Inſerate
Abonnemenkspreis
werden angenommen in Darmſtadt.
175. Jahrgang
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Für die Eugen Bracht=Ausſtellung in
Darm=
ſtadt übernahm die Stadtverordnetenverſammlung
geſtern ein eventuelles Defizit in Höhe von 3000 Mark.
Der Kaiſer begibt ſich am nächſten Sonntag von
Kiel an Bord der „Hohenzollern” nach Danzig, um
direkt nach den Finniſchen Schären abzudampfen, wo
die Zuſammenkunft mit dem Zaren ſtattfindet.
Bei der Güterverwaltung des Prinzen
Ferdinand Lobkowitz in Melnik wurden
Un=
terſchlagungen entdeckt, die über eine Million
betragen. Der Güterdirektor des Prinzen, Mathias
Deyl, wurde verhaftet.
Vor dem Reichsgericht begann der
Spionage=
prozeß gegen den Oberſignalmaat Ehlers. Die
Oef=
fentlichkeit wurde für die Dauer der Verhandlungen
ausgeſchloſſen.
Das Zeppelin=Luſtſchiff „Viktoria
Luiſe” iſt heute früh 6,15 Uhr mit 14 Paſſagieren an
Bord in der Richtung nach Helgoland aufgeſtiegen
und nach 10ſtündiger Ueberfahrt glatt gelandet.
In Wien hat ſich unter dem Vorſitz des Fürſten zu
Fürſtenberg ein Zentralkomitee zur Schaffung einer
öſterreichiſchen Luftflotte konſtituiert, der
ſämtliche öſterreichiſche Miniſter beitraten.
Als König Georg, der dem Walliſer Kohlengebiet
einen Beſuch macht, durch die Straßen von Cardiff
fuhr, durchbrach eine Suffragette den
Abſper=
rungskordon und ſtürzte ſich auf den Miniſter des
In=
nern Me. Kenna, den ſie in Gegenwart des
Königs=
paares wüſt beſchimpfte. Sie mußte ſchließlich mit
Gewalt entfert werden.
Durch eine Exploſions=Kataſtrophe an
Bord des franzöſiſchen Panzerſchiffes
Jules Michelet wurde ein Mann getötet,
wäh=
rend 9 ſchwere Verletzungen erlitten, darunter der
Offizier, der die Schießübungen leitete.
Der Kommandeur der Grenzhaus=Wache
in Bukareſt, Hauptmann Glodindu, wurde, als er den
Wachtpoſten viſitieren wollte, erſchoſſen.
Ein Brand hat in der Ortſchaft La Madelaine bei
Lille eine große Weberei eingeäſchert. Der Schaden
ſoll ſich auf über 300 000 Fr. belaufen,
Bryan hat in Baltimore den ihm angebotenen Vorſitz
im Reſolutionskomitee abgelehnt.
Zur heſſiſchen Finanzſtatiſtik 1911.
(Nachdruck verboten.)
Ce. Zum 11. Male legt das Kaiſerliche Statiſtiſche
Amt einen Vörgleichsverſuch über die Finanzen des
Reiches und der Bundesſtaaten vor. Es iſt nur ein
Verſuch, denn Vergleiche der bundesſtaatlichen
Finanz=
ſtatiſtik ſind und bleiben immer dadurch erſchwert, daß
die vom Staat übernommenen Aufgaben für die
einzel=
nen Bundesſtaaten je nach dem Umfang des
Wirkungs=
kreiſes, der daſelbſt den Gemeinden, Kreiſen Provinzen,
ſonſtigen Intereſſen= und Zweckverbänden belaſſen oder
übertragen iſt, verſchieden abgegrenzt ſind. Infolgedeſſen
ſind Ausgaben, Einnahmen und Schulden der
verſchie=
denen Staaten nur mit Vorbehalt vergleichbar. Dieſes
Moment muß man indeſſen mit in den Kauf nehmen,
will man überhaupt zu einem Einblick in die Finanzen
der deutſchen Bundesſtaaten gelangen.
Nach den Voranſchlägen für 1911, die jetzt
vergleich=
bar zuſammengeſtellt ſind, beträgt der geſamte
Staats=
bedarf Heſſens 104742200 Mark, dagegen die
Roh=
einnahme 109887800 Mark, darunter 2,1 Millionen Mark
außerordentliche, d. h. ſolche einmalige Ausgaben, die
durch Einnahmen aus vorhandenen Beſtänden und
An=
leihen Deckung finden.
Unter den ordentlichen Ausgaben nehmen die für
die Erlangung von Erwerbseinkünfzen (
Eiſen=
bahnen, Domänen, Forſten, Bergwerke, ſonſtige
Staats=
betriebe) erſt die zweibe Stelle ein, ganz anders wie in
den anderen größeren Staaten, die den Hauptteil der
Ausgaben hierauf verwenden und ihn dadurch produktiv
anlegen. Dieſe letztere Finanzwirtſchaft dürfte
jeden=
falls die geſündere und großzügigere ſein, und Heſſen
täte nur gut daran, angeſichts ſeiner hohen Schuldenlaſt
ſich die Konſequenzen einer ſolchen rationellen
Finanz=
politik einmal klar vor Augen zu halten. Der ordentliche
Bedarf zerlegt ſich, wie folgt:
für Staatsverwaltung
38 536 200 Mark
„ Erwerbseinkünfte
37 721600
17 254400
. Staatsſchuld
4 285 200
„ das Reich
Die Staatseiſenbahnen allein beanſpruchen 32058600
Mark — 32,78 Prozont; ſie erbringen aber auch roh 46,7
Mill. Mark, ſodaß ein Reinertrag von 14,6 Mill. Mark
aus den Eiſenbahnen verbleibt. Dazu kommen noch
Reinerträge aus den Forſten mit 1910 400 Mark, Domä=
nen mit 648 200 Mark, diverſen ſonſtigen Betrieben mit
908 700 Mark, während die ſtaatlichen Bergwerke nur
1300 Mark rein netto Ertrag bringen.
Zölle und Steuern ſollen 23,3 Mill. Mark
er=
bringen, und zwar allein rund 18,8 Mill. Mark die
direk=
ten Steuern — 80,6 Prozent, während Bayern direkt nur
48,41 Prozent deckt, Preußen dagegen faſt genau wie
Sachſen 84,52 Prozent. Auf den Kopf entfallen
ver=
gleichsweiſe an direkten Steuern in:
15,33 Mark
Baden
14,65
Heſſen
9,95
Preußen
Reichsdurchſchnitt 11,67. „
Ein unangenehmer und zum Teil wohl unmoderner
Poſten ſind die Verkehrsſteuern (Stempel) mit 3,75 Mill.
Mark, die pro Kopf 208 Mark (in Bayern 001 Mark)
ausmachen. Der Ertrag der Erbſchafts= und
Schen=
kungsſteuer (360 000 Mark) belaſtet den Kopf mit nur
0,28 Mark, gegen 0,69 in Baden, 0,51 in Württemberg
und 0,46 in Bayern.Preußen, das die Erbſchaftsſteuer
nur „andeutungsweiſe” nimmt, hat allerdings nur eine
Kopfquote von 0,19 Mark Aber in den Hanſeſtaaten
be=
gegnen wir Ziffern von 2,15 Mark in Lübeck, 2,96 Mark
in Hamburg, 3.34 Mark in Bremen.
Unter den direkten Steuern ſteht naturgemäß die
Einkommenſteuer mit 14,2 Mill. Mark obenan,
ſie macht 61,08 Prozent des geſamten Steuerſolls aus,
und beläuft ſich vergleichsweiſe pro Kopf in Sachſen auf
12.30 Mark, in Heſſen 11,10 Mark, in Preußen 8,37 Mk.
Abgeſehen von den Stadtcharakter tragenden
Hanſe=
ſtaaten hat Heſſen nächſt Sachſen die höchſte Quote an
Einkommenſteuer auf den Kopf. Die Ergänzungsſteuer
bringt 4 468 300 Mark, das iſt noch etwas mehr wie in
dem größeren und reicheren Sachſen (4.36 Mill. Mark).
Die Wandergewerbeſteuer trägt 86 000 Mark, annähernd
die gleiche Belaſtung wie in Preußen, Baden und
Sachſen.
An Aufwandsſteuern kennt Heſſen nur die
Hunde=
abgabe (400000 Mark), gleich ſtark belaſtet wie Baden
und Bayern.
Unter den Ausgaben für die beſondere Stagtsver
waltung ſtehen an erſter Stelle neben der
Finanzver=
waltung das Schulweſen mit 8,7 Mi‟ Mark, das Innere
mit 6,6 Mill. Mark, die Juſtiz mit 5,6 Mill. Mark,
Land=
wirtſchaft einerſeits mit 1131000 Mark. Handel und
Ge=
werbe andererſeits nur mit 486 100 Mark, mit eben ſo
viel wie die Kirche (483 200).
An Matrikularbeiträgen ſind an das Reich
4,27 Millionen zu zahlen; zurücküberwieſen bekommt Heſſen
aus der Reichskaſſe 3,26 Millionen Mark, ſodaß der
Mehr=
betrag rund 1 Million Mark iſt. Immerhin iſt die heſſiſche
Matrikularlaſt 0,98 Prozent der geſamten ordentlichen
Staatseinnahmen, während z. B. die beiden Reuß über 4
Prozent aufwenden müſſen. Bekanntlich waren die
Ueber=
weiſungen aus der Reichskaſſe bis 1898 meiſt höher als die
Matrikularbeiträge; ſeit 1899 hat ſich das Verhältnis
um=
gekehrt, ſodaß jetzt alljährlich eine Differenz zu Laſten der
Bundesſtaaten auftritt.
Zum Schluß ſei die ſtaatliche Schuldenlaſt von
1911 zurückverfolgt bis
1903: 332665 300 Mk.
1906: 384 109 800 „
1911: 441 242000 „
Leider gehört alſo auch Heſſen zu den Staaten mit
ſtändig ſteigender Schuld. Mit einer Abminderung ſeiner
Staatsſchuld ſteht nur das Königreich Sachſen unter
ſämtlichen Königreichen und Großherzogtümern einzig da;
alle anderen haben ihre Schuld dauernd vergrößert, ſo
Preußen von 7,0 Milliarden auf 8,9 Milliarden, und
Bayern von 1,46 auf 2,17 Milliarden. Nur eine Reihe von
Herzog= und Fürſtentümern iſt dem ſächſiſchen Beiſpiel
ge=
folgt. Auch auf den Kopf der Bevölkerung berechnet,
er=
gibt Heſſen ein außerordentlich ungünſtiges Verhältnis; zu
Anfang 1911 entfiel nämlich von der fundierten
Staats=
ſchuld auf den Kopf in:
Heſſen 344,17 Mk.
Bayern 314,48 „
Preußen 222,12 „
Sachſen 181,30 „
Recht lau betreibt Heſſen die Tilgung ſeiner
Staats=
ſchuld. Der Aufwand hierfür in 1911 betrug noch nicht 2
Millionen Mark. Auf den Kopf wurde aber vergleichsweiſe
getilgt in:
5,01 Mk.
Baden
Braunſchweig 3,57
2,46 „
Sachſen
1,54
Heſſen
Preußen 1,43 „
Da die Staatsſchuld zu einem weſentlichen Teil für
den Ankauf bezw. die Einrichtung der Erwerbsanſtalten
gebraucht wurde, haben dieſe Anſtalten auch zunächſt für
die Staatsſchuld aufzukommen. Während leider aber
z. B. in Baden und den Hanſeſtaaten die
Anſtaltenreiner=
träge nicht für den Bedarf für die Staatsſchuld ausreichen,
iſt das in Heſſen ebenſo wie in Sachſen, Preußen, Bayern
und Württemberg der Fall, allerdings reichen die heſſiſchen
Reinerträge nur knapp dazu hin; der Reinertrag von 18,1
Millionen Mark läßt nach Bezahlung des
Schulden=
dienſtes nur noch gerade 800000 Mark zur Verfügung der
Finanzverwaltung übrig.
Deutſches Reich.
Helgoland wird Handelshafen. Wie
die Braunſchweigiſche Landeszeitung meldet, erhielt das
Kanonenboot „Hyäne” den Befehl zur Neuvermeſſung
der Helgoländer Gewäſſer behufs Erweiterung des
Kriegshafens Helgoland zum Hafenplatz für die deutſche
Handelsſchiffahrt.
— Zur Berner Kongo=Konferenz. Pariſer
Blätter berichten von Meinungsverſchiedenheiten, die bei
den Verhandlungen der deutſch=franzöſiſchen Kongo=
Kon=
ferenz zutage getreten ſeien. Daß ſolche
Meinungsver=
ſchiedenheiten ſich geltend machen würden, war als
ſelbſt=
verſtändlich vorauszuſetzen. Zeitungserörterungen aber
ſind ſicherlich ganz ungeeignet, die ’notwendige
Ueber=
windung dieſer Meinungsverſchiedenheiten zu fördern.
Ob die Pariſer Angaben, die vermutlich eine Miſchung
von Falſchem und Halbwahrem ſind, auf die franzöſiſche
Regierung oder auf die Vertreter von Kongo=
Geſellſchaf=
ten zurückgehen, muß einſtweilen dahingeſtellt bleiben.
In jedem Falle aber werden die ohne Zweifel
langwieri=
gen Arbeiten der Berner Kommiſſion am raſcheſten
vor=
wärts ſchreiten, wenn ſie vor irgend welchen äußeren
Einwirkungen bewahrt werden.
— Deutſchland und Schweden. Die
Köl=
niſche Ztg. meldet aus Berlin: Die Petite Republique
wußte ihren Leſern zu erzählen, Deutſchland bot
Schwe=
den ſeine Hilfe gegen Rußland an, die von Schweden
ſtolz abgelehnt wurde. Wir würden von dieſer
unſäg=
lich dummen Behauptung, die ſich angeblich auf
Mittei=
lungen Schwedens an die Mächte des Dreiverbandes
ſtützt, überhaupt keine Kenntnis nehmen, wenn ſich nicht
das Reuterſche Bureau und flugs hinterher das Havas=
Bureau beeilt hätten, dies in die Winde weiter zu
tele=
graphieren. Für vernünftige Menſchen erübrigt ſich
wohl jedes weitere Eingehen auf das
Phantaſieerzeug=
nis des Pariſer Blattes.
— Ausweiſung aus Deutſch=Südweſt.
Wie der in Windhuk erſcheinende Südweſt erfahren hat,
ſoll der durch den Präfekten v. Krolokowsky kürzlich mit
einem Baſtardmädchen getraute Deutſche
Pols=
dorf vom Bezirksamt Rehoboth ein Schreiben mit der
Aufforderung erhalten haben, ſich wieder ſcheiden zu
laſſen, widrigenfalls ſeine Ausweiſung erfolgen werde.
Im Landesrate war man ſich in der Verurteilung der
geſetzwidrigen Handlungsweiſe des Präfekten einig.
Dort wurde vom Regierungstiſche unter allgemeinem
Beifall angekündigt, was ſich jetzt vorzubereiten ſcheint.
Die Keetmanshooper Zeitung hat ſich wenige Tage
nach der Trauung bei dem Präfekten perſönlich über
deſſen Beweggründe erkundigt. Danach hat der Pater
den kirchlichen Segen nur erteilt, um das Gewiſſen ſeines
Beichtkindes, der ſeit längeren Jahren mit dem
Baſtard=
mädchen zuſammenlebt, zu erleichtern. Nur auf vieles
verzweifeltes Bitten des Polsdorf und der aus dem
Ver=
hältnis hervorgegangenen Kinder wegen habe er ſich
be=
wegen laſſen, die Trauung vorzunehmen. Was das
Ver=
bot des Bezirksamtes Rehoboth angehe, ſo ſei dieſes
tat=
ſächlich ergangen. Er habe dasſelbe jedoch ſo verſtanden,
daß die Trauung nur in dem Bezirk Rehoboth nicht
ſtatt=
haft ſei. Darüber, daß überhaupt die Trauung ſolcher
Verbindungen im ganzen Schutzgebiet verboten ſei, ſei
ihm nichts geſagt worden und ſei ihm dieſes auch nicht
bekannt. Als ihn der Vertreter der Zeitung darauf
hin=
wies, daß ihn die Unkenntnis des Geſetzes nicht vor
Strafe ſchütze, war der Betroffene gar nicht ſehr erbaut.
— Aus Anlaß der Ernennung
Swerbe=
jews zum Botſchafter am Berliner Hofe
ſchreibt die Nowoje Wremja in ihrem Abendblatt:
Die Ernennung überraſcht allgemein. Swerbejew
zählt zu den IIlustres inconnus (unbekannte
Berühmt=
heiten). Man habe allgemein geglaubt, daß ein ſo
ver=
antwortlicher Poſten, wie der Berliner, mit einer
Per=
ſönlichkeit von beſtimmter politiſcher und diplomatiſcher
Phyſiognomie und großem perſönlichen Preſtige beſetzt
werde, und das in der deutſchen Reichshauptſtadt,
wo ein ſo einflußreicher Diplomat wie Kaiſer Wilhelm
leht. Swerbejews Tätigkeit während der Kriſis wegen
Bosnien und der Herzegowina ſei rein perſönlichen
Charakters geweſen. Es habe ſich nur darum gehandelt,
einen Zuſammenſtoß mit Graf Aehrenthal zu vermeiden.
Alle Inſtruktionen habe das Auswärtige ruſſiſche Amt
erteilt; eine ſelbſtändige politiſche Tätigkeit ſei von
Swerbeſew nicht verlangt worden. Saſonow ſtrebt
wahrſcheinlich nach einer Vereinbarung mit den
auswär=
tigen ruſſiſchen Vertretern über ein gemeinſames
ein=
heitliches Arbeiten. Das wäre ein Schritt vorwärts
zu den lang erwarteten Reformen des Auswärtigen
Amtes. Der Kaiſer=Entrevue wird außer Kokowzow
und Saſonow der neu ernannte Botſchafter Swerbejew
beiwohnen, der dieſer Tage aus Athen in Petersburg
eintrifft.
Zu der Verhaftung des ruſſiſchen
Offiziers in Berlin wird dem Berliner
Tage=
blatt aus Petersburg telegraphiert:
Aus offizieller Quelle wird mitgeteilt, daß der in
Berlin verhaftete Kapitän Koſtewitſch von der
Hauptartillerieverwaltung nach Verſtändigung der
deutſchen Regierung durch den ruſſiſchen Miniſter des
Auswärtigen zu chemiſchen Studien abkommandiert
wor=
den ſei. Die Bitte der ruſſiſchen Regierung, Koſtewitſch
den Beſuch der deutſchen ſtaatlichen Fabriken, wo Chemie
angewandt werde, zu geſtatten, ſei höflich
abgeſchla=
gen worden. Da Koſtewitſchs Aufenthalt in Berlin
der deutſchen Regierung offiziell bekannt gegeben
worden ſei und desgleichen ſein Zweck, ſo habe die
Re=
gierung die Forderung der ſofortigen Freilaſſung
Koſte=
witſchs geſtellt und gleichfalls eine Entſchuldigung der
deutſchen Regierung gefordert, falls dieſe nicht imſtande
ſei, die konſpirative Tätigkeit Koſtewitſchs zu beweiſen.
Außerdem ſtelle die ruſſiſche Regierung Koſtewitſch frei,
Schadenerſatzklage nach dem Völkerrecht gegen die deutſche
Regierung wegen der Verhaftung einzuleiten. Einige
ruſſiſche Offiziere ſchlagen in der Preſſe vor, als
Ant=
wort auf die Verhaftung Koſtewitſchs einige deutſche
Offiziere, von denen ſich zur Erlernung der ruſſiſchen
Sprache immer einige in Rußland aufhalten, zu
arre=
tieren und ihnen in Zukunft die größten Schwierigkeiten
in den Weg zu legen. Der Fall Koſtewitſch ſtehe
inſo=
fern einzig da, als die deutſche Regierung von ſeinem
Eintreffen offiziell verſtändigt worden ſei.
Die Redaktion des Berliner Tageblatts fügt der
Wiedergabe dieſes Telegramms die Bemerkung hinzu,
das Telegramm laſſe nicht erkennen, welches die
offi=
zielle Quelle ſei, aus der die Nachricht ſtamme
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn,
Das Wehrgeſetz. Das Abgeordnetenhaus nahm
das Wehrgeſetz in allen Leſungen an und begann mit der
zweiten Leſung der Landwehrvorlage.
Frankreich.
Bei Beratung des Kriegsbudgets
kriti=
ſierte der Sozialiſt Brizon überaus heftig die Tätigkeit
des Kriegsminiſters Millerand, dem er vorwarf, einem
Prätendenten die Wege zu ebnen. Dann griff Brizon
die dem Miniſter als Regierungskommiſſare zur Seite
ſtehenden Generale ſcharf an. Kriegsminiſter Millerand
unterbrach Brizon mit den Worten: „Beſchimpfen Sie
den Miniſter nach Herzensluſt, der kann Ihnen
wenig=
ſtens antworten, aber reſpektieren Sie die Beamten, die
gezwungen ſind, zu ſchweigen.”
Der Deputierte Deloncle behauptete im
Kammerausſchuß für auswärtige Angelegenheiten, daß
durch die Vereinbarungen des internationalen
Konſor=
tiums für die chineſiſche Anleihe das Finanzprojekt
be=
treffend die Verlängerung der Bahnlinie Hanoi-
Lang=
ſon nach Longtſchau im Kwangſigebiet in Frage geſtellt
werde. Wie nun offiziös erklärt wird, iſt dieſe
Behaup=
tung unrichtig. Das Konſortium hat ſich mit keinerlei
Einzelheiten beſchäftigt und die von ihm aufgeſtellten
Be=
dingungen würden in keiner Weiſe die Verteilung der in
China geplanten Bahnbauten abändern. Für das
fran=
zöſiſche Projekt ſeien Schwierigkeiten umſo weniger zu
befürchten, als das Kwangſigebiet in die franzöſiſche
Einflußſphäre falle.
Die Algerier. Der Miniſterpräſident empfing
die Abordnung der muſelmaniſchen Algerter, die ihm
er=
klärte, daß der Erlaß über die Einführung der
Geſtel=
lungspflicht unter den Eingeborenen große Aufregung
hervorgerufen habe. Die Eingeborenen ſeien bereit,
Frankreich gegenüber ihre patriotiſche Pflicht zu erfüllen,
doch verlangten ſie unter anderem, daß auch für ſie wie
für die anderen Franzoſen die Militärdienſtzeit auf
2 Jahre ermäßigt werde, daß diejenigen, die ihrer
Mili=
tärpflicht genügt hätten, auf ihr einfaches Anſuchen das
franzöſiſche Bürgerrecht erhalten könnten, ferner daß die
Steuern gerecht verteilt und den Eingeborenen eine
ent=
ſprechende Vertretung in den gewählten Körperſchaften
Algeriens von Frankreich bewilligt werde.
Miniſterprä=
ſident Poincaré erwiderte, daß er die ihm vorgelegten
Wünſche mit dem größten Wohlwollen prüfen werde.
Türkei.
Die meuternden Albaneſen. In einer
Unterredung mit dem Korreſpondenten der Neuen Freien
Preſſe äußerte ſich der Kriegsminiſter Schefket Paſcha über
die Meuterei in Albanien und über die Friedensfrage.
Der Miniſter ſagte u. a.: Im Ganzen haben in
Alba=
nien 12 Offiziere und 71 Mann gemeutert. Die
Offi=
ziere haben offenbar unter dem Einfluß der
nordalbani=
ſchen Propaganda die Soldaten durch die Behauptung
verführt, daß die Regierung die europäiſche Türkei an
eine fremde Macht verkauft habe. Das Gerücht über die
Meuterei bei der Dardanellenflotte bezeichnete der
Kriegsminiſter als vollſtändig unbegründet. Der
Ge=
danke des Tanin, die von den Italienern beſetzten
Küſtenorte von Tripolis und der Cyrenaika den
Italie=
nern zu überlaſſen, ſei eine Privatmeldung dieſes
Blat=
tes. Die türkiſche Regierung könne die Souveränität
von Tripolis niemals freigeben, weil dies eine
Revo=
lution hervorrufen würde, die für den Frieden Europas
noch ſchrecklichere Folgen hätte als der bisherige Krieg.
Marokko.
Zu den franzöfiſch=ſpaniſchen
Ver=
handlungen wird aus Madrid gemeldet: Die
fach=
männiſche Kommiſſion, die die mit der Neuordnung der
Dinge und damit zuſammenhängenden Zoll= und
ſon=
ſtigen Finanzfragen zu prüfen hatte, hat ihre Arbeiten
beendet. Sie wird nur noch einmal zur Unterzeichnung
des Abkommens zuſammentreten. Der Vorſitzende der
franzöſiſchen Delegation Goiot verbleibt noch einige Zeit
in Madrid, um verſchiedene die wirtſchaftliche
Entſchä=
digung betreffende Fragen zu regeln.
China,
Die Anleihe iſt noch nicht abgelehnt.
Gegenüber den Meldungen aus Waſhington, daß die
chineſiſche Regierung die 60 Millionen=Anleihe der
Sechsmächte=Gruppe abgelehnt hätte, wird feſtgeſtellt,
daß die Verhandlungen weder abgeſchloſſen noch
abge=
brochen worden ſind. Die chineſiſche Regierung bemühe
ſich anſcheinend weiter, günſtigere Bedingungen zu
erhal=
ten. Der chineſiſche Finanzminiſter ſchlug kürzlich,
au=
genſcheinlich verſuchsweiſe, den Abſchluß einer weit
grö=
ßeren Anleihe vor, als urſprünglich geplant war, und
erkundigte ſich nach den Bedingungen. Dieſe entſprachen
den urſprönglichen Abmachungen mit Tangſchaoyi,
wo=
nach die Salzſteuer unter eine ausländiſche Kontrolle ge
ſtellt werden und die Bankengruppe Finanzagenten in
hina anſtellen ſoll. Der Finanzminiſter erhob
Vor=
tellungen gegen die Bedingungen und erklärte, er wolle
nur eine Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling. Die
Bankengruppe erwiderte, daß ſie nicht den Wunſch hätte,
China eine große Anleihe aufzudrängen, und ihr
Pe=
kinger Vertreter hat den Vorſchlag von fünfmonatigen
Vorſchüſſen von je 6 Millionen Taels, die von der großen
Anleihe gedeckt werden ſollen, nach Europa übermittelt.
Das iſt der augenblickliche Stand der Dinge.
* Freiburg i. B., 26. Juni. In dem heute
er=
ſchienenen Amtsblatt für die Erzdiözeſe Freiburg iſt ein
Hirtenbrief des Erzbiſchofs Thomas Nörber über
die Verlegung der Feiertage in der Erzdiözeſe
Freiburg enthalten, wonach in Zukunft die Feiertage
Maria Lichtmeß, Maria Verkündigung, Maria Geburt
ſowie der Joſefstag (19. März) in Wegfall kommen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Juni.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin beſuchten am Mittwoch vormittag 10 Uhr
das Alice=Hoſpital und hierauf das Eliſabethenſtift. Um
11½ Uhr empfingen Ihre Königl. Hoheit im
Reſidenz=
ſchloß den Generalmajor von Enckevort nebſt Gemahlin
und Fräulein Tochter. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Oberſt von der
Schulenburg, Kommandeur der 13. Kavallerie=Brigade,
den Oberſt v. Müller, Kommandeur des Großh. Artillerie=
Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiments Nr. 25
den Oberleutnant v. Kleinſchmit und den
Leutnant=
v. Hahn von demſelben Regiment, den Hauptmann a. D.,
von dem Kneſebeck, den Miniſterialrat Weber, den
Ge=
heimen Baurat Kirchhoff von Mainz, den Reallehrer
Schneider von Worms, den Oberſchützenmeiſter
Land=
tagsabgeordneten Heerdt und den 1. Schützenmeiſter
Becker von Mainz, den Miniſterialſekretär Löhlein, den
Amtsrichter Specht von Grünberg, den Pfarrer Waldeck
von Wohnbach, den Medizinalrat Dr. Vogt von Butz
bach, den Profeſſor Dr. Roſenberg von Gießen; zum
Vortrag den Finanzminiſter Braun, den Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Finanzamtsperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Kontrollbeamten der
Lokal=
kaſſeſtellen des Bezirks Darmſtadt II, Finanzrat Rober
Bangel zu Darmſtadt, zum Kontrollbeamten der
Lokalkaſſen des Bezirks I, den Kontrollbeamten des
Bezirks Darmſtadt I, Finanzrat Jakob Breitwieſer
zu Darmſtadt, zum Kontrollbeamten des Bezirks II, den
Kontrollbeamten des Bezirks Gießen, Finanzrat Emil
Schudt zu Gießen, zum Kontrollbeamten des
Be=
zirks III, und den Kontrollbeamten des Bezirks Mainz,
Finanzamtmann Heinrich Lohnes zu Mainz, zum
Kontrollbeamten des Bezirks IV, ſämtlich vom 1. Juli
1912 ab, ernannt.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Kirchenvorſtandsmitglied zu Eckhartshauſen
Johann Ernſt Weitzel das Allgemeine Ehrenzeichen
mit der Inſchrift „Für langjährige treue Dienſte‟.
* Ernannt wurde der Lehrer an der evangeliſchen
Schule zu Wimpfen a. B. Heinrich Volz zum Reallehrer
an der Realſchule daſelbſt mit Wirkung vom 8.Juli
1912 an unter Belaſſung in der Kategorie der
Volks=
ſchullehrer.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Bank=
aſſiſtent bei der Landes=Hypothekenbank Wilhelm=
Rühl zu Darmſtadt vom 2. Juli d. J. ab bis zur
Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit.
* Militärdienſtnachricht. Behr, Leutn. im
2. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 61, zur Feldartillerie=
Schießſchule kommandiert.
Neueinteilung der Bezirke der Kontrollbeamten
für die Lokalkaſſeſtellen. Das Großh. Miniſterium der
Finanzen erläßt folgende Bekanntmachung vom
27. Juni 1912: Se. Königl. Hoheit der
Großherzog=
haben genehmigt: 1. daß vom 1. Juli lfd. Js. ah die
Stelle eines Kontrollbeamten für die Lokalkaſſeſtellen des
Bezirks Friedberg aufgehoben wird, 2. die verbleibenden
Kontrollbezirke der Lokalkaſſen die Bezeichnung I, II, III
und IV zu führen haben, 3. dieſen Kontrollbezirken die
Bezirkskaſſen und das Steueramt Gernsheim nebſt ihren
Untererhebſtellen zugeteilt werden. Bis auf weiteresiſt
der Amtsſitz der Kontrollbeamten für den Bezirk I und
II Darmſtadt, des Kontrollbeamten des Bezirks III
Gießen und des Kontrollbeamten des Bezirks IV Mainz.
g. Kriegsgericht. Wegen Mißhandlung eines
Lehr=
ings hatte ſich geſtern der Dragoner Joſeph Peter
Hors=
berger aus Siersſand vom Dragoner=Regiment Nr. 24
vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion zu verantworten=
Der Angeklagte war im Jahre 1909 in Füſſen (Algäu) als
Tapezierer tätig. Er war dadurch, daß der Meiſter dem=
Lehrling den Auftrag gab, den Geſellen in Abweſenheit
des Meiſters zu kontrollieren, in eine derartige
Erregung=
geraten, daß er den Lehrling verprügelte. Wegen
die=
ſer Straftat hatte er ſich nun geſtern vor dem
Kriegsgericht=
zu verantworten, da er bisher noch nicht ermittelt werden
konnte. Das Gericht erkannte auf 5 Mark Geldſtrafe.
— Der Infanteriſt Johann Schmidt aus Vilbel vom=
Infanterie=Regiment Nr. 168 hatte ſich wegen
Betrugs=
in 6 Fällen und Urkundenfälſchung zu verantworten. Der=
Angeklagte war mit auf Wache in Butzbach und
erhielt=
im 21. April Urlaub nach der Heimat. Als ſein
Urlaub=
zu Ende war, kehrte er nicht zum Regiment zurück, ſondern
fuhr nach Frankfurt, wo er Pakete mit Bauſand bei
Dienſt=
nädchen von Herrſchaften abgab, indem er bemerkte, das
ſei Vogelſand und ſei im Geſchäft beſtellt worden. Er
erhielt auf dieſe Weiſe in ſechs Fällen Beträge von 2—3
Mark, in anderen Fällen hatte er keinen Erfolg. Um ſeine
Urlaubsüberſchreitung zu verdecken, fälſchte er ſeinen
Ur=
laubspaß. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu
4 Monaten Gefängnis und zur Verſetzung in die
Der ſchönſte Briefwechſel des jungen
Goethe.
Die Briefe an Auguſte zu Stolberg.‟)
Von Dr. Max Hecker=Weimar.
„Der Liebe Sehnſucht fordert Gegenwart.” — Goethe,
mit jedem Pulsſchlage ſeiner Empfindung nach greifbarer
Gegenſtändlichkeit, nach ſinnenfälliger Wirklichkeit
drän=
gend, iſt zu verſichern nicht müde geworden, daß perſönliche
Bekanntſchaft erforderlich ſei, „das Siegel eigentlich auf
jedes wahre ſittliche Verhältnis zu drücken.‟ Doch auch er
hat einmal geglaubt, mit Augen der Sehnſucht den
fernen=
den Nebel durchdringen zu können, der ihm ein leiblich nie
geſchautes Antlitz verbarg, mit Armen der Freundſchaft
hinüberreichen zu können über eine Kluft, die keine
un=
mittelbare Begegnung überbrückte.
„Sturm und Drang” — an dem ergreifendſten
Er=
zeugnis dieſer aufgewühlten Epoche, an den „Leiden des
jungen Werthers” hatte ſich Auguſte Luiſe Gräfin zu
Stol=
berg=Stolberg entzündet, als ſie im Januar 1775 an den
ihr fremden Dichter den erſten Brief richtete. Geboren am
*) Goethes Briefe an die Schweſter ſeiner beiden
„Sturm= und Drang”=Kameraden, der Grafen Stolberg,
die uns den tiefſten Einblick in die Seele des Fauſt=
Schöpfers gewähren, ſind vor etwa Dreivierteljahrhundert
einmal erſchienen und ſeitdem nur in den großen
Sammel=
werken gedruckt worden. Im Rahmen einer Sammlung
billiger Bände, deren erſte Reihe der Inſel=Verlag unter
dem Titel „Inſel=Bücherei” erſcheinen läßt, wird dieſer
köſtliche Schatz nun der breiteſten Allgemeinheit zugänglich
gemacht. Wir ſind in der Lage, die Einleitung zu dieſer
Neuausgabe, in der der bekannte Goethe=Forſcher Dr.
Hecker das intereſſante Problem dieſer merkwürdigen
Be=
ziehung des Dichters zu einer ihm perſönlich unbekannten
„ſchönen Seele” zum erſten Mal eingehend behandelt,
unſern Leſern vorzulegen.
Die Red.
7. Januar 1753, Sprößling eines uralten niederdeutſchen
Geſchlechtes, lebte ſie „ſtill und bewegt” ein unſcheinbares
reiches Leben; das ſüdliche Holſtein, die däniſche Inſel
Seeland, die Niederungen der Elbmündung ſind mit ihrem
Wechſel von Wieſe und Buchenwald, von Moor und
Acker=
fläche, von ſchäumender Meeresbrandung und koſendem
Landſee der begrenzte Schauplatz dieſes weiten Daſeins
ge=
weſen. Guſtchens Vater, Graf Chriſtian Günther, war ſeit
1756 Hofmarſchall der Königin=Witwe Sophia Magdalena
in Kopenhagen; als er 1765 ſtarb hatte er jedes ſeiner
zahlreichen Kinder für alle Folgezeit gefeſtigt in dem ihm
eigenen Sinne lauterer Frömmigkeit und frohen
Bekenner=
mutes. Die Mutter (geſt. 1773), eine harmoniſche Natur,
den „ſchönen Seelen” des Pietismus verwandt, mit
reg=
ſamer Empfindung und Kraft der Phantaſie begabt, ward
den Ihren gemütvolle Erweckerin einer entſchiedenen
Neig=
ung und Fähigkeit zur Dichtkunſt, und dieſer allgemeine
poetiſche Geiſt vertiefte und verklärte ſich am Weſen und
Werk des Meſſias Dichters Klopſtock, der, 1751 nach
Dänemark berufen, in vertrauteſter Freundſchaft zur
Fa=
milie ſtand. Klopſtock iſt der Leitſtern geblieben, nach dem
die Stolberge ihr Leben und Dichten gerichtet haben; nach
ſeinem Muſter hat Guſtchens ältere Schweſter Katharina
ihr bibliſches Drama „Moſes” verfaßt. Und auch Bruder
Friedrich Leopold, deſſen ſchöner ausdauernder
Enthuſias=
mus ſich die Liebe jugendlicher Mitſtrebenden wie die
An=
erkennung kritiſcher Nachwelt erwerben durfte, iſt der früh
eingeſogenen Bewunderung Klopſtocks niemals untreu
ge=
worden, ob er gleich voll Selbſtgefühls ſein Zögling nicht
hat heißen mögen, den ſchlichten Ton ſingbaren Liedes
jeder volltönenden Odenform vorgezogen hat und, von dem
Wehen des „Sturmes und Dranges” ergriffen, einzig im
eigenen Bewußtſein, in der ſich ſelbſt verbürgenden
Dich=
terkraft Maß und Richtſchnur ſeines Schaffens hat
erken=
nen wollen.
„Sturm und Drang” — wohl müßte es reizvoll ſein,
dieſe mächtige Bewegung ſich in empfindſamer
Mädchen=
ſeele bewähren zu ſehen, aber die Briefe Guſtchens die
uns ſolchen Anblick bieten könnten, ſind den Flammen zum
Opfer gefallen, denen Goethe 1797 die Dokumente aller
ſeiner perſönlichen Beziehungen überantwortet hat.
Da=
für zeigen uns ſeine eigenen Antworten vom Jahre 1775
das Schauſpiel der jungen Zeit in ſeiner erhabenſten
Ge=
ſtalt. Wie machtvoll weht uns aus dieſen Zeilen, die mit
ſtrudelnder Feder „hingewühlt” ſind, der feurige Atem
des Dichtergenins entgegen, der das Myſterium der Welt
und des eigenen Herzens zu löſen ringt, der die Wirrſale
des Daſeins, das Wonne und Schmerz zugleich iſt, in
künſt=
leriſchen Formen zu bändigen ſtrebt! Wie wechſelt in
die=
ſem klopfenden Buſen, der Himmel und Hölle
neben=
einander umſchließt, die Flut der tiefſten Empfindung;
aus lichter Klarheit und Götternähe ins Dunkel der Erden
not hinabgeſtürzt, auftauchend aus Kleinmut und PVer
zweiflung zu hoffnungsfreudiger Zuverſicht auf die ein
geborene Kraft und das waltende Schickſal, ergreift dieſe
Gemüt jeden neuen Zuſtand mit ungeſtümer Leidenſchaft.
Dem Ueberſchwang des Gefühls verſagt ſich das ſonſt ſt
gefügige Wort; in bedeutungsſchwerem Stammeln, halben
abgebrochenen Lauten einer erſchütternden Vollnatur macht
ſich der Sturm des Innern Luft. „Ich bin wie ein kleines
Kind” ein Kind, das, hingegeben jedem Augenblick, ſich in
lallenden Tönen überſtürzt, um von Leiden und Freuden
ſich zu entlaſten, die das Herz erdrücken möchten. So hatte
auch Werther einſt gerufen: „O, was ich ein Kind bin!
Und wie hier die „Leiden des jungen Werthers” ſo
klin=
gen andere Dichtungen dieſer reichen Epoche an anderen
Stellen unſerer Briefe an. „Ich will Ihnen keinen Namen
geben, denn was ſind Namen gegen das unmittelbareG
fühl” dieſes erſte Wort Goethes an Guſtchen iſt wahrhaft
weſensverwandt jenem Fauſtiſchen Bekenntnis: „Nenn’s
Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür
„Fauſt” ſteigt auf aus unſeren Briefen; unmittelbar in
die Werkſtatt des Dichters wird uns ein Einblick erlaubt,
wenn wir auf die Beſchreibung des „Rattenliedes” ſtoßen.
Und neben „Fauſt” ſieht „Stella”, das kühne Schauſpiel
für Liebende”, herausgeboren aus dem ſeligſchmerzlichen
weite Klaſſe des Soldatenſtandes. Von der
Unterſuch=
ngshaft wurden ihm 3 Wochen angerechnet.
* Revierpolizeikommiſſär i. P. Wilhekm Liſtmann iſt
eſtern nach längerem Leiden im 66. Lebensjahre
ge=
orben. Liſtmann war am 1. April 1863 bei dem
jetzi=
en 3. Großh. Heſſ. Infanterie=(Leib=)Regiment 117
ein=
etreten. Am 1. Januar 1876 wurde er vom Militär
ent=
aſſen und in die hieſige Schutzmannſchaft aufgenommen;
m 1. Juli 1876 erfolgte ſeine Beförderung zum
Rottmei=
ter (Wachtmeiſter) und am 1. Januar 1880 zum
Revier=
olizeikommiſſär. Nach einer Geſamtdienſtzeit von 49
Jahren trat er am 1. April dieſes Jahres in den
Ruhe=
and, deſſen er ſich nicht mehr lange erfreuen ſollte.
Wäh=
end ſeiner Militärdienſtzeit hat Liſtmann die Feldzüge
866 und 1870/71 von Anfang bis zu Ende mitgemacht und
n verſchiedenen Schlachten und Gefechten teilgenommen.
er wurde mit dem Eiſernen Kreuz zweiter Klaſſe
aus=
ezeichnet.
* Zur Lage der Heſſiſchen Nationalliberalen Partei.
Der Vorſtand des Nationalliberalen Vereins Darmſtadt
aßte vorgeſtern einſtimmig folgenden Beſchluß: Die
Hoff=
nungen auf Einmütigkeit in der
National=
iberalen Partei, die auf dem Delegiertentag in
Berlin am 12. Mai 1912 unter lebhaftem Beifall Ausdruck
gefunden hatten, haben ſich bedauerlicherweiſe nicht
erfüllt. Zu der Organiſation der nationalliberalen
Ju=
gend ſind weiter Vereinigungen auf dem rechten Flügel
und bei uns in Heſſen auch auf dem linken Flügel
gekommen. Wir ſtehen durchaus auf dem Standpunkt
der unbedingt nötigen Einigkeit der Partei,
vie ſie uns auf dem Parteitage von Baſſermann,
Fried=
derg und anderen Führern anempfohlen und durch eine
Zuſchrift des Zentralvorſtandes der Partei im Juni
ds. Js., unterzeichnet von Baſſermann, Friedberg und
Dr. Vogel, jedem einzelnen nochmals dringend ans
Herz gelegt wurde. Wir bedauern deshalb die
Bil=
dung dieſer Organiſationen, welche die
Einheitlich=
keit der Partei zu zerſtören drohen; wir
be=
dauern ſie um ſo mehr, weil ſie die Gefahr bergen, daß
Freunde und Geſinnungsgenoſſen verwirrt und damit
der Parteitätigkeit und dem öffentlichen Leben entzogen
werden. Da die Einheit durch die neueſten
Sonder=
organiſationen auf der rechten oder linken Seite
gefähr=
det iſt, ſo bitten wir unſere Freunde und
Geſinnungs=
genoſſen, ſich von allen Sonderbeſtrebungen in der
Partei fern zu halten. Die Kraft der Partei liegt in
ihrer Geſchloſſenheit nach außen; dieſe auch bei
Meinungsverſchiedenheiten zu wahren,
muß die Pflicht eines jeden
Parteigenoſ=
ſen ſein.
* Tuberkuloſe und Kindheit. Die Bekämpfung
der Tuberkuloſe iſt, ſeitdem die Forſchungen Kochs den
Erreger der Krankheit feſtgeſtellt haben, in energiſcher
Weiſe aufgenommen worden. Am wirkſamſten kann ſie
durch vorbeugende Maßreaeln erreicht werden,
5. h. durch Maßnahmen, die eine Verbreituna der
Krank=
ſeit verhindern. Es wird damit jedem Menſchen die
Möglichkeit gegeben, ſich, an dem Kampfe gegen dieſe
urchtbare Seuche zu beteiligen, die mehe Opfer fordert,
ils die übrigen Anſteckungskrankheiten (Typhus,
Diph=
herie, Ruhr, Pocken, Scharlach uſw.) zuſammen. Dieſe
Beteiliguna iſt aber nur möglich, wenn die Bevölkerung
iber das Weſen der Krankheit, die Art ihrer Verbreitung
und die Mittel zu deren Verhinderung aufgeklärt
wird. Dieſem Zwecke dient in hervorragender Weiſe
ein von Sanitätsrat Dr. M. Sonnenberger
in Worms verfaßtes Werkblatt „Tuberkuloſe der
Kindheit” Hier wird in kurzer und gemeinverſtändlicher
Weiſe alles Wiſſenswerte mitgeteilt. Wir erfahren z. B.
daraus, daß die Dispoſition zur Tuberkuloſe in der
großen Mehrzahl der Fälle bereits im Kindesalter
erworben wird. Sie kommt vor dem 3.
Lebens=
monat kaum vor, ſteigt dann in ihrer Frequenz
all=
mählich an und erreicht ihr Maximum gegen das
Ent=
wicklungsalter (14. bis 16. Jahr) hin. Die Schwindſucht
der Erwachſenen entwickelt ſich meiſt in einem von
Kind=
heit her tuberkulös infizierten Körper. Demgemäß gilt
es auch, in erſter Linie die Kinder vor der
Anſteckungs=
gefahr zu ſchützen. Der Verfaſſer gibt hierfür zahlreiche
Ratſchläge, die jedermann und insbeſondere die Mütter
leicht beachten können ferner weiſt er hin auf die
Maß=
regeln, die auf dem Gebiete der öffentlichen
Geſundheits=
pflege und der ſozialen Fürſorge liegen. Er betont auch,
daß die Hauptquelle für die Infektion namentlich
bei jüngeren Kindern in den Wohnungen der
Schwindſüchtigen zu ſuchen iſt, wie er überhaupt
die Wichtigkeit guter Wohnungsverhältniſſe als
wirk=
ſamſtes Mittel im Kampfe gegen die Tuberkuloſe
her=
vorhebt.
* Lupinen=Kaffee. Die vor einigen Tagen
ſtatt=
gehabte Generalverſammlung des Vereins Deutſcher
Kaffee=Groß=Händler u.=Röſter E. V., dem die
bedeu=
tendſten Kaffee=Großhändler aller Gegenden Deutſchlands
angehören, faßte eine Entſchließung, in der es heißt, ſie
verurteilt es auf das entſchiedenſte, daß einige
Kaffee=
händler dazu übergegangen ſind, geröſtete Lupinen,
Sojabohnen oder ähnliche in der äußeren Form von
Kaffeebohnen nicht oder nur ſchwer unterſcheidbare
Feld=
früchte mit Kaffeebohnen gemiſcht in den Handel zu
bringen. Derartige Miſchungen ſind geeignet, das
Publikum zu täuſchen. Nach ihrem Ausſehen erſcheinen
insbeſondere die Lupinen als Kaffeebohnen, während
ihnen die allbekannten charakteriſtiſchen Eigenſchaften
des Kaffees gänzlich fehlen. Das Publikum erhält
dem=
nach, bildlich ausgeſprochen, ſtatt Brot Steine. Daß die
Täuſchungsmöglichkeit nicht zu unterſchätzen iſt, geht
daraus hervor, daß nach verſchiedenen Gerichtsurteilen
in ſolchen Miſchungen, die unter der Bezeichnung „Volks=
Melange” oder ähnlichen Bezeichnungen verkauft wurden,
das Vorhandenſein von 50 bis 65 Prozent Lupinen
feſt=
geſetzt worden iſt. Alſo Vorſicht!
Warnung. In der letzten Zeit ſind mehrfach
rei=
ſende Perſonen dadurch verunglückt, daß ſie auf in
Be=
wegung beſindliche Züge aufgeſprungen
oder von ihnen abgeſprungen oder infolge vorzeitigen
Oeffnens der Wagentüren oder durch unzeitigen
Aufent=
halt auf den Plattformen der Wagen abgeſtürzt ſind. Es
muß darauf hingewieſen werden, daß allen dieſen
Ver=
unglückten ein Anſpruch auf Erſatz von Heilungskoſten
und Verdienſtausfall nicht zuſteht. Außerdem machen ſie
ſich einer Bahnpolizeiübertretung nach § 81 der Bau= und
Betriebsordnung ſchuldig, wonach das Oeffnen der
Wagen=
türen, das Ein= und Ausſteigen, der Verſuch oder die
Hilfeleiſtung dazu, das Betreten der Trittbretter und
Plattformen, ſoweit der Aufenthalt hier nicht ausdrücklich
geſtattet iſt, verboten und unter Strafe geſtellt iſt, ſolange
ein Zug ſich in Bewegung befindet. Es kann daher nicht
dringend genug vor ſolchen Uebertretungen der
bahnpoli=
zeilichen Beſtimmungen gewarnt werden.
* Eine intereſſante Naturerſcheinung wurde geſtern
nachmittag kurz nach 4 Uhr auf dem Marktplatz beobachtet.
Trotzdem es faſt windſtill war, kräuſelte ſich plötzlich ein
kleiner Luftwirbel zuſammen, der ſich alsbald zu einer
Windhoſe entwickelte. War das bei der Windſtille
ſchon bemerkenswert, ſo noch mehr die Windhoſe ſelbſt,
die ſich zu ſelten geſehener ſchwindelnder Höhe emporhob
und einen ganzen Haufen Einwickelpapier ſo weit mit in
die Höhe nahm, daß er faſt unſichtbar wurde. Dieſe
Er=
ſcheinung konnte 12 Minuten beobachtet werden.
* Der Bezirksverband Darmſtadt des Heſſiſchen
Lan=
desgewerbevereins hält ſeine nächſte Verſammlung am
kommenden Sonntag, den 30. Juni, nachmittags, in
Nieder=Ramſtadt ab Verbunden iſt damit eine
Beſich=
tigung der ausgeſtellten Zeichnungen und Schülerarbeiten
der dortigen Sonntagszeichenſchule. Im Anſchluß hieran
wird Herr Stadtverordneter Sames=Darmſtadt einen
Vortrag halten über „Die Unfallverſicherung nach der
neuen Reichsverſicherungsordnung‟ Des weiteren iſt eine
Beſprechung allgemeiner Handwerkerfragen vorgeſehen.
Die Verſammlung findet im Gaſthaus zum Löwen ſtatt.
* Die Friſeur= und Perückenmacherinnung macht
be=
kannt, daß ſie infolge Steigerung der Preiſe aller
Mate=
rialien uſw. für einzelne Arbeiten „eine kleine
Mehrforderung” eintreten laſſen müſſe.
* Liedertafel. Es wird auf die im heutigen Blatte
enthaltene Anzeige betreffend Sommernachtfeſt
der Liedertafel verwieſen.
* Schützenhof. Heute Freitag, den 28. Juni, findet
das erſte Wochentagskonzert dieſer Saiſon ſtatt. Die
Kapelle des Großh. Art.=Korps unter Leitung des
Ober=
muſikmeiſters Mickley wird mit einem heiteren
Pro=
gramm, beſtehend aus neueſten und älteren Operetten
und Novitäten, den Reigen eröffnen. (Siehe Anzeigeteil.)
* Hugenſchütz’ Felſenkeller. Hente Freitag abend
findet wiederum ein großes Militär=Konzert
ſtatt, ausgeführt von der Kapelle des Leibgarde=
Regi=
ments. Im Programm: Sang und Klang aus
Steier=
mark, „Militaria”, großes patriotiſches Potpourri. (Siehe
Anzeige.)
Offenbach, 26. Juni. Die Angelegenheit des früheren
Leiters des Offenbacher Kanalamts, Ingenieur
Kol=
loge der bekanntlich von der Stadt entlaſſen war, gegen
dieſe Entlaſſung aber mit Erfolg die
Verwaltungsbehör=
den anrief, beſchäftigte geſtern wieder den Verfaſ
ſungsausſchuß. Nach längerer Beratung wurde der
Antrag des Oberbürgermeiſters, Herrn Kolloge zu
penſio=
nieren, abgelehnt und beſchloſſen, gegen Kolloge das
Diſ=
ziplinarverfahren mit dem Ziel der penſionsloſen
Ent=
laſſung zu veranlaſſen.
* Mainz, 27. Juni. Domkapitular Dr. Engel
hardt, Generalvikar der Diözeſe Mainz, und päpſtlicher
Hausprälat, iſt geſtern abend um 10 Uhr im Alter von
64 Jahren an einem Herzſchlag plötzlich verſtorben.
Wörrſtadt, 27 Juni. Erſtochen wurde geſtern
Nacht um 2 Uhr der Korbmacher Wolfrath aus Par=
tenheim. Dieſer lagerte mit ſeiner Familie und noch
einigen Genoſſen an dem Ausgange des hieſigen Ortes.
Bis um die vorbeſagte Zeit war die Geſellſchaft einig
beiſammen und ſpielte Ziehharmonika. Es entſpann ſich
ein Wortwechſel, wobei der Korbmacher
Wanne=
macher den vorgenannten Wolfrath durch einen Stich
ins Herz tötete und einen anderen lebensgefährlich
verletzte, der ins Kreiskrankenhaus nach Alzey gebracht
wurde. Der Mörder, der flüchtig ging, wurde durch die
hieſige Gendarmerie verhaftet.
Nieder=Olm, 26. Juni. Einen ſeltſamen
Geld=
fund machte geſtern der Landwirt Peter Weisrock 1. auf
ſeinem Felde beim Hacken eines Kartoffelackers. Unter
einigen dort ſtehenden Apfelbäumen lag zwiſchen den
Kartoffelbüſchen verſteckt ein großer Geldbetrag, beſtehend
aus Münzen und Papiergeld. Das Geld muß erſt kurz
vorher dorthin gelegt worden ſein, denn auch das
Papier=
geld war noch tadellos erhalten. Man glaubt, daß der
Fund von einem Diebſtahl herrührt. Der Finder lieferte
den Betrag der Polizei ab.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Juni. Auf die
Er=
greifung des flüchtigen Kaſſenboten und die
Wiederbeſchaffung des geſtohlenen Geldes hat die
Direk=
tion der Dresdener Bank eine Belohnung von 10000
Mark ausgeſetzt. — Der Oberlehrer Pfeffer aus
Wil=
mersdorf wollte geſtern abend auf der Potsdamerſtraße auf
einen fahrenden Motorwagen ſpringen, dabei rannte er
heftig einen Schutzmann an und ſtürzte zu Boden. Er
er=
litt eine ſchwere Gehirnerſchütterung.
Oberndorf, 27. Juni. Der Chef der Waffenfabrik, der
frühere Reichstagsabgeordnete Geheimer Kommerzienrat
Mauſer hat aus Anlaß ſeiner 60jährigen
Arbeitstätig=
keit für die Penſionskaſſe ſeiner Arbeiter 20000 Mark
geſtiftet. Zu ſeinen Ehren wird heute ein Denkmal
enthüllt.
Duisburg, 27. Juni. Geſtern nachmittag explodierte
in der Dachpappenfabrik von Julius Carſtanjen ein
Keſſel. Drei Arbeiter wurden ſchwer verletzt.
Leipzig, 27. Juni. Vor dem vereinigten zweiten und
dritten Strafſenat des Reichsgerichts, dem traditionellen
Spruchgerichtshof für Landesverratsſachen, findet heute
die Verhandlung in einer neuen Phaſe der großen
Wil=
helmshavener Spionage=Affäre ſtatt, die
längere Zeit hindurch Beunruhigung in weite Zivil= und
Marinekreiſe getragen hat. Als Haupt der
Spionen=
bande, die mit der engliſchen Admiralität in Verbindung
getreten war, galt der Schutzmann Glauß, der durch
einen leichtſinnigen Lebenswandel auf dieſe ſchiefe Ebene
gedrängt worden war. Als ſeine Verfehlungen ruchbar
wurden, wurde er in das Gefängnis Aurich eingeliefert.
Doch gelang es ihm, auszubrechen und nach Paris zu
entkommen, von wo er ſich nach England wandte. Da Gl.
und ſeine Helfershelfer auch verſchiedene ſchwere
Ein=
brüche auf dem Gewiſſen hatten, wurde er von England
ausgeliefert, aber unter der ausdrücklichen Bedingung,
daß er wegen Spionage nicht beſtraft werden dürfe. Die
Strafkammer Aurich verurteilte ihn Anfang März dieſes
Jahres wegen mehrerer ſchwerer Diebſtähle zu 6 Jahren
Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverluſt. Als ſein Komplize
bei den Spionageverſuchen wurde der Oberſignalmaat
Albert Ehlers ermittelt und feſtgenommen. Ihm wird
zur Laſt gelegt, mehrere geheim zu haltende
Signal=
bücher der kaiſerlichen Marine an England verkauft zu
haben. Ob auch die Pläne des großen Kreuzers „von der
Tann” in fremde Hände übergegangen ſind, wird die
Oeffentlichkeit wohl nie erfahren. Ehlers, der
gegenwär=
tig 29 Jahre alt iſt, wird von dem Rechtsanwalt Prof.
Dr. Ganz verteidigt und hat bisher ſeine Schuld nicht
zugegeben.
Weimar, 27. Juni. Auf der Chauſſee nach Erfurt ſtie
das Automobil des Viehhändlers Kargut, in dem ſich
ioch der Bäckermeiſter Schröder mit Frau und Tochter,
ſo=
wie die Frau des Fleiſchermeiſters Fiſcher befanden, mit
einem Viehwagen zuſammen. Das Automobil überſchlug
ſich und vier von den Inſaſſen wurden ſchwer verletzt.
Erfurt, 27. Juni. Aeußerſt wertvolle
Holzſchnitze=
reien ſind aus dem Dom geſtohlen worden. Der
Ver=
dacht fällt auf einen Baubeamten.
Beuthen (Oberſchleſien), 26. Juni In dem
Be=
trugsprozeß Hentſchel und Genoſſen, die die
Oberſchleſiſchen Werke durch Betrugsmanöver um viele
Millionen ſchädigten, wurde der Buchhalter Beck wegen
mehrfachen Diebſtahls, Unterſchlagung und
Urkunden=
fälſchung zu 3½ Jahren Gefängnis unter Anrechnung
der dreimonatigen Unterſuchungshaft verurteilt, Frau
Beck wurde wegen Urkundenfälſchung unter Freiſpruch
der Hehlerei zu 100 Mark Geldſtrafe verurteilt, Anton
Wloszezyh, der Malermeiſter Dylla und der
Weichenſtel=
er Kopp wurden freigeſprochen, die Ehefrau und die
Verhältnis zu Lili Schönemann. Lili — das iſt der
Ge=
genſtand der Frankfurter Briefe. Wir ſehen das
unlös=
bare Geflecht von Qual und Entzücken, in dem ſich Goethe
verfangen hat. Das blütenjunge Mädchen, vollkommen
iſchön und liebenswürdig, in kindlicher Harmloſigkeit ſich
des Zaubers erfreuend, der von ihr ausgeht, und wiederum
fähig und bereit, dem Geliebten Familie und Heimat
auf=
zuopfern, erhebt ihn mit der Kraft ihrer innigen Neigung
izur Höhe überirdiſchen Glückes, und eine finſtere Gewalt
izerrt ihn unbarmherzig hinab in den Abgrund innerlicher
Verſtörtheit; das Grauen vor der Alltäglichkeit, der er ſich
überliefern ſoll, die Furcht vor dem platten Nachbar= und
Gevatterweſen, der Widerwille gegen das ſpießbürgerliche
Getriebe, die leere Selbſtgefälligkeit eines verrottenden
Ge=
meinweſens. Hin= und hergeriſſen zwiſchen Liebe und
Freiheitsſehnen, findet Goethe keinen Standpunkt zu
ruhiger Erwägung, ſein Groll kehrt ſich gegen die Braut
die des unſeligen Zwieſpaltes unſchuldige Urſache iſt, er
plagt ſie mit abweiſender Kälte und büßt ſein Unrecht in
bitteren Selbſtvorwürfen, er übergibt ſich dem Strudel
geſellſchaftlicher Vergnügungen, um die innere Unruhe zu
übertäuben.
Getreuen Bericht dieſer traurig=ſüßen Bräutigamszeit
hat Goethe dem unbekannten Mädchen abgeſtattet; aber
immer aufs neue bricht die Klage durch, daß er das Letzte,
Tiefſte, Geheimſte nur von Mund zu Mund ſagen könne.
So iſt er denn alſo ſchon damals der bitteren Wahrheit
inne geworden, daß aller Seelenkraft zum Trotz die
per=
ſönliche Gegenwart ganz allein ein wahres Verhältnis
be=
ſtimmen und zu befeſtigen vermögend ſei, und doch bleibt
er noch unerſchöpflich in der Erfindung von Mitteln, das
Getrennte wirkſam zu vereinigen. Von Tag um Tag, von
Stunde um Stunde gibt er Rechenſchaft, um ſich über alle
Fernen hinweg ganz darzuſtellen; er bittet: Schreiben
SSie doch auch immer die Daten” weil er die lange Zeit
hinwegtilgen zu können hofft, die Guſtchens Briefe haben
reiſen müſſen, er borgt Hilfe von ſeiner Zeichenkunſt und
ſgibt der Freundin ein Bild ſeiner Stube — jener Stube,
die ſeine Seufzer um Lili gehört, ſeinen „Fauſt” ſeine
„Stella” hat entſtehen ſehen. Aber „Sturm und Drang”
legt ſich zur Ruhe, Goethe reift feſter Männlichkeit
ent=
gegen, die nur in unmittelbarer Gegenſtändlichkeit weſen
und wirken mag, und in demſelben Maße, wie ihm volle
Realität alles Seins zur Lebensbedingung wird, welkt das
haſtig emporgetriebene Verhältnis zu Guſtchen
Stol=
berg ab.
Die einzige Gelegenheit, die ſich ihm geboten hat, die
Vertraute ſeiner Frankfurter Leiden perſönlich kennen zu
lernen, hat Goethe verſäumt, als er im Dezember 1775
ihre Brüder, entgegen dem urſprünglichen Plane, allein
von Weimar abreiſen ließ. Der herzogliche Freund hielt
ihn damals feſt, und ſie, die nun auf länger denn ein
Jahr=
zehnt ſeines heißen Verlangens unerreichbarer Pol ſein
ſollte, Charlotte von Stein. Nur ſelten wird Charlottens
Name genannt in den Briefen, die Guſtchen noch aus
Weimar erhalten hat, der Einfluß ihres ſtetig=milden
We=
ſens iſt jedoch nicht zu verkennen. Wie viel ruhiger der
Ton, wie viel gleichmäßiger Bericht und Erzählung, wie
viel gedämpfter der Ausdruck neuen Leides, deſſen Urſache
im Dunkel bleibt! Die zahlreichen Gedankenſtriche, die,
wie Erdriſſe einen heißen Boden zerklüften, die fiebernden
Frankfurter Briefe durchſetzten, kommen ſeltener und
ſel=
tener aus ruhig fortlaufender Feder. Wie erfriſchender
Frühwind eines herrlichen Sommermorgens weht es
heran, wie ein Wipfelgruß aus dem geliebten Garten im
Park. Alle ſeine früheren Geliebten haben ſie beerbt, hat
Goethe der teuern Frau geſtanden; ſie iſt auch in Guſtchen
Stolbergs Beſitzrecht eingetreten, als verſtehende
Frauen=
ſeele die Beichten eines umgetriebenen Dichterherzens
ent=
gegenzunehmen. Hier war die lebendige Hand die ſich
kühlend auf die erhitzte Stirne legen konnte, Fülle der
Wirklichkeit, Kraft der Gegenwart — da mußte Guſtchens
Bild zu leerem Schemen verblaſſen.
Und noch einmal, nach einem Menſchenalter voll
wech=
ſelnden Schickſals, iſt Guſtchen ungerufen vor den
Stumm=
gewordenen hingetreten, um in eindringlichem Bekehrungs=
verſuch zu erweiſen, wie nahe ihrem liebevollen Herzen der
Freund der Jugend geblieben ſei. Kein Mephiſtopheles
begrinſe das Vertrauen dieſer guten Seele, die, ihres
Glaubens voll, ſich heilig quält, ihn, der ihr einſt ſo viel
von ſeinem tiefſten Selbſt geſchenkt, verloren halten zu
ſollen! Goethes Antwort, ernſt und würdig, iſt das
er=
habenſte Bekenntnis ſeiner reinen Weltfrömmigkeit. Mehr
als einmal iſt er das Ziel eifriger Chriſtianiſierungsluſt
geweſen, die er dann wohl mit derbem Spott in ihre
Schranken zurückverwieſen hat — was iſt’s, das ihn
gut=
meinender Anmaßung hier mit Milde und verzeihendem
Verſtändnis begegnen heißt? Iſt es der beredt=herzliche
Ton der unerbetenen Mahnung?, das Andenken längſt
ver=
ſunkener Zeit?, der geſellſchaftliche Rang der Gräfin?
Alles das mag zuſammengewirkt haben, aber ein
Entſchei=
dendes kommt hinzu: die letzte Liebe iſt’s, die wie der
volle Glockenton einer weltentrückten Bergeskirche
ver=
nehmbar wird. Was ihn Ulrike v. Levetzow empfinden
gelehrt hatte, die liebliche Jungfrau, der er im Sommer
1821 entgegengetreten war, das hat Goethe, wenige
Mo=
nate nach dem Briefe an Guſtchen, offenbart:
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beſeliget — wir leſen’s—
Vergleich ich wohl der Liebe heiterm Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Weſens.
Der Friede Gottes, dem frommen Gemüt eines Kindes
entfloſſen, er iſt es, der Goethes letzten Brief an Guſtchen
Stolberg durchzieht; die reine Seele, die nur darum in
Goethes Leben eingetreten zu ſein ſcheint, um wie ein
Spiegel das Bild ſeines Liebens aufzunehmen, ſie hat
nun ihre Sendung ganz erfüllt, da auch Ulrikens ätheriſcher
Geiſt leiſe an ihr vorübergeglitten iſt.
Eine zierliche Greiſin, das feine Geſicht von
kurzge=
ſchnittenen ſilberweißen Haaren umrahmt, hat Guſtchen
im Kreiſe liebender Enkel ihren Lebensabend verbracht,
regſam und anteilnehmend bis ans Ende. Sie iſt
ge=
ſtorben in Kiel am 30. Juni 1835.
Tochter des Wloszezyh wurden wegen Hehlerei bezw.
Beihilfe bei den Straftaten des Beck zu zwei Monaten
bezw 4 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt
Bei beiden wurde die Strafe durch die
Unterſuchungs=
haft als verbüßt erachtet.
Hirſchberg, 26. Juni. In vielen Ortſchaften wurde
infolge Hochwaſſers großer Schaden angerichtet.
Einige Orte berichten, die durch die Wolkenbrüche
ange=
richteten Verheerungen ſeien bedeutender als bei vem
Hochwaſſer 1907. Sehr ſchlimm ſind die Nachrichten
aus Schwerta bei Markliſſa und beſonders aus
Probſt=
hain und Pilgramsdorf. Das Waſſer ſtand teilweiſe bis
an den Baumwipfeln. Viel Vieh iſt ertrunken. Die
Bäume in den Gärten wurden weggeſchwemmt, die
Feld=
früchte wurden größtenteils vernichtet. Die meiſten
Brücken wurden weggeriſſen, ſo die Brücke bei
Pilgrams=
dorf, worauf der 14jährige Sohn eines Stellenbeſitzers
ſtand. Er wurde von den Fluten fortgeriſſen und ertrank
Güſtrow, 26. Juni. Vor dem hieſigen Schwurgericht
hatten ſich der Schiffer Höppner, der Kaufmann
Janzen und der Bootbauer Steffens wegen
ver=
ſuchten Verſicherungsbetruges zu verantworten. Dem
Angeklagten wird zur Laſt gelegt, daß ſie den
Saugbag=
ger „Viola” angebohrt und dadurch zum
Sin=
ken gebracht haben, um ſo in den Beſitz der
Verſiche=
rungsſumme für die „Viola” zu kommen. Die „Viola”
ſtand mit 37000 Mark zu Buch und der Beſitzer,
Kauf=
mann Janzen, hatte ſchon vor einiger Zeit die Abſicht
ge=
äußert, das Schiff zu verkaufen, da es zu wenig Arbeit
habe und ſich daher nicht rentiere. Der Kaufmann ſoll
auch das Schiff um etwa 30000 Mark angeboten haben.
aber, wie durch einen Zeugen feſtgeſtellt wurde, hatte er
nicht die ernſtliche Abſicht, den Bagger zu verkaufen. In
einer Nacht, als niemand auf dem Schiffe war, ſank der
Bagger. Es wurde eine Unterſuchung eingeleitet und
feſtgeſtellt, daß Aſtlöcher ganz vorſchriftswidrig nur mit
einem loſe hineingeſteckten Pfropfen verſchloſſen waren,
daß Schrauben gelockert waren u. a. Der Verdacht der
Täterſchaft lenkte ſich auf den Schiffer Höppner, den
Be=
ſitzer des Schiffes, Kaufmann Janzen und den
Boot=
bauer Steffens. Nach einer mehrtägigen Verhandlung
verurteilte das Gericht den Schiffer Höppner zu
1 Jahr Zuchthaus und 300 Mark Geldſtrafe, ſowie zu
2 Jahren Ehrverluſt, den Kaufmann Janzen zu 1 Jahr
6 Monaten Zuchthaus, 1200 Mark Geldſtrafe und 3 Jahre
Ehrverluſt. Der Bootbauer Steffens wurde
freige=
ſprochen.
Königsberg (Preußen), 27. Juni. Als Grundſtock
zur würdigen Begehung der 1913 ſtattfindenden
oſtpreußi=
ſchen Jahrhundertfeier der Freiheitskriege
bewil=
ligten die ſtädtiſchen Kollegien 45000 Mark.
Wien, 27. Juni. In dem Betrugsprozeß gegen
den ehemaligen Direktor der zuſammengebrochenen
Kredit=
anſtalt für Handel= und Gewerbetreibende in Oeſterreich,
Sagmüller und Konſorten, wurde geſtern nach 9
tägi=
ger Schwurgerichtsverhandlung in ſpäter Nachtſtunde das
Urteil gefällt. Sagmüller wurde zu 7 Jahren, die anderen
Angeklagten von einem bis zu 5 Jahren ſchweren Kerker
verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigeſprochen.
Rom, 27. Juni. Die ſchöne, 34jährige Principeſſa
Marianna Brancia Aprincena in Torre del
Greco vergiftete ſich nach einer Eiſerſuchtsſzene mit
ihrem Gatten mit Sublimat.
Paris, 27. Juni. In Bayonne wurde auf der
Mayon=
brücke der Bürgermeiſter von Lahouge
Ge=
los, feſtgenommen, weil er unerlaubterweiſe das
Buch=
machergewerbe betrieb. Gelos ſetzte ſeiner
Verhaf=
tung heftigen Widerſtand entgegen und warf Papiere, die
er bei ſich trug, in den Fluß, doch konnte ſich die Polizei
des größten Teiles dieſer Papiere bemächtigen, die
zwei=
fellos Wettliſten ſind.
London, 27. Juni. Als das Königspaar auf
ſei-
ner Fahrt durch Südwales die Kathedrale in
Llan=
doff beſichtigen wollte, durchbrach eine
Frauenſtimm=
rechtlerin die Abſperrung und beſchimpfte den Miniſter
Mc. Kenna. Die wildgewordene Dame rief:
Kabinetts=
mitglieder dürften keinen Ausflug in die Provinz machen,
während Frauen im Gefängnis ſchmachteten. Bei ihrer
Feſtnahme gab die Ruheſtörerin an, aus London
herüber=
gekommen zu ſein und Ellen Craig zu heißen.
Warſchau, 27. Juni. Der Hauptmann Chazarow,
der ein Attentat auf den General von den Brinken beging
und ſich hierauf ſelbſt ſchwer verletzte, iſt, ohne die Beſin
nung wieder erlangt zu haben, geſtorben.
Santiago de Chile, 26. Juni. Wie amtlich gemeldet
wird, hat die Kommiſſion franzöſiſcher Ingenieure, die
mit der Unterſuchung der Eiſenerzgruben beauftragt iſt,
feſtgeſtellt, daß die Erzlager in der Provinz Coquimbo
über 200 Millionen Tonnen enthalten. Die
Studien ſollen ſich auch auf andere Provinzen erſtrecken.
Zur Beſoldungsreform.
* Der Verband von Vereinen akademiſch
gebildeter Beamten im Großherzogtum
Heſſen richtete unterm 17. Juni an Regierung und
Stände eine Eingabe zur Beſoldungsvorlage, der wir
Folgendes entnehmen: Hohe Regierung hat erklärt, daß
„allgemein und naturgemäß da, wo die Beamtenbezüge
zuletzt aufgebeſſert werden, die fortſchreitende
Verteuer=
ung der Lebenshaltung zu höheren Sätzen führen werde,
als ſie anderwärts in früheren Jahren zu gewähren
not=
wendig erſchien.” Hiermit iſt das den akademiſch
gebilde=
ten Lokalbeamten gegenüber eingeſchlagene Verfahren
unvereinbar.
Ein akademiſch gebildeter Reichsbeamter, dem bei
ſechsjähriger proviſoriſcher Vordienſtzeit zwei Jahre auf
das Beſoldungsdienſtalter angerechnet werden, bezieht
nämlich: 1. vom Beginn des 11. definitiven Dienſtjahres
zwei Jahre lang 904 Mark, 2. vom Beginn des 14.
defini=
tiven Dienſtjahres zwei Jahre lang 1072 Mark, 3. vom
Beginn des 17. definitiven Dienſtjahres zwei Jahre lang
1132 Mk., 4. vom Beginn des 20. definitiven Dienſtjahres
zwei Jahre lang 1300 Mk. jährlich mehr, als die Vorlage
Großherzoglicher Regierung den heſſiſchen akademiſch
ge=
bildeten Lokalbeamten von gleichem Dienſtalter zuweiſt.
Haben dann die heſſiſchen akademiſch gebildeten Beamten
nach Ablauf des 21. definitiven Dienſtjahres den
Höchſt=
gehalt erreicht, ſo bleiben ſie von nun ab dauernd um 760
Mark hinter dem Reich zurück. Die akademiſch gebildeten
Lokalbeamten des Großherzogtums (eines Landes, das
faſt von Preußen umſchloſſen iſt, und in dem mehr Reichs=
und nach den preußiſchen Sätzen beſoldete Beamte
woh=
nen als heſſiſche), ſollen nach der Regierungsvorlage ſogar
zurückbleiben in den Höchſtbezügen hinter Sachſen (1909)
um 440 Mark, hinter Baden (1908) um 210 Mark, hinter
Württemberg (1911) um 560 Mark. Sie ſollen nach der
Regierungsvorlage zurückbleiben im Mittel hinterm
Reich um 388 Mark, hinter Sachſen um 368 Mark, hinter
Bayern um 488 Mark, hinter Württemberg um 638 Mark.
Die unterzeichneten Vorſtände fühlen ſich gedrungen,
angeſichts dieſer Mißverhältniſſe in den Endbezügen auf
ihre Eingabe vom 18. November 1911 mit allem Nachdruck
zu verweiſen und insbeſondere die wiederholt erbetene
Gleichſtellung mit den Richtern erneut zu erbitten; vor
allem aber zu beantragen, daß keinesfalls durch die
vor=
läufige Regelung der Beſoldungen weitere
Unſtimmigkei=
ten geſchaffen oder feſtgelegt werden. Denn durch ein
etwaiges Definitivum im Sinne der Regierungsvorlage
würden die nichtrichterlichen akademiſchen Lokalbeamten
gegenüber denen des Reiches und der Bundesſtaaten zu
Beamter zweiter oder dritter Klaſſe — dem Einkommen
und ſchließlich der Qualität nach — herabgedrückt werden.
Außerdem bitten die unterzeichneten Vorſtände bei der
Zerrüttung unſerer Dienſtaltersordnung durch die
Bemeſ=
ſung der Beſoldungsvordienſtzeit nach dem Lebensalter
darum, die einſchlägigen Beſtimmungen des
Reichsbeſold=
ungsgeſetzes vom 15. Juli 1909 (§ 6, Abſatz 2) in das neue
Beſoldungsgeſetz zu übernehmen.
Der Berndt=Schapiro=Prozeß.
Neunter Verhandlungstag.
g. Zeuge Rechtsanwalt Schwörer=Mainz war
Vertreter, eines Frl. K. in einem
Privatbeleidigungs=
prozeß wegen Verleumdung. In dieſem Verfahren
wurde auch Frau Schapiro als Zeugin vernommen und
auch Polizeiakten ſeien als Beweismaterial benannt
worden. Er habe die Auffaſſung gehabt, daß dieſe Akten
lediglich auf einer vagen Anzeige aus Rache beruhten,
ohne daß eine Beſtätigung erfolgte; was in ihnen
ent=
halten geweſen ſei, könne er nicht mehr ſagen. — Frau
Schapiro erklärt, daß ſie auf Grund einer durchaus
begründeten Anzeige und nach eingehender Beratung
nit dem Polizeirat eingeſchritten ſei. Die angeführten
Akten enthielten lediglich Protokolle über die
Verneh=
mungen. Weitere Schritte ſeien nicht getan worden.
Frau H. hat ſtets 3 bis 4 Zimmer abvermietet, in einem
vohnte ein Frl. J. Eines Morgens ſei Frau Sch. mit
einem Kriminalſchutzmann in ihre Wohnung gekommen
und habe nach Frl. J. gefragt. Sie habe ihr geſagt, ſ
ſolle einen Moment Platz nehmen. Kurz darauf habe
ſie eine heftige Debatte zwiſchen Frau Schapiro und Frl
J. gehört. Letztere habe ſich darüber empört, daß Frau
Sch. ohne anzuklopfen in die Stube gedrungen ſei. O
angeklopft worden ſei oder nicht, wiſſe ſie nicht. Es ſeien
denn noch mehrmals Schutzleute in ihre Wohnung
ge=
kommen; ſie habe jedoch niemals von dem Treiben des
Frl. J. etwas gewußt. Später wäre denn ein
Verfah=
ren wegen Kuppelei gegen ſie eingeleitet, jedoch wegen
Mangels an Beweiſen eingeſtellt worden. — Schutzmann
Belzer bekundet, daß er mehrere Male Frl. J. mit
nem Einjährigen in ihrer Wohnung angetroffen hat.
ſei auch nach den Vorgängen unter Kontrolle geſtellt
worden.
Zeugin Frau Sch. betreibt eine kleine Wirtſchaft
Sie bekundet, daß eine Dame zu ihr gekommen ſei und
nach einer Wohnung gefragt habe. Sie gab an, ſie ſei
am Theater; ein Gaſt bemerkte, es ſei ja Frau Schapiro.
— Frau Sch. beſtreitet, daß ſie jemals zu der Zeugin
gekommen ſei. — Zeuge Wirt Nehr gibt an, er ſei von
einer Kellnerin, die er wegen Ungebühr hinauswerfen
ließ, bei der Polizei denunziert worden, in ſeinem
Lo=
kale würden ſich Animierkellnerinnen aufhalten. Darauf
ſeien dann Unterſuchungen angeſtellt und auch ſeine
Frau wegen Kuppelei vorgeladen worden. — Zeuge
Kri=
minalkommiſſar Volz gibt an, daß in dieſem Falle
vorgegangen worden ſei, weil eine Klage eingelaufen
ſei, es wäre dort ein Gaſt von einer Kellnerin
ge=
ſchröpft worden. Die Frau Schapiro ſei im allgemeinen
genau ſo vorgegangen wie alle anderen. Er ſei nach
dem Hirſchprozeß in manchen Fällen etwas vorſichtiger
vorgegangen, und zwar ſei dies auf einer Konferenz
nach dem Hirſchprozeß von Herrn Beig. Berndt
ange=
ordnet worden. Zeuge insbeſondere ſei durch die
Kon=
ferenz vorſichtiger geworden und habe die Schutzleute
dem=
entſprechend inſtruiert, es ſeien auch ſeitdem die
Siſtie=
rungen weniger geworden. — Frau Sch., Inhaberin
ei=
ner Wirtſchaft, gibt an, eines Tages habe ein Mädchen
oder eine Frau bei ihr nach Stellung als
Animierkell=
nerin gefragt, ein Gaſt habe darauf geſagt, das wäre
ja die Polizeiaſſiſtentin. Das habe ſie dann weiter
er=
zählt, da ſie es geglaubt habe. Als ihr Frau Schapiro
vorgeſtellt wurde, gab ſie zu, daß ſie nicht diejenige war,
die bei ihr um Stellung anfragte.
Frau Schapiro gibt nun eine eingehende Schil
derung, wie ſie vorgegangen iſt im Kampfe gegen den
Vertrieb und die Anwendung von Abortivmitteln.
In=
dem einen Fall habe ſie auf Grund von
Zeitungs=
anzeigen ſich unter einer Deckadreſſe an den Kaufmann
gewandt. In einem zweiten Falle handelte es ſich um
eine Frau, die in dem dringenden Verdacht ſtand, dieſe
Mittel gewerbsmäßig anzuwenden. Sie habe, da die
Sache dringend war und nach eingehender Beratung mit=
Polizeikommiſſär Kindhäuſer, da ihr niemand anders
zur Verfügung ſtand, ihr Dienſtmädchen zu jener Frau
geſchickt, um Gewißheit zu erlangen. Sie habe dem
Mädchen geſagt, ſie ſolle ſich unter einem falſchen
Namen=
vorſtellen und dann abwarten, was ihr die Frau raten
würde. Der Verdacht habe ſich auch nachher als
begrün=
det erwieſen und die Frau ſei zu Zuchthausſtrafe
ver=
urteilt worden. Wenn ihr vorgehalten wurde, daß jenes=
Mädchen durchaus nicht geeignet war, derartige
Auf=
träge auszuführen, da ſie ſchon mehrmals wegen
Dieb=
ſtahls vorbeſtraft war, ſo könne ſie nur ſagen, daß ihr
niemand anders zur Verfügung ſtand. Auch habe ſich
das Mädchen bei ihr ſehr gut geführt. Im übrigen halte
ſie ſich zum Vorgehen für berechtigt, da dies zur
Für=
ſorgetätigkeit gehöre und die Frauen durch ſolche
Vor=
ſpiegelungen ausgebeutet würden. Auf ähnliche Weiſe
würde auch in allen anderen Städten gegen dieſes
Ge=
werbe vorgegangen. Sie habe ſich dabei auch immen
im Einverſtändnis mit ihren Vorgeſetzten befunden,
*X* Frl. v. Barner die Inhaberin des
Cäcilien=
heims in Wiesbaden, hat häufig Mädchen, die ihr von
Frau Sch. zugewieſen wurden, aufgenommen. Der Vor
ſitzende fragte die Zeugin, ob ſie ſich auch einmal
aus=
gedrückt habe, daß Frau Sch. nicht mit dem nötigen Takt
orgehe, worauf die Zeugin antwortet, ſie habe vielfach
bei ihr die Liebe vermißt. Sie wolle immer Ordnung
alten und ging dabei auch ohne Rückſicht zu Werke. Sie
ſei aufgeregt und nervös geweſen, und es ſei der Zeugir
aufgefallen, daß Frau Sch. mit großem Intereſſe auch
ſchmutzige Angelegenheiten erörterte. Ihr kam es über
Fenilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Wie die
Ber=
ltner Morgenpoſt erfährt, hat der Mannheimer
Hof=
theaterintendant Profeſſor Ferdinand Gregori
be=
reits ſeinen am Schluß des nächſten Jahres ablaufenden
Vertrag gekündigt. Zu ſeinem Nachfolger ſoll Alfred
Schmieden auserſehen ſein.
Prinz Rudolf, der dritte Sohn des Prinzen
und der Prinzeſſin Rupprecht von Bayern. iſt am 26.
Juni, drei Jahre alt, geſtorben. Prinz Rudolf
Fried=
rich Rupprecht wurde am Pfingſtſonntag, den 30. Mai
1909, in Nymphenburg geboren als das vierte Kind aus
der Ehe des Prinzen Rupprecht mit Marie Gabriele,
Her=
zogin in Bayern. Der älteſte Sohn, Prinz Luitpold,
wurde am 8. Mai 1901, der zweite Prinz Albrecht, am
3. Mai 1905 geboren. Das zweite Kind, ein Töchterchen,
iſt, wenige Monate alt, in Tegernſee geſtorben.
C) Von Rouſſeau als „Erzieher” Rouſſeau, deſſen
200. Geburtstag am 28. Juni feierlich begangen wird, hat
mit ſeinem „Emile” zwar großen Einfluß auf die
Päda=
gogik bis in die Gegenwart gehabt, aber er wollte darin
den Erziehern keine praktiſche Anweiſung in die Hand
geben, nach der ſie nun buchſtäblich handeln ſollten. Hat
er ſeine Kinder ins Findelhaus geſchickt, weil er ſich nicht
für fähig hielt, ihnen eine gute Erziehung zu geben, ſo
hatte er auch zu den Lehren ſeines „Emile” ſelbſt kein
unbedingtes Vertrauen. Das wird durch zwei
Geſchich=
ten illuſtriert, die den „armen Jean Jacques” in ſeiner
ganzen Wunderlichkeit zeigen. Der Maler Mannlich
er=
zählt uns in ſeinen Erinnerungen, wie ſchwierig es in
Paris war, bis zu dem Einſiedler vorzudringen, der
„Leuten erſten Ranges die Türe vor der Naſe zuſchlug”.
Das mußte auch Graf Goertz, der Erzieher des
Erb=
prinzen und ſpäteren Großherzogs Karl Auguſt von
Wei=
mar, erfahren, der ein großer Verehrer Rouſſeaus war
und von ihm Rat für ſein Erziehungswerk haben wollte.
Ich beſuchte ihn, ohne ihn jedoch zu treffen” erzählte der
Graf nach Mannlichs Bericht. „Dies wiederholte ich
ſieben= bis achtmal. Immer vergeblich. Da ich ſtets meine
Viſitenkarten zurückgelaſſen hatte, war ich über ſeine
Un=
nahbarkeit ungehalten und beklagte mich meinen
Be=
kannten gegenüber. Dieſe fingen an zu lachen. Sind
Sie bei dieſem Original in dem Wagen vorgefahren?
Ja.‟ „Haben Sie ſich durch Ihren Lakai anmelden
aſſen?” „Ja.‟ „Dann freilich haben Sie es gerade
ver=
kehrt angeſtellt. Sie müſſen ſelbſt wie ein Lakai
aus=
ſehen, im grauen Ueberrock zu Fuß kommen, unter dem
Arm eine Rolle Muſikalien, die Sie abzuſchreiben haben.
Verlangen Sie ſo Ronſſeau zu ſprechen, ſo wird er ſeine
Tür, die ſo hartnäckig dem Grafen v. Goertz verſchloſſen
blieb, ſich für Sie auftun!” Ich befolgte alſo dieſen Rat
und Mlle. Lavaſſeur ließ mich eintreten. Nachdem ich
meine Rolle auf den Tiſch gelegt hatte, begann ich:
„Mögen Sie, Herr Rouſſeau, aus meiner Verkleidung
er=
ſehen, wie ſehr ich danach verlange, Sie über einen
unge=
mein wichtigen Punkt zu befragen! Ich bin Graf
v. Goertz” — bei dieſem Worte ſtarrte er mich an und
nahm ſeine Mütze ab, die er trotz meiner Bitten beſtändig
in ſeinen Händen hielt — und brachte dann mein
An=
liegen vor. Nachdem mich Jean Jacques geduldig
an=
gehört hatte, lautete ſeine ganze Antwort: „Herr Graf,
Ihr Schüler iſt ein Prinz?” „Ja.” „Nun gut, Sie
wer=
den nie etwas aus ihm machen. Verzeihen Sie meine
Zeit iſt koſtbar, ich habe viel zu tun.‟ Der Graf, der
ver=
ärgert wegging, ſollte übrigens ſpäter erkennen, daß der
unwirſche Pädagog kein ſchlechter Prophet geweſen war,
denn nach dem plötzlichen Tode des Herzogs wurden
gegen den Grafen allerlei Intriguen angezettelt, ſodaß
er ſchließlich gezwungen war, ſeinen Poſten aufzugeben
und ſich vom Hofe zurückzuziehen. In Erinnerung an
Rouſſeaus Worte rief er damals laut aus: „Ach, göttlicher
Jean Jacques!” Keine beſſere Antwort als der
weima=
riſche Graf erhielt ein für die Probleme der Erziehung
begeiſterter Herr Huyard, der ſich in Straßburg Rouſſeau
mit den Worten vorſtellte: Sie ſehen hier einen Mann,
der ſeinen Sohn nach den Grundſätzen erzogen hat, die
er ſo glücklich war, aus ihrem Emile” zu ſchöpfen.”
Kurz und barſch erwiderte der Philoſoph: „Um ſo
ſchlim=
mer, mein Herr, um ſo ſchlimmer für Sie und Ihren
Sohn.” und ließ den Enthuſiaſten verdutzt und
verwun=
dert ſtehen.
ck. Leoncauallos „Kleine Roſenkönigin” mit der der
Komponiſt des Bajazzo auf dem Gebiete der heiteren
Operette debutiert, hat am Montag abend zugleich in
Rom, im Teatro Conſtanzi, und in Neapel ſeine
Urauf=
führung erlebt und in beiden Städten einen ſtürmiſchen
Erfolg davongetragen. Das graziös aufgebaute Libretto,
das in mancher Hinſicht an den „Walzertraum” gemahnt,
ſtammt von Forzano: die Hekdin, die „Kleine
Roſenköni=
gin” iſt eine niedliche, brave, luſtige, kleine Londoner
Blumenverkäuferin; der Held der Kronprinz Max,
künfti=
ger Herrſcher des echten Operettenkönigreichs Portowa,
der mit ſeinem Vetter Don Pedro und ſeinem Erzieher
London inkognito beſucht und ſich natürlich in die reizende=
Lilian ſterblich verliebt. Er will nicht heimkehren, er pfeift
auf ſeinen Rang, will auf die Krone verzichten; er will
nur Lilian zur Frau. Und nun ſſetzt ein luſtiges
Intrigen=
ſpiel ein. Um den Kronprinzen zur Heimkehr zu bewegen
engagiert ſein Erzieher Lilian als Schloßgärtnerin für
Portowa; und ſie, die nicht ahnt, daß dort ihr Max König
ſein wird, nimmt an, da die Stellung ehrenvoll iſt und ihr
die Trennung von dem Geliebten erſpart wird. Daheim
aber herrſcht bereits im Miniſterrat ratloſe Beklemmung;
man will den Kronprinzen mit ſeiner Couſine, Prinzeſſin
Anita, verheiraten und ſetzt die kleine Lilian bei ihrer
An=
kunft ins Gefängnis. Nun verbündet ſich der
Kronprinz=
heimlich mit den Revolutionären von Portowa, die
Re=
volution bricht aus, die Regentin dankt ab, Max wird
König und jubelnd wählt das Volk Lilian zur Königin,
während Prinzeſſin Anita den heimlich geliebten Don
Pedro ehelicht. Zu dieſem bunten, an luſtigen und
komi=
ſchen Zwiſchenfällen reichen Text hat Leoncavallo eine
leichte, anmutige und formklare Muſik geſchrieben, die
zwiſchen einer heiteren Operette und den alten
Traditio=
nen der alten italieniſchen „Opera buffa” glücklich die
Mitte hält. Eine Reihe von Liedern, Duetten und=
Tän=
zen mußten mehrfach wiederholt werden und die
melodi=
ſche Muſik wurde ſtürmiſch beklatſcht.
* Puderfriſuren in Autenil. Das jüngſte Rennen in
Auteuil hat eine neue Mode lanciert: mit einer Miſchung
von Staunen und Entzücken erblickten die eleganten
Pari=
ſerinnen das Allerneueſte: regelrechte Puderfriſuren aus
alter Zeit. Die führenden Modehäuſer hatten ihre
Man=
nequins als Apoſtel des Puders auf den Rennplatz
ge=
ſchickt und alle Zuſchauer waren ſich darüber einig, daß
die Puderfrifur die Friſche und die Jugendlichkeit des
Teints viel beſſer zur Geltung bringt, als die natürliche
Haarfarbe. Nun werden auch die Bühnen für die neue
Mode kämpfen, die führenden Schauſpielerinnen wollen
in Puderfriſuren auftreten und binnen kurzem wird die
Glanzzeit der Tizian=Zöpfe und der blonden Ringellocken
überwunden ſein.
flüſſig vor, daß ſie von den Mädchen allerlei erzählte,
die ſie zu ihr brachte. Sie intereſſierte ſich oft über
ver=
ſchiedene Verhältniſſe der Mädchen mehr, als notwendig
erſchien. Der Vorſitzende hält der Zeugin vor, daß ſie
auch vor dem Unterſuchungsrichter geſagt habe, Frau
Sch, habe einen auffallenden Mangel an weiblichem
Takt bewieſen, der in ihrer amtlichen Stellung nicht
be=
gründet war und frägt, da ihre im Protokoll niedergelegte
Anſchauung bisher von niemand beſtätigt wurde, ob
Zeugin nicht in ihrer Tätigkeit auch viel Undank
geern=
tet habe. Zeugin gibt an, daß dies nur in ſeltenen
Fällen vorkam, meiſt hätten ſich die Mädchen ſehr
dankbar erwieſen. — Zeuge Kundel ſchildert den von
der Aſſiſtentin gemachten Verſuch, mittelſt einer
anony=
men Karte die in einem Frankfurter Blatte inſerierten
„Mittel” reſp. Angabe über deren Verwendung als
Geheimmittel zu erhalten. Er habe eine anonyme
An=
frage mit dem Erſuchen erhalten, unter der Adreſſe „R.
u. F, hauptpoſtlagernd Mainz” eine Antwort zu erteilen.
Zeuge war zuerſt der Anſicht, daß es ſich hier um ein
Konkurrenzmanöver handle, da die Karte aber
verſehent=
lich durch einen Schutzmann überbracht wurde,
habe er ſich auf der Polizei näher erkundigt, und da ſei
ihm geſagt worden, daß das Schreiben bei einem
ein=
gelieferten Mädchen gefunden worden ſei. Später habe
er eine Vernehmung vor dem Unterſuchungsrichter
ge=
habt, es ſei aber nichts weiter erfolgt. Rechtsanwalt
Bopp gibt darauf namens des Angeklagten eine
Er=
klärung ab. Rechtsanwalt Pagenſtecher habe am
Vormittag behauptet, daß der Angeklagte ſein Material
zum Teil aus amtlichen Quellen erhalten habe. Herr
Hirſch erklärt demgegenüber, daß er niemals amtliches
Material erhalten habe. Rechtsanwalt Pagenſtecher
erklärt, er habe nicht behaupten wollen, daß Herr Hirſch
direkt amtliches Material erhalten habe, er habe auch
Herrn Hirſch keinerlei Vorwurf machen wollen. Einen
ſehr breiten Raum nimmt die Vernehmung des
Polizei=
kommiſſärs Kindhäuſer ein. Dieſer bekennt ſich als
den Urheber der Poſtkarte. Er habe ſeine
Aufmerkſam=
keit auch auf die verſteckten Zeitungsannoncen über
Ge=
heimmittel zu richten. Das von ihm beobachtete
Vor=
gehen werde auch von anderen Behörden angewendet
und erſcheine ihm auch im Intereſſe der Volkswohlfahrt
geboten. Die Kriminalbehörden müßten ſich häufig
be=
ſtimmter Vertrauensperſonen behufs Verfolgung von
Geheimmittelſchwindeleien bedienen. Die vom Zeugen
abgeſandte Karte ſei auch nicht die erſte; in den Akten
der Staatsanwaltſchaft ſei oft zu leſen, daß auf Grund
ſolcher Anfragen Strafverfahren eingeleitet wurden.
Zeuge Polizeiaſſiſtent Herz war kurz nach dem
Prozeß gegen Hirſch verſetzt worden und führte dies in
irgend einer Weiſe auf den Prozeß zurück. Vom Beig.
Berndt wird jedoch richtiggeſtellt, daß die Verſetzung
ſchon längere Zeit vor dem Prozeß beſchloſſen war.
Zeugin L. gibt an, daß ſie ſich auf Anraten eines
Schutz=
mannes ihres 15jährigen, mißratenen Mädchens wegen
an Frau Sch. gewandt habe. Dieſe habe ſich auch ihrer
ſehr angenommen und immer wieder verſucht, beſſernd
auf ſie einzuwirken, aber vollſtändig ohne Erfolg. Daß
ihre Tochter von Frau Sch. 2 bis 3 Tage in Schutzhaft
behalten wurde, ſei mit ihrem Einverſtändnis geſchehen.
Es erfolgt ſodann um halb 7 Uhr Vertagung auf
Montag früh.
Stadtverordneten=Verſammlung.
6. Sitzung.
g. Darmſtadt, 27. Juni.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Ver=
ſammlung um ¾4 Uhr und macht folgende
Mitteilungen.
Die bei der Stadt beſchäftigten Militär=
An=
wärter haben ihren Dank ausgeſprochen für den
Be=
ſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung über die
An=
rechnung eines Teils der Militärdienſtzeit auf das
Be=
ſoldungsalter.
Ferner haben gedankt: der Vorſtand der
Klein=
kinderſchule der Martinsgemeinde für die
Erhöhung des ſtädtiſchen Zuſchuſſes; die
Komman=
dantur für die Bewilligung eines Beitrags zu den
Koſten des Wohltätigkeitskonzerts und die Direktionen der
Eleonorenſchule und Liebigs=
Oberreal=
ſchule für die Bewilligung der Mittel zur Ausſtattung
der Schulen mit Lehrmitteln ꝛc. Dieſe laden auch
gleich=
zeitig zu einer Beſichtigung ein. Auf Vorſchlag ſoll dies
bis zum Herbſt verſchoben werden.
Die Bewohner der Mauerſtraße bitten, die
Durch=
führung der Mauerſtraße nach der
Pankratius=
ſtraße alsbald zu beſchließen.
Es wird hierauf beſchloſſen, eine Einladung der
Eiſen=
bahnverwaltung zur Beſichtigung der neuen Eiſenbahn=
Werkſtätten anzunehmen, und dieſe am Mittwoch, den 3.
Juli, nachmittags 2½ Uhr, vorzunehmen.
Ein neues Garniſonlazakrett.
Auf dem Gelände des ehemaligen Akaziengartens an
der Eſchollbrückerſtraße ſoll ein Garniſonlazarett
erbaut werden. Der Hochbau=Ausſchuß befürwortet die
hierzu für das Verwaltungsgebäude nachgeſuchte
Geſtatt=
ung einer Ausnahme von § 5 des Ortsbauſtatuts. Nach
dem Referat des Stadtv. Markwort genehmigt die
Verſammlung die Erbauung.
Ein neuer Kanal.
Nach dem Geſamtprojekt über den Ausbau der
Ka=
naliſation iſt für die Pankratiusſtraße die Einlegung eines
neuen gemauerten Sammelkanals an Stelle des
unzureichenden alten Rohrkanals vorgeſehen. Die
Aus=
führung des neuen Kanals ſoll wegen einer beabſichtigten
Verbreiterung der Straße ſchon jetzt vorgenommen
wer=
den. Tiefbau=Deputation und Finanz=Ausſchuß ſind mit
dem Projekt einverſtanden und befürworten die
Bereit=
ſtellung der Mittel im Voranſchlagsbetrag von 21000
Mark. Die Stadtverordneten treten nach dem Referat des
Stadtv. Sames dieſem Beſchluß bei.
Abwaſſergruben.
Die Handelsgärtner Gebr. Weber haben um
nachträg=
liche Genehmigung zur Anlage von
Abwaſſer=
gruben für ihre Neubauten in der verlängerten
Darm=
ſtraße nachgeſucht. Die Tiefbau=Deputation empfiehlt, die
Anlage der Gruben in widerruflicher Weiſe zu geſtatten,
ohne hierdurch die Geſuchſteller von der übernommenen
Verpflichtung zur anteilweiſen Aufbringung der
Kanal=
baukoſten zu entbinden. Das Geſuch wird genehmigt.
Referent: Stadtv. Sames.
Das Bedürfnishäuschen auf dem
Markt=
platz
ſoll beſeitigt und durch eine unterirdiſche
Bedürfnis=
anſtalt erſetzt werden. Die Tiefbau=Deputation und der
Finanz=Ausſchuß haben zugeſtimmt. Die auf 6600
Wark veranſchlagten Koſten ſollen aus vorhandegen Mit=
teln gedeckt werden. Referent: Stadtv. Wagner.
Stadtv. Friedrich regt an, auch auf dem Wilhelmsplatz
eine derartige Anſtalt einzurichten. — Die Anlage und die
Koſten werden nach dem Antrag des Referenten
be=
wälligt.
Das Komitee Darmſtadt im Blumen= und
Pflanzenſchmuck
veranſtaltet auch in dieſem Jahre eine Prämiierung von
Fenſtern, Balkonen und Vorgärten, die durch
geſchmack=
volle Ausſchmückung zur Verſchönerung des
Straßen=
bildes beitragen. Zur Verwendung als Ehrenpreiſe ſollen
dem Komitee, wie in den letzten Jahren, Pflanzen aus
der Stadtgärtnerei im Werte von 200 Mark zur
Verfüg=
ung geſtellt werden. Die Summe wird nach dem Referat
des Stadtv. Dr. Bender bewilligt.
Feſtbeiträge.
Dem Hilfsfonds der Großh. Hofmuſik ſoll
zu den Koſten ſeines Konzerts ein Beitrag in Höhe der
Saalbaumiete (200 Mark) bewilligt werden. — Die
Ver=
ſammlung ſtimmt dem zu. — Referent: Stadtv. Dr.
Bender.
Die gleiche Bewilligung wird beantragt als Beitrag
zu den Koſten eines Wohltätigkeitskonzerts des
Fecht=
vereins „Waiſenſchutz” Nach dem Vortrag
des=
ſelben Referenten wird auch dieſer Betrag bewilligt.
Zuſchuß zur kaufmänniſchen
Fortbildungs=
ſchule.
Von dem Finanz=Ausſchuß wird beantragt, der
kaufmänniſchen Fortbildungsſchule auch für
das Jahr 1912 einen ſtädtiſchen Beitrag von 2500 Mark
wie ſeither), zu bewilligen, mit dem Vorbehalt, daß über
den angeſammelten Schulbaufonds demnächſt nur im
Einverſtändnis mit der Stadt verfügt werden kann.
Re=
ferent: Stadtv. Kalbfuß. Die Summe wird
be=
willigt.
Eugen Bracht=Ausſtellung.
Der Arbeitsausſchuß für die demnächſt ſtattfindende
Eugen Bracht=Ausſtellung hat um Gewährung
einer ſtädtiſchen Beihilfe gebeten. Im
Einver=
ſtändnis mit dem Finanz=Ausſchuß wird vorgeſchlagen,
für die Ausſtellung das Ausſtellungsgebäude auf der
Mathildenhöhe einſchließlich der gärtneriſchen
Ausſchmück=
ung koſtenlos zur Verfügung zu ſtellen und für den Fall
eines Defizits einen Beitrag bis zu 3000 Mark zu
be=
willigen. Referent: Stadtv. Dr. Bender empfiehlt den
Vorſchlag.
Stadtv. Friedrich meinte, es ſei eigentlich ſchon
ge=
nügend getan, wenn zu der Ausſtellung der Saal
unent=
geltlich zur Verfügung geſtellt werde. Zur Uebernahme
der Garantie ſeien doch auch noch andere Intereſſenten da.
Bürgermeiſter Mueller teilt mit, daß er jgewiß
nicht dazu angeregt hätte, die Garantie zu übernehmen,
wenn andere Intereſſenten herangezogen werden könnten.
Prof. Bracht habe zugeſagt, daß er alles beitragen werde,
um die Ausſtellung für ſeine Vaterſtadt Darmſtadt zu
er=
möglichen. Es hätten ſich auch viele andere Städte,
be=
ſonders Dresden um die Ausſtellung bemüht und deshalb
wäre es ein großer Fehler, jetzt die Sache aus der Hand
zu geben, nachdem ſich nicht genügend Intereſſenten
ge=
funden hätten. Nach ſeiner Berechnung müßte mit einem,
wenn auch geringen Defizit, gerechnet werden. Die
Ueber=
nahme ſei auch umſo eher zu gerechtfertigen, als der
Ver=
ſuch im letzten Jahre ſo gut gelungen ſei.
Stadtv. Saeng befürwortet und empfiehlt die
Vor=
lage im Intereſſe des Rufes Darmſtadt als Kunſtſtadt.
Denn dieſer Ruf gebe der Stadt auch Verpflichtungen.
Wenn jetzt die Sache zurückgegeben werden müßte, würde
das einen äußerſt ſchlechten Eindruck machen. —
Ober=
bürgermeiſter Dr. Gläſſing betont, daß Darmſtadt für
derartige Zwecke einen beſtimmten Fonds haben müſſe.
Darmſtadt müſſe jedes Belebungsmittel für den Verkehr
heranziehen, das ſich ihm biete. — Hierauf wird die
Vor=
lage genehmigt.
Statutenänderung.
Nach den Beſtimmungen der neuen Städteordnung
kann durch Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung
beſtimmt werden, daß den Deputationen für
Armen=
weſen ꝛc. Frauen bis zu ½ der Mitglieder mit Sitz und
Stimme angehören können. Da von dieſer Möglichkeit bei
der Deputation für Armen= und Pfründnerweſen Gebrauch
gemacht und über die feſtgeſetzte Mitgliederzahl (6)
hinaus=
gegangen werden ſoll, wird beantragt, die ſeitherigen
Be=
ſtimmungen des Statuts über die
Zuſammen=
etzung der Verwaltungs=Deputationen
entſprechend zu ändern und mit den Beſtimmungen der
neuen Städteordnung in Einklang zu bringen. Nach den
erläuternden Ausführungen durch Herrn Bürgermeiſter
Mueller genehmigt die Verſammlung die
ent=
ſprechende Aenderung. — Hierbei regt Stadtv. Pickart
an, daß den Stadtverordneten die neue Städteordnung
zu=
gängig gemacht wird, da ſie eine Reihe von Aenderungen
bringt. — Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſagt dies zu.
Verwertung des Ammoniakwaſſers.
Um eine beſſere Verwertung des
Ammo=
niakwaſſers im ſtädtiſchen Gaswerk zu ermöglichen,
ſoll im Einverſtändnis mit der Gaswerks=Deputation und
dem Finanz=Ausſchuß eine beſondere Anlage zur
Ver=
arbeitung des Gaswaſſers zu Laſten von Anlehensmitteln
errichtet werden. — Referent iſt Stadtv. Nöllner. Es
ſind Voranſchläge gemacht worden und danach
vorge=
ſchlagen, eine beſchränkte Ausſchreibung zu veranlaſſen.
Auf Erſuchen einer Darmſtädter Firma beſchließt die
Stadtverordneten=Verſammlung auch dieſe in die
Kon=
kurrenz einzubeziehen. Die Anlage wird nach dem
Vor=
ſchlag genehmigt.
Beitrag zum Säuglingsheim.
Die Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglingsfürſorge hat um Bewilligung eines
ſtädtiſchen Beitrags zu den Koſten des Betriebs des
Säuglingsheims nachgeſucht. Sozialpolitiſcher=
und Finanz=Ausſchuß empfehlen die Bewilligung eines
Zuſchuſſes von 1500 Mark. — Referent iſt Stadtv. Dr.
Nöllner. Stadtv. Aßmuth regt hierbei eine größere
Zentraliſation aller ähnlichen Beſtrebungen an, worüber
ſich eine kleinere Debatte entwickelt, an der ſich die Herren
Lehr, Hüfner und Saeng beteiligen. Bürgermeiſter
Mueller teilt mit, daß bereits früher Verſuche gemacht
worden ſind, eine Zentraliſation einzuleiten. Es ſei aber
auch darauf hinzuweiſen, daß die Stadt bei allen
In=
ſtitutionen einen gewiſſen Einfluß hat, durch Herrn
Amt=
mann Krapp, der hier die Intereſſen der Stadt vertritt. —
Der Zuſchuß in der geforderten Höhe von 1506 Mark wird
ſodann bewilligt.
Zur Vereinfachung der
Geſchäfftsbehand=
lung
bei den laufenden Geſchäften der Armenverwaltung
und des Fürſorgeweſens iſt beabſichtigt, dem
ſtädtiſchen Pflegeamt die ſelbſtändige Erledigung der
Ar=
beiten auf den genannten Gebieten zu übertragen, mit dem
Vorbehalt, daß bei allen organiſatoriſchen und
prinzi=
piellen Sachen, ſowie bei allgemeinen
Verwaltungsange=
legenheiten und anderen beſonders wichtigen
Dienſtge=
ſchäften die Genehmigung des Oberbürgermeiſters
einzu=
holen iſt. Das ſtädtiſche Pflegeamt ſoll für die Folge die
Dienſtbezeichnung „Armen= und Fürſorgeamt” führen.
Die Mitgliederzahl der Armen=Deputation, die für die
Folge die Bezeichnung „Deputation für das Armen= und
Fürſorgeweſen” trägt, ſoll auf 10 feſtgeſetzt werden, wovon
bis zu 2 Mitgliedern aus Frauenkreiſen zu wählen ſind.
Der Deputation ſollen die nach dem Geſetz über die
Zwangserziehung Minderjähriger ſeither der Stadtver
ordneten=Verſammlung obliegenden Funktionen
über=
tragen werden. Die Deputation für Armen= und
Pfründ=
nerweſen und der Rechtsausſchuß haben dieſen
Vor=
ſchlägen zugeſtimmt. — Dem Vorſchlag wird nach
befür=
wortenden Ausführungen des Herrn Bürgermeiſter
Mueller zugeſtimmt.
Schutz der gärtneriſchen Anlagen
Um die gärtneriſchen Anlagen am neuen
Haupt=
bahnhof gegen Beſchädigungen durch frei
umher=
laufende Hunde zu ſchützen, wird beantragt, die
Polizeiverordnung, die Beaufſichtigung der Hunde betr.,
dahin zu ergänzen, daß Hunde in den neuen
Bahnhofs=
anlagen zwiſchen Allee, Stirnweg und Dornheimer Weg
an der Leine geführt werden müſſen. — Referent iſt
Stadtv. Dr. Bender. Dem Antrag wird zugeſtimmt
Aenderung der Feldpolizeiordnung,
Die Feldpolizeiordnung, das Pflügen
von Grundſtücken betr., die ſich auf das alte, aufgehobene
Feldſtrafgeſetz gründet, ſoll auf Grund der Beſtimmungen
des neuen Feldſtrafgeſetzes ſinngemäß geändert werden.
Die Abänderung wird nach dem Referat des Stadtv.
Möſer genehmigt.
Kongreſſe und Verbandstage.
68. Jahresverſammlung des Heſſ.
Haupt=
vereins der Guſtav Adolf=Stiftung in
Laubach.
Am zweiten Feſttage, Mittwoch, den 26. Juni, fand
vormitags 8 Uhr Kinderfeſtgottesdienſt ſtatt, zu dem ſich
die Kinder von Laubach und Umgegend ſehr zahlreich
eingefunden hatten. Dieſen Gottesdienſt hielt Pfarrer
Becker aus Fürth i. O. Um 10,15 Uhr begann der
eigent=
liche Feſtgottesdienſt in der Stadtkirche. Die Liturgie
hielt mit Unterſtützung des unter der Leitung des
Real=
lehrers Gerhard ſtehenden Kirchenchors, der die große
Doxologie ſang, Pfarrer Volp=Laubach. Nach dem
Guſtav Adolf=Feſtlied „Verzage nicht, du Häuflein klein”
des Kirchenchors hielt der Vorſitzende des Heſſiſchen
Hauptvereins, Pfarrer Dingeldey=Darmſtadt, eine
Anſprache an die Feſtgemeinde. Nach Gemeindegeſang
redete der Vertreter des Großh. Oberkonſiſtoriums Geh.
Oberkonſiſtorialrat und Superintendent D Peterſen=
Darmſtadt zur Feſtgemeinde. Die Schlußliturgie hielt
Pfarrer Nebel=Laubach. Die Feſtkollekte betrug 120 Mk.,
die des Kinderfeſtgottesdienſtes 14 Mark. An dem
ge=
meinſamen Feſteſſen, das im Schützenhof ſtattfand,
nah=
men auch viele Glieder der Feſtgemeinde teil.
Tiſch=
reden hielten: Se. Durchlaucht Graf Wilhelm zu Solms=
Laubach auf die hohen Protektoren des Vereins, Kaiſer
und Großherzog, Pfarrer Dingeldey=Darmſtadt auf die
Feſtſtadt, Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen=
Darm=
ſtadt auf das gräfliche Haus, Pfarrer Nebel=Laubach
auf den Vorſtand des Heſſiſchen Hauptvereins, Dekan
Hainer=Hungen auf die Vertreter auswärtiger
Haupt=
vereine, Bürgermeiſter Ritter auf die Feſtgäſte.
Von nachmittags 3½ Uhr ab fand eine
Nachver=
ſammlung in der Traube ſtatt. Die gemeinſam
geſun=
genen Lieder begleitete der Wetterfelder Poſaunenchor,
von Pfarrer Scriba geleitet. Auch der Kirchenchor
verſchönte die Feier durch einige Liedergaben. Zu der
ſtattlichen Verſammlung ſprachen noch drei
Diaſvora=
geiſtliche, Pfarrer Roſt von Hüningen im Elſaß,
Pfarrer Rehwald=Heppenheim und Pfarrverwalter
Weiß=Bieber. Ein Verwaltungs=Sonderzug brachte
um 6 Uhr die meiſten Feſtgäſte in ihre Heimat zurück
Sie nahmen allgemein den Eindruck mit: Wir haben
in Laubach ein herrliches Feſt gefeiert, „ſo ſchön wie
eins”
* Dresden, 26. Juni. Der Direktor der ſtaatlichen
Jugendfürſorge in Hamburg, Dr. Peterſen, forderte
heute auf dem allgemeinen
Fürſorgeerzie=
hungstage ein Reichsgeſetz zur einheitlichen
Durch=
führung einer Erſatzerziehung und einer Erziehungsaufſicht
an gefährdeten Jugendlichen. Aus der Verſammlung
traten einer ſolchen Forderung jedoch ſo lebhafte
Beden=
ken entgegen, daß Dr. Peterſen eine von ihm eingebrachte
entſprechende Reſolution zurückzog. Doch verſicherte der
Vorſitzende der Verſammlung, Paſtor Seiffert, daß die
gegebenen Anregungen vom Verein weiter verarbeitet
werden ſollen. Die Tagung wurde heute geſchlöſſen, die
nächſte findet in Halle 1914 ſtatt.
* Schwedt 27. Juni. Auf das
Huldigungstele=
gramm der brandenburgiſchen Hauptverſammlung des
Guſtav Adolf=Vereins zu Schwedt iſt vom
Kai=
ſer folgende Antwort eingegangen: Der Kaiſer und
Kö=
nig nehmen die freundlichen Grüße der
Jahresverſamm=
lung des brandenburgiſchen Hauptvereins der Guſtav
Adolf=Stiftung huldvollſt entgegen und laſſen für das
er=
neute Gelübde treuen Gedenkens der ſegensreichen
Für=
ſorge des Hohenzollernhauſes für die evangeliſche Kirche
vielmals danken. Auf allerhöchſten Befehl: Geheimer
Kabinettsrat v. Valentini.
Luftfahrt.
Die „Viktoria „Luiſe” über Helgoland.
* Hamburg, 27. Juni. Das Luftſchiff „
Vikto=
ria Luiſe” iſt heute morgen um 6 Uhr 15 zu einer
ehnſtündigen Ueberſeefahrt auf der Nordſee
mit 12 Paſſagieren aufgeſtiegen. Es iſt geplant,
Helgo=
land zu berühren und bei günſtigem Wetter die Fahrt
über die oſtfrieſiſchen Inſeln auszudehnen. Das
Luft=
ſchiff wurde um 8 Uhr 15 über Cuxhaven geſichtet.
* Helgoland, 27. Juni. Das Luftſchiff
Vik=
toria Luiſe” umkreiſte um 9,15 Uhr vormittags
Helgo=
land und fuhr mit ſüdlichem Kurs weiter.
* Norderney, 27. Juni. Das Luftſchiff „
Vik=
oria Luiſe” paſſierte um 11 Uhr 55 Minuten
Norder=
ey in flotter Fahrt und nimmt nunmehr über Norden die
Richtung nach Borkum.
* Emden, 27. Juni. Das Luftſchiff „
Vikto=
ria Luiſe” paſſierte um 12½ Uhr Wittmund (
Oſtfries=
and); es nahm die Richtung nach Wilhelmshaven. Das
uftſchiff fuhr ziemlich niedrig.
* Wilhelmshaven, 27. Juni. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” paſſierte auf ſeiner Rückfahrt nach
Hamburg 12,45 Uhr Wilhelmshaven in flotter Fahrt.
* Hamburg, 27. Juni. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” iſt gegen 2¼ Uhr von ſeiner großen
See=
fahrt zurückgekehrt. Es überflog die Stadt und
lan=
dete kurz nach 3 Uhr glatt vor der Luftſchiffhalle.
* Baden=Baden 26. Juni. Heute iſt ein Jahr
verfloſſen, ſeit das Luftſchiff „Schwaben” von
Fried=
richshafen aus ſeine erſte Fahrt unternahm. Während
dieſes Jahres wurden insgeſamt 228 Fahrten ausgeführt
die Zeit, die das Luftſchiff während dieſer Fahrten in der
Luft verbrachte, betrug 20 Tage, 13 Stunden und 37
Mi=
nuten. Die über dem Boden zurückgelegte Strecke betrug
insgeſamt 27559 Kilometer, die Zahl der beförderten
Paſſagiere 4545; dabei iſt zu beachten, daß die „Schwaben”
in den Wintermonaten, ein Drittel der ganzen Zeit
hin=
durch, außer Betrieb war.
* Frankfurt a. M., 27. Mai. Das Luftſchiff
„Schwaben” iſt heute vormittag um 7 Uhr 5 Min. in
Baden=Oos zur Fahrt nach Frankfurt a. M. aufgeſtiegen
und hier um 10 Uhr 20 Min. glatt vor der Halle gelandet.
* Frankfurt, 26. Juni. Der Kaiſer hat für den
vom Deutſchen Fliegerbund in der Zeit vom 29.
Auguſt bis 5. September geplanten Erſten Deutſchen
Waſ=
ſerflugmaſchinen=Wettbewerb einen Preis
geſtiftet. Dieſe Preisſtiftung dürfte auf die gegenwärtige
hohe nationale Bedeutung des Wettbewerbs
zurückzufüh=
ren ſein, und iſt darin ein erneuter Beweis für das hohe
Intereſſe zu erblicken, das Se. Majeſtät dem deutſchen
Flugweſen entgegenbringt.
* Johannisthal, 27. Juni. Heute morgen
überſchlug ſich der Flugapparat des Aviatikers
Fok=
ker, welcher mit ſeinem Schüler, dem Oberleutnant z. S.
Ruetſcher, aufgeſtiegen war, in 5 Meter Höhe. Fokker blieb
unverletzt, Oberleutnant Ruetſcher erlitt äußere
Verletzun=
gen und Quetſchungen.
* Elmshorn, 26. Juni. Nordmarkenflug.
Schauenburg iſt 5 Uhr 1 Min. bei Heide aufgeſtiegen und
5 Uhr 36 in Itzehoe gelandet, von wo der Flieger gegen
8 Uhr aufſtieg, um 8 Uhr 31 in Elmshorn landete und
8 Uhr 55 nach Hamburg weiterflog. Horn, der eine
Not=
landung vornehmen mußte, iſt um 5 Uhr 44 auf dem
Flugplatz in Itzehoe glatt gelandet und um 7 Uhr 4
wie=
der aufgeſtiegen. Er landete um 8 Uhr 22 in Elmshorn
glatt und ſtartete um 8 Uhr 35 nach Hamburg.
* London, 27. Juni. In Widford bei
Chelm=
hurſt findet die Hochzeit des Fliegers Graham White
mit der amerikaniſchen Fliegerin Dorothea Taylor ſtatt.
Die meiſten Gäſte erſcheinen auf Flugzeugen.
* Petersburg, 25. Juni. Die offizielle Prüfung
des automatiſchen Fallſchirm=Syſtems
Ko=
telnickow, die heute ſtattfand, ergab glänzende
Re=
ſultate. Eine 70 Kilogramm wiegende Puppe wurde
aus 150 und 60 Meter Höhe bei heißer, windſtiller
Witte=
rung herabgeworfen. Der Fallſchirm entfaltete ſich 12
Me=
ter unterhalb der Abſturzſtelle. Die Schnelligkeit des
Fal=
les betrug 1,65 Meter pro Sekunde.
Von der Kieler Woche.
* Kiel, 26. Juni. Bei der erſten
internatio=
nalen Europawettfahrt erhielt in der A. I=Klaſſe
„Meteor” den erſten Preis und den Ehrenpreis des
Kaiſers: „Germania” den zweiten. In der A. II=Klaſſe
„Komet” den erſten Preis. In der 23=Meterklaſſe „
Sham=
rock” den erſten und den Ehrenpreis des Herrn Biermann;
in der 19=Meterklaſſe „Oktavia” den erſten Preis und den
Preis des Senats der Stadt Hamburg; „Norada” den
zweiten Preis. In der 15=Meterklaſſe „Paicla 2” den
erſten Preis und den Preis des Königs von England,
„Iſtria” den zweiten, „Vanity” den dritten Preis. In der
12=Meterklaſſe „Irene” den erſten, „Magda 9” den
zwei=
ten Preis; in der 10=Meterklaſſe „Tarpon 2‟ den erſten
Preis und den Preis des Königs von Spanien, „Kitty”
den zweiten, „Dampero” den dritten, „Peſa” den vierten
Preis; nicht geſtartet iſt „Tamino”, aufgegeben haben
„Pinguin 4” und „Iſar 3‟ In der 9=Meterklaſſe erhielt
„Regina 4‟ den erſten Preis; in der 8=Meterklaſſe „Lucie‟
den erſten, „Woge 6” den zweiten, „Antwerpia” den
dritten, „Toni 9” den vierten, „Ariadne 3” den fünften
Preis. Nicht geſtartet: „Piehne” und „Clio‟. In der
7=Meterklaſſe erhielt „Kismat 2” den erſten, „Blitz 14‟ den
zweiten, „Meluſine 2” den dritten, „Giralda 2” den
vier=
ten Preis. Nicht geſtartet: „Ginevra” und Chixta 2‟
In der 6=Meterklaſſe erhielten „Gefion 3‟ den erſten,
„Neerlandia 5‟ den zweiten, „Harals 5‟ den dritten und
„Schelm” den vierten, „Hans Fuergen” den fünften,
„Jenquil” den ſechſten, „Preußen” den ſiebenten, „Hela”
den achten, „Johanna 2” den neunten, „Windſpiel 16"
den zehnten Preis. Nicht geſtartet: „Sansſouci” „
Vin=
ga 2‟, „Finn 2‟, „Bunty‟, „Momo” und „Wawi”. In
der 5=Meterklaſſe erhielt den erſten Preis „Kiebitz”, den
zweiten „Scherz‟ In der Sonderklaſſe erhielt den erſten
Preis „Wittelsbach 8, den zweiten „Reſi 5” den dritten
„Molch” den vierten „Ilſe”, den fünften „Chriſtoph Alt”
den ſechſten „Triumph” Aufgegeben: „Angela 5‟ und
„Lunula‟
* (Kiel 27. Juni. Heute vormittag begann die
zweite Wettfahrt der internationalen Europa=
Woche bei prächtigem Wetter und guter ſüdweſtlicher
Briſe. Schon von 6 Uhr ab ſteuerten zahlreiche
Begleit=
dampfer und Jachten nach der Strander Bucht, wo der
Start für die großen Jachten erfolgte. Unter den
Begleit=
fahrzeugen befinden ſich der Vergnügungsdampfer „
Vikto=
ria Luiſe” der Poſtdampfer „Prinz Waldemar” und die
Stationsjacht „Carmen” mit den hier anweſenden
fürſt=
lichen Damen; viele engliſche und amerikaniſche
Dampf=
jachten und Fahrzeuge der Kriegsmarine. Um 10 Uhr
20 Minuten ſtarteten die Jachten der A. I=Klaſſe: Meteor,
Hamburg, Germania und Waterwich. Dann folgte die
A. II=23=Meterklaſſe und die 19=Meterklaſſe. Von 11 Uhr
ab ſtarteten bei Heikendorf die Jachten der mittleren
Klaſ=
fen von der 15=Meterklaſſe. Sämtliche acht gemeldeten
Klaſſen waren zur Stelle, desgleichen die fünf Jachten der
12=Meterklaſſe. Als letzte Klaſſe folgten um 11 Uhr 25
Minuten die Sonderklaſſenboote. Inzwiſchen waren die
Begleitfahrzeuge in den Hafen zurückgekehrt, um dem
Start der mittleren Klaſſen beizuwohnen. Um 12 Uhr
5 Minuten erfolgte bei Kitzeberg der Start der kleineren
Jachten von 7 bis 5 Meter herunter zu der
Binnenwett=
fahrt im Kieler Hafen.
* Kiel 27. Juni. Der Kaiſer nahm heute
vor=
mittag im Kaiſer Wilhelm=Kanal Beſichtigungen vor.
Mittags ſpeiſte der Kaiſer auf der Jacht „Utowana”.
* Kopenhagen, 26. Juni. Der König
ant=
wortete auf das Telegramm Kaiſer Wilhelms
folgendermaßen: Eure Majeſtät werden gebeten, meinen
herglichtten Dan für die anerkennenden Worte entgegen=
zunehmen, die Eure Majeſtät anläßlich des Beſuchs auf
dem „Fionia” mir ſandten, was ich mit Freuden der
Schifswerft mitteilte.
Sport.
* Wiesbadener Pferderennen. Für die am
Samstag, den 29. Juni, beginnenden Wiesbadener
Som=
merrennen ſind insgeſamt die ſtattliche Zahl von rund 45
Pferden genannt worden. Es kommen durchweg hof
Preiſe zur Entſcheidung; am Samstag 24500 Mk., am
Sonntag, den 30. Juni, 31 300 Mk. und am Dienstag, den
2. Juli, 44 400 Mk., im ganzen 100 200 Mk. Im Preis von
Oranien 20000 Mk., ſind für 14, im Preis der Stadt
Wiesbaden 10000 Mk., für 20 Pferde die Gewichte
ange=
nommen worden. Beide Rennen werden hochintereſſanten
Sport beſter Pferde bieten. Es kommen weiter 2 Preiſe
16000 Mk., 7 Preiſe von 4000 Mk., bis 4600 Mk., und 8
Preiſe von 3000 Mk., bis 3200 Mk. und ſchließlich noch 2
Preiſe von 2500 Mk. zur Entſcheidung. Für 6 Rennen ſind
für jedes einzelne Rennen über 30 Pferde genannt. Die
Wiesbadener Bahn findet nach vorſtehenden Feſtſtellungen
immer mehr Anerkennung und Bedeutung.
Handel und Verkehr.
Schiffsliſtefürbillige Briefenach den
Vereinigten Staaten von Amerika (10 Pfg.
für je 20 Gramm): Die Portoermäßigung erſtreckt ſich nur
auf Briefe, nicht auch auf Poſtkarten, Druckſachen uſw. und
gilt nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von
Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B.
Canada. „George Waſhington” ab Bremen 29. Juni,
„Kronprinz Wilhelm” ab Bremen 2. Juli, „Kaiſer
Wil=
helm II.” ab Bremen 9. Juli, „Kaiſerin Auguſte Viktoria”
ab Hamburg 13. Juli, „Kaiſer Wilhelm der Große” ab
Bremen 16. Juli, „Kronprinzeſſin Cecilie” ab Bremen
23. Juli, „Amerika” ab Hamburg 27. Juli. (Poſtſchluß nach
Ankunft der Frühzüge.) Alle dieſe Schiffe ſind
Schnell=
dampfer oder ſolche, die für eine beſtimmte Zeit vor dem
Abgange die ſchnellſte Beförderungsgelegenheit bieten. Es
empfiehlt ſich, die Briefe mit einem Leitvermerk wie „di
rekter Weg” oder „über Bremen oder Hamburg” zu
ver=
ſehen.
Landwirtſchaftliches.
* Groß=Gerau, 27. Juni. Ueber den Verlauf des
heutigen Ferkelmarktes iſt folgendes zu berichten: Der
Auftrieb betrug 439 Tiere und waren ziemlich Käufer
an=
weſend, ſodaß die ohnedies ziemlich feſten Preiſe noch
etwas in die Höhe gingen. Es koſteten nämlich Ferkel 1
bis 24 Mark. Springer 26 bis 35 Mark und Einleger 37
bis 57 Mark per Stück. Am Schluſſe des Marktes war
alles verkauft. Mit dem nächſten Ferkelmarkt, am Montag,
den 1. Juli ds. Js., iſt eine Prämiierung verbunden und
in lebhafter Geſchäftsgang zu erwarten.
Streiks.
* Hannover, 27. Juni. Die ſtreikenden und
ausgeſperrten Metallarbeiter von Hannover=
Linden nahmen, ſoweit ſie dem Deutſchen
Metallarbeiter=
verband angehören, geſtern in vielen Verſammlungen zu
dem Angebot der Unternehmer Stellung. In geheimer
Abſtimmung wurde das Angebot mit 5411 gegen 152
Stim=
men abgelehnt.
* Toulouſe, 26. Juni. Der Streik der Bäcker iſt
durch ein Uebereinkommen zwiſchen der
Gemeindeverwal=
tung und den Bäckern beendigt worden.
* Paris, 27. Juni. Das „Echo de Paris” meldet,
Miniſterpräſident Poincaré werde, falls die
Schiff=
fahrtsgeſellſchaften die von den eingeſchriebenen Seeleuten
vorgeſchlagene Schiedsgerichtskommiſſion ablehnen ſollten,
ſich in Beſprechungen mit den Reedern bemühen, eine
an=
dere Löſung des Zwiſtes ausfindig zu machen.
* Paris, 27. Juni. Aus Marſeille wird gemeldet,
daß bisher infolge des Seemannsſtreiks im ganzen
59 Schiffe abgetakelt werden mußten, die
zuſam=
men eine Beſatzung von 300 eingeſchriebenen Seeleuten
hatten.
* Paris, 27. Juni. Das Komitee der
fran=
zöſiſchen Reeder teilte dem Handelsminiſter mit,
daß es den Vorſchlag, die Streitfrage einem Schiedsgericht
zu unterbreiten, nicht annehmen könne.
* London 26. Juni. Die Angeſtellten der Great
Eaſtern und London=Tilbury=Southland
Eiſenbahn hielten geſtern abend in Stratford eine
Verſammlung ab. Entgegen dem Beſchluß, den ſie am
Montag in Stratfort gefaßt hatten, rieten ihnen ihre
Füh=
rer dringend davon ab, zur Unterſtützung der Hafenarbeiter
die Arbeit einzuſtellen, indem ſie gleichzeitig mitteilten,
daß ſie geſtern eine Unterredung mit Miniſter Aſquith
ge=
habt hätten, der ſie gebeten hätte, der Beilegung des
Hafenarbeiterſtreiks nicht hindernd in den Weg
zu treten. Der Streik dürfte demnächſt zu Ende gehen. Ein
vom Exekutivkomitee des Allgemeinen
Eiſenbahnverban=
des erlaſſener Aufruf erinnert die Mitglieder des
Verban=
des an ihre Verpflichtung, ihren Vertrag mit den
Geſell=
ſchaften inne zu halten. Dieſe Stellungnahme rief unter
den an der Verſammlung teilnehmenden Hafenarbeitern
große Erregung hervor. Der Arbeiterführer Ben
Tillet=
hielt eine Anſprache, in der er den Eiſenbahnern Mangel
an Mut vorwarf. Die Transportarbeiter würden ſich durch
ein derartiges Verhalten nicht abſchrecken laſſen, den Streit
weiterzuführen.
* London, 27. Juni. Die „Times” meldet aus
New=York vom 26. ds.: Der Streik der Kellner und
ſonſtigen Angeſtellten der Hotel= und Reſtaurakkonsbetriebe
iſt geſtern abend für beendet erklärt worden. Die
Leute haben ihre Forderung auf Anerkennung der
Ge=
verkſchaft aufgegeben und wollen auf Grund der ihnen
kürzlich angebotenen Bedingung, die eine Lohnerhöhung
enthält. um Wiederanſtellung nachſuchen.
* Montreal 27. Juni. Drei Millionen
Buſhel Getreide in Schiffen oder Elevatoren ſind
im hieſigen Hafen durch den Londoner
Dockarbeiter=
ſtreik aufgehalten worden. Die Schiffer weigern ſich,
Getreide als Fracht anzunehmen. Der Dampfer „
Afgha=
nia” iſt von London mit einer Getreidefracht zurückgekehrt,
die er vor zwei Monaten exportiert hatte.
Ein neuer Unfall in der franzöſiſchen Marine.
* Toulon, 26. Juni. Während Schießübungen
bei Salinsdyeres ereignete ſich an Bord des Panzers
„Jules Michelet” ein Unglücksfall, dem mehrere
Menſchen zum Opfer gefallen ſind.
* Toulon, 26. Juni. Nach einer ſpäteren
Meld=
ung ſoll an Bord des „Jules Michelet” eine
Geſchütz=
exploſion ſtattgefunden haben, bei der gegen zwanzig
Mann verwundet wurden.
* Toulon, 27. Juni. Die Schießübungen
auf dem „Jules Michelet” verliefen ausgezeichnet.
Panzerkreuzer war 16 Meilen von Toulon entfernt.
das Geſchütz an Backbord achterſchiffs zerſprang. D
zehn Perſonen wurden verletzt und nach St. Mandrie
bracht. Als darauf die Schießübungen, denen der Admi
Sourrien beiwohnte, wieder aufgenommen wurden,
eignete ſich ein neues Unglück, indem die Flamme zurü
ſchlug, ähnlich wie auf der „Gloire” im September 19
Hierdurch wurden weitere zehn Mann verletzt, darunt
ein Schiffsleutnant. Zwei Marineoffiziere erlitten ſchre
liche Brandwunden an den Händen und im Geſicht; ein
vurde der Arm weggeriſſen. Das Befinden des Schif
leutnants iſt ſehr ernſt.
* Toulon, 27. Juni. Man gab die Hoffnung au
fünf Verletzte vom „Jules Michelet” am Lebe
zu erhalten.
* Paris, 26. Juni. Nach einem vom Marin
miniſterium veröffentlichten Bericht ereignete ſichd
Exploſion auf dem Panzer „Jules Michelet”
einem Geſchützturm dieſes Schiffes. Sie iſt dur
die Entzündung einer Kartuſche, die in das Geſchützrol
eingeführt werden ſollte, verurſacht worden. 20 Perſona
vurden verwundet; fünf davon ſchwer. Einer iſt berei
bei der Einlieferung ins Krankenhaus geſtorben.
Nach weiteren Mitteilungen dürfte das Unglück a
dem Panzerkreuzer „Jules Michelet” ebenſo wie das at
der „Gloire” durch vorzeitige Entzündun
verurſacht worden ſein.
Zum Krieg um Tripolis.
* Rom, 26. Juni. Die Agenzia Stefani meld
aus Maſſaua vom 25. dieſes Monats: Die türkiſch
Barniſon der Farſan=Inſeln die aus über
Mann beſtand, wurde von Truppen Said Idris,
auf elf kriegsmäßig ausgerüſteten arabiſchen Segelſchiffe
dorthin geſchickt worden waren, gefangen genommen,D
Garniſon leiſtete nur geringen Widerſtand. Auf dem Feſl
lande fanden in der letzten Woche mehrere Zuſammen
ſtöße ſtatt, die ſämtlich günſtig für Said Idris waren.
Soliman Paſcha, der in Ebha eingeſchloſſen
iſt, verſuchte auszubrechen, wurde aber nach kurzen
Kampf, in dem er über 200 Mann verlor, gezwungen,ſi
neuerlich in einer kleinen Feſtung einzuſchließen, woe
nur mit den notwendigſten Lebensmitteln verſehen, be
lagert wird. Auch Confuda wird von Truppen Said
Idris belagert. Loheia und Hodeida droht Belagerung.
Die Anhängerzahl des Scheiks wächſt jeden Tag. Auch
einer der ſtärkſten Stämme Iman Jahias, der Stamm
Hasced, der mehrere Tauſend Gewehre zählt, iſt von
Iman zu Said Idris übergegangen und befindet ſich
gegenwärtig in Haroda. Dies iſt ſehr wichtig, weil der
Abfall von Iman Jahia auch die Lage in Sana,d
Hauptſtadt des Yemen, prekär macht. Ueber türkiſche
Be=
wegungen gegen den Scheik liegen keine Nachrichten vor=
Im Gegenteil werden die Nachrichten über Kamelankäuſc
die die Türken vornehmen ſollten, aus guter Quellei
Abrede geſtellt.
* Konſtantinopel, 27. Juni. In Regierungs
kreiſen iſt man wegen der Ereigniſſein Monaſti
ernſtlich beſorgt. Der Platzkommandant von
Konſtanti=
nopel iſt geſtern abend mit 150 Soldaten nach Monaſtir
abgereiſt, um, wie verlautet, gegen die Deſerteure vorzu
gehen. Der Miniſterrat beſchäftigte ſich geſtern mit der
Vorgängen in Monaſtir und mit den Maßnahmen, dierd
Regierung ergreifen ſoll. — Der Deputierte Seyid Bei
wird wieder als Führer der jungtürkiſchen Truppen=g
nannt. Er verfolgt gemäßigte Tendenzen.
Amerikas Präſidentenwahl.
* Baltimore 26. Inni. Auf Antrag Bryan
beſchloß das Reſolutionskomitee mit 22 gegen 16
Stim=
nen die Aufſtellung des Parteiprogramms bis nach=d
Nominierung des Kandidaten der Partei für die
Präſi=
dentſchaft zu vertagen.
* Baltimore 26. Juni. Bryan lehntede
Vorſitz im Reſolutionskomitee ab, der ihm auf Anregung
Parkers angeboten wurde.
Vermiſchtes.
* Armee und Gefangenenarbeit.
einer intereſſanten Gerwendung des Altmaterials in de
Armee hat der Kieler Werftprozeß, der noch in
Erinne=
rung ſein dürfte, geführt. Dieſes bei den Truppenteiler
ausrangierte Material (Bekleidungs= und
Ausrüſtung=
gegenſtände aller Art), das bis dahin der Händlerrin
zu billigen Preiſen an ſich brachte, ſoll in den Strafge
fängniſſen Verwertung finden. Die alten Sachen wer
den repariert oder, wenn ſich dies nicht mehr lohnt,
anderen Zwecken verwendet, ſo die Tuchſtücke zu Putz
lappen, wie ſie unſere Marine in Maſſen verbraucht,d
Lederſtücke z. B. zu Schutzhandſchuhen, wie ſie die
Stein=
träger gebrauchen, die Abfälle zu Lederkohle, die das
Kilogramm zu 20 Mark bezahlt wird uſw. Nachde
ſich der erſte Verſuch bewährt hat, iſt man jetzt dazu über
gegangen, das Altmaterial der geſamten deutſchen
Arm=
den Strafgefängniſſen zu überweiſen. Es ſind ſech
„Zentralen” gebildet worden, die die Gefangenen m
dieſer lohnenden und dauernden Arbeit beſchäftigen.
Der Juſtizfiskus begnügt ſich mit den Selbſtkoſtenz
reparierten Sachen werden teils den betr. Regimenternzu
rückgegeben, teils finden ſie in Handwerkern und Land
arbeitern willige Abnehmer. Die Nebenerzeugniſſe wer
den an Staatsbehörden verkauft, und der Reingewinn al
den Militärfiskus abgeführt.
* Leipzig — die drittgrößte Stadt
Deutſchen Reiche! Am 1. Juli d. J. wird
große Vorort Leutzſch und am 1. Januar 1913 die ne
größere Gemeinde Schönfeld nach Leipzig einverleil
werden. Schon mit der Einverleibung von Leutzſe
wird Leipzig die drittgrößte Stadt im Reiche werde
München, das hinter Berlin und Hamburg
lange=
den dritten Platz behauptete, wird überflügelt. Die=Re
henfolge der Großſtädte mit mehr als 300 000 Einwol
nern iſt dann folgende: Berlin, Hamburg, Leipz
München, Dresden, Köln, Breslau, Frankfurt a=
Düſſeldorf, Nürnberg, Charlottenburg und — mögliche
weiſe hat auch Chemnitz das dritte Hunderttauſend ſchor
überſchritten.
Leipziger Lebensverſicherungs
Geſellſchaft auf Gegenſeitigkeit (Alte Leipz
ger). Bei dieſer Geſellſchaft, die zu den älteſten Lebens
verſicherungsgeſellſchaften Deutſchlands gehört, hat je
der Verſicherungsſtand eine Milliarde Mark überſchritter
Das verfloſſene Geſchäftsjahr hat ſich nach dem Rechen
ſchaftsbericht erfreulich weiter entwickelt. Der Abſchluß
an neuen Verſicherungen und der Reinzuwachs ſind
be=
deutend höher als in den Vorjahren geweſen; der
Ver=
lauf der Sterblichkeit und die Zinserträgniſſe der Ver=
nögensanlagen haben ſich ebenfalls günſtig geſtaltet, ſo
aß eine erhebliche Steigerung des Ueberſchuſſes zu
ver=
eichnen war. Eingereicht wurden im verfloſſenen Jahr
1358 Anträge über 93,39 MMillionen Verſicherungsſumme,
um Abſchluß gelangten 10314 Verſicherungen (gegen das
Vorjahr 1166 mehr) über 83,66 Millionen
Verſicherungs=
umme (mehr 8,59 Millionen Mark). Der reine Zuwachs
ſat 4567 Perſonen betragen, die mit 50,75 Millionen Mk.
erſichert ſind. — Der Ueberſchuß der
Todesfallverſicher=
engen beträgt 12411 236 (im Vorj. 11 429931) Mark er
ſt der größte, den die Geſellſchaft bis jetzt erzielt hat.
Dem Ausgleichungsfonds werden davon 500000 Mark
iberwieſen, wodurch er ſich auf 4,3 Millionen Mk. erhöht.
Schlachtvieh= und Fleiſchbeſchau im
Deutſchen Reiche. Aus der im 2.
Vierteljahrs=
gefte zur Statiſtik des Deutſchen Reichs, 1912,
veröffent=
lichten Zuſammenſtellung des Kaiſerlichen Statiſtiſchen
Amtes der im 1. Vierteljahr 1912 beſchauten
Schlacht=
tiere ergibt ſich, daß der Schlachtvieh= und Fleiſchbeſchau
unterzogen wurden
im 1. Vierteljahr
1911
1912
Pferde und andere Einhufer
43 586 39293
Ochſen .
6
132 431 143130
Bullen
97172 102620
Kühe
459037 437 489
Jungrinder über drei Monate alt
210 588 199396
Kälber unter drei Monate alt 1144613 1064607
Schweine .
4 973859 4 532816
457465 464999
Schafe
Ziegen
111084 136 194
2441
Hunde
2180
Literariſches.
„Bilderatlas der Sommer= und
Herbſtblumen” 40 Tafeln mit 162 Abbildungen von
H. Schuhmacher. Preis gebunden Mk. 3.— Verlag von
Otto Maier, Ravensburg. — Die Blumenfreunde unter
unſeren Leſern, beſonders unſere Jugend, werden mit
Intereſſe davon Kenntnis nehmen, daß ſoeben als
Fort=
ſetzung zum „Bilderatlas der Frühlingsblumen” der
langerwartete „Bilderatlas der Sommer= und
Herbſt=
blumen” erſchienen iſt und man muß nach Durchſicht
wirk=
lich anerkennen, die Beliebtheit und Verbreitung, deren
ſich dieſes prächtige Werkchen erfreut, iſt voll berechtigt,
denn wie kein zweites ſetzt es jedermann ohne
irgend=
welche Vorkenntniſſe in den Stand, die Pflanzen, denen
wir auf Spaziergängen begegnen, ſofort nach den
Far=
ben der Blüten zu beſtimmen. Wie bei ſeinen „
Früh=
lingsblumen” ſieht der Herausgeber auch hier von
weit=
ſchweifigen, theoretiſchen Erklärungen ab, er zeigt uns
vielmehr nach ſeiner bewährten originellen Methode alle
vorkommenden Sommer= und Herbſtblumen in ihren
charakteriſtiſchen Farben und Merkmalen im Bilde, ſtellt
die gleichfarbigen Blüten dann wieder zuſammen und
ordnet ſie innerhalb ihrer Farben nach ihren Standorten.
Geht man alſo im Sommer z. B. an einem Feldraine
entlang und findet eine blaue Blume, ſo ſchlägt man mit
einem Griff die leporelloartig aneinander hängenden
Ta=
feln, wo die blaublühenden Blüten aufgezeichnet ſind,
auf, findet hier wiederum die an Feld= und
Wieſenrai=
nen wachſenden zuſammengeſtellt, und die in natürlichen
Farben ausgeführten, außerordentlich lebensvollen
Zeich=
nungen ermöglichen es ſogar einem Kinde, den Namen
der gefundenen Pflanze feſtzuſtellen. Stichworte
verwei=
ſen uns dann auf den beiliegenden Tert, wo wir in
kurzer drägnanter Form alles weitere Wiſſenswerte über
die Lebensbedingungen der gefundenen Pflanze finden.
Der Reiſebegleiter. Bearbeitet von J.
G. Stutz, Könkgl. Eiſenbahn=Oberſekretär in Mainz;
Oktav (Taſchenformat), 112 Seiten, gebunden, Preis
Mk. 1.50. Verlag von Oskar Schneider in Mainz. Ein
Handbuch, das zur bequemen und eingehenden
Unter=
richtung über die beſtehenden Reiſebeſtimmungen und
zur ſchnellen und ſicheren Ermittelung von Reiſe= und
Frachtkoſten dient. Ein wirklich nützliches und
preis=
wertes Werk, das nicht nur als zeitgemäßer
Reiſebeglei=
ter, ſondern auch als praktiſcher Ratgeber und
unentbehr=
liches Handbuch ſich bald Eingang in den weiteſten
Krei=
ſen verſchaffen wird.
— Brunner, Ferdinand von Schill und ſeine
Getreuen. Nach zeitgenöſſiſchen Quellen. Bibliothek
Au=
auſt Scherl, Berlin. 235 Seiten. Eleg. in Leinen geb. 90 Pf.
Ob man jung oder alt iſt, ob man geſchichtliches Wiſſen
oder gar keine Vorkenntniſſe hat — dieſes Schillbuch
ver=
ſetzt den Leſer leibhaftig in die Vergangenheit und läßt
ihn die großen Ereigniſſe jener Epoche mit eigenen
Au=
gen anſchauen, gleich als ſpielte ſich dieſe Tragödie in
unſeren Tagen ab.
— Der Götze Theater. Ein Bühnenroman von
Anny von Panhuys. Hinauf auf die „Bretter, die die
Welt bedeuten” führt uns dieſer ſpannend geſchriebene
Roman und zeigt wie ganz anders dieſe Welt, die wir
nur im Rampenlichte kennen, im Lichte des blaſſen Tages
ausſieht. Aktuell im beſten Sinne, belehrend und
aufklä=
rend aber wirkt das Buch, weil es die Mißſtände ſchildert
und kritiſch beurteilt, mit denen ſich das kommende
Reichs=
theatergeſetz beſchäftigen wird. Es iſt ein intereſſantes,
viele Mißſtände aufdeckendes und Verbeſſerungen
anbah=
nendes Buch, und doch gleichzeitig eine ſo unterhaltende
Lektüre, daß es auch den gefangen nehmen wird, der nur
Unterhaltung in ihm ſucht.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 27. Juni. In der heutigen Sitzung des
Bundesrates wurde dem Antrage des Königreichs
Sachſen, betreffend die Prägung von Denkmünzen aus
Anlaß der Einweihung des Völkerſchlachtdenkmals bei
Leipzig, Zuſtimmung erteilt. Der Pomona=Diamanten=
Geſellſchaft wurden die Rechte einer Kolonialgeſellſchaft
verliehen. Von dem Protokoll über das Ergebnis der
zwiſchen den deutſchen und den italieniſchen Delegierten
ſtattgehabten Verhandlungen über verſchiedene
Zollfra=
gen wurde Kenntnis genommen. Zugeſtimmt wurde
fer=
ner den Vorlagen betreffend den Veredelungsverkehr mit
ausländiſchen Taſchenuhren, Taſchenuhrgehäuſen uſw.,
betreffend die Aenderung und Ergänzung des Taratarifs,
betreffend die Vorſchläge für die Aenderung und
Ergänz=
ung der Mineral=Zollordnung, betreffend die
Aenderun=
gen und Ergänzungen des Warenverzeichniſſes zum
Zoll=
tarif uſw., betreffend die Beſtimmungen für die
Vor=
nahme einer Viehzählung am 2. Dezember 1912, den
Ent=
wurf und Verordnung betreffend die Inkraftſetzung der
Vorſchriften der Reichsverſicherungsordnung, den
Ent=
wurf der Ausführungsbeſtimmungen für die
Angeſtellten=
verſicherung, die Vorlage betreffend die
Uebergangsbe=
ſtimmungen für die Unfallverſicherung nach der
Reichsver=
ſicherungsordnung.
* Zweibrücken, 27. Juni. Sechs Jahre Zuchthaus,
zehn Jahre Ehrverluſt und Stellung unter Polizeiaufſicht
erhielt vom Pfälziſchen Schwurgericht der Tüncher Chr.
Bieber aus Mittelbaxbach, der am 26. Juli vorigen
Jahres einem 14jährigen Kinde im Walde bei
Mittel=
baxbach einen Betrag von 5 Mark geraubt hatte. Der
Verurteilte hatte wegen Raubmordverſuchs bereits zehn
Jahre Zuchthaus verbüßt.
* Nordhauſen, 27. Juni. Der Magdeburger
Bank=
verein machte die Stadt Stolberg für den Verluſt
von 180000 Mark, den ſie durch Unterſchlagungen des
dortigen Bürgermeiſters Pampel erlitten hat,
haft=
pflichtig und erzielte beim Landgericht Nordhauſen ein
obſiegendes Urteil. Geſtern wurde die Berufung der
Stadt von dem Oberlandesgericht Naumburg verworfen.
* Peſt, 27. Juni. Das Abgeordnetenhaus
wurde durch ein Königliches Reſkript bis zum 17.
Septem=
ber vertagt. Auch während der letzten Sitzungstage
erneuerten die oppoſitionellen Abgeordneten täglich vor
dem das Abgeordnetenhaus umgebenden Militärkordon
ihren Proteſt. Der Eindruck ſchwächte ſich aber ſchließlich
vollkommen ab.
* Paris, 27. Juni. Die Kammer ſetzte die
Berat=
ung der Artikel des Kriegsbudgets fort. Kriegsminiſter
Millerand verſicherte, auf verſchiedene Reden erwidernd,
er beſchäftigte ſich beſtändig mit der Sicherheit der
Flie=
ger. Hirſchauer, Direktor des Militärflugweſens, erklärte,
daß er ſein Möglichſtes täte. um die Gefahren zu
vermin=
dern, und fügte hinzu, der Sicherheitskoeffizient hätte ſich
ſeit 1910 verſechsfacht, die Abſtürze um die Hälfte
abge=
nommen. Alle wünſchenswerten Vorkehrungen ſeien für
die Rekrutierung der Luftſchiffer getroffen, von denen
viele ſchon wirkliche Meiſter geworden ſeien. (Lebhafter
Beifall.)
— Berlin, 27. Juni. Der Kaſſenbote Bruning
hält ſich anſcheinend in Berlin verborgen. Die Dresdener
Bank erhielt einen Brief von einer Dame, der mit den
Anfangsbuchſtaben Q. F. unterzeichnet iſt. Danach hält
ſich Bruning bei der Dame verborgen. Er empfinde tiefe
Reue und wolle die 260000 Mark zurückerſtatten, wenn
die Bank ihm Strafloſigkeit zuſichere.
Tegel, 27. Juni. Aus unbekannter Urſache brach
heute nachmittag 2 Uhr in der bekannten Humboldtmühle,
in der ſich 80000 Sack Mehl befanden, ein Brand aus,
der den größten Teil der Mühle einäſcherte.
— Leipzig, 27. Juni. In der Maſchinenfabrik
Kaſ=
ſel bei Köthen in Anhalt platzte eine 150 Zentner
glühendes Metall faſſende Pfanne. Der Arbeiter
Kru=
bitſch wurde ſo ſchwer verbrannt, daß er nach zwei
Stun=
den den erhaltenen Verletzungen erlag.
London, 27. Juni. Der Erlös aus dem
Hecken=
roſentag an dem auch die Gattinnen des
Premier=
miniſters Asquith und Lloyd George teilnahmen, wird
auf 600000 Mark geſchätzt. Er ſoll gemeinnützigen
Anſtalten, insbeſondere Hoſpitälern zugute kommen.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet, das geſtern über Spanten lag,
hat ſich über Mitteleuropa ausgebreitet. Unter ſeinem
Einfluß herrſcht heute morgen heiteres Wetter. Geſtern
fielen noch ſtrichweiſe, zum Teil erhebliche Niederſchläge
(Swinemünde 15 mm). Die Morgentemperaturen liegen
in derſelben Höhe wie geſtern. Ueber England iſt wieder
eine Depreſſion erſchienen, die uns morgen ſchon leicht
beeinfluſſen dürfte.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 28. Juni:
Wolkig, bis auf Gewitterregen trocken, mäßig warm.
Auf kaum über 1 Pfennig ſtellt ſich eine Taſſe
SANG90 JEE Gea
Dieſe vorzügliche und durch ihre Ausgiebiakeit im
Ge=
brauch ſo billige Teemiſchung vorzugsweiſe
britiſch=
indiſcher Teeſorten iſt zum täglichen Genuß ganz
beſonders geeignet. Das 125 Gr.=Paket 90 Pfg.
(½ Ko.=Paket Mk. 3.50). Moriz Landau, Fernſpr. 116.
Aus dem Geſchäftsleben.
Die Entwickelung der Darmſtädter Möbel=Induſtrie
ſchreitet immer rüſtig voran. Nach wie vor zeitigt die
Schöpfung unſeres kunſtſinnigen Großherzogs immer neue
Früchte. Beſonders aber in der Wohnungs= und
Raum=
kunſt. Daß der gute Ruf, den Darmſtadt in bezug auf
Wohnungseinrichtungen nun einmal weit über die deutſche
Grenze hinaus genießt, immer mehr gefördert wird, in
der Rührigkeit beſonders hervorragender Firmen nicht zum
wenigſten zu danken. So hat die Firma Aug.
Schwe=
jr., Rheinſtraße 39/41, in der letzten Zeit ganz
bedeu=
tende und ſehr vorteilhafte Geſchäftserweiterungen
vor=
genommen. Bei einem Rundgang durch die neuen
Aus=
ſtellungsräume finden wir, daß alle Verkaufsräume zu
wirklichen Wohnungsräumen umgebaut ſind. Dem
neu=
zeitlichen Geſchmack Rechnung tragend, iſt jedes einzelne
Zimmer mit extra genau paſſenden Tapeten, Teppichen,
Bezügen und Lüſtern aufgeſtellt. Auf dieſe Weiſe wi
eine warme Stimmung und harmoniſche Wirkung erzielt,
welch letztere bekanntlich auf die Umgebung einen beſonders
günſtigen Einfluß ausübt. Man wird gewerſermaßen
be=
lehrt, wie man ſich wohnlich gemütlich und doch preiswert
einrichten kann. Schon bei dem Anblick der ganz neu
deko=
rierten Schaufenſter kann man ſich ein lebhaftes Bilh von
dem Beſtreben der Firma machen. Die dazu verwandten
Tapeten ſind die beſten Stoffimitationen. Dieſelben ſind
echten Gobelins täuſchend ähnlich. Auch die übrigen
De=
korationen, Teppiche und Bezüge ſind nur künſtleriſch
durchgeführt. Unter anderem iſt zurzeit ein hochelegantes
Schlafzimmer ausgeſtellt, welches mit allen modernen
Ein=
richtungen, die auf dieſem Gebietet geleiſtet werden
kön=
nen, ausgeſtattet iſt. Der 3teilige Schrank mitten
vorge=
baut, hat 4 Schubladen und rechts engliſche Züge, ferner
iſt derſelbe mit 2 großen Ankleideſpiegeln verſehen
dient ſogleich als Kleider= und Wäſcheſchrank und
Friſier=
toilette. Um dieſes ſo reich ausgeſtattete und doch ſo
ver=
hältnismäßig billige Möbelſtück in der praktiſchen
Verwen=
dung vorzuführen, ſitzt eine lebensgroße Figur im Matinee=
Koſtüm bei der Toilette und zeigen die Spiegel, wie man
ſich bei dieſer Beſchäftigung von allen Seiten beſehen kann.
Jedenfalls iſt eine Beſichtigung der hübſch dekorierter
Schaufenſter ſowohl als der ganzen Ausſtellung zu
emp=
fehlen.
Ein willkommener Ratgeber für die Hausfrau iſt,
beſonders während der heißen Jahreszeit, das
Koch=
büchlein der Corn Products Co., Hamburg 1,
die das Meismehl „Maizena” in den Handel bringt.
Dieſes Büchlein wird allen Hausfrauen auf Verlangen
koſtenlos überſandt. Aus dem intereſſanten Kochbüchlein
iſt die vielſeitige Verwendungsmöglichkeit des „Maizena”
zur Zubereitung der verſchiedenſten Speiſen, wie
Pud=
dings, Kuchen, Suppen, Saucen, Sommerſpeiſen, ſowie
Kranken= und Kinderkoſt erſichtlich.
Dädeniat= und
aiſon=Ausverkäufe!!
Um dem Satz der aus obigen Anläſſen in unſerer
Ausgabe vom
Montag, den 1. Juli er.,
erſcheinenden Anzeigen die gebührende Sorgfalt
widmen zu können, erbitten wir uns die Manuſkripte
hierfür möglichſt bis
heute Freitag,
den 28. Innier., abends.
Darmſtädter Tagblatt
Expedition.
Familiennachrichten.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß es Gott, unſerem
himmliſchen Vater, gefallen hat, heute nacht
12 Ahr unſeren lieben, treubeſorgten Gatten,
Vater, Schwiegervater und Großvater
Herrn Wilhelm Listmann
Revier-Polizei-Kommissär i. P.
(Ritter des Eisernen Kreuzes und Inhaber vieler Auszeichnungen)
nach längerem Leiden im 66. Lebensjahr aus
dieſem Leben abzurufen.
Darmſtadt, 27. Juni 1912.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Luise Listmann, geb. Rahn
Wilhelm Listmann, Stadtbauamtsassistent, Worms
Emilie Listmanu, geb. Stürtz
Luise Listmann
Wilhelmine Graf, geb. Listmann
Ludwig Graf, Stadtbauführer
Karl Listmann, Architekt
und 6 Enkelkinder.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, 29. Juni,
nachm. 4 Uhr, vom Trauerhauſe, Soderſtr. 104,
aus. Einſegnung ¾4 Uhr.: (13955
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds und Feldzugskameraden
Kertn Whnem Mschann
Revier-Polizeikommissär i. P.
Inhaber des Eisernen Kreuzes und anderer hoher Orden
findet am Samstag, den 29. d. M., nachmittags
4 Uhr, vom Sterbehauſe, Soderſtraße 104,
aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von
Ram=
dohr bis Schulz, ſowie des 6. Bezirks, ſich
dort zu verſammeln.
(13960
Der Vorſtand.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Nach langem Nervenleiden verſchied heute
mein lieber Gatte, unſer Vater, Bruder,
Schwager und Onkel
Herr Kaufmann
Fritz Chelius
im 49. Lebensjahre.
(13970
Um ſtilles Beileid bitten
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 27. Juni 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, den
29. Juni 1912, nachmittags 3¼ Uhr, von der
Friedhofskapelle aus.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen
zu wollen.
Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief nach längerem
Leiden unſer innigſtgeliebter guter Sohn und
Bruder
(13998
Philipp Müller
im 21. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 27. Juni 1912.
Die trauernden Eltern und Schweſter.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag
nach=
mittag 5 Uhr, vom Sterbehauſe, Mühlſtraße 62.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte meines
lieben Gatten, unſeres Vaters, Schwiegerſohnes,
Bruders, Schwagers und Onkels
Herrn Louis Lange
ſagen wir allen Verwandten, Freunden und
Be=
kannten und beſonders Herrn Pfarrer Weißgerber
für ſeine troſtreichen Worte, unſeren
tief=
gefühlteſten Dank.
(13943
Familie Lange.
Darmſtadt, den 26. Juni 1912.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
und die zahlreichen Blumenſpenden bei dem
Hin=
ſcheiden unſerer lieben Mutter, Schweſter,
Schwieger=
mutter, Schwägerin und Tante
Frau Maig. Rolhhard. Mrr70
ſagen wir herzlichſten Dank.
Darmſtadt, 27. Juni 1912.
(13966
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Kätchen Reinhardt
Schuſtergaſſe 13.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem mich betroffenen
ſchmerzlichen Verluſt ſage ich allen
hiermit herzlichen Dank.
Darmſtadt, den 27. Juni 1912.
Philipp Kling
Schuſtergaſſe 12.
13967
Gotiesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 28. Juni:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Jugendgottesdienſt und Predigt 6 Uhr 30 Min.
Samstag, den 29. Juni:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabatt=
ausgang 9 Uhr 35 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 29. Juni:
Vorabend 7 Uhr 40 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 40 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 30. Juni an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Dienstag, den 2. Juli (Faſttag) T. des 17 Tamus
Tageskalender.
Konzerte: Schützenhof um 8 Uhr. — „Perkeo” um 8
Uhr. — Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23):
Ent=
hüllung des Denkmals für den Zaren Alexander III. in
Moskau; Oberſt J. E. B. Seely, der neue engliſche
Kriegsminiſter; die Großherzogin von Luxemburg auf
der Fahrt zur Eidesleiſtung; die Eiſenbahnkataſtrophe
bei Malmslätt in Schweden.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 29. Juni.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
„Ludwigshalle‟
Gewerbe=Bibliothel u.
Vorbilderſamm=
lung. Der Leſeſaal iſt geöffnet: an allen
Wochen=
tagen von 8½—12½ u. 3—5½ Uhr (Samstag=Mittag
ausgenommen). — Leſeabende: Dienstags und
Frei=
tags, abends von 8—10 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
zutgeh. Spezialgeſch. (k. Lad.)
m. feſt. Kundſchaft, w. Wegz.
bill. abzug., a. v. der Frau all. z. verſ.
Offert. v. U 58 a. d. Exp. (*15666
— Glückliches Heim —
für 6500 Mark
Verkaufe mein Landhaus mit
ſchöner Einricht. u. großem
Garten für obigen Preis ſof.
unt. günſt. Bed. Das Anweſ.
bef. ſich 10 Min. v. Darmſt.
u. eignet ſich für Beamten.
Off. erb. unt. U 43 an die
Erped. ds. Bl.
(13952a
erhält man auf
Darlehen Wechſel,
Schuld=
ſchein, Mobiliar in jeder Höhe,
ſowie Hypotheken=Vermittelung ꝛc.
durch E. Mauthe, Vertr. R. Foege,
Riedeſelſtr. 48, 1. St. Sprechſtund.
von 9—12 und 2—6 Uhr,
Sonn=
tags von 9—1 Uhr.
(13171a
Kleine Darlehen
gibt Selbſtgeber. Anfragen mit
genauer Angabe der perſönlichen
Verhältniſſe, Höhe d. Darleh. uſw.
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Kurſe vom 27. Juni 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
Staatspapiere.
4 Ttſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,90
do.
3
80,20
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . 90,10
3 do. do.
80,00
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,40
3½
do.
93,10
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
do.
3½
88,10
3
do.
78,50
4 Hamburger Staatsanl. 100,20
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,50
4 do. do. (unk. 1918) 99,50
3
do.
88,26
do.
77,70
3 Sächſiſche Rente.
. 80,00
4 Württemberger v. 1907 100,10
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabal=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,60
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente 99,50
do. Goldrente . . . 95,80
4 do. einheitl. Rente 87,80
3 Portug. unif. Serie I 64,00
3. do. unif. Ser. III 66,20
3 do. Spezial . . . . 9,75
5 Rumänier v. 1903 . . 101,20
4 do. v. 1890
4 do. v. 1905 . . 91,50
4 Ruſſen v. 1880 . .
90,40
4 do. v. 1902 . . . . 90,50
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
3½ Schweden
4 Serbier amort. v. 1895 85,70
4 Türk. Admin. v. 1903 82,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 90,50
4 Ungar. Goldrente .
90,60
4 do. Staatsrente . . . 88,30
Zf.
In Proz.
5 Argentinier .
. 100,60
4
do.
86,90
4½ Chile Gold=Anleihe 90,80
5 Chineſ. Staatsanleihe . 98,80
4½
do.
92,80
4½ Japaner .
94,60
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
3
60,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3. Buenos Aires Provinz 71,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
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. . . . 140,90
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116,60
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,75
8 Baltimore und Ohio . 106,60
6½ Schantungbahn . . . 131,00
6‟ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,90
6 Pennſylvania R. R. . 120,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
75,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
505,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim
.244,50
80 Farbwerke Höchſt . . 618,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 350,00
10 Cement Heidelberg . . 145,00
30 Chem. Werke Albert 450,50
12½ Hblzverkohlung
Kon=
ſtanz
.. . 309,30
4 Lahmeyer . . . . . . . 124,50
Letzte
In Proz.
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 156,40
12 Siemens & Halske . 236,05
5 Bergmann Electr. . . 141,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 168½
0 Gummi Peter . . . . 126,30
0 Kunſtſeide Frankfurt 160,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer
. . . 504,75
10 Maſchinenf. Badenia 187,00
6 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr.
15 Zellſtoff Waldhof . . 232,50
12½ Bad. Zucker=Wag=
. . . 216,40
häuſel .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 117,60
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede .
. 186,50
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt.
228,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
172,60
10 Gelſenkirchener . . . . 187,00
8 Harpener
184½
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 257,90
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
. 81,60
4 Laurahütte
. . . 173,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
11 „ Weſteregeln 193,00
7½ South Weſt Africa 144,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,80
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,00
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,00
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104,00
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,50
do.
78,20
5 Oeſterr. Südb. (Lamh.) 99,75
3t.
Znpro
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 77,70
do.
53,40
3 Raab=Oedenburg
76,80
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,40
do.
88,10
4 Wladichawchas . . . . 88,25
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb.
74,50
4½
do.
2¼/10 Livorneſer . . . . . 67,40
3 Salonique=Monaſtir . 63,20
4 Bagdadbahn
83,30
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 96,80
4 Miſſouri=Pacific.
72,00
4 Northern=Pacific . . . 100,40
4 Southern=Pacific
95,50
5 St. Louis und San
Francisco.
87,10
5 Tehuantepec .
99,00
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 194,90
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn
. 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 164,90
6½ Darmſtädter Bank 121,10
12½ Deutſche Bank . . . 253,00
6 Deutſche Vereinsbank . 123,40
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,10
10 Diskonto=Kommandit 183,80
8½ Dresdener Bank . . 152,60
9½ Frankf. Hypoth.=B. 200,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,10
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 134,90
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 123,00
7½ Wiener Bankverein . 132,50
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,50
Inßro,
Bl. Pfandbriefe.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19.
. 89,30
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
do.
80
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,90
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
99,95
Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,50
S. 3—5 .
89,30
S. 9—11
89,40
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
8½
88,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(2sk. 1917) . . 97,80
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
9½
89,40
Städte=
Obligationen.
1 Darmſtadt .
4
8½ do.
89,50
4 Frankfurt.
99,60
8½ do.
93,00
4 Gießen
3½ do.
90,50
4 Heidelberg
98,00
8½ do.
4 Karlsruhe
8½ do.
88,70
4 Magdeburg
99,00
3½ do.
4 Mainz
₰
3½ do.
90,00
4 Mannheim . . . . . . 98,80
3½ do.
4 München . .
100,00
3½ Nauheim . . . . . .
4 Nürnberg . . . . . . . 100,00
3½ do.
89,70
4 Offenbach . .
In Proz
Bf.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden . . . . . 5 100,00
89,80
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
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3½ Cöln=Mindner „ 100 134,60
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,75
3 Madrider . . Fs. 100 75,40
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,25
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Mailänder .
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fl. 7 35,40
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der Mauſoleen auf der Roſenhöhe, ſowie Beſuch der
Gartenanlagen des Herrn Medizinalrats Dr. E. A. Merck,
Dieburgerſtraße hierſelbſt.
Treffpunkt: Eingang zur Großh. Hofgärtnerei Roſenhöhe vom
Seitersweg aus, pünktlich 3 Uhr nachmittags. (13949
Dienstag, den 9. Juli, nachmittags:
Beſuch der Gartenanlagen von Frau Medizinalrat
Dr. Vix, von den Herren Sanitätsräten Dr. Hüffell und
Dr. Maurer, ſowie von Herrn Maurer, Heinrichſtr. 6.
Treffpunkt: am Hauſe Karlſtraße Nr. 74, präzis 4 Uhr.
Die verehrlichen Mitglieder werden hierzu freundlichſt eingeladen.
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hiermit freundlichst eingeladen. DER VORsTAMD.
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Samstag, den 29. Juni 1912, abends 8½ Uhr
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II. „ Tanz.
(13922
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statt. : Anmeldungen zur Mitgliedschaft können
noch vor dem Feste gemacht werden.
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cusſtraße 7,
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daſelbſt,
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verſteigert werden. (K22/12
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nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
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Kunſt und Welt.
Roman von O. Elſter.
(Nachdruck verboten.)
Elfriede atmete auf, als ſie in die reine Atmoſphäre
eintrat, welche die edle, gütige Fürſtin um ſich zu
verbrei=
ten wußte. Die Herzogin empfing ſie mit faſt mütterlicher
Zärtlichkeit. Sie hatte nie eigene Töchter beſeſſen; ihre
beiden Söhne ſtanden als Offiziere in Potsdam, ihr Gatte
war ſehr häufig abweſend, auf Reiſen in Wien oder
Ber=
lin; er liebte die Aufregungen des großen Lebens,
wäh=
rend die Herzogin, durch ihre zarte Geſundheit
ge=
zwungen, ein zurückgezogenes Leben führte. In früheren
Jahren hatte ſie ſich wohl oft vereinſamt gefühlt, die
bei=
den alternden Prinzeſſinnen, Couſinen des Herzogs, die
in Neuenburg lebten, konnten ihr die Familie nicht
er=
ſetzen; die Kunſt und die Wohltätigkeit halfen ihr jedoch
über dieſes Gefühl der Vereinſamung hinweg und
ſchließ=
lich fühlte ſie ſich glücklich und zufrieden in der Weltz die
ſie ſelber ſich geſchaffen. Geliebt von ihrem Volke, verehrt
von Allen, die mit ihr in Berührung kamen, erfreute ſie
ſich trotz ihres zurückgezogenen Lebens eines bedeutenden
Einfluſſes auf den Herzog, der gern ihren Rat hörte, und
auf ihre Söhne, welche die Ueberlegenheit der Mutter an
Geiſt und Herz willig und ehrerbietig anerkannten.
Es mur woßt ſehſderſähndlich daß eſide ſch mit
inniger Liebe und Verehrung der hochherzigen Fürſtin
anſchloß. Faſt ſtets war ſie in Geſellſchaft derſelben; und
als man beim Nahen des Frühlings das neuhergerichtete
Schlößchen Monrepos bezog, erhielt Elfriede ihr Zimmer
unmittelbar neben den Gemächern der Herzogin. Die
Ober=
hofmeiſterin, Gräfin Wattenſee und die Hofdame Fräulein
von Imhoff und Komteſſe Dahlheim rümpften wohl die
Naſe über den intimen Verkehr der Fürſtin mit der „
Schau=
ſpielerin”, wie ſie Elfriede insgeheim nannten, aber ſie
waren auch wieder ganz zufrieden, wurden ſie ſelbſt doch
dadurch in ihrem Dienſt entlaſtet.
Elfriede fühlte ſich glücklich in dem ſtillen, friedlichen)
vom Glanz der Kunſt und der wahren Menſchenliebe
er=
füllten Daſein. Die Welt lag ſo weit, ſo fern, daß kaum ein
Ton der Unruhe, des Haſtens in den ſtillen Frieden ihres
Lebens auf Schloß Monrepos drang. Die glücklichſten
Stunden waren ihr die, wenn Graf Ellerburg zur Herzogin
kam. Dann wurde muſiziert, deklamiert und vorgeleſen;
der Plan der Aufführung auf dem kleinen Schloßtheater
beſprochen, Szenen wurden probiert und eingeübt, und am
Abend vereinigte die Herzogin in ihrem Salon eine kleine,
ausgewählte Geſellſchaft zu anregender Unterhaltung.
Kein Wort wurde zwiſchen dem Grafen und Elfriede
gewechſelt, das nicht Jedermann hätte hören dürfen. Aber
ire Anger uihten oſt inchuander, uit nigen Andteit
ſich grüßend, und Beide erkannten, daß die Liebe noch
immer ſtill und verborgen im tiefſten Winkel ihres
Her=
zens ruhte und mit träumenden Märchenaugen
hervor=
blickte.
Ein wehmütig ſüßer Schmerz erfüllte beider Seelen.
Sie beugten ſich dem Geſchick, das mächtiger war, als ſie.
Aber dieſer Schmerz beſaß keine Bitterkeit, es war
viel=
mehr ihr Glück, denn ſie wußten ſich eins in einer nie
er=
löſchenden Liebe.
Oftmals beobachtete die Herzogin ſie mit freundlich
aufmerkſamen Blicken, und wenn nach einem jener
Unter=
haltungsabende Elfriede wohl ſtill und von einer ſanften
Traurigkeit befangen daſaß, dann ſtrich die gütige hohe
Frau liebkoſend über den blonden Scheitel des jungen
Mädchens, und dieſes verſtand die gütige, edle Herrin und
küßte ihr in inniger Dankbarkeit die Hand.
Im Herbſt erlitt das ſtille, friedliche Leben eine
Unter=
brechung. Der Herzog kehrte nach längerer Abweſenheit
heim und brachte ſeinen zweiten Sohn mit, den Prinzen
Friedrich, der aus dem Militärdienſt ausgeſchieden war.
Man erzählte ſich, dieſer Abſchied ſei nicht ganz
frei=
willig geweſen, der Prinz hatte ſehr flott gelebt, ſollte
eine große Schuldenlaſt auf ſich gehäuft haben und
ſchließ=
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ſein, die ihn gehörig gerupft habe. Deshalb hatte der
Herzog es für gut gefunden, ſeinen Sohn in die ſtille
Re=
ſidenz Neuenburg heimzuholen.
Der Herzogin bereiteten dieſe Verhältniſſe ihres
Sohnes großen Kummer, zumal Prinz Friedrich ſtets ihr
Liebling geweſen war. Er hatte ihre künſtleriſchen
An=
lagen geerbt, mehr als der Erbprinz, der wie ſein Vater
ganz im Soldatenberuf aufging. Aber ſie freute ſich auch,
ihren Sohn wieder um ſich zu haben und hoffte, ihn durch
ihren Einfluß auf beſſere Wege zu lenken.
Das ſchien auch in der Tat der Fall zu ſein, denn
Prinz Friedrich war ein faſt täglicher Gaſt auf Schloß
Monrepos und intereſſierte ſich lebhaft für die
Auf=
führungen auf dem kleinen Theater, die demnächſt
be=
ginnen ſollten.
Für Elfriede aber waren Glück und Frieden vorüber.
Zuerſt ſah ſie den Prinzen im Salon ſeiner Mutter. Aber
obgleich die Herzogin zugegen, ruhten ſeine Blicke doch in
unverhohlener Bewunderung und kecker
Leidenſchaftlich=
keit auf Elfriedens ſchlanker Geſtalt und ihrem ſchönen
Antlitz. Die Fürſtin ſchien nichts zu bemerken, aber
El=
friede fühlte, auch wenn ſie mit abgewandtem Geſicht
da=
ſtand, dieſe Blicke, die ihr die heiße Schamröte in die
Wangen trieb. Die Kühnheit derſelben erfüllte ſie mit
banger Ahnung; der Prinz, eine ſtattliche, ſchöne
Erſchein=
ung, war wegen ſeines Glückes bei den Damen bekannt;
ſeiner liebenswürdigen Keckheit widerſtand ein
Frauen=
herz ſelten.
Seit dieſer erſten Begegnung verfolgte der Prinz
El=
friede mit ſeinen Huldigungen, und die Proben zu den
Aufführungen, an denen auch der Prinz teilnahm, gaben
ihm leider Gelegenheit, Elfriede öfter allein zu ſprechen.
Dann ließ er alle Minen ſeiner Liebenswürdigkeit
ſprin=
gen und überſchüttete ſie mit Schmeicheleien, die ihr Herz
mit Scham und Widerwillen erfüllten.
Dennoch mußte ſie ſchweigen — um der Fürſtin willen!
Aber ſie bemerkte wohl, daß einer dieſe kecken
Huldig=
ungen des Prinzen bemerkte — Graf Ellerburg. Es
er=
füllte ſie mit tiefem Schmerz, daß er an ihr zu zweifeln
ſchien, daß ſein Benehmen ihr gegenüber kühler und
förm=
licher wurde.
Die erſte Aufführung in dem kleinen Privattheater der
Fürſtin war vorüber. Man hatte das idylliſche
Trauer=
ſpiel Racines „Berenice” gegeben und Elfriede hatte die
Zuſchauer durch die Wiedergabe der Titelrolle entzückt und
hingeriſſen. Nach dem Theater verſammelte ſich die
Ge=
ſellſchaft in den Salons der Fürſtin. In dem großen
Saale war ein reichhaltiges Büfett aufgeſtellt; Lakaien
präſentierten Erfriſchungen aller Art, und bald brach ſich
eine lebhafte, ungezwungene Unterhaltung Bahn, wie der
Herzog und die Herzogin es liebten. Im Saale ſelbſt,
an den eine große Gartenterraſſe ſtieß, wurde getanzt.
Weshalb gehen Sie nicht in den Saal, liebes Kind?
fragte die Herzogin Elfriede, die neben ihrem Seſſel ſtand.
Sie ſind jung und finden doch wohl auch am Tanz
Ver=
gnügen?
In dieſem Augenblick trat Prinz Friedrich näher.
Geſtatteſt du, Mama, ſagte er mit liebenswürdigem
Lächeln, daß ich unſere reizende Berenice zum Tanz in
den Saal führe?
Elfriede erſchrack; als jedoch die Herzogin ihr
freund=
lich zunickte, da durfte ſie den Prinzen nicht zurückweiſen;
bebend legte ſie die Hand auf ſeinen Arm.
Raſch führte der Prinz ſie durch den Salon in den
Saal, wobei Elfriede fühlte, daß er verſuchte, ihren Arm
näher an ſeine Bruſt zu ziehen.
Weshalb entziehen Sie ſich unſerer Geſellſchaft,
ſchöne Berenice? flüſterte er und neigte ſich lächelnd zu
ihr nieder. Sie gehören zur Jugend . . .
Mein Platz iſt bei Ihrer Hoheit . . .
Bah, Sie ſehen ja, daß Mama Sie gern beurlaubt.
Sie dürfen uns nicht wieder entfliehen.
Aller Augen richteten ſich auf das Paar, als es in
den Saal trat. Die Geſellſchaftsdame der Herzogin
am Arm des Prinzen, das war freilich eine
ungewöhn=
liche Erſcheinung und gab der Geſellſchaft zu denken und
zu flüſtern.
(Fortſetzung folgt.)
Ernſt Ludwig=Verein.
Hefſiſcher Zentralverein für Errichtung billiger
Wohnungen.
Darmſtadt, 27. Juni.
Im Städtiſchen Saalbau hielt heute der Ernſt
Lud=
wig=Verein ſeine Hauptverſammlung ab, an der u. a.
teilnahmen die Herren Miniſter des Innern von
Hom=
bergk zu Vach, Geh. Staatsrat Krug von Nidda,
der den Staatsminiſter Ewald Exz. wegen Krankheit
ent=
ſchuldigte, Miniſterialräte Hölzinger, Dr. Kratz, Geh.
Oberbaurat Hofmann, Reg.=Rat Pfeiffer, von
der Verſicherungsanſtalt Regierungs=Aſſeſſor Dr. Fuchs,
vom Sozialen Ausſchuß in Frankfurt Herr Metz ler
vom badiſchen Landeswohnungsverein Generalſekretär
Kampfmeyer, Provinzialdirektor Fey,
Landtags=
präſident Köhler, viele Kreisräte und Bürgermeiſter,
darunter als Vertreter der Stadt Darmſtadt
Bürger=
meiſter Mueller. Finanzminiſter Braun Exz. hatte
ſich entſchuldigen laſſen.
Den Vorſitz führte Reichstagsabgeordneter Frhr.
Heyl zu Herrnsheim, der nach Eröffnung der
Ver=
ſammlung die Erſchienenen herzlichſt begrüßte,
inſonder=
heit die genannten behördlichen Vertreter, und ſich dann
kurz über die neuere Tätigkeit der Geſetzgebung, des
Bun=
desrats und Reichstages über die Materie des
Klein=
wohnungsbaues und anderer ſozialer Fragen verbreitete,
beſonders über eine in jüngſter Zeit gefaßte Reſolution,
in der ausgeſprochen wird, daß die Wohnungsfürſorge
für Minderbemittelte Sache der Bundesſtaaten iſt und
das Reich nur dann eingreifen könne, wenn ein
Bundes=
ſtaat verſagt, und in der die Regierung erſucht wird, auf
die Bundesſtaaten in dieſem Sinne einzuwirken.
Danach erſtattete — nach entſprechender Genehmigung
der Aenderung der Tagesordnung — Herr Bürgermeiſter
Dr. Frenay=Bensheim ein Referat über:
Die Fortbildung der Heſſiſchen
Wohnungsgeſetzgebung.
Redner führte etwa aus: Genau vor zwanzig Jahren
faßte unſere heſſiſche Regierung zunächſt die Ordnung
der Mietwohnungsverhältniſſe ins Auge und nach
län=
geren Verhandlungen kam im Jahre 1893 als erſter
geſetz=
geberiſcher Schritt das Geſetz, die polizeiliche
Beaufſich=
tigung von Mietwohnungen und Schlafſtellen betreffend.
zuſtande. Teilweiſe ergänzt wurde dieſes Geſetz durch
das Wohnungsfürſorgegeſetz von 1902, das in der
Haupt=
ſache die poſitive Förderung der gemeinnützigen
Wohn=
ungserſtellung und die organiſche Zuſammenfaſſung aller
Wohnungsfürſorgebeſtrebungen in eine Landeszentrale
bezweckt. Inzwiſchen ſind eine Reihe von Bundesſtaaten
dem Beiſpiele Heſſens gefolgt und haben ſich teils im
Wege der Geſetzgebung, teils im Wege der Verordnung
mit dem Wohnungsweſen befaßt. Das heſſiſche Geſetz
kennt nur eine Beaufſichtigung von
Mietwohn=
ungen, und die Wohnungsaufſicht macht vor der
Eigentümerwohnung Halt. Ganz ſicher hat
nun die Wohnungsaufſicht in erſter Linie Bedeutung für
die Mietwohnungen, es kann aber auch bei den von den
Eigentümern bewohnten Kleinwohnungen unter
Umſtän=
den das Eingreifen des Wohnungsbeamten ſehr nötig
erſcheinen. Als Prinzip ſollte man feſtſtellen, daß
kein zum Wohnen oder dauerndem Aufenthalt von
Menſchen beſtimmter Raum ſo beſchaffen ſein darf, daß
Geſundheit und Sittlichkeit der Bewohner gefährdet
wer=
den, einerlei, ob die Räume im einzelnen Falle dem
Mie=
ter oder dem Eigentümer und ſeiner Familie zum
Woh=
nen dienen. Von dieſem Geſichtspunkte aus iſt die Frage
in den anderen Bundesſtaaten geregelt, ſodaß dort
grund=
ſätzlich auch die Eigentümerwohnungen der
Aufſicht unterſtehen. Selbſtverſtändlich kann es ſich hier
nur um einzelne, beſonders geartete Fälle handeln, in
welchen man den Wohnungsbeamten die Möglichkeit
geben ſollte, einzuſchreiten. Als weitere Frage erſcheint,
ob nicht der Kreis der aufſichtspflichtigen
Wohnungen etwas erweitert werden ſoll. Nach
heſſiſchem Recht kann der Wohnungsbeamte auch
nicht=
aufſichtspflichtige Wohnungen beſichtigen, und er wird es
bei Vorhandenſein eines triftigen Grundes immer tun.
Einſchreiten auf Grund des Wohnungsgeſetzes kann er
aber nur bei ſogenannten aufſichtspflichtigen
Wohn=
ungen. Deshalb ſollte man den Rahmen der
aufſichts=
pflichtigen Wohnungen nicht zu eng ſpannen. Es iſt ja
nicht notwendig, daß bei der Beaufſichtigung dieſer
Wohnungen immer und überall der regelmäßige
Beſich=
tigungsturnus eingehalten wird. Des weiteren müßte
unſere Geſetzgebung ähnlich, wie dies anderwärts
ge=
iſchehen, auch die Möglichkeit geben, gegen den Mieter
einſchreiten zu können. Es iſt eine alte Klage der
Wohn=
ungsaufſichtsbeamten, daß ſehr viele
Wohnungsmiß=
ſtände auf die mangelhafte und zweckwidrige Art des
Bewohnens, alſo auf ein Verſchulden des Mieters
zurück=
zuführen ſind. In ſolchen Fällen kennen z. B. andere
Bundesſtaaten, wie die Hanſaſtädte, Bayern,
Württem=
berg, Sachſen und Baden, die Möglichkeit einer
verant=
wortlichen Heranziehung des Mieters. Endlich dürfte
es als eine Lücke unſeres Mietwohnungsgeſetzes
bezeich=
net werden, daß dasſelbe keinerlei Beſtimmungen
dar=
über hat, wie die Wohnungen und Wohnräume
über=
haupt beſchaffen ſein müſſen, damit ſie zum Aufenthalt
von Menſchen geeignet ſind alſo ſogenannte
Mindeſt=
forderungen nicht aufſtellt. In anderen
Bundes=
ſtaaten finden wir genaue Normativbeſtimmungen
dar=
über, was im Intereſſe der Geſundheit und Sittlichkeit
verlangt werden muß, damit eine Wohnung noch genügt.
Unſere Geſetzgebung dürfte hier etwas weiter
auszu=
bauen ſein; dem Praktiker kann es nur erwünſcht ſein.
wenn er auf ſicherer Grundlage arbeiten kann, wie ſie
präziſe geſetzliche oder ſtatutariſche Vorſchriften
genann=
ter Art darbieten. Auch der Reichstag hat ſich ja in
die=
ſem Sinne ausgeſprochen.
Bisher ſprachen wir nur von Maßnahmen, die ſich
auf vorhandene Wohnungen beziehen; gleich wichtig, oder
vielleicht noch wichtiger, iſt die Vorſorge für die zu
erbauenden Wohnungen, ſowohl nach der
Richt=
ung, daß unſere allgemeinen Baugeſetze den
Kleinwohn=
ungsbau innerhalb des Rahmens der zu beachtenden
feuerſicherheits= und geſundheitspolizeilichen Vorſchriften
überhaupt fördern, alſo auch nach der Richtung, daß wir
mehr und mehr danach ſtreben, die Produktion guter und
preiswerter Wohnungen mit dem Bedürfnis in Einklang
zu bringen. Angedeutet ſeien nur die
Notwendig=
keit einer Reviſien unſer Bauordnung
unterBerückſichtigung des Kleinwohnungsbaues, weiter die
Notwendigkeit eines geſetzlich geregelten
Umlegungsver=
fahrens, ſowie die Reviſion des Enteignungsgeſetzes.
Welche Wertverſchiebungen ſind wohl hier in
Darm=
ſtadt durch die Verlegung des Bahnhofes eingetreten
und erſcheint es nicht angebracht, für ſolche und ähnlich
Fälle die Benutzung großer Geländekomplexe nach ſoziolen
Geſichtspunkten zu ſichern? Vor allem hat aber unſer Ver
ein den dringenden Wunſch, daß der gemeinnützige
Wohn=
ungsbau durch vermehrte und erleichterte Zuführung von
Kapital gefördert werde, und dieſer Wunſch betrifft
be=
ſonders unſer Wohnungsfürſorgegeſetz. Nach
der Auslegung, die unſer Miniſterium dieſem Geſetz
ge=
geben hat, werden die Mittel der Landeskreditkaſſe nur
zur Erſtellung von Miethäuſern, alſo nicht für
Eigen=
häuſer zur Verfügung geſtellt. Nun beſteht die
Tätig=
keit der Bauvereine in kleineren Städten und auf dem
Lande faſt nur in der Errichtung von Kleinhäuſern, die
nicht zum Vermieten, ſondern zur Veräußerung beſtimmt
ſind; ſolche Häuſer zu vermieten, wäre finanziell
bedenk=
lich, auch die Verwaltung, Unterhaltung uſw. viel zu
um=
ſtändlich und koſtſpielig. Als Miethäuſer kommen alſo
für die Regel nur große Häuſer, und zwar dort in
Be=
tracht, wo der Bodenpreis ſchon eine gewiſſe Höhe
er=
reicht hat, alſo an größeren Orten. Die Auffaſſung des
Miniſteriums ſtützt ſich darauf, daß das Geſetz nicht
die=
ſem oder jenem zu einem Eigentum verhelfen wolle.
Allein das Geſetz will doch dem Wohnungsmangel ſteuern,
es will bei der Bevölkerung wieder Liebe und
Verſtänd=
nis für Heim und Heimat fördern, und in dieſer
Be=
ziehung leiſten ja die Baugenoſſenſchaften durch
Erricht=
ung von Eigenhäuſern ſehr wertvolle ſoziale Arbeit.
Da=
her möge man den bisherigen Standpunkt verlaſſen und
eventuell geſetzlich feſtlegen, daß die Landeskreditkaſſe
auch für Eigenhäuſer Darlehen geben kann,
ſelbſtverſtänd=
lich unter den nötigen Kautelen, ſowohl betreffs der
Sicherheit des Darlehens aals auch der dauernden
Zweck=
beſtimmung der Fürſorgemaßregel.
Redner ſchloß ſeine intereſſanten Ausführungen mit
folgenden Worten: Wir ſind alle davon überzeugt, daß
die Wohnung ein Kulturbedürfnis erſten
Ranges iſt, und daß, ſo lange auf dem Gebiete des
Wohnungsweſens noch Mißſtände beſtehen, wie wir ſie
leider beklagen müſſen, all unſere ſonſtigen, auf
Erſtarkung von Geſundheit und
Sittlich=
keit, auf Hebung unſeres Volkslebens
ge=
richteten Beſtrebungen halbe Maßregeln
bleiben müſſen. Es wäre ungerecht, wenn wir
das, was unſere Regierung vor zwanzig Jahren in
bahn=
brechender Weiſe begonnen und in den Jahren 1902 und
1908 fortgeſetzt hat, gering ſchätzen wollten; im
Gegen=
teil, jede Verſammlung unſeres Vereins
erbringt Beweiſe für die ſegensreichen
Folgen dieſer Geſetzgebung. Ich glaube, daß
wir auf eine ſachliche Würdigung um ſo mehr rechnen
dürfen, als erſt gelegentlich der Frühjahrsverhandlungen
unſerer Landſtände von hervorragender Seite betont
wurde, daß man in der Wohnungsfrage gar
icht genug tun kann, und daß es ſich doch
ſchließlich um das Wohl und Wehe der
breiten Maſſe des Volkes
desüberwiegen=
en Teils unſerer Mitbürger handelt.
(Lebh. Beifall.)
Der Vorſitzende dankte, indem er darauf hinwies, daß
Bürgermeiſter Dr. Frenay auch in der Praxis große
Er=
folge erzielt habe, daß ſeine Ausführungen alſo auch von
großer praktiſcher Bedeutung für Intereſſenten ſeien. Der
Verein müſſe ſein Augenmerk beſonders auf die
Bau=
tätigkeit in den Städten richten; während für die
länd=
lichen Gemeinden die Eigenwohnungen das Gegebene
ſind, ſei hier zu berückſichtigen, daß in den Städten
klei=
tere Eigenwohnungen leicht Spekulationsobjekte
wer=
den, wenn nicht Vorſorge getroffen wird. Der ſpringende
Punkt ſei die Kapitalbeſchaffung, damit man an Stelle
der alten ſchlechten Wohnungen neue gute ſetzen könne;
in dieſer Hinſicht ſei es wünſchenswert, wenn die
Vor=
ſchläge des Referenten betr. Landeskreditkaſſe Beachtung
fänden. In der Diskuſſion berichtete zunächſt
Juſtizrat Dr. Görtz=Mainz über die Erfahrungen, die
er als Vorſitzender des Aufſichtsrats der
Baugenoſſen=
ſchaft Mainz gemacht habe. Die Entwickelung der
letz=
en Jahre habe dahin geführt, daß die ganze Bautätigkeit
für Minderbemittelte durch die Entwickelung der
Ver=
hältniſſe lediglich in die Hand der Bauvereine gelegt
vorden ſei. Man müſſe ängſtlich darauf bedacht ſein, nicht
einſeitige Vergünſtigungen und geſetzliche Zugeſtändniſſe
für Genoſſenſchaften zu erlangen, ſondern ebenſo für
jeden gemeinnützigen Wohnungsbau für Arbeiter und
Minderbemittelte, wenn die Garantie gegeben iſt, daß
nicht Objekte der Spekulation entſtänden.
Miniſterialrat Hölzinger bemerkt, daß man bei
der Schaffung der Landeskreditkaſſe nur daran gedacht
habe, die Kaſſe ſubſidiär für das Wohnungsweſen
heran=
zuziehen, wenn andere Geldgeber ſich nicht finden. Hieran
habe es bisher in Heſſen nie gefehlt; die Geldnehmer
fahren bei der Landesverſicherungsanſtalt weit beſſer, da
die Landeskreditkaſſe zum Beiſpiel 4,12 Prozent
verlan=
gen müſſe. Das Geſetz läßt ſich nicht anders auslegen.
als es durch das Miniſterium geſchieht. Auch kommt
dazu, daß bei der Einbeziehung der Eigenhäuſer die
Kontrolle ſehr erſchwert, der Beamtenapparat alſo
wie=
der vergrößert würde. Und ſchließlich ſei es doch eine
prinzipielle Frage, ob der Staat tatſächlich ſo weit gehen
ſolle, allen Wünſchen auf Geldhergabe zur Errichtung
von Eigenhäuſern nachzugeben, ſo lange nicht direkte
Wohnungsnot vorliege.
Finanzrat Emmerling betont, daß die
Berück=
ſichtigung des Kleinwohnungsbaues gerade eine der
Auf=
gaben ſei, die bei der Reviſion der Allgemeinen
Bauord=
nung einer befriedigenden Löſung entgegenzuführen ſein
wird. Gegenteilige Befürchtungen, wie ſie in der
vor=
jährigen Verſammlung geäußert wurden, ſind deshalb
unbegründet. Redner erörtert dann eine Reihe von
Punkten, in denen Erleichterungen für den
Kleinwohn=
ungsbau vorzunehmen ſein werden. Jedenfalls ſolle bei
der Reviſion, ſoweit möglich, auch der
Kleinwohnungs=
bau begünſtigt werden.
Der Vorſitzende berührt einige in der Diskuſſion
zu=
tage getretenen Gegenſätze zu ſeiner Auffaſſung, über die
er ſich in längeren Ausführungen verbreitet. —
Provin=
zialdirektor Fey befürwortet den Kleinwohnungsbau
auf dem Lande, wo ausgedehntere Möglichkeiten zu
billi=
gem Geländeerwerb beſtehen, als in der Stadt, und wo
der Arbeiter auch am zweckmäßigſten ſich anſiedelt. Der
Verein ſoll in Erwägung ziehen, ob es nicht möglich ſei,
tach Art des Arbeits= und Wohnungsnachweiſes
einen überſichtlichen Nachweis über Bauplätze und
Grundſtücksmarkt zu ſchaffen.
— Bürgermeiſter
Mueller=Darmſtadt teilt imit, daß auch die Stadt
Darmſtadt der vom Referenten kurz geſtreiften
Verſchieb=
ung der Geländewerte durch die Bahnhofsverlegung
Be=
achtung geſchenkt habe, und ſpricht über die
Wohnungs=
verhältniſſe in Darmſtadt, die den Bau von
Mietwohn=
ungen als Hauptaufgabe erſcheinen laſſen, während
Eigenwohnungen für Darmſtadt nicht empfohlen
wer=
den können. Nach einem Schlußwort des Referenten
folgt de
eſchäftsbericht des Generalſekretärs
Landeswohnungsinſpektors Gretzſchel.
Das Jahr 1911 iſt der Errichtung kleiner
Wohn=
ungen wie überhaupt dem Wohnungsbau günſtiger
ge=
weſen, als ſeine Vorgänger. Sowohl das private
Bau=
gewerbe als auch die Tätigkeit der Bauvereine hat ſich
im verfloſſenen Jahre mehr und mehr belebt. In
die=
ſem Jahre ſcheinen die Verhältniſſe noch beſſer zu
wer=
den, da insbeſondere auch die Bauvereine in den großen
Städten wieder mit der Erſtellung neuer Häuſer beginnen
wollen. Wenn alſo von einer erfreulichen Wieder
belebung des Baugewerbes berichtet werden
kann, ſo muß doch auch gleichzeitig geſagt werden, da
die Produktion kleiner Wohnungen an manchen Orten
immerhin noch zu wünſchen übrig läßt.
gibt eine ganze Anzahl Städte und
länd=
liche Gemeinden, in denen offenbar Mangel
an kleinen Wohnungen herrſcht und wo es bisher
trotz wiederholter Verſuche nicht gelungen iſt, Abhilfs
maßregeln durchzuſetzen. Das hat zum Teil ſeinen Grund
darin, daß — und das trifft namentlich für die ländlichen
Gemeinden zu — man die Errichtung kleiner Wohnun
gen gar nicht gern ſieht, weil die Gemeindeverwaltunger
befürchten, daß dadurch nur neue und unerwünſchte
Ele=
mente in den Ort hereingezogen würden oder weil man
einen Mangel an kleinen Wohnungen überhaupt nicht
an=
erkennen will. Der erſte Einwand iſt praktiſch ziemlich
haltlos. Auch iſt es für die Gemeinde gewiß nicht von
Vorteil, wenn aus ſolchen ziemlich eng begrenzten
An=
ſchauungen heraus die Bautätigkeit und damit die
Weiter=
entwickelung der Gemeinde gehemmt wird. Die Beur
teilung der Frage, ob das Wohnungsangebot
ausreicht, geſchieht nicht immer unter den richtigen
Geſichtspunkten. Es genügt nicht, wenn überhaupt nur
einige Wohnungen am Orte leer ſtehen, ſondern es kommt
darauf an, ob ſie wirklich einwandfrei und für Minder
bemittelte beſtimmt und ob ſie überhaupt mietbar ſind
Denn es kann natürlich an einem Orte eine noch ſo große
Zahl teurer Wohnungen leer ſtehen, dem Arbeiter iſt
da=
mit eben nicht geholfen. In der Unterſtützung
ge=
meinnütziger Bauvereine durch die Gemeinden
kann von einem weiteren Fortſchritt berichtet werden,
in=
dem von mehreren Gemeindevertretungen im verfloſſenen
Jahre beſchloſſen worden iſt, die Bürgſchaft für Darlehen
der Bauvereine zu übernehmen. Die Entwickelung der
gemeinnützigen Bautätigkeit iſt bei uns in den letzten
Jahren eine langſamere geweſen. Das hat ſeinen
natür=
lichen Grund darin, daß unſer Heſſenland nur
verhältnis=
mäßig wenig größere Gemeinden aufweiſt, in denen für
die Gründung gemeinnütziger Bauvereine genügend
Intereſſenten vorhanden ſind, und in vielen dieſer
Ge=
meinden beſtehen bereits ſolche Organiſationen. Es
iſt=
bisher trotz mancher Verſuche nicht gelungen, in allen
Orten den Gedanken der gemeinnützigen
Wohnungsfür=
ſorge in die Tat umzuſetzen, und man darf doch ſagen,
daß in mehreren Fällen mangelndes Intereſſe der
Ge=
meindeverwaltungen hieran mit die Schuld trägt. Wik
können ja mit einiger Genugtuung feſtſtellen, daß die
Be=
ſtrebungen, die wir verfolgen, ſich doch immer weiter
aus=
breiten. In einigen Orten ſteht die Gründung von
gemeinnützigen Bauvereinen bevor, und in einer
größe=
ren Gemeinde, nämlich Neu=Iſenburg, hat die
Verwalt=
ung in neueſter Zeit Mittel zur Erbauung von
Klein=
wohnungen bereit geſtellt. Wir kommen alſo doch
immer=
hin Schritt für Schritt weiter. In den vielen kleinen
Ge=
meinden, wo wegen Mangel an einer zur Gründung eines
Bauvereins genügenden Anzahl Perſonen die
Wohn=
ungsfürſorge mit Hilfe eines ſolchen nicht durchführbar
iſt, müſſen jedoch andere Wege eingeſchlagen werden,
wenn nicht überhaupt dieſe Gemeinden von der doch
ge=
wiß ſegensreichen Arbeit der Wohnungsfürſorge auss
geſchloſſen bleiben ſollen. Wie kann nun in den
kleinen Landgemeinden die
gemein=
nützige Wohnungsfürſorge durchgeführt
werden? Einmal könnten die Gemeinden ſelbſt Häuſer
mit kleinen Wohnungen errichten. Dies iſt in Heſſen ſchon
verhältnismäßig häufig geſchehen. Zum anderen könnten
ſich die Gemeinden darauf beſchränken, bauluſtigen
Min=
derbemittelten die zweite Hypothek bis zu 80 oder 90
Pro=
zent des Herſtellungswertes der Häuſer zu beſchaffen.
Auch das iſt ſchon mehrfach geſchehen, noch in allerletzter
Zeit von ſeiten der Gemeinde Lörzenbach. Ein dritter
Weg zur Erreichung jenes Zieles bietet den Kreiſen
Gelegenheit zu einem Eingreifen. Wir werden nun in
dieſer Beziehung auch zu einem greifbaren Ergebniſſe
kommen. Der Kreis Worms wird den Anfang machen
durch Bildung eines Kreisbauvereins auf Grund der Art.
195 ff. der neuen Landgemeindeordnung. Es würde dem
Ernſt Ludwig=Verein eine Genugtuung ſein, wenn man
in anderen Kreiſen ein ähnliches Vorgehen einleiten
wollte.
Es ſei hier eingeſchaltet, daß wir in letzter Zeit bei
den Kreisverwaltungen in Deutſchland
eine Umfrage über ihre Tätigkeit auf dem
Gebiete der Wohnungsfürſorge veranſtaltet
haben. Die eingelaufenen Mitteilungen ſind ſehr
inter=
eſſant und lehrreich; wir werden ſie in nächſter Zeit
zu=
ſammenſtellen und allen Kreiſen zugänglich machen.
Man hört ſo oft den Einwand, daß durch die
Tätig=
keit der Bauvereine oder durch Eigenbau der Gemeinden
das Privatgewerbe geſchädigt werde. Das iſt aber doch
durchaus nicht zutreffend. Denn, meine Herren, durch
jene Tätigkeit wird ja gerade dem Gewerbe
Arbeitsge=
legenheit verſchafft, und zwar zu denſelben lohnenden
Preiſen, wie ſie ſonſt üblich ſind. Ueberdies handelt es
ſich doch um die Ausfüllung von Lücken, die eben das
Pri=
vatgewerbe gelaſſen hat und hinſichtlich welcher die
ge=
meinnützige Bautätigkeit erſetzend eingreifen muß.
Dieſe Tatſache hat auch die Zentralſtelle für die
Ge=
werbe hier richtig erkannt und ſie hat demgemäß die
Ge=
werbevereine angeregt, ihrerſeits der Frage ihre
Aufmerkſamkeit zuzuwenden, ob dieſe Vereine ſich nicht
bei den Bauvereinen beteiligen ſollten.
Uebrigens iſt auch daran zu denken, wie man in jenen
Gemeinden die private Bautätigkeit für die
Er=
ſtellung von Kleinwohnungen intereſſieren könnte, wobei
es beſonders wünſchenswert wäre, wenn unter gewiſſen
Vorausſetzungen auch Häuſer, die von
Privatunterneh=
mern auf eigene Rechnung erſtellt werden, mit
Hypothe=
ken zu billigem Zinsfuß und über die Mündelſicherheit
hinaus beliehen würden.
Einen bedeutenden Einfluß auf die heſſiſchen
Wohn=
ungsverhältniſſe üben die großen Wirtſchafts= und
Indu=
ſtriezentren aus, die in unmittelbarer Nachbarſchaft
unſe=
res Landes liegen. Es iſt hier in erſter Linie zu nennen
Frankfurt a. M. und in zweiter Linie Mannheim. Die
Stadt Frankfurt hat nun gerade gegenwärtig wieder über
ſtarken Mangel an Wohnungen, insbeſondere an
Klein=
wohnungen, zu klagen. Unter den Abhilfsmitteln befindet
ſich auch der Vorſchlag, zu verhindern, daß die
Arbeiter=
ſchaft ſich noch in größeren Maſſen in der Stadt ſelbſt
nie=
derläßt; man möchte erreichen, daß ſich die Leute in der
ländlichen Umgebung der Stadt anſiedeln, um dieſe zu
entlaſten. Hierbei iſt nun Heſſen in erheblichem Maße
intereſſiert. Die Frage iſt eine recht ernſte und bedarf der
vorſichtiaſten Behandlung. Denn, da Frankfurt leider
nicht heſſiſch iſt, ſo ergibt ſich aus jenen Beſtrebungen das
Verhältnis, daß die Stadt die Induſtrie und den Handel
in ſich konzentriert, ihr damit auch die ſteuerkräftigen Ele=
nte verbleiben, während die umliegenden heſſiſchen
meinden die Arbeiterſchaft zum Teil aufnehmen
müſ=
i, die ja nur geringe Steuerkraft beſitzt und mancherlei
ften verurſacht. Wenn alſo auch im allgemeinen der
danke, die Bevölkerung zu dezentraliſieren, ein
durch=
s geſunder iſt, ſo kollidiert im vorliegenden Falle dieſer
danke doch mit den Verhältniſſen der verſchiedenen
atlichen und kommunalen Zugehörigkeit.
Eine ſehr wichtige Frage bleibt nach wie vor die Be=
)affung der 2. Hypotheken für den
Kleinwoh=
ngsbau, ſowohl als auch für den Wohnungsbau
über=
upt, eine Frage, die im letzten Jahre alle an der
Woh=
ngsreform beteiligten Kreiſe lebhaft beſchäftigt hat.
ich für uns iſt ſie von Bedeutung. Der Vereinsvorſtand
t hierüber bereits ein erhebliches Material geſammelt,
ſen Bearbeitung eine der nächſten Aufgaben ſein wird.
* Worms iſt die Stadtverwaltung mit der Ausarbeitung
tes Regulativs zur Bereitſtellung 2. Hypotheken aus
itteln der Sparkaſſe beſchäftigt, in Darmſtadt hat die
dtiſche Sparkaſſe ſich zur Hergabe 2. Hypotheken in
be=
fränktem Umfange bereit erklärt. Im abgelaufenen
eſchäftsjahr iſt wiederum die
Landesverſicher=
ngsanſtalt die ſegenſpendende Quelle geweſen, aus
r die Bauvereine ihr Bedürfnis nach Geld decken
konn=
n. Sie hat 1911 im ganzen rund 430000 Mark Darlehen
r unſere Zwecke bewilligt. Es darf bei dieſer
Gelegen=
it auch der Sparkaſſen gedacht werden, die ſich die
örderung unſerer Beſtrebungen haben angelegen hefn
ſſen. Auch die Landes=Hypolhekenbanl ſei
t dieſer Stelle erwähnt, die durch koulante Gewähr von
ypotheken dem Kleinwohnungsbau in Heſſen ebenfalls
hon erhebliche Mittel zugeführt hat.
Ein weiterer Gegenſtand, der uns ja auch ſchon früher
ſchäftigt hat, iſt die kommunale Bodenpolitik.
ie auf dieſem Gebiete inzwiſchen geſammelten praktiſchen
rfahrungen ſind ziemlich zahlreich, nachdem ſchon eine
inze Reihe deutſcher Städte mit Maßnahmen in dieſer
ichtung vorgegangen ſind. Einer Anregung unſeres
errn Vorſitzenden entſprechend, haben wir das
Erb=
aurecht erneut in den Kreis unſerer Beratungen
ge=
ogen. Wir können in Ausſicht ſtellen, daß die Arbeit
äteſtens zur nächſten Hauptverſammlung, vielleicht aber
uch ſchon früher, fertig ſein wird. In der letzten Sitzung
nſeres Vorſtandes, die am 27. März d. J. ſtattfand,
durde von einem Vorſtandsmitgliede auf die
Notwendig=
eit hingewieſen, den jungen Mädchen in den
Haushal=
ungsſchulen Unterricht erteilen zu laſſen über
zweck=
räßige und den Anforderungen der Geſundheit und der
sittlichkeit entſprechende Benutzung der Wohnungen. In
inigen größeren Städten des Landes iſt, zum Teil
eben=
ills angeregt durch unſere wiederholten Hinweiſe, der
Schaffung von Kleingärten Aufmerkſamkeit
ge=
henkt worden. Vor den Toren der Stadt belegene
grö=
ere Ländereien in ſtädtiſchem Beſitz ſind parzelliert und
n weniger bemittelte Bewohner verpachtet worden. Das
ſt eine ſo ſchöne Verwendung ſtädtiſchen Grundbeſitzes,
aß ſie unbedingt Nachahmung verdient. Am 29. Oktober
911 fand in Heppenheim a. d. B. der Verbandstag der
ſeſſiſchen Bauvereine bei ſtarker Beteiligung ſtatt. (Wir
erichteten darüber. D. Red.) Erwähnt ſei noch die
Tätig=
eit verſchiedener Arbeitgeber auf dem Gebiete der
Woh=
rungsfürſorge. Die Firma Heyl unterſtützt ihre Arbeiter
eim Erwerbe eigener Häuſer durch ihre Grund= und
Hauserwerbskaſſe, aus welcher 2. Hypotheken zu 3 Prozent
gewährt werden; ſie hat außerdem ſelbſt eine große
Wohn=
kolonie errichtet und iſt an der Aktien=Baugeſellſchaft in
Worms beteiligt, die das von ihr bebaute und noch zu
be=
bauende Gelände von der Firma Heyl zu mäßigem Preiſe
erworben hat. Die Firma Merkel in Dalsheim betreibt
neben anderen Wohlfahrtseinrichtungen ebenfalls
Woh=
nungsfürſorge in größerem Maßſtabe; es ſei hinzugefügt,
daß ſie Arbeitern, die mindeſtens 10 Jahre bei ihr
be=
ſchäftigt ſind, bei Verheiratung die Wohnungseinrichtung
zum Geſchenk macht. Auch andere Arbeitgeber, wie die
Brückenbauanſtalt Guſtavsburg, die Firma Merck in
Darmſtadt, die Vereinigten Strohſtoffabriken in Rhein=
Dürkheim, die Firma Doerr u. Reinhart uſw. haben
zahl=
reiche Wohnungen für ihre Arbeiter erbaut. Andere
Ar=
beitgeber, wie die Firma Opel in Rüſſelsheim und die
Firma Enſinger in Pfeddersheim haben den dortigen
Bau=
genoſſenſchaften größere Summen zur Verfügung geſtellt,
aus denen die Genoſſenſchaften 2. Hypotheken gewähren.
Auch im abgelaufenen Jahre ſind wir bemüht geweſen,
zur Hebung der Bauweiſe und des guten Geſchmacks beim
Bauen zu einem beſcheidenen Teile beizutragen. Immer
wo es uns irgend möglich war, iſt darauf hingewirkt
wor=
den, daß die Entwürfe zu kleinen Häuſern neben
zweck=
mäßiger Innengeſtaltung auch ein befriedigendes Aeußere
zeigten. Weſentliche Hilfe haben hierbei geleiſtet die
ſtaät=
lichen Kreisbaubeamten, vor allem aber auch die
Mini=
ſterial=Bauabteiſung, die ſich in entgegenkommendſter
Weiſe bereit erklärt hat, die von den gemeinnützigen
Bau=
vereinen ausgearbeiteten Projekte zu prüfen und eventl.
Vorſchläge für Abänderungen zu machen. Der
Vereins=
vorſtand möchte indeſſen auch der Frage der
rationel=
len Grundriß’geſtaltung beim Kleinwohnungss
bau ſeine beſondere Aufmerkſamkeit zuwenden. Die im
Laufe der Jahre gemachten Beobachtungen haben ergeben,
daß auch in dieſer Richtung noch manches verbeſſert
wer=
den könnte. In einer auf Veranlaſſung des Miniſteriums
des Innern ſtattgehabten Sitzung, an der auch Vertreter
der Miniſterial=Bauabteilung, der Zentralſtelle für die
Ge=
werbe und die Direktoren der heſſiſchen
Baugewerk=
ſchulen teilgenommen haben, iſt deshalb beſchloſſen
worden, daß die Lehrer der letzteren die Ausarbeitung
ſol=
cher Entwürfe nach einem noch zu vereinbarendem
Pro=
gramm übernehmen und die Entwürfe dem Verein zur
Verwendung überlaſſen. Ueber die Einzelheiten wird
noch in einer demnächſt ſtattfindenden
Vereinsvorſtands=
ſitzung Beſchluß gefaßt werden.
Redner möchte nicht ſchließen, ohne allen den
Behör=
den und Einzelperſonen, die uns auch im abgelaufenen
Jahre in unſerer Tätigkeit unterſtützt haben, herzlichen
Dank für ihre Mithilfe auszuſprechen. Auch der Preſſe
gilt unſer Dank, die uns nach wie vor in unſerer Arbeit
durch Aufnahme von Artikeln und Notizen über die
Woh=
nungsfrage weſentlich unterſtützt hat. (Lebh. Beifall.)
Der Vorſitzende ſprach dem Redner für den
Be=
richt und für ſeine langjährige erſprießliche Tätigkeit
über=
haupt, herzlichſten Dank aus. In der Diskuſſion gab
Herr Geh. Oberbaurat Hofmann ſeiner Freude darüber
Ausdruck, daß man nunmehr die über tüchtige Lehrkräfte
verfügenden Landesbaugewerkſchulen zur Errichtung
muſtergültiger Kleinwohnungsentwürfe heranziehe.
Bis=
her war es ein Hauptſchaden, daß ungeſchickte Hände und
Köpfe dieſe Entwürfe ausarbeiteten. Weiter betonte
Red=
ner die Notwendigkeit, auf dem Lande auch zu wirklich
ländlichen Ausdrucksformen im Haus= und Straßenbau
zu kommen und durch Verminderung der Nebenkoſten —
Straßenbau, Kanal, Einfriedigung uſw. — zur Erzielung
billiger Wohnſtätten beizutragen.
Darauf erſtattete Hegr Direktor Döring= Giſeßen
den Rechenſchaftsbericht. Die Einnahmen betrugen 4418
Mark, die Ausgaben 4525 Mark, der Vermögensbeſtand
4533 Mark.
Dem Redner wird mit Dank Entlaſtung erteilt. Darauf
ſchließt Frhr. v. Heyl die Sitzung um 2 Uhr.
Sport.
* Pferdeſport. Rennen zu Strausberg.
Prei=
von Alte Mühle; 2000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Hrn.
E. F. Gütſchows Heuſchrecke (Torke), 2. Jeune Fil
(Jangl), 3. Courſchleppe (Dreißig). Tot. 24:10. — Preis
vom Schützenhaus; 2500 Mark, Diſtanz 2600 Meter:
Frau von Bentheims Royal Flaſh (Th. Baſtian), 2. Kc
rola (Adolph), 3. Moſel (Jentzſch). Tot. 37110. — Preis
von Hubertusſtock; Ehrenpreis und 2500 Mark; Diſtan
4000 Meter: 1. Herrn E. Sacks Lucky Wave (Herr von
Weſternhagen), 2. Prognoſe (Beſ.), 3. Vel=Vel (Herr
Jahrmarkt), Tot. 41:10. — Preis von Zinndorf; 2009
Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1. Leutn. Struves Wacker los
(V. Roſak), 2. Galvani (Weishaupt), 3. Bleibtreu
(Fritſche). Tot. 50110. — Juni=Jagdrennen; Ehrenpreis
und 2100 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Leutn. Prinz zu
Schaumburg=Lippes Kilmallock (Leutn. Graf Strachwit
2. Angola (Leutn. v. Egan=Krieger), 3. Conto loro (3
v. Ekeller). Tot. 57:10. — Müggel=Preis; 2000 Mark, Di
1500 Meter: 1. Geſtüt Sonnenhauſens Haſtings (Dietric
2. Hended (Schläfke), 3. Polonius (Sandmann). Tot.
187110.
Grande Courſe de Haies. Am Mittwoch kam
in Auteuil das höchſtdotierte Hürden=Rennen zur
Entſcheidung. Die mit 75000 Francs ausgeſtattete
Prüf=
ung endete mit einer Ueberraſchung, da der heiße Favorit
Rioumajou des Monſ. Veil=Picard eine Niederlage erlitt.
An dem über die ungewohnte Diſtanz von 5000 Meter
führenden Hürden=Rennen nahmen neun Pferde teil, dar
unter der engliſche Intereſſen vertretende Baleſadden
Rioumajou ſtand den weiten Weg nicht durch und mußte
ſich mit dem dritten Platz begnügen. Mr. Bower=Ismays
Balcſadden (Rene Souval) gewann ſicher gegen Made in
England (G. Hall), während acht Längen zurück
Riou=
majou vor Hopper endete. Tot. 56:10.
* Deutſche Golfſpiele. Zur Hebung des Spieles der
Berufsſpieler auf den norddeutſchen Plätzen fand in
Kitze=
berg (Kiel) ein Lochwettſpiel der Berufsſpieler über 18
Löcher und ein Viererſpiel der Berufsſpieler mit je einem
Amateur ſeines Klubs ſtatt. Die Reſultate des letzteren
waren: Sowerbutts=Richardſon (Bremen) 311 gegen
Gan=
dell=Andrews (Reinbeck): Dr. Schlepegrell=Holt (
Ham=
burg) 5.3 gegen Rechtsanwalt Theophile=Warburton
(Kitzeberg); Dr. Schlepegrell=Holt (Hamburg) 422 gegen
Gandell=Andrews (Reinbeck).
* Automobilſport. Boillot Sieger im Grand
Prix des Automobilklub de France. Am zweiten und
letzten Tage des Grand Prix=Meetings hatten die 25
ge=
ſtarteten Fahrer wiederum 10 Runden von 77 Kilometer
Länge zu durchfahren. Boillot behauptete ſeine am erſten
Tage erlangte günſtige Poſition und ſteuerte ſeinen
Peu=
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Pitchspine
Küche, ½ Jahr erſt alt, gekoſtet
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Gartentiſch mit 4 Stühlen 16 Mk,
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Alexander=
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zu verk. Beſſungerſtr 115, I. (*15637
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Pistole. Neuestes Modell.
Kaüber 6.35 mit dreifaeher
mechanischer Sicherung.
Original-Fabrikpreis Mk. 38.−
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Auf Wunsch 5 Tage zur Ansicht, ohne Kaufzwang.
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aller Art, Kameras, Ferngläser,
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KöhleréCo., Breslau5
Postnel 2097
Liebhaber=
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Preis pro ½ A=Tafel 30 Pfg.
Ernſt=Ludwigſtraße 19.