Darmstädter Tagblatt 1912


04. Oktober 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Das Wrack des am 14. September ſüdweſtlich von
Helgoland geſunkenen Torpedobootes G. 171"
iſt am Mittwoch gefunden worden.
Der Miniſter des Aeußern Saſonow hatte in Paris
am Mittwoch abend eine Unterredung mit Poin=
caré
, die bis nachts dauerte.
Der ruſſiſche Miniſter des Aeußern Saſonow wird
am Montag in Berlin eintreffen und ſchon am glei=
chen
Tage abends nach Petersburg weiterreiſen.
Der König von Griechenland empfing geſtern
vormittag in Wien im Hotel die Botſchafter
Italiens, Rußlands und Frankreichs in gemeinſamer
Audienz.
Blättermeldungen zufolge werden die vier Balkan=
ſtaaten
der Türkei heute ein Kollektiv= Memo=
randum
überreichen, in dem ihre Forderungen for=
muliert
ſind.
Nach Meldungen aus Paris war die Lage auf dem
Balkan bis Donnerstag nachmittag unverändert und
der Pforte noch kein Ultimatum von den Balkan=
ſtaaten
überreicht worden.

Die Balkankriſe.

Der neue Vierbund.
*** In dem Vorgehen gegen die Türkei haben ſich
die kleinen Balkanſtaaten zuſammengeſchloſſen, ſo daß
über Nacht ein neuer Mächtebund entſtanden iſt
und es fortan nicht nur einen Zwei= und einen Dreibund,
ſondern auch einen Vierbund gibt. Ob man dieſem
ein langes Leben vorausſagen kann, iſt indes zweifelhaft,
denn je mehr Mitglieder zu einer Vereinigung gehören,
um ſo ſchwerer iſt es, die Meinungen unter einen Hut zu
bringen, und um ſo leichter kann der Bund in die Brüche
gehen. Weniger die Freundſchaft untereinander, als der
insgeheim gehegte Wunſch, daß bei einer Niederlage der
Türkei für jeden etwas abfallen könnte, hat die vier Staa=
ten
geeinigt, und es mag ja auch ſein, daß ihr Bund bei
einem eventuellen Kriege ſeine Feſtigkeit bewahrt, weiter
hinaus darf aber vorläufig nicht gerechnet werden. Denn
alle rier Staaten ſind ziemlich unſichere Kantoniſten, ihre
finanziellen Verhältniſſe laſſen viel zu wünſchen übrig,
und dann waren ſie bis vor noch gar nicht langer Zeit
von ſtarkem Mißtrauen gegeneinander beſeelt, ſie gönnten
ſich weder politiſche noch ſonſtige Errungenſchaften.
Das galt insbeſondere hinſichtlich Bulgariens und
Serbiens. Der Haß des letzteren gegen Bulgarien war
tief eingewurzelt ſeit den empfindlichen Schlägen, die
1335 das damals nur durch Oeſterreichs Einſchreiten ge=
rektete
Serbien von den bulgariſchen Truppen unter Füh=
rung
Alexanders von Battenberg exhielt. Jetzt iſt das
Verhältnis beſſer geworden, ja Ende 1905 wurde ſogar
eine Zollunion abgeſchloſſen, und zwiſchen den Herrſchern
beſteht eine dicke Freundſchaft. Ob dieſe aber allen Er=
eigniſſen
gegenüber ſtandhält, ob ſie nicht infolge von
Kolliſionen der wirtſchaftlichen und politiſchen Intereſſen
beider Staaken bald wieder einer intimen Feindſchaft
* Platz macht, iſt gar nicht ſo unwahrſcheinlich.
Auch zwiſchen Serbien und Montenegro waren die
Beziehungen trotz der verwandtſchaftlichen Bande zwiſchen
den Herrſchern und der Stammesverwandtſchaft der beiden
Völker nicht die zärtlichſten. Das gegenſeitige Mißtrauen
war groß, die Eiferſucht nicht minder, und erſt ſeit kur=
zem
ſind die Beziehungen freundlichere. Wie die nationa=
len
Gegenſätze zwiſchen Bulgarien und Griechenland um
die Mitte des letzten Jahrzehnts dieſe Staaten lange Zeit
ernſtlich entfremdeten, iſt noch in friſcher Erinnerung; heiß
iſt die Liebe auch heute noch nicht.
Man ſieht, es ſind ziemlich heterogene Elemente, die
ſich da gefunden und zum Kriegsbunde zuſammengeſchloſ=
ſen
haben. Im Grunde genommen iſt ihr Auftreten gegen
die Türkei leichtfertig. Die Kriegsluſt der kleinen Balkan=
länder
iſt um ſo weniger zu billigen, als deren Finanzen
ſchlecht ſind und ein Zuſammenbruch als Folge der krie=
geriſchen
Aufwendungen unvermeidlich erſcheint. Jeden=
falls
hat Europa keine Veranlaſſung, ſich dieſes neuen
Vierbundes zu freuen, der frevelhaft den Frieden ſtört,
ohne Rückſicht auf die unheilvollen Konſequenzen.
Offiziöſe Kundgebungen zur Orient=
kriſis
.
** Eine Regierungskundgebung iſt an der Spitze
der Nordd. Allg. Ztg. veröffentlicht worden. Sie iſt offen=
bar
von der Abſicht eingegeben, beruhigend zu wirken,

und ſpricht infolgedeſſen die zuverſichtliche Erwartung
aus, daß eine europäiſche Konflagration vermieden bleibt,
wenn es zu einem Zuſammenſtoß am Balkan kommt. Die
N. A. Z. beruft ſich für ihre Erwartung auf die Aus=
ſprache
, die zwiſchen den europäiſchen Kabinetten über die
Balkanfrage ſchon ſeit geraumer Zeit ſtattgefunden hat,
und teilt als Ergebnis dieſer Ausſprache mit, daß alle
Mächte den feſten Willen hätten, die Ausdehnung des
Konflikts hintanzuhalten. Wenn die N. A. Z. auf Grund
deſſen eine endgültige Verſtändigung für ſicher hält, ſo
muß ſie dafür die bündigſten Beweiſe haben. Sonſt hät=
ten
die amtlichen Gewährsmänner der N. A. Z. mit der
vorliegenden Veröffentlichung eine überaus ſchwere Ver=
antwortung
übernommen. So betrachtet, tritt der be=
ruhigende
Charakter der heutigen Auslaſſung des Kanzler=
blattes
noch ſchärfer hervor. An der halbamtlichen Kund=
gebung
iſt im übrigen die Entſchiedenheit bemerkenswert,
mit der die Balkanſtaaten für den etwaigen Ausbruch des
Krieges verantwortlich gemacht werden. Da die Balkan=
ſtaaten
in ihren öffentlichen Begründungen der Mobil=
machung
den wirklichen Sachverhalt in ſein Gegenteil
verkehrten, war jene Feſtſtellung nicht überflüſſig.
Eine bekannte politiſche Perſönlichkeit ſtellt der N. G.
C. den Inhalt einer Unterredung mit dem Leiter
des Auswärtigen Amtes, Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter, zur Verfügung. Es heißt darin:
Die Lage auf dem Balkan iſt, militäriſch betrachtet,
derart zugeſpitzt, daß mit der Eröffnung des Krieges
ſtündlich gerechnet werden muß. Der einzige ernſthafte
Gegner der Türkei, das Königreich Bulgarien, iſt, ſoweit
Regierung und Volk in Betracht kummen, friedlich, das
unruhige Element ſind nur die Mazedonier. Nun er=
klären
alle Balkanſtaaten, daß ſie nichts weiter
als Reſormen für Mazedonien verlangen,
und in der Tat würde eine Aufteilung Mazedoniens ſofort
hellen Streit zwiſchen den jetzigen Bundesgenoſſen her=
vorruſen
. Es iſt als ausgeſchlofſen anzuſehen,
daß die Großmächte territoriale Aende=
rungen
der jetzigen Beſitzverhältniſſe
auf dem Balkan wünſchen oder zulaſſen.
Man darf hoffen, daß die Gewißheit, höchſtens Ruhm,
aber keinen Ländererwerb bei einem günſtigen Kriegsaus=
gang
zu ernten, noch in letzter Minute beruhigend auf die
Balkanſtaaten wirken wird. Rußland ſowohl als Frank=
reich
haben keinen Zweifel daran gelaſſen, daß ſie den
Statusquo auf dem Balkan unangetaſtet wiſſen wollen,
und in Oeſterreich=Ungarn und in England denkt man
ebenſo. Unter ſolchen Umſtänden iſt es nicht recht erſicht=
lich
, zu welchem Zwecke die Balkanſtaaten eigentlich Krieg
führen wollen: einen Krieg, deſſen Anfang zunächſt
den Friedensſchluß zwiſchen der Türkei und Italien her=
beiführen
und dadurch die Stoßkraft der Türkei beträcht.
lich vermehren würde. Daß irgendeine europäiſche Groß=
macht
in den Krieg hineingezogen werden könnte, darf
wohl als ausgeſchloſſen betrachtet werden. Man darf an=
nehmen
, daß der Krieg lokaliſiert bleiben wird. Deutſch=
land
hat am wenigſten Anlaß zur Nervoſität. Die ſtarke
Erregung an der Börſe, die bedauerlich bleibt und ein
falſches Bild unſerer wirtſchaftlichen Zuſtände liefert, iſt
mehr auf börſentechniſche Urſachen zurückzuführen.
Die Mächte und die Orientkriſis.
CO Von den verſchiedenſten Seiten wird berichtet,
daß die Mächte Schritte zur Erhaltung des Friedens
tun. Es handelt ſich jedoch nicht um ein gemeinſames
Vorgehen, ſondern um diplomatiſche Schritte, die von je=
der
Macht einzeln getan werden. Die Annahme, daß
durch das vereinzelte Vorgehen die Wirkung auf die Bal=
kanſtaaten
beeinträchtigt werden muß, liegt um ſo näher,
als das einzelne Vorgehen der Mächte Verſchiedenheiten
in bezug auf den Nachdruck zutage treten laſſen dürfte,
mit dem die Mächte an der Erhaltung des Friedens ar=
beiten
. Nach einer Wiener Privatmeldung ſoll Oeſterreich=
Ungarn erklärt haben, keine Veränderung des Statusquo
zugunſten der Balkan=Königreiche dulden zu wollen. Eine
Beſtätigung der Richtigkeit dieſer Meldung war nicht zu
erlangen.
Eine halbamtliche Darſtellung des Neuen Wiener
Tagbl. tritt der Auffaſſung entgegen, als ob Rußland
gegenwärtig ein Doppelſpiel ſpiele. Es liege nicht
der geringſte Grund vor, daran zu zweifeln, daß die ruſ=
ſiſche
Regierung, beſonders Saſonow, im Verein mit an=
deren
Mächten, namentlich Oeſterreich=Ungarn, auf die
Erhaltung des Friedens aufrichtig hinarbeite. Die
gegenteilige Auffaſſung ſtütze ſich auf die Haltung eines
großen Teils der ruſſiſchen Preſſe, indeſſen ſeien in offi=
ziellen
ruſſiſchen Preſſekundgebungen die Balkanſtaaten
davor gewarnt worden, die Ermunterung jener Blätter
als die Meinung der ruſſiſchen Regierung anzuſehen.
Ueberdies habe das ruſſiſche Kabinett ſeit Beginn der

Kriſe nicht aufgehört, die entſchiedenſten Vorſtellungen
an die Balkanſtaaten zu richten.
Im ſerbiſchen auswärtigen Amt wurde erklärt, daß
Bulgarien, ſowie Sexbien, Griechenland und Montenegro
der Türkei heute mittag ein Kollektivmemo=
randum
überreichen werden, in dem für Kreta, Al=
banien
, Mazedonien und Alt=Serbien innerhalb dreier
Tage die Gewährung der Autonomie verlangt wird. Im
Falle der Ablehnung ſoll die Aufforderung wiederholt,
den Signatarmächten eine Kollektivnote
übergeben und nach weiteren drei Tagen der Krieg erklärt
werden.

Ein engliſches Urteil über das deutſche Heer.

An leitender Stelle veröffentlicht die Daily
Meil aus der Feder eines ausländiſchen Fachmannes
einen kritiſchen Bericht über die deutſchen
Kaiſermanöver, der für uns Intereſſe hat, weil er
ein Urteil über das deutſche Heer enthält. Der militäriſche
Beobachter gibt zunächſt eine Ueberſicht über die Streit=
kräfte
und deren Aufgaben, dann aber kommt er auf die
Leiſtungen der deutſchen Luftſchiffe und Flieger zu ſpre=
chen
. Angeſichts der Ueberlegenheit, die gemeinhin
Frankreich in Flugdingen zugetraut wird, muß der Fach=
mann
feſtſtellen: Die Arbeit, die von den deutſchen Luft=
ſchiffern
und Militärfliegern geleiſtet wurde, war erſt=
klaſſig
. Von allen Flugzeugen erlitt nur eines eine Be=
ſchädigung
. Auf beiden Seiten wurde der geronautiſche
Erkundungsdienſt oft zu nächtlicher Arbeit gezwungen.
Der Zuſammenarbeit von Kavallerie und Flugzeug im Er=
kundungsdienſt
wird höchſtes Lob geſpendet und der all=
gegenwärtige
Zeppelin 3 leiſtete der blauen Partei un=
ſchätzbare
Dienſte. Die Flugzeuge beſchränkten ſich nicht
auf die Erkundung, ſondern erwieſen ſich in der Nachrich=
tenvermittlung
zwiſchen weit auseinanderliegenden Divi=
ſionen
als große und verläßliche Zeiterſparer. Von
den Fußtruppen wird geſagt: Die Ausdauer des deut=
ſchen
Infanteriſten, die bei dieſen Manövern zutage trat,
iſt durchaus bemerkenswert. Man nehme nur ein typiſches
Beiſpiel: Am 11. brach die blaue Infanterie um
11 Uhr abends zu einem Nachtmarſch von 45 Kilometern
auf. Am folgenden Morgen greift ſie an und kämpft
den ganzen Tag hindurch mit wechſelndem Erfolge. Am
Abend zieht ſie ſich zurück, marſchiert einen Teil der Nacht
hindurch, greift am Morgen um 5 Uhr ſchon wieder an
und kämpft bis um 11 Uhr durch. Zum erſtenmal in den
verſchiedenen Kaiſermanövern, denen ich beiwohnen
konnte, ſah ich einige Fußkranke, aber auf eine ganze Di=
viſion
entfielen deren kaum acht bis zehn. Die Infanterie
griff gut und voll Initiative und Stoßkraft an. Die Ver=
pflegung
aber, der Train, im letzten Sinne einer der wich=
tigſten
Faktoren der modernen Kriegsmaſchine, erwies ſich
von neuem als einer der kriegstüchtigſten Teile des deut=
ſchen
Heeres.
Die Betrachtungen des fremden Kritikers gipfeln
in dem Bekenntnis: Die letzten Kaiſermanöver hinter=
laſſen
bei dem beobachtenden Fachmann des Auslandes
keinen Zweifel darüber, daß, von unweſentlichen kleinen
Ausnahmen abgeſehen, das deutſche Landheer vielleicht
die vorbildlichſte Militärorganiſation der Welt iſt.

Deutſches Reich.

Die Eingabe der preußiſchen Biſchöfe
wegen Aufhebung des Jeſuitengeſetzes iſt vor mehreren
Tagen den Bundesregierungen in Abſchrift zugegangen.
Unterzeichnet iſt die Eingabe von dem Fürſtbiſchof von
Breslau Dr. Kopp und dem Erzbiſchof von Freiburg. Da
nun alſo auch der Freiburger Erzbiſchof mit unterzeichnet
hat, muß angenommen werden, daß die Urheber der Ein=
gabe
nicht nur die preußiſchen Biſchöfe, ſondern auch die
übrigen deutſchen Biſchöfe ſind, mit Ausnahme der baye=
riſchen
, die ja ſchon eine eigene Eingabe an den Bundes=
rat
gerichtet haben. Die Eingabe verlangt die Beſeitigung
des Jeſuitengeſetzes. Sie betrnt, daß die katholiſche
Kirche auf die Mitarbeit aller ihrer Orden unbedingt an=
gewieſen
ſei und auf die Mitarbeit keines derſelben ver=
zichten
könne, und daß ferner jedes Gefetz, das die Tätig=
keit
eines dieſer Orden einſchränken wolle, als ein Angriff
auf die ganze katholiſche Kirche und ihr Oberhaupt anzu=
ſehen
ſei. Wie verlautet, iſt eine Gegenkundgebung von
evangeliſcher Seite in Vorbereitung.
Nationale Schwäche. Wir leſen in der
Bayeriſchen Landeszeitung: Dieſer Tage iſt auf dem

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Seite 2.

Nummer 234,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Fraueuſtimmrechtskongreß in München auch eine Tſchechin
als Rednerin aufgetreten, die in einem Wahlkreis ihrer
Heimat in den böhmiſchen Landtag gewählt worden war.
Die temperamentvolle Dame, die für ihre Verſicherung,
keine enragierte Deutſchenhaſſerin zu ſein, wohl ſchwer=
lich
einen hinreichenden Beweis liefern dürfte, ſpraſch über
ihre von der öſterreichiſchen Regierung nicht anerkannte
Wahl, klagte dabei über das traurige Los der Tſchechen,
Kroaten und Slovaken (die Rednerin ſcheint demnach
eine ganze Reihe von Völkerſchaften vertreten zu wollen!)
und zog auch gewaltig gegen die öſterreichiſche Regierung
vom Leder. Von der Verſammlung, die über die Rede
der Tſchechin in helle Begeiſterung geraten war, wurde
eine Reſolution an die deutſch=böhmiſchen Abgeordneten
beſchloſſen. Dieſe Reſolution enthielt nicht etwa eine
Sympathiekundgebung für unſere deutſchen Landsleute
und ihre Abgeordneten in Böhmen, die ſeit Jahrzehnten
in hartem völkiſchen Kampf ſtehen, ſondern die Auf=
forderung
an die deutſchen Abgeordneten, der tſchechiſchen
Dame zur Anerkennung der Gültigkeit ihres Mandats zu
verhelfen! Ein derartiger Vorgang wäre in umgekehrter
Weiſe in einer überwiegend tſchechiſchen Stadt geradezu
unmöglich. Man ſtelle ſich vor: eine deutſche Dame von
ausgeprägter, allgemein bekannter völkiſcher Geſinnung
etwa auf einem Frauenkongreß in Prag! Es iſt bedauer=
lich
, daß die Frauenſtimmrechtlerinnen ſo wenig poli=
tiſchen
Takt beſitzen.
Eine Denkſchrift über die ſogekankte
Abonnentenverſicherung wird, wie die Tgl.
Rdſch, hört, im Reichsamt des Innern ausgearbeitet und
dürfte dem Reichstag bald zugehen. Das genannte Ber=
liner
Blatt bemerkt dazu: Die Frage des Verbots der
Abonnentenverſicherungen iſt im Reichstag und in der
Preſſe wiederholt beſprochen worden. Die Reichsleitung
hat nun die Bundesregierungen erſucht, ihre Erfahrungen
auf dieſem Gebiete dem Reichsamte des Innern mitzutei=
len
, und dieſes hat das eingegangene Material zu einer
Denkſchrift verarbeitet. Gelegentlich der Beſprechung im
Reichstag dürfte die Regierung beſtimmte Vorſchläge
machen, wie dem Unfug der Abonnentenverſicherung zu
ſteuern wäre.

Ausland.

Frankreich.
Die Unterredung zwiſchen dem Mi=
niſterpräſidenten
Poincaré und dem
ruſſiſchen Miniſter des Aeußern Saſo=
now
dauerse am Mittwoch von 10 Uhr abends bis
¼2 Uhr nachts. Sie bezog ſich faſt ausſchließlich auf die
Lage auf dem Balkan und die Maßregeln, die zur Auf=
rechterhaltung
des Friedens zu treffen wären. Der Figaro
ſchreibt über die Unterredung Poincarés mit Saſonow:
Es iſt überflüſſig, unter den gegenwärtigen Um=
ſtänden
die große Wichtigkeit dieſer Unterredung beſon=
ders
zu betonen. Die beiden Staatsmänner haben ein=
gehend
die verſchiedenen Seiten der Balkanfrage erörtert,
und wir glauben zu wiſſen, daß dieſe Unterhaltung einen
befriedigenden Eindruck betreffs der Möglichkeit einer ſo=
fortigen
gameinſamen Aktion ergeben hat. Der offiziöſe
Petit Pariſien ſagt: Wenn Oeſterreich=Ungarn und Ruß=
land
, dieſe beiden im Orient einflußreichſten Staaten, ſich
über das Reformprogramm einigen, das der Pforte zu
unterbreiten wäre, denn die Durchführung der maze=
doniſchen
Reformen iſt die Grundbedingung für die Wie=
derherſtellung
der Ruhe , wenn ſie ſich mit vollſter
Loyalität und vollſtem Vertrauen verſtändigen, um das
Kabinett Mukhtar=Paſcha zur Erweiterung ſeines De=
zentraliſierungsplanes
zu beſtimmen, dann iſt noch Aus=
ſicht
auf Hintanhaltung des Konfliktes vorhanden. Aber
jede dilatoriſche Maßnahme muß vermieden und die Ver=
ſtändigung
vor dem erſten ſcharfen Flintenſchuß, der noch
immer droht, abgeſchloſſen werden.
Spanien.
Der Eiſenbahner=Ausſtand. Die Regier=
ung
iſt vom Eiſenbahner=Ausſtand ſchwer betroffen und
auch in Handels= und Induſtriekreiſen betrachtet man die
Lage vielfach peſſimiſtiſch. Es herrſcht die Ueberzeugung,
daß der Ausſtand der Eiſenbahner einen Ausſtand der

Arbeiter anderer Gewerbe zur Folge haben werde, be=
ſonders
in den Induſtrien, die mit der Eifenbahn in Zu=
ſammenhang
ſtehen. Es heißt, daß die Agitatoren ſogar
einen Ausſtand ſämtlicher Gewerbe entfachen wollen. Die
Sozialiſten ſollen dieſen Plan in revolutionärer Abſicht
gefaßt haben.
Perſien.
Der Miniſter des Aeußern beabſichtigt, dem
britiſchen und dem ruſſiſchen Geſandten ſein Bedauern
darüber auszudrücken, daß ſeine Regierung nicht zu der
Konferenz in Balmoral, die die Intereſſen Perſiens ſo
nahe berührte, eingeladen worden iſt. Er beabſichtigt fer=
ner
, vorzuſtellen, daß die Zuziehung Perſiens bei even=
tuellen
künftigen Verhandlungen angemeſſen ſei.
China.
Die chineſiſche Anleihe. Auf Anregung
Rußlands findet zwiſchen den Regierungen der Länder,
die an der Sechsmächtegruppe für die chineſiſche Anleihe
vertreten ſind, ein Meinungsaustauſch darüber ſtatt, ob es
ratſam iſt, wegen Zahlung der 50 Millionen Dollars
Entſchädigung für die Boxerunruhen auf China einen
Druck auszuüben.
Angeſichts der ernſten Lage in der
Mandſchurei und der Mongolei wurden zur Er=
ledigung
von diplomatiſchen Fragen, welche die Kompe=
tenz
der Landesverwaltung überſchreiten, zwei bevoll=
mächtigte
Würdenträger ernannt, und zwar für die Nord=
Mandſchurei der frühere Juſtizminiſter Wandtſchumhoi,
für die Süd=Mandſchurei der Politiker Tſchenſchimo.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. Oktober.

* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
ſind am Mittwoch vormittag 9½ Uhr im
Auto aus Viernheim wieder zurückgekehrt. Prinzeſſin
Marie zu Solms=Lich iſt am Mittwoch mittag
12 Uhr 11 Min. zum Beſuch in Jagdſchloß Wolfsgarten
eingetroffen. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den außerordentlichen Profeſſor Dr. Hermann
Hirt in Leipzig zum ordentlichen Profeſſor in der
philoſophiſchen Fakultät der Landesuniverſität Gießen
für das Fach des Sanskrit und der vergleichenden
indogermaniſchen Sprachwiſſenſchaft.
* Verſetzt wurde der Pfandmeiſter Valentin
Meffert zu Fürth vom Tage des Dienſtantritts ſeines
Nachfolgers an in gleicher Dienſteigenſchaft in den Bei=
treibungsbezirk
Dieburg, ferner der Steueraufſeher Adam
Rhein zu Lauterbach vom 12. November d. J. an zum
Pfandmeiſter für den Beitreibungsbezirk Alsfeld und der
Steueraufſeher Konrad Stier zu Gießen vom Tage
ſeines Dienſtantritts an zum Pfandmeiſter für den Bei=
treibungsbezirk
Fürth ernannt.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Odenhauſen, Kreis Gießen,
Johannes Schweitzer auf ſein Nachſuchen, unter
Anerkennung ſeiner mehr als 50jährigen treuen Dienſte.
C. Pfarrperſonalien. Kaplan Eckſtein von der
hieſigen St. Eliſabethenpfarrei iſt nach St. Peter in
Mainz verſetzt worden. An ſeine Stelle tritt Kaplan
Quinkert, bisher in Horchheim bei Worms.
* Militärdienſtnachichten. v. Lekow, Lt. vom
Drag.=Regt. Nr. 23, v. Flotow, Lt. vom Drag.=Regt.
Nr. 24, Kuhn, Oberlt. vom F.=R. Nr. 25, Wittich,
Lt. vom F.=R. Nr. 30, beim Militär=Reitinſtitut komman=
diert
; Riedeſel Frhr. zu Eiſenbach, Lt. vom
Drag.=Regt. Nr. 24, zur Offizier=Reitſchule in Paderborn
kommandiert.
-g. Schwurgericht. Der 30jährige, zu Hüttenfeld ge=
borene
Dienſtknecht Jakob Frankenſtein aus Rüſſels=
heim
und die 26jährige Ehefrau Eleonore Stoll, geborene
Lotz, aus Klein=Gerau ſtanden geſtern unter der Anklage
des Meineids, Frau Stoll auch wegen Verleitung des
Frankenſtein zum Meineid, vor den Geſchworenen. Ver=
treter
der Anklage iſt Staatsanwalt Dr. Fuchs, Vertei=
diger
die Rechtsanwälte Dr. Hoffmann I. und Dr.
Kleinſchmidt II. Der Angeklagte F. hatte mit Frau
Stoll, da ſeine eigene Frau im Irrenhauſe ſich befindet,
ein Verhältnis angefangen. Als beide Angeklagten Mitte
März auf einem gemeinſamen Gang dem Zeugen Schelt
begegneten, war Frankenſtein ſo erregt darüber, daß er
wiederholt Drohungen gegen Schelt ausſtieß. Als dies
zu Ohren der Frau Schelt kam, ſagte ſie dem Ehemann
Stoll von dem Verhältnis des Frankenſtein mit Stolls

Ehefrau. Der Ehemann Stoll war von der Unſchuld
ſeiner Ehefrau ſo überzeugt, daß er die Frau Schelt wegen
Beleidigung verklagte. In der Verhandlung am 13.
Auguſt vor dem Schöffengericht in Langen nun ſagten
die heutigen beiden Angeklagten unter ihrem Eide aus,
daß ſie niemals in Beziehungen zueinander geſtanden
hätten. Schon gleich nach dieſen Ausſagen ſtellte ſich durch
andere Zeugenausſagen heraus, daß dieſe beeidigte Aus=
ſage
nicht den Tatſachen entſprach. Sie waren auch
ſpäter geſtändig, ihre beſchworenen Ausſagen wiſſentlich
falſch gemacht zu haben. Für die Dauer der Vernehmung
der beiden Angeklagten und verſchiedener Zeugen wurde
die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen. Nach der Mittags=
pauſe
gab das Gericht einem Antrag des Verteidigers der
Frau Stoll, Rechtsanwalt Dr. Kleinſchmidt, ſtatt
und beſchloß, Frau Stoll aufihren Geiſteszuſtand
unterſuchen zu laſſen. Die Verhandlung der
Sache wurde deshalb auf unbeſtimmte Zeit vertagt
und der Angeklagte Frankenſtein, der ſich bis jetzt
in Unterſuchungshaft befand, auf freien Fuß geſetzt.
g. Strafkammer. Der 24jährige Bäckergeſelle Martin
Werner aus Zſchokau hatte ſich geſtern vor der hieſigen
Strafkammer wegen eines ſchweren Diebſtahls zu verant=
worten
. Der Bäcker Wilhelm Galſter, der gemeinſam
mit dem Angeklagten und einem dritten Kollegen eine
Stube bei einem Bäckermeiſter auf dem Truppenübungs=
platz
Griesheim bewohnte bemerkte am Morgen des 24,
Auguſt, daß ſein verſchloſſener Spind geöffnet, der darin
ſtehende Schließkorb erbrochen und ein Betrag von 48 Mark
geſtohlen war. Als Täter kam der Angeklagte in Betracht,
der am Mittag desſelben Tages auf verdächtige Art das
Haus verließ, trotzdem alle Hausbewohner erſucht worden
waren, das Haus nicht zu verlaſſen. Bei den Nachforſch=
ungen
nach dem Täter fand man im Bett des Angeklagten
eine Feile verſteckt, die auch mit den am Korb entdeckten
Spuren der gewaltſamen Oeffnung übereinſtimmte. Wer=
ner
leugnete entſchieden, den Diebſtahl begangen zu haben.
Das Gericht kommt jedoch zu der Ueberzeugung, daß nur
er der Täter ſein kann und verurteilt ihn zu 9 Monaten
Gefängnis. Der 35jährige Schloſſer Anton Joſeph
Bender aus Ronsbach bot am Abend des 28. Auguſt
auf der Straße mehreren Perſonen ein Paar Halbſtiefel
zum Verkauf an. Auf die Frage nach dem Erwerb der
Schuhe gab er an, er habe ſie in einem Schuhwaren=
geſchäft
gekauft oder er habe ſie von ſeinen Eltern be=
kommen
. Die Staatsanwaltſchaft ſtellte jedoch feſt, daß
ſie einem Ausläufer eines hieſigen Geſchäfts aus dem Korb
geſtohlen worden waren. Der Zeuge Wildau gibt an, er
habe in einem Hauſe ſeinen Korb mit den Schuhen unten
im Hausgang ſtehen laſſen. Auf der Treppe kam ihm der An=
geklagte
entgegen, der die Gelegenheit jedenfalls benutzte,
die Schuhe zu ſtehlen. Auch ein weiterer Zeuge erkennt
den Angeklagten wieder, wie dieſer im ſelben Hauſe ge=
bettelt
habe. In der geſtrigen Verhandlung gibt nun der
Angeklagte an, er habe die Schuhe von einem Unbekannten
gekauft. Die Schuhe hatten einen Wert von etwa 15 Mack.
Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Rückfalls=
diebſtahls
zu 8 Monaten Gefängnis, wegen Bet=
telns
zu 4 Wochen Haft, außerdem wurde auf 3 Jahre
Ehrverluſt und Ueberweiſung an die Landespolizei er=
kannt
Der 26jährige Landarbeiter Michael Stephan
aus Roßdorf iſt am 24. Auguſt in den Pfälzer Hof in
der Gemarkung Mittel=Kinzig eingeſtiegen und hatte dem
Landwirt Bernhard König 133 Mark geſtohlen. Er wurde
zu 6 Monaten Gefängnis, abzüglich 1 Monat der
Unterſuchungshaft, verurteilt. Schon oftmals vorbe=
ſtraft
, bekam der 43jährige Schuhmacher Andreas Lutz
aus Markboffingen dennoch Arbeit bei dem Schuhmacher=
meiſter
Ludwig Stein in Wimpfen. Man brachte ihm
volles Vertrauen entgegen, deſſen er ſich jedoch in keiner
Weiſe würdig zeigte. Trotzdem er ſein gutes Auskommen
hatte, benutzte er am 23. Auguſt, als ſich alle Hausbewoh=
ner
bei der Feldarbeit befanden, die Gelegenheit dazu,
mittels eines falſchen Schlüſſels oder eines Stemmeiſens
die Kommodeſchublade zu öffnen, nachdem er ſich in das
Wohnzimmer eingeſchlichen hatte. Er entwendete 46 Mark
in bar und ein Paar Stiefel. Ein großer Teil des Geldes
wurde am anderen Tage bei ſeiner Feſtnahme noch bei
ihm gefunden. Der Angeklagte, der mit dem Strafgeſetz=
buch
genau Beſcheid weiß, beſtreitet den Diebſtahl nicht,
doch will er die Schublade offen vorgefunden haben. Es
ſei alſo nur ein einfacher Diebſtahl. Durch das Zeugnis
der Tochter des Stein wird jedoch klar erwieſen, daß die
Schublade verſchloſſen war. Das Gericht verurteilte ihn
zu 1 Jahr Gefängnis, abzüglich 1 Monat der Unter=
ſuchungshaft
.
* Berichtigung. In dem Bericht über die Strafkam=
merverhandlung
vom 24. September gegen die Franziska
Hubert in Nr. 226 des Tagblatts war die Angeklagte
durch eine bedauerliche Verwechslung als mehrfach vor=
beſtraft
bezeichnet worden. Auf Erſuchen ſei hiermit
richtiggeſtellt, daß Frau Huber bis dahin noch nicht
beſtraft geweſen iſt.

Zur Erinnerung an den 4. Oktober 1812.
Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.

Unter den verſchiedenen allgemeinen Dank=
feſten
, die in den heſſen=darmſtädtiſchen Landen zur
Rheinbundszeit zur Verherrlichung der Siege Napoleons
abgehalten wurden, gebührt unſtreitig die erſte Stelle dem
großen allgemeinen Dankfeſt vom 4. Oktober 1812. Es
verlohnt ſich deshalb auch der Mühe, bei der 100jährigen
Wiederkehr dieſes Tages ſeiner mit ein paar Worten zu
gedenken.
Ende September 1812 lief in Darmſtadt bei dem da=
ſelbſt
wohnenden franzöſiſchen Geſandten Vendeuil
eine Depeſche ein, die im Auftrage des Duc de Baſ=
ſano
am 16. September in Wilna niedergeſchrieben wor=
den
war und in Abſchrift noch erhalten iſt. Sie teilte
mit, daß Seine Majeſtät, Kaiſer Napoleon, befohlen habe,
daß in allen Kirchen ſeines Reiches für den glücklichen
Uebergang über Njemen und Dwina, ſowie die glor=
reichen
Kämpfe bei Mohilew, Polotzk, Oſtrowno, Smo=
lensk
und an der Moskwa ein feierliches Tedeum geſungen
werden ſolle, und gab außerdem der Ueberzeugung
Baſſanos Ausdruck, daß die großherzoglich heſſiſche Re=
gierung
es nicht daran fehlen laſſen werde, auf eine ebenſo
feierliche Art die bedeutſamen Siege der Waffen Seiner
Majeſtät zu feiern. Vendeuil überbrachte die Depeſche
dem heſſiſchen Staatsminiſter von Lichtenberg, damit
dieſer das Weitere veranlaſſe. Bei dieſer Gelegenheit gab
er dem Miniſter noch Kenntnis von weiteren großen Er=
rungenſchaften
der franzöſiſchen Waffen. Er berichtete ihm
auf Grund eines zweiten Schreibens das ihm Baſſano
kurz nach dieſer Depeſche überſandt hatte, daß nach der
Schlacht vom 7. September an der Moskwa die franzöſiſche
Armee in Moskau als Siegerin einmarſchiert ſei, und
daß der ruſſiſche Feldzug damit wohl ſein Ende gefunden
haben werde. Am 29. September erſtattete Lichtenberg
dem Großherzog Ludewig I. über dieſe wunderſamen
Vorgänge ein Referat. Es wurde ſchriftlich überxeicht

und von dem Großherzog mit folgender ſchriftlichen Ant=
wort
verſehen: Bis künftigen Sonntag den 4ten October
ſoll das Tedeum hier und im ganzen Grosherzogtum ge=
ſungen
werden für alle im Brief des Herzogs von Baſſano
enthaltenen glücklichen Ereigniſſe. Ich hoffe, daß der
Friede nun bald folgen wird. Was. werden
die Uebelgeſinnte und Dumme nun die
Flügel ſinken laſſen!
Das durch Verfügung vom 29. September angeord=
nete
Dankfeſt wurde dann auch in allen Kirchen des Lan=
des
abgehalten. Ueber die Feier, die am 4. Oktober in
Darmſtadt ſtattfand, haben wir einen Bericht. Nach=
dem
im Hauptgottesdienſt der großen Siege und des Ein=
marſches
in Moskau gedacht worden war, wurde nach=
mittags
um 1 Uhr in der Darmſtädter Stadtkirche unter
Abfeuerung von hundert Kanonenſchüſſen und Geläute
aller Glocken ein von der Muſik der Hofkapelle begleitetes
Tedeum (Großer Gott, wir loben dich) abgeſungen. Groß=
herzog
Ludewig, die Großherzogin Luiſe, die großherzog=
liche
Familie und der ganze Hof, ferner die fremden Herren
Geſandten, die ganze Geiſtlichkeit der Stadt, das Militär
und die geſamte Dikaſterialdienerſchaft nahmen an der
Feier teil. Nach dieſem gottesdienſtlichen Akte fand bei
Hofe ein Diner ſtatt, auf dem der Großherzog die Ge=
ſundheit
Napoleons ausbrachte Abends wurde große
Oper gegeben die Oper Sargines, bei der ſich Madame
Schönberger=Marconi und der zur Zeit als Gaſt
des Hoftheaters in Darmſtadt weilende königlich preußiſche
Opernſänger Johann Georg Gern rühmlichſt her=
vortaten
.
Ueber die Art, wie das Dankfeſt auf dem Land
gefeiert ward liegen verhältnismäßig wenig Nachrichten
vor. Im allgemeinen wiſſen wir nur, daß überall am
Vorabend des Feſtes der Feſttag durch das Geläute aller
Glocken noch beſonders angekündigt wurde, und daß am
Feſttag ſelber das Dankfeſt mit den gewöhnlichen Feier=
lichkeiten
zu halten war und auch gehalten wurde. Selbſt=
verſtändlich
war das Thema der Feſtpredigt überall der
Sieg der Waffen Napoleons und deſſen Perſönlichkeit

Glücklicherweiſe iſt noch eine der auf den Dörfern gehal=
tenen
Predigten vorhanden. Sie ſtammt von Dietzen=
bach
und liegt im Druck vor unier dem Titel: Eine
Predigt am 4ten October 1812, als am allgemeinen Dank=
feſte
für die großen Siege Napoleons des Einzigen, vor
einer Landgemeinde gehalten von Heinrich Philipp=
Hornung, Grosherzoglich heſſiſchem Pfarrer zu Dietzen=
bach
(Darmſtadt, gedruckt mit Stahlſchen Schriften 1813)"
Ehe wir uns den intereſſanten Inhalt der Predigt ver=
gegenwärtigen
, mögen hier einige Notizen über den
Pfarrer Hornung Platz finden. Heinrich Philipp Hornung
war ein Lehrersſohn. Er iſt in Alsbach geboren, wo
ſein Vater 17671783 als Schullehrer ſtand. Mit dem
Vater ſiedelte er 1783 nach Wolfskehlen über, deſſen
Schule ſein Vater von da ab über 20 Jahre lang verſah.
Nach Abſolvierung des Darmſtädter Pädagogs und der
Univerſität Gießen ward Hornung am 16. Juui 1794 in
die Liſte der Kandidaten des Predigtamts in der Ober=
grafſchaft
aufgenommen und am 7. Sonntag nach Trini=
tatis
1796 zum Feldprediger ordiniert. Nach der Rück=
kehr
aus den Feldzügen von 17961798 ward Hornung
1798 Pfarrer in Egelsbach, wo er eine Predigt über die
Schutzpocken drucken ließ. Im Jahre 1805 ward er nach
Dietzenbach verſetzt. Im Jahre 1819 iſt er als entlaſſener
Pfarrer von Dietzenbach verſtorben.
In der auf Verlangen der Gemeinde in den Druck
gegebenen Predigt am Dankfeſte behandelt Hornung an
der Hand von Pſalm 110, Vers 57 das Thema: Daß
Dankbarkeit und Liebe zu Gott durch Gehorſam
gegen die Obrigkeit bewieſen werden müſſe. Da=
zu
, daß ſich die Dietzenbacher zu dieſem hohen Werke des
Gehorſams bereitfinden laſſen, will er ſie führen, indem
er erſtens hohe Betrachtungen im Nachdenken
vorſtellt und zweitens Belehrung und Ermun=
terung
für ihr Herz und Leben herleitet‟. Die hohen
Betrachtungen beſtehen darin, daß Hornung ſeinen
Zuhörern zuerſt die Not vorſtellt, die vorher herrſchte.
Er weiſt ſie auf an einem Bilde der traurigen Zeiten den
Rebellion in Frankreich und der Folgen, dieedieſe Rebeis

[ ][  ][ ]

Nummer 234.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

O Vom Großh. Hoftheater. Freitag wird Offenbachs
burleske Operette Die ſchöne Helena als 22.
Abonnementsvorſtellung, Buchſtabe D 5, zum erſten Mal
wiederholt. Die ſamstägige Vorſtellung von Wil=
helm
Tell findet bei kleinen Preiſen ſtatt. Der
fliegende Holländer wird am Sonntag zum erſten
Mal in dieſer Spielzeit zur Aufführung gebracht werden.
Das Werk, das in einigen großen Partien zum Teil neu
beſetzt erſcheint, leitet Hofrat de Haan. Max Deey=
ers
fünfzigſter Geburtstag, gibt der Generaldirektion
die mit Freuden wahrgenommene Gelegenheit, den Dich=
ter
, der eine der liebenswürdigſten Erſcheinungen der zeit=
genöſſiſchen
Literatur darſtellt, zu ehren. Zur Feier des
Tages hat die Leitung ein hier noch unbekanntes Werk des
Verfaſſers von Siebzehnjährigen und Probekandidat‟
(die hier ſeinerzeit großen Erfolg errangen) das amü=
ſante
Luſtſpiel Großmama für Montag, den 7. Ok=
tober
angeſetzt.
* 40jähriges Dienſtjubiläum Paul Wagners. Man
ſchreibt uns verſpätet: Ein hochbedeutſames Dienſtjubi=
läum
konnte in dieſen Tagen die landw. Verſuchsſtation
Darmſtadt begehen; waren doch am 1. Oktober d. J. 40
Jahre verfloſſen, ſeit der Vorſteher der Anſtalt, Herr Geh.
Hofrat Profeſſor Dr. phil. Dr.=Ing, h. e. Paul Wagner
die Leitung des Inſtituts übernommen hatte. Auf aus=
drücklichen
Wunſch Geheimerat Wagners war von einer
offiziellen größeren Feier abgeſehen worden. Die Be=
amtenſchaft
der Verſuchsſtation hat es ſich natürlich nicht
nehmen laſſen, ihren Chef an dieſem Tage durch Ueber=
reichung
eines geſchmackvollen Blumenarrangements zu
ehren und den Tag im internen Kreiſe feſtlich zu begehen.
Sämtliche Angeſtellte der Verſuchsſtation verſammelten
ſich nebſt ihren Damen am Dienstag abend im großen
Saal des Rummelbräu wo bei einem vortrefflichen
Mahl, gewürzt durch Tiſchreden, ſowie muſikaliſche und
deklamatoriſche Darbietungen ſich bald eine fröhliche, feſt=
liche
Stimmung entwickelte. Herr Geheimerat Wagner
gedachte dabei in warmen, herzlichen Worten all der Mit=
arbeiter
, die während der vier Jahrzehnte ſeines Darm=
ſtädter
Wirkens ihm treu zur Seite ſtanden und ihn bei
ſeinen Arbeiten unterſtützten. Sein Dank galt all dieſen
Mitarbeitern und beſonders denen, die jetzt noch an der
Verſuchsſtation tätig ſind. Landwirt Jakob Keller
aus Ernſthofen i. O den eine zwanzigjährige Verſuchs=
tätigkeit
mit der Verſuchsſtation verbindet, hob die großen
Verdienſte Wagners um die deutſche und ſpeziell die
heſſiſche Landwirtſchaft hervor, ein weiteres erfolgreiches
Wirken des Jubilars wünſchend. Bureauvorſteher
Kadel gedachte der hervorragenden Stellung der Ver=
ſuchsſtation
Darmſtadt, die aus den kleinſten Anfängen
heraus ſich zu einem angeſehenen Forſchungsinſtitut em=
porgearbeitet
habe, das weit über die Grenzen unſeres
deutſchen Vaterlandes hinaus bekannt und geachtet wäce.
Wenn unſer Heſſenland ſich rühmen dürfe, ein Forſch=
ungsinſtitut
zu beſitzen, das auf eine ſo erfolgreiche Tätig=
keit
zurückblicken könne, ſo gebühre der Dank hierfür in
erſter Linie der zielbewußten Leitung Geheimerat Wag=
ners
. Der Jubilar dankte hierauf in herzlichen Wor=
ten
, dabei der heſſiſchen Landwirte gedenkend, deren tat=
kräftige
Mitarbeit ſeine Arbeiten ſtets ſehr gefördert
hätte. Sein Hoch galt ſpeziell dem langjährigen Ver=
ſuchsanſteller
Keller=Ernſthofen. Ein kerniger, humor=
voller
Trinkſpruch, den Landwirtſchaftslehrer Kunkel
auf die deutſchen Frauen und insbeſondere auf die bei
dem Feſt anweſenden Frauen und Jungfrauen ausbrachte,
bildete den Schluß in der Reihe der Tafelreden. Das
Feſt war überaus gelungen und ſchön verlaufen. Zu er=
wähnen
iſt noch, daß, trotzdem der Ehrentag auf Wunſch
des Herrn Geheimerat Wagner geheim gehalten und die
Feier nur im internſten Kreiſe begangen werden ſollte,
der Jubeltag dennoch in der Oeffentlichkeit zum Teil be=
kannt
geworden iſt, ſo daß im Laufe des Tages noch
zahlreiche Gratulationen erfolgten. Unter dieſen ſind her=
vorzuheben
die prachtvolle Blumenſpende des Herrn Ge=
heimerat
Haas Generalanwalt des Verbandes der deut=
ſchen
landw. Genoſſenſchaften, der den Jubilar in einem
längeren, ſehr ehrenden Schreiben beglückwünſchte, ferner
die prachtvolle Blumenſpende der Landwirtſchaftskammer
und das ehrende Glückwunſchtelegramm des Verbandes
der heſſiſchen landw. Genoſſenſchaften, deſſen Ehrenmit=
glied
Herr Geheimerat Wagner iſt.
Eugen Bracht=Ausſtellung. Vor einigen Tagen
konnte berichtet werden, daß die Zahl der verkauften Bil=
der
die Achtzig bereits überſchritten habe. Wir können
heute berichten, daß am letzten September der hunderſte
Verkauf abgeſchloſſen worden iſt. Da vielfach
die Meinung verbreitet iſt, die Ausſtellung wurde am
1. Oktober geſchloſſen, ſei nochmals ausdrücklich bemerkt,
daß ſie noch mindeſtens bis zum 20. Oktober
dauern wird.
* Zum Jubiläum der Volksbank. Es ſei nochmals
darauf aufmerkſam gemacht, daß die Generalverſammlung
heute Freitag abend ſtattfindet, und daß der Feſt=
akt
am Sonntag pünktlich um 11 Uhr beginnt.

* Bei Großh. Ortsgericht Darmſtadt I wurden im
Monat September d. J. abgeſchloſſen: 4 Kaufverträge über
bebaute Grundſtücke mit dem Kaufpreis von 165570 Mk.,
15 Kaufverträge über unbebaute Grundſtücke mit dem
Kaufpreis von 177913 Mk., zuſammen 343 483 Mk.
Akadem. Volksunterrichtskurſe Darmſtadt. Der
Bericht über den 6. Lehrgang, Sommerhalb=
jahr
1912, iſt erſchienen, dem folgendes entnommen ſei:
Es wurden in dieſem Halbjahr 7 Kurſe abgehalten:
2 Deutſchkurſe, 3 Rechenkurſe, 1 Geographiekurs und
1 Kunſtkurs. Jeder Kurs umfaßte etwa 9 Unterrichts=
abende
. In Deutſch a wurde Schönſchreiben mit deut=
ſchen
und lateiniſchen Buchſtaben geübt, gleichzeitig etwas
Rechtſchreibung. In Deutſch b wurden die Regeln der
Rechtſchreibung durchgenommen und durch Diktate und
kurze freie Niederſchriften eingeübt. In Rechnen a wur=
den
die 4 Grundrechnungsarten beſprochen, die Maß=
ſyſteme
und das Rechnen mit benannten Größen; in
Rechnen b Bruchrechnung, Zins= und Rabattrechnung,
Dreiſatz. Das Penſum von Rechnen b erwies ſich als
zu groß, und die Dezimalbrüche ſollen künftig bereits im
unteren Kurs behandelt werden. In Rechnen e wurden
die Grundlagen der Algebra durchgenommen. Der
Geographiekurs brachte nach einer kurzen Betrach=
tung
der Erde als Weltkörper eine ausführliche Betrach=
tung
Deutſchlands; wirtſchaftlich Wichtiges wurde hervor=
gehoben
. Ein aſtronomiſcher Spaziergang beſchloß dieſen
Kurs. Der Kurs Kunſt imtäglichen Leben fand
bei den Hörern viel Beifall. In Form einer Unterhal=
tung
zwiſchen den Hörern und den Kursleitern wurden
Fragen beſprochen wie: Denkmäler, Anſichtskarten, Mün=
zen
, Briefmarken. Die Führungen wurden nicht
öffentlich bekannt gegeben, um eine zu große Beteiligung
zu vermeiden. Herr Maler Gengnagel zeigte den Hörern
die Erzeugniſſe des alten und neueren deutſchen Kunſtge=
werbes
im Landesmuſeum. Herr Dr. Haupt führte durch
die geologiſche Abteilung des Landesmuſeums; Herr
Profeſſor Dr. Schenck durch den botaniſchen Garten an
der Roßdörfer Straße. Das Schlußfeſt wurde dem
bisherigen Gebrauch entgegen an einem Samstag Abend
in Darmſtadt gefeiert. Die Zahl der Kurs= Teil=
nehmer
betrug 56; von dieſen waren 12 weib=
lich
. Die Geſamtzahl der Anmeldungen betrug
82; 21 Hörer nahmen an mehr als einem Kurs teil. Es
ſtanden im Alter von: unter 20 Jahren männlich 3, weib=
lich
8, von 21 bis 30 Jahren 29 bez. 3, von 81 bis 40
Jahren 9 bez. 1, über 40 Jahren 3. Dem Be=
ruf
nach waren Kaufleute und Bureauangeſtellte männ=
lich
1, weiblich 8, Beamte (Poſt) 5 männlich, Arbeiter und
Handwerker 35 männlich, ohne Berufsangabe 3 männlich
und 2 weiblich, ohne Beruf 2 weiblich. Die Zahl der
mitwirkenden Studenten betrug 15. Für das kommende
Semſter iſt als Neuerung ein Lichtbilderkurs
geplant, in dem an etwa 7 Abenden Induſtriebilder, eine
Schweizer Reiſe, engliſche Städte und anderes gezeigt
werden wird.
* Zum Beſten des Feſthaus=Vereins, Darmſtadt,
ſtehen auch für den kommenden Winter wieder eine Reihe
von Veranſtaltungen in Ausſicht, die hieſige Vereine in
dankenswerter Weiſe arrangiert haben. Den Anfang
macht am nächſten Mittwoch die Veranſtaltung der
Freien Literariſch=Künſtleriſchen Geſell=
ſchaft
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaus:
Die Tragödie des Doktor Fauſtus von Chriſtopher
Marlowe. Inſzenierung Masken und Koſtüme von Pro=
feſſor
Richard Lukſch (Hamburg). Spielleitung: Emanuel
Strckhauſen (Hamburg) Muſikaliſche Leitung: Wilhelm
Schmitt (Darmſtadt). Es folgen dann zwei Veranſtaltun=
gen
des Rſichard Wagner=Verſellns, Darm=
ſt
adt: Dienstag, 14. November 1912, im Feſtſaale der
Turngemeinde: Konzert von Frau Kammerſängerin Erika
Wedekind aus Dresden (Sopran) und Frau Profeſſor
Marcelle Chéridjian=Charrey aus Genf (Klavier) und
Montag, 30. Dezember 1912, im Feſtſaale der Turnge=
meinde
: Lieder=Abend des Darmſtädter Vokalquartetts:
Frau Sophie Schmidt=Illing (Sopran), Fräulein Elſe
Diefenthäler (Alt), Franz Müller (Tenor) und Alfred
Stephani (Baß unter Mitwirkung von Hofkonzertmeiſter
Ernſt Schmidt (Klavier), Ferner ſteht in Ausſicht: Eine Ver=
anſtaltung
des Darmſtädter Vortragsverban=
des
der den Reinertrag ſeines am Mittwoch, 15. Jan.
1913, im Feſtſaale der Turngemeinde ſtattfindenden Peter
Roſegger=Abends des Kgl. bayeriſchen Hofſchauſpielers
Mar Hofpauer aus München, ebenfalls dem Feſthaus= Ver=
ein
zufließen laſſen will.
* Kriegerverein Darmſtadt. Die Monatsver=
ſammlung
des Vereins fand am Mittwoch abend im
Vereinslokal der Turnhalle am Woogsplatz ſtatt. Der
1. Vorſitzende, Herr Hauptmann a. D. Waldecker
begrüßte die Verſammlung und berichtete über die
Tätigkeit des Vorſtandes im abgelaufenen Monat
Punkt 3 der Tagesordnung betraf die vom Volks=

bildungsverein in Verbindung mit den hieſigen Turn=
vereinen
geplante Jahn=Gedächtnisfeier. Herr
Hauptmann a. D. Waldecker berichtete hierzu, daß ſich
der Kriegerverein durch den Vertrieb von Eintrittskarten
ebenfalls an der Feier beteiligt. Dieſelbe beſteht in einer
Feſtveranſtaltung am 12. Oktober und einem Schau=
turnen
am 13. Oktober. Ueber den derzeitigen Stand
und die gedeihlichen Fortſchritte unſerer Jung= Darm=
ſtadt
=Gruppe machte der 2. Vorſitzende intereſſante
Ausführungen. Hierauf fand Bücherausgabe ſtatt.
* Vortrag. Am Samstag abend ſpricht im Fürſten=
ſaal
auf Veranlaſſung des Kaufmänniſchen Vereins
Darmſtadt, e. V., Herr Wilhelm Schnellbächer über
das Thema: Verſicherungsgeſetz für Ange=
ſtellte‟
. Der Referent hat ſich infolge ſeiner Tätigkeit
auf ſozialem Gebiete eingehend mit dieſem neuen Geſetz
befaßt und wird in erſchöpfender Weiſe die wichtigſten
Paragraphen erklären und beſprechen. Wir weiſen, in
anbetracht der Wichtigkeit dieſes aktuellen Themas, noch=
mals
an dieſer Stelle auf den Vortrag hin. (S. Anz.)
Damen=Vortrag im Naturheilverein. Am
Freitag, den 11. Oktober, wird Frau Dr. med.
Purtſcher aus Zürich einen Vortrag mit Lichtbildern
halten über das Thema: Gibt es eine operationsloſe
Heilweiſe bei Frauenleiden ? Nur erwachſene Damen
haben Zutritt. (Siehe Anzeige.)
* Der evangeliſche Frauenverein für den Schloß=
bezirk
wird am nächſten Sonntag ſeine Winterarbeit
mit einem Familienabend (Teeabend) beginnen.
Das Programm weiſt neben muſikaliſchen Darbietungen
einen Vortrag von Pfarrer D. Dr. Diehl: Ge=
ſchichtlich
denkwürdige Häuſer unſeres
Schloßbezirks auf. Teekarten zu 25 Pfg. ſind
bei Herrn Hausverwalter Göriſch und abends an der
Kaſſe zu erhalten.
* Vortrag Cumberland. Es ſei nochmals auf die
heute Freitag abend im Hotel Traube ſtattfindende
Soiree F. Cumberland aufmerkſam gemacht, die ſehr in=
tereſſant
zu werden verſpricht. Die Leiſtungen des
Künſtlerpaares auf dem Gebiete der Telepathie, Sug=
geſtion
, Gedächtnismeiſterſchaft, der antiſpiritiſtiſchen Ex=
perimente
uſw. werden von der auswärtigen Preſſe als
ganz hervorragend bezeichnet. Die Straßb. Bürger=
zeitung
ſchreibt u. a. folgendes: Herr Cumberland und
ſeine Gattin übertrafen alles, was im Gedankenleſen
Fly und Slade, vor einigen Jahren in aufſehen=
erregender
Weiſe Erichſen, ſpäter dann Bellini uns vor=
geführt
haben.
Darmſtädter Orpheum. Mit einem ausgezeichne=
ten
und reichhaltigen Programm hat die Direktion unſeres
Varieté=Etabliſſements die 18. Spielzeit 1912/13 am Mitt=
woch
bei faſt ausverkauftem Hauſe eröffnet. Mit einem
Programm, das beweiſt, daß Herr Direktor Fink, der
in langjähriger Tätigkeit den Geſchmack ſeiner Beſucher
kennen gelernt, auch in Zukunft dieſem Rechnung zu tra=
gen
beſtrebt und bemüht ſein wird, vom Guten das Beſte
zu bringen, was die Kunſt des Varietés kennt. So wird
und muß es der Direktion gelingen, ihr Etabliſſement auf
der Höhe zu erhalten, die es durch emſige Arbeit, geleitet
von großer Sachkenntnis und gediegenem Geſchmack, im
Laufe der Jahre erklommen, und die das Orpheum ſehr
vielen Darmſtädtern unentbehrlich werden ließ, denn was
die Zuſammenſtellung des Programms anbelangt, kann
unſer Orpheum mit jedem Weltetabliſſement auch der
Großſtädte wohl konkurrieren. Allerdings gehört, um ſich
dieſer Art behaupten zu können, dazu, daß das Orpheum
weiterhin von der Gunſt des Publikums getragen wird,
die ſich naturgemäß am beſten und förderlichſten in ſtär=
kerem
Beſuch äußert, als er oft zu verzeichnen war.
Das Eröffnungs=Programm der erſten Oktoberhälfte
ſteht vornehmlich im Zeichen fröhlichen Humors, dem
aber durchweg künſtleriſch gehobene Darbietungen zugeſellt
ſind. Ein Drahtſeilakt von Miß Rawera eröffnet den
Abend. Die anmutige Künſtlerin iſt eine hervorragende
Vertreterin ihrer alten Kunſt, die ſie erheblich moderni=
ſiert
hat. Sie arbeitet ſicher und gewandt und bringt
beſonders in akrobatiſchen und equilibriſtiſchen Kunſt=
ſtücken
auf dem ſtrefffgeſpannten Drahtſeil viel Neues und
Schönes. Dann bringen Les Auberts moderne
Tänze, in denen ſich Kraft mit Gewandtheit und Grazie
gepaart in akrobatiſch=künſtleriſchen Tanzformen äußert.
Und zwar in einer Weiſe, daß einzelne Poſen den ſchön=
ſten
Tanzbildern Reczniceks entnommen ſcheinen, wenn
anders man nicht annehmen wollte, daß ſie dieſem Vor=
bilder
waren. Jedenfalls war der rauſchende Beifall,
den der Wackeltanz erntete, begreiflich und wohlver=
dient
, wenn der Tanz in dieſer Form auch wohl noch
lange ein Vorrecht der Akrobaten bleiben wird. Um
beim Tanz zu bleiben, ſei gleich das Geſangs= und Tanz=
Enſemble The 6 little Girls genannt, die wie in
rauſchendem Sinnestaumel über das Podium wirbeln
und durch ihre übermäßig tolle Laune alles mitreißen.
Viel Humor entfalten auch Olga Gregg und Shef=
field
in ihrer humoriſtiſchen Szene In der Bodega

lion auch für Heſſen hatte. Dieſe Zeiten ſind nun
vorbei. Durch Gottes weiſe, väterliche Fürſorge für
die Völker beſtieg Napoleon der Große, der Einzige, den
Thron Frankreichs. Geleitet durch Gottes Geiſt, geſtärkt
und geſchützt durch Gottes Allmacht, unterrichtet durch
Gottes Weisheit, gab der große Mann Frankreich weiſe
Geſetze und erhob es zu einer Größe und zu einem Glücke,
welches es noch nie kannte. Unter ſeinen Anordnungen
verlor ſich der Partheigeiſt; Ruhe, Ordnung, Friede und
Freude kehrte in die Herzen und Geſchäfte wieder zu=
rück
. An dieſem Glück hat aber auch Heſſen Anteil ge=
wonnen
. Mit weiſer Vorſorge verband Gott das Herz
des geliebten Großherzogs, ja die Herzen aller edlen Be=
herrſcher
Teutſchlands mit dem großen Kaiſer Napoleon,
durch den Rheiniſchen Bund, und Teutſchlands edle Be=
herrſcher
wählten, geleitet von Gott, den großen Kaiſer
zum Beſchützer ihres Bundes, für Unterthanenwohl.
Durch dieſen Bund wurden die zwey edelſten Völker der
Erde, die Franzoſen und Teutſche, gleich edel am Herzen,
gleich ausdauernd am Muthe, und gleich ſtark am Geiſte,
ſich verwandt. Nichts wird künftig, unter dieſer Verbind=
ung
, Frankreichs und Teutſchlands Ruhe im Inneren
ſtören können. Kein Feind wird ſtark genug ſeyn, ins
Innere dieſer Reiche einzudringen, und die Unterthanen
zu quälen. Und welche Größe und Ehre hat durch den
Rheiniſchen Bund unſer Vaterland erhalten!
Nach dieſen hohen Betrachtungen kommt Hornung zur
Belehrung und Ermunterung. Sie gipfeln
darin, daß die Untertanen ſich bemühen ſollen, Gott in
dem Großherzog zu ehren, indem ſie von dem Großher=
zog
nur mit Ehrfurcht und wahrer Hochachtung reden
ſeine Verordnungen und Befehle auf das Genaueſte aus=
üben
und befolgen, die ſchuldigen Abgaben gerne und
zur gehörigen Zeit entrichten und endlich als Soldaten
für das Wohl des Großherzogs und des Vaterlandes alles
tun, was in ihren Kräften ſteht.
Soviel vom Inhalt der Predigt. Sie zeigt eine
exehrung für den Fxanzoſenkaiſer und den ge=

liebteſten Landesherrn, iſt aber im übrigen ziemlich flach
in den Gedankengängen; ein rechtes Produkt der auf=
kläreriſchen
Zeit. Am meiſten intereſſieren an ihr den
modernen Leſer natürlich die Urteile über Napo=
leon
. Sie gehen aus der oben mitgeteilten Skizze ſchon
hervor. Napoleon iſt für Pfarrer Hornung ein Gott=
geſandter
. Ich möchte dieſe Behauptung noch mit einigen
Sätzen belegen. Im Kanzelgebet, das der Predigt vor=
ausgeht
, ſagt Hornung: Wie groß iſt, Gott, deine Gnade,
welche du uns jetzt wieder durch Napoleon, deinen
Geſalbten erwieſen haſt. Im Eingang der Predigt
leſen wir: Wir feiern in dieſer Gott geweihten Stunde
ein Dankfeſt für die großen Siege und Einnahme der
Stadt Moskau, welche uns unſer Gott durch ſeinen Ge=
ſalbten
, den großen Kaiſer und König, den erhabenen
Beſchützer des rheiniſchen Bundes, durch Napoleon ge=
geben
hat. Am Ende der Einleitung wird Hornung noch
deutlicher. Er behauptet ſtracksweg, daß, wer die Rede
Davids in Pſalm 110, den damals jedermann auf den
Meſſias deutete, mit dem Leben und den Thaten des
großen Kaiſers Napoleon vergleiche, darin ganz das Bild
des erhabenen Kaiſers finden müſſe. Mit welcher
Mühe ſagt er, mit welcher Anſtrengung, mit welchem
Fleiß und Sorgfalt, mit welchen Aufopferungen erfüllt
der große Kaiſer ſeinen Beruf. Er opfert ſeine Ruhe auf,
arbeitet ganze Nächte, um zu überlegen und zu berathen
was ſeinem Volke nützlich, was ſeinen Freunden, den mit
ihm verbündeten Fürſten, Seegen bringt . . . Eure Söhne
haben es euch ja ſchon ſo oft erzählt, wie Er die Gefahren
und Beſchwerden des Krieges mit ihnen theilt, wie er
nach dem Ausdruck Davids in unſerm Texte, ſo zu ſagen
aus dem Bache auf dem Wege trinkt. O wie oft war meine
Seele ſchon gerührt, wann mir eure Söhne die Schlach=
ten
erzählten, welche ſie unter Anführung des großen Kai=
ſers
kämpften; wenn ſie mir ſagten, wie der große Mann
mitten im tiefſten Schlachtgewühl an ihrer Seite war
Kurz, Napoleon, der große Kaiſer, iſt
ganzder Mann, welchen Dapidinunſerem

Text darſtellt. Gott iſt mit ihm und leitet ihn, Gott
ſchützt ihn, Gott giebt ihm Siege und Ehre weil er ſeinen
Beruf ſo treu erfüllt. Und auch Gott hat ihm die großen
Siege gegeben, für welche zu danken, wir gegenwärtig
hier mit Andacht verſammelt ſind.
Wenn man die eben angeführten Sätze überlieſt,
kommt einem ſo recht zu Bewußtſein, wie unerſchütterlich
feſt der Dietzenbacher Pfarrer von der göttlichen
Miſſion Napoleons überzeugt war. War er es
allein im Heſſenland? Wir haben die Predigten der
übrigen Pfarrer nicht. Aber wir glauben billig behaupten
zu dürfen, daß, wenn auch viele in ihrer Dankfeſtpredigt
vielleicht den übertriebenen Ton Hornungs nicht beherr=
ſchend
ſein ließen, doch faſt alle auf demſelben Satze
ſtanden wie er: Napoleon war unſer Retter und unter
ſeinem Schutz zu ſtehen, iſt für uns Ehre, nicht Schande.
In unſerer Zeit urteilen die meiſten anders. Schuld
daran iſt die Wendung, die mit dem Ereignis kam, das
die Heſſen=Darmſtädter am 4. Oktober 1812 mit Feſtpre=
digt
und Tedeum feierten, dem Einzug und dem Brand
von Moskau. Es wird wenige geben, die ſich über dieſe
Wendung nicht freuen. Aber ungerecht iſt es allemal,
wenn nun die Entwicklung, die nach 1812 kam, den Men=
ſchen
in eine ebenſo falſche wie bornierte Geſchichtsbe=
trachtung
hineintreibt, nach der große Geſchichtsſchrei=
ber
des 19. Jahrhunderts ſind da traurige Führer, ja Ver=
führer
des Volkes geworden alles was nach 1812 kam,
glänzend iſt, und alles, was vor 1812 geſchah, als erbärm=
lich
bezeichnet wird. Wir brauchen trotz ſolch er
Ereigniſſe, wie dieſes Dankfeſt eines
war uns der Rheinbundzeit nicht
zu ſchämen. Sie war für das Werden eines
neuen Deutſchlands nötig, und im großen Rah=
men
der heſſiſchen Rheinbundzeit iſt nichts, das unſerem
heſſiſchen Volke zur Schande gereichte. Um das einmat
wieder ſagen zu können, iſt vorſtehender Artikel zum
4. Oktober geſchrieben.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Nummer 234.

die im übrigen Miß Olga als eine Zahnathletin zeigt, die
iin dieſer gertenſchlanken graziöſen Tochter Albions nie=
mand
vermutet. Als Comic=Manipulator weiß
Rolf Holba durch die Geſchicklichkeit, Schnelligkeit
und frappierende Fingerfertigkeit, mit der er ſeine Mani=
pulationen
ausführt, zu verblüffen. Sein Arbeiten mit
ſeidenen Tüchern, die er aus Stearinkerzen, Eiern und
Papierfetzen zaubert, mit Billardkugeln und Karten uſw.,
iſt vielfach originell, ſtets aber ſo unterhaltend, daß der
Beifall ſich fortgeſetzt ſteigert. Das Trio Chia=
rotto
bringt in ſeinem muſikaliſchen Exzentrik=Akt ſo
viel überwältigende Komik und dabei doch ſo tüchtige
muſikaliſche Leiſtungen, daß ihm rauſchender Beifall ſtets
ſicher ſein wird. Georg Kaiſer endlich iſt ein
Humoriſt, wie es ſeinesgleichen nur wenige gibt. Seine
Vielſeitigkeit und Leiſtungsfähigbeit auf parodiſtiſch= ge=
ſanglichem
und =tanzlichem Gebiete iſt ebenſo ſtaunens=
wert
wie ſein Gedächtnis, das allein ſchon in der Auf=
zählung
der Ahnenreihe des Kavallerie=Leutnants von
ſoundſo eine Rieſenarbeit leiſtet. Dabei bleibt er faſt
ſtets Künſtler, was nicht von allen Humoriſten geſagt
werden kann.
Der Clou des Abends iſt natürlich Prince Char=
les
, der Schimpanſe. Die Frage war tatſächlich berech=
tigt
, ob man es hier mit einem Menſchenaffen oder Affen=
menſchen
zu tun hat. In Geſchicklichkeit übertrifft er jeden=
falls
viele Menſchen, und in ſeinem Benehmen zeigt das
Tier ſo viel Menſchliches, daß man eben von bei=
den
ſprechen kann. Prince Charles kleidet ſich und geht
wie ein Menſch, und zwar wie einer, der gewohnt iſt, auf
die Menge herabzuſehen. Er betritt ein Reſtaurant mit
ſeinem Begleithündchen, legt mit vornehmer Grandezza
Zylinder und Ueberzieher ab und ſetzt ſich im Smoking
zu Tiſch. Er klingelt der Kellnerin, beſtellt Speiſe und
Trank und diniert mit ſeinem Hündchen, dem er ſelbſt
die Serviette befeſtigt. Er weiß Meſſer und Gabel zu
handhaben, er bezahlt aus eigenem Portemonnaie, ent=
nimmt
eigenem Etui eine Zigarette und zündet ſelbſt
ſeine Zigarette an, die er zu Ende raucht. Er entkleidet
ſſich und legt ſich zu Bett, nachdem er vorher alle die Ver=
frichtungen
erledigt, die auch ein Menſch vor dem Zubett=
fgehen
erledigt. Er ſteht wieder auf und macht Toilette
mit Waſchen, Zähneputzen und Friſieren uſw. Dann be=
ginnt
ſeine Künſtlertätigkeit, die in ganz hervorragenden
Leiſtungen als Rollſchuhläufer, Kunſtradfahrer uſw. uſw.
beſteht. Mit all dem Geſagten iſt Prince Charles Tätig=
ſkeit
aber noch lange nicht erſchöpfend geſchildert. Dabei gibt
ſſein oft unfreiwilliger Humor unausgeſetzt Anlaß zu gro=
ßer
Heiterkeit. Man weiß nicht, was man mehr bewun=
dern
ſoll, das Tier oder die Menſchen, die es erzogen.
Mit der Vorführung der gewohnten Lichtſpiele ſchließt
das Programm.
Das kommende Sarraſani=Gaſtſpiel in Darmſtadt.
Das bereits ſeit langem erwartete Gaſtſpiel des
Zirkus Sarraſani in Darmſtadt wird nach
ſden nunmehr getroffenen Dispoſitionen am 25. Okto=
iber
beginnen. Mit Sarraſani kehrt ein modernes Rie=
fſen
=Unternehmen in Darmſtadt ein, ein Weltzirkus, der
alles Durchſchnittliche, Mittelmäßige weit hinter ſich läßt.
Sarraſani iſt ein Zirkus von eigenartigem, großzügigem
Charakter. Er iſt nicht nur derjenige Zirkus, der mit 200
Raſſepferden die Rekorde aller reinen und einſeitigen
Pferdezirkuſſe ſchlägt, er iſt eine wahre Weltſchau die
die artiſtiſchen Künſte und die Tiere aller Länder ver=
einigt
. Sarraſani zeigt außer ſeinen 200 Pferden, die er
als der beſte und gewiegteſte Pferdekenner unter den
europäiſchen Zirkusdirektoren ſorgſam zuſammengeſtellt
hat, ganze Herden von exotiſchen Tieren, von Elefanten,
Löwen, ſibiriſchen Tigern, Renntieren, Seelöwen, Zebras,
indiſchen Büffeln; er zeigt außerdem die ſeltenſten exoti=
ſchen
Geſchöpfe, die an ſich ſchon ein Rieſenkapital dar=
ſtellen
: Nilpferde, Tapire, Känguruhs uſw. Sarraſani
führt mit ſich ein nach Hunderten zählendes Perſonal, er
beſitzt 100 Wagen und zehn eigene Straßenlokomotiven;
er nennt das größte Vorſtellungszelt ſein Eigen, das je in
Europa konſtruiert wurde. Im ganzen errichtet er nicht
weniger als 25 Zeltanlagen. Ganze Trupps von Exoten=
völkern
ſind in ſeinem Gefolge. Außer der Elite der
europäiſchen Artiſtenſchaft, die ſich heute um Sarraſani
ſchart, wie einſtmals um den alten Renz, gehören zu
ſeiner berühmten Geſellſchaft große Scharen von Tripo=
litanern
und Türken, von Japanern und Chineſen, von
Indianern und Cowboys. Die beſten Schulreiter, die
eleganteſten Schulreiterinnen, die waghalſigſten Luft=
gymnaſtiker
gehören dem Zirkus Sarraſani an. Das
junge Unternehmen, an deſſen Spitze als alleiniger Eigen=
itümer
und Direktor Hans Stoſch=Sarraſani, der Sproß
einer oſtdeutſchen Offiziersfamilie, ſteht, hat in den letzten
Jahren einen Aufſchwung genommen, der in der Zirkus=
geſchichte
ganz einzigartig daſteht. Auf jeden Fall wird
das Gaſtſpiel des Zirkus' Sarraſani in Darmſtadt, das

allerdings nur ganz kurze Zeit dauern ſoll, mit ganz be=
ſonderer
Freude begrüßt werden.
* Für junge Männer. Uns wird geſchrieben: Bei
dem Zuzug, der jedes Jahr im Oktober nach den größeren
Städten ſtattfindet, möchten wir auf eine Einrichtung hin=
weiſen
, die ſich in vielen Städten Deutſchlands ſeit langem
bewährt. Die meiſten jungen Leute kommen in die Groß=
ſtadt
, ohne dort Bekannte zu haben und ſind darauf ange=
wieſen
, Verkehr zu ſuchen, wie er ſich aufs Geradewohl
bietet. Unbekannt mit den örtlichen Verhältniſſen, treten
ſie beim Suchen nach Wohnung oder Stellung oft mit
Leuten in Verbindung, deren Geſellſchaft ſie ſich auch ſpä=
ter
nicht entziehen können, obwohl ſie fühlen, daß ſolcher
Umgang keineswegs förderlich iſt. Verkehr mit Alters=
genoſſen
und fröhliche Geſelligkeit muß aber ein junger
Mann haben. Hier möchten nun die Chriſtlichen
Vereine junger Männer in die Lücke treten. Sie
öffnen jedem jungen Mann ihre Pforte, gleichviel welchem
Stand und welcher Altersklaſſe er angehört. Sie weiſen
ihm gute Wohnungen bei ſoliden Familien nach und
ſtehen demſelben mit Rat und Auskunft zue Seite. Auch
einen preiswerten bürgerlichen Mittag= und Abendtiſch
hat der hieſige Chriſtliche Verein junger Männer, Rie=
gerplatz
3, nächſt der Martinskirche, eingerich=
tet
, der dabei mehrere Tageszeitungen und ſeine Bibliothek
zur Verfügung ſtellt. Die jungen Mitglieder verkehren, von
den älteren getrennt, in einer Jugendabteilung (1418
Jahre); auch für einzelne Stände: Bäcker, Techniker, Kauf=
leute
beſtehen Abteilungen, um den Fremden den Anſchluß
zu erleichtern. Geſellige Veranſtaltungen, wiſſenſchaftliche
und religiöſe Vorträge, muſikaliſche Abende, Turnen,
Wanderungen, Unterrichtskurſe Geſangſtunden, Muſik aller
Art dienen der Bildung der Mitglieder. (S. auch Anz.)
Sz. Bei der von dem Heſſiſchen Polizei= und Schutz=
hunde
=Verein veranſtalteten Verloſung eines
Junghundes fiel der Treffer auf Los Nr. 191.
Der Hund kann von dem Gewinner beim Polizei= Hunde=
aufſeher
Klotz, hier, Beſſungerſtraße 56, ſofort in. Em=
pfang
genommen werden.
* Preisgekrönter Geflügelzüchter. Auf der vom
27.29. September in Bremen ſtattgefundenen
Junggeflügelſchau erhielt Herr Pet. Dietz II.=
Wixhauſen, Mitglied des Vereins für Geflügel= und
Vogelzucht Ornis‟=Darmſtadt, auf ſeine dort aus=
geſtellten
Jungtiere unter ſtarker Konkurrenz einen 1.,
2. und 3. Preis.
Das Kunſt=Preis=Friſieren des D. P. G. V.
am 6. Oktober im Kaiſerſaal ſcheint, ſo ſchreibt man
uns, ſeinem Arrangement zufolge, eine erſtklaſſige Ver=
anſtaltung
zu werden. Die Beteiligung an demſelben
iſt eine ſehr rege. Um auch einzelnen Damen den Be=
ſuch
zu ermöglichen, ſind für ſie reſervierte Plätze zum
Preiſe von 2 Mk. vorgeſehen worden und glaubt der
Verein, gerade mit dieſen den berechtigten Wünſchen des
Publikums entgegenzukommen. Alle übrigen Eintritts=
karten
ſind im Vorverkauf per Stück 50 Pfg. im Ver=
kehrsbureau
, ſowie in den durch Plakate erkenntlichen
Friſeurgeſchäften erhältlich. (Näheres ſiehe Anzeige.)
§ Unfall. Am Mittwoch vormittag gegen 12 Uhr
iſt in der Lichtenbergſtraße ein 1¾ Jahre alter Knabe
von einem im erſten Stock gelegenen Balkon in den
Hof abgeſtürzt. Das Kind, welches ſich noch am
Leben und in der elterlichen Wohnung befindet, hat
innere Verletzungen davongetragen.
§ Erwiſchter Dieb. In verfloſſener Nacht zwiſchen
12 und 1 Uhr wurde ein 45 Jahre alter Schloſſer von
einem Schutzmann dabei betroffen, als er in der Meſſe
auf dem Geſchirrplatz einen Topf entwendete.

fr. Groß=Zimmern, 3. Okt. Der vom Militär abge=
gangene
Lehrer Funke aus Gernsheim wurde durch
Dekret mit der Verwaltung einer Lehrerſtelle an der hieſi=
gen
katholiſchen Schule betraut.
* Nieder=Beerbach, 3. Okt. Nächſten Sonntag, 6. Okt.,
findet in dem Darmſtädter Hof von 3 Uhr ab ein von
dem Obſtbauverein veranſtalteter Obſtmarkt ſtatt, deſ=
ſen
Beſuch ſich lohnen wird.
tt. Eppertshauſen, 3. Okt. Während es vor etwa 30
Jahren noch 24 Töpfereien mit 70 Geſellen und
Lehrlingen gab, üben gegenwärtig nur noch 10 Meiſter
mit 15 Geſellen, meiſtens Hausſöhne und frühere Meiſter,
das Handwerk aus. Lehrlinge werden in keiner Werk=
ſtätte
mehr gehalten, ſo daß in abſehbarer Zeit die
Eppertshauſener Töpferei völlig verſchwunden ſein
dürfte.
Sandbach, 3. Okt. Wo kommen unſere Hei=
delbeeren
hin? Daß die meiſten Odenwälder
Heidelbeeren nach England gehen, dürfte allgemein be=
kannt
ſein. Intereſſant iſt ein Schreiben aus
Blackburn in England, das dieſer Tage Herrn Leh=
rer
Brunner in Sandbach zuging. Er packte nämlich

einigen Heidelbeerkörbchen Zettel bei etwa folgenden
Inhalts: Die Heidelbeeren ſeien aus Sandbach im Oden=
wald
(Heſſen). Arme Schulkinder hätten ſie gepflückt
von früh morgens bis ſpät abends. Die Kinder bekämen
ſoundſoviel Pfennig für 1 Kilogramm Beeren. Zuletzt
war der Empfänger um ein ausführliches Antwortſchrei=
ben
erſucht worden. Der Brief aus Blackburn lautet
in Ueberſetzung etwa folgendermaßen: Werter Herr! Erſt
heute hatte ich Ihre Zeilen überſetzt bekommen und freue
mich, ſagen zu können, daß die Heidelbeeren ausgezeichnet
waren, ſehr ſüß, ſehr trocken; ein herrlicher Korb durch=
weg
. Es muß eine ſehr intereſſante Beſchäftigung ſein;
die Einfuhr von Heidelbeeren aus Deutſchland muß
koloſſal ſein; die Beeren koſten den Klein=Händler hier
3,50 Mark pro Korb. Sehr viele Beeren kommen außer=
dem
aus Dänemark und Holland, aber alle finden reißen=
den
Abſatz. Die Leute hier ſind wie verrückt hinter den
Beeren her, wenn die erſten ankommen. Sie ſind die
ökonomiſchſte Frucht, die wächſt, und wir bezahlen hier
5056 Pfg. pro Pfund. Unſere engliſchen Beeren ſind
etwas ſüßer, aber nicht ſo ſauber von Zweigen und Blät=
tern
, abgeſehen davon, daß wir nicht ſo viele von unſe=
ren
eigenen Beeren bekommen als von deutſchen Beeren.
Es wäre mir angenehm, zu hören, ob Sie dieſen Brief
bekommen haben. Ich danke Ihnen vielmals für Ihre
Zeilen; meine Frau dachte, es ſei ein Liebesbrief, aber
es ſcheint, daß es nicht ſo war. Mit beſten Grüßen Ihr
ergebener George Edmonſon.
Aus dem vorderen Odenwald, 3. Okt. Große
Werte gehen verloren! Unter dieſer Spitzmarke
ſchreibt das Erb. Krsbl.: Der diesjährige reiche Buch=
eckernertrag
, der bekanntlich nur etwa alle 15 Jahre
wiederkehrt, geht infolge des verbotenen Einſammelns
leider total verloren, was um ſo bedauerlicher iſt, da
dieſe wertvollen Früchte ein ſo köſtliches Oel liefern, das
an Wert der Butter gleichkommt. Wie viele, beſonders
arme, Leute könnten ſich da auf Jahre ein geſundes Fett
ins Haus ſchaffen! Freilich ſagt der Forſtmann: Die
Bucheckern müſſen zur Neuanpflanzung liegen bleiben.
Aber man weiß doch, daß hierzu der hundertſte Teil mehr
wie genügen würde. Und erſt die Maſſen von Bucheckern,
die an Waldſäumen und auf den heutigen vielen Wald=
wegen
ganz nutzlos zugrunde gehen! Dieſe könnte man
doch wenigſtens den armen Leuten preisgeben. Die
Ortsbehörden ſollten hierzu allerorts ungeſäumt die nöti=
gen
Schritte tun. Unſere ſo ſehr teure Zeit drängt dop=
pelt
hierzu.
Lindenfels, 3. Okt. Nächſte Woche treffen wieder
etwa 60 amerikaniſche Forſtſtudenten zu einem mehr=
wöchigen
Aufenthalte hier ein, um in unſeren Wäldern
die praktiſchen Arbeiten des Forſtweſens kennen zu lernen.
Von hier aus begeben ſie ſich zwecks Studiums nach
Darmſtadt, wo ſie bis zum Frühjahr verweilen.
Den Staren ſcheint es dieſes Jahr in Rheinheſſen, wo=
hin
ſie ſich von hier aus im Spätſommer zu einer Trau=
benkur
begeben, nicht beſonders gut gefallen zu haben.
Wahrſcheinlich ſagte ihnen die Güte der Trauben nicht zu.
Die Stare ſind bereits zurückgekehrt, was ſonſt um
dieſe Zeit nicht der Fall iſt.
Offenbach, 3. Okt. Zwiſchen der Stadtverwalt=
ung
und dem Kreisamt iſt es zu einem Konflikt
gekommen, weil das Kreisamt eine Verfügung an die
Bürgermeiſterei erlaſſen hat, wonach der von der Stadt=
verordneten
=Verſammlung als Schlachthof=Tierarzt ein=
geſetzte
Tierarzt Dr. Strauß und ſein Stellvertreter Dr.
Katz ihres Amtes als Schlachthof=Tierärzte enthoben ſind
und der Veterinärarzt Dr. Schübler mit der vorläufigen
Wahrnehmung der Schlachthofgeſchäfte betraut wird. Das
Kreisamt hat ſich ferner dagegen erklärt, daß die tierärzt=
liche
und kaufmänniſche Leitung des Schlachthofes ge=
trennt
ſein ſoll, und empfiehlt die Anſtellung eines Tier=
arztes
als Direktor. Die Schlachthofdeputation beſchloß,
ſich eine ſolche Bevormundung des Kreisamtes nicht ge=
fallen
zu laſſen, zumal das Kreisamt keine geſetzliche
Handhabe zu derartigen Maßnahmen habe.
Offenbach, 3. Okt. Geſtern abend um ½10 Uhr be=
merkte
ein Bewohner des Hauſes Ecke Bismarck= und
Sprendlingerſtraße von ſeiner Küche aus, daß aus der
Manſarde Rauch drang. Wegen des ſtarken
Rauches konnte man zunächſt nicht in den Raum ein=
dringen
. Mit Hilfe der Gäſte war es möglich, nachdem
man die Türe eingetreten hatte, die Fenſter zu öffnen und
das Feuer zu löſchen. Branddirektor Müller ſtellte feſt,
daß das Feuer jedenfalls von einem Kleiderſchrank ausge=
gangen
ſein müſſe. Die Möbel des Zimmers ſind kaſt
vollſtändig vernichtet. Die Eheleute, die die Manſarde
bewohnten, waren nicht zu Hauſe. Man vermutet, daß
das Feuer durch Brandſteftung entſtanden iſt.
Seligenſtadt, 2. Okt. Geſtern kam das 6jährige Söhn=
chen
des Weißbinders Peter Rettinger in einer be=
nachbarten
Hofreite mit der linken Hand in die Häck=

Großherzogliches Hoftheater.

Mittwoch, den 2. Oktober:
Der Freiſchütz.
W-l. Die geutige Freiſchütz=Aufführung brachte
nicht viel Neues. Die eingreifendſte Aenderung war am
Dirigentenpulte vor ſich gegangen, indem Herr Kapell=
meiſter
Lert die Oper zum erſten Male dirigierte. Schon
die Ouvertüre ließ erkennen, daß er ſich auf die Hervor=
kehrung
muſikaliſcher Pointen und die Herausarbeitung
klanglicher Effekte meiſterhaft verſteht, und ſo brachte die
Ouvertüre nach dieſer Richtung hin mancherlei Neuheiten,
aber auch Ueberraſchungen; denn es kann fraglich erſchei=
nen
, ob Herr Lert in ſeinem Subjektivismus und in
ſeinem Mangel an Reſpekt vor der Tradition nicht zu
weit geht und ob die von ihm beliebten, die Kontraſtwirk=
ung
allerdings verſtärkenden Unterſtreichungen noch im=
mer
im Sinne des Komponiſten ſind; einzelne Geſangs=
nummern
zum Beiſpiel wurden ſo raſch genommen, daß
die Sänger kaum mitkommen konnten, während das
Ritardando der getragenen Tempi nicht immer am Platze
erſchien. Wir möchten dieſe Bedenken nicht unausgeſpro=
chen
laſſen, da die Abweichungen von der Tradition
gerade bei einer Oper, wie Webers Freiſchütz die Ge=
meingut
aller Gebildeten geworden iſt, auffallen und
befremden müſſen.
Von den Künſtlern iſt an erſter Stelle Frl. Geyers=
bach
zu nennen, die die Partie der Agathe ganz herrlich
ſang, beſonders auch die große Arie, die nicht endenwol=
llenden
Beifall auslöſte. Auch Frl. Jüttner erfreute
durch ſehr ſaubere und korrekte geſangliche Behandlung
der Partie des Aennchen; im Spiele aber war ſie etwas
matt, es fehlte die perſönliche Note. Herr Jahn, der
über ſchöne ſtimmliche Mittel gebietet, war nicht immer
gleich und am Anfang noch etwas unfrei in ſeinem Vor=
trag
. Er müßte namentlich noch mehr Gewicht auf eine
entſprechende Tonſchattierung legen, vor allem aber
müßte er mehr Gelegenheit haben, zu ſingen, damit er ſich

auch durch die Praris vervollkommnen könnte. Herr
Stephani blieb ſich in der Auffaſſung und der Durch=
führung
der Partie des Kaſpar, mit der er wieder einen
ſtarken Erfolg erzielte, gleich. Neu war Herr Schützen=
dorf
als Eremit‟. Die übrigen Partien waren ent=
ſprechend
beſetzt.

Feuilleton.

* Eine perſönliche Erinnerung an Botſchafter Frei=
herrn
Marſchall von Bieberſtein. Einer jetzt in Heſſen ar=
beitenden
Schweſter, welche lange Jahre in Konſtantinopel
gepflegt hat, ſei es geſtattet, einige Blätter perſönlicher Er=
innerunig
auf das Grab unſeres Botſchafters Freiherrn
Marſchall von Bieberſtein zu legen. Nicht noch einmal
will ſie aufzählen, was er im Ganzen für die Deutſche Ko=
lonie
am goldenen Horn geweſen iſt und was das deut=
ſche
Leben dort ſeiner lebendigen, unermüdlichen Anteil=
nahme
zu verdanken hat. Mir liegt ſein Eintreten für
unſer deutſches Hoſpital im Sinn; ſcheute er doch da per=
ſönliche
Mühe nicht; hat er doch, der Vielbeſchäftigte, bei
einem Konzert zu Gunſten des Krankenhauſes das uns
Stücke aus Parſival bot, allen Proben ſelbſt beigewohnt.
So oft er pflegende Schweſtern traf, hatte er auch eine
freundliche Frage nach dem Stand der Krankenzahl, nach
dem Ergehen der Aerzte und Schweſtern auf ihrem ein=
ſamen
Poſten. Seine ganz beſondere Teilnahme galt aber
immer ſeinen blauen Jungens Faſt immer waren von
der Beſatzung des Stationsſchiffes, damals der Loreley,
die ja auch eine Abordnung zum Begräbnis geſandt hat,
einzelne krank. Wie eingehend hat er ſich nach der Art
und dem Verlauf der Erkrankung erkundigt, und über die
ihm einmal Bericht erſtattet worden war, die vergaß er
nicht wieder. Wie ſeine mächtige, impoſante Geſtalt un=
mittelbar
Vertrauen erweckte, ſo hatte man bei ſeinen
Fragen nach den Kranken die Empfindung, daß ein war=
mes
mitfühlendes Herz ihn leite. An ſolchem Weſen rich=
tete
man ſich ſelbſt innerlich auf und ſchaute an ihm empor.
Wer ihn nur als Botſchafter kannte, und nicht den
Privatmann im Hauſe ſehen durfte, wäre verwundert ge=

weſen, einen ſtark entwickelten Sinn für das Kleine bei
ihm zu finden. Im März dieſes Jahres waren es
9 Jahre, daß er in Konſtantinopel eine ernſte Erkrankung
durchzumachen hatte. Auf Befehl des Arztes mußte
ihm alles Amtliche ferngehalten werden, auch die Zeitung
zu leſen wurde ihm nicht erlaubt. Als er der Beſſerung
entgegenging, hat ſich manchen Morgen die folgende kleine
Szene abgeſpielt. Sobald der Tag graute, ſagte er:
Schweſter, ich glaube, wir können die Gardinen zurück=
ziehen
. Dann wehrte ich: Exzellenz können gewiß noch
eine Weile ruhen, es iſt noch früh‟ Dann wartete er ge=
duldig
noch 10 Minuten oder eine Viertelſtunde. Dann
kam dasſelbe, aber als Bitte. Wurde ihm dann willfahrt,
ſo erbat er ſich regelmäßig ſeinen Roſenkatalog. Darin
konnte er nun ſtundenlang blättern, ſich bald bei dieſem,
bald bei jenem Bild betrachtend verweilen und zwiſchen=
durch
ſeine Bemerkungen über die herrlichſte aller Blumen
machen. Wem gar die Gunſt zuteil wurde, auf ſein
Stammgut Neuershauſen eingeladen zu werden, konnte
dort Zeuge ſein, wie er zwiſchen ſeinen Roſenbeeten wan=
delte
, ſich in den Bau einzelner Blumen vertiefte und voll
Bewunderung ihre Schönheit pries. In Konſtantinopel
konnte es wohl geſchehen, daß er eigenhändig den Apfel
oder die Birne herrichtete, die von ſeinem Obſtgut in
Baden dorthin geſchickt war, und ſie dem Gaſte reichte:
auch er ſollte die Güte des gewonnenen Erzeugniſſes vom
deutſchen Boden proben.
Von ſolcher Aufmerkſamkeit gegen andere habe auch
ich während jener Pflege Beweiſe empfangen. Zu jener
Zeit beſuchten der deutſche Kronprinz und Prinz Eitel
Friedrich die türkiſche Hauptſtadt; in der deutſchen Bot=
ſchaft
war großer Empfang und Feſteſſen, bei dem der
Botſchafter ſelbſt nicht zugegen ſein konnte und durfte laut
ärztlichen Befehls. Für die Pflegerin aber teug er Sorge.
Seine Frau fragte er, ob die Schweſter ſchon die gedeckte
Tafel geſehen habe. Als jene dies verneinte, trug er auf,
daß die Schweſter unbedingt ſehen ſolle, wie ſchön alles
hergerichtet ſei. Nicht nur dies geſchah, er gab auch An=
ordnungen
, daß ich den Einzug der hohen Herrſchaften
aus dem Thronſaal in den großen Speiſeſaal ſehen und

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Seite 5.

Nummer 234.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

ſelmaſchine. Da der Arm beinahe ganz durchſchnitten
war, blieb dem herbeigerufenen Arzt nichts anderes
übrig, als die Hand zu amputieren.
Viernheim, 3. Okt. Am Montag wurde in der Nähe
des Hofgutes Muckenſturm ein Mädchen von etwa 20
Jahren in bewußtloſem Zuſtande aufge=
funden
. Die raſch angewandten Rettungsmittel ſchei=
nen
von Erfolg zu ſein. Man brachte die anſcheinend Ver=
giftete
ins Krankenhaus. Die Peeſonalien konnten noch
nicht feſtgeſtellt werden. Es liegt wahrſcheinlich Selbſt=
mordverſuch
vor.
Geinsheim, 3. Okt. Die diesjährige Herbſt=
Hundeſuche des Griffon=Klubs fand geſtern
und heute im hieſigen Jagdreviere ſtatt, zu der ſich die
Männer von der grünen Farbe aus Nah und Fern zahl=
reich
eingefunden hatten. Es erhielten: 1. Preis und Ehren=
preis
R. Winkler=Gimbsheim (Hund Wille vom Schloß
See); 3. Preis und Ehrenpreis (Lac vom Seebach) J.
Rehn III=Gimbsheim. Lobende Erwähnung W. Konradi=
Heidesheim. Führerpreis R. Winkler=Gimbsheim. Ermun=
terungspreis
Forſtaufſeher Konradi=Heidesheim. Bei der
heutigen Feldjagdſuche gelangten 8 Preiſe zur Verteilung.
Die Preisverteilung fand am Abend in Nierſtein im
Rheinhotel ſtatt. Nach der Preisverteilung wurden noch
zwei Griffon=Wölpen ausgeloſt.
Mainz, 3. Okt. Die Regierung hat durch die Ober=
Olmer Domänewaldung eine Automobil=
ſtraße
bauen laſſen, die in der Richtung von der
Marienbornerſpitze durch den Wald geht und an der
Militärſtraße verbunden mit der Bingerſtraße endet. Die
Straße hat eine Breite von 24 Metern und darf nur von
Automobilen befahren werden. Die Straße iſt nur des=
halb
erbaut worden, um die Kreisſtraße Ober=Olm=Drais
vom Automobilverkehr zu entlaſten und dieſe Straße, die
von dem Verſchönerungsverein Mainz hübſch angelegt
wurde, den vielen Spaziergängern ungeſtört von den
Autos zu erhalten.
Abenheim, 3. Okt. Beim Silberſandgraben
verunglückte der 33jährige Jakob Linder. Er wurde
vom Sand verſchüttet, ſo daß er erſtickte.
Rhein=Dürlheim, 3. Okt. Das Dunkel, das ſich über
das Verſchwinden des Arbeiters Aſchinger ge=
breitet
hatte, hat ſich nun dahin aufgehellt, daß ſich A. in
ſeiner Heimat im Schwarzwald bei Verwandten
befindet. Der Grund ſeiner Entfernung von ſeiner Fa=
milie
ſoll in mißlichen Familienverhältniſſen zu ſuchen
ſein.
Eich, 3. Okt. Während der Fahrt ſprang die Witwe
Spieß aus dem Zuge, weil ſie glaubte, im unrich=
tigen
Zug zu ſein. Die Frau kam zu Fall und erlitt
ſchwere Verletzungen.
Wackernheim, 3. Okt. Die Unterſuchung über den ge=
meldeten
Ueberfall auf einen hieſigen Landwirt hat
ergeben, daß eine räuberiſche Abſicht bei den beiden Ver=
hafteten
nicht in Frage kommt. Die beiden aus Heides=
heim
zurückkehrenden Arbeiter waren ſchwer betrunken
und verſperrten durch Hin= und Hertaumeln den Fußſteig
der Staatsſtraße. Von dem ebenfalls nach Wackernheim
gehenden Landwirt Georg Basler aufgefordert, aus dem
Wege zu gehen, entſtand zunächſt ein Wortwechſel, in
deſſen Verlauf einer der Betrunkenen zum Meſſer
griff.
. Gießen, 3. Okt. Aus Anlaß der Aufhebung des
Schiedsgerichts für Arbeiterverſicherung in der Provinz
Oberheſſen hat der Präſident des Reichsverſicherungs=
amtes
zu Berlin, Dr. Kaufmann, an den ſeitherigen
Vorſitzenden des Schiedsgerichts, Regierungsrat
Dr. Merck zu Gießen, ein Schreiben gerichtet, in dem er
demſelben für die Mühewaltung, die er der erfolgreichen
Löſung ſeiner Aufgabe als Schiedsgerichtsvorſitzender
viele Jahre hindurch gewidmet hat, die dankbare An=
erkennung
des Reichsverſicherungsamtes
ausſpricht.
(*) Schotten, 2. Okt. Die Hauptverſammlung
des Lehrerheims Vogelsberg fand heute
unter guter Beteiligung der heſſiſchen Lehrer in dem
Heim am Alteburgskopf ſtatt. Der Vorſitzende Lehrer
Dern=Offenbach eröffnete die Verhandlungen mit herz=
lichen
Begrüßungsworten. Dem verſtorbenen Mitgliede
Lehrer Karpf=Eſchenrod widmete er einen warmen Nach=
ruf
. Namens des Bezirkslehrervereins Schotten wünſchte
Link=Rudingshain den Verhandlungen beſten Erfolg.
Schriftführer Dirlamm=Nieder=Eſchbach berichtete über
die vorjährige Hauptverſammlung und die Vorſtandsſitz=
ung
im Dezember 1911. Der Vorſitzende erſtattete den
Jahresbericht für 1911/12 und gab zugleich einen Rück=
blick
auf die verfloſſenen fünf Jahre. Die Mitgliederzahl
iſt von 1170 in 1907 auf 2350 geſtiegen. Viele Lehrer
ſtehen allerdings der guten Sache noch fern. An den
Schulden konnten 925 Mark abgetragen werden, aber es
bleibt immer noch eine Schuld von 31883 Mark. Das
Vermögen beträgt 4078 Mark in bar. Die Backes= Stift=
ung
Frauendank verfügt über faſt 2000 Mark. Rechner

Held=Schotten verlas die Jahresrechnung für September
19111912. Die Geſamteinnahme betrug 5526 Mk., die
=Ausgaben 5523 Mark. Dem Rechner wurde Entlaſtung
erteilt. Der Voranſchlag für 1912/13 wurde in Höhe von
3185 Mark in Einnahme und Ausgabe genehmigt. Es
ſollen 18 Anteilſcheine zurückgezahlt werden. Der Antrag
des Vorſtandes auf Beitragserhöhung von 1 Mk. auf 1,50
Mark wurde zurückgeſtellt. Der Antrag Engel=Schotten,
im Anſchluß an die Ueberlandzentrale Wölfersheim elek=
triſches
Licht im Lehrerheim einzuführen, fand lebhafte
Zuſtimmung. Zum Schluß wurde eine Entſcheidung ge=
faßt
, im bevorſtehenden Winter lebhaft für das Heim zu
agitieren, um weitere Mitglieder zu gewinnen.

das reiche Bild von der Empore des Saales aus genießen
durfte.
Auf religiöſem Grunde ruhte, was der Mann war.
Wenige Sonntage ſind vergangen, an welchem er, wenn
er in Konſtantinopel war, mit ſeiner Familie nicht auf
ſeinem Platz in der Kirche zu finden geweſen wäre. Mehr
als einmal hat er an Sonntagnachmittagen mit ſolchen,
die er etwas kannte und die ihn beſuchten, zuſtimmend
oder ablehnend über den Inhalt der Predigt geſprochen.
So hatte auch der, welcher im engen Kreis des
Hauſes und des Privatlebens den Botſchafter ſah, den
Eindruck eines gereiften Mannes, einer durchgebildeten
Perſönlichkeit, die innerlich über den Sachen ſtand und
voll Humor ſein konnte. Doppelt ſchmerzlich empfindet
man, daß unſer Vaterland gerade jetzt den Dienſt eines
M. D. . .
ſolchen Mannes entbehren muß.
* Der Nachlaß eines Foxterriers. Ueber einen eigen=
artigen
Rechtsfall, der den Richtern nicht wenig Kopfzer=
brechen
verurſachen wird, berichtet die Pall Mall Gazette:
Eine ruſſiſche Prinzeſſin, die zu Anfang dieſes Jahres
ſtarb, hinterließ unter anderen Legaten auch ihrem
Zwerg=Terrier Gipſy 80000 Mark mit der Be=
ſtimmung
, daß der Hund einer ihrer Freundinnen, die mit
Namen genannt wurde, zur Pflege übergeben werden
ſollte. Innerhalb von ſechs Monaten folgte jedoch auch
das Hündchen ſeiner Herrin in den Tod. Und da nun
ſelbſt das verwöhnteſte Viech in ſechs Monaten nicht 80000
Mark mit Zinſen durchbringen konnte, war das Legat bei
ſeinem Tode ſo gut wie unberührt. Die Dame die das
Hündchen in Pflege hatte, glaubte nun mit vollem Recht
auch ſein Erbe antreten zu können. Sie hat aber die
Rechnung ohne die Nachkommen von Gipſy ge=
macht
. Der Beſitzer eines der Nachkommen Gipſys, der,
da er ein Weſen mit einem echten und alten Stammbaum
iſt, was auch treu und brav regiſtriert wurde, hat nun eine
Klage auf Aushändigung der 80000 Mark eingereicht, da
ſein Hündchen Erbe des Vermögens ſeiner Mama ſein
müſſe, genau wie dies auch im menſchlichen Leben ſei. Die
Klage iſt zur Verhandlung gekommen. Aber da die Frage
von hervorragender Bedeutung für die ganze Hunderaſſe

iſt, konnten ſich die Richter nicht zu einem ſofortigen Ent=
ſcheid
entſchließen und der Fall wird wohl noch einige
Zeit lang in der Schwebe bleiben.
Parfüm=Injektion. Es gehört zu der Erſcheinung
einer eleganten Dame, daß ſie von einem zarten Duft um=
floſſen
ſei, mit dem ihre Perſönlichkeit unauflöslich ver=
knüpft
iſt. Der Geruch darf nicht zu ſtark ſein; aber er ſoll
unaufdringlich immer ſie umſchweben, als ein kaum em=
pfundener
Hauch wirken. So manche ſchöne Stirn hat
über dem Problem ſchwere Runzeln bekommen, wie dieſe
leiſe Duftwolke am beſten zu erzeugen ſei. Nun hat eine
franzöſiſche Schauſpielerin die Löſung dieſer ſchwierigen
Frage gefunden und beglückt mit der Kunde all ihre Ge=
noſſinnen
: man läßt ſich einfach Parfüm einſpritzen. Ein
kleiner Ritz im Arm genügt, dann eine Injektion mit dem
Lieblingsparfüm, und die Dame iſt für 36 Stunden von
jenem Duft umgeben, den ſie als ihre charakteriſtiſche Note
pflegt, ſnicht zu ſchwach, nicht zu ſtark, gerade richtig. Nicht
ein Bad im Meer, nicht ein langer Spaziergang, nicht
eine Stunde angeſtrengten Tennisſpiels vermochten den
ſchönen Geruch abzuſchwächen, den die erfindungsreiche
Schauſpielerin mit ſich trug. Die Parfüm=Injektion iſt
das einzige Mittel, das einen wohltemperierten Duft in
gleicher Stärke erhält; ſie ſoll keine unangenehmen Er=
ſcheinungen
hervorrufen, ſondern im Gegenteil ſehr ange=
nehm
ſein.
* Starker Tobak. Am Sonntag abend wurde die
Berliner Feuerwehr nach der Thorner Straße alarmiert,
wo aus einer Wohnung fortwährend Qualm heraus=
ſtrömte
. Als die Feuerwehr in die Wohnung eindrang,
konnte ſie einen Brand nicht entdecken, dagegen ſtellte ſie
als die Urſache des Qualmes feſt, daß mehrere Per=
ſonen
ſo ſtark geraucht hatten, daß der Tabak=
qualm
ſich im ganzen Hauſe verteilt hatte.
* Geiſtreich. Ich weiß nicht, warum die Dichter jetzt
immer wieder Stücke ſchreiben, die im Mittelalter ſpielen.
Die Dichter damals haben doch auch keine Stücke geſchrie=
ben
, die in unſerer Zeit ſpielen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. Okt. Die Stürme der
vergangenen Nacht haben arge Verheerungen in den Fern=
ſprech
= und Telegraphen=Anlagen verurſacht. Mit Paris
und mit Brüſſel iſt der Fernſprechverkehr vollkommen un=
terbrochen
, mit einem großen Teile des Rheinlandes ge=
ſtört
. Auch die Linien nach Breslau und nach Poſen konn=
ten
heute nicht benutzt werden. Ferner iſt der Fernſprech=
draht
nach Magdeburg und Hannover teilweiſe beſchädigt.
Der Sturm war in der letzten Nacht ſo ſtark, daß ver=
ſchiedene
Perſonen zu Boden geſchleudert wur=
den
(und Verletzungen erlitten. Ein ver=
hängnisvoller
Zuſammenſtoß zwiſchen
einem Möbelwagen und einem Straßenbahnzuge, bei dem
eine Perſon tödlich verunglückte, trug ſich abends ½9 Uhr
im Weſten Berlins zu. Der Möbelwagen der Firma Karl
Künemund aus Hannover, wollte an der Ecke der Grune=
wald
= und Bambergerſtraße unmittelbar vor einem heran=
nahenden
Straßenbahnzuge das Gleis kreuzen. Obwohl
der Führer des Straßenbahnwagens mit aller Kraft
bremſte, konnte er einen Zuſammenſtoß nicht mehr ver=
hindern
. Der Zuſammenprall war ſo heftig, daß der Kut=
ſcher
in weitem Bogen auf das Straßenpflaſter geſchleudert
wurde, wo er blutüberſtrömt und beſinnungs=
los
lliegen blieb: Er hatte einen ſchweren
Schädelbruch erlitten, an deſſen Folgen er bereit
auf dem Wege nach dem Schöneberger Krankenhauſe ver=
ſtarb
. Bei dem Zuſammenprall wurde der Vorderperron
des Motorwagens ſtark beſchädigt und die Stirnwand des
Möbelwagens eingedrückt. Der 41jährige frühere Stein=
drucker
und jetzige Portier Elsner ein arbeitsſcheuer
Menſch und Trunkenbold, geriet über die Mitteilung, daß
er wegen Unterlaſſung des Unterhaltes für ſeine Familie
eine dreitägige Gefängnisſtrafe zu verbüßen habe, derart
in Wut, daß er geſtern abend, nachdem er ſich zuvor wieder
betrunken hatte, ſeine beiden Kinder, die bereits im Bette
lagen, mit einer Wäſcheleine zu erdroſſeln verſuchte und
gegen ſeine Frau mit dem Meſſer ging. Die Frau flüchtete
mit den Kindern. Darauf warf er die brennende
Petroleumlampe um, wodurch ein Brand entſtand.
Nachbarn und herbeigeeilte Polizeibeamte löſchten den
Brand. Der wütende Trunkenbold wurde nach der Wache
gebracht.
Frankfurt a. M., 3. Okt. Der vielſeitige Induſtrielle,
Gelehrte und Schriftſteller Dr. Arthur Pfungſt iſt heute
früh einem Herzſchlage erlegen. Er war am 9. März 1864
geboren. Nach dem Tode ſeines Vaters übernahm er deſſen
großes Geſchäft Naxos=Union. In der größeren Oeffent=
lichkeit
wurde Dr. Pfungſt bekannt als Mitbegründer und
eifriger Förderer der Deutſchen Geſellſchaft für ethiſche
Kultur. Eine Reihe eigener Dichtungen bezeugt, daß er
auch poetiſch ſehr begabt war. Für Frankfurt insbeſondere
hat ſich Dr. Pfungſt durch die Gründung der Freien Bib=
liothek
und Leſehalle ſowie durch die Einführung der
Volksunterhaltungsabende verdient gemacht.
Frankfurt, 3. Okt. Ein ſchwerer Unglücksfall
ereignete ſich heute morgen in der Schwanthalerſtraße in
Sachſenhauſen. Mehrere Maurer waren damit
beſchäftigt, einen ſchweren Quaderſtein in die Höhe zu
ziehen, als plötzlich der Aufzug riß und der Stein auf
den 21 Jahre alten Maurer Georg Hoffrath aus Langen
ſtürzte, der ſofort getötet wurde.
Saarburg (Lothringen), 3. Okt. Das Automobil
des Gaſthofbeſitzers von der Königsburg, Buckel, ſtürzte
eine ſteile Böſchung herab als es einem Fuhrwerk aus=
weichen
wollte. Die Inſaſſen, eine Frau von 37 Jahren,
ein Fräulein von 18 Jahren und ein Herr wurden aus
dem Automobil herausgeſchleudert. Die beiden Damen
gerieten unter das Gefährt und wurden, wie der Berl.
Lokalanz. meldet, ſofort getötet. Der Herr erlitt ſo
ſchwere innere Verletzungen, daß an ſeinem Aufkommen
gezweifelt wird. Der Chauffeur konnte ſich durch Ab=
ſpringen
retten.
München, 3. Okt. Zu den Eheſtörungen am
bayeriſchen Hofe wird noch gemeldet: Prinz
Georg von Bayern weilt noch mit ſeinem Vater,
dem Generalfeldmarſchall Prinz Leopold von Bayern,
zur Jagd auf deſſen Beſitzung in Eiſenerd (Steiermark).

Die heutige Nachricht eines Münchener Blattes, das
Haus des Prinzen am Karolinenplatz in München ſei
verkauft worden, beſtätigt ſich nicht; ebenſo wenig die
Meldungen, des Prinzen Haushalt ſei aufgelöſt. Die
kirchliche Nichtigkeitserklärung über die Ehe, von der jetzt
ſogar geredet wird, ſetzt, was in dieſem Falle nicht zu=
trifft
, geiſtige oder körperliche Unfähigkeit eines Teiles
der Ehegatten beim Eingehen der Ehe voraus. Es ſollen,
wie hartnäckig behauptet wird, Rangſtreitigkeiten (!)
zwiſchen der Prinzeſſin Georg, Erzherzogin von Oeſter=
reich
, und der Prinzeſſin Franz von Bayern, geb. Prin=
zeſſin
Croy, entſtanden ſein. Prinz Franz iſt der dritte
Sohn des Thronfolgers Prinzen Ludwig, deſſen Familie
am bayeriſchen Hofe den Vortritt hat vor den nachgebo=
renen
Söhnen des Regenten und deſſen Nachkommen, ſo
daß alſo tatſächlich die Prinzeſſin Croy vor ihrer Cou=
ſine
, der öſterreichiſchen Erzherzogin, am bayeriſchen Hofe
den Vortritt hat. Beide Prinzeſſinnen, durch ihre Mütter
Geſchwiſterkinder, ſind Jugendfreundinnen und zuſam=
men
im Hauſe des Erzherzogs Friedrich, des Vaters der
Prinzeſſin Georg, aufgewachſen. Ueber den Vortritt bei
Hofe entſcheidet lediglich das Fürſtenrecht des Landes,
und auch in Bayern hat ſelbſtverſtändlich des Thronfol=
gers
Familie vor der ſeiner Brüder den Vortritt. Schließ=
lich
ſei noch des Gerüchtes erwähnt, Prinz Georg wolle
ſeiner Frau zuliebe nach Wien ziehen, da es ſeiner Gattin
in München nicht gefalle, weil ſie enttäuſcht ſei über den
ſtillen Hof und München langweilig finde. (!)
München, 2. Okt. Aus Anlaß der morgen beginnen=
den
Vorſtandsſitzung des Deutſchen Muſeums gab
die Stadt München heute abend den Gäſten im Rat=
haus
einen Begrüßungsabend, zu dem ſich u. a. auch
Staatsſekretär Dr. Delbrück eingefunden hatte. Im
Laufe des Abends nahm Dr. Delbrück Veranlaſſung, des
Werdegangs des Deutſchen Muſeums zu gedenken, und
hob hervor, daß ſich jetzt ſchon zeige, daß mit dieſem
Muſeum ein Kulturelement erſten Ranges geſchaffen
werde. Der Redner gedachte ſchließlich insbeſondere der
Stadt München als der Förderin des gewaltigen Wer=
kes
und dankte in einem Hoch auf die bayeriſche Gaſt=
freundſchaft
. Oberbürgermeiſter Dr. Borſcht nahm kurz
darauf das Wort, um dem Redner für ſeine München
und das Muſeum ehrenden Worte zu danken.
Immenſtadt, 1. Okt. In der vergangenen Nacht brach
in dem Geſchäftshaus des Kaufmanns Waibel in Fiſchen
ein großes Feuer aus, das in kurzer Zeit das ganze,
größtenteils aus Holz beſtehende Anweſen zerſtörte. Herr
Waibel kam über die brennende Stiege ins Freie her=
unter
, während der Frau und den Kindern dies nicht
mehr gelang. Frau Waibel, ſelbſt in höchſter Gefahr,
warf nun die Betten zum Fenſter hinaus und die ſechs
Kinder darauf. Bald darauf gelang es, die Frau mit
einer Leiter zu retten.
Landsberg a. d. Warthe, 3. Okt. Angeblich infolge
übermäßig ſchnellen Tempos des Chauffeurs überſchlug
ſich der Tourenwagen des ruſſiſchen Barons Stryk
bei eiyem Zuſammenſtoß mit einem Fuhrwerk. Der
Kutſcher des letzteren erlitt ſo ſchwere Verletzungen, daß
er auf dem Transport in das Krankenhaus ſtarb. Der
Baron erlitt einen Armbruch. Der Chauffeur blieb un=
verletzt
.
Kuxhaven, 3. Okt. Nach dreiwöchigen Bemühungen
iſt es gelungen, das Wrack des untergegangenen Tor=
pedobootes
G. 171 aufzufinden. Das Boot wurde
am 14. September während der Flottenübungen ſüdweſt=
lich
von Helgoland von dem Linienſchiff Zähringen
überrannt und durchſchnitten. Es hielt ſich nur noch 15
Minuten über Waſſer und ſank dann. Von der Beſatz=
ung
kamen ſieben Mann ums Leben.
Kuxhaven, 3. Okt. In dem benachbarten Nordſeebade
Altenbruch iſt das von Kurgäſten und Touriſten viel
beſuchte Strandhotel von einer Feuersbrunſt mit
allem Inventar eingeäſchert worden. Der Wirt mit
ſeiner Familie und das Perſonal konnten nur mit knapper
Not das Leben retten.
Wien, 2. Okt. In Marmarosßiget ſtürzten 30
Männer und Frauen bei einer Ueberfahrt über die Theiß
ins Waſſer. 13 Perſonen konnten gerettet werden, die
anderen Männer, Frauen und Kinder ſind ertrunken.
Lemberg, 2. Okt. Die Nachricht von einem aufſehen=
erregenden
Mord und Selbſtmord wurde hier be=
kannt
. Der Konſul von Reden, der Vertreter des
Deutſchen Reiches, unterhielt ein Verhältnis mit einer
jungen Dame, hatte ſich aber in der letzten Zeit mit ihr
überworfen. Die Dame wohnte im Hauſe des Herrn
von Reden und zwiſchen beiden kam es heute zu Zwiſtig=
keiten
, in deren Verlauf der Konſul ſeine Geliebte durch
einen Schuß ſchwer verletzte und ſich hierauf ſelbſt eine
Kugel durch die Bruſt jagte. Auf die Detonation hin=
eilten
Nachbarn herbei, ſprengten die geſchloſſene Tür
und fanden vor dem Fenſter liegend den Konſul und
ſeine Freundin. Bei dem Konſul war jede ärztliche Hilfe
überflüſſig, da der Tod bereits eingetreten war. Die
junge Dame wurde ſchwer verletzt in ein Krankenhaus
gebracht, wo ſie kurz nach der Einlieferung ſtarb. Der
Name des Mädchens iſt Eliſabeth Pirſche. Sie ſtammte
aus Charlottenburg, wo ihr Vater, ein Beamter noch
lebt; ſie ſtand im Alter von 24 Jahren. Ueber die Gründe
zu der Tat kurſieren verſchiedene Gerüchte. Vor wenigen
Tagen hatte Konſul von Reden die Mitteilung von ſei=
ner
Ernennung zum Geſandten in Abeſſynien erhalten;
man glaubt, daß er ſich deshalb von ſeiner Geliebten
trennen wollte, und daß aus dieſem Grunde ein Streit
zwiſchen beiden entſtanden iſt. Andererſeits wird er=
zählt
, daß die Familie des Konſuls ſich hartnäckig einer
Ehe mit Eliſabeth Pirſche widerſetzte, und daß darin der
Grund zu der Bluttat zu ſuchen ſei.
Brüſſel, 2. Okt. Wie einige Blätter melden, haben
die beiden Advokaten der Prinzeſſin Luiſe von
Belgien, Jaspar und Janſon, ihr Mandat nieder=
gelegt
. Das wird allgemein dahin gedeutet, daß die
Nachlaßfrage des verſtorbenen Königs Leo=
pold
II. in eine neue Phaſe getreten iſt. Man nimmt
an, daß die Regierung ſich mit der Prinzeſſin Luiſe und
der Prinzeſſin Stefanie, der jetzigen Gräfin Lonyay, eini=
gen
wird oder ſchon geeinigt hat. In unterrichteten
Kreiſen will man ſogar wiſſen, daß der Prinzeſſin Luiſe
eine Summe von zehn Millionen Francs angeboten iſt
und daß ſie geneigt iſt, dieſen Betrag anzunehmen.
Liſſabon, 3. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte
zehn monarchiſtiſche Verſchwörer zu ſechs
Jahren Einzelhaft mit nachfolgender zehn= bezw. zwan=
zigjähriger
Deportation nach Afrika.
Liſſabon, 3. Okt. Heftiger Sturm wütet ſeit
geſtern über ganz Portugal und verurſacht großen Scha=
den
. An der Küſte ſind ein ſpaniſches, ein portugieſiſches
und ein ausländiſches Segelboot geſtrandet. Acht Fiſcher=
boote
ſind geſunken. Zahlreiche Eiſenbahnzüge entgleiſten
infolge Dammbeſchädigungen. Der Cavado= und der
Lima=Fluß ſind über die Ufer getreten. Die Stadt Ponte,
de Lima ſteht unter Waſſer. Die Einwohner flüchteten
auf die Dächer der Häuſer

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Nummer 234.

Stadtverordneten=Verſammlung.

11. Sitzung.
St. Darmſtadt, 3. Oktober.
Bürgermeiſter Mueller eröffnet die Sitzung um
¾44 Uhr. Der Vorſitzende gedenkt zunächſt des Ablebens
des früheren Ehrenbeigeordneten Philipp Kahlert
und widmet ihm einen ehrenden Nachruf. Die Ver=
ſammlung
ehrt das Andenken des Verſtorbenen durch
Erheben von den Sitzen.
Mitteilungen.
Die Kabinettsdirektion hat den Dank Seiner König=
lichen
Hoheit des Großherzogs zum Ausdruck ge=
bracht
für das dem Großh. Hoftheater durch die
Weiterbewilligung des ſtädtiſchen Zuſchuſſes bewieſene
Entgegenkommen.
Der Heſſiſche Polizei= und Schutzhunde=
vere
in hat für den bewilligten Geldpreis gedankt.
Der Feſtausſchuß für die Friedrich Ludwig
Jahn=Feier hat zu der am 12. und 13. Oktober ſtatt=
findenden
Feier eingeladen.
Der ſtädtiſche Bezirksverein Südoſt
hat gebeten, die Durchführung der Wieners= und Gervi=
nusſtraße
auf die Landgraf=Georgs=Straße zu be=
ſchließen
.
Die Verbände deutſcher Klempner= und
Inſtallateur=Innungen, der elektrotechniſchen
Inſtallationsfirmen Deutſchlands, der deutſchen Schloſſer=
Innungen ufw. bitten in einem an die Stadtverwaltung
gerichteten Rundſchreiben um Aufhebung der Konkur=
renz
, die ihnen durch ſtädtiſche oder ſtädtiſcherſeits kon=
zeſſionierte
Gas=, Waſſer= und Elektrizitätswerke bereitet
wird.
Schauſteller E. Walther hat um Nachlaß von Platz=
geld
für die Herbſtmeſſe nachgeſucht.
Der Pferdezucht=Verein lädt zum Beſuch
des Pferdemarktes ein.
Der Gaſtwirte=Verein bittet um Gleichſtellung des
aus= und inländiſchen Weines inbezug auf Oktroi.
Anträge.
Von den Stadtverordneten Henrich und Genoſſen
wurde folgender Antrag zur Gemeindeſteuer
eingebracht: Die Unterzeichneten beantragen, gemäß Ar=
tikel
59 des Gemeindeſteuergeſetzes eine Ortsſatzung vor=
zulegen
, wonach: 1. Vermögen bis zum Werte von 3000
Mark allgemein von der Steuer befreit bleiben, 2. eltern=
loſe
Minderjährige und erwerbsunfähige
Perſonen, deren Vermögen bei einem Geſamteinkom=
men
von weniger als 750 Mark den Betrag von 10000
Mark nicht erreicht, und unter den gleichen Vorausſetz=
ungen
Witwen, wenn ſie nicht etwa ihr Vermögen und
Einkommen durch freiwillige Vermögensabtretung an
Kinder oder ſonſtige Angehörige unter die bevorſtehenden
Beträge vermindert haben, von der Steuer vom Grund=
beſitz
, Gewerbebetrieb und Kapitalvermögen befreit blei=
ben
. In der Begründung heißt es: Das neue
Gemeindeſteuergeſetz ſieht keine geſetzmäßigen Befreiun=
gen
wegen ungünſtiger perſönlicher Verhältniſſe der
Steuerpflichtigen vor. Der Artikel 59 gibt aber eine
Handhabe, ſolche Steuerbefreiungen durch Ortsſatzung zu
beſchließen, und zwar ſind außer den im obigen Antrag
enthaltenen Möglichkeiten weiterhin noch ſolche vorge=
ſehen
, die ſich auf eine Ermäßigung der Einkommenſteuer
und der Kapitalſteuer beziehen. Die hier beantragten
Steuerbefreiungen gelten bereits in gleichem Umfange
für die ſtaatliche Vermögensſteuer. Nach der bisher für
die Gemeinden gültigen Kapitalrentenſteuer beſtanden ſo=
gar
noch weitergehende Befreiungen, indem Witwen,
elternloſe Minderjährige und erwerbsunfähige Perſo=
nen
, bei einem Geſamteinkommen von weniger als 1500
Mark, wenn ihre Bezüge an Kapitalzinſen die Summe
von 750 Mark jährlich nicht erreichen, kapitalrentenſteuer=
frei
blieben. Das bedeutet eine Befreiung für ein Kapi=
tal
von 1800020000 Mark. Die hier vorgeſchlagenen
Steuerbefreiungen bezweckten hiernach im weſentlichen
nichts Neues; daß ſie auch die Grundſteuer und die Ge=
werbeſteuer
umfaſſen, iſt nur gerecht und billig. Es ſoll
durch den vorliegenden Antrag verhütet werden, daß
Perſonen zur Gemeindevermögensſteuer herangezogen
alſo mit dem gleichen Einkommen doppelt beſteuert
werden, deren Einkommensverhältniſſe dies als eine be=
ſondere
Härte erſcheinen laſſen und die in der Hauptſache
auch bisher ſchon ähnliche Befreiungen genoſſen haben.
Von der weiter im Artikel 59 vorgeſehenen Ermächtig=
ung
zur Ermäßigung der Einkommen= und der Kapital=
ſteuer
glauben die Antragſteller mit Rückſicht darauf vor=
erſt
abſehen zu ſollen, daß zunächſt die Wirkungen und
die finanziellen Ergebniſſe der neuen Gemeindeſteuer ab=
zuwarten
ſind, bevor man weitergehende Anträge von
jetzt noch nicht überſehbarer Tragweite zu ſtellen in der
Lage iſt.
Stadtv. Bormet hat folgenden Antrag eingebracht:
Nachdem das Reich und der heſſiſche Staat die Kautions=
pflicht
für ihre Beamten ſchon ſeit Jahren aufgehoben
haben, bitte ich, beſchließen zu wollen, daß die Kautions=
pflicht
für die Beamten und Bedienſteten der Stadt
Darmſtadt alsbald aufgehoben wird. Die Anträge
gehen an die zuſtändigen Ausſchüſſe.
Straßenbahnſchmerzen.
Stadtv. Dr. Oſann möchte die Stadtverwaltung
interpellieren darüber, wie ſie zu der Proteſtverſamm=
lung
der Straßenbahner ſteht, die über ihre Verhältniſſe
in der neugegründeten Heſſiſchen Eiſenbahn= Aktiengeſell=
ſchaft
bittere Klagen führen. Redner möchte heute von
einer Erörterung abſehen, weil der Herr Oberbürger=
meiſter
nicht anweſend iſt, behält ſich aber vor, ſeine
Interpellation ſofort in der nächſten Sitzung wieder ein=
zubringen
, wenn der Herr Oberbürgermeiſter anweſend
iſt. Stadtv. Saeng ſchließt ſich dem an, nachdem
auch der Vorſitzende ſich damit einverſtanden erklärt hat.
Beig. Ekert kommt auf die verſchiedenen in den
Eingeſandts veröffentlichten Klagen über den neuen
Straßenbahnbetrieb und über die Heag überhaupt zu
ſprechen. Beſonders ſcharf ſpreche ſich ein Eingeſandt in
heutiger Nummer des Tagblatts aus, das darüber Be=
ſchwerde
führt, daß man auf einen Wagen der roten
Linie ½ Stunde warten müßte und dergl. mehr. Redner
ſtellt an Hand amtlicher Ermittelungen feſt, daß der
Wagen auf der fraglichen Linie durchaus regelmäßig nach
dem Fahrplan verkehrt iſt. Es müſſe offenbar ein Ver=
ſehen
des betr. Einſenders vorliegen, der in ſeiner Auf=
regung
den richtigen Wagen überſehen hat. (!)
So ſei es übrigens mit den meiſten Eingeſandts. Wenn
man amtlich nachprüfe, ergebe ſich faſt ſtets die Unhalt=
barkeit
der Behauptungen. Was die Beſchwerden über
das zu langſame Fortſchreiten der Schienenlegung be=
trifft
, ſo ſeien ſchon bei Gründung der Geſellſchaft die
falsbald auszubauenden Linien feſtgelegt worden. Die
Schienen wurden auch ſofort beſtellt, doch haben die Fir=
men
verſagt, weil ſie wegen zu großer Inanſpruchnahme
die Lieferzeit nicht einhalten können. Dadurch iſt natür=
lich
eine Verzögerung eingetreten, doch ſind die Schienen

und die meiſten Weichen jetzt unterwegs und die
Arbeiten werden ſofort nach Eintreffen des Ma=
terials
ihren Fortgang nehmen. Schwieriger ſei aller=
dings
die Wagenbeſchaffung. Die Wagenfabriken ſind
ſo über Gebühr beſchäftigt, daß ſie keine Wagen liefern
können. Doch wird die Verwaltung es ermöglichen, daß
die zuerſt fertig werdenden Linien mit vorhandenen
Wagen befahren werden können. Die Anſchaffung von 15
neuen Trieb= und 10 neuen Anhängewagen iſt beſchloſſen,
die ſämtlich für den Vorortsverkehr beſtimmt ſind. Ein
Eintreffen dieſer Wagen vor dem nächſten Frühjahr iſt
aber nicht zu erwarten. Die vorhandenen offenen
Sommerwagen ſollen aber alsbald in geſchloſſene
Anhängewagen umgebaut werden. Weiter teilt
Redner mit, daß die Verwirklichung der Ueberland=
zentrale
bald zur Tat werden wird. 32 Gemeinden
ſind bereits angeſchloſſen. Die Pläne ſind bereits ange=
fertigt
und die Mittel ſind mit 2 Millionen Mark ſchon
bewilligt. Mit der Kabellegung vom Werk am Dorn=
heimer
Weg nach Beſſungen, Eberſtadt, Roßdorf uſw.
wird alsbald begonnen werden.
Stadtv. Dr. Oſann iſt zwar dankbar für die gege=
benen
guten Ausſichten für die Zukunft, doch möchte er
bitten, daß die vielerlei Beſchwerden möglichſt eingehend
geprüft werden, nicht nur die Eingeſandts, auch die
Klagen, die man vielfach in den Bahnwagen ſelbſt hört:
über die Ueberfüllung der Wagen, über Nichterlangung
von Anſchlüſſen, beſonders bei Regenwetter, u. v. a.
Ueberall werden Klagen darüber geführt, daß der Be=
trieb
unzureichend iſt, daß die Wagen überhaupt nicht
ausreichen uſw. Die Beſchwerden werden nicht aufhören,
wenn nicht eine Aenderung im Fahrplan und im Betrieb
eintritt. Die Beſchwerden ſeien zum größten Teil be=
rechtigt
und bedürfen dringend der Abſtellung.
Stadtv. Kalbfuß bringt ebenfalls einige Be=
ſchwerden
vor über Unzulänglichkeiten des Verkehrs uſw.
Stadtv. Link ebenfalls. Er ſchließt ſich den Forder=
ungen
Dr. Oſanns vollſtändig an.
Nicht ſo Stadtv. Hüfner. Er iſt der Meinung,
daß den Eingeſandts kein allzu großer Wert beizulegen
iſt. Es gibt viele Leute, die viel Zeit übrig haben und
dieſe immer gern zum Schreiben der Eingeſandts be=
nutzen
. Damit ſolle man hier keine Zeit verlieren.
(Widerſpruch.) Die Verwaltung der Heag ſei ſtets be=
ſtrebt
, den Verkehr nach Möglichkeit zu beſſern, doch habe
das manchmal große Schwierigkeiten. (Widerſpruch.)
Stadtv. Kahn rügt ſcharf den Betrieb der Straßen=
bahn
ins Martinsviertel. Hier werde ſtets mit dem
ſchlechteſten Wagenmaterial gefahren, mit dem zu fahren
oft eine Qual ſei. Weiter fragt Redner, ob denn die
Bahn durch die Hochſchulſtraße bald gebaut würde. Dann
wird ein Antrag auf Schluß der Debatte ange=
nommen
. Beig. Ekert teilt in ſeinem Schlußwort
mit, daß ſeitens der Heag trotz eines langen Gutachtens
der Hochſchule an dem Projekt der Führung der Bahn
durch die Hochſchulſtraße feſtgehalten wird. (Beifall.)
Danach wird in die Tagesordnung eingetreten.
Der Darmſtädter Sportklub
will auf ſeinem Sportplatz hinter dem alten Schießhaus
ein kleines Gebäude mit Ankleide= und Erfriſchungsraum
errichten. Da das Gelände außerhalb des Bebauungs=
plans
liegt, iſt beſondere Genehmigung hierzu erforder=
lich
, die beantragt wird. Nach dem Referat des Stadtv.
Wittmann wird zugeſtimmt.
Der Golfklub
will einen Teil des Waſſerbedarfs für den vorgenannten
Sportplatz aus der Leitung eines Nachbargrundſtücks
entnehmen. Die Waſſerwerks=Deputation hat in Anbe=
tracht
der vorliegenden beſonderen Verhältniſſe der Ent=
nahme
, die den Satzungen widerſpricht, zugeſtimmt. Nach
dem Referat des Beig. Ekert ſtimmt die Verſamm=
lung
zu.
Baudispensgeſuche.
In dem Neubau eines Doppelwohnhauſes in der
Soderſtraße ſoll eine gemeinſchaftliche Wohnung im
1. Stock eingerichtet und zu dieſem Zweck die Brand=
mauer
durch zwei Türen unterbrochen werden. Die
hierzu erforderliche Befreiung von der Beſtimmung in
§ 69 der Ausführungs=Verordnung zur Allgemeinen Bau=
ordnung
wird beantragt.
In dem Anweſen Kranichſteiner ſtraße 39½
ſoll ein Hintergebäude errichtet werden. Da das Anweſen
keine den geſetzlichen Beſtimmungen entſprechende große
Durchfahrt hat, iſt Befreiung von den entgegenſtehenden
Beſtimmungen des Ortsbauſtatuts uſw. erforderlich, die
der Hochbau=Ausſchuß beantragt hat. Ueber beide Punkte
referiert Stadtv. Wagner. Den Anträgen wird debatte=
los
zugeſtimmt.
Die Entwäſſerung des Klubhauſes des
Golfklubs auf dem Sportplatz am Kirchenweg ſoll
durch eine auf dem Grundſtück auszuführende biologiſche
Anlage erfolgen. Die Genehmigung wird nach dem An=
trag
der Tiefbau=Deputation gegen Ausſtellung eines
Reverſes empfohlen. Nach dem Bericht des Stadtv.
Wittmann wird zugeſtimmt.
Der Hohle Weg
ſoll nach einem Referat des Stadtv. Wittmann zwi=
ſchen
den Straßen C und C Ichauſſiert und auf der Süd=
ſeite
mit erhöhtem Fußſteig und Randſteineinfaſſung
verſehen werden. Gleichzeitig ſoll ein proviſoriſcher Ka=
nal
in die genannte Straßenſtrecke eingelegt werden. Die
entſtehenden Koſten ſind zum größten Teile von den An=
liegern
zu tragen; auf die Stadt entfällt hiervon nur ein
Anteil von 1150 Mark. Die Tiefbau=Deputation und der
Finanz=Ausſchuß haben zugeſtimmt.
Stadtv. Lehr führt Klage darüber, daß ein Haus
keinen Vorgarten habe, ſondern direkt an der Straße
ſtände, während alle Häuſer ſonſt Vorgärten haben.
Stadtv. Sames erwidert, das ſei ja doch gerade die
Eigenart der Gartenſtadt, daß jeder bauen könne, wie er
will, wenn er nur innerhalb der Baufluchtlinie bleibt.
Stadtv. Lehr hält das für unrichtig. Stadtv.
Schupp führt Beſchwerde über Straßenführung und
über den langſamen Ausbau der Straßen. Stadtv.
Sames macht demgegenüber darauf aufmerkſam, daß
die zu hohen Forderungen der Anlieger an der Verzöger=
ung
ſchuld ſeien. Stadtv. Dr. Bender beſtätigt das.
Es ſei ſeinerzeit das Enteignungsverfahren eingeleitet
worden, doch habe man ſich dann entſchloſſen, einfach zu
warten, bis die Grundbeſitzer von ſelbſt ihre überhohen
Forderungen herabſetzen. Der Antrag wird dann an=
genommen
.
Die Schlachthofverwaltung
hat beantragt, im Intereſſe des Verkehrs nach dem neuen
Schlachtviehmarkt eine dicekte Zufahrt von der äußeren
Ringſtraße nach dem Schlachthof im Zuge der verlänger=
ten
Mollerſtraße alsbald herzuſtellen. Tiefbau= Depu=
tation
und Finanz=Ausſchuß haben der Herſtellung,
die als Notſtandsarbeit im Winter erfolgen ſoll, zuge=
ſtimmt
. Dasſelbe tut die Verſammlung nach dem Referat
des Stadtv. Wggaex.

Die Eiſenbahnverwaltung hat gebeten, ihr
die Verlegung eines Kabels
durch ſtädtiſches Weggelände (Mittelſchneiſe) zur Anlage
einer Alarmeinrichtung nach den Arbeiterwohnhäuſern an
der Mittelſchneiſe zu geſtatten. Gegen Ausſtellung eines
Reverſes wird die Genehmigung beantragt. Nach dem
Bericht des Stadtv. Sames wird zugeſtimmt.
Gartenbeſitzer in der Heidelbergerſtraße haben um
Errichtung eines öffentlichen Brunnens
zwiſchen Landskronſtraße und der Rennbahn nachgeſucht.
Die beteiligten Ausſchüſſe haben das Bedürfnis für einen
öffentlichen Brunnen in der bezeichneten Gegend aner=
kannt
und für die Aufſtellung des Brunnens an der Kreuz=
ung
der Heidelbergerſtraße und Landskconſtraße ſich aus=
geſprochen
, ſowie die Bewilligung der erforderlichen
Mittel in Höhe von 300 Mark befürwortet.
Stadtv. Sames bringt hierbei Wünſche vor zur
Waſſerverſorgung des Güterbahnhofes und Beig. Ekert
ſagt weitere Bemühungen in dieſem Sinne zu. Stadtv.
Bormet bittet bei Brunnenanlagen auch für Vögel und
andere Tiere zu ſorgen. Der Antrag wird angenommen.
Die Koſten für die
Waſſerrohrlegung im Gräfenhäuſer Weg
ſind zum Teil von den Anſchlußbeſitzern vorgelegt wor=
den
. Nachdem nunmehr der Reinertrag aus dem Waſſer=
geld
eine entſprechende Verzinſung der Anlagekoſten ge=
währleiſtet
, hat die Waſſerwerks=Deputation nach dem
Bericht des Stadtv. Werner die Rückvergütung der
Koſtenvorlage gutgeheißen. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Der am 1. Oktober in Kraft getretene
Winterfahrplan der Darmſtädter
Straßenbahnen
weiſt eine Reihe von Verbeſſerungen gegen den ſeither
gültigen Fahrplan auf. Der Frühverkehr auf den einzel=
nen
Linien beginnt im Durchſchnitt um faſt 40 Minuten
früher als bisher, und zwar in regelmäßiger Zeitfolge,
während bisher die Frühfahrten in unregelmäßigen Zeit=
abſchnitten
aufeinander folgten. Die Wagen von Schul=
ſtraße
bis Hauptbahnhof verkehren alle 7½ Minuten ſtatt
bisher alle 12 Minuten. Auf den Außenſtrecken findet
15 Minutenverkehr ſtatt. Von den morgens nicht zum
Hauptbahnhof führenden Linien findet ſtets Anſchluß an
die zum Bahnhof fahrenden Wagen am Ernſt= Ludwigs=
platz
ſtatt. Auch abends wird der Verkehr im Durch=
ſchnitt
um ca. 40 Minuten verlängert und der Wagen=
abſtand
gleichmäßig eingerichtet. Der Verkahrs=Ausſchuß
hat den Fahrplan gutgeheißen.
Aus dem Bericht und der Abrechnung übee
die Hilfsaktion,
die die Verwaltung im verfloſſenen Jahre gegen die
allgemeine Teuerung eingeleitet hatte, iſt folgendes von
Intereſſe, das vom Stadtv. Bender vorgetragen wurde:
Die von einer größeren Anzahl wohlhabender Einwohner
geſtiſteten Beträge zu einem Hilfsfonds beliefen ſich auf
7993 Mark. An dem Bezug billiger Kartoffel waren
1676 Haushaltungen mit 14103 Zentner Kartoffel be=
teiligt
. Die Aufwendungen der Stadt für Zuſchüſſe an
die Händler, für Verluſte durch uneinbringliche Beträge
uſw. betrugen 14766 Mk. 27 Pfg. Die von der Bäcker=
innung
zugeſtandene Preisermäßigung für Brot iſt 481
Haushaltungen zugute gekommen, die insgeſamt Scheine
für 13 421 Laib Brot erhalten haben. Beſondere Koſten
ſind der Stadt hierdurch nicht erwachſen. Bei dem von
der Stadt eingerichteten Fiſchverkauf auf dem Marktplatz
wurden in der Zeit vom 17. Oktober 1911 bis 31. März
1912 rund 500 Zentner Fiſchwaren umgeſetzt. Durch Nach=
laß
des Marktſtandgeldes hat die Stadt hierbei 200 Mk.
Koſten gehabt. Fiſchkochkurſe wurden mit Unterſtützung
des deutſchen Seefiſcherei=Vereins 19 abgehalten, an denen
459 Frauen und Mädchen unentgeltlich teilnahmen. Die
Koſten dieſer Kurſe betrugen für die Stadt 480 Mark
62 Pfg. Ausweisſcheine für die Abgabe von Brenn=
materialien
zu den von der Kohlenhändler=Vereinigung
eingeräumten Vorzugspreiſen wurden 331 Haushaltun=
gen
mit zuſammen rundes 185 Zentner Kohlen und Holz
erteilt. Die Summen aller Aufwendungen der Stadt=
kaſſe
beträgt 15624 Mk. 61 Pfg. Hiervon wurden durch
den angeſammelten Hilfsfonds nebſt Zinſen 8007 Mark
31 Pfg. gedeckt, ſo daß aus dem ſeinerzeit vorlagsweiſe
bewilligten Kredit von 30000 Mk. nur 7617 Mark
30 Pfg. zu entnehmen ſind. Redner ſpricht ſchließlich
unter lebhafter Zuſtimmung dem Herrn Bürgermeiſter
Mueller herzlichſten Dank aus für ſeine Tätig=
keit
in dieſer Hilfsaktion.
Lehreggehälter.
Die nach dem Geſetz vom 17. Juli ds. Js. bewilligten
Zulagen an die Lehrer etc. der Ludwigs= und Liebigs=
Oberrealſchule ſind zur Hälfte von der Stadt zu tragen.
Es iſt hiernach eine Erweiterung der Kredite für die Zu=
ſchüſſe
zu den Kaſſen der genannten Schulen erforderlich,
die beantragt wird. Die von der Stadtkaſſe zu tragende
Hälfte der Zulagen des Lehrperſrnals der Liebigs= Ober=
realſchule
für 1912 beträgt 5876 Mark, die der Ludwigs=
Oberrealſchule 6592 Mark. Nach dem Referat des
Stadtv. Bormet werden die Summen bewilligt.
Beitrag für ein Deutſchenheim in Peſt.=
Das Kaiſerlich deutſche Generalksnſulat in Budapeſt
hat um Gewährung eines Beitrags zur Gründung eines
deutſchen Heims für Lehrerinnen, Erzieherinnen uſw
nachgeſucht. Der Finanz=Ausſchuß empfiehlt dem Geſuch
durch Bewilligung eines einmaligen Betrags von
200 Mark zu entſprechen, was nach dem eingehenden
Referat des Stadtv. Bender beſchloſſen wird.
Die Bewohner der Arbeitshäuſer am Dornheimer
Weg haben wiederholt um die
Beleuchtung des unteren Dornheimer
Wegs
nachgeſucht. Da die Bahnverwaltung die Uebernahme
der Koſten abgelehnt hat, wird im Intereſſe der Sicher=
heit
des Verkehrs im Einverſtändnis mit der Gaswerks=
Deputation die Aufſtellung von 5 Kandelabern im An=
ſchluß
an die bis zum Zugang zur Hauptwerkſtätte ausge=
führte
Straßenbeleuchtung und die Uebernahme der jähr=
lichen
Unkoſten auf die Stadtkaſſe beantragt. Nach kurzer
Debatte wird dem zugeſtimmt. Referent Stadtv.
Sames, Stadtv. Dr. Noellner führten Klage über
die mangelhafte Beleuchtung der Wilhelminenſtraße.
Maßnahmen gegen die Fleiſchteuerung.
Bürgermeiſter Mueller führt aus: Als Abhilfe=
maßnahmen
gegen die Fleiſchtenerung hat die Verwalt=
ung
im Einverſtändnis mit dem Sozialpolitiſchen und
dem Finanz=Ausſchuß folgendes in Ausſicht genommen:
1. Die Stadt übernimmt den Verkauf friſchen Flei=
ſches
in eigener Regie. Die Abgabe des Fleiſches bleibt
nicht auf die Minderbemittelten beſchränkt, ſondern er=

[ ][  ][ ]

Nummer 234.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Seite 7.

folgt an alle, die es wünſchen. Als Verkaufsſtelle iſt der
ſtädtiſche Schlachthof auserſehen. Wenn ſich ein Bedürf=
nis
hierfür ergibt, ſoll erwogen werden, ob die Abgabe
auch noch an einer anderen Stelle erfolgen kann.
2. Zur Entlaſtung des Fleiſchmarktes ſoll der Fiſch=
verbrauch
gefördert werden. Mit einem hieſigen Fiſch=
händler
iſt ein Vertrag abgeſchloſſen, wonach dieſer auf
dem Marktplatz und dem Riegerplatz billige Fiſchſorten
unter Kontrolle der Preiſe durch die Stadt feilhält. Gleich
wie im Vorjahre ſollen wieder Fiſchkochkurſe veranſtaltet
werden, für Beſſerſituierte gegen ein Schulgeld von 2 Mk.,
für die minderbemittelte Bevölkerung koſtenlos.
3. Den mit Ausweisſcheinen der Stadt verſehenen
Perſonen wird von einer Anzahl hieſiger Kohlenhändler
ein Nachlaß auf die geltenden Kohlenpreiſe gewährt
werden.
Zur Durchführung dieſer Maßnahmen iſt ein Vor=
lagekredit
von 5000 Mark erforderlich, deſſen Be=
willigung
die Ausſchüſſe empfohlen haben.
Es entſpinnt ſich hierzu eine längere Debatte.
Stadtv. K. Lautz hält die Maßnahmen der Regierungen
für einen Schlag ins Waſſer, der nichts anderes be=
zwecken
ſoll, als der Landwirtſchaft wehe zu tun. Das
Metzgergewerbe ſei mit den Maßnahmen der Städte ein=
verſtanden
. Wenn die Metzger ſich weigern, däniſches
Fleiſch zu verkaufen, ſo iſt das nur darin begründet, daß
ſie nicht zwei Sorten Fleiſch führen können und daß das
däniſche Fleiſch nach ihrer Anſicht minder gut iſt. ( Wider=
ſpruch
.) Stadtv. Henrich hält ebenfalls die ſtaat=
lichen
Maßnahmen für völlig unzureichend. Was die
Maßnahmen der Stadt betrifft, ſo möge man noch eine
Verkaufsſtelle auf dem Markte errichten. Erneute Peti=
tionen
ſollten nicht unterbleiben, man müſſe die Einfuhr
von franzöſiſchem und von Gefrierfleiſch erſtreben.
Der Vorſitzende ſtellt feſt, daß zur Einführung
von Gefrierfleiſch die Abänderung des § 12 des Seuchen=
geſetzes
notwendig ſei, die zu erreichen aber kaum Aus=
ſicht
beſteht. Doch ſolle man eine erneute Eingabe wohl
abſenden. Was den Verkauf von Fleiſch auf dem Markt
betrifft, ſo wird auch dem, ſo weit möglich, Rechnung
getragen werden. Ein Verkaufsſchuppen iſt bereits ent=
worfen
und wird nächſtens der Kredit hierfür angefordert
werden.
Stadtv. mu t h hätte es lieber geſehen, wenn
man nicht mit gar zu kleinen Anfängen 5 Stück be=
gonnen
hätte, ſondern mit größerem Quantum. Nun
ſolle man aber wenigſtens ſchleunigſt damit beginnen.
Mit Milch hätte man den gleichen Verſuch machen müſſen.
Daß die Bäcker ſo wenig Entgegenkommen zeigen, ſei
ſehr bedauerlich. In vielen Städten haben die Bäcker
die Brotpreiſe herabgeſetzt. Stadtv. Dr. Noellner
teilt unter Zugrundelegung von Erfahrungen in Frank=
furt
mit, daß Milchverkauf durch die Stadt kaum mög=
lich
wäre; die Stadt würde erhebliche Beträge darauf=
legen
müſſen. Die hohen Milchpreiſe in Darmſtadt liegen
nicht an den Händlern, ſondern an den Produzenten, die
an ihren Preiſen feſthalten. Für den Verkauf von Fleiſch
brauche man keine Hallen, es gebe Metzgerläden genug,
die leer ſtehen, auch in Beſſungen. Man ſolle nicht zu
klein anfangen. Stadtv. Friedrich ſchließt ſich im
weſentlichen den Ausführungen des Stadtv. Aßmuth
an. Das däniſche Fleiſch ſei nicht minderwertig.
Stadtv. Dr. Heyd verbreitet ſich ſehr eingehend über
allgemeine geſetzliche Maßnahmen zu dieſer Frage und
macht vielerlei Vorſchläge, die im weſentlichen in Erwei=
terung
der Einfuhrmöglichkeit gipfeln. Stadtv. L.
Lautz verteidigt die Bäcker gegen die Angriffe der Vor=
redner
. Dann ſchließt die Debatte. Sämtliche An=
träge
der Bürgermeiſterei werden ange=
nommen
.
Damit iſt die Tagesordnung erledigt.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Der Verwaltung der hieſigen Straßen=
bahnen
ſei hiermit die Anregung gegeben ob es ſich
nicht, namentlich bei der hoffentlich recht bald und noch
in dieſem Jahre bevorſtehenden Vermehrung der elek=
triſchen
Linien, empfehlen dürfte, gleich, wie in vielen
anderen Städten, die Linien mit Nummern zu be=
zeichnen
und dieſe Nummern auf großen runden Schei=
ben
, die eventl. bei Dunkelheit beleuchtet werden können,
auf dem Dache der elektriſchen Wagen weithin ſichtbar
anzubringen. Dieſe Einrichtung hat ſich überall bewährt,
zumal die Zahl der als deutliche Signalfarbe geeigneten
Farben ſehr beſchränkt iſt, auch bei Betrieb mit Anhänge=
wagen
die Scheiben, die auf den Motorwagen hoch her=
vorragen
, bedeutend zweckmäßiger ſind.

Luftfahrt.

* Friedrichshafen, 2. Okt. Der für heute beab=
ſichtigte
Werkſtättenaufſtieg des Marineluft=
ſchiffs
iſt auf Freitag verſchoben worden, damit
am Luftſchiff noch verſchiedene Verbeſſerungen vorgenom=
men
werden können. Graf Zeppelin beabſichtigt, die
Fahrt perſönlich zu leiten.

Die Lage auf dem Balkan.

Konſtantinopel, 3. Okt. In der Situation
hat ſich bisher nichts geändert. Die Pforte bereitet
ein Memorandum andie Mächtevor, in dem u. a.
dargelegt wird, daß das Vorgehen der kleinen Balkan=
ſtaaten
nur ein Gewaltakt ſei, deſſen weiterer Entwickelung
die türkiſche Regierung mit voller Ruhe entgegenſehen
wird. Auf alle Fälle ſei und bleibe die türkiſche Regierung
ſeſt entſchloſſen, den Gewaltakt energiſch zurückzuweiſen.
* Konſtantinopel, 3. Okt. Die Mobil=
machungsverfügung
betrifft nur die erſte, zweite
und dritte Armeeinſpektion, letztere nur teilweiſe. In
Syrien und Meſopotamien ſind keine Mobilmachungen er=
folgt
. Im ganzen wurden 88 Diviſionen mobiliſiert. Die
Mobilmachung vollzieht ſich raſch.
Konſtantinopel, 3. Okt. Der Miniſterrat
beſchäftigte ſich heute ausſchließlich mit den Kriegsvor=
bereitungen
. Verſchiedene Depeſchen, die von einer
ſehr energiſchen Demarche der Mächte bei den Balkan=
ſtaaten
berichten, machten einen guten Eindruck. Der deutſche
Botſchafter hatte eine längere Unterredung mit dem
Miniſter des Aeußern, der dann mit Kiamil Paſcha kon=
ferierte
. Der Miniſter des Aeußern teilte mit, die eng=
liſche
Regierung habe der Pforte erklärt, daß ſie die
Türkei auf alle Art unterſtützen würde. Nachrichten, die
auf der Pforte eintrafen, beſagen, daß die Balkan=Mächte
die Ueberreichung der gemeinſchaftlichen Note aufſchieben,
weil die erforderlichen Kriegsvorbereitungen noch nicht

getroffen ſeien. In drei oder vier Tagen würden ſie eine
Zirkular=Depeſche an die Mächte richten.
* Sofia, 2. Okt. Die Agence Bulgare meldet: Die
Sobranje iſt zum 5. Oktober zu einer außerordentlichen
Seſſion einberufen worden, um den proklamierten
Belagerungszuſtand zu ſanktionieren und die durch die
Mobiliſierung der Armee notwendig gewordenen außer=
ordentlichen
Ausgaben zu bewilligen.
* Sofia, 3. Okt. Die Mitteilung der Agence Havas
über den Verſuch des bulgariſchen Geſandten in
Paris, einen Vorſchußkredit aufzunehmen, bedarf
der Richtigſtellung. In Wahrheit verhandelt die bulga=
riſche
Regierung nicht über eine Anleihe von 20 oder 10
Millionen, ſondern über eine große Anleihe von 180 Mil=
lionen
, die bereits im vergangenen Frühjahr geplant war.
Belgrad, 3. Okt. Das Regierungs=Organ Samou
Prawa ſchreibt, daß die Vertreter der Mächte nach
bekannt gewordener Mobiliſierung die ſerbiſche Regierung
erſuchten, ihre Truppen nicht in der Nähe der tür=
kiſchen
Grenze zu konzentrieren, um die Situation
nicht zu verſchärfen. Die Regierung hat in eingehender
Weiſe verſprochen, ihr möglichſtes dafür zu tun, obwohl
das Oberkommando der Truppen die Dislokierung vor=
nimmt
. Die Regierung habe deshalb auch von der Ab=
berufung
des ſerbiſchen Geſandten in Konſtantinopel noch
abgeſehen.
* Cetinje, 3. Okt. Geſtern fanden große Kund=
gebungen
ſtatt. Die Menge zog vor das Palais des
Königs, wo ſie dem König und dem Kronprinzen zujubelte.
Der König ermahnte in einer kurzen Anſprache die Bevöl=
kerung
zur Beſonnenheit und ſagte, die Mobiliſierung be=
deute
noch keinen Krieg, aber in dieſer ernſten Zeit
müſſe jeder Montenegriner ſeine Pflicht tun und bereit ſein,
dorthin zu gehen, wohin ihn die Behörden ſchickten. Vor
der ruſſiſchen, ſerbiſchen, bulgariſchen und griechiſchen Ge=
ſandtſchaft
wurden Ovationen dargebracht.
Bukareſt, 3. Okt. Trotz der bedrohlichen Balkan=
Nachrichten wurden noch keine militäriſchen Vor=
kehrungen
getroffen. Sollte ſich jedoch die Situation
ſo weiter entwickeln, ſo werde vorläufig das 1., 2. und 3.
rumäniſche Armeekorps mobiliſiert werden.

H.B. Paris, 3. Okt. Wie der Matin verſichert, hat
Kabinettschef Poincaré während des geſtrigen dip=
lomatiſchen
Empfanges nicht nur die Vertreter
der Großmächte, ſondern auch die Geſandten Bul=
gariens
Serbiens und Griechenlands emp=
fangen
und ſie energiſch auf den Ernſt der Lage verwieſen,
der durch die Mobiliſierung ihrer Armeen verurſacht wor=
den
iſt. Gleichzeitig hat er ihnen gegenüber dem lebhaften
Wunſch Ausdruck verliehen, daß eine Verſtändigung ge=
lingen
möge. Er verfehlte auch nicht, die Diplomaten der
kleinen Staaten auf die ſchwere Verantwortung aufmerk=
ſam
zu machen, die die Balkan=Regierungen auf ſich ge=
laden
haben.
* Athen, 2. Okt. In der Hauptſtadt herrſcht infolge
der Mobilmachung lebhafte Bewegung. Die Re=
ſerven
rücken bei ihren Truppenteilen ein, um möglichſt
ſchnell an die Grenze befördert zu werden. Unter ihnen
herrſcht allgemein zuverſichtliche Stimmung. Das Stra=
ßenbild
iſt ruhig, ohne Kundgebungen und Lärmſzenen.
Auch die oppoſitionelle Preſſe billigt das entſchloſſene
Vorgehen der Regierung. Im Geſchäftsleben iſt eine ſtarke
Stockung zu bemerken infolge der Einberufung der mei=
ſten
Angeſtellten. Schiffe und Eiſenbahnen arbeiten faſt
ausſchließlich für die Truppentransporte. Der Börſen=
verkehr
iſt weſentlich beſchränkt. In den nächſten Tagen
wird ein Gerichtsmoratorium verkündet. Die im Aus=
lande
weilenden griechiſchen Prinzen ſtellen ſich der Re=
gierung
zur Verfügung. Die Prinzen Nikolaus und
Andreas, die vor drei Jahren aus der Armee ausgeſchie=
den
ſind, werden wahrſcheinlich mit ihrem früheren
Rang wieder eintreten. Die hier anweſenden Kreter
unter Führung von Pologeorgis haben Venizelos ihre
Hilfe angeboten; ſie werden jedenfalls ein Freikorps bil=
den
. Die Griechen in den Vereinigten Staaten haben
eine Heilige Schar gebildet, die 8000 Mann ſtark iſt. Sie
ſind mit voller Ausrüſtung nach Griechenland abgereiſt.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Zehn Uhr abends.
Obwohl die Friſt, die Serbien betreffend die Durchfuhr
des Kriegsmaterials geſtellt hat, um 7½ Uhr abge=
laufen
war, hat der ſerbiſche Geſandte Nenado=
witſch
bisher keine Antwort übermittelt. Indeſſen
erklärten ſerbiſche Kreiſe, es werde kein ſofortiger Abbruch
der Beziehungen erfolgen. Nenadowitſch erwartet In=
ſtruktionen
.
* Konſtantinopel, 3. Okt. Die nach Konſtan=
tinopel
eingezogenen Reſerviſten ziehen mit Muſik
durch die Straßen; ſie werden überall mit großer Be=
geiſterung
begrüßt. Die ſtreikenden Kutſcher haben ſich
für die Mobiliſierungsarbeiten angeboten. Laut Nach=
richten
aus türkiſcher Quelle herrſcht auch in der Pro=
vinz
eine große Begeiſterung für die Mobili=
ſierung
. Der frühere Miniſter des Aeußern Aſſim,
hatte heute eine vielbeſprochene Unterredung mit dem
bulgariſchen Geſandten Sarafoff. Ein außer=
ordentlicher
Miniſterrat beriet über die Lage,
insbeſondere über die Frage der Zurückhaltung der
griechiſchen Schiffe Bei dem gemeldeten Schritte zu=
gunſten
der Schiffe hatte der griechiſche Geſandte Gry=
paris
, ſehr energiſch die ſchleunige Zurücknahme des be=
treffenden
Beſchluſſes der Pforte verlangt, da die Maß=
regel
willkürlich und, ſolange freundſchaftliche Bezieh=
ungen
herrſchten, unangebracht ſei, da jede Verzögerung
Millionen Verluſte verurſache. Der Miniſter des
Aeußern Noradunghian, antwortete, die Regierung werde
die Schiffe für Transporte requirieren und verſprach
ſchließlich, die Angelegenheit dem Miniſterrat zu unter=
breiten
.
H.B. Belgrad 3. Okt. Die heute eröffnete
außerordentliche Seſſion der Skuptſchina
wird bis zum Beginn der ordentlichen Seſſion andauern,
die nur einen Finanz=Ausſchuß zu wählen hat und dann
vertagt werden wird. Die jetzige Seſſion wird außer=
ordentliche
Heereskredite bewilligen. Alle oppoſitionellen
Parteien ſind gewillt, die Regierung zu unterſtützen. Die
bulgariſchen Militärpflichtigen haben auf den ſerbiſchen
Bahnen freie Fahrt bis zur bulgariſchen Grenze.
H.B. Belgrad, 3. Okt. Das in Konſtantinopel zu
überreichende Kollektiv=Memorandum wird, wie
es heute heißt, milder gehalten ſein als urſprüng=
lich
geplant war. Sämtliche Belgrader Großmächte= Ver=
treter
trafen ſich hier geſtern abend bei dem öſterreich=
iſchen
Geſandten Ugron, der ſich ſchließlich mit dem türki=
ſchen
Geſandten zum Miniſterpräſidenten Paſitſch be=
gab
. Die großen Fabriken haben heute wegen mangeln=
den
Arbeitskräften den Betrieb eingeſtellt. Sämtliche
Schulen bleiben von heute ab geſchloſſen.
H.B. Sofia, 3. Okt. Da die bulgariſche
Armee am 30. September mobiliſiert worden iſt, kann
ſie in 10 Tagen an der Gxenze aufmarſchiert kein. Kon

den 9 Diviſionen des ſtehenden Heeres ſind 6 gegen die
Türkei, 3 zur Kooperation mit Serbien gegen Rumelien
beſtimmt. Die Reſerve=Diviſion bleibt an der rumäniſchen
Grenze. Der Beginn der Feindſeligkeiten iſt in vier
Tagen zu erwarten.
H.B. Berlin, 3. Okt. Heute mittag an der hie=
ſigen
Börſe eingetroffene Depeſchen kündigen eine Mo=
ilmachungsordre
für Teile der rumäni=
ſchen
Armee, als unmittelbar bevorſtehend an. Von
hieſiger, ſonſt gut unterrichteter Seite, wird dem Lokal=
Anzeiger dieſe Maßnahme ebenfalls als wahrſcheinlich be=
zeichnet
mit dem Hinzufügen, daß Rumänien dabei an=
ſcheinend
im Einvernehmen mit Oeſterreich=Ungarn und
Rußland vorgeht und mit der Mobilmachung die Abſicht
verfolgt, auf die kriegeriſche Stimmung in den kleinen
Balkanländern mäßigend einzuwirken.
* Bukareſt, 3. Okt. Die Mobiliſierung der rumä=
niſchen
Armee wurde nicht angeordnet.
* Wien, 3. Okt. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Konſtantinopel: Auf die Nachricht von der Mobiliſierung
der ſerbiſchen Armee verlangten die Albaneſen in Koſſowo
von der ſerbiſchen Regierung 50000 Gewehre. Die Re=
gierung
antwortete, daß ſie unter gewiſſen Bedingungen
dieſer Bitte Folge geben würde.
* Paris, 3. Okt. Die Agence Havas meldet: Nach
Telegrammen aus den Balkanhauptſtädten iſt die
Lage unverändert. Bisher iſt der Pforte kein Ul=
timatum
überreicht worden. Bei den Beſprech=
ungen
zwiſchen Poincaré und Seſonow hat ſich erwieſen,
daß ſich die Regierungen von Petersburg und Paris von
denſelben Geſichtspunkten leiten laſſen, bei dem Beſtreben,
die Kriſis auf friedliche Weiſe zu löſen.

Letzte Nachrichten.

H.B. Berlin, 3. Okt. Die Berliner Börſe zeigte
heute entſchieden eine beruhigende Auffaſſung der Bal=
kanlage
und anſehnliche Kursbeſſerungen.
* München, 3. Okt. Die Münchener Poſt brachte in
ihrer heutigen Nummer eine Meldung, in der das Be=
finden
des Prinzregenten als andauernd un=
günſtig
bezeichnet und behauptet wird, die Vorträge der
Miniſter beſchränkten ſich auf kurze perſönliche Vorſtellun=
gen
. Die Regierung liege völlig in den Händen des
Chefs der Geheimkanzlei. Dieſer Zuſtand genüge dem
Miniſterpräſident durchaus. Demgegenüber ſchreibt die
Korreſpondenz Hoffmann: Die in der Münchener Poſt
gebrachte Notiz über das Befinden des Prinzregenten ent=
ſpricht
nicht den Tatſachen. Die Vorträge der nach
Berchtesgaden befohlenen Miniſter beſchränken ſich keines=
wegs
, wie dort behauptet wird, auf eine kurze perſönliche
Verſtellung, ſondern finden, wie bisher, in durchaus ſach=
entſprechender
Weiſe ſtatt. Demgemäß ſtellt ſich die Be=
hauptung
, die Regierung liege völlig in den Händen des
Chefs der Geheimkanzlei, als gänzlich unbegründet dar.
Saarbrücken, 3. Okt. Auf der Steinkohlengrube
Camphauſen wurden durch niedergehendes Geſtein zwei
Bergleute verſchüttet. Die Leichen konnten be=
reits
geborgen werden.
H. B. Scheidnitz, 3. Okt. Von dem Rittergut Guhrau
bei Nimptſch iſt ſeit einigen Tagen die Baroneſſe Eliſabeth
von Rothkirch unter geheimnisvollen Umſtänden ver=
ſchwunden
. Die 20jährige junge Dame war vor
kurzem in Guhrau eingetroffen, um dem Beſitzer des
Rittergutes, einem Freiherrn von Prittwitz, die Wirtſchaft
zu führen. Der alte kränkliche Herr, ein Verwandter der
Baroneſſe, hielt ſich ſeit längerer Zeit zu ſeiner perſön=
lichen
Pflege den Kloſterbruder Wendelin aus dem ſchle=
ſiſchen
Kloſter Frankental. Offenbar iſt dieſer Wendelin,
der mit ſeinem wirklichen Namen Max Volkmar heißt,
mit der jungen Dame in Verbindung getreten, denn eines
Tages war der Kloſterbruder plötzlich verſchwunden und
am nächſten Morgen verſchwand auch die Baroneſſe
Eliſabeth.
* Rom, 3. Okt. Die Agencia Stefani bezeichnet das
in Konſtantinopel verbreitete Gerücht über den Ab=
ſchluß
des Friedens als falſch.
* Madrid, 3. Okt. Die Eiſenbahner lehnten den Vor=
ſchlag
, Mindeſtforderungen aufzuſtellen, ab. Im Streik=
gebiet
entgleiſte ein Perſonenzug, Perſonen wurden
nicht verletzt. Der Miniſterpräſident erklärte, daß
ſchon allein die Forderung der Eiſenbahner der Linie
Coceris=Portugal um Lohnerhöhungen in Höhe von
9 Millionen Peſetas die Geſellſchaft ruinieren würde.

Herr Lehmann, das haben Sie unn davon!
in Mäntel und Tücher wickeln Sie ſich, aber Sie
ſorgen nicht dafür, daß die kalte Atemluft Ihnen
keinen Schaden bringt. Nun liegen Sie ſo er=
barmungswürdig
da und wiſſen nicht, was Sie
anfangen ſollen. Alſo ſchnell einmal eine Schachtel
Fays Sodener Mineral=Paſtillen für 85 Pfg.
aus der Apotheke oder Drogerie holen laſſen und
nach Vorſchrift verwenden. Und merken Sie
ſich: In Zukunft nehmen Sie immer, wenn Sie
bei kaltem Wetter auf der Straße ſind, eine
Sodener in den Mund Sie werden dann
kaum eine Erkältung zu fürchten haben. (20653Mf

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7 Uhr: Die
ſchöne Helena.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Experimental=Vortrag von F. Cumberland um
8¼ Uhr im Hotel Zur Traube‟
Religiöſer Vortrag von E. Schumacher um 8½
Uhr Waldſtraße 18.
Verſammlung des Heſſ. Landeslehrerinnenvereins
um 8 Uhr im Feſtſaal der Ludwigs=Oberrealſchule
(Kapellplatz).
Generalverſammlung der Darmſtädter Volks=
bank
um 8 Uhr im Fürſtenſaal
Monatsverſammlung des Deutſchen und öſterr.
Alpenvereins um 8½ Uhr im Reſtaurant Sitte.
Feuerlöſchprobe um 3 Uhr auf dem Ererzierplatz.

Verſteigerungskalender.
Samstag, 5. Oktober.

Bahnſchwellen=Verſteigerung um 10 Uhr auf
Bahnhof Kranichſtein.
Eber=Verſteigerung um 11½ Uhr in der Faſel=
hofreite
zu Ober=Ramſtadt.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Nummer 234.

Wir bringen grosse Posten vorzügliche

Hedeste Herbsr und wilter Schanwaren

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(20680

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

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4 do. v. 1905 . . 90,40
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,20
4 do. v. 1902 . . . . 88,40
100,10
4½ do. v. 1905
4½ Schweden
3 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 80,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 88,00
4 Ungar. Goldrente . . . 88,50
4 d9. Staatsrente. . . 86,19

InProt.
Zf.
5 Argentinier
.100,80
do.
87,00
4½ Chile Gold=Anleihe. 91,30
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,60
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 93,10
5 Innere Mexikaner . . . 92,80
3
do.
59,30
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,20
3 Buenos Aires Provinz
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt

. . . 154,40
5 Nordd. Lloyd . . . . . 123,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . .
8 Baltimore und Ohio . 108,40
6½ Schantungbahn . . . 131,75
6½ Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 20,00
6 Pennſylvania R. R. .
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 69,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
.. . 510,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.252,25
30 Farbwerke Höchſt . . 618,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim
10 Cement Heidelberg . . 148,00
30 Chem. Werke Albert
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 325,00
4 Lahmeyer . . . . ..

Letzte
In Proz.
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 155,00
12 Siemens & Halske .234,30
5 Bergmann Electr. .132,75
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 163,00
0 Gummi Peter . . . . 101,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 117,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 580,10
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 210,00
8 Steana Romana Petr. 145,25
15 Zellſtoff Waldhof . . 238,00
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 206,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 111,00
3 Südd. Immobilien . 63,80
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 188,75
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 230,20
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 177,30
.198,30
10 Gelſenkirchener .
. 192,75
8 Harpener . . .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 275,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 87,00
4 Laurahütte . . . . . . 174,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 168,00
Weſteregeln 216,25
1
7½ South Weſt Africa 143,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,20
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie 93,50
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 90,70
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,20
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn 93,40
do.
78,00
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,40
do.
77,50

3f.
Iuſro.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,50
3 Raab=Oedenburg
78,30
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . .
4½ Moskau=Kaſan .
do.
4 Wladichawchas
. 96,25
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 76,60
87,50
do.
. 69,50
24/ Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir .
4 Bagdadbahn . . . . . . 82,55
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,00
4 Miſſouri=Pacific. . .
4 Northern=Paciſic . . . 99,30
4 Southern=Pacific . . . 93,40
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 85,20
5 Tehuantepec . . . . . . 97,50
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 186,00
7 Bergiſch=Märkiſche
. 149,00
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,60
6½ Darmſtädter Bank . 121,75
12½ Deutſche Bank . . . 250,25
6 Deutſche Vereinsbank . 122,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 116,40
10 Diskonto=Kommandit 184,90
8½ Dresdener Bank . . 152,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 214,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,20
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,30
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,00
5.86 Reichsbank
.134,80
7 Rhein. Kreditbank. . . 134,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 118,50
7½ Wiener Bankverein . 133,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 99.20

Zt.
Inpra
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
88,50
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . .
99,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
do.
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
do.
88,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . .
90,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
88,00
S. 35
87,80
S. 911
87,90
4 Meininger Hyp.=Bank 98,80
3½
do.
87,80
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,80
3½ do. (unk. 1914) . . 87,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
3½
do.
88,50
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
3½ do.
90,00
Frankfurt
. 99,60
do.
94,60
4 Gießen .
98,10
3½ do.
91,00
4 Heidelberg
98,50
3½ do.
88,70
4 Karlsruhe
3½ do.
88,00
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
98,75
3½ do.
90,00
4 Mannheim
do.
4 München
100,10
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
98,80
3½ do.
88,00
-
4 Offenbach

Ingra,
Bf.
3½ Offenbach
89,00
4 Wiesbaden
99,50
3½ do.
4 Worms .
97,75
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 108
3½ Cöln=Mindner 100 133,40
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 171,80
3 Oldenburger .
3½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 32,00
Braunſchweiger Tlr. 20 202,09
Freiburger
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10 33,00
fl. 7 32,50
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 516,00
do. v. 1858 fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 163,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,44
20 Franks=Stücke
16,18
Amerikaniſche Noten.
4,20
Engliſche Noten .
20,43
Franzöſiſche Noten.
81,10
Holländiſche Noten.
169,55
Italieniſche Noten .
80,35
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten
Schweizer Noten . . . . . 80,85
Reichsbank=Diskonto . .
sbank=Rombard 450 K

[ ][  ][ ]

Nummer 2864.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Seite 11,

Darmstädter Sprach ulandeisschuie

Luisenstrasse 10.

EMLL HELD
Handelelehrer u. beeid. Bücherrevisor
HlERON. ScHNEIDER
Handelslehrer und Bücherrevisor.

Gründliche Ausbildung für den kaufmännischen Beruf in Tages- oder
Beginn neuer Kurse: 9. Oktober 1912. Abendkursen. Stenographie (Gabelsberger). Maschinensehreiben.
Neu eingeführt: Fremde Sprachen nach Narvos semi-direkter Methode.
Besondere Klassen für Fortbildungsschüler unter Befreiung vom obligatorischen Unterricht.
(18857a

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Dachshund ( zu=
gelaufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(20669

Städtiſcher Fiſchmarkt.

Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber Don=
nerstag
und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den Verkaufs=
ſtänden
angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
(20343a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Einhalten der Tauben zur Saatzeit.

Ich beſtimme hiermit, daß die Tauben vom 25. Ifd. Mts.
bis zum 20. nächſten Mts. eingeſperrt gehalten werden müſſen.
Zuwiderhandlungen werden nach Art. 39 Ziffer2 des Feldſtrafgeſetzes
mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu einer Woche
beſtraft.
Auf die Militär=Brieftauben der Mitglieder des hieſigen Brief=
taubenklubs
findet Vorſtehendes nur inſoweit Anwendung, als dies
das Reichsgeſetz vom 28. Mai 1894, den Schutz der Brieſtauben be=
treffend
, zuläht.
Darmſtadt, den 23. September 1912.
(20081ff
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Schmitt.

Die Rechnung der katholiſch. Kirche
St. Ludwig zu Darmſtadt

für 1911 liegt im Pfarrhauſe, Wilhelminenplatz 9,
acht Tage lang zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1912.
(20666
Der Kirchenvorſtand.

die Rechnung der Katftolchn, Kirche
St. Eliſabeth zu Darmſtadt

für 1911 liegt im Pfarrhauſe, Schloßgartenſtr. 57,
acht Tage lang zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1910
(20667
Der Kirchenvorſtand.

Die Rechnung

der katholiſchen Kirche Darmſtadt=Beſſungen für 1911 liegt acht Tage
im Pfarrhauſe, Herdweg 28, offen.
(20678
Der Kirchenvorſtand.

Kartoffel=Lieferung.

Die Anlieferung des Kartoffelbedarfs für das ſtädtiſche
Pfründnerhaus und das ſtädtiſche Armenhaus ſoll auf dem Ver=
dingungswege
vergeben werden. Es werden benötigt:
A. Für das ſtädtiſche Pfründnerhaus: 125 Doppelzentner
Speiſekartoffeln Induſtrie‟.
B. Für das ſtädtiſche Armenhaus: 125 Doppelzentner
Speiſekartoffeln Induſtrie.
Die Lieferung kann ſowohl einem einzigen, wie mehreren
Uebernehmern übertragen werden und hat alsbald auf Anfordern
zu erfolgen.
Wir laden Lieferungsluſtige ein, ihre verſchloſſenen, mit bezüg=
licher
Aufſchrift verſehenen Angebote, welche mindeſtens eine Liefe=
rung
von 25 Doppelzentner umfaſſen müſſen, mit Preisangabe am
Mittwoch, 9. Oktober d. Js.,
vormittags zwiſchen 10 und 12 Uhr,
in den im unteren Hausflur des Stadthauſes, Rheinſtraße 18, auf=
gehängten
Kaſten für die Verdingungsangebote einzulegen.
Gleichzeitig ſind Proben von jeder Sorte bei dem Ober=
verwalter
im Pfründnerhaus, Frankfurter Straße 35, abzugeben.
Dieſe Proben dürfen nicht den Namen des Einlegers enthalten, müſſen
aber mit einem Zeichen verſehen ſein, das auch in das Preisangebot
einzutragen iſt.
Es wird auf auserleſene, geſunde Kartoffeln reflektiert.
Die Auswahl unter allen Anbietern behalten wir uns vor.
Darmſtadt, den 24. September 1912.
(20142sf
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.

Die noch vorhandenen
Herren- und Knaben-Anzüge,
Paletots, Joppen und Capes

verkaufen wir zu jedem annehmbaren Preis.

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*8030fs) Martinſtraße 13. 5, Sst.

Unter hohem Protektorat Ihrer Durchlaucht der Fürstin Marie zu Erbach=Schönberg,
Prinzessin von Battenberg.
Frei. Fn. Lchmitt Scne Mkadche lar Fchkahdt
zugleich Gesangschule für Konzert, Oper u. Haus.
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Gegründet 1851
Elisabethenstraße 36.
Für das Fach der musikalischen Formenlehre wurde Herr Professor Arnold Mendelssohn
gewonnen. An diesen Kursen können auch Hospitanten teilnehmen.
Beginn des Wintersemesters: In der Gesangschule: Donnerstag, den 3. Oktober;
in der Instrumentenschule: Donnerstag, den 10. Oktober.
Vollständige Ausbildung in allen Fächern der Musik.
Kunst-, Dilettanten- und Vorschule.
Einzel- u. Klassenunterricht je nach Wunsch. Schriftliche oder mündliche An-
meldungen
an die Direktion, Elisabethenstrasse 36, erbeten. Sprechstunden vormittags 10 bis
12½ Uhr. Prospekte kostenfrei durch die Direktion, die Musikalienhandlungen u. das Verkehrsbüro.
Die Direktion: Wilhelm Schmitt, Willy Hutter.
20577a)

Bekanntmachung.

Freitag, 15. November 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Peter Günther Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebenen Lie=
genſchaften
:
Flur Nr.
qm
XIII 2917/100 426 Hofreite
Sandbergſtr.
XIII 291½e 435 Hofreite da=
ſelbſt
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Darmſtadt, 30. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VI20662

Belaunimachung.

Freitag, 15. November I. Js.,
vormittags 9½ Uhr,
ſollen die dem Metzgermeiſter
Philipp Treßer dahier zugeſchriebe=
nen
Immobilien:
Flur Nr. qm
IV 568¾/10 375 Hofreite Gar=
diſtenſtraße
4,
IV 5681/100 101 Grasgarten da=
daſelbſt
,
IV 5684/100 600 Bauplatz daſ.,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K71/12
Darmſtadt, 23. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V20661

Bekanntmachung.

Freitag, 15. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Metzgermeiſter
Philipp Treßer dahier zugeſchriebe=
nen
Immobilien:
Flur Nr. qm
IV 5685/0 375 Hofreite Gar=
diſtenſtraße
4,
IV 568 ½/00 101 Grasgarten da=
ſelbſt
,
IV 5684/100 600 Bauplatz daſ.,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K70/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 23. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V20660

Bekanntmachung.

Freitag, 11. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr.
ſollen die dem Heinrich Schäfer
und deſſen Ehefrau Karoline, geb.
Geiger, zu Darmſtadt gehörigen
Liegenſchaften der Gemarkung
Beſſungen:
Flur Nr. qm
VIII 69%/100 510 Hofreite Hei=
delberger
delberger=
ſtraße
130,
VIII 67¾/10 365 Hofreite
Moosberg=
ſtraße
94,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
*Darmſtadt, 6. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI19610

Telefon
Martinstr. 34
2554 Darms
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Oberprima, verbunden mit Internat und Halbinternat (für
Schüler aus Darmſtadt und Umgebung).
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Extrabequem. Leib= und Vorfallbinden. Da in neueſter
Zeit eine Stuttgarter Firma, welche mit Bandagen handelt, in gleicher
Art wie ich die hieſige Stadt zeitweilig beſucht und dadurch Verwechſe=
lungen
vorkommen, weil nur auf den Ort Stuttgart und nicht auf
den Namen geachtet wird, erſuche ich meine w. Kundſchaft, genau auf
meine 1894 gegr. Firma und auf meinen Namen zu achten. (Kr204
Beſtellungen nach Muſter werden angenommen in (20651ff
Darmſtadt Dienstag, 8 Oktober, 94 Uhr
Hotel Kölnischer Hof.
Schwabstr.,
L. Bogisch Erben, Bandagenfabrik, Stuttgart, Nr. 38 A.

Der Armenarzt Dr. Bönning
E iſt bis 20. d. Mts. verreiſt und

wird in der Armenpraxis durch
Herrn Dr. Schneider, Wenkſtr. 10
wohnhaft, und in der Säuglings=
armenpraxis
durch Hrn. Dr. Vidal,
Stiſtsſtr. 11 wohnhaft, vertreten.
Herr Dr. Bönning wohnt nach
ſeiner Rückehr Mühlſtraße 12.
Darmſtadt, 2. Oktober 1912.
Städtiſches Pflegeamt.
(20698
Krapn

Dir Mitianheien

der maſſiven Seitengebäude Drei=
brunnenſtraße
Nr. 13 ſollen ver=
geben
werden.
* Arbeitsbeſchreibungen liegen bei
dem unterzeichneten Amte, Grafen=
ſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9,
offen.
Angebote ſind bis
Freitag, 11. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,
(20647fs
einzureichen.
Darmſtadt, 2. Oktober 1912.
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des menschlichen Gehirns. Anormales Gedächtnisvermögen.
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Rudolph
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Oreſtes
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Pylades .
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Calchas .
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Achilles
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Alar II:
Philocomus . . Emil Kroczak
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Euthyeles
Käthe Gothe
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Parthenis .
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Sonntag, 6. Okt. 24. Ab.=Vſt.
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Montag, 7. Okt. 25. Ab.=Vorſt.
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50. Geburtstag. Zum erſten Male:
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Nummer 234.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

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(Nachdruck verboken.)
37)

Nicht nur ihr Körper geſundete und erſtarkte mit
jedem Tage mehr unter der liebevollen Pflege, die ſie
umgab, auch ihre Seele rang ſich durch das Dunkel, das
laſtend auf ihr gelegen hatte, empor zum Licht.
Jvachim, Ada, Peter Geißler, die ernſte ſtille Schwe=
ſter
Marie und auch die einfache gutmütige Frau Hübler,
ſie alle halfen ihr zu der inneren Geſundung, bewußt und
unbewußt, jeder in ſeiner Art. Hilfreich reichten ſie ihr
alle die Hände, von ihnen lernte ſie, an ihnen richtete
ſie ſich auf.
Das erſte, was ſie tat, als ſie ſich ſtark und kräftig
genug fühlte, war, daß ſie ihrer Mutter ſchrieb. Bogen
um Bogen füllte ſie; eine Beichte, ein Bekenntnis deſſen
wurde der Brief, was ſie zu dieſem Schritt, der Mutter
Haus zu verlaſſen, getrieben hatte. Sie flehte die Mutter
an, ihr zu verzeihen, und bät ſie, daß man ihr geſtatten
möge, bei Joachim zu bleiben und ſich das Leben ſo zu
geſtalten wie es ſie glücklich mache.
Poſtwendend kam die Antwort. Nur einige Worte
waren es, die die Mutter ſchrieb. Man habe Kenntnis
davon genommen, daß ſie zukünftig im Hauſe ihres Bru=
ders
Jgachim leben=wolle, umnd geſtatte ihr das. Denn

nach den vorausgegangenen ſkandalöſen Vorgängen ſei
ſelbſtredend an eine Rückkehr in das mütterlichd Haus
nicht zu denken.
Das war alles! Kein Wort des Verzeihens, kein noch
ſo kleines Zeichen des Vereubens! Nichts, gar nichts!
Feſt biß Chriſta die Zähne zuſammen, um nicht laut
aufzuweinen.
Als der Frühling ins Land zog, ſtand in der Apoſtel=
Paulus=Kirche zu Berlin=Schöneberg ein junges Paaar
vor dem Altar.
Wohl nie hatte ein Leerſen eine ſo ſchlichte Hochzeits=
feier
abgehalten, wie heute Joachim von Leerſen. Aber
wohl nie hatte auch ein Leerſen ſo glückſelig auf ſein
junges bräutliches Weib geſchaut, wie es Joachim tat.
Gleich nach dem Standesamt, wo Adas Vater und
Peter Geißler als Brautzeugen fungiert hatten, war man
zur Kirche gefahren.
Sie war faſt leer. Nur einige Neugierige, die von der
Straße hereingeeilt waren, füllten die Bänke. Auf der
vorderſten ſaß an der Seite der Schweſter Marie, in
Tränen der Rührung ganz aufgelöſt, Frau Hübler.
Joachim hatte die treue, gute Seele gebeten, als Gaſt ſeiner
Hochzeit beizuwohnen. Aber in feinem Taktgefühl hatte
die alte Frau abgelehnt. Herr Doktor, ich geh’ mit zur
Kirche und bet für Sie und Fräulein Ada, das iſt meine
größte Kreudel Ich danke Ihnen für die hohe Ehre; aber

nein, das würde für mich nicht paſſen. Und trotz allen
Bitten war ſie dabei geblieben.
Schön und ergreifend ſprach der Geiſtliche. Er kannte
die Lebensſchickſale des jungen Paares und von ſeinem
ernſten, ſchmalen, von einem dunklen Bart umrahmten
Geſicht ging es aus wie Leuchten himmliſcher Güte.
Hinter dem jungen Paare ſtand zwiſchen Peter Geiß=
ler
und Papa Jerling Chriſta. Sie ſah in dem weißen
Kleide, mit dem Kranz roſaer Roſen im dunklen Haar,
den ihr Peter Geißler heute gebracht hatte, unendlich
lieblich aus, und das feine Geſichtchen trug kein Zeichen
mehr der überſtandenen ſchweren Krankheit. Höchſtens
der dunkle Tituskopf erinnerte daran, denn die langen
ſchönen Haare Chriſtas waren infolge des Fiebers aus=
gegangen
. Nun ringelten ſich die kurzen braunen Härchen
zu eigenſinnigen kleinen Locken auf ihrem Haupt und
ſchoben ſich neckend zwiſchen die roſaen Roſen des
Kranzes.
Die Ringe wurden gewechſelt. Segnend legte der
Prieſter die Hände des jungen Paares ineinander, und
eine tiefe Bewegung bemächtigte ſich taller.
Ein Gebet, ſo heiß, ſo inbrünſtig, ſtieg von Chriſtas
Lippen zu Gott empor für das Glück dieſer beiden, ihrem
Herzen ſo treuen Menſchen. Ganz unwillkürlich hob ſie die
gefalteten Hände, und in gläubigem Flehen richtete ſie,
die Augen empor, als ſuche ſie dort auf jenem, von den)

[ ][  ][ ]

Seite 14

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Nummer 234.

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ſie betete.
Wie ein Engel ſieht ſie aus, dachte Peter Geißler, und
ſein Künſtlerauge trank ſich ſatt an dieſem Bilde voller
Schönheit und Harmonie. Er ſah und hörte nichts mehr,
was um ihn vorging. Feſthalten, feſthalten wollte ſein
Geiſt und ſeine Seele das, was er ſah. Jetzt ſie malen
dürfen, ſie ſo malen ! Seine zitternde Hand fuhr ſuchend
in die Bruſttaſche nach Papier und Stift. Er fand nichts.
Leiſe ließ er die Hand wieder ſinken. Zu was denn auch!
Er kannte jeden Zug dieſes ſüßen Geſichts. Im Wachen
und Träumen umſchwebte es ihn, und ein Gedanke durch=
zuckte
ihn mit einem Male, der ihm das Blut aufpeitſchte,
daß es durch ſeine Adern ſchoß und brennende Glut in
ſeine Wangen jagte. Wie, wenn er jetzt an Joachims
Stelle dort am Altar kniete, und neben ihm in Kranz und
Schleier als ſein angetrautes Weib ſie, die in ſüßer
Jugendſchöne jetzt neben ihm ſaß!
Die Orgel erbrauſte, das junge Paar erhob ſich. Die
Trauung war zu Ende.
Wie im Traum ging Peter Geißler hinter Chriſta
her, die an Papa Jerlings Arm vor ihm herſchritt, zum
Wagen, um mit beiden einzuſteigen.
Er merkte und fühlte nicht den fragenden Blick dunk=
ler
Mädchenaugen, der ihn öfters traf. Mit einem Male
war er ſich bewußt geworden, daß er ein unglücklicher
Menſch war. Er, Peter Geißler, der Sohn eines Lakaien,
Eder arme leichlebige Künſtler, der ſich ſelbſt nur ſchlecht
und recht durchs Leben ſchlug, er liebte dieſes engelſchöne
Geſchöpf, das er doch nie, nie beſitzen konnte und durfte!
Es war nicht, wie er ſich immer eingeredet hatte, ſeine
Freundſchaft für Joachim geweſen, die ihn mitzitternd um
die Erhaltung des jungen Menſchenlebens hatte bapgen

laſſen! Nicht Anteilnahme an des Freundes Schmerz hat=
ten
ihn täglich in deſſen Haus getrieben, als Chriſta krank
war. Nein, heute wußte er es, er war angſtvoll um die
zitternde Liebe geweſen! Als guten Kameraden, als
Freund Chriſtas hatte er ſich bisher immer betrachtet.
Sie hatte es ſelbſt ſo oft geſagt, und er hatte an dieſe
Freundſchaft geglaubt und war glücklich geweſen. Nun
kam das Erwachen! Aber er durfte ja ſeine Hände nicht
nach ihr ausſtrecken, durfte ſie nicht hineinreißen in das
Ungewiſſe ſeines Lebens, ſelbſt wenn er auf ihre Gegen=
liebe
hätte hoffen können. Er, der bisher ſtets unbeſorgt
in den Tag hineingelebt hatte, der, wenn er viel verdient
hatte, das Geld mit vollen Händen ausſtreute, um dann
wieder, wenn er nichts hatte, von Kartoffeln und Kaffee
zu leben! Ja, wenn er in geordneten Verhältniſſen
lebte, aber ſo ! Tief ſenkte ſich ſein blonder Kopf. Eine
grenzenloſe Wut über ſich ſelbſt erfaßte ihn. Alſo das,
worüber er ſo oft gelacht und Witze geriſſen hatte, das
erlebte er nun an ſich ſelbſt: ein unglückliche Liebe, Un=
glückliche
Lieben ſind Weiberſachen, geht das Mannesvolk
nichts an! Ein Mann liebt ſtets nur glücklich! Wie oft
hatte er früher ſo geprahlt. Und nun? Ihm war ganz
miſerabel zumute.
Eine ganze lange Weile ſprach er während der Fahrt
kein Wort, weder mit Chriſta, die ihn mit ſeiner auffallen=
den
Redſeligkeit neckte, noch mit Papa Jerling, der ihn
freundlich fragte, warum er ſo verbiſſen ausſähe und ſo
vor ſich hinſtarre.
Ach laſſen Sie ihn, Jerling! Der alte Heide giftet ſich
bloß, weil er endlich mal in eine Kirche hineingemußt
hat, ſagte Chriſta. Pfni, ſchämen Sie ſich, Peter Geißler!
Ich ſchäme mich auch, ſagte dieſer ſo kläglich, daß
ſelbſt Papa Jerling, in dem die Rührung über die letzten
Erlebniſſe noch gachzitterte, lachen mußte,

Seien Sie doch vergnügt! Es iſt ja ein Freudentag
heute, Geißler.
Wie man’s nimmt.
Hochzeit machen, o wie ſchön.
Ring durch die Naſe, Klotz ans Been!
Hören Sie auf! Sie ſind heut unausſtehlich, ſchalt
Chriſta. Ich weiß überhaupt gar nicht, ſeit ich geſund
bin, ſind Sie lange nicht mehr ſo nett als früher. Sie
ſind eine unausſtehliche alte Kratzbürſte geworden. Ich
nenne Sie nie wieder Peterchen, ſondern muſe mit
Ihnen.
Ach nein, nur das nicht! Denn ſonſt werde ich über=
haupt
ganz verrückt.
Na, und dazu fehlt nicht mehr viel, ſagte trocken
Papa Jerling.
Nein, Sie haben recht, es fehlt nicht mehr viel dazu,
wiederholte Peter Geißler, und machte ein ganz ernſtes
Geſicht dabei.
Der Wagen hielt. Man war an der kleinen, aber
vornehmen Weinſtube angelangt, wo in einem reſervier=
ten
Zimmer das Mahl eingenommen werden ſollte.
Die glückſtrahlenden Geſichter des jungen, neuver=
mählten
Paares und ihre fröhliche Stimmung wirkten
auf die anderen mit fortreißend. So kam es, daß ſchon
nach kurzer Zeit die kleine Tafelrunde vergnügt und hei=
ter
war. Scherz= und Neckworte flogen hin und her, und
mancher Toaſt und Trinkſpruch ward ausgebracht. Wohl
mußten beſonders Joachim und Chriſta manchmal im
ſtillen daran denken, daß dieſes Hochzeitsmahl hätte an=
ders
ſein können, aber ſie wieſen dieſen Gedanken von
ſich zurück, auch mit Rückſicht auf die anderen, und ſuch=
ten
allein der glücklichen Gegenwart zu leben
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Seite 15.

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[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1912.

Nummer 234.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Oktober 1942.

Nummer 234.

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Rennen; Ehrenpreis und 2500 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Herrn H. Suermondts Sangare (Leutn. v. Moßner),
2. Mobile (Leutn. Knel), 3. La Ceritto (Leutn. Frhr. von
Berchem). Tot. 18:10. Heſſentor=Flachrennen; Ehren=
preis
und 6000 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn G.
Nettes Thereſe (Herr Dodel), 2. Arthus (Lt. v. Moßner),
3. Roſette IV (Leutn. Frhr. v. Berchem). Tot. 13:10.
Weil=Handikap; 10000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Hrn.
Rohrbecks Loretta (Schläfke), 2. Lupus (Kreiſel), 3. Ar=
boretum
(Goff). Tot. 82:10. Gladbacher Jagdrennen;
Ehrenpreis und 5000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Hrn.
E. Noethers Diana (Herr Purgold), 2. Erbſchaft (Leutn.
v. Moßner), 3. Zero (Leutn. Graf Holck). Tot. 24:10.
Hammtor=Flachrennen; 2800 Mark, Diſtanz 1600 Meter
1. Herrn Orbergs Premier (M. Aylin), 2. Spion ( Lei=
ner
), 3. Götterſage (Blades). Tot. 65:10. Abſchieds=
Flachrennen; 5800 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn
E. S. Fürſtenbergs Lombardei (Evans), 2. Drakon
(Raſtenberger), 3. Labrador (Leiner). Tot. 14:10.
* Bobsleigh. Am 26. und 27. Oktober d. J. findet im
Schwarzwaldhotel Triberg die zweite ordentliche Haupt=
verſammlung
des Bobsleigh=Klubs Schwarzwald- Bob=
bahn
Triberg unter dem Ehrenvorſitz Seiner Hoheit
Prinz Wilhelm von Sachſen=Weimar, Her=
zog
zu Sachſen, ſtatt. Die vom Klub im verfloſſenen
Jahre erbaute Bobsleighbahn Triberg iſt bekanntlich die
einzige Südweſtdeutſchlands. Auf ihr ſollen im kommen=
den
Winter größere ſportliche Veranſtaltungen ſtattfin=
den
. Nähere Auskünfte über die Verſammlung und die
Sportsveranſtaltungen erteilt die Geſchäftsſtelle des Klubs
in Triberg.
* Die Golf=Meiſterſchaft von Deutſchland kam am
vierten Tag in Hamburg anläßlich des dortigen Turniers
zwiſchen dem Kölner Lipscomb und dem Hamburger Gan=
dell
zur Entſcheidung, und zwar über zwei Runden von
je 18 Löchern. Nachdem Gandell zunächſt einen Vor=
ſprung
von zwei Löchern gewonnen hatte, zog Lipscomb
beim 30. Loch gleich und gewann ſchließlich bei dem 34.
Loch mit 3 und 2 zu ſpielen gegen ſeinen Gegner. In der
Entſcheidungsrunde um die Damen=Meiſterſchaft ſtanden
ſich Frl. Bock und Frl. Knoop, beide vom veranſtaltenden
Wentorf=Rheinbecker Verein, gegenüber. Frl. Bock ſicherte
ſich ſchnell einen Vorſprung und gewann mit 9 und 7 zu
ſpielen.

Vermiſchtes.

C) Die Kunſt der Brautwerbung. Mit ſtiller Melan=
cholie
blickt die immer kleiner werdende Schar der Anhän=
ger
der alten Galanterie auf das heranwachſende junge
Geſchlecht; die ſchönen und idylliſchen Zeiten, da der ver=
liebte
Jüngling das Schönſte auf den Fluren ſuchte, um
ſeine Liebe zu ſchmücken, ſind dahin; eine Zeit härteren
und nüchteren Lebenskampfes hat die zartſinnige Ro=
mantik
alter Formen durch neue erſetzt. Die Galanterie
iſt tot, und ſorgenvoll fragen ſich manche Peſſimiſten, ob
die Entwicklung nicht kreisförmig wieder zu jenen bar=

bariſchen Zeiten zurückführt, wo die Frau in der Ehe
nichts weiter war als ein Wertgegenſtand unter anderen.
Die Heirat war damals nur ein Kauf, und noch heute fin=
den
wir dieſe Bräuche bei zurückgebliebenen oder barba=
riſchen
Völkerſchaften. Damals brauchte der Heirats=
luſtige
die ſchwierige Kunſt, den Hof zu machen, nicht zu
beherrſchen. Bei den Hebräern kamen die Eltern überein,
ihre Kinder miteinander zu verheiraten; man gab ſeine
Tochter für einen beſtimmten Kaufpreis fort, und die
Brautwerbung und die Brautzeit beſchränkte ſich auf dieſe
ziemlich geſchäftliche Unterredung zweier Väter. Erſt zu
Moſes Zeiten wird dem jungen Mädchen das Recht zuge=
ſtanden
, ihre Meinung zu äußern, und damals begann
die Sitte, nach der der Bräutigam der Erwählten kleine
Geſchenke überreichen durfte. Bei den Griechen kaufte der
heiratsluſtige junge Mann ſeine Braut und hatte es nicht
nötig, ihr den Hof zu machen, und bei den Germanen war
in der vorchriſtlichen Zeit die Brautwerbung und die Hei=
rat
nur ein durch Raub temperierter Kauf. Erſt ſpät mil=
dern
ſich dieſe rauhen Sitten; der Bräutigam lernt es
um die Braut zu werben. Aber noch ſteht ihm allein das
Recht zu, ein einmal geſchloſſenes Verlöbnis zu löſen
Dafür gab es, wie Edgard Lelong im Journal erzählt,
drei Gründe: Erblindung der Braut, Erkrankung der
Braut an der Lepra und ſchließlich der etwas zweifelhafte
Fall, in dem die Erwählte als von Dämonen beſeſſen
betrachtet wurde. Dieſer letzte Grund wurde von man=
chen
jungen Herren als bequeme Handhabe benutzt, um
läſtig gewordene Verpflichtungen abzuſchütteln. Erſt im
13. und 14. Jahrhundert wird die Eheſchließung von der
Zuſtimmung der Braut abhängig, wenn auch die elter=
liche
Gewalt die Gefühle der Kinder nicht ſelten ignoriert.
In Indien aber hat noch heute die Frau bei ihrer Ver
heiratung nicht mitzureden; die Eltern verheiraten ihre
Töchter im Alter von vier oder fünf Jahren, und auf der
Straße ſieht man dieſe Ehepaare, die zuſammengenom=
men
kaum 15 Lebensjahre repräſentieren, miteinander
Ball ſpielen oder den Reifen rollen. In Tibet, in Korea
und im Reiche der Mitte bekommt der Bräutigam die ihm
beſtimmte Frau nur unter dichten Schleiern verhüllt zu
ſehen. Erſt nach der Vollziehung der Heirat erblickt der
Mann das Antlitz ſeiner Lebensgefährtin, und manchmal
mag das zu ſpät ſein. Im malayiſchen Archipel leben
noch heute die Formen des Frauenraubes fort; dort muß
der Bräutigam das Mädchen ſeiner Liebe im Wettlauf
oder zu Pferde fangen, und wenn der Bewerber unwill=
kommen
iſt, hat er ſeine liebe Not, ehe die Jagd endet. Iſt
er aber als Gatte erwünſcht, ſo wird er ſich wundern,
wie leicht er gewinnt.

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eine neue Auflage nötig werden würde. Denn es fehlte
an einer allgemeinen verſtändlichen, zuſammengefaßten
Darſtellung der äſthetiſchen Beſtrebungen unſerer Zeit, in
der doch gerade äſthetiſche Fragen in Zeitungen und Zeit=
ſchriften
lebhaft diskutiert werden und die ſich um Beſchaff=
ung
einer äſthetiſchen Kultur beſonders bemüht. Die neue
Auflage iſt vom Verfaſſer bedeutend erweitert. Sie um=

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ein hervorragendes Zeichen ihrer Leiſtungsfähigkeit.
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Verbindungen dargeſtellt, ihre Unterſcheidung und Feſt=
ſtellung
mittels einfacher Verſuche angegeben und ihre
Bedeutung für das einheimiſche Wirtſchaftsleben.
ſowie ihre Stellung auf dem Weltmarkte an der Hand
ſtatiſtiſcher Angaben erörtert Die Bändchen ſind von Herrn
Dr. Baſtian Schmid im Auftrage der Deutſchen Natur=
wiſſenſchaftlichen
Geſellſchaft herausgegebenen Natur=
wiſſenſchaftlich
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bei der jetzt überall in Deutſchland ſo ſtark einſetzenden
Jugendpflege eine ſo wichtige Rolle ſpielenden Wandern
neue Freunde zuführen. Ihr Verfaſſer, ſelbſt ein alter
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ſeiner Kindheit, Jugend= und Manneszeit, um zu
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