Darmstädter Tagblatt 1912


26. September 1912

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175. Jahrgang
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Nordd. Allg. Ztg. gibt bekannt, daß ſich das preu=
ßiſche
Staatsminiſterium über die Haupt=
punkte
der ſofort einzuleitenden Regierungs=
altion
in Sachen der Fleiſchtenerung geinigt
habe, und daß Preußen mit den Bundesregie=
rungen
ſofort in Verbindung treten werde.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung veröffentlicht den
dem Bundesrat vorliegenden Entwurf eines
Geſetzes über das Verfahren gegen
Jugendliche.
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg wird ſich
zur Teilnahme an der Beſtattung des Botſchafters
Frhr. Marſchall v. Vieberſtein nach Neuers=
hauſen
begeben.
Am Dienstag wurde in Düſſeldorf der erſte Kon=
greß
für Städteweſen eröffnet.
Oberleutnant Hantelmann iſt geſtern früh auf der
Rumplertaube in Straßburg gelandet. Die reine
Flugzeit für die Strecke Berlin-Straßburg be=
trug
7 Stunden 5 Minuten.

Zum Tode des Botſchafters Freiherrn
von Marſchall.

Der unerwartete Tod des Botſchafters Freiherrn
von Marſchall hat in Deutſchland aufrichtige Teilnahme
und ehrliches Bedauern hervorgerufen. Sein Abtreten
vom diplomatiſchen Schauplatz wird allgemein als ein
herber Verluſt empfunden. Denn dem Verſtorbenen war
nicht nur das für einen Botſchafter ſeltene Glück zuteil
geworden, iin der Heimat populär zu ſein, ſondern er
galt auch man darf wohl ſagen: widerſpruchslos
als das erfolgreichſte und fähigſte Mitglied der deutſchen
Diplomatie.
Seine Berufung nach London wurde deshalb an
manchen Stellen mit Hoffnungen begrüßt, deren Ueber=
ſchwang
nüchternen Beurteilern nicht verborgen bleiben
konnte. Inzwiſchen hat man Gelegenheit genug zu der
Erkenntnis gehabt, daß Verhältniſſe, wie die deutſch=
engliſchen
Beziehungen, auch von einer ausgeprägten
Perſönlichkeit nicht ohne weiteres zu meiſtern ſind. Die
Annäherung zwiſchen Deutſchland und Großbrktannien
verzeichnet trotz der Berufung Marſchalls keinen Fort=
ſchritt
: man darf im Gegenteil aus äußeren Merkmalen
ſchließen, daß die Politik einer diplomatiſchen Einkrei=
ſung
des Dreibundes durch die Tripleentente von neuem
ſchärfer hervortritt. Maritime Abmachungen der En=
tentemächte
und Flottenbeſuche ſollen nach dem Einge=
ſtändnis
des Temps die Uebereſinſtimmung der Entente=
mächte
zum Ausdruck bringen. Es wäre ungerecht, dem
Freiherrn von Marſchall einen Vorwurf daraus zu
machen, daß er dieſe Entwickelung nicht verhinderte. Aber
der aura popularis liegt die nüchterne Erwägung vor=
handener
ſachlicher Schwierigkeiten fern, und ſo würde es
kaum ausgeblieben ſein, daß Freiherr von Marſchall
durch ſeine Tätigkeit an der Themſe einen Teil ſeiner
deutſchen Bewunderer im Laufe der Zeit enttäuſcht hätte.
Durch einen frühzeitigen Tod iſt Freiherr von Marſchall
vor der Verkennung bewahrt geblieben, die jene Ent=
täuſchung
mit ſich gebracht hätte.
Dieſe Erwägung ſchützt andererſeits davor, die prak=
tiſchen
Folgen ſeines jähen Hinſcheidens zu überſchätzen.
So groß die Lücke in der deutſchen Diplomatie auch iſt,
die Marſchalls Tod geriſſen hat, für das Problem der
deutſch=engliſchen Beziehungen wird ſie nicht von aus=
ſchlaggebender
Bedeutung. Aber der vielerfahrene, wach=
ſame
, kluge und feſte Mann dürfte von der geſamten
internationalen Diplomatie vermißt werden, ſobald der
italieniſch=türkiſche Krieg beendet iſt und die Durchfüh=
rung
der Friedensbedingungen kaum ausbleibende neue
Schwierigkeiten erzeugt. Daß es ihm nicht vergönnt war,
ſeine türkiſche Vergangenheit noch einmal in großem
Stile zu nützen, erſcheint als der unmittelbarſte Verluſt,
der durch ſein plötzliches Hinſcheiden entſtanden iſt. Im
Zuſammenhang mit den deutſch=engliſchen Beziehungen
betrachtet, darf es dagegen für den Verewigten eine glück=
liche
Fügung genannt werden, daß er zu dieſem Zeit=
vunkte
in den Sielen geſtorben iſt.
2
,
Zum Ableben des Freiherrn von Mar=
ſchall
ſchreibt die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung: Dieſe erſchütternde Trauerkunde kommt
unerwartet. Durch den Heimgang des hochbegabten
Staatsmannes ſieht ſich die deutſche Diplomatie eines

ihrer beſten Vertreter in einem Zeitpunkt beraubt, da
auf ſeine weitere Wirkſamkeit Vertrauen und Hoffnung
geſetzt werden konnte. Als badiſcher Geſandter in Ver=
lin
und in aufreibender Arbeit als Staatsſekretär des
Auswärtigen Amtes von 1890 bis 1897 hat ſich Herr von
Marſchall ſelber zu der Beherrſchung des ihm urſprünglich
fremden diplomatiſchen Geſchäftes herangebildet, die ihm
dann eine glänzende Botſchafterlaufbahn ermöglichte
Ein halbes Menſchenalter hindurch ſind die wichtigen
Intereſſen des Reiches in Konſtantinopel unter wechſeln=
den
Verhältniſſen und oſt recht ſchwierigen Umſtänden
von ihm mit vorbildlichem Geſchick vertreten worden.
Als im Mai 1912 das Vertrauen des Kaiſers v. Marſchall
auf den verantwortungsvollen Poſten eines deutſchen
Botſchafters in London berief, ergriff er die neue ernſte
Aufgabe mit Freudigkeit. Wir dürfen glauben, daß es
ſeiner Klugheit und Beharrlichkeit gelungen ſein würde,
auch in der Entwicklung der deutſch=engkiſchen
Beziehungen für Kaiſer und Reich Eutes zu wirken,
und können es nicht genug beklagen, daß er ſo bald nach
Beginn ſeiner amtlichen Tätigkeit in London dem aus=
wärtigen
Dienſt entriſſen worden iſt. Sein Andenken
wird ehrenvoll fortleben mit Nachwirkung einer ſtarken
charaktervollen Verſönlichkeit.
Aus London, 24. Sept. wird gemeldet: Die über=
raſchende
Nachricht von dem Ableben des Freiherrn von
Marſchall hat hier tieſen Eindruck genacht und in den
diplomatiſchen und amtlichen Kreiſen, aber auch bei der
Londoner Bevölkerung aller Klaſſen aufrichtige
Teilnahme erregt. Der Lordmayor ſprach öfſentrlich
namens der Londoner Bürger ſein tiefes Bedauern aus.
Die Abendblätter widmen dem Verſtorbenen ſym=
pathiſche
Nachruſe. Die Weſtminſter Gazete ſchreibt:
Als Freiherr von Vieberſtein zum Botſchafter in Lon=
don
ernannt wurde, hielten wir es für ein ausgeſprochenes
Kompliment, daß Deutſchland uns ſeinen hervorragend=
ſten
Diplomaten ſandte; der einnehmende Eindruck, den
er während der wenigen Wochen ſeiner Tätigkeit hervor=
rief
, wird nicht leicht ausgelöſcht werden. Die Zeit war
zu kurz, als daß er eine ausgeſprochene Politik hätte ent=
wickeln
können, aber er hatte bereits bewieſen, daß ſeine
Abſichten friedlich und freundlich waren. Wir hoffen und
glauben, daß ſein Nachfolger in derſelben Weiſe wirken
wird‟ Das Blatt ſpricht der Familie des Botſchafters
aufrichtigſtes Beileid aus.
Die Nachricht vom Tode des Freiherrn Marſchall
v. Bieberſtein machte in Wien großen Eindruck und rief
allfeitiges tiefſtes Bedauern hervor Die Blätter zollen
dem ſo plötzlich Dahingeſchiedenen in Beſprechung ſeiner
langjährigen diplomatiſchen Tätigkeit, vor allem ſeiner
Erfolge in der Türkei, die höchſte Anerkennung. Alle
Blätter betonen beſonders die Tragik, die darin liegt,
daß der Staatsmann, von deſſen Miſſion in London man
ſich jetzt allenthalben ſo viel verſprach, vom Schickfal ab=
berufen
iſt, ehe er ſein bedeutungsvolles Werk eigentlich
beginnen konnte. Das Fremdenblatt ſagt noch: Mit Frei=
herrn
v. Marſchalls Tod tritt eine der bedeutendſten dip=
lomatiſchen
Figuren Europas vom Schauplatz. Deutſch=
land
beklagt nun den Verluſt eines ſeiner erfolgreichſten,
bewährteſten Staatsmänner. Die Neue Freie Preſſt
ſchreibt: Deutſchland erlitt einen ſchweren Verluſt, Unſere
Zeit hat keinen Ueberfluß an guten Diplomaten, Wenn
giner vom Schlage Marſchalls dahingeht, ſo iſt das ein
Unglück, nicht für das Vaterland allein, ſondern mittel=
bar
für die ganze europäiſche Politik. Das Wiener
Abendblatt meint: Es wird nicht leicht ſein, einen Mann
zu finden, bei welchem die Perſon ſo ſehr das Syſtem
bedeutet, wie bei Freiherrn v. Marſchall. Einen Verluſt
erlitt nicht nur Deutſchland, ſondern der Friedensgedanke.
Die Kraſt, die der verſtorbene Votſchafter hatte, das Ver=
treuen
, das er fand und die Intelligenz, die zum Still=
ſtand
gebracht wurde, wird man nur ſchwer erſetzen
können.
Aus Rom wird gemeldet: Die offiziöſe Tribuna
widmet dem Frhrn. v Marſchall einen warmen Nachruf.
Sie ſtellt feſt, daß ſein Tod großen Schmerz in allen
politiſchen und diplomatiſchen Kreiſen Europas hervorge=
rufen
habe. Das Giornale d'Italia ſchreibt: Deutſch=
land
verliert in ihm ſeinen größten Diplomaten. Nur
der klerikale Corriere d’Italia klagt Frhrn. v. Marſchall
an, daß er die auf ſeinen Beiſtand vertrauenden Italiener
in der Türkei im Stiche gelaſſen habe.
In den Pariſer Blättern ſpäegelt ſich der
tiefe Eindruck wider, den die Nachricht vom Tode des
Batſchafters v Marſchall hervorgeruſen hat. Der Temps
ſagt: Die deutſche Diplomatie hat einen großen Verluſt
erliten viellicht den ſchwerſten und unerwartetiſten, der
ſie treffen konnte. Die Liberté meint: Die ganze
deutſche Diplomatie iſt von dem Tode betroffen, der zu=
gleich
einen Mann und ein Werk hinweggerafft hat. Der
Siecle ſchreibt: Trotz mancher Enttäuſchungen, welche
Frhrn. v. Marſchall in der letzten Zeit widerfahren ſind
kann man ſagen, daß er ſeinem Vaterland unermeßliche
Dienſte geleiſtet hat, für welche der monumentale Bahn=
hof
von Haidar=Paſcha ein machtvolles Sinnbild darſtellt.

Deutſches Reich.

Die Frage der Herabſetzung der
Altersgrenze für den Bezug der Alters=
rente
. Wie verlautet, wird in der zweiten Woche des
nächſten Monats in Dresden eine Sitzung der Kommiſſion
zur Prüfung der Frage der Herabſetzung der Altersgrenze

für den Bezug der Altersrente ſtattfinden. Bei dieſen
Beratungen wird es ſich darum handeln, bei der dortigen
Landesverſicherungsanſtalt ein Verfahren zur Auszäh=
lung
ſämtlicher Verſicherungskarten in den Altersklaſſen
vom 65. bis zum 70. Lebensjahre feſtzuſtellen. Eine ſolche
Auszählung werden dann ſämtliche Landesverſicherungs=
anſtalten
vorzunehmen haben. Hierdurch ſoll ermittelt
werden, wieviel Verſicherte in jeder Altersklaſſe vorhan=
den
ſind, die bei einer Herabſetzung der Altersgrenze auf
65 Jahre Anſpruch auf den Bezug der Altersrente hätten.
Auf dieſe Weiſe wird es möglich ſein, feſtzuſtellen, ob
die bisherige Schätzung über die finanzielle Belaſtung,
die mit 30 Millionen Mark angenommen wird, von denen
10 Millionen auf die Reichskaſſe entfallen, zutreffend iſt.
Baſſermann über die Parteiſtreitig=
keiten
der Nationalliberalen. Auf einer
Sitzung des Landesausſchuſſes der Nationalliberalen
Naſſaus in Weilburg a. L. hat der Abg. Baſſermann eine
längere Rede über die politiſche Lage gehalten, in der er
über die inneren Zwiſtigkeiten in der Partei ausführte,
daß trotz mancherlei Gegenſätze, und trotzdem überflüſ=
ſigerweiſe
manche Parteifreunde ſich auf die Köpfe ſchlü=
gen
, doch keiner daran dächte, aus der Partei hinauszu=
gehen
.
Das ſei doch ein gutes Zeichen, ebenſo wie es ein
ſolches für das Vaterhaus ſei, zu dem die groß und
ſelbſtändig gewordenen Kinder immer wieder gern zu=
rückkehren
. Seiner Auffaſſung nach könne man dieſen
Wirren gegenüber auch den Geſichtspunkt vertreten, daß
ſie ſehr viel weniger auf Zerſetzung als auf reges poli=
tiſches
Leben und Betätigung deuteten, wie ja neuer Moſt
auch in alten Schläuchen gäre. Nichtsdeſtoweniger ſei es
aber doch erwünſcht, dieſe Streitigkeiten, welche gegen=
über
den großen der Partei geſtellten Aufgaben von
untergeordneter Bedeutung wären, einzuſtellen, nicht et=
wa
, weil die Partei dieſen Streit nicht zu ertragen und
in ſich auszutragen vermöchte, ſondern weil durch ihn den
Gegnern der Partei mehr Kampfesmaterial geliefert
würde. als nützlich und notwendig wäre. Das Partei=
leben
ſei ja an ſich überhaupt gegenüber den großen Be=
rufs
= und Standesorganiſationen ſchwieriger geworden.
Er frage aber. ob nicht faſt jede Partei ein doppeltes Ge=
ſicht
zeige. Größere Gegenſätze wie Ledebour und von
Vollmar in der Sozialdemokratie ſeien wohl kaum denk=
bar
. Troß der glänzenden Aufmachung der abgerundeten
Vorſtellung des Katholikentages in Aachen beſtänden die
Gegenſätze zwiſchen Köln und Berlin ſowie zwiſchen
der Kurie und den chriſtlichen Gewerkſchaften unver=
mindert
fort. Bei den Konſervativen ſei kaum anzu=
nehmen
, daß die altadeligen konſervativen Herren ſich in
der Geſellſchaft der ſtark agitatoriſch hervortretenden
Führer und Mitglieder des Bundes der Landwirte be=
ſonders
wohlfühlen. So ſeien Schwierigkeiten größerer
oder geringerer Art überall zu ſehen. Wenn es aber bei
der Nationalliberalen Partei zutreffe, daß niemand aus
der Partei herauswolle, ſondern daß es Gemeingut aller
ſei. ihren Beſtand und Zuſammenhalt hochzuhalten, dann
ſoll man auch eine Fehde einſtellen, von der niemand in
der Partei, ſondern nur die Gegner Nutzen hätten.
Zu der Frage der Wiederbeſetzung
des erzbiſchöflichen Stuhles in Kölg
verlautet, daß das Domkapitel ſeine Liſte der Regierung
bereits eingeſandt habe. Es ſoll ſich um eine Liſte von
Männern der gemäßigten Richtung handeln. Etwaige
Schwierigkeiten ſeien darum nicht von der Regierung,
ſondern eher von ſeiten des Vatikans zu befürchten.
Zum Konflikt in Rudolſtadt. Wir er=
wähnten
die Unterredung, die der Staatsminiſter Freiherr
v. d. Recke dem Redakteur der Saale=Zeitung gewährt
hat. Jetzt liegt der Bericht der Saala=Zeitung im Wort=
laut
vor und gibt Veranlaſſung, noch einiges nachzu=
tragen
. An der Zuſpitzung der Lage tragen nach der Dar=
ſtellung
des Miniſters die bürgerlichen Parteien durch
ein Verſäumnis Schuld, das ſie auch in anderen Parla=
menten
, z. B. im Deutſchen Reichstage, mitunter begangen
haben. Der Miniſter führte nämlich aus:
Dadurch, daß ſich die bürgerlichen Parteien, einem
alten Brauche folgend, in den Debatten auf nur kurze,
ſachliche Erklärungen beſchränkten, die Sozialdemokraten
dagegen ihre meiſt gut geſchulten Redner vorſchickten,
deren Reden im Parlamente von bürgerlicher Seite oft
unerwidert blieben, war die Regierung gezwungen (wie
es ihre ſelbſtverſtändliche Pflicht überdies iſt), mit den
ſozialdemokratiſchen Rednern die Klinge zu kreuzen. Da=
durch
wurde die Haltung der Regierung, wie es in der
Natur der Sache liegt, eine überaus ſchroffe. Ich halte
es für direkt geboten, daß die Staatsregierung der
Sozialdemokratie gegenüber die bürgerliche Auffaſſung
entſchieden zum Ausdruck bringt. Die Regierung iſt in
jedem Falle verpflichtet, ſämtliche Berufs= und Erwerbs=
ſtände
im Lande gegenüber der einheitlichen Klaſſenver=
tretung
der Sozi zu ſchützen. Die Sozialdemokratie, die
uns vorwirſt, wir ſeien der Klaſſenſtaat, iſt die einſei=

[ ][  ][ ]

tige Vertreterin einer einzigen Klaſſe, während wir
die Bürgerlichen das Intereſſe aller Berufsſtände und
Erwerbsſtände vertreten.
Auf die Frage, ob das Notgeſetz, das den Ausgangs=
punkt
aller Schwierigkeiten bildete, wirklich ſo unum=
gänglich
geweſen ſei, erwiderte Freiherr v. d. Recke:
Ich hielt die Teuerungszulage für eine Pflicht gegen
die Beamten, für die ich die Verantwortung übernommen
habe und trage! Unſere Beamtenbeſoldung iſt weit die
geringſte in Deutſchland. Die Gehaltsſätze bewegen ſich
1020 v. H. unter denen anderer thüringiſcher Staaten.
Notgeſetze ſind bei uns in den kleinen Staaten ein durch=
aus
gangbarer Artikel! Die Regierung war übrigens in
der Lage, die Teuerungszulage ganze 8 v. H.! nicht
als Notgeſetz, ſondern als landesherrliche Verordnung zu
bewilligen. Ich habe aber den Weg der landesherrlichen
Verordnung nicht beſchritten, weil er mir aus konſtitu=
tienellen
Empfinden nicht ſympathiſch war. Wäre der
Weg der landesherrlichen Verordnung beſchritten, ſo
würde der Landtag über die Rechtmäßigkeit dieſer Ver=
ordnung
erſt bei der Rechnungslegung, die früheſtens
1915 hätte erfolgen können (dreijährige Finanzperiode!)
debattiert haben. Die Vertagung des Landtags ſei not=
wendig
geworden, weil keine Möglichkeit beſtand, daß die
Etatsberatung zu einer für die Regierung annehmbaren
Einigung der Parteien führen könnte. Zudem war von
ſeiten der Bürgerlichen ausgeſprochen worden, daß man
nicht die Teuerungszulage für die Beamten, ſondern eine
neue Skala zum Beſoldungsgeſetz haben wolle. Ange=
ſichts
dieſer Sachlage hielt es die Regierung für ange=
zeigt
, eine Unterbrechung in der Tagung eintreten zu laſ=
ſen
und dem Landtag bei ſeinem erneuten Zuſammen=
tritt
dann ein neues Beſoldungsgeſetz und vielleicht auch
ein dem Antrag der Bürgerlichen entſprechend ausge=
arbeitetes
neues Wahlgeſetz vorzulegen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Graf Berchtold über die Lage. Im Aus=
ſchuſſe
für Auswärtige Angelegenheiten der Ungariſchen
Delegation gab Graf Berchtold ein Expoſé über die aus=
wärtige
Lage, in dem er auf die italieniſch=türkiſchen
Friedensverhandlungen hinwies, auf die innere Kriſe
in der Türkei und dann auf den von ihm angeregten
Gedankenaustauſch der Mächte zu ſprechen kam. Er
ſagte u. a.:
Zu unſerer lebhaften Befriedigung haben ſämtliche
Kabinette unſerer Anregung verſtändnisvoll zugeſtimmt,
wodurch ein Kontakt unter den Mächten hergeſtellt und
eine wertvolle Bürgſchaft für die möglichſte Verhütung
einer gewaltſamen Löſung der Kriſe geſchaffen wurde.
Namentlich iſt das ruſſiſche Kabinett gleich uns ernſtlich
bemüht, die Aufrechterhaltung des Friedens zu ſichern.
Es hieße ſich aber einer bedenklichen Täuſchung hingeben,
wenn man die Gefahren der gegenwärtigen Balkanlage
deswegen als beſeitigt anſehen würde. Auf der andern
Seite möchten wir die Erwartung ausſprechen, daß die
Türkei den Ernſt der Situation nicht verkennen und den
Weg finden wird, den Gefahren von Komplikationen zu=
vorzukommen
. Die uns hierüber zugegangenen Informa=
tionen
berechtigen zu der Annahme, daß ſich die gegen=
wärtige
Regierung befleißigt, die nötigen Garantien für
gerechte Lebensbedingungen der Nationalitäten zu ſchaf=
fen
. Die legitimen Anſprüche der verſchiedenen, das viel=
ſprachige
Rumelien bewohnenden Völker mit den Exigen=
tien
des Ottomaniſchen Staatsweſens zu verſöhnen,
darin erblicken wir die Aufgabe der türkiſchen Staats=
männer
. Die redlichen Bemühungen, eine Löſung die=
ſes
Problems herbeizuführen, werden ſtets unſere mora=
liche
Unterſtützung finden. In der Verfolgung dieſer
Politik fühlen wir uns geſtärkt durch die Ueberzeugung,
daß dieſelbe der Auffaſſung unſerer Verbündeten ent=
ſpricht
, Ebenſo hat der anläßlich des Be=
ſuches
Herrn von Bethmann Hollwegs in Buch=
lau
mit demſelben gepflogene Meinungsaus=
tauſch
die volle Kongruenz der Anſchauungen, nament=
lich
in Bezug auf die im nahen Orient zur Richtlinie
beider Verbündeten dienenden konſervativen Prinzipien
ergeben. Im nächſten Monat wird mir Gelegenheit ge=
boten
ſein, mich Seiner Majeſtät dem König Viktor
Emanuel vorzuſtellen und mit dem Marcheſe die San
Giuliano Meinungsaustauſch zu pflegen. Wie Sie aus
den vorſtehenden Darlegungen erkennen werden, iſt die
auswärtige Lage trotz der Uebereinſtimmung der Kabi=
nette
der Großmächte in ihrem Beſtreben, den Frieden
zu erhalten, keineswegs beruhigender Natur. Ein kon=
tinuierliches
Wetterleuchten am Balkan gibt von einer
erhöhten elektriſchen Spannung der politiſchen Atmoſphäre
Zeugnis, ohne das Dunkel ungelöſter Probleme aufhellen

zu können. Die Diplomatie hält Wacht, um drohende
Konflikte zu verhüten und die Gefahren eines Balkan=
Brandes im Keime zu erſticken.
Berchtolds Expoſé erregte bei den ungariſchen Dele=
gierten
wegen der düſtern Faſſung der Schlußbetrach=
tungen
lebhaftes Aufſehen. Man verweiſt darauf, daß
dieſer Ton keineswegs den Zweck haben könne, die Dele=
gation
auf Mehrforderungen vorzubereiten, da dies ange=
ſichts
deſſen, daß neue Laſten erſt im zweitnächſten Bud=
get
erſcheinen werden, verfrüht wäre, ſomit müßte der
Miniſter die Lage tatſächlich als ernſt anſehen. In die=
ſer
Lage ſei, wie mehrere Delegierte erklären, die von
dem Miniſter bekannte Einheit der Großmächte tröſtlich.
Italien.
Italiens Bedingungen. Gegenüber der
Behauptung des Matin, die am 21. ds. Mts, nach Kon=
ſtantinopel
geſandten italieniſchen Vorſchläge wider=
ſprächen
nicht der Suzeränität des Sultans über Libyen,
der Sultan werde in Libyen durch einen hohen Beamten
vertreten, erklärt die Agenzia Stefani, die Behauptung
entbehre jeder Begründung. Italien habe durchaus nicht
die Abſicht, den zum Geſetz gewordenen Erlaß, der Tri=
politanien
und die Cyrenaika vollſtändig unter italieni=
ſche
Souveränität ſtellt, aufzugeben.
Frankreich.
Die Pulverfrage. Der Matin gibt einen von
dem Mitglied der Pulverunterſuchungskommiſſion Mo=
reul
in einer Fachzeitſchrift veröffentlichten Bericht wie=
der
, in dem darauf hingewieſen wird, daß in den ſtaat=
lichen
Pulverfabriken anſtelle reiner Baumwolle nur
Baumwollabfälle aller Art verwendet werden, die zum
Teil aus den Vorräten der Lumpenſammler ſtammten.
Wiederholt ſeien in den Baumwollballen alte Hemden,
Socken und Nachtmützen gefunden worden. Dieſe min=
derwertige
Baumwolle ſei mittelſt Chlor gebleicht wor=
den
, und das Vorhandenſein des Chlors in der Baum=
wolle
habe ſpäter notwendigerweiſe zur Zerſetzung des
Pulvers führen müſſen. Der Matin bemerkt dazu, daß
die Kommiſſion auf Grund ihrer Feſtſtellungen genaue
Vorſchriften für die Pulvererzeugung abgefaßt, aber be=
ſtimmt
habe, daß dieſes Reglement erſt dann in Anwen=
dung
treten werde, wenn die noch geltenden Lieferungs=
verträge
abgelaufen ſein würden. Die Kommiſſion habe
alſo wiſſentlich vorgeſchrieben, daß bei der Pulver=
erzeugung
ein Verfahren beobachtet werde, das ſie als
gefahrvoll anſah.
* Stuttgart, 25. Sept. Die hier weilenden
Mitglieder der Arbeiterpartei des eng=
liſchen
Unterhauſes, haben das Andenken des
deutſchen Botſchafters, Frhrn. Marſchall v. Bieber=
ſtein
, deſſen Tod bei der Beſichtigung ſtädtiſcher Ein=
richtungen
bekannt wurde, in würdiger Weiſe geehrt. Der
Abgeordnete für Bernard=Caſtle Arthur Handerſon nahm
das Wort, um dann namens ſeiner Parteigenoſſen in be=
wegten
Worten dem Gefühle herzlicher Trauer bei dem
Hinſcheiden des vortrefflichen Staatsmannes Ausdruck zu
geben, auf deſſen Wirken man ſo große Hoffnungen geſetzt
habe.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 26. September.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
empfingen am Dienstag nachmittag 3 Uhr
im Reſidenzſchloß Frau Dr. Willy Merck und die Oberin
des Eliſabethenſtifts. (Darmſt. Ztg.)
* Staatsminiſter Dr. Ewald iſt von ſeiner Er=
holungsreiſe
zurückgekehrt und hat die Leitung der Ge=
ſchäfte
wieder übernommen.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Forſtwart der Kommunalforſtwartei
Münſter, Förſter Michael Löbig Xl. zu Münſter aus
Anlaß ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand das Band
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen zu dem
ihm bereits verliehenen Allgemeinen Ehrenzeichen mit
der Inſchrift Für treue Dienſte‟
g. Schwurgericht. Der Fälſchung zweier öffentlicher
Urkunden iſt der 37jährige Privatkrankenpfleger Georg
Reitz aus Hetſchbach, jetzt in Darmſtadt, beſchuldigt.
Der Angeſchuldigte hatte im Mai und Juni dieſes Jahres

durch längere Krankheit und dadurch verurſachte Arbeits=
loſigkeit
veranlaßt, zwei Anzüge bei der Städt. Pfand=
leihanſtalt
verſetzt. Kurz darauf verkaufte er beide Pfand=
ſcheine
. Auf einem Schein war der Schätzungswert
mit 10 Mark und das gezahlte Darlehen mit 6 Mark ver=
zeichnet
; auf dem zweiten der Schätzungswert mit 6 Mk.
und das Darlehen mit 4 Mk. Bevor der Angeklagte nun
die Pfandſcheine veräußerte, änderte er auf dem einen
Schein die Zahl 10 in 16, indem er der Null einen Strich
anfügte; der Zehn in Buchſtaben ſetzte er eine Sechs voran.
Hierdurch gelang es ihm, für dieſen Schein 6 Mk. zu er=
langen
. Der Käufer fühlte ſich nicht benachteiligt, da nach
ſeiner Meinung der Anzug das gezahlte Geld wert ſei.
Es iſt deshalb auch dem Angeklagten Betrug nicht zur
Laſt gelegt, ſondern nur Verfälſchung öffentlicher Urkun=
den
. Den zweiten Schein fälſchte er dadurch, daß er der
Zahl 6 eine 1 vorſetzte. Den in Buchſtaben geſchriebenen
Wert änderte er nicht. In dieſem Falle erhielt er 4 Mark
für den Schein. Der Angeklagte beſtreitet, die Aenderun=
gen
in betrügeriſcher Abſicht getan zu haben; er habe nur
einen angemeſſenen Preis erzielen wollen. Der wahre
Preis der Sachen ſei mindeſtens 16 Mark geweſen. Die
Geſchworenen bejahten nur in dem erſten Fall die Schuld=
frage
und billigten dem Angeklagten mildernde Umſtände
zu. Das Gericht verurteilte den Angeklagten nach dem
Antrage des Staatsanwalts zu der Mindeſtſtrafe von
drei Monaten Gefängnis.
X* Der geſchäftsführende 2 usſchuß der National=
liberalen
Partei des Großherzogtums hielt am
Dienstag unter Vorſitz des Abg. Dr. Oſann eine
Sitzung ab, um über eine eventuelle Abänderung
des Organiſationsſtatuts zu beraten. Zurzeit
beſteht die Beſtimmung, daß jeder nationalliberale Verein,
der mindeſtens 25 Mitglieder zählt, im Landesausſchuß
einen Vertreter ſtellen kann. Für jede weiteren 400 Mit=
glieder
kann er dann einen weiteren Vertreter entſenden.
Schon in der letzten Landesausſchußſitzung und auch
ſonſt iſt wiederholt betont worden, daß dieſe Beſtimmung
nicht zweckmäßig ſei und durch ſie namentlich die
größeren nationalliberalen Vereine benachteiligt würden.
Zwei kleine Vereine mit zuſammen 50 Mitgliedern
können zurzeit dasſelbe Gewicht in die Wagſchale werfen,
wie ein großer Verein mit 425 Parteigenoſſen. Man
war im Ausſchuß der Auffaſſung, daß darin eine
Unbilligkeit liege und eine Abänderung dieſer Satzungs=
beſtimmung
geboten ſei. Es wurde beſchloſſen, die
Frage zunächſt in den einzelnen Vereinen zur Diskuſſion
zu ſtellen und ſpäter dann im Landesausſchuß darüber
zu beraten.
D Ueber das Wahlrecht der Gewerbevereine
zur Handwerkskammer hat der Bezirksverband der
Gewerbevereine Mainz=Bingen in einer Beſchlußfaſſung
die Befürchtung ausgeſprochen, daß die Wahl zur
Handwerkskammer für die Gewerbevereine erſchwert
werden ſolle, indem beabſichtigt würde, das Wahlrecht
der Gewerbevereine zu ſtreichen. Die Handwerks=
kammer
hat hierauf in der Preſſe dieſe viel zu weit
gehende Befürchtung zu zerſtreuen verſucht mit dem
Hinweis, es ſei unverſtändlich, wie der Bezirksverband
Mainz=Bingen zu der erwähnten Annahme kommen
könne, welche eine erhebliche Beunruhigung in die Kreiſe
der heſſiſchen Gewerbevereine getragen habe; keinen=
falls
trage der Jahresbericht der Handwerkskammer
die Schuld an dieſer Beunruhigung. Hierzu ſchreibt
man uns: Wenn die Handwerkskammer den Abſchnitt
ihres Jahresberichts: Das Wahlrecht der Gewerbe=
vereine
, Handwerkervereine und Fachvereine zur Hand=
werkskammer
nochmals durch ehen möchte, ſo dürfte ein
Grund für Beunruhigung zweifellos in folgenden Sätzen
zu erblicken ſein: Die geſetzliche Organiſation des Hand=
werks
kennt nur Innungen, Innungsausſchüſſe und
Innungsverbände. Zur wirtſchaftlichen Vertretung des
Handwerks bezw. ſeiner einzelnen Zweige kann nur
eine berufliche und örtliche Organiſation (Innung) platz=
greifen
. Fragen, die das Handwerk gemeinſam örtlich
berühren, ſollen durch die Innungsausſchüſſe behandelt
werden. Zur Vertretung der einzelnen Handwerks=
zweige
im Großen ſind die Innungsverbände be=
rufen
. . . . . Die Zubilligung des Wahlrechts an ſolche
Gewerbevereine, die nur zur Hälfte aus Handwerkern
beſtehen, iſt ſchon eine ſehr weitgehende Kon=
zeſſion
. Daß in dieſen Betrachtungen ein ab=
lehnender
Standpunkt der Handwerkskammer gegen=
über
der geſetzlichen Berechtigung der freien Vereine
zur Mitwirkung an der Organiſation des Handwerks
erblickt und auch die Befürchtung mit Recht ab=
geleitet
werden kann, das jetzt vorhandene beſchränkte
Wahlrecht gehe zu weit, wird kein vorurteilsloſer Be=
urteiler
beſtreiten. Die Beſchwichtigungsverſuche in den
letzten Preſſemitteilungen der Handwerkskammer er=
wähnen
dieſe Stelle in ihrem Bericht nicht; ſie werden
daher kaum die Beunruhigung der Vereine aus der
Welt ſchaffen können, da man annehmen muß, daß die
Kammer ihren grundſätzlichen Standpunkt in dem Jahres=

Das neue Drama des Sophokles.

* Auf Papyrusblättern aus Oryrynchos iſt, wie gemel=
det
, vor kurzem ein Satyrdrama des Sophok=
les
gefunden worden, das den Titel Ichneutai
Satyroi trägt. Zu dieſer Entdeckung hat jetzt Ulrich
v. Wilamowitz=Moellendorff, der neben dem Engländer
Hunt an der Herausgabe des koſtbaren Fundes tätig
war, in den Neuen Jahrbüchern für das klaſſiſche Alter=
tum
das Wort ergriffen. Er betont, daß man aus dem
Titel nicht den Gegenſtand des Stückes ahnen konnte. Das
iſt die Geburt des Hermes in der Höhle der Kyllene,
die Erfindung der Schildkrötenleier, der Diebſtahl der
Rinder des Apollon vom Olymp, der Konflikt und die
Verſöhnung der göttlichen Brüder.
Wie es in dem Homeriſchen Hymnus erzählt wird,
bringt Hermes die Rinder in ſeine eigene Höhle und
ſchlachtet etliche, um ihre Häute für ſeine Leier zu be=
nutzen
. Das Auftreten des ſechs Tage alten Götterkindes
zu motivieren, läßt der Dichter ſeine Pflegerin von dem
wunderbaren Wachstum des Kleinen erzählen, der be=
reits
ein ausgewachſener Knabe wäre. In der erhaltenen
erſten Hälfte des Stücks dreht ſich alles um die Entdeckung
der geſtohlenen Rinder, und dazu hat Sophokles die Sa=
tyrn
, die im Bergwalde ebenſo ſelbſtverſtändlich vorhan=
den
ſind wie Köhler, Jäger und Hirten, als Spürhunde
verwandt. Sie ſtehen unter einem Herrn, der nicht näher
bezeichnet wird; ihr Rudel führt der glatzköpfige, ziegen=
bärtige
Silen. Der vierbeinige Gang iſt ihnen natür=
lich
, und Sophokles läßt ſie ſich als richtige Hunde be=
nehmen
.
Der Aufbau der Handlung iſt von größter Einfachheit.
Zu Beginn tritt Apollon auf und berichtet vom Rinder=
raub
und ſeinem vergeblichen Suchen, das ihn bis hier=
her
auf Kyllene geführt hat. Als ſein eigener Ausrufer
geht er durch die Lande und wiederholt überall ſeine An=
kündiaung
. Sie lat ſich auch an die Tiere des Waldes,

die Nymphenkinder, gerichtet, und ſofort iſt Silen da und
bietet die Hilfe ſeiner Söhne an. Apollon geht darauf
ein und verſpricht ihnen die Freiheit. Damit verſchwindet
er. Aber als ſie den Dieb haben, rufen ſie ihn, und er iſt
ſofort zur Stelle.
Ein kurzes Lied ſingt nun der Satyrchor der klang=
los
mit dem Vater herangekommen war. Dieſer ruft noch
einmal, ob jemand da wäre, der um den Dieb wüßte.
Da aber niemand hört, gibt der Vater die Anweiſungen
für die Jagd und geht.
Die folgende Szene hat dem Stück den Namen ge=
geben
. Die Satyrn ſind hier Hunde. Sie laſſen ſich durch
den Geruch von der Naſe führen, ſie werfen dabei den
Kopf ſchnuppernd in die Höhe, ſie gehen ſachte mit der
Naſe im Gras vor. Dies ſtumme Schauſpiel hat die
Athener eine Weile beluſtigt, gerade weil dabei nicht ein=
mal
Muſik gemacht werden durfte Auf drei Wegen gehen
die Hunde in die Tiefe der Bühne, auf eine unterirdiſche
Höhle zu. Da ein Aufſchrei: Halt, wir habens wohl.
Man hat Tritte von Hufen gefunden. Man lauſcht, ob
nicht das Gebrumm der Kühe zu hören iſt. Aber die
Stapfen gehen vorwärts und rückwärts. In dem Augen=
blick
, als alle auf der Erde liegen und die Richtungen der
einzelnen Tritte prüfen, kommt Silen zurück und höhnt ſie,
daß ſie zuſammengeballt liegen wie die Igel Mit entſetz=
tem
fahren ſie auf und prallen weit zurück: ein
rätſelhafter Ton iſt ihnen allen vernehmbar geworden.
Sie zappeln ſo, daß ſie dem weiter zurückſtehenden Vater
kaum das unheimliche Geräuſch zu melden wagen. Der
Alte hält eine renommiſtiſche Strafpredigt, er kommt mit,
um ſich ſelbſt zu überzeugen, und alle ziehn wieder los,
Silen gibt mit Jägerpfiffen die Richtung. Mit den uner=
hörten
Interjektionen: , Ps Ps, A A, beginnen ſie
eine Rede, bald als hätten ſie ein Wild, bald daß es ihnen
entſchlüpft. Es klingt weniger nach Hundegebell als nach
den Rufen von Treibern, die einen Buſch durchſuchen.
Plötzlich macht ein lauter Ton dem Geſang ein Ende: eine
Leier. Die Satyrn wollen wieder ausreißen. aber der

Alte duldet es nicht und fängt an zu trampeln. Er ſteht
ziemlich auf dem Punkt, wo der Ton aus der Tiefe kam,
und nun ſteigt ein göttliches Weib aus dem Erdboden, aus
der Höhle empor, vor deſſen Anblick der Chor entſetzt aus=
einanderſtiebt
. Es iſt die Ortsnymphe Kyllene die
von unten alles angehört hat und ſich nun erkundigt, was
die Reden vom Rinderdiebſtahl ſollen.
Der Chor antwortet mit einem ganz artigen Lied=
chen
und Kyllene iſt denn auch ſo freundlich, als die neu=
gierige
Geſellſchaft vor allen Dingen über den wunder=
baren
Ton aufgeklärt werden will, mit dem großen Ge=
heimnis
herauszukommen: ſie hätte in der Höhle einen
Sohn des Zeus und der Atlantide Maia zu warten,
der ſich dies tönende Spielzeug aus einem toten Tiere
verfertigt hätte, das ſo ſchön ſänge, weil es tot wäre. Nach
niedlichen Neckereien nennt ſie die Schildkröte und den
Namen des neuen Inſtrumentes, Lyra. Der Chor bewun=
dert
die Erfindung, geſteht aber in demſelben Atem, daß
er den neugeborenen Gott für den Rinderdieb halte. In
entrüſteter Weiſe weiſt Kyllene den Verdacht als eines
Gottes unwürdig zurück, wobei Sophokles ſeinen Spaß
daran hat, daß dieſe Götterwürde eitel Wind iſt. In er=
regten
Verſen muß dann der Chor irgendwie die An=
weſenheit
der Rinder feſtgeſtellt haben: in einer erhalte=
nen
Erläuterung kommt ihr Miſt vor.
Als der Chor ſeiner Sache ſicher iſt, ruft er Apollon,
der denn auch erſcheint; aber da bricht der Papyrus ab.
Höchſtens die Hälfte des Dramas iſt ſo zu überſehen. So=
viel
läßt ſich nach Wilamowitz aber doch ſagen, daß die
harmloſe Leichtigkeit erfreulicher wirkt, als der Witz des
Euripides, der ſich am glücklichſten ironiſierend gegen das
ganze Spiel und ſeine Vorausſetzungen ſelbſt wendet, weil
dem Dichter die Unbefangenheit fehlt, die dazu gehört und
die ihm die meiſten Athener ſicherlich entgegenbrachten.
Das Stück zählt zu den Dramen ſeiner Jugend,
älter ſelbſt als die Antigone; vielleicht iſt er als Hermes
ſelbſt aufgetreten.

[ ][  ][ ]

bericht abſichtlich in dieſer Schärfe dargelegt hat. Da
nicht alle deutſchen Handwerkskammern auf dem ab=
lehnenden
Standpunkt der Darmſtädter Handwerkskam=
mer
ſtehen und auch einzelne Bundesregierungen von
ſich aus ſchon längſt Maßnahmen getroffen haben auf
Verbeſſerung des Wahlrechts der in freien Vereinen
organiſierten Handwerker, ſo wird wohl bei gutem
Willen ein Ausweg ſich finden laſſen, der dieſen Zwie=
ſpalt
im Handwerk bald beſeitigt.
D Deklarationspflicht für die Gemeindeſteuerveranlag=
ung
pro 1913. Trotzdem ſchon wiederholt in den hieſigen
Tageszeitungen darauf aufmerkſam gemacht worden iſt,
daß von allen Steuerpflichtigen (natürliche und juriſtiſche
Perſonen), deren gewerbliches oder landwirtſchaftliches
rauhes Anlage= und Betriebskapital mindeſtens 3000
Mark beträgt, oder deren Kapitalvermögen ſich auf 3000
Mark und mehr beziffert, auf Grund des neuen, mit dem
1. April 1913 in Wirkſamkeit tretenden Gemeindeumlagen=
geſetzes
für das Steuerjahr 1913 ausnahmslos Ver=
mögenserklärungen
abzugeben ſind, ſind viele Steuer=
pflichtigen
dieſer geſetzlichen Verpflichtung bis jetzt nicht
nachgekommen. Da der Termin zur Abgabe der Erklär=
ungen
am 1. Oktober abläuft, werden die Säumigen hier=
durch
nochmals an die Einreichung der Erklärungen er=
innert
. Deklarationsformular iſt erhältlich auf Zimmer 1
des Großh. Finanzamts I und in den Amtsräumen des
ſtädtiſchen Steuerbureaus (Stadthaus).
* Der Odenwaldklub hat alljährlich in ſeinem Pro=
gramm
eine 1½=Tagestour, welche den Mitgliedern
Gelegenheit geben ſoll, auch mehr abſeits liegende Ge=
biete
kennen zu lernen. In dieſem Jahre gilt nach mehr=
jähriger
Pauſe der Beſuch wieder unſerem benachbarten
Vogelsberg. Trotz der geringen räumlichen Entfernung
vom heimatlichen Odenwald zeigt Oberheſſens Gebirgs=
ſtock
einen gänzlich anderen Charakter. Der bevorſtehende
Ausflug bietet ſchon aus dieſem Grunde Intereſſe. Die
Teilnehmer an der Wanderung benutzen am Samstag
den 12 Uhr 14 Min. abgehenden Zug (entgegen der ſonſti=
gen
Gewohnheit ein D=Zug mit nur 1. und 2. Klaſſe, aber
auch der letztmögliche Zug, der noch die erforderlichen
Anſchlüſſe ſichert) und ſind um halb 4 Uhr in Laubach. In
Hungen zwingt der Fahrplan zu einer Pauſe von etwa
40 Minuten, die mit Kaffee und Zwetſchenkuchen zweck=
mäßig
ausgefüllt werden ſoll. Wer um 12.14 Uhr noch
nicht abkommen kann, hat die Möglichkeit, um 1 Uhr 42
Minuten nachzufahren und trifft, über Friedberg-Nidda
reiſend, ungefähr zu gleicher Zeit mit dem Haupttrupp in
Schotten ein. Allerdings entgeht ihm die Wanderung
am erſten Tage von Laubach nach Schotten. Schon dieſer
etwa dreiſtündige Weg durch prächtigen, von weit aus=
gedehnten
Wieſengründen des Wettertales durchzogenen
Hochwald entrollt ein ſchönes Stück Vogelsberg. Im alt=
bekannten
Gaſthaus Zur Poſt (Cellarius) erwartet die
Wanderer ein treffliches Mahl (u. a. Forellen!), das nicht
verfehlen wird, zu der richtigen Stimmung für den Reſt
des Abends überzuleiten. Die Freunde vom Vogelsber=
ger
Höhenklub haben ihr Erſcheinen in Ausſicht geſtellt
und wollen ſich von ihrer beſten Seite zeigen. Aber auch
die Mitwirkung bekannter eigener bewährter Kräfte iſt
bereits ſichergeſtellt. Andertags wird nach einer halben
Stunde zunächſt der Altenburgskopf mit dem ganz reizend
gelegenen Lehrerheim erreicht. Ueber Buſenborn gelangt
man danach auf den Bilſtein und von da, dreiviertel
Stunden ſpäter ausgedehnte Hutweiden, wie ſie dem
Vogelsberg eigentümlich ſind, überquerend auf den
Hoherodskopf. Die beiden großen Schutzhäuſer des V.
H. C. laden natürlich hier zur Frühſtücksraſt ein. Die
nächſte Etappe wird durch den Taufſtein mit ſeinem Bis=
marckturm
bezeichnet. Nun folgt nach einer herrlichen
Hochwaldwanderung die angehende Villenkolonie Hoch=
waldhauſen
, die manchem Teilnehmer neu ſein wird. In
Ilbeshauſen ſoll noch die Teufelsmühle beſichtigt wer=
den
, worauf nach kurzer Bahnfahrt die Ankunft in Eiſen=
bach
(Sitz der Familie Riedeſel zu Eiſenbach) erfolgt.
Mit einer Beſichtigung des Schloſſes wird eine kürze
Kaffeeraſt verbunden. Von dem Endziel Lauterbach trennt
die Wanderer jetzt nur noch eine kurze Wegſtrecke, die
durch einen Umweg über den Hainigturm um weniges
verlängert wird. Um 5 Uhr nachmittags werden die Wan=
derer
in das freundliche oberheſſiſche Kreisſtädtchen ein=
marſchieren
und im Hotel Schüz Einkehr halten, deſſen
anerkannte Küche wiederum für ein treffliches Mahl
bürgt. Nach dreiſtündigem Aufenthalt, den vorausſichtlich
Lauterbacher Wanderfreunde verkürzen helfen, wird die
Rückfahrt über Fulda angetreten, die trotz der großen
Entfernung dank guter Zugverbindung um Mitternacht
ihr Ende erreicht. Möchten die Getreuen des Klubs recht
zahlreich dem ergangenen Rufe folgen. Die herbſtlichen
Reize des Vogelsberges ſichern eine genußreiche Wan=
derung
.
* Ausſtellung Gunſchmann, Decker, Schwindt. Se.
Königl. Hoheit der Großherzog empfingen geſtern die
Herren Maler K. Gunſchmann und Bildhauer Fritz
Decker anläßlich ihrer gemeinſamen Ausſtellung mit
Herrn A. M. Schwindt, Graphiker, und ſtellte den

jungen Künſtlern ſeinen allerhöchſten Beſuch in Ausſicht.
Die Ausſtellung, auf die wir kürzlich ſchon einmal ver=
wieſen
, erfreut ſich recht regen Beſuches. Sie iſt bis Mitt=
woch
, den 2. Oktober, verlängert und täglich von
10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags bei freiem Ein=
tritt
im Atelier, Liebigſtraße 24, zu beſichtigen.
nn Eine außergewöhnlich reiche Bucheln=Ernte ſteht
für dieſes Jahr in Ausſicht. Auf allen Waldwegen und
Schneiſen unſerer waldreichen Umgebung liegen die rot=
braunen
dreieckigen Früchte mit ihrem nußgeſchmackarti=
gen
Inhalt. Viele werden durch Spaziergänger zertre=
ten
und ungenießbar gemacht, und niemandem fällt es
mehr ein, dieſe koſtbaren Früchte des Waldes zu ſam=
meln
, aus denen ein ſehr fettreiches und wohlſchmeckendes
Speiſe= und Backöl bereitet werden kann. Die ältere Ge=
neration
unſerer Bürgerſchaft wird ſich noch erinnern, daß
zur Zeit der Bucheln=Reife im Monat Oktober die Volks=
ſchulen
ſogenannte Buchel=Ferien eingeführt hatten.
Mit behördlicher Erlaubnis zogen dann an den Wochen=
tagen
zahlreiche Familien mit Kind und Kegel in die
Waldungen, und insbeſondere in den Städtiſchen Ober=
wald
, um die Buchel=Früchte zu ſammeln, aus denen dann
das Haushaltungsöl für den Winterbedarf geſchlagen
wurde. Kinderreiche Familien ſammelten oft mehrere
Zentner Bucheln, die dann an den langen Winterabenden
unter Mithilfe von Freunden und Nachbarn im Haus=
ofen
geröſtet und von den Schalen befreit wurden. Dann
wanderten die Früchte in die Oel=Mühle (in Darmſtadt
zu Oelmüller Möſer), aus denen ein feines und ſehr
zutes Salatöl geſchlagen wurde. Auch in dem Sprich=
wort
: Alles hat zwei Seiten, die Bucheln haben drei
hat die Buchelfrucht ihre ſinnreiche Verwendung ge=
funden
.
* Komitee Darmſtadt im Blumen= und Pflanzen=
ſchmuck
. Die diesjährige Prämiierung findet am
morgigen Freitag, den 27. September, im Beſſunger
Orangeriehaus ſtatt. Die Beteiligung war auch in
dieſem Jahre wieder ſehr ſtark, es lagen 350 Anmel=
dungen
vor und ſind für die Prämiierung eine große
Anzahl Ehrenpreiſe geſtiftet worden, ſo daß das Komitee
in der Lage iſt, den größten Teil der Angemeldeten
prämiieren zu können. Die Ausſtellung der Preiſe iſt
am Samstag und Sonntag von 10 bis 6 Uhr für die
Oeffentlichkeit zugänglich.
* Wichtig für Mieter. Zum Vierteljahresſchluß
ſeien die Mieter auf folgende wichtige Regeln hin=
gewieſen
: 1. Ueberzeuge Dich rechtzeitig, wann und wie
Du Deine Wohnung aufzukündigen haſt. 2. Ueberlege
genau, bevor Du ein neues Mietverhältnis eingehſt,
denn eine Rücktrittsfriſt (24 Stunden oder 3 Tage) iſt
geſetzlich nicht gegeben. 3. Die Meinung, daß die
Wohnung in der Zeit von Oktober bis April nicht ge=
kündigt
werden dürfe, iſt falſch. Eine geſetzliche Beſtim=
mung
darüber beſteht nicht. 4. Wohnungen, die gegen
einen Jahresmietpreis auf unbeſtimmte Zeit gemietet
werden, gelten nicht kurzer Hand als auf ein Jahr
gemietet. Soll dies der Fall ſein, ſo muß es ausdrück=
lich
vereinbart werden. Mangels einer Vereinbarung
kann die Wohnung auch ſchon vorher unter Einhaltung
der geſetzlichen Kündigungsfriſt gekündigt werden.
5. Mietverträge, die vereinbarungsgemäß für länger als
ein Jahr gelten ſollen, müſſen ſchriftlich abgeſchloſſen
werden. Auskunft über Mietsangelegenheiten erteilt
die Städtiſche Rechtsauskunftsſtelle, Wald=
ſtraße
6, Telephon Nr. 2516.
* Offenhalten der Läden. Nächſten Sonntag, den
29. September, können die hieſigen Verkaufsgeſchäfte
von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags geöffnet
werden. Die Ladenbeſitzer ſollten von dieſer Gelegenheit
allgemeinen Gebrauch machen in Anbetracht des großen
Fremdenverkehrs, den die beiden Ausſtellungen hierher
ziehen; auch wird die abendliche Beleuchtung der Schau=
fenſter
ein ſchönes Straßenbild darbieten.
* Aus der Paulusgemeinde. Am nächſten Sonn=
tag
, den 29. September, ſind ſeit Einweihung der
Pauluskirche fünf Jahre verfloſſen. Wie ſeither, findet
auch in dieſem Jahr ein Feſtgottesdienſt und abends
um 8 Uhr ein Familienabend ſtatt. Da die Paulus=
gemeinde
als erſte Gemeinde in Darmſtadt die Ein=
führung
des Einzelkelchs bei der Abendmahlsfeier
(neben den ſeither üblichen Abendmahlsfeiern) beſchloſſen
hat, wird Pfarrer Rückert an dieſem Abend zur Orien=
tierung
über dieſe Frage einen Vortrag über Abend=
mahl
und Einzelkelch halten, der beſonders die=
jenigen
intereſſieren dürfte, die die Einführung des
Einzelkelchs ſchon lange herbeigeſehnt haben. Die erſte
Feier dieſer Art ſoll am 1. Advent abends ſtattfinden.
Es ſei noch erwähnt, daß für den Familienabend her=
vorragende
muſikaliſche Kräfte ihre freundliche Mit=
wirkung
zugeſagt haben. (Vergl. Anzeige.)
* Der Bericht über die Tätigkeit des Gewerbe=
vereins
für das Großherzogtum Heſſen, der der
Hauptverſammlung in Bingen erſtattet wurde, iſt im
Druck erſchienen. Wir haben anläßlich der Haupt=
verſammlung
bereits das Wichtigſte aus dem Bericht
erwähnt.

Poſtblatt. Anfang Oktober erſcheint eine neue
Nummer des Poſtblatts, das eine Beilage zum
Reichsanzeiger bildet, aber auch für ſich bezogen werden
kann. Im Poſtblatt, das im Reichs=Poſtamt zuſammen=
geſtellt
wird, ſind die wichtigſten Verſendungsbedingungen
und Tarife für Poſtſendungen aller Art, ſowie für Tele=
gramme
enthalten. Auf die ſeit dem Erſcheinen der
vorangegangenen Nummer (Anfang Juli) eingetretenen
Aenderungen wird in der neuen Nummer durch be=
ſonderen
Druck (Schrägſchrift) hingewieſen. Das Poſtblatt
kann auch neben anderen, umfangreicheren Hilfsmitteln
für den Verkehr mit der Poſt und Telegraphie ( Poſt=
bücher
, Poſt= und Telegraphennachrichten für das
Publikum uſw.) mit Vorteil benutzt werden, weil es dieſe
bis auf die neueſte Zeit ergänzt. Der Bezugspreis des
Poſtblatts beträgt für das ganze Jahr 40 Pfg., für die
einzelne Nummer 10 Pfg. Beſtellungen werden von den
Poſtanſtalten entgegengenommen.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Auguſt
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 158
Ochſen, 7 Bullen, 226 Kühe, 10 Jungrinder, 1002 Kälber,
2160 Schweine, 115 Schafe, 1 Ziege und 19 Pferde.
Beanſtandet wurden: 67 Ochſen, 3 Bullen, 148 Kühe,
8 Jungrinder, 15 Kälber, 446 Schweine, 25 Schafe und
3 Pferde. Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch
von: 1 Ochſen, 7¾ Kühen 1 Jungrind, ¾ Kälbern und
11¾ Schweinen. Bedingt tauglich war das Fleiſch
von: ¾ Ochſen, 1¾ Kühen, 1¾ Kälbern und 1¾ Schweinen.
Untauglich waren: 1259 Organe, 150 kg Fett und
112 kg Fleiſch von 715 Tieren. Auf Trichinen
wurden unterſucht: 2160 im Schlachthaus geſchlachtete
Schweine, ſowie 2189,5 kg für hieſige Metzger einge=
führtes
friſches Fleiſch von 110 Schweinen. Der
Nachunter ſuchung wurden unterzogen: 644 Sendungen
eingeführtes Fleiſch, enthaltend: 14903 kg Rindfleiſch,
2806 kg Schweinefleiſch, 110 kg Kalbfleiſch, 513 kg
Hammelfleiſch und 43 kg Ziegenfleiſch.
* Meßplatz. Auf dem Platze, wo ſonſt der Kine=
matograph
ſtand, gibt Winterhalters Theater
nachmittags und abends ſtündlich Vorſtellung
mit einem dezenten Programm für Alt und Jung.
Die beliebten Marionetten ſorgen für humoriſtiſche
Stimmung.
Roßdorf, 25. Sept. Bei Roßdorf wurde an der Bahn=
ſtrecke
die Leiche des Arbeiters Schumann aus Gun=
dernhauſen
mit einer ſchweren Kopfverletzung
aufgefunden.
tt. Dieburg, 24. Sept. Laut Verfügung Großh. Mi=
niſteriums
iſt Herr Lehramts=Referendar Karl Grüne=
wald
aus Darmſtadt zur Fortſetzung ſeines Vorbereit=
ungsdienſtes
der Höheren Bürgerſchule zu Dieburg über=
wieſen
worden. Nächſten Sonntag, 29. September,
findet eine Beſichtigung der hieſigen Freiwilligen
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz durch Herrn General=
arzt
Dr. Lindemann ſtatt. Dieſelbe beginnt 2.45 Uhr
nachmittags. Das ſoeben in der Ausbildung durch Herrn
Dr. Schmitt begriffene Dieburger Helferinnenkorps wird
in den Erfriſchungszelten und beim Nachſehen der Kran=
ken
zum erſten Male in Aktion treten.
Heppenheim a. d. B., 25. Sept. Geſtern kaufte die
Firma Stell u. Co.=Weinheim in dem neuen Stadt=
viertel
Briefel hier einen größeren Länderkomplex, wo=
rauf
eine größere Fabrik erbaut werden ſoll.
Mit den nötigen Arbeiten wird ſofort begonnen werden.
In dem neuen Etabliſſement, in dem Weberei und Spin=
nerei
betrieben werden wird, werden vorerſt 100 Arbeiter
und Arbeiterinnen Beſchäftigung finden.
Groß=Gerau, 25. Sept. Die Leiche, die am 11. Sept.
mit abgetrenntem Kopfe auf den Eiſenbahnſchienen zwi=
ſchen
Mitteldick und Walldorf aufgefunden wurde, iſt
als die des 24jährigen Dr. phil. Fuhrmann aus Wal=
dau
bei Kaſſel erkannt worden. Dr. Fuhrmann hatte den
Tod auf den Schienen in geiſtiger Umnachtung geſucht.
Früher war der Lebensmüde bereits ein halbes Jahr in
einer Irrenanſtalt.
Offenbach, 25. Sept. Der 36jährige Gelegenheits=
arbeiter
Georg Klein hatte ſeinen Wochenverdienſt bis
auf wenige Mark verjubelt, bis er in ſeiner Trunkenheit
polizeilich ſiſtiert wurde. Nach ſeiner Entlaſſung aus dem
Polizeigewahrſam brachte er den Reſt des Geldes durch
und begab ſich dann nach Haus, wo es zwiſchen ihm,
ſeiner Frau und dem anweſenden Schwager namens
Schwind zu einem erregten Auftritt kam. In deſſen Ver=
lauf
ergriff Schwind ein Beil und brachte ſeinem
Schwager damit eine klafſende Wunde bei. Dieſer
ſtürzte taumelnd die Treppe hinab und zog ſich noch wei=
tere
Verletzungen zu. Er wurde ſchwerverletzt ins
ſtädtiſche Krankenhaus gebracht.
Mainz, 25. Sept. Im hieſigen Militär=Kaſino hatten
ſich Montag abend die Generäle und Stabsoffiziere des
18. Armeekorps zu einer Abſchiedsfeier verſam=
melt
für die aus ihrer Mitte ſcheidenden Generäle von
Eichhorn, der zum Chef der 7. Armee=Inſpektion er=

Feuilleton.

* Elektriſcher Schlaf. In der letzten Nummer der
Berliner kliniſchen Wochenſchrift berichtet Dr. Nagel=
ſchmidt
über eine neue von ihm erzeugte elektriſche Strom=
art
, die bei ihrer Anwendung je nach dem Orte, an
dem der Strom eintritt eine völlige Aufhebung der
Schmerzempfindung oder des Bewußtſeins bewirkt. Es
handelt ſich um einen doſierbaren Wechſelſtrom. Bei ent=
ſprechender
Stromſtärke und bei geeigneter Anbringung
der Elektroden konnte am Arm und an der Hand die
Schmerzempfindung vollkommen ausgeſchaltet werden
die Empfindungsloſigkeit war ſo ſtark, daß tiefe Nadel=
ſtiche
und operative Eingriffe nicht mehr geſpürt wurden.
Nur die Berührungsempfindung blieb zum Teil erhalten
Noch auffallender war die ſchlafmachende Wirkung, die
vorderhand allerdings nur an Tieren nachgewieſen wurde.
Ließ man den Strom am Gehimn eintreten, ſo erfolgte
eine vollſtändige Narkoſe, die beliebig lange aufrecht er=
halten
werden konnte. Nach den Tierverſuchen zu ur=
teilen
, ſcheint dieſer elektriſche Schlaf vollkommen unge=
fährlich
zu ſein. Nach Ausſchaltung des Stromes waren
die Tiere Kaninchen und Hunde in kurzer Zeit
ſtets wieder munter. Bei einem Kaninchen wurde die
Narkoſe zweimal bis zum völligen Ausſetzen von Puls
und Atmung geſteigert, ſo daß das Tier wie ſcheintot da=
llag
, und beide Male gelang es mittels rhythmiſcher Ein=
wirkung
des gleichen Stromes, das Tier wieder zum
Leben zu erwecken.
* Kleider aus Glasperlen ſind das neueſte Erzeugnis
ſeiner Mode, die nachgerade ſo wahnſinnig geworden iſt,
daß es ihr ſchwer wird, noch etwas Neues zu finden.
Bisher beſtickte man die Gewänder mit Perlen, begnügte
ſich mit einem Frangenſchmuck von Perlenſchnüren; jetzt
beſitzt die elegante Frau ein bis zwei Kleider, die ganz
und gar aus gäſemen Kügelchen hergeſtallt ſind. Dieſe

Kleider ſind nicht ſehr praktiſch, aber wunderhübſch. Ihre
Grundform bildet ein ſogenanntes Futteral aus ſtarkem
Tüll, das mit tiefem Hals= und Schulterausſchnitt und
nur bis über die Knie niederreichend gefertigt wird. Dies
Futteral iſt dicht mit kleinen Glasperlchen bedeckt, die ent=
weder
ſchlicht einfarbig, bald weiß, bald gelb, grün, rot
oder violett auftreten, bald auch in zwei und mehr Farben
ſchillernde Farbenſpiele hervorbringen, denen aber immer
jede regelmäßige Muſterung fremd iſt. Von den Knien
abwärts beſteht der Rock aus loſen, langen Perlenſchnüren,
die etwas an die Türportieren aus Glas= und Holzperlen
erinnern, die aber ungleich dieſen ſehr dicht und undurch=
ſichtig
zuſammenſtehen und hier und da mit verborgenen
Stichen aneinander befeſtigt ſind, ſo daß die Schnüre ſich
nirgends ganz auseinanderſpalten können. Dieſer untere
Rockteil aus Perlenſchnüren erweitert ſich manchmal zu
einer runden Schleppe, meiſt aber ſind derartige Perlen=
kleider
fußfrei. Die Schulterumrandung und die kurzen,
bis knapp zum Ellenbogen reichenden Aermel ſind gleich=
falls
aus Perlenſchnüren.
* Der franzöſiſche Manövergaul des ruſſiſchen Groß=
fürſten
. Pariſer Blätter berichteten in der vergangenen
Woche, daß der ruſſiſche Großfürſt Nikolaus Nikolajewitſch,
der Generaliſſimus der ruſſiſchen Armee, der als Ehren=
gaſt
Frankreichs und Vertreter des ruſſiſchen Bündniſſes
den großen franzöſiſchen Manövern beiwohnte, gleich am
erſten Tage auf dem Manöverfelde das Unglück hatte,
vom Pferde zu ſtürzen. Wie das kam, darüber berichtet
nun die antimilitariſtiſcher Geſinnung ganz unverdächtige,
vielmehr hochpatriotiſche Opinion folgendermaßen: Man
hat überall geſagt, der Großfürſt Nikolaus ſei bei Saint=
Jean=de=Sauves vom Pferde gefallen. Das iſt nicht ganz
richtig. Das Pferd iſt vielmehr unter ihm gefallen. Da
man einen Gaul von außergewöhnlicher Größe nötig
hatte, ſo hatte man das Tier bei dem Züchter Chomaſſin
in Montmorillon gekauft, der den größten Gaul in der

Gegend beſaß, den man kannte. Der ruſſiſche Generaliſſi=
mus
konnte bei dem Anblick ſeines Reitpferdes ſich
nicht enthalten, ein merkwürdiges Geſicht zu ſchneiden.
Aber er hatte bereits begonnen, ſich an unſere demokra=
tiſche
Einfachheit zu gewöhnen, und tapfer ſchwang er ſich
in den Sattel. Der Gaul machte mit niedergedrücktem
Kreuz und krummen Knien einige Schritte, dann brach er
fünfzehn Meter weiter auf ſeine Knie zuſammen. Sein
Verluſt wird übrigens kein Loch in das Manöverbudget
reißen. Der Züchter hatte 25 Piſtolen dafür gefordert, die
Intendantur hatte den Gaul des Großfürſten aber auf
230 Franken herabgehandelt. Ein Gaul im Werte von
230 Franken 184 Mark als Manöverreitpferd für den
ruſſiſchen Großfürſten und Ehrengaſt Frankreichs bei den
großen Mamövern da dürfte allerdings die Roſinante
des edeln Ritters von der Mancha noch mehr wert ge=
weſen
ſein. Auf jeden Fall verſteht man jetzt, weshalb
die Manöverbilder der franzöſiſchen Blätter den Groß=
fürſten
Nikolaus nicht anders als zu Fuß darſtellten.
* Der fahnenflüchtige Tote. In Halle a. S. erſchien
jüngſt bei einem ehrſamen Bürger, einem Beamten, ein
Poliziſt, der verlangte, daß ihm ſofort der Sohn ausge=
liefert
werden ſollte, da er ſich fahnenflüchtig gemacht habe.
Der Polizeibeamte legte dem Beamten auch den Steckbrief
vor, der ſchon einige Wochen vorher hinter dem Flüchtling
erlaſſen worden war. Der Poliziſt trat ſehr energiſch
auf und drohte, den Vater ſelbſt mit abzuführen, falls er
ihm den Sohn nicht übergeben wolle. Nach einiger Zeit
erſt konnte ſich der verdutzte Vater faſſen und dem Poli=
ziſten
erwidern: Aber mein Sohn liegt ja ſchon ſeit 20
Jahren in Trotha auf dem Kirchhof! Er war nur vier
Monate alt geworden und die Behörde hatte vergeſſen,
ihn aus den Büchern zu ſtreichen. Derartige Fälle ſtehen
übrigens keineswegs vereinzelt da und führen manchmal
zu ſonderbaren Szeuen.

[ ][  ][ ]

nannt iſt, und Diviſionskommandeur Exz. Scholtz, der
zum Kommandeur des 20. Armeekorps aufrückt. Als ſicht=
bares
Zeichen des Dankes übergab Generalleutnant von
Plüskow dem ſcheidenden kommandierenden General
einen Degen, von den Offizieren des 18. Armeekorps ge=
ſtiftet
. Wie der Großh. Handelskammer Mainz auf
ihre wiederholten Eingaben von dem Reichspoſtamt mit=
geteilt
worden iſt, wird bei der demnächſt ſtattfindenden
Erweiterung des Nachbarortsverkehrs die Ortstaxe
zwiſchen Mainz und Biebrich (einſchließlich des
Mainzer Stadtteils Amöneburg) zugelaſſen werden. Da=
mit
iſt ein langjähriger Wunſch der Bewohner von Mainz,
Kaſtel, Amöneburg und Biebrich erfüllt.
Budenheim, 24. Sept. Am Sonntag wurde hier der
Grundſtein zur evangeliſchen Kirche gelegt.
Die geſamte Bevölkerung und viele auswärtige Freunde
feierten den frohen ſchönen Tag mit der evangeliſchen Ge=
meinde
. Unter den Klängen des Wackernheimer Poſau=
nenchores
zog man in langem Zuge zum Bauplatz. Dort
pries nach einem Liede des Kirchengeſangvereins und des
Männerchors Sängerluſt der Gemeindegeiſtliche Pfr.
Berck den freudigen Glauben, der ſeine Augen zum Gott
der Berge erhebt. In der verleſenen Urkunde wurde be=
ſonders
bemerkt: die Entwicklung der Gemeinde (von 20
Seelen im Jahre 1830 auf 358 im Jahre 1910), ihre
Opferwilligkeit und die Unterſtützung, die ſie von allen
Seiten bisher erfahren hat. Im Namen des Kirchen=
regiments
ſprach Superintendent Euler herzliche Segens=
grüße
. Es folgten die üblichen Hammerſchläge. Dekan
Jakob ſprach das Schlußgebet. Gemeindegeſänge um=
rahmten
die Feier. Später fand in der Turnhalle eine
Nachverſammlung ſtatt, die ſo ſtark beſucht war, daß viele
keinen Platz mehr fanden. Die von Profeſſor Pützer
gezeichneten Poſtkarten fanden ſtarken Abſatz. Die Kirche,
von Profeſſor Pützer entworfen und vom Großh. Hoch=
bauamt
Mainz ausgeführt, wird 325 Sitzplätze, dabei
einen kleinen Gemeindeſaal und eine durch die Lage und
Verhältniſſe gebotene und den Bau verbilligende Diener=
wohnung
haben und nach den letzten Ergebniſſen alles in
allem (mit Bauplatz, Glocken, Orgel, Ausſtattung, Ho=
norar
) etwa 50000 Mark koſten. Sie ſoll im Sommer
1913 eingeweiht werden.
Heidesheim, 25. Sept. Zwiſchen Heidesheim und Er=
bach
im Rheingau beſtand ſeither eine ſtaatliche
Rheinfähre. Der Perſonenverkehr wurde durch Mo=
torboot
und Nachen vermittelt. Die Fähre iſt ſeit 1. Au=
guſt
ſtillſchweigend aufgehoben worden, weil
ſich kein Fährmann fand, der die an die preußiſche und
heſſiſche Staatskaſſe zu zahlende Pachtſumme bezahlen
wollte. Die Gemeindeverwaltung Heidesheim wird
Schritte tun, um die Fähre wieder einzuführen.
Gießen, 25. Sept. Der ordentliche Profeſſor der klaſ=
ſiſchen
Philologie an der Univerſität Straßburg i. Elſ.
Dr. Richard Laqueur folgt zum 1. Oktober einem Rufe
als Ordinarius für alte Geſchichte an die Landesuniver=
ſität
Gießen als Nachfolger von Profeſſor Strack. Dr. L.
(geb. 1881 zu Straßburg) iſt Schüler der Profeſſoren
Bücheler, Keil, Reitzenſtein, Schwartz und Uſener. 1907
erhielt er die venia legendi in Göttingen, kam dann mit
Lehrauftrag nach Kiel und Oſtern 1909 als Extraordina=
rius
für griechiſche Sprache und griechiſche Altertümer
nach Straßburg. Rufe als Ordinarius nach Baſel (1909
und Groningen (1911) lehnte er ab. Im Juni 1912 ward
er zum Ordinarius in Straßburg befördert. Sein Haupt=
arbeitsgebiet
iſt antike Hiſtoriographie.
Gießen, 25. Sept. Der Verband deutſcher
Vereine für Volkskunde hält am Samstag, 28.
September, und Sonntag, 29. September, in Gießen und
Großen=Linden eine Vertreterverſammlung ab.
Am Samstag, nachmittags, und Sonntag, vormittags,
finden Vertreterſitzungen ſtatt, am Sonntag, nachmittags,
in Großen=Linden eine öffentliche Veranſtaltung, in der
Herr Geh. Rat Walbe aus Darmſtadt über Das
Großen=Lindener Bauernhaus Herr Pfarrer Schulte
aus Großen=Linden über Großen=Lindener Volksleben
vor 250 Jahren und Herr Prof. Dr. Rauch aus Gießen
über Der Schmuck der Großen=Lindener Bauernfrau
(mit Ausſtellung) ſprechen werden.
(*) Büdingen, 24. Sept. Durch eine explodie=
rende
Petroleumlampe geriet Frau Betz in ihrer
Wohnung in Brand. Sie wurde ſo ſchwer verletzt, daß
ſie ins Krankenhaus gebracht werden mußte, wo ſie nach
wenigen Stunden verſtarb.
(*) Aus dem Kreiſe Büdingen, 24. Sept. Große
Obſtmengen ſtehen in unſerem Kreiſe Büdingen zum
Verkauf. Dem Kreis=Gartenbauverein wurden allein
43036 Zentner Aepfel und 3405 Zentner Birnen gemeldet.
Hauptobſtorte ſind Rodenbach mit 4000, Himbach mit 4300,
Altenſtadt mit 9600,. Bleichenbach mit 1060, Düdelsheim
mit 1000, Mittelgründau mit 1820, Ober=Mockſtadt mit
1500, Wolf mit 1200, Hainchen mit 2510 und Büdingen

mit 850 Zentner Aepfel. Viele Birnen gibt es in Büdin=
gen
, Himbach, Rodenbach und Rohrbach.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 24. Sept. Der Präſident
der Compagnie Foreſtiére Sangba=Quhanani, Herr Na=
gues
, trifft in den erſten Tagen des Oktober in Berlin
ein, um hier Fühlung mit unſeren maßgebenden kolo=
nialen
Kreiſen zu nehmen. Die Compagnie Foreſtiére iſt
eine der Vereinigungen der größten Konzeſſionsgeſell=
ſchaften
in dem von Frankreich an uns bei Gelegenheit
des Marokkohandels abgetretenen Teile der früheren fran=
zöſiſchen
Kongo=Kolonie. Als über den Todesſturz
des Bittner berichtet wurde, drückten die Blätter die
Erwartung aus, daß die Polizei ſofort den Film beſchlag=
nahmen
werde, den ein Photograph auf Wunſch des Wage=
halſes
aufnahm und der nun an Stelle des erhofften ge=
lungenen
Abfluges den Todesſturz des Bittner im Bilde
feſtgehalten hat. Es hieß auch, daß die Polizei den Film
gleich erwiſcht und in Sicherheit gebracht habe. Der
Photograph iſt aber doch fixer geweſen. Es iſt ihm ge=
lungen
, den Aufnahmefilm raſch zu entwickeln und min=
deſtens
eine Kopie davon herzuſtellen, die bereits geſtern
abend in einem Kinotheater in der Münzſtraße vor=
geführt
worden iſt. Der Kinobeſitzer machte auf dieſen
Nervenkitzel durch ein Plakat mit folgender Aufſchrift
aufmerkſam: Neueſte Senſation! Der Todesſturz von der
Siegesſäule! und konnte den Film dreimal vorführen,
ehe die Polizei dahinter kam und die weitere Vorführung
verbot. In der Wieſenſtraße erſchoß ſich geſtern
abend der 12jährige Sohn des Klempners Linke im Bett
mit einem Teſchin. Ein Grund zu der Tat liegt nicht vor.
Der Knabe las mit großem Eifer Indianergeſchichten.
Frankfurt, 25. Sept. Die Handelskammer zu Frank=
furt
und die Landwirtſchaftskammer zu Wiesbaden ma=
chen
nochmals darauf aufmerkſam, daß am Donnerstag,
den 26. ds. Mts., abends 8 Uhr, im großen Saale des
Saalbaues der öffentliche Vortrag von
Herrn Dr. H. J. Thiſſen, Referent bei der
Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte, Berlin= Wil=
mersdorf
, über Die Mitwirkung der Ver=
ſicherten
und ihrer Arbeitgeber bei der
Durchführung des Verſicherungsgetetzes
für Angeſtellte ſtattfindet. Im Anſchluß an den
Vortrag bietet ſich Celegenheit, durch Fragen weitere
Erläuterungen über das Geſetz zu erhalten. Bei der gro=
ßen
Bedeutung des Giſetzes für alle Beteiligten, Arbeit=
gebec
und Angeſtellten, iſt ein möglichſt zahlreicher Beſuch
der Verſammlung erwünſcht. Der Eintritt iſt für jeder=
mann
frei, Karren werden nicht ausgegeben.
Hamburg, 25. Sept. Der Dampfer Hanau
von der Deutſch=Auſtraliſchen Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft
iſt an der griechiſchen Küſte geſtrandet. Da das Wet=
ter
ſchön iſt, hofft man ihn nach Löſchung der Ladung
wieder abbringen zu können.
Lübeck, 25. Sept. Die Mörder, die am Montag
vormittag den Kaufmann Fiſcher=Schlutup auf der Trave=
mündener
Chauſſee erſchoſſen haben, ſind geſtern nach=
mittag
in Bargteheide in der Perſon des 21jährigen
Leichtmatroſen Landherr aus Stettin und des 19jährigen
Kohlentrimmers Scholz aus Hamdorf bei Reichenberg
in Böhmen verhaftet worden.
Breslau, 24. Sept. Die Rieſenfeſthalle der Jahr=
hundertausſtellung
zur Erinnerung an die Befreiungs=
kriege
ſoll die größte Orgel der Welt erhalten,
die 180 Stimmen beſitzen wird.
Breslau, 25. Sept. Die ſchweren militäriſchen
Ausſchreitungen auf dem Truppen=Uebungsplatz
in Neuhammer kamen heute vor dem Kriegsgerich
zur Aburteilung. Fünf Mann hatten ſich wegen militä=
riſchen
Aufruhrs beziehungsweiſe gemeinſamer Körper=
verletzung
zu verantworten. Einer erhielt 8¾ Jahre
Gefängnis, ein zweiter 8 Jahre Gefängnis, der dritte
6 Monate Gefängnis. Die beiden anderen wurden frei=
geſprochen
. Den Haupträdelsführer gelang es nicht zu
ermitteln.
Kattowitz, 24. Sept. Heute nachmittag wurde in dem
Bankgeſchäft von Köhler und Janiszewsky ein Raub=
anfall
verübt. Ein unbekannter Mann betrat das
Geſchäftslokal mit der Bitte, ihm einen Fünfkronenſchein
zu wechſeln. Als der Kaſſierer Tſchalka ſich anſchickte,
dem Wunſche zu willfahren, wurde er durch einen Revol=
verſchuß
in den Kopf lebensgefährlich verletzt. Auf den
Schuß eilte der Buchhalter Noblik zu Hilfe, der eben=
falls
durch einen Kopfſchuß ſchwer verletzt wurde. Der
Täter entkam mit einigen hundert Mark unerkannt.
25. Sept. Der bei dem Raubüberfall verwundete
Bankbuchhalter Noblik iſt ſeinen Verletzungen
erlegen. Auch der Kaſſierer Tſchalka ringt mit dem
Tode. Der Verbrecher hat den Ueberfall nicht allein
verübt; ein Spießgeſelle wartete auf dem Korridor des

Geſchäfts. Die Räuber haben etwa 1000 Mark zuſammen=
gerafft
. Sie entflohen in der Richtung nach Zawodzien
Die Polizei ſperrte ſofort die Grenzübergänge nach Ruß=
land
und Oeſterreich.
Poſen, 24. Sept. Der als Fahnenjunker im 46. In==Regiment dienende Bruder der Frau des er=
mordeten
Aſſyriologen Dr. Blume hat ſeinen Abſchied
eingereicht. Der in die Mordſache verwickelte praktiſche
Arzt wurde vernommen, weil er am Mordtage am Ort
der Tat geweſen ſein ſoll.
Wien, 24. Sept. Der ſeit einigen Tagen inkognito
hier weilende Exkönig Manuel von Portugal
wurde nachmittags von dem Kaiſer in Schönbrunn in
Privataudienz empfangen. Die Wache trat ins
Gewehr, der Generalmarſch wurde geblaſen und geſchla=
gen
und dem einſtigen König wurden dieſelben Ehren
erwieſen, als ob er ein regierender König wäre.
Chriſtiania, 25. Sept. Ein Automohil, in dem
ſich außer dem Chauffeur noch ſieben Mitglieder einer
Schauſpieler=Geſellſchaft befanden, überfuhr in der Nähe
von Kongsberg beim Paſſieren einer Brücke das Geländer
und ſtürzte in den reißenden Bergbach. Im Waſſer ex=
plodierte
der Motor des Autos. Der Chauffeur wurde
ſofort getötet, die ſieben Inſaſſen des Wagens ſchwer
verletzt. Vier haben ſo ſchwere Brandwunden erlitten,
daß an ihrem Aufkommen gezweiſelt wird.
Tananarivo, 24. Sept. Die Stadt Mahahibo,
eine Vorſtadt von Majunga, iſt geſtern von einer furcht=
baren
Feuersbrunſt heimgeſucht worden. Etwa 500
Häuſer fielen dem verheerenden Element zum Opfer.
Viele Einwohner ſind obdachlos. Mehrere Perſonen ſind
in den Flammen umgekommen. Der Generalgouverneur
hat mehrere Hilfszüge abgehen laſſen.
Schanghai, 9. Sept. Vor kurzem iſt wieder ein ver=
heerender
Taifun über die Küſte der Provinz
Tſchekiang dahingegangen. Die Kapitäne der Schiffe,
die nach dem Taifun ihren Kurs längs der Tſchekianger
Küſte nahmen, berichteten von merkwürdigen Wracks, die
auf der See trieben. Darunter waren neben umgeſtülpten
Dſchunken, Bäume, Hausdächer, geſchnitztes Holzwerk
von Tempeln, Möbel, Haushaltungsgegenſtände, und es
wurde angenommen, daß eine Sturmflut irgendein Dorf
oder eine Stadt heimgeſucht habe. Wo es geſchehen war,
verſchwieg mehrere Tage lang der Telegraph. Briefliche
Nachrichten, die jetzt aus der Provinz Tſchekiang vor=
liegen
, geben ein erſchreckendes Bild von einem gewal=
tigen
Drama, das ſich in der Gegend der Stadt Went=
ſchou
abgeſpielt hat. Dort ſind mehrere Dörfer und
Städte von einer Sturmflut völlig verſchlungen worden.
Die Zahl der Toten wird auf 30000 bis 40000 an=
gegeben
. Täglich treibt das Meer im Süden von Tſche=
kiang
mehrere hundert Leichen an; mitunter gelingt es
auch, einzelne Perſonen, die ſich auf treibenden Gegen=
ſtänden
verkrallt haben, zu retten. Der Taifun war offen=
bar
auch die Urſache zu einem merkwürdigen Vor=
fall
, der in Schanghai beobachtet worden iſt. In=
Schanghai regnete es nämlich Reiskörner. Es wird
vermutet, daß der gewaltige Sturm in große Reislager
gefahren iſt und die Körner nordwärts entführt hat. Die
chineſiſche Bevölkerung iſt aber der Anſicht, daß der Reis
tatſächlich vom Himmel geregnet iſt, und ſie ſieht darin
ein günſtiges Vorzeichen für die Feſtigung der Verhält=
niſſe
unter der Republik!

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
uehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil voc.)

* Freie Literariſch=Künſtleriſche Ge=
ſellſchaft
. Die Grundſätze, nach denen eine Vereinig=
ung
von Kunſtfreunden, wie die Freie Literariſch= Künſt=
leriſche
Geſellſchaft, bei der Auswahl ihrer Aufführungen
verfahren darf, ſind andere, als die des Theaters. Sie
vermag ſich der Freude am äſthetiſchen Experiment hinzu=
geben
; ſie kann es wagen, kulturhiſtoriſche Erinnerungen
ohne didaktiſche Nebenabſichten lebendig zu machen und
den Reiz einer neuartigen und perſönlichen Formen=
ſprache
bei ihrer Geſtaltung zu erproben. Von dieſen
Geſichtspunkten aus will die Wiedererweckung der Tra=
gödie
des Doktor Fauſtus von Chriſtopher
Marlowe betrachtet ſein, die von der Freien Literariſch=
Künſtleriſchen Geſellſchaft unter verſönlicher Anteilnahme
und Mitwirkung zahlreicher ihrer Mitglieder als erſte der
Veranſtaltungen ihres ſoeben ausgegebenen Winterpro=
gramms
(vgl. Anzeige im heutigen Anzeigenteil d. Bl.)
für Mittwoch, den 9. Oktober, im Städtiſchen
Saalbau vorbereitet wird. Sie bedeutet gewiß eine Tat
von literariſchem Wertgehalt; einen ebenſo intereſſanten
wie wertvollen literar=hiſtoriſchen Exkurs, zumal die
Ueberſetzung der Herren A. Morsbach und A. Rapp aus=
gezeichnet
genannt werden muß. Aber ſie bringt weit
mehr. Hinter Marlowe, dem Dichter der eliſabethaniſchen
Zeit, ſteht einer der tüchtigſten Bildner unſerer Zeit:
Richard Lukſch, der an der Hamburger Kunſtgewerbe=
ſchule
tätige und bekannte Wiener Meiſter, der die De=
korationen
, Koſtüme und Masken geſchaffen und damit
den eigentlich beherrſchenden Ton des Abends gegeben
hat. In der Hamburger Leſſing=Geſellſchaft hat der
Marloweſche Fauſt im Oktober vorigen Jahres in der Lup=
ſchen
Inſzenierung die Erſtaufführung erlebt, und nach
den einſtimigen Berichten der Hamburger Blätter iſt hier
von Profeſſor Lukſch etwas geleiſtet worden, was er ſo
auch unſeren Bühnen nicht gab. Namentlich die Szene,
in der Luzifer die ſieben mit grandioſen Masken charak=
teriſierten
Todſünden vor Fauſtens Auge zaubert, wird
als Höchſtleiſtung eigenſten Geſtaltens in begeiſterten
Worten gerühmt. Bedeutet die Ausgrabung der Mar=
loweſchen
Dichtung lautet einer der Hamburger Be=
richte
, in letzter Linie nur einen verdienſtvollen Bei=
trag
zur Wertung deſſen, was Goethes hohe ſchöpferiſche
Kraft aus dieſem Stoff der erſten im Jahre 1604 zu Lon=
don
gedruckten Fauſt=Tragödie gemacht hat, ſo hat uns
Richard Lukſch mit einer Reihe von reizvollen ſzeniſchen
Bildern die Erfüllung eines farbigen Künſtlertraumes
von unvergeßlicher Eindringlichkeit gegeben. Er hat einen
auf dieſem Gebiete hier kaum je geſehenen Reichtum an
Phantaſie entfaltet, der ein Neues, Ureigenes und Höch=
ſtes
bedeutet, dem gegenüber jede Einwendung verſtum=
men
muß!

Parlamentariſches.

** Darmſtadt, 24. Sept. Nachdem Staats=
miniſter
Ewald Exz. geſtern nach längerer Krankheit
von ſeinem Erholungsurlaub wohlgeſtärkt nach Darm=
ſtadt
zurückgekehrt iſt und die Leitung der Staatsgeſchäfte
wieder übernommen hat, iſt das Miniſterium nun voll=
zählig
wieder beiſammen und die Vorbereitung für die
kommende Winterkampagne kann beginnen. Die Haupt=
aufgabe
der nächſten Zeit wird neben den alljährlichen
Vorarbeiten für die Aufſtellung des neuen Staatshaus=
haltes
die Reorganiſation der Beamten= Be=
ſoldungsordnung
bilden. Die Vorbereitungen
dafür ſind inzwiſchen in den verfloſſenen Sommermona=

Kunſthalle am Rheintor.

In der derzeitig ausgeſtellten, dem Anſcheine nach
bereits wieder reduzierten Malergruppe nimmt der vor=
nehmlich
heimatliche Motive bevorzugende Lippmann
unſtreitig auch künſtleriſch, nicht nur numeriſch, den erſten
Rang ein. Ueber die Kollektion Lippmann iſt an dieſer
Stelle bereits eingehend geſprochen worden. Ebenſo iſt
an dieſer Stelle ſchon oft das künſtleriſche Schaffen Ernſt
Eimers, Groß=Eichen, gewürdigt worden. Er iſt dies=
mal
mit einer Reihe Fabelbilder: Gnomen und Wald=
männlein
und =weiblein, vertreten, die ſämtlich, in eige=
ner
Erfindung gezeichnet, von dem drolligen Humor des
Künſtlers Zeugnis ablegen, den wir ſchon oft bei ſeinen
Bildern gleicher Art empfunden haben und der eine ſo
ſtille gemütvolle Stimmung atmet und vermittelt. Es
ſind treffliche Illuſtrationszeichnungen, zu denen die Mär=
chen
zu dichten eine dankbare Aufgabe ſein müßte.
Im Parterreſaal hat Erich Hartmann=München
eine Anzahl Landſchaften ausgeſtellt, in denen die Heide=
bilder
am meiſten zu ſagen wiſſen und trotz der robuſten
Farbentechnik auch im Kolorit der intimen Wirkung nicht
entbehren, vorausgeſetzt, daß die Bilder aus der richtigen
Entfernung betrachtet werden. Sie ſprechen wohl von
ausgeprägtem Farbenſinn und ſind vor allem auf gutes
Naturſchauen begründet. Sehr gut und voll Stimmungs=
gehalt
ſind in dieſer Beziehung Weite Heide und
Heiderücken während zum Beiſpiel Birken mit Gar=
ben
unter Härten im Kolorit leiden. Die Autono=
men
=München ſind nur noch durch O. Weil vertreten,
der eine Kollektion farbiger Zeichnungen und Guaſch=
blätter
ausſtellt, die, obwohl ſie unſchwer eine immerhin
ſtarke künſtleriſche Perſönlichkeit in ihrem Schöpfer ver=
muten
laſſen, im ganzen wenig zu ſagen wiſſen; recht flott
hingeworfene Skizzen und Studien, die faſt ausnahms=
los
keinen Anſpruch darauf erheben können, fertige Bild=
werke
zu ſein.
Eine kraftvolle Künſtlernatur von hoher Begabung
ſcheint uns hingegen Eduard Witte=Paris zu ſein,
obwotzl auch ſeine typiſch modern=franzöſiſche Malweiſe

nicht ohne Widerſpruch hingenommen werden kann. Sie
iſt natürlich in erſter Linie dekorativ wirkende Farben=
malerei
, die aber über viele Erzeugniſſe der gleichen
Schule weit hinausgehoben wird durch ſouveränes
zeichneriſches Können, deſſen Vorhandenſein, trotz offen=
bar
beabſichtigter Herrſchaft leuchtender Farbflächen,
überzeugend zutage tritt. Er malt mit einer Kühnheit,
die Bewunderung heiſcht, wenngleich unſerem Geſchmach
jedes Verleugnen intimer Farbenmiſchungen, jedes An=
deuten
vorhandener farbendämpfender Atmoſphäre
fremd iſt. Seine Farben ſind von reinſter Leuchtkraft
nur wo es durch die Perſpektive unerläßlich iſt, ſchattiert,
ſelten in ſich ſelbſt nuanciert. Vom Farbenmiſchen
zur Herausarbeitung naturaliſtiſcher Nuancen ſcheint er
kein Freund. Im reinſten leuchtenden Rot und
Gelb ſtrahlen die Aepfel und Fiſche ſeiner Stilleben.
Aber durch das feinen Farbenſinn verratende Neben=
einanderſtellen
der Farbflächen kommt der Künſtler zu
koloriſtiſchen Wirkungen, die manchmal frappieren; trotz=
dem
möchten wir aus der Kollektion das weniger leuch=
tende
, ſtimmungsreiche Bild Die Manſarde ein treff=
lich
charakteriſierendes Interieur, als das künſtleriſch
wertvollſte bezeichnen. Es iſt am wenigſten geſucht und
maniriert in der Technik und im Kolorit. Sehr ſchön
iſt das kontraſtreiche Bild Garten in der Bretagne‟ Der
ſonnenlichtdurchfluteten Landſchaft kommen die leuchten=
den
Farben zugute. Sehr intereſſante Farben= und
Lichtſtudien ſind die mit wenig Zurückhaltung gemalten
Akte, deren reifſter uns der Akt vor dem Spiegel zu ſein
ſcheint, der auch bildinhaltlich ſehr geſchickt gemalt iſt.
Der Doppelakt hingegen läßt ſich koloriſtiſch wohl kaum
rechtfertigen.
Vielleicht entſchließt ſich der Kunſtverein wieder, die
mehrfacher Anregung dankenswert nachgekommene Ein=
richtung
zu treffen, Liſten mit Angabe der Bildbezeich=
nungen
, Nummern, Technik und Preiſe der Bilder aus=
zulegen
die namentlich dann unerläßlich ſind, wenn die
Bilder überhaupt nur mangelhaft bezeichnet ſind.
M. St.

[ ][  ][ ]

ten ſoweit gefördert worden, daß ſie ſchon demnächſt in
einer Sitzung des Geſamtminiſteriums zur Beratung ge=
ſtellt
werden können. Es handelt ſich bekanntlich in erſter
Linie darum, die zahlreich vorhandenen und im Laufe der
Jahre immer kraſſer zutage getretenen Unſtimmigkeiten
in der Beſoldungsreform vom Jahre 1898 zu beſeitigen
und einen gerechten Ausgleich in der Bemeſſung der Ge=
hälter
für verſchiedene mittlere und untere Beamten=
kategorien
herbeizuführen, und die Regierung nimmt an,
daß dieſe organiſche Reform der Beſoldungsordnung mit
einer Geſamtſumme von zirka 300000 Mark zu bewältigen
ſein wird. In welcher Form die Durchführung dieſer
organiſchen Reform ſich geſtalten wird, ſteht noch ganz
dahin; nur ſo viel iſt bis jetzt ſicher, daß die Regierung
dem einſtimmigen Wunſche und Verlangen ſowohl der
beiden Ständekammern, wie der heſſiſchen Beamten=
ſchaft
Rechnung tragen und endgültig auf eine Gehalts=
verbeſſerung
durch prozentuale Zulagen verzichten wird.
Bei der neuen Vorlage, die zunachſt noch im Schoße des
Finanzminiſteriums bearbeitet wird, ſoll gutem Verneh=
men
nach zur Zeit einer eingehenden Erwägung die Frage
unterliegen, ob auch der Wohnungsgeldzuſchuß
penſionsfähig gemacht werden ſoll. Die ganze
Frage iſt wohl dadurch angeregt worden, daß in der Kam=
mer
der Unterſchied zwiſchen Gehalt und Wohnungsgeld=
zuſchuß
eingehend erörtert wurde und Anträge auf Ab=
änderung
der Beſtimmungen über das Wohnungsgeld in
Ausſicht geſtellt wurden. Einer früheren Anregung des
Abg. Dr. Oſann im Finanzausſchuß folgend, läßt die Re=
gierung
zur Zeit Erhebungen darüber anſtellen, wie ſich
die Wirkung des Wohnungsgeldes bisher geſtaltet hat.
Es ſoll ermittelt werden, wieviele Beamte auf dem Lande
durch die Erziehung ihrer Kinder mehr belaſtet werden,
als die Beamten in den größeren Städten. Man fragt, ob
es notwendig ſei, daß die Kinder vom Lande zum Schul=
beſuch
in größere Städte geſandt werden, da doch faſt in
jedem größeren Orte in Heſſen auch eine entſprechende
höhere Schule vorhanden iſt. Die ganze Frage iſt aber
jedenfalls eine ſo ſchwierige und komplizierte, daß ſie
nicht einfach vom grünen Tiſche aus entſchieden werden
kann, ſondern zunächſt einmal an der Hand der gewonne=
nen
Feſtſtellungen einer eingehenden Erörterung in der
Kammer unterzogen werden ſollte. Es beſteht übrigens
dem Vernehmen nach ſowohl bei der Regierung, wie in
parlamentariſchen Kreiſen die feſte Abſicht, die ganze Beſol=
dungsfrage
noch im laufenden Herbſt, vor Einbringung
des neuen Staatsvoranſchlages, zum definitiven Abſchluß
zu bringen. Man erwartet, daß die Regierung die Vor=
lage
in den nächſten Wochen fertigſtellen und ſie noch im
Monat Oktober an die Volksvertretung gelangen laſſen
wird. Der Finanzausſchuß der Zweiten Kammer würde
dann ſofort in die Vorberatung darüber eintreten und
ſeine Arbeit ſo beſchleunigen, daß das Kammerplenum
ſchon im November die Vorlage zur Verabſchiedung brin=
gen
kann; dann hätte auch die Erſte Kammer noch genü=
gend
Zeit zur Verfügung, ſich über die ganze Materie
ſchlüſſig zu machen. Für die große Zahl der harrenden
Beamten würde es jedenfalls außerordentlich erwünſcht
ſein, die Beſoldungsreform nunmehr endgültig noch vor
Weihnachten erledigt zu ſehen.

Kongreſſe und Verbandstage.
Heſſiſcher Gautag der techniſchen Privat=
angeſtellten
.

Der Bund der techniſch=induſtriellen
Beamten hielt Sonntag, den 22. ds. Mts., in
Frankfurt a. M den 3. ordentlichen Gautag ſeines
Gaues Heſſen ab. Delegierte waren aus allen Teilen des
Großherzogtums und der Provinz Heſſen herbeigeeilt, um
den Verhandlungen im Auftrage ihrer Verwaltungsſtellen
beizuwohnen. Am Vorabend hatte die Ortsgruppe
Frankfurt eine öffentliche Verſammlung im Börſenſaal
veranſtaltet, in der der Geſchäftsführer des Bundes, Herr
Ingenieur Lüdemann=Berlin einen Vortrag hielt
über Die Privatangeſtellten in der moder=
nen
Wirtſchaftsentwicklung. Die Verſamm=
lung
war von etwa 600 Perſonen beſucht. Der Referent
ging aus von der wirtſchaftlichen Entwickelung Deutſch=
lands
in den letzten Dezennien. Die Privatangeſtellten,
ſo ſagte er, ſtellen eine neue Schicht von Arbeitnehmern
dar, die aus der induſtriellen und kommerziellen Ent=
wickelung
geboren iſt. Rein zahlenmäßig iſt ſchon die
ſtändig wachſende Bedeutung der Privatangeſtellten zu er=
kennen
. Es gibt heute in Deutſchland mehr als 2 Mil=
lionen
das macht mit den Angehörigen etwa 10 Millio=
nen
Menſchen aus. Aber nicht die Zahl allein macht die
Privatangeſtellten zu einem beachtenswerten Faktor im
Wirtſchaftsleben, ſondern vor allem ihre Bedeutung für
die Volkswirtſchaft. Der Privatangeſtellte nſmmt ſeine
Mittelſtellung ein zwiſchen Arbeiterſchaft und Arbeit=
gebertum
, die aber nicht ſo iſt, wie ſich manche Volks=
kreiſe
das vorſtellen, daß er nämlich dem Arbeitgeber
näher ſtehe als dem Arbeiter. Im Gegenteil, die über=
wiegende
Mehrzahl der Privatangeſtellten iſt wirtſchaft=
lich
und ſozial nicht viel beſſer geſtellt, als die Lohn=
arbeiterſchaft
. Die Statiſtik zeigt, daß nur ein ganz ge=
ringer
Teil von ihnen in der Lage iſt, ſich einmal ſelbſt=
ſtändig
zu machen. Aus der Stellung der Angeſtellten im
Wirtſchaftsleben und aus ihrer ſozialen Stellung gegen=
über
dem Arbeitgeber folgt für ſie aber ganz von ſelbſt
die Notwendigkeit, Organiſationen zu bilden, die ihre ſo=
zialen
und wirtſchaftlichen Intereſſen wahrzunehmen
haben. Die Konſequenz der wirtſchaftlichen Entwickelung
iſt die gewerkſchaftliche Organiſation, deshalb hat ſich
auch der Bund der techniſch=induſtriellen Beamten dieſe
Form gegeben.
Die Verhandlungen des Gautages begannen am
Sonntag vormittag 8½ Uhr, und fanden im Weſtend=
garten
ſtatt. Aus dem vom Gauleiter, Herrn Ingenieur
Gramm, erſtatteten Geſchäftsbericht ging hervor, daß
der Bund im verfloſſenen Jahre trotz ſtärkerer Betonung
ſeiner gewerkſchaftlichen Tendenz und trotz einer erheb=
lichen
Beitragserhöhung noch um 2714 Mitglieder zuge=
nommen
hat. Auch in dieſem Jahre iſt die Zahl der Mit=
glieder
erheblich geſtiegen, ſodaß heute mehr als 21000
techniſche Privatangeſtellte im Bunde organiſiert ſind.
Die Tatſache, daß es ſchon in den letzten 6 Monaten
allein in den ſüddeutſchen Gauen gelungen iſt, in 16 Fir=
men
durch ſolidariſches Vorgehen der techniſchen Ange=
ſtellten
, Verbeſſerungen im Arbeitsverhältnis herbeizu=
führen
, beweiſt, daß ein guter gewerkſchaftlicher Geiſt die
Bundesmitglieder beſeelt. Im Gau Heſſen iſt ebenſo wie
in den anderen Gauen eine rege Agitation entfaltet wor=
den
. Die Kaſſenverhältniſſe des Bundes ſind gute, er hat
allein im Jahre 1911 zirka 100000 Mark an Solidaritäts=
unterſtützung
und 40000 Mark an Stellenloſen=
unterſtützung
bezahlt. Trotzdem ſchloß das Jahr 1911
noch mit einem Ueberſchuß von zirka 30000 Mark ab.
Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die
Stellung des Bundes zu den Vertrauensmännerwahlen
für die Angeſtelltenverſicherung ein. Es wurde be=
ſchloſſen
, eine rege Agitation unter den Privatangeſtellten

zu entfalten und Aufklärung in ihre Reihen zu tragen
über das Geſetz und die Tätigkeit der Freien Vereinig=
ung
und des Hauptausſchuſſes, der es unterlaſſen habe,
die Intereſſen der Privatangeſtellten ſo wahrzunehmen,
wie es notwendig geweſen wäre. Nach einem Referat
des Gauobmannes über den 8. ordentlichen Bundestag,
ſtimmte der Gautag dem Beſchluſſe, ein einheitliches An=
geſtelltenrecht
mit größter Entſchiedenheit zu propagieren,
zu. Vor allem aber begrüßte er die auf dem Bundestage
aufgeſtellte Forderung ungleicher Kündigungs=
friſten
für Angeſtellte und Arbeitgeber, weil dem An=
geſtellten
eine größere Sicherheit in ſeiner Stellung ge=
ſchaffen
wird, wenn es ihm durch eine kurze Kündigungs=
friſt
möglich iſt, günſtige Konjunkturen auszunutzen,
während andererſeits durch die Bindung des Arbeit=
gebers
an eine längere Kündigungsfriſt das Arbeitsver=
hältnis
eine größere Feſtigkeit erhält.

Kongreß für Städteweſen.
Düſſeldorf, 24. Sept. In Anweſenheit zahl=
reicher
Regierungsvertreter und ſonſtiger Delegierter,
namentlich von Stadtverwaltungen aus dem In= und
Auslande, begannen hier die Verhandlungen des erſten
Kongreſſes für Städteweſen. Das preußiſche
Miniſterium hatte vier Vertreter entſandt. Ferner hatten
Delegierte entſandt: das öſterreichiſche Miniſterium der
öffentlichen Arbeiten, die württembergiſchen, badiſchen,
braunſchweigiſchen und heſſiſchen Staatsminiſterien, ſo=
wie
die Städte Belfaſt, Lüttich, Luzern, Amſterdam, Rot=
terdam
, Zürich, Antwerpen, Petersburg, Peſt, Köln, Ha=
gen
, Dresden, Rheydt, Mülheim=Ruhr, Elberfeld, Gelſen=
kirchen
, Kaiſerslautern, Ulm u. a. Eingeleitet wurde die
Tagung durch eine Rede des Oberbürgermeiſters Dr.
Oehler, der die Entwicklung der deutſchen Städte auf
die Selbſtverwaltung zurückführte, die ſich als ganz be=
fähigt
erwies, alle modernen Fortſchritte und Errungen=
ſchaften
in den Dienſt der Gemeinweſen zu ſtellen. Noch
ſind aber eine Reihe von Aufgaben zu leiſten, und da iſt
beſonders wertvoll und fruchtbringend für die prak=
tiſche
Arbeit in der Gemeindeverwaltung der Austauſch
der Erfahrungen, die die einzelnen Städte mit ihren Ein=
richtungen
gemacht haben.
Nach den Begrüßungen wurde in die Tagesordnung
eingetreten. An erſter Stelle ſprach Regierungsbaumeiſter
Langen=Berlin über das zu erſtrebende Wohnungs=
geſetz
. Die Notwendigkeit, ein ſolches Wohnungsgeſetz
zu ſchaffen, würde heute allgemein anerkannt; aber der
Ausführung ſtänden noch große Schwierigkeiten im Weg.
Da bis zum Erlaß des Geſetzes noch ein weiter Weg ſei,
müſſe man ſich vorläufig mit vorbereitenden Geſetzen be=
helfen
. In der Diskuſſion ſprach auch der frühere
Staatsſekretär für die Kolonien Dr. Dernburg, der
eine obligatoriſche Wohnungsinſpektion verlangte und
auf den Zuſammenhang zwiſchen Wohnung und Wehr=
fähigkeit
hinwies. Die Statiſtik ſpreche da eine deutliche
Sprache. In dem dichtbewohnten Berlin ſeien nur 28
Prozent der jungen Leute, die dort geboren ſeien, wehr=
fähig
, während der Prozentſatz für einzelne Landesteile
über 60 betrage. Miniſterialdirektor Dr. Freund=
Berlin behandelte das Thema der Eingemeindungspolitik.
Er behandelte die Schwierigkeit dieſer Frage und die
Vorbedingungen, unter denen die Regierung in die Ein=
gemeindung
willige. Eine Frage, die in neuerer Zeit
für die Stadtverwaltung von außerordentlich großer Be=
deutung
wird, behandelte Direktor Kordt=Düſſeldorf
in ſeinem Vortrag über die Gasfernverſorgung. Pro=
feſſor
Dr. Lubarſch ſprach über die Hochſchulen als
kommunale Einrichtung; Profeſſor Dr. Gurlitt= Dres=
den
über die Beſſerung der Wohnungsverhältniſſe in
den alten Städten.
Die Kongreßteilnehmer beſichtigten heute nachmittag
im Anſchluß an die Vorträge verſchiedene ſtädtiſche An=
ſtalten
und die Betriebe der Firma Haniel und Lueg, ſo=
wie
die Lokomotivfabrik Hohenzollern.
Die Beratungen des Kongreſſes werden fortgeſetzt.
Es ſind für die verſchiedenen Themata der Tagesordnung
zirka 60 Vorträge angemeldet, die ſich auf eine ganze
Reihe von das Städteweſen berührenden Gegenſtänden er=
ſtrecken
, aber überwiegend nur fachtechniſcher Natur ſind.
* Poſen, 24. Sept. Die 64. Hauptverſamm=
lung
des Guſtav=Adolf=Vereins wurde
heute nachmittag im Feſtſaale der Akademie eröffnet.
Beſonders lebhaften Beifall riefen die Begrüßungs=
anſprachen
des Oberpräſidenten Dr. Schwarzkopff
und des Oberbürgermeiſters Dr. Wilms hervor. Der
erſtere hob hervor, daß der Guſtav=Adolf=Verein ein
Friedenswerk ſei, auch den Andersgläubigen gegenüber,
und daß die Staatsregierung dem Verein Dank ſchulde
für die Hilfe, mit der er ſich der Diaſpora in der Oſtmark
angenommen habe. Oberbürgermeiſter Dr. Wilms be=
grüßte
die Verſammlung mit der Verſicherung, daß die
Stadt Poſen trotz ihrer überwiegend katholiſchen Beyöl=
kerung
dem Verein und ſeinen Vertretern ein herzliches
Willkommen entbiete. Nach der Begrüßungsverſamm=
lung
fanden in der Paulikirche und in der Petrikirche
außerordentlich ſtark beſuchte Feſtgottesdienſte ſtatt.
* Poſen, 25. Sept. In einem großartigen Feſt=
zuge
, den die evangeliſchen Schüler und Schülerinnen
ſämtlicher Schulanſtalten eröffneten und deſſen Spitze
etwa 500 Geiſtliche im Ornat bildeten, begaben ſich die
Mitglieder und Feſtteilnehmer der Hauptverſammlung
des Guſtav=Adolf=Vereins unter Abſingen der Choräle
Ein’ feſte Burg iſt unſer Gott Lobe den Herrn und
Wach auf, du Geiſt zum Hauptgottesdienſt in die mit
alten Erinnerungen verknüpfte Kreuzkirche. Die Feſt=
predigt
hielt Hauptpaſtor D. von Brocker=Hamburg.
* Boſton, 25. Sept. Der 5. Internationale
Handelskammerkongreß, auf dem 44 Länder
vertreten ſind, trat geſtern zuſammen. Der Kongreß tagt
bis zum 26. September und ſchließt am Abend dieſes
Tages mit einem großen Bankett, bei dem auch Präſi=
dent
Taft zugegen ſein wird. Anſprachen halten u. a.
Loris Canon Legrand, der Präſident des permanenten
Komitees des internationalen Kongreſſes, Anglo Salmoi=
raghi
, Präſident des Mailänder Kongreſſes, F. Faith=
ful
=Begg von der Londoner Handelskammer. Rußland,
das bisher auf keinem Kongreß vertreten war, entſandte
ſechs Delegierte. Alle ſüdamerikaniſchen und zentral=
amerikaniſchen
Länder ſind gleichfalls zum erſtenmal ver=
treten
. Deutſchland entſandte 88, Italien 58, England
61, Oeſterreich 44, Ungarn, Japan und zahlreiche andere
Länder je 5 bis 10 Delegierte. Zu den Beratungsgegen=
ſtänden
des Kongreſſes gehören die Feſtlegung des Oſter=
feſtes
und ſonſtige Verbeſſerungen des Kalenders.

Luftfahrt.
Luftſchiff=Verſicherung.

Von der Vereinigung der in Deutſchland arbeiten=
den
Privat=Feuerverſicherungs=Geſellſchaften in Berlin

wird uns geſchrieben: Die Frage der Verſicherung von
Luftſchiffen hat die öffentliche Aufmerkſamkeit erregt, nach=
dem
bekannt geworden war, daß die am 28. Juni ds. Js.
in Düſſeldorf zerſtörte Schwaben bei engliſchen, in
Deutſchland nicht zugelaſſenen Geſellſchaften, gegen Feuer=
ſchaden
gedeckt war. Die Verſicherung bei deutſchen Ge=
ſellſchaften
wird namentlich wegen Gefährdung nationaler
und militäriſcher Intereſſen gefordert. Dem Auslande
dürften nicht die Früchte der Zeppelin=Arbeit ausgeliefert
werden; dies ſei aber unvermeidlich, da bei Beſichtigung
des zu Schaden gekommenen Luftſchiffes alle Einzelheiten
ſeiner Konſtruktion und Zuſammenhänge den von den
ausländiſchen Geſellſchaften beauftragten Gutachtern be=
kannt
werden müßten. Deshalb ſei es Pflicht der deut=
ſchen
Geſellſchaften die Luftſchiffe in Verſicherung zu
nehmen und ihre Gemeinnützigkeit und Opferwilligkeit zu
zeigen. Ihr ablehnendes Verhalten ſei kurzſichtig und
geeignet, die vielfach erhobene Forderung nach Verſtaat=
lichung
des Verſicherungsweſens zu unterſtützen.
Daneben wurden auch Stimmen laut, welche die leichte
Zerſtörbarkeit der Luftſchiffe und die Notwendigkeit her=
vorhoben
, daß die Gefahren durch techniſche Verbeſſer=
ungen
gemindert würden und daß die Luftſchiffahrtsgeſell=
ſchaften
angemeſſeie Verſicherungsprämien zu zahlen be=
reit
wären.
Die letztere Auffaſſung wird dem Standpunkt gerecht,
den die deutſchen und die in Deutſchland tätigen Feuer=
verſicherungs
=Geſellſchaften einnehmen. Die Geſellſchaften
wollen dem deutſchen Luftſchiffahrtsweſen, auf das jeder
Deutſche mit Stolz und Bewunderung blickt, ihre Unter=
ſtützung
nicht verſagen und haben ſie nicht verſagt, aber
es kann ſich dabei immer nur um eine Unterſtützung und
nicht darum handeln, daß ſie die ganze Laſt faſt allein auf
ihre Schultern nehmen.
Nach den bisherigen Erfahrungen erreicht ein Luft=
ſchiff
durchſchnittlich kaum eine längere Lebensdauer als
3 Jahre. Die zerſtörte Schwaben war mit 400 000 Mark
zu einer Prämie von 14000 Mark, alſo 3½ pro Mille, ver=
ſichert
. Danach würden die Verſicherungs=Geſellſchaften
in kurzen Friſten immer wieder den vollen Wert der Luft=
ſchiffe
zu erſetzen haben, ohne eine ins Gewicht fallende
Gegenleiſtung zu erhalten, ſie allein wären alſo die Träger
der Fortführung dieſer großen nationalen Beſtrebungen.
Ein ſolches Verlangen iſt unbillig, ebenſo wie es un=
billig
wäre, die Leiſtung der Erneuerungskoſten etwa der
Induſtrie, dem Handel oder anderen Wirtſchaftsgruppen
zuzumuten, die an der Luftſchiffahrt mehr intereſſiert ſind
als gerade die Feuerverſicherungs=Geſellſchaften.
Der Hinweis auf die Verſtaatlichung des Verſicher=
ungsweſens
iſt verfehlt, weil auch eine Staatsverſicher=
ungsanſtalt
die zu Feuerverſicherungszwecken einkommen=
den
Beträge nicht zu anderen, ſelbſt noch ſo nationalen
Aufgaben verwenden kann. Tatſächlich haben die zahl=
reichen
ſtaatlichen und öffentlich=rechtlichen Feuerverſicher=
ungsanſtalten
in Deutſchland noch keinem Luftſchiff Ver=
ſicherungsſchutz
gewährt, dagegen iſt dies ſeitens der Pri=
vatgeſellſchaften
geſchehen. Das in Baden=Oos im Sep=
tember
1910 zerſtörte Luftſchiff L. Z. war bei deutſchen
Privatgeſellſchafte: verſichert, die 320 000 Mark Schaden=
erſatz
zu leiſten hatten. Für das im Juni ds. Js. beſchä=
digte
Luftſchiff L. Z. 12 hatten die deutſchen Geſellſchaf=
ten
50000 Mark zu zahlen. Deutſche Geſellſchaften hatten
vom 12. Juli ds. Js. ab die Verſicherung der am 28. Juni
zerſtörten Schwaben übernommen, wären alſo, ſofern
ein erſatzpflichtiges Ereignis vorliegt und der Schaden
14 Tage ſpäter eingetreten wäre, auch hierfür mit 300000
bis 400000 Mark haftbar geweſen. Die Zeppelin=Werke
und die Luftſchiffe, ſo lange ſie ſich im Beſitze Zeppelins
befinden, ſind bei deutſchen Geſellſchaften gedeckt. Die
deutſchen Verſicherungsgeſellſchaften haben alſo ihre Schul=
digkeit
getan und Opfer nicht geſcheut.
Wenn es aber die Deutſche Luftſchiffahrts= Aktiengeſell=
ſchaft
in Frankfurt a. M. (Delag) durch Mangel an Auf=
ſicht
zu der Zerſtörung des L. Z. 7 kommen ließ (wie
erinnerlich, war der Brand des Luſtſchiffes infolge An=
laſſens
der Motoren ſeitens unbeaufſichtigter Monteure
und niederer Angeſtellten entſtanden) und die Delag
nach ihrer eigenen Erklärung im Auslande wegen des
günſtigeren Prämienangebotes Verſicherung
nahm, ſo fällt ausſchließlich ihr und nicht den deutſchen
Verſicherungsgeſellſchaften die Verantwortung für eine
etwaige Verletzung nationaler und militäriſcher Inter=
eſſen
zu.
Daß mit Schwierigkeiten und unvorhergeſehenen Zwi=
ſchenfällen
bei der Luftſchiffahrt mehr als bei allen an=
deren
Unternehmungen gerechnet werden muß, iſt bekannt
genug. Immerhin liegt jetzt eine Reihe Erfahrungen vor,
aus denen ſowohl die Delag wie die Verſicherungs=
Geſellſchaften die Nutzanwendung zur Vermeidung von
Unfällen, insbeſondere von Brandſchäden, ziehen. Des=
halb
hat auch die Vereinigung der in Deutſchland arbeiten=
den
Privat=Feuerverſicherungs=Geſellſchaften, die ſich ſchon
ſeit Anfang 1910 mit der Verſicherung der Luftſchiffe be=
faßt
, neuerdings die Angelegenheit in die Hand genom=
men
. Die Mehrzahl der zu der Vereinigung gehörenden
Geſellſchaften hat ſich bereit erklärt, zuſammen einen
C0prozentigen Anteil an den Verſicherungen folgender
3 Firmen zu übernehmen: 1. Luftſchiffbau Zeppelin, G. m.
b. H., in Friedrichshafen, 2. Deutſche Luftſchiffahrts=
Aktiengeſellſchaft in Frankfurt a. M., 3. Flugzeugbau
Friedrichshafen, G. m. b. H., Etabliſſement in Manzell
ſei Friedrichshafen.
Für die Unterbringung der reſtlichen 40 Prozent
dieſer Verſicherungen werden die außerhalb der Ver=
einigung
ſtehenden Privatgeſellſchaften und öffentlichen
Feuerverſicherungs=Geſellſchaften zu ſorgen haben, was
auch zum Teil bereits geſchehen iſt.

R. Auf dem Mainzer Flugplatz, Gro=
ßer
Sand, der vom 1. Oktober ab noch eine Grade=
fliegerſchule
des Herrn von Stoephaſius=Berlin erhält,
herrſcht gegenwärtig ein reges Leben. Der Goedecker=
flieger
de Waal, der vor etwa einem Vierteljahre ſeine
Pilotenprüfung beſtanden hat und bereits wohlgelun=
gene
Ueberlandflüge zu Euler in Frankfurt a. M. unter=
nommen
hatte, unterrichtet gegenwärtig vier Schüler:
Geiß=Weilburg, Schröder=Freiburg, Trautwein=Freiburg
und Schumacher=St. Gallen, mit denen er wiederholt
Ueberlandflüge über die Rheinebene ausführte. So flog
er heute früh mit Trautwein über Budenheim nach Elt=
ville
und Erbach im Rheingau, wobei Höhen von 300
Meter über dem Rhein bei böigem Wetter erreicht wur=
den
. Die Rückkehr erfolgte ebenſo wie die Landung
glücklich. Ferner hat de Waal mit zwei Mainzer Damen,
Fräulein Mathi und Fräulein Meiſinger, zwei Paſſa=
gierflüge
ausgeführt. Zwei der Flugſchüler, Schröder
und Schumacher, haben heute früh ihre erſten größeren
Flüge ſelbſtändig ausgeführt und dabei die Vororte
onſenheim und Mombach in weitem Umkreiſe in etwa
100 Meter Höhe überflogen. Die Landungen erfolgten
glücklich.
* Straßburg, 24. Sept. Die beiden Militärflieger
Oberleutnant Hantelmann und Oberleutnant Zim=

[ ][  ][ ]

mer mußten bei Weißenburg i. E. infolge dichten Ne=
bels
eine Zwiſchenlandung vornehmen. Oberleutnant
Hantelmann gedenkt heute abend noch weiter zu fahren.
* Straßburg, 25. Sept. Oberleutnant Hantel=
mann
iſt heute früh um 7 Uhr 40 Minuten mit ſeinem
Paſſagier, von Weißenburg kommend, hier eingetroffen
und glatt gelandet. Er hat für dieſe letzte Etappe
vierzig Minuten gebraucht.
Straßburg, 25. Sept. Oberleutnant Han=
telmann
mit ſeinem Begleiter Leutnant Zimmer
iſt auf Rumpler=Taube heute morgen 7,40 Uhr von
Weißenburg kommend hier auf dem Flugplatz Polygon
glatt gelandet. Die beiden Flieger ſind in beſter Ver=
faſſung
. Die reinen Flugzeiten von Johannistal bis
hierher ſind geweſen: Johannistal-Weimar 2 Stun=
den
20 Minuten, Weimar-Fulda 1 Stunde 30 Minuten,
Fulda-Darmſtadt 1 Stunde 15 Minuten, Darmſtadt-
Weißenburg 1 Stunde 20 Minuten, und heute Weißen=
burg
-Straßburg 40 Minuten. Die reing Flug=
zeit
für die Strecke Johannistal-Straßburg betrug
alſo 7 Stunden 5 Minuten, wobei zu bemerken iſt,
daß geſtern zwiſchen Darmſtadt und Weißenburg die
Flieger eine halbe Stunde lang beim völligen Verſagen
des Kompaſſes im Nebel herumirrten. Die Landung
heute morgen am Polygon erfolgte aus großer Höhe in
prächtigem Gleitfluge.
* Paris, 24. Sept. Der bei Bar=le=Duc abgeſtürzte
Militärflieger, Leutnant Thomas iſt heute morgen
den erlittenen Verletzungen erlegen.
Paris 24. Sept. Nach einer offiziöſen Mel=
dung
des Temps ſollen die im Jahre 1913 zu erbauenden
vier Militär=Lenkballons ungefähr 15000
Kubikmeter faſſen, drei von einander unabhängige Gon=
deln
beſitzen und eine Geſchwindigkeit von 70 Kilometer
in der Stunde erreichen. Die Ballons, welche nicht nach
dem ſtarren Zeppelin=Syſtem gebaut werden ſollen,
ſollen an ihrem höchſten Punkte einen mit einem
Maſchinengewehr ausgerüſteten Beobachtungspoſten tra=
gen
. Für den Bau dieſer Lenkballons ſollen die für das
Budget 1912 bewilligten Kredite von 5 Millionen Francs
verwendet werden. Es ſei übrigens fraglich, ob die g=
planten
Lenkballons bereits für die Herbſtmanöver
fertiggeſtellt ſein werden.
sr. Das Ballonrennen des franzöfi=
ſchen
Aero=Klubs um den Grand Prix, das
am Sonntag nachmittag in St. Cloud ſeinen Anfang ge=
nommen
hatte, fand bei dem herrſchenden Oſtwinde einen
ſehr ſchnellen Abſchluß, da die meiſten Ballone an die
Küſte getrieben wurden. Zahlreiche Konkurrenten lande=
ten
bereits am Sonntag abend in der Nähe des Kanals,
darunter auch Dr. jur. Henoch, der mit dem Ballon
Magdeburg als einziger deutſcher Vertreten geſtartet
war. Einigen Führern gelang es, günſtigere Windſtrö=
mungen
auszunutzen, und bis nach der Bretagne vorzu=
dringen
. Mit einem Flug von etwa 540 Kilometer Länge
dürfte der Franzoſe Leon Barthou mit dem Ballon
Eſcapate den Sieg errungen haben. Die nächſten Plätze
dürften den Ballons Belgique und Bearn zufallen, die
500 Kilometer und darüber zurücklegten.

Handel und Verkehr.

Frankfurt a. M., 25. Sept. In der heutigen
Sitzung des Aufſichtsrats der Mitteldeutſchen
Kredit=Bank berichtete der Vorſtand über den Ver=
lauf
und die Ergebniſſe des erſten Halbjahres. Das lau=
fende
Geſchäft zeigt in allen Geſchaftszweigen bei ſämt=
lichen
Niederlaſſungen eine günſtige Entwickelung. Nach
dem Geſamtergebnis und der bisherigen Geſtaltung der
Verhältniſſe im laufenden Halbjahr rann mit Zuver=
ſicht
angenommen werden, daß bei angemeſſenen Rück=
ſtellungen
die Verteilung der gleichen Dividende wie im
Vorjahre zu erwarten in.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Die Entwickelung des nördlichen
Stadtteils.
Durch die Gartenſtadt=Bewegung ſind ſämtliche in=
folge
Verlegung des Bahnhofs neu entſtändenen Bau=
abteile
mehr in das öffentliche Intereſſe gerückt, als ge=
rade
der neu entſtandene nördliche Teil. Durch Offen=
legung
des neuen Bebauungsplans iſt die Zukunft des
weſtlichen und ſüdlichen Stadtteils feſtgelegt, während
der Plan des nördlichen noch immer der Bearbeitung
harrt, wodurch dort eine gewiſſe Stockung hervorgerufen
iſt. Die Zukunft dieſes Stadtteils iſt von der Entwickel=
ung
des neuen Nordbahnhofs abhängig, und zwar nicht
allein von dem fahrplanmäßigen Perſonenverkehr, ſon=
dern
auch von der Einrichtung eines Güterbahnhofs mit
Lagerplätzen, wenn auch zunächſt nur für Wagenladungen.
Die Entfernung der beiden noch beſtehenden Güterbahn=
höfe
iſt eine ſo große, daß im Intereſſe des Handels die
Schaffung einer dem Herzen der Stadt und insbeſondere
dem vorliegenden Johannesviertel näherliegenden
neuen Ausladeſtelle wünſchenswert erſcheinen dürfte. Der
Fortbeſtand des Güterbahnhofs Darmſtadt=Süd wurde
mit Rückſicht auf die hohen Koſten der Herſtellung abge=
lehnt
, während derjenige für Darmſtadt=Nord ohne be=
ſondere
Koſten zu ſchaffen iſt, vermittels des Gleiſes für
Wagenwerkſtätte uſw. Die Abfuhr der Güter zur Stadt
iſt, weil ebenes Land, auf der Frankfurterſtraße die denk=
bar
günſtigſte, und wenn dort den Lagerhaltern Ge=
legenheit
gegeben würde zur Aufſtellung des Fuhrparks
nebſt Stallungen, ſo dürften die betreffenden Plätze bald
ſehr begehrt ſein. Hier wäre ein Feld für die Tätigkeit
des Bezirksvereins Johannesviertel gegeben.
Nach demnächſtiger Entfernung des Dammes der
früheren Odenwaldbahn und Elektrifizierung der Straßen=
bahn
nach Arheilgen wird auch für Wohnzwecke bis zum
Nordbahnhof ein neuer Stadtteil erſchloſſen, in welchem
die Zuleitung von Waſſer und Gas ab Frankfurterſtraße
leicht zu erreichen iſt; ebenſo beſteht bereits ein Kanal
zur Aufnahme des Abfallwaſſers. Hier ließe ſich doch
auch auf Grund der vorerwähnten Mittel eine Anzahl
von Einfamilienhäuſern errichten, deren Inhaber es
doch ganz in der eigenen Hand haben, ſich zu Hauſe wohl
zu fühlen, ohne beſondere Anſprüche an Lage zu er=
heben
. Mit Rückſicht auf die ſpäter doch beſtimmt ein=
tretende
Eingemeindung von Arheilgen wird die Er=
ſchließung
gerade des nördlichen Stadtteils nicht aufzu=
halten
ſein, trotz aller gegenſätzlichen Beſtrebungen, und
je eher man ſich damit befreundet, deſto vorteilhafter iſt
die Rückwirkung auf das allgemeine Intereſſe.
Daß in Darmſtadt Handel und Gewerbe voll=
ſtändig
darniederliegen, iſt wohl jedem Laien bekannt.
Hier am Platze gibt es tüchtige und würdige Vertreter
des Handwerks, die mit jeder Konkurrenz der engeren

und weiteren Umgebung in ehrlichen Wettſtreit treten
können. Was nützt aber alle Tüchtigkeit, wenn keine Ar=
eit
da iſt, um dieſe zu zeigen. An dem grünen Tiſch
er ſtädtiſchen Behörden wird ja das Handwerk in jeder
Art und Weiſe gehoben. Auch die Baupolizei lobt ſich
in einem von ihr ſelbſt verfaßten Artikel, daß gerade
ſie es ſei, die das Bauen in jeder Art und Weiſe zu ver=
billigen
ſuche. Die maßgebenden Herren vom Tiefbauamt
wollen auch nicht zurückſtehen, das Handwerk zu heben.
Es ſei hier hauptſächlich von dem vollſtändig darnieder=
iegenden
Bauhandwerk geſprochen. Am 23. September
1912 wurde das Reſultat der ausgeſchriebenen Kanal=
arbeiten
bekanntgegeben, und es wurden auch auswärtige
Firmen genannt. Dieſe erhielten alſo vom Tiefbauamt
Angebote für eine Darmſtädter Arbeit, und einer davon
wvar der Mindeſtfordernde. Wir kommen nun jetzt in die
Lage, daß eine Arbeit für die Stadt Darmſtadt von
einem auswärtigen Unternehmer gemacht wird. Dieſer
bringt Beamte, Perſonal, Vorarbeiter und alle Bedarfs=
artikel
von ſeiner Heimat mit, und wir Darmſtädter
Steuerzahler dürfen mit zuſehen und dürfen, wenn es
Zeit iſt, unſere Abgaben in die Stadtkaſſe in der Grafen=
ſtraße
tragen und mit Vertrauen auf unſere Stadt= Ver=
treter
aufſchauen.
Das Tiefbauamt iſt eine ſtädtiſche Behörde und wird
von ſtädtiſchen Mitteln unterhalten, und es müßte bei
den maßgebenden Herren dieſer Bchörde unter allen
Dingen der Wahlſpruch ſein: Kauſſk am Platze! Etwa
3000 Mark beträgt die Differenz Und wird jetzt das
Tiefbauamt ſagen, wie können unſeren Mitbürgern nicht
zumuten, dieſen Mehrbetrag zu zahlen. Dieſem bild=
lichen
Vorteil ſtehen aber tatſächliche Nachteile gegen=
über
, Wie oben erwähnt, ſind unſere Unternehmer ge=
rade
ſo gut ihren Aufgaben gewachſen, wie verehrl. Tief=
bauamt
, und beziehen unſere Unternehmer ihren ganzen
Bedarf von Darmſtädter Steuerzahlern, unſere Unter=
nehmer
beſchäftigen wieder Darmſtädter Steuerzahler
und dieſe kaufen ebenfalls alles, ihren ganzen Bedarf,
auch wieder bei Darmſtädter Steuerzahler ein, und wie
ſieht es aus, wenn eine Firma aus Worms oder Koblenz
oder ſonſt wo her kommt? Wie die letzte Statiſtik er=
geben
hat, hat die Zahl der Einwohner ſtatt zugenom=
men
, abgenommen. Wenn man ſein Brot nicht mehr
in ſeiner Vaterſtadt verdienen kann, ſo muß man eben
vegziehen. Hoffentlich tragen dieſe Zeilen dazu bei,
den Herren vom Tiefbauamt klar zu machen, daß die
Steuerzahler ein Recht haben, ſich vor dem Untergang
zu ſchützen.
Th. K.

Vermiſchtes.

Dauerritt von Südweſtafrika nach
Berlin. Wie die Blätter melden, wird gegenwärtig
einer der großartigſten Dauerritte ausgeführt, die jemals
unternommen wurden. Am 16. Juni d. J. traten der
Leutnant der Reſerve im erſten badiſchen Feldartillerie=
Regiment Nr. 14, von Bauer, Sohn des früheren
Majors von Bauer, der ſeinerzeit im Feldartillerie= Re=
giment
Nr. 25 ſtand, und der Farmer Paſchen aus Skon=
deka
von Omaruru aus einen Ritt an, der ſie über Wind=
huk
, Choabis, Dulawayo, Salisbury, Banqueloſee, Ta=
bora
, Faſchoda, Chartum, Kairo, Jeruſalem, Damaskus,
Konſtantinopel, Sofia, Peſt, Wien nach Berlin führen
ſoll. Die Expedition verfügt über ſechs Pferde ſüdweſt=
afrikaniſcher
Abkunft und beſteht außer den beiden ge=
nannten
Herren aus zwei Eingeborenen, während zwei
der Pferde als Packpferde dienen. Die zurückzulegende
Diſtanz beträgt ungefähr 20000 Kilometer. Dieſer Ritt
dürfte der längſte Dauerritt ſein, der je unternommen
wurde. Der auf mongoliſchen Ponys in den Jahren
1902, 1903 ausgeführte Ritt des Leutnants von Salz=
mann
von Tientſin nach Andiſchan erſtreckte ſich nur auf
eine Entfernung von 5730 Kilometern, die in einem Zeit=
raum
von 118 Tagen zurückgelegt wurden. von Bauer
nd Paſchen beabſichtigen, ihr Unternehmen in andert=
halb
Jahren durchzuführen, ſo daß alſo täglich etwa 40
Kilometer zurückgelegt werden müſſen. Auch von Salz=
nann
hatte ſeinerzeit die gleiche Tagesleiſtung in Aus=
ſicht
genommen, konnte aber tatſächlich nur eine tägliche
Durchſchnittsleiſtung von 32 Kilometern erreichen. Man
wird deshalb auch für den Ritt von Südweſtafrika nach
Berlin mit einer geringeren Tagesleiſtung rechnen müſſen,
als die beiden Reiter in Anſchlag gebracht haben.

Literariſches.

* Soeben erſchien, herausgegeben von dem bekann=
ten
Muſikſchriftſteller Ludwig Frankenſtein in
Leipzig, im Hausbücherverlag Hans Schnippel, Ber=
lin
W 35, der 4. Band des Richard Wagner=
Jahrbuches, das ſich wieder durch die Gediegenheit
ſeines Inhaltes, wie wertvolle Aufſätze Chronik, Stati=
ſtik
uſw., auszeichnet und diesmal als beſonders bemer=
kenswert
eine die Jahre 19071911 umfaſſende, ausführ=
liche
, 80 Seiten ſtarke Bibliographie enthält, die ſich eng
an die Bibliographie des 2. Bandes (19051906) an=
ſchließt
und bezüglich der Vollſtändigkeit kaum Wünſche
offen laſſen wird. Allein dieſe Bibliographie macht das
Jahrbuch unentbehrlich. Der Umfang des 4. Bandes
ſollte nicht wieder ſo umfangreich werden, wie der frü=
here
, und die hier gezogenen Grenzen ſollen auch in der
Folge nicht ohne Grund überſchritten werden. Der In=
halt
des Jahrbuches umfaßt Mitteilungen und allge=
meine
Aufſätze, darunter Abhandlungen über das Wun=
der
bei Wagner, über Wagner und Nietzſche und über
Hans Sachs=Dramen (Deinhardſtein und Wagner), fer=
ner
Abhandlungen über die einzelnen Werke, Feen
Hochzeit Parſifal (zur Quellenkunde, zur Entſteh=
ungsgeſchichte
, Parſifal=Varianten), ſodann Nachrufe an
Erich Kloß und Felix Mottl. Der letzte Teil: Chronik,
Miszellen, Kritik Bibliogravhie, enthält eine Abhand=
lung
über die Bayreuther Wagner=Feſtſviele 1911 und
neue Waaner= und Liſzt=Literatur verſchiedener Autoren,
die 47 Seiten umfaßt. Reichhaltigkeit und Gründlich=
keit
zeichnen auch dieſen Band aus, der für die Richard
Waaner=Forſchung neue und ebenſo wertvolle wie unent=
behrliche
Beiträge liefert und in keiner beſſeren Familien=
bibliothek
fehlen dürfte.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 25. Sept. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Auf Veranlaſſung und unter Leitung
des Reichskanzlers ſind in den letzten Wochen die Mittel
zur Minderung der gegenwärtigen Fleiſchteuerung
und der dadurch herbeigeführten ſchweren Belaſtung weiter
Volkskreiſe nach allen Richtungen geprüft worden. In
der geſtrigen Sitzung einigte ſich das preußiſche
Staatsminiſterium über die Hauptpunkte
der ſofort einzuleitenden Regierungs=
aktion
. Die Einzelheiten werden heute noch durch die
von den beteiligten Reſſorts zuſammengeſetzte Kommiſſion
geklärt. Darauf wird Preußen ſofort mit den anderen

Bundesregierungen in Verbindung treten. Die Veröffent=
lichung
der geplanten Schritte ſteht in den nächſten Tagen
zu erwarten.
* Karlsruhe, 25. Sept. In Sachen der Fleiſch=
teuerung
tagte geſtern im Miniſterium des Innern
eine Konferenz, zu der alle Intereſſentenkreiſe Einlad=
ungen
erhalten hatten. Der Miniſter Freiherr v. Bod=
mann
äußerte ſich über den Standpunkt der badi=
ſchen
Regierung dahin, daß die Einfuhr von Viehl
aus Schweden und Dänemark in den Bereich der Mög=
lichkeit
gezogen werden könne, desgleichen eine Ermäßig=
ung
der Fleiſchübergangsſteuer. Dagegen ſprach ſich der
Miniſter gegen die Einfuhr von hollandiſchem und fran=
öſiſchem
Vieh aus. Inbezug auf die Einfuhr argentini=
ſchen
Gefrierfleiſches erklärte ſich der Miniſter bereit, auf
eine Aenderung des § 12 des Fleiſchbeſchaugeſetzes hin=
zuwirken
.
* Kolmar, 25. Sept. Vor dem Schöffengericht=
wurde
heute die Privatklage des Reichs= und Landtags=
bgeordneten
Wetterlé gegen die Tägliche Rund=
ſchau
in Berlin verhandelt. Es war ſeinerzeit in der
Täglichen Rundſchau dem Abgeordneten Wetterlé vor=
geworfen
worden, er ſei in Gemeinſchaft mit ſeinen
Freunden Preiß und Blumenthal nach Paris gereiſt und
habe dort 130000 Francs für die Landtagswahlen ge=
ſammelt
. Nach längerer Verhandlung bezw. Zeugen=
verhör
, in dem u. a. die Abgeordneten Hauß, Dr. Schott
und Blumenthal, ſowie Juſtizrat Preiß vernommen
wurden, kam ein Vergleich zuſtande, in welchem der
Privatbeklagte erklärte, er habe ſich davon überzeugt, daß
die erhobene Anſchuldigung in allen ihren Teilen un=
wahr
ſei. Er bedauere auf das lebhafteſte die Verbreit=
ung
der Nachricht und bitte die Beteiligten Wetterlé,
Preiß und Blumenthal um Entſchuldigung. Der Ver=
gleich
iſt in neun Zeitungen zu veröffentlichen. Sämt=
liche
Koſten hat der Privatbeklagte zu tragen.
* Leipzig, 25. Sept. Aus Anlaß des 700 jähri=
gen
Jubiläums der Thomasſchule fand
heute vormittag in Anweſenheit des Königs, der Ver=
treter
der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden und einer
ahlreichen Feſtverſammlung ein Feſtakt im großen
Saale des Gewandhauſes ſtatt. Rektor Profeſſor Jung=
mann
hielt die Feſtanſprache. Die Glückwünſche der
Staatsregierung überbrachte der Kultusminiſter Beck.
Weitere Anſprachen hielten Oberbürgermeiſter Dittrich,
Superintendent Cordes und Univerſitätsprofeſſor Seeli=
ger
. Heute abend wird im Neuen Theater als Feſtvor=
ſtellung
Sophokles Antigone gegeben. Die männlichen
Hauptrollen geben Berufsſchauſpieler, die ehemalige
Schüler der Thomasſchule waren. Auch die Chorgeſänge
werden von früheren Thomanern ausgeführt.
* Leipzig, 25. Sept. Wie der Börſenverein der
deutſchen Buchhändler zu Leipzig mitteilt,
errichtet der Verein unter dem Namen Deutſche Bücherei,
Leipzig, Archiv des deutſchen Schrifttums und des deut=
ſchen
Buchhandels, eine öffentliche, unentgeltliche, an
Ort und Stelle zur Benutzung freiſtehende Bibliothek.
Die Deutſche Bücherei hat den Zweck, die vom 1. Ja=
nuar
1913 an erſcheinende deutſche und fremdſprachige
Literatur des Inlands und die deutſche Literatur des
Auslands zu ſammeln, aufzubewahren, zur Verfügung zu
halten und nach wiſſenſchaftlichen Grundſätzen zu ver=
zeichnen
. Mit einem aus Landesmitteln bereitzuſtellenden
Betrage von 3 Millionen Mark errichtet die ſächſiſche
Staatsregierung auf einem von der Stadtgemeinde Leip=
zig
unentgeltlich zur Verfügung geſtellten Bauplatz im
Werte von ungefähr 500000 Mark die nötigen Bibliotheks=
und Verwaltungsgebäulichkeiten nebſt den im Laufe der
Jahre notwendig werdenden Erweiterungsbauten, Grund=
tück
und Bibliotheks= und Verwaltungsgebäude mit
Bibliothekseinrichtung gehen koſten= und laſtenfrei in das
Eigentum des Börſenvereins über und bilden mit den
Sammlungen den unveräußerlichen Beſitz des Börſenver=
eins
. Zu den Mitteln für die Erwerbung, Unterhaltung
und Verwaltung, ſowie den Ausbau der Sammlungen der
Deutſchen Bücherei trägt die ſächſiſche Staatsregierung
lljährlich 85000 Mark und die Stadtgemeinde Leipzig
alljährlich 115000 Mark bei.
* Kottbus, 25. Sept. In Burg=Kauper im Spree=
wald
wurde heute früh um 4 Uhr, wahrſcheinlich durch
eine Benzinexploſion, das Haus des Kaufmanns
Riedel zerſtört. Die Trümmer gerieten in Brand.
Wohnhaus, Stallung und Schuppen ſind niedergebrannt.
der Eigentümer Riedel wird vermißt. Man nimmt an,
daß er durch die Exploſion getötet und von den Trümmern
begraben worden iſt.
* Wien, 25. Sept. Alle Blätter beſprechen eingehend
das Expoſé des Grafen Berchtold und heben
beſonders die Klarheit und Offenheit ſeiner Ausführun=
gen
hervor. Das Fremdenblatt ſagt: Der Miniſter des
Aeußern kennzeichnete klar die Gefahr, welche vom Balkan
droht, er hat ausgeſprochen, was iſt, aber gleichzeitig
wies er auch auf die Mittel hin, durch die der Sturm be=
ſchworen
werden kann. Die Neue Freie Preſſe ſchreibt:
Berchtolds Expoſé iſt ſehr freimütig. Er erklärt vor der
ganzen Welt, daß die ſogenannte Einigkeit der Mächte
keine Sicherung des beſtehenden Zuſtandes des Friedens
ſei. Die Rede iſt die Flucht in die Oeffentlichkeit, ein
Herunterreißen der Maske und ein Gedenkzeichen, daß
nach der Zertrümmerung des Status quo Oeſterreich= Un=
garn
große Intereſſen zu verteidigen habe. Vielleicht iſt
Berchtold ſo laut geworden, weil er über viele hundert
Meilen hinweg im Königsſchloß Balmoral vernehmlich
ſein wollte. Die Reichspoſt meint: Die Aeußerungen
Berchtolds ſind ſo ernſt und nachdrücklich, daß nur ein
Staatsmann ſo ſprechen kann, der mit dem äußerſten
rechnet.
* Paris, 25. Sept. Das Großfürſtenpaar
Nikolaus iſt heute nachmittag nach Petersburg zurück=
gereiſt
. Zur Verabſchiedung erſchienen der Vertreter des
Präſidenten Falliéres, der Kriegsminiſter, der Marine=
miniſter
und der Miniſter des Innern.
* London, 25. Sept. Die Times erinnert in einem
Aufſatz anläßlich des Todes des deutſchen Botſchafters
Frhr. Marſchall v. Bieberſtein an die von adem
dautſchen Kaiſer durch die Ernennung des Frhr. Mar=
ſchall
v. Bieberſtein zum Botſchafter in London gezollte
Aufmerkſamkeit und führt aus, daß die Aufgabe, freund=
ſchaftlichere
Beziehungen zwiſchen den beiden Ländern
nzubahnen, keinen beſſeren Händen anvertraut werden
konnte. Das Blatt hebt Freiherr von Marſchalls Takt,
ſeine weltmänniſche Art und reiche Bildung und den
Mangel an utopiſtiſchen Ideen hervor, die in England
ſo verbreitet ſeien. In jener von Herzen kommenden
Sympathie, die aus England dem deutſchen Kaiſer und
dem Deutſchen Reiche, die in Marſchall einen ihrer größ=
ten
Staatsbeamten verloren hätten, entgegenſtröme, wie
auch in jenem herzlichen Willkommen, das von Marſchall
vor wenigen Monaten in weitgehendem Maße zuteil
wurde, werden die deutſchen Vettern den bei allen an
verantwortlicher Stelle ſtehenden Engländern vorhande=
nen
aufrichtigen Wunſch nach einer Feſtigung der
freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen

[ ][  ][ ]

beiden Ländern auf einer ehrenvollen und dadurch
dauernden Grundlage und des treuen Feſthaltens an der
beſtehenden Freundſchaft und Achtung vor den legitimen
Intereſſen der beiden großen Weltreiche wieder erkennen.
* Sofig, 25. Sept. Ein neuer Grenzzwiſchen=
fall
hat ſich bei Haman Benorb zugetragen. Eine tür=
kiſche
Militärpatrouille hinderte auf angeblich ſtrittigem
Grenzgebiet eine bulgariſche Patrouille am Patrouillen=
gang
. Auf beiden Seiten wurde gefeuert.
II.B. Berlin, 25. Sept. Einen Automobil= Un=
fall
erlitt heute in der Mittagsſtunde der auf einer Ge=
ſchöftstour
befindliche frühere Stadtrat von Potsdam,
Kampfmeyer, zwiſchen Falkenrade und Ketzin. Kampf=
meyer
, der bei dem Unfall einen ſchweren Oberſchenkel=
bruch
und eine Schulterverrenkung erlitten hat, wurde
nach dem Auguſta=Viktoria=Krankenhauſe in Potsdam
gebracht.
H.B. Badenweiler, 25. Sept. Geſtern abend fand in
dem Gemach, in dem der verblichene Botſchafter unter
Blumenſchmuck aufgebahrt lag, eine Trauerfeier ſtatt,
an der außer der Freifrau von Marſchall und ihren Kin=
dern
auch das Großherzogspaar von Baden teilnahm.
Vikar Jundt aus Müllheim hielt die Trauerrede. Die
Leiche des Verſtorbenen iſt heute vormittag 9 Uhr auf
einem zweiſpännigen Leichenwagen von Müllheim auf Gut
Neuershauſen bei Freiburg, dem Gutsſitz Herrn von Mar=
ſchalls
, eingetroffen, Dem Leichenwagen folgten in
einer geſchloſſenen Equipage die beiden Söhne.
Es fand alsdann die Aufbahrung der Leiche
im Schloß Neuershauſen ſtatt. Baronin von Mar=
ſchall
mit Tochter und dem zweitälteſten Sohne
begaben ſich heute früh in einem vom Großherzog
von Baden zur Verfügung geſtellten Automobil nach
Neuershauſen, wo die Beiſetzung des dahingeſchiedenen
Botſchafters vorausſichtlich am Freitag nachmittag 3 Uhr
in der Familiengruft ſtattfindet.
H. B. Nürnberg, 25. Sept. Der Vorſteher der Bahn=
bau
=Inſpektion Bayreuth, Regierungsrat Freiherr von
Feilitzſch, iſt mit einer Draiſine bei Kirchlaibach
in Oberfranken entgleiſt und von dem Fahrzeug her=
untergeſchleudert
worden. Er hat erhebliche Kovfwunden
ſowie einen doppelten Beinbruch und andere ſchwere
Verletzungen erlitten.
H. B. Warſchau, 25. Sept. Das Warſchauer
Kriegsgericht verhandelte geſtern zum erſten Male
auf Grund des neuen ruſſiſchen Strafgeſetzes gegen vier
des Hochverrats Angeklagte. Sie ſind beſchuldigt,
den preußiſchen Militärbehörden eine ganze Reihe ge=
heimer
Dokumente für eine Mobilmachung geliefert zu
haben, die aus der Kanzlei des Infanterie=Regiments in
Oſtrow im Gouvernement Lomſcha 1909 verſchwunden
ſind. Nach Vernehmung von 20 Zeugen, meiſtens
Stabsoffizieren, kam es zu Geſtändniſſen. Das Kriegs=
gericht
unter dem Vorſitz des Generals Rudenko, ver=
urteilte
die Angeklagten, den Pferdehändler Lipſcht
aus Mlawa zu 14½ Jahren und den zweiten Angeklag=
ten
, namens Nowlansky, Kopiſt in der Regimentskanzlei,
zu 15 Jahren Zwangsarbeit. Zwei mitangeklagte
frühere Soldaten wurden freigeſprochen.

Brieſtaſten.

A. Z. in M. Das Enkelkind erbt ½ des Nach=
laſſes
. Die Nachlaßauseinanderſetzung kann außergericht=
lich
erfolgen, doch iſt dem Vormundſchaftsgericht Mit=
teilung
über das dem minderjährigen Enkelkind zufallende
Vermögen zu machen. Hierzu iſt ſein geſetzlicher Ver=
treter
verpflichtet, der ſich an die Anordnung des Vor=
mundſchaftsgerichtes
über die Anlegung des Vermögens
zu halten hat.

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Knabenbekleidung, worauf hiermit hingewieſen wird. (20027

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
nun auch meinen innigſtgeliebten Vater, unſeren
treubeſorgten Schwiegerſohn, Bruder, Schwager
und Onkel
(20077
Herrn Peter Raab
Schneidermeister
heute morgen nach kurzem, ſchwerem Leiden
zu ſich zu rufen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Else Raab.
Frau Stumpf.
Darmſtadt, den 25. September 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 27. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhauſe Soder=
ſtraße
41aus, ſtatt. Einſeanung ¾ Stunde vorher.

Todes=Anzeige.
Geſtern abend 11 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzem Leiden mein innigſtgeliebter Mann,
unſer treubeſorgter Vater, Großvater und
Schwiegervater
Herr
Christian Schlegel
im Alter von 77 Jahren.
(20049
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Frau Katharina Schlegel,
Kätha Schlegel,
Familie Jacob Schlegel,
Familie Heinrich Schlegel.
Darmſtadt, Burgkundſtadt, 25. Sept. 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 27. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehaus Luiſen=
ſtraße
2 aus, ſtatt.

Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres Mit=
glieds

(20058
Herrn Chriſtian Schlegel, Privatier
findet am Freitag, den 27. September, nach=
mittags
4 Uhr, vom Sterbehaus Luiſenſtr. 2
aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von Herden
bis Kuſchel, ſowie des 4. Bezirks ſich dort
zu verſammeln.
Der Vorſtand.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet hat ſeine Lage nicht verändert,
ſich aber verflacht. Ueberhaupt fällt allenthalben der
Luftdruck. Wir haben daher vielfach wolkiges Wetter
bei mäßigen Temperaturen. Niederſchläge ſind in
Deutſchland verbreitet, jedoch in unerheblicher Menge
niedergegangen. Wir befinden uns noch unter dem
Hochdruckeinfluß, jedoch ſind geringe Störungen zu
erwarten.
Ausſichten für Donnerstag, den 26. September:
Wolkig, geringe Niederſchläge, kühl.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7½ Uhr:
George Dandin

Verſteigerungskalender.

Freitag, 27. September.
Hofreite=Verſteigerung der Ludw. Heß, Gg.
Heß und Samuel Reinheimer (Hohler Weg 5) um 10
Uhr auf dem Ortsgericht I.
Bauplatz=Verſteigerung des Jean Papatheo=
doros
um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 25. September 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Sf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,60
78,80
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,05
88,60
3½ do. Conſols
78,70
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,80
93,50
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
87,30
do.
3½
77,20
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,90
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,70
4 do. do. (unk. 1918) 99,90
87,20
do.
3½
do.
77,00
78,80
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 99,75
do. v. 1875 93,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 56,00
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 89,90
4 do. Goldrente . . . 94,60
4 do. einheitl. Rente 85,90
3 Portug. unif. Serie I 64,20
3 do. unif. Ser. III 67,40
3 do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903
4 do. v. 1890 . . 95,70
4 do. v. 1905 . . 90,60
90,60
4 Ruſſen v. 1880
91,00
do. v. 1902
100,50
4½ do. v. 1905
92,20
3½ Schweden
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 82,90
4 Türk. unifiz. v. 1903 90,80
89,30
4 Ungar. Goldrente
4 do. Staatsrente. . . 87,20

InProz.
Zf.
5 Argentinier
.101,10
88,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 94,25
5 Innere Mexikaner . . . 93,50
59,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,20
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,30
3 Buenos Aires Provinz 70,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 162,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 129,90
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 126,60
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 117,00
8 Baltimore und Ohio . 109,70
6½ Schantungbahn . . . 136,30
6½ Luxemb. Prince Henri 161½
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21,25
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 69,50
25 Bad. Anilin= u. Soda=
.538,50
Fabrik
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 260,00
30 Farbwerke Höchſt . . 649,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 354,00
10 Cement Heidelberg . . 153,25
30 Chem. Werke Albert 471,00
12½ Holzverkohlung Kon=
. .353,00
ſtanz . .
4 Lahmeyer . . . . . . . 126,00

In Proz.
Letzte
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 160,10
12 Siemens & Halske . 238,00
5 Bergmann Electr. . . 138,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 167,10
0 Gummi Peter . . . . 102,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 116,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 614,00
10 Maſchinenf. Badenia 179,50
6 Wittener Stahlröhren 219,00
8 Steana Romana Petr. 152,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 244,75
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 210,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 118,00
3 Südd. Immobilien . 64,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 194,90
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 241,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 185,90
10 Gelſenkirchener . . . . 214,00
8 Harpener . . . . . . . 202,25
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 284,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
. 94,75
4 Laurahütte . . . . . . 181,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 178,25
11
Weſteregeln 227,00
7½ South Weſt Africa 145,90
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,20
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 74,75
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,70
do.
79,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.)
4
do.
78,00

8.
In Proz.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 54,20
3 Raab=Oedenburg
78,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,10
4 Ruſſ. Südweſt. . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 97,30
do.
88,00
88,80
4 Wladichawchas
4 Rjäſan Koslow .
87,80
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,60
do.
88,25
2¼10 Livorneſer . .
70,00
3 Salonique=Monaſtir . 63,60
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,30
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,80
4 Miſſouri=Pacific. . . . 74,00
4 Northern=Paciſic . . . 99,20
4 Southern=Paciſic . . . 93,75
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 85,20
5 Tehuantepec . . . . . . 97,80
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich .
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgef. . 170,75
6½ Darmſtädter Bank . 123,25
12½ Deutſche Bank . . . 258,00
6 Deutſche Vereinsbank . 122,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,00
10 Diskonto=Kommandit 188,50
8½ Dresdener Bank . . 156,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 125,25
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,00
5.86 Reichsbank . . . . . 135,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 120,60
7½ Wiener Bankverein . 135,40
Pfandbriefe.
Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 99,20

InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 88,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.52 . . .
99,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
do.
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
88,00
S. 35 .
87,80
S. 911
87,90
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
do.
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 99,00
3½ do. (unk. 1914) . . 87,80
4 Sübd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
89,20
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
do.
89,30
4 Frankfurt.
99,40
3½ do.
94,80
4 Gießen
do.
91,00
4 Heidelberg
98,50
do.
88,20
4 Karlsruhe
98,50
do.
88,00
4 Magdeburg
99,90
3½ do.
4 Mainz
98,50
do.
4 Mannheim
98,80
do.
88,80
München
99,80
Nauheim
4 Nürnberg.
.99,50
do.
88,00
4 Offenbach.

Zt.
Inhont.
3½ Offenbach .
7 99,50
4 Wiesbaden .
3½ do.
4 Worms .
. 97,60
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 78,70
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richtet
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gebe ich hiermit bekannt, daß alle derartige Geſuche abgewieſen wer=
den
müſſen, da die Pfandhausordnung die Verſteigerung aller ver=
fallenden
Pfänder, deren Einlöſung oder Verlängerung innerhalb des
hierfür beſtimmten Zeitraums vor dem Verſteigerungstermin nicht
erfolgt, ausdrücklich vorſchreibt und Ausnahmen von dieſer Vorſchrift
nicht zuläſig ſind.
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. Gebr. Blum,
Markt 5.

Gehrock, Frack., Smoliug= An=
züge
, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (18320a

115er Infanterie=Ertrahelm,
ganzneu, für Mk. 15. zu verkaufen.
Pallmann, Kirchſtr. 21, i. Laden. (20069

Ein gut erhaltener
Küchenſchrank
bill. zu verk. Heinrichſtr. 48, Hth. p.
Einzuſ. v. 1112 Uhr vorm. (*7215

[ ][  ][ ]

An die Groß. Zurzermeiſereien der Laundgemeinden des Kriſez.

Inſofern aus Anlaß von Einquartierungen in Ihren Gemeinden Quartier= und
Naturalleiſtungen (Gewährung von Mundverpflegung, Lieferung von Fourage und
Leiſtung von Vorſpann) ſtattgefunden haben und die Vergütungen hierfür ſeitens der
Truppenteile nicht bezahlt worden ſind, empfehlen wir Ihnen, die ſeitens der Truppenteile

M hierher
einzuſenden, damit die Entſchädigung zuſtändigen Orts liquidiert werden kann.
Darmſtadt, den 21. September 1912.
(20026ds
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Hofhund, 1 Boxer. 1 Pinſcher, 1 Dobermann ( zuge=
laufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt ieden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt. (20042

Bekanntmachung,
betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in der Haupt=
und Reſidenzſtadt Darmſtadt.

Da aus Anlaß der Meſſe am Sonntag, den 29. Sept. 1912,
für die Stadt ein geſteigerter örtlicher Geſchäftsverkehr zu erwarten
iſt, wird hiermit auf Grund des § 105 b Abſatz 2 der Reichsgewerbe=
ordnung
und der §§ 143 und 145 der Ausführungsverordnung zur
Gewerbeordnung für dieſen Tag die Offenhaltung ſämtlicher offenen
Verkaufsſtellen einſchließlich der Verkaufsſtände der Meſſe in der Zeit
von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends zugelaſſen.
Während dieſer Stunden iſt die Beſchäftigung von Gehilfen,
Lehrlingen und Arbeitern in allen offenen Verkaufsſtellen geſtattet.
Darmſtadt, den 17. September 1912.
(19591dsd
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete.

Zum bevorſtehenden Vierteljahreswechſel bringe ich nachſtehen=
des
Ortsſtatut wiederholt zur Kenntnis. Wenn nicht anderes ver=
einbart
iſt, iſt für die Dauer der ſtatutariſchen Räumungsfriſten
Mietzins an den bisherigen Vermieter nicht zu entrichten.
Darmſtadt, den 20. September 1912.
(19920mdf
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Schmitt.
Auf Grund des Geſetzes vom 6. Januar 1906, betreffend die
Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete, wird auf Beſchluß der
Stadtverördneten=Verſammlung vom 31. Mai 1906, ſowie nach An=
hörung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großherzoglichen
Miniſteriums des Innern vom 2. November 1906 zu Nr. M. d. J.
37271 folgendes Ortsſtatut erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in
Kraft treten.
§ 1. Endigt das Mietverhältnis am Schluſſe eines Kalender=
vierteljahres
ſo muß die Räumung gemieteter Wohnungsräume
durch den Mieter:
a) bei kleinen, d. h. aus höchſtens 3 Zimmern und etwaigem Zu=
behör
beſtehenden Wohnungen am erſten Tage des folgenden
Monats, ſpäteſtens 5 Uhr nachmittags,
b) bei mittleren, d. h. aus 4 bis 5 Zimmern und etwaigem Zu=
behör
beſtehenden Wohnungen am zweiten Tage des folgenden
Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags,
c) bei großen, d. h. aus mehr als 5 Zimmern und etwaigem Zu=
behör
beſtehenden Wohnungen am dritten Tage des folgenden
Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags, beendet ſein.
§ 2. Die im § 1 beſtimmten Räumungsfriſten werden nur
mit der Beſchränkung gewährt, daß
a) bei Wohnungen, welche aus 3 bis 4 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehen, ein Zimmer,
b) bei Wohnungen, welche aus mehr als 4 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehen, zwei Zimmer
ſchon am erſten Tag des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mit=
tags
, vollſtändig geräumt ſind.
§ 3. Kann der Mieter ſchon mit der Beendigung des Miet=
verhältniſſes
ſeinen Ueberzug in die neue Wohnung bewerkſtelligen, ſo
finden die Vorſchriften der §§ 1. 2 keine Anwendung.
Hat der Vermieter auf Grund eines ihm geſetzlich oder ver=
tragsmäßig
zuſtehenden Rechtes das Mietverhältnis ohne Einhaltung
einer Kündigungsfriſt gekündigt, ſo ſtehen die in den §§ 1, 2 bezeich=
neten
Räumungsfriſten dem Mieter nicht zu.
§ 4. Fällt der Tag, an welchem nach den §§ 1, 2 die Räu=
mung
ganz oder teilweiſe zu beendigen iſt, auf einen Sonntag oder
einen ſtaatlich anerkannten allgemeinen Feiertag, ſo tritt an die
Stelle des Sonntags oder des Feiertags der nächſtfolgende Werktag.
Darmſtadt, den 27. November 1906.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Morneweg.

Maßnahmen gesen die allgemeine Teuerung.
Fiſch=Kochkurſe.

Auch in dieſem Jahre ſollen wieder beſondere Kurſe eingerichtet
werden in welchen Frauen und erwachſene Mädchen unentgeltlich
die Zubereitung der verſchiedenſten Fiſchgerichte erlernen können.
Die Kurſe werden abgehalten in den Küchen der Haus=
wirtſchaftlichen
Fortbildungsſchule in der Rundeturm=, Lager=
haus
= und Hermannsſtraße. Jeder Kurſus wird 4 Uebungstage
zu je drei Stunden umfaſſen, die je nach Wahl in die Zeit von
36 Uhr nachmittags oder 710 Uhr abends verlegt werden können.
Die hergeſtellten Gerichte werden jedesmal am Schluſſe des
Unterrichts von den Teilnehmerinnen in gemeinſamer Mahlzeit verzehrt.
Alle, die ſich an den Kurſen beteiligen wollen, in erſter Linie
diejenigen denen das im Vorjahr nicht möglich war, werden erſucht,
ſich Dienstag, den 1. Oktober, zwiſchen vier und fünf Uhr nach=
mittags
oder ſieben bis acht Uhr abends in der Küche der Ab=
teilung
I der Hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule, Runde=
turmſtraße
11, bei dem Leiter der Anſtalt anzumelden.
Bei der Anmeldung iſt eine Einſchreibgebühr von 10 Pfg.
zu entrichten, welche dazu dienen ſol, die Koſten der ſpäteren Benach=
richtigung
der Teilnehmerinnen über Kurſusanfang pp. zu decken.
Weitere Koſten erwachſen nicht.
(20016dso
Darmſtadt, den 24. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Muelier.

Wäſchelieferung für das
ſtädt. Hallenſchwimmbad.

Für das ſtädt. Hallenſchwimm=
bad
ſind 500 Badetücher zu
liefern. Die Lieſerungsbedingun=
gen
liegen im Stadthaus, Zimmer
Nr. 39 zur Einſicht offen= Ver=
ſendung
der Bedingungen nach
außerhalb findet nicht ſtatt.
Angebote mit Stoffmuſtern ſind,
mit entſprechender Aufſchriſt ver=
ſehen
, bis zum 5. Oktober lfd. Js.
(19643fd
einzureichen.
Darmſtadt, 17. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter
I. V.: Jaeger.

Zenenbeiomährel.

Die Lieferung von etwa 220 m
Zementbetonröhren ſoll verdungen
werden.
Die Lieferungs=Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte, Zim=
mer
Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Montag, 30. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(19797od
reichen.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.

Stenerveranlagung
für 1913.

Diejenigen hieſigen Einwohner,
die im Laufe des Jahres ihr ſeit=
her
betriebenes Gewerbe nieder=
gelegt
haben oder es vor Ende
März 1913 niederzulegen oder an
einen anderen abzutreten, oder
ſonſtige Veränderungen im Ge=
werbebetrieb
vorzunehmen beab=
ſichtigen
, werden hiermit aufge=
fordert
, dies alsbald auf dem
Stadthaus, Zimmer Nr. 6, an=
zuzeigen
, damit bei der bevor=
ſtehenden
Steuerveranlagung dar=
auf
Rückſicht genommen werden
(19043ddd
kann.
Darmſtadt, 9. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Bauplanänderung.

Der Bebauungsplan über Aende=
rung
der Fluchtlinie an der Ecke
Pankratiusſtraße und Laute=
ſchlägerſtraße
liegt vom 23. Sep=
tember
bis einſchließlich 8. Oktober
ds. Js. bei dem Stadtbauamt,
Grafenſtraße 30, zur Einſicht offen.
Einwendungen gegen den Plan
ſind während dieſer Friſt, bei Mei=
dung
des Ausſchluſſes, bei dieſem
Amt vorzubringen (19757ss
Darmſtadt, 19. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jgeger.

Grasgeld=Erhebung.

Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für Heugras von der
ſtädtiſchen Pallaswieſe, den ehe=
maligen
Beſſunger und Kaus’ſchen
Wieſen, den Wieſen hinter dem
Friedhof und den Teichwieſen,
ſowie für die Futternutzung von
verſchiedenen ſtädtiſchen Grund=
ſtücken
(aus den Verſteiderungen
Großherzogl. Bürgermeiſterei vom
4. April, 28. Mai und 6. und
7. Juni 1912) hat bei Vermeidung
des Mahn= und Pfändungsver=
fahrens
bis längſtens Ende Sep=
tember
1912 an den Werktagen,
vormittags von 8 bis 12½ Uhr,
hierher zu erfolgen. (18881a
Darmſtadt, 3. September 1912.
Die Stadtkaſſe.

Koch.

Pfennigſparkaſſe Darmſtadt.

Samstag, den 28. des gegen=
wärtigen
Monats iſt der letzte Ter=
min
im laufenden Vierteljahr,
an welchem Einlagen in die Pfen=
nigſparkaſſe
gemacht werden kön=
nen
. Die Einleger werden daher
erſucht, ihre eingelegten Beträge
durch Zulage an dieſem Tage auf
volle Mark abzurunden, da andern=
falls
ihre Einlagen für jetzt nicht
in die Sparkaſſebücher der ſtädti=
ſchen
Sparkaſſe übertragen werden
(20023
können.
Darmſtadt, 25. September 1912.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende:
Wagner.

Menaldan=

Die Ausführung eines Zement=
rohrkanals
in der Pankratius=
ſtraße
und eines Steinzeugrohr=
kanals
in der Kaupſtraße ſoll ver=
dungen
werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tief=
bauamt
, Zimmer Nr. 7, zur Ein=
ſicht
offen. Auch werden dort die
Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 2. Oktober I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(19796od
reichen.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.

Lieferung von Steinkoh=
len
für Stadtarme.

Diejenigen hier wohnhaften
Steinkohlenhändler, welche bereit
ſind, im kommenden Winter an
Stadtarme Steinkohlen (Fettſchrot
I. Gütel in kleinen Mengen von
einem Zentner ab frei Aufbewah=
rungsort
zu liefern, belieben ihre
Angebote unter Stellung eines für
den ganzen Winter gültigen Prei=
(20013
ſes bis
längſtens 15. Oktober I. Js.
bei uns einzureichen.
Darmſtadt, 24. September 1912
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.

Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt

(unter Haftung der Stadt Darmſtadt)
22 Hügelſtraße 22.
Fernſprech=Anſchluß Nr. 456.
Reichsbank=Girokonto.
Poſtſcheck=Konto.
Nachweisſtelle für zweite Hypotheken. Frankfurt a. M. Nr. 5869.
Verkehrszeit: Vom 1. April bis 30. September an jedem Werktage
vormittags von 8 bis 12½ Uhr, vom 1. Oktober
bis 31. März an jedem Werktage vormittags von
8½12½ Uhr.
I. Einlagen= und Rückzahlungsgeſchäft: im Erdgeſchoß.
Verzinſung der Einlagen: Bis einſchließlich 10000 Mark = 3½%
über 10000 Mark 3% für die ganze Einlage.
Zinsbeginn: Für Einlagen vom nächſten auf die Einzahlung fol=
genden
Werktage an. Bei Rückzahlungen hört die Ver=
zinſung
mit dem letzten der Erhebung vorausgehenden
Werktage auf.
II. Darlehensgeſchäft und Verwaltung: im erſten Stock.

Städtiſche Pfennig=Sparkaſſe.

Einzahlungen in Pfennigbeträgen von 10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis
einſchließlich eine Mark werden jeden Samstag, nachmittags von
2 bis 8 Uhr, von nachverzeichneten Erhebeſtellen entgegengenommen:

Praſſel, M. W., Schulſtraße 10.
Landau, M., Mathildenplatz 1.
Bopp, K., Heinheimerſtraße 74.
Waitz, Pfarrer Mollerſtr. 23.
Roth, G., Dieburgerſtraße 9.
Koch, K., Marktplatz 3.
Stephan, H., Stiftſtraße 29.
Finke, P. C., Ballonplatz 5.
Klockvw, F., Pankratiusſtr. 26.
Schroth, J., Gardiſtenſtraße 15.
Scholl, R., Soderſtraße 44.
Poth, E., Heinheimerſtraße 20.
Schwab, T., Ernſt=Ludwigsplatz 4.
Supp, A. J., Marktplatz 8.
Jarraſch, J., Heinheimerſtr. 35.

Seibert, F., Pallaswieſenſtr. 44.
Waitz, E., Eliſabethenſtraße 16.
Büchler A., Roßdörferſtr. 26½
Hebermehl, G., Eliſabethenſtr. 53.
Filialen:
Kiesſtraße 34.
Sandbergſtraße 27.
Lauteſchlägerſtraße 4.
Mollerſtraße 17.
Möſer, J. H., Ruthsſtraße 16.
Sulzmann, A., Forſtmeiſterſtr. 2.
Mattheß, H., Liebfrauenſtr. 58.
Erb, O., Alexanderſtraße 17½.

Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende.
Wagner.
(4295a

Kartoffellieferung.

Die Lieferung des Kartoffelbedarfes für das ſtädtiſche Kranken=
haus
ſoll im Wege der Verdingung vergeben werden.
Es ſind zu liefern 500 Malter guter und vor allem geſunder
Speiſekartoffeln (Induſtrie und Ella), und zwar die eine Hälfte nach
erteiltem Zuſchlag und die andere Hälfte im Frühjahr 1913 an einem
noch näher zu beſtimmenden Tag. Das Malter verſteht ſich gewogen
zu 100 kg. Wir bemerken ausdrücklich, daß die zu liefernden Kar=
toffel
möglichſt groß ſein müſſen.
Wer ſich an der Lieferung beteiligen will, den erſuchen wir,
das verſchloſſene, mit Aufſchrift verſehene Angebot mit Preisangabe
am 7. Oktober l. Js., vormittags zwiſchen 10 und 12 Uhr in den im
ſtädtiſchen Krankenhaus, Grafenſtraße Nr. 9 im Haupteingange an=
gebrachten
Angebotkaſten einzulegen. Die Proben ſollen mit einem
Zeichen verſehen ſein, welches auch in dem Angebot deutlich zu er=
ſehen
iſt. Die Genehmigung der Vergebung ſowie die Auswahl
unter allen Anbietenden bleibt dem Herrn Oberbürgermeiſter vor=
behalten
.
(19671ss
Die Direktion:
Dr. Fiſcher, Medizinalrat.

Kanturpderſchren.

In dem Konkursverfahren über
den Nachlaß des Lehrers Johan=
nes
Peter Hartleb in Darmſtadt,
geſtorben am 25. März 1910 da=
hier
, iſt zur Abnahme der Schluß=
rechnung
des Verwalters, zur Er=
hebung
von Einwendungen gegen
das Schlußverzeichnis der bei der
Verteilung zu berückſichtigenden
Forderungen und zur Beſchluß=
faſſung
der Gläubiger über die
nicht verwertbaren Vermögens=
ſtücke
der Schlußtermin auf
Dienstag, 22. Oktober 1912,
vormittags 11 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgerichte I
hierſelbſt, Zimmer 201, beſtimmt
worden.
(20044
Darmſtadt, 23. September 1912.
Der Gerichtsſchreiber des
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
Iteilung B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Darmſtädter Eiſengieße=
rei
, Maſchinenfabrik und
Mühlenbananſtalt, Geſell=
ſchaft
mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt.
Das Stammkapital iſt auf Grund
des Beſchluſſes der Geſellſchaf=
ter
vom 2. September 1912 um
1240 Mk. erhöht und beträgt jetzt
(20021
52600 Mk.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
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Veriaufvoen Aatatenſtren
Samstag, den 28. September,
wird die Matratzenſtreu einer
Eskadron auf dem Hofe der Ka=
valleriekaſerne
an der Holzhofallee
verſteigert. Der Verkauf beginnt
um 9 Uhr 30 Minuten vormit=
tags
.
(19491a

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[ ][  ][ ]

abends 8¼ Uhr
*3 Beginn ze
der Spielzeit
1912/13.

(Mt

2. Oktober

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Kellern der Brauerei direkt vom Lagerfaß gefüllt.

Debut: Mittwoch, Z. Oktober:
PrinceCharl
Allen-Mensch’? oder Menschen-Affe??
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(20002a

Der
weltberühmte
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9. Oktober: Die Tragödie des Doktor Faustus von
Christopher Marlowe (1604). Aufführung. Inszenie-
rung
, Masken und Kostüme von Professor Richard
Luksch (Hamburg). Spielleitung: Emanuel Stock-
hausen
(Hamburg). Musikalische Leitung: Willi
Schmitt (Darmstadt).
23. Oktober: Dr. Emil Milan (Berlin) rezitiert deutsche
Meisterprosa (Goethe, Liliencron, Storm).
Anfang November: Fräulein Julie, ein naturalistisches
Trauerspiel von August Strindberg. Aufführung.
Mitwirkende: Evelyne Landing vom Schauspielhaus
in Wien, Lisa Hohorst und Albert Steinrück vom
Hoftheater in München.
Ende November: Dr. Otto Borngräber Oresden) liest
eigene Dichtungen.
Mitte Dezember: Die schöne Magelone, ein Lieder-
eyklus
von Johannes Brahms, Dichtung von Ludwig
Tieck, vorgetragen von Hofopernsänger Rudolf Jung
(Mannheim).
11. Januar: Staatsanwalt Dr. Erich Wulffen (Dresden)
spricht über Shakespeares Grosse Verbrecher.
Mitte Februar: Gertrud Leistikow (München): Frauen-
liebe
und Leben im Orient, Orchestische Tanzspiele.
6. März: Dr. Herbert Eulenberg (Berlin) spricht über
Friedrich Hebbel (geb. 18. März 1813) zum Gedächt-
nis
des 100. Geburtstags des Dichters.
Der Jahresbeitrag von 6 Mark
für den numerierten Sitz 10 Mark) berechtigt zur Teil-
nahme
an vorstehenden acht Veranstaltungen. Die Auf-
führung
der =Tragödie des Doktor Faustus: findet im
Saalbau (grosser Saal), die übrigen Veranstaltungen finden
im Mathildenhöhsaal (Dieburgerstrasse 26) statt.
Anmeldungen von Mitgliedern nimmt die Hof-
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Käthe Gothe
Angélique .
Lubin, e. Bauer Paul Peterſen
Colin, Burſche Ge=
orge
Dandins Auguſt Kräger
Perſonen
der Zwiſchenſpiele:
(Muſik, mit Benützung einiger
Melodien zeitgenöſſ. Komponiſten,
von Einar Nilſon.)
Tirſis, ) zwei K. Bernhardt
Philen, Schäfer Otto Thomſen
Chloris, 1 zwei Hede Schaub
Climene, Schäfer. Kath. Jüttner
Ein Fiſcher . . . Frz. Herrmann
Der vorkommende Tanz, einſtud.
v. Helene Thiele=Leonhardt, wird
ausgeführt von den Damen des
Corps de Ballet.
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Heiſer: Karl Jahn.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
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Jamilie Heerſen.
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)
30)

Julas Eltern, die beide etwas bequem waren, machten
nur die ihnen am notwendigſten erſcheinenden Geſellſchaf=
ten
mit, in die anderen begleitete Chriſta das Brautpaar
als Ehrendame. Ebenſo in Theater und Konzerte. Jula
konnte gar nicht oft Gelegenheiten haben, ſich mit
ihrem Bräutigam öffentlich zu zeigen. Die Toiletten,
die ſie neuerdings trug, wurden direkt aus Paris be=
zogen
und erregten in dem kleinen beſcheidenen Bellburg
berechtigtes Aufſehen. Frau von Leerſen hielt ſich von
allem fern, aber ſie freute ſich innerlich, wenn man das
Brautpaar ehrte und feierte.
Chriſta wäre gern zu Haus geblieben, aber gegen das
mütterliche Gebot gab es kein Widerſetzen und ſo be=
gleitete
ſie Karl Auguſt und Jula überall mit hin. Jetzt,
in ihrer innerer Zerriſſenheit, tat ihr das abwechſelnde
Leben ordentlich wohl. Sie kam gar nicht zum Grübeln
und das war vielleicht gut ſo. Freilich wurde aber auch
ihre Zuneigung zu Jula immer kleiner, je näher ſie ſie
in ihrer ganzen Oberflächlichkeit kennen lernte. Nur war
ſie ſich noch nicht klar: War die Art und Weiſe, mit der
Jula ſie behandelte, Naivität das harte Wort Dumm=
heit
wollte Chriſta nicht anwenden oder tat ſie ihr
abſichtlich wehl

Anings hite ſe an die leinen Raeſite und gs=
reiztheiten
überſehen; ſie wollte keine Mißſtimmung her=
aufbeſchwören
. Da merkte ſie eines Tages aus verſchie=
denen
Aeußerungen der Mutter direkt, daß Jula gegen ſie
hetzte. Sie hatte gehofft, dieſe Verlobung würde dazu
beitragen, die Spannung, die zwiſchen ihr und der Mutter
herrſchte, etwas zu löſen, und nun vertiefte ſie ſie ſogar.
Eine große Traurigkeiten und Niedergeſchlagenheit be=
mächtigte
ſich ihrer von neuem.
Ada Jerling, die inzwiſchen zurückgekehrt war, war
ihr einziger Troſt. Aber nur heimlich konnte ſie ſich zu
ihr ſchleichen, und auch das nur ſehr ſelten, da die neuen
Verpflichtungen ſie beinahe völlig in Anſpruch nahmen.
Chriſta ſehnte ordentlich die Verheiratung ihrers Bruders
herbei. Erſt dann wurde ja auch ſie wieder freier.
Im Februar ſollte die Hochzeit ſtattfinden. Jula
wollte nicht länger warten, denn ſie gedachte ihre Hoch=
zeitsreiſe
, die einige Monate dauern ſollte, nach dem =
den
zu machen. Inzwiſchen mußte die Villa, die der alte
Warburg für das junge Paar gekauft hatte, eingerichtet
werden. Jeden etwaigen Wunſch ihres Lieblings waren
die Eltern dabei eifrigſt bemüht, zu berückſichtigen. Aber
Jula war viel zu träge, eingehende Wünſche zu äußern.
Sie überließ es ihrem Bräutigam, der einen ſo himm=
liſchen
Geſchmack hatte. Karl Auguſt aber traf ſeine Be=
ſtimmungen
und dabei von dem Standpunkt aus, daß
nichts zu ſchön oder teuer ſei, um ſein künftiges Heim zu
zieren.

1. Aapitei.
Es war kurz nach Weihnachten.
In der Ecke des Leerſenſchen Wohnzimmers, das zu=
gleich
als Eßzimmer diente, ſtand auf einem Tiſchchen ein
kleines, nur mit Lametta und Lichtern, die bereits herun=
tergebrannt
waren, geſchmücktes Weihnachtsbäumchen. Ein
feiner Duft ſtieg aus ſeinen Zweigen auf und erfüllte den
Raum, als wolle er nachklingend Erinnerungen wecken an
den Abend, an dem dieſe Lichter gebrannt und man das
Weihnachtsfeſt gefeiert hätte.
Mit einer Stickerei in den Händen ſaß Chriſta ihrer
Mutter im Erker am Fenſter gegenüber. Frau von Leer=
ſen
legte auf den kleinen, zwiſchen ihnen ſtehenden Erker=
tiſchchen
Patiencen. Beide gedachten nicht gern dieſes
Weihnachtsabends, des erſten nach dem Tode des Miniſters
von Leerſen. Er hatte einen zu auffallenden Kontraſt zu
dem der vergangenen Jahre gebildet. Das, was das
Jahr ihnen alles genommen hatte, an äußerem und inne=
ren
Glück, das hatte ſich ihnen, Vergleiche heraufbeſchwö=
rend
, aufgedrängt und ſie bitter empfinden laſſen, wie reich
ſie einſt geweſen und wie arm ſie geworden waren.
Nicht wie ſonſt hatte ein reichgeſchmückter, zimmer=
hoher
Tannenbaum lange Gabentafeln beſtrahlt, nicht wie
ſonſt hatte man vereint in Liebe, in fröhlicher Laune
empfangen und gegeben. Still und ruhig war alles zu=
gegangen
, und die flackernden Lichter des Weihnachtsbau=
mes
hatten ſich nicht in glücklichen Menſchenaugen ſpiegeln
können. Man hatte Jula am Nachmittag des heiligen

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Abends zum Tee gebeten. Karl Auguſt hatte, während
man dieſen einnahm, den kleinen Baum angezündet. Frau
von Leerſen hatte darauf Chriſta, ſowie Jula und Karl
Auguſt zuſammen, je ein kleines Paketchen überreicht. Sie
hatte es mit freundlichen Worten getan und auf ihren
feinen, in der letzten Zeit aber merklich gealterten Zügen
lag ein Lächeln. Aber dieſes Lächeln war kein frohes
aus dem Herzen kommendes. Es hatte etwas Er=
zwungenes
.
Auch Babette und Jakob, die treuen Dienſtboten, wur=
den
gerufen und empfingen aus ihrer Hand ein Geldge=
ſchenk
. Dankbar küßten ſie die feine, blaugeäderte Hand,
die es ihnen reichte. Dann verließen ſie ſtill mit feuchten
Augen das Zimmer. Auch ſie mochten an Vergangenes
denken.
Frau von Leerſen aber hatte ſich in der Gewalt. Ihr
ſah es niemand an, wie tief und ſchmerzlich ſie litt. Nicht
weicher aber machte ſie dieſes ſtumme Nachtrauern dem
Einſt, ſondern kälter und unnahbarer. Kühl war der Kuß,
mit dem ſie den Dank ihrer Kinder quittierte, und den
Worten, mit denen ſie dieſen ihre Freude über die ihr er=
wieſenen
kleinen, geſchmackvollen Aufmerkſamkeiten aus=
ſprach
, hörte man nichts von dieſer Freude an.
Nachdenklich und ernſt war auch Chriſta geweſen. Sie
fühlte und wußte, daß die Mutter litt, denn ſie empfand
Gleiches!
Sie dachte des verſchneiten Grabes, an dem ſie heute
morgen mit der Mutter geweſen war. Wieviel für immer
verlorene Liebe barg dieſer Hügel für ſie. Und dann ge=
-chte §e=Joachims! Auch er v heitte fern.

Ob die Mutter ihn vermißte? Noch immer lag der
Brief, den der Poſtbote von ihm bereits am Morgen des
heiligen Abends gebracht hatte, uneröffnet auf ihrem
Schreibtiſch. Der erſte Brief nach langer Zeit! Denn die
Mutter hatte dem Bruder bisher auf keinen geantwortet.
Da hatte er lange geſchwiegen. Immer wieder waren ihre
Gedanken zu dem Bruder gewandert. Er würde den heu=
tigen
Abend mit Ada verleben, die mit ihrem Vater nach
Berlin gereiſt war. Auch Geißler würde bei ihnen ſein I
Ihr war weh und traurig zumute.
Auch Karl Auguſt war ſchweigſam. Er zog an ſeiner
Zigarre und hing ſeinen Gedanken ſo nach, daß er ganz
und gar vergaß, Julas verliebte Händedrücke zu erwidern.
Jula war die einzig Vergnügte geweſen. Sie hatte
von ihrer zukünftigen Schwiegermutter einen wunder=
vollen
Perlenſchmuck, der aus dem Leerſenſchen Familien=
ſchmuck
ſtammte, zum Geſchenk erhalten. Karl Auguſts
erſtes nach ſeiner Verlobung und der damit verknüpften
Rangierung ſeiner Verhältniſſe war es geweſen, dieſen
Familienſchmuck einzulöſen. Er verſtand ſeine Mutter
und dankte es ihr, daß ſie nun einen Teil dieſes Schmuckes
ſeiner Braut ſchenkte. Das würde den reichen und ſehr
aufgeblaſenen Verwandten Julas ſicher imponieren.
Mit kindlicher Freude packte Jula immer wieder die
Schmuckſtücke aus ihren Etuis aus.
Fein, ſagte ſie zufrieden, Du haſt Dich wirklich nobel
gemacht, Mama! Das hätte ich gar nicht erwartet! Na,
Chriſta, biſt Du nicht neidiſch? Dein ſchmales Goldringel
mit dem kleinen Brillanten iſt nicht mal den hundertſten
Teil kiervon mert:

Ich taxiere die Geſchenke nicht nach dem Werte, ſon=
dern
nach der Liebe, mit der ſie gegeben werden, hatte
Chriſta erwidert.
Du, das mach' andern weiß, bitte! Ganz grün ſiehſt
Du aus, ſo blaß biſt Du. Natürlich ärgerſt Du Dich mäch=
tig
. Ich ſeh’s Dir doch an. Hätteſt Du Deinen angeb=
lichen
Bewerber Schmettwitz damals bekommen, wäreſt
Du jetzt ſchon junge Frau und könnteſt auch ſolchen koſt=
baren
Schmuck tragen. So aber kommt er mir als der
zukünftigen Frau von Leerſen zu. Denn, ſie lachte laut
und amüſiert auf, wenn Joachim wirklich ſein Ballett=
mädel
heiratet, der kriegt für ſeine Frau mal keinen Fa=
milienſchmuck
, höchſtens einen Familienfluch. Was?
Das war das einzige Mal, daß Joachims Name an
dieſem Tage genannt wurde. Aber die Nennung dieſes
Namens hatte eine ſich fühlbar machende Verſtimmung
heraufbeſchworen.
Puh, ſeid Ihr aber langweilig, erklärte Jula wie
immer ſehr taktlos nach einer Weile. Ich freue mich ſchon
auf die Beſcherung bei den Eltern heute abend, da wird’s
fidel! Na, übrigens, ich ſag‟ Euch, Ihr werdet ſtaunen!
Man hatte auch geſtaunt, aber es war ein unangeneh=
mes
Staunen geweſen. Denn die Geſchenke, die man
ihnen im Warburgſchen Hauſe aufgebaut hatte, trugen
zu deutlich das Gepräge, daß man ſie gewählt hatte, weil
man ſie für nötig hielt. Sowohl Frau von Leerſen wie
Chriſta erhielten u. a. koſtbare Seidenkleider, die ſie zur
Hochzeit des jungen Paares tragen ſollten.
(Fortſetzung folgt.)

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La Toledad, Bracke (gef.), Sagely (gef.). Ueberlegen
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Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 24. Sept. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war das Angebot in Land=
weizen
wieder reichlich bei nachgiebigeren Preiſen, aber
der Verkehr darin blieb ſehr ruhig. Landroggen und
Gerſten waren hingegen feſter; auch Hafer auf gute Kon=
ſumfrage
behauptet, Mais iſt knapp und preishaltend

Die Forderungen für Mehl ſind unverändert hoch ge=
halten
und ohne Preiskonzeſſionen. Futtermittel ſtetig=
Der Mannheimer Getreidemarkt war
eſt; infolge höherer Seefrachten, bei guter Kaufluſt.
An der Berliner Produktenbörſe war die
Haltung für Getreide nicht einheitlich. Während Weizen
auf Abgaben der Importeure auf Grund früherer Ab=
ſchlüſſe
in ausländiſcher Ware matter notierte, waren
Roggen in vorderen Sichten gut behauptet. Hafer für
September=Sichten auf Deckungen mäßig befeſtigt, auf
ſpätere Sichten jedoch ſchwächer infolge des ſtarken ruſſi=
ſchen
Angebots. Nach den letzten Kabelnachrichten
von den amerikaniſchen Getreidemärkten
(New=York und Chicago) war Weizen willig auf günſti=
ges
Wetter im Nordweſten Kanadas, die enttäuſchende
Exportnachfrage, ſowie auf den à la baisse lautenden
Viſible Supply=Ausweis. Mais ebenfalls ſchwach im
Einklang mit Weizen und dem verminderten Lokobegehr.
Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche
von 27,10 Mill. Buſh. auf 30,43 Mill. Buſh. und die
Maisvorräte von 1,77 Mill. Buſh. auf 2,37 Mill, Buſh.
geſtiegen.
Die Getreidezufuhren an den weſtlichen Plätzen der
Vereinigten Staaten haben ſich in der vorigen Woche
gegenüber der Parallelwoche verdoppelt und damit eine
Rekordziffer erreicht. Der ſchon bisher beklagte Wagen=
mangel
iſt noch akuter geworden.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſ. und Wetterauer, 2121,15, Nordd. 21
bis 21,15, Kurheſſiſcher 2121,15, Ruſſiſcher 23,5024.56,
Laplata 2324,50, Rumäniſcher 23,5024,50, Redwinter
23,2524, Manitoba 22,5024, Kanſas 24,2524.50, Walla=
Walla 2324; Roggen, hieſ., 17,8518, Bayeriſcher
(Pfälzer) 17,9018, Ruſſiſcher 1818,50, Rumäniſcher
818,50; Gerſte Pfälzer, 2121,50, hieſige und Wet=
terauer
20,5021, Fränkiſche 2121,25, Riedgerſte 20,50
bis 21,25; Hafer hieſ., 19,5021,50, Bayeriſcher 19,50
bis 21,50, Ruſſiſcher 2021,50, Amerikaniſcher 19,25 bis
20,50, Rumäniſcher 2021,50; Mais, mixed, 15,25 bis
15,50, Ruſſiſches 15,2515,75, Donaumais 15,2515,50
Rumäniſches 15,2515,75, Laplata 15,6015,80, Weißes
Mais 15,3015,80, Weizenſchalen 1111,25, Weizenkleie
1111,25, Roggenkleie 12,7513, Futtermehl 1416,
Viertreber, getrocknet, 1313,50, Futtergerſte 16,7517.
Weizenmehl, hieſiges, Baſis ab Mannheim, Nr. 0 32
bis 32,25, feinere Marken 32,5032,75, Nr. 1 3030,25,
feinere Marken 30,5030,75, Nr. 2 2929,25, feinere Mar=
ken
29,5029,75, Nr. 3 2828,25, feinere Marken 28,50
bis 28,75, Nr. 4 2424,25, feinere Marken 24,5024,75.
Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0 26,5026,75. Nr. 1 24,50
bis 24,75, Nr. 2 2222,50.

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Mittags auf der Parade

Wie gefalle ich dir, liebe Frau, in meinem feschen Sack-Anzug!?
Ich habe ihn gestern bei meinem langjährigen Lieferanten Phi-
lipp
Hess gekauft, Ist er nicht in jeder Beziehung tadellos ? Vor
allem diese neue wunderbar blaugraue Farbe und dieser aus-
gezeichnete
Sitz. DerAnzug macht mir wirklich viel Vergnügen.

Hierdurch gestat-
te
ich mir Ihnen
in 7 Bildern einen
Herrn vorzufüh-
ren
, der mit seiner
bei Philipp Hess
gekauften Garde-
robe
, der Tages-
zeit
entsprechend
gekleidet, immer
gentleman-like
aussieht

Morgens beim Frühstück

Meine Frau hat mir zum Geburtstag bei Philipp Hess
diesen Schlafrock gekauft, den ich wirklich gerne anziehe:
er ist weich, mollig, warm und dabei sehr leicht. Auch
mit der von Philipp Hess bezogenen Morgenjoppe bin
ich außerordentlich zufrieden. Trotzdem ich diese
schon einige Jahre im Gebrauch habe, ist sie immer
noch gut erhalten.

Zur Besuchszeit

Zum Besuche bei meinem Freunde Müller ziehe ich
heute meinen von Philipp Hess bezogenen Jackett-
Anzug an; man hat darin eine famose Figur und das
Gefühl, tipp-topp gekleidet zu sein.

Tags darauf mit dem Chef der Firma im Gespräch

Ich hatte gestern Gelegenheit, Sie wieder einmal zu empfehlen; sagen
Sie bloß, wie machen Sie das, daß Sie so tadellos fertige Kleider liefern?
Chef: Wir führen seit dem Bestehen unseres Geschäfts 1891 stets
nur erstklassige Waren, die nicht nur allein vorzüglich verarbeitet sind,
sondern die auch nach jahrelang ausprobierten Modellen geschnitten
werden. Durch das stete Wachstum unseres Geschäfts können wir

auch in allen Artikeln vorteilhaft disponieren und hinsichtlich des
Preises unsern Abnehmern die denkbar größten Vorteile bieten.

Abends in Gesellschaft

Komisch, alles frägt nach meinem Schneider und be-
wundert
meinen Smoking-Anzug, dabei habe ich den-
selben
fertig für billiges Geld von Philipp Hess be-
zogen
. Schon als kleiner junge haben mir meine Eltern
in dem nun seit 21 Jahren bestehenden Geschäft meine
Kleider gekauft.

Nachmittags auf der Solitude

Guten Tag, Herr Nachbar, sind Sie auch herausspaziert, treiben also
auch etwas Sport! Dann müssen Sie sich aber auch unbedingt zweck-
mäßiger
kleiden, Ich habe meinen Sport-Anzug von Philipp Hess
am Schillerplatz bezogen und fühle mich außerordentlich behaglich
darin. Sie finden dort in der großen Sport-Abteilung nicht nur allein
Anzüge in praktischen Formen und Stoffen, sondern auch Wetter-

Sinerpiatz 3

Sagen Sie mir nur, wie Sie es machen, daß Sie immer so gut gekleidet sind?
Ich und mein Sohn geben massig Geld aus und schauen doch immer pauvre aus!

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