den Parallel von 54 (Norddeutſchland) 21."6
am 1. und 14.'4 am 30., für den Parallel von 51 ( Mittel=
deutſchland
) 24.6 am 1. und 17.'4 am 30., endlich für den
Parallel von 48 (Süddeutſchland und Oeſterreich, etwa
die Breite von Wien) 27.6 am 1. und 20."4 am 30. No=
vember
. Die Tageslänge erfährt durch die ſich ver=
kleinernden
Tagbogen der Sonne während des Monats
eine weitere Abnahme im nördlichen Deutſchland von 9½
auf 8 Stunden, im mittleren Deutſchland von 9½ auf 8¼
Stunden und im ſüdlichen Deutſchland, Oeſterreich und
der Schweiz von 10 auf 8½ Stunden.
Der Geſtaltwechſel des Mondes vollzieht ſich im
November folgendermaßen: Letztes Viertel am 2., um
4 Uhr 38 Min. vormittags, Neumond am 9., um 3 Uhr
5 Min. vormittags, Erſtes Viertel am 16., um 11 Uhr
43 Min. nachmittags, und Vollmond am 24., um 5 Uhr
12 Min nachmittags. In Erdnähe befindet ſich der Mond
am 3. November, um 12 Uhr mittags bei einem Abſtande
von 57.99 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilometer, in Erdferne
am 16. November, um 11 Uhr vormittags, bei einem Ab=
ſtande
von 63.40 Erdradien und wiederum in Erdnähe am
28. November, um 12 Uhr mittags, bei einem Abſtande
von 57.66 Erdradien. Die im November ſichtbaren
Sternbedeckungen des Mondes betreffen ſämtlich
ſchwächere Sterne. Die erſte Bedeckung am 16. von Kappa
Steinbock liegt ungünſtig, weiter finden Bedeckungen
ſtatt (Zeitangaben für Berlin in MEZ): am 18. November
Chi Waſſermann‟. Eintritt 7h 29.1m, Austritt 8h
443m nachmittags, am 23. November Zeta Widder,
Eintritt 9h 5.7m, Austritt 9h 42.3m nachmittags, am
25. November Chi Stier‟ Eintritt 1h 50.5m, Austritt

2h 39.6m vormittags, und am 27. November 49 Fuhr=
mann
, Eintritt 3h 32.3m, Austritt 4h 24.7m vormit=
tags
. Am 26. November, um 2 Uhr vormittags, nähert
ſich der noch faſt volle Mond dem Firſterne 2. Größe Beta
im Stier bis auf geringe Entfernung.
Von den ſieben Hauptplaneten ſind Venus und Sa=
turn
am beſten zu beobachten, Jupiter bleibt nur noch in
den frühen Abendſtunden eine Weile ſichtbar. Merkur,
der am 19. November, um 2 Uhr nachm., ſeine größte
öſtliche Ausweichung von der Sonne. 22 14; erreicht,
bleibt wegen ſeines tiefen Standes (ſeine ſüdliche Dekli=
nation
wächſt bis 25% 35.5 am 21. November) für das
bloße Auge unſichtbar; daher ſind auch ſeine Konjunk=
tionen
am 10. November, 2 Uhr nachm., mit Alpha des
Skorpions und am 21. November, 6 Uhr vorm., mit
Jupiter (Merkur iſt Abendſtern) nicht zu beobachten. Der
Planet nähert ſich der Erde von 131 auf 0.77 Einheiten,
d. h. Erdbahnhalbmeſſer à 149,48 Millionen Kilometer,
wobei ſein ſcheinbarer Durchmeſſer von 5."1 auf 8.8 wächſt
Venus, als prächtig alänzender Stern den weſtlichen
Abendhimmel ſchmückend, bewegt ſich aus dem Bilde des
Skorpions in das des Schützen und bleibt am Mo=
natsſchluſſe
länger als eine Stunde ſichtbar. Am 11. No=
vember
, um 11 Uhr nachm befindet ſie ſich in Sonnen=
ferne
. Auch dieſer Planet nähert ſich der Erde, und zwar
von 137 auf 1.20 Einheiten; ſein Scheibendurchmeſſer
vergrößert ſich aus dem Grunde von 12.2 auf 14.0. Drei
Konjunktionen werden den Anblick des Abendſternes noch
beſonders verſchönern; am 8. November, 5 Uhr vormit=
tags
, ſteht Venus 1.'7 ſüdlich von Jupiter, am 11. Novem=
ber
, 9 Uhr abends, etwa 3 nördlich vom Monde und am
27. November. 12 Uhr mittaas, 1.5 nördlich vom Sterne
Sigma des Schützen Mars, der am 5. November,
um 4 Uhr vormittaas, in Sonnenkonjunktion kommt, bleibt
unſichtbar. Sein Erdabſtand, der um dieſe Zeit am größ=
ten
iſt und 2.56 Einheiten beträgt, verringert ſich bis Mo=
natsſchluß
auf 2.50 Erdbahnradien; ſein ſcheinbarer
Durchmeſſer erreicht rechneriſch den kleinſten Wert, 3."7.
Jupiter, im Bilde des Skorvions zeigt ſich zunächſt
noch kurze Zeit tief am ſüdweſtlichen Himmel, taucht aber
zuletzt in den Strahlen der Abenddämmerung unter. Der

Abſtand der Erde vom Jupiter nimmt von 603 auf 6222
Einheiten zu. während ſein Scheibendurchmeſſer von 33."1
auf 32.1 abnimmt. Der Konjunktion mit Venus am
8 November wurde oben ſchon gedacht; dem Monde
nähert ſich der Planet am 11. November, 2 Uhr nachmit=
tags
, und dem Merkur am 21. November, 6 Uhr vormit=
tags
doch bleibt Merkur 2 47 ſüdlich vom Jupiter.
Weitaus die beſten Beobachtungsbedingungen bietet Sa=
turn
dar, der am 23. November, 7 Uhr vormittags. in
Oppoſition gelangt, d. h. der Sonne gerade gegenüber=
ſteht
, und im Bilde des Stiers während der ganzen
Nacht über dem Horizonte bleibt. Seine Entfernung von
der Erde verkleinert ſich von 8.17 auf 8.10 Einheiten, und
ſein Scheibendurchmeſſer vergrößert ſich von 19"9 auf
20.1. Das Ringſyſtem, das wir von der Südſeite er=
blicken
, öffnet ſich mehr und mehr; ſeine große Achſe be=
trägt
Mitte November 46.3, ſeine kleine Achſe 19.2. Am
24. November, um 4 Uhr nachmittags, hat der Mond Kon=
junktion
mit Saturn, doch bleibt der ſehr hochſteigende
Vollmond noch 6 nördlich vom Saturn
Uranus im Bilde des Steinbocks rückt all=
mählich
in die abendliche Dämmerung, iſt daher
der Beobachtung nicht mehr gut zugänglich. Der Ab=
ſtand
der Erde von Uranus wächſt von 19.92 auf 2039
Erdbahnhalbmeſſer, der ſcheinbare Durchmeſſer des Pla=
neten
nimmt aber nur von 4.1 auf 4."0 ab. Neptun,
nach wie vor im Bilde der Zwillinge geht immer früher
auf, er kulminiert zuerſt bald nach 5, zuletzt bald nach
3 Uhr vorm. Seine Poſitionen ſind am 2. November
Rektaſzenſion 7h 51m 39.39s und Deklination 20
27½ 7.0, am 29. November Rektaſzenſion 7h 50m 3345s
und Deklination 20 29' 52.8. Der Abſtand zwiſchen
Neptun und Erde wird kleiner, von 29.75 bis 29.30 Ein=
heiten
, die allein in ſtärkeren Inſtrumenten ußbare
Scheibe dieſes fernſten bekannten Planeten erſcheint nur
unter dem Winkel von 2.6.
Gegenwärtig befinden ſich zwei Kometen am Him=
mel
, beide ſind aber nur in Fernrohren zu beobachten, dieſe
ſind der am 9. September von Gale am Obſervatorium
in Sydney im Sternbilde des Centaur entdeckte Komet
1912a und der am 19. Oktober von Schaumaſſe am

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1913.

Seite 3.

deien in Handwerksbetrieben ſunge Leute unter der Be=
zeichnung
jugendlicher Arbeiter, Hilfsarbei=
ter
oder Volontär eingeſtellt werden, deren ganze
Beſchäftigungsart die Merkmale eines Lehrverhältniſſes
aufweiſen. Die Reviſionen der Beauftragten der Hand=
werkskammer
haben feſtgeſtellt, daß dieſes Verfahren be=
ſonders
oft von Perſonen geübt wird, die weder die Be=
rechtigung
zur Führung des Meiſtertitels beſitzen, noch
den geſetzlichen Vorausſetzungen zur Erlangung der Be=
fugnis
zum Anleiten von Lehrlingen genügen. Meiſten=
teils
ſind dies jüngere Handwerker, die aus irgend wel=
chen
Gründen die Meiſterprüfung nicht ablegen wollen
oder können und nun verſuchen, die geſetzlichen Beſtim=
mungen
über die Regelung des Lehrlingsweſens auf
dieſe Art zu umgehen. Ob hierbei Unkenntnis der geſetz=
lichen
Vorſchriften oder böswillige Abſicht vorliegt, mag
unerörtert bleiben. Die Reichsgewerbeordnung gibt keine
nähere Auslegung des Begriffs Lehrling, es muß da=
her
in Zweifelsfällen den Verwaltungsbehörden oder Ge=
richten
überlaſſen bleiben, zu entſcheiden, ob ein Lehr=
verhältnis
vorliegt oder nicht. Hierbei kommt es jedoch
nicht darauf an, welche Bezeichnung der Arbeitgeber dem
Arbeitsverhältnis beilegt, ſondern maßgebend wird immer
die Art und Weiſe der Beſchäftigung des betreffenden
jungen Mannes ſein. Im allgemeinen wird ſtets dann
von einem Lehrverhältnis geſprochen werden können,
wenn eine Perſon in einem Betrieb hauptſächlich zum
Zwecke der Erlernung des betreffenden Gewerbezweiges
eingetreten iſt. Auch der Abſchluß eines Lehrvertrags
kommt nicht in Betracht, wenn auch, trotz des jetzt hier=
für
beſtehenden Zwanges, der ſchriftlich abgeſchloſſene
Lehrvertrag nicht die alleinige Vorausſetzung zum Be=
ſtehen
eines Lehrverhältniſſes abgibt. Den bereits ſchon
in vielen Fällen von Verwaltungs= und Gerichtsbehör=
den
und letzthin wieder von dem preußiſchen Miniſter für
Handel und Gewerbe getroffenen Entſcheidungen über
Feſtſtellungen des Lehrbegriffs liegen ebenfalls die obigen
Merkmale zugrunde, ja es wurde ſogar hierbei noch an=
geführt
, daß, ſobald die beſchriebenen Vorausſetzungen
erfüllt ſind, auch dann von einem Lehrverhältnis geſpro=
chen
werden kann, wenn beide Teile vereinbart haben,
daß ein ſolches nicht beſteht. Dieſer Hinweis mag ſol=
chen
Perſonen, die zurzeit noch glauben, ſich über die
geſetzlichen Vorſchriften hinwegſetzen zu können, zur
Beachtung dienen und ſeien dieſelben beſonders darauf
aufmerkſam gemacht, daß die Handwerkskammer
bei Bekanntwerden ſolcher Verhältniſſe genaue Feſtſtellun=
gen
veranlaſſen und nach Lage der Fälle mit Straf=
anträgen
gegen die Betreffenden vorgehen
wird. Die Beſtimmungen müſſen von jedermann beachtet
werden, ſchon um diejenigen Handwerker, die ihren durch
die Reichsgewerbeordnung vorgeſchriebenen Verpflichtun=
gen
gewiſſenhaft nachkommen, vor Benachteiligung nach
Möglichkeit zu ſchützen.
* Akademiſche Volksunterrichtskurſe. (A. V. D.) Der
Eröffnungsabend mit dem Vortrag des Herrn
Profeſſor Dr. J. Goldſtein über: Der Kampf
ums Daſein und ſeine ethiſche Bedeutung
hatte ein den Fürſtenſaal über und über füllendes
Publikum aus allen Kreiſen der Darmſtädter Bürger=
und Studentenſchaft zuſammengeführt. Profeſſor Dr.
Goldſtein führte einleitend aus, der Kampf ums Daſein
in der Natur, das Grundprinziv des Darwinismus, ſei
heute von den bedeutendſten Biologen verworfen, und
zeigte dann, welche Folgen eine Uebertragung dieſer für
die Natur angezweifelten Selektionstheorie bei ihrer
Anwendung auf das Leben in der menſchlichen Geſell=
ſchaft
, wie ſie die Anhänger Darwins und Häckels
wünſchten, zeitigen würde. Er bewies mit der ihm
eigenen Begeiſterungsfähigkeit, daß der Kulturmenſch
nicht, dem Darwinismus folgend, die Natur nachahmen
dürfe, ſondern daß er ſeine beſten Kräfte dem Ziele
weihen müſſe, die Natur ſich noch in höherem Maße
untertan zu machen und ſein Wollen und Können
ethiſchen Beſtrebungen szu widmen. Der Vorſitzende
der A. V. D. überſetzte den reichen Beifall der mit ge=
ſpannter
Aufmerkſamkeit dem Redner folgenden Zuhörer=
ſchar
in warme Worte und ließ dem Ausdruck ſeines
herzlichen Dankes an den Redner eine kurze Aufklärung
über Zweck und Organiſatian der Kurſe folgen. Er
betonte, die ganz unbedeutende Einſchreibegebühr von
50 Pfg. zeige, daß die A. V. D. ſich im Gegenſatz zu
anderen hier exiſtierenden ähnlichen Einrichtungen an
die weniger bemittelten Bevölkerungskreiſe richteten, was
ihr die finanzielle Unterſtützung des Miniſteriums des
Innern und die koſtenloſe Lehrkraft der ehrenamtlich
unterrichtenden Studenten ermögliche. Die Beliebtheit
der Kurſe bewies denn auch die nun folgende Ein=
ſchreibung
alter Freunde und vieler neuer Hörer für das
Winterſemeſter. Allerdings machte es der große Andrang
nötig, einen weiteren Anmeldungstermin feſtzuſetzen. Es

ſei daher darauf hingewieſen, daß ſeit Freitag abend von
79 Uhr weitere Einſchreibungen für die Kurſe Deutſch,
Rechnen, Schönſchreiben, Erdkunde, Stenographie und
Lichtbilder in der Mädchenarbeitsſchule, Karlſtraße 16I.,
angenommen werden.
Jubiläum. Man ſchreibt uns Heute feiert Herr
Karl Klink in Treue und Verläßlichkeit ſein zehn=
jähriges
Jubiläum als Techniker der Piano=Reparatur=
Werkſtätte der rührigen Firma Georg Thies Nachfolger
(Leopold Schutter). Der Jubilar iſt als Vertreter des
altehrwürdigen Klavierhauſes Thies in weiten Kreiſen
bekannt geworden.
* Kunſtverein. Die Gedächtnisausſtellung Hans
Brühlmann, die Ausſtellung der Künſtlervereinigung
Sema in München und der Werke Peter Bayers
wird noch bis einſchließlich Sonntag, den 3. November,
geöffnet ſein. Dann bleibt die Kunſthalle auf einige Tage
geſchloſſen.
Rh. Exkurſion. Geſtern nachmittag unternahm Herr
Profeſſor Dr.=Ing. Koehler mit Studierenden der Ab=
teilung
für Maſchinenbau eine Exkurſion zur Beſichtigung
der Aktiengeſellſchaft Gebrüder Lutz hier. Herr Prof.
Meißner beſichtigt heute mit Studierenden der Archi=
tektur
=Abteilung die Stiftskirche in Wetzlar. Ende
dieſes und anfangs nächſten Monats finden die Diplom=
Hauptprüfungen ſtatt. Anmeldungen der Kandidaten des
Bauingenieurfaches, des Maſchinenbaufaches haben ihre
Anmeldungen an Herrn Profeſſor Kayſer, den Vorſtand
der Bauingenieurabteilung, bis ſpäteſtens Freitag, den
15. d. M., bezw. an Herrn Geh. Baurat Prof. Gutermuth
bis Samstag, den 9. d. M., bezw. an Herrn Geh. Hofrat
Dr. Wirtz bis zum 15. November einzureichen. Der An=
meldung
iſt die Quittung über bezahlte Unterrichtsgelder
für das laufende Semeſter beizufügen. In Maſchinenbau
und Elektrotechnik findet die Klauſurprüfung vom 26. bis
einſchließlich 28. November ſtatt. Die mündliche Prüfung
beginnt vorausſichtlich im Maſchinenbaufach am 11., im
Elektrotechniſchen Fach am 8. Dezember.
* Inſtrumental=Verein. Für den 100. Vereins=
abend
des Inſtrumental=Vereins, der Mittwoch, den
13. November, abends 8¼ Uhr, im großen Saale des
Saalbaues ſtattfindet, macht ſich unter dem kunſtliebenden
Publikum unſerer Reſidenz ein allgemeines Intereſſe gel=
tend
. Sind einerſeits die Leiſtungen des Vorjahres noch
in aller Erinnerung, ſo dürfte gerade die Wahl des So=
liſten
, als auch das Programm für das Intereſſe beſtim=
mend
ſein. Nach längerer Pauſe wird unſer einheimiſcher
Pianiſt, Herr Willy Hutter, wieder einmal vor die
Oeffentlichkeit treten. Mit dem leider ſo ſelten gehörten
Konzert A-dur op. 23 von Mozart und der Polonäſe
Es-dur op. 22 von Chopin mit Orcheſterbegleitung wird
er die Freunde klaſſiſcher Muſik erfreuen. Von Orcheſter=
werken
kommen zur Aufführung die friſche Ouvertüre zu
Rouslane und Ludmila von Glinka, Tſchaikowskis Sere=
nade
op 48 für Streichorcheſter, die zu den liebenswür=
digſten
Stücken des großen Meiſters gehört, ſowie die
Ouvertüre zu Sakuntala von Goldmark, mit der der
Komponiſt die Muſikwelt zuerſt auf ſich aufmerkſam
machte. Der Kartenverkauf hat in der Hofmuſikalien=
handlung
von Heinrich Arnold, Wilhelminenſtraße 9, be=
gonnen
. Es dürfte ſich empfehlen, ſich jetzt ſchon einen
numerierten Platz zu ſichern, da die meiſten bereits
durch inaktive Mitglieder belegt ſind.
* Nach dem Kolonialvortrage des Herrn Kapitän=
leutnant
Paaſche, auf den wir bereits wiederholt hinge=
wieſen
haben, ſoll eine zwangloſe Zuſammenkunft im
Herrſchaftsſaale des Saalbaues ſtattfinden, zu welcher
alle Intereſſenten freundlichſt eingeladen ſind. Herr
Paaſche bringt eine ganz neue Richtung in die Kolonial=
fragen
hinein, und hat ſich liebenswürdig zur Beantwor=
tung
von etwaigen Fragen bereit erklärt, die im Rahmen
des Vortrages nicht erſchöpfend behandelt werden konn=
ten
. Es iſt zu wünſchen, daß recht viele Zuhörer, die Be=
lehrung
über Einzelheiten wünſchen, von dieſer Gelegen=
heit
zur Information Gebrauch machen mögen.
Die Stenographen=Vereinigung Gabelsberger
verweiſt auch an dieſer Stelle nochmals auf den morgen
Sonntag in ſämtlichen Räumen des Kaiſerſaales ( Gra=
fenſtraße
) ſtattfindenden Gautag und bittet ihre Mit=
glieder
, ſich recht zahlreich an demſelben zu beteiligen.
(Siehe Anz.)
Die freireligiöſe Gemeinde hat einen kräftigen
Schritt nach vorwärts getan. In der Gemeindever=
ſammlung
am letzten Mittwoch wurde einſtimmig Herr
Dr. phil. Hermann Ohr zum Prediger gewählt. Die
Einführung iſt am nächſten Sonntag nachmittag 6 Uhr
in der Freimaurer=Loge Sandſtraße 10.
* Akademiſcher Bismarck=Bund Ortsgruppe Darm=
ſtadt
. Die Vorſtandswahl für das Winterſemeſter ergab:

1. Vorſitzender W. Scherpner Gutenbergſtraße 2;
1. Schriftführer L. Brunner, 2. Schriftführer E.
Schiege, Kaſſenwart W. Wirth, Kranichſteinerſtr. 5.
Im Bundesvorſtand ſind nach der Neuwahl auf dem
Bundestage: Vorſitzender Konr. Schwab=Darmſtadt,
Wieſenſtraße 9; Bundeswart Dr. Biereye=Wahlſtatt,
Bundesſchriftwart Dr. Hoffmann=Probſt=Wetzdorf, Kaſ=
ſenwart
Oberlehrer Dr. Mirſch=Markranſtädt. Der Wirk=
ungskreis
der Ortsgruppe Darmſtadt hat ſich ſeit Ver=
tagung
des Studentenverbandes im S. S. 1912 bedeutend
erweitert, auch die Mitgliederzahl wächſt erfreulich, beſon=
ders
auch in den Kreiſen der alten Akademiker. Für das
Winterſemeſter ſind wieder einige größere Vorträge vor=
geſehen
. Satzungen können vom Bundesvorſitzenden be=
zogen
werden.
* Vortrag des Grafen v. Hoensbroech. Man ſchreibt
uns: Der Akademiſche Bismarck=Bund veran=
ſtaltet
am 13. November einen Vortrag im Kaiſerſaal über
das zeitgemäße Thema: Jeſuitismus Jeſuitenorden
Jeſuitengeſetz. Als Redner wurde der im Kampf gegen
den Ultramontanismus ſchon viel hervorgetretene einſtige
Jeſuit Graf v. Hoensbroech gewonnen. Das Darmſtädter
Publikum hatte zum letzten Male im Januar 1910 Ge=
legenheit
, den Grafen als bewährten Vortragsredner
kennen zu lernen. Wegen des zu erwartenden großen
Andranges werden Karten im Vorverkauf ausgegeben.
(Näheres ſ. Anz.)
Der Zitherklub Darmſtadt=Beſſungen feiert am 10.
November im Saale des Chauſſeehauſes ſein 16. Stif=
tungsfeſt
. Er hat zwei hervorragende Zithervirtuoſen,
nämlich Fräulein E. Schmidt und Herrn J. H. Kor=
ter
aus Mannheim, für dieſen Abend engagiert, ſo daß,
zumal auch das übrige Programm ein hervorragendes iſt,
ein ganz beſonderer künſtleriſcher Genuß zu erwarten
ſteht. Der Verein lädt ſchon jetzt zu dieſer Feier ein.
* Preisſchießen. Der Zimmerſchützenklub Freiſchütz
Pankratiusſtraße 48, hält von heute abend ab ſein dies=
jähriges
größeres Preisſchießen. (Näheres ſ. Anz.)
Verband der unteren Poſt= und Telegraphen= Be=
amten
. Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, wird von
der Geſangsabteilung des Verbandes der unteren Poſt=
und Telegraphen=Beamten (Ortsgruppe Darmſtadt) eine
Abendunterhaltung mit Tombola abgehalten.
Nach dem bis jetzt erfolgten Kartenvorverkauf iſt ein ſtarker
Beſuch des Feſtes zu erwarten, und wäre deshalb jedem,
der einen guten Platz ſich ſichern will, zu empfehlen, ſich
rechtzeitig einzufinden. Einige genußreiche Stunden
ſtehen jedem Beſucher in Ausſicht. (Siehe Anz.)
* Liedertafel. Man verweiſt auf die im heutigen
Inſeratenteil enthaltene Anzeige betreffs Herbſtkonzert
der Liedertafel.
Geſeulſchaft Arminius. Morgen Sonntag, den
3. November, findet in Eberſtadt, Reſtaurant Schwanen,
das diesä rge Herbſt=Tanzvergnügen ſtatt.
(Siehe Anzeige.)
Unbeſtellbare Poſtſendungen. Bei der Ober= Poſt=
direktion
in Darmſtadt haben, wie uns mitgeteilt wird,
im Jahre 1911 26260 Poſtſendungen aus Orten des
Großherzogtums Heſſen (und zwar 4576 Briefe, 20644
Poſtkarten und 1040 Druckſachen) vernichtet werden müſ=
ſen
, weil ihre Zuſtellung weder an den Empfänger noch,
an den Abſender möglich war. Wie viele Unannehmlich=
keiten
mögen den Empfängern und den Abſendern aus
dieſem Anlaß erwachſen ſein, und wie viele ungerechte
Vorwürfe über Unzuverläſſigkeit ſind wohl gegen die
Poſtverwaltung und ihre Beamten erhoben worden! Im=
mer
wieder müſſen wir daher den Briefſchreibern empfeh=
len
, in oder auf den Poſtſendungen ſtets
Namen und Wohnung des Abſenders, ſei es handſchrift=
lich
oder durch Abdruck eines Stempels, anzugeben, damitz
ihnen, falls der Empfänger nicht ermittelt wird, die Sen=
dungen
zurückgegeben werden können.
nn. Vom Großen Woog‟. Die Entleerung des
Woogs iſt jetzt ſoweit beendigt, daß man trockenen
Fußes durch deſſen Bett gehen kann. Nur das Frauen=
bad
, die Inſel, die Weißen Häuschen und die Gar=
niſonsſchwimmanſtalt
ragen auf ihren Pfahlbauten weit
aus dem Gelände hervor und bieten ſo einen eigen=
tümlichen
Anblick. Erſt jetzt kann man ſich einen Be=
griff
von der ungeheuren Ausdehnung unſeres natür=
lichen
Volksbades machen, das alljährlich vielen Tauſenden
im Sommer die Wohltat eines unentgeltlichen Freibades
und im Winter den Genuß des Eisſports bietet. Um
das Durchſickern von Waſſer nach der Stadtſeite zu
verhindern, werden die Ufer des Woogs neu zementiert
und Treppen und Fußſteige renoviert und mit Platten=
belag
verſehen. Auch die Planken haben teilweiſe
neue Steinfundamente erhalten und die Umgebung der
Inſel wird zum Schutz gegen Verſchlammung durch
einen neuen Rheinſandbelag geſchützt. Der Fiſch=

Obſervatorium in Nizza im Sternbilde des Sextanten
entdeckte Komet 1912b. Der erſte hat in ſchnellem Laufe
nach Nordoſten Anfang Oktober den Aequator überſchrit=
ten
und befindet ſich im November im Bilde der (nörd=
Uhen) Krone aus dem er gegen den 20. in den Her=
kules
übertritt, um ſich dann langſamer nordwärts zu
bewegen; ſeine Helligkeit ſinkt von der 7. auf die 8. Größe.
Der letzte, ein ſehr lichtſchwaches Gebilde von der Größe
11.5, nimmt ſeinen Lauf ſüdwärts im Bilde des Sex=
tanten
und darauf durch den Löwen in den Becher
An Sternſchnuppen iſt der November unter
allen Monaten am reichſten. Von den neun Hauptſchwär=
men
zeigen ſich beſonders zwei ſehr ergiebig: der vom 13.
bis 15. unſerer Erde begegnende Leoniden==Schwarm und
der ſich am 23. November zeigende Bieliden= oder Andro=
mediden
=Schwarm. Beide haben in manchen Jahren
Schauſpiele von ungeahnter Pracht entfaltet, doch auch bei
gewöhnlichem Verlauf lohnt ſich die Beobachtung, vor
allem der Leoniden am 15. November, ſehr.
Der Fixſternhimmel wird während der zwei=
ten
Monatshälfte durch Mondſchein in ſeinem Glanze be=
einträchtigt
. In den dunklen Nächten der erſten Hälfte
ſehen wir ſchon gegen 10 Uhr abends die von hellen
Sternen beſäten Winterbilder im Oſten emporſteigen.
Allen voran ſchreitet der Orion mit Gürtel, Schwert und
Schild, zuerſt noch in ſtark geneigter Lage, nach und nach
aber ſich aufrichtend. Ihm, dem großen Jäger, Nimrod
bei den Babyloniern, folgen bald der Kleine Hund und
der Große Hund der letzte mit dem hellſten aller Fix=
ſterne
Sirius. Grade über dem Orion bemerken wir
den Stier zwiſchen deſſen Hauptſterne Aldebaran und
Siebengeſtirn jetzt der Planet Saturn ſtrahlt. Links neben
dieſem wieder ſtehen Fuhrmann und Zwillinge‟ Die
Milchſtraße ſteigt im Oſten ſenkrecht empor, durchſchreitet
den Zenit, wo gerade das ſchöne W der Caſſiopeja fun=
kelt
, und fällt darauf ſenkrecht zum Weſten ab, ſchon in
mittlerer Höhe ſich in zwei Ströme gabelnd. Rechts neben
ihr glänzt hier die helle Wega in der Leier. Im Nor=
den
breiten ſich die ſieben Hauptgeſtirne des Großen
Bären oder Wagens aus, während tief am Nordweſt=
horizont
Bootes und Krone zu finden ſind.

Zur Einweihung der neuen Orgel in der
Stadtkapelle.
Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.

Am 3. November, dem Reformationsfeſt, wird die
neue Orgel der Stadtkapelle ihrer Beſtimmung übergeben
werden. Dieſe Tatſache gibt mir Veranlaſſung, über das
alte Werk, das durch dieſe neue Orgel erſetzt wird, einiges
hier mitzuteilen. Und da dies alte Werk, im Unterſchied
von unſerer neuen Orgel, von einer hochherzigen Frau
geſtiftet ward, mögen im Zuſammenhange gleichzeitig
die Stiftungen aufgezählt werden, die zur ſelben Zeit wie
die alte Orgel für die Stadtkapelle gemacht worden ſind.
In den 60er Jahren herrſchte in den Darmſtädter
kirchlichen Kreiſen nur eine Stimme darüber, daß das
alte Kapellchen, das auf eine Geſchichte von über 200 Jah=
ren
zurückſchaute, den Bedürfniſſen einer neuen Zeit nicht
mehr entſpreche. Da ein Umbau unmöglich war, wurde
der Plan zu einem Neubau ausgearbeitet, und nach langen
Verhandlungen, deren Darſtellung ich mir, da ſie für das
Darmſtadt der 60er Jahre äußerſt charakteriſtiſch ſind, für
ſpäter vorbehalte, im Mai 1868 mit dem Abbruch des alt=
ehrwürdigen
Kirchleins begonnen, nachdem am zweiten
Oſtertag 1868 von dem erſten Stadtpfarrer, Oberkonſi=
ſtorialrat
und Doktor der Theologie Rinck die letzte Pre=
digt
in ihm gehalten worden war. Der Neubau nahm die
Zeit von zwei Jahren in Anſpruch. Am 22. Mai 1870,
wenige Wochen vor Ausbruch des Krieges konnte das
nach dem Plan des Stadtbaumeiſters Hechler herge=
ſtellte
neue Gotteshaus ſeiner Beſtimmung übergeben
werden. Die Baukoſten trug die Stadt. Sie erreichten
die Höhe von 39608 fl. 26 Kreuzer. Daß die neue Kirche
nicht mehr koſtete, hing damit zuſammen, daß für die
Innenausſtattung bedeutende Schenkungen und Stiftun=
gen
gemacht wurden. Die teuerſte war die Stiftung
der Orgel, die jetzt, nach 42jährigem Daſein, dem
neuen Werk hat weichen müſſen. Sie iſt von Frau Mag=
dalene
Merck, geborenen Hofmann, Witwe des
Obermedizinalrats Merck, geſchenkt und von dem Darm=
tädter
Orgelbauer Heinrich Keller gebaut worden,

Die Koſten, die Frau Merck einſchließlich der Verzierung
und Vergoldung trug, beliefen ſich auf 1600 Gulden. Neben
dieſem Hauptgeſchenk wurden zur Zeit der Kapellenein=
weihung
im Jahre 1870 noch folgende Stiftungen für die
neue Kirche gemacht:
1. Das Glöckchen der Kapelleiſt eine Stiftung
des Großherzogs Ludwig III. Es trägt auf der Vor=
derſeite
die Inſchrift: Ludwig III., Großherzog von
Heſſen und bei Rhein, der vereinigten evangeliſchen Civil=
gemeinde
ſeiner Reſidenz Darmſtadt bei Erneuerung der
Stadtkapelle 1870. Auf der Rückſeite iſt zu leſen: Herr,
thue meine Lippen auf, daß mein Mund Deinen Ruhm
verkündige. Pſalm 51, 17. Ehre ſei Gott in der Höhe.
Luk. 2, 14.
2. Die Stiftung des Altars übernahm mit 500 fl.
Frau Maria Eliſabeth geborene Emrich
Witwe des Bürgers und Rentners Johann Jakob
Diefenbach.
3. Die Koſten für die Kanzel wurden mit 350 fl.
beſtritten von Oberforſtrat Eduard von Stockhau=
ſen
und deſſen Gemahlin Marie Antonie geborene
von Mettingh.
4. Das der Kanzel gegenüber angebrachte Oelbild
Chriſtus bei Martha und Maria iſt geſtiftet von Frau
Bernhardine geborene v. Flotow der Ehefrau des
Gutsbeſitzers Berthold Rößner. Es iſt gemalt von
dem Hofmaler Noack und auf 1000 fl. Wert taxiert.
5. Die gemalten Fenſter der Kapelle gingen
aus dem Etabliſſement von Dr. Oidtmann & Co. in
Linnich bei Aachen hervor. Zu der Anſchaffung des erſten
ſtiftete Fabrikant Heinrich Keller 500 fl., für das zweite
Rentner Wilhelm Schwab 300 fl., für das dritte die
Brüder Karl, Georg und Wilhelm Merck 300 fl.,
für das vierte Chorfenſter mit Ornamenten Geheimer
Oberfinanzrat Auguſt Seederer 200 fl. Das fünfte
bezahlte die Stadt.
6. An der Anſchaffung der Tauf= und Abend=
mahlsgerät
=
1, 2 Kelche, 1 Hoſtienkapſel,
2 Patenen, 1 Taufſchüſſel, 1 Taufwaſſerkanne, 2 Altar=
leuchter
), die von dem Beigeordneten Georg Appfel an=
geregt
worden war, beteiligten ſich etwa 70 angeſehene

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

zug hat einen guten Ertrag geliefert. Es wurden
15 Zentner vorzügliche Karpfen, Schleien und Weißfiſche
gefangen, die bei billigen Preiſen guten Abſatz fanden.
Nach Beendigung der Renovierungsarbeiten nächſter
Woche beginnt die Füllung des Woogs, die etwa
23 Wochen dauern wird, ſo daß bei eintretendem Froſt
derſelbe wieder als Eisbahn in Betrieb genommen
werden kann.
Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 5 des Adreß=
buches
für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter Fuchs,
Adam bis Gutekunſt, Franz liegt im Hauptmelde=
bureau
, Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13,
während der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vor=
mittags
und 2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 5. No=
vember
vormittags zur Einſichtnahme offen.
* Orpheum. Der morgige Sonntag bringt in zwei
Vorſtellungen das geſamte neue Programm, während
heute Samstag der ubliche Familienabend ſtattfindet. Für
die Sonntag=Nachmittags=Vorſtellung treten die bekann=
ten
billigen Eintrittspreiſe in Kraft, während den Be=
ſuchern
derſelben das vollſtändige Abend=Programm ge=
boten
wird. Der neue Spielplan dürfte ſich nach jeder
Richtung den voraufgegangenen Darbietungen als durch=
aus
ebenbürtig anſchließen. (S. Anz.)
* Ludwigshöhe. Unter der Aegide des neuen In=
habers
des beliebten Etabliſſements findet morgen das
erſte Sonntags=Konzert ſtatt. Die Ausführung
obliegt der Kapelle des Leibgarde=Regiments und iſt, dem
vorliegenden Programm nach zu urteilen, auf einige ge=
nußreiche
Stunden zu rechnen. (Siehe auch Anz.)
* Der 1. Darmſtädter Kino, Grafenſtraße, bringt ab
Samstag, den 2. November, in ſeinem Schlagerprogramm
zwei Dramen, dergleichen in letzter Zeit wenig geſehen
wurden; nicht allein das Spiel iſt ein erſtklaſſiges, ſon=
dern
die Beſucher haben auch Gelegenheit, in den Dramen
die ſchönſten Fleckchen Erde zu ſehen. Für humoriſtiſche
Films wie auch wundervolle Naturaufnahmen iſt eben=
falls
Sorge getragen. (Siehe Anzeige.)
gs. Unfall. Von einem Neubau auf der Mathilden=
höhe
ſtürzte geſtern vormittag ein Taglöhner einen
12 Meter tiefen Schacht hinunter. Der Verunglückte,
der ſchwere Kopf= und innere Verletzungen davongetragen
hat, wurde von der Rettungswache in das Städtiſche
Krankenhaus gebracht.
§ Einbrecher feſtgenommen. Am Donnerstag
haben in der Aktienziegelei zwei Gelegenheits=
arbeiter
einen Einbruch verübt und Gegen=
ſtände
im Werte von über 30 Mk. entwendet. Die Ein=
brecher
wurden abgefaßt und feſtgenommen.
§ Aus dem Arbeitshaus Dieburg wurden
während des Oktobers 15 Perſonen, welche daſelbſt kor=
rektionelle
Nachhaft verbüßten, entlaſſen. Die längſte
Dauer der Nachhaft betrug bei zwei Perſonen je 365 Tage
upd dle kürzeſte Dauer bei einer Perſon 34 Tage.
* Eine Kriegskarte der Balkanhalbinſel befindet ſich
auf Seite 40 des heutigen Tagblatts. Sie dürfte unſeren
Leſern willkommen ſein, da ſie die Orientierung über den
jeweiligen Stand der Operationen an Hand der Kriegs=
berichte
bedeutend erleichtert.

Ober=Ramſtadt, 1 Nov. In der in der Starken=
burg
abgehaltenen Verſammlung des Odenwald=
klubs
, Sektion Modautal, wurde beſchloſſen, im Gaſt=
haus
zum Löwen ein Wohltätigkeitskonzert
zum Beſten der durch das N.=Modauer Bankun=
glück
Geſchädigten abzuhalten. Der Abend iſt ſo ge=
dacht
, daß außer dem Konzert ſelbſt, das in Händen der
beſten Kräften liegt Herr Fabrikant Murjahn, Herr
Dr. Daab und Herr Diplom=Ingenieur Otto Nold, Darm=
ſtadt
noch ein Theaterſtück und einige Sologeſänge, an
denen ſich Fräulein Daab und Herr Fabrikant Roden=
häuſer
in liebenswürdiger Weiſe beteiligen, zur Auffüh=
rung
kommen werden. Die Aufführung des Theaterſtücks
liegt in den bewährten Händen des 2. Vorſitzenden, Herrn
Lehrer Hofmann, deſſen Perſönlichkeit für eine gediegene
Auswahl des Stückes und der Perſonen bürgt. Selbſtver=
ſtändlich
findet nach dem muſikaliſchen Teil ein Tänzchen
ſtatt. Der Eintrittspreis iſt mit 1 Mark für die Perſon
ſo gering bemeſſen, daß ſich wohl jeder dazu entſchließen
wird, ſich recht bald eine Karte im voraus zu ſichern. Im
übrigen wird noch bemerkt, daß der Wohltätigkeit keine
Schranken geſetzt ſind und Beträge von dem erſten Vor=
ſitzenden
oder Kaſſierer jederzeit dankend entgegen ge=
nommen
werden. Herr Kommerzienrat Heinrich Lanz
in Mannheim ſpendete der hieſigen Sektion zum Beſten
für N.=Modau 100 Mark.
R. Jugenheim, 1. Nov. Der Konzert=Verband
der unteren Bergſtraße veranſtaltete das erſte der vier
Konzerte die er im Laufe dieſes Winters im Hotel
zur Krone in Jngenheim zu bieten gedenkt. Da in jedem
der in Betracht kommenden Orte in gut geleiteten Geſang=
vereinen
eifrig die edle Sangeskunſt gepflegt wird, glaubte
der Konzert=Verband vielen eine beſondere Freude zu

machen, indem er einen ganzen Abend dem Kunſtgeſang
widmete. Wie ſehr er damit einem allgemeinen Wunſch
entgegengekommen iſt, bewies der Anblick des Saales, in
dem nur wenige Stühle unbeſetzt geblieben waren. Um
etwas wirklich Vorzügliches zu bieten, hatten die Veran=
ſtalter
eine Künſtler=Vereinigung geladen, der ein ſehr
guter Ruf vorausging: das Darmſtädter Vokal=
Quartett: Frau Sophie Schmidt=Illing
(Sopran), Fräulein Elſe Diefenthäler (Alt),
Herr Franz Müller (Tenor) und Herr Alfr. Ste=
phani
(Baß). Und wahrlich, was dieſes Quartett uns
bot, dürfte kaum zu übertreffen ſein. Die Zuhörer ſchwelg=
ten
in Wohllaut, als dieſe ausgezeichnet geſchulten Stim=
men
vereint den Raum füllten, und wurden nicht müde,
ihnen zu lauſchen. Weihevoll eröffnete das Benedictus
von Mozart den Abend; es folgten drei Quartette von
Brahms, mit Klavierbegleitung, vier Volkslieder a ca-
pella
, und zum Schluſſe vier Zigeunerlieder, mit Klavier=
begleitung
, von Brahms. Zwiſchendurch trug Herr Franz
Müller drei Lieder vor, und Frau Schmidt=Illing ver=
einigte
ſich mit Herrn Stephani zur Wiedergabe des herr=
lichen
Duetts aus Haydns Schöpfung: Holde Gattin,
dir zur Seite, fließen ſanft die Stunden hin. Den Zu=
hörern
floſſen ſie nur zu ſchnell dahin, denn wie man ſieht,
war das Programm ſehr abwechſelungsreich zuſammen=
geſtellt
worden. Es fehlte natürlich nicht an begeiſterten
Beifallsbezeugungen, wofür ſich die ſichtlich mit Luſt und
Liebe ſingenden Künſtler durch zwei Zugaben erkenntlich
zeigten. Herr Hofkonzertmeiſter Schmidt, der den Kla=
vierteil
der Kompoſitionen freundlichſt übernommen hatte
und mit feinſtem Anpaſſungsvermögen ausführte, trug
nicht wenig dazu bei, die Darbietungen zu vollendeten zu
machen. Allgemein war der Wunſch, das Darmſtädter
Vokal=Quartett möglichſt bald wieder bei uns zu ſehen.
Lindenſels, 1. Nov. Am verfloſſenen Kirchweih=
ſonntage
ließen einige junge Leute mehrere zuſammen=
gekoppelte
Ballons ſteigen. Auf einer angehängten
Poſtkarte baten ſie den Finder um Nachricht. Geſtern
kam die Karte zurück. Die Ballons waren bei Röſchenbach
in der Oberpfalz gelandet. Vom 1. November bis zum
31. März wird auf der Strecke Bensheim-Lindenfels
der Autobetrieb eingeſtellt. Es verkehrt während
dieſer Zeit wieder der Poſtwagen täglich zweimal.
Das regneriſche Wetter der letzten Zeit hat unſere
Landwirte in ihrer Arbeit ſehr zurückgebracht. Die Kar=
toffeln
und die Rüben ſind immer noch nicht ganz nach
Hauſe gebracht; auf den Wieſen ſieht man vielfach noch
Grummet liegen, und Winterſaat iſt auch noch wenig be=
ſtellt
.
Offenbach, 1. Nov. Die geſtrige, unter dem Vorſitze
des Oberbürgermeiſters Dr. Dullo abgehaltene Stadt=
verordnetenſitzung
beſchloß, von dem Erlaß einer
Ortsſatzung über die Erhebung einer Filial= Waren=
hausſteuer
zurzeit Abſtand zu nehmen. Der
Oberbürgermeiſter wurde jedoch erſucht, aufgrund der Er=
gebniſſe
der neuen Steuerveranlagung Berechnungen vor=
zulegen
über die ſteuerliche Belaſtung der Filialgeſchäfte
und Warenhäuſer gegenüber den übrigen einſchlägigen
Gewerbebetrieben. Außerhalb der Tagesordnung bildete
der Schlachthofkonflikt zwiſchen Kreisamt und Stadtver=
waltung
den Gegenſtand einer längeren Ausſprache. Es
wurde beſchloſſen, keinen Direktor anzuſtellen und die
Fleiſchbeſchau dem Kreisamte zu überlaſſen.
Worms, 1. Nov. Die Ergebniſſe der Verkaufs=
tage
die in Heſſen ſtattgefunden haben, ſind unter Be=
rückſichtigung
der Größe der Städte bis jetzt ſtets ſteigend
geweſen. In Darmſtadt gingen 28000 Mark und
einſchließlich Geſchenke 40000 Mark, in Mainz 61000
Mark, in Offenbach 50000 Mark, in Gießen 58300
Mark ein. Hoffentlich ſchließt ſich der Verkaufstag in
Worms ſeinen Vorgängern würdig an. Es erſcheint zweck=
mäßig
, nachdrücklichſt zu betonen, daß der Verkauf der
Gegenſtände mur am 9. November, von 3 Uhr nachmittags
bis ungefähr 9 Uhr abends, ſtattfindet, daß alſo nicht etwa
an einem folgenden Tage ein Nachverkauf ſtattfindet. Der
Zugang zu dem Verkaufstag befindet ſich in der Feſt=
hausſtraße
, an dem Eingang des Spielhauſes, wo ſich auch
die Kaſſen befinden. Wir machen nochmals auf den Vor=
verkauf
der Eintrittskarten aufmerkſam, der an den Stel=
len
erfolgt, die auf den öffentlich angeſchlagenen Plakaten
bezeichnet ſind. Am 9. November ſelbſt wird auch eine
Vorverkaufsſtelle auf dem Bahnhof eingerichtet werden,
um den von auswärts Kommenden die Möglichkeit zu
geben, ſich vor dem Eintritt in den Verkaufstag mit Ein=
trittskarten
zu verſehen. An dem Verkaufsſtand der
Großherzogin, der ſich auf der Bühne des Spielhauſes
befindet, und zu dem man auf breiten Treppen, die zu
dieſem Zweck erbaut werden, gelangt, wirken neben dem
Großherzog und der Großherzogin mit: Frau
Staatsminiſter Dr. Ewald, Frau Miniſter von Hom=
bergk
zu Vach, Herr Generaladjutant General Hahn
und Gemahlin, Herr Geheimerat Römheld und Ge=
mahlin
, Herr Hofmarſchall von Ungern=Stern=

berg und Gemahlin, Herr Kammerherr Freiherr von
Leonhardi und Gemahlin, Herr Oberjägermeiſter
Freiherr van der Hoop und Gemahlin, Baroneſſe
von Rotsmann, Baroneſſe von Bellersheim, die perſön=
lichen
Adjutanten des Großherzogs, die Herren von Maſ=
ſenbach
und von Schröder.
Gießen, 1. Nov. Seit längerer Zeit ſind hier Beſtreb=
ungen
im Gange, aus dem Heſſiſchen Kunſtver=
ein
auszutreten. Wie in der geſtrigen Sitzung der
Stadtverordneten mitgeteilt wurde, ſind dieſe
Beſtrebungen jetzt ſo weit gediehen, daß in den nächſten
Tagen die Gründung eines ſelbſtändigen
Oberheſſiſchen Kunſtvereins erfolgen wird.
Wie die meiſten hieſigen Mitglieder wird auch die Stadt
Gießen dem neuen Verein mit einem Jahresbeitrag von
100 Mark beitreten und ihm den Ausſtellungsſaal in dem
Turmhaus am Brand zur Verfügung ſtellen. Die Stadt=
verordnetenverſammlung
erklärte ferner ihr grundſätz=
liches
Einverſtändnis mit der Einführung einer Billett=
ſteuer
auf alle gegen Eintrittsgeld zugänglichen Veran=
ſtaltungen
, mit Ausnahme künſtleriſcher Darbietungen
(Theater, Konzerte uſw.) Man will damit hauptſächlich
die überhandnehmenden Kinematographentheater treffen
und bedauert, daß das Heſſiſche Geſetz nur eine Beſteuer=
ung
von höchſtens 10 Prozent des Billettpreiſes zuläßt.
Beigeordneter Grünewald will in ſeiner Eigenſchaft als
heſſiſcher Landtagsabgeordneter den Antrag ſtellen, daß
dieſe Beſchränkung aufgehoben wird. Eine Vorlage der
Bürgermeiſterei auf Verbeſſerung des Feuerlöſchweſens
durch Schaffung einer ſtändigen Feuerwache, Anſchaffung
einer Automobilſpritze und Einrichtung einer elektriſchen
Alarmvorrichtung wurde nach längerer Beſprechung ver=
tagt
. Die Einrichtung würde 80000 Mark einmalige und
7000 Mark dauernde Ausgaben verurſachen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 31. Okt. Das Eiſenbahn=
unglück
an der Jannowitzbrücke hat nun leiden
doch ein Todesopfer gefordert. Der 50 Jahre alte Bau=
arbeiter
Auguſt Klingenberg iſt im Krankenhaus Bethanien
ſeinen Verletzungen erlegen. Der Verſtorbene iſt jener
Mann, der beſinnungslos im Abteil eines Wagens des
Nordringzuges aufgefunden und mit einem Rettungs=
wagen
nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht wurden
Die bahnamtliche Unterſuchung der Schuldfrage bei dem
Eiſenbahnzuſammenſtoß auf der Station Jannowitzbrücke
iſt abgeſchloſſen. Die weitere Ermittelung liegt in den
Händen des Staatsanwalts. Bisher ergab ſich, daß nicht
den Lokomotivführer die Schuld trifft. Die Urſache des
Zuſammenſtoßes ſoll eine falſche Signalſtellung geweſen
ſein. Das Berliner Walhalla=Theater hat
wegen Zahlungsſchwierigkeiten geſchloſſen werden müſſen,
Den Schauſpielern wurden ihre Gagen nicht bezahlt, dier
Telephonverbindung wiurde wegen Nichtbezahlung der
Gebühren dem Theater abgeſchnitten, und geſtern hat auch
die Elektrizitätsgeſellſchaft die Weiterlieferung von Strom
unterbunden, weil die Direktion ſeit längerer Zeit für die
Stromlieferungen nichts bezahlt hatte. Die Direktion hat
den Konkurs angemeldet. Einen jähen Ab=
ſchluß
fand eine Verlobungsfeier, die in der
Familie des in der Schönhauſer Straße wohnhaften
Gürtlers Haſelau begangen wurde. Als ein Freund des
Bräutigams gerade den Trinkſpruch auf das Brautpaar
ausbringen wollte, ſtürzte der Regulator von der Wand
herab. Der unter der Uhr ſitzende Bräutigam wurde ſo
unglücklich getroffen, daß er eine ſchwere Verletzung an
Hals und an der Schulter erlitt und beſinnungslos zu
ſammenbrach. Bei dem Aufprall des Regulators auf dem
Tiſch wurden Gläſer, Teller und Taſſen zertrümmert, und
durch die umherfliegenden Scherben erlitten der Gürtler
Haſelau, ſeine beiden Töchter und die Mutter der Braut
Schnittwunden im Geſicht, am Kopf und am Hals. Einl
Arzt legte den Verunglückten Verbände an und ſorgte für
den Transport des Bräutigams nach dem Krankenhauſe.
Frankfurt, 1. Nov. In der geſtrigen geſchäftlichen
Sitzung des Frankfurter Journaliſten= und Schriftſteller=
Vereins referierte Redakteur M. Fleiſcher über den Streitt
zwiſchen der Frankfurter Muſeumsgeſell=
ſchaft
und der Frankfurter Zeitung. Nach ein=
gehender
Ausſprache wurde folgende Entſchließung ein=
ſtimmig
angenommen: Der Vorſtand der Frankfurter
Muſeumsgeſellſchaft hat den Verſuch unternommen, einem
Journaliſten die pflichtmäßige Ausübung ſeines Berufs
unmöglich zu machen, indem er zunächſt einen Druck auf
den Verlag ſeiner Zeitung und deſſen Aufſichtsrat, ſowiel
den Redaktionsverband ausübte und, als dies erfolglos
blieb, in einem offenen Brief dem Journaliſten und
weiterhin der Geſamtredaktion ohne Beweis unſachliche
Beweggründe bei der kritiſchen Beſprechung der Konzerte
unterſtellte. Der Frankfurter Journaliſten= und Schrift=
ſteller
=Verein, die örtliche Berufsvertretung der deutſchen

Bürger. Die Namen der an der Stiftung Beteiligten ſind
auf den Hauptſtücken eingraviert. Die Herſtellung der
ſtark verſilberten Geräte war dem Hofſilberwarenfabrikant
Ludwig Vietor übertragen. Sie koſtete 400 fl.
7. Das Altarkruzifix iſt eine Stiftung des Hof=
ſilberwarenfabrikanten
Ludwig Vietor und des
Schreinermeiſters Friedrich Quiring; erſterer lie=
ferte
die verſilberte Chriſtusfigur, letzterer das Kreuz=
geſtell
.
Je eine Altardecke ſtifteten Wilhelmine
Melchior und Johanna geborene Härtel Ehe=
frau
des Bankbuchführers und Leihbibliothekars Adalbert
Amelung. Die letztgenannte Altardecke war von der
Stifterin und deren beiden Töchtern Emilie und Charlotte
Amelung in halbjähriger Arbeit hergeſtellt. Die Melchior=
ſche
Altardecke war eine Damaſtſerviette mit Gebilden aus
der Leidensgeſchichte; ein wertvolles Familienerbſtück.
9. Wenige Tage vor der Einweihung ließen Prinz
und Prinzeſſin Karl, Prinz und Prinzeſs
ſin Ludwig und Prin= Alexander gemeinſchaft=
lich
500 fl. überweiſen zur Beſtreitung der Koſten für das
Doppelportal und die Vorhalle.
Außer dieſen bei Gelegenheit des Neubaues gemachten
Stiftungen iſt zweier Stiftungen aus der vorhergehenden
Zeit Erwähnung zu tun, die gemacht wurden, um das
Projekt des Neubaues in Fluß zu bringen. Sie ſtammen
von zwei Darmſtädtern, die in Paris eine neue Heimat
gefunden hatten, den Herren Karl Pracht und Fried=
rich
Hegendörfer. Pracht ſtiftete im Jahre 1864
den noch vorhandenen, von ihm ſelbſt gefertigten vergol=
deten
Kronleuchter aus Bronze; Hegendörfer ein
von ihm nach einem Bild von Jakobs hergeſtelltes Glas=
gemälde
Chriſtus als Lehrer darſtellend. Dieſe beiden
Stiftungen haben eine merkwürdige Geſchichte durch=
machen
müſſen, bis ſie endlich in die Kapelle kamen. Von
dem Geſchick, das Prachts Kronleuchter betraf, ſchreibt
Pfarrer Ewald in der Kirchenchronik im Jahre 1866:
Herr Pracht, der ſein Geſchenk ſchon früher gemacht hatte,

lebt gegenwärtig in Darmſtadt; aber gleichwohl fragt kein
Menſch nach ſeiner wertvollen Schenkung. Der Stadtvor=
ſtand
hat den Kronleuchter am Durchzugsbalken des oberen
Rathausſaales aufhängen laſſen, mit einem grünen Stück
Zeug verhüllt, wie es die Schneider zum Umſchlag für
neue Kleider zu gebrauchen pflegen. Es iſt faſt zu ver=
wundern
, daß Herr Pracht ſein Geſchenk noch nicht zurück=
gefordert
hat. Hätte er es der Diakoniſſenhauskapelle ge=
widmet
, dort wäre ihm jedenfalls in anderer Weiſe begeg=
net
und gedankt worden. Das Hegendörferſche Glas=
fenſter
aber, das 1864 geſchenkt ward blieb zwei Jahre
lang, nachdem es eine Zeit lang im Muſeum ausgeſtellt
geweſen war, in einer Ecke des Großh. Staatsarchivs
ſtehen, bis Hegendörfer im Jahre 1866 in Darmſtadt er=
ſchien
und perſönlich für Anbringung in der alten Kapelle
ſorgte. Am 26. Auguſt dieſes Jahres konnten die Darm=
ſtädter
zum erſten Male das neue Werk in der Kapelle be=
wundern
, das ohne Hegendörfers Uebergriff wohl noch
Jahre lang dem Orte ſeiner Beſtimmung fern geblieben
wäre. Als im Jahre 1868 mit dem Neubau der Stadt=
kapelle
begonnen ward, wurde das Hegendörferſche Fen=
ſter
herausgenommen. Hegendörfer erklärte ſich bereit,
das Fenſter zurückzunehmen und dafür das mittlere
Hauptfenſter in der neuen Kirche auf eigene Koſten zu
übernehmen, falls man ihm die Herſtellung der übrigen
Fenſter übertrage. Dazu kam es wie bereits erwähnt
aber nicht. Die Folge war, daß das Glasgemälde,
das 18661868 die Kirche geſchmückt hatte, aus ihr wie=
der
verſchwand.

Bei Scholanders.

C Der Scholander=Abend hatte am Donners=
tag
wieder einen gefüllten Saal zu verzeichnen. Ein Be=
weis
, daß das liebenswürdige Künſtlerpaar ſich einen
dauernden Platz in den Herzen der Darmſtädter erſungen
hat. In dem hübſchen Saal der Vereinigten Geſellſchaft
kamen die doch immerhin für intimem Rahmen mehr ge=

eigneten Vorträge und Geſänge ganz vortrefflich zur
Geltung, und es herrſchte bald eine vorzügliche Stimm=
ung
, nachdem ſchon der einleitende humorvolle Entſchul=
digungsvortrag
des Herrn Scholander den nötigen Kon=
takt
zwiſchen Publikum und Künſtler ausgelöſt. Papa
Scholander, der Jüngling im Silberhaar, mit dem köſt=
lichen
, unverwüſtlichen Humor in Gemüt und Herz, mußtel
ſich nämlich wieder einmal entſchuldigen: Sein Verlegen
hatte die falſchen Programme geſandt, und es mußte wie=
der
improviſiert werden, wie bei ſeinem erſten Auftreten
in Darmſtadt. Dieſe Improviſation ſeines Programms
hatte aber das Erfreuliche für die zahlreichen Beſucher,
daß ſie eine ganze Reihe neuer Lieder kennen lernten, und
zwar Perlen aus deutſcher und franzöſiſcher Volkslied=
literatur
.
Wie ſie gebracht wurden? Iſt’s wirklich nötig, zu
verſichern, daß es einzig und köſtlich war, was das Künſt=
lerpaar
bot? Wohl kaum! Es könnte nur oft Geſagtes
wiederholt werden. So, daß die Stärke des Vortrages
Sven Scholanders eben in dem Vortrag liegt, der
durch feinpointierende Mimik den Geſang oft völlig erſetzt
und den Textgehalt der Dichtungen mit meiſterhafter
Sicherheit zeichnet. Und daß Liſa, die von dem Papa
die Schelmerei, das köſtlich Humorvolle geerbt hatz
ihn übertrifft in der ſchlichten, aber eindrucksvollen und
wirkſamen Kunſt ihres Geſanges. Das Künſtlerpaal
eröffnete den Abend mit Kotzebues Es kann ja nicht im=
mer
ſo bleiben brachte dann eine Blütenleſe deutſcher
und fremdſprachlicher Volks= und Schelmenlieder, von
denen Bierbaums Rieke im Manöver Das Mädchen
am Spinnrade‟ Die Henne‟ Die dumme Liſeden
ſtärkſten Beifall auslöſten, und ſchloß mit dem ſo unge=
mein
ſtimmungsreichen Die Glocken ſeine Solovorträge
und Duette. Der rauſchende Beifall am Schluß veranlaßte
wieder zum gemeinſamen Schlußgeſang Freut euchdes
Lebens den das Publikum bereitwilligſt mitſang. Ein
freudig Auf Wiederſehen dürfen wir abermals dem
Künſtlerpaar zurufen.

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 5.

Preſſe, ſieht hierin einen ſchweren Angriff auf die Unab=
hängigkeit
der Kritik und der Preſſe überhaupt. Im In=
tereſſe
der Oeffentlichkeit, die eine unbeeinflußte Kritik
erwartet, muß dieſer Angriff entſchieden abgewehrt wer=
den
. Der Verein erblickt den wirkſamſten Proteſt gegen
das Vorgehen der Muſeumsgeſellſchaft in dem allge=
meinen
Verzicht auf kritiſche Beſprechung ihrer Veran=
ſtaltungen
.
Frankfurt, 1. Nov. Freiherr von Müffling, Poli=
zeipräſident
a. D. in Frankfurt, iſt in ſeinem Landhauſe
zu Grebenheim nach kurzer Krankheit geſtorben.
Bebra, 1. Nov. Heute früh fuhr ein von Kaſſel kom=
mender
Güterzug einem von Göttingen eingefahrenen
Güterzug in die Flanke. Gegen 30 Wagen ent=
gleiſten
aus beiden Zügen; viele davon wurden zer=
trümmert
oder ſonſt ſtark beſchädigt. Auch die Ladungen
ſind zum Teil vernichtet. Die Urſache des Zuſammen=
ſtoßes
iſt Ueberfahren des Halteſignals durch den Kaſſeler
Zug. Das Perſonal blieb unverletzt. Die Gütergleiſe
wurden geſperrt. Der Perſonenverkehr war nicht unter=
brochen
. Der Materialſchaden iſt erheblich.
Havelberg in der Mark, 31. Okt. Ein aus 5000 Mün=
zen
im Geſamtgewicht von 25 Pfund beſtehender Fund
iſt dieſer Tage in Netzow unweit Havelberg gemacht wor=
den
. Bei der Herbſtbeſtellung eines Ackers wurden von
den Knechten, die mit ihren Pflügen ziemlich tief griffen,
eine Anzahl Topſſcherben und mehrere kleine dünne
Münzen herausgepflügt. Da die Münzen einen grün=
lichen
Ueberzug hatten und ein altertümliches Gepräge
aufwieſen, lag die Vermutung nahe, daß ſie nur die Vor=
läufer
eines größeren Münzenſchatzes ſeien. Bei weiteren
Nachgrabungen wurden denn auch zwei irdene Töpfe ans
Tageslicht gefördert, die bis obenhin mit Münzen gefüllt
waren. Das Metall beſteht aus einer Miſchung von Sil=
ber
und Kupfer. Die Prägungen ſind ſehr mannigfach,
auf einigen Münzen z. B. erblickt man eine männliche
Figur mit Krummſtab, andere Münzen zeigen eine Hand
mit geſpreizten Fingern, wieder andere Münzen veran=
ſchaulichen
einen Schützen mit einem Pfeil in der Hand,
Anſcheinend ſtammen die Münzen aus dem 14. Jahrhun=
dert
und ſind ſog. Brakteaten. Das Priegnitz=Muſeum,
das den Fund erworben hat, überſandte dem Königlichen
Münzkabinett in Berlin eine kleine Auswahl der Münzen.
Peſt, 31. Okt. Als der Präſident des Abgeordneten=
hauſes
Graf Tisza nach Sitzungsſchluß im National=
garten
frühſtückte, demonſtrierte eine große Menſchen=
menge
gegen ihn. Auf dem Nachhauſewege wurde er eine
Stunde nachher in einem Nebengarten mit Steinen
beworfen und mußte ſich in einen Hausflur begeben,
während die ihm folgenden Detektive telephoniſch von
der Polizei Hilfe erbaten. Graf Tisza äußerte, er fürchte
für ſich nichts, ſondern nur, daß ſeiner Frau auf dem
gleichen Wege Unannehmlichkeiten zuſtoßen könnten.
Peſt, 31. Okt. Die größte Schuhwarenfabrik
Ungarns, die Kobrak=Schuhwarenfabrik, Aktiengeſell=
ſchaft
, geriet in Zahlungsſchwierigkeiten. Der
leitende Direktor und Hauptintereſſent Alexander Neuge=
bauer
iſt flüchtig.
Madrid, 1. Nov. Ein ſchreckliches Automobil=
unglück
hat ſich bei Alicante ereignet. Dort ſtürzte ein
mit 9 Perſonen beſetztes Auto den Quai hinab ins
Waſſer Trotz ſofortiger Rettungsverſuche konnten ſämt=
liche
Inſaſſen des Autos nur als Leichen geborgen werden.
New=York, 31. Okt. Das Urteil gegen den
Polizeileutnant Becker lautet auf Hinrichtung
mittels Elektrizität, und zwar in der zweiten Dezember=
woche
. Gegen das Urteil, das der Richter Goff verkün=
dete
, wird Becker Berufung einlegen. Becker wurde ſofort
nach Sing=Sina in Einzelhaft gebracht; die Hinrichtung
iſt indeſſen verſchoben worden, da die Erledigung der Be=
rufung
ein Jahr in Anſpruch nehmen kann.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
uehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion iyr Urteil vor.

* Orpheum. Der Clou des neuen Programms iſt
Die Gſchamige Recht amüſant berichtet hierüber in
einer auswärtigen Zeitung ein Referat wie folgt: Die
ſüße Gſchamige zu ſehn, beſchloß ich, in die Stadt zu
gehn . . . Und es hatten ſich ihrer noch viele eingefunden,
denen man von Augen und Mundwinkeln ableſen konnte,
daß ſie von zweg’n der G’ſchamigen gekommen waren.
Das war durchaus keine Schande. Wer oder was iſt denn
eigentlich eine G’ſchamige? Das iſt die Frage. Eine
Gſchamige iſt eine Geſchämige, würde der grundgeſcheite
Berliner definieren. Derratn! würde darauf die

Gſchamige ſagen, weils nämlich nicht richtig iſt. Ge=
ſchämig
und g’ſchamig ſind zwei grundverſchiedene Be=
griffe
; ungefähr wie Nepomuck und Mucki, tanzen und
drahn, Halberſtädter und Weißwurſcht. Das ſind doch
immer zwei Paar Stiefel; was mir auch jeder Nichtſchuſter
beſtätigen wird Eine Geſchämige iſt etwas Moraliſches,
das ſich von ſelbſt verſteht; die G’ſchamige will jenſeits
von Gut und Böſe bewertet ſein. Dabei kommſt du dann
zu dem Ergebnis, daß mit der G’ſchamigen jeder Mann
von Reputation einen Pakt ſchließen kann. Das iſt na=
türlich
nur bildlich, nur geiſtig gemeint. Was wäre
übrigens nicht bildlich in dieſem Leben? Alles Vergäng=
liche
iſt ja nur ein Gleichnis. Die Gſchamige iſt ein Pro=
dukt
ihrer Zeit. Sie muß nämlich eine unmittelbare Ver=
gangenheit
beſitzen. Vergangenheit beileibe nicht im
Sinne von Vorſtrafe! Sie hat lediglich eine Münchener
Karnevalsredoute hinter ſich; alſo etwas rein Sachliches.
Und weil die Liesl g’ſchamig iſt, nicht nur geſchämig, be=
hält
ſie hartnäckig die Maske auf dem Geſicht, als ſie nach
der Redoute in beſchaulicher Einſamkeit mit ihrem Re=
doutenkavalier
, dem Hans, plauſcht. Wo? Es wäre
äußerſt ungalant, ſeine Naſe in den Privatangelegen=
heiten
anſtändiger Leute begraben zu wollen. Nun wird
der oder die Nichteingeweihte darauf brennen, daß ich den
ganzen Diskurs zwiſchen Hans und Liesl nach der Re=
doute
hier gefällig ausbreite. Nicht zu machen! Vielleicht
genügt die mit gewiſſenhaften Beobachtungen beſchwerte
Feſtſtellung, daß ich, ſoweit geſtern abend mein Auge
reichte, niemanden auch nur eine Sekunde erröten ſah.
Dagegen mußten wir alle zuſammen immer wieder ſo
herzhaft lachen, daß einem die von vielen Medizinern be=
haupteten
wohltätigen Wirkungen des Lachens wieder ein=
mal
offenbar wurden. Auf den Gedanken, das Zwie=
geſpräch
zwiſchen dem Tauſendſaſſa Hans und Liesl der
G’ſchamigen zu ſchreiben, iſt ein kluger Kopf durch ein be=
kanntes
Bild des leider ſo früh verſtorbenen Zeichners F.
von Reznicek gekommen. Die Bühnenbearbeitung nimmt
denn auch mit Scharfblick und Raffinement Rückſicht auf
reizende Situationen, Bilder und Geſten, die wert wären,
feſtgehalten zu werden. Vera Forſt ſpielt die G’ſchamige
nit einem Temperament und ſo köſtlichem Uebermut, daß
man vermeint, ein Stück Reznicekſcher Kunſt ſei lebendig
geworden. Robert von Valberg als Hans iſt der ge=
borene
Reznicekkavalier. Das Zuſammenſpiel des blitz=
ſaubern
Paares iſt von entzückender Natürlichkeit und
Friſche. Und wie endet der Dialog? werden viele fragen.
Hochanſtändig, meine Gnädiaſte. Ich gebe ja gerne zu,
daß man das Gehabe Liesls an mancher andern Dame
unqualifizierbar finden würde, aber dieſer ſüßen
G’ſchamigen iſt man geneigt, alles, alles zu verzeihen.
O 54. Klaſſiſcher Loewe=Balladen=Abend
von Karl Götz=Loewe am Montag, den 4. November,
im Saale der Traube‟. Der ausgezeichnete Künſtler, zu
deſſen Ruhm kaum noch etwas geſagt werden braucht,
vird in ſeinem Loewe=Balladen=Abend am Montag u. a.
zu Gehör bringen: Goethe=Loewe: Der Du vom Himmel
biſt. Ich denke Dein. Der Erlkönig, Op. 1. Chopin:
Hans Hautz: G-moll=Ballade. Lieblings=Ballade Seiner
Maieſtät: Kaiſer Heinrichs V. Waffenweihe (Schwab).
Franz Liſzt: Hans Hautz: A-moll=Etude. Campanella.
Liebliegsballade von Franz Liſzt: Der Mutter Geiſt ( alt=
ſchottiſch
) von Loewes Schwägerin. Thereſe Amalie Luiſe
von Jakob=Taloy, ins Deutſche überſetzt. Karl Götz
hat ſein neueſtes Werk Carl Loewe, ein Kultur=
verk
, fertiggeſtellt. Profeſſor Dr. Leop. Hirſchberg=
Zerlin hat in zwei bedeutenden Muſikzeitungen Deutſch=
lands
an 37 Loewe=Balladen, darunter Erlkönig die
beiden Hauptmotive Feuerzaubermotiv und Reit=
motiv
nachgewieſen, die Wagner von Loewe, teilweiſe
ohne zu ändern. entnommen hat; eine Tatſache, die ſelbſt
dem blinden Wagnerianer Kopfſchmerzen machen muß.
s weht eben in dem ganzen Wagnerſchen Schaffen Loe=
weſcher
Geiſt. Dieſe Tatſache dürfte ſchon allein einen
gewaltigen Sieg bekunden. (Den Kartenverkauf regelt, wie
mitgeteilt, die Firma Gg. Thies Nachfl., Leop. Schutter.)

Vom Heilſtättenverein.

* Der Vorſtand des Heilſtättenvereins
für das Großherzogtum Heſſen verſendet ſoeben ſeinen
1911er Geſchäftsbericht und die Einladungen zur ordent=
lichen
Mitgliederverſammlung, die diesmal in Worms
im Rathausſaal, Hagenſtraße, Samstag, den 9. Novem=
ber
I. J., vormittags 11 Uhr, abgehalten wird. Auf der
Tagesordnung ſtehen: 1. Geſchäftsbericht für das Jahr
1911 und Bericht über den dermaligen Stand der Tuber=
kuloſebekämpfung
in Deutſchland. 2. Abhör der Rech=
nung
für das Jahr 1911. 3. Vorſchlag für das Jahr 1913.
4. Ausloſung und Neuwahl von Mitgliedern des Landes=

ausſchuſſes. 5. Wahl zweier Rechnungsreviſoren und
zweier Stellvertreter. 6. Vortrag des Herrn Prof. Dr.
Jeſionek=Gießen über Heliotherapie und ihre An=
wendung
bei Tuberkuloſe. Hierauf: Sitzung des Landes=
ausſchuſſes
. Tagesordnung: Ausloſung und Neuwahl
von Mitgliedern des Vorſtandes. Alsdann: Sitzung des
Vorſtandes. Den Damen und Herren iſt Gelegenheit ge=
boten
, nachmittags den Verkaufstag Ihrer Königlichen
Hoheit der Großherzogin, der in dem Feſtſpielhauſe ſtatt=
findet
, zu beſuchen.
Dem Geſchäftsbericht entnehmen wir kurz fol=
gendes
: Im Eigentum des Vereins ſtehen die Eleono=
ren
=Heilſtätte bei Winterkaſten i. O. und das dem=
nächſt
zur Eröffnung kommende Lupusheim in
Gießen. Erſte iſt ſtändig belegt; im Jahre 1911 wurden
37003 Pflegetage bei 560 Pfleglingen erzielt. Ihre Er=
richtung
war nur mit Hilfe einer Anleihe bei der Landes=
verſicherungsanſtalt
moglich. Auch das Lupusheim, für
das ſchon jetzt zahlreiche Anmeldungen vorliegen, muß
mit einer beträchtlichen Hypothek belaſtet werden, ſonſt
wäre ſeine Erbauung nicht möglich geweſen. Das Lupus=
heim
erſteht als erſtes ſeiner Art in Deutſchland. Die
beiden Stationen für tuberkulöſe oder
tuberkulös=gefährdete Kinder im St. Boni=
fatiuskrankenhaus
in Hirſchhorn für Knaben und im evan=
geliſchen
Krankenhaus in Lampertheim für Mädchen ſind
ebenfalls Einrichtungen des Heilſtättenvereins. Auch
dieſe ſind ſtändig beſetzt und bewähren ſich, wie die
Eleonoren=Heilſtätte, beſtens. Die Fürſorgetätigkeit
des Vereins war im Jahre 1911 ſehr umfangreich. Nicht
weniger wie 23 220 Mark hat er teils in der Form von
Ermäßigungen des Pflegeſatzes, teils als Zuſchüſſe zu
Kuren, als Beihilfen an Kindererholungsheime und Für=
ſorgeſtellen
und von Sachleiſtungen (Milch. Eier, Fleiſch,
Butter, Betten, Liegeſtühle uſw.) aufgewendet. Auch die=
ſer
Zweig der Fürſorge wirkt ſehr ſegensreich. Die Zahl
der Vereinsmitglieder betrug Ende 1911 1548 mit 11137
Mark Jahresbeiträgen gegen 1497 mit 9782 Mark im
Vorjahre. Dem Geſchäftsbericht ſind noch intereſſante
ſtatiſtiſche Darſtellungen der ärztlichen Leiter der Eleono=
ren
=Heilſtätte und der beiden Kinderſtationen beigegeben,
ferner der Rechnungsauszug und der Vermögens=
nachweis
.
Die Geſamteinnahmen des Vereins einſchließlich der
Betriebseinnahmen der Eleonoren=Heilſtätte beziſfern ſich
auf 186 250 Mark, die Geſamtausgaben einſchließlich der
Betriebsausgaben der Eleonoren=Heilſtätte auf 179807
Mark. Das Vermögen des Vereins (Buchwert der Heil=
ſtätte
uſw.) beträgt 707042 Mark, die Schulden (Hypothek
bei der Landesverſicherungsanſtalt) 500000 Mark, ſo daß
Ende 1911 ein Reinvermögen von 207042 Mark zu ver=
zeichnen
war.
Der Heilſtättenverein hofft und zwar insbeſondere
in Rückſicht auf ſeine weitere Inanſpruchnahme durch das
Lupusheim , daß ihm recht viele Körperſchaften und
Privatperſonen als Mitglieder beitreten möchten, damit
ihm die Erfüllung wenigſtens ſeiner dringendſten Auf=
gaben
ermöglicht wird.

Luftfahrt.

sr. Einen Angriff auf den Diſtanzwelt=
rekord
für Freiballons hat der bekannte franzö=
ſiſche
Freiballonführer Dubois infolge der ausgezeichne=
ten
Reſultate, die das letzte Gordon=Bennet=Rennen ge=
zeitigt
hat, unternommen. Dubois ſtieg mit ſeinem Bal=
lon
Codoc am Mittwoch nachmittag kurz nach ½5 Uhr
in Biarritz auf. Die Windſtrömung war günſtig. Der
Ballon wurde nach Deutſchland zu getrieben.
H. B. Paris, 1. Nov. Der franzöſiſche Flieger=
Leutnant Poutrin, der am 18. Oktober bei einer
Landung auf dem Exerzierplatz in Laons einen Trupp
Soldaten vor ſich ſah und um dieſem auszuweichen, über
eine Baumgruppe fliegen wollte, dabei aber in einem
Baum hängen blieb und abſtürzte, iſt geſtern früh im
Militär=Lazarett von Laons ſeinen Verletzungen
erlegen. Einige Tage vor ſeinem Tode war dem
Offizier das Kreuz der Ehrenlegion überreicht worden.

Sport.

* Fußball. Am Sonntag, den 3. November, findet
das 2. Verbandsſpiel der 1. Mannſchaft der Turngemeinde
Beſſungen gegen die gleiche Mannſchaft der Turngemeinde
Griesheim um die Meiſterſchaft des Mittelrhein=Gaues,
auf dem hieſigen Exerzierplatz, ſtatt.
Der Darmſtädter Sportklub 1905 ſtellt
am Sonntag, den 3. November, drei Mannſchaften ins

Feuilleton.

W-l. Großh. Hoftheater. Wolf=Ferraris bühnen=
wirkſame
Oper Der Schmuck der Madonna zu
deren Erſtaufführung im April dieſes Jahres Herr Hof=
theatermaler
Kempin eine entzückende ſtimmungsvolle
Szenerie geſchaffen hat, gelangte am Donnerstag mit ge=
ringen
Aenderungen in der Beſetzung und mit ſtarkem Er=
folge
unter Leitung des Herrn Kapellmeiſters Leert wie=
der
zur Aufführung. Die beiden Hauptpartien der Maliella
und des Gennaro wurden wieder von Frl. Geyers=
bach
und Herrn Becker geſungen, deren ſtimmliche und
geſangliche Leiſtungen auf gewohnter Höhe ſtanden und
neben der des Herrn Weber als Rafgele der Auffüh=
rung
in erſter Linie Gelingen und Erfolg ſicherten. Die
Partien der Carmela und der Stella wurden erſtmalig
von den Damen Jacobs und Kallenſee geſungen,
die ihren Vorgängerinnen nicht nur nicht nachſtanden,
ſondern ſie zum Teil noch übertrafen. Die übrige Be=
ſetzung
war dieſelbe geblieben und die Aufführung ſelbſt,
an der das Publikum lebhaftes Intereſſe nahm, hinter=
ließ
einen ſehr befriedigenden Eindruck.
C. K. Königliche Samariterinnen. Als bei den grie=
chiſch
=türkiſchen Kämpfen von Sarandoporo die Geſchütze
donnerten und das Gewehrfeuer knatterte und hinter den
vordringenden Griechen das Feld immer weiter wurde,
auf dem ſtöhnende Verwundete und niedergeſunkene
Kämpfer in ihrem Blute ſeufzten, eilten haſtig Frauen
in der Tracht der Krankenpflegerinnen über die Stätte des
Grauens und des Leides, ſuchten Hilfe und Troſt zu ſpen=
den
, verbanden klaffende Wunden und retteten, ſoweit
ihre Kraft reichte. An der Spitze dieſer Frauen aber, als
eifrigſte von allen und zugleich als Führerin, ſah man
eine hohe Geſtalt mit ſtolzer, freier Stirn: Prinzeſſin
Alice von Griechenland (geb. Prinzeſſin von
Battenberg), die Gemahlin des Prinzen Andreas, des
vierten Sohnes des Königs. In aller Haſt hatte ſie bei
Ausbruch des Krieges ihre Schar der Pflegerinnen orga=
niſiert
und war hinausgeeilt zum Schauplatze des
Kampfes. Schritt um Schritt folgt ſie nun der Armee,
ſpendet auf dem Gefechtsfelde den Verwundeten die erſte
Hilfe; man nennt ſie im Heere nicht Hoheit, nicht Prinzeſ=

ſin, ſchon hat ſie einen neuen Namen erhalten, den jeder
kennt, ſie iſt der tröſtende Engel ſie iſt die Seele des
Krankendienſtes. Und ihr Wirken, ſo berichtet aus La=
riſſa
der engliſche Kriegskorreſpondent Sinclair Pooley,
iſt doppelt ſegensreich, denn der Ambulanzdienſt konnte
dem überraſchend ſchnellen Vordringen des Heeres nicht
folgen, und in der Krankenpflege liegt in dieſem Kriege
ja vieles im Argen. Lariſſa ſelbſt iſt von Verwundeten
überfüllt, die aus der Schlacht von Sarandoporo ſtam=
men
, und noch jetzt bringen Tag um Tag Züge und
Ochſenwagen Opfer des Kampfes zu den Hoſpitälern. Die
drei Krankenhäuſer reichen nicht im entfernteſten für die
Bedürfniſſe aus. Mit einem Hoſpitalzua eilte die Prin=
zeſſin
Helena, des Kronprinzen Tochter, nach La=
riſſa
, um zu helfen. Ein ſchweres Amt. Sie ſelbſt er=
zählte
dem Engländer von den Schwierigkeiten; ſie ſtand
mitten im Bahnhof unter den Verwundeten, die Binden
in der Hand, und rief ſchmerzvoll aus: Nur drei Wochen
Zeit der Vorbereitung für all dieſes hier. Ach, das war
zu wenig und dabei iſt dies nur der Anfang. Im glei=
chen
Augenblick lief ein Zug aus Volo ein, dem die =
nigin
Olga entſtieg. Geraden Wegs eilte ſie ins
Krankenhaus, ging von Bett zu Bett, dankte den Verwun=
deten
, ſuchte zu tröſten. In einem Wagen dritter Klaſſe,
der als Lazarett dient, weilte ſie über eine halbe Stunde
an dem Bette eines jungen Soldaten, der einen Schuß
durch die Lungen erhalten hatte. Er wollte nicht heim
nach Athen. Ich kann kämpfen, kann ſchießen, nur hier
tut mir’s weh. Und er wies auf die Bruſt. Er weiß
nicht, daß die Wunde tödlich iſt. Die Königin aber
weinte und über beide Wangen rannen die Tränen. . .
* Der Zylinderhut im Reiche der Mitte. Bei uns
bemüht man ſich, den Zylinderhut ein wenig zurückzu=
drängen
, ins Reich der Mitte hält er jetzt ſeinen glor=
reichen
Einzug! Bei allen offiziellen Gelegenheiten iſt
es Vorſchrift, ihn zu tragen; ſo will es die neue Kleider=
ordnung
, die die Chineſen auf dem republikaniſchen Kon=
greß
in Peking, nachdem ſie die ſchickſalsvolle Frage in
zehn langen, ſchweren Sitzungen gründlich durchberaten
hatten, beſchloſſen haben. Der Streit der Meinungen
war lebhaft, ja oft ſtürmiſch; einen ganzen Tag lang
wurde allein um den Hut erbittert gekämpft, aber ſchließ=
lich
hat man ſich doch geeinigt, und es wurde folgende

Kleiderordnung angenommen, die der Gaulois in fünf
Paragraphen reſümiert: 1. Alle chineſiſchen Beamten,
ohne Unterſchied des Grades, werden nach europäiſcher
Art gekleidet ſein, d. h. ſchwarzer Rock, Zylinderhut mit
chineſiſcher Seide und Lederſchuhzeug. (Die Hoſe wird
mit keinem Wort erwähnt!) Der kleine Filzhut, und
zwar der ſteife oder der weiche, wird zuſammen mit
Jackett oder kurzem Rock für die Promenade erlaubt.
2. Alle Bürger, die nicht Beamte ſind, müſſen wie die
Beamten gekleidet ſein, wenn ſie an offiziellen Feierlich=
keiten
teilnehmen. 3. Die Militärs, die Beamten der
Polizeipräfektur, die Stadtbehörden, die Profeſſoren und
die Mitglieder der gelehrten Körperſchaften müſſen die be=
ſonders
für die beſtimmten Kategorien vorgeſchriebenen
Uniformen anlegen. 4. Die Frauen müſſen Hüte nach
europäiſcher Art tragen; in den Kleidern können ſie ihr
Nationalkoſtüm behalten, wenn auch mit gewiſſen Ab=
änderungen
. 5. Der Gruß wird folgendermaßen ge=
regelt
: beim gewöhnlichen Gruß müſſen die Männer ihren
Hut abnehmen und einmal grüßen. Für den offiziellen
Gruß muß der Hut dreimal abgenommen werden. (!)
Erwähnt wird auch, daß die Frauen beim Grüßen ihren
Hut aufbehalten dürfen. . . . Die Chineſen können ſtolz
ſein auf ihre Fortſchritte. Die Republik haben ſie bereits.
und nun bekommen ſie auch den Zylinderhut als wichtig=
ſtes
Wahrzeichen der abendländiſchen Kultur.
* Auf die ſchwäbiſche Eiſebahne . . . Nicht nur die
Dampfbahnzüglein, ſondern auch die Elektriſchen haben
in Schwaben ihre Idyllen. So mußten auf der Strecke
Tettnang=Meckenbeuren an einer Halteſtelle, die ausge=
rechnet
Habacht heißt, die Fahrgäſte dieſer Tage ihr Zügle
die ſchiefe Ebene hinaufdrücken, weil von Bronchenzell her
abſolut kein Strom zu bekommen war. Wammer dort
wär', gang’s von ſelber meinte einer, hinaufdeutend,
und gleich darauf hieß es: Ha, na ſchiebet mer halt dort
na! Weil dort nämlich das Zügle wieder von ſelber
auf der anderen Seite hinabrutſchen konnte. Geſagt, ge=
tan
. Kräftige Schwabenſchultern ſchoben das Zügle dort
hinauf, dann wurde ſchnell in den Wagen geſprungen und
trulla, trulla, truuauah ging’s hinunter bis Mecken=
beuren
, wo’s wieder Strom gab.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

Feld. Die 1. Mannſchaft fährt nach Kreuznach, um dort
das fällige Verbandsſpiel gegen die 1. Mannſchaft des
F.=K. Kreuznach auszutragen. Auf dem Sportplatz am
alten Schießhauſe treffen ſich die 2. Mannſchaften des
F.=K. Olympia=Darmſtadt und des D. Sp.=K. 1905,
während ſich die 3. Mannſchaften beider Vereine auf der
Rennbahn gegenüberſtehen.
Am Sonntag begibt ſich die 1. Mannſchaft des Fuß=
ballklubs
Olympia nach Ludwigshafen, um gegen
die Ludwigshafener Fußballgeſellſchaft im Ligaſpiel anzu=
treten
. Die 2. und 3. Mannſchaft tragen die Retour=
ſpiele
gegen die gleichen Mannſchaften des Darmſtädter
Sportklubs aus: Die 2. Mannſchaft auf dem Sportklub=
platz
und die 3. Mannſchaft auf dem Olympia‟= Sport=
platz
an der Heidelberger Straße.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

In der geſtrigen Stadtverordnetenſitzung wurde aus
Anlaß der Beamtenbeſoldungsvorlage insbeſondere von
den Herren Dr. Nöllner, Henrich und Saeng in äußerſt
dankenswerter Weiſe die Mahnung an die Herren Be=
amten
und Lehrer gerichtet Kaufet am Platze‟. Es iſt
eine bekannte Tatſache, daß das Bauhandwerk in Darm=
ſtadt
und alle mit demſelben in direkter Verbindung ſtehen=
den
Berufe, trotz ihrer großen Leiſtungsfähigkeit ſchwer
darnieder liegt. Es iſt daher Pflicht eines jeden Bürgers,
der in die Lage verſetzt iſt, Handwerker zu beſchäftigen,
in erſter Linie das einheimiſche Handwierk heranzuziehen.
Wie häufig aber findet man an Neubauten die Schilder
auswärtiger Firmen, von denen wir in gleicher Branche
mindeſtens ebenſo bedeutende und leiſtungsfähige am
Platze haben. So kann man auch jetzt wieder in der
Gartenſtadt Hohler Weg die Firmenſchilder einer gärt=
neriſchen
Firma aus Frankfurt a. M. prangen ſehen. Die
Erbauer dieſer drei Villen ſind Lehrer und hätte man ge=
rade
bei dieſen Herren den von Herrn Henrich vertretenen
Standpunft vorausſetzen ſollen Hatten denn dieſe
Herren gedacht, daß unter den hieſigen Gärtnern keiner in
der Lage wäre, der die Gedanken ihres Architekten ſo zur
Ausführung hätte bringen können wie er oder der Bau=
herr
es gewünſcht hätte. Man hätte wegen drei kleinen
Gartenanlagen für zuſammen vielleicht 600 Mark nicht
nötig gehabt, Frankfurter Konkurrenz hierher zu ziehen.
Dieſer Fall zeugt erneut dafür, wie nötig es für die hie=
ſigen
, noch ſchlecht organiſierten Gärtner iſt, ſich der
Darmſtädter Handelsgärtner=Verbinkuing anzuſchließen.
Nur durch engen Zuſammenſchluß aller Beteiligten
können derartige Ungehörigkeiten und derartiger Mangel
an Gemeinſinn energiſch bekämpft werden.

Wenn man an den Markttagen, vormittags zwiſchen
7½ bis 8½ Uhr, durch die Hochſchulſtraße geht, ſo ſieht
man eine große Anzahl mit Gemüſe beladener Wagen,
ſowie auch Frauen mit hochgepackten Körben voll Gemüſe
nach dem Martinsviertel ziehen, um dort durch Hauſieren
die Ware zu verkaufen. Hieraus erſieht man, wie not=
wendig
es wäre, wenn man in dieſem Stadtteil (und dazu
würde ſich am beſten der Riegerplatz eignen) einen Markt=
platz
errichten würde. Als Darmſtadt noch 30000 und
weniger Einwohner zählte, war der ſeitherige Marktplatz
im Mittelpunkt der Stadt groß genug und vorzüglich ge=
eignet
, auch war die Stadt nicht ſo weit ausgedehnt, wie
ſie heute iſt. Heute, wo die Stadt gegen 90000 Einwohner
zählt, iſt der Markt überlaſtet, die Waren müſſen eng an=
einander
gelegt und können nicht in der richtigen Weiſe ge=
wertet
werden, abgeſehen davon, daß bei Regenwetter
ſich die Schmutzwäſſer, herrührend von Tieren, von der
höher gelegenen ſüdlichen Straße, über den Markt er=
gießen
und die Ware, wie Gemüſe uſw., ekelerregend be=
ſchmutzt
werden. Der Uebelſtand der Enge wird durch die
über den Schillerplatz führende Straßenbahnlinie jetzt
noch vergrößert. Es wäre nur natürlich, wenn endlich
einmal dieſer Marktplatz entlaſtet und Gelegenheit gegeben
würde, daß auch die Bewohner im äußeren Stadtteil
den Bedarf von Gemüſen uſw. bequem decken könnten
und nicht ſo durch Hauſieren beläſtigt würden, wie es eben
geſchieht. Einſender hat mit Gärtnern und Ladenbeſitzern

geſprochen, und letztere ſind der Anſicht, daß bei Errichtung
eines Marktplatzes am Riegerplatz (da die Verkaufstage
doch nicht jeden Tag ſtattfinden, auch dieſe ihre Ware vom
Markt durch die Produzenten decken), ihnen kein Schaden
erwachſen könne. Wie wir hören, hat auf Anregung des
Bezirksvereins Martinsviertel ſich Großh. Bürgermeiſterei
zur Errichtung eines Marktplatzes am Riegerplatz zuſtim=
mend
geäußert und wünſcht nur, daß ſich auch die Ver=
käufer
und Käufer dazu äußern ſollen. Durch Errichtung
des Fiſchſtandes am Riegerplatz iſt bereits zum Teil den
Wünſchen der Bevölkerung des Martins= und Johannis=
viertels
Rechnung getragen worden. Es dürfte ſich emp=
fehlen
, daß auch ſobald als möglich die Errichtung eines
Gemüſe= und Kartoffelmarktes uſw. in die Wege geleitet
würde. Es würde jedenfalls, wenn an zwei Tagen der
Woche am Riegerplatz ein Markt ſtattfände, dies keine
nennenswerte Einbuße für die Geſchäftsleute in der Stadt
bedeuten, und dafür ein großer Nutzen für die Bewohner
des Martins= und Johannisviertels ſein, die auch mit
M.
ihrer Zeit zu rechnen haben.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
** Soweit ſich aus den vorliegenden Nachrichten er=
ſehen
läßt, iſt der linke türkiſche Flügel, der bei
Lüle=Burgas und öſtlich ſtand, geſchlagen wor=
den
und geht eilig auf Tſchorlu zurück. Der rechte Flügel
leiſtet dagegen den heftigſten Widerſtand, und es hängt
von ſeinem Aushalten ab, ob die beſiegten Heeresteile
noch einmal zum Stehen gebracht werden können. Muß
auch der rechte Flügel zurückweichen, ſo gibt es kaum noch
eine andere Möglichkeit für die Türken, als ſo ſchnell es
nur geht, die Linien von Tſchataldſcha zu erreichen zu
ſuchen. Die Sieger haben jedenfalls ſelbſt ſehr ſchwere
Verluſte und müſſen ſich nach dem tagelangen Kampf erſt
wieder ordnen, die Munition erſetzen, die zum gemein=
ſamen
Handeln vereinten verſchiedenen Korps auseinan=
derziehen
, um nicht auf einer einzigen Straße vorzurücken.
Die Entſcheidung für den Gang der Ereigniſſe liegt aus=
ſchließlich
auf dem rechten Flügel, dem von der Haupt=
ſtadt
aus zu Schiff dauernd Verſtärkungen zugehen. Wird
auch er geworfen, ſo iſt die Lage der osmaniſchen Armee
äußerſt gefährdet. Das Türkenheer wird höchſtens im=
ſtande
ſein, das weitere Vordringen der Bulgaren zu ver=
langſamen
und verluſtreich zu geſtalten. Unter ſolchen
Umſtänden iſt vielleicht der Augenblick nahe, in dem eine
Vermittelungsaktion der Mächte über die
man ſich grundſätzlich einig iſt die Zuſtimmung der
kriegführenden Parteien erhalten kann.
Daß der erſte Erfolg einer Vermittelung der Mächte
im Abſchluß eines Waffenſtillſtandes beſtehen würde, kann
auch der Uneingeweihte mit einiger Sicherheit vermuten.
Für die weiteren Verhandlungen iſt im gegenwärtigen
Augenblick wohl nur die Beſeitigung der Status
quo=Formel als Tatſache zu betrachten. Welche Ver=
änderungen
aber die Landkarte der Balkanhalbinſel er=
fahren
wird, darüber geſtatten die umlaufenden Teilungs=
pläne
keinerlei ſicheren Rückſchluß. Denn ſie gehen, wie
aus diplomatiſchen Kreiſen verlautet, nicht von den Mäch=
ten
aus, ſondern bringen allenfalls Wünſche von Balkan=
ſtaaten
zum Ausdruck. Die grundſätzliche Bereitwilligkeit
der Donaumonarchie für den Ausgleich ihrer Balkaninter=
eſſen
gegenüber Serbien tritt immer deutlicher hervor.
Schon hat das Wiener Fremdenblatt den Status quo als
ungeſtörten Fortbeſtand wichtiger Intereſſen der europäi=
ſchen
Großmächte auf der Balkanhalbinſel definiert und
führende Organe großer Parteien Oeſterreichs ſind für
ein Zuſammengehen der Donaumonarchie mit den Bal=
kanſtaaten
als kräftigen Trägern der Zukunft eingetreten.
Dieſes allgemeine Einlenken hat in bezug auf Serbien
eine beſondere Bekräftigung durch einen halbamtlichen
Leitartikel des Wiener Fremdenblattes erfahren, der auf
das unumwundenſte den Entſchluß der Donaumonarchie
bekundet, mit Serbien das freundnachbarliche Verhältnis
früherer Jahre zu erneuern. Da vorher auf ſerbiſcher
Seite die gleiche Geneigtheit erkennbar geworden iſt, ſo
ſcheint einer der gefährlichſten Folgen des Balkankrieges
durch den guten Willen der Beteiligten vorgebeugt zu
werden.

Im engliſchen Unterhauſe antwortete auf
eine Frage an den Staatsſekretär des Aeußern, ob er mit=
teilen
könne, wie die Ausſichten für eine baldige Beendi=
gung
des Balkankrieges und das Zuſtandebrin=
gen
eines dauernden Friedens zwiſchen den Krieg=
führenden
ſeien, Sir Edward Grey: Ich
fürchte, ich kann nichts ſagen, außer, daß ich nichts über
die internationale Lage gehört habe, was den
Friedensausſichten hinderlich ſein könnte, ſobald die
militäriſche Lage den Friedensſchluß möglich macht. Der
Liberale King richtete folgende Anfrage an die Regierung:
erſtens ob die Großmächte vor Ausbruch des Krieges
auf dem Balkan übereinkamen, den Status quo auf=
recht
zu erhalten; zweitens, ob ein ſolcher Beſchluß den
Balkanſtaaten mitgeteilt worden ſei; drittens, ob infolge
der Erfolge der Verbündeten weitere Mitteilungen über
dieſen Gegenſtand zwiſchen den Großmächten ausgetauſcht
ſeien, und ob die Politik Großbritanniens und der Groß=
mächte
ſo ſei, die territoriale Herrſchaft der Türkei über Ma=
zedonien
aufrecht zu erhalten, was auch das Ergebnis des
gegenwärtigen Krieges ſein möge? Grey erwiderte: Die
Antwort auf die erſten beiden Fragen iſt bejahend;
das ſteht nicht im Widerſpruch zu den Erklärungen, die die
Balkanſtaaten ſelbſt am Vorabend des Krieges abgaben,
Was die dritte Frage anbetrifft, ſo wurden Mitteilungen
zwiſchen allen intereſſierten Großmächten ausgetauſcht
über die Veränderung der Lage, die aus dem Verlauf des
Krieges ſich ergibt. Im Hinblick darauf wäre es in dem
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ratſam, irgend eine Er=
klärung
über die Politik der britiſchen Regierung und der
anderen Mächte zu machen, die, wie ich mit Vergnügen
ſagen kann, den von Anfang angenommenen Kurs, ſich
untereinander zu verſtändigen, beibehalten haben. Das
Haus kann verſichert ſein, daß ich Erklärungen abgeben
werde, ſobald es mir möglich iſt. Aber ich hoffe, das
Haus wird die Schwierigkeit würdigen, geſonderte Erklär=
ungen
über unſere eigenen Anſichten abzugeben in einem
Augenblick, wo unſer erſtes Ziel iſt, uns in Verbindung=
mit
den anderen Mächten zu halten und Einihung unter
ihnen zu fördern.
Wie das Reuter=Bureau aus diplomatiſchen Kreiſen
erfährt, beſteht kein Grund zu der Befürchtung, daß
Oeſterreich=Ungarn auf dem Balkan eine Aktion
unternimmt, die zu europäiſchen Komplikationen führen
önnte. Es wird vielmehr erklärt, daß Oeſterreich=Ungarn
mit den anderen Mächten in dem Entſchluß, den
Frieden aufrecht zu erhalten, einig ſei und nicht beab=
ſichtige
, eine militäriſche oder eine andere Aktion zu unter=
nehmen
, die dazu angetan ſei, einen entgegengeſetzten Er=
folg
herbeizuführen.
HB. Wien, 1. Nov. Der franzöſiſche Botſchafter
Dumaine hatte geſtern eine einſtündige Beſprechung mit
dem Grafen Berchtold über die Interventions=
frage
. In Wiener diplomatiſchen Kreiſen herrſcht in=
folgedeſſen
eine ziemlich peſſimiſtiſche Auffaſſung bezüglich
der Möglichkeit einer raſch zu unternehmenden Vermit=
telungsaktion
der Mächte. Man iſt ſich weder über dieForm
dieſes von allen Mächten gemeinſam zu unternehmen=
den
Schrittes, noch über die unvermeidlichen Zugeſtänd=
niſſe
an die ſiegreichen Balkanſtaaten klar. Eins iſt ſicher,
daß die Sieger die Situation beherrſchen und daß die
Ausſichten auf einen billigen Frieden mit
jedem Tage geringer werden. Heute ſpricht man ſchon
davon, daß die Balkanſtaaten einer Intervention durch
einen mit der Türkei direkt abzuſchließenden raſchen Frie=,
den zuvorkommen könnten.
* Paris, 1. Nov. Der Sonderberichterſtatter des
Matin in Konſtantinopel hatte eine Unterredung
mit dem Miniſter des Aeußern Noradung=
hian
, der unter anderem ſagte: Wir haben den Krieg
nicht gewollt, und verlangen nur eines, daß die Greuel,
die er mit ſich bringt, möglichſt raſch ein Ende nehmen und
daß dem Blutvergießen möglichſt bald Einhalt getan
wird. Aber, ſo lange wir nicht den Sieg davongetragen
haben, können wir unſere Waffen nicht niederlegen, die
keine Angriffs= ſondern Verteidigungswaffen ſind. Auf=
die
Frage, welche Haltung die Pforke einem Vermit=
telungsanerbieten
der Großmächte gegen=
über
beobachten werde, antwortete der Miniſter: Wir=
haben
gezeigt, daß wir immer bereit waren, die Rat=
ſchläge
Europas zu befolgen. Wir ſind auch heute dazu
bereit. Wir glauben nicht, daß es die Türkei war, die

Kunſthalle am Rheintor.

II.
Die Künſtler=Vereinigung Scma.
Die Semä verfolgt das Ziel, die wertvollſten künſt=
leriſchen
Kräfte der Moderne zu ſammeln und ſpezifiſche
Neuwerte auf den verſchiedenſten Gebieten der Kunſt zu
organiſieren; ſie wurde im Sommer 1911 ins Leben ge=
rufen
und beſteht heute aus 24 bildenden Künſtlern,
Schriftſtellern und Muſikern, die den ſtärkſten und eigen=
artiaſten
Begabungen der Gegenwurt zugezählt werden
müſſen. So verſchieden und künſtleriſch ſelbſtändig die
Künſtler im einzelnen auch ſind, es iſt das Ziel, das ſie
alle vor Augen haben, doch ein unverkennbares. Im
Gegenſatz zu der in den letzten Jahrzehnten vorherrſchen=
den
rein impreſſioniſtiſchen Kunſtanſchauung ſuchen ſie eine
Kunſt des Ausdrucks, von welcher die junge Generation
ſich einen enormen Aufſchwuna und eine neue Blüte der
Kunſt erhofft. Die neue erpreſſioniſtiſche Auffaſſung ſtrebt
ſtärkſte Vertiefung und Vergeiſtigung der Kunſt an und
ſucht Quinteſſenz und Bekrönung all der Bemühungen zu
geben, die in den letzten 50 bis 60 Jahren in der Kunſt
aufgewendet worden ſind. Vielerorts gärt es in deren
Bereich und mannigfach ſind die Beſtrebungen, einer
Kunſt zum Aufſchwung zu verhelfen, die ein vollkommener
und vollgültiger Ausdruck des Empfindens und Fühlens
unſerer Zeit iſt. Was die Sema erhofft, iſt Führerſchaft
auf dem Wege zu jener macht= und wirkungsvollen Kunſt,
die in unſerer Zeit heftiger denn je erſehnt wird
So heißt es in einem Proſpekt, und wer noch inniger
ſich in die Abſichten der Sema vertiefen will es wird
dies für den Beſchauer ſehr notwendig ſein, wenn ſein
Kunſtempfinden und=Kennen nicht hin und wieder ſchei=
tern
ſoll, der leſe zuvor das ſogenannte Vorwort des Ka=
talogs
. Nach längeren Erörterungen zur Malerſchule
von Pont=Aven und über die Kunſt der drei Großen
Cézanne, van Gogh, Gauguin heißt es darin. . .
Nun gibt es aber heute einen kleinen Kreis von
Schaffenden, der an die Möglichkeit der Fruktifizierung=
von
Ideen, wie ſie aus einem ſeit dem Gauauiniſchen
Anſtoß ins Ertreme getriebenen Individualitätsprinzip
heraus ſich entwickelt haben, nicht glaubt, noch glauben
kann. Und ihm erſcheint das Verhalten der engeren und
weiteren Nachfolge des Meiſters, die außer ſeinen natür=
lich
noch eine Menge anderer Einflüſſe aufgenommen hat,
ſo originell es ſcheinbar auch ausſieht, als unheilvoll und
verworren. Künſtler ſolcher Anſchauung haben
ſich in der Sema vereint und ſehen ihre Hauptaufgabe
darin, jene Konzentration all der lebensvollen Kräfte der
Moderne herbeizuführen, die nach dem oben Angedeuteten

allein einen Aufbau von ſicherer Fundamentierung ge=
währleiſtet
, den Aufwand des Zuſammenſchluſſes lohnt
und jene Einwirkung auf die Zeit verſpricht, die die Kunſt
jeder ſtarken Epoche bisher noch immer genommen hat.
Eines der Hauptziele iſt inſonderheit jener Scholaſtik des
reinen Theoretiſierens entgegenzuarbeiten, die, das Zei=
chen
einer innerlich verarmten Aera, lediglich dem Gehirn
entſpringt, dieſes allein befriedigt, und ſich darin gefällt,
ſtändig neue und individuelle Theorien, die ſich natürlich
ins Ungemeſſene vermehren laſſen, auf den Schild zu
heben, die in den meiſten Fällen in ein Spielen mit Form=
problemen
, lediglich um des Spieles wegen, auslaufen.
So wertvoll das Formale an ſich auch iſt und ſo wenig
es ſich von dem Inhalt trennen läßt, es gibt eine Grenze
für ſeine Bedeutung; dort hört es auf, das natürliche und
ebenmäßige Gewand des Inhaltes zu ſein und hat ſeinen
Wert für die Kunſt ebenſo dahin, wie der ungeformte
Stoff.
Was die in der Sema Vereinigten herbeizuführen
helfen wünſchen, iſt eine Kunſt, die allein dieſen Namen
verdient: eine Erhebung des Geiſtes und Gemütes durch
die Sinne, eine Kunſt, die alle rein artiſtiſchen Vergnüg=
ungen
weit hinter ſich laſſend, der Zeit und Zukunft dient
und ein inneres Schickſal erfüllt, nicht bloß vortäuſcht.
So die Künſtler ſelbſt, was ſie in Wirklichkeit leiſten,
iſt, ſoweit es die Kollektivausſtellung widerſpiegelt, von
ſehr verſchiedenem künſtleriſchem Wert. Karl Cas=
par
iſt durch ſein Noli me Tangere auf einer früheren
Ausſtellung im Olbrichbau her bekannt. Das hier aus=
geſtellte
kleinere Bild Stigmatiſation S. Francisci er=
reicht
nicht die künſtleriſche Höhe dieſes Bildes, es ſcheint
vielmehr nicht ausſtellungsreif. Gut gewollt, verrät es
wohl den zielbewußten Künſtler, aber es gibt doch zu
wenig. Viel beſſer dünkt uns die gut charakteriſierende
Italienerin die auch im Kolorit ſehr reizvoll iſt. Von
Maria Caſpar Filſer der in Darmſtadt ebenfalls
nicht unbekannt iſt, ſind zwei auf die Technik der fran=
zöſiſchen
Schule aufgebaute kernhaft gemalte und groß=
zügig
aufgefaßte Landſchaften ausgeſtellt. Auguſt
Fricke gibt in ſeinen Spaziergängen ein intereſſant
koloriertes Landſchaftsbild, das durch die Eigenart der
Naturauffaſſung feſſelt, während die Anbetung obwohl
auch intereſſant im Kolorit, maniriert erſcheint, kompo=
ſitionell
ſtellt dieſes Bild einen beachtenswerten Verſuch
dar. Robert Genin hat viel von Eézanne gelernt,
doch ſtrebt er mit gutem Erfolg danach, im Kolorit kräf=
tiger
zu wirken, was im weſentlichen durch ſtärkere Be=
tonung
der Konturen erreicht wird, in dem Bild Bau
auch durch erhöhte Leuchtkraft der Farben. Fritz
Hofmann=Juan gibt in ſeiner Landſchaft aus Süd=

frankreich (Nr. 24) eine zartkolorierte hübſche Arbeit, mit
der die zweite Landſchaft (Nr. 25) nicht Schritt hält.
Ein Künſtler, von dem vielleicht noch Großes zu er=
warten
iſt, iſt Guſtav Jagerſpacher der die Armut,
das Elend und die Arbeit durch ſeine Kunſt verewigen
will. Seine Arbeiten ſind unleugbar großzügig aufgefaßt
und in der Füſilierung hält auch Zeichnung und
Kolorit dieſem Zug ins Große, Monumentale Schritt=
Seine Technik iſt robuſt und kraftvoll, aber es fehlt ſeinem
Wollen noch die Reife und die Wege, die ſeine nach Aus=
druck
ringende Jugendkraft einſchlägt, ſcheinen nicht
immer die rechten zu ſein. Von faſt abſichtlicher geſuch=
ter
Unreife zeugen Zeichnungen und Aquarelle von Paul
Klee. Wenn es aber keine Unreife, ſondern eine neue
Erkenntnis ſein ſoll, geſtehen wir gern, daß=wir dem
Künſtler, der auf dieſem Wege nach der neuen Kunſt
ſucht, nicht zu folgen vermögen. Edwin Scharff
ſtellt farbige Entwürfe für ein Fresko aus. Sind das an
ſich auch keine Ausſtellungsobjekte, ſo zeigen die Arbeiten
doch von einem beſonders ausgeprägten linearen Können,
von beſonderer Fähigkeit, durch die Linie in Verbindung
mit dem Kolorit Formen zu geben. Seine Bilder, auch
Abend und Mädchen ſind ebenfalls dekorativ gemeint.
Sie wirken faſt religiös. Jedenfalls iſt Scharff ein Künſt=
ler
, der etwas zu ſagen weiß, deſſen Eigenart, die ſich be=
ſonders
auf kompoſitionellem Gebiet zeigt, ſtark iſt
Adolf Schinnerer iſt uns ebenfalls ſchon be=
kannt
, höher noch als ſeine großen reizvoll kolorierten
Bilder Badende Frauen und Badende möchten wir
ſeine Kollektion Radierungen einſchätzen, durchweg feine
Herausarbeitungen voll Stimmungsgehalt.
Eines der reizvollſten und reifſten Bilder ſcheint uns
der köſtliche Frauenkopf von Eug. Zak, eine ganz bril=
lante
Arbeit, die durch einige Beanſtandungen einer
ſcharfen Kritik kaum beeinträchtigt wird. Dem reifen
zeichneriſchen Können eint ſich hier eine ſeltene Kraft der
Auffaſſung und des Ausdrucks. Die ſcharfe Betonung der
Konturen erfüllt hier einzig den Zweck plaſtiſchen Heraus=
hebens
der Formen und iſt im Kolorit fein untergeord=
net
. Die kernhafte Arbeit entſpricht dem ſinnlich=raſſigen,
ſcharf geſchnittenen Geſicht.
Mit F. W. Schülein, und Carl Schwabach=
München, Max Oppenheimer=Wien, Wilhelm
Laage=Betzingen, Frank S. Herrmann=München
iſt die Reihe der Sema=Maler dann erſchöpft. Von
Wilhelm Gerſtel=Karlsruhe ſind zwei gut herausge=
arbeitete
, charaktervolle naturaliſtiſch aufgefaßte Plaſtiken,
die Büſte einer Italienerin und ein weiblicher Kopf, aus=
geſtellt
, die auf künſtleriſche Reife ſchließen laſſen.
M.

[ ][  ][ ]

Nummer 258.

Darmſtädter Tagblatt. Samstag, den 2. November 1912.

Seite 7

Herrn Poincaré ein Hindernis in den Weg legte, als er
wor Monatsfriſt ſo hochherzige Anſtrengungen unternahm,
um den Frieden Europas zu ſchützen. Die Türkei wird
ihn auch morgen nicht behindern, wenn er die Aufgabe
übernimmt, den Frieden wiederherzuſtellen. Wir werden
den Großmächten des Weſtens von neuem zeigen, daß der
Frieden keine aufrichtigere Stütze hat als uns. Die Lan=
tterne
ſchreibt: Wenn die Mächte nicht einſchreiten, iſt die
ganze europäiſche Türkei den Siegern auf Gnade und Un=
gnade
preisgegeben. Wie aber ſollen die Mächte inter=
venieren
? Man hätte eine Türkei retten können, die eine
Anſtrengung unternommen hätte, ſich ſelber zu retten.
Aber, iſt es möglich, ein Land zu retten, das vom Ver=
hängnis
getroffen ſcheint und wo ſich ſo furchtbare Zer=
fahrenheit
und Unordnung offenbart?
Die Schlacht bei Lüle=Burgas.
* Sofia, 31. Okt. (1.20 Uhr nachmittags). Die
Schlacht auf der Linie Lüle=Burgas-Serai war
ſehr erbittert. Die Türken unter dem Befehl Nazim
Paſchas wurden, wie ſchon gemeldet, völlig in die
Flucht geſchlagen. Sie zogen ſich eiligſt gegen
Tſchorlu zurück und ließen eine große Zahl von Toten und
Verwundeten auf dem Schlachtfelde.
H.B. Wien, 1. Nov Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt, der ſich im Hauptquartier der bulgariſchen
Armee befindet, telegraphiert: Die Bulgaren haben
bei der entſcheidenden Schlacht gegen die türkiſche
Oſtarmee auch die auf den übrigen Fronten verſammel=
ten
Truppen herangtzogen. In, der Schlacht von Wiſa
und Lüle=Burgas ſtanden zirka 230000 Mann. Der
urſprüngliche Plan des Hauptquartiers war, die türkiſche
Armee aus der Stellung bei Bataſch zurück zu treiben, um
den Angriff auf Serai=Bunar=Hiſſar vorzunehmen. Es
trat aber inſofern eine Aenderung ein, als ſchon vorher der
linke Flügel der Bulgaren mit den beteiligten Türken zu=
ſammenſtieß
. Hier kam es zu heftigen Renkontres und er=
bitterten
Kämpfen, bei denen die anatoliſchen Redifs un=
geſtüm
vorgingen. Die türkiſche Truppenlinie wurde
vollſtändig durchbrochen und durch gleichzeitige Umfaſſung
zum fluchtartigen Rückzuge gezwungen. Es zeigte ſich die
gleiche Erſcheinung, wie bei Kirk=Kiliſſe: anfänglich mu=
tiges
Vorwärtsgehen der Tücken, dann baldige Löſung
aller Verbände und Flucht, die die ganze Armee mit fort=
riß
. Vier türkiſche Diviſionen ſind verſprengt. Auf dem
anderen Flügel kam es zum Feuer aus befeſtigten Poſitio=
nen
, die die Türken dann räumten. Hier wirkte namentlich
die bulaariſche Armee durch flankenartige Beſchießung der
feindlichen Stellungen. Die bulgariſche Infanterie kämpfte
mit beiſpielloſem Heldenmut und ſetzte den flüchtenden
Türken auf der ganzen Rückzugslinie nach. Die Nieder=
lage
der türkiſchen Armee iſt eine vollſtändige, kataſtro=
phale
Man rechnet hier ſchon mit dem Fall von Tſchada=
laſchallinin
.
H.B. Turin, 1. Nov. Der Korreſpondent der
Stampa in Sofia meldet: In der Schlacht von Lüle=
Burgas ſind 20000 Tücken getötet oder verwundet
worden. 50000 Türken wurden gefangen genommen. (2)
Zahlreiche Sieges=Trophäen wurden von den Bulgaren er=
obert
, deren Geſamtwert 56 Mill. betragen ſoll. Man be=
ſtätigt
das Gerücht, daß Nazim Paſcha gefangen genommen
ſein ſoll. Mit ihm verſchwindet der beſte General der otto=
maniſchen
Armee Nazim Paſcha hatte verſucht, 7 Klm. ſüd=
lich
von Lüle=Burgas iie zerſtreuten Flüchtlirſge wieder zu
ſammeln und den vorrückenden Bulgaren Widerſtand zu
leiſten. Die Bulgaren verfolgten jedoch mit unermüd=
lichem
Eifer den Feind, trotzdem ſie 3 Tage und 3 Nächte
gekämpft hatten. Mehrere Eiſenbahnzüge ſind von den
Bulgaren angehalten worden und werden mit den türki=
ſchen
Gefangenen nach Kirk=Kiliſſe geleitet, wo die letzte=
ren
alle konzentriert werden.
* Sofia, 31. Okt Die Agence Bulgare meldet:
In Lüle=Burgas haben die Bulgaren zwei weitere
Eiſenbahnzüge, die mit Lebensmitteln und Munition be=
laden
waren, abgefangen.
* Konſtantinopel, 31. Okt. (7 Uhr abends.)
Seit geſtern mittag bis jetzt veröffentlichte das Kriegs=
miniſterium
keine amtliche Nachricht über die
Schlacht auf der Linie Wiſa-Lüle=Burgas.
Das Fehlen von Nachrichten verurſacht bei der türkiſchen
Bevölkerung große Unruhe. Alles wartet ungeduldig auf
die Nachrichten und auf den Ausgang der Schlacht. Den
ganzen Nachmittag über ſtand eine große Menſchen=
menge
vor der Pforte, wo die Miniſter eine Beratung ab=
halten
, und vor den Zeitungsredaktionen.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatze.
* Rjeka 31. Okt. König Nikolaus begab ſich
mit den Militärattachés nach Antivari um ſich über
den Fortgang der Operationen am Tarraſch zu infor=
mieren
Kronprinz Danilo iſt ins Hauptquartier
Gruda zurückgekehrt.
* Athen, 31. Okt. Vizeadmiral Kunduriotis,
der Befehlshaber des griechiſchen Geſchwaders
im Aegäiſchen Meer, depeſchierte dem Marine=
miniſterium
: Thaſos und Imbros wurden beſetzt
und auf beiden Inſeln die griechiſche Flagge gehißt. Heute
früh iſt der Kreuzer Kanaris mit einigen Torpedo=
booten
zur Beſetzung der kleinen Inſel Strati abgeſchickt
worden.
* Athen, 31. Okt. Die griechiſche Regierung hat
in den eroberten Gebieten mehrere Kommiſſariate
geſchaffen. Chomatianos, Verwaltungschef im Miniſte=
rium
des Innern, wurde zum Generalkommiſſar mit dem
Sitz in Serfidje ernannt. Eine große Zahl von Ver=
waltungs
= und Finanzbeamten ſind für den Dienſt der
neuen Kommiſſariate beſtimmt worden
* Athen, 31. Okt. Die Griechen marſchieren auf
Saloniki. Prinz Georg iſt zum erſten Adjutanten des
Königs ernannt worden.
Eine Aktion der türkiſchen Flotte.
* Konſtantinopel, 1. Nov. Ein Blatt gab
durch Anſchlag die Beſchießung Burgas und
Varna durch die türkiſche Flotte bekannt. Eine offizielle
Beſtätiaung liegt nicht vor.
* Sofia, 31. Okt. (Agence Bulgare). Der türki
ſche Kreuzer Hamidie feuerte neun Granaten
gegen den Leuchtturm auf Kape Mineh zwiſchen Bur=
gas
und Varna und beſchädigte dieſen. Die Regier=
ung
wird gegen die Beſchießung dieſes Gebäudes, das
ausſchließlich friedlichen kulturellen Zwecken dient, Proteſt
einlegen.
Sonſtige Meldungen.
* Sofia, 31. Okt. Die in der letzten Zeit nach
Sofia gebrachten türkiſchen Gefangenen wer=
den
nach der Provinz befördert, wo ſie bis Ende des
Krieges verbleiben ſollen. Die ruſſiſchen Sanitätsmiſ
ſionen führen ein Hoſpital mit 200 Betten und drei Laza=
rette
mit je 50 Betten mit ſich Die Miſſionen begeben
ſich auf den Kriegsſchauplatz. Die Miſſion des Malteſer=
ordens
iſt heute eingetroffen.
* Sofia, 31. Okt. Das bulgariſche Rote
Preuz beſchloß eine Anleihe im Betrage von 20 Mil=

lionen durch Ausgabe von Loſen aufzunehmen. Der
Miniſterrat hat ſeine Zuſtimmung hierzu erteilt. Die
Miſſion wird eine Million Loſeobligationen umfaſſen.
Die Obligationen lauten auf 20 Francs nominell und
ſind in 70 Jahren amortiſierbar. Die Anleihe wird von
der Nationalbank garantiert.
* Konſtantinopel, 1. Nov. Die Zahl der tür=
kiſchen
Familien, die aus den Ortſchaften auf dem
Kriegsſchauplatz hierher flüchten, nimmt beſtändig zu
und ſoll bereits über 10000 Familien betragen. Die An=
kommenden
befinden ſich in einem elenden Zuſtand und
werden in den verfügbaren Häuſern untergebracht, ja ſo=
gar
in den Moſcheen Stambuls. Die Regierung und die
private Wohltätigkeit treffen Hilfsmaßnahmen.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 1. Nov. 32 Bataillone
ſind aus Syrien nach dem Kriegsſchauplatz transportiert
worden. Da die Truppentransporte faſt beendet ſind, iſt
der Perſonen= und Güterverkehr auf den ana=
toliſchen
Bahnen wieder aufgenommen worden.
Der engliſche Botſchafter konferierte geſtern eine Stunde
mit dem Großweſir.
H. B. Muſtapha Paſcha, 1. Nov. Die rückhalt=
loſe
bulgariſche Offenſive ſchreitet mit geradezu
verblüffenden Erfolgen fort. Die Moral der Truppen
gewinnt dadurch, daß niemand mehr an ihrem endgültigen
Erfolge zweifeln kann. Die Bulgaren haben tatſächlich be=
reits
Werke von Adrianopel mit ſtürmender Hand genom=
men
. Ihre Verluſte ſind im Verhältnis zu den Erfolgen
gar nicht groß. Außerdem ſind die Verwundungen durch
Infanteriefeuer in der Mehrheit leicht, ſo daß die Bleſſier=
ten
bald wieder Kombattanten ſein werden. Bei den
Türken ſcheint auch der Nachrichtendienſt ſehr ſchlecht zu
ſein, denn ſonſt wäre es nicht möglich geweſen, daß ihr
letzter für Adrianopel beſtimmter Bahnzug in die Hände
der bulgariſchen Vorpoſten fiel.
H.B. Sofia, 1. Nov. Spät nachts hier eingetroffene
Meldungen wiſſen von einem neuen großen bulgari=
ſchen
Erfolge zu berichten. Einzelheiten fehlen
noch.
* Sofia, 1. Nov. Die Bulgaren beſetzten
Dimetika.
H. B. Sofia, 1. Nov. Neue Formationen
ſollen demnächſt gebildet werden. Aus dem neu einbe=
rufenen
Rekruten=Jahrgang 1912/13 und aus Freiwilligen.
Die Truppen werden über den hieſigen Bahnhof nach dem
weſtlichen Kriegsſchauplatz dirigiert.
* Athen, 1. Nov. Die Griechen beſetzten die Inſel
Samothraki.
* Athen, 1. Nov. Das griechiſche Torpedo=
boot
12 drang in der Nacht in den Hafen von Sa=
loniki
ein und feuerte erfolgreich gegen den Kreuzer
Feth=i=Bulend ab. Dieſer neigte ſich auf die rechte Seite
und ſank. Das Torpedoboot kehrte unverſehrt nach
Catarina zurück.
* Wien, 1. Nov. Die aus dem Sandſchak über
die öſterreichiſch=ungariſche Grenze geflüchteten türki=
ſchen
Truppen, 50 Offiziere und 1300 Mann, ſind
zu etwa gleichen Teilen nach vier größeren Garniſonen
Oberungarns ſowie nach Reichenberg i. Böhmen gebracht
worden. Während die Mannſchaften hier unter Bewach=
ung
in den Kaſernements gehalten werden, dürfen ſich
die Offiziere gegen ihr Ehrenwort, nicht zu flüchten, in
den Garniſonen frei bewegen. Die Offiziere erhalten die
Bezüge ihres Dienſtgrades, die Mannſchaften die gleiche
Löhnung wie die öſterreichiſch=ungariſchen Soldaten. Die
Türken bleiben bis zum Friedensſchluß in Oeſterreich= Un=
garn
, gleicherweiſe werden etwa noch eintreffende Flücht=
linge
behandelt werden. Das öſterreichiſche Kriegsſchiff
Kaiſerin und Königin Maria Thereſia iſt zum Schutz
des öſterreichiſch=ungariſchen Generalkonſulats und der
öſterreichiſch=ungariſchen Staatsangehörigen nach Saloniki
beordert worden.
* Paris, 1. Nov. Mehrere Blätter berichten, der
ſerbiſche Geſandte hat im Auftrage ſeiner Regierung dem
Miniſterium des Aeußern mitgeteilt, daß die Meldun=
gen
über angebliche öſterreichiſch=ſerbiſche
Verhandlungen falſch ſeien.
Miniſter Saſonow über die neue Lage‟
* Petersburg, 1. Nov. Der Miniſter des
Aeußern Saſonow gab einem Redakteur der Roſki
Slova gegenüber folgende Erklärung: Vor dem Aus=
bruch
des Kriegs haben alle Großmächte den gemeinſamen
Beſchluß gefaßt, eine Aenderungdes Status quo
auf dem Balkan nicht zuzulaſſen. Die Lage hat ſich
ſeit dem Beginn des Krieges geändert, aber es liegt
für keine der Großmächte eine beſondere Verpflichtung
vor, aktiv einzugreifen und irgend eine Balkanmacht etwa
daran zu hindern, fremdes Gebiet zu behalten. Es müß=
ten
ſich hierüber die Großmächte einzeln verſtändigen. Die
fortgeſetzten Siege der verbündeten Balkanſtaaten haben
eine neue Lage geſchaffen, mit der man nun
rechnen muß. Dieſe neuen Verhältniſſe dringen tief
in das Leben der verſchiedenen Staaten ein; das beweiſen
die übereinſtimmenden Auslaſſungen der Preſſe in den
Staaten der Großmächte. Auch die öſterreichiſche Preſſe
bildet in dieſer Beziehung keine Ausnahme.
In Anbetracht des feſten Entſchluſſes, bei allen Aktio=
nen
in bezug auf den Balkankoyflikt in voller Ueberein=
ſtimmung
gemeinſchaftlich zu handeln, iſt ein ſelbſtän=
diges
Vorgehen einer einzelnen Machtaus=
geſchloſſen
. Die Frage des Status quo und der Er=
haltung
der territorialen Unantaſtbarkeit der Türkei hat
ſich überlebt und ſeine frühere Bedeutung verloren. Sie
hat ſich durch die Praxis als unbrauchbar erwieſen. Mei=
ner
Meinung nach wird das künftige Verhalten von der
öffentlichen Meinung Europas abhängen. Rußland
bringt ohne Zweifel den ſiegreichen Verbünde=
ten
Sympathien entgegen; davon kann ſich aber die
Regierung nicht leiten laſſen, die ihre Verpflichtung nicht
vergeſſen darf, beſtehende Verhältniſſe nach Möglichkeit zu
erhalten.
Ebenſo beſchäftigen Zukunftsfragen die Auf=
merkſamkeit
der europäiſchen Kabinette ohne
Rückſicht auf die Zugehörigkeit zu politiſchen Gruppen. Es
iſt unzweifelhaft, daß das ſolidariſche Vorgehen
der Kabinette den europäiſchen Frieden beſtens ga=
rantiert
und den gegenwärtigen Meinungsverſchiedenhei=
ten
einzelner Mächte vorbeugt. Man kann nicht von einer
Sonderpolitik des Dreibundes oder der Triple=Entente
ſprechen, die der gemeinſamen europäiſchen Politik ent=
gegengeſetzt
ſei; auch die Friedensliebe des
rumäniſchen Königs muß hervorgehoben werden.
Der europäiſche Charakter der rumäniſchen Politik er=
ſcheint
als ein wichtiger Faktor, der von den Großmächten
wie auch den Nachbarn Rumäniens gewürdigt werden
muß. Ich bin überzeugt, daß Rumänien hierdurch tatſäch=
lich
nur gewinnt; die traditionellen ruſſiſch=rumäniſchen
Beziehungen von neuem gefeſtigt und gemeinſame ruhm=
reiche
Erinnerungen geſchaffen werden, die durch vor=

übergehende Meinungsverſchiedenheiten niemals verdun=
kelt
werden können. Ich zweifle nicht, daß Bulgarien
den vollen Wert der gegenwärtigen Beziehungen zu Ru=
mänien
verſteht und daß es keine Lage ſchaffen wird, die
Rumänien es erſchweren würde, ſeine loyale Haltung bis
zu Ende zu bewahren. Jedenfalls müſſen die Balkanvöl=
ker
mit Rumänien als mit einem wichtigen politiſchen
Faktor rechnen. Das Gegenteil wäre Leichtſinn den bei
ihnen anzunehmen kein Grund vorliegt. Die Meinung,
daß die Beſetzung des Sandſchaks durch Oeſter=
reich
jede Minute bevorſtehe, erſcheint unbegründet,
Solche unbegründete Vermutungen werden teils durch die
ruſſiſche Preſſe ausgeſprochen, was bedauerlich iſt. Eine
Einmiſchung der Großmächte in den Krieg
iſt nur nach gemeinſamer Verſtändigung möglich; aber
ohne Einmiſchung wird kaum die Liquidation des Krieges
erfolgen. Wie aber auch der Krieg ausgeht, das Min=
deſtergebnis
werden Reformen ſein, über
deren Einführung bei genügenden Garantien die Mächte
ſich verſtändigt haben. Von einer Rückkehr zum Alten
kann man aber jetzt kaum noch ſprechen,

Vermiſchtes.

Der Kinderpſychologe und Mitherausgeber den
Zeitſchrit für Kinderforſchung, Dr. Karl Wilker in Jena,
bittet alle deutſchen Eltern um Mithilfe bei einer
kinderpſychologiſchen Unterſuchung. Es
handelt ſich um die Entwickelung des Anſchauungsver=
mögens
bei Kindern. Es gibt in dieſer wichtigen An=
gelegenheit
noch mancherlei zu klären, und beſonders
dieſe Frage iſt für das Verſtändnis des kindlichen Geiſtes=
lebens
und für die richtige Anpaſſung des Schulunter=
richts
an das Kind von großer Wichtigkeit. Um nun über
ein recht reiches Tatſachenmaterial verfügen zu können,
wenden wir uns gewiß nicht vergeblich an die Eltern, ins=
beſondere
auch an die Mütter, die hier einmal die ſchönſte
Gelegenheit finden, ihr Kind nach einer beſonderen An=
leitung
pſychologiſch zu beobachten. Das hierzu notwen=
dige
Material (Anleitung nebſt den auszufüllenden
Fragebogen) findet ein jeder im erſten Heft des begin=
nenden
vierten Jahrganges der Deutſchen Elternzeit=
ſchrift
das der Verlag Hermann Beyer u. Söhne (Beyen
u. Mann) in Langenſalza allen Eltern auf Wunſch gerns
koſtenlos zuſendet.

Literariſches.

Alexander Kochs Deutſche Kunſt und
Dekoration iſt mit ihrem Oktoberheft dem erſten
Hefte des neuen, 16. Jahrgangs auf dem Plan erſchienen.
Nach all dem Schönen und Wertvollen, was uns dieſe
führende deutſche Kunſtzeitſchrift in ihren bisher ausge=
gebenen
Heften in ſo edler Form und immer wachſendem
Reichtum dargereicht hat, war etwas Außerordentliches
zu erwarten. Und Hofrat Koch, der unermüdliche, frei=
ſinnige
Herausgeber, bietet mit dieſem Oktoberhefte in der
Tat wieder eine ſtolze Leiſtung dar, ſowohl in der wohl=
erwogenen
Auswahl des künſtleriſchen Materials, in der
techniſch nicht zu übertreffenden Reproduktion, als auch
in der ganzen mit nobelſtem Geſchmack herausgearbeite=
ten
Anordnung des Stoffes und der ſich in das Auge
einſchmeichelnden harmoniſchen Geſamtwirkung. Das
voluminöſe Heft von über 100 Seiten beginnt mit Ge=
mälden
von Prof. Eugen Bracht=Dresden, die u. a.
auf der aus Anlaß des 70. Geburtstages des Meiſters
ſ. Zt. in Darmſtadt ſtattgefundenen Kollektiv=Ausſtellung
vertreten waren. Die hier gezeigten Werke laſſen Brachts
hervorragende Stellung in der deutſchen Landſchafts=
malerei
klar erkennen, gehören ſie doch zu dem Beſten, was
vielleicht auf lange hinaus der deutſchen Landſchaftskunſt
zu verdanken iſt. Es folgen die ſtärkſten Werke aus der
diesjährigen Großen Berliner Kunſtausſtel=
lung
. Als beſonders intereſſierende weitere Darbietung
iſt der Deutſchen Kunſt und Dekoration die Erſt= Publi=
kation
einer größeren Anzahl von Gemälden der ſpani=
ſchen
Maler, Brüder Ramön und Valentin de Zubiaurre=
Madrid zu danken. Der Tradition der Darmſtädter
Kunſtzeitſchrift entſprechend, die von Beginn an die Pflege
der Innenkunſt auf ihr Banner geſchrieben und unter die=
ſem
Zeichen als Rufer im Streit ſo viele Siege er=
rungen
hat, iſt der Raumkunſt ein großer Teil des Okto=
berheftes
gewidmet. Eine Schöpfung Prof. Adelbert
Niemeyers=München, das Haus Krawehl in Eſſen
wird an der Hand von ca. 50 prächtigen Abbildungen in
allen Einzelheiten der äußeren und inneren Geſtaltung vor
Augen geführt. Den Beſchluß des Heftes bilden ver=
ſchiedene
Erzeugniſſe des Wiener Kunſtgewer=
bes
, keramiſche Kleinplaſtiken von Powolny, Löffler u.
a., ſilbergetriebene Tafelgeräte, Lederarbeiten, Porzellan=
ſervice
von Prof. Joſef Hoffmann. Schreibzeuge, Kriſtall=
gläſer
, aparte Koſtüme, farbenprächtige Stickereien uſw.
Schließlich ſeien noch klaſſiſche Abendtoiletten von Paul
Poiret=Paris, Anſichten der neuen von Prof. Max Litt=
mann
erbauten Königl. Hoftheater in Stuttgart, ſowie
Puppen für die Vitrine genannt. Das ſtattliche Heft ent=
hält
über 130 meiſt ganzſeitige Abbildungen, Farb= und
Sepiatondrucke und iſt für 2,50 Mark in jeder Buchhand=
lung
einzeln käuflich.
Arena. In dem kürzlich erſchienenen dritten Heft
des 29. Jahrgangs dieſer handlichen und ſchön ausge=
ſtatteten
, bei der Deutſchen Verlags=Anſtalt in Stuttgart
erſcheinenden Zeitſchrift iſt wiederum eine erſtaunliche
Menge gediegenen Leſeſtoffs vereinigt. Vor allem ſind
es diesmal einige populär=wiſſenſchaftliche Artikel, die im
Verein mit den ihnen beigegebenen Abbildungen das In=
tereſſe
des Leſers finden werden. Zu den Sonderartikeln
und Abhandlungen tritt außerdem noch die bekannte Re=
vue
, die unter dem zuſammenfaſſenden Titel Kultur der
Gegenwart ſehr beachtenswerte Abſchnitte über die
neueſte Literatur, die bildende Kunſt und Architektur, Tech=
nik
und Naturwiſſenſchaft, Geſundheitspflege, Recht und
Geſellſchaft uſw. enthält. Der ſchon mehrfach rühmend
hervorgehobene unterhaltende. Leſeſtoff in Form von Ro=
man
, Novellen, Erzählungen und Gedichten, nebſt einem
vornehmen Bilderſchmuck iſt auch in dem vorliegenden
Heft (Preis 1,25 Mk.) reichlich vertreten.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Wilhelmshaven, 1. Nov. Die neueſten Hoch=
ſeetorpedoboote
wurden hier zur fünften Torpedo=
bootsflotille
vereinigt; ſie werden damit erſtmalig in
Dienſt geſtellt.
* Bern, 1. Nov. Der deutſche Geſandte Freiherr
Romberg überreichte dem Bundesrat ſein Beglau=
bigungsſchreiben
. Er wurde von dem Bundespräſidenten
Forrer und dem Vizepräſidenten Müller empfangen, die
nachher dem Geſandten einen Gegenbeſuch abſtatteten.
* Rom, 1. Nov. Die Agencia Stefani meldet: Der
italieniſche Miniſter des Aeußern trifft H-

[ ][  ][ ]

Sekte s.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

Begleitung des Kabinetscheſs de Maring am 3. Novem=
ber
abends in Berlin ein. Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter gibt am 4. November ein Eſſen, der Reichskanzler
am 6. November. Am Dienstag nimmt Marquis di San
Giuliano an einem Diner beim Kaiſer am Potsdamer
Hofe teil. Die italieniſche Kolonie gibt am Donnerstag
ein Diner. San Giuliano nimmt im Botſchafterpalais
Wohnung.
Liſſabon, 1. Nov. In Oporto kam es zu K und=
gebungen
gegen den die Geſchäfte der Stadt führen=
den
Munizipalausſchuß. Die Menge zog vor das Rat=
haus
, wo 200 Verhaftungen vorgenommen werden muß=
ten
, die jedoch nicht aufrecht erhalten werden konnten. In
Oporto herrſcht im übrigen völlige Ruhe, ebenſo im gan=
zen
Portugal.
* Stockholm, 1. Nov Die Zeitungsmeldung, daß ſich
das Nobelkomitee auf Guſtav Frenſen als Preis=
träger
des Nobelpreiſes für Literatur geeinigt hat,
iſt unrichtig.
* Petersburg, 1. Nov. Heute morgen wurde über das
Befinden des Thronfolgers folgendes Bulle=
tin
ausgegeben: Der Thronfolger verbrachte eine gute
Nacht. Die Wiedergeneſung ſchreitet allmählich
ſort. Die Temperatur betrug heute morgen 36,8 Grad.
Puls 104.
* Petersburg, 1. Nov. Geſtern haben die Wahlen
zur Reichsduma begonnen. Das Wahlreſultat im
europäiſchen Rußland iſt bis heute vormittag 10 Uhr: 54
Rechte, 16 Nationaliſten, 16 Oktobriſten, 1 Progreſſiſt,
2 Kadetten und 2 Sozialdemokraten.
* Moskau, 1. Nov. Bei den Dumawahlen wurde
der frühere Führer der Oktobriſten Gutſchkow nicht wieder
gewählt.
Brandenburg, 1. Nov. Der Raubmörder Bittkow,
der im März in Hamburg mit einem Komplizen die Frau
eines Bäckermeiſters überfiel, ermordete und beraubte, iſt
feſtgenommen worden.
Agram, 1. Nov. Geſtern abend 8 Uhr wurde auf
den Banus von Kroatien, von Cuvay, ein Re=
volver
=Attentat verübt. Der 18jährige koatiſche
Student Planiſchnak kletterte auf einen Laternenpfahl,
von dem aus er den Schatten des Banus ſah. Aus einer
Entfernung von 43 Meter feuerte er einen Schuß auf ihn,
der durch das Fenſter ging. Der Banus wurde aber
nicht getroffen. Der Student erſchoß ſich ſelbſt. Er fiel
den Gendarmen und Poliziſten, die auf den Schuß herbei=
eilten
, tot in die Arme.
HB. Konſtantinopel, 1. Nov. Die Ankunft des Sta=
tionsſchiffes
Loreley mit Abdul Hamid
erfolgte heute vormittag am Quai Aſcheragan. Abdul
Hamid wird in das kleine Palais an der Küſte überführt
und ſpäter nach Angora.

Briefkaſten.

P. B., hier. Verboten ſind alle Kartenſpiele, die als
Glücksſpiele zu gelten haben. Glücksſpiele ſind ſolche,
deren Ausgang allein oder hauptſächlich vom Zufall ab=
hängen
. Welchen Namen ſie führen oder auf die Höhe
des Einſatzes kommt es hier nicht an. Finden ſolche
Glücksſpiele in Wirtſchaften ſtatt, ſo kann neben den Spie=
lern
auch der Wirt beſtraft werden.

Alten haben ihn Windmond genannt,
den November, und ſie haben gewußt, warum
Iſt doch kein Monat ſo ſehr durch Wind und
Nebel ausgezeichnet, als der vorletzte Monat des
Jahres keiner aber natürlich auch gefährlicher
für empfindliche Menſchen, als wieder dieſer
Monat. Um dieſe Zeit dürfen Fays ächte
Sodener Mineral=Paſtillen in keinem Haushalt
fehlen, damit ſie bei plötzlich auftretenden Er=
kältungen
, Katarrhen ꝛc. ſofort zur Hand ſind
und ernſteren Erkrankungen vorbeugen. Die
Schachtel koſtet nur 85 Pfg. und iſt in allen
Apotheken und Drogerien zu haben. Man hüte
ſich aber vor Nachahmungen.
(22827)I
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niſſe
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Aus dem Geſchäftsleben.

Man ſchreibt uns: Die ſchwediſchen Journa=
liſten
haben auf ihrer Reiſe durch Deutſchland die
Palminwerke H. Schlinck u. Cie. A.=G. in Ham=
burg
beſucht. Ueber den Eindruck, den die ſchwediſchen
Journaliſten gewonnen haben, ſchreibt das Stockholmer
Abendblatt: Das Programm brachte den Beſuch der
Firma H. Schlinck u. Cie. A.=G., Fabrik in Wilhelmsburg.
Dort iſt die Hauptwerkſtatt für Fabrikation von Pflanzen=
fett
unter dem Namen Palmin und Pflanzen=Butter=
Margarine Palmona‟ Die erſtere Sorte verwendet man
zum Kochen und Backen, die letztere iſt ähnlich der Kuh=
butter
an Farbe, Geruch und Geſchmack und iſt vortrefflich
zum Butterbrot. Beide werden angefertigt aus Kokosnuß=
fett
(Kopra), das in großen Mengen nach Hamburg aus
den Tropen eingeführt wird. Wir hatten Gelegenheit zu
ſehen, welche außerordentliche Sauberkeit beobachtet wird
bei der Herſtellung, die von Anfang bis zu Ende auto=
matiſch
vor ſich geht. Hände kommen mit der Kunſtbutter
nicht in Berührung, die ſich auch durch große Dauerhaftig=
keit
, erprobt bei Polarexpeditionen uſw., auszeichnet.

Dampfernachrichten

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Bulgaria 29. Okt. 3 Uhr 15 Min. nachm.
von Baltimore nach Hamburg. Prinz Oskar von
Philadelphia kommend, 30. Okt. 3 Uhr morgens in
Hamburg. Bosnia von Boſton und Baltimore kom=
mend
, 30. Okt. 8 Uhr abends in Hamburg. Patricia‟
von New=York kommend, 30. Okt. 10 Uhr 30 Min.
morgens Lizard paſſiert. Prinz Adalbert 30. Okt.
1 Uhr nachm. von Philadelphia nach Hamburg.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Heute früh 5¾ Uhr entſchlief ſanft nach
langem Herzleiden, verſehen mit dem Troſte
ſeiner hl. kath. Kirche, mein innigſtgeliebter
Mann, unſer beſter treuſorgender Vater,
Schwiegervater und Großvater, Herr
Joseph Gerfelder
Veteran
der Feldzüge 1866 und 1870/71
im faſt vollendeten 74. Lebensjahre. (*10794
Dies zeigt mit der Bitte um ſtille Teil=
nahme
ſchmerzerfüllt an
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Marg. Gerfelder Wwe.
Seeheim (Heſſen), Ludwigshafen (Rh.),
den 1. November 1912.
Die Beerdigung findet in Seeheim am Sonn=
tag
Nachmittag um 3 Uhr ſtatt.

überall im Ge=
derbares
Licht,
rinnen nicht, riechen nicht. Guß leicht beſchädigte billiger.
Pak. 65 u. 45 von Franz Kuhn, Chemische Werke, Nürnberg.
Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. am weißen Turm.
V 17266

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem Ableben ihrer lieben
Gattin und Mutter ſagt innigen Dank
Familie Grebe.
Darmſtadt, 2. November 1912.
(*10730

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meine treubeſorgte Gattin, unſere Schweſter,
Schwägerin und Tante
(*10750
Frau
Kath. Scheuermann
geb. Fiſcher
nach ſchwerem, geduldig ertragenem Leiden
Donnerstag abend 6¼ Uhr in ein beſſeres
Jenſeits abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
der trauernde Gatte:
Jean Scheuermann.
Nieder=Ramſtadt, 1. Novbr. 1912.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. Nov.,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, in aller Stille ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Ent=
ſchlafenen
.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Gatten
und unſeres lieben Vaters
(22769
Louis Rosenhain
ſagen wir unſeren herzlichſten Dank.
Sophie Roſenhain, geb. Duft,
Benno Roſenhain,
Hetty Roſenhain.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Depreſſion, die geſtern über der Nordſee lag, iſt
ſchnell nordoſtwärts gezogen. Von Weſten her folgt ihm
hoher Druck. Infolgedeſſen wehen bei uns kühle nord=
weſtliche
Winde, die Abkühlung gebracht haben. Rand=
gebilde
der nördlichen Zyklone werden unſer Wetter noch
etwas beeinfluſſen. Wir werden allmählich in den Be=
reich
des hohen Druckes kommen ſodaß wir Abnahme der
Bewölkung und der Niederſchläge zu erwarten haben,
Bei nördlichen Winden dürfte die Temperatur weiter
ſinken.
Ausſichten für Heſſen, Samstag, 2. November
Ziemlich heiter und trocken, kühl, Nachtfroſt, nördliche
Winde.

Tageskalender.

Samstag, 2. November.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7½ Uhrn
Magdalena.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Lutherfeſtſpiel um 7 Uhr im Saalbau.
Konzert von Robert Kothe um 8 Uhr im Saal Zur
Traube‟
Herbſtball der Liedertafel um 9 Uhr im Kaiſer=
ſaale‟

Preisſchießen des Zimmerſchützenklubs Freiſchütz
um 8½ Uhr Pankratiusſtraße 48.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr. Singſpielhaus Metropole um 8 Uhr=

Sonntag, 3. November.

Großh. Hoftheater (Volksvorſtellung), Anfang
2½ Uhr: Die Räuber. Abends 7 Uhr (Ab. B)
Der liebe Auguſtin
Vorſtellung um 4 Uhr und 8¼ Uhr im Orpheum.
Matinee der Kammermuſik=Vereinigung um 11 Uhr
im Saale des Muſikvereins.
Lutherfeſtſpiel um 4 Uhr im Saalbau.
Gautag der Stenographen=Vereinigung im Kaiſer=
ſaal
(2½ Uhr Wettſchreiben, 5 Uhr Preisverteilung)
Abendunterhaltung der unteren Poſt= und Tele=
graphen
=Beamten um 5 Uhr im Mathildenhöhſaale‟
Abendunterhaltung des Geſangvereins Lieder=
kranz
um 8 Uhr im Perkeo.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Rummelbräu
um 4 Uhr und 8 Uhr. Bürgerkeller um 4 Uhr und
8 Uhr. Kölniſcher Hof um 4 Uhr. Singſpielhaus
Metropole um 4 Uhr und 8 Uhr. Münchener Kindl
um 4 Uhr.
Wanderung des Odenwaldklubs nach Beerfelden ( Ab=
fahrt
6.46 Uhr).
Wanderung des Vogelsberger Höhenklubs nach
Groß=Gerau (Abfahrt 8.22 Uhr).

Verſteigerungskalender.
Montag, 4. November.

Hofreite=Verſteigerung des Georg Stier ( Nie=
der
=Ramſtädter Straße) um 10 Uhr auf dem Orts=
gericht
I.
Hofreite=Verſteigerung des Friedrich Schnetz
(Heinheimerſtraße 69) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht
Hofreite=Verſteigerung des Martin Darm=
ſtädter
(Kiesbergſtraße 9) um 10 Uhr auf dem Orts=
gericht
II.
Streulaub=Verſteigerung um 10 Uhr zu Forſt=
haus
Böllenfalltor.
Stroh=Verſteigerung um 9 Uhr auf dem Trup=
pen
=Uebungsplatz (Zuſammenkunft an der Wellblech=
baracke
150).

1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhre
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhn
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage
Vorſtellungen von 411 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23,
Vorſtellungen von 411 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Aaztrae
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt,
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt,

[ ][  ][ ]

Nummer 259

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912

Seite 9

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

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Kurſe vom 1. November 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
3 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,00
78,20
do.
3 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 94,00
88,20
4 do. do.
3 Bad. Staatsanleihe . . 99,20
do.
93,20
3½
do.
3 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
86,90
do.
77,70
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,30
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,20
3 do. do. (unk. 1918) 99,80
do.
87,10
3½
76,50
do.
. 78,90
4 Sächfiſche Rente.
3 Württemberger v. 1907 99,50
do. v. 1875 95,00
1 Bulgaren=Tabak=Anl. 96,25
3¾ Griechen v. 1887 . . 51,50
Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 88,50
4 do. Goldrente . . . 91,80
3 do. einheitl. Rente 85,00
3 Portug. unif. Serie I 62,30
3 do. unif. Ser. III 65,30
5 do. Spezial .
9,90
4 Rumänier v. 1903 . . 98,30
4 do. v. 1890 . . 91,40
4 do. v. 1905 . . 87,50
4 Ruſſen v. 1880 .
. 88,20
4 do. v. 1902.
87,70
3½ do. v. 1905
.100,10
4½ Schweden .
. 85,30
4 Serbier amort. v. 1895 77,25
4 Türk. Admin. v. 1903 76,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 81,80
4 Ungar. Goldrente
87,10
4 do. Staatsrente.
85,00

InProz.
Zf.
5 Argentinier
. 99,90
4
do.
85,00
4½ Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,30
do.
4½
4½ Japaner . . . .
93,30
5 Innere Mexikaner . . . 90,70
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 87,80
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,20
3 Buenos Aires Provinz 68,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . 150,60
5 Nordde Lloyd .
. .119,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 125,25
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 108,00
8 Baltimore und Ohio . 105%
6½ Schantungbahn . . . 125,20
6½ Luxemb. Prince Henri 152,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,75
6 Pennſylvania R. R. . 121,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
65,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 514,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.245,00
30 Farbwerke Höchſt . . 612,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . .
10 Cement Heidelberg . . 146,00
30 Chem. Werke Albert 452,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 320,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 118,00

InProz.
Dioid.
7½ Schuchert, Nürnberg 148,80
12 Siemens & Halske .224,75
5 Bergmann Electr. . . 123,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 157,00
0 Gummi Peter . . . . 101,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 104,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 567,75
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 200,00
8 Steana Romana Petr. 142,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 230,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 202,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 103,00
3 Südd. Immobilien . 57,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 176,75
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 220,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 172,50
10 Gelſenkirchener . . . . 190,75
8 Harpener . . . . . . . 183,50
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 272,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
83,75
Caro. .
4 Laurahütte . . . . . . 165,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 160,50
Weſteregeln 208,50
11
7½ South Weſt Africa 130,25
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,40
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,00
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,80
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 88,00
74,80
3 Prag=Duxer
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,20
77,30
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,30
do.
4

In Proz.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,60
3 Raab=Oedenburg
75,90
4 Kronprinz Rudolfbahn 92,60
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,00
do.
87,10
4 Wladichawchas
85,80
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb.
74,10
86,00
do.
24/ Livornefer . .
69,40
3 Salonique=Monaſtir . 59,90
4 Bagdadbahn . . . . . . 80,25
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 95,60
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 72,50
4 Northern=Paciſic . . . 99,60
4 Southern=Pacific
93,80
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 84,75
5 Tehuantepec . . . . . . 96,20
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich .
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
. 147,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 164,00
6½ Darmſtädter Bank . 119,60
12½) Deutſche Bank . . . 249,25
6 Deutſche Vereinsbank . 122,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,40
10 Diskonto=Kommandit 183,10
8½ Dresdener Bank . . 152,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 210,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,40
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,50
5.86 Reichsbank . . . . . 131,70
7 Rhein. Kreditbank. . . 133,00
A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 117,00
7½ Wiener Bankverein . 127,75
Pfandbriefe.
Frankſ. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 99,00


3½ Frankf. Hypoth.=Bank
88,00
S. 19 . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,80
S.52 . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
87,50
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
87,80
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,20
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. .
99,40
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68
87,80
S. 35 .
87,60
S. 911
. 87,70
4 Meininger Hyp.=Bank 98,50
87,30
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,60
31 do. (unk. 1914) . . 87,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
87,30
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . .
3½
do.
88,50
4 Frankfurt:
99,80
3½ do.
94,50
4 Gießen
3½ do.
88,00
4 Heidelberg
97,40
do.
88,00
4 Karlsruhe
97,90
88,30
do.
4 Magdeburg:
3½
do.
4 Mainz
. . . . 97,70
do.
4 Mannheim . . . . .
87,90
do.
4 München .
.100,20
Nauheim
Nürnberg . . . . . . . 99,00
dv.
4 Offenbach . . . . . . . .

In Prot.
8½ Offenbach . . . . . .
4 Wiesbaden . 7.7 . 4 99,80
8½ do.
4 Worms.
4
8½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 105
3½ Cöln=Mindner , 100 133,75
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,80
3 Madriber . . Fs. 100 71,00
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 138,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 174,00
8 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverziusliche
Aulehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 203,50
Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder
.Fs. 10
do.
. fl. 7
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 518,00
do. v. 1858 fl. 100 438,00
Ungar. Staats . . fl. 100 371,40
Benediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 153,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,50
20 Franks=Stücke . . . . 16,24
Amerikaniſche Noten. . 4,20
Engliſche Noten . . . . 20,52
Franzöfiſche Noten. . .. 81,35
Holländiſche Noten. . . . 169,80
Italieniſche Noten .
80,50
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten .
Schweizer Noten ..
81,00
Reichsbank=Diskonto.
Reichshank=Lomhard 341. 6

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

3 128.
Saustag, 2. Nobemnber.
1912.

Bekanntmachung.

Auf Antrag Großh. Polizeiamts Darmſtadt wird mit Zuſtimmung der
Gemeindevertretung von Arheilgen das Hofgut Kranichſtein aus dem Fleiſchbeſchau=
bezirk
der Stadt Darmſtadt ausgeſchieden und dem Fleiſchbeſchaubezirk der Ge=
meinde
Arheilgen zugeteilt.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1912.
(22604
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Vollziehungsbeamte
Kammer mit dem 1. k. Mts, in den Ruheſtand tritt und an deſſen Stelle Adam

Volziehungebeamten für die Landgemenden des Kries Darmſtadt
ermannt worden iſt.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1912.
(22705
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur Kenntnis der beteiligten Kreiſe, daß das Proviantamt Darm=
ſtadt
Roggen, Hafer, Heu und Roggenſtroh (Flegelſtroh, Maſchinenglattſtroh und
Preßlangſtroh) ankauft.
Darmſtadt, den 30. Oktober 1912.
(22704sis
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Damenpelz. 1 Kopftuch, mit Spitzen beſetzt.
1 goldene bogenförmige Nadel mit Gravierung. 1 ſilberne Nadel
mit Amethyſt. 1 Metzgermeſer. 1 Doublering ohne Stein, 1ſchwarzer
Stoffbeutel mit Portemonnaie und Bleiſtift. 1 ſchwarze Samthand=
taſche
mit Goldborden und Portemonnaie mit Inhalt. 1 mittel=
großer
Schlüſſel. 1 ſilberne vergoldete Broſche, beſtehend aus 3 Stäb=
chen
und Hufeiſen. 1 altes Säbelkoppel. 1 alter defekter Taſchen=
revolver
. 1 großer Schlüſſel mit Nummerblech. Zugelaufen:
1 Foxterrier, weiß mit dunklen Flecken.
(22745

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Forterrier. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(22748

Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 3. Nov.,

ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende Apo=
theken
geöffnet: Hof=Apotheke, Ballonplatz, und Adler=Apotheke,
Wilhelminenplatz. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab
geſchloſſen.

Bekanntmachung.

Betreffend: Anſchluß der Polizeireviere an die Reichs=
Fernſprech=Anlage.
Die Polizeireviere I bis VII, die ſeither nur mit dem Polizei=
amt
telephoniſch verbunden waren, ſind neuerdings an die Reichs=
Fernſprechanlage angeſchloſſen worden. Hierbei hat erhalten:
das I. Revier (Kirchſtraße 9)
die Anſchluß=Nr. 2161
(Alexanderſtraße 26)
II.
2162
(Lagerhausſtraße 5)
2165
III.
(Waldſtraße 21)
IV.
2164
(Ludwigshöhſtraße 4)

2165
(Nieder=Ramſtädterſtr. 51)
2166
V
(Schwanenſtraße 66)
2167
VII.
Das Polizeiamt (Hügelſtraße Nr. 31/33) hat nach wie vor die
Anſchlußnummern 3 und 106.
Es wird dies zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem
Anfügen, daß durch die neuen Anſchlüſſe der Reviere die Beſtim=
mungen
über die Feuermeldung nicht berührt werden. Um Ver=
zögerungen
zu vermeiden, ſind die Feuermeldungen, inſoweit ſie
durch das Reichstelephon übermittelt werden, auch in Zukunft direkt
entweder an die Feuerwehrwache (Kirchſtraße Nr. 13, Fernſprechanſchluß
Nr. 1772) oder an das Polizeiamt (Hügelſtraße Nr. 31/33, Fernſprech=
anſchlüſſe
Nr. 8. und 109) zu richten. In dem Polizeiamtsgebäude
befindet ſich die Zentralſtation für ſämtliche Feuermeldeſtellen. Die
Feuerwehrwache und die Polizeiwache im Polizeiamtsgebäude ſind
Tag und Nacht beſetzt.
(22661fsi
Darmſtadt, den 30. Oktober 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Verkaufspreiſe der Kleiſch= u. Wurſtwarent. d. Haupt= u. Reſidemſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)
per ½ kg
per½. 1g
. 100 Pfg.1 Speck geräuchert
Ochſenfleiſch
. 120 Pfg.
Hörfleiſch
120 ½
94
Rindfleiſch
Schinken m. Bein . . . 120
. 70
Fett, roh
Rollſchinken .
. 140
80
Fett, ausgelaſſen
Schweineſchmalz, roh
Leber
80
u. ausgelaſſen . . . 96
100
Kalbfleiſch
Schwartenmagen,
. 100
Hammelfleiſch
Fleiſch= u. Bratwurſt . 96
70
Bruſt
Leber= u. Blutwurſt . . 80
. 100
Schweinefleiſch .
Rippchen, Kammſtück, ge=
ſalz
. Fleiſch u. Kottelets 110

Winterſchafweide.

Die Schafweide auf den ſtädtiſchen Pallaswieſen, ca. 35 Hektare,
und den früheren Beſſunger Gemeindewieſen, ca. 60 Hektare, ſoll ver=
pachtet
werden.
Pachtdauer bis Mitte März 1913.
Schriftliche Angebote ſind, verſchloſſen und mit entſprechender
Aufſchrift verſehen, bis längſtens Montag, den 4. November I. Js.,
hierher einzureichen.
Die Bedingungen liegen während der Dienſtſtunden in dem
Geſchäftszimmer Nr. 29 des Stadthauſes zur Einſicht offen. Auch
ſind dieſelben gegen Einſendung des Betrages von 20 Pfg. erhältlich.
(22657fs
Darmſtadt, den 28. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.

Wir zeigen hiermit an, dass wir die Zinsvergütung auf
Scheck-Konto
(P22798
bis auf weiteres auf


2a o
festgesetzt haben.
Für Gelder mit bestimmter Kündigungsfrist bleibt be-
sondere
Vereinbarung wegen der Zinsvergütung vorbehalten.
Darmstadt, den 1. November 1912.
Bank für Handel und Industrie.

Bekanntmachung.

Montag, 4. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kaufman Friedrich
Schnatz Eheleuten dahier zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. am
IV 3140/100 442 Hofreite Hein=
heimerſtraße

Nr. 69,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (B5712
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 12. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V21806

Bekanntmachung.

Samstag, 30. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die der Heinrich Butterfaß
Witwe und deren Kindern dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
V 62957½/10000 92 Hofreite Pal=
laswieſenſtr
.
Nr. 32,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K35/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 15. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V21807

Bekanntmachung.

Montag, 4. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Georg Stier dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
II 846 400 Hofreite Nieder=
Nam=
II 847 479 Grab=
ſtädter
ſtädter=
garten
ſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(B83/12
Darmſtadt, 2. Oktober 19122
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V20743

Bekanntmachung.

Auf freiwilligen Antrag des
Schreinermeiſters Wilhelm Her=
mann
dahier ſollen deſſen Immo=
bilien
:
1. Flur III Nr. 1459%/100 300 qm
Hofreite Kranichſteinerſtraße
Nr. 35,
2. Flur III Nr. 1455%/0g 159 qm
Grabgarten daſelbſt,
Donnerstag, 7. November I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
in unſerem Bureau Grafen=
ſtraße
30 öffentlich verſteigert
(V22388
werden.
Darmſtadt, 25. Oktober 19123
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über den
Nachlaß des Lehrers Johannes
Peter Hartleb zu Darmſtadt iſt
nach erfolgter Abhaltung des
Schlußtermins aufgehoben wor=
(22756
den.
Darmſtadt, 23. Oktober 1912.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Am Montag, den 4. Novem=
Aber, vormittags 9 Uhr, wird

das ausgelagerte Stroh aus den
Strohſäcken des Lagers auf dem
Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
öffentlich gegen Barzahlung ver=
(22643fs
ſteigert.
Sammelpunkt an Wellblech=
baracke
150.
Garniſonverwaltung.

Aene Markthalle im Schlachthof
und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr an
Rindfleiſch all Sticke y. Pfm. 82 Pfe.
Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
Kotelettſtücke. . per Pfund 90 Pfg.

Kruſtisderſltrun g don Pfardſchenen=

Die Inhaber der angeblich abhanden gekommenen Pfandſcheine
Nr. 4457, 5571, 12967, 19349, 24 734, 25791 und 26353
werden hiermit aufgefordert, ihre Anſprüche innerhalb 14 Tagen,
vom Tage des Erſcheinens dieſer Bekanntmachung an gerechnet, in
unſerem Geſchäftszimmer Kirchſtraße Nr. 9 geltend zu machen,
widrigenfalls nach Ablauf dieſer Friſt gemäß § 32 des Statuts vom
18. Auguſt 1900, betreffend die ſtädtiſche Pfandleihanſtalt Darmſtadt,
die Kraftloserklärung der Pfandſcheine erfolgen wird.
Darmſtadt, den 1. November 1912.
(22723
Städtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.

Die Rechnuna
der ev. Petrus=Gemeinde für 1911
liegt vom 4. bis 11. November zur Einſicht im Pfarrhauſe offen.
Für den Kirchenvorſtand:
22772
Wagner, Pfarrer.

Abſchafung eines Zuchtballn.

Die Gemeinde Griesheim beabſichtigt die Abſchaffung eines
zur Zucht ungeeigneten, gut gehaltenen Bullen.
Intereſſenten belieben ihre Angebote auf Lebendgewicht bis zum
Freitag, den 8. November d. Js., vormittags 11 Uhr,
bei der unterzeichneten Stelle ſchriftlich einzureichen, woſelbſt die Be=
dingungen
offen liegen. Bis zum gleichen Termine wird der Ein=
ſendung
von Offerten bezüglich eines anzuſchaffenden Erſatzbullen
entgegengeſehen,
(22811
Griesheim bei Darmſtadt, am 1. November 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Griesheim.
Kunz.

Städt. Hallenſchwimmbad

Darmſtadt, Mühlſtraße 33.
Schwimmbäder, Wannenbäder,
Brauſebäder, Heißluft=, Dampf=,
Maſſage= und Duſchbäder, Elek=
triſchlichtbäder
und Kohlenſäu=
rebäder
.
Die Anſtalt iſt zur Zeit ge=
öffnet

1. an Werktagen:
von morgens 7 Uhr bis
abends 8½ Uhr ununter=
brochen
.
Samstags bis abends
9 Uhr.
2. an Sonn= und Feiertagen:
vormitags von 7 bis
(9518a
12½ Uhr.
Die Verwaltung.

Bekanntmachung.

Montag, 2. Dezember I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Georg Ludwig Stier
dahier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
II 844115/1000 247 Hofreite Ried=
lingerſtraße

Nr. 35,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K92/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 31. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V22733

erkaufe zwei noch gute gebr.
V Zugpferde *
G. Köhler, Karuſſellbeſitzer,
(*10792
zurzeit in Arheilgen.

MinzösschrkCoahie

Natürliches Erzeugnis von im Cognac-
Districte geernteten u. destllliert. Weinen.
Preis: Mk. 7.50 bis 30. pro Flasche.

Pumpen=Verkauf.

Die Gemeinde Georgenhauſen,
Kreis Dieburg, verſteigert am
Mittwoch, den 6. November
1912, nachmittags 2 Uhr, auf
dem dortigen Rathaus
vier Stück komplette
eiſerne Pumpen
(Säulenpumpen) mit allem Eiſen=
werk
, Geſtänge, Befeſtigungsplat=
ten
mit Fuß, ſamt gußeiſerner
Brunnenſchale ꝛc. gegen Barzah=
lung
an den Meiſtbietenden.
Bemerkt wird, daß die Pumpen
noch im Betriebe eingeſehen wer=
(22642is
den können.
Georgenhauſen, 29. Oktober 1912.
Großh. Bürgermeiſterei.

ebrauchte Konzert=Zieh=
Gharmonika billig abzugeb.
*106824) Riegerplatz 8, III. r.

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[ ][  ][ ]

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Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 13.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 1. Nov. ( Börſen=
wochenvericht
.) Allmählich beginnen die Börſen in
ruhigere Bahnen einzulenken, nachdem eine gründliche
Siebung der ſchwachen Elemente ſtattgefunden hat. Der
Ultimo hat wider Erwarten einen befriedigenden Ab=
ſchluß
gefunden und die Befürchtungen, daß durch die
ſtärkeren Kursveränderungen größere Zahlungsverlegen=
heiten
eintreten, haben ſich glücklicherweiſe nicht verwirk=
licht
. Selbſt am Londoner Markt, wo enorme Spekula=
tionen
entriert wurden, ſind nur zwei unbedeutende
Fallimente eingetreten. Auch Paris ſcheint in guter
Dispoſition und meldete feſtere Kurſe, obwohl jetzt drei
hintereinanderfolgende Tage dort die Börſe geſchloſſen iſt
und man daher Realiſationen erwartet hat. Dagegen
hat die Bank von Frankreich ihren offiziellen Diskontſatz
auf 4 Prozent erhöht, während die Bank von England
am Donnerstag keine weitere Erhöhung vornahm. Un=
ſere
Reichsbank, die im ganzen den beſten Status aufweiſt,
wird ſich daher nicht mit einer Heraufſetzung beeilen,
umſomehr, da der Privatdiskont auf 4½ Prozent zurück=
gegangen
iſt. Die Börſen verkehrten während der gan=
zen
Betriebswoche in feſter Haltung, hauptſächlich beein=
flußt
durch die äußerſt günſtigen Berichte aus der In=
duſtrie
. Aus Rheinland=Weſtfalen hört man, daß das
Verkaufsgeſchäft in Roheiſen außerordentlich lebhaft iſt
und daß die Käufer durchweg bemüht ſind, den Bedarf für
das erſte Semeſter 1913 voll einzudecken. Der Auftrags=
eingang
ſei außerordentlich ſtark und von einer Einwirk=
uing
des Balkankrieges auf das Geſchäft ſei bisher nicht
das mindeſte zu ſpüren. Vom amerikaniſchen Eiſen= und
Stahlmarkt iſt dasſelbe in ebenſo befriedigender Weiſe
zu konſtatieren. So ſeien dort einige Schienenwerke bis
Juni nächſten Jahres ausverkauft. Der Markt für Bau=
ſtahl
hat ſich über Erwarten günſtig entwickelt, ebenſo ſind
die Werke für Stahlbarren und Stahlplatten ſehr ſtark
beſchäftigt, ſo daß die Vorräte faſt aufgebraucht ſind.
Nur Gießereieiſen iſt bisher ruhiger. Am Kupfermarkt
iſt eine Ermattung zu verzeichnen, die indes nur zeit=
weiſe
ſein dürfte, da der Weltbedarf in fortgeſetztem Zu=
nehmen
begrifſen iſt. Der Hauptverkehr wendete ſich
unter der Beachtung obiger Fakten den Montan= und
Elektrowerten zu; anſcheinend auch noch, weil dieſe Wert=
gruppen
als durch den Krieg in keiner Weiſe nachhaltig
beeinflußt werden, zumal die kriegeriſchen Operationen
zur See offenbar nur ſehr unbedeutend ſind. Die meiſten
Werke ſowohl der Eiſen= als der Kohlenbranche ſind aus=
gezeichnet
beſchäftigt. Der letzte Bericht eines dieſer
Werke, der Königs= und Laurahütte, hat im erſten Quar=
tal
des laufenden Geſchäftsjahres einen Ueberſchuß von
2860000 Mark gegen 1767000 Mark im Vorjahre aufzu=
weiſen
. Ebenſo günſtig arbeiteten die Mannesmann=
Werke, welche eine Erhöhung ihrer Dividende um 1 Pro=
zent
auf 13½ Prozent vorſchlagen mit der Zuverſicht, daß
das kommende Geſchäftsjahr nicht zurückſtehen dürfte.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, waren
deutſche Renten durchweg gut behauptet und das offe=
rierte
Material wurde gerne vom Anlagekapital aufge=
nommen
. Hypotheken=Obligationen kamen etwas mehr
zum Verkaufe, doch betrugen auch hier die Preiseinbußen
nur einige Zehntel. Recht feſt lagen ausländiſche Staats=
fonds
, von welchen beſonders Serbiſche, Bulgaren und

Griechen profitieren konnten auf ihre Erfolge und dadurch
zu erwartender Ländervergrößerung; ebenſo ſind Tür=
kiſche
in guter Dispoſition. Ob jetzt der Krieg gut oder
ſchlecht für die Türkei endet, dies bringt der Staatsſchuld
keinen beſonderen Nachteil, da die Dette ſoublique‟
unter europäiſcher Kontrolle die Intereſſen wahrt und
ſelbſt bei eventuellem Länderverluſte die entſprechende
Schuldquote verrechnen wird. Bankaktien ſchließen nach
zeitweiſer Abſchwächung faſt unverändert gegen die Vor=
woche
, wobei Diskonto=Kommandit ziemlich lebhaft ge=
handelt
wurde. Am Kolonialmarkte waren Otavi matter,
South=Weſt=Afrika ſchließlich befeſtigt. Kolonialanteile für
Südweſtafrika ſind zuletzt etwa 490.
Von Transportaktien unterlagen Hamburger Paket=
fahrt
und Norddeutſcher Lloyd größeren Schwankungen,
vorwiegend auf Spekulationsloſungen, doch konnten die
Kurſe wieder anſehnlich avancieren. Lombarden, Schan=
tung
und Orientbahnen waren etwas nachgebend, letz=
tere
bis 146. 3prozentige Südbahn=Prioritäten in regem
Verkehr (51,75). Montanaktien haben nach dem ſtarken
Rückgang infolge Meldungen der günſtigen Konjunktur
wieder den größten Teil ihres Kursverluſtes eingeholt.
Der Kaſſainduſtriemarkt bekundete ebenfalls eine recht
gute Haltung, da auch hier die Geſchäftserträgniſſe zu=
friedenſtellend
ſind. Es erfolgten ſogar zeitweiſe Mein=
ungsverkäufe
und die Kurſe ſchließen zum Teil noch über
der Vorwoche. Deutſche Gold= und Silber=Scheide=Anſtalt
647¾, Holzverkohlung 319¾, Höchſter Farbwerke 612½,
Badiſche Ainilin 513, Chemiſche Griesheim 244½, Rüt=
gers
186,90, Kleyer 587,75. Die heutige Dividenden= Ab=
trennung
dürfte etwa 30 Prozent betragen, mit welchem
Ergebnis man auch rechnet. Fahrzeugwerte ruhiger:
Bielefelder 463½, Daimler 300¾, Benz 227½, Motoren
Oberurſel 130. Deutſche Verlag, die eine Dividende von
9 Prozent (8 Prozent im Vorjahre) ausſchütteten, ſchlie=
ßen
157, Naphtha 277, Steana Romana 142. Von Zucker=
aktien
Waghäuſel 202, Frankenthal 394,75. Die Ergeb=
niſſe
der Zuckerfabrik Waghäuſel geſtatten eine Verteilung
von 12,83 Prozent.
Der Wochenſchluß geſtaltete ſich recht freundlich auf
die Nachricht aus Konſtantinopel, daß ſich der türkiſche
Miniſterrat bereits mit der Friedensfrage beſchäftige. Auf
allen Gebieten erfolgten weitere Kursſteigerungen; auch
entwickelte ſich ein ziemlich lebhaftes Geſchäft. Kleyer
notierten exkl. Dividendenſchein 567¾.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,20, Braunſchwei=
ger
202,80, Pappenheimer 56 Genuaer 202G, Türkiſche
153,60, Freiburger 80, Ungariſche 371,40, Meininger 33,30,
Venediger 44,50, Mailänder 45=Fr.=Loſe 140 nominell,
Raab=Grazer Anr.=Sch. 36,50, Mailänder 10=F.=Loſe 36,40
in Reichsmark, Gothaer Prämie II 116, Madrider 72,70,
Donau=Regulierung 151,75 in Prozent; ferner ſchließen:
4proz. Reichs (rückzahlbar bis 1918) 100,30, 3½proz.
Reichs 88, 3proz. Reichs 78, 4proz. Heſſen von 1899 99,55,
4proz. Heſſen von 1906 99,55, 4proz. Heſſen von 1908/09
99,75, 4proz. Heſſen (rückzahlbar bis 1921) 100,50, 3½proz.
Heſſen 86,80 G, 3proz. Heſſen 76,60 G, 4proz. Darmſtädter
98, 3½proz. Darmſtädter 88,50, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 1823) 99,60 G, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S. 2425) 99,70, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3
bis 5) 87,60 G, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9
bis 11) 87,70 G, 4proz. Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 1012)

99,60 G, 4proz. Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 1314) 99,70G,
3½proz. Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 13) 87,80, 3½proz.
Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 4) 87,70 G, Darmſtädter Bank
19,75 G, Südd. Immob.=Geſ. Mainz 80, Südd. Eiſenb.=
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Mühlheim a. M. 61,10, Schantung 123¼, South=Weſt=
Afrika 129, Otavi=Anteile 106½, Otavi=Genußſcheine 78,
4½proz. Ruſſen 100,10, 4proz. 1880er Ruſſen 87 G., 4proz=
1902er Ruſſen 87,40, 3¾proz. Ruſſen 86,10, 3½proz.
Ruſſen 78, 3proz. Ruſſen 72,50, 4proz. Unifiz. Türken
81,80, 4proz. Adminiſtr. Türken 75,20, 4proz. Bagdad=
Türken 79, 4proz. Conv. Türken von 1905/11 74,50 G.,
5proz. Chineſen 99,50, 4½proz. Chineſen 92,70, 5proz.
Chineſen (Tientſin=Pukow) 96,80, 4½proz. Japaner 98,
4proz. Japaner 84, 3proz. Buenos Aires 67½ G., 5proz.
Bulgaren 95,90, 4½proz. Serben 83,50, 4proz. Serben
75,50, Griechen von 1890 55,70, Griechen von 1887 51,50.

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Orientierung. Die vorliegende Neuauflage darf wieder
auf eine raſche und ſtarke Verbreitung zählen, insbeſondere
iſt ſie Aktionären, Aufſichtsräten, Direktoren von Aktien=
geſellſchaften
, Geſchäftsführern von G. m. b. H., allen Buch=
haltern
und Bankbeamten, aber auch Richtern und An=
wälten
, ſowie jüngeren Juriſten und Finanzbeamten zu
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an uns vorüber und laſſen die gewaltigen Umwälzungen
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Seite 14,

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Nummer 259.

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Nummer 259.

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Samstag, 2. November.

1912.

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WARNCNG! Man verlange ausdrück-
lich
den Namen Dr. Hommel. (VI 1746

Gefecht bei Utete.

Von Kapitänleutnant a. D. Hans Paaſche.*)
Pünktlich um 3½ Uhr weckte der Poſten und eine
halbe Stunde ſpäter verließ ich das Lager mit zwei Unter=
offizieren
, ſieben Matroſen und achtzehn Askari ( Sol=
daten
der Schutztruppe). Der Akide (der Aelteſte der far=
bigen
Bevölkerung einer Stadt) zeigte den Weg. An der
Spitze gingen Sergeant Kühn und ich. Wir ſchlichen
durch verlaſſene Dörfer, drangen in die dunklen Hütten,
die leer waren, und prüften jedes Feuer in den Herd=
ſteinen
auf ſein Alter.
Als es hell wurde, gingen wir lange durch niedrigen,
offenen Wald und kamen gegen 7 Uhr über eine Anhöhe,
die ſich in ſanſtem Abfall zum Rufiyi ſenkte.
Da ſtieg eine Rauchwolke aus dem Schilf empor; der
Akide ſagte, das ſei der Platz, an dem wir die Schenzes
(Buſchbewohner) vermuteten. Um ungeſehen näher zu
kommen, gingen wir ſeitlich in den Wald und ſahen hier
plötzlich eine Hütte mit Wachturm vor uns. Schwacher
Rauch ſtieg daraus empor. Wenn uns die Wächter bemerk=
ten
und Lärm ſchlugen, war der Ueberfall mißglückt; ich
gab deshalb dem Sergeanten einen Wink. Wir liefen
auf den Zehen um das Haus herum, drangen leiſe in die
offene Hütte hinein und ſchlugen die drei Leute, die dort
auf Maisvorräten ſchliefen, mit den Fäuſten nieder, ehe
ſie zu den Waffen greifen konnten; dann wurden ſie ge=
feſſelt
. Die Ueberraſchung dieſer Wächter war ſo groß,
daß ſie nur unartikulierte Laute wimmerten.
Ich teilte nun meine kleine Truppe in drei kleinere
Abteilungen, deren eine ich ſelber führte die zweite
Sergeant Kühn, die dritte der Betſchauſch (ſchwarzer
Feldwebel). Während ich langſam in gerader Richtung
vorging, ſollten Sergeant Kühn und der Batſchauſch von
links und rechts das Lager umfaſſen. Aber trotzdem hier
kein Schuß gefallen war und wir keinen Lärm machten,
mußten wir ſchon bemerkt ſein, denn als ich über eine
niedrige Anhöhe kam, ſah ich viele Bewaffnete in der
Ebene unruhig hin= und herlaufen. Um beſſer ſehen zu
können, lief ich etwa dreißig Schritte vor, blieb ſtehen und
hob mein Doppelglas.
*) Für den am 5. November ſtattfindenden Vor=
trag
des Kapitänleutnants a. D. Paaſche und ſeine
Gattin wird es intereſſieren, ein Kapitel aus ſeinem be=
kannten
Werke Im Morgenlicht (Verlag J. Neu=
mann
in Neudamm) kennen zu lernen, das wir mit Ge=
nehmigung
des Autors und Verlegers hier zum Abdruck
bringen.

Gras
eine Anzahl Schuiſe ein Matrofe der mir geſolgt war,
brach neben mir zuſammen. Ich riß in der Ueberraſchung
mein Gewehrſchloß auf und repetierte eine neue Patrone
in den Lauf, ohne geſchoſſen zu haben. Dann erſt ſchoß
ich einen Schwarzen nieder, der ſich aus der Rauchwolke
ſeines Vorderladers erhob, um fortzulaufen. Das alles
geſchah in wenigen Sekunden. Die Matroſen und die
Askaris kamen in die Reihe; ein heftiges Feuergefecht ent=
ſpann
ſich. Die Schwarzen lagen hinter Bäumen und
großen Steinen und drückten ſich, nachdem ſie abgefeuert
hatten, wie tot ins Gras, wenn wir vorbeikamen.
Lauter Zuruf von unten ſagte uns, daß der
Betſchauſch und die Begleiter der Askiden in unſere
Schußrichtung gekommen waren, um die fliehenden
Schenzis einzufangen. Da machten die Matroſen von
ihren Seitengewehren Gebrauch, um nicht eigene Leute
durch Schießen zu gefährden, und drangen mit großem
Ungeſtüm auf die noch ſtandhaltenden Neger ein. Nur
kurze Zeit hatte das Gefecht gedauert. Weit unten am
jenſeitigen Ufer eines Sees ſah ich die Aufſtändigen lau=
fen
und verſchwinden und ſandte ihnen einige Schüſſe
mit hohem Viſier nach.
Wer von uns iſt gefallen? fragte ich den Feuer=
werksmaaten
Fuchs. Matroſe Gramkau; er iſt tot. Ich
ging zu dem Platz, an dem er lag. Er war unmittelbar
neben mir lautlos ins Grab geſunken; ich hatte nicht Zeit
gehabt, mich nach ihm umzuſehen. Da lag der Tote im
Graſe zwiſchen den hohen Steinen, die den Feinden als
Deckung gedient hatten. Ein Geſchoß war ihm in den
Mund gedrungen und hatte die Halswirbel durchſchlagen.
Ein anderer Schuß hatte den rechten Arm getroffen und
die Holzbekleidung des Gewehrs zerſplittert.
Es war ein ſchmerzlicher Verluſt für mich, hier mitten
zwiſchen den zahlreichen Aufſtändigen einen der wenigen
Europäer meiner kleinen Truppe zu verlieren. Ich war
erregt und empfand es als ein Verbrechen und Unglück,
daß dieſer rohe, unebenbürtige Gegner mir einen meiner
wertvollen Männer genommen hatte. Der errungene
Sieg war teuer erkauft.
In dichten Haufen ſtanden die Leute des Akiden auf
dem Wege. Die Askari hatten die Gefangenen in die
Mitte genommen, die alle Pulverhörner und Kugeltaſchen
trugen; ſie hatten auf uns geſchoſſen und waren mit ſchuld
an unſerem Verluſt.
Zur Bewachung und zum Transport der Gefan=
genen
fehlten mir die nötigen Mannſchaften. Von Fein=
den
umgeben, konnte ich keinen meiner Soldaten ent=
behren
.
Es galt, Eindruck auf die Gegner zu machen, um mehr
Blutvergießen zu hindern; deshalb beriet ich kurz mit
den Unteroffizieren und dem Akiden, ließ die Askari an=
treten
und die Rebellen erſchießen. Als ſich die Pulver=
wolke
der Gewehrſalve verzogen hatte, lagen die Verur=
teilten
tot am Boden.
Wir wandten uns unſerem Toten zu; er wurde auf
eine Bahre gelegt und zugedeckt. Die Matroſen traten
auf der einen, die Askari auf der anderen Seite des Weges
an und präſentierten, als die Leiche vorbeigetragen

um uner der Bedeckung von vier Askart nach
Mohorro gebracht zu werden.
Ich fühlte das Bedürfnis nach Ablenkung. Die Ein=
drücke
des Morgens, das Gefecht, der Tod des Kamera=
den
und die Entſchlüſſe, die mich zu dem Todesurteil über
die Rebellen brachten, packten mich ſtark. Und immer
wieder trat das Gefühl der Verantwortung hervor:
würde man einſehen, daß ich recht tat, dem Feinde in
ſeine Schlupfwinkel zu folgen und immer weiter vorzu=
gehen
? Würde man das Opfer verſtehen, das der Kampf
an dieſem Morgen forderte?

Vermiſchtes.

Deutſchlands Lichtbedürfnis. In Deutſchland wird
bekanntlich recht intenſiv gearbeitet, ſowohl in der Stu=
dierſtube
des Gelehrten, in den Bureaus der Kaufleute
als auch in den großen Arſenalen und Werken der Fa=
briken
. Selbſt die ſchulpflichtige Jugend arbeitet viel,
wenigſtens ihrer Anſicht nach, und wenn man vielen
Leuten glauben will,, nach deren Erfahrung auch das
Vergnügen eine Arbeit iſt, dann wird auch hierin in
Deutſchland viel geleiſtet. Daß für dieſe ungeheure Ar=
beitsmenge
der Tag mit ſeinem natürlichen Lichte nicht
ausreicht, iſt ganz ſelbſtverſtändlich, denn die Tages=
ſtunden
ſind kurz, und zur Winterszeit iſt der Tag nur
eine ſchwache Unterbrechung einer langen Nacht. Da iſt
es kein Wunder, daß der Verbrauch an künſtlichem Licht
ein ungeheurer ſein muß. Aus Ermittlungen, die man
aus den letzten Ergebniſſen der Leuchtmittelſteuer gezogen
hat, hat ſich herausgeſtellt, daß in Deutſchland im April
1912 rund gegen 70 Mll. elektriſche Lampen in Benutzung
waren. Die Zahl der verwendeten Gaslampen betrug
zwar bedeutend weniger, aber immerhin noch rund 26
Millionen. Ueber die Anzahl der im Gebrauch befind=
lichen
Petroleumlampen ſind einigermaßen zuverläſſige
Angaben nicht zu ermitteln, doch iſt anzunehmen, daß ſie
noch unter dem Wert der Gaslampen bleiben werden
Wieviel Streichhölzer müſſen wohl notwendig ge=
weſen
ſein, um dieſes Heer von Gas= und Petroleum=
lampen
täglich anzuzünden, und umgekehrt, wieviel Geld
an Streichhölzern mag geſpart ſein, beim täglichen, oft
mehrmaligen Einſchalten von rund 70 Millionen elektri=
ſcher
Lampen. Rechnet man 70 Streichhölzer pro Schach=
tel
und täglich mit etwa zweimaligem Einſchalten pro
Lampe, ſo haben die Verbraucher von elektriſchem Licht
an 2 Millionen Streichholzſchachteln pro Tag geſpart;
und faſt die gleiche Anzahl könnte noch geſpart werden,
wenn erſt alle Petroleum= und Gaslampen durch elektriſche
Lampen erſetzt wären. Nun, ehe wir ſo weit kommen,
wird es noch ein Weilchen dauern, daß uns aber der nie
raſtende Fortſchritt einmal ſo weit bringen wird, das läßt
uns ein inſtinktiver Fortſchrittsglaube hoffen; und inſtink=
tive
Gefühle täuſchen ſelten.

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Nr. 33 (geöffnet an Werktagen von 8 Uhr vormittags
bis 8 Uhr abends, Samstags bis 8½ Uhr, Sonn= und
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

Zur Aufklärune

Neuerdings werden von anderer Seite FAHRRADER und MAHMAscHINEN unter der Bezeichnung
GEBRÜDER KAVSER‟ angepriesen. Zu dem Gebrauch der einen Bestandteil unsererer Firma bildenden
und uns auch als Warenzeichen geschützten Worte GEBRUDER KAVSER‟ tritt noch eine Aehnlichkeit
in der Ausstattung hinzu, wodurch die Kaufliebhaber leicht irre geführt werden können.

Um Verwechslungen mit unseren altangesehenen

KAr
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Nähmaschinen
und Fahrrädern

zu verhindern, machen wir darauf aufmerksam, dass es sich bei obigen Angeboten um Fabrikate
handelt, welche die vor einiger Zeit in Frankfurt gegründete Firma Gebrüder Kayser liefert.
Diese Firma fabriziert nicht selbst, sondern bringt lediglich Fabrikate in den Handel, die sie von
dritter Seite bezieht; es ist bis jetzt nicht bekannt, in welcher Fabrik diese Nähmaschinen und
Fahrräder hergestellt werden.
Die Firma Gebrüder Kayser in Frankfurt hat mit unserer seit nahezu 50 Jahren bestehenden
Fabrik nichts zu tun und steht mit uns auch in keiner Geschäftsverbindung.
Unsere bekannten und beliebten Nähmaschinen und Fahrräder mit der gesetzlich geschützten
Marke KATSER‟
werden allein von uns hergestellt, und nur die durch uns oder unsere Vertreter bezogenen Kayser-
Nähmaschinen und Fahrräder gewährleisten

wirkliches Kayser-Fabrikat.

Wir empfehlen dringend, bei Ankauf von Nähmaschinen und Fahrrädern stets auf unser Waren-
zeichen
und unsere Schutzmarke genau zu achten.

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Wenige Minuten ſpäter betrat Frau von Dittmark
das Zimmer ihres Mannes. Er legte die Stirn in Fal=
ten
. Seine Frau war der eifrige Anwalt Wullnows, er
wußte es wohl. Sie hatte Gunild das Leben an der Seite
eines Diplomaten in den leuchtendſten Farben geſchildert
und wünſchte nichts ſehnlicher, als daß dieſe Ehe möglichſt
bald zuſtande käme.
Nun, Andreas, was hat unſere Kleine geſagt?
Er ſah ſie mit einem ſcharfen Blicke an. Haſt Du nicht
ſchon ſelbſt mit Gunild geſprochen, Thereſe?
Nein wahrhaftig nicht! Du biſt doch Herr im
Hauſe! Und da ich weiß, unſere Anſichten decken ſich in
dieſem Falle nicht vollkommen, ſo halte ich mit der meinen
nach Möglichkeit zurück.
Du hätteſt das etwas früher tun ſollen. Mir ſcheint,
Gunild iſt feſt entſchloſſen, Wullnow, gegen deſſen Per=
ſönlichkeit
ich ja auch gar nichts habe, ihre Hand zu
reichen.
Das iſt ein Vorwurf, Andreas.
Den ich Dir leider nicht erſparen kann.
Mir ſcheint, Du biſt Partei gegen Wullnow.
Nicht in dem Sinne, wie Du denkſt. Ich wünſche ein
dauerndes Glück für mein Kind, und leider muß ich fürch=

ten, die pekuniären Verhältniſſe ſind nicht derart, daß in
dieſer Hinſicht Bedenken ausgeſchloſſen erſcheinen.
Wullnow verfügt mindeſtens über eine Million.
Gewiß, er wird auch noch von ſeiner Mutter erben.
Und Gunild von uns.
Dittmark ſah ſeine Frau an, eine ſchöne, große, reife
Erſcheinung mit brünettem Haar. Du biſt dreiundvierzig,
wirſt, Gott gebe es, noch lange zu leben haben, und an
unſere beiden Jungens müſſen wir auch denken! Egbert
tritt zu Oſtern bei den hieſigen Garde=Ulanen ein, und
aus Sigismund ſoll einmal ein tüchtiger Verwaltungs=
beamter
werden. Wir dürfen die beiden nicht vergeſſen!
Aber wer tut denn das?
Nun, wir können doch Gunild nicht im Stiche laſſen,
wenn ſie etwa einmal beſondere Anforderungen an unſe=
ren
Geldbeutel ſtellt: Die Jungens werden natürlich auch
von Zeit zu Zeit etwas zu beichten haben. Und ewig,
liebe Thereſe, mache ich auch nicht mehr mit, bald habe
ich eine vierzigjährige Dienſtzeit hinter mir, dann möchte
ich meinen Lebensabend in ruhiger Beſchaulichkeit genie=
ßen
, denn mehr, als ich heute bin, werde ich doch nicht.
Das war gar nicht nach dem Wunſche der lebensluſti=
gen
Frau von Dittmark. Sie dachte noch nicht daran, ſich
auf das Altenteil zurückzuziehen. Andreas, Du biſt ge=
ſund
, Dein Beruf ein angenehmer, der Dir viel Freihei=
ten
geſtattet. Ich fürchte, Du würdeſt leiden, wenn Du
untätig Deine Tage verbrächteſt.

Und ich fürchte, ich bin maroder, als Du denkſt! Uebri=
gens
kann man ſich auch im Privatleben angenehm und
nützlich beſchäftigen.
Frau von Dittmark ſeufzte. Aber Du antworteſt doch
Herrn von Wullnow noch heute? fragte ſie dann.
Gewiß, ſobald Du mich verlaſſen haſt.
Dann leb’ wohl einſtweilen!
Langſam, mit großen Pauſen, wohlüberlegt, ſchrieb
der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat von Dittmark
vier Seiten voll.
Der Legationsſekretär von Wullnow hatte ſein luxu=
riös
ausgeſtattetes Junggeſellenheim draußen im
Weſten, am Viktoria=Luiſe=Platzaufgeſchlagen. Die ganze
Einrichtung der vier Zimmer verriet künſtleriſches Em=
pfinden
, an den Wänden hingen nur gute Gemälde.
Heute war er früh aufgeſtanden, er erwartete Herrn
von Dittmarks Antwort. Die ſchöne Gunild hatte ihm
vorgeſtern beim Rennen in Karlshorſt manchen Zweifel
genommen. Den kleinen Plattangen hatte er für ſeinen
Rivalen gehalten, und da war es die Tochter geweſen,
die die Eltern vor dem letzten Rennen, in dem der
Zietenhuſar in den Sattel ſtieg, zum Aufbruch gedrängt
hatte.
Die erſehnte Antort lief mit der erſten Poſt ein.
Wullnow brach den Brief haſtig auf.
So ganz befriedigte ihn das Schreiben nicht. Er
trommelte mit den Händen auf der Schreibtiſchplatte, ein

[ ][  ][ ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

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nachdenklicher Zug lag auf ſeinem bleichen Geſicht. Die
braunen Augen überflogen noch einmal den Brief,
nervös drehte die rechte Hand an dem kleinen dunklen
Schnurrbart, dann ſtand er auf und trat ans Fenſter. Er
war groß und ſchlank, die Stirn hoch, etwas bleich ſah er
aus.
Hunderttauſend Taler iſt nicht viel, ſagte er vor ſich,
hin. Und der Vater ſchreibt auch unter aller Reſerve.
Scheint mir faſt, ich bin ihm nicht ſehr ſympathiſch. Er
ſchlug mit der flachen Hand durch die Luft. Ach was,
ſchließlich heirate ich ja nicht ihn, und die Mutter, ſteht
zweifellos auf meiner Seite. Ob die guten Dittmarks
auch nicht über ihre Verhältniſſe leben? Sie machen ein
großes Haus. Die hübſche Mutter liebt den Trubel
und Gunild wohl auch!
Ihm wurde es doch etwas bänglich zu Mute. Er
mußte einen klaren Entſchluß faſſen. Engagierte er ſich
jetzt, war er auch gezwungen, als Freier aufzutreten.
Aber die ſchöne Gunild war in der Tat begehrenswert!
Er kleidete ſich an, der Dienſt rief ihn ins Aus=
wärtige
Amt.
Gegen Mittag ließ er ſich beim Vortragenden Rat
ſeines Reſſorts melden. Er hatte über einige Angelegen=
heiten
Bericht zu erſtatten.
Sonſt noch etwas, Herr von Wullnow? fragte der
Chef, als das Amtliche erledigt war.
Eine Privatangelegenheit, wenn es die Zeit ge=
ſtattet
.
Bitte!
Vor März werde ich wohl ſchwerlich nach Peters=
burg
verſetzt werden?

Ganz ausgeſchloſſen! Ich denke, Sie werden am
erſten April Ihren Poſten anzutreten haben. Möchten
Sie denn jetzt, wo die geſellſchaftlichen Vergnügungen
beginnen, Berlin verlaſſen?
O nein, durchaus nicht! Es war nur eine Frage.
Man muß doch ſeine Dispoſitionen treffen.
Richten Sie ſich immerhin auf April ein, Herr von
Wullnow.
Vielen Dank!
Mit einer haſtigen Verbeugung verließ er ſchnell
das Arbeitszimmer des Vortragenden Rates.
Der ſah ihm kopfſchüttelnd nach.
Wenige Minuten ſpäter ſtand Wullnow unſchlüſſig
auf dem Wilhelmsplatz. Sollte er den kurzen Weg nach
der Alſenſtraße zu Dittmarks machen? Jetzt war der
Oberregierungsrat ſiche nicht zu Hauſe, und dem wollte
er wenigſtens die nächſten Tage nicht gerade über den
Weg laufen. Ein kurzes Zögern, dann rief er eine
Droſchke an und fuhr heim.
*
Mannchen, das iſt ine Ueberraſchung, nicht wahr?
Schneie ich Dir zu Deinem Geburtstag in die Bude!
Gratuliere ſchönſtens, mein Junge!
Chriſtoph von Sollenſtern klopfte ſeinem Neffen auf
Schulter, nachdem er unter Aechzen und Krächzen aus
dem Zuge geſtiegen war.
Plattangen lachte. Onkelchen, Du ſiehſt gut aus, und
Deine Laune ſcheint immer noch brillant zu ſein!
Aeh, weißt Du, die verfluchte Gicht! Und meine Naſe
iſt noch dicker geworden!
Das kommt vom Bordeaux.

Mannchen, laß einem alten Manne ſein Pläſſier!
Sollenſtern ſtützte ſich ſchwer auf ſeinen Stock und
reckte die breite Bruſt heraus. Er war keine Schönheit
ein wenig größer als Plantangen, ſein Geſicht dich
und aufgeſchwemmt, ein Paar kleine blaue Augen blick=
ten
liſtig vergnügt in die Welt, durch den langen blonden
Vollbart zogen ſich graue Fäden, auf dem Haupte trug er
den grünen Jagdhut mit der Spielhahnfeder.
Das leichte Geſpann des Neffen führte ſie in
wenigen Minuten nach deſſen unweit des Bahnhofs ge=
legene
Villa.
Und nun, Onkelchen, überlaſſ ich Dich eine halbe
Stunde Deinem Schickſal, dann gehen wir ins Kaſino,
um meinen Geburtstag gründlich zu feiern!
Der alte Sollenſtern wurde von den Herren mit
Hallo begrüßt.
Na, ja dochchen, nun wollen wir mal oſtpreißiſch
nippen!
Er ſprach den breiten, unverfälſchten Dialekt ſeinen
Heimat, der hart und doch gemütlich klingt.
Das trauteſte Onkelchen wurde auf den Ehrenplatz
geführt, neben ihm ſaßen der Neffe und deſſen Ritt=
meiſter
, gegenüber die Schwadronskameraden und Roß=
dorff
. Sollenſtern ſchwang den Humpen beſſer wie der
trinkfeſteſte Leutnant.
Bis zum ſpäteten Nachmittag wurde eine Flaſche
nach der anderen der Hals gebrochen, dann fuhren
Neffe und Onkel heim, um ſich eine Stunde aufs Ohrzu
legen. Abends wollten ſich die Kameraden beiPlat
tangen zur Schlummerbowle einfinden.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912

Seite 21.

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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

Forman
gegen Schnupfen=
irungfrappant
oſee

Der beiſpielloſe Erfolg des Forman hat wie
üblich zu Nachahmung des Artikels gereizt. Man
verlange ausdrücklich Forman!
(227439

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten.

Vergleiche. Im Großen und Kleinen. Eine Jubi=
larin
. Königlich preußiſches Porzellan. Ein Be=
ſuch
unſerer Königlichen Porzellanmanufaktur. Künſtler
und Kunſtwerke. Sammelluſt. Ein Gradmeſſer.
Der Nachlaß von Johann Orth. 2252 Gegenſtände.
Erinnerungen und Gedanken. Gabriel Schillings
Flucht von Gerhart Hauptmann im Leſſing=Theater.
Das Schauſpiel, welches uns die gegenwärtigen
kriegeriſchen Vorgänge, die hier alle Welt in Atem halten,
zeigen, daß junge und friſche Kräfte die alten und mürben
bekämpfen und deren Erbſchaft ſich anzueignen trachten,
vergegenwärtigt uns im kleinen das Weltſtadtleben
Tag für Tag. Wir ſehen ganz von den zahlloſen einzel=
nen
Exiſtenzen ab, die hier zerdrückt werden oder ſpurlos
verſinken, ſondern haben verſchiedene öffentliche Einricht=
ungen
und Erſcheinungen im Auge, die Jahrzehnt um
Jahrzehnt hindurch, oft auch noch viel länger, unzertrenn=
lich
von dem charakteriſtiſchen Bilde der Stadt erſchienen,
und die dann langſamer oder ſchneller durch neues erſetzt
werden, das raſch das Verſchwundene vergeſſen macht.
Denn im allgemeinen hat der Weltſtädter kein gutes Ge=
dächtnis
für das Geweſene, was durchaus erklärlich iſt,
da ſeine Aufmerkſamkeit zu ſehr durch die ſtets ſich ver=
ändernden
und ergänzenden Anforderungen des Tages
mit all ihrem bunten Drumherum in Anſpruch genommen
wird. In Berlin geht ja das meiſte, wenn wir von ge=
wiſſen
ſtaatlichen und ſtädtiſchen Angelegenheiten abſehen
im Siebenmeilenſchritt. Man braucht nur ein paar Mo=
nate
hindurch eine beſtimmte Gegend nicht beſucht zu
haben und wird, wenn man dann ſeine Schritte hinlenkt,
erſtaunt ſein über die einſchneidenden Veränderungen, die
dort vor ſich gegangen. Neue vielumfaſſende Bauten ſind
entſtanden, neue Geſchäfte, neue Reſtaurants und Hotels.
oft wurden ſogar neue Straßen angelegt und bahnte ſich
durch ſie der Verkehr neue Verbindungen.
Deſto größer iſt die Verwunderung, falls wir in die=
ſem
in ſteter Veränderung und Umwandlung befindlichen

Berlin auf Stätten treffen, die ſich bei allem Anpaſſen an
die quirlende Gegenwart doch noch ihr gut Teil bewahrt
haben von dem Freundlichen und Charakteriſtiſchen der
Vergangenheit. Eine ſolche Ueberraſchung erleben wir
wenn wir einer Jubilarin unſere Aufwartung machen,
die ihr 150jähriges Jubiläum in kurzem feiert die
Königliche Porzellanmanufaktur iſt’s, die
dem Großen Friedrich ihre Entſtehung verdankt, der ſie aus
einem Privatunternehmen zu einem königlichen Inſtitut
umſchuf, ihr ſein wärmſtes Intereſſe widmend, welchem
Beiſpiele die ferneren preußiſchen Herrſcher folgten, vor
allem auch unſer Kaiſer, der mit Vorliebe kunſtreiche Er=
zeugniſſe
der Manufaktur zu Widmungen und Geſchenken
verwendst, wie erſt neulich gelegentlich ſeines Aufent=
haltes
in der Schweiz. Draußen, nahe den rauſchenden
Baumgruppen des Tiergartens, an der Station Tier=
garten
, in der ſtillen Wegelyſtraße, finden wir die auf
einer Grundfläche von zwanzig Morgen zerſtreuten weiten
Anlagen der Manufaktur, die nicht das Düſtere und Ge=
waltige
anderer großer Induſtriezweige haben, ſondern
denen viel Behagliches und Anmutiges anhaftet, als
fände hier eine Wechſelwirkung ſtatt zwiſchen dem Ort der
Herſtellung und dem Hergeſtellten. Die Organiſation des
Ganzen iſt eine ſorgſam geregelte Die techniſche Leitung
ruht in den Händen des Direktors Geheimen Regierungs=
rats
Dr. Heinicke, die künſtleriſche in jenen des bekannten
Kunſtmalers Profeſſors Th. Schmuz=Baudiß, der
ſchaffensfroh tätig iſt und viele wichtige Anregungen ge=
geben
hat. Der eigentliche Betrieb zergliedert ſich in
zwanzig Haupt= und Unterabteilungen, an deren Spitze je
ein verantwortlicher Vorſteher bezüglich Meiſter ſteht, der
die Arbeiten überwacht und für Ordnung ſorgt. Eine
Eigentümlichkeit dieſer Manufaktur, die heute etwa 600
Angeſtellte beſchäftigt, für welche in umfaſſender ſozialer
Weiſe geſorgt wird, iſt es, daß ſie nicht dem Staate neue
Einnahmen zuzuführen braucht, ſondern daß letztere zur
umſichtigen Pflege von Kunſt und Technik verwendet wer=
den
. Ein Stab der tüchtigſten Bildhauer und Maler iſt
fortgeſetzt tätig, ihnen wird volle Freiheit in der Aus=
übung
ihrer Kunſt gelaſſen, ſodaß auch die modernen
künſtleriſchen Strömungen zur Geltung gelangen. Neben
dieſem künſtleriſchen Wirken iſt man beſtrebt, auch in tech=
niſcher
Beziehung ſtets Vollkommeneres zu erhalten, und
werden die Ergebniſſe der reinen Erfahrung auf das
wiſſenſchaftliche Gebiet übergeführt. Das kommt der ge=
ſamten
keramiſchen Induſtrie zugute, da in der Chemiſch=
techniſchen
Verſuchsanſtalt ſowie in dem Betriebslabora=
torium
außer der Erprobung neuer, grundlegender Ar=
beiten
die wiſſenſchaftliche und praktiſche Ausbildung von
Chemikern erfolgt, die ſodann der Privatinduſtrie ſowie
den Lehranſtalten des Staates ihre Dienſte widmen.
Eine Wanderung durch die Manufaktur, die an be=
ſtimmten
Wochentagen auch dem Publikum ihre Pforten
zur Beſichtigung öffnet, macht uns mit der Herſtellung
des Porzellans vertraut. Die Bereitung desſelben iſt im
weſentlichen die gleiche, wie zu Zeiten des einſtigen Ber=
liner
Apothekers Böttger, dem es auf der Albrechtsburg
bei Meißen 1709 durch einen Zufall bei den chemiſchen
Verſuchen der Goldgewinnung gelang, die Zuſammen=
ſetzung
des Porzellans zu entdecken. In großen gewölb=
ten
Kellerräumen wird die Porzellanmaſſe, aus der

weißen Porzellanerde mit Vermiſchung von Feldſpat ge=
wonnen
, aufbewahrt und von dort zur Verarbeitung ent=
nommen
. Letztere erfolgt in verſchiedenartigſten Abſtuf=
ungen
, zum Teil noch immer auf der uralten Töpferſcheibe,
teils auch durch Verwendung von Gipsformen, falls nicht,
wie bei größeren glatten Gegenſtänden, der Guß zur An=
wendung
gelangt. Die brennfertigen Sachen, die vorher
von allen Unebenheiten befreit wurden, werden in Kap=
ſeln
aus feuerfeſtem Ton in Ringöfen mit einer Glut von
14001500 Celſius dem Brennprozeß ausgeſetzt, der
2448 Stunden währt, und nach der Verkühlung einer ge=
nauen
Prüfung unterzogen, um dann poliert zu werden,
Hierauf erfolgt ihre Ablieferung an das Magazin und die
Malerei behufs weiterer künſtleriſcher Ausbildung, abge=
ſehen
natürlich von den Bedarfsartikeln, die für chemiſche
Laboratorien, Elektrotechnik, wiſſenſchaftliche Inſtitute her=
geſtellt
werden und die in Millionenwerten nach allen
Weltteilen hin wandern. Die der Kunſtkeramik gewids
meten Erzeugniſſe werden von den entſprechenden künſtle=
riſchen
Kräften mit ihrem Schmuck verſehen; hier beginnt
die Tätigkeit einer Reihe von feſtangeſtellten Künſtlern
der Manufaktur, zu denen ſich noch weitere, ſelbſtändig
ſchaffende geſellen, die fortgeſetzt Entwürfe in reicher Fülle
liefern und dieſe oft auch ſelbſt ausführen, ergänzt des
ferneren durch etwa hundert Maler, die durch plan=
mäßigen
Unterricht, durch Beſuch der höheren Lehranſtalten
und durch fortgeſetzte Anleitung ſeitens des artiſtiſchen
Direktors zur kunſtgerechten Ausführung von Arbeiten ge=
eignet
und berufen ſind. Reiche Lehrmittelſammlungen
und eine eigene Gärtnerei werden für Studien und Unter=
richtszwecke
von dem Inſtitut unterhalten. Die fertigen
Gegenſtände werden nochmals der eingehendſten Prüfung
unterzogen, ehe ſie, verſehen mit dem bekannten Zeichen,
dem blauen Königsſzevter und eventuell mit dem Reichss
apfel und der roten Buchſtaben K. P. M., in den Verkehr
gelangen.
Intereſſant iſt es und nicht nur bezeichnend für die Wert=
ſchätzung
, die das Königlich preußiſche Porzellan ge=
nießt
, ſondern auch für die heute ſo regſame Sammel=
luſt
und für die vorhandenen reichen Mittel, die der=
ſelben
dienen, daß verſchiedene internationale Sammler
ſofort die neuen künſtleriſchen Erzeugniſſe der Manufaktuc
erwerben, um ſie den in ihrem Beſitz befindlichen übrigen
Schätzen der Kunſt und des Kunſtgewerbes hinzuzufügen.
Als Beweis für den ſteigenden Wohlſtand darf man es
anſehen, daß ſich in dem einſt ſo ſparſamen und knickrigen
Berlin die Zahl der Sammler von Jahr zu Jahr ver=
nehrt
und daß es jetzt hier ſchon eine ganze Zahl be=
achtenswerter
Privatgalerien und Privatmuſeen gibt.
Man kann ſich denken, mit welcher Spannung deren Be=
ſitzer
der demnächſt hier beginnenden Verſteigerung des
Nachlaſſes von Johann Orth, ehemals Erz=
herzog
Johann Nepomuk Salvator, die acht Tage dauern
wird, entgegenſehen. Auch aus weiter Ferne haben ſich
ſchon Kaufluſtige angemeldet, und der Andrang dürfte bei=
nationaler
Beteiligung ein ſehr ſtarker ſein wieder mal
ein Ereignis auf dem Gebiete des Auktionsweſens, zu=
gleich
ein Gradmeſſer für die ſteigende Bedeutung Ber=
lins
als Kaufmarkt für Kunſt und Kunſtgewerbe. Ein
ganzer Eiſenbahnzug brachte die zur Verſteigerung be=
ſtimmten
Gegenſtände aus den Schlöſſern Orth und Val=

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Nummer 259.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 25.

kenhahn ſowie anderen Beſitzungen des verſchollenen Erz=
herzogs
hierher und ſie füllen nun in buntem Gemiſch eine
Flucht von Sälen und Zimmern des Gebrüder Heilbronn=
ſchen
Kunſtauktionshauſes in der Zimmerſtraße aus. Was
und wieviel unter den Hammer kommen wird berichtet
uns der über 400 Seiten ſtarke Katalog in Großquart=
format
mit 120 Lichtdrucktafeln und einem genauen Ver=
zeichnis
der 2252 Gegenſtände, die den verſchiedenſten Ge=
bieten
entſtammen, hauptſächlich den künſtleriſchen und kunſt=
gewerblichen
des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Erz=
berzog
war ja kein Sammler, der planmäßig zu Werke
ging und ſeine Sammlungen nach beſtimmter Richtſchnur
vervollſtändigte; er war beſtrebt geweſen, die genannten
Schlöſſer, von denen er das Orthſche völlig leer in den
1870er Jahren erworben, nach ſeinem Geſchmack altdeutſch
auszuſtatten, und dieſer Geſchmack war ein guter und rich=
tiger
. Damals noch konnte der Erzherzog, der zudem
Vorſitzender der öſterreichiſchen Kunſtkommiſſion war,
vieles Gute und Hervorragende vechältnismäßig preis=
wert
erwerben; die zahlreichen Verbindungen ſeiner fürſt=
lichen
Stellung kamen ihm neben perſönlichen Beziehungen
ſehr zu ſtatten: er war ja, was die Wiener nennen, ein
lieber Kerl Mitglied des Kaiſerhauſes und in geſicher=
ten
materiellen Verhältniſſen. An Zeit und Geld fehlte
es ihm nicht, in Heimat und Fremde ſich gehörig umzu=
ſchauen
und günſtige Gelegenheiten zu guten Käufen raſch
auszunutzen.
Gewiſſer wehmütiger Gedanken kann man ſich nicht
erwehren, wenn man durch jene Räume ſtreift, die dicht=
gedrängt
all das bergen, was einſt die Freude ihres fürſt=
lichen
Beſitzers war; manches daraus erzählt uns von
ihm, ſeinem Weſen, ſeiner Eigenart! Eine merkwürdige,
äußerlich ſcheinbar ſchmiegſame, innerlich aber ſpröde
Natur, die ſich ihrer Umgebung nie recht anpaſſen konnte
und in ſich den Drang nach Großem fühlte, nach Taten,
welche, tbenn vielleicht nicht die Bewunderung, ſo doch die
Aufmerkſamkeit aller erregten. Schwer genug fühlte er
die Unſelbſtändigkeit, zu der ihn ſeine Stellung verurteilt,
und ſtieß ſich überall an den Vorſchriften, die den Mit=
gliedern
des öſterreichiſchen Kaiſerhauſes beſonders eng
und ſtreng gezogen ſind. Die glücklichſten Stunden mag
er inmitten dieſer von ihm liebevoll zuſammengebrachten
Möbel, Bildwerke Gemälde, Fayencen, Waffen und Jagd=
geräte
, nicht zuletzt der Bücher verbracht haben, von welch
letzteren viele Bemerkungen ſeiner Hand aufweiſen, die
von ſeiner ſelbſtändigen Denkweiſe erzählen. Und nun
wird all das bald zum öffentlichen Ausgebot kommen,
wird zerſplittert werden, entkleidet ſeiner Zuſammen=
gehörigkeit
, herausgeriſſen aus der paſſenden Umrahm=
ung
, und man fragt ſich nicht ohne eine gewiſſe Bitter=
keit
: mußte es ſein?
Eine ähnliche Frage kann man gelegentlich der Auf=
führung
des Gerhart Hauptmann’ſchen Dramas:
Gabriel Schillings Flucht im Leſſing= Thea=
ter
aufwerfen Sechs Jahre hindurch hatte der Dichter
ſein Werk ängſtlich vor aller Augen verborgen gehalten
und es ſchließlich nur zögernd und mit nachdenklichen Ein=
leitungsworten
einer Zeitſchrift zur Veröffentlichung über=
laſſen
. Dann ruhten die lieben Freunde und derglei=
chen
nicht mehr, als bis die Dichtung im Lauchſtädter
Naturthegter dargeſtellt ward, vor einer meiſt aus war=
men
und überzeugten Anhängern Hauptmanns beſtehenden
kleinen und gewählten Zuhörerſchar. Der Erfolg war dort
ein großer, und auch in Dresden erwarb ſich die Dich=
tung
freundliche Zuſtimmung, ohne ſich dauernd behaup=
ten
zu können. Nun kam das kühle und kritiſche Berlin

an die Reihe, und was der Dichter geahnt, was ihm aber
ſeine Verehrer ausgeredet: das Publikum hier konnte zu
dem tiefen, im Rampenlicht freilich manchmal etwas ver=
ſchwommenen
Werk kein rechtes Zutrauen gewinnen, die
für einen ſicheren Erfolg nötige Stimmung blieb aus.
Der Inhalt des Stückes war ja hier ſchon des näheren
wiedergegeben und betont worden, wieviel Feines und
Apartes dieſe Künſtlertragödie birgt, die beim Leſen von
tiefer Wirkung iſt. Letztere verſagte bis auf wenige Stel=
len
, in dem großen Hauſe und bei einem Publikum, das
nach haſtiger und angeſtrengter Tagesarbeit nicht die Ruhe
und wohl auch nicht die Luſt hat, den Seelenſchwingungen
dieſer Männer und Frauen, für deren Leben und Weben
es kaum Verſtändnis hat, zu folgen. Der Dichter wurde
zum Schluß mehrfach gerufen, er wird aber ſelbſt das
Gefühl gehabt haben, daß er grad dieſes Stück nicht auf.
den Hazardtiſch der Premiere hätte legen ſollen, wie
es ihm ſein richtiges Gefühl eingegeben ehe die lieben
Freunde ihn bedrängten!

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tauſend
verwirklicht ſehen. Es iſt intereſſant, den
Schöpfer des kühnen Plans, den bekannten Direktor Hans
Stoſch=Sarraſani, über ſeine Ideen plaudern zu hören
wie folgt: Ich verkenne die Reize des intimen Zirkuſ=
ſes
nicht, wie er in den romaniſchen Ländern zuhauſe iſt.
Aber dieſer Zirkus erfüllt nicht die Wünſche unſerer
Phantaſie. Es war ſtets mein Standpunkt, daß die Zir=
kuskunſt
, als die gemeinverſtändlichſte, unmittelbarſte aller

Künſte, dem Volk inſeiner Maſſe gehört, nicht den
paar Stammgäſten auf dem Sattelplatze und in den
Logen. Und es war ſtets mein Ehrgeiz, dieſen Maſſen,
die nicht nach Abwechſelung, Vergnügen und dem Genuß
der Schönheit allein, ſondern auch nach der Belehrung
hungern, ihr Recht zuteil werden zu laſſen. Eine ganze
Welt an Tieren und Menſchen aller Farben und aller Ge=
ſtalt
wollte ich zum Aufmarſch bringen. Das war mein
Ideal. Daß ich dies Ideal jetzt aus dem Vollen heraus
in Frankfurt werde erfüllen können, iſt meine allerhöchſte
Freude. Solch einen Raum wie die Feſthalle hatte mir
ſtets meine Phantaſie vorgegaukelt. Dort kann man das
Rieſenheer des Publikums verſammeln, dort die zirzenſi=
ſchen
Schauſtücke in voller Pracht zur Entfaltung bringen.
So lange ich meinen Zirkus betreibe, mußte ich mich mit
techniſchen Unzulänglichkeiten abquälen, und ich mußte
mir in Berlin und Dresden meine eigenen Gebäude er=
richten
, um wenigſtens einigermaßen nach meinen Ideen,
nicht in den längſt ausgetretenen Gleiſen, ſchaffen zu kön=
nen
. Was ich ſtets vermißte, ſcheint mir die Feſthalle zu
Frankfurt a. M. in verſchwenderiſcher Fülle zu bieten. Sie
gibt Platz für ein Amphitheater, das 15000 Menſchen faßt.
Und dieſe 15 000 Menſchen, die ich in meinem Optimismus
alltäglich als meine Gäſte erwarte, geben die Möge
lichkeit, ein Programm zuſammenzuſtellen, ohne jede klein=
liche
Bedenken, ein richtiges Feſtſpielprogramm.
Und zirzenſiſche Feſtſpiele ſollen es werden zu
Frankfurt a. M. Es wird ein Material an Tieren
und Menſchen in Frankfurt geſammelt werden, wie es
kein Zirkusleiter Europas bisher zuſammengebracht hat.
Ich habe mir feſt vorgenommen, Rekorde aufzuſtellen.
Die Ziffern: 200 Pferde, 200 exotiſche Tiere, 400 Mitwir=
kende
ſollen das Schlagwort geben. Mein Regieplan iſt
aufgeſtellt und durchgearbeitet. Ich habe mich ſelbſt in
Paris und Berlin umgeſehen, ich habe einen vertrauens=
werten
Mann hinüber nach Amerika geſchickt, und ich
habe ein ganzes Tänzerkorps von der Moskauer Oper
engagiert. Was mir beſonderes Vergnügen macht, iſt,
daß in dem pompöſen Luftraume der Feſthalle die alte,
gute und ſtets überraſchende Kunſt der Luftgymynaſtiker
ſich nach Herzensluſt austummeln kann. Ich habe die
beſten Künſtler dieſes Faches angetrieben, neue Kombina=
tionen
auszudenken, und ich glaube, dort oben über den
Köpfen der Fünfzehntauſend wird es einen Kongreß der
Lufteroberer geben.
Das Schlagwort vom Theater der Fünftauſend iſt
vor knappen zwei Jahren geprägt worden. Um dieſe Zeit
hat der Zirkus der Fünftauſend längſt geblüht. Nun tritt
der Zirkus der Fünfzehntauſend zum erſten Male ins
Leben hinein. Ich hoffe, daß er während eines Monates
Glück haben wird, weil er imſtande ſein wird, die Gren=
zen
der bisherigen Möglichkeiten zu durchbrechen. Ich
glaube, daß das Volk, das im tiefſten Grunde zirkus=
liebend
iſt, dieſen Zirkus der Fünfzehntauſend längſt er=
wartet
hat.

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Serie III
Jeder Hut

Serie IV
Jeder Hut

Serie V
Jeder Hut

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912

Nummer 259.

Dobkand
Anzeiger.

Erſcheint 2mal wöchentlich in der Auflage des Tagblatts, bietet ſomit die größte Gewähr für erfolgreichſte Bekanntmachung von Vermietungs=Inſeraten. Für den
Wohnungs=Anzeiger beſtimmte Inſerate müſſen ſtets tagsvorher bis ſpäteſtens 12 Uhr mittags zur Aufgabe gelangen. Später uns zugehende Inſerate können
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Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 27.

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Seite 28.

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Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

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Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

Briehinkels Sunndags=Noochmitdags=
Bedrachtunge.

Alſo die Feierwehr. Da mag nur aaner ſage was er
will, awwer dadra kann kaaner dibbe, unſere Schlauch=
addollerie
, die is im Schuß, die kann ſich ſehe loſſe. Un
Seine Exſelentz der Herr Schenerahl von Brandinſpeckder,
der kann werklich ſtolz ſei uff ſei Drubbe. Freilich, er is
gach arg dehinner her, und wann er aach vun Geburt aus
e guter Heiner is, ſo hott er doch werklich en preißiſche
Schneid enei gebracht, un die Schlauchaddollerieſaldade
hawwe nix zu lache. Mer muß nor emol ſehe, wann ſe
in ihrm Kaſernehof hinner de Stadtkerch exerziern; links=
um
, rechts um, kehrt, zugsweis und kreizweis, iwwer=
zwerch
un de langewähk; un wann ſe Griff klobbe mit
de Feierlader un de Automobillſpritz; un wann Abäll ab=
gehalte
werd in de erſte, zweite, dridde, vierte, fimſte un
ſerde Ganiduhr, im Drillchazug un in de Stiwwel. Un
wann ſe ausricke zu ere Felddienſtiewung im Gelände.
Ich maan, wann ſe ſo mit ihrne Waffe dorch die Stadt
kajäckern, do hott mer ſei beruhigend Gefiehl, daß mer ſich
ſelwert ſeegt: warum biſte eigentlich noch in de Feier=
verſicherung
; es kann jo gor net mehr brenne; un mer is
imſtand un leßt ſei Bolies verfalle, indem daß deß doch
blos enausgeworfe Geld is.
Ja, wie de Hauptmann vun Kapernaum noch Feier=
wehrleitnant
geweſe is, do war deß noch berechdigt, do
hott ſich ſo e Feierverſicherung noch rendiert; dann was
damols vum Feier un vum Waſſer verſchont gebliwwe
is, deß hott die berühmte Raummannſchaft geliwwert;
die hawwe ſo vorſichdig gearweit wie meeglich, damit jo
nix devo kumme is. Die Raummannſchaft hott nemlich
bei eme Brand gewehnlich des Bettzeig un des Weißzeig
an dicke Saaler feſtgebunne un hott’s aus de Fenſter
erunner geloſſe, währendem daß ſe die Klaaderſchränk
un des Biffeh und des Verdigoh un die Spiegel, die wo
net agange worn, eifach freihendig owwe runner gefeiert
hawwe. Deß haaßt, ſie hawwe’s net blos ſo erunner
geſchmiſſe, rickſichtslos un ohne Iwwerlegung; onaa, ſie
hawwe immer erſt dreimol Achdung gekriſche, damit daß
kaan Feierwehrmann was uff de Kobb gefalle is. Wie
geſagt, domals war noch e Bliedezeit for die Feierver=
ſicherungsgeſellſchafte
. Awwer heit? Heit waaß ſo e
Verſicherungsdirekder gor net, wos er mit dem Geld
afange ſoll, deß, wo em die Brehmje eibringe dhun, un
es bleibt em in der Verlegenheit nir annerſter iwwrig,
als wie hie un do als emol ſein Gehalt e bische zu erhöhe,
um damit, daß die Herrn Akzionär net de Diffedende=
biebſer
krieje.
Deſſentwege kann ich’s aach unſere notleidende Haus=
beſitzer
ſehr gut noochfiehle, da ſe net ſehr devo entzickt
geweſe worn, wie en die Brandkaß zur Abwechslung
widdermol die Brandſteier e bische in die Heh geſchraubt
hott. Wann mer ſich ſo uff die Feierwehr verloſſe kann,
is e derartig Steier iwwerhaubt iwwerfliſſig. Es is nor
e Glick, daß die Herrn Hausbeſitzer vun Naduhr aus ſchun
an’s Bezahle gewehnt ſin un ſich dodrinn net genug dhu
kenne, im Gejeſatz vun eme gewehnliche Berjer, der ſich
in ſeim Hochmud un in ſeim Dinkel ſogar ſchdreibt, deß
bische Waſſer zu bezahle, deß wo er nachts iwwer deß
Fläſchje Bier laafe leßt, mit dem wo er ſich am annern
Morjend de Brand leſche will. Nadierlich, for derartige
Brend is die Feierwehr aach net do, un die Herrn Haus=
dirranne
miſſe zum allgemeine Beſte un im Indreſſe vun
de öffentliche Feiersgefahr ihrne Mieter des needige
Waſſer ſchun zur Verfiegung ſtelle, um damit daß ſe mor=
jens
ihrn Brand dorch ihr Brifadfeierwehr ſelwert leſche

lenne. Dann dene Aſprich weer unſer Verufsſeierwehr
waaß Gott net gewachſe.
Ich bin nadierlich weit entfernt, an de Dichdigkeit
vun unſere Feierwehr in Punkto vun wege dem Löſche‟
zu zweifele, kondrollehr im Gegedaal, wann unſere
Schlauchaddollerie Zeit hett un kennt ſich de eirobäiſche
Dibblomahdefeierwehr zur Verfiegung ſtelle, die wo deß
ganze Johr Spritzebrob abhalte dhut, un die wo nooch=
her
doch net bei de Hand is, wann e paar Lausbuwe die
Bordwand a’ſtecke drunne uff em Balkan, alſo wann
unſer hieſiſch Berufsfeierwehr Zeit hett, die weer gleich
anig mit dere neie G. m. b. S. Sie kenne doch die
neie G. m. b S., deß is nemlich die Geſellſchaft mit blu=
dige
Säwel: Grichenland, Montenegroh, Bullgarie,
Serbje.
Awwer wie geſagt, wann’s auch hier kaum noch emol
richdig brenne dhut, ſo kenne mer unſer Schlauchaddollerie
doch vor de Hand noch net eweg lehne un kenne ſo noch
net grad ſo entbehrn. Un wege warum? No ich er=
inner
Ihne nor an de Samsdag. He, do weern mer emol
ſchee lackiert geweſe, wann do unſer Automobillſpritz uff
dem Balkan erum gegondelt weer un hier werrn valleicht
um aa Hoor die ganze Freimake verbrennt un die Poſt=
kadde
un die Begleitadreſſe un des Strafporto un ſo.
HHeilig Gewerzel, deß war emol kaa ſchlechter Spaß,
wie am helle Samsdag mitdag um zwelf Uhr uff aamol
die ganz Reſidenz in e eſchibbdiſch Finſternis enei gehillt
war un es hott an de Blagahde geſtanne, daß die Haupt=
poſt
brenne dhet. Ich hab nadierlich in meine kindliche
Unſchuld net ehr was devo gemerkt, bis ich zum Mitdag=
eſſe
haamkumme bin un mei Staarösche is vor ihrm Gas=
herd
erum gedanzt un hott mit de Aerm in de Luft erum
geſchlenkert un hott mit ihrne zwaa un e halwe Zentner
lewend Gewicht en Bauchdanz uſſgefiehrt, als wann ſe
en haaße Kadoffelklees verſchluckt hett.
Wann ich nemlich ſunſt als zum Eſſe haamkumme
dhu, un es is, wie gewehnlich, der Fraß verhunzt, dann
krick ich gleich die Kuraaſch abgekaaft: Heinerich ſeegt
dann mei Spinatwachtel, Heinerich, heit krickſte dei
Leibſpeiſelche un es is mer vorzieglich ausgefalle‟. Un
wann ich dann beim Eſſe beſcheide un rickſichstvoll
eiwende dhu, daß es erſtens net mei Leibſpeis un zwei=
tens
net zu eſſe weer, dann haaßt’s dann gleich: Noja,
du Stadtekel, du unverſchemter, dir kann mer jo nix recht
mache un wannſte de Dritt in die Dier ſetzt mußte
Speckdagel mit aam a’fange, du Brummdobſch, du iwwer=
zwercher
! No un do is mer froh un is ruhig un worckſt
deß Kochſel enunner.
Awwer wie geſagt, am Samsdag hab ich gleich ge=
wißt
, daß des Kreemche in de Binſe war, dann die Linſeg,
ſubb hott uff eem Gasherd geſtanne un hatt e Haut ge=
zoge
ſo dick wie e Bettvorlag un des Ochſewerſchtche hott
ſo ſehnſichdig eraus geguckt, als wollts ſage: Die Dräne
die vergeß ich nie, die ich um dich geweint Un mei
Raachſchwalb hott defor geſtanne un hatt ſchun e ganz
Schächtelche voll Streichhölzer verſtriche un hott gejam=
mert
: ach du Herrjeſſes Herrin, mei. Gasrohr is verſtobbt!
Gleich druff is aach die Endebürzelſen erſchiene un
hott gekriſche: Brennts dann bei Ihne aach net? Ach du
liewes Gottche, naa, meim Mann ſei Beffſteck! un mei
Mann kann des Gehackte net roh eſſe, deß macht en ſo
nerfees un da kann ich nachher die ganz Nacht net
ſchlafe!
E Weil de nooch is aach die Schickedanzſen geſtertzt
kumme un hott geſagt, die Hauptpoſt weer in die Luft
gefloge un ſie hett aach noch die fimf Mak, die wo mer
rer gelehnt hette, eibezahlt un hett ſe uns per Poſtufftrag

zuſchicke wolle, un jetzt ſollte mer uns nor an de Haupt=
poſt
halte, ſie dhet uns die fimf Mak jedenfalls net noch
emol bezahle ätzädderah un ſo weiter.
Mit de Zeit ſin noch e paar Weiwer un Dienſtmädcher
dezu kumme un deß war e Siddewatzion, direckt uff mein
leere Mage, do werr ich noche Weil dro zu lecke haupen
Es frogt ſich nor, wen ich for den Schade verantwortlich
mache kann, die deitſche Reichspoſt, die Feierwehr, des
Gaswerk odder die Bollezei. Dann es hott ſich bei dem
Brand erausgeſtellt, daß die vier Fackeldhäde, genau wie
bei de Wiſſenſchaft, net ganig worrn ſin, un deſſentwege
is uns aach des Gas ſo lang entzoge worrn.
Iwwrigens: die Behörde mecht ich ſehe, die ſich vun
ere annere Behörde ebbes ſage leßt! In dem Fall nem=
lich
werd erſt emol die f† Bollizeibiwel dorchgeblät=
tert
un aus de Dienſtvorſchriftbibliodehk werd emol des
Verhaltungsmaßregelkumfermatzionläckſikohn erausgeholt=
un
werd genau dorchgeſehe, un wann mittlerweil die halb
Stadt abbrennt, ſo macht deß faſt gornix die Hauptſach
is, daß des heilige Verwaltungsdekorum gewahrt bleibt
un daß mer ſich mir=nix=dir=nix net eifach wos ſage leßt
Nemlich, daß mer net vum Stendehaus uff die Poſt
kumme kann, ohne iwwer Eiſebah’ſchiene zu geh, deßis
bekannt, daß mer awwer die ganz Stadt brauch, um uff
de Poſt ere Gasflamm des Lewenslicht auszubloſe, deß
hett niemand geglaabt. Selbſt des Gaswerk hott’s net
eiſehe wolle un hott ſich mit Hend un Fieß degege ge=
ſtreibt
. Die Feierwehr, die ja blaa karrjehr an de Brands
ſtell erſchiene is, konnt ſelbſt mit de neie Automobillſpritz
nir dro mache un mußt des Flämmche brenne loſſe, un
des Gaswerk hott ſcheints gedenkt, deß brennt uns lang
gut, die Reichspoſt kann’s ja bezahle, die is uns gute
defor! Damit awwer die Zeit net nutzlos evergeid is
worrn, hott mer ſich einſtweile delefoniſch e bische iwwer
die Geſchicht unnerhalte. Die Poſtdirektzion hott deles
foniert un de Herr Branddirektor hott delefoniert, awwer
des Gaswerk hott ſich gornet nervees mache loſſe, wien
am die Klinglerei zu arg worrn is, hotts eifach kaa Ant=
wort
mehr gewe. Vielleicht dhet mer aach heit noch hie
un her delefoniern, wann net uff aamol als rettender
Engel des Bollezeiamt erſchiene weer. Korz entſchloſſe
hott ſich alſo mei Bollezeiamt in die Automobillſpritz ge=
ſchwunge
(wase Glick, daß mer aa hatte!) un is uffs
Gaswerk in hechſt eigener Perſon perſönlich hingefahrn.
Wie awwer mei Gaswerk die bewaffnete Macht in de=
Automobillſpritz de Frankforterſtroß erunner kumme hott
ſehe, do is ihm doch die Kuraaſch in die Hoſe geritſcht,
es hott ſchläunigſt kabbedulliert un binne Null Komma
Null war meine Linſeſubb de Lewensnerv unnerbunne.
No abgeſehe vun meine Linſeſubb, jedenfalls hott unſer
AAutomobillſpritz ſich bei ihre erſte Premjee vorzieglich
eigeführt, dann wann domit net des Bollezeiamt dem
kratzberſchdige Gaswerk de Kimmel hett ſchleime kenne
ei do hett deß greeßte Unglick baſſiern kenne.
Allerdings, ich will’s eigeſteh, mit ſo eme klaane
Brändche hatt ich jo ſchun gerechent un ich hett mer effen=
dunell
bei de Brandſchadeauktzion eweil for mei Neijohrs=
gradelatzionskadde
e Pöſtche Dreifennigmake geſteigert,
die valleicht dorch Feier odder Waſſer e bische beſchädigt
geweſe weern; valleicht weer mer aach dodebei billig zu
ſo eme a’geſengte Poſtſchäckkondoche kumme. No es is
halt nix drauß worrn, un wer valleicht an Neijohr uff
en Glickwinſch vun mir worde dhut, odder wer palleicht
in dem Greeßewahn lebt, ich dhet de erſte Jannewah die
eigelaufene Rechnunge per Poſtſchäckkondo bezahle der
werd vergeblich hoffe un waaß heit ſchun, wer dro ſchuld
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Kochen fortfällt und eine gründliche Reinigung deshalb bisher nur schwer zu erzielen
war. Diese Schwierigkeit wird sofort behaben bei Gebrauch von

PERSIL.,

dessen Eigenart sich gerade hierbei in besonderem Masse bewährt. Das Waschen
geschieht wie ſolgt:
Man löst Persil (wieviel, steht auf dem Paket) in lauwarmem Wasser auf;
Zusatz von Seife und Soda muß vermieden werden. Sofort nach dem Auf-
lösen
bringt man die Wäsche in die Lauge, die nur handwarm (3040 Grad)
sein darf, lässt sie ½½ Stunde darin liegen und schwenkt sie während
dieser Zeit einige Male hin und her. Die Wäsche ist dann fertig. Hierauf
flüchtiges Auswaschen in lauwarmem Wasser.
Die Wolle ist rein, locker und weich,
aller Geruch nach Schweiß, Schmutz usw., der sonst der Wolle sehr gerne anhaffet,
ist verschwunden, die Wolle duſtet frisch und angenehm, dabei hat das Gewrebe
in keiner Weise gelitten und ist nicht ſilzig. Die Eigenschaft des Persil ermöglicht
also eine Reinigung der Wollwräsche, wie sie nach der alten Methode ausgeschlossen ist.
Aber nicht die Waschkraft allein ist es, die Persil auch für Wollwäsche
unentbehrlich macht, sondern vor aliem seine Desinfektionskraft, ’die ihm
eine grosse hygienische Bedeutung gibt. Wollwäsche verlangt in hygienischer
Beziehung besondere Aufmerksamkeit, da sie Verunreinigungen wie Fett, Schweiß und
ähnliche Stoffe, die die besten Nährböden für Bakterien bilden, hartnäckig festhält
und dadurch leicht zum Ueberträger von Krankheiten wird. Diese Verünreinigungen
genannter Art löst und zerstört Persil vollständig. Wissenschaftliche Versuche
haben ergeben, daß in handwarmer (3040 Grad) Persillauge schon nach wenigen
Minuten selbst die widerstandsſähigsten Bakterien im Keime getötet werden. Lauwarme
Persillauge steht also an Desinſektionskraſt den bekannten Desinſektionsmitteln nicht
nach, ohne jedoch deren Giſtigkeit und Umständlichkeit im Gebfäüch zu besitzen.
Persil wurde auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden‟ in
Würdigung seiner hervorragenden Eigenschaften als selbsttätiges Waschmittel sowie
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Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

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Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

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Hofmuſikalienhandlung Gg. Thies Nachf., Eliſabethenſtraße, 1. Platz
1 Mk., 2. Plat 0.50 Mk. An der Abendlaſſe (beſchränkte Anzahl
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1. Platz 1.50 Mk., 2. Platz 1 M. Mitglieder frei.
Der Vorstand.

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Donnerstag, den 7. Novemb. 1912, abends
8½ Uhr (pünktlich)
mit Lichtbilder=Vor=
Vortrag führungen des Herrn
Kaufmann Paul Kruſe Freiburg i. B. und
der füdliche Schwarzwald im Gartenſaale
des ſtädt. Saalbaues.
Die Mitglieder und Freunde des Klubs
nebſt Damen ſind hierzu herzlichſt eingeladen.
Der Vorſtand.
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Zur ſatzungsgemäßen
allemeinen Verſammlung
der
(2757
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Schillerstiftung
werden die Mitglieder auf Montag, den 11. November, 5 Uhr,
in das Lehrerzimmer des hieſigen Ludwig=Georgs=Gymnaſiums
Der Vorſtand.
eingeladen.

Verein f. naturgemaßze Lebens= u. Heilweiſe e. V.
(Naturheilverein) Darmſtadt.
Auf unſeren Wunſch hat ſich Herr Dr. med. Kennel hier
bereit erklärt, wie in früheren Jahren wieder einen
Kurſus in den Anwendungsformen
der Naturheilkunde und für hygi=
:::: eniſche Lebensführung :: ::
abzuhalten.
Derſelbe umfaßt Theorie und praktiſche Uebung der häuslichen
Anwendungen. Es werden ferner wichtige hygieniſche Fragen im
Sinne der Naturheillehre beſprochen: Reform der Küche, Diät und
Alkoholmißbrauch, Kleidung, das Licht=Luftbad uſw.
Der Kurſus iſt für Damen und Herren beſtimmt.
Es ſind 5 Unterrichtsabende vorgeſehen; dieſelben werden
im ſogenannten Kneipſgal der Turngemeinde (Woogsplatz 5) ab=
gehalten
, und zwar jeweils von 3½ Uhr abam
Freitag, den 8. November,
Montag, den 11.
Freitag, den 15.
Montag, den 18. und
Freitag, den 22. November 1912.
Als Beitrag zu den Koſten des Lokals und der Anzeigen wird
von den Mitgliedern Mk. 1.50, für jedes weitere Mitglied berſelben
Familie Mk. 1. und von Nichtmitgliedern Mk. 5. erhoben=
Neu eintretende Mitglieder können zu dem geringeren Sahl
teilnehmen.
Da an dem Unterrichtskurſe nur eine gewilſe Angahl Werſonlen
teilnehmen können, ſo empfiehlt ſich baldige vorherige Anmeldung
bei dem Unterzeichneten, Kirchſtraße 20.
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Darmſtadt, den 1. November 1912.
Der Vorſitzende: L. Saeng=

Gehrock, Frack., Smnpting=un= (ein Nachtſtuhl (gu Werkaufen=
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Rheinſtraße 5, 2.

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2. November
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Fritz Lautenschläger
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Heute Samstag

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Donnerstag, den 7. November 1912, abends ½8 Uhr.
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5).
Zur Feier des 200. Vereinsabends:
Viertes Konzert der
Meininger Hofkapelle
unter Leitung von Dr. Max Reger.
Programm: 1. Symphonie Nr. 3 (Erolca) von Beethoven.
2 Tasso, Symphonische Diehtung von Franz Liszt. 3. Eine romantische
Suite für Orchester in 3 Sätzen (nach Gedichten von Joseph von
Eichendorff) von Max Reger (zum erstenmale). 4. Vorspiel zu
Die Meistersinger von Nürnborg von Richard Waguer.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 5 Mk.,
Numerierter Balkon zu 3 Mk., Galerie zu 2 Mk. und Studentenkarten
zu 1.50 Mk. sind in beschränkter Zahl bei Heinrich Arnold (Willl
helminenstrasse 9), im Verkehrsbüro und abends an der Kasse zu
haben. Beitrittserklärungen für das laufende Vereinsjahr
die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen, berechtigen zu dessen
freiem Besuche. Der Beitrag für den Rest des Jahres 1912
(6 Konzerte) beträgt 7 Mk., für einen Sperrsitzplatz 11 Mk.
Der Vorstand.
22764)

Instrumental-Verein,
29. Vereinsjahr. Gegründet 1883. Erstes Konzert.
100. Vereinsabend. (22726a
Mittwoch, den 13. November, abends 8¼ Uhr
im großen Saale des städt. Saalbaues.
Solist: Herr Willy Hutter von hier, Klavier.
Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für
Tonkunst.
1. Glinka: Ouvertüre zu Ruslan u. Ludmila‟ für Orchester
2. Mozart: Klavierkonzert A-dur Nr. 23. 3. Tschaikowski: Serenade
op. 48 f. Streichorchester. 4. Chopin‟ Polonaise op. 22 Es-dur für
Klavier u. Orchesterbegleitung. 5. Goldmark: Ouvertüre zu Sakun-
tala‟
op. 13 f. Orchester.
Konzertflügel: Ibach, Barmen. Orchester-Celesta: I. P. Schiedmayer,
Stuttgart. Vertreter beider Firmen: Hoflieferant Heinrich Arnold,
Wilhelminenstr. 9 u. Mühlstr. 13.
Preise der Plätze: Sperrsitz Mk. 3., Saal Mk. 2..
Studenten und Schülerkarten Mk. 1.. Karten in der Hofs
musikalienhandlung von Heinrich Arnold, Wilhelminenstr. 9.
Mitgliedsbeiträge: 1. Für ein aktives Mitglied jährlich
Mk. 12.; für jedes weitere Familienglied, das als aktives Mit-
glied
eintritt, jährlich Mk. 4.; für jedes weitere Familienglied,
das als inaktives Mitglied eintritt, numerierter Platz Mk. 4.0
unnumerierter Platz Mk. 3.. 2. Für ein inaktives Mitglied
numerierter Platz Mk. 8., unnumerierter Platz Mk. 6., für
jedes weitere Familienglied Mk. 6. bezw. Mk. 4.: Studenten
und Schüler höherer Lehranstalten unnumerierter Platz Mk. 3.4
Aufnahmegesuche sind zu richten an den I. Vorsitzenden,
Herrn Justizrat Hallwachs, Hügelstr. 47. Für die inaktiven Mit-
glieder
liegt ausserdem noch eine Einzeichnungsliste auf in der
Hofmusikalienhandlung Heinrich Arnold, Wilhelminenstr. 9.

Stenographen Verenngung.
Sonntag, den 3. ds. Mts. in sämtlichen
Räumen des Kaisersaales, Grafenstr.
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Nachm. 2½ Uhr: Wettschreiben
in den Abt. 60, 80, 100 usw. Silben.
Nachm, 5 Uhr: Preisverteilung mit
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Der Vorstand.

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 35.

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Samstag, den 2. November 1912, abends 9 Uhr
im grossen Saale des Kaisersaals
Grosser Verbstban.

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Eintritt an der Abendkasse 1 Mark.
Der Vorstand.

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Samstag, den 2. November, abends 7 Uhr
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VIl. Aufführung
Montag, den 4. November, abends 7 Uhr.
Vill. Aufführung
Mittwoch, den 6. November, abends 7 Uhr.
Karten zu 4, 3. 2, 1 M. u. 60 Pf., Textbücher zu 1 M.,
sowie Programme zu 20 Pf. in der Buchhandlung von Johs, Waitz,
Elisabethenstrasse 16 und abends an der Kasse.
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Bei dem grossen Andrange empfehlen wir dringend recht-
zeitige
Vorausbestellung der Eintrittskarten.
Der Festspiel-Ausschuss.

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Konzertagentur: Georg Thies Nachf., Leopold Schutter.
Samstag, 2. November 1912, abends 8 Uhr:
Saal Zur Traube‟

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Kothe

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Alte deutsche Volkslieder und Balladen aus
4 Jahrhunderten mit ihren alten Singweisen.
Karten à Mk. 4., 3. 2. und 1. in der Hof-
musikalien
- u. Pianohandl. G. Thies Nachf., L. Schutter,
Elisabethenstr. 12, sowie an der Abendkasse. (22485ids

Tnie Macht., Leop. Se uier, Darmstadt.

Montag, 4. Nor. 1912. 8 150h. 50
52. klassischer Loewe-Balladen-Abend von
arl Götz-Loewe.
Am Ibach-Flügel: Pianist Hans Hautz-Mannheim.
Zu Gunsten des Baues eines Festspielhauses in Darmstadt.
(K. Götz ist Mitglied.)
Programm: 1. Goethe-Loewe‟ Der Du von dem
Himmel bist. Ich denke Dein. Der Erlkönig, op. 1. 2. Chopin:
Hans Hautz: G-moll-Ballade. 3. Lieblingsballade Sr. Majestät:
Kaiser Heinrichs V. Waffenweihe (Schwab). Franz Liszt:
Hans Hautz: A-moll-Etude. Campanella. 5. Lieblingsballade
von Franz Liszt: Der Mutter Geist (altschottisch) von Loewes
Schwägerin, Therese Amalie Luise von Jakob-Taloy, ins
Deutsche übersetzt.
(22632dso
Karten à 3., 2. und 1. Mk. (für Studierende
Ermässigung) in der Hofmusikalien- und Pianohandlung
G. Thies Nachf., Leopold Schutter, Elisabethenstrasse 12, und
an der Abendkasse.

[ ][  ][ ]

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konzertiert ab 1. November
Salon-Damen-Orchester
Dir.: Kapellm. iser‟

Stets freier Eintritt.

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Rammeibrau
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Sonntag, den 3. November,

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Eintritt, inklusive Programm, 25 Pfg

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Seite 36.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 19½

Nummer 259.

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Für freundliche, prompte Bedienung wird Sorge
getragen.
S. Haselmann.
20275a)

Programm
zu dem am Samstag, den
2. Nov., von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Train=Bat. Nr. 18.
1. Caſtell=Vajour=Marſch aus
der Operette Die moderne Eva
von Gilbert. 2. Ariadne‟ Ouver-
ture
militaire v. Kling. 3. a), Vive
Pamour, b) Die kleine Barmaid‟
eide aus der Operette Grigri
von Lincke. 4. Walzer aus der
Operette Der liebe Auguſtin von
Fall. 5. Fantaſie aus der Oper
Die luſtigen Weiber von Wind=
ſor
von Nicolai. 6. Die Hanſe=
aten
bei Loigny, Marſch von
Warnken.

Hotel-Restaurant Waldfriede
Halteſtelle der Straßenbahn
Schönſter Ausflugsort X Darmſtadt- Eberſtadt
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Diners, Soupers und reichhaltige
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mich beſtens empfohlen.
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Konzertmeister P. Schnurrbusch,
Hofmusiker G. Gims und Hofmusiker E. Andrä.
Vier Matineen
im Musikvereinssaal, Steinstr. 24.
1. Matinee. Sonntag, 3. November 1912:
Beethoven: Klaviertrio Nr. 1, Septett für Violine, Viola,
Violoncello, Kontrabafs, Klarinette, Fagott und Horn.
2. Matinee. Sonntag, 17. November 1912:
Cherubini: Streichquartett Nr. 3.
Mozart: Klaviertrio.
Haydn: Streichquartett op. 74 Nr. 3.
3. Matinee. Sonntag, 9. Februar 1913:
Glazounow: Streichquartett.
Volbach: Klavierquintett (unter Mitwirkung des Kom-
ponisten
).
4. Matinee. Sonntag, 6. April 1913:
Zemlinsky: Streichquartett.
Schumann: Klaviertrio D-moll.
Baußsnern: Kammerlieder für Sopran (Frau Schmitt-
IIling), mit Begleitung von Streichquartett, Flöte und
Klarinette.

Preise der Plätze im Abonnement: I. Sperrsitz 12 Mk., II. Sperr-
sitz
9 Mk., Saal 6 Mk., Galerie 4 Mk.
Einzelkarten: I. Sperrsitz 4 Mk., II. Sperrsitz 3 Mk., Saal 2 Mk.,
Galerie 1 Mk.
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Ortsgruppe Darmſtadt.
Sonntag, den 3. November 1912, nachm. 5 Uhr:
Abend-Unterhaltung mit Tombola
in ſämtlichen Ränmen des Mathildenhöhſaals (Dieburgerſtr. 26),
beſtehend aus
Konzert, Theater u. humor. Vorträgen.
Abends 8 Uhr: Tanz.
Hierzu laden wir unſere Mitglieder, ſowie Freunde und Gönner
herzlichſt ein.
(22801
Eintritt à Perſon 20 Pfg.
Kaſſenöffnung ½5 Uhr.
Die Kommission.
NB. Die Muſik wird ausgeführt von einer Abteilung des
Leibgarde=Regiments 115.
Karten an Mitglieder zu ermäßigten Preiſen werden an der
Kaſſe nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte abgegeben.

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Leitung Herr Hofmusiker M. Stetefeld.
Sonntag, den 3. November 1912,
abends 8 Uhr,
ng mit Tanz
Abendunte
im Saale zum Perkeo (Alexanderſtraße 12).
Hierzu laden wir unſere Mitglieder, ſowie Freunde und
Gönner des Vereins ergebenſt ein.
(22493ms
Der Vorſtand.

Sseststte

ARMINIUs

Morgen Sonntag, den 3. November d. J.
findet in
Eberstadt im Schwanen
unser
Herbst-Tanzvergnügen
statt, wozu wir Freunde und Gönner unserer
Gesellschaft freundlichst einladen.
Gesellschaft Arminius‟.
*10698)

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Ludwigshöhe
Sonntag, den 3. November 1912:
RUNZER!
der Kapelle des Großh. Leibgarde=Regiments
unter Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske.
Aus der Vortragsordnung: Kreutzer: Ouvertüre z. Op.
Das Nachtlager in Granada. Beethoven: Fantaſie aus Fidelio.
Schumann: Die beiden Grenadiere Gluck: Muſette aus Ar=
mide
Jones: Motive aus The Geisha‟. Adam: Ouvertüre z.
Op. Die Nürberger Puppe‟. Offenbach: Melodien aus Die
(B22808
ſchöne Helena uſw.
Eintritt 25 Pfg.
Anfang 4 Uhr.
NB. Die oberen Räume ſind den Nichtkonzertbeſuchern reſerviert.

[ ][  ][ ]

DARM-ASMäor

e

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 37.

Mittagstiſch
wird gut und preiswert gegeben; daher ſpeiſen täglich
viele Gäſte, auch Rbonnenten, im
Braucrei=Ausſchank Heß, Kirchſtraße.

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Grossherzostiches Hortheater.
Abonnement für 1912/13.
Die Erhebung der 2. Rate des Abonnementsgeldes für die
Spielzeit 1912/13 findet
Dienstag, den 5. bis Donnerstag, den 7. November 1912,
nachmittags von 3½ bis 5 Uhr,
ſtatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im Hoftheater.
Die Abonnenten werden freundlichſt gebeten, die erhaltenen
Zahlzettel bei der Zahlung zur Quittierung vorlegen zu wollen.
Darmſtadt, den 2. November 1912.
(22707
Großherzogliche Hoftheater=Hauptkaſſe.

Geschäfts-Uebernahme
und-Empfehlung.
Meinen werten Freunden und Bekannten ſowie meiner
verehrl. Nachbarſchaft, wie auch titl. Publikum zur gefl.
Nachricht, daß ich das altbekannte
Restauranf ,ellausseelaas
Ecke Beſſunger= und Heidelbergerſtraße
übernommen habe.
Im Ausſchank vorzügliches Rummelbräu ſowie
Ia Weine ꝛc. und reichhaltige Speiſenauswahl.
Zu zahlreichem Beſuche lade freundlichſt ein und bitte
um geneigten Zuſpruch.
Georg Brück.
B22826)

Kirenweie Arnengen.
Zum goldnen Löwen‟
Sonntag, den 3. und Montag
:: den 4. November 1912 ::
findet bei mir
Großes Tanzvergnügen
ſtatt, bei gut beſetztem Orcheſter (Train=Kapelle).
Für vorzügliche Speiſen und Getränke iſt beſtens geſorgt und
ladet zu zahlreichem Beſuche höflichſt ein.
(22781
Georg Erzgräber IV.

Reheliger Riechieihe
Bringe meine Lokalitäten bei einer gut beſtellten Küche in
empfehlende Erinnerung.
(22802
ff. Weine. Bier im Glas 12 Pfg.
Adam Wendel
Gasthaus zur Hammelstrift.

Achtung!

Während der Arheilger Kirchweihe, 2. u. 3. Nov., findet in der
Restauration zum Nordbahnhof
Grosses Schlachtfest
ſtatt. Für gute Speiſen, ſowie ein vorzügliches Glas Bier aus der
Brauerei Oſtertag iſt beſtens geſorgt. Hierzu laden höflichſt ein
Hch. Müller u. Frau
vis-
Zentralwerkſtätte
Frankfurterſtr. 79. (*10430

Nachkirewenle Rossdert

Sonntag, den 3. November
wozu freundlichst einladet

2797

Olympia-Thedter
Lichtſpiele
Rheinſtr. 2
Rheinſtr. 2
Programm vom 2. bis inkl. 4. Nov.

Auf vielſeitigen Wunſch:
Der erſtklaſſ. effektvolle Schlager
Der Todestitt!
Tragödie in 2 Akten.
Aeußerſt ſpannend!
Geſpielt v. Kopenhag. Künſtlern.

Vorſicht! Friſch geſtrichen!
Einmal wieder zum Lachen.

Fataler Scherz
Drama in 2 Akten.
Hauptdarſteller: A. Perſſon u.
ſonſtige 1. nordiſche Schauſpieler.
Einfach großartig!

Lottchens Streiche
Sehr humorvoll. (*10706
Ein Lebens=
Sohnesliebe drama.
Einlagen.

American Bio Co.
Ernst-Ludwigstr. 23
beim Bismarck- Denkmal.
Ab Kiausj u. A.
Onter
Schweren
Verddcht
Spannendes Drama
in 2 Akten.
6,
Das Herz
eines Geizhalses.
Ergreifendes Drama.

Dazu das übrige erst-
klassige
Programm.
(22822)

J. W. Krämer, Darmstädter Hof‟.

Kirchweihe in Auerbach.
Sonntag und Montag, 3. und 4. November
im Hotel zur Krone: Tanzmuſik
in zwei Sälen bei zwei Ballorcheſteru
der Kapelle des Garde=Dragoner=Regts. Nr. 23.
Das ganze Hotel iſt zu Reſtaurationszwecken geöffnet. (22698fs
Wicht, Zum Täubchen‟ Hähnlein bei zwingenberg
Nach=Kirchweihe.
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Samstag in ſeinem erſtklaſſ. Schlagerprogramm
ein modernes Drama in 3 Akten, betitelt:
Goldrleber
Dieſes Spiel zeigt uns, wie es leider ſchon oft der
Fall war, wie leichtgläubige, meiſtens kleine Kapitaliſten,
Rentner, Sparer, von der Ausſicht auf hohen Gewinn
geblendet, ihre Gelder einem unſoliden Bankhauſe an=
vertrauen
. Nur aber zu bald ſtürzt der unſolide Bau
in ſich ſelbſt zuſammen, und unter dem Anſturm
hunderter verzweifelter, um ihr Hab und Gut be=
trogener
Menſchen, gibt ſich der Bankier ſelbſt den Tod.
Das ausgezeichnete lebenswahre Spiel der Darſteller,
die hochintereſſanten Einblicke in das Getriebe der
Börſe und die erſtklaſſige gediegene, in einzelnen Szenen
zu märchenhafter Pracht geſteigerte Ausſtattung
ſichern dem Film eine tiefgehende nachhaltige Wirkung.
Aus Band
Eine Perle der Lichtbildkunst!
Dieſer Film iſt nicht nur künſtleriſch hochvollendet,
ſondern er weiſt auch hervorragende ſchöne Land=
ſchaftsaufnahmen
Italiens auf, eines der beſtgeſpiel=
teſten
und vornehmſten Dramen, die in letzter Zeit
geſpielt wurden.
Die 7 Goldbarren. Tiefergreifendes Drama.
Das neue Baby. Origineller Humor.
Lehmann hat Geburtstag. Gut humoriſtiſch.
Ein Ausflug nach der Grande Chartreuse.
Herrliche Naturaufnahme.
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Gute Heizung und beste Ventilation.

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weissen Turm
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Die französische
ISpionini
Ein Sensations-Ausstattungsstück in 3 Akten.
Spieldauer 50 Minuten.
Ein Kriegsroman aus den marokkanischen Wirren.
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Von Cetinje nach Ricka
Hochinteressante Naturaufnahme aus dem Balkan.
Die beiden Ausreißer
5 1 Ein Angriff aus den Wolken 5
und das übrige Schlager-Programm!

Die radioaktwen Gicht-Bäder
Gastein-Joachimsthal-Teplitz.

[ ][  ][ ]

Seite 38.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Nummer 259.

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Samstag, den 2. November 1912
48. Ab.=Vorſtellung. D 12.
Zum erſten Male:
Magdalena.
Ein Volksſtück in 3 Aufzügen
von Ludwig Thoma.
Spielleiter: Hans Baumeiſter.
Perſonen:
Thomas Mayr,
gen. Paulimann,
Gütler . . . . Ludw. Wagner

Marann Mapn,
ſein Weib .
Sofie Heumann.
Magdalena, beider
. Herta Alſen
Tochter .
Jak. Moosrainer,
Bürgermeiſter . Kt. Weſtermann
Lorenz Kaltner,
Aushilfsknecht b.
Mayr
Hs. Baumeiſter
Benno Köckenber=
ger
, Kooperator. Frz. Schneider
Barbara Mang,
Taglöhnerin . . Minna Müller=
Rudolph
Martin Lechner,
Bauernſohn
Paul Eisner
Valentin Scheck,
Bauer
. Emil Kroczak
Johann Plank,
Bauer
Johannes Heinz
Ein Gendarm. . Ad. Jungmann
EinBauernburſche Frz. Herrmann
Bauern, Weiber, Knechte, Mägde,
Schuljugend.
Die Handlung ſpielt im Hauſe des
Thomas Mayr in Berghofen,
einem Dorfe des Dachauer Be=
zirkes
. Zwiſchen dem 1. u. 2. Auf=
zug
liegen 6 Wochen, zwiſchen dem
2. und 3. einige Tage.
Geſtaltung des Bühnenbildes:
Hoftheatermaler Kurt Kempin u.
Oberinſpektor Ernſt Schwerdtfeger.
Nach d. 1. u. 2. Aufz. je läng. Pauſe.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anf. 7½ Uhr. Ende vor 10 Uhr.
Kartenvk. v. 9½1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Sonntag, 3. Nov. Nachmittags
2½ Uhr: Vierte Volksvorſtellung
zu ermäß. Preiſen. Die Räu=
ber
von Schiller. Vorverkauf
bis einſchl. Samstag, 2. Novbr.,
nur im Verkehrsbüro (Ernſt= Lud=
wigsplatz
). Verkauf der noch vor=
handenen
Karten an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater am Tage der
Vorſtellung, vorm. von 11 Uhr ab.
Abends 7 Uhr: 49. Ab.=Vorſtell.
B 13. Zum erſten Male wieder=
holt
: Der liebe Auguſtin.
Gewöhnliche Preiſe.
Montag, 4. Nov. 50. Ab.=Vſt.
A 13. Glaube u. Heimat.
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Dienstag, 5. Nov. 51. Ab.=Vſt.
D 13. Der Freiſchütz. Aenn=
chen
Frau Margarete Beling=
Schäfer vom Hof= und National=
theater
in Mannheim, a. G. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Sonntag, den 3. November 1912.
Vierte Volksvorſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Die Räuber.
Schauſpiel in 5 Akten v. Schiller.
Spielleiter: Heinrich Hacker.
Perſonen:
Maximilian, Graf
von Moor
. Herm. Knispel
Karl, 1 ſeine . . Hs. Baumeiſter
Franz,Söhne. . K. Weſtermann
Amalie, ſ. Nichte Barb. Uttmann
. Richard Jürgas
Spiegelberg
Johs. Heinz
Schweitzer .
Emil Kroczak
Grimm
Paul Peterſen
Schufterle
. Guſtav Semler
Roller
. Paul Eisner
Razmann
. Walter Cant
Schwarz.
Kurt Ehrle
Koſinsky
Hermann, Baſtard
eines Edelmanns FranzSchneider
.Ludw. Wagner=
Ein Pater .
Daniel, ein alter
. Auguſt Kräger
Diener
Ein Bedienter. . A. Jungmann

Nach dem 2. Ate längere Bauſe.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 2.05 M., Mittel=
loge
2.05 M., Balkonloge 2.05 M.,
I. Rang 2.05 M., II. Rang 1.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 1.55 M.,
14.20. Reihe 1.05 M., Parterre
1.05 M., I. Galerie 0.45 M.
II. Galerie 0.35 M.
Der Verkauf der noch vorhan=
denen
Karten erfolgt an der
Tageskaſſe im Hoftheater am
Tage der Vorſtellung, vormit=
tags
von 11 Uhr ab.
Anf. 2½ Uhr. Ende geg. 5½ Uhr.
Sonntag, den 3. November 1912.
49. Ab.=Vorſtellung. B 13.
Zum erſten Male wiederholt:
Der liebe Auguſtin.
Operette in 3 Akten von Rudolf
Bernauer und Ernſt Weliſch.
Muſik von Leo Fall.
Muſikaliſcher Leiter: Erich Kleiber.
Spielleiter: Emil Valdek.
Perſonen:
Bogumil, Regent
von Theſſalien . Adolf Jordan
Helene, ſ. Nichte . Elſa von Blank
Gjuro, Miniſter=
präſident
. . Auguſt Kräger
Nicola, Fürſt von
Mikolics
. Richard Jürgas
Oberſt Burko . . Paul Peterſen
Hauptm. Mirko . Willi André
Pips, Fähnrich . Käthe Gothe
Pasperdu, Advok. Guſtav Semler
Auguſtin Hofer,
Klavierlehrer. . Otto Thomſen
Jaſomirgott, Kam=
merdiener
der
Prinzeſſin Helene L. Schützendorf
Anna, ſ. Tochter Hede Schaub
Sigilloff, Gerichts=
vollzieher
. . . Karl Bernhardt
Matthaeus, Laien=
bruder
u. Kloſter=
. W. Riechmann
pförtner.
Erſter 1. Be= . Adolf Klotz
Zweiter amter . Adolf Braun
Emil Kroczak
Erſter
Diener
Fritz Lang
Zweiter)
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Gewöhnliche Preiſe.
Anf. 7 Uhr. Ende geg. 10¾ Uhr.
Kartenverk. v. 10½1½ u. v. 6 U. an.
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Montag, 4. Nov. 50. Ab.=Vſt.
A 13. Glaube u. Heimat.
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Dienstag, 5. Nov. 51. Ab.=Vſt.
D 13. Der Freiſchütz. Aenn=
chen
. . Frau Margarete Beling=
Schäfer vom Hof= und National=
theater
in Mannheim, a. G. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 6. Nov. 52. Ab.=Vſt.
C 13. Zar und Zimmer=
mann
. Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
Die Erhebung der 2. Rate
des Abonnementsgeldes für 1912/13
findet Dienstag, den 5., bis Don=
nerstag
, den 7. November 1912,
nachmittags von 3½ bis 5 Uhr,
ſtatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im
Hoftheater.
Aus dem Spielplan.
Donnerstag, 7. Novbr. Außer
Abonnement. I. Sondervor=
ſtellung
. Wilhelm Tell
(Schauſpiel von Schiller). Zu
dieſer Vorſtellung findet ein Kar=
tenverkauf
nicht ſtatt. Ueber ſämt=
liche
Plätze iſt anderweitig verfügt.
Freitag, 8. Nov. 53. Ab.=Vſt.
A 14. Zum erſten Male wieder=
holt
: Magdalena. Kleine
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.,
Samstag, 9. Nov. 54. Ab.=Vſt.
D 14. Der liebe Auguſtin.
Gew. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Sonntag, 10. Nov. Neu ein=
ſtudiert
: Wallenſtein=Trilogie.
Nachmittags 2½ Uhr: Wallen=
ſtein’s
Lager. Die Pic=
colomini
. (Fünfte Volksvor=
ſtellung
zu ermäßigten Preiſen.)
Abends 7½ Uhr: 55. Ab.=Vorſt.
C 14. Wallenſtein’s Tod.

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.

Seite 33.

Mahrichen, des Sianeamte Dauſian t.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 28. Okt.: dem Lackierer Ludwig Joſeph
Götz, Karlſtr. 44, eine T. Luiſe Maria. Am 27.: dem
Bureaudiener Chriſtoph Hartmann, Schloßgartenſtr. 8,
ein S. Willi. Am 27.: dem Straßenreiniger Georg
Michael Poth, Darmſtr. 3, ein S. Johann Karl. Am
23.: dem Brauer Joſeph Decker, Soderſtr. 44½, eine T.
Anna Gertrud. Am 27.: dem Uhrmacher Paul Otto
Sturm, Liebfrauenſtr. 61, ein S Kurt Reinhold Horſt.
Am 24.: dem Oberbahnaſſiſtent Georg Karl Gottfried
Zimmermann, Liebigſtr. 75, eine T. Eliſabetha. Am
24.: dem Former Heinrich Johann Hummel, Rhönring
Nr. 123, ein S. Heinrich. Am 25.: dem Bäcker und Kon=
ditor
Joſeph Krug, Landwehrſtr. 1½, eine T. Eliſabeth
Elfriede. Am 28.: dem Hausdiener Johannes Schmidt.
Kranichſteiner Straße 34, eine T. Gertrud Maria Wil=
helmine
. Am 27.: dem Steinmetz Peter Arnold, Lieb=
frauenſtr
. 77, ein S. Nikolaus. Am 25.: dem Betonarbeiter
Adam Walter, Sackgaſſe 10, eine T. Mathilde. Am 31.:
dem Schreiner Joſeph Fuchs, Liebfrauenſtr. 66, eine T.
Kreszentia.
Aufgebote. Am 30. Okt.: Sergeant Wilhelm
Böcher, hier, mit Anna Diehl, Villingen. Fabrik=
arbeiter
Balthaſar Keßler, Laudenbach, mit Anna
Fiſcher, Heppenheim. Gaſtwirt Karl Gölz, Viktoria=
ſtraße
100, mit Dienſtbotin Eliſabetha Brehm. Am
29.: Techniker Karl Böhm mit Marie Daab, beide in
Groß=Bieberau. Chauffeur Leonhard Hedderich, Fröſel,
mit Eliſabetha Schmitt, Weinheim. Glaſer Ad Weicker,
Lich, mit Anna Eliſabetha Heling, Auerbach. Buchhalter
Adam Fleiſchmann, hier, mit Barbara Scherfius, Gau=
Algesheim. Am 30.: Schloſſer Auguſt Ferdinand Dietz
mit Arbeiterin Frieda Maria Derzbach, beide in Frank=
furt
a. M. Gemeindehelfer Wilhelm Martin Frenz,
Aſchersleben, mit Olga Hulda Trautewig, Quedlin=
burg
. Zigarrenarbeiter Franz Engelhardt mit Katha=
rina
Wahlig, beide in Lorſch. Packer Guſtav Adolf
Deibert, Lüdenſcheid, mit Lina Marie Georgine
Brandt, Wilhelmſtr. 23.
Geſtorbene. Am 26. Okt.: Jakob Klaus, S. des
Fabrikarbeiter, 8 J., ev., Hahn. Am 29.: Luiſe Marie
* Götz, T. des Lackierers, 1 Tag, Karlſtr. 44. Am 28.:
Kaufmann Louis Roſenheim, 72 J., iſr., Ernſt= Lud=
wigſtraße
5. Am 29.: Katharina Mariane Johanna
Franziska Leopoldine Krüger, geb. Weber, Ehefrau des
Dentiſten, 44 J., ev., Hügelſtr. 4. Am 28.: Barbara
Krauß, geb. Stein, Ehefrau des Knechts, 30 J., ev.,
Döngesborngaſſe 2. Am 29.: Eliſabeth Grebe, geb.
Graf, Ehefrau des Oberpoſtſchaffners i. P., 70 J., ev.,
Soderſtr. 51. Anna Behrmann, geb. Köbig, Witwe des
chir. Inſtrumentenmachers, 64 J., ev., Schützenſtr. 10. Am
30.: Willi Niklas, S. des Schuhmachermeiſters, 1 J., ev.,
Roßdörfer Straße 46. Am 29.: Wilhelm Weber, S. des
Weißbinders, 5 J., ev., Wixhauſen. Pfläſterer Georg
Demmel, 78 J., ev Obergaſſe 5. Am 30.: Margarete
Schaefer, geb. Schaffner, Witwe des Schmieds, 63 J.,
ev., Eberſtadt. Handelsgärtner Jakob Weicker, 70 J.,
ev., Nieder=Ramſtädter Straße 50. Am 29.: Kaufmann
Georg Franz Joſeph Fink, 31 J. kath., Große Ochſen=
gaſſe
12. Am 30.: Johann Karl Poth, S. des Straßen=
reinigers
, 3 Tage, ev., Darmſtr. 3

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
22. Sonntag nach Trinitatis, den 3. November 1912
Reformationsfeſt
Kollekte für die Guſtav=Adolf=Stiftung
Hoſkirche: Samstag, den 2. November, abends um
6 Uhr: Beichte. Sonntag, den 3. Nov., vormittags um
½10 Uhr: Beichte und Anmeldung zur hl. Kommunion
in der Sakriſtei. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt
mit Feier des heil. Abendmahls. Nachm. um 3 Uhr:
Vesper. Mittwoch, den 6. Nov., abends um 6 Uhr:
Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung. Vorm.
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer D. Dr. Diehl.
Nachm. um 6 Uhr: Pfarrer Beringer.
Stadtkapelle: Vormittags um 10 Uhr: Refor=
mationsfeier
und Einweihung der neuen
Orgel. Pfarrer Velte. Vorm. um 11 Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Vogel.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Freitag, den
8. Nov., abends um 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
D. Dr. Diehl.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8½ Uhr:
Diviſionspfarrer Liedtcke. Kindergottesdienſt fällt aus.

Johannesüirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingelden. Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Nachm. 5½ Uhr: Pfarrer Marx. In beiden
Gottesdienſten Feier des heil. Abendmahls mit Vor=
bereitung
.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz. Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung.
Anmeldung von ½ 10 Uhr an in der Sakriſtei. Vorm.
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt bezirk.
Pfarrer Widmann. Abends um 6 Uhr: Pfarrer
Widmann. Nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde im
Martinsſtift. Miſſionar Weismann.
Pfründnerhaus: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Widmann.
Eliſabethenſtift: Samstag, den 2. Nov., abends um
8 Uhr: Beichte. Sonntag, den 3. November, vorm. um
10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit hl. Abendmahl. Pfarrer
Hickel. Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 10 Uhr:
Pfarrer Wagner. Feier des heil. Abendmahls. Anmel=
dung
in der Sakriſtei. Abends um 6 Uhr: Pfarr=
aſſiſtent
Flöel.
Bauluskirche: Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert. Feier des heil. Abendmahls
mit Beichte. Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Rückert. Abends um 6 Uhr: Pfarraſſiſtent
Herpel. Feier des hl. Abendmahls mit Beichte.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 3. Nov.,
vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Prediger Schmidt=
Mannheim.

Gottesdienſt der Nenapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 3. Nov., vorm. um 9½ Uhr:
Gebetsverſammlung. Vorm. um 10½ Uhr: Sonntags=
ſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt. Prediger Höpfner.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 3. Nov., nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
(Kindergottesdienſt). Abends um 8 Uhr: Predigt.
Prediger Lutz aus Frankfurt a. M.

Freireligiöſe Gemeinde: Sonntag, den 3. November,
abends um 6 Uhr in der Loge Sandſtr. 18: Einführung
des neuen Predigers Dr. Hermann Ohr.

Katholiſche Gemeinden

23. Sonntag nach Pfingſten, den 3. November 1912
St. Lndwigskirche: Samstag, den 2. Nov., nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Armenſeelenandacht.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um 7 Uhr:
Austeilung der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militär=
gottesdienſt
mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt mit
Predigt. Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt.
Nachm. um 3 Uhr: Roſenkranz=Bruderſchaftsandacht mit
Predigt und Prozeſſion. An allen Werktagen, abends
um ½ 7 Uhr: Armenſeelenandacht. Am Donnerstag
fällt die Spätmeſſe wegen der ſtattfindenden Rekruten=
vereidigung
aus.
Der Erſtkommunikantenunterricht beginnt am Mitt=
woch
und wird für die Mädchen um ½3 Uhr und für
die Kraben um ½4 Uhr nachmittags abgehalten.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vormit=
tags
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr:
Vortrag und Verſammlung im Mädchenheim. Um
6 Uhr: Armenſeelenandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vormittags um
9 Uhr: hl. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 2. Nov., nach=
mittags
um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Andacht und Segen.
Von Montag bis Freitag, abends um 5½ Uhr: Armen=
ſeelenandacht
.
Kapelle in Arheilgen: Vorm. um 9½ Uhr: Hochamt
und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
2. Nov., nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Armenſeelen=
andacht
. Bibliothek (Herdweg 28): Dienstag, nach=
mittags
von 67 Uhr. An den Wochentagen, abends
um 6 Uhr: Armenſeelenandacht.

Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 2. Nov., nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte.
Um ½ 7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachm. um ½ 2 Uhr:
Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht. Werktags um
¼ 8 Uhr: Singmeſſe mit Armenſeelenandacht. Donners=
tag
, abends um ½ 6 Uhr: Andacht für die Abgeſtorbenen.
In der Provinzial=Pflegeanſtalt bei
Eberſtadt: Sonntag, vormittags um 8 Uhr: heil.
Meſſe mit Predigt.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, nachm. um ½2 Uhr:
Andacht für die Abgeſtorbenen. Montag, abends um
5 Uhr: Armenſeelenandacht.

The Church of England Service

22nd Sunday after Trinity, 3rd Nov. 1912
Divine Service will be held in the Hofkirche, Residenz-
schloss
at 4.15 p. m.
The Rev. Canon Mac Lulich, Chaplain of Bad Homburg,
will officiate.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 27. Okt.: Dem Kaufmann
Friedrich Habermehl S. Fritz, geb. 6. Okt. 30. Okt.: Dem
Laternenwärter Johannes Siegriſt S. Karl Heinrich, geb.
19. Okt. Dem Taglöhner Georg Friedrich Heinzinger
S. Otto Heinrich, geb. 28. Juli. 31. Okt.: Dem Zapf=
burſchen
Johannes Paul Roch S. Heinrich Karl geb.
26. Juli. 27 Okt.: Dem Obergärtner Ludwig Eduard
Volkert S. Georg Friedrich, geb. 28. Sept.
Johannesgemeinde: 27. Okt.: Dem Metzger=
meiſter
Auguſt Freund S. Auguſt Georg Guſtav, geb.
29. Aug. 30. Okt.: Dem Magazinaufſeher Max Paul
Franke S. Max Paul, geb. 3. Juni 1911.
Martinsgemeinde: 27. Okt.: Dem Telegraphen=
arbeiter
Geora Hinkel S. Walter Georg, geb. 21. Auguſt.
Dem Glaſer Max Friedrich S. Max, geb. 16. Sept. Dem
Straßenreiniger Georg Arheilger S. Kurt Heinrich, geb.
21. Juli.
Petrusgemeinde: 21. Okt.: Dem prakt. Arzt
Dr. med. Hüffell T. Maria Magdalena, geb. 4. Juli.
27. Okt.: Dem Maſchiniſten Karl Beck T. Katharina
1 Margareta, geb. 30. Aug.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 26. Okt.: Lehrer Friedrich
Siefert in Hainſtadt i. O. und Anna Margarethe Phi=
lippine
Bormuth. 29. Okt.: Magazinarbeiter Emil Karl
Jakob Keßler und Anna Margarethe Spengler.
Petrusgemeinde: 30. Oktbr.: Proviantamts=
arbeiter
Jakob Schäfer und Eliſabethe Uebel.
Paulusgemeinde: 24. Oktbr.: Finanzaſpirant
Auguſt Mangold zu Bensheim a. d. B. und Margarete
Axt zu Auerbach a. d. B. 26. Okt: Maurer Heinrich
Georg Aßmuth und Margarete Kindinger. Bürogehilfe
Karl Fuchs und Marie Vey.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 29. Okt.: Helene Sturm, geb.
Hackenſpiel, Wwe. des Tapeziers, 69 J., ſtarb 27. Okt.
Friedrich Hofmann, S. des Tapeziers, 5 J., ſtarb 27. Okt.
31. Okt.: Johanna Kreuger, geb. Weber, Ehefrau des
Dentiſten, 44 J., ſtarb 29. Okt. Anna Behrmann, geb.
Köbig, Wwe. des chirurg. Inſtrumentenmachers, 64 J.
11 Mon., ſtarb 29. Ok. 1. Nov.: Jakob Weicker, Gärtner
und Steinmetz, 71 J., ſtarb 30. Okt. Willi Nicklas, S.
des Schuhmachermeiſters, 1 J., ſtarb 30. Okt. 25. Okt.:
Eliſabeth Beh, geb. Dietz, Ehefrau des Muſiklehrers,
23 J., ſtarb 22. Okt. Margot Wilhelmine Henriette Beh,
derſelben T., 19 Tage, ſtarb 23. Okt. Anna Maria Eck=
ſtein
, T. des Schuhmachers, 7 M., ſtarb 23. Okt. 27. Okt.:
Margarethe Barth, ledige Näherin, 44 J., ſtarb 25. Okt.
31. Okt.: Barbara Krauß, geb. Stein, Ehefrau des Tag=
löhners
, 30 J., ſtarb 28. Okt. Eliſe Grebe, geb. Graf,
Ehefrau, 70 J. 2 Mon., ſtarb 29. Okt.
Johannesgemeinde: 28. Okt.: Kutſcher Joh.
Seipp, 61 J., ſtarb 26. Okt. 29. Okt.: Schloſſer Heinrich
Bletſch, 68 J., ſtarb 27. Okt.
Martinsgemeinde: 24. Okt.: Kartoffelhändler
Karl Hermann, ſtarb 22. Okt. 26. Okt.: Schloſſer Lud=
wig
Heudorf, 17 J., ſtarb 24. Okt. Schreiner Georg
Schäfer, 42 J., ſtarb 24. Okt.
Paulusgemeinde: 26. Okt: Privatin Anna von
Müller, 66 J., ſtarb 24. Okt. zu Tübingen. 30. Okt.:
Hans Keil, Sohn des Hausburſchen, 8 M, ſtarb 28. Okt.
Beerdigte von auswärts: 25. Okt.: Anng
Walter, ledig, 64 J., ſtarb 22. Okt. zu Eberſtadt. 26. Okt.;
Lehrer Daniel Lantelme zu Ueberau, 61 J., ſtarb 24. Okt.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 2. November 1912.
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Nummer 259.

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