Darmstädter Tagblatt 1912


04. September 1912

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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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175. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

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werden angenommen in Darmſtadt.
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ſowie von unſeren Agenturen und
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt am Montag abend nach der Schweiz
abgereiſt.
Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg
iſt geſtern Nacht in Berchtesgaden eingetroffen.
In der Sache gegen den Pfarrer Traub in Dort=
mund
hat der Oberkirchenrat auf Entlaſſung
Traubs aus dem Amte ohne Penſion erkannt.
Der engliſche Bleriot=Flieger Aſtley, der am Donners=
tag
mit Miß Davies einen Flug von London nach
Paris machte, hat geſtern morgen ſeiner Abſicht ent=
ſprechend
den Flug von Paris nach Berlin fort=
geſetzt
.
Bei dem Straßenbahnunglück bei Pontevico
erlitten Heidelberger Studenten, die unter
Führung des Prof. Hettner eine Studienreiſe machen,
Verletzungen, und zwar vier von ihnen ſehr ſchwere.
Ueber das weſtliche Pennſylvania und Weſt=
Verginia iſt am Montag ein furchtbares Unwetter
hereingebrochen, bei dem 36 Minſchen umgekommen
ſind.

Zur Schweizer Kaiſerreiſe.
Deutſchland und die Schweiz.

Der Kaiſer iſt nach der Schweiz abgereiſt,
um an den dortigen Manövern teilzunehmen. An und für
ſich hat der Beſuch keinen politiſchen Charakter, indeſſen
läßt es ſich nicht leugnen, daß er in dieſer Hinſicht von
Bedeutung iſt und womöglicherweiſe günſtige Erfolge
zeitigen werde. Es iſt wohl das erſtemal, daß der Kaiſer
groß angelegten Manövern eines nicht verbündeten
Staates beiwohnt, und ſeltſamerweiſe iſt es eine Re=
publik
, die den Kaiſer von Deutſchland für dieſen Zweck
als Gaſt beherbergt. Ob die Einladung auf den
Wunſch des Kaiſers zurückzuführen iſt oder ob die ſchwei=
zeriſche
Regierung aus eigenem Antriebe den Monarchen
erſucht hat, ihm einmal ihre militäriſchen Leiſtungen vor=
führen
zu dürfen, iſt ziemlich belanglos, es handelt ſich
um die Tatſache überhaupt, und man wird dieſe gern ver=
zeichnen
. Weilte doch vor mehreren Monaten der Präſi=
dent
Frankreichs, Herr Falliéres, auf kurze Zeit in Bern,
um der Nachbarrepublik ſeine Aufwartung zu machen,
und wenn jetzt der deutſche Kaiſer auf ſchweizeriſchem
Boden weilt, ſo wird man dies gewiſſermaßen als ein
Gleichgewicht anſehen, indem die Schweiz damit bekunden
will, daß ſie auch mit dem deutſchen Nachbar auf dem
beſten Fuße leben will.
Es iſt erfreulich, zu ſehen, wie dieſe Republik alles
tut, um den Empfang des Monarchen möglichſt herzlich
und glänzend zu geſtalten. Sind doch die wirtſchaft=
lichen
Beziehungen zwiſchen Deutſchland
und der Schweiz ganz abgeſehen von dem enor=
men
Touriſtenverkehr, der ſich zum größten Teile aus
Deutſchen rekrutiert ungemein rege, die Schweiz iſt in
vielen Erzeugniſſen auf uns angewieſen, und der Export
der Schweiz nach Deutſchland iſt auf beiden Seiten der
größte gegenüber der Ausfuhr nach anderen Ländern.
Allerdings gibt es auch in der Schweiz wie anderwärts
Elemente, die trotz alledem für Deutſchland nicht allzu
viel übrig haben und ihre Blicke nach anderer Richtung
hin lenken. Dieſe Leute ſind es auch, die ein engeres
wirtſchaftliches Verhältnis zwiſchen Deutſchland zu
hintertreiben ſuchen, wie man beiſpielsweiſe einen Poſt=
vertrag
energiſch ablehnt, wie er zwiſchen Deutſchland
und Oeſterreich=Ungarn abgeſchloſſen worden iſt; der Poſt=
verkehr
würde damit weſentlich ſteigen und nicht minder
der Warenaustauſch, und das eben iſt es, was man ver=
hindern
möchte. Von dieſer Seite wird auch das unſinnige
Gerücht gefliſſentlich genährt, daß Deutſchland eines ſchö=
nen
Tages über die Schweiz herfallen und ſie annektieren
werde.
Es ſteht zu hoffen, daß der Einfluß, der ſich in dieſer
Richtung mehr und mehr bewegt, ſchwinden wird, und
vielleicht wird der Kaiſerbeſuch dazu beitragen, dieſe
Stimmung abzuſchwächen und erfreulichere Gefühle bei
gewiſſen Kreiſen der ſchweizeriſchen Bevölkerung auszu=
löſen
. Es wäre nicht das erſtemal, daß es dem ge=

winnenden Auftreten Wilhelms II. gelänge, falſche An=
ſchauungen
zu beſeitigen und eine Sinnesänderung gegen=
über
Deutſchland herbeizuführen. Derartige moraliſche
Eroberungen können für uns nur von Vorteil ſein, ſelbſt
wenn es ſich um einen neutralen Staat handelt, wie die
Schweiz, denn es könnte Fälle geben, wo eine wohl=
wollende
Neutralität für uns von beträchtlichem Vorteile
ſein würde.
Begrüßungsartikel der Preſſe.
* Dem bevorſtehenden Beſuch des deutſchen Kai=
ſers
in der Schweiz widmen bereits die maßgeben=
den
Schweizer Blätter lange intereſſante Leitartikel.
Der Bund führt folgendes aus: Wir
ſehen dem Beſuch des deutſchen Kaiſers mit
dem Bewußtſein eines bedeutſamen Aktes entgegen. Wie
wir auf der Reede von Romanshorn Kaiſer Franz Joſef
vor drei Jahren und den Präſidenten der franzöſiſchen
Republik mit der vollkommenſten Achtung und Sympathie
bogrüßt haben, ſe wird auch bei dem Beſuch des deutſchen
Kaiſors der Willkommengruß des Schweizer Volkes, das
inmitten der Großmächte nichts ändert, weil alle ſeine
verbrieften Unabhängigkeiten im Bunde mit aufrechter
Freundſchaft mit den umwohnenden Mächten gewahrt
ſind, ein ebenſo herzlicher wie achtungsvoller ſein.
Die konſervativen Baſeler Nachrichten ſchreiben:
So heißen wir denn Kaiſer Wilhelm, den bewußten
und kraftvollen Herrſcher, den hochgebildeten und gerech=
ten
Monarchen, den ſympathiſchen Sproß des regierenden
Hohenzollerngeſchlechtes, auf Schweizer Boden herzlich
willkommen. Wir heißen ihn willkommen, als oberſten
Vertreter des deutſchen Volkes, das ſeit langem durch ge=
meinſame
Intereſſen geiſtiger, wirtſchaftlicher und freund=
ſchaftlicher
Natur mit dem unſerigen eng verbunden iſt.
Wir nehmen den Kaiſerbeſuch als gutes Zeichen dafür,
daß auch, draußen im Reiche der Wille herrſcht, dieſe guten
Beziehungen weiter zu henen und zu pflegen und durch
gemeinſame Friedensarbeit die gegenſeitige Achtung zu
ſtärken. Die Baſeler Nationalzeitung be=
merkt
in ihrem Begrüßungsartikel u. a.; Kaiſer Wilhelm
habe während ſeiner 24jährigen Regierungszeit mit red=
lichem
Willen und ſeltener Tatkraft die ihm obliegenden
ſchweren Herrſcherpflichten erfüllt und eine hohe Auf=
faſſung
von der Bedeutung ſeiner Stellung bekundet. Das
Deutſche Reich ſei während der Regierung des Kaiſers
ein Weltreich geworden und eine Handelsmacht erſten
Ranges. Das Blatt erinnert dann an den Beſuch des
Kaiſers in Luzern vor 19 Jahren und ſpricht die Hoffnung
aus, daß durch den neuen Beſuch die freundſchaftlichen
Beziehungen erhalten und die Entſtehung von Trübungen
vermieden werde. Das Genfer Journal betont,
daß der Beſuch des Souveräns des benachbarten Kaiſer=
reichs
das höchſte Intereſſe der öffentlichen Meinung er=
wecke
und fügt hinzu die Lage zwiſchen den vier großen
Staaten, welche oft Rivalen, zuweilen auch Gegner ſeien,
lege der Schweiz beſondere Pflichten auf. Dieſe Lage er=
heiſche
eine äußerſte Reſerve hinſichtlich der Haltung der
Schweiz in der internationalen Politik. An den Beſuch
des Präſidenten Falliéres vor zwei Jahren erinnernd,
ſtellt das Blatt feſt, daß ſonſt noch kein europäiſches Re=
gierungshaupt
den ſchweizeriſchen Bundesrat am Sitze
ſeiner Landesregierung beſucht habe. Die Beſuche des
Kaiſers und des Präſidenten Falliéres bedeuteten zwei
durchaus neue Ereigniſſe in der Geſchichte der ſchweizeri=
ſchen
Eidgenoſenſchaft, welche deren hohen Wert zu
ſchätzen wiſſe. Die freundliche Aufmerkſamkeit, welche
dem Schweizerland erwieſen werde, bilde ein neues Pfand
für die guten Beziehungen zu dem großen Kaiſerreich, zu
deren Erhaltung Kaiſer Wilhelm II. immerfort beige=
tragen
habe.
Die Neue Züricher Zeitung ſchreibt u. a.:
Zu uns kommt der Kaiſer vornehmlich aus einem ſolda=
tiſchen
Intereſſe. Es entſpricht ſeinem aufgeſchloſſenen
Ginn, ſeiner vorurteilsfreien Wißbegierde, dem Charakter
des modernen Menſchen, der es vorzieht, ſelbſt zu ſchauen
und zu beobachten, als ſich auf die Auskunft anderer zu
verlaſſen, daß das Oberhaupt des mächtigſten ſtehenden
Heeres der Welt unſere kleine Milizarmee mit eigenen
Augen an der Arbeit ſehen möchte. Wir täuſchen uns dar=
über
nicht, daß der deutſche Kriegsherr auf unſerem Ma=
növerfelde
manches ſehen wird, was mit ſeinen Begriffen
von militäriſcher Präziſion ſchwer vereinbar iſt. Wir ſind
aber überzeugt, daß unſere Truppen das Beſtmögliche
leiſten werden, und daß der kompetente hohe Zuſchauer
die Unterſchiede zwiſchen der Ausbildung unſerer Mann=
ſchaften
und Offiziere und derjenigen ſeiner eigenen Ar=
meekörper
in billige Berechnung ziehen wird. Vielleicht
findet er auch Gelegenheit, ſich zu überzeugen, wie volks=
tümlich
unſere Milizarmee iſt. Das Blatt ſchließt: Es
iſt bloß gerecht, anzuerkennen, daß dar mächtigſte unſerer
Nachbarſtaaten, mit dem der größte Teil der Schweiz durch
Sprach= rnd Literaturgemeinſchaft verbunden iſt, das
Deutſche Reich, ſtets ein lebendiges Verſtändnis für dieſe
Verhältniſſe bekundet und nie den geringſten Verſuch ge=
macht
hat, einen Einbruch in ſie zu unternehmen. Die
deutſchen Staatslenker haben ſich in den Beziehungen zu
unſerem Lande während der ganzen Regierungszeit des
gegenwärtigen Herrſchers einer vornehmen Delikateſi=
befleißigt
. Ihre amtlichen Vertreter in unſerem Lande
baben ihnen dafür auch berichten können, wie ſehr die

Achtung vor deutſcher Tüchtigkeit und die Sympathie für
das deutſche Volk und den deutſchen Staat bei uns ge=
wachſen
ſind. Die unverantwortlichen Skribenten, die im
Reiche gelegentlich das Gegenteil ausſtreuen, ſagen nicht
die Wahrheit. Wir ſchließen mit warmem Gefühl die
deutſche Nation ein, wenn wir heute ihren höchſten Ver=
treter
, den deutſchen Kaiſer Wilhelm II., auf dem Boden
unſerer alten Republik von Herzen willkommen heißen.
Möge ihm eine freundliche Sonne ſcheinen.
Die radikale National Suiſſe äußert ſich:
Die Schweiz wird den Kaiſer ebenſo liebenswürdig
und würdig zu empfangen wiſſen, wie ſie den Präſidenten
der franzöſiſchen Republik empfangen hat. Es wäre ſnur
zu wünſchen, daß der Beſuch dieſelbe Wirkung hat und
eine neue Aera guten Einvernehmens daraus entſtände;
denn zwiſchen der Schweiz und Deutſchland könnte auch
noch der Grundſtein zu beſſeren Beziehungen gelegt wer=
den
. Die ſozialdemokratiſchen Brütlianer
führen aus: Die einzige Tatſache, daß der Beſuch des
Kaiſers in den Militärkreiſen Deutſchlands die Diskuſſion
über den Wert des Milizheeres wieder aufleben läßt, iſt
ſchon an und für ſich wichtig. Wenn jemals Europa vor
die Wahl einer Abrüſtung geführt werden ſoll, wird dies
durch das Milisheer geſchehen. Vielleicht hat der Beſuch
keine augenblickliche Wirkung auf die Geſtaltung der deut=
ſchen
Militärverhältniſſe. Vielleicht gibt eir aber im
Gegenteil denen einen Anſtoß, die im Milizheer das Heer
der Zukunft erblicken, und wenn man bedenkt, daß
Deutſchland in Militärfragen tonangebend iſt, ſo muß
mon den Schweizer Manövern, denen der deutſche Kaifer
beiwohnen wird, ein beſonderes Intereſſe entgegct=
bringen
.

Deutſches Reich.

Die Reichsfinanzen. In einer Unter=
redung
mit einem Mitarbeiter der Voſſiſchen Zeitung
hat Exzellenz Wermuth, der frühere Schatzſekretär und
jetzige Oberbürgenmeiſter von Berlin, ſich abermals über
die Lage unſerer Reichsfinanzen geäußert und dabei ſeine
früheren Mahnungen wiederholt. Die Frage ſei jetzt,
ob es dem Reichskanzler und dem Bundesrat gelinge,
den nächſtjährigen Etat ſo zu balanzieren, daß er in ſich
eine geſchloſſene wirtſchaftliche Einheit bilde, ſich alſo
nicht auf die Ergebniſſe früherer Jahre ſtütze:
Ich denke hier an die Verwendung der Ueberſchüſſe
des Jahres 1911. Das Etatsgeſetz von 1912 geſtattet die
Verwendung dieſer Ueberſchüſſe von insgeſamt etwa
250 Milionen Mark für die kommenden, einmaligen
Ausgaben aus Anlaß der Heres= und Flottenverſtärkung
und ſtellt den dafür nicht verwendbaren Teil in Reſerve
mit der Begründung, daß der Etat für 1913 über ſein
Schickſal weitere Entſcheidungen treffen ſoll. Es liegt
alſo die Gefahr ungemein nahe, daß man zur Herſtellung
des Gleichgewichts im ordentlichen Etat große Beträge
aus dieſem Ueberſchußfonds abſchöpft, einem Fonds, der,
in Wirklichkeit gar nicht vorhandem iſt. Denn die Ueber=
ſchüſſe
des Jahres 1911 haben bereits dazu gedient, die
Anleihen der vergangenen Jahre, zu denen das Geſetz
die Ermächtigung erteilte, entbehrlich zu machen und der=
über
hinaus Schulden zu tilgen. Wenn alſo jetzt die
Ueberſchüſſe zu anderen Zwecken verwendet werden, ſo
würde man die frühere Verwendung, mit der eine heil=
ſame
Entwickelung für die Zukunft angebahnt werden
ſollte, rückgängig machen. Ich glaubte, ohne dabei die
Grundſätze der Verfaſſung irgendwie berühren zu wollen,
ſtets daran feſthalten zu müſſen, daß die Finanzbehörde
einer feſten Grundlage bedarf, von der aus ſie das
Gleichgewicht des Etats verteädigen kann Sonſt iſt ſie
den mächtigen Anſprüchen des Reichsreſſorts wehrlos
breisgegeben. Wenn bei der Auftellung des kommenden
Etats jedermann ſich darauf berufen darf, daß die große
Reſerve der Ueberſchüſſe von 1911 im Hintergrunde ſtehe,
wie ſoll es da vermieden werden, daß den Etat für 1913
wiederum der Anfang einer gleich verhängnisvollen Ent=
wickelung
wird, wie wir ſie in den Jahren 19001908
ſchaudernd erlebt haben? Für die nächſten Jahre werden
die Etats zweifellos mit einem Minus, d. h. mit einem
Ueberragen der neuen Anleihen über die Beträge der
Schuldentilgung hinaus zu rechnen haben, ſelbſt wenn
man eine günſtige Geſtaltung der tatſächlichen Einnahmen
gegenüber den Anſätzen des Einnahmestats als möglich
vorausſetzen wollte. Deshalb ſehe ich auch nicht recht, auf
welche Weiſe aus ordentlichen Mitteln des Etats ein
Ausgleichsfonds ſollte angeſammelt werden können. An
ſich iſt mir dieſer Gedanke durchaus ſympathiſch; wenn er
ſich aber nur dadurch verwirklichen läßt, daß man eine
neue Anleihe in erheblicher Höhe aufnimmt, ſo mag er
zwar vom Standpunkt der finanziellen Kriegsbereitſchaft
auch fernerhin erwägenswert erſcheinen, aber vom Stand=
punkt
der Entwickelung der ordentlichen Mittel des Reiches
und des eiſernen Feſthaltens an der alljährlichen Bilanz
würde ich ihn dann nicht mehr für heilſam, ja eher für
bedenklich halten müſſen.
Zum Schluß betonte Exzellenz Wermuth nochmals,
daß allein entſcheidend ſei, ob es gelinge, die nächſtjährigen
Etats ſo zu balanzieren, daß die Ausgaben mit den auf
Grund normaler Schätzung ermittelten wirklichen Ein=
nahmen
dieſer einzelnen Jahre in Einklang zu halt-
zug

ſind. Er hält dies für unmöglich und tritt deshalßlicher

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

ein, daß ſchon der Etat für 1913 die Eröffnung neuer Ein=
nahmequellen
vorſehe. Um welche Einnahmequellen es
ſich dabei handele, brauche er nicht nochmals zu erörtern.
Wermuth meint damit natürlich die Erbſchaftsſteuer.
Aus Deutſch=Oſtafrika, Zu Ehren des
Kolonialſtaatsſekretärs Dr. Solf fand am Samstag zu
Tanga unter zahlreicher Beteiligung der Koloniſtenbevöl=
kerung
der Nordbezirke von Deutſch=Oſtafrika eine Ab=
ſchiedsfeier
ſtatt. In längerer Rede fand der Staats=
ſekretär
Worte warmer Anerkennung für die enormen
wirtſchaftlichen Werte, die gerade im Norden der Kolonie
geſchaffen ſeien, und gab den Koloniſten die Zuſicherung
tätiger Beihilfe der Regierung an der weiteren Erſchlie=
ßung
Deutſch=Oſtafrikas. Dabei forderte er aber gleich=
zeitig
angeſichts der gewaltigen Schwierigkeiten der zu
löſenden Probleme Vertrauen für die Regierung des
Landes. In der Frage, ob Eingeborenenkulturen oder
europäiſche Pflanzungen größere Förderung verdienten,
nahm der Staatsſekretär einen mittleren Standpunkt ein.
Für das Parallelogramm der widerſtreitenden Kräfte
zwiſchen Weiß und Schwarz gelte es, die richtige Dia=
gonale
zu finden. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck,
daß der neu ernannte Gouverneur Dr. Schnee nicht nur
den ernſten Willen, ſondern auch die Fähigkeit beſitze, dieſe
ſchwierige Frage zur allgemeinen Zufriedenheit zu löſen.
Ueber den lebhaft erörterten Arbeitermangel auf den
Pflanzungen äußerte Dr. Solf, es handle ſich hier nicht um
eine ſpezifiſch oſtafrikaniſche Frage, ſondern um eine ſolche,
die allen tropiſchen Kolonien gemeinſam ſei. Seiner An=
ſicht
nach trete die Arbeiterfrage gerade in Oſtafrika be=
ſonders
dringend auf, weil die Gewöhnung der Einge=
borenenbevölkerung
an regelmäßige Arbeit mit der in
jüngſter Zeit erfolgten ſchnellen Entwicklung des Landes
nicht gleichen Schritt halten könne. Am Schluß ſeiner mit
lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede verſicherte der
Staatsſekretär: Die Regierung will und wird helfen.
Der Landtag von Schwarzburg=
Rudolſtadt tritt heute Mittwoch zuſammen. Er war
bekanntlich am 4. März ds. Js. aufgelöſt worden, weil
die ſozialdemokratiſche Mehrheit die Vorlage betreffs
einer unweſentlichen Abänderung des Wahlrechts abge=
lehnt
hatte und überhaupt ein erſprießliches Zuſammen=
wirken
zwiſchen Landtag und Regierung nicht zu er=
warten
war. Bei den am 7. Juni vorgenommenen Neu=
wahlen
behaupteten die Sozialiſten ihre Majorität; ſie
erhielten wieder neun Sitze, während auf die bürgerlichen
Parteien ſieben entfielen. Der Appell der Regierung an
die Wähler war alſo fruchtlos geblieben. Für die be=
ginnende
neue Legislaturperiode iſt gleich ein Konflikts=
punkt
vorhanden, da die Regierung im Juli öhne Zu=
ſtimmung
des Landtags allen Staatsbeamten und Volks=
ſchullehrern
eine Teuerungszulage von 8 Prozent des
Gehalts bewilligt hat, was eine Aufwendung von 130000
Mark nötig macht und nur dann ohne Sanktion der
Volksvertretung zuläſſig geweſen wäre, wenn infolge
Auflöſung oder aus ſonſtigen Gründen kein Landtag da
war. Die ſozialiſtiſche Mehrheit wird ohne Zweifel die
nachträgliche Genehmigung der Ausgabe verweigern,
aber auch abgeſehen hiervoa iſt die Rudolſtädter Regie=
rung
bei der Zuſammenſetzung des Landtags in einer
ſchwierigen Lage. Man darf geſpannt ſein, wie ſich die
Dinge in dem Fürſtentum weiter entwickeln werden.

Ausland.

England.

Die Tibetfrage. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, erhielt die engliſche Regierung bisher keine Ant=
wort
von China auf die engliſche Denkſchrift betreffend
Tibet.
Anrufung des Schiedsgerichtes. Amtlich
wird bekannt gegeben, daß die britiſche Regierung die
formelle Forderung an die Vereinigten Staaten richten

wird, den Streit über den Hay=Pauncefote=Vertrag und
den Panamakanal einem Schiedsgericht zu übertragen.

Rußland.

Kein Einfuhrverbot für ausländiſches
Getreide. Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird,
iſt die Nachricht, der ruſſiſche Handelsminiſter arbeite an
einem Geſetzentwurf, welcher ein vollſtändiges Einfuhr=
verbot
für ausländiſches Getreide nach Rußland verfügt,
vollkommen falſch. In Wirklichkeit verhält es ſich ffolgen=
dermaßen
: Auf Beſchluß des Miniſterrats iſt beim Han=
delsminiſterium
eine beſondere Kommiſſion unter dem
Vorſitz des Mitglieds des Conſeils, Handelsminiſters
Langowoi, eingeſetzt worden, welche ſich mit der Frage
beſchäftigen reſp. Maßnahmen ausarbeiten ſoll, auf welche
Weiſe der Einfuhr ausländiſchen Getreides nach Rußland
zu ſteuern ſei. Von einem Einfuhrverbot iſt überhaupt
nicht die Rede, aber da ausländiſches Getreide nach Ruß=
land
zollfrei eingeführt werden darf, wird die Kommiſſion,
die ihre Sitzungen noch nicht begonnen hat, ſich wohl zu=
nächſt
mit der Frage der evtl. Einführung eines Zolls
auf ausländiſches Getreide zu beſchäftigen haben.
Gute Ernte. Nach der Schätzung des ſtatiſtiſchen
Zentralkomitees übertrifft die diesjährige Ernte die vor=
jährige
bedeutend. Der Mehrertrag beträgt mindeſtens
116 Millionen Pud.

Serbien.

Rußlandreiſe des Kronprinzen. Ende
Auguſt (ruſſ. Kalenders) wird Kronprinz Alexander nach
Petersburg reiſen. Dieſer Reiſe wird in politiſchen Krei=
ſen
große Bedeutung beigemeſſen. Es heißt, daß der
Kronprinz am Zarenhof die jetzige Lage am Balkan zur
Erörterung bringen und ſich über die Auffaſſung der
ruſſiſchen maßgebenden Kreiſe informieren wolle.

Türkei.

Die Friedensfrage. Der Konſtantinopeler
Berichterſtatter des Matin meldet: Kiamil Paſcha habe
ihm auf ſeine Frage, ob er die Macht übernehmen werde,
erklärt, er wolle nicht derjenige ſein, der den Frieden ab=
ſchlüge
. Er wolle nicht, daß man noch einmal gegen ihn
den Vorwurf erhebe, er habe dem Auslande muſelman=
niſchen
Boden abgetreten. Selbſt wenn die türkiſche Re=
gierung
zu Zugeſtändniſſen bereit wäre, ſo könnte der
Sultan die Araber nicht verhindern, den Krieg fortzu=
ſetzen
. Die türkiſchen Truppen in Tripolis ſeien auf 2 bis
3000 Mann zuſammengeſchmolzen, die Italiener ſeien
zahlreich. Mögen ſie, ſchloß Kiamil Paſcha, die tatſäch=
liche
Eroberung vollziehen, dann werden wir uns beugen.
Aber welche Regierung könnte bei den fanatiſchen Arabern
durchſetzen, daß ſie den Kampf aufgeben, welche Regie=
rung
könnte von deren türkiſchen Glaubensgenoſſen ver=
langen
, daß ſie den Arabern nicht mit Geld und Waffen
beiſtehen? Ein Diplomat, anſcheinend der türkiſche Bot=
ſchafter
ſelber, hat einem Redakteur der Agence Fournier
erklärt, daß ohne die Zurücknahme des Annektionsdekrets
von Tripolitanien und der Cyrenaika ſeitens der italie=
niſchen
Regierung ein Friedensſchluß für die Türkei un=
möglich
ſei. Auch ein Teilverzicht auf Tripolitanien ſei
undenkbar. Der italieniſche Botſchafter Tittoni, dem der
Redakteur dieſe Erklärung vorlegte, erklärte, er könne ſich
hierüber nicht äußern, weil er ſich gegenwärtig der äußer=
ſten
Zurückhaltung befleißigen müſſe.

Vereinigte Staaten.

Der Panamakanalſtreit. Aus Waſhington
wird gemeldet: Die Entſcheidung über die Forderung
Englands, den Panamakanalſtreit einem Schiedsgericht zu
unterbreiten, dürfte erſt im Oktober nach der Rückkehr des
Staatsſekretärs Knox von den Beiſetzungsfeierlichkeiten
in Japan getroffen werden.

China.

Der Aufſtand in der Mongolei gewinnt
an Ausdehnung. Zahlreiche Banden überſchritten die

Grenze nach der Mandſchurei und haben Taonanfu in der
Mandſchurei, weſtlich von Charbin, beſetzt. Der Miniſter=
rat
hat, nachdem er ſich mit der mongoliſchen Frage be=
ſchäftigt
hat, zehntauſend Mann chineſiſcher Hilfstruppen
nach Tarmanfu geſchickt.

* Der Beſuch der ſchwediſchen Jour=
naliſten
. Die Vertreter der ſchwediſchen Preſſe wohn=
ten
am Montag der großen Parade des Gardekorps und
des dritten Armeekorps auf dem Tempelhofer Feld bei.
Ein Frühſtück, das der ſchwediſche Geſandte und Frau
Graſin Taube nach dem Schluß der Parade im Hotel
Kaiſerhof ihrem interimiſtiſchen Heim, zu Ehren der
ſchwediſchen Journaliſten und ihrer deutſchen Wirte gaben,
eröffnete die Reihe der geſelligen Veranſtaltungen der
Dertſchland=Fahrt. Graf Taube gab der Ueberzeugung
Ausdruck, daß auch dieſer Beſuch der ſchwediſchen Nedak=
teure
eine große Anzahl glänzender hoch intereſſanter
Tage verheiße und zur Stärkung der ſchon beſtehenden
Freundſchaft zwiſchen Deutſchland und Schweden bei=
tragen
werde. Chefredakteur Dr. Karl Hildebrand vom
Stockholms Tagblad antwortete im Namen der ſchwe=
diſchen
und deutſchen Kollegen. Er betonte, daß von den
verſchiedenen Mitteln, die es gebe, um zwei Völker einan=
der
näher zu bringen, eines der beſten ſicherlich das ſei,
die gegenſeitige Kenntnis von einander zu fördern. Daß
dies in erſter Linie die Aufgabe und das Verdienſt der
Preſſe ſei, habe Graf Taube vor zwei Jahren in Stock=
holm
, wo er als Miniſter des Aeußern die deutſchen
Redakteure begrüßte, freundlich anerkannt. Der heutige
Tag ſei ein neuer Beweis für das ſympathiſche Ver=
ſtändnis
, das er der Preſſe entgegenbringe.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. September=

* Vom Hofe. Die Fürſtin zu Solms=Lich
nebſt Kindern trafen am Montag 6,10 Uhr nachm. zum
Beſuch in Jagdſchloß Wolfsgarten ein. (Darmſt. Ztg.)
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Rabbiner des Rabbinats Mainz Dr.
Siegmund Salfeld in Mainz den Charakter als Pro=
feſſor
und dem Kommerzienrat Bernhard Albert
Mayer in Mainz, 1. Vorſteher der iſraelitiſchen
Religionsgemeinde daſelbſt, das Ritterkreuz 1. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen.
* In den Ruheſtand verſetzt wurden der Real=
lehrer
an der Oberrealſchule am Friedrichsplatz zu
Offenbach Ludwig Stahl und der Hauptſteueramts=
diener
Leonhard Albert Petri zu Gießen, beide auf
Nachſuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treu
geleiſteten Dienſte: letzterem wurde aus dieſem Anlaß das=
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für lang=
jährige
treue Dienſte verliehen.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Otto Sonne, Chef=
redakteur
der Illuſtrirten Zeitung zu Leipzig, die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin Marie Adelheid
von Luxemburg, Herzogin zu Naſſau, verliehenen Ritter=
kreuzes
2. Klaſſe mit der Krone des Militär= und Zivil=
verdienſtordens
Adolphs von Naſſau erteilt.
g. Ferienſtrafkammer. Ein 12jähriger Schüler von hier
hatte ſich geſtern wegen Unterſchlagung und Urkunden=
fälſchung
, ſowie wegen eines fortgeſetzten ſchweren Dieb=
ſtahls
vor der Strafkammer zu verantworten. Für den
jugendlichen Leichtſinn war bereits die Zwangserziehung
beſchloſſen, jedoch nicht zur Ausführung gekommen. Es
iſt der Sohn einer Witwe, die durch ihre Beſchäftigung
nicht in der Lage iſt, ſich viel um den Buben zu beküm=
mern
. Für einen hieſigen Photographen hatte er Gel=
der
einzukaſſieren, wozu ihm ein Buch eingehändigt
wurde, in das die einzuziehenden Summen eingetragen
wurden. Er hat nun in einem Falle ſtatt 4 Mark nur 2
abgeliefert und, um dieſe Unterſchlagung zu verdecken,
die Zahl 4 in dem Buche in eine 2 gefälſcht. Ferner gibt
er zu, in das Zimmer eines Fräuleins Walter, die bei
ihnen Wohnung inne hatte, eingedrungen zu ſein und
aus einem verſchloſſenen Behälter mehrmals Geld ins=
geſamt
19,11 Mark, entnommen zu haben. Das Käſtchen
öffnete er mit einem Schlüſſel, der nicht dazu gehörte.
Das Gericht erkennt auf 9 Tage Gefängnis, die
jedenfalls bedingt erlaſſen werden. Auch dürfte nunmehr
die Ueberführung in Zwangserziehung bald erfolgen.
In ganz gemeiner Weiſe hat der 19jährige Arbeiter Jo=
hann
Wilhelm Führſen aus Offenbach einem 11
Jahre alten Mädchen 10 Mark entwendet. Die 11jährige
Jochter des Arbeiters Graf hatte für den Vater, der eine
Krankenkaſſe verwaltete, Geld einkaſſieren und einem

1812 in der Dichtung.
Von Dr. Paul Landau.

Ueber Rußlands Leichenwüſtenei
Faltet hoch die Nacht die blaſſen Hände;
Funkeläugig durch die weiße weite,
Kalte Stille ſtarrt die Nacht und lauſcht.
R. Dehmel.
Am 15. Dezember Anno Domini 1812 ſauſte ein
Schlitten durch das ſtille Weimar: aus der Vermumm=
ung
dichter Pelze ſchaute das fahle Geſicht des Franzoſen=
kaiſers
mit glühenden Augen. Vorn ſaß ſein treuer Mame=
luck
Ruſtan, hinten ſtanden zwei ſächſiſche Küraſſiere. An
der Poſt hielt er kurze Minuten und vergaß nicht, ſich nach
Goethe zu erkundigen und ihm einen Gruß zu ſenden.
Dann ging es weiter nach Frankreich Wie ein unheim=
liches
Nordlicht war er ſo blitzartig aufgetaucht, und dies
Bild des zum erſten Mal bezwungenen, fliehenden, winter=
lich
erſtarrten Napoleon, das auch auf Karl Auguſt tief er=
ſchütternd
wirkte, prägte ſich Goethes Seele unvergeß=
lich
ein. Mit gewaltiger Kraft faßte er im Buch des
Timur ſeines Divan die ungeheure Weltbegebenheit, wie
in einem Spiegel, auf, worin wir, zu Troſt und Untroſt
den Widerſchein eigener Schickſale erblicken.
Der früheſte Reflex dichteriſcher Geſtaltung des Schick=
ſalsjahres
1812 leuchtet in dieſem grandioſen Gedicht, das
als Héhepunkt des ganzen weſtöſtlichen Divan gedacht
war, vor uns auf. Unter der Maske des orientaliſchen
Deſpoten, hervortretend aus einem 400jährigen Spiegel=
bild
des fernſten Oſtens, erſcheint hier der Dämon der
Unterdrückung angeweht vom tötenden Eishauch, wie
ihn Gottes Hand in Rußland bereitet. Man hat leugner
wollen, daß des Welteroberers Schickſal in dieſem weſtöſt=
lichen
Gedicht Der Winter und Timur ſymboliſiert ſei,
weil Goethe damals ein unbedingter Verehrer des großen
Korſen war, aber, wie Konrad Burdach überzeugend aus=
neführt
hat es haben die patriotiſchen Impulſe ſeiner
Taufgebung, beſonders Karl Auguſts, und der Kaiſerin
Chr. SexLudovien von Oeſterreich dies Werk dem Gentit des

Dichters entwunden, als ein Fragment wenigſtens des er=
hofften
deutſchen Nationalepos. Nirgends ſonſt hat er
wie hier, dem Haß gegen den Weltbezwinger und Welt=
verwüſter
, dem grauſamen Triumph über ſeinen Fall ſo
ſchneidend, ſo unverſöhnlich Worte geliehen.
Das Volkslied aber ſtimmte zu gleicher Zeit den
gleichen Ton wie der Weimarer Geheime Rat und Olym=
pier
an, nur jubelnder, wilder und naiver. Als ein
markiger Freudengeſang tönte das Fluchtlied durch die
deutſchen Lande:
Mit Mann und Roß und Wagen,
Sc hat ſie Gott geſchlagen.
Es irrt durch Schnee und Wald umher
Das große, mächtige Kaiſerheer.
Und nun werden ſie aufgezählt: Jäger ohne Gewehr,
Kaiſer ohne Heer, Heer ohne Kaiſer, Wildnis ohne Weiſer,
Trommler ohne Trommelſtock, Küraſſier im Weiberrock
uſw. Noch viele andere Lieder wurden damals geſungen,
ſo das derb=friſche mit dem Refrain:
Juchheiraſſaſa,
Koſaken ſind da!
Sie haben lange Bärte, wie die Teufel ſnd ſie da.
Der fliehende Napoleon entfeſſelt hier übermütigen Humor:
Und als der Wagen ſo ſchnell hinrollt!
Da fragte man ihn, wo er jetzt hinwollt
Er ſagte, er wolle fahren nach Paris,
Kurieren laſſen ſeine erfrorenen Füß.
Und als er nun gekommen bis nach Paris,
Da beſah der Senat ſeine geſchwollenen Füß:
J. Na-pi-pa-poleon, wie ſiehſt Du mir denn aus?
Wie biſt Du denn gekommen aus Rußland heraus?
Die Berliner reimen einen Spottvers, den Theodor Fon=
tane
der Ueberlieferung für würdig gefunden hat:
Ja der Ruſſe, ja der Ruß‟
Hat uns gezeigt, wie man’s machen muß:
Im ganzen Kremmel
Nicht eine Semmel,
Und auf den Hacken

Immer nur Hunger und Koſaken.
Warte
Bonaparte,
Du Kujon,
Andre Woche, wir kriegen Dich ſchon!
Es ſind helle Vorklänge der Poeſie der Freiheitskriege, die
hier erſchallen; die Freiheitsdichter ſtimmen ſchon ihre
Leier: Rückert dichtet im Lenoren=Ton von dem in
Rußland erfrorenen franzöſiſchen Krieger und der Brand
von Moskau begeiſtert Staegemann zu einer Nach=
dichtung
des alten Dies irae von Thomas de Celano:
Tag des Zornes! Tag der Rache!
Säumeſt du ſo lang? erwache
An des Hohns ruchloſer Lache!.
Raben ziehn, die finſtern Sagen.
Moskau hat in Flammentagen
Bonapartes Sieg erſchlagen.
Mit dem ruſſiſchen Unglück begann allgemein in den
Herzen der Unterworfenen ein grimmer Haß und Hohn
an die Stelle blinder Vergötterung und Schwärmerei zu
treten. Wie reſpektlos parodiert die erſte größere deutſche
Napoleon=Dichtung, die politiſche Komödie Napoleon
die Friedrich Rückert unter dem Pſeudonym Freimund
Raimar 1816 und 1818 herausgab, die Laufbahn des
großen Mannes! Der ruſſiſche Feldzug erſcheint hier
unter der Allegorie, daß Napoleon ſeinem Kind aus zwei=
ter
Ehe den Ruhm, den Storch vom Kremlturm in
Moskau holen ſoll, dabei faſt erfriert und ſich nur müh=
ſam
bei ſeinem ſchlafenden Söhnchen wieder erwärmt.
Doch bald erfolgt wieder ein Umſchwung in der allge=
meinen
Stimmung. Den Gefangenen von St. Helena um=
euchtet
die Gloriole des Märtyrertums, und der Macht=
loſe
, unwürdig Behandelte erringt neue Siege in den
Gemütern. Lord Byron erhebt ſich in flammenden
Anklagen gegen die Kerkermeiſter des Entthronten, gegen
die kleine Welt, die ihn nun verhöhni, und in Heines
Grenadieren (1819) erklingt die erſte pathetiſche Verherr=
lichung
jener bisher verſpotteten Tragödie in Rußlands
Eisfeldern. ein Hohes Lied der Treue und der Napoleon=

[ ][  ][ ]

Nummer 208.

Därmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Seite 3.

Mitglied ein Zehnmarkſtück als Krankengeld bringen
ſſollen. Unterwegs ſetzte ſich das Mädchen, als es ſchon
kaſſiert hatte, auf eine Bank, um das Geld zu zählen.
Hier ſetzte ſich dann der Angeklagte dazu und unterhielt
ſich mit der Kleinen. Anſcheinend hat er hierbei ein
Zehnmarkſtück direkt aus dem Portemonnaie genommen.
Er behauptet, es habe an der Erde gelegen. Das Gericht
verurteilt den vorbeſtraften Angeklagten zu 3 Monaten
Gefängnis.
* Mandatsniederlegung. Stadtverordneter Kauf=
mann
Roth hat aus Geſundheitsrückſichten ſein Mandat
als Stadtverordneter niedergelegt. Die Nieder=
legung
iſt bereits vom Oberbürgermeiſter beſtätigt. Herr
Roth iſt herzleidend.
* Die Ausſtellung: Das Gas in Haus und Gewerbe
übte bis zum Schluß eine außerordentliche Anziehungs=
kraft
auf die Bewohner Darmſtadts und der Umgebung
aus. Der Elitetag bildete eine Grenze in den Veran=
ſtaltungen
, indem bis dahin täglich große Kochvorträge
ſtattfanden, an deren Stelle von Freitag ab nachmittags
laufende Vorführungen der Kocher und Bratapparate
traten, bei denen zwei Vortragsdamen der Gaszentrale
den Beſuchern jede gewünſchte Auskunft bereitwilligſt er=
teilten
. Auch die Vorführung des Waſchautomaten Fix
am Samstag, bei dem außer dem Herrichten und Ein=
legen
, ſowie dem Ausſpülen der Wäſche keinerlei Hand=
arbeit
zu leiſten iſt, erregte das lebhafteſte Intereſſe der
Hausfrauen und wurde daher am Sonntag nachmittag
wiederholt. Dabei wurden mit dem Waffeleiſen der
Zentralwerkſtatt Deſſau auf Gas Waffeln bereitet, die
den Beſuchern ſichtlich vortrefflich mundeten. Am
Samstag abend fand das der ungünſtigen Witterung
wegen mehrfach verſchobene Ausſtellungskonzert bei gro=
ßer
Illumination mit ſämtlichen Beleuchtungskörpern,
Sternen, Pyramiden uſw. ſtatt. Die kühle Witterung
hatte wohl viele davon abgehalten, den magiſch be=
leuchteten
Saalbaugarten zu beſehen. Die erſchienenen
Beſucher, die im Garten und auf der Terraſſe Platz ge=
nommen
hatten, haben ihren Entſchluß ſicherlich nicht be=
reut
und einige angenehme Stunden bei den Vorträgen
der unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Rühle=
mann
konzertierenden Kapelle des Leibdragoner= Regi=
ments
Nr. 24 verlebt. Der gut beſuchte und beifällig
aufgenommene Schlußvortrag des Ausſtellungsleiters,
Herrn Ingenieur Puchala, belehrte an Hand einer gro=
ßen
Zahl von Lichtbildern über die Bereitung und die
vielſeitige Verwendungsmöglichkeit des Steinkohlen=
gaſes
. Zum Schluſſe wird noch ein kurzer Rückblick auf
die Ausſtellung intereſſieren. Der Beſuch wies von Tag
zu Tag ſteigende Ziffern auf und erreichte am Schlußtag
die Höchſtzahl von 3200 Perſonen, ſo daß die Geſamt=
beſuchsziffer
für 6½ Tage auf die außerordentliche Höhe
von 13 500 Perſonen ſtieg. Zu dieſem Erfolg können wir
iſowohl die Zentrale für Gasverwertung in Berlin, wie
auch die Verwaltung des ſtädtiſchen Gaswerks nur be=
glückwünſchen
.
Der Zweck der Ausſtellung, auf die Fort=
ſchritte
, welche auf dem Gebiete der Gasverwertung gerade
in den letzten Jahren erzielt wurden, hinzuweiſen, die
Hausfrauen über die Möglichkeit des ſparſamen Ver=
brauchs
aufzuklären, aber auch das Vorurteil zu zer=
kſtreuen
, als ob eine elegante Beleuchtung der Wohnung,
ſeine einwandfreie, ſchattenloſe Beleuchtung der Schau=
ffenſter
und eine helle Reklame= oder bequeme Treppen=
ſhaus
=Beleuchtung nur durch Elektrizität erzielt werden
ſkönne, wurde ſicherlich erreicht und der Gasbeleuchtung,
fſowie der Verwendung des Gaſes in der Küche viele
neue Freunde gewonnen. Die in verſchiedenſten Ausführ=
ungen
vorgeführten Fernzündungen (Multiplex=, Aska=
nia
= uſw. Zündungen) bei der Gasbeleuchtung vereini=
igen
deren Billigkeit mit der Bequemlichkeit der elektri=
iſchen
Belenchtung. Das lebhafte Intereſſe und der ſtarke
Beſuch gewährleiſten wohl, daß die in der Ausſtellung
gegebenen Anregungen ſich weithin verbreiten zum
Wohle der Allgemeinheit. Allen beteiligten Firmen, die
in hervorragender Weiſe zum Gelingen der Ausſtellung
beitrugen, dem Stadtbauamt und der Stadtgärtnerei,
welche die Ausſchmückung des Saalbaues übernommen
hatten, der Preſſe und beſonders der Gaszentrale und
deren tüchtigen Beamten und Beamtinnen gebührt der
Dank der Stadt und der ſtädtiſchen Gaswerksverwaltung.
Die Wanderausſtellung geht zunächſt nach Bad Nauheim
zur Tagung des Mittelrheiniſchen Gas= und Waſſerfach=
männervereins
, ſodann nach Höchſt a. M., Frankfurt a. M.,
Eſſen uſw.
Arbeiterbeſuche zur Ausſtellung Der Menſch
Als im vergangenen Jahre die Internationale Hygiene
Ausſtellung zu Dresden ihrem Ende zuging, nahm die
Zahl der Beſucher oft derartig zu, daß die Haupthalle
der Ausſtellung, der Palaſt Der Menſch zuweilen
polizeilich geſperrt werden mußte. Namentlich waren es
neben den vielen Gelehrten und Fachleuten Arbeiter, die

in großer Anzahl gemeinſam die Ausſtellung beſuchten.
Die größeren Betriebe und Fabriken Sachſens hatten
ſchon gleich nach Eröffnung ihren Arbeitern Urlaub und
Geldbeihilfen zum Beſuche der Ausſtellung gewährt. In
vielen Fällen wurden die Fabriken an dem Tage des
Ausſtellungsbeſuches geſchloſſen; außerdem gewährten,
wie durch eine neue Umfrage jetzt feſtgeſtellt worden iſt,
die Unternehmer ihren Arbeitern die Unterhaltungskoſten
für die freien Tage in Dresden, ja viele Fabrikbeſitzer
ließen auch die Frauen und die Heimarbeiterinnen an
dem Beſuch der Ausſtellung teilnehmen. In Arbeiter=
kreiſen
wurde dieſe Gelegenheit zum Beſuch der Ausſtellung
freudig benutzt und, wie aus den Mitteilungen der Unter=
nehmer
hervorgeht, hat die Beſichtigung der Abteilung Der
Menſch den Beteiligten hohen Nutzen gebracht. Auch
die größeren Firmen Weſtdeutſchlands werden, ſoweit
dies noch nicht geſchehen, gerne die Gelegenheit benutzen,
ihren Arbeitern den großen Reichtum an Wiſſen und
Aufklärung, den die Darmſtädter Ausſtellung Der
Menſch bietet, zugänglich zu machen. Die Eiſenbahn=
verwaltung
hat ſich bereit gefunden, für ſolche Maſſen=
beſuche
Extrazüge zu ermäßigten Fahrpreiſen einzulegen
und auch die Ausſtellungsleitung hat den Eintrittspreis
für Arbeitermaſſenbeſuche auf 50 Pfg. ermäßigt. Außer=
dem
iſt die Ausſtellung mit Rückſicht auf die aus=
wärtigen
Beſucher bis abends 10 Uhr, ununterbrochen,
auch Sonntags, geöffnet.
Die Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt iſt am
Sonntag von über 5000 Perſonen beſucht worden. Bei
dieſem ſtarken Andrange hat ſich die räumliche Anlage
der Ausſtellung im Reſidenzſchloß vorzüglich bewährt. Die
breiten Zugänge in der Mitte der einzelnen Hallen er=
möglichten
ein bequemes Hindurchſchreiten und ein ruhi=
ges
Verteilen des Publikums in die einzelnen Seiten=
gänge
, ohne daß beſonders bemerkenswerte Stauungen
entſtanden wären. Auch für eine Ventilation in der Aus=
ſtellung
iſt durch die großen Schloßfenſter in den hohen
Hallen geſorgt, ſo daß ſtets friſche Luft zugeführt werden
kann. Die Beſucher ſetzten ſich zum großen Teile aus
Inhabern von Tageskarten und aus den mit Sonder=
zügen
von auswärts Gekommenen zuſammen. Vereine
befanden ſich unter den Beſuchern nur wenige, da ſich
dieſe für gemeinſame Maſſenbeſuche meiſtens die Wochen=
tage
ausſuchen.
n. Von der Militärſlieger=Abteilung. Als ſeiner Zeit
Fabrikant Euler von Frankfurt a. M. die Flugübungen
hier begann und einen größeren Betrieb ins Leben rief,
war ihm die Militärbehörde in richtiger Erkenntnis der
Bedeutung tatkräftig entgegengekommen. Es wurde der
in ſeinen örtlichen Verhältniſſen ſo günſtige Platz zur
Verfügung geſtellt und an deſſen Nordoſtſeite ein Schup=
pen
für die Flugzeuge errichtet. Trotz eines ſpäteren
ſoriſchen Anbaus vermochte latzterer jedoch nur eine
geringe Anzahl Flugzeuge aufzunehmen, ſo daß er für
ige Bedürfniſſe bei weitem nicht ausreicht. Die Mili=
tärverwaltung
, in deren Eigentum er ſteht und die ihn
nach Ueberſiedelung Eulers nach Frankfurt allein zur Ver=
fügung
hat, läßt eben umfangreiche Bauarbeiten vor=
nehmen
, um die fragliche Halle ſo zu vergrößern, daß
darin zwanzig Flugzeuge untergebracht werden
können. Es wird daſelbſt eine Militärfliegerabteilung
ihren Standort erhalten. Bis 1. Oktober d. J. ſoll die
Erweiterung fertiggeſtellt ſein, und es wird ſich von da
an wehl ein reges Leben in flugtechniſcher Beziehung
entfalten
* Sedanfeier der vereinigten Kriegervereine. Der
diesjährige Sedantag wurde wieder gemeinſam in der
Turnhalle am Woogsplatz von den ſämtlichen hieſigen
Haſſia=Vereinen unter Mitwirkung der Turngemeinde
gefeiert. Die Kameraden mit ihren Familien hatten der
Einladung ſehr zahlreich Folge geleiſtet, ſo daß der Saal
ſchon frühzeitig vollſtändig beſetzt war. Die Herren Offi=
ziere
der Garniſon waren diesmal nur in geringer An=
zahl
vertreten, da die meiſten Truppenteile ſich zurzeit
im Manöver befinden. Dagegen hatten ſich mehrere ehe=
malige
Krankenpflegerinnen aus dem Feldzuge 1870/71
eingefunden und am Ehrentiſche Platz genommen. Der
muſikaliſche Teil wurde von der Kapelle des Leibgarde=
Infanterie=Regiments Nr. 115 ausgeführt, unter Leitung
ihres altbewährten Dirigenten, Herrn Obermuſikmeiſter
Hauske. Die Feier wurde pünktlich um 8 Uhr eingeleitet
durch den Sedanmarſch. Herr Oberleutnant a. D.
Lotheißen, Ehrenvorſitzender des Militärvereins
Germania II, begrüßte in Verhinderung des 1. Vorſitzen=
den
des Kriegervereins Darmſtadt die Anweſenden.
Seine Rede klang aus in ein dreimaliges Hurra auf
Se. Maj. den deutſchen Kaiſer als oberſten Kriegsherrn,
ſowie auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog, unſeren
geliebten Landesfürſten. Dem Muſikſtück Des deutſchen
Kriegers Traum vor der Schlacht zolkten die Feſtteil=
nehmer
einen derartigen Applaus, daß ſich die Kapelle

zu einer Wiederholung entſchließen mußte. Der von
der Turnerſingmannſchaft unter Leitung des Dirigenten,
Herrn Etzold, vorgetragene Chor: Steh’ feſt, du deut=
ſcher
Eichenwald ſowie der ſpäter dargebrachte Chor:
An die Heimat fanden berechtigten Beifall. Kame=
rad
Leutnant d. L. K. Göbel hielt die Feſtrede, ge=
tragen
von echt patriotiſchem Geiſte, die Ereigniſſe der
großen Zeit von 1870/71 ſchildernd. Er bezeichnete Heer
und Flotte gewiſſermaßen als eine Verſicherung gegen
den Krieg und knüpfte daran eine Mahnung an die
deutſche Jugend, ſich durch körperliche Ausbildung zu
befähigen, wenn das Vaterland rufe, es ihren Vätern
im Kampfe gleich zu tun. Ein hierauf ausgebrachtes
Hoch auf das deutſche Vaterland fand ſtürmiſche Auf=
nahme
. Es folgten Leiterpyramiden, geſtellt von Tur=
nern
der Turngemeinde Darmſtadt, welche mit großer
Sicherheit ausgeführt wurden. Den Trinkſpruch auf
Heer und Marine brachte der 2. Vorſitzende des Krieger=
vereins
Darmſtadt, Herr Oberbürgermeiſter a. D. Schä=
fer
, aus. Eine Dichtung, betitelt: 1870/71, Erinner=
ungen
an Deutſchlands größte Zeit vortrefflich ausge=
arbeitet
durch den Kameraden Leutnant d. L. K. Göbel,
mit patriotiſchen Liedereinlagen, welche von den An=
weſenden
mitgeſungen wurden, verſtand Herr Bruno
Schulz in meiſterhafter Weiſe den Feſtteilnehmern zu
Gehör zu bringen. Der Verfaſſer ſowohl als auch der
Vortragende ernteten hierfür den wohlverdienten Bei=
fall
. Eine ebenfalls hübſche Programmnummer bildete
eine von Turnern der Turngemeinde geſtellte Reckriege,
welche äußerſt ſchwierige Uebungen mit großem Ge=
ſchick
dem Auge darboten. Nachdem noch der 1. Vor=
ſitzende
, Herr Hauptmann a. D. Waldecker, der inzwiſchen
erſchienen war, den Anweſenden für ihr Erſcheinen und
den Mitwirkenden für ihre liebenswürdige Unterſtützung
gedankt hatte, beendete die Kapelle durch Darbietung
einiger hübſcher Konzertſtücke das für dieſen Abend auf=
geſtellte
Programm, womit die vaterländiſche Feier einen
würdigen Abſchluß fand.
* Ein Beſuch des Landesmuſeums. Am Sonntag, den
1. September, endete ein Beſuch, den die im Kreis=Obſt=
und Gartenbauverband vereinigten Obſt= und Gartenbau=
vereine
des Kreiſes Darmſtadt den zoologiſchen Samm=
lungen
des Landesmuſeums machten. Herr Profeſſor Dr.
Liſt hatte ſich im Vorſommer bereit gefunden, einer An=
zahl
Herren, die ſich dem Verband zur Verfügung geſtellt
hatten, an Ort und Stelle Art und Zweck der Aufſtellung,
welche die reichen Sammlungen im neuen Gebäude durch
Herrn Profeſſor Dr. von Koch gefunden haben, zu erläu=
tern
. Dieſe Herren, faſt alle Lehrer in den Gemeinden
des Kreiſes, führten nun abwechſelnd die Mitglieder der
jeweils erſchienenen Vereine in den verſchiedenen Abteil=
ungen
der zoologiſchen Sammlungen und gaben die
nötigen Erläuterungen. 14 Vereine beſuchten ſo an 5 Sonn=
tagen
die genannten Sammlungen. Führer und Hörer
ſind befriedigt nach Hauſe zurückgekehrt und es ſteht zu er=
warten
, daß gar mancher der Teilnehmer dieſer Führungen
den ſchönen Bau des Landesmuſeums wieder aufſuchen
wird, um durch erneute Betrachtung ſeine Kenntniſſe zu er=
weitern
. Der Verband und die Beſucher aber wiſſen Dank
den führenden Herren, ſowie Herrn Profeſſor Dr. Liſt, der
ſo bereitwillig den Wünſchen des Verbandes entſprach,
und nicht zuletzt auch der Großh Muſeumsdixektion, die
den Zutritt zu den Sammlungen zu ſonſt geſchloſſener Zeit
geſtattete. Daß nach Abſchluß der je 1½ſtündigen Führ=
ung
durch die zoologiſchen Sammlungen auch die anderen
Sammlungen des Muſeums beſucht wurden, ſei der Voll=
ſtändigkeit
halber noch bemerkt.
* Der Männergeſangverein Concordia veranſtaltete
aus Anlaß des 10jährigen Jubiläums ſeines verdienſt=
vollen
Dirigenten, Herrn Richard Etzold, im Mathilden=
höhſaal
eine Feier die einen guten Beſuch aufzuweiſen
hatte und den beſten Verlauf nahm. Die Veranſtaltung
wurde eingeleitet durch ein Konzert am Samstag, bei
welchem der Vorſitzende, Herr Dingeldein, zunächſt
die zahlreich erſchienenen Gäfte und Mitglieder begrüßte,
worauf der aktive Chor der Concordia den Begrüßungs=
chor
mit friſchen Stimmen ertönen ließ. Der Ehrenvor=
ſitzende
, Herr Patzelt, hielt darauf die Feſtrede, in
welcher er der Einführung und der Entwickelung des
Männergeſanges von früheſter Zeit bis in die Gegen=
wart
gedachte und dann die großen Erfolge er=
wähnte
, die der Männergeſangverein Concordia
unter der 10jährigen Leitung des unermüdlichen
Dirigenten Herrn Etzold zu verzeichnen hat. Als
die Sänger dann die beiden Chöre: Kloſter Lorſch
von Neff (der perſönlich anweſend war), und Morgen=
rot
von Brodt zum Vortrag gebracht hatten, ehrte in
einer herzlichen Anſprache der Vorſitzende den Dirigenten
Herrn Etzold, indem er ihm im Namen des Vereins ein
künſtleriſch ausgeſtattetes von Kunſtmaler M. Richter ge=
fertigtes
Diplom und ein Geſchenk überreichte. Im Namen
der Sänger widmete ein Mitglied des aktiven Chores

Verehrung, das im Buch Legrand (1827) brauſend fort=
hallt
. 1811 hatte Heine den Kaiſer geſehen und einen un=
vergänglichen
Eindruck fürs Leben empfangen: Ich ſehe
ihn immer noch hoch zu Roß, mit den ewigen Augen und
dem marmornen Imperatorengeſichte, ſchickſalsruhig hinab=
blickend
auf die vorbeidefilierenden Garden er ſchickte
ſie damals nach Rußland und dann erblickte er 1813
dieſe Waiſenkinder des Ruhmes wieder; durch die
Riſſe ihrer zerlumpten Uniformen lauſchte das nackte Elend,
und obgleich verſtümmelt, ermattet und meiſtens hinkend,
blieben ſie doch noch immer in einer Art militäriſchen
Schrittes.
Die tragiſche Größe dieſer Kataſtrophe von 1812, die
Heine geahnt, kam zum machtvollen Ausdruck in der far=
benprächtigen
, romanhaft ſpannenden Geſchichte Napo=
leons
und der Großen Armee im Jahre 1812 des Grafen
Ségur (1824) Dies Werk ein Ozean. eine Odyſſee
und Ilias, eine Oſſianſche Elegie, ein Volkslied wie es
Heine nennt, erſchütterte die Gemüter aufs tiefſte und hat
die Dichter mit glühenden Phantaſien erfüllt bis auf den
heutigen Tag. In Wilhelm Hauffs Novelle Das
Bild des Kaiſers vernimmt man den Nachhall von
Ségurs Heldenepos und Ludwig Rellſtab, der
deutſche Ségur ſchließt ſich in ſeinem trefflich erzählen=
den
und vielgeleſenen Roman 1812 (1824) ziemlich eng
an ſein Vorbild an. Seine Schilderungen der Schlacht,
des Brandes von Moskau, des Ueberganges über die
Bereſina, umrankt von romantiſchen und aufregenden Er=
lebniſſen
einiger polniſcher und deutſcher Offiziere, ſind
lebendig und packend im Zuſtändlichen, wenn auch ohne
künſtleriſche Originalität. Er ſchuf den rechten guten
Schmöker der alten Zeit mit ſeiner ſoliden Technik und
der behaglich ſpannenden Darſtellung, durch den Unzählige
alle Schauer und Abenteuer dieſes Jahres nacherlebt
haben. Das lvriſche Echo der neuen Napoleon= Begeiſter=
ung
aber bot Gaudy in ſeinen ſchwungvollen Kaiſer=
liedern
(1835), dem erſten Verſuch, die Totalität dieſes
Heldenlebens epiſch zu erfaſſen. Die ruſſiſchen Bilder
Entſcheidung Borodino, Moskau und Moskaus
Brand ſind itm wohl mit am beſten gelungen.

Unterdeſſen bemächtigte ſich in Frankreich die Bühne
des grandioſen Stoffes; eine Unzahl Vaudevilles ſchufen
die Napoleon=Legende; am erfolgreichſten war das Stück
des älteren Dumas, der in 20 Bildern den Helden von
der Leutnantszeit in Toulon bis nach St. Helena beglei=
tete
. Ein Prunkſtück der Aufführung war das Jahr 1812
und der Brand von Moskau. Börne ſogar war begeiſtert
von dieſen Flammeneffekten und dem ſtarken Kontraſt
des ewigen Schnees. Dumas Vorbild des hiſtoriſchen
Ausſtattungsſtücks lebt noch heute, beſonders in den fran=
zöſiſchen
Revuen, fort Mit Kunſt hatte es wenig zu tun.
Das große Kunſtwerk von 1812 ſollte überhaupt von keinem
Mitlebenden und keinem Franzoſen geſchaffen werden.
Und doch hatte ein großer Dichter und Darſteller an dem
Feldzuge teilgenommen, hatte mit ſcharfem Blick das Völ=
kerchaos
der großen Armee ſtudiert mit kaltem Blut ihre
Siege und ihren Untergang beobachtet: Stendhal.
Dem Generalkriegskommiſſar war 1812 ſtets eine heilige
Erinſterung, das größte Schauſpiel ſeines Lebens, das
tn manchen Einzelheiten auf ſeine Maſſen= und Schlachten=
ſchilderungen
eingewirkt hat. Grandioſer aber hat Bal=
zac
in einigen ſeiner kleineren Erzählungen, ſo Oberſt
Chabert, die phantaſtiſch=grauſige Stimmung dieſes
Schickſalszuges erfaßt und zum ſchauerlich= wilden Hinter=
grund
tragiſcher Menſchenſchickſale gemacht. Auf Stendhals
und Balzacs Spuren wandelt der große Meiſter, der uns
als Ruſſe und Nachkomme eines damals mitkämpfenden
Geſchlechts die Dichtung von 1812 ſchenken ſollte: Leo
Tolſtoi in ſeinem Krieg und Frieden (186472). Der
eigentliche Kern des einzigartigen Romans iſt nach Tol=
ſtois
eigener Auffaſſung das Jahr 1812, und die ganze
große Zahl der auftretenden Perſonen, die Fülle der vor=
aufgehenden
Ereigniſſe, ſie ſtehen unter dem Zwange des
gewaltigen Beſetzes, der Vorſehung, die ſich 1812 entfaltete.
In einer ungeheuer breiten Expoſition werden die beiden
Gegenſpieler, das heilige Mütterchen Rußland und die
napoleoniſche Welt erſt in all ihren pſychologiſchen Wur=
zeln
und Tiefen geſchildert, bevor ſie im weltgeſchichtlichen
Ringen ſich meſſen. Die breiten Gemäldegruppen ballen
ſich immer feſter zuſammen in dan mit einer Meiſterſchaft

ohne Gleichen gegebenen Darſtellungen der ruſſiſchen Volks=
bewegung
, der Mordſchlacht von Borodino, des Moskauer
Brandes, der Flucht alles zuſammengehalten durch die
Entwicklung des Grafen Pierre Beſuchow, dieſes Symbols
der ruſſiſchen Volksſeele. Ein nicht zu überbietender
Höhepunkt der hiſtoriſchen Dichtung iſt hier erreicht. In
dieſem Werk wird 1812 fortleben
Alle Dichter nach Tolſtoi ſtehen unter dem Einfluß
ſeines Romans. Nach der Lektüre des Auches mag Ri=
chard
Dehmel ſeine herliche Ballade Anno Domini
1812 dies geſpenſtiſche Nachtbild des fliehenden Kaiſers,
geſchaffen haben. Auch Emil Ludwig ſteht in ſeinem
leidenſchaftlich gefühlten Napoleon=Drama, deſſen Glanz=
partie
die ruſſiſchen Szenen des dritten und vierten Aktes
ſein dürften, im Banne Tolſtois. Weniger ſchon Sophus
Michaélis in ſeinem glänzend geſchriebenen Buch
1812; der ewige Schlaf‟ Es iſt die kecke und bunt be=
lichtete
Art des Impreſſionismus, die hier einen Triumph
der Schilderungskunſt feiert, ſelten geſtört durch roman=
hafte
Epiſoden. Wie der Kielland von Rund um Napo=
leon
hat Michaélis ſeine höchſt perſönliche intime Art,
Geſchichte zu erleben, und weiß dem Stoff neue Seiten ab=
zugewinnen
, ihm ein ſprühendes Feuerwerk ſcharfer Re=
flexe
zu entlocken.
Die Ereigniſſe von 1812 ſind in zahlloſen Dichtungen
behandelt worden: der Brand von Moskau erſcheint im
Drama (Gelpcke, 1864); die York=Epiſode bildet das Haupt=
thema
in dem Drama Greifs und dem 1812 von Otto
von der Pforten. In den Werken, die die Laufbahn
Napoleons ſchildern man denke an das Epos Edgar
Quinets und den Roman Karl Frenzels Lueifer
ſpielt natürlich das Schickſalsjahr 1812 ſeine Rolle. Von
ſolchen Dichtungen ſei zum Schluß nur die jüngſte und
bedeutendſte erwähnt: des engliſchen Dichters Thomas
Hardy Drama in drei Bänden, 19 Akten und 130 Szenen
The Dynaſts das Napoleon im Kampf mit Europa von
1805.1815 darſtellt. Dies gedankentiefe fauſtiſch an=
mutende
Werk enthält auch in dem dem ruſſiſchen Feldzug
gewidmeten Teile anſchauliche Bilder von eigentümlicher
Stimmungskraft.

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Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

Platz auf dem Lande aufzuſteigen, 10 Minuten zu fliegen
und jenſeits einer bezeichneten Linie auf dem Waſſer nie=
derzugehen
. Nach dem Niedergang auf dem Waſſer iſt
der Motor ganz abzuſtellen, ſo daß der Propeller nicht
mehr rotiert. Es iſt ſodann vom Waſſer wieder aufzu=
ſteigen
und nach dem Startplatz auf dem Lande zurückzu=
kehren
. Bruno Büchner ſtartete trotz Regenwetter nach=
mittags
4 Uhr 20 Min. auf dem Flugplatz in Heiligen=
damm
. Er ging nach einem Fluge von 10 Minuten auf
das Waſſer nieder, ſtellte den Moror vorſchriftsmäßig ab,
warf dann den Propeller ſelbſt wieder an, erhob ſich bei
mäßigem Winde und nur etwa 100 Meter Anlauf ohne
Schwierigkeit vom Waſſer und landete nach ſchönem
Rundfluge in elegantem Gleitfluge 4 Uhr 38 Min. wieder
auf dem Flugplatz. Büchner löſte damit als Erſter die
für den Ausſcheidungs=Wettbewerb geſtellten Bedingun=
gen
und vollbrachte eine ausgezeichnete, bislang in
Derſchland noch nicht erreichte Leiſtung. Um 6 Uhr 30
Minuten ſtartete Büchner für die Hauptkonkurrenz.
* Hamburg, 3. Sept. Das Zeppelin= Luft=
ſchiff
Hanſa nahm geſtern außer der Manſchaft
nicht weniger als 42 Perſonen an Bord. Das bedeutet
einen Rekord in der Perſonenbeförderung. Heute früh
um 4 Uhr fährt das Luftſchiff nach Heiligendamm
zum Waſſerflugzeug=Wettbewerb.
* Hamburg, 3. Sept. Das Luftſchiff Hanſa
ſtieg heute früh um 7 Uhr mit 14 Offizieren zur Fahrt
nach Heiligendamm auf, wo es um 9 Uhr 20 Min.
geſichtet wurde. Nach einer Schleifenfahrt um den Kreu=
zer
München und den Ort Heiligendamm nahm das
Luftſchiff eine Waſſerlandung vor. Während es ankerte,
erhielt es den Beſuch des Großherzogs von Mecklenburg=
Schwerin und des Prinzen zu Schleswig=Holſtein mit
Gemahlin. Kurz nach 10 Uhr trat die Hanſa die Rück=
fahrt
über Travemünde und Lübeck nach Hamburg an,
wo es um halb 1 Uhr auf dem Flugplatz glatt landete.
Beim Einbringen in die Halle wurde das eine Seiten=
ſteuer
etwas beſchädigt, deſſen Reparatur einen oder zwei
Tage erfordern dürfte, da ein Erſatzſteuer aus Friedrichs=
hafen
geſandt werden muß.
HB. Heiligendamm, 3. Sept. Heute vormittag
hat das Oſtſeebad Heiligendamm den Beſuch des Zep=
pelin
=Luftſchiffes Hanſa erhalten. Das Luft=
ſchiff
kam um halb 10 Uhr in der Richtung von Bruns=
haupten
in Sicht, flog in weitem Bogen über Heiligen=
damm
und den Flugplatz hinweg und ſenkte ſich dann
etwa anderthalb Seemeilen vom Ufer entfernt auf die
Waſſerfläche nieder. In einem Motorboot fuhr der Groß=
herzog
von Mecklenburg und einige Herren vom Komitee
nach dem Luftkreuzer, um die Mannſchaft und die Paſſa=
mere
zu begrüßen. Nach ungefähr halbſtündigem Aufent=
halt
erhob ſich die Hanſa wieder und fuhr nach Ham=
durg
zurück.
* Paris, 3. Sept. Der engliſche Flieger Aſt=
ley
, der am Donnerstag voriger Woche mit einem Paſ=
ſagier
einen Flug von London nach Paris gemacht hat,
hat heute morgen, ſeiner vorher angekündigten Abſicht
entſprechend, die Fahrt nach Berlin fortgeſetzt
Er bewirbt ſich damit ebenfalls um den Pommerypokal.
Heute morgen herrſchte günſtiges Wetter. Es wehte ein
leichter Südweſtwind. Auf dem Manöverfelde von Iſſy=
les
=Moulineaur waren die Luftreiſenden bereits um
4 Uhr eingetroffen; 5 Uhr 29 Min. erfolgte der Start. Die
Maſchine erhob ſich ſchnell in 300 Meter Höhe und ver=
ſchwand
mit günſtigem Rückwind in der Ferne. Aſtley
hat genügend Oel und Benzin mitgenommen, um erſt in
Mezieres die erſte Zwiſchenlandung machen zu müſſen.
Die zweite ſoll erſt in Bonn erfolgen.

Der Kaiſerbeſuch in der Schweiz.

* Berlin, 2. Sept Der Kaiſer iſt um 10 Uhr
B0 Min. abends im Sonderzug vom Potsdamer Bahnhof
nach der Schweiz abgereiſt. Mit dem Kaiſer
fuhren Fürſt Fürſtenberg, Generaloberſt v. Pleſſen, Ober=
hofmarſchall
Graf Eulenburg. Am Bahnhof waren zum
Abſchied in Vertretung des ſchweizeriſchen Geſandten,
der ſich bereits in ſeinem Heimatlande befindet, der
ſchweizeriſche Legationsrat Dr. Deucher und der ſchweizer=
iſche
Geſandtſchaftsattaché Dr. Jäger erſchienen. Von der
kaiſerlichen Familie hatte ſich der Kaiſer bereits im Schloß
verabſchiedet.
* Zürich, 3. Sept. Die Vorarbeiten für den
Kaiſerempfang ſind im Gange. Der Verkehr iſt
enorm Nach einer regneriſchen Nacht ſcheint das Wetter
ſich im Laufe des Vormittags langſam aufzuklären. Die
Hauptſtraßen bieten ein prächtiges, farbenfrohes Bild.
Ueberall wird noch in Eile die letzte ordnende Hand ange=
legt
. Die Häuſer prangen im Schmuck unzähliger Flaggen
und Wimpel. Das Schwarz=weiß=rot tritt ſtark in den
Vordergrund. Die öffentlichen Gebäude und auch viele
große Geſchäftshäuſer zeigen ſehr geſchmackvollen Schmuck.
Es ſind die umfaſſendſten Vorſichtsmaßregeln getroffen
worden, auch auf den Bahnen. Der Salonzug wird von
zwei leichteren Schnellzugsmaſchinen geführt werden, da
dieſe einen beſſeren Ueberblick auf die Strecke gewähren,
als die großen Schnellzugslokomotiven. Die Stationen,
die vom Salonzug berührt werden ſind angewieſen wor=
den
, dafür zu ſorgen, daß dieſer Zug durch keine Gegen=
züge
aufgehalten wird und daß auf den Perrons der
Bahnhöfe nur dasjenige Perſonal anweſend iſt, das augen=
blicklich
Dienſt hat. In Zürich ſind die mit der Aufrecht=
erhaltung
der Ordnung beim Kaiſerbeſuch aufgebotenen
Militärmannſchaften, Polizeimannſchaften und Vereine
angewieſen worden, dem Publikum gegenüber die größte
Nachſicht und Geduld zu üben und ſich in keiner Weiſe pro=
vozieren
zu laſſen.
Bundespräſident Forel iſt heute vormittag nach
zehn Uhr, von Bern kommend, hier eingetroffen.
Bei dem Empfang der deutſchen Kolonie
durch den Kaiſer am Donnerstag nachmittag wird Pro=
feſſor
Bluemner eine Anſprache halten. Am Freitag nach=
mittag
wird der Kaiſer 125 Vertreter der deutſchen
Kriegervereine beim Tee im Garten der deutſchen Geſandt=
ſchaft
in Bern ſehen Beim Diner zu 45 Gedecken am
Dienstag im Hotel Baur au Lac werden die Schweizer
Männer=Geſangvereine Lieder vortragen. Anſprachen
werden nicht gehalten werden.
* Winterthur, 3. Sept. Bei den Manövern
der 5. und 6. Diviſion ſtehen insgeſamt 1310 Offiziere,
21700 Mann und 5700 Pferde unter Waffen. Die Mit=
teilungen
der Manöverleitung beſchränken ſich, um die
Manöver möglichſt kriegsgemäß zu geſtalten, nur auf die
Notwendigkeiten. Den Führern iſt nur bekannt, eine
blaue Heeresabteilung hat die Aare überſchritten und iſt
am 1. September bis Baden (Schweiz) gekommen. Eine
rote Heeresabteilung ſammelt ſich ſeit längerer Zeit bei
St. Gallen. Vermutlich werden ſich die beiderſeitigen
Spitzen morgen am Spätnachmittag berühren.
Bei den Manövern des dritten Schweizer Armeekorps
werden folgende Staaten durch Militärmiſſionen ver=
treten
ſein: Araantinien, Belgien, Braſilien, Chile,

Deutſchland, Frankreich, England, Guatemala, Japan,
Italien, die Niederlande, Oeſterreich=Ungarn, Peru, Por=
tugal
, Rumänien, Rußland, Spanien, Vereinigte Staa=
ten
, Uruguay.
* Wil in der Schweiz, 3. Sept. (Manöver der
5. und 6. Diviſion.) Die 6. rote Diviſion ſetzte ſich
heute morgen in der Richtung auf Goſſau-Wil in Be
wegung. Die 5. blaue Diviſion marſchiert über den Jul=
ſteg
, Richtung Kirchberg. Der Marſch über den Steg hin=
aus
ſoll nicht vor 11 Uhr vormittags angetreten werden.
Die rote Kavalleriebrigade III lag in Tuttwil und ſicherte
die dortigen Höhen. Sie ſteht von heute vormittag 11
Uhr an zur Verfügung des Kommandanten der 6. Divi=
ſion
. Die letzte Nacht war ſehr ſtürmiſch und regneriſch.
Gegen Morgen hatte der Regen indeſſen faſt völlig auf=
gehört
, jedoch bleibt der Himmel ſtark bewölkt.
* Wil, 3. Sept. (10 Uhr 30 Min. vorm.) Die 6. Di=
viſion
hat heute morgen ihren Vormarſch in zwei Ko=
lonnen
angetreten. Das Marſchziel bildete laut Armee=
befehl
für beide Kolonnen Wil. Die Kolonne rechts ſteht
unter dem Befehl des Oberſtbrigadiers Scheerer und be=
ſteht
aus den Infanterie=Regimentern Nr. 1 und 31 mit
dem Artillerie=Regiment Nr. 12. Das Gros der Kolonne
links ſteht unter dem Kommando des Oberſtbrigadiers
v Schultheß und umfaßt eine Guide=Schwadron mit den
Infanterie=Regimentern Nr. 32 und 34, dem Artillerie=
Regiment Nr. 11 und zwei Sappeurkompagnien. Rote
Infanteriepatrouillen hatten ſchon um 9 Uhr Wil erreicht.
* Wil, 3. Sept. (11 Uhr vormittags.) Die 6. Di=
viſion
hat ihren Vormarſch unterbrochen, nachdem ſie
das durch den Armeebefehl vorgeſchriebene Marſchziel
Wil erreicht hat.
* Genf, 3. Sept. Die dem Kaiſer und ſeinem
Gefolge, ſowie den Bundesbehörden zur Verfügung ge=
ſtellten
Automobile ſind geſtern unter der Leitung des
Kommandanten vom Freiwilligen Automobilkorps
Herrn Empeyta, mit der Beſtimmung nach Zürich und
Wil von Genf aus abgefahren. Der für den Kaiſer be=
ſtimmte
ſchwere Wagen wurde vollſtändig von der Genfer
Automobilfabrik Piccard, Pictet u. Co, hergeſtellt und
wird von dem leitenden Ingenieur der genannten Firma
geſteuert, dem als Mechaniker ein Soldat der Feſtungs=
truppen
beigegeben iſt.
* Die Köln. Ztg. weiß über das Reiſeprogramm
des Kaiſers noch folgende Einzelheiten anzugeben:
Der Kaiſer wird ſich bis Samstag abend in den Schweizer
Bergen aufhalten. Es handelt ſich alſo um einen mehr=
tägigen
Beſuch im Gebiete der ſchweizeriſchen Eidgenoſ=
ſenſchaft
; um einen Beſuch, der in ſeinem ausgedehnten
programmatiſchen Umfang diesmal über den Austauſch
von kurzen Höflichkeitsformen mit den Regierungsbehör=
den
des befreundeten Nachbarſtaates hinausgeht. In
Baſel wird der Kaiſer von einer Abordnung der ober=
ſten
Behörde des Kantons Baſelſtadt am Bahnhof be=
grüßt
; ſchon nach wenigen Minuten ſetzt er die Reiſe nach
Bürich fort, wo er für zwei Tage in einer herrſchaft=
lichen
Villa am linken Ufer des Züricher Sees in der Gar=
tenſtadt
Enge Wohnung nimmt. In Zürich, der größten
Stadt der Schweiz, empfangen den Kaiſer bei ſeiner An=
kunft
der ſchweizeriſche Bundespräſident Dr. Ludwig
Forrer, zwei weitere Mitglieder der ſiebenköpfigen ober=
ſten
ſchweizeriſchen Landesbehörde und die Züricher Re=
gierungsvertreter
. Der Kaiſer begibt ſich dann in Be=
gleitung
der Gaſtgeber in offener Fahrt durch die große
und für den Anlaß feſtlich geſchmückte Hauptſtraße von
Bürich, durch die Bahnhofſtraße, nach der Villa Rie=
ter
dem ehemaligen Sitz der Familie Weſendonck, die
dem ſchweizeriſchen Bundesrate durch das Entgegenkom=
men
der Eigentümerin für den Kaiſer zur Verfugung ge=
ſtellt
wurde. Am Abend findet in dem alten und inter=
national
bekannten Züricher Gaſthof, dem Hotel Baur au
Lac, am Seeufer, ein Prunkmahl ſtatt, an dem verſchie=
dene
Vertreter der Züricher Behörden, die bundesrätliche
Abordnung und das Gefolge des Kaiſers teilnehmen wer=
den
. Der nächſte Tag, der 4. September, iſt in der erſten
Hälfte, ebenſo wie die Morgenſtunden des 5. September
dem Beſuch der Herbſtmanöver der 5. und 6. Diviſion
der ſchweizeriſchen Milizarmee eingeräumt.

* Baſel, 3. Sept. Um 3 Uhr 31 Min. verkündeten
Kanonenſchüſſe die Ankunft des Kaiſerlichen
Sonderzuges, der aus ſieben Hof= und einem Ge=
päckwagen
beſtand. Um 3 Uhr 33 Min. fuhr der Zug in
den Bundesbahnhof ein. Die Perronſtrecke, an der der
Bug hielt, war durch eine grüne Hecke begrenzt und mit
deutſchen und Schweizer Flaggen, ſowie Girlanden ge=
ſchmückt
. Zur Begrüßung waren erſchienen: der deutſche
Geſandte Baron von Bülow, mit dem Militärattachee
von Bismarck, der deutſche Generalkonſul in Baſel, Wun=
derlich
, und verſchiedene Schweizer Offiziere, ſowie die
Vertreter der Regierung, Dr. Simon, Peter und Dr.
Burckhardt und der Regierungsſekretär Imhoff. Der
Kaiſer in der Uniform der Gardejäger verließ den
Wagen und wendete ſich, um die Vorſtellung=abzuwarten,
an die ihm bereits bekannten Herren, wonach ihm die an=
deren
Herren vorgeſtellt wurden. Der Kaiſer unterhielt
ſich längere Zeit mit dem Direktor der Bundesbahnen
Zingg und dem Oberſtleutnant Spröſſer von
Bernegg. Er gab hierauf ſeinen beſten Wünſchen für
das Gedeihen Baſels Ausdruck. Um 3 Uhr 45 Min. nahm
der Kaiſer mit dem Direktor der Bundesbahnen und drei
ſchweizeriſchen Offizieren im Zuge wieder Platz und fuhr
nach Zürich weiter.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einfender verantwortlich.)
Zur Markthallenfrage.

An dieſer Stelle ſind in letzter Zeit oftmals Wünſche
laut geworden, die den Marktverkehr in einer Markthalle
abzuwickeln in Vorſchlag brachten. So liebenswürdig
die Verfaſſer der Eingeſandt als wahre, echte Tier= und
Menſchenfreunde ſich auf einmal entpuppen, ſo angenehm
es für Käufer und Verkäufer iſt, unter Dach und Fach
zu ſein, ſo ſchwer iſt es für eine Stadtverwaltung, einen
geeigneten Platz und die nötigen Mittel hierfür zu finden.
Zunächſt muß bei dieſer Frage der alte Ludwigsbahnhof
ausgeſchaltet werden. Weil an der Peripherie der Stadt
gelegen, kann man es niemand zumuten, etwa von der
Taunus=, Roßdörfer=, Martinſtraße, Tintenviertel, Mar=
tinsviertel
, Beſſungen uſw. halbe Tagereiſen zu machen,
um ihre Einkäufe zu decken. Auch ſind, wie verlautet, die
Bahnſteighallen von der Eiſenbahndirektion bereits zu
gleichen Zwecken für anderweitige Bahnhöfe beſtimmt.
Eine Markthalle, wenn ſolche einmal hier nötig
wird, gehört ins Zentrum der Stadt, und zahlreiche Nach=
barſtädte
haben nach dieſem Problem ihre Markthallen
errichtet. So wird Straßburg i. E. angeführt, deſſen

alter Bahnhof ſ. Zt. Mitte der Stadt an der Ill gelegen,
Ende der 70er Jahre aus ſtategiſchen Gründen ca.
600 Mcier vom alten Platz nach der Außenſelite der Stadt
verlegt wurde, um eine Markthalle daraus entſtehen zu
laſſen. Bemerkenswert iſt, daß damals der alte Bahnhof
in Straßburg bereits von ausgebauten Quartieren um=
geben
war, was man von dem Zwiſchenteil des alten und
neuen Bahnhofes dahier nicht ſagen kann und ſobald auch
nicht ſagen wird. Nun wäre es wünſchenswert zu
erfahren, wie ſich Marlthallen rentieren. Z. B. hat Ber=
lin
außer der Zentralmarkthalle noch 13 Markthallen mit
einem Aufwand von ca. 12 Millionen Mark erbaut, von
denen ſich zur Zeit nur die Hälfte einigermaßen rentiert,
während die andere Hälfte wenig einbringt, oder ſogar
leerſteht. Der Koſtenpunkt für eine neuzeitig eingerichtete
Halle iſt demnach auf rund 1 Million zu veranſchlagen und
erfordert eine Verzinſung nebſt Unterhaltung von
50000 Mark pro Jahr. Unſer Wochenmarkt wirft jährlich
26000 Mark ab und wäre demnach ein Fehlbetrag von
24000 Mark zuzüglich der bisher auf dem Wochenmarkt
(Marktplatz) gehabten Einnahmen, von den Steuerzahlern
aufzubringen: an Amortiſation iſt hierbei nicht zu denken.
So viel iſt lekannt, daß auch faſt alle benachbarten Markt=
hallen
wegen ihrer Rentabilität zu kämpfen haben. Zu be=
merken
iſt ferner, daß eine ſolche Halle während der Hoch=
ſaiſon
im Herbſt, nicht ausreichend und man zu den freien
Plätzen ſeine Zuflucht zu nehmen gezwungen iſt.
Für uns Darmſtädter kommt in erſter Linie unſer,
ſeit Jahrhunderten liebgewordener Marktplatz, der An=
ziehungs
= und Sammelpunkt vieler Generationen, in
Frage. Daher ſoll man, falls künftig er den Anſprüchen
nicht mehr vollſtändig genügt. baldigſt eine Vergrößerung
der Fläche, die zunächſt durch Fallen des Häuſerblockes
(ehem. Hofapotheke) mittelſt einer Lotterie koſtenlos zu
erzielen iſt, bezwecken, die Zu= und Abfuhr der den
Wochenmarkt beſuchenden Fuhrwerke genau ordnen, und
in zweiter Linie, falls der Stadtſäckel ſpäter wieder der=
art
geſtellt iſt, das Riſiko eines Hallenbaues zu über=
nehmen
, im Anſchluß an den vergrößerten Marktplatz
eine Markthalle errichten.
A.

Handel und Verkehr.

* Blitzzüge Berlin-Petersburg. Zu det
geplanten Durchführung der beiden Blitzzüge Berlin-
Königsberg bis nach Petersburg erklärt das preußiſche
Eiſenbahnminiſterium, daß die Durchführung in der Tat
noch im Laufe dieſes Herbſtes erfolgen dürfte. Die Ver=
handlungen
mit Rußland, das gegen den Plan eine ge=
wiſſe
Abneigung gezeigt hatte, ſeien nunmehr zu einem
befriedigenden Abſchluß gelangt. Die von mehreren
Seiten geäußerte Anſicht, daß die Durchführung bereits
vom 28. Oktober ab in Kraft treten ſoll, wird indes als
den Tatſachen vorauseilend bezeichnet.
* Berlin, 2. Sept. In der heute zu Berlin abge=
haltenen
Aufſichtsratsſitzung der Bank für Handel
und Induſtrie wurde der Semeſtral=Abſchluß vorge=
legt
, welcher recht befriedigende Ergebniſſe und eine gün=
ſtige
Entwicklung der Geſchäfte zeigt.

Vermiſchtes.

. Aufruf an die ehemaligen Angehö=
rigen
der II. Torpedoabteilung bezw. II.
Torpedo=Diviſion in Wilhelmshayen. Am
22., 23. und 24. September d. J. findet in Wilhelmshaven
die 25jährige Jubelfeier der zweiten Torpedo=Diviſion
ſtatt, für die auf Wunſch ausführliche Programme koſten=
frei
vom Jubiläumsausſchuß der zweiten Torpedo= Divi=
ſion
in Wilhelmshaven zugeſandt werden. Die ehemali=
gen
Angehörigen der Torpedowaffe beabſichtigen, anläß=
lich
der Jubelfeier der aktiven Truppe eine Ehrengabe
in anſprechender Form als ein Zeichen treuer Anhänglich=
keit
zu überreichen. Die zu dieſem Zweck erforderlichen
Mittel ſollen durch freiwillige Zuwendungen aufgebracht
werden, die in jeder Höhe an die Städtiſche Sparkaſſe in
Wilhelmshaven mit einem bezüglichen Vermerk einge=
ſandt
werden können.
B.B. Billige Weihnachtsnüſſe wird es in
dieſem Jahre geben. Zunächſt hat der Haſelnußſtrauch
ſo viel Früchte angeſetzt, wie kaum je zuvor, die Ernte
wird daher eine ganz außerordentlich gute ſein. Die
Urſache liegt darin, daß die meiſt in den Februar und
März fallende Blütenperiode völlig froſtfrei und ſomit
dem Fruchtanſatz ſehr förderlich war. Aber auch die
deutſchen Wallnußbäume ſind gut behangen und haben
ebenſo wie die Haſelnußſträucher den ſchweren Stürmen
der letzten Zeit getrotzt. Die ſtarke Stengelung verhin=
derte
ein Abfallen der Früchte, ſo daß die diesjährige
Ernte einen ganz vorzüglichen Ertrag und billige Preiſe
bringen wird.

Literariſches.

Die erſte Vorſtellung der luſtigen Weiber von
Windſor hat der Maler Edgar Bundy in ſeinem Gemälde,
das wir in der illuſtrierten Zeitſchrift Moderne Kunſt
(Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57, Preis des Vier=
zehntagsheftes
60 Pfg.) wiedergegeben finden, mit über=
legenem
Humor feſtgehalten. Aus dem übrigen Inhalt
der beiden zuletzt erſchienenen Hefte 24 und 25 dieſes vor=
nehmen
Journals heben wir beſonders die beiden mit
prächtigen Zeichnungen von Künſtlerhand verſehenen Auf=
ſätze
Auf dem Schießplatz der Feldartillerie‟ Sommer=
plauderei
von C. v. Schimmelpfennig und Spreewald=
fahrten
von Willy Werner hervor. Ebenſo muß Erich
Haenels Aufſatz über den bekannten Radierer Georg Jahn
genannt werden, der mit zahlreichen Reproduktionen nach
den beſten Arbeiten dieſes Künſtlers geſchmückt iſt. Für
belletriſtiſche Unterhaltung edelſter Art ſorgt H. Aeckerles
Erzählung Warum, die mit ſtarker Spannung einſetzt.
Ueber Ergötzliches aus der Zoologie des Altertums
plaudert Dr. Emil Carthaus, wobei manches klaſſiſche
Münchhauſenſtückchen, das früher durchaus ernſt genom=
men
wurde, entlarvt wird. Ferner ſchildert Georg Buß
Das Hotel einſt und jetzt in friſcher, humorvoller Weiſe,
und Chriſtian Morgenſtern hat drei ſtimmungsvolle, form=
vollendete
Gedichte beigeſteuert.

Aus der Türkei.

* Konſtantinopel, 3. Sept. Der jung=
türkiſche
Kongreß iſt geſtern nachmittag im Zentral=
klub
in Stambul eröffnet worden. Anweſend waren 27
ehemalige Deputierte als Vertreter des Klubs für Einheit
und Fortſchritt, alle dem früheren jungtürkiſchen Komitee
angehörenden Miniſter und etwa hundert Provinz=
delegierte
. Die Verhandlung wurde für geheim erklärt.
Die von der Regierung entſandten Vertreter wurden nicht
zugelaſſen. Zunächſt nahm der Kongreß den Bericht ent=
gegen
, der die Ereigniſſe dieſes Jahres ſchildert und den
Entſchluß des Komitees ausdrückt, alle Waffen zu nützen,
die das Geſetz bietet. Der Kongreß beſchloß, daß alle ge=

[ ][  ][ ]

Nummer 208.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Seite 7.

weſenen Deputierten der jungtürkiſchen Partei an der Sitz=
ung
teilzunehmen haben, die über die Beteiligung an den
Wahlen entſcheiden ſoll. Der Bericht tadelt die albane
ſiſche Politik der Regierung in der Friedensfrage und gibt
zu, daß das letzte Kabinett auf Erſuchen Italiens in Be=
ſprechungen
eingetreten ſei, aber die Aufrechterhaltung der
ottomaniſchen Sonveränität über Tripolis und Benghaſi
beanſtandet Das Komitee wünſche, daß die gegenwärtige
Regierung an dem gleichen Prinzip feſthalte. Es werde
ſich mit allen Kräften gegen die Durchführung des
Friedensbeſchluſſes auf Grund einer Verſtückelung oder
Verkaufs türkiſchen Gebiets widerſetzen. Der Kongreß
wählte den früheren Miniſter des Innern Haßſchi Alli zum
Präſidenten und vertagte ſich auf Mittwoch.
* Konſtantinopel, 3. Sept. Nach Mitteilungen
aus anſcheinend informierten Kreiſen dauern die
Friedensverhandlungen in der Schweiz
fort. Alemdar erfährt, die leitenden Kreiſe Italiens hätten
den Wunſch geäußert, daß ein Muſelmann das türkiſche
Miniſter ium des Aeußern übernimmt, damit die
Tripolitaner mehr Vertrauen gewinnen, daß ihre Rechte
gewahrt werden. Einem Gerücht zufolge wird der
jetzige Miniſter des Aeußern Noradung Hian ſeinen Poſten
mit dem Handelsminiſter Reſchid, dem früheren Bot=
ſchafter
in Wien, tauſchen.

Letzte Nachrichten.

* Dortmund, 3. Sept. Heute vormittag wurde das
Urteil im Disziplinarverfahren gegen den
Pfarrer Traub bekannt gegeben. Der Oberkirchenrat
verurteilte den Pfarrer Traub zur Amtsentſetzung
ohne Penſion.
HB. Berchtesgaden, 3. Sept. Reichskanzler
von Bethmann Hollweg iſt heute nacht zur
Gemsjagd auf dem Hohenſtaufen bei Berchtesgaden ein=
getroffen
. Der Kanzler wurde im Grand=Hotel von dem
König der Belgier beſucht und nebſt Gemahlin und dem
Geſandten v. Bülow zum Diner geladen. Auch der Pa=
riſer
deutſche Botſchafter Freiherr von Schön weilt in
dieſem Jahre wieder in Berchtesgaden und hatte mit dem
Reichskanzler eine längere Beſprechung.
Innsbruck, 3. Sept. Der Schriftſteller Vollmöl=
ler
überfuhr mit ſeinem Automobil die 5jährige
Tochter eines Buchbinders. Das Kind war ſofort tot.
Vollmöller, dem kein Verſchulden treffen ſoll, ſtellte ſich
ſofort der Staatsanwaltſchaft.
Mailand, 3. Sept. Heute nacht ſtürzte beim Ran=
gieren
auf einem kleinen Bahnhof der Strecke Bologna-
Florenz ein Güterwagen um und ſperrte das Gleis. Der
von Florenz kommende Schnellzug konnte nicht mehr
rechtzeitig benachrichtigt werden und fuhr mit voller
Wucht auf den feſtgelegten Güterzug. Unter den
Trümmern wurden zwei Tote, neun Leicht= und
28 Schwerverwundete hervorgezogen. Außerdem
wurden der Heizer und der Lokomotivführer des Schnell=
zuges
tödlich verletzt, als ſie im letzten Augenblick vor
dem Zuſammenſtoß abſpringen wollten. (Frkf. Ztg.)
HB. Paris, 3. Sept. In der Nähe von Nizza rannte
das Automobil, das den regelmäßigen Dienſt zwi=
ſchen
Nizza und Vievola verſieht, gegen einen Felſen.
Acht Reiſende wurden ſchwer, vier leicht verletzt.
HB. Amſterdam, 3. Sept. Wie gemeldet wird, wurde
in Amſterdam das Scharlachfieber für epidemiſch
erklärt. In der letzten Woche wurden 146 Fälle verzeich=
net
, aber kein einziger Todesfall. Die Epidemie trägt
einen gutartigen Charakter, der indeſſen ihrer Verbreit=
ung
günſtig iſt.
Norwich, 3. Sept. Die Ueberſchwemmung
forderte keine weiteren Opfer. Das Waſſer fällt langſam.
Bei den Rettungsarbeiten kam ein Angeſtellter eines
Fiſchhändlers um, der innerhalb von drei Stunden 83
Frauen und Kinder rettete.

* Pittsburg, 3. Sept. Bei dem geſtrigen Unwetter
ſind 36 Menſchen umgekommen. Viele werden ver=
mißt
. Der Schaden wird auf 1½ Millionen geſchätzt.

as Spezialhaus fürDamen-Konfektion
RLnMANN BERGEn, Hoflieferant
10 Ernst-Ludwigstraße 10, Ecke Marktpassage,
hält während seines jetzt 30jährigen Bestehens stets
streng an dem Grundsatze fest:
(5745a

brauchbare gute Waren mög-
lichst
billig zu liefern. :: :: ::

Angeſichts der Verteuerung der meiſten Genußmittel
iſt auf die Billigkeit von
(9606M
SANGROJEE
beſonders hinzuweiſen. Dieſe fachgemäße Miſchung vor=
zugsweiſe
britiſch=indiſcher Tees ſteht qualitativ ſo hoch,
daß ſie den weitgehendſten Anſprüchen zu genügen ver=
mag
. Dabei ſtellt ſich infolge der außergewöhnlichen
Ausgiebigkeit eine Taſſe Sang=Ho Tee auf kaum
über 1 Pfg. MoRlz LANDAU, Fernſprecher 116.
Sür Hausfrauen bieter ſich in Darmſtadt bei F. B.
Grodhaus, Seifenfabrik, am Weißen Turm, ſehr
günſtige Gelegenheit, billige Kerzen einzukaufen, indem
dieſe einen großen Poſten beim Guß wenig beſchädigte
Elektra=Kerzen erworben hat und ſehr billig abgibt.
Da Elektra=Kerzen ſehr ſparſam brennen, ein äußerſt
intenſives Licht geben, nicht rinnen und nicht riechen, ſo
ſehe man genau auf die Marke Elektra, die jedes Paket
tragen muß, ſowie auf die Firma Franz Kuhn, chemiſche
Werke, Nürnberg, und nehme nichts anderes.

Die Ratsherrnbrüderſchaft
erlaubt ſich hiermit auf die Anſchaffung ihres neuen
Leichenwagens aufmerkſam zu machen. Der Wagen
bietet in ſeiner ernſten und würdigen Erſcheinung
Gewähr für eine pietätvolle Beſtattung.
(14411a
Befondere Beſtellungen hierzu nehmen entgegen:
Wagenverwalter Lorenz, Woogsplatz 5, Tel. Nr. 216,
Wagenführer Ernſt Büchler, Nieder=Ramſtädterſtr. 51.
Tel. Nr. 1073.

Familiennachrichten.

Statt jeder beſonderen Mitteilung.
Freunden und Bekannten die traurige Mit=
teilung
, daß heute morgen mein lieber Mann,
unſer guter Schwiegerſohn
(18534
Richard Herrmann
nach kurzem, ſchwerem Krankenlager verſchie=
den
iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Kätha Herrmann, geb. Schäfer,
Heinrich Schäfer, Schreinermeiſter,
und Frau.
Darmſtadt, 3. September 1912.
Die Beerdigung findet in Berlin ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Hinſcheiden unſerer
lieben Mutter ſagen herzlichen Dank.
Rätha Mohr, geb. Jeit,
Gustav Deit,
Adolf Deit.
(18543

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber Oſteuropa liegen verſchiedene Tiefdruckgebiete,
ebenſo über der Nordſee, über Südweſteuropa ein Hoch=
druckgebiet
. Geſtern fiel an vielen Orten Regen, der zum
Teil von Gewittererſcheinungen begleitet war. Die
Temperaturen liegen der Regel entſprechend. Unter dem
Einfluſſe des vordringenden nordweſtlichen Tiefdruck=
gebietes
iſt wieder Trübung und Regen zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 4. Sep=
tember
: Wieder Trübung, Regen, wärmer.

Tageskalender.

Hauptverſammlung des Verbandes evang.= kirch=
licher
Frauenvereine um 3 Uhr Kiesſtraße 17.
Monatsverſammlung des Kriegervereins um 8½
Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Wiederbeginn der Singproben des Kirchen=
geſangvereins
der evang. Stadtgemeinde um 8¼ Uhr
Kiesſtraße 17.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Perkeo um
8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Der Empfang des Kaiſerpaares in Luzern bei der erſten
Schweizerreiſe Kaiſer Wilhelms II. im Mai 1893; das
Luftſchiff Hanſa während einer Fernfahrt über Helgo=
land
; die neue Vigiljochbahn bei Meran; der Kamerad=
ſchaftsſchwur
öſterreichiſcher Offiziere.

Verſteigerungslalender.
Donnerstag, 5. September

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Grummetgras=Verſteigerungen: um 11 Uhr,
im Prinz Emilgarten, um 2 Uhr im Herrngarten,
um 4 Uhr im Schloßgarten zu Kranichſtein.
Dünger=Verſteigerung um 10 Uhr in der Ar=
tillerie
=Kaſerne (Regt. Nr. 25).
Obſt=Verſteiger ung um 10 Uhr an der Straße von
der Emelinenhütte nach Traiſa.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 3. September 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
8f.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,20
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,40
do.
79,06
3
4 Preuß. Schatzanweifg. 100,10
89,40
3½ do. Conſols
79,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,80
do.
3½
83,00
do.
3
do.
3½
77,90
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 99,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,80
4 do. do. (unk. 1918) 100,10
87,80
do.
3½
77,50
do.
3
3 Sächſiſche Rente . . . . 79,60
4 Württemberger v. 1907 100,00
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,90
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 90,60 6½ Luxemb. Prince Henri 163,00
1 do. Goldrente . . . 95,70
4 do. einheitl. Rente 87,40
3 Portng. unif. Serie I 64,101 getzte Induſtrie=
3 do. unif. Ser. III
3 do. Spezial .
5 Rumänier v. 1903 . . 101,70
4 do. v. 1890 . . 95,40
t do. v. 1905 . . 92,00
. 90,50
4 Ruſſen v. 1880 .
. 91,00
4 do. v. 1902
4½ do. v. 1905 . . . . 100,75
3½ Schweden
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 83,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente . . . 90,70
4 do. Staatsreute. . . 87,80

InProz.
Zf.
5 Argentinier
.101,25
4
87,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,20
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
do.
94,80
4½
4½ Japaner . .
94,70
5 Innere Mexikaner . . . 94,50
3
do.
59,00
93,00 4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,25
4=Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,0013 Buenos Aires Provinz 70,90
87,901 Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
.157,10
5 Nordd. Lloyd . . . . . 128,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 119,75
8 Baltimore und Ohio . 109,50
6½ Schantungbahn . . . 136,75
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21,20
6 Pennſylvania R. R. . 123,00
Divid. Aktien.
10,00 4 Brauerei Werger
72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
.553,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
.
.259,50
30 Farbwerke Höchſt . . 652,20
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 356,50
10 Cement Heidelberg . . 152,00
30 Chem. Werke Albert 467,50
12½ Holzverkohlung Kon=
4 Lahmeter . . . . . . . 129,00

Letzte
In Proz.
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 161,75
12 Siemens & Halske .241,90
5 Bergmann Electr. . . 139,50
10Deutſch. Ueberſee Electr. 170,50
0 Gummi Peter . . . . 119,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 116,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 577,75
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
6 Wittener Stahlröhren 217,00
8 Steana Romana Petr. 159,75
15 Zellſtoff Waldhof . . 244,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
.
. 210,25
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 122,50
3 Südd. Immobilien . 63,70
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 196,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 239,75
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 181,50
10 Gelſenkirchener . . . . 205,75
8 Harpener . . . . . . . 199,00
15 Phönix. Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 275,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 86,75
4 Laurahütte . . . . . . 179,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 168,20
Weſteregeln 211,55
1
7½ South Weſt Africa 144,25
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,50
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,15
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 89,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,80
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,75
do.
80,10
ſtanz . . . . . . . 331,00 5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,80
do.
4
77,30

Iufron
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 54,70
77,10
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,30
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 97,00
do.
88,25
4 Wladichawchas . . . . 88,70
4 Rjäſan Koslow . . . . 88,00
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,70
do.
88,00
4½
2¼/10 Livorneſer . . . . .
3 Salonique=Monaſtir . 64,00
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,40
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 97,00
72,00
4 Miſſouri=Pacific.
4 Northern=Paciſic . . . 98,50
4 Southern=Pacific . . . 94,70
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 86,10
98,00
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.

10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 198,90
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
.. 148,70
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 172,10
6½ Darmſtädter Bank . 123,60
12½ Deutſche Bank . . . 259½
6 Deutſche Vereinsbank . 123,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,30
10 Diskonto=Kommandit 189,251 3½ do.
8½ Dresdener Bank . . 157,40
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 126,50
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,50
5.86 Reichsbank . . . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,70 4 Mannheim
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 124%
7½ Wiener Bankverein . 135,75
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,00 1 4 Offenbach .

InProz
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.1519, 2126 97,20
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
3u
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
3½
do.
88,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, C
. 88,80
S. 35
88,60
S. 911
88,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
3
do.
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,40
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt.
98,40
3½ do.
89,30
Frankfurt .
. . 100,20
3½ do.
95,00
4 Gießen .

do.
91,00
4 Heidelberg
88,00
4 Karlsruhe
. 98,50
do.
88,00
4 Magdeburg
. 99,90
3½ do.
4 Mainz
. 99,00
do.
90,00
. 98,40
½ do.
88,10
4 München
.100,20
3½ Nauheim
4 Nürnberg
. 100,00
do.

In Proz
Bf.
3½ Offenbach .
88,00
4 Wiesbaden . . . . .
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1889
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,50
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,40
4 Oeſterr. 1860er Loſe .
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 156 113,80
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 205,00
Fs. 15
Freiburger
Mailänder
Fs. 45
Fs. 10
do.
ſl. 7
Meininger?
Oeſterreicherv. 1864 fl. 100 521,00
do. v. 1858 fl. 100 450,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Js. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 175,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,42
20 Franks=Stücke .
16,17
Amerikaniſche Noten . .
4,18
Engliſche Noten . . . . . 20,43
Franzöſiſche Noten. . . . 80,95
Holländiſche Noten. . . . 169,25
Italieniſche Noten . . . . 80,20
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,90

Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard 39f. 5½

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

Oldololoſloſondololeidlolle
SlOoſOlCoſoloionOlole

Sfebderke Setgeretd

umum umn

Le.
Mcme

nunnnuün e u m e

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Imm

Uni Blusenstoffe Blusenstreifen mit aparten Bordüren Meter changeant, mit Fransenbordüre . Meter 3 Blusenstoffe 6. Blusenstreifen moderne Streifen . . . . . . Meter 4- changeant . . . . . . . . Meter 32. Blusenstreifen Moderne Melangen reine Wolle, für Hemdblusen . Meter für Jackenkleider, 110 cm breit . Meter 2 Blusenstoffe Kostümstoffe 80 mit Noppenbordüre Meter 130 cm breit, engl. Geschmack . Meter 2

Fresko
elegante Streifen . . . . . . Meter 2
Kammgarn-Cheviot
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letzte Neuheit, 110 cm breit . . Meter 3
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50
moderner Kostümstoff, 135 cm breit, Meter 3

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Gebr. Rothodtetd

18515

Markt
2.

Mitglied des Rabatt-Sparvereins.
AOlOlOlOlOlOlOlOlOlolOtOlOlOlOlOlOlOlolOlOlOlOlOlOlOlolOlololoſollolololö

B

Weiblich

Tüchtige, Schuh=
branche
kundige Verkäuferin
ſucht alsbald Stellung Soder=
ſtraße
40, I., rechts. (*5073im

Fräulein, läng. Zeit in Kond. u.
Café ſelbſtänd. tätig, ſucht anderw.
Stellung. Offert. unt. MI 98 an
die Expedition ds. Bl. (*5169ms

aus achtb. Fam.
Beſſere Dame wünſcht gutge=
hende
Filiale zu übernehmen. Kau=
tion
kann geſtellt werden. Offert.
unter M 22 a. d. Exped. (*4828sm

16jähr. Mädchen aus guter
Familie, welches das Maſchinen=
ſchreiben
und Stenographieren ge=
lernt
hat, ſucht Stelle z. 1. Oktob.
Off. unt. N 7 an die Exp. (*5226

20jährige, flotte
Rechnerin
ſucht geeigneten Poſten. Off. unt.
N 5 an die Exp. ds. Bl. (*5179

Frl., 20 J., mit höherer Töchter=
ſchulbildung
, ſucht zum 1. Obtober
Stellung als Stütze, bezw. Geſell=
ſchafterin
bei alleinſt. Dame oder
kinderl. Ehepaar. Dieſelbe bewan=
dert
im Kochen, Nähen, Bügeln,
Sticken u. allen ſonſt. Hausarbeit.
Off. u. N 11 a. d. Exp. (*5197ms

Frau empfieht ſich im Anferti=
gen
von Kinderkleidern, auch
Knabenkleidern.
(*5252md
Zu erfragen in der Exped.

Weißnäherin, die auch ausbeſſ.
u. perf. Maſchinenſt., ſucht Kunden
i. u. auß. d. Hauſe, übernimmt auch
Ausſtattungen. Näh. Exp. (*5269

empf. lich in
Perf. Schneiderin u. außer d.
Hauſe Liebfrauenſtr. 63, pt. (*5136mf

Büglerin (Anfängerin) ſucht
Kunden außer dem Hauſe. Näh.
Ruthsſtraße 20, II. (*4971om

Gut empf. jg. Frau ſucht morg.
2 Std. Laufd. Zu ſprechen Arheil=
gerſtraße
7, 2. Stock, von 5 Uhr
nachmittags.
(*5160

Frau ſucht Lanfſtelle. Näheres
Waldſtraße 23.
(*5175

Junge, reinliche Frau ſucht
Laufſtelle für morgens
Rüthsſtraße 8.
*5170)

Fräulein, 19 J., aus guter
bürgerlicher Familie, ſucht in
evangel. Hauſe (*5178mdf
Stellung als Stütze.
Familienanſchl., keine gegen=
ſeitige
Vergütung. Off. unt.
6 an die Exped. ds. Bl.
Mehrere Mädchen
ſuchen Stellung. Gewerbsmäßige
Stellenvermittlung, Sophie Dül=
fer
, Gießen, Neuſtadt 50. (18427

Junge fl. Frau ſucht morgens
u. mittags Laufdienſt (*5198
Grafenſtr. 27 Seitenb., I. Stock l.

Frauſ. Laufd. 2 Std. morg., geht
halbe Tage Waſchen und Putzen
Alexanderſtr. 15, Mittelb., p. (*5196

Beſſ. Kindermädch. ſ. St., auch
als Hausmädch. Frau Sidonie Frank, ge=
werbsmäßige
Stellenvermittlerin. (*5204

Gutempf. Frau ſ. Laufd. morg.
2 Std. KArlſtr. 65, Htb., II. I. (*5238 Junge Frau geht tagsüber putzen
Erhalſerſtr. 16, Geider. (*5222 Stelle ſuch. 1417j. Landmädch.
ſof. n. 1. Okt. d. Johannette Weiß=
mantel
, gewerbsmäßige Stellenver-
mittlerin
, Kasinostrasse 17. (*5242 Eine Frau ſucht Laufdienſt
*5241)
Langegaſſe 53. Beſ.Fräul., in Hand= u. Haus=
arbeit
gut bewandert, ſucht tagsüb.
Stellung in beſ. Hauſe. Of. erb.
unt. N 17 an die Exp. (*5250 Frl., beſſ., i. Koch., Haus, w. ſchneid.,
ſ. erf., auch geſellſchaftl. gew., w. St.
in gut. Fam. einz. Dame od. Herrn.
Off. u. N. 12 hauptpoſtl. (*5256 Stellen ſuchen: Jungfer, welche
ſchneidern k., Kinderfräul., Lehrers=
tocht
., Stützen, welche koch. können,
Hausmädch., welche ſchneid., büg,
ſervieren u. alle Hausarbeiten ver=
richt
., Küchenmädch. i. Herrſchaftsh.,
mehrere jüngere Mädchen v. Lande
f. ſofort. u. 1. Okt. Minna Dingeldein,
gewerbsmähige Stellenvermittlerin,
Schützenſtr. 10½, Tel. 531. (*5268 Hotelzimmermädchen ſucht
Stellg. ſofort oder 15. Sept. Näh.
Eliſabethenſtr. 39, I., I. (*5262mdf Junge Frau ſucht Laufdienſt,
geht auch ½ Tage Waſcheng
Müllerſtr. 9, Vdh. (*5201 Junge Frau ſucht Laufdienſt
Mollerſtr. 6, 3. St., rechts. (*5207 ſucht für morgens
Mädchen Laufdienſt in beſſ.
Hauſe Blumenthalstr. 69. (*5176md Ja. Fran ſucht daufdlenſtmorg.
2 St. v. 911 Uhr od. mttgs. Frau
Buser, Kl. Kaplaneigaſſe 3, I. (*5209 1Ia= Mädchen weſch Schnebern
gelernt hat, ſucht Stelle in kl. Haus=
halt
als Hausmädchen, geht auch zu
Kindern. Gardistenstr. 18, I. (*5153 Männlich
Kaufmann bish. a. Geſchäftsf.
Buchh. und Reiſender tätig, ſucht
per 1. Okt. andere Stellg. (*5237ms
Off. u. N 10 an die Expedition. Junger Mann ſucht Stell. für
Lager oder Magazin. Of. unt.
MI 82 an die Exped. (*5150ms Junger Mann, 29 J. alt, z. Z.
als Magazinier tätig, ſucht per ſo=
fort
oder ſpäter Stellung als La=
geriſt
, Verkäufer, kl. Reiſe oder
als Bürodiener u. Kafſenbote.
Vin firm in der Kolonialwaren=,
Delikateſſen=, Fiſch= und Futter=
mittelbranche
, ſowie mit Büro=
arbeiten
vertraut. Offerten unter
M 95 a. d. Exped. (*5177md jed. Art,
Schreibmaſchinenarv. (auch
fremdſpr.) im Hauſe zu übern. geſ.
Offert. unt. N1 an die Exped. (*5150 Mann, 40 Jahre alt, Invalide,
ſucht leichte Beſchäft. irgendw. Art.
Offert. unter N 2 Exped. (*5173mdf Uhrmacher=Lehrſtelle
geſucht für Sohn guter Familie.
Bereits 16 Jahre. Offerten erb.
unter M 55 a. d. Exp. (*4993oim

für meinen Sohn
Süche Mechaniker=Lehrſtelle.
Näheres Frankfurterſtr. 130. (*5166

Weremen

e

Gerkauferi
geſucht. Branchekundige bevorzugt.
Vorzuſtellen zwiſchen 1 u. 2 Uhr.
M. Weygandt, Tapiſſerie
K18042) Wilhelminenſtr. 9.

Maſchinenſchreiverin
(Syſtem Unterwood), welche ſteno=
graphiert
, geſucht. Offerten unter
N 16 an die Exped. (18525ms

Fräulein
energiſch, vertraut mit Buchführung
und Schreibmaſchine, ſofort geſucht
für meine Filiale hier. 500 Mark
Kaution muß geſtellt werden.
Rote Radler.
*5230)

Aushilfsweiſe zum Regiſtrieren
Fräulein oder junger Mann
alsbald geſucht. Offert. u. N 20
an die Expedition ds. Bl. (*5257

Branchekundige Verkäuferin
für Kurz=, Weiß=, Woll= und
Modewarengeſchäft geſucht. Zu
erfragen Büro, Mauerſtr. 4. (*5191

Tüchtige
Verkadferi
welche flott bedienen kann, für ein
Geſchäft der Lebensmittelbranche
per ſofort oder ſpäter geſucht.
Ausführliche Offerten mit An=
gabe
der Gehaltsanſprüche unter
N 21 an die Expedition. (18536

Für größere Maſchinenfabrik
Frauieit
per 1. Oktober geſucht, das flott
ſtenographiert u. perfekt Maſchine
ſchreibt. Ausführl. Offertenmit An=
gabe
der Gehaltsanſpr., Referenzen
u. Beifügung von Zeugnisabſchr.
unter N 8 a. d. Exp. d. Bl. (*522

tageübe!
Braves Mädchen geſucht
Lauteſchlägerſtr. ½, part. (*5200

Gut empfohlene Flickfrau
(*5258
per ſofort geſucht.
Heidelbergerſtraße 81, part.

Einige Beihilfen
mädchen geſucht
Luiſenſtraße 30.

und Lehr=
Konfektion,
(*5161

aus achtbarer Fa=
Lehrmädchen mile per ſofort
geſ. Offenbacher Lederwarengeschäft
Carl Sans, Schulstr. 1 (*5082im

e
geſucht
Lehrmädchen Konfektion,
Nied.=Ramſtädterſtr. 15. (*5164msm

geſucht
Lehrmädchen (*5182mdh
Konfektion, Roßdörferſtr. 4, part.

Kräftiges, fleißiges Mädchen
mit guten Zeugniſſen ſofort, evtl.
ſpäter geſ. Beckſtr. 65, p. (*4988omf

Sofort ein Laufmädchen geſ.,
nicht über 15 Jahren
*5167) Dieburgerſtr. 5, 2 Tr. r.

Köchin nach auswärts
ſofort oder ſpäter geſucht. (*5236
Vorſtellen 35 Uhr nachmittags
Grüner Weg 91, II.

Saubere Frau zum Brötchen=
tragen
geſucht
(*5245
Hofbäckerei Mitze,
Hügelſtraße.

Gut empfohl.
unabhängiges Taufmädchen
geſucht Speſſartring 11, III. (*5055

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Grafenſtraße 30 part. (Tele=
1. Gewerbliche Abteilung, phon Nr. 371). Geſchäfts=
ſtunden
von 812½ Uhr und von 2½6 Uhr.
Allgemeiner unentgeltlicher Nachweis für Arbeitgeber
und Arbeitnehmer.
Waldſtraße 6, Zimmer Nr. 6
2. Dienſtboten=Abteilung, (Telephon Nr. 371). Geſchäfts=
ſtunden
von 912 Uhr und von 36 Uhr.
(12960a
Von den Herrſchaften wird eine Einſchreibgebühr von
20 Pfg. und eine Vermittlungsgebühr von 1 Mk. erhoben.
Für Dienſtboten iſt die Benutzung der Abteilung koſtenlos.
Zentralanſtalt für Arbeits= und Wohnungsnachweis.
Wir ſuchen durchaus branchekundige
I. Verkäuferinnen
für die Abteilungen
Glas, Porzellan und Haushaltartikel.
Nur Damen, welche bereits in größeren Ge=
ſchäften
dieſer Branchen tätig waren, wollen
ausführliche Offerten mit Bild und Gehalts=
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richten an
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Frankfurt a. M.
(M18445

Suche z. 1. Okt. Köchinnen u.
Alleinmädchen in beſſ. Häuſern.
Frau Sidonie Frank, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin. Schulſtr. 9. (*5203

Herrſchaftstöch, bürgerl. Köchin,
Hausm. u. Alleinm. erh. ſehr g. Stell.,
hoh. Lohn, a. Laufmädchen. Susanna
Röse, gewerbsmässige Stellenvermitt-
Ierin, Kiesstrasse 35, I.
(*5211
Giut
Dienſtmädchen
per ſofort geſucht.
(*5259
Heidelbergerſtraße 81, part.

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[ ][  ][ ]

Nummer 208.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

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[ ][  ][ ]

eite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mitttroch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 27. Aug. bis 2. Sept.
Die Getreidemärkte ſtanden auch in der Berichtswoche
unter dem Eindruck der in Weſteuropa und in Südruß=
land
durch Regen hervorgerufenen Ernteſchäden. In
Amerika wurde gleichfalls über ungünſtiges Wetter ge=
klagt
, das die Dreſcharbeiten behindert, und auch aus Ka=
mada
kommen Meldungen, wonach kühles und regneri=
iſſches
Wetter die Reife verzögere und die Ernte nur lang=
ſſſam
fortſchreiten laſſe. In Deutſchland haben ſich die
Verhältniſſe in den letzten Tagen etwas günſtiger geſtaltet,
ſo daß man das durch die lang andauernde Feuchtigkeit
ſarg mitgenommene Getreide endlich einbringen zu können
chofft. Infolge der ſchlechten Beſchaffenheit eines großen
Teiles der deutſchen Weizenernte iſt das anfangs ſo leb=
hafte
Ausfuhrgeſchäft zum Stillſtand gekommen; vielfach
ſuchten die Provinzhändler ſogar frühere Abſchlüſſe rück=
gängig
zu machen. Die Befürchtung, daß es an kündig=
ungsfähigem
Weizen fehlen dürfte und die im Vergleich
zum Berliner Wertſtande hohen Preiſe für ausländiſchen
Weizen veranlaßten im Lieferungsgeſchäfte Deckungen
und Meinungskäufe, doch vermochten ſich die dadurch her=
vorgerufenen
Preisfortſchritte angeſichts der gebeſſerten
Witterung nicht voll zu behaupten. Roggen zeigte anfangs
gleichfalls feſte Haltung, zumal ruſſiſches Angebot fehlte
und an der Küſte gute Nachfrage zu Exportzwecken be=
ſtand
; indes bewirkte auch hier der Witterungsumſchwung
im weiteren Verlauf eine Abſchwächung, aber mehr für
September, als für ſpätere Sichten. Das Inlandsange=
bot
behielt nur mäßigen Umfang, und die Nachfrage des
Auslandes, wenn auch zu etwas ermäßigten Preiſen,
blieb beſtehen. Im Hafergeſchäft machte ſich in den erſten
Tagen noch rege Kaufluſt ſeitens des Auslandes bemerk=
bar
, auch die inländiſchen Verbraucher griffen lebhafter
zu, ſo daß die Preiſe weiter anzogen. Mit dem Eintritt
beſtändigerer Witterung ließ das Intereſſe nach und auch
entgegenkommende nordruſſiſche Offerten trugen zuletzt
dazu bei, die Unternehmungsluſt einzuſchränken. Brau=
gerſte
iſt in feinen Qualitäten weiter gut unterzubringen.
Ruſſiſche Futtergerſte ſtellte ſich anfangs billiger, befeſtigte
ſich aber wieder, da Regenmeldungen aus Rußland zu

Deckungen Anlaß gaben. Mais hatte bei wenig veränder=
ten
Preiſen ruhiges Geſchäft. Es ſtellten ſich die Preiſe.
für inländiſches Getreide am letzten Markttage wie folgt:

Roggen
Hafer
Weizen
174½ (* ½)
Königsberg.
173
2 ) 182
. 208
Danzig
177
169
Stettin
207
208 (*2 ) 168
169 (*4
Poſen
166
166 (*4
201
Breslau .
168
200 (*2 )
. 208
Berlin
164
182 (*2
Magdeburg . 202
172
188
. 203
Halle
167
202
222 (*4
Leipzig
)170
203 (*
188 (*6 )
Dresden .
168.
Roſtock
178.
176
2
Hamburg
186
Düſſeldorf . . 217
203 (48
Frankfurt a. M. 216½ (*1½) 178 (-
220
182½ (*2½) 185
Mannheim . . 220
Straßburg . . 225 (75 ) 187½(
)188 (5
München . . 230 (2 ) 183
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Sept. 211 ( 1,50),
Peſt Okt. 193,75 ( 1,85), Paris Sept. 210,80 ( 2,45),
Chicago Sept. 142,75 ( 2,10), Liverpool Okt. 172,40
), Roggen: Berlin Sept. 171,25 (2,50), Hafer:
Berlin Sept. 175 (1), Futtergerſte: Südruſſ. frei
Hamburg unverzollt Aug. 125,25 (0,25), Sept.=Dez.
124 (*1), Mais: La PlataJuli=Auguſt, Auguſt=Sept.
112 (*0,50) Mark.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
6 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 25. Aug.: dem Schneider Jakob
Schmidt, Mühlſtraße 7, ein S. Friedrich Jakob. Am 26.:
dem Badewärter Johs. Großhaus, Arheilger Straße
Nr. 92, eine T. Marie Berta. Am 28.: dem Bügler Feibel
Kibel, Große Bachgaſſe 14, ein S. Philipp. Am 29.:
dem Metzgermeiſter Heinrich Auguſt Freund, Liebig=
ſtraße
33, ein S. Auguſt Georg Guſtav. Am 30.: dem
Kaufmann Paul Robert Metzger, Pankratiusſtr. 41,
ein S. Rudolf Karl. Am 27.: dem Vizefeldwebel im In=

fanterie=Regiment Nr. 88, zur Zeit kommandiert zur 4.
Artilleriedepotdirektion, Georg Wilhelm Vierhub, Lich=
tenbergſtr
. 87, eine T. Eliſabeth Frieda Emilie Henriette.
Am 28.: dem Kaiſerlichen Rechnungsrat a. D. Johann
Philipp Schubkegel, Schwanenſtraße 71, ein S. Joſeph
Nikolaus Polykarp.
Aufgebote. Am 29. Aug.: Möbelſchreiner Johann
Schäfer, Heinheimerſtraße 75, und Köchin Marianna
Schütze, Allee 1. Kaufmann Stephan Heinr. Lucht in
Biebrich a. Rh. und Johanna Marie Eliſab. Mößmer,
Ernſt=Ludwigsplatz 4. Am 30.: Mathematiker Alfred
Hermann Wulf in Hannover und Johanna Amalie
Rehberg in Köln. Techniſcher Betriebsleiter Karl A.
Brezing hier und Eliſabeth Roßbach in Wiesbaden.
Fabrikdirektor Chemiker Aug. Eggert. Adolf Koch in
Aſchbach i. O. und Wilhelmine Eliſabeth Kathar. Metz=
ger
, Gutenbergſtraße 68. Kaufmann Karl König, Hei=
delberger
Straße, und Katharina Metternich in Gold=
hauſen
. Am 31.: Fuhrmann Jakob Kalbach in Gries=
heim
und Dienſtmädchen Juliane Trometer, daſelbſt.
Student Richard Botſch hier und Eliſe Karoline Fanny
Charlotte Schallas in Gießen.
Eheſchließungen. Am 28. Aug.: Gaſtwirt Ludwig
Gelfius hier mit Eliſabetha Wolf in Elsheim. Am
29.: Kaufmann Joſeph Engelhard mit Kathar. Ma=
ger
, beide bier. Am 31.: Kaufmann Heinrich Geil mit
Anna Becker, beide hier. Kunſtgewerbezeichner Auguſt
Schön in Stuttgart mit Emilie Kühnly, hier.
Schuhmacher Heinrich Schönberger hier mit Chriſtiane
Lutz zu Bönnigheim., Handlungsgehilfe Philipp Ho=
wahrde
mit Marg. Schanz, beide hier. Kaufmann
Friedrich Zorn mit Anna Anders, beide hier. Zu=
ſchneider
Karl Töpel mit Näherin Helene Müller,
beide hier.
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Mink, T. des Heizers, 7 Mon., ev., Ballonplatz 9.
Schneider Friedrich Hoffmann, 66 J., ev., Wembach.
Am 30.: Fuhrmann Georg Schrod, 51 J., kath., Große
Bachgaſſe 22. Eliſabeth Stängle, geb. Hartung, Ehe=
frau
des Fabrikarbeiters, 45 J., ev., Arheilgen. Auguſte
Roſa Louiſe Haßler, T. des Mechanikers, 9. J., ev.,
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Nummer 208.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Grofßh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 goldener Damenring mit rotem viereck. Stein.
1 Sack Hafer. 1 Matratze für ein Kinderbett. 1 Aktendeckel mit
Einlage (Evangel. Bundesbote), 1 alter Kinderſchirm. 1 feſtſtehendes
Meſſer mit Horngriff. 2 Schlüſſel. 1 Schreibzeugmäppchen. 1 Hunde=
halsband
mit Marke 287. 1 Quittungskarte, auf den Namen M.
Größmann und eine ſolche auf den Namen M. Schneider ausgeſtellt.
Zugelaufen: 1 junger Hund.
(18425
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Rehpinſcher. 1 Spitzhund, 1 Wolfshund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (18492

Lieferung

von Weißzeug, Bettwerks= und Kleiderſtoffen, Wolle uſw. für
das ſtädtiſche Pfründnerhaus und das ſtädtiſche Armenhaus
zu Darmſtadt.
Es ſollen die nachverzeichneten Gegenſtände auf dem Ver=
dingungswege
angeſchafft werden, nämlich:

130 m graues Koperfutter
0.80 m breit
50 graues Tuch zu Männerkleidern
1,20
80 Baumwollſtoff zu Sommerhemden für Männer 0,80
100
Kinder 0,80
100 blaugeſtreifter Oxfordſtoff zu Männerhemden 0,80

75 Baumwollſtoff zu Frauenkleider
0,90
150 blaugeſtreift Leinen zu Bettbezügen
0,80
50
Leinen zu Bettüchern
100 graues Leinen zu Strohſäcken
1,20
50 Gebild Leinen zu Handtüchern
0,50
50 Gebild Leinen zu Kinderhandtüchern
0,50
50 gewöhnliches Handtuchleinen
0,50
50 graues Leinen zu Küchenhandtüchern
0,90
25 weißes Leinen zu Wirtſchaftsſchürzen . 1,501,60
50 weißer Köper zu Vorhängen .
0,85
30 Moltonſtoff zu Unterlagen
0,80
175 Schocktuch zu Putzlumpen
0,70
Dutzend weiße Bettdecken.

farbige Taſchentücher für Männer.
15 kg graue Wolle zu Strümpfen.

Wir laden Lieferungsluſtige ein, ihre mit bezüglicher Aufſchrift
verſehenen Angebote verſchloſſen am Samstag, den 14. September
ds. Js., vormittags zwiſchen 10 und 11 Uhr, in den im unteren
linken Hausflur des Stadthauſes aufgehängten Kaſten für Ver=
dingungsangebote
einzulegen, Muſterſtücke dagegen bei dem Ober=
verwalter
der ſtädtiſchen Armenanſtalten, Frankfurter Straße 35, ab=
zugeben
. Der letztere wird den Intereſſenten jede gewünſchte Aus=
kunft
erteilen, auch Muſter uſw. vorlegen.
(18517mi
Wir bemerken noch, daß die Preiſe lediglich in dem Angebot
und nicht auf den einzureichenden Muſterſtücken anzugeben ſind.
Die Muſterſtücke ſollen mit einem Zeichen verſehen ſein, wel=
ches
auch in dem Angebot enthalten ſein muß. Das Zeichen
darf nicht ſo gewählt werden, daß aus demſelben die anbietende
Firma erkennbar iſt.
Darmſtadt, den 3. September 1912.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 5. Septbr. 1912, nachm. 4 Uhr,

verſteigere ich im Saale der Ludwigshalle, Obergaſſe dahier, öffent=
lich
meiſtbietend folgende Pfänder:
1. beſtimmt: 1 Partie weiße und bunte Bluſen, 1 Eisſchrank
und 1 Fleiſchklotz;
2. vorausſichtlich: 2 Büfetts, 2 Schreibtiſche, 1 Pianino mit
Stuhl, 6 Vertikos, 4 Spiegel, 2 Tiſche, 1 Anrichte, 1 Pfeiler=,
2 Kleider=, 1 Silber= und 1 Kontorſchrank, 1 Plüſchſofa mit
2 Seſſel, 1 Kommode, 1 Serviertiſch, 5 Stühle, 1 Divan,
1 Muſikwerk, 1 Fahrrad, 1 Pferd, 2 Landauer u. a. m.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher
Bleichſtraße 28, I.
18537)

Obſt=Verſteigerung.
Mittwoch, den 11. September, vormittags 9 Uhr

anfangend, wird in den Gemeinde=Obſtanlagen die diesjährige Obſt=
ernte
, beſtehend in 350 Ztr. Aepfel und Birnen, losweiſe verſteigert.
Zuſammenkunft an der Rheinſtraße.
(18546
Stockſtadt, am 3. September 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Stockſtadt.
Merz.

Verſtergerungs=Anzerge.
Freitag, den 6. September d. Js., vorm. 11 Uhr

werden im Verſteigerungslokal Waldſtraße 21 folgende Gegenſtände
zwangsweiſe gegen bar verſteigert:
1 Pianino, 1 Salonſchrank, 1 Diwan mit Umbau, 1 Näh=
maſchine
, 1 Vertiko, 1 Schuttwagen, 1 Warenſchrank mit
Friſeurartikel, 1 Chaiſelongue, 1 vollſt. Bett u. 1 Küchenſchrank.
Darmſtadt, den 3. September 1912.
(18490mdf
Wieser, Pfandmeiſter.

Verſteigerung einer Hofreite
nebſt Grundſtücken.
Donnerstag, den 12. September 1912, nachmittags 4 Uhr,

ſollen auf freiwilligen Antrag des Sachverwalters Ernſt Wolf zu
Darmſtadt die in der Gemarkung Malchen gelegene Hofreite ( Gaſt=
wirtſchaft
mit Tanzſaal nebſt Oekonomiegebäuden) und verſchiedene
Grundſtücke im Bureau der unterzeichneten Stelle öffentlich meiſt=
bietend
verſteigert werden.
(18429
Malchen, den 1. September 1912.
Großherzogliches Ortsgericht Malchen.
Walther.

Obſt=Verſteigerung.
Mittwoch, den 11. September, vormittags 8½ Uhr,

auf dem Krappendamm bei Stockſtadt wird das Obſt daſelbſt, ca.
40 Ztr. Aepfel und Birnen, verſteigert.
Nähere Auskunft durch Güteraufſeher Horſt, Stockſtadt.
Gernsheim, am 2. September 1912.
(18426
Großherzogliche Oberförſterei Gernsheim.
Petith.

Obſt=Verſteigerung.
Dienstag, 10. September, vormittags 11 Uhr,

wird an der Wieſenwärterwohnung Plattenhof (Gemarkung Erfelden)
das Herbſtobſt von dem Plattengut, Schuſter= und Karlswörth und
der Knoblochsau, zuſammen etwa 360 Ztr. Aepfel und 4 Ztr. Birnen,
losweiſe verſteigert.
(18428
Dornberg, 2. September 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Dornberg.
Kleinkopf.

GROsSHERZOGLichEs HOF-THEATER
DANMSTADT.
Hshaasan
VORVERKAUF.
Auf Grund der bekannten Bestimmungen beginnt der Verkauf der Eintritts-Karten
Mittwoch, den 4. September 1912
und findet Wochentags, vormittags von 9½ bis 1½ Uhr, und Sonntags, vormittags von 10½
bis 1½ Uhr, an der Tageskasse statt.
Es stehen zum Verkauf die Karten für die Vorstellungen:
SONNTAG, den 8. September. 1. Ab.-Vorstellung. B 1. Neu einstudiert: 1PHIGENIA
IN AULis. Grosse Oper in 3 Aufzügen, nach dem Französischen. Musik von Gluck
(in der Bearbeitung von Richard Wagner). Gewöhnliche Preise. Anfang 7 Uhr.
DIENSTAG, den 10. September. 2. Ab.-Vorstellung. A 1. DIE MIBELUNGEN. Ein
deutsches Trauerspiel in 3 Abteilungen von Friedrich Hebbel. Neu einstudiert: Der
gehörnte Siegfried. (Erste Abteilung.) Neu einstudiert: Siegfrieds Tod.
(Zweite Abteilung.) Kleine Preise. Anfang 7 Uhr.
MTTwoch, den 11. September. 3. Ab.-Vorstellung. B 2. DlE NIBELUNGEN.
Ein deutsches Trauerspiel in 3 Abteilungen von Friedrich Hebbel. Zum ersten
Male: Kriemhilds Rache. (Dritte Abteilung.) Kleine Preise. Anfang 7 Uhr.
DONNERSTAG, den 12. September. 4. Ab.-Vorstellung. C 1. DlE LUsTIGEN
WElSER VON WiNDsoR. Kleine Preise. Anfang 7 Uhr.
PREISE DER PLATZE:

Gewöhnliche Preise Kleine Preise

Proszeniumsloge
Mittelloge . . . .
Balkonloge . . .
I. Rang
,,

II. Rang
Sperrsitz

Parterre

I. Calerie
II. Galerie

(1.6. Reihe)
(7. u. 8. Reihe)
( 1.13. Reihe)
(14.20. Reihe)
(1.5. Reihe)
(6.8. Reihe)

Jeder Theaterbesucher hat auf Grund

Mk. 6.10
Mk. 6.10
Mk. 5.10
Mk. 4.60
4
Mk. 2.60
Mk. 2.05
Mk. 4.10
Mk. 3.30
Mk. 2.80
Mk. 2.25
B
85
Mk. 1.25
Mk. 0.65
K
seiner Eintrittskarte

Mk. 5.10
Mk. 5.10
Mk. 4.60
Mk. 4.10
Mk. 2.05
Mk. 1.65
Mk. 3.60
Mk. 3.10
Mk. 2.25
Mk. 1.85
Mk. 1.05
Mk. 0.55
das Anrecht, am

Abend beim Billetteur unentgeltlich ein Exemplar des neu erscheinenden

Programmbuches zu beziehen.

DARMSTADT, den 2. September 1912.

(18494

Die Direktion
des Grossh. Hoftheaters und der Hofmusik.

Bekanntmachung.
1 Dienstag, 1. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſollen die den Heinrich Schäfer
Eheleuten dahier zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
flur Nr. qm
VIII 699/100 510 Hofreite Hei=
delberger
delberger=
ſtraße
130,
VIII 679/10 365 Hofreite
Moosberg=
ſtraße
94,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Darmſtadt, 13. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (VI17454


Bekanntmachung.
Dienstag, 1. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſollen die den Heinrich Schäfer
Eheleuten dahier zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
VIII 699//100 510 Hofreite Hei=
delberger
delberger=
ſtraße
130,
VIII 679/10 365 Hofreite
Moosberg=
ſtraße
94,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
Darmſtadt, 12. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI17453

Flur Nr. qm

Mainzer Herbſipferdemarkt 1912.
Der Herbſtpferdemarkt
findet am
Donnerstag, den 19. September 1912,
im ſtädtiſchen Viehhofe ſtatt. Marktprogramm und Prämiierungs=
plan
, ſowie weitere Auskünfte ſind durch die Schlacht= und Viehhof=
verwaltung
Mainz erhältlich.
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

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[ ][  ][ ]

Nummer 208.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Seite 13.

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Jamilie Seerſen.
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)
11)

Bettelarm! Sie ſagte es immer und immer wieder,
mit beinahe irrem Lächeln ſagte ſie es. Dann raffte ſie ſich
zuſammen. Ihre Geſtalt ſtraffte ſich. Nein, das kann nicht
ſein! Es iſt nicht wahr! Gerüchte übertreiben, verſtellen,
greifen oft aus der Luft, ſtempeln zur Wahrheit, was nur
Schein iſt! Wie an einem Strohhalm klammerte ſie ſich
an dieſen Gedanken. Sie wurde ruhiger und ermahnte
Karl Auguſt, der noch immer angſtvoll vor ihr ſtand, ſich
zuſammenzunehmen. Noch wiſſen wir nichts Genaues.
Faß Dich, Karl Auguſt! Nutzloſes Klagen iſt unwürdig!
Wir wollen uns nicht werfen laſſen. Aufrecht muß man
ſtehen und ſich nicht beugen vor den Schlägen des Geſchicks.
Selbſt beſiegt, muß man noch Sieger bleiben über ſich ſelbſt,
mein Sohn!
Mama, ich bewundere Dich, daß Du jetzt ſo ſprechen
und denken kannſt. Er küßte die Hand ſeiner Mutter.
Ihm war erbärmlich zumute, denn er dachte an die Sum=
men
, die er geſtern verſpielt hatte, und die er decken mußte.
Schweigend ſtanden ſich Mutter und Sohn gegenüber.
Jeder mit ſeinen eigenen trüben und quälenden Gedanken
beſchäftigt. Und Frau von Leerſen gedachte auch wieder
Joachims. Mit wenigen Worten erzählte ſie Karl Auguſt,
welche Szene ſie ſoeben mit ſeinem Bruder erlebt hatte.
Karl Auguſt war aber zu ſehr mit ſich und ſeinen
Nöten beſchäftigt, um für die Angelegenheiten Joachims
etwas übrig zu haben.
Ach bah, Mama, ſagte er leichthin, Du legſt der Sache

bick zu it Wen det. Des nit ſch doch leißt wicher
einrenken; eine Dummheit iſt’s, weiter nichts.
Frau von Leerſen ſchüttelte ernſt den Kopf.
Ein Unglück, ſage lieber! Es war das erſte, das mich
heute traf, dann folgte das andere. Es muß wohl wahr
ſein, jenes häßliche Wort, daß ein Unglück nie allein kommt!
Und erſchauernd, wie unter der dunklen Ahnung kommen=
den
Unheils, zuckte ſie zuſammen.
4. Kapitel.
Es kam wirklich, dieſes Unheil und beſchatteie das
Haus, in dem bisher ſcheinbar nur Freüde, Glück und ſorg=
loſes
Genießen gewohnt hatten, immer ſchwerer und ſchwe=
rer
mit ſeinen dunklen Schwingen
Schon nach ganz kurzer Zeit war Miniſter Leerſen
von der Audienz zurückgekehrt und hatte ſich ſofort in ſein
Zimmer begeben.
Niemand hatte ihn kommen hören, denn ſeiner ſon=
ſtigen
Gewohnheit zuwider hatte er nicht am Portal ge=
klingelt
, ſondern ſich mit ſeinem Drücker die Haustür ſelbſt
geöffnet. So war er unbemerkt ins Haus gekommen. Das
hatte er gewollt. Einen Augenblick blieb er, nachdem er
die Haustür leiſe geſchloſſen hatte, ausruhend ſtehen. Seine
Kraft, ſeine Selbſtbeherrſchung war zu Ende. Er ſank
förmlich in ſich zuſammen. Das kleine Stück Weges vom
Schloſſe bis zu ſeinem Hauſe hatte er aufrecht und ſtramm
gehend zurückgelegt. Keiner, dem er mit dem verbind=
lichen
Lächeln, das immer auf ſeinen Zügen lag, einen
Gruß erwiderte, hätte auch nur im entfernteſten ahnen
können, daß hier ein vom Geſchick Gerichteter ſchritt. Jetzt
ſank die Maske, die er draußen getragen hatte, von ihm.
Wankend, ſich mit den Händen an den Wänden forttaſtend,
ſchlich er durch das Veſtibül nach ſeinem Arbeitszimmer,

ee
ahnen, daß er daheim war. Allein, ganz allein wollte er
ſein und bleiben bis Als ob ihn das Fieber ſchüt=
telte
, ſchlugen ſeine Zähne zuſammen, eine namenloſe Angſt
malte ſich in ſeinen Zügen Seine Frau, die Kinder
nein, er wollte ſie nicht wiederſehen! Leiſe und unhörbar
drehte er den Schlüſſel ſeiner Tür herum.
Stunde um Stunde verging.
In atemloſer Spannung, nur hier und da ein Wort
wechſelnd, ſaß Frau von Leerſen mit ihrem älteſten Sohne
in ihrem kleinen, im Geſchmack Louis XIV. gehaltenen
Bondoir.
Die kleine Pendüle auf dem Sims des ſchwaxzen
Marmorkamins rückte und rückte und zeigte bereits die
Mittagsſtunde an.
Jetzt mußte er doch bald heimkehren, deſſen Kommen
ſie bangend entgegenharrten, um Aufklärung und Gewiß=
heit
zu erhalten. Wie entſetzlich dieſes Warten war! Bei
jedem Klingellaut fuhr man zuſammen. Das mußte er
ſein! Aber immer wieder war es eine Täuſchung geweſen.
Beſucher, die man nicht angenommen hatte, waren dage=
weſen
. Dann war Chriſta, ganz erfüllt von der Neuigkeit,
die die ganze Stadt erregte, angeſtürzt gekommen: Denkt
nur, der alte Silbergleit ſoll ausgekniffen fein! Das alte
Schenſal hat fürchterliche Betrügereien gemacht. Sogar
Durchlaucht ſoll mächtig viel Geld verloren haben! Iſt
das nicht gemein! Mir tut der Sohn fo leid. Nun iſt’s
Eſſig mit ſeiner Karriere!
Ja, wir wiſſen ſchon, Chriſta. Karl Auguſt ergriff!
die Hand der Schweſter und führte ſie zur Tür Komm',
Kind, geh’ auf Dein Zimmer! Mama hat heftige Migräne.
Das tut mir leid, Mamachen. Heut’ morgen ſahſt Du
doch noch ſo friſch und munter aus. Recht gute Beſſerung!

[ ][  ][ ]

(184485

du e örſtn ſich den Aender neind in die Seite
Du ſiehſt ja aus wie ſieben Meilen böſer Weg. Dazu
Mamas Migräne Karl Auguſt, ſollte ein gewiſſer jun=
ger
Mann mal wieder Generalbeichte abgelegt haben?
Na, mit der Abſolution ſieht’s wohl windig aus! Lachend
lief ſie hinaus und empor in den erſten Stock, wo auch ihr
Zimmer lag. In Joachims Zimmer hörte ſie ja Schritte!
Sollte er zu Haus ſein? Sonſt war er doch um dieſe Zeit
immer noch im Miniſterium. Sie klopfte leiſe, öffnete die
Tür und huſchte hinein. Er war wirklich ſchon daheim!
Es weht unten bei Mama ſchwüle Luft, Joachim!
Karl Auguſt hat mich an die Luft geſetzt. Mit einem Ge=
ſicht
nuh! Aber auch Du, mein Sohn Brutus, haſt eine
Leichenbittermiene aufgeſetzt. Biſt Du geſtern unſolid ge=
weſen
und haſt Du heute Kater? Genau ſo ſiehſt Du aus.
Aufs Amt biſt Du, ſcheint’s, auch nicht gegangen. Iſt mir
ſehr recht, denn ich weiß ſo nicht, wie ich die langen Vor=
mittagsſtunden
totſchlagen ſoll und komme mir vor wie
ein ausgeſetztes Kind Moſes Sonſt hatte ich Montag
vormittag Malſtunden bei Ada Jerling, Deinetwegen, Du
Ungeheuer, weil Du Dich in meine Ada verguckt haſt, hat
man ſie mir weggenommen! Nun vertreib’ mir zur Strafe
dafür die Zeit! Mein Gott, warum biſt Du nur ſo ſtumm?
Oeffne doch mal endlich die Roſenlippen! Ich will die
Koſten der Unterhaltung nicht allein tragen. Sonſt ver=
dufte
ich einfach hier, weil ich annehme, ich ſtöre. Und
das iſt kein angenehmes Gefühl für ein ſenſibles junges
Mädchen, Du!
Nein, bleibe, Chriſta, ich bitte Dich, bleibe, bat Joachim
und ergriff die Hände der Schweſter. Ihn hatte ihre liebe
Stimme wie ein wärmender Sonnenſtrahl berührt. Ihre
neckenden Worte waren iam wie leiſe, linde Liebkoſungen

berelhenten. Die ſchnane, auhen iltn Bote ins=
licher
Verſtändnisloſigkeit für ſeine Leiden, die er eben
wieder aus dem Munde ſeiner eigenen Mutter hatte hören
müſſen, hatten ihn wie verhärtet. Stumm vor ſich hin=
brütend
, hatte er dageſeſſen und war ſich grenzenlos ein=
ſam
und unglücklich vorgekommen. In dieſer Stimmung
an Ada zu ſchreiben oder zu ihr zu gehen, ehe er nicht noch
einmal mit ſeinem Vater geſprochen hatte, vermochte er
nicht. Wenn auch der Vater ſeinen Entſchluß nicht bil=
ligen
würde, ſo würde er ihn ſicher nicht ſo kalt von ſich
weiſen, wie es die Mutter getan hatte! Nur ein mildes
Wort war es, das er erſehnte! Wo aber blieb der Vater
nur heute ſo lange?
Aber natürlich bleibe ich, ſogar gern bleibe ich. Dies
bleibe klang ordentlich ſehnſuchtsvoll, Joachim!
Ich habe auch Sehnſucht, Chriſta, große Sehnſucht
nach jemanden, der mich verſteht, jemanden, der Anteil an
mir nimmt.
Warm ſchloß ſich eine kleine weiche Hand um die ſeine
Sprich, Joachim, was drückt Dich?
Hand in Hand ſaßen die Geſchwiſter zuſammen und
Chriſta vernahm aus ihres Bruders Mund die Geſchichte
ſeiner leidvollen Liebe.
Unten im Boudoir ſeiner Mutter aber ſchritt Karl
Auguſt ruhelos auf und ab. Sein Blick flog zu der Mut=
ter
. Schweigend ſaß ſie in ihren Seſſel zurückgelehnt, un=
durchdringlich
waren ihre Züge. Nur die Falte zwiſchen
den dunklen Brauen grub ſich immer tiefer in die weiße
Stirn.
Nun halte ich es aber tatſächlich nicht mehr aus,
Mama, fuhr Karl Auguſt nervös auf. Vielleicht iſt Papa

dieh glenten, Er her nitrich ger lich geilſcgt. 3
möchte doch mal nachſehen! Eilends entfernte er ſich.
Langſam kehrte er nach kurzer Zeit zurück. Eine fahle
Bläſſe lag auf ſeinem Geſicht, und ſeine Stimme klang
heiſer vor Erregung: Mama, die Tür von Vaters Arbeits=
zimmer
iſt verſchloſſen Der Schlüſſel ſteckt, wie ich mich
überzeugt habe, innen. Papa iſt alſo da! Ich habe ge=
rufen
, geklopft, aber keine Antwort erhalten. Kein Laut
war zu hören!
Es wurde dunkel vor Frau von Leerſens Augen und
lähmendes Entſetzen kroch in ihr empor.
Mein Gott, mein Gott, was bedeutet das?
Ihr Auge ſuchte das des Sohnes. Dort ſtand auch
das Furchtbare zu leſen, was ſoeben in ihr emporgezuckt
wari Karl Auguft dachte fürchtete das gleiche wie ſie.
Jetzt aber war er der Beſonnere.
Mama, wir müſſen uns Zugang zu dem Zimmer ver=
ſchaffen
, aber ſo, daß es niemand auffällt. Man kann
nicht wiſſen, was geſchehen iſt.
Ja, ja, ja! Frau von Leerſen nickte mechaniſch mit
dem Kopfe. Sprach es da nicht Karl Auguſt aus, was ſie
ſoeben gedacht hatte: man kann nicht wiſſen, was ge=
ſchehen
iſt!
Und es war etwas geſchehen, etwas Schreckliches,
Grauenvolles. Sie fühlte es.
Die Tapetentür im roten Salon, murmelte ſie. Mit
fliegenden Kleidern haſtete ſie vorwärts und durchlief die
Flucht der mit fürſtlicher Eleganz ausgeſtatteten Emp=
fangsräume
. Mehr als einmal drohte ihr ſonſt ſo ſicherer
Fuß auf dem ſpiegelglatten Parkett auszugleiten, aber
Karl Auguſt ſtützte ſie.
(Fortſetzung folgt.)

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

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Seite 18.

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[ ][  ][ ]

Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 208.

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* Basel-Cleve); dasselbe ist bei der Firma Benz & Co., Grafenstrasse ausgestellt.
Veranstalter: Velociped-Club.
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Verein für Stenotachy=
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Darmſtadt
gegründet 1900.
Am Freitag, 6. September 1912, abends 8½ Uhr,
eröffnet der im Jahre 1900 gegründete Verein für Stenotachygraphie
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zu Darmſtadt in ſeinem Vereinslokal
Brauerei Fays, Ballonplatz
einen unentgeltlichen Unterrichtskurſns, wozu wir die verehrten
Damen und Herren zu recht zahlreicher Beteiligung höflichſt einladen.
Anmeldungen hierzu werden im Vereinslokalentgegengenommen.
Der Vorstand.

Semeindegelangverein der
evang. Staligemeinde.
Wiederbeginn der Singproben
Mittwoch, den 4. September, abends 8¼ Uhr
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17.

Neue Mitglieder willkommen.
Für den Vorſtand:
Kleeberger.

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Gesellschaft Arminius‟ Darmstadt
Gegründet 1911.
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Vereinslokal: Zum Landgrafen Georg‟.
Unſer diesjähriges Stiftungsfeſt findet am Samstag, den
7. September a. c., abends 8½ Uhr, im Konkordiaſaale, Wald=
ſtraße
33, in Form einer
Abendunterhaltung mit Ball
ſtatt. U. a. gelangt zur Aufführung: Die Villa, in Darmſtädter
Mundart, Geſang= und Muſikvorträge ꝛe. Die Muſik wird von einer
Abteilung des Leibgarde=Dragoner=Regiments Nr. 23 geſtellt.
Eintrittskarten im Vorverkauf à 25 Pfg., an der Abendkaſſe à 30 Pfg.
Vorverkaufsſtellen in ſämtlichen Filialen des Zigarren=Importhauſes
D. Numrich, in unſerem Vereinslokal und im Verkehrsbürp.

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2 Uhr nachmittags von New=Vork
nach Boſton und Baltimore.
Dampfer Graf Walderfee, von
Philadelphia kommend, 30. Auguſt
7 Uhr 10 Minuten abends in Ham=
burg
. Dampfer Hoerde nach
New=Orleans, 28. Auguſt 2 Uhr
15 Minuten nachmittags in Phila=
delphia
. Dampfer, Kronprin=
zeſſin
Cecilie, nach New=York,
30. Auguſt 10 Uhr 50 Minuten
abends von Southampton.

Schiffsbericht. Norddeutſcher
Lloyd Bremen. Mitgeteilt von dem
Vertreter Anton Fiſcher, Darm=
ſtadt
, Frankfurterſtraße 12 und 14.
Der Dampfer Kaiſer Wil=
helm
II. iſt am 27. Auguſt von
New=York nach Bremen abgegan=
gen
. Der Dampfer König
Albert iſt am 29. Auguſt in
Neapel angekommen. Der
Dampfer Köln hat am 29. Auguſt
Lizard päſſert. Der Dampfer
Brandenburg iſt am 28. Auguſt
von Baktimore abgegangen.
Der Dampfer Man iſt am
29. Auguſt von Bremerhaven ab=
gegangen
.

Woog, am 3. Septenber 21912.
Wafferhöhe am Pegel 3,65 m.
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Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 15%C.
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[ ][  ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 4. September 1912.

Nummer 268.

eine bewährfe
Krankenkost
für Erwachsene
bei Störungen der Verdeuung,
bei Schwäche u. Appetitlosigkeit.

Sport.

G.A. Turnen. Zöglingswetturnen und
Turnwarteübung. Der Main=Rheingau der Deut=
ſchen
Turnerſchaft machte zum erſten Male einen Verſuch
mit einem Zöglings=Vierkampf im Freihochſprung, Weit=
ſprung
, Kugelſtoßen und einer Freiübung innerhalb ſei=
ner
Bezirke. Der Verſuch kann als in auen Teilen vor=
züglich
ausgefallen bezeichnet werden. Die Zöglinge des
erſten Bezirks turnten in Sprendlingen, des zweiten Be=
zirks
in Groß=Gerau, des dritten Bezirks in Bensheim
und des vierten Bezirks in Dieburg. Die Orts= und
Kreisbehörden nahmen regen Anteil an dieſen Veran=
ſtaltungen
. In Sprendlingen gab der Herr Bürgermei=
ſter
ſein Intereſſe für die Beſtrebungen des Main= Rhein=
gaues
durch perſönliches Erſcheinen während des Tur=
nens
und der Siegerverkündung kund. Für den erſten
Sieger im zweiten Bezirk, in Groß=Gerau, hatte der Kreis
Groß=Gerau in dankenswerter Weiſe einen prachtvollen
Eichenlaubkranz geſtiftet. Im dritten Bezirk, in Bens=
heim
, hielt der Vorſitzende des Jungdeutſchlandbundes
im Kreiſe Bensheim, Herr Oberſt v. Kalinowski in Bens=
heim
, eine begeiſternde Anſprache an die Zöglinge; Herr
Kreisrat Eckſtein und Herr Landrat von Kalinowski
waren ebenfalls perſönlich erſchienen, und die Großh.
Bürgermeiſterei Bensheim durch Herrn Beigeordneten
Denig vertreten. In den vier Bezirken traten zuſammen
399 Zöglinge an, und zwar in Sprendlingen 89, in Groß=
Gerau 121, in Bensheim 115, in Dieburg 74. Dank der
vorzüglichen Herrichtung der Turnplätze durch die betref=
fenden
Ortsvereine wickelte ſich das Turnen unter Leitung
der Bezirksturnwarte flott und ohne den geringſten Un=
fall
in knapp zwei Stunden ab. Die höchſterreichbare
Punktezahl wurde bei ſämtlichen Uebungsarten mehrmals
erreicht. In Sprendlingen konnten 66 Zöglinge, in Gr.=
Gerau 80, in Bensheim 96 und in Dieburg 61 Zöglinge,
die die Mindeſtzahl, 35 von 70 erreichbaren Punkten er=
langt
hatten, als Sieger mit der ſchlichten Ehren=Urkunde
bedacht werden. Erſte Sieger wurden im: 1. Bezirk: Ph.
Heil, Turngemeinde Sprendlingen, mit 63½ Punkten;
2. Bezirk: Jean Heiſter, Turngeſellſchaft Walldorf, mit 68
Punkten; 3. Bezirk: Friedrich Michel, Turnverein Hoff=
nung
=Hahn, mit 67 Punkten und 4. Bezirk: Joſ. Euler,
Turnverein Dieburg, mit 66½ Punkten. Die den Wett=
turnen
vorausgegangenen Turnwarteübungen in den Be=
zirken
brachten den Vereinsturnwarten eine ganze Reihe
Anregungen, zur Verwertung in den von ihnen geleite=
ten
Turnbetrieben. Die Turnordnung wurde durch einige,
die ernſte turneriſche Arbeit würzende, munter ausge=
führte
Turnſpiele etwas früher wie gewöhnlich beſchloſ=
ſen
, um Zeit für die letzten Vorbereitungen zum Wett=
turnen
am Nachmittag zu gewinnen.

Pferderennen. Die Ergebniſſe der Bade=
ner
Woche. Trotzdem neben verſchiedenen kleineren
Rennen die beiden Hauptprüfungen, der Große Preis und
das Fürſtenberg=Memorial, über die Grenze wanderten,
beträgt die ganze Gewinnſumme der fremden Ställe doch
noch etwa 10000 Mark weniger, als im Vorjahre. Da=
mals
gingen rund 224000 Mark ins Ausland; diesmal
entfallen auf Frankreich 200990 Mark, wozu noch 3000
Mark für den einen belgiſchen Sieg kommen, während
289845 Mark gegen 259340 Mark im Vorjahre von den
einheimiſchen Ställen gewonnen wurden. Dabei iſt aller=
dings
zu berückſichtigen, daß eine ganze Reihe von Kon=
kurrenzen
den Ausländern von vornherein verſchloſſen
ſind. Am beſten von den in= und ausländiſchen Ställen
ſchnitt das Königliche Hauptgeſtüt Graditz ab deſſen Ver=
treter
durch drei Siege, darunter im Zukunfts=Rennen
und im Stiftungs=Preis, ſowie verſchiedene Platzgelder
81100 Mark zuſammengaloppierten. Dann folgt Monſ.
E. Balli mit 60000 Mark, dem Werte von Rire aux Lar=
mes
Großen=Preis=Siege. An dritter Stelle ſteht Monſ.
J. Stern, der neben dem Prince of Wales=Stakes durch
Gilles de Rais noch drei Rennen mit Don Diegue und
damit im ganzen 40760 Mark gewann. 40000 Mark ent=
fallen
durch Sarraſins Erfolg im Fürſtenberg=Memorial
auf Monſ. M. Caillault. Als Nächſte folgen die Herren
A. und C. v. Weinberg, die trotz ihrer großen Streitmacht
in Baden=Baden nur auf drei kleinere Rennen Beſchlag
legen konnten, aber durch eine ganze Reihe von wert=
vollen
Platzgeldern noch auf 31025 Mark kamen. Die
Herren K. und A. Utzſchneider folgen lediglich durch
Cairo mit 30 280 Mark vor Herrn A. von Schmieder mit
23 190 Mark, Herrn H. Junk mit 21 450 Mark, Herrn R.
Haniel mit 18770 Mark und Monſ. Ephruſſi mit ſich
lediglich aus Platzgeldern zuſammenſetzenden 16800
Mark. Ueber 10000 Mark gewannen noch Herr H.
Wencke, Herr W. Lindenſtaedt, Herr L. Scholl, Monſ. L.
Olry=Roederer, Herr O. Brekow und Monſ. W. Botten.
Mit kleineren Summen folgen noch 25 deutſche und 7
ausländiſche Rennſtallbeſitzer. Freiherr S. A. v. Oppen=
heim
, deſſen Dolomit man die beſten Ausſichten auf Er=
folge
in den beiden Hauptrennen einräumte, mußte ſich
durch das Mißgeſchick ſeines Cracks mit 4300 Mark be=
gnügen
. Unter den Jockeis ſchoß diesmal F. Bullock mit
9 Siegen und 4 zweiten Plätzen bei 25 Ritten den Vogel
ab. Von großen Rennen gewann er das Zukunfts= Ren=
nen
und den Stiftungs=Preis, während der mit 5 Siegen
an zweiter Stelle folgende franzöſiſche Jockei O'Neill
Fürſtenberg=Memorial, Großen Preis und Oppenheim=
Memorial auf ſein Konto brachte. Viermal ſiegte Mac
Gee, dreimal Parfrement, je zweimal Ted Rice, Fox und
Lane und je einmal Printen, Archibald, Winkfield, But=
ler
, Brown, Brumm und Blades. In die beiden Herren=
reiten
teilten ſich Herr Purgold und Leutnant Graf
Holck.
Rennen zu Strausberg. Biesdorfer Flach=
rennen
; 2500 Mk., Diſtanz 1000 Meter: 1. Abtlg.: 1. Hrn.
R. v. Wallenbergs Galanterie (O. Müller), 2. Brangäne
(Schläfke), 3. Methuſalem (Bleuler). Tot. 31:10, Pl. 10,
10, 10110. Unpl.: Jungchen (4), Contra, Iſolde, Cava=
lier
. Ueberlegen 23 La. Biesdorfer Flachrennen;
2500 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 2. Abteilung: 1. Herrn
Guetſchows Heuſchrecke (Raſtenberger), 2. Baſalt II (H.

Teichmann), 3. Immo (Ludwig). Tot. 17110, Pl. 11, 12,
20110. Unpl.: Verus (4), Junggeſelle, Geduld, Goldbach,
Salta. Kampf, Kopf-1½ Lg. Wilkendorfer Rennen;
Ehrenpreis und 2500 Mark, Diſtanz 2800 Meter: 1. Dr. F.
Rieſes Doma (Herr Purgold), 2. Fetiſch (Lt. Graf
Bethuſy=Huc), 3. Angola (Lt. von Egan=Krieger). Tot.
27110, Pl. 15, 15:10. Unpl.: Imker (4), Laurin. Preis
von Groß=Beſten; 2400 Mark, Diſtanz 2400 Meter:
1. Herrn M. Hartmanns Ingraban (Naſh), 2. Farneſe
(Weishaupt), 3. Jeſſonda (Theilen). Tot. 54:10, Pl. 22,
15:10. Unpl.: Sälde (4), Poſtillon (angeh.). Ueberlegen
510 Lg. Gamengrund=Jagdrennen; 2300 Mark,
Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn F. Simons Hades (Newey),
2 Mars (Weishaupt), 3. Apache (Th. Baſtian). Tot. 21:10,
Pl. 12, 13:10. Unpl.: Dietlinde (4), Muſe. Verhalten
151½ Lg. Kurpark=Steeple=Chaſe; Ehrenpreis und
2500 Mark, Diſtanz 4500 Meter: 1. Herrn H. Kemptens
Coppee (Herr von Weſternhagen), 2. Lads Love (Herr
Purgold), 3. The Metalman (Lt. von Egan=Krieger).
Tot. 65:10, Pl. 20, 13, 25:10. Unpl.: Scibio (4), Halley,
Kiriquette, Exkluſive, Blondel, Coſta Rica. Kampf, ¾
bis 3 Lg. Altbuchhorſter Jagd=Rennen; 2200 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn H. Geitners Waldtraut
(Torke), 2. Menelik (Streit), 3. Carol (Weishaupt). Tot.
33110, Pl. 11 10, 11110. Unpl.: Mortimer II (4), Escu=
rial
, Nogat, Menſur, Red Beß. Sehr ſicher 24 Lg.
S. Lawn=Tennis. Das Lawn=Tennis=Retour=
Wettſpiel Berlin-Stettin zwiſchen dem Ber=
liner
Lawn=Tennisklub Blau=Gold und dem Stettiner
Lawn=Tennis=Turnierklub wurde am Sonntag mit ſechs
Herren=Einzelſpielen und drei Herren=Doppelſpielen aus=
getragen
. Die Berliner errangen ſechs und die Stettiner
drei Siege, ſo daß alſo der Sieg an Berlin fiel. Im Ein=
zelſpiel
ſiegte Hoppe=Stettin gegen Doelle=Berlin, Gaſt=
Stettin gegen OHara Murray=Berlin, Wechsler=Berlin
gegen Ballhorn=Stettin, Klatte=Berlin gegen W. Lenzner=
Stettin, Guth=Berlin gegen K. Lenzner=Stettin und Pa=
cully
=Berlin gegen Buſch=Stettin. In den Doppelſpielen
ſiegten Hoppe=Gaſt gegen Doelle=O’Hara Murray, Klatte=
Guth gegen Ballhorn=Buſch und Pacully=Wechsler geger=
Gebrüder Lenzner.
Das internationale Lawn=Tennis= Tur=
nier
zu Homburg v. d. Höhe fand nach einigen
unliebſamen Unterbrechungen durch Regenwetter jetzt
ſeinen Abſchluß. Im Herren=Einzelſpiel um den Hom=
burger
Pokal ſiegte Otto Kreuzer. Nachdem er in der vier=
ten
Runde v. Biſſing geſchlagen hatte, traf er in der
Schlußrunde auf F. G. Lowe, der vorher Albrecht 64
97, zurückgezogen, geſchlagen hatte. Nach ſpannendem
Kampfe blieb Otto Kreuzer in der Schlußrunde dann
gegen Lowe mit 64 16 60 36 86 ſiegreich. Das
offene Herren=Einzelſpiel fiel an Lowe, der in der vierten
Runde bereits mit Kreuzer zuſammengetroffen und ihn
mit 108 64 66 73 61 geſchlagen hatte. In der
Schlußrunde hatte er dann Floda mit 64 60 46 64
geſchlagen. Das Damen=Einzelſpiel wurde von Fräulein
Salin gewonnen, die Frl. Weihermann 63 64 ſchlug.
Das Herren=Doppelſpiel ſicherten ſich O. Kreuzer=Lowe
gegen H. Kreuzer=Albrecht überlegen mit 61 64, zu=
rückgezogen
. Das gemiſchte Doppelſpiel gewannen Frl.
Salin=O. Kreuzer gegen Frl. Flint=Fitting 63 108.

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