Darmstädter Tagblatt 1910


07. Juni 1910

[  ][ ]

Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Ageu=
turen
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
ſchriebenen
Tagenwird nichtübernommen.

173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt.
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 27.
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 130.

Dienstag, den 7. Juni.

1910.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Die Verſicherung der Privatangeſtellten.
* Ueber die Grundzüge für den Geſetzentwurf be=
treffend
die Penſions= und Hinterbliebenenverſicherung der
Privatangeſtellten, ſoweit ſie auf Grund der ſtattgehabten
Verhandlungen bisher feſtſtehen, wird folgendes mitge=
teilt
:
Alle Betriebsbeamte, Werkmeiſter und Techniker, Hand=
lungsgehilfen
und Lehrlinge einſchließlich derjenigen in
Apotheken und alle ſonſtigen Angeſtellten, deren dienſtliche
Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet, ferner Lehrer und
Erzieher, ſowie die Perſonen der Schiffsbeſatzung deutſcher
Seefahrzeuge, ſoweit ſie das 16. Lebensjahr vollendet und
das 60. beim Eintritt in die Verſicherung noch nicht über=
ſchritten
haben, unterliegen der Verſicherungs=
pflicht
. Daneben bleibt die Pflichtverſicherung nach dem
Invalidenverſicherungsgeſetz beſtehen. Als Höchſt=
grenze
des Einkommens, nach dem die Beiträge
und Leiſtungen bemeſſen werden, dürften 5000 Mark gelten.
Es ſoll jedoch die Verſicherungspflicht nicht an eine obere
Gehaltsgrenze gebunden werden. Eine freiwillige Selbſt=
verſicherung
iſt ausgeſchloſſen. Zur Durchführung der Pri=
vatangeſtellten
=Verſicherung dürfte eine Reichsanſtalt erfor=
derlich
werden mit einer ähnlichen Organiſation wie bei
den Verſicherungsträgern der Invalidenverſicherung. Zur
Beibringung der Mittel werden Arbeitgeber und Ange=
ſtellte
gleich hohe Beiträge von 8 v. H. des Ge=
haltes
zu entrichten haben. Die Erhebung der Beiträge
wird nicht durch Beitragsmarken zu bewirken ſein; viel=
mehr
wird der Arbeitgeber die Beiträge ſeiner Angeſtellten
in einer Summe durch die Poſt oder durch Reichsbank=
Girokonto abführen. Für die Quittungsleiſtung der
Reichsanſtalten können jedoch Marken wohl in Frage kom=
men
, die in das Quittungsbuch jedes Verſicherten einge=
klebt
werden.
Für die Bezüge aus der Verſicherung wird eine
Wartezeit erforderlich, die für männliche und weibliche
Angeſtellte verſchieden zu bemeſſen iſt. Für die erſteren
ſoll nach einer Wartezeit von fünf Jahren eine Hinter=
bliebenenfürſorge
im Falle des Todes der Ver=
ſicherten
eintreten. Nach zehnjähriger Wartezeit wird bei
vorliegender Erwerbsunfähigkeit eine Invaliden=
penſion
und bei Erreichung des 65. Lebensjahres eine
Alterspenſion gewährt. Für weibliche Ange=
ſtellte
iſt nach fünfjähriger Wartezeit im Falle der Er=
tverbsunfähigkeit
eine feſte Invalidenpenſion, im Falle des
Todes entweder Waiſenpenſion oder Rückzahlung der ein=
gezahlten
Beiträge ohne Zinſen in Ausſicht genommen.
Nach zehnjähriger Wartezeit wird bei Vollendung des 65.
Lebensjahres ebenfalls eine Alterspenſion gewährt. Die
Auszahlung aller Bezüge ſoll durch die Poſt erfolgen. Für
geeignete Fälle iſt auch eine Heilfürſorge für die Verſicher=
ten
in Ausſicht genommen.
Beim Ausſcheiden aus einer verſicherungspflichtigen
Beſchäftigung ſoll die Anwartſchaft auf die Leiſtungen auf=
rechterhalten
werden können durch Weiterzahlung des vol=
len
Beitrages oder durch Umwandlung in eine beitrags=
freie
Verſicherung gegen Zahlung einer Anerkennungs=
gebühr
. Nach fünfjähriger Verſicherung ſoll auch die Rück=
gewährung
der von den Verſicherten geleiſteten Beiträge
nebſt Zinſen zuläſſig ſein.

Die Finanzen des Reichs und der Bundesſtaaten.
* Das Kaiſerliche Statiſtiſche Amt veröffentlicht eine
Darſtellung der Finanzen des Reiches und
der deutſchen Bundesſtaaten auf Grund der Voranſchläge
für das Rechnungsjahr 1909, der Staatsrechnungen für
das Rechnungsjahr 1907.
Insgeſamt betragen die Staatsausgaben nach den
Voranſchlägen der Bundesſtaaten 5649 Millionen Mark
(darunter außerordentliche 280), für das Reich 3591 ( dar=
unter
außerordentliche 756), zuſammen in Reich und Bun=
desſtaaten
9240 (darunter außerordentliche 1036). Die
Staatseinnahmen belaufen ſich in den Bundesſtaaten auf
5628 Millionen Mark, im Reich auf 3591, zuſammen in
Reich und Bundesſtaaten 9219 (darunter außerordentliche
aus Grundſtock, Anlehen und ſonſtigen Staatsfonds 414
bezw. 756).
Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der
Bundesſtaaten ſtehen die Erwerbseinkünfte mit 2707 bezw.
3540 Millionen Mark an erſter Stelle. Der Hauptanteil
entfällt auf die Staatseiſenbahnen mit 2005 bezw. 2594.

Der Reſt verteilt ſich auf Domänen, Forſten, Bergwerke,
Staatsdampfſchiffahrt, Poſt, Telegraph und die ſonſtigen
Staatsbetriebe.
Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des
Reiches an Erwerbsanſtalten (754 bezw. 859 Millionen
Mark) entfallen hauptſächlich auf Poſt und Telegraph (640
1 bezw. 673) und die Eiſenbahnen (105 bezw. 123).
Die nächſtwichtige Einnahmequelle bilden Steuern
und Zölle. Die Bundesſtaaten erheben an: direkten
Steuern 666, Aufwandſteuern 84, Verkehrsſteuern 95 und
Erbſchaftsſteuern 17, zuſammen 862 Millionen Mark. Das
Reich bezieht aus Zöllen 739, aus Aufwandſteuern 567,
aus Verkehrsſteuern 142 und aus der Erbſchaftsſteuer 30,
zuſammen 1478 Millionen Mark (darunter 85 Millionen
Mark auf Grund der neuen Steuergeſetze.
Zahlenmäßige Nachweiſe über das Staatsvermögen
der einzelnen Bundesſtaaten konnten nur in Bezug auf
wichtigere Beſtandteile erbracht werden. Neben Ueber=
ſchüſſen
früherer Rechnungsjahre, verfügbarem Staats=
kapitalvermögen
uſw. beſitzen die Bundesſtaaten an Do=
mänen
ein Areal von 770 279 Hektar, an Forſten 5031 595
Hektar. Die Staatseiſenbahnen repräſentieren eine Länge
von 52745 Kilometer (im Reich 1861) und ein Anlagekapi=
tal
von 15 259 (im Reich 795) Millionen Mark.
Die fundierten Staatsſchulden beziffern ſich zu Beginn
des Rechnungsjahres 1909 für die Bundesſtaaten auf
13679 (darunter Preußen 8225, Bayern 1795), für das
Reich auf 3894 Millionen Mark. Die ſchwebenden Schulden
betragen insgeſamt 961 Millionen Mark; ſie entfallen in
der Hauptſache auf das Reich (360) und Preußen (545).

Die revolutionäre Bewegung in China.
** Aus dem Reiche der Mitte treffen fortgeſetzt ſehr
bedenklich lautende Meldungen ein, die von einer ſich ſtei=
gernden
antidynaſtiſchen Bewegung ſprechen
und befürchten laſſen, daß auch Leben und Eigentum der
Fremden in Gefahr ſind. Man wird unwillkürlich
daran erinnert, daß gerade zehn Jahre ver=
floſſen
ſind, ſeitdem die vereinigten Großmächte eine
ſtattliche Truppenmacht aufbieten mußten, um die Chineſen
mitſamt ihrer Regierung zur Räſon zu bringen. Die erſten
amtlichen Meldungen von dem in China ausgebrochenen
Aufruhr waren damals zwar ſchon Mitte Januar (1900)
in Europa bekanntgeworden; aber man maß ihnen keine
ernſtere Bedeutung bei. Erſt als die Haltung der Zopf=
träger
direkt bedrohlich wurde, beantragten die Vertreter
der Mächte, die in den chineſiſchen Gewäſſern Kriegsſchiffe
ſtationiert hielten, die Entſendung von Marinedetache=
ments
zum Schutze der Geſandtſchaften in Peking. Dem
Erſuchen wurde auch ſofort entſprochen, und das deutſche
Detachement traf ſchon am 3. Juni in der chineſiſchen
Hauptſtadt ein. Die weiteren Ereigniſſe ſind noch in fri=
ſcher
Erinnerung. Im Rate der Kaiſerin=Witwe hatten
die fremdenfeindlichen Elemente die Oberhand, indeſſen
glaubten die ausländiſchen diplomatiſchen Vertreter noch
immer die Sicherheit der Geſandtſchaften gewährleiſtet.
Aber zu Unrecht, am 18. Juni wurde Freiherr v. Ketteler,
der deutſche Geſandte, ermordet, und dann begann die
Herrſchaft des chineſiſchen Pöbels, mit dem die Soldaten
fraterniſierten. Die internationale Expedition unter dem
Oberbefehl des Grafen Walderſee ſorgte ſpäter dafür, daß
die Ehineſen ſich der gepanzerten Fauſt der Mächte unter=
warfen
.
Alle dieſe Ereigniſſe kommen uns, wie geſagt, in Er=
innerung
bei der Nachricht von den gegenwärtigen Vor=
gängen
in China, über deren wahre Natur noch Unklar=
heit
herrſcht. Man ſagt, es handle ſich in erſter Linie um
eine antidynaſtiſche Bewegung. Daß die 1645 ans Ruder
gekommene und noch heute regierende Mandſchudynaſtie
Tai=tſing viele Gegner im Lande hat, iſt kein Geheimnis,
und Verſchwörungen gegen den Thron ſind im Reiche der
Mitte nichts allzu Seltenes. Am bekannteſten iſt der Auf=
ſtand
, den unter dem Kaiſer Hieng=fung im Jahre 1850 die
Taiping (Anhänger einer Religionsſekte) im Süden des
Reiches anzettelten. Sie hatten dabei zuerſt großen Er=
folg
, brachten alles Land öſtlich vom Tſchekiang und ſüdlich
des Yangtſe in ihre Gewalt und beſetzten 1853 auch Nan=
king
. Nur durch eine gemeinſame Aktion Englands und
Frankreichs gelang die Niederwerfung des Taiping= Auf=
ſtandes
, der vor etwa acht Jahren wieder aufzuflammen
drohte, aber keine größeren Dimenſionen annahm, im
Jahre 1907 aufs neue zum Ausbruch kam und ſeitdem
wohl nie ganz erloſchen iſt, wenn er ſich bisher auch in.
mäßigen Grenzen hielt.

Wir haben ſchon oben geſagt, daß die jetzigen Vor=
gänge
noch der Klarheit entbehren. Die Südchineſen haſſen
die Mandſchudynaſtie, und dieſer Haß hat ſich noch geſtei=
gert
, weil man die am Ruder befindlichen Machthaber für
alle Demütigungen Chinas durch die Fremden, für jede
Einbuße an Gebiet und für jede den Ausländern gewährte
Konzeſſion verantwortlich macht. Die Gegner, der
Dynaſtie Tſing glauben vielleicht den Augenblick, wo ein
unmündiges Kind auf dem Thron ſitzt und wo infolge der
in Angriff genommenen Reformen viel Zwieſpalt in den
oberen Regionen herrſcht, beſonders geeignet für ihre um=
ſtürzleriſchen
Pläne. Immerhin aber haben die Fremnden
aus dem Umſtande, daß es ſich um eine antidynaſtiſche
und nicht um eine ausgeſprochen fremdenfeindliche Bewe=
gung
handelt, keine Urſache, ſorglos zu ſein, denn Zeiten
der Unruhe ſind in China für die Fremden ſtets verhäng=
nisvoll
, dieſe haben noch immer den Blitzableiter für die
Unzufriedenheit des Volkes mit der Regierung gebildet,
und daß in ſolchen Fällen der Fanatismus der Maſſen
in brutalſter Weiſe zum Ausdruck kommt, dafür gibt es
Beiſpiele genug. Noch in den letzten Jahren, noch nach
der Lehre, welche die Chineſen durch die internationale
Expedition zu Beginn dieſes Jahrhunderts erhalten hat=
ten
, ſind dem Fremdenhaſſe Opfer gefallen. Wir erinnern
nur an die Zerſtörung der deutſchen Miſſionsſtation
Limekon im Mai 1907, wobei allerdings die Miſſionare
gerettet wurden, ferner an die Niedermetzelung der For=
ſchungsreiſenden
Schmitz und Brunhuber im Herbſt v. J.,
um zu beweiſen, daß von einer Sicherheit der Fremden in
China keine Rede ſein kann, und dieſe Sicherheit wird
völlig in Frage geſtellt, wenn eine große revolutionäre
Bewegung durchs Land geht.
Hoffentlich laſſen ſich die Mächte nicht wieder von den
Ereigniſſen überraſchen wie vor zehn Jahren. Früher
oder ſpäter muß man ja damit rechnen, daß einmal der
Ruf laut wird: China den Chineſen!, aber die Mächte
haben Vorſorge zu treffen, daß durch dieſe oſtaſiatiſche
Monroedoktrin die berechtigten Intereſſen des Auslan=
des
nicht verletzt werden. Wir hegen die Erwartung, daß
Deutſchland, welches im Kiautſchougebiet einen wertvollen
Stützpunkt für die Wahrung ſeiner Intereſſen in Oſtaſien
beſitzt, rechtzeitig auf dem Poſten iſt, wenn unſeren Lands=
leuten
Gefahr droht, aber von einer unbefugten Ein=
miſchung
in die inneren Angelegenheiten Chinas, wie ſie
angeblich den Mächten von den Revolutionären zugemutet
wird, hält ſich ohne Zweifel unſere Reichsregierung völlig.
fern.

Teutſches Reich.
Wie bezüglich des Gegenbeſuchs des deut=
ſchen
Kaiſers in Brüſſel berichtet wird, iſt das
Datum des Beſuchs infolge des Unwohlſeins des Kaiſers
vertagt worden und der Beſuch wird erſt im Oktober ſtatt=
finden
. Die Antwerpener Behörden tun Schritte, um das
deutſche Kaiſerpaar zu veranlaſſen, ſich anläßlich ſeines
Beſuches in Belgien auch in Antwerpen aufzuhalten, und
zwar entweder auf der Hin= oder auf der Rückfahrt. Wie
weiter berichtet wird, ſoll während der Anweſenheit des
Kaiſers eine großartige Truppenſchau erfolgen, die der
König als eine Notwendigkeit anſieht, da der deutſche
Kaiſer großes Gewicht auf militäriſche Veranſtaltungen
legt. Die Brüſſeler Garniſon wird durch Truppen aus der
Provinz bedeutend verſtärkt werden.
In Regensburg tagte der Bayeriſche Kanalverein.
Bei dem Feſtmahl hielt Prinz Ludwig von Bayern
eine längere Rede, in der er u. a. der Hoffnung Ausdruck
gab, daß die Frage der Schiffahrtsabgaben eine
befriedigende Löſung erfahren werde; erſt dann würden
die Wünſche des Bayeriſchen Kanalvereins in Erfüllung
gehen können. Der Prinz wies u. a. auf die Beſtrebungen
des Werra=Vereins hin und meinte, daß unter Umſtänden
eine direkte Verbindung der Weſer mit dem bayeriſchen
Stromgebiet ſich ermöglichen laſſe. Ein Beiſpiel, was
man mit den Schiffahrtsabgaben machen könne, ſo fuhr
der Prinz fort, ſei Bremen. Bremen habe einen ganz fla=
chen
Strom gehabt, jetzt gingen die großen Schiffe bis dort
hinauf. Das ſei nur dadurch möglich geworden, daß Bre=
men
dieſes Recht auf Erhebung von Schiffahrtsabgaben
eingeräumt wurde. Mögen wir von dieſem Recht, das
wir ja auch bekommen werden, fleißig Gebrauch machen.
Nach § 138a der Gewerbeordnung iſt der Beſcheif
auf Anträge auf Ueberarbeit ſeitens der Mirnken
tungsbehörden binnen 3 Tagen zu erteilen. Dieſ=1 unver=
ſind
die
mung iſt als nicht ausreichend zu erachten fürgſterungen
Gewerbe, die es, wie, die Betriebe des Konfekthes Rätſel

[ ][  ][ ]

Seite 2.

bes, Putzwerkſtätten uſw., mit der Befriedigung plötzlich
hervortretender Bedürfniſſe der Kundſchaft zu tun haben.
In dieſen Betrieben läßt ſich das Bedürfnis nach Ueber=
arbeit
nicht ſo zeitig überſehen, wie etwa bei Fabriken,
die über die Erledigung eines lange vorher übernommenen
Auftragbeſtandes rechtzeitig zu verfügen in der Lage ſind.
Der Verband deutſcher Detailgeſchäfte der
Textilbranche in Hamburg wendet ſich daher in einer
Eingabe an die einzelnen Bundesregierungen mit
der Bitte, grundſätzlich alle Anträge auf Ueberarbeit als
dringlich zu behandeln und Vorkehrungen dahin zu treffen,
daß Anträge auf Ueberarbeit von den Verwaltungsbehör=
den
bis in die ſpäten Nachmittagsſtunden entgegengenom=
men
und erledigt werden können.
Die Kommiſſion des badiſchen Landtags
für Juſtiz und Verwaltung nahm den ſozialdemokratiſchen
Antrag auf Einführung der Proportional=
wahlen
zum Landtag mit 8 gegen 7 Stimmen an. Dafür
ſtimmten vier Sozialdemokraten, ein Demokrat und drei
Nationalliberale, während die Minderheit aus fünf Zen=
trumsabgeordneten
, einem Konſervativen und einem Na=
tionalliberalen
beſtand.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7.

Ausland.
Die Frage, welche augenblicklich die Mitglieder
ſämtlicher politiſcher Parteien Englands beſchäftigt, iſt:
Was wird das Programm der Regierung ſein, wenn das
Parlament am Mittwoch wieder zuſammentritt? Es wird
mit einiger Sicherheit angenommen, daß Mr. Asquith ſich
alle weiteren Mitteilungen vorbehalten wird bis zum
nächſten Donnerstag. Am Dienstag oder Mittwoch wird
eine Miniſterſitzung ſtattfinden, auf der die Pläne der
Regierung feſtgelegt werden ſollen. Wäre der Tod
König Eduards nicht dazwiſchen gekommen, ſo wäre die
Erledigung des Haushalts das erſte geweſen, mit dem
das Parlament nach den Frühlingsferien ſich beſchäftigt
hätte, und es iſt möglich, daß dieſer Teil des Programms
unverändert bleiben wird und daß am Mittwoch und
Donnerstag über den Haushalt beraten wird. Immerhin
ſind die Bewilligungen der Zivilliſte, ſowie die Erklärung
der Thronfolge König Georgs Gegenſtände, die keine Ver=
zögerung
erleiden können und frühzeitig erledigt werden
müſſen, und ſomit ſpricht alle Wahrſcheinlichkeit dafür, daß
ſie das Haus in der nächſten Woche beſchäftigen werden.
Im Mittelpunkt des öffentlichen und politiſchen Intereſſes
ſtehen jedoch die Pläne der Regierung in betreff der
Zweiten Kammer. Kaum ein einziger glaubt, daß
die Regierung auf alle Maßnahmen, wie ſie in den Veto=
reſolutionen
feſtgeleat wurden, verzichten wird, obgleich
einige gemäßigte Radikale und andere es mit Freuden be=
grüßen
würden, wenn eine Einigung getroffen würde, die
eine Erneuerng des ſcharfen Kampfes unnötig machen
würde. Auf jeden Fall iſt das Gefühl ganz allgemein, daß
unter Rückſichtnahme auf die Nationaltrauer die Regie=
rung
der öffentlichen Meinung und den Wünſchen der All=
gemeinheit
zuwider handeln würde, wenn ſie die Wider=
aufnahme
des Kampfes um das Vetorecht nicht hinaus=
ſchieben
würde. Es wird ganz allgemein als unvermeidlich
angeſehen, daß ein Waffenſtillſtand bis zum Herbſt ge=
ſchloſſen
wird.
Der Miniſter des Innern in Spanien erließ ein
Rundſchreiben an die Provinzſtatthalter und ordnete eine
genaue Zuſammenſtellung aller ſeit 1904 gegründeten, aber
nicht eingeſchriebenen Kongregationen an. Man
rechnet, daß über 500 Kongregationen den geſetzlichen Vor=
ſchriften
nicht entſprechen und demnach aufgelöſt werden
dürften. Die Regierung erklärte, ſie werde mit unerbitt=
licher
Strenge vorgehen. Es wird verſichert, daß Cana=
lejas
den König unbedingt hinter ſich habe, daß aber der
ſpaniſche Staatsſekretär im Vatikan und der ſpaniſche
Beichtiger des Papſtes dafür ſeien, jedes kirchliche Zuge=
ſtändnis
an den Staat zu verweigern, weil ſie glauben, die
Maſſe des ſpaniſchen Volkes auf ihrer Seite zu haben.
Die Times brachte aus Petersburg die Meldung,
daß die perſiſche Regierung nunmehr alle Hoffnungen auf=
gegeben
habe, von Deutſchland eine Anleihe zu er=
halten
, und daß ſie deshalb die Verhandlungen mit Groß=
britannien
und Rußland wieder aufnahm. Die perſiſche
Geſandtſchaft in London hat daraufhin das genannte
Blatt aufgefordert, zu erklären, daß der zweite Teil ſeiner

Aus dem Leben der Kaiſerin Charlotte
von Mexiko.

Zu ihrem 70. Geburtstage.
Ohne Kenntnis von der Welt und ihren Mit=
menſchen
, in tiefer geiſtiger Umnachtung wird die Ex=
kaiſerin
Charlotte von Mexiko am heutigen
Tage, am 7. Juni, das 70. Jahr ihres Lebens
vollenden. Sie kam am 7. Juni 1840 im Schloſſe
Laeken bei Brüſſel als Tochter des erſten Königs der
Belgier Leopold I. und der Prinzeſſin Luiſe von Frank=
reich
=Orléans zur Welt. Zärtlich behütet, vortrefflich
erzogen, von hoher Schönheit und ſcharfem munterem
Verſtande, ſo ſchien ſie die höchſten Anſprüche an das
Daſein ſtellen zu dürfen. Sie ſchlug mehrere Heirats=
anträge
aus, bevor ſie dem Erzherzoge Ferdinand von
Oeſterreich, einem jüngeren Bruder des Kaiſers Franz
Joſef I., am 27. Jnni 1857 die Hand zur Ehe reichte.
Unter dem Namen Maximilian I. nahm der Erzherzog
ſechs Jahre ſpäter aus den Händen des Kaiſers
Napoleon III. die für ihn geſchmiedete Krone von
Mexiko an. Das abenteuerliche Unterfangen, bei dem
der Erzherzog mehr ritterlichen, tapferen Sinn als
ſtaatsmänniſche Weisheit bekundete, endete am 19. Juni
1867 mit ſeiner Erſchießung vor den Toren von Quere=
gro
. Als das geſchah, war ſeine Gemahlin Charlotte
dem Wahnſinn verfallen. Er war bei ihr zum
die flott gche gelangt, nachdem ſie nach Europa geeilt war
ſtelle, per leblich verſucht hatte, den Kaiſer Napoleon zur
Lihres Gemahls zu bewegen.

Meldung falſch iſt, und was den erſten betrifft, ſo habe die
perſiſche Regierung überhaupt niemals die Abſicht gehabt,
die Anleihe bei deutſchen Kapitaliſten aufzunehmen.
Der Sultan von Marokko erteilte dem vom diplo=
matiſchen
Korps für die Schuldenkommiſſion feſt=
geſetzten
Reglement ſeine Zuſtimmung. Die Kommiſſion
beginnt morgen ihre Arbeiten.

* Die Enzyklika. Aus Rom wird gemeldet:
Oſſervatore Romano gibt die aus Anlaß der päpſt=
lichen
Enzyklika im preußiſchen Abgeordnetenhauſe
eingebrachten Interpellationen wieder und bemerkt dazu:
Wir wiſſen nicht, ob der Wortlaut der im preußiſchen Ab=
geordnetenhauſe
eingebrachten Interpellationen richtig tele=
graphiert
worden iſt. Wenn das der Fall ſein ſollte, dann
müßten wir erklären, daß die Interpellationen auf ernſten
Ungenauigkeiten beruhen, da ſie den päpſtlichen Worten
eine Bedeutung beilegen, die nicht der Wahrheit entſpricht.
Dieſe orakelhafte Erklärung ſcheint einen Rückzug vorbe=
reiten
zu ſollen. Die Berl. N. Nachr. ſchreiben: Der im
vorigen Herbſt veröffentlichte Vorentwurf zum Straf=
geſetzbuch
ſieht z. B. die Streichung des Kanzelpara=
graphen
, aber die Beibehaltung des Gottesläſterungspara=
graphen
vor. Man wird ſehr ernſtlich zu erwägen haben,
ob man jene Schutzwehr des Kanzelparagraphen nach die=
ſem
von oben gegebenen Beiſpiel niederreißen darf; man
wird ſich auch ſehr energiſch mit der Frage zu befaſſen
haben, wie die ſchreiende Ungleichheit, die, mehr noch als
das Geſetz, die Rechtſprechung über den Gottesläſterungs=
paragraphen
zwiſchen dem Schutz des katholiſchen und dem
des evangeliſchen Empfindens geſchaffen, zu beſeitigen, wie
die berechtigte wiſſenſchaftliche und ſittliche Kritik von ten=
denziöſen
Feſſeln zu befreien iſt, ohne daß der berechtigte
Zweck, der Schutz des religiöſen Gefühls, preisgegeben
wird.

* Rom, 6. Juni. Anläßlich des geſtrigen National=
feſtes
verlieh der König eine große Anzahl von Auszeich=
nungen
an Körperſchaften und Perſonen wegen ihrer Ver=
dienſte
um das Rettungswerk für die Opfer der Erd=
bebenkataſtrophe
in Sizilien und Kala=
brien
. So erhielten u. a. der deutſche Kaiſer, die
Kaiſerin, ſowie die deutſche Kriegsmarine und die
Stadt Berlin die goldene Medaille, mehrere deutſche
Kriegsſchiffe und Inſtitute, einzelne Perſonen, unter ihnen
Fürſt Bülow, der Militärattaché bei der deutſchen Bot=
ſchaft
in Rom, Oberſtleutnant Freiherr von Hammerſtein,
die ſilberne Medaille, während einigen anderen die bron=
zene
Medaille bezw. ehrenvolle Erwähnung zuteil wurde.
Das Rote Kreuz wurde verliehen an die Stadt München
und dem bayeriſchen 19. Infanterie=Regiment.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Juni.
Ernannt wurde Heinrich Metzger zu Darm=
ſtadt
zum Bureaugehilfen bei der landwirtſchaftlichen
Verſuchsſtation, zum Werkführer der Werkführerdiätar
Wernig zu Wiesbaden, zum Werkführerdiätar der
Hilfswerkführer May zu Darmſtadt, zum Rottenführer
der Hilfsrottenführer Schweinhardt zu Offenthal,
zum Schaffner der Hilfsſchaffner Backes zu Worms
und zum Bahnwärter der Hilfswärter Gerhardt zu
Ginsheim.
* Staatsſchuldbuch. Die am 1. Juli 1910 fälligen
Zinſen der in das Heſſiſche Staatsſchuldbuch ein=
getragenen
Forderungen werden hei allen in Betracht
kommenden Heſſiſchen Kaſſen und bei den Reichsbank=
anſtalten
vom 17. Juni ab gezahlt. Vom gleichen Tage
ab wird die Staatsſchuldenkaſſe die durch die Poſt oder
Gutſchrift auf Reichsbank=Girokonto zu berichtigenden
Schuldbuchzinſen überweiſen.
* Gottesdienſt in der ruſſiſchen Kapelle. Aus
Anlaß des Geburtsfeſtes Ihrer Majeſtät der Kaiſerin
Alexandra Feodorowna von Rußland findet morgen
vormittag 11 Uhr in der hieſigen ruſſiſchen Kapelle auf
der Mathildenhöhe Gottesdienſt mit anſchließendem feier=
lichen
Tedeum ſtatt.
L. Die Schwurgerichtsverhandlungen nahmen geſtern
unter dem Vorſitz des Landgerichtsrats Hauſtädt ihren
Anfang. Vor Gericht ſteht der 23 Jahre alte Monteur
Valentin Breidert von Offenbach, ein jähzorniger, dem
Trunke ergebener Menſch, der bei ſeinen Eltern wohnt, wel=
chen
er ſchon viele Sorgen bereitet hat. Am 3. April d. J.
ſtahl er, während ſein Vater einen Spaziergang machte,
dieſem zwei Fünfzigmarkſcheine. Mit dieſen ging er ins
Wirtshaus und gab Wein und Bier zum Beſten. Dem
Vater, der ſeinen Verluſt alsbald bemerkte, war ſofort klar,
wer der Dieb ſei. Er ging mit ſeiner Frau und dem jün=
geren
Sohn auf die Suche aus und entdeckte ihn in einer
Ecke der Goethe= und Mozartſtraße gelegenen Wirtſchaft.
Sofort packte er ihn an der Schulter und ſagte: Spitzbub,
Du haſt das Geld geſtohlen, gibſt Du es wieder heraus!
Dieſe Begrüßung verſetzte den Angeklagten in große Wut,
die ſich noch ſteigerte, als ſein Bruder ebenfalls ſich ein=
miſchte
und einen Revolver blicken ließ. Auch er griff nach
der Wafffe, was zur Folge hatte, daß die Streitteile nach
verſchiedenen Seiten entfernt wurden. Im Freien gab der

Angeklagte dann gegen ſeinen Vater und ſeinen Bruder
drei Schüſſe ab. Um ſich zu ſchützen, lief der Vater kreuz
und quer auf der Straße herum, während ſich der Bruder
zuerſt bückte und dann ebenfalls eine Platzpatrone abſchoß
Trotz lebhaften Zuredens von allen Seiten beruhigte Brei=
dert
ſich nicht, er drohte vielmehr: Heute nacht gibt es noch
etwas, was noch nicht da war Seine Angehörigen, die
nichts Gutes ahnten, brachten die Nacht in den Kleiderr
zu. Gegen Morgen erſchien er zu Hauſe, ſchlug die Vor=
platztüre
und die Schlafzimmertüre ein, breitete Zeitungs=
papier
aus, zündete es an und warf an der Wand hän=
gende
Kleider darüber. Das Feuer ergriff den Boden und
die Türfüllung, wurde aber mit Hilfe zweier alsbald er
ſchienener Schutzleute ſchnell gelöſcht. Breidert iſt wegen
Diebſtahls, zweifachen Totſchlagsverſuchs und
Brandſtiftung angeklagt; er geſteht den Diebſtah=
ein
, geſchoſſen will er nur haben, um zu ſchrecken, nachden
ſein Bruder drohend gegen ihn ging. Von der Brandſtif
tung will er gar nichts wiſſen. Sein Vater wurde vor ſei=
ner
Vernehmung gefragt, ob er den wegen Diebſtahls
gegen ſeinen Sohn geſtellten Strafantrag zurückzieher
wolle. Er lehnte dies aber ab, als er hörte, daß ihn als=
dann
25 Mark Koſten treffen können. Durch mehrere Zeu=
gen
wurde feſtgeſtellt, daß der Angeklagte bei der Tat nicht
betrunken war. Daß ſein Revolver ſcharf geladen war
mußte ihm bekannt ſein, denn er wurde bei deſſen Erwerk
auf dieſen Umſtand ausdrücklich aufmerkſam gemacht und
duldete nicht, daß die Patronen herausgenommen wurden
Einem Zeugen geſtand er zu, daß er auf ſeinen Bruder ge=
zielt
habe. Dieſer ſowie der Vater ſahen das Feuer aus
ſeiner Waffe blitzen und hörten Kugeln einſchlagen. Der
Sachverſtändige Kaufmann Wesp von hier entdeckte an
dem Ueberzieher des alten Breidert Spuren, die ſeiner An=
ſicht
nach ſehr wohl von einem Schuß herrühren können
Nach Anſicht des Medizinalrats Dr. Pfannmüller
von Offenbach beſteht über die Zurechnungsfähigkeit des
Breidert nicht der mindeſte Zweifel. Der Vertreter der An=
klage
, Gerichtsaſſeſſor Callmann, hielt die Anklage in vol=
lem
Umfang aufrecht, während der Verteidiger, Rechts=
anwalt
Kleinſchmidt, ſtatt des Totſchlagsverſuchs
höchſtens eine Bedrohung für erwieſen erachtete. Die Ge=
ſchworenen
bejahten die Fragen wegen Diebſtahls
Brandſtiftung und zweifacher Bedrohung mit mildernden
Umſtnäden, worauf das Gericht eine Zuchthausſtrafe
von 2 Jahren 6 Monaten ausſprach; ein Monat iſt=
durch
die Unterſuchungshaft verbüßt. Die bürgerlichen
Ehrenrechte wurden auf 5 Jahre aberkannt. Der Verur=
teilte
trat die Strafe ſofort an.
* Zur Prüfung der für den Verkehr auf öffentlichen
Wegen und Plätzen beſtimmten Kraftfahrzeuge ( Kraft=
wagen
und Krafträder) ſind bis auf weiteres folgende
Perſonen als Sachverſtändige beſtellt: 1. die Beamten=
der
Großherzoglichen Dampfkeſſelinſpektion zu Darmſtadt
2. Profeſſor Hoepke, Direktor des Rheiniſchen Technikums
zu Bingen. Zur Prüfung von Führern von
Kraftfahrzeugen (Kraftwagen und Krafträder) ſind bis
auf weiteres folgende Perſonen als Sachverſtändige be=
ſtellt
: 1. die genannten Perſonen, 2. Ingenieur W.=
Schoeller, Inhaber des gleichnamigen elektrotechniſchen
Bureaus zu Darmſtadt.
Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnaſchweisſtelle in
ſtädtiſchen Hauſe Waldſtr. 6 (Telephon 371) werden für
den Monat Mai folgende Zahlen mitgeteilt: 396 offene
Stellen, 868 Arbeitſuchende, 236 Vermittelungen, dar=
unter
84 Dienſtboten.
Städtiſche Straßenbahn. Die Fahrgeldeinnahme
vom Mai lfd. Jahres betrug 38887,05 Mark (im Vor=
jahre
38 051,32 Mark). Die Einnahme für den Wagen=
kilometer
im Mai d. J. gleich 37,75 Pfg., gegen 35,4
Pfg. im Jahre 1909.
80. Geburtstag. Am Donnerstag, 9. Juni, feiert
die Witwe des Hoboiſten Georg A. Dörr hier, Wenck
ſtraße 68, ihren 80. Geburtstag. Ihr Ehemann, der 37
Jahre im Infanterie=Regiment Nr. 115 ſtand und die
Feldzüge 1848, 1864, 1866 und 1870/71 mitgemacht hat
iſt im Jahre 1874 geſtorben.
* Ehrung. Herrn Konzertmeiſter Havemann
wurde während des Kammermuſikfeſtes von
Mitgliedern des Kammermuſik=Vereins Auer=
bach
ein herrlicher Lorbeerkranz mit lila Schleife
und der Widmung: Mitglieder des Kammermuſikver
eins Auerbach ihrem verehrten Konzertmeiſter Have=
mann
, Darmſtadt 1910 überreicht.
* Sektion Darmſtadt des Deutſchen und Oeſterreichi=
ſchen
Alpenvereins. In der letzten Monatsverſamm
lung vor dem Beginn der Reiſezeit nahm die Sektion
den Bericht des Schriftführers Herrn Dr. Tenner über
die Erſteigungen, Reiſen und Wanderungen der Mit=
glieder
im vergangenen Sommer entgegen, ſoweit dieſe
der Sektionsleitung mitgeteilt worden waren. Dann
beriet man im regen Meinungsaustauſch die Pläne für
dieſes Jahr. Die Darmſtädter Hütte iſt wiederum in
der Hand der altbewährten Pächterin, Frl. Pepi Wol
aus Nenzing, die Wege im Sektionsgebiet ſind neu her
gerichtet und bezeichnet. Die Kartenabſtempelung und
die Entgegennahme von Unfallmeldungen hat in dan=
kenswerter
Weiſe wiederum Herr Dr. Tenner in der
Adlerapotheke am Wilhelminenplatz übernommen. Die
Zuſammenkunft der Mitglieder am Freitag abend im
Alpenzimmer bei Sitte bildet auch in den Sommer=

kes Lei

§ Hundef
hieſigen
Natura
enden
rſonen
5 Mark (o
§ Diebſte
iſch

Jetzt ruft der 70. Geburtstag der Exkaiſerin Char=
lotte
die Erinnerung an den ſchönſten Tag ihres
Lebens zurück, an dem ſie, ſtrahlend vor Glück, an der
Seite ihres Gemahls in Mexiko einzog. Voll froher
Hoffnung fuhren Kaiſer Maximilian und Kaiſerin
Charlotte am 14. April 1864 ihrem neuen Schickſale ent=
gegen
. Während der Seereiſe verbrachte die Kaiſerin,
nach dem Zeugniſſe ihrer Hofdame, der Gräfin Paula
Kollonitz, ihre Zeit mit Vorbereitungen zu ihrer künf=
tigen
Exiſtenz mit Ausarbeitung ihrer Haus= und Hof=
ordnung
, mit Arbeiten, welche ihr der Kaiſer übertrug,
und war ſo ſehr von dem Berufe erfüllt, dem ſie ent=
gegenging
, daß ſie von allem anderen beinahe unberührt
blieb Am 28. Mai 1864 warf die Novara vor
Veracruz Anker und am 12. Juni zog das Kaiſerpaar
feierlich in Mexiko ein. Die Hauptſtadt war aufs
reichſte geſchmückt, Triumphpforten waren errichtet, die
in großen Inſchriften Maximiliano und Carlota‟
willkommen hießen, eine dichte Menſchenmenge füllte
die Straßen und von den unzähligen Balkonen der
Häuſer winkten Frauen und Kinder mit Fahnen und
Tüchern. Das Kaiſerpaar ſaß in einem Wagen, zu
deſſen Seiten der General Bazaine, der Befehlshaber
der franzöſiſchen Truppen, und der Graf Bombelles,
der zum Kommandanten der kaiſerlich mexikaniſchen
Garde ernannte Jugendfreund Maximilians, ritten.
Präfekten, Miniſter und Hofbeamte von des neuen
Herrſchers Gnaden eröffneten den langen Zug. Aus
allen Häuſern fielen Blumen und farbige Papierſtreifen
nieder, auf denen Begrüßungsgedichte gedruckt waren.
In großer Maſſe ſchloſſen ſich Indianer dem Zuge an.

Eine alte Sage ihres Stammes hatte günſtig für den
Kaiſer gewirkt. Sie ſahen in ihm den weißen Mann,
der zur Befreiung aus ihrer Unterdrückung übers Meer
gekommen war, und begrüßten ihn mit lautem Jubel.
In einem muſchelförmigen, mit Goldpapier überzoge=
nen
Wagen ſaßen drei als Engel gekleidete Kinder, die,
ſo oft der Zug gehemmt war, zum Wagen des Kaiſer=
paares
hingetragen wurden und es mit Blumen über=
ſchütteten
. In einem anderen Wagen, den die mexika=

niſchen Farben, Weiß, Rot und Grün, ſchmückten, wur=
den
die lebensgroßen Bildniſſe des Kaiſers und der
Kaiſerin nachgefahren, und ſolcher Huldigungen gab es
viele. Der Zug hielt vor der Kathedrale. Dort wurde
ein Tedeum abgehalten, und dann ging es zu Fuß
über Teppiche und unter ſchützendem Zeltdache zum
Palaſt. In deſſen Thronſaale, unter einem Baldachin
ſtehend, ließen die Emperadores alle Würdenträger
an ſich vorüberdefilieren. Ein Feſtmahl im Palaſte und
ein Feuerwerk davor beſchloſſen den Tag. Mit dem
Gefühle großer Befriedigung zogen ſich die Mhjeſtäten
in ihre Gemächer zurück. Alles ſchien vorteilhafter,
hoffnungsreicher, als man erwartet hatte. Alles hatte
die günſtigſte Seite herausgekehrt. Die Natur und die
Menſchen hatten alles aufgeboten, um den Ankömmline
zu gewinnen und vielleicht auch, um ihn zu blenden
So ſchreibt die Gräfin Paula Kollonitz. Die Kaiſerin
Charlotte aber war, nach den Worten ihrer Hofdame,
ſehr entzückt und von einer Begeiſterung, deren ich
die ruhige Frau nicht fähig gehalten hätte‟ Der Rauſch
dieſer Begeiſterung ſollte nur allzu ſchnell verfliegen.:.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Seite 3.

nmül

Die
sſtra

monaten die Zentralſtelle für alle Anfragen und Aus=
künfte
alpiner Art, wo ebenfalls Karten abgeſtempelt
werden können.
* Heſſiſcher Landeslehrerinnenverein. Am Samstag,
den 28. Mai, fand, wie man uns ſehr verſpätet mitteilt,
in Frankfurt der Zuſammenſchluß von Leh=
rerinnen
aller Kategorien ſtatt unter dem Geſamt=
namen
: Heſſiſcher Landeslehrerinnen=
ver
ein. Der neue Verein ſetzt ſich zuſammen aus
den ſchon beſtehenden und noch zu gründenden Orts=
vereinen
, jedoch ſind auch Einzelmitglieder aufnahme=
berechtigt
. Er erſtrebt: a) Eine größere Beteiligung
der Lehrerinnen an der Bildung der weiblichen Jugend
in Volks= und höheren Schulen; b) eine hierzu befähi=
gende
Ausbildung; e) Beteiligung der Lehrerinnen an
gemeinnützigen Beſtrebungen zum Beſten der weibli=
chen
Jugend; d) die äußere Sicherſtellung der Lehre=
rinnen
. Der Sitz des Vereins iſt die Landeshauptſtadt.
Als erſte Vorſitzende und erſte Schriftführerin wurden die
Damen Schweisgut und Nick aus Darmſtadt gewählt.
Alljährlich wird eine Hauptverſammlung abwechſelnd
in einer der drei Provinzen abgehalten. Der Verein
wird dem Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenverein
angeſchloſſen. Alle in Heſſen beſchäftigten Lehrerinnen
wiſſenſchaftliche wie techniſche, ſtaatlich und ſtädtiſch
angeſtellte, wie private können dem Verein bei=
treten
.
Schützenhof. Heute Dienstag abend konzertiert
die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter Herrn
Hauskes Leitung im Schützenhof. Der zweite Teil des
Konzerts wird wieder durch Streichmuſik ausgefüllt
und ſollen da nur bekannte Operetten zu Gehör gebracht
werden. (S. Anzeige.)
§ Hundefang. Während des Monats Mai ſind durch
den hieſigen Polizei=Hundeaufſeher 36 Hunde einge=
ſangen
worden. Hiervon wurden 23 Hunde von ihren
Eigentümern wieder ausgelöſt, 3 Hunde wurden ver=
kauft
, 1 Hund iſt im Stall tot aufgefunden worden und
9 Hunde mußten getötet werden.
§ Naturalverpflegungsſtation. Während des ver=
floſſenen
Monats Mai wurde die Hilfe der hieſigen
Naturalverpflegungsſtation von 537 mittelloſen Durch=
reiſenden
in Anſpruch genommen und ſind hierdurch
509 Mark Verpflegungskoſten entſtanden. Im vorher=
gehenden
Monat April wurden 453 (oder weniger 84)
Perſonen unterſtützt, welche einen Koſtenaufwand von
26 Mark (oder weniger 83 Mark) verurſachten.
* Diebſtahl. In der Nacht von Donnerstag auf
Freitag wurde in der Aeußeren Ringſtraße in der Nähe
des ſtädtiſchen Lagerplatzes eine Hütte erbrochen und
araus vier Stallhaſen entwendet.
=gs- Zuſammenſtoß. Sonntag abend nach 6 Uhr
wurde ein Taglöhner von hier, welcher mit dem Rade
von Ober=Ramſtadt heimwärts fuhr, in der Nähe de2
Donnersberges auf der Chauſſee von einem Automo=
bil
angefahren und in den Chauſſeegraben ge=
ſchleudert
. Mit ſtarken Verletzungen im Geſicht wurde
der Mann durch die Rettungswache mittels Kranken=
automobils
nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe und als=
dann
in ſeine Wohnung gebracht.
=gs- Selbſtmord. Sonntag nachmittag hat ſich ein
ſtellenloſer Maler und Lackierer aus Beſſungen in
ſelbſtmörderiſcher Abſicht die Pulsadern geöffnet. Der
Verletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes
durch die Rettungswache mittels Krankenautomobils in
das ſtädtiſche Krankenhaus gebracht, wo er geſtern nacht
ſeinen Verletzungen erlegen iſt.
=gs- Unfall. Am Samstag nachmittag verunglückte
ein Dreherlehrling aus Eberſtadt in einer Maſchinen=
fabrik
dadurch, daß er im Fabrikhof hinfiel und ſich
einen linken Oberarmbruch zuzog. Nach Anlegung eines
Stützverbandes wurde der Verunglückte mittels Kran=
kenautomobils
nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe ge=
bracht
.
Meſſel, 6. Juni. Vier Italiener waren in einer
Wirtſchaft eingekehrt, und es kam über die Bezahlung der
Zeche zu Meinungsverſchiedenheiten. Einer der Fremden
brachte dabei dem Schwager des Wirtes einen Meſſer=
ſtich
unter dem Auge bei und von den Italienern wurden
auch mehrere Revolverſchüſſe vor dem Lokal abgegeben,
ohne daß dadurch jemand eine Verletzung erlitt. Zwei
Italiener ſind deshalb nunmehr in Unterſuchungshaft ge=
nommen
.
Auerbach, 6. Juni. Man ſchreibt uns: Wie ſei=
tens
des Verkehrsausſchuſſes der Berg=
ſtraße
ſchon mehrfach mitgeteilt wurde, iſt in dieſem
Frühjahr eine umfangreiche Propaganda für die Berg=
ſtraße
in den Zeitungen entfaltet worden. Es han=
delt
ſich hierbei nicht allein um die bekannte Kollek=

tiv=Annonce der Bergſtraßenorte, die ſchon mehrmals
genannt iſt, ſondern es erſcheinen noch weitere Tages=
annoncen
in verſchiedenen Tagesblättern, ſerner im
offiziellen Führer von Frankfurt und auf den Speiſe=
karten
der Speiſewagen in den hier durchfahrenden
D=Zügen. Auch hat ſchon eine große Zahl Feuilleton=
Artikel in vielen Zeitungen über die Bergſtraße Auf=
nahme
gefunden. Die darauf bei dem Verkehrsaus=
ſchuß
und bei den einzelnen Auskunftsſtellen der ver=
ſchiedenen
Orte eingelaufenen Anfragen haben bereits
eine bedeutende Zahl erreicht. Aber und das iſt die
Hauptſache es iſt nicht beim bloßen Anfragen ge=
blieben
. Die Fremdenliſte von Auerbach vom 29.
Mai 1910 zählt 1022 Perſonen, gegen 702 am gleichen
Tage 1909, ein Plus von 320 Perſonen 46 Prozent!
Die Jugenheimer Liſte vom 28. Mai 1910 zählt
916 Perſonen, gegen 745, ein Plus von 171 Perſonen
24 Prozent. Zwingenberg iſt mit ſeinem Ver=
kehr
in dieſem Jahre ſehr zufrieden. Leider ſteht dem
Verkehrsausſchuß Material aus anderen Orten nicht
zur Verfügung. Das ſind erfreuliche Reſultate, die
die aufgewendete Mühe und Koſten reichlich aus=
gleichen
. Wir hoffen noch über weitere gute Erfolge
im Laufe des Sommers berichten zu können und
hoffen ferner, daß es uns gelingt, der Bergſtraße bald
zu dem Anſehen zu verhelfen, welches ſie vermöge
ihres milden Klimas und ihrer Naturſchönheiten in
ſo hohem Maße verdient:
(*) Offenbach, 5. Juni. Heute tagte hier die Krie=
gerkameradſchaft
Haſſia. Wie heute, ſo
waren auch geſtern abend bei der Begrüßungsfeier
die Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden
vertreten. Nach den Begrüßungsreden durch den Vor=
ſitzenden
des Offenbacher Vereins, Herrn Pfifferling,
hielt Prediger Bloch die Feſtrede, die die hohen Auf=
gaben
der Kriegervereine betonte und in ein Hoch auf
Kaiſer und Großherzog ausklang. Fräulein Sauer=
korn
ſprach ein Feſtgedicht, lebende Bilder wurden
geſtellt und vom Geſangverein Sängerkranz und dem
Doppelquartett Lieder vorgetragen. Bei der heutigen
Eröffnung der Hauptverſammlung betonte Exzellenz
Hof=Darmſtadt, der Präſident der Haſſia, daß man
überall das Beſtreben der Haſſia würdige und fördere.
Der verſtorbenen Kameraden, beſonders des Grafen
Oriola, wurde durch Erheben von den Sitzen gedacht.
An den Kaiſer und den Großherzog ſandte die Ver=
ſammlung
Huldigungstelegramme. Kreisrat Loch=
mann
hofft, daß die heutige Verſammlung auch den
ſchweren Offenbacher Boden für die Ziele der Haſſia
geeigneter machen möchte. Aehnlich ſpricht ſich Bei=
geordneter
Porth, der Vertreter der Stadt, aus.
Rittmeiſter Dörr=Worms brachte ein Hoch auf Ex=
zellenz
Hof aus. Der Jahresbericht des Präſidenten
Hof zeigt eine rege, vorwärtsſtrebende Entwickelung
auf allen Gebieten. Das neu herausgegebene Hand=
buch
für die Haſſia gibt beachtenswerte Winke. An
Kameraden, die 25 und 40 Jahre den Verbandvereinen
angehören, wurden Abzeichen verteilt. Für hervor=
ragende
Verdienſte im Intereſſe der Kriegervereine
wurden ſilberne und bronzene Ehrendenkmünzen aus=
geben
. Der Verband zählt jetzt in 38 Bezirken 950
Vereine mit rund 66000 Mitgliedern. Das Kapital=
vermögen
iſt 607705 Mark, der Mobiliarwert 472040
Mark. Das Vermögen des Verbandes ſelbſt beträgt
236 306 Mark. Sämtliche Bezirke waren, außer Herb=
ſtein
, vertreten. Mit dem Verbandsorgan Heſſiſcher
Kamerad werden ſchlechte Geſchäfte gemacht, das De=
fizit
in 1909 betrug 10640 Mark, doch ſoll das Bezugs=
geld
nicht erhöht, dagegen mehr Leſer gewonnen wer=
den
; ihre Zahl iſt jetzt 11500. Eine Sonderkommiſſion
behandelt dieſe Sache weiter. Dem Antrag Büdingen,
das Ausſchlußverfahren zu regeln, wird ſtattgegeben
und beſchloſſen: Das Präſidium kann Mitglieder aus=
weiſen
vorbehaltlich der Berufung an die Delegierten=
verſammlung‟
. Der Antrag Gießen, bei der Haſſia=
lotterie
eine größere Anzahl kleinerer Gewinne ein=
zurichten
, wird angenommen. Nach dem Antrag
Worms wird beſchloſſen, daß neu eintretende Vereine
in Orten, die ſchon einen Kriegerverein haben, minde=
ſtens
40 Mark Eintritt bezahlen müſſen. Ein Antrag
Mainz und Vilbel wurden zurückgeſtellt. Der erſte
Schriftführer, Dr. Vogt, gibt bekannt, daß in den
Vereinen durch Vorträge das nationalökono=
miſche
, volkswirtſchaftliche Wiſſen ge=
hoben
werden ſolle. Etwa 400500 Mark werden
als Preiſe für kleine Schriftchen in obigem Sinne be=
willigt
. Ohne ins politiſche Gebiet einzu=
gehen
, ſoll in der Aufklärung des Volkes gearbeitet
werden. Die Delegiertenverſammlung
für 1911 erhält Friedberg.

Offenbach, 6. Juni. Der 9jährige Sohn des Schuh=
machers
Oberitzki, Domſtraße 24, ſtieg geſtern
nachmittag am Mainwerft, gegenüber dem Stadtgar=
ten
, in ein Boot, um mit Muſcheln zu ſpielen. Der
Junge bekam dabei das Uebergewicht und ſtürzte in
den Fluß. Zwar ſprang ihm ſofort ein Mann nach
doch konnte weder er, noch der kurz darauf nach der
Kleinen tauchende Kaufmann Becker den Knaben fin=
den
, da das Waſſer an dieſer Stelle zu tief und ſchmutzig
war. Erſt dem Baggermeiſter Hermann gelang es nach
20 Minuten mit Hilfe ſeines Wolfes, den lebloſen Kör=
per
zu bergen. Die über eine Viertelſtunde angeſtellten
Wiederbelebungsverſuche, die Kaufmann Becker mit
zwei weiteren Herren vornahm, hatten keinen Er=
folg
, und der hinzugerufene Arzt Dr. Klein konnte
nur den Tod des Jungen feſtſtellen.
Mainz, 6. Juni. Selbſtmord verübt hat der Obſt=
händler
Klein, indem er ſich in ſeinem Magazin im
Gallhof erhängte. Man fand ihn heute früh dort als
Leiche. Seit dem Tode ſeiner Frau, die vor einem Jahr in
ihrem Bette, während ſie ſchlief, von einem Schlaganfall
getötet worden war, zeigte Klein ein tief gedrücktes We=
ſen
. Ein Vizefeldwebel beobachtete geſtern nacht, wie
ein Kerl einem Landwehrmann die Uhr ſtahl. Zwei
zufällig vorbeikommende Schutzleute, die er benachrichtigte,
nahmen den Menſchen feſt. Er mußte die Uhr wieder
herausgeben und wurde verhaftet. Es iſt der Taglöhner
Heinrich Wolf aus Eſſenheim, der heute eine Diebſtahls=
ſtrafe
von vier Wochen Gefängnis anzutreten hatte. (!)
Oppenheim, 6. Juni. Ueber die Unterſchlagun=
gen
des Notars Hubert wird den Blättern geſchrie=
ben
: Bei den teils angegriffenen, teils nicht mehr vorhan=
denen
Depots iſt nach Feſtſtellung des amtlich beſtellten Re=
viſors
mit einem Fehlbetrag von 100000 bis 135000 Mark
zu rechnen. Noch vorhandene (etwa 88000 Mark), einzelne
Depots und andere Gelder ſind nach dem Ableben von dem
Amtsgericht Oppenheim in Verwahrung genommen wor=
den
und befinden ſich heute noch dort. Während anfangs
große Ausſicht beſtand, daß die dienſtlichen Fehlbeträge
von dritter Seite gedeckt würden, iſt nunmehr dieſe Hoff=
nung
geſcheitert. Die übrigen Forderungen an den Nachlaß
betragen etwa 134000 Mark, wovon 75000 Mark hypothe=
kariſch
geſichert ſind. An Aktivmaſſe iſt vorhanden Immo=
bilienbeſitz
im Werte von 100000 Mark, ſowie die nicht un=
beträchtlichen
Ausſtände, deren genaue Höhe ſich zur Zeit
noch nicht feſtſtellen läßt. Da eine Ueberſchuldung vor=
liegt
, wird die Eröffnung des Nachlaßkonkurſes beantragt
und vorausſichtlich der ſeitherige Nachlaßpfleger, Rechts=
anwalt
Eſpenſchied in Oppenheim zum Konkursverwalter
beſtellt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Juni. Die Einholung
der Prinzeſſin Agathe von Ratibor und
Corvey, der Braut des Prinzen Friedrich Wilhelm
von Preußen, erfolgt am 7. Juni nachmittags von der
Station Wildpark aus. Auf dem Bahnhof nehmen das
Offizierkorps des erſten Garderegiments, die Spitzen
der Militär= und Zivilbehörden und eine Ehrenkom=
pagnie
Aufſtellung. Im Geleite einer Schwadron
Gardedukorps wird die Prinzeſſin in das Neue Palais
eingeführt. Infolge der Hitze, die Sonntag nach=
mittag
in Berlin herrſchte und 44 Grad Celſius im
Schatten erreichte, erlitten mehrere Perſonen Hitzſchläge
In der Nähe des Bahnhofes Sadowa bei Berlin
wurde die Leiche eines Mannes aufgefunden, der aller
Wahrſcheinlichkeit nach ermordet und beraubt wurde.
Die Perſon des Ermordeten konnte noch nicht feſtgeſtellt
werden ebenſo fehlt von dem Täter jede Spur Auf
einem Abbruch in der Zimmerſtraße ſtürzte eine
Decke ein. Zwei Mann wurden ſchwer verletzt und
von der Wehr nach dem Krankenhauſe gebracht.
Metz, 6. Juni. Der Mörder Riſt, der vor eini=
gen
Tagen in Saarbrücken die Kellnerin Rheinfranken
ermordete, iſt geſtern nachmittag hier verhaftet worden.
Trier, 6. Juni. Am Samstag kam es auf dem
Markte zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen der Po=
lizei
und betrunkenen Arbeitern, die einen verhaf=
teten
Freund befreien wollten. Als die Polizei darauf=
hin
drei Verhaſtungen vornehmen wollte, trat ihr die
Menge entgegen und bewarf ſie mit Steinen. Mi=
Hilfe von hinzukommenden Kriminalbeamten und
unter Benutzung der blanken Waffe gelang es den
Poliziſten, die Menge zu zerſtrenen. Einige Perſo=
nen
erlitten Verletzungen durch Säbelhiebe. Neun
Verhaftungen wurden vorgenommen.
Konſtanz, 5. Juni. Von drei Gymnaſiaſten,
die heute abend im Bodenſee badeten, geriet einer in

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Der Otto=Heinrichs=Bau. Eine
Frage, die in den letzten Jahren weite Kreiſe nicht
nur des badiſchen, ſondern des deutſchen Volkes be=
ſchäftigt
hat, die Erhaltung des Heidelberger Otto=
Heinrichs=Baues, iſt in der letzten Sitzung der badi=
ſchen
Zweiten Kammer, wie man glaubt, für abſehbare
Zeit zum Abſchluß gebracht worden. Bekanntlich hat
die badiſche Regierung ihre früheren, noch vom Fi=
nanzminiſter
Buchenberger vertretenen weitergehenden
Pläne einer Wiederherſtellung und Ueberdachung des
Otto=Heinrichs=Baues angeſichts des Widerſtandes der
Volsvertretung aufgegeben und beſchränkt ſich jetzt
darauf, lediglich die Mauern ſtandhaft zu machen, und
zwar durch Niederlegung der Faſſade, Auswechſeln der
beſchädigten Steine und Wiederaufrichtung der Faſſade.
Für dieſen Zweck iſt im vorliegenden Staatsvoran=
ſchlag
der Betrag von 300000 Mark angefordert. In
Vertretung des ſeit ſieben Monaten ſchwer kranken
Finanzminiſters Honſell verteidigte Geh. Rat Göller,
der ſich ſeit 20 Jahren mit der Frage des Heidelberger
Schloſſes privatim beſchäftigt hat und als Autorität
auf dieſem Gebiete gilt, die Vorlage. Mit Entſchieden=
heit
lehnt er den von einzelnen Hiſtoribern vertretenen
Standpunkt ab, man ſolle den Otto=Heinrichs=Bau in
ſeiner Schönheit ſterben, d. h. einſtürzen laſſen; die
Regierung fühle ſich daher verpflichtet, alles zu tun,
um die nach dem Urteile der Sachverſtändigen ſchwer
bedrohte Faſſade vor dem Untergang zu bewahren.
Nachdem ſich alle übrigen Vorſchläge, die von dem Ge=
heimen
Oberregierungsrat Eggert u. a. in den letzten
Jahren gemacht worden ſeien, als undurchführbar er=
wieſen
hätten, gäbe es nach Anſicht der Regierung nur
noch ein Mittel, die Faſſade zu erhalten: die Stand=
haftmachung
der Mauer. Verſage die Volksvertretung
auch für dieſen letzten Vorſchlag der Regierung die er=
forderlichen
Geldmittel, ſo müſſe er im Namen der Re=
gierung
die Verantwortung für alle Folgen, insbeſon=
dere
für einen leider zu befürchtenden Einſturz der
Faſſade, ablehnen; es ſei dann Sache der Volksver=
tretung
, die Verantwortung für den Verluſt des edlen
Kleinods, das Heidelberg berge, zu übernehmen. Den
mit allem Nachdruck vorgetragenen Ausführungen des

Regierungsvertreters blieb der Erfolg verſagt. Nahezu
einſtimmig lehnte die Zweite Kammer die
Regierungsvorlage ab und richtete ſtatt deſſen
das Erſuchen an das Finanzminiſterium, andere Vor=
ſchläge
zu machen, wodurch der Otto=Heinrichs=Bau
ohne Niederlegung und Wiederaufbau erhalten werden
könnte. Im Schlußwort wies Geheimerat Göller dar=
auf
hin, daß mit der Ablehnung der heutigen Vorlage
die Frage des Otto=Heinrichs=Baues erledigt ſei, und
jedenfalls die Regierung in nächſter Zeit darauf ver=
zichte
, mit weiteren Vorſchlägen an die Volksvertret=
ung
heranzutreten.
Ausſtellung franzöſiſcher Zeich=
nungen
des 18. Jahrhunderts im Städel=
ſchen
Kunſtinſtitut zu Frankfurt a. M. In den
Ausſtellungsräumen des Kupferſtichkabinetts wurde am
1. Inni eine Ausſtellung von Originalzeichnungen der
franzöſiſchen Meiſter des 18. Jahrhunderts eröffnet, die
zu den größten Schätzen der reichhaltigen Zeichnungen=
Sammlung des Inſtituts gehören. Alle dieſe Koſtbar=
keiten
, deren Erwerbung in weite Zeit zurückreicht,
waren noch niemals ausgeſtellt, und ſelbſt die Kenner
des Frankfurter Kupferſtichkabinetts werden von dem
erſtaunlichen Werte und der Qualität und Reichhaltig=
keit
der Sammlung überraſcht ſein.
* Frankfurter Theater=Spielplan. 1.
Opernhaus. Dienstag, 7. Juni: Tannhäuſer.
Mittwoch, 8. Juni: Erſtes Gaſtſpiel der k. u. k. Kammer=
ſängerin
Frau Marie Gutheil=Schoder vom k. k. Hof=
operntheater
in Wien: Die luſtigen Weiber von
Windſor. Donnerstag 9. Inni: Das Glück. Mkurer
und Schloſſer. Freitag, 10. Juni: Gaſtſpiel von Frau
Marie Gutheil=Schoder: Carmen. Samstag, 11. Juni:
Figaros Hochzeit. Sonntag, 12. Juni: Der fliegende
Holländer. Montag, 13. Juni: Der Graf von Luxem=
burg
. Dienstag, 14. Juni: Undine. 2. Schauſpiel=
haus
. Dienstag, 7. Juni: Brand. Mittwoch, 8. Juni:
Iphigenie auf Tauris. Donnerstag, 9. Juni: Der
dunkle Punkt. Freitag, 10 Juni: Der Herr Verteidiger.
Samstag, 11. Inni: Der Raub der Sabinerinnen.
Montag, 13. Juni: Brand. Dienstag, 14. Juni: Die
Räuber.

Kleines Feuilleton.
Wie die Schirmgriffe wachſen Wenn
in heißen Sommertagen die Frau im Schatten ihres
Sonnenſchirmes Schutz vor den glühenden Strahlen
ſucht, oder wenn bei ſtrömendem Regen der ſorgſame
Bürger zu ſeinem Schirm Zuflucht nimmt, dann wird
nur ſelten dabei daran gedacht, durch welche Mittel das
Holz der Schirmſtöcke zu den Bogen und Kreiſen ge=
formt
wird, die man Naturgriff nennt und die ſich ſo
bequem in den Arm einhängen laſſen. Mancher hat ſich
ſchon darüber gewundert, daß das oft kräftige Holz ſo
ſtarke Biegungen erträgt, ohne zu brechen, aber nur
wenige wiſſen, daß es regelrechte Forſte gibt, ſozuſagen
Schirmgriffwälder in denen ausſchließlich
junge Bäume gezogen werden, die der Schirminduſtvie
dienen oder zu Spazierſtöcken verarbeitet werden. Eines
der größten dieſer Schirmgriffgüter liegt zwiſchen
Verſailles und Mantes bei dem kleinen Städtchen Maule
im Departement Seine=et=Oiſe, ein anderes in Oeſter=
reich
in der Nähe von Wien. Ein Mitarbeiter einer
franzöſiſchen Wochenſchrift gibt eine intereſſante Schil=
derung
dieſer eigenartigen Induſtrie.
Die ſchöngeſchwungenen Schirmgriffe waren an=
fangs
zarte, junge, kleine Bäume, Ahorn, Kaſtanien,
Eſchen, Ebereſchen, Kornelkirſchenbäume oder Eichen
die mit der größten Sorgfalt von ſachkundigen Walb=
arbeitern
eingepflanzt werden. Wenn das erſte Jahr
des Wachstums verſtrichen iſt, dann werden die kleinen
Bäume an ihrem Stamme beſchnitten. Die Krone ent=
wickelt
ſich ſo üppiger, immer wieder werden die Triebe
entfernt, um das ganze Wachstum auf die oberen Aeſte
zu leiten. Im Frühjahr erfahren die Bäume dann eine
Art Operation, am Fuße des Stammes werden ſie mit
beſonderen Zangen behandelt und dabei pflegt man auch
auf der Rinde durch flüchtige Preſſung mit zangen=
artigen
Geräten allerlei Muſter anzubringen, die ſpäter
wenn die Rinde abgeſchält wird, auf dem Holze ſichtbar
ſind. Es gibt keinen ſeltſameren Anblick, als ſo einen
Forſt von jungen Bäumen mit ihren geraden, ſchlanken
Stämmen die kahl ſind und über denen ſich dann unver
mittelt eine üppige Laubkrone wölbt. Oft ſind die
Stämme über und über mit wunderlichen Muſterungen
bedeckt, die einem naiven Naturfreunde mauches Rätſel

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Nummer 130.

eine Untiefe. Die beiden anderen wollten ihn
retten, es ertranken aber alle drei.
München, 5. Juni. Zum Fronleichnamstag
hatte die Stadtkommandantur München den Befehl er=
laſſen
, daß ſich ſämtliche Offiziere katholiſcher Kon=
feſſion
an der Prozeſſion zu beteiligen hätten.
Trotzdem war eine große Anzahl von Offizieren weg=
geblieben
. Sie haben jetzt die Aufforderung erhalten,
ſich wegen der Nichtbefolgung eines militäriſchen Be=
fehls
zu rechtfertigen. Die Beteiligung des Militärs
an der Fronleichnamsprozeſſion in Bayern iſt nach
den Garniſondienſtvorſchriften dem Programm anheim=
geſtellt
, das in München vom Oberſthofmeiſter ausgege=
ben
wird und die Beteiligung der dienſtfreien Haupt=
leute
, Rittmeiſter und Subalternoffiziere an der Pro=
zeſſion
verlangt. Die Sache erregt in München Auf=
ſehen
, weil man durch die ſtattgehabte Kontrolle über
die Beteiligung der dienſtfreien Offiziere zum erſten
Male von der Durchführung des Prozeſſionszwanges
erfährt.
Regensburg, 6. Juni. Der neue Donauhafen
wurde heute vormittag durch den Prinzen Ludwig von
Bayern feierlich eröffnet. Anweſend waren die
Miniſter Brettreich und Frauendorfer, der rumäniſche
Geſandte in Berlin Beldimann, der Sektionschef des

öſterreichiſchen Handelsminiſteriums Riedel und andere
Vertreter aus Oeſterreich=Ungarn, zahlreiche Mitglieder

des bayeriſchen Landtags, Vertreter der Donauſtädte
und andere. Miniſter Brettreich betonte in einer
längeren Anſprache die hohe Bedeutung der neuen
Regensburger Hafenanlagen. Prinz Ludwig gab der
Hoffnung Ausdruck, daß der neue Hafen nicht nur der
Stadt Regensburg und Bayern, ſondern dem ganzen
Deutſchen Reiche Vorteil bringen möge, deſſen Schwarz=
meer
=Hafen er ſei. Möchten ihn auch die unteren
Donauſtaaten, mit denen wir in beſtem Einvernehmen
und freundſchaftlichſten Beziehungen ſtehen, voll aus=
nützen
. Prinz Ludwig gab nach einem Hoch auf den
Prinzregenten von Bayern dem neuen Hafen den
Namen Luitpold=Hafen. Nach weiteren Anſprachen
folgte eine Donaufahrt nach Deggendorf.
Dorfen (Reg.=Bez. Oberbayern), 6. Juni. Anläßlich
der Erhöhung des Bierpreiſes kam es geſtern
zu ſchweren Ausſchreitungen. Eine Wirtſchaft wurde
völlig demoliert. Zwei andere Wirtſchaften und drei
Wohnhäuſer wurden in Brand geſteckt, die vollſtändig
niederbrannten.
Hagen i. W., 6. Juni. In dem benachbarten Dahler=
brück
ſchlug geſtern abend 6 Uhr der Blitz in die
Brennſtoffabrik von Gebrüder Wönkhaus ein.
Mehrere tauſend Pfund Pulver explodierten. Zwei
Fabrikgebäude wurden vollſtändig zerſtört.
Balken und andere Gegenſtände wurden hunderte von
Metern weit fortgeſchleudert. Die Provinzial= Land=
ſtraße
iſt mit Trümmern vollſtändig beſät. Das fünfzig
Meter entfernte Hauptlager der Fabrik iſt unverſehrt
geblieben Da der Betrieb am Sonntag ruht, ſind
Menſchenleben nicht zu beklagen. Nur drei Perſonen
erlitten leichtere Verletzungen. Die Fabrik iſt vor
mehreren Jahren ſchon einmal durch eine Exploſion zer=
ſtört
worden.
Lüdenſcheid, 6. Juni. Bei dem geſtrigen Unwetter
ſchlug der Blitz in die Sprengſtoffabrik in Rummen=
ohl
ein. Es erfolgte eine gewaltige Exploſion, die
großen Schaden in der Umgegend anrichtete. Ob ein
Verluſt an Menſchenleben zu beklagen iſt, iſt noch nicht
ermittelt.
Kuxhaven, 6. Juni. Der Turbinendampfer
Kaiſer vom SSeebäderdienſt der Hamburg- Ame=
rika
=Linie, der auf einer Sonderfahrt mit 1200 Mann
des Klubs Thalia in der Samstag=Nacht 11 Uhr Ham=
burg
auf der Fahrt nach Sylt verließ, kollidierte
wie ſchon kurz gemeldet, geſtern früh 2 Uhr bei dem
Elb=Leuchtſchiff Nr. 2 mit dem von dem Schlepp=
dampfer
Herkules geſchleppten dreimaſtigen See=
leuchter
Gegenwart der ſich auf der Fahrt von Ant=
werpen
nach Hamburg befand. Gegenwart ſank ſo=
fort
. Ertrunken ſind vier Seeleute, gerettet wurde
der Kapitän und der Maſchiniſt. Dieſe ſagten aus, daß
die Gegenwart im vorſchriftsmäßigen Fahrwaſſer
gefahren ſei, als der Kaiſer von der Nordſeite her=
überkam
, zwiſchen Schlepper und Leuchter durchfuhr
und die Steuerbordſeite des Leuchters traf. Vom
Kaiſer wurde ſofort ein Boot ausgeſetzt, das den im
Waſſer treibenden Kapitän, einen Maſchiniſten und
den Schiffshund rettete. Auf dem Dampfer hatte faſt
niemand etwas von dem Zuſammenſtoß gemerkt. Es
gab einen kurzen Ruck, dann hörte man ein heftiges
Durcheinanderlaufen und Kommandorufe. Die Paſſa=
giere
konnten gerade noch ſehen, wie der Leuchter in

aufgeben mögen. Nach drei Jahren fällt der junge Wald,
aus dem Schirmgriffe gemacht werden ſollen, unter der
Axt der Holzſchläger. Die Zweige werden vom Laub
befreit und dann zum Trocknen in die Sonne gelegt.
Nun folgt ein Dampfbad aller Hölzer und dann kommen
ſie in die geſchickten Hände kundiger Arbeiter, die durch
einen beſonderen Handgriff die Zweige mit einem ein=
zigen
Ruck von ihrer Rinde befreien. Das Dampfbad
hat die Elaſtizität des Holzes erhöht, nun wird es ge=
krümmt
, mit Drähten umſponnen, von neuem zum
Trocknen gelegt und dann ſind die Krücken bereit, in die
Schirm= und Stockfabriken geſchickt zu werden, wo ſie
poliert werden und vielleicht Metallbeſchläge erhalten.
Aber manche Schirmgriffe werden auch in der Natur
gezogen: während der Lebezeit der Bäume werden be=
ſtimmte
Aeſte ring= oder kreuzförmig übereinander ge=
bunden
und bald ſchlingen ſie ſich im Wachstum ſo eng
aneinander, daß nach kurzer Zeit der Naturgriff fertig
iſt. Dies Verfahren iſt natürlich viel umſtändlicher,
aber die Naturgriffe werden auch höher bezahlt und die
Zahl der Liebhaber iſt groß, die für beſonders ſchön
verſchlungene Griffe anſehnliche Preiſe anlegen.
* Die Heimkehr des verlorenen Sohnes.
Nachdem Herr und Frau Edwin Gould, das amerika=
niſche
Millionärspaar, drei Tage lang nach ihrem ſech=
zehnjährigen
Sohne geſucht hatten, fanden ſie ihn, wie
aus New=York gemeldet wird, am Montag abend in
völlig zerlumpten Kleidern auf der Polizeiſtation von
Neu=Britain in Connectieut. Der junge Gould, der
einmal einen Teil der 300 Millionen Mark erben wird,
die der Eiſenbahnkönig Jay Gould hinterlaſſen hat, lief
am vergangenen Freitag aus der Schule, weil die
Lehrer zu ſtreng waren. Nachdem er 70 Meilen ge=
laufen
war und ſein Barvermögen von 3,20 Mark aus=
gegeben
hatte, kam er halbverhungert auf die Polizei=
ſtation
und ſagte zu dem wachthabenden Inſpektor: Ich
bin Edwin Gould, der Enkel von Jay Gould. Der
Polizeibeamte konnte, als er die zerlumpte Geſtalt ſah,
ein Lächeln nicht unterdrücken und ließ dem Kunden
einen Teller mit Fleiſch und Brot vorſetzen, das der
junge Millionenerbe gierig verſchlang. Nachdem er ſich
ſo geſtärkt hatte, erzählte er dem Beamten ſeine Erleb=
niſſe
. Da die Lehter in der Schule ihn ſo ſtreng be=

die Tieſe verſank. Die Geretteten der Gegenwart
trafen an Bord des Herkules geſtern früh in Kux=
haven
ein. Der Dampfer Kaiſer ſetzte die Reiſe fort
und hat wohlbehalten Sylt erreicht, von wo er geſtern
nachmittag die Rückfahrt nach Hamburg antrat.
Allenſtein, 6. Juni. Vor den Geſchworenen in
Allenſtein begann heute der Prozeß gegen die
frühere Frau von Schönebeck wegen Anſtiftung
zur Ermordung ihres erſten Gatten. Das Gericht be=
ſchloß
, für die Dauer der Vernehmung der Angeklagten
und der Lokalbeſichtigung die Oeffentlichkeit auszu=
ſchließen
. Es wurde nur einem Vertreter der Lokal=
preſſe
und einem Vertreter der auswärtigen Preſſe der
Zutritt geſtattet.
Ribnitz (Mecklenburg), 6. Juni. Geſtern abend um
½12 Uhr kenterte ein mit zwei Herren und drei
Damen beſetztes Segelboot. Ein Herr und die drei
Damen ertranken, der andere Herr wurde gerettet.
Wien, 6. Juni. Der 42jährige Sänger Karl
Thomaſch iſt geſtern bei einer Automobilfahrt
auf dem Semmering verunglückt. Der Chauffeur
ſowie Thomaſch erlitten ſchwere Verletzungen, ein
zweiter Inſaſſe leichtere. Das Automobil wurde zer=
rrümmert
.
Innsbruck, 6. Juni. Anläßlich des Verbandstages
der deutſchen Sparkaſſen in Zell am See wurde eine
Seebeleuchtung veranſtaltet. Die (Zeller Liedertafel
fuhr in einem Boot auf den See hinaus. Infolge des
hohen Wellenganges ſchlug das Boot um und die
25 Mann ſtürzten ins Waſſer. Die Rettung
war ſehr ſchwierig. Vier Mann werden vermißt und
ſind wahrſcheinlich ertrunken, vier andere liegen ſchwer
danieder.
Rom, 4. Juni. Das nächtliche Aufheben
von Spielhöllen iſt neuerdings eine Lieblings=
beſchäftigung
der römiſchen Polizei geworden, und es
vergeht kaum eine Woche, ohne daß in einer der Sei=
tenſtraßen
des Korſos die Schutzmannſchaft mit rau=
her
Hand das Vergnügen der Glücksſpieler ſtört.
Jüngſt iſt in der zum Ponte Cavour führenden Via
Tomacelli ein ſolcher Tempel der Fortuna unter dra=
matiſchen
Umſtänden überfallen worden, die an Offen=
bachſche
Operetten erinnern. Es war in einer war=
men
Mainacht gegen 3 Uhr morgens, als im erſten
Stock eines Hauſes der genannten Straße eine zahl=
reiche
Geſellſchaft aus den beſſeren Ständen um den
grünen Tiſch verſammelt war; man fühlte ſich ſo ſicher,
daß man bei offenen Fenſtern, wenn auch hinter ge=
ſchloſſenen
Jalouſieläden, ſpielte. Aller Augen waren
in geſpannteſter Aufmerkſamkeit auf die grüne Fläche
gerichtet, wo die geheimnisvollen Karten blindlings
über Mein und Dein entſcheiden, als ſich leiſe der Flü=
gel
eines Jalouſieladens von außen öffnete und in
dem dunklen Rahmen wie vom Himmel herunter=
gefallen
eine männliche Geſtalt mit einer grün= weiß=
roten
Schärpe auftauchte und mit dem Ruf: Nicht von
der Stelle, ſonſt ſchieße ich! den erſchrockenen Spielern
einen Revolver entgegenhielt. Es war der Polizei=
kommiſſar
des Bezirks, Campo Marzio, der, gefolgt
von verſchiedenen Schutzleuten, auf einer Feuerwehr=
leiter
von der Straße heraufgeklettert kam. In der
nun eintretenden Verwirrung ſuchten einige Spieler,
die der Türe am nächſten waren, die Treppe hinab zu
entkommen, wurden aber, als ſie die Haustüre ge=
öffnet
hatten, von einem Polizeipoſten mit offenen Ar=
men
empfangen. Inzwiſchen beſchlagnahmte oben im
Saal der Kommiſſar die Karten, Marken und das vor=
handene
Bargeld und ſchrieb die Teilnehmer auf.
Während er, am grünen Tiſch ſitzend, damit beſchäftigt
war, ſtießen ſeine Füße unter dem Tiſch an einen wei=
chen
Gegenſtand, den er zunächſt für einen Hund hielt;
da das Geſchöpf aber weder knurrte noch biß, ſo ſchaute
er es ſich etwas näher an und entdeckte einen Beamten
des Schatzminiſteriums, der gehofft hatte, da unten
eine Schuld zu verbergen. Mit dieſem Schlußeffekt
endigte das nächtliche Luſtſpiel.
Paris, 6. Jnni. Wie aus Lorrient gemeldet wird,
wurden bei der Prüfung der Geldgebahrung der dor=
tigen
Krankenhäuſer und der übrigen Wohltätigkeits=
anſtalten
beträchtliche Veruntreuungen entdeckt.
Der Kaſſierer der Wohltätigkeitsanſtalten hat ſeine
Entlaſſung eingereicht.

Kongreſſe und Verbandstage.
* Hanau, 6. Juni. Der Heſſiſch=Naſſauiſche
(Main=Rheingau) Verband Gabelsberger
Stenographenvereine hielt heute hier ſeinen 31.
Verbandstag ab. Der Verband erſtreckt ſich über das Groß=
herzogtum
Heſſen, die Provinz Heſſen=Naſſau und das Für=
ſtentum
Waldeck, auch beſitzt er in der Rheinprovinz und

handelt hätten, ſei er am Tage eines Fußballmatches
ausgeriſſen, um ſich nach New=York zu begeben. In
der erſten Nacht ſchlief er unter freiem Himmel in der
Nähe der Station Willimantie. Am Samstag nahm er
Unterkunft in einem billigen Logierhauſe. Es war
ſchrecklich ſagte er, am Sonntag verirrte er ſich und
ſuchte bei einem Farmhauſe eine Ruheſtätte. Gerade,
als er es ſich bequem gemacht hatte, kam der Farmer
und jagte ihn davon, da er ihn für einen Strolch hielt.
Dann begab ſich der junge Gould auf die Polizeiſtation.
Nachdem er achtzehn Stunden dort gewartet hatte,
wurde er von ſeinen Eltern abgeholt und trotz ſeiner
energiſchen Proteſte wieder nach der verhaßten Schule
zurückgebracht.
* Beim Wort genommen. Die Berliner
Zeitung am Mittag veröffentlichte dieſer Tage einen
Artikel über unſere Donatoren und erzählte darin
von der Energie, die manche einflußreiche Perſönlich=
keiten
bei der Gewinnung von Mäcenen entwickeln.
In einer Zuſchrift zu dieſem Thema wird nun auch der
Oberbürgermeiſter von Poſen, Wilms, in die Reihe
dieſer tatkräftigen Beförderer des Gemeinſinns geſtellt
und folgendes luſtige Geſchichtchen von ihm berichtet:
Er ging einmal auf einer Abendgeſellſchaft einen reichen
Kaufmann um einen Betrag von 5000 Mark für einen
gemeinnützigen Zweck an. Eher können Sie Kopf
ſtehen, als Sie das Geld von mir kriegen, lautete die
ablehnende Antwort. Kaum war das Wort dem Munde
entfahren, als man das Stadtoberhaupt von Poſen tat=
ſächlich
auf dem Teppich ſah. Die Beine nach oben mar=
ſchierte
Poſens Oberbürgermeiſter auf den Händen durch
den Salon. Das gewünſchte Geld wurde ihm natürlich
nach dieſer Leiſtung nicht länger verweigert!
* Das ſchöne Kaplänchen. In ein Lurus=
geſchäft
einer preußiſchen Stadt an der lothringiſchen
Grenze kommt eine lothringiſche Bauersfrau. Sie ſieht
ſich im Laden ſuchend um. Plötzlich erblickt ſie die
Statuette Bismarcks mit Schlapphut im langen Rock,
ruft: Den muß ich haben, bezahlt, läßt ſie einpacken
und geht damit ab. In der Türe dreht ſie ſich um und
ſagt: Wie wird ſich wohl der Herr Pfarrer freuen, wenn
ich ihm ſo ein ſchönes Kaplänchen mitbringe! Die Ge=
ſchichte
ſoll ſich wirklich ereignet haben.

in Bayern einige Vereine. Er zählt jetzt 7000 Mitglieder
in 170 Vereinen. Der ſeitherige erſte Verbandsvorſitzende
Oberrealſchuldirektor Dr. Pitz in Alsfeld iſt zurückgetreten.
Er wurde zum Ehrenvorſitzenden ernannt. Zum Ver=
bandsvorſitzenden
wurde gewählt Lehrer Wilhelm Müller
in Offenbach a. M., bisher zweiter Vorſitzender. Der nächſt=
jährige
Verbandstag findet in Gießen ſtatt. Der Hanauer
Stenographenverein Gabelsberger feierte gleichzeitig ſein
50jähriges Beſtehen.
* Metz, 6. Juni. Der Vorſtand des Verbandes
für Kanaliſierung der Moſel und der
Saar faßte in ſeiner geſtern hier abgehaltenen Sitz=
ung
eine Reſolution, in der zunächſt das Bedauern
über die zurzeit die Saar= und Moſelkanali=
ſierung
ablehnende Haltung des preußiſchen Staats=
miniſteriums
ausgeſprochen wird. Die dafür vor=
gebrachten
Gründe des Intereſſenwiderſtreites der nie=
derrheiniſch
=weſtfäliſchen und der ſüdweſtdeutſchen Eiſen=
induſtrie
, ſowie die Beſorgnis vor Auskällen in den
Einnahmen der Staatseiſenbahnverwaltung könnten
in keiner Weiſe als zutreffend anerkannt werden.
Reichstag und Bundesrat werden ſodann gebeten, dem
Geſetzentwurf über die Einführung von Schiffahrts=
abgaben
nur dann zuzuſtimmen, wenn Moſel und
Saar bei der Bildung der Zweckverbände berückſichtigt
und ihre Kanaliſierung feſtgelegt werde. Beim Lan=
besausſchuß
und bei dem Statthalter von Elſaß=
Lothringen wird der Vorſtand dahin vorſtellig werden,
daß in der Beſchränkung des Ausbaues der Moſel auf
die Strecke Metz-Diedenhofen, ſelbſt für 600 Tonnen=
Schiffe, eine befriedigende Löſung nicht erblickt wer=
den
kann, eine Kanaliſierung mit geringerer Ab=
meſſung
für die ſpätere Durchführung des Geſamt=
unternehmens
aber nur als ſchädlich betrachtet werden
müſſe. Schließlich ſoll das Großherzoglich Luxem=
burgiſche
Staatsminiſterium dringend um möglichſte
Förderung der Kanalſache angegangen werden.

Handel und Verkehr.
O Fahrpreisermäßigung zum Beſuche
der Brüſſeler Weltausſtellung für Ge=
ſellſchaftsreiſen
von Arbeitnehmern. Die Großh. Ver=
kehrs
=Inſpektion macht Folgendes bekannt: 1. Arbeit=
nehmer
, die Mitglieder von Krankenkaſſen im Sinne
der reichsgeſetzlichen Beſtimmungen über die Kranken=
verſicherung
der Arbeiter (einſchließlich der Knapp=
ſchaftskrankenkaſſen
) oder verſicherungspflichtige Mit=
glieder
von eingeſchriebenen Hilfskaſſen ſind, werden
bei Reiſen, die ſie im Intereſſe ihrer Fortbildung nach
der Weltausſtellung in Brüſſel unternehmen, auf den
Strecken der Preußiſch=Heſſiſchen und der Reichseiſen=
bahnen
unter den folgenden Bedingungen in dritter
Wagenklaſſe zum halben Preis der Fahrkarten für Eil=
oder
Perſonenzüge bei Benutzung von Schnellzügen
gegen Entrichtung des vollen tarifmäßigen Schnellzugs=
zuſchlags
befördert. 2. Auf der Hinreiſe müſſen ſich
mindeſtens zehn Teilnehmer zu einer gemeinſchaftlichen
Reiſe zuſammenſchließen; die Rückreiſe kann einzeln
ausgeführt werden. 3. Als Ausweis iſt eine Beſchei=
nigung
der Krankenkaſſe darüber vorzulegen, daß das
betreffende Mitglied zum Beſuch der Weltausſtellung
nach Brüſſel reiſt. 4. Die Fahrpreisermäßigung für die
Hinreiſe iſt bei der Fahrkartenausgabe der Abgangs=
ſtation
möglichſt frühzeitig ſpäteſtens 6 Stunden vor
Abgang des Zuges unter Vorlage der Beſcheinigun=
gen
für alle an der gemeinſamen Fahrt teilnehmenden
Perſonen zu beantragen. Der Beförderungsſchein hat
eine Geltungsdauer von vier Tagen (einſchließlich des
Löſungstages), die zur Mitternacht des letzten Gelt=
ungstages
erliſcht. 5. Die Fahrpreisermäßigung für=
die
Rückreiſe wird von der Fahrkartenausgabe der
deutſch=belgiſchen Uebergangsſtation (Herbesthal uſw.)
gegen Vorlage der Beſcheinigungen der Krankenkaſſen
gewährt. Reiſen mehrere Arbeitnehmer nach derſelben
Beſtimmungsſtation zuſammen, ſo kann für ſie nach
Maßgabe der Beſtimmungen unter 4 ein Beförder=
ungsſchein
ausgeſtellt werden. Einzelreiſende werden
auf Fahrkarte abgefertigt. 6. Die Beſcheinigungen
der Krankenkaſſen ſind während der Fahrt auf Ver=
langen
jederzeit vorzuzeigen und nach Beendigung der
Rückfahrt mit dem Beförderungsſchein oder der Fahr=
karte
abzugeben. 7. Auf der Hin= und Rückreiſe iſt
je eine Fahrtunterbrechung wie im gewöhnlichen Ver=
kehr
geſtattet. Bei Abfertigung auf Beförderungsſchein
iſt nur gemeinſame Fahrtunterbrechung aller Teil=
nehmer
zuläſſig; die Unterbrechungsſtation iſt der den
Beförderungsſchein ausſtellenden Fahrkartenausgabe=
ſtelle
zu bezeichnen und von dieſer in dem Schein zu
vermerken.

Prinz Heinrich=Fahrt.

K.A K. Bis Kontrollſchluß (9 Uhr abends) waren
ſämtliche als noch ausſtändig gemeldeten Wagen mit
Ausnahme des ausgeſchiedenen Wagens 98, in Kaſſel
eingetroffen, darunter auch der in Braunſchweig nicht
ordnungsgemäß geſtartete öſterreichiſche Daimler Nr.
45. Es waren ſomit 113 Wagen in Kaſſel angelangt.
Der Start in Kaſſel am Samstag, 4. Juni
nahm bei beſtem Wetter ſeinen programmäßigen Ver=
lauf
. Prinz Heinrich fuhr als Erſter ab. Am Ziel
der dritten Etappe, in Nürnberg, wurde, wie ſchon
mitgeteilt, bei der Einfahrt ein Kind, welches direkt
in den Wagen 72 hineingelaufen war, verletzt. Wie
ſämtliche Augenzeugen beſtätigten, trifft dem Fahrer
keine Schuld. Prinz Heinrich begab ſich, nachdem er vor
dem Unfall erfahren hatte, ſofort zu dem Vater des
Kindes, einem dort anſäſſigen Zahnarzt, und erkundigte
ſich nach dem Befinden des Kindes. Es konnte glück=
licherweiſe
feſtgeſtellt werden, daß das Kind nur eine
größere Fleiſchwunde oberhalb der Augen erlitten hat,
daß aber jedenfalls keine Lebensgefahr beſteht. Ein
Arzt, welcher in einem der vorderen Wagen mitfuhr,
leiſtete die erſte Hilfe. In Nürnberg trafen die
erſten Wagen um halb 4 Uhr ein. Prinz Heinrich
folgte mit dem Fürſten Münſter um 3 Uhr 40 Min.
und ſetzte ohne Aufenthalt die Fahrt vom Ziel in die
Stadt fort. Soweit bis jetzt bekannt geworden, iſt der
Wagen 120, der in Fürth einen Vorderradbruch erlitt,
ausgeſchieden. Die Strecke der dritten Etappe: Kaſſel,
Bebra, Hersfeld, Fulda, Nürnberg, betrug 334 Kilo=
meter
.
Die vierte Etappe Nürnberg-Straßburg
über 356 Kilometer nahm nach einem Ruhetag am Sonn=
tag
am Montag früh von der Städtiſchen Feſthalle in
Nürnberg aus ihren Anfang. Kurz vor 7 Uhr fuhr Prinz
Heinrich von Preußen voran; die Wagen der Oberlei=
tung
folgten. Den Start leitete Ludwig Schütte= Nürn=
berg
, der 106 Wagen in Abſtänden von einer halben Mi=
nute
auf die Reiſe ſchickte. Das Wetter iſt ſchön, aber
heiß. Bis zur Mittagsſtunde iſt die Fahrt programmäßig
und ohne Zwiſchenfälle verlaufen.
Der Stand der Fahrt iſt nach dem Berliner
Tageblatt gegenwärtia folgender: Nicht geſtartet ſindein

ſater al
zweiter

[ ][  ][ ]

Berlin die Wagen Nr. 6, 44, 56, 63, 103, 112. Auſgegeben
haben bisher Nr. 35 (Lager im Motor ausgelaufen), 39,
42 (Brand), 87 (Lager im Motor ausgelaufen), 111. ( Ventil=
bruch
), Nr. 92 (Ventildefekt), Nr. 98 ( Kurbel=
welle
gebrochen), Nr. 68 (Differenzialbruch), Nr. 22
(Kolbenbruch), 113 (Ventilbruch), 115 (Lager im Mo=
tor
ausgelaufen), 120 (kollidierte in Fürth mit der Elek=
triſchen
und hatte Raddefekt und verbogene Vorderachſe,
fährt Montag weiter), 72 (Disqualifiziert wegen Unfalls
in Nürnberg). Prinz Heinrich wird in Homburg die
Stiftung des neuen Preiſes für die Prinz Heinrich=Fahrt
1911 offiziell bekannt geben.
* Stuttgart, 6. Juni. Auf der Prinz Hein=
riche
= Fahrt, die heute durch Stuttgart führte, traf gegen
½1 Uhr Prinz Heinrich von Preußen am Aus=
gange
des Schloßgartens ein. Dort fand eine kurze Be=
grüßung
durch den Vorſtand es Württembergiſchen Auto=
mobilklubs
ſtatt und die Ueberreichung eines Blumen=
ſtraußes
. Der Prinz wurde überall ſtürmiſch begrüßt. Der
letzte Wagen der Startliſte paſſierte Stuttgart um ½2 Uhr.
* Appenweier, 6. Juni. Zweieinhalb Stunden
ſpäter als erwartet trafen die erſten Wagen hier ein. Der
Wagen der Oberleitung traf um 4,10 Uhr, der Wa=
gen
mit Prinz Heinrich von Preußen um 4,12 Uhr,
ein zweiter Wagen der Oberleitung um 4,18 Uhr hier ein
und dicht hinter ihm folgten die beiden erſten Rennwagen.
Erſter Nr. 2 Flinſch=Frankfurt a. M. (Benz), Zweiter
Nr. 3 Forſchheimer=Nürnberg (Benz).
* Straßburg, 7 Juni. Von einem zahlreichen
Publikum lebhaft begrüßt, traf der erſte Wagen, vom
Prinzen Heinrich ſelbſt geſteuert, hier am Ziel
der kleinen Rheinbrücke, um 5.05 Uhr ein. Hinter dem
Wagen der Oberleitung paſſierte als erſter die Kontrolle
der Wagen Nr. 72, dann folgten Nr. 2, 3, 5, 9 uſw. Auf
der Fahrt durch die beflaggten Straßen bereitete man
dem Prinzen Heinrich, wo er erkannt wurde, lebhafte
Ovationen. Der Prinz iſt im Statthalterpalais beim
Grafen Wedel abgeſtiegen. Der Start für die morgige,
vorletzte Strecke, Straßburg=Kolmar=Metz 334,8 Wilo=
meter
, iſt morgen früh 6 Uhr auf der Kolmarer Land=
ſtraße
.
Luftſchiffahrt.
* Eſſen, 5. Juni. Bei dem Ausſcheidungsfahren
für Deutſchland um das Gordon= Bennettflie=
gen
ſtiegen in der Konkurrenz folgende Ballons auf:
Krefeld Steglitz, Franken II und Elmendorf
vanſtatt Saar. Außer Konkurrenz ſtiegen auf:
Bochum, Schröder, Prinzeß Viktoria und
Clouth II‟. Die übrigen Ballons mußten wegen des
einſetzenden Sturmes entleert werden
* Peſt, 5. Juni. Bei dem heutigen Flugmeeting
ſtellte Paulhan im Startfluge einen Welt=ekord
auf. Er erhob ſich nach 11½ Meter in die Höhe. Im
Dauer= und Weitfluge war Erſter Efimmoff, Zweiter
Kinef. Im Schnelligkeitsfluge war Paulhan Erſter,
Piſof Zweiter; im Höhenfluge Frey Erſter und Chaver
Zweiter.
* Bad=Mondorf (Luxemburg), 6. Juni. Geſtern
begann hier die auf acht Tage bemeſſene Flugwoche.
Bei dem Rundenpreis mußte de Caters vor
dem Ziele landen. Sein Apparat ging aber wieder hoch
und flog über die Tribünen und Dächer hinweg und
landete wegen Verſagens des Motors in einem Ge=
treidefeld
ſo heftig, daß der Apparat in Trümmer ging.
De Caters ſelbſt blieb unverletzt, abgeſehen von eini=
agen
ſchmerzenden Schürfungen an einem Bein. Erſter
wurde beim Rundenpreis Chriſtianſen, Zweiter Mol=
lien
, Dritter Petrowsky. Bei dem Totalitätspreis
wurde Erſter Chriſtianſen, Zweiter Petrowsky und
Dritter Mollien.
* Brüſſel, 6. Juni. Der geſtern in Eſſen aufge=
ſtiegene
Ballon Schröder, Führer Fabrikant An=
dernach
=Beuel, Mitfahrer Staatsanwalt Ransfeld= Saar=
brücken
, der außer Konkurrenz bei dem geſtrigen Aus=
ſcheidungsfahren
um das Gordon=Bennettfliegen in Ame=
rika
flog, iſt ſehr glatt bei Winghe, Kanton Glabbek in
Belgien, gelandet.
Sport.
sr. Rennen zu Frankfurt a. M., den 5.
Juni. 1. Rennen. 1. Enfant de Miracle (Beſ.), 2. Hop=
tic
(Lt. Braune), 3. Queyrac (Beſ.). Tot. 90110, Pl.
82, 23:10. Unpl.: Maple, Fax, Barrikade I. ½3 Lg.
2. Rennen. 1. San Wift (von Wangenheim),
2. Scholarſhip GHerr C. Lücke), 3. Leſina (Fürſt Wrede).
Tot. 46:10, Pl. 19, 22:10. Unpl.: Little John. 21½
Lg. 3. Rennen. 1. Edfu (Dr. Rieſe), 2. Augsburg
(Lt. Braune). Zwei liefen. Tot. 13:10. Weile.
4. Rennen. 1. Spes (Lt. Braune), 2. Hofnarr (Rittm.
von Platen), 3. Merry Annie (Lt. von Wangenheim).
Tot. 24110, Pl. 18, 30, 19110. Unpl.: Dependence, Jim
Alec, Gemme, Epaulette, Shirley. 12 Lg. 5. Ren=
nen
. 1. Thilde (Lt. Fürſt Wrede), 2. Whiffler Mixture
(Herr C. Lücke), 3. Eiſen (Beſ.). Tot. 16:10, Pl. 12, 17,
25:10. Unpl.: Bargueſt, Le Capiſtom, Pitüyu, Scotch
Poſt. 1½1½ Lg. 6. Rennen. 1. Nickelkönig (Lt.
von Moßner), 2. Transverſale (Dr. Rieſe), 3. Diet=
linde
(Lt. Wesrer). Tot. 74:10, Pl. 15, 14:10. Unpl.:
Sonntagsfreude. 2½4 Lg.
Pfr. Rennen zu Dresden. Die Haupt=
konkurrenz
, das mit einem Ehrenpreiſe und 12000
Mark ausgeſtattete Große Dresdener Jagd=Rennen,
wurde von ſieben Pferden beſtritten. Ueber die Hälfte
des Weges ging das Feld im Bummeltempo. Gold=
rock
brach im erſten Bogen aus, während die Favo=
ritin
Germania am Tribünenſprung reiterlos wurde.
Auf dem Nachhauſewege hatte Aſa die Führung, doch
rückte die von Jockei Brown geſteuerte Ophelia auf
und ſchlug Aſa nach Kampf ſſicher mit einer Länge,
tzweieinhalb Längen zurück beſetzte Viktoria regia den
dritten Platz. Die übrigen Konkurrenzen nahmen faſt
durchweg den erwarteten Verlauf.
sr. Fervor Sieger im Großen Preis von
Hamburg. Das große ſportliche Ereignis auf der
Hamburg=Großborſteler Bahn brachte, wie ſchon kurz
gemeldet, nach einem aufregenden Endkampf den Herren
von Weinberg durch Fervor den erſten Sieg im
Großen Preis von Hamburg ſeit Beſtehen des 100 000
Mark=Rennens. Ganz beſonderes Pech hatte das
Königliche Hauptgeſtüt Graditz, deſſen hervorragender
Vierjähriger Stoßvogel, der Sieger des vorjährigen
Großen Preiſes von Hamburg, noch gut gehend im
Rennen, die linke Vorderfeſſel brach und erſchoſſen wer=
den
mußte. Es herrſchte am Sonntag ſonnig=warmes
Wetter, doch brachte ein friſcher Wind die erwünſchte
Abkühlung. Nach einiger Unruhe am Start, wo Stoß=
vogel
erſt von ſeinem Jockey beſtiegen wurde, fiel end=
lich
die Flagge. Gouvernante und Raimondo galop=
pierten
von Anfang an als letzte und kamen nie in
Betracht. Walther Stolzing führte zunächſt vor Stoß=
vogel
, Ladislaus, Micado, Oſſer und Star. Im erſten
Bogen lag Stoßvogel klar in Front und führte in ſchärf=

ſter Pace vor Walther Stolzing, dem in Zwiſchen=
räumen
Ladislaus, Micado, Oſſer und Star folgten.
Ende der gegenüberliegenden Seite rückte das Feld
näher zuſammen. Im vorletzten Bogen verbeſſerte Star
ſeinen Platz. Hier rückten auch Oſſer und Fervor näher
an Stoßvogel heran, der das Rennen noch in den Ein=
lauf
brachte, dort aber bald mit gebrochenem Beine
ſtehen blieb. Micado und Star lagen nunmehr in
Front, und dicht hinter ihnen außen Fervor. In der
Diſtanz rückte Fervor auf; es entſpann ſich zwiſchen den
dreien ein packender Endkampf, der unter dem Publi=
kum
leidenſchaftliche Aufregung hervorrief. Im letzten
Sprung ſiegte Fervor um einen Kopf gegen die im toten
Rnnen einkommenden Stallgefährten Micado und
Star.
Blauſtrumpf gewinnt den Preis von
Schleſien. Die von Sieg zu Sieg eilende
ausgezeichnete Blauſtrumpf konnte am Sonntag
in Breslau einen weiteren ſchönen Erfolg erringen,
da ſie ihrem glücklichen Beſitzer, Herrn O. Kampfhenkel,
die Hauptkonkurrenz des Meetings, den Preis von
Schleſien, im Werte von 25000 Mark, gewann. Damit
hat die Gewinnſumme von Blauſtrumpf die Höhe von
136/645 Mark erreicht, wovon 128 485 Mark auf das
Konto von Herrn Kampfhenkel entfallen. Die Rennen
waren ſehr ſtark beſucht. Am Preis von Schleſien nah=
men
nur drei Pferde teil. Littoral führte in ſcharfer
Fahrt vor dem Graditzer Wandersmann und der auf
dem letzten Platz liegenden Blauſtrumpf. Erſt in der
Geraden unternahm Blauſtrumpf einen Vorſtoß, be=
herrſchte
ſofort die Situation und ſiegte leicht mit drei=
viertel
Länge gegen Wandersmann. Das Silberne
Pferd landete Herr W. Schulz auf Herrn von Schmie=
ders
Pilgramsberg. Damit geht der koſtbare, vom ver=
ſtorbenen
Prinzen Karl von Preußen geſtiftete Ehren=
preis
, den Propoſitionen gemäß, endgültig in den Beſitz
des Herrn von Schmieder über, der das Rennen 1908
mit Pandora und im Vorjahre mit Pilatus gewann.
Rr. Rütt Sieger im Goldenen Rad von
Steglitz. Die ſeltene Gelegenheit, die beſten Flieger
im Kampfe zu ſehen, hatte am Sonntag ein zahlreiches
Publikum nach dem Sportpark Steglitz gelockt. Nach=
dem
aus den Zwiſchenläufen Rütt leicht gegen Wegener,
Ellegaard gegen Meſſori und Pouchois nur um Hand=
breite
gegen Henry Mayer als Sieger hervorgegangen
waren, traten die drei zur Entſcheidung an. Der Fran=
zoſe
Pouchois führte vor Rütt und Ellegaard. In der
letzten Kurve trat Rütt aus zweiter Poſition an,
paſſierte den Franzoſen und gewann ſehr leicht mit
dreiviertel Länge gegen Ellegaard, der Pouchois mit
1½ Längen auf den dritten Platz verwies. Neben ver=
ſchiedenen
weiteren Fliegerrennen vervollſtändigte ein
Stundenrennen um den Germania=Preis das reichhal=
tige
Programm. Das Rennen brachte einen aufregen=
den
Zwiſchenfall. In der 44. Runde kam Darragons
Schrittmacher Keyſer durch Pneumatikdefekt zu Fall.
Der Schrittmacher des unmittelbar hinter ihm fahren=
den
Theile konnte noch ganz knapp an dem auf dem
Zement liegenden Keyſer vorbeifahren, ſo daß dieſer nur
Hautabſchürfungen erlitt. Der Motor geriet in Brand,
konnte aber bald gelöſcht werden. Darragan kam durch
den Zwiſchenfall ganz aus dem Rennen und auch der
gutfahrende Dickentmann büßte durch Raddefekt ſeine
Chancen ein, ſo daß Theile ſiegreich blieb. Die genauen
Reſultate waren: Goldenes Rad: 1. Rütt, 2. Ellegaard
* Lg., 3. Pouchois 1½ Lg. Preis von Steglitz:
1. H. Mayer, 2. Wegener, 3 .Großmann. Entſchädigungs=
fahren
: 1. Schürmann, 2. K. Müller, 3. Carapezzi.
Prämienfahren: 1. Conrad, 2. Lorenz, 3. Naetebus.
Tandem=Hauptfahren: 1. H. Mayer=Rütt, 2. Ellegaard=
Pouchois, 3. Meſſori=Carapezzi. Entſchädigungs= Tan=
demfahren
: 1. Schwab=Schürmann, 2. Saldow= Groß=
mann
, 3. Wegener=A. Müller. Germania=Preis.
1 Stunde: 1. Theile 77,690 Klm., 2. Dickentmann 75,800
Klm., 3. Stol 72,750 Klm., 4. Darragon 66,300 Klm.

Eine Kundgebung des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes.
Der am 6. Juni in Frankfurt a. M. verſammelte
Landesvorſtand des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes hat einſtimmig
folgende Kundgebung beſchloſſen:
In der Borromäus= Enzyklika hat Papſt
Pius X. die Reformation, die Reformatoren und die
proteſtantiſchen Fürſten und Völker in unerhörter
Weiſe beſchimpft.
Wir empfinden dieſe Schmähungen als eine empö=
rende
Herausforderung des geſamten Proteſtantismus,
als eine Verunglimpfung des deutſchen Volkes, ſoweit
es evangeliſch iſt, als eine der ſchlimmſten Störungen
des konfeſſionellen Friedens.
Wir erheben entſchieden Einſpruch gegen dieſes
Vorgehen und bitten unſere evangeliſchen Mitbürger,
gegen dieſen neuen Beweis der Unduldſamkeit und
Unverſöhnlichkeit des Papſttums ſich feſt zuſammenzu=
ſchließen
und mit erneuter Kraft dafür zu wirken, daß
die Segensgüter der Reformation unſerem deutſchen
Volke ungeſchmälert erhalten bleiben,

Dernburgs Abſchiedsgeſuch.
* München, 6. Juni. Die Münchener Neueſten
Nachrichten bringen die Meldung, daß Staatsſekretär
Dernburg ſein Abſchiedsgeſuch eingereicht habe; die
Frankfurter Zeitung beſtätigt dieſe Meldung. Zuver=
läſſige
Informationen ſind zur Stunde noch nicht zur
Stelle.
Wirklicher Geheimrat Bernhard Dernburg wurde
bekanntlich 1906 aus dem Direktorium der Darmſtädter
Bank als Leiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen
Amtes berufen und im Februar 1907 zum Staatsſekretär
des Reichskolonialamtes ernannt.
II. B. Berlin, 6. Juni. Die Münchener Neueſten
Nachrichten wollen aus rheiniſchen Kolonialkreiſen wiſſen,
daß dort mit großer Beſtimmtheit die Nachricht auftrete,
Staatsſekretär Dernburg habe ſein Abſchiedsgeſuch einge=
reicht
. Dazu bemerkt das B. T. Wir glauben ſagen zu
können, daß die Nachricht den Tatſachenentſpricht.
Staatsſekretär Dernburg hat am 15. Mai einen 14tägigen
Urlaub angetreten und iſt auch nach Ablauf dieſes Urlaubs
nicht wieder im Reichskolonialamt erſchienen. Das De=
miſſionsgeſuch
dürfte ſchon zu Anfang des vorigen Mo=
nats
eingereicht worden ſein. Den Grund für das Demiſ=
ſionsgeſuch
dürfte man in erſter Linie darin zu ſuchen ha=
ben
, daß Dernburgs allgemeine politiſche Anſchauungen
von denjenigen, die heute in der Regierung ſowohl des
Reiches wie Preußens maßgebend ſind, durchaus ab=
weichen
.
Vermiſchtes.
Das Statiſtiſche Amt der Stadt Düſſeldorf ver=
öffentlicht
eine intereſſante Statiſtik über Unfälle

im Betriebe von Kraftfahrzeugen in dem
Zeitraum vom 1. Oktober 1908 bis ebendahin 1909 im Ge=
biete
des Deutſchen Reiches. Es ereigneten ſich danach 6063
Unfälle gegen 5069 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Da es nun am 1. Januar 1910 49941, am 1. Januar 1909
aber nur 41727 Kraftfahrzeuge mit dem Standorte im
Deutſchen Reiche gab, kamen 1908 auf je 100 Kraftfahrzeuge
12,2, dagegen 1909 11,95 Unfälle. Der verurſachte Sach=
ſchaden
belief ſich auf ungefähr 1005000 Mark gegen 812000
Mark im Vorjahre. Verletzt wurden 2945 (2419) Perſonen,
getötet 194 (141) Perſonen; auf je 1000 Verunglückte über=
haupt
entfielen 62 (51) Tote, alſo eine Zunahme auch in
der Schwere der Unglücksfälle. Beachtung verdient die
gegen das Vorjahr faſt verdoppelte Zahl der Unglücksfälle,
welche durch die Ungeſchicklichkeit oder mangelnde Vorſicht
ungelernter Fahrer veranlaßt ſind.

Literariſches.
Eine Reiſe durch die deutſchen Kolonien.
Herausgegeben von der illuſtrierten Zeitſchrift Kolonie
und Heimat. II. Band: Kamerun. Mit 2 Karten und
209 Abbildungen, darunter 14 ganzſeitigen Bildern. In
Leinwand gebunden mit farbiger Deckelzeichnung, Preis
5 M. Berlin, Verlag kolonialpolitiſcher Zeitſchriften
G. m. b. H. Die durch die Reichhaltigkeit ihres Inhalts
und durch ihre guten Illuſtrationen allgemein bekannte
Zeitſchrift Kolonie und Heimat gibt unter obigem Titel
ein ausgezeichnetes Illuſtrationswerk über unſere Kolonien
heraus, von dem bereits vor einem halben Jahre der erſte
Band über Oſtafrika erſchienen iſt. Dieſer hat allenthalben
ſo großen Anklang gefunden, daß demnächſt bereits die
zweite Auflage zur Ausgabe gelangen kann. Nunmehr
liegt der zweite, Kamerun behandelnde Band vor, der
bei gleichem Preiſe in gewiſſer Hinſicht den erſten an
Reichhaltigkeit noch übertrifft. Von zahlreichen Sachkennern,
Männern der Schule, der geographiſchen Wiſſenſchaft
und des kolonialen Lebens, iſt dem Werk reiche Anerkennung
gezollt worden, und namentlich in den Kreiſen der Lehrer=
ſchaft
erfreut es ſich großer Beliebtheit.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.,
* München, 6. Juni. Im Trambahndepot an der
Nymphenburger Straße gerieten im Laufe der vergan=
genen
Nacht zwei Wagenremiſen in Brand. Die
Remiſen und neun Anhängewagen wurden zerſtört.
Bei den Löſcharbeiten hinderte eine größere Menſchen=
menge
die Feuerwehr an der Arbeit. Als die Schutz=
mannſchaft
einſchritt, kam es zu Tätlichkeiten.
Ein Schutzmann wurde verletzt, mehrere Feuerwehr=
leute
wurden zu Boden geſchleudert und mit Stöcken
geſchlagen. Schließlich zogen die Schutzleute blank und
die Feuerwehr richtete den Schlauch gegen die Menge.
Ein militäriſches Feuerpiquet ſperrte den Brandplatz
hierauf ab.
* Lüdenſcheid, 6. Juni. Zu der Exploſion wird
noch gemeldet: Der Blitz ſchlug in eine Abteilung der
Sprengſtoff=Fabrik Gebr. Wönkhauſen in Rummenohl, die
in die Luft flog. Mehrere Häuſer wurden ſtark beſchädigt;
ein mehrere Kilometer entfernt ſtehender Schornſtein ſtürzte
ein. Mehrere Perſonen wurden leicht verletzt.
* Eſſen, 6. Juni. In der Nacht zum 5. Juni entſtand
auf der Zeche Matthias Stinnes in Carnap Groß=
feuer
, durch das die Teerdeſtillation zerſtört wurde. Die
Urſache des Brandes iſt noch nicht feſtgeſtellt. Ein Arbeiter
namens Winter iſt bei dem Brande umgekommen.
* Leer, 6. Juni. Ein überaus ſchweres Gewit=
ter
begleitet mit wolkenbruchartigem Regen und
ſchwerem Hagelſchlag, vernichtete in beträchtlichen Tei=
len
der Kreiſe Leer und Weener und in den angrenzen=
den
oldenburgiſchen Gebietsteilen die Roggenernte.
Der Schaden an den Gartenfrüchten und Obſtbäumen
läßt ſich noch nicht entfernt abſchätzen. Auf den Feldern
wurden viele Haſen, Hühner und Singvögel von den
Eisſtücken erſchlagen. Es fielen Eisſtücke bis zu einem
Gewicht von 1 Pfund. Einige Häuſer ſind völlig demo=
liert
. Den Kanal entlang ſind alle Häuſer abgedeckt.
Der Schaden wird auf etwa 200000 Mark geſchätzt. In
Weener iſt kein Haus verſchont geblieben. Alle Fenſter=
ſcheiben
wurden zertrümmert; an den Gewächshäuſern
der Gärtnerei Heſſe allein 2000 Stück. Alle Garten=
früchte
ſind vernichtet. Auf der Heide war das Unwetter
noch viel ſchlimmer. Die Roggenfelder ſehen wie ab=
gemäht
aus.
* Allenſtein, 6. Juni. Vor dem Schwurgericht be=
gann
heute vormittag die Hauptverhandlung des Pro=
eſſes
gegen Frau v. Schönebeck=Weber.
Die Angeklagte war am Sonntag mit ihrem zweiten
Gatten, dem Berliner Schriftſteller Weber, in Allen=
ſtein
eingetroffen. Der Andrang zu den Verhandlun=
gen
iſt gewaltig, der Zutritt zum Gerichtsſaal iſt jedoch
nur gegen Karten geſtattet. Den Vorſitz führt Geheimer
Iuſtizrat Landgerichtsdirektor Bröſe=Inſterburg. Die
Staatsanwaltſchaft vertreten: Erſter Staatsanwalt
Schweitzer und Staatsanwaltſchaftsrat Poſchmann. Die
Verteidiger ſind Rechtsanwälte Juſtizrat Dr. Sello= und
Bahn=Berlin, ſowie Dr. Salzmann=Allenſtein. Frau
v. Schönebeck iſt in ſchwarzer Toilette an der Seite
ihres Gatten erſchienen. Verteidiger Salzmann bean=
tragte
, mit Rückſicht auf den phyſiſchen Zuſtand der An=
geklagten
, dieſer zu geſtatten, außerhalb der Anklage=
bank
Platz zu nehmen. Die Sachverſtändigen beſtätigen,
daß es auf die Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten
Einfluß haben könnte, wenn ſie auf der An=
klagebank
ſitzen müſſe. Der Gerichtshof be=
ſchloß
mit Rückſicht auf den Gemütszuſtand der Ange=
klagten
dem Antrag des Verteidigers ſtattzugeben.
Alsdann wurde die Geſchworenenbank gebildet. Hier=
auf
wurde die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen, aber einigen
Preſſevertretern geſtattet, im Saale zu bleiben.
* Allenſtein, 6. Inni. Im Prozeß gegen Frau
v. Schönebeck=Weber wurde, wie die Allenſteiner
Zeitung meldet, die Angeklagte unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit vernommen. Sie erklärte, daß ſie nicht
ſchuldig ſei. Als gegen 2¼ Uhr nachmittags ein hef=
tiges
Gewitter auftrat, brach die Angeklagte in Tränen
aus und erklärte, nicht weiter verhandeln zu können.
Infolgedeſſen wurde die Sitzung auf morgen vormittag
vertagt.
H. B. Stuttgart, 6. Juni. Das Befinden des
Königs von Württemberg läßt ſeit einigen Tagen
zu wünſchen übrig, ſodaß er die Repräſentationspflichten
nicht erfüllen kann. Sowohl vorgeſtern wie geſtern konnte
er die Feſtlichkeiten, zu denen er ſein Erſcheinen beſtimmt
zugeſagt hatte, nicht beſuchen und mußte im letzten Augen=
blick
abſagen. Der König ſoll, wie es heißt, an einem
Darmleiden erkrankt ſein. Bulletins werden nicht ausge=
geben
.
H. B. Nürnberg, 6. Inni. In einem hieſigen Hotel
wurde geſtern abend der Kaufmann Fürſich tot auf=
gefunden
, der vor einigen Wochen aus Neuburg an
der Donau nach Unterſchlagung von 50000 Mark ge=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Nummer 130.

ſtüchtet war. Es liegt oſſendar Selbimord durch Ver=

giften vor.
Petersburg, 6. Juni. Dr. Ptſchenko, welcher den
Gardeleutnant Burtulin durch Gift tötete, hat eine
große Reihe anderer Morde eingeſtanden. Seit
20 Jahren betrieb er den Giftmord gewerbsmäßig.

Wach auf

das neue hygienische Rasier-
mittel
, findet in der ganzen
Welt täglich neue Freunde.

Wach auf erweicht
harte,spröde Bärte
viel intensiver als
der wässerige, al-
kalienreiche
Sei-
fenschaum
u. ver-
hindert
jedes schmerz-
haft
brennende Gefühl
nach d. Rasieren.
Nur wenn Sie
eWach auf: direkt
aus der Tube an-
wenden
, sind Sie
vor jed. Unsauber-

keit geschützt.Wach aufe ist in jeder Sekunde, wo
es auch sei, gebrauchsfertig, da Wasser entbehrlich und
Schaumschlagen überflüssig. Wach aufs ist keine
Seife, alkalienfrei, ohne Schärfe, erneuert das fort-
rasierte
Naturfett der Haut und macht dieselbe bei
noch so rauher Witterung immer zart, weich und ge-
schmeidig
. Wach auf: befindet sich im täglichen Ge-
brauch
. Sr. Majestät des Kaisers und Königs, vieler
in- und ausländischer Fürstlichkeiten, der Herren
Offiziere der Landarmee und Kaiserlichen Marine, in
ärztlichen Kreisen und der Gesellschaft. Es ist das
Rasiermittel der fashionablen Welt. :: :: :: :: ::

Das neue

kleine Wach auf‟-Schraubpinselchen
mit innerem Hohlraum zum Aufschrau-

5 ben auf Wach aufe- Tuben und
Einpinseln des Wach aufs auf
die Gesichtshaut für Herren die absolut nicht die Hand
zum Einreiben nehmen wollen. :: .. .. .:
Preis des Pinsels Mk. 1.00.

Zu besichen durch Apolhleken, Stahlwaren, Progen=,
Parfümerie-Geschäfte. Die grosse reine Zinntube
Mk. 1.50 2 Kr., die bedeutend mehr als doppelt
grosse reine Zinntube Mk. 2.50 3 Kr. Generaldepot
für Oesterreich-Ungarn: M. Wallace, kaiserlicher könig-
licher
Hoflieferant, WIEN I, Kärntner Strasse 30.

Königl. Hoflieferant u. Hoffriseur
Francois Hab), Sr. Maj. des Kaisers und Königs,

BERLIN NW. 7, Mittelstr. 7/8. (116110f
Engros und Exportversand: Unter den Linden 60.

Geſchäftliches.
Die Profeſſor Rudolf Denhardts Sprach=
heilanſtalt
Eiſenach (leitender Arzt Dr. med. Th.
Hoepfner) war auch im Jahre 1909 wieder von zahl=
reichen
Patienten beſucht, deren Geſamtzahl 112 betrug
und ſomit die Frequenz der früheren Jahre erreichte. (11625

Bankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei der Beerdigung unſeres unvergeßlichen, innigſt=
geliebten
Sohnes, Bruders, Schwagers, Onkels,
Neffen und Vetters
(11649

Herrn Friedrich Vogel

stud. phil.

ſowie für die überaus zahlreichen Blumenſpenden,
ſagen wir hierdurch allen Freunden und Be=
kannten
, insbeſondere Herrn Pfarrer Widmann
für die troſtreichen Worte am Grabe, dem Rek=
torat
der Ludwigs=Univerſität (Gießen), der
Philoſophiſchen Fakultät (Gießen), den Herren
Dozenten der Ludoviciana in Gießen, dem Aus=
ſchuß
der Gießener Studentenſchaft, den Herren
Ehrenbeamten der Gießener Freien Studenten=
ſchaft
, der Freien Studentenſchaft (Gießen), ſowie
den Herren Poſtbeamten und Poſtunterbeamten
unſern herzlichſten Dank.

Familie Vogel.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Wenckſtraße 1.

Todes-Anzeige.
(Statt besonderer Anzeige.)

Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen, unseren innigstgeliebten, treu-
(11655
besorgten Vater, Grossvater, Schwager und Onkel

Herrn Ernst Rohde

Grossh. Oberlandesgerichtsrat i. P.
heute nachmittag 6¼ Uhr nach längerem Leiden im 80. Lebensjahre zu sich
zu rufen.
Darmstadt, den 5. Juni 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. jur. Ferdinand Rohde, Grossh. Geheimer Oberfinanzrat.

Die Beerdigung findet auf dem Darmstädter Friedhof Mittwoch, den 8. ds. Mts., nachmittags
5 Uhr, die Einsegnung eine Viertelstunde vorher im Sterbehause, Heinrichstrasse 90, statt.
Blumenspenden sind nicht im Sinne des Entschlafenen.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)

Heute morgen 5 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzer, ſchwerer Krankheit meine liebe, gute,
treubeſorgte Frau, unſere gute Mutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (11598

Frau Marie Holler

geb. Dell

im 40. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Gg. Ludw. Holler, Schuhmachermeiſter.
Darmſtadt, den 5. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 7. Juni,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.

Sonntag Nacht 1 Uhr verſchied plötzlich
und unerwartet unſer treuer Sohn und innigſt=
geliebter
Bruder, Schwager, Onkel und Neffe

Heinrich Geyer

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)

Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, unſeren innigſtgeliebten
Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Neffe und

Vetter

(B11639

Herrn Carl Kröll

Kaufmann
im noch nicht vollendeten 22. Lebensjahre nach
kurzem, ſchwerem Leiden in die Ewigkeit ab=
zurufen
.
In tiefer Trauer:
Heinrich Kröll und Frau,
Ferd. Brieskorn und Frau, geb. Kröll,
Otto Höbbel und Frau, geb. Kröll,
Heinrich Kröll und Frau, geb. Zundel,
Carl Lange und Frau, geb. Kröll,
Max Kröll,
Philipp Kröll,
Tilli Kröll,
Ella Kröll.
Darmſtadt, den 5. Juni 1910.

Die
5½

Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag
Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

(B11638

im Alter von 33 Jahren.
Um ſtille Teilnahme bitten
in tiefer Trauer:
Familie W. Geyer XI.
nebst Geschwistern.

Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Neue Niederſtraße 12.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Juni,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.

Mete
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 107 Uhr).
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im Schützenhof.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im Perkeo.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 8. Juni.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Heugras=Verſteigerung um 2 Uhr auf der Roſen=
höhe
(Zuſammenkunft am Kühnſchen Garten).

Banklagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte meiner
lieben Frau, unſerer guten Mutter
(*13977

Rosine Fischer

geb. Ehrhardt
ſagen wir Allen, für die große Beteiligung, ſowie
für die zahlreichen Blumenſpenden unſeren innigſten
Dank.
Daniel Fischer u. Kinder.
Traiſa, im Juni 1910.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden niche
zurückgeſandt.

Hessenbräu-Flaschenbiere

sind hochfeine Qualitätsbiere.

(257a

[ ][  ][ ]

Iin
Iin!
Inn
Iinn!
SSeziar
Innn!
Ii!
Ii!!
Inn
Iain
Mn & AFebet

im

Warenhaus
Gesen Wister
Irvor T
DrARIVISTADT.

Grosserarelebostert

Herren-Socken

Schweiss-Socken
hell und dunkel meliert
Schweiss-Socken
Ringelmuster .

3 Paar

6 Paar

Ringelmuster
grau oder braun
. . 3 Paar

Reform-Socken

4 Paar

fg.

11636)

Herren-Sporthemden
mit Steh-Umlegkragen

Stück

Mk.

Seidenbatist

weiss, blau, schwarz

110 cm breit, Meter

120 cm breit, Meter

Damenstrümpfe
Englisch lang
schwarz oder braun . . . . . . 3 Paar

Englisch lang, doppelte Ferse
schwarz oder braun . . . . . . 2 Paar

Schwarz oder braun gestreifte
Damenstrümpfe
1 Paar kurze Handschuhe
zusammen

tg.

Herren-Maccohemden
mit farbiger Brust

Badehosen
geringelt . .
rot Cöper

3.25, 2.65, 2.40,
38, 32, 28, 20 bis
22, 21, 23,

Mk.

Bureau=Lokal
für ein Architektur=Atelier in guter Lage
alsbald zu mieten geſucht. Offerten unter
§ 32 an die Expedition ds. Bl. (11487soi

Geſucht kleineren Laden
geeignet für Zigarren, am liebſten mit Ein=
richtung
. Offerten mit Preisangabe unter
(*13991
G. S. 100 poſtlagernd.

2 Wohnungen
von je 57 Zimmern, der Neu=
zeit
entſprechend ausgeſtattet, in
einem Hauſe möglichſt in der
Nähe der hinteren Wilhelminen=
ſtraße
von zwei ruhigen Miets=
teilen
für längere Zeit auf
den 1. Oktober, ev. früher oder
ſpäter, zu mieten geſucht.
Offerten unter P 63 an die
Expedition d. Bl. (11036smfi

Zum 1. Oktober
wird von kinderloſem Ehepaar ein 4=, bezw.
5=Zimmerwohnung, mit Bad u. Veranda
geſucht. Parterre ausgeſchloſſen. Das Oſt=,
bezw. Südoſtviertel wird bevorzugt.
Angebote mit Preisangabe unter § 76
an die Expedition ds. Bl. erb. (*13965imd

Gesucht
auf 1. Oktober 1910 von kinderloſem Ehe=
paar
elegante 34=Zimmerwohnung zum
Preiſe von ca. 600 Mk. Gefl. Angebote er=
(11615ms
beten an
Paul Wolf & Co., Spediteure.

Bitte lesen!
Beim Einkauf von
Henkel’s Bleich-Soda
achte man genau auf untenstehende
Packung und weise Nachahmungen, da
meistens minderwertig, energisch zurück.

Henkers
Bleich=Soda

garautfri

chlartrei.

5

Spartbedeutend Seife, macht die Wäſche
blendend weiß. Uebertrifft bei allen Rei=
nigungszwecken
die Soda durch raſchere
u. gründlichere Wirkung, macht nament=
lich
Metallſachen ſehr klar u. Holzſachen
ſehr weiß. Greift Hände u. Wäſche nicht
an. Löſt ſich in Waſſer ſehr raſch, ſollte
deshalb in keiner Haushaltung fehlen.

(6967E

2=Zimmerwohnung
mit allem Zubehör von kleiner Familie per
1. Juli oder 1. Oktober zu mieten geſucht.
Gefl. Offerten mit Preisangabe unt. § 6
an die Exped. ds. Bl. erbeten. (11367soim
(verlobth ſucht möbl. Zim=
Fräulein mer, Preis bis 15 Mk.
Off. u. T 4 an die Expedition. (*14067
Möbliertes Zimmer
ſepar., im Nord. d. Stadt zu miet. geſ. Off.
m. Pr. unt. § 93 an die Exp. d. Bl. (*14035

Tüchtige, kautionsfähige
Wirtsleute
(11520t
geſ. für beſſ. Wirtſchaften.
Offerten unter § 45 an die Expedition.
Im Haushalt erfahrenes

Ende 20er Jahre, wünſcht ſoliden, ſtreb=
ſamen
Mann zwecks ſpäterer Heirat
kennen zu lernen (Witwer nicht ausgeſchl.)
Ernſtgemeinte Offerten unter A. Z. 100
hauptpoſtlagernd Darmſtadt.
(*14066

Heirat!
Braver, ſolider Geſchäftsmann in Darm=
ſtadt
mit gutem Geſchäft und eigenem
Hauſe, wünſcht auf dieſem Wege ein braves
Mädchen mit etwas Vermögen kennen zu
lernen zwecks ſpäterer Heirat.
Anonym zwecklos.
(*14019
Offert. unter § 91 an die Exp. ds. Bl.

Ludwigshöhe 5. 6. 0 10
Der Herr, welcher der Dame im
ſchwarzen Federhut heimlich zutrank und
die ſich auf den anſcheinend gegebenen
Wunſch leider nicht unauffällig vom Tiſch
entfernen konnte, wird an dieſem Ort um
ein Lebenszeichen gebeten. D. (*14061

Kurſe vom 6. Juni 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

8f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,40
3½ Deutſche Reichsanl. .
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols .
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,50
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
3 Sächſiſche Renre . . .
4 Württemberger v. 1907
3
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 49,20
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente .
do. Goldrente . .
do. einheitl. Rente
3 Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III 67,50
do. Spezial. 12,50
5 Rumänier v. 1903 . .
4. do.v. 1890. . 94,80
do. v. 1905 . .
4 Ruſſen v. 1880 a. 8.

92,90
84,50
100,50
93,00
84,50
101,70
94,00
92,10
101,90
101,40
91,90
.83,60
102,00
93,10
97,75
99,25
94,10
65,60
102,10
91,20
91,90

InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 92,70
4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
96,00
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,40
4 Türk. Admin. v. 1903 88,40
4 do. unifiz. v. 1903 94,70
4 Ungar. Goldrente 95,25
4 do. Staatsrente . 92,50
5 Argentinier . . . . . . 101,80
91,40
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 93,20
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,90
do.
4½
99,60
4½ Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner . . 100,20
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 97,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,40
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
.. 146,70
4 Nordd. Lloyd . . . . 113,50
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,10
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,00
4 Baltimore & Ohio . . 110,80
4 Gotthardbahn . . . .

InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,70
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,80
4 Pennſylvania R. R. 130,25.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 200,20
Werger=Brauerei
. 82,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 480,00
Fabrik Griesheim . . . . 260,40
Farbwerk Höchſt .
.. 481,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim .
.326,00
Lahmeyer .
.116,50
Schuckert.
.. . 165,50
Siemens & Halske
246,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 417,75
Bochumer Bb. u. Guß . . 235,50
Gelſenkirchen .
. . . 212,20
Harpener .
. . . 197,20
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. .225,40
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . .
4 Pfälzer Prt. .
.100,80
do.
3½
92,20
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,20
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
97,70
do. alte .
Oeſterr. Südbahn . . 99,10
do.
82,50
do.
57,0
3 Raab=Oedenburger . . 99,30
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 90,25
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,30

In Proz.
Bſ.
2‟‟ Livorneſer . . . . . . 76,00
4 Miſſouri=Pacific
80,10
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,30
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,30
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 174,00
4 Darmſtädter Bank 130,10
4 Deutſche Bank 251,20
4 Deutſche Vereinsbank 128,10
4 Diskonto=Geſellſchaft . 188,25
4 Dresdner Bank 159,40
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,90
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 124,80
101,20
4 Pfälzer Bank .
144,60
4 Reichsbank .
4 Rhein. Kredit=Bank 139,40
4 Wiener Bank=Verein 137,40
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
92,40
do. S. 19.
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,20
½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unf. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
do,
3½
92,80

Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt.
3½ do.
4 Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim .
3½ do.
4 München .
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach .
do.
4 Wiesbaden.
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886

InProz.

.100,90
95,10
91,60
.100,00
.100,50
91,60

91,40
.100,50
92,00
.100,60

.100,50
100,00
91,40

Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 164,60
3½ Cöln=Mindner 100 137,90
5 Donau=Reg. fl. 100 144,50
3 Holl. Komm. 100 104.90

Zf.
In Proz
3. Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
. .
.. 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,75
3 Oldenburger . . . . . 124,70
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
7 39,30
Braunſchweiger Tlr. 20 212,90
Freiburger
Fs. 15 59,70
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10 33,80
Meininger
ſ. 7 39,40
Oeſterreicher v. 1864 100 574,00
do. v. 1858 100 466,00
Ungar. Staats 100 389,80
Venediger
Frs. 30
Türkiſche
400 183,00

Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,44
20 Franks=Stücke . . . . 16,21
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . . 20,47
Franzöſiſche Noten . . . . 81,10
Holländiſche Noten . . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . . 80,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,10
Reichsbank=Diskonto . . 40
Reichsbank=Lombard Zäf.s5%

[ ][  ][ ]

Credithaus
Adam Karn
Bleichstr. 30

Nach wie vor
erhalten meine Kunden
Möbel Betten
Polsterwaren
komplette
Einrichtungen
einzelne Möbelstücke
ohne jede
Anzanlung
auf bequemste wöchent-
liche
, 14tägliche oder
monatliche

Abzahlung

Credithaus
Adam Karn
Bleichstr. 30

(

Kreuzbrunnen, Ferdinendsbrungen
Fettsucht, Haemorrhoiden, Magenleiden,
Chron. Darmträgheit, Frauenleiden.
o- Hatürliohes
Rudolfsquellé: Glohtwasser.
Gicht, Chron. Katarrhe
der Harnwege, Nieren-
und Blasenleiden.

Marienbader
Dechtes Brunnen-Salz,
Brunnen-Pastillen.
Broschüren durch Mineralwasser-
Verzendung.
Haupt-
gepot
= FriedrichSchaefer
Croßh. Hollieferant, Darmstadt, Ludwigspl. 7

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Nummer 130.

Hachfelen-Dezarkt

wenn Sie bei der Wahl Ihrer Fussbekleidung der Marke Speier den Vorzug geben. Speier’s Schuhwaren
erfreuen sich dank ihrer vielen Vorzüge ausserordentlicher Beliebtheit; ihre Käufer an vielen Plätzen Deutsch.
lands zählen nach Tausenden. Besonders gerne werden gekauft unsere extrabilligen
Damen- und Herren-Stiefel

Speier’s
Schuhwaren
für
Mädchen
Knaben
und Kinder,
die sich durch rationelle,
moderne Formen vor-
teilhaft
auszeichnen, sind
in grosser Auswahl
vorhanden.

in schwarz und braun zu

Schunwarcnlaus
peier
Inh.: P. Wildau:: nur Ludwigstrasse 16.
Verkaufsstellen für Speier’s Schuhwaren: Leipzig, Frankfurt, Hamburg, Breslau, Hannover, München, Köln,
Strassburg, Stuttgart, Nürnberg, Aachen, Dortmund, Würzburg, Darmstadt, Offenbach, Hanau, Linden, Langen

Preise je nach Grösse:
2.50, 3.50,4.50,
5.50, 6.50, 7.50

Günſtige Gelegenheit
gebr. Pianino 250. Mk., zu verkaufen.
Karl Arnold, Ecke Erbacherstrasse
(10974a
Telephon 892.

(3518a

Einbruchdiebstahl=Versicherung.
Zur gegenwärtigen Reisezeit empfiehlt sich die
Bayerische Versicherungsbank, Akt.-Ges.
vormals Versicherungsanstalten der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München
zum Abschluss von
Versicherungen geg. Einbruchdiebstahl ebenso geg.
gegen mässige Prämien und vorteilhafte Bedingungen.
Beraubung Nähere Auskunft bei der Direktion in München,
Residenzstrasse 27, sowie der
Generalagentur, Frankfurt a. M., Kaiserstrasse 29
Telephon Amt 1205.
Bezirksvertreter in Darmstadt: Herr Heinrich Meyer, Schützenstr. 17
Telephon 1889.
(120201

in Pastillenform

Sterhefallh. ein altertümlicher, eichener
Kleiderſchrank und eine ältere Schn.=
Maſchine zu verkaufen bei Göbel. Neue
Ireneſtraße 13, 2. Stock.
(*14045
Zu verkaufen: 1 Kinderbett, Kinderbad=
bütte
, Badteller, gr. Bett, Kleidergeſtell
Allee 1, 2. Stock.
*14953)

Konzentrierte
Mandeimlich von Dr. E. Andrene,
München-Thalkirchen
gibt das beste alkoholfreie Getränk für Gesunde und Kranke.
1 Cart. mit 12 Stück, genügend für 2 Liter, 60 Pfg.
In Darmstadt durch
A. Reichard, Kolonialwaren-Haus, Ecke Bleich- und Kasinostr.
Telefon 104.
(11648io

Lieg= und Sitzwagen
ſehr gut erhalten, billig zu verkaufen
*13840si) Hoffmannſtr. 21, Hinth. 4, lks.
Hezi&dohn, Manufakturwaren. (273a

Ein Dfwan
zu verkaufen Alexanderſtr. 7, Hth. I. (8730a

Ein guterhaltener Kinderwagen billig
zu verkauf. Neue Ireneſtr. 8II. (*13927oi

21 Garnituren gebrauchte
guterhaltene Turgriffe
mit Langſchildern aus Bronze habe im
(10652a
Auftrag zu verkaufen.
J. Jacobi, Schützenſtr. 21.

Zu verkaufen:

1 Flügeltür,

gut erhalten
2,45X1,50 m, Mk. 20.-

2 Zimmertüren m. Bekleidg. à
4 Vorfenſter, 2,30X1,20m
1 gr. Weinſchrank
1 kupf. Badeofen, f. Kohlenf.
a
2 eiſerne Füllöfen
1 Zinkbadewanne
Anfrage Martinſtraße 14, part.

10.
6.5
10.
35.
6.
10.-
(B11621

2 antike Seſſel
aus fürſtl. Haushalt ſtammend, ſowie ver=
ſchiedene
Möbel ꝛc. wegen Auflöſung eines
Haushaltes preiswert zu verkaufen. (11640a
Paul Wolf & Co., Spediteure,
Rheinſtraße 51.

Gebrauchtes Damenrad
zu kaufen geſucht. Offerten mit Preis unter
§ 94 an die Exped. ds. Bl. erb. (*14044id
zu ver=
Ein Spiegelschrank kaufen.
Zu erfragen in der Expedition. (*14043
Dirka über 50 große Schallplatten, wie
neu, zu ſpottbilligem Preiſe zu ver=
kaufen
. Offerten unter § 95 an die
(*14028
Expedition dieſes Blattes.

zut erhaltener Kinderwagen zu ver=
kaufen
Seekatzſtraße 10, II. (B11637
küchenſchrank
24 Mk., Anrichte 7 Mk., Tiſch 6 Mk., noch
faſt neuer Kameltaſchendiwan, guter
Plüſch 43 Mk., 1 Spiegelſchrank bisher
120 Mk. für 90 Mk. Elegante Gobelin=
garnitur
: 1 Sofa, 4 Seſſel 85 Mk.,
Vertiko mit Kunſtverglaſung 45 Mk.
Bettſtelle, eiſerne mit Matratze. 15 Mk.
Holzbettſtelle, enorm billig
Karlſtraße. 30,
*13986)

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt

§9 150.

Dienstag, 7. Juni.

1910.

Darmstädter Möbeleinrichtungshaus

Ludwia

Kunstgewerbliches Etablissement für Innen-Ausstattung
Heinrichstraße 67
Ecke Martinstraße
Darmstadt

Fernruf 1441

empfiehlt seine

Fernruf 1441

best.
Schlafzimmer aus:

Eßzimmer
Herrenzimmer
Salons
Küchen

Auszeichnungen

Hessische
Staatsmedaille
Ehrenplakette
Darmstadt 1905
Ehrenplakette
Darmstadt 1908

Spiegelschrank, Waschkommode mit Marmor- und Splegelaufsatz
2 Nachtschränken, 2 Bettstellen, 2 Rohrstühlen, 1 Handtuchständer
m. 245.- 280. 395.- 475. 490. 595.- usn.
Büfett, Kredenz, Auszlehtisch, 6 Lederstühlen, Diwan
M. 370. 475.- 615. 750. 885. 995.- uen.
Bücherschrank, Diplomat, Tisch, Schreibstuhl, 2 Lederstühle,
Chaiselongue
u. 395. 450.- 515. 675.- 795. 965.- usw.
Schrank, Tisch, Umbau, Kanapee, 2 Sessel, 2 Stühle
m. 495- 595- 715 795- 850. 950.- uen.
Schrank, Anrichte mit Topfbrett, Tisch, 2 Stühlen, Ablaufbrett
u. 95. 145- 155. 190.- 195. 240.- usn.
Meine Einrichtungen
sind bestens bekannt durch ihre vollendete und künstlerische
Formenschönheit, durch ihre Solidität und nicht zuletzt durch ihren
bllligen Preis.
150 Zimmereinrichtungen vorrätig
Besuch ohne jeden Kaufzwang.
(11627a
Auf Wunsch freie Zusendung meines neuen Prachtkataloges.

Pianos
gebrauchte von 200 Mk.
neue von 500 Mark an
(5Jahre Garantie) ſtets vorrätig (Teilzahlg.)
Georg Thies, Nachf. Leopold Schutter
Eliſabethenſtraße 12. (232a

Große Waſchkommode
mit ſchwarzer Marmorplatte, nußbaum,
innen eiche, für 40 Mk. zu verkaufen.
Näh. Expedition. (11383soim

Ankauf
alter Flaſchen, Krüge, Eiſen, Lumpen
Lauteſchlägerſtr.
und
Bapier. H. Zwickler Nr. 11. (*13924oi

Fliegenfänger
(Pyramiden), beſte Qualität, billigſte Be=
zugsquelle
(nur für Wiederverkäufer).
Schmitt & Wildenhayn, Darmſtadt,
Telephon 1567. (610694,56

BBAUT-AUSSTATTUNG
kurze Zeit im Schaufenster
ausgestellt.

(11601.

Eichbergs Nachfolger Hoflieferant
29 Obere Wilhelminenstrasse 29.

Inh. H. Eck

Bikzabfetter
Neuausführung u. Prüfung
fertigt nach den neuesten, wissen-
schaftlichen
Erfahrungen als
Spezialität

(11079a
J. Jacobi
Telephon 228 Schützenstrasse 21.
Beste staatl. und städt. Referen.
Prospekte und Voranschläge kostenlos.

Schreibmaſchine
Ideal, mit Tabulator, ſehr gut erhalten,
(10873a
billig abzugeben
Hoflieferant Ober
Firma Müller & Ober, Karlstr. 30.

6 ſchädelechte
Hirschgeweihe
Sechs= und Achtender, verkauft zuſammen
20 Mk. Nachn. M. Penkert, Wohlhauſen,
(10684a
hei Markneukirchen.

Perzina-Pianos
eresn
Karl Arnold Ecke Erbacherstr. Ecke

Mrtenrenchenge enht
Aufdämpfen
und
Desinfizieren

nach neuestemSystem
eingerichtet.
Grösste Auswahl am
5 Platze in Bettstoffen,
8 Beitſedern-
Bettfedern und
Fertige Betten
Daunen
Jak. Heymann, Tapeziermeister
Telephon 1601 (B8738) Karlstr. 103.

bester Flüssigel

dlelnige Fabriteanten
72SchulzjunAk. Ges. leſpe

Riſfe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
19)
Schade! meinte Kurt Egloff mit herzlichem Bedauern,
zog die Mundwinkel herab und ließ Ewe, die eben wieder
in den Garten trat, nicht mehr aus den Augen. Sie ſtellte
zwei Flaſchen Bier auf den Tiſch.
Der Herr da bezahlt ſie, ſprach der Alte, und Ewe
blieb ſtehen, weil der Maler ſofort in die Taſchen griff.
Jawohl. Ich bezahle. Einen Augenblick, rief er be=
ſtürzt
und fand nicht einen Pfennig. Ich habe mein Por=
temonnaie
zu Hauſe gelaſſen.
Dann geh’s man holen, grinſte Wilken Wobbe grim=
mig
. Ich warte ſolange.
Kurt Egloff warf noch einen langen Blick der voll=
ſtändigen
Hoffnungsloſigkeit auf Ewe, dan ſchob er ab.
Wilken Wobbe trank zuerſt eine Flaſche leer, dann, als
der Gaſtgeber nicht wiederkam, auch die zweite.
Das iſt der verrückte Maler, der beim alten Eichholz
am Süllberg wohnt, ſprach er zu Ewe und wies mit
dem Daumen verächtlich über die Schulter. Hat keinen
Groſchen im Sack, aber den Noblen ſpielt er, und Wein
muß ertrinken. Ko ſind die feinen Leute.
Kurt Egloff aber ſaß zu Hauſe und ſchrieb an ſeinen
zweitbeſten Freund.
Wieder hatte er Glück. Er beglich die lange Hotel=
gechnung
, trank vor Freude zwei Flaſchen Sekt, träumte

in der Richt, dch er eine älie ine nit gchulanſend
Mark Jahresrente geheiratet hätte und erwachte am näch=
ſten
Morgen mit einem fürchterlichen Haarbeutel. Den
führte er dann auf dem Strandwege ſpazieren, ſchaute
umflorten Blickes auf das bunte Gewimmel der Ferien=
gäſte
, die den Sand zerwühlten, tilgte bei Frau Surdorf
ſeine Schulden , Ewe ließ ſich leider nicht ſehen und
verzehrte bei Heinrich Offen einen ſauren Hering.
Am Nachmittag, den er auf dem Divan ſeinen: Ate=
liers
zubrachte, beſuchte ihn Arno, der ſich infolge der
Schulferien ungeſtraft ſeiner Freiheit und ſeinen künſt=
leriſchen
Neigungen widmen durfte, und erzählte unter
anderem, daß Herr Harms plötzlich ſeine Beſuche eingeſtellt
hätte.
Und Kurt Egloff liebäugelte im Anſchluß daran zum
erſten Male ſehr ernſthaft mit dem Gedanken, Diedrich
Geſterlings Schwiegerſohn zu werden. Die ſehr großen
Schwierigkeiten dieſes Unternehmens unterſchätzte er
durchaus nicht. Harriets glaubte er ſicher zu ſein, denn
er wußte genau, daß er tiefen Eindruck auf ſie gemacht
hatte. Aber es ſtand für ihn viel zu viel auf dem Spiel,
als daß er ſich unterſtanden hätte, ſein Ziel auf dem
geraden Wege zu erſtreben.
Zunächſt ſuchte er die Mutter zu gewinnen. Das
wurde ihm auch nicht ſchwer. Frau Abels Intereſſe für
die Kunſt war echt und ſtark. Anläßlich ihres Geburts=
tages
, deſſen Datum ihm Arno verriet, ſtellte ſich Kurt
Egloff mit einem prachtvollen Stilleben ein. Kein Kund=
händler
hatte bisher die Schönheiten dieſes Gemäldes ent=
decken
wollen. Doch Frau Ahel liehtg es auf den erſten

Blick, ließ es in ihr Boudoir hängen und lud den freund=
lichen
Spender huldvoll zu Gaſte. Pünktlich ſtellte er ſich
ein mit ſeiner geſamten Liebenswürdigkeit und erzielte
auch damit bei Frau Abel einen durchſchlagenden Erfolg.
Stets, wenn Diedrich Geſterling zu einer ſeiner immer
zahlreicher werdenden Abendſitzungen nach Hamburg fuhr,
erſchien der Maler auf der Bildfläche. Seine Aufmerk=
ſamkeit
, die er der Frau des Hauſes darbrachte, war von
einer ſo bezaubernden Unbezwinglichkeit, daß Frau Abel
gar nicht merkte, wie drauf und dran ſie war, ſich in den
talentierten Künſtler ſchlankweg zu verlieben.
Dafür aber ſpürte es Harriet, die ſich zurückgeſetzt
fühlte, um ſo deutlicher und machte der Mutter eines ſchö
nen Tages eine regelrechte Eiferſuchtsſzene.
Du liebſt ihn? rief ſie, aufs höchſte überraſcht.
Doch darauf gab Harriet keine Antwort.
Frau Abel Geſterling war verſtändig genug, umenicht
auf Koſten ihrer Tochter geſellſchaftliche Triumphe zu er=
ringen
, und zog ſich zurück. Als Kurt Egloff das nächſte
Mal erſchien, ließ ſie ſich wegen heftiger Kopfſchmerzen
entſchuldigen, und Harriet behauptete das Feld.
Daran erkannte Kurt Egloff, daß er ſeinem hohen
Ziele um einen großen Schritt nähergekommen war.
Arno, der den Tugendwächter zu ſpielen hatte, ver=
ſchwand
bald auf den oberſten Boden, wo er ſich in einem
heimlichen Winkel ein Atelier mit Nordlicht eingerichtet
hatte, und ließ die beiden ſtets allein.
Nun aber entſank Kurt Egloff plötzlich aller Mut. Alle
ſeine großen geſellſchaftlichen Talente flatterten ihm da=
von
, wie Tauben aus dem geöffneten Schlage. Seinetver=

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910,

Nummer 130.

(11535si

Witts echte
Knaben-Waschanzüge

gestreift u. weiss
Mädchen-Waschkle
gestreift u. weiss
Waschblusen

ſatdleg u. Auswahlendungen bereitrillgs Hanschelten ee.
Alleinverkauf für Darmstadt

Kunbrass

Telefon 711
Am Rathaus.
Markt 10

Extra-Angebot!

Weiss- u. Bauiwon-
waren

in meinen bekannten, bewährten Sorten
zu äußerst vorteilhaften Preisen.

Cretonne

80 cm breite, kräftige vollweisse Qualität . . Mtr. 50 Pfg.
82 cm breit, ganz vorzügliche, mittelkräftige
Hemdentuch Konsumware . . . . . . . . . . Mtr. 45 Pf.

Eine dringende Bitte!
Die Mineralwaſſerfabrikanten bitten in der gegenwärtigen Zeit ein verehrtes
Publikum, die leeren Flaſchen den Verkäufern ſofort wieder zuzuſtellen.
Wir glauben eher auf die moraliſche Pflicht als auf das Strafgeſetz, das das
widerrechtliche Benutzen leerer Seltersflaſchen beſtraft, verweiſen zu ſollen. (11616
Alſo nochmals:
Benutzt keine leeren Seltersflaſchen zum Füllen mit anderen
Flüſſigkeiten, denn es iſt unappetitlich.
Verkauft keine leeren Flaſchen, denn es wird beſtraft.
Die Mineralwasserfabrikanten.

Große, leere Kiſten kaufen
Simmermacher & Wiegand,
Wienersſtraße 66. (10880a

Sport= n. 1 Kinderwagen zu verkaufen
Ludwigſtraße 12 (Manſ.) (*14058

M

Conversation, Grammatik, Literatur,
Korrespondenz, Nachhilfestunden in
Englisch
Französisch

und allen Weltsprachen
Wilhelminenstr. 19, II., in der

Berlitz School

(Tel. 613). (11409a
Von 8 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends.
Nur bewährte National-Lehrkräfte,
Stunde (allein) 2 Mk., in Klassen v.
80 Pfg. an. Zahlbar in Monats-
raten
. Probestunde gratis u. ohne
Verbindlichkeit. Prospekt frei.

3553a)

woiniſcht engtlſchen
inderin Unterricht z. erteilen
Wilhelminenplatz 10, 1. Stock.

zu verkaufen
Ca. 1 Morgen Hengras (*14012im
Näh. Hohler Weg 11, bei Herrn Keller,

Tehr gut erhaltenes, ſtarkes Fahrrad für

(*13772sm
50 Mark zu verkaufen
Mollerſtraße 8, 2. Stock.

Vertiko, Waſch= Nachtſchränke
Betten, auch einzelne Teile, Stühle,
(*14059
Bilder u. v. billig abzugeben
Wendelſtadtſtraße 2.

Ich kaufe
Lumpen, Flaſchen, Eiſen, Metalle, zahle

höchſte Preiſe. Poſtkarte genügt.
J. Blum, Obergaſſe 20. (*14049im

E Bettsteken

hel
Eichen

mit oder ohne Matratzen, 1 Spiegelſchrank,
1tür., nußb. pol., 1 kl. Schreibtiſch, nußb.
pol., Kleinmöbel, Stühle Bilder, Teppiche
Bettvorlagen, Ausziehtiſch, ſow. ſonſtiges
ſpottbillig abzugeben
(*14041
Möbelgeschäft,
Mathildenplatz 8.

Unterricht in der iia-
Ver erteilt lienischen Sprache ? Offerten

mit Preisangaben unter § 79 an die Ex=
pedition
ds. Bl.
(*13989im

Die Wäſcherei und Glanzbügelei
Frau Korbus, Louiſenſtraße 34,
läßt Wäsche jeder Zeit abholen. Erteile
Unterricht im Stärken u. Glanzbügeln. (*13985id
empfiehlt ſich
(B11548
Friseusé Tannenſtr. 35, Hinterhaus.

84 cm breit, feinfädig, Spezial-Qualität, für feine Leib-
Renforcé
. . . . . . . . . . . . Mtr. 59pfg.
wäsche . .
160 cm breit, kräftige, egalfädige
Bettuch-Cretonne
. Mtr. 84pig=
Qualität . . .
150 cm breit, gediegene und bewährte 6
Bettuch-Halbleinen Sorte . . .
. Mtr. 75 Pfg.
160 cm breit, elegante voll-
Bettuch-Flachsleinen
Ntr. 1.55 Mk.
gebleichte Ware
80 cm breit, hervorragend preis-
Kissen-Halbleinen wert
Mtr. J2 Pfg.
84 cm breit, Ia. Qualität, Gelegenheits-
Bett-Damast
. . . . Mtre § 58 pfg.
kauf
130 cm breit, kräftige Ware in
Bett-Satin u. Damast
modernen Dessins . . . Mtr. O4 pfg.
130 cm breit, hochelegante mercerisierte
Bett-Brokat
.. . . . . . Mtr. I. 1.0Mk.
Qualität . . .
84 cm breit, Madapolam-Ware, in aparten
Bett-Kattune
Mtr. 48pfg.
, ,
Dessins
40 cm breit, grau gemustert, kräftige
Küchen-Handtuch
Mtr. 29 Pfge
Gebrauchsware
42 cm breit, schwere Ware
Gerstenkorn-Handtuch
Mr. 3Z pig.
mit rotem Rand
42 cm breit, rein Leinen, grau-rot,
Küchen-Handtuch
Mtr. 44 Pfg.
grau-weiß, weiß-rot

usw.

usW.

usw.

So lange der Vorrat reicht! Rein netto Kasse!

Ludwig Schwab

Inh. Robert Blum

(11628

Spezial-Geschäft für Betten, Wäsche,
Ausstattungen und Trikotagen

23 Ernst-Ludwigstr. 23.

zweifelten Bemühungen, ſie wieder einzufangen, vermehr=
ten
nur noch ſeine Ungeſchicklichkeit. Und auch mit Harriet
ging eine Veränderung vor. Um ihre Neigung nicht zu
verraten, hüllte ſie ſich wieder in den ſtolzen Mantel des
Hochmuts, der ihr übrigens ausgezeichnet ſtand.
So ſaßen die beiden nebeneinander und wußten nichts
mit ſich anzufangen. Das Geſpräch erlahmte bald, pein=
liche
Pauſen traten ein, und die böſe Langeweile lauerte
höhniſch im Hintergrunde. Kurt Egloff harrte vergeblich
auf ein kleines, winziges Zeichen des Entgegenkommens,
und Harriet blieb kühl und verſchloſſen, um ſich nichts zu
vergeben.
Zeitiger als ſonſt empfahl er ſich und vergaß ſogar
draußen im Veſtibül mit Guſchi zu ſchäkern, was er
früher niemals verſäumt hatte. Er ſah ſie gar nicht.
Guſchi war über dieſe Vernachläſſigung ſehr ärgerlich, denn
ſie mochte Herrn Egloff ſehr gern leiden, wenn er ihr
auch noch niemals etwas in die hohle Hand gedrückt hatte.
Gab er ihr ſchon kein Trinkgeld, dann konnte ſie doch we=
nigſtens
eine Schmeichelei über ihr gutes Ausſehen ver=
langen
. Aber dieſe Pflicht ſchien er plötzlich vergeſſen zu
haben. Mit geneigtem Kopf und in ſtark gedrückter Stim=
mung
, von ſeinem Ziele langſam abgedrängt zu werden,
verließ er das Haus, ohne Guſchi auch nur einen Blick
zuzuwerfen. Und das war gut ſo, denn Harriet lauſchte
jedesmal, wenn er von ihr ging, oben an der Treppen=
ſtufe
angeſtrengt und mit verhaltenem Atem, bis ſeine =
den
Schritte auf der Straße verhallt waren.
Guſchis geſunder weiblicher Inſtinkt ſpürte bald die
Urſache dieſer Veränderung heraus, und da ſie ein gutes,
viel zu gutes Herz beſaß, ſuchte ſie das beiderſeitige Ver=
ſtändnis
zu fördern.
Als ſie am nächſten Morgen ihrer jungen Herrin be
der Toilette half, fing ſie ganz unvermittelt an, Herrn
Egloff übers Bohnenlied zu loben. Harriet aber, die den

Namen deſſen, den ſie liebte, nicht aus dem Munde ihrer
Dienerin hören mochte, gebot ihr ſtrenge zu ſchweigen.
Von dieſem Augenblicke an begann Guſchis Ver=
ehrung
für ihre Herrin zu verblaßen. Nun fühlte ſie mit
Herrn Egloff noch mehr Mitleid und war feſt entſchloſſen,
ihm bei der erſten günſtigen Gelegenheit mitzuteilen, daß
alle ſeine Bemühungen, der Schwiegerſohn des Herrn Se=
nators
zu werden, vergeblich wären.
Aber ſie kam nicht mehr dazu. Kurt Egloff felbſt
wurde dieſer Zuſtand unerträglich. Seine Kaſſe war
erſchöpft wie ein trockener Wüſtenbrunnen. Dazu mel=
dete
ſich ſein beſter Freund und verlangte dringend das
geliehene Geld zurück, womöglich auf telegraphiſchem
Wege. Da ermannte ſich Kurt Egloff endlich und ging
vor die rechte Schmiede.
Nach ſorgfältigen Erkundigungen bei Arno über
die Anweſenheit ſeines Vaters, legte er ſchon am Sonn=
tag
vormittag die ſtrenge Geſellſchaftstoilette an und
trat in die weiße Villa. Guſchi, die ihn empfing, er=
kannte
ihn zuerſt nicht wieder. Er übergab ihr Hut
und Ueberrock und verlangte bei dem Hausherrn ange=
meldet
zu werden. Sie nickte verſtändnislächelnd und
führte ihn in den Salon. Ehe ſie ihn aber ganz allein
ließ, ſtreckte ſie noch einmal den Kopf durch die Tür=
ſpalte
.
Viel Glück! flüſterte ſie vertraulich und lachte ihn
mit allen ihren kleinen, blanken Zähnen an.

Da gingen ihm zum erſten Male die Augen auf.
Als Guſchi ſchon längſt verſchwunden war, ſah er noch
immer ihren reizenden, hellen Kopf mit den klaren,
ſprechenden Augen und den ſchweren, weißblonden
Haarflechten im dunklen Rahmen der Eichentür. Und
wie ein Blitz zuckte ihm der Gedanke durch das Hirn:
das wäre ein köſtliches Modell.

Der 2

in allen Preislagen, feinsteengl.
556,
Modelle, größte Auswahl
5 J. Donges & Wiest, Grafenstr. 26

Doch da trat durch dieſelbe Tür Diedrich Geſterling
herein und zerſtörte mit ſeinem kalten, geſchäftsmäßigen
Gruß die poetiſche Kunſtſtimmung, in der ſich der Maler
gerade befand. Er ſprang auf und nahm alle Kraft zu=
ſammen
. Die Proſa des Lebens forderte ihre Rechte.
Sie wünſchen? fragte Diedrich Geſterling und
muſterte, nichts Gutes ahnend, die ſtrenge, ungewöhn=
liche
Tracht des Gaſtes.
Ich bitte um die Hand Ihrer Tochter, preßte ſich
Kurt Egloff mühſam heraus.
Diedrich Geſterling verbarg die Entrüſtung über
dieſe Verwegenheit unter einem verbindlichen Lächeln.
Nehmen Sie gefälligſt Platz, ſagte er dann mit
einer höflichen Handbewegung.
Der Maler ſank aufatmend in den weichen Seſſel.
Der heikelſte Punkt war glücklich überwunden,
Haben Sie ſich eine Vorſtellung gemacht, fuhr Died=
rich
Geſterling langſam fort, wie dieſer Antrag auf
mich als Vater wirken könnte?
Offen geſtanden, nein! erwiderte Kurt Egloff, ver=
blüfft
über dieſe merkwürdige Frage.
Nun denn! lächelte Diedrich Geſterling überlegen
und kühl. Es wäre für Sie das Beſte, wenn Sie dies
jetzt nachholen wollten. Nennen Sie mir bitte Ihre
Vorzüge, die mich beſtimmen könnten, Ihren Antrag
nicht abzulehnen.
Ich bin Künſtler! rief der Maler und warf’ſich in
die Bruſt.
Ohne Vermögen, ſprach Harriets Vater mit leich=
tem
Spott.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

44 68.

Dienslag, 7. Zumt.

1910.

Bekanntmnachung.
In Gemäßheit der Artikel 39 und 92 des Geſetzes
vom 12. Juni 1874 wird das Protokoll über die Sitzung
des Provinzialtags vom 21. v. Mts. zur öffentlichen
Kenntnis gebracht.
(11603
Darmſtadt, am 2. Juni 1910.
Der Vorſitzende des Provinzialtags.
Fey.
Protokoll
über die ordentliche öffentliche Sitzung des Provin=
zialtags
der Provinz Starkenburg am 21. Mai 1910.
Gegenwärtig:
I. Der Vorſitzende: Großh. Provinzialdirektor Fey;
II. Großh. Kreisbauinſpektor Baltz von Erbach für
den beurlaubten Provinzialbaubeamten Baurat
Daudt;
III. Direktor Dr. Textor von der Provinzial= Pflege=
anſtalt
bei Eberſtadt;
IV. die Provinzialtags=Abgeordneten, nämlich die
Herren:
1. Landtagsabgeordneter Seelinger, Altbürger=
meiſter
Zerweck, Kammerdirektor Baur, aus
dem Kreis Bensheim;
2. Rentner Friedrich Nungeſſer, Bürgermeiſter
Müller, Ortsgerichtsvorſteher Müller, Beige=
ordneter
Egenolf, Bürgermeiſter Lang, Ober=
landesgerichtsrat
Dr Berchelmann, Geheime
Juſtizrat Schmeel, Juſtizrat Gallus, aus dem
Kreis Darmſtadt:
8. Rentner Wilhelm Grünewald, Mühlenbeſitzer
Wilhelm Bauer, Rentner Georg Dreſſel V.,
Hekonomierat Jalob Walter 2VI. Dekono=
mierat
Heil, Rentner Georg Bernhard Weber,
aus dem Kreis Dieburg;
4. Bierbrauereibeſitzer Breimer, Bürgermeiſter
Stegmüller, Poſtſekretär Olt, Bauunternehmer
Johann JakobRein, aus dem Kreis Erbach;
5. Bürgermeiſter Hardt, Bürgermeiſter Auß,
Oekonomierat Hammann, aus dem Kreis
Groß=Gerau;
6. Bürgermeiſter Höhn, aus dem Kreis Heppen=
heim
;
7. Bürgermeiſter Wenzel. Bürgermeiſter Pons,
Geh. Kommerzienrat Stroh, Bauunternehmer
Philipp Forſter, Fabrikant Feiſtmann, Bür=
germeiſter
Fecher, Bürgermeiſter Metzger, Bür=
germeiſter
Kaiſer, aus dem Kreis Offen=
bach
;
V. die nicht zum Provinzialtag gehörenden Mitglie=
der
des Provinzialausſchuſſes, nämlich die
Herren: Geheime Juſtizrat Dr. Lahr, Juſtizrat
Grünewald, Oberkonſiſtorialrat Dr. Bernbeck, Bei=
geordneter
Müller;
VI. die Kreisräte der Provinz, nämlich die Herren:
Dr. Kratz=Dieburg, Freiherr von Starck=Erbach,
von Hahn=Heppenheim, Lochmann=Offenbach:
VVII. der Protokollführer: Großh. Bureauvorſteher
Bernauer.

Die Einladungen zur heutigen Verſammlung des
Provinzialtages waren am 2. Mai ds. Js. an die Provin=
zialtags
=Abgeordneten, ſowie die Mitglieder des Provin=
zialausſchuſſes
und die Vertreter der Kreisverwaltungen
ergangen und außerdem hatte die vorſchriftsmäßige Ver=
öfſentlichung
in der Darmſtädter Zeitung, ſowie in den
Kreisblättern der Provinz, mit Angabe der Tagesord=
nung
, ſtattgefunden.
Ein Exemplar jener Einladung iſt dieſem Protokoll
beigelegt. (Anlage 1).
Da mehr als die Hälfte der Mitglieder des Provinzial=
tags
anweſend, ſo war er nach Art. 36 und 92 der Kreis=
und Provinzialordnung beſchlußfähig.
Von den ausgebliebenen Mitgliedern hatten ſich ent=
ſchuldigt
die Herren: Oberamtsrichter Dr. Fiſcher=Lorſch,
Fabrikant Kreutzer=Bensheim, Kommerzienrat Diefenbach=
Darmſtadt, Bürgermeiſter Dingeldein=Reichelsheim, Kom=
merzienrat
Opel=Rüſſelsheim, Holzhändler Horſt=Goddelau,
Oberamtsrichter Bierau=Fürth, Bürgermeiſter Lennert=
Fürth, Fabrikant Schmalt und Rentner Grünewald= Offen=
bach
.
Nach Eröffnung der Sitzung und Begrüßung der Ab=
geordneten
und der Vertreter der Kreisverwaltungen ſei=
tens
des Vorſitzenden ſtellte derſelbe die Beſchlußfähigkeit
der Verſammlung feſt und brachte die Mitglieder, Orts=
gerichtsvorſteher
Müller und Bürgermeiſter Höhn, als Ur=
kundsperſonen
in Vorſchlag. Dieſer Vorſchlag wurde von
der Verſammlung einſtimmig gutgeheißen.
Der Vorſitzende widmet hierauf dem verſtorbenen Vor=
ſitzenden
des Provinzialtags. Geheimerat Freiherrn von
Grancy, den verſtorbenen Mitgliedern des Provinzial=
ausſchuſſes
, Oberbürgermeiſter Morneweg und Kammer=
zienrat
Wecker=Offenbach, ſowie dem verſtorbenen Pro=
vinzialtagsmitglied
Karl Moller aus Offenbach einen
warmen Nachruf und erſuchte die Verſammlung ſich zum
Zeichen ehrenden Gedenkens von den Sitzen zu erheben,
was geſchah.
Der Vorſitzende führte ſodann aus: Es werde ihm
ein beſonderes Anliegen ſein, die gemeinſamen Intereſſen
der Provinz nicht nur hier in der Sitzung des Provinzial=
tags
, ſondern auch außerhalb desſelben zu vertreten. Daß
wichtige gemeinſame provinzielle Intereſſen vorhanden
ſeien, gemeinſame Intereſſen aller Kreiſe der Provinz, ge=
meinſame
Intereſſen von Stadt und Land, die begründet
ſeien in der geographiſchen Lage, der hiſtoriſchen Entwick=
lung
der Provinz, in der Geſtaltung von Handel, Verkehr
und Landwirtſchaft, ſei allgemein bekannt. Gerade die
Entwicklung unſeres modernen Wirtſchaftslebens, ins=
beſondere
auch auf dem Gebiete des Verkehrs, habe die
provinziellen Intereſſen mehr hervorgekehrt und gezeitigt.
Als eine hervoragende Aufgabe werde er es ſtets betrach=
ten
, dieſe zahlreichen, wichtigen Intereſſen nicht unver=
mittelt
nebeneinander hergehen zu laſſen, ſondern ſie zu=
ſammenzufaſſen
, und bei ihrer Wahrung Zerſplitterung zu
vermeiden.
Gerade bei Wahrung der provinziellen Intereſſen ſei
Einheitlichkeit aus volkswirtſchaftlichen Gründen beſonders
notwendig und auch durch den Wunſch nach Geſchäftsver=
einfachung
geboten.

Eine Ferſpiterung der Kräſſe und der Mitl miſſe
namentlich auch bei den Aufgaben, die der Provinz in
finanzieller Hinſicht beſonders übertragen ſeien, vermieden
werden. Die Provinz dürfe ſich dabei nicht in kleinen Auf=
gaben
verlieren, ſie müſſe ihre Mittel auf größere Ziele
konzentrieren, deren Erreichung im gemeinſamen Intereſſe
der Kreiſe, Städte und Landgemeinden der Provinz liege.
Hierdurch werde einesteils dem Ganzen gedient und an=
dernteils
Koſtenaufwand erſpart werden. Daß zur Jetzt=
zeit
die finanzielle Verwaltung der Provinz in ganz be=
ſonderem
Maße die Richtſchnur der Sparſamkeit einhalten
müſſe, ſei ſelbſtverſtändlich.
Bei den Aufgaben der Provinz komme in erſter Linie
in Betracht der Straßenbau und die Straßenunterhaltung,
die Fürſorge für Invalide und Sieche, die Fürſorge=
einrichtungen
für das Wanderunterſtützungsweſen an den
Arbeitsnachweis für Wanderer. Daß die Provinz daneben
auch mit anderen Aufgaben des öffentlichen Lebens in
reger Verbindung bleiben müſſe, daß ſie auch fernerhin ier
Förderung des Winterſchul= und Haushaltungsſchul=
weſens
, der geſchichtlichen Forſchung, dem allgemeinen Ar=
beitsnachweiſe
, der Fürſorge für Epileptiſche und Krüppel,
ſowie für verwahrloſte Kinder, der Verbeſſerung der
Säuglingspflege und namentlich auch der Förderung der
ländlichen Heimat= und Wohlfahrtspflege nicht fernſtehen
dürfe, unterliege wohl kaum einem Zweifel, zumal die
ſeitherige Unterſtützung ſolcher Zwecke dieſen ſelbſt von
Bedeutung und Vorteil geweſen, ohne daß die Provinz
dabei weſentlich belaſtet worden ſei.
Eine ſehr zweckmäßige Einrichtung des Staates ſei
nun, daß dieſer mit der Provinzialverwaltung die obere
Verwaltung einer Reihe von Staatsanſtalten und Ein=
richtungen
durch Uebertragung an die Provinzialdiretion
als Aufſichtsbehörde vereinigt habe. So ſeien die drei
Landesirrenanſtalten, die Idiotenanſtalt Aliceſtift die
ganze Landeswaiſenfürſorge, das Arbeitshaus in Die=
burg
, ſowie noch verſchiedene große Stiftungsverwaltun=
gen
der Provinzialdirektion unterſtellt. Mit der Provin=
zial
=Siechenanſtalt ſeien dies ſieben große Anſtalten und
Einrichtungen für Kranke, Gebrechliche Hilfsbedürftige,
Verlaſſene und Beſſerungsbedürftige. Es liege auf der
Hand, daß dieſe Konzentrierung bei einer Behörde für die
Gewinnung gemeinſchaftlicher Verwaltungsgrundſätze und
Erfahrungen ebenſo wichtig ſei, wie ſie auch ganz beſon=
ders
im Intereſſe der Geſchäftsvereinfachung liege.
Der Voranſchlag der Provinz für 1910 ſchließe in
Einnahme und Ausgabe mit 651 738 Mk. ab. Die Er=
höhung
der Provinzialumlagen, die 557607 Mk. betragen,
gegen das Vorjahr ſei ganz unweſentlich (119 Mk.). Die
Koſten des Neubaues und der Unterhaltung der Kreis=
ſtraßen
, ſoweit die Provinz dabei beteiligt ſei, belaufen
ſich auf 433513 Mk. gegen 441776 Mk. im Vorjahre.
Dieſem Ausgabepoſten ſtehe ein Staatszuſchuß von
30000 Mk. zu den Neubaukoſten in Einnahme gegenüber.
In dem vorbemerkten Betrage ſei der Zuſchuß des Staates
zu den Straßenunterhaltungskoſten mit 337000 Mk. nicht
enthalten, ebenſo nicht die Anteile der Kreiſe daran. Der
Geſamtunterhaltungsaufwand für die Straßen in der Pro=
vinz
belaufe ſich auf 964 782 Mk. Was den Straßenneubau
angehe, ſo müſſe in der Provinz, abgeſehen von den
Kreiſen Erbach und Heppenheim, in denen beſondere Ver=
hältniſſe
vorliegen, für die Folge ein langſameres Tempo
eingeſchlagen werden. Keinesfalls dürfe mit dem Bau
oder Umbau von Straßen begonnen werden, ohne daß
ſämtliche Mittel in dem Voranſchlage der Provinz gedeckt
ſeien. Ein anderes Verfahren führe zu einer fortwährenden
Steigerung der Straßenbaulaſten, worunter die finan=
ziellen
Verhältniſſe der Provinz notleiden können. Für
genehmigte Straßen ſeien zurzeit an Staatsbeiträgen
114 163 Mk. und an Provinzbeiträgen 66 282 Mk., zuſam=
men
180 449 Mk., rückſtändig. Dieſe Beträge müſſen erſt
in künſtigen Voranſchlägen gedeckt werden, bevor an wei=
tere
Neu= und Umbauten herangetreten werden dürfe, ab=
geſehen
natürlich von dringlichen Bauten, die nötig ſeien,
um Gefahren abzuwenden.
Dagegen müſſe für die Unterhaltung der Hauptver=
kehrsſtraßen
mehr geſchehen. Es ſei ein Irrtum, wenn
man annehme, die Kreisſtraßen hätten nur lokale Bedeu=
tung
. Die Entwicklung des Verkehrs im letzten Jahr=
zehnt
, insbeſondere auch die ſtarke Abnutzung der Haupt=
verkehrsſtraßen
, habe gezeigt, welche Bedeutung dieſelben,
trotz der Eiſenbahnen, haben. Die Unterhaltung derſelben
müſſe daher den Anforderungen des Verkehrs entſprechend
ſtattfinden. Schlechte und feuchte Stellen müſſen umgebaut
und im Intereſſe der Koſtenerſparnis mit Kleinpflaſter
verſehen werden. Dies habe ſich bewährt. Mit der Außen=
und Innenteerung der Straßen müßten zunächſt noch wei=
tere
Verſuche angeſtellt werden. Es ſolle dies ohne Stei=
gerung
der Umlagen durch eine ſachgemäße Verteilung der
Mittel geſchehen. Die Straßenunterhaltungskoſten in der
Provinz ſeien im letzten Jahrzehnt erheblich geſtiegen. In
1900 hätten dieſelben 203654 Mk. gegen 96t 722 Mk. in
1910 betragen. Sie ſeien ſeit 1900 geſtiegen im Kreiſe
Dieburg von 97 616 Mk. auf 154707 Mk., Erbach von
102053 Mk. auf 140 850 Mk., Groß=Gerau von 121 231 Mk.
auf 156 262 Mk., Heppenheim von 108 551 Mk. auf
122726 Mk., Offenbach von 118 780 Mk. auf 153 595 Mk.
Nur im Kreiſe Bensheim habe keine weſentliche Steigung
(von 133520 Mk. auf 135 000 Mk.) und in Darmſtadt eine
Minderung (von 121890 Mk. auf 101 642 Mk.) ſtattgefun=
den
. Im Laufe des Jahres ſolle nach einer mit den Vor=
ſitzenden
der Kreisausſchüſſe vor kurzem ſtattgehabten
Beſprechung nunmehr durch die Provinz ein neuer Stra=
ßenunterhaltungsplan
ausgearbeitet werden, der den oben
erwähnten Anſchauungen Rechnung tragen werde. Dieſer
ſoll dann für 1914 und die kommenden Jahre zugrunde
gelegt werden. Für das Naturalverpflegungsſtationsweſen
ſeien in den Voranſchlag 60 000 Mk. eingeſtellt. Dieſe
Summe habe im Laufe der Jahre eine beträchtliche Stei=
gung
erfahren, 1900 hätte ſie nur 30932 Mk. betragen.
Infolge dieſes Umſtandes und infolge Einführung des
preußiſchen Wanderarbeitsſtättengeſetzes in den benach=
barten
preußiſchen Landesteilen ſei es, um Nachteile von
der Provinz fernzuhalten, nötig, daß eine andere Einrich=
tung
getroffen werde, mit der ſich der Provinzialausſchuß
im Laufe der nächſten Zeit ſchon befaſſen wolle. Man hoffe
hierdurch Erſparniſſe in künftigen Jahren herbeizuführen.
Auch der Arbeitsnachweis für Wanderer ſolle neu ein=
gerichtet
werden, dies ſei aus volkswirtſchaftlichen und
ſozialen Geſichtspunkten, ſowie wegen Erlangung der vom
preußiſchen Eiſenbahnminiſter in Ausſicht geſtellten Fahr=
preisermäßigungen
auf 1 Pfg. pro Kilometer geboten.
Die Provinzial=Pflegeanſtalt habe für 1908 mit einem
Ueberſchuß von 13 963 Mk. abgeſchloſſen. Die verbeſſerte

Bewirichaſung der Grundfülcke und die Beſchäfigung
der Inſaſſen, ſoweit dieſelben noch zu leichter Arbeit im=
ſtande
ſeien laſſe auch für die Folge Ueberſchüſſe erhoffen.
Der Voranſchlag für 1910 ſchließe in Einnahme und Aus=
gabe
mit 166 821 Mk. ab. Der Zuſchuß der Provinz zum
Betriebe betrage 64828 Mk. gegen 78883 Mk. im Vorjahr.
Nicht einbegriffen hierbei ſei Verzinſung mit 27954 Mk.
und Tilgung mit 8719 Mk. des Anlagekapitals (820000
Mark). Vom Anlagekapital werden bis einſchließlich 1910
getilgt ſein 42510 Mk. Es werde das ernſtliche Beſtreben
der Provinzialverwaltung und der Anſtaltsdirektion ſein,
durch Erhöhung der Einnahmen den Zuſchuß nach und
nach herabzumindern, ohne daß dadurch ſelbſtverſtändlich
die Fürſorge der Pfleglinge geringer werden dürfe
Der Vorſitzende ſchloß ſeinen Vortrag mit dem
Wunſche, daß die Entwicklung der Provinz ſich auch ferner=
hin
in den Bahnen eines vernünftigen, durch die Leiſtungs=
fähigkeit
der Provinz bedingten Fortſchrittes bewegen
möchte. Es wurde ſodann in die Tagesordnung ein=
getreten
:
1. und 2. Begutachtung der Provinzialkaſſerechnung
und derjenigen der Kaſſe der Provinzial=Pflegeanſtalt
für 1908 Ri.
Der Vorſitzende bemerkte, daß das Provinzialaus=
ſchußmitglied
Dr. Bernbeck mit der Vorprüfung der Rech=
nungen
betraut geweſen ſei. Bemerkungen ſeien nicht
erhoben worden. (Anlage 2.)
Der Provinzialtag, dem die Rechenſchaftsberichte im
Druck zugegangen waren, beanſtandete weder die Rech=
nungen
noch die Rechenſchaftsberichte.
3. Feſtſtellung des Voranſchlags der Provinzialkaſſe
und derjenigen für die Provinzial=Pflegeanſtalt
für 1908 Ri.
Von dem Entwurf des Voranſchlags und ſeinen An=
lagen
iſt jedem Provinzialtagsabgeordneten ein gedrucktes
Exemplar, wie ſolches dieſem Protokoll beiliegt (Anlage 3),
zugeſtellt worden.
Unter Hinweis hierauf wurden von dem Vorſitzenden,
bezw. von dem Direktor Dr. Textor die vorgeſehenen
Beträge, ſoweit Abweichungen gegen das Vorjahr vor=
liegen
, rubrikenweiſe vorgetragen und dabei bemerkt, daß
die Zuſtimmung des Provinzialtags zu jedem einzelnen
Poſten des Entwurfs angenommen werde, wenn ſich nach
Verleſen derſelben niemand zum Wort melde.
Es fanden nur bei den nachbenannten Anſätzen An=
fragen
und Erörterungen ſtatt und es wurden die nach=
ſtehenden
beſonderen Beſchlüſſe gefaßt:
Zu Rubrik Nr. 28: Bau und Unterhaltung von
Kreisſtraßen. Zunächſt werden die von den Kreisverwal=
tungen
Heppenheim und Offenbach beantragten Aende=
rungen
, wie ſie in den Nachträgen zum Provinzialvoran=
ſchlag
des näheren dargelegt ſind, einſtimmig genehmigt.
Weiter wurde genehmigt die Erhöhung der Straßen=
wartlöhne
im Kreiſe Groß=Gerau rückwirkend vom 1. April
1908 an und die Uebernahme der hierzu erforderlichen
Mittel im Betrage von 1947 Mk. 88 Pfg. auf den Reſerve=
fonds
.
Kreisrat von Hahn=Heppenheim bemerkte:
Er gehe wohl nicht fehl, wenn er annehme, daß das Neu=
bauprojekt
Birkenau=Löhrbach als genehmigt anzuſehen ſei
und daß er auf die Einſtellung der Mittel in den nächſten
Provinzialvoranſchlag rechnen könne.
Der Vorſitzende ſagte die Einſtellung der Mittel
in den nächſten Voranſchlag zu.
Zu Rubrik 30: Zuſchuß in andere Kaſſen.
Abgeordneter Feiſtmann=Offenbach fragt an,
ob die unter Rubrik Nr. 30 Poſ. 6 des Voranſchlags ein=
geſtellte
Summe von 300 Mk. Beitrag zu den Koſten der
Arbeitsnachweisſtelle in Darmſtadt im Intereſſe der Pro=
binz
verwendet werde, oder ob ſie nur für den Kreis
Darmſtadt bewilligt ſei. Im letzteren Falle beantrage er,
die gleiche Summe auch für den Kreis Offenbach zu bewil=
ligen
. Fals dies zum diesjährigen Voranſchlag nicht
mehr möglich ſei, bitte er im nächſten Voranſchlag darauf
Rückſicht zu nehmen.
Der Vorſitzende erläutert, daß der Beitrag nicht
allein im Intereſſe von Stadt und Kreis verwendet werde,
ſondern der ganzen Provinz zugute komme, da die Vermit=
telungstätigkeit
des Arbeitsnachweiſes der Stadt Darm=
ſtadt
auch ſich nach außerhalb erſtrecke und der Arbeitsnach=
weis
von Auswärtigen benutzt werden könne. Es ſtehe
nichts im Wege, wenn ein weiterer Betrag dem Kreis
Offenbach zu dem fraglichen Zweck zur Verfügung geſtellt
werde. Damit der Provinzialausſchuß jedoch in der Lage
ſei, die Bewilligung weiterer Mittel für den beregten
Zweck prüfen zu können, bitte er den Antragſteller, den
Arbeitsnachweis in Offenbach zu veranlaſſen, einen ſchrift=
lichen
Antrag einzureichen. Mit Rückſicht auf das heutige
moderne Wirtſchaftsleben beſtehe ein großes Intereſſe=
daran
, daß der Arbeitsnachweis immer mehr ausgedehnt
werde. Um dies zu erreichen, ſei es durchaus nötig, daß
der Arbeitsnachweis nach einheitlichen Grundſätzen durch=
geführt
werde, wie dies u. a. auch der Mitteldeutſche
Arbeitsnachweisverband anſtrebe. Mit dieſer Materie
werde ſich der Provinzialausſchuß im Laufe dieſes Jahres
eingehend beſchäftigen. Von ganz beſonderer Wichtigkeit
ſei dabei, daß der Grundſatz einer geſunden Heimatpolitik‟
bei dem Arbeitsnachweis in der Weiſe überall Platz greife,
daß die einheimiſchen Stellen auch den einheimiſchen, ſeß=
haften
Arbeitern in erſter Linie vorbehalten bleiben und
nicht auswärtige Arbeiter auf ſolche Stellen von vorn=
herein
vermittelt würden, denn anſonſt werde der ein=
geſeſſene
Arbeiter geſchädigt und die Arbeiterſchaft zu ſehr
mobiliſiert.
Abgeordneter Feiſtmann zieht ſeinen Antrag
für diesmal zurück, bittet aber, bei Aufſtellung des nächſten
Voranſchlages auf dieſen Rückſicht zu nehmen.
3 u Rubrik33: Für die Provinzial=Pflegeanſtalt.
Abgeordneter Schmeel erklärte namens der
Darmſtädter Abgeordneten zum Voranſchlag der Provin=
zial
=Pflegeanſtalt, daß mit einem täglichen Pfleggeld von
40 Pfg. für Armenverbände die Selbſtkoſten der Anſtalt
nicht im entfernteſten gedeckt werden könnten, und daß eine
Erhöhung dieſes Pfleggeldſatzes unbedingt eintreten müſſe.
Bereits im vorigen Jahr ſei von dem Abgeordneten
Egenolf Antrag auf Erhöhung des Pfleggeldes geſtellt
worden, der aber kein günſtiges Schickſal erfahren habe.
In dem vorliegenden Vorauſchlag ſei wieder der alte
Pfleggeldſatz von 40 Pfg. eingeſtellt. Die Gründe, welche
die Stadt veranlaſſen, mit der Pfleggelderhöhung fort=
geſetzt
hervorzutreten, ſeien dieſelben wie im vorigen
Jahre. Sie ſei in ihrer Stellungnahme noch beſtärkt wor=

[ ][  ][ ]

Nummer 63

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

Dienstag, den 7. Inni. 1910.

den durch eine Verſigung des Miniſteriuns des Zmerm
vom Februar 1910, in der den Provinzialverwaltungen
zur Vermeidung von Steuererhöhungen empfohlen worden
ſei, zu ſuchen, die Einnahmen der ihnen unterſtellten An=
ſtalten
zu ſteigern, wobei namentlich auch an eine Erhöh=
ung
der Pfleggeldſätze zu denken ſei. Er könne deshalb
den vorigen Antrag heute wieder erneuern, halte es aber
für richtiger, mit demſelben zurückzuhalten, obwohl er
dringlich ſei, bis eine gründliche ſachverſtändige Vorberei=
tung
ſtattgefunden habe, weil zu befürchten ſei, daß ein
unvorbereiteter Antrag bei dem Plenum dasſelbe ungün=
ſtige
Schickſal erfahren werde, wie derjenige im vorigen
Provinzialtag. Zum nächſten Provinzialtag dagegen
werde man mit einem eingehend ſachlich geprüften und
begründeten Antrag kommen, der zunächſt der Provinzial=
direktion
zur Prüfung unterbreitet werden ſolle. Er habe
zu der Provinzialverwaltung das Vertrauen, daß der neue
Antrag eine zuverläſſige und gerechte Würdigung erfahren
werde. Der Antrag ſei hiernach keineswegs als vergraben,
ſondern nur als vertagt zu betrachten.
Abgeordneter Bauer bemerkte, daß der verſtor=
bene
Provinzialdirektor Geheimerat Freiherr von Grancy
ſich ein bleibendes Andenken dadurch bewahrt habe, daß er
ſich im vorigen Provinzialtag dem Antrag des Abgeord=
neten
Egenolf gegenüber entſchieden ablehnend verhalten
habe, da er von keiner weſentlichen Einwirkung auf die
Umlagen ſei. Deshalb beantrage er, es ſo zu laſſen, wie
es ſeither geweſen ſei.
Abgeordneter Stegmüller ſchließt ſich dieſer
Ausführung an. Infolge davon, daß neben dem Pfleg=
geld
von 40 Pfg. täglich auch noch ein Kleiderunterhal=
tungsgeld
von 20 Mk. von den Armenverbänden erhoben
werde, und in der Erwägung, daß durch die Einziehung
der Invaliden= und Altersrenten zugunſten der Anſtalts=
kaſſe
die Pfleggeldſätze eine nicht unweſentliche Erhöhung
erfahren haben, bitte er dringend, von einer Erhöhung ab=
zuſehen
. Zu beachten ſei ferner, daß dieſe Rentenbeträge
ſich von Jahr zu Jahr ſteigerten und daß ſicherlich eine
Abwanderung der arbeitsfähigen Inſaſſen eintreten werde,
wenn eine Erhöhung des Pfleggeldes auf 80 Pfg. oder
ſogar auf 1 Mk. täglich eintrete.
Abgeordneter Schmeel: Er habe keinen An=
trag
geſtellt, deshalb brauche er auch nicht auf das Mate=
rielle
einzugehen. Die Wohltätigkeitsanſtalt werde durch
die Pfleggelderhöhung an ſich in keiner Weiſe beeinträch=
tigt
werden, es komme nur darauf an, wer bezahle. Es
beſtehe nicht die Abſicht, auf der Erhöhung in dem Maße,
wie früher beantragt, beſtehen zu bleiben, es ſei vielmehr
an eine weſentliche Reduzierung gedacht, ſo daß Hoff=
nung
beſtehe, daß demnächſt der Antrag auf guten Boden
fallen werde.
Der Vorſitzende bemerkte, daß der Provinzial=
ausſchuß
ſich wiederholt mit der Angelegenheit befaßt
habe, er ſei aber zu der Anſicht gekommen, daß es nicht
geeignet ſei, in dieſem Jahre mit einer Erhöhung wieder
heranzutreten, mit Rückſicht auf das Ergebnis der Abſtim=
mung
im vorigen Jahre. Bei der Feſtſetzung des Pfleg=
geldes
komme weſentlich die Leiſtungsfähigkeit der länd=
lichen
Gemeinden in Betracht. Deshalb und weil auch für
arbeitsfähige Pfleglinge ein geringeres Pfleggeld bei=
behalten
werden müſſe, ſei es ſchwer, eine Regelung zu
finden, die allen Intereſſen gerecht werde. Die Angelegen=
heit
werde aber im Provinzialausſchuß nochmals genau
geprüft werden.
Kreisrat Lochmann=Offenbach macht auf
die Seiten 8 und 15 des Verwaltungsberichts der Pflege=
anſtalt
aufmerkſam. Er glaube der allgemeinen Zuſtim=
mung
der Verſammlung ſicher zu ſein, wenn er dem An=
ſtaltsleiter
empfehle, alles Unnötige aus dem Rechen=
ſchaftsbericht
, insbeſondere alle mediziniſchen Ausdrücke
wegzulaſſen, die niemand verſtehe. Dadurch würden un=
nötige
Druckkoſten geſpart werden. Intereſſe habe für den
Provinzialtag nur die Krankenbewegung in der Anſtalt
und die Geſtaltung des Rechnungsweſens.
Direktor Dr. Tertor entgegnet, daß der Jah=
resbericht
der Provinzial=Pflegeanſtalt ausführlich gehal=
ten
und beſonders der ärztliche Teil ausgearbeitet ſein
müſſe, weil nur auf dieſem Wege allen Abgeordneten zum
Provinzialtag ein anſchauliches Bild von der Art der in
der Pflegeanſtalt untergebrachten Pfleglinge und damit ein
Urteil über deren Bedürfniſſe und über die Notwendigkeit
der für ſie beantragten Aufwendungen, z. B in dieſem

Jahre die Erhöhung der Perſonallöhne, gegeben werden
könne. Dann ſeien dieſe Berichte nicht nur für den Pro=
vinzialtag
geſchrieben, ſondern ſie würden mit anderen
Siechenanſtalten ausgetauſcht, die ein Intereſſe an der
Kenntnis des Zuſtandes der hier verpflegten Perſonen
haben und die nur dadurch eine Anſchauung von den
Leiſtungen und der Eigenart der Anſtalt bekommen können.
Schließlich aber ſollen die Jahresberichte ein Material ſein
zur richtigen Bewertung der hieſigen Pflegeanſtalt gegen=
über
anderen Siechenanſtalten, die zurzeit noch teilweiſe
auf einer Stufe ſtehen, wie die Irrenanſtalten vor 40 bis
50 Jahren, und die noch eine Entwickelung zum Beſſeren
vor ſich haben. Er bitte deshalb, es bei dem ſeitherigen
Verfahren zu belaſſen, weil ſonſt der Verwaltungsbericht
ſeinen Zweck nicht erfülle.
Abgeordneter Schmeel iſt prinzipiell mit der
Anſicht des Kreisrats Lochmann einverſtanden. Die Aus=
führungen
des Direktors Dr. Textor drängten ihm indeſſen
die Meinung auf, daß das Material auch den anderen
Anſtalten zugänglich gemacht werden ſolle. Dies verur=
ſache
eine ſtärkere Auflage von etwa 3040 Exemplaren,
ſo daß der Mehraufwand an Druckkoſten kein erheblicher
ſein werde. Man ſolle dem Antrag Lochmann zunächſt
keine Folge geben.
Abgeordneter Gallus iſt namens der Darm=
ſtädter
Abgeordneten mit dem Voranſchlagsentwurf ein=
verſtanden
unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß im
nächſten Provinzialtag über die beantragte Erhöhung des
Pfleggeldes verhandelt und beſchloſſen werde.
Der Vorſitzende erwidert, daß eine bedingungs=
weiſe
Zuſtimmung zum Voranſchlage nicht angängig ſei,
daß aber durch die heutige Zuſtimmung zum Voranſchlage
keine bindende Stellung für den folgenden Voranſchlag
bewirkt werde. Ferner führte der Vorſitzende noch aus,
die Bewilligung der Prämien und Gehaltsaufbeſſerungen
an das Warteperſonal, die im Voranſchlag für die Provin=
zial
=Pflegeanſtalt vorgeſehen ſei, habe nur die Bedeutung
einer Ermächtigung für den Provinzialausſchuß, daß er in
geeigneten Fällen auf Antrag der Anſtaltsdirektion die
Bezüge bewillige. Auf keinen Fall begründe der heutige
Beſchluß des Provinzialtags für die Provinzialverwal=
tung
die Verpflichtung, die bewilligten Beträge ohne wei=
teres
zu überweiſen. Dieſen Sinn habe der Voranſchlag
nicht. Es ſolle über die Gehalts= und Prämienbezüge des
Wärterperſonals ein Regulativ erlaſſen werden
Damit erklärte ſich die Verſammlung einverſtanden.
Hiernach wurde der Voranſchlag im ganzen angenom=
men
und die Einnahme und die Ausgabe
. 651 738,27 Mk.
a) bei der Provinz auf
b) bei der Provinzial=Pflegeanſtalt auf 166 821,50
feſtgeſetzt.
4. Die Umpflaſterung der Ortsdurchfahrt zu Radheim;
hier Antrag der Gemeinde Radheim auf Bewilligung
eines Beitrages zu den Koſten derſelben aus
Provinzmitteln.
Kreisrat Dr. Kratz bittet, dem Antrag der Ge=
meinde
ſtattzugeben und von dem ſeitherigen Grundſatz
einmal ausnahmsweiſe abzugehen. Es handle ſich um
eine kleine, arme Gemeinde. Sie erhebe einen Zuſchlag
zur Staatsſteuer von 163 Prozent bei einem Ausſchlag von
6000 Mk. Die Umpflaſterung der Ortsdurchfahrt verur=
ſache
einen Koſtenaufwand von 1400 Mk. oder beinahe ein
Viertel der geſamten Umlagen. Dem Hinweis darauf, daß
die Ausführung der Anlage vor der Einholung der Erklä=
rung
der Provinzialverwaltung erfolgt ſei, ſei entgegenzu=
halten
, daß dieſe Maßnahme durch die Verhältniſſe bedingt
geweſen ſei. Die Gemeinde habe geglaubt, mit geringen
Koſten auszukommen, und ſie habe deshalb nicht daran
gedacht, andere Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Dieſe Hoff=
nung
habe ſich nicht erfüllt, weil der Untergrund ſchlecht
geweſen ſei und deshalb die Sache hätte anders gemacht
werden müſſen, als beabſichtigt geweſen ſei. Der Kreis=
ausſchuß
habe den Antrag der Gemeinde für begründet
erachtet und er ſei überzeugt, daß demnächſt der Kreistag
ebenfalls unbedenklich dem Antrag zuſtimmen und den
Anteil von 350 Mk. bewilligen werde. Mit Rückſicht auf
den geringen Betrag von 350 Mk. und im Hinblick darauf,
daß nach ſeiner Anſicht grundſätzliche Bedenken der Bewil=
ligung
dieſer, Summe nicht entgegenſtehen werden, bitte er,

dem Antrag ſtattzugeben. Die Aufbringung des verblei=
benden
Betrags von 700 Mk. werde der Gemeinde Rad=
heim
immerhin noch ſchwer genug fallen.
Der Vorſitzende bemerkte, daß nur die Provinz
im allgemeinen geſetzlich berechtigt ſei, Unterſtützungen an
bedürftige Kreiſe zu bewilligen, nicht aber an einzelne
bedürftige Gemeinden. Wenn das Geſuch daher lediglich
mit der Bedürftigkeit der Gemeinde begründet werde, ſo
ſtänden demſelben geſetzliche Bedenken gegenüber.
Kreisrat Dr. Kratz verlieſt hierauf die Beſtim=
mung
in Art. 19 des Kunſtſtraßengeſetzes und iſt der An=
ſicht
, daß auf Grund dieſer Beſtimmung es ſehr wohl mög=
lich
ſei, den Beitrag zu bewilligen. Selbſtverſtändlich müſſe
dieſe Bewilligung auf Konto der Straßenunterhaltung
geſchehen.
Der Vorſitzende bemerkte, daß es aber gleich=
wohl
ſeitens der Provinzialverwaltung überlegt werden
müſſe, was eine derartige Bewilligung für Konſequenzen
haben könne. Die Hilfsbedürftigkeit der Gemeinde allein
könne, wie bereits erwähnt, einen derartigen Zuſchuß
geſetzlich nicht begründen, es müßten vielmehr auch noch
andere Geſichtspunkte, was den Verkehr und die Benutzung
der Straße anlange, in Betracht gezogen werden.
Abgeordneter Nuß bemerkte, daß der Provin=
zialausſchuß
die Vorlage eingehend geprüft und behandelt
habe. Dieſer ſei zu der Anſicht gekommen, daß dem An=
trag
der Konſequenzen halber keine Folge zu geben ſei.
Sicherlich würden auch noch andere Gemeinden mit gleichen
Anträgen kommen. Der Kreistag habe die Verpflichtung,
ſeinen hilfsbedürftigen Gemeinden zu helfen. Er bitte um
Ablehnung des Antrags.
Kreisrat Lochmann macht darauf aufmerkſam,
daß im Kreiſe Offenbach die gleichen Anträge der Gemein=
den
Hauſen und Sprendlingen abgelehnt worden ſeien. Er
werde jene Anträge ſofort erneuern, falls die Gemeinde
Radheim, welcher er die Beihilfe an ſich gönne, den bean=
tragten
Zuſchuß erhalte.
Kreisrat Dr. Kratz bittet nochmals, von der
Möglichkeit, die das Geſetz gewähre, im Intereſſe der
kleinen armen Gemeinde Gebrauch zu machen.
Abgeordneter Walter iſt der Anſicht, daß dem
Antrag unbedenklich zugeſtimmt werden könne, weil die
Konſequenz durch frühere Bewilligungen bereits durch=
löchert
ſei.
Der Vorſitzende entgegnet, daß bis jetzt ur
dann Zuſchüſſe aus Provinzialmitteln bewilligt worden
ſeien, wenn es ſich um Umwandlung chauſſierter Orts=
durchfahrten
in gepflaſterte gehandelt habe, weil dadurch
Erſparniſſe bei den Unterhaltungskoſten für die Provinz
eintreten würden. Dagegen ſeien keine Zuſchüſſe bewilligt
worden in den Fällen, in denen es ſich um Erneuerung
von vorhandenem Ortspflaſter gehandelt habe. Auf An=
regung
des Vorſitzenden macht
Kreisrat Dr. Kratz hierauf den Vorſchlag, daß
der Beſchluß ausgeſetzt werde.
Damit erklärte ſich die Verſammlung einverſtanden.
5. Wahl eines Mitgliedes des Provinzialausſchuſſes
an Stelle des verſtorbenen Kommerzienrat Wecker
von Offenbach, für den Reſt deſſen Dienſtzeit bis
Ende 1912; desgleichen eines Erſatzmitglieds,
an Stelle des verſtorbenen Oberbürgermeiſters
Morneweg, für den Reſt deſſen Dienſtzeit bis
Ende 1912.
Auf gemachten Vorſchlag wurden gewählt:
Für Kommerzienrat Wecker Rentner Chriſtian
Schmidt von Offenbach; für Oberbürgermeiſter
Morneweg Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing von
Darmſtadt.
Hiermit war die Tagesordnung erledigt. Da weitere
Anträge nicht geſtellt wurden, ſchloß der Vorſitzende die
Verſammlung.
Die Urkundsperſonen:
Der Vorſitzende:
Höhn.
Fey.
Müller.
Der Protokollführer:
Bernauer.

Bekanntmachung,
betreffend die Behandlung der noch im Umlauf befindlichen Eintalerſtücke
deutſchen Gepräges.
Vom 28. April 1910.
Auf Grund des § 14 Abſ. 1 Nr. 1, 2 Abſ. 2 des Münzgeſetzes vom 1. Juni 1909
(Reichs=Geſetzbl. S. 507) hat der Bundesrat im Verfolg der am 27. Juni 1907 be=
ſchloſſenen
Außerkursſetzung der Eintalerſtücke deutſchen Gepräges (vgl. die Bekannt=
machung
vom gleichen Tage, Reichs=Geſetzbl. S. 401) die nachfolgende Beſtimmung
getroffen:
Die bei den Reichs= und Landeskaſſen noch eingehenden Eintalerſtücke deutſchen
Gepräges ſind durch Zerſchlagen oder Einſchneiden für den Umlauf unbrauchbar zu
machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben.
Ferner hat der Bundesrat ſich damit einverſtanden erklärt, daß die Kaſſen der
Reichsbank mit dieſen Talern in gleicher Weiſe verfahren.
Berlin, den 28. April 1910.
(11604
Der Reichskanzler.
In Vertretung: Wermuth.
Bekanntmachung.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Geleisverlegung an der Dampf=
ſtraßenbahn
nach Griesheim durch die Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft auf der neuen
Brücke und den anſchließenden Rampen (Kreisſtraße Darmſtadt-Griesheim) fertig
geſtellt iſt.
Termin zur landespolizeilichen Abnahme der Bahnanlage iſt beſtimmt auf
Donnerstag, den 9. Juni 1910, vormittags 9¼1 Uhr,
am Anfang der öſtlichen Brückenrampe.
Einwendungen gegen die planmäßige Ausführung des Projekts ſind in dem
landespolizeilichen Prüfungstermin vorzubringen.
Darmſtadt, den 28. Mai 1910.
(11403si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde, 1 Foxterrier. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Donners

Heugrasverſteigerung.
tag, den 9. Ifd. Mts., vormittags 8 Uhr beginnend,

wird das Heugras von der früher Kaus’ſchen Wieſe an der Beckſtraße, von der Alten
und der Neuen Nachtweide und den Loſen 6876 der Viehweide ꝛc., ſodann
Freitag, den 10. Ifd. Mts., vormittags 8 Uhr beginnend,
tarnitzung. von dem ſtädtiſchen Gelände hinter dem Böllenfalltor, das Heugras

Bekanntmachung.
Wir bringen die für die Gemeinde Pfungſtadt erlaſſene Ackerordnung zur öffent=
lichen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Betreffend: Acker=Ordnung für die Gemeinde Pfungſtadt.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzes vom 13. Juli 1904 und der
Art. 48 V, Ziffer? ſowie 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird nach Vernehmung
der Ortspolizeibehörde und der Gemeindevertretung Pfungſtadt mit Zuſtimmung des
Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern zu Nr.
M. d. J. III 4755 vom 3. Mai 1910 für die Gemeinde Pfungſtadt die folgende An=
ordnung
erlaſſen.
§ 1. Beim Auseinanderpflügen iſt das Ausheben (Beiſchlagen) einer Grenzfurche
nur geſtattet, wenn das Grundſtück mit Halmfrucht oder Hackfrucht bebaut wird. Das
Ausheben einer Grenzfurche iſt unterſagt beim Auseinanderpflügen von Grundſtücken,
die brach liegen oder mit Stoppelrüben, Wicken, Frühklee uſw. beſtellt werden.
§ 2. Das Auseinanderpflügen hat ſich bis an den äußerſten Rand des Grund=
ſtücks
zu erſtrecken. Eine Grenzfurche darf, ſoweit nicht in § 1 ein anderes beſtimmt
iſt, hierbei nicht entſtehen. Eine vorhandene Grenzfurche iſt beim Auseinanderpflügen
von jedem der benachbarten Grundſtücke aus zur Hälfte zuzuwerfen.
§ 3. Ein Grundſtück darf nicht mehr als zweimal aufeinander folgend zuſammen=
gepflügt
werden.
§ 4. Das Zuſammenpflügen von Stoppeläckern, mit Ausnahme von Kleeſtoppel=
äckern
, iſt unterſagt.
§ 5. Zuwiderhandlungen gegen die §§ 14 dieſer Verordnung werden mit einer
Geldſtrafe von zwei Mark beſtraft.
§ 6. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung im Amts=
verkündigungsblatt
in Kraft. Die Acker=Ordnung vom 17. Juni 1885 wird aufgehoben.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
von den Loſen 112 der Viehweide, den Breit=, Speck= und Blümwieſen, ſowie von
den Wieſen öſtlich des Odenwaldbahndammes an Ort und Stelle öffentlich meiſt=
bietend
verſteigert.
Zuſammenkunft: Donnerstag am Woogsdamm, alsdann hinter dem Schieß=
haus
. Freitag am Böllenfalltor, ſodann an der Kreuzung
des Kirchen= und Böllenfalltorwegs.
(11597imd
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jäger.
Aufpolieren von Möbeln
Eisſchrank billig zu verkaufen (*14002im
Spezialität: uſw., ſowie alle vorkom=
Schützenſtraße 5.
menden Schreinerarbeiten.
(237a
Sportwagen u. Kinderwagen zu ver=

Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.

kaufen Arheilgerſtr. 75, part. (*13999

[ ][  ][ ]

Seite 13.

Wegen Rückkauf meines Geschäfts an Herrn Heinrich Bober, Frankfurt a. M.

usverkac
Sroßerboldr
zu staunend billigen Preisen.

S e ee ee te ee e een een

Nur kurze

Zeit!

A e eeg ee g teg tsg se

M teg ee en eg t eg en ee eteen

Nur kurze

2ere!

esen
Susen
1n seneen

Um schnell mit dem vorhandenen Warenlager zu räumen, verkaufe mit
Rabatt!


Versäumen Sie nicht die günstige Gelegenheit, sich mit guten soliden
Schuhwaren zu wirklich Senorm billigen Preisen 2 zu versehen!
Nur kurze Zeit!
Beachten Sie mein Schaufenster!

Reinhardt König
einrich Bobe
. : : in Firma

Ludwigstrasse 3.

(11644)

Ludwigstrasse 3.

Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Die diesjährige öffentliche Impfung wird für die hieſige Stadt, Mittwoch,
den 4. Mai I. Js., nachmittags 5 Uhr, und die folgenden Mittwoche, ſo lange das
Bedürfnis dauert, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße abgehalten werden.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben vorgenom=
menen
Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht be=
nutzen
will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50 Impf=
ungen
vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau noch=
mals
gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die natür=
lichen
Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. April 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt.
(9475a

Städtiſches Halenſchwimmbad.
Mit Genehmigung Großherzoglicher Bür=
germeiſterei
ſollen verſuchsweiſe für die
Sommermonate folgende Aenderungen in
der Badezeit eintreten:
1. an Wochentagen bleiben die Schwimm=
hallen
in der Mittagszeit von 1 bis
3 Uhr geöffnet:
2. desgl. Mittwochs bis 9 Uhr abends;
3. Samstags bleiben die Wannen= und
Brauſebäder in der Mittagszeit von
1 bis 3 Uhr geöfnet.
(11583oi
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Die Betriebsleitung.
Klein.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 16. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Mathias Hees Eheleuten
dahier zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
XIV 79/10 219 Hofreite Schulſtraße
(Beſſungerſtr. 115).
XIV
(*/10 289 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, den 6. Mai 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
(L10046,69
Frantz.
Ein Kinderwagen zu verkaufen (*14006
Liebigſtraße 44, part.

Pferde=Verkauf.
Donnerstag, den 9. ds. Mts.,
vormittags 11 Uhr,
werden auf dem Hofe der Kaſerne Eſcholl=
brückerſtraße
24 zwei überzählige Dienſt=
pferde
öffentlich meiſtbietend gegen Bar=
(1605
zahlung verſteigert.
Train=Bataillon Nr. 18.

Bekanntmachung.
In unſerem Handelsregiſter A wurde
die Firma Ferdinand Kaminsky in Pfung=
ſtadt
gelöſcht.
(11629
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Stottern

heilt Prof. Rud.
Denhardts
Sprachheil-
austat
Eisenach. Proß. über das
mehrfach ſtaatl. ausgez. Heilverfahren durch
Dr. med. Th. Hoepfner, leit. Arzt. (*14007ii

Oe

g hantnbrinngende
eas

58660)) J. Bett S. Co.

Fraukefurt u. M. 105

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 8. Inni 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle (Obergaſſe) zwangsweiſe
gegen Barzahlung:
ca. 6 Mille Zigarren, Hausmobilien durch alle Rubriken, Papier= und
Schnittwaren, Bett= und Tiſchzeuge, 1 Pferd, 3 Oelgefäße, 1 Tafelwage u. a. m.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
(11646
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher.
Friedrichſtraße 24, I.

Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 7. Juni 1910, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Zur Roſenhöhe, Rundeturmſtraße 16, zwangsweife gegen
Barzahlung:
1 Fahrrad, 2 Klaviere, 3 Sofas, 3 Chaiſelongues, 3 Seſſel, 3 große Spiegel,
1 Spiegelſchrank, 3 Kleiderſchränke, 4 Betten, 1 Vertiko 1 Büfett, 3 Stück
Leinen, 2 Stück Bettuchleinen, 1 Blechſchere, 2 Warenſchränke und verſchiedene
andere Gegenſtände.
(11634
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Rollenhagen, Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.

Verſteigerungs-Anzeige.
Freitag, den 10. und Samstag, den 11. Juni, vormittags
9 und nachmittags 3 Uhr anfangend,
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag im Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle‟,

a große zweitürige Kleiderſchränke, 1 großen Schrank leichen Holz, alb 1 Schrank
mit Aufſatz, 1 Weißzeugſchrank, 1 Küchenſchrank, 1 kleines Schränkchen, 1 Eis=
ſchrank
(zweitürig), 45 verſchiedene Stühle, 9 verſchiedene Tiſche 1 Büchergeſtell,
2 komplette Betten, Bettſtellen und verſchiedenes Bettwerk, 2 Waſchkommoden,
2 Nachttiſche, 3 Kommoden, 2 Sofas, 4 Seſſel und anderen Hausrat. Ferner
für Wirtſchaftsbetrieb: 1 Schwenktiſch, verſchiedene Küchentiſche mit Schub=
laden
und Schränkchen, 1 großer Küchenſchrank, 1 Anrichte, 1 Wage mit Ge=
wichten
, 1 Meſſerputzmaſchine, eine große Partie Geſchirr, Porzellan und
ſonſtige zum Geſchäftsbetrieb geeignete Gegenſtände, 2 kupferne Bleche, eine
große Partie Wein= und Biergläſer, Agraffen, Humpen uſw., 1 faſt neue
Zinkbadewanne, 1 Sitzbadewanne, 1 Bettflaſche, eine Partie
Zigarren und 1 Geſtell für Zigarren, 2 Glaskaſten für Zigaretten, ein großer
Poſten Weißzeug und Kleider, Bett=, Tiſch= u. Leibwäſche, u. a. m.
Die Verſteigerung findet meiſtbietend gegen bare Zahlung ſtatt. (11633id
Darmſtadt, den 7. Juni 1910.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator.
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

3

Oleander zu verkaufen
2300)
Kiesſtraße 45.

Tapezieren (Rolle 30 Pfg.)
Aufarbeiten v. Polſtermöbeln
Weiß. Druckwapter=
Heinrich Schmidt, Tapezierwerkſtatt,
(Rollen=Reſte)
6 Mathildenplatz 6.
195)
abzugeben
in der Exped. des Tagblatts
Khers
en

gut und billig
(*139630;
zu verkaufen (*14015
Mauerſtraße 15.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Inni 1910.

L1DS2-AertErrFTer

Weisse Batistblusen
mit reichen Spitzendurchsätzen 75 Pfg.

Weisse Seidenbatistblusen 700
* Mk.
mit hübschen Passen . . .

Weisse Stickereiblusen
halsfrei u. hochgeschl. in reiz. Ausmust. Mk.

Weiße
Röcke

in Posete
Ein
Posten weiße Batist- u. Stickerei-Blusen bedeutend ermäßigt

Weiße
1 aletots

Weise Satin-Röcke
5- Bahnenrock mit Fächer-
. SMk.
garnitur
Weisse Leinen-Röcke
Sattelfasson mit reicher Fal- 75
. OMk.
tenlage
Weisse Woll-Röcke
Falten- sowie Sattelfasson
von Mk. 4.1. 2a
Eleg. Leinen-Röcke
imit, Bastseide mit reicher
Kurbelarbeit . . . . . 20 Mk.

Jackenkleider

Prinzess-Kleider

Jacken-Kleider
aus weiss u. ecrufarbig. Satin, *750
kurze Jackenfasson . . . . 7 Mk.
Weisse
Leinen-Jackenkleider
00
Chice moderne Fassons . 1.5 Mk.
Jackenkleider
aus seiden Popelin-Leinen 9200
mit reicher Kurbelarbeit . 25 Mk.

Weiseleinen Paletots
halblange Fassons, ganz mod. 000
7 Mk.
Ausführung

Weisse Leinen-Paletots

mit Durchsätzen und vor-
nehmer
Kurbelstickerei . 1.5 Mk.

Weisse Paletots
aus Seiden-Leinen imit. Bast- 1 000
seide, ganz gekurbelt . . .% Mk.
WeisseCheviot-Paletots
mit farbigen Aufschlägen 00
von OMk. an

Prinzess-Kleider

Batist m. reich. 1900
. 12 Mk.
Weisse Prinzess-Kleider Stickerei:
00
mit reichen
Weisse Stickerei-Kleider Durchsätzen 15Mk.

m. reich. Stickerei, 2900
El
leg. Seidenbatist-Kleider ganzmod.Machart. 22 Mk.
in sehr elegant. 2200
Farbige Stickerei-Kleider Ausführung . 55 Mk.

Kinder-Kleidker

Patiet und Stielerei

vom einfachsten bis zum eleg. Genre

in allen Grösen u. Preislagen

EBR.
KerriserlbbFarte 2

Mitglied des
Rabatt- Spar-
z
: Vereins 3

(11643

Junges Fräulein
perfekt in Stenographie u. Schreibmaſchine
ſowie mit ſämtlichen Kontorarbeiten ver=
traut
, ſucht dauernde Poſition. Fabrik
oder ſonſtiges beſſeres Bureau bevorzugt.
Offerten unter § 82 an die Exp. (*13993

(107) Ein Mädchen ſucht Laufd. von
10 Uhr an oder mittags Waldſtr. 22, Manſ.

*13937oim) Beſſ. Beamtentocht., welche
ber. 2. J. bei Kind. w., ſ. auf 1. Juli Stelle zu
Kindern. Off. unt. § 65 an die Exp. ds. Bl.

*13931o) Junge Frau g. halbe Tage waſch.
u. putzen Sandbergſtraße 29, Seitenbau.

*13918o) Einf. Fräul. (Waiſe) ſucht ſof.
Stelle zu ält. Ehep., alleinſt. Dame od. dgl.
Sehe w. auf hoh. Geh. als auf g. Behandlg.
Gefl. Off. unt. § 63 an die Exp. ds. Bl.

*14000) Junge ſaub., unabhängige Frau
mit guten Zeugn. ſucht Laufdienſt, nimmt
auch Aushilfe an Arheilgerſtraße 75, p.

*14008
Reinliche Lauffrau
ſucht Stelle. Zu erfragen Marthahaus.

*13971) Frau ſucht nachmittags Beſchäf=
tigung
, geht auch waſchen und putzen
Nieder=Ramſtädterſtraße 9, Hinterh. part.
*13979) Frau ſucht morg 2 St. Laufdienſt
Feldbergſtraße 49.

*13984) Saubere Frau ſucht Laufdienſt
Kiesſtraße 21, Seitenbau links.

*13989) Jüng. ſaub. Frau ſucht für vorm.
23 St. Laufdienſt Kiesſtr. 41, Manſ.

geht nachm. m. Kindern ſpazieren,
Frau evtl. auch mit in die Ferien. Off.
unter § 83 an d. Exp. erbeten. (*13992imd

*1402) Tücht. Frau empfiehlt ſich im
Waſchen u. Putzen Dieburgerſtr. 40, Stb. pt.

*14055) Ein in Küche und Haushalt erf.
Mädchen ſucht Stelle in kleinen, frauen=
loſen
Haushalt. Offerten unter § 99 an
die Expedition dieſes Blattes.
*14050) Eine ſaub. Frau geht g. T. w.
u. putz. Arheilgerſtr. 39, Mittelb., Fr. Körner.

*14057) Ein Mädchen, das kocht u. alle
Hausarb. tut, ſucht ſof. bis 1. Juli Aushilfe
Frau Frank, Saalbauſtraße 33.

*14062) Nettes Mädchen, das ſchneidern
und bügeln kann, ſucht Stelle als beſſeres
Hausmädchen oder Jungfer Stellenbüro
Schulz, Schulſtraße 3.

B11652) Junge Frau, welche in feinem
Hauſe gedient hat, ſucht morgens zwei
Stunden Laufdienſt. Näheres Moosberg=
ſtraße
48, 3. Stock.

Maebtater
geſetzten Alters, firm in allen Geſchäfts=
zweigen
, wie Buchhaltung, Korreſpondenz,
engl. u. franzöſ., Reiſe, Stenograph und
Maſchinenſchreiber, genaue Kenntnis im
Hypothekenweſen und mit den hieſigen Platz=
verhältniſſen
, ſucht Stellung per 1. Juli cr.,
event. früher. Auch kann Kaution geſtellt
werd. Gefl. Off. u. § 98 an d. Exp. (*14046im

30 Hark Beionnung
demjenigen, der einem jungen Mann mit
ſehr guten Zeugniſſen eine dauernde Stel=
lung
(Vertrauenspoſten) verſchafft. Offerten
unter § 86 an die Expedition. (*14004mdfs

*14051) Aelterer, erfahrener Mann ſucht
für ſeine freie Zeit die Verwaltung einiger
Häuſer zu übernehmen. Offerten unter
T1 an die Expedition dieſes Blattes.

*14054) Kinderl. Ehep. ſucht per 1. Okt.
Hausmeiſterſtelle
in beſſ. Hauſe. Offerten unter § 97 an
die Expedition dieſes Blattes.

Kontorisiin
perf. in Buchf. u. Korreſp., Steno=
graphie
u. Maſchinenſchr per 1. Juli
auf das Büro eines feinen Detail=
geſchäftes
geſucht. Gute Zeugniſſe
Bedingung. Offerten unter § 48
an die Expedition ds. Bl. (11626

Geſucht

I. tüchtige Verkäuferin mit langjähriger
Branchekenntnis u. feinen Umgangsformen
für ein beſſeres Putz= und Modewaren=
geſchäft
. Offerten mit Zeugniſſen, Bild u.
Gehaltsanſprüchen von nur wirklich tücht.
Kräften unt. § 89 an die Exped.erb. (11631

Aeltere Arbeiterin
zur Aufſicht in der Einſchlagſtube per
(11278t
ſofort geſucht
Wehner & Fahr, Schokoladenfabrik.

S Arbeitermnich
für dauernd gesucht. (11622imd
Confektion, Gervinusſtr. 30, I.

Arbeiterinnen
ſofort geſucht. A. Herber, Damen-
konfektion
, Luiſenſtraße 34.
(*14036

Tucht. Arbenermnen
ſowie einige Beihilfen ſof. dauernd geſucht.
11641a) Beyer-Haack, Kapellplatz 14, I.

Müehlie inlerinen
ſofort geſucht
(11651
Buchdruckerei Hch. Elbert,
Ernst-Ludwigtrasse 9.

Lehrmädchen per ſofort geſucht
Damen=Konfektion, Steinſtr. 5, I. (9892a
ſucht G. Ebert,
Lehrmädchen Konfektion
Mollerſtraße 25.
(*14023id
kann die
Junges Mädchen feine
Damenſchneiderei gründlich erlernen
14013) F. Körner, Hochſtraße 26, I.

Kaufmann
der Drogen= u. Materialwarenbranche ſucht
dauernde Stellung für Büro oder Reiſe.
Off. unt. § 36 a. d. Expedition. (*13851s

Zwei Dutzmacherinnen
die flott garnieren, geſucht, eine für Jahres=
ſtelle
, per 1. Juli
(11567a
L. & M. Fuld,
Kirchſtraße 12.

geſucht Mertens, Konfek-
tion
, Nied.= Ramſtädter=
ſtraße
89. (*139300).

zum 1. Juli 1 tücht.
Gesucht Mädchen mit guten
Zeugniſſen für Küche und Hausarbeit.
*13782soi) von Zabern, Heinrichſtr. 64.

Fleißiges Mädchen
gegen guten Lohn für kleinere Hausarbeiten
geſucht Mühlſtraße 68, part.
(*13845soi
Geſucht nach Köln
zuverläſſiges Mädchen für Küche und
Hausarbeit bei gutem Lohn.
(*13916oi
Näheres Eſchollbrückerſtraße 5, 2. Stock.

Braves, ordentl. Dienſtmädchen
geſucht. Näh. Heinrichſtraße 99. (*13798soi

11595) Geſucht per ſofort ein reinliches
Laufmädchen für vormittags
Inſelſtraße 42, 1. Stock.

(13075imc) Aleinmädchengeſucht, etwas
kochen, bügeln und waſchen verlangt
Saalbauſtraße 69.

Fleißiges, nnabhängiges Mädchen
vor= u. nachm. gegen guten Lohn alsbald
geſucht Rheinſtraße 14, 1. Stock. (*13973

*14028im) Ein tücht. gewandt. Mädchen,
welches ſchon gedient hat, in kleinen Haus=
halt
gegen hoh. Lohn tagsüber ſofort geſucht
Mühlſtraße 62, 3. Stock.

11618a) Jüng. einfaches Dienſtmädchen
für leichte Hausarbeit gegen guten Lohn
Pallaswieſenſtraße 30.
geſucht
Jg. unabh. Frau oder Mädchen
für dauernd geſucht. Näh. in d. Exp. (11619a
B11620) Ein älteres Mädchen, ſauber u.
in allen Hausarbeiten erfahren (große
Wäſche außer dem Hauſe) per 1. Juli oder
ſpäter geſucht. Off. unter § 78 an d. Exp.

zum 1. Juli: Köchinnen, Haus=
Sulche mädchen, jüngere Mädchen und
Alleinmädchen in ſehr gute Stellen (*14018
Frau Frank, Schulſtraße 9.

Schulentlaſſenes Mädchen einem
Kind tagsüber geſucht Allee 1, I. (11645

Mädchen jeder Art er=
Stellen ſuchende halten fortwährend
gute, ſowie auch paſſende Stellen durch
Frau Weißmantel, Arbeitsnachweis
Eliſabethenſtraße 37. (*14040

11647im) Jüngeres Mädchen aus guter
Familie findet Gelegenheit, ſich unter Zu=
ſicherung
von Familienanſchluß, bei einer
älteren Dame in ſämtlichen Haushaltungs=
arbeiten
auszubilden. Anerbieten unter
§ 96 an die Expedition ds. Blattes.

*14047) Mädchen, die einfach kochen
können, zu einer Dame oder zu zwei Leuten
geſucht, hoher Lohn u. gute Behandlung
Stellenbüro Röſe, Karlſtr. 53, parterre.

50 Mark
Wochenlohn
oder 5060 % Proviſion
erhält ieder, der den Vertrieb eines ganz
neuen konkurrenzloſen Maſſenartikels
(11607)i
übernimmt.
Eben Saiſon im Gange.
Vertretung wird auch als Neben=
beſchäftigung
übertragen.
Auskunft aratis. Es verſäume daher
niemand per Poſtkarte anzufragen bei
Erbach
uSe im Westerwald.

[ ][  ][ ]

Nummer 130.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Seite 15.

Grösste u.
beste kostenfreie
Stellenvermittlung
Mittel- u. Süddeutschlands.
Bis jetzt 70000 Stellen besetzt.
Vereinsbeitr. Mk. 5.halbjährl.
Kaufm. Verein
iseu) Frankfurt a. M. (G4
verlange
er Stellung sucht die
Deutſche Vakanzenpoſt‟
Eßlingen 143.
(144M

Ein Herr
gleich wo wohnh., ſofort geſucht z. Verkauf
v. Cigarren an Wirte, Händler ꝛc. Vergtg.
ev. 250 M. pr. Mt. oder hohe Prov.
11612H) A. Rieck & Co., Hamburg.

zum Vertrieb eines groß=
Tücht. Hell artigen Gebrauchsartikels
an jedermann geſucht. Kleines Taſchen=
muſter
. Hohe Proviſion. Offerten unter
§ 88 an die Expedition ds. Bl. (*14011
*14029) Junger Schuhmachergehilfe
ſofort geſucht
Neue Ireneſtraße 7.

Tüchtige

(116135f

Keſſelſchmiede
(Stemmer) ſowie einige
Jungſchmiede oder Zuſchläger
für Keſſelſchmiede einer großen
Fabrik ſof. nach auswärts geſucht.
Offerten unter E 127 an d. Expedition.

Anreißer oder Vorzeichner
für Keſſelſchmiede
ſofort von großer Fabrik nach
auswärts geſucht.
(11608)I
Offerten unter F 128 an die Expedit.
Weißbinder
geſucht Eckhardtſtraße 1.
(11632
*14014) Tüchtigen Tapeziergehilfen
ſucht ſofort
Friedrich Seelbach, Schießhausſtraße 63.
(*14017
Schuhmacher a. Logis geſ.
Benn, Karlſtraße 31.
Eübliger Gapeiergehiſe geſucht
*14032)
Gg. Blum, Kaſinoſtraße 7.
Sofort geſucht
junger kautionsfähig. Mann als Kaſſierer.
Offerten nebſt Zeugnisabſchriften unter
8.80 an die Expedition ds. Bl. (*13987im

Solider tüchtiger (11581oi
Hausbursche
(verheiratet) per ſofort für dauernd geſucht
A. Anton, Elisabethenstrasse 1.

Braver Junge
auf hieſiges Anwaltsbureau geſucht. Offert.
unter § 77 an die Expedition. (*13969

Jangerer- Hausbarsche
ſofort geſucht Ludwigſtr. 20, I. (*14021
Sauberer braper Junge
von 1617 Jahren, aus g. Familie geſucht
für leichte Beſchäftigung
(*14052
Schloss-Café, Rheinstrasse 2.

Mlädclen
1517 Jahre, von gut entwickelter, großer
Figur, wird als Modell geſucht. Strengſte
Diskretion. Offerten unter § 92 an die
Expedition ds. Bl.
(*14034im

Das Placierungs-
und Kommissionsgeschäft
von Gg. Beck
befindet ſich
(14065
Eliſabethenſtraße 22, II.
12 Morgen (11654imd
Heugras

beſtes Pferdefutter, ſind zu verkaufen. Näh.
bei Heinrich Buxbaum, Pfungſtadt.

Kuterh. Mädchenkleider (12 Jahre) und
Lüſterjackett f. gr. Fig. u. 1 weiße Bluſe f.
Mk. 5 zu verk. Gutenbergſtr. 2II. (*14068

Soderstr. 7, I. (am Kapelplatz)
ſchön möbl. Zim. ſof od. ſpäter zu verm. (*14053

SichereRistehz!
In kürzester Zeit
ist ein Vermögen nachweisbar
zu verdienen mit dem Alleinvertrieb eines abſolut konkurrenzloſen, außergewöhnlich hohen Gewinn ab=
werfenden
D. R. P für welches die Lizenz für Darmſtadt und Umgegend jetzt an einen intelligenten Herrn
vergeben werden ſoll. Die Vorteile, welche dieſe hochſenſationelle Erfindung bietet, ſind ſo bedeutende und
dabei auf den erſten Blick in die Augen ſpringende, daß dieſelbe ſich raſch über die ganze Erde zu ver=
breiten
verſpricht.
Der Erfolg iſt ein mehr wie geſicherter und überſteigt der zahlenmäßig nachgewieſene Gewinn
weit das dreifache des erforderlichen plus minus 1000 Mark betragenden Betriebskapitals.
Der Gegenſtand der Erfindung iſt am Mittwoch, den 8. ds. Mts., von vormittags 10 Uhr
an, im Hotel zur Traube in Darmſtadt ausgeſtellt und werden Reflektanten= dahin neingeladen.
(11628fl
Anmeldung beim Portier.

Feldzua 1870/71

Hervorragende Leistung der Zigarrenfabrikation
Wörth 6 Pf. Nuitz 7 Pf. Mars la Tour 8 Pf. Sedan . . 10 Pf.
Weissenburg 6 Pf. St. Privat 7 Pf. Strassburg . 10 Pf. Paris . . 12 Pf.
Spichern . 6 Pf. Gravelotte 8 Pf. Metz
. 10 Pf. Orleans . 12 Pf.
Kaiserproklamation 15 Pf. Sieg auf Sieg 15 Pf.
Gesetzlich geschützte Marken, Ia Qualitäten

empfiehlt

D. Numrich’s Hauptgeschäft
Ecke Nieder-Ramstädter- und Mühlstrasse 76
Telefon 318
(11073as
sowie dessen sämtliche Verkaufsstellen.

kaufen Sie hoch=
eberraichend
blllig feine gerahmte
Bilder, Oelgemälde, Kunſtblätter, Einrahmungen
nur bei Julius Hergt, Ernst-Ludwigstr. 8.
Reinigen und Bleichen von Stichen. (*14069) Glas und Leistenlager.

Erbteilungshalber
wird das Anweſen 16 Dieburgerſtraße 16
dem Verkauf ausgeſetzt. Dasſelbe beſteht
aus zweieinhalbſtöckigem 3= Zimmerhaus
mit kleinem Nebengebäude, offener Torfahrt,
Garten, zuſ. 415 (m Flächeninhalt. Gute
Zahlungsbedingung. Refl. erhalten nur
Auskunft im
(8671a
Immobilien= u. Hypothekengeſchäft
Hch. Castritius,
Telefon 1382
Kahlertstrasse 38.
½23 Uhr Sprechſtunde von ½23 Uhr.

Cöstgstlenbats
mit 7 Zimmer und Zadezimmer, Küche,
3 Zimmer etwas schräg, Trockenboden,
prosser hübscher Garten, in freier Lage
des Zeamten-Kolonie (Tintenviertel), ist
preisw. durch d. Unterzeichneten zu verk.

B10918)

C. W. Braun, Martinstr. 74.

Heazelliches- Haum
In Luter Lage (Karlstrasse)
mit kleinem Hinterbau und gutgehendem
Kolonialwarengeſchäft iſt umſtändehalber
ſofort zu verkaufen, event. zu vermieten.
Das Haus eignet ſich auch für jedes andere
Geſchäft, insbeſondere auch für Metzgerei.
Näheres durch den Verkaufs= Bevoll=
mächtigen
B. Baer, Landwehrſtr. 18,
Telephon 1145.
(*13982

Nicht weit vom Zentrum
ein Wohn= und Geſchäftshaus, nur mit
1. Hypothek belaſtet, Umſtändehalber unter
günſtigen Bedingungen direkt vom Eigen=
tümer
zu verkaufen. Anfragen unter § 90
bei der Exped. ds. Bl. erbeten. (*14020ims

Landhaus
neu erbaut, bei Traiſa, am Walde gelegen,
6 Zimmer mit Zubehör, angelegter Garten,
Flächeninhalt 2400 qm, unter günſtigen Be=
dingungen
zu verkaufen.
(*13597dis
Näh. Nieder=Ramſtädterſtr. 51, 1. Stock.

Heerdweg=Lage
ſchönes 6=Zimmer=Etagenhaus mit groß.
Garten zu verkaufen oder gegen kleineres
Objekt zu vertauſchen. Offerten unt. § 81
an die Expedition ds. Bl.
(*13996

Isaaet

Verkauf eines billigen Objektes

b. Darmſtadt.

Unter den günſtigſten Bedingungen
iſt ein in ſchönſter Lage und nächſter
Umgebung von Darmſtadt, 3 Minuten
von Bahnſtation gelegenes, neuzeitl.
eingerichtetes Landhaus mit großem
Garten und Hinterbau für 7500 Mk.
ſofort zu verkaufen.
Anzahlung 1000 bis 1500 Mk. Ernſte
Reflektanten wollen Offerten unter
R 88 an die Geſchäftsſtelle ds. Bl.
alsbald einreichen.
(11336a
Gadu

(11338
Arheilgen!
dsif
Ein 2 ſtöck. 3=Zimmerhaus mit ſchönem
Vor= u. Hintergarten und anſtoßendem
Gelände zwiſchen Arheilgen und Darmſtadt
zu verkaufen. Offerten nur von Selbſt=
reflektanten
unt. R 90 a. d. Exped. d. Bl.

Suche

auf Hofreite mit Gelände 12500 Mk.
I. Hypothek. Taxation 26000 Mk.
unter 2 a. d. Exped. ds. Bl.
(*14063

München.
Gymnasiumkolonie Pasing.
Sommer u. Herbst 1910 wer-
den
22 Einfamilienhäuser fer-
tig
. Zentralheiz., Wasserleit.,
Gas, elektr. Licht, Kanalisat.,
67 Zimmer mit u. ohne Diele,
1850031500 Mk. inkl. Platz.
Nötige Zahlg. ½ d. Kaufpreis.
Verkauf d. Lion & Cle., Pasing,
Bahnhofplatz, München, Lud-
wigstrasse
, Dresden, Wies-
bade
u. Kassel. (11609M

6
660000
Drogen- und Farbwaren-
Geschäft en gros
circa 80 Mille Umſatz, ſofort zu verkaufen.
Näheres durch B. Baer, Landwehr=
ſtraße
18, Telephon 1145.
(*13981

12000 Mark
2. Hypothek per ſof. von nachweisl. pünktl.
Zinszahler geſucht. Offerten unter & 9
an die Expedition ds. Bl.
(9893a

18000 Mark
II. Hypothek geſucht auf neuerbautes Eck=
haus
(kein Wirtshaus) in beſter Geſchäfts=
lage
. Zahle 5% Zinſen und gewähre Nach=
laß
. Wirklich gute Anlage, da Belaſtung
nicht hoch iſt. Offerten unter R 67 an die
Expedition dieſes Blattes.
(B11311

ſucht 300 Mk. bei gut. Zins=
Beamter fuß und vierteljähr. punktl.
Raten=Rückzahlung. Offerten unter § 84.
an die Exped. ds. Blattes.
(*13997

Bar-Kredit
erhält man bei Abſchluß einer Lebensver
ſicherung. Offerten unter T3 an die
Expedition dieſes Blattes.
(11653ids

auf
Durch großen Umſatz und extra günſti=
gen
Abſchluß iſt es mir möglich, von jetzt
ab das als erſte Marke bekannte
Wenrdu
ſchon für 100 Mk. zu offerieren. Andere
Marken von 75 Mk. an.
(9977a
L. Beudt Nachf.,
Inh.: L. Waldschmitt,
1 Hölgesstrasse 1.

p. Hektol. 55 Pfg.,
Hektol. 50 Pfg.
Heinrich Keller Sohn
Heidelbergerſtr. 28. Telephon 101.

Möbeltransport
nach Berlin und Kaſſel
2=Zimmer=Einrichtung als Beiladung
zwiſchen 20. u. 30. Juni geſucht (*11650im
G. Götz & Cie.
Marktplatz 12, I. Telephon 894 u. 1927.
zu höchſt. Preiſen getr. Kleider,
Schuhe, Stiefel, Bettwerk
und Möbel ꝛc. W. Heyl,
Kaufe Langegaſſe 18. (*14056

Stachelbeeren zum Einmachen zu verk.
14039)
Schuknechtſtraße 48, II.

Türschoner billigſt (6067a
Wilh. Castan, Kirchſtraße 5.
Damen
erhalten guten Mittags= und Abendtiſch
von 60 Pfg. an. Alexanderſtraße 4, I.
orzügl. Privatmittagstiſch für beſſ.
2 Herren u. Damen, auch über die Straße
11165a)
Hölgesſtraße 1, I.

Woog, am 6. Juni 1910.
Waſſerhöhe am Pegel 3,86 m
Luftwärme 21 C
Waſſerwärme vormittags 7 Uhr 220=C
Woogspolizeiwache,

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910

Far uie

Heisse Dahreszelt.

Moderne Herren-Anzüge

in

Lüstre, Leinen und Tennisstoffen
Rohseidene Anzüge

Lüstre=Saccos und=Joppen
Lüstre=Jaquetts und Gehröcke
LüstresWesten, Lüstre=Mäntel
Leinen=Joppen Leinen=Mäntel
Leinen=Hosen Tennis=Hosen
Wasch=Westen Auto=Mäntel

Grösste Auswahl.

Beste Ausführung.
Ludwigsplatz
Willu Schwab, ecke Schulstrasse
Grösstes Spezialgeschäft vornehmer Herren= und Kinder=Moden.

el-Restaurant
I

armstädter Hof

Telephon 444. : Ecke Grafen- und Waldstraße. :: Telephon 444.
Grosses Bier- und Wein-Restaurant. L
(8162a
Diners
Soupers.

im Ausschank: Münchener Spatenbräuf, Fürstenberg-Bräu‟
(Tafelgetränk Sr. M. des deutschen Kaisers) Hessenbräu extra‟.
Gesellschaftszimmer (für Hochzeiten v. 2530 Personen geeignet).
R. Doll.

Meine neuen Modeile
in kompletten

Schlatzimmern

beſtehend aus:
2stürigem Schrank
2 Bettſtellen
2 Nachtſchränke
1 Waſchkommode mit Marmor und
Spiegelaufſatz
2 Stühle und.
1 Handtuchſtänder

zu Mark

Eis-Schränke

zugeben. Näh. Erbacherſtr. Im.=

Aufpaſſen!
Was iſt denn los?
Wer zahlt die höchſten Preiſe für ge
tragene Kleider, Schuhe, Stiefel, Wäſche
Federbetten und Zahngebiſſe? Nur ich
Jakob Friedel, Schloßgaſſe 29,
Laden. (11592a

ſchwarz. dreieck. Spitzen=Shwal i
5Auſtrag billig zu verkaufen (1602
Beckſtraße 75, parterre.

Carl Glückert jun.
Tapezier-, Polster-Geschäft
Teppich-Reinigung
Motten-Vernichtung 5
Riedeselstrasse 70
Elisabethenstrasse 64.

Schützenhof.
Dienstag, den 7. Juni, abends 8 Uhr:
Grosses Militär=Konzert
einer grösseren Kapelle vom Musikkorps des Leibgarde-Regts.
Leitung: Obermuſikmeiſter Hauske.
I. Teil: Militär-Musik. II. Teil: Streich-Musik.
Eintritt 20 Pfg.
er
NB. Die Konzerte finden bei jeder Witterung ſtatt.
(*14048 uftkurort

Kell hmelbacherher
Haltestelle der Lokalzüge.
er Ausflugsort Heidelbergs. Prachtv.
Durch Neubau bedeutend vergrößert.
46 Mark pro Tag inkl. Zimmer.
(9895m)
Der Beſitzer: Julius Ebert. Post Neckargemünd.
Unſtreitig ſchönſter u. beliebteſte
Lage am Rande des Waldes.
Reſtauration, Penſion von
Telephon Nr. 99.
(3 Wegzugshalber
1 Küchenſchrank, faſt neu, ferner 1 Anza
Käſige, darunter zwei ſehr ſchöne Heck=
nebſt
1 guten Zuchtweibchen billig abzu
Zu erfr. Arheilgerſtr. 68, Stb., pt. lks. (*139 Gute alte
ahl
Guitarre
ten a
ug lſtr 15 Mk. zu verkaufen. (160mdis
970 Näheres in der Expedition ds. Bl. (480
eihgeschirre Wilhl Lastan, Kirchstr 5la
Volfshund, ½ Jahr alt, iſt zu verkaufen
1. 2
(*13974im)
Kiesſtraße 41.

bein Mar 480
zeichnen ſich durch ihre
eleganten Formen

und

praktischen Grössenverhältnisse
(C6694,55
ganz beſonders aus.
Infolge fachmänniſcher Beaufſichtigung
leiſte für jedes bei mir gekaufte Stück
weitgehendſte Garantie.

Georg Schmi

Möbel und Dekorationen
Schlossgraben 13a
Telefon 891.
Gegr. 1879.

Ein antiker Schrank
2 alte türkiſche Bhawls

ſowie alter Seſſel preiswert zu verkaufen
Kleine Ochſengaſſe 16 (im Laden). (13903si

in ganz neues modernes cerémefarbiges
EJackett preiswert zu verkaufen
*13968im) Mollerſtraße 45, bei Simon.

raſſereine neun Wochen alte ſchöne
Drei Dachshündinnen billig zu verkaufen
Darmſtraße 23.
11614)

[ ][  ][ ]

2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

29 130.

Dienstag, 7. Juni.

1910.

Garantiert reiner mexikanischer Blüten-Konig, Marke, Zapatero- Auerkamnt der Beste.
Zu haben bei: M. W. Prassel, Grafenstrasse 25, Telefon 71, per Pfundglas Mk. 1.10 (Gläser werden mit 10 Pfg. wieder zurückgenommen).
Wilhelm Beck, Saalbaustr. 29, Lina Darmstadt, Elisabethenstr. 17, Ludwig, Ad. Fertig, Karlstr. 47, Wilhelm Hill, Hoflieferant, Saalbaustr. 63, Ad. Reichard, Kasinostr. 12.
Wilhelm Ritsert, jun., Grüner Weg 30, Herm. Stephan, Stiftstrasse 29, Jakob Streb, Bismarck-Drogerie, Bismarckstrasse 27, A. J. Supp, Marktplatz, B. Held, Karlstr. 27
H. Rossmann, Inselstrasse 29, Adolf Hensel, Nieder-Ramstädterstrasse 29, Gg. Feid, Frankfurterstrasse 21, Oscar Brachat, Rheinstrasse 20, H. Brandstätter, Erbacher-
(4560a
tsrasse 1, Otto Erb, Alexanderstrasse 17½.

5-Zimmerwohnung
nebſt Küche, Speiſek., Mädchenzimmer
auf der Etage und Zubehör a. 1. Juli
zu verm. Preis 750 Mk. Einzuſehen
zwiſchen 10 und 4 Uhr bei Frau
Dr. Meissel, Friedrichſtr. 21, II. (7248ids

Klappacherstr. 11, 1. St.,
völlig neu hergerichtete Wohnung
mit fünf Zimmern, Fremdenzimmer,
Bad, elektr. Licht uſw., ſofort oder
ſpäter an ruhige Leute zu vermieten.
(B11411ids

(6400ids
Ballonplatz 3
neben der Infant.=Kaſerne, iſt der I. Stock,
4 Zimmer, Küche, Badezimmer und allem
Zubehör per ſofort zu vermieten Beſich=
tigung
jederzeit. Auskunft durch Tel. 308.
Ecke Gartenstrasse 26
ſchöne 4=Zimmerwohnung mit all. Zubehör
per 1. Juli zu verm. Näh. part. (11142t
Gervinusstrasse 73
4=Zimmerwohnung (part.) nebſt Zubehör,
Mitbenutzung des Gartens, ab 1. Juli od.
ſpäter an ruhige Leute zu vm. (*13804oimd

e entete e
wohnung, ſowie kleine 2= Zimmerwohnung
zu vermieten. Zu erfr. daſ.
*13593fsol) Nieder=Ramſtädterſtr. 75
kleinere 3=Zimmerwohnung zu vermieten.
10993ms) Soderſtraße 42, 1. Stock,
3=Zimmerwohnung zum 1. Juli zu verm.
*14060im) Nieder=Ramſtädterſtraße 13,
Seitenbau, vor einem Garten, 3= Zimmer=
wohnung
an ruhige Familie zu vermieten.

Zimer

10984ids) Karlſtraße 46, 2 Zimmer im
Hinterhaus ſofort zu vermieten.
B10521t) Heidelbergerſtr. 61 kleine
2=Zimmerwohnung per 1. Juni an ruhige
Leute zu verm. Näheres Vorderhaus part.
*13790soi) Bleichſtraße 17 eine Zwei=
Zimmerwohnung per 1. Juli zu vermieten.
Preis 260 Mark.
Lauteschlägerstrasse 8
Zwei=Zimmerwohnung per 1. Juli zu ver=
mieten
. Näheres Schioßgaſſe 25. (11544t
p. 1. Juli,
Schöne 2=Zimmerwohnung monatl.
18 Mk. Näh. Gardiſtenſtr. 33, I. (*13945oim
*14031im) Wienersſtraße 52 ſchöne
2=Zimmerwohnung bis 1. Juli zu verm.


(
11587a) Eliſabethenſtr. 23, II, unmbl. Z.
Hinterhaus 1. Stock,
Erbacherſtraße 5, ungen. unmöbliertes
Zimmer für 5 Mk. zu vermieten. (*14005

Une Zimmer

Soderſtraße 21
freundl. Manſardenwohnung im Vorder=
haus
an ruhige Mieter per ſof. Näheres
Tapetenhandlung.
(11486ids
*13995im) Grüner Weg 17 ſchöne
Manſarde für 30 Mark zu vermieten.
Näheres Saalbauſtraße 78, part.
eine Wohnung zu ver=
Obergaſſe 10 mieten.
(*14042

Villa in Alsbach a. d. Bergſtraße
5 Zimmer u. allem Zubehör, Stallung, gr.
Garten zu verm. Preis 350 Mk. Näh. bei
K. Kreh, Darmstadt, Erbacherſtr. 7½. (*13767sids

Großer Laden

m. Nebenraum od. Magazin zu vm.
Näh. Cellarius, Bleichſtraße 53. (59is

Grosser Laden
in nächſter Nähe der Hochſchule mit Drei=
Zimmerwohnung und allem Zubehör, für
jedes Geſchäft, beſonders für Kalbs= und
Hammelsmetzgerei geeignet, für jährlich
70 Mk. zu vermieten. (Ohne Wohnung
mit Ladenzimmer 450 Mk) Gefl. Angebote
unt. R 59 an die Exp. d. Bl. (11300ids

Unſere ſeit Jahren als vorzüg=
lich
anerkannten unter Verwen=
dung
von nur beſtem Material
von uns ſelbſt hergeſtellten
Bernstein-uSpiritns
Fassbodchlacke

erſterer in einigen Stunden, letz=
terer
ſofort trocknend, bringen
hiermit in empfehlende Erinnerung.
Gleichzeitig möchten wir darauf
hinweiſen, daß wir die anderwärts
angebotenen
Bleioxya Ockerfarben
unter der Bezeichnung
Metall- Fuss-
bodenfarben

ſchon ſeit dreißig Jahren herſtellen.
Wir empfehlen dieſelben über=
einſtimmig
mit den Haupttönen
unſerer Lacke zu

Ferner ſtehen zu Dienſten:
Sämtliche Farben
trocken, ſowie feinſt in Leinöl=
firnis
abgerieben;
Emtaille=Lacke
diverſe Nüancen.
Staubanziehendes
Fussboden-Gel.
Sicheres Mitt elzur Erzielung
ſtaubfreier Räume in Geſchäfts=
häuſern
, Schulen ꝛc. ꝛc.
Harttrocken-Oel
vorzügliches ſchnelltrocknendes
Lack-Fussbodenöl,
mit und ohne Farbenzuſatz.
Alle Sorten
Lacke und Firnisse,
Pinſel, Parkettbodenwachs,
Stahlſpähne, Leinöl und
Leinöl=Firnis.
Terpentinöl, Spiritus.
Schellack etc.
Als ganz beſonders vorteilhaft
offerieren unſere

Spezial-Geifarben
50 Pfg. per Pfund
zum Anſtrich von Gartenzäunen

ſtrichfertig; ausreichend für zirka
§ (* Meter, als beſten dauerhaf=
teſten
Anſtrich für Wohn= und
Kinderzim., Treppen, Büros ꝛc.

und zum Grundieren.
Carbolinleum Avenarius
und andere Marken.

(9312a

Gebr. Vierheiler, Darmstadt
Telephon Nr. 200
Nr. 14 Schustergasse Nr. 14.
Spezialgeschäft in Farben. Gegründet 1861.
De uich den Buſchriter der Generber
ordnung in den Betrieben auszuhängenden
Vermaldre
ſind durch die Expedition des Tagblatt zu beziehen.
Wo Ungeziefer

vorhanden ist, kann nur die gutempfohlene Firma
Deutsche Versicherung gegen Ungeziefer
(vorm. Erste Badische Versicherung) Inh. Carl Dihn
Frankfurt a. M., Vilbelerstr. 4, I. Telephon 6206
(1799a
Abhilfe schaffen.
Konkurrenzloses System. Feinste Referenzen. Billigste Preise. Strengste
Diskretion zugesichert. Desinfekteure ständig am Platz.

10198ids) Lauteſchlägerſtraße 18 ſchöner
Laden, für jedes Geſchäft geeignet, per
ſofort zu vermieten.


Oblerte Zimmer
7551ids) Neckarſtr. 26, 2. St., fein möbl.
Wohnzim. nebſt Schlafzim. ſofort zu verm.
9910ims) Hölgesſtraße 10, Hinterbau,
ſchönes hell. möbl. Zimmer ſofort zu verm.
B10083ids) Karlſtr. 65, Seitenb., II. St.,
ſchön möbl. Zimmer mit 1 oder 2 Betten
auf 1. Juni zu vermieten.
10607a) Per ſofort iſt großes, gemütlich
eingerichtetes Zimmer mit Gas, Bad und
voller Penſion an beſſeren Herrn od. Dame
zu vermieten. Daſelbſt werden bis 16. Juni
weitere ſchön eingerichtete Zimmer frei. Zu
erfragen Alexanderſtr. 5, 1. Etage.
10563ids) Saalbauſtraße 61, 3. Stock,
gut möbl. Zimmer ſofort zu verm.
10882ids) Landgraf Georgſtraße 12,
Seitenbau 3. Stock einfach möbl. Zimmer.
*13844si) Erbacherſtr. 5, 2. St., Hinter=
haus
, einfach möbliertes Zimmer für 12 Mk.
zu vermieten.
6310if) Kranichſteinerſtraße 32 möbl.
Zimmer zu vermieten.
11137a) Dieburgerſtr. 50, 3. St., ſehr
freundl. großes möbliertes Zimmer zu verm.

ee eee
möbliertes Zimmer an Dame oder Hern
zu vermieten, mit oder ohne Penſion.
*13434msi) Emilſtraße 27, 2. Stock, ein
elegant möbliertes Wohn= u. Schlafzimmer
mit Klavier zuſammen, oder geteilt, mit
Penſion an beſſeren Herrn zu vermieten.
9833t) Luiſenſtr. 6, 3. St., möbl. Zimmer.
Vordere Heidelbergerſtraße 29, I.
hübſch möbliertes Zimmer mit guter Penſion
für 60 Mk. pro Monat zu verm. (B10362t
10482t) Eliſabethenſtraße 31, I., möbl.
Zimmer zu vermieten.
*13596fsoi) Soderſtr. 85, part., ein möbl.
Zimmer mit oder ohne Penſion zu verm.
11334a) Kaſinoſtraße 16, bei Stähr,
möbl. Zimmer zu vermieten.

Landwehrstrasse 13, II.,
freundl. möbl. Zimmer mit ſeparaten Eingang
mit oder ohne Pentian.
(10942t

(1391go) Karlſtr. 65½, part., großes
möbl. Zimmer mit 2 Betten für 2 Herren
oder Damen ſof. billig zu vermieten.
10812a) Grafenſtr. 13, 1. St., mbl. Z
*13928oi) Schuchardſtr. 4, 1. St. rechts,
möbliertes Zimmer ſofort zu vermieten.

(19914toim) Reckarſtraße 24, 2. Stock
rechts, gut möbl. Wohn= und Schlafzimmer,
event. mit Klavier zu vermieten.
*13936oi) Lauteſchlägerſtr. 17, Mittelb.
part. links, einfach möbl. Zimmer zu verm.
*13950oim) Nieder=Ramſtädterſtr. 45
möbl. Zim. mit 2 Betten ſof. zu verm.
*13994mdfs) Mühlſtraße 10, parterre,
ſchön möbl. Zimmer mit ſep. Eing. ſofort.
*14005id) In feinem Hauſe, beiskl.=Fam.
findet gebildeter Herr gemütliches Heim,
event. mit Penſion. Schöne freie Lage.=Off.
unter § 85 an die Expedition ds. Bl.
*14010ims) Beſſungerſtraße 88½, part.
links, möbl. Zimmer billig zu vermieten.
2. St., gut möbl. Zimmer
Grafenſtr. 35, perſof. zu verm. (*13973mdis
*13983im) Gutenbergſtraße 66, 3. Stock,
gut möbl. Balkonzimmer mit ſep. Eingang
in geſunder freier Lage für 20 Mk. zu vm.
*14064) Eliſabethenſtr. 22, 2. St., b. Beck,
groß. gut möb. Zimmer iſt ſof. an Fräul.
oder Herrn zu vermieten.
11642t) Eliſabethenſtr. 31, 1. St., möbl.
Zimmer zu verm. Preis 16 Mk.
Die Kegelbahn
Katholikenverein, Waldstrasse 33
iſt für die Dienstag=Abende frei.
(10683a
Näheres beim Hausmeiſter.

und Nebenzimmer
Schöner Saal mit Klavier zu ver=
mieten
Alexanderſtraße 5.
(*13938oi

Wer dort?
hier V. Schatz, Kleine Bachgaſſe 1.
Ich komme ſofort und zable Ihnen für
getragene Kleider, Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſ
, alte Federbetten ſtets die höchſten
Preiſe. Telephon Nr. 1924. Poſtkarte genügt.

Neue moderne Möhel
Spiegelſchr., Sofa, Schreibtiſch, Bücherſchr.,
2 Seſſel, Diplomat, Ottomane mit Decken,
Flurgarderoben,Trumeauſpiegel, Kleiderſchr.,
Teppiche, Betten, Matratzen, prachtv. Bilder,
Salonſchr., Schlafzimmer, nußb., alles prima
Arbeit ſehr billig. Ferner prachtv. pitsch-pine-
Küchen, ſowie mehrere ff. Diwans und
Ottomanen, weit unter Preis zu verkaufen
Friedrichſtraße 36, parterre.
(*14916

Guterhaltene
.
Küche-
beſtehend
aus:
1 Küchenſchrank, 1 Tiſch, 1 Topfbrett,
2 Stühle, 1 faſt neuer Teppich, rot,
ſpottbillig abzugeben (*14024
Gartenſtraße 20, parterre.

Gut bezahlt
wird gebraucht. Schuhwerk u. Kleider bei
*14030iiii) C. Minkler, Langegaſſe 10.

roßes Kinderbett (Holzb.) mit Stroh=
matratze
u. 3steil. Wollmatratze zu verk.
*14027) Pallaswieſenſtr. 37, Stb. 2. St.

1 ſtarke Blumentreppe,
1 Klavierharfe, 1 Ladenwaage und
1 volſtändiges Bett,
alles gut erhalten, billig abzugeben
*14026)
Wienersſtraße 47, 2. Stock.

groß und klein, 2 Mappen
Reißbretter, und eine noch neue Gaszug=
lampe
umzugshalber zu verkaufen (*14025
Wenckſtraße 32, 2. Stock rechts.

billg abzu=
Faſt neuer Kinderwagen geben
1920
Moosbergſtraße 44, 2. St.

ittagstisch
Fleisch u. veget. Kost zu
85,70 u. 60 Pf. Im Abonn.
bendtisch
Fleisch und veget. Kost
: zu 65 u. 50 Pf. im Abonn.

TAusehant des berühmten
Wormser Weinmostes

Kein Trinkzwang.
REFORM-RESTAURANT
THALVSIA
4 Alexanderstrasse 4, I. Stock.

[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.

Nummer 130.

Die Roſe.
Ein Kapitel aus der Kulturgeſchichte
von Oskar Wiener=Prag.
(Nachdruck verboten.)
Du blühſt wie die Juliroſen, mehr Roſen als Blätter
am roten Strauch. So preiſt ein junger Dichter ſeine
Angebetete, und der Alte von Weimar, der alles geliebt
hat, was ſchön war, entſcheidet:
Roſenknoſpe, du biſt dem lieblichen Mädchen gewidmet,
Die als die herrlichſte ſich, als die beſcheidenſte zeigt.
Seitdem uns die Liebe getauft mit ihrem Feuerſegen,
ſeitdem das Menſchengeſchlecht die Wonnen und Kümmer=
niſſe
dieſer Himmelsgnade kennt, gilt die Roſe als das
blühende Siegel, als das unſterbliche Symbol der Verliebt=
heit
. Ungezählte Lieder hat man ihr zum Lobe geſungen
und die Jugend ſchmückt ſich mit ihr und betet ſie an als
die Königin aller Blumen. Uralt iſt das Königtum der
Roſe und ſie herrſcht im Reiche der Anmut durch Jahr=
tauſende
ſchon. Allerdings, ihr Antlitz war nicht immer
ſo edelprächtig, wie es heute iſt; in der Vorzeit hatte ſie
ein beſcheideneres Gehaben. Erſt die Gärtner gaben ihren
Blüten jene majeſtätiſche Erſcheinung, die wir ſo bewun=
dern
. Aber lieb war ſie immer und ſeelenvoll. Auch das
Heckenröschen, von dem viele glauben, daß es die Ahnfrau
der mondänen Parkſchönheiten iſt. Hundsroſe nennt das
Volk den Wildling; denn es flüchtete zu dem zartblühenden
Fräulein, weil es von deſſen Wurzeln Heilung gegen die
ſchreckliche Krankheit der Hundswut erhoffte. Doch nicht
allein den Biß toller Hunde heilte das Heckenröschen, in
der Volksmedizin war es hoch angeſehen als ein Spender
des Schlafes, der alle Schmerzen mildert. Die durch Gall=
weſpen
erzeugten moosartigen Knollen werden heute noch
von abergläubiſchen Dorfmütterchen vorſichtig aus den
Dornbüſchen geſchnitten und unter das Kopfkiſſen gelegt
das ſoll einen traumloſen und geſunden Schlaf verur=
ſachen
. Solch einen Schlummerapfel nützte auch Wotan,
um Brunhilde zu bannen, und das liebe Märchen vom
Dornröschen ſchöpft ſeinen Zauber wohl aus der näm=
lichen
Erfahrung. So innig ſind die Beziehungen des
Landvolkes zur wilden Roſe, daß es ihrer ſelten vergißt,
wenn es gilt, ein Lied zu ſingen. Die zahlloſen Spielarten
des Heckenröschens werden dabei ſorgſam unterſchieden,
und während ſich die Gelehrten über die vielen Seiten=
linien
der Familie Hagedorn die Köpfe zerbrechen, ſcheidet
der Dorfbotaniker dieſe reichverzweigte Sippe in Ackerroſen
und Waldroſen, in Rankenröslein, nennt die frühblühende
die Mairoſe, und jene, deren Blätter nach Apfelmoſt
duften, Weinroſe. Aber die Früchte aller nennt er Hage=
butten
und weiß daraus eine ſchmackhafte Tunke zu bereiten
oder mit Zucker reich verſetzt ein Eingeſottenes, das die
Feinſchmecker der Bauernſtube über alles ſchätzen.
Ob die erſten ſeßhaften Herren der deutſchen Wälder,
ob die alten Germanen neben der Heckenroſe auch noch an=
dere
Roſenarten gekannt haben, läßt ſich wohl heute kaum
mit Sicherheit feſtſtellen. Gewiß iſt nur, daß die Edelroſe
noch im früheſten Mittelalter ein ſeltener Gaſt zwiſchen
Rhein und Donau war, und daß ihre duftende Pracht als
etwas Beſonderes und Unerhörtes gefeiert wurde im deut=
ſchen
Norden. Fremde Kaufleute brachten ſie mit anderen
Köſtlichkeiten dorthin und man erwies der hundertblättri=
gen
Wunderblüte oft göttliche Ehren. Unſere Altvorderen
liebten es nicht, Tempel zu erbauen; in der Einſamkeit
des Waldes lagen ihre heiligen Stätten. Dieſe Opferplätze
durfte kein ungeweihter Fuß betreten, ein dünner Faden
hegte ſie nur ein, aber er war unverletzlich, und inmitten
des geweihten Platzes ſtand ein heiliger Baum. Das war
anfangs meiſt eine uralte Linde, doch ſie wich ſpäter manch=
mal
einem zarten Roſenſtämmlein und Roſengarten nannte
man ſeitdem dieſe gottgeheiligten Waldwieſen. Der Roſen=
ſtock
zu Hildesheim, der noch immer blüht, wiewohl er
ſchon in den Tagen Ludwig des Frommen Knoſpen trug,
iſt ſolch ein greiſer und ehrwürdiger Zeuge germaniſcher
Roſenverehrung.
Die religiöſe Verehrung der Roſe ſoll indiſchen Ur=
ſprungs
ſein und ihre Anmut und ihr Duft umhegen im
Orient den Weg des Glaubens ſeit fünf Jahrtauſenden
ſchon. Die Babylonier pflegten ein frommes Blumenfeſt
zu feiern und trugen bei dieſer Frühlingsandacht auf lan=
gen
Stäben ſilberne Roſen durch die Stadt; die Parſen
opferten Roſen auf dem Altar der ewigen Flamme, die
Syrer verehrten in der Roſe ein geheiligtes Symbol des
Lebens nur die alten Aegypter mieden ſie ſeltſamer
Weiſe auf ihren Bildwerken, und Herodot, der klaſſiſche
Schilderer des Pharaonenlandes, ſchweigt von dieſer =
nigin
der Blumen. Daß ſie dennoch am Nil mit Sorg=
falt
gehegt und gepflegt wurde, beweiſen ſpätere Berichte.
Die Römer waren leidenſchaftliche Liebhaber der Roſe und
weil ſie deren Pracht auch im Winter nicht entbehren moch=

ten, kamen ganze Schiffsladungen von Roſen aus Aegyp=
ten
und fanden in der Hauptſtadt der Welt Abnehmer, die
dieſen blühenden Schatz mit Gold aufwogen. Die Roſe
zu lieben galt den Alten als eine ſelbſtverſtändliche Pflicht.
Die Griechen hielten ſie heilig und umkränzten mit ihrem
Liebreiz die Bildniſſe der ſchönſten aller Göttinnen. Aus
dem Blute des edel gebildeten Adonis war ein Dorn=
ſtrauch
entſproſſen und die Sage erzählt, daß Aphrodite,
die Schaumgeborene, als ſie dem Meere entſtiegen war,
jenen kahlen Dornbuſch mit Nektar beſprengte. Da war
ein Wunder geſchehen, ein blühendes Wunder, das Roſen=
wunder
von Hellas. Aber die köſtlichſte aller Blumen rankt
ſich auch um die heimlichen Freudenſtunden des Eros, denn
ihre Glut iſt ein Widerſchein purpurner Liebesleidenſchaf=
ten
. Selige und genußfrohe Menſchen liebten es, ſich mit
einem Kranz von Roſen zu krönen; ſo wird ſie der Schütz=
ling
der Grazien und die Blüte des jauchzenden Dionys.
Kein Feſtmahl iſt bei den Griechen ohne die Roſe denkbar,
ihr ſüßer Duft umſchmeichelt ſtets die Genießenden.
Anakreon, der unſterbliche Sänger aus dem Lande der
Marmortempel und Lorbeerhaine, hat der Roſe ſein edel=
ſtes
Preislied geſungen und es ſchließt alſo:
.O, ſo will auch ich mit kränzen
Will bei deinem Tempel, Bacchos,
Spieln auf bekränzter Leier,
Mit den allerſchönſten Mädchen
Tanzen, Roſen in den Haaren.
Roſe und Jugend waren den Griechen wiesein Ge=
ſchwiſterpaar
und für ſchön prägten ſie das Wort roſig;
dennoch griffen die Poeten, wenn ſie ein Symbol der Ver=
gänglichkeit
brauchten, nach der vollerblühten, ſüßatmenden
Roſe. So iſt ſie ein Siegel des Todes geworden, und die
Hellenen liebten es, Roſen auf die Gräber zu ſtreuen, als
ein Zeichen der Wehmut und dankbarer Erinnerung.
In der leidenſchaftlichen Hingabe, in der Anbetung
der Roſe, übertrafen die Römer noch ihre Lehrmeiſter.
Gewohnt, alles ins Große, ins Mächtige zu geſtalten, nah=
men
die Herren der Welt das griechiſche Roſenerbe ent=
gegen
und trieben einen Kultus ſondergleichen damit. In
ihren Gärten gab es bald keine andere Blume mehr, und
die Erfindung des Treibhauſes, das auch im rauhen Win=
ter
allen Pflanzen ihre Blüten abzuſchmeicheln weiß, iſt
altrömiſcher Roſenliebhaberei zu danken. Damals begann
man im kaiſerlichen Rom, unter Glas und mit Hilfe von
künſtlicher Wärme Roſen zu züchten, weil ein ſchlechtes
Erntejahr die Blumenſchiffe vom Nil nicht über das Meer
gelangen ließ, und der Römer brauchte auch im Winter
Roſen, er konnte ſie nicht entbehren. Keine Tafelfreude
war in der Siebenhügelſtadt ohne Roſen denkbar: der
Pokal der Zecher wurde mit Roſen umwunden, die Skla=
ven
, die den Trunk reichten, trugen Roſenkränze im Haar;
der Tiſch war überſchüttet mit Roſen und die Kiſſen der
Ruhebänke waren mit duftenden Roſenblättern gefüllt;
um die Säulen des Saales wanden ſich die ſchönſten Ro=
ſen
und ſie waren über den Fußboden geſtreut, und die
Tänzerin, die nackt vor den Gäſten tanzte, warf mit Ro=
ſen
nach den Zechern. Die Speiſen, die aufgetragen wur=
den
, waren mit Roſen gewürzt, Roſen ſchwammen in den
Bechern und man kannte die Kunſt, Roſenbowlen anzu=
ſetzen
. Kurz, die Roſe war der Triumph altrömiſcher Gaſt=
lichkeit
, wie ſie das Symbol verſchwiegener Liebe wurde,
einer Liebe, die sub rosa ihre ſüßen Siege feiert.
Das Urchriſtentum war der Roſe abhold. Die verfolg=
ten
und unterdrückten Anhänger der neuen Lehre ſchätzten
die Königin der Blumen gering, weil ſie in ihr ein Zeichen
des äußerlichen und ſinnlichen Lebensgenuſſes verkörpert
ſahen. Ihr inbrünſtiges Gemüt neigte ſich vor der weiß=
blühenden
Lilie, aber die Roſe verachteten ſie als heidniſch
und ſündhaft. Erſt als die Myſtiker das Blut Chriſti mit
der purpurfarbenen Roſe in Beziehung brachten, nahm
das Chriſtentum die Roſenblüte in den Kreis jener Sym=
bole
auf, die ihm lieb und wert ſind. So wurde die Roſe
das geheiligte Sinnbild des Martyriums und wir finden
ſie in den römiſchen Katakomben auf vielen Gräbern. Auch
in den Kirchen namentlich ſeitdem die Gotik in das
ſteinerne Flechtwerk ihrer Bauten mit Vorliebe Blumen
verwob wird die Roſe zu einem oft verwerteten
Schmuckmotiv. Die myſtiſche Schwärmerei erhebt die Roſe
zu einem Palladium der Marienverehrung; ſo verdichtet
ſich die Vorſtellung von der höchſten Weiblichkeit zu einem
Bilde, das uns die Meiſter des Mittelalters in ſeiner
Lieblichkeit immer wieder gemalt haben Maria im Ro=
ſenhag
. Die Legende, die fromme Dichtung, flicht um das
Bild der Himmelskönigin Kränze unverwelkter Roſen, und
ſeit dem Mittelalter weiht der Papſt alljährlich am Sonn=
tag
Lätare eine goldene Roſe. Der Roſenkranz der Ka=
tholiken
aber dankt ſeinen Namen nur einem Ueberſetzungs=
fehler
, er ſteht mit der Roſe ſelbſt in gar keiner Beziehung.
Der Blumenfreund muß nach dem fernen Oſten wan=
dern
, wenn er den Geburtsort ſeines Lieblings, wenn er

die Heimat der Edelroſe aufſuchen will. Im Orient hat
das ſchönſte Kind der Flora zuerſt geblüht, und noch heute
ſind die Roſengräten Perſiens die herrlichſten auf der gan=
zen
Welt. Dort kannte man ſeit jeher die Kunſt aus den
Blättern der Roſe das koſtbare Oel zu gewinnen, das Ro=
ſenöl
, deſſen größte Menge allerdings aus der europäiſchen
Türkei und aus Bulgarien bezogen wird. Auf offenen
Feldern wächſt in dieſen Ländern die Königin der Blu=
men
, ſie wird dort als Nutzpflanze gebaut und die Bauern
hegen dort ihre Roſengärten wie unſere Landſaſſen einen
Rübenacker. Ein überwältigender Anblick, ein Erlebnis
von hinreißender Pracht iſt ſolch eine Pflanzung in den
Tagen der Maienblüte. Schwer vom Dufte der Roſen iſt
die Luft und die Ernte wird zu einem Feſte der Schönheit.

Gewinnauszug
der
O
222. Königlich Prenßiſchen Klaſſenlotterie.
6. Klaſſe. 24. Ziehungstag. 4. Juni 1910.
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
(Nachdruck verboten.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne.
über 240 Mk. gezogen:
54 Gewinne zu 3000 Mk. 2200 9067 26502 27345i
30174 37339 46322 49776 60509 65837 70621 82316
86057 87122 97874 97930 98860 99984 100683 117006
118148 120079 126291 126949 127209 154687 156222.
156724 161469 161833 163923 170623 171635 173234.
188807 190315 212263 213419 218098 218733 224900
226634 235056 237134 239224 241775 247108 248490
249098 250356 272491 286211 300302 303023
60 Gewinne zu 1000 Mk. 6184 12521 181721h9715
26854 30642 35972 43709 45436 56880 57209 61265
74173 79373 80689 83353 93078 97206 98322 100026
111576 111936 116896 140561 157343 158896 160546i
160952 166225 166848 172918 178750 179999 180441!
180473 184301 184938 186229 201961. 215499 226871
228973 241249 242318 247624 253203 254978 257099
260028 264227 264386 267162 269582 273879 278246
283359 286192 289911 291236 291988

113 Gewinne zu 500 Mk. 3818 4112 4619 5023i
6600 9255 14862 15994 19559 21055 24142 26347
29025 29875 30499 30941 31569 33126 39935 4 40990
41285 41456 42772 43651 49291 53601 53904 § 54040
59595 61594 64360 66587 67239 72565 78826378868
80737 83757 88901 92980 94407 95183 P 95478
96013 96799 103802 109855 116983 117684 121607 122473
126841 129187 130829 135919 136587 136840 I137171
141643 143611. 144551 147028 150115 152098 153517
154313 156531 158965 161187 161924 162655 166726
171504 172370 174668 181830 183127 183822 183838f
195443 195928 197856 199215 213676 214612 215268
222280 226885 226906 227689 227719 233241 238928
242965 247305 254980 259135 268827 268952 272274
276885 278956 280870 280944 282499 290342 29108a
295338 296724 297112 297392 298538 298999
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 15000 Mk. 79154
1 Gewinn zu 10000 Mk. 220339
4 Gewinne zu 5000 Mk. 35329 147168 210823 z283674
48 Gewinne zu 3000 Mk. 21172 21279 27542K33269i
28225 38897 40424 49038 54816 62908 63824 66315
70699 74538 78640 81078 85651 92331 118047120555
127768 128667 129777 134317 141694 147154à 160825
154132 173162 178521 188576 189080 198879½ 201173
203351. 219573 220443 224859 229342 K 242691 267844
269860 274335 275034 ¾279289 280344 290716 296856
65 Gewinne zu 1000 Mk. 4432 6586 17164x 21458
26344 30063 32133: 33819 41814 45811 58224K 60294
72719 79841 88072 90121 95830 103411 118534 120822)
124687 128835 130687 141407 142282 145074 1155797i
160043 168452 169949 174945 176296 178128 178727)
187272 189127 190948 194785 195163 195453 198350
208398 212985 220237 222126 231038 233371 238003
249192 255222 266919 272368 283966 284756 291148
294863 295264 295502 295530 297773 298351 298438

299342
113 Gewinne zu 600 Mk. 380 1838 2539 6260
7401 8143 9334 14650 19293 24387 25130 27471
30695 32333 36134 37903 40132 41258 42515 46426
48712 49463 56178 57642 61329 63298 64682 66227
66930 69454 70634 72914 74161 75288 77742 77945
79487 79922 85149 86696 88269 90339 91747. 92425
94832 99009 102946 103093 109882 111445 114536
114731 116274 116613 117860 118508 118727 118921
119669 120485 124458 128698 140903 142213 146007
151651 152197 152976 162264 165607 168712 169550
173187 173406 175725 178823 179830 184702 185113
196128 203502 206767 207258i 211674 212259 212362
213135 217089 217311 218603 223826 229214 233061
237641 243574 244958 248782 265384 269040 271167
273840 276549 280733 281665 285201 289187 191045
294329 298931 299300 299377 299894 299990

auf Kredit

bei

(11382a

Sanus Wügner
an der
Kirchstrasse 19, Stadtkirche.

Kleinste Anzahlung.:
Bequemste Abzahlung.

Erdbeeren

in

11
1
Badeofen ..
1.
Badewannen
1
Gaskochapparate
empfehlen in neuesten Modellen, in
allen Grössen u. in reicher Auswahl

Installationsgeschäft Spenglerei
Musterlager Reparaturwerkstätte

(11606a

Ecke Grafen- u. Rheinstrasse 17 Telephon 688.

Alle Ersatzteile zu
Gaskochern werden
billigst geliefert.

Milch mit Schlagſahne
täglich friſch
Thalysia, Reform-Restaurant,
Alexanderſtr. 4, I. (11600

Grösste Auswahl in
Schten Schweizer Stientereien
bei Strauss & Maver, Hoflieferanten
Schulstrasse 8.

(8t531

Merkch bie Sch.
Nur ich zahle für getragene Herren= und
Damenkleider, Stiefel u. Wäſche die höchſten
Preiſe. Jeden Mittwoch hier. Offert. unter
F 44 an die Expedition ds. Bl. (11286dsi
Ein gut
erhaltener Sportwagen
billigſt zu verkaufen
*132410im)
Beſſungerſtraße 99, II. r.

Transportables Häuschen
(neu), für Mineralwaſſer= und Obſtverkauf,
auch als Bau= od. Gartenhütte geeignet, zu
verkaufen. Näh. in der Exped.
(*13976

zu ver=
Ein gut erhalt. Sportwagen kaufen
*13972) Pallaswieſenſtraße 40, Manſ.

Gebrauchtes Piano
zu kaufen geſucht. Offerten unter § 87 an
die Expedition dieſes Blattes. (11623

geb. Pferdegeſchirr, Speispfanne nebſt
1 Schiebkarren, eiſerne Badewanne mit
Gasunterſatz und Schwenkbottich zu ver=
kaufen
Darmſtraße 33.
(11624imd

Gut
u. Damenrad
erhalt. Herren-Weil-Rad (Allriaht) bill.
abzugeben Soderſtraße 47, I. I. (*14001

Ein faſt neuer Diwan für 35 Mark
zu verkaufen
(*14003
Lichtenbergſtraße 73, 1. Stock rechts.

Eine gut erhaltene Schuhmacher= Näh=
maſchine
für 20 Mark zu verkaufen
(*13998)
Feldbergſtraße 23e