Darmstädter Tagblatt 1912


04. März 1912

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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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den Annoncen=Expeditionen. Bei
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Bei der Reichstagserſatzwahl im Sieg=
kreis
wurde Trimborn (Zentrum) gewählt.
Die Ausarbeitung der Geſetzentwürfe über die
Wehrforderungen und die Deckungsvor=
ſchläge
wird dieſer Tage abgeſchloſſen.
Staatsrat von Pfiſtermeiſter, der frühere Ver=
traute
Königs Ludwig II. von Bayern und Gegner
Richard Wagners, iſt, 90 Jahre alt, in München ge=
ſtorben
.
Die italieniſche Kammer nahm ſämtliche Artikel
des Geſetzentwurfes betreffend Monopoliſier=
ung
der Lebensverſicherung an.
Alle Verhandlungen zwiſchen den engliſchen
Bergwerksbeſitzern, den Bergarbeitern und
der Regierung ſind für die nächſte Woche ver tag t
worden. Der Ausſtand dauert fort.
Die Suffragettes verübten in London neuerdings
wüſte Ausſchreitungen.
Der Präſident der Republik Paraguay iſt
zur Abdankung gezwungen worden.
In Peking haben ſich die Unruhen wiederholt. Die
fremden Geſandten beraten über ein gemeinſames Vor=
gehen
.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Aus der Statiſtik der Eiſenbahnen
Deutſchlands für 1910.

D Von der im Reichseiſenbahnamt bearbeiteten Sta=
tiſtik
der im Betriebe befindlichen Eiſenbahnen Deutſch=
lands
iſt der die Ergebniſſe des Rechnungsjahres 1910
umfaſſende Band 31 (Verlag der Königl. Hofbuchhand=
lung
von E. S. Mittler und Sohn) erſchienen. Nach=
ſtehend
werden einige weſentliche Ergebniszahlen des
Werkes mitgeteilt und den entſprechenden Angaben aus
dem vor 10 Jahren erſchienenen Band 21 ( Rechnungs=
jahr
1900) gegenübergeſtellt.
Die Eigentumslänge der deutſchen vollſpuri=
gen
Eiſenbahnen iſt von 49930 Km. am Ende 1900 auf
59 259 Km. am Ende 1910, alſo um 18,7 v. H. gewachſen.
Von dieſer Länge entfielen 1900 45 886 Km. oder 91,9 v. H.
auf Staatsbahnen und 4044 Km. oder 8,1 v. H. auf Pri=
vatbahnen
, 1910 dagegen 55 722 Km. oder 94,0 v. H. auf
Staatsbahnen und 3537 Km. oder 6,0 v. H. auf Privat=
bahnen
. Nach der Betriebsart waren 1900 32278 Km.
oder 64,6 v. H. Hauptbahnen und 17652 Km. oder 35,4
v. H. Nebenbahnen, 1910 dagegen 34376 Km. oder 58.0
v. H. Hauptbahnen und 24883 Km. oder 42,0 v. H. Ne=
benbahnen
vorhanden. Die Hauptbahnen haben ſomit
nur um 6,5 v. H., die Nebenbahnen aber um 41,0 v. H.
zugenommen. Zur Bewältigung des Verkehrs ſtanden
den vollſpurigen deutſchen Eiſenbahnen im Rechnungs=
jahr
1910 27157 Lokomotiven, 57644 Perſonen=
wagen
einſchließlich 314 Triebwagen und 581780 Ge=
päck
= und Güterwagen, einſchließlich 3 Triebwagen zur
Verfügung. Gegen 1900 hat bei den Lokomotiven eine
Zunahme von 42.4 v. H., bei den Perſonenwagen von
50,0 v. H. und bei den Gepäck= und Güterwagen von 41,1
v. H. ſtattgefunden. Die Beſchaffungskoſten der Fahr=
zeuge
haben ſich von 2404.57 auf 4003,29 Millionen Mark
oder um 66,5 v. H. erhöht.
Der Perſonenverkehr hat in dem Zeitraum
von 1900 bis 1910 einen weiteren Aufſchwung genom=
men
. Im Jahre 1910 wurde eine Einnahme von 871.30
gegen 572.96 Millionen Mark im Jahre 1900, mithin ein
Mehr von 52,1 v. H. erzielt. Jedes Kilometer brachte
eine Einnahme von 15174 Mark gegen 11760 Mark
im Jahre 1900, mithin ein Mehr von 3414
Mark oder 29,0 vom Hundert. Dagegen iſt die
Einnahme auf je 1000 Achskilometer der Per=
ſonen
= und Gepäckwagen von 109 Mark auf 91 Mark zu=
rückgegangen
. An der Geſamteinnahme war die
Einnahme aus dem Perſonen= und Gepäckverkehr mit
28,65 v. H. gegen 28,17 v. H. im Jahre 1900 beteiligt. Die
eigentliche Perſonenbeförderung einſchließlich
Militär= und Sonderzüge hat gegen das Jahr 1900 ein
Mehr von 284,12 Millionen Mark oder 51,6 v. H., die Be=
förderung
von Gepäck und Hunden ein ſolches von 11.87
Millionen Mark oder 65,1 v. H. aufzuweiſen, während die
Nebenerträge einen Zuwachs von 2,34 Millionen Mark
oder 61,3 v. H. erzielten. Der Anteil der Wagen=
klaſſen
an der Geſamteinnahme aus der Perſonen=
beförderuna
ſtellt ſich im Jahre 1910 auf 3,00 v. H. in
der 1. Klaſſe, 17,50 v. H. in der 2. Klaſſe, 41,97 v. H. in
der 3. Klaſſe, 35.84 v. H. in der 4. Klaſſe. 1,69 v. H. bei
der Militärbeförderung gegen 4,80, 23,38, 47,15. 22.50,
2,17 v. H. im Jahre 1900. An Verſonenkilome=

tern ſind im Jahre 1910 im ganzen 35 418,95 gegen
20 071,28 Millionen im Jahre 1900, alſo 76,5 v. H. mehr
zurückgelegt worden; auf 1 Km. der durchſchnittlichen
Betriebslänge beträgt die Zunahme 49,7 v. H. Der An=
teil
der Wagenklaſſen an den Perſonenkilometern ſtellt
ſich 1910 auf 0,94 v. H. in der 1. Klaſſe, 10,24 v. H. in der
2. Klaſſe, 39,17 v. H. in der 3. Klaſſe, 45,71 v. H. in der
4. Klaſſe 3,94 v. H. bei der Militärbeförderung, gegen
1,71, 13,84, 48,30, 31,60 und 4,55 v. H. im Jahre 1900. Wie
der Perſonenverkehr, hat auch der Güterverkehr hin=
ſichtlich
des Umfanges und der Erträgniſſe in der Zeit
von 1900 bis 1910 eine erhebliche Steigerung erfahren.
Während die Einnahme im Jahre 1900 1309,07 Millionen
Mark betragen hat, iſt ſie im Jahre 1910 auf 1962,34 Mil=
lionen
Mark gewachſen, mithin hat eine Zunahme von
49,9 v. H. ſtattgefunden.
Für die vollſpurigen deutſchen Bahnen beliefen ſich
die Bauaufwendungen, worunter die eigentlichen
Baukoſten und verſchiedene ſonſtige Aufwendungen ( Zin=
ſen
während der Bauzeit, Kursverluſte, erſte Dotierung
des Reſerve= und Erneuerungsſonds uſw) zu verſtehen
ſind, im Jahre 1900 im ganzen auf 12516,10 Millionen
Mark, ſomit auf 1. Km. der Eigentumslänge auf 250 928
Mark. Sie ſind im Rechnungsjahre 1910 im ganzen auf
17119,42 Millionen Mark und für 1 Km. der Eigentums=
länge
auf 288889 Mark geſtiegen. Beim Geſamtbetrage
hat alſo eine Zunahme von 36,8 v. H. und für das Kilo=
meter
eine ſolche von 15,1 v. H. ſtattgefunden. Die ge=
ſamten
Betriebseinnahmen ausſchließlich des
Pachtzinſes ſind von 2027,09 Millionen Mark im Jahre
190 auf 30304 Millonen Mark im Jahre 1910, alſe um
49,6 v. H. geſtiegen, obwohl die durchſchnittliche Betriebs=
länge
nur um 18,6 v. H. zugenommen hat. Die Be=
triebsausgaben
ausſchließlich der Koſten für er=
hebliche
Ergänzungen. Erweiterungen und Verbeſſerun=
gen
und der Pachtzinſe ſind in der Zeit von 1900 bis
1910 von 1263.99 auf 2032,64 Millionen Mark. alſo um
60.8 v. H., die Ausgaben auf 1 Kilometer der durchchnitt=
lichen
Betriebslänge von 25 434 auf 34497 Mark, alſo
um 35.6 v. H. geſtiegen. Unter Ausſcheidung der Koſten
für erhebliche Ergänzungen, Erweiterungen und Verbeſ=
ſerungen
ſowie der Pachtzinſe hat der Ueberſchuß
der Betriebseinnahmen über die Be=
triebsausgaben
betragen im Jahre 1900: 763,10,
im Jahre 1910: 1000,39 Millionen Mark, er hat alſo um
31,1 v. H. zugenommen, dagegen iſt er im Verhältnis zu
der Geſamteinnahme nach Ausſcheidung des Pachtzinſes
von 37,65 auf 32.98 v. H. geſunken. Als Rente des auf
die betriebenen Strecken verwendeten Anlagekapitals be=
trachtet
, ergab der Betriebsüberſchuß im Jahre 1900 6,10
v. H. im Jahre 1910 dagegen 5,85 v. H.
Die Anzahl der Beamten und Arbeiter
einſchließlich der Handwerker, Lehrlinge und Frauen be=
trug
im Jahre 1910: 700371 Perſonen, mithin kam auf
je 92 Einwohner ein Eiſenbahnbedienſteter. Gegen das
Jahr 1900 hat eine Vermehrung der Beamten und Ar=
beiter
um 163 249 Perſonen oder 30,4 v. H. ſtattgefunden,
während in gleicher Zeit die Eigentumslänge der Eiſen=
bahnen
nur um 18,7 v. H. zugenommen hat. Die Be=
ſoldungen
und ſonſtigen perſönlichen Ausgaben für
Beamte und Arbeiter betrugen im Jahre 1910 unter Hin=
zurechnung
von 126,11 Millionen Mark für Wohlfahrts=
zwecke
im ganzen 1258,76 gegen 734.80 Millionen Mark im
Jahre 1900; ſie haben mithin um 713 v. H. zugenommen.
Die Geſamtſumme der perſönlichen Ausgaben iſt hiernach
beträchtlich mehr gewachſen als die Geſamtzahl der Be=
amten
und Arbeiter, ſodaß die durchſchnittliche Aufwen=
dung
für jede beſchäftigte Perſon von 1368 Mark auf
1797 Mark 31,4 v. H. geſtiegen iſt. Hierbei iſt zu be=
merken
, daß in dem Betrage von 126,11 Millionen Mark
für Wohlfahrtszwecke etwa 56 Millionen Mark für Pen=
ſionen
= Witwen= und Waiſengelder der preußiſch= heſi=
ſchen
Staatseiſenbahnen enthalten ſind, die bis zum Jahr
190s bei dem Etat des Finanzminiſteriums verrechnet
waren.
Die Eigentumslänge der dem öffentlichen Ver=
kehr
dienenden Schmalſpurbahnen ausſchließlich der
ſogenannten Kleinbahnen betrug am Ende des Jahres
1900: 1800 Km.; bis Ende 1910 iſt ſie auf 2178 Km., alſo
um 378 Km. oder um 21,0 v. H. geſtiegen. An Fahr=
zeugen
ſtanden den Schmalſpurbahnen im Jahre 1910:
5 Volomotiven, 1337 Perſonenwagen und 1115 Ge=
päck
= und Güterwagen zur Verfügung, während im Jahre
1900 nur 393 Lokomotiven, 1081 Perſonenwagen und
8207 Geväck= und Güterwagen vorhanden waren. Von
dieſen Fahrzeugen wurden geleiſtet im Jahre 1900: 7.98
Millionen Nutz= und 124,22 Millionen Wagenachskilo=
meter
, im Jahre 1910: 10.77 und 171,67 Millionen. An
Baukoſten für dieſe Bahnen waren aufgewendet im
Jahre 1900 im ganzen 98.73 Millionen Mark und auf
1 Km. Eigentumslänge 61928 Mark, im Jahre 1910 da=
gegen
169.95 Millionen Mark bezw. 78011 Mark. Die
kilometriſchen Koſten ſind ſonach um 26,0 v. H. geſtiegen.

Die kommende Reichsverſicherungsanſtalt.

* Man ſchreibt den Berl. N. Nachrichten: Wenn man
den Umfang und die Bedeutung der neuen Reichsverſiche=
rungsanſtalt
für die Angeſtelltenverſicherung und ihren
Einfluß auf den deutſchen Kapitalmarkt beurteilen will,

ſo bietet ein Vergleich mit den beſtehenden privaten Ver=
ſicherungsgeſellſchaften
hierzu das geeignetſte Material.
Die Prämieneinnahmen der neuen Anſtalt wer=
den
ſich jährlich, und zwar ſchon vom erſten Jahre ab, auf
150 Millionen belaufen. Dabei wird naturgemäß von
Jahr zu Jahr durch die Zunahme der Verſicherten und
die Steigerung der Gehälter eine Steigerung eintreten.
Das Vermögen der Anſtalt iſt alſo nach Ablauf von
10 Jahren zwiſchen 2 und 3 Milliarden zu ſchätzen.
Die geſamten Aktiven der 43 deutſchen Lebensverſiche=
rungsgeſellſchaften
beliefen ſich nach den Veröffentlichun=
gen
des Aufſichtsamts für Privatverſicherung Ende 1909
auf 4,7 Milliarden Mark. Die neue Anſtalt wird alſo nach
10 Jahren bereits die Hälfte des Geſamtvermögens aller
deutſchen Lebensverſicherungsgeſellſchaften erreicht haben.
Die ſofortige Bedeutung ergibt ſich aus folgendem Ver=
gleich
: Die vier großen Gegenſeitigkeitsgeſellſchaften in
Gotha, Leipzig, Stuttgart und Karlsruhe hatten 1909 zu=
ſammen
134,4 Millionen Prämieneinnahmen, die neue
Anſtalt dagegen 150 Millionen bereits im erſten Jahr.
Was die Policenzahl betrifft, ſo verfügten die
ſämtlichen 43 deutſchen Lebensverſicherungsgeſellſchaften
in dem eigentlichen Lebensverſicherungsgeſchäft über
2765000 Policen, die neue Anſtalt wird nach dem Kom=
miſſionsbericht
im erſten Jahr 1330000 Policen haben,
alſo zwei Drittel der ſämtlichen deutſchen
Lebensverſicherungsgeſellſchaften.
Für die Leiſtungen der neuen Anſtalt iſt naturgemäß
die Erzielung eines günſtigen Zinsfußes von größter
Bedeutung. Dabei iſt zu berückſichtigen, daß nach dem
Geſetz 25 v. H. aller Anlagen in Reichs= und Staatsan=
leihen
bewirkt werden müſſen. Nach 10 Jahren werden
alſo vorausſichtlich etwa 600 Millionen Mark von
der neuen Anſtalt in Reichs= und Staatsanlei=
hen
angelegt ſein. Der übrige Teil, faſt 2 Milliar=
den
Mark, wird überwiegend in Hypotheken zur An=
lage
gelangen. Aus dieſem Grunde läßt ſich annehmen,
daß man beſonderen Wert darauf legen wird, für das
Direktorium eine in leitender Stellung befindliche Kraft
zu gewinnen, welche die Leitung der Finanzverwaltung
zu übernehmen und die Hypothekenanlage zu regeln hat.
Auch an die übrigen Beamten des Direktoriums, denen
die Organiſchtion der neuen Reichsverſicherungsanſtalt
übertragen iſt, werden große Anforderungen geſtellt wer=
den
, weil die Entwicklung der Anſtalt nicht allmählich ein=
tritt
, ſondern der Geſchäftsbetrieb ſogleich mit voller
Wucht einſetzt.

Deutſches Reich.

Die Kaiſerreiſe nach dem Mittelmeer.
Kaiſer Wilhelm, der am 20. März zum Beſuche des Kai=
ſers
Franz Joſef in Wien eintrifft, ſoll am nächſten Tage
in Brioni ankommen, um den Erzherzog Franz Ferdi=
nand
, der mit ſeiner Familie am 2. März zu vierwöchigem
Aufenthalt dort eintrifft, einen Beſuch abzuſtatten. Der Erz=
herzog
wird ſeine Teilnahme an dem an demſelben Tage
in Trieſt ſtattfindenden Stapellauf des Tegethoff nur
in der Weiſe bewerkſtelligen können, daß er unmittelbar
nach dem Stapellauf gegen 10 Uhr vormittags mit einem=
ſchnellen
Kriegsſchiff nach Brioni zurückkehrt, von wo die=
Hohenzollern ſpäteſtens um mitternacht auslaufen muß,
um am nächſten Morgen in Venedig einzutreffen, wo am
22. März die Zuſammenkunft des Kaiſers mit König Vik=
tor
Emanuel erfolgen ſoll. Die Ankunft des Kaiſers in
Korfu ſoll am Morgen des 24. März erfolgen. Die Kai=
ſerin
wird erſt ſpäter in Korfu eintreffen und mit dem
Kaiſer nach Berlin zurückkehren.
Die Präſidentenwahl im Reichstag.=
Ueber die bevorſtehende Präſidentenwahl ſchreibt die
Nationalzeitung: Zwiſchen den verſchiedenen Fraktionen
im Reichstag finden gegenwärtig Beſprechungen ſtatt,
um die Möglichkeit eines gemeinſamen Zuſammengehens
der bürgerlichen Parteien ins Auge zu faſſen. Als Ver=
treter
der Nationalliberalen iſt der Abg. Baſſermann
beauftragt, die Verhandlungen zu führen, die jedoch noch
nicht zu beſtimmten Vorſchlägen gediehen ſind. In erſter
Linie kommt als nationalliberaler Präſidentſchaftskandi=
dat
wieder der Abg. Paaſche in Betracht, den man aller=
dings
nicht zum dritten Male in die peinliche Lage brin=
gen
dürfte, nach der Wahl auf den Poſten verzichten zu
müſſen. Die Ausſichten auf eine Verſtändigung ſind bis
zur Stunde außerordentlich gering, da man in der na=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

tionalliberalen Fraktion weder einem ausgeſprochenen
Präſidium der Rechten, noch einem der Linken geneigt iſt.
Bei der Reichstagserſatzwahl im
Kreiſe Köln 5, Waldbroel-Siegkreis, erhielten Trim=
born
(Zentrum) 17003, Lambertz (Zentrum) 31, von Hol=
leben
(natl.) 46, Schack (Soz.) 23, Schneider (wild) 79,
Hein (chriſtl. ſozial) 35, zerſplittert waren 153 Stimmen.
Trimborn iſt ſomit gewählt. Da bei der Reichstagswahl
im Januar Trimborn, der bisherige Abgeordnete des
Stadtkreiſes Köln, ſein Mandat an den Sozialdemokraten
Hofrichter verloren hatte, trat der im Siegkreis, einem
ſicheren Beſitz des Zentrums, gewählte Kölner Landge=
richtsrat
Becker zu ſeinen Gunſten zurück.
Die Mehrheit im Reichstage. Hat die
Rechte oder die Linke im Reichstag die Mehrheit? Dieſe
Frage, die zunächſt für die endgültige Wahl des Präſi=
diums
, natürlich aber auch für wichtige ſachliche Abſtim=
mungen
bedeutungsvoll iſt, wird von der Königsb. Hart.
Ztg. ziffermäßig genau zu beantworten verſucht. Das
Ergebnis iſt: die Rechte kommt mit 197 Stimmen wohl
ganz nahe an die Mehrheit heran, erlangt aber doch noch
nicht die Mehrheit, wenn die Linke vollzählig am Platze
iſt und geſchloſſen vorgeht. Bei der Rechnung ſind die
aus der nationalliberalen Fraktion ausgeſchiedenen heſſi=
ſchen
Abgeordneten v. Heyl und Dr. Becker der Linken zu=
gezählt
. Aber das iſt ſehr fraglich. Mit dieſen beiden
Herren würde die Rechte die Mehrheit haben. Von den
Abgeordneten v. Heyl und Dr. Becker hängt es jedenfalls
ab, ob die Rechte oder die Linke die Mehrheit beſitzt.
Dazu kommt, daß die Polen zwar auf den meiſten Ge=
bieten
der Geſetzgebung mit den Schwarzblauen gehen,
bei der Präſidentenwahl aber wohl die Anſprüche des
Zentrums, doch nicht die der Konſervativen unterſtützen
wollen.
Der Gnadenfonds des Kaiſers und
die elſaß=lothringiſche Regierung. Nach
einer Meldung der Magdeburgiſchen Zeitung aus Straß=
burg
hat die elſaß=lothringiſche Regierung beſchloſſen, den
in der Budgetkommiſſion von den Sozialdemokraten und
dem Zentrum geſtrichenen Etatspoſten von 100000 Mark
für den kaiſerlichen Gnadenfonds unbedingt aufrechtzu=
erhalten
und dies dem Plenum in einer folgenwichtigen
Erklärung mitzuteilen.
Vom Reichsdeutſchen Mittelſtands=
Verbande. Man ſchreibt uns: Der erſte Vorſitzende
des Reichsdeutſchen Mittelſtands=Verbandes, Architekt
Felix Höhne, iſt am Morgen des 1. März in Leipzig
an den Folgen einer Rippenfell=Entzündung geſtorben.
Sein Beſtreben war es, den in Tauſenden von Organi=
ſſationen
zerſplitterten und infolgedeſſen bis dahin ohn=
mächtigen
Mittelſtand in einer gewaltigen, ſich über das
ganze Reich erſtreckenden Organiſation zu einen. Dieſe
Beſtrebungen fanden im vorigen Jahre ihren erſten weit=
hin
ſichtbaren Erfolg in dem Erſten Reichsdeutſchen Mit
telſtandstage und der Gründung des Reichsdeutſchen Mit=
telſtands
=Verbandes, der ſich in verhältnismäßig kurzer
Zeit zu einer erfolgreichen Geſamt=Vertretung des großen
deutſchen Geſamt=Mittelſtandes entwickeite. Tatſächlich
läßt ſich auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens in
Reich und Einzelſtaaten erkennen, daß durch die umſich=
tige
Arbeit des Reichsdeutſchen Mittelſtands=Verbandes
der Einfluß des ſelbſtändigen Mittelſtandes merklich
wächſt. An die Stelle des Verſtorbenen tritt bis zur näch=
ſten
Sitzung des Hauptvorſtandes des Reichsdeutſchen
Mittelſtands=Verbandes der ſtellvertretende Vorſitzende,
Herr Kommerzienrat Nagler in München. Der Sitz
des Verbandes verbleibt in Leipzig.
Der Landtag von Koburg und Gotha
hat einſtimmig den Staatsvertrag mit Sachſen=Weimar
über die Errichtung eines gemeinſchaftlichen Oberver=
ſicherungsämtes
in Gotha angenommen. Ferner beſchloß
der Landtag den Beitritt der Herzogtümer zu dem ge=
meinſchaftlichen
Oberverwaltungsgericht in Jena.

Aus Schaumburg=Lippe. In der Preſſe
war mehrfach über Strafen berichtet worden, die der Fürſt
von Schaumburg=Lippe über das Bückeburger Jägerba=
taillon
verhängt habe, weil Soldaten desſelben, die den
Fürſten nicht gekannt hätten, deshalb die vorgeſchriebe=
nen
Ehrenbezeigungen unterlaſſen hätten. Dazu erklärt
jetzt Oberſtleutnant v. Buchka, Kommandeur des Weſt=
fäliſchen
Jäger=Bataillons Nr. 7:
Eine Anzahl von Jägern hatte in letzter Zeit Seine
Durchlaucht den Fürſten nicht erkannt und nicht gegrüßt,
obgleich Se. Durchlaucht der Fürſt perſönlich oder durch
Bilder den Jägern und Oberjägern bekannt ſein mußte.
Aus eigenem Antriebe und ohne jegliche Kenntnis des
Fürſten habe ich verfügt, daß beſonderer Unterricht über
Ehrenbezeigungen, Kennzeichen der fürſtlichen Wagen an
ſechs Wochentagen abgehalten wurde. Weiter habe ich
Beſchränkungen des Ausgehens und Urlaubsbeſchrän=
kungen
auf die Dauer von ſieben Tagen eintreten laſſen.
Dieſe Maßnahmen, deren Notwendigkeit ich allein zu be=
urteilen
habe, bezweckten, Wiederholungen des unlieb=
ſamen
Vorkommniſſes zu verhindern.

Ausland.

Schweiz.
Das Spielen in Kurſälen. Der Bundesrat
behandelte die Frage des Spieles in den Kurſälen. Er
beharrte auf dem grundſätzlichen Standpunkt, das ver=
faſſungsrechtliche
Verbot der Spielbanken ſei auf Rößli=
und ähnliche Spiele nicht anwendbar; er erklärte ſich da=
gegen
für ſtrengere Kontrolle und erteilte dem Juſtiz= und
Polizeidepartement Inſtruktionen behufs Verhandlungen
mit den Vertretern aller kantonalen Regierungen. Dabei
ſoll aber von einer Normierung über Verwendung der
Einnahmen aus Spielbetrieb abgeſehen werden.
Italien.
Die Kammer nahm ſämtliche Artikel des Geſetz=
entwurfes
betreffend Mobiliſierung der Lebensverſicherung
an. Mit der Beratung des Budgets wird am Dienstag
begonnen werden.
Frankreich.
Die Abſchließung von Geheimverträ=
gen
. In der Kammer begründete Piou ſeinen An=
trag
auf Reviſion des Artikels der Verfaſſung, durch den
dem Präſidenten der Republik das Recht zuerkannt wird,
mit fremden Mächten Verträge abzuſchließen. Pion
tadelte den Mißbrauch, der ſeit dem Jahre 1900 mit Ge=
heimverträgen
getrieben worden ſei und richtete Vor=
würfe
beſonders gegen Delcaſſé. Piou forderte die Ein=
ſetzung
eines hohen Rates, der mit dem Präſidenten der
Republik beim Abſchluß von Verträgen tätig zu ſein hätte.
Poincaré bekämpfte den Antrag entſchieden, indem er
ausführte, er glaube nicht, daß es nötig ſei, die Verfaſſung
zu revidieren. Die Regierung lehne es ab, die Prägora=
tive
des Staatsoberhauptes zu verringern. Er gebe nicht
zu, daß man ſyſtematiſch der Regierung das Recht ſtreitig
mache, die Verträge zu unterzeichnen. Wollte man die
Regel gar zu genau beachten, ſo würde man Gefahr lau=
fen
, die Gelegenheit zu Verträgen, Bündniſſen und
Freundſchaften zu verlieren. Die Regierung werde, ſo=
weit
dies angängig ſei, ihre auswärtige Politik der Kon=
trolle
der Kammer und dem Urteil der öffentlichen Mei=
nung
unterwerfen. Die wahre Stärke der diplomatiſchen
Verträge ſei die Zuſtimmung, die ſie im tiefſten Herzen
der Völker fänden, wie das mit dem Bündniſſe mit Ruß=
land
und der Entente cordiale mit England der Fall ſei.
Die Frage der ſchwarzen Truppen. In
der unter dem Vorſitz des Kriegsminiſters Millerand ab=
gehaltenen
Beſprechung der Direktoren des Miniſteriums
wurde u . a. die Frage der ſchwarzen Truppen erörtert
und beſchloſſen, in Weſtafrika einen Reſervebeſtand von
5000 Mann zu errichten, der zur Ablöſung der gegenwärtig
in Algerien und Marokko befindlichen Senegalſchützen ver=
wendet
werden ſoll.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen Verhand=
lungen
wird dem Petit Pariſien von ſeinem Ma=
drider
Korreſpondenten gemeldet, ein hervorragender

Politiker habe ihm erklärt, er ſehe keine Löſung, falls die
franzöſiſche Regierung ihre gegenwärtige Forderung be=
treffs
die Gebietskompenſationen aufrechterhalte.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Der Senat nahm eine
Reſolution an, in welcher Präſident Taft aufgefordert
wird, die geſamte Korreſpondenz mit Columbien bei der
Erwerbung der Panamakanalzone dem Senate zu unter=
breiten
. Die Reſolution wurde von Hitchcock (Nebraska)
begründet, der die Annahme dringend befürwortete. In
ſeiner Rede beſchuldigte er Rooſevelt der Teilnahme an
der Verſchwörung und der Begünſtigung der Revolution,
durch die ſeinerzeit Panama Columbien verloren ging.
Kanad a. Dem Unterhauſe wurde geſtern das
revidierte Zahlenmaterial der Volkszählung vorgelegt,
wonach die Einwohnerzahl Kanadas 7200000 beträgt.
Davon entfallen faſt vier Millionen auf das Land.
Mexiko. Die mexikaniſche Regierung meldet, daß
in einem Gefecht in der Nähe von Jimulco im Staate
Coahuila 40 Inſurgenten getötet und 50 verwundet wor=
den
ſind. Der Verluſt der Bundestruppen wird nicht an=
gegeben
. In einem Gefecht bei Texcala im Staate Mor=
celos
wurden 20 Inſurgenten getötet. Die Regierungs=
truppen
verloren 9 Mann.
Revolution in Paraguay. Nach Blätter=
meldungen
aus Aſſuncion iſt der Präſident der Republik
Paraguay, Rojas, von Anhängern der Colorado=Partei
gefangen genommen und zur Abdankung gezwungen wor=
den
. Der Kongreß hat die Abdankung beſtätigt und
Pedro Pena zum vorläufigen Präſidenten ernannt.

* Berlin, 2. März. Der Kampf im Schnei=
dergewerbe
wird von beiden Parteien mit großer
Schärfe geführt. In Berlin, das für das Gewerbe be=
deutend
iſt, iſt man zwar zu einem Frieden geneigt, aber
weder die Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer glaubten
weitere Zugeſtändniſſe machen zu können.
* Bochum, 1. März. Der Bergarbeiter=
Dreibund, der alte Bergarbeiterverband,
der Hirſch=Dunckerſche Gewerkverein und
die polniſche Berufsvereinigung, erläßt
folgenden A ufruf an die deutſchen Berg=
arbeiter
: Ueber 800000 Bergarbeiter ſtreiken in
England. Mit bewunderungswürdiger Einmütigkeit ſind
ſie für das Erringen eines auskömmlichen Minimalloh=
nes
in den Ausſtand getreten. Die engliſchen Bergleute
verlangen von den Bergarbeitern Deutſchlands keinen
Sympathieſtreik, dagegen erwarten wir von den Berg=
leuten
Deutſchlands, daß ſie wenigſtens während der
Dauer des engliſchen Generalſtreiks das Ueberſchichtver=
fahren
einſtellen. In den für den morgigen Sonntag für
das Ruhrgebiet von den drei verbündeten Bergarbeiter=
organiſationen
einberufenen zahlreichen Verſammlungen
werden die Referenten das Nötige über den augenblick=
lichen
Stand unſerer Lohnbewegung ſagen. Was weiter
geſchehen ſoll, darüber werden ſo raſch als möglich die
von den Bergarbeitern gewählten Vertrauensleute ge=
meinſam
mit den Zechenvorſtänden beſchließen, ſobald
die Antwort der Zechenbeſitzer auf unſere Forderungen
eingegangen oder der für die Beantwortung derſelben
feſtgeſetzte Termin, der 5. März, verſtrichen iſt. Der Be=
ſchluß
wird ſofort allen Kameraden bekannt gegeben.
Dieſer Beſchluß iſt dann bindend für jeden Bergmann,
der auf Aufbeſſerung ſeiner Lage bedacht iſt.
Der chriſtliche Bergarbeiterverband er=
ließ
folgende Erklärung: Bergarbeiter des Ruhr=
gebietes
! Nach uns zugegangenen Mitteilungen wird
an verſchiedenen Stellen des Ruhrgebietes eifrig gehetzt,
um die Ruhrbergleute jetzt zu einem Eintritt in den
Streik zu bewegen. Wir warnen dringend vor einem
unüberlegten Streik. Er würde nur zum Schaden der
Arbeiter und ihrer Organiſationen ausſchlagen. Alle=
denkenden
Arbeiter müſſen deshalb dagegen ſein. Sie
haben keine Veranlaſſung, jetzt durch einen Streik ſich
ſelbſt und die deutſche Induſtrie zu ſchädigen, weil
anarcho=ſozialiſtiſche und ſozialdemokratiſche Hetzer aus
parteipolitiſchen Gründen einen Streik herbeiführen wol=
len
. Im Gegenteil, das Verhalten dieſer Kreiſe iſt ein
Grund mehr, jetzt nicht zu ſtreiken. Vertraue jeder ein=
zelne
dem Gewerkverein und ſorge für deſſen weitere
Stärkung, dann wird die notwendige Beſſerung der Lage
der Bergarbeiter ſchon eintreten! Es iſt auch dringend

Wetter und Krankheit.

** Die gefährliche Uebergangsperiode von kalter zu
warmer Witterung, in der wir gegenwärtig wieder
leben, hat einen deutlichen Einfluß auf die Erkältungs=
krankheiten
, und in ihrem Gefolge erſcheinen dann jene
ſchlimmeren Schädigungen des Menſchen, wie Luft=
röhrenkatarrh
, Influenza, Halsentzündung, Gelenk= und
Muskelrheumatismus und andere mehr. Obwohl dieſe
ſchwereren Krankheitserſcheinungen alle ihren direkten
oder indirekten Urſprung mikroſkopiſchen Erregern ver=
danken
, ſpielt doch die Erkältung eine vorbereitende
Rolle. Wie ſtark das Wetter einer beſtimmten Jahres=
zeit
auf den Geſundheitszuſtand des Menſchen ein=
wirkt
, beweiſt die Kurve der Sterblichkeit im höheren
Alter, die zu Beginn des Winters anſteigt, im März ihr
Maximum erreicht, noch im April und Mai hoch ſteht
und dann raſch ſinkt bis zu ihrem Minimum im Septem=
ber
und Oktober. Andere Krankheiten und zwar im
weſentlichen die, die ſich an den Verdauungsorganen
abſpielen, erreichen im Sommer ihr Maximum. Dies
iſt beſonders bei Säuglingen der Fall, ſodaß ſich die
Tatſache ergibt, daß der Menſch im erſten Lebensjahr
die meiſte Ausſicht hat, im Juli, Auguſt und September
zu ſterben, während im 60. Jahre ihm die Monate von
Dezember bis Mai am gefährlichſten ſind.
Dieſe uns allen geläufigen Beziehungen von Wetter
und Krankheit nimmt der Jenenſer Profeſſor der inne=
ren
Medizin, Grober, zum Ausgangspunkt einer wiſſen=
ſchaftlichen
Abhandlung, die er in der Deutſchen Revue
veröffentlicht. Sehr wichtig ſind die Einflüſſe des wech=
ſelnden
Luftdruckes auf den Menſchen. Bei höhe=
rem
Luftdruck ſind faſt alle Menſchen in beſſerer, erfreu=
licherer
Stimmung, als bei niedrigerem Barometerſtand,
eine Beobachtung, die beſonders bei Neuraſthenikern
deutlich zutage tritt. So hat der Kopenhagener Pro=
feſſor
Lehmann bei einem mit nervöſem Stirnkopf=

ſchmerz behafteten Profeſſor der dortigen Univerſität
durch jahrelange Beobachtungen nachgewieſen, daß die
Anfälle des Leidens niemals bei höherem Barometer=
ſtand
, ſondern faſt immer im Anſchluß an den Ueber=
gang
von hohem zu niedrigem Luftdruck, beſonders bei
Wetterſtürzen, eintraten. Sehr bedeutend iſt dann die
Wirkung, die die Menge des Sonnenlichtes auf
den Menſchen ausübt. Daß Mangel an Sonnenlicht bei
Menſchen, ähnlich wie bei Pflanzen, eine Farbloſigkeit,
alſo Blutarmut, hervorruft, kann man am deutlichſten
an den Bergleuten der Kohlenzechen im rheiniſch= weſt=
fäliſchen
Induſtriegebiet beobachten; ſie werden trotz
reichlicher und guter Ernährung und kurzer Arbeitszeit
bei dauerndem Aufenthalt im Dunkel der Schächte und
im Dunkel der Nacht faſt alle aus blühenden, rotwangi=
gen
Menſchen bald zu zwar kräftigen, aber blaſſen Ge=
ſtalten
. Aehnlich wirkt auch die allzu reichliche Beſtrahl=
ung
des Körpers mit unnatürlichem Licht. Daß auch
die geiſtigen Leiſtungen des Menſchen vom Wet=
ter
in wichtiger Weiſe mitbeſtimmt werden, hat Leh=
mann
in ausgedehnten Unterſuchungen gezeigt. So
wurde eine günſtigſte Lufttemperatur feſtgeſtellt, bei der
die Additionsgeſchwindigkeit der Schulkinder am größ=
ten
iſt; ſowohl die Muskelkraft als das Gedächtnis er=
wieſen
ſich als abhängig von Lichtſtärke, Temperatur
und Luftdruck. Die rein körperlichen Funktionen des
Menſchen ſind in der kälteren Jahreszeit in ihrer Inten=
ſität
herabgeſetzt; der Winter iſt, wenigſtens bei den
Erwachſenen, eine Periode lebhafterer intellektueller
Tätigkeit. Bei Schulkindern hat man dagegen feſtge=
ſtellt
, daß Farbſtoffgehalt des Blutes, Herzbewegung,
Gewichtszunahme und Längenwachstum, ebenſo pſy=
chiſche
Energie, Dispoſition des Gehirns und der Re=
flexzentren
gleichmäßig im Winter abſinken und im Som=
mer
anſteigen.
Ein Moment, durch das Wetter und Krankheit in
engſte Beziehung gebracht werden, iſt die Tatſache, daß
die Mikroben, die Krankheitserreger, außerhalb des

menſchlichen und tieriſchen Körpers den Einflüſſen des
Wetters in hohem Grade unterliegen. Das klaſſiſche
Beiſpiel der Abhängikeit einer Menſchenkrankheit vom
Wetter, deren innerer Zuſammenhang dank den ge=
nialen
Forſchungen Kochs genau bekannt iſt, iſt die
Malaria. Die Erreger dieſer Krankheit, die tierähn=
lichen
Blutprotozoen, machen ihre Entwickelung nur zum
kleinen Teil im menſchlichen Körper, zum größeren, für
ſie wichtigeren Teile, im Körper einer Mückenart durch.
Je mehr das Wetter die Entwickelung dieſer Mücken be=
günſtigt
, deſto ſtärker tritt die Malaria auf; wo die
Mücken beſeitigt werden, verſchwindet die Krankheit. So
iſt es Kuppelwieſer gelungen, aus dem Fieberneſte der
Brioniſchen Inſeln ein Paradies der Geſundheit zu
machen, und ebenſo haben Rovigno und die römiſche
Kampagne ihre Malariaſchrecken verloren. Es werden
überhaupt durch das Wetter Bedingungen geſchaffen, die
Krankheiten begünſtigen oder auch verhindern; daß aber
die Witterungsfaktoren ſelbſt Krankheiten hervorriefen,
hat ſich nirgends nachweiſen laſſen. Frühere Zeiten
haben einen aſtrologiſch=myſtiſchen Zuſammenhang
zwiſchen den Geſtirnen und den Krank=
heiten
angenommen. In der modernen Wiſſenſchaft
hat der norwegiſche Arzt Magelſen eine biologiſche
Beziehung herzuſtellen geſucht; in unendlich mühevollen
Unterſuchungen glaubt er feſtgeſtellt zu haben, daß die
Kurven der Erkrankungs= und Sterbeziffern bei verſchie=
denen
Krankheiten eine etwa zehnjährige Periode auf=
weiſen
, die mit der gleich langen Periode der Sonnen=
flecken
parallel läuft. Er nimmt einen urſächlichen Zu=
ſammenhang
an, und zwar unter Vermittelung der ähn=
liche
Schwankungen zeigenden Lufttemperatur, und hat
das z. B. für den Scharlach nachweiſen wollen.
Mag man nun auch dieſen Unterſuchungen ſkevtiſch
gegenüberſtehen, ſo gibt es doch jedenfalls eine Menge
unaufgeklärter Beziehungen zwiſchen Wetter und Krank=
heit
, die noch näherer Erforſchung harren.

[ ][  ][ ]

Nummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Seite 3.

notwendig, den Hetzern auf die Finger zu ſehen und von
ihrem Treiben der Gewerkvereinsleitung Mitteilung zu
machen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. März.

* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Oberleutnant
Riedeſel Frhrn. zu Eiſenbach im Dragoner=Regiment
Frhr. v. Manteuffel (Rhein.) Nr. 5, kommandiert zur
Dienſtleiſtung bei Sr. Königl. Hoheit dem Landgrafen
von Heſſen, den Geheimen Kommerzienrat Frhrn. v. Heyl
zu Herrnsheim, den Hofkapellmeiſter Hofrat de Haan,
den Profeſſor Dr. Krämer, den Kammerdirektor Dr. Weimer
und den Bürgermeiſter Fendt von Büdingen; zum Vor=
trag
den Staatsminiſter Ewald, den Finanzminiſter
Braun, den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach,
den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Bahnwärtern in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemeinſchaft Georg Lorenz zu Darmſtadt
und Johannes Krämer zu Dornheim aus Anlaß ihrer
Verſetzung in den Ruheſtand das Allgemeine Ehren=
zeichen
mit der Inſchrift Für treue Dienſte‟
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß hatte
ſich in ſeiner Sitzung am Samstag lediglich mit der Er=
teilung
von Wandergewerbeſcheinen zu beſchäftigen. Hein
rich Spengler von Darmſtadt will mit Spiel= und
Kurzwaren hauſieren. Da er keinen feſten Wohnſitz hat,
und er wegen Bettelns und Arbeitsſcheu bereits 19 mal
vorbeſtraft iſt, wurde ihm der nachgeſuchte Wandergewerbe=
ſchein
vom Kreisausſchuß verweigert. Der Provinzial=
ausſchuß
verwirft den eingelegten Rekurs als unbegründet
unter Auferlegung eines Averſionalbetrages von 5 Mark.
Mit demſelben Urteil wird der Rekurs der Ehefrau Ernſt
Meinhardt von Offenbach beſchieden, da die Geſuch=
ſtellerin
keinen feſten Wohnſitz inne hat; ferner der Rekurs
der Zigeuner Heinrich Birkenfelder und Karl Weiß
und der Roſa Götz, geb. Schüßler. Sämtlichen Rekur=
renten
wird ein Averſionalbetrag von je 5 Mark auferlegt.
g. Kriegsgericht. Wegen Fahnenflucht, Urkunden=
fälſchung
und Unterſchlagung hatte ſich am Samstag vor
dem Kriegsgericht der 25. Diviſion der Unteroffizier Karl
Bruno Schindler aus Liegnitz vom Dragoner=Regiment
Nr. 23 zu verantworten. Schindler war von 1909 bis 1910
Ordonnanz beim Diviſionskommandeur und hatte als ſol=
cher
Gelegenheit genommen, durch Fälſchung von Quit=
tungen
einen Betrag von etwa 400 Mark für ſich zu er=
langen
. Außerdem prellte er eine Stammtiſchgeſellſchaft
um 25 Mark und einen Schuhmacher um ein paar Stiefel.
Als er Entdeckung zu befürchten hatte, deſertierte er nach
Belgien. In Brüſſel wurde er feſtgenommen und aus=
geliefert
. Das Gericht erkennt für dieſe Straftaten auf
eine Gefängnisſtrafe von 1 Jahr 6 Monaten, De=
gradation
und Verſetzung in die zweite Klaſſe des Soldaten=
ſtandes
. Von der erlittenen Unterſuchungshaft wird ihm
1 Monat angerechnet. Ein weiterer Fahnenflüchtiger iſt
der Musketier Karl Wilhelm Götz II aus Mainz vom
Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115. Nach einer ver=
büßten
Arreſtſtrafe verlies er aus Furcht vor weiterer
Strafe ſeinen Truppenteil und führte ein regelloſes
Wanderleben, bis er in Belgien, vom Heimweh erfaßt, ſich
der Behörde ſtellte. Ihm wurden vom Gericht mildernde
Umſtände zuerkannt. Er wurde zu 7 Monaten und
14 Tagen Gefängnis verurteilt, und zur Verſetzung
in die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes. Wegen. Be=
leidigung
hatte ſich der Kanonier Kimpel und wegen
Körperverletzung der Gefreite Vetter, beide vom Ar=
tillerie
=Regiment Nr. 25 zu verantworten. Die beiden An=
geklagten
kamen gemeinſam mit vier weiteren Kanonieren
bei der Heimkehr von der Kaiſergeburtstagsfeier mit dem
Kaufmann Boos in Meinungsverſchiedenheiten, bei denen
die beiden Angeklagten die Haupthandelnden waren. Sie
erhalten jeder 1 Woche Gefängnis zudiktiert. Dem Be=
leidigten
Boos wird gleichzeitig das Recht zuerkannt, den
Urteilstenor durch Aushängen im Rathaus zu veröffent=
lichen
.
* Von der Landesuniverſität. Die Darmſt. Ztg. iſt
in der Lage, mitteilen zu können, daß an die Stelle des
mit dem 1. April d. J. nach Bonn überſiedelnden Pro=
feſſors
Dr. von Franqué als Ordinarius der Gynä=
kologie
und Geburtshilfe, ſowie als Direktor der Univer=
ſitätsfrauenklinik
in Gießen, der derzeitige Direktor der
Frauenklinik an der Akademie für praktiſche Medizin in
Düſſeldorf, Profeſſor Dr. Erich Karl Otto Opitz treten
wird. Dr. Opitz iſt am 31. Oktober 1871 in Breslau ge=
boren
, wo er das Gymnaſium 1887 mit dem Zeugnis der
Reife verließ, um zunächſt ſeiner Militärpflicht zu genü=
gen
und ſich alsdann dem Studium der Maſchinenbau=
wiſſenſchaft
zuzuwenden. 1892 trat er zum Studium der

Medizin über. 1893 beſtand er in Würzburg das Phyſikum
und 1895 in Kiel die ärztliche Hauptprüfung, beide mit
Auszeichnung. Im Anſchluß an die letztere promovierte
er auf Grund einer Diſſertation über Leber= und Nie=
rencyſten
. Dr. Opitz war zunächſt Volontäraſſiſtent am
Hygieniſchen Inſtitut in München, dann Aſſiſtenzarzt an
der Frauenklinik in Breslau, darauf Aſſiſtent am Hygie=
niſchen
Inſtitut in Breslau, alsdann kliniſcher erſter
Aſſiſtenzart an der Univerſitätsfrauenklinik in Berlin, wo=
ſelbſt
er ſich 1902 habilitierte. 1903 wurde er außerordent=
licher
Profeſſor und ſelbſtändiger Leiter der gynäkologi=
ſchen
Abteilung der Univerſitätsfrauenklinik in Marburg,
von wo er 1907 als Direktor der Frauenklinik an die Düſ=
ſeldorfer
Akademie berufen wurde. Opitz’ wiſſenſchaftliche
und kliniſche Arbeiten ſind ſehr zahlreich und berühren
die verſchiedenartigſten Gebiete der Gynäkologie und der
Geburtshilfe. Sie bedeuten überall beachtenswerte, zum
Teil geradezu maßgebend gewordene Ergebniſſe wiſſen=
ſchaftlicher
Forſchung auf den genannten Gebieten. Nicht
minder erfreut ſich Dr. Opitz eines ausgezeichneten
Rufes als akademiſcher Lehrer ſo daß die mit
dem Weggang v. Franqués entſtandene Lücke im Lehr=
körper
unſerer mediziniſchen Fakultät in der denkbar
glücklichſten Weiſe alsbald wieder ausgefüllt werden
wird.
D Zur 27. Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung
am Donnerstag, 7. März, nachmittags 3½ Uhr,
iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1. Mittei=
lungen
. 2. Geſuche um Geſtattung einer Ausnahme von
der Beſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts: a) für Er=
richtung
eines Geräteſchuppens an der Schießhausſtraße;
b) für ein Bauvorhaben an der Gräfenhäuſer Straße.
3. Geſuch um Befreiung von der Beſtimmung in § 2 des
Nachtrags zum Ortsbauſtatut vom 6. Oktober 1906 ( Ein=
richtung
von bewohnbaren Räumen über dem Dachge=
ſchoß
) für Lindenhofſtr. 33. 4. Ausbau der Räume im
Kellergeſchoß des Schulhauſes der Mittelſchule II.
5. Herſtellung eines Moſaikfußſteiges vor dem Hauſe
Nikolaiweg 16. 6. Erhöhung der Taglohnſätze in den
Preisverzeichniſſen für die kleineren Unterhaltungsarbei=
ten
. 7. Verpachtung der ſtädtiſchen Parzelle Flur IV
Nr. 444 der Gemarkung Darmſtadt (Ruthsſtr.). 8. Ver=
pachtung
ſtädtiſchen Geländes zur Anlage eines Golf=
Spielplatzes. 9. Die neue Satzung der Städtiſchen Spar
kaſſe. 10. Voranſchlag der Städtiſchen Sparkaſſe für 1912.
11. Sommerfahrplan der Darmſtädter Dampfſtraßen=
bahnen
. 12. Geſuch der Heſſiſchen Flugſtudien= Geſell=
ſchaft
um Bewilligung eines Beitrages zu den Koſten
eines Rundfluges. 13. Die Waſſerverſorgung der Bahn=
höfe
Darmſtadt=Nord und Darmſtadt=Süd.
* Generalleutnant von Stülpnagel F. Am Freitag iſt
Se. Exz. Generalleutnant von Stülpnagel, der ſeit ſeiner
Verſetzung in den Ruheſtand in Darmſtadt wohnte, im 75.
Lebensjahre geſtorben. Hermann von Stülpnagel war
aus der Garde=Infanterie hervorgegangen und zwar war
er am 2. Mai 1858 als Leutnant in das 1. Garde=Regiment
zu Fuß eingetreten. Seine Laufbahn geſtaltete ſich dann
wie folgt: Im Jahre 1864 wurde er zum Oberleutnant be=
fördert
, am 25. September 1867 zum Hauptmann, am 18.
Auguſt 1872 zum Major, am 25. März 1877 zum Oberſt=
leutnant
und am 12. April 1881 wurde er zum Flügel=
adjutanten
Kaiſer Wilhelms I. ernannt. Unter Belaſſung
in dieſer Stellung wurde von Stülpnagel am 11. März
1882 Kommandeur des Garde=Füſilierregiments und am
3. Auguſt 1887 zum Generalmajor und Kommandeur der
11. Infanteriebrigade befördert. Zwei Jahre ſpäter, am
15. Juni 1889, erfolgte ſeine Ernennung zum Stadtkomman=
danten
von Frankfurt und gleichzeitig ſollte er der letzte
Inhaber dieſes Poſtens ſein. Nachdem ihm am 24.
März 1890 noch der Charakter als Generalleutnant verliehen
worden war, ſchied er im Sommer des Jahres 1907 von
ſeiner Kommandoſtelle und wurde zur Dispoſition geſtellt.
Da die Stelle des Frankfurter Stadtkommandanten ſchon
vorher im Etat geſtrichen worden war, folgte ihm kein Nach=
folger
mehr auf dieſem Poſten. von Stülpnagel, der ein
Sohn des im Jahre 1870 namentlich bei Mars=la=Tour
vielgenannten Kommandeurs der 6. Diviſion war, machte
den Feldzug als Hauptmann mit und erwarb ſich bei St.
Privat das Eiſerne Kreuz. Ein Sohn von Stülpnagels
ſteht im Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115. Die Bei=
ſetzung
findet am Montag, vormittags 11¾ Uhr, auf dem
Frankfurter Hauptfriedhof ſtatt.
m. Die Schulen in ganz Heſſen ſchließen das laufende
Schuljahr am 30. März. Das neue Schuljahr 1912/13
beginnt Montag, den 15. April.
* Grundſtücksverkäufe. Bei Großh. Orts=
gericht
Darmſtadt I wurden im Monat Februar
1912 Kaufverträge abgeſchloſſen: 6 Stück bebaute Ob=
jekte
zuſammen 297000 Mk., 3 Stück unbebaute Objekte
zuſammen 66060 Mk., zuſammen 363060 Mk. ( Mit=
geteilt
von dem Darmſtädter Hausbeſitzerverein).

* Der Deutſch=engliſche Kampf im Orient ſo lautet
das Thema, über das Herr Chefredakteur Dr. Jäckh=
Heilbronn auf Veranlaſſung des hieſigen Volks=
bildungsvereins
, Dienstag, den 5. März im
Kaiſerſaal ſprechen wird. Dieſer Vortrag darf weiten
Kreiſen um ſo bedeutſamer erſcheinen, als die Ausführungen
des Vortragenden auf Grund eigener Erfahrung geſchehen.
Dr. Jäckh, der Herausgeber des Buches Der aufſteigende
Halbmond und in den letzten Jahren als Orientpolitiker
bekannt geworden, war im Sommer vorigen Jahres dazu
berufen worden, die türkiſche Studienkommiſſion zu organi=
ſieren
. Im Jahre 1908 hat Dr. Jäckh die jungtürkiſche Juli=
Revolution mitgemacht und 1909 die April=Reaktion erlebte,
mit Dr. Paul Rohrbach hat er das Bagdadbahngebiet
durchquert. Der Beſuch des Vortrags ſei hiermit warm
empfohlen, Karten an den bekannten Stellen.
Muſik=Verein. Um vielfachen Wünſchen nach=
zukommen
, wird der Muſik=Verein für ſein
Konzert am 11. März d. J. (de Haan, das Märchen
und das Leben) ausnahmsweiſe auch Eintritts=
karten
zur Hauptprobe (Sonntag, 10. März,
vormittags 10 Uhr) verkaufen. Für das Konzert ſelbſt
ſind außer den ſonſt verkäuflichen Plätzen diesmal auch=
beſondere
Sperrſitze und numerierte Plätze im Saal
zu haben. Preis für die Eintrittskarte zur Hauptprobe
(nicht numerierte Plätze) 1,50 Mk., zum Konzert für
die beſonderen Sperrſitze 6 Mk., für die numerierten
Saalplätze 4,50 Mk. Der Kartenverkauf erfolgt durch
A. Bergſträßer Hofbuchhandlung, Rheinſtraße 6,
ſowie am Hauptprobe= bezw. Konzerttag an der Kaſſe.
* Heſſiſcher Goethebund. Wir machen auf den
vom Heſſiſchen Goethebund am Dienstag, den
5. März, im Hörſaal Nr. 330 der Techniſchen Hochſchule
veranſtalteten Vortrag von Herrn Profeſſor Dr. Karli
Alt, über Ibſens Baumeiſter Solneß hiermit noch=
mals
aufmerkſam. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Heſſiſche Rote Kreuz=Geld=Lotterie. Die Aus=
gabe
dieſer Loſe iſt nunmehr erfolgt und es
zeigt ſich ſchon jetzt durch lebhafte Nachfrage, welche große
Sympathie ſich die Beſtrebungen des Roten Kreuzes, die
auch den Sanitätskolonnen zugute kommen, überall ge=
nießen
. Der Preis des Loſes beträgt 3 Mark, der
Haupttreffer 50000 Mark bar ohne Abzug. Die
Ziehung findet beſtimmt am 29. und 30. März ds. Js.
ſtatt und dürfte es empfehlenswert ſein, ſich beizeiten mit
Loſen zu verſehen, wodurch jedem Gelegenheit geboten
iſt, die gemeinnützigen Beſtrebungen des Roten Kreuzes
zu unterſtützen, damit dasſelbe ſeine wichtigen, vielſeitigen
und ſtetig wachſenden Aufgaben ſo erfüllen kann, wie es
das öffentliche Intereſſe erfordert.
* Bilder vom Tage. Von heute ab ſind in der Auslage
unſerer Expedition (Rheinſtr. 23), folgende Bilder neu
ausgeſtellt: Der verſtorbene Großherzog von Luxemburg
und die Thronfolgerin Großherzogin Marie Adelheid;
Lageplan und Hafen der von den Italienern beſchoſſenen
Hafenſtadt Beirut; die Eröffnung des neuen bayriſchen
Landtags; der Durchſchlag des Jungfrautunnels.
Ein neuer Kino. Im Hauſe Ernſt=Ludwigſtraße 23
iſt am Samstag nachmittag in Gegenwart eines zahlreichen
geladenen Publikums ein neues Lichtſpieltheater, das vierte
in Darmſtadt, The American Bio=Co. mit einem
hübſchen Programm eröffnet worden. Nach Vorführung
einiger Stücke trat Herr Kurt Neßmann vor die Lein=
wand
, um in einer längeren Anſprache das Programm
ſeiner Geſellſchaft, die ſchon viele Lichtſpieltheater im Reiche
beſitze, dazulegen. Es gipfelte im Weſentlichen in der Ver=
ſicherung
, unterhaltend, belehrend und erzieheriſch wirken,
und demgemäß die Auswahl der Bilder treffen zu wollen.
Redner ſprach dann insbeſondere herzlichſten Dank aus den
Herren Julius Kahn und Schwab für ihre erfolgreiche
Mitarbeit an dem Unternehmen, und Herrn Architekt
Münch für die vortreffliche Geſtaltung des neuen Muſen=
tempels
. In ſchwungvollem Prolog gab der Redner dann
eine vielverſprechende Einleitung zur erſten Vorſtellung, die
als Beſtes den franzöſiſchen Kunſtfilm Die Kamelien=
dame
brachte, der doppeltes Intereſſe erregte, weil die
göttliche Sarah die große Sarah Bernhardt, die Titel=
rolle
darin ſpielte. Auch die folgende hochaktuelle Natur=
aufnahme
Gewinnung der Braun=Erde war intereſſant
und lehrreich. Das zahlreiche Publikum ſpendete lebhaf=
teſten
Beifall.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten ver=
gangener
Woche. Butter ½ Kg. 1,50, in Partien 1,40 M.,
Eier 1012 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 2022 Pf., Handkäſe
412 Pf., Kartoffeln Zentner 4,505,00 M., Kumpf
(10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 67 Pf., Mäuschen ½ Kg. 12 bis
15 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel Zentner 1525 M., ½ Kg.
1525 Pf., Kaſtanien ½ Kg. 16 Pf., Zitronen 68 Pf.,
Apfelſinen 510 Pf.; Salat, Gemüſe: Kopfſalat 15 Pf..
Endivien 1015 Pf., Rote Rüben ½ Kg. 12 Pf., Rettiche
310 Pf., Meerrettich 1550 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 12 bis

Feuilleton.

Mit der Meute auf der Löwenjagd. Der abenteuer=
liche
Verſuch, bei der Jagd auf Löwen die Hilfe einer
Meute von Hunden in Anſpruch zu nehmen, iſt bisher
wohl kaum einem erfahrenen Löwenjäger gekommen; der
Weidmann, der in ſeinem Hunde einen treuen Gehilfen
und Freund ſieht, würde wahrſcheinlich nur ungern ſeinen
wierbeinigen Jagdgenoſſen dem Schickſal ausſetzen, unter
dden Pranken des Königs der Raubtiere ein blutiges Ende
zu finden. Aber dieſe Befürchtung iſt in der Praxis
widerlegt: der amerikaniſche Millionar und Sportsmann
Paul Rainey, der jetzt von einer Löwenjagd in Afrika
zurückgekehrt iſt, hat ſeine ungewöhnlichen weidmänni=
ſſchen
Erfolge im dunklen Erdteil hauptſächlich ſeiner
pprächtigen Meute von dreißig Hunden zu verdanken, die
er von ſeinem Gute in Miſſiſſippi nach Afrika mitnahm.
Es zeigte ſich bald, daß auch auf der Jagd nach Löwen
der Hund dem Jäger ausgezeichnete Dienſte leiſtet. In
kkurzer Zeit, ſo berichtet eine amerikaniſche Zeitſchrift,
hatte Rainey ſeine dreißig Hunde daran gewöhnt, die
Fährte des Löwen aufzunehmen und das Raubtier zu
ſtellen. Der Jagdbeſtand in Britiſch=Oſtafrika iſt bekannt=
lich
ſehr groß, aber der Löwe weicht den Jägern aus, und
micht immer gelingt es, das aufgeſpürte Raubtier vor die
Büchſe zu bringen. Es zeigte ſich nun, daß die Hunde
richt nur in der Auffindung des Löwen wertvolle Dienſte
Leiſten: der aufgeſcheuchte König der Tiere kroch vor der
Meute faſt immer in eine Deckung und wurde hier von
den Hunden ſo lange in Schach gehalten, bis der Jäger
Herangekommen und ſchußbereit war. Dabei greifen die
Hunde den Löwen nicht an, ſie halten ſich in reſpektvoller
Entfernung und dadurch erklärt es ſich auch, daß Rainey
wei ſeinen Jagden nur den Verluſt eines einzigen Hundes
mnter 30 zu beklagen hatte. Der Hund war dem Löwen
zu nahe gekommen, hatte einen leichten Tatzenſchlag er=
halten
; die Wunde war an ſich unbedeutend, aber es
zeigte ſich, daß die Kralle des Löwen durch die Berühr=

ung mit einer verweſten Tierleiche infiziert war: der
Hund ſtarb an Blutvergiftung. Rainey, der bei ſeiner
Jagdfahrt in Oſtafrika nur von einem Freunde, Dr. A.
V. Johnſon, begleitet war, kann ſich rühmen, als Löwen=
jäger
einen Rekord aufgeſtellt zu haben, denn er hat
während der einen Saiſon nicht weniger als 74 Löwen
zur Strecke bringen können. Sein beſonderer Glückstag
aber war der 25. Mai; an dieſem Tage machten die
Hunde eine ganze Reihe ſich kreuzender Fährten aus,
ſtellten die Tiere, und ſo gelang es Rainey nach ſeiner
Angabe in kaum einer Stunde neun Löwen zu erlegen.
Der amerikaniſche Jäger hat in Oſtafrika dieſelben Ge=
biete
durchſtreift, wie Rooſevelt bei ſeiner Jagdfahrt.
Seine Meute hat er in Nairobi zurückgelaſſen, weil er
in dieſem Frühjahr wieder zur Jagd nach Oſtafrika fährt.
Dann aber will er die Hunde mit nach Indien nehmen
und den Verſuch machen, die Meute auch bei der Tiger=
jagd
zu benutzen, wovon er ſich große Erfolge erhofft
Ohne meine Hunde hätte ich in Afrika kaum ein Dutzend
Löwen erlegt. Dutzende von Jägern durchſtreifen jene
Gegenden, ohne auf einen Löwen zu ſtoßen. Aber mit
guten Hunden bekommt man auch heute noch ſo viele
Raubtiere vor die Büchſe, als man ſchießen kann. Und
dabei iſt es leicht, die Meute zur Löwenjagd abzurichten,
und ihre Pflege bereitet wenig Mühe.
* Wer raucht die teuerſten Zigarren? Mancher Leſer
wird natürlich raſch mit einer Antwort bei der Hand ſein:
Der amerikaniſche Dollarmilliardär. Aber diesmal hat er
ſich gründlich verſungen und vertan, denn die Nikotin=
ſybariten
gedeihen am zahlreichſten in dem Lande des
Uckermärkers und des Pfälzer Tabaks, und auch da wieder
iſt ihr Vorkommen an eine ganz beſtimmte Oertlichkeit ge=
bunden
, an den Sitz der hohen Ruperto=Carolina, an
Heidelberg. Für dieſe Tatſache verbürgt ſich
wenigſtens Herr B. F. Alexander, ein Zigarrenhändler aus
Havanna, der dieſer Tage nach der Köln. Ztg. einem Aus=
frager
des Blattes Republic in St. Louis erzählte, daß die
Nachfrage nach kubaniſchen Fünfdollar=Zigarren gar nicht

mehr befriedigt werden kann, weil die Heidelberger Stu=
denten
anſcheinend nicht genug davon bekommen können.
Heidelberg beziehe mehr von dieſen halbmeterlangen
Glimmſtengeln als irgend ein anderer Platz der Welt. Es
ſei ihm erzählt worden, daß die Heidelberger bemooſten
Häupter dieſe Zigarren nicht nur auf dem allbekannten
Wege orydieren laſſen, ſondern ſie zuweilen in eine orien=
käliſche
Waſſerpfeife ſtopfen und ſie dann von Hand zu
Hand oder beſſer von Mund zu Mund gehen laſſen. Mit
der anſcheinend unheimlichen Verlängerung des Heidel=
berger
Studentenwechſels iſt offenbar auch eine Verwilde=
rung
der Rauchſitten eingetreten, die faſt an römiſche Ver=
fallszeiten
erinnert.
C.K. Das vergeßliche Paris. Einen intereſſanten
Ueberblick über die Vergeßlichkeit der Pariſer gibt eine
Statiſtik des amtlichen Fundbureaus über die ſtattliche
Zahl der Regenſchirme und Spazierſtöcke, die täglich in
den Reſtaurants, im Omnibus oder in der Droſchke lie=
gen
bleiben und dann den Weg zum Fundbureau fin=
en
. In dem amtlichen Bureau am Quai des Orfévres
werden täglich durchſchnittlich nicht weniger als 175
Stöcke und Schirme als gefunden abgegeben; dazu kom=
men
noch etwa 50 Handtaſchen am Tage, 50 Muffs oder
Pelzkragen und gegen 2025 Portemonnaies. Das ſind
natürlich Durchſchnittszahlen; die Statiſtik zeigt, daß im
Fundbureau jährlich gegen 90000 Gegenſtände deponiert
werden. Will man ſich darüber informieren, wie viele
von dieſer Maſſe von Schirmen, Stöcken und Geldbörſen
wieder den Weg zu den urſprünglichen Beſitzern fin=
den
, ſo muß man zu dem Schluſſe kommen, daß der Pa=
riſer
im allgemeinen zu der Ehrlichkeit ſeines Lands=
mannes
kein allzu großes Vertrauen hat. Weitaus über
die Hälfte der Verlierer nimmt ohne weiteres an, daß
der Finder den Gegenſtand doch nicht abliefert, und er=
ſpart
ſich die Mühe einer Nachfrage beim Fundbureau.
Dadurch erklärt es ſich auch, daß in der Tat nur 30 Pro=
zent
der gefundenen Gegenſtände von den Beſitzern wie=
der
reklamiert und abgeholt werden.

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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

14 Pf., Tomaten ½ Kg. 60 Pf., Gelberüben ½ Kg. 10 bis
15 Pf., Spinat ½ Kg. 3035 Pf., Wirſing 1030 Pf.,
Grünkohl 610 Pf., Rotkraut, Weißkraut, Blumenkohl 10
bis 60 Pf., Erdkohlrabi 610 Pf., Schwarzwurz ½ Kg.
3035 Pf., Roſenkohl ½ Kg. 40 Pf.; Geflügel, Wild
u. dgl.: Zicklein 2,004,50 M., Gänſe ½ Kg. 80 bis
85 Pf., Enten 45 M., Hahnen und Hühner 2,00 bis
2,50 M., Tauben 6070 Pf., Lapins 1 M.; Fiſche ½ Kg.:
Hecht 80 Pf., Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 3560 Pf.,
Rotzungen 60 Pf., Schollen 3540 Pf., Kabeljau 19 bis
29 Pf., Schellfiſche, Seelachs 2030 Pf.; in den Fleiſch=
ſtänden
½ Kg.: Rindfleiſch 6066 Pf., Hackfleiſch 76 Pf.,
Rindsfett 55 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Kalb=
fleiſch
80 Pf., Schweinefleiſch 72 Pf., Schwartenmagen
70 Pf., Leber= und Blutwurſt 60 Pf.
m. Vom neuen Bahnhof. Der in letzter Zeit mehr=
fach
genannte Nordbahnhof an der Arheilger Landſtraße
iſt in ſeinen Gleisanlagen faſt beendet. Im öſtlichen Teile
iſt die Verbindung der neuen Odenwaldſtrecke am alten
Arheilger Weg noch herzuſtellen. Um dies zu erreichen,
müſſen noch mehrere hundert Kubikmeter Erde ausge=
hoben
und weggebracht werden. Im weſtlichen Teil ſind 6
Gleiſe bis an die Mainzer, Wormſer u. Frankfurter Strecke
fertig. Es erübrigt nur die Einführung der neuen
Strecken in die auf der anderen Seite genannter Strecken
hergeſtellten nach dem Hauptbahnhofe führenden Anſchluß=
gleiſe
. Am Stationsgebäude, an dem die Arbeiten ſeit
Herbſt geruht hatten, wird eben der innere und äußere
Verputz hergeſtellt. Die Fenſter ſind alle eingeſetzt. Am
Hauptbahnhof haben die Arbeiten, die nur an den
Froſttagen eingeſchränkt worden waren, große Fortſchritte
gemacht. Das Empfangsgebäude hat alle Fenſter erhal=
ten
und die Zentralheizungsanlage iſt ſchon mehrere Wo=
chen
in Betrieb. Das Verwaltungsgebäude, ſüdlich da=
von
, iſt fertig gedeckt und erhält ſeinen inneren Bewurf.
Das langgeſtreckte niedrig gehaltene Gebäude für die
Fürſtenempfänge iſt im Aeußeren fertig. Das Portal
krönt das heſſiſche Wappen. Das Empfangshäuschen mit
ſeinem Säulenportal ſteht rechtwinkelig zu vorgenann=
tem
Gebäude. Links und rechts wird es von einer hohen,
nach der Oſtſeite hin runden Mauer eingeſchloſſen. Die
Vorſteherwohnung auf der Nordſeite des Empfangsge=
bäudes
iſt in ſeinem inneren Ausbau ſoweit vollendet, daß
es in ein bis zwei Monaten ſeinem Zwecke übergeben
werden kann. Die Bahnſteighallen ſind fertig. Soeben
werden die Iſolierglocken für die Telegraphen= und Tele=
phonleitungen
angebracht. Die Verglaſung der Weſtſeite
an der großen Halle iſt noch herzuſtellen. Die Signal=
maſten
vor der Einfahrt in die Bahnſteighallen ſind be=
trächtlich
vermehrt worden. Die Poſtbrücke hat noch keine
Verglaſung erhalten, während das Bahnpoſtgebäude
nahezu fertig und in der Manſarde ſchon bewohnt iſt.
Auch das Wohnhaus des Poſtdirektors, öſtlich davon, iſt
fertig und im Erdgeſchoß bereits bezogen. Auf dem
Platze vor dem Empfangsgebäude ſieht es noch bunt aus.
Die rieſigen Zierbeete warten ihrer endgültigen Be=
pflanzung
und große Flächen des Fahrdammes heiſchen
nach des feſten Pflaſters. Die Geleiſe der elektriſchen
Straßenbahn ſind fertig. Es fehlen noch die Maſten,
welche die Leitungsdrähte für den elektriſchen Strom
tragen. Die Hallen für den Eilgüterverkehr ſind bis
1. Mai betriebsfähig. Ebenſo ſind die Stückgüterhallen
und das daranſtoßende Verwaltungsgebäude, das die
Kaſſen= und Bureauräume enthält, bis zum Eröffnungs=
termine
fertig. Die elektriſche Beleuchtung vor den Lade=
hallen
iſt ſeit Wochen fertig montiert. Ueberall herrſcht
auf dem ganzen Bahnhofsgebiete eine angeſtrengte Tätig=
keit
, um den größten Teil der neuen Bahnhofsanlagen
zum Einweihungstermin fertigzuſtellen, bis zu welchem
nur noch acht Wochen übrig ſind. Am Beſſunger Bahnhof
ſind die Ausgeſtaltungsarbeiten in vollem Gange, und
am Oſtbahnhofe (Roſenhöhe) iſt nur noch die Verbindung
des zweiten Geleiſes vorzunehmen. Hier hat es am
wenigſten Veränderungen gegeben, weil hier die neuen
Geleiſe in die ſeitherigen der Odenwaldbahn einmünden.
* Von der Wach= und Schließgeſellſchaft. Im
Monat Februar ergaben die fortlaufenden Reviſionen
unſerer Nachtwachbeamten folgende Fälle: 329 offeue
Haustüren und Tore wurden vorgefunden 96 mal
brannte Licht in Geſchäfts= und Bureaulokalitäten,
Kellern und Bodenräumen bezw. wurde vergeſſen, das=
ſelbe
zu löſchen, 16 defekte Schlöſſer und Türen, ſowie
ſteckengebliebene Schlüſſel wurden vorgefunden, 4 offen=
ſtehende
Parterrefenſter wurden ermittelt und 7 Haus=
bewohnern
, die ihre Schlüſſel vergeſſen hatten, wurde
geöffnet.
Selbſtmord. In einem hieſigen Hotelreſtaurant
hat ſich am Samstag der Gärtner Ewald aus Alzey
erſchoſſen. Er war am Freitag abend eingezogen
und muß die Tat ſchon während der Nacht ausgeführt
haben. Als der Gaſt am Samstag nicht erſchien und
auf Klopfen keine Antwort gab, brach man gegen mittag

Großherzogliches Hoftheater.

W-l. Am Samstag beendete Herr Léon Laffitte
ſein Gaſtſpiel als Don Joſé in Bizets Carmen. Das
Haus war gut und weit beſſer beſucht, als am Donners=
tag
. Wir möchten behaupten, daß Herr Laffitte als
Don Joſé ſeine früheren Leiſtungen noch übertroffen
hat, ohne Zweifel aber gilt dies von ſeinem Spiel;
denn während er ſich ſonſt eine gewiſſe Zurück=
haltung
auferlegt hatte, entfaltete er heute, und be=
ſonders
im letzten Akte, ein dem Südländer eigenes
impulſives Temperament. Wie bei ſeinem Geſang
erſchien auch hier alles ſo wundervoll natürlich und
ſelbſtverſtändlich, daß er auch in der harmoniſchen Ver=
einigung
von Geſang und Spiel als vorbildlich gelten
konnte. Neues über ſeine vollendete Geſangskunſt zu
ſagen, iſt nicht mehr möglich. Geſangliche Glanzleiſtun=
gen
, die man ſo bald nicht wieder vergeſſen wird, waren
das Duett mit Micaela im 1. Akt, mit Carmen im 2. Akt
und die Schlußſzene. Da Herr Lafitte die Opern im
Urtext ſingt, ſang er heute abend zum erſten Male fran=
zöſiſch
, und es mag auch wohl noch zu ſeiner Anregung
beigetragen haben, daß auch Fräulein Howard im
Zwiegeſang mit ihm die Carmen=Partie im franzöſiſchen
Urtext ſang; anderſeits trug dies zur Verſtärkung
des künſtleriſchen Eindrucks weſentlich bei, denn
die zweiſprachigen Duette wirken unkünſtleriſch, um
nicht zu ſagen, komiſch. Es iſt aber nicht jeder Künſtlerin
gegeben, zwei Sprachen im Geſang ſo zu beherrſchen,
wie Fräulein Howard. Außer ihr erntete auch Fräulein
Geyersbach für ihre herrlich geſungene Micaela
reichen und wohlverdienten Beifall.
Die von der Kritik beanſtandete Entkleidungsſzene
in der Schenke des Lillas Paſtia iſt jetzt fortgelaſſen.
Der Gaſt wurde auch heute wieder ſehr gefeiert.
Die viel gegebene Oper, auf deren Inſzenierung beſondere
Sorgfalt verwendet worden iſt, übt noch immer eine
ſtarke Anziehungskraft aus.

die Tür auf und fand ihn tot im Stuhl ſitzen. Auf dem
Tiſche lagen mehrere Abſchiedsbriefe, adreſſiert und frän=
kiert
, und ein Telegramm mit 1 Mark für Gebühren.
Die Polizei nahm dieſe Briefe zunächſt in Beſchlag. Die
Motive des Selbſtmordes ſind vorerſt unbekannt.
§ Feſtgenommen. Ein 47 Jahre alter Fabrikarbeiter
aus Klein=Bieberau, welcher von der hieſigen Amtsan=
waltſchaft
wegen Betrugs ſteckbrieflich verfolgt wird, iſt
dahier feſtgenommen worden.

Offenbach, 2. März. Die Finanzierung der bei=
den
projektierten Lokal= und Kleinbahn=
ſtrecken
Alzenau=Seligenſtadt=Offenbach liegt vor. Die
Geſamteinnahmen der Strecke Alzenau=Mühlheim= Offen=
bach
betragen 383 551 Mark, die Ausgaben 244 470 Mark,
was einen Ueberſchuß von 138081 Mark ergibt. Bei
einem Anlagekapital von 3 425000 Mark entſpricht dieſer
Ueberſchuß einer Verzinſung von rund 4,04 Prozent, und
zwar nach Abzug von 1 Prozent Amortiſation. Auf der
anderen Strecke Alzenau=Lämmerſpiel=Bieber=Offenbach
ergibt ſich dagegen nur ein Ueberſchuß von 113 139 Mark,
der bei einem Anlagekapital dieſer Strecke von 2872000
Mark einer Verzinſung von nur 3,95 Prozent entſpricht.
Zellhauſen, 2. März. Der 21jährige Student der
Medizin, Joſeph Fuchs, Sohn des hieſigen Gaſtwirts
und Bäckermeiſters Jakob Fuchs, errang durch ein ganz
hervorragendes Examen und für hervorragende wiſſen=
ſchaftliche
Leiſtungen den Hohenzollern= Ehren=
preis
an der Univerſität Bonn für das Jahr 1912, ob=
ſchon
Fuchs nicht preußiſcher Staatsangehöriger iſt.
Gonſenheim, 2. März. Die Gebäude der Goedecker=
Flugmaſchinenfabrik ſind fertiggeſtellt; zurzeit
erfolgt die Einrichtung. Da die Firma größere Aufträge
für das Ausland hat, ſoll die Verlegung des Betriebes
von Niederwalluf hierher bereits am 15. d. M. erfolgen.
Worms, 1. März. Der viertägige Lehr= und
Repetitionskurſus für Eigentümer, Direktoren, Brau=
meiſter
, Malzmeiſter, ſowie ältere Fachleute, welcher
ſchon ſeit einer Reihe von Jahren im Monat März an
der Brauer=Akademie zu Worms regelmäßig abgehalten
wird und ſich ſchon in weiten Kreiſen großer Beliebtheit
erfreut, beginnt in dieſem Jahre am Montag, den 25.
März. Zur Beſprechung gelangen folgende Themata:
1. Beſchaffenheit und Verarbeitung der letztjährigen
Gerſten und Malze. 2. Die Waſſerfrage. 3. Die Des=
infektion
im Brauereibetriebe unter beſonderer Berück=
ſichtigung
des Ozons; eventuell noch: 4. Wie laſſen ſich
Erſparniſſe an Hopfen erzielen?
Worms, 2. März. An der Eiſenbahnbrücke
über den Rhein werden gegenwärtig die Gleis=
anlagen
einer gründlichen Reparatur unterzogen,
weshalb der Betrieb eingleiſig durchgeführt werden muß.
Die Reparaturen werden längere Zeit in Anſpruch neh=
men
und haben erhebliche Störungen und Verſpätungen
im Zugverkehr mit Frankfurt, Darmſtadt, Bensheim und
Mannheim zur Folge. Der 24jährige Bahnarbeiter
Joh. Stenner, der auch als Kunſtradfahrer weiteren
Kreiſen bekannt iſt, war auf der Strecke Lampertheim
mit Heben von Schienen beſchäftigt, als er durch eine
emporſchnellende Winde derartige Schädelverletzungen er=
litt
, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte.
Vor einiger Zeit wurde der Fuhrmann K. Fr. Rehm
in der Frankenthalerſtraße von enormen Kiesmaſſen ver=
ſchüttet
. Der vorgenommenen Operation iſt es gelungen
den lebensgefährlich Verletzten ſoweit herzuſtellen, daß
er jetzt in Kürze aus dem Krankenhauſe entlaſſen wer=
den
kann.
Oppenheim, 2. März. In der hieſigen Bürgerſchaft
herrſcht eine leicht begreifliche Beſorgnis wegen der noch
immer zu befürchtenden Aufteilung des Kreiſes
Oppenheim. Eine Denkſchrift der Regierung ſoll
hierüber in nächſter Zeit zu erwarten ſein. Um die ſchwere
Schädigung der Stadt Oppenheim zu verhüten, macht man
nun von hier aus den Vorſchlag, in Wörrſtadt, das den
weitab gelegenen Orten im weſtlichen Teile des Kreiſes
zunächſt liegt und nach allen Seiten günſtige Bahnver=
bindungen
hat, regelmäßige Amtstage abzu=
halten
. Das Schickſal des Kreiſes Oppenheim iſt indes
noch ſehr unbeſtimmt. Bei der Entſcheidung der Frage
dürfte indes ſchwer ins Gewicht fallen, daß eine Anzahl
weit abgelegener Orte ſelbſt die Loslöſung von Oppen=
heim
und die Zuteilung zu Bingen reſp. Alzey wünſcht.
Nierſtein, 2. März. Der Winzer Adam Raab V.
aus Schwabsburg fand heute beim Arbeiten in dem frü=
her
Bömberſchen Weinberge am Oppenheimer Fahrt in
einem Sack verpackt verſchiedene wertvolle Sil=
bergegenſtände
, darunter Tee= und Kafeekannen,
ſowie verſchiedene kleinere Silbergefäße. Anſcheinend
rühren dieſelben von einem Diebſtahl her. Der Fund
wurde von der Bürgermeiſterei Nierſtein in Verwahr
genommen.
Gießen, 2. März. In dem ruhigen Dörfchen Ilben=
ſtadt
bei Friedberg trug ſich am Morgen des Reichstags=
wahltages
ein ſeltſames Schauſpiel zu, das das ganze
Dorf in Aufregung brachte. Der achtjährige P. Ch. wurde
auf dem Wege zur Frühmeſſe an der Kirche ergriffen
und entführt. Dieſer Tat angeklagt ſind die Ehe=
leute
R. E. F. aus Berlin. Als der Junge die Kirche
betrat, faßte ihn der Ehemann an der Hand und eilte
mit ihm in der Richtung nach Burg=Gräfenrod davon.
Die Ehefrau, die ihrem Manne bei Ausführung der Tat
behilflich war, folgte nach. Der Anſchlag ſchlug indeſſen
fehl; es gelang, die beiden einzuholen und den Knaben
zurückzubringen. Die Angeklagten ſind lt. Gieß. Anz. im
weſentlichen geſtändig. Mit Tränen in den Augen ſchil=
derten
ſie heute ihre Erlebniſſe mit dem Jungen. Er war
bis vor kurzem ihr Pflegeſohn. Sie hatten ihn, damals
noch in Frankfurt a. M. wohnhaft, als Knäblein von ei=
nigen
Wochen auf ein Angebot in der Zeitung in Pflege
genommen. 800 Mark waren ihnen gezahlt und alle
Rechte an dem Kinde abgetreten worden. Etwa ſieben
Jahre erfreuten ſie ſich ſeines ungeſtörten Beſitzes, bis
der Pfarrer an dem Wohnort der Kindesmutter von ſei=
nem
Daſein erfuhr. Er ſetzte ſich, getrieben von der
Sorge für die religiöſe Erziehung des Kindes, mit einem
Verwandten der Mutter in Ilbenſtadt in Verbindung.
Dieſer betrieb dann mit allem Eifer die Herausgabe des
Kindes. Er ſtrengte Klage an und erwirkte die Heraus=
gabe
. Die Angeklagten erklärten nun bald, ſich dieſem
Gebot fügen und den Knaben den Verwandten überlaſſen
zu wollen, bald ſetzten ſie dem Widerſtand entgegen.
Schließlich gelang es, den Knaben nach Ilbenſtadt zu
überführen. Nun hielt es die Angeklagten nicht länger
in Berlin. Sie ſiedelten nach Friedberg über, wo ſie un=
angemeldet
wohnten. Von hier unternahmen ſie häufig
Streifzüge nach Ilbenſtadt, die den Zweck hatten, ſich des
Jungen zu bemächtigen. So wurde der Angeklagte ein=
mal
mit einem Fahrrad geſehen, das zwiſchen Lenkſtange
und Sattel eine Sitzvorrichtung hatte. Die Verhandlung
endigte mit der Vertagung der Sache auf nächſten

Freitag zur Beiladung der Kindesmutter, da es dem Ge=
richt
von Wichtigkeit ſchien, dieſe vor der Urteilsfällung
zu hören.
(*) Laubach, 1. März. Bis in unſere Gegend macht
ſich ſeit einigen Tagen die Zigeunerplage bemerk=
bar
. In Hungen hatten ſie am Poſtamt Briefe beför=
dert
und waren dann über Villingen verſchwunden. Die
Hungener Gendarmerie benachrichtigte die hieſige. Zwi=
ſchen
Gonterskirchen und der Schmelz konnten zwei
Männer mit Frauen und Kindern verhaftet und hierher
gebracht werden. Bei dem Verhör beſtritten ſie jeden
Zuſammenhang mit der Bande Ebender. Den Mörder
Wilhelm Ebender ſchilderten ſie als einen gewalttätigen
und brutalen Menſchen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 2. März. Der Weltreiſende und
Nationalökonom und als Schriftſteller bekannte Dr. Paul
Neubauer iſt geſtern nach längerem Leiden geſtorben.
Ein in der Allgemeinen Elektrizitätsgeſell=
ſchaft
in der Apparatefabrik ausgebrochener Streik ge=
winnt
vorausſichtlich heute eine größere Ausdehnung. Im
Ganzen dürften 1500 Mann im Ausſtande ſein. Eine
überaus große Nachfrage nach Muſikern iſt
gegenwärtig zu verzeichnen. Die Zahl der feſtlichen Ver=
anſtaltungen
iſt in dieſem Winter in Berlin ſo groß, daß es
manchen Vereinen ſehr ſchwer wird, die erforderlichen
Unterhaltungs= reſp. Tanzmuſik zu erhalten ein Feſt jagt
das andere, von einer teueren Zeit iſt nichts zu merken.
Selbſt auf den kleinſten Muſikerbörſen, wo ſonſt nachmittags
und auch abends noch immer genügend beſchäftigung=
ſuchende
Muſiker zu finden waren, iſt es von nachmittag ab
vereinſamt. Alle verfügbaren Kräfte ſind ſchon im Laufe
des Vormittags engagiert worden. Natürlich übt dieſe Er=
ſcheinung
auf die Entlohnung einen günſtigen Einfluß aus,
der den üblichen Tarif weit in den Schatten ſtellt. Wirklich
gute Muſiker, eingeſpielte Enſembles verlangen und erhal=
ten
oft das doppelte der Tarifſätze. Die minderwertigen
Kräfte, die im Sommer brachliegen, werden jetzt für die
Nachtarbeit mit 812 Mark honoriert. Die neue Mode der
Bockbierrummel in Reſtaurants und auch Cafés hat die
Arbeitsgelegenheit für Muſiker ganz erheblich erhöht, faſt
jede kleinſte Kneipe bietet ihren Gäſten zum mindeſten durch
einen Klavierſpieler, wenn auch dritten oder vierten Ranges,
muſikaliſche Abendunterhaltung. Der ehemalige Hotelbeſitzer
Holtfeuer iſt, wie ſchon gemeldet, hochbetagt in Groß=
Lichterfelde geſtorben. In den weiteſten Kreiſen iſt er be=
kannt
geworden durch ſeine Teilnahme an der Ergreifung
Nobilings, der am 2. Juni 1878 einen Mordverſuch gegen
das Leben Kaiſer Wilhelms I. vom Hauſe Unter den
Linden 18 II. unternommen hatte. Holtfeuer wurde hier=
bei
am Unterkiefer ſchwer verletzt. Er mußte infolgedeſſen
ſeinen Beruf aufgeben und erhielt, nachdem er mit dem
Hohenzollernſchen Hausorden dekoriert worden war, eine
Anſtellung als Vorſteher des Billettbureaus im Reichs=
tage
. Großes Aufſehen erregt in Spandau der Selbſt=
mord
des Bankiers Richard Baethge, der ſich heute
früh in ſeiner Wohnung erſchoß. Baethge iſt verheiratet
und Vater eines Kindes. Er betrieb in der Grunewald=
ſtraße
in Spandau ein gutgehendes Bank=, Inkaſſo= und
Auskunftei=Geſchäft. B. ſoll den Selbſtmord verübt haben,
weil er ſich an den ihm anvertrauten Depots vergriffen und
in den wildeſten Spekulationen verſpielt hat. Man ſchätzt
die defraudierte und von B. verſpielte Summe auf eine
Million Mark.
Frankfurt, 2. März. Die Strafkammer verurteilte den
Schloſſer Georg Schnitzer wegen Wahlvergehens
zu vier Wochen Gefängnis und fünf Tagen Haft. Schnitzer
war Wahlſchlepper bei der ſozialdemokratiſchen Partei und
als ſolcher beauftragt, einen Mechaniker herbeizuholen.
Als er erfuhr, daß dieſer Wähler verzogen war, gab er auf
deſſen Namen ſeine Stimme ab. Schnitzer, der übrigens
noch gar nicht in wahlfähigem Alter ſtand, war nach Aus=
übung
der Wahl erkannt und verhaftet worden.
Straßburg, 2. März. Die Berufung gegen die
Auflöſung der Lorraine Sportive und der
Jeuneſſe Lorraine in Metz beſchäftigte heute den Kaiſer=
lichen
Rat. Beide Sachen wurden getrennt verhandelt.
Rechtsanwalt Blumenthal=Kolmar vertrat in Anweſen=
heit
der beiden Brüder Alexis und Paul Samain als
Vorſtandsmitglieder die aufgelöſten Vereine. Er be=
zeichnete
die Auflöſung als zu Unrecht erfolgt. Die Lor=
raine
Sportive habe weder deutſch=freundliche noch
deutſch=feindliche Tendenzen verfolgt und die Jeuneſſe
Lorraine ſei keine Fortſetzung der Lorraine Sportive
geweſen. Lediglich die Tötung des Hoboiſten Maaſch
habe zur Auflöſung des Vereins Veranlaſſung gegeben.
Die Urteilsverkündung wurde auf den 9. März vertagt.
München, 2. März. Der Kabinettsſekretär und Ver=
traute
König Ludwigs II., Staatsrat v. Pfiſtermei=
ſter
, iſt heute 90 Jahre alt, geſtorben. v. Pfiſtermei=
ſter
war Gegner Richard Wagners und bewirkte ſeiner=
zeit
die Entfernung Wagners aus München.
Lindau, 1. März. Das Kronprinzenpaar iſt um
4.20 Uhr mit einem Schweizer Sonderdampfer hier ein=
getroffen
. Graf Zeppelin begleitete den Dampfer mit
ſeinem neuen Luftſchiff. Um 6 Uhr wurde die Reiſe nach
München und Berlin fortgeſetzt.
Karlsruhe, 2. März. Bei der Berichterſtattung in der
Erſten Kammer erlitt der Vizepräſident Oberlandes=
gerichtspräſident
Dorner einen ſchweren Ohnmachts=
anfall
. Als er umſank, leiſtete Prinz Max von Baden
die erſte Hilfe.
Koburg, 1. März. Im hieſigen Landkreiſe wurde
heute das Zigeunerehepaar Franz aus Plamont
im Elſaß verhaftet. Beide ſind dringend verdächtig,
an den verbrecheriſchen Vorgängen bei Fulda und in den
heſſiſchen Forſten beteiligt geweſen zu ſein.
Hamburg, 2. März. Der der Spionage beſchuldigte
Schutzmann Glauß aus Wilhelmshaven, der wegen
Unterſchlagung in London verhaftet wurde und an
Deutſchland ausgeliefert wird, iſt mit dem Dampfer Ne=
rinſa
hier eingetroffen und wird im Laufe des Tages
nach Aurich transportiert.
Wien, 1. März. In der Sache des Pariſer Ju=
weliers
Levi und des ihm abhanden gekommenen
Schmuckes im Werte von einer Viertelmillion, meldet eine
Polizeikorreſpondenz, eine Pariſer Perlenfirma Rankert
habe die Polizeidirektion verſtändigt, daß ſie Levi Ju=
welen
im Werte von 75000 Francs in Kommiſſion gegeben
habe. Die Firma ſpricht den dringendſten Verdacht aus,
daß Levi die Juwelen unterſchlagen hat, um einen
Unterſchleif zu markieren und einen Vorſprung zu
bekommen. Der Diebſtahl ſei frei erfunden. Infolgedeſſen
hat die Wiener Staatsanwaltſchaft einen Steckbrief gegen
Levi erlaſſen.
Marienbad, 1. März. Bei Straßenregulierungs=
arbeiten
oberhalb des Kreuzbrunnens iſt geſtern eine
Mineralquekle erſchloſſen worden. Die Ana=

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Nummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Seite 5.

lyſe ergab eine dreifache Konzentration von Mineralſalzen
im Vergleich mit dem Kreuzbrunnen. Die Tagesergiebig=
keit
beläuft ſich auf 700 Liter.
Luxemburg, 1. März. Heute Nachmittag erfolgte von
Schloß Berg aus in Anweſenheit der Bevölkerung die
Ueberführung der Leiche des Großherzogs
zum Bahnhof, von wo ſie mittels Sonderzugs nach
Luxemburg gebracht wurde. Hier fand auf dem Bahnhof
eine kurze Zeremonie ſtatt, worauf der Sarg im impo=
ſanten
Zuge nach dem Schloſſe geleitet wurde. In dem
Zuge bemerkte man viele Fürſtlichkeiten, den Großherzog
von Baden, den Herzog Franz Joſef in Bayern und den
Prinzen Faver von Parma, denen ſich die Beamten des
Landes, die Regierung, die Kammermitglieder und die Hof=
würdenträger
anſchloſſen. 146 Vereine des Landes und
4600 Feuerwehrleute bildeten Spalier. Vor dem Portal
des Schloſſes wurde der Sarg niedergeſetzt, worauf alle
Körperſchaften vorbeidefilierten. Dann wurde die Leiche
ins Schloß getragen und dort aufgebahrt. Das Publikum
wird morgen zur Beſichtigung zugelaſſen.
Paris, 2. März. In einer Wollkrempelei in Tourco=
ing
explodierte geſtern abend ein Keſſel. Vier Ar=
beiter
wurden getötet, an 20 verwundet, darunter mehrere
lebensgefährlich. Zwei Arbeitsſäle und ein Warenmagazin
wurden vollſtändig zerſtört.
Paris, 2. März. Das Zuchtpolizeigericht von St.
Etienne verurteilte zwei junge Antimilitariſten, die
mehrere Offiziere des 38. Infanterieregiments auf der
Straße beſchimpft hatten, zu je einem Monat Gefängnis.
London, 1. März. Der heutige Nachmittag brachte die
ſchwerſten Ausſchreitungen von Anhängerinnen des
Frauenſtimmrechtes, die ſeit dem Anfang der Be=
wegung
zu verzeichnen waren. Große Trupps von
Frauen durchzogen Whitehall, Piccadilly, Haymarket, die
Bondſtreet und andere Verkehrsſtraßen des Weſtens, und
zertrümmerten die Ladenfenſter der großen
Geſchäftshäuſer. Einige Frauen drangen bis zur Dow=
ning
=Street vor und zerſchlugen die Fenſter=
ſcheiben
des Wohnſitzes des Premier=
miniſters
und des Regierungsgebäudes.
Bisher wurden 60 Verhaftungen vorgenommen. Unter
den verhafteten Frauen befindet ſich Mrs. Pankhurſt, die
bekannte Leiterin der Frauenbewegung. Eine Frau
feuerte einen Revolverſchuß ab, der im Kolonialamte
eine Fenſterſcheibe zertrümmerte. Die Anhängerinnen der
Bewegung machten in der Regentſtreet einen neuen Angriff
und ſchlugen Schaufenſter ein. Gegen 50 Polizeibeamte
waren allein in der Regentſtreet tätig.
Kopenhagen, 1. März. Der frühere Miniſterpräſident
Graf Holſtein iſt heute nachmittag in Ledreborg ge=
ſtorben
.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

M.-V. Die Soliſten welche der Muſikverein
für ſeine Aufführung von Willem de Haans Das
Märchen und das Leben am 11. März d. J. ge=
wonnen
hat, ſind den Darmſtädtern faſt alle aus frühe=
ren
Konzerten in beſtem Andenken. Frau Anna Stronck=
Kappel aus Barmen hat bei dem Jubiläums=Konzert des
Vereins (1907) die Partie des Hannchen in Haydns
Jahreszeiten in vollendeter Weiſe zu Gehör gebracht,
und uns vor kurzem als Peri aufs neue entzückt. Frau
Pauline de Haan=Manifarges (Alt) aus Rotterdam und
Herr Tom Denys (Bariton) aus Berlin ſind dem hieſi=
gen
Publikum als treffliche, ſtimmlich wie muſikaliſch
gleich hervorragende Soliſten durch wiederholtes Auf=
treten
(zuletzt in Beethovens Miſſa bezw. im Berliozſchen
Fauſt) bekannt. Und auch dem Tenoriſten Herrn Jules
Peters aus Amſterdam geht der beſte Ruf voraus. Die
vier holländiſchen Künſtler werden auch hier ſicherlich ihr
Beſtes geben, um das Werk ihres Landsmannes uns in
möglichſter Vollendung darzubieten.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 2. März. Fortſetzung der Beratung
des Etats des Innern, vierter Tag.
Abg. Schmidt=Berlin (Soz.): Die Syndizierung nach
Betrieben hat die Grundlagen unſerer bisherigen Volks=
wirtſchaft
faſt vollſtändig verlaſſen und hat zu einem Still=
ſtand
und zu einer Erſtarrung der Entwickelung geführt,
wobei ſich die Bewegung abſolut nicht in beſcheidenen Gren=
zen
gehalten hat. Die Wünſche der Arbeiter auf höheren
Lohn werden zurückgewieſen. Den Angehörigen des Syn=
dikats
werden immer noch größere Verdienſte zugeſchoben.
Wenn der Staatsſekretär hier erklärt hat, er wolle dem Zu=
ſtandekommen
der Tarifverträge ſeine Aufmerkſamkeit zu=
wenden
, ſo mag er nach dem Beiſpiel ſeiner engliſchen Kol=
legen
ſelbſt die Initiative ergreifen. Unſere Krankenkaſſen=
ſtatiſtik
muß ſo ausgebaut werden, daß aus ihr nur die Art
und Zahl der Erkrankungen in den verſchiedenen Betrieben
hervorgeht. Wenn der Staatsſekretär die geſetzlichen Mittel
zur Sicherung der perſönlichen Freiheit verſtärken will, ſo
wiſſen wir nicht recht, was er damit meint; will er die poli=
zeilichen
Ausſchreitungen wie in Moabit verhindern oder
will er die Arbeiter vor den Ausſchreitungen der Arbeit=
geber
ſchützen? (Sehr gut! b. d. Soz.) Die Agrarier hüllen
ihre ſozialpolitiſchen Maßnahmen bei der Seßhaftmachung
der Arbeiter in ein wohlwollendes Mäntelchen. Tatſäch=
lich
wird damit nichts erreicht, als die alte Hörigkeit wieder
aufleben zu laſſen. Die Frauen= und Kinderarbeit auf dem
Lande wird immer weiter ausgedehnt. Die von uns ins
Leben gerufene Arbeiterbewegung hat zwar eine Aufwärts=
bewegung
gezeitigt, aber nicht in dem Maße, wie man es
verlangen muß, und daher die Zunahme der Unzufrieden=
heit
. Die Ausführungen des Grafen Poſadowsky über die
Wahlkreiseinteilung waren kein Beweis von Mut. Er
macht den Eindruck eines planloſen ſozialiſtiſchen Einſpän=
ners
, der, wenn er ſo weiter macht, bald an Intereſſe ver=
liert
. Zu geſunden Wohnungsverhältniſſen werden wir
nicht kommen, ſolange uns die preußiſche Städteordnung
im Wege ſteht, nach der die Hälfte der Gemeindevertreter
Grundbeſitzer ſein müſſen. Allein mit kräftigen wirtſchaft=
lichen
Organiſationen kann das Handwerk konkurrenzfähig
erhalten werden. Zu den Hausknechtarbeiten der Konſer=
vativen
werden ſich Beamten nicht herbeilaſſen. Dieſen
politiſchen Unrat müſſen ſie ſchon ſelbſt aufräumen, ohne die
bezahlten Kräfte der Staatsbeamten. Die Sozialpolitik
hat ſich den Binnenſchiffern und den Bureaubeamten zuzu=
wenden
. Wie weit iſt die Vorbereitung des Theatergeſetzes
gediehen? Dieſe geſetzgeberiſchen Materien müſſen alsbald
das Werk der Sozialpolitik ergänzen. (Beifall b. d. Soz.)
Abg. Graf v. Carmer=Zieſerwitz (konſ.): Eine
der bedenklichſten Erſcheinungen ſind gegenwärtig die Wan=
derlager
. Hier ſollte die Bedürfnisfrage erhoben werden,
zu deren Feſtſetzung die Handwerker= und Handelskammern
zu hören wären. Die Hinzuziehung der Fabrikbetriebe zu
den Koſten der Lehrlingsausbildung iſt dringend geboten.

Die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf die Konſumvereine
und die nicht offenen Verkaufsſtellen und Kontore iſt drin=
gend
zu wünſchen, andererſeits eine ſtrikte Durchführung
der Sonntagsruhe für die offenen Verkaufsſtellen auf
dem Lande und in kleinen Städten. Eine Fürſorgegeſetz=
gebung
für Feuerwehrleute, insbeſondere für freiwillige
Feuerwehrleute, würde ſehr zu begrüßen ſein. Durchaus
einverſtanden ſind wir mit den Ausführungen des Grafen
Poſadowsky über die Latifundienbildung durch Ankäufe
von Bauerngütern. Wir ſind ſtets Förderer des Mittelſtan=
des
geweſen. Das Großkapital hat aber leider den Land=
beſitz
zu einer gewöhnlichen Verkaufsware herabgedrückt.
(Sehr richtig! rechts.) Das Koalitionsrecht iſt heutzutage
unentbehrlich. Nur gegen die Auswüchſe bei den Streiks
wie bei den Ausſperrungen wenden wir uns. Heutzutage
iſt nicht mehr der Arbeitgeber Herr in ſeinem Betriebe, ſon=
dern
die Gewerkſchaften ſind es. (Lachen bei den Soz.)
Sämtliche Arbeiter ſind gezwungen, dieſen Gewerkſchaf=
ten
beizutreten, nur um Arbeit zu bekommen. Ergeht die
Parole des Streiks, ſo müſſen auch die Arbeitswilligen
wohl oder übel folgen, oder ſie werden mit ihren Frauen
und Familien dem ſozialdemokratiſchen Terrorismus
ausgeliefert. (Sehr richtig rechts. Widerſpruch bei den
Soz.) Ich meine, die jetzigen Beſtimmungen genügen
nicht. Auch das Königreich Sachſen und die Freie Stadt
Hamburg haben einen beſſeren Schutz der Arbeitswilligen
durch Ergänzung der geſetzlichen Beſtimmungen, insbe=
ſondere
hinſichtlich des Streikpoſtenſtehens erlaſſen. Wir
hoffen, daß unſere Reſolution ein beſchleunigteres Tempo
in die Geſetzgebung bringen wird. Ein Ausnahmegeſetz
wollen wir nicht. Möglichſte Beſchleunigung wäre hier
am Platze, ſollen nicht weite Volksteile an dem Staat
irre werden. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Thoma (nl.): Nach wie vor halten wir
daran feſt, daß eine Teilung des Reichsamts des Innern
in eine wirtſchaftliche und ſoziale Abteilung wünſchens=
und erſtrebenswert iſt. Insbeſondere verlangt die Ver=
waltungsfrage
als die wichtigſte Materie baldige geſetz=
liche
Regelung. Sie iſt geradezu die ſoziale Frage. Das
Erbbaurecht allein kann eine Geſundung der Verhältniſſe
herbeiführen. Das Koalitionsrecht iſt für uns ein
Pflänzchen Rührmichnichtan. Wir wünſchen ein Reichs=
einigungsamt
, das aber nicht nur zuſehen und untätig
die wirtſchaftlichen Kämpfe herannahen ſehen ſoll. ſon=
dern
das aus eigener Initiative eingreift. Im gleichen
Sinne wünſchen wir Tarifverträge, die durch Beratung
und auf gütlichem Wege erreicht werden ſollen. Durch
die Maul= und Klauenſeuche ſind in unſerem Vaterlande
bereits große Schäden entſtanden. Große Summen an
Nationalvermögen ſind hier verloren gegangen. Auf die
Durchforſchung der Seuche und die Entdeckung des Erre=
gers
muß große Sorgfalt verwendet werden.
Abg. Barſchat (Fortſchr. Vp.): Die Fürſorge
für die Handwerker muß kommen, aber in anderem Sinne,
als die Konſervativen es wollen. Bevor wir an die
Schaffung von Geſetzen gegen den ſozialdemokratiſchen
Terror gelangen, muß man zunächſt den Bovkott der
Konſervativen beſeitigen. Wie die Herren von der Rech=
ten
Mittelſtandspolitik treiben, beweiſt ein Einblick in den
Katalog der Verkaufsſtellen des Bundes der Landwirte,
die auch mit Badewannen, Champagner, Kloſettpapier
(Heiterkeit) uſw. handeln. Die Gefänanisarbeit bietet
immer noch dem Handwerk eine gefährliche Konkurrenz.
Für die Fachſchulen iſt es von großem Wert, den jungen
Leuten auch parteiloſen Unterricht in der Bürgerkunde zu
erteilen. Der Buchführungszwang iſt für das Handwerk
unerläßlich. Zu den Koſten der Lehrlingsausbildung
müſſen die Fabrikbetriebe herangezogen werden. Durch
die Beſeitigung des Paragr. 100g der Gewerbeordnung
allein wird dem Handwerk nicht geholfen, und alle geſetz=
lichen
Maßnahmen werden dem Handwerk nicht helfen,
wenn nicht der kollegiale Sinn vorherrſchen wird, daß
nicht jeder in dem anderen einen Konkurrenten, ſondern
einen Kollegen ſieht. Wir treten ein für die Förderung
der Konkurrenzfähigkeit des Handwerks, ſeine beſſere
Ausbildung. Regelung des Submiſſionsweſens, Schutz
gegen den Bauſchwindel und Beſeitigung der Gefängnis=
arbeit
. Damit läßt ſich ein zufriedener Handwerkerſtand
ſchaffen.
Abg. Soſinski (Pole): Die Reichsverſicherungs=
ordnung
weiſt verſchiedene Mängel auf, die beſeitigt wer=
den
müſſen. Wenn auch die Frage des Bergrechtes vor
die einzelſtaatlichen Parlamente gehört, ſo muß doch das
Reich da eingreifen. wo die einzelnen Staaten verſagen.
Die Zulaſſung der Arbeiter zu der Baukontrolle muß un=
ter
allen Umſtänden gefordert werden. Den gewerkſchaft=
lichen
Terrorismus der Sozialdemokratie verurteilen auch
wir, aber ein neues Zuchthausgeſetz wollen auch wir nicht.
Gegen die Behandlung der Polen durch die Regierung
und ihre Beamten muß ich entſchieden proteſtieren.
(Beifall bei den Polen.)
Hierauf wird die Weiterberatung auf Monſtag,
2 Uhr vertagt. Schluß 4,15 Uhr.

Handel und Verkehr.

* Berlin 1. März. Die heutige Generalver=
ſammlung
der Preußiſchen Boden=Kredit=
Aktien=Bank, Berlin, ſetzte zunächſt die von mor=
gen
ab zahlbare Dividende auf8 v. H. feſt. Die Ver=
waltung
berichtete, daß der Pfandbriefabſatz im Januar
dieſes Jahres befriedigt habe, während er im Februar
recht unbefriedigend war, wenn man das Verhältnis der
begebenen zu den durch Interventionskäufe zurückgekauf=
ten
Pfandbriefen berückſichtige. Die Beleihung erfolgte
in Berlin und der Provinz in ziemlich gleichem Umfang.
Die von verſchiedenen Seiten angeregte Ausgabe
von 4½prozentigen Pfandbriefen hält die
Verwaltung für noch nicht diskutabel, da man den
Grundſtücksbeſitzern größere Laſten nicht zumuten könne.
Der mit der Ausgabe zuſammenhängende Zinsfuß von
4¾45 v. H. ſei für gute exſtſtellige Hypotheken nicht zu
erlangen.
* Berlin, 2. März. In der heutigen außerordent=
lichen
Generalverſammlung der Deutſch=
überſeeiſchen
Elektrizi täts=Geſellſchaft
wurde die beantragte Kapitalserhöhung um 20 Millionen
Mark auf 120 Millionen einſtimmig genehmigt. Aus der
Begründung der Verwaltung iſt hervorzuheben, daß die
Anlagen der Geſellſchaft in Buenos Aires ſich in ſtetiger
Fortentwickelung befinden und daß ſich für das laufende
Jahr bereits eine Steigerung des Bedürfniſſes um wei=
tere
15 Prozent ergab. Da ſich der Ausbau der Anlagen
der Geſellſchaft in Argentinien noch im vollen Gange be=
findet
, wurde betont, daß mit der beantragten Kapitals=
erhöhung
der geſamte Kapitalsbedarf der Geſellſchaft noch
nicht befriedigt ſei. Die Verwaltung ſtellte in Ausſicht,
daß wegen der Erhöhung des Kapitals eine Schmä=
lerung
der Dividende nicht in Ausſicht zu nehmen ſei.

Auf eine Anfrage wurde erwidert, daß die Einführung
von Aktien nach Amſterdam nicht beabſichtigt ſei, da die
Einführung der Aktien in Brüſſel den Erwartungen voll
entſprochen habe.
* Berlin, 2. März. Der Aufſichtsrat der Bank
für Handel und Induſtrie (Darmſtädter
Bank) beſchloß in ſeiner heutigen Sitzung, der General=
verſammlung
für das Jahr 1911 die Verteilung einer
Dividende von 6½ Prozent (wie im Vorjahre) vor=
zuſchlagen
. Der Bruttonutzen beträgt pro 1911 inkl.
440 482,08 Mark Vortrag aus 1910 24360 595,34 Mark.
Hiervon gehen ab die Handlungsunkoſten, Steuern, Tan=
tiemen
an den Vorſtand und die Oberbeamten im Geſamt=
betrage
von 1455048,06 Mark, die Gratifikationen an die
Beamten, die Zuwendung an deren Penſionsfonds und
für wohltätige Zwecke 12030 407,51 Mark, Abſchreibung
auf Immobilien und Mobilien 523 276,73 Mark, Talon=
ſteuer
=Reſerve 660000 Mark, zuſammen 13 213 684,24 Mk.
Es verbleibt ein verteilbarer Reingewinn von
11146 911,10 Mark.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Dem Herrn Einſender des Eingeſandt in Nr. 52
ſei höflichſt erwidert, daß ſein Vorſchlag, den verbreiter=
ten
Fußſteig in der Allee mit grobem Kies zu bewer=
fen
, damit die Radfahrer nicht dieſen, ſondern den ihnen
vorgeſchriebenen Weg benutzen, wenig Wert hat. Als
vor einigen Monaten genannter Fußſteig neu entſtand,
wurde dieſer damals gehörig mit Kies beworfen. Eine
große Anzahl Radfahrer hat nun, da es auf dem friſchen
Kies gerade nicht angenehm zu fahren iſt, hübſch abge=
wartet
, bis derſelbe verwittert und von Fußgängern zu=
ſammengetreten
war und während dieſer Zeit ungeachtet
des daneben liegenden, neu angelegten und feſtgewalz=
ten
Radfahrerwegs, den zwiſchen den Bäumen führen=
den
Fußſteig benutzt. Gerade in der Allee werden die
Fußſteige von Radfahrern ſchon immer und mit beſonde=
rer
Rückſichtsloſigkeit gegen Fußgänger benutzt. Dieſem
Unfug kann nur dadurch geſteuert werden, wenn zunächſt
der neu angelegte Fußſteig an der Feldbergſtraße und
am Stirnweg geſperrt und mit Warnungstafeln verſehen
wird (die gegenwärtig oben an der Feldbergſtraße ange=
brachte
Tafel iſt irreführend und muß verſetzt werden),
wenn ferner die Polizei mehr als ſeither ihr Augenmerk
auf dieſen Zuſtand richtet.

Die Breite Allee hat bei der Um= und Neu=
geſtaltung
auch einen beſonderen Radfahrerweg erhal=
ten
. Die Herren Radfahrer benutzen dieſen aber nicht.
Ich bin genötigt, dieſen Teil meiner Einſendung in
Nr. 52 hier zu wiederholen, da in einer Erwiderung in
Nr. 53 von dieſer Tatſache, welche gerade die Veranlaſ=
ſung
zu der Einſendung gab, keine Notiz genommen
wurde. Die Einteilung der Straße läßt keinen Zweifel
zu, welches der Radfahrerweg iſt. Nur ſteht das Schild
mit der Bezeichnung Radfahrerweg allerdings auf dem
erhöhten Fußweg hinter den Randſteinen, und das iſt
irreführend. Da hat der Herr Einſender recht. Den
neuen Radfahrerweg hätte man nach ſeiner Fertigſtellung
mit der Straßenwalze glatt und feſtfahren ſollen, was
noch nachgeholt werden kann. Dann hätten die Radfahrer
wohl auch nicht den erhöhten Fußweg für ihre Bahn
ausgeſucht, und der Radfahr=Verkehr der Breiten Allee
wäre alsdann ſo geordnet, wie die Behörde ſich das bei
Ausarbeitung der Einteilung der Straße wahrſcheinlich
gedacht hat.

Die Bergarbeiterbewegung in England.

* London, 1. März. Unter den Geſchäftsleuten
herrſcht Beſtürzung. Die Geſchäftsſtockung greift
langſam auf Handel und Induſtrie über. Die Schiff=
fahrt
iſt ſehr ernſtlich in Mitleidenſchaft gezogen. Selbſt
die großen Linien geben bekannt, daß in den Verkehrs=
plänen
Stockungen wahrſcheinlich ſind. Faſt alle Eiſen=
bahnen
bereiten einen eingeſchränkten Dienſt vor, doch
glaubt man nicht, daß der Perſonenverkehr mit dem
Kontinent betroffen wird. Die Haltung der Streikenden
iſt bewundernswert.
* London, 1. März. Gegen Schluß der Sitzung
des Unterhauſes gab Asquith bekannt, daß die
Regierung heute mit den Vertretern der Grubenbeſitzer
und der Beraarbeiter weitere Verhandlungen gepflogen
habe. Das Ergebnis der Vermittelungsaktion der Re=
gierung
während dieſer Woche ſei, daß die Gruben=
beſitzer
ſo gut wie ganz England, die Vorſchläge der
Regierung angenommen haben. Die Grubenbeſitzer von
Südwales und Schottland lehnten die Vorſchläge ab, u. a.
mit der Begründung, daß ſie durch beſtehende Abmachun=
gen
gebunden ſeien. Die Vertreter der Bergarbei=
ter
lehnten die Vorſchläge der Regierung
mit der Begründung ab, daß ſie nicht geneigt ſeien, die
Höhe des auf der Bergarbeiterkonferenz vom 2. Februar
feſtgeſetzten Mindeſtlohnes von einer Verhandlung mit
den Grubenbeſitzern abhängig zu machen oder ſie über=
haupt
einer Reviſion zu unterwerfen. Unter dieſen Um=
ſtänden
hielt es die Regierung, wie ſchon gemeldet, für
zwecklos, gegenwärtig die Beſprechungen
fortzuſetzen. Asquith ſchloß, er hoffe am Mon=
tag
eine weitere, vollſtzändigere Eirklä=
rung
abgeben zu können.
* London, 2. März. Der geſtrige Beſchluß der
Bergarbeiter, die Vorſchläge der Regie=
rung
abzulehnen, findet allgemein eine ableh=
nende
Beurteilung. Nach den Daily News iſt der
Beſchluß nur mit ſchwacher Mehrheit zuſtande gekommen.
Es wird weiter gemeldet, daß die Vertreter der Berg=
arbeiter
keine Vollmacht beſaßen, auf die Vorſchläge der
Regierung einzugehen. Viele der Delegierten waren von
ihren Gewerkſchaften mit beſtimmten Inſtruktionen nach
London geſandt worden, unbedingt an den beſchloſſenen
Sätzen der Minimallöhne feſtzuhalten. Die Delegierten
waren bei der Kürze der Zeit außer Stande, ſich mit
ihren Gewerkſchaften in Verbindung zu ſetzen. Nach der
Times haben die Vertreter der Arbeiter es aus dieſem
Grunde abgelehnt, gemeinſam mit den Arbeitgebern zu
beraten. Aus verſchiedenen Orten der nordengliſchen und
ſchottiſchen Induſtriebezirke treffen Nachrichten über die
beginnende Stockung in vielen Betrieben ein. Die Great
Central=Eiſenbahngeſellſchaft macht von dem ihr vom
Parlament verliehenen Rechte Gebrauch und ſchränkt die
Ausfuhr von Kohlen ein. Der Kohlenexport von Hull
hat ſo gut wie ganz aufgehört.
London, 2. März. Man glaubt hier allgemein,
daß die Bergleute nicht vor einer Woche zur Arbeit
zurückkehren wollen. Sie fragen, wozu man die in dem
Streikfonds aufgehäuften Millionen habe, wenn man ſie

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

nicht einmal anfaſſen ſoll. Die Vertreter der Bergleute
halten ſtreng an dem von ihnen für die verſchiedenen Di=
ſtrikte
aufgeſtellten Zahlungsſchemas feſt, was eines der
größten Hemmniſſe für die baldige Beilegung des Streiks
werden wird. Die Bergarbeiter wollen nichts von einer
den Grubenbeſitzern zu leiſtenden Bürgſchaft für ein or=
dentliches
Ergebnis ihrer Tagesarbeit wiſſen, weil ſie
fürchten, daß auf dieſem Wege wieder ein verwickeltes
Syſtem von Lohnabzügen eingeführt werden könnte, was
ihren Mindeſtlohn illuſorich macht. Alle großen Eiſen=
bahnlinien
ſchränken von morgen oder von Montag ab
ihren Dienſt ſehr erheblich ein. Auch einige internatio=
nale
Züge, wie der nach Paris, fallen aus. Kein Son=
derzug
nach dem Innern Englands wird abgelaſſen. Die
Nahrungsmittelpreiſe ſind ſchon erheblich geſtaigert
worden.
Paris, 2. März. Londoner Nachrichten, daß ein
Sympathieſtreik ſämtlicher franzöſiſchen
Grubenarbeiter unmittelbar bevorſtehe, beruhen
auf einem Mißverſtändnis. Nur wird für den 11.
März ds. Js. ein 24ſtündiger Demonſtrationsſtreik in ein=
zelnen
franzöſiſchen Grubengebieten angekündigt. Der
Temps meldet, daß die franzöſiſchen Gasgeſellſchaften
ihren Kohlenbedarf von jetzt ab in Deutſchland decken
werden.
* London, 2. März. Der Haupt= Induſtriekom=
miſſar
Askwith berief eine Verſammlung des In=
duſtrierates
auf Montag ein. Der Induſtrierat iſt
tm letzten Jahre zu dem Zweck gebildet worden, bei Han=
delsſtreitigkeiten
zwiſchen den einander gegenüberſtehen=
den
Parteien zu vermitteln.
* London, 3. März. Der Ausſtand dauert
bei vollkommener Ruhe an. Seine Wirkungen
werden von Tag zu Tag größer. Viele Tauſende Arbei=
ter
der Induſtrie, der Dampffiſcherei und der Häfen
müſſen feiern. Die Nahrungsmittelpreiſe ſtei=
gen
. Die Ausſtändigen verſchiedener Diſtrikte nahmen
Reſolutionen an, in denen den Behörden gedankt wird,
daß ſie nicht beſondere Polizeikräfte abgeſchickt hätten, und
verſichert wird, daß die Arbeiter die Ordnung nicht ſtören
werden.
Nach einem Telegramm aus New=Caſtle regten die
Mitglieder des Vereinigten Eiſenbahnangeſtellten= Ver=
bandes
an, daß der Verband ſie anweiſen möge, den
Truppentransport während des Streiks zu verweigern.
* London, 3. März. In einer Rede in Ebbw
Vale erklärte ein Delegierter von der Konferenz des
Bergarbeiterverbandes, aus der Anſprache des
Premierminiſters an die Bergarbeiter am
29. Februar ſei ein wichtiger Satz nicht veröffentlicht
worden, nämlich, daß der Tag nicht fern ſei, an dem die
Regierung ſich ſelbſt dafür verantwortlich halten werde,
daß alle Arbeiter des Landes einen Minimal=
lohn
erhielten.
* Eſſen (Ruhr), 3. März. Heute fanden im rheiniſch=
weſtfäliſchen
Ruhrkohlenrevier über ſechzig von dem
Bergarbeiterdreibund (alter Bergarbeiterverband, Hirſch=
Dunkerſche und polniſche Berufsvereine) einberufene Ver=
ſammlungen
ſtatt, in denen erklärt wurde, daß die Lohn=
forderungen
mit voller Ueberlegung geſtellt ſeien, und daß
die durch den augenblicklichen Streik der engliſchen Berg=
leute
geſchaffene Lage wohl der geeignete Moment für eine
durchgreifende Bewegung ſei. Das Verhalten des Gewerk=
vereins
chriſtlicher Bergarbeiter Deutſchlands in dieſer
Bewegung wurde einer ſcharfen Kritik unterzogen. Eine
Aktion könne aber nur wirklichen Erfolg haben, wenn
die Bergarbeiterorganiſationen geſchloſſen für die Forde=
rungen
des Bergarbeiterdreibundes einträten. Dabei
wurde auf das einige Zuſammengehen der Berg=
leute
Englands trotz aller Parteiunterſchiede in ihren
Organiſationen verwieſen und aufgefordert, dieſen
nachzueifern. Schließlich wurde die gleiche Reſolution,
die ſchon in den vorwöchigen Verſammlungen vorlag,
einſtimmig angenommen. Auch der Gewerkver=
ein
chriſtlicher Bergarbeiter Deutſchlands
habe in verſchiedenen größeren Orten Mitglieder= Ver=
ſammlungen
einberufen, in denen erneut darauf hinge=
wieſen
wurde, ſich nicht durch unverantwortliche
Hetzer in einen Streik hineintreiben zu laſſen, ſondern
volles Vertrauen der Leitung des Gewerkvereins zu
ſchenken.

Luftfahrt.

* Friedrichshafen, 2. März. Die Ueber=
führung
des Luftſchiffes Viktoria Luiſe nach
Frankfurt a. M. iſt des ſtürmiſchen Wetters wegen auf
morgen verſchoben worden. Die Mitteilung der
Meteorologiſchen Station in Frankfurt gab im mittleren
Rheintal eine Geſchwindigkeit des Bodenwindes von etwa
10 Meter in der Sekunde und von 14 Meter in einer Höhe
von 700 Meter an.
Friedrichshafen, 3. März. Das Luftſchift
Viktoria Luiſe wollte heute vormittag um 8 Uhr
die geſtern wegen ſtürmiſcher Böen im Rheintal abge
ſagte Fahrt nach Frankfurt antreten. Geplant war der
Weg über Ulm, Stuttgart, Heidelberg und Mannheim;
die Windmeſſungen im mittleren Rheintal waren
aber heute früh womöglich noch ungünſtiger als geſtern,
denn ſie ergaben in einer Höhe von 400 Metern eine
Windſtärkee von 17 und in einer Höhe von 800 Metern
eine ſolche von 18 Metern in der Sekunde. Nun iſt es
zwar, wie Dr. Eckener ausführte, möglich, mit dem
Luftſchiff auch bei ſolchen Windſtärken die Fahrt durch=
zuführen
, aber nur unter der Vorausſetzung, daß ſämt
liche drei Motoren vom Anfang bis zum Ende der
Fahrt ohne Störung arbeiten. Die neuen Motoren der
Viktoria Luiſe ſind auf eine größere Fahrt hin in
dieſer Beziehung noch nicht ausprobiert. Deshalb mußte
die Ueberführung nach Frankfurt auch heute unter=
bleiben
. Angeſichts der neuerdings verſchlechterten
Wetterlage ſind die Ausſichten für morgen gleichfalls
wenia günſtig.
Paris, 3. März. Auf dem Flugfelde bei Pau
nahm ein Flieger an Bord ſeines zweiſitzigen Eindecker
bei einer Flugübung einen Paſſagier mit, der während
des Fluges mittels einer Schreibmaſchine ein
Schilderung der Fahrt abfaßte.

Frühjahrsgautag des Gau IX. D. R.=B.

Darmſtadt, 3. März. Im Kaiſerſaal fand heute
der Frühjahrsgautag des Gau 9 des Deutſchen Radfahrer=
bundes
ſtatt. Um 10½ Uhr wurde die Delegiertenverſamm=
lung
durch den 1. Vorſitzenden Aug. Stifft eröffnet. Die
Feſtſtellung der Präſenzliſte ergibt die Anweſenheit von
16 Vorſtandsmitgliedern und 116 Delegierten. Herr Ulb=
rich
begrüßte die Feſtgäſte im Namen des Velozipedklubs
Darmſtadt. Der 1. Gauvorſitzende erſtattete den Geſchäfts=
bericht
, der von wohlgeordneten Verhältniſſen im Gau und
von einer fortſchreitenden günſtigen Entwickelung Kennt=

is gibt. Das ſportliche Programm für 1912 weiſt eine
Reihe erſtklaſſiger Veranſtaltungen auf, insbeſondere auch
die in Darmſtadt endigende Fernfahrt des Kartells ſüd=
deutſcher
Gaue und die Dreifeſtungsfahrt Straßburg=Metz=
Mainz. Die Pflege der im Anſchluß an den Jung= Deutſch=
landbund
vom Deutſchen Radfahrerbund eingerichteter
Jugendabteilungen wird den Gauvereinen ganz beſonders
empfohlen. Der Bericht des Gauzahlmeiſters Juſt mit
dem vom Vorſtand aufgeſtellten Etat für den Haushaltungs=
plan
1912 liegt im Druck vor, ergibt in Einnahme und
Ausgabe 14010 Mark und findet die Genehmigung des
Gautags. Für ſportliche Veranſtaltungen ſind 3250 Mark
vorgeſehen. Der langjährige Gaufahrwart L. G. Bocher
wird in Anerkennung ſeiner großen Verdienſte um den
Gau 9 zum Ehrenmitglied ernannt und eine ſilberne Plakette
überreicht, desgleichen erhält der frühere Saalfahrwart Gg.
Schmitt=Offenbach in dankbarer Anerkennung ſeiner
Tätigkeit die Gauplakette. Die Wahl der Delegierten zum
29. Bundestag in Braunſchweig ergibt die Wahl von Karl
Schmidt=Darmſtadt, H. Juſt=Frankfurt, H. Johl=Offenbach,
Bogdann=Frankfurt und Hartling=Offenbach als Delegierte,
Ulbrich=Darmſtadt, Bauſcher=Frankfurt, Gg. Schmitt= Offen=
bach
, Bierſack=Frankfurt und Dorn=Frankfurt als Erſatz=
delegierte
. Der Antrag des Gauvorſtandes, dem Kartell
ſüddeutſcher Gaue 5, 6, 7 und 8 beizutreten, findet Annahme.
Die Vereinsanträge fanden wunſchgemäße Erledigung. Der
Hauptgautag im Herbſt findet in Bierſtadt ſtatt. Der Vor=
ſitzende
des Kartells ſüddeutſcher Gaue, Herr Hans Raiſch,
wohnte dem Gautage bei. Um ½2 Uhr wurde die Dele=
giertenverſammlung
durch den 1. Gauvorſitzenden geſchloſſen.
Bei dem allgemeinen Mittageſſen wurde ein Hoch auf den
Landesherrn, den Großherzog, ausgebracht.
Galaſportfeſt.
St. Der Velocipedklub Darmſtadt hatte
geſtern im Städtiſchen Saalbau aus Anlaß des Früh=
jahrsgautages
des Gaues IX des Deutſchen Radfahrer=
bundes
ein großes Galaſaalfeſt veranſtaltet, das
ſich eines äußerſt zahlreichen Beſuches zu erfreuen und
im einzelnen ganz außergewöhnliche Ergebniſſe auf dem
Gebiete des an den Saal gebundenen winterlichen Rad=
fahrſportes
zu verzeichnen hatte. Pünktlich um 5 Uhr,
alsbald nach dem Erſcheinen Ihrer Königlichen Hohei=
ten
des Großherzogs und der Großherzogin,
die in der Fürſtenloge dem Feſte beiwohnten, nahmen
die ſportlichen Darbietungen ihren Anfang mit einem
ganz vortrefflich, ſicher und friſch gefahrenen Nieder=
rad
=Begrüßungsreigen, gefahren von 4 Da=
men
und 4 Herren des V. C. D. (Damen: Beſt, Schmitz,
Rühl, Landwich; Herren: C. Göttmann, H. Göttmann,
Hax, R. Schmitt). Das Publikum zeichnete die Darm=
ſtädter
Radfahrkünſtler mit lebhaftem Beifall aus. Es
folgte ein Niederradkunſtfahren des Kunſtfahrers
Güls aus Straßburg. Auch der jugendliche Künſtler,
der für die Zukunft noch viel verſpricht, errang lebhaften
Beifall.
Im Radpoloſpiel (Ehrenpreis im Werte von
30 Mark und drei ſilberne Gaumedaillen, Spieldauer 10
Minuten mit Torwechſel) ſtanden die Wanderer= Offen=
bach
dem Darmſtädter Vel.=Klub gegenüber. Nach ſehr
intereſſantem Spiel, das die Gleichwertigkeit der beiden
gewandten Gegner zeigte, verkündeten die Preisrichter das
Ergebnis 311 zugunſten der Offenbacher Wanderer ein
Reſultat, das vielleicht anders ausgefallen wäre, wenn
auch die beiden Torwächter gleichwert geweſen wären.
Danach begannen die Achter= Niederradrei=
gen
(2 Ehrenpreiſe im Werte von 40 und 30 Mark), ge=
fahren
von 1. Radf.=V. Germania Höchſt a. M. (Herren:
Emmentraut, Wick, Kroh, Michel, Gottſchalk, Hallen,
Schreibweiß, E. Hochheimer), 2. Veloziped=Klub
Darmſtadt (Herren: H. Göttmann, Bernhard, Weber,
Heppenheimer, Kahl, Pfeiffer, Hermes, Sachs). 3. Frank=
furter
Radf.=V. Germania (Herren: Gleiſer, Landmann,
Biſchof. Erichſen, W. Friedenſtein, Simon, B. Frieden=
ſtein
, Seel). Die Reigen brachten eine Reihe reizvoller
Touren und Bilder und bewieſen, daß immer noch Fort=
ſchritte
in der Kunſt des Reigenfahrens möglich ſind und
auch erreicht werden. Am ſchönſten und ſchwierigſten
war wohl der Reigen der Frankfurter Germania, die
aber unter bedauerlichem Pech zu leiden hatten, oder ſich
Aufgaben geſtellt hatten, in denen das Können dem
Wollen nicht Schritt hielt.
Hervorragend waren die Ergebniſſe, die die Konkur=
renz
im Kunſtfahren brachte, das Einer= Nieder=
radkunſtfahren
(3 Ehrenpreiſe im Werte von 30,
20, 15 Mark), Teilnehmer: 1. Stein, Horſt, Offenbach,
2. Bechtel, Ludwig, Ludwigshafen, 3. Hochheimer, Ja=
kob
, Höchſt a. M., 4. Walter, Heinrich, Ludwigshafen,
5. Toni Neuber, Kunſtmeiſterfahrer von Deutſchland, aus
München. Eine Kritik dieſer brillanten Leiſtungen müſſen
wir Berufeneren überlaſſen. Doch darf feſtaeſtellt werden,
daß der Meiſterfahrer von Deutſchland, Neuber, alle
Konkurrenten um mehr als Haupteslänge überragte.
Seine Leiſtungen übertrafen vielfach das Beſte, was
man ſonſt von Profeſſionals zu ſehen gewohnt iſt. Sie
wurden vor allem durch ganz vorzügliches turneriſches
Können ausgezeichnet. Reizende Bilder brachte in äſthe=
tiſcher
und ſportlicher Beziehung der ſehr ſicher und gut
gefahrene Achter=Niederrad= Stabpflicht=
reigen
des Veloziped=Klubs Darmſtadt (Herren: R.
Schmitt, Wittich, Zimermann, Damus, Hax, Hans, Sei=
bert
. C. Göttmann).
Aeußerſt lebhaft waren die Radballſpiele, in denen ſich
zunächſt im Entſcheidungsſpiel nach den vormittags aus=
gefahrenen
Vorentſcheidung der Frankfurter Radfahrer=
Verein Germania (2. Mannſchaft) und der Offen=
bacher
Bycyele=Klub (1. Mannſchaft) gegenüberſtanden.
Das Spiel endete mit 10:5 zugunſten der Offen=
bacher
. Noch intereſſanter war der Ballkampf der 1.
Mannſchaft des Offenbacher Bicyeleklub gegen die des
Radfahrervereins Wanderer=Offenbach, das mit 8:4 zu=
zungen
der Wanderer endete. Im Sechſer= Nie=
derrad
=Reigen ſtritten 1. R.=K. Ginsheim (Herren:
Treuſch, Kirſchner, Chriſt. Reinheimer I., Reinheimer II.,
Barthel), 2. R.=K. Bierſtadt (Herren: Nähring, Cramer,
Kaiſer, Siegmund, Pfeifer, Groß, 3. Radf.=V. Germania=
Höchſt a. M. (Herren: Schramm, Wiegand, Drexel, Diehl,
Trageſer, J. Hochheimer, 4. Radf.=Verein Zeilsheim ( Her=
ren
: H. Chriſt I., J. Chriſt, H. Chriſt II., Merz, Rehberger,
Walter), um die Palme. Beſonders ausgezeichnet waren
die Leiſtungen der Ginsheimer und Höchſter.
Ein Zweier=Niederrad=Kunſtfahren und
ein 24=er=Maſſen=Reigen, gefahren von aktiven
Mitgliedern des Velocived=Klubs Darmſtadt, bildete den
Schluß des ſportlichen Teils des Feſtes, das durch einen
Feſtball mit Preisverteilung ſeinen Abſchluß fand.

Vermiſchtes.

C.K. Das Telephon in Japan. Das Telephon
hat ſich auch im fernen Oſten, in Japan, wo es ſeit 21
Jahren im Gebrauch iſt, allmählich die Stellung eines un=

entbehrlichen Verkehrsmittels erworben. Es iſt heute nicht
nur in den großen Städten des Mikadoreiches, ſondern auch
in kleineren Ortſchaften vielfach eingeführt. Die Regierung
hat für die Anlagen 30 Millionen Yen (60 Millionen Mark)
ausgegeben und beabſichtigt für 1912 weitere große Tele=
phonanlagen
, für die die bedeutende Summe von 18 Mil=
lionen
Yen ausgeſetzt worden iſt. Das bisherige Tele=
phonnetz
erſtreckt ſich über einen Umkreis von 470 Kilometer.
Damit kann Japan freilich mit dem Telephonverkehr von
Europa und Amerika nicht konkurrieren, aber es iſt ein
großer Aufſchwung in der Benutzung des Telephons noch
zu erwarten, da die Preiſe außerordentlich erniedrigt wor=
den
ſind. Die Anlage des Telephons koſtet jetzt etwa
30 Mark, das Jahresabonnement 80120 Mark, während
man früher 1600 Mark und dann 400 Mark für die jähr=
liche
Benutzung des Telephons zahlte.

Literariſches.

Geheimniſſe und Löſungen, verſchke=
dene
Anwendungen der Gedächtniskunſt von Hein=
rich
Rühl in Darmſtadt. 1. Heft. Preis 1 Mk. Das
im eigenen Verlage des Verfaſſers erſchienene Druck=
heft
bringt in allen Teilen recht intereſſante Löſungen
von geheimnisvollen Gedächtnisexperimenten und mathe=
matiſchen
Problemen. Es ſtellt ferner neben einer leicht=
verſtändlichen
Erklärung der Gedächtnis= und Rechen=
kunſt
den originellen Verſuch dar, franzöſiſche Vokabeln
mit Hilfe bildlicher Zahlenvorſtellungen (ſog. mnemo=
niſche
Bilder) zu erlernen. Durch die in beſtehender
Form erzeugten bildlichen Vorſtellungen eignet ſich der
Lernende mit Erfolg ſchnell und dauernd einen großen
Wortſchatz der franzöſiſchen Sprache an. Allein ein dop=
pelter
Vorteil entſteht noch daurch, indem man mit dem
Erlernen dieſes Wortſchatzes zugleich auch eine bedeutende
Methode der Gedächtniskunſt kennen lernt, die zu wahr=
haft
verblüffenden Gedächtnisoperationen dienſtbar ge=
macht
wird. Die Grammatik wird auf eine Weiſe be=
handelt
, daß der Stoff nicht mehr als ein toter Gegen=
ſtand
erſcheint. Die Regeln ſind hier durch Perſonen
dargeſtellt, die in kurzen Konverſationen den ganzen
grammatiſchen Text durch einen draſtiſchen Humor be=
leben
, der ſeine anregende Wirkung auf den Lernenden
ſicher nicht verfehlen wird. Auch der weniger Begabte
wird dadurch in die Lage verſetzt, ſich die vielgeſtalti=
gen
Regeln in kürzeſter Zeit für immer zu eigen zu
machen. Das Prinzip der Ideen=Aſſoziation iſt in der
Rühlſchen Schrift in eigenartiger und ganz geſchickter
Weiſe für die verſchiedenartigſten Gebiete verwendet,
und wir glauben uns den Dank aller Intereſſenten, zu=
mal
den der Liebhaber der Mnemotechnik und der =
dagogen
zu erwerben, wenn wir ſie auf die Rühlſche
Arbeit aufmerkſam machen. Sie iſt ſicherlich dazu ge=
eignet
, den Schüler in ſeinen fremdſprachlichen Studien,
insbeſondere, wenn es ſich um das Franzöſiſche handelt,
ganz energiſch zu fördern. Das Buch iſt in allen Buch=
handlungen
zu haben.
Die Leipziger Meſſe, 9. Band, Oſtern
1912, Preis 2 Mark. Moderner Kunſtverlag Dr. Trenkler
und Co., Leipzig=Stötteritz. Rechtzeitig vor Beginn der
Frühjahrsmeſſe 1912 erſchien im obigen Verlage der
neue Band der beſtbekannten Zeitſchrift. Als 9. in der
Reihe der Meßnummern ſchließt er ſich auch diesmal ſei=
nen
Vorgängern würdig an. Die Ausſtattung iſt wie im=
mer
muſtergültig. Die Abhandlungen über die verſchie=
denen
Branchen des Kunſtgewerbes ſtammen von dafür
anerkannten Autoren, und auch aktuelle Zeitfragen, die
unſere Induſtrie heutigen Tages bewegen, werden von
berufener Feder erörtert. Die Abbildungen des umfang=
reichen
Bandes ſtellen als Reproduktionen der gebrach=
ten
neueſten Erzeugniſſe der Kunſtinduſtrie wieder kleine
Meiſterwerke in Bezug auf Auffaſſung und Schärfe der
Wiedergabe dar.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

Die Vermittelungsaktion der Mächte.
* London, 1. März. Wie das Reuterſche Bureai
aus diplomatiſchen Kreiſen betreffs der neuen Berichte
über die Bemühungen der Mächte, im türkiſch=
italieniſchen
Krieg zu vermitteln, erfährt, wurden
vor ungefähr zehn Tagen neue Vorſchläge von Rußland
gemacht, um eine Vermittelung der fünf Großmächte zwi=
ſchen
Italien und der Türkei herbeizuführen. Erneute
Bemühungen wurden in der Affäre von Beirut gemacht,
die auf die Angelegenheit keinen Einfluß gehabt haben.
Die Aufgabe, die die Mächte zu löſen haben, beſteht darin,
zu einer Verſtändigung darüber zu kommen, wie man
ſich vergewiſſern könne, was für Vermittelungsvor=
ſchläge
in Rom und Konſtantinopel für annehmbar an=
geſehen
würden.
* Konſtantinopel, 1. März. Der Tanin er=
klärt
, die Türkei werde jede Anregung zu einer
Vermittelung zurückweiſen. Sie wolle ſo lange
keinen Frieden, als die Italiener in Tripolitanien ver=
bleiben
. Der Jeune Turc ſchreibt: Das Aufgeben von
Tripolitanien würde in der Türkei die allgemeine Revo=
lution
, den Bürgerkrieg und die ärgſten Wirren hervor=
rufen
. Es wäre die beſte und vernünftigſte Entſcheid=,
ung, beide Teile den Krieg fortführen zu laſſen.
* Rom, 2. März. Die Tribuna ſchreibt: In der
Preſſe, insbeſondere derjenigen des Auslandes, werden
widerſprechende Nachrichten über die Friedens=
bedingungen
verbreitet, die Italien, wenn es
von anderen Großmächten befragt werden würde, geneigt
ſein würde, der Türkei anzubieten. Wir haben guten
Grund zu der Annahme, daß Italien heute geneigt iſt,
der Türkei ehrenvolle Bedingungen zu ſtellen, natürlich
aber unter Feſthaltung der vollen Souveränität über
Tripolis und die Cyrenaika. Auch die Abſichten der ita=
lieniſchen
Regierung gegenüber den Arabern ſeien ſehr
wohlwollend. Die Türkei lade gegenüber dieſer Bevöl=
kerung
eine ſchwere Verantwortung auf ſich, wenn ſie
ihre Realiſierung unmöglich mache oder verzögere.

Die Revolution in Ching.

Der Aufruhr in Peking.
* Peking, 1. März. Juanſchikai ſandte an
die fremden Miſſionare und Kaufleute, ſowie die anderen
in Peking wohnenden Europäer ein Rundſchreiben, in
dem er ſein Bedauern über die vorgefallenen Ereigniſſe
ausſpricht und erklärt, es ſeien jetzt alle Vorſichtsmaß=
regeln
getroffen, um einer Wiederholung der Un=
ruhen
vorzubeugen. In der Nachbarſchaft der
Geſandtſchaft iſt alles ruhig. 1500 Meuterer bemächtig=
ten
ſich heute früh eines Zuges und fuhren in der Richt=
ung
nach Honan ab.
* Peking, 1. März. Die Kämpfe zwiſchen den
Aufſtändiſchen und den loyalen Truppen und die
Plünderung im Weichbilde der Stadt dauerten den
ganzen Tag an. Zehn Plünderer wurden verhaftet und

[ ][  ][ ]

erſchoſſen. Die Mehrzahl der Meuterer verließ die
Stadt vor Eintritt der Dämmerung. Die Feuersbrunſt
iſt gedämpft. Der Schaden wird auf drei Millio=
nen
Pfund Sterling geſchätzt. Die loyalen Trup=
pen
patrouillieren durch die Stadt.
* Peking, 2. März. In den erſten Morgenſtunden
kam es zu einer ernſten Wiederholung der Un=
ruhen
, beſonders im Weſten der Stadt, wo in allen Stra=
ßßen
geplündert wurde und ebenfalls viele Brände aus=
brachen
. Die Meuterer von Peking u. Paotingfu, die durch
Soldaten verſtärkt wurden, plünderten Paotingfu und
brannten große Teile der Stadt nieder. Andere Gruppen
plünderten Faugtay und Yungpingfu. Liyuanhung wurde
von den Delegierten telegraphiſch gebeten, die republika=
niſche
Armee nach Peking zu führen, um die Ordnung wie=
derherzuſtellen
, da die Regierung die Situatton nicht be=
herrſche
. Die fremden Geſandten beraten über
ein gemeinſames Vorgehen.
* Peking, 2. März. Die Erklärung des Be=
lagerungszuſtandes
hat eine gute Wirkung aus=
geübt
. In der Nachbarſchaft der Geſandtſchaften, die ſich
auf eine etwaige Belagerung vorbereiten, war um 1 Uhr
morgens alles ruhig.
* Peking, 2. März. Die heutige Konferenz
der fremden Geſandten wurde teilweiſe veranlaßt
durch eine Mitteilung Tangſchaoyis, in der er die Mächte
bittet, Maßregeln zu ergreifen, um weitere Verluſte an
Gut und Blut zu verhindern. Die Mitteilung wurde als
inoffiziell hingeſtellt. Die Geſandten beſchloſſen, allever=
fügbaren
Truppen aus den benachbarten Häfen nach
Peking zu bringen. Ein gemiſchtes Korps von 1000 Mann
wird morgen ankommen. Berittene Patrouillen erhalten
bei Tage die Ordnung in der Stadt aufrecht. Ein japani=
ſſches
Schlachtſchiff iſt nach Taku geſchickt worden, um eine
funkentelegraphiſche Verbindung mit der italieniſchen Sta=
tion
in Peking herzuſtellen.
Ein Zug mit Meuterern iſt von Paotingfu nach
Peking abgefahren. Die Eiſenbahnverwaltung hat eine
Brücke in die Luft geſprengt, um die Verbindung zu unter=
brechen
. Die treugebliebenen Truppen des Generals Tſchang=
kueiti
haben zahlreiche unſchuldige Leute, die Pakete trugen,
getötet. Die Leute, die ſo ums Leben kamen, waren oft von
Panik ergriffene Bewohner, die mit ihren eigenen Sachen
flohen.
London, 3. März. Das Reuterſche Bureau
meldet aus Tientſin: Aufrühreriſche Soldaten plün=
derten
und brandſchatzten geſtern abend, unter=
ſtützt
vom Pöbel, Läden und Banken in allen Haupt=
ſtraßen
, unterhielten ein ſtändiges Feuer und verſetzten
die ganze innere Stadt in Schrecken. Nur wenige Poli=
ziſten
erwieſen ſich als zuverläſſig, ſie waren jedoch macht=
los
, die Unruhen zu unterdrücken. Die Münze wurde
geplündert. Der deutſche Konſul hat eine Wache
zum Schutze der im Innern der Stadt belegenen deut=
ſchen
Wohnhäuſer entſandt, die vornehmlich von Inge=
nieuren
der Tientſin=Pukou=Eiſenbahn bewohnt werden.
Der deutſche Arzt Schräter wurde bei dem Verſuch, deut=
ſchen
Freunden zu helfen, beim Betreten des Stadtinnern
von Aufſtändiſchen erſchoſſen.

Darmſtadt, 4. März.

Die Männerortsgruppe Darmſtadt des
Vereins für das Deutſchtum im Ausland hielt am
Samtag abend in der Vereinigten Geſellſchaft unter
dem Vorſitz des Herrn Rektor Profeſſor Dr. Schweis=
gut
ſeine diesjährige ordentliche Hauptverſammlung ab,
der eine Sitzung des Geſamtvorſtandes vorausging.
Aus dem Bericht des Vorſitzenden über das Vereinsjahr
1911 iſt hervorzuheben, daß das von dem Verein hier
veranſtaltete Deutſche Feſt einen vollen Erfolg hatte,
uud daß dem Zentralvorſtand in Berlin eine namhafte
Summe überwieſen werden konnte. Angeſichts der
bedrängten Notlage und der Exiſtenzfrage für das
Deutſchtum in Bosnien hat ſich ein Verein der Deut=
ſchen
in Bosnien und der Herzegowina gegründet.
Dieſer Verein wurde der Ortsgruppe Koblenz als neue
Unterſtützungsſphäre zugewieſen. Der Mitgliederſtand
für 1911 betrug 360 nebſt 5 korporativen Vereinen.
Der von dem Schatzmeiſter Herrn Apotheker
Ramdohr vorgetragenen Kaſſebericht ergab
nach Abzug der Verwaltungskoſten eine Einnahme von
1064.15 Mk., die dem Zentralvorſtand in Berlin zur Ver=
wendung
überwieſen werden wird. Ebenſo ein Bank=
guthaben
von 250.60 Mk. zu Händen der Deutſchen
Diskonto=Geſellſchaft in Berlin. Den Brandbeſchädigten
in Lucerne in Südtirol wurden 100 Mk. als Beihilfe
geſpendet. Bei der Wahl des Vorſtandes wurde der ver=
dienſtvolle
1. Vorſitzende Herr Rektor Profeſſor Dr.
Schweisgut einſtimmig wiedergewählt. Auch die übrigen
Vorſtandsmitglieder wurden in ihren Aemtern wieder
beſtätigt.
* Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Gar ver=
lockend
klang die Einladung der Ortsgruppe für geſtern an
ihre Mitglieder zur letzten Wanderfahrt im nun
zu Ende gehenden Klubjähr. Mehr als 100 Klubgenoſſen
ſcharten ſich am Ausgangpsunkt der Tour um die Führer.
Wer möchte auch zu Hauſe bleiben, wenn es gilt, dem
Frühling entgegenzugehen. Noch träumt zwar Mutter
Erde, aber ſchon geht ein Ahnen über Berg und Tal, durch
Wieſe und Feld, das ein baldiges Erwachen der Natur
als ſichere Gewißheit kündet. Von Nieder=Ramſtadt
rführte die Tour über den Breitenſtein, vorbei an Fran=
Jenhauſen und Neutſch nach Ernſthofen. Hier wurde bei
Mlubgenoſſe Axt Einkehr gehalten. Nach dem zweiſtün=
digen
Marſche verſpürte man allſeits menſchliches Rühren.
Dem Magen wurde ſein Recht. Geſtärkt ging es, oft auf
zaubervollen Pfaden, über die Hütte Kernbach und die
Bierbacher Höhe nach Brensbach, wo die Führung zur
Labung der durſtigen Kehlen einen Schoppen ver=
vrdnete
. Die Brauerei Hoffarth kredenzte einen vortreff=
llichen
Trunk. In fröhlichſter Stimmung folgte man der
Straße nach Höllerbach bis Hummetroth. Raſch war
dann Annelsbach erreicht, von dem aus prächtige Wald=
wege
Höchſt entgegenführten. Von der Ortsgruppe des
Städtchens freundlich begrüßt, zog man mit klingendem
Spiel in ſeine Mauern ein. In vortrefflichſter Laune lie=
Ben ſich die Wandergeſellen an der gaſtlichen Tafel des
Gaſthauſes zur Poſt bewirten. Mit dem Wohlbehagen,
das ein leckeres Mahl bereitete, wuchs auch die Freude
an der Geſelligkeit. Die freundlichen Begrüßungsworte
Des Vorſitzenden der Gruppe wurden von Herrn Prof.
Kiſſinger mit herzlichſtem Dank erwidert. Eine Muſik=
kapelle
erfreute durch ihre Weiſen. Klaviervorträge und
Geſang wechſelten zur Unterhaltung und Erheiterung ab.
Es herrſchte echte Feſtesſtimmung. Und ein Feſt war es
auch, dieſes Beiſammenſein nach der letzten Tour des
Klubjahres. Bei Becherklang und fröhlichem Geplauder
wurde ſo manche Erinnerung an ſchöne Stunden wach.
Die Strapazen ſind vergeſſen. Herr Profeſſor Kiſſinger
wies auf die Alten hin, die jetzt ſchon lange Jahre treu

zur Sache des Odenwaldklubs ſtehen und keine Beſchwer=
den
geſcheut haben, die mit den mancherlei Wanderfahrten
für ſie vielleicht verbunden waren. Unter ihnen vor allen
nannte er Herrn Rechnungsrat Schneider, der ſich in den
letzten zwölf Jahren an allen Touren beteiligt, geſtern
alſo die 144. Tour zurückgelegt hat. Solche Beiſpiele müſ=
ſen
der Jugend zur Aneiferung dienen und der Oden=
waldklub
kann ſich deſſen verſichert halten: Wie die Alten
ſungen, ſo zwitſchern auch die Jungen!
C) Fachkurſus für Dekorationsmaler. Der ſeit einer
Reihe von Jahren an der hieſigen Gewerbeſchule mit
beſtem Erfolge eingerichtete Fachkurſus für Deko=
rationsmaler
wurde am Samstag nachmittag nach
einer viermonatigen Dauer geſchloſſen. An demſelben nah=
men
15 Schüler (Gehilfen und Lehrlinge des Weißbinder=
gewerbes
) teil, und die Arbeiten derſelben in dem neuen
Unterrichtslokal, in den Parterreräumen des alten Hof=
theaters
(Eingang Alexanderſtraße), zur Ausſtellung ge=
bracht
. Bereits im Eingang zum Unterrichtslokal ſind
Decken und Wände reich im Renaiſſance= und gothiſchen
Stil ausgeführt und mit Wappenmuſter geſchmückt, wäh=
rend
im Unterrichtslokal ſelbſt Decken und Wände in den
verſchiedenſten Maltechniken ausgeführt ſind. Die in Caſein=
farben
an den Wänden und Sockeln gefertigten Stoff= und
Tupfmalereien auf rauhem Putz (ein neues Verfahren) wir=
ken
durch ihre ſchöne und feine Abtönung ruhig und ge=
ſchmackvoll
. Die Arbeiten wurden in verſchiedenen Tech=
niken
wie Leim=, Caſein= Carmelit= und Oelfarben aus=
geführt
und gaben den Schülern Gelegenheit, dieſe
Materialien wie in der Praxis zu verwenden. Der be=
reits
ſeit achtzehn Jahren an der hieſigen Gewerbeſchule
tätige Leiter des Dekorationsmalerkurſus Herr Maler Ei=
dam
, hat bereits in Darmſtadt und auswärts ſehr ſchöne
Dekorations= und Kirchenmalereien ausgeführt. Während
des Unterrichts haben bereits eine große Anzahl Fach=
leute
die neuen Unterrichtsmethoden beſichtigt und ſich
über die Arbeit und Leiſtungen der Schüler ſehr anerken=
nend
ausgeſprochen. Die Ausſtellung iſt im Laufe der
Woche täglich vor= und nachmittags bis 5 Uhr geöffnet.
Griesheim, 2. März. Vergangene Nacht wurde
bei dem Kaufmann Chriſtian Gabler in der Oben=
dorferſtraße
ein ſchwerer Einbruchsdiebſtahl
verübt, der oder die Diebe nahmen eine große Anzahl
Tuchſtoffe, ſowie unter Anderem eine größere Menge
Schuhwaren, die der Eigentümer tags zuvor als neue
Sendung erhalten hatte, mit. Ein auf die Suche geſetzter
Polizeihund hat eine beſtimmte Spur nach einem Hauſe
aufgenommen, das verſchloſſen war; jedoch hat man bis
zur Stunde noch nichts Beſtimmtes erfahren können.
Der Wert der geſtohlenen Waren ſoll ſich zwiſchen 300
uud 500 Mark belaufen. In der vorhergehenden Nacht
wurde in derſelben Straße in Gärten eingebrochen und
große Mengen Gemüſe geſtohlen. Auch in dieſem Falle
hat man die Täter noch nicht ermitteln können.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Burean.)

* Berlin, 2. März. Heute nachmittag empfing Frau
v. Bethmann Hollweg die Delegierten des
Frauenkongreſſes in den Feſträumen des Reichs=
kanzler
=Palais. Gegen 700 Damen waren erſchienen.
Im Kongreßſaal wurden Tee und Erfriſchungen gereicht.
Hier hatte ſich auch der Reichskanzler eingefunden,
der ſich zahlreiche Damen vorſtellen ließ und u. a. auch
mit Studentinnen des Deutſchen Akademiſchen Frauen=
bundes
plauderte. Er verweilte über eine Stunde unter
den Gäſten. Anweſend waren u. a. auch die Gemahlin=
nen
der Staatsminiſter und Staatsſekretäre, die Vize=
präſidentin
des Schwediſchen Frauenbundes, Frl. Paula
Müller vom Vorſtand des Deutſchen evangeliſchen Frauen=
bundes
, Frau Bachem und mehrere Damen des katholi=
ſchen
Frauenbundes, die Damen des katholiſchen Lehre=
rinnen
=Vereins. Von den wenigen anweſenden Herren
ſeien nur genannt der Abg. Prinz zu Schönaich=Carolath,
Staatsminiſter a. D. Möller, Direktor Dr. Lewald und
Bürgermeiſter Reicke.
* Berlin, 2. März. Nachdem der Arbeitgeberverband
in der Berliner Kartonage=Induſtrie die
zur unterſchriftlichen Bewilligung vorgelegte neue Tarif=
vorlage
mit reduzierten Forderungen abgelehnt hat, tritt
der von den Arbeitnehmern geſtern gefaßte Beſchluß in
Kraft, der beſagt, daß überall da, wo die Unterſchrift ver=
weigert
worden iſt, am 4. März die Arbeit nicht
wieder aufgenommen werden ſoll. In Frage
kommen gegen 100 Betriebe mit etwa 2000 Arbeitern und
Arbeiterinnen.
* Berlin, 2. März. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: In mehreren Blättern wird der Um=
ſtand
, daß die Wehrvorlagen dem Reichstage noch
nicht zugegangen ſind, auf eine vermeintliche Unent=
ſchloſſenheit
der Reichsleitung über ihren Umfang zu=
rückgeführt
. Dieſe Annahme iſt völlig haltlos; die neuen
Wehrforderungen, die ausſchließlich nach den Bedürf=
niſſen
der nationalen Verteidigung aufgeſtellt ſind, ſtehen
in ihren Grundlagen ſeit längerer Zeit feſt. Die Aus=
arbeitung
ſowohl dieſer Geſetzentwürfe als auch der dazu
gehörigen Deckungsvorſchläge wird dieſer Tage abge=
ſchloſſen
. Die Vorlagen gehen dann ſofort an den
Bundesrat und nach deſſen Beſchlüſſen an den Reichstag.
* München, 2. März. Halbamtlich wird gemeldet:
Die von verſchiedenen Blättern verbreitete Annahme,
Staatsminiſter Frhr. v. Hertling ſei der Urheber der
jüngſt erſchienenen Broſchüre gegen die Erb=
chaftsſteuer
oder habe deren Veröffentlichung ver=
anlaßt
, iſt unzutreffend. Damit entfallen auch die wei=
teren
Kombinationen, die bezüglich der Stellungnahme
Hertlings im Bundesrat zur Erbſchaftsſteuer und an dieſe
Broſchüre geknüpft werden. Zu allem Ueberfluß konſta=
tieren
wir noch, daß auch der ehemalige Reichstagsabge=
ordnete
Frhr. v. Hertling an der Abfaſſung der Bro=
ſchüre
nicht beteiligt war.
* München, 2. März. Den Münchener Neueſten Nach=
richten
zufolge ſind hier von dem Streik in der
Herrenmaßbranſche etliche 60 Firmen betroffen.
Die Zahl der ſtreikenden Gehilfen beträgt etwa 1000.
* Danzig, 2. März. Geſtern abend wurde ein dem
Arbeiterſtande angehöriger Mann, der an verbotener
Stelle das Glacis der Feſtung betrat, dann bei der Arre=
tierung
den Poſten tätlich angriff und zu Fall brachte
und darauf zu entfliehen verſuchte, von dem Poſten
durch einen Schuß in den Kopf getötet.
Danzig, 3. März. Das Kronprinzenpaar
ind die Prinzen=Söhne ſind hier eingetroffen.
* Aurich, 2. März. Heute abend wurde der Schutz=
mann
Glauß in das hieſige Gerichtsgefängnis ein=
geliefert
.
Rom, 3. März. Die Kammer nahm in ge=
heimer
Abſtimmung mit 266 gegen 79 Stimmen den
Geſetzentwurf, betreffend die Verſtaatlichung der
Lebensverſicherungen. an.

Peſt, 2. März. Gegen Schluß der Sitzung des
Abgeordnetenhauſes kam es zu wüſten Sze=
nen
. Graf Andraſſy (parteilos) ergriff das Wort, um
die Handhabung der Geſchäftsordnung durch den Prä=
ſidenten
Navay zu rechtfertigen. Juſth (Oppoſitionell)
erklärte dagegen, das Verfahren des Präſidenten ent=
ſpreche
nicht dem Beiſpiele des früheren Präſidenten Ber=
zaviczy
, obſchon er bei ſeinem Amtsantritt zuſagte, die
gleiche Praxis wie Berzaviczy zu befolgen. Hierauf
nahm Navay das Wort, um ſeine Anſicht über die Hand=
habung
der Geſchäftsordnung darzulegen. Er wurde
häufig unterbrochen. Als er zwei Abgeordnete der kleri=
kalen
Volkspartei zur Ordnung rief, kamen aus den
Reihen der Oppoſitionellen Zurufe: Sie können nicht
präſidieren und gleichzeitig Richter in eigener Sache ſein!
Einige Oppoſitionelle eilten auf die Präſidententribüne
und überreichten dem Präſidenten die ſchriftliche Auffor=
derung
, über die Angelegenheit namentlich abſtimmen zu
laſſen. Der Präſident zerriß das Schriftſtück und warf
es zur Erde. Darauf entſtand ein furchtbarer Tumult.
Während die Regierungspartei in Jubel ausbrach und
heftig Beifall lkatſchte, riefen die Oppoſitionellen dem
Präſidenten wütend zu: Sie ſind verrückt! Sie gehören
ins Narrenhaus! In einem Augenblick höchſter Erregung
ſprang der Redakteur Palyi von der Journaliſtentribüne
in den Sitzungsſaal und eilte auf die Präſidententribüne,
da er irrtümlich die Sicherheit des Präſidenten be=
droht
glaubte. Das Mitglied der Juſthpartei Martin
Lovaszy rief: Fragt den Grafen Batthyany, ob er nicht
insgeheim beim Kriegsminiſter von Auffenberg geweſen
iſt? Präſident Navay hob nunmehr, da er nicht imſtande
war, die Ordnung wieder herzuſtellen, die Sitzung auf.
In den Wandelgängen erörterten die Abgeordneten die
Geſchehniſſe in höchſter Erregung.
* Schloß Berg, 2. März. Heute vormitag 11 Uhr hat
auf Schloß Berg die Großherzogin=Witwe den
Eid als Regentin für die minderjährige Großherzogin
geleiſtet. Der König der Belgier trifft im Laufe des
morgigen Nachmittags, Prinz Auguſt Wilhelm als Ver=
treter
des deutſchen Kaiſers am Montag morgen 9 Uhr
hier ein.
Paris, 3. März. Heute ſtarb hier die Witwe des
ehemaligen Präſidenten der Republik, Caſimir Perier.
Paris, 3. März. Einer Blättermeldung zufolge
hat Kriegsminiſter Millerand an den Vizechef des
Generalſtabes, General de Caſtelnau, welcher bei den
Radikalen antirepublikaniſcher Geſinnung
verdächtig iſt, folgende Erklärung gerichtet: Ich bin
ſicher, daß ich auf Ihre vollſtändige Loyalität gegen die
Republik rechnen kann. Ich frage Sie nicht nach Ihren
Geſinnungen, welcher Art immer dieſelben ſein mögen.
Hier gibt es keine Politik, das muß als abgemacht
gelten. General Caſtelnau habe darauf geantwortet:
Das iſt abgemacht, Herr Miniſter. Ich gebe Ihnen
mein Soldatenwort darauf.
* Madrid, 2. März. Der Imparcial meldet aus
Alcira: Während einer kinematographiſchen Vorſtellung
wurde der Operateur vom elektriſchen Strom
getroffen und getötet. Es entſtand eine Panik,
bei der zahlreiche Perſonen verletzt wurden.
* London, 2. März. Geſtern wurden insgeſamt 152
Suffragetten verhaftet, aber gegen Bürgſchaft
wieder freigelaſſen. Der geſamte Schaden an zer=
brochenen
Fenſterſcheiben wird auf 80000 Mark
geſchätzt. U. a. wurden die Fenſter der Häuſer der
Hamburg-Amerika=Linie und des Norddeutſchen Lloyd
zertrümmert.
Kopenhagen, 3. März. Das Mitglied des Lands=
ting
, Graf Scheel=Ryegaard, iſt geſtorben.
* Sofia, 2. März. Der Finanzminiſter unterbreitete
der Sobranje einen Geſetzentwurf, durch den eine
autonome Verwaltung der öffentlichen
Schuld und der ſtaatlich garantierten Gemeindeſchulden
eingeführt wird. Die Verwaltung, die alle für Rechnung
des Staatsſchatzes der verſchiedenen öffentlichen Inſtitute
und der Gemeinden zu bewirkenden Operationen
zentraliſieren ſoll, bezweckt, den Finanzen Bulgariens
eine ſolide Grundlage zu geben und die regelmäßige
Zahlung der Annuitäten der Anleihen zu ſichern.
Sofia, 2. März. An der türkiſch=bulgariſchen
Grenze haben ſich vorgeſtern drei Zwiſchenfälle er=
eignet
. Die Soldaten eines bulgariſchen Poſtens bei
Idebik (Bezirk Hascovo) töteten einen Schmuggler auf
bulgariſchem Gebiet. Bei dem Verſuch der Soldaten
des türkiſchen Poſtens, die Leiche auf türkiſches Gebiet
zurückzubringen, kam es zu einem zweiſtündigen Feuer=
gefecht
, bei dem ein Bulgare verwundet wurde. In der
Nacht darauf griffen die Türken die Wache des benach=
barten
Dorfes Haſſobas an, die das Gewehrfeuer er=
widerte
. Zwei Türken wurden auf bulgariſchem Gebiete
getötet. Bei dem Poſten Speti Gheorghi im Bezirk
Philippopel eröffneten türkiſche Soldaten auf bulgariſche
Soldaten ein Gewehrfeuer, hierbei ſoll ein Türke ver=
wundet
worden ſein. Die Ruhe iſt wieder hergeſtellt.
Eine Unterſuchung iſt eingeleitet worden.
* Tientſin, 3. März. In der chineſiſchen Stadt wur=
den
vergangene Nacht verſchiedene Brände ange=
legt
. In den Straßen wurde geſchoſſen. Die auslän=
diſchen
Konzeſſionen ſind unbeſchädigt; für ſie wird keine
Gefahr befürchtet.
* Rudolſtadt, 1. März. Die geſtern im Landtag
vorgenommene Ausſprache zwiſchen allen Parteien hat
nicht eine Klärung, ſondern eine Zuſpitzung der politi=
ſchen
Situation gebracht. Da die Regierung auf der
Durchführung ihrer Wahlreform beſteht, die ſozialdemo=
kratiſche
Fraktion dieſe aber entſchieden ablehnt, ſo bleibt
der Regierung nur die Landtagsauflöſung
übrig. Man glaubt, daß dieſe Auflöſung ſchon in der
nächſten Sitzung, die wahrſcheinlich am Montag ſtatt=
findet
und in der die Wahlgeſetzvorlage zur Beſprechung
kommt, von der Regierung vollzogen werden wird. Nach
einer Meldung vom 2. März fand wegen der drohenden
Landtagsauflöſung nochmals eine vertrauliche Beratung
zwiſchen Regierung und Landtag ſtatt. Die Entſcheid=
ung
werde in der Montag abend ſtattfindenden Landtags=
ſitzung
fallen. Frankf. Ztg.
H. B. Wien, 2. März. Der Kaiſer wird am näch=
ſten
Donnerstag den ungariſchen Miniſterpräſidenten,
Grafen Khuen=Hedervary, in Wien in beſonderer
Audienz empfangen. Dieſer wird dem Kaiſer Bericht
über die Meinungsverſchiedenheiten in der Frage der
Einberufung der Reſerven erſtatten. Graf
Khuen=Hedervary wird, wie man glaubt, auch eine allge=
meine
Darſtellung der parlamentariſchen Lage in Ungarn
geben und von allen Geſichtspunkten die parlamentari=
ſchen
Ausſichten in der Durchbringung des Wehrgeſetzes
erörtern. Man nimmt an, daß der Kaiſer dem ungari=
ſchen
Miniſterpräſidenten gegenüber auf die Dringlichkeit
einer Klärung der parlamentariſchen Lage dringen wird,
dg der jetzige Zuſtand unhaltbar iſt,

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

Bialoſtok, 2. März. Gelegentlich einer Steuerein=
treibung
in einem Dorfe des Kreiſes Wolkowysk kam es
zwiſchen den Bauern und der Polizei zu einem bluti=
gen
Zuſammenſtoß. Vier Bauern wurden getötet
und viele ſchwer verletzt. Die übrigen Bauern entflohen.
Rheinisches
Masoninenbau, Sloktrotechnit,

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Kiert
Hater meint
und
Reisment

sind als zuverlässige Nähr-und
Kräftigungsmittel selbst dann
nocherfolgreich gewesen, wenn
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Familiennachrichten.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute abend 6¼ Uhr verſchied nach längerem
Leiden unſere liebe, treue Mutter, Schwieger=
mutter
und Großmutter
(5254
Frau Anna Gros, geb. Rößler
Witwe des Geheimen Regierungsrats Franz Groß
im 77. Lebensjahre.
Darmſtadt, Liebigſtraße 13, 1. März 1912.
Hektor Gros, Poſtdirektor in Frank=
furt
a. M., und Frau Clara, geb.
Hallermann,
Franz Gros in Davos=Wolfgang,
Hans=Walter Gros.
Die Beerdigung findet ſtatt: Montag, den
4. März, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhauſe;
Einſegnung ¼ Stunde vorher.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Ent=
ſchlafenen
.

ierdurch die traurige Nachricht, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, meinen
innigſtgeliebten Mann, unſeren treubeſorgten
Vater, Schwager und Onkel
(5275
Karl Dauth
nach langem ſchweren Leiden im Alter von
44 Jahren zu ſich abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Dauth, geb. Weiermann,
Berta Dauth.
Darmſtadt, Pankratiusſtr. 69, 2. März 1912.
Die Beerdigung findet Montag, den 4. März,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.

Für alle Beweiſe liebevoller Teilnahme
während der Krankheit u. beim Hinſcheiden unſerer
teuren Verſtorbenen
(5255
Frau Hofgerichtsadvokat
Luise Siegfrieden
geb. Lauteschläger
ſagen ihren wärmſten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.

p. P.
In tiefer Trauer teilen wir Verwandten,
Freunden und Bekannten mit, daß am 28. Fe=
bruar
unſer lieber Gatte, Vater, Schwieger=
vater
, Großvater, Bruder, Schwager u. Onkel
Herr
Philipo Roeder
nach längerem Leiden im vollendeten 70. Le=
bensjahre
ſanft entſchlafen iſt.
(5274
Luzern, Darmſtadt.
Die tieftrauernden Hinterlassenen.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
(B5265
bei dem Ableben unſeres
Herrn Hoihrich Fohter
ſagen hiermit tiefgefühlten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Babette Fehrer, geb. Hildebrand.
Darmſtadt, 2. März 1912.

Tageskalender.

Konzert der Großh. Hofmuſik um 7 Uhr im Hof=
theater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vorſtellung des Hofzauberkünſtlers Bellachini um
8½ Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr.
Reſtaurant Metropol um ½ 8 Uhr.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der Krone‟.
Fachausſtellung für das Maler= ꝛc. Gewerbe Neckar=
ſtraße
3 (geöffnet von 111 Uhr!.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Olympia=Kinematograph, Rheinſtraße 2.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Zum
Thronwechſel in Luxemburg; zum Bombardement der
Hafenſtadt Beirut; von der Eröffnung des neuen bay=
riſchen
Landtags; der Durchſchlag des Jungfrautunnels.

Verſteigerungskalender.
Dienstag, 5. März.

Hofreite=Verſteigerung des Karl Nau (Nieder=
Ramſtädterſtr. 9) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Darm=
ſtädter
Hof zu Griesheim.
Stamm= u. Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr
im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft
im Diſtrikt Löhchen nächſt dem alten Pflanzgarten).
Nutz= und Brennolz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft am
Friedhof.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

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Ntummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

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Nummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hende. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde. 1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(5230

Bekanntmachung.

Unter den Pferden der 2. Eskadron des Garde=Dragoner=
Regiments (I. Großh. Heſſiſches) Nr. 23 iſt die Bruſtſeuche aus=
gebrochen
.
Darmſtadt, den 2. März 1912.
(5267
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Polizeiverordnung,
betreffend die Entwäſſerung von Grundſtücken und die Anlage
von Gruben und Behältern zur Aufnahme von Regen= und
Schmutzwäſſern.
Auf Grund der Artikel 2, 32, 35 und 80 der Allgemeinen Bau=
ordnung
und der §§ 4, 6 und 8 der Ausführungsverordnung hierzu,
ſowie des Art. 56 der Städteordnung wird als Nachtrag zu den
§§ 1419, 22, 23, 2529 und 48 der Baupolizeiordnung vom 22. Sep=
tember
1887 nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung,
unter Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes, und mit Genehmigung
Großh. Miniſteriums des Innern vom 23. Januar 1912 zu Nr. M.
d. J. 860, folgendes für die Stadt Darmſtadt hiermit verordnet:
§ 1. Bei Herſtellung öffentlicher Kanäle ſind die Regen= und die
Schmutzwäſſer von den an die Straßen grenzenden Grundſtücken in
die Kanäle einzuführen und die beſtehenden Privatentwäſſerungs=
anlagen
innerhalb zweier Jahre nach vom Tiefbauamt ergangener
Aufforderung zu beſeitigen oder abzuändern. Die Neuanlage ſolcher
Entwäſſerungen, von Gruben und Behältern zur Aufnahme aller
Abwäſſer innerhalb kanaliſierter Stadtgebiete iſt verboten. Die Bei=
behaltung
von waſſerdichten Gruben und dergleichen, ſowie deren
Neuanlage kann nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
in beſonderen Fällen geſtattet werden.
§ 2. Verfehlungen gegen vorſtehende Beſtimmungen unter=
liegen
den Strafvorſchriften des Art. 80 der Allg. Bauordnung.
Neben der Strafe kann die Bürgermeiſterei auf Grund des Art. 56
Ziffer 3 der Städteordnung die zur Herbeiführung ordnungsmäßiger
Zuſtände erforderlichen Zwangsmaßregeln auf Koſten der Schuldigen
anordnen.
(4695oo
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt ſofort in Kraft.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
V.: Ekert.

Oeffentliche Impfung.

Mittwoch, den 21. Februar und die folgenden Mittwoche,
ſolange Bedürfnis, von nachmittags 3 Uhr ab unentgeltliche Impf=
termine
im Schulhaus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr
impfpflichtige, bis jetzt noch nicht geimpfte Kinder.
Angeordnete Wiederimpfungen werden in dieſen Terminen
ebenfalls vorgenommen.
Nachſchau jeweils 8 Tage ſpäter, bei Meidung der geſetz=
lichen
Strafe.
Nachſtehende Verhaltungsvorſchriften werden zur Beachtung
bekannt gegeben.
1. Aus einem Hauſe, in welchem anſteckende Krankheiten, wie
Scharlach, Maſern, Diphtherie, Krup, Keuchhuſten, Fleck=
typhus
, roſenartige Entzündungen oder die natürlichen Pocken
herrſchen, dürfen die Impflinge zum allgemeinen Termine
nicht gebracht werden.
2. Die Eltern des Impflings oder deren Vertreter haben dem
Impfarzte vor der Ausführung der Impfung über frühere
oder noch beſtehende Krankheiten des Kindes Mitteilung
zu machen.
3. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem
Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 17. Februar 1912.
(4280a
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.

Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſer=
rohrnetzes
in den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche
in der Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe
Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung des Waſſers
mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich
vorher mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 4. zu Dienstag, den
5. März lfd. Js. werden geſpült:
Spülbezirk V.
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße ( Herrngarten=
ſeite
), Odenwald bahn, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält
Theaterplatz und Muſeum.
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile: Kranich=
ſteiner
=Straße, Hohler=Weg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere),
zwiſchen Dieburger=Straße und Seiterswieſenweg.
Spülbezirk VIII.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=,
Karls= und Beſſunger=Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 6. zu Donnerstag,
den 7. März lfd. Js. wird geſpült:
Spülbezirk K.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße,
Beſſunger= Karls= und Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs=
und Eſchollbrücker=Straße begrenzt.
Außerdem findet in der Nacht von Donnerstag, den 7. zu
Freitag, den 8. März Ifd. Js. eine Druckrohrſpülung ſtatt.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.
(5059so

Bekanntmachung.

Ein zur Zucht untauglich gewordener, gut gehaltener, ſchwerer
Zucht=Faſelochs ſoll im Wege des öffentlichen Angebots zum Ab=
ſchlachten
vergeben werden. Die Bedingungen hierfür liegen täglich
während der Geſchäftsſtunden bei unterzeichneter Stelle offen.
Angebote können ſchriftlich bis zum 8. März I. Js., nach=
mittags
5 Uhr, bei uns eingereicht werden. Die Beſichtigung des
Tieres während der Tageszeit bis 5 Uhr nachmittags iſt geſtattet.
(5232
Arheilgen, den 1. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei daſelbſt.
Benz.
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Maschinenschreiben nach neu eingeführtem, eigenen Tafelsystem in deutscher,
englischer u. französischer Sprache.
Stenographie: Verkehrs- und Redeschrift nach Gabelsberger.
Beginn neuer Kurse: 15. April, vormittags 8 Uhr.
Getrennter Klassenunterricht für Fortbildungsschüler, der vom Besuche
der obligatorischen Fortbildungsschule befreit.
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Sprechstunden zur Anmeldung und Auskunft täglich zwischen 121 Uhr.

ſie Heberollen über die Bei=
träge
zur land= und forſt=
wirtſchaftlichen
Berufsgenoſſen=
ſchaft
für das Jahr 1911 liegen
von heute an während vierzehn
Tagen auf der unterzeichneten
Bürgermeiſterei Büro: Wald=
ſtraße
6 zur Einſicht offen. Inner=
halb
einer weiteren Friſt von einem
Monat, nach Ablauf der Offen=
legungsfriſt
, kann der in der Hebe=
rolle
als beitragspflichtig in An=
ſpruch
Genommene gegen den An=
ſatz
bei dem Vorſtande der land=
und forſtwirtſchaftlichen Berufs=
genoſſenſchaft
Einſpruch erheben
(ſ. §§ 12 und 15 der Verordnung
vom 31. Mai 1902).
Darmſtadt, den 29. Februar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Mueller. (5250

Bekanntmachung.
Die am 29. v. Mts. abgehaltene
Holzverſteigerung iſt genehmigt.
Vom 9. ds. Mts. an können die
Abfuhrſcheine bei den Hebeſtellen
in Empfang genommen werden.
Die Ueberweiſung des Holzes
findet an dem gleichen Tage durch
den Großherzoglichen Forſtwart
Klipſtein zu Forſthaus Böllen=
falltor
ſtatt.
(5264
Darmſtadt, 2. März 1912.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.

Freiwillige zum Telegraphen=
bataillon
. Das Telegraphenbatail=
lon
Nr. 4 in Karlsruhe ſtellt im
Oktober d. J. noch Zweijährig= Frei=
willige
(Telegraphenmannſchaften
und Fahrer) ein. Für die tech=
niſche
Ausbildung kommen haupt=
ſächlich
Uhrmacher, Elektrotechniker,
Telegraphenarbeiter, Zimmerleute,
Tiſchler, Bautechniker, Zeichner,
Stellmacher, Schuhmacher, Sattler,
Schneider, Steindrucker, Chauf=
feure
, Maler, Buchbinder, Seiler,
Gärtner, Muſiker, Kaufleute, ( Ma=
ſchinenſchreiber
), für die Ausbil=
dung
als Fahrer pferdekundige
Leute (Landwirte, Kutſcher, Huf=
ſchmiede
uſw.) in Frage. Junge
Leute, welche ſich zum Eintritt frei=
willig
zu melden beabſichtigen,
wollen baldigſt einen ſelbſtgeſchrie=
benen
Lebenslauf, deſſen Selbſt=
anfertigung
von der Polizei be=
ſcheinigt
iſt, und den vom Zivil=
vorſitzenden
der Erſatzkommiſſion
ihres Wohnortes (Landrats=, Be=
zirks
=, Ober=bezw. Kreisamts) aus=
zuſtellenden
Meldeſchein an das Ge=
ſchäftszimmer
des Bataillons ein=
ſenden
. Gefordert wird gute Schul=
bildung
, ſowie kräftiger, fehlerfreier
(35248
Körverbau.

Wollene Pferdedecken,
Segeltuchdecken,
Lederdecken
ſowie alle Artikel für den
Fahr=u. Reitſport
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od. Voreinsnd. (auchBriefm.)
Friedrich Tillmann
Blisabethenstrasse 21.

Bekanntmachung.

Die Lieferung der für das Rechnungsjahr 1912 bei dem Groß=
herzoglichen
Landgerichte dahier und der Großherzoglichen Staats=
anwaltſchaft
bei demſelben erforderlichen Schreibmittel, mit Aus=
nahme
der Aktendeckel, ſoll im Wege öffentlicher Ausſchreibung ver=
geben
werden. Bezüglich des Papiers haben ſich die Lieferanten den
Verpflichtungen gemäß den Beſtimmungen der Bekanntmachung vom
17. Januar 1907, Reg.=Blatt Nr. 7, zu unterwerfen.
Für das Großherzogliche Oberlandesgericht und die Groß=
herzogliche
Staatsanwaltſchaft bei demſelben wird das Recht der
Zuſchlagserteilung auf die geſtellten Angebote vorbehalten. Ange=
bote
, unter Beifügung von Muſtern, ſind auf der Gerichtsſchreiberei
des Landesgerichts
altes Gerichtsgebäude, Mathildenplatz Nr. 13, dahier,
Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 36,
woſelbſt auch die Bedingungen eingeſehen werden können, verſchloſſen,
ſpäteſtens in dem zur Eröffnung der Angebote beſtimmten Termine vom
Freitag, den 15. ds. Mts., vormittags 10 Uhr,
einzureichen. Zum Termine haben Bewerber oder Bevollmächtigte
derſelben Zutritt.
Die Zuſchlagsfriſt läuft bis 25. ds. Mts. einſchl.
Darmſtadt, den 1. März 1912.
Der Großherzogliche Landgerichts=Sekretär
(5257
Denk.

Verdingung von Steinktohlenbriketts.

Am 13. März 1912, vormittags 9 Uhr, wird im Geſchäfts=
zimmer
des Proviantamts Darmſtadt, Eſchollbrückerſtraße Nr. 25, der
Bedarf an Steinkohlenbriketts von 100 t für die hieſige Garniſon=
bäckerei
für das Rechnungsjahr 1912 verdungen.
Die Lieferungsbedingungen liegen im Geſchäftszimmer aus und
können in den Dienſtſtunden vormittags von 8 bis nachmittags 6 Uhr
eingeſehen werden.
Schriftliche und verſiegelte Angebote ſind im Geſchäfszimmer
vor Beginn des Termins, mit der Aufſchrift Angebot auf die Liefe=
rung
von Steinkohlenbriketts verſehen, abzugeben.
(4807ms
Proviantamt Darmſtadt.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

Heute

unserer billigen

Keiderstorr woche!

Wir weisen besonders auf unsere Schaufenster hin.

Während dieser Woche verkaufen wir große Gelegenheitsposten besserer Kleider-
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(1784a

Kurſe vom 2. März 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

In Proz.
Bf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,90
81,75
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 90,80
81,80
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
do.
93,20
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 101,00
do.
89,75
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 100,00
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,60
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,20
do.
3½
do.
78,90
3
3 Sächſiſche Rente . . . . 81,80
4 Württemberger v. 1907 100,10
95,00
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,50
1‟½ Griechen v. 1887 53,60
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 93,40
4 do. Goldrente . . . 96,80
4 do. einheitl. Rente 90,20
3 Portug. unif. Serie I 65,20
3 do. unif. Ser. III 67,90
3 do. Spezial .
5 Rumänier v. 1903 . . 101,45
4 do. v. 1890 . . 95,10
4 bo. v. 1905 . . 92,00
4 Ruſſen v. 1880
92,00
4 do. v. 1902
. 91,20
4½ do. v. 1905
100,25
3½ Schweden ..
*91,60
4 Serbier amort. v. 1895 86,00
4 Türk. Admin. v. 1903 84,40
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,60
4 Ungar. Goldrente . . . 93,40
4 do. Staatsrente . . . 90,40

In Proz
Zf.
.101,20
5 Argentinter
88,75
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,22
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,20
4½
do.
96,10
4½ Japaner . . .
5 Innere Mexikaner.
96,00
3
do.
60,90
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,50
5 Gold=Mexikaner .
.100,00
3 Buenos Aires Provinz 72½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 140,50
3 Nordd. Lloyd . . . . . 106,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,80
8 Baltimore und Ohio . 10257
6 Schantungbahn . . . . 134,25
6½ Luxemb. Prince Henri 155,50
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 157,00
6 Pennſylvania R. R. . 18½
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 71,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 492,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. . 253,50
27 Farbwerke Höchſt . . 539,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . .
8 Cement Heidelberg . . 158,50
32 Chem. Werke Albert 445,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 291,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,50

Letzte
Sie
Divid.
7 Schuchert, Nürnberg . 158,00
12 Siemens & Halske . 235,75
12 Bergmann Electr. . 186,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 182,40
25 Gummi Peter . . . . 141,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 127,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 468,00
12 Maſchinenf. Badenia
16 Wittener Stahlröhren 235,00
8 Steana Romana Petr. 134,70
15 Zellſtoff Waldhof . . 242,25
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 133,00
3 Südd. Immobilien . 71,00
Bergwerks=Aktien.
Zf.
10 Aumetz=Friede . . . . 186,25
12 Bochumer Bergb. und
Gußſt. . . . . . . 223,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 182,30
10 Gelſenkirchener . . . . 198,00
7 Harpener . . . . . . . 192½
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 252,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . .
. 88,00
4 Laurahütte . . . . . . 174,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
10 Weſteregeln 192,50
5 South Weſt Africa.
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 90,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,60
4 Eliſabethbahn, freie . . 96,00
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,20
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104,70
4 Oeſterr. Staatsbahn . 95,30
3
do.
80,00
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 100,00

Sten
3f.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 80,40
55,10
29/10 do.
.77,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,00
88,50
4 Ruſſ. Südweſt.
96,90
4½ Moskau=Kaſan
do.
.101,50
4 Wladichawchas
4 Rjäſan Koslow
78,90
3 Portugieſ. Eiſenb.
72,00
4½
do.
71,10
2¼/0 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 66,20
84,20
4 Bagdadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
74,00
4 Miſſouri=Pacific.
.101,20
4 Northern=Pacific
95,50
4 Southern=Pacific
5 St. Louis und San
88,40
Francisco.
97,75
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 194,00
8½ Bergiſch=Märkiſche
150,60
Bahn . . . .
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 172,50
6½ Darmſtädter Bank . 124,75
12½ Deutſche Bank . . . 261,75
6 Deutſche Vereinsbank . 124,60
5½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,40
10 Diskonto=Kommandit 190,25
8½ Dresdener Bank . . 157,60
9½ Frankf. Hypoth.=B. 192,80
6½ Mitteld. Kreditbank 121,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 126,00
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
6.48 Reichsbank . . . . . 137,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,50
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 132,00
7½ Wiener Bankverein . 139,00
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . 99,20

Zf. Pfandbriefe. In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 90,04
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,30
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 100,00
89,50
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 101,10
do.
90,30
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
100,60
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
.. 100,85
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 60
90,30
S. 35 .
90,10
S. 911
. 90,20
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
do.
3½
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 99,00
3½ do. (unk. 1914) . . 89,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
do.
3½
90,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 99,70
3½ do.
4 Frankfurt.
100,80
3½ do.
96,10
4 Gießen .
3½ do.
4 Heidelberg
99,30
3½ do.
89,30
4 Karlsruhe
99,80
3½ do.
89,60
4 Magdeburg
-
3½ do.
-
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
-
3½ do.
90,10
4 München
99,70
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg.
99,80
do.
90,80
-
4 Offenbach .

Zf.
In Proz.
3½ Offenbach
. 91,30
4 Wiesbaden,
.100,10
3½ do.
96,20
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 136,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 106,40
3 Madrider . . Fs. 100 78,10
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 137,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 180,90
. 124,80
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,40
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 20020
Fs. 15
Freiburger
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
.fl. 7 34,60
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 528,00
do. v. 1858fl. 100 454,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Fs. 30
Venediger .
Fs. 400 172,40
Türkiſche
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
16,30
20 Franks=Stücke
Amerikaniſche Noten
4,19½
20,48
Engliſche Noten .
.81,25
Franzöſiſche Noten.
169,35
Holländiſche Noten.
80,60
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten
216,00
Schweizer Noten.
80,90
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zsf. 6

[ ][  ][ ]

Nummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Seite 13.

AAAAA9A2
OO25AA2299as
A9004
Das neue Heim

behaglich und schön einzurichten, ist der Wunsch aller Brautpaare! Was mit mässigen Mitteln zu erziejen ist, zeigt meine Ausstellung
feinbürgerlicher Wohnungs-Einrichtungen.
Als Beweis weiner Leistungsfähigkeit habe ich unter anderem folgende 3 sehr preiswerte Einrichtungen von seltener Formenschönheit in meiner
bekannt guten Ausführung zusammengestellt.

Zimmer:
Schlafzimmer
Speisezimmer
Herrenzimmer
und Küche
für Mark

Wiewohl dieser Preis von Mk. 1343. für 3 Zimmer mit Küche sehr niedrig ist,
liefere ich dennoch sehr gediegene, gute Möbel dafür, und zwar 1 Schlafzimmer in
hellitalien, nussbaum mit feinen Intarsien, oder echt eichen, innen eichen, mit
2 Bettstellen, 1 grossem Spiegelschrank, 1 Waschkommode mit Marmor und Kristall-
fassetespiegel
, 2 Nachtschränke mit Marmor, 2 Stühle, 1 Handtuchständer: ferner
1 gediegenes Speisezimmer in dunkel eichen mit 1 reichen Büffet, Anrichtetisch,
6 Rohrstühlen, Ausziehtisch und Moquettediwan. Das in geräucherter Eiche gehaltene
Herrenzimmer besteht aus 1 vornehmen Bücherschrank mit Kristallfagseteverglasung,
Diplomatenschreibtisch, Ledefschreibstuhl, 2 Lederstühlen, Tisch, Ottomane mit Decke;
die moderne Kücheneinrichtung in grau fein lackiert: 1 Küchenbüffet mit reicher
:: :: Verglasung, Anrichte mit Aufsatz, Tisch, 2 Stühlen und Ablaufbrett.:: .:

Zimmer:
Schlafzimmer
Speisezimmer
Herrenzimmer
und Küche
für Mark

Das Schlafzimmer dieser Einrichtung ist in geräucherter Eiche ausgeführt und
unterscheidet sich von demjenigen der vorstehenden Preislage durch die reichere
Form der einzelnen Teile. Das nach apartem Entwurf gefertigte Speisezimmer hat
ein imposantes Büffet und geschlossene Kredenz, sowie grossen Ausziehtisch, 6 Leder-
stühle
und Diwan in feinstem Moquettebezug. Ebenso ist das Herrenzimmer mit
schönem Bücherschrank und Diplomatenschreibtisch in sehr gefälliger Form, sowie
mit allem Komfort versehen, der zu einem wohnlichen Herrenzimmer gehört. Die
Kücheneinrichtung entspricht in der Form der obigen, ist aber in feinstem carolina-
:: . . : pine naturlackiert und auf das solideste ausgeführt. .. .. :: :

Zimmer:
Schlafzimmer
Speisezimmer
Herrenzimmer
und Küche
für Mark

Der hier zur Verfügung stehende Raum gestattet nicht, diese wirklich vornehme
Einrichtung eingehend zu besprechen. Erwähnt sei nur, dass das Büffet des Speise-
zimmers
in reicher, dreiteiliger Form mit Seitenschränken, englischen Zügen und
Kristallfasseteverglasung gehalten ist, wie diese Büffets für ganz reiche Aussteuern
mit besonderer Vorliebe gekauft werden. Die Bibliothek des Herrenzimmers ist
ebenfalls dreitürig und von vornehmster, ruhiger Wirkung, wie auch die übrigen
Möbel des Herrenzimmers der eleganten Einrichtung in allen Einzelheiten entsprechen.
Zahlreiche Kunden haben anfangs nicht vermutet, für diesen Preis so gute Qualitäten
: : und eine so mustergültige Ausführung zu erhalten. .. :.
*7

Ferner komplette Einrichtungen zu Mk. 2400., 2700., 3000. und höher!
im Interesse rechtzeitiger Lieferung erbitte Bestellungen möglichst frühzeitig.

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22)

Dora hatte ſonſt einen klaren, ruhigen Kopf und lachte
über dieſe Geſchichten, die im Volke fortleben und ſich fort=
erben
, als läge es im Blute. Heute aber fröſtelte es ihr den
Rücken hinunter. Sie wollte fort von Halligboſtel, ganz
gewiß!
Ja, das wär nu ſo was für Spökenmarie. Aber ich
verzähl ihr nichts davon, denn ſie lügt immer nen Hucken
voll dazu, daß es gar nicht wahr bleibt. Die jungen Leute
glauben nu ja auf Stunds nicht mehr an ſo was, und was
wir Alten ſind, wir glauben auch nicht daran, denn wir
wiſſen es! Ich hab mal in Marſchen Arbeit gehabt, bei
Lüdeckes gleich rechts, ne, was ſag ich, gleich links von die
Chauſſee. In Oktober war’s, und ich wollt partu mit meine
Arbeit noch fertig werden, und drüber war’s ſchummrig ge=
worden
. Als ich den letzten Schnitt getan hab und alles

ſchn nuſchit is ichwer ernd edendia ieo die Fferdelnrſe
übers Kreuz gehen und wo drunter die Luke iſt, daß die Luft
durchſtreifen kann, da kuckt aus die Lucke wahrhaftig die
olle Lüdecke heraus, die wir vor zehn Jahren begraben
hatten, akkurat als wär ſie lebendig mit ihre olle ſpitze Naſe,
und ſagt ganz ruhig zu mir: Hör man auf, Peter Sand=
kuhl
, das hat keinen Zweck mehr! Ja, und was denken
Sie, is paſſiert? Dieſelbe Nacht, oder eigentlich war’s
Klock vier Uhr früh, brennt der ganze Hof ab, und der ein=
zige
Sohn, Lüdeckes Karl, verbrennt bei lebendigen Leibe!
Als ich das Ihrem Vater verzählt hab, da hat er mächtig ge=
ſchimpft
, das wär alter Weiberſnack!
Dora freute ſich, daß ſie mittlerweile ins Dorf hinein=
gekommen
waren, denn heute konnte ſie keine Spukgeſchichten
vertragen.
Ja, Frölen, das hat allens ſeine Bewandtnis. Da
hatte ich eine Schweſter, ja aber da ſind wir ja ſchon
bei’s Paſtorhaus. Ich verzähl’ Ihnen das ein andermal.
So haben wir uns ganz ſchön hergeſnackt. Grüßen Sie den
Herrn Paſtor von mir, und was Ihre Schweſter is, der

Einen Sie ſonen ich brich arſchen Sahienhanint aut
Weihnachten. Ich tu das ja alle Jahre. Gu’n Nacht,
Frölen!
Er rückte die Mütze und ſtockerte die Dorfſtraße weiterg
pfiff ein Lied und freute ſich auf ſeine warme Stube.
Frau Liebetrau hatte gerade ihre kleine Geſellſchaft zu
Bett gebracht, als Dora kam. Dieſe ging noch einmal zu den
Jungens und wußte nicht recht, was ſie machen ſollte mit
ihren ernſten Gedanken bei dem Jubel, der losging, als ſie
hereinkam. Kinder ſind immer außer Rand und Band,
wenn ſie zu Bett gehen. Der Jüngſte mußte ihr doch etwas
anmerken, denn die unſchuldigen Kinderaugen wurden ernſt=
haft
, als ſie ſich über ihn beugte.
Frau Liebetrau ſah wohl, wie bleich Dora war, ſagte
aber nichts, ſondern redete ihr zu, doch früh zu Bett zu
gehen. Sie machte ihr eine Taſſe Tee mit einem kleinen
Schuß Rum hinein, weil ſie ſah, daß die Schweſter dicht
neben dem warmen Ofen gefröſtelt hatte. Wenn Dora nur
nicht auch Diphtheritis bekam! Der Mutter bangte um ihre
vier geſunden Jungens, aber ſie jagte den Gedanken raſch

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

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hinaus, denn das war etwas, was ihr Mann nicht aus=
ſtehen
konnte, wenn ſich jemand vor Möglichkeiten fürchtete.
Dora ſaß dicht am Ofen und ſtarrte auf die Dielen.
Jedesmal, wenn ihre Schweſter ins Zimmer kam, fand ſie
Dora in derſelben Stellung mit einem ſo todernſten Geſicht,
dieſelbe Dora, die ſonſt immer ſo froh und mutig ausſah.
Schließlich hielt es Helene Liebetrau nicht mehr aus, ſondern
trat vor die Schweſter hin, nahm deren Kopf zwiſchen beide
Hände, richtete ihn auf und ſah ihr ins Geſicht. Aber Dora
ſchlug den Blick nicht auf zu ihr. Ein bitterer, müder Zug
ging von den Mundwinkeln abwärts zum energiſchen Kinn
hinunter.
So ſprich doch ein Wort, Dörte!
Ach, was gibt es da zu ſprechen oder auszuſprechen?
Ein unheimlicher Druck iſt dort im Hauſe! Ich fühle ja,
wie ich ihr im Wege bin überall. Kann’s denn anders ſein?
Alles wendet ſich an mich, wie jeder das gewohnt iſt. Man
betrachtet ſie doch nur als Beſuch. Der Junge wollte von
ihr zuerſt nichts wiſſen, und jedesmal, wenn er meinen
Schritt nur nebenan hört, ruft er natürlich nach mir. Das
iſt ſchwer für ſie, ganz gewiß, aber ich kann’s doch nicht
ändern! Und dann Lührſen! Etwas Scheues und
Wundes hat er im Blick und drückt ſich möglichſt viel außer
dem Hauſe herum. Aber weshalb ſchafft er ſolche Zuſtände!
Er konnte es ja alles kommen ſehen. Warum läßt er die
Dinge gehen, wie ſie gehen wollen? Ich begreife ihn gar
nicht. Hat er ihr denn etwas abzubitten? Charakterlos iſt
er, feige gegenüber der Frau, die doch wahrlich !
Dora, um Gottes willen, was ſagſt Du da? rief die
Schweſter.
Dora fuhr zuſammen. Sie ſtrich mit der Hand über die
Stirn. Ja ſo, was ſagte ich denn?
Ich meine Dora, es iſt Zeit, daß Du aus Halligboſtel
ortgehßt.

üder Ders ichte aif ait ehnen berien Alng und rat
dicht vor Helene hin. Natürlich, du auch! Immer Platz
machen, ſich in die Ecke ſtupfen laſſen! Geh weg, Du biſt
hier im Wege! Jawohl, damit ſie triumphieren kann. Wer
gibt mir die vier Jahre Arbeit und Sorgen aus meinem
Leben wieder, die ich dort zugeſetzt habe? Gewiß, ich werde
gehen, weshalb ich es tue, und daß ich freiwillig gehe, weil
ich keine Luſt habe, mich von dieſer Frau über die Achſel
anſehen zu laſſen!
Dora, Dora! rief Helene und ſah die Schweſter ganz
faſſungslos an. So hatte ſie ſie noch nie im Leben geſehen,
nie mit einer ſo tiefen Falte zwiſchen den Augenbrauen,
nie dieſe Leidenſchaft in der Stimme, nie dies trotzige Auf=
werfen
des Kopfes.
Ach ja, ich weiß, ich kann ſchon nicht mehr Recht und
Unrecht unterſcheiden. So eine verwöhnte, hochfahrende
Puppe wie dieſe Frau! Theater ſpielt ſie, immer, auch
dann, wenn es beinahe Sünde iſt. Wär’s nicht um des
Friedens willen geweſen, ſie hätte es von mir gehört. Und
er? Sie lachte wieder auf. Er, wirklich kläglich iſt es!
Weshalb fing er denn die ganze Wirtſchaft an in Hallig=
boſtel
, wenn er nicht Manns genug iſt, es durchzuführen?
Natürlich, nun iſt ſie da, ein hübſches Lärvchen, fein ange=
zogen
, parfümiert iſt ſie auch, und da iſt natürlich ſolch ein
Mann wie alle die andern Herren der Schöpfung !
Dora! Jetzt wurde der Mahnruf beinahe drohend,
und Helene ging ins Geſchirr, wie nur Menſchen losgehen,
die ſonſt ſo ruhig ſcheinen, die erſt innerlich ſiedeheiß werden
müſſen, ehe ſie alle Sperren niederbrechen. Dora, Du weißt
ja gar nicht, was Du da ſagſt. Biſt Du denn vollſtändig
von Sinnen? Nimm Dich zuſammen und ſchäme Dich, ja=
wohl
, ſchäme Dich vor mir, Deiner Schweſter! Wie ſieht es
in Dir aus! Jetzt weiß ich es, und ich ſage es Dir gerade
ins Geſicht: Zu lange, viel zu lange biſt Du ſchon in

Halligboſtel! Dieſer Lührſen, nun ſehe ich klar, blieb Dir
nicht
Da ſchrie Dora auf im höchſten Jammer: Schweſter,
Schweſter, bitte, nicht das!
Helene ſah, wie Dora kreideweiß geworden war. Sie
ſchwieg. Aber nun kam das Mitleid über ſie, und ſie nahm
Dora in den Arm und ſtrich ihr leiſe über das helle Haar,
indem ſie nur einigemale hintereinander ſagte: Arme
Deern, Du arme Deern!
Sei ganz ruhig, Lene. Ich habe mich in der Gewalt!
Aber ich wollte nicht, daß man hinter mir her zeigt und
hinter mir her ſchwatzt, wenn ich Knall und Fall davon=
laufe
. Ich habe meinen Stolz, und die Frau ſoll nicht
denken, daß ich mich ſo aus dem Hauſe hinausquetſchen laſſe
So wahr ich lebe, das ſoll ſie nicht! Zum erſten Januar gehe
ich, nicht einen Tag eher. Nachts kann ich bei Euch bleiben.
Ich habe nichts auf dem Gewiſſen, gar nichts, kein Wort
und keine Tat, die ich nicht verantworten könnte!
Dora hatte ſich losgemacht aus Helenens Armen und
ſtand nun da, hoch aufgerichtet am Tiſch. Ihre Schweſter
kannte ſie. Jedes weitere Wort hätte Doras Willen nur
ſtraffer und ihren Stolz nur ſtärker gemacht. So überredete
ſie die Schweſter, zur Ruhe zu gehen, ehe Liebetrau nach
Hauſe käme. Dora ging zu ihrer Stube hinauf. Sie kleidete
ſich raſch aus. Schuhe und Kleider waren naß. Sie fror.
Kein Schlaf wollte kommen. Etwas war in ihr wach=
geworden
, was bisher geſchlafen hatte, das war das Weib=
in
ihr! Das reckte ſich in ihr auf und trat ihren Mädchen=
ſtolz
nieder, aber der Stolz des Weibes erhob ſich in ihr, die
echte Eva=Natur, die ewig alte junge Natur, der herbe Stolz,
der keinem andern Weibe ſich beugen will, der keiner andern
Platz machen will, der wohl verzichten kann auf den Mann,
aber keine Demütigung mehr erträgt von einer andern Fraul
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Nummer 54.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

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Deckbett 1½ schläf., aus rotem Köper
mit 6 Pfund Federn . . . . . .
Deckbett 2schläfig, aus bunt getr.
Barchent, mit 8 Pfund Federn
Deckbett 1½ schläftg, aus rot Bar-
chent
, mit 6 Pfd. Federn . .
Deckbett 1½ schläfig, rot-rosa gestr.
Barchent, mit 6 Pfund Federn
Deckbett 1½schläfig, aus gutem Bar-
chent
mit 6 Pfund Federn . .
Deckbett 1½ schläfig, aus gutem Bar-
chent
, mit 6 Pfund guten Federn .

Kissen
Kissen aus bunt gestreiften Stouts, mit
2 Pfund Federn . . . . .
Kissen 80X80 cm, aus bunt gestr. Bar-
chent
, mit 2 Pfund Federn
Kissen 80X80 cm, rot-rosa gestreift, mit
2 Pfund Federn . . . . . . . .
Kissen 80X80 cm, aus gutem Barchent,
80
mit 2 Pfund guten füllkräftigen Federn
Kissen aus gutem Barchent, mit 2 Pfd.
00
guten Federn . . . .
Kissen aus la Barchent, mit 2 Pfund
89
guten Federn . . . . . . . .

Kinder-Decckbetten
Kinder-Deckbett aus unicrot Cöper,
100 X 130 cm, mit 4 Pfd. Federn

Kinder-Deckbett aus gut. Barchent,
100 X130 cm, mit 4 Pfd. Federn

Kinder-Deckbett aus la Cöper-
102
Barchent mit 4 Pfd. guten Federn .
Kissen für Kinderbetten, 40 X 40 cm,
60
aus rot Barchent . . . . . . . von 2an
Kissen für Kinderbetten, 50 X 50 cm,
aus gutem Barchent . . .
Kissen für Kinderbetten, 60 X 60 cm,
395
aus Ia rotem Barchent . . . . . . .

Gisenbettstellen

für Erwachsene
Eisenbettstelle
braun mit Rost, 80 X 185 cm .

Eisenbettstelle
braun mit Rost, 80 X 185 cm

65
Eisenbettstelle braun mit Spiralfeder-
975
matratze u. verstellb. Kopfteil . . .
Eisenbettstelle
braun m. Rost u. Seitenteilen, 90 X 190 cm 150
Eisenbettstelle
50
weiß lackiert mit Patent-Matratze . . . (4
Eisenbettstelle
weiß lackiert mit Kettnetz-Matratze . .
11

Matratzen
Stroh-Matratzen
es 60
Seegras-Matratzen
112
einteilig
Seegras-Matratzen
167
Steilis
Seegras-Matratzen
1800
3teilig mit Keil .
Woll-Matratzen
20
Zteilig mit Keil .
Capok-Matratzen
42 Einlagen
Kinder-Strohmatratzen
et 30
Kinder-Seegrasmatratzen
32
von

Gisenbettsteilen
für Kinder

Kinderbett
mit Spiralmatratze, weiß lackiert . .
Kinderbett m. Spiralmatratze, doppelt
abschlagbaren Seitenteilen, weiß lackiert

4 m. Spiralfedermatratze u.
Kinderbett doppelt abschlagb. Seiten-
teilen
u. Messingknöpfen, weiß lackiert

Kinderbett m. doppelt. Spiralmatr. u.
doppelt abschlagb. Seitenteil., wB. lackiert

m. doppelt. Spiralmatratze,
Kinderbett doppelt abschlagb. Seiten-
teilen
u. Messingknöpfen, weiß lackiert

-Komplett. Kinderbett-

Bettstelle . .
Mk. 21.75
Seegras-Matratze .
8.75
Deckbett
7.80
Kissen
2
2.60
komplett Mk. 40.90

-Komplett. Kinderbett-

Bettstelle .
Mk. 23.70

Seegras-Matratze
8.75
10.90
Deckbett
3.60
Kissen

komplett Mk. 46.35

Komplettes Beit

Mk. 28.50
Bettstelle .
11.75
Seegras-Matratze
7.20
2 Kissen, à 3.60 .
:
1 Deckbett.
.. . 10.85

komplett Mk. 58.30

Markt 2

(5228
Markt 2
Gebr.Stbthschid

[ ][  ][ ]

34.

Musiverem Darmstau

75

Protektor: Seine Königliche Koheit der Grossherzog.
Drittes Konzert‟.

vom 4. März an in der
Verkauf der Eintrittskarten A. Bergſtraeßer’ſchen Hof=

Mittwoch, den 6. März, abends 8¼ Uhr,
im grossen Saale des Saalbaues
Zweites Konzert (99. Vereinsabend)
unter gütiger Mitwirkung von Fräulein Else Diefen-
thäler, Konzertsängerin von hier.
Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie
für Tonkunst.
Programm: Mozart: Symphonie D-dur Nr. 35. Händel:
2 Arien mit Orchesterbegleitung. Beethoven: 12 Contretänze für
Orchester, 4 Lieder für Alt und Klavierbegleitung (Brahms,
A. Mendelssohn und Reger). Mozart: Ouvertüre zu Die Ent-
führung
aus dem Serail‟.
(4898do
Konzertflügel Rud. Ibach Sohn, Barmen. Vertreter: Hof.
lieferant Heinrich Arnold, Wilhelminenstrasse 9
Karten: Sperrsitz Mk. 2., Saal Mk. 1. nur in der Musi-
kalienhandlung
des Herrn Heinrich Arnold, Hoflieferant, Wil-
helminenstrasse
9.

Verein für Bogel= und Geſlügelzucht
(älterer Verein).
Montag, den 4. März 1912, abends 9 Uhr,
m Vereinslokal Brauerei zur Krone, Schuſtergaſſe 18, I.
Monats=Verſammlung.
Wir bitten, da die Tagesordnung umfangreich iſt, um pünkt=
iches
Erſcheinen.
Der Vorstand.
NB. Verloſung von 1 Stamm Puten.
(5231

Montag, 4. März.

1912.

75

Hessischer Goethebung.
ienstag, den 5. März, abends 8½ Uhr, im Hörſaal Nr. 330
der Techn. Hochſchule
ortrag des Herrn Professor Dr. Karl Alt
Privatdozent an der Techn. Hochschule
über:
69)
bsens Baumeister Solness
intritt für Mitalieder frei. Nichtmitglieder zahlen 20 Pfg.

Darmstädter Billard-Klub
Vereins-Abend: Dienstag abend Hotel Hess‟
(2a
Gäste stets willkommen.

im Winter 1911/12
* (achtzigſtes Vereinsjahr)
unter Leitung des Herrn Hofkapellmeiſters Hofrat
W. de Haan
u. unter Mitwirkungder Konzertſängerinnen Frau Anna
Stronck=Kappel aus Barmen, Frau Paulinede Haan=
Manifarges aus Rotterdam, der Konzertſänger Herren
Jules Peters aus Amſterdam und Thomas Denys
aus Berlin, ſowie der Großh. Hofkapelle
Montag, den 11. März 1912, im Saalbau.
Anfang abends ½8 Uhr. Ende 10 Uhr.

Orpheum 1389 Mronte
März
Mantng
4n u. folg. Tage Das grosse Koviläten-Programm!
Eine Kette erster Kunstkräfte! 29 Künstler
Ranges 5

Zum erstenmale:
Das Märchen und das Leben
Eine Kantate in vier Abteilungen für Soli, Chor,
Orcheſter und Orgel von W. de Haan.
Die Orgel iſt von der Firma E. F. Walcker, Hoforgelbaumeiſter in
Ludwigsburg, geſtellt, die Orgelbegleitung hat Herr Muſikdirektor
Klaſſert von hier übernommen.
Die verehrlichen Damen werden dringend erſucht, vor Betreten
des Konzertſaales die Hüte abzunehmen.
Preiſe der Eintrittskarten:
Numerierte Plätze in den vier Balkonlogen
Mk. 6.
Beſondere Sperrſitze im Saal
F. ,, 6.
Numerierte Plätze im Saal und auf den Eſtraden
§ 4.50
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 1. Reihe
4.50
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 2. Reihe
2.50
Nichtnumerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 3. Reihe
1.50
Plätze in dem Vorſaal
1.50
Texte 30 Pfennig.
Sonntag, 10. März, vormittags 10 Uhr im
Hauptprobe: Saalbau. Eintrittskarten Mk. 1.50.

buchhandlung, Rheinſtraße 6, ſowie am Sonntag und Montag an
der Kaſſe.
(5235
Der Vorstand.

zu verfanſen Rodg=
Staffeleizing135, IIIr. (*5369
zu Johns Waſchmaſchine
Ofen Mk. 2. umzugshalber
abzugeb. Dieburgerſtr. 60. (*5370om
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mit Dame entſpr. Alters u. Verm.
bekannt zu werden. Anonymzweckl.
Off. u. O 5 an die Exped. (*5325

beirat
Suche für meinen Bekannten
kath. Mädchen, nicht unter 25 J.
mit Vermögen. Offerten unter
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Vermittlung verbeten. (*5314

Ein deutſcher Schaferhund
(Wolfshund) entlaufen.
Dunkelgrau mit gelbgeſtromt, auf
den Namen Hans hörend, abzugeb.
gegen Belohn. Eichbergſtr. 18.
Vor Ankauf wird gewarnt. (*5371
Ein kleiner, ſilbergrauer
Angora-Kater
entlaufen. Gegen gute Be=
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abzugeben bei Ober=
landſtallmeiſter
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Mittwoch, den 6. März 1912,
abends 8½ Uhr,
im kleinen Saale der Turnhalle am Woogsplatz
Lichtbilder=Vorführung
des Kameraden Herrn L. Geist
über:
Eine Schweizerreiſe von Bern über Genf,
Chamonix durch das Rhönetal über die Grimſel=
Alpen, Furka=Paß, St. Gotthard, Vierwald=

ſtädter See uſw.
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Unſere Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen laden wir
zu dieſen intereſſanten Vorführungen zu zahlreichem Beſuche ein.
Gäſte ſind willkommen.
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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 4. März 1912.

Nummer 54.

(5245ai


h
a
Gal mackt 62
6

Luftfahrt.

sr. Zwei größere Ueberlandflüge wur=
den
von den Piloten Wiencziers und Oelerich der Deut=
ſchen
Flugzeugwerke in Leipzig ausgeführt. Oelerich
ſtieg am Freitag mittag um ¾5 Uhr auf einem Doppel=
decker
mit einem Paſſagier auf und landete kurz nach
halb 6 Uhr glatt in Altenburg. Wiencziers umkreiſte
auf einem Eindecker gleichfalls mit einem Paſſagier zwei=
mal
die Stadt Leipzig und führte über dem Auguſtus=
platz
einige wohlgelungene Schleifen aus, um 20 Min.
ſpäter wieder auf dem Exerzierplatze zu landen.
Für das Gordon=Bennett=Rennen
der Flugmaſchinen wurde jetzt eine weitere Mel=
dung
abgegeben, und zwar von ſeiten Englands, die
eine Herausforderung an den Amerikaniſchen Aeroklub
geſandt hat. Als einzigſter Vertreter Englands wurde
Graham White auserſehen.

Sport.

sr. Kriegsſpiele in Sportvereinen. Bis=
her
haben ſich die Sportvereine der im Jung= Deutſch=
land
=Bund ebenfalls ſtark vertretenen Richtung der ſo=
genannten
Wehrkraft=Vereine (Pfadfinder uſw.) gegen=
über
ſehr zurückhaltend verhalten. Sie befinden ſich da=
mit
im Einklang mit einem Erlaß des preußiſchen Kriegs=
miniſters
, der im Hinblick auf die Wehrhaftigkeit unſerer
Jugend vor einem Zuviel an militäriſcher Erziehung ge=
warnt
und die Nachahmung militäriſchen Weſens nicht
unbedenklich genannt hat. Prinzipiell weichen die Sport=
vereine
auch in Zukunft von dieſem Standpunkt nicht ab.
Sie erblicken in der ſportlichen Betätigung ihrer Junio=
ren
auch die beſte Vorbereitung für die Schulung im
Heere, deren techniſche Einzelheiten immer noch früh
genug erlernt werden. Jedoch wird der neuen Geſchmacks=
richtung
inſofern Rechnung getragen, als gelegentlich
Kriegsſpiele, Uebungen im Kartenleſen und andere Ge=
ländeaufgaben
unternommen werden, vor allem, um den
in den Sportſpielen gerade Unbeſchäftigten Gelegenheit
zur Ausnützung ihrer freien Tage zu geben. So wird

der Berliner Sportklub ſolche Kriegsſpiele mit Unter=
ſtützung
ſeiner Offizier=Abteilung in ſein Programm
aufnehmen.
Das Internationale Schachturnier
zu San Sebaſtian ergab in der achten Runde wie=
derum
einen Sieg von Marſhall über Dr. Tarraſch, wäh=
rend
Spielmann und Teichmann Remis erzielten. Un=
beendet
blieben die Partien Leonhard-Rubinſtein, Du=
as
-Niemzowitſch und Forgacz-Schlechter. Von den
Hängepartien gewann Niemzowitſch die ſeine gegen Du=
ras
. Remis wurden die Partien Forgacz-Niemzowitſch,
Spielmann-Duras. Spielmann hat mit 6 Punkten die Füh=
rung
. 'An zweiter Stelle folgt Perlis mit 4½ Punkten,
an dritter Stelle ſteht Rubinſtein, der jedoch noch eine
Hängepartie zu erledigen hat, mit 4 Punkten. Es folgen
Marſhall mit 3½ und Niemzowitſch mit 3 Punkten und
je einer Hängepartie.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt, 2. März. ( Börſenwochen=
bericht
.) Die Börſe verkehrte auch in der abgelaufenen
Berichtswoche in luſtloſer Stimmung, da die vorliegenden
Nachrichten wenig befriedigend waren. Die Unſtimmig=
keiten
des Fürſtenkonzerns mit der Deutſchen Bank haben
während der letzten Tage den Montanmarkt ungünſtig be=
einflußt
. Der Kurs der Hohenlohe=Aktien, eines Haupt=
papieres
des Fürſtenkonzerns, machte eine rückläufige Be=
wegung
, bis unter 190 Prozent, und tangierte dadurch den
Geſamtmarkt. Der eingetretene Rieſenſtreik in England
machte weniger Eindruck, weil gleichzeitig die Londoner
Börſe, insbeſondere für engliſche Bahnen als Hauptinter=
eſſenten
, gut behauptete Kurſe ſandte, alſo anſcheinend
eine baldige Beilegung durch Vermittelung der Regierung
dort erhofft wird. Am weſentlichſten dürfte aber die Zu=
rückhaltung
bewirken, durch die wachſenden Anſprüche an
den Geldmarkt, wenn auch trotz der Nachfrage nach Geld
doch eher ein kleines Zurückgehen der Zinsſätze erſichtlich
war. Der Privatſatz variierte zwiſchen 4¼ und 4½ Pro=
zent
. Der deutſche Rentenmarkt lag etwas ſchwächer, da
die Emiſſionsbedürfniſſe ihre Wirkung fühlbarer machen.
Die Stadt Pforzheim begab eine 4pozentige Anleihe von
10 Millionen Mark zu 97,83, die zu 98¾ freihändig vom
Konſortium verkauft werden, alſo zu dem Preis der ähn=
lichen
Werte, die für Tauſchöpperationen geeignet ſind. Bei
der Submiſſion auf 6150000 Mark 4prozentiger Wies=
badener
Stadtanleihe hat die Gruppe Darmſtädter Bank
zu 98,90 den Zuſchlag erhalten.
Ausländiſche Staatsfonds ſind im ganzen nur mäßig
verändert, ſpeziell Chineſen und Türkiſche waren feſt; hin=
gegen
Mexikaner durch die unbefriedigenden innenpolitiſche
Berichte niedriger erhältlich. Transportaktien waren
ruhiger, ausgenommen Oeſterreichiſche Staatsbahn, die
etwa 2 Prozent ſteigen konnten. Die Dividende der Prince
Henri beträgt 34 Francs, gegen 31 Francs im Vorjahre.
Italieniſche Mittelmeer verteilen wieder 17 Lire und Weſt=
Sizilianer 16 Lire.

Am Bankenmarkt wurde zunächſt die Bilanz der Dis=
konto
=Geſellſchaft, die 10 Prozent verteilt, als recht günſtig
beſprochen, doch lagen ſpäter die verſchiedenen Aktien ſchwä=
cher
auf die oben erwähnten Unſtimmigkeiten. Die meiſten
Montanwerte haben dadurch ebenfalls Einbußen erlitten,
wenn auch einzelne wie Phönix wieder erholter ſchließen
konnten. Am Kaſſainduſtriemarkt waren die Umſätze dieſe
Woche begrenzter und es vollzogen ſich hier zum Teil
Realiſationen. Wittener Stahlröhren gingen auf 239 zu=
rück
, ferner ſind niedriger: Gummi Peter bis 141½, Zell=
ſtoff
Waldhof bis 240, Fahrzeug Eiſenach bis 124, Höchſter
Farbwerke bis etwa 540, Badiſche Anilin bis 492. Gut
behauptet blieben Kunſtſeide 127¾, Kleyer 468, Holzver=
kohlung
291 und Aluminium 234½. Die Aktien der Gold=
und Silber=Scheideanſtalt konnten auf 1040 avancieren,
ohne daß die Nachfrage bisher nachgelaſſen hätte. Von
den Elektrizitätsaktien waren Schuckert bis 158½ gedrückt,
auf die im Gange befindliche Ausgabe der neuen Aktien.
Bergmann beſſerten ſich auf 194¾, um ſchließlich bis 191
nachzugeben. Die neue Steigerung der Kupferpreiſe in
London bewirkte eine ſtärkere Kurserhöhung der Rio Tinto
bis 71½ und der Amalgamated bis 69½.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,25, Braunſchwei=
ger
199,75, Pappenheimer 58,, Freiburger 70,, Türkiſche
172,40, Genua 190, Ungariſche 380,, Meininger 34,90,
Venediger 42,50, Mailänder 45=Frcs.=Loſe 130, (nominell),
Mailänder 10 Fres.=Loſe 32,70, Raab=Grazer Anr.=Sch.
38,50, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 117,75 G.,
Madrider 78 G., Donau=Regulierung 181,25 (nominell), in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkünd=
bar
) 101,50, 3½proz. Reichs 90,70, 3proz. Reichs 81,75,
4proz. Heſſen von 1899 100 B., 4proz. Heſſen von 1906
9,60 G., 4proz. Heſſen von 1908/09 100,40 G., 3½proz.
Heſſen 89,50, 3proz. Heſſen 78,90, 4proz. Darmſtädter 99,50 G,,
½proz. Darmſtädter 90 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S. 1823) 100,90, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24
bis 25) 101,10 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9
bis 11) 90,20 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 35)
90,10 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 1012)
100,90 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 1314)
101,10 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 13) 90,30,
3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 4) 90,20, Darmſtädter
Bank 125 G., Südd. Eiſenbahn=Geſellſchaft 123,80 G., Südd.
Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 71 G., Lederwerke vorm.
Spicharz (Offenbach a. M.) 78., Schramms Farben= und
Lack=Fabriken (Offenbach a. M.) 276,, Chemiſche Mühl=
heim
a. M. 76,30, Schantung 135, South=Weſtafrika
153,50, Otavi=Anteile 91,50, Otavi=Genußſcheine 62,25,
4½proz. Ruſſen 100,35, 4proz. 1830er Ruſſen 92,, 4proz.
1902er Ruſſen 91,40, 3¼oproz. Ruſſen 88 G., 3½proz. Ruſſen
86,50 G., 3proz. Ruſſen 82,25, 4proz. unifizierte Türken
91,80 G., 4proz. Adminiſtrations=Türken 84,40 G., 4proz.
konvertierte Türken von 1905/1911 81 G., 4proz. Bagdad=
bahn
84,30, 5proz. Chineſen 100,20, 4½proz. Chineſen 96,
5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 98,50, 4½proz. Japaner
95,70, 4proz. Japaner 90,40, 3proz. Buenos=Aires 72½.

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