Darmstädter Tagblatt 1910


29. März 1910

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36
SPtihe

n Geug

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natl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
irts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
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173. Jahrgang
en Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
rgan für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
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ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bet
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

72.

Dienstag, den 29. März.

1910.

die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Der Arbeitskampf im Baugewerbe und das
Wirtſchaftsleben.
C Nach dem Ultimatum, das die Arbeitgeber den
zeitern im Baugewerbe geſtellt haben, darf leider nicht
hr gehofft werden, daß es zu einer Einigung kommt,
dern es kann als ſicher gelten, daß mit dem 15.
ril im deutſchen Baugewerbe ein Kampf zwi=
en
Unternehmern und Arbeitern, entſteht,
er bisher in Deutſchland noch nicht beobachtet worden
Wird durch die Stillegung der Bauten ſchon eine ge=
ltige
Zahl Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter
dienſtlos, ſo muß aber die Stillegung der Bauten, weit
er dieſe Arbeitergruppen hinausgehend, noch eine viel
ßere Wirkung auf den Arbeitsmarkt und auf das Wirt=
iftsleben
ausüben. Geſchieht die Stillegung der Bau=
in
dem erwarteten Umfange, ſo werden 200000 bis
000 Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter mit
0001000000 Angehörigen verdienſtlos. Iſt der Ar=
tskampf
, wie die Rüſtungen auf beiden Seiten erkennen
ſen, von einer längeren Dauer, ſo wird es aber nicht
der Verdienſtloſigkeit der Maurer, Zimmerer und Bau=
fsarbeiter
bleiben, ſondern es werden noch viele andere
werbe und Induſtrien, die mit dem Baugewerbe in Zu=
nmenhang
ſtehen, in den Kampf einbezogen. Da ſind
rächſt die verſchiedenartigen Lieferanten im Baugewerbe,
egeleien, Röhrenfabrikanten, Steinbrüche, Eiſeninduſtrie,
lzhändler, Glasfabriken, Ofenfabrikanten, Mörtelwerke,
rndgruben, Tapetenfabriken uſw.
Die meiſten Lieferanten aus allen dieſen und anderen
ſchäftszweigen werden zunächſt mit einer Hinausſchie=
ng
der Aufträge oder mit einer Hinausſchiebung der
lder rechnen müſſen. Da es ſich bei den Baumateria=
n
um große Transportmaſſen handelt, ſo wird eine Un=
brechung
der Bautätigkeit auch ſehr ſtark auf das Trans=
rtgewerbe
einwirken. Die Eiſenbahnen müſſen entſpre=
ind
den gleichen Monaten in anderen Jahren weſent=
he
Rückgänge in den Einnahmen haben, beſonders ſtark
er wird die geringe Zufuhr von Baumaterialien ein=
irken
auf die Flußſchiffahrt und auf das Fuhxmanns=
werbe
. Die Flußſchiffahrt iſt zu einem ſehr großen Teil
f den Transport von Baumaterialien angewieſen, fällt
eſe Fracht aus, ſo muß auch ein großer Teil der Fluß=
riffahrt
unbeſchäftigt bleiben, ein weiterer Schaden dürfte
n Flußſchiffern dadurch entſtehen, daß dann infolge des
oßen Angebotes von Kähnen die Frachtſätze ſinken.
Mindeſtens von gleicher Bedeutung wie für die Fluß=
ſiffahrt
iſt der Transport von Baumaterialien für das
uhrmannsgewerbe. Je mehr den Fuhrleuten durch Ein=
htung
neuerer Beförderungs= und Transportmittel das
rwerbsgebiet eingeſchränkt worden iſt, deſto mehr haben
ihren Betrieb für den Transport für Baumaterialien
ngerichtet. Namentlich mittlere und kleinere Unterneh=
er
mit einem billigen Pferdematerial und mit geringen
apitalien beſchäftigen ihre Fuhrwerke hauptſächlich mit
er Anfuhr und Abfuhr von Baumaterialien. Dieſe kkei=
en
und mittleren Fuhrunternehmer ſind meiſtenteils froh,
enn ſie den Winter mit ſeinen geringeren Verdienſtmög=
chkeiten
überwunden haben und freuen ſich auf die beſ=
ren
Einnahmen durch den Transport von Baumateria=
en
; geht ihnen jetzt dieſer Verdienſt wochenlang oder gar
ronatelang verloren, ſo werden viele von ihnen gezwun=
en
ſein, ihre Arbeitspferde zu verkaufen.
Bei einer längeren Dauer des Arbeitskampfes und
enn keine Rohbauten fertiggeſtellt werden, müſſen aber
eben den Maurern und Zimmerern noch andere Bau=
rbeiter
verdienſtlos werden. Das ſind Aſphalteure, Stein=
tzer
, Bautiſchler, Bauklempner, Rohrleger, Inſtallateure,
laſer, Töpfer, Dachdecker, Bildhauer, Steinmetzen, Maler
nd Anſtreicher, Tapezierer. Bei einer langandauernden
Stillſetzung der Bauplätze werden vielleicht in allen die=
en
Berufen wiederum ſo viel Arbeiter verdienſtlos, wie
ei den Maurern, Zimmerern und Bauhilfsarbeitern. Daß
ine derartige Arbeitsunterbrechung, an der dann mit den
Ungehörigen 2½3 Millionen Einwohner beteiligt =
en
, auch auf das allgemeine Wirtſchaftsleben ſchädigend
Inwirken müßte, iſt ohne weiteres einzuſehen, und zwar
Dürde das nicht nur in den Städten, ſondern auch auf
em platten Lande geſchehen.

Das Ende Meneliks II.
* Aus der abeſſiniſchen Hauptſtadt Addis
Abeba kommen überraſchende Meldungen. Der ſchon ſo
oft totgeſagte Kaiſer Menelik ſoll nun tatſächlich in
den letzten Zügen liegen und iſt inzwiſchen vielleicht ſchon
geſtorben. Der Kampf um die Nachfolgerſchaft auf dem
Throne iſt nun wieder heißer entbrannt und hat, wie
aus den Meldungen aus Addis Abeba hervorgeht, einen
nicht zu unterſchätzenden Erfolg gehabt. Die Kaiſerin
Taitu iſt nämlich abgeſetzt und von jeder Einmi=
ſchung
in die Staatsgeſchäfte ausgeſchloſſen worden. Die
Häuptlinge haben dem neuen Negus bereits alle die
Treue geſchworen und wichtige Entſchlüſſe für das Wohl
des Landes gefaßt. Dieſer plötzliche Umſchwung in der
innerpolitiſchen Lage wird hoffentlich die bisher ſo ver=
worrene
Politik Abeſſiniens in ruhigere Gleiſe führen.
Die Häuptlinge der Schoaſtämme, die mit der Regierung
unzufrieden ſind, hatten nämlich ſich zuſammengetan und
beſchloſſen, die Kaiſerin von jeder Einmiſchung in die
Staatsgeſchäfte auszuſchließen. Sie ließen den Raſtaſ=
ſama
, den Kriegsminiſter Fitaurari, Akte Giorgis und an=
dere
Mitglieder der Regierung, in die Hände des Biſchofs
Abuna Mattheos ſchwören: In Uebereinſtimmung mit
dem letzten Willen des Negus zu handeln. Sie beſchloſ=
ſen
ferner, daß alle Veränderungen in den Kommando=
ſtellen
, die in dieſer Zeit auf Verfügung der Kaiſerin in
den Provinzen ſtattfanden, für ungültig erklärt und die
früheren Inhaber in ihre rechtmäßigen Kommandoſtellen
wieder eingeſetzt werden ſollen.
Seit dem Zuſammenbruche des Rieſenreiches der
Pharaonen hat kein afrikaniſcher Herrſcher ſo große hiſto=
riſche
Bedeutung erlangt, als der Negus Negeſti, der
König der Könige. Menelik II. mußte ſich ſeinen
Thron erkämpfen, und die Sorge um ſeine Erhaltung bil=
det
eine Kette von blutigen Kriegen. Geboren am 17. Au=
guſt
1844 als Sohn des damaligen Kronprinzen Hailu
Malapot, geriet der Kronprätendent im Alter von elf
Jahren in die Gewalt des Kaiſers Theodor, nachdem ſein
Vater mit der Schlacht auch ſein Leben verloren hatte.
Es gelang ihm, nach Schoa, einer Provinz des abeſſini=
ſchen
Reiches, zu fliehen und ſich dort zum König ausrufen
zu laſſen.
Nunmehr beſchloß Menelik, ſein Land europäiſchen
Einflüſſen zugänglicher zu machen, und ſchloß mit den
Italienern einen Vertrag, worin er Italien zugeſtand, nur
durch deſſen Vermittelung mit fremden Mächten zu ver=
handeln
. Als aber die Italiener in Unterſchätzung der
Kraft des abeſſiniſchen Löwen ihre Hand auf die reiche
Provinz Tigré legen wollten, ſtürzte er ſich auf ſie und
vernichtete in der furchtbaren Schlacht von Adua am
1. März 1896 die italieniſche Streitmacht vollſtändig.
Für ſeine vorgeſchrittene moderne Geſinnung ſpricht
auch, daß er den Thronfolger Lidj Jeaſſu europäiſch er=
ziehen
und ihn unter anderen Sprachen auch die deutſche
lernen ließ. Ueberhaupt hegte er für deutſches Weſen
größte Achtung, was unter anderem auch der Umſtand be=
weiſt
, daß er Kaiſer Wilhelm im April vorigen Jahres in
einem Handſchreiben erſuchte, Dr. Alfred Zintgraff, der
der deutſchen Geſandtſchaft in Addis Abeba angehörte, in
abeſſiniſche Dienſte als eine Art Kanzler des Negus treten
zu laſſen. Dieſe Miſſion ſcheiterte bekanntlich infolge von
Palaſtintrigen, die auf die Kaiſerin Taitu zurückgeführt
wurden. Auch die Entfernung des deutſchen Arztes Dr.
Steinkühler vom Hoflager des Kaiſers wußte die energiſche
Frau durchzuſetzen, ſodaß der ſterbenskranke Menelik
ſchließlich wehrlos ihr und den ihr ergebenen Machthabern
ausgeliefert war.
Die Exkaiſerin Taitu, zu deutſch Sonnen=
glanz
, hat infolge ihrer Klugheit, ihrer Tatkraft und
ihres maßloſen Ehrgeizes eine große Rolle in Abeſſinien
geſpielt. Die jetzt 56jährige entſtammt einer angeſehenen
tigriniſchen Familie und hat ein bewegtes Leben hinter
ſich. Sie war einſt vom Kaiſer Theodor von Abeſſinien
für einen ſeiner Häuptlinge zur Gattin beſtimmt. Nach
deſſen Tode heiratete ſie einen reicheren und mächtigeren
Häuptling. Von Ehrgeiz verzehrt, trieb ſie dieſen zu einem
Aufſtande gegen den Nachfolger des Kaiſers Theodor, den
Kaiſer Johannes, der damit endigte, daß der Häuptling
unterlag und die Taitu, in der Johannes ſeine größte
Feindin witterte, einem gemeinen Soldaten zur Frau ge=
geben
wurde. Nach deſſen Tode wurde ſie die Frau eines
Offiziers der Menelikſchen Truppen. Sie gefiel Menelik
und wurde ſeine zweite Frau. Als ſolche mußte ſie den
Kampf mit der erſten Frau Meneliks Bafana aufnehmen.
Der Kampf um Menelik zwiſchen den beiden Frauen
dauerte zwei Jahre. Taitus Wille war jeſt und ihre In=

trigen ſchlau. Ihre Energie wurde belohnt und Bafana
eines Tages ins Kloſter geſchickt. Inzwiſchen wußte Taitu
auch die Prieſterſchaft für ſich zu gewinnen, und im Jahre
1887 wurde ſie Meneliks rechtmäßige Gattin. Alle Kriege
in den zwei folgenden Jahren und viele Erfolge Menelik=
ſcher
Politik ſind auf ſie zurückzuführen, die am 5. Novem=
ber
1889 zur Kaiſerin von Abeſſinien gekrönt wurde.
Deutſches Reich.
Zum Beſuch des deutſchen Reichs=
kanzlers
in Rom und dem römiſchen Communiqué
ſchreibt das Wiener Fremdenblatt:
In ſeinen Worten dürfte man nicht bloß ein feier=
liches
Bekenntnis zum Dreibunde erblicken,
ſondern es werde der Dreibundpolitik auch die Popularitat
zugeſprochen, die ſie ſich ſüdlich der Alpen langſam aber
redlich habe verdienen müſſen, die ſie aber nunmehr mit
voller Sicherheit genieße. Das Communigué bekräftige
abermals, daß das Bundesverhältnis zwiſchen dem
Deutſchen Reiche und Oeſterreich=Ungarn zu=
einander
und zu Italien eine unverrückbare Grund=
lage
der europäiſchen Politik ſei. Vergleiche
man dieſe neueſte Kundgebung mit dem Wiener und dem
Berliner Communigué und nehme man das kürzlich in
Wien aufgegebene Communiaué über die Wiederherſtel=
lung
normaler diplomatiſcher Beziehungen zwiſchen Oeſter=
reich
=Ungarn und Rußland hinzu in dem das einmütige
Beſtreben aller Großmächte feſtgeſtellt wurde, zur Erhal=
tung
des Status quo auf dem Balkan mitzuwirken und
berückſichtigt man ſchließlich die neueſte Geſtaltung der Be=
ziehungen
zwiſchen der Türkei einerſeits ſund Bulgarien
und Serbien andererſeits, ſo ergebe ſich ein erfreuliches
Bild der allgemeinen Lage, namentlich derjenigen in Süd=
Europa.
Die italieniſche Giornale d’Italia ſchreibt: Die
Note über den Beſuch des Reichskanzlers, deren
Hauptbedeutung in dem Hinweiſe auf die Unerſchütterlich=
keit
des Dreibundes liege, werde ſicher in Italien wie in
Deutſchland eine günſtige Aufnahme finden. Corriere
d Italia gibt im Anſchluß an die Note der Genugtnung
Ausdruck, daß der Beſuch des Reichskanzlers aufs neue
die Feſtigkeit und Vitalität des Dreibundes beſtätige.
Popolo Romano hebt als bemerkenswerteſte Stelle in
der Note über den Beſuch des Reichskanzlers diejenige
bezüglich der Einmütigkeit der Politir des
Dreibundes zugunſten des Status quo im Orient
hervor und ſpricht ſeine große Befriedigung darüber aus,
daß der Beſuch des Reichskanzlers den Mächten des Drei=
bundes
Gelegenheit bot, ſo entſchieden die volle Ueberein=
ſtimmung
hinſichtlich der Sachlage im Orient zum Aus=
druck
zu bringen.
Die bevorſtehende Ausdehnungder Kranken=
verſicherungspflicht
auf landwirtſchaftliche Arbei=
ter
und Dienſtboten und die geplante Hinterbliebenenver=
ſicherung
werden die jährlichen Aufwendungen für die
deutſche Arbeiterverſicherung ſehr erheblich ſteigern. Um
über dieſe Aufwendungen ein klares Bild’ zu bekommen,
ſind ſowohl die entſtehenden neuen Koſten als auch die
für den jetzigen Umfang bereits entſtandenen Koſten nach
dem Stande des Jahres 1907 errechnet worden. Hiernach
ergibt ſich nach vollen Millionen gerechnet folgende jähr=
liche
Belaſtung: Krankenverſicherung (neu) 60 Millionen,
Hinterbliebenenverſicherung 67 Millionen, Krankenverſiche=
rung
(jetzige) 332 Millionen, Unfallverſicherung 172 Mil=
lionen
, Invalidenverſicherung 228 Millionen, insgeſamt
859 Millionen. Berückſichtigt man hierbei den jährlichen
Zuwachs der Bevölkerung, ſo ergibt ſich, daß ſchon in ſehr
naher Zeit die jährlichen Aufwendungen für die ſoziale
Geſetzgebung eine Milliarde erreichen. Seit dem Inkraft=
treten
der ſozialpolitiſchen Geſetze bis zum Ende des Jah=
res
1907 ſind nun von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und
dem Reich Geſamtaufwendungen von über 8 Milliarden
gemacht worden. Rechnet man hierzu nach dem gegen=
wärtigen
Stande der Verſicherung jährliche Aufwendungen
von 732 Millionen, ſo ergibt ſich, daß die Geſamtkoſten
unſerer ſozialen Geſetzgebung bis zum Ende dieſes Jahres
zehn Milliarden erheblich überſteigen.
Die gegenwärtig in Berlin ſtattfindenden Verhand=
lungen
zwiſchen der deutſchen Regierung und einem Ver=
treter
des bulgariſchen Finanzminiſteriums haben zu der
Meldung über eine erfolgte Kündigung des deutſch=
bulgariſchen
Handelsvertrages Anlaß gege=
ben
. Dieſe Meldung iſt jedoch unzutreffend, denn eine
Kündigung des Handelsvertrages iſt von keiner Seite er=
folgt
. Der gegenwärtige Vertrag vom 1. Auguſt 1905
läuft bis zum 28. Februar 1911. Und da innerhalb der
vorgeſehenen Friſt von 12 Monaten eine Kündigung nicht
erfolgt iſt, läuft der Vertrag weiter und kann nunmehr
von beiden Teilen jederzeit mit einjähriger Wirkung ge=
kündigt
werden.
Die vom Deutſchen Arbeitgeberbund
für das Baugewerbe gebildete Kommiſſion zur Her=
beiführung
von Kartellverträgen mit den Nachbarländern

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

hat in Dresden eine Sitzung abgehalten, an der mehrere
Vertreter aus Schweden, Norwegen und Dänemark teil=
nahmen
. Es iſt in dieſer Zuſammenkunft ein Kartellver=
trag
zuſtande gekommen, wonach ſich die Verbände der
vier Nachbarländer zur gegenſeitigen tatkräftigen Unter=
ſtützung
bei Streiks und Ausſperrungen verpflichten. Be=
ſonders
wurde feſtgeſtellt, daß ſtreikende und ausgeſperrte
Arbeiter nicht beſchäftigt werden dürfen. Mit der Schweiz
beſteht ſchon ein Kartellvertrag; Verträge mit Holland und
Belgien ſind in Vorbereitung.
Wie die Mitteilungen vom Hanſabund berich=
ten
, iſt zur Stellungnahme der vereinigten Berufskreiſe
aus Gewerbe, Handel und Induſtrie zu dem neuen Ent=
wurf
der Reichsverſicherungsordnung vom Hanſabund für
den 15. April eine Konferenz von Vertretern der Induſtrie,
des Handels, des Mittelſtandes und der Angeſtellten ein=
berufen
worden.
Der Verband deutſcher Handlungs=
gehilfen
zu Leipzig ſandte an die Arbeitskammerkom=
miſſion
des Reichstages Eingaben gegen die Unterſtellung
der Handlungsgehilfen unter das Arbeitskammer=
geſetz
. Er führte darin aus, daß die fachliche Gliederung
der Arbeitskammern den Intereſſen der Handlungsgehilfen
nicht entſpreche, weil ſie nur einem Teile von ihnen die
Vertretung gewähre, den Stand zerſplittere und die Be=
ratung
und Beſchlußfaſſung über gemeinſame Fragen des
Standes verhindere. Der Verband wünſcht die ſchleunige
reichsrechtliche Errichtung von Handlungsgehilfen=
kammern
und zwar auf territorialer Grundlage, mit
paritätiſchen Delegationen. Wie bekannt, beſchloß auch
neulich die Arbeitskammerkommiſſion des Reichstages, die
Handlungsgehilfen nicht dem Arbeitskammergeſetz zu un=
terſtellen
. Ferner ſprach der Verband Deutſcher Hand=
lungsgehilfen
in einer Petition an den ſächſiſchen Landtag
die Bitte aus, daß ſich der Landtag gegen ſtaatliche Errich=
tung
von Handlungsgehilfen= und Technikerausſchüſſen bei
den ſächſiſchen Handelskammern erkläre, und die Regierung
erſuche, durch ihre Vertreter im Bundesrate für reichs=
rechtliche
Errichtung von Handlungsgehilfenkammern ein=
zutreten
.
Ausland.
Die plötzliche und in der Form beſonders verletzende
Rücktrittserzwingung des wohlverdienten deutſchen
Landsmannminiſters Dr. Guſtav Schreiner hat die un=
beabſichtigte
Folge gehabt, daß die deutſchfreiheitlichen
Parteien im öſterreichiſchen Reichsrat endlich die Entſchluß=
kraft
zur Zuſammenfaſſung ihrer Gruppen in einer ge=
meinſamen
deutſchen Nationalpartei ge=
funden
haben. Verfaſſungstreuer Grundbeſitz, deutſche
Volkspartei, deutſche Agrarpartei und deutſch=radikale
Partei ſind zum deutſchen Nationalverband zuſammenge=
treten
, nur die drei Alldeutſchen, der letzte Reſt der Schö=
nerianiſchen
Partei ſind draußen geblieben. So ſteht jetzt
der ſlawiſchen Union ein deutſcher Nationalverband ge=
genüber
, der in der Verteidigung deutſchen Bodens und
deutſchen Sprachbeſitzes als feſten Bundesgenoſſen die
zweitſtärkſte Partei des Parlaments, die chriſtlich=ſoziale,
hat. Die Verteilung der Abgeordneten im Reichsrat auf
die Parteien iſt nunmehr folgende: Slawiſche Union 124,
Chriſtlich=Soziale 96, Sozialdemokraten 88, Deutſcher Na=
tionalverband
77, Polenklub 70, Unio Latina 20, Ruthe=
nenklub
20, Bukowin. Ruthenen 5, Jüd. Klub 4, All=
deutſche
3, Wilde 9, zuſammen 516.
Die franzöſiſche Kammer nahm das Geſetz betref=
fend
die Ausſchließung ſtrafrechtlich Verurteilter aus der
Armee des Mutterlandes im ganzen an. Bei der fortgeſetz=
ten
Beratung des Geſetzentwurfes, betreffend die Uenza=
Eiſenbahn, meldete ſich ein Sozialiſt nach dem anderen
zum Worte, um die Vorlage zu bekämpfen. Mehrere De=
putierten
proteſtierten gegen die Obſtruktion der Sozia=
liſten
. Auf Antrag der Sozialiſten wurde über den An=
trag
auf Schluß der Debatte namentlich abgeſtimmt. Da
eine beſchlußfähige Zahl von Mitgliedern nicht vorhanden

war, wurde die Sitzung aufgehoben. Nach Wiederauf=
nahme
der Sitzung wurde ein Antrag auf Schluß der Ge=
neraldiskuſſion
über den Geſetzentwurf mit 166 Stimmen
gegen 139 Stimmen angenommen. Darauf beriet die Kam=
mer
den Geſetzentwurf betreffend die Nachtrags=
kredite
für die Operationen in Ma rokko. In
Erwiderung der Ausführungen des Sozialiſten Conſtans,
der den Feldzug verurteilte, erklärte Miniſter Pichon,
der Feldzug wurde begonnen während der Parlaments=
ferien
, um die Ehre des Landes zu wahren; die entſtan=
denen
Ausgaben werden von Marokko zurückerſtattet.
Nach langer Mühe iſt es uns gelungen, mit Marokko ein
Uebereinkommen zu treffen, das alle Schwierigkeiten re=
gelt
. Wir ſind überzeugt, daß Muley Hafid genaue Be=
fehle
geben wird, um die Beſtimmungen des Ueberein=
kommens
zur Ausführung zu bringen. Wir haben erreicht,
daß die Rechte Frankreichs in Marokko geachtet und die
im Jahre 1907 getöteten Franzoſen gerächt wurden, fer=
ner
, daß alle Mächte der Politik Frankreichs zuſtimmten
und Deutſchland der vollſtändigen politiſchen Freiheit
bei unſerem Vorgehen in Marokko keinen Wider=
ſtand
entgegenbrachte. Es iſt uns ferner gelungen, Al=
geriens
Sicherheit zu wahren, und die nationale Ehre ge=
rächt
zu haben. Der Miniſter dankte zum Schluſſe der
Mehrheit des Hauſes, die es der Regierung ermöglicht
habe, ſo günſtige Reſultate zu erzielen. (Beifall.) Im
weiteren Verlaufe der Debatte erſuchte Jaurés die Regie=
rung
, ein Gelbbuch über Marokko vorzulegen. Miniſter
Pichon erwiderte, ein ſolches ſei bereits fertiggeſtellt.
Jaurés äußerte dann weiter ſeine Bedenken üher Frank=
reichs
Vorgehen in Marokko, worauf der Berichterſtatter
Doumer erwiderte, man habe die Ziviliſation bei den
halbbarbariſchen Völkerſchaften Marokkos nicht anders
als durch Gewalt einführen können. Die Ordnung ſei jetzt
wieder hergeſtellt. Frankreich habe die Anerkennung ſeiner
Rechte erreicht; man könne wegen der Zukunft Marokkos
beruhigt ſein. Die Kammer nahm ſchließlich die Nach=
tragskredite
für Marokko mit 462 Stimmen ge=
gen
74 Stimmen an.
In der ruſſiſchen Duma hielt der neue Prä=
ſident
Gutſchkow eine Anſprache, in der
er ausführte, er ſei ein überzeugter kon=
ſtitutioneller
Monarchiſt. Er ſei der An=
ſicht
, Rußland könne nur bei einer konſtitutionellen
monarchiſchen Staatsordnung mit einer mit weit=
gehenden
legislatoriſchen Rechten ausgeſtatteten Volks=
vertretung
und einer ſtarken, nur dem Monarchen,
nicht aber den politiſchen Parteien verantwortlichen
Regierung gedeihen. Ohne eine konſtitutionelle
Monarchie unter der Herrſchaft des Parlamentarismus
könne er ſich eine friedliche Entwickelung des heutigen
Rußlands mit den Beſonderheiten, die in dem Erbteil
der ruſſiſchen Geſchichte und in dem ruſſiſchen Weſen
wurzelten, nicht denken. Die Zahl der der Erledigung
harrenden Fragen, unter denen die der Landesvertei=
digung
und der Elementarſchulen obenan ſtänden, ſei
ſehr groß, aber, wie ihm ſcheine, könnten bei allen die=
ſen
die politiſchen Geſichtspunkte in den Hintergrund
treten. Auch die ſchärfſte politiſche Meinungsverſchie=
denheit
dürfe die einmütige Arbeit nicht verhindern. Die
dem Präſidenten gegebene Gewalt werde er mit der
Geſchäftsordnung benutzen zum Schutze der Duma, ſo=
wie
zur Einbürgerung parlamentariſcher Sitte und
Wahrung der Ordnung, ohne die ernſte geſetzgeberiſche
Arbeit undenkbar ſei. Die Worte des Präſidenten
wurden vom Zentrum, den Nationaliſten und einem
Teil der Oppoſition mit lebhaftem Beifall begrüßt.
Miniſterpräſident Dragumis brachte in der
griechiſchen Kammer das Budget ein, das bei 142166000
Drachmen betragenden Einnahmen eine Verminderung ge=
gen
das Vorjahr im Betrage von 6 395000 Drachmen vor=
ſieht
. Dieſe Mindereinnahme beruht auf dem Rückgang
mehrerer Steuern und vorſichtigerer Aufſtellung des Etats.

000 Drachmen geſe
Die hierbei vorgeſehene Erhöhung der Ausgaben
744000 Drachmen iſt nötig zur Deckung des Defizits
1907/08 im Betrage von 4358000 Drachmen, die von
früheren Miniſter für den Etat für 1909 vorgeſehen,
Dragumis aber in den Etat für 1910 eingeſtellt wu
während der Reſt von 3 125000 Drachmen für Mehr
gaben für die Arbeiterverſicherung und
Nationalverſammlung vorgeſehen iſt. Die
gierung beabſichtigt zunächſt nur die für den Etat
1910 benötigten Mittel durch eine Anleihe zu decken.
Kammer beſchloß, über das Budget abzuſtimmen, w
die Arbeiten beendet ſein werden. Für die näl
Tage wird die Botſchaft des Königs über die Ein!
fung der Nationalverſammlung erwartet.
Präſident Taft ließ dem Kongreß der Vere
ten Staaten in einer Sonderbotſchaft die Vorſe
der amerikaniſchen Kommiſſion zugehen, die jüngſt
beria beſuchte. Danach ſollen die Vereinigten Sti
zu einer ſchnellen Beilegung der Grenzſtreitigkeiten be
gen und Liberia in den Stand ſetzen, mit Hilfe
Anleihe bei den Vereinigten Staaten ſeine Gläubige
befriedigen. Als Garantie dafür ſollten die Verein
Staaten die Kontrolle über die liberiſchen Zölle, die
wirkung bei der Regelung der Finanzverhältniſſe un
der Einrichtung einer ausreichenden Polizei und er
die Wiederaufnahme des Planes, in Liberia eine Ko
ſtation zu errichten, verlangen.
Wie einem Londoner Blatte aus Toronto gen
wird, ſteht eine umfaſſende Regelung der zollpoliti
wie der allgemeinen Beziehungen zwiſchen Kanada
den Vereinigten Staaten bevor. Der alte Streit übe
Fiſcherei im Atlantiſchen Ozean wird dem Haager Ger
hof überwieſen. Kanada ſtimmte dem Waſſerſtraße
trag zu. Es dehnt die Raten des Zwiſchentarifs auf
bis zwölf Nummern des amerikaniſchen Exports aus
Nummern entſprechen den Zollermäßigungen, die der
zöſiſchen Einfuhr gewährt wurden. Als Gegenlei
für dieſe Zugeſtändniſſe werden Kanada die ameri
ſchen Minimalzölle eingeräumt. Ferner wurde ein
kommen geſchloſſen über eine übereinſtimmende G
gebung beider Staaten im Sinne der gegenſeitigen
mäßigung der Zölle für Rohprodukte; ein förmlicher g=
ſcitiger
Vertrag ſei jedoch nicht geplant.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 29.
Empfang. Se. Königl. Hoheit der Gr
herzog empfingen am Samstag im Neuen Palais
Generalmajor v. Hutier, Kommandeur der 74. Infan:
Brigade in Stettin, ſeither Oberſt und Kommandeur
Leibgarde=Infanterie=Regiments (1. Großh. Heſſ.) Nr.
Beſtätigung. Se. Königl. Hoheit der Gr
herzog haben den von Sr. Durchl. dem Fürſten
Iſenburg und Büdingen in Birſtein präſentierten O
lehrer an der Oberrealſchule zu Alsfeld Hans
als Oberlehrer an der Oberrealſchule zu Offenback
ſtätigt.
Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Gr
herzog haben den Oberlehrer an der höheren Bi
ſchule zu Dieburg Georg Bock zum Oberlehrer ar
Realſchule und dem Progymnaſium zu Bingen
Wirkung vom 1. April 1910 an ernannt.
In den Ruheſtand verſetzt wurden die L
Karl Hofmann an der Gemeindeſchule zu Al=
Johannes Löffler an der Gemeindeſchule zu Glei
hain, Kreis Alsfeld, und Karl Weber an der Geme
ſchule zu Blofeld, Kreis Büdingen, ſämtlich aut
Nachſuchen mit Wirkung vom 1. April 1910 an
Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienſte.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit
Großherzog haben dem Lehrer Johannes Löf
zu Gleimenhain, Kreis Alsfeld, aus Anlaß ſeiner
ſetzung in den Ruheſtand die Krone zum Silbernen §
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen und
Lehrer Karl Weber zu Blofeld, Kreis Büdingen,
gleichem Anlaß das Silberne Kreuz desſelben Ordens
der Krone verliehen.

Die Schnellpreſſe.

Zum hundertjährigen Gedenktag ihrer Erfindung.
(29. März 1910.)
Von Otto Miche! Nachdruck verboten.)
Am 15. März iſt ein Jahrhundert vergangen, ſeit
in England von zwei Deutſchen eine der wichtigſten
Erfindungen der Neuzeit gemacht worden iſt: am ge=
nannten
Tage des Jahres 1810 ſtellten in London der
Buchdrucker Friedrich König und der Mechaniker An=
dreas
Friedrich Bauer die erſte Schnellpreſſe her, die
das Gewerbe des Buchdrucks aus dem Stande des
Kleinhandwerks zu einem Großbetriebe emporhob.
Ohne dieſe Erfindung der Schnellpreſſe, die natür=
lich
in dieſem Jahrhundert ſeitdem zahlloſe Verbeſ=
ſerungen
erfahren hat und ſie noch fortgeſetzt findet,
iſt unſere ganze moderne Maſſenherſtellung von =
chern
, iſt vor allem unſer geſamtes modernes Zeitungs=
weſen
undenkbar.
Und es iſt charakteriſtiſch, daß der Erfinder dieſer
wichtigen Maſchine vergeblich in Deutſchland um
Unterſtützung für ſeine Erfindungen betteln mußtie.
Friedrich König, der am 17. April 1774 in Eis=
leben
das Licht der Welt erblickt hatte, war ein ein=
facher
Buchdrucker, der aber von einem unwiderſteh=
lichen
Bildungsdrange und raſtloſen Aufwärtsſtreben
beſeelt war. Als er in der bekannten Breitkopf &
Härtel’ſchen Offizin in den Jahren 179096 die Buch=
druckerkunſt
erlernte, trieb der wiſſensdurſtige Jüng=
ling
in ſeinen Mußeſtunden wiſſenſchaftliche Studien
und ſetzte es ſogar durch, Platens Vorleſungen über
Philoſophie an der Leipziger Univerſität mit anhören
zu dürfen.
Als er dann in Meiningen und in Suhl im An=
fang
des vorigen Jahrhunderts tätig war, erfand er
dort mehrere Verbeſſerungen der im Betrieb befind=
lichen
Handdruckpreſſe, aber bei dem völligen Mangel
an materiellen Mitteln gelang es ihm nicht, ſeine Er=

findungen zur Ausführung zu bringen. Diejenigen,
die ſeinen Darlegungen zu folgen vermochten, konnten
ihn nicht unterſtützen, und anderswo fand er kein Ver=
ſtändnis
. Er wandte ſich an die ſächſiſche Regierung,
vergeblich! Er bot ſeine Erfindung der öſterreichiſchen
Regierung an, umſonſt! Es kam hinzu, daß die krie=
geriſchen
Zeiten die Regierungen allzuſehr in anderer
Weiſe beſchäftigten.
So machte er ſich im Jahre 1806 auf den Weg nach
Petersburg, um bei der ruſſiſchen Regierung um Ge=
hör
zu betteln und um Unterſtützung, ſeine Maſchinen=
pläne
ausführen zu können. Alles umſonſt! Und ſo
kam er im Spätherbſt des Jahres 1806 nach London,
wo er in den Buchdruckern Bensley und Taylor ver=
ſtändnisvolle
Beurteiler ſeiner Erfindungen fand. Sie
ließen ihn in ihrer Buchdruckerei an ſeinen Erfin=
dungen
arbeiten und ſeine Maſchinenpläne ausführen.
Hier lernte er auch im Jahre 1807 den deutſchen
Landsmann Andreas Friedr. Bauer kennen. Bauer war
ein biederer Schwabe, der, am 18. Auguſt 1783 in Stutt=
gart
geboren, ähnlich wie König, durch raſtloſes Stre=
ben
und eifriges Studium aus dem Handwerk des
Mechanikers, das er erlernt hatte, zu höherer Bildung
gelangt war. In Tübingen hatte er Mathematik
ſtudiert, hatte ſich gleichzeitig der Optik gewidmet und
war dann nach London gegangen, wo er mit König bald
befreundet wurde.
König zeigte ihm ſeine Pläne, und Bauer vertiefte
ſie aus dem Schatze ſeiner mathematiſchen Kenntniſſe.
König hat ſpäter ſelbſt berichtet, daß er allein nicht
Anſpruch auf die Erfindung der Schnellpreſſe hat:
ohne Bauers Rat, ſeine Kenntniſſe und Geſchicklichkeit
hätte er die Schnellpreſſe nicht zuwege gebracht.
So ſtellten ſie gemeinſam die Tiegeldruckmaſchine
her, die am 29. März 1810 patentiert wurde, und die
zwar auch noch eine Handdruckpreſſe war mit mechani=
ſcher
Färbung und ebenſolchem Betrieb, aber doch im
weſentlichen das Prinzip der Schnellpreſſe ſpäteren
Stiles darſtellt, ſo daß der Deutſche Friedrich König
als der Erfinder dieſer wichtigen Maſchine mit Fug
und Recht angeſehen werden darf.

König verbeſſerte noch in London ſelbſt mehr
ſeine Erfindung. Er nahm Patent auf Patent,
lich hatte er den geringſten Vorteil davon. Ber
beanſpruchte den Nutzen aus aller dieſer Tätigkeit
wollte den deutſchen Erfinder mit einem Gehalt
ſpeiſen. So kam es ſchließlich zum Bruch zwi
König und ſeinem engliſchen Brotherrn, dem er
nur Brot durch ſeine Erfindungen geſchafft, ſor
ein Vermögen erworben hatte.
So ging denn König im Jahre 1817 nach De
land zurück. Auf ſeines Freundes Bauer An:
hatte er dort mit ſeinem inzwiſchen erſparten
mögen das ehemalige Prämonſtratenſer=Kloſter L
zell bei Würzburg gekauft, und dorthin folgte
Bauer im folgenden Jahre.
Mit kleinen Anfängen errichteten die be
Arbeitsgenoſſen hier in Oberzell eine Maſchinenf=
die
in wenigen Jahren zur Blüte gelangte, weil
ſich in den Friedensjahren ſtetig entwickelnde
druckgewerbe dieſe Buchdruckmaſchinen in gr
Mengen brauchte. In Cotta, dem bedeutenden S
garter Buchhändler, fanden König und Bauer
zielbewußten Bundesgenoſſen. Er veranlaßte ſie,
eine Maſchinenpapierfabrik nach engliſchem Muſte
begründen, was im Jahre 1828 zu Schwarzach, ur
Würzburg, geſchah. Cotta ſteckte ſelbſt Kapitalien hi
trat aber dann nach ein paar Jahren zurück, ohne
das Unternehmen deshalb irgendwie gefährdet w
Wenn es auch nicht an mancherlei Gefahren
beide Fabriken fehlte, ſo ſtehen ſie doch heute no
Blüte. König freilich ſtarb bereits am 17. Ja
1833, Bauer am 27. Februar 1860.
Bauer führte noch die Söhne ſeines Freu
in das Unternehmen ein und machte noch nach Ki
Tode wichtige Erfindungen. Im Jahre 1847 kon
ierte er die vierfache Schnellpreſſe, die damals
falls einen völligen Umſchwung im Buchdruckgen
hervorief, aber freilich auch längſt durch neuere E
dungen und Verbeſſerungen übe

[ ][  ][ ]

kummer 72.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Seite 3.

Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt wur=
Pfarrverwalter Olff zu Oppenheim zum Pfarr=
alter
in Badenheim, Dekanat Wöllſtein; Pfarr=
kandidat
Sehrt zu Darmſtadt zum Pfarraſſi=
ſifen
in Neu=Iſenburg, Dekanat Offenbach; Pfarr=
kandidat
Döll zu Wieſeck zum Pfarrvikar in
nhauſen, Dekanat Groß=Umſtadt (erſte Pfarr=
): Pfarraſſiſtent Hoffmann zu Pfungſtadt zum
rverwalter in Hahn (Diakonat Pfungſtadt), Deka=
Eberſtadt: Pfarrvikar Schott zu Neunkirchen,
S
nat Reinheim, zum Pfarrverwalter daſelbſt;
rvikar Pabſt zu Zotzenheim, Dekanat Wöllſtein,
Pfarrverwalter daſelbſt; Pfarrverwalter Traut=
rn
zu Deckenbach zum Pfarrverwalter in Appen=
. Dekanat Mainz. Geſtorben iſt: der evan=
che
Pfarrer Theodor Schellmann zu Appen=
. Dekanat Mainz, am 3. März.
Das Großh. Regierungsblatt Nr. 4 enthält:
eſetz, die Abänderung geſetzlicher Beſtimmungen über
Notariats= und Koſtenweſen betreffend. 2. Geſetz,
Erhebung einer Gebühr für die Reviſion nicht ſtaat=
: Rechnungen durch die Oberrechnungskammer be=
end
. 3. Geſetz, die Billettſteuer betreffend. 4. Be=
tmachung
, die Otto und Johanna Fulda=Heim=
Stung zu Offenbach betreffend. 5. Bekanntmachung,
Erteilung von Prämien für Erlegung von Fiſch=
n
und Fiſchreihern betreffend. 6. Bekanntmachung,
ebung der Großh. Baubehörde für die Erwei=
igsbauten
der Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt
ffend.
Todesfall. Am Freitag abend ſtarb hier nach
em Leiden im Alter von 40 Jahren Herr Lehrer
annes Hartleb, eine in weiteren Kreiſen
rer Stadt bekannte Perſönlichkeit. Der Verſtorbene,
viele Jahre als Vorſtandsmitglied des Journaliſten=
Schriftſtellervereins, des Richard Wagner=Vereins,
Goethe=Bundes, des Literariſchen Vereins und des
eſchen Sprachvereins eine rege Tätigkeit entfaltete,
ſich um das muſikaliſche und literariſche Leben
rer Stadt mannigfache Verdienſte erworben.
Auf dem Fritz Reuter=Abend, der am Donnerstag, den
Närz, zur Vorfeier von Fritz Reuters 100jährigem Ge=
Stag im Kaiſerſaal veranſtaltet wird, will Herr Re=
or
Hans Brandt folgendes Programm zur Wiedergabe
gen: Im erſten Teil, der mit Begleitung von Licht=
ern
ſtattfindet, ſoll kurz der Lebenslauf des Dichters
ildert und Ernſtes und Heiteres aus ſeinen Werken
etragen werden. Die zweite Abteilung bringt einige
chönſten Teile aus Hanne Nüte‟, Wat ut en Scheper
den kann und Onkel Bräſigs Abenteuer in der Kalt=
erheilanſtalt
. Für die Mitglieder des Vereins für
reitung von Volksbildung und die angeſchloſſenen
ine ſind Eintrittskarten zu der bekannten Preisermä=
ng
im Verkehrsbureau erhältlich.
Erſter Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
Grafenſtraße). Das neue Programm iſt wieder
laſſig und weiſt unter anderem als Schlager auf:
Drama aus dem Jahre 1840, betitelt: Pauli
er Ein Kind der Berge. Für den Humor ſorgen:
wiegermutter will Kamelfleiſch eſſen Zwei
liebte in Verlegenheit, Rache eines Stadtreiſen=

. Hochintereſſant iſt die Naturaufnahme, die uns
der Oaſe El Kantarra bekannt macht. (Siehe
eige.)
Feuer. Donnerstag abend brach in dem Hauſe
ktſtraße 5 ein Feuer aus, das einen größeren Um=
annahm
und beträchtlichen Schaden anrichret e.
Feuerwehrkommando gibt hierüber nachſtehenden
ndbericht aus: Donnerstag abend 7 Uhr 16 Min
elt die Feuerwache die Meldung: Feuer, Markt=
ze
5.
Bei Kürſchner Zeßler (Höhn Nachf.)
in dem Lager im erſten Obergeſchoß des Hinter=
kudes
Feuer entſtanden, welches ſich dem angren=
sen
Lagerraum des Vorderhauſes mitteilte und
h große Vorräte reichliche Nahrung hatte und ſich
entwickeln konnte. Bei Ankunft der Feuerwehr
den dieſe Räume in ſtarken Flammen und dichter,
ender Rauch wehrte den Mannſchaften den Zu=
I zu dem Brandherd über das Treppenhaus. Es
zte deshalb das Feuer von außen über Haken=
ergänge
angegriffen werden; es wurde daher mit

3 Schlauchleitungen, eine von der Gasſpritze und zwei
vom Hydranten, vorgegangen. Ein raſcher Eingriff
war erforderlich, indem es galt, das in dem 2. Geſchoß
befindliche Pelzlager vor Feuer zu bewahren, da
andernfalls dann auch größere Gefahr für die angren=
zenden
Nachbargebäude entſtanden wäre. Die Auf=
gabe
, das Feuer auf ſeinen Herd zu beſchränken, ge=
lang
vollſtändig nach kurzer Zeit; dagegen erforderten
die Räumungsarbeiten noch eine längere Tätigkeit.
Die Feuerwehr konnte um 8 Uhr 43 Minuten ab=
rücken
, während die Fahrzeuge, um den Verkehr wieder
freizugeben, ſchon früher zurückbeordert wurden. Der
Schaden iſt bedeutend, indem durch das heftige Feuer
die Lagerbeſtände vernichtet und beſchädigt ſind. Die
Entſtehung des Feuers wurde vermutlich durch eine in
dem Lager brennende Petroleumlampe veranlaßt.
2 Die Wochenmärkte der vergangenen Woche
hatten durch das Oſterfeſt beſonders lebhaften Verkehr
bei ſtarken Zufuhren, auch die Preiſe mancher Markt=
viktualien
, der Butter z. B., wurden durch das Feſt be=
einflußt
. An Durchſchnittspreiſen ſind zu verzeichnen:
Butter ½ Kg. 1,40 M., in Partien 1,30 M., Eier 89 Pf.,
Schmierkäſe ½ Ltr. 25 Pf., Handkäſe 412 Pf., Kar=
toffeln
der Zentner 34 M., Kumpf (10 Liter) 50 bis
60 Pf., ½ Kg. 35 Pf., Mäuschen der Zentner 8 M.,
Obſt u. dgl.: Aepfel ½ Kg. 1225 Pf., Birnen ½ Kg.
15 Pf., Zitronen 5 Pf,. Apfelſinen 510 Pf., Salat, Ge=
müſe
: Kopfſalat 1516 Pf., Endivien ½ Kg. 3540 Pf.,
Körbchen Feldſalat, Lattich 1012 Pf., Bündel Radies=
chen
78 Pf., Meerrettich 1030 Pf., Roterüben ½ Kg.
710 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10 Pf., Wirſing 510 Pf.,
Grünkohl 46 Pf., Roſenkohl ½ Kg. 20 Pf., Gelberüben
Kg. 56 Pf., Weißerüben 23 Pf., Paradiesäpfel
Kg. 70 Pf., Spinat ½ Kg. 1520 Pf., Kohlrabi 34 Pf.,
Blumenkohl 2060 Pf., Rotkraut 1030 Pf., Weißkraut
1220 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 2530 Pf., Topf
Schnittlauch 15 Pf., neue Schälgurken 50 Pf., Wild=
bret
Geflügel u. dgl.: Zicklein 2,503,50 M., Enten
3,003,50 Pf., Hahnen und Hühner 23 M., Tauben 60
bis 70 Pf., Lapins 1,001,10 M.; Fiſche 1
Kg.:
Rheinfiſche 3540 Pf., Rotzungen 50 Pf., Stockfiſch
25 Pf., Kabeljau, Seehecht 35 Pf., Seelachs, große Schell=
fiſche
30 Pf., kleine 1520 Pf.; in den Fleiſchſtänden
Kg.: Rindfleiſch 5660 Pf., Hackfleiſch 60 Pf., Rindsfett
50 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch
8890 Pf., Blut= und Leberwurſt 66 Pf., Fleiſchwurſt und
Schwartenmagen 76 Pf.
Orpheum. Heute, Dienstag, den 29. März, und
folgende Tage finden die letzten drei Gaſtſpiele des
Frankfurter Intimen Theaters ſtatt. (S. Anz.)
Jugenheim, 26. März. Man ſchreibt uns: Mit
dem Beginn der Mandelbaumblüte regt ſich in allen Or=
ten
der Bergſtraße von Weinheim bis Darmſtadt neues
Leben. In den Gärten grünen die Sträucher, die Amſel
pfeift und an den Häuſern ſteht der Maler und Tüncher.
Oefters als früher lieſt man jetzt wieder von Jugen=
heim
, in den Berichten der ſeismographiſchen Station
Darmſtadt=Jugenheim, in den Mitteilungen über die im
Suevia=Verlag erſcheinenden Bücher der Pfarrerfamilie
Chriſtaller in Jugenheim. Wenn auch nicht mehr das leb=
hafte
Treiben wie zurzeit, als die ruſſiſche Kaiſerfamilie
ſich auf dem Schloſſe Heiligenberg aufhielt, in Jugenheim
bemerkbar iſt, ſo hat dieſer reizend gelegene Ort an Schön=
heit
nichts verloren. Gegen Oſt= und Nordwind geſchützt.
wandelt man im Sonnenſchein im Stettbachertal
entlang dem munteren Bächlein, an friſch grünenden Wie=
ſen
vorüber zu den Forellenweihern. Wird bald die elek=
triſche
Straßenbahn von Darmſtadt auch hierher den
Strom der Sonntagsgäſte lenken, der jetzt noch zum Tau=
nus
und zum Odenwald hinzieht, dann ſind die Zeiten
der idylliſchen Ruhe vorüber und mit der Unruhe zieht
neues Leben ein in Jugenheim.
E. Groß=Bieberau, 26. März. Man ſchreibt uns: Hier
zing ein Doppelkurſus in Tief= und Sammetbrand, Oel=
malerei
uſw., geleitet von Frl. Käthe Roß=Darmſtadt,
zu Ende. Alle Intereſſenten ſind entzückt von den hübſchen
Leiſtungen, die beſonders der Ausſchmückung des Heims
dienen und teils der freien, teils der angewandten Kunſt
angehören. Außer den mit feinem Verſtändnis model=
lierten
Blättern, Blüten und Früchten iſt beſonders die

ſinnige Zuſammenſtellung der Farben von großer Wirkung.
Frl. Roß, deren reiche Begabung mit einem ſeltenen Lehr=
geſchick
gepaart iſt, verſteht es, bei eiſernem Fleiß in ihren
Schülerinnen einen mit jeder Stunde ſich ſteigernden Eifer
zu erwecken.
t. Lindenfels, 26. März. Frau Profeſſor Luthmer
aus Frankfurt a. M., die vor einigen Tagen ſtarb, hat für
die Armen von Lindenfels, ihrem ſtändigen Sommer=
aufenthalte
, einen Betrag von 500 Mark beſtimmt. Dieſe
Summe wurde heute an Herrn Bürgermeiſter Schnell=
bächer
ausgezahlt, der die Verteilung nach ſeinem Gut=
dünken
vornehmen ſoll.
Mainz, 25. März. Man ſchreibt uns: In den
Tagen vom 21. bis 24. März hielt auf Anregung des jung=
liberalen
Vereins der Generalſekretär des Nationalvereins,
Dr. W. Ohr, einen politiſchen Ausbildungs=
kurs
im Kaſino Hof zum Gutenberg ab. In den Nach
mittagsſtunden, die der Organiſationskunde gewidmet wa=
ren
, gab Herr Dr. Ohr aus dem reichen Schatze ſeiner Er=
fahrungen
dankenswerte Anregungen für eine fruchtbrin=
gende
Tätigkeit auf politiſchem Gebiete, während in den
Abendkurſen die vier Parteien, Konſervative, Zentrum,
Sozialdemokratie und Liberalismus behandelt wurden.
Die Beteiligung war eine ſehr rege; Männer aller liberalen
Schattierungen, aus allen Berufsſtänden und Altersklaſſen,
aus Stadt und Land, hatten ſich zu ernſter Arbeit zuſam=
mengefunden
und beſprachen im Anſchluß an die feſſelnden
Ausführungen des Kursleiters die wichtigſten Fragen un=
ſeres
politiſchen Lebens.
Mainz, 26. März. Nach dreiwöchiger Krankheit ſtarb
in New=York der greiſe Muſiker und Veteran des Bür=
gerkrieges
, Konrad Menz, in ſeinem 85. Lebensjahre.
Konrad Menz war am 11. Auguſt 1825 in dem goldenen
Mainz geboren. Er war von Beruf Muſiker, und als er
kaum 20 Jahre alt war, folgte er dem mächtig erwachten
Wandertrieb und zog durch vieler Herren Länder, bis er in
Bern Mitglied eines Opernorcheſters wurde. Hier ſchloß
er ſich ſpäter einer wandernden Kapelle an, mit der er
durch Deutſchland und Welſchland ſtreifte. Er ſpielte
beim Hochzeitsmahl des dritten Napoleon in Dieppe, er
blies den deutſchen Fürſten auf dem Friedenskongreß in
Oſtende was vor, und als in Deutſchland die Zeiten
ſchlecht wurden, packte er das Flügelhorn in den grünen
Ueberzug und ſegelte fidel und froh nach dem gelobten
Land Amerika hinüber. In New=York fand er bald loh=
nende
Beſchäftigung in den deutſchen Theatern und Ver=
gnügungslokalen
an der Bowery. Auch den Bürgerkrieg
machte er mit, und zwar als Kapellmeiſter im 8. Regiment
unter Oberſt Blenker. Später reiſte er mit Gilmores Ka=
pelle
lange im Lande umher, bis er ſchließlich ſich dauernd
in New=York anſäſſig machte. Konrad Menz war zum
Kapellmeiſter bei Karnevalsſitzungen wie geſchaffen. Noch
im 80. Lebensjahre ſchwang er bei Narrenſitzungen den
Taktſtock und gab mit lauter Stimme den Einſatz zum
Lied, das eben geſungen werden ſollte. Als die 80 Jähr=
chen
aber voll waren, da dachte er ans Ausruhen. Ehe er
jedoch aus der Aktivität ins Verhältnis a. D. übertrat,
bereiteten ihm die Vereine M. G. V. Eichenkranz, Beetho=
ven
, M. Ch., Mainzer Karnevalverein, Muſikloge Nr. 336
(J. O. O. F.), die Muſikerunion und die Steinwehrpoſt.
denen er als Mitglied angehörte, im Terrace Garden eine
ſolenne Abſchiedsfeier mit einem großen Konzert, bei dem
er ſelbſt noch mit Feuer und Verve dirigierte.
Mainz, 26. März. In Antwerpen traf ein Ame=
rikaner
einen deutſchen Reiſenden, der ſich ihm an=
freundete
und vorgab, ebenfalls nach Mainz zu reiſen,
nur wolle er zuerſt noch Köln beſuchen. Der Ame=
rikaner
war damit zufrieden und in Köln traf man,
wie zufällig, noch zwei andere, die ſich ihnen nach
Mainz anſchloſſen. Hier in Mainz erhob der Ameri=
kaner
auf einen Scheck 1000 Mark und am Abend
überredeten ihn die Gauner, mit ihnen nach Kaſtel
zu gehen, um dort zu übernachten, da es viel billiger
und beſſer ſei, wie in Mainz. In der Nacht hörte
dann der Amerikaner ein ſonderbares Geräuſch in
ſeinem Schlafzimmer und trotz der Dunkelheit merkte
er, wie der in ſeinem Zimmer befindliche Reiſende
angekleidet war und die Brieftaſche mit den 1000 Mark
geſtohlen hatte. Er ſchlug Lärm und der herbeigerufe=
nen
Polizei gelang es, die drei Reiſenden feſtzu=
nehmen
; ſie hatten bereits ihr Gepäck beiſeite geſchafft,

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Spielplan des Hof= und National=
aters
in Mannheim. Dienstag, 29. März:
nn der junge Wein blüht. Mittwoch, 30. März:
iſtan und Iſolde. Iſolde: Frau Mildenburg.
rnerstag, 31. März: Der Pfarrer von Kirchfeld.
Samstag,
ktag, 1. April: Der Evangelimann.
April: Der fidele Bauer. Sonntag, 3. Aprbl:
rmen.
* Der Fall Tſchudi. Wie den M. N. N."
angeblich unterrichteter Seite mitgeteilt wird,
delt es ſich bei der Verkleinerung des Meleager
am, daß eine ſpäte Anſtückelung des Bildes, die den
ſtleriſchen Charakter des Werkes entſtellte, umge=
en
wurde. Mit dieſer Maßnahme erklärte ſich die
ſeumskommiſſion einverſtanden.
* Die Klara Ziegler= Stiftung. Inten=
* Graf Hülſen=Häſeler war aufgefordert wor=
in
das Kuratorium der Klara Ziegler=Stiftung
Futreten. Er hat es aber abgelehnt, das Amt zu
rnehmen. In einem Briefe, den die Deutſche
yne veröffentlicht, erklärt Graf Hülſen: . . . Ich
rge auch den künſtleriſchen Zwecken, denen die Stift=
dienen
ſoll, reges Intereſſe entgegen und würde es
zur beſonderen Freude gerechnet haben, für die Er=
hung
dieſer Aufgaben zuſammen mit Sr. Exzellenz
Generalintendanten Frhrn. v. Speidel wirken zu
nen. Allein es iſt mir durch das Auftreten des jetzi=
Präſidenten der Genoſſenſchaft deutſcher Bühnen=
ehöriger
, der gleichfalls in das Kuratorium einbe=
en
worden iſt und das Amt angenommen hat, völlig
nöglich gemacht, den mir angebotenen Poſten anzu=
en
, da ich nicht mit dieſem Herrn gemeinſchaftlich
er Körperſchaft anzugehören vermag.
Kleines Feuilleton.
* Literariſche Mäuſe. Ueber ein Miß=
ſchick
, das der Straßburger Poſt dieſer Tage
eſtoßen iſt, berichtet das Blatt ſelbſt mit gutem
mor: Die Leſerinnen der Straßburger Poſt, die
lich nach Tiſch zu ihrer Zeitung greifen, um dem
mnan=Feuilleton eine behagliche halbe Stunde iu
men, ſind geſtern mit knapper Not einer ſchweren
Etäuſchung entgangen. Mit all der liebevollen Aus=
er
, die deutſchen Frauen bei der Romanlektüre
en iſt, waren ſie Käthe van Beekers wechſelreicher
rählung Als die Roſen blühten bis zur 31. Fort=
ung
gefolgt. Alles hatte ſo ſchön ſich angelaſſen.
s luſtige Komteßchen Alexe von Kannenberg und
nicht minder luſtiger Vetter Kurt, der flotte Huſar,

waren nahe daran, ſich verliebt in die Arme zu ſinken,
und jedes klopfende Frauenherz wartete auf das ent=
ſcheidende
Wort des kecken Reiters. Da trat in der
Nacht zum Dienstag wir können es nur mit Schau=
dern
erzählen ein unerhörtes, nie dageweſenes, faſt
kataſtrophales Ereignis ein. Oben im Setzerſaal, wo
Tag für Tag ſo viele fleißige Hände Letter an Letter
ſetzen, bis die Straßburger Poſt ein hübſches Ganzes
geworden iſt, lag die ereignisvolle Romanfortſetzung
bei andern Manuſkripten in ſicherm Fach und wartete
auf ihre Auferſtehung. War es nun hungrige Gier
oder ein literariſches Bildungsbedürfnis kurz, in
derſelben Nacht brach eine Schar langgeſchwänzter,
klugäugiger Mäuſe von der bekannten Gattung der
Aus musculus in die verſchloſſene Lade und ſtürzte
ſich piepſend und nagend über die Lebensſchickſale der
ungen Komteß und ihres galanten Vetters. Was
half es, daß die Buchſtaben des Manuſkripts ſich ſträub=
ten
und Käthe van Beekers Geiſt beſchwörend eingriff?
Langſam aber ſicher begann das Zerſtörungswerk der
nächtlichen Literaten; von links nach rechts drangen ſie
vor und nagten Glück und Liebe, heißes Beteuern und
eliges Gewähren in hundert Fetzen. Nichts blieb ver=
ſchont
! Die zärtlichſten Geſtändniſſe wurden aufge=
freſſen
. Wo ehedem das zierliche Wörtchen Liebling
prangte, war nur noch ein kaltes, nichtsſagendes a=
zu
erkennen. Mitten durch Herz und Wonne lie=
fen
lange, klaffende, häßlich gezackte Riſſe, der erſte
ſcheue Kuß der Liebenden war hinter den Zähnen der
grauen Geſpenſter verſchwunden, und unſeres Komteß=
chens
holde Verwirrung war nur noch ein einziges
ſchauerlich klaffendes Loch.
Am Morgen nach der Zerſtörung wurde der Scha=
den
entdeckt. Die Hand des Metteurs bebte, als er
die grauſam zugerichteten Blätter der Lade entnahm
und mit einem Was nun? auf den Lippen dem
Feuilleton=Redakteur vorlegte. Zur Beſchaffung eines
neuen Manuſkripts reichte die Zeit nicht aus; denn
unſere Leſerinnen wollten ſchon tags darauf das
Nähere von Fräulein Alexe und Herrn Kurt erfahren.
Alſo geleimt und gedichtet, ſo gut es ging, die Riſſe
beſeitigt und die klaffenden Lücken ausgefüllt! Nicht
alles natürlich konnte gerettet werden, und mancher
zärtliche Seufzer kroch mit den Mäuſen für immer ins
Mauſeloch. Gegen Mäuſefraß iſt ſelbſt die ſtärkſte
Liebe nicht gefeit, und dreimal verhängnisvoll iſt es,
wenn literariſch geſinnte Nager ſich über Menſchen=
liebe
hermachen. In Zukunft freilich wird ein Beutel
mit Gift die heiligen Schätze behüten, und ein beſonders
konſtruiertes, fallenartiges Schloß wird die Lang=
ſchwänzigen
von weiteren Streifzügen ins Literariſche
abhalten. Dann werden Komteß und Vetter und all

die hundert verliebken Leute, die ihnen in den ſpätern
Romanen folgen werden, ſich ihrer Verliebtheit unge=
ſtört
hingeben können und unſere Leſerinnen entzücken
wenn ſie nach Tiſch zur Zeitung greifen, um im bunten
Irrgarten der Liebe ein Weilchen geruhſam ſpazieren
zu gehen.
CK. Tiere die rauchen. Die Tiere, ſo
plaudern Nos Loiſirs ſind wie die Menſchen: wenn
man ſie bei ihren Schwächen packt, kann man alles mit
ihnen machen. Es wird viele überraſchen, zu hören,
daß das Kamel und Dromedar eine beſondere Vorliebe
für den Duft von Tabak haben; ſie ſind leidenſchaftliche
Raucher. Wenn ſie erſt die ein wenig narkotiſierende
Wirkung des Tabaks ſpüren, ſind ſie fügſam und ge=
lehrig
. In Nordafrika kennen die Eingeborenen die
Schwäche der Kamele ſehr gut und wiſſen ſie auch klug
auszunützen. Die Kamelführer, die mit ihren Tieren
weite Strecken zurücklegen müſſen, benutzen einfach den
Tabak, um renitente Tiere gehorſam und gefügig zu
machen. Sie beſitzen dazu ein beſonderes Gerät, eine
Art kleines dreieckiges Brett, in deſſen Mitte ſich eine
kleine Oeffnung befindet. Das dreieckige Brettchen
wird am Maule des Kamels befeſtigt, man entzündet
die Zigarre und ſteckt ſie dann in die kleine Oeffnung
des Brettes. Das Kamel beginnt dann zu rauchen; es
ſtößt den Rauch durch die Naſe wieder aus und zeigt
dabei alle Zeichen vollkommenen Wohlbehagens. Es iſt
ein merkwürdiger Anblick, zu beobachten, wie die mäch=
tigen
Tiere dabei mit der genießeriſchen Ruhe eines
Kenners die Augen ſchließen und rauchen, bis die Zi=
garre
zu Ende iſt. Das dauert freilich nicht lange=
denn
das Kamel hat einen guten Zug und raucht eine
Zigarre in wenigen Minuten auf.
* Eine falſche Prozeſſion. Im L. A.
leſen wir folgendes nette Geſchichtchen, das auch die
Ueberſchrift tragen könnte: Lieber ungariſch verhun=
gern
, als öſterreichiſch leben. Es heißt: Im Frühjahr
pflegen die Bewohner des Nemetuivarer Bezirks nach
Oeſterreich auszuwandern, um dort Feldarbeit zu über=
nehmen
, was die Gendarmerie zu vereiteln ſucht, in=
dem
ſie niemanden über die Grenze läßt. Heute nahm
nun ein Mann die Kleidung eines Geiſtlichen, ein an=
derer
die eines Kantors, und ſo führten ſie 50 Auswan=
derer

mit einer Prozeſſionsfahne, Kirchenlieder
ſingend, über die Grenze nach Oeſterreich. Die Gen=
darmen
ſalutierten die Prozeſſion und ließen ſie unbe=
helligt
paſſieren. Nach zwei Stunden bekamen ſie da=
für
auch durch einen Buben die Kleider des Geiſtlichen,
ſowie die Fahne zugeſtellt mit dem Bemerken, ein an=
dermal
ſollten ſie beſſer acht geben.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Nummer

um raſch entfliehen zu können. Bei ihren Sachen
and man anch verſchiedene gezeichnete Karten zum
Falſchſpielen. Außerdem hatten ſie falſche Zehn= und
Zwanzigmarkſtücke und falſche Kaſſenſcheine bei ſich.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß man es mit
einer internationalen Gaunerbande zu tun
hat. Der eine gibt ſich als Ludwig Eberle, der zweite
als Reiſender Alfred Angerminde und der dritte als
Schreiner Heinrich Zinkhan aus. Eberle hatte 300
Mark in der Taſche. Ein kürzlich von Frankfurt er=
laſſener
Steckbrief gegen drei Falſchſpieler, die dort
einem Reiſenden im Spiel 1000 Mark abgewannen,
paßt ebenfalls auf ſie.
Mainz, 25. März. Schon wieder wurde hier ein
Sparkaſſebuch entwendet; der Beſtohlene, ein
hier beſchäftigter Bäcker, machte umgehend bei der
Polizei Mitteilung, und dieſe veranlaßte ſofort bei der
Sparkaſſe die Sperrung des geſtohlenen Buches. Kaum
war das geſchehen, als auch ſchon ein junger Mann auf
der Sparkaſſe erſchien und auf das geſtohlene Buch
einen Betrag erheben wollte. Er wurde der Polizei
übergeben und erklärte, daß er von einem auf der Her=
berge
wohnenden Bäckerburſchen das Buch erhaltten
habe, um den Betrag auf der Sparkaſſe zu erheben.
Noch am Vormittag wurde auch dieſer Burſche verhaf=
tet
und geſtand den Diebſtahl ein. Der von dem
Großherzog für den hieſigen Stadtpark zum Geſchenk
gemachte Damhirſch, der erſt vor einigen Tagen
hier eingetroffen, iſt bereits verendet. Das Tier
war offenbar beim Einfangen am Kopfe verletzt worden.
Gießen, 25. März. In Straßburg ſtarb am
Dienstag nach kurzem Leiden im 62. Lebensjahre der
Kaiſerliche Regierungsrat Wilhelm Walther der
eit dem Jahre 1874 der elſaß=lothringiſchen Zollver=
waltung
angehörte. W. war ein geborener Gießener
und ein Bruder des Geh. Oberforſtrats Dr. Walther
in Darmſtadt. Der Präſident und die Mitglieder der
elſaß=lothringiſchen Direktion der Zölle und indirek=
ten
Steuern widmen dem Dahingeſchiedenen in der
Straßb. Poſt einen Nachruf, in dem es heißt: Wir
betrauern in dem Heimgegangenen einen durch ge=
diegene
Fachkenntniſſe, reiche, allgemeine Erfahrung
und große Gewiſſenhaftigkeit ausgezeichneten Mitar=
beiter
, wie auch einen liebenswürdigen Freund und
Kollegen von ſeltener Herzensgüte und Selbſtloſigkeit,
deſſen Andenken wir in treuer Erinnerung bewahren
werden.
(*) Büdingen, 25. März. Nach dem ſtädtiſchen Vor=
anſchlag
hat unſere Stadt ein Vermögen von 2½ Mil=
lionen
Mark, es ſtehen 938800 Mark Schulden gegnüber.
Die Kommunalſteuer iſt um 3 Prozent, von 121,56 auf
154,56 Prozent geſtiegen und beträgt 99180 Mark. Ein=
nahme
und Ausgabe des Voranſchlags balancieren mit
325832 Mark.
Ulfa (Kreis Schotten), 24. März. Die nach einer
Pauſe von drei Jahren vor kurzem wieder aufgenomme=
nen
Verhandlungen unſerer Gemeinde mit dem Ortsvor=
ſtand
unſerer Nachbargemeinde Rainrod über den An=
chluß
von Ulfa an das Waſſerwerk Rain=
rod
ſind nunmehr als endgültig geſcheitert zu betrachten.
In einer kürzlich ſtattgehabten Sitzung der beiden Orts=
vorſtände
, der auch Vertreter des Großh Kreisamts Schot=
ten
und der Großh. Kulturinſpektion Gießen, beiwohnten,
kam eine Einigung über die Grundlage, unter der die
Waſſerabgabe erfolgen ſollte, nicht zuſtande. Damit iſt für
die hieſige Gemeinde eine Waſſerverſorgung mit natür=
lichem
Gefälle von hochliegenden Quellen aus nicht mehr
möglich, ſodaß, falls jetzt überhaupt eine Waſſerleitung
gehaut werden ſoll, nur noch eine künſtliche Waſſerförde=
rung
durch ein Pumpwerk von Quellen, die ſich in der
hieſigen Gemarkung befinden, in Frage kommen kann.
A Ans dem hohen Vogelsberg, 24. März. In den
Gemeinden des oberen Vogelsbergs ſind in den letzten
Jahren eine ganze Anzahl recht ſtattlicher Schulhäuſer
gebaut werden, dank der eifrigen Tätigkeit der Behör=
den
, des Kreisamtes und der Kreisſchulkommiſſion.
Auch die zum Kreis Schotten gehörige Gemeinde Feld=
krücken
hat jetzt ein neues Schulhaus nach den
Plänen des Großh. Kreisbauinſpektors Witzler in
Schotten gebaut, das im Rohbau vollendet iſt und mit
deſſen innerem Ausbau demnächſt begonnen werden
ſoll. Die hierzu erforderlichen Arbeiten und Liefer=
ungen
ſind gegenwärtig öffentlich ausgeſchrieben.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. März. Wie das B. T.
hört, iſt im Kriegsminiſterium der Vertrag über den Kauf
des Aufmarſchgeländes formell abgeſchloſſen wor=
den
. Vom Berliner Magiſtrat begab ſich Magiſtratsrat
Dr. Franz als ſtädtiſcher Urkundsbeamter in das Kriegs=
miniſterium
. Der Kaufpreis beträgt für das zehn Hektar
große Terrain 63 Millionen Mark. Ein Be=
bauungsplan
iſt für einen Teil des Aufmarſchgeländes
bereits aufgeſtellt worden und wird dem Magiſtrat dem=
nächſt
beſchäftigen. Danach wird der Viktoriapark, den
Vorſchlägen des neuen Gartendirektors Broderſen entſpre=
chend
, nur auf der ſüdlichen Hälfte des Aufmarſchgeländes
in der Richtung nach Weſten verlängert. Der nördliche,
kleinere Teil des anſteigenden Geländes wird bebaut; eine
Wohnſtraße zieht ſich in der Verlängerung der Großbeeren=
ſtraße
nach dem Tempelhofer Feld hin. Die Gemeinde
Tempelhof wird ihren Bebauungsplan für das Tempel=
hofer
Feld etwas ändern müſſen, da in ihrem Entwurf
die Möckernſtraße gradlinig nach dem Tempelhofer Feld ver=
längert
worden war. Die Vorlage wird jetzt den Stadt=
verordneten
zugehen. Zu erregten Szenen im
Bund für Mutterſchutz kam es geſtern abend gele=
gentlich
einer Vortragsverſammlung, in der Profeſſor Dr.
Michel aus Turin über Liebesleben und Mutterſchutz in
Italien ſprach. Dr. Helene Stöcker, die zur Zeit noch
Vorſitzende des Ortsgruppe Berlin iſt, wurde bei ihrem
Eintritt in den Saal von ihren Freunden mit lärmendem
Beifall empfangen, und es wurde ihr eine große Blumen=
dekoration
überreicht. Darauf erhob ſich Frau Regine
Deutſch und erklärte, der Abend ſei einem wiſſenſchaft=
lichen
Vortrag gewidmet; ſie hätte nicht gedacht, daß man
ihn zu Demonſtrationen ausnützen würde; ſie proteſtiere
dagegen und würde mit ihren Freunden als Zeichen des
Proteſtes den Saal verlaſſen. Frau Dr. Sklarek führte
darauf aus, daß, ſolange ein Verfahren ſchwebe, es doch
ſelbſtverſtändlich ſei, daß man ſich irgend welcher Kund=
gebungen
enthalte. Sie wurde zum Teil mit Beifall, zum
Teil mit Ziſchen begleitet. Darauf verließ eine Anzahl
Mitglieder den Saal. Von denen, die blieben, um den
Vortrag anzuhören, waren viele Nichtmitglieder, die gegen
Eintrittsgeld das Recht erlangt hatten, den Vortrag an=
zu
hören. Heute früh fuhr infolge falſcher Signalgebung
auf dem Wuſtermark=Verſchiebebahnhof der Güterzug
3906 auf den im Einfahrtsgleis 13 haltenden Güterzug 9015
bei dichtem Nebel auf. Vom Zugperſonal des einfahren=
den
Zuges wurden zwei Perſonen getötet. Der Material=
ſchaden
iſt erheblich.
Libau, 25. März. Bei den Artillerie= Schieß=
übungen
der Kriegsſchiffe wurde bei dem
Wodolej Nr. I ein Geſchützverſchluß herausgeſchleu=
dert
, wobei ein Matroſe getötet wurde, während zwei
ſchwer verwundet wurden.
Venedig, 25. März. In einem zuſammenfaſſenden
Bericht über die bisherigen Ergebniſſe des Prozeſ=
ſes
gegen die Gräfin Tarnowska ſchildern
die italieniſchen Zeitungen die Tragödie des Grafen
Komarowski, der wie ein wehrloſes Opfer in die Netze
der Gräfin geriet und darin verblutete. Graf Koma=
rowski
, ein ebenſo reicher wie eleganter ruſſiſcher
Offizier, hatte der Gräfin ſchon in Dresden, Venedig,
Orel und Kiew den Hof gemacht und war feſt entſchloſ=
ſen
, ſie zu heiraten, ſobald ihre Eheſcheidung durchge=
führt
ſei. Die Tragödie beginnt am 9. Auguſt 1907, an
welchem Tage die Gräfin, Komarowski und die Kam=
merzofe
Perier von Venedig nach Wien abreiſen, wo
Naumow und Prilukow bereits anweſend waren. Graf
Komarowski, Prilukow und die Gräfin ſtiegen gemein=
ſam
in einem Hotel ab, während Naumow in einem
anderen wohnte. Die Zimmer Prilukows und der
Gräfin ſtießen aneinander, während die Appartements
des Grafen Komarowski in einem anderen Flügel des
Hauſes gelegen waren. Dies war der ſzeniſche Appa=
rat
, den die Gräfin zur Ausführung ihres raffinierten
Komplotis vorbereitet hatte. Prilukow hatte ſich im
Hotel als ein gewiſſer Pfeifer angemeldet. Unter die=
ſem
Namen ſtellte er ſich dem Grafen Komarowski vor
und überredete ihn, ſein Leben auf eine halbe Million
verſichern zu laſſen. Der Graf zeigte ſich nicht abge=
neigt
, und am 11. Auguſt wurde die Verſicherung abge=
ſchloſſen
. Am nächſten Tage diktierte der Graf ſein
Teſtament, in welchem er beſtimmte, daß im Falle ſei=
nes
Ablebens die Gräfin Tarnowska die halbe Mil=
lion
erben ſollte. Nachdem ihm die Gräfin neuerdings
ewige Liebe geſchworen hatte, reiſte er dann nach

Kunſthalle am Rheintor.
II.
Was ſonſt noch vorhanden iſt, iſt nicht viel mehr als
Malerei. Von dieſer bis zur hehren, zur Anbetung und
Andacht zwingenden, Großes und Erhabenes kündenden
Kunſt iſt noch ein gewaltiger Weg. In wenigen Werken
täuſcht die gut kopierte Natur darüber hinweg, aber es
bleibt eben eine Täuſchung. Die Natur kann uns ihre
Schönheiten und Wunder ſelbſt beſſer und eindring=
licher
offenbaren als die ſchönſte Kopie. Die Kunſt ſoll
ſelbſt und allein durch ſich als Gottheit wirken, ſoll den
Beſchauer ergreifen, emporheben gleichſam aus des All
tags engumgrenztem Kreis zur Höhe, zur Freiheit. Das
vermag keines der noch zu nennenden Werke, das vermag
auch nicht das Uebrige, als Geſamtheit zuſammengefaßt,
trotzdem gute Anſätze noch mehrere vorhanden ſind.
Den Verſuch, reine Kunſt, aus der Natur geſchöpft,
darzuſtellen, macht der heimiſche Maler Barnas= Fried=
berg
, der die Stätte ſeines Wirkens in München aufge=
ſchlagen
hat. Er bringt eine Anzahl Heimatbilder durch=
weg
in moderner lockerer Technik und künſtleriſchen Ge=
ſchmack
verratender Farbengebung, die der großen Mei=
terin
Natur gut abgelauſcht, aber nicht nur Kopie iſt
Als das beſte ſeiner Bilder will uns die Vogelsberger
Viehweide ſcheinen. Wenn dieſes Bild im ganzen ſo gut
erfaßt wäre, wie die obere Partie, könnte es ein Meiſter=
werk
ſein. In den übrigen Bildern bleibt der Künſtler
ziemlich viel ſchuldig, deſſenungeachtet ſind alle Beweiſe
guten Könnens. Recht fein und ſinnig erfunden und die
Abendſtimmung gut charakteriſierend iſt Gegen Abend.
vollendet, namentlich in der Zeichnung, iſt auch dieſes Bild
nicht. Hingegen zeugen die Radierungen im Raum I von
guter zeichneriſcher Begabung.
R. Pietſch=Wolfratshauſen iſt mit drei rieſigen
Bildern vertreten, von denen wirklicher Kunſtwert nur
einem zugeſtanden werden kann, der Gewitterſtimmung
die ihren Platz im Ehrenſaal fand. Die beiden anderen
ſind nicht einmal gute Naturkopien, es fehlt die Größe der
Auffaſſung, wie ein ſo großer Ausſchnitt aus der Land=
chaft
künſtleriſch wiederzugeben iſt. Selten ſahen wir Ar=
beiten
eines Künſtlers ſo gleicher Art und ſo verſchiede=
nen
Wertes. Die im Kolorit nicht unintereſſante Früh=
lingslandſchaft
(im Treppenhaus) iſt viel zu hart in der
Farbe. Vor allem fehlt den weit hinten liegenden Par=
tien
das Luftige und damit Naturgleiche. Auch der Vor=
wurf
zum Spätherbſt (Parterreſaal) iſt nicht uninter=

eſſant, aber die Aufgabe iſt nicht gelöſt. Das Gewitter
hingegen darf als eine recht gute Arbeit angeſehen werden.
Hier iſt die Stimmung gut beobachtet und im Kolorit gut
wiedergegeben.
Claritta Beyers (Kiel) Verſuch, in dem Bilde
Abend auf Föhr eine Stimmung der reizvollen herben
Naturſchönheit dieſer Nordſeeinſel zu geben, iſt nur zum
geringen Teil gelungen. Das iſt vielleicht in dem rötlichen
Flimmern des abendlichen Himmels. Sonſt vermag das
Bild nichts zu ſagen, es bleibt bei dem liebevollen Verſuch.
Auch R. Eſchke=Dachau bleibt in ſeiner ſonſt recht
ſtimmungsvoll gemalten Mondnacht die Löſung des an=
ziehenden
Lichtproblems ſchuldig. Gut in der Wirkung
ſind einige im oberen Raum III hängende Bilder desſel=
ben
Künſtlers, wenn er auch, um die Feinheiten herauszu=
holen
, zu grobe Mittel verwendet (ſiehe Kornfeld‟). Der
großen Spreewaldlandſchaft mangelt die Naturbeob=
achtung
in bezug auf das Kolorit des herbſtlich gefärbten
Laubes und in bezug auf das Widerſpiegeln der Land=
ſchaft
im leichtbewegten Waſſer. Dieſer Widerſchein liegt
hier auf anſtatt in dem Waſſer. Am beſten in der Kol=
lektion
gefällt uns Vom Markte heim
Eine Kollektion intereſſanter Bilder ſtellte M. Looſe=
Berlin aus in Tempera. Auch ſie ſind in der Bewertung
ſehr verſchieden. Recht gutes Zeichentalent verraten die
Florentiner Straßen und Landſchaftsbilder, während von
maleriſchem Reiz nur das Bild Jungfrau, Mönch und
Eiger iſt, das wir als das beſte der Kollektion anſprechen
wollen. In dem ſonſt reizvollen Gartenſtück mit Pergola
iſt das Kolorit zu hart, zu wenig duftig.
L. Raſch=München hat zwei kleine, recht nett erfun=
dene
Landſchaften geſandt, die, wenn ſie auch nicht ſon=
derlich
viel zu ſagen wiſſen, ſo doch einwandfreie Arbeiten
ſind.
Berichtigend ſei bemerkt, daß die Bilder von Egger=
Lienz nicht durchweg, ſondern nur zum Teil in Caſein=
Farben gemalt ſind.
Insgeſamt iſt es, wie ſchon geſagt, nicht gerade Welt=
erſchütterndes
, was der Kunſtverein diesmal bringt. Im=
merhin
ſei auch dies gedankt. Vielleicht iſt die Anregung
am Platze, nun bald die ſchon für Januar in Ausſicht ge=
tellte
Fortſetzung der Porträtausſtellung zu brin=
gen
. Die erſte Hälfte, die bekanntlich nur ältere Künſtler
brachte, hat lebhaftes Intereſſe weiter Kreiſe erregt und
es liegt doch nahe, daß dieſes Intereſſe in nicht geringerem
Maße der jüngeren und der gegenwärtigen Generation
entgegengebracht würde.
M. St.

Venedig zurück, um dort den Reſt der Saiſon a
Lido zu verbringen. Am 18. Auguſt fuhr Naum
Wien weg und begab ſich nach Kiew, wo er mit de=
fin
zuſammentraf. Ende des Monats ging e
Venedig, traf dort am 3. September ein und ern
am nächſten Tage den Grafen. Bemerkenswert
am 3. September ebenfalls in Venedig der Advok
lukow mit zwei Wiener Privatdetektivs eint
deren Geſellſchaft er am Morgen des 4. Septemb
Graf Komarowski von Naumow erſchoſſen wu=
der
Nähe des Tatortes geſehen wurde. Dann
chwand er wieder mit den Detektivs. Prilukow
gabe war es offenbar, Naumow, von dem die
nunmehr als überflüſſig befreit zu werden w.
den italieniſchen Behörden auszuliefern. Er fe
deſſen den Mut nicht und brachte dadurch den
ins Rollen.
Paris, 25. März. Der Pariſer Geme
rat beſchäftigte ſich in ſeiner letzten Sitzung r
zunehmenden Unſicherheit in gewiſſen
Vierteln, im beſonderen dem von Saint=Merri,
längſt der Schuſter Liabeuf einen Poliziſten
ſchoß und mehrere andere verwundete. Der9
präfekt Lépine erkannte die Tatſache der große
ſicherheit an, die nach ihm eine Folge der übertri
Philanthropie und eines falſchen Humanitarisn
die nich: geſtatten, daß die Banditen einfach als
nutzige Uebeltäter behandelt werden. Sie werde
lange genug im Gefängnis gehalten und könn
regelmäßig darauf rechnen, am 1. Januar und 1"
dem Nationalfeſte, eines Gnadenaktes teilhaft
werden. Er, der Polizeipräfekt, ſei nicht in
mit dem Perſonal, über das er verfüge, die Sta=
es
ſein müßte, zu hüten. Daraufhin beſchloß ?
meinderat einem Antrag gemäß, die Zahl der Po
in dieſem Jahre um 160 zu vermehren und ihr
Laufe der nächſten fünf Jahre weitere 500 zuz
Marſeille, 26. März. Die Magazine einer
abrik worin ſich 15000 Meterzentner O
befanden, brannten dieſe Nacht nieder. T
gerichtete Schaden beträgt über eine Million Fr
London, 26. März. In Bridgeton ereignete
der vergangenen Nacht eine Gasexploſion
Räumen der Filiale der Bank von England.
bar war ein Gashahn offen ſtehen geblieben. T
geſammelte Gas entzündete ſich beim Betreten de
mes mit einem offenen Licht und eine ſchwere
ion erfolgte. Das Mobiliar des Lokals wur
trümmert und zum Teil durch den Luftdruck
Straße geworfen. Ein Paſſant, ſowie ein Ange
der Banl wurden ſchwer verletzt.
Chicago, 26. März. Durch eine Be
exploſion im oberſten Stockwerke eines vie
gen Warenhauſes entſtand Großfeuer, das War
vollſtändig zerſtörend. Zwölf Menſchen ſollen
worden ſein. Ein junges Mädchen, das aus der im
Etage auf die Straße ſprang, wurde ſchwer verle
ſtarb im Krankenhauſe.
Kunſtnotizen.
Aeber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren
ßehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urte
Konzert Scheuermann. Am 9. April
ſtaltet Herr Opernſänger Hans ScheuermannS
Birkenau im großen Saale der Turngemeinde (Y
platz) ein Volkskonzert. Ein reichhaltiges Prog
ſowie die Mitwirkung der Konzertſängerin
Marie Schön aus Heidelberg, der Pianiſtinnen F
W. Weinmann, W. Heißner und L. Kümmel, des
virtuoſen Herrn Kammermuſiker L. Kümmel, der ſton
Dipl.=Ing. Schwarz und Nold (Violine und Violt
einen großen Kunſtgenuß in Ausſicht.
Militäriſches.
Die feldgrauen Uniformen,
Die Beſtimmungen über die feldgrauen (gr
nen) Uniformen ſind ſoeben amtlich bekannt
worden. Danach werden eingeführt für Offizie id
i
Sanitätsoffiziere neben den jetzigen gleich=
Stücken Waffenröcke, Attilas, Ulankas und Stief
von feldgrauer, bei den Jägern (Schützen) von tu
grüner Farbe und an Stelle der jetzigen Felk
ſolche von feldgrauer (graugrüner) Farbe; für S.
nengewehr=Abteilungen neben den bisherigen
2l4
röcken ſolche neuen Schnitts mit Kragen= und 2
aufſchlägen (für Mannſchaften auch mit Schult
1,
pen) aus Grundtuch, ſowie mit matten Kronenk:
für Küraſſiere ſtatt des feldgrauen Kollers ei Eu
grauer Waffenrock, für Jäger zu Pferde und
ordonnanzen fällt der Koller fort. Die Offiziere Elt
ten neben dem jetzigen Waffenrock einen ſolch ſcrt
hellgrünem Bordenbeſatz und mit matten Kron=öſt
0 Ck
fen. An Stelle der jetzigen Knöpfe am Waffenn=
Mannſchaften treten matte Kronenknöpfe. Ulat
ziere legen fortan zum Dienſtanzug ſtatt der E
ten Achſelſtücke an. An Stelle der Litewka dür
Offiziere den feldgrauen (graugrünen) Waffenrr
tragen, außerdem dürfen ſie die feldgraue (grau r
e
Stiefelhoſe anlegen, wenn die Litewka oder ſtat
der feldgrane (graugrüne) Waffenrock uſw. g
wird. Zu dieſer Kabinettsorder ſind Ausführt
ſtimmungen vom Kriegsminiſterium erlaſſen,
der Offizier über eine feldgraue Uni
verfügen muß für den Mobilmachung
und für den Friedensgebrauch, ſobald der
G2
penteil dieſe Uniform trägt. Für den Mobilma
fall ſteht es dem Offizier wie bisher frei, ſich dr
gabe der feldgrauen Röcke und Reithoſen (die
E
Mannſchaftshoſen haben ſich für den Offizier e
geeignet erwieſen) aus Mannſchaftsbeſtänden zu
für den Friedensgebrauch muß er ſie ſelbſt beſ
Der Offizier muß die feldgraue Uniform (Fc
Feldhoſe und Feldmütze) anlegen, wenn die Tri
trägt. Aüßerdem darf getragen werden von de
Bekanntmachung des Erlaſſes ernannten Offizie
h. vom 23. März an ernannten) ſogleich, von de e
gen vom 1. April 1911 ab: die Feldmütze
Gelegenheiten, wo bisher die dunkelblaue uſw
mütze getragen wurde; der Feldrock an Stelle
tewka; die Feldhoſe zur Litewka und zu dem an
der letzteren getragenen Feldrock. Dunkelblaug
Feldmützen dürfen allgemein noch bis zum 1.
913 getragen werden. Die Offiziere der
Pferde dürfen ſich den bisherigen Waffenrock
laſſen oder ihn unverändert auftragen. Der Koll
von den Offizieren der Jäger zu Pferde noch h
1. Okt. 1915 aufgetragen werden, jedoch iſt im M
auch vor dieſem Termin bereits der Feldrock
legen, wenn die übrigen Truppen feldgrau erſe,
Eigene Koller der Mannſchaften und der Stabs
nanzen dürfen bis zum 1. Okt. 1915 aufgetrage
den. In welchem Umfange im diesjäh
Kaiſermanöver die feldgraue Uniform anz
iſt, ergeht noch Beſtimmung. Zum Feldrock gehr
graue Halsbinde, bei den Jägern zu Pferde

Weißt
Woche

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

1 22.

mis

Dienstag, 20. Märg.

1910.

Seihe
oche

Weie
Woche Neihe
Wochel eee
Meeee eeneeheete

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Veiße
Voche)

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9

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(ic=
6is e8
aſele
2e

Der ſchmale Weg.
Roman von Panl Bliß.
(Nachdruck verboten.)
Gegen Abend, als das Bureau geſchloſſen war, kam
ritz. Er war ſtill und ernſt wie immer, das furcht=
rrſte
Creignis ſeines Lebens, obgleich es nun ſchon
n Jahr zurück lag, übte noch immer ſeine Wirkung
af ihn aus.
Als der Verleger ihn liebenswürdiger als ſonſt be=
-üßte, kam eine leiſe Freude in ſeine Seele, denn er
Inte etwas Gutes über ſein neues Buch.
Und als er dann erfuhr, was Herr Doktor Fellner
Sſagt hatte, nickte er nur und lächelte ſtill und glück=
ch
endlich ein Erfolg! Endlich kam die An=
-kennung! Ein frohes Gefühl ſtiller Dankbarkeit über=
rm
ihn.
Schmettow reichte ihm die Hand. Alſo Glück zu,
rnger Freund! Ich bin glücklich, daß ich der erſte bin,
er Ihnen den Weg zum Ruhme bahnt. Aber nun
erden Sie mir auch nicht verdenken, wenn ich zu=
Leich, als Geſchäftsmann, die praktiſche Seite dabei im
uge habe. Ich hoffe nämlich, daß Sie nun mehrere ſo
ute Bücher ſchreiben werden, und deshalb möchte ich
un mit Ihnen ein Vertrag abſchließen, der mir auch
Ihre anderen, neuen Bücher ſichert. Ich hoffe, daß Sie
amit einverſtanden ſind, denn es iſt ja doch auch in
ehrem eigenen Intereſſe, wenn alle Ihre Bücher im
Leichen Verlage erſcheinen, nicht wahr?

gech beſen ſih leinen Anendie e er weite i0
dem Verleger zu Dank verpflichtet, weil er ſeinen erſten
Roman angenommen hatte, und deshalb ſagte er ſo=
fört
zu.
Als der Vertrag abgeſchloſſen war, rieb ſicg
Schmettow vergnügt die Hände er freute ſich, daß er
ohne jedes Zugeſtändnis ſein Ziel erreicht hatte.
Lächelnd reichte er Fritz die Hand. Nun werden
Sie alſo bald ein berühmter Mann ſein.
Auch Fritz lächelte ſtill. Na, na! So fix geht das
wohl nicht.
Warum denn nicht? Wenn das Buch wirklich den
Erfolg hat, den ſich Herr Doktor Fellner davon ver=
ſpricht
, dann werden Sie bald ein gefeierter Mann
ſein, und in unſeren literaturfreundlichen Geſellſchafts=
kreiſen
werden Sie alsdann eine viel geſuchte Perſön=
lichkeit
ſein.
Wieder lächelte Fritz. Nun, davor bin ich ſicher!
Ich bin gar kein Freund ſolcher Geſellſchaften! Ich
werde all dem aus dem Wege gehen!
Oho, das werden Sie hübſch bleiben laſſen, junger
Freund! Solche Geſellſchaften brauchen Sie dringend
notwendig! Das fördert Sie mehr als zehn gute
Kritiken!
Aber ich kann es nicht! Es iſt mir direkt zu=
wider
!
Gewohnheit weiter nichts! Sind Sie erſt mal
drin in dem Rummel, werden Sie ſich auch bald hinein=
ſinden
und ſich darin wohl fühlen.
Nie werde ich das!

Kune hreund, ic weih des deſtr. 30 we
ſchon zu oft erlebt. Zu Anfang ſträubt ſich faſt jede
aber nur zu Anfang. Hat er ſich erſt ein paarmal ordent=
lich
Weihrauch ſpenden laſſen, dann ſchwinden all
Vorurteile; denn der Ruhm iſt etwas, das auch die
ſtolzen Herzen mürbe macht.
Fritz ſchwieg; ernſt, faſt finſter ſah er vor ſich hir
Der Verleger klopfte ihm auf die Schulter ur
ſagte wohlmeinend: Uebrigens wiſſen Sie ja gar nicht
was Ihnen da an Glück erblühen kann. Vielleich
kommt da eines Tages eine reiche Erbin und verlieb
ſich in Sie na, und dann ſind Sie ja mit einem Mal
aller Sorge ledig.
Starr ſah Fritz zur Erde:
Nun, könnte Sie auch ſo etwas nicht reizen, meir
junger Poet?
Da antwortete er kurz, faſt hart: Nein!
Schmettow ſah erſtaunt auf.
Fritz aber wurde ſogleich freundlicher. Ich werd
wohl kaum jemals an eine Heirat denken, ſagte er, ſtan
auf und verabſchiedete ſich.
Befremdet ſah der Verleger ihm nach.
Still und ſinnend ging Fritz heim.
Eine reine, große Freude keimte in ihm auf, ſo ſtarl
ſo mächtig, daß alles in ihm jubelte zum erſtenmal ſei
langer, langer Zeit fühlte er wieder die Kraft und de
Reichtum der Lebensſtärke und er fühlte, daß ſein Lebe
jetzt einen Inhalt hatte, daß ſeine Arbeit, ſein Schaffer
nichts Verfehltes war er hatte ſich durchgerungen, er

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

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hatte ſich Anerkennung verſchafft, er war einer, mit dem
man von nun an rechnen würde.
Ach, das war eine reine, große, ehrliche Freude.
Anerkennung! Ruhm! Erfolg!
Ein ſonnighelles Lächeln lag auf ſeinem Geſicht, ein
Lächeln, das alles vergoldete, das nichts Garſtiges auf
der Welt mehr ſah, das auch in der Pfütze das Blau des
Himmels widerſpiegeln ſah.
Ach, was ſie jetzt wohl für Augen machten, all die
lieben Verwandten, die ihm damals nichts zutrauten!
Wie ſie ſich nun ſchämen würden! Nun möchten ſie
ihn gewiß gern zurückrufen, denn jetzt dürften ſie ja ſtolz
auf ihn ſein!
Sinnend ging er weiter.
Leiſe, verdämmernd ſank der Tag, und in wunder=
gleichen
, matt verſchwommenen Tönen ſtieg der Abend
herauf, ein ruhiger, milder, ſo unendlich friedlicher Herbſt=
abend
.
Leiſe fielen die gelben Blätter.
Da ſetzte er ſich auf eine Bank am Waſſer und ſah
in die bunt beſpiegelte Flut.
Und nun gedachte er der Zeit, da er ſein Buch ſchuf.
Wie war das groß und herrlich geweſen!
Alles Kleinliche, alles Alltägliche des Lebens war von
ihm gewichen über ſich und all ſeine Schwächen war
er hinausgewachſen, ein anderer, ein reiner Menſch war
er geworden, er lernte ſehen, wo des Lebens hehrſte Schön=
heiten
gedeihen, er lernte erkennen, daß die alles ver=
zeihende
Liebe etwas Wunderherrliches war, etwas Ueber=
irdiſch
=Schönes!
Und alles das, all das ſo Erhaben=Große und Hehre,
es keimte aus jener Zeit, aus jenen unvergeßlichen Stun=
den
, die er am Sterbebette der Mutter durchlebte dort
war er erſt ein Mann, ein Menſch geworden ein Menſch,
der die Welt und das Leben verſtand dort war alles,

und er en Gaßſe und Schöiheit e geden haleiſ gamn
Leben erweckt worden!
O Mutterchen, liebſtes, o wäreſt Du jetzt noch
am Leben, jetzt, jetzt endlich könnte ich Dich entſchädigen
für alle Opfer, die Du mir gebracht haſt!
Betrübt und niedergeſchlagen ſaß er da und ſah ins
Waſſer und nun war mit einem Male alle Freude
verflogen, und grau, von trüben Nebeln umhüllt, erſchien
ihm jetzt die ganze Welt.
Er war ja allein, mutterſeelenallein und verlaſſen, er
hatte niemand, der an ſeiner Freude Anteil nahm, nie=
mand
, zu dem er gehen konnte, ſich in ſeiner übergroßen
Freude auszutoben oder in ſeliger Wonne ſich auszuwei=
nen
niemand! Niemand!
Für wen ſchuf er? Für wen arbeitete er denn? Wes=
halb
, weshalb denn nur dies alles? Er hatte ja keinen
einzigen Menſchen!
Und mit einem Male kam es wie ein Sonnenblitz
über ihn Elsbeth! O, weshalb haſt Du mir das
getan? Elsbeth! Elsbeth!
Die Wunde war wieder offen, als wäre ſie geſtern
erſt geſchlagen . .
Solange er ernſthaft und mit aller Hingebung bei
ſeiner Arbeit geſeſſen hatte, ſolange war alles tot und ver=
geſſen
geweſen, nun er aber wieder ſeinen Gedanken freien
Lauf laſſen konnte, nun zog es ihn wieder hin zu der Un=
getreuen
.
Er liebte ſie ja noch immer .
Wütend ballte er die Hände zuſammen.
Ja, ja, er liebte ſie noch immer! Und obgleich ſie
lange ſchon des andern Weib war, er liebte ſie dennoch
jetzt fühlte er es klar! Er liebte ſie mit der gleichen
wilden Kraft, die einſt ihn an ſie gefeſſelt hatte.
Das fühlte er nun klar und deutlich ..
Sinnend ſtarrte er in das dunkle, trübe Waſſer, auf
dem im leichten Lufthauch die dürren Blätter ſchwammen.

Und es wurde dunkler und dunkler, ſchon we
letzte helle Streifen am Horizont verſchwunden.
Ein kühler Wind ſtieg herauf und blies fauche
die Bäume, daß gelbe Blätter und dürre Früchte in
gen herunterfielen.
Noch immer ſaß er und ſtarrte ins dunkle Waſſe
und ſeine Seele jammerte: O Elsbeth, warum ha
mir das getan?
Als es ganz dunkel war, ſtand er auf und ging
Er ging langſam, ſchwerfällig wie ein alter?
und er ſah und hörte nichts von dem Leben der
ſtadt, das ihn mit brauſendem Gewoge umbrande
ging teilnahmslos, gleichgültig einher ein verla
ein einſamer Menſch
*
Vier Wochen ſpäter war er ein bekannter Man
Das Buch hatte den Erfolg, den Doktor Fellne
ausgeſagt hatte der erſten, überaus wohlwol
Kritik waren ſehr ſchnell mehrere gefolgt alle Wel
auf das Buch aufmerkſam geworden, täglich wuri
Nachfrage größer, ſo daß immer neue Auflagen
wurden und Herr Schmettow rieb ſich vergnüt
Hände.
Der Name Fritz Stark, den bisher kein Menſ
kannt hatte, war nun auf aller Lippen.
In allen Auslagen der großen Buchhandl
prangte das Buch. Alle illuſtrierten Zeitungen br
das Bild des Dichters und nähere Details über ſein
und ſeinen Werdegang.
Fritz Stark war ein bekannter Mann.
Mit ſtillem, wehmütigem Lächeln ſah er dem T
zu wohl freute er ſich des großen Erfolgs, abe
reine, ungetrübte Freude kam auch jetzt nicht auf
blieb ein bitterer Tropfen in dem Freudenbecher.
(Fortſetzung folgt.)

Et

5

[ ][  ][ ]

Umtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

8 38.

Denstag, 20. Mätrz.

1910

Bekanntmachung.
treffend: Die Erhebung des Stempels für Fahrräder pro 1910.
Unter Hinweis auf die nachſtehend abgedruckten §§ 3, 1527 der Verordnung
n 6. Mai 1907, den Radfahrverkehr betreffend, ſowie unter Hinweis auf die gleich=
s
abgedruckten, im Falle einer Verſäumnis platzgreifenden Strafbeſtimmungen wird
rmit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des Stempels für Fahr=
er
für das Rechnungsjahr 1910, ſowie das Aufkleben und die vorſchriftsmäßige
twertung desſelben
von heute ab bis 31. März 1910 an jedem Wochentage,
vormittags von 9 bis 12 Uhr,
Großh. Kreisamt Darmſtadt, Neckarſtraße Nr. 3, im Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 9
tfindet.
Wir fordern daher alle Beſitzer von Fahrrädern, die dieſelben auf öffentlichen
gen und Plätzen benutzen, auf, die Stempelabgabe während der obenerwähnten
zu entrichten oder, ſofern die Vorausſetzungen hierzu vorliegen, während derſelben
4
§ 19 Abſ. 2 der Verordnung) Antrag auf Befreiung von der Abgabe zu ſtellen
Anſprüche auf Befreiung ſind:
1. für die Stadt Darmſtadt bei dem zuſtändigen Polizei=Revier,
2. für den Landkreis Darmſtadt bei der betreffenden Großherzoglichen Bürger=
meiſterei

zubringen.
Darmſtadt, den 15. Februar 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. E.: von Starck.
Verordnung, den Radfahrverkehr betreffend.
Vom 6. Mai 1907, §§ 3. 1527 der Verordnung.
C. Der Radfahrer.
a) Ausweis über die Perſon des Radfahrers.
§ 3. Wenn ein Fahrrad auf öffentlichen Wegen und Plätzen benutzt werden ſoll.
der Beſitzer hiervon dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt ſchriftlich oder
ndlich Anzeige zu erſtatten und die in Nr. 58 des Tarifs zum Urkundenſtempel=
atz
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907 vorgeſchriebene Stem=
abgabe
für die Radfahrkarte zu entrichten.
Das Kreisamt erteilt dem Anmeldenden eine auf den Namen des Radfahrers
tende Radſahrkarte, die nach anliegendem Muſter ausgeſtellt wird.
Der Radfahrer hat die Radfahrkarte bei ſich zu führen und auf Verlangen
r zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
Für Perſonen unter 14 Jahren erfolgt die Ausſtellung auf Antrag des Vaters,
rmundes oder ſonſtigen Gewalthabers.
Die Radfahrkarte gilt für den Umfang des Deutſchen Reichs.
Radfahrer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Deutſchen Reiches
en, haben einen anderweiten genügenden Ausweis über ihre Perſon bei ſich zu
xen und auf Verlangen dem zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
E. Vorſchriften über die Stempelabgabe.
§ 15. Die Stempelabgabe für die Jahreskarte (§ 3, Abſ. 1), gültig vom 1. April
31. März des folgenden Jahres, beträgt 5 Mark. Entſteht die Abgabepflicht in
Zeit zwiſchen 1. Oktober und 31. März des folgenden Jahres, ſo iſt für dieſen
traum nur die Hälfte dieſes Betrages zu entrichten:
§ 16. Das Kreisamt trägt die Anmeldungenunterfortlaufenden Nummern in
Verzeichnis ein, erhebt die in § 15 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden
1. eine Radfahrkarte (§ 3),
2. eine Nummerplatte, die der Nummer des Verzeichniſſes entſpricht.
§ 17. Auf der Rückſeite der Radfahrkarte ſind Stempelmarken im Betrage der
richteten Abgabe durch das Kreisamt aufzukleben und zu entwerten.
Bei den von der Stempelabgabe befreiten Perſonen (§ 23) erhalten die Rad=
rkarten
auf der Rückſeite den Vermerk Stempelfrei bis 31. März 19.. .
§ 18. Die Nummerplatte trägt auf beiden Seiten auf weißem Grund in 6 cm

Mier er Pfetr et et. geinten nedeit ie nechden i. at
rden ſind, in roter, blauer oder grüner Farbe aufgetragen. Bei den für den Land=
Erk eines Kreiſes ausgegebenen Nummerplatten iſt der betreffende Buchſtabe in
Farbe der Nummer, bei den Nummerplatten für den Stadtbezirk eines Kreiſes
egen in ſchwarzer Farbe ausgeführt.
Das Fahrrad muß beim Befahren öffentlicher Wege und Plätze mit der Num=
rplatte
verſehen ſein. Letztere, deren Inſchrift ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten
rden muß, iſt in der Richtung der Längsaxe des Fahrrades und nach vorn gerichtet
art zu befeſtigen, daß die Inſchrift von beiden Seiten gut ſichtbar iſt. Die Num=
rplatte
wird von der Behörde beſchafft und den Beſitzern von abgabepflichtigen
Hrrädern unentgeltlich geliefert. Wer von der Stempelabgabe befreit iſt, hat die
ſten der Nummerplatte zu erſetzen.
Beſitzer von ſolchen Fahrrädern, die mit Nummerplatten verſehen ſind, dürfen
Kontrollierung der Abgabe nicht angehalten werden.
§ 19. Die Abgabe iſt von einer und derſelben Perſon, auch bei einem Wechſel
Fahrrads, innerhalb desſelben Jahres (1. April bis 31. März) ſtets nur einmal,
d zwar erſtmalig bei der Anmeldung des Fahrrads und ſodann alljährlich im
onat März für das darauffolgende Rechnungsjahr unter Vorlage der Radfahr=
te
bei dem Kreisamt zu entrichten.
Innerhalb der gleichen Friſten haben die Perſonen, die gemäß § 23 Befreiung
r der Abgabepflicht in Anſpruch nehmen, bei dem Kreisamt entſprechenden An=
g
zu ſtellen.
§ 20. Wer den Beſitz eines anmeldepflichtigen Fahrrades im Laufe eines Jahres
gibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt ſeines Wohn= oder Aufenthaltsortes
rgſtens binnen einer Woche unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Num=
Tplatte anzuzeigen.
Wer, ohne den Beſitz aufzugeben, das Fahrrad auf öffentlichen Wegen und
ätzen nicht mehr benutzen will, kann ſich durch Abmelden des Rades unter Rück=
de
der Nummerplatte von der weiteren Abgabepflicht befreien.
Die Abmeldung iſt in das nach § 16 zu führende Verzeichnis einzutragen und
n Abmeldenden auf Verlangen auf der ihm erteilten Karte zu beſcheinigen.
21. Verlegt der Beſitzer eines anmeldepflichtigen Fahrrades ſein Wohn=
er
Aufenthaltsort in einen anderen Kreis, ſo iſt das Rad bei dem Kreisamt, das
Radfahrkarte ausgeſtellt hat, abzumelden und bei dem für den neuen Wohn= oder
fenthaltsort zuſtändigen Kreisamt unter Vorlage der Radfahrkarte anzumelden;
5 letztere erteilt eine neue Nummerplatte und zieht die bisher geführte Nummer=
rtte
behufs Rückgabe an das zuſtändige Kreisamt ein.
§ 22. Es iſt verboten. Nummerplatten eigenmächtig anzufertigen, die Inſchrift
* Nummerplatten eigenmächtig zu ändern und ſolche Nummerplatten zu führen,
nicht von der zuſtändigen Behörde erteilt ſind.
Der Beſitzer eines mit Nummerplatte verſehenen Fahrrades darf dieſes an
dere Perſonen zur Benutzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen nur vorüber=
zend
überlaſſen.
Verſteigerung von Altmaterial.
Am Mittwoch, den 30. ds. Mts.,
vormittags 11 Uhr,
finden ſich: 1 ſchott. Schäferhund, 2 Foxterrier, 1 Dachshund, 1 Pudel.
rden auf dem Grundſtück des ſtädtiſchen
rswerks an der Frankfurterſtraße die werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
chverzeichneten
Altmaterialien öffentlich tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
iſtbietend verſteigert:
1. ca. 7000 kg Gußeiſen,
2. 17000 Schmiedeeiſen und
170
Meſſing.
3.
Die näheren Bedingungen werden kurz
r der Verſteigerung bekanntgegeben. Das
Fmaterial kann vorher an Ort und Stelle
geſehen werden.
(6420msi
Darmſtadt, den 17. März 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.
für alle Klaſſen im Anſtaltsgebäude (Direktorzimmer) entgegengenommen.
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P. Friese, Tapezier, Viktoriastr. 26. (*7281mfm

F. Anenahmen.
§ 23. Von der Stempelabgabe ſind befreit:
Militärperſonen und ſonſtige Perſonen, die in Dienſten des Reiches oder eines
Bundesſtaates, einer Provinz, eines Kreiſes oder einer Gemeinde ſtehen und
Fahrräder überwiegend zur Erledigung der ihnen obliegenden Dienſt=
geſchäfte
benützen;
2. Perſonen, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zur Ar=

ſuche der in einer anderen Gemeinde oder mindeſtens B. Kikometer von der
Wohnung entfernt gelegenen Schule benutzen;
4. Perſonen, die ſich zum Kurgebrauch oder weniger als 30 Tage lang im Groß=
herzogtum
aufhalten;
5. Perſonen, die ein Fahrrad, für das die Stempelabgabe bereits entrichtet iſt,
vorübergehend benützen (§ 22, Abſ. 2).
§ 24. Wird auf Grund des § 23 eine Befreiung von der Stempelabgabe in An=
ſpruch
genommen, ſo iſt vorzulegen:
1. in den Fällen der Ziffer 1 eine Beſcheinigung der vorgeſetzten Dienſtbehörde
dahingehend, daß das Fahrrad überwiegend zu dienſtlichen Zwecken ver=
wendet
wird.

Mter ee erte e entetiteteit
zeibehörde beſtätigt ſein muß;
3. in den Fällen der Ziffer 3 eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei oder der
Polizeibehörde oder des Klaſſenlehrers.
Ueber den Anſpruch entſcheidet, vorbehaltlich der Beſchwerde an das Miniſte=
rium
des Innern, das Kreisamt, bei dem die Stempelabgabe zu entrichten ſein würde.
Die Steuerbehörden ſind verpflichtet, den Kreisämtern auf Verlangen jede zur
Entſcheidung erforderliche Auskunft zu geben.
§ 25. Eine Verpflichtung zum Führen einer Nummerplatte und zum
Mitführen einer Radfahrkarte beſtebt nicht für die in § 23 Ziffer 1 genannten
Perſonen, wenn:
1. dieſe bei Benutzung des Rades Uniform, Amtskleidung oder ein Amtsabzeichen
tragen, oder
2, das Rad als zu Dienſtzwecken beſtimmt von der vorgeſetzten Behörde kenntlich
gemacht iſt.
§ 26. Ob und inwieweit Ausnahmen von den in Gemäßheit des § 13 ergangenen
Vorſchriften für den dienſtlichen Radfahrverkehr der Beamten der Poſt= und Tele=
graphenverwaltung
und anderer öffentlicher Verwaltungen, fowie der Gendarmen
zuzulaſſen ſind, beſtimmt das Miniſterium des Innern.
G. Strafbeſtimmungen.
§ 27. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften über die Entrichtung der
Stempelabgabe werden nach dem Geſetz vom 12. Auauſt 1899 über den Urkunden=
ſtempel
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907, Zuwiderhand=
lungen
gegen die übrigen Vorſchriften dieſer Verordnung und gegen die darin vor=
behaltenen
allgemeinen oder beſonderen polizeilichen Anordnungen (§ 13) in Gemäß=
heit
des § 366 Nr. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuches mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder
mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Urkundenſtempelgeſetz.
Artikel 31, Abſ. 1. Die im Art. 14 Nr. 2 bezeichneten Perſonen haben, wenn ſie
den Vorſchriften bezüglich der Verpflichtung zur Entrichtung des Stempels zuwider=
handeln
, unbeſchadet ihrer Haftpflicht für den jehlenden Stempel (Art. 14), eine
Geldſtrafe verwirkt, welche dem vierfachen Betrage des hinterzogenen Stempels
gleichkommt, mindeſtens aber drei Mark beträgt. Jede zuwiderhandelnde Perſon
trifft die ganze Strafe. Auf Beamte findet dieſe Vorſchrift keine Auwendung.
Abſ. 3. Die Verhängung der Strafe erfolgt nach Maßgabe der Vorſchriften
des Geſetzes, die Einführung des Verwaltungsſtrafbeſcheids bei Zuwiderhandlungen
gegen die Vorſchriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle betreffend,
vom 20. September 1890.
Abſ. 4. Wenn ſich aus den Umſtänden ergibt, daß eine Stempelhinterziehung
nicht hat verübt werden können oder nicht beabſichtigt worden iſt, ſo tritt ſtatt der
vorgedachten Geldſtrafe eine Ordnungsſtrafe bis zu zweihundert Mark ein.
Art. 33. Wer es, den beſtehenden Beſtimmungen zuwider, unterläßt, die nach
den Tarifnummern 10, 34, 40, 47, 48, 51, 58, 86 erforderlichen Erlaubnisſcheine und
Karten zu löſen, verfällt in die im Artikel 31 Abſ. 1 beſtimmte Strafe. Die Vor=
ſchriften
des Artikels 31 Abſ. 3, 4 finden entſprechende Anwendung.
Die hinterzogene Stempelabgabe iſt von demjenigen nachzuentrichten, der im
Falle der Löſung des Erlaubnisſcheines oder der Karte zur Zahlung des Stempels
verpflichtet geweſen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der
Vorſchriften des Artikels 26.
Unterſteht die Perſon, die nach Abſ. 2 die Stempelabgabe nachzuentrichten hat,
wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geiſtigen oder körperlichen Zuſtandes der
Beaufſichtigung, ſo haftet für die Entrichtung der Stempelabgabe auch derjenige,
welcher kraft Geſetzes zur Führung der Aufſicht verpflichtet iſt. Die Haftbarkeit
tritt nicht ein, wenn der Aufſichtspflichtige

Betreffend: wie oben.

Darmſtadt, 15. Februar 1910.

Das Großherzogliche Kreisamt Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen wiederholt in geeignet
erſcheinender Weiſe zur Kenntnis der Intereſſenten Ihrer Gemeinde zubringen
J. E.: von Starck.
(3749a

Bekanntmachung.
Betreffend: Geſuch der Firma Friedrich Heyl von Darmſtadt um Genehmigung zur
Anlegung eines Dampfkeſſels.
Die Firma Friedrich Heyl, Maſchinenfabrik dahier, beabſichtigt auf dem Grund=
ſtück
Flur XXVII, Nr. 60½/0, 63¼/0, ¾10, gelegen zu Darmſtadt, Frankfurterſtraße, eine
Dampfkeſſelanlage zu errichten.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes in
dem Amtsverkündigungsblatt an gerechnet, auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde
(Zimmer 32) zur Einſicht der Intereſſenten offen.
Etwaige Einwendungen ſind binnen dieſer Friſt bei Meidung des Ausſchluſſes
ebenda vorzubringen.
(6660
Darmſtadt, den 23. März 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Reinhart.

Antliche Nachrichtn des Groſherzaglichen Polzeiante Darmſtad.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Schulzengaſſe Nr. 3 be=
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 1. Polizei=Revier ausgelöſt

Großherzogliches Realgymnaſium mit Vorſchule für
Realgymnaſium und Gberrealſchule.
Am Freitag, den 1. April ds. Js., vormittags von 912 Uhr, werden
Anmeldungen
(6555si
Die Großherzogliche Direktion:
Münch, Geh. Schulrat.

Das Hebregiſter über die für das Ver=
waltungsjahr
1910 zur Erhebung
kommenden Kanalbenutzungsgebühren
liegt in der Zeit vom
29. März bis 11. April ds. Js.
während der Dienſtſtunden auf dem Büro
der Stadtkaſſe, Grafenſtraße 28, zur Ein=
ſicht
der Intereſſenten offen.
(6641si
Etwaige Einwendungen ſind innerhalb
der gleichen Friſt, bei Meidung des Aus=
ſchluſſes
, mündlich oder ſchriftlich bei der
genannten Stelle vorzubringen.
Darmſtadt, den 21. März 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.

ſofort zu verkaufen:
Wegen Umzug 1 Diwan mit 2 Seſſeln,
1 Diwan=Chaiſelongue, Flur= Garde=
robe
ꝛc. Lichtenbergſtraße 25, 1. Stock lks.
(nächſt der Gutenbergſtraße).
(5881a

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Verlosung von Schuldverschreibungen
D
der Stadt Darmstadt.
In Vollziehung des Schuldentilgungsplanes der Stadt Darmſtadt ſind heute
nachſtehende 3½%ige Schuldverſchreibungen auf den Inhaber durch Verloſung zur
Rückzahlung berufen worden, nämlich:
1. Rückzahlbar am 1. Juli 1910:
Buchſt. G Abt. I Nr. 65, 186, 200, 317, 366, 384, 509, 657, 685, 744, 992, 1023.
14, 38, 110, 412, 473, 599, 623, 820, 821, 855, 897, 1054, 1266, 1279.
III 55, 93, 145, 149, 199, 375, 420, 477.
2. Rückzahlbar am 1. September 1910:
Buchſt. M Abt. I Nr. 82, 145, 196, 228, 293, 340, 348, 494, 777, 818, 911.
II 28, 33, 86, 287, 320, 324, 543, 728, 815, 897, 1089, 1130, 1305, 1323,
1348, 1405, 1554, 1593, 1594, 1716, 2116, 2192, 2295, 2327.
III 182, 190, 319, 653, 711, 741, 742, 764, 787, 839, 1183, 1205, 1353,
1402, 1404, 1415, 1485, 1759, 1906, 1912, 1928, 1937, 1952, 2039.
IV.
32, 230, 292, 445, 700, 806, 927, 962, 1055, 1057.
Die Rückzahlung erfolgt außer bei unſerer Stadtkaſſe für das Anlehen Buchſt. G
bei den Niederlaſſungen der Bank für Handel und Induſtrie zu Darmſtadt, Berlin und
Frankfurt a. M.;
für das Anlehen Buchſt. M bei den Bankhäuſern Delbrück Leo & Co. und bei der
Nationalbank für Deutſchland in Berlin, ſowie bei der Deutſchen Vereinsbank, Filiale
Darmſtadt (vormals Bankhaus Ed. G. Gerſt zu Darmſtadt) und bei dem Bankhauſe
Ferdinand Sander zu Darmſtadt.
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hört mit den oben genannten Verfall=
terminen
auf.
Die nachverzeichneten 3½% igen Schuldverſchreibungen ſind bereits gekündigt,
aber noch nicht zur Einlöſung gekommen und zwar:
auf den 1. September 1907:
Buchſt. V Abt. IV Nr. 392 à 200 Mk.
auf den 1. Juli 1909:
Buchſt. G Abt. I Nr. 1110 à 1000 Mk.
641 à 500

,
III 177 u. 231 à 200 Mk.
,,
K III.
1020 à 500 Mk.

auf den 1. September 1909:
Buchſt. V Abt. II Nr. 395 und 712 à 1000 Mk.
III 320 à 500 Mk.
5 IV
190, 535 und 921 à 200 Mk.
auf den 1. Oktober 1909:
Buchſt. L. Abt. II Nr. 689, 1316, 1338, 1540 und 1970 à 1000 Mk:
1076 à 200 Mk.
Gaswerksanleihen Buchſt. A. Nr. 364, 753 und 1011 à 200 Mk.
auf den 1. November 1909;
Buchſt. 3 Abt. I Nr. 18 à 2000 Mk.
III 990 à 500
447 à 200
IV
auf den 1. Februar 1910:
Buchſt. II Abt. I Nr. 519 und 833 à 2000 Mk.
IV 306
403 à 200
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hat von den angegebenen Tagen an
aufgehört.
Darmſtadt, den 21. März 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Schulgeld=Erhohung.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 17. Februar und mit Ge=
nehmigung
Großh. Miniſteriums des Innern vom 19. März 1910, zu Nr. M. d. J. I
2256, wurden die Schulgeldſätze für die Viktoriaſchule und das Lehrerinnenſeminar mit
Wirkung vom 1. April 1910 ab wie folgt feſtgeſetzt:
I. Viktoriaschule.
a) für Schülerinnen, deren Eltern oder an ihre Stelle getretene Unterhaltungs=
pflichtige
ihren Hauptwohnſitz im Bezirk der Stadt Darmſtadt haben, jährlich:
in den Klaſſen 14 140 M., 510 130 Mk.
b) für alle anderen Schülerinnen jährlich: in den Klaſſen 14 160 M., 510 150 M.
II. Frühere Reineck’sche Schule
jährlich 130 Mk.
III. Seminar.
a) für Seminariſtinnen, deren Eltern oder an deren Stelle getretene Unterhaltungs=
pflichtige
, oder die ſelbſt, inſofern ſie großjährig ſind, zur Zeit des Eintritts in das
Seminar mindeſtens ſeit 2 Jahren die heſſiſche Staatsangehörigkeit beſitzen oder ſeit
mindeſtens 2 Jahren im Großherzogtum Heſſen ihren Hauptwohnſitz haben, jährlich:
in den Klaſſen 1 200 Mk., 24 150 Mk.
Bei Töchtern von Beamten und Militärperſonen, die nach Heſſen verſetzt worden
ſind, ſoll von dem Erfordernis des zweijährigen Zeitablaufs abgeſehen werden.
b) für alle nicht unter die Beſtimmungen unter a fallende Seminariſtinnen
jährlich: in den Klaſſen 1 220 M., 24 170 Mk.
c) für Hoſpitantinnen halbjährlich für jede Wochenſtunde 6 Mk.
für Geſchwiſter in der Viktoriaſchule und in den Mittelſchulen bleibt die
bisherige Schulgeldermäßigung beſtehen. Hiernach iſt zu zahlen: für das
1. Kind das vokle Schulgeld, für das 2. Kind ¾ des Schulgeldes, für das 3.
und jedes folgende Kind die Hälfte des Schulgeldes derjenigen Anſtalt und
Klaſſe, die ſie beſuchen.
Darmſtadt, den 22. März 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Konservatortum tar-Ausin
Gegründet 1878. Direktor Wilhelm Süss. Mühlstrasse 70.
Das Sommerhalbjahr beginnt mit 4. April. Anmeldungen
vormittags erbeten. Proſpekte unentgeltlich auf der Direktion
und in der Hofmuſikalienhandlung Gg. Thies Nachf. (6501dis
Schreivmaſchinen- und Bienographie=
Unterricht (Gabelsberger).
Neue Kurſe beginnen Donnerstag, den 31. März.
Frau Hedwig Opel,
(6292ii
12 Soderstrasse 12.
12 Soderstrasse 12.

Nummer

Nutzholz-Verſteigerung.
Mittwoch, 30. und Donnerstag, 31. d. Mts., von vormittags 9 1
werden in dem oberen Lokale der Turnhalle dahier (Woogsplatz Nr. 5) aus d
manialwaldungen hieſiger Oberförſterei und den Waldungen des Philippsh.
verſteigert:

3 Eichen
10
63
Eſche
39 Buchen
1 Hainbuche
11
1 Birke
5 Linden
12 Kiefern
74 Lärchen
Fichte
10 Weißtannen

II. Kl. 1,09 fm; 4 Eichen III. Kl. IV. , 4,35 17 , VI. 13,01 , 0,50 32 Eſchen VI. 15,06 12 Buchen , , II. 0,50 4 Hainbuchen V. , 3,64 VI.
, 71. , 0,53 2 Erlen VI. , 5,51 II. , 18,46 50 Kiefern III. IV. , 4,44 , 19,98 N , 1,23 122 Fichten V. , 2,30 IV , 1,11 3 Weymutskiefern V.

41,4.

24,0
1,3

37 Birken 1,75
1953 Fichten 92,54

19 Buchen 0,75
34 Lärchen 3,22
Reisſtangen: 121 Fichten
1,27 fm.
Das Fichtenſtangenholz in Diſtrikt Haſenruh wird am zweiten Tage ver
alles übrige Holz am erſten Tage. Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz
Verſteigerung einzuſehen. Die Großh. Forſtwarte Schimpf dahier (Forſtmeiſte
Klipſtein zu Forſthaus Böllenfalltor und Forſtwartaſpirant Kirſchner dahier
platz 2) werden dasſelbe auf Verlangen vorzeigen. Nummerverzeichniſſe werde
ausgegeben.
Darmſtadt, 22. März 1910.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.
Stamm=, Stangen= und Brennholz=Verſteigern
Montag, den 4. April I. J., vormittags 9½ Uhr
anfangend, werden im Roßdorfer Gemeindewald, Diſtrikt Mark, an Ort und
verſteigert:
2 Eiche
Stämme:
2,45 fm
7 Kiefern ; 4,87
25 Lärche 5,20
126 Fichte ( 40,61
Derbſtangen: 25 Lärche 1,03
Zuſammenkunft auf der Kubig.
Dienstag, den 5. April I. J., vormittags 9½ Uhr
anfangend, auf dem Rathaus dahier aus dem Diſtrikt Mark
Scheiter, rm: 7 Buche, 8 Eiche, 359 Kiefern, 4 Fichte, 7 Birke,
Knüppel, 32
15 148
13 20 Erle,
Stöcke,
16
185
4
Wellen, Stück: 4025 Buche, 1525 Eiche, 825 Kiefern, 70 Fichte, 490 Birke,e
verſteigert.
(66
Förſter Haber zu Roßdorf erteilt nähere Auskunft.
Roßdorf, den 22. März 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Müller.
Darms
ädter Faddgegiam
58 Heerdweg 58
ſtaatlich konzeſſionierte und beaufſichtigte Privatſchule mit Real= und Gym
Abteilungen und den Klaſſen Sexta bis Oberprima.
Sorgfältige und gewiſſenhafte Vorbereitung zum Einjährigen=, Primane nd
Abiturienten=Examen, auch für Damen.
An der Anſtalt unterrichten 14 Lehrer.
Im Jahr 1909 beſtanden 16, im Frühjahr 1910 11 Einjährige.
Näheres durch den Leiter
M. Elias

Alleeisendier

Beginn des Sommersemesters am 12. April.
Kursus zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen, Dauer 1 J
Kurse für Hand= und Maſchinennähen, Stopfen und Flicken, Weiß= und Bun

Kleidermachen, Bügeln, Klöppeln, Brennen und Kerbſchnitt.
Handelskursus, Dauer 1 Jahr: einf. u. doppelte Buchführung u. amerik
Syſtem, Korreſpondenz, Rechnen, Stenographie u. Maſchinenſchreiben.
tantinnen werden zu den einzelnen Fächern zugelaſſen.
Anmeldungen werden am 2., 5. und 9. April, vorm. von 1012 1im
Vorſtandszimmer der Schule, Friedrichſtr. 4, entgegengenommen. Sprechſtu: Cer
Oberlehrerin: Freitags von 24 Uhr ebendaſelbſt.
Der Vorſtand
Staatlich konzeſſionierte und beaufſichtigte
tressische Handels-Lehranstift
Rheinstrasse 1, I. DARMSTADT am Ernst-Ludwig
Zweck: Die Anſtalt bezweckt, nicht mehr ſchulpflichtigen jungen Leuten durch
diſchen, für die Praxis bearbeiteten kaufmänniſchen Unterricht die Möglic zu
geben, eine ſelbſtändige Stellung in einem Kontor zu bekleiden.
Art des Unterrichts: Derſelbe wird vornehmlich erteilt durch Ausarbeitung m der

dem wirklichen Geſchäftsleben nachgebildeter Geſchäftsgänge. Am Schl
Kurſe finden Prüfungen ſtatt. Zur gefl. Beachtung: Schulmäßiger.
unterricht; auf beſonderen Wunſch auch Einzelkurſe.
Lehrfächer: Je nach Wahl des Kurſus: Deutſche Sprache, einfache und
(ital. und amerik.) Buchführung, kaufm. Rechnen einſchl. Kontokorre
Handelskorreſpondenz und Kontorpraxis, Wechſel= und Scheckkunde, Bar

Börſenkunde, Handelsbetriebslehre, Handelsgeographie, Kalligraphie, Steno
und Maſchinenſchreiben; außerdem auf Wunſch: Franz. und engl. H

Ple
I Nt.
(Ihl.
(e

Handelsſchule

des Darmstädter Pädagogiums.
Mit Beginn des neuen Schuljahres wird dem Darmſtädter
Pädagogium eine Handelsschule angegliedert.
Sie hat den Zweck, junge Leute, die ſich dem kaufmänniſchen Beruf widmen
wollen, in allen Handelswiſſenſchaften gründlich auszubilden.
Der Unterricht wird erteilt von einem aus dem Volksſchullehrerſtande hervorge=
gangenen
, an der Akademie für Sozial= und Handelswiſſenſchaften in Frankfurt a. M.
ausgebildeten und geprüften Handelslehrer.
Näheres durch den Leiter
M. Elias, Hochſtraße 58.
B6006)

§ 10es
korreſpondenz.
Dauer des Unterrichts: e) Für erwachſene Herren und Damen je nach W.
Kurſus 36 Monate; b) für ältere Schüler und Schülerinnen mit entſpre

Vorkenntniſſen 6 Monate; e) für junge Leute im fortbildungsſchulpflichtige
612 Monate, alles bei vollem Tages unterricht. (Abendunterricht nur
Es werden nur Schüler und Schülerinnen aufgenommen, welche die
Huen
Vorkenntniſſe durch ein befriedigendes Abgangszeugnis von einer Pflie
nachzuweiſen vermögen. Die Anſtalt vermittelt fleißigen Schülern koſtenl
(ähr
Eintritt in kaufmänniſche Stellungen.
Das Sommer=Semeſter beginnt Dienstag, den 12. April, vorm.e
Proſpekte ſind in der Anſtalt, Rheinſtraße 1, I., erhältlich; daſelbſt
Anmeldungen Montag bis Freitag von 121 Uhr und nachmittags von 3
entgegengenommen.
Wilh. Siedersleben, ſtaatl. geprüfter Handelsleh
und zwar an der Handelshochschule zu Leipzig und der Akademie für Sozifd

Handelswissenschaften zu Frankfurt a. M.

Forderungen (5990a
erledigt Hessisches Bureau, Darmstadt, Kirchstrasse 21.

Gut erhalt. ſechsſitziges, ein= u. zweiſpännig.
(5395a
Break zu verkaufen
Pankratiusſtraße 46.

Schwarzer Gehrock
für ſchlanke Figur zu verkaufen
B4873)
Wittmannſtraße 3, 1. Stock.
hitt billigſt Wälh. Castan,
Porzellanhill Kirchſtraße 5.
(4723a

Pädagogium Neuenheim-Heidelbe
1908/09: 32 Einjahrige, 26 für Prima und Ober II. Real- und
nasialklassen. Einzelbehandlung. Aufgaben unter Anleitung in der

Familieppenstonat in eigener Villa. Zimmer mit 13 Betten, Fr
ergebnisse etc. durch die Direktion.

[ ][  ][ ]

Nummer 72.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Seite 13.%

lenderung der Preiſe des aus dem
ſtädtiſchen Gaswerk Darmſtadt ab=
rgehenden
Gaſes.
Die Stadtverordneten=Verſammlung hat
urch Beſchluß vom 10. März d. Js. mit
Virkung vom 1. April d. Js. an den
preis für das zu Leucht=, Koch= und Heiz=
Decken aus dem ſtädtiſchen Gaswerk Darm=
adt
, ſowohl an Private als auch an Reichs=
ind
Staatsbehörden, abzugebende Gas für
as ganze Jahr auf 16 Pfennig für den
ubikmeter feſtgeſetzt.
Der ſeitherige Preis von 12 Pfennig
ir den Kubikmeter für das zu Motor=
wecken
verwendete Gas bleibt beſtehen,
ur wird in Straßen, in denen elektriſche
ichtkabel liegen, für Motorgas, das aus=
bließlich
, oder zum überwiegenden Teile
Im Betrieb von Lichtmaſchinen abgegeben
ird, der Preis von 16 Pfennig für den
ubikmeter in Anſatz gebracht.
Die ſeither auf das aus Automaten be=
ogene
Gas am Schluſſe des Rechnungs=
ihres
gewährte Rückvergütung von 2 Pfg.
uf 1 Mark Gasgeld kommt vom 1. April
Js. ab in Wegfall.
Darmſtadt den 22. März 1910.
droßherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt
I. V.: Ekert.
(6651sid
Wegſperrung.
Im Anſchluß an unſere Veröffentlichung
om 15. lfd. Mts. geben wir bekannt, daß
er alte Arheilger Weg von der Gärtnerei
Valter bis zur Hammelstrift wegen der
n dem Bahnübergang auszuführenden
Vaſſerleitungsanlagen weiterhin für den
urchgehenden Fuhrwerksverkehr bis ein=
hließlich
den 2. April ds. Js. feldpolizeilich
eſperrt bleibt.
(6699im
Darmſtadt, den 26. März 1910.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.
Steuer-Erhebung.
Das 5. und 6. Ziel der Gemeinde=
keuern
für das Rechnungsjahr 1909 iſt,
ei Vermeidung der Mahnung, bis Ende
ieſes Monats hierher zu entrichten.
Zahlſtunden an allen Werktagen, vor=
Tittags von 8½ bis 12½ Uhr. Vom
April ab Beginn der Zahlſtunden um
Uhr.
(5679a
Darmſtadt, den 10. März 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
Die Lieferung
ſon 1000 cbm Rheinſand ſoll an hier woh=
lende
Lieferanten verdungen werden.
Die Lieferungsbedingungen liegen bei
em unterzeichneten Amte, Zimmer Nr. 7,
vährend der Dienſtſtunden zur Einſicht
ffen. Auch werden dort die Angebotſcheine
bgegeben.
Angebote ſind bis
Samstag, den 2. April I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
zei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 24. März 1910.
Tiefbauamt.
Keller.
(6667im
** 2)
Konkursverfahren.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß wird hier=
durch
zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
Ueber das Vermögen der offenen Han=
elsgeſellſchaft
Bavaria=Drogerie ( Kauf=
eute
Hans Wagenbrenner und Veit
zu Darmſtadt, wird heute, am 23. März
ahren eröffnet, da die Gemeinſchuldner
elbſt den Antrag geſtellt und ihre Zah=
ungseinſtellung
und damit ihre Zahlungs=
Anfähigkeit glaubhaft gemacht haben.
Der Gerichtsvollzieher i. P. Reibſtein
rnannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
Zumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über die
Beibehaltung des ernannten oder die Wahl
zines anderen Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132 der
Konkursordnung bezeichneten Gegenſtände
und zur Prüfung der angemeldeten Forde=
rungen
auf
Mittwoch, den 20. April 1910,
nachmittags 4 Uhr.
vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer
Nr. 219, Termin anberaumt.
kursmaſſe gehörige Sache in Beſitz haben
Oder zur Konkuxvmaſſe etwas ſchuldig ſind,
wird aufgegeben, nichts an den Gemein=
ſchuldner
zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt, von dem
Beſitze der Sache und von den Forderungen, richtes am 4. April.
für welche ſie aus der Sache abgeſonderte
Befriedigung in Anſpruch nehmen, dem
Konkursverwalter bis zum 16. April 1910
(6661
Anzeige zu machen.
Darmſtadt, den 24. März 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großh. Amtsgerichts I zu Darmſtadt.
Pferde=Verkauf.
Freitag, den 1. April, vormittags
11 Uhr,
werden auf dem Hofe der Kaſerne Eſcholl=
pferde
öffentlich meiſtbietend gegen Bar=
Zahlung verſteigert.
(6670
Darmſtadt, den 24. März 1910.
Train=Bataillon Nr. 18.
as Nachtragen von Büchern Fortzugs=
ſucht
gewiſſenh. Dame zu übernehmen.

Bekanntmachung,
die Aufſtellung der Kehrichtgefäße betreffend.
Beſtehender Vorſchrift zufolge iſt das Aufſtellen der Kehrichtgefäße vor den
Hofreiten auf der Straße verboten. Ebenſo dürfen offene Kehrichtgefäße innerhalb
der Hofreiten an den Eingängen nicht ſo aufgeſtellt werden, daß ihr oft widerwärtiger
oder ekelhafter Inhalt von der Straße aus geſehen werden kann.
Die Schutzmannſchaft iſt erneut angewieſen, hierauf ein beſonderes Augenmerk
zu haben und gegebenenfalls einzuſchreiten.
(6712im
Darmſtadt, den 24. März 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Bekanntmachung.
Donnerstag, den 31. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Karl Ludwig Hennemann
Eheleuten in Heidelberg, in hieſiger Gemar=
kung
zuſtehenden Immobilien:
qm
Flur
9415
(/100 285 Hofreite Heinrichſtr.,
IV 60859/100 473 Hofreite Arheilger=
ſtraße
,
in unſerm Bureaü zwangsweiſe verſteigert
(K19/10
werden.

25

5 M.

Darmſtadt, den 22. Februar 1910.
Heidenreich von Siebold ſche Stiftung Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
(L4467,63
Müller.
für arme Wöchnerinnen.
In der heute in Gegenwart der hohen Protektorin, Ihrer Königlichen Hoheit der
Bekanntmachung.
Großherzogin ſtattgehabten 50. Generalverſammlung wurde über die Tätigkeit der
Dienstag, den 26. April 1910,
Stiftung im Jahre 1909 und über deren Vermögensverhältniſſe Bericht erſtattet.
vormittags 11 Uhr,
Nach dieſem Bericht erhielten im Jahre 1909 in 334 Fällen (gegen 306 im Vor=
ſollen
die der Adolf Theiß Ehefrau, Marie,
jahr) arme Wöchnerinnen Unterſtützungen.
geb. Laulherr, dahier zugeſchriebene Liegen=
Nach der von der Generalverſammlung genehmigten Rechnung beliefen ſich in 1909:ſchaften:
Die Einnahmen:
qm
Flur Nr.
An Kapitalzinſen
2857 Mk. 27 Pfg.
239 778 Hofreite Schulſtraße
Mitgliederbeiträgen
2599 20
(Beſſungerſtraße 88),
Kaſſevorrat aus vorigem Jahr .
1927 34
98 Grasgarten daſelbſt,
240
I
Legaten und Geſchenken?):
556 Grabgarten daſelbſt,
241
Geſchenk von Ungenannt durch Fräulein Jonghaus
in unſerem Geſchäftszimmer, Wittmann=
Ungenannt durch Frau Dr. Maurer 20
ſtraße 1, zwangsweiſe verſteigert werden.
Frau Hauptmann Locher gelegentlich
Darmſtadt, den 12. März 1910.
der Geburt einer Enkelin .
Großherzogl. Ortsgericht Darmſtadt II.
Herrn Kommerzienrat Louis Trier
,
(Beſſungen).
anläßlich des Todes ſeiner Schwieger=
(L5697,64
Frantz.
mutter
, 50
1
Frau M. Stern
20
.
Bekanntmachung.
Frau Hofrat Edward
10
Dienstag, den 29. März, vormittags
Herrn Otto Wolff anläßlich der Hoch=
11 Uhr,
zeit der Tochter durch Frau Dr. Maurer 30
ſollen auf hieſigem Eilgutſchuppen 20 Steigen
Alwin Schenk (Amerika) durch Herrn
,
,
Salat öffentlich an den Meiſtbietenden
Geheimerat Mangold
8 80 Pfg
gegen ſofortige Barzahlung verkauft
Frau Hauptmann Freytag
,

,
(6716
werden.
Frau Lilli Wolfskehl
. 50

Darmſtadt, den 26. März 1910.
M. Stern
20.
,
Eilgutabfertigung H. L. B.
Herrn Ludwig Joſeph und Frau . 100
,
,
Frau Adolf Trier
100
25
Frau Sanitätsrat Dr. Maurer anläß=
,
Forderungen
lich der Feier ihrer ſſilbernen Hochzeit 100
Frau Clara Merck und Herrn Gg.
an den Nachlaß der am 18. Dezember 1909
Merck zum Andenken an die verſtorb.
verſtorbenen Frau Rechtsanwalt Heu=
Frau Geh. Kommerzienrat W. Merck 1000
mann Witwe bitte ich bis zum 10. April d. J.
1608 80
60
Herrn Adolf Trier
(6677
bei mir anmelden zu wollen.
Summe der Einnahmen 8302 M. 61 Pfg.
Staedel, Rechtsanwalt,
*) Anmerkung. In der abgelaufenen Zeit dieſes Jahres gingen weiter an
Eliſabethenſtraße 14.
Geſchenken uſw. für die Stiftung ein und gelangen in der Rechnung für 1910 zur

Nachweiſung:
10 Mk.
Geſchenk von Frau Hofrat Edward

einer Ungenannten zum 23. März 1910

durch
Frau
Dr. Maurer

An Unterſtützungen
Verwaltungskoſten
ausgeliehene Kapitalien

Die Ausgaben:,
4079 Mk. 54 Pfg.
226 87
,
1449 64

50 , 20 , 60 , 100 200 ,

5756 Mk. 05 Pfg.

Verglichen erſcheint Reſt 3 236 Mk. 56 Pfg=
Das Kapitalvermögen beträgt 77659 Mk. 45 Pfg.
Darmſtadt, den 23. März 1910.

(6662
Für den Vorſtand und den Verwaltungsrat:
Frau Dr. Maurer.
Dr. Glässing.
Mamer Fräblahes Tardte und Podlenmaſt 10.
Am Donnerstag, den 21. April, vormittags, findet im
Gebiete des ſtädt. Viehhofes der Frühjahrs-Pferde- und
Kötzner, perſönlich haftende Geſellſchafter) Fohlenmarkt, verbunden mit einer Ausſtellung von Wagen,
1910, nachmittags 1 Uhr, das Konkursver=Geſchirren, Stallutenſilien, landw. Maſchinen und Geräten, Prä=
miierung
des Pferdematerials, ſowie großes Preis=Reiten und
=Fahren ſtatt.
Marktprogramm nebſt Prämiierungsplan ſind durch die Schlacht= und Viehhof=
Verwaltung Mainz zu beziehen, welche auch für Ausſtellung, ſowie zur Reſervierung
n Darmſtadt wird zum Konkursverwalter von Stallungen und Prämiierung ꝛc. Anmeldungen entgegennimmt und weitere Aus=
künfte
erteilt.
Die mit dem Markte verbundene Verloſung findet am 23. April ſtatt. Der
12. April 1910 bei dem Gerichte an=Generalvertrieb der Loſe à 1 Mark iſt dem Herrn Karl Anger, Mainz, übertragen
Mainz, im März 1910.
(J6691,76
Die Städt. Pferdemarktkommiſſion.
Der Vorſitzende: Berndt.

Nächste Verlosungen:
Metzer Geldlotterie, Ziehung am
4. u. 5. April, per Los Mk. 3.
Nürnberger St. Lorenzkirch= Geld=
lotterie
, Ziehung am 7. u. 8. April,
per Los Mk. 3..
1. Arnſtädter Geld=Lotterie, Ziehung
am 16., 18. u. 19. April per Los Mk. 1.
Frankfurter Wohlfahrts=Lotterie,
Ziehung am 20. u. 21. April, per
Los Mk. 1.,
(5680a
empfiehlt und verſendet Philipp J.
Schmidt, Königl. Preuß. Lotterie=
Einnehmer, Darmstadt, Rheinſtraße 33.

Sarfenkles
Beſſunger gelber . . per Zentner 30 Pfg.
Baſalt blauer.
60
,

Marmor weißer
1.20 Mk.
Marmor=Einfaßſteine p. lfd. Mtr. 1.20
Alte gute Miſtbeeterde. p. Ztr. 1.
Alte abgelagerte Moorerde 1.50
Alter Baulehm für Roſen
und Erdbeeren . .
1.00
VVF
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frei ins Haus
(6665
Gebrüder Wenz
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das Stück, abzugeben
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ſowie alle übrigen Orchester-Instrumente, Gesang, Theorie etc.
Proſpekte ſind koſtenlos in der Thies’ſchen Hofmuſikalienhandlung, Eliſabethen=
ſtraße
, und in dem Inſtitute, Soderſtraße 6, zu haben.
Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen: Wiederbeginn des Unter=
(6672mdfs
Der Direktor: M. Vogel.

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2.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Nummer 72

Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 26. März. B. örſen=
wochenbericht
. Die bevorſtehenden Feiertage mach=
ten
ſich bereits in dieſer Woche durch einen ſehr ſtillen
Geſchäftsgang bemerklich. Nachdem die Londoner und
Pariſer Börſen jetzt bis zum nächſten Dienstag ſchlie=
ßen
, iſt die Abitrage nur auf die Berliner und Wiener
Märkte angewieſen und der Spekulation dadurch enge
Grenzen gezogen. Unſere Börſen bekundeten indes
während den Verkehrstagen eine recht zuverſichtliche
Haltung, beeinflußt durch die Tatſache, daß die Deutſche
Reichsbank, trotz einem ziemlich hohen Geldbedürfnis,
den offiziellen Diskontſatz unverändert, alſo auf 4 Pro=
zent
belaſſen kann. Der Privatdiskonto konnte ſich auf
etwa 3¼ Prozent ermäßigen und dadurch eine weſent=
lich
erſtarkte Geldlage, gegenüber den Auslandsmärk=
ten
, dokumentieren. Ein weiter günſtiges Symptom
zur Feſtigkeit waren die äußerſt befriedigenden Aus=
laſſungen
in der Generalverſammlung der Diskonto=
Geſellſchaft, die über ein weiter entwickeltes Konto=
Korrent=Geſchäft berichtete und für das Jahr 1910 ein
ebenſo normales Gedeihen des allgemeinen Handels
verſpricht. Allerdings wird auch dabei erwähnt,
daß der eingeführte Scheckſtempel nicht ſonderlich den
Scheckverkehr gefördert habe.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend,
lagen deutſche Renten recht feſt, durch die Preſſenotizen
über die angeſtrebten Zwangsinveſtitionen der ſtaat=
lichen
berufsgenoſſenſchaftlichen Verſicherungsanſtalten
in deutſchen Anleihen. Von den ausländiſchen Staats=
ſonds
waren ruſſiſche in guter Frage auf die Beſſerung
der Reſultate der ruſſiſchen Eiſenbahnen. Der günſtige
Abſchluß der Dette Publique blieb auf türkiſche
Werte vorläufig ohne Einfluß. Türkiſche Loſe ſogar
abgeſchwächt auf Spekulations=Realiſationen. Serben
und Bulgaren teilweiſe mehr beachtet, infolge der Für=
ſtenbeſuche
in Konſtantinopel und Petersburg. Am
Bankenmarkt war es ſehr ſtill und vermochte ſelbſt der
Abſchluß der General Mining, der für die deutſche
Bankwelt doch von lebhaftem Intereſſe, kaum größere
Bewegung hervorzurufen.
Von Transportaktien ſind diejenigen der Allge=
meinen
Deutſchen Kleinbahn um 2 Prozent höher; ſonſt
kaum nennenswerte Veränderungen. An der New=
Yorker Börſe iſt die Unternehmungsluſt ebenfalls ver=
mindert
, da die Wolke der Truſt=Prozeſſe immer noch
ziemlich ſchwer über Wall=Street (Hauptſitz der Han=
delswelt
) hängt. Die Entſcheidung in der Angelegenheit
des Tabaktruſtprozeſſes iſt bis zum Augenblick noch
nicht gefallen; ebenſo befürchtet man dort eine Geld=
verteuerung
. Auf dem Montangebiet war die Haltung
nicht einheitlich, aber im ganzen doch ſchließlich etwas
feſter; ſelbſt Deutſch=Luxemburger ſind erholt, da die
Kapitalserhöhung ſich nur auf 15 Millionen Mark be=
ſchränkt
, während man ſich ſchon auf 22 Millionen Mk.
gefaßt gemacht hatte. Die Dividendeloſigkeit der Ober=
ſchleſiſchen
Eiſen=Geſellſchaft (Caro=Hegenſcheidt) be=
wirkte
für die Aktien einen Rückgang bis 99 Prozent.
Kohlenwerte waren hingegen beſſer beachtet; man
wollte unter anderem Anzeichen für eine Befferung der

Lage des Koksmarktes erblicken. Ferner hat der Be=
ſchluß
=des Kohlenſyndikats, die Ausfuhrvergütung aus
Halbzeug und Fertigfabrikaten aufzuheben, ſtimulie=
rende
Wirkung gehabt.
Regeres Intereſſe beſtand wieder auf dem Kaſſa=
induſtriemarkte
, beſonders für Chemiſche Aktien, auf
die Mitteilungen über ein neues Verfahren zur Ge=
winnung
von Ammoniak. Auch Kunſtſeide, Aluminium
und einzelne Zementaktien ſchließen höher; niedriger
bingegen ſind Holzverkohlung, bis 210¾, da die Divi=
dendeerwartung
von 12 Prozent nicht eintrifft, ſondern
11 Prozent in Ausſicht ſtehen.
Von Kolonialwerten waren Anteile der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft für Südweſtafrika bis etwa 1425
erholt; ſonſt notieren nominell Territorries 14/6, South
Caſt African 10/3, Colmanskop 71/2, South Weſt Afrika
185,75, Otavi 225 und Deutſch=Oſtafrikaniſche Geſell=
ſchaft
124.
Kaliaktien konnten ſich befeſtigen, trotzdem Herr
Müller (Fulda) die von der Börſe gehegten Hoffnun=
gen
auf eine Zurückziehung des Zentrumsantrages in
der Kalikommiſſion durch ein Dementi zunichte gemacht
hat. Zu erwähnen iſt auch die Mattigkeit der Perua=
ner
in London, bis 11½ und 38½, auf die Verſchärfung
des Konflikts mit Chile, was ſich für chileniſche Werte
durch Nachgeben des Wechſelkurſes für London zeigte.
Von Loſen notieren: Augsburger 40.65, Braun=
ſchweiger
216.00. Finnländer 192.00, Freiburger 58.00,
Meininger 39.50, Pappenheimer 76.00, Ungariſche 384.00,
Genua 246B, Mailänder 45 Fr.=L. 145.50, Mailänder
10 Fr.=L. 31.75, Türkiſche 179.00, Venediger 42.00, in
Reichsmark; Gothaer Präm. I 139.10, Gothaer Präm. II
117.25, Donau=Regulierung 143.50, Madrider 77.90, in
Prozent; ferner ſchließen: 4proz. 1918er Reichsanleihe
102.10, 3½proz. Reichsanl. 93.50, 3proz. Reichsanl. 84.75.
4proz. Heſſen von 1899 100.70, 4proz. Heſſen von 1906
101.00, 4proz. Heſſen von 1908 101.60 G, 4proz. Heſſen
von 1909 101.60 G, 3½proz. Heſſen 92.20, 3proz. Heſſen
81.40, 4proz. Darmſtädter 101.30, 3½proz. Darmſtädter
92 G, Darmſtädter Bank 136.20, Süddeutſche Eiſenbahn=
Geſellſchaft 123.40, Balt. and Ohiv 111.75, 4proz. Heſſ.
Landes=Hypotheken=Pfdbr. (Serie 1820) 101.60 G,
2½proz. Heſſ. Landes=Hyp.=Pfdbr. (Serie 911) 92.80 G,
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfandbriefe (S. 1012) 101.60 G,
3½proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr. (S. 13) 93.40 G, 3½proz.
Heſſ. Kom.=Pfdbr. (Serie 4) 92.80 G, 4½proz. Ruſſen
100.25, 4proz. Ruſſen (1902er) 90.95, 3/uproz. Ruſſen
87.50, 3½proz. Ruſſen 85.40, 3proz. Ruſſen 78.40, 4 ½=
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Nummer 72.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Seite 15.



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[ ][  ][ ]

Nummer 72.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Seite 5.

warze. Die Beſtimmungen über die feldgrauen Uni=
rmen
der Muſikmeiſter und Unterärzte ergehen be=
nders
.
* Berlin, 26. März, Der Reichsanzeiger ver=
Fentlicht einen Erlaß des Kaiſers, wonach den Teil=
hmern
der folgenden militäriſchen Unter=
ehmungen
in Südweſtafrika 1908 als
riegsjahr anzurechnen iſt: das Patrouillengefecht
i Geinab vom 27. Auguſt 1908, die Unternehmungen
1d Zuſammenſtöße vom 18. bis 26. Dezember 1908 beim
infall der Hottentottenbande unter Abraham Rolfs in
rs Schutzgebiet.

Luftſchiffahrt.
* Hamburg, 26. März. Für die Zeppelin=
alle
in Hamburg wurden bisher rund 650000
kark gezeichnet.
* Dresden, 28. März. Bei dem vom Sächſiſchen
erein für Luftſchiffahrt veranſtalteten Ballon=
ettfliegen
, das geſtern in Reick bei Dresden
attfand, ſtiegen 26 Ballons auf, von denen ſich 10 an
r Ballonfuchsjagt und 16 an der Weitfahrt beteilig=
n
. Der Fuchsballon Dresden, Führer Lenert, lan=
ete
zu vorſchriftsmäßiger Zeit in Albersdorf bei
öhmiſch=Leipa. Ihm zunächſt, 390 Meter entfernt
ndete der Ballon Sachſen, Führer Roſtosky vom
hemnitzer Verein, er gewann damit den Preis des
niglichen Kriegsminiſterium. Den zweiten Preis
hielt der Ballon Stuttgart vom Württembergiſchen
erein, den dritten der Ballon Bitterfeld vom Bitter=
Ider Verein; den vierten Preis Ballon Hewald vom
erliner Verein. Der König hat einen Preis für die
ieger der Weitfahrt, Klaſſe 5, geſtiftet, deren Ergeb=
iſſe
noch nicht vorliegen. Dem Aufſtieg wohnten der
önig und die Mitglieder der königlichen Familie
wie ein nach Tauſenden zählendes Publikum bei.
Paris, 26. März. Bei Pont à Mouſſon ging ein
Fallon nieder, in deſſen Korb ſich 4 deutſche Luft=
chiffer
, ein Hauptmann Schuler von der Unteroffizier=
hule
in Jülich und drei Kaufleute befanden. Sie wur=
en
von dem Polizeikommiſſar in Pagny=ſur=Moſelle einem
ingeren Verhör unterzogen, während indeſſen die vor dem
ommiſſariat angeſammelte Menge eine gegen die Luft=
hiffer
gerichtete feindſelige Kundgebung veranſtaltete
rach einer vom Miniſterium des Innern eingetroffenen
Seiſung wurden die Luftſchiffer um zwei Uhr nachts frei=
elaſſen
und begaben ſich mit dem erſten Zuge nach Metz

* Frankfurt, 28. März. Im Rugby=Match
wiſchen Frankfurt und London ſiegte am erſten
lage Old Alleynians=Fußballklub London
rit 5:3 über den Fußballklub Frankfurt 1880. Das

Sport.
B. Fußball. In dem geſtern zwiſchen den erſten
Nannſchaften des F.=K. Germania‟=Pfungſtadt und
es Darmſtädter Sportklubs 1905 auf dem Sportplatze
n der Windmühle ausgefochtenen Proteſt=Wettſpiel um
ie Meiſterſchaft des Mittelrhein=Gaues Klaſſe B
egte Darmſtädter Sportklub 1905 mit 4:0. Stand
ei Halbzeit 2:0.
ketourſpiel am zweiten Tage blieb mit 0:0 unent=
chieden
.
Das Frankfurter April=Meeting ver=
angt
Dienstag, den 29. März, das Intereſſe der Ställe,
a für 14 Rennen die Nennungen abzugeben und für das
Sohannisberg=Jagd=Rennen, ſowie das Zinneberg= Jagd=
ennen
die Gewichtsannahme zu erklären iſt. Für die
Frankfurter Frühjahrs=Rennen, die jetzt ſechs Tage um=
aſſen
und mit insgeſamt 147000 Mk. Geldpreiſen dotiert
ind, haben bereits wieder Ehrenpreiſe zugeſichert: Seine
Najeſtät der Kaiſer und König für das Kaiſerpreis=Jagd=
Kennen, Frau Emma Mumm von Schwarzenſtein für das
Johannisberg=Jagd=Rennen, Frau Karl von Weinberg
ür das Waldfried=Jagd=Rennen, Frau C. von Lang=
Buchhof für das Puchhof=Jagd=Rennen, Frau A. von
Schmieder für den Preis von Steinach, Frau Artur von
Weinberg für das Wilhelminen=Jagd=Rennen und Herr
Stadtrat A. von Metzler für den Präſidentenpreis. Das
Programm des Juni=Meetings vom 29. Mai bis 5. Juni
ſt mit Rückſicht auf die in Frankfurt a. M. ſtattfindende
Sportausſtellung um einen Tag (Donnerstag, den 2. Juni)
rweitert. An dieſem Tage wird das mit 20000 Mk.
dotierte Internationale Ausſtellungs=Jagd=Rennen ge=
aufen
.
Rg. Bei den Berliner Ringkämpfen
fegte im Zirkus Sarraſani, wo jetzt die Endkämpfe
hren Anfang genommen haben, Van den Berg= Hol=
and
über Reykowich=Koſak in 19:00 und Koch= Deutſch=
and
über Cazeaux=Frankreich in 38 Min., während
oſſarteſſe=Frankreich und Paradanoff=Rußland 20 Min.
nentſchieden rangen. Im Palaſt=Theater warf
Hermann=Berlin den Türken Ali=Oglu nach 13:42 und
Maſſetti=Italien triumphierte über Clemont d’Angers=
Frankreich. Pohl=Deutſchland und Zipps= Amerika=
angen
30 Minuten unentſchieden.
Lt. Im internationalen Lawn= Ten=
is
=Turnier zu Cannes wurden die Spiele
durch das andauernd ſchöne Wetter ſtark gefördert. Die
Hebrüder Kleinſchroth=München errangen am letztin
Tage bemerkenswerte Erfolge. Sie ſchlugen im Herren=
Doppelſpiel um die Meiſterſchaft von Cannes War=
durg
=Nettleton 26, 63, 61, nachdem ſie vorher
Zambaux=Gault 75, 810, 64 abgefertigt hatten.
S. Kleinſchroth ſchlug ferner Fr. Boelling=Frankfurt
r. M. im Herren=Einzelſpiel 62, 63, unterlag dann
aber gegen den Verteidiger der Herren=Meiſterſchaft
Im Damen=Einzelſpiel ſiegte in
Ritchie 16, 06.
der zweiten Runde Mrs. Winch über Mrs. Nutcombe=
Quicke 63, 86.
Der Ausbrnch des Aetna.
* Katania, 25. März. Die Hauptausfluß=
ſtelle
der Lava befindet ſich am Fuße des Monte Ca=
ftellazzo
, ungefähr fünf Kilometer vom Zentrum entfernt.
Der Lavaſtrom, der hundert Meter bis ein Kilometer
Hreit iſt, hat heute jede ſieben Minuten ungefähr 4½ Meter
Zurückgelegt und iſt noch drei Kilometer von Borello ent=
Fernt. Die Lava iſt ſo heiß, daß man ſich ihr höchſtens auf
40 Meter nähern kann. Von dem Präfekten ſind Wagen
nach Borello geſandt worden, um den Wegzug der Ein=
wohner
zu erleichtern. Eine unmittelbare Gefahr beſteht
Für die bewohnten Teile des betroffenen Gebiets nicht,
* Katania, 25. März. Die Lava hat die Um=
gegend
von Galvagna, drei Kilometer ſüdlich vom
Monte Leo erreicht und nähert ſich dem Orte Palaz
Sello, der vier Kilometer von Borello entfernt liegt
Ein Arm ſchiebt ſich über die Lava des Ausbruches vom
Jahre 1892 in der Richtung auf Nicoleſi vor; die beiden
Ströme zerſtören auf ihrem Wege alle Kaſtanien= und
Apfelbaumkulturen. Der Hauptarm, der aus dem Krater
von Albanello hervorbricht, gleitet auf der Straße von
Nicoleſi nach Velpaſſo in einer Breite us A Deten

zu. Ununterbrochen vernimmt man ſtarkes Grollen. Der
Präfekt und der Erzbiſchof ſind nach den von dem Aus=
bruch
bedrohten Orten gereiſt.
* Katania, 26. März. In der letzten Nacht ver=
ringerte
ſich die Tätigkeit des Aetna, es macht
ſich nur noch ein ſchwaches unterirdiſches Grollen be=
merkbar
. Die Lava iſt noch immer in Bewegung und
ſchreitet jetzt mit einer Geſchwindigkeit von nicht
weniger als einem Meter in der Minute fort. Der
Lavaſtrom, der weiter vorgedrungen iſt als der im
Jahre 1892, bewegt ſich langſam auf Montenocilla zu.
Ein anderer Lavaſtrom ſchlägt die Richtung nach der
Ebene von Liſi ein. Die auf San Leo zuſtrömenden
Lavamaſſen ſind ſtärker geworden. Die Seismographen
verzeichneten in der verfloſſenen Nacht eine ſehr fühl=
bare
Erderſchütterung.
* Katania, 26. März. Der Lavaſtrom
nimmt ſichtlich an Ausdehnung und Schnel=
ligkeit
ab. Während er ſich heute morgen noch mit
einer Schnelligkeit von 10 Metern in der Stunde vor=
wärts
bewegte, iſt dieſe heute abend auf 4 Meter ge=
ſunken
. Die Gefahr für die Ortſchaften Borello,
Belpaſſo und Nicoloſi ſcheint beſeitigt. Nachts
bietet der Vulkan ein impoſantes Schauſpiel. Ein
Feuerſtrom von 10 Kilometern Länge gleitet rotglühend
den Abhang hinab, während gleichzeitig ſtarke Entla=
dungen
die Vorſtellung einer heftigen Kanonade er=
wecken
. Ans Taormina, Palermo und Syracus ſind
zahlreiche Fremde herbeigeeilt, um das Schauſpiel zu
betrachten. Der Aufſtieg iſt aber ſchwierig und gefähr=
lich
, zumal auch Regengüſſe, Schneegeſtöber und Hagel=
ſchauer
niedergehen.
* Katania, 28. März. Der Ausbruch des
Aetna nimmt wieder größeren Umfang an. Ein Lava=
ſtrom
bewegt ſich in der Richtung auf Fradiavolo, ein an=
derer
gegen Montefuſara.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des=
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
In der Mittwoch=Nummer Ihres geſchätzten Blat=
tes
fordert man zum Wegfang der Katzen auf, um die
Brut unſerer Singvögel vor dieſen Räubern zu ſchützen.
In der unteren Martinſtraße gibt es diesmal ohnehin
keine Brut. Ein Schütze der in der Nähe ſein Weſen
treibt, hat dafür geſorgt, daß man dort kaum noch den
Amſelſchlag hört, trotzdem die Tierchen zahlreich den
Winter überdauert haben. Auf den Vorhalt von der Schäd=
lichkeit
der Amſel iſt der Einſender gefaßt. Die Knallerei
vertreibt aber auch die anderen Sänger, und muß ſich
denn der Menſch dieſe Schießübungen in unmittelbarer
Nähe der Häuſer gefallen laſſen?
W.

Die Holbeinſche Madonna, deren Beſitz Darmſtadt
einem glücklichen Zufall verdankt, ſollte nicht nur zweimal
wöchentlich zu ſehen ſein. Man räume ihr einen Ehren=
platz
in unſerem herrlichen Landesmuſeum ein und zeige
ſie täglich. Auch Fremden, die oftmals unbefriedigten
Wunſches wieder abreiſen, käme das zugute; nicht zuletzt
der Stadt ſelbſt, die ſich über allzu großen Fremdenan=
civis
.
drang wahrlich nicht zu beklagen hat.

Literariſches.
Das ſoeben erſchienene Aprilheft der De=
korativen
Kunſt (Teilheft der Kunſt F. Bruck=
mann
, München) bringt eine eingehende Würdigung
von Emil Preetorius. Die zahlreichen, vorzüglich
gewählten und reproduzierten Abbildungen (darunter
2 Mattkunſtdruckblätter) geben Beiſpiele von allen Arten
des Schaffens des Künſtlers: Karikaturen, Buch= Illu=
ſtrationen
, Plakate, Exlibris uſw. Die begleitende groß
angelegte Abhandlung: Ueber Zeichnung als Ausdruck
der Zeit iſt von Karl Wolfskehl verfaßt.

Darmſtadt, 29. März.
* Militärdienſtnachrichten. Braulke ( Halber=
ſtadt
), Vizefeldwebel des Leibgarde=Inf.=Regts. 1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115, zum Lt. der Reſ., Winter (II Köln),
Lt. der Reſ. des Großh. Heſſ. Train=Bats. Nr. 18, zum
Oberlt., Wille (Hildesheim), Vizefeldwebel des Leib=
garde
=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, zum Lt. der
Reſ., die Oberlts, der Reſ. Busſe (I Darmſtadt) des
9. Bad. Inf.=Regts. Nr. 170, Gilmer (Erbach) des
3. Lothring. Feldart.=Regts. Nr. 69 zu Hauptleuten, die
Lts. der Reſ. Bracklow (Worms) des Inf.=Regts.
Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, Werner (Worms)
des 2 Großh. Heſſ. Feldart=Regts. Nr. 61 zu Oberlts.,
die Vizefeldwebel Faber (Gießen) des Inf.=Regts.
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, Seiler
(I Darmſtadt) des Inf.=Leib=Regts. Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Landsberg (I Darmſtadt
des 5. Großh. Inf.=Regts. Nr. 168 zu Lts. der Reſ. be=
fördert
. Eſſelborn (I Darmſtadt), Lt. der Reſ. des
Großh. Heſſ. Train=Bats. Nr. 18, der Abſchied bewilligt.
Todesfall. Am Karfreitag ſtarb nach langem,
ſchweren Leiden in Genua der Generalmajor und
Kommandeur der 30. Kavallerie=Brigade Frhr. von
Waldenfels. Der Tod des früheren Kommandeurs
des Heſſiſchen Leibdragoner=Regiments, welche Stellung
der jetzt Verſtorbene in den Jahren 19011906 innehatte,
erweckt in den weiteſten Kreiſen unſerer Stadt aufrichtige
Teilnahme. Die Beerdigung findet am Mittwoch in
Darmſtadt ſtatt.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korrefp.=Burean.)
* Alsfeld, 26. März. Amtlich. Der Bedarfs=
güterzug
6703 iſt bei der Durchfahrt im Bahnhofe Als=
feld
heute früh um 5 Uhr auf den auf Gleis I halten=
den
Güterzug 7063 aufgefahren. 18 Wagen ſind ent=
gleiſt
; 10 derſelben wurden zertrümmert. Die Loko=
motive
des Bedarfsgüterzuges iſt leicht beſchädigt, das
Lokomotivperſonal leicht verletzt. Der Materialſchaden
iſt erheblich. Gleis I iſt vorausſichtlich vor 8 Uhr nach=
mittags
nicht befahrbar; der Betrieb iſt ungeſtört, da
anſtelle von Gleis I Gleis III benutzt wird. Unfall=
Urſache: Der Bedarfsgüterzug mußte zum Ueberholen
anſtelle Gleis I Gleis III benutzen. Der Fahrdienſt=
leiter
hatte für ihn auch die Ausfahrt für dieſes Gleis,
dann aber verſehentlich die Einfahrt in Gleis I frei=
gegeben
.
* Berlin, 26. März. Profeſſor Adolf Wagner
wurde von der theologiſchen Fakultät der Friedrich
Wilhelm=Univerſität zum Ehrendoktor ernannt.
* Berlin, 26. März. Aus dem Zuge iſt geſtern ein
ruſſiſcher Kaufmann namens Samuel Schmidt geſtürzt
der hier ſeine Tochter ſuchen wollte. Man fand ihn auf
dem Ferngeleiſe an der Station Zoologiſcher Garten mit
abgefahrenen Füßen und ſchweren Kopfverletzungen. Ver=
mutlich
iſt er von der Plattform des Wagens gefallen, mit

dem er aus Poſen gekommen war. Schmidt liegt hoff=
nungslos
im Krankenhauſe.
* Berlin, 26. März. Am Virchow=Denkmal iſt heute
früh ein Arbeiter von einem Gerüſt, wo er um Arbeit nach=
gefragt
hatte, abgeſtürzt; er blieb mit ſchweren Kopf=
verletzungen
und einer Gehirnerſchütterung liegen. Der
Arbeiter wurde nach der Charité gebracht.
Frankfurt, 27. März. Rabbiner Dr. Markus
Horovitz iſt heute geſtorben.
* Frankfurt, 28. März. Heute nachmittag ½3 Uhr
brach auf dem Gute Frauenhof in Niederrad
Feuer aus. Die Scheuer und der Stall wurden voll=
ſtändig
eingeäſchert, das Vieh jedoch gerettet. Den
vereinigten drei Feuerwehren von Frankfurt gelang
es gegen 5 Uhr, den Brand auf ſeinen Herd zu
beſchränken.
** Bremen, 28. März. Der Schnelldampfer Kron=
prinzeſſin
Cecilie des Norddeutſchen Lloyd,
welcher von einer Reiſe von New=York am 28. März
um 4 Uhr 45 vormittags in Plymouth eintraf, erzielte
auf dieſer Reiſe eine Geſamtdurchſchnittsgeſchwindig=
keit
von 23,58 Seemeilen, womit derſelbe ſeinen bis=
herigen
Rekord von 23,50 Seemeilen ſchlug.
* Mäté Szalka (Oeſterr.=Ung.), 28. März. In der Ge=
meinde
Oekoerito brach in einer als Ballſaal benutzten
Wagenremiſe des Gaſthofes Feuer aus. Mehrere hun=
dert
Perſonen traten einander beim Flüchten nieder. Die
niederſtürzende glühende Decke begrub mehrere hundert
Perſonen unter ſich. 250 Perſonen wurden ge=
tötet
, mehrere hundert wurden verletzt.
* Rom, 25. März. Der Reichskanzler wohnte
heute vormittag dem Gottesdienſte in der proteſtan=
tiſchen
Kapelle bei und nahm dann verſchiedene Sehens=
würdigkeiten
in Augenſchein. Nachmittags machte der
Reichskanzler einen Ausflug nach Frascati. Heute
abend gab ihm zu Ehren Fürſt Bülow in Villa Malta
ein Bankett.
* Rom, 28. März. Geſtern abend fand zu Ehren des
Reichskanzlers großer Empfang beim Botſchaf=
ter
v. Jagow ſtatt. Unter den Anweſenden befanden ſich
der Miniſterpräſident Sonnino, die Miniſter Guicciardini,
Spingardi, Luzatti, Salandra, ferner Giolitti, Tittoni, der
Botſchafter Panſa, der Generaladjutant des Königs Bru=
ſati
, der Miniſter des königlichen Hauſes Mattioli, die
meiſten Botſchafter und Geſandten, ſowie zahlreiche poli=
tiſche
Perſönlichkeiten der Hofſtaaten.
* Rom, 28. März. Der Reichskanzler iſt um
2½ Uhr nachmittags nach Florenz abgereiſt. Am
Bahnhof befanden ſich Botſchafter v. Jagow, die Ge=
ſandten
Dr. v. Mühlberg, Freiherr von und zu der Tann=
Rathſamhauſen und Freiherr Ritter zu Grünſtein, die
Mitglieder der Miſſionen, Konſul Schnitzler, Oberzere=
monienmeiſter
Graf Gianotti, Miniſterpräſident Sonnino
und Miniſter Guicciardini.
* Manila, 28. März. Auf dem amerikaniſchen
Kreuzer Charleſton iſt bei einer Schießübung
ein Geſchütz zerſprungen. Acht Mann wurden
getötet.
* Paris, 26. März. Im Senat ſtellte bei der
heutigen Beratung des Budgets der Berichterſtatter
Guthier feſt, daß der Reichtum und die Rührigkeit
Frankreichs offenſichtlich in der Zunahme begriffen
ſeien. Die franzöſiſche Rente habe an der Börſe den
gleichen Kursſtand wie die engliſche Rente erreicht.
Die Staatsſchuld Frankreichs wachſe weniger ſchnell
als die der Nachbarländer, indeſſen würden in der
Zukunft an Frankreich große Anſprüche
geſtellt werden. Die Landesverteidigunge und
die ſoziale Geſetzgebung würden in den kommenden
Jahren erhöhte Ausgaben erfordern. Frankreich ſei
wohl in der Lage, dieſe Laſten auf ſich zu nehmen, aber
nur unter der Bedingung, daß man mit möglichſter
Sparſamkeit wirtſchafte und die Einnahmen auf der
gleichen Höhe wie die Ausgaben halte, damit der Kre=
dit
Frankreichs keine Einbuße erleide. Finanzminiſter
Cochery führte aus, daß die Vermehrung der Aus=
gaben
in den letzten Jahren auf die ſoziale Geſetz=
gebung
, die militäriſchen Aufwendungen und auf die
Koſten für den öffentlichen Unterricht zurückzuführen
ſei. Insgeſamt ergebe ſich in den letzten vier Finanz=
jahren
ein wirkliches Defizit von nur 31 Millionen
Francs. Der Miniſter erklärte, er ſei bemüht geweſen,
ein ehrliches Budget einzubringen, das nur durch
Obligationen im Betrage von 151 Millionen Francs
ausgeglichen werden konnte, aber unter dieſer Ziffer
befänden ſich 80 Millionen, die von der verſpäteten An=
wendung
der neuen Steuern herrührten. Trotz aller
Ausgaben ſei die finanzielle Lage Frankreichs gut ge=
blieben
. Der öffentliche Kredit ſei ſtärker denn je.
Frankreich ſei heute der Bankier der
ganzen Welt. Darauf wurde die Generaldiskuſ=
ſion
geſchloſſen. Der Etat des Miniſteriums des Aeu=
ßern
und des Finanzminiſteriums wurden ange=
nommen
.
* Paris, 28. März. In der Sorbonne fand heute
die Eröffnung der 53. Seſſion des Inſtituts für
internationales Recht ſtatt. Juſtizminiſter
Barthou, der den Vorſitz führte, wies in einer Rede
auf die Bedeutung des Inſtituts hin, deſſen hauptſäch=
liche
Aufgabe es ſei, die Ideen der Gerechtigkeit unter
den Nationen vorzubereiten und zu verbreiten, ſowie
eine gemeinſame Aktion der Regierungen durch Liefe=
rung
ſorgfältig ausgearbeiteter Texte an die Diplv=
maten
einzuleiten und zu beſchleunigen.
* Stockholm, 28. März. Die Kronprinzeſſin
wurde heute morgen von einer Tochter entbun=
den
. Das Befinden Beider iſt gut. Die Tochter erhält
die Namen Ingrid Viktoria Sophia Luiſe Margareta.
* Petersburg, 26. März. Die Petersburger Telegra=
phen
=Agentur veröffentlicht folgendes Communiqué:
Der Empfang, der dem König von Serbien in
Rußland bereitet worden iſt, iſt ein Beweis für die Feſtig=
keit
der traditionellen Beziehungen der bei=
den
Staaten, die ebenſo durch den Glauben und die
Herkunft der Völker wie durch gemeinſame hiſtoriſche Er=
innerungen
einander ſo naheſtehen. Im Verlauf der Un=
terredungen
des ruſſiſchen und des ſerbiſchen Miniſters
des Aeußern wurden verſchiedene, beide Regierungen
intereſſierende Fragen beſprochen. Es iſt feſtgeſtellt wor=
den
, daß man auf beiden Seiten der Erhaltung des Frie=
dens
und der Ordnung in den Balkanländern beſondere
Wichtigkeit beimißt. Nach der Meinung der ſerbiſchen Re=
gierung
wird eine friedlche und freie Entwickelung des un=
abhängigen
Serbien unter den anderen Balkanſtaaten eine
wertvolle Stütze in der Befeſtigung der guten Beziehungen
zur Türkei finden. Zugleich ſetzt die ſerbiſche Regierung
alle Kräfte an die Erhaltung der entſprechenden Bezieh=
ungen
zu Bulgarien und ſeinen anderen Nachbarſtaaten.
Die ruſſiſche Regierung, die aufrichtig mit dieſen Beſtre=
bungen
ſympathiſiert, wird Serbien ebenſo wie bisher
ihre moraliſche und tatſächliche Unterſtützung auf dieſem
Wege leihen. So wird die Ankunft des Königs Peter in
Petersburg der allgemeinen politiſchen Lage ein neues
Element des Friedens und der Eintracht hinzugefügt
haben.
*

[ ][  ][ ]

Seite 62

Darmſtädter Tagblatt, Dieustag, den 29.Märze1910.

2 Konſtautinopel, B. Marz. Ueder den Be=
ſuch
des Königs der Bulgaren wird ein
Cömmunique ausgegeben, in dem geſagt wird: Der
Beſuch konnte nur die beſten Folgen auf die Vertief=
ung
der türkiſch=bulgariſchen Beziehungen ausüben.
Die Zuſammenkünfte der Monarchen und der unmit=
telbare
Verkehr der beiderſeitigen Staatsmänner zei=
tigten
ansgezeichnete Ergebniſſe und ließen bei den
Beteiligten die Anſicht ſich feſtigen, daß eine Politik
der Eintracht und der Freundſchaft um ſo glücklichere
Ergebniſſe zeitigen werde, als ſchon die geographiſche
Lage ſie notwendig mache. Die Staatsmänner benutz=
ten
natürlich die Gelegenheit, um gewiſſe, beiderſei=
tige
, vorwiegend wirtſchaftliche Intereſſen berührende
Fragen zu beraten. Außerdem wird in dem Commu=
nique
konſtatiert, daß die beiden Staaten weit davon
entfernt ſeien, eine aggreſſive Politik zu verfolgen,
und aufrichtig durchdrungen ſind von den Vorteilen,
die ihnen freundſchaftliche und gute nachbarliche Be=
ziehungen
ſichern.
* Waſhington, 26. März. Der Präſident erließ eine
weitere Proklamation, durch die den Erzeugniſſen
aller deutſchen Kolonien und der Schutzge=
biete
der amerikaniſche Minimaltarif eingeräumt wird.
* Chicago, 26. März. Durch eine Benzinexploſion im
oberſten Stockwerke eines vierſtöckigen Warenhauſes ent=
ſtand
Großfeuer, welches das Warenhaus vollſtändig
zerſtörte. Zwölf Menſchen ſollen getötet wor=
den
ſein. Ein junges Mädchen, das aus der dritten Etage
auf die Straße ſprang, wurde ſchwer verletzt und ſtarb im
Krankenhauſe.
* Kairo, 26. März. Der Khedive gab heute abend
zu Ehren des Prinzen und der Prinzeſſin Eitel Fried=
rich
ein Feſtmahl.
* Teheran, 28. März. Der Juſtizminiſter,
der Finanzminiſter und die Miniſter für
öffentliche Arbeiten und des Unter=
richts
zogen ihr Abſchiedsgeſuch zurück. Das
Kabinett bleibt unverändert. Die Intriguen gegen
den Sepehdar, dem ruſſophile Geſinnung vorgeworfen
wird, ſind im Zunehmen begriffen.
Briefkaſten.
H. Die eingeſchriebene Freie Hilfskaſſe und die von
ihr gegründeten Zweiganſtalten bedürfen zu ihrer Ent=
ſtehung
nur der im Geſetz vom 7. 4. 1876/1. 6. 1884
vorgeſehenen Borausſetzungen. Eine polizeiliche Anmel=
dung
iſt nicht erforderlich. Ein Gewerbspatent ebenſo=
wenig
. Zuſtändig iſt das Kreisamt und der Kreisaus=
ſchuß
. Hierhin müſſen Sie ſich wenden.
J.

Ein täglicher Begleiter.
Nicht nur bei Husten und Katarrh als Folge der
schlimmen Herbst- und Winterwitterung schätzen
Tausende in den berühmten Wybert-Tabletten ein
vorzügliches Linderungsmittel, das wie kein anderes
geeignet ist, als wahres Hausmittel zu dienen. Beinahe
noch grösser ist die Zahl derjenigen Personen, bei
welchen Wybert-Tabletten im täglichen Gebrauch
stehen als ausserordentlich angenehme Bonbon, das
bei anhaltendem Sprechen den Mund feucht erhält,
das beim Singen der Stimme Wohlklang und Kraft
verleiht, kurz das Unzähligen von Menschen zum un-
entbehrlichen
täglichen Begleiter und Beschützer ge-
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Wilhelminenstrasse 11.
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Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr: Der Graf von
Luxemburg‟.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Hauptverſammlung des Odenwaldklubs um 9 Uhr
im Kaiſerſaal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hefbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeßel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Ostern 1910.
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Nummer V

Danksaaung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem
schweren Verlust meines lieben Gatten, unseres treuen Vaters
des Grossh. Landgerichtspräsidenten
Wilhelm Herzberger
sagen innigen Dank
(6680
die trauernden Hinterbliebenen.

Darmstadt, den 25. März 1910.

Todes-Anzeige.

Am 1. Oſterfeiertage, abends 11 Uhr, ent=
ſchlief
ſanft nach kurzem, ſchweren Leiden, mein
treuer Gatte, unſer lieber Vater, Bruder, Schwa=
ger
, Schwiegervater und Großvater
(6725
12
Carl Moll,
Kohlenhändler,
im 57. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Doſſenheim a. d. B., Hamburg.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. März,
nachmittags 2½ Uhr, vom Trauerhauſe, Kies
bergſtraße 1, aus auf dem Beſſunger Friedhofe
ſtatt.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Am 28. ds. Mts., nachmittags 2½ Uhr, ver=
ſchied
nach langem, ſchwerem Leiden unſere
innigſtgeliebte Mutter und Großmutter
Katharina Schneider
geb. Rothermel
Witwe des Monteurs i. N. Gottlieb Schneider.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Mittwoch vormittag
11 Uhr vom Portal des Friedhofs aus ſtatt.
Kondolenzbeſuche, ſowie Blumenſpenden dan=
(6719
kend verbeten.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen innigſtgeliebten Gatten, unſeren guten
Vater, Schwiegervater und Großvater (6724
Herrn
Joh. Christian Frank
Kaufmann
heute morgen 4 Uhr nach kurzem, mit großer
Geduld ertragenem Leiden, im 64. Lebensjahre,
zu ſich abzurufen.
Wir bitten um ſtille Teilnahme
Germanie Frank.
Eliſe Brückmann, geb. Frank.
Gottlieb Frank, Finanzaſpirant.
Fritz Brückmann, Großh. Kammermuſiker.
Hans Brückmann.
Luiſe Dörr.
Darmſtadt, den 28. März 1910.
Müllerſtraße 38, I.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. März,
nachmittags 5 Uhr vom Leichenhauſe des
Darmſtädter Friedhofs aus, ſtatt
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 30. März.
Hofreite=Verſteigerung der Eva Diefenbach(
ſtraße 18) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Krämer (?
bergſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Altes Metall= ꝛc. Verſteigerung um 8½
im Wagenhaushofe Eſchollbrückerſtraße 70.
Ledertaſchen=, Altes Eiſen= ꝛc. Verſteiger
um 10 Uhr im Hofe des Hauptpoſtamtes.
Altmaterial= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uh
ſtädtiſchen Gaswerk.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
halle am Woogsplatz.
Patentſchriften=Auslegeſtelle in der Gen
Bibliothek, Neckarſtr. 3. Zeit der Benutzung: an
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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Todes-Anzeige.
Nach langem schwerem Leiden entschlief sanft mein heissge-
liebter
Mann, unser treusorgender Vater und Bruder
(6721
der Generalmajor und Kommandeur der 30. Kavallerie-Brigade
Werner Freiherr von Waldenfels.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Gertrud Freifrau von Waldenfels
geb. Röhll.
Jena, den 24. März 1910.
Beisetzung findet in Darmstadt am Mittwoch den 30. März, vormittags 11½ Uhr, von der
Leichenhalle des städtischen Friedhofes, statt.

Seite 7.

Todes-Anzeige.
Heute mittag 11½ Uhr entſchlief ſanft nach
längerem, ſchwerem, mit großer Geduld ge=
tragenem
Leiden, aus einem arbeitsreichen
Leben, mein innigſtgeliebter Gatte, unſer her=
zensguter
Vater, Großvater, Schwiegervater
(B6709
Bruder und Onkel
Geh. Oberbaurat
Carl Poseiner
im vollendeten 67. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Poseiner, geb. von Homeyer,
Marie Höcker, geb. Poſeiner, Alzey,
Clara Voigt, geb. Poſeiner,
Rudolf Poseiner, Glogau,
Carl Poseiner, Königsberg,
Otto Höcker, Alzey,
Carl Höcker, Alzey
Hermann Voigt.
Darmſtadt, den 26. März 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. März,
vormittags 11 Uhr, ſtatt; die Einſegnung eine
Viertelſtunde zuvor im Trauerhauſe, Martin=
ſtraße
91.

Am 25. März verstarb in Genua nach langem, schweren, mit grösster
Geduld und zähester Energie getragenem Leiden
(6720
der Königliche Generalmajor und Kommandeur der 30. Kavallerie-Brigade
Ritter hoher Orden
Herr
Werner Freiherr von Waldenfels.
Tieferschüttert betrauert das Offizierkorps und das Regiment den früh-
zeitigen
Heimgang seines vielgeliebten und hochverehrten Kommandeurs, der
vom Jahre 1901 bis 1906 an der Spitze des Regiments gestanden hat.
Hervorragende militärische und Charaktereigenschaften zeichneten diesen
verdienstvollen Offizier aus; seinen Untergebenen war er zu jeder Zeit ein
wohlwollender Vorgesetzter und treuer Kamerad, ein leuchtendes Vorbild in
allen soldatischen Tugenden!
Sein Andenken wird von allen, die ihn kannten, stets in hohen Ehren
gehalten werden.
Darmstadt, den 28. März 1910.
Im Namen des Offizierkorps des Leib-Dragoner-Regiments
(2. Grossherzoglich Hessischen) Nr. 24
von Ilsemann
Oberst und Regiments-Kommandeur.
Die Trauerfeier findet am Mittwoch, den 30. ds. Mts., 11.30 vormittags, auf dem Darmstädter
Friedhofe statt.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige)
Am 1. Osterfeiertag starb nach kurzem, schweren Leiden, unser lieber
guter Vater, Schwiegervater und Grossvater
Karl Hess

im 72. Lebensjahre.

Privatier
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Hess,
Anna Dexheimer, geb. Hess,
Albert Dexheimer, Grossh. Hauptsteueramts-Kontrolleur
und 2 Enkel
Darmstadt, Giessen, den 27. März 1910.
(6719
Die Beerdigung findet statt: Dienstag, den 29. März, von der Kapelle des Friedhofs aus.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute entſchlief ſanft nach langem, ſchweren
Leiden unſere liebe Schweſter, Schwägerin und
Tante
Fräulein
Mathilde Stegmayer,
Tochter des Geheimerats und Leibarztes Dr. Ernst
Stegmayer,
in faſt vollendetem 77. Lebensjahre.
(6722
Darmſtadt, den 26. März 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. März,
um 11 Uhr vorm., vom Friedhofsportale aus ſtatt.

ach langem, mit großer Geduld getragenen
Leiden, verſchied geſtern abend 8¾ Uhr unſer
lieber, langjähriger Hausgenoſſe
(6723
Herr Lehrer
Johannes Hartleb
im noch nicht vollendeten 41. Lebensjahre.
Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren.
Familie Ulrich Rhode
Kammermuſiker.
Darmſtadt, 26. März 1910.
Die Einäſcherung findet am 29. März, mittags
1 Uhr in Offenbach ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Am erſten Feiertag, nachmittags 3 Uhr,
entſchlief ſanft nach langem, ſchweren Leiden
unſere liebe Mutter
FranValentin Krämer Witwe.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
M. Opel.
Darmſtadt, Chicago, 27. März 1910.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. März,
nachmittags um 4 Uhr, vom Portale des
Beſſunger Friedhofes aus, ſtatt. (6718

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Tode unſerer lieben Schweſter, Schwägerin
und Tante
(B6711

ſagen herzlichen Dank
Familie Otto.
Darmſtadt, den 29. März 1910.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Nummer 7


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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Natur und Weltſtadt. Der Wettbewerb um Groß=
Berlin. Von den Preisarbeiten. Wie die Zeiten
ſich ändern! Empfang des Vereins der ausländiſchen
Preſſe. Toilettenſchau. Die Internationale
Motorboot= und Motoren=Ausſtellung. Aus dem
Theaterleben.
Durchaus falſch iſt die vielverbreitete Anſicht, daß
die Berliner ſich wenig aus der Natur machen
in dem erhabenen Gefühl ihres Weltſtädtertums, das
auf alles, was jenſeits desſelben liegt, mit ſpöttiſcher
Ueberhebung herabſieht. Man ſuche doch mal die
übervölkerten Quartiere im Norden und Oſten auf,
jene endlos langen, gradlinigen Straßen mit ihren
grauen, eintönigen Häuſerfronten, den hochragenden
Fabrikſchornſteinen, den vielfenſtrigen, ſechsſtöckigen
Stätten haſtender induſtrieller Arbeit, den lärmerfüll=
ten
Höfen zwiſchen kalten, nüchternen Hintergebäuden,
die oft auf einem Grundſtück mehr denn tauſend Be=
wohner
zählen. Wo es nur geht, ſind Blumen in
Töpfen und Gläſern aufgeſtellt, meiſt miekriger Art,
billige Dingelchen, aber liebevoll werden ſie gepflegt
und gehegt, gleich dem kleinen gefiederten Sänger,
irgend einem Waldvögelchen, da es zum Kanarjen=
vogel
ja nicht reichte.
Die Natur zu berückſichtigen, ſie hineinzuziehen
in das gewaltige Häuſermeer Berlins, ſie noch mehr
wie bisher der Einwohnerſchaft zu erſchließen, war ja
eine der Hauptbedingungen des Wettbewerbs
einer geeigneten Geſtaltung Groß= Ber=
lins
, den vor zwei Jahren die Vereinigungen der
Berliner Architekten in enger Verbindung mit den
beteiligten Kommunen erlaſſen. Dieſer Tage ward die
Entſcheidung in jener bedeutſamen Konkurrenz, der
165000 M. an Preiſen zur Verfügung ſtanden, gefällt,
über 20 Entwürfe waren eingegangen, die zur öffent=
lichen
Ausſtellung und Prüfung leider erſt in einigen
Wochen gelangen, da zuvor noch einige Referenten
ihren Bericht erſtatten müſſen; ſelbſt dem Kronprinzen
konnte aus dieſem Grunde ſein Wunſch, die verſchie=
denen
Entwürfe zu beſichtigen, nicht erfüllt werden
So iſt man vorläufig nur auf die Aeußerungen einiger
der Preisgekrönten den zuſammengelegten erſten
und zweiten Preis von je 25000 Mark erhielten Pro=
feſſor
Genzmer, Stadtbaurat Brix und die Hochbahn=
geſellſchaft
einer= wie Architekt Hermann Janſen an=
vererſeits
angewieſen, kann ſich aber doch von den
einzelnen Arbeiten kein rechtes Bild machen, da hierzu
Pläne, Zeichnungen, plaſtiſche Darſtellungen uſw. ge=
hören
. Selbſtverſtändlich darf man nicht annehmen,
daß einer der durch Preiſe ausgezeichneten Entwürfe
nun auch zur Ausführung gelangt, man wollte ja in
Erſter Linie bloß Anregungen erhalten, um eine unge=
fähre
Vorſtellung zu bekommen, was und wie dies
was in der Praxis durchführbar iſt. Alle Bewerber
zogen die vorhandenen Parks, Waldbeſtände und Wie=
ſonflächen
in ihre Ausarbeitungen hinein, planen die
Schaffung eines Wald= und Wieſengürtels um Berlin,
der nach dem Janſenſchen Entwurf durch Alleen, kleine
Parks und Wieſenſtreifen mit dem Stadtinnern ver=
bunden
iſt, ſodaß man nicht erſt ſtundenweit zu fahren
braucht, um in das Grüne zu gelangen. Nicht min=
dere
Berückſichtigung wurde hygieniſchen und Ver=
kehrsfragen
geſchenkt, die in Zukunft noch größere
Wichtigkeit haben werden wie bisher bei der Menſchen=
anhäufung
auf verhältnismäßig kleinem Gebiet; rech=
net
man doch nach den bisherigen ſtatiſtiſchen Erfahr=
ungen
damit, daß Groß=Berlin in zehn Jahren 4½,
in dreißig an 7, um das Jahr 2000 über 10 Millionen
Einwohner beherbergen wird.

Ja, man marſchiert eben hier mit Siebenmeilen=
ſtiefeln
, es geht gewaltig raſch vorwärts, wer Ver=
gleiche
anſtellen kann gegen früher und dies frü=
her
braucht gar nicht weit zurückliegen erſtaunt
immer von neuem, wie raſch ſich die Neſtküken unter
den enropäiſchen Hauptſtädten entwickelt hat. Einzel=
heiten
laſſen auf das Ganze ſchließen. So trifft man
beiſpielsweiſe jetzt Unter den Linden auf etwa zehn
große, elegant eingerichtete Reiſebureaus, in
denen unentgeltlich jedermann genaue Auskunft und
einen ganzen Huckeſack voll hübſch ausgeſtatteter illu=
ſtrierter
Reiſeſchriften empfangen kann. Oeſterreich,
die Schweiz, Süddeutſchland, die Oſt= und Nordſee=
bäder
, Schweden, Norwegen uſw. ſind auf dieſe Weiſe
hier tonriſtiſch vertreten. Journaliſtiſch, durch eigene
Koreſpondenten, noch viel mehr Staaten und auslän=
diſche
Städte. Ehemals leiſteten ſich dies nur ein paar
der allererſten Pariſer und Londoner Blätter, heute
beſteht hier ein viele Mitglieder zählender, ſehr ange=
ſehener
Verein der ausländiſchen Preſſe,
ber ſeit Jahren ſtets beim Schluß der winterlichen
Saiſon einen Empfang veranſtaltet, welcher ſeine
beſondere Note hat und ſich großer Beliebtheit erfreut.
In wie hohem Grade, zeigte ſich erſt kürzlich wieder,
denn der große Feſtſaal des Hotels Kaiſerhof konnte
kaum die Erſchienenen faſſen. Ein glänzendes und ab=
wechſelungsvolles
Bild war’s, das ſich da auf liebens=
würdig
=zwangloſe Art entrollte, Hunderte von be=
kannten
Perſönlichkeiten, deren Namen oder Stellun=
gen
etwas bedeuten, Miniſter und Staatsſekretäre,
hohe Offiziere und Beamte, Botſchafter und Gefandte,
viel Theater und Kunſt, verhältnismäßig wenig Lite=
ratur
und Gelehrſamkeit, Parlamentarier, Groß=
Induſtrielle, Perſer, Chineſen, Japaner, Siameſen,
Marokkaner, dieſe in ihren wallenden weißen Bur=
nuſſen
, ein reiches Dutzend fremder Sprachen ſchwirrte
durcheinander, während ein Orcheſter die neueſten
Operettenweiſen erklingen ließ und an langgeſtreckten
Büfetts es viel Erleſenes an allerhand Süßem zu
naſchen gab, neben alkoholfreien Getränken. Na, und
unn erſt die Damen, jung, feſch, flott, ſchik, wenn auch
nicht alle, ſo doch recht viele, aber jede hatte ſich be=
müht
, ſich von ihrer beſten Seite zu zeigen, und das
hing in dieſem Falle ſehr eng mit den jüngſten Ueber=
raſchungen
von Frau Mode zuſammen. Eine lehrreiche
und ergötzliche Frühjahrstoilettenſchau, eine Revue
jener Waffen, die die launiſchſte aller Göttinnen den
irdiſchen Huldinnen zur Verfügung geſtellt, notabene,
wenn ſie das nötige Großgeld beſitzen. Denn mit dem
Kleinen reicht’s nicht bei dieſen Koſtümen, unter denen
neben dem Blau allerhand türkiſche Muſter hervortra=
ten
, bei den reich verwendeten Spitzen und Silberſticke=
reien
, den noch immer rieſigen, jetzt mehr in die Höhe
gehenden Hüten, unter denen ſchon einzelne à la Chan=
tecler
mit Faſanen= und Perlhutgefieder garniert
waren, den turbanartigen Toques, die mehr einer in
Topfform gewundenen orientaliſchen Leibbinde als
einer Kopfbedeckung ähneln. Schwachheit, dein Nam’
iſt Weib, das Hamlet=Wort hat noch immer Geltung,
aber wir müſſen die Schwachheit annehmen gegenüber
den verrückteſten Wunderlichkeiten und phantaſtiſchen
Anwandlungen einiger Pariſer Groß=Schneider und
=Schneiderinnen, die ihr Genie auch auf Frühlings=
erwachen
im Modebereiche erprobten.
Frühlingserwachen überall, auch im Sport. Da
wohl am raſcheſten und entſchiedenſten! Draußen in
Strausberg haſteten die Pferde ſchon über den
grünen Raſen und klapperten die Totos; bald wird
auch die Grunewaldbahn und jene in Karlshorſt ihre
Pforten öffnen. Hauptſächlich in den Dienſt des Waſ=
ſerſports
ſtellt ſich die eben in den Ausſtellungshallen
am Zvo eröffnete Internationale Motor=
boot
= und Motoren=Ausſtellung, die in
erfreulichſter Weiſe zeigt, daß unſere Induſtrie auch
auf dieſem Gebiete ſehr Beachtenswertes leiſtet. Und
das iſt ja in erſter Linie der Zweck dieſer Ausſtellung,
neben den ſommerlichen Wettfahrten. Das Kaiſerpaar

Numm

wie das Reichsmarineamt haben ſich nebſt ;
Fabriken, Werſten und Privatperſonen an
ſtellung beteiligt; zierlich und blitzſauber ſd
dieſe meiſt nur acht bis 10 Meter langen,
Fahrzeuge aus, bei denen es darauf ankomn
hältnismäßig ſchwachen Motoren möglichſt
ſchwindigkeiten zu entwickeln. Beim Anblick
ten, ſo einladend grüßenden Dinger beko
gleich Sehnſucht, auf ihnen die blauen Fluten
ſchneiden; ſie ſind vorläufig doch noch zuverle
jene über ihnen ſchwebenden Luftſchiffe und
zu denen ſich viele die neueſten Erfahrungen
findungen berückſichtigenden Modelle geſelle:
Erfindungen wenn das unſere Luſt
Schwankverfaſſer hören, bekommen ſie’s mit
ſchen Anfällen zu tun und ſchnappen wie di
nach Luft. Einen kleinen Troſt haben ſie, daß
franzöſiſchen Kollegen an der Grenze der E:
kunſt für neue Situationen und Witze ang
ſein ſcheinen, wie’s das im Kleinen The
geführte Abel Hermantſche Luſtſpie
Luxuszug bewieſen. Olle Kamellen ſind
Tunke nett aufgewärmt worden. Da iſt uns
Carlo Goldoni doch noch lieber, deſſen
Luſtſpiel La Locanderia unter dem flotte
Mirandolina in einer ſehr hübſchen Bearbe
Ludwig Fulda anläßlich des Sorma=Ga
Neuen Schauſpielhauſe zur Darſt=
langte
. Die Hauptrolle gab Frau Agnes
mit einer derart erquickenden Schalkhaftigkei
Koketterie, mit einem ſo jugendlichen Uebe
ſo vielen reizenden Liſten graziöſer weiblick
leien, daß man ſeine helle Freude hatte 1
Abend wahrlich nicht zu den verlorenen
brauchte, zumal auch die übrigen Mitwirke
die Regie Vortreffliches leiſteten.

Wihelm

Keine ſchlafloſen Nächte

hatten Herr und Frau Weber während der
ihres Töchterchens durchzumachen, weil das
der Zähnchen ihm nicht das geringſte Unbeh
urſachte. Die nachfolgenden Zeilen enthalten
klärung hierfür:
Weißenfels a. d. Saale, 28.=Oktol
Bei unſerer kleinen Editha hat Scotts Emu
großartigen Erfolg erzielt, denn nur durch dieſes Pr
ſich die anfänglich überaus zarte Kleine zu einem kré
backigen Kinde entwickelt. Im Alter von 10 Monate
ſchon 8 Zähnchen und als wir ihren erſten Geburts
hatte ſie ſchon 14 und lief ganz allein und ſicher b
Zähnchen ſind ganz leicht gekommen, ſo daß wir ſchla
bei unſerer Kleinen während der ſo gefürchteten Za
ſagen gar nicht kannten. Editha ſchläft die ganze Na=
ohne
ſich auch nur ein einziges Mal zu melden. Scot
hat ſie ſtets ſehr gerne genommmen. (gez.) Richar
In Scotts Emulſion ſind
forderungen, die an ein wirkliche=
4,
Kräftigungsmittel geſtellt werden
Beziehung erfüllt. Sie enthält
allerfeinſten Rohmaterialien, die
ſchen Verfahren die unübertroffe
Emulſion ergeben. Der Tra=
wird
dabei ſo vollſtändig ge

,alle, jung und alt, dieſes
dauliche Präparat mit Vorlieber

Nur echt mit dieſer zur Kräftigung gebrauchen. Bein
achte man auf das Garantieze=
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[ ][  ]

Seite 20

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 29. März 1910,

Nummer 71

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Tagesordnung:
1. Bericht des Vorsitzenden über das abgelaufene
Vereinsjahr.
2. Rechnungsablage für 1909.
3. Neuwahl des Vorstandes.
4. Anträge.
*) Anträge zur Hauptversammlung sind nach
§ 13 der Satzungen mindestens 8 Tage vor der Haupt-
versammlung
beim Vorstand schriftlich einzureichen.
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im grossen Saale des Kaisersaals‟.
Zur Vorfeier des hundertjährigen Geburtstages Fritz Reuters:
EN
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Ainz Reuter=zisehd
(mit Lichtbildern)
von Herrn Rezitator Hans Brandt aus Berlin.
Eintrittskarten: Sperrsitz zu 2 Mk., Saal zu 1 Mk., Vorsaal zu 75 Pfg.;
Galerie zu 50 Pfg., Studentenkarten (Galerie) zu 30 Pfg. und Schülerkarten zu 20 Pfg.
im Verkehrsbureau und an der Abendkasse. Vereinssaalkarten können daselbst gegen
Das dieswöchentliche
Aufzahlung von 1 Mk. gegen Sperrsitzkarten umgetauscht werden.
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Der Vorstand.
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Heute Dienstag, (3. Feiertag
und folgende Tage

Leitie) 29., 30.,
3

ſteinie
3
Tage.
31. März (Tage

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Muſik von Franz Lehär.
Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Ki
Szeniſche Leitung: Oberregiſſeur Ve
Perſonen:
Renée, Graf von Luxem=
. Hr. Speiſ
burg .
Fürſt Baſil Baſilowitſch . Hr. Jord
Gräfin Staſa Kokozow. . Fr. Rudc
Armand Briſſard, Maler . Hr. H. H
Angele Didier, Sängerin
von der großen Oper in
Frl. Suck
Paris.
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Juliette Vermont
Sergei Mentſchikof, Notar Hr. Holle
Pawel von Pawlowitſch,
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Pélegrin, Munizipal=
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beamter

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Anatol Saville
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Konſer=
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Baron Sullignac .
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Nach dem 1. und? Akte findet je
längere Pauſe ſtatt.
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Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2.
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8.
2. Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 4.
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(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterrc.,
(5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.2
1. Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 P.
Ende gegen 10 St.
Anfang 7 Uhr.
Kartenverkauf von 111 Uhr und 1
6 Uhr an.

Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellun
Mittwoch, 30. März. 144. Ab.=Vorſt
Zum erſten Male wiederholt: Derd
Punkt. Große Preiſe. Anfang 7
Donnerstag, 31. März. 145. Ab.=
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Freitag, 1. April. Außer Abonne
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Vorſtellung zu ermäßigten
Goethe’s Fauſt=Tragödig
ſter Abend: Vorſpiel auf dem Tl
Prolog im Himmel. Der Tragödie
Teil, erſte Abteilung. Anfang 7 U
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