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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
175. Jahrgang
Inſerate
wärts nehmen die Poſtämter u. die
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werden angenommen in Darmſtadt,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
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den Annoncen=Expeditionen. — Bei
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Reichstag vertagte die Wahl des
Präſiden=
ten auf Freitag.
Die Meldung über einen bevorſtehenden Wechſel in
der Regentſchaft Bayerns wird als unwahr
bezeichnet.
Generalfeldmarſchall von Hahnke iſt geſtern
im Alter von 78 Jahren geſtorben.
Der engliſche Kriegsminiſter Lord
Hal=
dane iſt in Berlin eingetroffen.
Das Befinden des Königs von Dänemark
hat ſich gebeſſert.
Der König von Serbien betraute Milanowitſch
mit der Neubildung des Kabinetts.
Ueberſchwemmungen verbreiten ſich über ganz
Spanien und richten großen Schaden an.
Die Reichstags=Thronrede.
*⁎* Die am Mittwoch mittag im Weißen Saale des
Berliner Schloſſes vom Kaiſer perſönlich verleſene
Thronrede, die wir bereits mitgeteilt haben, bringt
zwar keine Ueberraſchung, immerhin iſt ſie in mancher
Be=
ziehung bemerkenswert. Zunächſt durch den faſt feierlichen
Ton, in dem der Kaiſer von dem Ziele ſeines Handelns
ſpricht, das auf die Erhaltung der ſtaatlichen Ordnung,
die Mehrung der Wohlfahrt des Volkes und die Wahrung
des Anſehens der Nation gerichtet ſei. Man geht wohl
nicht fehl in der Annahme, daß dieſe Kundgebung an der
Spitze der Thronrede nicht ohne beſondere Abſicht
einge=
fügt worden iſt und daß ſie all den Verunglimpfungen,
die während des Wahlkampfes über Ziele und Abſichten
der Regierung in den Maſſen des Volkes verbreitet
wur=
den, entgegentreten ſoll. Unverkennbar verfolgt dieſelbe
Tendenz auch der zweite Abſatz der Rede, worin auf die
Leiſtungen der ſtaatlichen Fürſorge hingewieſen wird, die
bekanntlich in denjenigen Kreiſen, für die ſie eingerichtet
worden iſt, am wenigſten Anerkennung findet.
Dadurch, daß der Finanzreform ein Loblied
geſun=
gen wird, macht die Thronrede vor der früheren Mehrheit
des Reichstages eine Verbeugung, jedoch iſt es nicht ganz
klar, was mit dem Feſthalten an den bisherigen ſtrengen
Grundſätzen, wodurch das Reich binnen kurzem zu einer
vollſtändigen Geſundung ſeiner Finanzen gelangen ſoll,
gemeint iſt. Der weitere Paſſus, daß die Grundlagen
un=
ſerer Zollpolitik bei der Vereinbarung neuer
Handelsver=
träge nicht verlaſſen werden ſollen, iſt wohl ſo zu verſtehen,
daß ein weiteres Anziehen der Zollſchraube unterbleibt
und daß gewiſſe agrariſche Wünſche bei der Regierung
keine Gegenliebe finden. Solche Abſichten würden ſich ja
auch im gegenwärtigen Reichstage nicht realiſieren laſſen.
Die Thronrede beſchränkt ſich ſodann darauf, einzelne
Geſetzentwürfe anzukündigen, von denen derjenige über
die Reichs= und Staatsangehörigkeit ſchon bekannt
gege=
ben worden iſt, während die Wehrvorlagen noch in
Vor=
bereitung ſind und in wenigen, aber eindringlichen
Wor=
ten dem Reichstage ans Herz gelegt werden. Zum
Be=
weiſe deſſen, daß das Deutſche Reich trotz ſeiner Stärke
nach Möglichkeit bereit ſei, internationale Streitpunkte
auf gütlichem Wege beizulegen, wird auf die mit
Frank=
reich abgeſchloſſene Marokko=Vereinbarung Bezug
genom=
men. Der Schluß berührt die eben überſtandenen
inner=
politiſchen Kämpfe, ungeachtet deren der Kaiſer in die
geſunde Kraft des deutſchen Volkes und in
die Zukunft des Reiches volles Vertrauen
ſetzt. Alles in allem genommen, iſt die Thronrede
dies=
mal weit weniger trocken und nüchtern als meiſtens, ſie
entbehrt nicht eines großen Zuges, der noch verſtärkt wird
durch den Ton der Zuverſicht und des Vertrauens, ja
des Optimismus, der die Kaiſerworte belebt. Dieſes feſte
und frohe Vertrauen des Kaiſers wird überall
wohl=
tuend berühren.
Englands Meinung über das Urteil
im Stewart=Prozeſſe.
(Von unſerem Londoner Spezial=Korreſpondenten.)
Der Prozeß Stewart hat in Leipzig ſeinen
Ab=
ſchluß gefunden. Wir wollen daher nicht verſäumen, unſeren
Leſern auch die Meinung unſeres Nachbarlandes jenſeits
des Kanales über den Ausgang des Prozeſſes
wiederzu=
geben. Ein Leitartikel des Evening Standard vom
5. Februar, einer Zeitung, die ſich gerade in letzter Zeit in
hervorragender Weiſe darum bemüht hat, beſſernd auf die
Beziehungen zwiſchen den beiden Ländern einzuwirken,
be=
weiſt, mit welcher grenzenloſen Unkenntnis man in
Eng=
land über deutſche Verhältniſſe urteilt und wie groß die
nationale Empfindſamkeit, um nicht zu ſagen, der nationale
Dünkel dort iſt. Wir laſſen den Artikel in Ueberſetzung
folgen:
„In dieſen Zeiten haben wir uns ſtets bemüht, die
Be=
ziehungen zwiſchen unſerem Lande und Deutſchland zu
för=
dern. Wir haben niemals die Meinungen derjenigen
ge=
teilt, geſchweige denn wiedergegeben, die bei der „
natür=
lichen” Gegnerſchaft der beiden großen Völker des
angel=
ſächſiſchen und teutoniſchen Stammes beharren und den
Krieg zwiſchen beiden für „unvermeidlich” halten. Dies
gibt uns vielleicht ein beſſeres Recht als einigen unſerer
Zeitgenoſſen, auf die unheilvollen Folgen dieſes
ſchimpf=
lichen Schiedsſpruches (wenn ſo ein milder Ausdruck
über=
haupt gebraucht werden kann) hinzuweiſen, der im Prozeſſe.
gegen Herrn Bertrand Stewart in Leipzig gefällt wurde
und den Angeklagten zu 3½ Jahren Feſtung verurteilte.
Dieſe Verhandlung wird alle Engländer in die Lage
verſetzen, Dinge zu verſtehen, deren ſie ſich ſeither nur dunkel
bewußt waren. Es wird ihnen zeigen, warum mehr denn
4 Millionen Deutſche bei den letzten Reichstagswahlen
ſozialdemokratiſche Kandidaten gewählt haben. Es gibt
keine 4 Millionen Sozialdemokraten in Deutſchland.
Hun=
derte von Tauſenden, die für dieſe Partei ſtimmten, ſind
angeſehene Handelsleute, Geſchäftsleute, Rechtsanwälte,
Aerzte und andere, die nicht mehr an Kommunismus und
Kollektivismus glauben, als Leute derſelben Klaſſen in
Eng=
land. Warum wählten ſie dann Sozialdemokraten?
Ein=
fach als einen Proteſt gegen ein Regierungsſyſtem, das unter
konſtitutioneller Form, autokratiſch und willkürlich iſt, gegen
ein Miniſterium, das durchdrungen iſt von mittelalterlichen
Ueberlieferungen und reaktionären Gedanken. In modernen
ziviliſierten Ländern wie England, die Vereinigten
Staa=
ten, Frankreich, Japan, wird gegen Angeklagte öffentlich
verhandelt und die Zeugenausſagen werden veröffentlicht.
Sie werden nicht hinter verſchloſſenen Türen abgeurteilt
von Richtern, die es ſich zur Aufgabe machen, die
Angeklag=
ten aus politiſchen Gründen und auf Veranlaſſung der
Re=
gierung zu überführen. Dieſe Dinge geſchahen in England
und Schottland zur Zeit der Tudors und
Stu=
arts. Sie geſchahen in der Türkei unter dem
Sultan Abdul Hamid. Sie geſchehen heutzutage
in Deutſchland. Das Reichsgericht in Leipzig iſt
eine Art Sternkammer des Mittelalters, wie es England
ſeit 200 Jahren und länger nicht mehr geſehen hat. Wenn
ein Deutſcher der Spionage in England angeklagt wird,
ſo wird er nach den juriſtiſchen Gepflogenheiten des 20.
Jahrhunderts abgeurteilt. Ein Engländer, der in
Deutſch=
land desſelben Verbrechens angeklagt wird, wird nach der
Methode des 17. Jahrhunderts beurteilt.
Unglücklicherweiſe können wir nichts für das Opfer
dieſer richterlichen Gewalttätigkeit tun. Leute, die ein
frem=
des Land beſuchen, ſind den Geſetzen dieſes Landes
unter=
worfen wie ſchlecht ſie auch ſein mögen. Wenn unſer „
Fo=
reign Office” bei der deutſchen Regierung vorſtellig würde,
ſo würde ihnen geſagt: „Dies iſt die Art, wie wir den
Ge=
ſetzen Kraft verleihen in Deutſchland. Diejenigen, die
un=
ſere Gaſtfreundſchaft in Anſpruch nehmen, müſſen ſich den
gleichen Geſetzen unterwerfen, die wir auch auf unſere Leute
anwenden.” Hier kommt die Sache nicht weiter, wie wir
annehmen, wenigſtens ſoweit es ſich um unſeren unglücklichen
ſo ſchlecht behandelten Landsmann handelt. Dieſe
Verhand=
lung erklärt es, wir wiederholen es nochmals, warum ſo
viele Leute, die anderswo liberal oder konſervativ ſein
könnten, in Deutſchland Sozialdemokraten ſind. Sie
pro=
teſtieren hierdurch gegen das mittelalterliche Syſtem, für
das das Reichsgericht ein typiſches Beiſpiel iſt. Sie
ver=
langen Freiheit und Gerechtigkeit im Sinne der modernen
Auslegung dieſer Ausdrücke. Und ſie bekommen ſie nicht.
Herr Steward iſt ein Opfer der gleichen verdrehten Ideen
und veralteten Prinzipien, durch die täglich Deutſche von
ihren eigenen Bürokraten und ihrer rechtlichen und
ſtaat=
lichen Gewaltherrſchaft ungerecht behandelt werden.
Wir halten die Unterſuchung und den Richterſpruch für
ein Unglück, da ſie dazu geeignet ſind, die Deutſchen und
Engländer wieder mehr auseinanderzubringen, wo doch das
Gegenteil ſo dringend zu wünſchen wäre Das Urteil
offenbart vollſtändig und peinlich die Art der Geſinnung,
die in Deutſchland durch die letzten Ereigniſſe hervorgerufen
wurde. Ferner iſt es peinlich, daß es gerade mit dem neuen
Heeresprogramm zuſammenfällt, welches eine große
Ver=
mehrung des Marine=Etats und die Neubildung einer 3.
Schlachtſchiff=Diviſion vorſieht. Das bedeutet größere
Aus=
gaben für uns, die wir tragen müſſen. Die Moral der
Ge=
ſchichte iſt, daß Engländer, ganz beſonders aber gebildete
Engländer, beſſer ſich von Deutſchland fern halten, bis es
entweder ſeine Geſinnung oder ſeine Geſetze geändert hat.
Der lächerlichſte Grund erregt den Verdacht, ein Spion zu
ſein und eine Perſon, die in Deutſchland der Spionage
angeklagt wird, kann ebenſowenig auf gerechte Beurteilung
rechnen. als es ein Ketzer konnte zur Zeit der ſpaniſchen
Inquiſition. Deutſchland wird in Zukunft gerade von der
Klaſſe von Engländern gemieden werden, von der wir ge=
rade gerne hätten, daß ſie nach Deutſchland gingen, um
dort ſeine Induſtrie, ſeine Literatur, ſeine ſozialen und
er=
zieheriſchen Einrichtungen kennen zu lernen.
Im Gegenſatz zu dieſen Auslaſſungen, die eines
weiteren Kommentars nicht bedürfen, wenden ſich der
Daily Graphie und die Daily News energiſch gegen die
Verdächtigung des deutſchen Gerichts und den Verſuch,
das Parlament oder gar die Regierung zur Einmiſchung
zu veranlaſſen.
Der Daily Graphie ſchreibt: Wir wünſchen in der
ſchärfſten Form gegen die gedankenloſe, würdeloſe und
ſchädliche Campagne zu proteſtieren, die einige
Zeitun=
gen in Bezug auf die Verurteilung Stewarts
veröffent=
licht haben. Die Annahme, daß gegen Stewart nicht
fair verfahren ſei, iſt völlig unbegründet, und eine
grund=
loſe Beſchimpfung des deutſchen Volkes. Es iſt möglich,
daß ein Fehlſpruch gefällt worden iſt. SSolche Prozeſſe
ſind dem beſonders ausgeſetzt und in anderen
Gerichts=
ſälen nicht weniger als in den deutſchen. Aber das iſt
ganz etwas anderes, als anzunehmen, daß wiſſentlich ein
falſches Urteil gefällt und Stewart böswillig für ein
Ver=
brechen verurteilt wurde, deſſen er nicht überführt war.
Das deutſche Gerichtsverfahren iſt von dem engliſchen
verſchieden, aber es liegt kein Grund vor, zu glauben,
daß die deutſchen Gerichtshöfe die Rechtspflege mit
we=
niger Gewiſſenhaftigkeit und Unparteilichkeit ausführen,
als unſere eigenen. Die gegenteilige Annahme iſt um ſo
weniger begründet, als das Verfahren geheim war, was
ohne Zweifel unvermeidlich war, und die Entrüſtung
darüber beruht auf bloßem Geſchwätz.
Die Daily News betont, daß auch an engliſchen
Gerichtshöfen ein Prozeß, in dem militäriſche
Geheim=
niſſe zur Sprache kämen, im Geheimen verhandelt
wer=
den könnte und auch wahrſcheinlich verhandelt werden
würde. Zu dem Vorwurf, daß der Hauptbelaſtungszeuge
ein Denunziant oder ein agent provocnteur war ſagt
das Blatt. die Jurisprudenz aller ziviliſierten Länder
läßt das Zeugnis eines agent provocateur zu, die
eng=
liſche nicht weniger als die deutſche. Was die Fälle der
letzten Zeit, namentlich der berühmte Fall der
Verſchwö=
rung zur Ermordung Lord Roberts, und hunderte von
Prozeſſen in Irland zeigten. Ferner, bemerkt das Blatt,
die geringſte Bekanntſchaft mit dem kontinentalen
Ge=
richtsverfahren lehre, daß in allen kontinentalen
Gerichts=
höfen viele Fragen geſtellt würden, die den engliſchen
Gerichten irrelevant und unnötig erſchienen.
Deutſches Reich.
— Die Parteien des Reichstages. In
dem ſoeben fertiggeſtellten offiziellen Verzeichnis der
Reichstagsmitglieder werden die Parteien in folgender
Stärke aufgezählt: Sozialdemokraten 110, Zentrum 90,
Nationalliberale 44, Konſervative 43, Fortſchrittler 42,
Polen 18. Reichspartei 14. Die kleineren Fraktionen,
de=
ren Mitgliederzahl insgeſamt 36 beträgt, werden den
Wilden zugezählt, darunter Graf Poſadowsky und
War=
muth, die beide zweifellos zu der Rechten gehören;
fer=
ner Dr. Becker und Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim, ſowie
Graf Oppersdorff, der, wie der Vorwärts meldet, von der
Zentrumspartei keine Einladung zur Fraktionsſitzung
erhalten hat, alſo vom Zentrum abgelehnt wird. Als
Hoſpitanten der Nationalliberalen werden die
Abgeord=
neten Held, Kerſchbaum und Kleye angeführt. Dr.
Ker=
ſchenſteiner und der Lothringer Röſer werden der
Fort=
ſchrittlichen Volkspartei als Hoſpitanten zugezählt. Die
Lothringer Windeck, Levéque und Schatz und die drei
Bauernbündler Bachmayr, Heſtermann und saux
figurie=
ren in dem offiziellen Verzeichnis als Wilde. — Wie die
Kreuzzeitung aus beſter Quelle erfährt, ſind die
Abgeord=
neten Vogt=Hall und Vogt=Crailsheim der deutſch=
konſer=
vativen Fraktion als Hoſpitanten beigetreten.
— Die Deckung der Koſten für die
Wehr=
vorlage. Nach Informationen von berufener Stelle
ſind die Gerüchte, daß die Deckung für die Koſten der
Wehrvorlage durch eine Dividendenſteuer, Couponſteuer
oder ähnliches beſchafft werden würden, ganz
unbe=
gründet.
Neuregelung der Sonntagsruhe.
Zu der geplanten Neuregelung der Sonn= und
Feiertags=
ruhe im Handelsgewerbe wird der Tägl. Rundſchau von
eingeweihter Seite mitgeteilt, die geſetzliche Neuregelung
erfolge nicht als Novelle zur Gewerbeordnung, ſondern
als ſelbſtändiges Geſetz. Die wichtigſte Neuerung iſt die
Herabſetzung des geſetzlichen Arbeitsmaximums an
Sonn=
tagen von 5 auf 2 Stunden. Unberührt bleibt die
Be=
ſtimmung, die den Gemeinden das Recht verleiht, durch
Ortsſtatut die Sonntagarbeit im Handelsgewerbe
über=
haupt zu verbieten. Gewiſſe Ausnahmebeſtimmungen
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Nummer 34.
(Pilch für Säuglinge, Eis für Krankenzwecke u. a. m.)
werden durch das neue Geſetz nicht geändert.
— Die preußiſch=ſüddeutſche Lotterie.
Der Lotterievertrag zwiſchen Preußen einerſeits und
Bayern, Baden und Württemberg anderſeits iſt, wie
be=
reits gemeldet, dem preußiſchen Abgeordnetenhauſe
zu=
gegangen. Es handelt ſich bei dieſem Vertrage um die
Ausdehnung der preußiſchen Klaſſenlotterie auf
Süd=
deutſchland. Die gemeinſame preußiſch=ſüddeutſche
Klaſ=
ſenlotterie ſoll am 1. Juli ds. Js. in Kraft treten. Für
die drei ſüddeutſchen Staaten ſieht der Vertrag
Ent=
ſchädigungsſummen vor. Die Zahl der Loſe und der
Gewinne wird durch die Lotteriegemeinſchaft vermehrt
werden. Der Lotterievertrag iſt in Baden und
Württem=
berg bereits genehmigt worden und wird dem bayeriſchen
Landtage demnächſt zugehen. Die neue
Lotteriegemein=
ſchaft wird als der Anfang zu einer Reichslotterie
be=
trachtet, obwohl der Ausführung dieſes Gedankens der
Widerſtand Sachſens zurzeit noch entgegenſteht.
— Aus Bayern. Die Korreſpondenz Hoffmann
meldet: In auswärtigen Blättern werden Gerüchte über
einen bevorſtehenden Wechſel der Regentſchaft in Bayern
verbreitet. An dieſen Gerüchten iſt kein wahres Wort.
Ein Regentſchaftswechſel iſt in den letzten Tagen und
Wochen nie in Frage gekommen. Das Befinden Sr. Kgl.
Hoheit des Prinzregenten iſt ſehr gut.
Die Zweite ſächſiſche Kammer hat nach
zweitägiger allgemeiner Vorberatung den Entwurf des
Volksſchulgeſetzes mit einem konſervativen Antrag, der
die Beſeitigung der Ungleichheit in den Dienſtbezügen
der Volksſchullehrer und die Uebernahme der Gehälter
auf die Staatskaſſe verlangt, zur Weiterberatung an eine
außerordentliche Deputation von 18 Mitgliedern
ver=
wieſen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der Tiroler Landtag wurde infolge der
ita=
lieniſchen Obſtruktion vertagt.
Italien.
Mißſtimmung. Der Reſto del Carlino meldet
aus Rom, dort herrſche allgemein die Ueberzeugung,
Ge=
neral Caneva werde nicht mehr nach Tripolitanien
zurück=
kehren; wahrſcheinlich werde er durch General Tadorna
erſetzt werden, der eine lange Unterredung mit dem
Mi=
niſterpräſidenten Giolitti gehabt habe. Der Abg. de
Mari=
nis, der als Berichterſtatter für das Budget der
Auswär=
tigen Angelegenheiten für gewöhnlich gut unterrichtet iſt,
weiſt darauf hin, daß die Unzufriedenheit verſchiedener,
vom Kriegsſchauplatz zurückgekehrter Parlamentarier die
Heimberufung des Generals Caneva veranlaßt habe und
ſpricht den Wunſch aus, daß deſſen Nachfolger in Tripolis
ſeine Tätigkeit danach einrichte, einen Widerſpruch
zwi=
ſchen der heldenhaften Haltung der Soldaten und der
Offiziere und den Mängeln des Oberkommandos
ver=
ſchwinden zu laſſen. Uebrigens dürfe man die Löſung
des Problems des afrikaniſchen Krieges nicht in den
Kämpfen an der Nordküſte des dunkeln Erdteiles, ſondern
nur in der diplomatiſchen oder in der Tätigkeit der Flotte
ſuchen.
Frankreich.
Beratung des deutſch=franzöſiſchen
Abkommens im Senat. Lamarzelle (konſ.) erklärte
das Abkommen für unannehmbar. Alle internationalen
Organiſationen, wie die Staatsbank, die fremden
Ge=
richte, die fremden Poſtämter, die Einrichtungen der
Schutzbefohlenen und die fremden Schulen, blieben
be=
ſtehen. Frankreich erhalte in Marokko keine Vorrechte,
ſondern es nehme nur eine ſchwere Verantwortlichkeit
und große Laſten auf ſich, während Deutſchland für ſich
dort beträchtliche wirtſchaftliche Intereſſen neu erhalte
und Bürgſchaften erlange. Lamarzelle erklärte weiter, die
Abtretung des mittleren Kongo an Deutſchland ſei ein
überaus ſchmerzliches Opfer. Der große afrikaniſche
Traum Frankreichs werde mit einem Schlage zerſtört,
während der afrikaniſche Traum Deutſchlands:
Verbin=
dung Kameruns mit Deutſch=Oſtafrika, durch den neu
errungenen Kolonialbeſitz der Verwirklichung
entgegen=
gehe. Die Durchführung des Abkommens werde
zahl=
loſe Schwierigkeiten mit ſich bringen. Er werde gegen
dieſes gefährliche Abkommen ſtimmen. Berichterſtatter
Baudin bemerkte zunächſt, die Kommiſſion ſei ſich deſſen
bewußt, eine vielfach undankbare Aufgabe übernommen
zu haben. Er führte dann aus, das Abkommen von 1909
berge zahlreiche Mängel in ſich und ſeine Ausführung,
insbeſondere, wie die deutſche Diplomatie ſie auffaſſe,
müßte bedenkliche Folgen haben. Es habe ſich die
Not=
wendigkeit aufgedrängt, aus dieſem Abkommen, deſſen
Mißerfolge unleugbar ſeien und das Frankreich keinerlei
Aktionsfreiheit in Marokko gewähre, herauszukommen.
Niederlande.
Die Neutralität der Niederlande. Im
Laufe der ällgemeinen Budgetberatung in der Erſten
Kammer erklärte der Miniſter des Innern in
Beantwor=
tung einer an ihn gerichteten Frage, er habe das
Ver=
trauen, daß die Mächte die Abmachungen, die die
Neutra=
lität der Niederlande betreffen, nicht verletzen werden.
Nichtsdeſtoweniger dürfe Holland ſeine
Verteidigungs=
maßnahmen gegen eine mögliche Verletzung der
Neutra=
lität nicht vernachläſſigen.
Das Motuproprio. Bei der Beratung des
Juſtizetats in der Erſten Kammer fragte Senator
Van=
der=Feltz den Juſtizminiſter, ob er verſichern könne,
daß das Motuproprio die vollſtändige Freiheit der
ka=
tholiſchen Juſtizbeamten für den Fall einer Anklage gegen
Prieſter nicht antaſte. Wenn die Regierung nicht ſofort
antworten könne, bitte er um Unterſuchung dieſer Frage,
und Mitteilung der Ergebniſſe in der Kammer.
Norwegen.
Volksſprache und Reichsſprache. Wegen
der Rede, in der der Miniſterpräſident Konow bei einem
Feſte ſeiner Vorliebe für die Volksſprache Ausdruck
ver=
lieh, hielten die Gruppen der Storthingsmehrheit
Ver=
ſammlungen ab. Die freiſinnige Gruppe beſchloß, daß
die Rede des Miniſterpräſidenten keinen Anlaß zu
wei=
teren Schritten gebe, während die Rechte mit 33 gegen
4 Stimmen ein Schreiben an den Miniſterpräſidenten zu
ſenden beſchloß, in dem erklärt wird, daß ſeine
heraus=
fordernden Erklärungen den Anhängern der Reichsſprache
gegenüber das für ſeine Stellung notwendige Vertrauen
untergraben habe. Der Miniſterpräſident antwortete, daß
das Schreiben der Rechten ihm zu keinen Schritten
Ver=
anlaſſung gebe. Die Sache wird wahrſcheinlich dem
Storthing vorgelegt.
Serbien.
Die Miniſterkriſis. Da die Miſſion
Stoja=
novics, ein Kabinett zu bilden, geſcheitert iſt, betraute
der König den General Sava Grujie mit der
Kabinetts=
bildung.
Perſien.
Zur Lage. Der ruſſiſche Konſul in Aſterabad
mel=
det ernſte Unruhen, Morde und Raubanfälle in der
Pro=
vinz Maſanderan. Es herrſcht dort völlige Anarchie, da
ſich in dieſem Gebiet der Kampf zwiſchen den Anhängern
des früheren Schahs und den Verteidigern der Regierung
abſpielt. Die örtlichen Behörden ſind machtlos. In
An=
betracht der augenblicklichen Gefahr für Leben und
Eigen=
tum der ruſſiſchen Untertanen hat der Konſul um
Verſtär=
kungen der Truppen gebeten, da die in Aſterabad
befind=
lichen zwei Sotnien Koſaken mit zwei
Maſchinengeweh=
ren unzulänglich ſind. Desgleichen haben die Vertreter
von Moskauer Firmen, die in Maſanderan Handel
trei=
ben, den Miniſter des Aeußern telegraphiſch um Schutz
gebeten. Es ſind 2 Kompagnien Infanterie mit 2
Ma=
ſchinengewehren und zwei Gebirgsgeſchützen nach
Aſtera=
bad, eine Kompagnie mit zwei Maſchinengewehren nach
Barferuſch und eine Kompagnie nach Meſcheldiſer geſchickt
worden.
* Brüſſel, 7. Febr. In der heutigen Sitzung der
ſtändigen Kommiſſion der Internationalen
Zuk=
kerkonferenz konnten, wie das offiziöſe Communiqué
beſagt, noch nicht alle Delegierten Stellung zu den Vor=
ſchlägen betreffend das außerordentliche Kontingent, das
Rußland für die jetzige Kampagne zu bewilligen ſei,
neh=
men. Die Kommiſſion prüft daher auf Grund der
Aus=
führungen der belgiſchen Delegierten, wie die Vorſchläge
auf die Produzenten und Konſumenten wirken werden.
— Nach einer Privatmeldung der Agence Havas=Reuter
wird die morgige Sitzung lediglich redaktionellen Fragen
gewidmet ſein.
* Brüſſel, 7. Febr. Die Führer der
ausſtän=
digen Bergarbeiter im Borinagebezirk beſchloſſen,
am Freitag ein Referendum zu veranſtalten, um
feſtzuſtel=
len, ob der Streik angeſichts der Weigerung der
Gru=
benbeſitzer, den Status quo bis 1. Juli aufrecht zu
erhal=
ten, fortgeſetzt werden ſoll. Geſtern und heute griffen
Ausſtändige in verſchiedenen Orten Bauern an, die
Le=
bensmittel auf den Markt brachten. Sie mußten durch
Gendarmerie in den Schranken gehalten werden.
Ernſt=
liches hat ſich nicht ereignet.
* Schloß Berg (Luxemburg), 7. Febr. Der
Hof=
bericht meldet: Im Befinden des Großherzogs
iſt ein ſtändiges Fortſchreiten der Krankheit feſtzuſtellen.
Die Herztätigkeit und die Nahrungsaufnahme ſind im
all=
gemeinen zufriedenſtellend. Der Schlaf iſt öfters unruhig.
* Kopenhagen, 7. Febr. Ein heute abend 7½
Uhr ausgegebenes Bulletin lautet: Die heute morgen
feſtgeſtellte Lungenentzündung hat ſich nicht weiter
aus=
gedehnt. Der Huſten iſt im Abnehmen begriffen. Der
König verbrachte einen ruhigen Tag.
* London, 8. Febr. Kriegsminiſter
Hal=
dane iſt geſtern nach Deutſchland abgereiſt. Der
Daily Chronicle ſtellt feſt, daß es ſich um einen rein
pri=
vaten Beſuch handelt.
* London, 7. Febr. Nach dem Protokoll der
ver=
einigten nationalen Konferenz der
Kohlengru=
benbeſitzer und Bergleute haben die
Arbeit=
geber einen gleichmäßigen Mindeſtlohn, der unabhängig
von der geleiſteten Arbeit iſt, abgelehnt. Sie haben
jedoch ihre Bereitwilligkeit erklärt, in eine Erörterung der
Beſchwerden über die Arbeit an ſchwierigen Plätzen
einzutreten. Die Arbeiter erwiderten, eine Einigung ſei
nicht möglich, wenn der Grundſatz des Mindeſtlohnes
nicht angenommen werde. Da ſie aber einen Bruch nicht
vünſchten, erklärten ſie ſich zu weiteren Verhandlungen
mit den Grubenbeſitzern bereit. Es wurde jedoch keine
Vereinbarung für eine ſpätere Zuſammenkunft getroffen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 9. Februar.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
„Für Verdienſte” dem Vizewachtmeiſter a. D. Schwöbel,
ſeither im Leib=Dragoner=Regiment (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 24 und dem Vizefeldwebel a. D. Hotz, ſeither im
Infanterie=Regiment Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118.
* Perſonalien. Durch Entſchließung Großh.
Mi=
niſteriums des Innern iſt auf Grund des § 22 der
Be=
kanntmachung vom 21. Dezember 1911, die Ausführung
des Vierten Buches der Reichsverſicherungsordnung
betreffend, dem Regiſtrator bei der
Landesverſicherungs=
anſtalt Großh. Heſſen Heinrich Döll zu Darmſtadt die
Genehmigung erteilt worden, die dienſtliche Benennung
„Sekretär” zu führen. Ebenſo iſt dem Kanzleivorſteher bei
der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen Friedrich
Trapp zu Darmſtadt die Genehmigung erteilt worden,
die dienſtliche Benennung „Kanzlei=Inſpektor” zu führen.
* Verliehen wurde das Ehrenzeichen für Mitglieder
freiwilliger Feuerwehren durch Entſchließung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs Michael Ganſter,
Georg Neff, Philipp Meyer, ſämtlich zu Michelſtadt.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Philipp Schnell aus Pfaffen=Schwabenheim, Kreis
Alzey, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Klein=
Krotzenburg, Kreis Offenbach.
g. Strafkammer. Wegen verſuchten Verbrechens
nach § 218 des Strafgeſetzbuches waren der 22jährige
Kammacher Franz Schambach zu 4 Wochen Gefängnis
und der 18jährige Kammacher Philipp Zorn zu 2 Wochen
Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte Zorn hatte
dem Schambach ein unſchädliches Rezept abgeſchrieben,
das Schambach ſeiner Braut gab, die es aber nicht
be=
nutzte. Der Fall iſt wegen ſeiner prinzipiellen
Bedeu=
tung wiederholt erörtert worden. Das angefochtene
Ur=
teil war vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zur
anderweiten Verhandlung und Entſcheidung an die
Vor=
inſtanz zurückverwieſen worden. Der Angeklagte habe
nach den Feſtſtellungen des Urteils nur ein Rezept zur
Herſtellung eines Mittels überſandt; hierin habe die
Strafkammer ſchon die Aufforderung erblickt, aber in
dieſer Zuſendung allein könne ohne nähere Begründung
noch keine Aufforderung erblickt werden, weil die
Zuſen=
dung ohne Erklärung noch andere Auslegungen und
Zwecke zulaſſe. Es war deshalb das Urteil aufzuheben.
Dies Urteil war alſo aus rein formellen Gründen erfolgt.
Die Strafkammer kam in der geſtrigen
Ver=
handlung zu einem Freiſpruch der Angeklagten,
da es in dem Ueberreichen des Rezepts noch keine Auf=
„Ein Wunder unſerer Zeit‟
** So nennt der bekannte amerikaniſche
National=
ökonom James Davenport Whelpley die
Entwickel=
ung des deutſchen Außenhandels, dem er
einen intereſſanten Aufſatz im Century Magazine
widmet. An einigen Beiſpielen, die er auf ſeinen
Rei=
ſen geſammelt hat, ſucht er den Typus des praktiſchen
und intelligenten deutſchen Kaufmannes zu ſchildern,
der dem deutſchen Handel die Welt erobert hat. „Auf
einem deutſchen Dampfer, der von Südamerika nach
Bre=
men ging, begegnete ich einem jungen Deutſchen, der
mich durch die behende Aufmerkſamkeit intereſſierte, mit
der er auf alles um ihn her achtete, und durch ſeinen
hart=
näckigen Hunger nach Mitteilungen über andere
Län=
der, als die, die er kannte. Ich fragte ihn endlich, warum
er ſo weit in der Welt umherkomme. Er ſah mich einen
Augenblick an und ſagte dann: „Alſo, wenn Sie nicht
lachen, will ich es Ihnen erzählen: ich verkaufe
Par=
fums.” Ich blickte auf den großen, muskulöſen Mann in
ſeiner eleganten Kleidung, dachte an die fünf Sprachen,
die er fließend ſprach und meinte: „Aber ich glaubte,
Frankreich hätte faſt ein Monopol in dieſer Branche.”
„Ja”, ſagte er raſch, „in der Art von Parfums, die Sie
und wir alle benutzen. Ich aber verkaufe Salben und
Oele an die nackten Wilden der ganzen Welt. Je
ſtär=
ker es riecht, deſto teurer iſt es und deſto lieber haben
ſie es, und in dieſer Branche haben wir die ganze Welt
geſchlagen.‟ Er zuckte die Achſeln, als er hinzufügte,
jemand, der ſolche Dinge in einem ziviliſierten Lande
verkaufen wollte, würde als ein öffentlicher Schädling
verhaftet werden. „Es iſt traurig, aber es iſt das, was
ſie haben wollen.” „Was ſie haben wollen” — darin iſt
ziemlich genau das Geheimnis des deutſchen Handels
ausgedrückt. Der deutſche Exportkaufmann gibt ſeinen
Kunden, was ſie haben wollen, und er macht jedes
Ge=
ſchäft, wenn er es zu einem annehmbaren Preis machen
kann; kann er’s nicht machen, dann braucht man es mit
anderen Händlern erſt gar nicht zu verſuchen. Der
deutſche Händler begnügt ſich mit einem ſo geringen
Gewinnüberſchuß, daß der Amerikaner und ſogar der
Engländer das Geſchäft nicht machen würden, „weil es
ſich nicht lohnt”.
Bei einer Fahrt über das Rote Meer beachtete ich
einen Deutſchen, augenſcheinlich einen Kaufmann, der
eifrig an einem Schreibtiſch arbeitete, der von mit
wun=
derlichen Hieroglyphen beſchriebenen Papieren bedeckt
war. Auf meinen neugierig fragenden Blick ſagte er:
„Ich arbeite hier mit meinem privaten Telegramm=
Ab=
kürzungsſyſtem. Ich verkaufe 12000 verſchiedene Arten
von Tuchen und Waren, und habe mir für jede Ware,
ſowie für die Quantitäten und andere Einzelheiten
Ab=
kürzungen ausgedacht. Das iſt meine ganze
Spekula=
tion.‟ Er erzählte, daß er in einer großen Stadt im
fer=
nen Oſten lebte und meinte: „Wenn ich verkaufe, ſo
kabele ich nach Hamburg. Letztes Jahr verkaufte ich für
eine Million Mark Waren, weil ich billiger verkaufen
kann, als irgend ein anderer in dieſem Teil der Welt,
Ich habe keine beſonderen Unkoſten außer meinen
Tele=
grammen, und es iſt ein reiner Verdienſt, zwar klein bei
jeder Ordre, aber im ganzen zählt es. Ich gebe Ihnen,
was Sie brauchen, und billiger, als Sie es ſonſt wo
bekommen. Die Fabriken zu Hauſe verſorgen mich mit
guten Waren, die den Wünſchen meiner Kunden
entſpre=
chen, und ich gehe alle zwei Jahre einmal nach Hauſe,
um zu ſehen, daß ſie mich ordentlich bedienen.”
Whelpley iſt der Anſicht, daß dieſer Typus des
deutſchen Händlers, der ſich ganz den Wünſchen
der Kunden fügt, mit dem geringſten Nutzen begnügt
und die Möglichkeiten der billigſten Lieferung beachtet,
das Geheimnis des deutſchen Handelserfolges erklärt.
Einen guten Teil trägt dazu auch die deutſche
Re=
gierung bei, die in jeder Hinſicht den deutſchen
Kauf=
leuten ihre Arbeit erleichtert und ſich den Satz zum
Wahl=
ſpruch genommen hat: „Man muß das Handeln leicht
machen” Von hoher Bedeutung iſt auch die enge
Fühl=
ung, in der in Deutſchland Wiſſenſchaft und
In=
duſtrie miteinander ſtehen. Bewundernswert ſei die
techniſche Ausbildung der deutſchen Arbeiter und
Kauf=
leute. „An tauſend Beiſpielen läßt ſich das Wachſen der
deutſchen Induſtrie erkennen. Vor zwölf Jahren
produ=
zierte Frankreich mehr Lokomotiven als Deutſchlalkd;
heute produziert eine einzige deutſche Firma mehr
Loko=
motiven als ganz Frankreich. 1 Leute, die früher in
Deutſchland reiſten, um engliſche Chemikalien zu
ver=
kaufen, reiſen nun in England mit deutſchen Waren.”
Vergleicht man die Zahlen des Bevölkerungszuwachſes
und der Zunahme des Exporthandels in den letzten drei
ßig Jahren bei Deutſchland, Großbritannien und den
Vereinigten Staaten, ſo läßt ſich feſtſtellen, daß in
Groß=
britannien bei einem Wachstum der Bevölkerung um 25
Prozent der Export um 25 Prozent pro Kopf gewachſen
iſt; in den Vereinigten Staaten iſt bei einem Wachstum
der Bevölkerung um 80 Prozent der Außenhandel um
50 Prozent pro Kopf gewachſen. Deutſchland aber hat
bei einem Anwachſen der Bevölkerung um 40 Prozent
ſeinen Außenhandel um 100 Prozent pro Kopf vermehrt.
Dieſe Entwickelung iſt nach der Anſicht des Amerikaners
eines der „großen Wunder unſerer Zeit”.
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Seite 3.
forderung zum Gebrauche desſelben ſah. — Der 33jährige
Fuhrknecht Johannes Stork und ſeine Ehefrau von hier
fälſchten mehrere Mietsquittungen, da ſie in ihrer letzten
Wohnung einige Monate Miete ſchuldig geblieben waren,
um in dem Vermieter den Glauben zu erwecken, ſie ſeien
zahlungsfähige Mieter. Sie erhielten auch eine Wohnung,
zahlten auch einige Monate, blieben aber dann wiederum
ſchuldig. Stork wird wegen ſchwerer Urkundenfälſchung
zu 3 Monaten und die Ehefrau Storck zu 4 Wochen
Gefängnis verurteilt. — Die am Dienstag zwecks
weiterer Zeugenvernehmung erfolgte Vertagung der
Ver=
handlung gegen den Händler Aron Lorch aus Lorſch
wurde geſtern fortgeſetzt. Das Gericht kam zu der
Ueber=
zeugung, daß ſich Lorch zwar der Tierquälerei ſchuldig
gemacht habe, ſah aber noch einmal von einer
Gefängnis=
ſtrafe ab und erkannte auf eine Geldſtrafe von 100
Mark.
-g. Kriegsgericht. Wegen unerlaubten Entfernens
aus dem Dienſte und verſchiedener damit im
Zuſammen=
hang ſtehender Straftaten hatte ſich geſtern vor dem
Kriegsgericht der 25. Diviſion der Kanonier Hermann
Franz Heimer aus Langen vom Artillerie=Regiment
Nr. 25 zu verantworten. Heimer iſt vordienſtlich noch nicht
beſtraft, war aber in Fürſorgeerziehung, während ſeiner
Dienſtzeit hat er bereits mehrere Strafen erlitten,
darunter zwei wegen unerlaubten Entfernens von der
Batterie. Er kam deshalb auch wegen der
Strafen im Herbſt nicht zur Entlaſſung. Im
Herbſt 1911 erbot er ſich dem Kanonier Erb
gegenüber, ihm für 9 Mark einen eigenen
Sä=
bel zu verkaufen. Er ließ ſich auch eine Anzahlung von
4,50 Mark geben, gab ihm aber keinen Säbel. Er wurde
daraufhin vom Batteriechef aufgefordert, dem Erb das
Geld zurückzugeben. Heimer entfernte ſich aus Furcht vor
Strafe, da er das Geld nicht zurückerſtatten konnte, am
29. November 1911 vom Regiment und wurde am 10.
De=
zember in Hahn bei Wiesbaden vom Gendarmerie=
Wacht=
meiſter Jagdhuhn feſtgenommen. Während ſeiner
Abwe=
ſenheit vom Regiment hat er nun zunächſt in Frankfurt
ein dem Schreiner Sauer gehöriges Fahrrad geſtohlen,
das bei ſeiner Feſtnahme noch bei ihm vorgefunden
wurde. Am 8. Dezember hat er ſeinem früheren
Quar=
tiergeber Müller in Bockenheim, bei dem er übernachtete,
eine Uhr mit Kette, und am 10. Dezember in Bleidenſtadt
ein Portemonnaie mit mehr als 10 Mark Inhalt
geſtoh=
len. Die Frau Hölzel in Hahn hat ſich durch falſche
An=
gaben dazu bewegen laſſen, ihm Beköſtigung und
Nacht=
lager zu gewähren. Außer dieſen Straftaten wird dem
Angeklagten zur Laſt gelegt, im Manöver 1911 in
Blei=
denſtadt ein Medaillon geſtohlen zu haben und dem ihn
verhaftenden Gendarmerie=Wachtmeiſter Jagdhuhn
wiſ=
ſentlich falſche Angaben gemacht zu haben. Der
Ange=
klagte iſt der ihm zur Laſt gelegten Delikte geſtändig.
Der Anklagevertreter beantragte in Anbetracht der vielen
Vorſtrafen, neun Einzelſtrafen von insgeſamt 10
Mona=
ten, die er in eine Geſamtſtrafe von 7 Monaten Gefängnis
zuſammenzog. Mildernd zu berückſichtigen ſei, daß der
Angeklagte ein willensſchwacher Menſch ſei, der ſich durch
ſeine Leichtſinnigkeit immer wieder zu neuen Straftaten
hinreißen ließ. Das Gericht erkannte auf eine
Gefäng=
nisſtrafe von 7 Monaten und auf Verſetzung in
die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes. Von der
erlitte=
nen Unterſuchungshaft wird ihm ein Monat auf die
Strafe angerechnet.
Der in Schmallenberg geborene Musketier Paul Anton
Krämer vom Infanterie=Regiment Nr. 168 hat ſich
we=
gen eines vor dem Dienſtantritt begangenen Vergehens
gegen das Viehſeuchengeſetz zu verantworten. Es wird
ihm zur Laſt gelegt, im Juli 1911 im Kreiſe Arnsberg,
wo die Maul= und Klauenſeuche unter dem Viehbeſtande
ausgebrochen war, Ferkel verkauft zu haben, ohne daß im
vorgeſchriebenen Kontrollbuch eine Beſcheinigung
vorhan=
den war, daß die Ferkel vom Kreistierarzt unterſucht waren.
Auch hat der zum Transport der Ferkel benutzte Wagen
keine Bezeichnung des Eigentümers und des Wohnortes
desſelben gehabt. Wegen des Vergehens wird der
An=
geklagte als verantwortlicher Transportführer zu 2
Wo=
chen Gefängnis verurteilt, wegen der Uebertretung
zu 3 Mark Geldſtrafe.
-g. Ausloſung der Geſchworenen. Bei der geſtern
ſtattgefundenen Ausloſung der Geſchworenen für die am
Montag, den 4. März, vormittags halb 10 Uhr, unter
dem Vorſitz des Landgerichtsrats Lebrecht beginnende
erſte diesjährige Tagung des Schwurgerichts der
Provinz Starkenburg wurden folgende Herren
ausge=
loſt: Wilhelm Pons, Kaufmann in Egelsbach; Peter
Daum, Landwirt in Ober=Modau; Georg Graf II.,
Ge=
meindeeinnehmer in Worfelden; Georg Volk II.,
Fabri=
kant in Rüſſelsheim; Paul Ramdohr, Apotheker in
Darm=
ſtadt; Karl Bender, Buchdruckereibeſitzer in Darmſtadt;
Hermann Hufnagel, Sattlermeiſter in Darmſtadt; Wilh.
Stroh, Landwirt in Dreieichenhain; Daniel Hauſer,
Rentner in Offenbach; Konrad Stork, Stationsvorſteher
i. P. in Kailbach i. Od.; Ludwig Röder, Landwirt in
Meſſel; Franz Scholl, Oberſt a. D. in Darmſtadt;
Hein=
rich Flörsheimer, Kaufmann in Höchſt i. Od.; Georg Joſt,
Schloſſermeiſter in Jugenheim; Adam Röder VI.,
Ge=
meindeeinnehmer in Zell bei Bensheim; Franz Adam
Kämmerer, Ziſeleur in Klein=Auheim; Adolf Hubert,
Fabrikant in Offenbach; Friedrich Straub, Buchhalter
in Wimpfen; Martin Hirſchmann, Fabrikant in
Offen=
bach; Friedrich Schmidt, Kaufmann in Darmſtadt; Anton
Hiller II., Beigeordneter in Spachbrücken; Sebaſtian
Walter, Landwirt in Waldmichelbach; Adam Kiſtinger,
Landwirt in Spachbrücken; Auguſt Bachmann,
Poſtdirek=
tor a. D. in Eberſtadt; Auguſt Schönhof, Fabrikant in
Offenbach; Friedrich Schwöbel, Landwirt in Momart
i. Od.; Georg Heil, Oekonom in Habitzheim; Georg Ad.
Bender, Bäckermeiſter in Königſtädten; Andreas
Boze=
heimer, Gutsbeſitzer in Lampertheim; Emil Stork,
Fabri=
kant in Offenbach.
* Die Beerdigung des Pfarrers Ludwig Walz fand
am Mittwoch nachmittag unter zahlreicher Beteiligung
der Anverwandten und der Geiſtlichkeit ſtatt. Herr
Pfar=
rer Widmann nahm in der Friedhofskapelle die
Ein=
ſegnung vor und Herr Pfarrer Schneider widmete am
Grabe dem entſchlafenen Amtsbruder einen herzlichen
Nachruf. Herr Stadtpfarrer Velte legte im Namen der
Dekanatsgeiſtlichkeit einen prachtvollen Kranz nieder. Es
widmeten Kränze der Zweigverein des evangeliſchen
Bundes, die Beſſunger Mädchenſchule, die Gemeinde
Lang=Göns, der frühere Wirkungsort des Verſtorbenen
u. a. Der Kirchengeſangverein der Petrusgemeinde ſang
bei der Einſegnung und am Grabe.
A Anmeldung zur Stammrolle. Alljährlich in
der zweiten Hälfe des Januar finden die
Anmel=
dungen zur Stammrolle ſeitens der
Militär=
dienſtpflichtigen ſtatt. In unſerer Stadt
er=
gaben ſich im laufenden Jahre 1404 ſolcher Meldungen
und zwar von im Jahre 1890 Geborenen 342, von im
Jahre 1891 Geborenen 489 und von im Jahre 1892
Ge=
borenen 573 Pflichtige.
* Der Kriegerverein Darmſtadt hielt Mittwoch abend
in ſeinem Vereinslokal, der Turnhalle am Woogsplatz,
ſeine diesjährige Hauptverſammlung unter
ſtar=
ker Beteiligung von ſeiten der Kameraden ab. Der erſte
Vorſitzende, Herr Hauptmann a. D. Waldecker
er=
öffnete um 9 Uhr die Verſammlung mit einem Rückblick
auf das abgelaufene Vereinsjahr, dabei die politiſchen
Ereigniſſe im verfloſſenen Jahre, welche Deutſchland zur
Haltung einer ſtarken Wehrmacht drängen, ſtreifend. Er
gedachte ferner des 40jährigen Gründungstages der
Haſ=
ſia, des 10. Februars 1872, an welchem Tage durch drei
Vereine des Rodgaues das Protektorat über dieſe
Ver=
einigung von dem damaligen Prinzen Ludwig, dem
heldenhaften Führer der Heſſiſchen Diviſion im Feldzuge
1870/71, erbeten und angenommen wurde. Der
Haſſia=
verband zählt heute nahezu 1000 Vereine mit rund
68000 Mitgliedern. Hierauf wurden folgende
Kamera=
den durch Verleihung des
Verbandsabzei=
chens für 25jährige Mitgliedſchaft ausgezeichnet: Heinr.
Delp, B. Engeroff, Cl. Hauſt und Wilh. Kaiſer. Nach
Verleſen des Protokolls der letzten Monatsverſammlung
gedachte der erſte Vorſitzende der ſeit dieſer
Verſamm=
lung verſtorbenen Kameraden und forderte auf, das
Ge=
denken an dieſelben durch Erheben von den Sitzen zu
ehren. Der durch den erſten Schriftführer Kam. Junge
erfaßte Jahresbericht lag im Druck vor, ſo daß von der
mündlichen Wiedergabe abgeſehen werden konnte. Der
Rechner Kam. Bruchhäuſer trug die Rechnung des
abgelaufenen Jahres vor. Demſelben wurde auf Antrag
der Rechnungsprüfungskommiſſion Entlaſtung erteilt.
Auf Antrag aus der Verſammlung wurde dem
Geſamt=
vorſtand für ſeine Mühewaltung Dank gezollt. Mit
gro=
ßer Freude konnte Herr Hauptmann Waldecker der
Ver=
ſammlung die neu angelegte Stammrolle des Vereins,
ein ſtattlicher Band, welche durch die Kam. Wenzlau
und Engeroff in Verbindung mit den Vorſitzenden der
Bezirke zuſammengeſtellt war, vorlegen. Der für dieſen
Sommer geplante Rheinausflug nach St. Goar wurde
nach längerer Ausſprache als unausführbar aufgegeben.
Bei der hierauf erfolgten Neuwahl des Vorſtandes ward
der Geſamtvorſtand durch Zuruf wieder= und als Erſatz
für ein im Laufe des Jahres durch Verſetzung
ausge=
ſchiedenes Vorſtandsmitglied Kam. Oberfinanzrat Dr.
Hellwig neu gewählt. Die
Rechnungsprüfungskommiſ=
ſion beſteht für das kommende Jahr aus den Kameraden
Engeroff, Silz und Roth. Ins Schiedsgericht wurden
gewählt die Kameraden Gg. Roth, Bernh. Engeroff, K.
F. Bender ſen., Heinr. Dörr und Wilh. Küchler; als
Er=
ſatzmänner die Kameraden Aug. Engel, Chr. Chriſt und
Heinr. Delp. Zum Fahnenträger wurde wieder Kam.
Schaub und als Fahnenbegleiter die Kameraden
Heppen=
heimer und Vöglin ernannt. Ferner beſchließt die
Ver=
ſammlung, den Vorſtand im Bedarfsfalle durch
Koopta=
tion von drei jüngeren Mitgliedern zu erweitern. Nach
erfolgter Bücherausgabe wurde alsdann die
Verſamm=
lung durch den erſten Vorſitzenden geſchloſſen.
* Verein für Vogel= und Geflügelzucht (ält. Verein).
Die von 47 Mitgliedern beſuchte Februar=Verſammlung
wurde durch den erſten Vorſitzenden in der üblichen
Weiſe eröffnet. Er gab bekannt, daß ſich weiter vier
Herren als Mitglieder gemeldet haben, welche vor Schluß
der Verſammlung ohne Widerſpruch aufgenommen
wur=
den. Hierauf wurde dem Schriftführer das Wort zum
Verleſen der rückſtändigen Protokolle erteilt, welche
ge=
nehmigt wurden. Im Anſchluß hieran berichtete der
Vorſitzende eingehend über den kürzlich abgehaltenen
Ka=
narienmarkt, welcher zur vollen Zufriedenheit des
Ver=
eins ausgefallen iſt, und ſprach allen denjenigen Herren,
welche ſich um die Veranſtaltung verdient gemacht haben,
ſeinen verbindlichſten Dank aus. Zu dem nächſten Punkt
der Tagesordnung: Nationale Ausſtellung in Frankfurt,
übergehend, ſollen auf Vorſchlag des Vorſtandes fünf
Herren gegen Erſtattung der Reiſekoſten nach dort
ent=
ſandt werden, um bei der nächſten Verſammlung
ein=
gehend Bericht über die ihnen übertragenen Raſſen zu
erſtatten, welches ſeitens der Anweſenden angenommen
wurde. Die Abfahrt erfolgt ab Darmſtadt 1 Uhr 37 Min.
nachmittags und werden alle diejenigen Herren, welche
ſich anſchließen wollen, gebeten, zur angegebenen Zeit
am Bahnhof ſich einfinden zu wollen. Mit der
Verloſ=
ung von ſieben Kanarienhähnen, ſowie der üblichen
Frei=
verloſung von Futter konnte die äußerſt angeregte
Ver=
ſammlung geſchloſſen werden.
* Kauſmänniſcher Verein Darmſtadt e. V. Die
Generalverſammlung war außerordentlich zahlreich
be=
ſucht und bewies wieder, daß das Intereſſe, das die
Mitglieder für den Verein hegen, ſtets im Wachſen
be=
griffen iſt. Nachdem der Vorſitzende die Erſchienenen
begrüßt hatte, wurde in die Tagesordnung eingetreten.
Der Aufſichtsrat hatte die Geſchäftsführung
ordnungs=
gemäß befunden und erteilte die Verſammlung dem
Vorſtand Entlaſtung. Hierauf ſchritt man zur Wahl
des 1. Vorſitzenden. Der ſeitherige 1. Vorſitzende, Herr
Wilhelm Kölh der dem Verein ſeit 10 Jahren vorſtand,
lehnte eine Wiederwahl aus Geſundheitsrückſichten ab.
An ſeiner Stelle wurde Herr Ludwig Fiſcher zum
1. Vorſitzenden gewählt. Die Wahl der übrigen
Vor=
ſtands= und Aufſichtsratsmitglieder ſchloß ſich alsdann
an. Da Anträge nicht eingegangen waren, wurde die
Verſammlung mit einem Hoch auf den Verein geſchloſſen.
Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Herr Profeſſor Dr. Anthes, ſeit Jahren im Dienſt
archäologiſcher Forſchungen auf ſeinen Reiſen in die
ſüdeuropäiſchen und kleinaſiatiſchen Länder
wiſſen=
ſchaftlich tätig, hielt in der dankenswert zur Verfügung
geſtellten Techniſchen Hochſchule drei hochintereſſante.
belehrende Vorträge über die Balkanländer, welche bei
dem zahlreich erſchienenen Publikum freudigen Beifall
fanden und für welche von dem Vorſtande des Vereins,
Herrn Profeſſor Dr. Gaul, herzlicher Dank
ausge=
ſprochen wurde. Der erſte Vortrag behandelte: „Die
Balkanländer im Altertum” der zw ite Vortrag: „Die
Balkanländer im Mittelalter” und der dritte Vortrag:
„Die Türkenherrſchaft bis zur Neuzeit” — Infolge
einer Erkrankung des Herrn Dr. Jäckh=Heilbronn muß
deſſen für Freitag, den 9. Februar, angekündigter
Vor=
trag verſchoben werden.
* Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft. Man
ſchreibt uns: In der am Sonntag, den 11. Februar, im
Saalbau ſtattfindenden II. Damen= und Herrenſitzung
wird den muſikaliſchen Teil die Kapelle Weber
be=
treiten. Außerdem wird an dieſem Abend die
Erſtauf=
führung eines von einem Darmſtädter gedichteten und
komponierten Duetts ſtattfinden, betitelt: „Der
Blumentag=Walzer” geſungen von Herrn Fey,
enannt der kleine Caruſo und Fräulein Stofferi.
Feuilleton.
* Der neue Tod. Im Anfang war der Kampftod.
Ein richtiger Mann ſtarb im Kampfe mit der Natur und
im Kampfe mit ſeinesgleichen. Und ein Schrei ward vor
den Tod geſetzt. Dann kam der Bett=Tod. Alle ſtarben
ſie in den Betten. Und Medizinen ſtanden davor in
gan=
zen Batterien. Und ein Gejammer ward und ein
Ge=
winſel. Und wieder hob ſich der Tod aus dem Flachland
und ſtieg in die Berge. Es kam der weiße Tod. Stürme
blieſen den Grabchoral. Und ein langer Ruf ſcholl ins
Tal. Noch höher hob ſich der Tod. Da ward es der
ſchönſte Tod, der Fliegertod, der Tod in den Lüften.
Dreiundſechzig Mann ſind im Jahre 1911 durch ſeine
Pforten geſchritten. Stumm. Denn der Fliegertod iſt
ein ſtummer Tod. Stumm iſt auch der höchſte Schmerz,
die höchſte Luſt. Die Flieger, wenn ſie ſterben, ſchreien
nicht und jammern nicht und rufen nicht. Kein Laut ſchiebt
ſich zwiſchen ſie und die Majeſtät ihres Todes. Wenn
das Surren des Propellers plötzlich ſchweigt. Wenn die
Flugmaſchine ſchwankend fällt, wie welke Blätter fallen.
Wenn die ſchon beſiegte Schwerkraft aufwärts greift und
ſich den Sohn zurückholt, der ſich ein Aar zu ſein vermaß.
Er war ein Aar, und für den Adler iſt der Tod in ſeinen
Lüften auch der größte. Hart ſteht er auf des Meſſers
Schneide zwiſchen höchſtem Schreck und höchſter Seligkeit.
Ein ſtummer Gruß den dreiundſechzig Toten. Und wenn
du an ihrem Grabe beteſt, ſchau nicht erdwärts, ſondern
in die Höhe. (Aus dem Februarheft des Türmers.)
— Der Direktor der Geräuſche. In den Räumen des
Theatre Frangais, in dem „Hauſe Molieres” das jedem
Franzoſen als das höchſte Heiligtum der dramatiſchen
Kunſt gilt, waltet ſeit nunmehr 55 Jahren ein Mann
ſeines Amtes, der für die Pariſer eine nie geſehene
Be=
rühmtheit iſt, denn niemals hat man Mr. Laurent Léon,
deſſen Wirken für das Théatre Frangais unentbehrlich
iſt, auf den weltbedeutenden Brettern erblicken können.
Der alte Herr nennt ſich mit einer ſeltſamen Miſchung
von Beſcheidenheit und Stolz Schüler von Offenbach,
und er iſt an der Comédie Frangaiſe auch wirklich der
Amtsnachfolger des berühmten Operettenkomponiſten des
zweiten Kaiſerreiches. Und dazu iſt er noch der Neſtor
aller Angeſtellten des franzöſiſchen Nationaltheaters, ein
Mann, der bei keiner Vorſtellung fehlen darf, der im
Laufe vieler Jahrzehnte Verühmtzeiten kommen und
gehen ſah. Mr. Laurent Léon führt amtlich den Titel
eines „Direktors der Geräuſche” und da Muſik
ſchließ=
lich auch ein Geräuſch iſt, iſt er nebenbei auch Dirigent
der Bühnenmuſik am Théatre Frangais. Ein Orcheſter
am Théatre Frangais? Die meiſten, die regelmäßig im
Parkett des berühmten Theaters ſitzen, wiſſen gar nicht,
daß dieſe Bühne eine eigene Kapelle beſitzt. Aber ſie iſt
vorhanden, ſie koſtet dem Staate jährlich 32000 Mark
und ſie bringt ſich bei den Aufführungen auch zu Gehör.
Bei allen Proben und bei allen Aufführungen erſcheint
Mr. Léon aber als der Feldherr einer geheimen
Hilfs=
truppe der Kunſt. Er iſt der Allmächtige, der hinter den
Kuliſſen dem Wettergott gebietet, auf einen Wink ſeiner
Hand beginnt ein fürchterlicher Donner zu rollen, mit
einem Blick ſeines Auges entzündet er lohende Blitze,
läßt den Sturm und die Windsbraut heulen, öffnet die
Schleuſen des Himmels und entfeſſelt alle Chöre des
Himmels und der Hölle. „Zu laut, Mr. Léon”, ruft der
jugendliche Liebhaber bei der Probe; Mr. Léon erhebt die
Hand: und der Lärm der Elemente mäßigt ſich. „Aber
man hört gar nichts, Mr. Léon” klagt der jugendliche
Held. Und Mr. Léon nickt, winkt, und der Donner rollt
fürchterlich. „Zu lang, Mr. Léon” meint ein dritter
Sozietär: eine Kopfbewegung, und die tiefſte Stille iſt
da. Mounet=Sully iſt wohl der einzige in der Comédie
Frangaiſe, der dem allgewaltigen Direktor der
Ge=
räuſche bisweilen Kummer bereitet. Denn der
be=
rühmte Tragöde iſt ein abgeſagter Feind aller
Bühnen=
geräuſche und beſchneidet die Mitarbeit Mr. Léons gern
aufs äußerſte. Ja er geht ſogar ſo weit, daß Saint=
Saéns eines Tages ſeinen Kollegen in Schutz nehmen
mußte, damit die Muſik der Antigone auch im
Zuſchauer=
raum gehört werden könnte. Der alte Léon trat im
Jahre 1857 bei der Comedie Francaiſe ein, und ſeit
jenem Tage hat er nicht weniger als 20000
Vorſtellun=
gen mitgemacht, wohl ein Weltrekord, der ſo leicht nicht
zu überbieten iſt. Urſprünglich hatte er Medizin ſtudiert,
aber die Begeiſteruna für ſeinen Lehrer Offenbach und
die Anſtellung am Theatre Francais veränderten ſeinen
Lebensgang. Doch er gebietet nicht nur über Sturm,
Donner und Regen und über die Lautäußerungen einer
hinter den Kuliſſen kochenden Volksſeele; er hat ſich auch
als Komponiſt erprobt, und zu unzähligen Stücken die
Bühnenmuſik geſchrieben, zu „Hekuba”, zu „Elektra”, zu
den „Phönizierinnen” und vor kurzem noch für den auch
in Deutſchland bekannt gewordenen „Guten König
Dago=
bert” Seine Muſik wird nie auf dem Programm
ge=
nannt und ſie hat ihn außerhalb des Theaters nie einen
Pfennig Geld eingebracht. Sein Leben war die Arbeit
für einen ziemlich dunklen Ruhm. „Meine Muſik”
er=
klärte er lächelnd, „gehört gleich meinen Muſikern hinter
die Szene.” Nur ein einziges Mal hat er beſonderes
Honorar empfangen: bei der hundertſten Aufführung von
„Griſeldis” kaufte ihm ein Muſikverleger die Partitur
der Bühnenmuſik für 500 Franken ab. Aber der alte
Direktor der Geräuſche iſt mit ſeinem Loſe vollkommen
zufrieden; wenn abends die Stunde kommt, nimmt er
vergnügt und fröhlich hinter den Kuliſſen ſeinen Platz
ein, und wenn er dann mit dem Taktſtock das Zeichen
gibt, fühlt er ſich ſtolz als Offenbachs Nachfolger und
Erbe.
C) Eine Tragödie im Eiſe des Niagara. Der Einſturz
der Eisbrücke über den Niagara hat eine furchtbare
Tra=
gödie mit ſich gebracht. Am Sonntag ſtanden wohl 35
Menſchen auf der Brücke, als plötzlich ein Knirſchen durch
das Eis ging. „Das Eis bricht!‟ Der Schreckensruf
war das Signal zu haſtiger Flucht: Alles ſtürmte zum
Ufer. Kaum zwei Minuten ſpäter begann ſich das Eis
zu löſen und zu treiben, doch alle hatten das Ufer erreicht.
mit Ausnahme des jungen Ehepaares Stanton, eines
17jährigen Amerikaners Burrell Hecock und eines andern
unbekannten Mannes. Sie rannten zum amerikaniſchen
Ufer und waren beinahe ſchon in Sicherheit, als ein
freier Waſſerſtreifen ſie zurücktrieb. Nun begann die
Jagd nach dem kanadiſchen Ufer. Doch, kaum 50 Meter
vor dem rettenden Lande, ſah man Frau Stanton
er=
ſchöpft zuſammenbrechen. Der junge Hecock und der
andere Mann waren voraus: Hecock aber wandte
ſofort zurück, um Mr. Stanton und ſeiner Frau zu
hel=
fen, und dieſe heldenmütige Regung koſtete ihm das
Leben, denn der andere Mann erreichte glücklich das Ufer.
Plötzlich löſte ſich das Eisſtück, auf dem das Ehepaar
Stanton und der junge Hecock ſich befanden, los und glitt
die Stromſchnelle hinab. Ein paar Sekunden ſpäter
brach die Scholle mitten durch und trennte die Stantons
von dem Jüngling. Inzwiſchen ſtürmten
Feuerwehr=
leute auf die beiden Niagarabrücken, und von der erſten
ließ man ein 70 Meter langes Tau hinab. Hecock packte
es und blieb daran hängen, während die Scholle unter
ihm forttrieb; aber das Seil dehnte ſc, der ue Mann
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Nummer 34.
Gleichzeitig ſei hier berichtigend mitgeteilt, daß die
Sitzung nicht um 7,11, ſondern 7,31 abends beginnt.
Die reſervierten Plätze ſind diesmal auf allgemeinen
Wunſch im Saal, und da reſervierte Plätze nur in
be=
ſchränkter Zahl ausgegeben werden, iſt es vorteilhaft,
ſich dieſelben bald zu ſichern.
— Koloniefeſt im Hotel Britannia. Man ſchreibt
uns: Nur noch einige Tage und das Publikum ſteht
vor einem großen Ereignis dieſer Saiſon. Alle
Vor=
bereitungen für das Feſt ſind getroffen. Große
Deko=
rationsfirmen am Platze werden die Räumlichkeiten dem
Charakter des Feſtes entſprechend derorteren. Von der
Großh. Hofgärtnerei werden die dazu notwendigen
Pal=
men und andere Pflanzen zur Verfügung geſtellt. Es
wird das Ganze nicht nur ein amüſantes Feſt, ſondern
auch eine Seyenswürdigkeit erſten Ranges ſein. Wie
bereits mitgeteilt, haben zu den Koſtüm= und
Geſell=
ſchaftstoiletten auch Masken im Domino Zutritt. Es
dürfte dies dem Feſte einen beſonderen Reiz verleihen.
Kopfbedeckungen in ortentaliſchem Stile werden an der
Kaſſe für Herren und Damen abgegeben. Auch hat ſich
eine Firma bereit ertlärt, Dominos am Abend im Hotel
zu verleihen. Nach dem Kartenvorverkauf zu ſchließen,
dürfte ein großer Beſuch zu erwarten ſein.
— Lichtſpieltheater Olympia. Man ſchreibt uns:
Am Samstag, den 10. ds., eröffnet, nach kurzer Pauſe, das
Lichtſpieltheater Olympia, nunmehr
Rhein=
ſtraße 2, ſeine Pforten wieder, um Groß und Klein mit
ſeinen anerkannt gediegenen Vorſtellungen zu unterhalten
und zu erfreuen. Das neue Theater, das nach den neueſten
polizeilichen Vorſchriften hergeſtellt iſt, bietet mit ſeinen
ſieben Ausgängen, ſechs ins Freie, den Beſuchern eine
hier bis jetzt in den Lichtſpieltheatern nicht erreichte,
un=
übertroffene Sicherheit. Durch Anbringung der neueſten
Ventilatorenſyſteme iſt in hygieniſcher Beziehung für beſte
und reinſte Luft ausgiebig geſorgt. Das neue
Olympia=
theater ſteht, was Feuerſicherheit anbelangt, an erſter
Stelle durch Benutzung des vom Sohne des Beſitzers
er=
fundenen, zum Patent angemeldeten Apparats gegen den
gefürchteten „Filmbrand” der hierdurch vollſtändig
ausge=
ſchloſſen iſt, weshalb jeder in dem Theater ohne
Angſt=
gefühl und beruhigt verweilen kann. Das neue
Olympia=
theater weiſt auch eine nach erprobten Erfahrungen des
Beſitzers, Herrn Lindl, ſelbſtangefertigte Neuerung auf
der Projektionsfläche auf, wodurch die Bilder an Plaſtik
ungemein gewinnen. Die innere Einrichtung und
Aus=
ſtattung, welche nach Entwürfen von der Firma Feidel,
Hügelſtraße, und Hofweißbindermeiſter Klein,
Eliſa=
bethenſtraße, die elektriſche von der Firma Wilk,
Schuchardſtraße, ausgeführt wurde, die äußere, nach den
Plänen des Architekten Herrn Küchler, ausgeführt von
der Firma Donges, hier, iſt im modernſten Stil gehalten.
Das Eröffnungsprogramm weiſt wieder
verſchie=
dene Novitäten auf, u. a. den hervorragenden Schlager
„Den Leoparden entronnen!‟ Den intereſſanten,
wiſſen=
ſchaftlichen Film „Flüſſige Luft” uſw. (Näheres Annonce.)
Auerbach, 8. Febr. Am Sonntag findet im „Hotel
zur Krone” ein Kaffee=Konzert ſtatt, auf das auch
hier=
durch hingewieſen ſei.
Rüſſelsheim, 7. Febr. Infolge einer Ben
zin=
exploſion verbrannten heute früh 7 Uhr in den
Opelwerken 11 Automobile. Die verbrannten
Auto=
mobile ſtanden bereits in der Halle zum Verſandt
bereit.
Mainz, 7. Febr. Nach einer ſechsjährigen Bauperiode
ſind die Renovationsarbeiten am
Kurfürſt=
lichen Schloß im ſüdöſtlichen und mittleren Teile
nahezu beendet. In den Prachtſälen des zweiten Stockes
zeigen jetzt die Wände ſtarke Sprünge, in leichterer Form
auch das Stiegenhaus. Die Fundamente des Baues
wurden vor Beginn der Erneuerungsarbeiten unterſucht.
Ob die Beſeitigung der jetzt entſtandenen Schäden eine
Verſtärkung der Fundamente erfordert, wird von der
weiteren Entwickelung der zutage getretenen
Erſcheinun=
gen abhängen.
Mainz, 8. Febr. Die in der Generalverſammlung
der Rheiniſchen Bierbrauerei vom 31. Januar
angenommenen Vertragsanträge, wonach die Mainzer
Aktienbrauerei für die Uebernahme der Kundſchaft
jähr=
lich 89 435 Mark und die Schöfferhofbrauerei jährlich
103 733 Mark auf die Dauer von 13 Jahren zahlen,
wäh=
rend das Bankkonſortium die Garantie übernimmt,
wur=
den vorgeſtern abend durch endgültige Einigung
der an den Verträgen Beteiligten perfekt.
Oppenheim, 7. Febr. Im Konkursverfahren
Scho=
ber fand heute vormittag am hieſigen Amtsgericht ein
geriet bis an die Bruſt ins Waſſer und war im nächſten
Augenblick von zwei heranſtürmenden Eisblöcken ſchwer
verwundet. Noch gelang es ihm, ſich zu halten; er
klet=
terte ſogar einige Fuß am Seil empor; dann aber
ver=
ſagte die Kraft, er begann herabzugleiten, ſtürzte
her=
unter und verſchwand in den eiſigen Fluten. Dem
Ehe=
paar Stanton war ein anderes Seil zugeworfen worden.
Der Mann erhaſchte es und verſuchte, das Tau an ſeine
Frau zu binden; aber die Gewalt der Strömung ließ das
Seil reißen und das Paar trieb weiter, der zweiten
Brücke entgegen. Hier wurde ein neues Seil
herabgelaſ=
ſen und Stanton packte auch das Ende. Wieder verſuchte
er, ſeine Frau an dem rettenden Tau feſtzubinden, aber
ſeine Hände waren von der Kälte bereits ſteif und
er=
froren; er war nicht imſtande, das Seil zu halten, es
ent=
glitt ſeinen Händen, und nun war keine Rettung mehr
möglich: das Schickſal des jungen Paares war beſiegelt.
Man ſah noch von der Brücke die Frau in die Knie ſinken
und ſich bekreuzigen. Dann zog ſie der Mann an ſich,
hielt ſie feſt in ſeinen Armen, auch er war in die Knie
geſunken, und von der Brücke konnte man ſehen, wie die
Köpfe ſich gegen einander neigten. In dieſem
Augen=
blick wurde die Eisſcholle von einer mächtigen Woge
ge=
packt und barſt. Inmitten der knirſchenden Splitter und
des toſenden Waſſers verſchwanden die beiden eng
um=
ſchlungenen Menſchen: der Niagaxa hatte ſeine Opfer.
Von beiden Ufern des Stromes aus und von beiden
Brücken hatten Tauſende von Menſchen das ſchreckliche
Schauſpiel mit angeſehen und die vergeblichen
Rettungs=
verſuche beobachtet. Die Eisbrücke, auf der die
Unglück=
lichen geſtanden hatten und die ihnen zum Verhängnis
wurde, hatte ſich in den letzten Wochen gebildet: ein
mäch=
tiger Eisbogen von faſt 25 Metern Dicke, 300 Metern
Breite und 500 Metern Länge. Hunderte von
Neugieri=
gen und Touriſten hatten in den letzten Tagen die Brücke
beſucht und von ihr aus in das Toſen der Eiswaſſer
hin=
abgeblickt.
* Ueberbürdung. Ein Geldbriefträger betritt das
Bureau des öſterreichiſch=ungariſchen Konſulats in B.
„Mojen, Herr Rat, eine Poſtanweiſung, bitte!” Im
ſel=
ben Moment ſtürzt der Konſulatsdiener herein: „Herr
Rat, bitte die Schere!” Worauf der Hern Rat
händerin=
gend jammert: „Jeſſas, heut” kommt wieder alles
3’ſamm!!” (Aus der Muskete, Wien.)
Prüfungstermin über die angemeldeten
Forderungen ſtatt. Der Konkursverwalter, Herr
Rechtsanwalt Win kler, gab bekannt, daß er ſich
nur über ganz beſtimmte Forderungen äußern könne, da
eine gründliche Klärung der Wechſelſachen bisher
unmög=
lich war, weil Schober das Wechſel=Hauptbuch vor ſeiner
Flucht beiſeite gebracht habe und die Wechſelkopierbücher
ſich bisher in Händen des Unterſuchungsrichters befanden.
Die angemeldeten Forderungen belaufen ſich auf über
eine Million Mark, da jedoch verſchiedene Wechſel
einge=
löſt worden ſind, reduziert ſich die Summe bedeutend.
Herr Oberamtsrichter Schneider ſtellte hierauf die Frage,
ob der Trmin verlegt werden ſoll, da Schober bekanntlich
in Montreal in Kanada verhaftet worden iſt und ſpäter
durch ihn weſentliche Aufklärungen gegeben werden
kön=
nen. Die Auslieferung Schobers erfolgt vorausſichtlich
in ſechs bis acht Wochen. Die Gläubiger beantragten
jedoch eine ſofortige Prüfung der beſtimmten
Forderun=
gen, für dierübrigen Forderungen wurde der Termin auf
Mittwoch, den 24. April, verlegt.
* Bingen, 8. Febr. Auf der Rodelbahn in
So=
bernheim fuhr ein Schlitten mit großer Geſchwindigkeit
in die Zuſchauermenge. Etwa zehn Perſonen trugen
ernſt=
liche Verletzungen davon. Ein junges Mädchen
er=
litt eine Gehirnerſchütterung.
Wackernheim, 7. Febr. Der 21jährige Jak. Reichert
wollte bei dem geſtrigen Glatteis ſeine Mutter, die nach
Mainz zum Markte wollte, mit dem Schlitten nach dem
Heidesheimer Bahnhof fahren. An der ſtark abſchüſſigen
Straße vor dem Ort raſte das junge Pferd mit dem
Schlitten davon, wodurch das Gefährt umſtürzte,
die Frau herausgeſchleudert und Reichert durch das
Leit=
ſeil nachgeſchleift wurde. Während die Frau mit dem
Schrecken davonkam, erlitt Reichert mehrere
Rir=
penbrüche und wurde bewußtlos nach ſeiner
Wohn=
ung gebracht.
Ockenheim, 7. Febr. Ein großes Schadenfeuer
entſtand bei dem Landwirt Wilh. Müller. Beide
Scheunen brannten mit allen Vorräten vollſtändig
nieder. Das Wohnhaus konnte gerettet werden.
Nieder=Ingelheim, 7. Febr. Ein mit Vieh ſchwer
beladener Wagen fuhr auf dem Wege von Ober=
In=
gelheim kommend, infolge Verſagens der Bremſe eine
ſteile Böſchung hinab und fiel um. Zwei Mann
wurden ſchwer verletzt.
Burkhardsfelden, 8. Febr. Hier brannte die
Scheune des Gemeinderechners Albach nieder.
Deſ=
ſen Nachbar, der Taglöhner Diehl, hatte ſeinen
Holz=
ſchuppen, der unmittelbar an die Scheuer angebaut war,
angeſteckt und ſich dann in der Scheuer erhängt, ward
jedoch rechtzeitig bemerkt und abgeſchnitten. Die
Gen=
darmerie von Reiskirchen, die telephoniſch herbeigerufen
worden war, verhaftete Diehl und brachte ihn
nach Gießen. Die Scheune brannte vollſtändig nieder.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 7. Febr. König
Niko=
laus von Montenegro iſt, wie gemeldet, nachdem
er in Frankfurt a. M. ſeine geſchäftlichen Beſprechungen
erledigt hat, in Berlin eingetroffen, wo er im Hotel
Adlon wohnt. Außer ſeinen Konſuln in Paris und in
Petersburg haben ihn hier auch auf Befehl des Zaren
ein beſonderer, ihm entgegengeſchickter Ehrendienſt, ſowie
der ruſſiſche Geſandte in Cetinje erwartet. Die Herren
waren heute vom König, den ein verhältnismäßig
zahl=
reiches Gefolge begleitet, zu einem Frühſtück geladen, an
dem auch der ruſſiſche Botſchafter Graf von Oſten=Sacken
teilnahm. Die Weiterreiſe von Berlin nach Petersburg,
deren Beginn noch nicht genau feſtſteht, erfolgt über
Eydt=
kuhnen, wo für den Herrn der Schwarzen Berge ein
ruſ=
ſiſcher Hofzug ſchon bereitſteht. — Heute nachmittag
er=
eignete ſich in Weſtend ein Automobilunfall. Die
55jährige Rentiere Frau Hirſchfeld wollte ihren Sohn,
der Amtsrichter in Spandau iſt, beſuchen und benützte eine
Automobildroſchke. Der Chauffeur wollte, um nicht
einen Hund zu überfahren, das Gefährt
ſeit=
wärts lenken. Das Auto fuhr gegen eine Bordſchwelle
und wurde vollſtändig zertrümmert. Frau Hirſchfeld wurde
aus dem Automobil geſchleudert. Sie wurde nach dem
Krankenhaus gebracht. Auf dem Wege dorthin trat der
Tod ein. — Die Lichtenberger Kriminalpolizei
ver=
haftete den Kaſſierer Karl Schabel=Berlin unter
dem dringenden Verdacht, die Ehefrau des
Schlächter=
meiſters Nickel, die am 1. Mai 1911 in ihrer Wohnung in
Lichtenberg erſchlagen aufgefunden wurde, ermordet zu
haben.
Frankfurt, 7. Febr. Heute abend gegen ½7 Uhr wurde
der 11 Jahre alte Schüler Fritz Popp aus der Ohmſtr. 23
in Bockenheim von einem Straßenbahnwagen am
Schauſpielhaus, als er die Straße überſchreiten wollte,
er=
faßt. Er kam unter die Räder des Wagens zu liegen,
wo=
bei ihm der linke Fuß abgefahren wurde. Die
Rettungs=
wache brachte ihn nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe, wo ihm
das linke Bein amputiert werden mußte.
Köln, 7. Febr. In Geldern bei Sonsbeck brannte
ein großer Bauernhof nieder. Der Bruder des
Be=
ſitzers kam in den Flammen um. Drei Pferde, 21 Kühe, 41
Schweine und viel Geflügel ſind verbrannt.
Breslau, 7. Febr. Heute nachmittag brachen drei
Knaben im Alter von 10 bis 13 Jahren auf dem Eiſe
der Oder zwiſchen der Kaiſer= und Leſſingbrücke ein,
ge=
rieten unter die Eisdecke und ertranken. Ein Mann,
der ſofort Rettungsverſuche unternahm, brach ebenfalls
ein und konnte nur mit Mühe gerettet werden.
Königsberg, 7. Febr. Ein ſeltenes Mißgeſchick
hat 2000 Königsberger, zumeiſt Angeſtellte von Kauf= und
Warenhäuſern, Verkäuferinnen uſw., die am letzten
Sonn=
tag mit der Samlandbahn Ausflüge nach den
Strand=
badeorten in der Nähe Königsbergs gemacht hatten,
ver=
hindert, am Montag rechtzeitig zurückzukehren. Das
ſchöne Winterwetter in den Vormittagsſtunden des
Sonn=
tags hatte viele hinausgelockt, um dem Rodeln und
Schneeſchuhlauf zu huldigen. Das fröhliche Treiben
wurde aber durch ein plötzlich losbrechendes
Schneege=
ſtöber in den ſpäten Nachmittagsſtunden jäh
unterbro=
chen. Alles eilte der Bahn zu, aber der nun einſetzende
Schneeſturm machte ihnen einen Strich durch die
Rech=
nung. Die Bahn hatte wegen Schneeverwehungen ihren
Betrieb einſtellen müſſen. Es gab alſo keinen anderen
Ausweg, nach Königsberg zu kommen, als entweder auf
Schuſters Rappen durch den tiefen Schnee zu ſtampfen,
oder mittels Schlitten die Stadt zu erreichen ſuchen.
Und nun fand ein wahrer Sturm auf die vorhandenen
Schlitten ſtatt. Die Preiſe für die Fahrt waren raſch bis
zu einer Höhe von 50 Mark geſtiegen, ſolch einen Lurus
konnten ſich aber nur die wenigſten leiſten. Es blieb alſo
nichts anderes übrig, als gute Miene zum böſen Spiel
zu machen und ſich auf ein Quartier mit enger Unterkunft
in den Badeorten einzurichten. Und trotz der
unfreiwilli=
gen Gefangenſchaft entwickelte ſich bald ein fröhliches
Leben in den Reſtaurants. Erſt am Montag nachmittag
gelang es, die 20 Eingeſchneiten aus ihrer
unfreiwill=
gen, aber luſtigen Gefangenſchaft zu erlöſen.
Helgoland, 7. Febr. Vorgeſtern Nacht wurden durch
Einbruch in dem Gemeindebureau aus der Gemeindekaſſe
20000 Mk. geſtohlen, wobei ſich der Dieb, wie aus
Blutſpuren hervorging, an der Hand verletzte. Der aus
Cuxhaven herübergekommenen Polizei gelang es mit Hilfe
eines Polizeihundes, des Täters habhaft zu werden.
Dieſer geſtand ein, das Geld unter einem Felsgeröll
ver=
borgen zu haben. Die Beamten ſind nunmehr bemüht, mit
einem Boote die Stelle, wo ſich angeblich das Geld befinden
ſoll, ausfindig zu machen.
Madrid, 7. Febr. Das Königspaar, deſſen Zug bei
der Rückreiſe von Ferrol infolge Unwetters ſtecken blieb, iſt
nachmitags hier wieder eingetroffen.
Madrid, 8. Febr. Die Ueberſchwemmungen
verbreiten ſich über ganz Spanien; zahlreiche Flüſſe
ſind übergetreten und überfluten die Dörfer. Die
Verkehrs=
ſchwierigkeiten behindern die Hilfeleiſtungen. Verluſte an
Menſchenleben ſind nicht bekannt, der Sachſchaden iſt
be=
deutend.
Yalta, 7. Febr. Im Alter von 96 Jahren ſtarb
General=
feldmarſchall Miljutin, langjähriger Mitarbeiter an den
Reformen Kaiſer Alexander II.
Memphis (Verein. Staaten), 7. Febr. Heute früh hielten
maskierte Räuber einen Zug der Rock Island=Bahn auf,
kuppelten die Poſt= und Expreßwagen ab, ſprengten den
Geldſchrank und entfernten ſich mit einer Beute, die
bis auf 240000 Mk. geſchätzt wird. Paſſagiere wurden nicht
verletzt.
Kurſus für Armenpflege, Jugendwohlfahrt
und Jugendfürſorge.
* Am Dienstag nachmittag ſprach noch, wie ſchon kurz
erwähnt, Herr Amtmann Krapp über Organiſation und
allgemeine Grundſätze der öffentlichen Armenpflege. Er
führte aus: Eine rationelle Ausübung der Armenpflege
ſetzt reiche Kenntnis der lokalen und perſönlichen
Verhält=
niſſe voraus. Die Verwaltung des Armenweſens iſt
ver=
ſchieden eingerichtet. Hier in Darmſtadt beſorgt die Geſchäfte
das Pflegeamt. In Verbindung mit der Deputation für
Armen= und Pfründnerweſen liegt ihm die geſamte
Ver=
waltung der Armenpflege ob. Die Ausübung der
Armen=
pflege ſelbſt beruht auf dem Elberfelder Syſtem, das jetzt
all=
gemein anerkannt iſt. Die öffentliche Armenpflege ſoll
je=
dem wirklich Bedürftigen ſchnelle und ſachgemäße Hilfe
bringen. Deshalb iſt feſtzuſtellen, ob wirklich
Hilfsbedürf=
tigkeit vorliegt. Beſonders in großen Gemeinden iſt
Er=
füllung der der Armenpflege geſtellten Aufgaben ſchwierig.
Zu einer wirklichen Fürſorgearbeit kann es nur dann
kom=
men, wenn ſozialgeſinnte Männer und Frauen helfend
ein=
greifen. Auch für ſie iſt es von Nutzen, wenn ſie einen
Ein=
blick in die Verhältniſſe ihrer hilfsbedürftigen Mitmenſchen
gewinnen. Die Heranziehung ehrenamtlicher Tätigkeit für
die Durchführung der Armenpflege iſt die Grundlage des
Elberfelder Syſtems. Es bedeutet Individualiſierung und
Dezentraliſation des Armenweſens. Das ganze Gebiet iſt
in Bezirke abzuteilen, die einem Pfleger überwieſen werden.
Hier in Darmſtadt hat man auch Frauen für dieſe
ehren=
amtliche Tätigkeit gewonnen. Für ſie iſt ein reiches Feld
ge=
boten. Dieſe Pfleger und Pflegerinnen werden von der
Stadtverordneten=Verſammlung auf 3 Jahre gewählt. Alle
Geſuche des Bezirks ſind bei ihnen vorzubringen. Zu ihrer
Unterſtützung ſind noch weitere berufliche Beamte,
Armen=
aufſeher, tätig. Weiter verbreitete ſich der Redner über die
Grundſätze einer zu gewährenden, öffentlich rechtlichen
Unter=
ſtützung, und führte auch einige Fälle aus der Praxis an.
Am Mittwoch nachmittag 3 Uhr fanden ſich nahezu 100
Perſonen zur Beſichtigung des ſtädtiſchen Pfründner= und
Armenhauſes ein. Zuerſt wurde das Pfründnerhaus unter
Führung des Herrn Amtmann Krapp und Oberverwalter
Weidner mit allen ſeinen Einrichtungen angeſehen. Um
4 Uhr folgte dann die Beſichtigung des Armenhauſes.
Anſchließend hieran folgte im ſtädtiſchen
Saal=
bau ein Vortrag des Herrn Stadtſekretär Liſt über die
einzelnen Unterſtützungsarten der ſtädtiſchen Armenpflege,
der ſich eines überaus zahlreichen Beſuches erfreute. Der
Redner führte etwa folgendes aus:
Jeder Bedürftige muß unterſtützt werden, einerlei, ob
er ſeinen Unterſtützungswohnſitz in unſerer Stadt hat oder
nicht. Wird Unterſtützung verweigert, ſo ſteht dem
Bedürf=
tigen das Recht der Beſchwerde zu. In der offenen
Armen=
pflege gilt die Regel, daß Unterſtützung nur nach genauer
Unterſuchung der Verhältniſſe des Nachſuchenden und nur
ſolange gewährt wird, als wirklicher Notſtand vorhanden
iſt. Es iſt dabei ohne Belang, welche Staatsangehörigkeit
der Hilfsbedürftige beſitzt, ob er Deutſcher iſt oder nicht, ob
er durch eigene oder durch fremde Schuld hilfsbedürftig
ge=
worden iſt. Unterſtützt wird durch Gewährung von Geld,
Nahrungsmitteln, Kleidung, Brennmaterial, Geburts= und
ärztliche Hilfe, Arznei, evtl. durch Zuweiſung von Arbeit
und endlich durch Gewährung von freiem Begräbnis. Bei
der Naturalienunterſtützung wird vielfach auf die
Einrich=
tung des Vereins Volksküche zurückgegriffen.
Hilfsbedürf=
tige, welche aus irgend einem Grund Speiſen nicht ſelbſt
be=
reiten können oder infolge von Krankheit oder Schwäche
eine kräftigere Koſt nötig haben, erhalten Speiſekarten für
dieſe Anſtalt. Die Vorausſetzung zur Aufnahme in die
ſtändige Armenpflege iſt dauernde oder doch länger
anhal=
tende Unterſtützungsbedürftigkeit. Es wird in dieſen Fällen
eine in einem Tarif genau feſtgelegte wöchentliche
Bar=
unterſtützung gewährt. Vorausſetzung für die
Bewillig=
ung dieſer Unterſtützung iſt, daß alimentationsfähige
An=
verwandte (Kinder, Eltern, Großeltern) nicht vorhanden
ſind. Mehr als 15 Mark pro Woche darf für eine Familie
nicht aufgewendet werden. Obwohl dieſe Norm beſteht, ſoll
ſie nicht ſchablonenmäßig zur Anwendung kommen. Es
kann bei Vorlage beſonders unglücklicher Verhältniſſe über
die tarifmäßigen Beträge hinaus bewilligt werden. Die
individuelle Behandlung ſpielt hier, wie überall in der
Ar=
menpflege, die Hauptrolle. Unter Unterſtützung in
geſchloſſe=
ner Pflege verſteht man die anſtaltsmäßige Fürſorge. Sie
erfolgt durch Aufnahme der Bedürftigen im Armenhaus,
Pfründnerhaus, Städt. Krankenhaus, außerdem in
beſon=
deren Fällen, namentlich für Geiſteskranke, Sieche, Blinde,
Taubſtumme uſw. in die betreffenden Anſtalten. Die
Kin=
derpflege liegt ebenfalls der öffentlichen Armenpflege ob.
Allerdings nur ſoweit die Verpflegung der Kinder in
Be=
tracht kommt. Bei Verwahrloſung hat Unterbringung der
Kinder auf Grund eines beſonderen Geſetzes, des heſſiſchen
Zwangserziehungsgeſetzes, zu erfolgen. Die in
Armen=
pflege genommenen Kinder werden teils in Familien hier
in der Stadt, teils in ländlichen Familien und wenn es
ſich nur um vorübergehende Pflege handelt, in der
Kinder=
ſtation des ſtädtiſchen Pfründnerhauſes untergebracht.
Reicher Beifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen
des mit umfaſſender Sachkenntnis ausgeſtatteten Redners.
An der Diskuſſion, in der die frühere
Bezirksvorſteherein=
teilung, im Vergleich mit der jetzigen Organiſation, ſowie
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. F
r 1
Seite 5.
die Frage der Heranziehung erwachſener erwerbsfähiger
Kinder zu der Unterhaltsleiſtung ihrer bedürftigen Eltern
behandelt wurde, beteiligten ſich die Herren Profeſſor
Kiſ=
ſinger und Amtmann Krapp.
Ueber „die Notwendigkeit eines planmäßigen
Zuſam=
menwirkens zwiſchen der öffentlichen Armenpflege und der
privaten Wohltätigkeit” wird heute, Freitag, den 9. d. M.,
nachmittags 4¼ Uhr, Herr Stadtſekretär Löſchhorn im
Herrſchaftsſaale des Städtiſchen Saalbaues einen Vortrag
halten, worauf aufmerkſam gemacht wird.
Die Gründung einer Aktien=Geſellſchaft zur
Regelung der Verkehrsfragen der Stadt und
ihrer Umgebung, ſowie für den Anſch uß einer
Ueberlandzentrale an die ſtädtiſchen Werke und
die Abgabe elektriſcher Energie für Licht=
und Kraftzwecke.
(22. Sitzung der Stadtverordneten.)
St. Darmſtadt, 8. Februar.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet nach
vor=
angegangener geheimer Sitzung die öffentliche
Sitzung um 5 Uhr und teilt mit, daß der Bezirksverein
Altſtadt zu ſeinem Vortragsabend einlädt. Es wird dann
ſoſort in die Tagesordnung eingetreten. Der
Ober=
bürgermeiſter hält zu Beginn der Debatte einen
einleitenden Vortrag,
in dem er etwa folgendes ausführt:
Meine Herren! Ich übergebe Ihnen das
Vertrags=
werk in der Hoffnung, daß ſeine Beurteilung aus großen
Geſichtspunkten ſtattfinden möge. Zunächſt verweiſe ich
auf den Inhalt der fünf eingehenden, der
Stadtverord=
neten=Verſammlung bereits erſtatteten Vorträge. Die
Verwaltung nimmt außerdem Bezug auf diejenigen
Feſt=
ſtellungen, die ſie in finanzieller und betriebstechniſcher
Hinſicht in Hagen, Paderborn und Bochum hat
machen können. Es darf bemerkt werden, daß die ſtädtiſche
Verwaltung aus eigener Anſchauung auch die
Verhält=
niſſe in Straßburg kennt und in eingehendſter Weiſe
die Verhandlungen mit der Allgemeinen
Elektri=
zitätsgeſellſchaft geführt hat. Am 6. Dezember
vorigen Jahres habe ich das Expoſé mit den Grundſätzen
des Abkommens der Oeffentlichkeit übergeben. Es iſt
da=
her nunmehr umſomehr geboten, zu handeln, als die
Lö=
ſung der Verkehrsfragen dringend geworden iſt. Der
In=
halt der der Stadtverordneten=Verſammlung
zugegange=
nen Vorlage kann das Material nicht enthalten, das die
Verwaltung zur Beurteilung dieſer Verträge beſitzt. Wohl
aber darf die Verwaltung erklären, daß ſie in der
ein=
gehendſten Weiſe in organiſatoriſcher, ſozialpolitiſcher,
finanzieller und techniſcher Beziehung die
Verhandlun=
gen verwertet hat, die dieſer Vorlage vorausgehen. Herr
Rötelmann, der die Verhandlungen für die Süddeutſche
Eiſenbahngeſellſchaft führte, war von dem Beſtreben
ge=
leitet, den Abſchluß der Verhandlungen zu fördern.
Angeſichts der großen Verantwortung, die der
ver=
antwortliche Leiter der Stadtverwaltung in einer ſolchen
Frage trägt, habe ich keinen Verſuch unterlaſſen, der
mög=
lich erſchien, um die ſtädtiſchen Intereſſen in den
Ver=
tragsverhandlungen zu wahren. Wer an den
Verhand=
lungen nicht teilgenommen hat, kennt die Vorſchläge nicht,
die ich in erſter Linie in Verwertung der mir bekannten,
in anderen Städten erzielten Verhandlungsergebniſſe
un=
terbreitet habe. Um das vorliegende Vertragswerk
beur=
teilen zu können, muß man vor allen Dingen wiſſen, daß
ein Vertrag nur zu Stande kommt, wenn beide Teile ſich
geeinigt haben. Wenn zwei
Vertragskontra=
henten einen Vertragabſchließen, dann
ge=
ben ſie auch, ſie nehmen nicht bloß. Wenn
daher die ſtädtiſche Verwaltung nicht in allen Punkten
diefenigen Forderungen durchſetzte, die ſie in erſter Linie
ſtellte, ſo darf doch geſagt werden, daß das Ergebnis der
erzielten Verhandlungen uns geſtattet, die Verantwortung
für die vorliegende Vorlage zu übernehmen.
Die allgemeinen Grundzüge in dieſer, aus großen
Geſichtspunkten zu beurteilenden Vorlage habe ich bereits
in den erſtatteten Vorträgen eingehend behandelt. Ich
will an dieſer Stelle nur folgendes hervorheben: Die
Stadt hat die Verpflichtung, ihre
Indu=
ſtrie in Darmſtadt zu erhalten, zu mehren
und die wirtſchaftliche Förderung der
All=
gemeinheit durch Stärkung des
gewerb=
lichen Lebens zu erſtreben. Die mit der A. E.=G.
geführten Verhandlungen erſtrebten dasſelbe Ziel. Die
Verwaltung hat die Grundlage dieſer Verhandlungen
ſeit=
her nicht der Oeffentlichkeit übergeben, weil ein Abſchluß
nicht erzielt wurde. Es darf jedoch zu Gunſten dieſer
Verhandlungen bemerkt werden, daß die A. E=G. in
äu=
ßerſt zuverläſſiger, gewiſſenhafter und reeller Weiſe
vor=
gina und die zu Beginn der Verhandlungen gemachten
Vorſchläge die finanzielle Lage der Stadt in äußerſter
Weiſe ſicherſtellten. Es iſt in der Oeffentlichkeit nicht
bekannt, daß dieſe Verhandlungen zu einem großen Teile
auch die Mittel für eine Aufbeſſerung der Beamten und
Bedienſteten zur Verfügung geſtellt hätten. Nach= den
A. E=G=Verhandlungen verblieben die geſamten Werke
einſchließlich ihrer Erweiterungen im Eigentum der
Stadt. Desgleichen die Elektriſche Straßenbahn. Auch
alle Konzeſſionen würden auf den Namen der
Stadtver=
waltung ausgeſtellt worden ſein. Der mit der S. E.=G.
zuſtande gekommene Vertraa bietet gegenüber den
A E.=G=Verhandlungen überſichtlichere Verhältniſſe und
ein Bündnis der Stadt mit der Geſellſchaft auf klarer
Grundlage. Die allgemeinen Geſichtspunkte dieſes
Ab=
kommens ſind in der Druckvorlage bereits zum Ausdruck
gekommen. Hier darf hervorgehoben
wer=
den, daß das Vertragswerk in erſter Linie
der Stadt und ihrer wirtſchaftlichen
För=
derung gewidmet iſt. Es entſteht heute ſchon durch
den Vertraa eine wirtſchaftliche Verbindung von Stadt
und Land. Die wirtſchaftliche Verbindung iſt insbeſondere
durch die Ueberlandzentrale und den Fernverkehr
gege=
ben. Das beabſichtiate Gemeinſchaftsverhältnis iſt in
Form einer Aktiengeſellſchaft gedacht. Wer das
Bünd=
nis einer Stadt mit einem
Privatunter=
nehmen für einen unlösbaren Widerſpruch
hält. der vertritt wohl die Anſicht, daß eine
ſtädtiſche Verwaltung in ihrer iſolierten
Lage verharren und ſich außerhalb der
Entwickelung der Technik zu ſtellen habe
Wer in dieſer Weiſe kritiſiert, der überſieht, daß die Stadt
mit ihrer Vorlage gerade bezweckt, an der Entwickelung
der Technik teilzunehmen und ſich nicht beiſeite ſchieben
zu laſſen. Zu wenig iſt in unſerer Bevölkerung bekannt,
daß die Entwickeluna der Elektrotechnik durch das
Zuſam=
mengehen von öffentlichen Verbänden und der
Erwerbs=
geſellſchaften bisher ſtets gefördert wurde. Die Kommu=
nalverwaltungen, Kreiſe und Provinzen betrachten es der
Regel nach als ihre Aufgabe, ſich an Verbänden zu
betei=
ligen, den öffentlich=rechtlichen Einfluß bei dieſen großen
Unternehmungen durch Teilnahme ſicher zu ſtellen. Neben
den Tatſachen, welche in der Vorlage angeführt ſind, dart
ich darauf verweiſen, daß vor kurzem die Städte
Nürn=
berg, Fürth und die Siemens=Schuckert=Werke eine
Aktiengeſellſchaft für die Abgabe elektriſcher Energie
ge=
gründet haben, und die Stadt Altona ihre Werke an eine
Aktiengeſellſchaft verkauft hat, bei der die Stadt und die
A. E.=G. beteiligt ſind. Ich vertrete das
vorlie=
gende Vertragswerk in der grundſätzlichen
Ueberzeugung, daß dem Zuſammengehen
von Kommune und Privatinduſtrie ein
gu=
tes Stück unſerer Zukunft gehört. Es iſt nicht
zu leugnen, daß Kommunalverwaltungen und
Exwerbs=
geſellſchaften da, wo ſie getrennt marſchierten, große
Feh=
den zum Austrag brachten und die Oeffentlichkeit ſehr
oft gegen Erwerbsgeſellſchaften Stellung nahm. Dieſe
Verhältniſſe liegen insbeſondere in den Städten vor, in
denen die Kommunalverwaltung einen Einfluß auf die
Geſchäftsführung der Erwerbsgeſellſchaft nicht beſitzt.
Die=
ſer Einfluß iſt aber der Stadt Darmſtadt im vorliegenden
Falle in ausreichendem Maße geſichert. Auch bei den
A. E.=G.=Verhandlungen hat die Stadt grundſätzlich die
Stellung eingenommen, daß ſie bei der zu gründenden
Aktiengeſellſchaft beteiligt ſein ſollte. In
ſozialpoli=
tiſcher Beziehung iſt eine vertragliche Sicherſtellung
des übertretenden Perſonals von der Stadtverwaltung
erzielt worden. Die ſtädtiſche Verwaltung hat dieſer
Frage eine große Arbeit gewidmet und darf
ſich das Zeugnis ausſtellen, daß die Vorarbeiten
für dieſe wichtige Frage beſonders
ein=
gehend gehalten waren. Ich gebe mich der
an=
genehmen Hoffnung hin, daß der Vorſtand der
Aktien=
geſellſchaft und das Perſonal in zufriedenſtellender Weiſe
gemeinſam arbeiten werden, wenn jedermann ſeine
Pflicht erfüllt. Wenn ein großes Vertragswerk der
Zu=
kunft der Stadt und ihrer Entwickelung gewidmet wird,
ſo iſt es klar, daß die ſtädtiſche Verwaltung ſich ein
Rück=
kaufsrecht vorbehalten mußte. Ich behalte mir vor, zu
dieſem wichtigen Punkte bei der Spezialberatung
ein=
gehende Mitteilungen zu machen. Der ſtädtiſchen
Ver=
waltung ſtanden die Vorarbeiten von zwölf großen
Ver=
tragswerken zu Gebote. Die Vorarbeiten zur Sicherung
und Feſtlegung des Rückkaufsrechts ſind beſonders
ein=
gehend geführt worden.
Ich übergebe dieſe Vorlage nunmehr zur Abſtimmung
in dem Bewußtſein, daß in einer großen ernſten Sache
nur große Geſichtspunkte entſcheidend ſein können. Durch
dieſe Vorlage wird es ermöglicht, daß die
Betriebe der Stadt in einem erhöhten
Maße der Allgemeinheit dienſtbar
ge=
macht werden. Billige Tarife und ein ſtarker Verkehr
dienen den wirtſchaftlichen Intereſſen der Stadt. Ich bin
mir bewußt, daß Wünſche und Beſchwerden, die ſeither
in reichlichem Maße bei der ſtädtiſchen Verwaltung
vor=
gebracht wurden, auch in Zukunft dem neuen
Gemein=
ſchaftsunternehmen nicht erſpart bleiben. Ich bin auch
der Ueberzeugung, daß gerechten Beſchwerden von jeder
Organiſation Rechnung getragen werden muß, die den
Beruf in ſich fühlt. mit ihren Unternehmungen der
Allge=
meinheit zu dienen. Nicht leichten Herzens gibt die Stadt
einen Teil ihrer Selbſtändigkeit auf. Sie bringt dieſes
Opfer durch den Vertrag nur unter der Vorausſetzung,
daß der Einfluß der Stadt nach wie vor in genügender
Weiſe ſichergeſtellt iſt. Ich bin mir bewußt, daß die
Be=
urteilung dieſes Vertragswerks in einer entfernten
Zu=
kunft in dieſem Augenblick nicht zu überſehen iſt. Feſt
ſtebt nur in dieſem Augenblick, daß der Leiter der
Ver=
waltung eine große erhöhte Verantwortung auf ſich
nimmt. Wenn die Verwaltung freiwillig dieſe
Verant=
wortung auf ſich nimmt, ſo iſt ſie von der Hoffnung
ge=
leitet, daß ſie durch den vorliegenden Vertrag eine
wirt=
ſchaftliche Förderung der Stadt erreichen wird. Sie iſt
aber auch von dem freudigen Bewußtſein erfüllt, daß der
Bereich der kommunalen Aufgaben eine große
Erwei=
terung erfährt, daß die Kommunalverwaltung die
Ini=
tiative ergreift auf dem neuen zukunftsreichen Gehiete der
Technik. und daß die Stadt im Gegenſatz zu Verhältniſſen
in anderen Städten in einem freudigen Einvernehmen
mit der Provinz und allen Verkehrsfaktoren ſteht. Unſere
vereinte Arbeit ſoll der Allgemeinheit dienen; das
groß=
zügige Programm, das niedrige Tarife und eine
bele=
bende Erweiterung des Verkehrs bietet. ſoll jedermann zu
Gute kommen. Es iſt mir ein Bedürfnis, allen Herren zu
danken, die bei dem Entſtehen dieſes Werkes in
hervor=
ragendem Maße beteiligt waren. Ich danke dem Leiter
der Provinzialverwaltuna der Provinz Starkenbura,
Herrn Provinzialdirektor Fey, daß er dieſes Unternehmen
im Einvernehmen zwiſchen Stadt und Land gefördert
hat. Ich danke dem Kollegen Ekert. Direktor Daub, dem
Sekretariat für Verkehrsweſen und den Herren vom
Son=
derausſchuß, die an der Entſtehung dieſes Werkes
teilge=
nommen und mit der Verwaltung eine große Arbeit
be=
mältiat haben. Ich ſpreche zum Schluſſe den herzlichen
Wunſch aus, daß alle Hoffnungen, die wir in dieſen
Ver=
trag ſetzen. in Erfüllung gehen möchten, zum Segen von
Stadt und Land! (Bravo!)
Stadtv. Henrich:
Die Vertretung der Stadt Darmſtadt ſteht vor einer
ernſten und bedeutungsvollen Entſcheidung, die tief in die
Lebensverhältniſſe der Stadt einſchneiden wird, und die
namentlich auch die Zukunft in erheblichem Maße
beein=
flußt. Das iſt ein doppelter Anlaß, das vorliegende
Ver=
tragswerk, das nach monatelanger, eingehender Vorarbeit
nunmehr zu einem vorläufigen Abſchluß gekommen, vor
ſeiner Verabſchiedung einer unvoreingenommenen, aber auch
ernſten und ſorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Um indeß
dieſes Vertragswerk richtig zu würdigen, iſt es notwendig,
die Tatſachen zu berückſichtigen, auf denen es aufgebaut
iſt, da es ſich hier nicht um eine aus dem Nichts zu
ſchaffende Einrichtung handelt, ſondern um ein
Unter=
nehmen, das aufgebaut werden ſoll auf Vorhandenes, das
ſich nicht ignorieren läßt. Dieſe Tatſachen ſind kurz folgende:
Die bisherigen Verkehrsverhältniſſe in der Stadt
ließen keine Einheitlichkeit des Verkehrs zu, weil eben
zwei Intereſſenten vorhanden waren, die Stadt und die
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft, welch' letztere nach der
ihr verliehenen Konzeſſion noch 25 Jahre das Recht hat, ihre
Vorortbahnen durch die Straßen der Stadt zu führen.
Hier=
von hängt einmal die Rentabilität der eigenen ſtädtiſchen
Straßenbahn ab, dann aber auch die wünſchenswerte
Weiterführung der im Beſitze der S. E.=G. befindlichen
Vorortbahnen. Theoretiſch ſind wohl mancherlei Wege
denkbar, um die erwünſchte Einheitlichkeit des Verkehrs zu
ſchaffen. Man könnte daran denken, die Vorortbahnen
an=
zukaufen und im Eigentum der Stadt weiter a betreiben,
oder auch neben denſelben ſtädtiſche Konkurrenzlinien zu
bauen, eine vielerörterte Möglichkeit wäre die, das Ende
der Konzeſſionsdauer der S. E.=G. abzuwarten, um ſo nach
25 Jahren deren Linien billiger zu erwerben, und
ſchließ=
lich blieb noch ein Weg, der durch den vorliegenden
Ver=
trag beſchritten werden ſoll, nämlich der der gegenſeitigen
Verſtändigung. Am wenigſten wäre von dieſen theoretiſchen
Möglichkeiten wohl diejenige zu empfehlen, die das Warten
auf die Zeit nach 25 Jahren anrät. Das hieße, die
Ver=
kehrsintereſſen der Stadt und die damit zuſammenhängendes
geſamten wirtſchaftlichen Intereſſen auf 25 Jahre lahmlegen,
ganz abgeſehen davon, daß durch den Neubau des
Haupt=
bahnhofs die Regelung des Verkehrs dringlicher geworden
iſt denn je. Auch der Weg der Konkurrenzlinien iſt
ein=
gehend geprüft und durch die Gutachten der Herren
Direk=
toren Grooß und Schmidtmann als ungangbar erkannt
worden. Das leuchtet auch ſchon ein, wenn man
berückſich=
tigt, daß ſich zwei Unternehmer in eine Rente teilen ſollen,
die vielleicht gerade ausreicht, ein einziges Unternehmen
lebensfähig zu erhalten. Auch die Frage des Ankaufs iſt
eingehend unterſucht worden und man kam übereinſtimmend
zu dem Schluſſe, daß die nicht zu umgehende hohe
Ankaufs=
ſumme und die Uebernahme der geſamten Koſten für die
Elektrifizierung der Vorortbahnen und der Weiterführung
auf die Stadt ein Riſiko für dieſebedeutet, für das heute
niemand die Verantwortung zu übernehmen bereit ſein
dürfte. Erträglich werden dieſe Belaſtungen und das damit
verbundene Riſiko eben nur, wenn ein zweiter Kontrahent
bereit iſt, dieſes Riſiko zur Hälfte mittragen zu helfen.
Die zweite Tatſache, die bei Beurteilung des
Vertragswerkes zu beachten iſt, beſteht darin, daß eine
beſſere Ausnutzung unſerer Elektrizitätswerke zur
Erhöh=
ung der Rentabilität als wünſchenswert erſcheint. Wohl
iſt die Rentabilität dieſer Elektrizitätswerke an ſich geſichert.
Sie kann aber nur geſteigert werden, bezw. es iſt die
dringend notwendige Verbilligung der elektriſchen Kraft
ohne Verſchlechterung der Rentabilität nur möglich, wenn
neue Anſchlüſſe an das Elektrizitätswerk in großem
Um=
fange gewonnen werden. Bleiben dieſe Zugänge nur auf
den Bereich der Stadt beſchränkt, dann entſteht die Gefahr,
daß ſich die Mehrbenutzung der Elektrizitätswerke faſt
aus=
ſchließlich auf Koſten des, Gaswerks vollzieht und damit der
Stadt im Ganzen keinen höheren Nutzen bringt. Es liegt
deshalb der Gedanke nahe, den Abnehmerkreis durch
Ein=
beziehung der Orte in den benachbarten Kreiſen unſerer
Provinz auf dem Wege der Erbauung eine
Ueberland=
zenträle zu erweitern. Ob eine Ueberlandzentrale an und
für ſich ein rentables Unternehmen darſtellen würde, iſt eine
Frage, die hier nicht weiter unterſucht zu werden braucht,
da es ſich ja nicht um die Errichtung einer ſolchen an ſich
handelt, ſondern lediglich darum, die Ausnutzung der
be=
ſtehenden und dafür völlig ausreichenden Elektrizitätswerke
auf dieſem Wege zu heben. Die Frage der Erbauung einer
Ueberlandzentrale iſt kein Gegenſtand des vorliegenden
Vertragswerks, ſondern ſie iſt eine Aufgabe der neu zu
gründenden Geſellſchaft. Deshalb kann auch jetzt bei dieſer
Vorlage von einem genaueren Programm in dieſer
Bezieh=
ung noch nicht gut die Rede ſein. Es darf angenommen
werden, daß die Geſellſchaft ſchon in ihrem eigenen Intereſſe
mit der Vorſicht vorgehen wird, die durch die Rückſicht auf
ihre finanzielle Belaſtung und auf das damit verbundene
Riſiko vorausgeſetzt werden kann.
Der Vertrag ſelbſt ſchafft eine neue Geſellſchaft,
be=
ſtehend aus der Stadt Darmſtadt, der S. E.=G. und der
Pro=
vinz Starkenburg, mit der Möglichkeit des Zutritts anderer
Gemeinden. Die Stadt iſt von vornherein mit 50
Pro=
zent, alſo mit der Hälfte, am Aktienkapital beteiligt, die
kommunalen Körperſchaften insgeſamt haben alſo in jedem
Falle die Mehrheit in der Geſellſchaft. Immerhin ſchließt
dieſer Umſtand nicht die grundſätzliche Erörterung der Frage
aus: Iſt es richtig, das Privatkapital überhaupt bei
mono=
polartigen Kommunalbetrieben mit maßgebendem Einfluß
mitzubeteiligen? Denn einen Einfluß wird das
Privat=
kapital in dieſer Geſellſchaft nicht nur ſuchen, ſondern auch
tatſächlich haben in dem ſog. kaufmänniſchen Geiſt, den man
dabei erwartet, nicht nur wegen der Ausdehnung des
Ab=
nehmerkreiſes, ſondern auch wegen der Betriebsführung und
deren Verbilligung. Es gilt heute wohl als allgemein
aner=
kannte Tatſache, daß monopolartige Betriebe, wie Gas=,
Waſſer=, Elektrizitätswerke, Straßenbahnen uſw. überhaupt
nicht mehr ohne weiteres der Privatunternehmung
über=
laſſen werden und gar manche Gemeinde hat ſich gezwungen
geſehen, ſolche Privatunternehmungen mit ſchweren Opfern
für die Geſamtheit zu erwerben. Das begreift ſich einmal
aus den allgemeinen ſozialen Intereſſen, die die Geſamtheit
der Bevölkerung an dieſen Unternehmungen hat, dann aber
auch aus ihrer finanziellen Bedeutung für die
Gemeinde=
kaſſe. Es wird alſo grundſätzlich richtig ſein, in den Fällen,
in denen das allgemeine Intereſſe überwiegt und nicht
Er=
werbstendenzen im Vordergrund ſtehen, an dem
kommu=
nalen Betrieb feſtzuhalten. Anders geſtaltet ſich die Sache,
wenn die Erwerbsrückſichten in den Vordergrund treten, was
namentlich dann zutrifft, wenn ein Unternehmen weſentlich
über den Kreis der Gemeinde hinaus ausgedehnt werden
ſoll. Hier erweiſt ſich die Schwerfälligkeit einer öffentlichen
Verwaltung, die in dem Mitbeſtimmungsrecht der
Vertre=
tung der Bürgerſchaft, und in der nicht immer
auszuſchal=
tenden Rückſichtnahme auf mancherlei Einzelwünſche
begrün=
det iſt, als ein großes Hindernis für eine gedeihliche
Ent=
wickelung derartiger Unternehmungen Man kann deshalb
— unbeſchadet ſeiner grundſätzlichen Stellungnahme in
Fällen wie der hier vorliegende, ſehr wohl eine Beteiligung
des Privatkapitals gutheißen, wenn 1. die ſozialen
In=
tereſſen der Geſamtheit durch einen entſprechenden Einfluß
der Stadtverwaltung genügend gewahrt ſind, und wenn
2. der Stadt ein genügender Anteil an der Rente geſichert
iſt. Gewiß will das Privatkapital auch dabei verdienen,
und es ſoll auch verdienen, denn dafür trägt es auf der
an=
deren Seite auch Riſiko und Verluſt in gleichem Verhältnis.
Bei der Beſprechung des Vertragswerks ſelbſt werde
ich nicht auf ſeine rechtliche Form eingehen, und ebenſo nicht
auf alle diejenigen Beſtimmungen und Vereinbarungen, die
von der Wahrung der Rechte und der Sicherheit der Stadt
handeln, da alles, was mit Rechtsfragen zuſammenhängt,
von berufenerer Seite behandelt werden wird. Ich
be=
ſchränke mich deshalb auf die Würdigung der Verträge in
allgemein wirtſchaftlicher, in finanzieller und in ſozialer
Be=
ziehung.
Die wirtſchaftliche Seite des Vertrags.
Die Wünſche der Geſamtheit der Bürgerſchaft ſind in
zwei Hauptrichtungen zu erkennen. Das ſind erſtens:
die Einheitlichkeit und Verbeſſerung des Verkehrs in der
Stadt und nach den Vororten, und zwar ohne
Verteuer=
ung — dazu kommt die Notwendigkeit einer beſſeren
Verbindung mit dem wirtſchaftlichen Hinterlande von
Darmſtadt, um ſo die geſchäftlichen Beziehungen zwiſchen
dieſem und der Stadt in beſſerer Weiſe zu fördern —
und zweitens wünſcht die Geſamtheit die Verbilligung
der elektriſchen Energie, ſowohl für Licht= wie für Kraft=
Seite 6.
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
zwecke, ein Verlangen, das angeſichts der heutigen hohen
Preiſe durchaus als gerechtfertigt anerkannt werden muß.
Die Einheitlichkeit und Verbeſſerung des Verkehrs
wird durch die Vereinbarungen mit der Süddeutſchen
er=
reicht. Die Vorortbahnen werden elektrifiziert und
bil=
den insgeſamt mit dem ſtädtiſchen Straßenbahnnetz ein
einheitliches Verkehrsnetz, deſſen weiterer Ausbau
zu=
nächſt nach Pfungſtadt und nach Jugenheim
vertrags=
mäßig geſichert iſt. Die nähere Vereinbarung hierüber
befindet ſich in § 12 des Vertrages A. Weitere
Verkehrs=
projekte gehören in das Programm der künftigen
Geſell=
ſchaft. Es wird weiter beſtimmt darauf gerechnet
wer=
den dürfen, daß der 10=Pfennigtarif nicht nur in dem
bis=
herigen Geltungsbereich der Stadt beibehalten werden
kann, ſondern daß der neue Bahnhof in dieſen Tarif
ein=
bezogen wird — abgeſehen von einigen allzu entfernt
liegenden Gebieten am Südende der Stadt —, und daß
weiterhin auch andere Erleichterungen und
Verbilligun=
gen in Bezug auf den Verkehr ins Leben treten werden.
Daß die an der Elektrifizierung der Vorortbahnen und
an deren Weiterführung intereſſierten Gemeinden auch
an den Koſten hierfür in entſprechendem Verhältnis zu
beteiligen ſind, verſteht ſich von ſelbſt und iſt in § 12
Ab=
ſatz 3 des Vertrages A vorgeſehen. Das
Verkehrspro=
gramm, wie es von der Großh. Bürgermeiſterei im
Ein=
verſtändnis mit dem Vertreter der S. E.=G. bekannt
ge=
geben worden iſt, berückſichtigt die allgemeinen
Verkehrs=
verhältniſſe in anerkannt glücklicher Weiſe. Auch dem
jetzt noch weniger befriedigten Nordviertel der Stadt,
namentlich dem Martinsviertel, ſoll im Rahmen dieſes
Verkehrsprogramms nach Möglichkeit Rechnung
getra=
gen werden und, ſoweit dies in dem wünſchenswerten
Umfange noch nicht ausführbar iſt, beſteht
Uebereinſtim=
mung bei allen Beteiligten, daß die Verkehrsverbeſſerung
für dieſen Stadtteil eine der nächſten Aufgaben der
Zu=
kunft bleiben muß. Es bleibt in allen dieſen Fragen auch
fernerhin der Einfluß der Stadt Darmſtadt nicht
ausge=
ſchloſſen, wie ſich aus den §§ 12 und 14 des Vertrages
ergibt. Danach hängen Verkehrseinſchränkungen und
Ta=
riferhöhungen von der Genehmigung der Stadt ab, und
es hat die Stadt weiterhin das Recht, unter beſtimmten
Vorausſetzungen auch in Zukunft den Bau und Betrieb
der von ihr als notwendig erkannten Straßenbahnlinien
von der Geſellſchaft zu verlangen.
Die Verbilligung der elektriſchen Energie iſt
vorge=
ſehen im Vertrag § 11. Danach wird der Preis fürLichtſtrom
ſchon mit Beginn der Geſellſchaft, alſo mit dem 1. April
1912, auf 50 Pfg. ermäßigt, und es iſt weiter in Ausſicht
genommen, dieſe Ermäßigung demnächſt auf 45 und 40
Pfennig zu erweitern.
Die finanzielle Seite des Vertrages.
Dieſe iſt in verſchiedenen Richtungen zu beurteilen:
Die Bewertung des beiderſeitigen
Bahnbeſitzes beim Einbringen in die
Ge=
ſellſchaft. Nach dem Vertrag B iſt der Wert der
Städtiſchen elektriſchen Straßenbahn nach dem Stande
vom 31. März 1911 auf 1719702 Mk. 39 Pfg., und
der=
jenige der Dampfſtraßenbahn der S. E.=G. zu dem
glei=
chen Zeitpunkte auf 2000000 Mark angenommen. Zu
dieſen Werten treten dann noch die Aufwendungen, die
von genanntem Zeitpunkte ab bis zum Tage der
Ueber=
nahme von beiden Teilen gemacht werden, ſo daß die
endgültigen Zahlen für die beiderſeitigen Werte
ſchließ=
lich nur um ein Geringes von einander abweichen
wer=
den. Die Stadt gibt hiernach ihre Straßenbahn mit
ihrem Anlagewert in die Geſellſchaft, die S. E.=G. die
ihrige dagegen nach dem Nutzungswert. Das entſpricht
durchaus den berechtigten Anſprüchen der beiden
Kon=
trahenten. Die Stadt berechnet ihren Anlagewert, da
ſie keinen höheren Nutzungswert aus den bisherigen
Er=
trägen geltend machen kann. Der Geſellſchaft kann
an=
dererſeits nicht zugemutet werden, daß ſie auf denjenigen
Wert, der ſich auf ihre derzeitige Rente gründet,
ver=
zichtet. Die S. E.=G. hat zur Zeit einen Reinüberſchuß
von 110000 Mark, der ihr noch für 25 Jahre zuſteht. Die
Kapitaliſierung für den genannten Zeitraum in
Verbind=
ung mit dem Wert der ihr beim Ablauf der Konzeſſion
werden müßte (auf gegenwärtigen Zeitpunkt reduziert),
ergibt ungefähr den Betrag, der hier als Wert in den
Vertrag eingeſtellt iſt. Anders ausgedrückt, bedeutet dieſe
Wertfeſtſetzung für jeden der beiden Kontrahenten die
Sicherung einer dauernden Rente von mindeſtens 80000
Mark, unter der Annahme, daß die ſpäter zur
Verteil=
ung kommende Dividende mindeſtens 4 Prozent betragen
wird. Alles, was nach der Vereinigung beider Bahnnetze
zum Zwecke der Verbeſſerung und der Einheitlichkeit des
Verkehrs notwendig iſt, erfolgt auf gemeinſame Koſten
beider Vertragſchließenden, die damit Gewinn und
Ver=
luſt hieraus gleichmäßig zu tragen haben.
2. Von beſonderer finanzieller Bedeutung für die
Stadt iſt die in dem Vertrage C behandelte käufliche
Ueberlaſſung der beiden Städtiſchen Elektrizitätswerke
an die neue Geſellſchaft. Die Vertragsbedingungen
hier=
über, namentlich ſoweit es ſich um die finanzielle
Gegen=
leiſtung handelt, ſind nicht ganz einfacher Natur, was
ſich daraus erklärt, daß man das neue Unternehmen nicht
mit einer hohen Kaufſumme belaſten, andererſeits aber
auch der Stadt die gegenwärtige Einnahme aus den
Werken ſicherſtellen wollte. Es ſind darum zwei
neben=
einander herlaufende Zahlungsleiſtungen vereinbart:
einmal für 50 Jahre der Ertrag der Werke in Höhe von
345000 Mark (welche Summe Verzinſung und Tilgung
der Anlehensſchuld und die Ablieferung des Ueberſchuſſes
an die Stadtkaſſe einbegreift), und dazu kommt eine auf
47 Jahre vereinbarte jährliche Rate von 48 892 Mk. 25 Pfg.,
deren Zahlung erſt nach dem dritten Jahre des
Vertrags=
verhältniſſes beginnt, um der neuen Geſellſchaft das
Uebergangsſtadium auf dieſe Weiſe zu erleichtern. Dieſe
48892 Mark 25 Pfg. (§ 14 des Vertrages C) ergeben bei
Annahme von 4 Prozent Zins und Zinſeszins nach 47
Jahren einen Kapitalbetrag von 6½ Millionen Mark.
Da ferner von der Großh. Bürgermeiſterei beantragt
wird, neben dieſer Abzahlung aus Gründen der Vorſicht
weiter den Betrag von 13500 Mark alljährlich
abzu=
zweigen und zu kapitaliſieren, ſo werden nach Ablauf von
50 Jahren aus der Kapitaliſierung dieſer beiden Beträge
etwa 8½ Millionen Mark bar vorhanden ſein, die eventl.
zum Rückkauf des Unternehmens verwendet werden
können. Dabei darf nicht außer acht gelaſſen werden,
daß der Stadt neben der Anſammlung des vollen
Kapi=
talwertes der Elektrizitätswerke die Hälfte des.
Eigen=
tums an dem geſamten Geſellſchaftseigentum zuſteht.
3. Zu den finanziellen Fragen gehört weiter die
von der Stadt nach § 6 des Vertrages A übernommene
Zinsgarantie für die von der Aktien=Geſellſchaft
dem=
nächſt aufgewendeten Schulden bis zur Höhe von acht
Millionen Mark. Auf die Höhe der wirklich zur
Auf=
nahme gelangenden Schulden bleibt auch ſpäter der
Stadtvertretung dadurch ein maßgebender Einfluß
ge=
ſichert, daß infolge ihrer Beteiligung in der Geſellſchaft
gegen den Willen der Stadt Beſchlüſſe nicht gefaßt wer=
den können. Dieſe Zinsgarantie war nicht zu umgehen,
wenn man verhindern wollte, daß die Geſellſchaft einen
allzu hohen Zinsſatz für ihre Obligationen hätte
bezah=
len müſſen. Daß der Stadt Darmſtadt für den Teil der
Geſellſchaftsſchuld, der nicht auf ihren Aktienanteil
ent=
fällt, eine entſprechende Rückbürgſchaft von ſeiten der
S. E.=G. werden muß, verſteht ſich von ſelbſt und iſt in
dem genannten § 6 des näheren dargelegt. Dabei iſt der
S. E.=G. die Nachgabe gemacht, daß dieſe Rückbürgſchaft
ein Ende hat, wenn das Unternehmen in mehreren
auf=
einanderfolgenden Jahren einen Reinüberſchuß von nicht
unter 4 Prozent erzielt hat. Es darf erwartet werden,
daß die Differenzen, die in einzelnen Punkten über dieſe
Frage zwiſchen den beiden Vertragsſchließenden noch
be=
ſtehen, auf einem der Stadt günſtigen Wege zum Austrag
gelangen.
4. Während der Dauer der Geſellſchaft kommt in
Be=
tracht das Intereſſe der Stadt an der Sicherſtellung der
Zahlungen für die Elektrizitätswerke. Dieſe
Sicherſtel=
lung iſt durch den Eigentumsvorbehalt bezw. durch
entſprechende hypothekariſche Sicherheit gewährleiſtet.
Im übrigen geſtaltet ſich während der Vertragsdauer das
finanzielle Verhältnis ſehr einfach. Jeder
Geſellſchafts=
teilhaber hat Anteil an Gewinn und Verluſt nach
Maß=
gabe ſeines Geſellſchaftskapitals. Zu beachten bleibt
allerdings auch ein indirekter Einfluß auf die Finanzen
der Stadt, der darin zu befürchten ſteht, daß die
Einnah=
men des Gaswerks unter der Proſperität des
Geſell=
ſchaftselektrizitätswerkes leiden könnten. Mit dieſer
Mög=
lichkeit wird man in dem Sinne zu rechnen haben, dan
eine Stagnation des Gasverbrauches eintreten kann,
wenn man ſich nicht dazu entſchließt, dem durch eine
ent=
ſprechende Preispolitik zu begegnen. Hier darf man
aber wohl auch einen günſtigeren Faktor in Rechnung
ſetzen, das iſt das weitere Wachstum der Stadt und ihrer
Bevölkerung und die zunehmende Benutzung der
Licht=
werke der Stadt und der Geſellſchaft.
5. Von finanzeller Bedeutung iſt ſchließlich auch die
Frage, in welcher Weiſe ſich die bereits angedeutete und
im § 15 des Vertrages näher dargelegte Auflöſung der
Geſellſchaft abwickeln wird. Die Vertragsdauer iſt nach
§ 16 des Vertrages allgemein auf 50 Jahre feſtgeſetzt.
Doch hat die Stadt bereits nach 30 Jahren die
Möglich=
keit, das Vertragsverhältnis aufzukündigen und den
Ge=
ſellſchaftsbeſitz nach beſtimmten Grundſätzen käuflich zu
erwerben. Nach 30 Jahren beſteht der Rückerwerbspreis
aus der Hälfte des Nutzungswertes und der Hälfte des
Sachwertes. Mit zunehmender Vertragsdauer verändert
ſich dieſes Verhältnis zwiſchen den beiden Wertgattungen
zu Gunſten des Sachwertes, dergeſtalt, daß nach 50
Jah=
ren überhaupt nur noch der Sachwert in Betracht
kom=
men kann. Die Begriffe Nutzungswert und Sachwert
ſind in dem Vertrage und in den Erläuterungen hierzu,
ſo weit es nach der Natur dieſes Verhältniſſes möglich
iſt, abgegrenzt und erläutert. Am wenigſten beſtimmt iſt
hierbei der Begriff Sachwert, der dem freien Ermeſſen
des zu deſſen Ermittelung eingeſetzten Sachverſtändigen=
Kollegiums überlaſſen iſt. In Bezug auf die Ausübung
dieſes Rückerwerbsrechtes und eventl. über den Weg der
Feſtſtellung des Uebernahmewertes beſtehen noch
Diffe=
renzen zwiſchen der Stadt und der Geſellſchaft, von denen
beſtimmt erwartet werden muß, daß ſie im Sinne der
wohl erwogenen Vorſchläge der Stadt erledigt werden.
Die ſozialpolitiſche Seite des Vertrags.
Es kommen hier nicht die allgemeinen Vorteile der
Geſellſchaft in Betracht, die bereits eingangs behandelt
ſind, ſondern es handelt ſich hier um die Intereſſen
ein=
zelner Beteiligter. Es ſind das zunächſt die
Gewerbe=
treibenden, wie Inſtallateure, die naturgemäß wünſchen,
daß ihre Erwerbstätigkeit nicht durch die
Monopolbe=
ſtrebungen privater Geſellſchaften beeinträchtigt wird.
In den §§ 6a des Vertrages B, ſowie 13 des
Vertra=
ges C iſt feſtgelegt, daß Vorrechte irgend welcher Art,
namentlich auch ſolche, die ſich auf die Vergebung von
Lieferungen und von Arbeiten beziehen, nicht ohne
Ge=
nehmigung der beiden vertragſchließenden Teile gewährt
werden dürfen. Und es iſt weiter im § 20 der Satzung
in Ausführung dieſer Vereinbarung vorgeſehen, daß alle
außergewöhnlichen Verträge, wie auch alle Vorarbeiten,
Projekte, Berechnungen uſw. zuvor einer beſonderen
Kommiſſion vorzulegen ſind. Auf dieſe Weiſe ſoll
ver=
hindert werden, daß ein Monopolrecht, ein beſonderes
Vorrecht einer Geſellſchaft für beſtimmte Lieferungen
und Arbeiten Platz greift. Die Regel ſoll vielmehr die
ſein, daß bei Arbeitsvergebungen und Lieferungen das
Prinzip der freien Konkurrenz uneingeſchränkt Geltung
haben ſoll. In§ 12 des Vertrages C iſt weiter feſtgelegt
daß die Vorſchriften, die bisher von der Stadt für die
Ausführung elektriſcher Anlagen uſw. getroffen waren,
auch fernerhin in vollem Umfange in Geltung bleiben.
Es darf erwartet werden, daß auf dieſem Wege alles
ge=
ſchehen iſt, was möglich iſt, um die berechtigten
Inter=
eſſen des Inſtallationsgewerbes in unſerer Stadt zu
wahren.
In zweiter Linie kommen in Betracht die Beamten,
Bedienſteten und Arbeiter, die in den Betrieben der
Ge=
ſellſchaft beſchäftigt ſein werden, namentlich aber
diejeni=
gen, die jetzt aus dem Dienſte der Stadt in denjenigen
der Geſellſchaft übergehen. In dem Paragr. 11 des
Ver=
trages A iſt allgemein beſtimmt, daß die Geſellſchaft das
bezeichnete Perſonal mit allen denjenigen Rechten,
Be=
zügen und Vorteilen zu übernehmen hat, wie ſie ihm in
dem jetzigen Dienſtverhältnis zugeſichert ſind. Es ſteht
hiernach feſt, daß alle Rechte, namentlich alle klagbaren
Rechte und die durch das Diſziplinarrecht bedingte
Si=
cherheit der Stellung dem beteiligten Beamten auch in
Zu=
kunft voll gewahrt bleiben. Wo klagbare Rechte nicht
ge=
währt ſind, ſondern nur einſeitig von ſeiten der Stadt
Vorteile eingeräumt wurden, können natürlich klagbare
Rechte nicht neu entſtehen, aber es muß an deren Stelle
in vollem Umfange Sicherheit geboten werden, daß dieſe
einſeitig gewährten Vorteile auch in Zukunft unter den
gleichen Vorausſetzungen beſtehen bleiben. Auch das
kommt in dem genannten Paragr. 11 zum Ausdruck. Um
dem Perſonal der Geſellſchaft das Gefühl der
Unſicher=
heit zu benehmen, das in ihm vielleicht bei dem Verlaſſen
des Dienſtes der Stadt entſtehen könnte, iſt weiter
Vor=
ſorge getroffen, daß neben dem Vorſtand eine beſondere
Kommiſſion (Paragr. 20 der Satzungen) gebildet wird,
an die u a. Beſchwerden gegen die Entſcheldung des
Vor=
ſtandes gerichtet werden können, und die auf eine
güt=
liche Schlichtung von Streitigkeiten hinzuwirken hat. Auch
die Arbeits= und Dienſtordnungen, die Lohn= und
Ge=
haltstarife ſind dieſer Kommiſſion vorzulegen, bevor ſie
in Kraft geſetzt werden. Im weiteren iſt von dem
Sozial=
politiſchen Ausſchuß einſtimmig beantragt worden, daß
Vertreter der Arbeiter und Bedienſteten der Geſellſchaft
zugezogen werden, wenn es ſich um beſondere Fälle, z. B.
die Schlichtung von Streitigkeiten und die
Entſchei=
dung über Beſchwerden derſelben handelt. Dieſer Antraa
in Verbindung mit den übrigen bereits vorgeſehenen
Ob=
liegenheiten der Kommiſſion iſt von erheblicher
ſozial=
politiſcher Tragweite und es kann angenommen
werden, daß die Wahrnehmung der ſozialen Intereſſen
der Angeſtellten und Arbeiter von weſentlichem Einfluß
auf die Schlußabſtimmung ſein wird. Es darf fernerhin
auf Grund von Beſprechungen in den beteiligten
Aus=
ſchüſſen angenommen werden, daß die Stadt weiteren
Anſprüchen des in die Geſellſchaft übergehenden
ſtädti=
ſchen Perſonals gerecht werden wird, ſoweit dieſe
An=
ſprüche in Rückſicht auf die übrige ſtädtiſche Arbeiter= und
Beamtenſchaft als billig anerkannt werden müſſen.
Schließlich ſoll hier nicht unerwähnt bleiben, daß der
Ein=
fluß der Stadt und ihrer Vertretung, alſo auch der
Stadtverordneten=Verſammlung, auch der Geſellſchaft
ge=
genüber nicht völlig ausgeſchaltet ſein wird, da die
Stadt durch den Umfang ihrer Beteiligung an der
Ge=
ſellſchaft ein maßgebendes Mitbeſtimmungsrecht hat und
dieſes Mitbeſtimmungsrecht durch die von ihr in
Vor=
ſchlag gebrachten Aufſichtsratsmitglieder zur Geltung
bringen kann. Durch die Beſtimmung über die
Zuſammen=
ſetzung des Aufſichtsrates und über die Bildung der
mehr=
fach erwähnten Kommiſſion ſind Handhaben und
Vollſ=
machten zur Genüge gegeben, um den ſozialen Intereſſen
der Bevölkerung wie auch des Perſonals der Geſellſchaft
Rechnung zu tragen. Es wird nur darauf ankommen.
in welchem Sinne dieſe Vollmachten von den ernannten
Vertretern ausgefüllt und ausgenützt werden.
Schlußergebnis.
Das Vertragswerk iſt kein einfaches und kein in
ſei=
nen Folgen leicht zu überſehendes. Die Stadt gibt ihre
Straßenbahnen, ihre Elektrizitätswerke für lange Zeit,
vielleicht für immer aus der Hand, und niemand kann
mit untrüglicher Sicherheit vorausſagen, ob dies für alle
Zukunft der Stadt zum Heil oder zum Unheil gereichen
wird. Man wird es darum verſtehen, wenn alle, die
da=
bei eine Verantwortung tragen, mit aller Vorſicht und
vielen Vorbehalten an die Sache herantreten. Es war
unter dieſen Umſtänden doppelt dankenswert, daß die
Großh. Bürgermeiſterei das ganze Vertragswerk möglichſt
frühzeitig der allgemeinen öffentlichen Kritik zur
Verfü=
gung geſtellt hat. In einer derartig wichtigen
Angelegen=
heit muß die Stadtverordneten=Verſammlung der
Zuſtim=
mung der Bürgerſchaft ſicher ſein, und darum hatte die
Bürgerſchaft Anſpruch auf weiteſtgehende Information.
Die iſt ihr zu teil geworden. Auch an Kritik hat es nicht
gefehlt, ſie war ausgiebig in Einzelpunkten. Aber über
die Hauptfrage, ob ein derartiges Vertragsverhältnis
grundſätzlich angenommen werden könne oder abzulel
nen ſei, iſt die öffentliche Kritik ſtillſchweigend
hinwegge=
gangen. Von keiner Seite iſt bisher ein Weg angegeben
worden, wie man die Darmſtädter Verkehrsfragen — und
um dieſe handelt es ſich in allererſter Linie — in anderen
Weiſe beſſer hätte löſen können. In ähnlicher Lage
be=
finde auch ich mich. Auch ich empfinde das
Mitbeſtim=
mungsrecht einer Erwerbsgeſellſchaft in wichtigen
kommn=
nalen Angelegenheiten trotz aller Anerkennung ihrer
prak=
tiſchen Nützlichkeit als Fremdkörper in unſerem
kommu=
nalen Organismus. Ich verſtehe bei den beteiligten
Ge=
werbetreibenden, bei den übertretenden Arbeitern und
Be=
amten das Gefühl der Unſicherheit, das ſie unwillkürlich
beſchleicht, wenn ſie ſich gezwungen ſehen, ihre
Lebens=
intereſſen zu einem guten Teil in die Hände eines neuen
Betriebsinhabers zu legen, deſſen ſoziales Empfinden
nicht ausſchließlich von Rückſichten auf das Gemeinwohl
beſtimmt iſt. Das ſird in der Tat ernſte und gerechte Be
denken. Demgegenüber muß ich mich aber fragen: Kön
nen die Darmſtädter Verkehrsverhältniſſe
ſobleiben, wieſieſind, und gibt es zur Zeit
und unter den obwaltenden Umſtänden
einen beſſeren Ausweg, als den hier von
der Großh. Bürgermeiſterei
vorgeſchlage=
nen? Beide Fragen muß ich nach gewiſſenhafter
Prü=
fung verneinen. Es bleibt in ſolcher Lage nur übrig,
bei einem derartigen Vertragswerk alle diejenigen Maß
regeln zu treffen, die geeignet ſind, die Intereſſen der
Ge=
ſamtheit, wie auch die der beteiligten Einzelperſonen, in
beſtmöglicher Weiſe zu wahren. Durch die Beteiligung
der Stadt an der Geſellſchaft mit 50 Prozent=der Aktien.
durch ihre Vertretung im Aufſichtsrat, ihren Einfluß auf
die Beſtellung des Vorſtandes, durch die Ausgeſtaltung
der Kommiſſion, ferner durch die geforderten Sicherheiten
für die von der Stadt übernommene Zinsgarantie und
endlich durch die Feſtlegung eines Erwerbsrechts der
Stadt auf das ganze Unternehmen ſind meiner
Ueberzeu=
gung nach diejenigen Garantien erreicht, die als
Gegen=
gewicht gegen jene Bedenken gelten können, und die
Zu=
ſtimmung zu dem Vertrage erleichtern. Vorausſetzung
iſt dabei allerdings, daß die jetzt noch mit der S. E.=
G=
beſtehenden Differenzen in einer Weiſe zur Erledigung
gelangen, daß ſie keine Abſchwächung jener Garantien
be=
deuten.
In einem Punkte wird man der neuen Geſellſchaft
mit unbedingtem Vertrauen entgegentreten dürfen: das iſt
die betriebstechniſche und geſchäftliche Seite des Unter
nehmens. Man darf von dem Geſchäftsgeiſt, den wir
der neuen Geſellſchaft wünſchen, erwarten, daß er mit dem
Streben nach Verbeſſerung des Betriebes auch den
Be=
dürfniſſen des Verkehrs in richtiger Weiſe Rechnung
tra=
gen wird, und daß er ſchon in Rückſicht auf die eigenen
finanziellen Intereſſen der Geſellſchaft, die bei jedem
tüch=
tigen Kaufmanne als ſelbſtverſtändlich vorausgeſetzte
Ge=
wiſſenhaftigkeit und Vorſicht in der weiteren
Ausgeſtal=
tung des Unternehmens nicht aus dem Auge laſſen
wird. Man darf ruhig annehmen: was die Geſellſchaft
in geſchäftlicher Hinſicht nicht erreicht, das würde der
Stadt noch weniger gelingen.
So komme ich denn zu dem Schluſſe: Ich halte die
hier vorgeſchlagene Löſung an ſich für
keine ideale, aber unter den gegebenen
Um=
ſtänden für die beſtmögliche. Ich kann
da=
her — unter dem wegen der beſtehenden
Differenzen gemachten Vorbehalt — mit
gutem Gewiſſen empfehlen, der Vorlage
zuzuſtimmen, in der Hoffnung, daß die Erwartungen
erfüllt werden, die wir alle daran knüpfen. (Bravo!)
Stadtv. Dr. Bender
möchte ſich auf die Erörterung einiger juriſtiſcher Punk”
der Angelegenheit beſchränken. Die erſte Hauptſache bei
Abſchluß des Vertrages war, nicht wieder eine ſo lang
friſtige Bindung einzugehen, wie es ſ. Zt. mit der S. E
G. geſchah, auf 50 Jahre. Es galt alſo für die Kommif
ſion, eine möglichſt geringe Vertragsdauer feſtzuſetzen
Man habe nun in der geſtrigen öffentlichen Verſamm
lung den Vorwurf erhoben, daß 30 Jahre noch eine viel
1 lange Friſt bedeute, und hat dabei auf Stuttgart ver
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 191
Seite 7.
wieſen, wo der Vertrag ſchon nach 15 Jahren gelöſt
wer=
den könne. In Stuttgart handelt es ſich aber um einen
einfachen Pachtvertrag, den man ſelbſtverſtändlich nicht ſo
langfriſtig abſchließt. Für Darmſtadt liegen die
Verhält=
niſſe jedoch ganz anders. Hier iſt an eine Rente vorerſt
jedenfalls nicht zu denken, denn zunächſt muß noch
erheb=
liches Kapital in das Unternehmen hineingeſteckt werden,
und an eine Rente kann erſt nach einer Reihe von
Jah=
ren gedacht werden. Darum habe man der Stadt das
Recht gewahrt, nach 30 Jahren den Vertrag zu kündigen
und das ganze Unternehmen ſelbſt zu übernehmen.
Die=
ſes Recht hat nur die Stadt, nicht etwa auch die S. E.=G.
Die Uebernahme des ganzen Aktienunternehmens kann
erfolgen ohne ein langwieriges Liquidationsverfahren.
Es iſt alſo hier ein durchaus befriedigendes Reſultat
er=
reicht worden. Die Stadt iſt aber auch in jeder Beziehung
weiteſtgehend geſichert. Man hat ſehr weitgehende
For=
derungen geſtellt in dieſer Beziehung und es muß
aner=
kannt werden, daß die Gegenſeite dieſe Forderungen in
ent=
gegenkommendſter Weiſe bewilligt hat. (Vergl. Bericht
über die Verſammlung in geſtriger Nummer.) Beſonders
darf dabei darauf hingewieſen werden, daß die neue
Aktien=Geſellſchaft nicht das Recht hat, hinter den
einge=
tragenen Sicherheitshypotheken der Stadt weitere
Belaſt=
ungen des Elektrizitätswerkes zuzulaſſen, und daß auch die
S. E.=G. als ſolche haftbar gemacht iſt. Allerdings
ſchwe=
ben noch Verhandlungen über das Verlangen der S. E.=
G., von dieſer Haftpflicht befreit zu werden, falls das
Unternehmen eine Reihe von Jahren eine beſtimmte
Rente abwirft.
Sehr eingehend verbreitet ſich Redner nochmals über
die Garantien, die den in das neue Unternehmen
über=
tretenden ſtädtiſchen Angeſtellten bezüglich ihrer ſozialen
Lage gegeben ſind und ſtellt wiederholt feſt, daß unter
allen Umſtänden ausreichend dafür geſorgt iſt, daß die
Uebertretenden in jeder Beziehung gleich ſicher und gut
geſtellt ſind, als im ſtädtiſchen Dienſt. Ueberhaupt iſt
kein Grund vorhanden, den anderen Kontrahenten mit
Mißtrauen zu begegnen. Wenn dieſer Kontrahent auch
bisher Gegner war, ſoll er in Zukunft doch Freund ſein
und hat ſich im Laufe der Verhandlungen auch ſtets als
ſolcher erwieſen. Schließlich beſpricht Redner nochmals
die Formen der Aktien=Geſellſchaft und die Gründe, die
zu der Wahl dieſer Geſellſchaftsform geführt haben. (Wir
dürfen auch hierbei auf das Referat in der geſtrigen
Num=
mer verweiſen.) Unter allen Umſtänden muß feſtgeſtellt
werden, daß die Stadt ſich in keiner Beziehnug etwas
vergeben oder ſich der anderen Seite ausgeliefert hat.
Stadtv. Baſtian
möchte ſich angeſichts der eingehenden Referate auf eine
kleine Nachleſe beſchränken. Das neue Unternehmen
bringe der Stadt unter allen Umſtänden finanzielle
Vor=
teile und dieſen gegenüber dürfte Herr Henrich die doktri
näre Träne, die iym im Auge glänzt, wohl zerdrücken.
Gewiß hätte die Verpachtung des ganzen
Verkehrsunter=
nehmens etwas Sympathiſches für ſich gehabt, aber die
Stadt dürfe doch nicht jeden direkten Einfluß auf das
Verkehrsweſen aufgeben und da iſt die gefundene Löſung
doch wohl beſſer. Redner hätte perſönlich eigentlich lieber
die Form der G. m. b. H. gewünſcht, weil dieſe einen
in=
timen Rahmen bietet und die Geldbeſchaffung erleichtert
hätte. Auch ſonſt ſtehen der Form der Aktien=Geſellſchaft
finanzielle Gründe mancher Art entgegen, ſo in Bezug auf
Kursſteigerungen uſw. In der G. m. b. H. wäre auch
wohl der Einfluß der Vertreter der Stadt größer
gewe=
ſen. Redner möchte hoffen und wünſchen, daß die Aktien=
Geſellſchaft die Stempelbefreiung genießt. Im übrigen
gab Redner zu, daß es Auffaſſungsſache iſt, welche Form
der Geſellſchaft vorzuziehen iſt. Bei der Sicherheit, von
der wiederholt die Rede war, müſſe doch darauf
hingewie=
ſen werden, daß dieſe zur Hälfte doch auf den Buckel der
Stadt geht. Was das Gaswerk betrifft, ſo habe man wohl
von Anfang an daran gedacht, aber es wäre auch ſo für
die Stadt der Moment gekommen, hier andere
Preisfeſt=
ſetzungen zu treffen, und man könne dieſerhalb auch jetzt
noch Wünſche äußern, zumal, wie er höre, auch noch die
S. E.=G. Wünſche hat und es ſich dann ja um
Kompenſa=
tionen handelt. In dem Vertrag müßte die Beſtimmung,
daß die Stadt 5—6 Aufſichtsratsmitglieder ſtellen muß,
näher präziſiert werden. Dafür, daß die Stadt die
Zins=
garantien übernimmt, fehle eigentlich noch die
Gegenleiſt=
ung der Jenſeite. Zu ſeinem Bedauern iſt es nicht
ge=
lungen, den Reviſor durchzudrücken, obwohl der Herr
Oberbürgermeiſter ſich erheblich darum bemüht hat. Es
genüge nicht, wenn man auf den Aufſichtsrat verweiſt,
dieſer kann den Reviſor nicht erſetzen. Man ſolle nun
wenigſtens der Kommiſſion noch die Aufgabe
über=
tragen, die Monatsabſchlüſſe und die Jahresbilanzen zu
prüfen. Redner möchte trotz ſeiner Beanſtandungen nicht
den Eindruck erwecken, als wolle er das wichtige, mühſam
zuſammengebrachte Vertragswerk nun ablehnen oder
ver=
urteilen. Vorteile bringe es für die Stadt wohl und es
muß anerkannt werden, daß mit außerordentlicher
Ener=
gie und großem Fleiß gearbeitet wurde, und es darf
ge=
hofft werden, daß die Ausführung der Verträge bei dem
Herrn Oberbürgermeiſter in den beſten Händen liegt.
(Bravo!)
Stadtv. Dr. Fulda.
Der Feſtſtellung, daß an dem Vertragswerk mit
gro=
ßem Fleiße gearbeitet wurde, ſchließe er und ſeine Partei
ſich an, trotzdem komme er zur Ablehnung des Vertrages,
weil er und ſeine Parteifreunde der Anſicht ſind, daß
tat=
ſächlich etwas Beſſeres hätte erlangt werden können als
dieſer Vertrag. Zunächſt iſt zu rügen, daß die
Oeffent=
lichkeit und auch die Stadtverordneten nicht genügend
orientiert wurden. Die Art, wie der Oberbürgermeiſter
die Frage behandelt hat, iſt nicht die richtige geweſen und
habe ſeinem ſ. Zt. gegebenen Verſprechen nicht entſprochen.
Die Veröffentlichung der Grundſätze genügte nicht. Der
ganze Vertrag hätte rechtzeitig veröffentlicht werden
müſ=
ſen. Daß man gerade mit der S. E.=G. in ein ſolches
Ver=
tragsverhältnis treten mußte, erfülle mit Mißtrauen.
Es wäre beſſer geweſen, in eine Kampfſtellung gegen dieſe
Geſellſchaft ſich zu begeben und ſie etwa durch
Konkurrenz=
linien zu zwingen, den geforderten hohen Kaufpreis
herab=
zuſetzen. Nur wenn die Aufgabe eine über die Macht der
Kommune hinausgehende iſt, könne er für Verlaſſen des
prinzipiellen Standpunktes der Kommunalverwaltung
eintreten. Eine ſolche Aufgabe ſei die vorliegende nicht
Empfehlenswerter wäre auch vielleicht die Gründung
eines Zweckverbandes mit anderen Gemeinden oder mit
dem Staat geweſen. Es ſollte ſtets vermieden werden
monopoliſtiſche Betriebe dem Privatkapital auszuliefern.
Zu dem Vertrag ſelbſt rügt Redner ebenfalls die viel zu
lange Dauer und die Bemeſſung des eingebrachten
Ma=
terials uſw. mit 2 Millionen. Schwere Bedenken müſſe
man auch der Zuſammenſetzung des Aufſichtsrates
ent=
gegenbringen und der Tätigkeit der Kommiſſion. Inbezug
auf die Geſtaltung des Betriebes habe die Stadt bezw.
die Stadtverordnetenverſammlung zu wenig
mitzuſpre=
chen. Weiter vermißt Redner die Sicherung des Koa=
litionsrechtes. Aus all dieſen Gründen lehnt Redner den
Vertrag ab.
Auf Vorſchlag des Oberbürgermeiſters wird die
Weiterbeſprechung dann auf Freitag, nachmittag
4 Uhr, vertagt.
Schluß nach 8 Uhr.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 8. Febr. Am Tiſche des Bundesrats iſt
eine größere Anzahl Bundesratsbevollmächtigter. Der
Sitzungsſaal und die Tribünen ſind vollſtändig beſetzt.
Alterspräſident Träger eröffnet die Sitzung um 3,15
Uhr. Das Verzeichnis der weiteren eingelaufenen
Vor=
lagen wird verleſen „ebenſo die offizielle Mitteilung von
der Ernennung des bisherigen Gouverneurs Dr. Solf zum
Staatsſekretär des Reichskolonialamtes.
Alterspräſident Träger: Wir würden nun in die
Tagesordnung eintreten müſſen. Es liegt aber ein
Ver=
tagungsantrag vor, geſtellt von dem Abg. Baſſermann.
Abg. Baſſermann (nl.): Die
Vorbereitun=
gen für die Präſidentenwahl, die
Verhandlun=
gen in den Fraktionen und unter den einzelnen
Fraktio=
nen haben große Schwierigkeiten ergeben (
Heiter=
keit rechts), deren Löſung bis zur Stunde nicht erfolgt iſt.
Ich beantrage daher, die heutige Sitzung zu vertagen
(Erneute Heiterkeit rechts und im Zentrum) und würde
vorſchlagen, mit derſelben Tagesordnung morgen eine
Sitzung abzuhalten. Vielleicht darf ich mir den Vorſchlag
erlauben, die Sitzung auf 2 Uhr anzuſetzen.
Abg. Gröber (Zentr.): Ich trete dem Vorſchlag
des Vorredners bei. — Unter ſtürmiſcher Heiterkeit des
ganzen Hauſes wird dieſer Vorſchlag Baſſermanns
ein=
ſtimmig angenommen. — Schluß 3,19 Uhr.
Nächſte Sitzung Freitag 2 Uhr: Tagesordnung: Wahl
der Präſidenten und der Schriftführer.
* Berlin, 8. Febr. Bis zum Beginn der heutigen
Sitzung des Reichstages war, wie man in der
Wandel=
halle des Reichstages erzählte, die Frage der Beſetzung
des Präſidiums überhaupt noch nicht ſo weit
ge=
diehen, daß man ſich für beſtimmte Perſönlichkeiten
ſchlüſ=
ſig gemacht hätte. Vielmehr handelte es ſich einzig und
allein darum, wie die drei Präſidentenpoſten auf die
ein=
zelnen Fraktionen verteilt werden ſollen, und auch dieſe
Frage hat ſich bisher nicht löſen laſſen. In
Abgeordneten=
kreiſen neigt man zu der Anſicht, daß ein
Sozialdemo=
rat auch als Vizepräſident für Rechte und Zentrum nicht
in Frage kommen dürfte, nachdem die ſozialdemokratiſche
Partei ihre Repräſentationspflichten nicht
übernehmen will. Die Nationalliberalen ſollen zu einem
Teile entſchieden für ein Präſidium der Linken ſein,
wäh=
rend dagegen der andere Teil mehr für eine Verſtändigung
nit dem Zentrum und der Rechten iſt. Eine Beſetzung
es Poſtens des erſten Präſidenten durch
ei=
ien Zentrumsabgeordneten hält man vielfach nicht für
ausgeſchloſſen, doch handelt es ſich bei allen dieſen
Les=
arten nur um die perſönliche Auffaſſung Einzelner. Die
Fraktionen haben einen definitiven Beſchluß
noch nichtgefaßt, darum kam es auch zur Vertagung.
Sport.
* Querfeldeinlauf. Am Sonntag, den 11.
Fe=
bruar, veranſtaltet der F. C. „Olympia” einen
Querfeldein=
lauf, offen für alle Mitglieder. Der Start erfolgt auf den
Sportplatze, Heidelbergerſtraße, und führt der Weg in den
nahegelegenen Wald. Für ſpäter iſt noch eine Schnitzeljagd
und im April ein Frühjahrsmeeting für Mitglieder geplant
sr. Der Kronprinz als Bobsleigh=
Fah=
rer. Der Kronprinz, der ſich z. Zt. mit ſeiner Gemahlin
zur Erholung in der Schweiz aufhält, nahm kürzlich in
St. Moritz an einem Bobsleigh=Rennen teil, zu dem von
privater Seite ein Preis geſtiftet worden war. Der
Kronprinz benutzte, wie ſchon in früheren Jahren, den
Bob „Kismet” der jetzt den Namen „Red Eagle” führt.
Während der Kronprinz ſelbſt das Steuer führte,
über=
nahm Mr. Slater die Bremſe. Ferner ſetzte ſich die
Mann=
ſchaft zuſammen aus der Gräfin Wedel und zwei Herren
aus dem Gefolge des Kronprinzen. Obwohl der
Kron=
prinz ſeit drei Jahren keine Gelegenheit mehr hatte, einen
Bob zu ſteuern, konnte er die Bahn doch in 2 Min. 12 Sek.
abſolvieren. Sieger blieb Herr von Patay, der mit
1 Min. 58 Sek. die beſte Zeit erzielte.
Rdr. 4. Berhiner Sechstage=Radrennen
Am Dienstag abend war die Rieſenhalle des
Sportpala=
ſtes überfüllt. Etwa 6000 Perſonen waren anweſend.
Auch der ehemalige Landwirtſchaftsminiſter von
Pod=
bielski und Polizeipräſident von Jagow verfolgen von
der Hofloge aus mehrere Stunden lang den Verlauf des
Rennens. Die Fahrer, die ſich den Tag über geſchont
haben, legen abends ein flottes Tempo vor und ſämtliche
deutſchen Rekords wurden geſchlagen. Abends 9 Uhr kam
Brocco infolge eines Gabelbruches zu Fall. Sein
Partner Jacquelin weigert ſich, allein weiter zu fahren
und ſcheidet aus dem Rennen. Brocco hofft, bald ſoweit
wieder hergeſtellt zu ſein, als Erſatzmann weiterfahren
zu können. Nach Schluß des dritten Tages, Dienstag,
nacht 12 Uhr (72. Stunde), waren 2160,640 Kilometer
zurückgelegt. Gegen 3 Uhr morgens hat Kudela das Pech,
ſich durch Glasſcherben die Hand zu zerſchneiden und wird
dadurch gezwungen, das Rennen aufzugeben. Da
Geor=
get völlig erſchöpft iſt, muß er gleichfalls das Rennen
auf=
geben, infolgedeſſen werden Wegener und Collins zu
einer neuen Mannſchaft vereinigt. Nach einer Pauſe
ſetzte Hoffmann zu einem energiſchen Spurt ein, doch
fol=
gen dem Ausreißer nur Stol und die übrigen deutſchen
Mannſchaften, während die Amerikaner ſich an der
Ver=
folgung nicht beteiligen, da ſie der Anſicht ſind, daß das
Rennen noch nicht wieder angeläutet worden ſei. Bei
der ſich, nun entſpinnenden allgemeinen Jagd gewinnen
Hoffmann und Stol immer mehr Boden und es entſteht
ein großer Wirrwarr. Anſcheinend ſind die Amerikaner
üerrundet, aber das Schiedsgericht entſcheidet, daß nur
Hoffmann eine Runde gewonnen hat, Stol dagegen
nicht. Hoffmann und Ehlert ſind ſomit wieder in die
Spitzengruppe eingerückt. Mittwoch morgen 6 Uhr (78.
Stunde) ſind 2323,520 Kilometer zurückgelegt. Mittwoch
mittag 12 Uhr (84. Stunde) waren 2452,960 Kilometer
zurückgelegt. In der 86. Stunde (nachmittags 2
Uhr=
ſchied der Berliner Münzner infolge Schwäche aus dem
Rennen. Sein Partner Schallwig trat ebenfalls zurück,
wurde aber als Erſatzmann vorgemerkt, Auch die Nach=
mittagsſtunden bringen keinen regeren Verlauf. Die
Fahrer ſchonen anſcheinend ihre Kräfte wieder für die
Nachtſtunden. Mittwoch abend 7 Uhr (71. Stunde) hat
die aus ſechs Paaren beſtehende Spitzengruppe 2620,640
Kilometer bedeckt. Der Stand iſt folgender:
Spitzen=
gruppe Rütt-Stol, Moran-Fogler, Root-Hill,
Wal=
thour-Comes, Halſtead-Drobach, Hoffmann-Ehlert.
Eine Runde zurück Gebrüder Suter, zwei Runden zurück
Nowack-Rottnick, vier Runden zurück Wegener-Collins,
Eſſer-Zander.
Handel und Verkehr.
Gebrauchsmuſter=Eintragungen. Nt.
494 279. Haarſpange. Paul Schneider, Gammelsbach i. O.,
Kreis Erbach i. O. — 494080. Lösbare Eckverbindung
an Kochherden. Erſte Darmſtädter Herdfabrik und
Eiſen=
gießerei, Gebrüder Röder, Darmſtadt. — 494375.
Hut=
ſtanze. Katharine Schupp, Darmſtadt, Herdweg 41.
494 283. Vorrichtung zum ſelbſttätigen Paralleleinſtellen
der Reisſchiene. Joſ. Ludwig, Darmſtadt, Kahlertſtr. 5½.
— 494 700. Kaminaufſatz. G. Kugel, Darmſtadt,
Witt=
mannſtraße 4. — 494894. Zirkulations=Luftheizung
mit=
tels jeder Feuerungsanlage in Wohnräumen, Schulen,
Kirchen uſw. Konrad Danz, Dieburg, Heſſen.
* Berlin-Bebra-Frankfurt. Wie die
Deutſche Straßen= und Kleinbahnen=Zeitung meldet,
iſt in der nächſten Staatsanleihe eine Umgehungs=
Bahn bei Bebra vorgeſehen. Bebra iſt Kopfſtation,
wo alle Züge Aufenthalt haben. Zur Zeit halten auch
die ſchnellſten Züge zwiſchen Frankfurt a. M. und Berlin
dort ſechs Minuten. Mit dem Verluſt durch Bremſen
und Wiederanfahren würden durch den Ausfall der
Sta=
tion acht bis zehn Minuten gewonnen werden. Dieſelbe
Maßnahme iſt für Elm, an der Strecke zwiſchen Bebra
und Frankfurt, in Ausſicht genommen, wo jetzt ebenfalls
alle Züge halten. Insgeſamt würden durch den Ausfall
der beiden Stationen etwa 15 Minuten gewonnen, und
man wird von Erfurt bis Frankfurt ohne Aufenthalt
durchfahren. Die Strecke iſt ſchon jetzt etwas kürzer, als
zum Beiſpiel die Strecke Berlin-Liegnitz, die ſeit dem
vorigen Jahre ohne Aufenthalt durchfahren wird.
Ber=
lin-Frankfurt a. M. wird man dann in weniger als
ſieben Stunden erreichen. Schon jetzt braucht der ſchnellſte
Zug nur 7 Stunden 10 Minuten; er hält nur in Halle,
Erfurt, Behra und Elm. Die Umgehungsbahn bei Elm
iſt bereits im Bau; es ſind für dieſelbe rund 11,7 Mill.
Mark vorgeſehen.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktien
Letnerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
In der Mittwoch=Ausgabe Ihres geſchätzten
Blat=
tes finde ich eine ſehr berechtigte Aufforderung um
ſchnellere Entfernung der Schneemaſſen. Es wäre
ſicher=
lich Aufgabe der Polizei, hier ſchärfer nachzuſehen und
nicht erſt ſo und ſo viele Unfälle abzuwarten. Aber
ge=
rade hierin liegt noch ſehr viel im argen. Statt mit
leuch=
tendem Beiſpiele voran zu gehen, hat das hieſige zweite
Polizeirevier ſelbſt den Schnee vor ſeinem Reviergebäude
in der Alexanderſtraße liegen laſſen, ſo daß ſich auch hier
das Trottoir zu einem gefrorenen Sturzacker
umwan=
delte. — Hoffentlich tragen dieſe Zeilen dazu bei, daß
ſich das zweite Polizeirevier den § 3 der
Polizeiverord=
nung, betreffend Reinigung der Straßen, genauer
an=
ſieht.
Vermiſchtes.
* Von der Sektion II der Heſſen=
Naſ=
ſauiſchen Baugewerks=
Berufsgenoſſen=
ſchaft wird uns nachſtehende Bekanntmachung des
Reichsverſicherungsamtes zur Verfügung geſtellt, die wir
zur beſonderen Beachtung der durch die
Reichsverſicher=
ungsordnung neu hinzukommenden
unfallverſicherungs=
pflichtigen Betriebe und Tätigkeiten empfehlen. Nackt
Artikel 49 des Einführungsgeſetzes zur
Reichsverſicher=
ungsordnung vom 19. Juli 1911 (Reichsgeſetzblatt 1911.
S. 839) hat jeder Unternehmer eines Betriebes oder von
Tätigkeiten, die erſt die Reichsverſicherungsordnung der
Unfallverſicherung unterſtellt, binnen einer vom
Reichs=
verſicherungsamt zu beſtimmenden Friſt das
Unterneh=
men unter Angabe ſeines Gegenſtandes und ſeiner Art,
ſowie der Zahl der durchſchnittlich in ihm beſchäftigten
verſicherungspflichtigen Perſonen bei dem
Verſicherungs=
amt, in deſſen Bezirk das Unternehmen ſeinen Sitz hat,
anzumelden. Die Friſt für die Anmeldung wird
hiermit auf die Zeit bis zum 15. März 1912 einſchließlich
feſtgeſetzt. Iſt die Anmeldung verſäumt oder
unvollſtän=
dig, ſo hat das Verſicherungsamt ſelbſt die Angaben nach
eigener Kenntnis der Verhältniſſe aufzuſtellen oder zu
ergänzen. Das Verſicherungsamt iſt befugt, die
Unter=
nehmer durch Geldſtrafe bis zu 100 Mark anzuhalten,
binnen einer geſetzten Friſt Auskunft zu erteilen (Artikel
50 des Einführungsgeſetzes zur
Reichsverſicherungsord=
nung). Soweit noch keine Verſicherungsämter errichtet
ſind, haben die Anmeldungen bei den von der oberſten
Verwaltungsbehörde beſtimmten örtlich zuſtändigen
Stellen zu erfolgen (Artikel 7 des Einführungsgeſetzes
zur Reichsverſicherungsordnung).
Eine Weihnachtsüberraſchung für
179 alte Krieger. Ganz in der Stille hat der hier
ſchon öfter genannte Verein „Deutſcher Veteranen=Dank”
am 14. und 15. Dezember ſeine diesjährige erſte
Weih=
nachtsehrengabe an 179 unterſtützungsbedürftige Veteranen
zur Auszahlung gebracht. Die alten Kämpfer, über das
ganze Deutſche Reich zerſtreut wohnend, erhielten
Ehren=
gaben bis zu 30 Mark. Wie recht die Spende einem jeden
kam, bezeugen die eingegangenen Dankbriefe und=
Kar=
ten. Der Deutſche Veteranen=Dank, E. V., Sitz Leipzig,
hat mit dieſer Weihnachtsgabe bewieſen, daß er trotz der
wenigen Monate ſeines Beſtehens, den Vereinszweck
er=
füllt hat. Naturgemäß mußte in den Anfangsmonaten
ein großer Teil der eingegangenen Gelder zur Fundierung
des Unternehmens aufgewandt werden. Wie gut das
Geld aber angelegt war, beweiſen die ſteigenden
Einnah=
men aus dem Verkauf der Veteranen=
Wohl=
fahrtsmarken. Einſchließlich der zu Reklamezwecken
verwandten Marken wurden bisher 1 Million dieſer
klei=
nen Kunſtwerke ins Volk getragen. Welche Arbeit damit
geleiſtet werden mußte, beweiſen die Poſtausgänge. Es
gingen bis jetzt zirka 10000 Werbebriefe und Druckſachen
hinaus. Die Erträgniſſe ſind nun erfreulicherweiſe ſo,
daß der Veteranen=Dank vom neuen Jahre ab vorläufig
20 Veteranen mit ſtändigen Monatsbeihilfen bis 20 Mark
ausſtatten kann. Es liegen zur Zeit 217 Geſuche vor.
Die bedürftigſten Geſuchſteller erhielten bereits im Laufe
des vergangenen Jahres Beihilfen. Die Not iſt groß, und
es iſt zu wünſchen daß recht viele Patrioten durch
An=
kauf der Veteranen=Wohlfahrtsmarken (5 Sorten in 4
ver=
ſchiedenen Farben in Mappen zu 100 Stück gemiſcht 3 Mk.)
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Nummer 54.
durch die Geſchäftsſtelle des D. V. D., Leipzig,
Göſchen=
ſtraße 1, mit zur Linderung der Not der alten Krieger
bei=
tragen Auskunft über die Beſtrebungen des D. V. D.
ge=
ben ſeine Werbeaufrufe und beſonders die Denkſchrift
über die Deutſche Veteranen=Not.
Literariſches.
— Die Banken und Börſen, ihre
Be=
deutung und ihr Verhältnis zu Handel,
Induſtrie und Gewerbe. Von Rud. Taeuber,
Bücherreviſor in Leipzig (Band 14 von Violets Globus=
Bücherei), VIII und 278 Seiten Oktav. Stuttgart,
Wil=
helm Violet. Preis in Leinen geb. 3 Mk. Nicht
aus=
ſchließlich für Bank= und Börſenmenſchen und ſolche, die
es werden wollen, iſt dieſes außerordentlich lehrreiche
Buch beſtimmt, ſondern in erſter Linie für
Geſchäfts=
leute und andere, die außerhalb dieſes Berufes ſtehen:
für das Publikum der Bank= und Börſenfirmen. Jeder
Geſchäftsmann, ſo führt der als vielerfahrener Fachmann
auf dem Gebiete „Banken und Börſen” bekannte
Ver=
faſſer im Vorwort aus, muß die Eigenarten dieſer
wirt=
ſchaftlichen Großmächte ſtudieren und dabei lernen, wie
er ſie am beſten zu ſeinem Vorteil ausnützen und jenen
Schaden vermeiden kann, der ihm aus ſeiner
Hilfloſig=
keit, erzeugt aus Unkenntnis gegenüber dieſer Macht,
er=
wachſen muß.
Napoleon=Kalender und Gedenkbuch der
Befreiungskriege. Herausgegeben und zuſammengeſtellt
von Friedrich und Gertrude Kircheiſen. Mit
zahl=
reichen Illuſtrationsbeigaben. Kartoniert ca. 2 Mk. Ein
Gedenkbuch großer Ereigniſſe, Taten und Werke! Ein
Gedenkbuch jener Zeit, in welcher Deutſchlands
Selbſt=
bewußtſein zu erwachen begann, aber auch ein
Gedenk=
buch an den Mann, der trotz aller ſeiner Fehler ein ſo
hervorragendes Genie war, daß ſelbſt ſeine Feinde
be=
wundernd vor ihm ſtehen müſſen! In dieſem Napoleon=
Kalender Kircheiſens ſind alle Stimmen zu Worte
ge=
kommen. Wir finden darin die Taten und Worte des
Kaiſers, Schilderungen über ihn und ſeinen Feldzug
verzeichnet, ebenſo die ſeiner Verbündeten als auch die
der ruſſiſchen Fürſten, Staatsmänner und Offiziere.
Briefe vom derben, alten Blücher, von Gneiſenau, von
York und vom Freiherrn vom Stein, Proklamationen
von Napoleon, dem Kaiſer Alexander und dem
fanati=
ſchen Gouverneur Moskaus, dem Grafen Roſtoptſchin,
Memoirenfragmente des Herzogs Eugen von
Württem=
berg, des Marſchalls Macdonald uſw. ſind in gleichem
Maße berückſichtigt worden, wie die Ausſprüche Goethes
über ſeinen großen Zeitgenoſſen ꝛc. ꝛc. Georg Müller,
Verlag, München, Joſephplatz 7.
Das Verhalten der Mächte gegenüber den
Ereigniſſen in China.
* Berlin, 8. Febr. Die deutſche Regierung
hat ſich vor kurzem an die Regierung in Waſhington
ge=
wandt mit der Anfrage, welche Haltung die
amerikani=
ſche Regierung gegenüber den Ereigniſſen in
China einzunehmen gedenke. Hierauf iſt dem deutſchen
Botſchafter in Waſhington nachfolgende Note des
Staats=
departements zugegangen: In Beantwortung der Note vom
31. Januar, in der Sie mich um Mitteilung über die
Hal=
tung der Regierung der Vereinigten Staaten gegenüber den
Verhältniſſen in China erſuchen, beehre ich mich, feſtzuſtellen,
daß die Regierung ſeit Beginn der gegenwärtigen Unruhen
von Zeit zu Zeit bei ſich bietender Gelegenheit mit den
übrigen intereſſierten Mächten, insbeſondere mit Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan und Rußland, ebenſo wie
mit der kaiſerlich deutſchen Regierung einen
Meinungs=
austauſch darüber gepflogen hat, welche Haltung dem
Schutze der gemeinſamen Intereſſen entſpricht. Aus dem
Ge=
dankenaustauſch ergibt ſich deutlich, daß alle in Betracht
kommenden Mächte darüber einig waren, daß unter den
ge=
genwärtigen Umſtänden zweckentſprechend an der Politik des
gemeinſamen Handelns feſtzuhalten iſt. Dieſe
Einſtimmig=
keit fand ihren konkreten Ausdruck in der Note, die von
Ver=
tretern Deutſchlands, Frankreichs, Großbritanniens, Japans,
Rußlands und der Vereinigten Staaten am 20. Dezember
1911 gleichzeitig den Friedenskommiſſaren in Schanghai
überreicht worden iſt, wie auch in den Maßnahmen
gemein=
ſchaftlichen Zuſammenwirkens, die die Mächte zum Schutze
der gemeinſamen Intereſſen in China ergriffen haben. Die
dieſer Regierung zugegangenen Nachrichten laſſen überdies
erkennen, daß die übrigen beteiligten Regierungen
gleich=
falls einen ähnlichen Meinungsaustauſch gepflogen haben,
und daß in den öffentlichen Organen der verſchiedenen
Länder amtliche Verlautbarungen über die die gleichen Ziele
anſtrebende Politik erſchienen ſind. Dieſer Regierung
er=
ſcheint es daher offenkundig, daß alle Mächte bisher in
ge=
meinſamer Uebereinſtimmung ſich nicht nur von
Sonder=
aktionen durch Eingreifen in die inneren Angelegenheiten
Chinas ferngehalten ſondern auch in vollem Einklang
handelten mit ihren wechſelſeitigen Zuſicherungen, daß ſie
die Intearität und Souveränität Chinas achten würden.
Glücklicherweiſe lag bisher für ein Eingreifen
derfremden Mächtekein Anlaß vor, indem ſowohl
die Kaiſerlichen als auch die Republikaner ſich für Leben und
Eigentum der ausländiſchen Bevölkerung verbürgt haben.
Auch die jüngſten Nachrichten ſind dazu angetan, die
Auf=
faſſung zu beſtärken, daß es unwahrſcheinlich iſt, daß die
künftige Entwickelung ein ſolches Eingreifen notwendig
mache. Falls wider alles Erwarten irgendwelche weiteren
Schritte ſich notwendig erweiſen ſollten, iſt dieſe Regierung
der feſten Ueberzeugung, daß die Politik des gemeinſamen
Vorgehens nach eingehender Beratung der Mächte aufrecht
er=
halten werden ſollte, um von Anfang an die Möglichkeit
jeglicher Mißverſtändniſſe auszuſchließen. Abgeſehen
hier=
von betrachtet dieſe Regierung als Folge der ſtrikten
Neu=
tralität, die bisher infolge allgemeiner Uebereinſtimmung
bezüglich etwaiger Anleihen an China befolgt wurde,
An=
leihen ihrer Staatsangehörigen nicht zu begünſtigen, ſofern
nicht die Gewißheit beſteht, daß ſolche Anleihen im
Ver=
hältnis zu den ſtreitenden Parteien rein neutrale Zwecke
verfolgen. Ebenſo erachtet dieſe Regierung zu dem
gegen=
wärtigen Zeitpunkt die Beobachtung des Prinzips für
be=
ſonders angezeigt, daß ihre Staatsangehörigen davon
ab=
zuhalten ſind, Anleihen zu gewähren, die nach den
allgemei=
nen politiſchen Geſichtspunkten von der eigenen Regierung
nach dem Benehmen mit den übrigen intereſſierten Mächten
nicht gebilligt werden.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Paris, 7. Febr. Der heute morgen von Marſeille
abgegangene Poſtdampfer „Armand Behic‟
wird ſich nach Hodeida begeben, um die dortigen
Fran=
zoſen, falls ſie es wünſchen, nach Aden zu bringen. Die
italieniſche Regierung hat ſich erbötig gemacht, dem „
Ar=
mand Behic” die Durchfahrt durch die Blockadelinie zu
geſtatten.
H. B. London, 8. Febr. Dem Daily Chronicle
wird aus Konſtantinopel telegraphiert, Italien habe,
des langen Krieges müde, die Mächte davon in
Kennt=
nis geſetzt, daß, wenn die Türkei ſich nicht bald zum
Frie=
densſchluß bequemen werde, die Operationen bis nach
Konſtantinopel ausgedehnt werden müßten. Die Pforte
hat infolgedeſſen beſchloſſen, alle italieniſchen Banken,
Verſicherungsgeſellſchaften und andere italieniſche Inſtitute
in der Türkei zu ſchließen. (?)
Die Revolution in China.
* Mukden, 7. Febr. Es werden energiſche
Vor=
bereitungen zur Verteidigung getroffen. Die
Behörden von Zizikar und Kirin gaben den Befehl, die
Aufſicht über verdächtige Elemente zu verſtärken, zopfloſe
und europäiſch gekleidete Perſonen zu verhaften.
* London, 8. Febr. Die Times meldet aus Pe
king vom 7. ds. Mts.: Die Bedingungen über die
Be=
handlung der Mandſchus nach der Abdankung
würden der republikaniſchen Regierung in Nanking unter
breitet, die gewiſſe Aenderungen vorgenommen hat. Sie
ſind jetzt dem Palaſt zur endgültigen Genehmigung vor
gelegt worden. Die Abänderungen ſind ſo gemäßigt und
ie Bedingungen ſo liberal, daß eine Einigung darüber
als ſicher gilt. Die Bedingungen werden von
Vertre=
ern der beiden Parteien den Geſandtſchaften in Peking
unterbreitet werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 8. Febr. Generalfeldmarſchall Wilhelm von
Hahnke, der Generaladjutant des Kaiſers, iſt heute
nachmittag im Alter von 78 Jahren geſtorben.
* Berlin, 8. Febr. Das Mitglied des preußiſchen
Her=
renhauſes, Burggraf Graf zu Dohna=Finckenſtein,
iſt geſtern abend auf Schloß Finckenſtein geſtorben.
* Berlin, 8. Febr. Die heute unter dem Vorſitz des
Oberbürgermeiſters Kirſchner zuſammengetretene
Zweck=
verbandsverſamlung konnte über die Perſon des
Direktors des Zweckverbandes ſich noch nicht ſchlüſſig
wer=
den. Es wurde deshalb beſchloſſen, die Entſcheidung auf
nächſten Mittwoch zu vertagen. Die größte Ausſicht hat
noch immer Oberbürgermeiſter Voigt=Barmen.
* München, 8. Febr. Die Korreſpondenz Hoffmann
meldet: Se. Kgl. Hoheit der Prinzregent hat den
Reichsrat Frhrn. v. Hertling neuerdings zu ſich
be=
rufen. Frhr. v. Hertling, der an der Eröffnung des
Reichstages teilnahm, reiſt heute nach München und wird
morgen, Freitag, vom Regenten empfangen werden.
Se. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig begab ſich heute
vor=
mittag 9,25 Uhr mit dem Schnellzug nach Wien, um
an den dortigen Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen.
So=
dann reiſt der Prinz nach Kiel zum Stapellauf des
Linienſchiffes „Prinzregent Luitpold”, bei dem auch
Prin=
zeſſin Thereſe anweſend ſein wird.
* Karlsruhe, 8. Febr. In der heutigen Sitzung der
Zweiten Kammer teilte bei Beratung des
Hochſchul=
budgets Kultusminiſter Dr. Böhm mit, daß ein
frühe=
rer Schüler der Univerſität Heidelberg für
naturwiſſen=
ſchaftliche Zwecke eine Million Mark hinterlaſſen
habe. Das Vermächtnis fällt aber der Hochſchule erſt nach
dem Tode der Frau des Erblaſſers zu.
* Breslau, 8. Febr. Wie der Niederſchleſk= Courier
aus Laurahütte meldet, ſind dort in einer polniſchen
Fa=
milie die ſchwarzen Pocken feſtgeſtellt worden. Die
Krankheit iſt wahrſcheinlich durch aus Rußland bezogene
Bettfedern eingeſchleppt worden.
* London, 8. Febr. Churchill iſt heute vormittag
in Belfaſt eingetroffen und von einer
mehrhundertköpfi=
gen Menge auf dem Bahnhofe mit wenig freundlichen
Kundgebungen empfangen worden.
* London, 8. Febr. Die Bank von England
er=
mäßigte den Diskont auf 3½ Prozent.
* Kopenhagen, 8. Febr. Ein
Vormittagsbul=
letin beſagt: Der König verbrachte eine ruhige Nacht.
Das Allgemeinbefinden iſt befriedigend. Die
Lungenent=
zündung iſt in der Abnahme begriffen.
* Belgrad, 8. Febr. Der König betraute heute
vor=
mittag Milowanowitſch (Altradikal) mit der
Ka=
binettsbildung. — Der Kronprinz begab ſich heute
mor=
gen zu mehrwöchigem Aufenthalt in die franzöſiſche
Riviera.
* Belgrad, 8. Febr. Drei bei dem Kaufmann Pech
beſchäftigte Handlungsgehilfen wurden heute früh tot
aufgefunden. Der Tod war durch Einatmen von
Gas herbeigeführt worden. Das Unglück iſt infolge
Ueberheizung des Ofens geſchehen. Unter den Erſtickten
befindet ſich der 15jährige Handelslehrling Karl
Oelſchlä=
gel aus Gravelotte bei Metz.
H. B. Berlin, 8. Febr. Nachdem die Abgeordneten
Vogt=Hall und Vogt=Crailsheim, ſowie der
Reformpar=
teiler Werner der deutſch=konſervativen
Par=
tei beigetreten ſind, iſt dieſe die drittſtärkſte Partei
des Reichstags.
II. B. Berlin, 8. Febr. Der engliſche Kriegsminiſter
Lord Haldane iſt heute früh hier eingetroffen. Wie
es heißt, iſt Lord Haldane mit einer Sondermiſſion bei
Kaiſer Wilhelm beauftragt. Die Times meint, es ſei mit
Beſtimmtheit anzunehmen, daß der Beſuch Lord Haldanes
eine hohe politiſche Bedeutung habe. Man
gehe in der Annahme nicht fehl, daß Lord Haldane
Be=
ſprechungen mit den höchſten Militärbehörden in
Deurſch=
land haben werde, über deren Inhalt vielleicht ſchon in
der nächſten Zeit etwas in die Oeffentlichkeit dringen
werde.
— Berlin, 8. Febr. Bei dem Sechstage=
Ren=
nen ſtürzte heute nacht der Fahrer Hoffmann. Er
er=
litt eine ſchwere Gehirnerſchütterung und mußte ins
Krankenhaus transportiert werden.
— Berlin, 8. Febr. In einer Gaſtwirtſchaft in der
Oderbergſtraße erſtickte heute nacht infolge
Kohlengas=
vergiftung der 21jährige Sohn Maertner. Ein Kellner,
der mit dem Sohn das Schlafzimmer teilte, liegt im
Kran=
kenhaus bedenklich danieder.
— Wien, 8. Febr. Der Schulrat Barbiſch aus Wien
und der Bergführer Keſſeler unternahmen eine
Ski=
tour in das Relltal, wo ſie von einem Föhnſturm
überraſcht und auf dem Rückwege von einer Lawine
ver=
ſchüttet worden. Keſſeler iſt tot. Barbiſch wurde ſchwer
verletzt gerettet.
H. B. Paris, 8. Febr. Der Eclair will in Erfayrung
gebracht haben, daß ein Koffer mit wichtigen
Doku=
meuten auf der St. Gotthard=Bahn abbanden ge=
kommen iſt. Wie es heißt, gehörte der Koffer dem
deutſchen Botſchafts=Attaché in Rom, der ſich auf der
Reiſe nach Berlin befand. Bis jetzt hat man noch keine
Spur von dem Urheber des Diebſtahls.
H. B. Madrid, 8. Febr. Die Nachrichten, die aus dem
Süden hier eingetroffen ſind, ſchildern die Lage, die
durch die Ueberſchwemmung und die anhaltenden
ſtarken Regengüſſe verurſacht wurden, als geradezu
troſt=
los. Von Tag zu Tag nimmt die Situation ein
bedenk=
licheres Ausſehen an und die bittere Not ſteht vor der
Tür. Beſonders in den Provinzen Saulucar und Caoiz
iſt das Elend ſehr groß. Eine Anzahl Fiſcher, deren
Beute infolge des ſtarken Windes ſehr ſchlecht iſt, überfiel
zwei Bäckerwagen und riſſen die Brote an ſich, um ihren
Hunger zu ſtillen.
Ohne Zähne keine Verdauung. Die Zähne müſſen die
feſte Nahrung, deren der Menſch bedarf, zerkleinern. Mit
Hilfe des Speichels, der ſich während des Kauens abſondert,
werden die Speiſen für die Verdauung vorbereiket. Guk
gekaut iſt halb verdaut, ſchlecht gekaut iſt halb den Magen
verdorben. Mit dem Verluſt der Zähne gehen körperliche
Leiſtungsfähigkeſt und geiſtige Spannkraft zurück, weil die
Nahrung nicht mehr in der Weiſe für den Magen
vorge=
arbeitet wird, wie es für den normalen Lebensprozeß not=
e=
vendig iſt. Den Verdauungskrankheiten vieler Menſchen
würde durch Geſunderhaltung der Zähne vorgebeugt
wer=
den. Tägliches, zweimaliges Dutzen der Zähne mit
Kos=
modont=Zahnereme mit aktivem Sauerſtoff (Tube 60 Pf.)
er=
hält Zähne und Geſundheit. In allen einſchlägigen
Geſchäften zu haben. Drobetube gratis durch die
Kolberger Anſtalten für Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg.
CARMOLTUTWOHL
Eine Flasche 60 Pfg. ersetzt eine Hausapotheke.
Karmelitergeist
(131.)
Tierr
Kaferneitt
und
Reisiient
sind unvergleichlich für Kinder-
und Krankennahrung, weil sie
nach wissenschaftlich
bewähr-
ten Grundsätzen aus sorgfältig
gewählten Rohstoffen
her-
gestellt werden.
Das ist ein böses Ende gewesen!
Ich habe nie ſo viel getanzt, wie auf dem letzten
Ball bei Kommerzienrats, und nie hab ich mich
beſſer amüſiert. Aber dann auf der Heimfahrt
hab ich mich ſo erkältet, daß ich mich vor keinem
Menſchen ſehen laſſen kann. Und die vielen
Einladungen, die man käum abſagen kann!
Wenn ich doch wüßte, was man machen ſoll?!
— Ei nun, das iſt einfach genug! Laſſen Sie
ſich aus der Apotheke oder Drogerie für 85 Pfg.
eine Schachtel Fays ächte Sodener Minerial=
Paſtillen holen und Sie ſollen ſehen, wie ſchnell
die mit ſolch einer Erkältung fertig ſind. Hüten
Sie ſich vor Nachahmungen.
(3523M
Jedes Zimmer
Mk. 2.50 inkl. Frühstück, Elektr. Licht, Heizung.
Hotel-Restaurant Darmstädter Hof.
(795a
Gotiesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 9. Februar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 30 Min.
Samstag, den 10. Februar
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Schrifterklärung.
Sabbatausgang 6 Uhr 25 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 10. Februar:
Vorabend 5 Uhr Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 11. Februar,
an: Morgens 6 Uhr 50 Min. Nachmittags 5 Uhr.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber Oſteuropa liegt hoher Druck, während im
Weſten Depreſſionen in nordöſtlicher Richtung
vorüber=
ziehen. Teiltiefs werden unſere Witterung vorübergehend
beeinfluſſen und uns leichte Niederſchläge bringen.
Ausſichten für Freitag, 9. Februar: Wechſelnd
bewölkt, leichte Niederſchläge, mild.
Schneebericht.
Schierke im Harz (Brockengebiet), 7. Febr.
4 Grad Wärme, windſtill. Schneelage noch gut.
Schlitten=
partien ins Gebirge. Schneeſchuhbahn und Lisplatz gut.
Nächſten Sonntag, den 11. cr., Bobsleighrennen um den
Preis, Schloß Wernigerode”. Am 17. und 20. Februar er.
zweites großes Winterfeſt der Kurverwaltung Schierke.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Seite 3.
Sansgspagsgatatso
Die glückliche Geburt eines kräftigen
Jungen
beehren ſich anzuzeigen
(3541
Dr. Ing. Erich v. Willmann,
Regierungsbaumeiſter in Erfurt,
und Frau Edith, geb. Geiger.
Karlsruhe, den 6. Februar 1912.
osstagassgansnsnsé
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nacht entſchlief ſanft nach
kurzem Krankenlager unſere liebe
Mut=
ter, Schwiegermutter und Großmutter
Frau
Witwe des Kaufmanns Aug. Bodenstein
geb. Wagner
im 73. Lebensjahre.
(3555
Ferdinand Bodenstein,
Otto Bodenstein,
Gustav. Bodenstein,
August Bodenstein,
Käthe Bodenstein, geb. Karg,
und zwei Enkel.
Darmſtadt, Bensheim, Antwerpen,
Cöln, den 8. Februar 1912.
Die Einſegnung und Beerdigung findet
Samstag, den 10. Februar,
nachmit=
tags 2½ Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem ſchweren Verluſte unſeres lieben Gatten,
Vaters, Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels
Herrn August Koch
Schloſſermeiſter
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden, die
troſt=
reichen Worte des Herrn Stadtpfarrers Velte,
den erhehenden Grabgeſang des Geſangvereins
„Liedertafel” ſagen wir unſeren herzlichſten
(3530
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. D): „Der Kaufmann
von Venedig”.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Gaſtſpiel des Marionetten=Theaters Münchener
Künſt=
ler um 5 und 8 Uhr im Hotel „Zur Traube‟.
Liederabend von Alois Burgſtaller um 8 Uhr im
„Mathildenhöhſaal” (Freie lit.=künſtl. Geſellſchaft).
Kurſus über Armenpflege ꝛc.: Vortrag von
Stadt=
ſekretär Löſchhorn um 4¼ Uhr im Saalbau.
Gabelsberger=Feier der Stenographen=Vereinigung
„Gabelsberger” um 9 Uhr im „Fürſtenſaal”.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Hez.
Konzert um ½8 Uhr im Reſtaurant „Metropol”.
Konzert um ½8 Uhr im Bürgerkeller.
Ausſtellung von Porträtphotographien
Wil=
helminenſtraße 27 (geöffnet von 10—1 u. 3—7 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Neue
Männer des Reichstages und nicht wieder gewählte
bis=
herige Abgeordnete; die Landung der „Carthage” in
Tunis; vom Beſuch des engliſchen Königspaares in
Kalkutta.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 10. Februar.
Holzverſteigerung um 10 Uhr in der Germannſchen
Wirtſchaft zu Meſſel.
Kunſtverein. Täglich geöffnet von 11—4 Uhr,
Sonntags von 10—4 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Kurſe vom 8. Februar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
3f. Staatspapiere. IrPrn.
4 T ſche. Reichsſchatzanw. 100, 10
3½ Deutſche Reichsanl.. 91,00
81,90
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100, 10
3½ do. Conſols . . . . 91,20
82,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,50
93,25
do.
3½
84,00
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .101, 10
89,70
do.
3½
80,0)
do.
4 Hamburger Staatsanl. 101,10
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,30
do. do. (unk. 1918) 100,5.
89,50
do.
3½
73,80
bo.
Sächſiſche Rente . . . 81,80
Württembergerv. 1907 100,80
95,10
do.
Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 52,50
Italiener Rente . .
Oeſterr. Silberrente . 94,10
do. Goldrente . . 96,70
do. einheitl. Rente 9070
Portug. unif. Serie I 65,20
do. mif. Ser. III 68,10
do.
Spezial. 10,20
Rumänier v. 1903 . . 101,90
da, v. 1890. . 95,00
59. „, 1905. . 91,70
4 Ruſſen v. 1880. . . . 91,90
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,40
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
3½ Schweden. . . . .
4 Serbieramort. v. 1895 86,40
4 Türk. Admin. v. 1903 84,50
4 do. unifiz. v. 1903 91,60
4 Ungar. Goldrente . . 92,30
do. Staatsrente . 89,90
5 Argentinier . . . . . . 101,50
89,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 99,20
94, 5
ds.
4½
96,00
4½ Japaner
5 Innere Mexikaner . 97,40
61,50
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 91,00
5 Gold=Mexikaner . . . 100,75
Aktien inländiſcher
Transvortanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=Paket=
142,10
fahrt . . . .
Nordd. Lloyd . . . . 105,80
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 114,50
6 Baltimore & Ohio. . 105,55
Gotthardbahn . . . . —
Inbret.
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 155,25
0 Oeſt. Sadbhn. (Vomb.) 185
6 Pennfylvania R. R. 120,00
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 200,00
3 Werger=Brauerei .
25 Bad. Anil.= u. Sodafbr. 495,25
14 Fabrik Griesheim . . 254,80
27 Farbwerk Höchſt . . 540,05
20 Verein chem. Fabriken
338,90
Mannheim .
. 129,80
5 Lahmeyer
165,00
7 Schuckert
12 Siemens & Halske. . 241,50
30 Adlerfahrradw. Kleyer 462,00
12 Bochumer Bb. u. Guß 228,75
.206½
17 Gelſenkirchen
.201,50
7 Harpener
15 Phönix, Bergb. u. Hüt=
258½
tenbetrieb . .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,30
.100,40
4 Pfälzer Prt..
do.
92,00
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl.
do. ſteuerfrei. 96,00
5 Oeſterr. Staatsbahn
95,30
do.
do. alte . 80,20
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,60
80,30
do.
55,50
do.
77,50
3 Raab=Oedenburge:
89,30
4 Ruſſ. Südweſt.. .
4 Kronpr. Rudolfbahn . 95,75
71,00
2½ Lworneſer.
Miſſomri=Packſie . . 74,10
4 Bagdadbahn Mk. 408 84,10
Anatoliſche Eiſenb.. . 97,80
100,30
5 Tchuantepee
Bank=Aktien.
9 Berlinee Handelsgeſ. 174½
6½ Darmſtädter Bank. . 126,10
12½ Deutſche Bank . . . 266,30
6 Deutſche Vereinsb. 125,50
10 Diskonto=Geſellſchaft 192,80
8½ Dresdner Bank . . 160,60
6½ Mitteldeut. Kreditbk. 121,75
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 127,80
130,25
6½ Pfülzer Bank
140,50
6,45 Reichsbank
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½Wiener Bank=Verein 137,25
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
90,00
3½ do. S. 19.
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 98,50
4 Damb.=Hoypott.=Bank 100,00
89,75
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hpp.=B. 101,30
90,30
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
89,50
do.
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 98.90
do. (unk. 1914) 89,30
3 1
4 Sädd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
90,60
da.
3½
E
B.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
90,00
3½ M.
4 Sansta
100,90
96,00
3½ 5a.
4
90,00
3½ Na.
99,30
3½ 680
89,70
4
99,50
90,10
3½
3½ 58.
4
ae 100,00
8½ bo.
90,30
99,25
ze
28.
89,60
Münche
* 100,00
8½ Nanheim
90,00
4 Nüraberg
99,90
3½ do.
4 Offenbach.
3½ d9.
91,30
4 Wiesbaden . . 42 100.00
½ da.
90,50
erns.
3½ ds.
4 Liſjsbsnaz u. 1889.: 80,10
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner „ 100 136,80
5 Donau=Reg. fl. 100 183,10
3 Hall. Lamm. „ 100 106,50
In Von
8t.
§ Madrider 78. 100 78,00
4 Meining. Pr.=Pfand=
. . 137,90
briefe.
4 Oeſterr. 1860er Loſe 180,60
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer ſi. 150 115,50
Unverzinsliche
Aulehensloſe.
.
Augsburger
Braunſchweiger Tr. 20 202,10
F9. 15
Freiburges
Fs. 45 —
Matländes
Fs. 10 34,50
da
fl. 7 34,80
Meininges
Oeſterreicles w. 1864 ₰ 100 526,00
do. à 1858 ₰ 100 450,00
Ungar. 2 „ 100 373,00
Frs. 30 42,40
Benediger
Täsliſche
„ 400 172,00
Gold, Süber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,47
20 Frants=Stücke . . . ₰ 16,25
Oeſterr. 20=Kronen . . . ℳ 16,90
Amerikaniſche Roten . . . 4,19
Engliſche Noten . . . . 20,18
Franzöſiſche Noten . . . . 31,30
Holländiſche Roten . . . . 169,45
Italieniſche Noten . . . . 80,80
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . . . 216,00
Schweiger Notes . . . . . 81, 10
Reichsbaul=Diskonte . .
leichabant-Koebarb A1 6%
Statt jeder besonderen Anzeige.
Verwandten und Freunden die traurige Anzeige, dass heute abend-mein
innigst geliebter Mann, unser teurer Vater, Bruder und Onkel
(3535
Oberlandgerichtsrat i. P.
Dr. Karr zimnermant
nach langem Kranksein sanft entschlafen ist.
Darmstadt, den 7. Februar 1912.
Frau Amalie Zimmermann,
Karl Zimmermann,
Eisenbahndirektor Ernst Zimmermann,
und Frau,
Frau Marie Küchler, geb. Zimmermann,
Henry Küchler,
Auguste Küchler,
Marie Küchler,
Frau Geheimerat Aug. Spangenberg,
geb. Zimmermann,
Oberlehrer Georg Zimmermann,
Henny Zimmermann.
Die Beisetzung findet Samstag, den 10. Februar 1912, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause,
Waldstrasse 47, aus statt: Einsegnung ½ Stunde vorher.
Dankſagung.
Für die uns von ſo vielen Seiten
inſonder=
heit aus unſerer lieben Petrusgemeinde
zuge=
gangenen überaus zahlreichen Beweiſe innigſter
Anteilnahme bei dem Heimgang unſeres lieben
Gatten und Vaters, Bruders, Schwiegerſohnes,
Schwagers und Onkels ſagen wir auf dieſem
Wege unſeren wärmſten Dank.
(B3532
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Emilie Walz,
geborene Eckel.
Dankſagung.
Allen Denen, welche bei dem Hinſcheiden und
der Beerdigung unſerer unvergeßlichen Schwägerin
und Tante
(3518
Helene Reuter Witwe
ſo herzlich Anteil nahmen, ſage herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Schneider, Schreinermeister.
Darmſtadt, den 7. Februar 1912.
Seite 10.
Stelenersucht
Beiblich
Gebilderes Fränkein, das in
Stenographie und
Maſchinen=
ſchreiben gut bewandert und ſchon
einige Jahre auf Büro tätig war,
ſucht Stellung. Gefl. Off. u. G 49
(*2998mdfs
an die Exp.
Junges Mädchen
1 Jahr in Kolonialwarenhandlung
tätig, ſucht Stelle. Offerten unter
§ 31 an die Exped. (*2950df
Tillate Sesdcht.
Mutter mit Tochter ſuchen Filiale
zu übernehmen. Gefl. Offert. unt.
G 90 an die Exped. (*3162fs
Schneiderin ſucht Kunden ins
Haus. Mäßiger Preis. Müller=
(*2973mf
ſtraße 15, 2. St.
Durchaus perfette Büglerin
empf. ſich in u. auß. Hauſe
Wenckſtraße 7, pt. (*2956mfo
Eine Frau empf. ſ. in
Hemden=
näh., Wäſche ausb., ſowie Neu= u.
Anſtr. von Strümpfen. Näheres
Holzſtraße 9, 1. St. (*3104df
Sol. Mädchen, d. etw. koch. kann,
ſ. Stelle b. 15. Febr. in kl.
Privat=
haus Lucasweg 21, I. (*3144
Jg. Frau ſucht wöchentl. Zmal
einige Stund. nachm. Beſchäftig.
Kaupſtraße 45, I., r. (*3130
Unabh. Mädchen ſucht Aushilfe
*3156) Alexanderſtr. 4, Hth. 2. St.
Köchin nimmt Aushilfe u. auch
(*3147
Waſchkunden an
Emilſtraße 25, 2. Stock.
Frau ſ. nachm. od. abends.
Be=
ſchäftig. Luiſenſtr. 40, Htb. (*3146
welch. perf.
Bess. Fräul., ſervieren u.
flott bedienen kann, empfiehlt ſich
b. Feſtlichkeit. u. Bällen f. Privat
ſow. in n. beſſ. Hotel u. Reſtaur.
Neckarſtraße 11, Stb. (*3198
Junge ſaubere Frau ſucht
Lauf=
dienſt Schloßgaſſe 28, I. (*3205
Jge. Frau ſucht morgens 2 St.
Laufdienſt; geht auch waſch. u. putz.
Kleine Kaplaneigaſſe 2. (*3195
Eine ſaubere anſtändige u. ganz
unabhängige Frau ſucht Stellung
in gutem Hauſe, bei einzel. Dame
oder Herrn für 15. Februar od.
1. März, geht auch als Lauffrau.
Offerten unter 6 95 an die
Expedition ds. Bl. (*3165
Männlich
Tüchtig. Friſeur=Gehilfe
empf. ſich den geehrt. Herrn
Prin=
zipal. zur Aushilfe od. auch feſte
Stellung Magdalenenſtraße 5,
Rückgebäude, pt., links. (*3163
15jähr. Junge, ſtadtkund., ſucht
Be=
ſchäft. als Hausb., Ausl. od. dergl.
Kranichſteinerſtr. 7, Sb., II. (*5005mdfs
ſucht nach der
12jähr. Junge SchuleBeſchäft.
Näheres Exvedition.
(*3135
20 J. alt, aus der
Lagerist, Kurz= und
Spiel=
warenbranche, ſucht per ſofort od.
1. April paſſende Stellung. Off.
u. G 99 an die Expedition. (*3192
Oenteet
Weiblich
Angehende Zuarbeiterin
ſuchen Strauss & Mayer. (3512
Nette reinl. Lauffrau p. ſof. geſ.
Martinſtr. 25, II., r.
(*319
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Tarrerarfefst
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Maskenstoffe
Geschw.
Kllsp!
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.58 ₰
in allen Farben
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.38 ₰
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48 ₰
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Schärpenstoffe
Meter 95 ₰
gestreift .
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Meter 95 ₰
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mit Gold- und Silberfäden 15 ₰
Tarlatan, glatt, 90 cm breit 22 ₰
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Clownhüte für Kinder
. 28 ₰
Clownhüte für Erwachsene 38 ₰
Tirolerhüte für Kinder . . 35 ₰
Damen-Hauben . . . . 1.10
Kopfbedeckungen
. Dtzd. 12 ₰
Papiermützen.
St. 10 ₰
Jockeymützen
Biedermeierzylinder . . 95 ₰
. . . . 35 ₰
Türkenfeze
Armbänder.
Diademe.
Münzen-Ohrringe.
jeder Art, im
Anerrigung von Costumen eigenen Ktelfer
Clown-Jäckchen
für Kinder
Clown-Jäckchen
für Erwachsene
1.35
1.35
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in grössterAus
Gigerl-Anzüge
wahl und
7hübscher Aus-
Clown-Anzüge
führung.
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25, 15 ₰
10, 30 ₰
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lang, durchbrochen Paar 50 ₰
Handschuhe ohne Finger,
lang .
.. Paar 40
Damen-Strümpfe
weiss
25₰
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25 ₰
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(3528
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Gebr. Rothschild
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Unabh. Dame
geſetzten Alters zur Leitung einer
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alsbald geſucht. Offerten unter
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(B3461
Angehende Verkäuferin
und Lehrmädchen ges.
Sleberling, Marktplatz.
Vor=
zuſtellen nur nachmittags. (*3160
Moges.
Tücht. 1. Arbeiterin für feinen
u. mittel. Genre, ſow. im Verkauf
bewandert, in angen. gut bezahlte
Stellung geſucht. Off. m.
Gehalts=
anſpr. u. G 94 a. d. Exp. (3543
Lehrmädchen gesucht
Färberei= u. Wäſcherei=Annahme,
Ernſt=Ludwigſtr. 3. (*3173
Ein beſſeres Zimmermädchen
und eine Beiköchin wird geſucht
*2986mdfs) Dieburgerſtr. 241.
Vorzuſtellen nachmittags.
Perfekte
Herrſchafts=Köchin
nach auswärts geſucht. (3342mdf
Hoher Lohn. — Off. unt. G 59
an die Erped. ds. Bl.
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eines Haushalts geſucht. Näheres
Karlſtraße 73, Hinterh. p. (*3036dfs
Ein
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ſolldes Mädchen ſofort
geſucht Holzſtraße 5.
(*3106df
Ordentl. Mädch., welch. kochen
kann, geſ. Alexanderſtr. 18. (2719a
Laufmädchen ſof. geſucht
Nied.=Ramſtädterſtr. 36, II. (*3140
Saubere Frau für morg. 2 St.
geſucht Beckſtr. 74, 2. St. (* 148
Ein jüng. Mädchen oder Frau
für Laufdienſt ſofort geſucht.
Näh. in der Exped. (*3157
Gesucht
Saub. Frau od. Mädchen
vormittags 2 Stunden
Erbacher=
ſtraße 67, parterre.
(3547
Tücht. Servierfräul. ſof. geſucht
*3155)
Woogsſtraße 3.
Tüchtiges, ſauberes Mädchen
f. Küche u. Haush., nicht unt. 18'J.,
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Ecke Frankfurterſtraße. (*3202
Tüchtiges, erf. Mädchen für
ganze od. halbe Tage ſofort geſ.
*3200) Viktoriaſtraße 47, I.
Tüchtiges kautionsfähig.
Büfett=
fräulein zur ſelbſtänd. Führung
eines Büfetts geſucht. Gehalt
35 Mark monatlich.
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Expedition d. Bl. (*3185fs
Beſſeres Mädchen, nicht unter
20 Jahren, perfekt in Küche, zu
ſofortigem Eintritt geſucht.
Näheres in der Exped. (*3183fom
Eine perfekte Bügierin
f. einige Tage in d. Woche ſofort
geſ. Rheinſtr. 28, 2. Hof. (*3119dfso
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Schuh=
geſchäft Marktplatz 1. (*3187
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w kochen u. nicht. koch. Johannette
Weißmantel, gewerbsmäßige
Stel=
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Hausm. z. ein. Gräfin geſ.
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gewillt iſt, ca. 6100—8000 Mark
einzulegen, als Buchhalter und
Reiſender, am liebſten
Handwerks=
mann für Bauholz= und
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an die Expedition dieſes Blattes
erbeten.
(*3125df
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zweier erſtklaſſigerpharmazeutiſcher
bereits eingeführter Präparate
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geführter Platzvertreter
ge=
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(VI3539
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Offert. u. G 82 a. d. Exp. (3510
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beſ. im Gemüſebau erfahr., auch
Kenntn. in Obſt= u. Blumenkultur
hat. Freie Stat. i. Hauſe. Zeugn.
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Ende März, evtl. früh.
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weil aus geſunden Aepfeln,
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angenehm mundend, mit
mild. Säure. Mein
Aepfel=
wein iſt nicht nur ein
er=
friſchendes Getränk,
ſon=
dern hat auch
ſäftereini=
gende u. blutverbeſſ.
Eigen=
ſchaften u. entfernt auf die
mildeſte u. ſchnellſte Weiſe
alleAblagerungen des
Kör=
pers. Garant. ſtichfrei. (886a
Hochfeinſter
Läbert-Abplelwein
vergorener Aepfelsaft
ohne jeden Zusatz.
Martin Jahn
Exportapfelwein-Kelterei
30 Pallaswiesenstr. 30
Telephon 305.
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Die bei Berechnung der Lieferungen für die Armee zugrunde
zu legenden Durchſchnittsmarktpreiſe im Kreiſe Darmſtadt haben im
Monat Januar 1912 für Hafer 21.— Mk., für Heu 11.— Mk., für
Stroh 6.— Mk. pro 100 Kilo betragen.
(3514
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag
vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(3517
Bekanntmachung,
das Feuer= und Unfallmeldeweſen betreffend.
Die zur Zeit in der Stadt Darmſtadt vorhandenen Feuer=
und Unfallmeldeſtellen bringen wir hierdurch wiederholt zur
öffent=
lichen Kenntnis.
Die Meldeſtellen ſind ſämtlich mit der Haupt=Polizeiwache im
Polizeiamtsgebäude und der Feuerwehrwache durch eine beſondere
ſtädtiſche Fernſprechleitung verbunden und jederzeit, auch nachts,
zugänglich. Sie ſind durch Schilder und während der Dunkelheit
durch Laternen mit grünen (bei Polizeiwachen blauen) Scheiben und
entſprechender Inſchrift kenntlich gemacht.
Das Polizeiamt kann außerdem von jeder Fernſprechſtelle der
Reichsfernſprechanlage jederzeit, auch nachts, angerufen werden
(Telefon Nr. 8 und 109), ebenſo die Feuerwehrwache in der Kirch
ſtraße (Telefon Nr. 1772).
Die Rettungswache der Freiwilligen Sanitätskolonne
be=
findet ſich in dem Hauſe Bismarckſtraße Nr. 28 (Telefon Nr. 1707).
Darmſtadt, den 31. Januar 1912.
(3210od
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Feuer= und Unfallmeldeſtellen in der Stadt Darmſtadt:
Im I. Polizei=Revier:
1. Kirchſtraße 9 (Polizeiwache).
2. Alexanderſtraße 10 (Branddirektor Fiſcher).
3. Kirchſtraße 13 (Feuerwehrwache).
4. Obergaſſe 42 (Bäckermeiſter Heinrich Jäckel).
Im II. Polizei=Revier:
1. Alexanderſtraße 26 (Polizeiwache).
2. Dieburger Straße 104 (Oktroi=Erhebeſtelle).
3. Erbacher Straße 41 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Kranichſteiner Straße 58 (Oktroi=Erhebeſtelle).
Im III. Polizei=Revier:
1. Lagerhausſtraße 23 (Polizeiwache).
2. Bleichſtraße 13 (Hofbäckermeiſter Mainzer).
3. Feldbergſtraße 19 (Bäckermeiſter Weiß).
4. Griesheimer Weg 25 (Gandenberger’ſche Maſchinenfabrik).
5. Pallaswieſenſtraße 33 (Bäckermeiſter Sproß).
6. Pallaswieſenſtraße 121 (Kolonialwarenhandl. von W. Deeg).
7. Rheinſtraße 55 (Oktroi=Erhebeſtelle).
Im IV. Polizei=Revier:
Hügelſtraße 31/33 (Polizeiamts=Wache).
2. Waldſtraße 21 (Polizeiwache).
3. Heidelberger Straße 17 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Karlsſtraße 55 (Kolonialwarenhandlung von Jean Chriſt).
5. Saalbauſtraße 29 (Kolonialwarenhandlung von Wilh. Beck).
6. Waldſtraße 17 (Lohnkutſcher Fiſcher).
Im V. Polizei=Revier:
1. Ludwigshöhſtraße 4 (Polizeiwache).
2. Heidelberger Straße 112 (Oktroi=Erhebeſtelle).
3. Karlsſtraße 98 (Bäckermeiſter Hofmann).
4. Klappacherſtraße 90 (Oktroi=Erhebeſtelle).
5. Schießhausſtraße 64 (Kolonialwarenhandlung von Axt).
Im VI. Polizei=Revier:
Zte
1. Nieder=Ramſtädter=Straße 51 (Polizeiwache).
2. Hochſtraße 44 (Schuldienerwohnung der Viktoriaſchule).
3. Im Geißenſee 9 (Lehrer Heinrich Schäfer).
4. Soderſtraße 79 (Bäckermeiſter Heinrich Lepp).
Im VII. Polizei=Revier:
go
1 Schwanenſtraße 66 (Polizeiwache).
2. Arheilger Straße 43 (Städt. Faſelſtall).
3. Frankfurter Straße 59 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Schloßgartenſtraße 61 (Gendarmerie=Kaſerne).
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Organiſation des Rettungsdienſtes in der
Stadt Darmſtadt.
Der allgemeine Rettungsdienſt (Hilfeleiſtung bei
Unglücks=
fällen) wird in der Stadt Darmſtadt von der ſtändigen
Rettungs=
wache der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz dahier
ausgeführt. Die Mitglieder dieſer Kolonne ſind im Rettungs= und
Krankenträgerdienſt ausgebildet und ſtehen zur Leiſtung der erſten
Hilfe bei Unglücksfällen zur Verfügung. Die ſtändige
Rettungs=
wache hat ihren Sitz in dem Hauſe Bismarckſtraße 28. In deſſen
Erdgeſchoß befindet ſich der vom Hauseingang zu erreichende
Verbands=
raum, das Krankentransportautomobil und der mit Pferden
beſpann=
bare Krankenwagen; in dem 1. und 2. Obergeſchoß der Tages= und
Schlafraum der Wache, ſowie die Wohnung des Obmanns der
Rettungswache.
Der Rettungsdienſt iſt folgenderweiſe organiſiert:
I. Um beiplötzlichen Unglücksfällen die erſte Hilfeleiſtung raſch
zu ermöglichen, ſind an den nachſtehend aufgeführten 20 Stellen
der Stadt Räderbahren (R.=B.), Krankentragen (K.=T.) und
Ver=
bandskäſten (V.=K.), für das Publikum jederzeit zugänglich, aufgeſtellt:
1. Dienſtgebäude des Gr. Polizeiamts, Hügelſtraße 31/33 (V.=K.)
2. Dienſträume des I. Polizeireviers (V.=K.)
3. Dienſträume des II. Polizeireviers (V.=K.)
4. Orpheum (V.=K.)
5. Alicehoſpital (K.=T.)
6. Oberwaldhaus (K.=T. und V.=K.)
7. III. Polizeirevier: Griesheimer Weg 28, Maſchinenfabrik
Göbel (K.=T. und V.=K.)
8. Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne, Bismarckſtraße
28 (3. R.=B.)
9. Landwehrſtraße 79: Zugführer der Sanitätskolonne Stier
(V.=K. und R.=B.)
10. Dienſträume des IV. Polizeireviers (V.=K.)
11. Karlſtraße 55: Kaufmann Chriſt (V.=K.)
12. Dienſträume des V. Polizeireviers (R.=B. und V.=K.)
13. Heidelbergerſtr. 72: Sanitätskolonnenmitglied Friſ. Zeſchky (V.=K.)
14. Ludwigshöhe: Reſtaurateur Emmel (K.=T. und V.=K.)
15. Dienſträume des VI. Polizeireviers (V.=K.)
16. Im Geißenſee 9: Lehrer Heinrich Schäfer (V.=K.)
17. Böllenfalltor, elektriſche Wagenhalle (K.=T.)
18. Dienſträume des VII. Polizeireviers (V.=K.)
19. Schlachthof (R.=B.)
20. Arheilgerſtraße 43 (R.=B. und V.=K.).
Außerdem ſteht zur Beförderung der Krankentransport=
Kraft=
wagen und ein geſchloſſener mit Pferden beſpannbarer Krankenwagen
zur Verfügung.
II. Die Inanſpruchnahme der Hilfeleiſtung erfolgt entweder
durch Vermittlung der Polizeiwache, Hügelſtraße 31/33 (Telephon
Nr. 8 und 109) oder durch unmittelbaren Anruf der ſtändigen
Rettungswache (Telephon Nr. 1707). Beide Stellen können von
jeder Fernſprechſtelle der Reichsfernſprechanlage, ſowie von jeder
Feuer= und Unfall=Meldeſtelle, die als ſolche durch Schilder und
Laternengekennzeichnet iſt, zu jeder Tages= u. Nachtzeit angerufen werden.
III. Bei Veranſtaltungen, mit denen eine größere
Men=
ſchenanſammlung oder eine erhöhte Gefahr für die Teilnehmer
verhunden iſt, werden zufolge polizeilicher Anordnung Sanitäts=
mannſchaften von der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz
geſtellt, die mit den erforderlichen Hilfsmitteln ausgeſtattet ſind.
Insbeſondere ſind bei jeder Vorſtellung im Großh. Hoftheater
und im Orpheum zwei Krankenträger zur Verſehung des
Rettungs=
dienſtes anweſend. Bei jedem größeren Brand hat ſich eine
Ab=
teilung der Sanitätskolonne an der Brandſtelle einzufinden. Falls
Hilfeleiſtungen in außergewöhnlich großem Umfang notwendig
wer=
den ſollten, ſind Alarmvorkehrungen getroffen, durch die die
Heran=
ziehung der geſamten freiwilligen Sanitätskolonne in kürzeſter Zeit
gewährleiſtet iſt.
(3209id
Darmſtadt, den 31. Januar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Darmſtädter Fiſchmarkt.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäßig, nach freier Wahl der Händler auch
Dienstag und Samstag;
b) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.
(637a
Faſeleber-Vergebung.
Montag, 12. Februar 1912, vormittags 11½ Uhr
wird auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt ein zur Zucht untauglich
ge=
wordener, gutgemäſteter Faſeleber auf dem Submiſſionswege
ver=
geben. Bedingungen liegen vom 7. ds. Mts. an bei der
unterzeich=
neten Behörde zur Einſicht offen.
(3513
Pfungſtadt, den 7. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
Stammholz-Verſteigerung.
Montag, den 12. Februar I. J., vorm. 9½ Uhr
anfangend, ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt
Klings=
ackertanne,
300 Kiefernſtämme von 23—52 cm Durchmeſſer u. 3—17 m Länge
in Ort und Stelle verſteigert werden. Die Zuſammenkunft iſt an
der Schirmſchneiſe (Halteſtelle der Dampfſtraßenbahn). Es wird
be=
nerkt, daß ſich hierunter erſtklaſſiges Schnittholz von 200 jährigem
Beſtand befindet.
Eberſtadt, den 5. Februar 1912.
(3446d-
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
Gobauus-Aberdei
Behufs Errichtung eines
Neu-
baus wird das 27m lange u. 12m
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Peter Bohlmann is en Schafskopp und nimmt gern
einen. Aber in der Sache hat er nun recht. Mächtig fein
war das hier dazumals. Ein dicker Fußteppich durchs
ganze Zimmer, perſiſch oder indianiſch! Rund herum an
die Wände ſo ſchöne Borte mit allerhand Kram darauf,
Gläſer und Pokale, Dinger akkurat ſo wie der
Abend=
mahlskelch in der Kirche, und denn allerhand Spielzeug,
Leuchter und ſo ne Figuren damang, manche aus Bronze
und manche aus Marmor und welche ganz nackigt, daß
unſereins ſich immerlos ſchenierte, und da, neben dem
Ofen, ſtanden ſo olle Zinnkrüge, für die der alte
Amt=
mann en Heidengeld ausgab. Einmal is er vier
Weg=
ſtunden in die Heide hineinkariolt, weil er gehört hatte,
daß da en Heidſnuckenſchäfer wär, der noch ſo nen ollen
Zinnkrug hätte. Wie er hinkommt, da is kein Schäfer
und keine Heidſnucken mehr da. Der Schäfer war tot,
und die Heidſnucken waren wol alle ſchon aufgegeſſen.
Ja, und was ich man noch ſagen wollte, da in die Ecke
ſtand ne olle Ritterrüſtung. Ganz grußlich war es,
went=
man in die Türe kam, denn klapperte ſie immer, daß man
dachte in Dunkeln, es ſpukte, ja! Sie ſchwieg einen
Au=
genblick und horchte. Na, nu hör bloß den Sturm, der
deckt uns ja wol noch das Dach übern Kopp ab. Wollen
man noch en büſchen Kohlen nachböten!
Sie beugte ſich hinab und machte mit dem
Schürzen=
zipfel die Ofentür auf und ſah ſelbſt in dem Feuerſchein
aus wie ne runde glühende Kohle, auf die man weiße
Aſche geſtreut hat. Das waren ihre grauen Haare.
Wundern muß man ſich doch, ſagte Stine und hockte
vor dem Eßſchrank, um Taſſen und Teller herauszuholen,
wundern muß man ſich nu doch! Nu ſieht das hier ſo
aus. Wir ſind bei uns zu Haus man arme Leute, aberſt
viel feiner is das nun hier auch nich wie bei uns.
Frau Tannert hatte ihre rundliche Fülle auf dem
Lehnſtuhl niedergelaſſen, aber ſo auf der Kante, daß ſie
raſch aufſtehen konnte. Ihre dieken Hände hielt ſie auf
die Knie geſtemmt. Ja, das ſagſt Du nu wol, Du dumme
Deern. Das is nu ſo in die Welt. Erſt kommt einer, der
hat Geld und gibts aus und verdient nichts zu, und denn
kommt der annere, der muß wieder arbeiten, wie es in
die Bibel bei Moſes zu leſen iſt, und muß erſt wieder
Geld zuſammenkratzen. Immer umſchichtig. Was unſer
Herr jetzt is, der is nu der annere und kann doch gar nir
dafür.
Frau Tannert ſchwieg nach dieſen gewichtigen
Wor=
ten eine Weile, hielt den runden Kopf ſchief, horchte nach
dem Wind und ſtrich die Schürze über den Knien glatt
Sie war eine Philoſophin und mußte auf jedes Ding
einen Vers und eine allgemeine Nutzanwendung zu
ma=
chen. Die Moral war ihre ſtarke Seite, und das Schwatzen
darüber war ihre ſchwache Seite. Paſtor Liebetrau ſagte
immer, wenn er einmal krank würde, könnte Frau Tannert
ihn ganz gut auf der Kanzel vertreten, und er hatte ſie
auch ſchon in einer ſeiner fröhlichen Dorfgeſchichten
unter=
gebracht, die er zuweilen ſchrieb und auch einmal hier
vorgeleſen hatte, als ſie dabei war. Aber ſie hatte
tüch=
tig mitgelacht und nichts gemerkt, ſondern nur geſagt;
Nee, Herr Paſtor, ſo ne alte Drähnliſe gibts ja gar
nicht in die Welt! — Es ging ihr wie den meiſten, auch
ſonſt ganz klugen Leuten, die ſich in keinem Buche
wieder=
erkennen.
Die Stine hatte Tiſchdecken und alles vergeſſen. Sie
ſtand am Schmalende des Tiſches und ſtützte die roten
Hände auf. Und, was nu unſern Herrn ſein Sohn iſt, der
lütte Franz, der muß das Geld denn wieder ausgeben?
Darauf antwortete Frau Tannert nicht, denn
Philo=
ſophen lieben es nicht, daß man die letzten Konſequenzen
aus ihren Syſtemen zieht; ſie ſetzte unentwegt ihre
Be=
trachtungen fort: Ja, als ſie den alten Amtmann Lührſen
begraben hatten — die böſen Menſchen, die ein leges
Mundwerk haben, die ſagen ja — den freſſen die Würmer
nich von wegen den vielen Rotwein, den er ſein Lebelang
getrunken hat —, na, alſo, da ſagt unſer Herr, als wir
gerade vom Kirchhof wieder herein waren, und ich ne
warme Taſſe Kaffee gebracht habe: Frau Tannert, ſagte
er, das wird hier nu ganz anders. Hier kommt ne
an=
dere Wirtſchaft. Fünfzig Mark den Monat kann ich
Ihnen nicht geben, wie das mein Vater getan hat. Aber
wenn Sie für die Hälfte mir hier die Hauswirtſchaff
führen wollen, und wenn als wie ich, denn bleiben wollte,
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
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denn ſollte ihn das freuen, und — Herr Gott das Frölen,
mach fix, Stine!
Sie flog ordentlich vom Lehnſtuhl in die Höhe, weil
draußen eine Tür klappte. Aber Stine horchte erſt
phleg=
matiſch, und als alles ſtill blieb: Nee, Frau Tannert,
bleiben Sie man ruhig ſitzen. Das Frölen ging bloß mit
dem Doktor hier nebenan bei unſern lütten Franz.
Na ja, was ich gleich ſagen wollte — ſie wagte es
aber doch nicht, ſich wieder hinzuſetzen —, nachher hat
denn unſer Herr hier allens verkauft, ratzekahl verkauft
an den Juden aus Harburg. — Du kannſt vier Taſſen
hinſtellen. Am Ende bleibt der Doktor da.
Is es denn nu wahr, Frau Tannert, daß unſern
Herrn ſeine Frau ihm ausgeriſſen is, oder hat er ſich mit
ihr verzürnt gehabt?
Was Ihr nicht alles zu drähnen habt in die Küche!
Zu ſchwach war die Frau, ne ganze Feine ſoll ſie ja
ge=
weſen ſein, weißt, ſo eine wie ſie auf Stunds in Hamburg
auf dem Jungfernſtieg herumſwenken, mit ſo ne großen
Hüte und ganz gelbes Haar, wies gar nicht gibt, und
denn hier vorn ſo nen neumodiſches Korſett, daß man
denkt, man kriegt Leibwegdag, wenn man es bloß ſieht.
Ich hab neulich mal eins anprobiert, aber ich denk doch,
mich ſoll der Schlag treffen. Na, die paßte ja nur hier
gar nich her und die Luft könnte ſie auch hier bei uns
nich vertragen, wie mich der Doktor verzählt hat.
Unſere Luft nich? Stine riß die waſſerblauen Augen
auf wie ein Schaukelpferd, unſere Luft nich? Na, uns
be=
kommt ſie doch alle ganz gut!
Mengeier du ih wannch itfene Angergenteien.
Selvietten kannſt auch hinlegen. Kannſt von die guten
nehmen, links liegen ſie. Was ſo ne Feine aus Berlin is,
die is an unſere Luft nich gewöhnt, die is bloß ſo feine
Stadtluft gewöhnt. Nun lagen die Servietten auf dem
Tiſch.
Ja, Frau Tannert, das kann wohl ſein, aber nu kommt
ſie doch heut abend. Luft hat ſie genug inn Schlitten vom
Bahnhof her!
Sie kommt doch bloß von wegen, daß der Kleine geſtern
ſo krank war, indem der Doktor ſchon dachte, der Herrgott
ſuchte wieder nen Engel. Nu geh eben ins
Fremdenzim=
mer und ſieh nach, ob das Feuer auch brennt, und ſtell nen
Topf mit Waſſer in den Ofen, denn bleibt die Luft beſſer.
An der Tür drehte ſich Stine noch einmal um und
ſtemmte beide Hände dahin, wo ne Taille ſitzen konnte. Soll
denn nu unſern Herrn ſeine Frau wahr und wahrhaftig
ins Fremdenzimmer, und der Herr ſchläft hier unten? Das
is doch verkehrte Welt!
Da richtete ſich die Tannert hoch auf wie eine Hüterin
der Sittſamkeit. Mach, daß Du ins Fremdenzimmer
kommſt! Was verſteht denn ſo ne unbedarfte Deern von ſo
ne Sachen und verheirateten Verhältniſſen? Und daß Du
nicht erſt alles lang und breit in der Küche herumkürſt!
Ich wollt ja bloß ſagen —
Aber die Tannert nahm Stine an den Schultern und
drehte ſie ſo zur Türe hinaus.
Dabei drehte ſie die dralle Stine beinahe einem Mann
in die Arme, der vor der Tür ſtand, aber nur einen Arm
ſet dane dem n anden din ihe it ſchder and reit
Kartoffeln.
He — he he, Frau Tannert. Das glaub ich, wenn Sie
man einen rausſchmeißen können, denn macht Sie das Spaß.
Is das Frölen nich hier?
Peter Bohlmann trat breitbeinig in die Tür hinein
und ſtellte den Korb am Pfoſten nieder. Dann nahm er
die Pelzmütze, an der nicht ein Haar Pelzwerk mehr ſaß,
langſam herunter, wiſchte ſich mit der harten Hand das
Schneewaſſer aus dem verwitterten Geſicht und fragte noch
einmal nach dem Fräulein.
So ne Frage! Daß die nich hier is, können Sie doch
ſehen! Sie kommen überhaupt nicht zupaß, rein gar nich.
Der Herr kann jeden Augenblick mit ſeiner gnädigen Frau
ankommen.
Die Tannert war unwirſch, aber Peter Bohlmann ließ
ſich nie aus der Faſſung bringen. Er hatte
Tagelöhner=
blut von mehreren Generationen in den Adern, und das
macht geruhſam.
Allens, was recht is, Frau Tannert, Sie ſind doch
immer ne liebe und freundliche Perſon. Bei den Wetter
kann der Herr noch gar nicht kommen. Da ſind die
Kar=
toffeln, die ich von Karl Böhrs geholt habe und wovon der
Herr ne Probe koſten wollte von wegen, daß er
Ausſaat=
kartoffeln davon nehmen will, wenn ſie gut ſind. Es iſt
ne abſcheuliche Witterung, Frau Tannert, und ſo nen kleinen
Korn wär mich gerade recht, denn der Korb hat en ſchönes
Gewicht gehabt.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 34.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
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Heltelter u. Gestereiehlerder Alenerein
Sektion Darmstadt E. V. (Gegründet 1870).
Donnerstag, den 15. Februar 1912, abends 8½ Uhr, Freitag, 9. Februar.
im Fürstensaal, Grafenstrasse 20:
Monats-Versammlung
Vortrag des Herrn Dr. Adolf Hüffell:
„„ Vom Watzmann zum Cimone‟, mit Lichtbildern. Penedig
Die Angehörigen der Mitglieder und eingeführte Gäste sind
willkommen.
Sonntag, den 11. Februar 1912:
Ausflug nach der Saalburg
3511)
Homburg v. d. Höhe-Saalburg-Feldberg-Cronberg.
Abfahrt nach Frankfurt 7 Uhr 19 Minuten.
Der Vorstand.
Mozart Verenl
Samstag, den 10. Februar 1912, von abends 8 ½ Uhr ab
Grosses
Maskenfest
in sämtl. Räumen des Saalbaues.
steht unter strenger Kontrolle
Der Eintritt und ist nur gegen Vorzeigung
der Mitglieds-oder Gastkarten
gestattet.
Unkostümiente Damen und Hernen sind am Saaleingang
zur Erwerbung eines karnevalistischen Abzeichens
verpflichtet.
Für auswärtigen Besuch, sowie für
junge Herren, welche noch über kein
selbstän-
diges Einkommen verfügen, werden Karten
Sams-
tag, den 10. Februar, nachmittags von 3 bis
5 Uhr, im Vereinshause, Schulstrasse 8, zu
(3554
den üblichen Preisen ausgegeben.
In jedem anderen Falle ist die Teilnahme von
hier ansässigen Nichtmitgliedern strengstens
aus-
geschlossen.
Vereins-Auskunftsstelle bei den Herren
Müller & Rühle, Elisabethenstrasse 5.
Ieer rete Zahe
Orph
III:
389
: Das Freignis der Saison!
Tagesgespräch bildet das
Gastspiel d. Ensemble
vom Königl. Belvedere,
Dresden. (VI3563
Meutel Freiing
9. Februar
und die folgenden Tage:
z: Heitere Kunst 2t
So leben wir.I
Aktuelle Revue in 12 Bildern
v. Dr. Rich. Hirsch u. Harry Waldan
Bunter Teil
etc. etc.
Feniäirter Fernertaut eis bekaut.
Num. Parkett bei Hugo de Waal
Rheinstraße. 12.
Lnfane. Uhe
Täglich frische
Mazzen
Bäckerei u. Conditorei
Mainzer (3464a
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Großherzogl. Hoftheater
111. Abonnem.=Vorſtellung. D 28.
Der Kaufmann von Venedig.
Luſtſpiel in 5 Akten von
Shake=
ſpeare, überſ. von A. W. Schlegel.
Spielleitung: Oberregiſſ. Balbek.
Perſonen:
Der Doge von
. Hr. Knispel
Porzia, e. r. Erbin Frl. Alſen
Neriſſa, i. Begleit. Frl. Gothe
Prinz v. Marocco Hr. Semler
Prinz v. Arragon Hr. Hacker
Antonio, d.
Kauf=
mann v. Venedig Hr. Heinz
Baſſanio —Z . Hr. Baumeiſter
Solanio
. Hr. Speiſer
Solarino Tà . Hr. Klotz
GrazianoS . Hr. Weſtermann
Shylok, ein Jude Hr. Lehrmann
Jeſſika, deſſ. Tocht. Frl. Uttmann
Tubal, Shyloks
. Hr. Jordan
Freund
Lorenzo, Liebhab.
. Hr. Schneider
der Jeſſika
Der alte Gobbo . Hr. Wagner
Lanzelot, d. Sohn,
Shylok’s Diener Hr. Peterſen
Balthaſar, Porzias
. Hr. Wolf
Diener
Stephano, Porzias
. Frl. Grünberg
Diener
Leonardo,
Baſſa=
nio’s Diener . . Hr. Feder
Ein Schreiber. . Hr. Dobski
Senatoren. Gefolge des Prinzen
von Maroceo. Benezianiſche
Damen u. Herren. Pagen u.
Diener. Volk.
Der Schauplatz iſt teils in Venedig,
teils auf Porzia’s Landſitze zu
Belmonte.
Nach dem 3. Akte längere Pauſe.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.);:
Proſzeniumsloge 5 Mk.,
Fremden=
loge 5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang (1. bis 6.
Reihe) 2 Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe)
3.50 Mk., (14. bis 20. Reihe 3 Mk.,
Parterre (1. bis 5. Reihe) 2.20 Mk.,
(6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk., 1. Galerie
1 Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. — Ende 9¾ Uhr.
Kartenverk. 11—1 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Samstag, 10. Febr. Auß. Ab.
Vorſtell. zu erm. Preiſen: „
Char=
ley’s Tante.‟ — Hierauf: Der
verbotene Cancan. Anf. 7½
Uhr. (Vergl. beſondere Anzeige.)
Sonntag, 11. Febr 112. Ab.=V.
A 29. Zum erſten Male
wieder=
holt: „Der Kuhreigen.‟ Gr.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Montag. 12. Febr. 113, Ab.=V.
B 20. „Meyers. Gr. Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Aus dem Spielplan.
Dienstae 13. Jebr. 114, A.=B.
28. „Madame
Butter=
fly.” Gr. Preiſe. Anf. 7½ Uhr.
Seite 18.
Tagblatt, Freitag, den 9. Februar 1912.
Darmſ.
Nummer 34.
Rheinstrasse 2
Hauptverkehrspunkt von Darmstadt
Eröffnung
Samstag, den 10. Februar, nachm. 5 Uhr
I. Vorstellung für
Behörde, Presse u. geladene Gäste
ebenso
anenus Dankt Jsch I. Verstellung
Der Festprolog wird vor Beginn der beiden
Vorstellungen vorgetragen von:
Herrn Cornelius Dobski
Mitglied des Hoftheaters zu Darmstadt.
Am Samstag
finden also hur 2 Vorstellungen
statt und empfiehlt es sich, um den Prolog sprechen
zu hören, und das ganze Programm sehen zu können,
rechtzeitig zu erscheinen.
Das besonders ausgewählte Eröffnungsprogramm
besteht aus hervorragenden Dramen. U. a.:
Schlager!
„Den Leoparden entronnen‟
das gewaltigste Tierdrama der Seligfilm-Ges
Schlager!
„Zweierlei Wege” oder
Die Jagd der Cowboyshinter dem Auto (Drama).
„Und als die Blätter fielen‟
ergreifendes Drama aus dem Leben.
„Flüssige Luft, ihre Eigenschaft. u. Verwendung‟
hochinteressanter, wissenschaftlicher Film.
„Die fahrenden Muskanten
Gelungene Humoreske.
Tante Eulalia auf Besuch.
Humoristisch.
Durch das Albtal nach St. Blasien
herrliches Naturbild des südlichen Schwarzwaldes
und noch 1 Einlage.
(3553
Programm von Samstag, den 10. bis einschl.
Dienstag. den 13. d. Mts.
Preise der Plätze: I. Platz 80 Pfg., II. Platz 50 Pfg.,
III. Platz 30 Pfg. — Kinder zahlen die Hälfte, haben
aber, laut neuerer polizeilicher Verfügung, nur in
Begleitung der Eitern Zutritt zu d. Vorstellungen.
Das neue Theater, welches nach den neuesten
polizei-
lichen Vorschriften hergestellt ist, bietet mit seinen
7 Ausgängen, wovon 6 direkt ins Freie, den titl.
Be-
suchern eine hier in den Lichtspieltheatern
un-
erreichte, unübertroffene Sicherheit.
Durch Benützung, des vom Sohne des Besitzers,
Herrn Lindl jr., erfundenen, zum Patent angemeldeten
Apparats, gegen den in anderen Lichtspieltheatern
möglichen, so gefährlichen, gefürchteten, schwere
Paniken verursachenden „Filmbrand” ist das neue
Olympiatheater das feuersicherste Lichtspieltheater
und kann daher Jedes ohne Angstgefühl, unbesorgt
und beruhigt darin verweilen. Dieser Apparat wurde
der Kommission gelegentlich der Lokalabnahme
vor-
geführt und fand allgemeine Anerkennung.
Zentralheizung.
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Prof. Bleuler, Dr. Albu, Dr.
Schilling.)
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Sendungen (auch Proben) frei Haus.