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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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ſchriebenen Tagenwird nichtübernommen.
173. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt.
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 27.
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
N 130.
Dienstag, den 7. Juni.
1910.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Die Verſicherung der Privatangeſtellten.
* Ueber die Grundzüge für den Geſetzentwurf
be=
treffend die Penſions= und Hinterbliebenenverſicherung der
Privatangeſtellten, ſoweit ſie auf Grund der ſtattgehabten
Verhandlungen bisher feſtſtehen, wird folgendes
mitge=
teilt:
Alle Betriebsbeamte, Werkmeiſter und Techniker,
Hand=
lungsgehilfen und Lehrlinge einſchließlich derjenigen in
Apotheken und alle ſonſtigen Angeſtellten, deren dienſtliche
Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet, ferner Lehrer und
Erzieher, ſowie die Perſonen der Schiffsbeſatzung deutſcher
Seefahrzeuge, ſoweit ſie das 16. Lebensjahr vollendet und
das 60. beim Eintritt in die Verſicherung noch nicht
über=
ſchritten haben, unterliegen der
Verſicherungs=
pflicht. Daneben bleibt die Pflichtverſicherung nach dem
Invalidenverſicherungsgeſetz beſtehen. Als
Höchſt=
grenze des Einkommens, nach dem die Beiträge
und Leiſtungen bemeſſen werden, dürften 5000 Mark gelten.
Es ſoll jedoch die Verſicherungspflicht nicht an eine obere
Gehaltsgrenze gebunden werden. Eine freiwillige
Selbſt=
verſicherung iſt ausgeſchloſſen. Zur Durchführung der
Pri=
vatangeſtellten=Verſicherung dürfte eine Reichsanſtalt
erfor=
derlich werden mit einer ähnlichen Organiſation wie bei
den Verſicherungsträgern der Invalidenverſicherung. Zur
Beibringung der Mittel werden Arbeitgeber und
Ange=
ſtellte gleich hohe Beiträge von 8 v. H. des
Ge=
haltes zu entrichten haben. Die Erhebung der Beiträge
wird nicht durch Beitragsmarken zu bewirken ſein;
viel=
mehr wird der Arbeitgeber die Beiträge ſeiner Angeſtellten
in einer Summe durch die Poſt oder durch Reichsbank=
Girokonto abführen. Für die Quittungsleiſtung der
Reichsanſtalten können jedoch Marken wohl in Frage
kom=
men, die in das Quittungsbuch jedes Verſicherten
einge=
klebt werden.
Für die Bezüge aus der Verſicherung wird eine
Wartezeit erforderlich, die für männliche und weibliche
Angeſtellte verſchieden zu bemeſſen iſt. Für die erſteren
ſoll nach einer Wartezeit von fünf Jahren eine
Hinter=
bliebenenfürſorge im Falle des Todes der
Ver=
ſicherten eintreten. Nach zehnjähriger Wartezeit wird bei
vorliegender Erwerbsunfähigkeit eine
Invaliden=
penſion und bei Erreichung des 65. Lebensjahres eine
Alterspenſion gewährt. Für weibliche
Ange=
ſtellte iſt nach fünfjähriger Wartezeit im Falle der
Er=
tverbsunfähigkeit eine feſte Invalidenpenſion, im Falle des
Todes entweder Waiſenpenſion oder Rückzahlung der
ein=
gezahlten Beiträge ohne Zinſen in Ausſicht genommen.
Nach zehnjähriger Wartezeit wird bei Vollendung des 65.
Lebensjahres ebenfalls eine Alterspenſion gewährt. Die
Auszahlung aller Bezüge ſoll durch die Poſt erfolgen. Für
geeignete Fälle iſt auch eine Heilfürſorge für die
Verſicher=
ten in Ausſicht genommen.
Beim Ausſcheiden aus einer verſicherungspflichtigen
Beſchäftigung ſoll die Anwartſchaft auf die Leiſtungen
auf=
rechterhalten werden können durch Weiterzahlung des
vol=
len Beitrages oder durch Umwandlung in eine
beitrags=
freie Verſicherung gegen Zahlung einer
Anerkennungs=
gebühr. Nach fünfjähriger Verſicherung ſoll auch die
Rück=
gewährung der von den Verſicherten geleiſteten Beiträge
nebſt Zinſen zuläſſig ſein.
Die Finanzen des Reichs und der Bundesſtaaten.
* Das Kaiſerliche Statiſtiſche Amt veröffentlicht eine
Darſtellung der Finanzen des Reiches und
der deutſchen Bundesſtaaten auf Grund der Voranſchläge
für das Rechnungsjahr 1909, der Staatsrechnungen für
das Rechnungsjahr 1907.
Insgeſamt betragen die Staatsausgaben nach den
Voranſchlägen der Bundesſtaaten 5649 Millionen Mark
(darunter außerordentliche 280), für das Reich 3591 (
dar=
unter außerordentliche 756), zuſammen in Reich und
Bun=
desſtaaten 9240 (darunter außerordentliche 1036). Die
Staatseinnahmen belaufen ſich in den Bundesſtaaten auf
5628 Millionen Mark, im Reich auf 3591, zuſammen in
Reich und Bundesſtaaten 9219 (darunter außerordentliche
aus Grundſtock, Anlehen und ſonſtigen Staatsfonds 414
bezw. 756).
Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der
Bundesſtaaten ſtehen die Erwerbseinkünfte mit 2707 bezw.
3540 Millionen Mark an erſter Stelle. Der Hauptanteil
entfällt auf die Staatseiſenbahnen mit 2005 bezw. 2594.
Der Reſt verteilt ſich auf Domänen, Forſten, Bergwerke,
Staatsdampfſchiffahrt, Poſt, Telegraph und die ſonſtigen
Staatsbetriebe.
Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des
Reiches an Erwerbsanſtalten (754 bezw. 859 Millionen
Mark) entfallen hauptſächlich auf Poſt und Telegraph (640
1 bezw. 673) und die Eiſenbahnen (105 bezw. 123).
Die nächſtwichtige Einnahmequelle bilden Steuern
und Zölle. Die Bundesſtaaten erheben an: direkten
Steuern 666, Aufwandſteuern 84, Verkehrsſteuern 95 und
Erbſchaftsſteuern 17, zuſammen 862 Millionen Mark. Das
Reich bezieht aus Zöllen 739, aus Aufwandſteuern 567,
aus Verkehrsſteuern 142 und aus der Erbſchaftsſteuer 30,
zuſammen 1478 Millionen Mark (darunter 85 Millionen
Mark auf Grund der neuen Steuergeſetze.
Zahlenmäßige Nachweiſe über das Staatsvermögen
der einzelnen Bundesſtaaten konnten nur in Bezug auf
wichtigere Beſtandteile erbracht werden. Neben
Ueber=
ſchüſſen früherer Rechnungsjahre, verfügbarem
Staats=
kapitalvermögen uſw. beſitzen die Bundesſtaaten an
Do=
mänen ein Areal von 770 279 Hektar, an Forſten 5031 595
Hektar. Die Staatseiſenbahnen repräſentieren eine Länge
von 52745 Kilometer (im Reich 1861) und ein
Anlagekapi=
tal von 15 259 (im Reich 795) Millionen Mark.
Die fundierten Staatsſchulden beziffern ſich zu Beginn
des Rechnungsjahres 1909 für die Bundesſtaaten auf
13679 (darunter Preußen 8225, Bayern 1795), für das
Reich auf 3894 Millionen Mark. Die ſchwebenden Schulden
betragen insgeſamt 961 Millionen Mark; ſie entfallen in
der Hauptſache auf das Reich (360) und Preußen (545).
Die revolutionäre Bewegung in China.
*⁎* Aus dem Reiche der Mitte treffen fortgeſetzt ſehr
bedenklich lautende Meldungen ein, die von einer ſich
ſtei=
gernden antidynaſtiſchen Bewegung ſprechen
und befürchten laſſen, daß auch Leben und Eigentum der
Fremden in Gefahr ſind. Man wird unwillkürlich
daran erinnert, daß gerade zehn Jahre
ver=
floſſen ſind, ſeitdem die vereinigten Großmächte eine
ſtattliche Truppenmacht aufbieten mußten, um die Chineſen
mitſamt ihrer Regierung zur Räſon zu bringen. Die erſten
amtlichen Meldungen von dem in China ausgebrochenen
Aufruhr waren damals zwar ſchon Mitte Januar (1900)
in Europa bekanntgeworden; aber man maß ihnen keine
ernſtere Bedeutung bei. Erſt als die Haltung der
Zopf=
träger direkt bedrohlich wurde, beantragten die Vertreter
der Mächte, die in den chineſiſchen Gewäſſern Kriegsſchiffe
ſtationiert hielten, die Entſendung von
Marinedetache=
ments zum Schutze der Geſandtſchaften in Peking. Dem
Erſuchen wurde auch ſofort entſprochen, und das deutſche
Detachement traf ſchon am 3. Juni in der chineſiſchen
Hauptſtadt ein. Die weiteren Ereigniſſe ſind noch in
fri=
ſcher Erinnerung. Im Rate der Kaiſerin=Witwe hatten
die fremdenfeindlichen Elemente die Oberhand, indeſſen
glaubten die ausländiſchen diplomatiſchen Vertreter noch
immer die Sicherheit der Geſandtſchaften gewährleiſtet.
Aber zu Unrecht, am 18. Juni wurde Freiherr v. Ketteler,
der deutſche Geſandte, ermordet, und dann begann die
Herrſchaft des chineſiſchen Pöbels, mit dem die Soldaten
fraterniſierten. Die internationale Expedition unter dem
Oberbefehl des Grafen Walderſee ſorgte ſpäter dafür, daß
die Ehineſen ſich der gepanzerten Fauſt der Mächte
unter=
warfen.
Alle dieſe Ereigniſſe kommen uns, wie geſagt, in
Er=
innerung bei der Nachricht von den gegenwärtigen
Vor=
gängen in China, über deren wahre Natur noch
Unklar=
heit herrſcht. Man ſagt, es handle ſich in erſter Linie um
eine antidynaſtiſche Bewegung. Daß die 1645 ans Ruder
gekommene und noch heute regierende Mandſchudynaſtie
Tai=tſing viele Gegner im Lande hat, iſt kein Geheimnis,
und Verſchwörungen gegen den Thron ſind im Reiche der
Mitte nichts allzu Seltenes. Am bekannteſten iſt der
Auf=
ſtand, den unter dem Kaiſer Hieng=fung im Jahre 1850 die
Taiping (Anhänger einer Religionsſekte) im Süden des
Reiches anzettelten. Sie hatten dabei zuerſt großen
Er=
folg, brachten alles Land öſtlich vom Tſchekiang und ſüdlich
des Yangtſe in ihre Gewalt und beſetzten 1853 auch
Nan=
king. Nur durch eine gemeinſame Aktion Englands und
Frankreichs gelang die Niederwerfung des Taiping=
Auf=
ſtandes, der vor etwa acht Jahren wieder aufzuflammen
drohte, aber keine größeren Dimenſionen annahm, im
Jahre 1907 aufs neue zum Ausbruch kam und ſeitdem
wohl nie ganz erloſchen iſt, wenn er ſich bisher auch in.
mäßigen Grenzen hielt.
Wir haben ſchon oben geſagt, daß die jetzigen
Vor=
gänge noch der Klarheit entbehren. Die Südchineſen haſſen
die Mandſchudynaſtie, und dieſer Haß hat ſich noch
geſtei=
gert, weil man die am Ruder befindlichen Machthaber für
alle Demütigungen Chinas durch die Fremden, für jede
Einbuße an Gebiet und für jede den Ausländern gewährte
Konzeſſion verantwortlich macht. Die Gegner, der
Dynaſtie Tſing glauben vielleicht den Augenblick, wo ein
unmündiges Kind auf dem Thron ſitzt und wo infolge der
in Angriff genommenen Reformen viel Zwieſpalt in den
oberen Regionen herrſcht, beſonders geeignet für ihre
um=
ſtürzleriſchen Pläne. Immerhin aber haben die Fremnden
aus dem Umſtande, daß es ſich um eine antidynaſtiſche
und nicht um eine ausgeſprochen fremdenfeindliche
Bewe=
gung handelt, keine Urſache, ſorglos zu ſein, denn Zeiten
der Unruhe ſind in China für die Fremden ſtets
verhäng=
nisvoll, dieſe haben noch immer den Blitzableiter für die
Unzufriedenheit des Volkes mit der Regierung gebildet,
und daß in ſolchen Fällen der Fanatismus der Maſſen
in brutalſter Weiſe zum Ausdruck kommt, dafür gibt es
Beiſpiele genug. Noch in den letzten Jahren, noch nach
der Lehre, welche die Chineſen durch die internationale
Expedition zu Beginn dieſes Jahrhunderts erhalten
hat=
ten, ſind dem Fremdenhaſſe Opfer gefallen. Wir erinnern
nur an die Zerſtörung der deutſchen Miſſionsſtation
Limekon im Mai 1907, wobei allerdings die Miſſionare
gerettet wurden, ferner an die Niedermetzelung der
For=
ſchungsreiſenden Schmitz und Brunhuber im Herbſt v. J.,
um zu beweiſen, daß von einer Sicherheit der Fremden in
China keine Rede ſein kann, und dieſe Sicherheit wird
völlig in Frage geſtellt, wenn eine große revolutionäre
Bewegung durchs Land geht.
Hoffentlich laſſen ſich die Mächte nicht wieder von den
Ereigniſſen überraſchen wie vor zehn Jahren. Früher
oder ſpäter muß man ja damit rechnen, daß einmal der
Ruf laut wird: „China den Chineſen!”, aber die Mächte
haben Vorſorge zu treffen, daß durch dieſe oſtaſiatiſche
„Monroedoktrin” die berechtigten Intereſſen des
Auslan=
des nicht verletzt werden. Wir hegen die Erwartung, daß
Deutſchland, welches im Kiautſchougebiet einen wertvollen
Stützpunkt für die Wahrung ſeiner Intereſſen in Oſtaſien
beſitzt, rechtzeitig auf dem Poſten iſt, wenn unſeren
Lands=
leuten Gefahr droht, aber von einer unbefugten
Ein=
miſchung in die inneren Angelegenheiten Chinas, wie ſie
angeblich den Mächten von den Revolutionären zugemutet
wird, hält ſich ohne Zweifel unſere Reichsregierung völlig.
fern.
Teutſches Reich.
— Wie bezüglich des Gegenbeſuchs des
deut=
ſchen Kaiſers in Brüſſel berichtet wird, iſt das
Datum des Beſuchs infolge des Unwohlſeins des Kaiſers
vertagt worden und der Beſuch wird erſt im Oktober
ſtatt=
finden. Die Antwerpener Behörden tun Schritte, um das
deutſche Kaiſerpaar zu veranlaſſen, ſich anläßlich ſeines
Beſuches in Belgien auch in Antwerpen aufzuhalten, und
zwar entweder auf der Hin= oder auf der Rückfahrt. Wie
weiter berichtet wird, ſoll während der Anweſenheit des
Kaiſers eine großartige Truppenſchau erfolgen, die der
König als eine Notwendigkeit anſieht, da der deutſche
Kaiſer großes Gewicht auf militäriſche Veranſtaltungen
legt. Die Brüſſeler Garniſon wird durch Truppen aus der
Provinz bedeutend verſtärkt werden.
— In Regensburg tagte der Bayeriſche Kanalverein.
Bei dem Feſtmahl hielt Prinz Ludwig von Bayern
eine längere Rede, in der er u. a. der Hoffnung Ausdruck
gab, daß die Frage der Schiffahrtsabgaben eine
befriedigende Löſung erfahren werde; erſt dann würden
die Wünſche des Bayeriſchen Kanalvereins in Erfüllung
gehen können. Der Prinz wies u. a. auf die Beſtrebungen
des Werra=Vereins hin und meinte, daß unter Umſtänden
eine direkte Verbindung der Weſer mit dem bayeriſchen
Stromgebiet ſich ermöglichen laſſe. Ein Beiſpiel, was
man mit den Schiffahrtsabgaben machen könne, ſo fuhr
der Prinz fort, ſei Bremen. Bremen habe einen ganz
fla=
chen Strom gehabt, jetzt gingen die großen Schiffe bis dort
hinauf. Das ſei nur dadurch möglich geworden, daß
Bre=
men dieſes Recht auf Erhebung von Schiffahrtsabgaben
eingeräumt wurde. Mögen wir von dieſem Recht, das
wir ja auch bekommen werden, fleißig Gebrauch machen.
Nach § 138a der Gewerbeordnung iſt der Beſcheif
auf Anträge auf Ueberarbeit ſeitens der Mirnken
tungsbehörden binnen 3 Tagen zu erteilen. Dieſ=1
unver=
ſind die
mung iſt als nicht ausreichend zu erachten fürgſterungen
Gewerbe, die es, wie, die Betriebe des Konfekthes Rätſel
Seite 2.
bes, Putzwerkſtätten uſw., mit der Befriedigung plötzlich
hervortretender Bedürfniſſe der Kundſchaft zu tun haben.
In dieſen Betrieben läßt ſich das Bedürfnis nach
Ueber=
arbeit nicht ſo zeitig überſehen, wie etwa bei Fabriken,
die über die Erledigung eines lange vorher übernommenen
Auftragbeſtandes rechtzeitig zu verfügen in der Lage ſind.
Der Verband deutſcher Detailgeſchäfte der
Textilbranche in Hamburg wendet ſich daher in einer
Eingabe an die einzelnen Bundesregierungen mit
der Bitte, grundſätzlich alle Anträge auf Ueberarbeit als
dringlich zu behandeln und Vorkehrungen dahin zu treffen,
daß Anträge auf Ueberarbeit von den
Verwaltungsbehör=
den bis in die ſpäten Nachmittagsſtunden
entgegengenom=
men und erledigt werden können.
— Die Kommiſſion des badiſchen Landtags
für Juſtiz und Verwaltung nahm den ſozialdemokratiſchen
Antrag auf Einführung der
Proportional=
wahlen zum Landtag mit 8 gegen 7 Stimmen an. Dafür
ſtimmten vier Sozialdemokraten, ein Demokrat und drei
Nationalliberale, während die Minderheit aus fünf
Zen=
trumsabgeordneten, einem Konſervativen und einem
Na=
tionalliberalen beſtand.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7.
Ausland.
— Die Frage, welche augenblicklich die Mitglieder
ſämtlicher politiſcher Parteien Englands beſchäftigt, iſt:
Was wird das Programm der Regierung ſein, wenn das
Parlament am Mittwoch wieder zuſammentritt? Es wird
mit einiger Sicherheit angenommen, daß Mr. Asquith ſich
alle weiteren Mitteilungen vorbehalten wird bis zum
nächſten Donnerstag. Am Dienstag oder Mittwoch wird
eine Miniſterſitzung ſtattfinden, auf der die Pläne der
Regierung feſtgelegt werden ſollen. Wäre der Tod
König Eduards nicht dazwiſchen gekommen, ſo wäre die
Erledigung des Haushalts das erſte geweſen, mit dem
das Parlament nach den Frühlingsferien ſich beſchäftigt
hätte, und es iſt möglich, daß dieſer Teil des Programms
unverändert bleiben wird und daß am Mittwoch und
Donnerstag über den Haushalt beraten wird. Immerhin
ſind die Bewilligungen der Zivilliſte, ſowie die Erklärung
der Thronfolge König Georgs Gegenſtände, die keine
Ver=
zögerung erleiden können und frühzeitig erledigt werden
müſſen, und ſomit ſpricht alle Wahrſcheinlichkeit dafür, daß
ſie das Haus in der nächſten Woche beſchäftigen werden.
Im Mittelpunkt des öffentlichen und politiſchen Intereſſes
ſtehen jedoch die Pläne der Regierung in betreff der
Zweiten Kammer. Kaum ein einziger glaubt, daß
die Regierung auf alle Maßnahmen, wie ſie in den
Veto=
reſolutionen feſtgeleat wurden, verzichten wird, obgleich
einige gemäßigte Radikale und andere es mit Freuden
be=
grüßen würden, wenn eine Einigung getroffen würde, die
eine Erneuerng des ſcharfen Kampfes unnötig machen
würde. Auf jeden Fall iſt das Gefühl ganz allgemein, daß
unter Rückſichtnahme auf die Nationaltrauer die
Regie=
rung der öffentlichen Meinung und den Wünſchen der
All=
gemeinheit zuwider handeln würde, wenn ſie die
Wider=
aufnahme des Kampfes um das Vetorecht nicht
hinaus=
ſchieben würde. Es wird ganz allgemein als unvermeidlich
angeſehen, daß ein Waffenſtillſtand bis zum Herbſt
ge=
ſchloſſen wird.
— Der Miniſter des Innern in Spanien erließ ein
Rundſchreiben an die Provinzſtatthalter und ordnete eine
genaue Zuſammenſtellung aller ſeit 1904 gegründeten, aber
nicht eingeſchriebenen Kongregationen an. Man
rechnet, daß über 500 Kongregationen den geſetzlichen
Vor=
ſchriften nicht entſprechen und demnach aufgelöſt werden
dürften. Die Regierung erklärte, ſie werde mit
unerbitt=
licher Strenge vorgehen. Es wird verſichert, daß
Cana=
lejas den König unbedingt hinter ſich habe, daß aber der
ſpaniſche Staatsſekretär im Vatikan und der ſpaniſche
Beichtiger des Papſtes dafür ſeien, jedes kirchliche
Zuge=
ſtändnis an den Staat zu verweigern, weil ſie glauben, die
Maſſe des ſpaniſchen Volkes auf ihrer Seite zu haben.
— Die „Times” brachte aus Petersburg die Meldung,
daß die perſiſche Regierung nunmehr alle Hoffnungen
auf=
gegeben habe, von Deutſchland eine Anleihe zu
er=
halten, und daß ſie deshalb die Verhandlungen mit
Groß=
britannien und Rußland wieder aufnahm. Die perſiſche
Geſandtſchaft in London hat daraufhin das genannte
Blatt aufgefordert, zu erklären, daß der zweite Teil ſeiner
Aus dem Leben der Kaiſerin Charlotte
von Mexiko.
Zu ihrem 70. Geburtstage.
— Ohne Kenntnis von der Welt und ihren
Mit=
menſchen, in tiefer geiſtiger Umnachtung wird die
Ex=
kaiſerin Charlotte von Mexiko am heutigen
Tage, am 7. Juni, das 70. Jahr ihres Lebens
vollenden. Sie kam am 7. Juni 1840 im Schloſſe
Laeken bei Brüſſel als Tochter des erſten Königs der
Belgier Leopold I. und der Prinzeſſin Luiſe von
Frank=
reich=Orléans zur Welt. Zärtlich behütet, vortrefflich
erzogen, von hoher Schönheit und ſcharfem munterem
Verſtande, ſo ſchien ſie die höchſten Anſprüche an das
Daſein ſtellen zu dürfen. Sie ſchlug mehrere
Heirats=
anträge aus, bevor ſie dem Erzherzoge Ferdinand von
Oeſterreich, einem jüngeren Bruder des Kaiſers Franz
Joſef I., am 27. Jnni 1857 die Hand zur Ehe reichte.
Unter dem Namen Maximilian I. nahm der Erzherzog
ſechs Jahre ſpäter aus den Händen des Kaiſers
Napoleon III. die für ihn geſchmiedete Krone von
Mexiko an. Das abenteuerliche Unterfangen, bei dem
der Erzherzog mehr ritterlichen, tapferen Sinn als
ſtaatsmänniſche Weisheit bekundete, endete am 19. Juni
1867 mit ſeiner Erſchießung vor den Toren von
Quere=
gro. Als das geſchah, war ſeine Gemahlin Charlotte
dem Wahnſinn verfallen. Er war bei ihr zum
die flott gche gelangt, nachdem ſie nach Europa geeilt war
ſtelle, per leblich verſucht hatte, den Kaiſer Napoleon zur
Lihres Gemahls zu bewegen.
Meldung falſch iſt, und was den erſten betrifft, ſo habe die
perſiſche Regierung überhaupt niemals die Abſicht gehabt,
die Anleihe bei deutſchen Kapitaliſten aufzunehmen.
— Der Sultan von Marokko erteilte dem vom
diplo=
matiſchen Korps für die Schuldenkommiſſion
feſt=
geſetzten Reglement ſeine Zuſtimmung. Die Kommiſſion
beginnt morgen ihre Arbeiten.
* Die Enzyklika. Aus Rom wird gemeldet:
„Oſſervatore Romano” gibt die aus Anlaß der
päpſt=
lichen Enzyklika im preußiſchen Abgeordnetenhauſe
eingebrachten Interpellationen wieder und bemerkt dazu:
„Wir wiſſen nicht, ob der Wortlaut der im preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſe eingebrachten Interpellationen richtig
tele=
graphiert worden iſt. Wenn das der Fall ſein ſollte, dann
müßten wir erklären, daß die Interpellationen auf ernſten
Ungenauigkeiten beruhen, da ſie den päpſtlichen Worten
eine Bedeutung beilegen, die nicht der Wahrheit entſpricht.”
Dieſe orakelhafte Erklärung ſcheint einen Rückzug
vorbe=
reiten zu ſollen. Die „Berl. N. Nachr.” ſchreiben: Der im
vorigen Herbſt veröffentlichte Vorentwurf zum
Straf=
geſetzbuch ſieht z. B. die Streichung des
Kanzelpara=
graphen, aber die Beibehaltung des
Gottesläſterungspara=
graphen vor. Man wird ſehr ernſtlich zu erwägen haben,
ob man jene Schutzwehr des Kanzelparagraphen nach
die=
ſem von oben gegebenen Beiſpiel niederreißen darf; man
wird ſich auch ſehr energiſch mit der Frage zu befaſſen
haben, wie die ſchreiende Ungleichheit, die, mehr noch als
das Geſetz, die Rechtſprechung über den
Gottesläſterungs=
paragraphen zwiſchen dem Schutz des katholiſchen und dem
des evangeliſchen Empfindens geſchaffen, zu beſeitigen, wie
die berechtigte wiſſenſchaftliche und ſittliche Kritik von
ten=
denziöſen Feſſeln zu befreien iſt, ohne daß der berechtigte
Zweck, der Schutz des religiöſen Gefühls, preisgegeben
wird.
* Rom, 6. Juni. Anläßlich des geſtrigen
National=
feſtes verlieh der König eine große Anzahl von
Auszeich=
nungen an Körperſchaften und Perſonen wegen ihrer
Ver=
dienſte um das Rettungswerk für die Opfer der
Erd=
bebenkataſtrophe in Sizilien und
Kala=
brien. So erhielten u. a. der deutſche Kaiſer, die
Kaiſerin, ſowie die deutſche Kriegsmarine und die
Stadt Berlin die goldene Medaille, mehrere deutſche
Kriegsſchiffe und Inſtitute, einzelne Perſonen, unter ihnen
Fürſt Bülow, der Militärattaché bei der deutſchen
Bot=
ſchaft in Rom, Oberſtleutnant Freiherr von Hammerſtein,
die ſilberne Medaille, während einigen anderen die
bron=
zene Medaille bezw. ehrenvolle Erwähnung zuteil wurde.
Das Rote Kreuz wurde verliehen an die Stadt München
und dem bayeriſchen 19. Infanterie=Regiment.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Juni.
— Ernannt wurde Heinrich Metzger zu
Darm=
ſtadt zum Bureaugehilfen bei der landwirtſchaftlichen
Verſuchsſtation, zum Werkführer der Werkführerdiätar
Wernig zu Wiesbaden, zum Werkführerdiätar der
Hilfswerkführer May zu Darmſtadt, zum Rottenführer
der Hilfsrottenführer Schweinhardt zu Offenthal,
zum Schaffner der Hilfsſchaffner Backes zu Worms
und zum Bahnwärter der Hilfswärter Gerhardt zu
Ginsheim.
* Staatsſchuldbuch. Die am 1. Juli 1910 fälligen
Zinſen der in das Heſſiſche Staatsſchuldbuch
ein=
getragenen Forderungen werden hei allen in Betracht
kommenden Heſſiſchen Kaſſen und bei den
Reichsbank=
anſtalten vom 17. Juni ab gezahlt. Vom gleichen Tage
ab wird die Staatsſchuldenkaſſe die durch die Poſt oder
Gutſchrift auf Reichsbank=Girokonto zu berichtigenden
Schuldbuchzinſen überweiſen.
* Gottesdienſt in der ruſſiſchen Kapelle. Aus
Anlaß des Geburtsfeſtes Ihrer Majeſtät der Kaiſerin
Alexandra Feodorowna von Rußland findet morgen
vormittag 11 Uhr in der hieſigen ruſſiſchen Kapelle auf
der Mathildenhöhe Gottesdienſt mit anſchließendem
feier=
lichen Tedeum ſtatt.
L. Die Schwurgerichtsverhandlungen nahmen geſtern
unter dem Vorſitz des Landgerichtsrats Hauſtädt ihren
Anfang. Vor Gericht ſteht der 23 Jahre alte Monteur
Valentin Breidert von Offenbach, ein jähzorniger, dem
Trunke ergebener Menſch, der bei ſeinen Eltern wohnt,
wel=
chen er ſchon viele Sorgen bereitet hat. Am 3. April d. J.
ſtahl er, während ſein Vater einen Spaziergang machte,
dieſem zwei Fünfzigmarkſcheine. Mit dieſen ging er ins
Wirtshaus und gab Wein und Bier zum Beſten. Dem
Vater, der ſeinen Verluſt alsbald bemerkte, war ſofort klar,
wer der Dieb ſei. Er ging mit ſeiner Frau und dem
jün=
geren Sohn auf die Suche aus und entdeckte ihn in einer
Ecke der Goethe= und Mozartſtraße gelegenen Wirtſchaft.
Sofort packte er ihn an der Schulter und ſagte: „Spitzbub,
Du haſt das Geld geſtohlen, gibſt Du es wieder heraus!“
Dieſe Begrüßung verſetzte den Angeklagten in große Wut,
die ſich noch ſteigerte, als ſein Bruder ebenfalls ſich
ein=
miſchte und einen Revolver blicken ließ. Auch er griff nach
der Wafffe, was zur Folge hatte, daß die Streitteile nach
verſchiedenen Seiten entfernt wurden. Im Freien gab der
Angeklagte dann gegen ſeinen Vater und ſeinen Bruder
drei Schüſſe ab. Um ſich zu ſchützen, lief der Vater kreuz
und quer auf der Straße herum, während ſich der Bruder
zuerſt bückte und dann ebenfalls eine Platzpatrone abſchoß
Trotz lebhaften Zuredens von allen Seiten beruhigte
Brei=
dert ſich nicht, er drohte vielmehr: „Heute nacht gibt es noch
etwas, was noch nicht da war” Seine Angehörigen, die
nichts Gutes ahnten, brachten die Nacht in den Kleiderr
zu. Gegen Morgen erſchien er zu Hauſe, ſchlug die
Vor=
platztüre und die Schlafzimmertüre ein, breitete
Zeitungs=
papier aus, zündete es an und warf an der Wand
hän=
gende Kleider darüber. Das Feuer ergriff den Boden und
die Türfüllung, wurde aber mit Hilfe zweier alsbald er
ſchienener Schutzleute ſchnell gelöſcht. Breidert iſt wegen
Diebſtahls, zweifachen Totſchlagsverſuchs und
Brandſtiftung angeklagt; er geſteht den
Diebſtah=
ein, geſchoſſen will er nur haben, um zu ſchrecken, nachden
ſein Bruder drohend gegen ihn ging. Von der Brandſtif
tung will er gar nichts wiſſen. Sein Vater wurde vor
ſei=
ner Vernehmung gefragt, ob er den wegen Diebſtahls
gegen ſeinen Sohn geſtellten Strafantrag zurückzieher
wolle. Er lehnte dies aber ab, als er hörte, daß ihn
als=
dann 25 Mark Koſten treffen können. Durch mehrere
Zeu=
gen wurde feſtgeſtellt, daß der Angeklagte bei der Tat nicht
betrunken war. Daß ſein Revolver ſcharf geladen war
mußte ihm bekannt ſein, denn er wurde bei deſſen Erwerk
auf dieſen Umſtand ausdrücklich aufmerkſam gemacht und
duldete nicht, daß die Patronen herausgenommen wurden
Einem Zeugen geſtand er zu, daß er auf ſeinen Bruder
ge=
zielt habe. Dieſer ſowie der Vater ſahen das Feuer aus
ſeiner Waffe blitzen und hörten Kugeln einſchlagen. Der
Sachverſtändige Kaufmann Wesp von hier entdeckte an
dem Ueberzieher des alten Breidert Spuren, die ſeiner
An=
ſicht nach ſehr wohl von einem Schuß herrühren können
Nach Anſicht des Medizinalrats Dr. Pfannmüller
von Offenbach beſteht über die Zurechnungsfähigkeit des
Breidert nicht der mindeſte Zweifel. Der Vertreter der
An=
klage, Gerichtsaſſeſſor Callmann, hielt die Anklage in
vol=
lem Umfang aufrecht, während der Verteidiger,
Rechts=
anwalt Kleinſchmidt, ſtatt des Totſchlagsverſuchs
höchſtens eine Bedrohung für erwieſen erachtete. Die
Ge=
ſchworenen bejahten die Fragen wegen Diebſtahls
Brandſtiftung und zweifacher Bedrohung mit mildernden
Umſtnäden, worauf das Gericht eine Zuchthausſtrafe
von 2 Jahren 6 Monaten ausſprach; ein Monat
iſt=
durch die Unterſuchungshaft verbüßt. Die bürgerlichen
Ehrenrechte wurden auf 5 Jahre aberkannt. Der
Verur=
teilte trat die Strafe ſofort an.
* Zur Prüfung der für den Verkehr auf öffentlichen
Wegen und Plätzen beſtimmten Kraftfahrzeuge (
Kraft=
wagen und Krafträder) ſind bis auf weiteres folgende
Perſonen als Sachverſtändige beſtellt: 1. die
Beamten=
der Großherzoglichen Dampfkeſſelinſpektion zu Darmſtadt
2. Profeſſor Hoepke, Direktor des Rheiniſchen Technikums
zu Bingen. — Zur Prüfung von Führern von
Kraftfahrzeugen (Kraftwagen und Krafträder) ſind bis
auf weiteres folgende Perſonen als Sachverſtändige
be=
ſtellt: 1. die genannten Perſonen, 2. Ingenieur W.=
Schoeller, Inhaber des gleichnamigen elektrotechniſchen
Bureaus zu Darmſtadt.
— Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnaſchweisſtelle in
ſtädtiſchen Hauſe Waldſtr. 6 (Telephon 371) werden für
den Monat Mai folgende Zahlen mitgeteilt: 396 offene
Stellen, 868 Arbeitſuchende, 236 Vermittelungen,
dar=
unter 84 Dienſtboten.
Städtiſche Straßenbahn. Die Fahrgeldeinnahme
vom Mai lfd. Jahres betrug 38887,05 Mark (im
Vor=
jahre 38 051,32 Mark). Die Einnahme für den
Wagen=
kilometer im Mai d. J. gleich 37,75 Pfg., gegen 35,4
Pfg. im Jahre 1909.
— 80. Geburtstag. Am Donnerstag, 9. Juni, feiert
die Witwe des Hoboiſten Georg A. Dörr hier, Wenck
ſtraße 68, ihren 80. Geburtstag. Ihr Ehemann, der 37
Jahre im Infanterie=Regiment Nr. 115 ſtand und die
Feldzüge 1848, 1864, 1866 und 1870/71 mitgemacht hat
iſt im Jahre 1874 geſtorben.
* Ehrung. Herrn Konzertmeiſter Havemann
wurde während des Kammermuſikfeſtes von
Mitgliedern des Kammermuſik=Vereins
Auer=
bach ein herrlicher Lorbeerkranz mit lila Schleife
und der Widmung: „Mitglieder des Kammermuſikver
eins Auerbach ihrem verehrten Konzertmeiſter
Have=
mann, Darmſtadt 1910” überreicht.
* Sektion Darmſtadt des Deutſchen und
Oeſterreichi=
ſchen Alpenvereins. In der letzten Monatsverſamm
lung vor dem Beginn der Reiſezeit nahm die Sektion
den Bericht des Schriftführers Herrn Dr. Tenner über
die Erſteigungen, Reiſen und Wanderungen der
Mit=
glieder im vergangenen Sommer entgegen, ſoweit dieſe
der Sektionsleitung mitgeteilt worden waren. Dann
beriet man im regen Meinungsaustauſch die Pläne für
dieſes Jahr. Die Darmſtädter Hütte iſt wiederum in
der Hand der altbewährten Pächterin, Frl. Pepi Wol
aus Nenzing, die Wege im Sektionsgebiet ſind neu her
gerichtet und bezeichnet. Die Kartenabſtempelung und
die Entgegennahme von Unfallmeldungen hat in
dan=
kenswerter Weiſe wiederum Herr Dr. Tenner in der
Adlerapotheke am Wilhelminenplatz übernommen. Die
Zuſammenkunft der Mitglieder am Freitag abend im
Alpenzimmer bei Sitte bildet auch in den Sommer=
kes Lei
§ Hundef
hieſigen
Natura
enden
rſonen
5 Mark (o
§ Diebſte
iſch
Jetzt ruft der 70. Geburtstag der Exkaiſerin
Char=
lotte die Erinnerung an den ſchönſten Tag ihres
Lebens zurück, an dem ſie, ſtrahlend vor Glück, an der
Seite ihres Gemahls in Mexiko einzog. Voll froher
Hoffnung fuhren Kaiſer Maximilian und Kaiſerin
Charlotte am 14. April 1864 ihrem neuen Schickſale
ent=
gegen. Während der Seereiſe verbrachte die Kaiſerin,
nach dem Zeugniſſe ihrer Hofdame, der Gräfin Paula
Kollonitz, ihre Zeit „mit Vorbereitungen zu ihrer
künf=
tigen Exiſtenz mit Ausarbeitung ihrer Haus= und
Hof=
ordnung, mit Arbeiten, welche ihr der Kaiſer übertrug,
und war ſo ſehr von dem Berufe erfüllt, dem ſie
ent=
gegenging, daß ſie von allem anderen beinahe unberührt
blieb” Am 28. Mai 1864 warf die „Novara” vor
Veracruz Anker und am 12. Juni zog das Kaiſerpaar
feierlich in Mexiko ein. Die Hauptſtadt war aufs
reichſte geſchmückt, Triumphpforten waren errichtet, die
in großen Inſchriften „Maximiliano” und „Carlota‟
willkommen hießen, eine dichte Menſchenmenge füllte
die Straßen und von den unzähligen Balkonen der
Häuſer winkten Frauen und Kinder mit Fahnen und
Tüchern. Das Kaiſerpaar ſaß in einem Wagen, zu
deſſen Seiten der General Bazaine, der Befehlshaber
der franzöſiſchen Truppen, und der Graf Bombelles,
der zum Kommandanten der kaiſerlich mexikaniſchen
Garde ernannte Jugendfreund Maximilians, ritten.
Präfekten, Miniſter und Hofbeamte von des neuen
Herrſchers Gnaden eröffneten den langen Zug. Aus
allen Häuſern fielen Blumen und farbige Papierſtreifen
nieder, auf denen Begrüßungsgedichte gedruckt waren.
In großer Maſſe ſchloſſen ſich Indianer dem Zuge an.
Eine alte Sage ihres Stammes hatte günſtig für den
Kaiſer gewirkt. Sie ſahen in ihm den weißen Mann,
der zur Befreiung aus ihrer Unterdrückung übers Meer
gekommen war, und begrüßten ihn mit lautem Jubel.
In einem muſchelförmigen, mit Goldpapier
überzoge=
nen Wagen ſaßen drei als Engel gekleidete Kinder, die,
ſo oft der Zug gehemmt war, zum Wagen des
Kaiſer=
paares hingetragen wurden und es mit Blumen
über=
ſchütteten. In einem anderen Wagen, den die mexika=
niſchen Farben, Weiß, Rot und Grün, ſchmückten,
wur=
den die lebensgroßen Bildniſſe des Kaiſers und der
Kaiſerin nachgefahren, und ſolcher Huldigungen gab es
viele. Der Zug hielt vor der Kathedrale. Dort wurde
ein Tedeum abgehalten, und dann ging es zu Fuß
über Teppiche und unter ſchützendem Zeltdache zum
Palaſt. In deſſen Thronſaale, unter einem Baldachin
ſtehend, ließen die „Emperadores” alle Würdenträger
an ſich vorüberdefilieren. Ein Feſtmahl im Palaſte und
ein Feuerwerk davor beſchloſſen den Tag. „Mit dem
Gefühle großer Befriedigung zogen ſich die Mhjeſtäten
in ihre Gemächer zurück. Alles ſchien vorteilhafter,
hoffnungsreicher, als man erwartet hatte. Alles hatte
die günſtigſte Seite herausgekehrt. Die Natur und die
Menſchen hatten alles aufgeboten, um den Ankömmline
zu gewinnen und vielleicht auch, um ihn — zu blenden
So ſchreibt die Gräfin Paula Kollonitz. Die Kaiſerin
Charlotte aber war, nach den Worten ihrer Hofdame,
„ſehr entzückt und von einer Begeiſterung, deren ich
die ruhige Frau nicht fähig gehalten hätte‟ Der Rauſch
dieſer Begeiſterung ſollte nur allzu ſchnell verfliegen.:.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.
Seite 3.
nmül
Die
sſtra
monaten die Zentralſtelle für alle Anfragen und
Aus=
künfte alpiner Art, wo ebenfalls Karten abgeſtempelt
werden können.
* Heſſiſcher Landeslehrerinnenverein. Am Samstag,
den 28. Mai, fand, wie man uns ſehr verſpätet mitteilt,
in Frankfurt der Zuſammenſchluß von
Leh=
rerinnen aller Kategorien ſtatt unter dem
Geſamt=
namen: „Heſſiſcher
Landeslehrerinnen=
ver ein”. Der neue Verein ſetzt ſich zuſammen aus
den ſchon beſtehenden und noch zu gründenden
Orts=
vereinen, jedoch ſind auch Einzelmitglieder
aufnahme=
berechtigt. Er erſtrebt: a) Eine größere Beteiligung
der Lehrerinnen an der Bildung der weiblichen Jugend
in Volks= und höheren Schulen; b) eine hierzu
befähi=
gende Ausbildung; e) Beteiligung der Lehrerinnen an
gemeinnützigen Beſtrebungen zum Beſten der
weibli=
chen Jugend; d) die äußere Sicherſtellung der
Lehre=
rinnen. Der Sitz des Vereins iſt die Landeshauptſtadt.
Als erſte Vorſitzende und erſte Schriftführerin wurden die
Damen Schweisgut und Nick aus Darmſtadt gewählt.
Alljährlich wird eine Hauptverſammlung abwechſelnd
in einer der drei Provinzen abgehalten. Der Verein
wird dem Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenverein
angeſchloſſen. Alle in Heſſen beſchäftigten Lehrerinnen
— wiſſenſchaftliche wie techniſche, ſtaatlich und ſtädtiſch
angeſtellte, wie private — können dem Verein
bei=
treten.
— Schützenhof. Heute Dienstag abend konzertiert
die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter Herrn
Hauskes Leitung im Schützenhof. Der zweite Teil des
Konzerts wird wieder durch Streichmuſik ausgefüllt
und ſollen da nur bekannte Operetten zu Gehör gebracht
werden. (S. Anzeige.)
§ Hundefang. Während des Monats Mai ſind durch
den hieſigen Polizei=Hundeaufſeher 36 Hunde
einge=
ſangen worden. Hiervon wurden 23 Hunde von ihren
Eigentümern wieder ausgelöſt, 3 Hunde wurden
ver=
kauft, 1 Hund iſt im Stall tot aufgefunden worden und
9 Hunde mußten getötet werden.
§ Naturalverpflegungsſtation. Während des
ver=
floſſenen Monats Mai wurde die Hilfe der hieſigen
Naturalverpflegungsſtation von 537 mittelloſen
Durch=
reiſenden in Anſpruch genommen und ſind hierdurch
509 Mark Verpflegungskoſten entſtanden. Im
vorher=
gehenden Monat April wurden 453 (oder weniger 84)
Perſonen unterſtützt, welche einen Koſtenaufwand von
26 Mark (oder weniger 83 Mark) verurſachten.
* Diebſtahl. In der Nacht von Donnerstag auf
Freitag wurde in der Aeußeren Ringſtraße in der Nähe
des ſtädtiſchen Lagerplatzes eine Hütte erbrochen und
araus vier Stallhaſen entwendet.
=gs- Zuſammenſtoß. Sonntag abend nach 6 Uhr
wurde ein Taglöhner von hier, welcher mit dem Rade
von Ober=Ramſtadt heimwärts fuhr, in der Nähe de2
Donnersberges auf der Chauſſee von einem
Automo=
bil angefahren und in den Chauſſeegraben
ge=
ſchleudert. Mit ſtarken Verletzungen im Geſicht wurde
der Mann durch die Rettungswache mittels
Kranken=
automobils nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe und
als=
dann in ſeine Wohnung gebracht.
=gs- Selbſtmord. Sonntag nachmittag hat ſich ein
ſtellenloſer Maler und Lackierer aus Beſſungen in
ſelbſtmörderiſcher Abſicht die Pulsadern geöffnet. Der
Verletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes
durch die Rettungswache mittels Krankenautomobils in
das ſtädtiſche Krankenhaus gebracht, wo er geſtern nacht
ſeinen Verletzungen erlegen iſt.
=gs- Unfall. Am Samstag nachmittag verunglückte
ein Dreherlehrling aus Eberſtadt in einer
Maſchinen=
fabrik dadurch, daß er im Fabrikhof hinfiel und ſich
einen linken Oberarmbruch zuzog. Nach Anlegung eines
Stützverbandes wurde der Verunglückte mittels
Kran=
kenautomobils nach dem ſtädtiſchen Krankenhauſe
ge=
bracht.
Meſſel, 6. Juni. Vier Italiener waren in einer
Wirtſchaft eingekehrt, und es kam über die Bezahlung der
Zeche zu Meinungsverſchiedenheiten. Einer der Fremden
brachte dabei dem Schwager des Wirtes einen
Meſſer=
ſtich unter dem Auge bei und von den Italienern wurden
auch mehrere Revolverſchüſſe vor dem Lokal abgegeben,
ohne daß dadurch jemand eine Verletzung erlitt. Zwei
Italiener ſind deshalb nunmehr in Unterſuchungshaft
ge=
nommen.
— Auerbach, 6. Juni. Man ſchreibt uns: Wie
ſei=
tens des Verkehrsausſchuſſes der
Berg=
ſtraße ſchon mehrfach mitgeteilt wurde, iſt in dieſem
Frühjahr eine umfangreiche Propaganda für die
Berg=
ſtraße in den Zeitungen entfaltet worden. Es
han=
delt ſich hierbei nicht allein um die bekannte Kollek=
tiv=Annonce der Bergſtraßenorte, die ſchon mehrmals
genannt iſt, ſondern es erſcheinen noch weitere
Tages=
annoncen in verſchiedenen Tagesblättern, ſerner im
offiziellen Führer von Frankfurt und auf den
Speiſe=
karten der Speiſewagen in den hier durchfahrenden
D=Zügen. Auch hat ſchon eine große Zahl Feuilleton=
Artikel in vielen Zeitungen über die Bergſtraße
Auf=
nahme gefunden. Die darauf bei dem
Verkehrsaus=
ſchuß und bei den einzelnen Auskunftsſtellen der
ver=
ſchiedenen Orte eingelaufenen Anfragen haben bereits
eine bedeutende Zahl erreicht. Aber — und das iſt die
Hauptſache — es iſt nicht beim bloßen Anfragen
ge=
blieben. Die Fremdenliſte von Auerbach vom 29.
Mai 1910 zählt 1022 Perſonen, gegen 702 am gleichen
Tage 1909, ein Plus von 320 Perſonen — 46 Prozent!
Die Jugenheimer Liſte vom 28. Mai 1910 zählt
916 Perſonen, gegen 745, ein Plus von 171 Perſonen
— 24 Prozent. Zwingenberg iſt mit ſeinem
Ver=
kehr in dieſem Jahre ſehr zufrieden. Leider ſteht dem
Verkehrsausſchuß Material aus anderen Orten nicht
zur Verfügung. Das ſind erfreuliche Reſultate, die
die aufgewendete Mühe und Koſten reichlich
aus=
gleichen. Wir hoffen noch über weitere gute Erfolge
im Laufe des Sommers berichten zu können und
hoffen ferner, daß es uns gelingt, der Bergſtraße bald
zu dem Anſehen zu verhelfen, welches ſie vermöge
ihres milden Klimas und ihrer Naturſchönheiten in
ſo hohem Maße verdient:
(*) Offenbach, 5. Juni. Heute tagte hier die
Krie=
gerkameradſchaft „Haſſia”. Wie heute, ſo
waren auch geſtern abend bei der Begrüßungsfeier
die Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden
vertreten. Nach den Begrüßungsreden durch den
Vor=
ſitzenden des Offenbacher Vereins, Herrn Pfifferling,
hielt Prediger Bloch die Feſtrede, die die hohen
Auf=
gaben der Kriegervereine betonte und in ein Hoch auf
Kaiſer und Großherzog ausklang. Fräulein
Sauer=
korn ſprach ein Feſtgedicht, lebende Bilder wurden
geſtellt und vom Geſangverein Sängerkranz und dem
Doppelquartett Lieder vorgetragen. Bei der heutigen
Eröffnung der Hauptverſammlung betonte Exzellenz
Hof=Darmſtadt, der Präſident der Haſſia, daß man
überall das Beſtreben der Haſſia würdige und fördere.
Der verſtorbenen Kameraden, beſonders des Grafen
Oriola, wurde durch Erheben von den Sitzen gedacht.
An den Kaiſer und den Großherzog ſandte die
Ver=
ſammlung Huldigungstelegramme. Kreisrat
Loch=
mann hofft, daß die heutige Verſammlung auch den
ſchweren Offenbacher Boden für die Ziele der Haſſia
geeigneter machen möchte. Aehnlich ſpricht ſich
Bei=
geordneter Porth, der Vertreter der Stadt, aus.
Rittmeiſter Dörr=Worms brachte ein Hoch auf
Ex=
zellenz Hof aus. Der Jahresbericht des Präſidenten
Hof zeigt eine rege, vorwärtsſtrebende Entwickelung
auf allen Gebieten. Das neu herausgegebene
Hand=
buch für die Haſſia gibt beachtenswerte Winke. An
Kameraden, die 25 und 40 Jahre den Verbandvereinen
angehören, wurden Abzeichen verteilt. Für
hervor=
ragende Verdienſte im Intereſſe der Kriegervereine
wurden ſilberne und bronzene Ehrendenkmünzen
aus=
geben. Der Verband zählt jetzt in 38 Bezirken 950
Vereine mit rund 66000 Mitgliedern. Das
Kapital=
vermögen iſt 607705 Mark, der Mobiliarwert 472040
Mark. Das Vermögen des Verbandes ſelbſt beträgt
236 306 Mark. Sämtliche Bezirke waren, außer
Herb=
ſtein, vertreten. Mit dem Verbandsorgan „Heſſiſcher
Kamerad” werden ſchlechte Geſchäfte gemacht, das
De=
fizit in 1909 betrug 10640 Mark, doch ſoll das
Bezugs=
geld nicht erhöht, dagegen mehr Leſer gewonnen
wer=
den; ihre Zahl iſt jetzt 11500. Eine Sonderkommiſſion
behandelt dieſe Sache weiter. Dem Antrag Büdingen,
das Ausſchlußverfahren zu regeln, wird ſtattgegeben
und beſchloſſen: „Das Präſidium kann Mitglieder
aus=
weiſen vorbehaltlich der Berufung an die
Delegierten=
verſammlung‟. Der Antrag Gießen, bei der
Haſſia=
lotterie eine größere Anzahl kleinerer Gewinne
ein=
zurichten, wird angenommen. Nach dem Antrag
Worms wird beſchloſſen, daß neu eintretende Vereine
in Orten, die ſchon einen Kriegerverein haben,
minde=
ſtens 40 Mark Eintritt bezahlen müſſen. Ein Antrag
Mainz und Vilbel wurden zurückgeſtellt. Der erſte
Schriftführer, Dr. Vogt, gibt bekannt, daß in den
Vereinen durch Vorträge das
nationalökono=
miſche, volkswirtſchaftliche Wiſſen
ge=
hoben werden ſolle. Etwa 400—500 Mark werden
als Preiſe für kleine Schriftchen in obigem Sinne
be=
willigt. Ohne ins politiſche Gebiet
einzu=
gehen, ſoll in der Aufklärung des Volkes gearbeitet
werden. — Die Delegiertenverſammlung
für 1911 erhält Friedberg.
Offenbach, 6. Juni. Der 9jährige Sohn des
Schuh=
machers Oberitzki, Domſtraße 24, ſtieg geſtern
nachmittag am Mainwerft, gegenüber dem „
Stadtgar=
ten”, in ein Boot, um mit Muſcheln zu ſpielen. Der
Junge bekam dabei das Uebergewicht und ſtürzte in
den Fluß. Zwar ſprang ihm ſofort ein Mann nach
doch konnte weder er, noch der kurz darauf nach der
Kleinen tauchende Kaufmann Becker den Knaben
fin=
den, da das Waſſer an dieſer Stelle zu tief und ſchmutzig
war. Erſt dem Baggermeiſter Hermann gelang es nach
20 Minuten mit Hilfe ſeines Wolfes, den lebloſen
Kör=
per zu bergen. Die über eine Viertelſtunde angeſtellten
Wiederbelebungsverſuche, die Kaufmann Becker mit
zwei weiteren Herren vornahm, hatten keinen
Er=
folg, und der hinzugerufene Arzt Dr. Klein konnte
nur den Tod des Jungen feſtſtellen.
Mainz, 6. Juni. Selbſtmord verübt hat der
Obſt=
händler Klein, indem er ſich in ſeinem Magazin im
Gallhof erhängte. Man fand ihn heute früh dort als
Leiche. Seit dem Tode ſeiner Frau, die vor einem Jahr in
ihrem Bette, während ſie ſchlief, von einem Schlaganfall
getötet worden war, zeigte Klein ein tief gedrücktes
We=
ſen. — Ein Vizefeldwebel beobachtete geſtern nacht, wie
ein Kerl einem Landwehrmann die Uhr ſtahl. Zwei
zufällig vorbeikommende Schutzleute, die er benachrichtigte,
nahmen den Menſchen feſt. Er mußte die Uhr wieder
herausgeben und wurde verhaftet. Es iſt der Taglöhner
Heinrich Wolf aus Eſſenheim, der heute eine
Diebſtahls=
ſtrafe von vier Wochen Gefängnis anzutreten hatte. (!)
Oppenheim, 6. Juni. Ueber die
Unterſchlagun=
gen des Notars Hubert wird den Blättern
geſchrie=
ben: Bei den teils angegriffenen, teils nicht mehr
vorhan=
denen Depots iſt nach Feſtſtellung des amtlich beſtellten
Re=
viſors mit einem Fehlbetrag von 100000 bis 135000 Mark
zu rechnen. Noch vorhandene (etwa 88000 Mark), einzelne
Depots und andere Gelder ſind nach dem Ableben von dem
Amtsgericht Oppenheim in Verwahrung genommen
wor=
den und befinden ſich heute noch dort. Während anfangs
große Ausſicht beſtand, daß die dienſtlichen Fehlbeträge
von dritter Seite gedeckt würden, iſt nunmehr dieſe
Hoff=
nung geſcheitert. Die übrigen Forderungen an den Nachlaß
betragen etwa 134000 Mark, wovon 75000 Mark
hypothe=
kariſch geſichert ſind. An Aktivmaſſe iſt vorhanden
Immo=
bilienbeſitz im Werte von 100000 Mark, ſowie die nicht
un=
beträchtlichen Ausſtände, deren genaue Höhe ſich zur Zeit
noch nicht feſtſtellen läßt. Da eine Ueberſchuldung
vor=
liegt, wird die Eröffnung des Nachlaßkonkurſes beantragt
und vorausſichtlich der ſeitherige Nachlaßpfleger,
Rechts=
anwalt Eſpenſchied in Oppenheim zum Konkursverwalter
beſtellt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Juni. Die Einholung
der Prinzeſſin Agathe von Ratibor und
Corvey, der Braut des Prinzen Friedrich Wilhelm
von Preußen, erfolgt am 7. Juni nachmittags von der
Station Wildpark aus. Auf dem Bahnhof nehmen das
Offizierkorps des erſten Garderegiments, die Spitzen
der Militär= und Zivilbehörden und eine
Ehrenkom=
pagnie Aufſtellung. Im Geleite einer Schwadron
Gardedukorps wird die Prinzeſſin in das Neue Palais
eingeführt. — Infolge der Hitze, die Sonntag
nach=
mittag in Berlin herrſchte und 44 Grad Celſius im
Schatten erreichte, erlitten mehrere Perſonen Hitzſchläge
In der Nähe des Bahnhofes Sadowa bei Berlin
wurde die Leiche eines Mannes aufgefunden, der aller
Wahrſcheinlichkeit nach ermordet und beraubt wurde.
Die Perſon des Ermordeten konnte noch nicht feſtgeſtellt
werden ebenſo fehlt von dem Täter jede Spur — Auf
einem Abbruch in der Zimmerſtraße ſtürzte eine
Decke ein. Zwei Mann wurden ſchwer verletzt und
von der Wehr nach dem Krankenhauſe gebracht.
Metz, 6. Juni. Der Mörder Riſt, der vor
eini=
gen Tagen in Saarbrücken die Kellnerin Rheinfranken
ermordete, iſt geſtern nachmittag hier verhaftet worden.
Trier, 6. Juni. Am Samstag kam es auf dem
Markte zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen der
Po=
lizei und betrunkenen Arbeitern, die einen
verhaf=
teten Freund befreien wollten. Als die Polizei
darauf=
hin drei Verhaſtungen vornehmen wollte, trat ihr die
Menge entgegen und bewarf ſie mit Steinen. Mi=
Hilfe von hinzukommenden Kriminalbeamten und
unter Benutzung der blanken Waffe gelang es den
Poliziſten, die Menge zu zerſtrenen. Einige
Perſo=
nen erlitten Verletzungen durch Säbelhiebe. Neun
Verhaftungen wurden vorgenommen.
Konſtanz, 5. Juni. Von drei Gymnaſiaſten,
die heute abend im Bodenſee badeten, geriet einer in
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
— Der Otto=Heinrichs=Bau. Eine
Frage, die in den letzten Jahren weite Kreiſe nicht
nur des badiſchen, ſondern des deutſchen Volkes
be=
ſchäftigt hat, die Erhaltung des Heidelberger Otto=
Heinrichs=Baues, iſt in der letzten Sitzung der
badi=
ſchen Zweiten Kammer, wie man glaubt, für abſehbare
Zeit zum Abſchluß gebracht worden. Bekanntlich hat
die badiſche Regierung ihre früheren, noch vom
Fi=
nanzminiſter Buchenberger vertretenen weitergehenden
Pläne einer Wiederherſtellung und Ueberdachung des
Otto=Heinrichs=Baues angeſichts des Widerſtandes der
Volsvertretung aufgegeben und beſchränkt ſich jetzt
darauf, lediglich die Mauern ſtandhaft zu machen, und
zwar durch Niederlegung der Faſſade, Auswechſeln der
beſchädigten Steine und Wiederaufrichtung der Faſſade.
Für dieſen Zweck iſt im vorliegenden
Staatsvoran=
ſchlag der Betrag von 300000 Mark angefordert. In
Vertretung des ſeit ſieben Monaten ſchwer kranken
Finanzminiſters Honſell verteidigte Geh. Rat Göller,
der ſich ſeit 20 Jahren mit der Frage des Heidelberger
Schloſſes privatim beſchäftigt hat und als Autorität
auf dieſem Gebiete gilt, die Vorlage. Mit
Entſchieden=
heit lehnt er den von einzelnen Hiſtoribern vertretenen
Standpunkt ab, man ſolle den Otto=Heinrichs=Bau in
ſeiner Schönheit ſterben, d. h. einſtürzen laſſen; die
Regierung fühle ſich daher verpflichtet, alles zu tun,
um die nach dem Urteile der Sachverſtändigen ſchwer
bedrohte Faſſade vor dem Untergang zu bewahren.
Nachdem ſich alle übrigen Vorſchläge, die von dem
Ge=
heimen Oberregierungsrat Eggert u. a. in den letzten
Jahren gemacht worden ſeien, als undurchführbar
er=
wieſen hätten, gäbe es nach Anſicht der Regierung nur
noch ein Mittel, die Faſſade zu erhalten: die
Stand=
haftmachung der Mauer. Verſage die Volksvertretung
auch für dieſen letzten Vorſchlag der Regierung die
er=
forderlichen Geldmittel, ſo müſſe er im Namen der
Re=
gierung die Verantwortung für alle Folgen,
insbeſon=
dere für einen leider zu befürchtenden Einſturz der
Faſſade, ablehnen; es ſei dann Sache der
Volksver=
tretung, die Verantwortung für den Verluſt des edlen
Kleinods, das Heidelberg berge, zu übernehmen. Den
mit allem Nachdruck vorgetragenen Ausführungen des
Regierungsvertreters blieb der Erfolg verſagt. Nahezu
einſtimmig lehnte die Zweite Kammer die
Regierungsvorlage ab und richtete ſtatt deſſen
das Erſuchen an das Finanzminiſterium, andere
Vor=
ſchläge zu machen, wodurch der Otto=Heinrichs=Bau
ohne Niederlegung und Wiederaufbau erhalten werden
könnte. Im Schlußwort wies Geheimerat Göller
dar=
auf hin, daß mit der Ablehnung der heutigen Vorlage
die Frage des Otto=Heinrichs=Baues erledigt ſei, und
jedenfalls die Regierung in nächſter Zeit darauf
ver=
zichte, mit weiteren Vorſchlägen an die
Volksvertret=
ung heranzutreten.
Ausſtellung franzöſiſcher
Zeich=
nungen des 18. Jahrhunderts im
Städel=
ſchen Kunſtinſtitut zu Frankfurt a. M. In den
Ausſtellungsräumen des Kupferſtichkabinetts wurde am
1. Inni eine Ausſtellung von Originalzeichnungen der
franzöſiſchen Meiſter des 18. Jahrhunderts eröffnet, die
zu den größten Schätzen der reichhaltigen Zeichnungen=
Sammlung des Inſtituts gehören. Alle dieſe
Koſtbar=
keiten, deren Erwerbung in weite Zeit zurückreicht,
waren noch niemals ausgeſtellt, und ſelbſt die Kenner
des Frankfurter Kupferſtichkabinetts werden von dem
erſtaunlichen Werte und der Qualität und
Reichhaltig=
keit der Sammlung überraſcht ſein.
* Frankfurter Theater=Spielplan. 1.
Opernhaus. Dienstag, 7. Juni: Tannhäuſer.
Mittwoch, 8. Juni: Erſtes Gaſtſpiel der k. u. k.
Kammer=
ſängerin Frau Marie Gutheil=Schoder vom k. k.
Hof=
operntheater in Wien: Die luſtigen Weiber von
Windſor. Donnerstag 9. Inni: Das Glück. Mkurer
und Schloſſer. Freitag, 10. Juni: Gaſtſpiel von Frau
Marie Gutheil=Schoder: Carmen. Samstag, 11. Juni:
Figaros Hochzeit. Sonntag, 12. Juni: Der fliegende
Holländer. Montag, 13. Juni: Der Graf von
Luxem=
burg. Dienstag, 14. Juni: Undine. — 2.
Schauſpiel=
haus. Dienstag, 7. Juni: Brand. Mittwoch, 8. Juni:
Iphigenie auf Tauris. Donnerstag, 9. Juni: Der
dunkle Punkt. Freitag, 10 Juni: Der Herr Verteidiger.
Samstag, 11. Inni: Der Raub der Sabinerinnen.
Montag, 13. Juni: Brand. Dienstag, 14. Juni: Die
Räuber.
Kleines Feuilleton.
— Wie die Schirmgriffe „wachſen” Wenn
in heißen Sommertagen die Frau im Schatten ihres
Sonnenſchirmes Schutz vor den glühenden Strahlen
ſucht, oder wenn bei ſtrömendem Regen der ſorgſame
Bürger zu ſeinem Schirm Zuflucht nimmt, dann wird
nur ſelten dabei daran gedacht, durch welche Mittel das
Holz der Schirmſtöcke zu den Bogen und Kreiſen
ge=
formt wird, die man Naturgriff nennt und die ſich ſo
bequem in den Arm einhängen laſſen. Mancher hat ſich
ſchon darüber gewundert, daß das oft kräftige Holz ſo
ſtarke Biegungen erträgt, ohne zu brechen, aber nur
wenige wiſſen, daß es regelrechte Forſte gibt, ſozuſagen
„Schirmgriffwälder” in denen ausſchließlich
junge Bäume gezogen werden, die der Schirminduſtvie
dienen oder zu Spazierſtöcken verarbeitet werden. Eines
der größten dieſer „Schirmgriffgüter” liegt zwiſchen
Verſailles und Mantes bei dem kleinen Städtchen Maule
im Departement Seine=et=Oiſe, ein anderes in
Oeſter=
reich in der Nähe von Wien. Ein Mitarbeiter einer
franzöſiſchen Wochenſchrift gibt eine intereſſante
Schil=
derung dieſer eigenartigen Induſtrie.
Die ſchöngeſchwungenen Schirmgriffe waren
an=
fangs zarte, junge, kleine Bäume, Ahorn, Kaſtanien,
Eſchen, Ebereſchen, Kornelkirſchenbäume oder Eichen
die mit der größten Sorgfalt von ſachkundigen
Walb=
arbeitern eingepflanzt werden. Wenn das erſte Jahr
des Wachstums verſtrichen iſt, dann werden die kleinen
Bäume an ihrem Stamme beſchnitten. Die Krone
ent=
wickelt ſich ſo üppiger, immer wieder werden die Triebe
entfernt, um das ganze Wachstum auf die oberen Aeſte
zu leiten. Im Frühjahr erfahren die Bäume dann eine
Art Operation, am Fuße des Stammes werden ſie mit
beſonderen Zangen behandelt und dabei pflegt man auch
auf der Rinde durch flüchtige Preſſung mit
zangen=
artigen Geräten allerlei Muſter anzubringen, die ſpäter
wenn die Rinde abgeſchält wird, auf dem Holze ſichtbar
ſind. Es gibt keinen ſeltſameren Anblick, als ſo einen
Forſt von jungen Bäumen mit ihren geraden, ſchlanken
Stämmen die kahl ſind und über denen ſich dann unver
mittelt eine üppige Laubkrone wölbt. Oft ſind die
Stämme über und über mit wunderlichen Muſterungen
bedeckt, die einem naiven Naturfreunde mauches Rätſel
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.
Nummer 130.
eine Untiefe. Die beiden anderen wollten ihn
retten, es ertranken aber alle drei.
München, 5. Juni. Zum Fronleichnamstag
hatte die Stadtkommandantur München den Befehl
er=
laſſen, daß ſich ſämtliche Offiziere katholiſcher
Kon=
feſſion an der Prozeſſion zu beteiligen hätten.
Trotzdem war eine große Anzahl von Offizieren
weg=
geblieben. Sie haben jetzt die Aufforderung erhalten,
ſich wegen der Nichtbefolgung eines militäriſchen
Be=
fehls zu rechtfertigen. Die Beteiligung des Militärs
an der Fronleichnamsprozeſſion in Bayern iſt nach
den Garniſondienſtvorſchriften dem Programm
anheim=
geſtellt, das in München vom Oberſthofmeiſter
ausgege=
ben wird und die Beteiligung der dienſtfreien
Haupt=
leute, Rittmeiſter und Subalternoffiziere an der
Pro=
zeſſion verlangt. Die Sache erregt in München
Auf=
ſehen, weil man durch die ſtattgehabte Kontrolle über
die Beteiligung der dienſtfreien Offiziere zum erſten
Male von der Durchführung des Prozeſſionszwanges
erfährt.
Regensburg, 6. Juni. Der neue Donauhafen
wurde heute vormittag durch den Prinzen Ludwig von
Bayern feierlich eröffnet. Anweſend waren die
Miniſter Brettreich und Frauendorfer, der rumäniſche
Geſandte in Berlin Beldimann, der Sektionschef des
öſterreichiſchen Handelsminiſteriums Riedel und andere
Vertreter aus Oeſterreich=Ungarn, zahlreiche Mitglieder
des bayeriſchen Landtags, Vertreter der Donauſtädte
und andere. Miniſter Brettreich betonte in einer
längeren Anſprache die hohe Bedeutung der neuen
Regensburger Hafenanlagen. Prinz Ludwig gab der
Hoffnung Ausdruck, daß der neue Hafen nicht nur der
Stadt Regensburg und Bayern, ſondern dem ganzen
Deutſchen Reiche Vorteil bringen möge, deſſen
Schwarz=
meer=Hafen er ſei. Möchten ihn auch die unteren
Donauſtaaten, mit denen wir in beſtem Einvernehmen
und freundſchaftlichſten Beziehungen ſtehen, voll
aus=
nützen. Prinz Ludwig gab nach einem Hoch auf den
Prinzregenten von Bayern dem neuen Hafen den
Namen „Luitpold=Hafen”. Nach weiteren Anſprachen
folgte eine Donaufahrt nach Deggendorf.
Dorfen (Reg.=Bez. Oberbayern), 6. Juni. Anläßlich
der Erhöhung des Bierpreiſes kam es geſtern
zu ſchweren Ausſchreitungen. Eine Wirtſchaft wurde
völlig demoliert. Zwei andere Wirtſchaften und drei
Wohnhäuſer wurden in Brand geſteckt, die vollſtändig
niederbrannten.
Hagen i. W., 6. Juni. In dem benachbarten
Dahler=
brück ſchlug geſtern abend 6 Uhr der Blitz in die
Brennſtoffabrik von Gebrüder Wönkhaus ein.
Mehrere tauſend Pfund Pulver explodierten. Zwei
Fabrikgebäude wurden vollſtändig zerſtört.
Balken und andere Gegenſtände wurden hunderte von
Metern weit fortgeſchleudert. Die Provinzial=
Land=
ſtraße iſt mit Trümmern vollſtändig beſät. Das fünfzig
Meter entfernte Hauptlager der Fabrik iſt unverſehrt
geblieben Da der Betrieb am Sonntag ruht, ſind
Menſchenleben nicht zu beklagen. Nur drei Perſonen
erlitten leichtere Verletzungen. Die Fabrik iſt vor
mehreren Jahren ſchon einmal durch eine Exploſion
zer=
ſtört worden.
Lüdenſcheid, 6. Juni. Bei dem geſtrigen Unwetter
ſchlug der Blitz in die Sprengſtoffabrik in
Rummen=
ohl ein. Es erfolgte eine gewaltige Exploſion, die
großen Schaden in der Umgegend anrichtete. Ob ein
Verluſt an Menſchenleben zu beklagen iſt, iſt noch nicht
ermittelt.
Kuxhaven, 6. Juni. Der Turbinendampfer
„Kaiſer” vom SSeebäderdienſt der Hamburg-
Ame=
rika=Linie, der auf einer Sonderfahrt mit 1200 Mann
des Klubs Thalia in der Samstag=Nacht 11 Uhr
Ham=
burg auf der Fahrt nach Sylt verließ, kollidierte
wie ſchon kurz gemeldet, geſtern früh 2 Uhr bei dem
Elb=Leuchtſchiff Nr. 2 mit dem von dem
Schlepp=
dampfer „Herkules” geſchleppten dreimaſtigen
See=
leuchter „Gegenwart” der ſich auf der Fahrt von
Ant=
werpen nach Hamburg befand. „Gegenwart” ſank
ſo=
fort. Ertrunken ſind vier Seeleute, gerettet wurde
der Kapitän und der Maſchiniſt. Dieſe ſagten aus, daß
die „Gegenwart” im vorſchriftsmäßigen Fahrwaſſer
gefahren ſei, als der „Kaiſer” von der Nordſeite
her=
überkam, zwiſchen Schlepper und Leuchter durchfuhr
und die Steuerbordſeite des Leuchters traf. Vom
„Kaiſer” wurde ſofort ein Boot ausgeſetzt, das den im
Waſſer treibenden Kapitän, einen Maſchiniſten und
den Schiffshund rettete. Auf dem Dampfer hatte faſt
niemand etwas von dem Zuſammenſtoß gemerkt. Es
gab einen kurzen Ruck, dann hörte man ein heftiges
Durcheinanderlaufen und Kommandorufe. Die
Paſſa=
giere konnten gerade noch ſehen, wie der Leuchter in
aufgeben mögen. Nach drei Jahren fällt der junge Wald,
aus dem Schirmgriffe gemacht werden ſollen, unter der
Axt der Holzſchläger. Die Zweige werden vom Laub
befreit und dann zum Trocknen in die Sonne gelegt.
Nun folgt ein Dampfbad aller Hölzer und dann kommen
ſie in die geſchickten Hände kundiger Arbeiter, die durch
einen beſonderen Handgriff die Zweige mit einem
ein=
zigen Ruck von ihrer Rinde befreien. Das Dampfbad
hat die Elaſtizität des Holzes erhöht, nun wird es
ge=
krümmt, mit Drähten umſponnen, von neuem zum
Trocknen gelegt und dann ſind die Krücken bereit, in die
Schirm= und Stockfabriken geſchickt zu werden, wo ſie
poliert werden und vielleicht Metallbeſchläge erhalten.
Aber manche Schirmgriffe werden auch in der Natur
gezogen: während der Lebezeit der Bäume werden
be=
ſtimmte Aeſte ring= oder kreuzförmig übereinander
ge=
bunden und bald ſchlingen ſie ſich im Wachstum ſo eng
aneinander, daß nach kurzer Zeit der „Naturgriff” fertig
iſt. Dies Verfahren iſt natürlich viel umſtändlicher,
aber die Naturgriffe werden auch höher bezahlt und die
Zahl der Liebhaber iſt groß, die für beſonders ſchön
verſchlungene Griffe anſehnliche Preiſe anlegen.
* Die Heimkehr des verlorenen Sohnes.
Nachdem Herr und Frau Edwin Gould, das
amerika=
niſche Millionärspaar, drei Tage lang nach ihrem
ſech=
zehnjährigen Sohne geſucht hatten, fanden ſie ihn, wie
aus New=York gemeldet wird, am Montag abend in
völlig zerlumpten Kleidern auf der Polizeiſtation von
Neu=Britain in Connectieut. Der junge Gould, der
einmal einen Teil der 300 Millionen Mark erben wird,
die der Eiſenbahnkönig Jay Gould hinterlaſſen hat, lief
am vergangenen Freitag aus der Schule, weil die
Lehrer „zu ſtreng” waren. Nachdem er 70 Meilen
ge=
laufen war und ſein Barvermögen von 3,20 Mark
aus=
gegeben hatte, kam er halbverhungert auf die
Polizei=
ſtation und ſagte zu dem wachthabenden Inſpektor: „Ich
bin Edwin Gould, der Enkel von Jay Gould.‟ Der
Polizeibeamte konnte, als er die zerlumpte Geſtalt ſah,
ein Lächeln nicht unterdrücken und ließ dem „Kunden”
einen Teller mit Fleiſch und Brot vorſetzen, das der
junge Millionenerbe gierig verſchlang. Nachdem er ſich
ſo geſtärkt hatte, erzählte er dem Beamten ſeine
Erleb=
niſſe. Da die Lehter in der Schule ihn ſo ſtreng be=
die Tieſe verſank. Die Geretteten der „Gegenwart”
trafen an Bord des „Herkules” geſtern früh in
Kux=
haven ein. Der Dampfer „Kaiſer” ſetzte die Reiſe fort
und hat wohlbehalten Sylt erreicht, von wo er geſtern
nachmittag die Rückfahrt nach Hamburg antrat.
Allenſtein, 6. Juni. Vor den Geſchworenen in
Allenſtein begann heute der Prozeß gegen die
frühere Frau von Schönebeck wegen Anſtiftung
zur Ermordung ihres erſten Gatten. Das Gericht
be=
ſchloß, für die Dauer der Vernehmung der Angeklagten
und der Lokalbeſichtigung die Oeffentlichkeit
auszu=
ſchließen. Es wurde nur einem Vertreter der
Lokal=
preſſe und einem Vertreter der auswärtigen Preſſe der
Zutritt geſtattet.
Ribnitz (Mecklenburg), 6. Juni. Geſtern abend um
½12 Uhr kenterte ein mit zwei Herren und drei
Damen beſetztes Segelboot. Ein Herr und die drei
Damen ertranken, der andere Herr wurde gerettet.
Wien, 6. Juni. Der 42jährige Sänger Karl
Thomaſch iſt geſtern bei einer Automobilfahrt
auf dem Semmering verunglückt. Der Chauffeur
ſowie Thomaſch erlitten ſchwere Verletzungen, ein
zweiter Inſaſſe leichtere. Das Automobil wurde
zer=
rrümmert.
Innsbruck, 6. Juni. Anläßlich des Verbandstages
der deutſchen Sparkaſſen in Zell am See wurde eine
Seebeleuchtung veranſtaltet. Die (Zeller Liedertafel
fuhr in einem Boot auf den See hinaus. Infolge des
hohen Wellenganges ſchlug das Boot um und die
25 Mann ſtürzten ins Waſſer. Die Rettung
war ſehr ſchwierig. Vier Mann werden vermißt und
ſind wahrſcheinlich ertrunken, vier andere liegen ſchwer
danieder.
Rom, 4. Juni. Das nächtliche Aufheben
von Spielhöllen iſt neuerdings eine
Lieblings=
beſchäftigung der römiſchen Polizei geworden, und es
vergeht kaum eine Woche, ohne daß in einer der
Sei=
tenſtraßen des Korſos die Schutzmannſchaft mit
rau=
her Hand das Vergnügen der Glücksſpieler ſtört.
Jüngſt iſt in der zum Ponte Cavour führenden Via
Tomacelli ein ſolcher Tempel der Fortuna unter
dra=
matiſchen Umſtänden überfallen worden, die an
Offen=
bachſche Operetten erinnern. Es war in einer
war=
men Mainacht gegen 3 Uhr morgens, als im erſten
Stock eines Hauſes der genannten Straße eine
zahl=
reiche Geſellſchaft aus den beſſeren Ständen um den
grünen Tiſch verſammelt war; man fühlte ſich ſo ſicher,
daß man bei offenen Fenſtern, wenn auch hinter
ge=
ſchloſſenen Jalouſieläden, ſpielte. Aller Augen waren
in geſpannteſter Aufmerkſamkeit auf die grüne Fläche
gerichtet, wo die geheimnisvollen Karten blindlings
über Mein und Dein entſcheiden, als ſich leiſe der
Flü=
gel eines Jalouſieladens von außen öffnete und in
dem dunklen Rahmen wie vom Himmel
herunter=
gefallen eine männliche Geſtalt mit einer grün=
weiß=
roten Schärpe auftauchte und mit dem Ruf: „Nicht von
der Stelle, ſonſt ſchieße ich!” den erſchrockenen Spielern
einen Revolver entgegenhielt. Es war der
Polizei=
kommiſſar des Bezirks, Campo Marzio, der, gefolgt
von verſchiedenen Schutzleuten, auf einer
Feuerwehr=
leiter von der Straße heraufgeklettert kam. In der
nun eintretenden Verwirrung ſuchten einige Spieler,
die der Türe am nächſten waren, die Treppe hinab zu
entkommen, wurden aber, als ſie die Haustüre
ge=
öffnet hatten, von einem Polizeipoſten mit offenen
Ar=
men empfangen. Inzwiſchen beſchlagnahmte oben im
Saal der Kommiſſar die Karten, Marken und das
vor=
handene Bargeld und ſchrieb die Teilnehmer auf.
Während er, am grünen Tiſch ſitzend, damit beſchäftigt
war, ſtießen ſeine Füße unter dem Tiſch an einen
wei=
chen Gegenſtand, den er zunächſt für einen Hund hielt;
da das Geſchöpf aber weder knurrte noch biß, ſo ſchaute
er es ſich etwas näher an und entdeckte einen Beamten
des Schatzminiſteriums, der gehofft hatte, da unten
eine Schuld zu verbergen. Mit dieſem Schlußeffekt
endigte das nächtliche Luſtſpiel.
Paris, 6. Jnni. Wie aus Lorrient gemeldet wird,
wurden bei der Prüfung der Geldgebahrung der
dor=
tigen Krankenhäuſer und der übrigen
Wohltätigkeits=
anſtalten beträchtliche Veruntreuungen entdeckt.
Der Kaſſierer der Wohltätigkeitsanſtalten hat ſeine
Entlaſſung eingereicht.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Hanau, 6. Juni. Der Heſſiſch=Naſſauiſche
(Main=Rheingau) Verband Gabelsberger
Stenographenvereine hielt heute hier ſeinen 31.
Verbandstag ab. Der Verband erſtreckt ſich über das
Groß=
herzogtum Heſſen, die Provinz Heſſen=Naſſau und das
Für=
ſtentum Waldeck, auch beſitzt er in der Rheinprovinz und
handelt hätten, ſei er am Tage eines Fußballmatches
ausgeriſſen, um ſich nach New=York zu begeben. In
der erſten Nacht ſchlief er unter freiem Himmel in der
Nähe der Station Willimantie. Am Samstag nahm er
Unterkunft in einem billigen Logierhauſe. „Es war
ſchrecklich” ſagte er, am Sonntag verirrte er ſich und
ſuchte bei einem Farmhauſe eine Ruheſtätte. Gerade,
als er es ſich bequem gemacht hatte, kam der Farmer
und jagte ihn davon, da er ihn für einen Strolch hielt.
Dann begab ſich der junge Gould auf die Polizeiſtation.
Nachdem er achtzehn Stunden dort gewartet hatte,
wurde er von ſeinen Eltern abgeholt und trotz ſeiner
energiſchen Proteſte wieder nach der verhaßten Schule
zurückgebracht.
* Beim Wort genommen. Die „Berliner
Zeitung am Mittag” veröffentlichte dieſer Tage einen
Artikel über „unſere Donatoren” und erzählte darin
von der Energie, die manche einflußreiche
Perſönlich=
keiten bei der Gewinnung von Mäcenen entwickeln.
In einer Zuſchrift zu dieſem Thema wird nun auch der
Oberbürgermeiſter von Poſen, Wilms, in die Reihe
dieſer tatkräftigen Beförderer des Gemeinſinns geſtellt
und folgendes luſtige Geſchichtchen von ihm berichtet:
Er ging einmal auf einer Abendgeſellſchaft einen reichen
Kaufmann um einen Betrag von 5000 Mark für einen
gemeinnützigen Zweck an. „Eher können Sie Kopf
ſtehen, als Sie das Geld von mir kriegen,” lautete die
ablehnende Antwort. Kaum war das Wort dem Munde
entfahren, als man das Stadtoberhaupt von Poſen
tat=
ſächlich auf dem Teppich ſah. Die Beine nach oben
mar=
ſchierte Poſens Oberbürgermeiſter auf den Händen durch
den Salon. Das gewünſchte Geld wurde ihm natürlich
nach dieſer Leiſtung nicht länger verweigert!
* Das ſchöne Kaplänchen. In ein
Lurus=
geſchäft einer preußiſchen Stadt an der lothringiſchen
Grenze kommt eine lothringiſche Bauersfrau. Sie ſieht
ſich im Laden ſuchend um. Plötzlich erblickt ſie die
Statuette Bismarcks mit Schlapphut im langen Rock,
ruft: „Den muß ich haben,” bezahlt, läßt ſie einpacken
und geht damit ab. In der Türe dreht ſie ſich um und
ſagt: „Wie wird ſich wohl der Herr Pfarrer freuen, wenn
ich ihm ſo ein ſchönes Kaplänchen mitbringe!‟ Die
Ge=
ſchichte ſoll ſich wirklich ereignet haben.
in Bayern einige Vereine. Er zählt jetzt 7000 Mitglieder
in 170 Vereinen. Der ſeitherige erſte Verbandsvorſitzende
Oberrealſchuldirektor Dr. Pitz in Alsfeld iſt zurückgetreten.
Er wurde zum Ehrenvorſitzenden ernannt. Zum
Ver=
bandsvorſitzenden wurde gewählt Lehrer Wilhelm Müller
in Offenbach a. M., bisher zweiter Vorſitzender. Der
nächſt=
jährige Verbandstag findet in Gießen ſtatt. Der Hanauer
Stenographenverein Gabelsberger feierte gleichzeitig ſein
50jähriges Beſtehen.
* Metz, 6. Juni. Der Vorſtand des Verbandes
für Kanaliſierung der Moſel und der
Saar faßte in ſeiner geſtern hier abgehaltenen
Sitz=
ung eine Reſolution, in der zunächſt das Bedauern
über die zurzeit die Saar= und
Moſelkanali=
ſierung ablehnende Haltung des preußiſchen
Staats=
miniſteriums ausgeſprochen wird. Die dafür
vor=
gebrachten Gründe des Intereſſenwiderſtreites der
nie=
derrheiniſch=weſtfäliſchen und der ſüdweſtdeutſchen
Eiſen=
induſtrie, ſowie die Beſorgnis vor Auskällen in den
Einnahmen der Staatseiſenbahnverwaltung könnten
in keiner Weiſe als zutreffend anerkannt werden.
Reichstag und Bundesrat werden ſodann gebeten, dem
Geſetzentwurf über die Einführung von
Schiffahrts=
abgaben nur dann zuzuſtimmen, wenn Moſel und
Saar bei der Bildung der Zweckverbände berückſichtigt
und ihre Kanaliſierung feſtgelegt werde. Beim
Lan=
besausſchuß und bei dem Statthalter von Elſaß=
Lothringen wird der Vorſtand dahin vorſtellig werden,
daß in der Beſchränkung des Ausbaues der Moſel auf
die Strecke Metz-Diedenhofen, ſelbſt für 600 Tonnen=
Schiffe, eine befriedigende Löſung nicht erblickt
wer=
den kann, eine Kanaliſierung mit geringerer
Ab=
meſſung für die ſpätere Durchführung des
Geſamt=
unternehmens aber nur als ſchädlich betrachtet werden
müſſe. Schließlich ſoll das Großherzoglich
Luxem=
burgiſche Staatsminiſterium dringend um möglichſte
Förderung der Kanalſache angegangen werden.
Handel und Verkehr.
O Fahrpreisermäßigung zum Beſuche
der Brüſſeler Weltausſtellung für
Ge=
ſellſchaftsreiſen von Arbeitnehmern. Die Großh.
Ver=
kehrs=Inſpektion macht Folgendes bekannt: 1.
Arbeit=
nehmer, die Mitglieder von Krankenkaſſen im Sinne
der reichsgeſetzlichen Beſtimmungen über die
Kranken=
verſicherung der Arbeiter (einſchließlich der
Knapp=
ſchaftskrankenkaſſen) oder verſicherungspflichtige
Mit=
glieder von eingeſchriebenen Hilfskaſſen ſind, werden
bei Reiſen, die ſie im Intereſſe ihrer Fortbildung nach
der Weltausſtellung in Brüſſel unternehmen, auf den
Strecken der Preußiſch=Heſſiſchen und der
Reichseiſen=
bahnen unter den folgenden Bedingungen in dritter
Wagenklaſſe zum halben Preis der Fahrkarten für
Eil=
oder Perſonenzüge — bei Benutzung von Schnellzügen
gegen Entrichtung des vollen tarifmäßigen
Schnellzugs=
zuſchlags — befördert. — 2. Auf der Hinreiſe müſſen ſich
mindeſtens zehn Teilnehmer zu einer gemeinſchaftlichen
Reiſe zuſammenſchließen; die Rückreiſe kann einzeln
ausgeführt werden. — 3. Als Ausweis iſt eine
Beſchei=
nigung der Krankenkaſſe darüber vorzulegen, daß das
betreffende Mitglied zum Beſuch der Weltausſtellung
nach Brüſſel reiſt. — 4. Die Fahrpreisermäßigung für die
Hinreiſe iſt bei der Fahrkartenausgabe der
Abgangs=
ſtation möglichſt frühzeitig — ſpäteſtens 6 Stunden vor
Abgang des Zuges — unter Vorlage der
Beſcheinigun=
gen für alle an der gemeinſamen Fahrt teilnehmenden
Perſonen zu beantragen. Der Beförderungsſchein hat
eine Geltungsdauer von vier Tagen (einſchließlich des
Löſungstages), die zur Mitternacht des letzten
Gelt=
ungstages erliſcht. — 5. Die Fahrpreisermäßigung
für=
die Rückreiſe wird von der Fahrkartenausgabe der
deutſch=belgiſchen Uebergangsſtation (Herbesthal uſw.)
gegen Vorlage der Beſcheinigungen der Krankenkaſſen
gewährt. Reiſen mehrere Arbeitnehmer nach derſelben
Beſtimmungsſtation zuſammen, ſo kann für ſie nach
Maßgabe der Beſtimmungen unter 4 ein
Beförder=
ungsſchein ausgeſtellt werden. Einzelreiſende werden
auf Fahrkarte abgefertigt. — 6. Die Beſcheinigungen
der Krankenkaſſen ſind während der Fahrt auf
Ver=
langen jederzeit vorzuzeigen und nach Beendigung der
Rückfahrt mit dem Beförderungsſchein oder der
Fahr=
karte abzugeben. — 7. Auf der Hin= und Rückreiſe iſt
je eine Fahrtunterbrechung wie im gewöhnlichen
Ver=
kehr geſtattet. Bei Abfertigung auf Beförderungsſchein
iſt nur gemeinſame Fahrtunterbrechung aller
Teil=
nehmer zuläſſig; die Unterbrechungsſtation iſt der den
Beförderungsſchein ausſtellenden
Fahrkartenausgabe=
ſtelle zu bezeichnen und von dieſer in dem Schein zu
vermerken.
Prinz Heinrich=Fahrt.
K.A K. Bis Kontrollſchluß (9 Uhr abends) waren
ſämtliche als noch ausſtändig gemeldeten Wagen mit
Ausnahme des ausgeſchiedenen Wagens 98, in Kaſſel
eingetroffen, darunter auch der in Braunſchweig nicht
ordnungsgemäß geſtartete öſterreichiſche Daimler Nr.
45. Es waren ſomit 113 Wagen in Kaſſel angelangt.
Der Start in Kaſſel am Samstag, 4. Juni
nahm bei beſtem Wetter ſeinen programmäßigen
Ver=
lauf. Prinz Heinrich fuhr als Erſter ab. Am Ziel
der dritten Etappe, in Nürnberg, wurde, wie ſchon
mitgeteilt, bei der Einfahrt ein Kind, welches direkt
in den Wagen 72 hineingelaufen war, verletzt. Wie
ſämtliche Augenzeugen beſtätigten, trifft dem Fahrer
keine Schuld. Prinz Heinrich begab ſich, nachdem er vor
dem Unfall erfahren hatte, ſofort zu dem Vater des
Kindes, einem dort anſäſſigen Zahnarzt, und erkundigte
ſich nach dem Befinden des Kindes. Es konnte
glück=
licherweiſe feſtgeſtellt werden, daß das Kind nur eine
größere Fleiſchwunde oberhalb der Augen erlitten hat,
daß aber jedenfalls keine Lebensgefahr beſteht. Ein
Arzt, welcher in einem der vorderen Wagen mitfuhr,
leiſtete die erſte Hilfe. In Nürnberg trafen die
erſten Wagen um halb 4 Uhr ein. Prinz Heinrich
folgte mit dem Fürſten Münſter um 3 Uhr 40 Min.
und ſetzte ohne Aufenthalt die Fahrt vom Ziel in die
Stadt fort. Soweit bis jetzt bekannt geworden, iſt der
Wagen 120, der in Fürth einen Vorderradbruch erlitt,
ausgeſchieden. Die Strecke der dritten Etappe: Kaſſel,
Bebra, Hersfeld, Fulda, Nürnberg, betrug 334
Kilo=
meter.
Die vierte Etappe Nürnberg-Straßburg
über 356 Kilometer nahm nach einem Ruhetag am
Sonn=
tag am Montag früh von der Städtiſchen Feſthalle in
Nürnberg aus ihren Anfang. Kurz vor 7 Uhr fuhr Prinz
Heinrich von Preußen voran; die Wagen der
Oberlei=
tung folgten. Den Start leitete Ludwig Schütte=
Nürn=
berg, der 106 Wagen in Abſtänden von einer halben
Mi=
nute auf die Reiſe ſchickte. Das Wetter iſt ſchön, aber
heiß. Bis zur Mittagsſtunde iſt die Fahrt programmäßig
und ohne Zwiſchenfälle verlaufen.
Der Stand der Fahrt iſt nach dem Berliner
Tageblatt” gegenwärtia folgender: Nicht geſtartet ſindein
ſater al
zweiter
Berlin die Wagen Nr. 6, 44, 56, 63, 103, 112. Auſgegeben
haben bisher Nr. 35 (Lager im Motor ausgelaufen), 39,
42 (Brand), 87 (Lager im Motor ausgelaufen), 111. (
Ventil=
bruch), Nr. 92 (Ventildefekt), Nr. 98 (
Kurbel=
welle gebrochen), Nr. 68 (Differenzialbruch), Nr. 22
(Kolbenbruch), 113 (Ventilbruch), 115 (Lager im
Mo=
tor ausgelaufen), 120 (kollidierte in Fürth mit der
Elek=
triſchen und hatte Raddefekt und verbogene Vorderachſe,
fährt Montag weiter), 72 (Disqualifiziert wegen Unfalls
in Nürnberg). Prinz Heinrich wird in Homburg die
Stiftung des neuen Preiſes für die Prinz Heinrich=Fahrt
1911 offiziell bekannt geben.
* Stuttgart, 6. Juni. Auf der Prinz
Hein=
riche= Fahrt, die heute durch Stuttgart führte, traf gegen
½1 Uhr Prinz Heinrich von Preußen am
Aus=
gange des Schloßgartens ein. Dort fand eine kurze
Be=
grüßung durch den Vorſtand es Württembergiſchen
Auto=
mobilklubs ſtatt und die Ueberreichung eines
Blumen=
ſtraußes. Der Prinz wurde überall ſtürmiſch begrüßt. Der
letzte Wagen der Startliſte paſſierte Stuttgart um ½2 Uhr.
* Appenweier, 6. Juni. Zweieinhalb Stunden
ſpäter als erwartet trafen die erſten Wagen hier ein. Der
Wagen der Oberleitung traf um 4,10 Uhr, der
Wa=
gen mit Prinz Heinrich von Preußen um 4,12 Uhr,
ein zweiter Wagen der Oberleitung um 4,18 Uhr hier ein
und dicht hinter ihm folgten die beiden erſten Rennwagen.
Erſter Nr. 2 Flinſch=Frankfurt a. M. (Benz), Zweiter
Nr. 3 Forſchheimer=Nürnberg (Benz).
* Straßburg, 7 Juni. Von einem zahlreichen
Publikum lebhaft begrüßt, traf der erſte Wagen, vom
Prinzen Heinrich ſelbſt geſteuert, hier am Ziel
der kleinen Rheinbrücke, um 5.05 Uhr ein. Hinter dem
Wagen der Oberleitung paſſierte als erſter die Kontrolle
der Wagen Nr. 72, dann folgten Nr. 2, 3, 5, 9 uſw. Auf
der Fahrt durch die beflaggten Straßen bereitete man
dem Prinzen Heinrich, wo er erkannt wurde, lebhafte
Ovationen. Der Prinz iſt im Statthalterpalais beim
Grafen Wedel abgeſtiegen. Der Start für die morgige,
vorletzte Strecke, Straßburg=Kolmar=Metz — 334,8
Wilo=
meter, iſt morgen früh 6 Uhr auf der Kolmarer
Land=
ſtraße.
Luftſchiffahrt.
* Eſſen, 5. Juni. Bei dem Ausſcheidungsfahren
für Deutſchland um das Gordon=
Bennettflie=
gen ſtiegen in der Konkurrenz folgende Ballons auf:
„Krefeld” „Steglitz”, „Franken II” und „Elmendorf”
vanſtatt „Saar”. Außer Konkurrenz ſtiegen auf:
Bochum”, „Schröder”, „Prinzeß Viktoria” und
„Clouth II‟. Die übrigen Ballons mußten wegen des
einſetzenden Sturmes entleert werden
* Peſt, 5. Juni. Bei dem heutigen Flugmeeting
ſtellte Paulhan im Startfluge einen Welt=ekord
auf. Er erhob ſich nach 11½ Meter in die Höhe. Im
Dauer= und Weitfluge war Erſter Efimmoff, Zweiter
Kinef. Im Schnelligkeitsfluge war Paulhan Erſter,
Piſof Zweiter; im Höhenfluge Frey Erſter und Chaver
Zweiter.
* Bad=Mondorf (Luxemburg), 6. Juni. Geſtern
begann hier die auf acht Tage bemeſſene Flugwoche.
Bei dem Rundenpreis mußte de Caters vor
dem Ziele landen. Sein Apparat ging aber wieder hoch
und flog über die Tribünen und Dächer hinweg und
landete wegen Verſagens des Motors in einem
Ge=
treidefeld ſo heftig, daß der Apparat in Trümmer ging.
De Caters ſelbſt blieb unverletzt, abgeſehen von
eini=
agen ſchmerzenden Schürfungen an einem Bein. Erſter
wurde beim Rundenpreis Chriſtianſen, Zweiter
Mol=
lien, Dritter Petrowsky. Bei dem Totalitätspreis
wurde Erſter Chriſtianſen, Zweiter Petrowsky und
Dritter Mollien.
* Brüſſel, 6. Juni. Der geſtern in Eſſen
aufge=
ſtiegene Ballon Schröder”, Führer Fabrikant
An=
dernach=Beuel, Mitfahrer Staatsanwalt Ransfeld=
Saar=
brücken, der außer Konkurrenz bei dem geſtrigen
Aus=
ſcheidungsfahren um das Gordon=Bennettfliegen in
Ame=
rika flog, iſt ſehr glatt bei Winghe, Kanton Glabbek in
Belgien, gelandet.
Sport.
sr. Rennen zu Frankfurt a. M., den 5.
Juni. 1. Rennen. 1. Enfant de Miracle (Beſ.), 2.
Hop=
tic (Lt. Braune), 3. Queyrac (Beſ.). Tot. 90110, Pl.
82, 23:10. Unpl.: Maple, Fax, Barrikade I. ½—3 Lg.
— 2. Rennen. 1. San Wift (von Wangenheim),
2. Scholarſhip GHerr C. Lücke), 3. Leſina (Fürſt Wrede).
Tot. 46:10, Pl. 19, 22:10. Unpl.: Little John. 2—1½
Lg. — 3. Rennen. 1. Edfu (Dr. Rieſe), 2. Augsburg
(Lt. Braune). Zwei liefen. Tot. 13:10. Weile.
4. Rennen. 1. Spes (Lt. Braune), 2. Hofnarr (Rittm.
von Platen), 3. Merry Annie (Lt. von Wangenheim).
Tot. 24110, Pl. 18, 30, 19110. Unpl.: Dependence, Jim
Alec, Gemme, Epaulette, Shirley. 1—2 Lg. — 5.
Ren=
nen. 1. Thilde (Lt. Fürſt Wrede), 2. Whiffler Mixture
(Herr C. Lücke), 3. Eiſen (Beſ.). Tot. 16:10, Pl. 12, 17,
25:10. Unpl.: Bargueſt, Le Capiſtom, Pitüyu, Scotch
Poſt. 1½—1½ Lg. — 6. Rennen. 1. Nickelkönig (Lt.
von Moßner), 2. Transverſale (Dr. Rieſe), 3.
Diet=
linde (Lt. Wesrer). Tot. 74:10, Pl. 15, 14:10. Unpl.:
Sonntagsfreude. 2½—4 Lg.
Pfr. Rennen zu Dresden. Die
Haupt=
konkurrenz, das mit einem Ehrenpreiſe und 12000
Mark ausgeſtattete Große Dresdener Jagd=Rennen,
wurde von ſieben Pferden beſtritten. Ueber die Hälfte
des Weges ging das Feld im Bummeltempo.
Gold=
rock brach im erſten Bogen aus, während die
Favo=
ritin Germania am Tribünenſprung reiterlos wurde.
Auf dem Nachhauſewege hatte Aſa die Führung, doch
rückte die von Jockei Brown geſteuerte Ophelia auf
und ſchlug Aſa nach Kampf ſſicher mit einer Länge,
tzweieinhalb Längen zurück beſetzte Viktoria regia den
dritten Platz. Die übrigen Konkurrenzen nahmen faſt
durchweg den erwarteten Verlauf.
sr. Fervor Sieger im Großen Preis von
Hamburg. Das große ſportliche Ereignis auf der
Hamburg=Großborſteler Bahn brachte, wie ſchon kurz
gemeldet, nach einem aufregenden Endkampf den Herren
von Weinberg durch Fervor den erſten Sieg im
Großen Preis von Hamburg ſeit Beſtehen des 100 000
Mark=Rennens. Ganz beſonderes Pech hatte das
Königliche Hauptgeſtüt Graditz, deſſen hervorragender
Vierjähriger Stoßvogel, der Sieger des vorjährigen
Großen Preiſes von Hamburg, noch gut gehend im
Rennen, die linke Vorderfeſſel brach und erſchoſſen
wer=
den mußte. Es herrſchte am Sonntag ſonnig=warmes
Wetter, doch brachte ein friſcher Wind die erwünſchte
Abkühlung. Nach einiger Unruhe am Start, wo
Stoß=
vogel erſt von ſeinem Jockey beſtiegen wurde, fiel
end=
lich die Flagge. Gouvernante und Raimondo
galop=
pierten von Anfang an als letzte und kamen nie in
Betracht. Walther Stolzing führte zunächſt vor
Stoß=
vogel, Ladislaus, Micado, Oſſer und Star. Im erſten
Bogen lag Stoßvogel klar in Front und führte in ſchärf=
ſter Pace vor Walther Stolzing, dem in
Zwiſchen=
räumen Ladislaus, Micado, Oſſer und Star folgten.
Ende der gegenüberliegenden Seite rückte das Feld
näher zuſammen. Im vorletzten Bogen verbeſſerte Star
ſeinen Platz. Hier rückten auch Oſſer und Fervor näher
an Stoßvogel heran, der das Rennen noch in den
Ein=
lauf brachte, dort aber bald mit gebrochenem Beine
ſtehen blieb. Micado und Star lagen nunmehr in
Front, und dicht hinter ihnen außen Fervor. In der
Diſtanz rückte Fervor auf; es entſpann ſich zwiſchen den
dreien ein packender Endkampf, der unter dem
Publi=
kum leidenſchaftliche Aufregung hervorrief. Im letzten
Sprung ſiegte Fervor um einen Kopf gegen die im toten
Rnnen einkommenden Stallgefährten Micado und
Star.
Blauſtrumpf gewinnt den Preis von
Schleſien. Die von Sieg zu Sieg eilende
ausgezeichnete Blauſtrumpf konnte am Sonntag
in Breslau einen weiteren ſchönen Erfolg erringen,
da ſie ihrem glücklichen Beſitzer, Herrn O. Kampfhenkel,
die Hauptkonkurrenz des Meetings, den Preis von
Schleſien, im Werte von 25000 Mark, gewann. Damit
hat die Gewinnſumme von Blauſtrumpf die Höhe von
136/645 Mark erreicht, wovon 128 485 Mark auf das
Konto von Herrn Kampfhenkel entfallen. Die Rennen
waren ſehr ſtark beſucht. Am Preis von Schleſien
nah=
men nur drei Pferde teil. Littoral führte in ſcharfer
Fahrt vor dem Graditzer Wandersmann und der auf
dem letzten Platz liegenden Blauſtrumpf. Erſt in der
Geraden unternahm Blauſtrumpf einen Vorſtoß,
be=
herrſchte ſofort die Situation und ſiegte leicht mit
drei=
viertel Länge gegen Wandersmann. Das Silberne
Pferd landete Herr W. Schulz auf Herrn von
Schmie=
ders Pilgramsberg. Damit geht der koſtbare, vom
ver=
ſtorbenen Prinzen Karl von Preußen geſtiftete
Ehren=
preis, den Propoſitionen gemäß, endgültig in den Beſitz
des Herrn von Schmieder über, der das Rennen 1908
mit Pandora und im Vorjahre mit Pilatus gewann.
Rr. Rütt Sieger im Goldenen Rad von
Steglitz. Die ſeltene Gelegenheit, die beſten Flieger
im Kampfe zu ſehen, hatte am Sonntag ein zahlreiches
Publikum nach dem Sportpark Steglitz gelockt.
Nach=
dem aus den Zwiſchenläufen Rütt leicht gegen Wegener,
Ellegaard gegen Meſſori und Pouchois nur um
Hand=
breite gegen Henry Mayer als Sieger hervorgegangen
waren, traten die drei zur Entſcheidung an. Der
Fran=
zoſe Pouchois führte vor Rütt und Ellegaard. In der
letzten Kurve trat Rütt aus zweiter Poſition an,
paſſierte den Franzoſen und gewann ſehr leicht mit
dreiviertel Länge gegen Ellegaard, der Pouchois mit
1½ Längen auf den dritten Platz verwies. Neben
ver=
ſchiedenen weiteren Fliegerrennen vervollſtändigte ein
Stundenrennen um den Germania=Preis das
reichhal=
tige Programm. Das Rennen brachte einen
aufregen=
den Zwiſchenfall. In der 44. Runde kam Darragons
Schrittmacher Keyſer durch Pneumatikdefekt zu Fall.
Der Schrittmacher des unmittelbar hinter ihm
fahren=
den Theile konnte noch ganz knapp an dem auf dem
Zement liegenden Keyſer vorbeifahren, ſo daß dieſer nur
Hautabſchürfungen erlitt. Der Motor geriet in Brand,
konnte aber bald gelöſcht werden. Darragan kam durch
den Zwiſchenfall ganz aus dem Rennen und auch der
gutfahrende Dickentmann büßte durch Raddefekt ſeine
Chancen ein, ſo daß Theile ſiegreich blieb. Die genauen
Reſultate waren: Goldenes Rad: 1. Rütt, 2. Ellegaard
* Lg., 3. Pouchois 1½ Lg. Preis von Steglitz:
1. H. Mayer, 2. Wegener, 3 .Großmann.
Entſchädigungs=
fahren: 1. Schürmann, 2. K. Müller, 3. Carapezzi.
Prämienfahren: 1. Conrad, 2. Lorenz, 3. Naetebus.
Tandem=Hauptfahren: 1. H. Mayer=Rütt, 2. Ellegaard=
Pouchois, 3. Meſſori=Carapezzi. Entſchädigungs=
Tan=
demfahren: 1. Schwab=Schürmann, 2. Saldow=
Groß=
mann, 3. Wegener=A. Müller. Germania=Preis.
1 Stunde: 1. Theile 77,690 Klm., 2. Dickentmann 75,800
Klm., 3. Stol 72,750 Klm., 4. Darragon 66,300 Klm.
Eine Kundgebung des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes.
— Der am 6. Juni in Frankfurt a. M. verſammelte
Landesvorſtand des Heſſiſchen Hauptvereins
des Evangeliſchen Bundes hat einſtimmig
folgende Kundgebung beſchloſſen:
In der Borromäus= Enzyklika hat Papſt
Pius X. die Reformation, die Reformatoren und die
proteſtantiſchen Fürſten und Völker in unerhörter
Weiſe beſchimpft.
Wir empfinden dieſe Schmähungen als eine
empö=
rende Herausforderung des geſamten Proteſtantismus,
als eine Verunglimpfung des deutſchen Volkes, ſoweit
es evangeliſch iſt, als eine der ſchlimmſten Störungen
des konfeſſionellen Friedens.
Wir erheben entſchieden Einſpruch gegen dieſes
Vorgehen und bitten unſere evangeliſchen Mitbürger,
gegen dieſen neuen Beweis der Unduldſamkeit und
Unverſöhnlichkeit des Papſttums ſich feſt
zuſammenzu=
ſchließen und mit erneuter Kraft dafür zu wirken, daß
die Segensgüter der Reformation unſerem deutſchen
Volke ungeſchmälert erhalten bleiben,
Dernburgs Abſchiedsgeſuch.
* München, 6. Juni. Die „Münchener Neueſten
Nachrichten” bringen die Meldung, daß Staatsſekretär
Dernburg ſein Abſchiedsgeſuch eingereicht habe; die
„Frankfurter Zeitung” beſtätigt dieſe Meldung.
Zuver=
läſſige Informationen ſind zur Stunde noch nicht zur
Stelle.
Wirklicher Geheimrat Bernhard Dernburg wurde
bekanntlich 1906 aus dem Direktorium der Darmſtädter
Bank als Leiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen
Amtes berufen und im Februar 1907 zum Staatsſekretär
des Reichskolonialamtes ernannt.
II. B. Berlin, 6. Juni. Die „Münchener Neueſten
Nachrichten” wollen aus rheiniſchen Kolonialkreiſen wiſſen,
daß dort mit großer Beſtimmtheit die Nachricht auftrete,
Staatsſekretär Dernburg habe ſein Abſchiedsgeſuch
einge=
reicht. Dazu bemerkt das „B. T.” Wir glauben ſagen zu
können, daß die Nachricht den Tatſachenentſpricht.
Staatsſekretär Dernburg hat am 15. Mai einen 14tägigen
Urlaub angetreten und iſt auch nach Ablauf dieſes Urlaubs
nicht wieder im Reichskolonialamt erſchienen. Das
De=
miſſionsgeſuch dürfte ſchon zu Anfang des vorigen
Mo=
nats eingereicht worden ſein. Den Grund für das
Demiſ=
ſionsgeſuch dürfte man in erſter Linie darin zu ſuchen
ha=
ben, daß Dernburgs allgemeine politiſche Anſchauungen
von denjenigen, die heute in der Regierung ſowohl des
Reiches wie Preußens maßgebend ſind, durchaus
ab=
weichen.
Vermiſchtes.
— Das Statiſtiſche Amt der Stadt Düſſeldorf
ver=
öffentlicht eine intereſſante Statiſtik über Unfälle
im Betriebe von Kraftfahrzeugen in dem
Zeitraum vom 1. Oktober 1908 bis ebendahin 1909 im
Ge=
biete des Deutſchen Reiches. Es ereigneten ſich danach 6063
Unfälle gegen 5069 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Da es nun am 1. Januar 1910 49941, am 1. Januar 1909
aber nur 41727 Kraftfahrzeuge mit dem Standorte im
Deutſchen Reiche gab, kamen 1908 auf je 100 Kraftfahrzeuge
12,2, dagegen 1909 11,95 Unfälle. Der verurſachte
Sach=
ſchaden belief ſich auf ungefähr 1005000 Mark gegen 812000
Mark im Vorjahre. Verletzt wurden 2945 (2419) Perſonen,
getötet 194 (141) Perſonen; auf je 1000 Verunglückte
über=
haupt entfielen 62 (51) Tote, alſo eine Zunahme auch in
der Schwere der Unglücksfälle. Beachtung verdient die
gegen das Vorjahr faſt verdoppelte Zahl der Unglücksfälle,
welche durch die Ungeſchicklichkeit oder mangelnde Vorſicht
ungelernter Fahrer veranlaßt ſind.
Literariſches.
— Eine Reiſe durch die deutſchen Kolonien.
Herausgegeben von der illuſtrierten Zeitſchrift „Kolonie
und Heimat.” II. Band: Kamerun. Mit 2 Karten und
209 Abbildungen, darunter 14 ganzſeitigen Bildern. In
Leinwand gebunden mit farbiger Deckelzeichnung, Preis
5 M. Berlin, Verlag kolonialpolitiſcher Zeitſchriften
G. m. b. H. Die durch die Reichhaltigkeit ihres Inhalts
und durch ihre guten Illuſtrationen allgemein bekannte
Zeitſchrift „Kolonie und Heimat” gibt unter obigem Titel
ein ausgezeichnetes Illuſtrationswerk über unſere Kolonien
heraus, von dem bereits vor einem halben Jahre der erſte
Band über Oſtafrika erſchienen iſt. Dieſer hat allenthalben
ſo großen Anklang gefunden, daß demnächſt bereits die
zweite Auflage zur Ausgabe gelangen kann. Nunmehr
liegt der zweite, Kamerun behandelnde Band vor, der
bei gleichem Preiſe in gewiſſer Hinſicht den erſten an
Reichhaltigkeit noch übertrifft. Von zahlreichen Sachkennern,
Männern der Schule, der geographiſchen Wiſſenſchaft
und des kolonialen Lebens, iſt dem Werk reiche Anerkennung
gezollt worden, und namentlich in den Kreiſen der
Lehrer=
ſchaft erfreut es ſich großer Beliebtheit.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.,
* München, 6. Juni. Im Trambahndepot an der
Nymphenburger Straße gerieten im Laufe der
vergan=
genen Nacht zwei Wagenremiſen in Brand. Die
Remiſen und neun Anhängewagen wurden zerſtört.
Bei den Löſcharbeiten hinderte eine größere
Menſchen=
menge die Feuerwehr an der Arbeit. Als die
Schutz=
mannſchaft einſchritt, kam es zu Tätlichkeiten.
Ein Schutzmann wurde verletzt, mehrere
Feuerwehr=
leute wurden zu Boden geſchleudert und mit Stöcken
geſchlagen. Schließlich zogen die Schutzleute blank und
die Feuerwehr richtete den Schlauch gegen die Menge.
Ein militäriſches Feuerpiquet ſperrte den Brandplatz
hierauf ab.
* Lüdenſcheid, 6. Juni. Zu der Exploſion wird
noch gemeldet: Der Blitz ſchlug in eine Abteilung der
Sprengſtoff=Fabrik Gebr. Wönkhauſen in Rummenohl, die
in die Luft flog. Mehrere Häuſer wurden ſtark beſchädigt;
ein mehrere Kilometer entfernt ſtehender Schornſtein ſtürzte
ein. Mehrere Perſonen wurden leicht verletzt.
* Eſſen, 6. Juni. In der Nacht zum 5. Juni entſtand
auf der Zeche „Matthias Stinnes” in Carnap
Groß=
feuer, durch das die Teerdeſtillation zerſtört wurde. Die
Urſache des Brandes iſt noch nicht feſtgeſtellt. Ein Arbeiter
namens Winter iſt bei dem Brande umgekommen.
* Leer, 6. Juni. Ein überaus ſchweres
Gewit=
ter begleitet mit wolkenbruchartigem Regen und
ſchwerem Hagelſchlag, vernichtete in beträchtlichen
Tei=
len der Kreiſe Leer und Weener und in den
angrenzen=
den oldenburgiſchen Gebietsteilen die Roggenernte.
Der Schaden an den Gartenfrüchten und Obſtbäumen
läßt ſich noch nicht entfernt abſchätzen. Auf den Feldern
wurden viele Haſen, Hühner und Singvögel von den
Eisſtücken erſchlagen. Es fielen Eisſtücke bis zu einem
Gewicht von 1 Pfund. Einige Häuſer ſind völlig
demo=
liert. Den Kanal entlang ſind alle Häuſer abgedeckt.
Der Schaden wird auf etwa 200000 Mark geſchätzt. In
Weener iſt kein Haus verſchont geblieben. Alle
Fenſter=
ſcheiben wurden zertrümmert; an den Gewächshäuſern
der Gärtnerei Heſſe allein 2000 Stück. Alle
Garten=
früchte ſind vernichtet. Auf der Heide war das Unwetter
noch viel ſchlimmer. Die Roggenfelder ſehen wie
ab=
gemäht aus.
* Allenſtein, 6. Juni. Vor dem Schwurgericht
be=
gann heute vormittag die Hauptverhandlung des
Pro=
eſſes gegen Frau v. Schönebeck=Weber.
Die Angeklagte war am Sonntag mit ihrem zweiten
Gatten, dem Berliner Schriftſteller Weber, in
Allen=
ſtein eingetroffen. Der Andrang zu den
Verhandlun=
gen iſt gewaltig, der Zutritt zum Gerichtsſaal iſt jedoch
nur gegen Karten geſtattet. Den Vorſitz führt Geheimer
Iuſtizrat Landgerichtsdirektor Bröſe=Inſterburg. Die
Staatsanwaltſchaft vertreten: Erſter Staatsanwalt
Schweitzer und Staatsanwaltſchaftsrat Poſchmann. Die
Verteidiger ſind Rechtsanwälte Juſtizrat Dr. Sello= und
Bahn=Berlin, ſowie Dr. Salzmann=Allenſtein. Frau
v. Schönebeck iſt in ſchwarzer Toilette an der Seite
ihres Gatten erſchienen. Verteidiger Salzmann
bean=
tragte, mit Rückſicht auf den phyſiſchen Zuſtand der
An=
geklagten, dieſer zu geſtatten, außerhalb der
Anklage=
bank Platz zu nehmen. Die Sachverſtändigen beſtätigen,
daß es auf die Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten
Einfluß haben könnte, wenn ſie auf der
An=
klagebank ſitzen müſſe. Der Gerichtshof
be=
ſchloß mit Rückſicht auf den Gemütszuſtand der
Ange=
klagten dem Antrag des Verteidigers ſtattzugeben.
Alsdann wurde die Geſchworenenbank gebildet.
Hier=
auf wurde die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen, aber einigen
Preſſevertretern geſtattet, im Saale zu bleiben.
* Allenſtein, 6. Inni. Im Prozeß gegen Frau
v. Schönebeck=Weber wurde, wie die „Allenſteiner
Zeitung” meldet, die Angeklagte unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit vernommen. Sie erklärte, daß ſie nicht
ſchuldig ſei. Als gegen 2¼ Uhr nachmittags ein
hef=
tiges Gewitter auftrat, brach die Angeklagte in Tränen
aus und erklärte, nicht weiter verhandeln zu können.
Infolgedeſſen wurde die Sitzung auf morgen vormittag
vertagt.
H. B. Stuttgart, 6. Juni. Das Befinden des
Königs von Württemberg läßt ſeit einigen Tagen
zu wünſchen übrig, ſodaß er die Repräſentationspflichten
nicht erfüllen kann. Sowohl vorgeſtern wie geſtern konnte
er die Feſtlichkeiten, zu denen er ſein Erſcheinen beſtimmt
zugeſagt hatte, nicht beſuchen und mußte im letzten
Augen=
blick abſagen. Der König ſoll, wie es heißt, an einem
Darmleiden erkrankt ſein. Bulletins werden nicht
ausge=
geben.
H. B. Nürnberg, 6. Inni. In einem hieſigen Hotel
wurde geſtern abend der Kaufmann Fürſich tot
auf=
gefunden, der vor einigen Wochen aus Neuburg an
der Donau nach Unterſchlagung von 50000 Mark ge=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.
Nummer 130.
ſtüchtet war. Es liegt oſſendar Selbimord durch Ver=
giften vor.
— Petersburg, 6. Juni. Dr. Ptſchenko, welcher den
Gardeleutnant Burtulin durch Gift tötete, hat eine
große Reihe anderer Morde eingeſtanden. Seit
20 Jahren betrieb er den Giftmord gewerbsmäßig.
„Wach auf
das neue hygienische
Rasier-
mittel, findet in der ganzen
Welt täglich neue Freunde.
„Wach auf” erweicht
harte,spröde Bärte
viel intensiver als
der wässerige,
al-
kalienreiche
Sei-
fenschaum u.
ver-
hindert jedes
schmerz-
haft brennende Gefühl
nach d. Rasieren.
Nur wenn Sie
eWach auf: direkt
aus der Tube
an-
wenden, sind Sie
vor jed. Unsauber-
keit geschützt.Wach aufe ist in jeder Sekunde, wo
es auch sei, gebrauchsfertig, da Wasser entbehrlich und
Schaumschlagen überflüssig. Wach aufs ist keine
Seife, alkalienfrei, ohne Schärfe, erneuert das
fort-
rasierte Naturfett der Haut und macht dieselbe bei
noch so rauher Witterung immer zart, weich und
ge-
schmeidig. „Wach auf: befindet sich im täglichen
Ge-
brauch. Sr. Majestät des Kaisers und Königs, vieler
in- und ausländischer Fürstlichkeiten, der Herren
Offiziere der Landarmee und Kaiserlichen Marine, in
ärztlichen Kreisen und der Gesellschaft. Es ist das
Rasiermittel der fashionablen Welt. :: :: :: :: ::
Das neue
kleine „Wach auf‟-Schraubpinselchen
mit innerem Hohlraum zum Aufschrau-
5 ben auf Wach aufe- Tuben und
Einpinseln des Wach aufs auf
die Gesichtshaut für Herren die absolut nicht die Hand
zum Einreiben nehmen wollen. :: .. .. .:
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Zu besichen durch Apolhleken, Stahlwaren, Progen=,
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Mk. 1.50 — 2 Kr., die bedeutend mehr als doppelt
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Königl. Hoflieferant u. Hoffriseur
Francois Hab), Sr. Maj. des Kaisers und Königs,
BERLIN NW. 7, Mittelstr. 7/8. (116110f
Engros und Exportversand: Unter den Linden 60.
Geſchäftliches.
Die „Profeſſor Rudolf Denhardts
Sprach=
heilanſtalt Eiſenach” (leitender Arzt Dr. med. Th.
Hoepfner) war auch im Jahre 1909 wieder von
zahl=
reichen Patienten beſucht, deren Geſamtzahl 112 betrug
und ſomit die Frequenz der früheren Jahre erreichte. (11625
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei der Beerdigung unſeres unvergeßlichen,
innigſt=
geliebten Sohnes, Bruders, Schwagers, Onkels,
Neffen und Vetters
(11649
Herrn Friedrich Vogel
stud. phil.
ſowie für die überaus zahlreichen Blumenſpenden,
ſagen wir hierdurch allen Freunden und
Be=
kannten, insbeſondere Herrn Pfarrer Widmann
für die troſtreichen Worte am Grabe, dem
Rek=
torat der Ludwigs=Univerſität (Gießen), der
Philoſophiſchen Fakultät (Gießen), den Herren
Dozenten der Ludoviciana in Gießen, dem
Aus=
ſchuß der Gießener Studentenſchaft, den Herren
Ehrenbeamten der Gießener Freien
Studenten=
ſchaft, der Freien Studentenſchaft (Gießen), ſowie
den Herren Poſtbeamten und Poſtunterbeamten
unſern herzlichſten Dank.
Familie Vogel.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Wenckſtraße 1.
Todes-Anzeige.
(Statt besonderer Anzeige.)
Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen, unseren innigstgeliebten, treu-
(11655
besorgten Vater, Grossvater, Schwager und Onkel
Herrn Ernst Rohde
Grossh. Oberlandesgerichtsrat i. P.
heute nachmittag 6¼ Uhr nach längerem Leiden im 80. Lebensjahre zu sich
zu rufen.
Darmstadt, den 5. Juni 1910.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. jur. Ferdinand Rohde, Grossh. Geheimer Oberfinanzrat.
Die Beerdigung findet auf dem Darmstädter Friedhof Mittwoch, den 8. ds. Mts., nachmittags
5 Uhr, die Einsegnung eine Viertelstunde vorher im Sterbehause, Heinrichstrasse 90, statt.
Blumenspenden sind nicht im Sinne des Entschlafenen.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Heute morgen 5 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzer, ſchwerer Krankheit meine liebe, gute,
treubeſorgte Frau, unſere gute Mutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (11598
Frau Marie Holler
geb. Dell
im 40. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Gg. Ludw. Holler, Schuhmachermeiſter.
Darmſtadt, den 5. Juni 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 7. Juni,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Todes-Anzeige.
Sonntag Nacht 1 Uhr verſchied plötzlich
und unerwartet unſer treuer Sohn und
innigſt=
geliebter Bruder, Schwager, Onkel und Neffe
Heinrich Geyer
Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott dem
All=
mächtigen gefallen hat, unſeren innigſtgeliebten
Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Neffe und
Vetter
(B11639
Herrn Carl Kröll
Kaufmann
im noch nicht vollendeten 22. Lebensjahre nach
kurzem, ſchwerem Leiden in die Ewigkeit
ab=
zurufen.
In tiefer Trauer:
Heinrich Kröll und Frau,
Ferd. Brieskorn und Frau, geb. Kröll,
Otto Höbbel und Frau, geb. Kröll,
Heinrich Kröll und Frau, geb. Zundel,
Carl Lange und Frau, geb. Kröll,
Max Kröll,
Philipp Kröll,
Tilli Kröll,
Ella Kröll.
Darmſtadt, den 5. Juni 1910.
Die
5½
Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag
Uhr, vom Portale des Darmſtädter
Fried=
hofes aus, ſtatt.
(B11638
im Alter von 33 Jahren.
Um ſtille Teilnahme bitten
in tiefer Trauer:
Familie W. Geyer XI.
nebst Geschwistern.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Neue Niederſtraße 12.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Juni,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.
Mete
Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes (geöffnet
von 10—7 Uhr).
Konzert um 8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 8 Uhr im „Schützenhof”.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo”.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 8. Juni.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
„Ludwigshalle‟
Heugras=Verſteigerung um 2 Uhr auf der
Roſen=
höhe (Zuſammenkunft am Kühnſchen Garten).
Banklagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte meiner
lieben Frau, unſerer guten Mutter
(*13977
Rosine Fischer
geb. Ehrhardt
ſagen wir Allen, für die große Beteiligung, ſowie
für die zahlreichen Blumenſpenden unſeren innigſten
Dank.
Daniel Fischer u. Kinder.
Traiſa, im Juni 1910.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden niche
zurückgeſandt.
Hessenbräu-Flaschenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.
(257a
[ ← ][ ][ → ] Iin
Iin!
Inn
Iinn!
SSeziar
Innn!
Ii!
Ii!!
Inn
Iain
Mn & AFebet
im
Warenhaus
Gesen Wister
Irvor T
DrARIVISTADT.
Grosserarelebostert
Herren-Socken
Schweiss-Socken
hell und dunkel meliert
Schweiss-Socken
Ringelmuster .
3 Paar
6 Paar
Ringelmuster
grau oder braun
. . 3 Paar
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4 Paar
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deshalb in keiner Haushaltung fehlen.
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kennen zu lernen (Witwer nicht ausgeſchl.)
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Heirat!
Braver, ſolider Geſchäftsmann in
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lernen zwecks ſpäterer Heirat.
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Der Herr, welcher der Dame im
ſchwarzen Federhut heimlich zutrank und
die ſich auf den anſcheinend gegebenen
Wunſch leider nicht unauffällig vom Tiſch
entfernen konnte, wird an dieſem Ort um
ein Lebenszeichen gebeten. D. (*14061
Kurſe vom 6. Juni 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
8f. Staatspapiere. In Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,40
3½ Deutſche Reichsanl. .
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg.
3½ do. Conſols .
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,50
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . .
do.
3½
do.
3 Sächſiſche Renre . . .
4 Württemberger v. 1907
3
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 49,20
3¾ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente .
do. Goldrente . .
do. einheitl. Rente
3 Portug. unif. Serie I
do. unif. Ser. III 67,50
do. Spezial. 12,50
5 Rumänier v. 1903 . .
4. do.v. 1890. . 94,80
do. v. 1905 . .
4 Ruſſen v. 1880 ₰ a. 8.
92,90
84,50
100,50
93,00
84,50
101,70
94,00
92,10
101,90
101,40
91,90
.83,60
102,00
93,10
97,75
99,25
94,10
65,60
102,10
91,20
91,90
InProz.
Zf.
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 92,70
4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
96,00
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,40
4 Türk. Admin. v. 1903 88,40
4 do. unifiz. v. 1903 94,70
4 Ungar. Goldrente 95,25
4 do. Staatsrente . 92,50
5 Argentinier . . . . . . 101,80
91,40
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 93,20
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,90
do.
4½
99,60
4½ Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner . . 100,20
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 97,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,40
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt.
.. 146,70
4 Nordd. Lloyd . . . . 113,50
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,10
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,00
4 Baltimore & Ohio . . 110,80
4 Gotthardbahn . . . .
InProz.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 161,70
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 23,80
4 Pennſylvania R. R. 130,25.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 200,20
Werger=Brauerei
. 82,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 480,00
Fabrik Griesheim . . . . 260,40
Farbwerk Höchſt .
.. 481,00
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Mannheim .
.326,00
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.116,50
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Bochumer Bb. u. Guß . . 235,50
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. . . 212,20
Harpener .
. . . 197,20
Phönix, Bergb. u.
Hütten=
betrieb .
. .225,40
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . .
4 Pfälzer Prt. .
.100,80
do.
3½
92,20
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,20
do. ſteuerfrei .
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
97,70
do. alte .
Oeſterr. Südbahn . . 99,10
do.
82,50
do.
57,0
3 Raab=Oedenburger . . 99,30
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 90,25
4 Kronpr. Rudolfbahn . 99,30
In Proz.
Bſ.
2‟‟ Livorneſer . . . . . . 76,00
4 Miſſouri=Pacific
80,10
4 Bagdadbahn Mk. 408 87,30
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 102,30
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 174,00
4 Darmſtädter Bank 130,10
4 Deutſche Bank 251,20
4 Deutſche Vereinsbank 128,10
4 Diskonto=Geſellſchaft . 188,25
4 Dresdner Bank 159,40
4 Mitteldeut. Kreditbk. 119,90
4 Nationalbk. f. Deutſchl. 124,80
101,20
4 Pfälzer Bank .
144,60
4 Reichsbank .
4 Rhein. Kredit=Bank 139,40
4 Wiener Bank=Verein 137,40
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,20
92,40
do. S. 19.
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 99,60
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,50
do.
91,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,60
do.
92,20
½
4 Meining. Hyp.=Bank 101,00
do.
91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unf. 1914) 91,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
do,
3½
92,80
Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt.
3½ do.
4 Frankfurt .
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim .
3½ do.
4 München .
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
3½ do.
4 Offenbach .
do.
4 Wiesbaden.
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886
InProz.
.100,90
95,10
91,60
.100,00
.100,50
91,60
91,40
.100,50
92,00
.100,60
.100,50
100,00
91,40
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 164,60
3½ Cöln=Mindner „ 100 137,90
5 Donau=Reg. fl. 100 144,50
3 Holl. Komm. „ 100 104.90
Zf.
In Proz
3. Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=
Pfand=
briefe. .
.. 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,75
3 Oldenburger . . . . . 124,70
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
7 39,30
Braunſchweiger Tlr. 20 212,90
Freiburger
Fs. 15 59,70
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10 33,80
Meininger
ſ. 7 39,40
Oeſterreicher v. 1864 „ 100 574,00
do. v. 1858 „ 100 466,00
Ungar. Staats „ 100 389,80
Venediger
Frs. 30
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Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . . 20,47
Franzöſiſche Noten . . . . 81,10
Holländiſche Noten . . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . . 80,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . .
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Riſfe der Liebe.
Ein Blankeneſer Roman
von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
19)
Schade! meinte Kurt Egloff mit herzlichem Bedauern,
zog die Mundwinkel herab und ließ Ewe, die eben wieder
in den Garten trat, nicht mehr aus den Augen. Sie ſtellte
zwei Flaſchen Bier auf den Tiſch.
Der Herr da bezahlt ſie, ſprach der Alte, und Ewe
blieb ſtehen, weil der Maler ſofort in die Taſchen griff.
Jawohl. Ich bezahle. Einen Augenblick, rief er
be=
ſtürzt und fand nicht einen Pfennig. Ich habe mein
Por=
temonnaie zu Hauſe gelaſſen.
Dann geh’s man holen, grinſte Wilken Wobbe
grim=
mig. Ich warte ſolange.
Kurt Egloff warf noch einen langen Blick der
voll=
ſtändigen Hoffnungsloſigkeit auf Ewe, dan ſchob er ab.
Wilken Wobbe trank zuerſt eine Flaſche leer, dann, als
der Gaſtgeber nicht wiederkam, auch die zweite.
Das iſt der verrückte Maler, der beim alten Eichholz
am Süllberg wohnt, ſprach er zu Ewe und wies mit
dem Daumen verächtlich über die Schulter. Hat keinen
Groſchen im Sack, aber den Noblen ſpielt er, und Wein
muß ertrinken. Ko ſind die feinen Leute.
Kurt Egloff aber ſaß zu Hauſe und ſchrieb an ſeinen
zweitbeſten Freund.
Wieder hatte er Glück. Er beglich die lange
Hotel=
gechnung, trank vor Freude zwei Flaſchen Sekt, träumte
in der Richt, dch er eine älie ine nit gchulanſend
Mark Jahresrente geheiratet hätte und erwachte am
näch=
ſten Morgen mit einem fürchterlichen Haarbeutel. Den
führte er dann auf dem Strandwege ſpazieren, ſchaute
umflorten Blickes auf das bunte Gewimmel der
Ferien=
gäſte, die den Sand zerwühlten, tilgte bei Frau Surdorf
ſeine Schulden —, Ewe ließ ſich leider nicht ſehen — und
verzehrte bei Heinrich Offen einen ſauren Hering.
Am Nachmittag, den er auf dem Divan ſeinen:
Ate=
liers zubrachte, beſuchte ihn Arno, der ſich infolge der
Schulferien ungeſtraft ſeiner Freiheit und ſeinen
künſt=
leriſchen Neigungen widmen durfte, und erzählte unter
anderem, daß Herr Harms plötzlich ſeine Beſuche eingeſtellt
hätte.
Und Kurt Egloff liebäugelte im Anſchluß daran zum
erſten Male ſehr ernſthaft mit dem Gedanken, Diedrich
Geſterlings Schwiegerſohn zu werden. Die ſehr großen
Schwierigkeiten dieſes Unternehmens unterſchätzte er
durchaus nicht. Harriets glaubte er ſicher zu ſein, denn
er wußte genau, daß er tiefen Eindruck auf ſie gemacht
hatte. Aber es ſtand für ihn viel zu viel auf dem Spiel,
als daß er ſich unterſtanden hätte, ſein Ziel auf dem
geraden Wege zu erſtreben.
Zunächſt ſuchte er die Mutter zu gewinnen. Das
wurde ihm auch nicht ſchwer. Frau Abels Intereſſe für
die Kunſt war echt und ſtark. Anläßlich ihres
Geburts=
tages, deſſen Datum ihm Arno verriet, ſtellte ſich Kurt
Egloff mit einem prachtvollen Stilleben ein. Kein
Kund=
händler hatte bisher die Schönheiten dieſes Gemäldes
ent=
decken wollen. Doch Frau Ahel liehtg es auf den erſten
Blick, ließ es in ihr Boudoir hängen und lud den
freund=
lichen Spender huldvoll zu Gaſte. Pünktlich ſtellte er ſich
ein mit ſeiner geſamten Liebenswürdigkeit und erzielte
auch damit bei Frau Abel einen durchſchlagenden Erfolg.
Stets, wenn Diedrich Geſterling zu einer ſeiner immer
zahlreicher werdenden Abendſitzungen nach Hamburg fuhr,
erſchien der Maler auf der Bildfläche. Seine
Aufmerk=
ſamkeit, die er der Frau des Hauſes darbrachte, war von
einer ſo bezaubernden Unbezwinglichkeit, daß Frau Abel
gar nicht merkte, wie drauf und dran ſie war, ſich in den
talentierten Künſtler ſchlankweg zu verlieben.
Dafür aber ſpürte es Harriet, die ſich zurückgeſetzt
fühlte, um ſo deutlicher und machte der Mutter eines ſchö
nen Tages eine regelrechte Eiferſuchtsſzene.
Du liebſt ihn? rief ſie, aufs höchſte überraſcht.
Doch darauf gab Harriet keine Antwort.
Frau Abel Geſterling war verſtändig genug, umenicht
auf Koſten ihrer Tochter geſellſchaftliche Triumphe zu
er=
ringen, und zog ſich zurück. Als Kurt Egloff das nächſte
Mal erſchien, ließ ſie ſich wegen heftiger Kopfſchmerzen
entſchuldigen, und Harriet behauptete das Feld.
Daran erkannte Kurt Egloff, daß er ſeinem hohen
Ziele um einen großen Schritt nähergekommen war.
Arno, der den Tugendwächter zu ſpielen hatte,
ver=
ſchwand bald auf den oberſten Boden, wo er ſich in einem
heimlichen Winkel ein Atelier mit Nordlicht eingerichtet
hatte, und ließ die beiden ſtets allein.
Nun aber entſank Kurt Egloff plötzlich aller Mut. Alle
ſeine großen geſellſchaftlichen Talente flatterten ihm
da=
von, wie Tauben aus dem geöffneten Schlage. Seinetver=
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910,
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zweifelten Bemühungen, ſie wieder einzufangen,
vermehr=
ten nur noch ſeine Ungeſchicklichkeit. Und auch mit Harriet
ging eine Veränderung vor. Um ihre Neigung nicht zu
verraten, hüllte ſie ſich wieder in den ſtolzen Mantel des
Hochmuts, der ihr übrigens ausgezeichnet ſtand.
So ſaßen die beiden nebeneinander und wußten nichts
mit ſich anzufangen. Das Geſpräch erlahmte bald,
pein=
liche Pauſen traten ein, und die böſe Langeweile lauerte
höhniſch im Hintergrunde. Kurt Egloff harrte vergeblich
auf ein kleines, winziges Zeichen des Entgegenkommens,
und Harriet blieb kühl und verſchloſſen, um ſich nichts zu
vergeben.
Zeitiger als ſonſt empfahl er ſich und vergaß ſogar
draußen im Veſtibül mit Guſchi zu ſchäkern, was er
früher niemals verſäumt hatte. Er ſah ſie gar nicht.
Guſchi war über dieſe Vernachläſſigung ſehr ärgerlich, denn
ſie mochte Herrn Egloff ſehr gern leiden, wenn er ihr
auch noch niemals etwas in die hohle Hand gedrückt hatte.
Gab er ihr ſchon kein Trinkgeld, dann konnte ſie doch
we=
nigſtens eine Schmeichelei über ihr gutes Ausſehen
ver=
langen. Aber dieſe Pflicht ſchien er plötzlich vergeſſen zu
haben. Mit geneigtem Kopf und in ſtark gedrückter
Stim=
mung, von ſeinem Ziele langſam abgedrängt zu werden,
verließ er das Haus, ohne Guſchi auch nur einen Blick
zuzuwerfen. Und das war gut ſo, denn Harriet lauſchte
jedesmal, wenn er von ihr ging, oben an der
Treppen=
ſtufe angeſtrengt und mit verhaltenem Atem, bis ſeine
mü=
den Schritte auf der Straße verhallt waren.
Guſchis geſunder weiblicher Inſtinkt ſpürte bald die
Urſache dieſer Veränderung heraus, und da ſie ein gutes,
viel zu gutes Herz beſaß, ſuchte ſie das beiderſeitige
Ver=
ſtändnis zu fördern.
Als ſie am nächſten Morgen ihrer jungen Herrin be
der Toilette half, fing ſie ganz unvermittelt an, Herrn
Egloff übers Bohnenlied zu loben. Harriet aber, die den
Namen deſſen, den ſie liebte, nicht aus dem Munde ihrer
Dienerin hören mochte, gebot ihr ſtrenge zu ſchweigen.
Von dieſem Augenblicke an begann Guſchis
Ver=
ehrung für ihre Herrin zu verblaßen. Nun fühlte ſie mit
Herrn Egloff noch mehr Mitleid und war feſt entſchloſſen,
ihm bei der erſten günſtigen Gelegenheit mitzuteilen, daß
alle ſeine Bemühungen, der Schwiegerſohn des Herrn
Se=
nators zu werden, vergeblich wären.
Aber ſie kam nicht mehr dazu. Kurt Egloff felbſt
wurde dieſer Zuſtand unerträglich. Seine Kaſſe war
erſchöpft wie ein trockener Wüſtenbrunnen. Dazu
mel=
dete ſich ſein beſter Freund und verlangte dringend das
geliehene Geld zurück, womöglich auf telegraphiſchem
Wege. Da ermannte ſich Kurt Egloff endlich und ging
vor die rechte Schmiede.
Nach ſorgfältigen Erkundigungen bei Arno über
die Anweſenheit ſeines Vaters, legte er ſchon am
Sonn=
tag vormittag die ſtrenge Geſellſchaftstoilette an und
trat in die weiße Villa. Guſchi, die ihn empfing,
er=
kannte ihn zuerſt nicht wieder. Er übergab ihr Hut
und Ueberrock und verlangte bei dem Hausherrn
ange=
meldet zu werden. Sie nickte verſtändnislächelnd und
führte ihn in den Salon. Ehe ſie ihn aber ganz allein
ließ, ſtreckte ſie noch einmal den Kopf durch die
Tür=
ſpalte.
Viel Glück! flüſterte ſie vertraulich und lachte ihn
mit allen ihren kleinen, blanken Zähnen an.
Da gingen ihm zum erſten Male die Augen auf.
Als Guſchi ſchon längſt verſchwunden war, ſah er noch
immer ihren reizenden, hellen Kopf mit den klaren,
ſprechenden Augen und den ſchweren, weißblonden
Haarflechten im dunklen Rahmen der Eichentür. Und
wie ein Blitz zuckte ihm der Gedanke durch das Hirn:
das wäre ein köſtliches Modell.
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Doch da trat durch dieſelbe Tür Diedrich Geſterling
herein und zerſtörte mit ſeinem kalten, geſchäftsmäßigen
Gruß die poetiſche Kunſtſtimmung, in der ſich der Maler
gerade befand. Er ſprang auf und nahm alle Kraft
zu=
ſammen. Die Proſa des Lebens forderte ihre Rechte.
Sie wünſchen? fragte Diedrich Geſterling und
muſterte, nichts Gutes ahnend, die ſtrenge,
ungewöhn=
liche Tracht des Gaſtes.
Ich bitte um die Hand Ihrer Tochter, preßte ſich
Kurt Egloff mühſam heraus.
Diedrich Geſterling verbarg die Entrüſtung über
dieſe Verwegenheit unter einem verbindlichen Lächeln.
Nehmen Sie gefälligſt Platz, ſagte er dann mit
einer höflichen Handbewegung.
Der Maler ſank aufatmend in den weichen Seſſel.
Der heikelſte Punkt war glücklich überwunden,
Haben Sie ſich eine Vorſtellung gemacht, fuhr
Died=
rich Geſterling langſam fort, wie dieſer Antrag auf
mich als Vater wirken könnte?
Offen geſtanden, nein! erwiderte Kurt Egloff,
ver=
blüfft über dieſe merkwürdige Frage.
Nun denn! lächelte Diedrich Geſterling überlegen
und kühl. Es wäre für Sie das Beſte, wenn Sie dies
jetzt nachholen wollten. Nennen Sie mir bitte Ihre
Vorzüge, die mich beſtimmen könnten, Ihren Antrag
nicht abzulehnen.
Ich bin Künſtler! rief der Maler und warf’ſich in
die Bruſt.
Ohne Vermögen, ſprach Harriets Vater mit
leich=
tem Spott.
(Fortſetzung folgt.)
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
44 68.
Dienslag, 7. Zumt.
1910.
Bekanntmnachung.
In Gemäßheit der Artikel 39 und 92 des Geſetzes
vom 12. Juni 1874 wird das Protokoll über die Sitzung
des Provinzialtags vom 21. v. Mts. zur öffentlichen
Kenntnis gebracht.
(11603
Darmſtadt, am 2. Juni 1910.
Der Vorſitzende des Provinzialtags.
Fey.
Protokoll
über die ordentliche öffentliche Sitzung des
Provin=
zialtags der Provinz Starkenburg am 21. Mai 1910.
Gegenwärtig:
I. Der Vorſitzende: Großh. Provinzialdirektor Fey;
II. Großh. Kreisbauinſpektor Baltz von Erbach für
den beurlaubten Provinzialbaubeamten Baurat
Daudt;
III. Direktor Dr. Textor von der Provinzial=
Pflege=
anſtalt bei Eberſtadt;
IV. die Provinzialtags=Abgeordneten, nämlich die
Herren:
1. Landtagsabgeordneter Seelinger,
Altbürger=
meiſter Zerweck, Kammerdirektor Baur, aus
dem Kreis Bensheim;
2. Rentner Friedrich Nungeſſer, Bürgermeiſter
Müller, Ortsgerichtsvorſteher Müller,
Beige=
ordneter Egenolf, Bürgermeiſter Lang,
Ober=
landesgerichtsrat Dr Berchelmann, Geheime
Juſtizrat Schmeel, Juſtizrat Gallus, aus dem
Kreis Darmſtadt:
8. Rentner Wilhelm Grünewald, Mühlenbeſitzer
Wilhelm Bauer, Rentner Georg Dreſſel V.,
Hekonomierat Jalob Walter 2VI.
Dekono=
mierat Heil, Rentner Georg Bernhard Weber,
aus dem Kreis Dieburg;
4. Bierbrauereibeſitzer Breimer, Bürgermeiſter
Stegmüller, Poſtſekretär Olt, Bauunternehmer
Johann JakobRein, aus dem Kreis Erbach;
5. Bürgermeiſter Hardt, Bürgermeiſter Auß,
Oekonomierat Hammann, aus dem Kreis
Groß=Gerau;
6. Bürgermeiſter Höhn, aus dem Kreis
Heppen=
heim;
7. Bürgermeiſter Wenzel. Bürgermeiſter Pons,
Geh. Kommerzienrat Stroh, Bauunternehmer
Philipp Forſter, Fabrikant Feiſtmann,
Bür=
germeiſter Fecher, Bürgermeiſter Metzger,
Bür=
germeiſter Kaiſer, aus dem Kreis
Offen=
bach;
V. die nicht zum Provinzialtag gehörenden
Mitglie=
der des Provinzialausſchuſſes, nämlich die
Herren: Geheime Juſtizrat Dr. Lahr, Juſtizrat
Grünewald, Oberkonſiſtorialrat Dr. Bernbeck,
Bei=
geordneter Müller;
VI. die Kreisräte der Provinz, nämlich die Herren:
Dr. Kratz=Dieburg, Freiherr von Starck=Erbach,
von Hahn=Heppenheim, Lochmann=Offenbach:
VVII. der Protokollführer: Großh. Bureauvorſteher
Bernauer.
Die Einladungen zur heutigen Verſammlung des
Provinzialtages waren am 2. Mai ds. Js. an die
Provin=
zialtags=Abgeordneten, ſowie die Mitglieder des
Provin=
zialausſchuſſes und die Vertreter der Kreisverwaltungen
ergangen und außerdem hatte die vorſchriftsmäßige
Ver=
öfſentlichung in der Darmſtädter Zeitung”, ſowie in den
Kreisblättern der Provinz, mit Angabe der
Tagesord=
nung, ſtattgefunden.
Ein Exemplar jener Einladung iſt dieſem Protokoll
beigelegt. (Anlage 1).
Da mehr als die Hälfte der Mitglieder des
Provinzial=
tags anweſend, ſo war er nach Art. 36 und 92 der Kreis=
und Provinzialordnung beſchlußfähig.
Von den ausgebliebenen Mitgliedern hatten ſich
ent=
ſchuldigt die Herren: Oberamtsrichter Dr. Fiſcher=Lorſch,
Fabrikant Kreutzer=Bensheim, Kommerzienrat Diefenbach=
Darmſtadt, Bürgermeiſter Dingeldein=Reichelsheim,
Kom=
merzienrat Opel=Rüſſelsheim, Holzhändler Horſt=Goddelau,
Oberamtsrichter Bierau=Fürth, Bürgermeiſter Lennert=
Fürth, Fabrikant Schmalt und Rentner Grünewald=
Offen=
bach.
Nach Eröffnung der Sitzung und Begrüßung der
Ab=
geordneten und der Vertreter der Kreisverwaltungen
ſei=
tens des Vorſitzenden ſtellte derſelbe die Beſchlußfähigkeit
der Verſammlung feſt und brachte die Mitglieder,
Orts=
gerichtsvorſteher Müller und Bürgermeiſter Höhn, als
Ur=
kundsperſonen in Vorſchlag. Dieſer Vorſchlag wurde von
der Verſammlung einſtimmig gutgeheißen.
Der Vorſitzende widmet hierauf dem verſtorbenen
Vor=
ſitzenden des Provinzialtags. Geheimerat Freiherrn von
Grancy, den verſtorbenen Mitgliedern des
Provinzial=
ausſchuſſes, Oberbürgermeiſter Morneweg und
Kammer=
zienrat Wecker=Offenbach, ſowie dem verſtorbenen
Pro=
vinzialtagsmitglied Karl Moller aus Offenbach einen
warmen Nachruf und erſuchte die Verſammlung ſich zum
Zeichen ehrenden Gedenkens von den Sitzen zu erheben,
was geſchah.
Der Vorſitzende führte ſodann aus: Es werde ihm
ein beſonderes Anliegen ſein, die gemeinſamen Intereſſen
der Provinz nicht nur hier in der Sitzung des
Provinzial=
tags, ſondern auch außerhalb desſelben zu vertreten. Daß
wichtige gemeinſame provinzielle Intereſſen vorhanden
ſeien, gemeinſame Intereſſen aller Kreiſe der Provinz,
ge=
meinſame Intereſſen von Stadt und Land, die begründet
ſeien in der geographiſchen Lage, der hiſtoriſchen
Entwick=
lung der Provinz, in der Geſtaltung von Handel, Verkehr
und Landwirtſchaft, ſei allgemein bekannt. Gerade die
Entwicklung unſeres modernen Wirtſchaftslebens,
ins=
beſondere auch auf dem Gebiete des Verkehrs, habe die
provinziellen Intereſſen mehr hervorgekehrt und gezeitigt.
Als eine hervoragende Aufgabe werde er es ſtets
betrach=
ten, dieſe zahlreichen, wichtigen Intereſſen nicht
unver=
mittelt nebeneinander hergehen zu laſſen, ſondern ſie
zu=
ſammenzufaſſen, und bei ihrer Wahrung Zerſplitterung zu
vermeiden.
Gerade bei Wahrung der provinziellen Intereſſen ſei
Einheitlichkeit aus volkswirtſchaftlichen Gründen beſonders
notwendig und auch durch den Wunſch nach
Geſchäftsver=
einfachung geboten.
Eine Ferſpiterung der Kräſſe und der Mitl miſſe
namentlich auch bei den Aufgaben, die der Provinz in
finanzieller Hinſicht beſonders übertragen ſeien, vermieden
werden. Die Provinz dürfe ſich dabei nicht in kleinen
Auf=
gaben verlieren, ſie müſſe ihre Mittel auf größere Ziele
konzentrieren, deren Erreichung im gemeinſamen Intereſſe
der Kreiſe, Städte und Landgemeinden der Provinz liege.
Hierdurch werde einesteils dem Ganzen gedient und
an=
dernteils Koſtenaufwand erſpart werden. Daß zur
Jetzt=
zeit die finanzielle Verwaltung der Provinz in ganz
be=
ſonderem Maße die Richtſchnur der Sparſamkeit einhalten
müſſe, ſei ſelbſtverſtändlich.
Bei den Aufgaben der Provinz komme in erſter Linie
in Betracht der Straßenbau und die Straßenunterhaltung,
die Fürſorge für Invalide und Sieche, die
Fürſorge=
einrichtungen für das Wanderunterſtützungsweſen an den
Arbeitsnachweis für Wanderer. Daß die Provinz daneben
auch mit anderen Aufgaben des öffentlichen Lebens in
reger Verbindung bleiben müſſe, daß ſie auch fernerhin ier
Förderung des Winterſchul= und
Haushaltungsſchul=
weſens, der geſchichtlichen Forſchung, dem allgemeinen
Ar=
beitsnachweiſe, der Fürſorge für Epileptiſche und Krüppel,
ſowie für verwahrloſte Kinder, der Verbeſſerung der
Säuglingspflege und namentlich auch der Förderung der
ländlichen Heimat= und Wohlfahrtspflege nicht fernſtehen
dürfe, unterliege wohl kaum einem Zweifel, zumal die
ſeitherige Unterſtützung ſolcher Zwecke dieſen ſelbſt von
Bedeutung und Vorteil geweſen, ohne daß die Provinz
dabei weſentlich belaſtet worden ſei.
Eine ſehr zweckmäßige Einrichtung des Staates ſei
nun, daß dieſer mit der Provinzialverwaltung die obere
Verwaltung einer Reihe von Staatsanſtalten und
Ein=
richtungen durch Uebertragung an die Provinzialdiretion
als Aufſichtsbehörde vereinigt habe. So ſeien die drei
Landesirrenanſtalten, die Idiotenanſtalt „Aliceſtift” die
ganze Landeswaiſenfürſorge, das Arbeitshaus in
Die=
burg, ſowie noch verſchiedene große
Stiftungsverwaltun=
gen der Provinzialdirektion unterſtellt. Mit der
Provin=
zial=Siechenanſtalt ſeien dies ſieben große Anſtalten und
Einrichtungen für Kranke, Gebrechliche Hilfsbedürftige,
Verlaſſene und Beſſerungsbedürftige. Es liege auf der
Hand, daß dieſe Konzentrierung bei einer Behörde für die
Gewinnung gemeinſchaftlicher Verwaltungsgrundſätze und
Erfahrungen ebenſo wichtig ſei, wie ſie auch ganz
beſon=
ders im Intereſſe der Geſchäftsvereinfachung liege.
Der Voranſchlag der Provinz für 1910 ſchließe in
Einnahme und Ausgabe mit 651 738 Mk. ab. Die
Er=
höhung der Provinzialumlagen, die 557607 Mk. betragen,
gegen das Vorjahr ſei ganz unweſentlich (119 Mk.). Die
Koſten des Neubaues und der Unterhaltung der
Kreis=
ſtraßen, ſoweit die Provinz dabei beteiligt ſei, belaufen
ſich auf 433513 Mk. gegen 441776 Mk. im Vorjahre.
Dieſem Ausgabepoſten ſtehe ein Staatszuſchuß von
30000 Mk. zu den Neubaukoſten in Einnahme gegenüber.
In dem vorbemerkten Betrage ſei der Zuſchuß des Staates
zu den Straßenunterhaltungskoſten mit 337000 Mk. nicht
enthalten, ebenſo nicht die Anteile der Kreiſe daran. Der
Geſamtunterhaltungsaufwand für die Straßen in der
Pro=
vinz belaufe ſich auf 964 782 Mk. Was den Straßenneubau
angehe, ſo müſſe in der Provinz, abgeſehen von den
Kreiſen Erbach und Heppenheim, in denen beſondere
Ver=
hältniſſe vorliegen, für die Folge ein langſameres Tempo
eingeſchlagen werden. Keinesfalls dürfe mit dem Bau
oder Umbau von Straßen begonnen werden, ohne daß
ſämtliche Mittel in dem Voranſchlage der Provinz gedeckt
ſeien. Ein anderes Verfahren führe zu einer fortwährenden
Steigerung der Straßenbaulaſten, worunter die
finan=
ziellen Verhältniſſe der Provinz notleiden können. Für
genehmigte Straßen ſeien zurzeit an Staatsbeiträgen
114 163 Mk. und an Provinzbeiträgen 66 282 Mk.,
zuſam=
men 180 449 Mk., rückſtändig. Dieſe Beträge müſſen erſt
in künſtigen Voranſchlägen gedeckt werden, bevor an
wei=
tere Neu= und Umbauten herangetreten werden dürfe,
ab=
geſehen natürlich von dringlichen Bauten, die nötig ſeien,
um Gefahren abzuwenden.
Dagegen müſſe für die Unterhaltung der
Hauptver=
kehrsſtraßen mehr geſchehen. Es ſei ein Irrtum, wenn
man annehme, die Kreisſtraßen hätten nur lokale
Bedeu=
tung. Die Entwicklung des Verkehrs im letzten
Jahr=
zehnt, insbeſondere auch die ſtarke Abnutzung der
Haupt=
verkehrsſtraßen, habe gezeigt, welche Bedeutung dieſelben,
trotz der Eiſenbahnen, haben. Die Unterhaltung derſelben
müſſe daher den Anforderungen des Verkehrs entſprechend
ſtattfinden. Schlechte und feuchte Stellen müſſen umgebaut
und im Intereſſe der Koſtenerſparnis mit Kleinpflaſter
verſehen werden. Dies habe ſich bewährt. Mit der Außen=
und Innenteerung der Straßen müßten zunächſt noch
wei=
tere Verſuche angeſtellt werden. Es ſolle dies ohne
Stei=
gerung der Umlagen durch eine ſachgemäße Verteilung der
Mittel geſchehen. Die Straßenunterhaltungskoſten in der
Provinz ſeien im letzten Jahrzehnt erheblich geſtiegen. In
1900 hätten dieſelben 203654 Mk. gegen 96t 722 Mk. in
1910 betragen. Sie ſeien ſeit 1900 geſtiegen im Kreiſe
Dieburg von 97 616 Mk. auf 154707 Mk., Erbach von
102053 Mk. auf 140 850 Mk., Groß=Gerau von 121 231 Mk.
auf 156 262 Mk., Heppenheim von 108 551 Mk. auf
122726 Mk., Offenbach von 118 780 Mk. auf 153 595 Mk.
Nur im Kreiſe Bensheim habe keine weſentliche Steigung
(von 133520 Mk. auf 135 000 Mk.) und in Darmſtadt eine
Minderung (von 121890 Mk. auf 101 642 Mk.)
ſtattgefun=
den. Im Laufe des Jahres ſolle nach einer mit den
Vor=
ſitzenden der Kreisausſchüſſe vor kurzem ſtattgehabten
Beſprechung nunmehr durch die Provinz ein neuer
Stra=
ßenunterhaltungsplan ausgearbeitet werden, der den oben
erwähnten Anſchauungen Rechnung tragen werde. Dieſer
ſoll dann für 1914 und die kommenden Jahre zugrunde
gelegt werden. Für das Naturalverpflegungsſtationsweſen
ſeien in den Voranſchlag 60 000 Mk. eingeſtellt. Dieſe
Summe habe im Laufe der Jahre eine beträchtliche
Stei=
gung erfahren, 1900 hätte ſie nur 30932 Mk. betragen.
Infolge dieſes Umſtandes und infolge Einführung des
preußiſchen Wanderarbeitsſtättengeſetzes in den
benach=
barten preußiſchen Landesteilen ſei es, um Nachteile von
der Provinz fernzuhalten, nötig, daß eine andere
Einrich=
tung getroffen werde, mit der ſich der Provinzialausſchuß
im Laufe der nächſten Zeit ſchon befaſſen wolle. Man hoffe
hierdurch Erſparniſſe in künftigen Jahren herbeizuführen.
Auch der Arbeitsnachweis für Wanderer ſolle neu
ein=
gerichtet werden, dies ſei aus volkswirtſchaftlichen und
ſozialen Geſichtspunkten, ſowie wegen Erlangung der vom
preußiſchen Eiſenbahnminiſter in Ausſicht geſtellten
Fahr=
preisermäßigungen auf 1 Pfg. pro Kilometer geboten.
Die Provinzial=Pflegeanſtalt habe für 1908 mit einem
Ueberſchuß von 13 963 Mk. abgeſchloſſen. Die verbeſſerte
Bewirichaſung der Grundfülcke und die Beſchäfigung
der Inſaſſen, ſoweit dieſelben noch zu leichter Arbeit
im=
ſtande ſeien laſſe auch für die Folge Ueberſchüſſe erhoffen.
Der Voranſchlag für 1910 ſchließe in Einnahme und
Aus=
gabe mit 166 821 Mk. ab. Der Zuſchuß der Provinz zum
Betriebe betrage 64828 Mk. gegen 78883 Mk. im Vorjahr.
Nicht einbegriffen hierbei ſei Verzinſung mit 27954 Mk.
und Tilgung mit 8719 Mk. des Anlagekapitals (820000
Mark). Vom Anlagekapital werden bis einſchließlich 1910
getilgt ſein 42510 Mk. Es werde das ernſtliche Beſtreben
der Provinzialverwaltung und der Anſtaltsdirektion ſein,
durch Erhöhung der Einnahmen den Zuſchuß nach und
nach herabzumindern, ohne daß dadurch ſelbſtverſtändlich
die Fürſorge der Pfleglinge geringer werden dürfe
Der Vorſitzende ſchloß ſeinen Vortrag mit dem
Wunſche, daß die Entwicklung der Provinz ſich auch
ferner=
hin in den Bahnen eines vernünftigen, durch die
Leiſtungs=
fähigkeit der Provinz bedingten Fortſchrittes bewegen
möchte. Es wurde ſodann in die Tagesordnung
ein=
getreten:
1. und 2. Begutachtung der Provinzialkaſſerechnung
und derjenigen der Kaſſe der Provinzial=Pflegeanſtalt
für 1908 — Ri.
Der Vorſitzende bemerkte, daß das
Provinzialaus=
ſchußmitglied Dr. Bernbeck mit der Vorprüfung der
Rech=
nungen betraut geweſen ſei. Bemerkungen ſeien nicht
erhoben worden. (Anlage 2.)
Der Provinzialtag, dem die Rechenſchaftsberichte im
Druck zugegangen waren, beanſtandete weder die
Rech=
nungen noch die Rechenſchaftsberichte.
3. Feſtſtellung des Voranſchlags der Provinzialkaſſe
und derjenigen für die Provinzial=Pflegeanſtalt
für 1908 — Ri.
Von dem Entwurf des Voranſchlags und ſeinen
An=
lagen iſt jedem Provinzialtagsabgeordneten ein gedrucktes
Exemplar, wie ſolches dieſem Protokoll beiliegt (Anlage 3),
zugeſtellt worden.
Unter Hinweis hierauf wurden von dem Vorſitzenden,
bezw. von dem Direktor Dr. Textor die vorgeſehenen
Beträge, ſoweit Abweichungen gegen das Vorjahr
vor=
liegen, rubrikenweiſe vorgetragen und dabei bemerkt, daß
die Zuſtimmung des Provinzialtags zu jedem einzelnen
Poſten des Entwurfs angenommen werde, wenn ſich nach
Verleſen derſelben niemand zum Wort melde.
Es fanden nur bei den nachbenannten Anſätzen
An=
fragen und Erörterungen ſtatt und es wurden die
nach=
ſtehenden beſonderen Beſchlüſſe gefaßt:
Zu Rubrik Nr. 28: „Bau und Unterhaltung von
Kreisſtraßen”. Zunächſt werden die von den
Kreisverwal=
tungen Heppenheim und Offenbach beantragten
Aende=
rungen, wie ſie in den Nachträgen zum
Provinzialvoran=
ſchlag des näheren dargelegt ſind, einſtimmig genehmigt.
Weiter wurde genehmigt die Erhöhung der
Straßen=
wartlöhne im Kreiſe Groß=Gerau rückwirkend vom 1. April
1908 an und die Uebernahme der hierzu erforderlichen
Mittel im Betrage von 1947 Mk. 88 Pfg. auf den
Reſerve=
fonds.
Kreisrat von Hahn=Heppenheim bemerkte:
Er gehe wohl nicht fehl, wenn er annehme, daß das
Neu=
bauprojekt Birkenau=Löhrbach als genehmigt anzuſehen ſei
und daß er auf die Einſtellung der Mittel in den nächſten
Provinzialvoranſchlag rechnen könne.
Der Vorſitzende ſagte die Einſtellung der Mittel
in den nächſten Voranſchlag zu.
Zu Rubrik 30: „Zuſchuß in andere Kaſſen”.
Abgeordneter Feiſtmann=Offenbach fragt an,
ob die unter Rubrik Nr. 30 Poſ. 6 des Voranſchlags
ein=
geſtellte Summe von 300 Mk. Beitrag zu den Koſten der
Arbeitsnachweisſtelle in Darmſtadt im Intereſſe der
Pro=
binz verwendet werde, oder ob ſie nur für den Kreis
Darmſtadt bewilligt ſei. Im letzteren Falle beantrage er,
die gleiche Summe auch für den Kreis Offenbach zu
bewil=
ligen. Fals dies zum diesjährigen Voranſchlag nicht
mehr möglich ſei, bitte er im nächſten Voranſchlag darauf
Rückſicht zu nehmen.
Der Vorſitzende erläutert, daß der Beitrag nicht
allein im Intereſſe von Stadt und Kreis verwendet werde,
ſondern der ganzen Provinz zugute komme, da die
Vermit=
telungstätigkeit des Arbeitsnachweiſes der Stadt
Darm=
ſtadt auch ſich nach außerhalb erſtrecke und der
Arbeitsnach=
weis von Auswärtigen benutzt werden könne. Es ſtehe
nichts im Wege, wenn ein weiterer Betrag dem Kreis
Offenbach zu dem fraglichen Zweck zur Verfügung geſtellt
werde. Damit der Provinzialausſchuß jedoch in der Lage
ſei, die Bewilligung weiterer Mittel für den beregten
Zweck prüfen zu können, bitte er den Antragſteller, den
Arbeitsnachweis in Offenbach zu veranlaſſen, einen
ſchrift=
lichen Antrag einzureichen. Mit Rückſicht auf das heutige
moderne Wirtſchaftsleben beſtehe ein großes
Intereſſe=
daran, daß der Arbeitsnachweis immer mehr ausgedehnt
werde. Um dies zu erreichen, ſei es durchaus nötig, daß
der Arbeitsnachweis nach einheitlichen Grundſätzen
durch=
geführt werde, wie dies u. a. auch der Mitteldeutſche
Arbeitsnachweisverband anſtrebe. Mit dieſer Materie
werde ſich der Provinzialausſchuß im Laufe dieſes Jahres
eingehend beſchäftigen. Von ganz beſonderer Wichtigkeit
ſei dabei, daß der Grundſatz einer geſunden Heimatpolitik‟
bei dem Arbeitsnachweis in der Weiſe überall Platz greife,
daß die einheimiſchen Stellen auch den einheimiſchen,
ſeß=
haften Arbeitern in erſter Linie vorbehalten bleiben und
nicht auswärtige Arbeiter auf ſolche Stellen von
vorn=
herein vermittelt würden, denn anſonſt werde der
ein=
geſeſſene Arbeiter geſchädigt und die Arbeiterſchaft zu ſehr
mobiliſiert.
Abgeordneter Feiſtmann zieht ſeinen Antrag
für diesmal zurück, bittet aber, bei Aufſtellung des nächſten
Voranſchlages auf dieſen Rückſicht zu nehmen.
3 u Rubrik33: „Für die Provinzial=Pflegeanſtalt”.
Abgeordneter Schmeel erklärte namens der
Darmſtädter Abgeordneten zum Voranſchlag der
Provin=
zial=Pflegeanſtalt, daß mit einem täglichen Pfleggeld von
40 Pfg. für Armenverbände die Selbſtkoſten der Anſtalt
nicht im entfernteſten gedeckt werden könnten, und daß eine
Erhöhung dieſes Pfleggeldſatzes unbedingt eintreten müſſe.
Bereits im vorigen Jahr ſei von dem Abgeordneten
Egenolf Antrag auf Erhöhung des Pfleggeldes geſtellt
worden, der aber kein günſtiges Schickſal erfahren habe.
In dem vorliegenden Vorauſchlag ſei wieder der alte
Pfleggeldſatz von 40 Pfg. eingeſtellt. Die Gründe, welche
die Stadt veranlaſſen, mit der Pfleggelderhöhung
fort=
geſetzt hervorzutreten, ſeien dieſelben wie im vorigen
Jahre. Sie ſei in ihrer Stellungnahme noch beſtärkt wor=
Nummer 63₰
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
Dienstag, den 7. Inni. 1910.
den durch eine Verſigung des Miniſteriuns des Zmerm
vom Februar 1910, in der den Provinzialverwaltungen
zur Vermeidung von Steuererhöhungen empfohlen worden
ſei, zu ſuchen, die Einnahmen der ihnen unterſtellten
An=
ſtalten zu ſteigern, wobei namentlich auch an eine
Erhöh=
ung der Pfleggeldſätze zu denken ſei. Er könne deshalb
den vorigen Antrag heute wieder erneuern, halte es aber
für richtiger, mit demſelben zurückzuhalten, obwohl er
dringlich ſei, bis eine gründliche ſachverſtändige
Vorberei=
tung ſtattgefunden habe, weil zu befürchten ſei, daß ein
unvorbereiteter Antrag bei dem Plenum dasſelbe
ungün=
ſtige Schickſal erfahren werde, wie derjenige im vorigen
Provinzialtag. Zum nächſten Provinzialtag dagegen
werde man mit einem eingehend ſachlich geprüften und
begründeten Antrag kommen, der zunächſt der
Provinzial=
direktion zur Prüfung unterbreitet werden ſolle. Er habe
zu der Provinzialverwaltung das Vertrauen, daß der neue
Antrag eine zuverläſſige und gerechte Würdigung erfahren
werde. Der Antrag ſei hiernach keineswegs als vergraben,
ſondern nur als vertagt zu betrachten.
Abgeordneter Bauer bemerkte, daß der
verſtor=
bene Provinzialdirektor Geheimerat Freiherr von Grancy
ſich ein bleibendes Andenken dadurch bewahrt habe, daß er
ſich im vorigen Provinzialtag dem Antrag des
Abgeord=
neten Egenolf gegenüber entſchieden ablehnend verhalten
habe, da er von keiner weſentlichen Einwirkung auf die
Umlagen ſei. Deshalb beantrage er, es ſo zu laſſen, wie
es ſeither geweſen ſei.
Abgeordneter Stegmüller ſchließt ſich dieſer
Ausführung an. Infolge davon, daß neben dem
Pfleg=
geld von 40 Pfg. täglich auch noch ein
Kleiderunterhal=
tungsgeld von 20 Mk. von den Armenverbänden erhoben
werde, und in der Erwägung, daß durch die Einziehung
der Invaliden= und Altersrenten zugunſten der
Anſtalts=
kaſſe die Pfleggeldſätze eine nicht unweſentliche Erhöhung
erfahren haben, bitte er dringend, von einer Erhöhung
ab=
zuſehen. Zu beachten ſei ferner, daß dieſe Rentenbeträge
ſich von Jahr zu Jahr ſteigerten und daß ſicherlich eine
Abwanderung der arbeitsfähigen Inſaſſen eintreten werde,
wenn eine Erhöhung des Pfleggeldes auf 80 Pfg. oder
ſogar auf 1 Mk. täglich eintrete.
Abgeordneter Schmeel: Er habe keinen
An=
trag geſtellt, deshalb brauche er auch nicht auf das
Mate=
rielle einzugehen. Die Wohltätigkeitsanſtalt werde durch
die Pfleggelderhöhung an ſich in keiner Weiſe
beeinträch=
tigt werden, es komme nur darauf an, wer bezahle. Es
beſtehe nicht die Abſicht, auf der Erhöhung in dem Maße,
wie früher beantragt, beſtehen zu bleiben, es ſei vielmehr
an eine weſentliche Reduzierung gedacht, ſo daß
Hoff=
nung beſtehe, daß demnächſt der Antrag auf guten Boden
fallen werde.
Der Vorſitzende bemerkte, daß der
Provinzial=
ausſchuß ſich wiederholt mit der Angelegenheit befaßt
habe, er ſei aber zu der Anſicht gekommen, daß es nicht
geeignet ſei, in dieſem Jahre mit einer Erhöhung wieder
heranzutreten, mit Rückſicht auf das Ergebnis der
Abſtim=
mung im vorigen Jahre. Bei der Feſtſetzung des
Pfleg=
geldes komme weſentlich die Leiſtungsfähigkeit der
länd=
lichen Gemeinden in Betracht. Deshalb und weil auch für
arbeitsfähige Pfleglinge ein geringeres Pfleggeld
bei=
behalten werden müſſe, ſei es ſchwer, eine Regelung zu
finden, die allen Intereſſen gerecht werde. Die
Angelegen=
heit werde aber im Provinzialausſchuß nochmals genau
geprüft werden.
Kreisrat Lochmann=Offenbach macht auf
die Seiten 8 und 15 des Verwaltungsberichts der
Pflege=
anſtalt aufmerkſam. Er glaube der allgemeinen
Zuſtim=
mung der Verſammlung ſicher zu ſein, wenn er dem
An=
ſtaltsleiter empfehle, alles Unnötige aus dem
Rechen=
ſchaftsbericht, insbeſondere alle mediziniſchen Ausdrücke
wegzulaſſen, die niemand verſtehe. Dadurch würden
un=
nötige Druckkoſten geſpart werden. Intereſſe habe für den
Provinzialtag nur die Krankenbewegung in der Anſtalt
und die Geſtaltung des Rechnungsweſens.
Direktor Dr. Tertor entgegnet, daß der
Jah=
resbericht der Provinzial=Pflegeanſtalt ausführlich
gehal=
ten und beſonders der ärztliche Teil ausgearbeitet ſein
müſſe, weil nur auf dieſem Wege allen Abgeordneten zum
Provinzialtag ein anſchauliches Bild von der Art der in
der Pflegeanſtalt untergebrachten Pfleglinge und damit ein
Urteil über deren Bedürfniſſe und über die Notwendigkeit
der für ſie beantragten Aufwendungen, z. B in dieſem
Jahre die Erhöhung der Perſonallöhne, gegeben werden
könne. Dann ſeien dieſe Berichte nicht nur für den
Pro=
vinzialtag geſchrieben, ſondern ſie würden mit anderen
Siechenanſtalten ausgetauſcht, die ein Intereſſe an der
Kenntnis des Zuſtandes der hier verpflegten Perſonen
haben und die nur dadurch eine Anſchauung von den
Leiſtungen und der Eigenart der Anſtalt bekommen können.
Schließlich aber ſollen die Jahresberichte ein Material ſein
zur richtigen Bewertung der hieſigen Pflegeanſtalt
gegen=
über anderen Siechenanſtalten, die zurzeit noch teilweiſe
auf einer Stufe ſtehen, wie die Irrenanſtalten vor 40 bis
50 Jahren, und die noch eine Entwickelung zum Beſſeren
vor ſich haben. Er bitte deshalb, es bei dem ſeitherigen
Verfahren zu belaſſen, weil ſonſt der Verwaltungsbericht
ſeinen Zweck nicht erfülle.
Abgeordneter Schmeel iſt prinzipiell mit der
Anſicht des Kreisrats Lochmann einverſtanden. Die
Aus=
führungen des Direktors Dr. Textor drängten ihm indeſſen
die Meinung auf, daß das Material auch den anderen
Anſtalten zugänglich gemacht werden ſolle. Dies
verur=
ſache eine ſtärkere Auflage von etwa 30—40 Exemplaren,
ſo daß der Mehraufwand an Druckkoſten kein erheblicher
ſein werde. Man ſolle dem Antrag Lochmann zunächſt
keine Folge geben.
Abgeordneter Gallus iſt namens der
Darm=
ſtädter Abgeordneten mit dem Voranſchlagsentwurf
ein=
verſtanden unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß im
nächſten Provinzialtag über die beantragte Erhöhung des
Pfleggeldes verhandelt und beſchloſſen werde.
Der Vorſitzende erwidert, daß eine
bedingungs=
weiſe Zuſtimmung zum Voranſchlage nicht angängig ſei,
daß aber durch die heutige Zuſtimmung zum Voranſchlage
keine bindende Stellung für den folgenden Voranſchlag
bewirkt werde. Ferner führte der Vorſitzende noch aus,
die Bewilligung der Prämien und Gehaltsaufbeſſerungen
an das Warteperſonal, die im Voranſchlag für die
Provin=
zial=Pflegeanſtalt vorgeſehen ſei, habe nur die Bedeutung
einer Ermächtigung für den Provinzialausſchuß, daß er in
geeigneten Fällen auf Antrag der Anſtaltsdirektion die
Bezüge bewillige. Auf keinen Fall begründe der heutige
Beſchluß des Provinzialtags für die
Provinzialverwal=
tung die Verpflichtung, die bewilligten Beträge ohne
wei=
teres zu überweiſen. Dieſen Sinn habe der Voranſchlag
nicht. Es ſolle über die Gehalts= und Prämienbezüge des
Wärterperſonals ein Regulativ erlaſſen werden
Damit erklärte ſich die Verſammlung einverſtanden.
Hiernach wurde der Voranſchlag im ganzen
angenom=
men und die Einnahme und die Ausgabe
. 651 738,27 Mk.
a) bei der Provinz auf
b) bei der Provinzial=Pflegeanſtalt auf 166 821,50 „
feſtgeſetzt.
4. Die Umpflaſterung der Ortsdurchfahrt zu Radheim;
hier Antrag der Gemeinde Radheim auf Bewilligung
eines Beitrages zu den Koſten derſelben aus
Provinzmitteln.
Kreisrat Dr. Kratz bittet, dem Antrag der
Ge=
meinde ſtattzugeben und von dem ſeitherigen Grundſatz
einmal ausnahmsweiſe abzugehen. Es handle ſich um
eine kleine, arme Gemeinde. Sie erhebe einen Zuſchlag
zur Staatsſteuer von 163 Prozent bei einem Ausſchlag von
6000 Mk. Die Umpflaſterung der Ortsdurchfahrt
verur=
ſache einen Koſtenaufwand von 1400 Mk. oder beinahe ein
Viertel der geſamten Umlagen. Dem Hinweis darauf, daß
die Ausführung der Anlage vor der Einholung der
Erklä=
rung der Provinzialverwaltung erfolgt ſei, ſei
entgegenzu=
halten, daß dieſe Maßnahme durch die Verhältniſſe bedingt
geweſen ſei. Die Gemeinde habe geglaubt, mit geringen
Koſten auszukommen, und ſie habe deshalb nicht daran
gedacht, andere Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Dieſe
Hoff=
nung habe ſich nicht erfüllt, weil der Untergrund ſchlecht
geweſen ſei und deshalb die Sache hätte anders gemacht
werden müſſen, als beabſichtigt geweſen ſei. Der
Kreis=
ausſchuß habe den Antrag der Gemeinde für begründet
erachtet und er ſei überzeugt, daß demnächſt der Kreistag
ebenfalls unbedenklich dem Antrag zuſtimmen und den
Anteil von 350 Mk. bewilligen werde. Mit Rückſicht auf
den geringen Betrag von 350 Mk. und im Hinblick darauf,
daß nach ſeiner Anſicht grundſätzliche Bedenken der
Bewil=
ligung dieſer, Summe nicht entgegenſtehen werden, bitte er,
dem Antrag ſtattzugeben. Die Aufbringung des
verblei=
benden Betrags von 700 Mk. werde der Gemeinde
Rad=
heim immerhin noch ſchwer genug fallen.
Der Vorſitzende bemerkte, daß nur die Provinz
im allgemeinen geſetzlich berechtigt ſei, Unterſtützungen an
bedürftige Kreiſe zu bewilligen, nicht aber an einzelne
bedürftige Gemeinden. Wenn das Geſuch daher lediglich
mit der Bedürftigkeit der Gemeinde begründet werde, ſo
ſtänden demſelben geſetzliche Bedenken gegenüber.
Kreisrat Dr. Kratz verlieſt hierauf die
Beſtim=
mung in Art. 19 des Kunſtſtraßengeſetzes und iſt der
An=
ſicht, daß auf Grund dieſer Beſtimmung es ſehr wohl
mög=
lich ſei, den Beitrag zu bewilligen. Selbſtverſtändlich müſſe
dieſe Bewilligung auf Konto der Straßenunterhaltung
geſchehen.
Der Vorſitzende bemerkte, daß es aber
gleich=
wohl ſeitens der Provinzialverwaltung überlegt werden
müſſe, was eine derartige Bewilligung für Konſequenzen
haben könne. Die Hilfsbedürftigkeit der Gemeinde allein
könne, wie bereits erwähnt, einen derartigen Zuſchuß
geſetzlich nicht begründen, es müßten vielmehr auch noch
andere Geſichtspunkte, was den Verkehr und die Benutzung
der Straße anlange, in Betracht gezogen werden.
Abgeordneter Nuß bemerkte, daß der
Provin=
zialausſchuß die Vorlage eingehend geprüft und behandelt
habe. Dieſer ſei zu der Anſicht gekommen, daß dem
An=
trag der Konſequenzen halber keine Folge zu geben ſei.
Sicherlich würden auch noch andere Gemeinden mit gleichen
Anträgen kommen. Der Kreistag habe die Verpflichtung,
ſeinen hilfsbedürftigen Gemeinden zu helfen. Er bitte um
Ablehnung des Antrags.
Kreisrat Lochmann macht darauf aufmerkſam,
daß im Kreiſe Offenbach die gleichen Anträge der
Gemein=
den Hauſen und Sprendlingen abgelehnt worden ſeien. Er
werde jene Anträge ſofort erneuern, falls die Gemeinde
Radheim, welcher er die Beihilfe an ſich gönne, den
bean=
tragten Zuſchuß erhalte.
Kreisrat Dr. Kratz bittet nochmals, von der
Möglichkeit, die das Geſetz gewähre, im Intereſſe der
kleinen armen Gemeinde Gebrauch zu machen.
Abgeordneter Walter iſt der Anſicht, daß dem
Antrag unbedenklich zugeſtimmt werden könne, weil die
Konſequenz durch frühere Bewilligungen bereits
durch=
löchert ſei.
Der Vorſitzende entgegnet, daß bis jetzt ur
dann Zuſchüſſe aus Provinzialmitteln bewilligt worden
ſeien, wenn es ſich um Umwandlung chauſſierter
Orts=
durchfahrten in gepflaſterte gehandelt habe, weil dadurch
Erſparniſſe bei den Unterhaltungskoſten für die Provinz
eintreten würden. Dagegen ſeien keine Zuſchüſſe bewilligt
worden in den Fällen, in denen es ſich um Erneuerung
von vorhandenem Ortspflaſter gehandelt habe. Auf
An=
regung des Vorſitzenden macht
Kreisrat Dr. Kratz hierauf den Vorſchlag, daß
der Beſchluß ausgeſetzt werde.
Damit erklärte ſich die Verſammlung einverſtanden.
5. Wahl eines Mitgliedes des Provinzialausſchuſſes
an Stelle des verſtorbenen Kommerzienrat Wecker
von Offenbach, für den Reſt deſſen Dienſtzeit bis
Ende 1912; desgleichen eines Erſatzmitglieds,
an Stelle des verſtorbenen Oberbürgermeiſters
Morneweg, für den Reſt deſſen Dienſtzeit bis
Ende 1912.
Auf gemachten Vorſchlag wurden gewählt:
Für Kommerzienrat Wecker Rentner Chriſtian
Schmidt von Offenbach; für Oberbürgermeiſter
Morneweg Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing von
Darmſtadt.
Hiermit war die Tagesordnung erledigt. Da weitere
Anträge nicht geſtellt wurden, ſchloß der Vorſitzende die
Verſammlung.
Die Urkundsperſonen:
Der Vorſitzende:
Höhn.
Fey.
Müller.
Der Protokollführer:
Bernauer.
Bekanntmachung,
betreffend die Behandlung der noch im Umlauf befindlichen Eintalerſtücke
deutſchen Gepräges.
Vom 28. April 1910.
Auf Grund des § 14 Abſ. 1 Nr. 1, 2 Abſ. 2 des Münzgeſetzes vom 1. Juni 1909
(Reichs=Geſetzbl. S. 507) hat der Bundesrat im Verfolg der am 27. Juni 1907
be=
ſchloſſenen Außerkursſetzung der Eintalerſtücke deutſchen Gepräges (vgl. die
Bekannt=
machung vom gleichen Tage, Reichs=Geſetzbl. S. 401) die nachfolgende Beſtimmung
getroffen:
Die bei den Reichs= und Landeskaſſen noch eingehenden Eintalerſtücke deutſchen
Gepräges ſind durch Zerſchlagen oder Einſchneiden für den Umlauf unbrauchbar zu
machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben.
Ferner hat der Bundesrat ſich damit einverſtanden erklärt, daß die Kaſſen der
Reichsbank mit dieſen Talern in gleicher Weiſe verfahren.
Berlin, den 28. April 1910.
(11604
Der Reichskanzler.
In Vertretung: Wermuth.
Bekanntmachung.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Geleisverlegung an der
Dampf=
ſtraßenbahn nach Griesheim durch die Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft auf der neuen
Brücke und den anſchließenden Rampen (Kreisſtraße Darmſtadt-Griesheim) fertig
geſtellt iſt.
Termin zur landespolizeilichen Abnahme der Bahnanlage iſt beſtimmt auf
Donnerstag, den 9. Juni 1910, vormittags 9¼1 Uhr,
am Anfang der öſtlichen Brückenrampe.
Einwendungen gegen die planmäßige Ausführung des Projekts ſind in dem
landespolizeilichen Prüfungstermin vorzubringen.
Darmſtadt, den 28. Mai 1910.
(11403si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Spitzhunde, 1 Foxterrier. 1 Pinſcher (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Donners
Heugrasverſteigerung.
tag, den 9. Ifd. Mts., vormittags 8 Uhr beginnend,
wird das Heugras von der früher Kaus’ſchen Wieſe an der Beckſtraße, von der Alten
und der Neuen Nachtweide und den Loſen 68—76 der Viehweide ꝛc., ſodann
Freitag, den 10. Ifd. Mts., vormittags 8 Uhr beginnend,
tarnitzung. von dem ſtädtiſchen Gelände hinter dem Böllenfalltor, das Heugras
Bekanntmachung.
Wir bringen die für die Gemeinde Pfungſtadt erlaſſene Ackerordnung zur
öffent=
lichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Betreffend: Acker=Ordnung für die Gemeinde Pfungſtadt.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzes vom 13. Juli 1904 und der
Art. 48 V, Ziffer? ſowie 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird nach Vernehmung
der Ortspolizeibehörde und der Gemeindevertretung Pfungſtadt mit Zuſtimmung des
Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern zu Nr.
M. d. J. III 4755 vom 3. Mai 1910 für die Gemeinde Pfungſtadt die folgende
An=
ordnung erlaſſen.
§ 1. Beim Auseinanderpflügen iſt das Ausheben (Beiſchlagen) einer Grenzfurche
nur geſtattet, wenn das Grundſtück mit Halmfrucht oder Hackfrucht bebaut wird. Das
Ausheben einer Grenzfurche iſt unterſagt beim Auseinanderpflügen von Grundſtücken,
die brach liegen oder mit Stoppelrüben, Wicken, Frühklee uſw. beſtellt werden.
§ 2. Das Auseinanderpflügen hat ſich bis an den äußerſten Rand des
Grund=
ſtücks zu erſtrecken. Eine Grenzfurche darf, ſoweit nicht in § 1 ein anderes beſtimmt
iſt, hierbei nicht entſtehen. Eine vorhandene Grenzfurche iſt beim Auseinanderpflügen
von jedem der benachbarten Grundſtücke aus zur Hälfte zuzuwerfen.
§ 3. Ein Grundſtück darf nicht mehr als zweimal aufeinander folgend
zuſammen=
gepflügt werden.
§ 4. Das Zuſammenpflügen von Stoppeläckern, mit Ausnahme von
Kleeſtoppel=
äckern, iſt unterſagt.
§ 5. Zuwiderhandlungen gegen die §§ 1—4 dieſer Verordnung werden mit einer
Geldſtrafe von zwei Mark beſtraft.
§ 6. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung im
Amts=
verkündigungsblatt in Kraft. Die Acker=Ordnung vom 17. Juni 1885 wird aufgehoben.
Darmſtadt, den 26. Mai 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
von den Loſen 1—12 der Viehweide, den Breit=, Speck= und Blümwieſen, ſowie von
den Wieſen öſtlich des Odenwaldbahndammes an Ort und Stelle öffentlich
meiſt=
bietend verſteigert.
Zuſammenkunft: Donnerstag am Woogsdamm, alsdann hinter dem
Schieß=
haus. Freitag am Böllenfalltor, ſodann an der Kreuzung
des Kirchen= und Böllenfalltorwegs.
(11597imd
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jäger.
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(11644)
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Die öffentliche Impfung im Jahre 1910.
Die diesjährige öffentliche Impfung wird für die hieſige Stadt, Mittwoch,
den 4. Mai I. Js., nachmittags 5 Uhr, und die folgenden Mittwoche, ſo lange das
Bedürfnis dauert, im Schulhauſe in der Rundeturmſtraße abgehalten werden.
Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre ſind nach Geſetz die im vorigen Jahre
geborenen Kinder ſowie die rückſtändigen früheren Jahrgänge.
Wir laden die hieſigen Einwohner, die impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung
dieſer öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denſelben
vorgenom=
menen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich ſind. Wer die Termine nicht
be=
nutzen will, muß die Impfung ſeines pflichtigen Kindes bis zum Jahresſchluß auf
ſeine Koſten bewerkſtelligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächſten Jahres zur
Nachholung der Impfung eine vierwöchige Friſt unter Strafandrohung geſetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachſene auf ihren
Wunſch, und Kinder, die erſt im laufenden Jahre geboren ſind, auf Wunſch ihrer
Vertreter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50
Impf=
ungen vorgenommen. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen bei Meidung
der geſetzlichen Strafe, in dem 8 Tage ſpäter abgehaltenen Termine zur Nachſchau
noch=
mals gebracht werden. Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen
Kränk=
lichkeit beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgeſtellt
werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere Benachrichtigung an
die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen oder die
natür=
lichen Pocken herrſchen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht
werden. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 28. April 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt.
(9475a
Städtiſches Halenſchwimmbad.
Mit Genehmigung Großherzoglicher
Bür=
germeiſterei ſollen verſuchsweiſe für die
Sommermonate folgende Aenderungen in
der Badezeit eintreten:
1. an Wochentagen bleiben die
Schwimm=
hallen in der Mittagszeit von 1 bis
3 Uhr geöffnet:
2. desgl. Mittwochs bis 9 Uhr abends;
3. Samstags bleiben die Wannen= und
Brauſebäder in der Mittagszeit von
1 bis 3 Uhr geöfnet.
(11583oi
Darmſtadt, den 4. Juni 1910.
Die Betriebsleitung.
Klein.
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 16. Juni 1910,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Mathias Hees Eheleuten
dahier zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
XIV 79/10 219 Hofreite Schulſtraße
(Beſſungerſtr. 115).
XIV
(*/10 289 Grabgarten daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmann=
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, den 6. Mai 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
(L10046,69
Frantz.
Ein Kinderwagen zu verkaufen (*14006
Liebigſtraße 44, part.
Pferde=Verkauf.
Donnerstag, den 9. ds. Mts.,
vormittags 11 Uhr,
werden auf dem Hofe der Kaſerne
Eſcholl=
brückerſtraße 24 zwei überzählige
Dienſt=
pferde öffentlich meiſtbietend gegen Bar=
(1605
zahlung verſteigert.
Train=Bataillon Nr. 18.
Bekanntmachung.
In unſerem Handelsregiſter A wurde
die Firma Ferdinand Kaminsky in
Pfung=
ſtadt gelöſcht.
(11629
Darmſtadt, den 1. Juni 1910.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Stottern
heilt Prof. Rud.
Denhardts
Sprachheil-
austat Eisenach. Proß. über das
mehrfach ſtaatl. ausgez. Heilverfahren durch
Dr. med. Th. Hoepfner, leit. Arzt. (*14007ii
Oe
g hantnbrinngende
eas
58660)) J. Bett S. Co.
Fraukefurt u. M. 105
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 8. Inni 1910, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale „Zur Ludwigshalle” (Obergaſſe) zwangsweiſe
gegen Barzahlung:
ca. 6 Mille Zigarren, Hausmobilien durch alle Rubriken, Papier= und
Schnittwaren, Bett= und Tiſchzeuge, 1 Pferd, 3 Oelgefäße, 1 Tafelwage u. a. m.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
(11646
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher.
Friedrichſtraße 24, I.
Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 7. Juni 1910, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale „Zur Roſenhöhe”, Rundeturmſtraße 16, zwangsweife gegen
Barzahlung:
1 Fahrrad, 2 Klaviere, 3 Sofas, 3 Chaiſelongues, 3 Seſſel, 3 große Spiegel,
1 Spiegelſchrank, 3 Kleiderſchränke, 4 Betten, 1 Vertiko 1 Büfett, 3 Stück
Leinen, 2 Stück Bettuchleinen, 1 Blechſchere, 2 Warenſchränke und verſchiedene
andere Gegenſtände.
(11634
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Rollenhagen, Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.
Verſteigerungs-Anzeige.
Freitag, den 10. und Samstag, den 11. Juni, vormittags
9 und nachmittags 3 Uhr anfangend,
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle‟,
a große zweitürige Kleiderſchränke, 1 großen Schrank leichen Holz, alb 1 Schrank
mit Aufſatz, 1 Weißzeugſchrank, 1 Küchenſchrank, 1 kleines Schränkchen, 1
Eis=
ſchrank (zweitürig), 45 verſchiedene Stühle, 9 verſchiedene Tiſche 1 Büchergeſtell,
2 komplette Betten, Bettſtellen und verſchiedenes Bettwerk, 2 Waſchkommoden,
2 Nachttiſche, 3 Kommoden, 2 Sofas, 4 Seſſel und anderen Hausrat. Ferner
für Wirtſchaftsbetrieb: 1 Schwenktiſch, verſchiedene Küchentiſche mit
Schub=
laden und Schränkchen, 1 großer Küchenſchrank, 1 Anrichte, 1 Wage mit
Ge=
wichten, 1 Meſſerputzmaſchine, eine große Partie Geſchirr, Porzellan und
ſonſtige zum Geſchäftsbetrieb geeignete Gegenſtände, 2 kupferne Bleche, eine
große Partie Wein= und Biergläſer, Agraffen, Humpen uſw., 1 faſt neue
Zinkbadewanne, 1 Sitzbadewanne, 1 Bettflaſche, eine Partie
Zigarren und 1 Geſtell für Zigarren, 2 Glaskaſten für Zigaretten, ein großer
Poſten Weißzeug und Kleider, Bett=, Tiſch= u. Leibwäſche, u. a. m.
Die Verſteigerung findet meiſtbietend gegen bare Zahlung ſtatt. (11633id
Darmſtadt, den 7. Juni 1910.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator.
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
3
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Kiesſtraße 45.
Tapezieren (Rolle 30 Pfg.)
Aufarbeiten v. Polſtermöbeln
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Heinrich Schmidt, Tapezierwerkſtatt,
(Rollen=Reſte)
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195)
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in der Exped. des Tagblatts
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zu verkaufen (*14015
Mauerſtraße 15.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Inni 1910.
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mit reichen Spitzendurchsätzen 75 Pfg.
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* Mk.
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Röcke
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 7. Juni 1910.
Nummer 130.
Die Roſe.
Ein Kapitel aus der Kulturgeſchichte
von Oskar Wiener=Prag.
(Nachdruck verboten.)
„Du blühſt wie die Juliroſen, mehr Roſen als Blätter
am roten Strauch.” — So preiſt ein junger Dichter ſeine
Angebetete, und der Alte von Weimar, der alles geliebt
hat, was ſchön war, entſcheidet:
„Roſenknoſpe, du biſt dem lieblichen Mädchen gewidmet,
Die als die herrlichſte ſich, als die beſcheidenſte zeigt.”
Seitdem uns die Liebe getauft mit ihrem Feuerſegen,
ſeitdem das Menſchengeſchlecht die Wonnen und
Kümmer=
niſſe dieſer Himmelsgnade kennt, gilt die Roſe als das
blühende Siegel, als das unſterbliche Symbol der
Verliebt=
heit. Ungezählte Lieder hat man ihr zum Lobe geſungen
und die Jugend ſchmückt ſich mit ihr und betet ſie an als
die Königin aller Blumen. Uralt iſt das Königtum der
Roſe und ſie herrſcht im Reiche der Anmut durch
Jahr=
tauſende ſchon. Allerdings, ihr Antlitz war nicht immer
ſo edelprächtig, wie es heute iſt; in der Vorzeit hatte ſie
ein beſcheideneres Gehaben. Erſt die Gärtner gaben ihren
Blüten jene majeſtätiſche Erſcheinung, die wir ſo
bewun=
dern. Aber lieb war ſie immer und ſeelenvoll. Auch das
Heckenröschen, von dem viele glauben, daß es die Ahnfrau
der mondänen Parkſchönheiten iſt. Hundsroſe nennt das
Volk den Wildling; denn es flüchtete zu dem zartblühenden
Fräulein, weil es von deſſen Wurzeln Heilung gegen die
ſchreckliche Krankheit der Hundswut erhoffte. Doch nicht
allein den Biß toller Hunde heilte das Heckenröschen, in
der Volksmedizin war es hoch angeſehen als ein Spender
des Schlafes, der alle Schmerzen mildert. Die durch
Gall=
weſpen erzeugten moosartigen Knollen werden heute noch
von abergläubiſchen Dorfmütterchen vorſichtig aus den
Dornbüſchen geſchnitten und unter das Kopfkiſſen gelegt
— das ſoll einen traumloſen und geſunden Schlaf
verur=
ſachen. Solch einen „Schlummerapfel” nützte auch Wotan,
um Brunhilde zu bannen, und das liebe Märchen vom
Dornröschen ſchöpft ſeinen Zauber wohl aus der
näm=
lichen Erfahrung. So innig ſind die Beziehungen des
Landvolkes zur wilden Roſe, daß es ihrer ſelten vergißt,
wenn es gilt, ein Lied zu ſingen. Die zahlloſen Spielarten
des Heckenröschens werden dabei ſorgſam unterſchieden,
und während ſich die Gelehrten über die vielen
Seiten=
linien der Familie Hagedorn die Köpfe zerbrechen, ſcheidet
der Dorfbotaniker dieſe reichverzweigte Sippe in Ackerroſen
und Waldroſen, in Rankenröslein, nennt die frühblühende
die Mairoſe, und jene, deren Blätter nach Apfelmoſt
duften, Weinroſe. Aber die Früchte aller nennt er
Hage=
butten und weiß daraus eine ſchmackhafte Tunke zu bereiten
oder mit Zucker reich verſetzt ein Eingeſottenes, das die
Feinſchmecker der Bauernſtube über alles ſchätzen.
Ob die erſten ſeßhaften Herren der deutſchen Wälder,
ob die alten Germanen neben der Heckenroſe auch noch
an=
dere Roſenarten gekannt haben, läßt ſich wohl heute kaum
mit Sicherheit feſtſtellen. Gewiß iſt nur, daß die Edelroſe
noch im früheſten Mittelalter ein ſeltener Gaſt zwiſchen
Rhein und Donau war, und daß ihre duftende Pracht als
etwas Beſonderes und Unerhörtes gefeiert wurde im
deut=
ſchen Norden. Fremde Kaufleute brachten ſie mit anderen
Köſtlichkeiten dorthin und man erwies der
hundertblättri=
gen Wunderblüte oft göttliche Ehren. Unſere Altvorderen
liebten es nicht, Tempel zu erbauen; in der Einſamkeit
des Waldes lagen ihre heiligen Stätten. Dieſe Opferplätze
durfte kein ungeweihter Fuß betreten, ein dünner Faden
hegte ſie nur ein, aber er war unverletzlich, und inmitten
des geweihten Platzes ſtand ein heiliger Baum. Das war
anfangs meiſt eine uralte Linde, doch ſie wich ſpäter
manch=
mal einem zarten Roſenſtämmlein und Roſengarten nannte
man ſeitdem dieſe gottgeheiligten Waldwieſen. Der
Roſen=
ſtock zu Hildesheim, der noch immer blüht, wiewohl er
ſchon in den Tagen Ludwig des Frommen Knoſpen trug,
iſt ſolch ein greiſer und ehrwürdiger Zeuge germaniſcher
Roſenverehrung.
Die religiöſe Verehrung der Roſe ſoll indiſchen
Ur=
ſprungs ſein und ihre Anmut und ihr Duft umhegen im
Orient den Weg des Glaubens ſeit fünf Jahrtauſenden
ſchon. Die Babylonier pflegten ein frommes Blumenfeſt
zu feiern und trugen bei dieſer Frühlingsandacht auf
lan=
gen Stäben ſilberne Roſen durch die Stadt; die Parſen
opferten Roſen auf dem Altar der ewigen Flamme, die
Syrer verehrten in der Roſe ein geheiligtes Symbol des
Lebens — nur die alten Aegypter mieden ſie ſeltſamer
Weiſe auf ihren Bildwerken, und Herodot, der klaſſiſche
Schilderer des Pharaonenlandes, ſchweigt von dieſer
Kö=
nigin der Blumen. Daß ſie dennoch am Nil mit
Sorg=
falt gehegt und gepflegt wurde, beweiſen ſpätere Berichte.
Die Römer waren leidenſchaftliche Liebhaber der Roſe und
weil ſie deren Pracht auch im Winter nicht entbehren moch=
ten, kamen ganze Schiffsladungen von Roſen aus
Aegyp=
ten und fanden in der Hauptſtadt der Welt Abnehmer, die
dieſen blühenden Schatz mit Gold aufwogen. — Die Roſe
zu lieben galt den Alten als eine ſelbſtverſtändliche Pflicht.
Die Griechen hielten ſie heilig und umkränzten mit ihrem
Liebreiz die Bildniſſe der ſchönſten aller Göttinnen. Aus
dem Blute des edel gebildeten Adonis war ein
Dorn=
ſtrauch entſproſſen und die Sage erzählt, daß Aphrodite,
die Schaumgeborene, als ſie dem Meere entſtiegen war,
jenen kahlen Dornbuſch mit Nektar beſprengte. Da war
ein Wunder geſchehen, ein blühendes Wunder, das
Roſen=
wunder von Hellas. Aber die köſtlichſte aller Blumen rankt
ſich auch um die heimlichen Freudenſtunden des Eros, denn
ihre Glut iſt ein Widerſchein purpurner
Liebesleidenſchaf=
ten. Selige und genußfrohe Menſchen liebten es, ſich mit
einem Kranz von Roſen zu krönen; ſo wird ſie der
Schütz=
ling der Grazien und die Blüte des jauchzenden Dionys.
Kein Feſtmahl iſt bei den Griechen ohne die Roſe denkbar,
ihr ſüßer Duft umſchmeichelt ſtets die Genießenden.
Anakreon, der unſterbliche Sänger aus dem Lande der
Marmortempel und Lorbeerhaine, hat der Roſe ſein
edel=
ſtes Preislied geſungen und es ſchließt alſo:
.O, ſo will auch ich mit kränzen
Will bei deinem Tempel, Bacchos,
Spieln auf bekränzter Leier,
Mit den allerſchönſten Mädchen
Tanzen, Roſen in den Haaren.
Roſe und Jugend waren den Griechen wiesein
Ge=
ſchwiſterpaar und für ſchön prägten ſie das Wort „roſig”;
dennoch griffen die Poeten, wenn ſie ein Symbol der
Ver=
gänglichkeit brauchten, nach der vollerblühten, ſüßatmenden
Roſe. So iſt ſie ein Siegel des Todes geworden, und die
Hellenen liebten es, Roſen auf die Gräber zu ſtreuen, als
ein Zeichen der Wehmut und dankbarer Erinnerung.
In der leidenſchaftlichen Hingabe, in der Anbetung
der Roſe, übertrafen die Römer noch ihre Lehrmeiſter.
Gewohnt, alles ins Große, ins Mächtige zu geſtalten,
nah=
men die Herren der Welt das griechiſche Roſenerbe
ent=
gegen und trieben einen Kultus ſondergleichen damit. In
ihren Gärten gab es bald keine andere Blume mehr, und
die Erfindung des Treibhauſes, das auch im rauhen
Win=
ter allen Pflanzen ihre Blüten abzuſchmeicheln weiß, iſt
altrömiſcher Roſenliebhaberei zu danken. Damals begann
man im kaiſerlichen Rom, unter Glas und mit Hilfe von
künſtlicher Wärme Roſen zu züchten, weil ein ſchlechtes
Erntejahr die Blumenſchiffe vom Nil nicht über das Meer
gelangen ließ, und der Römer brauchte auch im Winter
Roſen, er konnte ſie nicht entbehren. Keine Tafelfreude
war in der Siebenhügelſtadt ohne Roſen denkbar: der
Pokal der Zecher wurde mit Roſen umwunden, die
Skla=
ven, die den Trunk reichten, trugen Roſenkränze im Haar;
der Tiſch war überſchüttet mit Roſen und die Kiſſen der
Ruhebänke waren mit duftenden Roſenblättern gefüllt;
um die Säulen des Saales wanden ſich die ſchönſten
Ro=
ſen und ſie waren über den Fußboden geſtreut, und die
Tänzerin, die nackt vor den Gäſten tanzte, warf mit
Ro=
ſen nach den Zechern. Die Speiſen, die aufgetragen
wur=
den, waren mit Roſen gewürzt, Roſen ſchwammen in den
Bechern und man kannte die Kunſt, Roſenbowlen
anzu=
ſetzen. Kurz, die Roſe war der Triumph altrömiſcher
Gaſt=
lichkeit, wie ſie das Symbol verſchwiegener Liebe wurde,
einer Liebe, die sub rosa ihre ſüßen Siege feiert.
Das Urchriſtentum war der Roſe abhold. Die
verfolg=
ten und unterdrückten Anhänger der neuen Lehre ſchätzten
die Königin der Blumen gering, weil ſie in ihr ein Zeichen
des äußerlichen und ſinnlichen Lebensgenuſſes verkörpert
ſahen. Ihr inbrünſtiges Gemüt neigte ſich vor der
weiß=
blühenden Lilie, aber die Roſe verachteten ſie als heidniſch
und ſündhaft. Erſt als die Myſtiker das Blut Chriſti mit
der purpurfarbenen Roſe in Beziehung brachten, nahm
das Chriſtentum die Roſenblüte in den Kreis jener
Sym=
bole auf, die ihm lieb und wert ſind. So wurde die Roſe
das geheiligte Sinnbild des Martyriums und wir finden
ſie in den römiſchen Katakomben auf vielen Gräbern. Auch
in den Kirchen — namentlich ſeitdem die Gotik in das
ſteinerne Flechtwerk ihrer Bauten mit Vorliebe Blumen
verwob — wird die Roſe zu einem oft verwerteten
Schmuckmotiv. Die myſtiſche Schwärmerei erhebt die Roſe
zu einem Palladium der Marienverehrung; ſo verdichtet
ſich die Vorſtellung von der höchſten Weiblichkeit zu einem
Bilde, das uns die Meiſter des Mittelalters in ſeiner
Lieblichkeit immer wieder gemalt haben — Maria im
Ro=
ſenhag. Die Legende, die fromme Dichtung, flicht um das
Bild der Himmelskönigin Kränze unverwelkter Roſen, und
ſeit dem Mittelalter weiht der Papſt alljährlich am
Sonn=
tag Lätare eine goldene Roſe. Der Roſenkranz der
Ka=
tholiken aber dankt ſeinen Namen nur einem
Ueberſetzungs=
fehler, er ſteht mit der Roſe ſelbſt in gar keiner Beziehung.
Der Blumenfreund muß nach dem fernen Oſten
wan=
dern, wenn er den Geburtsort ſeines Lieblings, wenn er
die Heimat der Edelroſe aufſuchen will. Im Orient hat
das ſchönſte Kind der Flora zuerſt geblüht, und noch heute
ſind die Roſengräten Perſiens die herrlichſten auf der
gan=
zen Welt. Dort kannte man ſeit jeher die Kunſt aus den
Blättern der Roſe das koſtbare Oel zu gewinnen, das
Ro=
ſenöl, deſſen größte Menge allerdings aus der europäiſchen
Türkei und aus Bulgarien bezogen wird. Auf offenen
Feldern wächſt in dieſen Ländern die Königin der
Blu=
men, ſie wird dort als Nutzpflanze gebaut und die Bauern
hegen dort ihre Roſengärten wie unſere Landſaſſen einen
Rübenacker. Ein überwältigender Anblick, ein Erlebnis
von hinreißender Pracht iſt ſolch eine Pflanzung in den
Tagen der Maienblüte. Schwer vom Dufte der Roſen iſt
die Luft und die Ernte wird zu einem Feſte der Schönheit.
Gewinnauszug
der
O
222. Königlich Prenßiſchen Klaſſenlotterie.
6. Klaſſe. 24. Ziehungstag. 4. Juni 1910.
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
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86057 87122 97874 97930 98860 99984 100683 117006
118148 120079 126291 126949 127209 154687 156222.
156724 161469 161833 163923 170623 171635 173234.
188807 190315 212263 213419 218098 218733 224900
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26854 30642 35972 43709 45436 56880 57209 61265
74173 79373 80689 83353 93078 97206 98322 100026
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160952 166225 166848 172918 178750 179999 180441!
180473 184301 184938 186229 201961. 215499 226871
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113 Gewinne zu 500 Mk. 3818 4112 4619 5023i
6600 9255 14862 15994 19559 21055 24142 26347
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41285 41456 42772 43651 49291 53601 53904 § 54040
59595 61594 64360 66587 67239 72565 78826378868
80737 83757 88901 92980 94407 95183 P 95478
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171504 172370 174668 181830 183127 183822 183838f
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295338 296724 297112 297392 298538 298999
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 15000 Mk. 79154
1 Gewinn zu 10000 Mk. 220339
4 Gewinne zu 5000 Mk. 35329 147168 210823 z283674
48 Gewinne zu 3000 Mk. 21172 21279 27542K33269i
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65 Gewinne zu 1000 Mk. 4432 6586 17164x 21458
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160043 168452 169949 174945 176296 178128 178727)
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299342
113 Gewinne zu 600 Mk. 380 1838 2539 6260
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294329 298931 299300 299377 299894 299990
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