Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. vierkelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der württembergiſche Landtag wurde am
Samstag aufgelöſt. Der Termin für die Neuwahlen
iſt noch nicht bekannt gegeben.
Der Dampfer „Vandalia” der Hamburg=Amerika=
Zinie kolkidierte auf der Unterelbe mit einem
Schwimmdock und ſank ſofort. Zwei Mann werden
vermißt Der Dampfer „Graecia” derſelben Linie
wurde ſtark beſchädigt.
Einer Meldung des Matin zufolge iſt völlige
Ein=
mütigkeit zwiſchen Frankreich, Rußland
und Deutſchland bezüglich der an die
Balkan=
ſtaaten zu richtenden Note feſtgeſtellt.
Das bulgariſche Sobranje und die ſerbiſche
Skupſchtina wurden am Samstag durch die
Könige Ferdinand und Peter eröffnet.
Der Präſident der kretiſchen
National=
perſammlung erließ eine Proklamation, in
der er die Bevölkerung auffordert, unter der
griechi=
ſchen Fahne das Kreuz gegen das türkiſche
Bar=
barentum zu verteidigen.
In Alicante fuhr ein Güterzug in die
Bahnhofs=
halle hinein, wobei 9 Perſonen getötet und über
100 verletzt wurden.
Der Eiſenbahnerſtreik in Spanien iſt beendet,
da eine Einigung erzielt wurde. Der Verkehr wird am
Montag wieder aufgenommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Der Balkankonflikt.
Deutſchlands Anteil am Handel der
Balkanländer.
*⁎* Angeſichts der Wirren am Balkan und der
Mög=
lichkeit eines Krieges daſelbſt ſei auf den deutſchen Anteil
der Ein= und Ausfuhr der Balkanſtaaten hingewieſen.
Wir führten im Jahre 1910 ein:
von Bulgarien für 6,3 Millionen Mark Waren
„ Griechenland „ 21,3
„ Serbien
„ 170
00
„ Montenegro
„ der europ. Türkei „ 22,9
zuſammen für 67,5 Millionen Mark Waren
und führten im Jahre 1910 aus:
für 19,0 Millionen Mark Waren,
nach Bulgarien
Griechenland „ 15,1
„ 19,1
Serbien
„ dereurop. Türkei „ 73,3
„ 0,5
„ Montenegro
zuſammen für 127,0 Millionen Mark Waren.
Während unſere Einfuhr von der Balkanhalbinſel
zum größten Teil aus landwirtſchaftlichen Produkten
be=
ſteht, ſind an unſerer Ausfuhr dahin alle Induſtrien,
na=
mentlich aber die Eiſen= und Textilinduſtrie, beteiligt.
Man ſieht alſo, Deutſchland hat an der Entwickelung der
Dinge am Balkan ein ſehr lebhaftes Intereſſe, welche noch
dadurch ſich erhöht, daß in den Unternehmungen der
Bal=
kanſtaaten, in den induſtriellen Etabliſſements,
Eiſen=
bahnen uſw., viele Millionen deutſchen Kapitals ſtecken.
Türkiſche Chancen.
C) Ein intereſſantes Streiflicht auf die
militäri=
ſchen Chancen der Türken in einem Kampfe
gegen die vereinigten vier Balkanſtaaten wirſt
ein Aufſatz, den ein militäriſcher Fachmann in der Daily
Mail veröffentlicht.
Wenn auch auf dem Papier das Zahlenverhältnis
zu Ungunſten der türkiſchen Armee zu ſprechen ſcheint,
wäre es doch ein großer Fehler, im Falle eines Krieges
die Lage der Türkei als verzweifelt anzuſehen. Wenn
man alle Garniſonen und Detachements abzieht, die in
den Städten und in den fernen Provinzen bleiben
müſ=
ſen, kann die Türkei innerhalb 10 Tage eine Armee von
200= bis 300 000 Truppen an die bulgariſche Grenze
wer=
fen: und dieſes Heer würde mit jedem Tage verſtärkt
werden. Wie könnte ſich nun ein Feldzug geſtalten?
Die Gegner der Türkei zerfallen geographiſch in
zwei Gruppen, die ſchwer mit einander in Verbindung
treten können. In der erſten Gruppe ſehen wir
Bul=
garten, Serbien und Montenegro, in der zweiten
Grie=
chenland und Kreta. Der griechiſchen Armee wird die
Fähigkeit zu einer energiſchen durchgreifenden Offenſive
nicht zugetraut. Für die Türken wird alles darauf
an=
kommen, das Maximum der Kraft zuerſt auf den
gefähr=
lichſten Gegner zu werfen: und das iſt Bulgarien.
Zugleich wird man ſich bemühen, Serbien und Monte=
negro aufzuhalten, wird in den ſchwerzugänglichen
Ge=
birgsgegenden einen Guerillakrieg führen: die
Entſchei=
dung aber würde in dem Zuſammenſtoß zwiſchen der
Türkei und Bulgarien fallen. Wenn die bulgariſchen
Streitkräfte nicht blitzſchnell losſchlagen, wird das
tür=
liſche Her dieſem Gegner zahlenmäßig um 50 Prozent
überlegen ſein.
Die türkiſche Artillerie gilt als beſonders gut
aus=
gebildet, und unter guter Führung iſt die türkiſche
Infanterie ſtets unerreichbar geblieben.
General=
feldmarſchall von der Goltz gibt die Erklärung für dieſe
hohen kriegeriſchen Eigenſchaften: ieder Türke fühlt ſich
als Mitglied einer herrſchenden Raſſe die hoch über den
chriftlichen Ballkannationem ſteht. Tüeſes Gefühl der
Kraft und der Macht begleitet ihn auch in die Schlacht.
Der türkiſche Soldat ſtammt aus einer kräftigen
Landbe=
völlerung, iſt an Enkbehrungen und an ein ſchweres
Leben gewöhnt, iſt von Kind auf mit dem Gebrauch von
Waffen vertraut und braucht bei dem Eintritt ins Heer
nur den mechaniſchen Teil der Diſziplin zu erlernen. Die
ſchwächſte Waffe der Türkei iſt vielleicht die Kavallerie,
obgleich auf dieſem Gebiete unter dem jungtürkiſchen
Regime viel gearbeitet worden iſt. In Bezug auf die
Kavallerie ſind zudem Serbien, Montenegro und
Grie=
chenland ebenſo ſchwach. Die großen Vorzüge der Türken
laſſen ſich an dem griechiſchen Feldzuge von 1897
vortreff=
lich beobachten. Die Tapferkeit der Gegner iſt hier außer
Zweifel, ſelbſt Goltz hat erklärt, daß die Griechen, „ſich
unter den ſchwierigſten Umſtänden tapfer ſchlugen und
daß die allgemeine Verachtung des modernen Hellenen
ſicherlich nicht gerechtfertigt ſei.” Aber der Türke iſt ein
ungleich beſſerer Soldat und Kämpfer. Im ruſſiſchen
Kriege unterlagen die Türken durch die Unfähigkeit ihrer
Führer: aber die unvergleichlichen Soldatentugenden
zeigten ſich auch damals. Ein engliſcher Offizier, der
bei Plewna auf türkiſcher Seite mitkämpfte, ſchildert uns
den türkiſchen Soldaten im Höhepunkt des Kampfes: „Von
ein oder zwei Ausnahmen abgeſehen ſah ich niemals ein
Zögern, ein Ausweichenwollen, im Kampfe ſelbſt aber
überhaupt nie. Einige brüllten wie Idioten und
feuer=
ten, ſie ſchienen von einer wahrhaft teufliſchen Wut
er=
faßt; die anderen waren ruhig und ſtill und gelaſſener
als bei einer Schießübung.” Und dieſe völlige
Un=
empfindlichkeit des Türken gegen jede Art der
Todesge=
fahr, dieſe vollkommene Kühle offenbarte ſich ebenſo im
griechiſchen Feldzug.
Die Bulgaren würden in einem Kriege vorausſichtlich
eine ſchnelle Offenſive verſuchen, deren Ziel entweder
Saloniki oder Konſtantinopel ſelbſt ſein würde. Saloniki
iſt nun auf der Landſeite von ſtarken Befeſtigungen
be=
ſchützt, verfügt über eine ſchwere Artillerie; auf der
See=
ſeite beſaß man früher nur veraltete Batterien; ob ſie
jetzt in Anbetracht des italieniſchen Krieges durch moderne
Geſchütze erſetzt worden ſind, iſt nicht feſtzuſtellen, aber
auch die alten Batterien würden ausreichen, um die aus
nur vier kleinen, nicht ernſthaft in Betracht kommenden
Schiffen beſtehende griechiſche Flotte in Schach zu halten.
Konſtantinopel dagegen iſt durch die Tſchataldja=
Befeſti=
gungen geſchützt. Wie hoch man auch die Stoßkraft des
bulgariſchen Heeres bewertet: der beſte Feldherr würde
zögern, ſtarke Befeſtigungen anzugreifen, die von ſolchen
Soldaten wie Türken verteidigt werden und zudem mit
einer überwältigenden Artillerie gerüſtet ſind
Wenn man alle dieſe Dinge berückſichtigt. ſo ſchließt
der engliſche Fachmann, dann erſcheinen die
Ausſich=
ten des Balkanbundes nicht beſonders roſig. Die
Ermordung des „kranken Mannes” wird ſich ſicherlich als
eine viel ſchwierigere Aufgabe erweiſen, als die
optimi=
ſtiſchen Serben und Bulgaren geglaubt haben. Die Türkei
wird einen verzweifelten Widerſtand bieten, und jeden
Augenblick kann der Sultan einen „heiligen
Krieg=
erklären. . .
Die Schritte der Mächte.
* Wie der Matin berichtet, konnte am Freitag
nachmit=
tag eine vollſtändige Eiſnmütigkeit zwiſchen
Frankreich, Rußland und Deutſchland
bezüg=
lich der an die Balkanſtaaten zu richtenden Note
feſtgeſtellt werden. Man erwartet jedoch noch die
Zu=
ſtimmung Oeſterreich=Ungarns. Die Note der Mächte in
ihrer jetzigen Faſſung ſpricht den Balkan=Regierungen
ihre Mißbilligung wegen der von ihnen beobachteten
herausfordernden Haltung gegenüber der Türkei aus.
Ferner erklärt die Note, daß die Mächte keine Aenderung
des Statusquo auf dem Balkan dulden werden. Ebenſo
verpflichten ſich die Mächte, ſelber die Ausführung der
Re=
formen in Mazedonien in die Hand zu nehmen. Tief
be=
dauert wird es, daß bisher die Zuſtimmung Englands
zu dieſem Kollektivſchritt ausgeblieben iſt. Artikel 2 der
Note iſt angetan, der Pforte Genugtuung zu geben,
wäh=
rend er den Balkanſtaaten zu verſtehen gibt, daß man ſelbſt
im Falle eines Sieges auf territorialen Grundbeſitz nicht
zu rechnen habe. Artikel 3 wird den Forderungen der
Balkanländer gerecht, da ſie ſelber erklären, daß die von
ihnen verfügte Mobiliſierung nur den Zweck habe, die
Verwirklichung der Reformen in Mazedonien
durchzu=
ſetzen.
Aus Wien wird der Köln. Ztg. gemeldet: Die
Pariſer Meldung von einer durch Poincaré betriebenen
Verſtändigung Rußlands mit
Oeſter=
reich=Ungarn über eine gemeinſame Balkanaktion
findet warmen Anklang bei der Neuen Freien Preſſe, die
ſchon lange die Zerſtörung des öſterreichiſch=ruſſiſchen
Balkaneinvernehmens beklagt und als Urſache der
gegen=
wärtigen Balkanwirren bezeichnet. Die Reichspoſt
da=
gegen mißtraut dieſer geplanten öſterreichiſch=ruſſiſchen
Verſtändigung aufs äußerſte; ſie argwöhnt, dieſe
Ver=
ſtändigung ſolle Oeſterreich=Ungarn für alle Fälle die
Freiheit des eigenen Handelns nehmen und die Monarchie
hindern, ſelbſt für den Fall, daß die Serben den Sandſchal
beſetzen und am Balkan den Statusquo umrennen, eine
ihre ureigenſten Intereſſen ſchützende Initiative zu
er=
greifen; mit anderen Worten, Rußland verlange nichts
weniger, als daß Wien ſein Desintereſſement an den
kom=
menden Balkanintereſſen in einer Verſtändigung mit
Petersburg feſtlege. Es ſei überflüſſig, ein ſolches
An=
ſinnen zu erörtern. Oeſterreich=Ungarn wolle aufrichtig
an der Eindämmung des ausbrechenden Balkanbrandes
mitarbeiten, aber man dürfe nicht mit Forderungen
kom=
men, die ſeine Lebensintereſſen bedrohten und ſeine
poli=
tiſchen Traditionen mit einem Stück beiſeite ſchöben.
Deutſches Reich.
— Die deutſch=franzöſiſchen
Ab=
machungen über Neu=Kamerun. In der
neueſten Nummer des Kolonialblattes werden die
Verein=
barungen veröffentlicht, die zwiſchen der deutſchen und
franzöſiſchen Regierung über die Grenzvermeſſungen in
Neu=Kamerun, ſowie über die Uebergabe der zwiſchen
Kamerun und Franzöſiſch=Aequatorial=Afrika
auszu=
tauſchenden Gebiete abgeſchloſſen worden ſind. Die
Ver=
einbarungen betreffen ferner das Konzeſſionsweſen in
den neuerworbenen deutſchen und franzöſiſchen Gebieten,
ſowie die Staatsangehörigkeit der Perſonen, die ſich in
dieſen Gegenden befinden. Die Uebergabe der
auszu=
tauſchenden Gebiete erfolgt in vier Abſchnitten.
Frank=
reich verläßt das ihm bisher gehörende Territorium am
1. Oktober 1912, am 1. Februar, 1. April und 1. Juni
1913. Deutſchland übergibt an Frankreich das zwiſchen
dem Schari und dem Fluſſe Ba=Ili gelegene Gebiet am
1. Oktober 1912 und den Reſt am 1. Januar 1913. Jede
der beiden Vertragsmächte iſt ſeit dem 12. März ds. Js.
dem Rechte nach ſouverän über die ihr von der anderen
Macht abzutretenden Gebiete, dieſe behält jedoch bis zur
tatſächlichen Uebergabe die vorläufige Ausübung der
Staatshoheitsrechte. Das Abkommen über das
Konzeſ=
ſionsweſen ſoll nur erworbene Rechte erklären und keine
neuen Rechte ſchaffen; die Konzeſſionsinhaber ſind daher
in keinem Falle befugt, gegenüber der deutſchen Regierung
Anſpruch auf ausgedehntere Rechte zu erheben, als ſie ſie
gegenüber der franzöſiſchen Regierung beſaßen. Die
Konzeſſionsgeſellſchaften behalten ungeachtet der ganzen
oder teilweiſen Unterſtellung der ihnen verliehenen
Ge=
biete unter deutſche Staatshoheit ihre rechtliche Eigenſchaft
als franzöſiſche Geſellſchaften. Die deutſche Regierung'
nimmt aber für die deutſchen Gerichte das unbeſchränkte
Auslegungsrecht der Konzeſſionsverträge in Anſpruch.
— Maßregeln gegen die
Fleiſchteue=
rung. Am Samstag vormittag trat im preußiſchen
Miniſtreium die Konferenz zuſammen, die vom
Miniſte=
rium einberufen worden war, um mit dem Vorſtande des
deutſchen Städtetages und geeigneten Sachverſtändigen
über die weitere Durchführung der geplanten Regierungs=
Maßnahmen zur Behebung der Fleiſchteuerung zu
be=
raten. — Dem Bundesrat iſt ein Geſetzentwurf
zuge=
gangen, der den Zoll auf friſches europäiſches Fleiſch
weſentlich herabſetzt. Um jedoch die Fleiſcheinfuhr nicht
aufzuhalten, ſoll eine Stundung des Zolles oder ſpätere
Rückgewähr der jetzt zuviel gezahlten Beträge erfolgen.
Deutſcher Induſtrieſchutzverband
(Sitz Dresden). In der letzten unter dem Vorſitz des
Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Zöphel=Leipzig
abge=
haltenen Vorſtandsſitzung wurde als Hauptpunkt der
Tagesordnung der gegenwärtige Stand der Organiſation
beſprochen. Herr Direktor Grützner=Deuben berichitete
dazu, daß dem Verbande jetzt mehr als 3500 induſtrielle
Betriebe mit einer Lohnſumme von zuſammen etwa
300 Millionen Mark als Mitglieder angeſchloſſen ſeien,
und daß vom Verbande in dieſem Jahre bis Jjetzt 325
Arbeiterbewegungen bearbeitet wurden, Aus dieſen haben
Seite 2
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
ſſich 107 entſchädigungsberechtigte Streikfälle entwickelt,
während bei 218 Bewegungen ſich der Ausbruch von
Streiks verhüten ließ. Der Antrag eines größeren
ſchwei=
zeriſchen Arbeitgeberverbandes um Aufnahme in den
Deutſchen Induſtrieſchutzverband wurde mit Rückſicht auf
die Satzungen abgelehnt.
— Der württembergiſche Landtag hielt
am Samstag ſeine letzte Sitzung ab. Der Präſident der
Kammer, v. Payer, war zum letztenmal an der Stätte
ſeiner langjährigen Wirkſamkeit tätig. Er hat es
abge=
lehnt, noch einmal für den Landtag zu kandidieren und
wird künftig ſeine ganze Arbeitskraft und politiſche
Er=
fahrung dem Reichstag zur Verfügung ſtellen.
Ausland.
Italien.
Der Krieg. Das Militärluftſchiff „M. 1” das
größte, das Italien bis jetzt gebaut hat, und über deſſen
Probeflüge im vergangenen Juli berichtet wurde, iſt in
den letzten Septembertagen noch verſchiedenen
Höhen=
proben unterzogen und dann in der Station am See von
Bracciano abgetakelt worden. Es befindet ſich
gegen=
wärtig auf der Reiſe nach Tripolitanien, um auf dem
dortigen Kriegsſchauplatz verwandt zu werden. Man
darf daraus wohl ſchließen, daß die italieniſche
Heeres=
leitung auch für den Fall, daß demnächſt ein
Friedens=
ſchluß mit der Türkei zuſtande käme, doch mit der
Wahr=
ſcheinlichkeit der Fortſetzung der Feindſeligkeiten durch
die arabiſche Bevölkerung rechnet. Beſtätigt wird dieſe
Annahme durch die vor wenigen Tagen verfügte
Einbe=
berufung neuer Reſervemannſchaften. Bis zum 7. Oktober
haben ſich ſämtliche Reſerviſten des Jahrgangs 1900 und
ein Teil des Jahrgangs 1887 zur Fahne zu ſtellen, im
ganzen etwa 40000 Mann.
Spanien.
Die Kammern ſind zum 14. Oktober einberufen
worden. Sie werden ſich zunächſt mit dem Ausſtand der
Eiſenbahnangeſtellten beſchäftigen.
England.
Die chineſiſche Anleihe. Die mit belgiſchen
Kapitaliſten vereinbarte chineſiſche Anleihe von 250
Mil=
lionen Francs wird nicht vor Beginn des nächſten Jahres
ausgegeben werden.
* Ein Schiffahrtstunnel bei Koburg.
Ein großzügiges Werk, wie es Europa bis jetzt noch nicht
aufzuweiſen hat, iſt bei dem geplanten Main-Werra=
Kanal in Ausſicht genommen worden. Der Verein
für Schiffbarmachung der Werra beabſichtigt bekanntlich,
die Werra bis Wernshauſen zu kanaliſieren. Als dann
das Projekt des Main-Werra=Kanals hinzukam, wurde
die Werrakanaliſation weiter ausgedehnt bis
Obermaß=
feld bei Meiningen. Dann aber ſoll der Lauf der Werra
verlaſſen und ein Kanal über die Vorberge des Thüringer
Waldes geführt werden, die bei Römhild überſchritten
werden ſollten. Dazu waren mächtige Hebewerke in
Aus=
ſicht genommen worden, die die Schiffe in drei Stufen
über die Höhen bringen ſollten. Bei näherer Prüfung
dieſes Projektes hat ſich aber herausgeſtellt, daß dieſe
Schiffshebewerke denn doch zu koſtſpielig und nicht
prak=
tiſch genug ſein würden. Man iſt deshalb auf den
Ge=
danken gekommen, an Stelle der Hebewerke einen
ſchiff=
baren Tunnel durch das Gebirge
hin=
durch zu legen. Die Firma Grün und Bilfinger in
Mannheim iſt beauftragt worden, dieſen Plan
auszu=
arbeiten. Sie wird ihn in der nächſten
Hauptverſamm=
flung des Vereins für Schiffbarmachung der Werra, die
Ende Oktober oder Anfang November in Eiſenach
ſtatt=
finden wird, vorlegen. Von Römhild aus wird der
Ka=
nal ſich dann dem Laufe der Rodach und der Itz
zuwen=
den, um bei Bamberg in den Main zu münden. Vom
Einfluß der Rodach in die Itz ſoll dann ein Stichkanal
nach Koburg gelegt werden. Für die Werra bis
Werns=
hauſen ſind 23 Talſperren geplant worden, die
zuſam=
men eine Waſſermenge von 88250000 Kubikmetern
auf=
ſpeichern ſollen.
** Stacheldraht zwiſchen Deutſchland
und Rußland. Eine einzigartige Grenzſcheide wird
binnen weniger Jahre an der ruſſiſch=deutſchen Grenze
durchgeführt ſein. Trotz der größten Aufſicht iſt es den
Grenzbeamten und dem militäriſchen Grenzaufſichtsdienſte
nicht möglich, dem Schmuggel beizukommen. Es ſoll
da=
her jetzt eine drakoniſche Maßnahme Platz greifen. Die
ruſſiſche Grenzverwaltung hat nämlich beſchloſſen, längs
der ruſſiſch=deutſchen Grenze einen zwei Meter hohen, ſehr
ſtarken Stacheldrahtzaun ziehen zu laſſen. An einigen
Stellen iſt mit der Errichtung dieſer eigenartigen
Grenz=
ſcheide bereits begonnen worden, innerhalb fünf Jahren
ſoll die ganze Landesgrenze damit verſehen ſein.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Oktober.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Großher=
zog empfingen am Samstag: den General der
Infan=
terie von Schenck, Generaladjutant Sr. Maj. des Kaiſers
und Königs, kommandierender General des 18.
Armee=
korps in Frankfurt a. M., den Oberſtleutnant Eggersſ,
Kommandeur des Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh.
Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr. 25, den Major
Coll=
mann, Abteilungskommandeur in demſelben Regiment,
den Major von Rochlitz, Abteilungskommandeur im
Straßburger Feldartillerie=Regiment Nr. 84, den
Haupt=
mann Lauteſchläger, Batteriechef im 2. Großh.
Feld=
artillerie=Regiment Nr. 61, den Hauptmann von Goetze,
Kompagniechef im Leibgarde=Infanterie=Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den Hauptmann Freiherrn von
Buddenbrock=Hettersdorf und den Leutnant von Wachter
(Walter) von demſelben Regiment, den Leutnant Boeck
vom Füſilier=Regiment Nr. 39, kommandiert zur
Dienſt=
leiſtung beim 2. Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiment
Nr. 61, den Vorſtand des Vereins ehem. Großh. Heſſ.
Leibgardiſten in Frankfurt a. M., beſtehend aus den
Her=
ren: Oberleutnant der Reſerve Haag, Kaufmann
Hoff=
mann, Kaufmann Nachtigall und Druckereibeſitzer
Dül=
fer, den Konſiſtorialrat Roſenfeld, Militäroberpfarrer
beim 18. Armeekorps in Frankfurt a. M., den
Sanitäts=
rat Dr. Maurer, den Oberbibliothekar Dr. Voltz, den
Kommerzienrat Mayer von Mainz, den Pfarrer Grein
von Kaichen, den Hausinſpektor Schubert am Großh.
Hoftheater, den Hoflieferant Bringer, den Geh. Schulrat
Winter, den Profeſſor Matthaei, den Schriftſteller
Stock=
hauſen, den Poſtinſpektor Klingelhöffer, den
Weinguts=
beſitzer Wallot von Oppenheim, den Rektor Profeſſor Dr.
Eck von Gießen, den Poſtrat Pormann; zum Vortrag:
den Staatsminiſter Ewald, den Finanzminiſter Braun,
den Oberjägermeiſter Freiherrn van der Hoop, den
Vor=
ſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Juſtizperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben ernannt den Landgerichtsrat bei dem
Landgericht der Provinz Starkenburg Hermann Welcker
zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht:
den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Michelſtadt
Amts=
gerichtsrat Heinrich Noack zum Oberamtsrichter bei dem
Amtsgericht Gernsheim; den Notar mit dem Amtsſitz in
Gau=Algesheim Juſtizrat Adam Schmitt zum Notar
mit dem Amtsſitz in Mainz als Nachfolger des Notars
Juſtizrats Dr Bittong daſelbſt; den Aktuar bei dem
Amtsgericht Grünberg Johann Peter Langsdorf zum
Aktuar bei dem Amtsgericht Darmſtadt I; ferner wurde
ernannt der Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitz in
Butz=
bach Ludwig Jakob Lepper zum Gerichtsvollzieher mit
dem Amtsſitz in Friedberg. In den Ruheſtand verſetzt
wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht
Bens=
heim Johann Georg Meyer auf ſein Nachſuchen unter
Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte, ſämtlich
mit Wirkung vom Tag des Dienſtantritts ihrer Nachfolger.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Oberſekretär der ſtädtiſchen
Verwaltung Philipp Schäfer zu Mainz die Erlaubnis
zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj.
dem Deutſchen Kaiſer, König von Preußen, verliehenen
Königlich Preußiſchen Kronen=Ordens 4. Klaſſe erteilt;
verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Großherzog
dem Arbeiter Adam Mahr zu Nieder=Ramſtadt, in
Dienſten der Chemiſchen Fabrik E. Merck zu Darmſtadt,
ferner den nachbenannten Arbeitern der Eiſengießerei
und Eiſenbahnwerkſtätte „Friedrichshütte” bei Laubach:
Former Chriſtian Grein in Ruppertsburg, Former
Heinrich Sann IV. in Lauter (Kreis Gießen),
Kugel=
ofenarbeiter Philipp Gilbert in Gonterskirchen,
Former Karl Rinker in Lauter (Kreis Gießen), ſämtlich
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für
treue Arbeit” zum 3. Oktober 1912 und dem Lehrer
Heinrich Göckel in St. Johann, Kreis Alzey, anläßlich
ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand das Ritterkreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen.
* In den Ruheſtand verſetzt wurden der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu König, Kreis Erbach, Jakob
Ditter mit Wirkung vom 1. November, der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Steinbach, Kreis Erbach,
Johannes Müller mit Wirkung vom 1. Oktober, der
Lehrer an der Gemeindeſchule zu Bodenheim, Kreis
Oppenheim, Johann Metzger vom 1. November, der
Lehrer an der Gemeindeſchule zu St. Johann, Kreis
Alzey, Heinrich Göckel vom 1. November, der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Nieder=Erlenbach, Kreis
Fried=
berg, Heinrich Metzler, der Lehrer an der
Gemeinde=
ſchule zu Schwalheim, Kreis Friedberg, Konrad
Bormuth, ſämtlich auf deren Nachſuchen, unter
Aner=
kennung ihrer langjährigen treuen Dienſte, letztere beiden
mit Wirkung vom 1. November d. J. an und wurde
ihnen aus dieſem Anlaß das Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipng des Großmütigen verliehen.
g. Schwurgericht. Die Verhandlung gegen den
Land=
arbeiter Petſchek und ſeine Schwägerin Dzadek
wurde am Samstag vormittag zu Ende geführt. Die
Geſchworenen verneinten die Schuldfrage bezüglich der
Angeklagten Dzadek. Sie wurde freigeſprochen. Der
An=
geklagte Petſchek wurde zu einem Jahr
Gefäng=
nis, abzüglich 1 Monat der Unterſuchungshaft,
ver=
urteilt.
g. Provinzialausſchuß. In der Sitzung am Samstag
unter dem Vorſitz von Regierungsrat v. Werner wurde
zunächſt der Beſchluß in dem Enteignungsverfahren von
Gelände für den Bahnbau Höchſt=Aſchaffenburg
verkün=
det. Die Enteignung von 841 Quadratmeter Gelände,
dem Wilhelm Schwöbel in Rai=Breitenbach gehörig, wird
ausgeſprochen und der Preis auf 1,12 Mark bzw. 1 Mk.
feſtgeſetzt. Außerdem wird dem Antrag des Eigentümers
auf Uebernahme des weſtlich der Eiſenbahn gelegenen
Ge=
ländes ſtattgegeben. Die Koſten des Verfahrens
ein=
ſchließlich der Anwaltskoſten des Eigentümers fallen der
Unternehmerin zur Laſt. — Auf Erſuchen des Polizeiamts
Offenbach ſtellte das Kreisamt beim Provinzialausſchuß
den Antrag, dem Trödler Andreas Stadtmüller zu
Ofſenbach die Weiterführung des Trödlergewerbes zu
unterſagen. Der 81jährige Stadtmüller hat nach dem
po=
lizeilichen Strafauszug von 1876 bis 1902 55 Strafen
er=
litten, davon 43 wegen Uebertretungen. Seit 1902 iſt er
unbeſtraft geblieben bis zum 24. September, wo er vom
Schöffengericht rechtskräftig verurteilt wurde. Der
Pro=
vinzialausſchuß beſchließt, dem Stadtmüller das Gewerbe
zu unterſagen. — Auguſt Boßler zu Offenbach führt:
Beſchwerde gegen einen Beſchluß der Stadtverordneten=
Verſammlung vom 7. März 1912, durch den beſchloſſen
worden iſt, auf Grund des § 56 der Beamtenordnung dem
Kläger eine Gehaltserhöhung von 270 Mark für 1911
nicht zu zahlen. Boßler wurde am 1. Oktober 1908 mit
einem Probejahr als Verwaltungsvorſteher der
vereinig=
ten Gas=, Waſſer= und Elektrizitätswerke einſchließlich
Hafen zu Offenbach angeſtellt, und zwar bei einem
Ge=
halt von 5000 Mark. Sollte er ſich während des
Probe=
jahres als ungeeignet für dieſen Poſten erweiſen, ſollte
er bei einer anderen Stelle mit einem Gehalt von 3500 M.
angeſtellt werden mit der Beſtimmung, daß das Gehalt
vom 1. April 1909 alle zwei Jahre um 270 Mark ſteige,
bis zum Höchſtgehalt von 4700 Mark. Dem Probejahr
wurde jedoch noch eines hinzugefügt und nach deſſen
Ab=
lauf wurde Boßler als Vorſteher der Einnehmerſtelle für
die Invalidenverſicherung angeſtellt, da er ſich als
unge=
eignet erwieſen hatte. Jene Stelle wurde dann mit
einem Direktor beſetzt. Die Stadtverordneten=
Verſamm=
lung beſchloß am 7. März 1912, daß dem Boßler auf
Grund des § 56 der Beamtenordnung (begründete
Be=
ſchwerden) für 1911 und auch für 1912 die Zulage nicht
zu gewähren ſei. Gegen dieſen Beſchluß legte Boßler
Beſchwerde ein. Am 4. Juli 1912 beſchloß nun die
Stadt=
verordneten=Verſammlung, die 270 Mark für 1912
nachzu=
zahlen, für 1911 jedoch nicht. Der Provinzialausſchuß
be=
ſchloß, die Klage wegen Unzuſtändigkeit abzuweiſen, da
die ordentlichen Gerichte maßgebend für die Klage ſeien,
— Der Maurer Heinrich Sproß aus Groß=Zimmern
ſucht um die Wirtſchaftskonzeſſion für ſein Haus, Klein=
Zimmern=Straße 5, nach. Der Provinzialausſchuß
hatte bereits ein früheres Geſuch ablehnen müſſen, da die
Friſt nicht gewahrt wurde. Am 12. April 1912 erneuerte
Sproß ſein Geſuch. Gemeinderat und Bürgermeiſterei
bejahten auch diesmal die Bedürfnisfrage, der
Kreisaus=
ſchuß des Kreiſes Dieburg lehnte das Geſuch ab, da Groß=
Zimmern bei. 3800 Einwohnern bereits 27 Gaſtwirtſchaften
beſitze. In der Beſchwerde gegen dieſen Beſchluß wurde
beſonders ausgeführt, daß Groß=Zimmern 4100.
Ein=
wohner habe, und daß gerade in dieſer Straße ein großes
Bedürfnis für eine Wirtſchaft vorhanden ſei. Der
Pro=
vinzialausſchuß beſchloß, die nachgeſuchte Konzeſſion zu
verſagen und die Beſchwerde gegen den Beſchluß des
Kreisausſchuſſes zu verwerfen.
N.=V Die Heſſiſche Miſſionskonferenz wird ihre
Jahrestagung in Darmſtadt am 9.
Oktober=
abhalten. Die Vorträge, die für jedermann zugänglich
ſind, finden in dem Gemeindehaus in der Kiesſtraße
ſtatt. Sie beginnen vormittags 10½ Uhr, nachmittags
3 Uhr und abends 8½ Uhr. Morgens und abends wird
Miſſionsinſpektor Weishaupt aus Leipzig reden. Er
hat vorreiniger Zeit eine Inſpektionsreiſe nach Deutſch=
Oſtafrika gemacht und wird von ſeinen Reiſeeindrücken
und ſeinen Beobachtungen, beſonders auf dem Gebiete
der Schul= und Erziehungs=Arbeit, berichten. Am
Nach=
mittag wird Mittelſchullehrer Müller aus Frankfurt
zeigen, wie man bei der Behandlung eines bibliſchen
Gegenſtandes Schulkinder mit den gegenwärtigen
Auf=
gaben der Miſſionsarbeit bekannt macht. Wenn man den
Religionsunterricht mit Miſſionskunde verbindet, zeigt
man, daß der Chriſtenglaube nicht nur ein Wiſſen von
vergangenen Geſchichten, ſondern eine noch heute in der
weiten Welt wirkſame Erlöſungskraft iſt. Alle geiſtige
Arbeit iſt zugleich Geben und Nehmen. So beſteht auch
die Miſſionsarbeit nicht nur in einem Hinausgeben
un=
ſeres Geldes, ſondern auch in einem Empfangen geiſtiger
Anregungen und einer Stärkung der
Glaubensfreudig=
keit. Möge dies auch bei der diesmaligen
Miſſionskonfe=
enz vielen Teilnehmern geſchenkt werden!
* Der Verein für Verbreitung von Volksbildung
will in der Veranſtaltung von Lehrkurſen denjenigen
Perſonen, die zum Vorteil ihres jetzigen oder künftigen
Von Sofia bis zur türkiſchen Grenze.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Die wichtigſte Strecke für den Aufmarſch der
bulgari=
ſchen Armee, der, falls es zum Kriege kommt, die erſten
und wahrſcheinlich entſcheidenden Schläge gegen den
ge=
meinſamen Feind der Balkanſtaaten vorbehalten ſind,
führt von Sofia bis nach Muſtafa=Paſcha der
türkiſchen Grenzſtation. Der einmal täglich dieſe
Bahn=
linie befahrende ſogenannte „Konventionalzug” der von
Wien über Belgrad und Sofia nach Konſtantinopel geht,
— jetzt aber auf der türkiſchen Seite nicht mehr
weiterge=
führt wird — gebraucht von der bulgariſchen Hauptſtadt
bis zur türkiſchen Grenze nur neun Stunden und fährt
von dort bis Adrianopel bloß eine Stunde. Letztere Stadt
bildet von dieſer Seite her den Hauptſchutz für
Konſtanti=
nopel. Wer ſie beſitzt und zu behalten verſteht, hat
erheb=
liche Ausſicht, ſich auch Konſtantinopels zu bemächtigen,
und beherrſcht die Hauptverkehrsſtraßen, die von den
Bal=
kanpäſſen zum Bosporus, dem Marmarameer, den
Dar=
danellen und zum Mündungsgebiet der Maritza im
Aegä=
iſchen Meer führen. Bei dem genannten Muſtafa=Paſcha
im Tale der Maritza, die ſich bei Adrianopel mit der
Tundſcha vereint, dürften die erſten heftigen
Zuſammen=
ſtöße ſtattfinden. Tag um Tag und Nacht um Nacht ſind
denn auch in letzter Zeit ſeitens der bulgariſchen
Heeres=
verwaltung zahlloſe Militärzüge in der erwähnten
Rich=
tung abgegangen, und auch die Türken haben bei
Adria=
nopel ihre Truppen angehäuft, um dem erwarteten
bul=
gariſches Vorſtoß zu begeguen.
Sofia ſelbſt liegt weit ausgedehnt in fruchtbarer
Ebene zu Füßen des majeſtätiſchen Witoſch, der ſein von
Adleon umkreiſtes, felſenzackiges Haupt kühn in die
Wol=
ken emporreckt, während zur andern Seite der Stadt in
weiterer Entfernung ſich gleichſam von duftigen Schleiern
eingehüllt, die Balkanberge dahinziehen. Wer noch ein
gut Stück Orient in Sofia zu finden glaubt, wird
gründ=
lich enttäuſcht werden; nur die weißſchimmernde, maſſige
Banjabaſchi=Moſchee deutet auf die faſt 500jährige
Os=
manenherrſchaft hin, ſonſt muß man ſchon recht ſorgſam
ausſpähen, um noch auf bauliche Reſte jener Türkenzeit
zu ſtoßen. Die Stadt, die heute über 100 000 Einwohner zählt,
hatte 1878 deren kaum 12000; damals blieb ſie nur durch
das raſche Vorrücken der ruſſiſchen Vorpoſten vor völligem
Untergang bewahrt, denn der türkiſche Kommandant hatte
den ſtrengen Befehl, die unbefeſtigte Stadt nicht zu
über=
geben, ſondern ſie durch Feuer zu zerſtören. Das wäre
auch geſchehen, wenn nicht ruſſiſche Koſaken plötzlich
er=
ſchienen wären und Raub Mord und Brand, womit
zu=
rückgebliebene türkiſche Soldaten und allechand
Diebs=
geſindel bereits begannen, verhindert hätten. Sofia glich
damals mehr einem großen und verwahrloſten Dorfe mit
einem Wirrwarr ſchmutziger Gäßchen, in denen nach
Ein=
bruch der Dunkelheit — eine Beleuchtung gabs nicht —
manch' Einwohner ſein Leben einbüßte, indem er in die
unter Dornengebüſch und Unkraut verſteckten Brunnen
verſank. In dem vom Paſcha bewohnt geweſenen Konak,
dem heutigen Königlichen Palais, waren grad zwei
Zim=
mer zu benutzen; in den übrigen ſtanden auf den
Fuß=
böden Bottiche, um das bei ungünſtiger Witterung durch
die Decke ſickernde Waſſer aufzufangen, im Wartezimmer
hüpften vergnügt Fröſche umher, die Wände waren aus
Lehm und nur eine hölzerne Treppe führte zu dem oberen
Stockwerk empor. Wie ſich dieſes ſeltſame Gebäude
all=
mählich zu einem würdiger fürſtlicher Repräſentation
dienenden, ſehr ſchmucken und anſehnlichen Bau entwickelt
hat, ſo auch die ganze Stadt, die man heute als ein
ein=
drucksvolles Abbild des ſtrebſamen und zielbewußten
Bul=
gariens betrachten kann. Bald ſoll auch der bisherige
un=
zureichende Bahnhof durch einen umfangreichen neuen
er=
ſetzt werden, der allen Anforderungen eines
inter=
nationalen Verkehrs genügt.
Verläßt in der Richtung nach Adrianopel der Zug die
bulgariſche Hauptſtadt, ſo hat man einen wundervollen
Blick auf die freundliche Königsreſidenz mit ihren vielen
ſtattlichen öffentlichen und privaten Gebäuden, ihren
gartenumgebenen, hellen Villen und Landhäuschen, ihren
prächtigen Parkanlagen. Durch fruchtbares Land windet
ſich der Schienenſtrang, die Felder ſind muſterhaft bebaut,
auf den ausgedehnten Wieſen erblickt man hunderte von
weidenden Pferden, Rindern, Schafen. Hier ein paar
Worte über den bulgariſchen Bauern, der mir von allen
Seiten gerühmt wird. Er bildet Kern und Mark des
Landes; ihm, iſt’s zu danken, daß ſich das Bulgarentum
all die Jahrhunderte hindurch trotz der ſchwerſten
Unter=
drückungen, Ausſaugungen, Quälereien ſo lebensfriſch und
widerſtandskräftig, ſo urwüchſig und unvermiſcht erhalten
hat. An der Scholle mit einer Zähigkeit ſondergleichen
hängend, hegt und pflegt er ſie liebevoll und gewinnt ihr
einen hohen Ertrag ab. „Der beſte Sämann der Erde,
der muſtergültige Gärtner” nannte ihn mir ein
wohl=
unterrichteter Kenner des Landes, Fleißig, nüchtern,
Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Seite 3.
Berufslebens noch gewiſſe Kenntniſſe aneignen oder ſich
darin vervollkommnen wollen, eine günſtige Gelegenheit
hierzu bieten. Die für dieſen Winter beabſichtigten
Kurſe ſollen ſich erſtrecken auf franzöſiſche und engliſche
Sprache, auf Buchführung mit Korreſpondenz und
Ge=
ſchäftsrechnen, auf einen Lehrgang im Deutſchen mit
Schönſchreiben, Rechtſchreiben und Abfaſſung von
Briefen uſw. Da durch einen gemeinſamen Unterricht
die Koſten verringert, dieſe auch zum Teil von der
Vereinskaſſe getragen werden, ſo geſtalten ſich die
Teil=
nahmebeiträge äußerſt gering. Der Unterricht wird
durch erfahrene Lehrkräfte erteilt und berückſichtigt in
weitgehendem Maße die Bedürfniſſe der Teilnehmer.
Die Kurſe ſollen beginnen Mitte Oktober. Eine
baldgefällige Anmeldung am Verkehrsbureau iſt dem
Vorſtand erwünſcht. Endgültige Feſtlegung der Stunden
und Tage geſchieht wie früher in Vereinbarnng mit den
Teilnehmern.
Darmſtädter Volksbank. Die am Freitag abend
abgehaltene außerordentliche Generalverſammlung der
Darmſtädter Volksbank genehmigte mit unweſentlichen
Aenderungen die von den Verwaltungsorganen
vorge=
legte Satzung für eine Jubiläumsſtiftung, ſowie
die beantragte Ueberſchreibung aus dem Reſervefonds II
auf den Jubiläumsfonds.
* Verkehrsverein. Die Großh. Hoftheater=Direktion
hat den Verkauf von Eintrittskarten für die
Volksvorſtellungen, welche jetzt Sonntag
nach=
mittags gegeben werden, wieder dem Verkehrsverein
übertragen und wird der Verkauf wieder wie im vorigen
Jahre durch die in Frage” kommenden Korporationen
ſtattfinden. Angeſtellte, Dienſtmädchen, Auswärtige uſw.,
welche einem Verein nicht angehören, wollen ihre Karten
auf dem Verkehrsbureau beſtellen. Die erſte
Volksvor=
ſtellung „Kabale und Liebe” findet am Sonntag, den
13. Oktober, ſtatt.
* Vortrag. Es wird noch einmal auf den am
Mittwoch abend im Kaiſerſaal ſtattfindenden
öffent=
lichen Vortrag des bekannten Züricher Profeſſors Dr.
Fr. W. Förſter über „Moderne Erziehungslehren in
kritiſcher Beleuchtung” aufmerkſam gemacht. Mit
Rück=
ſicht auf den vorausſichtlich ſehr ſtarken Beſuch dürfte
es ſich empfehlen, ſich die Karten im Vorverkauf zu
be=
ſorgen. (Naheres ſiehe Anzeige.)
I. Verſammlung der weiblichen Privatangeſtellten.
Im Saale der Oberrealſchule fand am Freitag abend
eine vom Darmſtädter Lehrerinnen=Verein
und der Muſikgruppe Darmſtadt einberufene
Verſammlung ſtatt, zu der ſich viele weibliche Angeſtellte,
die unter das Privatangeſtellten=Verſicherungsgeſetz
fallen, eingefunden hatten. Die Vorſitzende des
Lehre=
rinnen=Vereins, Fräulein Schweisgut, gab in
vor=
züglicher Weiſe über die Pflichten und Rechte des neuen
Geſetzes einen Ueberblick. Der Verſicherungspflicht
unter=
liegen alle Privatangeſtellten, die ein Jahreseinkommen
bis zu 5000 Mark haben; hierbei ſpielt die Zugehörigkeit
zur Invalidenverſicherung keine Rolle. Nur diejenigen
Angeſtellten, die einen Rechtsanſpruch auf Ruhegehalt
haben, können von der Verſicherungspflicht entbunden
werden. Die Pflichten der Verſicherten (ordnungsmäßige
Zahlung des Beitrags, der nach der Höhe des
Einkom=
mens in 9 Gehaltsſtufen eingeteilt iſt und zur Hälfte dem
Arbeitgeber zur Laſt fällt), ſowie die Rechte (Anſpruch
auf Ruhegehalt nach dem vollendeten 65. Lebensjahr,
In=
validenrente und Heilverfahren) wurden eingehend
er=
örtert. Dann bemerkte die Rednerin, daß für
Lehrerin=
nen die Deutſche Penſionsanſtalt als Erſatzanſtalt für die
Reichsverſicherung aus verſchiedenen Gründen
vorzu=
ziehen ſei. Dem Verwaltungsrat dieſer Anſtalt gehören
ſach= und fachkundige Männer und Frauen an, deren
Ein=
blick in die ſpeziellen Verhältniſſe des Lehrerſtandes eine
Gewähr leiſtet für die gerechte Würdigung der Anſprüche
auf Invalidenrente und Heilverfahren. Auch wird die
Penſionsanſtalt beſondere Heilſtätten für die Mitglieder
errichten und die Ueberſchüſſe ſollen dieſen allein zugute
kommen. Die Beteiligung an der Wahl der
Vertrauens=
männer ſei unabweisbare Pflicht für alle
Verſicherungs=
pflichtigen. Leider iſt für die diesjährige Wahl wegen
des frühen Schluſſes der Liſten eine gemeinſame
Vor=
ſchlagsliſte aller weiblichen Privatangeſtellten Darmſtadts
nicht zuſtande gekommen. Bei der nächſten Wahl darf
dies nicht verſäumt werden. Die Ausführungen wurden
mit großem Intereſſe aufgenommen. Hierauf
beantwor=
tete Herr Stadtſekretär Strauch die von verſchiedenen
Anweſenden geſtellten Fragen und gab dann noch
Auf=
ſchluß über die Höhe der Renten, über die Form, in der
ſich die Wahl der Vertrauensmänner vollziehen wird,
u. a. m. Auch ermahnte er die Anweſenden, ihrer
Ver=
pflichtung, ſich in den Beſitz einer Verſicherungskarte zu
ſetzen, baldigſt nachzukommen. Zum Schluß ergriff Frau
Dr. Walther, die Vorſitzende der Muſikgruppe
Darm=
ſtadt, das Wort, um im Namen aller den beiden Rednern
herzlich zu danken für die wertvolle Belehrung, die ſie in
ſo ſelbſtloſer Weiſe geſpendet hatten.
* Der Ortsgewerbeverein Darmſtadt wird in den
nächſten Tagen ſein Programm über die Vorträge
im Winterhalbjahr 1912/13 zur Verſendung
bringen. Insgeſamt ſind 6 Vortragsabende vorgeſehen;
es werden ſprechen am Freitag, den 25. Oktober, Herr
Dr.=Ing. Kleinlogel über „Die Bedeutung des
Eiſen=
betons im heutigen Bauweſen” und am Freitag, den 22.
November, Herr Kreisamtmann Dr. juc. E. von Köbke
über „Die Reichsverſicherungsordnung”. Für Freitag, den
6. Dezember, iſt eine Berichterſtattung über die
vorjäh=
rigen Beſichtigungen angeſetzt. Am 10. Januar 1913 wird
Herr Reallehrer Kahl einen Vortrag halten über „
Wel=
ches ſind die Aufgaben der Gewerbevereine in der
Gegen=
wart?” und am Freitag, den 14. Februar, wird Herr
Rechtsanwalt V. Geißner über Schadenserſatz=
Verpflich=
tung der Handwerker” ſprechen. Die Genecalverſammlung
des Gewerbevereins iſt auf Freitag, den 14. März 1913,
feſtgeſetzt worden. Alle Verſammlungen finden im gelben
Saal des Reſtaurant Sitte ſtatt.
* Prof. Ph. Schmittſche Akademie für Tonkunſt. Mit
dem Engagement des Herrn Profeſſor Arnold
Men=
delsſohn für das Fach der muſikaliſchen Formenlehre
hat die Direktion der Akademie für Tonkunſt gezeigt, wie
ſie eifrig beſtrebt iſt, ihren Schilern nur die beſte
Aus=
bildung zuteil werden zu laſſen. Bei dem
Muſikunter=
richt kommt es ganz beſonders auf die gute Grundlage
an. Es iſt der Hauptzweck einer muſikaliſchen Lehranſtalt,
den Schülern Grundlagen zu bieten, die ſo ſicher ſind, daß
von ihnen aus alles erlangt werden kann, was im Bereich
der Kunſt liegt, einerlei nach welcher Richtung hin das
Talent ſich entwickelt. „Vollkommene Beherrſchung der
Technik, Einſicht in das Weſen der Form und den Geiſt
der darzuſtellenden Werke, höchſte Treue gegenüber den
Abſichten der Komponiſten” nach dieſen Grundſätzen iſt
der Lehrplan der Anſtalt aufgebaut; ſie zeigt damit, daß
ſie nicht nur einſeitige Beherrſcher einer Anzahl
Glanz=
nummern! ausbilden, ſondern immer allſeitig gebildete
Muſiker erziehen will. Auch in der Dilettantenſchule
wer=
den die Schüler durch eine gute Grundlage ſo weit
aus=
gebildet, daß ſie ſpäterhin imſtande ſind, ſich ſelbſt und
andere durch die Muſik zu erfreuen.
* Goldenes Dienſtjubiläum. Der Werkführer Karl
Barth der Hauptwerkſtätte II hatte am 1. Oktober 50
Dienſtjahre vollendet. Aus dieſem Anlaß veranſtalteten
ihm ſeine Kollegen eine Jubiläumsfeier, welche geſtern
Sonntag, 6. Oktober, in dem Saale der Turngemeinde
abgehalten wurde.
* Der Kaufmänniſche Verein von 1858 hält heute
Montag, den 7. d. M., im Fürſtenſaal eine große
öffent=
liche Verſammlung ab mit dem Thema „Angeſtellten=
Ver=
ſicherung und Vertrauensmännerwahlen” Als Redner
wird Herr Oskar Klopfer=Hamburg, Mitglied der
Siebe=
ner=Kommiſſion des Hauptausſchuſſes für ſtaatliche
Pen=
ſionsverſicherung, ſprechen. Bei der außerordentlichen
Wichtigkeit, die die Vertrauensmännerwahlen und die
ſtaatliche Penſions=Verſicherung für die Privat=
Angeſtell=
ten haben, kann mit einem zahlreichen Beſuch gerechnet
werden.
Experimental=Vortrag F. Cumberland. „Ein
Streifzug durch okkulte Gebiete” hatte das
Ehepaar Cumberland ſeine „Seance” genannt, die es am
Freitag abend im Saale des Hotels „Zur Traube”
ver=
anſtaltete. Der Einladung hatte ein zahlreiches Publikum
Folge geleiſtet, das den Vorführungen mit geſpanntem
Intereſſe folgte und zum Teil auch ſich aktiv daran
be=
teiligte. Herr Cumberland ſtellte ſich als Antiſpiritiſt
vor, wenn er auch dieſe Bewegung nicht ganz, ſondern
nur in ihren Auswüchſen als Schwindel betrachtet und
bekämpft. Er leitete den Abend mit einem nicht gerade
ſonderlich Neues bringenden kurzen Vortrag ein, über die
Macht der Suggeſtion im gewöhnlichen Leben, in der
Heil=
kunde, bei hypnotiſchen und ſpiritiſtiſchen Experimenten
uſw. uſw.; über unbewußte und bewußte Autoſuggeſtion;
über die Fähigkeit der Autoſuggeſtion als Hilfsmittel bei
geiſtigen Arbeiten uſw Dieſen theoretiſchen Darlegungen
ließ er alsbald praktiſche Beiſpiele folgen auf dem
Ge=
biete der Gedächtniskunſt, wie das freie Herſagen von 25
zugerufenen Gegenſtänden in und außer der Reihe uſw.
Dann ffolgten Rechenkünſte, Erheben von Zahlen zur
dritten und vierten Potenz, die Ermittelung des
Wochen=
tages eines beliebigen Datums der Vergangenheit oder
Zukunft, ſowohl aus dieſem Jahrhundert als auch aus
früheren oder ſpäteren Jahrhunderten, nach dem
Gregoria=
niſchen Kalender, u. a. m. Intereſſanter waren ſeine
Darbietungen auf dem Gebiete der Sinnestäuſchungen
und beſonders der Telepathie, des Gedankenahnens, der
Gedankenübchſtragung, an die Herr Cumberland nach
ſeinen Erklärungen feſt glaubt, wenn er auch zugab, daß
ſeine und ſeiner Gattin Vorführungen auf dieſem
Ge=
biete in erſter Linie ebenfalls auf Gedächtniskunſt und
dieſe wiederum auf Jahre langes „Treining” beruhen.
Die bekannten Darbietungen des Künſtlerpaares Fley und
Slade, das Erraten von im Publikum gezeigten oder nur
berührten Gegenſtänden ſeitens der Dame mit
verbun=
denen Augen, erweiterte Cumberland auf das „
Gedanken=
übertragen” ganzer Namen von Viſitenkarten uſw.
Frap=
pierend aber auf gleicher Grundlage beruhend war das
Erraten von einem Käſtchen anvertrauter Viſitkarten ohne
Frageſtellung. „Enthüllungen” wie ſie angekündigt
waren, brachte Herr Cumberland allerdings weniger, denn
er verriet ebenſowenig ſeine Geheimniſſe, wie die anderen
Zauberkünſtler aus dem „Zauberkabinett” und noch
weni=
ger das ſtaunenswerte und reizvolle Arbeiten mit den be=
kannten indiſchen Ringen. Das Publikum ſpendete reichen
Beifall.
* Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtells
im ſtädtiſchen Hauſe, Grafenſtraße 30, (Telephon 371)
werden für den Monat September folgende Zahlen
mitgeteilt: 776 offene Stellen, 874 Arbeitſuchende,
375 Vermittelungen, darunter 164 Dienſtboten.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 28. September I. J.
männ=
lich 9823, weiblich 6646, zuſ. 16 469, in Prozenten 59,65,
40,35. Der Krankenſtand betrug am 28. Sept. I. J.
männlich 347, weiblich 275, in Prozenten 3,53, 4,13.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 23. Sept. bis 28. Sept. l. J. 4999,74 Mk. (1911: 5016,43
Mark). An Wöchnerinnen waren vorhanden am
28. September I. J. 31. Sterbefälle kamen vor in der
Woche vom 23. Sept. bis 28. Sept. l. J. 1.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtr. 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Zu den Mobilmachungen der
Balkan=
ſtaaten: Bulgariſche Kavalleriſten, ſerbiſche Soldaten im
Zeltlager, türkiſche Truppen bei der Einwaggonierung,
Kriegsminiſter der Balkanſtaaten; die Beiſetzung des
Kaiſers von Japan in Toiko; die Parade der franzöſiſchen
Militärflugzeuge in Villacoublay.
* Zur Erleichterung des Obſtabſatzes hat man in den
letzten Jahren in ſteigendem Maße Obſtmärkte eingerichtet.
Auf dieſen Märkten iſt es den Obſtproduzenten möglich,
ihre Ernte zum Verkauf zu ſtellen und, was noch
beſon=
ders wichtig iſt, ſich eine dauernde Kundſchaft zu erwerben.
Die Obſtproduzenten können daher nicht genug auf die
Beſchickung der Obſtmärkte hingewieſen werden. In den
Tagen vom 12. bis 14. Oktober findet ein ſolcher
Obſt=
markt in Darmſtadt im Lokal zum
Schützen=
hof ſtatt, auf welchen die Obſtzüchter beſonders
hinge=
wieſen werden. Anmeldebogen und Bedingungen ſind
vom Obſtmarktkomitee zu erhalten.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,40 M., in Partien
1,30 M., Eier 7—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 2.50—2.75 M.,
Kumpf (10 Liter) 40—55 Pf., ½ Kg. 3—4 Pf., Mäuschen
Kumpf 1.20 M., ½ Kg. 9—10 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel
Zentner 7—10 M., ½ Kg. 7—12 Pf., Birnen Ztr. 5—12 M.,
Kg. 5—14 Pf., Zwetſchen Zentner 8—9 M., 100 Stück
25—35 Pf., ½ Kg. 8—10 Pf., Trauben ½ Kg. ausländ.
30—35 Pf., einheimiſche 30 Pf., Brombeeren½ Ltr. 10 bis
12 Pf., Zitronen 7 Pf., Nüſſe 100 Stück 0,50—1,00 M.;
Salat, Gemüſe: Kopfſalat 4—5 Pf., Endivien 4—6 Pf.,
Bündel Radieschen 3 Pf., Rettiche 5 Pf., Roterüben
Kg. 6—7 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf., Spinat
½ Kg. 16—18 Pf., Meerrettich 15—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg.
8—10 Pf.. Tomaten ½ Kg. 15—18 Pf., Wirſing 3—10 Pf.,
Blumenkohl 5—30 Pf., Rotkraut 6—15 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
20—25 Pf., Weißkraut 6—15 Pf., Schälgurken 8—20 Pf.,
Gelberüben ½ Kg. 6—10 Pf., Bohnen ½ Kg. 30 Pf.,
Kohlrabi 2—3 Pf., Hagebutten ½ Kg. 10—20 Pf.:
Ge=
flügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 1 M., Enten 3,00—3,50 M.,
Hahnen und Hühner 1,50—2,00 M., Tauben 60—70 Pf.,
junge Rebhühner 1,40 M., alte 90 Pf., Haſen 3,50—4,00 M.,
Lapins 0,90—1.00 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 0,90
bis 1,00 M.. Karpfen 80—90 Pf., andere Rheinfiſche 40
bis 50 Pf., Rotzungen 50 Pf., Schollen 45—50 Pf.,
Schell=
fiſche, Seehecht, Seelachs 35 Pf., Kabeljau 29—35 Pf.,
Bratfiſche 20 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.:
Ochſenfleiſch 70 Pf., Rindfleiſch 66 Pf., Hackfleiſch 76 Pf.,
Rindsfett 60 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.,
Kalb=
fleiſch 90 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes und
Kote=
letts 1 M., Schwartenmagen und Fleiſchwurſt 90 Pf.,
Leber= und Blutwurſt 76 Pf.
— Ein Zuſammenſtoß ereignete ſich am Samstag
vor=
mittag bei der Hauptpoſt in der Rheinſtraße zwiſchen einem
Transportautomobil und einem Wagen der
elekttiſchen Straßenbahn. Das Automobik
wollte einem zweiten Straßenbahnwagen ausweichen,
ge=
riet jedoch hierbei vor den von der entgegengeſetzten Seite
herkommenden Straßenbahnwagen und wurde eine Strecke
mitgeſchleift. Ein größerer Schaden iſt n icht en
t=
ſtanden.
Offenbach, 5. Okt. Nach einer Veröffentlichung Großh.
Staatsminiſteriums iſt im Poſtverkehr zwiſchen
Offenbach und Frankfurt a. M. die Ortstaxe
eingeführt.
nz. Mainz, 4. Okt. Zu Ausſchreitungen, in
deren Verlauf die Schutzmannſchaft blank ziehen mußte,
kam es heute mittag in der Korbgaſſe. Mehrere
Bur=
ſchen, die anſcheinend angetrunken waren, beläſtigten in
der genannten Gaſſe die Paſſanten und behinderten den
Verkehr. Als ein Polizeiwachtmeiſter, der auf dem Rad
zum Dienſt fuhr, dieſe Straße paſſierte, wandte ſich der
Uebermut der Burſchen gegen ihn. Als der Wachtmeiſter
ſie zur Ruhe verwies, verhöhnten und beleidigten ſie ihn.
Inzwiſchen hatte ſich eine große Menſchenmenge
ange=
ſammelt, auch andere Schutzleute waren erſchienen, die
die Burſchen feſtnehmen wollten, da alles Zureden nichts
nützte. Jetzt leiſteten dieſe heftigen Widerſtand, ſo daß
ſchließlich den Sicherheitsbeamten nichts anderes übrig
blieb, als blank zu ziehen. Die Burſchen ſetzten ſich
ſparſam, ſich ſelbſt nichts gönnend, aber zu jedem Opfer
bereit, wenn es ſich um das Vaterland handelt,
freiheits=
liebend ein ausgezeichneter Soldat, der ſich der ſtrengen
Diſziplin willig beugt, ſo bildet dieſer Vauernſtand die
Grundlage des Staates, iſt ſeine Kraft, macht ſeine
Be=
deutung aus.
Aus der von der Natur reichgeſegneten Ebene, in der
häufig hohe römiſche Grabhügel aufragen, fahren wir in
Adas Balkangebirge hinein mit beträchtlicher Steigung
Hohe Felswände türmen ſich auf, zwiſchen denen die
Maritza ſchäumend und rauſchend hinbrodelt,
wildroman=
tiſche Engpäſſe öffnen ſich vor und neben uns, an dichten
Waldungen geht’s vorbei, an die ſich ſorgſam bebaute
Felder ſchließen, und dann wieder umgeben uns macht=
Avolle Berge, zum Rhodopegebirge gehörend, über welches
Aſchon dereinſt Alexander der Große ſeinen kühnen Zug ge=
Unommen, um die wilden Bergvölker, deren Nachkommen,
die zum mohammedaniſchen Glauben ſich bekennenden
Pomacken noch heute hier wohnen, ſeiner Herrſchaft zu
Nunterwerfen. Außerordentlich maleriſch liegt am Aus=
Agang der ſtarren Gebirgswelt das Städtchen Bellova
Amit ſichtlichen Merkmalen ſeiner blühenden Holzinduſtrie
Nmſchäumt von der ſprudelnden Maritza, die, ihrer Feſſeln
Uledig, ſich jetzt fröhlich in ein ſtets breiter werdendes Tal
Argießt. Weithin dehnen ſich Mais= und Getreidefelder
Aus, nahe den Ortſchaften erblickt man ausgedehnte
Obſt=
ärten, immer ſtärker tritt der Weinbau hervor, von wel=
Uhem auch die auf den Stationen zu mäßigen Preiſen
Heilgehaltenen köſtlichen Trauben künden. Dann treten an
ie Bahn langausgedehnte, unter Waſſer ſtehende Felder
ſeran, die dem Reisbau dienen, der reiche Erträge ab=
Avirft, und nun in der Ferne drei kühne Bergzacken, die
ctörzeichen von Bhilippopel. Auf dem Bahnhof reges
militäriſches Leben mit den kräftigen, wind= und
wetter=
feſten Geſtalten der Offiziere und Soldaten, auch viele
junge Bäuerinnen in farbigen Trachten, lockendes Obſt,
friſches Waſſer und Blumen anbietend.
Philippopel, heute über 70000 Einwohner
zäh=
lend, hat, wie Sofia, einen gewaltigen Aufſchwung
ge=
nommen und was Handel und Wandel anbelangt, die
Hauptſtadt überflügelt. Eine glatte, von ſehr hübſchen
Villen und Häuschen eingeſäumte Allee führt vom
Bahn=
hof zur Stadt, die von weiten, fruchtbaren, durch die
Ma=
ritza bewäſſerten Landſtrecken umgeben iſt. Licht und
breit, von regem Leben erfüllt, iſt die Hauptſtraße mit
anſprechenden Häuſern und Läden; jenſeits des
Markt=
platzes erinnert uns noch allerhand an die türkiſche
Ver=
gangenheit mit Moſcheen, Ausſpannungen niedrigen
Hüt=
ten, deren morſche Dächer man mit der Hand berühren
kann. Die neue Stadt liegt mehr weſtlich zwiſchen und
an zweien der erwähnten intereſſanten Syenitfelſen;
in=
nerhalb reizender Gärten erfreuen uns hier zahlloſe
Vil=
len, die von der Wohlhabenheit und dem Geſchmack ihrer
Bewohner Zeugnis ablegen. Fragen wir nach jenen ſich
dort ausdehnenden neuen und luftigen Gebäuden, ſo
er=
halten wir ſicher die Antwort: „Das dort ſind Schulen
und jenes Kaſernen!“ — Schule und Heec, ſie ſind die
feſte Baſis, auf der ſich das moderne Bulgarien energiſch
und ſelbſtbewußt emporhebt. Dieſe beiden Faktoren
wur=
den nach der Befreiung vom Türkenjoch in ganz
Bul=
garien an die erſte Stelle gerückt und ſpielten ihre wichtige
Rolle in dem unermüdlichen Emporſtreben der Nation.
Uebrigens iſt in Philippopel auch das deutſche Element
in Verbindung mit dem öſterreichiſchen erheblich vertreten
und es erfreut ſich die unter umſichtiger Leitung ſtehende,
nan etwa 200 Schülexn beſuchte deutſche Schule eings be=
ſonderen Anſehens auch bei den Bulgaren und den
üb=
rigen dort vertretenen Völkerſchaften.
Hinter Philippopel durchſchneidet die Bahn wiederum
muſterhaft betriebene Felder, Aecker und Gärten, welch'
letztere für das ganze Land die ſchönſten Pfirſiche und
Melonen liefern, neben anderen Früchten. Alsbald wird
das Tal enger, ſpärlich bewaldete Berglehnen ſchieben ſich
vor, breiter wird die Maritza, über die bei Tirnova
— nicht zu verwechſeln mit der alten bulgariſchen
Zaren=
ſtadt Tirnovo — eine wichtige Brücke führt. Das
Städt=
chen iſt von großer ſtrategiſcher Bedeutung und beherbergt
eine ſtarke Garniſon mit Artillerie und Pionieren. Von
hier aus unternahmen die Ruſſen in der zweiten
Januar=
hälfte 1878 ihren Vorſtoß nach Adrianopel, und hier wie
in der Nähe iſt auch gegenwärtig das bulgariſche
Heeres=
zentrum, um einen Angriff auszuführen oder abzuwehren;
denn bis zur türkiſchen Grenzſtation Muſtafa=Paſcha
iſt es nur noch etwas mehr denn 40 Kilometer. Die bis
dahin führende Bahn wird von zum Teil ſteil nach der
Maritza abfallenden Höhen beherrſcht und durch
mannig=
fache Befeſtigungen beſchirmt, wie dies auch jenſeits der
Grenze der Fall iſt; nahe bei Muſtafa=Paſcha erblickt man
verſchiedene hochgelegene türkiſche Kaſernen für 12= bis
15000 Mann beſtimmt, während in dem 36 Kilometer
entfernten Adrianopel, das durch zahlreiche Außenforts
geſchützt wird, auch in Friedenszeiten eine ſehr ſtarke
Garniſon mit dem Stabsquartier des 2. Armeekorps
vor=
handen iſt.
Sollte es zum Kriege kommen, ſo wird man aus dieſer
Gegend die erſten Nachrichten zu erwarten haben übee
einen Zuſammenprall der bulgariſchen und türkiſchen
Truppen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
jedoch derart zur Wehr, daß einer im Menſchengedränge
entkommen konnte. Zwei andere wurden förmlich zur
Wache geſchleift und in Arreſt gebracht.
Mainz, 5. Okt. Das Großh. Staatsminiſterium
ver=
öffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, daß
im Poſtverkehr zwiſchen Biebrich a. Rh. und
Mainz die Ortstaxe eingeführt iſt.
Amoneburg, 5. Okt. Auf der Wiesbadener Straße iſt
geſtern mittag gegen 1 Uhr ein 11 Jahre altes Mädchen
von einem Automobil überfahren und
ge=
tötet worden. Das Kind hatte ſich auf die Bremſe
eines mit Backſteinen beladenen Wagens geſtellt und war
mitgefahren. Hinter dieſem Fuhrwerk kam ein anderes.
Als das Mädchen dies ſah, befürchtete es, das hinter ihm
kommende Pferd könne es beißen. Deshalb ſprang es
von dem Wagen herunter und fiel nach links quer über die
Straße. Ein entgegenkommendes Automobil war in
die=
ſem Augenblick in gleicher Höhe und der Führer konnte
das Unglück nicht mehr verhüten.
Worms, 4. Okt. Die Handelskammer wählte
in ihrer geſtrigen Sitzung an Stelle des vom Vorſitz
zu=
rückgetretenen Kommerzienrates Baruch zum Nachfolger
Kommerzienrat Koelſch. Freiherr v. Heyl zu
Herrns=
heim dankte in warmen, herzlichen Worten für die
Ver=
dienſte des ausgeſchiedenen Präſidenten, der nahezu 34
Jahre der Handelskammer angehörte. — Der
Verkaufs=
tag der Großherzogin, der in den letzten Jahren
in Darmſtadt, Mainz, Offenbach und Gießen abgehalten
worden iſt, wird am 9. November auch in Worms
ſtatt=
ffinden. Vor einigen Tagen weilten der Hofmarſchall von
Ungern=Sternberg und der Kammerherr Freiherr von
Leonhardi hier in der Stadt, um die erforderlichen
An=
ordnungen zu beſprechen. Der Verkaufstag wird in den
ſämtlichen Räumen des ſtädtiſchen Spiel= und Feſthauſes
ſtattfinden.
Worms, 4. Okt. Unter dem Vorſitz des Geh.
Regier=
ungsrates Dr. Kayſer und im Beiſein des Geh.
Re=
gierungsrats Dr. Dietz, des Vörſitzenden der
Landes=
verſicherungsanſtalt, wurde hier ein gemeinnütziger
Bauverein für die Landgemeinden des Kreiſes
Worms gegründet, dem ſämtliche 39 Landgemeinden des
Kreiſes angehören. Der Zweck iſt die Errichtung einer
großen Menge einzelner, billiger, geſunder Wohnungen.
Die Genehmigung des Miniſteriums liegt bereits vor
Es iſt in dieſer Form ein ſogenannter
Zweckver=
band des Selbſtverwaltungskörpers zum erſten Male
in Heſſen, unſeres Wiſſens überhaupt in Deutſchland, vor
die Aufgabe geſtellt, die Wohnungsfürſorge in einem
ländlichen Bezirke zu organiſieren. Das erforderliche
Kapital bezieht der Bauverein von der
Landesverſicher=
ungsanſtalt zu 3½ Prozent. Der Bau der Wohnungen
wird begonnen mit einer Anzahlung in einer Höhe von
mindeſtens 10 Prozent des Hauptpreiſes durch den Käufer,
Der Reſtkaufpreis iſt mit 3½ Prozent zu verzinſen und
mit mindeſtens 1½ Prozent für das Jahr zu tilgen.
Pfeddersheim, 5. Okt. Das Großh. Miniſterium der
Finanzen gibt bekannt: Mit Genehmigung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs wird die Großh.
Bezirks=
kaſſe Pfeddersheim vom 16. Oktober lfd. Js. an
aufgehoben und für die ſeither zu dem Bezirke ihrer
eigenen Echebung gehörigen Gemeinden Leiſelheim,
Mör=
ſtadt und Pfeddersheim eine Untererhebſtelle in
Pfedders=
heim errichtet. Dieſe ſowie die Untererhebſtellen
Dals=
heim, Gundheim, Heppenheim a. d. W., Horchheim,
Mons=
heim, Nieder=Flörsheim, Offſtein und Wachenheim
wer=
den der Bezirkskaſſe Worms zugeteilt, während die
Unter=
erhebſtelle Gundersheim mit der Bezickskaſſe Oſthofen und
die Untererhebſtellen Eppelsheim und Ober=Flörsheim
mit der Bezirkskaſſe Alzey vereinigt werden. Zugleich
werden die Untererhebſtellen Bechtolsheim und Spiesheim
von der Bezirkskaſſe Alzey, ſowie die Untererhebſtelle
Dol=
gesheim von der Bezirkskaſſe Oſthofen abgetrennt und
letztere Untererhebſtelle, ſowie die Untererhebſtelle
Becht=
olsheim der Bezirkskaſſe Oppenheim, die Untererhebſtelle
Spiesheim der Bezirkskaſſe Nieder=Olm zugeteilt.
Friedberg, 5. Okt. Staatsſekretär Krätke
war hier anweſend beſichtigte das alte Poſtamt, ſowie
den Bauplatz für das neue Poſtamt. Er fänd
die Lage des neuen Poſtamtes ſehr günſtig. Se. Exzellenz
beſichtigte noch das Großh. Schloß und ſonſtige
öffent=
lichen Gebäude.
— Bad Nauheim, 5. Okt. Bis zum 3. Oktober ſind
35 137 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem Tage
noch 2085 anweſend waren. Bäder wurden bis zum 3.
Oktober 468 136 abgegeben.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Okt. 1130 404
Obdach=
loſe in Berlin wurden nach Angabe des jetzt
er=
ſchienenen ſtädtiſchen Verwaltungsberichtes während des
Etatsjahres 1911/12 in der Abteilung für nächtliche
Ob=
dachloſe des ſtädtiſchen Obdachs beherbergt. Das bedeutet
gegen das Vorjahr wiederum eine ganz erhebliche
Steige=
rung, wie denn überhaupt die Zahl der Obdachloſen in
Berlin ſtändig zugenommen hat. Im Jahre 1906/07
waren es 549 498, im Jahre 1907/08 629178, 1908/09
866 300, 1909/10 969853 und 1910/11 1021 494
Obdach=
loſe. Ein größerer Prozentſatz der Obdachloſen hält ſich
tagsüber in den Vororten auf und ſtrömt erſt in den
ſpäten Nachmittagsſtunden nach Berlin. Die im letzten
Jahre ganz erheblich geſteigerte Jugendpflege hat den
erfreulichen Erfolg gehabt, daß ſich die Zahl der
jugend=
lichen Obdachloſen bedeutend verminderte. — Der
Ueberfall am Kurfürſtendamm in der
Woh=
nung der Frau Michaelis iſt noch nicht weiter aufgeklärt.
Heute vormittag hat ein erfolgloſer Ortstermin
ſtattgefun=
den. Die Verkäuferin aus einem Hutgeſchäft in der
Wil=
mersdorfer Straße hat folgendes ausgeſagt: (Geſtern
vor 1 Uhr mittags ſei in ihrem Geſchäft ein Mainn
er=
ſchienen, der eine Poſtmütze trug, und kaufte eine graue
Mütze, einen Stehkragen und eine Krawatte. Die graue
Mütze iſt am Tatorte gefunden worden. Die
Beſchrei=
bung, die die Verkäuferin von dieſem Kunden gibt, ſtimmt
mit der des Dienſtmädchens überein. Ein Hausdiener,
der in einer Konditorei beſchäftigt iſt, hat ſowohl den
Räuber, als auch deſſen Genoſſin beobachtet. Er ſollte
zu einem Bewohner des Hauſes Kurfürſtendamm 185 einen
Kuchen bringen und benutzte den Nebeneingang, der durch
den Keller führte. In dieſem Durchgang traf er mit der
Räuberin zuſammen, einem ungefähr 20 Jahre alten
Mädchen, das einen ſchwarzen Plüſchmantel und einen
großen ſchwarzen Hut trug. Das Mädchen hatte es ſo
eilig, daß es den Hausdiener faſt überrannte. Als der
Hausdiener dann auf den Hof kam, hörte er Schreie um
Hilfe. Er ging durch den anderen Ausgang an der
Wie=
landſtraße, und dort ſah er die Räuberin zum zweiten
Male, wie ſie nach der Lietzenburger Straße zu lief. Auch
den Räuber hat der Zeuge flüchtig geſehen. Der Mann
hattte eine Poſtmütze auf und lief ſchnell nach dem Olivaer
Platz zu. Nach allen Beſchreibungen ſah der Räuber wie
ein Arbeiter, ſeine Gefährtin wie ein Dienſtmädchen aus.
Zur Verfolgung der Spur der Räuber iſt auch ein
Poli=
zeihund verwendet worden. Ihm wurde von der grauen
Mütze Witterung gegeben. Der Hund lief durch den Flur
und die ganze Wohnung nach dem hinteren Korridor,
von dort nach dem hinteren Ausgang über den Hof und
dann immer durch die Wielandſtraße nach der
Lietzen=
burger Straße zu. Dort verlor er die Spur. — Als ein
Schutzmann heute nachmittag den Kutſcher Johann
Thiele wegen Zechprellerei verhaften wollte, wurde er
von dieſem tätlich angegriffen. In der Notwehr
machte der Schutzmann von ſeiner Dienſtpiſtole Gebrauch
und verlatzte den Kutſcher ſo ſchwer, daß er auf dem Wege
nach dem Krankenhauſe ſtarb.
Mannheim, 5. Okt. Der Stadtrat hat in ſeiner
geſtri=
gen Sitzung den Vertrag zwiſchen der Stadtgemeinde
und dem Deutſchen Künſtlerbund wegen der im
Jahre 1913 in der hieſigen Kunſthalle zu veranſtaltenden
Großen Ausſtellung genehmigt.
Stuttgart, 5. Okt. Durch den ſtarken Froſt in der
vergangenen Nacht wurde in der Pflanzenwelt,
insbeſon=
dere in den Weinbergen großer Schaden angerichtet. In
Stuttgart betrug die Temperatur ein Grad unter Null,
im Schwarzwald und auf der Alb vier bis fünf Grad.
München, 4. Okt. Heute um 7 Uhr morgens iſt der
Reichskanzler von Bethmann Hollweg in
München angekommen. Er wurde vom interimiſtiſchen
preußiſchen Geſchäftsträger Prinzen Wittgenſtein
empfan=
gen und frühſtückte zwiſchen dem Publikum in der
Bahn=
hofswirtſchaft zweiter Klaſſe. Eine Stunde ſpäter reiſte
der Reichskanzler vom Starnberger Bahnhof mit dem
Garmiſcher Zuge nach Oberammergau ab, von wo die
Fahrt mit Wagen nach Linderhof weiterging. Dort wird
der Reichskanzler als Jagdgaſt desgPrinzregenten
ver=
weilen.
München, 5. Okt. Der Polizei iſt es gelungen, einen
Erpreſſer unſchädlich zu machen, der zwei Herren
und eine Dame mit ſeinen Droh= und Erpreſſerbriefen
beunruhigt hatte. Der gefährliche Burſche ſetzte ſeine
Opfer durch anonyme Briefe in Kenntnis davon, daß er
ſie wegen allerlei näher bezeichneter ſtrafbarer
Hand=
lungen anzeigen werde, falls man ihm nicht beſtimmte
Summen einſende. Einem Herrn kündigte er gar die
Er=
mordung auf offener Straße an, wenn er nicht ohne
Ver=
zug 100 bis 150 Mark an ihn abführe. Die Geldgier des
Verbrechers ließ ihn ſchließlich alle Vorſicht vergeſſen.
Man hatte ihm geſchrieben, daß der Weg durch die Poſt
nicht angängig ſei, er möge ſich den Betrag aus einem
Hausflur der Elviraſtraße abholen. Dort wurde er dann
auch von der Kriminalpolizei feſtgenommen, als er ſich
ſeine Beute abholen wollte. Auf der Polizei entpuppte
er ſich als der Verſicherungskaſſierer Johann Scharb, der
verheiratet und Vater mehrerer Kinder iſt, und den nicht
Not, ſondern nur Habſucht dazu verleitet hatte, ſich dieſe
„Nebeneinnahme” zu verſchaffen.
Eiſenach, 4. Okt. Den Milchkrieg, den die
tapfe=
ren Hausfrauen Eiſenachs nun bereits ſeit Wochen
führen, haben ſie gewonnen. Nachdem es ihnen erneut
gelungen iſt, einen Großlieferanten zu gewinnen, der
gute Vollmilch für 20 Pfg. das Liter liefert, bequemen
ſich auch Mitglieder des Milchrings zur Lieferung für
die=
ſen Preis.
Halle a. d. S., 5. Okt. Eines der beliebteſten
Mit=
glieder des Kurtheaters in Suderode im Harz, der
Schauſpieler Paul Häſer, wurde nach der Probe
plötz=
lich von Verfolgungswahnſinn befallen. Er
lief nach Hauſe und ſtürzte ſich aus dem Fenſter. Schwer
verletzt iſt er in das Quedkinburger Krankenhaus
ver=
bracht worden.
Stettin, 3. Okt. Das erſte Eigenheim eines
Verkehrsvereins wurde heute in Stettin von
Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Ackermann dem
Verkehrs=
verein öffentlich übegeben und feſtlich eingeweiht.
Brüſſel, 5. Okt. Die Brüſſeler Polizei iſt einem
großangelegten Raubzuge auf die Spur
ge=
kommen, in deſſen Mittelpunkt eine Perſönlichkeit ſteht,
die vor etwa einem Jahrzehnt viel von ſich reden machte.
Es handelt ſich um einen gewiſſen Eugen de
Graenve, der in den 90er Jahren mit ſeinem
verſtor=
benen Bruder Matroſendienſte auf einem franzöſiſchen
Fiſcherboot leiſtete. Beide Brüder ſollen damals den
Kapitän und die Beſatzung ermordet haben und dann
unter dem Namen des alten Seefahrers Rurik ein
ziem=
lich ertragreiches Seeräuberleben getrieben haben.
Sie wurden bei ihrer Landung in Frankreich verhaftet
und in Breſt beide zum Tode verurteilt. Der
Prä=
ſident der Rzoublik begnadigte beide zu lebenslänglicher
Zwangsarbeit in Neukalodonien. Dort iſt der Bruder
Leo geſtorben, Eugen aber lebte und verſtand es, ſeine
belgiſchen Landsleute für ſich zu intereſſieren und von
ſeiner Unſchuld zu überzeugen. Unter Führung des alten
Staatsminiſters Beernaert und des Sozialiſtenführers
Vandervelde wurde die Wiederaufnahme des Prozeſſes
betrieben, was auch Erfolg hatte. Der verſtorbene
Präſi=
dent Carnot hat Eugen de Graeve 1899 begnadigt. Er
kehrte nach Belgien zurück und betätigte ſich als Dichter
und Romanſchriftſteller, ſchrieb ein intereſſantes Buch
über Neukaledonien und wurde von dem Blatt Etoile
Belge als Archivar angeſtellt. Nichts deutete darauf hin,
daß der Mann ſein altes Abenteurerleben wieder
begin=
nen werdeEr verrichtete ſeine Arbeit mit großer
Ge=
wiſſenhaftigkeit, plante aber im geheimen ſeit einigen
Mo=
naten einen großen Schlag. Er wollte die Kirche des
heiligen Albinus in Namur plündern und die darin
ent=
haltenen Kleinodien im Werte von ungefähr zwei
Mil=
lionen Francs rauben. Er hatte die Abſicht, nach
Vene=
zuela zu gehen und ſich dort niederzulaſſen. Die
Brüſſe=
ler Polizei erhielt unerwartet Kenntnis davon, und zwar
durch den Verrat eines Mitſchuldigen, de Graeve wurde
mit drei Komplizen verhaftet. Damit hatte der Traum
des romanhaft veranlagten Mannes ein unerwartetes
Ende gefunden.
Paris, 5. Okt. Das Gemeinderatsmitglied Lampue
hat an den Unterſtaatsſekretär der ſchönen Künſte, Berard,
ein Schreiben gerichtet, in dem er in ſcharfen Worten
ſei=
ner Entrüſtung über die im Herbſtſalon ausgeſtellten
Bilder und Skulpturen der Kubiſten und
Futu=
riſten Luft macht und die Ueberzeugung ausſpricht, der
Unterſtaatsſekretär werde ſich nach Beſichtigung des
Herbſtſalons ſelbſt ſagen, daß er nicht das Recht habe, ein
öffentliches Gebäude einer Bande von
Uebel=
tätern zu überlaſſen, die ſich in der Welt der Künſtel
ſo benähmen, wie die Apachen im gewöhnlichen Leben
Feuilleton.
Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Schneiders
Kunſtſalon in Frankfurt a. M. hat die
Winter=
ſaiſon mit einer etwa 60 Gemälde umfaſſenden Sonder=
Ausſtellung der Künſtler der Provence Monticelli (1824
bis 1886) und Guigau (1834—1871) eröffnet, die Werke
aus den verſchiedenſten Schaffensperioden der Meiſter
enthält. Durch die Vielſeitigkeit der Kollektion iſt dem
Beſchauer in einer Weiſe, wie in Deutſchland nie zuvor,
Gelegenheit geboten, dieſe beiden Künſtler ſtudieren zu
können. — Am 15. Oktober kommt in der Galerie
Helbing, München, die Sammlung des verſtorbenen
Herrn Adolf Heß, Frankfurt a. M., zur Auktion.
Sie hat ihre Signatur in der Klein= und Porträtkunſt.
Ein Spezialgebiet ſind die farbigen Wachsporträts des
16. bis 19. Jahrhunderts, unter ihnen intereſſante
Wieder=
gaben von Goethe, Senckenberg, Gellert uſw. Unter den
Metallſachen ſei eine Plakette: Memento mori von Peter
Flötner genannt. Zu den wertvollſten Stücken gehören
die fünf Bux=Medaillen des 16. Jahrhunderts. Dieſer
gediegenen und gewählten Sammlung ſchließt ſich eine
Kollektion aus ſüddeutſchem Privatbeſitz an. Es finden
ſich in ihr zahlreiche Metallarbeiten, weiterhin Möbel,
Möbelteile, gute Textilien verſchiedenſter Technik und
Stoffarten des 16. und 18. Jahrhunderts, auch ganze
Meßgewänder, ſowie einige ſchöne Rokokofächer.
* Noch einmal die „überflüſſige Theaterkritik‟. Ein
Berliner Theaterdirektor ſchreibt dem Lokalanzeiger:
„Meißen in der Welt voran, zum mindeſten in der Welt
des Theaters! In Meißen gibt es — ſo berichteten Sie
— keine Theaterkritik mehr; der Direktor des dortigen
Stadttheaters habe ſich mit dem Vorſchlag des Meißener
Tageblattes einverſtanden erklärt, bis auf weiteres nicht
mehr Kritik zu bringen, weil die guten das „Geſchäft”
nicht gehoben, die ungünſtigen aber das Geſchäft
ſchädig=
ten, und ſo iſt die Angelegenheit ſcheinbar zur
Zufrie=
denheit beider Teile erledigt. Aber nur ſcheinbar, denn
das Publikum wurde nicht um ſeine Meinung gefragt.
Das Publikum aber will — wenigſtens in Berlin und
warum auch nicht in Meißen? — wiſſen, was im Theater
los war. Nun hat ja Meißen allerdings nur ein
Stadt=
theater, während Berlin zwar kein Stadttheater, dafür
aber mehr als 20 andere ſein eigen nennt. Trotzdem.
Was heißt ungünſtige, was heißt günſtige Kritik? Als
vor beinahe einem Vierteljahrhundert dort „Charleys
Tante” zum erſten Male aufgeführt wurde, wurde der
Schwank nach allen Regeln der Kunſt verriſſen. Der
Er=
folg? Das Stück brachte dem Direktor (Adolph Ernſt)
etwa ½ Million Reingewinn. Ein Theater
gewiſſer=
maßen ohne Kritik waren einſt auch die Berliner
Königlichen Bühnen. Es war nämlich Vorſchrift,
daß erſt drei Tage nach der Premiere die
Kritik erſcheinen dürfe. Dieſe drei Tage
bedeu=
teten gewiſſermaßen eine Karenzzeit, um die Stimmung
des Publikums zu beurteilen.
* Eine neue Roſe. Die ſeit langem erſehnte ſchwarze
Roſe haben die Züchter trotz aller Kreuzungsverſuche bis
jetzt noch nicht erzeugen können; dafür haben ſie nun aber
eine terrakottenfarbene Roſe von noch nie geſehener Pracht
und Herrlichkeit auf den Markt gebracht. Die neue Roſe
läßt ſich gegenwärtig auf der dieſer Tage in der Londoner
Horticultural Hall eröffneten Herbſtausſtellung der
Natio=
nal Roſe Society bewundern. Die Pflanze zeigt zwölf
in voller Entwickelung ſtehende Blüten, und jede dieſer
zwölf Blumen iſt für 60 bis 100 Mark verkauft worden.
Der Züchter der neuen Roſenart beſitzt in ſeinem Garten
weitere 40 Pflanzen. Fünf Jahre bemühte er ſich mit
zahlloſen Kreuzungen und dem eifrigen Studium aller
Zuchtwahlmöglichkeiten, ehe er mit dem Ergebnis ſeiner
Forſchungen und Verſuche an die Oeffentlichkeit treten
konnte. Die Roſenart ſtammt von zwei Samen, und die
Zahl der Pflanzen iſt daher noch ſehr beſchränkt, daher
ihr hoher Wert.
* Falliéres Sammlung. Es gehört nun einmal zu
den Unbilligkeiten, die ein franzöſiſcher Präſident bei der
Uebernahme ſeines hohen Amtes wohl oder übel mit in
den Kauf nehmen muß, daß er zur ſtehenden Figur in den
Witzblättern wird. Auch die Bänkelſänger bemächtigen
ſich des dankbaren Gegenſtandes, und Spottlieder auf
franzöſiſche Präſidenten ſind billig. Monſieur Falliéres
hat nun gute Miene zum böſen Spiele gemacht, indem
er ſich eine Sammlung all der Spottlieder anlegte, die
über ihn im Laufe ſeiner Amtstätigkeit „verbrochen”
wurden, und wie Eingeweihte zu erzählen wiſſen, ſollen
dieſe Reimereien einen anſehnlichen Band ausfüllen. Und
dieſelben Eingeweihten wiſſen weiter zu berichten, daß,
wenn Herrn Falliéres einmal die Sorgen und der
Kum=
mer überkommen, er bei den Spottgedichten ſeine gute
Laune wieder ſucht und in der Tat auch findet.
* Der Förſter auf der Wilddiebjagd. Ein
unangeneh=
mes und nicht alltägliches Abenteuer erlebte dieſer Tagen
— wie der Gaulois erzählt — ein Förſter von Montargis
(Departement Loiret). Er befand ſich auf einem nächtlichen
Rundgang durch den ſeiner Obhut anvertrauten Wald,
als er einen Verdächtigen gewahrte, der bei ſeinem
Er=
ſcheinen ſchleunigſt die Flucht ergriff. Der Förſter ſetztel
dem Manne nach, verlor ihn aber hinter einem dichten
Gebüſch aus den Augen; ſein Dienſteifer erlahmte jedoch
nicht, und er taſtete ſich ſuchend weiter, bis er an die
Land=
ſtraße gelangte. In dieſem Augenblick erſchien ein
Auto=
mobil, das auf einen Wink des Förſters ſtehen blieb
„Haben Sie nicht hier in der Nähe einen Wilddieb
ge=
ſehen?” fragte der naive Förſter den Chauffeur. — „Nein,
wurde ihm aus dem Wagen heraus geantwortet; „aber
Sie könnten ja ein Stückchen mit uns fahren, vielleicht
fin=
den wir ihn noch.‟ Der Förſter ließ ſich das nicht
zwei=
mal ſagen und ſtieg in das Auto, das mit raſender
Ge=
ſchwindigkeit davonjagte. Nach einem Weilchen ſchienen
dem biederen Forſtmanne allerlei Bedenken zu kommen,
denn er ſagte plötzlich ein bißchen ängſtlich: „Aber, meinel
Herren, wir fahren ja viel zu ſchnell und zu weit; laſſenl
Sie, bitte, halten, ich möchte wieder ausſteigen.‟ Ein
fröhliches Gelächter war die Antwort auf dieſe Worte, und
der arme Förſter glaubte jetzt, als er näher hinſah, in
einem ſeiner Fahrtgenoſſen den Wilderer, den er ſuchte,
in eigener Perſon zu erkennen. Bei Tagesanbruch traf
das Automobil in Paris ein. Auf der Place de la
Con=
corde, die zu dieſer frühen Stunde ganz verlaſſen dalag,
wurde der Förſter mit ſanfter Gewalt aus dem Wagen
befördert, worauf das Auto davonraſte. Der unglück
liche Waldmann mußte ein paar Stunden ſpäter ſein
Jagdgewehr verſetzen, um den Zug nach Montargis bei
nutzen zu können.
* Eine gemütliche Straßenbahn. Die
Polizeiverwalt=
ung einer benachbarten Stadt macht bekannt: Wir habem
in der letzten Zeit wieder häufig beobachtet, daß Kinder
den Wagen der elektriſchen Straßenbahn nachlaufen und
ſich dabei an den Wagen feſthalten oder gar an die hintere
Puffvorrichtung, die Stoßbalken oder die Trittbretter
an=
hängen, oder ſie ſetzen ſich auch auf dieſe und fahrenl
ſtreckenweiſe mit. Wir richten deshalb auch heute wieden
holt an alle Eltern und ihre Vertreter dringend das
ſuchen, die Kinder von dieſem Unfug abzuhalten und ſit
immer aufs neue darüber aufzuklären, wie gefährlich
ihnen ſolche Ungezogenbeiten werden können 2.
Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Seite 5.
Alicante, 5. Okt. Die Maſchine eines
Güter=
zuges fuhr einen Schutzpuffer um, ſtieß gegen eine
Mauer, die einſtürzte, und drang in die Halle des
Bahnhofes. Dabei wurden 9 Perſonen getötet, 22
ſchwer und etwa 100 leicht verletzt. Die Lokomotive mußte
mit Ketten hochgehoben werden, um die unter ihr
liegen=
den Leichen bergen zu können. Man glaubt, daß das
Un=
glück darauf zurückzuführen iſt, daß die Strecke vor dem
Bahnhof ſehr abſchüſſig iſt und die Bremſen die erlangte
Geſchwindigkeit nicht mindern konnten.
New=York, 5. Okt. Der Bankier Friedrich
Thor=
wart=Frankfurt a. M., der am Internationalen
Han=
delskammer=Kongreß teilnahm, iſt ſeiner Krankheit
er=
legen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
uehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
— Konzert und Vortragüber das Welte=
Mignon=Klavier. Man ſchreibt uns: Ein Beiſpiel
aus anderen Kunſtzentren wird demnächſt in Darmſtadt
be=
folgt werden. Die Bedeutung, die das bis vor nicht gar
langer Zeit oft als Nur=Mechanismus betrachtete
Repro=
duktions=Klavier Welte=Mignon ſeither als lebendiges
künſtleriſches Beiſpiel in Konſervatorien und im Hauſe
gefunden, hat dazu geführt, daß man in ihm weit mehr
als eine bequeme Unterhaltung ſieht. Es haben ſich neben
den größten ſchaffenden und ausübenden Tonkünſtlern
unſerer Tage auch namhafte Muſikforſcher und=
Schrift=
ſteller den erzieheriſchen Eigenſchaften dieſer
epochemachen=
den Erfindung nicht verſchloſſen. Das Klavierhaus
Heinrich Arnold hat für das erſte Mignon=Konzert,
das Donnerstag, 17. Oktober, im Saale der „Traube‟
ſtattfindet, den Muſikſchriftſteller Rudolf Kaſtner
Frankfurt a. M., zu einem Vortrag veranlaßt, der das
„Künſtleriſche und Aeſthetiſche des Reproduktionsklaviers”
behandeln wird. Dem Vortrag folgt ein Konzert, in dem
man u. a. d’Albert, Buſoni, Paderewski, Strauß und
Felix Mottl hören wird. — Der Eintritt zu Vortrag und
Konzert iſt frei; Karten ſind in der
Hofmuſikalienhand=
lung Heinrich Arnold, Wilhelminenſtraße 9, erhältlich.
(Näh. ſ. Anz.)
Arbeitsgärten für Schulkinder.
Mit der wachſenden Erkenntnis der immer mehr an
Geltung gewinnenden Tatſache, daß unſeren
Großſtadt=
kindern das Gefühl für Heimatland und Vaterhaus
ver=
loren geht, ſehr zum Schaden allgemeiner
Charakterbild=
ung, wachſen erfreulicherweiſe die Beſtrebungen, dieſer
Erſcheinung entgegenzuarbeiten. Freilich hält die „
Gegen=
bewegung” bei weitem noch nicht Schritt mit der „
Ur=
bewegung” aber die Anfänge ſind doch gemacht, und ſchon
jetzt ſind die erzielten Erfolge vielfach erfreulich gute. Es
ſind naturgemäß in erſter Linie die Kinder der
Minder=
bemittelten die Leidtragenden, die in engen Gaſſen und
Mietskaſernen wohnen und oft auch das kleinſte Höfchen
entbehren müſſen, von einem Garten, von Baum und
Strauch und Frucht gar nicht zu reden. Ihnen iſt das
Glück, ein Stückchen Erde ihr eigen zu nennen, ganz
ver=
loren gegangen und ein Haften an der Scholle, die ihnen
Brot und Lebenskraft gibt, iſt ihnen fremd. Daß damit
das Heimatgefühl überhaupt ſtark beeinträchtigt wird,
wenn es nicht ganz erſtirbt, iſt die nächſte Folge und
da=
mit geht dieſen Tauſenden, die Träger der Zukunft
unſe=
res Volkes ſind, etwas verloren, das ein hervorragender
Charakterzug Deutſchen Weſens iſt und einen großen Teil
ſeiner Stärke ausmacht. Hier zu helfen, iſt nicht nur
ein ſegenbringendes ſoziales Werk, es iſt auch eine
natio=
nale Tat, deren Bedeutung noch leider vielfach unterſchätzt
wird, trotz aller Beſtrebungen, die dem Nachwuchs
unſe=
res Volkes gewidmet ſind. Freilich iſt die Aufgabe ſchwer
und ſie läßt ſich nicht in engbegrenzten Pflichtkreis
bannen. Es gehört ein reifes Verſtändnis, ein warmes
Herz für unſere Jugend und viel, ſehr viel Idealismus
dazu, das einmal Begonnene durchzuführen, denn der
Widerſtände gibt es gar viele, und der Dank findet ſelten
lauten äußeren Ausdruck. Aber wer ihn abzuleſen weiß,
von den blühenden Wangen und den blitzenden Augen der
Kinker, denen Arbeit und Spiel in freier friſcher Luft, die
Freude am Selbſterſchafften, am Bebauen der eigenen
Scholle, und ſei ſie auch noch ſo klein, die Farbe der
Ge=
ſundheit lieh und die wiedererwachte neugeſtärkte
Lebens=
freude gab dem iſt dieſes ſtille innere Danken Lohns
genug, und der wird ſich die Mühen und Sorgen nicht
ver=
drießen laſſen. Denn er hat ſeinen Beruf als Lehrer
und Erzieher des Volkes recht erfaßt. Von einter
Volksſchule nämlich ſoll heute die Rede ſein.
In brach liegendem Gelände hinter dem alten
Schieß=
haus, das die Sodtvertaltung in dankenswerter Weiſe
zur Verfügung ſtellte, hat die
Stadtmädchen=
ſchulel ein etwa vier Morgen großes Stück zu
Spiel=
plätzen und Arbeitsgärten eingerichtet, das von
den Mädchen der oberen Klaſſen ganz ohne Zwang
be=
ſucht werden kann. Freiwillig ſollen die Mädchen hierher
kommen, nicht erneut unter Schulzwang ihre Freiſtunden
opfern, das iſt Hauptbedingung. Wer ungezwungen
ſchafft, ſchafft gern, er verlernt vielleicht konventionelles
Dankeſchön” ſagen für erwieſene Wohltaten, aber er
lernt dafür den Wert des Selbſterſchafften ſchätzen, lernt
die Früchte achten, zu deren Gedeihen eigener Schweiß
den Boden gedüngt. — In einem uns vorliegenden
wer=
benden Schriftſatz heißt es u. a. Darmſtadt beſitzt eine
Schuleinrichtung, die zeigt, wie eine Schule an Boden
ge=
lwinnen kann: es iſt dies die hauswirtſchaftliche
Fortbildungsſchule. In der kurzen Zeit ihres Beſtehens
ſhat ſie ſich die Zuneigung aller der Kreiſe erworben, die
ſſie in ihrem Wirken kennen lernen. Die Urſache liegt
da=
krin, „daß der Unterricht mit den Tätigkeiten des Hauſes
in Verbindung gebracht iſt” und daß er „der Natur der
Mädchen, ſowie ihrem häuslichen Leben entſpricht.‟ Die
hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule iſt ſomit ein
Fingerzweig, der verdient, daß ihm nachgegangen werde.
n dem Arbeitsunterricht der Knaben und dem
Hand=
arbeitsunterricht der Mädchen, hat die Schule die
Ver=
bindung mit den Tätigkeiten des Hauſes und der
Werk=
ſtatt angebahnt. Anknüpfend daran läßt ſich in der
Bartenarbeit für Mädchen weiterbauen. Nur
in ſehr kleiner Prozentſatz der ſtädtiſchen Familien beſitzt
inen Garten. Den heranwachſenden Mädchen iſt es
da=
er nicht möglich, Gartengewächſe, die ſie in der Küche
ver=
penden ſollen, kennen zu lernen. Viel wichtiger
aller=
ings als nur das Kennenlernen der Gewächſe iſt das
beranziehen, Pflanzen und Behandeln derſelben, das
Beobachten des Aufwachſens, die hineingearbeitete Mühe
nd Sorgfalt, das Bangen, was aus den Pfleglingen
bird. Das durch unſer Sorgen und Mühen Gewordene
Arwirbt inneren und äußeren Wert für uns. Darin liegt
uer Kernpunkt für den Erzieher. Wer hätte nicht Selbſt=
Aſearbeitetes, ſei es aus der Kinderzeit, der Jugendzeit
nder dem ſpäteren Alter, das ihm beſonders ans Herz
ge=
bachſen iſt, und das daher ſorgſam gehütet wird, oder
us doch tief und unauslöſchlich in Erinnerung haftet,
ſeil es durch Mühe und Not entſtand, weil Leid und
Freud, Können und Nichtkönnen hineingearbeitet wurde.
Mit welchem Stolz hört man ſagen: „Den Baum habe
ich gepflanzt;” „die Edelreißer hat der Großvater von
ſeinem Freunde in N. mitgebracht,” „die Bäume habe ich
gezweigt,” „der Blumenſtock ſtammt von einem Ableger,
den ich von daher mitgebracht habe,” „das iſt auch
eige=
nes Gewächs!” In der Freude am Erarbeiteten liegt der
größere edlere Wert. Der ethiſche Wert, den ſolche
Arbeit im Gefolge hat, iſt nicht hoch genug zu
veran=
ſchlagen. Wer ſelbſt ſchon einen Garten bebaute, kennt
dieſe Wirkung der Gartenarbeit aus eigener Erfahrung.
Für die meiſten Stadtbewohner tritt noch ein anderer
Umſtand hinzu, und die Familien, die ihre Kinder in die
Stadtmädchenſchule I ſchicken, ſind durchweg dazu zu
rech=
nen. Das Landkind, Mädchen oder Knabe, lernt von
Jugend auf die Arbeit in Hof, Stall, Garten und Feld
kennen; es wächſt gleichſam damit auf. Mit einer Menge
von Begriffen nach dieſer Richtung hin kommt es zur
Schule, während dieſelben in der Stadt mit viel Aufwand
gebildet werden müſſen. So lernt das Landkind von
früheſter Jugend an die Natur und ihre Kinder, deren
Behandlung und Bedürfniſſe kennen, erlebt Freude daran
oder Enttäuſchung und ſieht mit Betrüben die
Vernicht=
ung durch ſchwere Wetter oder Beſchädigungen ſonſtiger
Art; kurzum, es fühlt mit der Natur und ihrem Schaffen.
Das Stadtkind hat dieſe Fühlung mit der Natur nicht.
Da ſoll die Gartenarbeit abhelfen. Die Gartenarbeit
unterſtützt, erleichtert und fördert den naturkundlichen
Unterricht und ermöglicht beſſeres Verſtändnis für
Er=
ſcheinungen, Fragen und Rätſel der Natur. Durch ſie lernt
das Kind die Natur beobachten und kennen. Die
Garten=
arbeit der Kinder beeinflußt auch das Gemüt, ſie wirkt dem
Frevel entgegen: Kinder, welche ſelbſtPflanzen
bearbei=
ten, pflegen und aufziehen, werden die Gewächſe anderer
ſchonen und in jedem Gewächs ein Geſchöpf erblicken, das
zu beſonderem Gebrauche lebt. Sie werden auch andere
Kinder von Mißbrauch abhalten. Die Gartenarbeit der
Kinder hat auch praktiſchen Wert: ſie ſetzt das Mädchen in
den Stand, ſelbſt zu pflanzen für das Elternhaus, für die
Dienſtherrſchaft, für den eigenen Haushalt; auch einen
kleinen Blumengarten in Ordnung zu halten und im
Falle der Not Brot damit zu verdienen. Die Gartenarbeit
der Kinder hat endlich ſoziale Bedeutung: ſie lehrt die
körperliche Kraft wertſchätzen, bahnt die Achtung anderer
Arbeitsgebiete an und zeigt ihren Einfluß auf Geſundheit,
Rüſtigkeit und Abhärtung.
Kurz, ſie ſoll helfen dazu beitragen, daß die Arbeit
den Ehrenplatz behauptet, der ihr im Leben gebührt! —
Der lange brach liegende ausgeſogene Boden mußte
erſt urbar gemacht werden. Nur die ſchwere Arbeit des
Aufteilens der Raſendecke wird von einer männlichen
Kraft beſorgt. Alles andere machen die Mädchen ſelbſt.
Zuerſt gemeinſam. An langen Beeten wird von allen zum
Nutzen aller gearbeitet. Das fördert die Tätigkeit im
Dienſte der Allgemeinheit, in der der eigene Nutzen erſt an
letzter Stelle ſteht. Dann beginnt eine Art Wettbewerb.
Jedes der größeren Mädchen erhält ein Stückchen Land
zur eigenen Beſtellung zugewieſen. Ein Obſtbäumchen,
zwei Sträucher, Johannisbeeren, Stachelbeeren oder
der=
gleichen werden in jedem Gärtchen gepflanzt; die
Bebau=
ung des übrigen Teiles ſteht den Kindern völlig frei. Sie
können Blumen ziehen oder Gemüſe fürs Wütterchen. Es
iſt erſtaunlich, mit welcher Freude die Kinder ſchon nach
der erſten überwundenen Scheu vor der ungewohnten, oft
nichts weniger als „ſauberen” Arbeit, ſchaffen, wie ſie den
Wert des Düngens ſchätzen lernen und des Unkrautjätens.
Was die Kinder an Gemüſe ernten, gehört ihnen. Auch
das Obſt wird meiſt verteilt. Während die größeren
Kinder arbeiten, haben die kleineren Geſchwiſter, auch die
Buben, Platz und Zeit zum Spiel; zum Haſchen und
Sandgraben, zum Verſteckſpiel und zum Burgenbauen.
Eine geräumige Halle bietet Unterkunft bei Regen und
Unwetter. Und Sonntags oder an arbeitsfreien
Nach=
mittagen kommen dann oft die Eltern und freuen ſich mit
an dem Stolz ihrer Sprößlinge, über die Früchte eigenen
Schaffens. Es iſt übrigens Vorſorge getroffen, daß die
jetzt die Schule verlaſſenden Mädchen auch ſpäter noch ihr
Stückchen Land weiter behalten, daß ſie wenigſtens noch
ernten, was ſie jetzt geſät. Gedacht wird wohl auch daran,
für die Schulentlaſſenen überhaupt, zur Weiterbenutzung
ihres Gärtchens, vielleicht einmal in der Woche einen
arbeitsfreien Nachmittag zu erwirken.
Die Einrichtung liegt zurzeit noch in ihren Anfängen;
aber es wird zielbewußt geſchafft, und die Erfolge ſind
ſchon jetzt, wie geſagt, ſehr erfreuliche. Das Unternehmen
ſoll ganz auf eigenen Füßen ſtehen, und iſt dabei auf
Zu=
wendungen Wohlhabender angewieſen. Mögen ſich noch
recht viele von ihnen finden, denn es iſt ein Stück ſchöner
ſozialer Arbeit, das hier in der Stille — leider in der
Stille; ein Beſuch der Gärten würde ihnen manchen neuen
Freund zuführen —, ſegenvollem Gedeihen entgegenreift;
gehütet und gepflegt von ſelbſtloſer Fürſorge. Dankend
ſei der Geber gedacht, die die erſten notwendigen Mittel
zur Beſchaffung der Geräte uſw. ſpendeten. Auch den
Firmen Bopp & Reuther=Mannheim=Waldhof, die
den Brunnen zur Bewäſſerung ſtiftete, und Nohl=
Darm=
ſtadt, die dieſen Brunnen zum Selbſtkoſtenpreis erbohrte.
M. St.
Kongreſſe und Verbandstage.
25. Generalverſammlung des
Evange=
liſchen Bundes.
— Saarbrücken, 4. Okt. Im „Hotel Monopol”
trat hier der Evangeliſche Bund zur Wahrung der
deutſch=proteſtantiſchen Intereſſen zu ſeiner 25.
General=
verſammlung zuſammen. Die Tagung, zu der ſich
Ver=
treter aus allen Teilen des Reiches in großer Anzahl
ein=
gefunden hatten, wurde mit Sitzungen des Vorſtandes
und der Ausſchüſſe, ſowie des Deutſch=Evangel.
Wehr=
ſchatzamtes und einem kirchlichen Konzert in der
Lud=
wigskirche eröffnet. Aus dem von dem
geſchäftsführen=
den Vorſitzenden, Direktor Liz. Everling, verfaßten
Jahresbericht ſeien folgende allgemein
intereſſie=
rende Angaben entnommen: Der Bund umfaßt zurzeit
in 3009 Vereinen rund 486000 Mitglieder. Für
Unter=
ſtützungen an bedrängte evangeliſche Anſtalten und
Ge=
meinden, für Diakoniſſenhäuſer und Waiſenanſtalten in
der Diaſpora uſw. wurden im abgelaufenen Jahre
be=
ſonders in der deutſchen Oſt und Weſtmark, ſowie in
Oeſterreich rund 19700 Mark aufgewendet. Außerdem
wurde, um die Förderung der evangeliſchen Bewegung
in Oeſterreich zu unterſtützen, eine D. Friedrich Meyer=
Stiftung begründet, für welche auch die auf der
Saar=
brücker Tagung aufzubringende Ehrengabe beſtimmt iſt.
Der Bericht betont weiter, daß der Bund in zahlreichen
Schriften und Verſammlungen Stellung zu der brennend
gewordenen Frage der Aufhebung des Jeſuitengeſetzes
genommen und ſich gegen eine ſolche Aufhebung oder
auch nur eine Abbröckelung des Jeſuitengeſetzes
ausge=
ſprochen habe. Für das Jahr 1917 bereitet der Bund die
Sammlung einer Reformationsfeſtſpende vor, bezüglich
derer noch weitere Beſtimmungen erfolgen ſollen.
Gemeinſam mit dem Hauptausſchuß des Rheiniſchen
Hauptvereins, ſowie dem Feſtausſchuß hat der
Zentral=
vorſtand einen Aufruf erlaſſen, in dem die treue Hut der
gemeinſamen Güter des deutſchen Proteſtantismus auf
allen Gebieten unſeres Volkslebens als Grundgedanke
dargeſtellt wird. Das Thema: „Schutz der gemeinſamen
Güter des Proteſtantismus” behandelten in der heutigen
geſchloſſenen Abgeordnetenverſammlung drei Vorträge,
in denen Superintendent D. Waechtler aus Halle dieſe
Gemeinſamkeit auf religiös=ſittlichem Gebiet, Pfarrer
D. Waitz aus Darmſtadt auf kulturell=geiſtigem Gebiet,
Profeſſor v. Scholz aus Berlin auf national=politiſchem
Gebiet erörterten. Die Vorträge wurden mit großem
Beifall aufgenommen. Unter lebhafter, einmütiger
Zu=
ſtimmung faßte Direktor Everling das Reſultat dahin
zuſammen, daß die Entwickelung von 25 Jahren das
Bundesprogramm gerechtfertigt habe: Es gibt heilige
und hohe gemeinſame Güter des Proteſtantismus, der
der machtvolle Bahnbrecher einer unerſetzlichen
Geiſtes=
kultur wider Ultramontanismus und materialiſtiſchem
Monismus, der Träger der evangeliſchen Lebenswerte
und der Gewiſſensfreiheit, ſowie der Hüter des
nationa=
len, ſouveränen Staates als ſittliche Größe iſt. Die
Kund=
gebung, in der das Ergebnis der Verſammlung
zuſam=
mengefaßt wird, ſchließt mit dem Satz: Zum Hort dieſer
gemeinſamen Güter wurde der Evangeliſche Bund
ge=
gründet und wird er — das ſei unſer Gelöbnis — auch
in den kommenden Zeiten ſich ſtets treu und tatkräftig
be=
währen. Die Verſammlung ſtimmte dieſen Worten mit
ſtürmiſchem Beifall zu.
* Saarbrücken, 5. Okt. Unter großer
Beteilig=
ung nimmt die 25. Generalverſammlung des
Evangeliſchen Bundes ihren Verlauf. Unter den
zahlreichen Begrüßungen ſind die des
Oberbürger=
meiſters Mangold, namens der Stadt Saarbrücken, ſowie
des Konſiſtoriums und der Provinzialſynode der
Rhein=
provinz hervorzuheben. In ſeinem Jahresbericht teilte der
Geſchäftsführende, Bundesdirektor Everling, mit, daß der
Evangeliſche Bund in ſeinen letzten 6 Jahren eine
Zu=
nahme von rund 160000 Mitglieder erſahren habe und
zurzeit 465753 Mitglieder zählt, die in 40 Hauptvereinen
und 3209 Zweigvereinen organiſiert ſind, ſeine
Geſchäfts=
ſtelle iſt ſeit 1. Oktober dieſes Jahres von Halle nach
Ber=
lin verlegt.
In der geſchloſſenen
Mitgliederver=
verſammlung wurde nach einem eingehenden, mit
großem Beifall aufgenommenen Vortrag des
Reichstags=
abgeordneten Dr. Ortmann aus Torgau, zur geſetzlichen
Regelung der Jeſuitenfrage und zur
Ab=
wehr des Jeſuitismus einſtimmig folgende
Kund=
gebung angenommen: Der evangeliſche Bund
erhebt im Namen ſeiner faſt 500000
Mitglie=
der auf ſeiner 25. Generalverſammlung
Wider=
ſpruch wider die beim Bundesrat und Reichstag
einge=
brachten Anträge auf Abſchwächung und Aufhebung des
Reichsjeſuitengeſetzes. Dieſes durch den großen Kanzler
des großen Kaiſers in nationaler Notwehr und zum
ſtaat=
lichen Selbſtſchutz geſchaffene Geſetz, iſt nach dem Urteil
der Geſchichte über den Jeſuitenorden, der ſich ſeiner
un=
veränderlichen, internationalen Grundſätze und
Grund=
lagen rühmt, auch heute noch eine nationale und ſtaatliche
Notwendigkeit. Durch eine ungehemmte und
unkontrol=
lierbare, unter dem religiöſen Schutz priviligierte
Beweg=
ungsfreiheit der Jeſuiten würde unſer, von innerem Streik
ſchon übermäßig belaſtetes Vaterland mit neuen heftigen
Machtkämpfen um die politiſche Vorherrſchaft des
Ultra=
montanen Klerikalismus und mit ſchweren Störungen
des konfeſſionellen Friedens erfüllt werden. In
Ueberein=
ſtimmung mit der großen Mehrheit der reichstreuen,
nicht ultramontan gerichteten Bevölkerung fordert deshalb
der Evangeliſche Bund mit aller Entſchiedenheit, daß
weder eine dem Rechtsempfinden widerſprechende
Ausleg=
ung verſucht, noch eine Aufhebung des Geſetzes beſchloſſen
werde, daß vielmehr das Geſetz aufrechterhalten und ſein
Vollzug ſicher geſtellt werde.
* Krefeld, 4. Okt. Auf dem unter Beteiligung von
über 500 Schulmännern begonnenen 12. Deutſchen
Fortbildungsſchultag hielt der Vorſitzende des
Jung=Deutſchland=Bundes, Generalfeldmarſchall Freiherr
von der Goltz, einen Vortrag, in dem er als erſte und
all=
gemeine Forderung die Pflichtfortbildungsſchule erklärte,
und zwar für die männliche ebenſo wie für die weibliche
Jugend, und mindeſtens eine zweiſtündige Uebung
wöchentlich im Turnen und Wandern als unerläßlich
be=
zeichnete. Er ſagte, die Geſchichte lehrt uns, daß unſer
Vaterland den ungeheuren Aufſchwung, den es in den
letzten 40 Jahren genommen, nicht ohne Kampf behaupten
kann. Der wird einmal kommen, trotz allen Dämmen
und Abwehrmaßregeln.
Luftfahrt.
* Hannover, 4. Okt. Der Pilot Birkmayer,
der von der Vahrenwalder Heide Flüge unternommen
hatte, und mit ſeinem Eindecker abgeſtürzt war, iſt nach
ſeiner Einlieferung im Krankenhaus geſtorben.
* Hannover 5. Okt. Die Fliegeroffiziere
Leut=
nant Karſten und Oberleutnant Niemüller die
geſtern mittag von Döberitz kommend, mit ihrer Rumpler=
Taube in der Vahrenwalder Heide landeten, ſind heute
mittag wieder aufgeſtiegen.
Flugplatz Johannisthal, 5. Okt. Bei den
heutigen Flugkonkurrenzen bei prächtigſtem
Herbſt=
wetter waren zeitweiſe 15 Flugzeuge gleichzeitig in der
Luft. Im Höhenwettbewerb erreichte Fokker auf ſeinem
Eindecker eigener Konſtruktion ohne Paſſagier 3095 Meter,
* Johannisthal, 6. Okt. Der Aviatiker Ernſt
Alig, der ſpät nachmittags mit einem Monteur als
Paſſagier auf einem Kühlſteineindecker aufgeſtiegen war,
iſt in der Nähe der Ballonhalle aus 200 Meter Höhe
infolge Flügelbruchs abgeſtürzt. Beide Flieger
ſind tot. Bei etwa 150 Meter flog einer der Flieger
aus dem Flugzeug in weitem Bogen heraus.
Schiffsunglück auf der Unterelbe.
* Hamburg, 5. Okt. In der letzten Nacht wurde
die Hälfte eines von Flensburg angekommenen
Schwimmdocks elbaufwärts geſchleppt und dabei
vom Strome etwas ſeitwärts getrieben. Von den
ent=
gegenkommenden Hamburger Dampfern Vandalia und
Graecia rannte die Vandalia gegen das Schwimmdock und
ſank ſofort. Die Graecia kollidierte wiederum mit
der Vandalia und wurde ſo ſchwer beſchädigt, daß ſie in
ſinkendem Zuſtande nach der Ringplatte geſchleppt werdin
mußte. Es wird befürchtet, daß das Schiff in der Miich
durchgebrochen iſt.
* Hamburg, 5. Okt. Die Hamburg=Amerikalj
gibt über das Schiffsunglück auf der Unterelbe folgeier
Kommuniqué aus: Der Dampfer „Vandalia”ng
Hamburg=Amerikalinie kollidierte in vergat d=
Nacht elbabwärts gehend in der Höhe von Kautſan
einer von holländiſchen Schlevpern elbaufwärts geſef
Ii
Seite 6.
Darmſtädter Tagbkatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
ten, in Flensburg für die Reiherſtiegwerft erbauten
Dock=
ſektion. Die „Vandalia” wurde ſchwer beſchädigt und
ſank etwa in der Mitte des Fahrwaſſers auf 14 Meter
Waſſertiefe bei Niedrigwaſſer, ſo daß nur der Maſt und
die Schornſteine aus dem Waſſer ragen. Alsbald nach
dem Unfall paſſierte der Dampfer „Graccia” der
Ham=
burg=Amerikalinie ebenſalls elbabwärtsgehend die
Un=
fallſtelle und beſchädigte ſich am Boden derart, daß das
Schiff, deſſen Pick und Raum I voll Waſſer iſt, aufs
Land geſetzt werden mußte. Taucher nebſt
Pump=
dampfern und Leichtern der Hamburg=Amerikalinie ſind
an der Unfallſtelle, um die „Graecia” zu leichtern und
abzudichten. Dampfer „Graecia” hatte 20 Paſſagiere an
Bord, die mit dem Dampfer „Stade” der Hamburg=
Amerikalinie nach Hamburg zurückgekehrt ſind. Die
Mann=
ſchaft der „Vandalia” iſt mit einem Stader Dampfer von
Kautſand nach Hamburg unterwegs.
* Hamburg, 5. Okt. Von der Mannſchaft der
„Vandalia” werden zwei Perſonen vermißt, und
zwar der Koch Friedrich Wagner und der Küper Hugo
Schramm. Die beiden befanden ſich im Augenblick des
Unfalls in der Koje und dürften ertrunken ſeln. Das
Schwimmdock iſt mit nicht allzu erheblichen Schädlgungen
heute im Laufe des Vormittags nach Hamburg
einge=
ſchleppt worden; es hat ſoweit bisher ermittelt werden
konnte, nur an der weſtwärts liegenden Ecke Verletzungen
und Leckagen erlitten. Ueber die Urſache der Kataſtrophe
liegen immer noch keine offiziellen Angaben vor.
Hamburg, 5. Okt. Die beiden holländiſchen
Schlepper „Donau” und „Schelde”, die das von
Flens=
burg nach Hamburg beſtimmte Dock ſchleppten, das in
der Nacht mit dem Hapag=Dampfer „Vandalia” kollidierte
wurden auf Veranlaſſung der Hamburg=Amerika=Linie
beſchlagnahmt. Die „Graecia” ſoll nach erfolgter
Dichtung des Lecks am Sonntag nach Hamburg gebracht
werden.
Großherzogliches Hoftheater.
Samstag, 5. Oktober.
„Wilhelm Tell”.
W.l. Wohl in der Vorahnung, daß die Tell=
Aufführ=
ung als Volksporſtellung wiederholt werden wird, war
die heutige Vorſtellung ſchwächer beſucht. Zahlreich
ver=
treten war die weibliche Jugend. Die Titelrolle hat in
Herrn Baumeiſter einen talentvollen und berufenen
Vertreter gefunden, deſſen intelligente Darſtellung, die ſich
frei hält von allem falſchen Pathos und deklamatoriſcher
Sentimentalität, wiederholt nach Gebühr gewürdigt
wor=
den iſt. Die Rolle des Landvogts Geßler ſpielte zum erſten
Male Herr Weſtermann, der in der Auffaſſung von
ſeinn Vorgängern inſoſern abwich, als er ihn nicht als
einen kalt berechnenden Böſewicht, ſondern als einen
Wüterich darſtellte, Zu der früheren Auffaſſung der Rolle
hat wohl unwillkürlich der Umſtand beigetragen, daß ſie
von den im ſogen. Charakterfach wurzelnden Darſtellern
geſpielt wurde. Herr Weſtermann hat wieder daran
er=
innert, daß jene frühere Auffaſſung der des Dichters
nicht entſpricht, der ihn unzweideutig als einen
wüten=
den Tyrannen gekennzeichnet hat. Außer dieſer neu
ge=
prägten Geßler=Geſtalt, die wir Herrn Weſtermann
ver=
danken, war der temperamentvolle Melchtal des Herrn
Ehrle als Neuerſcheinung in dem Enſemble von
Inter=
iſſe. Auch Herr Ehrle hält ſich nicht an Schablonen und
Traditionen, er iſt ein ſelbſtändig denkender und
ſchaffen=
an Künſtler. Die Art und Weiſe, wie er die Behandlung
a Schillerſchen Verſe dem Zweck ſeiner Darſtellung
an=
gaſſen wußte, legt Zeugnis ab von einer bedeutenden
ſichlichen und ſchauſpieleriſchen Technik.
N
Von den übrigen mehr als fünfzig Rollen des Stückes
ſeien wiederholt der Stauffacher des Herrn Heinz, der
Attinghauſen des Herrn Knispel, der Walter Fürſt des
Herrn Riechmann und der Ulrich des Herrn
Schnei=
der lobend erwähnt. Vergeſſen ſei auch nicht der
präch=
tige Jung=Tell von Hedwig Jungkurth. Eine
ent=
ſprechende Beſetzung hatten ferner die Rollen der Gertrud,
der Hedwig und der Berta durch die Damen Alſen,
Heumann und Uttmann erhalten. Den Johannes
Parricida ſpielte Herr Hacker mit gewohntem
Tem=
perament.
Die Rütli=Szene ſtellt den Bühnen ein ſchwer
lös=
bares Problem. Hier müßte jede kleine Rolle durch erſte
Schauſpieler, oder wenigſtens durch gute Sprecher beſetzt
ſein, was bei dem rieſigen Aufwand von Perſonen ſchwer
zu ermöglichen iſt. In der ernſten, feierlich=pathetiſchen
Szene durchbricht eine unzweckmäßige Beſetzung einer
kleinen Rolle oder eine ſprachtechniſche Inkorrektheit eines
Sprechers ſchon die Stimmung. Rechnet man dazu das
von Schiller vorgeſchriebene, auf der Bühne einheitlich
ſehr ſchwer abzuſtimmende Uniſono der Eidgenoſſen an
den feierlichſten Stellen, ſo muß man zugeben, daß die
Rütli=Szene der Regie eine Aufgabe ſtellt, die zu den am
ſchwerſten zu löſenden gehört.
Am Sonntag ging Richard Wagners „Fliegender
Holländer” mit gewohntem Erfolge in Szene. Die
Beſetzung war mit Ausnahme der Partie des
Steuer=
manns, die Herr Jahn erſtmalig ſang, die bekannte, und
die Vorſtellung verlief in dem gewohnten Rahmen und
unter ſehr lebhaftem Beifall des Publikums.
Der Untergang des engliſchen Unterſeebootes.
* Southampton, 4. Okt. Der Schleppdampfer
„Ducheß of York” iſt heute nachmittag mit Paſſagieren
von dem Dampfer „Amerika” hier eingetroffen. Der
deutſche Konſul Keller in Southampton iſt dem Dampfer
„Amerika” entgegengefahren. Wie verlautet, hat er die
Ausſage des Kapitäns der „Amerika” über den Unfall
entgegengenommen. Eine amtliche Erklärung iſt ind s
noch nicht erfolgt. Der Zahlmeiſter der „Amerika”
er=
klärte, daß der Zuſammenſtoß auf der Höhe
von Dover um 6,15 Uhr früh bei ganz klarem Wetter
erfolgte. Infolge der frühen Stunde waren nur wenige
Paſſagiere an Deck. Das Unterſeeboot kreuzte den
Bug der „Amerika” etwa in einer Entfernung von 60 Fuß.
Nur der Turm des Anterſeebootes ragte aus dem Waſſer
heraus. Das Unterſeeboot fuhr mit einer
Geſchwindig=
keit von 8 bis 10 Knoten, während die „Amerika” mit
etwa 17 Knoten lief. B 2 wurde von der Kommandobrücke
zu ſpät bemerkt, um den Zuſammenſtoß zu verhindern,
und obwohl der Befehl „mit Volldampf
rück=
wärts” gegeben wurde, war es nicht mehr möglich, die
„Amerika” zum Halten zu bringen. Sie fuhr mitten in
das Unterſeeboot hinein, das wie ein Stein ſank. Das
plötzliche Rückwärtsarbeiten der Maſchinen und die
Ge=
walt des Stoßes ließ die „Amerika” vom Bug bis zum
Heck erzittern, ſodaß die ſchlafenden Paſſagiere erwachten.
Die „Amerika” ließ zwei Rettungsboote herab, die
die Unfallſtello über eine Stunde abſuchten, ohne jedoch
eine Spur von dem geſunkenen Unterſceboot zu finden.
Mehrere von den nachmittags in Sonthampton gelandeten
Paſſagieren erklärten, daß ſie nichts über den
Zuſammen=
ſtoß ausſagen könnten.
* London, 4. Okt. Nachdem die Lage des
Torpedo=
bootes „B 2‟ feſtgeſtellt worden iſt, werden heute
nach=
mittag Taucher ihre Arbeit beginnen. Vertreter der
Marinebehörden begaben ſich nach der Unfallſtelle. Der
König hat den Hinterbliebenen der verunglückten Seeleute
telegraphiſch ſein Beileid ausgedrückt.
Die Lage auf dem Balkan.
Die Türkei.
* Konſtantinopel, 4. Okt. Während der
geſtri=
gen Demonſtrationen vor dem Palaſt des Sultans äußerte
ſich der Sultan, nachdem er eine patriotiſche Anſprache
an=
gehört hatte: Ich bin zufrieden, den Patriotismus der
Kinder des Vaterlandes zu ſehen. Das Ottomanentum
wird niemals vernichtet werden. — Gelegentlich des
geſtrigen Empfanges der Miniſter aus Anlaß ſeines
Ge=
burtstages äußerte der Sultan: Ich würdige den Ernſt der
Situation und hoffe, daß Ihr die Rechte und die Würde
des Reiches ſorgſam hüten und verteidigen werdet. Ich
habe das Vertrauen, daß unſere Armee ihre Pflicht tun
wird. Mit Gottes Hilfe und Dank der zu ergreifenden
Maßnahmen werden alle Schwierigkeiten überwunden
werden. — Die Begeiſterung der Muſelmanen für den
Krieg iſt ſtändig im Wachſen begriffen. Gruppen mit
Fahnen durchziehen die Straßen. Die Manifeſtanten
er=
gehen ſich in ſeindſeligen Kundgebungen gegen die
Bal=
kanſtaaten, beſonders gegen Bulgarien und Griechenland.
In Stambul fanden große Verſammlungen ſtatt, die von
der Partei der Entente Liberale veranſtaltet wurden. Es
ſprachen mehrere albaniſche und ein griechiſcher Redner.
Die Demonſtranten zogen ſodann zu den
Regierungsge=
bäuden und vor den Palaſt des Sultans. Die Preſſe führt
eine überaus kriegriſche Sprache. Der Tanin ſagt, man
dürfe nicht den Angriff Bulgariens abwarten, ſondern
müſſe Garantien dafür verlangen, daß Bulgarien ruhig
bleibe, widrigenfalls man die Grenze überſchreiten müſſe.
* Konſtantinopel, 5. Okt. Die Lage iſt
un=
verändert. Die Botſchafter Rußlands und
Frank=
reichs ſprachen beim Miniſter Noradunghian vor, der
darauf mit Kiamil Paſcha eine Unterredung hatte. Die
Diplomaten der Balkanländer erklären fortgeſetzt, daß kein
Schritt den Krieg verhindern könne. Sie würden alle
gleichzeitig Konſtantinopel verlaſſen, wüßten
aber noch nicht, wann. In der Verſammlung der Entente
Liberale wurde eine Reſolution angenommen, welche die
Regierung auffordert, den Vorſchlag einer Konſerenz nicht
anzunehmen, ſondern den Krieg zu erklären. Die
Reſo=
lution wurde in die Provinzen telegraphiert und auch dem
Sultan vorgelegt. Eine Verſammlung des jungtürkiſchen
Komitees, an der über 20000 Menſchen teilnahmen, nahm
eine Reſolution an, die der Regierung Unterſtützung
ver=
ſpricht, wenn ſie ihre Pflicht tue.
* Konſtantinopel, 5. Okt. Sowohl die
Stim=
mung in der ganzen Preſſe wie auch in der Bevölkerung
wird immer kriegeriſcher. Letztere glaubt, ſich von
den kleinen Balkanvölkern nichts mehr vorſchreiben laſſen
zu ſollen. Selbſt die Albaneſen wollen gern ihr Leben
einſetzen. Albaneſen im Alter von 15 bis 57 Jahren
mel=
den ſich zum Eintritt in die Armee, um am Kriege
teilzu=
nehmen.
Die Balkanſtaaten.
— Sofia, 4. Okt. Einzelne Geſandte der
Großmächte haben in den letzten Tagen der
bulgari=
ſchen Regierung Ratſchläge erteilt, die Ereigniſſe
nicht zu ſehr zu überſtürzen, ſondern den Großmächten
zur Intervention zwecks Vermeidung des Krieges Zeit zu
laſſen. Bulgarien könne die Ereigniſſe nicht aufhalten.
Die Ausſicht auf eine erfolgreiche Intervention beſtehe
lediglich im Druck auf die Türkei, die geforderten
Refor=
men zu bewilligen. Trotzdem erſcheint es nicht ganz
aus=
geſchloſſen, daß vor Ende der nächſten Woche weder die
Ueberreichung einer gemeinſamen Note
der vier Balkanſtaaten, die die Forderungen betr. die
Re=
formen in Mazedonien enthält, noch ſonſtige entſcheidende
Schritte erfolgen.
Sofia, 5. Okt. Im heutigen Miniſterrat
wurde von höchſt einflußreicher Seite zur Ruhe
ge=
mahnt, um Bulgariens Rückſichtnahme auf die
Frie=
densbeſtrebungen der Großmächte zu beweiſen. Bei der
Reſorm für Mazedonien, an der unbedingt feſtgehalten
werden ſoll, und für die man von den Großmächten
Ga=
rantien erwartet, ſoll das Wort „Autonomie” fallen,
da=
gegen bleibt die Forderung eines chriſtlichen Statthalters
beſtehen.
* Sofia, 5. Okt. Am heutigen Tage der
Unab=
hängigkeitserklärung Bulgariens trat die Sobranje
zu einer außerordentlichen Sitzung zuſammen. Der König
eröffnete die Sitzung mit einer Thronrede, in der
er ausführte: Die allgemeine Mobiliſation in unſerem
Lande hat die Verkſndigung des Belagerungszuſtandes
im ganzen Königreich notwendig gemacht. Gemäß
Arti=
kel 73 der Verfaſſung ſind Sie zuſammenberufen worden,
um dem Erlaß über die Erklärung des
Belagerungszu=
ſtandes Ihre Zuſtimmung zu erteilen und ebenſo die
ge=
ſetzlichen Maßnahmen anzunehmen, die durch die ſchwere
Zeit bedingt werden, die unſer Land durchzumachen hat.
In der Ueberzeugung, daß Sie in richtiger Schätzung der
höchſten Intereſſen des bulgariſchen Staates Ihre Pflicht
erfüllen werden, erflehe ich Gottes Segen für Ihre
Ar=
beiten.
* Sofia, 5. Okt. Obwohl der genque Zeitpunkt der
Eröffnung der Sobranje nicht bekannt war, und
Regenweter herrſchte, hatte ſich eine dichte Menſchenmenge
in der vom königlichen Palais zum Kammergebäude
füh=
renden Straße angeſammelt. König Ferdinand, der im
Automobil fuhr, wurde auf dem ganzen Wege lebhaft
be=
grüßt. Ebenſo wurden ihm beim Betreten und Verlaſſen
des Sitzungsſaales von den Abgeordneten und dem die
Logen und Galerien füllenden Publikum begeiſterte
Ova=
tionen dargebracht. Die Eröffnung, der auch die
moham=
medaniſchen Abgeordneten beiwohnten, ging ohne das
übliche Zeremoniell vor ſich. Die Regierung brachte in
der Sobramje Geſetzentwürfe ein betr. die Eröffnung eines
außerordentlichen Kredites von 50 Millionen Leis für
Heeresbedürfniſſe, eines Kredites von 22 260000 Leis zur
Deckung der außerordentlichen Ausgaben des Jahres 1912
und eines Ergänzungskredits von 3371000 Leis zum
ordentlichen Budget 1912. Die Kredite werden ohne
vor=
heriges Viſum des Rechnungshofes und des
Finanz=
miniſteriums verausgabt werden. Das Finanzminiſterium
wird die Ordnungsmäßigkeit der Ausgaben nachträglich
verifizieren.
* Belgrad, 5. Okt. Der ruſſiſche Geſandte
Hartwig wurde geſtern vom Könige in längerer
Pri=
vatandienz empfangen. In Gemeinſchaft mit den übrigen
Entente=Mächten erſtrebt Rußland eine Lokaliſation des
Balkankrieges. Miniſterpräſident Paſchitſch ſprach geſtern
abend im Klub mit den Regierungs=Abgeordneten über
die Situation. Gleichzeitig wurde die Wiederaufnahme
aller radikalen Diſſidenten einſtimmia beſchloſſen. Die
Mobiliſation iſt beinahe komplett. Die
Kriegsbegeiſter=
ung hält an. — Ein penſionierter Major beging
Selbſt=
mord, weil er infolge ſeines Alters ſich an dem
eventuel=
len Kriege nicht beteiligen konnte.
* Belgrad, 5. Okt. Der deutſche und der
öſterreichiſche Geſandte äußerten ſich gegenüber
Zeitungsberichterſtattern, daß die Situation heute
günſtiger ſei und daß die Diplomatie an der
Erhalt=
ung des Friedens energiſch arbeite, ſo daß man hoffe, daß
die Verwickelung friedlich gelöſt werden wird.
* Belgrad, 5. Okt. König Peter eröffnete
heute vormittag die außerordentliche Seſſion der
Skupſchtina mit einer Thronrede in der es
heißt: Die unerträgliche Lage unſerer Stammesgenoſſen
im ottomaniſchen Kaiſerreiche bereitete Serbien ſtets große
Sorge. Trotz der ſtets lauter werdenden Hilferufe unſerer
bedrohten Brüder, denen eine gänzliche Ausrottung droht,
mußten wir die mächtigſten, einmütigen Gefühle des
gan=
zen Volkes um des Friedens im europäiſchen Oſten willen
unterdrücken. Bei dieſer korrekten Haltung konnte
Ser=
bien mit Recht und Grund erwarten, daß man im
otto=
maniſchen Kaiſerreiche an die Einführung von Reformen
ſchreiten und unſerem blutsverwandten Volke ein
fried=
liches Leben und Entwicklung ſichern werde. Hierdurch
ſeien auch die Hinderniſſe für eine friedliche Entwicklung
und den Fortſchritt Serbiens beſeitigt worden. Es blieb
nicht nur dabei, — auch die hohe Aufmerkſamkeit der
Groß=
mächte — ich konſtatiere dies mit Befriedigung und tiefer
Dankbarkeit — wendete ſich mit freundſchaftlichem Rate
nach Konſtantinopel wegen der Bedrängnis, die wie die
übrigen Chriſten auch unſer chriſtlicher Volksſtamm in der
Türkei erleidet. Bedauerlicher Weiſe nützte all dies nichts=
Statt mit den erwarteten Reformen wurden wir vor
einigen Tagen durch die Mobiliſierung der
tür=
kiſchen Armee an der Grenze überraſcht. Auf dieſen
Akt, wodurch unſere Sicherheit bedroht iſt, hatte Serbien
nur eine Antwort: Mit dem Ukas vom 30. September
wurde die Armee mobiliſiert. Unſere Lage iſt
be=
ſtimmt und klar. Wir haben die Pflicht, Maßnahmen
für unſere Sicherheit zu ergreifen und im Einvernehmen
nit den anderen chriſtlichen Balkanſtaaten alles zu tun,
was an uns liegt, damit die wahren Bedingungen für
einen wirklichen Frieden auf dem Balkan geſichert werben.
Die Thronrede, deren Verleſung ſämtliche
Abgeord=
nete, das ganze diplomatiſche Korps, die ſerbiſchen
Staats=
würdenträger und ein zahlreiches Publikum beiwohnten,
wurden von den Anweſenden mit ſtürmiſchem Beifall und
dem Rufe: „Hoch König Peter, hoch der chriſtliche
Balkan=
bund” aufgenommen.
* Wien, 5. Okt. Auswärtige diplomatiſche Kreiſe
geben bekannt, daß Rumänien ebenfalls drei
Armee=
korps mobiliſiere, die jedoch nur zum Schutze der
Landesgrenze und zur Unterſtützung Oeſterreich=Ungarns
gegebenenfalls funktionieren werden. Oeſterreich=Ungarn,
das eine abwartende Haltung einnimmt, hat ſeine drei
ſüdöſtlichen Korps auf volle Kriegsbereitſchaft geſtellt und
bereitet ſich vor, noch zwei weitere Korps auf den
Kriegs=
zuſtand zu bringen, um in dem Augenblick einzugreifeu,
wo der Sandſchak von Bulgarien oder Serbien beſetzt
werden ſollte.
Saſonow über die Lage.
* Paris, 5. Okt. Ueber die Balkankriſe gab
der ruſſiſche Miniſter des Aeußern Saſonow einem
Re=
dakteur des Famps gegenüber folgende Erklärung ab:
Ich will keine Vorausſage machen, aber ich kann ſagen, daß
wir uns bereits heute einem Reſultat gegenüber
be=
finden, dem Reſultat nämlich, daß ſich Europa in den
letzten drei Tagen wieder gefunden hat. Mau hat
ge=
fragt, wo iſt Enropa? Nun, Europa befindet ſich in der
redlichen Bemühung welche gegenwärtig unter
Mitwir=
kung aller Mächte erfolgt. Selbſt den Fall angenommen,
daß dieſe Bemühung nicht genügt, um den Krieg zu
ver=
hindern, ſo hat ſie doch wenigſtens die Feſtſtellung
geſtat=
tet, daß derſelbe Gedanke, ja das Gefühl derſelben Pflicht,
die Staatskanzleien leiten kann. Der Friede E uropas
findet in dieſer Gemeinſamkeit eine ſtarke Bürgſchaft. Ueber
die Gefahren einer Balkankriſis kann und will ich nichts
ſagen. Das iſt eine Sache, die ſich unglücklicherweiſe
jedem Voxausblick entzieht und betreffs welcher die
äußerſte Zurückhaltung geboten iſt. Die Formel, die als
Grundlage einer gemeinſamen Aktion der
Zuſtim=
mung der Mächte unterbreitet wurde, bietet das größte
Maß von Beſtimmtheit, das in einer notgedrungen
all=
gemeinen Faſſung erreicht werden konnte. Alle
weſent=
lichen Worte ſind darin enthalten) Es handelt ſich nicht
nur um ein bloßes Verſprechen der Reformen, ſondern
um eine Verwirklichung dieſer Reformen und um praktiſche
Mittel, dieſelben zu gutem Ende zu führen. Da die
Bal=
kanſtaaten beteuern, daß ſie keine Gebietsvorteile
anſtre=
ben, ſo müſſen ſie ſich logiſcher Weiſe für befriedigt
er=
klären. — Heute vormittag haben Miniſterpräſident
Poin=
caré und ich nach einem neuen, aber vielleicht nützlichen
Vorgehen die Geſandten Bulgariens, Serbiens und
Grie=
chenlands ſolidariſch empfangen. Wir haben ihnen
for=
mell unſere Geſichtspunkte dargelegt. Ich weiß nicht, welche
Form die Aktion der Mächte haben wird Was uns
an=
langt, ſo ſind wir bereit, die zwei möglichen Methoden
anzunehmen: Entweder gemeinſame Aktion oder eine
Aktion Rußlands und Oeſterreich=Ungarns im Namen der
Großmächte. Wir haben keine Hintergedanken und ſind
überzeugt, daß dies auch bei den anderen Mächten der
Fall iſt. Die Aufnahme, die der Vorſchlag in den
ver=
ſchiedenen Hauptſtädten gefunden hat, beweiſt dies. Ich
freue mich, daß meine ſeit langem geplante Reiſe mit
die=
ſer Kriſe zuſammenfällt. Dank meinem unmittelbaren
und harzlichen Zrſammenarbeiten mit Herrn Poincaré
haben wir mehrere Tage gewinnen können. Ich faſſe
meine Anſichten dahin zuſammen, daß, welche Gefahren
immer der Balkan morgen bringen kann, ſchon jetzt zutage
tritt, daß die franzöſiſcheruſſiſche Allianz und
die Triple=Entente vollſtändig bereit ſind, die
Friedensrolle zu erfüllen, für welche ſie geſchaffen
wurden und daß der in den gegenwärtigen Umſtänden von
dem gleichen Geiſte beſeelte Dreibund uns zur
Er=
reichung des gemeinſamen Zieles ſeinen nützlichen
Bei=
ſtand gewährt.
Die anderen Mächte.
* Paris, 5. Okt. Zur Balkankriſe wird betreffs
des gegenwärtigen Standes der Beſprechungen offiziös
mitgeteilt: Der franzöſiſche Botſchafter in London Paul
Cambon hat, da Sir Edward Grey abweſend iſt, den
Vor=
ſchlag Poincarés Sir Artur Nicolſon übermittelt. Wie
der Botſchafter dem Miniſterpräſidenten Poincaré
tele=
graphierte, iſt England einer gemeinſamen
Aktion günſtig. Es zieht vor, daß dieſe Aktion in
Kon=
ſtantinopel von allen Großmächten ſolidariſch, in
den Hauptſtädten der Balkanſtaaten jedoch von Oeſterreich
und Rußland unternommen werde. Was Deutſchland
anlange, ſo babe Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter
Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Seite 7.
geſtern den franzöſiſchen Botſchafter Jules Cambon
emp=
fangen und weder dem Weſen noch der Form nach gegen
den Vorſchlag Poincarés Einwendungen erhoben, aber
erklärt, daß mit Rückſicht auf die Wichtigkeit der Frage er
dem Kaiſer Vortrag erſtatten müſſe, deſſen Antwort
heute erwartet wird. Kiderlen=Wächter habe übrigens
aus ſeiner Ueberzeugung, daß dieſe Antwort eine
gün=
ſtige ſein werde, kein Hehl gemacht. Die Antwort
Oeſterreich=Ungarns iſt noch nicht eingetroffen,
doch hat Miniſterpräſident Poincaré in ſeiner geſtrigen
Unterredung mit dem öſterreichiſch=ungariſchen
Geſchäfts=
träger Graſen Somſſich den Eindruck empfangen, daß die
diesbezüglichen Anſchauungen der öſterreichiſch=
ungari=
ſchen Diplomatie in ihrer Geſamtheit mit denen
Frank=
reichs und Rußlands im Einklang ſtehen.
* Wien, 5. Okt. Der franzöſiſche Botſchafter
Du=
maine überreichte dem Grafen Berchtold den von der
franzöſiſchen Preſſe bereits angekündigten Vorſchlag der
franzöſiſchen Regierung. Nach einer Mitteilung von
zu=
ſtändiger Stelle zielt der Vorſchlag darauf hin, den
Aus=
bruch des Krieges zu verhindern und den
Status quo auf dem Balkan zu erhalten. Der Vorſchlag
findet hier eine günſtige Beurteilung, wird ſofort geprüft
und in kürzeſter Friſt beantwortet.
* London, 5. Okt. Premierminiſter Asquith
erklärte in einer Rede, die er in Ladybank hielt, ſeit langem
bot der internationale Horizont keinen ſo drohenden
An=
blick. Dennoch habe er nicht alle Hoffnung verloren, daß
die furchtbare Kriegsgefahr im nahen Oſten vermieden
werde. Die Großmächte arbeiteten alleſamt in
ſorg=
ſamem loyalem Zuſammenwirken für die
Er=
haltung des Friedens. Mehr könnte er im Augenblick nicht
ſagen, als daß alles, was man tun könne, getan worden
ſei, um das faſt unermeßliche Unglück zu verhüten.
Letzte Nachrichten.
* Berlin, 6. Okt. Die „Norddeutſche Allgem.
Zeitung” ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau: Die ruhigere
Auffaſſung, wonach die Mobiliſierungen auf
dem Balkan nicht unmittelbar den Ausbruch des
Krieges bedeuten, behielt vorläufig recht. Ob Ausſicht
vorhanden iſt, daß es gelingen könnte, den Krieg ganz
zu verhüten, laſſen wir dahingeſtellt. Nachdem aber
ernſtliche Verhandlungen der Mächte darüber im Gange
ſind, einen eventuellen Krieg zu lokaliſieren, ſo iſt
Deutſch=
land an der Frage nur ſehr indirekt intereſſiert und
kann mit Ruhe die gemeinſamen Entſchließungen der
beiden nächſtbeteiligten Mächte, Oeſterreich=Ungarn und
Rußland, abwarten. Ihrem gemeinſchaftlichen Vorgehen
werden ſich die anderen Mächte zweifellos anſchließen.
* Wien, 6. Okt. Der franzöſiſche Botſchafter
Du=
maine überreichte geſtern dem Grafen Berchtold den
Vorſchlag der franzöſiſchen Regierung, welcher
die Durchführung der gemeinſamen Aktion der Mächte,
vor allem zur Verhinderung des Kriegsausbruchs und
zur Erhaltung des ſtatusquo auf der Balkanhalbinſel,
bezweckt. Die franzöſiſche Regierung gab abermals
einen Beweis ihrer friedliebenden Geſinnung, nachdem
ſie ſich ſchon ſeit dem Ausbruch der Balkankriſe in
dankenswerteſter und eifrigſter Weiſe bemüht, einer
drohenden Konflagration in jenen Gebieten vorzubeugen.
Die öſterreichiſch=ungariſche Antwort wird eheſtens und
gewiß ſo raſch erfolgen, als es im Intereſſe der
Ver=
handlungen dienlich erſcheint. — Die Antwort der
öſterreichiſch=ungariſchen Regierung auf den franzöſiſchen
Vorſchlag iſt bereits dem Botſchafter Dumaine
zuge=
gangen. Die Antwort ſoll dem Vorſchlage Poincarés
günſtig ſein.
London, 6. Okt. Das Reuter=Bureau meldet
aus Konſtantinopel: Die Regierung erhielt geſtern
abend eine Depeſche des Inhalts, daß ſich an der Grenze
von Montenegro ein ſchwerer Zwiſchenfall
er=
eignet habe. Einzelheiten fehlten.
Konſtantinopel, 6. Okt. Die Pforte
ver=
öffentlicht den Text zweier an die Mächte im Wege
der türkiſchen Botſchaften gerichteten Noten vom 2. und
4. Oktober. Die erſte legt in eingehender Weiſe dar, daß
die Mobiliſierung der Balkanſtaaten keine
Berechtigung habe, die zweite führt aus, daß, wie die
Pforte vorausgeſehen habe, das mündliche Einſchreiten
der Mächte bei den Balkanſtaaten nicht den
ge=
wünſchten Erfolg erzielt habe. Selbſt wenn der eine oder
der andere dieſer Staaten geneigt wäre, den Ratſchlägen
der Mächte zu folgen, würde er durch die Furcht, das
zwiſchen den Staaten geſchloſſene Abkommen zu verletzen,
daran gehindert werden. Andererſeits könnte die
Ueber=
reizung der Völker dieſer Länder nur durch drohende
Schritte beſänftigt werden. Dieſe Ueberreizung habe
natürlich einen Rückſchlag hervorgerufen bei der
otto=
maniſchen Bevölkerung und Armee, die bereits durch die
verbrecheriſchen und blutigen, ſeit Jahren begünſtigten
Umtriebe aus der Faſſon gebracht worden ſei. Die
ottomaniſche Regierung ſei daher bereit, die letzte
Herausforderung anzunehmen und jeden
Angriff auf die Sicherheit des Reiches zurückzuweiſen. Die
Lage ſei äußerſt ernſt. Wenn ſich die Mächte zuviel
Zeit laſſen ſollten, um ſich über die zu ergreifenden
Droh=
maßnahmen zu einigen, ſo könnten ſich die Ereigniſſe
überſtürzen und die Feindſeligkeiten beginnen, bevor es
zu einer Intervention käme. Die Türkei tue ihre Pflicht,
indem ſie noch einmal auf die Gefahren hinweiſe und
die Notwendigkeit, dieſelben unverzüglich zu bannen.
50 jährig. Jubiläum der Darmſtädter Volksbank.
St. Darmſtadt, 6. Okt.
Die Darmſtädter Volksbank feierte heute das
Jubi=
läum ihres 50jährigen Beſtehens durch einen Feſtakt
im Städt. Saalbau” dem u. a. auch die Herren
Finanz=
miniſter Braun Exzellenz, Geheimerat Dr. Beſt,
Mi=
niſterialrat Hölzinger, Kreisrat Dr. Wagner,
Re=
gierungsrat v. Werner, Rektor Magn. Prof. Wickop,
Oberlandesgerichtspräſident Kullmann
Land=
gerichtsdirektor Theobald, Bürgermeiſter Mueller
Landtagsabgeordnete Dr. Oſann und Geheimrat
Noack, viele Stadtverordnete und zahlreiche
Bankdirekto=
ren von auswärts und hier beiwohnten. Der Saalbau
war mit Girlanden und Palmen und ſonſtigem Grün
feſt=
lich und reich geſchmückt. Auf dem Podium ſtand inmitten
eines kleinen Palmenhaines die Büſte des Begründers
der Genoſſenſchaften Schultze=Delitzſch.
Der von der Kapelle des Leibgarde=Regiments Nr. 115
geſpielte Kaiſermarſch Wagners leitete die Feier
ſtim=
mungsvoll ein. Die Begrüßungsanſprache hielt
das Vorſtandsmitglied Herr Roll der im Anſchluß
daran einen kurzen Abriß der Geſchichte der Volksbank
gab und der verdienſtvollen Männer mit anerkennenden
Worten gedachte, deren Förderung die Volksbank ihre
heutige Blüte verdankt. Es waren das beſonders die
Her=
ren Ohly Bernhard, und Geminder, deren
An=
denken der Aufſichtsrat aus Anlaß des Jubiläums
da=
durch zu ehren beſchloß, daß die Büſten dieſer drei frühe
ren Direktoren, von Künſtlerhand gefertigt, im
Sitzungs=
ſaal aufgeſtellt werden ſollen.
Herr Direktor Stein hielt die Feſtrede. Er
ver=
bereitete ſich ſehr eingehend über die Entwickelung des
Ge=
noſſenſchaftsweſens überhaupt und dann über die
verſchie=
denen Formen desſelben, und endlich über die Gründung
und Entwickelung der Darmſtädter Volksbank im
beſon=
deren. Voll Dank und Anerkennung gedachte Redner der
ſegensreichen Tätigkeit der früheren und gegenwärtigen
Auf=
ſichtsratsmitglieder, der Reviſoren, der ſtaatlichen und
ſtäd=
tiſchen Behörden uſw. Er machte ferner Mitteilung von
der beſchloſſenen Jubiläumsſtiftung, über die wir bereits
Mitteilung gemacht haben. Redner ſchloß mit dem
Dich=
terwort von Julius Hammer: „Willſt Gutes du und
Schönes ſchaffen, daß lebensvoll das Leben mehre, mußt
du dich recht zuſammenraffen und darfſt nicht ſcheuen der
Arbeit Schwere!” (Lebh. Beifall.)
Herr Miniſterialrat Hölzinger
führte aus: „M. H.! Namens der Großh. Regierung ſpreche
ich der Darmſtädter Volksbank zu ihrem 50jährigen
Be=
ſtehen die beſten Glückwünſche aus. Es gereicht mir
da=
bei zur beſonderen Freude, mitteilen zu können, daß Seine
Köngl. Hoheit der Großherzog aus Anlaß dieſes
Jubiläums Allergnädigſt geruht haben, dem Direktor der
Darmſtädter Volksbank, Herrn Philipp Stein, das
Rit=
terkreuz 1. Kl. des Verdienſtordens
Phi=
lipps des Großmütigen zu verleihen. In
dieſer Auszeichnung möge Herr Direktor Stein die
An=
erkennung für ſeine über 20jährige, eifrige, ernſte und
er=
folgreiche, auch die ideale Seite des Genoſſenſchaftsweſens
nicht aus dem Auge laſſende Tätigkeit im Dienſte der
Volksbank erblicken. Sie bildet aber auch ein Zeichen der
Anerkennung für die genoſſenſchaftliche Arbeit, wie ſie
hier bei der Darmſtädter Volksbank ſeit 50 Jahren
gelei=
ſtet wurde, ſtets in ſoliden Bahnen, mit immer mehr
ſteigendem Erfolg und zum Heil und Segen namentlich
des gewerblichen Mittelſtandes. Möge es der
Darm=
ſtädter Volksbank nie an Männern von der Tüchtigkeit
fehlen, wie ſie ſolche bislang ſtets an ihrer Spitze ſehen
durfte, möge ſie ſich auf den gleichen feſten Grundſätzen
noch weiter geſund entwickeln als ein mächtiger Faktor
des geſchäftlichen Lebens in dieſer Stadt! Das ſind die
Wünſche, die ich Ihnen zum Jubiläum darbinge. Und
nun habe ich die Ehre, Herrn Direktor Stein die
Ordens=
auszeichnung zu überreichen.
Bürgermeiſter Mueller
hielt folgende Anſprache: Ich überbringe der Volksbank
die herzlichſten Glückwünſche der Stadt und der
Bürger=
ſchaft. Daß die Stadt aufrichtigen und freudigen Anteil
nimmt an der heutigen Feier, brauche ich kaum zu
ver=
ſichern. Iſt doch die Volksbank eine Einrichtung, deren
Daſeinszweck die wirtſchaftliche Förderung wichtiger
Grup=
pen unſerer heimiſchen Bevölkerung iſt, eine Aufgabe, die
die Bank in 50jähriger, vorbildlicher Tätigkeit in einer
glänzenden Weiſe erfüllt hat. Und daß ſie auch in Zukunft
dieſer ſchwierigen aber ſchönen Aufgabe gewachſen ſein
wird, dafür bürgt uns eben die 50jährige fleckenloſe
Ge=
ſchichte der Bank, die zugleich ein ehrendes Zeugnis bildet
für die Pflichttreue und den echten Bürgerſinn der
Män=
ner, die im Laufe der Zeit die Geſchicke des Inſtituts
ge=
lenkt haben. Die Geſchichte der Bank iſt übrigens auch
ein wertvolles Stück zeitgenöſſiſcher Geſchichte unſerer
Stadt. Viele Namen beſten Klanges finden wir in der
vortrefflich geſchriebenen Denkſchrift, Namen von
Män=
nern, die im öffentlichen Leben Darmſtadts eine
bedeut=
ſame Rolle geſpielt haben. Nur einen will ich
heraus=
greifen, Albrecht Ohly, den erſten Direktor der Bank nach
ihrer Neuorganiſation im Jahre 1870. Die engen
Bezie=
hungen, die Ohly auch nach ſeinem Ausſcheiden als
neu=
gewählter Bürgermeiſter mit der Bank gepflogen hat, ſind
bezeichnend für den Wert, den dieſer beſte Kenner unſerer
Stadt und ihrer wirtſchaftlichen Verhältniſſe in der
damali=
gen Zeit der Tätigkeit der Bank für Darmſtadt
beigemeſ=
ſen hat. Das allgemeine Vertrauen, das dem Inſtitute
auch über die ſchweren Kriſen in den 70er und 80er Jahren
des vergangenen und im erſten Jahrzehnt des neuen
Jahr=
hunderts hinweggeholfen hat, ein Vertrauen, das bei
den zahleichen eingehenden Reviſionen des
Genoſſenſchafts=
verbandes ſtets ſeine Rechtfertigung fand, es mußte dahin
führen, daß die Bank heute als ein in ſich
gefeſtigtes lebenskräftiges Geldinſtitut eine
Be=
deutung erlangt hat, die weit über die Grenzen
ihres engeren Wirkungskreiſes hinausgeht. Moderne
Geſchäftsgrundſätze und Gepflogenheiten herrſchen im
Betriebe, ein offener Blick und ein warmes Verſtändnis
aber auch für die Bedürfniſſe des Mittelſtandes und für
die gewerblichen und wirtſchaftlichen Fragen, die unſere
Zeit bewegen. Mit beſonderer Freude habe ich von der
Abſicht der Errichtung einer Stiftung Kenntnis
genom=
men, die hieſigen befähigten ſelbſtändigen
Bauhandwer=
kern die Möglichkeit ſchaffen will, ihre Kenntniſſe zu
för=
dern und zu erweitern.
Daß die Leiter der Bank auch beſtrebt ſind, über den
Kreis ihrer örtlichen Zuſtändigkeit hinaus auf Grund
ihrer reichen Erfahrungen und Kenntniſſe an der Löſung
ſchwieriger wirtſchaftlicher Aufgaben mitzuarbeiten, dafür
liefert die Gründung des Vereins zur Abwehr der
Schädi=
gungen der Nieder=Modauer Kriſe, an deſſen Spitze ſich
Direktor Stein geſtellt hat, einen ſchönen Beweis.
Ge=
rade dieſe — ich möchte ſagen „ideale‟ — Seite der
Tä=
tigkeit der Bank, möchte ich mit beſonderer Anerkennung
hervorheben, eine Tätigkeit, die zeigt, daß nicht der ſtarre
Geſchäftsgeiſt Alleinherrſcher iſt, der nur Zahlen kennt
und fühllos über Menſchen und Verhältniſſe
hinwegſchrei=
tet. Hier ſchlägt auch ein warmes Herz, das gewiß
nicht die kühle Berechnung des Verſtandes übertönt,
das aber allezeit Hilfsbereitſchaft auslöſt, wo es gilt
eine mannhafte Tat zu tun. Hier iſt auchHeimatliebe!
Im Aufſichtsratszimmer der Bank blicken von den
Wän=
den, von Künſtlerhand geſchaffen, die Häuſer und Türme
der Stadt und die mächtigen Bäume unſerer herrlichen
Gärten. Und, wenn die Herren hier ſitzen und in ihre
Ar=
beit vertieft ſind, dann blicken wohl auch ſie zuweilen
auf die Bilder an der Wand, und unſichtbare Fäden
ſpin=
nen ſich hinüber und herüber; — Fäden, die
unwillkür=
lich die Beſchlüſſe beſtimmen und ſie getragen ſein laſſen
von dem ſo gern befolgten Gebot: „Ueber
alles die Heimat.” So iſt die Stadt
Darmſtadt in der glücklichen Lage, auch ſich ſelbſt
zu beglückwünſchen, an dieſem bedeutungsvollen Tage
Der Volksbank aber dankt ſie herzlich für ihre Tätigkeit und
für ihre Geſinnung.
Die Stadt Darmſtadt iſt überzeugt, daß die Bank
auch fernerhin von dem guten Geiſt beſeelt ſein wird, wie
bisher und ruft Ihnen zu: „Auf gute Freundſchaft
auch in den nächſten 50 Jahren!” (Lebh. Beifall.)
Herr Direktor Dr. Crüger Charlottenburg
über=
brachte die Glückwünſche des Verbandes Deutſcher
Ge=
noſſenſchaften. Er ſprach der Darmſtädter Volksbank
hohe Anerkennung aus, ſie nehme eine ganz
hervor=
ragende Stellung im Deutſchen Genoſſenſchaftsverband
ein, für den ſie in vielen Beziehungen vorbildlich geweſen
iſt und noch iſt,
Herr Juſtizrat Alberti=Wiesbaden gratulierte im
Namen des Verbandes der Erwerbs= und
Wirtſchaftsge=
noſſenſchaften am Mittelrhein, Herr Direktor Malz=
Frankfurt für die Dresdener Bank daſelbſt, Herr
Geheime=
rat Noack im Namen des Landesgewerbevereins und
er Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe, Herr
Gewerbe=
rat Falk=Mainz namens der heſſiſchen
Handwerks=
kammer, Herr Direktor Profeſſor Meiſel namens der
Gewerbeſchule, Herr Direktor Reins namens der
Mainzer Volksbank, der Vereinsbank Worms und
Ge=
werbebank Offenbach, Herr Jacobi namens des
Orts=
gewerbevereins Darmſtadt und zum Schluß ein
Delegier=
ter der Volksbank Lorſch.
Im Namen des Aufſichtsrats ſprach Herr Juſtus
Weber allen Vorrednern den herzlichſten Dank der
Darmſtädter Volksbank aus. Ein weiteres Muſikſtück
beſchloß den Feſtakt.
Im Anſchluß daran fand um 2 Uhr ein Feſtmahl
ſtatt, dem Herr Stadtv. Wagner präſidierte. Den
erſten Trinkſpruch brachte Herr Direktor Stein aus auf
S. M. den Kaiſer und S. K. H. den Großherzog.
Finanz=
miniſter Braun Exz. toaſtete in längerer Rede über
die Bedeutung des Genoſſenſchaftsweſens auf die
Darm=
ſtädter Volksbank. Die Verdienſte des Vorſtandes und
des Aufſichtsrats würdigte in herzlich anerkennenden
Wor=
ten Juſtizrat Crüger (Charlottenburg), Rektor
Magn. Profeſſor Wickop brachte dem Gewerbeſtand
ein dreifach hoch und Bürgermeiſter Mueller würdigte
in humorgewürzter Rede die Verdienſte der
Feſtkommiſ=
ſion, die die Jubiläumsfeier ſo ſchön vorbereitet hatte.
Damit war der Reigen der Tiſchreden beendet.
Das trefflich zubereitete Mahl hielt die Teilnehmer
bis in die ſpäten Abendſtunden beiſammen. Die ganze
Jubiläumsfeier in ihrem ſchlichten aber eindrucksvollem
Rahmen war getragen von echt genoſſenſchaftlichem Geiſte.
Darmſtadt, 7. Oktober.
D Vom Hoftheater. Die heutige Erſtaufführung
von Max Dreyers. übermütigem
Junggeſellen=
ſchwank „Großmama” (25. Abonnementsvorſtellung,
Buchſtabe D 6) findet zur Feier des 50. Geburtstages
dieſes liebenswürdigen Dichters ſtatt. Das amüſante
Werk, das von Herrn Hacker in Szene geſetzt wird,
be=
ſchäftigt in den Hauptrollen die Damen Müller=Rudolph,
Utmann, Gothe, Art’l und Mühlpforth, die Herren
Jürgas, Semler, Kroczat, Knispel, Schneider, Peterſen
und Herrmann. Die Vorſtellung beginnt um 7½ Uhr.
Morgen geht unter muſikaliſcher Leitung von
Kapell=
meiſter Lert, von Oberregiſſeur Valdek ſzeniſch geleitet,
George Bizets „Carmen” zum erſtenmal in dieſer
Spielzeit in Szene. Dieſe Vorſtellung gewinnt durch
die neue Interpretin der Titelrolle Fräulein Jacobs,
die damit zum erſtenmal Gelegenheit erhält, in einer
großen Partie vor das Darmſtädter Publikum zu treten,
weſentlich an Intereſſe. In den Hauptpartien ſind ferner
beſchäftigt: Frl. Geyersbach (Micaela), Frl. Jüttner
(Frasquita) und Frl. Schaub (Mercedes), Herr Becker
(Joſé), Herr Semper (Escamillo), Herr Schützendorf
Zuniga), Herr André (Morales) und Herr Bernhardt
(Remendado). Dieſer Abend fällt im Abonnement auf
den Buchſtaben A 7. In dieſer Woche gelangen unter
anderem auch die erfolgreichen Novitäten, „Die ſchöne
Helena” und „Wenn ich König wäre” zur Wiederholung.
Am Donnerstag findet im Hoftheater die Uraufführung
der neueſten Komödie von Thaddäus Rittner ſtatt
Gleichzeitig mit dem Wiener Hofburgtheater bringt
unſere Bühne Sommer” eine der intereſſanteſten
Schöpfungen auf dem Gebiete moderner
Geſellſchafts=
ſchilderungen, die das lebhafte Intereſſe aller literatiſchen
Kreiſe in außerordentlicher Weiſe hervorgerufen hat.
B. Heppenheim, 5. Okt. Der Bierkutſcher Jakob
Mai III. von Hähnlein, der in der Böttinger’ſchen
Brauerei in Auerbach beſchäftigt iſt, erlitt heute
vormit=
tag um 11 Uhr dahier einen ſchweren Unfall. Die
Pferde des Bierwagens wurden auf der Friedrichſtraße
ſcheu, wodurch Mai vom Wagen geſchleudert wurde.
Hierbei gingen ihm die Räder über den Leib, Arm und
teilweiſe über den Kopf. Derſelbe wurde per Wagen in
ſchwerverletztem Zuſtande in ſeine Wohnung nach
Hähn=
lein verbracht.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Stuttgart, 5. Okt. Durch Königliches Dekret wurde
heute vormittag gegen 11 Uhr der Landtag in
gemein=
ſchaftlicher Sitzung beider Häuſer aufgelöſt. Der
Wahltermin für den ſneuen Landtag wurde nicht bekannt
gegeben. Bei dem vom Präſidenten der Erſten Kammer
ausgebrachten Hoch auf den König blieben die Mitglieder
der ſozialdemokratiſchen Fraktion im Saal und erhoben
ſich von ihren Sitzen.
* Hamburg, 5. Okt. Sämtliche 50 Chauffeure
der Hedag=Geſellſchaft ſind wegen Entlaſſung eines
Chauffeurs ausſtändig.
* Elbing, 5. Okt. Anläßlich des 75jährigen
Jubiläums der Firma Ferdinand Schichau
fand heute vormittag 10½ Uhr in Gegenwart von
Ver=
tretern des Reichsamts des Innern, des
Reichsmarine=
amtes, des Miniſteriums der öffentlichen Arbeiten und
des Handels ſowie der Spitzen der Militär= und
Zivil=
behörden Weſtpreußens ein feierlicher Empfang im Saale
des Verwaltungsgebäudes der Schichauwerft ſtatt. Bei
dieſem überbrachte zunächſt Miniſterialdirektor von
Jonquieres die Glückwünſche des Staatsſekretärs Delbrück
und Miniſterialdirektor Leſenski vom Handelsminiſterium
die Glückwünſche des Handelsminiſters. Letzterer gab
eine Reihe von Ordensauszeichnungen bekannt. Ferner
hielten Oberpräſident von Jagow dieſer zugleich im
Namen des Oberpräſidenten von Oſtpreußen,
Miniſterial=
direktor Wichert vom Miniſterium der öffentlichen
Arbeiten und die Vertreter der Stadt Danzig, der
tech=
niſchen Hochſchule und der Schiffsbautechniſchen
Geſell=
ſchaff Glückwunſchanſprachen. Der erſte Bürgermeiſter
von Elbing Dr. Merten überreichte eine Urkunde, die
die Ernennung des Geheimerates Dr. Zieſe zum
Ehren=
bürger der Stadt ausſpricht und verkündete
zu=
gleich, daß er ſeinen Schwiegerſohn, den Oberingenieur
Carlsſon zum Teilhaber der Danziger Werft ernannt habe.
* Trieſt, 5. Okt. Infolge der herrſchenden heftigen
Bora mußte die Küſtenſchiffahrt teilweiſe
eingeſtellt werden. Die eintreffenden Dampfer
ankern auf der Außenreede. Mehrere Fahrzeuge, die ſich
in Seenot befanden, ewurden durch Schleppdampfer in
Sicherheit gebracht. Infolge des Sturmes ereigneten ſich
zahlreiche, zum Teil ſchwere Unglücksfälle.
* Brüſſel, 5. Okt. Die deutſchen Mitglieder
der deutſch=franzöſiſchen
Grenzregulier=
ungs=Kommiſſion für die neu erworbenen
Kongo=
gebiete reiſten heute vormittag von Antwerpen auf dem
belgiſchen Dampfer „Eliſabeth Ville” ab.
* Waſhington, 5. Okt. Ueber den Kampf bei
Nicaragua, in dem 29 amerikaniſche Marineſoldaten
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
gefallen ſind und der außerordentlich blutig geweſein ſein
ſoll, wird berichtet: Der Angriff des Admirals
Southern=
land auf die Rebellen erfolgte lediglich in Ausübung
der Pflicht der amerikaniſchen Marine, die Ausländer
und deren Eigentum wirkſam zu ſchützen. Eine
Ein=
miſchung in den Kampf der Parteien bei Nicaragua
haben die Amerikaner ſtreng vermieden. Amtliche Kreiſe
berichten denn auch, daß Amerika ſich techniſch nicht im
Kriegszuſtand befindet und die Beziehungen zwiſchen
Nicaragua und Amerika vielmehr freundſchaftliche ſeien.
Tokio, 6. Okt. An Bord des jaraniſchen Kreuzers
„Mikaſa” brach am Freitag in der Nähe des
Pulver=
magazins ein Brand aus. Die Entſtehungsurſache iſt
noch unaufgeklärt. Man nimmt Brandſtiftung an. Der
mutmaßliche Täter verübte Selbſtmord.
Familiennachrichten.
— Berlin, 5. Okt. In dem Prozeß gegen den
Bank=
defraudanten Friedrich Klopſch wegen des
großen Effektendiebſtahls beim A. Schaaffhauſenſchen
Bankverein beantragte der Staatsanwalt 7 Jahre 6
Mo=
nate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverluſt. Der Gerichtshof
erkannte auf 4 Jahre Gefängnis und Verluſt der
bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer.
— Berlin, 5. Ott. Der veröffentlichte Abſchluß
der Stadthauptkaſſe Berlin für das Etatsjahr
1911 endete mit einem Ueberſchuß von 7,7 Mill. Mk.
— Bielefeld, 5. Okt. Die vor einigen Tagen im
Alter von 84 Jahren verſtorbene unverehelichte Rentnerin
Ellionore Beſſel vermachte ihr geſamtes Vermögen in
Höhe von annähernd 3 Millionen dem
Reichsinvaliden=
fonds.
Meiningen, 5. Okt. Staatsminiſter Dr. Rudolf
Freiherr von Zileff, der erſt vor kurzem ſeinen 80.
Ge=
burtstag gefeiert hatte, iſt heute morgen um ½7 Uhr hier
geſtorben.
— Fort Saith, 5. Okt. Drei Räuber hielten auf
der Kanſas City an Southern Railroad einen
Perſo=
nenzug an, drangen in den Poſtwagen, öffneten die
Geldſchränke mit Nitroglyzerin und machten reiche Beute.
Unter anderem fielen ihnen ſämtliche Wertbriefe in die
Hände.
Bledestgäße!
braucht nicht auszufallen, meine Herren,
wenn Sie ſich angewöhnen, Wybert=
Tab=
letten bei ſich zu führen und bei belegter
Stimme o. rauhem Hals davonzu nehmen.
„Es gibt kein beſſeres Mittel, um die
Stimme ſofort klar und friſch zu machen.e
Dies kſt der Inhalk zahlloſer Zeugniſſe über die in ihrer Wirkung
un=
erreichten Wyberk=Tabletten, die in allen Apotheken und Drogerien
1 Mark pro Schachtel koſten.
Verkaufs-
Stellen durch
dieses Plakat
kenntlich.
VI 6419
Fabrik ant:
August Jacobi
Darmstadt.
an Lanolin und Waſchtraft
Großer Gehalt zeichnen „Fauſtring” Lanolin=
ſeife von C. Naumann,
à 5 Stück nur 95 Pfg
Offenbach a. Main, aus. Paket
Einzelſtück 20 Pfennig. (20899mf
Geſchäftliches.
Unter den Krankheiten gibt es noch ſo manche,
gegen die bisher aller Kampf vergeblich war.
Rheu=
matismus, Gicht, Ischias, Muskel=, Genick= und
Ge=
ſichtsſchmerz, Hexenſchuß, die verſchiedenen
Anſchwel=
lungen der Gliedmaßen uſw. Endlich iſt es auch hier
gelungen, ein Heilmittel zu finden, durch das ſich der
Crfinder J. Zahn in Ober=Ingelheim den Dank
aller Kranken geſichert hat. Zahn’s mediziniſche
Heil=
falbe iſt ein völlig gift= und ſäurefreies Präparat, das
ſich bei all den obengenannten Leiden bewährt hat und
ſie wirklich heilt, wie die zahlreichen Anerkennungen
be=
weiſen. Zahn’s mediziniſche Heilſalbe iſt in Apotheken
erhättlich oder direkt vom Erfinder J. Zahn in Ober=
Ingelheim.
OSnhSnSznSnspnso
Statt Karten.
Die Geburt eines kräftigen Jungen Ei
beehren sich ergebenst anzuzeigen
Fritz Habermehl
u. Frau Else, geb. Kugel.
Kiesstrasse 82, p. (20922.
GC
Statt beſonderer Anzeige.
Die glückliche Geburt einer Tochter zeigen
hierdurch an
Rechtsanwalt Dr. Walz
und Frau Wiky, geb. Hallwachs.
Darmſtadt, den 4. Oktober 1912.
(20889
Todes=Anzeige.
Heute nacht 3 Uhr entſchlief ſanft nach
langem, ſchwerem, mit Geduld getragenem
Leiden meine liebe Tochter, unſere Schweſter
und Nichte
(20921
Luise Göller
im Alter von 18 Jahren.
Bie trauernden Hinterbliebenen:
Ewald Becker nebst Kinder,
Familie Konrad Göller.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 8. Oktober,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des
Darm=
ſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute morgen verſchied nach längerem
Lei=
den mein lieber Gatte, unſer lieber Vater, Sohn,
Schwiegerſohn, Bruder und Schwager (20914
A. Wargin
Schneidermeiſter.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1912.
Lauteſchlägerſtr. 10.
Die Beerdigung findet Montag, den 7. Oktober,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Geſtern verſchied infolge eines Herzſchlages
Frau Emma Klein
geb. Heyer
im Alter von 77 Jahren.
(20918
Die trauernd Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1912.
Die Einſegnung fand am Sonntag 5 Uhr im
Sterbehauſe, Teichhausſtr. 36, die Beerdigung
findet am Montag 3 Uhr in Bensheim a. d.
Bergſtraße ſtatt.
Danksagung.
Zurückgekehrt von der Beerdigung meiner
innigſtgeliebten, unvergeßlichen Frau
(20860
Auguste Stromeyer
geb. Geider
drängt es mich, allen lieben Verwandten,
Freun=
den und Bekannten, welche ihr die letzte Ehre
erwieſen und ihren Sarg ſo reich und prächtig
mit Blumen ſchmückten, meinen aufrichtigſten und
herzlichſten Dank zu ſagen, ebenſo auch dem Herrn
Pfarrer Lautenſchläger für ſeine troſtreichen Worte
am Grabe.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1912.
Wilhelm Stromeyer.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang ¾½ Uhr:
„Großmama”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert zum Beſten der Barmherzigen Schweſtern um
7 Uhr im Saalbau.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der „Krone”.
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Zu den Mobilmachungen der Balkanſtaaten;
Kriegs=
miniſter der Balkanſtaaten; die Beiſetzung des Kaiſers
von Japan in Tokio; die Parade der franzöſiſchen
Mili=
tärflugzeuge in Willacublay.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Kurſe vom 5. Oktober 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
3f.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,80
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,70
78,80
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,70
3½ do. Conſols . . . 88,90
78,80
3 do, do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,90
93,70
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,0
do.
87,75
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,70
4 Heſſ. Staatsanleihe 100,10
4 do. do. (unk. 1918) 100,20
do.
87,50
3½
do.
76,40
3
3 Sächſiſche Rente.
78,75
4 Württemberger v. 1907 99,90
31 do. v. 1875 93,20
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 95,50
1¾ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 89,50
4 do. Goldrente . . . 93,00
4 do. einheitl. Rente 86,00
3 Portug. unif. Serie I 63,50
3 do. unif. Ser. III 67,40
3 do. Spezial . . . . 9,80
5 Rumänier v. 1903 . . 100,50
4 do. v. 1890 . . 95,00
4 do. v. 1905 . . 99,40
88,70
4 Ruſſen v. 1880
89,25
4 do. v. 1902
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
87,70
½ Schweden .
3 Serbier amort. v. 1895 79,80
4 Türk. Admin. v. 1903 81.50
4 Türk. uniſiz. v. 1903 87,50
88,90
4 Ungar. Goldrente .
4 do. Staatsrente. . . 86,20
InProt.
.101,40
5 Argentinier
do.
87,00
½ Chile Gold=Anleihe . 92,30
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
do.
4½
93,20
4½ Japaner . . .
5 Innere Mexikaner . . . 93,10
3
do.
59,30
4 Gold=Mexikanerv. 1904 87,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,20
3 Buenos Aires Provinz 69,90
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 157,90
5 Nordd. Lloyd . . . . . 126,00
6 Südd. Eiſenb.=Bef. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 111,50
8 Baltimore und Ohio . 109,75
6½ Schantungbahn . . . 133,10
6½ Luxemb. Prince Henri 158,75
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 20,80.
6 Pennſylvania R. R. .
Leßte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 69,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 526,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . . . . . 254,10
30 Farbwerke Höchſt . . 631,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . .
10 Cement Heidelberg . . 152,00
30 Chem. Werke Albert 465,00
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 338,00
4 Lahmeyer . . .
In Proz.
Lidl.
7½ Schuchert, Nürnberg 158,00
12 Siemens & Halske .234,75
5 Bergmann Electr. . . 134,80
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 164,25
0 Gummi Peter . . . . 104,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 116,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . .600,00
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 214,00
8 Steana Romana Petr. 148,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 238,50
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel.
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 112,50
3 Südd, Immobilien . 63,80
Vergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . 192,25
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 236,70
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 182,90
10 Gelſenkirchener . . . . 203,25
8 Harpener . . . . . . . 196,50
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 280,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . .
.90,00
4 Laurahütte . . . . . . 176,0)
10 Kaliwerke Aſchersleben 172,75
11
Weſteregeln 221,00
7½ South Weſt Africa 146,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 90,75
3 Prag=Duxer . . . . . . 74,80
5 Oeſterr. Staatsbahn . 101,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,60
do.
78,25
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,10
4
do.
77.50
In Proz.
Bf.
2¾/1 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,60
3 Raab=Oedenburg
78,50
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,40
4 Ruſſ. Südweſt. .
88,60
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,70
do.
4 Wladichawchas
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb.
76,00
87,50
do.
69,10
2¼/ Livorneſer . .
3 Salonique=Monaſtir . 61,70
4 Baadadbahn .
82,70
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,50
73,00
4 Miſſouri=Paciſic.
. 99,30
4 Northern=Paciſic
4 Southern=Pacific
93,40
5 St. Louis und San
85,20
Francisco. .
94,50
5 Tehuantepec . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 187,50
7 Bergiſch=Märkiſche
.149,00
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgef. . 169,25
6½ Darmſtädter Bank . 121,75
12½ Deutſche Bank . . . 253,50
6 Deutſche Vereinsbank. 122,40
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 116,40
10 Diskonto=Kommandit 187,00
8½ Dresdener Bank . . 154,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 213,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,½
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,75
5.86 Reichsbank . . . . . 130,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 119,00
7½ Wiener Bankverein . 131,70
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21,
99,20
InProz.
8f.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . .
88,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 .
99,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
do.
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
3½
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23
.99,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—
88,00
S. 3—5
87,80
S. 9—11
87,90
4 Meininger Hyp.=Bank 98,80
do.
87,80
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,20
3½ do. (unk. 1914) . . 87,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,20
3½
do.
88,80
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . .
3½ do.
90,10
4 Frankfurt.
. 99,90
3½
do.
94,60
4 Gießen .
98,10
3½ do.
88,50
Heidelberg
98,60
do.
88,70
Karlsruhe
97,10
½ do.
88,90
4 Magdeburg.
½ do.
4 Mainz
½ do.
2
4 Mannheim
3½ do.
91,70
München
.100,10
-
3½ Nauheim
4 Nürnberg
99,50
do.
4 Offenbach
In Proz.
3f.
89,00
3½ Offenbach
4 Wiesbaden . . .. . 4 99,20
B½ do.
4 Worms
½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 =
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 109 170,70
3½ Cöln=Mindner , 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,80
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
8 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 155 —
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 35,00
Braunſchweiger Tlr. 20 204,05
Freiburger
Fs. 15
Fs. 45
Mailänder
do.
Fs. 10 —
Meininger .
.fl. 7 35,40
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 516,00
do. v. 1858 fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Fs. 30 —
Türkiſche . . . . Fs. 400 168,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,44
90 Franks=Stücke
16,18
Amerikaniſche Noten
4,20
Engliſche Noten
20,/43
Franzdfiſche Noten.
81,10
Holländiſche Noten.
169,55
Italieniſche Noten .
80,35
Oeſterr.=Ungariſche Roten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . —
Schweizer Noten . . . . . 80,85
Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard 38f. 5½
Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Seite 9.
Staats-Quelle.
Mii
Naittrliches
Mineralaasser
hC
aus dem Königlichen Mineralbrunnen zu Fachingen
(Reg.-Bez. Wiesbaden).
Verzugrion gooigtet zur Haustrinkkur.
Von vorbeugendem u. heilwirkendem Einkluß
bei Gicht, Diabetes, Nieren-, Harn- u.
Blasen-
leiden, Sodbrennen usw.
Ae
„Ich möchte nach Erfahrung am eigenen Corpus
„behaupten, dass ein regelmässiger längerer Genuss
„des Fachinger Wassers, selbstredend bei sonst
„zweckdienlichem Lebenswandel, durch Anregung
zund Regulierung der Nierenfunktion in des Wortes
zeigenster Bedeutung das Leben verlängern und
zunser Wohlbefinden sichern kann. Es hilft mit,
„schädliche Stoffe aus dem Blutkreislauf des Menschen
„auf natürlichem Wege zu entfernen, so dass diese sich
zicht im Körper festsetzen und zu Krankheitserregern
„werden, Dieser Brunnen hilft somit in vielen Fällen
„mit zum Gesunden und macht Gesunde widerstands-
„fähiger gegen das Erkranken. Dr. med. N. N.‟
Literatur gratis durch die Brunnen-Inspektion in Fachingen
(Reg.-Bez. Wiesbaden).
Staats-Quelle.
ie
Nafürliches
MAineralwasser
AII
Man befrage den Hausarzt.
(VI18840)
Sorsttsee
Sede Dane
weiß es, daß die besten u. billigsten
Haararbeiten
bei mir angefertigt werden.
Haafzopre
je nach Länge der Haare
Mk. 2.00, 3.00, 4.50, 6.50
:Haarzöpfe:
aus Naturhaar
Mk. 6.00, 8.00, 10.00,
12.00 bis 30.00
Haarzöpfe
aus prima Schnitthaar
Mk. 15.00, 18.00, 24.00
bis 50.00.
-Scheltel-Unterlagen
Haarunterlagen f. Scheitel-Frisuren
Mk. 3.00, 5.00, 8.00 bis 2000.
Für runde Frisuren diesolben Preise.
Nur prima Material.
Anfertigung aller anderen
prakt. Haar-Ersatzteile.
Auffärben alter Haararbeiten
in kurzer Zeit.
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fahrung.
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Zentral-Trockenanla
Größte Anlage am Platze.
Gesündeste Behandlut
„ der Haare.
Kopfwaschen
mit Frisur
Mk. 1.00
Kopfwaschen
m. Ondulation
Mk. 1.50
Kinder-
Kopfwaschen
75 Pfg.
Friedrich
(11336a
Tinmann
Spezial-Damen-Salon
Elisabethenstraße 21.
G
Großh. Ludwig=Georgs=Gymnaſium und
Vorſchule der beiden Gymnaſien.
Aumeldungen für das Ludwig=Georgs=Gymnaſium und die
gemeinſame Vorſchule des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums und des
Neuen Gymnaſiums nimmt der Unterzeichnete Mittwoch, den
. Oktober, von 9—12 Uhr, im Direktorzimmer des Ludwig=Georgs=
Gymnaſiums (Karlſtr. 2) entgegen; dabei ſind Geburtsſchein,
Impf=
chein und gegebenen Falls Abgangszeugnis der bisher beſuchten
Schule vorzulegen. — Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung
vor=
ziehen, erbitten wir ſie bis zum 5. Oktober.
(19880a
Die Großh. Direktion.
Dr. Mangold.
Hauswirtſchaftliche Vortolldungsſchule.
Das Winterhalbjahr beginnt Donnerstag, den 10.
Ok=
tober ds. Js.
Für Schülerinnen aus dem Stadtteil Beſſungen findet der
Unterricht im Mittelſchulgebäude in der Hermannſtraße, für ſolche
aus dem Nordweſtviertel im Schulhauſe in der Lagerhausſtraße,
für alle übrigen Schülerinnen im Schulhauſe in der
Rundeturm=
ſtraße ſtatt.
Unterrichtsgegenſtände: Hand= und Maſchinennähen, Flicken,
Stopfen und Sticken, Bügeln, Kochen, hauswirtſchaftliches Rechnen
und Deutſch.
Außerdem findet für vorgeſchrittenere Schülerinnen ein Kurſus
im Anfertigen von einfachen Kleidern ſtatt.
Das Schulgeld beträgt:
a. für hieſige Schülerinnen vierteljährlich drei Mark,
b. „ auswärtige Schülerinnen vierteljährlich neun Mark.
In beſonderen Fällen kann es hieſigen Schülerinnen erlaſſen
werden.
Anmeldungen für alle Abteilungen werden Donnerstag,
den 10. ds. Mts., vormittags von 11—12 Uhr, im Schulhauſe
in der Rundeturmſtraße, von dem Leiter der Schule
entgegen=
genommen.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1912.
Der Schulvorſtand:
20903oim)
J. A. Kiſſinger.
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Okl. Privatmädehenschule und Seminar für Sprachlehrerinnen.
Das Winterhalbjahr beginnt Donnerstag, den 10. Okt.
Anmeldungen vormittags im Schulhause, Neckarstrasse 5.
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Schulvorsteherinnen.
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Engliſch: Montag und Donnerstag
8¼ oder 8½ Uhr
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Buchführung nebſt Korreſpondenz u. Geſchäftsrechnen
vorausſichtlich Mittwochs.
Deutſch: Schönſchreiben, Rechtſchreiben, Briefſchreiben.
Lokal: Karlſtraße 16. — Koſten: Sprachkurſe pro Monat 5 Mk.
Buchführung (ca. 20 Abende) Geſamtkoſten 6 Mk. Deutſch (12 Abende)
3 Mk. Beginn am 15. Oktober. Anmeldungen baldmöglichſt im
(20868
Verkehrsbüro.
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der dreimal wöchentlich von 9—12 Uhr vormittags in den
Monaten Oktober bis April ſtattfindet, können noch einige
Kinder teilnehmen. Es werden nicht mehr wie ſieben Kinder
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aufgenommen.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
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u. Hausarbeit u. Serv. b. hoh. Lohn
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unt. V 77 an die Exped. (209130i
Sllele
[ ← ][ ][ → ]Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Seite 11,
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 2 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Dachshund,
1 deutſcher Schäferhund (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag,
vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(20874
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten
wird die Wendelſtadtſtraße zwiſchen der Aliceſtraße und
Blumen=
thalſtraße vom 7, Oktober bis zum 26. Oktober ds. Js. für den
Fuhrwerksverkehr geſperrt.
(20873
Verſicherungsamt
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
Das Verſicherungsamt der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darm=
ſtadt iſt am 1. ds. Mts. errichtet worden. Seine Geſchäftszimmer
befinden ſich in dem ſtädtiſchen Gebäude Waldſtraße 6.
Vorſitzender des Verſicherungsamts iſt der Oberbürgermeiſter.
Als erſter ſtändiger Stellvertreter des Vorſitzenden iſt
(20910
Herr Amtmann Kröll
als zweiter ſtändiger Stellvertreter
Herr Oberſtadtſekretär Hopp
beſtellt worden.
Darmſtadt, den 4. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller.
Städtiſcher Fiſchmarkt.
Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber
Don=
nerstag und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den
Verkaufs=
ſtänden angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
(20343a
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Mueller.
Maßnahmen gegen die Teuerung.
Fiſch=Kochkurſe.
Da zu den Fiſch=Kochkurſen, die auf ſtädtiſche Koſten
dem=
nächſt in den Küchen der hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule in
der Rundeturm=, Lagerhaus= und Hermannſtraße ſtattfinden ſollen,
fortwährend Nachmeldungen einlaufen, ſo wollen wir allen Frauen
und erwachſenen Mädchen, welche den Meldetermin am 1. d. Mts.
verſäumt haben, nochmals Gelegenheit zur Anmeldung geben, und
zwar am Donnerstag, den 10. Oktober, von 11—12 Uhr
vor=
mittags und 7—8 Uhr abends, im Schulhauſe, Rundeturmſtr. 9.
Außer einer Einſchreibgebühr von 10 Pfg, entſtehen den
Teilnehmern keinerlei Koſten.
(20904oim
Darmſtadt, den 3. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller.
Maßnahmen gegen die Fleiſchteuerung.
Fleiſchverkauf in ſtädtiſcher Regie.
Die ſtädtiſche Verwaltung richtet vom 8. lfd. Mts. an in der
neuen Markthalle des Schlachthofs, Frankfurterſtraße 69, einen
Verkauf friſchen Fleiſches zu ermäßigten Preiſen ein. Verkaufstage
ſind alle Wochentage. Die Abgabe des Fleiſches erfolgt während
des ganzen Tags gegen Barzahlung an Jedermann.
Fiſchmarkt.
In Ergänzung dieſer Einrichtung iſt auf dem Marktplatz und
auf dem Riegerplatz Gelegenheit zum Einkauf guter und billiger
Fiſchſorten geſchaffen worden (ſ. beſondere Bekanntmachung).
Auch werden in der hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule
Seefiſch=Kochkurſe abgehalten.
Sonſtige Vergünſtigungen.
Um der minderbemittelten Bevölkerung die Koſten der
Lebens=
haltung zu verringern, haben ſich mehrere hieſige Kohlenhändler in
dankenswerter Weiſe bereit erklärt, Allen, die von mir einen Ausweis
über ihre Bedürftigkeit erhalten, auf die Kohlen= und Holzpreiſe
weſentliche Ermäßigungen zuzugeſtehen.
Die Lieferung der Kohlen erfolgt nur gegen Barzahlung
bei Beſtellung.
Der Ausweis iſt auf Zimmer Nr. 41 des Stadthauſes zu
be=
antragen. Daſelbſt wird auch nähere Auskunft über die Namen der
Lieferanten und die Preiſe erteilt.
Darmſtadt, am 5. Oktober 1912.
(20907a
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.
Bekanntmachung.
Die Rechnung der iſraelitiſchen Religionsgemeinde
Darm=
ſtadt für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 liegt vom
8. d. Mts. ab acht Tage lang auf unſerem Gemeindebureau,
Friedrich=
ſtraße 2, während der Amtsſtunden vormittags von 9—12 Uhr zur
Einſicht offen.
Etwaige Einwendungen ſind innerhalb der Offenlegungsfriſt
ſchriftlich bei dem unterzeichneten Vorſtande einzureichen.
Darmſtadt, 6. Oktober 1912.
.(20916
Der Vorſtand der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Bekanntmachung.
Die Lieferung des Bedarfs an Kartoffeln, Gemüſe, Viktualien,
Milch, Backwaren, Mehl, ſowie die Abgabe des Spülichts und der
Speiſereſte einſchl. Knochen ſoll für die Zeit vom 1. November 1912
bis 31. Oktober 1913 vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen können im Bataillons=
Geſchäfts=
zimmer (Kaſerne Alexanderſtraße, Wirtſchaftsbau Stube Nr. 11) von
3 bis 5 Uhr nachmittags eingeſehen werden. Sie ſind auch gegen
Zahlung von 75 Pfg. dort erhältlich.
Angebote mit entſprechender Aufſchrift ſind bis zum 15. d. M.,
12 Uhr mittags, verſiegelt dem Bataillon einzuſenden.
Die Eröffnung findet am 16. d. M. 11 Uhr vormittags ſtatt.
(20906oi
Der Zuſchlag wird ſchriftlich mitgeteilt.
Küchenverwaltung II. Bataillons Leibgarde=Infanterie=Regiments.
Wferung von Mäcksalern.
Die für das Wirtſchaftsjahr 1912/13 in der Küche der I.
Ab=
teilung Feldartillerie=Regiments Nr. 61 erforderlichen Kartoffeln,
Gemüſe, Hülſenfrüchte und ſonſtige Beköſtigungsmittel,
aus=
ſchließlich Kaffee und Salz, ſowie Abgaben der Küchenabfälle
(Spülicht) ſollen vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen
können täglich auf Zimmer 18, im Stabsgebäude der Kaſerne am
Beſſungerweg, eingeſehen werden.
Schriftliche Angebote mit der Aufſchrift „Angebot auf
Küchen=
lieferung” und Proben ſind bis zum 15. Oktober 1912 an die
I. Abteilung des Feld=Artillerie=Regiments Nr. 61, verſchloſſen ein=
(20798soi
zureichen.
Darmſtadt, im Oktober 1912.
Die Küchenverwallung.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über
das Vermögen der Firma J.
Hachenburger jr., Inhaber
Her=
mann Hachenburger in
Darm=
ſtadt, iſt infolge eines von dem
Gemeinſchuldner gemachten
Vor=
ſchlags zu einem Zwangsvergleiche
Vergleichstermin auf
Dienstag, 15. Oktober 1912,
vormittags 10½ Uhr,
vor dem Großh. Amtsgericht I in
Darmſtadt, Zimmer Nr. 201,
an=
beraumt.
(20879
Der Vergleichsvorſchlag iſt auf
der Gerichtsſchreiberei des
Konkurs=
gerichts zur Einſicht der
Beteilig=
en niedergelegt.
Darmſtadt, 3. Oktober 1912.
Der Gerichtsſchreiber des
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Bekanntmachung.
In unſer Handelsregiſter B
wurde heute bei der Firma „G.
C. Klebe, Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung,” in
Eber=
ſtadt, folgendes eingetragen:
Die Prokura des Kaufmanns
Ludwig Friedrich in Eberſtadt
iſt gelöſcht. Den Herren Robert
Eiſele und Ludwig Büttel in
Eberſtadt iſt Geſamtprokura
er=
teilt.
(20909
Darmſtadt, 2. Oktober 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Verkauf von Matratzenſtreu
Mittwoch, 9. Oktober 1912,
wird die Matratzenſtreu einer
Eskadron auf dem Hofe der
Ka=
valleriekaſerne an der Holzhofallee
verſteigert. Der Verkauf beginnt
um 9 Uhr 30 Minuten
vormit=
tags.
(20892
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Bekanntmachung.
Betreffend: Schutz der Waſſer=Zu= und=Ableitungen im Winter.
Vor Beginn des Winters machen wir die hieſige Einwohnerſchaft
auf die Schäden und Nachteile aufmerkſam, die durch Froſt an den
Waſſer=Zu= und=Ableitungen in den Häuſern entſtehen können, und
empfehlen, nachſtehendes zu beachten:
Wenn Turen und Fenſter der Keller nicht gehörig geſchloſſen
gehalten werden, ſo iſt das Einfrieren der Waſſermeſſer zu erwarten.
Dabei zerſpringt die Glasplatte der Meſſer; außerdem wird das
Gehäuſe des Meſſers zerſprengt und das Räderwerk zerſtört. Türen
und Fenſter der Keller ſind deshalb gut geſchloſſen zu halten.
Bei anhaltendem ſtrengen Froſt (—50 C.) wird es außerdem
notwendig, die Waſſermeſſer und die anderen Teile der Waſſerleitung
durch Umhüllen mit lockerem Stroh oder mit dicken Tüchern zu ſchützen
und die Glasfenſter zu verhängen.
Wenn Waſſerleitungsröhren mindeſtens 1,30 Meter tief in die
Erde verlegt ſind oder wenn ſolche im Hauſe ausſchließlich durch
ge=
heizte Räume (Küchen) oder durch Räume, die mit geheizten Räumen
durch häufige Benutzung in Verbindung ſtehen (abgeſchloſſene Flure,
Kloſetträume), geleitet ſind, ſo iſt das Einfrieren der Waſſerleitungen
nicht zu erwarten; vorausgeſetzt wird, daß dieſe Räume nicht
durch dauerndes Oeffnen der Türen und Fenſter ſtark abgekühlt
werden (Kloſetträume). Sind alle oder einzelne Räume, in denen die
Waſſerleitung liegt, längere Zeit ungeheizt, ſo iſt es empfehlenswert
die Waſſerleitung für gewöhnlich abgeſperrt zu halten und täglich
ein=
oder mehreremal die erforderlichen Waſſerquantitäten an die
Haus=
bewohner abzugeben.
Das Abſperren der Leitungen ohne gleichzeitiges
Ent=
leeren der Röhren iſt zwecklos. Beides ſoll gleichzeitig erfolgen,
indem man den vor dem Waſſermeſſer angebrachten
Hauptabſperr=
hahn ſchließt und ſofort die im Hauſe befindlichen Zapfhahnen und
Kloſettventile für einen Augenblick öffnet. Geſchieht das, dann läuft
das in den Röhren befindliche Waſſer durch eine im Hauptabſperrhahn
angebrachte Oeffnung aus. Dieſes Waſſer, welches ſelbſt bei ſehr
langen Leitungen nur wenige Liter beträgt, fängt man in
unter=
geſtellten Gefäßen auf, oder man läßt es, wenn die Kellerſohle
waſſerdurchläſſig iſt, ohne Nachteil in den Keller laufen.
Das Maß von Sorgfalt, welches man auf den Schutz der
Waſſerleitungen gegen Froſtſchäden aufwenden muß, hängt von der
Strenge und von der Dauer der Kälte ab. Hält die ſtrenge Kälte
wochenlang an, dann durchfrieren die äußeren Mauern derart, daß
ſelbſt nach bereits eingetretener milderer Witterung die auf den
durchfrorenen Mauern befeſtigten Waſſerleitungen noch nachträglich
einfrieren können.
Sind alſo Waſſerleitungen auf Außenmauern befeſtigt, ſo iſt
beſondere Vorſicht und ſtarke Erwärmung der betreffenden Räume
zu empfehlen. Beſondere Aufmerkſamkeit iſt auch auf
Garten=
leitungen zu richten. Man ſchließe und entleere dieſelben vor
Ein=
tritt des Winters ſorgfältig.
Sind Waſſerleitungen eingefroren, ſo ſchaffe man ſofort
Ab=
hilfe, weil dann das Auftauen noch raſch bewirkt werden kann und
weil die Leitungen alsdann noch keinen Schaden erlitten haben.
Läßt man das Auftauen anſtehen, ſo friert gewöhnlich die
Leitung auf lange Strecken zu. Das Auftauen wird dann ſehr
ſchwierig und koſtſpielig, meiſtens leidet auch die Leitung Not.
Behufs des Auftauens eingefrorener Leitungen wende man
ſich ſofort an einen zuverläſſigen Inſtallateur.
Iſt ein Waſſermeſſer eingefroren, ſo erſtatte man alsbald
Meldung bei der ſtädt. Waſſerwerksverwaltung. Iſt eine Waſſerleitung
eingefroren, ſo iſt das der Beweis, daß inbezug auf Schutz der Leitung
etwas verſäumt worden iſt. Man beſeitige die Urſache des Einfrierens,
weil ſonſt die Störung immer wieder eintritt.
Sind Keller oder andere Räume durch ein Verſehen durchaus
vereiſt, ſo nützt es nichts, nachträglich nur die Fenſter zu ſchließen.
Man ſtelle vielmehr Holzkohlenöfen oder andere paſſende
Heizvorrich=
tungen auf, um die Mauern wieder zu durchwärmen.
Bei den Waſſerableitungen iſt die Aufmerkſamkeit beſonders
den Kloſetts zuzuwenden, da hier die unter den Sitzen befindlichen,
mit Waſſer gefüllten Syphonrohre und die Spülkaſten durch das
Einfrieren häufig beſchädigt werden.
Bei Froſtwetter ſind daher die Aborträume gegen außen
mög=
lichſt geſchloſſen zu halten, beſonders während der Nacht; auch
kann die Beheizung der Aborte mittels kleiner Petroleum= oder
Gas=
öfen beſtens empfohlen werden.
Die Spülkaſten ſollen nach jedesmaliger Benützung der Kloſetts,
unter Abſtellung des Waſſerzulaufes, vollſtändig entleert werden.
Bei Kloſetträumen, die der Einwirkung der Kälte beſonders
ausgeſetzt ſind, empfiehlt es ſich, zur Verhütung der Eisbildung die
Kaſten unter den Sitzen mit Stroh locker auszuſtopfen, die Spülkaſten
mit Tüchern zu umhüllen und deren Anfüllung bei ſtrenger Kälte
ganz zu unterlaſſen. Häufiges Eingießen warmer Abwaſſer aus
den Haushaltungen in die Kloſetts trägt weſentlich zur
Verhinde=
rung der Eisbildung in den Syphonrohren bei.
An den Außenſeiten der Gebäude angebrachte Küchenrohre
ſind dem Einfrieren und dadurch der Zerſtörung beſonders
aus=
geſetzt; es ſollte daher das Einſchütten von Waſſer in ſolche Rohre
bei ſtrenger Kälte ganz unterlaſſen, mindeſtens aber auf die
Tages=
zeit beſchränkt werden.
Auch die Hofſinkkaſten ſind bei anhaltend ſtrenger Kälte gegen
das Einfrieren zu ſchützen, am beſten durch Ueberdeckung mit einer
mindeſtens 20 Zentimeter hohen Erdſchicht, da andernfalls durch die
Eisbildung in den Sinkkaſten der Abfluß des Waſſers unmöglich
ge=
macht wird, ſodaß bei Eintritt von Tauwetter Ueberſchwemmungen
der Grundſtücke die Folge ſind.
Die in den Waſchküchen vorhandenen eiſernen Ablaufkaſten
können bei ihrer geringen Tiefe nur durch rechtzeitige Entleerung des
Waſſers vor dem Einfrieren geſchützt werden; die Kaſten ſind dann
zur Verhütung der Entweichung von Kanalgaſen mög lichſt luftdicht
abzudecken.
Darmſtadt, den 5. Oktober 1912.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 236.
Donnerstag, den 17. Oktober 1912
abends 8¼ Uhr:
Weite Iigiion Honzerr
im Saale des Hotels „zur Traube‟.
Programm:
I. Teil: Vortrag: „Das Künstlerische und
Aesthe-
tische des Reproduktionsklaviers‟
Musikschriftsteller Rudolf Kastner (Frankfurt a. M.)
II. Teil: Klavier-Vorträge von d’Albert, Busoni,
Feix Motti (F 1911), Paderewski, Richard
Strauss u. a.
Konzertflügel Ibach.
Eine Anzahl numerierter Karten für Interessenten sind in
der Hofmusikalienhandlung u. Pianomagazin Heinrich Arnold,
Wilhelminenstrasse 9 oder Mühlstrasse 1—3 zur Verfügung oder
werden auf Wunsch zugeschickt.
(20869
Vereinigte Kriegervereine Darmſtadts
und
(20890
Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Als erſte Volksvorſtellung im Großh. Hoftheater wird am
Sonntag, den 13. Oktober, nachmittags 2½ Uhr
(Kabale und Liebe
gegeben. Kartenbeſtellungen für dieſe Vorſtellung ſind bis ſpäteſtens
Dienstag, den 8. d. M., mittags 12 Uhr, und zwar für die
Kriegervereine bei den einzelnen Vorſitzenden, ſowie bei dem
Schrift=
führer Kamerad Junge, Schloßgartenſtraße 45, und für den
Volks=
bildungsverein und angeſchloſſene Vereine in der Geſchäftsſtelle
Gutenbergſtraße 68, part., ſchriftlich oder mündlich abzugeben.
Musik-Verein
Die Konzert- und Hauptprobe-Karten für 1912/13
werden den Mitgliedern in der ersten Häffte des Oktober in
die Wohnung zugestellt. Zugleich damit werden die
Mitglieder-
beiträge für 1912/13 erhoben. Wir ersuchen, Vorkehrung zu
treffen, dass die Karten gegen Zahlung des Beitrags
jeder-
zeit abgenommen werden können.
(20865
Die Zinsscheine Nr. 6 können mit je 3 Mk. in Zahlung
gegeben oder bis 15. Oktober in dem Bankgeschäft von Friedrich
Zaun, Luisenplatz 1, eingelöst werden.
Der Vorstand.
Verein f. Vogel- u. Geflügelzucht
(Aelterer Verein)
Montag, den 7. Oktober, abends 9 Uhr im
Ver=
einslokal, Brauerei zur Krone
Monats-Verſammlung
NB. Verloſung von Raſſe=Enten. Ausgabe der Loſe zur Ausſtellung.
Der Vorſtand.
20911)
Darmstädter Benrerverenl.
Mittwoch, den 9. Oktober, abends 8 Uhr pünktlich
im Kaisersaal
Oeffentlicher Vortragdes Hrn. Prof. Dr. Fr. Wilh. Förster
aus Zürich über:
Moderne Erziehungslehren
: in kritiſcher Beleuchtung:
Eintrittskarten zu 30 Pfg. (Sperrſitz 1 Mk.) im Vorverkau
im Verkehrsbüro und abends an der Kaſſe.
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Obſt=, Gemüſe= und Kartoffel=Markt
verbunden mit
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Obſt= und Gemüſe=Ausſtellung
vom 12. bis 14. Oktober in den Haal= und Gartenräumen
der Brauerei Schützenhof.
Loſe 30 Pfg.
Eintrittspreis 10 Pfg.
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Unter hohem Protektorat Ihrer Durchlaucht der Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg.
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zugleich Gesangschule für Konzert, Oper u. Haus.
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Für das Fach der musikalischen Formenlehre wurde Herr Professor Arnold Mendelssohn
gewonnen. An diesen Kursen können auch Hospitanten teilnehmen.
Beginn des Wintersemesters: In der Gesangschule: Donnerstag, den 3. Oktober;
in der Instrumentenschule: Donnerstag, den 10. Oktober.
Vollständige Ausbildung in allen Fächern der Musik.
Kunst-, Dilettanten- und Vorschule.
Einzel- u. Klassenunterricht je nach Wunsch. Schriftliche oder mündliche
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meldungen an die Direktion, Elisabethenstrasse 36, erbeten. Sprechstunden vormittags 10 bis
12½ Uhr. Prospekte kostenfrei durch die Direktion, die Musikalienhandlungen u. das Verkehrsbüro,
Die Direktion: Wilhelm Schmitt, Willy Hutter.
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Einzelwerke:
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Großherzogl. Hoftheater
Montag, den 7. Oktober 1912.
25. Ab.=Vorſtellung. D 6.
Zur Feier von Max Dreyers
50. Geburtstag.
Zum erſten Male:
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Junggeſellenſchwank in 4 Aufzügen
von Max Dreyer.
Spielleiter: Heinrich Hacker.
Perſonen:
Joachim Baron v.
Weſenberg . . Rich. Jürgas
Mathilde verw.
Frau v. Mieren=
. Minna
Müller=
dorff . .
Grete, mit
Ro=
bert v. Bar=
Rudolph
Barb. Uttmann
Käthe Gothe
Inſpektor 8 Herm. Knispel
Küchenchef §2 Frz. Schneider
Paul Peterſen
ckow
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ratet
Lotte
Rob. v. Barckow,
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Huſaren=Regim. Guſtav Semler
Walt. v. Barckow,
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dem=
ſelben Regiment Emil Kroczak
Mollenhauer,
Fehlhaber, 8
Friedrich,
Diener
Hann. Duſel,6s
Arbeitsm.
Frz. Herrmann
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bei Frau von
Mierendorff . . Tilli Art’l
Marie, Kinderm.
bei Frau von
Barckow . . . Em. Mühlpforth
Das Stück ſpielt auf der Beſitzung
des Barons von Weſenberg in
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Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
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1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
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Anf. 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenvk. v. 9½—1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Dienstag, 8. Okt. 26. Ab.=Vſt.
A 7. „Carmen.‟ Gew. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 9. Okt. 27. Ab.=Vſt.
C 7. „Die ſchöne Helena”.
Gewöhnliche Preiſe Anf. 7 Uhr.
Donnerstag, 10. Okt. 28. Ab.=
Vorſtellung. B 8. Uraufführung:
„Sommer”. Komödie v
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däus Rittner. Gewöhnl. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
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Jamilie Heerſen.
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa,
(Nachdruck verboten.)
39)
Ich werde Dich unter Kuratel ſtellen laſſen,
Onkel=
chen, drohte ſie. Sie nannte den alten Herrn neuerdings
Du. Sag mir um alles in der Welt, wo nimmſt Du das
viele Geld her? Du ſcheinſt ja ein ſteinreicher Mann zu
ſein. Da hat Joachim nun angeblich eine Liebesheirat
geſchloſſen, und nun kommt’s raus, daß es eine
Geld=
heirat iſt. Weißt Du, ſo eine, von denen die Zeitungen
immer ſchreiben: Vergoldung des Ahnenſchildes!
Das hat er ſich auch vergoldet mit der Liebe zu
meinem Mädel! Ja, ſiehſt Du, Chriſta, Adas Mutter
ſtammte aus einer wohlhabenden Bürgersfamilie in
Bellburg. Aus Gram darüber, daß ſich ihr einziges Kind
mit einem der fahrenden Leute — zu denen rechnete ſich
in ihren Augen — verheiratet hatte, ſtarben ſie kurz
hin=
tereinander und haben es gar nicht erlebt, wie glücklich
ihre Tochter mit dem Komödianten geworden war. Das
Schickſal war es, das dieſes Glück mit rauher Hand
zer=
ſtörte. Als nach ein paar Jahren uns Ada geboren wurde,
ſtarb mein armes geliebtes Weib, und ließ mir als
hei=
liges Vermächtnis das Kind zurück. Siehſt Du, und
ſo war vom erſten Atemzuge an Ada mein Ein und Alles.
Ich lebte nur für ſie, für ſie ſparte ich. Für ſie und ihre
Bildung war mir nichts zu teuer. Meine Einnahmen
wuchſen von Jahr zu Jahr; dazu kamen die Zinſen von
Adas Vermögen. Ich hatte für mich keine Bedürfniſſe
und habe jahraus jahrein die Goldfüchslein geſpart und
aufgehoben. Nun macht’s mir Freude und Spaß, ſie
tanzen und rollen zu laſſen. Peter Geißler, der
über=
mütige Geſelle, hat mich jüngſt gefragt, ob ich einen
Ju=
den totgeſchlagen hätte, weil ich ſo viel Geld beſäße, und
als ich ihm ſagte, es ſei erſpart, wollte er ſich halb
tot=
lachen. So was gäb’s ja gar nicht, meinte er.
Peter Geißler! Chriſta war bei der Nennung dieſes
Mannes blaß geworden. Ja, er war wirklich am nächſten
Tage abgereiſt. Wohin, wußte kein Menſch, denn kein
noch ſo kleines Lebenszeichen von ihm meldete, wo er
geblieben war. Nur einen kurzen Händedruck, ein haſtiges
Lebewohl hatten ſie, als ſie ſich an dem Hochzeitstage
Adas und Joachims getrennt hatten, gewechſelt.
Auffal=
lend kurz und ſchnell war von beiden Seiten der Abſchied
geweſen.
Mit beinahe nervöſen Eifer hatte ſich Chriſta nach der
Hochzeit in all die Vollendungsarbeit zur Einrichtung
des Heims des jungen Paares geſtürzt, in dem ſie bis
auf weiteres das ſogeannte Beſuchs= oder
Fremdenzim=
mer bewohnen ſollte. Der Bruder im Verein mit Ada
hatten darauf beſtanden, ſo ſehr ſie ſich auch geſträubt
hatte. Hätte Papa Jerling nicht fürſorglich über Chriſta
gewacht, ſie hätte am liebſten überall mit Hand angelegt,
auch bei den groben Arbeiten, die unter Frau Hüblers
Oberaufſicht von ein paar handfeſten Scheuerfrauen
aus=
geführt wurden. Eine ſeltſame Unraſt und Unruhe war
in de, ein Den, ich mn beiſign. Ste hate ſtunlch
Angſt vor den Stunden, in denen ſie die Hände müßig
in den Schoß legen konnte: denn in dieſen Stunden der
Untätigkeit wachten auch wieder die Gedanken auf, die ſie
nur mit heißen Tränen zum Schweigen gebracht hatte.
Aber ſie ſollten und dürften nicht aufwachen! Nein, ſie floh
vor ihnen und ſehnte die Zeit herbei, wo ſie Frau
Hüb=
lers Wohnung für immer verlaſſen und zu den
Geſchwi=
ſtern überſiedeln konnte. Der mütterlichen Güte der
ein=
fachen guten Frau, die ihr ſo viel Liebes erwieſen hatte,
brachte ſie warme Dankbarkeit entgegen; aber ſie atmete
doch auf, als ſie die Räume verlaſſen konnte, die ihr
tauſend heimliche Stimmen Erinnerungen an einen
zu=
flüſterten, der von ihr gegangen war.
Als das junge Paar ankam und im Triumph von
Papa Jerling und Chriſta durch das „eigene Reich”
ge=
führt wurde, war es anfangs ganz ſtarr und ſprachlos
über deſſen ungeahnte Schönheit. Dann aber brach der
Bann, und jubelnd und fröhlich wie ausgelaſſene Kinder
erfüllten ſie alle Räume mit der lachenden Freude des
Glückes. Und diefe ſonnige Heiterkeit zerſtob und
ver=
flüchtigte ſich nicht, als die Tage zu Wochen und die
Wochen zu Monaten wurden, wie in mancher anderen
Ehe, wo nach dem erſten heißen Glücksrauſch des ſich
end=
lich Gehörens und Beſitzens nur zu oft eine
Ernüchte=
rung folgt; nein, ſie blieb und wuchs ſich mehr und mehr
zu jenem harmoniſchen Behagen aus, das nicht das
Ge=
fühl des Beſitzens verleiht, ſondern das des inneren
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
Nummer 256.
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dieſes allein vermag üben den nüchternen Alltag des
Lebens das Feierkleid des Sonntags zu breiten.
Der Abglanz dieſer Sonntagsſtimmung fiel auch auf
Chriſta. Ihre junge, empfängliche Seele trank davon,
und es ward ihr zum Heile.
Ueber zu großen Raumüberfluß freilich konnten ſich
die Bewohner der „Inſel der Seligen” nicht beklagen. Es
war eine Fünfzimmerwohnung in dem Stil und der Art,
wie ſie in Berlin und feinen Vororten allgemein üblich
ſind.
An den kleinen Flur grenzten nach der Straße zu
zwei Zimmer, von denen man das erſte gar reizend und
wohnlich für Chriſta eingerichtet hatte. Hellgrundig mit
Gold war die Tapete und weiß mit Gold die im modernen
Geſchmack gehaltene Decke. Neben dieſem Zimmer lag
Joachims Arbeitszimmer, das nach dem
Straßenvorgar=
ten zu eine hübſche Loggia hatte. Die dunkel gebeizten
Möbel, der große Diplomatenſchreibtiſch und die
Bücher=
ſchränke hoben ſich gar wirkungsvoll von dem ſatten Rot,
in dem der Raum gehalten war, ab. Ein lauſchiger
Winkel war an dem großen kaminartigen Kacheloſſen
eingerichtet. Da ſtanden vor dem niedrigen, eingelegten
türkiſchen Tiſchchen tiefe bequeme Klubſeſſel. Ueber der
Chaiſelonque hatte Joachim die Reminiſzenzen ſeiner
Studentenzeit, Schläger, Rapiere, Bänder und bunte
Wützen, befeſtigt. Das große, ſaalartige ſogenannte
Ber=
lind Zimmer, das den Durchgang von Joachims Zimmer
nachlden hinteren Räumlichkeiten bildete und mit ſeinem
einzichm, breiten, nach dem Hof und Garten zu gelegenen
Fenſterietwas düſter war, wurde als gemeinſames Wohn=
und Sßämmer benutzt. Joachim nannte dieſes Zimmer,
dns auſeden eite zür den den Alihen Fiur der beis,
nur die Verſchmelzung der Kunſt mit dem praktiſchen
Leben, denn außer der großen geſchmackvollen
Eßzimmer=
einrichtung in romaniſchem Stil hatte auch Adas
Stutz=
flügel hier ſeinen Platz gefunden. Darüber hingen eine
Menge Bilder und Reliefs von berühmten Dichtern und
Künſtlern.
Von dieſem Eßzimmer aus führte der beängſtigend
ſchmale Korridor der Berliner Wohnungen nach den
hinteren Räumen, der Küche, der Badeſtube, der
Mäd=
chenkammer und nach dem Schlafzimmer. Alle dieſe
Räume lagen gleichfalls nach dem Hof hinaus. Dieſer
ging ohne ſichtbare Abgrenzung in einen kleinen
wohl=
gepflegten Garten über, an den die Gärten der
Nachbar=
grundſtücke ſtießen.
Das einfenſtrige, kleine Hinterzimmer, durch das
man in das geräumige Schlafzimmer des jungen Paares
gelangte, hatten Chriſta und der alte Jerling mit viel
Geſchick zu einem kleinen Atelier ausgeſtattet und in ihm
Adas Malgeräte untergebracht.
Du brauchſt es ja nicht immer als Atelier benutzen,
Töchterchen! Vielleicht findet ſich mit der Zeit einmal
eine andere Verwendung dafür, hatte Papa Jerling
ge=
ſagt und dabei Joachim ſehr vergnügt und ſpitzbübiſch
angeblinzelt, Frau Ada aber war ſehr rot geworden
und hatte plötzlich erklärt, ſie müſſe Bertha — ſo hieß der
dienſtbare Geiſt des Hauſes Leerſen — etwas Nötiges
in betreffs des Abendeſſens ſagen. Und huſch, war ſie
davon geflitzt.
Obwohl Ada eine vorzügliche Hausfrau war — denn
ſie kümmerte ſich um alles, was ihre Wirtſchaft anging,
ſelbſt mit — fand ſie doch Zeit, täglich ein paar Stunden
in hren lieier zu ſen und zu matn. Reſtin ſie g,
wenn Joachim in ſeiner Redaktion und Chriſta, die einen
unheimlichen Fleiß entwickelte, in irgendeiner
Unter=
richtsſtunde war. Chriſta nahm die Bezahlung dieſer
Unterrichtsſtunden von Joachim nur unter der
Bedin=
gung an, daß er ihr feierlich verſprach, ſich das Geld von
ihr zurückerſtatten zu laſſen.
Ein fröhliches Liedchen vor ſich hinſummend, erſchien
in dieſen ſtillen Vormittagsſtunden Ada in ihrem Atelier.
Raſch war die graue Malſchürze über das helle Hauskleid
geworfen, denn Joachim liebte es, ſeine Frau in hellen
Farben gekleidet zu ſehen, die ihre pikante Schönheit noch
hoben. Ebenſo raſch wurde Palette und Malſtock
ergrif=
fen, und mit freudiger Schaffensluſt widmete ſie ſich nun
ihrer Arbeit. Und war ihr etwas gelungen, ſo wie ſie
ſich es gedacht und geträumt hatte, dann leuchteten ihre
dunklen Augen gar hell und freudig, ihr ganzes Weſen
belebte ſich, wie von einem geheimnisvollen Zauber
ge=
weckt, der das reizende Geſchöpfchen noch anziehender und
liebenswerter machte.
Ich merk’ es ihren Augen an, wie viel’s geſchlagen
hat, ſang dann Joachim übermütig, wenn er mittags
heimkehrte und Ada ſo fand.
Der Dämon iſt wieder einmal über ſie gekommen,
neckte Chriſta.
Prompt kam als Entgegnung: Bitte, Du, ſei Du nur
ſtill! Du haſt, wenn Du Deine Rollen lernſt und ſtudierſt,
beinah ſchon mondſüchtige Zuſtände, Dich hat der
Theater=
teufel ſo feſt in ſeinen Krallen, daß Du nicht wieder los
kannſt.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 236.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Oktober 1912.
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sr. Berliner Herbſt=Flugwoche. Der ſechſte
Tag der Berliner Herbſt=Flugwoche war bis jetzt den
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anſtaltung am günſtigſten geſinnt. Das herrliche
Herbſt=
wetter hatte zahlreiche Zuſchauer nach dem Flugplatz
Johannisthal gelockt. Es herrſchte reger Flugbetrieb.
Geſtartet wurde für den Preis des Miniſteriums der
öffent=
lichan Arbeiten für den kürzeſten Anlauf, den
Geſchwindig=
keitspreis und den Preis für die größte Geſamtflugzeit
In der letzteren Konkurrenz ſchnitten wieder zwei Wright=
Doppeldecker am beſten ab, indem Sedlmayr und
Mohns je 90 Minuten in der Luft blieben. Um vier
Uhr begann der Wettbewerb für den kürzeſten Anlauf mit
kriegsmäßiger Belaſtung, für den neun Teilnehmer
ſtar=
teten. Naturgemäß ſchnitten hier die Doppeldecker infolge
ihrer größeren Tragfähigkeit am beſten ab.
Lind=
paintner auf Ago=Doppeldecker hatte mit 62,55 Meter
die beſte Leiſtung zu verzeichnen. Büchner, der auf
Aviatik=Doppeldecker bisher mit 65,00 Meter am beſten
ſtand, brachte es am Freitag bei ſeinem beſten Verſuch
nur auf 70,60 Meter. Von den Eindeckern erzielte
Stöff=
ler (L.V. G.=Eindecker) mit 88,45 Meter die beſte Leiſtung.
In der Geſchwindigkeits=Konkurrenz vermochte Krieger
auf dem ſchnellen Jeannin=Eindecker die 15 Kilometer
kange Strecke in 7 Min. 12 Sek. zurückzulegen und erzielte
damit die abſolut beſte Zeit. Lindpaintner (Ago=
Doppel=
decker) benötigte 8118, Alig (Torpedo=Eindecker) 9118
Krüger (Harlan=Eindecker) 9:34, Boutard (M. B.=Taube)
10:23. Beim Landen beſchädigte Büchner ſeinen
Doppel=
decker ziemlich erheblich am Fahrgeſtell. Prinz
Sigis=
mund von Preußen, der bekanntlich ſelbſt
Flugzeug=
konſtrukteur iſt, war wieder auf dem Flugplatze anweſend
und verfolgte mit großem Intereſſe die gezeigten
Lei=
ſtungen.
Vermiſchtes.
* Wiener Frauen. Die Kultur einer Stadt erkennt
man an ihren Frauen denn die Frau iſt es die ihrer
Stadt den Stempel aufdrückt. So hat Paris die
Pariſe=
rin, Berlin die Berlinerin und Wien eben die Wienerin,
wie ſie zuſammengehören, und nie und nimmer wäre es
möglich, die eine mit der anderen zu vertauſchen, weder
die Pariſerin nach Wien, noch die Wienerin nach Paris
ohne daß beide in ihrem innerſten Weſenskern Schaden
nehmen müſſen. Die Wienerin namentlich ließe ſich am
allerſchwerſten in ein anderes Milieu verpflanzen. Sie
hat, wie Ernſt Klein in einer Plauderei über die Wiener
Frauen in Heft 2 des 29. Jahrgangs der in Stuttgart bei
der Deutſchen Verlags=Anſtalt erſcheinenden Zeitſchrift
Arena darlegt, ſo ganz ihre eigene Art ſich anzuziehen und
ſich zu geben, die ſich in das Grün ihrer Gärten, in ihre
Straßen mit dieſen alten ſchönen Paläſten ſo wunderbar
einfügt, daß man ſich beim beſten Willen keine andere
Um=
rahmung für ſie formen könnte. Die Wienerin iſt Wien.
Sie iſt mit der Stadt geworden und hat ſich mit ihr
ver=
ändert. Als noch die Feſtungsmauern um die
Donau=
ſtadt herumliefen, da blühte in ihr die Wienerin der
Bie=
dermeierzeit, die Wienerin der Walzer von Lanner und
Strauß Vater, ein liebes, ſüßes Geſchöpf, weich und
ſchmeichleriſch wie die Walzer, zu denen ſie tanzte. Als
dann die neue Zeit kam, die Feſtungsmauern einriß und
dem modernen Leben weite Bahnen ſchlug, packte ſie
natürlich auch die Wienerin und riß ſie mit ſich fort. Sie
machte ſie zur Weltſtädterin und zwang ſie, es den
Schwe=
ſtern in Paris und London gleichzutun. Trotzdem iſt ſie
nicht ſo ſchnell mitgekommen; ſie hat ſich nicht ſo ſchnell
mit der neuen Zeit zurechtfinden können wie z. B. die
Berlinerin, die ſich viel raſcher zur Mondäne entwickelte.
Die alten Lannerwalzer klingen eben heute noch im Weſen
der Wienerin nach und werden wohl nie darin verklingen.
Das iſt es, was der Wienerin den ihr eigenen Reiz
ver=
leiht: ſie iſt in der Muſik groß geworden, ihre ganze
Per=
ſönlichkeit wurzelt in der Muſik und iſt darum ſelber
Muſik. Keine kann ſich ſolcher Bilder rühmen wie die
Wienerin. Haydn mit ſeiner einfachen uröſterreichiſchen
Art gab ihr das Gemüt, Beethoven, der Gewaltige, die
Empfänglichkeit für das Erhabene und Ewigſchöne,
Mo=
zart die Sonne und Liebenswürdigkeit des Weſens,
Schu=
bert die rührſame Sentimentalität, Lanner die
Lieblich=
keit und Johann Strauß, der Berühmte die ſorgloſe
Lebensluſt und Daſeinsfreude. Alle dieſe Harmonien
klingen in der Wienerin und vereinigen ſich in ihr zu einer
wunderſamen Melodie, vor der das Tſchin=Tſchin
ultra=
moderner Programmuſik wirkungslos verhallen muß.
— Amulette in Frankreich. Daß der Aberglaube auch
in der modernen Großſtadt noch weit mehr Anhänger
fin=
det, als man gewöhnlich glauben möchte, hat erſt kürzlich
eine engliſche Nationalökonomin nachgewieſen; ſie konnte
feſtſtellen, daß von 100 Londoner Kindern nicht weniger
als 25 von ihren Eltern mit Amuletts ausgerüſtet waren,
die Krankheiten und Unglück fernhalten ſollten. Aber noch
verbreiteter iſt der Glaube an die heilbringende
Zauber=
wirkung der Amuletts in der franzöſiſchen
Landbevölker=
ung. Hier wird noch heute mit kleinen Säckchen,
Medail=
len, Halsketten und dergleichen ein ſchwunghafter Handel
getrieben. Unter den Bauern herrſcht der feſte Glaube,
daß dieſe kleinen Gegenſtände Unheil abwehren; freilich
nur dann, wenn man ſie unmittelbar auf der Haut trägt
und nie ablegt. Einige dieſer Amulette müſſen am Halſe
getragen werden, andere an der Bruſt, einige im Rücken
und manche entfalten ihre Wunderkräfte nur dann, wenn
man ſie am Bauche trägt. Es gibt eine ganze Reihe von
Amuletten, die beſtimmte Krankheiten abwehren. In der
Vendée gibt es für die Bauern nur ein einziges wirklich
als heilkräftig angeſehenes Mittel gegen die gefürchteten
Mundſchwämmchen: man hängt den Kindern einen kleinen
mit der Hand genähten Beutel aus Flanell um den Hals.
Aber der Beutel kann nur wirken, wenn er genau viereckig
iſt und nicht größer als 6 Zentimeter im Quadrat. In
der Gegend von Limouſin verwendet man gegen Krämpfe
ein anderes Amulett. Es beſteht aus einer Nuß, aus der
man, ohne die Schale ganz zu zerbrechen, den Kern
ent=
fernen muß. Dann erfüllt man die Nußſchale mit
Queck=
ſilber und ſchließt die Oeffnung mit Wachs. Das
Wunder=
mittel muß dann zunächſt in Staniol eingeſchlagen
wer=
den, worauf es in ein kleines Lederſäckchen genäht wird.
Nur wenn den Kindern dies Amulett umgelegt iſt, fühlt
die Mutter ſich beruhigt und ſicher.
Literariſches.
— Plauderſtunden von Gansberg. 3. Auflage.
8‟ 1911. XII und 174. Preis 3 M. Verlag von
B. G. Teubner, Leipzig. Für jede Mutter, für jeden
Er=
zieher gibt es kein dankbareres Geſchäft als den Kleinen
zu erzählen. Freilich — es ſo zu tun, daß das kleine
Publikum wirklich gefeſſelt wird, das iſt eine Kunſt —
wer ſie verſteht, der vermag die Gedanken des Kindes
vom Naheliegenden weiter und weiter zu führen, ſein
Auge zu öffnen für die Schönheit der Welt, zugleich aber
auch leiſe das Verſtändnis für Urſache und Wirkung
vor=
zubereiten, ſo daß künftige mehr begriffliche Erörterungen
guten Boden finden. Gansberg iſt ſolch ein trefflicher
Er=
zähler und rang darum, zu zeigen, wie mans anfangen
muß! Selbſt ſcheinbar recht komplizierte und ſchwierige
Stoffe gewinnen Intereſſe und laſſen das Kind begeiſtert
auflauſchen. Das Buch erſcheint nun ſchon in dritter
Auf=
lage.
— Vor kurzem ging durch die Blätter die Nachricht, daß in
Deutſchland und in Deutſch=Oeſterreich ſeit mehreren
Mo=
naten von wiſſenſchaftlicher Seite daran gearbeitet wird,
für die nächſte Zukunft den Maſſenaustritt aus
den beſtehenden Religionsgeſellſchaften
zu organiſieren. Zu dieſem Behufe hat ſich ein Komitee
„Konfeſſionslos” (Protektoren Ernſt Haeckel und Wilhelm
Oſtwald, Vorſitzender Artur Drews) gebildet, das in mehr
als 60 deutſchen Städten Vertrauensmänner niedergeſetzt
hat. Der Vollzug des Maſſenaustritts iſt für den Herbſt
1912 angeſagt. Dieſer Bewegung tritt ein im
neugegrün=
deten Verlage von C. Erich Behrens in Hamburg ſoeben
erſchienenes populärwiſſenſchaftliches Werk ſcharf
ent=
gegen. Das Buch führt den Titel: „Vom Zuge, der
Menſchheit”, 1. Teil, die logiſche Konſtruktion des
Hauptproblems der Metaphyſik. Der Verfaſſer, Fritz
Fidler, behandelt darin das zentrale
Weltanſchauungs=
problem vom Standpunkte der reinen Logik. Die
Dar=
ſtellung iſt überaus klar und einfach und für jedermann
leicht verſtändlich. Für uns Deutſche iſt das Buch
nament=
lich auch deshalb intereſſant, weil der Verfaſſer an der
Hand einer Reihe ſtarker Wahrſcheinlichkeitsbeweiſe zu
dem Schluſſe kommt, daß bei der bevorſtehenden
Entſchei=
dung der religiöſen Weltkriſe aller Vorausſicht nach das
deutſche Volk der Träger der geiſtigen Führerrolle ſein
wird. Das Buch iſt durch alle Buchhandlungen zu
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