Darmstädter Tagblatt 1910


18. Oktober 1910

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173. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 244.

Dienstag, den 18. Oktober.

1910.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

England.
Gegenüber großen Ereigniſſen, wie der portugie=
ſiſchen
Revolution oder dem Eiſenbahnerſtreik in Frankreich,
iſt es begreiflich, wenn man weniger hervortretenden Er=
eigniſſen
in anderen Ländern kaum Beachtung ſchenkt, ob=
gleich
ſie doch leicht von weittragender Bedeutung ſein
könnten. So hat man ſich ſchon ſeit langer Zeit nicht mehr
mit den inneren Verhältniſſen Englands be=
faßt
, höchſtens, daß man ſeiner Tätigkeit nach außen und
in der letzten Zeit ſeiner intimen Beziehungen zu Por=
tugal
gedachte. Um die innere Lage kümmerte man ſich
kaum, zumal ja auch das Parlament in der Zwiſchenzeit
nicht tagte. In aller Stille ſcheint ſich aber doch eine
Wendung vorbereitet zu haben, die für die innere Ent=
wickelung
Englands von weittragendem Erfolge begleitet
ſein kann.
Die Verhandlungen zwiſchen Regierung und Oppo=
ſition
wegen einer Einigung über die ſchwebenden Tages=
fragen
ſchienen erfolglos auslaufen zu ſollen, nachdem
im Vorjahre der Zwiſt in hellen Flammen entbrannt war
und durch den Tod König Eduards ein gewiſſer Stillſtand
herbeigeführt wurde. Man ſchloß eine Art Gottesfrieden,
um die erſte Regierungszeit des Königs nicht zu ſtören
und ihm Gelegenheit zu laſſen, ſich in die Dinge einzu=
leben
und ſeine Stellung zu nehmen. Hat auch, dem
Buchſtaben der Verfaſſung nach, der König keinerlei Ein=
fluß
auf die Politik, ſo weiß man doch zur Genüge aus
den Zeiten König. Eduards VII. her, wie nachhaltig eine
hervorragende Perſönlichkeit auf dem engliſchen Throne
den Lauf der Dinge zu beſtimmen verſteht. Sein Ueber=
gewicht
auf dem Gebiete der Außenpolitik hat England
nach allgemeinem Zugeſtändnis in der Hauptſache der Ini=
tiative
König Eduards VII. zu danken, der ſeine um=
faſſenden
perſönlichen Verbindungen in trefflicher und ge=
ſchickter
Weiſe im Intereſſe ſeines Landes und zur Durch=
führung
ſeiner hohen Pläne auszunützen verſtand. Nun=
mehr
aber ſcheint das Ende des Waffenſtillſtandes zu
nahen, man will nach monatelangen Unterbrechungen zum
Schluß kommen, um eine definitive Entſcheidung zu tref=
fen
und zu wiſſen, woran man iſt. Die Verhandlungen
zwiſchen der Regierung und den Vertrauensmännern der
konſervativen Oppoſition ſind wieder aufgenommen wor=
den
, um vielleicht bald wieder aufzuhören. In der näch=
ſten
Sitzung will die Regierung ihre letzten Vorſchläge un=
terbreiten
, und, falls dieſe abgelehnt werden, die Verhand=
lungen
abbrechen, ſodaß eine neue ſchwere Kriſis die Folge
wäre.
Die letzten Vorſchläge der Regierung ſollen angeblich
darauf hinausgehen, den vier heimatlichen britiſchen Rei=
chen
England, Irland, Schottland und Wales je ein hei=
miſches
Parlament für örtliche Angelegenheiten zu ge=
währen
, d. h. mit anderen Worten: eine allgemeine Ho=
merule
. Das Unterhaus ſoll unverändert beſtehen blei=
ben
, das Oberhaus dagegen abgeſchafft und durch einen
Senat erſetzt werden, der nicht nur von engliſchen Wäh=
lern
, ſondern auch von den Wählern in den Kolonien no=
miniert
werden ſoll. Die Konſervativen wären zwar für
einen derartigen Senat eventuell zu haben, dagegen lehnen
ſie die Volksvertretungen für die einzelnen Kronländer
ſtrikte ab, ſodaß damit ein neuer Konflikt gegeben iſt.
Man zweifelt daran, daß eine Einigung zuſtande kommen
wird, weil man weiß, daß die konſervative Oppoſition ihren
Standpunkt in dieſer Frage aus prinzipiellen Gründen
unter keinen Umſtänden aufgeben will. Ebenſowenig kann
aber die Regierung nachgeben, wenn ſie nicht den Zorn
des Unterhauſes auf ſich laden will.
Die Reform der parlamentariſchen Inſtitutionen iſt
nun einmal der Hauptpunkt im Programm der jetzigen
liberalen Regierung, und wenn es ihr nicht gelingt, dieſe
durchzuführen, ſo wird ſie in der Verſenkung verſchwinden
müſſen. Dieſe Gefahr rückt nahe, wenn nicht das Kabinetr
die erſorderliche Energie zu zeigen verſteht.

Von der Republik Portugal.
* Am Montag ſollten die Dekrete veröffentlicht wer=
den
, durch die die Pairskammer, der Staatsrat und der
Adelstitel abgeſchafft, die Dynaſtie Braganza verbannt
und die Wohltätigkeitsanſtalten verweltlicht werden. Nach=
träglich
ſtellt es ſich heraus, daß eine große Anzahl höherer
Beamten der früheren Regierung ihr Gehalt auf mehrere

Jahre hinaus im voraus abgehoben hatten. Dadurch iſt
der Staat um viele Millionen geſchädigt worden. Ueber
das Vermögen der königlichen Familie ſind
bereits Anordnungen getroffen worden, wonach dem König
ſeine wenigen Habſeligkeiten, wie Kleider uſw., zugeſtellt
werden. Die Kunſtgegenſtände im Palaſte dagegen ſollen
verkauft und deren Erlös zur Tilgung der Schulden des
Königs an den Staat verwandt werden. Der Grund=
beſitz
der Dynaſtie wird auf etwa zehn Millionen
Mark Wert geſchätzt. Ein Teil ſoll dem König verbleiben
und der andere ebenfalls zur Abtragung ſeiner Schuld
verwendet werden. Auch in der Münze hat man eine Ent=
deckung
gemacht; es wurde feſtgeſtellt, daß hochgeſtellte Per=
ſönlichkeiten
Silber, das die Münze gekauft hatte, dort
münzen ließen, dabei verdienten dieſelben 35 Prozent,
die eigentlich dem Staate zugekommen wären.
König Manuel erlebt an der britiſchen Regierung
nicht viel Freude. Er, der ſich in ſeinen Regententagen
von England mit ausgeſuchter Zuvorkommenheit umwor=
ben
ſah, muß jetzt erkennen, wie wenig die britiſche Auf=
merkſamkeit
ſeiner Perſon galt. Das Kabinett von St.
James hat dem König Manuel nahegelegt, ſich während
ſeines Aufenthaltes in Gibraltar jeder poli=
tiſchen
Betätigung zu enthalten. Deshalb iſt
auch die Veröffentlichung der von der königlichen Familie
verfaßten Darſtellung der Revolution auf ſpätere Zeit ver=
ſchoben
worden. Die königliche Familie wird ihren gan=
zen
Einfluß auf die Royaliſten in Portugal
ausüben, um dafür zu werben, daß eine möglichſt große
Zahl monarchiſtiſcher Deputierter in das Kabinetts= Par=
lament
gewählt wird. Der König iſt ſehr aufgebracht,
daß man ihn der Feigheit gegenüber der Revolution be=
zichtigt
hat. Er habe ſich ſeinerzeit, wie aus der Umgebung
der königlichen Familie verlautet, an die Spitze ſeiner
Truppen ſtellen wollen, um die Revolution niederzu=
kämpfen
. Dieſen Plan habe er nur aufgegeben, weil ſeine
Anhänger ihm dringend abrieten; ſein Leben ſei zu wert=
voll
für das Land, als daß er es aufs Spiel ſetze.
In Gibraltar war eine ſtrenge Ueberwachung des Pa=
laſtes
des Gouverneurs, wo der König und ſeine Familie
Wohnung genommen haben, angeordnet worden. Inzwi=
ſchen
iſt die Abreiſe der königlichen Familie
aus Gibraltar erfolgt. Die Königin=Witwe begab
ſich am Sonntag nachmittag, begleitet vom Herzog von
Oporto, an Bord des italieniſchen Kreuzers Regina
Elena, der hierauf nach Spezia in See ging. Die Köni=
gin
=Witwe begibt ſich nach dem Schloſſe San Roſſore, um
dort den König und die Königin von Italien zu treffen.
Im Laufe des Nachmittags ſchifften ſich dann König Ma=
nuel
und die Königin=Mutter auf der engliſchen Königs=
jacht
Victoria and Albert ein, die hierauf ebenfalls in
See ging.
Deutſches Reich.
Die Reichstagskommiſſion zur Vor=
beratung
der Reichsverſicherungsordnung
hat ſeit den Ferien fleißig gearbeitet und einige hundert
Paragraphen erledigt. Man ſchreibt über den gegenwär=
tigen
Stand der Dinge aus parlamentariſchen Kreiſen:
Die Beſtimmungen über die Unfallverſicherung ſind im
großen und ganzen nach der Vorlage angenommen Die
wichtigſte Aenderung bei der Invalidenverſicherung betrifft
die Einführung von Kinderrenten, d. h. die Erhöhung der
Renten für Invaliden, die Kinder unter 15 Jahren haben.
Die Regierung hat gegen die Neuerung Widerſpruch er=
hoben
, doch ſteht zu hoffen, daß ſie am letzten Ende nach=
geben
wird. Einen energiſch ausſehenden, aber wohl nicht
ernſt gemeinten Verſuch unternahmen die Sozialdemo=
kraten
, die Invaliden=, Alters= und Hinterbliebenenrenten
weſentlich zu erhöhen. Ein Antrag, der auf eine Verdop=
pelung
der Renten hinauslief, würde einen Mehraufwand
erfordern, der nach unſerer Schätzung für das Jahr 1911
ſich auf 310 Millionen Mark belaufen würde. Ein an=
derer
Antrag würde etwa die Hälfte erfordern. Auf eine
derartige Mehrbelaſtung konnte die Kommiſſion nicht ein=
gehen
. Auch die Herabſetzung der Altersgrenze für den
Bezug der Altersrente konnte nicht vorgenommen werden
mit Rückſicht auf die dadurch notwendig werdende Mehr=
belaſtung
. Ueberhaupt mußten viele Wünſche, ſo berech=
tigt
ſie ſchienen, wegen der Koſten zurückgeſtellt werden.
Bei der zweiten Leſung, die im November beginnen ſoll,
werden all die ſchwierigen Fragen von neuem auftauchen,
die noch nicht endgültig entſchieden ſind. Viele Verbeſſe=
rungen
des Entwurfs können dann möglicherweiſe wieder
rückgängig gemacht werden. Ob das ganze Geſetzgebungs=

werk in dieſer Seſſion zum Abſchluß gelangen wird, er=
ſcheint
angeſichts der vorhandenen Meinungsdifferenzen
noch zweifelhaft.
Die Reichseinnahmen an Zöllen und
Steuern im erſten Halbjahr des laufenden
Etatsjahres. Für die Zeit vom 1. April bis 30. Sep=
tember
d. J., mithin für die volle Hälfte des Etatsjahres
1910 belaufen ſich die Einnahmen an Zöllen und Steuern
auf 701 Millionen Mark. Geſchätzt ſind ſie für das ganze
Jahr auf 1441 Millionen; der Voranſchlag iſt mithin im
erſten Halbjahr noch nicht voll erreicht. Dabei iſt aller=
dings
zu berückſichtigen, daß die Brauſteuer im letzten
Monat des Jahres, im März 1911, ſtärkere Erträge er=
warten
läßt. Aber das bisherige Ergebnis zeigt doch
wiederum, daß der ſehr vorſichtig aufgeſtellte Etatsvor=
anſchlag
, wenn überhaupt, ſo doch jedenfalls nur ſehr
; knapp erreicht wird. Dieſe Entwicklung ließ ſich ſchon nach
den Ergebniſſen der letzten Monate des vorigen Etats=
5 jahres vorausſehen. Gehoben haben ſich im September
die Einnahmen aus der Branntweinſteuer, wogegen die
Zuckerſteuer in ihren Erträgen nachgelaſſen hat. Die Erb=
ſchaftsſteuer
weiſt eine nicht unweſentliche Zunahme auf,
und die Börſenſteuern halten ſich nach wie vor auf beträcht=
licher
Höhe, ebenſo der Grundſtücksumſatzſtempel. Wenig
günſtig iſt wiederum das Ergebnis der Zölle.
Die Vizepräſidentenſtelle im Reichs=
tag
. Die Preſſe beſchäftigt ſich bereits mit der Wieder=
beſetzung
der zweiten Vizepräſidentenſtelle im Reichstag.
Die Nationalzeitung meldete dazu, die Nationalliberale
Partei verzichte darauf, im Präſidium vertreten zu ſein.
Einen formellen Anſpruch, bemerkt dazu die Poſt, dürfte
ſie auch kaum noch geltend machen können, denn ſie iſt
nicht mehr die drittſtärkſte Partei im Reichstag. Trotzdem
werde man ihr den Sitz wiederum anbieten. Die Reichs=
partei
habe ſich mit der Frage überhaupt noch nicht be=
ſchäftigt
und werde erſt unmittelbar vor dem Zuſammen=
tritt
des Reichstags dazu Stellung nehmen.
Der Zentralausſchuß der Fortſchritt=
lichen
Volkspartei wird zum erſten Male nach
der Bildung der neuen Partei wie verlautet, für die
Tage unmittelbar vor dem Wiederzuſammentritt des
Reichstages zuſammenberufen werden. Der Zentralaus=
ſchuß
, der nächſt dem Parteitag die oberſte Parteiinſtanz
bildet, beſteht aus den Mitgliedern des Geſchäftsführenden
Ausſchuſſes, die nicht ſchon als Reichstagsabgeordnete dem
Zentralausſchuß angehören, ſowie aus 60 Vertretern der
Verbände im Lande.
Ausland.
Griechenland.
Die griechiſche Kabinettskriſe. König
Georg übertrug, wie bereits gemeldet, Venizelos die Bil=
dung
des neuen Miniſteriums. Venizelos übernahm die
Bildung des Kabinetts vorbehaltlich der Prüfung der
parlamentariſchen Lage. Er wird ſomit Verhandlungen
mit den alten Parteiführern und den neuen Parteigruppen
über deren parlamentariſche Haltung gegenüber ſeiner Re=
gierung
beginnen. Die Proteſte und Drohungen türkiſcher
Zeitungen gegen das Kabinett Venizelos werden in Athen
allſeitig als ungehörige Einmiſchung in innere Fragen
zurückgewieſen.
Spanien.
Antipatriotiſche Propaganda. In der
Kammer machte der Miniſterpräſident die Mitteilung
von der antipatriotiſchen Propaganda, die in
den Kaſernen betrieben werde, wo umſtürzleriſche, im
Auslande gedruckte Schriften verbreitet würden. Die Herde
der Verſchwörung und der vaterlandsverräteriſchen Propa=
ganda
ſeien in den Vorſtädten zu ſuchen. Der Miniſter=
präſident
erklärte, er werde alle geſetzlichen Mittel zur Un=
terdrückung
der Beſtrebungen anwenden, ſobald er be=
ſtimmte
Beweiſe in Händen habe. Ein Republikaner er=
widerte
, die Revolution werde ausbrechen, ſobald ſie kom=
men
müſſe. Die Regierung werde nichts gegen die Sou=
veränität
des Volkes vermögen.
Monaco.
Die Verfaſſung. Aus Monaco liegen über
die Verfaſſungsbewegung widerſpruchsvolle Meldungen
vor. Nach einer Meldung des Matin hätten die vom
Fürſten von Monaco gemachten Zugeſtändniſſe die Be=
völkerung
nicht befriedigt, da dieſe vor allem die kommu=
nale
und finanzielle Selbſtverwaltung verlange. Nach dem
New=York Herald habe Fürſt Albert alle Forderungen der
Bevölkerung bewilligt, nämlich die Einſetzung eines auf
Grund des allgemeinen Stimmrechtes zu wählenden Kom=

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Nummer 244.

Darmſtädter Tagblätt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite 2.
munalausſchuſſes, der vollſtändige Selbſtändigkeit genie=
ßen
und über die Hilfsmittel des Landes verfügen ſoll.
Dem Fürſten wird eine Zivilliſte gewährt. Die Berichte
ſügen hinzu: Die Ruhe im Lande iſt geſichert. Alſo
können jetzt auch die internationalen Gäſte wieder in Ruhe
an den Spieltiſchen Platz nehmen, ohne ſich den Gefah=
ren
einer Revolution oder eines Bürgerkrieges auszu=
ſetzen
.
Perſien.
Zur=Lage. Die Reſidenz iſt voll von aus Maſan=
deran
geflüchteten Soldaten. Die Regierungstruppen ſind
vollſtändig geſchlagen. Der Emir von Aſam wird von
dem Emir von Muckerum verfolgt und nähert ſich Teheran,
wo Gärung herrſcht. Es wurden ſtark beſuchte Verſamm=
lungen
abgehalten, worin die Unzufriedenheit mit der Re=
gierung
zum Ausdruck gebracht und die Abſetzung des Ka=
binetts
gefordert wird.
Eine Note derengliſchen Regierung. Das
Reuter=Bureau meldet: Angeſichts der Schädigungen, die
der Handel infolge der fortgeſetzten Ruheſtörungen im =
den
von Perſien erleidet, richtete die engliſche Regierung
eine energiſche Note an die perſiſche Regierung. Sie wies
darauf hin, daß ſich ernſte Folgen ergeben würden, wenn
ſich die Wiederherſtellung der Ordnung ungebührlich ver=
zögert
. Die Times veröffentlicht hierüber folgendes Tele=
gramm
aus Teheran: Die Note der britiſchen Regierung
an die perſiſche enthält die beſtimmte Ankündigung von
entſchiedenen weiterreichenden Maßregeln, die England bei
gewiſſen bedauerlichen Eventualitäten ergreifen werde.
Dieſe Maßregeln würden ein Ende der Politik der Nicht=
einmiſchung
bedeuten. Die Ruſſen würden dann wahr=
ſcheinlich
im Norden dem Beiſpiele folgen. Die einzige
Möglichkeit für die Anleihe ſei daher die tatſächliche Tei=
lung
. Die engliſche Regierung würde wahrſcheinlich vor=
ziehen
, bei der bisherigen Politik zu bleiben, hege aber
zugleich den Wunſch, die Lage in möglichſt vollkommener
Harmonie mit der ruſſiſchen Regierung zu behandeln.
Chile.
Die Kammern ſind zuſammengetreten. Die Prä=
ſidentſchaftswahlen
im ganzen Lande ſind ohne Störung
verlaufen.
*
2
* DieReiſe des deutſchen Kronprinzen.
Auf dem Reichspoſtdampfer Prinz Ludwig vom
Norddeutſchen Lloyd, auf dem der Kronprinz ſeine
Studienreiſe nach Oſtaſien antreten wird, iſt man ſeit
einigen Wochen mit den Fahrtvorbereitungen beſchäf=
tigt
. Der Kronprinz erhält 4 Offizierzimmer, . die
Kronprinzeſſin die daneben befindlichen Räume des
Kapitäns. Das Heim des Kronprinzen hat durch Fort=
nehmen
und Einziehung neuer Wände ein größeres
Arbeitszimmer, Saal, Schlafkabine und Spielzimmer
erhalten. Für die Kronprinzeſſin ſind drei beſondere
Räume eingerichtet worden. Am Montag treffen die
Gegenſtände aus dem Marmorpalais und dem Kron=
prinzenpalais
in Hamburg ein. Das Kronprinzenpaar
hat eine beſondere Auswahl getroffen für die Möbel=
ſtücke
. Der Dampfer hat einen blendend weißen- An=
ſtrich
erhalten,
* Belgrad, 16. Okt. Der herbeigerufene Wiener
Arzt Dr. Chvoſtek erklärte dem Vertreter des Wiener k. k.
Korr.=Bureaus, daß der Zuſtand des Kronprin=
zen
zwar ernſt ſei, daß aber, ſolange keine Komplikationen
hinzutreten, kein Anlaß zu irgendwelcher Beunruhigung
vorhanden ſei. Uebrigens ſei die Kriſis erſt in der näch=
ſten
Woche zu erwarten.


Stadt und Land.

Darmſtadt, 18. Oktober.
* Audienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Mittwoch, den 19. d. Mts., vor=

Eine Aufführung von Schumanns
Paradies und Peri vor 40 Jahren.
Wenn mir, wie es wohl geſchah, zu Ohren kommt,
daß dieſer oder jener Schumanns Paradies und
Peri ſchon etwas veraltet findet, ſo kann ich mir
gar nicht vorſtellen, wie’s demjenigen muſikaliſch zu
Mute ſein mag, der ſo urteilt. Allerdings gehöre ich faſt
ſchon einer anderen Zeit an, weiß wohl auch, daß die Welt
nicht ſtille ſteht, daß das Neuere beachtet ſein will, daß
das Neuere das Aeltere oft beiſeite ſchiebt; aber ge=
rade
ein Werk, wie Das Paradies und die
Peri, kommt mir noch immer ſo friſch, ſo unmittel=
bar
, ſo muſikaliſch ſchön und poetiſch reizvoll vor, daß
ich jedem Hörer wünſchen möchte, er könnte es ſo hören,
wie ich es zum Beiſpiel hörte, als ich zum allererſten
Male einer Aufführung dieſes Werkes beiwohnte.
Nicht, daß die Aufführung durch hervorragende So=
liſten
, oder durch ein beſonderes Ereignis glänzte,
nein; denn obwohl es jedenfalls eine ſchöne Auf=
führung
war, ſo brachte ich wohl ſelbſt das Beſte mit,
nämlich: die freudige Empfänglichkeit und ein unbe=
dingtes
Vertrauen in Werk, Leiter und Ausführende.
Ich mag damals etwa 17 bis 18 Jahre alt geweſen
ſein. Die Verehrung für Schumann war zu der Zeit
allgemein. In Rotterdam, wo ich Schüler der Muſik=
ſchule
war, ſtand Woldemar Bargiel, ein vor=
trefflicher
Muſiker und ſelbſt hervorragender Kom=
poniſt
(Stiefbruder Klara Schumanns) an der Spitze
des muſikaliſchen Lebens, der Schumanns Werke gründ=
lich
kannte und verehrte. Er war mein Lehrer in der
Kompoſition, während S. de Lange, ein Schüler
Joh. J. H. Verhulſts mein Lehrer im Klavier=
ſpiel
war. Verhulſt war in ſeiner Jugend, als er in
Leipzig Dirigent der Euterpe war, enge befreundet
mit Schumann, und wie hoch letzterer den holländiſchen
Tonkünſtler ehrte, geht aus Schumanns Biographie
und aus ſeinen Briefen genügend hervor. Verhulſt
hatte als Neſtor der niederländiſchen Muſiker einen
großen Einfluß auf die muſikaliſche Entwicklung, und
ſo wurde die Schumannſche Muſik in ganz Holland mit
Liebe und Begeiſterung gepflegt.
In dieſer Atmoſphäre war ich aufgewachſen. Nun
ſollte ich auch Schumanns Oratorium Das Paradies
und die Peri hören. Schon war ich mit der Dichtung
vertraut, während ich von der Muſik nur die Chöre
kannte, die ich in den Proben des Muſikvereins kennen

mittags im Reſidenzſchloß hier Audienzen erteilen, ſowie
Meldungen und Vorträge entgegennehmen.
Charaktererteilungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Fabrikanten Dr. Edmund
Egger und dem Konſervator des Naturhiſtoriſchen
Muſeums Dr. phil. h. c. Wilhelm v. Reichenau, beide
in Mainz, den Charakter als Profeſſor, ferner dem Fabri=
kanten
Leonhard Hoos zu Lauterbach den Charakter als
Kommerzienrat zum 15. Oktober 1910 erteilt.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der Ober=
lehrer
an der Gemeindeſchule zu Langen, Kreis Offen=
bach
, Ludwig Eiſenhardt auf ſein Nachſuchen, unter
Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte, vom
1. November 1910 an, und ihm aus dieſem Anlaß der
Titel Rektor verliehen.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
43jährigen Kaufmann Guſtav Beuler, wohnhaft in
Groß=Gerau, der anfangs April bei dem Fahrradhändler
Rauch daſelbſt erſchienen war, um ſich ein Fahrrad zu
kaufen. Er erſtand ein ſolches zum Preiſe von 130 Mark,
Eigentumsvorbehalt, Ratenzahlung, ſowie eine Anzahlung
von 20 Mark wurden ausbedungen und ausdrücklich er=
klärt
, daß ohne Anzahlung das Fahrrad nicht ausgehändigt
werde. Der Käufer entfernte ſich, anſcheinend, um Geld zu
holen, kam jedoch nicht wieder; ſpäter war auch das Rad
verſchwunden. Der Händler forderte ihn wiederholt im
Guten auf, entweder das Rad zu bezahlen oder zurück zu
bringen. Als dies wirkungslos blieb, ſprach Rauch in
der Wohnung des Beuler vor. Dieſer lag noch zu Bette
und an ſeiner Stelle erſchien ſeine Frau, die verſprach, für
das Rad zu ſorgen, bezahlen könne ihr Mann es doch nicht.
Sie hielt Wort. Beuler wurde vom Schöffengericht wegen
Diesſtahls zu 1 Monat Gefängnis verurteilt, welches Urteil
er mit Berufung anfocht, weil er trotz des Widerſpruchs
der Familie Rauch dabei beharrte, daß ihm die Mit=
nahme
des Rades geſtattet worden ſei. Er hat wegen
verſchiedener Eigentumsvergehen bereits lange Gefängnis=
ſtrafen
verbüßt. Die zweite Inſtanz nahm ſtatt des Dieb=
ſtahls
einen Hausfriedensbruch als erwieſen an, den Beu=
ler
beging, als er ſpäter das Rad holte, erkannte jedoch
auch wegen dieſes Vergehens auf 1 Monat Gefäng=
nis
. Der 19 Jahre alte Schreinergeſelle Gerhard
Zehm von Mühlheim, der eine Uhr ſowie andere Wert=
ſachen
ſtahl, bezog unter Einbeziehung einer bereits rechts=
kräftigen
Gefängnisſtrafe von 6 Wochen eine Geſamtſtrafe
von 6 Monaten 2 Wochen.
Der 54 Jahre alte, noch unbeſcholtene Bahnwärter
Heinrich Adam Küchler von Mörfelden iſt angeklagt,
durch Fahrläſſigkeit einen Eiſenbahntransport gefährdet
zu haben. Er hatte am 9. Auguſt, abends, als es dunkel
war, den Eilzug von Dornberg heranfahren ſehen, ſich aber
in der Schätzung der Entfernung getäuſcht und es unter=
laſſen
, rechtzeitig die Wegſchranke zu ſchließen, die er eine
Viertelſtunde von Mörfelden entfernt zu bedienen hatte.
Hierdurch geſchah es, daß der Fuhrmann Klein mit ſeiner
mit leeren Flaſchen und Fäſſern gefüllten Bierrolle, die er
vorſchriftsmäßig lenkte, in dem Augenblick auf den Schie=
nen
ankam, als der Eilzug heranbrauſte. Er bemühte ſich.
den Wagen zurückzuſchieben, dies gelang jedoch nicht, weil
in demſelben Augenblick der (Wärter die Schranke hinter
ihm geſchloſſen hatte. Der Zug riß dem Handpferd den
Kopf ab und zerſchmetterte eine Laterne. Ein weiterer
Schaden entſtand nicht. Küchler iſt geſtändig und wurde
zu 80 Mark Geldſtrafe verurteilt.
* Eine Sitzung des Provinzialausſchuſſes der
Provinz Starkenburg findet am Samstag, den
22. Oktober vormittags 9½ Uhr ſtatt. Tages=
ordnung
: 1. Rekurs der Gräflich Erbach=Fürſtenauſchen
Rentkammer in Sachen: Konzeſſionsgeſuch des Fabri=
kanten
Joſeph Specht in Michelſtadt. 2. Wirtſchafts
konzeſſionsgeſuch des Heinrich Becker zu Nieder=Ramſtadt.
3. Die gewerbsmäßige Beſorgung fremder Rechtsange=
legenheiten
durch den Lehrer der iſraelitiſchen Religions=
gemeinde
, Vorenberg in Reinheim. 4. Beigeordneten=
wahl
in Klein=Auheim. 5. Einwendungen gegen die
Wählerliſte zur Gemeinderatswahl in Hainſtadt.
* Von der Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes
Darmſtadt 1910 iſt in dem Juniheft der Zeitſchrift
Deutſche Kunſt und Dekoration, herausge=
geben
von Hofrat Alexander Koch, eine Abhandlung
mit zahlreichen Abbildungen erſchienen, die eine wert=
volle
und bleibende Erinnerung an dieſe Ausſtellung
bilden. Hofrat Koch hat vom April an auch ein großes
Kliſchee, das er ſelbſt nach dem Plakat hat anfertigen

gelernt hatte. Dieſe hatten ſchon am Klavier einen
großen Eindruck auf mich gemacht, und was die Dicht=
ung
betrifft, ſo nahm mich ſowohl die poetiſche Idee,
als auch das orientaliſche Kolorit vollſtändig gefangen.
Thomas Moore behandelt hier die Sage von einer
Peri, welche, mit ihrem Stamm vom Paradies ausge=
ſchloſſen
, die himmliſche Seligkeit nur dann erringen
kann, wenn ſie dem Himmel die liebſte Gabe darzu=
bringen
vermag. Die Peri bringt nach eifrigem
Suchen drei Gaben, zwei umſonſt, während die dritte
ihr des Himmels Tor erſchließt. Die erſte Gabe war
der letzte Tropfen Blut aus dem Herzen eines für die
Freiheit ſterbenden Helden, die zweite der letzte Seuf=
zer
einer liebendn Braut, die ihren an der Peſt dahin=
ſiechenden
Bräutigam im Tode nicht verlaſſen will und
ſein Schickſal mit ihm teilt, die dritte enthielt die
Träne eines reuevollen, bußfertigen Sünders.
So ausgerüſtet und vorbereitet, erwartete ich den
Abend der Hauptprobe mit Ungeduld. Noch ſehe ich
den großen, einfach=ſchönen Konzertſaal in Rotter=
dam
; nur ſpärlich erhellt von dem Licht, das über dem
Podium der Ausführenden angezündet war. Hie und
da waren einige wenige Zuhörer, einzeln oder in
kleinen Gruppen verteilt, die ſich in dem großen Raum
faſt völlig verloren. Dort, wo dieſe ſaßen (die Haupt=
proben
waren damals noch nicht öffentlich), herrſchte eine
geheimnisvolle Dämmerung, immerhin noch hell ge=
nug
, um mit jungen Augen in der Partitur nachleſen
zu können, wozu de Lange mich aufforderte, der
glücklicher Beſitzer eines damals noch koſtſpieligen
Exemplars dieſes Werkes war. Welch ein Genuß,
ohne daß die Phantaſie zu ſehr beeinträchtigt wurde,
den Komponiſten ein wenig in die Werkſtatt zu beglei=
ten
! Zu ſehen, wie jene Klänge, die ſo zauberhaft auf
uns wirkten, in ſich zuſammengeſetzt waren! Und
welche ganz beſondere Freude gewährte es uns,
einander abwechſelnd auf dieſes und jenes aufmerk=
ſam
zu machen, was uns beſonders ſchön erſchien, und
wie glücklich waren wir, wenn uns beide zu gleicher
Zeit irgend eine Stelle erhob und entzückte!
Das Vorſpiel begann. Die Violinen ſtimmten
das zarte Anfangsmotiv an. Wie entzückend, wie be=
ſeligend
klangen dieſe weichen Töne. Es war, als
atmeten ſie den ewigen Frieden, der dort fern, fern
hinter jenen goldenen Toren herrſcht, denen ſich die
Peri ſchüchtern und befangen nahte. Die Singſtimmen
traten hinzu. Wir vernahmen die Klage der Peri und
das verheißende Wort des Engels, worauf die Peri

laſſen, durch alle die Monate unentgeltlich in ſeiner
Zeitſchrift Kunſt und Dekoration erſcheinen laſſen und
damit der Ausſtellung einen wertvollen Dienſt geleiſtet.
Die Herren Hofrat Koch, Stadtv. Stemmer und
Otto Stockhauſen erhielten das Bild des Groß=
herzogs
mit eigenhändiger Unterſchrift.
Jubiläum. Man ſchreibt uns: Es iſt ein Be=
weis
rechtem Einvernehmens zwiſchen Direktion und
Lehrkörper, wenn mit Fräulein Anna Schreiners
25jährigem Jubiläum als Lehrerin an der Akademie für
Tonkunſt ſich ein ſolches Ereignis an dieſem Inſtitute
nun ſchon drittmalig wiederholt. Die geſchätzte Künſtlerin
war denn auch, dank ihrer ausgedehnten, erfolgreichen
Lehrtätigkeit am Samstag Gegenſtand zahlreicher
Ovationen. Huldvoll hatte die hohe Protektorin der
Anſtalt, Ihre Durchlaucht Fürſtin Marie zu Erbach=
Schönberg, durch Ueberſenden eines gnädigen Hand=
ſchreibens
und ihres Bildes des Ehrentages gedacht; die
Direktoren der Akademie, Herren Schmitt und Hutter,
überreichten unter anerkennenden Worten ein koſtbares
Geſchenk, desgleichen das vollzählig erſchienene Lehr=
perſonal
, deſſen Beauftragter, Herr Muſikdirektor Martin
Klaſſert, die treue Kollegin feierte. Auch die
Schülerinnen und Schüler, jetzige und ehemalige, wollten
dabei nicht fehlen und ließen, vertreten durch einen
Kranz junger Damen, mehrere wertvolle Angebinde
übermitteln und, wie dies in ſchwungvoller Rede die
Führerin Frl. Wilhelmine Heißner betonte, als einen
Beweis dankbarſter Anerkennung. Der Abend vereinte
dann, auf Einladung der Akademiedirektion, dieſe und
das Lehrerkollegium zu einer intimen, durch diverſe
launige Reden und durch Vorträge des Lehrers für
Dramaturgie, Herrn Oberregiſſeur Emil Valdek, ver=
ſchönten
Feſtesfeier im Muſikſaal des Städtiſchen
Saalbaus.
Der Verwaltungsausſchuß der Vereinigung zur
Förderung der Künſte in Heſſen und im Rhein= Mais=
gebiet
hielt am Samstag eine Sitzung ab. Zweck der=
ſelben
war, eine allgemeine Ausſprache über die von
ihm herausgegebene Zeitſchrift Kunſt unſerer
Heimat herbeizuführen. Zur Gewinnung eines
Ueberblicks über hervorgetretene Mängel und Wünſche
war vorher eine ſchriftliche Umfrage veranſtaltet wor=
den
. Das Ergebnis der Beratung war zunächſt die
Uebereinſtimmung darin, daß es zweckmäßig ſei, wenn,
anſtatt wie ſeither jährlich ſechs, künftig zwölf Hefte er=
ſchienen
, natürlich unter entſprechender Verminderung
der Stärke der einzelnen Hefte. Ferner iſt in Ausſicht
genommen worden, den ſeither ſchon beſtehenden Re=
daktionsbeirat
zu erweitern, insbeſondere für Architek=
tur
und Malerei eine Vertretung zu berufen. Des
weiteren ſoll der ſeitherige Plan für die Zuſammen=
ſtellung
der Hefte: Berückſichtigung örtlicher Bezirke
für abgeſchloſſene Veröffentlichungen, nunmehr ver=
laſſen
, und es ſoll künftig nach anderen Geſichtspunk=
ten
verfahren werden. Dabei ſollen namentlich die
Neuerſcheinungen mehr als ſeither in den Vordergrund
treten.
* Die Stenographenvereinigung Gabelsberger
feierte ihr drittes Stiftungsfeſt am Samstag im Kaiſer=
ſaal
. Nach Begrüßung ſeitens des 2. Vorſitzenden
wickelte ſich das reichhaltige Programm in flotter Weiſe
ab. Die zwei von Herrn Opernſänger Meyer vorge=
tragenen
Lieder fanden bei dem zahlreich erſchienenen
Publikum gute Aufnahme. Das Tanzpärchen und
das Elſäſſer Singſpiel Fritzchen und Lieschen beide
von Frl. Krauſemann und Frau Altſchüler
geſpielt, fanden ſtürmiſchen Beifall, namentlich bei letz=
terem
Stück wurden die Damen wiederholt herausge=
rufen
. Das Genrebild Der Zigeuner, in dem Frl.
Krauſemann, ſowie die Herren Altſchüler
(Spielleiter), Trautmann, Werner und Bonin
mitwirkten, wurde ebenfalls ſehr beifällig aufgenom=
men
. Der Zigeuner des Herrn Altſchüler war eine
Glanzleiſtung. Die Kapelle Frank entledigte ſich ihrer
nicht leichten Aufgabe mit lobenswertem Eifer. Im
Laufe des Abends wurde das Ergebnis des letzten Ver=
einswettſchreiben
bekannt gegeben und 10 Ehrenpreiſe,
Abteilung 60220 Silben, verteilt. Der Ball hielt die
vielen Tanzluſtigen bis in die frühen Morgenſtunden
zuſammen. Die Nachfeier in Arheilgen am Sonntag
verlief ebenfalls aufs beſte.
Aus dem Tierſchutzbureau wird uns geſchrieben:
Unter den Mitteln, die heranwachſende Jugend für die
edle Sache des Tierſchutzes zu begeiſtern, Sinn und Ver=

nachſann und mit ſich zu Rate ging, welche Gabe dem
Himmel wohl am liebſten ſein könnte. Und, wie ſie nun
ſprach von den Urnen voller Schätze, tief unter Dſchel=
minars
Säulen, oder von den Blüten der Weihrauch=
Inſeln, oder von König Jamſchids Pokal, den die
Genien bewachen, der von Gold und Juwelen ſtrotzt
und deſſen Inhalt Lebenstropfen ſind, da berauſchte
mich förmlich alle dieſe Pracht, denn im Orcheſter ſchil=
lerten
die reichſten Klangfarben, und beim Gold von
König Jamſchids Pokal glänzten die Trompeten ſo
heldenhaft herein, daß der Konzertſaal für mich längſt
verſchwunden war, und ich mich vollſtändig wie im
Lande Indiens befand, wo das warme Meer mit den
Inſeln, wo eine tropiſche Vegetation und die ganze
Farbenpracht des Oſtens mich umfangen hielt.
Aber nicht immer geht es ſo glänzend und leicht
in die Augen ſpringend zu. Es kommen auch tiefere
Stellen vor, Stellen, wobei das innere Ohr aufhorcht.
Zum Beiſpiel, wenn die Peri ſingt: Doch will auch
der Himmel ſolch ein Geſchenk? Strahlt je der De=
mant
einer Krone wie die Stufen an Allahs Wunder=
throne
? Und, o ihr Lebenstropfen, was ſeid ihr gegen
die Tiefen der Ewigkeit? Wiesiſt dieſes tief empfun=
den
! Hier gibt es wohl auch für Neuere etwas zu
hören. So etwas wird nicht alle Tage geſchrieben, auch
in unſeren Zeiten nicht. Ein liebliches Muſikſtück
war dann wieder das Vokalquartett, worin Indiens
Schönheit geprieſen wird: O ſchönes Land, o Götter=
pracht
! Dagegen bildete die darauffolgende Kriegs=
ſzene
einen großen Kontraſt. Gazna, der mahome=
daniſche
Eroberer, ſchreitet mit ſeinem wilden Heere
herein und unterjocht die ſanften Inder. Ei, wie ich
mich freute, als ſogar die Janitſcharen=Muſik mit
Trommel und Becken aufmarſchierte. Wie glänzend
klang das! Nun kam die Kataſtrophe. Alles iſt
unterjocht, nur ein Jüngling iſt übrig geblieben, dem
Gazna das Leben ſchenken will, falls er ſich huldigend
vor ihm niederläßt; doch dem Tyrannen fluchend, legt
der Jüngling ſeinen letzten Pfeil auf die Bruſt des
Wüterichs an, fehlt aber das Ziel, und fällt als Opfer
ſeiner Vaterlandsliebe. Ein großer Chor mit Solo=
ſtimmen
, die Stimme der Peri hoch über den anderen
ſchwebend, bildete den Schluß. Hier ſchien mir eines
von großer Wirkung, nämlich die Verwendung der
Harfe zu den Worten: Sei dies mein Geſchenk wo
die Peri ſie zum erſten Male ſingt. Dieſer breite
Arpeggio ſtreute gleichſam einen verklärenden Regen
von goldenen Funken über die Gabe der Peri.

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Nummer 244.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite 3.

ſtändnis für dieſelbe in den jugendlichen Herzen zu wecken
und zu fördern, ſteht mit an erſter Stelle der Tierſchutz=
kalender
. Beſonders iſt es der deutſche Tierſchutzkalender,
der in farbenprächtigem Umſchlag bei dem billigen Preis
von 5 Pfg. mit ſeinen reich illuſtrierten Erzählungen und
Geſchichtchen, die den beſten Arbeiten eines Preisaus=
ſchreibens
entnommen ſind und keinen Vergleich mit an=
deren
zu ſcheuen haben, darauf hinzielt, der Jugend Liebe
zur Tierwelt einzuflößen, ſie über deren Nützlichkeit auf=
zuklären
und von rohen Tierquälereien abzuhalten. Der
Kalender iſt demnach vorzugsweiſe geeignet, die Beſtre=
bungen
des Tierſchutzvereins, deſſen Zweck ethiſcher Natur
iſt, zu unterſtützen, weshalb es ſich empfiehlt, für möglichſt
weite Verbreitung zu ſorgen. Derſelbe iſt, ſo lange der
Vorrat reicht, auf dem Tierſchutzbureau hier, Kiesſtraße
Nr. 123, zu haben.
Mieterverein. Der Mieterverein ladet ſämtliche
Mieter Darmſtadts auf Donnerstag, den 20. cr. abends,
nach dem Kaiſerſaal ein zu einer öffentlichen Verſamm=
lung
behufs Beſchlußfaſſung über die nächſte Stadtver=
ordnetenwahl
. Aufruf nebſt Tagesordnung im Anzeige=
teil
heutiger Nummer.
Der Cerele francais unter Vorſitz des
Herrn Profeſſor Berryer hält ſeine nächſte Sitzung
Donnerstag, den 20. Oktober ab. (Siehe Anzeige.)
§ Ueberfall. Ein Taglöhner wurde in der Nacht
von Sonntag auf Montag gegen 1 Uhr an der neuen
Dragonerkaſerne in der Holzhofallee von drei Unbe=
kannten
überfallen und ſeines Portemonnaies mit
über 20 Mk. Inhalt beraubt.
Nieder=Ramſtadt, 16. Okt. Herr Reichstagsabg.
Dr. Burckhardt=Godesberg hielt in einer vertraulichen
Verſammlung bei Gaſtwirt Schneider hier einen Vortrag
über Zweck und Ziel der chriſtlich=ſozialen
Partei Am Schluſſe des Vortrages ſchloſſen ſich 25
Perſonen zu einer Ortsgruppe zuſammen, der ſich
ſicher noch mehr anſchließen werden.
Groß=Zimmern, 16. Okt. Man ſchreibt uns: Gegen die
am 13. Auguſt ds. Js. hier erfolgte Bürgermeiſter=
wahl
, aus der der Kandidat der vereinigten bürgerlichen
Parteien, der Direktor der hieſigen Spar= und Kreditkaſſe,
Kaufmann H. M. Brücher, mit 115 Stimmen Mehrheit
ſiegreich hervorgeangen war, hatte die Gegenpartei Ein=
ſpruch
bei dem Kreisausſchuß erhoben. Die Reklamation
ſtützte ſich auf etwa ein Viertelhundert Gründe die ſich
in der Verhandlung am 14. ds. Mts. ſämtlich als nichtig
erwieſen. Der Hauptzeuge der Reklamanten, M. K.,
wurde dabei auf Grund der Wahlakten unwahrer Aus=
ſage
überführt und deshalb vom Kreisausſchuß von der
Vereidigung ausgeſchloſſen. Ueberhaupt fiel der ganze
Zeugenapparat der Reklamanten wie ein Kartenhaus zu=
ſammen
; denn nicht ein einziger Zeuge vermochte etwas
Belaſtendes feſtzuſtellen. Demgemäß wies der Kreisaus=
ſchuß
die Reklamation als unbegründet zurück und ver=
urteilte
die Reklamanten zur Tragung ſämtlicher Koſten,
einſchließlich der Gebühren für die beiderſeitigen Zeugen
und Rechtsanwälte, außerdem zu einer Averſionalſtrafe
von 30 Mark.
Heppenheim (Bergſtr.), 16. Okt. Ein Perſonenzug der
Bahnſtrecke Heppenheim-Lorſch hat auf dem erſten Ueber=
gang
den Wagen des Landwirts Peter Rettig erwiſcht
und eine Strecke mitgeſchleift. Der Landwirt hatte ſtarke
Verletzungen am Kopfe und wurde durch die Sanitäts=
kolonne
in ſeine Wohnung gebracht.
Bensheim, 16. Okt. Auf dem Bismarckplatz hat nun=
mehr
der ſchon lange geplante Zierbrunnen Aufſtel=
lung
gefunden, der heute eingeweiht werden ſoll. Das ge=
fällige
, nach einem Entwurf von Prof. Metzendorf er=
richtete
Bauwerk wird einen ſchönen Schmuck unſerer Stadt
bilden.
Mainz, 17. Okt. Geſtern vormittag wurde
das neue Hiſtoriſche Muſeu m der ehe=
maligen
Reichklarakirche in Anweſenheit von
Vertretern des Staates, der Stadt, der Gar=
niſon
, der Militärbehörde, Vertretern auswär=
tiger
Naturhiſtoriſcher Muſeen uſw. von Herrn Ober=
bürgermeiſter
Dr. Göttelmann mit einer Anſprache
eröffnet. Namens des Großherzogs überreichte Herr
Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert den
Herren Dr. Egger (Vorſitzender der Rheiniſchen
Naturforſchenden Geſellſchaft) und dem Konſervator
des Muſeums, Dr. v. Reichenau, die Ernennungen
zu Profeſſoren. Nach einer brieflichen Mitteilung hat
Herr Profeſſor Dr. Viktor Goldſchmidt= Heidel=

Im zweiten Teile war es vor allen Dingen die
Einleitung, die mich ſchon gleich ganz beſonders feſ=
ſelte
. Wie zart und ausdrucksvoll war das Hoboe=
Solo, und wie ſchön ſpann der Meiſter das Motiv in
den Saiteninſtrumenten weiter! Das ganze Stück, ſo
klein es iſt, ſchien mir ein Kabinettsſtück. Es fand
ſeinen Gipfelpunkt in dem Einſatz der Engelſtimmen:
Viel heil’ger ſoll die Gabe ſein, die dich zum Tor des
Lichts läßt ein und klingt von hier an wehmütig aus
mit derſelben Muſik, die zuerſt als Vorſpiel diente,
dort aber noch von Zuverſicht und Hoffnung ſprach,
während die nämlichen Töne jetzt Enttäuſchung und
ſanfte Trauer atmen. Der leiſe feierliche Abſchluß
der Poſaunen, gleichſam als ſähe man das langſame,
unerbittliche Zuſchlagen der goldenen Tore, war für
mich von großer Bedeutung.
Nun folgte der Chor der Genien des Nils mit
ſchnell dahinhuſchenden Orcheſterfiguren und Flüſter=
tönen
im Chor, dann die frappante Tonmalerei der
ſchwülen Hitze in dem Lande, wo jetzt die Peſt herrſchte;
ferner das entzückende Vokalquartett: Denn in der
Trän’ iſt Zaubermacht und zuletzt die große Szene
zwiſchen dem totkranken Jüngling und ſeiner Braut.
Herrlich zur Geltung kam die Glut und Leidenſchaft
im Geſang der Braut: O, laß mich von der Luft
durchdringen und feierlich=weich und erhaben klang
der Schlußgeſang der Peri: Schlaf nun und ruhe in
Träumen voll Duft‟ Eine ſchöne Wirkung wird in
dieſem Todes=Weihegeſang der Peri erreicht durch die
ſich fortſpinnende Erzählung der Chorbäſſe: Indes die
Peri wacht, uſw. Das hat mir niemals ſpäter einen
ſolchen Eindruck gemacht wie beim erſten Hören in
Rotterdam. Kam es durch die ſtark beſetzten weichen
ſonoren Bäſſe, oder durch die ſchöne Akuſtik des Saa=
les
, ich weiß es nicht; trotzdem ich das Werk öfters
in den verſchiedenſten Städten hörte, niemals hörte
ich es ſo ſchön wieder. Der Quartſextakkord, der
am Schluſſe in den Hörnern übrig bleibt, nachdem alle
Inſtrumente aufgehört haben, ſchien mir von großer
Kühnheit. Und doch, wie berechtigt! Ein Verhallen,
ein Aufhören, kein Schließen.
Der dritte Teil bringt nun die Löſung. Es wird
manchmal behauptet: dieſer Teil falle gegen die beiden
erſten ab. Auch das kann ich nicht zugeben. Jede Num=
mer
iſt ſchön, künſtleriſch in ſich abgerundet, und bildet
in der Aufeinanderfolge eine ſtete Steigerung bis zum
Schluß. Und wieviel Gelegenheit bleibt noch, ſich an
Einzelheiten zu erfreuen! In dem einſchmeichelnden

berg dem Muſeum für Neuanſchaffungen 10000 Mark
geſtiftet. Es folgte dann ein Rundgang durch die
prächtig ausgeſtatteten Sammlungsräume.
Bretzenheim, 16. Okt. Geſtern mittag hielt die ge=
meinnützige
Baugenoſſenſchaft in dem Saale
des Herrn Sebaſtian Dang eine öffentliche Verſamm=
lung
ab, in der Herr Landeswohnungsinſpektor
Gretzſchel aus Darmſtadt einen intereſſanten Vor=
trag
über Die Ziele und Beſtrebungen der gemein=
nützigen
Baugenoſſenſchaften hielt, der bei der zahl=
reichen
Zuhörerſchaft den reichſten Beifall fand. Dann
ſprach der Kaſſierer der Genoſſenſchaft, Herr Stier
aus Darmſtadt, über Die nötige Geldbeſchaffung der
Baugenoſſenſchaften und über die Bürgſchaftsüber=
nahme
durch die Gemeinden. Er fand ebenfalls rei=
chen
Beifall.
Wörrſtadt, 16. Okt. Im Stadtwald an der Baben=
häuſer
Chauſſee bei Frankfurt a. M. wurde im Dickicht in
einer eingezäunten Schonung die Leiche eines Man=
nes
gefunden, der ſich durch einen Revolverſchuß in den
Kopf getötet hatte. In den Kleidern war ein Notizbuch,
in dem ſich ein kurzes Abſchiedsſchreiben befand mit der
Adreſſe des ſeit Mitte Juni vermißten Poſtaſſiſtenten
Karl Heſſinger aus Wörkſtadt. Der in den zwanziger
Jahren ſtehende Mann war auf dem Frankfurter Scheck=
amt
beſchäftigt und wird von ſeiner Behörde als ein ſehr
ſolider Beamter bezeichnet, der unmittelbar vor ſeiner end=
gültigen
Anſtellung ſtand. Aus dem Abſchiedsſchreiben
ging hervor, daß er wegen eines Herzleidens aus dem
Leben ſchied.
A Aus dem Kreiſe Gießen, 17. Okt. Eine ganze
Reihe von Schulhaus=Neubauten ſind im
Laufe dieſes Jahres fertiggeſtellt und teilweiſe ſchon
in Benutzung genommen worden. So wurden vor
kurzem die neuen Schulhäuſer in Laufer, Eber=
ſtadt
, Saaſen und Nieder=Beſſingen feier=
lich
eingeweiht, und jetzt hat auch die Gemeinde Lon=
dorf
ihren Schulhaus=Neubau ſeiner Beſtimmung
übergeben. Ueber zwanzig neue Schulhäuſer ſind in
den letzten fünf Jahren in unſerem Kreiſe entſtanden.
* Nidda, 17. Okt. Das von der Bürgerſchaft ge=
ſtiftete
Bismarckdenkmal auf dem Höhenzug der
ſogenannten Baude wurde geſtern nachmittag unter
großer Beteiligung der Bevölkerung feierlich einge=
weiht
. Entwurf und Ausführung ſtammen vom
Architekten Höhn aus Nidda.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 16. Okt. Das Brand=
unglück
in der Neuen Friedrichsſtraße hat
im Laufe des geſtrigen Tages noch ein achtes Opfer gefor=
dert
. Im Krankenhaus Am Friedrichshain iſt noch die
Plätterin Marie Benkert geſtorben. Die Stätte des Brand=
unglücks
war auch am Sonntag vom Publikum ſtändig
umlagert. Die Aufräumungsarbeiten konnten heute durch
die Feuerwehr beendet werden. Den übrigen bei dem
Brande verletzten Perſonen geht es verhältnismäßig gut.
In dem Vorraum der National=Galerie ſind in
der Nacht zum Sonntag an der Theſeus=Statue
kleine Stücke abgeſchlagen worden. Auf den Nordring=
Bahnzug wurde heute nachmittag ein Schuß abgege=
ben
. Die Kugel zertrümmerte zwei gegenüberliegende
Fenſterſcheiben eines Abteils, ohne Perſonen zu treffen.
Als heute nachmittag die Fürſtin Maria Anna zu
Schaumbrg=Lippe und ihr Sohn Stephan in Be=
gleitung
eines Kammerherrn und einer Hofdame eine
Spazierfahrt in einer Kraftdroſchke machten, ſtieß
dieſe in Treptow mit einem Straßenbahnwagen zuſam=
men
. Die Fürſtin und ihr Sohn blieben unverletzt; die
Begleitung erlitt Schnittwunden durch Glasſplitter.
Ein wirkliches Kunſtück haben im letzten Sommer
ſogenannte Feriendiebe fertig bekommen. Ein
Kaufmann, der am Lützowufer in Charlottenburg wohnt,
befand ſich mit ſeiner Familie in der Sommerfriſche. Nur
ſeine Schwiegermutter war zu Hauſe. Bei dieſer erſchienen
plötzlich zwei Männer, die ſich als Kaufleute vorſtellten
und Ziehleute mitgebracht hatten. Sie behaupteten, daß
der Kaufmann ihnen 6500 Mark ſchulde und erklärten, daß
ſie die Wohnungseinrichtung abholen wollten, um ſich an
ihr ſchadlos zu halten. Trotz Widerſpruchs der Dame luden
ie die Einrichtung auf und fuhren davon. Es iſt bis jetzt
noch nicht gelungen, dieſe ungewöhnliche Geſchichte aufzu=
klären
. Ermittelt iſt nur, daß die Einrichtung, die fünf

Chor der Houris, womit dieſer Teil anfängt, iſt zum
Beiſpiel nach dem flüchtig vorüberrauſchenden Frauen=
chor
: Jetzo zurück zu den Roſenlauben, Küſſe zu bie=
ten
, Küſſe zu rauben eine Stelle, wo es heißt: Schon
naht die Sonne Wie wirkt da nach dem H-dur des
Chores das leiſe C=dur der Trompeten, das ganz von
ferne wie durch Harems=Dämmerlicht, Weihrauch=
Duft, über verſchleierte Geſtalten hinweg leiſe aus dem
Weltall herein zu tönen ſcheint.
Die Peri ſchwebt heran. Schon ſieht ſie die Ster=
nenſchalen
blinken, rings um den See des Lichts
gereiht, wo die verklärten Seelen trinken den erſten
Trank der Herrlichkeit Und in ihren Empfindungen
malt der Tonkünſtler den Abglanz des Paradieſes ſo
ergreifend, daß dieſes kurze Tenorſolo für mich eine
der beſeligendſten Stellen aus dem ganzen Werke iſt.
Die leiſe wogende Figur im Orcheſter, der melodiſche
Geſang zu den ſchönen Textworten, dazwiſchen, wie
von weitem, hie und da ein weihevoller Akkord der
Poſaunen, und das Alles getränkt in einer einzigen
Stimmung von Glanz und Seligkeit! Wahrlich, wer
Ohren hat zu hören, der höre!
Doch ſo lockend ſich das Paradies den Augen der
Peri darſtellt, noch iſt ihr der Eintritt nicht geſtattet.
Anfangs tief entmutigt, rafft ſie ſich dennoch noch ein=
mal
auf und beginnt von neuem ihren Flug. Sie be=
ſucht
ihr früheres irdiſches Heimatland, ſie ſieht die
Ruinen ihres Tempels, des Säulen hoch und einſam
weit die Schatten dehnen durch die Auen. (Eine treff=
liche
und dabei muſikaliſch höchſt originelle Tonmale=
rei
.) Dann ſieht ſie unter Blumen einen Knaben an
einem Quell ſchlummern. Ein Räuber naht. In
ſeinem düſter=wilden Antlitz ſtehen alle Frevel ver=
zeichnet
. Jetzt ertönt von den Minaretts der Abend=
ruſ
. Der Knabe erwacht, kniet nieder und betet ſein
Abendgebet. Der wilde Mann gedenkt der Zeit, da
auch er ein unſchuldiges Kind war. Neben dem Kna=
ben
ſinkt er nieder zum Gebet und Tränen innigſter
Reue entſtürzen ſeinen Augen. Nun erkennt die
Peri das richtige Geſchenk für den Himmel. Mit der
Träne ſchwebt ſie empor. Sie weiß, daß ſich der Him=
mel
auftun wird, denn plötzlich fällt ein ſolcher Glanz
auf dieſe Träne, ſo überirdiſch herrlich, wie weder
Sonne noch Sternen entſtrömen kann. Es iſt das
Lächeln des Engels, das die Träne verklärt, und im
beglückendſten Anſſchwung ſtimmt ſie ihren Jnbel=
hymnns
an: Freud', we’ge Freude, mein Werk iſt ge=
tan
, die Pforte geäfkurt, zum Himmel hinan, und wie

Zimmer ausfüllte und 15000 Mark wert war, bis zum 23.
Juli in einem unbenutzten Laden der Württembergiſchen
Straße zu Wilmersdorf geſtanden hat. Seitdem iſt ſie ſpur=
los
verſchwunden. Die Kriminalpolizei forſcht jetzt von
neuem nach den Sachen.
Frankfurt, 16. Okt. Der Geſamtinhalt der Sammel=
kaſten
des Margueritentages betrug 86311,70
Mark. Hinzu kommen aus Sammelliſten erwa 20500
Mark, das Ergebnis der Opernvorſtellung mit 3600 Mark,
die Veranſtaltung des Frauenklubs mit 500 Mark, die
Stiftung der Frankfurter Nachrichten (Intelligenzblatt)
mit 4 bis 5000 Mark. Ferner ſind noch Zuwendungen von
verſchiedenen Schulen gemacht, gauch ſtehen noch einige
Sammelbüchſen aus. Die Unkoſten beziffern ſich auf etwa
10000 Mark. Der Reinertrag dürfte ſich nach Abzug der
Unkoſten auf rund 105000 Mark ſtellen.
Nürnberg, 17. Okt. Auf der Staatsſtraße Licht=
ſtaetten
-Ingolſtadt rannte geſtern vormittag bei Pie=
tenfeld
ein Automobil infolge Achſenbruches die
ſteile Straße hinunter und überſchlug ſich. Die
ſechs Inſaſſen des Kraftwagens wurden unter den
Trümmern des Wagens begraben. Der Buchhalter
Neumann war ſofort tot; der Dampfwäſchereibe=
ſitzer
Scholl und deſſen Frau wurden ſamt ihrer Schwie=
gertochter
ſehr ſchwer verletzt. Der Chauffeur erlitt
Hautabſchürfungen, während der Sohn Scholls unver=
letzt
blieb.
Weimar, 16. Okt. Profeſſor Lehmann= Hohen=
berg
hat gegen den Aufſehen erregenden Beſchluß des
Schöffengerichts Weimar, das ihn zur Beobachtung ſeines
Geiſteszuſtandes auf ſechs Wochen einer öffentlichen Irren=
anſtalt
überweiſen will, die Beſchwerde erhoben. Dieſe
Beſchwerde iſt durch Beſchluß der erſten Strafkammer des
großherzoglich ſächſiſchen Landgerichts abgewieſen worden.
Da jedoch die Aufnahme des Angeklagten in die Landes=
Irren=Heilanſtalt bezw. pſychiatriſche Klinik in Jena auf
Grund eines Berichtes des Direktors der letzteren abge=
lehnt
hat, wird der angefochtene Beſchluß ohnehin inſoweit
unausführbar, als er die Unterbringung des Angeklagten
in der Irrenheilanſtalt Jena ausſpricht und dadurch das
Amtsgericht in die Notwendigkeit verſetzt, wenigſtens eine
andere Anſtalt zu beſtimmen.
Hannover, 17. Okt. Bei einer Automobil=
fahrt
im Okertal im Harz iſt geſtern der 30 Jahre
alte Ingenieur Wedekind aus Hannover abgeſtürzt.
Er hatte mit einigen Freunden eine Automobilfahrt
im Harz unternommen, wobei das Automobil einen
Abhang hinabſtürzte. Wedekind erlitt einen
Schädelbruch und andere ſchwere Verletzungen. Er
verſtarb bald darauf.
Halle (Saale), 15. Okt. Ein ſchweres Unglück
hat ſich, wie ſchon gemeldet, heute nachmittag im hieſigen
Zoologiſchen Garten zugetragen. Das zehnjährige Mäd=
chen
eines dort beſchäftigten Malers ſpielte in der Nähe
des Bärenzwingers, als plötzlich der darin befindliche
Eisbärbaſtard, der übrigens nur drei Füße hat, durch das
den Zwinger abſchließende Drahtgitter ausbrach und ſich
auf das Kind ſtürzte. Das Kind floh, wurde aber etwa
zehn Meter von dem Käfig entfernt von dem Bären
eingeholt und durch Biſſe ſchwer verletzt. Ein Wärter eilte
hinzu, um das Kind zu befreien. Der Bär ließ auch von
dem Mädchen ab, ſtürzte ſich aber nun auf den Wärter,
der in das Elefantenhaus flüchtete, wo ihn aber der Bär
erreichte. Er ſowie der zu Hilfe eilende Futtermeiſter wur=
den
ebenfalls ſchwer verletzt. Das Tier ſtürzte ſich dann
auf zwei im Elefantenhaus befindliche Ziegen und tötete
ſie. Schließlich wurde der Bär von einem Kellner des
Reſtaurants mit einer Pirſchbüchſe erſchoſſen.
Altona, 17. Okt. Auf dem Friedhof wurden mehr als
100, zum Teil ſehr wertvolle Grabdenkmäler be=
ſchädigt
. Die Polizei konnte mit Hilfe von Polizei=
hunden
fünf halbwüchſige Burſchen als Attentäter ermit=
teln
und feſtnehmen
Poſen, 16. Okt. In dem unglückſeligen Kwilecki=
Prozeß hat jetzt das Reichsgericht den Termin auf den
23. Februar 1911 angeſetzt, nachdem Graf Zbigniew Kwi=
lecki
gegen das Urteil des Poſener Oberlandesgerichts, das
ihn zur Herausgabe des jetzt 14 Jahre alten Grafen Joſef
Kwilecki an die Stationsaufſeherfrau Cäcilie Mayer in
Botewalt (Mähren) verurteilt hatte, Reviſion eingelegt
hat.
Rom, 17. Okt. In Sizilien und Unter=Italien
herrſcht zur Zeit ein afrikaniſcher Samum, der das Ther=

ſich nun der Himmel erſchließt, wie nun alle die geträum=
ten
Seligkeiten ihr eigen ſein ſollen, wie gütige, teil=
nehmende
Geiſter ſie umringen und ihr zurufen: Du
haſt gerungen und nicht geruht, nun iſt es errungen
das köſtlichſte Gut. Aufgenommen in Edens Garten, wo
liebende Scelen deiner warten, da iſt es, als ſchlöſſen
dieſe Geiſter mit ihren Tönen einen Kreis um ſie,
einen wogenden, klingenden, lebendigen Kreis, immer
erneut durch ab= und zuſchwebende und ſich verdrän=
gende
Geſtalten, ſo daß wir den Eindruck empfangen,
als könne dieſe Seligkeit kein Ende haben, als müſſe
ſie ewig, ewig währen.
So war ungefähr der Eindruck, den ich empfing,
als ich Das Paradies und die Peri zum erſten Male
hörte. Möchte meine Erzählung jeden, der es noch
nicht kennt, anregen, dieſem Werke recht viel Liebe und
guten Willen entgegen zu bringen. Natürlich darf ein
Jüngerer nicht erwarten, daß, wenn ich von blühen=
den
Klängen ſprach, er eine ſolche Fülle von Farben
zu hören bekäme, wie ſie einem ſtark beſetzten modernen
Orcheſter zur Verfügung ſteht. Jedes Hören geſchieht
soch wohl von einem gewiſſen hiſtoriſchen Standpunkt
aus. Um Bach richtig aufnehmen zu können, muß ich
mein Gehör anders einſtellen, als bei Beethoven;
bei dieſem wieder anders als bei Wagner, bei Wag=
ner
wieder anders als bei Strauß und ſo herrſcht
denn auch in dieſem Werk im Vergleich mit jüngeren
eine gewiſſe Einfachheit, eine gewiſſe Knappheit der
Form, aber und das iſt das weſentliche eine große
Innerlichkeit und Urſprünglichkeit. Und
dieſe zwei Eigenſchaften werden Schumann ein län=
geres
Leben verleihen, als mitunter ſo obenhin ange=
nommen
wird. Und, wollen wir nun ganz ehrlich ſein,
und fragen, was denn nach ihm auf dem Oratorien=
Gebiet von Bedeutung geſchrieben iſt, ſo müſſen wir
offen geſtehen: Nichts, was ſeinen Werken gleichkommt.
Das deutſche Requiem von Brahms, die bedeutendſte
Schöpfung für Chor und Orcheſter nach Schumann, iſt
kein Oratorium, und kommt alſo nicht in Betracht. Da=
her
wollen wir unſeren Robert Schumann hoch halten
und daher wollen wir, wenn der Muſikverein am 24.
Oktober zur 100jährigen Geburtstagsfeier Das Pa=
radies
und die Peri aufführt, den Meiſter freudig
feiern als einen, der voll berechtigt dazu iſt; feiern mit
einem ſeiner Werke, das nicht nur nicht verblaßt iſt,
ſondern unter den Oratorien als eines der poetiſchſten
und idealſten noch lange die Herzen aller wahrhaft
muſikaliſchen Hörer erfreuen wird. W, de Haan,

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Nummer 244.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite 4.

mometer bis zu 35 Grad emportrieb. Die übergroße Hitze
richtete vielen Schaden an. In Rom herrſcht eine faſt ſom=
merliche
Temperatur.

Kongreſſe und Verbandstage.
Hauptgautag des Gau IX des D. R.=B.
* Frankfurt a. M., 16. Okt. Im Hotel du
Nord fand heute der Hauptgautag des Gau IX des
Deutſchen Radfahrer=Bundes ſtatt. Um 10 Uhr wurde
die Delegiertenverſammlung durch den erſten Gau=
vorſitzenden
, Herrn Aug. Stifft, eröffnet. Die Feſt=
ſtellung
der Präſenzliſte ergibt die Anweſenheit von
87 Delegierten und 14 Gauvorſtandsmitgliedern. Der
erſte Gauvorſitzende erſtattete den Geſchäftsbericht,
der von wohl geordneten Verhältniſſen, einer ſtetig
fortſchreitenden Entwickelung und außerordentlich
reger ſportlicher Tätigkeit im Gau Kenntnis gibt, und
gab dem Gautag Aufſchluß über die Vorbereitungen
zu dem im nächſten Jahre in Frankfurt a. M. ſtatt=
findenden
Bundestag des Deutſchen Radfahrer=
Bundes. Der Gau zählt 1861 Mitglieder in 42 Ver=
einen
und 724 Einzelfahrer. Eingetreten ſind R.=V.
Wanderluſt=Alzey, Radſport=Klub Adler= Aſchaffen=
durg
, R.=Klub 1903 Bergen, Radtouren=Klub 1909
Wiesbaden. Der Bericht der Fahrwarte liegt im
Druck vor und enthält recht erfreuliche ſportliche Re=
ſultate
inn= und außerhalb des Gau IX. Für die
Gauwanderfahrt gelangen 18 Plaketten für Vereine
und 33 für Einzelfahrer und Motorradfahrer, ebenſo
129 Plaketten für gefahrene Gaufahrten zur Ausgabe.
Ehrenpreiſe für meiſtbeteiligte Vereine bei den Gau=
fahrten
wurden der Einzelfahrer=Vereinigung Rad=
fahrer
=Quartett=Frankfurt und Radſport Adler
Aſchaffenburg zuerkannt.
Der Kaſſenbericht des Gauzahlmeiſters Juſt er=
gibt
in Einnahme und Ausgabe 12999,09 Mark. Für
Sport wurden 2955,74 Mark ausgegeben. Der Kar=
ten
= und Tourenbuchfonds beträgt 2057,24 Mark, der
Reſervefonds 1200 Mark. Der Rechtsſchutzvertreter
des Gau, Dr. Haberling=Mainz, berichtete über die
eingegangenen Fälle. Der zweite Gauvorſitzende,
Johl=Offenbach, berichtete in eingehender Weiſe über
die Verhandlungen des Bundestages in Görlitz. Die
Neuwahl des Gauvorſtandes erfolgt per Akklamation
und ergibt die Wiederwahl des erſten Gauvorſitzenden
Aug. Stifft, zweiten Gauvorſitzenden Johl=Offenbach,
erſten Gauſchriftführer Bierſack=Frankfurt, zweiten
Schriftführer Bauſcher=Frankfurt, Rennfahrwart
Karl Schmitt=Darmſtadt, Saalfahrwart Gg.
Schmitt=Offenbach, Kraftfahrwart Bocher=Berkersheim,
Rechtsſchutzvertreter Dr. Haberling=Mainz, Preſſever=
treter
Joſ. Jaeger=Cronberg. Als Tourenfahrwart
wird Ullrich=Darmſtadt, als Gaubeiſitzer Hart=
ling
=Offenbach, Rheingans=Frankfurt, Franck= Frank=
furt
, Wollſtadt=Frankfurt, Vetter=Frankfurt gewählt.
Kaſſenreviſoren werden Reinfrank und Bethge= Frank=
furt
. Für 25jährige Mitgliedſchaft werden Ludw.
Geyer=Frankfurt, Fritz Dieterichs=Bockenheim, Paul
Haebler=Limburg, Albert Schmitt=Darmſtadt
mit dem ſilbernen Jubiläumsabzeichen mit den
Glückwünſchen des Bundes ausgezeichnet. Der An=
trag
des Gauvorſtandes auf Bewilligung eines Ga=
rantieſonds
und eines Beitrages für Ehrenpreiſe für
den Bundestag findet Annahme. Um 1½ Uhr wird
der Gautag durch den erſten Vorſitzenden unter drei=
fachem
All Heil geſchloſſen. Bei dem Mittageſſen
fand die Ausgabe der im letzten Jahre von Vereinen
und Mitgliedern errungenen Ehrenpreiſe, Plaketten
und Medaillen ſtatt.
Landwirtſchaftliches.
Dem Braugerſtenbau, der in den letzten
Jahren wenig rentabel geweſen iſt und leider in einigen
Bezirken eingeſchränkt wurde, bringt die Landwirt=
ſchaftskammer
lebhaftes Intereſſe entgegen. Zur
Ergreifung von Förderungsmaßnahmen auf dem Gebiete
des Braugerſtenbaues iſt es aber nötig, einen genauen
Ueberblick über den Stand des Braugerſtenbaues, die
Qualität der Gerſten und über die zum Anbau ge=
troffenen
Maßnahmen in den einzelnen Bezirken des
Großherzogtums zu erhalten. Zu dieſem Zweck veran=
ſtaltet
die Landwirtſchaftskammer eine Braugerſten=
ſchau
, zu der Proben im Gewicht von 5 kg einzuſenden
ſind, ſowie für jede Probe ein Fragebogen zu beant=
worten
iſt. Anmeldungen zu dieſer Braugerſtenſchau
nimmt die Landwirtſchaftskammer noch entgegen. Eine
recht zahlreiche Beſchickung iſt im Intereſſe der Land=
wirte
erwünſcht. Nähere Auskunft iſt durch die Land=
wirtſchaftskammer
für das Großherzogtum Heſſen, Darm=
ſtadt
, Rheinſtraße 34, zu erhalten.

Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 16. Oktober:
Carmen.
Wl. Vor gut beſetztem Hauſe fand heute eine Wie=
deraufführung
von Bizets vielgegebener Oper Carmen
ſtatt. Die Partie der weißen Zigeunerin ſang wieder Frl.
Howard, die ihr beſonders gut liegt. Mit einer tech=
niſch
durchweg lobenswerten Behandlung vereinigt ſie
eine intereſſante, individuell ausgeſtalteter Pointen nicht
ermangelnde Darſtellung, ſodaß ſie zu den bevorzugten
Vertreterinnen dieſer bei allen Sängerlnnen ſehr belieb=
ten
und begehrten Partie gerechnet werden darf. Den
Don Joſé ſang zuerſt Herr Becker, der die Schwierigkei=
ten
der hochliegenden Partie, von einzelnen weniger gelun=
genen
Stellen abgeſehen, mühelos überwand und ſich von
neuem als ein zuverläſſiger Sänger bewährte. Seine
Ausſprache iſt ſehr deutlich, wenn auch freilich nicht immer
muſtergültig. Am beſten war Herr Becker im letzten Akte,
in dem auch ſeine ſtark realiſtiſche Darſtellung der Rolle
den Höhepunkt erreichte. Sehr ſchön und innig ſang Frl.
Geyersbach die Micaéla. Die dramatiſche Wirkung
und ergreifende Kataſtrophe werden durch die Gegenſätzlich=
keit
und Gegenüberſtellung der frommen und ehrbaren und
der zügelloſen und der freien Liebe huldigenden Weiblich=
keit
, die ſich in Micaéla und Carmen verkörpern, weſentlich
erhöht. Auch nach dieſer Richtung traf Frl. Geyersbach
in der Charakteriſtik des ſittſamen und reinen Mädchens
das Richtige.
Herr Semper ſang die Partie des Escamillo mit
vielem tonlichen Aufwand und künſtleriſcher Intelligenz;
Rollen, wie die des Zuniga, liegen Herrn Hoff, deſſen
ausgeſprochene Begabung für das komiſche Fach wir wie=
derholt
hervorgehoben haben, weniger gut; die kleine Par=
tie
des Moralés ſang Herr Hönel. Das Schmuggler=
und Zigeuner=Enſemble wurde durch die Herren de
Leeuwe und Jahn und Frl. Nicklaß=Kempner
und Frau Ritter ergänzt. Erſtere entſprach aber nicht
immer den=an die Vertreterin der Frasquita zu ſtellenden

Die Landwirtſchaftskammer für das
Großherzogtum Heſſen wird in der Zeit vom
3.6. Januar n. Js. in Darmſtadt einen Vortrags=
kurſus
für praktiſche Landwirte abhalten
und hat hierfür eine Anzahl hervorragender Fachmänner
als Referenten gewonnen. So wird z. B. der General=
ſekretär
des Deutſchen Landwirtſchaftsrats Herr Pro=
feſſor
Dr. Dade=Berlin über die handelspolitiſche Lage
Deutſchlands ſeit dem Abſchluß der letzten Handelsver=
träge
, Herr Profeſſor Laur=Zürich, der Sekretär des
ſchweizeriſchen Bauernbundes, über die Betriebsberatung
in der bäuerlichen Wirtſchaft ſprechen. Verhandlungen
über die Uebernahme anderer Referate aus dem Gebiete
der Tier= und Pflanzenproduktionslehre, des Obſt=
baues
ꝛc. ſind im Gange. Der letzte Vortragskurſus in
Mainz war von über 600 Teilnehmern beſucht. Es iſt
zu hoffen, daß der demnächſtige Darmſtädter Kurſus
jenem nicht nachſtehen wird.

Luftſchiffahrt.
sr. Die nationale Berliner Flugwoche
gelangte am Sonntag, wie kurz gemeldet, nach acht=
tägiger
Dauer zum Abſchluß. Der letzte Tag verlief
gleichfalls außerordentlich intereſſant, obwohl die friſche
nordöſtliche Briſe anfangs wenig Apparate herauskom=
men
ließ. Kurz vor Beginn der offiziellen Wettbewerbe
traf Wiencziers, der am Samstag in Großbeeren
nach ſeinem Höhenfluge von 1560 Meter, mit welchem
er einen deutſchen Rekord aufſtellte, unfreiwillig ge=
landet
war, wieder wohlbehalten auf dem Flugfelde
in Johannisthal ein, wo er lebhaft begrüßt wurde.
Als Erſter ſtartete Oberlt. Menthe (Wright) kurz
nach ½4 Uhr zum Wettbewerb um den täglichen Dauer=
preis
; er blieb 19 Minuten in der Luft. Um ¾4 Uhr
traf der Kronprinz mit ſeiner Gemahlin, von den Ren=
nen
zu Karlshorſt kommend, im Automobil auf dem
Flugplatz ein, gerade in dem Moment, als Lind=
paintner
(Sommer) als Zweiter in Konkurrenz
trat. Der Kronprinz ließ ſich mehrere Flieger vor=
ſtellen
und beſichtigte eingehend die Apparate. Der
Reihe nach ſtarteten dann Brunnhüber (Albatros)
mit Paſſagier, Thelen (Wright), Wieneziers
(Bleriot), Dr. Liſſauer (Grade), Dorner ( Dor=
ner
), Otto (Aviatik), Jeannin (Aviatik), Frey
(Farman), Grade (Grade) und Oehller (Schulze=
Herford). Außerdem unternahm der Oeſterreicher
Illner mit ſeinem famoſen Etrich=Eindecker mehrere
glänzende Schauflüge, nach welchen er ſtets auf das
lebhafteſte applaudiert wurde. Die beſte Tagesleiſtung
erzielte Lindpaintner mit 1 Stunde 9 Minuten,
ihm fiel der erſte tägliche Dauerpreis zu. Den zwei=
ten
täglichen Dauerpreis und gleichfalls den Zuſatz=
preis
für Paſſagierflug gewann Brunnhuber mit einem
Fluge von 38 Minuten. Den beſten Höhenflug erzielte
Frey mit 890 Metern; er hatte bei der Landung das
Unglück, vom Winde ſo ungünſtig abgetrieben zu wer=
den
, daß er in der Kurve vor der Landungsſtelle mit
dem einen Flügel den Boden berührte, ſodaß der Appa=
rat
vollſtändig herumgeſchleudert wurde und ſchwer
havariert liegen blieb. Der Aviatiker ſelbſt kam mit
dem Schrecken davon. Lindpaintner erzielte mit 540
Metern den zweitbeſten Höhenflug. Im Wettbewerb
um den kürzeſten Abflug erzielte Thelen (Wright) einen
Start von 29,75 Metern. Nach Schluß der offiziellen
Wettbewerbe ſtarteten noch mehere Flieger, darunter
Dr. Liſſauer, Oehler und Jeannin, bei vollſtändiger
Dunkelheit um den Bleichröder=Preis.
Die offiziellen Reſultate ſind noch nicht be=
kannt
; nach inoffizieller Zeitnahme und Be=
rechnung
der ſo intereſſant und ohne ſchweren Unfall
verlaufenen Flugwoche die folgenden: Großer Preis
des Kgl. Preußiſchen Kriegsminiſteriums: 25000 Mark.
1. Preis Lindpaintner (Sommer), 2. Preis, 15000
Mark, Jeannin (Aviatik). Preis des Kgl. Preußi=
ſchen
Kriegsminiſteriums für einen Flug mit vorge=
ſchriebener
Belaſtung und Höhe. 5000 Mark. 1. Brunn
huber (Albatros), 2. Preis, 3000 Mark, Wiencziers
(Bleriot). Preis für die größte Höhe. Ehrenpreis
und 4000 Mark. 1. Wiencziers (Bleriot). Preis
für den kürzeſten Anlauf. 1. Thelen (Wright).
Bleichröder=Preis. 1. Wiencziers (Bleriot), 10000 Mark,
2. Preis 1000 Mark, Thelen (Wright), Zuſatzpreis zum
Lanz=Preis, 1500 Mark, Heidenreich (Heidenreich= Ein=
decker
); 2. Preis (1000 Mark) nicht ausgstragen.
* Brüſſel, 16. Okt. Der Flieger Wynmalen
iſt heute nachmittag 1 Uhr 16 Minuten aus Iſſy les
Moulineaux hier eingetroffen und um 2 Uhr
25 Minuten zum Rückfluge nach Paris wieder aufge=
ſtiegen
. Legagneux iſt um 2 Uhr 25 Minuten
ebenfalls hier angekommen. Beide Flieger führen
einen Paſſagier mit ſich.

Anforderungen. Die vorkommenden Tänze und Evo=
lutionen
fanden lebhaften Beifall.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Ein Zuſammentreffen der Erde mit
dem Halleyſchen Kometen ſeligen Angedenkens
iſt, wie jetzt wohl zweifelsfrei feſtgeſtellt worden iſt,
im Mai gar nicht erfolgt. C. D. Perriné in Cordoba
(Argentinien) weiſt an der Hand ſeiner Beobachtungen.
vom 18. bis 20. Mai nach, daß die Hauptſtrahlen des
Schweifes des Halleyſchen Kometen am 20. und 21. Mai
nördlich an der Erde vorbeigegangen ſind. Aehnliches
haben auch andere Beobachter der ſüdlichen Hauptſphäre
unſerer Erde konſtatiert, wie Innes in Johannesburg,
Everſhed in Indien. Somit können es nur unbedeu=
tende
Nebenſtrahlen oder Schweifwolken geweſen ſein,
die in Berührung mit der Erde gekommen ſind und hier
atmoſphäriſche Lichterſcheinungen oder Störungen der
elektriſchen und magnetiſchen Zuſtände verurſacht haben.
Muſik als Heilmittel. Die Promotion
des Komponiſten Max Reger zum Ehrendoktor der
Berliner mediziniſchen Fakultät wurde damit begrün=
det
, daß die Muſik eine heilende Wirkung auf den
Kranken ausübt. Für dieſe Behauptung bringt Albert
Viſetti im Monthly Muſical Record einen neuen Be=
weis
, indem er nach den jüngſt von Dr. Vaſchide und
dem Pianiſten Duprat in Frankreich vorgenommenen
Experimenten die Einwirkung der Muſik auf den
Wahnſinn behandelt. In der Anſtalt von Villejuif ver=
wendeten
der Arzt und der Muſiker verſchiedene For=
men
und Arten der Muſik als Kur= und Heilmittel für
die Gemütskranken. Erſtaunliche Veränderungen
gingen dabei auf den bisher ausdrucksloſen Geſichtern
der Patienten vor ſich. Es war, als wenn die ver=
gangene
Süßigkeit ihres früheren Lebens auf einem
Moment zurückkehre, auferweckt durch die Macht der
Töne. Ein Kranker erklärte, daß die Muſik ihn nach=
denklich
ſtimme, ihm die Erinnerung an einzelne Epi=
ſoden
ſeines Lebens zurückbringe und ihn dadurch
tröſte; ein anderer fand, daß die Muſik ihn zugleich be=

* Paris, 17. Okt. Der Flieger Wynmalem,
der geſtern auf ſeinem Rückfluge von Brüſſel nach
Paris mit einem Paſſagier bei St. Quentin gelandet
iſt, wird heute den Flug nach Paris fortſetzen. Er hat=
im
ganzen 470 Kilometer zurückgelegt.
* Paris 16. Okt. Während eines Schaufluges bei
Etampes ſtießen die Flugzeuge der Flieger
Bregi und Behat zuſammen. Beide Aviatiker er=
litten
ſchwere Verletzungen. Beſonders Behats Zu=
ſtand
, der beide Beine brach, iſt bedenklich.
* London, 16. Okt. Das lenkbare Luftſchiff
Clement Bayard, das heute früh um 7 Uhr 15
Minuten in Cuiſe la Motte (Departement Oiſe) auf=
geſtiegen
war, paſſierte um 11 Uhr Folkeſtone, 12 Uhr
35 Minuten den Kryſtallpalaſt und um 1 Uhr 5 Min.
die St. Pauls Kathedrale. Dann ſchlug das Luftſchiff
die Richtung nach dem weſtlichen Vororte Shepherds
Buſch ein, wo es um 1 Uhr 26 Min. vor der für ſeine
Aufnahme beſtimmten Halle bei prächtigem Wetter
glücklich landete.
* Iſſy les Moulineaux, 16. Okt. Heute
vormittag 9½ Uhr iſt der Aviatiker Legagneux zum
Fluge nach Brüſſel aufgeſtiegen. Der Aviatiker Wyn=
malen
iſt heute früh 7¾ Uhr zum Fluge nach Brüſſel
aufgeſtiegen.
* Brüſſel, 17. Okt. Der Flieger Legagneux
iſt heute früh 6 Uhr 20 Minuten zur Rückkehr nach
Paris aufgeſtiegen.
* Paris, 17. Okt. Der Aviatiker Wynmalen, der
auf der Rückkehr von Brüſſel um 6 Uhr 40 Min. von
St. Quentin abgeflogen iſt, iſt um 12 Uhr 13 Min. in
Iſſy=les=Moulineaux gelandet. Er hat ſomit für den
Flug von Paris nach Brüſſel und zurück 27 Stunden
50 Minuten 26 Sekunden gebraucht.
Im Lenkballon über den Ozean.
* Siasconſet, 16. Okt. Eine von Wellmans
Lenkballon um 12¾ Uhr nachmittags eingetroffene,
durch drahtloſe Telegraphie übermittelte Nachricht,
lautet einfach: Alles geht gut, Adieu! Bruchſtücke einer
vorher geſandten Mitteilung, die von einer hieſigen
Station aufgefangen wurden, laſſen erkennen, daß die
Luftſchiffer zuverſichtlich auf einen Erfolg der Fahrt
hoffen, obwohl der Lenkballon bereits ſoweit iſt, daß
er mit dem Lande keine Möglichkeit der Verſtändigung
mehr hat. Das Luftſchiff folgt dem Wege der trans=
atlantiſchen
Schiffe, die ſeine Mitteilungen ohne Zwei=
fel
entgegennehmen und weiterbefördern werden.
* New=York, 17. Okt. Die geſtern abend in
Siasconſet eingetroffene Funkendepeſche Well=
manns
lautete: Alles geht gut. Wir haben nördliche
Richtung eingeſchlagen, um auf die Route der
transatlantiſchen Dampfer zu kommen. Wir
müſſen 300 bis 800 Meilen von der Küſte entfernt ſein.
Die genaue Poſition kennen wir nicht.
H. B. New=York, 17. Okt. Wellmann ſandte
geſtern abend 11 Uhr folgendes Telegramm nach New=
York: Motor arbeitet gut. Wir fahren nach Nordoſt
mit 25 Meilen in der Stunde. Alles gut. Tele=
graphie
nicht mehr möglich. Die Dynamo=
maſchine
funktioniert nicht mehr. Nebel ſehr dicht. Wir
ſehen nichts. Wellmann. Eine ſpätere Depeſche be=
ſagt
: Der Stabiliſator erſchüttert den Ballon, als ob
er von Woge zu Woge ſpringt. Der Ballon hat noch
keinerlei Schaden erlitten. Nebel dicht.
* Boſton, 17. Okt. Eine heute aufgefangene
drahtloſe Depeſche des Ballons Amerika lautet:
Unſere Lage iſt weniger günſtig, aber wir kämpfen
weiter. Eine andere Depeſche beſagt: Wir haben un=
ſeren
Motor abgeſtellt und ſteuern in der Richtung
Oſtnordoſt mit einer Geſchwindigkeit von 25 Knoten
ohne Motor. Es herrſcht dichter Nebel. Eine
Beobachtung iſt unmöglich.
H.B. London, 17. Okt. Trotz der teilweiſe be=
ruhigend
klingenden Meldungen über den erfolg=
reichen
Beginn der kühnen Luftreiſe Wellmanns hegt
man in amerikaniſchen Kreiſen die ſchwierigſten
Befürchtungen über das Schickſal der Luftfahrer.
Nach einem vom Wetter=Bureau in Waſhington tele=
graphierten
Bericht hat der Orkan, der in dieſen
Tagen Weſtindien heimſuchte, ſeinen Kurs verändert,
da er jetzt mit rieſiger Geſchwindigkeit an der Oſtküſte
von Amerika heraufkommt. Falls das Luftſchiff nicht
ſchnell genug aus dem Bereich des Sturmes gelangt,
hält man es für verloren.
* New=York, 17. Okt. Man weiß zurzeit
nicht, wo ſich das Wellmannſche Luftſchiff be=
findet
, da die Küſte nicht mehr im Bereich ſeines Fun=
kenapparates
iſt. Man glaubt jedoch, daß das Luftſchiff
zwiſchen Nantucket und Neu=Schottland iſt und die Route

ruhige und erheitere. Ein Mädchen von 17 Jahren,
dem ein Chopinſches Notturno vorgeſpielt wurde,
äußerte ſich dahin, daß die Melodie ſie zurücktrage in
die Tage ihrer Kindheit und ihr die Menſchen vor den
Geiſt treten laſſe, die ſie geliebt. Die Muſik laſſe ſie
all das Traurige ihrer jetzigen Exiſtenz vergeſſen und
bringe ihr die Glückſeligkeit zurück, die ſie verloren
habe. Auch ein anderes Mädchen bezeichnete die Muſik
direkt als ein ſchmerzſtillendes Mittel; wenn ſie die
weichen Töne höre, dann leide ſie nicht mehr, ihre
Krankheit ſei verſchwunden; ſie befinde ſich in einem
Zuſtand des ſüßen Träumens, in dem ſie an all die
Dinge denke, die ſie liebe. Viſetti knüpft an dieſe gün=
ſtigen
Reſultate, die durch Behandlung der Gemüts=
kranken
mit Muſik erzielt wurden, allgemeine Betracht=
ungen
, in denen er die heilſamen Einwirkungen des
häufigen Muſikhörens auf den erkrankten Geiſt näher
erörtert und betont, daß die heutige Irrenbehandlung
die hauptſächlichſte Pflege auf den Körper der Kranken
verwendet, während ſie Gemüt und Geiſt, die doch vor
allem der Heilung bedürften, vernachläſſige.
* Frankfurter Theater=Spielplan.
1. Opernhaus. Dienstag, 18. Okt.: Don Juan.
Mittwoch, 19. Okt.: Erſtes Abonnements=Konzert. Don=
nerstag
, 20. Okt.: Einmaliges Gaſtſpiel des Herrn Kam=
merſänger
Anton van Rooy: Die Meiſterſinger von
Nürnberg‟. Freitag, 21. Okt.: Die Fledermaus.
Samstag, 22. Okt.: Amélia oder Der Maskenball.
Sonntag, 23. Okt., 3½ Uhr: Die geſchiedene Frau.
7 Uhr: Fidelio Montag, 24. Okt.: Der Freiſchütz
Dienstag, 25. Okt.: Die Afrikanerin 2. Schau=
ſpielhaus
. Dienstag, 18. Okt.: Die törichte Jung=
frau
. Mittwoch, 19. Okt.: Die törichte Jungfrau
Donnerstag, 20. Okt.: Ein Sommernachtstraum.
Freitag, 21. Okt.: Das Konzert. Samstag, 22. Okt.:
Elektra Tragödie von Sophokles, vorher Die ſitt=
liche
Forderung Sonntag, 23. Okt., 3½ Uhr: Das
vierte Gebot; 7 Uhr: Der dunkle Punkt Montag,
24 Okt.: Der große Name‟. Dienstag, 25. Okt.: Die
ſittliche Forderung.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite 5.

Maſſard, gehörigen Hauſe eine Bombe, die ſämt=
zertrümmerte
. An einem Fenſter der Pförtnerwohnung
bemerkte man Blutſpuren, aus denen man ſchließt, daß um Zuverdienſt handelt; jeder Armenpfleger, jeder
gangstür ein Zettel befeſtigt worden war, der die Auf=
ſchrift
trug: Ernſte Warnung, Herr Maſſard. Das Blatt
des Letzteren hatte den Eiſenbahnerſtreik überaus hef=
tig
bekämpft. In einem Waggon der der Weſt=
Bombe gefunden, deren Lunte bereits angezündet ge= ung es iſt, ihren in der Woche notgedrungen vernach=
weſen
, jedoch offenbar von ſelbſt erloſchen war. Der
zeikommiſſar Guichard hegt den Verdacht, daß der ver=
brecheriſche
Anſchlag von einem ſtreikenden
Eiſenbahner verübt worden ſei. Im chemiſchen
Gemeindelaboratorium wurde feſtgeſtellt, daß die
füllt war.
* Paris, 17. Okt. Nach einer um Mitternacht
veröffentlichten amtlichen Feſtſtellung iſt der Dienſt
auf den großen ſtaatlichen Linien der Nord= und Weſt=
bahn
vollſtändig geſichert, ebenſo wickelt ſich
der Dienſt innerhalb des Stadtgebietes verhältnis=
mäßig
glatt ab.
* Paris, 17. Okt. Miniſterpräſident Briand teilte
dem Präſidenten Falliéres mit, daß der Verkehr auf
der ſtaatlichen Weſt= und Nordbahn mehr und mehr zu
den normalen Verhältniſſen zurückkehre.
Was den Wiedereintritt der Angeſtellten anbelange, ſei
eine große Beſſerung zu verzeichnen. Der Betrieb der elek=
triſchen
Anlagen ſei wieder ſichergeſtellt.

Die Revolution in Portugal.
* Liſſabon, 16. Okt. Heute fand unter großer Be=
teiligung
die Beiſetzung des Admirals Reis
und des Dr. Bombarda ſtatt. Unter den Klängen der
portugieſiſchen Hymne ſetzte ſich der Zug, in welchem viele
Korporationen, Lehrer, Schüler und Angehörige der Armee
und Marine und aller Freimaurerorden ſich befanden, von
der Place do Commercio aus in Bewegung. Auch zahl=
reiche
Frauen und Kinder hatten ſich in den Zug gemiſcht,
dagegen ſah man keine Angehörigen der Religionsgeſell=
ſchaften
. An einem freien Platze hielten der Miniſterpräſi=
dent
und der Präſident der Munizipalität Gedächtnis=
reden
für die beiden Toten, worauf der Trauerzug den
Weg nach dem Friedhofe fortſetzte, wo die Beiſetzung
ſtattfand.
* Gibraltar, 17. Okt. Bei der Abreiſe des
Königs Manuel und der Königin Amélie wur=
den
die vollen Ehrenbezeugungen erwieſen. Der Gouver=
neur
geleitete den König und die Königin nach dem Kai,
wo alle Departementschefs in Gala verſammelt waren.
Der König dankte dem Gouverneur lebhaft für die ihm
erwieſene Liebenswürdigkeit.
Vermiſchtes.
Aus der Heimarbeit. Man ſchreibt uns:
Ihr in Nr. 239 erſchienener Bericht über die ſchlecht
gelohnte Heimarbeit in der Knabenkonfektion erweckt
vielleicht bei vielen Leſern den Gedanken, daß es ſich
hier um eine beſonders niedrige Entlohnung handele.
Daß dies nicht der Fall iſt, ſondern daß es ſich dabei
vielmehr um Durchſchnittsverdienſte in der Herſtel=
lung
von Stapelwaren handelt, mögen folgende Zah=
len
darſtellen: Für farbige Arbeiterhemden werden
ohne Knopflöcher 1,802,00 Mark, ja bei manchen
Zwiſchenmeiſtern gar nur 1,30 Mark pro Dutzend be=
zahlt
; mit Knopflöchern 6 an jedem Hemd 2,40
Mark. Dabei entfallen pro Dutzend auf Garn zirka
17 Pfennig, auf Maſchinenamortiſation, Nadeln uſw.,
gering gerechnet, 67 Pfennig. Eine ſehr tüchtige Ar=
beiterin
mag bei 12ſtündiger, intenſiver Arbeit im=
ſtande
ſein, 1 Dutzend herzuſtellen, die große Mehr=
zahl
wird dies nicht können. Aehnlich liegen die Ver=
hältniſſe
in der Frauenkonfektion; hier ſchwanken die
Löhne für Priſenform=Aermel und Halsbund, mit
Spitzen beſetzt, zwiſchen 1,601,80 Mark pro Dutzend.
Für weiße Hemden mit drei Stickereieinſätzen im Vor=
derteil
, reicher Fältchenverzierung, Stickerei= und
Bändchenbeſatz gibt es 2,252,40 Mark pro Dutzend,
ja in einzelnen Fällen ſogar nur 1,80 Mark. Die
Heimarbeiterin bringt bei 1ſtündiger Arbeitszeit nur
7 bis 10 Hemden dieſes Genres fertig; und ſchon dies
erfordert große Geſchicklichkeit und langjährige Ueb=
ung
. Nicht beſſer ſiehts in der Schürzenbranche aus;
Miederſchürzen mit Trägern, Volant, Bördchenverzier=
ung
werden pro Dutzend mit 2 Mark, Schürzen mit
ſpitzem Bund, Volant, rechts und links aufgeſetztem
Beſatz und Taſchen mit 1,30 Mark berechnet. Und dies

alles gilt als Normallohn, nicht als Ausnahmsſatz in
liche Fenſter des Gebäudes bis zum dritten Stockwerk einer der teuerſten Städte Deutſchlands! Mag man
zugeben, daß es ſich vielfach bei der Heimarbeit nur
der Urheber des Bombenattentats ſich eine Verletzung ſozial Tätige, jeder Volksſchullehrer und=Lehrerin
zugezogen hat. Der Anſchlag war zweifellos gegen werden berichten können, wie viele Frauen ſich und
Maſſard gerichtet, da von dem Attentäter vor der Ein= ihrer Familie das Brot ſchaffen müſſen und auf die=
ſen
kärglichen Verdienſt angewieſen ſind. Und was
bedeuten für den Kenner dieſer Verhältniſſe Stunden=
löhne
von 1420 Pfennig? Ermattete, frühzeitig ver=
brauchte
Frauen, die in der täglichen Fron das Lachen
bahn gehörigen Bahnlinie von Vincennes wurde eine und die Freude verlernt haben, deren Sonntagserhol=
läſſigten
Haushalt zu beſorgen, rhachitiſche, blutarme,
mit der Ueberwachung der Anarchiſten betraute Poli= 1 unterernährte Kinder, Kandidaten für die große Armee
der Schwindſüchtigen. Und doch treibt die bittere Not
immer wieder Frauen, Mütter vieler kränklicher Kin=
der
, ſchwächliche Perſonen, die den Anſtrengungen der
Fabrikarbeit oder des Waſchens und Putzens nicht ge=
Bombe mit 850 Gramm Dynamit und Eiſenſtücken ge= wachſen ſind, in die Heimarbeit. Lebt doch auch in der
Frau des Volkes der heiße Wunſch, ihre Kinder ſelbſt
erziehen und pflegen, ihren Haushalt beaufſichtigen zu
können, ihren Kindern Mutter, ihrem Gatten Hausfrau
zu ſein. Auch in Darmſtadt gibt es eine große Anzahl
Heimarbeiterinnen in der Konfektion und Strohhut=
näherei
; und auch hier ſind die Lohnverhältniſſe
nicht beſſer.
K. G.
Römiſche Boy Scouts. Die britiſche Boy
Scouts=Bewegung, die darauf abzielt, durch die mili=
täriſche
Organiſation einer das ganze Volk umfaſſen=
den
Jugendwehr den kriegeriſchen Geiſt und die Freude
an körperlichen Leiſtungen bei der heranwachſenden
Generation zu ſtärken, hat in Italien ein Vorbild, von
dem das Ausland bisher wenig wußte. In der Tat
hat die Stadt Rom bereits vor längerer Zeit eine
Organiſation geſchaffen, die verwandten Zielen zu=
ſteuert
, die ſogenannten Schülerlager die hauptſäch=
lich
durch die tatkräftige Unterſtützung der Königin
Elena ausgezeichnete Reſultate liefern. Einſtweilen
beſchränkt ſich die Teilnahme freilich nur auf jene
Volksſchulzöglinge, die im Alter von elf bis vierzehn
Jahren ſtehen und die ſich während des Schuljahres
durch Fleiß und Eifer ausgezeichnet haben. Die Kin=
der
, bei denen körperliche Widerſtandsfähigkeit voraus=
geſetzt
iſt, werden in Trupps formiert, die dann Wande=
rungen
durch die römiſche Campagna antreten. Dieſe
Märſche erſtrecken ſich über mehrere Wochen, in denen
die Kinder täglich an einem anderen Orte Raſt machen.
Dann wird die Gegend durchſtreift, Karten und Croquis
gezeichnet, und nebenbei auch der landwirtſchaftliche
Betrieb beobachtet. Die kleine Schar iſt unausgeſetzt
in Bewegung, ſie muß tüchtige Marſchleiſtungen be=
wältigen
; am Abend wird dann das große Zelt aufge=
ſchlagen
, deſſen Beſtandteile die Schüler im Torniſter
mitführen. Die Ausrüſtung dieſer Ferienpatrouillen
hat die Königin Elena geſtiftet; die Teilnehmer tragen
graue Tuchhoſen, ein warmes Sporthemd, kräftige
Marſchſtiefel und ein Lodencapes, das bei feuchter
Witterung angelegt wird. Im Torniſter aber iſt die
Wäſche verpackt, während eine Aluminiumtrinkflaſche
an einem Bande über die Schulter getragen wird. Täg=
lich
müſſen die Kinder den Eltern eine Poſtkarte ſchrei=
ben
, wöchentlich aber werden Blumen geſammelt, die
den römiſchen Krankenhäuſern für die leidenden
Patienten übermittelt werden als liebevolle Grüße des
jungen Italiens.
Literariſches.
Von dem bekannten und vornehmen Moden= Jour=
nal
Buttericks Moden=Revue iſt das Oktober=
heft
erſchienen. Die bisherige vorzügliche Ausſtattung die=
ſes
Heftes ſcheint noch übertroffen zu ſein, denn die Ab=
bildungen
von Damen=Toiletten in dem erſten Teil des
Buches ſind geradezu künſtleriſch zu nennen und werden
durch die zwei prächtigen Farbentafeln noch bedeutend er=
gänzt
. In faſt nur Vollfiguren ſehen wir die neueſten Mo=
den
dargeſtellt, für Bluſen, Röcke, Paletots, Koſtüme je=
der
Art, bis auf Negligés und Lingerie. Buttericks Mo=
den
=Revue erſcheint Anfang jeden Monats. Aktiengeſell=
ſchaft
für Buttericks Verlag, Berlin W. 8.
14 Jahre Jeſuit. Perſönliches und Grund=
ſätzliches
. Teil. Das Ordensleben: Weſen, Einrich=
tung
und Wirkſamkeit des Jeſuitenordens. Von Graf
Paul von Hoensbroech. 1. und 2. Auflage. XII,
656 Seiten. 8 Geheftet 10 Mark, gebunden 12 Mark.
(Verlag von Breitkopf u. Härtel, Leipzig.) Mit dem
ſoeben erſchienenen 2. Teile iſt das Lebensbuch des
Grafen Hoensbroech abgeſchloſſen. Das Werk enthält
die umfaſſendſte und eindringendſte Darſtellung des
Jeſuitenordens nach allen ſeinen Seiten, die es bis jetzt
gibt. Quellenerſchließung und Quellenbeherrſchung
zeichnen es aus. Dazu kommen die perſönlichen, in
anregender Weiſe geſchilderten Erfahrungen des Ver=
faſſers
, wodurch aus Theorie reiches, vielgeſtaltetes

Nummer 244.

der kransalantiſchen Danpfer verſolgt. Den meteorologl=
ſchen
Berichten aus Waſhington zufolge ſind Wind und
Wetter heute für das Luftſchiff günſtig.

Grubenunglück.
* Herne i. W., 17. Okt. Auf der Zeche Schamrock
riß das zur Leutebeförderung benutzte Seil der in die
Tiefe gehenden Körbe mit etwa 35 Bergleuten, deren
Schickſal bis jetzt noch unbekannt iſt; ſie dürften tief im
Sumpfe ſtecken; der andere Korb ſchnellte unter die Seil=
ſcheibe
. Sämtliche darin befindlichen Bergleute wurden
mehr oder weniger ſchwer verletzt.
* Herne, 17. Okt. (Ausführlichere Mel=
dung
.) Heute mittag 1 Uhr 22 Minuten riß auf Zeche
Schamrock, Schacht I, das am Freitag bei der Kohlen=
beförderung
bereits geriſſene Seil, das nach neuer
Wiederherſtellung heute zur Leutebeförderung benutzt
wurde, abermals; die Körbe waren vollſtändig beſetzt.
Der eine in die Tiefe gehende Korb mit etwa 30 bis 35
Bergleuten dürfte zweifellos tief im Sumpfe ſtecken.
Ueber dasSchickſal dieſer Bergleute läßt ſich zurzeit nichts
Genaues feſtſtellen. Der andere Korb ſchnellte unter
die Seilſcheibe, ſämtliche Bergleute darin ſind mit mehr
oder weniger ſchweren Verletzungen davongekommen.

Der Eiſenbahnerſtreik in Frankreich.
* Paris, 16. Okt. Miniſterpräſident Briand=
empfing
eine Abordnung von Vertretern der
Eiſenbahnen, die ihm den Wunſch vortrug, er
möge Schritte tun, damit unverzüglich Verhand=
lungen
zwiſchen den Eiſenbahnervereinigungen und
der Geſamtheit der Eiſenbahngeſellſchäften in die Wege
geleitet würden. Der Miniſterpräſident erklärte, daß
er dieſen Wunſch zur Kenntnis nehme und ſich darüber
mit ſeinen Miniſterkollegen beſprechen werde. Er be=
trachte
den Ausſtand als beendet, ſomit
könnte er nicht einmal eine Beſprechung hierüber zu=
laſſen
. Das nationale Syndikat und die nationale
Vereinigung der Eiſenbahnarbeiter haben Briand mit=
geteilt
, daß ſie ſtets bereit geweſen ſeien, mit ihm und
den Eiſenbahngeſellſchaften ihre Angelegenheiten zu be=
ſprechen
.
* Paris, 16. Okt. Nach offiziöſen Meldungen
hat die Regierung Beweiſe dafür in der Hand, daß die
anläßlich des Eiſenbahnerſtreiks verübten ver=
brecheriſchen
Anſchläge von einem anarchiſtiſchen
Ausſchuſſe angeſtiftet worden ſeien, welcher
beſchloſſen hatte, den Ausſtand zu einem Gewalt=
ſtreich
zu benutzen. Dieſer anarchiſtiſche Ausſchuß
habe mit zahlreichen Arbeiterſyndikaten Verbindungen
unterhalten und den Plan gefaßt, durch ſyſtematiſche,
überall durchgeführte Sabotage, insbeſondere durch
Zerſtörung der Telegraphen= und Telephonleitungen
die Regierungsgewalt lahmzulegen, um
auf dieſe Weiſe einen Augenblick Herr der Situation
zu werden. Den heute nacht vorgenommenen Verhaf=
tungen
werden zweifellos bald andere ſowohl in Paris
wie in den Provinzen folgen. Außer dem anarchiſti=
ſchen
Ausſchuſſe habe auch der Allgemeine Ar=
beitsverband
eine ſehr bedenkliche Rolle bei dem
Eiſenbahnerausſtand geſpielt. Die Liberté behauptet,
daß bei der im Bureau des antimilitariſtiſchen Blattes
Guerro Sociale vorgenommenen Durchſuchung eine
lange Liſte von Militärperſonen, darunter einige Offi=
ziere
, vorgefunden worden ſei, welche mit dem Blatte
als Korreſpondenten in Verbindung ſtanden.
* Paris, 16. Okt. Das Ausſtandskomitee der
Eiſenbahner benachrichtigte heute den Miniſterpräſiden=
ten
, daß es für morgen vormittag eine große Kund=
gebung
im Bois de Vincennes vorbereitet habe und
die Verpflichtung übernehme, daß die Ordnung nicht
geſtört werde und kein Umzug in der Stadt Paris
ſtattfinde. Die Regierung beſchloß, die Kundgebung zu
verbieten, da der Miniſterpräſident der Anſicht iſt,
daß ihr die Organiſatoren den Charakter einer Heraus=
forderung
geben wollten, offenbar in der Hoffnung,
daß der Ausſtand nicht ohne Störung der Ruhe und
ohne heftigen Zwiſchenfall zu Ende gehe. Deshalb
werden ſtrenge Maßnahmen getroffen, um die
Kundgebung zu verhindern. Die Polizei, die in Er=
fahrung
gebracht hat, daß in den Geſchäftsräumen des
anarchiſtiſchen Blattes Libertoir Leute verkehren, die
ſich im Beſitze von Bomben befinden, nahm heute
dort eine Hausſuchung vor, und verhaftete den Leiter
und Geſchäftsführer des Blattes, ebenſo einen Mann,
der verſuchte, ein Paket zu verbergen, das drei Gefäße
enthielt, die den in der Avenue Kleber und in der Rue
de Berri gefundenen Bomben glichen. Der Verhaftete
konnte ſich über die Herkunft der Gegenſtände nicht
ausweiſen.
* Paris, 17. Okt. Auf dem Boulevard de Pereire
explodierte heute nacht in einem dem nationa=
liſtiſchen
Gemeinderat und Herausgeber der Patrie,

Kleines Feuilleton.
Die Verproviantierung von Paris
in den Streiktagen. Die Erwartung, daß der
Ausbruch des Streikes in Paris ſofort mit einem Auf=
ſchnellen
der Nahrungsmittelpreiſe verbunden ſein
würde, hat ſich nicht beſtätigt; die Marktpreiſe haben
einſtweilen keine Erhöhung erfahren. Die Eingeweih=
ten
erklären dies durch die Tatſache, daß in Paris ſtets
größere Lager von Eßwaren aufgeſtapelt ſind, die eine
Zeitlang ausreichen, um den Bedarf zu decken, und die
bis jetzt noch nicht erſchöpft ſind. Die Zufuhr von aus=
wärts
ſtockt dabei nicht, ſondern iſt im allgemeinen
nur um 50 Prozent zurückgegangen. Der Eingang von
Proviant, der über die Nordbahn kommt und im
weſentlichen aus Fiſch, Gemüſe und gewiſſen Obſt=
ſorten
beſteht, iſt freilich von 200 Tons auf 92 geſun=
ken
. Butter und Eier ſind im Preiſe geſtiegen, aber
die Erhöhung iſt unbedeutend und nicht auf den Streik
zurückzuführen, ſondern auf geringere Produktion.
Fleiſch iſt in den letzten Tagen in Paris in unvermin=
derten
Mengen eingetroffen, denn die Hauptzufuhr
kommt hier über die Südbahn, wo der Streik am
wenigſten Bedeutung gewognen hat. Nur die Geflü=
gelzufuhr
auf dieſer Strecke hat eine Einbuße erlitten,
ſie iſt von 84 Tons am Tag auf 65 geſunken. Wie ein
engliſcher Korreſpondent berichtet, iſt bei einigen Nahr=
ungsmitteln
, insbeſondere bei Bohnen und Tomaten,
im Engrospreis ſogar eine Verbilligung eingetreten.
Die Urſache davon iſt, daß in Paris große Quantitäten
durch den Streik feſtgehalten wurden, die eigentlich für
Nordfrankreich beſtimmt waren und nun nicht weiter
geſandt werden konnten. Eigentlich ſchwierig iſt nur
das Problem der Milchzufuhr geworden. Extrazüge
der Nordbahn bringen täglich 1750000 Flaſchen Milch
aus der Normandie nach Paris. Viele dieſer Züge
ſind ausgeblieben, aber man hat aus den großen Mol=
kereien
in der Umgebung von Paris einſtweilen Erſatz
gefunden. Die Milchhändler haben beſchloſſen, das An=

gebot einer großen Automobilfirma anzunehmen, die
ſich bereit erklärte, mittels Kraftwagen die Milchzufuhr
nach Paris zu beforgen. Auch auf der Seine ſind Mo=
torboote
und Dampfer für den Milchtransport requi=
riert
. Wahrſcheinlich aber werden die erhöhten Trans=
portkoſten
binnen kurzem eine Preisſteigerung unver=
meidlich
machen. Beim Brot iſt eine kleine Preiser=
höhung
fühlbar geworden, aber ſie iſt nicht bedeutend
genug, um wirklich zur Kalamität zu werden: der
große Laib Brot koſtet einen Sou mehr als gewöhnlich.
Auch der Wein iſt um 5 Centimes für den Liter teuerer
geworden. Eine einſchneidende Teuerung iſt nur zu
erwarten, wenn der Streik andauert. Noch am 8. Ok=
tober
lagerten in den Pariſer Magazinen 45 261000
Liter Getreide; bereits vier Tage ſpäter, am 12. Ok=
tober
, waren die Vorräte auf 20304000 Liter geſunken:
Dagegen ſind in der gleichen Zeit die Hafervorräte ge=
wachſen
. Am Tage vor dem Ausbruch des Streiks be=
lief
ſich die Seefiſchzufuhr auf 128000 Kilogramm, am
12. Oktober erreichte ſie immerhin noch 86000. Am
Tage vor dem Streik wurden in Paris 49775 Kilo=
gramm
Schlachtfleiſch zum Verkauf geſtellt; nachdem
der Streik bereits in Wirkung war, am letzten Mitt=
woch
, konnte man ſogar 59 284 Kilogramm Vorrgt an
verkäuflichem Schlachtfleiſch feſtſtellen. Der tägliche
Verbrauch von Eiern in Paris beträgt 64 142 Kilo=
gramm
. Der weitaus größte Teil der tieriſchen Nahr=
ung
für die franzöſiſche Hauptſtadt kommt aus dem
weſtlichen Frankreich, die Bretagne iſt der Hauptliefe=
rant
. Die Normandie dagegen liefert hauptſächlich
Molkereiprodukte. Mit den Zügen treffen täglich ge=
waltige
Mengen von Blumen aus dem Süden ein, und
das Farbenſpiel der Blüten, das ſonſt den Pariſer
Straßen eine reizvolle Note gibt, iſt auch jetzt, mitten
im Streik, ebenſo reich und üppig, wie in normalen
Zeiten.
* Das verkleiſterte Bad‟. Die alte Salz=
ſtadt
Oldesloe führt zur Freude ihrer Einwohnerſchaft
ſeit einiger Zeit mit Genehmigung der Regierung

offiziell den Namen Bad Oldesloe der vorher ſchon
lange Zeit auf der Stationstafel des dortigen Bahn=
hofes
unbeanſtandet geprangt hatte. Jetzt mit einem
Male wehrt ſich die Eiſenbahnverwaltung mit Händen
und Füßen gegen die Bezeichnung. Der Eiſenbahn=
präſident
in Münſter als Eiſenbahnkommiſſar für die
Lübeck=Büchener Bahn hat nach den Leipz. N. N. einen
Ukas erlaſſen, wonach die neue offizielle Bezeichnung
der Stadt im Eiſenbahnbetriebe nicht angewendet wer=
den
dürfe, und tatſächlich mußte die Station wieder
einfach als Oldesloe abgerufen werden. Warum, das
mögen die Götter wiſſen. Der Stadtrat erhob gegen
dieſes Verbot Beſchwerde, hat vorläufig aber damit
nichts weiter erreicht, als daß der heilige Eiſenbahn=
bureaukratius
ſich erſt recht auf die Hinterbeine ſetzte.
Mit Staunen ſah man nämlich dieſer Tage auf der
Stationstafel des Bahnhofes, auf der ſeit langer Zeit
die Inſchrift Bad Oldesloe prangte, das von der Re=
gierung
genehmigte Wörtlein Bad auf beiden Seiten
mit einem ſchönen, blanken, blütenweißen Bogen Pa=
pier
überklebt. Früher, als Oldesloe die Bezeich=
nung
Bad noch nicht offiziell beſaß, hatte die Direk=
tion
der Lübeck=Büchener Eiſenbahngeſellſchaft geſtattet,
daß auf den Stationstafeln trotzdem Bad Oldesloe‟
ſtehe. Nun, da der Name Bad Oldesloe offiziell iſt
und an demſelben Tage, an dem die kaiſerliche Reichs=
poſt
dieſe Ortsbezeichnung ebenfalls offiziell einführt,
kommt, vermutlich auf Veranlaſſung höheren Orts
ein Bahnbeamter und degradiert das Bad Oldesloe mit
einem weißen Bogen Papier und einem wohlgetränk=
ten
Kleiſterpinſel wieder zu einem gewöhnlichen
Oldesloe.
* Einen neuen Titel findet man unter den
amtlichen Mitteilungen des Reichs=Anzeigers. Danach
iſt einem Berliner das Prädikat eines königlichen
Hofbackofenbauers verliehen worden. Wie ſtolz das
klingt!

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Nummer 244.

Am in ies ſehe Behenins der Steter
erſchloſſen wird.
Im Verlage von L. Staackmann in Leipzig er=
ſchien
ſoeben: Liebesmuſik, eine Alt=Wiener
Geſchichte von Hans Hart. Zirka 23 Bogen; broſch.
4 Mark, in Originalband 5 Mark. Hans Hart, der
Autor des im vorigen Jahre Aufſehen erregenden Ro=
mans
Das heilige Feuer, tritt hier mit einem neuen,
bisher noch nirgends gedruckten Werk vor die Oeffent=
lichkeit
, das ſeine Stellung in der erſten Reihe unſerer
jüngeren Dichter befeſtigen wird. Liebesmuſik iſt
ein Wiener Roman aus der Beethoven=Zeit, ein Buch
voll Grazie und ſtürmender Leidenſchaft. Feiner ſtil=
ler
Humor ſchwebt über dem Beſchaulich=Spieleriſchen
dieſer Epoche. Das Ganze ſpielt ſich ab in dem wun=
dervoll
gezeichneten Milieu der Biedermeierzeit, und
wie Silhouetten tauchen in dem Alltagsſchickſal der
Menſchen vom Grünen Kreuz die Köpfe der Alt=
Wiener Berühmtheiten auf: Beethoven, Moritz von
Schwind, Neſtroy, Raimund u. v. a. Trotz der dra=
matiſchen
Wucht hat der Roman einen faſt muſikaliſchen
Reiz der Sprache, der noch geſteigert wird, wenn
Beethovens Weiſen hineinklingen und die Liebe dieſer
Menſchen zur Muſik machen.
Der Tenien=Almanach für das Jahr 1911
iſt zur Ausgabe gelangt. Die intereſſanten Original=
beiträge
geben in Verbindung mit den entſprechend
ausgewählten Stücken aus einzelnen Werken des
Tenien=Verlags ein getreues Bild des Suchens unſerer
Zeit: der Sehnſucht nach einer modernen Renaiſſance.
Entſprechend dem wertvollen Inhalt hat der Verlag
der Herſtellung alle Sorgfalt angedeihen laſſen. Neben
der einfachen Ausgabe für 50 Pfg. iſt eine Vorzugsaus=
gabe
auf Hadernpapier in Leder zum Preiſe von 3 Mk.
erſchienen. (Fenien=Verlag in Leipzig, Bismarckſtr. 18.)
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Cronberg, 17. Okt. Die Kronprinzeſſin
Sofie von Griechenland iſt mit ihren Kin=
dern
nach anderthalbjährigem Aufenthalt in Deutſch=
land
nach Athen abgereiſt.
* Köln, 17. Okt. Die Kriminalpolizei verhaf=
tete
geſtern nachmittag einen jungen Kaufmann, der
einer Dresdener Firma nach und nach 90000 Mk.
unterſchlagen hatte.
* Wien, 17. Okt. Der Politiſchen Korreſpondenz
zufolge erklärte der hieſige portngieſiſche Ge=
ſandte
, zu demiſſionieren, da er ſich nicht mehr in
der Lage fühle, der republikaniſchen Regierung zu
dienen.
* Wien, 17. Okt. Kaiſer Franz Joſef gewährte
geſtern dem mit der Herſtellung des Entwurfes für das
Denkmal des Kaiſers in Karlsbad beauftragten Bildhauer
Profeſſor Boermel aus Berlin eine längere Sitzung
und empfing den Vorſitzenden des Denkmalkomitees, Ge=
heimen
Hofrat Rene, dem er für ſein Wirken im Komitee
ſeine Anerkennung ausdrückte.
* Belgrad, 17. Okt. Nach einem heute früh ausgege=
benen
Bulletin befindet ſich der Kronprinz zumeiſt im
Schlummerzuſtand. Der Wiener Arzt Chvoſtek trat die
Rückreiſe nach Wien an.
* London, 17. Okt. Der König und die Königin
beabſichtigen, nächſten Samstag dem König Manuel und
ſeiner Mutter in Woodnorton einen Beſuch abzuſtatten.
* Moskan, 17. Okt. Der Präſident der Reichs=
duma
, Muomzew, iſt plötzlich geſtorben.
* Konſtantinopel, 17. Okt. Geſtern ſind hier zwei
Erkrankungen und ein Todesfall an Cholera vor=
gekommen
.
* Konſtantinopel, 17. Okt. Nach einem Telegramm
des Wali von Koſſowo fand bei Tſchorlak (Kaſa=
Kotſchana) ein Zuſammenſtoß zwiſchen Truppen
und einer aus fünf Mann beſtehenden, wahrſcheinlich
bulgariſchen Bande ſtatt. Vier Mitglieder der Bande
wurden geötet, der fünfte gefangen. Auf Seite der Trup=
pen
wurden ſechs Mann getötet, ein Leutnant und
mehrere Soldaten verwundet.
* Konſtantinopel, 17. Okt. Der Ikdam meldet, daß
Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen zwei
Mitgliedern des Kabinetts beſtehen. Einer der beiden
Miniſter hätte ausdrücklich erklärt, daß er nötigenfalls
zu demiſſionieren entſchloſſen ſei; einige andere Miniſter
erklärten ſich mit ihm ſolidariſch. Der Innerminiſter
ſoll die Verſtändigung vermitteln.
* Mukden, 17. Okt. Der Generalgouverneur lehnte
die von dem japaniſchen Generalkonſul in Tacfu
geforderte Entſchädigung der vor einiger Zeit
verhafteten Japaner und ebenſo die Abſetzung des
dortigen Präfekten ab. Der Generalgouverneur er=
blickt
in der Verhaftung der Japaner eine Maßnahme
des Selbſtſchutzes ſeitens des Präfekten und beſteht
auf der Entfernung der Japaner aus Tacfu.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Das Hoch=
druckgebiet
iſt oſtwärts gewandert und bedeckt die öſtliche
Hälfte Europas, daher wehen leichte Oſtwinde, die heiteres
und am Tage mildes Wetter gebracht haben. Nur nachts
ſinkt durch Ausſtrahlung die Temperatur bis nahe an den
Gefrierpunkt. Heute früh herrſcht in Süd= und Oſtdeutſch=
land
Nebel. Bei Annäherung einer kleinen Zyklone über
England nimmt die Bewölkung zu.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 18. Oktober:
Zunehmende Bewölkung, vielfach neblig und geringer
Regen, ſüdweſtliche Winde, etwas milder.

Na, Fräu=
lein
, wenn Sie
nicht ’mal
Kathreiners
Malzkaffee
kochen können,
dann haben
Sie aber recht wenig in
der Penſion gelernt. Das
iſt doch ſo einfach: Sie
mahlen ihn, ſetzen ihn
mit kaltem Waſſer an, laſſen ihn ein paar
Minuten kochen und dann gießen Sie ihn
durch. Fertig iſt der feinſte Malzkaffee, aber
Sie müſſen natürlich Kathreiners nehmen.

Den Bahalt machlel

Warm zu empfehlen iſt der Gebrauch von Zucker’s Pa=
tent
=Medizinal=Seife bei Rauhigkeit und Schuppungen
der Haut, bei leichter Ichthyoſis, ganz beſonders bei Un=
reinheiten
derſ., wenn Miteſſer u. deren Folgezuſtände,
Knötchen, Puſteln uſw. das bekannte
unſch. Geſichtsbild hervorr. So urteilt
H. Dr. med. W. üb. Zucker’s Patent= Me=
ydizinal
=Seife, à Stck. 50 Pf. (15%i9) u.
iek
1.50 M. (35%ig, ſtärkſteFForm). Dazugeh.
Zuckooh=Creme 75 Pf. u. 2 M. i. ſämtl. Apoth., Drog. u. Parf.
19167E

Grutncen Angelant uerilcter Mll.
Mit beſonderem Vergnügen beſtätige Ihnen hier=
mit
gerne, daß ich das mir ſ. Zt. von Herrn N.
gegen Magenbeſchwerden und damit verbun=
denen
Begleiterſcheinungen, infolge eines langjährigen
chroniſchen Magenkatarrhs, empfohlene
Waſſer Ihrer St. Georgsquelle, Biskirchen a. d. Lahn
ſeit dem Jahre 1899 mit vorzüglichem Erfolge, als
Tafelgetränk bei mir eingeführt habe und regel=
mäßig
trinke. Ich habe mich ſo an dasſelbe gewöhnt,
daß ich dasſelbe auf die Dauer nicht mehr entbehren
möchte, was Sie ia aus meinen regelmäßigen Be=
zügen
ſeit jener Zeit ſelbſt zu beobachten Gelegen=
heit
hatten. In dankbarer Anerkennung der guten
Erfolge habe ich auch zu wiederholten Malen Ver=
anlaſſung
genommen, das Waſſer Ihrer St. Georgs=
quelle
im Kreiſe meiner Bekannten zu empfehlen,
wie ich dergleichen meinen Hausarzt, dem Herrn
Dr. F. hier, darauf aufmerkſam gemacht habe,
welcher ſich hiernach, mir gegenüber, ebenfalls aner=
kennend
über dasſelbe ausgeſprochen hat. C. A. G. in C.
Preis für 25 Flaſchen Mk. 9. (20184fl
17.
50
inkl. Verpackung ab Station Stockhauſen a. d. Lahn.
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Wilkes & Cie., Aachen. Dieſelbe verſendet
koſtenlos und ohne Kaufzwang an Jedermann die aus
über 1000 Neuheiten beſtehende Muſterkollektion von
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vollſtändig franko verſandt und außerdem wird das
Porto für die Rückſendung beigefügt. Eine ſolche Ge=
legenheit
ohne einen Pfennig Koſten! und ohne jede
Kaufverpflichtung einen Einblick in die neueſte Mode zu
gewinnen, ſollte Niemand unbeachtet laſſen. Beachten
Sie die heutige Beilage.
(20180
Unſere Stadtauflage enthält eine Beilage, betr.
den Lichtſpiel=Vortrag im Städt. Saalbau
am Mittwoch, den 19. Oktober 1910, abends halb 9 Uhr,
von Reinhold Gerling=Berlin: Was die Frauen
wiſſen müſſen.
(20187P

Danksagund.

Allen, die mir bei dem plötzlichen Hinscheiden meines ge-
liebten
Mannes ihre Teilnahme bewiesen haben, spreche ich meinen
tiefgefühlten Dank aus.
Frau Georg Engelhard Wwe.

Darmstadt, 17. Oktober 1910.

(20222

Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die traurige Mitteilung, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben
guten Gatten, unſeren treubeſorgten Vater
Heren Peter Bickelhaupt
Büro-Assistent
nach langem, ſchwerem Leiden in ein beſſeres
Jenſeits abzurufen.
(20225
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Brandau, Willebroeck, Brens=
hach
, den 17. Oktober 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. d. M.,
nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehauſe, Mühl=
ſtraße
18 aus, ſtatt. Einſegnung daſelbſt eine
Viertelſtunde vorher.

e
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. C): Der Arzt am
Scheideweg‟.
Gaſtſpiel des Oberbayr. Bauerntheaters um 8¼ Uhr
im Orpheum ( Brave Lumpen).
Vortrag von Pfarrer Fuchs um 9 Uhr im Fürſten=
ſaal
(Verein der Bildungsfreunde).
Oktoberfeſt um 5 Uhr im Kölniſchen Hof

Kammermuſikabend um ½7 Uhr im Hotel Zur
Krone zu Auerbach.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Crafenſtraße): Vorſtellungen von 311 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 19. Oktober.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 und 3 Uhr
Roßdörferſtraße 53.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr Runde=
turmſtraße
16.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
Ludwigshalle‟.
Beſtellungen
auf das
Darmſtädter Tagblatt=
werden
in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Z

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sind hochfeine Qualitätsbiere.

(257a

[ ][  ][ ]

Nummer 244.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910

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Die verführeriſchen Walzerklänge lockten noch
andere Beſucher herbei, die erſt das richtige Karneval=
milieu
ſchufen. Unheimliche ſchwarze Geſtalten im
alles verhüllenden Domino, mit huſchenden Bewegungen
und raunenden Stimmen, die glitzernden Augen das
einzig Lebendige in der düſteren Totenfarbe. Die Ge=
wandtheit
, mit der ſie, den Arm um eine ſchlanke
Mädchentaille legend, die Beſitzerin derſelben in dem
engen Raum zum flüchtigen, wortloſen Tanze führten,
verrieten das deutlich genug, was der ſchöne Leutnant
Lena von Rieding, die ſich nur widerwillig von den
Vermummten umſchlingen ließ, beruhigend zuflüſterte:
Es ſind alles Offiziere von uns, die Masken tragen,
weil ſie in ihrem Amüſement nicht behindert ſein
wollen.
Fräulein von Meppen zeigte wieder ihre ewige
Jugend, ſie ließ ſich von dem bartloſen Leutnant im
Walzer drehen und kannte keine Ermüdung.
Am kühlſten war die Exzellenz trotz der brennen=
den
, dunkel umſchatteten Augen, ſie hatte wohl glühen=
deren
Rauſch gekoſtet, als daß der künſtliche, flüchtige
ſie erregte.
Auch ſie tanzte, aber es geſchah intereſſelos, mit der
Höflichkeit der Weltdame, die nicht Spielverderberin
ſein will, wo ſich’s der Mühe nicht lohnt.

Bei dem raſch improviſierten Souper ſpäter eroberte
ſich der Schriftſteller mit dem Korpsſtudentengeſicht und
dem Leutnantsmonokel kühn den Platz an Lenas
rechter Seite, während auf der anderen natürlich der
Huſar ſeine Attacke auf die reizende Frau fortſetzte.
Hans von Haſſingen ſaß bei der Jugend und fühlte
ſich recht wohl da, indem die beiden Spaßmacher, der
Dresdener Artilleriſt und der Mainzer Huſarenbaron,
beide in ihrem heimiſchen Dialekt ſo reichlich für Unter=
haltung
und Amüſement ſorgten, daß die jungen Mäd=
chen
nur Augen und Ohren für ſie hatten und keinerlei
Anſprüche an ihren ſchweigſamen dritten Kavalier
ſtellten.
Die beiden Mütter legten nach Tiſch ein Veto gegen
die Fortſetzung des Tanzes ein und drangen auch ſieg=
reich
durch, da das Tantchen nach der Ruhe des Still=
ſitzens
die Ermüdung der Beine ſpürte und ebenfalls
nach Hauſe verlangte, ehe der Gähnreiz kam und die
ſchweren Augenlider.
Die Mainzer Herren hofften auf Unterſtützung
von ſeiten der jungen Frau, ſahen ſich aber bitter ent=
täuſcht
, denn auch Lena von Rieding war für die Rück=
fahrt
nach Wiesbaden.
Sie wehrte ſich auch gegen jede Fortſetzung der
Karnevalsfreuden, und da ſie im übrigen den drei
Herren ein Wiederſehen in Wiesbaden verhieß, tröſtete
der ſchöne Moeſchen ſich in Gedanken an die weniger
exkluſiven, aber auch nicht zu verachtenden Amüſements,
die ihm der Faſchingsdienstag in Mainz unter den
vielen kleinen=Mädchen verhieß, die ihn anbeteten und

ihn nicht ſo knapp hielten wie die reizende Frau, die
ein wenig kühl dreinblickte, weil ſein Handkuß ein
wenig zu heiß ausgefallen.
In zwei Wagen fuhr die Geſellſchaft zum Bahnhof,
die beiden Huſaren gingen nach kurzem Ueberlegen doch
noch in die Stadthalle. Im letzten Moment fiel Fräu=
lein
von Meppen die Poularde ein, und wenn der
Neffe auch verſicherte, ſie würde ihrer Beſtimmung, ge=
braten
und gegeſſen zu werden, nicht entgehen, er
mußte doch noch einmal herausklettern und ſich ſein
Mittageſſen ſchwer verdienen, indem er das unglück=
ſelige
Huhn aus der Sofaecke herausholte, in welcher
abwechſelnd jemand darauf geſeſſen und ihm wahr=
ſcheinlich
ſchon einen Vorgeſchmack des Bratofens be=
reitet
hatte.
Auf dem Bahnhof herrſchte ein fürchterliches Ge=
dränge
. Trotz eingelegter Züge tobte ein lebensgefähr=
licher
Kampf um die Coupés.
Es iſt unmöglich, daß wir zuſammen bleiben
können! ſagte die junge Frau, ſtirnrunzelnd über das
wüſte Treiben hinwegſehend. Es muß jeder auf eigene
Fauſt verſuchen, nach Hauſe zu kommen.
Natürlich, auf dem Bahnhof in Wiesbaden feiern
wir Wiederſehen, bis dahin gehe jeder ſeinen eigenen
Weg! pflichtete Fräulein von Meppen bei und ſtürzte
ſich als erſte mutig ins Gewühl.
Hans von Haſſingen aber war neben Lena getreten,
die noch unſchlüſſig am Gitter ſtand.
Sie zeigte kein Erſtaunen, daß der blonde Offizier
die Abſicht hatte, ſie nicht zu verlaſſen, nur ein klein

[ ][  ][ ]

Nummer 244.

Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.
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wenig zuckte die rote Lippe, als die Exzellenz ſich ſpöttiſch
lächelnd noch einmal umwandte, ehe ſie im Gedränge
verſchwand.
Warten Sie einen Moment auf mich, lieber Freund!
bedeutete ſie dann und war, ehe Haſſingen eine Frage
tun konnte, verſchwunden.
Der Menſchenſtröm begann ſich etwas zu verteilen,
als ſie wieder erſchien, es war höchſte Zeit, wollten ſie
noch mitkommen. Schon ſchmetterten die Coupétüren
zu, ein Schaffner blickte dem Paar ungeduldig fragend
entgegen.
Erſter! ſagte die ſchlanke Frau kurz.
Sie hatte zwei Zuſchlagkarten genommen, und ſie
hatte ihren Zweck erreicht.
Das Abteil, das der Schaffner, der wohl ein Liebes=
paar
witterte, ihnen öffnete, war leer.
Gott ſei dank!
Lena ließ ſich aufatmend in die roten Polſter gleiten
und nahm den Hut ab, den ſie ſehr ſchick mit den Nar=
ziſſen
garniert hatte, die der unbekannte Verehrer ihr
geſpendet.
Nur eine trug ſie zwiſchen den Knöpfen der ſchwar=
zen
Tuchjacke.
Nun nahm ſie dieſelbe, und mit der Unbefangenheit,
die etwas ſo=Reizvolles an ihr war, ſtand ſie auf, und
neben Haſſingen tretend, befeſtigte ſie die weiße Blüte
im Knopfloch ſeines Ueberziehers.
Die roſigen Finger hantierten ſo graziös unter
ſeinen Augen, die Nähe ihres ſchmiegſamen Körpers
mit dem diskreten Veilchenduft und dem leiſen Rauſchen
ihres ſeidengefütterten Kleides wirkte ſo ſchmeichelnd
und verführeriſch, daß ihn ein Augenblicksrauſch mit
fortriß, er die weichen Hände, nachdem ſie ihr Werk
vollendet, erfaßte und ſie abwechſelnd beide an die
Lippen preßte.
Sie ließ es geſchehen, ohne daß ihr warmer Blick
erkaltete, aber ſie bewahrte die ſichere Ruhe der Frau,
die es gelernt hat, ſolcher Huldigung keine große Bedeu=
tung
beizumeſſen.
Bei ihm war’s auch nur eine Aufwallung geweſen,
die Freude, nach der inneren Einſamkeit der letzten

Seie e ene e ien
ſympathiſchen Frau allein zu ſein.
Sie ſprachen ganz offen mit dem heimlichen Ver=
gnügen
zweier Kinder, die einer ſtrengen Aufſicht ent=
flohen
, über ihre gegenſeitige Sympathie und die merk=
würdige
Fügung, die ſie in letzter Stunde zu dieſem
Karneval vereint hatte.
Sie nannten ſich wieder Lena und Hans ſund feier=
ten
den Schlußrefrain ihres Roſenmontags.
Es iſt wirklich zu drollig! plauderte die junge Frau,
den Kopf ein wenig kokett in die Ecke gedrückt, daß ihr
mattweißer Teint ſich leuchtend von dem Dunkelrot des
Sammets abhob. Ich hatte an dem Samstag gar nicht
die Abſicht, auszugehen, und zu Blum gehe ich nun erſt
gar nicht gern ich hatte mich gerade mit einem Roman
ſo recht bequem in einen Faulenzer geſetzt und blätterte
die erſte Seite um, da merke ich an dem Ring hier, den
ich als eine Art Talisman liebe und immer trage, einen
fehlenden Brillanten. Darin bin ich nun eigen ich
urteile bei anderen gar nicht ſo ſtreng, wenn mal irgend
etwas an ihrer Toilette nicht ganz tadellos iſt, aber an
mir ſelber kann ich das Fehlen eines winzigen Brillan=
ten
nicht eine Stunde länger ertragen. Außerdem bin
ich ein Kind des Augenblicks wenn Sie’s noch nicht
gemerkt haben, werden Sie’s ſchon noch merken, ich
handle im erſten Impuls, leider in allen Dingen, erſt
ſpäter kommt das Zaudern, das vorſichtige Erwägen
nun, diesmal trieb mich’s ſofort zu dem Juwelier auf
die Wilhelmſtraße, und wie ich zurückgehe und gerade
denke: Pfui, iſt das häßlich naßkalt, mach, daß Du
ſchleunigſt wieder in Dein behagliches Zimmer kommſt,
da winkt mir meine Bekannte wär’s die Schlettau
geweſen, ich hätte abgewehrt aber bei dieſer Frau
Wer war die Dame eigentlich, Lena? fiel der blonde
Offizier ein. Ich bin da wirklich ein bißchen neugierig
ſie paßt mir ſo gar nicht zu Ihnen Sie nehmen
mir’s doch nicht übel?
Aber ich bitte Sie, nichts ſchätze ich höher, als ein
ehrliches Wort, und Sie haben auch ganz recht, wir
paſſen nicht zuſammen, und die ganze Klique, die viel=
leicht
dicht neben uns im Coupé ſitzt und uns beide
durchhechelt, für die exiſtiert die Frau nicht, und ich

würde es um der Frau willen nicht wagen, ſie in dieſe
Geſellſchaft einzuführen ich würde mich maßlos
empören, wenn man ſie über die Achſeln anſähe, aber
ich wäre nicht ſtark genug, den Kampf für ſie zu wagen.
Sie hat einſt dieſer Geſellſchaft angehört, zu der Zeit,
als ich ſie kennen lernte da war ihr Mann Oberſtabs=
arzt
bei einem Potsdamer Garderegiment ein
brutaler Kerl, der ſie alle Augenblicke mit dem Revolver
bedrohte eines Tages flüchtete ſie zu ihren Eltern
und ließ ſich von ihm ſcheiden, war dumm genug, ihm
einen Teil ihres Geldes zu laſſen ſie war immer ſchon
eine ſenſitive, etwas haltloſe Natur damals waren
ihre Eltern noch reich, dann machte ihr Vater Bankrott
und ſtarb, ihrer Mutter und Schweſter blieb nur das
Notwendigſte zum Leben, ſie ſelbſt ſuchte ſich mit dem
Reſt ihres Vermögens hier in Wiesbaden eine Exiſtenz
zu gründen, indem ſie Zimmer vermietet. Ich traf ſie
gleich in den erſten Tagen meines Hierſeins, und weil
ich mich immer hingezogen fühle zu den Stiefkindern
unter uns Frauen, beſuche ich ſie öfter und gewähre ihr
die Wohltat, ſich auszuſprechen. Sie iſt ein bedauerns=
wertes
Geſchöpf ſeit vier Jahren verzweifelt bemüht,
durch eine neue Heirat ſich und ihrem Töchterchen ein
Glück und eine geſellſchaftliche Poſition zu erringen. Ihr
Unglück iſt’s, daß ſie ihre Anſprüche zu hoch ſchraubt
irgend einen ehrenwerten Kaufmann, auch wohl einen
Arzt oder Beamten hätte ſie wohl ſchon bekommen
können, aber ſie iſt verwöhnt, ſie war in Potsdam ſehr
gefeiert und von Offizieren der feudalſten Regimenter
umſchwärmt dieſe Bekanntſchaften kultiviert ſie noch
heute, aber ſtatt eines Mannes findet ſie da leider
immer nur einen Geliebten das iſt ja auch ſo klar,
daß Unbeteilgte gar nicht begreifen können, wie ſie doch
bei jeder neuen Eroebrung erneut hoffen kann, ſie würde
geheiratet werden. Und warum iſt ſie ſchließlich ſo weit
gekommen, daß ſie ſich fortwirft in ihrem Beſtreben, den
Mann an ſich zu feſſeln, in ihrer Sehnſucht, ſich anzu=
ſchmiegen
? Weil ſie kein Geld hat. Geld iſt eben eine
Macht, die ſo viele Brücken ſchlägt, ſo viele Uneben=
heiten
glättet Armut iſt demoraliſierend, Armut iſt
ſchrecklich.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündiaungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

8 108.

Dienstag, 19., Ottober.

1910.

Bekanntmachung.
Die Wahlen zu dem Kreistage für den Kreis Darmſtadt; hier; die Wahl von deſſen
Mitgliedern durch die Höchſtbeſteuerten betreffend.
Von dem nach Artikel 14 und 15 des Geſetzes vom 12. Juni 1874 durch die
100 Höchſtbeſteuerten gewählten Drittel der 24 Abgeordneten des Kreistags des Kreiſes
Darmſtadt ſcheidet mit Ende des Jahres 1910 die Hälfte, nämlich die für die Wahl=
periode
19051910 gewählten Herren:
1. Geheimer Forſtrat Karl Heinemann zu Darmſtadt
2. Geheimer Kommerzienrat Dr L. Merck daſelbſt
3. Rentner Wilhelm Schwab daſelbſt
4. Kommerzienrat Karl Schenck daſelbſt
aus und werden durch Ergänzungswahl erſetzt.
Zur perſönlichen und bezw. zur Teilnahme durch Stellvertreter an der vevor=
ſtehenden
Ergänzungswahl ſind nach Artikel 16, 17 und 18 des angeführten Geſetzes
die nachſtehend verzeichneten Perſonen und Körperſchaften berechtigt:
1. Großherzoglicher Fiskus
Darmſtadt mit dem ehemaligen Beſſungen:

2. Aktiengeſellſchaft Göhrig & Leuchs’ſche
Keſſelfabrik
3. Aktiengeſellſchaft Gebr. Lutz, Maſchinen=
fabrik
und Keſſelſchmiede
4. Aktiengeſellſchaft Dampfkeſſelfabrik
vorm. Arthur Rodberg
5. Aktiengeſellſchaft Süddeutſche Eiſen=
bahn
=Geſellſchaft
6. Aktiengeſellſchaft Eiſengießerei und
Maſchinenfabrik Karl Schenck
7. Aktiengeſellſchaft Landwirtſchaftliche
Genoſſenſchaftsbank
8. Alter, Johann Juſtus Ludwig, Witwe
9. Appfel, Philipp, Bierbrauereibeſitzer
10. Bank für Handel & Induſtrie
11. Blumenthal, Dr. Bernhard, Arzt
12. Bonte, Felix, Rentner
13. Boſſelmann, Karl, Kaufmann
14. von Bülow, Ernſt, Regierungsrat a. D.
15. von Dalwigk, Freifrau, Miniſterpräſi=
denten
=Witwe
16. Darmſtädter Baugeſchäft vorm. Eduard
Harres, G. m. b. H.
17. Delp, Friedrich II., Bauunternehmer
18. Diefenbach, Wilhelm I., Kommerzienrat
19. Diſchinger, Dr. Adolf, Bierbrauerei=
beſitzer

20. Diſchinger, Johannes, Kommerzienrat
21. Fay, Karl, Brauereibeſitzer
22. Flinſch, Karl, Privatier
23. Friedrich, Philipp, Rentner, Witwe

24. Fuchs, Dr. Theodor, Geheimer Ober=
Finanzrat
25. Geiger, Adolf, Kaufmann
26. Glückert, Julius, Kommerzienrat
27. Göbel, Jean, Kommerzienrat
28. Se. Königliche Hoheit der Großherzog
29. Hallwachs, Otto, Juſtizrat
30. Hedderich, Karl Friedrich, Geheimer
Kommerzienrat
31. Heineberg, Julius, Kaufmann
32. von Heyl, Max Freiherr, Generalmajor
à la suite
33. Heyn, Ludwig, Kommerzienrat
34. Hickler, Guſtav II., Kommerzienrat
35. Hipp, Guſtav, Witwe
36. Hügel, Adolf, Bankdirektor
37. von Iſenburg, Prinz Leopold, Ober=
leutnant
à la suite
38. Koch, Franz, Rentner
39. Krämer, Friedrich, Major a. D.
40. Kücken, Anna, Privatin
41. Lautz, Heinrich, Kaufmann
42. von Leonhardi, Freiherr Dr. Hugo,
Kammerherr
43. Locher, Karl, Hauptmanns=Witwe
44. Löb, Dr. Daniel, Juſtizrat
45. Ludwig, Karl Emil, Rentner
46. Mackenſen von Aſtfeld, Iwan, Major
47. Merck, Emanuel, Firma
48. Merck, Dr. Emanuel Aug., Medizinalrat
49. Merck, Georg, in New=York


51. Merck, Dr. KarlEmanuel Franz Witwe
52. Merck, Karl, Rentner
53. Merck, Dr. Ludwig, Geh. Kommerzienrat
54. Merck, Wilhelm, Geh. Kommerzienrats
Witwe Erben
55. Merck, Dr. Willy, Fabrikant
56. Mülberger, Dr. Friedrich, Privatier
57. von Neufville, Guſtav, Major
58. Nold, Ludwig Auguſt, Hoflieferant
59. Odenwälder Hartſtein=Induſtrie G. m. b. II.
60. von Oetinger, Auguſt, Freiherr, Kam=
merherr

61. Parcus, Karl, Bankdirektor
62. Pertſch Ferdinand Adolf, Bücherreviſor
63. Rau, Wilhelm Heinrich, Rentner
64. Reichsbankſtelle
65. Reuter, Adolf, Hoflieferant
66. Riedlinger, Ludwig II., Baumeiſter
67. Riedlinger, Ludwig III., Bauunter=
nehmer

68. Röder, Ludwig, Kommerzienrat
69. Röder, Philipp, Fabrikant
70. Roſenbaum, Heinrich, Fabrikanten Wtw.
71. Rothe, Dr. Karl, Staatsminiſters Wtw.
72. Rothſchild, Siegmund, Kaufmann
73. Rummel, Wilhelm, Bierbrauereibeſitzer

75 Friebrich, Vierbrauerei=
beſitzers
Witwe
76. Schombert, Friedrich, Fabrikanten Wtw.
77. Schüler, Guſtav Adolf Wilhelm, Majors
Witwe
78. Schwab. Wilhelm, Rentner.
79. Send, Otto. Reutner
80. zu Solms=Braunfels, Hermann, Prin=
zeſſin
Witwe, Duachlaucht
81. Stern Max, Rentner
82. von Stoeßer, Major a. D.
83. Trier, Adolf, Kaufmann
84. Trier, Eugen, Kaufmann
85. Trier, Ludwig, Kommerzienrat
86. Trier, Theodor Witwe, Frankfurt a. M.
87. Wagner, Peter, Rentner Witwe
88. Weber, Dr. Auguſt, Geheimerat
89. Werner, Franz, Rentner
90. Wiener, Philipp Adam, Bierbrauerei=
beſitzer

91. Winter, Chriſtian Friedrich, Buch=
druckereibeſitzer

92. Wittich, Ferdinand, Kommerzienrat
93. Wolfskehl, Eduard, Eiſenbahn=Bau=
und Betriebs=Inſpektor
94. Wolfskehl, Otto, Stadtverordnet. Witwe
95. Wolfskehl, Dr. Paul Witwe

74. Sames, Georg Heinrich, Bauunternehm.
Eberſtadt:
96. Klebe, Guſtav Witwe.
Pfungſtadt:
97. Firma Juſtus Hildebrand, Exportbier= 99. Nungeſſer, Ludwig.V., Dampfziegelei=
beſitzer
.
brauerei, G. m. b. H.
98. Ulrich, Chriſtian, Brauereibeſitzer
Traiſa:
100. Bullrich, Friedrich Wilhelm, Oberſtleutnant a. D.
Wir bringen dieſes nach den von den Großherzoglichen Bürgermeiſtereien erhal=
tenen
Mitteilungen aufgeſtellte Verzeichnis auf Grund des Artilel 21 des Geſetzes vom
12. Juni 1874 mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß das niedrigſte Steuer=
kapital
(doppelte Grundzahlen und ganze Einkommenſteuerbeträge) der darin auf=
geführten
Perſonen 1987,9 Mk. beträgt.
Zu Grunde gelegt ſind gemäß Artikel 18 letzter Abſatz des vorerwähnten Geſetzes
die Kommunalſteuerkapitalien des Rechnungsjahres 1909/10.
Anträge auf Berichtigung dieſes Verzeichniſſes ſind binnen einer unerſtrecklichen
Friſt von 4 Wochen, vom Tage nach der Ausgabe des Tagblatts, in welchem dieſe
Bekanntmachung erſcheint, an gerechnet, bei uns anzubringen.
Darmſtadt, 13. Oktober 1910.
Der Kreis=Ausſchuß des Kreiſes Darmſtadt.
J. V. von Werner.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher, 2 Foxterrier, 1 Dobermann. 1 Dobermann, 1 Kriegshund
(zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Oeffentliche Impftermine für den Stadtbezirk werden, ſo lange das Bedürfnis
dauert, jeden Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, in dem Schulhauſe in der Rundeturm=
ſtraße
abgehalten.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Dermine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben vorgenom=
menen
Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht be=
nutzen
will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50 Impf=
ungen
vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen, bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau noch=
mals
gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Eroup, Keuchuſten, Flecktwphus, roſenartige Entzündungen oder die natür=
lichen
Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 30. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V. Schmitl.
(13276a

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 19. Oktober 1. J., vorm. 9 Uhr u. nachm. 3 Uhr,
im Hauſe Rossdörfer Strasse 53. I. Etage,
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag wegen Auflöſung des Haushaltes folgende
Gegenſtände:
1 grünes Plüſchſofa mit 4 Seſſeln und 6 Stühlen, 1 braunes Sofa, 2 Seſſel,
1 Ausziehtiſch, 1 ſchwarzer Salontiſch, 6 Rohrſtühle, 1 Vertiko, 1 Spiegel=
ſchrank
, verſchiedene Waſchtiſche und Nachttiſche, 2 Kleiderſchränke, Küchen=
möbel
und Küchengeſchirr, 2 komplette Betten, Bilder, Spiegel und Vorhänge,
ſonſt. Hausrat, Porzellan, darunter 1 Tafelſervice und Gläſer, Kriſtall ver=
ſchiedener
Art.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1910.
(20085si
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 19. Oktober 1910, vormittags 10 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße (Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, darunter Betten, Waſchkommoden, Sofas, Kleider=
ſchränke
, Diwans, Schreibtiſche, Vertikos, 1 Pianino, ferner Ladentheke, Laden=
ſchränke
, Regale, 1 Poſtkartenſtänder, 1 Dezimalwage, 1 Fahrrad, 1 Näh=
maſchine
, 1 Partie Kunſtblätter. Geſchäftsbücher, 3 Pulte, Pferde, Landauer,
Coupees und 29 Bände Klaſſiker, wie Goethe, Körner, Leſſing, Schiller,
Heine, Hauff, Shakeſpeare, Uhland, Lenau, Kleiſt u. a. m.
wangsweiſe verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
20215)
Georgenſtraße 11, I.

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 19. Oktober 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle (Obergaſſe) öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung:
Mehrere Mille Zigarren, Holzbearbeitungsmaſchinen, 1 Warenſchrank,
1 Ladentheke, 1 Partie Geſchäftsbücher, Bilderrahmen, Bilder, Oelgemälde,
Papier= und Schnittwaren, ca. 30 Filshüte, 1 Schreibtiſch, 1 Vertiko, 1 Diwan,
1 Kanapee, 1 Schrank, 1 Pfeilerſchränkchen, 1 Regulator u. a. m.
Darmſtadt, den 17. Oktober 1910er
(20209
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher,
Friedrichſtraße 24, I.

Stroh=Lieferung.
Die Lieferung von 20 Zentner Korn=
ſtroh
(Handdruſch), 200 Zentner Kornſtroh
(Maſchinendruſch) und 20 Zentner Gerſten=
ſtroh
(Maſchinendruſch) für verſchiedene
ſtädtiſche Verwaltungen ſoll verdungen
werden.
Angebote ſind, mit entſprechender Auf=
ſchrift
verſehen, bis
Samstag, den 22. Ifd. Mts.,
vormittags 10 Uhr,
bei uns einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen liegen wäh=
rend
der Geſchäftsſtunden im Stadthaus,
Zimmer Nr. 39, zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. B.: Ekert. (20189im

Vergebung
von ſchmiedeiſernen Röhren.
Die Anlieferung von ſchmiedeiſernen,
ſchwarzen und galvaniſierten Röhren ſoll
verdungen werden.
Angebote ſind bis
Mittwoch, den 26. Oktober, ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Verwaltung, Frank=
furterſtraße
Nr. 29, I., Zimmer Nr. 3, ver=
ſchloſſen
und mit der Aufſchrift: Angebot
auf ſchmiedeiſerne Röhren, einzureichen,
woſelbſt auch die Verdingungsbedingungen
eingeſehen und die Angebotsſcheine in Em=
pfang
genommen werden können.
Nach auswärts werden die Bedingungen
nur gegen vorherige Einſendung von 50 Pfg.
in Briefmarken für die portofreie Zuſen=
(19995sid
dung derſelben abgegeben.
Darmſtadt, den 13. Oktober 1910.
Städtiſche Gaswerksverwaltung,
Betriebsleitung.
Friedrich.

In unſer Handels=Regiſter B wurde heute
J eingetragen hinſichtlich der Firma:
Darmſtädter Transportgeſellſchaft
Georg Götz & Cie., Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung, Darm=
ſtadt
.
Die Geſellſchaft iſt durch Beſchluß des
Geſellſchafters vom 11. Oktober 1910 auf=
gelöſt
.
(20163
Der ſeitherige Geſchäftsführer Georg
Brengel in Darmſtadt iſt Liguidator.
Darmſtadt den 12. Oktober 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Aufpolieren von Möbel
ſow. Reparaturen von Schreiner= u. Glaſer=
arbeiten
werden gut und billig ausgeführt
Heinrich Flamm, Stiftſtraße 59. (19730a

In unſer Handels=Regiſter, Abteilung 4,
wurden folgende Einträge vollzogen:
Am 30. September 1910.
Hinſichtlich der Firma:
Ga. Wilh. Weidig, Hoflieferant,
Nachf. Oskar Matzelt, Darmſtadt.
Ernſt Matzelt, Kaufmann in Darmſtadt,
iſt in das Geſchäft als perſönlich haftender
Geſellſchafter eingetreten.
Die offene Handelsgeſellſchaft hat am
1. Auguſt 1910 begonnen.
Gelöſcht die Firma:
Carl Jungmann, Darmſtadt.
Am 8. Oktober 1910.
Hinſichtlich der Firma:
Georg Liebig & Co. Nachf., Darm=
ſtadt
.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf Kauf=
mann
Ludwig Kolb in Darmſtadt über=
gegangen

Der Uebergang der in dem Betriebe des
Geſchäfts begründeten Verbindlichkeiten
und Forderungen iſt bei dem Erwerbe des
Geſchäfts durch Ludwig Kolb ausgeſchloſſen.
Gelöſcht die Firma:
Ludwig Kolb, Darmſtadt.
Am 10. Oktober 1910.
Aenderung hinſichtlich der Firma:
Anton Braunwarth, Darmſtadt.
Die Firma iſt geändert in:
Reformgeſchäft Ariſta, Geſund=
heitliche
Nahrungs= und Genuß=
mittel
Anton Braunwarth.
Gelöſcht die Firma:
Georg Rauch, Darmſtadt. (20164
Darmſtadt, den 14. Oktober 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

An unſer Handels=Regiſter, Abteilung B,
a iſt heute unter Nr. 79 die Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung unter der Firma=
Forſtbureau Silva, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
und mit dem Sitz in Darmſtadt, einge=
tragen
worden.
Gegenſtand des Unternehmens iſt der
Fortbetrieb des von Forſtrat Räß in Wies=
baden
gegründeten Forſtbureaus Silva
mit den in demſelben enthaltenen Abtei=
lungen
.
Das Stammkapital beträgt: 30000 Mk.
Geſchäftsführer iſt:
Forſtrat a. D. Dr. Hubert Räß in
Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am 20. Jan.
bezw. 15. März 1909 erichtet. (20162
Darmſtadt, den 11. Oktober 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Schöner Lüſter für Gas und Petroleum,
vorzügl. Bett, garantiert rein, 3 Füll=
regulieröfen
. Anzuſ. v. 1012 u. 24 Uhr
*25608imd) Frankfurterſtraße 10, 2. St.

[ ][  ][ ]

Seite 12,

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910

Nummer 244,

Samstag, den 22. ds. Mts.,
10 Uhr vormittags,
wird auf dem diesſeitigen Geſchäftszimmer,
Riedeſelſtraße 60, die ausgelagerte Holz=
wolle
aus 1492 Strohſäcken öffentlich meiſt=
(20214
bietend verſteigert.
Garniſonverwaltung Darmſtadt.

Das 1. und II. Htel
der israelitiſchen Kultusſteuer für 1910 iſt
bei Meidung zwangsweiſer Beitreibung bis
längſtens den 31. ds. Mts. an unſere Ge=
meindekaſſe
, Alexanderſtraße 4, zu ent=
(20188
richten.
Darmſtadt, den 17. Oktober 1910.
Der Vorſtand
der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Die Anſtalt für Epileptiſche zu
Nieder=Ramſtadt und deren Brocken=
ſammlung
bittet um gütige Zuwendung
von abgängigen Kleidern u. gebrauchten
Gegenſtänden aller Art. Die Sachen wer=
den
nach Beſtellung jederzeit gern im Hauſe
abgeholt.
(19675iiii
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Darmſtadt).
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niedergelaſſen.
Seligenſtadt a. M., im Oktober 1910.

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August Nuß, Rechtsanwalt.

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Eckhardtſtraße 5, 1. Stock rechts.

Kurſe vom 17. Oktober 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

Bſ. Staatspapiere. Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 92,70
64,00
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
92,50
3½ do. Conſols .
83,80
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,20
93,60
do.
3½
83,80
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,40
91,30
do.
3½
do.
82,10
4 Hamburger Staatsanl. 101,60
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,30
do.
91,00
3½
do.
3 Sächſiſche Rente .
83,10
4 Württemberger v. 1907 102,10
do.
92,60
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 100,80
1¾ Griechen v. 1887 . . 47,00
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente 97,10
4 do. Goldrente . . 98,40
4 do. einheitl. Rente 93,20
3 Portug. unif. Serie I 64,60
3 do. unif. Ser. III 66,00
3 do. Spezial. 12,80
5 Rumänier v. 1903 . . 101,90
4 do. v. 1890 . . 94,60
4 do. v. 1905 . . 91,30
4 Ruſſen v. 1880 a, 92.00

cn
St.
4 Ruſſen v. 1902 . . .
4½ do. v. 1905 . . . .
3½ Schweden . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903
4 do. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente .
do. Staatsrente .
5 Argentinier . . . . . .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe .
5 Chineſ. Staatsanleihe:
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . .
5 Innere Mexikaner . .
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904
5 Gold=Mexikaner . . ..

InProz.
92,70
100,20
92,30
82,90
86,60
94,50
93,60
91,90
102,00
91,00
93,70
02,10
99,40
97,40
100,00
68,40
95,10
100,10

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 143,90
4 Nordd. Lloyd . . . . 109,25
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 111,50
4 Gatthardbahn . . .

In Proz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 162½
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21,75
4 Pennſylvania R. R.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,00
Werger=Brauerei . . . . 74,00
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 494,50
Fabrik Griesheim . . . . 267,75
Farbwerk Höchſt . . . . . 549,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
Lahmeyer .
117,10
Schuckert
161,50
Siemens & Halske
254,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 451,00
Bochumer Bb. u. Guß .
Gelſenkirchen .
Harpener . . .
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. 253½
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,80
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,60
3½ do.
92,40

4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,40
do. ſteuerfrei . 93,20

4
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,30
4
do.
97,25
do. alte . 81,80
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,10
do.
79,60
28)
do.
57,10

3 Raab=Oedenburger .
4 Ruſſ. Südweſt.
4 Kronpr. Rudolfbahn .

75,00
89,80

In Prot,
31.
75.00
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[ ][  ][ ]

Nummer 244,

Harmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Seite 13,

Zur Bollszählung am 1. Dezember1910,
Z. G. Nach fünfjähriger Pauſe findet am 1. Dezember
dieſes Jahres im Deutſchen Reiche wieder eine Volkszäh=
lung
ſtatt, deren Leitung für das Großherzogtum Heſſen
wie bei den früheren Zählungen der Gr. Zentralſtelle für die
Landesſtatiſtik übertragen worden iſt. Durch die Volks=
zählung
ſoll die ortsanweſende Bevölkerung
feſtgeſtellt werden, d. h. die Geſamtzahl der innerhalb der
Grenzen des Großherzogtums in der Nacht vom 30. Novem=
ber
auf 1. Dezember anweſenden Perſonen, gleichgültig
ob ihre Anweſenheit ſtändig oder nur vorübergehend iſt.
Die vorübergehend abweſenden Perſonen werden nur zu
Kontrollzwecken aufgenommen. Gleichzeitig iſt damit die
Feſtſtellung der bewohnten und unbewohnten Wohngebäude
und der anderen zurzeit der Zählung zu Wohnzwecken be=
nutzten
feſten oder beweglichen Baulichkeiten (Schiffe, Wa=
gen
, Zelte uſw.) verbunden.
Jeder Haushaltungsvorſtand hat die Pflicht, alle über
die Perſonen ſeiner Haushaltung verlangten Nachweiſe zu
liefern und die Zählpapiere tunlichſt ſelbſt auszufüllen. Als
Zählpapiere kommen die Zählkarte und die Haushaltungs=
liſte
in Betracht. Erſtere iſt für jede einzelne Perſon, letz=
tere
jeweils für eine Haushaltung oder einer Haushaltung
gleichzuachtende Gemeinſchaft auszuſtellen. In der zur
Verwendung kommenden Zählkarte wird erfragt: Vor=
und Familienname, Verwandtſchaft oder ſonſtige Stellung
zum Haushaltungsvorſtand, Geſchlecht, Alter, Familien=
ſtand
, Hauptberuf, Religionsbekenntnis Staatsangehörig=
keit
, endlich, ob aktive Militärperſon. Die Fragen ſind im
Vergleich mit früheren Zählungen auf ein Mindeſtmaß be=
ſchränkt
. In die Haushaltungsliſte, die einen Einblick ver=
ſchaffen
ſoll, wie die einzelnen Perſonen haushaltungsweiſe

ſuſammengehören, ſind nur wenige Fragen aus der Zähl.
karte übernommen, nämlich Vor= und Familienname, Ge=
ſchlecht
, Religionsbekenntnis und Verwandtſchaft oder ſon=
ſtige
Stellung zum Haushaltungsvorſtand. Auch die vor=
übergehend
abweſenden Perſonen ſind in dieſe Liſte einzu=
tragen
, während eine Zählkarte für dieſe nicht auszufül=
len
iſt.
Die Zuſammenfaſſung der Perſonen nach Haushaltun=
gen
im Sinne dieſer Zählung iſt in manchen Fällen nicht
ganz leicht. Die Erläuterungen, die der Haushaltungsliſte
beigedruckt ſind, ſagen darüber folgendes:
Für jede Haushaltung iſt eine Haushaltungsliſte
mit einliegenden Zählkarten beſtimmt. Eine Haushal=
tung
bilden die zu einer wohn= und hauswirtſchaftlichen
Gemeinſchaft vereinigten PPerſonen, einſchließlich der
Zimmerabmieter, Logisherren, Schlafgänger uſw. Einzeln
lebende Perſonen mit beſonderer Wohnung und eige=
ner
Hauswirtſchaft gelten als ſelbſtändige Haushaltung.
Gaſthäuſer, Anſtalten (Kaſernen, Lazarette,
Kranken=, Verſorgungs=, Erziehungs=, Strafanſtalten,
Gefängniſſe, Klöſter, Penſionate uſw.), Maſſenquartiere,
Schiffe zerfallen gewöhnlich in mehrere Haushaltungen:
a) Es ſind einmal ſoviel Haushaltungsliſten auszu=
füllen
, als Familienhaushaltungen vor=
handen
ſind, alſo je eine Haushaltungsliſte für die
Familie des Gaſtwirts, für die des Anſtaltsvor=
ſtehers
, Direktors, Verwalters, Aufſehers, Wärters,
für die Familien der verheirateten Unteroffi=
ziere
uſw.
b) Ferner ſind in einer beſonderen Haushaltungsliſte
zuſammenzufaſſen die Logiergäſte mit dem gewerb=
lichen
Gaſthausperſonal, die Anſtaltsinſaſſen mit

dem in der Anfalt untergebrachten und beibſigten
unverheirateten Perſonal die Fahrgäſte mit der
Bemannung eines Schiffes. Das gewerbliche Per=
ſonal
(Kellner, Zimmermädchen, Krankenwärter,
Pflegerin, Matroſe uſw.) iſt als ſolches in der letz=
ten
Spalte der Haushaltungsliſte beſonders kenntlich
zu machen.
Wo ſich bei Ausfüllung der Zählpapiere Schwierig=
keiten
ergeben, iſt es Sache der Zähler, behilflich zu ſein.
Die Volkszählung iſt ein außerordentlich bedeutſames
und zugleich ſehr intereſſantes Geſchäft. Ihr Zweck iſt,
über wichtigſte nationale Fragen beſtimmte und klare
Auskunft zu ſchaffen. Dieſen Zweck kann ſie aber ohne die
freiwillige Mitwirkung Vieler nicht erreichen. Leider hat
man nun bei den letzten Zählungen die Erfahrung machenmüſ=
ſen
, daß die Bereitwilligkeit hierzu keineswegs ſo lebhaft
und ſo allgemein war, wie man hätte wünſchen und er=
warten
ſollen. Beſonders in den größeren Städten hat es
ſich als immer ſchwieriger erwieſen, freiwilige Zähler in
genügender Anzahl zu gewinnen. Es handelt ſich um ein
Ehrenamt, das freilich keineswegs von Jedem bekleidet
werden kann; denn es ſetzt ein nicht geringes Maß von
Intelligenz und Gewandtheit voraus. Aber gerade des=
halb
ſollten es ſich namentlich die Beamten und die Leh=
rer
, als hierzu vorzugsweiſe geeignet, nicht verdrießen
laſſen, durch ſeine Uebernahme der Allgemeinheit einen
wichtigen Dienſt zu leiſten. Die Staats= und Gemeinde=
behörden
werden darauf bedacht ſein, ihren Beamten und
Angeſtellten, die ſich zur Mitwirkung an dem Zählgeſchäft
bereit erklären, ſo weit irgend möglich, für die Dauer dieſes
Geſchäftes von ihren ſonſtigen Dienſtarbeiten frei zu
geben.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

Nummer 244

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Nummer 244.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18, Oktober 1910.

Seite 15

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[ ][  ][ ]

Seite 16.

Nummer 244.

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von Hans Werner-Holzmann.
Mittwoch, 19. Okt.: Der ledige Hof.
Donnerstag, 20. Okt.: Medaille u. I. Klasse.
Freitag, 21. Okt.: Die Kreuzelschreiber.
Samstag, 22. Okt.: Der Kraftprotz.
(20226)
Jur. nach. L urge Zeit.

zur Saurvererdneren-Nanf!
Zu der Anfang November ſtattfindenden Wahl von 18 Stadtverordneten nimmt der Mieter=
Verein nunmehr Stellung; da die wahlberechtigten Bürger aus den Kreiſen der Mieter die über=
wiegend
größte Wählerzahl bilden, ſo ſind ſie imſtande, der Wahl die Richtung zu geben.
Wir fordern daher alle Mieter Darmſtadts ohne Rückſicht auf Parteiſtellung ete.
hierdurch auf, am
Donnerstag den 20. Oktober er., abends 8½ Uhr
im Kaisersaal (Grafenſtraße)
zu einer beratenden Verſammlung zu erſcheinen.
Tagesordnung. 1. Referat des Vorſitzenden: Warum intereſſieren ſich die Mieter überall
ganz beſonders für die Stadtverordneten=Wahlen (Wohnungs= und
Bodenreform, Bauvorſchriften, Kleinwohnungen).
2. Herr Landes=Wohnungsinſpekt. Gretzſchel: Kommunale Wohnungspolitik.
3. Die Kandidatenfrage.
4. Freie Ausſprache.

Jedermann, insbeſondere auch unſere für das kommunale Leben intereſſierten Frauen, willkommen.
Der Vorstand.
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Darmstädter Vortragsverband.

Dienstag, 25. Oktober 1910, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5):
Zweiter Ludwig Ganghofer-Abend.
Vorlesung des Dichters aus eigenen neuen, zum Teil noch unge-
druckten
Dichtungen.
Vorverkauf der Eintrittskarten: Sperrsitz zu 4 Mk. Saal zu 3 Mk. und Galerie
zu 2 Mk. im Verkehrsbüro. Vereinssaalkarten können daselbst bei
Aufzahlung von 1 Mk. gegen Sperrsitzkarten umgetauscht werden.
Der Vorstand.
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Haupt-Kolonne
DARMSTADT.
Samstag den 22. Oktober, abends 8½ Uhr, findet die
Eröffnung des Winterkursus
in der Turnhalle der alten Viktoriaſchule, Ecke der Grafen=
und Eliſabethenſtraße (Eingang von der Eliſabethenſtr.), ſtatt.
Teilnahmefähig ſind unbeſcholtene männliche Perſonen deutſcher Staatsangehörig=
keit
, welche das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben.
Anmeldungen nehmen entgegen die Führer:

Silz, Karlſtraße 18,
Vogel, Taunusſtraße 14,
Stier, Landwehrſtraße 79,
Forſter, Rhönring 105,
Kreiter, Grafenſtraße 28,
ſowie der unterzeichnete Hauptkolonnenführer Reinhard Lotheissen, Oberleutnant
a. D., Dieburgerſtraße 52.
(20161imf

Schaffnit, Darmſtraße 39,
Rolshauſen, Kiesſtraße 45,
Schmidt, Bismarckſtraße 28,
Wamboldt, Wittmannſtraße 3,

Perſonen:
Sir Colenſo Ridgeon . . Hr. Jürgas
Sir Patrick Cullen
Sir Ralph Bloomfield Be=
nington
.
Doktor Cutler Walpole . Hr. Heinz
Doktor Blenkinſop
Doktor Loony Schutzmacher Hr. Hacker
Louis Dubedat, Maler. . Hr. Schneider
. Frl. Prevoſt.
Jennifer, ſeine Frau
Redpenny, Aſſiſtent bei
. Hr. Semler
Ridgeon
Emmy, Wirtſchafterin bei
. Fr. Rudolf
Ridgeon
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Ein Reporter . .
Ein Schreiber . . . . . Hr. Kroczak
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Ordinationszimmer; der 2. Akt im Star=
und Garter=Hotel in Richmond; der 3.
Akt ſpielt im Atelier des Malers Louis
Dubedat in London; der 4. Akt ebenda;
der 5. Akt in einer Gemäldegalerie in
Bond Street, London.
Zeit: Gegenwart.
Nach dem 2. Akte findet eine längere
Pauſe ſtatt.
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Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2. Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre (1. bis
5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.,
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 18. Oktober 1910.

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sr. Forefather Sieger im Großen Preis
von Karlshorſt. Zum Großen Preis fanden ſich
10 Starter zuſammen, darunter die beiden däniſchen
Steplerinnen Alice Delvin und Fairy Toaſt, die von
den däniſchen Herrenreitern Kap. Walvyn und Lt. von
Monradtas geritten wurden. Leider wurde der Aus=
gang
durch viele Zwiſchenfälle ſtark beeinträchtigt,
wenn auch in Foretfather das beſte Pferd gewonnen
haben dürfte. Der von ſeinem Beſitzer, Lt. v. Sy=
dow
, geſteuerte Hengſt ſetzte ſich gewohnheitsmäßig
nach Fall der Flagge an die Spitze, um ſie während
des ganzen Rennens nicht wieder abzugeben. Gleich
das vierte Hindernis erforderte ein Opfer, da Fairy
Toaſt am Erlengraben zu Fall kam. Die nächſten 1200
Meter brachten keine weſentliche Veränderung. Als
es das zweite Mal an den Tribünen vorbei auf den
gefürchteten großen Bach zuging, ſchoben ſich Sileſia
und Florham auf den zweiten Platz dicht hinter Fore=
father
. Am großen Bach machte Sileſia einen ſchwe=
ren
Fehler, Turandot ſprang direkt ins Waſſer hinein
und ſchied aus. Gleich darauf, am Karlshorſter
Sprung, kam Halcyon Days zu Fall und am nächſten
Sprung, dem Eiſenbahnbach, ſtürzte Sileſia. Die
Stute fiel ſo unglücklich, daß ſie das Kreuz brach und
erſchoſſen werden mußte. Das Rennen lag nun=
mehr
nur noch zwiſchen Forefather, Florham, Elee=
trieity
II und Hans, während Brampton, Laß und
Alice Delvin in weitem Abſtande ausſichtslos folgten.
Am Flechtzaun ging auch Hans kopfüber; Dr. Rieſe,
der Reiter des Tepperſchen Hengſtes, blieb längere

Zeit bewußtlos liegen und mußte mit dem Wagen in
das Krankenzimmer überführt werden, wo der Arzt
eine Gehirnerſchütterung feſtſtellte. Die Reihenfolge
unter den drei vorderen Pferden blieb unverändert.
In völlig friſcher Verfaſſung galoppierte Forefather
vor dem lahm werdenden Florham durchs Ziel. Leutn.
von Sydow wurde nach ſeinem ſchönen Ritt vom
Kronprinzen empfangen, der ihm den wertvöllen
Ehrenpreis mit anerkennenden Worten überreichte.
Die Reſultate waren: Hortenſia=Jagd=Rennen;
2800 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn W. Plüſchkes
Bluebell (Stübing), 2. Little Tich (Sandmann), 3.
Imker (Nette). Unplaziert: Nathalie (gef.). Verhalten,
210 Lg. Poſener Jagd=Rennen; Ehrenpreis und
2800 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1. Leutn. Graf von
Holcks Politeſſe (Beſitzer), 2. Fip (Leutn. v. Egan=
Krieger), 3. Rokoko (Rittm. von Schlick). Drei liefen.
Ueberlegen, 3 Lg.-Weile. Karlshorſter Hürden=
Rennen; 5820 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn
O. Kampfhenkels Ruſtieus (Stübing), 2. Perſe ( Ba=
ſtian
), 3. For Ever (Charvat). Unpl.: Wolfram.
Leicht, 1½4 Lg. Großer Preis von Karlshorſt;
Ehrenpreis und 40000 Mark, Diſtanz 6000 Meter: 1.
v. Sydows Forefather (Beſ.), 2. Florham (Leutn.
Graf Holck), 3. Eleetrieity II (Leutn. Fürſt Wrede).
Unpl.: Brampton Laß (4.), Alice Delvin (5.), Halcyon
Days (gef.), Fairy Toaſt (gef.), Turandot (gef.), Si=
leſia
(gef. und erſchoſſen), Hans (gef.). Ueberlegen,
85 Lg.-Weile. Nelken=Jagd=Rennen; 2600 Mark,
Diſtunz 3000 Meter: 1. Herrn F. Föſtens Echo ( Sand=
mann
). 2. Mathilde (Wurſt). Unpl.: Charis ( ausge=
brochen
). Leicht, 2½ Lg. Drei lieſen. Preis von
Schildhorn; Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3200
Meter: 1. Herrn K. v. Tepper=Laskis Vel Vel (Leutn.
von Raven), 2. Aleym (Leutn. Braune), 3. Der Dra=
goner
(Leutn. von Egan=Krieger). Unpl.: Hermes I
(4.), Kollege. Gegenwehr, ¾10 Lg. Preis von
Biesdorf; 3300 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Geſtüt
Gürzenichs Landbote (Jentzſch), 2. Alpenfex (Wurſt),
3. Chicago (Harriſon). Unpl.: Orion, Roly Poly, Lo=
belia
, Burgunder, Gutes Zeichen. Dekoration, Cobden,
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Rennen in Köln. Jugend=Handikap; 6500
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn Fields Ocean
(Hughes), 2. Queenborough (Sumpter), 3. Erato
(Childs). Unpl.: Kairo (4.), Papyrus, Kronos, Kardi=
nal
, Königslentnant (ſtehen gebl.). Sicher, ¾½ Lg.
Römerhof=Handikap; 8000 Mark, Diſtanz 1400 Me=
ter
: 1. Herren A. und C. v. Weinbergs Carthago
(Bullock), Werra II (Miller), 3. Major Fife
(Weatherdon). Unpl.: Tauſendſchön, Spion (4.), Dia=
bolo
II, Firlefanz II, Giſela. Sicher, ¾3 Lg.
Preis des Winterfavoriten; Ehrenpreis und 35000
Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Kgl. Hauptgeſtüt Gra=
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Malteſer (Bullock), 2. Moenus (Childs), 3.
King I (Spear). Unpl.: Donatello, Royal Flower.
Sehr ſicher, 11 Lg. Schlenderhan=Handikap: 8000
Mk., Diſtanz 2400 Meter: 1. Geſtüt Nordſterns Sainte

Frivole (Bullock), 2. Droll (Childs), 3. Broadway
(Sumpter). Unpl.: Cheops (4.), Adjunkt, Hock, Roi
Negre, Bruwood, Sideslip, Pride of Weil, Premier,
Gyges. Leicht, ½1½ Lg. Frondeur=Rennen; 4000
Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn H. Weſtens Neckar
(Martin), 2. Waterloo (Brown), 3. Flaneur (Roſak).
Unpl.: Myrrha (4.), Chryſantheme, Macka, Pax, Sa=
lon
. Kampf, Kopf-½ Lg. Hürden=Handikap; 4000
Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn P. F. Krauſes
Forfar (Roſak), 2. Gnadalquivir (Matouch), 3. Nona
(Brown). Unpl.: Emſig II (gef. und tot), Blazing
Star, Opal (gef. und tot), Turvey, Scotch Glee, Lovely
Grace, Cypris II, Arnulf, Jap (angeh.), Bäuerin,
Inga. Sicher, ½¾ Lg.
sr. Ein 100000 Mark=Rennen in Ber=
lin
. Der große Aufſchwung des Rennſports, der in
der Reichshauptſtadt hauptſächlich ſeit Entſtehen der
Grunewaldbahn zu verzeichnen iſt, hat dazu geführt,
daß Berlin nicht mehr länger hinter den beiden Ham=
burger
Vereinen mit ihren drei 100000 Mark=Rennen
allzu ſehr zurückſteht. Der Berliner Rennverein hat
ſeinen Großen Preis für 1913 für die Jahre 1911
und 1912 hat jenes Rennen ſchon längſt Nennungs=
ſchluß
gehabt von 74000 Mark auf 100000 Mark er=
höht
, wovon 80000 Mark dem Sieger, 10000 Mark dem
zweiten, 6000 Mark dem dritten und 4000 Mark dem
vierten Pferde zufallen. Das Rennen ſoll, wie ge=
wohnt
, im Juli auf der Grunewaldbahn gelaufen wer=
den
und iſt für dreijährige und ältere Pferde der deut=
ſchen
, öſterreichiſchen und däniſchen Zucht offen. Wenn
man auch dieſen Fortſchritt begrüßen muß, ſo fehlt der
Metropole doch immer noch die längſt vermißte große
internationale Konkurrenz für die Zuchten aller Län=
der
, wie ſie in Deutſchland bisher nur Baden=Baden
und in kleineren Rennen auch Köln kennt. Es kur=
ſierten
in dieſem Sommer ſchon Gerüchte, daß der Ber=
liner
Rennverein, ermutigt durch ſeinen glänzenden
diesjährigen finanziellen Ueberſchuß, ein derartiges
Rennen für den nächſten Herbſt zur Ausſchreibung
bringen würde was aber bisher nicht geſchehen iſt.
Gleichzeitig mit dem Großen Preis von Berlin 1913
ſind auch die Propoſitionen für mehrere klaſſiſche Ren=
nen
der Jahre 1912 und 1913 erſchienen. Während die
Stuten Biennial 1911/12, Union=Rennen, Preis der
Diana, Hertefeld=Rennen und Silberner Schild 1912,
ſowie Sporn=Rennen und Renard=Rennen unverändert
blieben, wurden zwei große Dreijährigen=Prüfungen
des Jahres 1912, und zwar das Deutſche St. Leger
(Grunewald) von 34000 auf 40000 Mark und das
Henckel=Rennen (Hoppegarten) von 13000 auf 26000
Mark erhöht.
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preis
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6140 Meter, 3. Demke weit zurück. Vorgabefahren:
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