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173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
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ſowie von unſeren Agenturen und
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kommt jeder Annoncenrgbatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
„ 301.
Freitag, den 23. Dezember.
1910.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Ein drakoniſches Urteil.
* Die Verurteilung des Rittergutsbeſitzers
Becker wegen Beleidigung des Landrats v. Maltzahn in
dem Greifswalder Landratsprozeß zu
einem Jahr Gefängnis erregt großes Aufſehen
in der Oeffentlichkeit und die Blätter beſchäftigen ſich
ein=
gehend damit. Die Kölniſche Zeitung ſchreibt dazu:
„Wenn die Verhandlungen, die ſich wochenlang
hinge=
zogen haben, auch gezeigt haben, daß der freiſinnige
Ritter=
gutsbeſitzer ein äußerſt reizbarer und zu Uebertreibungen
neigender Herr iſt, und daß der konſervative Landrat
durchaus nicht zu den ſchlechteſten ſeines Amtes und
Standes gehört, ſo ging doch ebenſo klar daraus hervor,
daß Becker ſeinen Kampf in ehrlicher Ueberzeugung
ge=
führt hat und manches Vorkommnis im Kreiſe ihn in
ſei=
nem Vorurteil beſtärken mußte, daß der Landrat in
Grimmen=Greifswald auch nach konſervativem
Partei=
rezept ſein Amt führe. So warf Herr Becker, der ſich als
Wortführer der liberalen Kreisgenoſſen fühlte, dem
Land=
rat vor, er habe den Liberalen das Abhalten von
Ver=
ſammlungen erſchwert, er habe die Wahl liberaler
Guts=
vorſteher verhindert, liberale Wähler wären bei der
Steuereinſchätzung mit beſonderem Maße gemeſſen
wor=
den, Lieferungen, über die die Behörde zu beſchließen
habe, ſeien ihnen abgenommen worden uſw. Die
Ver=
handlungen haben den Beweis für die Richtigkeit dieſer
Behauptungen nicht erbringen können; zwar verleugnete
ſich niemals die ausgeſprochen konſervative Geſinnung des
Landrats, auch nicht im amtlichen Verkehr mit den politiſch
Andersdenkenden; jedenfalls aber reichte das Material,
das Herr Becker vorbrachte, nicht aus, die außerordentlich
ſchweren Vorwürfe zu rechtfertigen.
Daß Becker für ſeine Behauptungen nicht den
for=
mellen Beweis antreten konnte, und daß er ſich in den
Ausdrücken vielfach vergriffen hat, muß ohne weiteres
zugegeben werden. Daraufhin war eine Verurteilung
ge=
boten, aber daß ſie in dieſer Schärfe erfolgen würde,
wurde wohl von keiner Seite angenommen. Das Gericht
ſelbſt hat ſich auf den Standpunkt geſtellt, daß
verleum=
deriſche Beleidigungen nicht vorliegen, ſondern daß der
Angeklagte in den meiſten Fällen ſich nicht der
Unwahr=
heit der von ihm erhobenen Anklagen bewußt war. Dieſe
eine Feſtſtellung genügt, um das Urteil als ein ganz
dra=
koniſches erſcheinen zu laſſen. „Die Straftaten an ſich”,
ſo ſagt das Gericht, „tragen ſachlich keinen
politi=
ſchen Charakter.‟ Das iſt von der ganz formellen
Seite aus richtig, aber das Gericht ſelbſt muß als „
Hin=
tergrund der Sachlage den ſcharfen politiſchen Gegenſatz
zwiſchen dem Angeklagten und dem Nebenkläger
aner=
kennen.” Tatſächlich drehte es ſich im Greifswalder
Pro=
zeß nur um politiſche Vorgänge, und wenn das
nicht ein politiſcher Prozeß war, ſo wiſſen wir
nicht, was man ſich unter einem ſolchen vorſtellen ſoll.
Dieſem politiſchen Charakter des Prozeſſes mußte
ſtraf=
mildernd Rechnung getragen werden, und daß es nicht
geſchehen iſt, wird in weiteſten Kreiſen Bedauern und
Be=
fremden hervorrufen.
Was die Urteile der Preſſe anlangt, ſo ſagt die
Deutſche Tageszeitung, daß, wer noch einen „Funken
von Rechtsgefühl, von Sinn für Anſtand und Loyalität
im öffentlichen Kampfe hat”, in dem Urteil nur eine
ge=
rechte und wohlverdiente Sühne finden könne. Aus einem
Ueberblick über die nichtagrariſche Preſſe wird die Deutſche
Tageszeitung erſehen, daß ihre Auffaſſung nicht
Allge=
meingut der deutſchen Nation iſt.”
Die Wiederanſtellung der Eiſenbahner hatte eine
Kammerkommiſſion eingehend beſchäftigt, dieſe hatte ſich
aber ſehr ſchlau aus der Affäre zu ziehen geſucht, indem
man, um es ja mit niemandem zu verderben, beſchloß,
daß die Frage der Wiederanſtellung Sache der Regierung
ſei und ſich den Kompetenzen der Kommiſſion entziehe.
Im Lager der Radikalen und Radikalſozialiſten glaubte
man nun, einen Vorſtoß gegen Briand verſuchen zu
kön=
nen, indem man die bedingungsloſe Wiederanſtellung von
etwa 3000 entlaſſenen Eiſenbahnarbeitern forderte.
Mini=
ſterpräſident Briand aber hat in der Kammer klar und
ſcharf nachgewieſen, daß der ſtaatlichen Milde beſtimmte
Grenzen gezogen ſein müſſen, wofern nicht die
Geſamt=
heit Schaden erleiden ſoll. Von dieſem Standpunkt aus
lehnt Briand es ab, gemäß der ſozialdemokratiſchen
For=
derung alle entlaſſenen Eiſenbahner wieder
anzuſtellen bezw. ihre Wiederanſtellung durch die
Bahn=
geſellſchaften herbeizuführen. Dem natürlichen
Billigkeits=
gefühl entſpricht es durchaus, wenn Eiſenbahner, die
Gewalttätigkeiten und Sabotage verübt oder zur
Sabo=
tage aufgereizt und ſich gegen die Diſziplin vergangen
haben, von der Wiederanſtellung ausgeſchloſſen bleiben.
Briand hat vollkommen zutreffend dargelegt, daß eine
Amneſtierung ſolcher Eiſenbahner falſch und gefährlich ſei,
weil ſie zur Wiederholung der begangenen
Ausſchreitun=
gen ermuntere. Alle ſozialdemokratiſchen Einwände gegen
dieſe Haltung können nichts an der Tatſache ändern, daß
eine verantwortliche Regierung ſchlechterdings nicht
an=
ders zu handeln vermag. Gerade die Verantwortlichkeit
der Regierung iſt es, über die die Sozialdemokratie ſich
mit Abſicht ſtets hinwegſetzt. Daß ein Miniſter von der
ſozialdemokratiſchen Vergangenheit Briands gerade dieſen
Geſichtspunkt der internationalen Sozialdemokratie von
neuem eingeſchärft hat, verleiht der Kammerdebatte vom
20. ds. Mts. bleibende Bedeutung.
Waren die Franzoſen 1870 bereit?
C Das ſtolze Wort des franzöſiſchen
Kriegsmini=
ſters aus den Julitagen 1870, die entſchloſſene Erklärung
„Wir ſind bereit” hat in der Geſchichte Frankreichs
einen ſchmerzlichen Klang erhalten. In der Revue des
Deur Mondes weiſt nun Olivier nach, daß dieſes Wort
keineswegs eine Phraſe war.
Nach dem Ende des unglücklichen Krieges wandte er
ſich an den Marſchall Leboeuf und forderte Rechenſchaft
über dieſe Erklärung. Da erklärte der Kriegsminiſter in
langen, mehrtägigen Sitzungen an der Hand von
Doku=
menten und Karten, daß Frankreich damals wirklich
be=
reit war, ſo bereit, wie eine Nation im Augenblick der
Kriegserklärung es nur ſein kann. Mächtige Vorräte von
Proviant und Waffen waren aufgeſtapelt, über eine
Million Chaſſepots ſtanden zur Verfügung, 300000
wei=
tere Gewehre, 10111 Kanonen, 175 Millionen Patronen,
400000 Granaten und Kartätſchen und über 4 Millionen
Patronen für die Mitrailleuſen. Die Feſtungen waren
reichlich verſorgt, es fehlte nicht an Truppen, und ein bis
ins kleinſte Detail vorbereiteter Angriffsplan lag bereit.
Die Arbeit des Kriegsminiſteriums war faſt vollendet,
Mac Mahon und Bazaine waren verſtändigt, daß ſie den
Befehl über je eine Armee übernehmen ſollten — im
gan=
zen ſollten drei Heere aufgeſtellt werden —, als Napoleon
plötzlich beſchloß, nur eine einzige Armee unter ſeinem
Oberbefehl zu bilden, die in acht Armeekorps zerfallen
ſollte. Er folgte damit, zu ſpät, dem Rat, den ihm im
März des Kriegsjahres der Erzherzog Albert von
Oeſter=
reich gegeben hatte. Umſonſt widerſetzte ſich Leboeuf
die=
ſem Plane, wies darauf hin, daß es eine Kataſtrophe
be=
deute, alle bereits geleiſtete Arbeit wieder umzuſtürzen,
und zwar in einer Zeit, da jede Minute koſtbar ſei. Er
wies darauf hin, daß der Oberbefehl Napoleons auch bei
der Formierung dreier Armeen möglich ſei, während die
Trennung in acht Armeekorps die Ausübung des
Ober=
befehls erſchwere. Aber der Kaiſer ſchnitt alle Einwände
ab mit einem entſchloſſenen „Ich will es”, dem ſich der
Kriegsminiſter beugen mußte. Mit fieberhaftem Eifer
ver=
ſuchte man nun in aller Haſt die vom Kaiſer verlangte
Truppenteilung durchzuführen. Aber auch dann noch
wäre, trotz mancher Mängel in der Truppenführung, ein
Sieg möglich geweſen, wenn Napoleon, der
Generaliſſi=
mus, ſich in einer günſtigeren ſeeliſchen und körperlichen
Verfaſſung befunden hätte. Wie Napoleon I. hatte er ſich
alle Initiative vorbehalten, während er ſich nur mit Mühe
auf dem Pferde halten konnte, die furchtbarſten Schmerzen
erduldete und nicht imſtande war, ſelbſt aufs Schlachtfeld
zu eilen, um den Stand der Dinge zu überſehen. Er war
gezwungen, in einem Zimmer zu ſitzen, dicht neben dem
Ofen, ſogar im Sommer. Das alles traf zuſammen mit
einem unvollkommenen Syſtem der Mobiliſation. Man
war bereit, aber die Mobiliſation fehlte oder kam zu ſpät.
„Nicht Leboeuf, nicht Niel, ja ſelbſt der Kaiſer nicht waren
an der Kataſtrophe ſchuld, ſondern alle unſere illuſtren
Generale, die die militäriſche Organiſation jener Zeit faſt
mit einem Götzenkultus umgeben hatten.”
Deutſches Reich.
— Schiffahrtsabgaben. In
parlamentari=
ſchen Kreiſen von Berlin verlautet, daß die Stimmung für
die Schiffahrtsabgaben in der nationalliberalen
Reichs=
tagsfraktion ſehr abgeflaut ſei. Früher waren ungefähr
zwei Drittel der Fraktion für ſie, jetzt ſtehe den Abgaben
kaum noch die Hälfte der Fraktion freundlich gegenüber.
— Der Prinzregent Luitpold von
Bay=
ern richtete an den Kriegsminiſter Frhrn. v. Horn ein
Handſchreiben, in dem es heißt: Vierzig Jahre ſind
ver=
floſſen, ſeit die bayeriſche Armee in ſchweren ruhmreichen
Kämpfen unvergängliche Beweiſe von Kriegstüchtigkeit
und hingebender Opferwilligkeit erbrachte und hierdurch
ſich die ſtete Dankbarkeit des Vaterlandes ſicherte. Wenn
ich jetzt in meinem neunzigſten Lebensjahre auf jene große
Zeit zurückblicke, drängt ſich meinem Herzen das Bedürfnis
auf, auch meinerſeits dem Gefühle der Dankbarkeit, ſowie
meiner vollen Anerkennung für die im Kriege und Frieden
bewährte Pflichttreue der Offiziere und Mannſchaften der
Armee einen erneuten ſichtbaren Ausdruck zu geben.
Darum ſtelle ich hiermit den Betrag von 200000 Mark zur
Verfügung und beſtimme, daß 100000 Mark zur
Unter=
ſtützung hilfsbedürftiger Kriegsveteranen aus dem
Feld=
zuge 1870/71, ſowie aus den Feldzügen und Kämpfen
früherer und ſpäterer Jahre, 100000 Mark als Grundſtock
einer Stiftung zur Errichtung eines Erholungsheims für
Offiziere, Unteroffiziere und Mannſchaften Verwendung
finden ſollen.
— Ueber den Arbeitsmarkt im Monat
November teilt das Reichsarbeitsblatt mit:
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Monat November
hielt ſich im allgemeinen auf gleicher Höhe wie im Oktober.
Im Baugewerbe ließ die Beſchäftigung der Jahreszeit
entſprechend nach. Die Beſſerung auf dem
Ruhrkohlen=
markte hat angehalten. Im oberſchleſiſchen Kohlengebiete
war der Abſatz beſſer. Im mitteldeutſchen
Braunkohlen=
bergbaue hat die Briketinachfrage nachgelaſſn. Der
Be=
ſchäftigungsgrad in der Metall= und Maſchineninduſtrie
war befriedigend. Die elektriſche Induſtrie war gut
be=
ſchäftigt. In der Tertilinduſtrie hat ſich der Arbeitsmarkt
etwas gebeſſert. Das Bekleidungsgewerbe war im
all=
gemeinen reichlich beſchäftigt. Nach den Berichten der
Krankenkaſſen hat der Beſchäftigungsgrad im Laufe des
November nachgelaſſen, was in der Hauptſache auf das
Baugewerbe zurückzuführen iſt. Es ergab ſich am
1. Dezember 1910 gegenüber dem 1. November 1910 eine
Abnahme der verſicherungspflichtigen Mitglieder abzüglich
der Kranken von insgeſamt 31926 (— 40 559 männliche,
—- 8633 weibliche). Gegenüber dem 1. Januar 1910
be=
trägt die Steigerung des Beſchäftigungsgrades der
männ=
lichen und weiblichen Perſonen 8 v. H. An den
Arbeits=
nachweisziffern iſt im Vergleich zum Vormonat eine
Ver=
ſchlechterung, im Vergleich zum Vorjahr eine Beſſerung
des Arbeitsmarktes wahrzunehmen. Bei der Geſamtzahl
der berichtenden Arbeitsnachweiſe, für welche vergleichbare
Angaben vorliegen, kamen im November 1910 auf je 100
offene Stellen bei den männlichen Perſonen 194, bei den
weiblichen 119 Arbeitsgeſuche gegen 163 bezw 104 im
Oktober 1910 und 20 bezw. 120 im November 190. Der
Berliner Arbeitsmarkt zeigte gegenüber dem Vormonat
ein ungünſtigeres Bild, auch im Vergleiche zum Vorjahr
iſt eine Beſſerung nicht zu bemerken. In Schleswig=
Hol=
ſtein, Lübeck und Hamburg hat der Beſchäftigungsgrad
gegen den Vormonat nachgelaſſen. Aus dem Rheinlande
wird ein der Jahreszeit entſprechender Rückgang gemeldet.
Ebenſo lautet der Bericht über die Lage des
Arbeits=
marktes in Heſſen=Naſſau und Heſſen. Auch in Bayern,
Württemberg und Baden iſt gegen den Vormonat auf dem
Arbeitsmarkt eine Abſchwächung zu verzeichnen, wenn
auch die Beſchäftigung in einzelnen Gegenden und
Indu=
ſtriezweigen noch verhältnismäßig gut iſt. Die
Einnah=
men aus dem Güterverkehre deutſcher Eiſenbahnen
betru=
gen im November 156 297537 Mark, das ſind 11611775
Mark mehr als im gleichen Monat des Vorjahres; dies
bedeutet eine Mehreinnahme von 154 Mark oder von
6,53 v. H. auf 1 Kilometer.
Ausland.
Italien.
Die Kammer vertagte ſich auf den 24. Januar.
Frankreich.
Die Kammer wird wahrſcheinlich am Samstag
in die Ferien gehen. Miniſter Pichon wird deshalb ſeine
Das Kabinett Briand
t in der franzöſiſchen Kammer wieder einmal einen
ieg erfochten, ſeine Gegner haben ihm wieder zu
em glänzenden Erfolge verholfen. Die ſchweren
chläge, die der große Eiſenbahnerſtreik
ankreich gebracht hat, ſind noch keineswegs überwunden.
lgemein wird darüber geklagt, wie durch eine gewiſſe
ſſive Reſiſtenz der Bahnangeſtellten, teilweiſe ſogar
bös=
illigerweiſe, dem Güterverkehr die größten
Schwierig=
iten bereitet werden, ſo daß dem Handel ſchwere
Schä=
jungen erwachſen. Von ſeiten der Oppoſition gedachte
an nun die Situation auszunutzen, um durch einen
griff im Parlamente das Miniſterium Briand zu
ſtür=
n, indeſſen haben ſich die Herren gründlich verrechnet,
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Nummer 301.
Erklärung über die auswärtige Politik erſt nach dem
Wiederzuſammentritt der Kammer im Januar abgeben.
Der Kampf um den Seehafen von Paris.
Gegen das Projekt des Seehafens Paris hat der
ehe=
malige Miniſter Siegfried im Temps angekämpft. Es iſt
ihm aber keineswegs gelungen, durch ſeine Ausführungen
das Projekt zu Fall zu bringen. Seine Oppoſition wird
durch den beſonderen Standpunkt der Geſchäftsleute von
Rouen erklärt, die große Verluſte befürchten, wenn die
Seine, die jetzt bis Rouen den Meerſchiffen zugänglich iſt,
auch noch bis Paris oder wenigſtens bis zur Vorſtadt
Clichy ſchiffbar gemacht wird. In der Kammer hat das
Projekt unerwartet raſche Fortſchritte gemacht. Die erſte
Eingabe trug 150 Unterſchriften, aber in drei Tagen hat
ſich dieſe Zahl auf 227 vermehrt, ſo daß beinahe ſchon jetzt
eine Mehrheit für das Projekt zuſtande gekommen iſt.
Im Temps ſelbſt ſind alle Bedenken Siegfrieds von dem
ehemaligen Fregattenkapitän Paul Germain Punkt für
Punkt widerlegt worden. Germain kennt namentlich die
meiſten engliſchen und amerikaniſchen Kanalanlagen und
weiſt nach, daß in den meiſten Fällen Schwierigkeiten
überwunden wurden, die größer waren als diejenigen,
die das Projekt des Pariſer Meerhafens bietet.
Spanien.
Die Kammer verhandelte die karliſtiſche
Inter=
pellation Mellas, in der von verſchiedenen Verſuchen, eine
Verbindung zwiſchen dem ſpaniſchen Königshauſe und
der Familie des Prätendenten Carlos herzuſtellen, die
Rede war. Canalejas erklärte es in aller Form für falſch,
daß Verhandlungen über Verlobungen von Mitgliedern
des ſpaniſchen Königshauſes mit Mitgliedern der
kar=
liſtiſchen Familie ſtattgefunden hätten, und wies energiſch
die Behauptungen Mellas zurück.
China.
Der Reichsausſchuß entwarf eine Denkſchrift,
in der er befürwortet, daß die härteſten Strafen, mit
Aus=
nahme der Todesſtrafe, gegen das Opiumrauchen verhängt
und Belohnungen für diejenigen ausgeſetzt werden ſollen,
durch deren Mitteilung die Ergreifung der Schuldigen
er=
möglicht wird. — Die Denkſchrift, in der die Mitglieder
des Großen Rats angeklagt werden, wurde als nicht
ſcharf genug verworfen und der Entwurf einer neuen
Denkſchrift angeordnet.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Dezember.
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch: den Oberſtleutnant
Hannappel, Kommandeur des Königl. Bayeriſchen
2. Jäger=Bataillons in Aſchaffenburg, den Hauptmann
a. D. Frhrn. van der Hoop vom Gut Schmitte bei
Rodheim a. d. Bieber, den Hauptmann v. Follenius
vom Kaiſerl. Oeſterr. Feſtungsart.=Bataillon Nr. 5 in
Trient, den Oberleutnant zur See Fabricius von Kiel,
den Bergrat Klemm, den Direktor der Hypothekenbank
Dr. Arnold, den Geh. Oberſchulrat Block, den
Ober=
lehrer Profeſſor Koob und den Oberlehrer Profeſſor
Luley von Gießen, den Oberlehrer Profeſſor Dr.
Briegleb von Worms, den Landgerichtsrat Wolff, den
Hofrat A. Koch, den Oberlehrer Profeſſor Dr.
Schnell=
bächer, den Oberlehrer Proteſſor Dr. Horn und den
Bezirks=Sparkaſſendirektor Haenlein von Heppenheim
a. d. B., den Sanitätsrat Dr. med. Buß, den Rendant
Uebel von Oſthofen, den Oekonomierat Hahn,
Bürger=
neiſter von Heßloch in Rheinheſſen, den
Kreisfeuer=
wehr=Inſpektor Vetzberger von Nidda, den Pfarrer
Wagner von Bensheim, den Geh. Regierungsrat Dr.
Kayſer von Worms, den Profeſſor Dr. v. Reichenau,
Konſervator des Naturhiſtoriſchen Muſeums in Mainz,
den Profeſſor Wißmann und den Profeſſor Dr. Seitz
von Mainz, den Landgerichtsrat Schmidt von Gießen,
den Profeſſor Dr. Friedrich, den Oberlehrer Lie. theol.
Gaul von Bensheim, den Finanzrat Dr. Heil,
Ober=
ſteuerinſpektor in Offenbach, den Profeſſor Eberhardt,
Direktor der techniſchen Lehranſtalten in Offenbach, den
Oberlehrer Profeſſor Erckmann von Bingen, den
Pro=
feſſor Getroſt; zum Vortrag den Vorſtand des Kabinetts,
Geheimerat Römheld, den Geheimerat Dr. Becker.
* Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog werden am Samstag, den 24. d. Mts., weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen und Vorträge
ent=
gegennehmen.
* Den Charakter als Geheimer Baurat haben
Se. Königl. Hoheit der Großherzog dem
General=
direktor der Deutſchen Waffen= und Munitionsfabriken
Königlich Preußiſchen Kommerzienrat Dr.=Ing. h. e. Paul
v. Gontard in Berlin verliehen.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Hofphotographen B.
Dittmar in München die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Durchl. dem Fürſten
Leopold zur Lippe verliehenen Kreuzes zum Leopold=
Orden und dem Rittmeiſter der Reſerve des Leib=
Dra=
goner=Regiments (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 Kommerzienrat
Fritz Doerr zu Worms die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj dem Kaiſer
von Rußland verliehenen St. Annen=Ordens 3. Klaſſe
erteilt.
* Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben den Hauptſteueramtsaſſiſtenten bei dem
Hauptſteueramt Mainz, Friedrich Breidenbach zu
Mainz zum Steuereinnehmer des Steueramts Pfungſtadt
und den Finanzaſpiranten Ludwig Knabenſchuh
aus Butzbach zum Hauptſteueramtsiſſiſtenten ernannt.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Wilhelm Thierolf aus Höchſt i. O. die zweite
Lehrer=
ſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober=Klingen, Kreis
Dieburg; der Schulamtsaſpirantin Karoline Nolden
aus Frankfurt a. M. eine Lehrerinſtelle an der
Gemeinde=
ſchule zu Bieber, Kreis Offenhach.
* Verordnungen die Vorbereitung für den
Staats=
dienſt betreffend. Der § 11 der Verordnung, die
Vor=
bereitung für den Staatsdienſt im Juſtiz=
und Verwaltungsfache betreffend, wird durch
fol=
gende Vorſchriften erſetzt: Für die einzelnen Arbeiten
ſowie für jedes Prüfungsfach wird das Ergebnis
durch folgende Noten feſtgeſtellt: I ſehr gut, II gut,
III genügend, IV teilweiſe genügend, V ungenügend.
Zwiſchen den in Abſ. 1 aufgeführten Noten können die
Zwiſchennoten I—II (1,25), II-I (1,75), II-III, III-II
uſw. erteilt werden. Die Kommiſſion hat die Prüfung
ſtets als nicht beſtanden zu bezeichnen, wenn das
durch=
ſchnittliche Ergebnis ſämtlicher Prüfungsfächer die Note
„genügend” nicht erreicht. Dasſelbe gilt, wenn im
Zivil=
recht, im öffentlichen Recht oder im Strafrecht,
einſchließ=
lich des Strafprozeſſes, das Prüfungsergebnis hinter der
bezeichneten Note zuückbleibt. Wird die Prüfung als
be=
ſtanden bezeichnet, ſo iſt ſie mit einer der drei erſten im
Abſ. 1 aufgeführten Noten zu beurteilen. Die Kommiſſion
kann jedoch einer Prüfung, die nicht als „gut”, aber
erheb=
lich beſſer als „genügend” beſtanden iſt, die Note „im
ganzen gut (II-III)” erteilen. Weitere Zwiſchennoten
ſind bei der Feſtſtellung des Geſamtergebniſſes nicht
zu=
läſſig.
Eine gleichlautende Verordnung iſt für den höheren
Finanzdienſt, für den höheren Forſtdienſt
und die mittleren Stellen im Finanzdienſt
erlaſſen.
* Militärdienſtnachrichten. Schreiber,
charak=
teriſierter Hauptmann im 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt.
Nr. 168, zum Komp.=Chef ernannt unter
Beförder=
ung zum Hauptmann, vorläufig ohne Patent. v.
Na=
thaſius, Oberlt. im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, in das 9. Lothring. Inf.=
Regt. Nr. 173, v. Lichtenberg, Oberlt. im Inf.=
Leib=Regt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, in
das Inf.=Regt. v. Manſtein (Schleswig.) Nr. 84
ver=
ſetzt. Ritter und Edler v. Loeßl, Major und
Es=
kadron=Chef im Leib=Drag.=Regt. (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 24, zum Stabe des Garde=Drag.=Regts. (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 23 verſetzt. Graf v. Königsmarck,
Oberlt. im Garde=Drag.=Regt. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 23, unter Verſetzung in das Leib=Drag.=Regt.
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 zum Eskadron=Chef ernannt
unter Beförderung zum Rittmeiſter, vorläufig ohne
Patent. v. Griesheim, Major beim Stabe des
2. Großh. Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61, zum
Abteil=
ungs=Kommandeur ernannt. Moeller,
Haupt=
mann und Batterie=Chef im 2. Hannov. Feldart.=
Regt. Nr. 26, zum Stabe des 2. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regts. Nr. 61 verſetzt. Tamm, Lt. im Inf.=Regt.
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, ſcheidet am
7. Januar aus dem Heere aus und wird mit dem 8.
Januar 1911 in der Schutztruppe für Kamerun
an=
geſtellt. Nehry, charakteriſ. Fähnrich im Inf.=Regt.
Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, zum
Fähnrich=
befördert. Schmidt, Oberlt. im 5. Großh. Heſſ.
Inf.=Regt. Nr. 168, unter Verleihung des Charakters
als Hauptmann der Abſchied mit der geſetzlichen
Pen=
ſion und der Erlaubnis zum Tragen der Regiments=
Uniform, Frhr. v. Schauroth, Major beim Stabe
des Garde=Drag.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, der
Abſchied mit der geſetzlichen Penſion, Beck,
Haupt=
mann und Komp.=Chef im 3. Lothring. Inf.=Regt.
Nr. 135, unter Verleihung des Charakters als Major,
mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des
Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116
der Abſchied mit der geſetzlichen Penſion bewilligt. Dr.
Weckerling (II Darmſtadt) Oberarzt der Reſ.,
vorläufig ohne Patent beim Inf.=Leib=Regt. (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117 im aktiven Sanitätskorps als
Ober=
arzt angeſtellt. Dr. Eichel, Gen.=Oberarzt und
Div.=Arzt der 37. Div., der Abſchied mit der
geſetz=
lichen Penſion und der Erlaubnis zum Tragen ſeiner
bisherigen Uniform bewilligt. Woite,
Stabsveteri=
när beim Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18, zum Garde=
Drag.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, Bieſer,
Stabs=
veterinär beim Jäger=Regt. zu Pferde Nr. 2, zum
Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18. Dr. Erb,
Veterinär=
beim 2. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 61, zum Leib=
Garde=Huſ.=Regt. verſetzt. Höhnke,
Oberſtabsvete=
rinär beim Garde=Drag.=Regt. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 23, mit der Erlaubnis zum Tragen ſeiner
bis=
herigen Uniform der Abſchied mit der geſetzlichen
Penſion bewilligt.
s. Vor der Strafkammer kam geſtern in der
An=
klageſache gegen den 30 Jahre alten Agenten Adam
Wettach und den 46jährigen Agenten Johann
Lud=
wig Schmerker, beide von hier, ein Fall zur
Ver=
handlung, der durch die dabei betätigte ſkrupelloſe
Schädigung bedrängter kleiner Leute beſonders
ab=
ſtoßend erſcheint. Stets wurde eine gewiſſe Notlage
ausgebeutet, und charakteriſtiſcher Weiſe ſheint den
Tätern die richtige Auffaſſung dieſes Gebarens
gänz=
lich zu mangeln. Hauptſächlich kommt der vielfach
vorbeſtrafte Angeklagte W. in Betracht, während ſein
Genoſſe Sch. nur bezüglich eines Falles der Beihilfe
ſchuldig erkannt wurde. W. war von einem Schreiner
mit Verſilberung eines (durch die Unterſchrift des
Akzeptanten guten) Wechſels von 150 Mk. beauftragt
und machte dieſes Geſchäft unter Zuziehung Sch.s,
wo=
bei er unbefugt 50 Mark des Erlöſes behielt
und=
davon einen Teil an Sch. abgab. Dieſer Untreue
reihen ſich einige weitere Fälle ähnlicher
Beſchaffen=
heit an. Für eine Witwe verſetzte er eine Anzahl
Gegenſtände und ließ jeweils unverhältnismäßige
Beträge davon in ſeine Taſche wandern; nachträglich
verſchaffte er ſich wieder die Pfandſcheine und zug
durch Veräußerung derſelben nochmals Nutzen. Ein
ihm zum Verkauf übergebenes Motorfahrrad im Wert
von 130 Mark verſetzte er auswärts für 50 Mark; eine
von ſeiner Ehefrau unter Eigentumsvorbehalt
er=
ſtandene Nähmaſchine unterſchlug er durch Verſetzen,
während er bei einem weiteren zum Verkauf
anver=
trauten Fahrrad den Mechaniker, an den er ſeitens
des Verkäufers Reparaturkoſten bezahlen ſollte, um
Wintertage in Wiesbaden.
(Nachdruck verboten.)
Die Winterſaiſon, auf die unſere
Weltkur=
ſtadt nicht wenig ſtolz iſt, hat verhältnismäßig gut
eingeſetzt. Das zeigt das geſellſchaftliche Bild in den
Kurſälen und auf der Promenade. Da merkt man,
daß es auch außerhalb der Maitage für Wiesbaden
eine Zeit gibt, die es zum Luxusbade erſten Ranges
macht. Der hohe Adel und die Finanzariſtokratie
ſind jetzt reichlich vertreten, das eleganteſte
inter=
nationale Publikum iſt wieder da, und nach einer
nicht allgemein befriedigenden Erntezeit geht über
eine kleine Zahl unſerer Hoteliers noch vor
Jahres=
ſchluß ein güldener Regen nieder. Das iſt
wenig=
ſtens ein kleiner Ausgleich für den Verluſt, den
un=
ſere Geſchäftswelt durch das Ausbleiben zahlreicher
Gäſte erlitten hat.
Trotz aller Ableugnungsverſuche, der
Rück=
gang iſt da. Man ſchätzt, daß der Rückgang der
Fremdenziffer, die bis jetzt auf 174343 geſtiegen iſt,
in dieſem Jahre 25000 beträgt. Das bedeutet, daß
die Fremdenzahl, wie offiziell im Kurverein bekannt
gegeben wurde, um 27 Prozent abgenommen hat,
wäh=
rend die übrigen bekannten Bäder einen Zuwachs zu
verzeichnen haben, ſelbſt Baden=Baden, das doch auch,
wie Wiesbaden, in dieſem Jahre die Kurtaxe
ein=
geführt hat. Daß dieſe hier ſehr unbeliebte Steuer
wirklich die Schuld an dem Rückgang trägt, wird
von den Behörden ſelbſt noch beſtritten. Als die
Stadt im Frühjahr die Kurtaxe einführte, da
rech=
nete die oberbürgermeiſterliche Denkſchrift eine
Ein=
nahme von 355000 Mark heraus. Heute ſpricht man
nach recht trüben Erfahrungen nur noch von dem
Schaden, den ſie dem ganzen Wirtſchaftsleben der
Stadt zugefügt hat, und die Petitionen wegen ihrer
Aenderung oder Abſchaffung folgen ſich. Die
Kur=
taxe iſt in der jetzigen Form in der Tat ein
Un=
ding, da ſie mit der Kur ſelbſt ſo gut wie nichts zu
ſchaffen hat und eigentlich nur in unſerer
Fremden=
ſtadt den Fremden den hieſigen Aufenthalt verteuern
hilft. Indeſſen ſind die Zeiten denn doch wohl
aller=
orten zu ſchlecht, als daß man den Gäſten zumuten
könnte, auch weiterhin Wiesbaden zu bevorzugen,
nur damit ſie hier verteuerte Taunusluft einatmen
können. Der Magiſtrat ſinnt denn auch ſchon über
eine neue Art der Kurtaxe nach, und es iſt wohl zu
hoffen, daß den Fremden ſchon im Frühjahr auf eine
angenehmere Art zur Ader gelaſſen wird — bluten
müſſen ſie auf alle Fälle, denn mit der freien
Gaſt=
freundſchaft der Stadt iſt es nun ein für alle Male
vorbei.
In die neue Kurtaxe wird wohl auch der
Koch=
brunnen, unſere berühmteſte Heilquelle, aufge=
nommen werden. Seine Bilanz iſt nämlich unter
der Einwirkung der jetzigen Kurtage nicht ganz ſo
günſtig ausgefallen, als man erwartet hat. Der
Ver=
kehr am Brunnen hat nachgelaſſen, ſodaß
wahrſchein=
lich der Ertrag aus den Brunnenkarten um etwa
35000 Mark niedriger iſt, als im Etatsjahre angeſetzt.
Viele Gäſte nehmen ihren Trunk nicht mehr am
Brunnen, ſondern in ihrem Hotel ein.
So kommt es, daß die Wiesbadener Kurbilanz
dieſes Mal nicht ſo glänzend ausfällt. Dazu kommt,
daß unter der allgemein ungünſtigen Wirtſchaftslage
unſere Geſchäftswelt, die ſo ganz nur von den
Frem=
den abhängt, doppelt leidet. Nur die
Trauben=
kur hat einen ſtärkeren Zuſpruch gehabt. Der
Um=
ſatz iſt um 4000 Mark höher als im Vorjahre, wo
13 425 Mark vereinnahmt wurden. Trotzdem iſt der
Reingewinn nicht größer, weil der Einkaufspreis
der Rheingauer Trauben wegen der Mißernte ſo
hoch war.
Dieſe wenig angenehme Weihnachtsüberraſchung,
die der Kurſtadt in ihrer Bilanz bereitet wurde, hat
auf das Programm der Weltbadunterhaltungen nur
günſtig eingewirkt. Man will durch erſtklaſſige
Dar=
bietungen in der Kunſt die ausgebliebenen Kurgäſte
wieder anlocken. Nur ſchade, daß ſich das
Hof=
theater jetzt an dem Wettlauf unſerer
Kunſtinſti=
tute wenig beteiligen kann. Die
Intendanten=
kriſe wirkt zweifellos etwas lähmend auf die
Ar=
beit der Hofbühne ein. Es fehlt an der rechten
Energie, Intendant von Mutzenbecher weilt im
Sü=
den und Herr von Hülſen, der die Geſchäfte für ihn
führt, in Berlin. Gerüchte von einem Erſatz des
Herrn von Mutzenbecher gehen hin und her, werden
dementiert und ſind wieder da. Es iſt möglich
ge=
worden, daß ſich ein Heldentenor in einem recht
deut=
lichen Brief über die Leitung der Bühne dahin
äu=
ßert, daß ihm das weitere Wirken verleidet ſei, und
daß er in einem Geſuch an den Kaiſer gar um die
Erlauhnis bittet, ſchleunigſt dieſe Bühne verlaſſen zu
dürfen. Die Kunſtleiſtungen ſind in der Tat, der
Qualität nach, erſchreckend gering, das Shauſpiel
beſonders iſt ſo vernachläſſigt wie nie und auch in
der Oper immer nur Wiederholungen und ab und
zu eine Neueinſtudierung. Das genügt nicht und es
wäre die Pflicht der Stadt, hier anzufeuern und im
Hinweis auf die Kurintereſſen eine intenſivere
Ar=
beit zu fordern. Die paar Maifeſtſpiele ſind doch
nicht dazu da, auf ihrem Ruhme ein Jahr lang zu
ſchlafen.
Glücklicherweiſe arbeitet das
Reſidenzthea=
ter Dr. Rauchs dafür mit einem ſo erſtaunlichen
Fleiße und einem ſo tühtigen Enſemble, daß die
Fremden die großen Lücken im Hoftheater wenig
merken. Jeden Samstag eine Premiere und immer
eine ſo ſorgfältig herausgearbeitete Vorſtellung, daß
auch bei mal geringerem Werte des Stückes noch ein
Genuß geboten wird.
Das Kurhaus trägt der internationalen
Zu=
ſammenſetzung des Fremdenpublikums ganz
beſon=
ders Rechnung. So war das letzte der großen
Zykluskonzertte den Nordländern
gewid=
met. Der Finne Schneevoigt dirigierte
und=
widmete den Werken von Tſchaikowsky, Sibelius
und Spendſon in ihrem teils nordiſch düſteren Glanze
und faſt myſtiſcher Phantaſtik eine prächtige orcheſtrale
Ausgeſtaltung. Soliſt des Abends war der
Meiſter=
ſinger von Stockholm: John Forſell, der mit den in
ſkandinaviſchem Idiom geſungenen Liedern von
Södermann, Sjögren und Grieg ſtarken Beifall fand.
Auch für die kommenden Monate iſt das Programm
der Kurverwaltung beſonders reich ausgefallen.
Internationale Konzerte, Vorträge berühmter
For=
ſcher und unſerer erſten Dichter, Bälle werden zu
dem Karneval hinüberleiten, der echt rheiniſche
Fröh=
lichkeit ins Kurhaus bringen ſoll. Als eine
Neuer=
ung ſind auch Schlittenfahrten ins Programm
auf=
genommen worden, die bei gutem Winterwetter in
die Taunuswaldungen führen ſollen, in die
wunder=
volle Umgebung der Stadt, die doch immer ihr
größ=
ter Reiz bleibt und auch die ſtärkſte Anziehungskraft
beſitzt.
Eine neue Sorge iſt der Stadt erwachſen, ihr
zweiter Bürgermeiſter, Geheimer Finanzrat
Gläſ=
ſing, der aus Darmſtadt zu uns kam, will
Wies=
baden nach einjähriger Tätigkeit wieder verlaſſen.
Die Nachricht hat in allen Kreiſen unendliches
Be=
dauern hervorgerufen. Man hat die großen
Fähig=
keiten dieſes hervorragenden Finanzmannes ſchon
beſonders ſchätzen gelernt, hat er doch vor allem
ver=
hütet, daß die Stadt mit der neuen Rennſache ein=
Fiasko gemacht hat. Auch war man ihm dankbar
da=
für, daß er hier den modernen Geiſt in die
Verwalt=
ung zu bringen wußte, der den allzu bureaukratiſchen
Sinn im Rathaus ablöſen ſollte, um die Stadt
end=
lich in der nötigen großzügigen Weiſe von praktiſchen
Geſichtspunkten zu leiten, nicht nur vom grünen Tiſch
aus, wie es bisher geſchehen war. Man hat es
lei=
der nicht verſtanden, dem neuen Manne das
Betätig=
ungsrecht einzuräumen, das ſeine Energie notwendig
braucht, und man wird ihn nun wohl ſcheiden ſehen
und wiſſen, daß die Stadt hier einen Mann verliert,
der, wie wenige nur, berufen geweſen wäre, die Zeit
eines neuen Aufſchwunges und einer abſolut
geſun=
den Fortentwickelung heraufzuführen. Zu ihm
gin=
gen die Hoffnungen der Wiesbabener, daß er die
Sünden hier wieder gut machen würde, die in
vie=
len Jahren zum Schaden der Stadt und ihrer Zu=
W. M.=W.
kunft verübt wurden.
Seite 3.
Ausrede und berief ſich zuletzt auf
Not=
lage, obwohl er auf ſolche der Geſchädigten keine
Rück=
ſicht zu nehmen pflegte. Unter Freiſprechung zweier
anderer Anklagepunkte wurde er der Untreue und
Unterſchlagung ſchuldig befunden und in eine
Geſamt=
ſtrafe von 1 Jahr Gefängnis verurteilt, auch
wurde er wegen Fluchtverdachts ſofort verhaftet. Sch.
erhielt 1 Monat Gefängnis. — Ein jugendlicher
Fahrraddieb, der 17 Jahre alte, aber ſchon rückfällige
Friſeur Ludwig Bleich von hier, hatte am hellen
Tage ein Rad von der Straße entwendet, doch
er=
wiſchte man ihn beim Veräußerungsverſuch in
Eber=
ſtadt. Nebſt einer 14tägigen Haftſtrafe für Gebrauch
falſcher Legitimationspapiere erhielt er für jenen
Diebſtahl, mit mildernden Umſtänden, 8 Monate
Gefängnis.
*X* Das Kriegsgericht der 25. Diviſion erledigte
geſtern mehrere kleine Fälle und verurteilte zuerſt
den Musketier Georg Hausmann von der zweiten
Kompagnie des Infanterie=Regiments Nr. 117 in
Mainz, wegen Unterſchlagung und Verleitung zum
Ungehorſam zu. 4 Wochen Mittelarreſt, ab
eine Woche Unterſuchungshaft. Er hatte von einem
Kameraden 20 Mark in Verwahrung genommen, und
als dieſer der Inſtruktion gemäß das Geld dem
Feld=
webel anvertrauen wollte, ihn veranlaßt, davon
ab=
zuſehen. 10 Mark veruntreute er, hat ſie aber
inzwi=
ſchen wieder erſetzt. — Der Musketier K. Schmidt
von der neunten Kompagnie des Infanterie=Regiments
Nr. 117 war im Herbſt bei einem lothringiſchen
Regi=
ment angenommen und vorläufig beurlaubt worden.
Er trat am Termin nicht ein, ſondern hielt ſich in
Frankfurt auf; ſpäter kehrte er freiwillig zurück. Das
Gericht nahm deshalb nicht Fahnenflucht, ſondern
un=
erlaubte Entfernung an und ſprach 2 Monate
Ge=
fängnis aus. — Den Gardiſten Schimpf vom
Leibgarde=Inf.=Regt. Nr. 115 hatten an Großherzogs
Geburtstag einige Kameraden damit gefoppt, daß ſie
ihm ſeine Beförderung zum Gefreiten vorſpiegelten.
Später mußte er den angelegten Gefreitenknopf
wie=
der ablegen. Als er von zwei Kameraden beim
Tan=
zen angeſtoßen wurde, ſteigerte ſich ſein Aerger
der=
art, daß er einen Krug ergriff und damit auf einen
Kameraden einhieb, dem er eine leichte Kopfwunde
verurſachte. Es wurden ihm mildernde Umſtände zu
teil und das Urteil lautet auf 3 Tage Gefängnis.
— Der Kanonier Friedrich Wilhelm Wurgt vom
Artillerie=Regiment Nr. 61 hier, ſtahl aus dem Spind
eines Kameraden 5 Mark. Er will aus Not gehandelt
haben, beſaß aber noch Brotgeld und hat auch die
Beute mit anderen teilweiſe vertrunken. Er wurde
zu 3 Wochen ſtrengem Arreſt und Verſetzung
in die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes verurteilt.
Zioniſtiſcher Gruppenverband. Der
geſchäfts=
führende Ausſchuß ſchreibt uns: Die unter dieſer
Spitz=
marke am 20. d. Mts. veröffentlichte Zuſchrift des Herrn
Ludwig Trier gibt zu folgenden Bemerkungen
An=
laß: Die Angaben Herrn Triers über ſeine eigenen
Aeußerungen auf der Verſammlung des
Gruppenver=
bandes ſind vollſtändig richtig. Dieſe Angaben decken
ſich mit dem in Nr. 295 d. Bl. veröffentlichten Referat,
in dem wörtlich zu leſen war, daß „Herr Ludwig Trier . . . .
einen Gegenſatz zwiſchen deutſchem Staatsbürgertum
und Nationaljudentum zu konſtruieren verſuchte, deſſen
Nichtberechtigung der Redner — unter Hinweis auf
die freundliche Haltung des deutſchen Kaiſers ....
nach=
zuweiſen ſuchte.‟ Daß in dieſem Satz mit „der Redner”
nicht Herr Trier, ſondern nur der Referent des Abends
gemeint ſein konnte, verſteht ſich aus ſprachlichen und
logiſchen Gründen von ſelbſt, da niemand die
Nicht=
berechtigung ſeiner eigenen Behauptungen und
Kon=
ſtruktionen nachzuweiſen pflegt.
— Martinskirche. Am 1. Weihnachtsfeiertag,
abends ½ 6 Uhr, findet wie alljährlich, ein liturgiſcher
Gottesdienſt ſtatt, bei welchem von dem
Martins=
kirchenchor Weihnachtslieder von F. Mendelsſohn=
Bartholdy, Max Reger, C. G. Herzog, Joh. Eccard
und Albert Becker zum Vortrag gelangen. Für die
in=
aktiven Mitglieder des Chores ſind die beiden Emporen
reſerviert.
— Schauturnen. Das am Mittwoch von der
Turn=
gemeinde Darmſtadt veranſtaltete
Weihnachts=
turnen der Jugendabteilung war gut beſucht
und verlief auf das ſchönſte. 50 Mädchen und Knaben
marſchierten um 6½ Uhr unter der Führung ihrer Leiter
der Vorturner Hofferberth und Joſt in den großen Saal,
in welchem ein Rieſenweihnachtsbaum ſeine Lichter
er=
ſtrahlen ließ. Mit dem Weihnachtslied „O du fröhliche‟
innig vorgetragen begann die Feier, worauf ein
Prolog von der Schülerin Anna Münch ausdrucksvoll
geſprochen wurde. Es folgten nun in großer
Abwechs=
lung turneriſche Vorführungen, die durch ihre vorzügliche
Ausführung der Jugendabteilung und ihren Leitern
einen vollen Erfolg brachten. Um 8 Uhr war das
Turnen beendet.
— Geſangverein Liederzweig. Seine diesjährige
Weihnachtsfeier veranſtaltet der „Liederzweig” am
erſten Feiertag, abends 8 Uhr, im Feſtſaale der
Turn=
gemeinde (Woogsplatz). Für dieſe Feier iſt ein
be=
ſonders reichhaltiges Programm aufgeſtellt, das ſicher
jedem Beſucher einige ſchöne Stunden bereiten wird.
(Näheres Programm und Anzeige.)
— Der Geſangverein „Männer=Quartett Beſſungen”
feiert, wie in den früheren Jahren, auch dieſes Jahr am
zweiten Feiertage im Saale der Turngemeinde Beſſungen,
Heidelbergerſtraße 131, ſeine diesjährige Weihnachtsfeier.
(Siehe Anzeige.)
— Unfall. Am Mittwoch nachmittag um 2½ Uhr
fiel einem am Karlshof beſchäftigten Maurer ein Stein
auf den Kopf, ſodaß eine klaffende Wunde entſtand. Er
wurde durch die Rettungswache mittels
Kranken=
automoblls nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus gebracht.
Offenbach 22. Dez. Die Sektion der Leiche der
Anna Göbig ergab keine Anhaltspunkte dafür, ob
Selbſtmord oder ein Verbrechen vorliegt. Wie
ſeiner=
zeit gemeldet, war die Verſtorbene am Abend des 11.
November, kurz vor 8 Uhr, von Hauſe weggegangen
unter dem Vorwand, den Stenographieunterricht
be=
ſuchen zu wollen. Gegen 10 Uhr abends war ſie noch
in der Frankfurterſtraße geſehen worden. Sie iſt
zweifellos noch an demſelben Abend in den Main
gegangen.
Mainz, 22. Dez. Heute vormittag wurden die
Ein=
zelziffern des Ergebniſſes der
Volkszähl=
ung in der Stadt Mainz bekannt. Danach haben der
Stadtteil Mombach rund 8000, der Stadtteil Kaſtel rund
9700 Einwohner. Die Garniſon zählt rund 7500
An=
gehörige, die Stadt Mainz hat rund 110300 Einwohner.
In Mombach iſt im Gegenſatz zu den übrigen
Stadt=
teilen ein Ueberſchuß von Männern vorhanden.
Friedberg, 21. Dez. Hier wurde im Burghotel durch
Gendarmerie=Wachtmeiſter Dietz ein langgeſuchter
Hochſtapler, Dieb und Betrüger in der Perſon des
Hubert Klafke aus Düſſeldorf feſtgenommen.
Klafke hat durch die Ausführung ſeiner Diebſtähle und
ſein ſicheres Auftreten bei feinen Schwindeleien es zu
einer gewiſſen Berühmtheit gebracht. Für ſeine Perſon
intereſſieren ſich beſonders die Staatsanwaltſchaften
Koblenz, Bingen Mainz, Frankfurt, Wiesbaden,
Hom=
burg, Gießen uſw. In Ober=Rosbach, wo er bei dem
dortigen Poſthalter einen Diebſtahl amtlicher Gelder
beging, ſowie auf dem nahen Waldſchlößchen, auf dem
er mehrere betrügeriſche Handlungen ausführte,
er=
reichte ihn ſein Schickſal. Wachtmeiſter Dietz, dem
Anzeige erſtattet wurde, nahm mit Erfolg die Fährte
auf, die ſchließlich zur Verhaftung führte. Klafke hatte
ſich im Burghotel auf 14 Tage eingemietet.
(*) Schotten, 21. Dez. Ein zweites Klubhaus
wird nun auf dem Hoherodskopf erbaut. Die Arbeiten
ſollen jetzt einem Unternehmer übertragen werden. Die
Arbeiten ſollen Ende Winter ſofort beginnen und am
1. September 1911 ſoll der Neubau zur Abnahme
fertig=
geſtellt ſein. Die Pläne hat Kreisbauinſpektor Witzler=
Schotten entworfen. Der Neubau iſt infolge des
außer=
ordentlich ſteigenden Fremdenverkehrs notwendig
ge=
worden, das alte Klubhaus genügt räumlich nicht mehr.
Das neue Haus ſoll vor allem im Erdgeſchoß einen
größeren Saal erhalten; die oberen Räume werden zu
Logierzwecken hergerichtet. Für den Schneeſchuhſport
wird eine Halle eingerichtet.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Dez. Der Thorner
Pfefferkuchen für das Kaiſerpaar iſt jetzt,
wie in jedem Jahre, wieder im Neuen Palais bei
Pots=
dam eingetroffen. Dieſe hergebrachte Weihnachtsſpende
beſteht aus einem großen Thorner Honigkuchen, mit
Zitronat und Mandeln reich belegt, und aus 300 Stück
großer Thorner Lebkuchen und ebenſoviel Thorner
Katharinchen. Die großen Honigkuchen, die einen
Wert von je 24 Mark haben, ſind mit Schleifen in den
deutſchen Farben geſchmückt, ebenſo die Päckchen
Leb=
kuchen und Katharinchen. Dem Kronprinzen wird, trotz
ſeiner Oſtaſienreiſe, die ſüße Spende ebenfalls zuteil
werden. Der Kreuzer „Gneiſenau” hat Pfefferkuchen
mitgenommen, wovon auch jeder Mann der Beſatzung
mehrere Pakete erhalten wird. — In der heutigen
Gläubigerverſammlung im Konkurſe Walter John=
Marlitt erklärte der Konkursverwalter Dr. Naarath,
daß er die Einſtellung des Verfahrens
bean=
tragen müſſe, da gar keine Aktiva vorhanden ſeien und
aus den bisher eingegangenen geringen Beträgen nicht
einmal die bisherigen Koſten des Verfahrens gedeckt
werden könnten. Daß aus den früher beabſichtigten
Prozeſſen etwas herauskommen könne, bezweifle er
vollkommen, da ſich alle bisherigen Angaben Marlitts
als unwahr herausgeſtellt hätten. Vom Gericht wurde
darauf die gänzliche Einſtellung des Verfahrens
be=
ſchloſſen. — Der Ortstermin wegen des
Lich=
tenrader Bombenanſchlags hat in dem
Vor=
orte begreifliche Aufregung hervorgerufen. Schon in
den letzten Tagen vernahm das Kriegsgericht mehrere
Einwohner Lichtenrades, u. a. auch den Albert
Rade=
meyer, der früher längere Zeit unter dem Verdachte
ſtand, die Erpreſſungen uſw. verübt zu haben. In dem
„Waldreſtaurant” war das Billardzimmer zu einem
Gerichtsſaal hergerichtet worden. Der die
Unter=
ſuchung führende Kriegsgerichtsrat kam heute bereits
mit dem Zuge 10 Uhr 38 Min. an, um die beiden
be=
ſchuldigten Beamten eingehend zu vernehmen. Um
12¼ Uhr begann die Vernehmung des
Kriminalkom=
miſſars Vonberg durch den Kriegsgerichtsrat Scheffler,
die ſtundenlang dauerte. Die Vernehmung der
beſchul=
digten Gendarmeriewachtmeiſter Schacht und Struck
aus Buckow und Glaſow wurde ſolange unterbrochen.
Zur Erläuterung der Vorgänge und Behauptungen
wurden auch die Trümmer der „Bombenkiſte”
heran=
geſchafft. Morgen werden 18 Zivilzeugen vernommen.
Im Zuſammenhange mit der Mordaffäre wurde
ein Mann feſtgenommen, der über die
Lebensverhält=
niſſe der ermordeten Frau Hoffmann genau
Be=
ſcheid wußte und ſtets Zutritt zu ihrer Wohnung hatte.
Er wurde geſtern bis in die ſpäten Nachtſtunden hinein
in den Räumen der Frau Hoffmann einem eingehenden
Verhör unterzogen und in Polizeigewahrſam
ge=
nommen.
Frankfurt, 22. Dez. Eine hieſige Frau, die
für ein Weißwaren= und Trikotagengeſchäft ſeit vielen
Jahren Heimarbeit lieferte, hatte in dem
Abrechnungs=
buch falſche Aufſtellungen gemacht und höhere
Abliefe=
rungen angegeben, als es tatſächlich der Fall war. Der
Geſchäftsinhaber, der die Ware in Empfang nahm
merkte monatelang nicht, daß die Ablieferungen mit
den Eintragungen nicht übereinſtimmten. Kürzlich
ſtellte ſich nun heraus, daß die Frau durch ihre
Mani=
pulationen einen großen Vorteil hatte und das Geſchäft
nach und nach um etwa 36000 Mark prellte.
Nach der Entdeckung der Tat ließ die Frau ſofort durch
einen hieſigen Anwalt 11000 Mark dem Prinzipal
aus=
zahlen. Es war aber ſchon Anzeige bei der
Kriminal=
polizei erſtattet.
Frankfurt, 22. Dez. Wie der Polizeibericht
mit=
teilt, ſtürzte geſtern abend beim Aufhängen der Wäſche
eine Ehefrau aus der zweiten Etage eines Hauſes der
Goldſteinſtraße und war infolge erlittener
Schädelverletz=
ungen ſofort tot. Die Leiche wurde nach dem
Nieder=
rader Friedhof verbracht.
München, 21. Dez. Das Schöffengericht hat
den zweiten Baſſiſten der Münchener Hofoper, Herrn
Gillmann reete Scheidweiller aus Stralſund, der den
Opernkritiker der Münchener Neueſten Nachrichten, Dr.
Alexander Dillmann, auf offener Straße bedroht und
beleidigt hatte, zu 120 Mark Geldſtrafe und
Tragung der Koſten verurteilt.
München, 21. Dez. Die vier größten
Bier=
ſtädte Bayerns ſind, nach Erhebungen des
ſtatiſti=
ſchen Landesamts: München mit 26 v. H., Nürnberg mit
8 v. H., Augsburg mit 7 v. H. und Landshut mit 5,9
v. H. der Geſamterzeugung an Bier. Auffallend iſt der
Sprung von Augsburg mit 102000 Einwohnern auf
Landshut mit nur 24000 Einwohnern. Die
Bier=
erzeugung und der Konſum nehmen in Bayern ſtändie
ab. Von 1907 auf 1909 iſt der Bierverbrauch von 240
Liter auf 216 Liter pro Kopf der Bevölkerung abermals
zurückgegangen infolge der allgemeinen Teuerung und
der Antialkoholbewegung, die auch in Arbeiterkreiſen
feſten Fuß gefaßt hat.
Köln, 22. Dez. Heute nacht gegen 1 Uhr entſtand vor
einem Café in der Hoheſtraße aus noch unbekannter
Ur=
ſache zwiſchen zwei Herren ein Streit. Der eine von
beiden zog plötzlich einen Revolver und feuerte einen
Schuß auf ſeinen Gegner ab, der lautlos zuſammenbrach
und bereits nach einer Viertelſtunde ſtarb. Der Mörder
wurde verhaftet.
Düſſeldorf, 22. Dez. Die Strafkammer
ver=
urteilte unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit einen
Kellner und eine Witwe zu 3 und 2 Jahren
Gefäng=
nis, weil ſie an einem dem Ulanen=Regiment
zuge=
teilten türkiſchen Offizier ſchwere Erpreſſungen
began=
gen hatten.
Dresden, 22. Dez. König Friedrich Auguſt
von Sachſen wird die von ihm geplante
Sudan=
reiſe im Februar kommenden Jahres antreten. Das
Gefolge wird nur aus wenigen Perſonen — dem
ſäch=
ſiſchen Geſandten in Wien Graf Rex, zwei Adjutanten,
einem Arzt und einem Geiſtlichen beſtehen. Die
königliche Jagdexpedition wird je nach den
Witterungs=
verhältniſſen vier bis ſechs Wochen im Sudan
ver=
weilen.
Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, 21. Dezember.
„Hänſel und Gretel”.
W-l. Die heutige Aufführung von Humperdincks
Märchenſpsel „Hänſel und Gretel” fand in dem
Rahmen einer Kindervorſtellung und ebenfalls vor
ausverkauftem Hauſe ſtatt. Ueber die Verwendung
der Oper für eine Kindervorſtellung haben wir uns
früher wiederholt geäußert. Die heutige Vorſtellung
ſtand unter dem Einfluß einer ziemlich allgemeinen
ſtimmlichen Depreſſion, andererſeits kam es erneut
zum Bewußtſein, wie ſchwer die Partien im Grunde
zu ſingen ſind und wie viel ſtimmlichen Fonds ſie
er=
fordern. Die Partie der Gertrud z. B. müßte von
einer erſten Kraft geſungen werden, wie es auch früher
ſchon geſchehen iſt. Das durch Frl. Zeiller drollig
verkörperte und geſpielte und mit einzelnen
Aus=
nahmen hübſch geſungene Gretel hatte in Frl.
Geyersbach ein neues Brüderchen erhalten, die
ihre Vorgängerin darſtelleriſch und geſanglich
über=
traf und ſich als eine bevorzugte Repräſentantin
die=
ſer hübſchen Bubenrolle bewährte. Hr. Semper, der die
Partie des Peter ſang, war heute nicht ſo gut
dispo=
niert wie ſonſt, auch Frl. Howard hatte ſich von
ihrer Indispoſition noch nicht völlig wieder erholt.
Ihre Darſtellung der Hexe geht bis an die äußerſte
Grenze des Grotesken. Hübſche Geſangsleiſtungen
boten Frl. Kaiſer als Sandmännchen und Frau
Speiſer=Suchanek als Taumännchen.
Die Inſzenierung war die bekannte. Den
Takt=
ſtock führte, wie der Theaterzettel verriet, heute zum
erſten Male Herr A. Weißgerber, der ſich ſeiner
Aufgabe mit beſtem Erfolg unterzog. Sie war heute
allerdings recht undankbar, da bei der großen
Un=
ruhe des Hauſes die herrliche Humperdinckſche Muſik
zum größten Teile unterging.
Kleines Feuilleton.
** Die Glöckchen der Modedame. Trotz
all der Herrlichkeiten, die die Modegöttin in dieſer
Saiſon ihren gehorſamen Verehrerinnen geboten hat,
trotz Humpelrocks und Turbanfriſur, herrſcht unter
den ſchönen Frauen in letzter Zeit eine Mißſtimmung
und Unzufriedenheit: ſie haben nämlich an der Mode
einen ſchweren Fehler entdeckt — ihre Roben machen
kein Geräuſch mehr. Man verſuche, ſich dieſe
Revo=
lution vorzuſtellen, bittet Henry Bidou in einer
amü=
ſanten Plauderei im Journal des Debats. Seit nicht
weniger als vier Jahrhunderten wandeln die Frauen
daher unter der unaufhörlichen Begleitung von
kra=
chender Seide, kniſterndem Taft, unter dem pompöſen
Rauſchen des ſchweren Samts, dem lockenden,
kichern=
den Froufron der Volants und Spitzen. Und nun
plötzlich iſt dieſe pikante Muſik verſtummt; lautlos
und ſchweigend ſchließt die Robe die Glieder, ohne
ihre Melodie durch einen zarten Unterton zu
ver=
ſtärken. Kann man es ertragen, daß eine Toilette,
die man mit ſo viel Mühe ausgewählt, anprobiert
und vielleicht ſogar bezahlt hat, in ewigem Schweigen
verharre und ihr kokettes Geflüſter einſtelle? Doch die
Mode iſt die Mode, und die Dame iſt ihre Dienerin.
Das neue Koſtüm zeigt zwar die Füße, aber es redet
nicht. Die Schönen von New=York haben Abhilfe für
dieſen Fehler gefunden. Da die Sprache der Stoffe
verſagt, ſo befeſtigen ſie an ihren Strumpfhaltern,
ihren Schuhen, am Saum der Unterröcke kleine
Glöck=
chen. Aber man mache ſich keine falſche Vorſtellung:
die Damen ſchreiten nun nicht etwa daher,
umklun=
gen von jenem idylliſchen, heiter=klaren Geläut, wie
es aus den weidenden Herden aus den Wieſen
emporklingt. Es handelt ſich vielmehr um ganz
kleine goldene Schellen, deren kaum wahrnehmbarer;
leiſe zirpender Ton ſich vermiſcht mit dem Geräuſch
der Schritte, als feirer Nachhall die Bewegungen
umſpielt und der Gebärdenſprache leiſe antwortet.
Nur heftige, plötzliche Geſten entlocken dem
unſicht=
baren Glockenſpiel ein zorniges oder erregtes
ſchar=
fes Klingeln. Auch dieſe Mode hat ſchon ihre
Vor=
bilder, die freilich von den heutigen unendlich
ver=
ſchieden waren.
Im Mittelalter trugen ſolche Glöckchen die
Aus=
ſätzigen, um durch den warnenden Klang ihr
Er=
ſcheinen zu verkünden und ihren glücklicheren
Men=
ſchenbrüdern die Gelegenheit zur Flucht zu bieten.
Auch die Schellen der Amerikanerin klingen ihr leiſe
vorauf und zeigen ihr Nahen an. Aber ſie ſollen
nicht zur Flucht einladen, ſondern zum Bleiben. Sie
ſollen nicht erſchreckend und warnend wirken,
ſon=
dern verführeriſch und anlockend. Vielleicht jedoch
läßt ſich aus ihnen eine fein abgeſtimmte
Zeichen=
ſprache entwickeln. Vielleicht könnten die Glöckchen
nach ihrer Individualität und dem Alter ihrer
Trä=
gerin in verſchiedenen Tonarten läuten, ſodaß die
Männer wenigſtens ungefähr ahnen können, wer da
in Dur oder in Moll heranſpaziert. Aber auch eine
Gefahr eröffnet ſich durch dieſe Mode: wie werden
die Frauen, die ſonſt ſo gern auf leiſen Sohlen
ſchwe=
ben und ſo gern unbemerkt erſcheinen, ihre
Gegen=
wart verbergen können?
— Ein Tenor geſucht! Die
temperament=
vollen Bewohner von Marſeille ſind von mühſam
ver=
haltener Aufregung beherrſcht; aus einem beſcheidenen
Wunſche iſt eine drohende Forderung geworden, eine
Forderung des ganzen Volkes von Marſeille, die
ſchleunigſt erfüllt werden muß, wenn man nicht eine
Revolution erleben will. Marſeille will einen Tenor
haben, will ſofort ſeinen Tenor haben. Freilich keinen
gewöhnlichen Helden des hohen C, wie er vielleicht
den Pariſern oder den New=Yorkern genügt.
geſtellt, umſonſt; einer nach dem anderen wurden ſie
[ ← ][ ][ → ]Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Nummer 301
Zweite Kammer der Stände.
8 1. Sitzung.
Zittau, 21. Dez. Heute nachmittag ſtärb die
älteſte Frau Sachſens, Eleonore Geier geb.
Becker, kurz vor der Vollendung ihres 105.
Lebens=
jahres. Sie war bis kurz vor dem Tode geiſtig und
körperlich äußerſt rüſtig.
Weimar, 21. Dez. Der Oberbürgermeiſter von
Weimar, Geh. Regierungsrat Karl Pabſt, iſt an einem
Schlaganfall geſtorben. (Oberbürgermeiſter Pabſt
war der Schwager des früheren Direktors des
Darm=
ſtädter Hoftheaters, Geh. Hofats Wünzer.)
Oldenburg, 22. Dez. Das Schöffengericht
verurteilte einen Zahnarzt, der einer Verkäuferin,
anſtatt, wie ſie wünſchte, einen Zahn zu plombieren,
Zähne ausgezogen hat, wegen Körperverletzung zu
zwei Monaten Gefängnis. In einem anderen
Falle wurde er zu 50 Mark Geldſtrafe verurteilt, weil
er eine Patientin gegen ihren Willen narkotiſierte und
ihr mehr Wurzeln entfernt hatte, als ſie wünſchte. Das
Gericht nahm an, daß der Zahnarzt aus Gewinnſucht
gehandelt habe und hielt deshalb mildernde Umſtände
nicht für gerechtfertigt.
Bremen, 22. Dez. Der deutſche Dampfer „
Köni=
gin Luiſe” iſt geſtern morgen in New=York eingetroffen
und geriet, nachdem er die Quarantäneſtation verlaſſen
hatte, beim Drehen mit dem franzöſiſchen Dampfer
„Floride” in Berührung. Letzterer wurde an der
Seite oberhalb der Waſſerlinie beſchädigt, an der „Königin
Luiſe” wurde eine Platte verbogen.
Myslowitz, 21. Dez. Ein Raubmord wurde im
Laufe des heutigen Nachmittags im Gebäude der
hie=
ſigen Polniſchen Bank verübt. Gegen 5 Uhr
hörte der Inhaber eines neben der Bank gelegenen
Ge=
ſchäftes, daß in der Bank mehrere Schüſſe fielen. Er
eilte ſofort an die Tatſtelle und ſand den Buchhalter
Müller hinter dem Kontortiſche liegen. Auf dem Tiſche
ſelbſt lag Papiergeld und andere Geldſtücke in großer
Unordnung umher und es ſcheint, daß die Räuber eine
große Summe entwendet haben. Der Buchhalter
Müller hat einen Schuß in den Unterleib erhalten und
er war anſcheinend ſofort tot. Ein Mann ſah, wie einer
der Täter ſofort, nachdem die Schüſſe gefallen waren,
aus dem Bankgebäude ſtürzte und davoneilte. Die
Polizei hat drei Perſonen im Verdachte, von denen ſie
eine genaue Perſonenbeſchreibung beſitzt, ſo daß ihre
Feſtnahme nur noch eine Frage kurzer Zeit iſt.
Wien, 21. Dez. Bekanntlich hieß es in den letzten
Tagen, Hofrichter wäre gerade rechtzeitig an der
Begehung eines Selbſtmordes gehindert worden, und
dann wurde auch erzählt, er ſei lebensgefährlich
er=
krankt. Beides iſt, wie der Kommandant der
Militär=
ſtrafanſtalt von Möllersdorf mitteilt, vollſtändig
falſch. Es handelt ſich da um aus der Luft gegriffene
Nachrichten. Allerdings zeigte Hofrichter in den erſten
Wochen ſeines Strafantrittes eine ſchier grenzenloſe
Verzweiflung, die dadurch hervorgerufen wurde, daß
ihm ſeine Frau hatte mitteilen laſſen, er ſei für ſie
nicht mehr auf der Welt. Da lag er oft halbe Tage auf
ſeinem Bette und weinte. Dann aber faßte er ſich und
trägt nun ſein Schickſal mit einer Ruhe und
Ergeben=
heit, die den Kommandeur in Erſtaunen verſetzt, denn
dieſer hat, wie er erklärt, eine ſolche Seelenruhe
nie=
mals bei einem Gefangenen der Strafanſtalt erlebt.
Hofrichter beteuert noch immer, daß er vollkommen
un=
ſchuldig ſei, und unterläßt auch nicht, immer wieder von
neuem zu verſuchen, eine unerlaubte Verbindung mit
der Außenwelt herzuſtellen, weshalb er auch in
Einzel=
haft bleibt. Ebenſo trägt er große Frömmigkeit zur
Schau, genau ſo, wie zurzeit der Unterſuchungshaft.
Wien, 21. Dez. Der Zugführer der Kaiſerjäger,
Lanthaler, der wegen Ermordung eines ruſſiſchen
Advokaten zum Tode verurteilt und vom Kaiſer
be=
gnadigt wurde, wurde vom Kriegsgericht zu 15
Jahren Kerker verurteilt.
London, 21. Dez. Zwei Frauen, Sarah
Traß=
gowsky und Laura Milſtein, wurden vor dem
Polizei=
gericht in der Guildhall angeklagt, Mitſchuldige an
der Ermordung der Polizeibeamten in Houndsditch
zu ſein, indem ſie den Verbrechern zur Flucht verhalfen.
Ferner werden ſie beſchuldigt, mit den Verbrechern den
Einbruch in den Juwelierladen verabredet zu haben.
Der Fall wurde auf den 29. Dezember vertagt.
Odeſſa, 21. Dez. An der heutigen
Studenten=
verſammlung in der Univerſität nahmen etwa 270
Studenten teil, darunter ſogenannte Akademiſten, die
Gegner jeder Einmiſchung Studierender in die Politik
ſind. Dieſe letzteren wurden mit Lärm empfangen,
wobei ein Schuß in die Luft abgefeuert wurde. Da die
von dem Prorektor an die Verſammlung gerichtete
Auf=
forderung, auseinanderzugehen, nicht befolgt wurde,
wurde der Polizeichef herbeigerufen, der, von einem
Hagel von Schüſſen empfangen, der Polizei den
Be=
ehl zum Feuern gab. Die Studenten ſtellten hierauf
das Schießen ein. Ein Student iſt tödlich
verwun=
det, zwei andere ſind leicht verletzt. Ferner ſind
ver=
wundet ein Univerſitätsdiener und ſieben Poliziſten.
235 Studenten wurden verhaftet.
St. Darmſtadt, 22. Dezember.
Am Regierungstiſche: Miniſter des Innern von
Hombergk zu Vach Exz., Geheimeräte W. Beſt
und Dr. Beſt.
Die geſtern auf 9 Uhr anberaumte Sitzung wird
um 10.20 Uhr durch Vizepräſident Dr. Schmitt
er=
öffnet. Die Preſſe war von der Aenderung nicht
unter=
richtet worden. Das Haus fährt in der Beratung der
Landgemeindeordnung
fort. Artikel 160 bis 225 werden in der Faſſung des
Ausſchußantrages angenommen. Die Beratung und
Abſtimmung über dieſe 65 Artikel dauerte genau 13
Minuten. Zum letzten Antrag des Ausſchuſſes wünſcht
Abg. Schönberger möglichſte Verdeutſchung aller
Fremdwörter, ein Wunſch, der ſich mit dem
Ausſchuß=
antrag deckt.
Es folgt die Beratung der zurückgeſtellten, bezw.
dem Ausſchuß überwieſenen Artikel 60, 69a und 84.
Artikel 69a wird unter Ablehnung des dazu geſtellten
Antrags Winkler in der Ausſchußfaſſung angenommen.
Artikel 84 wird ebenfalls in der Ausſchußfaſſung
an=
genommen und die Anträge Leun und Hauck abgelehnr.
Der Ausſchuß beantragt anſtelle des Antrages Leun
eine Reſolution, in der die Regierung erſucht wird,
in der Wahlanleitung Vorſorge zu treffen, daß die
engere Wahl ſo bald als möglich ſtattfindet. Abg.
Leun bittet dabei die Regierung, die Amtsblätter in
Zukunft auch der Kanzlei der Zweiten Kammer zu
überweiſen. — Abg. Hauck äußert in längeren
Aus=
führungen Wünſche zur Aenderung der
Geſchäftsord=
nung. — Der Antrag des Ausſchuſſes und
die Reſolution werden angenommen.
Artikel 60 wird in der Ausſchußfaſſung
angenom=
men. Damit iſt die Landgemeindeordnuns
erledigt.
Es folgt Beratung der Regierungsvorlage, den
Ge=
ſetzentwurf,
die Verwaltungsrechtspflege
betreffend. Miniſter des Innern von Hombergk
zu Vach Exz. verlieſt hierzu eine längere Begründung.
Der vorliegende Geſetzentwurf will eine genauere
Ab=
grentzung des Gebiets der Verwaltungsrechtspflege von
demjenigen der eigentlichen Verwaltung herbeiführen.
Die Verwaltungsrechtspflege umſaßt im Gegenſatz zu
den in der Kreis= und Provinzialordnung zu
behan=
delnden Ve=waltungsbeſchlußſachen alle
Verwaltungs=
ſtreitſachen, d. h. alle im Verwaltungsſtreitverfahren
zu erledigenden Streitigkeiten. Im
Verwaltungsſtreit=
verfahren ſind alle zur Zuſtändigkeit der
Verwaltungs=
behörden gehörenden Rechtsſtreitigkeiten, ſowie die
üb=
rigen ihnen zugewieſenen Streitigkeiten zu erledigen,
bei denen mehrere Beteiligte ſich als Parteien
gegen=
überſtehen. Im Verwaltungsſtreitverfahren ſind
fer=
ner, ſoweit nicht ein anderes beſtimmt iſt, diejenigen
Angelegenheiten zu erledigen, in denen es ſtreitig iſt,
ob eine Verwaltungsbehörde oder ein Organ der
Selbſtverwaltung durch Nichtanwendung oder
un=
richtige Anwendung des Geſetzes die berechtigten
In=
tereſſen eines Dritten verletzt hat. Der Entwurf konnte
ſich nicht darauf beſchränken, nur die wichtigſten
Grund=
züge des Verfahrens zu regeln und im übrigen auf die
Beſtimmungen der Zivilprozeßordnung zu verweiſen.
Der Entwurf ordnet vielmehr, unter Aufrechterhaltung
der dermalen geltenden grundlegenden Beſtimmungen,
das Verfahren vor den Verwaltungsgerichten erſchöpfend
und nimmt die Vorſchriften der Zivilprozeßordnung,
ſoweit ſie anwendbar ſind, entweder mit auf, oder
be=
zeichnet doch ausdrücklich diejenigen Paragraphen,
welche auch für ſein Gebiet gelten ſollen, indem er
überall, wo ihre Anwendung nicht ohne weiteres
mög=
lich iſt, zugleich die erforderlichen Aenderungen trifft.
Den Mitgliedern des Sonderausſchuſſes ſpricht die
Re=
gierung für die Mitarbeit wärmſten Dank aus.
Abg. Wolf=Stadecken beanſtandet, daß im Art. 60.
die Beeidigung der Zeugen in das Ermeſſen des
Vor=
ſitzenden geſtellt und nicht obligatoriſch iſt: Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach Exz. ſtellt hierzu
feſt, daß das analog den Beſtimmungen der Zivilpro=
zeßordnung gehandhabt wurde.
Abg. Dr. Gutfleiſch meint, der vorliegende
Ge=
ſetzentwurf habe alle Wünſche, die im Ausſchuß
ge=
äußert wurden, berückſichtigt. Das Geſetz atme
fort=
ſchrittlichen Geiſt und ſei in jeder Beziehung zu
be=
grüßen.
Abg. Dr. Zuckmayer ſpricht ſich gleichfalls lobend
und anerkennend über das Geſetz aus. Dem Abg. Wolf
müſſe er entſchieden entgegentreten. Es ſei durchaus
zu begrüßen, daß der Zeugeneid nicht obligatoriſch
vor=
geſchriebn iſt und es dem Ermeſſen des Richters zu
überlaſſen, die Ausſage als glaubwürdig oder
unglaub=
haft zu betrachten. Dadurch werden zweifellos zahl=
reiche Meineide vermieden, und das ſei die vornehmſte
Aufgabe des Gerichts. Es ſei überhaupt nur noch eine
Frage der Zeit, bis man dazu komme, den Zeugen= und
Sachverſtändigeneid überhaupt abzuſchaffen. Die Praxis
habe dieſe Notwendigkeit erwieſen. Es iſt
unbeſtreit=
bar, daß Zeugen, die den Richter belügen, das auch
unter Eid tun.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach
Exz. beſtätigt das im allgemeinen. Die Praxis habe
ergeben, daß in den meiſten Fällen die Feſtſtellung der
Wahrheit auch ohne Eid möglich iſt, und das Beſtreben
gehe tatſächlich dahin, durch Abſchaffung des Eides in
nicht unbedingt dringenden Fällen die Zahl der
Mein=
eide zu vermindern.
Abg. Orb erkennt an, daß der Geſetzentwurf einen
Fortſchritt gegen früher bedeute, wenn er auch den
Grundſätzen ſeiner Partei nicht in allem entſprichr.
Jedenfalls wird ſeine Partei für den Geſetzentwurf
ſtimmen. — Abg. Dr. Gläſſing ſtellt feſt, daß im
Sonderausſchuß alle Einzelheiten ſehr eingehend
be=
raten und mit der Regierung durchgeſprochen wurden,
daß alle Wünſche, wo irgend es möglich war,
berückſich=
tigt wurden und daß das Geſetz durchaus liberalen Geiſt
atme. Redner bittet, den Geſetzentwurf en bloc
anzu=
nehmen und damit dem Berichterſtatter ein
Vertrauens=
votum auszuſprechen, das ſowohl ſeine langjährige
Tätigkeit in der Geſetzgebung überhaupt, als auch das
vorliegende Geſetz ſicher rechtfertigt und verdient.
Abg. Wolf beantragt jedoch Strich des Abſ. II des.
Art. 60: Die Zeugen und Sachverſtändigen ſind zu
be=
eidigen, ſoweit dies zur Herbeiführung einer
wahrheits=
gemäßen Ausſage erforderlich erſcheint. — Die
Gene=
raldebatte wird dann geſchloſſen.
Abg. Dr. Gutfleiſch als Berichterſtatter
be=
dauert, daß der Abg. Wolf gerade dieſen Punkt
be=
anſtandet, den der Ausſchuß und alle Juriſten gerade
als die beſte Errungenſchaft des Geſetzes bezeichnen.
Es wird ſodann das Geſetz en bloc
an=
genommen, mit Ausnahme des Art. 60. Zu
die=
ſem wird der Antrag Wolf abgelehnt und
die Ausſchußfaſſung angenommen.
Damit iſt das Geſetz erledigt.
Abg. Dr. Gläſſing ſpricht dem Hauſe für die
Erledigung des Geſetzentwurfs als Vorſitzender des
Sonderausſchuſſes herzlichen Dank aus.
Abg. Dr. Schmitt beantragt ſodann, die ganzen
zur vorläufigen Beratung ſtehenden 21 Poſitionen
en bloe den zuſtändigen Ausſchüſſen zu
überweiſen. Das Haus ſtimmt dem zu.
Damit iſt die Tagesordnung erledigt. Präſident
Haas wünſcht den Abgeordneten ein fröhliches
Weih=
nachtsfeſt und ein glückliches neues Jahr und vertagt
das Haus auf unbeſtimmte Zeit.
Schluß ¾12 Uhr.
Ueber die Dienſtverhältniſſe der Banaſpiranten
veröffentlicht die Darmſt. Ztg. in Berichtigung vielfacher
Erörterungen in der Preſſe einen längeren Artikel, in
dem es heißt: Der am längſten verwendete der im Dienſt
befindlichen Aſpiranten ſteht im 13. Verwendungsjahre,
fünf ſtehen im 12., neun im 11., ſieben im 10., acht im 9.,
zwei im 8., zwei im 7., vier im H. Verwendungsjahr.
Dem Lebensalter nach ſtehen die ſieben älteſten im 47., 45.,
40., 39., 38. und 37. Lebensjahre, wovon aber fünf die
Prüfung verſpätet (einer im 33., einer im 31. Lebensjahre)
abgelegt haben; alle anderen ſtehen im 36. bis 30.
Lebens=
jahre. Zu dem Inhalt des betr. Erlaſſes iſt folgendes zu
bemerken:
1. Dem Perſonal wird eine klare Ueberſicht der
Ver=
hältniſſe über einen Zeitraum von 2¼ Jahren von jetzt ab
gegeben.
2. Die im Tiefbau verwendeten Aſpiranten können
vor=
ausſichtlich bis zum 1. April 1913 weiter beſchäftigt werden.
3. Etwa 24 Aſpiranten der Hochbauverwaltung wären
— lediglich nach dem Stand der eigentlichen Bauarbeiten
bemeſſen — ſpäteſtens zum 1. Oktober 1911 entbehrlich;
ſie ſollen aber von da ab bis längſtens 1. April 1913, das
iſt noch anderthalb Jahre länger, mit zurückgeſtellten
Ver=
waltungsarbeiten weiter beſchäftigt werden. Nur für den
nach den Erfahrungen des Vorjahres unwahrſcheinlichen
Fall, daß das Perſonal ſich während dieſer Zeit nicht um
anderweite Stellungen erfolgreich bemühen würde, und
deshalb die Gefahr beſtünde, daß ſämtliche zirka 24
Aſpi=
ranten der Hochbauverwaltung zum gleichen Termin —
1. April 1913 — ausſcheiden müßten, behält ſich die
Ver=
waltung eine Kündigung zu einem etwa noch zu
beſtim=
menden früheren Terminsvor.
4. Nach Vorſtehendem iſt überhaupt keine Kündigung
zu einem beſtimmten vor dem 1. April 1913 liegenden
Ter=
min erfolgt und wird jedenfalls im Jahre 1911 auch nicht
erfolgen.
Die geſchilderten Maßnahmen, insbeſondere die
eventuelle Fortbeſchäftigung der Aſpiranten der
Hochbau=
verwaltung während noch anderthalb Jahre vom 1. Ok=
von den Marſeillern niedergeziſcht und flohen
ſchleu=
nigſt aus der kritiſchen Kunſtſtadt. Einer dieſer
Künſt=
ler, der das übliche Bombardement von Kundgebungen
des Mißfallens durchlebte — und dieſe Kundgebungen
ſind bei dem Temperament der Theaterenthuſſiaſten
von Marſeille bisweilen höchſt handgreiflicher Art —
fand unter den Gegenſtänden, die das Publikum nach
ihm ſchleuderte, auch ein Souſtück, und in einer
An=
wandlung von Beſcheidenheit erklärte er ſich an der
Rampe bereit, die fehlenden 99 Franks und 95
Cen=
times aus ſeiner Taſche zu ſtiften: als Buße für die
Verwegenheit, in Marſeille geſungen zu haben. Nach
dem Verlauf der bisherigen ſechs Gaſtſpiele vermag
nun der unglückliche Direktor keinen Tenor mehr
auf=
zutreiben, der für Geld und gute Worte bereit wäre,
ſein Glück in Marſeille zu erproben. Alle Empörung
richtet ſich nun gegen den Bühnenleiter. Marſeille
willl einen erſtklaſſigen Tenor haben; Caruſo würde
allenfalls genügen, aber das Pech will, daß er bereits
anderweitig gebunden iſt. Die Kunſtfreunde der
ſüd=
lichen Hafenſtadt wollen nicht etwa einen Künſtler,
der nur gut ſingen kann; ſie wollen einen kräftigen
Tenor, einen Mann mit geſunder, mächtiger Lunge,
der die hohen Töne mit der Gewalt einer Poſaune
herausſchmettern kann, die hohen C’s der Meyerbeer=
Opern, der einzigen Werke, die das Publikum von
Marſeille hören will. Und für die Gage von 1600 bis
1800 Mark die Woche (!) — das Maximum, was die
Stadt bieten kann —, findet man zwar trefflich
aus=
gebildete Tenöre mit ſchönen Stimmen, aber keinen
richtigen, echten Trompeter=Tenor. In ſeiner
Ver=
zweiflung hat ſich der Direktor nun an den Magiſtrat
gewandt; der veranſtaltete umfangreiche „
Erhebun=
gen”, aber das Ergebnis dieſer Enqnete gab dem
Theaterdirektor völlig Recht. In Frankreich werden
Meyerbeer=Opern faſt nur noch in Marſeille und Tou=
louſe gegeben. „In anderen Städten ſpielt man
moderne Werke, für die Lungen allein nicht genügen.
Und der moderne Tenor legt bei ſeiner Ausbildung
weniger Gewicht auf die hohen Töne, als auf Stil
und Geſchmack des Ganzen.” Aber die Marſeillaiſer
beharren auf ihrem Willen; ſie wollen einen Sänger,
„wie man ſie in der guten alten Zeit hörte‟. Und
all=
abendlich im Theater überſchütten ſie die Künſtler mit
lärmenden Kundgebungen der Erbitterung. Die
Lo=
gen werden demoliert, kurz, ein regelrechter Krieg iſt
angebrochen; und wenn nicht bald der rechte Tenor
nach Marſeille kommt, dann wird die Welt vielleicht
einen zweiten Zug der Marſeillaiſer nach Paris
er=
leben, nur daß es ſich diesmal nicht um die „
Menſchen=
rechte” handelt, ſondern um einen Tenor, der Stimme
und — Mut hat.
* Der Wolf im Zuſchauerraum. Bei
Aufführung eines Stückes, das den vielverſprechenden
Titel: „Die Königin der Räuber” hat, kam es, wie
ſchon mitgeteilt, in einem Brooklyner Theater zu
höchſt aufregenden Szenen, die nicht von der Regie
vorbereitet waren. Die Heldin wurde, in einen
Kä=
fig geworfen, in dem ſich zwei lebende Wölfe
befan=
den — allerdings durch ein kaum ſichtbares Drahtnetz
von ihr getrennt. So weit war alles programmäßig.
Einer der Wölfe aber, ſo wird aus New=York
tele=
graphiert, durchbrach plötzlich das Drahtnetz. Auf
die „Räuberkönigin” ſchien er jedoch keinen Appetit
zu haben. Er ſprang achtlos an ihr vorüber in den
Zuſchauerraum hinein und lief dann ſcheu von einer
Türe zur anderen, um auszureißen. Aber alle
Tü=
ren waren von ſchreienden und ſtrampelnden Frauen
blockiert, die noch mehr Angſt als der Wolf hatten.
Eine Dame, Fanny Berhober, ſchlug hyſteriſch mit
dem Schirm um ſich, da biß der Wolf ſie in das Bein,
und als er einmal Blut geleckt hatte, ſchien ſein Mut
mächtig zu wachſen, während die Damen in
pani=
ſchem Schrecken noch lauter kreiſchten und die Röcke
um die gefährdeten Glieder krampfhaft und eng
zu=
ſammenzogen. Inzwiſchen hatten ſich dem wütenden
Tiere drei tapfere Männer von der Bühne und fünf
Poliziſten mit geſpannten Revolvern genähert. Aber
die Poliziſten hatten Angſt, zu ſchießen, weil ſie
fürch=
teten, Zuſchauer zu verletzen. Plötzlich ſtürzte ſich
ein Mann aus dem Publikum auf den Wolf, erfaßte
ihn beim Genick und warf ihn mit einem mächtigen
Schwung auf die Bühne zurück. Hier bemächtigte
ſich der Theaterdirektor des halbbetäubten Tieres
und ſperrte es wieder in die, Höhle ein.
* Gegen die großen Damenhüte in
der Kirche. In zahlreichen Kirchen Englands hat
ſich eine ſehr ſtarke Bewegung gegen die großen
Damenhüte erhoben, die nicht nur eine große
Raum=
verſchwendung in den Betſtühlen verurſachen,
ſon=
dern auch zur Ablenkung der Andächtigen nur allzu
häufig Veranlaſſung geben. Nun ſchlägt ein Biſchof
in der Zeitung Catholie Confederationiſt vor, daß
die Damen die Hüte überhaupt zu Hauſe laſſen und
ſtatt deſſen mit einer Mantille bekleidet in die Kirche
kommen ſollen. Wenn die Damen zum Gange ins
Opernhaus den Hut entbehren könnten, warum
ſoll=
ten ſie dem Gotteshauſe nicht dasſelbe Opfer bringen.
Der Biſchof ſchlägt vor, daß die Damen mit dieſer
neuen Sitte während der Weihnachtsfeiertage
be=
ginnen. Mehrere Londoner Geiſtliche der Hochkirche
haben dieſen Kriegsruf aufgenommen und
Zirkular=
briefe in dieſem Sinne an die weiblichen Mitglieder
ihrer Gemeinden ergehen laſſen. In einem dieſer
Briefe heißt es: „Was meint ihr wohl, welche
Don=
nerworte St. Paulus gegen Radhüte und
Humpel=
röcke gefunden hätte, wären ſolche in ſeiner Zeit
be=
kannt geweſen.”
Nummer 301.
tober 1911 an dürften unter den gegebenen Verhältniſſen
die geeignetſte Fürſorge für das Perſonal darſtellen, wird
ihm doch dadurch die Möglichkeit gegeben, ſich in Ruhe
um anderweite und zwar gute Stellungen zu bewerben.
Freilich iſt es ſehr zu beklagen, daß ſo lange Zeit
ver=
wendetes Perſonal aus dem Staatsdienſte ausſcheiden
muß, ohne Anſtellung und damit Penſionsberechtigung
erlangt zu haben. Wenn man deshalb der Regierung
Vorwürfe machen will, ſo überſieht man vollſtändig, daß
auf Antrag der Regierung ſeit dem Jahre 1900 fortgeſetzt
die etatsmäßigen Stellen vermehrt wurden (im Budget
1900/1901 um 9, 1901/02 um 2, 1902/03 um 5, 1904 um 5,
1905 um 5, 1906 um 4, 1908 um 5, 1909 um 5 Stellen).
Die Regierung iſt damit in Betätigung ihrer Fürſorge
für das Perſonal an die äußerſte Grenze des Zuläſſigen
gegangen, da die Zahl der etatsmäßigen Stellen von dem
dauernden Bedarf abhängt. Darüber mußten ſich alle
Be=
teiligten klar ſein und danach zeitig ihre Maßnahmen
treffen.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Seite 5.
5. Keiner der ausſcheidenden Aſpiranten wird aus der
Liſte geſtrichen, vielmehr wird Urlaub auf unbeſtimmte
Zeit unter Wahrung des Dienſtalters erteilt. Der
Aus=
tritt kann jederzeit ſtattfinden.
Stadtverordneten=Verſammlung.
C Darmſtadt, 22. Dezember.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitzung um ¾4 Uhr und macht folgende
Mitteilungen:
Der Fußballklub Olmypia hat zu ſeinem am 26. d. M.
ſtattfindenden Wettſpiel eingeladen.
Zuſchuß zum Hoftheater.
Der Vorſitzende teilte mit, daß das Großh.
Staats=
miniſterium an die Bürgermeiſterei eine Zuſchrift gerichtet
habe, die in Gemäßheit des Beſchluſſes der Zweiten
Kam=
mer vom 29. November ds. Js. an die Stadt das Anſinnen
ſtellt, einen erhöhten Beitrag zu den Koſten
des Groß. Hoftheaters zur Beſſerung der Lage der
Hofmuſiker aufzuwenden. Der Vorſitzende gab hierauf
fol=
gende Erklärung ab:
In den Verhandlungen der Zweiten Kammer wurde
aus Anlaß der Debatten über das Geſuch der Großh.
Hof=
muſiker um Gehaltsaufbeſſerung die Anſicht laut, als ob
die Stadt Darmſtadt in engherziger und kleinlicher
Ver=
kennung ihrer Verpflichtung die Erhöhung des Zuſchuſſes
zu den Koſten des Großh. Hoftheaters zu Unrecht ablehne.
Nachdem ich bereits im Jahre 1908 in eingehenden
Dar=
legungen dieſe Auffaſſung in der Kammer als unberechtigt
feſtſtellen konnte, muß ich auch heute als Vertreter der
Stadt mit aller Entſchiedenheit dieſe
An=
ſicht als unbegründet zurückweiſen.
Bürger=
meiſterei und Stadtverordneten=Verſammlung haben
wie=
derholt in dieſer Sache aus wohl erwogenen Gründen
einmütig eine ablehnende Haltung eingenommen. Ich
halte es für meine Verpflichtung, auch bei der neuen nunmehr
vorliegenden Zuſchrift des Großh. Staatsminiſteriums
darauf hinzuweiſen, daß es in erſter Linie Sache
des Landtags iſt, durch entſprechende Erhöhung der
Zivilliſte Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs den
Anſprüchen, deren Begründung auch die Stadt Darmſtadt
wiederholt anerkannt hat, gerecht zu werden.
Zur Sache ſelbſt wird die Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung demnächſt eine Vorlage der
Bürgermei=
ſterei erhalten, die in eingehender Weiſe über alle
Ver=
höltniſſe Aufſchluß gibt.
Ein Vermächtnis.
Herr Beig. Mueller teilt mit: Der vor kurzem
verſtorbeneGeh. Medizinalrat Dr. Jäger hat in ſeinem
Te=
ſtament die Stadt Darmſtadt als Haupterbin eingeſetzt.
Der Nachlaß beträgt über 200000 Mark und beſteht in der
Hauptſache in einem Haus und in Barvermögen. Auf
die Stadt Darmſtadt entfallen hiervon nach Abzug einiger
Legate etwa 170000 Mark, die ausſchließlich zu Zwecken
des Städtiſchen Krankenhauſes Verwendung finden ſollen.
Die Verſammlung erklärt ſich unter dem Ausdruck
ihres Dankes und ihrer Anerkennung für dieſe hochherzige
Stiftung mit der Uebernahme der Erbſchaft einverſtanden.
Herr Beig. Mueller gibt weiter Kenntnis von dem
Stand der Grundbuchsanlegung.
Zur Fleiſchteuerung.
Herr Beig. Mueller führt hiernach ferner aus, daß
man wie in anderen Städten auch hier einen Rückgang der
Schweinefleiſchpreiſe durch die Einfuhr von Schweinefleiſch
aus Frankreich erwartet hat. Allerdings ſeien nun auch
in Frankreich die Preiſe nicht mehr ſo niedrig wie früher,
da die Ausfuhr nach Deutſchland ein Anziehen der Preiſe
zur Folge hatte. Trotzdem iſt in Mainz der Preis um
6 Pfg. per Pfund gefallen. Es mag auch die Konkurrenz
derKuhmetzger dazu beigetragen haben. Die Darmſtädter
Innung hatte den Bezug des franzöſiſchen Viehs
zu=
nächſt abgelehnt, neuerdings aber den Schweinebezug in
die Hände genommen. So iſt zu hoffen, daß demnächſt
auch in Darmſtadt ein Preisrückgang erfolgen wird. Die
Ochſen= und Rindsmetzger ſind bereits in den Lieferungen
für die Militärbehörde billiger geworden. Die
Hammel=
fleiſchpreiſe ſeien auch in Darmſtadt ſchon für den
Minder=
bemittelten erſchwingbar.
Die Großh. Oberförſterei Beſſungen bittet
um Abgabe einer Erklärung über die Bebaubarkeit der an
die Nieder=Ramſtädter Straße anſtoßenden fiskaliſchen
Grundſtücke Flur VI Nr. 3/10, 3¾/10 und 3¾10. Die
Verſammlung hat gegen Abgabe dieſer Erklärung
nichts einzuwenden.
Strom für Triebwagen.
Die Stadtverordneten=Verſammlung hatte ſich bereits
grundſätzlich damit einverſtanden erklärt, daß der Strom
für die Triebwagen der Eiſenbahndirektion von dem
Städtiſchen Elektrizitätswerk geliefert wird, und zwar zu
den bereits in allgemeinen Umriſſen angegebenen
Bedin=
gungen. Die näheren vertraglichen Abmachungen hierüber
i inzwiſchen
feſt=
ſind in der
Elektrizitärswe=
geſetzt worden, und der Entwurf des Abkommens mit der
Eiſenbalndirektion wird nunmehr zur Genehmigung
vor=
gelegt.
Es iſt dabei auf Verlangen der Eiſenbahnverwaltung
die Möglichkeit einer noch größeren Strobabnahme gegen
früher vorgeſehen, was naturgemäß bei der vorgeſehenen
Staffelung des Tarifs eine kleine Verminderung des
Durchſchnittspreiſes herbeiführen kann. In der Deputation
wurden die näheren Bedingungen für die weiteren
Ver=
handlungen mit der Eiſenbahnverwaltung feſtgeſetzt und
die Bürgermeiſterei bevollmächtigt, das Abkommen zum
Abſchluß zu bringen. Die Verſammlung erklärt ſich
hier=
mit einverſtanden.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche.
Ein Geſuch der G. Hipp Witwe um Befreiung von
g aulizeiordnung für Er=
richtung eines offenen Schuppens in der Hofreite Kirch=
ſtraße 6 wird von dem Hochbau=Ausſchuß befürwortet und
nach dem Referat des Stadtv. Sames genehmigt.
Freigabe der Herderſtraße.
Die Herderſtraße zwiſchen Moosberg= und
Landskron=
ſtraße ſoll zur Bebauung freigegeben werden. Da ſich das
Gelände im Beſitz der Stadt befindet und die
Straßen=
ſtrecke bereits planiert iſt, hat ſich der Hochbau=Ausſchuß
damit einverſtanden erklärt. Das gleiche tut die
Verſamm=
lung. (Referent Stadtv. Wittmann).
Abtretung von Straßengelände.
Architekt Stief und Ingenieur Schenck haben ſich
bereit erklärt, das von ihren Grundſtücken in der
Garten=
ſtadt Dieburger Straße-Hohler Weg in die projektierten
Straßen des Baublocks 20 fallende Gelände unentgeltlich
an die Stadt abzutreten. Die abgeſchloſſene Notul wird
von dem Hochbau=Ausſchuß zur Genehmigung empfohlen.
Die Verſammlung ſtimmt zu. (Referent Stadtv. Möſer).
Umlegung von Grundſtücken.
Von den Grundbeſitzern im Bauviertel an dem neuen
Südbahnhof iſt zum Zwecke der Umlegung der Grundſtücke
in Bauplätze eine Feldbereinigung beantragt worden. Die
Zuſammenlegung erfolgt auf Grund des genehmigten
Be=
bauungsplanes. Der Hochbau=Ausſchuß hat der
beantrag=
ten Umlegung unter Einbeziehung des ſtädtiſchen
Grund=
beſitzes zugeſtimmt. Nach dem Referat des Beig. Jäger
ſtimmt auch die Verſammlung zu.
Straßenplanierung.
Mit Zuſtimmung der Tiefbau=Deputation ſollen
demnächſt die folgenden Straßenſtrecken planiert
wer=
den: a) auf Koſten der Stadt zu Laſten vorhandener
Mittel: 1. die Beckſtraße zwiſchen Kies= und
Heinrich=
ſtraße, 2. die Liebfrauenſtraße zwiſchen Dieburger Straße
und Hohler Weg; b) auf Koſten der Anlieger: 1. der
Alexandraweg zwiſchen Villa Olbrich und Fiedlerweg,
2. die Straßen A und C der Gartenſtadt am Hohlen
Weg. Die Verſammlung ſtimmt zu. (Referent: Stadtv.
Wittmann.
Anſchaffung von Schulmobiliar.
Für eine zu Beginn des Schuljahres 1911/12 neu
zu errichtende Klaſſe des Realgymnaſiums ſollen mit
Zuſtimmung des Schul= und Finanz=Ausſchuſſes die
erforderlichen Schulbänke bereits jetzt beſchafft werden.
Nach dem Referat des Stadtv. Nodnagel ſtimmt die
Verſammlung zu=
Preisfeſtſetzung für elektriſchen Strom.
In einer ausführlichen Vorlage der
Bürgermeiſte=
rei wird die Herabſetzung des Preiſes für elektriſchen
Strom beantragt. Vorerſt kann jedoch nur die
Herab=
ſetzung des Preiſes für Kraftſtrom in Betracht kommen.
Dies iſt in erſter Linie unbedingt geboten, um der
Ver=
wendung hochgeſpannten Stromes aus dem neuen
Werk weitere Ausdehnung zu verſchaffen, und um
Er=
leichterungen für Induſtrie und Gewerbe zu
ermög=
lichen. Es wird allſeitig und insbeſondere von der
Bürgermeiſterei anerkannt, daß auch die Ermäßigung
des Lichttarifes dringend erwünſcht iſt; doch ergibt ſich
nach genauen Berechnungen, daß bei einer
Herabſetz=
ung des Preiſes um 10 oder 20 Pfg. ein
Einnahmeaus=
fall von 40—85000 Mark im erſten Jahre entſtehen
würde, der durch neu hinzukommende Anſchlüſſe
zu=
nächſt ungedeckt bleiben würde. Ein ſolcher
Einnahme=
ausfall iſt bei der augenblicklichen ſchwierigen
finan=
ziellen Lage der Stadt und der Schwierigkeit des
Bud=
gets für 1911 derart bedeutend, daß zu ſeiner Deckung
eine Erhöhung der Gemeindeſteuer eintreten müßte.
Der Zeitpunkt für eine Ermäßigung des
Lichtprei=
ſes wäre hiernach in dieſem Jahre ſchlecht gewählt und
die Ermäßigung muß für die Zukunft zurückgeſtellt
werden. Es wird indeſſen hervorgehoben, daß, wenn
auch der Grundpreis für Lichtſtrom augenblicklich hoch
erſcheint, doch bei dem größten Teil der Abnehmer
durch Verwendung von Metallfaden= und Sparlampen
eine Stromerſparnis von 50—70 Prozent eintritt, die
den Abnehmern zugute kommt. Indeſſen iſt
vorge=
ſehen, daß bei Abnahme hochgeſpannten Stromes für
Beleuchtungszwecke ſchon jetzt ein Rabatt von 15
Pro=
zent eintreten kann.
Der neue Krafttarif beginnt mit einem Grundpreis
von 20 Pfg. für die Kilowattſtunde anſtelle des jetzigen
Preiſes von 25 Pfg., gewährt indeſſen viel
weiter=
gehende Rabatte wie früher, ſodaß bei größerer
Ab=
nahme (bis zu 500000 Kilowattſtunden im Jahre) eine
Preisermäßigung bis zu 12½ Pfg. eintritt. Außerdem
iſt ein Benutzungsdauer=Rabatt vorgeſehen, wonach ein
weiterer Nachlaß von 5—12 Prozent auf den
Grund=
preis eintreten kann, wenn die Einrichtungen der
Ab=
nehmer über 500—1200 Stunden jährlich benutzt
wer=
den. Ferner kann noch von einer weiteren
Ermäßig=
ung Gebrauch gemacht werden, wenn hochgeſpannter
Strom abgenommen wird. Hierbei werden 15 Prozent
auf den Grundpreis nachgelaſſen, doch ſoll der
Strom=
preis mindeſtens 10 Pfg. für die Kilowattſtunde
be=
tragen. Schließlich iſt eine weitere Erleichterung
vor=
geſehen für Reſerveanſchlüſſe zur Speiſung von
Um=
formern oder Akkumulatoren der Abnehmer, allerdings
nur für ausnahmsweiſe Benutzung. Hier findet ein
Doppeltarif für Licht und Kraft Anwendung in der
Weiſe, daß nur während der weniger beſchäftigten Zeit
des Elektrizitätswerks (zwiſchen 5 und 10 Uhr
nach=
mittags), der ſogenannten Sperrzeit, der Lichttarif
An=
wendung findet, außerhalb der Sperrzeit dagegen der
neue Krafttarif mit dem Grundpreis von 20 Pfg. Durch
die Ermäßigung des Krafttarifs wird zunächſt
gleich=
falls ein Einnahmeausfall entſtehen, der jedoch nur auf
etwa 11000 Mark berechnet wurde. Es iſt anzunehmen,
daß baldige und größere Anſchlüſſe erfolgen, ſodaß ſich
dieſer Ausfall ſchon im erſten Jahre weſentlich
verrin=
gern dürfte. Infolge dieſer Aenderungen des Tarifs
mußten auch die Stromlieferungs=Bedingungen
ent=
ſprechend ergänzt und geändert werden. Gleichzeitig
wurde auch die Meſſermiete neu feſtgeſetzt. Während
früher 5 Prozent der Anſchaffungskoſten erhoben
wur=
den, ſoll nun die Meſſermiete monatlich betragen: von
1 Kilowattſtunde=Nennleiſtung — 50 Pfg. und ſo fort
ſteigend bis zu 30 und 50 Kilowattſtunden — 1,50 Mark,
wobei für größere Meſſer weitere Feſtſetzung
vorbehal=
ten bleibt. Die Einführung des neuen Tarifs und der
geänderten Stromlieferungsbedingungen ſoll mit
Zu=
ſtimmung der Elektrizitätswerks=Deputation und des
Finanz=Ausſchuſſes am 1. Januar 1911 ſtattfinden.
Nach dem Referat des Beig. Ekert und nach kurzer
Debatte ſtimmt die Verſammlung zu.
Schlachtgebühren=Tarif.
Die Schlachthofverwaltung hat beantragt, den
Schlachtgebühren=Tarif hinſichtlich der Gebühren für
Schweine und Kälber zu ändern, da die ſeitherige
Feſt=
ſetzung und Auslegung des Tarifs zu Mißſtänden
ge=
führt hatte. Die Schlachthof=Deputation hat ſich mit 1
dieſen Vorſchlägen, die auch den von der Metzger=
In=
nung geäußerten Wünſchen Rechnung tragen,
einver=
ſtanden erklärt. Hiernach ſoll die neben dem Satz von
4,40 Mark für gewöhnliche Schweine beſtandene erhöhte
Gebühr von 6,20 Mark für Sauen und Eber (über 120
Kilogramm) in Wegfall kommen und bei der Gebühr
für Kälber ſoll zur beſſeren Unterſcheidung zwiſchen
Saugkälbern und ſogen. Freſſern neben der ſeitherigen
Altersgrenze noch eine unterſte Gewichtsgrenze (80
Kilogramm) feſtgeſetzt werden. Referent Stadtv, K.
Lautz. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Ein neuer Stadtplan.
Die Bürgermeiſterei beabſichtigt, einen auf den
neueſten Stand ergänzten Stadtplan im. Maßſtab
1:10000 herauszugeben, der in einer großen
mehrfar=
bigen, für den allgemeinen Verkauf beſtimmten
Aus=
gabe und in einer kleineren zweifarbigen, als
Adreß=
buchplan beſtimmten Ausgabe hergeſtellt werden ſoll.
Der Alleinverlag dieſes Planes ſoll mit Zuſtimmung
des Finanz=Ausſchuſſes unter entſprechenden
Beding=
ungen der Firma H. Lautz übertragen werden. Die
Verſammlung iſt damit einverſtanden. Referent:
Stadtv. Dr. Noellner.
Rechnung der Oberrealſchule
Die Rechnung der Großh. Oberrealſchule für 1909,
die in Einnahme und Ausgabe mit 189949,66 Mark
ab=
ſchließt, liegt zur Genehmigung vor. Der ſtädtiſche
Zu=
ſchuß beträgt 60 433,49 Mark (gegen 62351 Mark im
Voranſchlag), der Staatszuſchuß 49 496,69 Mark, die
Schulgeldeinnahme 79875,23 Mark. Die Rechnung wird
gutgeheißen. Referent: Stadtv. Bormet.
Nach den Grundſätzen für die
Einlegung von Verſorgungsleitungen
(Gas, Waſſer und Strom) in nicht ausgebauten Stra4
ßen hatte ſeither über die Aufhebung der
Zinsverpflicht=
ungen die Stadtverordnetenverſammlung zu
entſchei=
den. Nach einer von der Bürgermeiſterei gegebenen
An=
regung ſollen mit Zuſtimmung der betreffenden
Depu=
tationen die Grundſätze dahin geändert werden, daß
für die Folge über die Auſhebung der
Zinsverpflicht=
ung die zuſtändige Deputation entſcheiden ſoll, falls
dieſe es nicht für erforderlich hält, eine Entſcheidung
der Stadtverordnetenverſammlung herbeizuführen. Die
Verſammlung iſt damit einverſtanden.
Ueberſchuß der Sparkaſſe.
Beim Abſchluß der ſtädtiſchen Sparkaſſe für 1909 iſt ein
verfügbarer Ueberſchuß von 70 463,94 Mark verblieben,
der mit Zuſtimmung des Finanz=Ausſchuſſes wie folgt
verteilt werden ſoll: 1. an die ſtädtiſche Armenkaſſe
60000 Mark, 2. an die Erziehungsanſtalt „Ohlyſtift”
6463,94 Mark und 3. an das Komitee für Verabreichung
eines warmen Milchfrühſtücks 4000 Mark. Stadtv.
Lehr bittet hierzu, den Beitrag für das Milchfrühſtück
zu erhöhen. — Stadtv. Sames bringt die gleiche Bitte
bezüglich der Herberge zur Heimat vor und wünſcht
ferner, daß, wenn auch nicht mehr im laufenden Jahr,
für die Jugendfürſorge etwas getan wird und zwar für
die ſchulentlaſſene männliche Jugend. — Stadtv.
Bor=
met rechtfertigt die Erhöhung des Zuſchuſſes für das
„Ohlyſtift” — Stadtv. Saeng ſtimmt den Vorrednern
zu und rät, eventl. die Zuſchüſſe für die Armenkaſſe
anders zu verteilen. Dem Antrag des Referenten
Stadtv. Bormet wird zugeſtimmt.
Neue Gasleitunge
Zur Verſorgung der zwiſchen Kraftsruhe und
Nie=
der=Ramſtädter Straße erbauten Villen ſoll auf Koſten
der Intereſſenten in den Heinrichwingertsweg die
Gas=
leitung eingelegt werden. Die Gaswerks=Deputation
iſt hiermit einverſtanden, desgleichen die Verſammlung,
Reſerent: Stadtv. Sames.
Von der Volksküche.
Stadtv. Dr. Bender referiert über eine
Ein=
gabe des Finanzrats Spamer, den Zuſchuß zu der
Volksküche zu erhöhen. Finanzausſchuß und
Bürger=
meiſterei waren in Anbetracht der für die
Armenfür=
ſorge ſehr bedeutungsvollen Volksküche dafür, daß der
Zuſchuß von 800 Mark auf 1000 Mark erhöht wird.
Die Verſammlung ſtimmt dem zu.
Durchführung der Lichtenbergſtraße.
Beigeordn. Jäger referiert über die derzeitige
Sachlage der beabſichtigten Durchführung der
Lichten=
bergſtraße zwiſchen Dieburger Straße und
Gutenberg=
ſtraße und zwiſchen Kranichſteiner Straße und
Wenck=
ſtraße. Es handelt ſich nach dem Vorſchlag der
Bür=
germeiſterei im weſentlichen darum, über das
Franck=
ſche Grundſtück eine Durchfahrt von mindeſtens fünf
Meter Breite zu errichten. Stadtv. Sames iſt gegen
dieſen Nebenbau und wünſcht die glatte Durchführung
der Straße. Es entſteht darüber eine lange Debatte, die
meiſt am Tiſch über den Plänen geführt wird. Stadtv. Dr.
Bender erörtert eingehend die hiſtoriſche
Entwick=
lung der Sache. Es war ſeinerzeit beſchloſſen worden,
die Straße durchzuführen mit einem Fußweg von drei
Meter Breite. Nun hat die Stadt das Grundſtück um
58000 Mark angekauft und beabſichtigt, das Gelände
zu verwerten. Dazu ſoll die Durchfahrt gemacht
wer=
den. In dem Hauſe darüber ſei eventuell das
notwen=
dige neue Polizeirevier unterzubringen. Die
Bürger=
meiſterei wünſcht heute nur grundſätzlichen Beſchluß
darüber, ob die Straße glatt durchgeführt oder ob die
Durchfahrt erbaut werden ſoll, um das Grundſtück zu
verwerten. Nach längerer Debatte beantragt Stadtv.
Gallus, die Angelegenheit an den Ausſchuß
zurück=
zuverweiſen. Dem wird zugeſtimmt.
Stadtv. Heyd äußert verſchiedene Wünſche
be=
züglich des Verkehrs der Elektriſchen und dergleichen.
Der Vorſitzende meint dazu, die Bürgermeiſterei ſei
ſtets dankbar, wenn aus der Mitte der Verſammlung
Wünſche geäußert werden, doch wäre es
empfehlens=
werter geweſen, wenn Stadtv. Heyd dieſe zahlreichen
Wünſche nicht mit einemmal am Schluß des Jahres
ge=
äußert hätte, ſondern öfter in den Verſammlungen
erſcheinen würde, um ſeine Wünſche von Zeit zu Zeit
vorzubringen.
Die ausſcheidenden Stadtverordneten.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing führt aus:
„Mit Ablauf des Jahres ſcheiden die Herren Karl
Müller, Karl Rockel, Heinrich Schneider
und Robert Bangel aus der Stadtverordneten=
Verſammlung aus.
Herr Müller gehört der Verſammlung ſeit dem
Jahre 1884, alſo jetzt 27 Jahre, an. Er hat in dieſer
langen Zeit durch ſeine reichen Kenntniſſe und durch
praktiſche Mitarbeit überaus erfolgreich für die
In=
tereſſen der Stadt gewirkt und durch ſeine
unpartei=
iſche Leitung der Geſchäfte des Finanzausſchuſſes,
deſ=
ſen Vorſitzender er ſeit Mai 1909 geweſen iſt, des auf
richtigen Dankes der Bürgermeiſterei ſich verſichert.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Nummer 301.
Allen Vorlagen und Anträgen der Bürgermeiſterei
wohlwollend gegenübertretend, hat er trotzdem ſeine
Unabhängigkeit ſtets zu wahren gewußt. Herr Müller
hat zuletzt folgenden Ausſchüſſen und Deputationen.
angehört: Finanzausſchuß, Sonderausſchuß für die
Dampfſtraßenbahn, Einquartierungsdeputation,
Fried=
hofsdeputation, Muſeumsdeputation und
Pfandhaus=
deputation.
Herr Stadtverordneter Rockel war eines der
eifrigſten Mitglieder der techniſchen Deputationen
(Gaswerks=, Waſſerwerks= und Tiefbaudeputation)
und hat ſeine reichen praktiſchen Kenntniſſe und
Er=
fährungen ſtets gerne in den Dienſt ſeiner Vaterſtadt
geſtellt. Die Vertretung der Intereſſen des
Mittel=
ſtandes und die Förderung und den Schutz des
ein=
heimiſchen Gewerbes hat er ſich beſonders angelegen
ſein laſſen. Er gehörte der Verſammlung ſeit dem
Jahre 1890 an und war zuletzt Mitglied folgender
De=
putationen und Ausſchüſſe: Gaswerksdeputation,
Waſ=
ſerwerksdeputation, Tiefbaudeputation,
Hochbauaus=
ſchuß, Wirtſchaftskonzeſſions=Ausſchuß,
Verwaltungs=
rät der Sparkaſſe.
Herr Schneider gehört der Stadtverordneten=
Verſammlung ſeit der Eingemeindung von Beſſungen
im Jahre 1888 an und war zuletzt Mitglied der
Land=
wirtſchaftsdeputation, der Viehmarktdeputation, des
Ausſchuſſes zur Kontrolle der Obſtbaumpflege, des
Ausſchuſſes zur Ermittelung des Ernteertrages, des
Wieſenvorſtandes und war Faſelſtallkontrolleur.
Herr Bangel iſt ſeit 1908 Mitglied der
Stadt=
verordnetenverſammlung und war in den folgenden
Deputationen tätig: Friedhofsdeputation, Knaben=
Arbeitsanſtaltsdeputation, Leſe= und Bücherhalle=
De=
putation, Pfandhausdeputation und
Waſſerwerksdepu=
tation.
Ich fühle mich verpflichtet, den vier genannten
Herren bei ihrem Scheiden namens der ſtädtiſchen
Ver=
waltung aufrichtig zu danken für ihre opferwillige
und erfolgreiche Mitarbeit im Dienſte der
Verwalt=
ung unſerer Stadt.”
Damit iſt die Tagesordnung erledigt.
Verkehrs=Ausſchuß der Bergſtraße.
— Der Vorſtand des Verkehrsausſchuſſes der
Bergſtraße hatte die Mitglieder des engeren Ausſchuſſes
zu Montag, den 19. d. M., nachmittags zu einer Sitzung
in das Bahnhofshotel in Bensheim eingeladen.
Der Vorſitzende, Herr Rentner Sieben=Auerbach,
begrüßte die Verſammlung und dankte für die
zahl=
reiche Beteiligung. Es galt, eine reiche Tagesordnung
zu bewältigen. Bedauerlicherweiſe gelang es der
Ver=
fammlung nicht, bezüglich des Antrages Leonhardt=
Auerbach — feſte Normen für die Beiträge — einen Weg
zu finden, wodurch erreicht werden ſollte, die Beiträge
der Gemeinden nach ihrer Leiſtungsfähigkeit, d. h. nach
ihrem Vermögen, Steuerkraft oder Bevölkerungszahl,
gerecht und richtig zu verteilen. Es wurde auf das
wärmſte empfohlen, Intereſſenten als Einzelmitglieder
zu gewinnen und in dieſer Hinſicht Lindenfels als ein
leuchtendes Beiſpiel hingeſtellt, wo es Herrn Dr.
Weiß=
mann gelungen war, in einer Sitzung 50 Mitglieder zu
gewinnen.
Einen breiten Raum der Debatte nahm, wie ſchon
ſo oft, die Frage der Schnakenvertilgung in
Anſpruch. Es wurde als dringend notwendig
aner=
kannt, jetzt die überwinternden Schnaken in den Kellern
und Ställen zu vernichten. Der Vorſtand wurde
er=
ſucht, ſich mit den Kreisämtern in Verbindung zu ſetzen,
zwecks Beſchaffung der notwendigen Apparate. Der
Entwurf zu einem Vertrage zwiſchen dem Architekten
Herrn Joſeph Stoll=Bensheim und dem
Verkehrsaus=
ſchuſſe, zwecks Anfertigung einer Skizze zu dem ſchon
mehrmals beſprochenen Panorama der
Berg=
ſtraße, fand glatte Erledigung. Der nächſte Punkt der
Tagesordnung galt der definitiven Beſchlußfaſſung
über Ausführbarkeit der Vervielfältigung des
vor=
ſtehenden Panoramas. Dieſes iſt nicht zu verwechſeln
mit dem Diorama der Bergſtraße, das auf der
nächſtjährigen Berliner Ausſtellung gezeigt werden
ſoll. Die Vervielfältigung des Panoramas erfordert
einen für unſere Verhältniſſe ganz erheblichen Betrag.
Dieſe Angelegenheit hatte den Vorſtand bereits ſeit
Monaten intenſiv beſchäftigt. Der Vorſitzende
beleuch=
tete das Projekt nochmals nach allen Seiten und es
ent=
wickelte ſich eine ſehr lebhafte Auseinanderſetzung über
die Art der Vervielfältigung. Nachdem die Gemeinden
die Mittel zur Bezahlung der einen Hälfte der Koſten
nunmehr durch Extrabeiträge bewilligt haben, kann die
Arbeit in Angriff genommen werden. Wenn nicht alles
täuſcht, ſo wird nunmehr ein Werk geſchaffen, das alles
ſchlagen wird, was auf dieſem Gebiet bis jetzt geleiſtet
worden iſt. Der Bergſtraße iſt es vorbehalten, auf
dieſem Gebiete bezüglich der Eigenart der Ausführung
bahnbrechend vorzugehen! — Der Vorſitzende konnte
nunmehr weiter berichten, daß die Arbeiten an dem
ſeitens der Großh. Regierung anzufertigenden Diorama
rüſtig vorwärts ſchreiten, und daß der Grundriß des
Ausſtellungspavillons des Großherzogtums Heſſen ein
für die Bergſtraße=Landſchaft außerordentlich günſtiger
iſt, wovon die Verſammlung mit großer Genugtuung
Kenntnis nahm.
Ferner berichtete der Vorſitzende über die
einge=
gangene Antwort der Königl. Preuß. und
Großh. Heſſ. Eiſenbahndirektion Mainz
auf die letzte Eingabe vom November. Dieſelbe kann
wiederum nicht befriedigen, indem die Direktion ſich
außerſtande erklärt, dem Wunſch nach ſchneller fahrenden
Jügen, wodurch die Fahrzeiten abgekürzt werden ſollen,
nachzukommen. Bemerkenswert an der Antwort der
Direktion jedoch iſt, daß der Vorſchlag, die Stillager
der Züge, die jetzt zum großen Teil in Bickenbach
er=
folgen, auf große Zwiſchenſtationen zu legen, und
da=
durch das Uebergehen auf Schnellzüge zu ermöglichen,
nicht berührt worden iſt, während die anderen
Vor=
ſchläge abgelehnt wurden. Man glaubt daher, der
Ant=
wort entnehmen zu können, daß die Direktion dieſen
Vorſchlag in wohlwollende Erwägung gezogen hat.
Daß die Einführung elektriſcher Triebwagen
auch auf der Strecke bis Bensheim geplant iſt, weiß man
aus den Zeitungen. Es wird Aufgabe ſein, dafür
ein=
zutreten, daß dieſer Wagenverkehr bis Heppenheim und
eventuell Weinheim ausgedehnt wird.
Der Schluß der Sitzung galt der Wahl einer
Inſeraten=und Artikel=Kommiſſion. Dem
Wunſche des Vorſitzenden wurde entſprochen und
namentlich für die letztere Kommiſſion eine Anzahl
be=
währter Kräfte gewählt, die in regelmäßigen Abſtänden
und bei den verſchiedenſten Anläſſen ihre
ſchriftſtelle=
riſche Kraft in den Dienſt der Sache ſtellen werden.
Der Vorſitzende ſchloß die intereſſante Sitzung mit
lebhaften Dankesworten für das immer kräftiger und
allgemeiner werdende Intereſſe an den Aufgaben des
Verkeöxsausſchuſſes.
Gerichtszeitung.
Die Borkumer Spionageaffäre vor dem
Reichsgericht.
* Leipzig, 21. Dez. (Fortſ.) Eine Skizze zeigt die
Lage einer Schnellfeuerbatterie auf Helgoland. Hierbei iſt
die Lage jedes einzelnen Geſchützes und die
Komman=
deurſtellung bezeichnet, ferner eine Batterie am
Südoſt=
ſtrand, Kaſernen und Magazine und die Lage zweier
Geſchütztürme auf der Nordweſtecke. Auch die
Aus=
ſchachtungen für neue Anlagen zu Befeſtigungswerken
ſind genau beſchrieben. Der Verteidiger von Gordon
wies darauf hin, daß ſich die große Batterie auf
Helgo=
land unmittelbar an der Promenade befinde. Dies
wurde von Oberleutnant Bonatz beſtätigt. Alle
Er=
kundigungen können von öffentlichen Wegen aus
ge=
macht ſein. Korvettenkapitän Taegert fuhr fort:
Von der Befeſtigung bei Wangeroog ſind genaue
Auf=
nahmen gemacht, alle Meſſungen mit Benutzung von
Baken, Leuchtfeuern, Leuchttürmen und anderen
hervor=
ragenden Geländen vorgenommen worden. Eine Notiz
beſagt, eine beſtimmte Bake habe telegraphiſche
Ver=
bindung mit der Inſel. Dies ſei von Bedeutung, da
die Annäherung einer feindlichen Flotte von dieſer
Bake aus gemeldet werden könne. Die Aufzeichnungen
erſtrecken ſich ſogar auf die kleinſten Einzelheiten,
Vieh=
beſtand, Gebäudezahl auf der Inſel und die
Lebens=
mittelverſorgung. Eine weitere Skizze lautet: Keine
Gebäude geſehen, die Minen enthalten können. Auch
die Lage der Kabel iſt genau bezeichnet worden. Hierauf
vertagte der Vörſitzende die Weiterverhandlung auf
Donnerstag. Es iſt anzunehmen, daß die
Erörte=
rung dieſes Teiles der Anklage unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit ſtattfinden wird.
22. Dezember. Reichsanwalt Richter ſtellt dann den
Antrag auf Ausſchluß der Oeffentlichkeit,
wo=
nach der Oberreichsanwalt eine Anzahl Geſuche um
Zulaſ=
ſung für nichtöffentliche Sitzungen verlieſt, die er ſämtlich
befürwortet. Die Geſuche betreffen eine Anzahl
Offi=
ziere von der Marine und dem Admiralitätsſtab, die
bei=
den als Zeugen vernommenen Offiziere, den Vizekonſul
Oliver=Hamburg als Vertreter der engliſchen Regierung
und ſeinen Rechtsanwalt Juſtizrat Schneider=Berlin. Das
Gericht beſchloß, alle Zulaſſungsanträge zu genehmigen,
bis auf diejenigen des Vertreters der engliſchen Regierung
Oliver und ſeines juriſtiſchen Beirats.
Der Oberreichsanwalt Dr. Zweigert
bean=
tragte nach der nichtöffentlichen Sitzung gegen jeden
der beiden Angeklagten eine Feſtungsſtrafe von 6 Jahren,
und ſtellte anheim, die Unterſuchungshaft von 2 Monaten,
die die beiden Angeklagten bisher verbüßt haben, mit in
Anrechnung zu bringen.
Um ½5 Uhr verkündete der Präſident nach
anderthalb=
ſtündiger Beratung das Urteil. Kapitän Trench und
Marineleutnant Brandon wurden wegen Spionage
zu je 4 Jahren Feſtungshaft verurteilt, zwei
Monate Unterſuchungshaft ſind angerechnet.
Die Reiſe des deutſchen Kronprinzenpaares.
* Haiderabad, 21. Dez. Der Kronprinz
dinierte geſtern abend in der Reſidenz. Später war
Empfang. Die Straßen waren glänzend Geleuchtet.
Heute mittag reiſte der Kronprinz nach Bombay ab.
* Suez, 21. Dez. Der Reichspoſt=Lloyddampfer
„Lützow” traf, heimkehrend, mit der
Kronprin=
zeſſin heute morgen 4 Uhr 30 Min. nach ſchneller,
an=
genehmer Reiſe hier ein. Geſtern abend fand
Abſchieds=
diner ſtatt, zu dem der Kapitän und die erſten Offiziere
zugezogen waren. Die Kronprinzeſſin war über den
Reiſeverlauf ſehr befriedigt. Heute vormittag 11 Uhr
verließ die Kronprinzeſſin mit Gefolge das Schiff und
reiſte mit Extrazug nach Kairo ab, wo ſie heute
nach=
mittag 4 Uhr ankommt. Am 22. Dezember erfolgt die
Fahrt nach Lukſor, ſodann eine Nilreiſe nach Chartum
und Aſſuan und zurück nach Kairo, wo vom 18. Januar
bis 1. Februar Aufenthalt iſt. An dieſem Tage erfolgt
ab Alexandrien mit dem Lloyddampfer „Prinzregent
Luitpold” die Abfahrt nach Palermo. Sodann reiſt
die Kronprinzeſſin auf dem Landwege durch Sizilien
und Italien nach Cannes.
Sport.
— Fußball. Der Club athlétique de
Vitry Paris, der am zweiten Weihnachtsfeiertag
gegen den hieſigen Fußballklub Olympia ſpielt,
gewann im vergangenen Jahre die Fußballmeiſterſchaft
von Paris und Frankreich. Auch diesmal ſteht die
Mann=
ſchaft noch ungeſchlagen an der Spitze der Pariſer
Vereine. In dem Tournier zu Saint=Cloud war der Klub
Sieger, zweiter wurde er in dem Coupe Wynau in Brüſſel.
Wenn man noch in Betracht zieht, daß mehrere der Spieler
international ſind und auch in dieſer Saiſon ſchon
ver=
ſchiedentlich von dem Comité Frangais Interfédéral zu
Repräſentationsſpielen aufgeſtellt worden ſind, und daß
ferner auch die Darmſtädter Mannſchaft in der beſten
Auf=
ſtellung antreten wird, ſo kann wohl auf eins der
inter=
eſſanteſten Wettſpiele gerechnet werden, die je in
Darm=
ſtadt ausgetragen wurden. Das Spiel findet bei jeder
Witterung ſtatt.
Das Grubenunglück im Boltoner Kohlenbergwerk.
* Mancheſter, 21. Dez. Die Exploſion im
Boltoner Kohlenbergwerk wurde vermutlich
durch Anzünden eines Zündholzes oder Zerbrechen
einer Lampe hervorgerufen, da die Grube eine der
ſicherſten des Landes iſt. Ein Unterdirektor, der
ver=
ſuchte, ohne Apparat ſich an den Rettungsarbeiten zu
beteiligen, iſt erſtickt.
* London, 21. Dez. Aus Bolton wird gemeldet:
Ein Mann der Rettungsabteilung ſprach die Anſicht
aus daß faſt keine Hoffnung beſtehe, die
ein=
geſchloſſenen Bergleute zu retten. Der
Rettungsmannſchaft iſt es unmöglich, in die Grube
ein=
zudringen. Die Zahl der zur Zeit der Exploſion in
der Grube befindlichen Bergleute wird auf 350 geſchätzt.
* Bolton, 21. Dez. Der hier weilende
Regierungs=
inſpektor iſt nach Prüfung der Sachlage zu der
Ueber=
zeugung gelangt, daß alle in der verunglückten
Kohlengrube befindlichen Arbeiter umgekommen
ſein müſſen.
H.B. Mancheſter, 22. Dez. Die Exploſion in
der Kohlengrube in Bolton wird auf das Platzen einer
Sicherheitslampe oder auf unvorſichtiges Anzünden
eines Streichholzes zurückgeführt, da die Grube als
eine der ungefährlichſten in ganz England gilt. Einer
der Mitinhaber der Grube erklärte, als er aus dem
Unglücksſchachte zurückkehrte, daß annähernd 300
Ar=
beiter ſich zur Zeit der Kataſtrophe in der Grube
be=
fanden, die wahrſcheinlich alle umgekommen ſind. Man
ſei während der Durchſuchung des Schachtes fort=
während auf Leichen geſtoßen. — König Georg hat ein
Beileidstelegramm geſandt, in dem er das Schickſal der
betroffenen Arbeiter tief bedauert und den Familien
ſein Mitgefühl ausdrückt.
H. B. London, 22. Dez. Nach Meldungen aus
Atherton in Lancaſhire fürchtet man, daß die
Kata=
ſtrophe in der Kohlengrube der Bolton=Geſellſchaft ſich
als eine der ſurchtbarſten der neuzeitlichen
Gruben=
kataſtrophen herausſtellen wird. Noch ſind 250 bis
300 Bergleute eingeſchloſſen und bisher iſt
man faſt nur auf Leichen geſtoßen. Die Exploſion wurde
durch Kohlenſtaub verurſacht und war nach allen
Be=
ſchreibungen von Augenzeugen von ſchreckenerregender
Gewalt. Der Boden erbebte meilenweit wie vom
Donner einer Lawine, und eine Stichflamme ſchoß 80.
Fuß hoch aus dem Schachte empor. Zur Zeit der
Ex=
ploſion befanden ſich 800 Mann in den zwei Schächten,
dem Pretoria= und dem Arley=Schacht. Die Exploſion
zerſtörte die Verbindung zwiſchen beiden. Auch die
Förderanlage des einen Schachtes wurde zertrümmert.
Aus dem Arley=Schacht konnten jedoch 440 Mann an
die Oberfläche geſchafft werden. Der Unterinſpektor der
Grube drang bei einem heroiſchen Verſuch, den
Unglück=
lichen Hilfe zu bringen, ohne Sauerſtoffapparat vor und
erlag den giftigen Gaſen. Seine Leiche wurde an die
Oberfläche gebracht. Ungefähr ein Dutzend Leichen ſind
bisher gefunden. Tauſende von Angehörigen umſtehen
den Schachteingang. Die Rettungsarbeiten ſind durch
die Flammen und die nachſtürzenden Trümmer aufs
ſchwerſte behindert und außerordentlich gefahrvoll. Die
Retter konnten bisher nicht weiter als 200 Meter in den
Schacht vordringen. Trotzdem fanden ſie ſchon eine
Anzahl von Leichen und es gilt als ſicher, daß von den
im Schacht eingeſchloſſenen niemand mehr am
Leben=
ſein kann. Man hält es jedoch für möglich, daß etwa=
50 Arbeiter, die in den ferner gelegenen Stollen
arbei=
teten, wielleicht noch gerettet werden können. Das
Rettungswerk wird mit großer Energie fortgeſetzt.
Literariſches.
— Die Franzoſenzeit in deutſchen
Lan=
den 1806—1815. In Wort und Bild der Mitlebenden,
herausgegeben von Dr. Friedrich Schulze. 18 Lieferungen
à 1 Mark, Lieferungen 17 und 18 kompl. geb. 2 Bände
20 Mark. R. Voigtländers Verlag in Leipzig.
Rechtzeitig=
noch vor Weihnachten wurde das ſchöne Werk fertig und
bietet ſich nun als Geſchenkwerk beſter Art für Jung und
Alt an. Es iſt wirklich erſtaunlich, was für ſo
relativ=
geringes Geld hier geboten wird. 162 Textbilder, 14
ein=
farbige Einſchaltbilder. 20 farbige Tafeln, 15 teils
mehr=
farbige Karten und Skizzen und 10 Fakſimiledrucke.
Rech=
net man noch den geradezu hervorragenden Text. den
Zeitgenoſſen geliefert haben, hinzu, ſo muß ohne weiteres
zugegeben werden, daß dieſes Werk das hervorſtechendſte
unter allen Werken über jene große Zeit iſt. Wer andern
zum Feſte eine dauernde Freude machen will, greife zu
dieſem Buche.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Hamburg, 22. Dez. Nach einem bei der Reederei
des geſunkenen Slomandampfers „Palermo”
ein=
gegangenen Telegramm iſt den nach der Unglücksſtätte
entſandten Beamten von dem Wrack nichts ſichtbar.
Viele Rettungsringe und=Bodte wurden an Land
ge=
ſchwemmt. Die Küſte wurde, ſoweit die
Unwegſam=
keit es zuläßt, bis zum Kap Finiſtèrre ſorgfältig
ab=
geſucht.
* Bremen, 22. Dez. Das geſtern am
Bahnüber=
gang in Hemelingen von einem Eilzug ſchwer
ver=
letzte Kind iſt geſtorben.
* Dresden, 22. Dez. Der öſterreichiſche
Miniſter=
des Innern hat den Sektionschef Anton Simonelli
zum Präſidenten der öſterreichiſchen Kommiſſion für
die Internationale Hygiene=Ausſtellung in
Dresden 1911 beſtellt.
* Troppau, 22. Dez. Heute nacht brannte das
Unterkunftshaus am Altvater nieder. Sechs Touriſten
wurden gerettet. Der Wirt wird vermißt.‟
* Konſtantinopel, 22. Dez. Die Frage der
moha=
medaniſchen Ländereien in der Dobrudſcha
wurde dadurch geregelt, daß die Pforte den von
Ru=
mänien angebotenen Preis von 1750000 Franks
an=
nahm.
* Philadelphia, 22. Dez. Bei einem Brande
einer Lederfabrik ſind durch Einſtürzen
von zwei Mauern ſchwere Verluſte an
Menſchen=
leben zu beklagen. Die zweite Mauer begrub 30
Men=
ſchen unter ſich, von denen bisher 15 getötet wurden;
insgeſamt wurden 23 Tote gefunden.
* Chicago, 22. Dez. Bei dem Brande der Gebäude
der Fleiſchwaren=Firma Morris und Co. auf dem neuen
Viehhof wurden 20 Feuerwehrleute durch ein
nieder=
ſtürzendes Giebeldacherſchlagen. Der Schaden
wird auf zirka eine halbe Million Doll. geſchätzt.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeſſentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh:
Da=
geſtern über Deutſchland gelegene Hochdruckgebiet iſt
nach Oſteuropa gewandert und hat vielfach bei
ſüd=
öſtlichen Winden Aufheiterung gebracht.
Infolge=
deſſen trat während der Nacht in ganz Mittel= und
Oſtdeutſchland Strahlungsfroſt ein. Dagegen herrſcht
im Weſten des Reiches unter dem Einfluß ſüdlicher
Winde fortgeſetzt milde Witterung. Auch in den
Mittelgebirgen herrſcht Tauwetter. Es iſt leichte
Zunahme des Froſtes in Ausſicht.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 23.
De=
zember: Heiter bis nebelig, noch etwas kälter, trocken.
HorEDeDARASTADTER-HOF
GRosshs
SPEISE-RESTAURANT
(16578a
Her Kampf ums Daſein wird täglich härter. Wer
nicht in ſeinem Fache, welches es auch ſei, das
Höchſte leiſtet, unterliegt. Auch die Hausfrau muß heute
in Bezug auf ſparſame Wirtſchaft das Höchſte leiſten,
wenn ſie den hohen Lebensmittelpreiſen erfolgreich
be=
gegnen will. Ein Helfer ſteht ihr in Liebigs Fleiſch=
Extrakt zur Seite. Wohl ihr, wenn ſieſich ibn in der
rich=
tigen Weiſe dieuſthar zu machen verſtett. (C24868,77
(Marke Schwan)
Dr. Chompſons Seifenpulver iſt ein in
un=
zähligen Haushaltungen erprobtes Waſchmittel. Es
be=
ſteht in der Hauptſache aus beſter Kernſeife und enthält
keine Beſtandteile, die ſchädlich auf die Wäſche wirken;
man erhält ohne Raſenbleiche blendend weiße Wäſche.
Ueber die Anwendung beleyrt die jedem Pakete
aufge=
druckte Gebrauchsanweiſung. In der aus Dr. Thompſons
Seifenpulver hergeſtellten Lauge löſt ſich der Schmutz
ohne viel mühſames Reiben von ſelbſt. Man ſpart daher
bei größter Schonung der Wäſche Arbeit, Zeit und Geld.
Dr. Thompſons Seifenpulver kann daher jeder Hausfrau
aufs beſte empfohlen werden. Es iſt zu haben in den meiſten
Drogen=, Koionialwaren= u. Seifengeſchäften. (24692f
Das Kind iſt wie eine Knoſpe, die leicht unter den
Stürmen des Frühjahrs zu Grunde geht, und es
iſt deshalb die Pflicht der Eltern, es vor Schädlichkeiten
zu bewahren. Gerade im früheſten Kindesalter iſt die
Haut ſehr zart und leicht findet durch ſie eine große
An=
zahl von Leiden ihren Einzug in den Körper. Den
wirkſamſten Schutz gegen das Eindringen der ſolchen
Leiden verurſachenden Bakterien bildet die Anwendung von
Lanolin. Außerdem verleiht das Lanolin einen ſchönen
Teint, ſodaß dasſelbe auch Erwachſenen auf das wärmſte
empfohlen werden kann. Man verwendet das Lanolin
am beſten in der Form von Lanolin-Toilette-Cream-
Lanolin mit dem „Pfeilring” der Lanolinfabrik
Mar=
tinilenfelde, der in allen Apotheken und
Drogenhand=
lungen in Tuben und Blechdoſen käuflich iſt. (K24637,54
Großh. Landesmuſeum. Geöffnet Sonn= und
Feiertags von 10—1 Uhr und 2—4 Uhr, Freitags
von 10—1 Uhr, ſowie Mittwochs von 2——4 Uhr
eintrittsfrei; Dienstags, Donnerstags und Samstags
von 11—1 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Familiennachrichten.
Todes-Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige
Mit=
teilung, daß mein geliebter Gatte, unſer guter
Vater, Bruder und Schwager, der
Steuerbote
Franz Kötting
heute nacht von ſeinem langen, ſchweren Leiden
durch den Tod erlöſt wurde.
(*30937
Die trauernden Hinterbliebenen,
Darmſtadt, den 22. Dezember 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, den 24. Dez.,
nachmittags 2½ Uhr, vom ſtädt. Krankenhaus
aus, ſtatt.
Krieger-Verein
Darmſtadt.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied und Feldzugs=
(24733
kameraden
Herrn Franz Kötting
Steuerbote
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Samstag, den
24. Dezember, nachmittags 2½ Uhr, vom ſtädt.
Krankenhauſe aus, ſtatt.
Sammlung am Krankenhauſe.
Zur Teilnahme an der Beerdigung
wer=
den die Kameraden von Ackermann bis
Dußmann, ſowie der 2. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß meine liebe
gute Frau, unſere Mutter, Schwiegermutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (24732
nach längerem, ſchwerem, mit großer Geduld
ertragenem Leiden, heute früh 6 Uhr ſanft
ent=
ſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bittet
im Namen der trauernde: Angehörigen:
ihr tieftrauernder Gatte
Georg Fz. Frank.
Darmſtadt, 22. Dezember 1910.
Roßdörferſtr. 28.
Die Beerdigung findet Samstag, den 24. Dez.,
vormittags ½10 Uhr, ſtatt.
Todes-Anzeige.
Heute Vormittag 11 Uhr entſchlief
plötz=
lich und unerwartet mein lieber Gatte, unſer
treubeſorgter Vater, Schwiegervater, Großvater
und Onkel
(24739
Wilhelm Becker
im Alter von 59 Jahren.
Darmſtadt, den 22. Dezember 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Juliane Becker, geb. Schmidt
und Kinder.
Adolf Siebert.
Eliſabeth Siebert, geb. Becker.
Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag
½3 Uhr, vom Trauerhauſe, Schwanenſtr. 10
aus, ſtatt.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter und
Tante
(24731
Frau Elise Zimmer
geb. May
geſtern in Frankfurt a. M. ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 22. Dezember 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Freitag, den 23. ds.
Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle
des Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und Beerdigung unſeres
unvergeßlichen lieben Sohnes und Bruders
Frie d e I
insbeſondere dem Herrn Pfarrer Fink für die
troſtreichen Worte am Grabe, dem Herrn Lehrer
Daab, ſeinen Schulkameraden, dem Knabenchor
der St. Eliſabethenkirche, dem Vorſtand des
Eiſen=
bahn=Werkſtätte=Arbeiter=Vereins für, die
Kranz=
ſpende, ſowie für die vielen Blumenſpenden,
ſprechen wir hiermit Allen unſeren innigſten
Dank aus.
(24738
In tiefer Trauer:
Familie Th. Beutel.
Darmſtadt, den 22. Dezember 1910.
Dankſagung.
Für die liebevolle Teilnahme bei der
Krank=
heit und dem Hinſcheiden unſerer lieben Schweſter,
Schwägerin und Tante
(*30940
Frau Sophie Trapp
geb. Fertsch
ſprechen wir unſeren herzlichſten Dank aus.
Darmſtadt, den 22. Dezember 1910.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Ferdinand Fertsch.
Kirchliche Nachrichten.
Hofkirche. Samstag, 24. Dezember, um 4 Uhr:
Chriſtveſper zum heiligen Abend.
Stadtkirche. Samstag, 24. Dezember,
nach=
mittags um ½4 Uhr: Weihnachtsfeier des
Kinder=
gottesdienſtes. Pfarrer Velte.
Johanneskirche Samstag, 24. Dezember,
nach=
mittags 3½ Uhr: Weihnachtsfeier des
Kindergottes=
dienſtes.
Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 23. Dezember 1910.
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 24. Dezember 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabbat=
ausgang 5 Uhr 20 Min.
Sonntag, den 25. Dezember 1910.
Beginn des Chanukkahfeſtes nachmittags 4 Uhr.
Jugendgottesdienſt. Jugendgottesdienſt und Predigt
(Chanukkahfeier).
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr
15 Min., abends 4 Uhr.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 24. Dezember.
Vorabend 4 Uhr — Min. Morgens 8 Uhr — Min.
Nachmittags 4 Uhr — Min. Sabbatausgang 5 Uhr
20 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 25. Dezember,
an: Morgens 7 Uhr — Min. Nachmittags 4 Uhr — Min.
NB. Sonntag, den 25. Dezember:
Abends Beginn des Chanukkah=Feſtes.
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Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckereig
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
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Roman von K. v. d. Eider.
Nachdruck verbote n.)
Es traf ſich wirklich gut, daß der Bauer nicht zu
ſe war. Ingeborg band ſich noch raſch eine ſchwarze
enſchürze um, die für ihre Figur lächerlich klein
ihr aber doch ein gewiſſes Gefühl der Sicherheit
Ueberlegenheit gab, und dies war ja die Hauptſache.
machte vorſichtshalber die Küchentüre hinter ſich zu,
it man hier nichts hörte, und trat mit vieler Würde
in in die beſte Stube.
Sie ſah wohl den Ausdruck der Enttäuſchung auf
Antlitz; er hatte ſicher gehofft, Wiebke würde jetzt
eten. Er war ein nicht gerade hübſcher, aber gut
ehender junger Mann mit feinen, ländlichen Zügen
klaren Augen. Ingeborg ließ ihn nicht erſt zu
e kommen. Sie fing ohne Umſchweife an zu reden,
ſie war dem Jüngling gegenüber im Vorteil, denn
atte ihre Rede wohl einſtudiert, während er ſich auf
lntwort nicht ſo raſch beſinnen konnte. Sie hatte
Karten vorzüglich gemiſcht und verſtand es, ihre
mpfe auszuſpielen.
In klaren, vernünftigen Worten ſetzte ſie ihm
aus=
nder, daß Wiebke eine der erſten und reichſten
rntöchter des Kirchſpiels ſei und daß ſie nur einen
rn heiraten dürfe. Ja, Wiebke ſei ſchon ſo gut wie
n
bt, man warte nur das Tranerjahr ab.
Der junge Mann fühlte ſich der imponierenden
Er=
ſcheinung Ingeborgs gegenüber faſt als ein Knabe. Aus
allen Ecken und Winkeln der Stube, aus den ſchweren,
geſchnitzten Mahagonimöbeln, der vergoldeten Uhr
unter der Glasglocke, dem ſilbernen Geſchirr auf dem
Tiſche leuchtete ihm protzige Wohlhabenheit entgegen.
Selbſt die Luft legte ſich ſchwer auf ſeine Bruſt. Wenn
er dabei an das ſtille, ſchmuckloſe Stübchen ſeiner
Eltern dachte, wo kleine Photographien in ſchmalen
Rähmchen an der Wand hingen und vor dem Fenſter
Pantoffel= und Aſchblumen blühten, ſtieg die Röte der
falſchen Scham ihm ins Geſicht.
Er fühlte ſich unglücklich. Bis jetzt hatte er es gar
nicht gewußt, daß Geld alles in der Welt war. Hier
wurde es ihm klar gemacht. Er begriff alles, was ihm
Ingeborg ſagte, es klang ja ſo vernünftig und
ſelbſtver=
ſtändlich; ſogar wohlwollend hörte es ſich an, wenn ſie
ihm riet, die Tochter eines kleinen Beamten oder
Pächters zu heiraten, ſo eine, die in ſeinen Stand und
zu ſeinen Eltern paßte.
Ob er Wiebke nicht mal ſehen dürfte, bat er.
Ingeborg ſchüttelte den Kopf. Sie wäre gar nicht
da, und er ſolle ſich das man lieber aus dem Kopfe
ſchlagen, Wiebke wäre ſehr ſtolz, ſie geniere ſich, daß ſie
etwas mit ihm gehabt habe. Er ſähe das gewiß ein.
Ja. er ſah es ein. Gewiß, Wiebke war ſtolz;
da=
hatte die Tante ganz recht. Er hatte es ſelbſt beobachtet.
Sie war auf dem Gute ſogar als hochmütig verſchrien
worden und hatte ſich von dem Dienſtperjonal immer
fern gehalten. Ja, was dieſe Frau ihm ſagte, hatte er
ſich hundertmal ſelbſt vorgehalten; es war nur die
Ver=
laſſenheit in ihrer Stellung, die ſie zuſammengeführt
hatte.
Mit einem Seufzer erhob ſich Paul Jenſen.
Inge=
borg geleitete ihn hinaus und reichte ihm vor der Tür
mit mütterlicher Freundlichkeit die Hand.
So ging der junge Mann, wie er gekommen. Nur
daß ſich jetzt ein Leidenszug um ſeine ſchmalen Lippen
gelegt hatte, daß er die Welt nicht mehr mit ſo fröhlichen
Augen anſah, wie vordem. Es war die höchſte Zeit, daß
er ging, denn fünf Minuten ſpäter kam der Bauer die
Werft herauf. Die Fürtchen waren auch gerade fertig,
als Ingeborg wieder in die Küche trat.
Sie ließ einige Worte fallen, was man manchmal
für Aerger mit einem Reiſenden habe. Sonſt war ſie
ganz ruhig; daß ihre Hände ein wenig zitterten, wurde
niemand gewahr. Am Abend fand ſich Niklai ein. Er
wollte Tantchen beſuchen, wie er ſagte, aber er
be=
kümmerte ſich faſt ausſchließlich um Wiebke, die ſeinen
Huldigungen einen gleichgültigen Stolz entgegenſetzte.
Ingeborg wurde immer mehr die Seele des Hauſes.
Sie ſorgte für die Wäſche und Kleidung des Hausherrn,
für das Wohl der Dienſtleute, für die Kälber und
Schweine, für Garten und Hühnerhof. Sie lud
Geſell=
ſchaften ein und ging mit dem Bauern aus zu den
Nach=
barn. Ja, man ſah bald überall im Dorfe in ihr die
zu=
künftige Rethwiſchhoferin und ſie tat nichts, dem Gerüchte
zu widerſprechen,
Sei
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
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Der Kringelkrug florierte ohne die luſtige Witwe.
Niklai wußte auch manchen dadurch anzulocken, daß er
mit ihm trank und Karten ſpielte.
Wiebke war in der letzten Zeit noch ſtiller und
teil=
nahmsloſer geworden als früher. Es tat dem Bauern
wohl manchmal weh, ſeine Tochter ſo zu ſehen, aber er
ſchob es auf die Charaktereigentümlichkeiten. Sie war
immer ein eigenwilliges, ſtolzes Kind geweſen und hatte
nie ihrem Vater ihr Herz erſchloſſen. So ließ er ſie auch
jetzt ihre Wege gehen, obgleich er ſie herzlich lieb hatte
und ihr gern alle Wünſche erfüllt haben würde.
Er kam auch nicht dazu, viel darüber nachzudenken
Ingeborg hielt ſeine Sinne mehr als je gefeſſelt. Sie
verſtand es, den Funken in ein Männerherz zu werfen und
zu heißer Glut zu entfachen. Sie ging dem Bauern um
den Mund und war ihm zur Hand. Sie wußte es ihm
in ſeinem Hauſe gemütlich zu machen, ſeinen kleinen
Eigenheiten zu ſchmeicheln, ausfindig zu machen, was ihm
ſchmeckte, was ihm behagte. So machte ſie ſich ihm
un=
entbehrlich und nahm die erſte Stelle in ſeinem Hauſe
und in ſeinen Gedanken ein.
Auch das Weihnachtsfeſt verlief diesmal gemütlicher
als ſonſt. Ingeborg hatte leckere braune Kuchen und
ſchönen Roſinenkuchen gebacken. Das ganze Haus duftete
danach. Sie hatte für einen hübſchen Tannenbaum
ge=
ſorgt und den Leuten die Teller bis obenan gefüllt. Man
ſah lauter helle Augen und frohe Mienen. In Rolf regte
ſich ein Gefühl der Dankbarkeit gegen Ingeborg. Dieſes
verſtärkte ſich noch, als er Wiebke mit kalter Miene und
zuſammengepreßten Lippen am Ofen ſtehen ſah. Seine
Tochter würde es nicht ſo verſtanden haben, ihm das Feſt
zu verſchönen. Ihn überlief es kalt, wenn er an die
un=
frohen Jahre dachte, die wie ein böſer Traum hinter ihm
lagen. Nein, er wollte nicht mehr zurückblicken. Er fühlte
ſich fröhlicher und friſcher ſeit langer Zeit; mochte es ſo
bleiben wie es war, ihm war es recht.
Es kam ihm daher auch gar nicht überraſchend, als
Ingeborg ihm eines Tages eine Anſpielung auf ihre
künf=
tige Verheiratung machte. Ja, ſie hatte nicht unrecht,
Ingeborg war ja ſchon jetzt ſozuſagen ſeine Frau; es war
ganz in der Ordnung, daß ſie ſich nach Beendigung des
Trauerjahres trauen ließen. Er wurde alt, ſchon
durch=
zogen ſilberne Fäden Bart= und Kopfhaar; die Zeit der
goldenen Jugendträume war vorbei.
Aber gern hätte er die Beiden vorher verſorgt, die
ihm am Herzen lagen: Andrees und Wiebke. Faſt war
ihm der Sohn teurer geworden als die Tochter; doch ſah
er wohl ein, daß er ihn nicht immer um ſich behalten
konnte. Er hatte die Abſicht, nach einigen Jahren dem
jungen Manne eine kleine Landſtelle zu kaufen, dann
konnte er ſich verheiraten und die Mutter zu ſich nehmen.
So war auch für die geſorgt. Anders ſtand es mit
Wiebke. Sie war zu ſtolz und eigenartig; es würde nicht
leicht ſein, für ſie den rechten Mann zu finden. Er ſah ihr
nach, wie ſie hochgehobenen Kopfes Ingeborg
gegenüber=
ſtand und dann mit der Haltung einer Königstochter
hin=
ausſchritt.
Ingeborg war Rolfs Blicken gefolgt; ſie verſtand, in
ſeinen Augen zu leſen.
Es wird Zeit, ſagte ſie, daß Wiebke ans Heiraten
denkt; ſie iſt in den ſchönſten Jahren, und ich denke, ſie
und Niklai paſſen ganz gut zuſammen.
Niklai? Er beſann ſich. Ja, ſie war nicht
unfreund=
lich zu ihm, ſie lächelte über ſeine Scherze und
Galan=
terien. Ja, warum nicht, antwortete er, wenn ſie ihn mag?
Wiebke trat zur Tür herein, wie gerufen.
Ingeborg ſetzte das Thema fort und zog Wiebke mit
hinein ins Geſpräch
Da zuckte es wie eine Stichflamme über das Antlitz
des jungen Mädchens. Hatte ſie auch ſchon von dem
Ge=
liebten noch immer keine Nachricht bekommen, ſchien er
ihr auch untreu geworden zu ſein, ſo warf ſie ſich doch
nicht dem erſten beſten an den Hals, am wenigſten dem
Niklai Thedens, der in ſeinem Blick etwas hatte, als
könnte er durch die Kleider hindurchſehen.
Sie hob den Kopf noch ein wenig höher, faſt nach
hintenüber. Ich heirate überhaupt nicht, gab ſie kurz zur
Antwort.
Was willſt Du denn? ereiferte ſich Ingeborg. Dein
Vater könnte ſich mal wieder verheiraten, dann biſt Du
hier überflüſſig.
Dann gehe ich wieder in Stellung, entgegnete
Wiebke, und bei dieſen Worten fühlte ſie ſelbſt deutlich,
daß ſie mit ihrem gekränkten Herzen, ihrer Enttäuſchung,
ihrem Stolze nicht in den Dienſt für fremde Leute mehr
hineinpaßte. Ingeborg lachte laut und ſpöttiſch auf. Sie
konnte ihren Aerger ſchlecht verbergen.
Nein, ſagte jetzt Rolf beſtimmt, vom Hauſe kommſt
Du deswegen doch nicht; wenn Du Niklai nicht leiden
magſt, brauchſt Du ihn nicht zu heiraten.
Ingeborg, die jetzt fühlte, daß ſie zu weit gegangen
war, zwang ſich zu einer ruhig=freundlichen Miene und
lenkte das Geſpräch in ein anderes Fahrwaſſer.
Zu Niklai ſagte ſie, daß ſein Weizen hier jetzt noch
nicht blühe, er möge erſt das Trauerjahr und ihre
Ver=
heiratung mit Rolf abwarten. Als Frau und Stiefmutter
würde ſie es ſchon durchſetzen, daß er Wiebke bekäme.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 301.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polzeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Vermahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 däniſche Dogsd, 1 Pinſcher, 1 Hofhund.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk= Bürgermeiſterei während der Dienſtſtunden offen.
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete.
Zum bevorſtehenden Vierteljahreswechſel bringen wir nachſtehendes Ortsſtatut
wiederholt zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 20. Dezember 1910.
(24721fsi
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Dr. Gläſſing.
Auf Grund des Geſetzes vom 6. Januar 1906, betreffend die Räumungsfriſten
bei der Wohnungsmiete, wird auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom
31. Mai 1906, ſowie nach Anhörung des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung
Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 2. November 1906 zu Nr. M. d. J.
37271 folgendes Ortsſtatut erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in Kraft treten.
§ 1. Endigt das Mietverhältnis am Schluſſe eines Kalendervierteliahres, ſo muß
die Räumung gemieteter Wohnungsräume durch den Mieter:
a) bei kleinen, d. h. aus höchſtens 3 Zimmern und etwaigem Zubehör
beſtehen=
den Wohnungen am erſten Tage oes folgenden Monats, ſpäteſtens 5 Uhr
nachmittags,
b) bei mittleren, d. h. aus 4 bis 5 Zimmern und etwaigem Zubehör beſtehenden
Wohnungen am zweiten Tage des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr
mittags,
c) bei großen, d. h. aus mehr als 5 Zimmern und etwaigem Zubehör
beſtehen=
den Wohnungen am dritten Tage des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr
mittags, beendet ſein.
§ 2. Die im § 1 beſtimmten Räumungsfriſten werden nur mit der Beſchränkung
gewährt, daß
a) bei Wohnungen, welche aus 3 bis 4 Zimmern und etwaigem Zubehör
be=
beſtehen, ein Zimmer,
b) bei Wohnungen, welche aus mehr als 4 Zimmern und etwaigem Zubehör
be=
ſtehen, zwei Zimmer,
ſchon am erſten Tag des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags, vollſtändig
geräumt ſind.
§ 3. Kann der Mieter ſchon mit der Beendigung des Mietverhältniſſes ſeinen
Ueberzug in die neue Wohnung bewerkſtelligen, ſo finden die Vorſchriften der §§ 1, 2
keine Anwendung.
Hat der Vermieter auf Grund eines ihm geſetzlich oder vertragsmäßig zuſtehenden
Rechtes das Mietverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfriſt gekündigt, ſo ſtehen
die in den §§ 1, 2 bezeichneten Räumungsfriſten dem Mieter nicht zu.
§ 4. Fällt der Tag, an welchem nach den §§ 1, 2 die Räumung ganz oder
teil=
weiſe zu beendigen iſt, auf einen Sonntag oder einen ſtaatlich anerkannten allgemeinen
Feiertag, ſo tritt an die Stelle des Sonntags oder des Feiertags der nächſtfolgende
Werktag.
Darmſtadt, den 27. November 1906.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Morneweg.
Brennholz-Verſteigerung
(Hohe Tanne).
Freitag, den 30. Dezember I. J., morgens 9½ Uhr, werden im „Darmſtädter
Hof” zu Griesheim aus dem Kahlabtrieb in „Hohe Tanne” (Förſter Decher zu
Forſthaus Harras, Poſt Darmſtadt) verſteigert:
Scheiter: 110 rm Eiche, 156 rm Kiefer, 22 rm Kiefer (rund); Knüppel:
82 rm Eiche, 72 rm Kiefer; Reiſigknüppel: 98 rm Eiche, 160 rm Kiefer;
Stöcke (fein): 72 rm Eiche, 198 rm Kiefer.
Unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
(24712
Darmſtadt, den 16. Dezember 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Jagd=Verpachtung.
Montag, den 2. Januar 1911, nachmittags 2 Uhr,
wird auf hieſigem Rathauſe die Jagd auf hieſiger Flurmarkung, 731 ha umfaſſend,
in einem einzigen Jagdbogen auf weitere 6 Jahre öffentlich verpachtet.
Jagdkartenfähige Pachtliebhaber werden hierzu eingeladen.
Die Pachtbedingungen werden am Termine bekannt gegeben.
Bemerkt wird, daß Obernau eine Bahnſtation hat und nur eine Stunde vor
(24708
Aſchaffenburg gelegen iſt.
Obernau, 20. Dezember 1910.
Die Gemeindeverwaltung:
Autz, Bürgermeiſter.
Seite 11.
Bekanntmachung.
Der Voranſchlag der Gemeinde, des Elektrizitäts= und Waſſerwerks Ober=
Ramſtadt für 1911 liegt vom Samstag, 24. d. M., an acht Tage lang zur Einſicht
der Intereſſenten und Entgegennahme etwaiger Einwendungen auf dem Büro der Großh.
Ober=Ramſtadt, den 21. Dezember 1910.
(24717
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Orchester: Mitglieder der Großh. Hofmuſik.
Leitung: Herr Hofmuſiker G. Adam.
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Der Zauberer
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Die goldene Gans
Fünftes Bild: Im Schloßpark.
Der König.
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Hanſel
Erſter
Zweiter
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Vierter
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Frau Flink
Fritz .
Vater Eberhard.
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23, Dezember 1910.
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Nach der Erzählung „Des Pfarrers Töchterlein” von
Karl Backes, bearbeitet von Dr. Karl Eſſelborn.
(Fortſetzung.)
Mein Weg führte noch ein Stück durch die Anlagen,
an deren Ende, etwas im Buſchwerk verſteckt, ſich eine
Ruhebank befand. Ich kannte das trauliche Plätzchen
von früher her und wollte hier auch ein Weilchen
ver=
bleiben. Noch einige Schritte trennten mich von dem
idylliſchen Orte, da blieb ich plötzlich wie feſtgebannt
ſtehen. Sie, die ſchon ſeit Jahren, ohne es zu wiſſen,
meine innigſte Sehnſucht geweſen, die ich floh, und nach
der ich mich leidenſchaftlich hingezogen fühlte, Luischen,
ſaß hier, das ſchöne Köpfchen auf die Hand geſtützt, in
tiefe Gedanken verſunken. Unſchlüſſig, was ich tun
ſollte, leiſe zurückweichen oder ſie begrüßen, blieb ich
einige Minuten in ſeligem Anſchauen wie eine
Bild=
ſäule ſtehen. Klötzlich fuhr Luischen auf und blickte
bleich, an allen Gliedern leiſe zitternd, erſchrocken um
ſich, als ſei ſie aus einem böſen Traum erwacht.
Ich grüßte freundlich und erkundigte mich nach der
Urſache ihres Schreckens.
„Ach Gott,” gab ſie, zu lächeln verſuchend, leiſe zur
Antwort, „ich hatte Sie nicht kommen hören und ſah
plötzlich eine Mannesgeſtalt vor mir. Ich war ſo ſehr
in ernſte Gedanken verſunken.”
„Ich fürchtete, Sie hätten vor mir ſolches Entſetzen
gefühlt und bedauerte ſchon aufrichtig, mich nicht
ſtill=
ſchweigend entfernt zu haben,” bemerkte ich.
„O. Sie Spötter,” ſagte ſie freundlich, „warum ſollte
rch mich vor einem alten Bekannten und Jugendfreunde
entſetzen? Ach Gott, wäre die ſchöne Zeit der Kindheit
noch einmal da!”
„Was fehlt Ihnen?” fragte ich, nachdem ich ſie
ge=
beten hatte, die Ruhebank mit ihr teilen zu dürfen.
„Ach,” ſeufzte ſie, „mir fehlt viel! Und ich habe
keine Freundin hier in der Nähe und keinen Freund,
der meinen Kummer mitfühlen kann. So muß ich ihn
allein tragen, und das iſt hart.”
„Aber, mein Gott,” rief ich teilnehmend, „Sie haben
ein gutes Vaterherz, vielleicht auch Mutterherz, die
ge=
wiß mit Ihnen fühlen, — wenn Sie etwa an dem
Mit=
gefühl, der tiefinnigſten Freundſchaft Ihres einſtigen
Mitſchülers noch zweifeln wollten.”
Bei dieſen letzten Worten, die ich ſchüchtern zögernd
hinzuſetzte, war mir ein eigentümliches Aufblitzen ihrer
ſchönen Augen nicht unbemerkt geblieben und brachte
auf meinen Wangen eine ſchnell vorübergehende
Flammenröte hervor.
„Ja,” ſagte ſie nach einer kurzen Pauſe, „gerade die
Mutter iſt es, die mich nicht verſtehen will. Ach, ich
darf Ihnen ja vertrauen. Sie waren immer der
Klügere und können mir vielleicht aus meiner Qual
helfen. Seit einiger Zeit beſucht uns häufig ein junger
Kaufmann aus Frankfurt. Er will mich zur Frau
haben. Ich kann ihn aber durchaus nicht leiden, am
liebſten ginge ich jedesmal weit weg, wenn er kommt.
Sein Renommieren mit den glänzenden Geſchäften, die
er mache, ſeine Geringſchätzung aller Menſchen, die
nicht mit irdiſchen Gütern reichlich geſegnet ſind, kurz
und gut, ſein ganzes Benehmen und ſeine Erſcheinung
ſind mir in der Seele zuwider.”
„Nun,” verſetzte ich, „da iſt doch ein Rat nicht
ſchwer. Da erklärt man kurz: Ich will nicht!”
„Ja, Sie haben leicht reden,” entgegnete ſie traurig,
„Sie kennen meine Mutter noch nicht. Die ſieht mich
ſchon im Geiſte als eine vornehme, reiche, angeſehene
Stadtdame, die auf der Zeil wohnt und täglich
aus=
fahren kann. Sie ſetzt mir alle Tage ſo fürchterlich zu,
daß ich mich faſt fürchte, nach Hauſe zu gehen.”
„Aber, um’s Himmelswillen,” rief ich
leidenſchaft=
lich, „Sie werden ſich doch nicht zeitlebens an einen
Menſchen binden wollen, den Sie nicht lieben können?”
„Nein,” entgegnete das ſonſt ſo ſanfte Mädchen
ent=
ſchloſſen und feſt, „nein, um keinen Preis der Welt.
Aber den Sturm fürchte ich, der ſeitens meiner Mutter
in Szene geſetzt werden wird, wenn in den nächſten
Tagen der Herr P. aus Frankfurt ſeinen Antrag in
zuckerſüßen Worten ſtellen wird, und ich darauf ein
beſtimmtes: „Ich kann und will nicht” zur Antwort
geben ſoll. Ach, Gott, es iſt ſchrecklich!”
Sie barg ihr ſchönes Geſicht in beide Hände und
einige Tränen ſtahlen ſich durch die ſchlanken Finger.
„O, könnte ich Ihnen beiſtehen,” rief ich
leidenſchaft=
lich, „könnte ich Ihnen beiſtehen, keine Macht der
Erde — —
Mein Herz war zum Zerſpringen
be=
wegt; ſanft zog ich ihre Hände vom Geſicht und hielt ſie
in den meinigen; unſere Blicke begegneten ſich, und
was nicht Worte ausſprechen konnten, ſagten die Augen
in unzweideutiger Sprache. „Luischen!” „Karl!”
Der keuſche, reine Bund war geſchloſſen.
„Ach, Karl, es iſt hohe Zeit, daß ich nach Hauſe gehe,”
ſagte Luischen nach einiger Zeit ſeligen, ſtummen
Um=
armens. „Man könnte,” ſetzte ſie leiſe hinzu, „uns hier
überraſchen. Wenn dies die Mutter erführe, es gäbe
einen entſetzlichen Sturm.”
„Das glaube ich auch,” erwiderte ich langſam und
ernſt, ihre Hände feſt in den meinigen haltend. „Aber
wird meine Luiſe auch ſtark genug ſein, den kommenden
Stürmen Trotz bieten zu können? Wird Deine Liebe
alle Hinderniſſe beſiegen, die man unſerer Verbindung
in den Weg legen wird? Verzeih mir, mein Herz, die
Fragen. Der Gedanke, Dich verlieren zu können, wäre
zu ſchrecklich.”
Raſch erhob ſich das liebliche Mädchen, die ſchlanke,
ſchöne Geſtalt ſtand vor mir, ihr Geſicht war hoch
ge=
rötet, ihre Hände drückten feſt die meinigen, der
liebe=
ſchwere Blick der herrlichen, dunklen Augen war feſt
auf mich gerichtet, und mit ſicherem Ernſte, ja mit
feier=
licher Stimme ſprach ſie voll Nachdruck: „Karl, zweifle
nie an meiner Liebe! Ich bin und bleibe Dein auf
ewig!‟
Ein heißer Kuß beſiegelte das Gelöbnis.
„Und jetzt noch eins,” ſagte ſie nach einer Weile.
„Wir wollen unſer Verlöbnis vor der Hand noch gegen
jedermann geheim halten und uns Mühe geben, uns
nicht zu verraten. Ich ſchreibe Dir von Zeit zu Zeit,
Du mir aber erſt dann, wenn ich Dir eine Adreſſe
au=
geben kann, wodurch mir die Briefe ſicher vermittelt
werden können. Ich weiß es, es iſt nicht recht, ſo etwas
hinter dem Rücken der Eltern zu tun, aber jetzt, wol
mich der Frankfurter Liebhaber noch plagt, und ich noch
Sturm genug auszufechten habe, mag es ſo das beſte
ſein. Und nun, leb’ wohl, mein Karl, Gott ſchütze uns.”
Sie ging der nahen Straße zu. Ich blieb noch etwa
eine Viertelſtunde in wonniger Stimmung zurück und
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ich eiwa eine gute halde Stunde ſpäter ins elterliche
Haus gelangte.
Am nächſten Tage machte ich einen kurzen Beſuch
im Pfarrhauſe. Luischen hatte abends vorher noch in
ſpäter Stunde einen lieben Beſuch bekommen: ihre
Freundin B. von Maulbach war eingetroffen. Die
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
Seite 19.
beiden Mädchen waren gerade ſpazieren gegangen.
Der Pfarrer hoffte, daß ſie bald zurückkehren würden,
denn es ſei Beſuch von Frankfurt angeſagt, der jeden
Augenblick eintreffen könnte. In der Tat raſſelte auch
bald darauf ein Fuhrwerk zum offenen Tor herein.
Ich verabſchiedete mich ſchnell und begegnete auf dem
Hausflur dem aufs freundlichſte von der Frau Pfarrer
ins Haus geleiteten Herrn P., einem ziemlich kleinen,
elegant gekleideten Herrchen. Mit einem kurzen Gruße
an die Frau Pfarrer und einer etwas ſteifen
Verbeu=
gung gegen den wahrſcheinlich ſturmbringenden
Neben=
buhler verließ ich raſch das Pfarrhaus, nahm zu Hauſe
herzlichen Abſchied von Eltern und Geſchwiſtern und
ging dann mit eiligen Schritten der nächſten Station
zu. An der Gemarkungsgrenze ſaßen Luischen und
ihre Freundin. Es gab noch einen kurzen, herzlichen
Abſchied, der um ſo unbefangener ausfiel, als Luischen
erklärte, ihrer Freundin könne man vertrauen, ſie wiſſe
bereits alles. Endlich mußte geſchieden ſein.
Nach ungefähr acht Tagen erhielt ich den erſten
Brief. „Der Sturm”, hieß es darin, „war hart, doch
hat er vorläufig ausgetobt. Herr P. wird nicht
wieder=
kommen. Die ſchönen Hoffnungen meiner Mutter ſind
zerronnen. Aber laß mich ſchweigen von dem, was ich
erdulden und hören mußte. Und was das Schlimmſte
iſt, ſie hat Verdacht auf uns. Unſere Begegnung am
letzten Dienstag iſt ihr erzählt worden.”
In einem weiteren Briefe vom 20. Auguſt 1855
ſchrieb ſie: „Man ſagt nicht umſonſt: „Auf Freud’ folg:
Leid”. Bei mir iſt es eingetroffen. Unſere
paar Zuſammenkünfte während Deiner
Sommer=
ferien — ach, wie glücklich waren wir, — ſind haarklein
berichtet worden. Was blieb mir jetzt übrig, als alles
einzugeſtehen. Ich kann Dir die Vorwürfe nicht
mit=
teilen, die ich, und vor allem mein guter alter Vater
hat hören müſſen über unſer ſeitheriges Gehätſchel mit
dem Schullehrer. Deine Eltern wiſſen jetzt unſer
Ver=
hältnis auch und ſind, ſoviel ich weiß, recht betrübt über
uns. Die frühere herzliche Verbindung zwiſchen Pfarr=
und Schulhaus hat bis auf den amtlichen Verkehr der
beiden Väter aufgehört. Ach, lieber Karl, wir werden
uns jetzt lange nicht ſehen können, denn es iſt im Rate
der Eltern beſchloſſen, daß Mutter und ich vor Deinen
Herbſtferien nach Maulbach gehen, und ich
wahrſchein=
lich den Winter über dort bleiben muß. Ich werde jetzt
ſelten allein gelaſſen. Sollte alſo in längeren
Zwiſchen=
räumen kein Brief von mir an Dich gelangen können,
ſo ſei doch feſt verſichert, daß ich ſtets bleiben werde
Deine Luiſe.”
Es waren trübe Herbſtferien für mich. Zwar
ver=
ſtanden die Eltern meine Gefühle, denn ihre
Verbin=
dung war ja auch aus der innigſten Herzensneigung
hervorgegangen. Kein Wort des Vorwurfs traf mich
aus ihrem Munde, doch lag ſo ein gewiſſer Alp auf der
ganzen Familie, und der ſorgenvolle Blick der guten
Mutter traf mich jedesmal tief. Faſt täglich ging ich
zur nahen Stadt, und jene Ruhebank im traulichen
Ge=
büſch nahm dann regelmäßig mich ſchwermütig
Sinnen=
den auf. Die Ferien gingen ſo langſam vorüber, keine
Nachricht von ihr, der meine Sehnſucht galt, gelangte an
mich, ſchließlich reiſte ich ab und ſuchte Troſt und
Zer=
ſtreuung in angeſtrengter Arbeit.
EEndlich erhielt ich einen Brief aus Maulbach von
der Freundin B. „Im Auftrage Luiſens”, ſo ſchrieb
ſie darin, „muß ich Ihnen leider berichten, daß ſie ſchon
ſeit einigen Wochen ſehr krank iſt. Die Weihnachten
beſuchten wir einen Ball zu Kirtorf. Meine gute Luiſe
hatte einige Hoffnung, Sie könnten vielleicht die paar
Ferientage hier bei Ihrem Jugendfreunde E. zubringen
und den Ball beſuchen. Meine Vorſtellung, daß dies
höchſt unwahrſcheinlich ſei, da Sie ja doch nicht wüßten,
daß ihre Mutter einige Tage vorher nach Ober=Eſchbach
gegangen ſei, ſuchte ſie dadurch zu entkräften, daß ſie
anführte, ſolches hätten Sie vielleicht von dorther
er=
fahren. Luiſe tanzte einigemal, als ſie plötzlich
ohn=
mächtig niederſank und einen ſtarken Blutſturz bekam,
der ſich gegen Morgen wiederholte. Meine Tante iſt
jetzt wieder hier. Ich würde Sie gerne einladen,
ein=
mal hierherzukommen, aber es kann und darf nicht ſein,
um ſo mehr nicht, als der Arzt jede Aufregung aufs
ſtrengſte unterſagt hat. Schreiben Sie auch nicht; der
Brief könnte immerhin ſchon Aufregung bringen,
wenn er in die eine oder andere Hand gelangte, und
mir iſt ſo bange um ihr Leben. Ich ſoll Sie herzlich
von ihr grüßen und Ihnen mitteilen, daß ſie immer in
treuer Liebe Ihrer gedachte. Sobald Luiſe kann, wird
(Schluß folgt.)
ſie ſelbſt ſchreiben.
Vermiſchtes.
* Vom Chriſtbaumſchmuck. Hoch droben im Thüringer
Walde, von dem der Tannenbaum ſeinen Weg fand bis ins
Beihnachts zimmer, wo deine pausbäclige Puppe herſtammt,
du blondes Mädel, Junge, dein Holzpferd, der Baukaſten,
die Menagerie, dein Frachtwagen, und was ſonſt Liebe dir
beſcherte, von dort ſind auch die bunten Glasſächelchen
her=
über gewandert, der Chriſtbaumſchmuck, wie er ſeit ein
paar Jahrzehnten immer freudigeren Eingang in
Weih=
nacht feiernde Familien findet. Eine Reihe von Dörfern
„auf dem Walde” im Banne des Meininger Oberlandes
und angrenzender Länder ſind an der Herſtellung des
Chriſtbaumſchmuckes beteiligt, die Zentrale, der
Mittel=
punkt für alle Glasbläſereien, auch den Behang unſerer
Tannen, iſt der bald 6000 Seelen zählende meiningiſche
Flecken Lauſcha, die „Lauſche” kurzweg auf dem Walde
nur genannt. Der bekannte Thüringer Schriftſteller A.
Trinius hat in der Gartenlaube eine illuſtrierte
Abhand=
lung über die Herſtellung des Chriſtbaumſchmucks
veröffent=
licht. Er erzählt uns von der in hoher Blüte ſtehenden
Glasbläſerei in Lauſcha, wo übrigens auch andere,
wert=
vollere Sachen, u. a. auch die künſtlichen Glasaugen,
her=
geſtellt werden, von der Winter= und „Lichtſtubenpoeſie”,
wenn groß und klein bis in die tiefe Nacht fleißig die
Hände regen, um die vorliegenden Beſtellungen rechtzeitig
fertigzubringen. Werfen wir einen Blick in ein ſolches
Heim und ſehen wir der Arbeit zu. Die einzelnen
Sta=
dien der Herſtellung ſind weislich verteilt bis zu den
Kleinen hinab. Damit wird mechaniſche Geſchicklichkeit
erzielt. Der wahrhaft Schaffende, mit flinker Hand,
Phan=
taſie und Geſchmack Arbeitende iſt allein der Mann an der
Stichflamme. Da ſtaunt man, wie unter ſeinen flinken
Händen, durch Blaſen, Atemeinziehen, Streichen, Drücken,
Runden, Kneten mit dem Teiler in der Hand. all die krauſen
Dingerchen wie im Flug erſtehen. Bei den geringeren
Gegenſtänden iſt der Glasfluß gleich bunt getönt. Bei
den beſſern hingegen tritt der Maler noch in ſeine Rechte.
Und dies alles wieder mit eilenden, flüchtigen
Pinſel=
ſtrichen. Denn es geht ja nach Hunderten von Dutzenden,
und eine Fünfmarkkiſte enthält gar viel! Wenn dann
alles verſpiegelt, bemalt, getrocknet iſt, wobei die Kleinen
ſchon mit zufaſſen müſſen, dann fällt letzteren noch zu, die
Oeſen und Haken anzubringen. Nun geht es ans
Sortie=
ren. Die Kartons ſtehen bereit. Hinein mit der
ſchillern=
den Ware! Nun hämmert man die Kiſten zu. Draußen
harrt der Fuhrmann. Iſt keine Bahnſtation am Orte, ſo
treibt er ſeine Pferde noch durch Schnee und Sturm, durch
Wald und über öde Halden, bis die Tauſende bunter
Din=
gerchen die Reiſe antreten können, fernen, fremden
Men=
ſchenkindern den Glanz des Feſtes mit ihrer Farbenpracht
und ihrer ſtillen Thüringer Waldpoeſie zu erhöhen.
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Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Dezember 1910.
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Amelung, Friedrich, Liebfrauenſtr. 104
Amelung, Friedr. Nachf., Joh. Bert,
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Backhaus, Friedr., Heinheimerſtr. 35
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Beck, Wilh., Saalbauſtr. 29
Beckenhaub, Fr., Schulſtr., Ecke Kirchſtr.
Beſſunger Drogerie, Beſſungerſtr. 1
Beyer, Wilh., Ahaſtr. 8
Bismarck=Drogerie, Bismarckſtr. 26
Braunwarth, Anton, Marktpaſſage
Braunwarth, Anton, Fil., Tannenſtr. 23
Büchler, A., Roßdörferſtr. 26½
*Dahlen, Friedr., Viktoriaſtr. 81
Eckert, Karl, Rhönring 29
Erb, Otto, Alexanderſtr. 17½
Ewald, Georg, Frankfurterſtr. 6
Eyſſen, J. B., Heidelbergerſtr. 96
Federlin, Jakob, Wendelſtadtſtr. 51
Fiſcher, Konrad, Frankenſteinerſtr. 54
Gärtner, Ad., Ecke Viktoria= u.
Pallas=
wieſenſtr. 34
Germann, Gg., Grafenſtr. 35
*Germann, Ph., Karlſtr. 63½
Gerſchlauer, L., Neckarſtr. 28
*Gölz, Albert, Kranichſteinerſtr. 59
Gorr, Anton, Gervinusſtr. 39
*Grix, Karl, Viktoriaſtr. 87
Groh, Eliſabethe, Frankenſteinerſtr. 38
Guſtine, Chr., Heinrichſtr. 93
Haas, Heinrich, Grüner Weg 36
Hammann, C., Kaſinoſtr. 23
Hebermehl, V., Eliſabethenſtr. 53
Hebermehl, V., Kiesſtr. 66
Hebermehl, V., Lauteſchlägerſtr. 4
Hebermehl, V., Mollerſtr. 17
*Hebermehl, V., Sandbergſtr. 27
Held, Gg., Roßdörferſtr. 35
Henß, Friedr., Neue Niederſtr. 21
Henſel, Adolf, Nieder=Ramſtädterſtr. 21
Heß, G. Val., Saalbauſtr. 41
Hild, Ph., Kiesſtr. 21
Hoffart, Karl, Neue Ireneſtr. 11
Huwerth, Ph., Roßdörferſtr. 21
Hübner, Gg, Karlſtr. 56
Kantz, Eduard Wwe., Grafenſtr. 22
Kleinſchnitz, Kilian, Soderſtr. 70
Krämer, Kath., Alexanderſtr. 9
Kriegk, Gg. L., Rheinſtr 20
Liebig, Gg. & Co., Nachf., Luiſenſtr. 4
Gg. Manck Nachf., Ballonplatz 5.
Merz, A. Nachf., Gardiſtenſtr. 15
Müller, Jakob, Viktoriaſtr. 27
Netz, Ludwig, Karlſtr. 20
=Paſche, Wilh. Friedr., Beſſungerſtr. 104
=Paul, Lina, Viktoriaſtr. 52
*Peter, Friedr., Neue Ireneſtr. 72.
Petri, Ludwig, Roßdörferſtr. 5
Petry, Georg, Roßdörferſtr. 52
=Pleiffer, Chr., Taunusſtr. 26
Praſſel, M. W., Grafenſtr. 27
Reitz, Friedr., Pankratiusſtr. 17
Riſſe, L., Mathildenſtr. 9
Ritſert, Wilh. jr., Grüner Weg 30
Roßmann, Gg. Heinr., Lichtenbergſtr. 80
Roßmann, Heinrich, Inſelſtr. 29
Roth, Georg, Dieburgerſtr. 9
*Rothermel, J., Schloßgaſſe 5
=Rühl, Heinrich, Waldſtr. 12
=Sauer, Albert, Darmſtr. 39
Schmitt, Th., Hochſtr. 43
Schmuck, Eliſabeth, Pfründnerhausſtr. 9
Schnatz, Friedr., Heinheimerſtr. 69
Schnell, Wilh. Jak., Gr. Bachgaſſe 23
Schwinn, Chr Rheinſtr. 20
Secker, Ph. Nachf., Ludwigshöhſtr. 1
Seybold, Karl Nachf., Tanusſtr. 15
Steinhäuſer, Karl, Mühlſtr. 78
Stephan, Hermann, Stiftſtr. 29
Stumpf, Wilh., Sackgaſſe 2
Sulzmann, Adolf, Forſtmeiſterſtr. 2
Supp, A. J., Marktplatz 8
Walter, Luiſe, Taunusſtr. 42
Watzinger, Carl, Wilhelminenſtr. 11
Weicker, Albert, Hoffmannſtr. 13½
Weinmann, Julius, Inſelſtr. 30
Wenzler, Alois, Beckerſtr. 15
Wolf, Joh. Gg., Soderſtr. 101
Zachmann, Adolf, Bleichſtr. 46
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Amelung, Friedrich, Liebfrauenſtr. 104
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Beckenhaub, Fr., Schulſtr., Ecke Kirchſtr.
Beſſunger Drogerie, Beſſungerſtr. 1
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Braunwarth, Anton, Marktpaſſage
Braunwarth, Anton, Fil. Tannenſtr. 23
Büchler, A., Roßdörferſtr. 26½
Dahlen, Fdch., Viktoriaſtr. 81
Erb, Otto, Alexanderſtr. 17½
Eyſſen, J. B., Heidelbergerſtr. 96
Fiſcher, Konrad, Fränkenſteinſtr. 54
Gärtner, Ad., Ecke Viktoria= u.
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wieſenſtr. 34
Germann, Gg., Grafenſtr. 35
Germann, Ph., Karlſtr. 63½
Gerſchlauer, L. Nachf., Neckarſtr. 28
Gölz, Albert, Kranichſteinerſtr. 59
Gorr, Anton, Gervinusſtr. 39
Haas, Heinrich, Grüner Weg 36
Hebermehl, V., Eliſabethenſtr. 53
Hebermehl, V., Kiesſtr. 66
Hebermehl, V., Lauteſchlägerſtr. 4
Hebermehl, V., Mollerſtr. 17
Hebermehl, V., Sandbergſtr. 27
Henß, Fdch., Neue Niederſtr. 21
Henſel, Adolf, Nieder=Niederſtr. 29.
Heß, G. Val., Sgalbauſtr. 41
Hild, Ph., Kiesſtr. 21
Huwerth, Ph., Roßdörferſtr. 21
Hübner, Gg., Karlſtr. 56
Kantz, Eduard Wwe., Grafenſtr. 22
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Kriegk, Gg. L., Rheinſtr. 17
Liebig, Gg. & Co., Nachf., Luiſenſtr. 4
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Merz, A., Schulſtr. 12
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Müller, Jakob, Viktoriaſtr. 27
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Paſche, Wilh. Friedr., Beſſungerſtr. 104
Paul, Lina, Viktoriaſtr. 52
Peter, Friedr., Neue Ireneſtr. 72
Petri, Ldw., Roßdörferſtr. 5
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Pfeifer, Chr., Taunusſtr. 26
Praſſel, M. W., Grafenſtr. 25/27
Reitz, Friedr., Pankratiusſtr. 17
Ritſert, Wilh. jr., Grüner Weg 30
Roßmann, Heinrich, Inſelſtr. 29
Rothermel, J., Schloßgaſſe 5
Rühl, Heinrich, Waldſtr. 12
Sauer, Albert, Darmſtr. 39
Schwinn, Chr., Rheinſtr. 8
Secker, Ph., Nachf., Ludwigshöhſtr. 1
Seybold, Karl Nachf., Taunusſtr. 15
Steinhäuſer, Karl, Mühlſtr. 78
Stephan, Herm., Stiftſtr. 29
Stumpf, Wilh., Sackgaſſe 2
Sulzmann, Adolf, Forſtmeiſterſtr. 2
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Dahlen, Friedr., Viktoriaſtr. 81
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Eyſſen, J. B., Heidelbergerſtr. 96
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Hartter, Friedr. Nachf., Schulſtr. 6
Heckmann=Schmidt, Gg., Ludwigſtr. 8
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Krauſe, Herm., Liebigſtr. 4
Leichtweiß, H., Beſſungerſtr. 41
Liebig, Gg. & Co. Nachf., Luiſenſtr. 4
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Petri, Ludwig, Roßdörferſtr. 5
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