Darmstädter Tagblatt 1934


16. Oktober 1934

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 286
Dienstag, den 16. Oktober 1934. 196. Jahrgang

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Verheerender Eindruck in Hüdſlawien von den unzulänglichen Schuhmaßnahmen der franzöſiſchen Polizei.

Pariſer Sorgen um den Frieden an der Adria.

Lebrun gehl nach Belgrad.
DNB. Belgrad, 15. Oktober.
Die Nachricht, daß der Präſident der franzöſiſchen Republik,
eſbrun, an den Beiſetzungsfeierlichkeiten des Königs Alexander
ellnehmen werde, iſt hier ohne Kommentar aufgenommen wor=
ſen
. Nur die Politika veröffentlicht einen Bericht aus Paris,
ſe* den Südſlawen die franzöſiſche Auffaſſung über die Bedeu=
ung
dieſes Beſuches mundgerecht machen ſoll. In politiſchen
4seiſen faßt man den Beſuch Lebruns dahin auf, daß Frankreich
nit allen Mitteln beſtrebt ſei, den verheerenden Eindruck wieder
u zu machen, den die unzulänglichen Schutzmaßnahmen der
ranzöſiſchen Polizei in Südſlawien ausgelöſt hatten.
Die Belgrader Verſtimmung gegenüber Frankreich iſt all=
rählich
in eine Erbitterung übergegangen, zumal bekannt wurde,
as König Alexander zu ſeinem Schutze 40 Agenten der Belgra=
ei
. Polizei nach Paris mitnehmen wollte, die ihn vor einigen
Vochen auch auf der Reiſe nach Sofia begleitet hatten. Die fran=
öſſi
ſchen Behörden hätten ihn jedoch von dieſer Abſicht mit der
ferſicherung abgebracht, daß ſie alle Vorſichtsmaßnahmen getrof=
ei
hätten und ſehr wohl in der Lage ſeien, ihn vor jedem un=
ſeſſſamen
Zwiſchenfall zu ſchützen.
In Belgrad hat ſich die Ueberzeugung eingewurzelt, daß der
örnig noch am Leben wäre, wenn ihn die ſüdſlawiſchen Agenten
ih klich begleitet hätten. Die Erbitterung gegen die
rianzöſiſche Polizei hat ſich in Südſlawien all=
ihlich
auf alle franzöſiſchen Verhältniſſe und
amnit auf Frankreich ſchlechthin übertragen.
In der Ankunft Lebruns, der ſich erſt in den letzten Tagen
ir die Reiſe nach Belgrad entſchloß, ſieht man daher das äußerſte
kittel, dieſe Stimmung zu bekämpfen und das gute Verhältnis
iederherzuſtellen.
Wie nunmehr feſtſteht, wird ſich auch König Carol von Ru=
ärien
zu den Beiſetzungsfeierlichkeiten für den verſtorbenen
önrig Alexander nach Belgrad begeben. König Boris von Bul=
in
en wird ſich bei den Beiſetzungsfeierlichkeiten in Belgrad
uich Prinz Kyrill und den erſten Adjutanten des Königs, Ge=
inal
Panoff, vertreten laſſen.
Peſſimiſtiſche Pariſer Stimmen.
EP. Paris, 15. Oktober.
Der offiziöſe Petit Pariſien gibt der Anſicht Ausdruck,
das vom Außenminiſter Barthou begonnene Werk der
allieniſch=jugoſlawiſchen Verſöhnung im gegen=
är
tigen Augenblick eine Verzögerung erfahren habe.
rmnkreich ſei immer bereit, den Vermittler
bſ chen den beiden Adria=Staaten zu ſpielen, aber es
ſenne nicht, daß ſeine guten Dienſte im gegenwärtigen Augen=
id
Verwendung finden könnten. Dagegen beſtünde keinerlei
rund, die öſterreichiſche Angelegenheit nicht endgültig zu
gIn. Was in der Genfer Haſt nicht erreicht werden konnte,
nu e vielleicht in einer langſamen und vorſichtigen Arbeit
dſßchen den Kanzleien gelingen. Auf jeden Fall dürfe das
en reichiſche Problem nicht in Vergeſſenheit geraten.
DDas Journal ſchreibt, auf die jugoſlawiſch=italieniſchen
eir ſöhnungsmöglichkeiten anſpielend, es brauche
al Feingefühl und Takt, um die Nerven ſich
u’s ſpannen zu laſſen. Bei einer Ueberſtürzung
ürr de man nichts gewinnen. Die Entwicklung müſſe
hſin normaler Weiſe vollziehen und von den Intereſſen ſelbſt
Sgehen. Man dürfe dem Miniſterpräſidenten Doumergue und
m. Außenminiſter Laval vertrauen, daß ſie die notwendige
orſicht walten ließen.
luffallende Zurückhalkung der ikalieniſchen Preſſe.
EP. Rom, 15. Oktober.
Die italieniſche Preſſe hat es bis jetzt vermie=
von
den nach dem Attentat in Marſeille, in verſchiedenen
poſclawiſchen Städten, wie Serajewo, Agram und anderen Orten
ug ekommenen italienfeindlichen Kundgebungen
7). Steinwürfen, gegen italieniſche Konſulate
cendwie Notiz zunehmen, um Gegenkundgebungen und
ſiülungspolemiken zu verhindern. Damit werden die Be=
uſungen
der italieniſchen Preſſe offenbar, jede neue
ſchärfung der Beziehungen zu Jugoſlawien zu vermei=
und die Erledigung dieſer Angelegenheit
Iyllomatiſchen Schritten, der italieniſchen Re=
em
ung zu überlaſſen. Die Blätter geben allerdings der
wairtung Ausdruck, daß die jugoſlawiſchen Behörden auch in der
loheinz energiſche Maßnahmen ergreifen, um neue italienfeindliche
sſchreitungen zu verhindern.
Der Mörder von Marſeille
ſeit Sepkember von den bulgariſchen Behörden
geſucht.
DNB. Sofia, 15. Oktober.
Die Bulgariſche Telegraphenagentur meldet: Wie die Polizei=
härrde
mitteilt, iſt ein Mann namens Wlado Georgieff Tſcher=

nozemſki, der nach den Auskünften aus Belgrad der Mörder
Königs Alexander ſein ſoll, unter dem Namen Wlado der
Chauffeur bekannt. Die bulgariſchen Behörden haben ihn am
7. September dieſes Jahres durch das Amtsblatt und durch die
geſamte Preſſe auf Grund des Geſetzes zur Aufrechterhaltung
der öffentlichen Sicherheit und im Zuſammenhang mit Maß=
nahmen
geſucht, die gegen die mazedoniſchen Terroriſten unter=
nommen
wurden. Das Bild Wlado Georgieffs war zuſammen
mit den Bildern einiger anderer mazedoniſcher Terroriſten in
den bulgariſchen Zeitungen veröffentlicht worden. Wlado
Georgieff iſt im Jahre 1897 in Stip geboren worden. Als er
14 Jahre alt war, ließ ſich ſein Vater mit ihm im Dorf
Kamenitza in Südbulgarien nieder. Wlado Georgieff hat Bul=
garien
im Juli 1932, alſo vor zwei Jahren, verlaſſen.
* Die letzten polizeilichen Ermittlungen laſſen nun wieder
die geheimnisvolle Organiſation der Mazedonier, die ſogenannte
Imro, in den, Vordergrund treten. Man wird allerdings auch
noch jetzt gut daran tun, alle Behauptungen, daß König Alexander
durch mazedoniſche Verſchwörer ermordet worden ſei, mit Vorſicht
aufzunehmen. Immerhin wird die Aufmerkſamkeit doch wieder
auf Mazedonien gelenkt, das von jeher durch ſeine freiheitlichen
Beſtrebungen die Aufmerkſamkeit anderer Nationen auf ſich zu
ziehen wußte. Einer der Grundſätze der mazedoniſchen Verſchwö=
rer
war auch ſtets, mit allen Mitteln das Intereſſe des Auslandes
zu erregen. Aus dieſem Grunde erhob man denn auch den Spreng=
ſtoff
und die Piſtole zur politiſchen Waffe.
Die Imroſtammtnoch ausder Zeit der Türken=
herrſchaft
. Schon damals hatten ſich die Mazedonier zu einem
feſten Verband zuſammengeſchloſſen und ſich ſchließlich auch be=
waffnet
, ſo daß ſie es im Jahre 1903, am St. Elias=Tage, wagen
konnten, in drei Landeskreiſen einen Aufſtand zu entfachen. 16 000
bewaffnete Mazedonier leiſteten ungefähr 300 000 türkiſchen Sol=
daten
ein Dreivierteljahr hindurch tapferen Widerſtand. Dieſer
Aufſtand koſtete vielen Tauſenden das Leben. Mehrere hundert
Dörfer wurden durch die türkiſchen Truppen zerſtört. Die ver=
ſchiedenen
Balkankriege und der Weltkrieg haben die Unabhängig=
keit
Mazedoniens nicht gebracht. In den letzten Jahren
iſt der Bruderkrieg im mazedoniſchen Lager hin=
zugetreten
. Zwei Richtungen, die Protogeroffs und die
Michailoffs, bekämpfen ſich mit leidenſchaftlicher Erbitterung.
Immer wieder iſt es zu Feuergefechten in den Straßen Sofias ge=
kommen
, bis ſchließlich die bulgariſche Regierung gegen die auf
bulgariſchem Boden ſitzenden Teile der mazedoniſchen Bevölkerung
ganz energiſch einſchritt. Die Imro iſt in Bulgarien erſt kürzlich
aufgelöſt worden. Ihre Waffenarchive und Gelder wurden be=
ſchlagnahmt
. Tatſächlich exiſtiert ſie jedoch im geheimen weiter.
Die Auflöſung iſt erfolgt, um die bulgariſch=ſüdſlawiſche An=
näherung
zu fördern, die in der letzten Zeit auch recht erhebliche
Fortſchritte gemacht hat.
Die Perſonengleichheit des Marſeiller Mörders
mit Georgieff erwieſen?
Die Belgrader Blätter beſchäftigen ſich am Montag aus=
führlich
mit der Perſon Wlada Georgieffs, den die Politika
als den Henker im Dienſte des Mazedonierführers Michailoff
bezeichnet. Für die Politika und die Wreme iſt es ſo gut
wie ſicher; daß er den Anſchlag in Marſeille ausgeführt hat.
Die Politika meldet, daß Georgieff zu den zehn Mazedoniern
gehörte, die von der bulgariſchen Regierung nach Auflöſung
ihrer Organiſation ſteckbrieflich verfolgt wurden.
Für die in neueſter Zeit ſehr guten Beziehungen zwiſchen
Bulgarien und Südſlawien iſt es bezeichnend, daß die ſüd=
ſlawiſchen
Blätter Bulgarien in jeder Hinſicht zu entlaſten ſuchen
und die Mithilfe der Polizei in Sofia bei der Aufklärung des
Verbrechens von Marſeille lobend hervorheben. Als beſonderer
Beweis dafür, daß der Marſeiller Täter Georgieff ſei, wird
auf den Umſtand verwieſen, daß der Marſeiller Mörder die
Spuren einer ärztlichen Behandlung aufwies, der ſich Georgieff
in Sofia hatte unterziehen müſſen, und auf Grund deren der
Mörder anfangs für einen Juden gehalten worden war. Die
Perſonengleichheit des Mörders mit Georgieff iſt für die Bel=
grader
Preſſe eindeutig geklärt.
Michailoff aus Iſtanbul ſpurlos verſchwunden.
DNB. Iſtanbul, 15. Oktober.
Der in Iſtanbul als politiſcher Emigrant lebende Führer
der JMRO. (Innermazedoniſche Revolutionäre Organiſation)
Michailoff iſt ſeit mehreren Tagen ſpurlos verſchwunden. Nach
Gerüchten ſoll er aufgefordert worden ſein, die Türkei zu ver=
laſſen
. Er ſei daraufhin abgereiſt. Er ſoll die Abſicht geäußert
haben, ſich nach der Schweiz zu begeben.
Sylveſter Malny verhaftei.
DNB. Paris, 15. Oktober.
Der ſeit vier Tagen im Walde von Fontainebleau geſuchte
Sylveſter Malny, der bei ſeiner erſten Feſtnahme im Zuſammen=
hang
mit dem Marſeiller Anſchlag den Gendarmen wieder ent=
wichen
war, iſt am Montag nachmittag auf der Landſtraße, am
Ausgang der Stadt Melud, feſtgenommen worden.
Am Montag vormittag war das Gerücht verbreitet, daß ſich
Malny das Leben genommen habe. Man hatte nämlich im
Walde von Fontainebleau die Leiche eines Selbſtmörders auf=
gefunden
, der ſich erhängt hatte und deſſen Perſonalbeſchreibung
derjenigen Malnys ähnlich war.

* Vom Wiederaufbau eines Staakes.
TV.
Polniſche Wirtſchaft.
Von unſerem Sonderkorreſpondenten.
Mit dieſem Artikel beſchließen wir die Aufſatz=
folge
uneres Dr. H.=Sonderkorreſpondenten, der
an der Journaliſtenreiſe durch Polen teilge=
nommen
hatte. (Vergl. Nr. 122, 123, 125.)
Dr. HI. Krakau, im Oktober.
Mit dem Begriff Polniſche Wirtſchaft ſind bisher vielfach
gewiſſe operettenhafte Vorſtellungen verknüpft geweſen, die ſo
etwas wie mangelnde Ordnung gemächlicher Schlendrian
fehlende Präziſion Schmutz und Armut faules Treiben=
laſſen
nicht zuletzt: Vorſpiegelung falſcher Tatſachen beſagten.
Die deutſchen Journaliſten, die 12 Tage Polen bereiſten, werden
mit grundlegend anderen Eindrücken nach Hauſe kommen! Frei=
lich
konnten wir nur an einigen wenigen Punkten Stichproben
machen. Das aber, was wir von dem Wirtſchaftsleben Polens
ſahen hat uns mit hoher Achtung vor der Arbeitsleiſtung und
den Energien des jungen Staatsweſens erfüllt. Von Schlen=
drian
, Schmutz, Unordnung, potemkinſchen Dörfern u. ä. kann
jedenfalls nicht mehr die Rede ſein. Ein Beiſpiel: Das ſtaatliche
Stickſtoffwerk Moscice das unweit Tarnow in 18
Monaten errichtet wurde, ſeit 1929 in Betrieb iſt und zuſammen
mit dem oſtoberſchleſiſchen Werk Chorzow die geſamte polniſche
Landwirtſchaft mit künſtlichen Düngemitteln verſorgt, iſt heute
eine der modernſten Erzeugungsſtätten dieſer Art und das
wichtigſte öſtliche Mitglied des europäiſchen Stickſtoffſyndikats.
Bei der Errichtung der Anlage, die natürlich auch eine erheb=
liche
Bedeutung für die Landesverteidigung hat, ſind die Patente
des gegenwärtigen Staatspräſidenten Profeſſors Moscicki, eines
Naturforſchers von internationalem Rang, ausgewertet worden;
ſie ſind das Kernſtück der Geſamtfabrikation, bei der im übrigen
auch deutſche Maſchinenanlagen führend mitwirken. Im Rahmen
ſeines Syndikatskontingents führt Moscice auch Stickſtoff in
die Nachbarländer aus und iſt dadurch für die Zahlungsbilanz
Polens ein wichtiger Faktor.
Für die Erdölerzeugung im Gebiet Drohobycz=Boryslaw,
über die ſchon berichtet wurde, gilt inſofern das gleiche, als
ſie Polen von der Einfuhr ausländiſcher Erdölprodukte unab=
hängig
macht und alſo deviſenſparend wirkt. Beachtenswert war
in beiden Fällen die Fürſorge für das Wohlergehen der Werks=
angehörigen
und ihrer Nachkommen, die mit einem geringen Auf=
wand
an Mitteln ein Höchſtmaß ſozialer Leiſtung erreicht. So
fahen wir in Drohobyez eine ſehr hübſche und großzügige Sied=
lungsanlage
von kleinen Einzel= und Doppelhäuſern für die
Angeſtellten und älteren Arbeiter, deren Mittelpunkt ein großes
Schulgebäude iſt. In der Schule, deren Gepflegtheit, Sauber=
keit
und moderne hygieniſche Einrichtungen auffielen, iſt ein
Kinderheim untergebracht, das ſich der Fürſorge und Erziehung
von Waiſenkindern verſtorbener Werksangehöriger widmet. In
Moscice ſind die ſozialen Einrichtungen noch nicht ſo weit ge=
diehen
. Das Werk iſt aber ſchließlich auch noch jung und muß
ſich erſt allmählich entwickeln. Beachtenswerte Anſätze ſind
immerhin ſchon jetzt feſtzuſtellen. Der polniſche Staat gibt ſo
in ſeinen eigenen Wirtſchaftsanlagen an ſichtbarer Stelle ein
Beiſpiel für die aufmerkſame Sorgfalt, die der Unternehmer
ſeinen Mitarbeitern auch über den engen Arbeits= und Dienſt=
vertrag
ſchuldet.
Die Sozialfürſorge der Induſtriewirtſchaft läßt ſich in ihren
Methoden und ihrer praktiſchen Nutzanwendung nicht ohne
weiteres auf agrariſche Verhältniſſe anwenden, am wenigſten in
Polen, wo hiſtoriſch geſehen die geſellſchaftliche Funktion
des Landbeſitzes Generationen hindurch grundſätzlich anders war
als etwa in Preußen. Wir hatten dank der Liebenswürdigkeit
des Grafen Potocki Gelegenheit, ſein Schloß Lancut kennen=
zulernen
. Uebrigens: auch Lancut iſt ſeinem Urſprung nach
deutſch; hier wurden von den Fürſten Lubomirſki den Vor=
gängern
der Grafen Potocki im ſpäten Mittelalter Siedler aus
Landeshut in Schleſien anſäfſig gemacht. Laneut iſt der wohl
hervorragendſte Typ einer polniſchen Feudalherrſchaft. Etwa
20 000 Hektar Grund und Boden gehören dazu und allein der
Park umfaßt rund 300 preußiſche Morgen. Das Schloß iſt aus
einer mittelalterlichen Wehranlage während der Renaiſſancezeit
zu ſeiner heutigen Pracht und Großartigkeit entwickelt worden.
Die glänzende Flucht der Innenräume iſt mit erleſenſter Kultur
ausgeſtattet: Wundervolle Möbel Teppiche und Meiſterwerke aus
allen Zweigen der bildenden Kunſt ſind hier mitten in der
weiten polniſchen Ebene von einer Familie in zwei Jahr=
hunderten
zuſammengetragen worden, und jedes führende
Muſeum Europas dürfte ſtolz ſein auf ſolchen Beſitz. Lancut
iſt eine europäiſche Einzigartigkeit, ein Juwel, den ſelbſt der
Krieg reſpektiert hat .
Auch dies: höchſte Kultur, gepflegter Geſchmack geſchliffenſte
Kenntnis künſtleriſcher Koſtbarkeiten, der Wille, ſie zu beſitzen
und zur höheren Ehre der Familie und ihrer Tradition zu=
ſammenzutragen
iſt Polen. Und da wir ja diesmal unſere
Polenfahrt vom Wirtſchaftlichen her beurteilen, müſſen wir feſt=
ſtellen
, daß hier, in dieſem unbekannten Polen außerordent=
liche
Reichtümer ſtecken, von denen Europa im allgemeinen nichts
weiß. Zugleich aber gibt der Beſuch von Laneut auch Gelegen=
heit
, ſich einige Fragen der Beſitz= und Einkommensverteilung
zu überlegen. Polen iſt ein vorwiegend agrariſcher Staat. Seine
Landwirtſchaft gibt rund zwei Drittel der Bevölkerung Arbeit
und Brot. Etwa 22 Millionen Menſchen leben alſo in Polen
auf dem Lande und von dem Lande. Nach einer amtlichen pol=
niſchen
Statiſtik neueren Datums gibt es 3 626 000 landwirt=
ſchaftliche
Betriebe, von denen 65 v. H. Zwergbetriebe mit
weniger als 5 Hektar Fläche ſind. Nur 3 v. H. aller landwirt=
ſchaftlichen
Betriebe ſind in Polen größer als 20 Hektar. Dieſe
3 v. H. umfaſſen aber nicht weniger als 54,3 v. H. der Anbau=
fläche
, die insgeſamt 30,3 Millionen Hektar beträgt! Der Groß=
grundbeſitz
überwiegt alſo auch heute noch ungewöhnlich ſtark.
Die bisherigen Maßnahmen der polniſchen Agrarreform waren
namentlich in den weſtlichen Provinzen in erſter Linie politiſcher
Natur; ſie haben im Geſamtſtaat noch keinen grundſätzlichen
Wandel in den Beſitzverhältniſſen geſchaffen. Nur ſo iſt es ver=
ſtändlich
, daß die ländlichen Verhältniſſe in Polen auch heute
noch überwiegend patriarchaliſch und feudaliſtiſch wie vor 150

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Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Dienstag, 16. Oktober 1934

Seite 2 Nr. 286
oder 200 Jahren ſind. Die Wirtſchaftskriſe die für Polen 1925
begann und erſt im vorigen Jahr zum Stillſtand gekommen iſt,
hat in dieſer Hinſicht auch noch fördernd gewirkt. Ein um=
faſſendes
Landwirtſchaftsprogramm ſoll nun durch bevorzugte
Berückſichtigung des bäuerlichen Klein= und Mittelbeſitzes bei
der Entſchuldung und anderen Hilfsmaßnahmen allmählich Ab=
hilfe
ſchaffen.
Aber auch in der übrigen Wirtſchaft Polens wird das Bild
vom Großbetrieb beſtimmt. Nach der bereits erwähnten Statiſtik
verfügt Polen über 204 000 induſtrielle und gewerbliche Unter=
nehmungen
. Davon beſchäftigen 88 v. H. weniger als vier
Arbeiter und nur 3 v. H. mehr als 20. Dieſe 3 v. H. erfaſſen
aber 550 000 Beſchäftigte. Aus dieſer Beſitzverteilung ergibt ſich
auch die Einkommensverteilung, für die uns einige Zahlen aus
der Landeshauptſtadt Warſchau zur Verfügung ſtehen. Nach den
Erhebungen des Polniſchen Statiſtiſchen Landesamtes verdienten
in Warſchau rund 75 v. H. der Erwerbstätigen Höchſtbeträge bis
zu 200 Zloty. Etwa die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung
Warſchaus verdient nur 100 Zloty und weniger und bleibt da=
mit
noch unterhalb des Betrages, der für Warſchau als Exiſtenz=
minimum
angeſehen wird. So ſtehen Armut und Reichtum in
Polen auch heute noch hart beieinander, härter als bei uns
und im europäiſchen Weſten. Und von hier aus verſtehen wir
auch, was uns ein ſehr kluger und feinſinniger polniſcher
Nationalökonom ſagte: daß es nämlich eine der Hauptaufgaben
ſeines Staates ſei, eine allmähliche Neuverteilung des Ein=
kommens
zu Laſten des Großbeſitzers und der dünnen Reich=
tumsſchicht
durchzuführen. Die Schaffung eines wirtſchaftlichen
ſelbſtändigen und gefeſtigten Mittelſtandes iſt eines der Haupt=
probleme
Polens.
Wir ſagten ſchon, daß Polen ein vorwiegend agrariſches
Land iſt. Bei ſeiner Weiträumigkeit und der vergleichsweiſe ge=
ringen
Bevölkerung ſie entſpricht auf den Quadratkilometer
umgerechnet etwa der Bevölkerungsdichie des Deutſchen Reiches
in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts iſt das
auch nur ſelbſtverſtändlich. Trotzdem ſtehen führende polniſche
Politiker auf dem Standpunkt, daß das Land namentlich wegen
ſeines hohen Geburtenüberſchuſſes landwirtſchaftlich übervölkert
ſei und ſich notwendigerweiſe ſtärker induſtrialiſieren müßte.
Tatſächlich hat man auch erhebliche Anſtrengungen gemacht, um
die übernommene Induſtrierüſtung aufrechtzuerhalten und weiter
zu entwickeln. In Oſtoberſchleſien fiel dem jungen polniſchen
Staat eine moderne und leiſtungsfähige Schwerinduſtrie in den
Schoß, die heute für den Heeresbedarf ebenſo wichtig iſt wie
für das noch weitmaſchige Verkehrsnetz des Landes und die
ſonſtigen Bedürfniſſe ſeiner Verbauchsgüterinduſtrie. Neben Eiſen,
Stahl und Kohle ſtellt die Textilwirtſchaft eines der weſent=
lichſten
induſtriellen Inſtrumente Polens dar, die nahezu völlig
in Lodz konzentriert iſt und ſich zum großen Teil noch in
deutſchen Händen befindet. Freilich iſt die Lage des dortigen
Deutſchtums von 600 000 Einwohnern ſind etwa 70000
deutſch ſehr bedrängt, durch die Wirtſchaftskriſe ebenſo wie
durch die Bevölkerungsentwicklung. Wie unausgewogen die Lage
dort iſt, kann man daraus erſehen, daß neben etwa 300 000 Polen
mehr als 200000 Juden in Lodz wohnen, die ein wirtſchaftlich
außerordentlich ſtarker Faktor geworden ſind und immer ſtärker
werden zu Laſten des Deutſchtums, das Lodz mit ſeinen
1,5 Millionen Baumwollſpindeln zum Mancheſter Oſteuropas
gemacht hat.
Von der Erdölinduſtrie und der jungen Stickſtoffwirtſchaft
wurde ja ſchon geſprochen. Bedeutungsvoller ſind ferner alle
mit der Bauwirtſchaft zuſammenhängenden Gewerbezweige, die
auch mitten in den Kriſenjahren eine ausgeſprochene Sonder=
konjunktur
zu verzeichnen hatten. Erwähnenswert iſt ſchließlich
auch die Verkehrswirtſchaft, vor allem das Eifenbahnweſen und
der Flugverkehr. Was wir davon fahen und erlebten, war
muſtergültig und lehrreich. Der zivile Flugverkehr iſt natürlich
noch jungen Datums und ſein Streckennetz nicht ſo dicht wie
im übrigen Europa. Die Maſchinen aber ſind bequem, haben
eine hohe Benutzungsfrequenz, ſind zuverläſſig, und wiederholt
wurde uns mit Stolz erklärt, daß die polniſche Flugverkehrs=
geſellſchaft
ſeit Beginn ihrer Tätigkeit eine Hundertprozentige
Verkehrsſicherheit verzeichnen könne. Als Leiſtung hat uns perſön=
lich
aber das Eiſenbahnweſen faſt noch mehr imponiert. Aus
drei verſchiedenen Staatseiſenbahnſyſtemen mußte innerhalb
weniger Jahre aus militäriſchen und wirtſchaftlichen Gründen
ein einheitliches Netz zuſammengefügt werden, deſſen Maſchen
zuverläſſig ineinandergriffen. Das iſt nach unſeren Beobach=
tungen
vollſtändig gelungen. Die erreichten Geſchwindigkeiten
auf den großen Strecken ſind internationaler Standard, der
Fahrplan wird pünktlich innegehalten, die Perſonenwagen, großen=
teils
bereits rein polniſche Erzeugniſſe ſind ſauber und
bequem.
Damit iſt eine der wichtigſten Vorausſetzungen für einen
noch ſtark in der Entwicklung begriffenen Wirtſchaftszweig ge=
geben
, auf den Polen großen Wert legt: den internationalen
Reiſeverkehr. Ein halbſtaatliches Reiſebüro, die Orbis, hatte
den Auftrag, unſere Journaliſtenfahrt zu organiſieren. Wir
können nur mit Vergnügen feſtſtellen, daß ſie vorbildliche Arbeit
geleiſtet hat. Tatſächlich nahm uns das Büro durch ſeine auf=
merkſamen
und gewandten Beamten alle Beſchwerniſſe ab,

Vom Tage.
Der Führer und Reichskanzler hat den Geſandten in Dublin,
Dr. von Dehn=Schmidt, zum Geſandten in Bukareſt, dev Geſandten
in Guatemala, von Kuhlmann, zum Geſandten in Dublin, den
Vortragenden Legationsrat Dr. Kraske zum Geſandten in Guate=
mala
ernannt und den Geſandten in Santiago, Freih, von Reis=
witz
und Kaderzin, einſtweilig in den Ruheſtand verſetzt.
Der tſchechoſlowakiſche Außenminiſter Beneſch hatte geſtern
vormittag eine mehr als einſtündige Unterredung mit Miniſter=
präſident
Doumergue. Nach Beendigung der Beſprechung erklärte
Beneſch, daß er ſich mit dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten über
die aktuellen politiſchen Probleme unterhalten habe. Beneſch
wird am Dienstag früh auch mit dem Außenminiſter Laval eine
Unterredung haben.
Sir Frederick Leith=Roß iſt geſtern nachmittag nach Berlin
abgereiſt, um dort die deutſch=engliſchen Wirtſchaftsverhandlungen
wieder aufzunehmen.
General O’Duffy hat eine Erklärung veröffentlicht, mit der
die Bildung einer neuen, von der alten unabhängigen Blauhem=
den
=Bewegung angekündigt wird. Mit dieſer Ankündigung iſt die
bisher reichlich verworren erſcheinende Lage im Lager der Blau=
hemden
endgültig geklärt. General O’Duffy erſcheint nun als
Führer einer rein fasciſtiſchen Bewegung auf der politiſchen Bühne
des Freiſtaates.
Der amerikaniſche Gewerkſchaftsbund ſchätzt die Zahl der Ar=
beitsloſen
in den Vereinigten Staaten auf 10 834 000, zeigt ſich
aber optimiſtiſch hinſichtlich der Entwicklung der amerikaniſchen
Wirtſchaftslage, die ſich im kommenden Frühjahr beſſern werde,
da die Grundlagen für eine ſolche Beſſerung geſchaffen ſeien.

denen der Reiſende im fremdſprachigen Ausland ſonſt leicht aus=
geſetzt
ſein kann. Man führte uns von Krakau im Lux Torpeda‟
dem Fliegenden Hamburger Polens, nach Zakopane, dem be=
kannten
polniſchen Höhenluftkurort am Fuße der Hohen Tatra.
Hier ſind in der Tat alle Vorausſetzungen für die Entwicklung
eines internationalen Höhenluftkurortes und eines ſtarken
Touriſtenverkehrs gegeben, zumal der Ort ſchon aus der öſter=
reichiſchen
Zeit über eine große Tradition verfügt. Auch ſonſt
hat die Orbis Ideen, die des Studiums durch die ent=
ſprechenden
deutſchen Organifationen wert ſind.
Im ganzen: Vorſtellungen von Polniſcher Wirtſchaft im
früheren, geringſchätzigen Sinne ſind endgültig und reſtlos ab=
zuſchreiben
. Das Wirtſchaftsleben Polens iſt reich an ſozialen
Kontraſten und ungelöſten Problemen, reich an Spannungen
politiſcher Art und Schwierigkeiten techniſcher Natur. Es iſt
daran ebenſo reich wie andere Völker, in mancher Hinſicht viel=
leicht
durch die Hypothek der vergangenen zwei oder drei Jahr=
hunderte
noch ſtärker belaſtet. Wir Deutſche vergeſſen dabei aller=
dings
nicht, daß Polen gerade uns ſeit dem Kriege manches
voraus hat, und daß es Deutſchland ſehr viel verdankt. Aber
ebenſowenig überſehen wir, daß unſer öſtlicher Nachbar ſich mit
Mut und Zähigkeit an die Löſung der ihm geſtellten Aufgaben
gemacht und auf ſeinem bisherigen Wege zum ſtaatlichen Wieder=
aufbau
ſehr bemerkenswerte Fortſchritte erzielt hat; Fortſchritte,
die in der Waagſchale der europäiſchen Geltung nach ihrer wirk=
lichen
Bedeutung erkannt und eingeſchätzt werden müſſen.
Die Aufnahmeſperre zur DAF.
aufgehoben.
DNB. Berlin, 15. Oktober.
Der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutſchen Arbeits=
front
, Dr. Ley, erläßt nachſtehenden Aufruf:
Die Deutſche Arbeitsfront hat am 1. Oktober 1934 ihre orga=
niſatoriſche
Gemeinſchaftsform vollendet und in Vollzug geſetzt.
Wirtſchaftsführer und Gefolgſchaft der Betriebe ſind in einer ge=
meinſamen
Organiſation organiſiert.
Außer Deutſchland hat kein Land der Erde eine derartige
Gemeinſchaftsgeſinnung bekundet. Dieſe gewaltigſte Demonſtra=
tion
der nationalen und ſozialen Solidarität bedeutet Erfüllung
einer jahrhunderalten Sehnſucht aller Schaffenden.
Nur durch den genial geſtaltenden Willen des Führers Adolf
Hitler wurden die Vorausſetzungen geſchaffen, welche die Entwick=
lung
zu ſolcher Großtat ermöglichten. Seiner der werdenden
Deutſchen Arbeitsfront gegebenen Schutz= und Schirmherrſchaft iſt
es zu verdanken, daß das große Werk in kurzer Zeit gelingen
konnte.
Nun beginnt die zweite Phaſe der Entwicklung, welche den
reſtloſen Ausbau der Reichsberufsgemeinſchaften und der Reichs=
berufsgruppen
zum Ziele hat.
Zur Mitarbeit an dieſer gewaltigen Aufbauarbeit rufe ich
alle Schaffenden in Stadt und Land auf und ordne an, daß vom
heutigen Tage, dem 15. Oktober 1934, die Mitgliederaufnahme
ſperre zur DAF. aufgehoben iſt.
Alle Volksgenoſſen, welche in die Gemeinſchaft aller Schaffen=
den
aufgenommen werden wollen, haben wieder Gelegenheit,
dies bei den Verwaltungsſtellen der DAF. zu beantragen.
Der Stabsleiter der PO. (gez.) Dr. Robert Ley.

Der Ruf der Heimak.
Von Erwin H. Rainalter.
Wer von der Eroberung der Heimat ſpricht, die jedes Men=
ſchen
Pflicht iſt, der wird, ſofern er im Schrifttum bewandert
iſt, die Erinnerung an ein ſchönes und vorbildliches Buch be=
ſchwören
können: an den Erdſegen von Peter Roſegger. Darin
wird auf eine herzhafte und wundervoll eindringliche Weiſe ge=
ſchildert
, wie ein Mann, des Stadtlebens müde, aufs Land
hinausflieht, wie er, der ſich erſt mühſam aus dem Aſphalt
losgraben muß, mit der Erde vertraut wird, mit den Pflanzen,
den Tieren, den einfacheren und doch im Kern ſo wertvollen
Menſchen, wie er ſich in bäueriſcher Arbeit den Boden erſt
untertan macht, um ihm bald in demütiger Liebe zu dienen, und
wie ſchließlich die Stadt in ihm ganz verſinkt und er ſich voll=
kommen
einfügt in die Schar derer, die zwiſchen Säen und
Ernten ihr Schaffen vollenden. Und dieſer reifen und reichen
Dichtung des Steiermärkers Roſegger geſellt ſich, erſtaunlich
ähnlich in der Stoffwahl und durchaus gleich in der Geſinnung,
der Roman Da hinten in der Heide von Hermann Löns zu.
Wie dort in zärtlichen Farben das Bergland entſteht, ſo wird
hier die Lüneburger Heide, die in Löns ihren beſten Kenner
fand, geſchildert, wieder iſt der Held ein Städter, der in der
Not des Daſeins unterzugehen droht und ſich in das ruhige,
beſinnliche Glück bäuerlichen Wirkens rettet, über dieſen beiden
Büchern leuchtet hoch und rein der Stern einer Heimatliebe,
die die Zuverſicht hat, werbende Kraft zu gewinnen. Denn beide
Dichter, Roſegger und Löns, wollen keineswegs nur Sinnbilder
einer bewegten Welt einfangen, wie dies gemeinhin Aufgabe des
Künſtlers iſt, ſondern ſie wollen Wege weiſe, in ein Paradies,
das wir verloren haben: in eine Heimat, die wenigſtens von
uns mehr kennen.
Die Heimat wird für uns und nicht nur aus der land=
läufigen
Deutung des Wortes heraus ſtets gleichbedeutend
bleiben mit dem Boden, den unſere Ahnen bebauten, bis die
Enkel ihn verloren, mit dem Korn, das uns nun ohne unſer
Zutun reift, mit den Bäumen, deren Früchte wir ernten, ohne
ſie mehr zu betreuen, mit jedem Tier, das uns, in den Stall
eingefangen, dient oder wild im Walde vor uns flieht, mit
Saat und Ernte, mit Blume und Vogel, mit Wieſe und Bach,
mit Berg und Tal. Man hat zwar und zumal in einer Zeit,
da die Dichtung die Großſtadt als Objekt entdeckte, ſomit vor
allem in der Epoche des Naturalismus und Realismus be=
hauptet
, die Heimat wäre überall dort, wo der Menſch Wurzel
geſchlagen habe, und aus dem Aſphalt wachſe nicht minder
Heimatbewußtſein wie aus Acker und Wald. Das war damals

der Fall, als Zola ſeine Proſaepen ſchrieb und Fontane ſeine
wundervollen Berliner Romane. Das war damals, als der
Städter ſich in ſeiner Gefühlswelt bewußt vom Landbewohner
zu ſondern begann und den gemeinſamen Urſprung vergaß. Das
war damals, als Anton Wildgans, ehe er in eine ſchöpferiſch
reiche ländliche Einſamkeit hinausfloh, noch ſingen konnte:
Ich bin ein Kind der Stadt. Die Leute meinen
Und ſpotten leichthin über unſereinen
Daß ſolch ein Stadckind keine Heimat hat.
In meine Spiele rauſchten freilich keine
Wälder da ſchütterten die Pflaſterſteine
Und biſt mir doch ein Lied, du liebe Stadt. . ."
Dennoch: trotz dieſes ſchönen Bekenntniſſes eines Dichters
wiſſen wir heute, daß die Großſtadt nur Lebensraum, aber nicht
Heimat iſt; daß ſie fruchtbar ſein kann und fruchtbar war in
jeglicher ziviliſatoriſchen Hinſicht, daß ſie aber wahre kulturelle
Werte nur ſelten zeitigt. Das kommt wohl daher, daß ſie den
organiſchen Zuſammenhang mit allem Naturhaften verlor und
die Grenze zwiſchen ſich und dem blühenden, fruchttragenden
Lande allzu kraß zieht. An dieſer Grenze tobt ein Kampf, der
unſere Gegenwart durchaus beſtimmt. Dabei führt die Stadt
ihren geſteigerten Lebenswillen ins Treffen, ihren Reichtum, ihre
vielfach geſchulte Klugheit. Das Land bringt nur ſein wunder=
bares
Beharrungsvermögen mit, das ſo vielen Stürmen ſchon
ſtandzuhalten vermochte. Es iſt ein Kampf der Weltanſchauungen,
ein Kampf der Generationen, und wenn wir ehrlich ſein wollten,
dann müſſen wir geſtehen, daß die Liebe von uns Großſtädtern
dabei dem andern Kampfpartner gehört, dem Lande, das unſe=
rem
Wiſſen und unſerem Beſitz ſeine altwüchſige Sitte und
Brauch, in Glaube und Aberglaube feſtgelegte Kultur entgegen=
ſetzt
; dem Lande, auf dem unſere Vorfahren ſelbſt noch mit dem
Pflug den Boden aufbrachen und aus dem wir alle hervor=
wuchſen
, um unſern Urſprung dann ſo ſehr und ſo ganz zu
vergeſſen.
Dieſer Kampf, der unſere Sehnſucht nach dem, was war,
weckt, iſt wichtig rüber alles Maß. Vieles Geläufige wird dabei
in Frage geſtellt, vieles Beſtehende in ſeinen Grundmauern er=
ſchüttert
. Gewiß ſcheint, daß daraus ein Wiedererſtarken des
Bauerntums und der großen Heimat auf anderer, neuer Ebene
folgen wird. In der Tat: viele Anſätze dazu ſind da. Aber da=
mit
das Bauerntum alle Kriſen, die ihm dieſe Zeit bringt, zu
überwinden vermag, wird es ſich immer wieder jener tiefſten
Kräfte bewußt bleiben müſſen, die aus der Vergangenheit in ihm
wirkſam ſind und in die Zukunft dauern ſollen. Somit iſt es
notwendig, und wertvoll, all den unberechtigten und unzeitge=
mäßen
Hochmut des Großſtädters von ſich abzutun und ſich in
voller Klarheit darüber, daß der Bauer der Geſündere, der

Boumergues shdierigienen.
Neuer franzöſiſcher Juſtizminiſter. Das Stichwahl=
ergebnis
.
EP. Paris, 15. Oktobes
Zum Nachfolger des am Samstag zurückgetretenen Juſtiz
miniſters Chéron iſt der Senator Henri Lémery ernannt worden
Lémery gehört der Rechten des Senats an. Er hat ſich in ſeinen
Reden und Schriften und vor allem durch ſeine ſcharfe und ge=
häßige
Sprache gegen Deutſchland hervorgetan. Zu Miniſter=
ehren
war er bisher noch nicht gekommen. Im Kabinen
Clémenceau im Jahre 1917 bekleidete er das Amt eines Untn=
ſtaatsſekretärs
im Kriegsmarine=Miniſterium.
Die Stichwahlen des geſtrigen Sonntags haben ſich zugunſten
der links= und rechtsextremiſtiſchen Parteien ausgewirkt. Die bei=
den
Mittelparteien Radikalſozialiſten und Unabhängige Radi=
kale
, die in der Kammer etwa mit der Radikalen Linken und der
Gruppe Franklin=Bouillon zu vergleichen ſind ſind die Leidtra=
genden
. Sie haben insgeſamt 40 Sitze verloren, während die bei=
den
extremiſtiſchen Parteien Kommuniſten und Gruppe Marin
je 16 Sitze gewinnen konnten. Allgemein geſprochen haben
die Kantonalwahlen jedoch die politiſche Wag=
ſchale
weder nach der einen noch nach der anderen
Seite zu neigen vermocht, denn die Zunahme der Volks=
demokraten
von 25 auf 36 Sitze bedeutet im Geſamtbild zu wenig.
Es gibt zwei Sieger: das iſt einmal die Rechte, die ihren
Sieg auf das Konto der Nationalen Union buchen wird, und die
ſozialiſtiſch=kommuniſtiſche Einheitsfront, bei der
der kommuniſtiſche Partner den Sieg faſt ganz für ſich in Anſpruch
nehmen kann.

A. Die Folgen der notwendig gewordenen innenpolitiſchen
Umgeſtaltung ſind noch immer nicht zu überblicken. Das iſt
verſtändlich, die Erſchütterung war ſehr groß und die Strömun=
gen
, die in allen Schichten des franzöſiſchen Volkes entſtanden
oder verſtärkt worden ſind, finden nur ſchwer ihren Ausdruck,
Die franzöſiſche Rechte hat den Rücktritt des Innenminiſters
Sarraut zu einem politiſchen Vorſtoß ausgenützt, deſſen Aus=
maß
noch nicht zu beurteilen iſt. In franzöſiſchen Rechtskreiſen
iſt man der Meinung, daß nur eine ſehr energiſche Zuſammen=
faſſung
aller konſtruktiven Kräfte dem Lande die notwendige
innenpolitiſche Ruhe und Vertrauen wiedergeben kann. Aller
dings haben, gerade die Rechtsparteien an Männern und Ideen
ſehr wenig zu bieten. Es iſt charakteriſtiſch, daß man rechts,
als die Idee auftauchte, den Arbeitsminiſter Adrien Marque
mit der Führung des Innenminiſteriums zu betrauen, geradezu
entzückt war, Marquet iſt bekanntlich der Führer der Diſſidenten,
der Neoſozialiſten und ſteht ſehr ſtark unter dem Einfluß
fasciſtiſcher Gedankengänge. Aber er hat nichts gemein mit den
Rechtsparteien.
Es iſt wahr, die Umgeſtaltung des Kabinetts Doumergue
bedeutet notwendigerweiſe die Umgeſtaltung der parlamen=
tariſchen
Grundlagen der Regierung. Rechts möchte man darauf
ſo wenig als nur möglich Rückſicht nehmen. Und man deutet
darauf hin, daß das Kabinett Doumergue viel eher unter dem
Druck der Ereigniſſe auf der Straße als infolge einer parlamen=
tariſchen
Doſierung zuſtande kam. Aber die Kammer darf in
hren Wünſchen nicht allzu ſehr übergangen werden, auch ſchon
darum nicht, weil die Autoxität Doumergues zwar ſehr groß
iſt, aber in den letzten Monaten doch nicht zunahm.
Ueber die Entwicklung der Außenpolitik kann man die ver=
ſchiedenſten
Kombinationen hören, manche von ihnen ſind nur
durch die verſtändliche Nervöſität der politiſchen Kreiſe zu er=
klären
. Die Donau= und Balkanpolitik Frankreichs erfährt
jedenfalls eine gewiſſe Unterbrechung aber das war ſchon nach
den Schwierigkeiten, auf die gewiſſe Konzeptionen Barhous
ſtießen, vorauszuſehen. Man denkt in den politiſchen Kreiſen,
daß ſchon mit Rückſicht auf die allgemeine Lage die diplo=;
matiſche Arbeit Frankreichs eine Zeitlang im Zeichen der Reſerbe=
ſtehen
wird. Allerdings ſind Gerüchte in Umlauf, aus denen
man gerade die entgegengeſetzte Folgerung ziehen könnte, gbern
es iſt angebracht ihnen mit viel Vorſicht zu begegnen.
China ſchükl ſich gegen Silber=Abfluß.
EP Schanghai, 15. Oktober,
Angeſichts des durch die amerikaniſchen Silberkäufe bedingten=
ſteigenden
Abfluſſes von Silber aus China (innerhalb der letztem
Woche ſind ſchätzungsweiſe 10 Millionen Unzen Silber aus Chinan
abgefloſſen), hat die chineſiſche Regierung eine Ausfuhrabgabe auff
Silber verhängt, die zehn Prozent für Rohſilber und 7½ Prozenth
für gemünztes Silber beträgt. Zu dieſer Ausfuhrabgabe tritt eines
Ausgleichszahlung, beſtehend aus der Differenz zwiſchen dem Lon= Silberpreis und dem von der Bank von China feſtgeſetzteml
Preis, mit der eine weitere Erhöhung des Silberpreiſes ausgeglſ=
chen
werden ſoll.

Stärkere, der allein Sieghafte iſt, in das Leben und in die An 1
jener Menſchen einzufühlen, die es ſo ſchwer haben, weil ihre
Werkſtatt unter dem freien Himmel liegt. Man muß ſie im1
Kreislauf ihrer ſpärlichen Feſte kennen, die ſie in ſtrenger Gotte
verbundenheit feiern, ihrer harten Arbeit, die letzte Hingabe bere:
langt und in ihrem Gelingen ſo ganz von den großen, ewig un=
ergründlichen
Geſetzen der Natur abhängig bleibt. Man muß?
um ihren Schatz von koſtbarem alten Volksgut wiſſen. Man mußé
Einblick getan haben in ihre oft ſo kraſſe Not und in die ernſten!
Probleme ihres Seins, etwa in die Hofflucht, die für manche=
gefährdete
Bezirke oft zu einer Elementarkataſtrophe zu werden!
drohte und die, über alle Lockung der Stadt hinweg, nur übere
wunden werden konnte durch bäuerliches Beharren, durch dieſe
ſtille Kraft, die vom Städter ſo wenig verſtanden und manchmat!
als Rückſtändigkeit verſpottet wurde. Aber dieſes Beharren hald
es allein vermocht, daß der Bauer, inmitten umſtürzender Ume.
wälzungen, durch Jahrhunderte ſich ſelbſt und ſeinem Urſpruncee
daß er ſeiner Heimat, die unſer aller wahre Heimat iſt, iren?
blieb. Dieſer Sieg des Bauern iſt im Grunde ein Sieg 9e2S
Bodens über ihn. Denn die Tradition alter Geſchlechter, die diee
ſem Boden dienten, iſt ſtärker als der Wille oder Schuld dess
Einzelnen, und aus dieſer Tradition erwächſt jenes ſelbſther
ſtändliche, ſtumme Bekenntnis zur ererbten Pflicht, das, reinen Glauben phraſenlos und tätig ,verankert, de
ſtärkſte Rückhalt des Bauerntums durch die Jahrhunderte wali
ihm danken wir es vor allem, daß die Heimat, die wir aus
engen Aſphaltgaſſen hoffnungslos erſehnen, ihr Geſicht wahril=
Es iſt eine Heimat, die uns aus jedem Brotlaib und an
jeder Blume grüßt; eine Heimat, die trotz Not und Kampf au
jedem neuen Blühen und Reifen die ſtolze Kraft zieht, ſich ſeln
treu zu bleiben. Sie iſt oft und in zärtlicher Liebe beſunge
und von Dichtern geſtaltet worden. Und ſie hat uns gedanſ
indem ſie uns allen eine Stätte blieb, an der unſer Herz He
flucht in ſeinen Nöten fand, mögen wir ſie auch verloren hab!"
und nur mehr mit der Sehnſucht in ihr wohnen. Sie iſt."
den vielfachen Kämpfen, die dem Großſtadtmenſchen beſchieb‟
ſind, das einzig Bleibende. Und das Leben wäre nicht we.
gelebt zu werden, wenn wir nicht alle die Hoffnung hätten, de.
einmal für immer zu ihr zurückzufinden. Max Mell hat dieſ"
ſchönſten Ziel, das jedem Menſchen aufgerichtet iſt, wunderylt.
Verſe geſchenkt. Sie ſind voll eines bezaubernden Volksioll
und man fühlt, daß in ihnen unſer aller Herz mitſchwingl
Die Heimat ließ dich nicht
Und ſei es, daß du erſt
Zu ihr im Abendlicht,
Zu ihr im Abendlicht
Aufatmend kehrſt. . ."

[ ][  ][ ]

Dienstag, 16. Oktober 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 286 Seite 3

Bergarbeiter unker Tag im Hungerſtreik. Drohende Erploſionsgefahr. Vergebliche Bemühungen der
ungariſchen Regierung, die ſtreikenden Bergarbeiter zum Verlaſſen der Grube zu bewegen.

Die Tragödie von Fünfkirchen.
DNB. Budapeſt, 15. Oktober.
Der Kohlenarbeiterſtreik in Fünfkirchen hat ſich trotz aller
9 ermittlungsverſuche noch verſchärft. Seit 72 Stunden ver=
meigern
950 Arbeiter 500 Meter unter Tage die Nahrungs=
aifnahme
. Am Sonntag wurden ihnen Lebensmittel zugeführt.
5i ie Lebensmittelkiſten wurden aber von den Streikenden unge=
öf
fnet zurückgeſandt. Auch das Eingreifen der Regierung zur
B eilegung des Aufſtandes blieb bisher erfolglos. Die Führer
der Arbeitergewerkſchaften, die ſich am Sonntag in den Schacht
be=gaben, ſtellten feſt, daß die Arbeiter infolge des Hungerſtreils
völlig erſchöpft ſind jedoch an der Weiterführung des Hunger=
ſtreiks
feſthalten. Man befürchtet, daß im Laufe des Montags
vom Streik weitere 3500 Arbeiter der chriſtlich=ſozialen Gewerk=
ſoaften
erfaßt werden.
Der Hungerſtreik nimmt immer bedrohlichere
Formen an.
Bis zum Montag nachmittag befanden ſich insgeſamt 1600
triſtlich=ſoziale Arbeiter im Streik. Auf Weiſung der Wiener
Seneraldirektion der Donau=Dampfſchiffahrts=Geſellſchaft, der die
erube gehört, iſt die Arbeit im geſamten Berg=
n
erksgebiet ſtillgelegt worden, ſo daß zurzeit 4800
Arbeiter ohne Beſchäftigung ſind. Von den ſtreiken=
orn
Arbeitern befanden ſich am Montag nachmittag 1000 be=
reits
100 Stunden unter Tage. Verhandlungen mit
om ſtreikenden Arbeitern ſind bisher ohne Erfolg geblieben.
urn Unruhen vorzubeugen, hat die Regierung zwei Regimenter
urd 100 Gendarmen bei den Gruben zuſammengezogen. Die
age iſt zweifellos außerordentlich ernſt, da infolge
drr Einſtellung der Saugpumpe und der Luftventilatoren
Exploſionsgefahr beſteht. Seit der Einſtellung der Pum=
var
ſteigt das Waſſer fortgeſetzt. Die Streikenden ſollen
völlig erſchöpftem Zuſtande in Gruppen von 10
s 20 in einer Tiefe von 500 Metern liegen. Sie ſollen kaum
noch ſprechen können. Zahlreiche Arbeiter ſollen Nervenſchocks
ir itten haben. Man befürchtet, daß bei einer weiteren Fort=
pamier
des Hungerſtreiks den Arbeitern innerhalb 48 Stunden
die Gefahr des Ertrinkens droht.
Miniſterpräſidenk Gömbös hat perfönlich
eingegriffen
urnd einen Sekretär entſandt, der den ſtreikenden Arbeitern
iuren Vorſchlag des Miniſterpräſidenten und des Handels=
nmniſters
überbrachte, wonach die Verhandlungen zur Regelung
e Lohnfrage ſofort aufgenommen werden ſollen, jedoch unter
Bedingung, daß die Arbeiter unverzüglich den Schacht ver=
aiſſen
. Die Bergleute wurden aufgefordert, innerhalb einer
allben Stunde den Streik einzuſtellen und ihre Antwort zu
eigen. Die Grubenarbeiter lehnten jedoch zunächſt dieſen Vor=
chlag
ab und ſchritten dazu, den Eingang der Grube zu ver=
arikadieren
. Sie befeſtigten Steine im Luftſchacht und ſetzten
ais Perſonal des Fahrſtuhls feſt. Auf telephoniſchem Wege
vurnten ſie davor den Lift in Bewegung zu ſetzen, da ſonſt
i Eingänge verſchüttet werden würden.
Nach einiger Zeit erklärten ſich die Arbeiter ſchließlich doch
eneit, einen Vertreter des Miniſterpräſidenten zu empfangen,
em ſie mitteilten, es handele ſich um einen Wirtſchafts=
rreg
.
Sie ſeien gute Ungarn, hätten den Krieg mitgemacht und
üurten jetzt ebenſo einen Krieg, um ihre troſtloſe Lage zu verbeſ=
mi
. Sie achteten und ehrten die Perſon des Miniſterpräſidenten,
bur die internationale Leitung des Bergbaues, gegen die allein
elden Kampf führten, habe ſie bereits ſo oft betrogen, daß ſie
resend welchen Vorſchlägen, ſofern ſie nicht verbrieft und verſiegelt
burmittelt werden, keinen Glauben ſchenken könnten. Sie ſeien
niöchloſſen, bis zum Tode auszuhalten.
Der Verſuch eines Reichstagsabgeordneten, mit den ſtreiken=
en
Arbeitern telephoniſch in Verbindung zu treten, ſcheiterte
guan, daß dieſer das Loſungswort nicht kannte.
Handelsminiſter Dr. Fabinyi läßt in der Preſſe erklären, die
ſegierung ſei ſelbſtverſtändlich bereit, im Intereſſe der Bergarbei=
er
einzuſchreiten und den Sachverhalt den Tatſachen und der Ge=

* Das Original auf der Bühne.
Von Hans Bauer.
Neulich war ich in einem Theater, deſſen Direktor den Ein=
u
. gehabt hatte, ein ſtadtbekanntes Original, einen Zeitungs=
rkäufer
, in der Volksſzene eines Luſtſpiels mit über die Bühne
asſchieren und ſeine Zeitungen ausrufen zu laſſen. Der
eiſtungsverkäufer war ob ſeines guten Mundwerks und ob
in er handfeſten Witzigkeit überall gern geſehen. Er ſtand in
ur Rufe, ein Stück unverfälſchter Volksſeele zu repräſentieren,
u. niemandem Scheu zu empfinden und niemandem die Ant=
oct
ſchuldig zu bleiben. Er galt als echter Sohn des Volkes.
ſenn Reich war die Straße und er herrſchte gründlich auf ihr.
Tonfall, in dem er ſeine Zeitungen ausbot, war Gemein=
der
Stadt; er war eines ihrer Wahrzeichen und er war
ols darauf, es zu ſein.
Aber ſeltſam: das unkopierbare Original, das im Trubel
2 Verkehrs und in den Gaſtwirtſchaften aller Grade und Arten
Tauſenden von Malen die Unbefangenheit ſeines Weſens
ier Beweis geſtellt hatte, das war hier befangen. Der
eitungsverkäufer war wie ein Gummiball, der plötzlich nicht
ſung, ein Stehauf, der ſich nicht erhob. Er hatte keine andere
un gabe zu erfüllen gehabt, als die, von der Linie ſeiner
ehgensgewohnheiten um keinen Deut abzuweichen, ſein Straßen=
ein auf die Bühne zu tragen. Aber er hatte wohl zu behut=
m
. getragen. Das Gut in ſeiner Hand zititerte. Er kam nicht
der die Bühne gegangen, ſondern er ſchritt über ſie. Er rief
iige Zeitungen nicht aus, ſondern er deklamierte ſie. Er führte
h nicht vor, ſondern er ſpielte ſich. Er empfand ſich als einen
chruſpieler, der ein ſtadtbekanntes Original darſtellen müſſe
nd, da er ein ſchlechter Schaufpieler war, ſtellte er ſich ſchlecht
Ein paarmal blinzelte er ins Parkett. Ich ſah es wohl.
Parkett ſaßen die Leute, denen er ſonſt ſeine Zeitungen
rhaufte. Jetzt kauften ſie nicht, ſondern paßten auf, wie er
mern Mann ſpielte, der anderen Zeitungen verkauft. Und was
Käufer noch je vermocht hatte: ſein Herz zum ſchnelleren
ſorofen zu bringen, das brachten die Aufpaſſer zuwege. Seine
tiime klang, als ob ſie ſich geſchminkt hätte. Seine Unbe=
mrmertheit
nahm ſich einſtudiert aus. Einmal verhaſpelte er
hiſogar. Er wechſelte die Reihenfolge zweier Worie und
chire nicht einmal darüber. Als er hinter den Kuliſſen ver=
zm
and, war man geneigt, ihm nachzurufen: Sie haben es
chr getroffen! So benimmt er ſich gar nicht!
Die Schauſpieler beherrſchten nun wieder die Bühne, und
s ironiſche Lächeln auf den Beſichtern über eine wenig. ge=
ngene
Leiſtung machte einem vergnügten Lachen über die

rechtigkeit entſprechend feſtzuſtellen. Dies habe aber eine Nachgie=
bigkeit
der ausländiſchen Arbeitgeber und den Verzicht der Berg=
arbeiter
auf das verzweifelte ſelbſtmörderiſche Mittel zur Voraus=
ſetzung
. Der Handelsminiſter weiſt darauf hin, daß ſich auf den
Halden des Bergwerks ein ungeheurer Kohlenvorrat von etwa
13 000 Wagenladungen angeſammelt habe, bei einem normalen Vor=
rat
von 6000 Wagenladungen. Der ungenügende Abſatz ſei auf
die allgemeine Wirtſchaftskriſe zurückzuführen. Eine Uebergangs=
löſung
ſei erforderlich.
An den Verhandlungen zur Beilegung des Streiks nehmen
Vertreter der chriſtlich=ſozialen und ſozialdemokratiſchen Arbeiter=
gewerkſchaften
teil. Die chriſtlich=ſoziale Arbeitsgemeinſchaft hat
ſich mit den Sozialdemokraten ſolidariſch erklärt und hat ſich ver=
pflichtet
, bis zur Durchſetzung der Forderungen durchzuhalten. Die
Lage iſt für die Regierung inſofern ſehr ſchwierig, als ſich
das Fünfkirchener Kohlengebiet in Händen der
Wiener Donau=Dampfſchiffahrts-Geſellſchaft
befindet, die zum Intereſſenbereich der der öſterreichiſchen Regie=
rung
naheſtehenden Wiener Kreditanſtalt gehört und ſomit eine
unmittelbare Einflußnahme der Regierung auf
die Arbeitgeber auf Schwierigkeiten ſtößt. Der
Budapeſter Vertreter der Wiener Donau=Dampfſchiffahrts= Geſell=
ſchaft
veröffentlicht eine Erklärung, in der darauf hingewieſen
wird, daß die Löhne der Arbeiter nur dann erhöht werden könn=
ten
, wenn es gelinge, die Ausfuhr zu fördern und den Binnen=
abſatz
zu ſteigern. Infolge des Bezuges ausländiſcher Kohlen ſei
der Abſatz ungariſcher Kohle außerordentlich zurückgegangen. Der
Hungerſtreik der Bergarbeiter ſei nicht berechtigt. Aehnliche Hun=
gerſtreiks
in Polen und Frankreich ſeien mißlungen.
Gegen die Hekfronk im Saargebiek.
Ein Aufruf des Landesleikers Pirro.
DNB. Saarbrücken, 15. Oktober.
In zahlreichen Orten des Saargebiets fanden am Sonntag
Maſſenkundgebungen der Deutſchen Front ſtatt, in denen unter
begeiſterter Zuſtimmung ein Aufruf des Landesleiters Pirro ver=
leſen
wurde, der angeſichts der ungeheuerlichen Angriffe und ge=
meinen
Verleumdungen der ſeparatiſtiſchen Preſſe zur klaren
Trennung der Fronten aufforderte und an jeden Saarländer den
Appell richtete, zwiſchen ſich und den Vaterlandsverrätern im
Saargebiet einen Trennungsſtrich zu ſetzen. In dem Aufruf
Pirros heißt es u. a.:
Der Königsmord in Marſeille, dem auch der franzöſiſche
Außenminiſter Barthou zum Opfer gefallen iſt, dieſe ungeheuer=
liche
Bluttat, die in der geſamten geſitteten Welt maßloſe Em=
vörung
ausgelöſt hat, wird von den traurigen Helden der Frei=
Hetz=Front ſkrupellos für ihre dunklen Zwecke ausgenutzt. Dieſe
Verleumder behaupten, daß der entſetzliche Mord das Werk
Deutſchlands ſei. Sie behaupten, daß dieſer Mord der Reichs=
regierung
genehm komme, daß Deutſchland hinter den Mördern
ſtände. Sie wollen das Ausland aufreizen, ja, ſie ſcheuen ſich
nicht, dieſem Deutſchland in ihren Zeitungen den Krieg zu wün=
ſchen
. Sie gehen ſogar noch weiter und kritiſieren europäiſche
Außenminiſter, weil ſie nicht ſchon Deutſchland in einen Krieg
verwickelt haben. Wenn jemals das wahre Antlitz der Frei=Hetz=
Front endgültig zum Vorſchein kam, dann in dieſem Augenblick.
Dieſes Antlitz iſt aber die Fratze der Niedertracht, des Verrates,
der Verleumdung, der Gemeinheit, der Gewiſſenloſigkeit. Jetzt
ſcheiden ſich endgültig die Fronten. Auf der einen Seite ſtehen
die anſtändigen Deutſchen, auf der anderen Seite ſtehen Nieder=
tracht
und Verleumdung, ſteht der unbändige Haß gegen alles,
was deutſch iſt.
Dieſelben gewiſſenloſen Hetzer, die offen zum Krieg gegen
Deutſchland und das deutſche Volk hetzen, geben vor, die Rechte
des Arbeiters zu ſchützen. Ihr blinder Haß gegen die deutſche
Regierung bedroht ein ganzes Volk, bedroht damit Exiſtenz und
Leben aller deutſchen Arbeiter. Der Status quo wäre die Mör=
derzentrale
Deutſchlands, der Status quo wäre der ewige
Kriegsherd zwiſchen den Völkern Europas.
Der Aufruf ſchließt mit der Aufforderung: Heraus aus
der Kriegshetzerfront! Heraus aus der Front
der Verleumder am eigenen Bruder!

naturnahe Luſtigkeit eines Komikers Platz. Die Lebensechiheit
eines guten Darſtellers triumphierte über die Darſtellung der
Lebensechtheit.
Ein paar Stunden ſpäter begegnete ich dem Original im
Caféhaus. Jemand, der um ſeine Theaterpraxis wußte, ver=
ſuchte
, ihn zu frozzeln. Er parierte glänzend. Gar nicht geiſt=
reich
, aber mit einem erdverwurzelten, kräftigen Humor, der
ungeſucht und auf beſte Hausmacherart bereitet war.
Er war wirklich ein Original, der Zeitungsverkäufer. Und
vielleicht gerade deshalb, um ſo mehr, weil er es dort nicht
vor Augen zu führen vermochte, wo es darauf ankam, es zu ſein.

Die Schönheit der Straßen Adolf Hitlers. Die gewaltige Planung
der Reichsautobahnen, an denen mit Eifer und Anſtrengung
gearbeitet wird, nimmt nach dem Willen des Führers auch
auf die Schönheit der Landſchaft Bedacht. Wir leſen in einem
Aufſatz Dr. Otto Reismanns im Oktoberheft von Velhagen
& Klaſings Monatsheften: Die Reichsautobahnen ſollen keine
öden Rennſtrecken werden. Eine der Hauptaufgaben des General=
inſpektors
für das deutſche Straßenweſen bildet die Löſung des
Problems der Eingliederung dieſer gewaltigen neuen Straßen
in die deutſche Landſchaft. Hier geht man mit äußerſter Sorgfalt
und Rückſichtnahme vor. Die Traſſe der Autobahn ſoll die Land=
ſchaft
nirgends rückſichtslos durchſchneiden, ſondern ſich überall ſo
weit wie nur möglich in die Landſchaft einfügen und ihrem Rhyth=
mus
anſchmiegen. Dementſprechend wird der Bepflanzung der
Mittelſtreifen mit Baum= und Buſchwerk ein beſonderes Augen=
merk
zugewendet, und alle Kunſtbauten, wie Brücken und Ueber=
oder
Unterführungen werden nach übereinſtimmenden techniſchen
und künſtleriſchen Geſetzen geſtaltet. Auf dieſem Sondergebiet zeigt
ſich der erfreuliche Unterſchied zwiſchen dem verantwortungsbe=
wußten
Kulturwillen unſerer Tage mit ſeinem ernſten Ringen
und der plan= und ideenloſen Zeit der Ingenieurkunſt und rein
materiellen Zweckſetzung einer vergangenen Epoche. Die Auto=
bahn
wird im Regelfalle zwei Fahrbahnen von je ſiebeneinhalb
Meter Breite umfaſſen, getrennt durch einen grünen Mittelſtreifen
von fünf Meter und umſäumt von Banketten von je zweimal
zwei Meter Breite. Starre Maße ſind jedoch nicht feſtgelegt, um
je nach Gelände und Bebauung Abweichungen zu ermöglichen,
wenn ſie aus beſonderen Gründen einmal nötig ſind. So kann
der Mittelſtreifen in dicht bebautem Gebiet da und dort weg=
fallen
, oder die beiden Fahrbahnen können in bergigem Gelände
in der Führung getrennt werden, wenn die Rückſicht auf das
Landſchaftsbild und ſeinen Charakter das erfordern.
Das neue deutſche Stilwörterbuch. In Ganzleinen 4 RM. ( Ver=
lag
Bibliographiſches Inſtitut AG. in Leipzig.)
Wie oft wendet man gedankenlos einen Ausdruck an, ohne ſich
ſeiner Bedeutung bewußt zu ſein; wie oft ſucht man vergeblich
nach einem paſenden Ausdruck beim Sprechen oder Schreiben!
Bisher gab es kein Wörterbuch, das die verſchiedenartigen An=
wendungsmöglichkeiten
der deutſchen Wörter im Satzuſammen=
hang
zeigt. Dieſe Vielfältigkeit des deutſchen Wortgutes iſt jetzt

Poincaré .
DNB. Paris. 15 Oktober.
Der frühere franzöſiſche Miniſterprädent und Staatspräſident
Raymond Poincaré iſt am Montag, um 3,30 Uhr, in
ſeiner Pariſer Wohnung plötzlich geſtorben. Poincaré hat das
Alter von 74 Jahren erreicht.
* Mit Poincaré iſt der Letzte aus dem Kreiſe der Kriegso
ſchuldigen geſtorben. Er hat ebenſo wie der ruſſiſche Botſchafter
in Paris in der entſcheidenden Stunde triumphierend ausrufen
können: Dies iſt mein Krieg! Beide haben den Krieg
bewußt gewollt. Er gehörte derjenigen Generation an, die unter
dem Eindruck des Kriegs von 1870/71 groß geworden war, mit
Haß getränkt, durchdrungen nur von dem einen Ziel: Revanche
für Sedan und für den Verluſt von Elſaß=Lothringen. Dafür
hat er gearbeitet vom erſten Tage ſeiner Karriere an.

Poincaré hat eine ungewöhnlich raſche Laufbahn
hinter ſich. Mit 26 Jahren war er Abgeordneter, mit 33 Jahren
zum erſten Mal Miniſter, der jüngſte Miniſter, den Frankreich
gehabt hat. Als Miniſterpräſident ſchickte er Delcaſſé nach
Petersburg, um den Ausbruch der Ruſſen aus der Entente zu
verhindern und das Bündnis mit Rußland ſo eng zu geſtalten,
daß es im entfcheidenden Augenblick funktionierte. Als Miniſter=
präſident
führte er die dreijährige Dienſtzeit ein, die eigentlich
das Signal zum Kriege war. Denn ſie bedeutete wirtſchaft=
lich
eine ſo ſchwere Laſt für Frankreich, daß ſie nur auf kurze
Friſt getragen werden konnte und innerhalb dieſer Friſt den
Kriegsausbruch bringen mußte. Es war alſo ſchon richtig, wenn
der franzöſiſche Sozialiſt Jaures, der am Tage des Kriegs=
ausbruchs
erſchoſſen wurde, als Poincaré 1913 zum Präſidenten
gewählt wurde, ausrief: Poincaré, das iſt der Krieg!
1½ Jahre hat es dann auch nur gedauert, bis die Kanonen
zu ſprechen begannen. Zunächſt freilich ſtand Poincaré vor der
Gefahr, das Spiel zu verlieren. Er mußte vor den deutſchen
Truppen nach Bordeaux fliehen. Aber ſeiner Zähigkeit gelang
es, gemeinſam mit ſeinem Todfeind Clemenceau, den er zum
Miniſterpräſidenten machte, Frankreich zum Durchhalten zu
zwingen, ſo daß es dank der Unterſtützung ſeiner Bundesgenoſſen
den Krieg gewinnen und in Verſailles feine Bedingungen diktie=
ren
konnte. Poincaré war der Verfechter eines Gewaltfriedens,
der bis zur Vernichtung Deutſchlands gehen ſollte. Sein Haß
war auch durch den Sieg nicht befriedigt. Deshalb ſtürzte er
1922 Briand, als in Cannes der Verſuch einer Annäherung ge=
macht
wurde. Deshalb wurde er der Mann des Ruhreinbruchs,
deſſen Erfolg aber nicht ſeinen Wünſchen entſprach. Er mußte
ſich vorübergehend zurückziehen. Als aber Frankreich vor der
Gefahr der Inflation ſtand, war er der Mann des allgemeinen
Vertrauens. Er war wieder der große Gegenſpieler Briands,
deſſen Thoiry=Programm er zerbrach. In dreijähriger Arbeit
gelang es ihm, den franzöſiſchen Franken wieder in Ordnung
zu bringen.
Eine lebensgefährliche Krankheit, die ihn nach einer
ſchweren Operation 1929 an den Rand des Grabes brachte,
zwang ihn dazu, ſich von der Politik zurückzuziehen. In den
letzten Jahren war es ſtill um ihn geworden. Am vergangenen
Sonntag war er gerade wieder in den Generalrat gewählt
worden. Aber das Schickſal hat es gewollt, daß er unmittelbar
nach Barthou, der ihm in ſeinen Anſchauungen und in feinen
Zielen weſensverwandt war, die Augen ſchloß. Frankreich ſieht
in ihm zunächſt den Mann, der es vor dem finanziellen Zu=
ſammenbruch
rettete. Die Geſchichte aber wird in ihm einen
va=baneaue=Spieler fehen, der Europa in die
folgenſchwere Kataſtrophe von 1914 hinein=
geführt
hat.

zum erſten Male in einem Buche dargeſtellt, das als Ergänzung
und Weiterführung von Dudens Rechtſchreibung der deutſchen
Sprache und der Fremdwörter, 11. Auflage, des ſeit 50 Jahren
maßgebenden Wörterbuches der deutſchen Rechtſchreibung er=
ſcheint
: Der Große Duden Stilwörterbuch der
deutſchen Sprache In abecelicher Reihenfolge werden
die deutſchen Haupt= Eigenſchafts= und Zeitwörter in den von
der geſchriebenen und geſprochenen Sprache gebrauchten Ver=
bindungen
gezeigt, angefangen von den Schöpfungen der Gaſſe
bis hinauf zum Satzgebilde des Gelehrten und zu den Worten
der Dichter und der Heiligen Schrift. Tauſende von Wortver=
bindungen
, Redensarten, Sprichwörtern, Zitaten ſind hier zu=
ſammengetragen
, um als ſtiliſtiſche Hilfsmittel beim Schreiben zu
dienen. Erſtaunt, beglückt, oft beluſtigt ſteht der Benutzer des
Werkes vor einem überquellenden Füllhorn, deſſen bunte Gaben
ihm immer und immer wieder zeigen, wie unendlich reich und
mannigfaltig im Ausdruck die deutſche Sprache iſt wie ſie in
meiſt äußerſt bezeichnenden, oft grotesken, nicht ſelten in derbe
Worte gefaßten Bildern zu reden pflegt. Die einleitende Ab=
handlung
geißelt nicht nur die Laſter der Fremdwortſeuche, der
Hauptwörterkrankheit, des Zeitungs= und Kaufmannsdeutſch, ſon=
dern
bringt vor allem in friſchlebendiger Darſtellung Leitſätze für
einen guten deutſchen Stil.
Zünftige Richtſprüche und Zimmermannslieder Geſammelt und
bearbeitet von Frau Dr. Bruder=Karlsruhe. (Fachblatt=
Verlag. GmbH., Karlsruhe).
Wohl ſelten hat ein Zweig des deutſchen Handwerks ein ſo
edles Geſchenk erhalten wie dieſes hier, das dem Zimmerhand=
werk
dem erſten, wie es ſich mit Stolz nennt gewidmet iſt.
Das mit viel Liebe und feinem Kunſtgefühl zuſammengeſtellte
Bändchen iſt dem Bundesführer des deutſchen Zimmerhandwerks,
Zimmermeiſter Robert Roth. M.d.R., Liedolsheim i. B. zugeeig=
net
, und enthält in ſeinen 175 Seiten eine überaus reiche Fund=
grube
von Richtſprüchen, die dem Zimmermann bei jedem Richt=
feſt
Rat oder getreue Hilfe geben können. Alles iſt berückſichtigt:
Bauernhof und ſtädtiſches Haus, Fachwerk und Mauerbau, Schloß
und Siedlungshaus, Kirche und Schule, Rathaus und Kranken=
haus
, Stall und Scheune, und daran ſchließen ſich SA.=Heim, Flie=
gerhalle
und Funkturm. Stolze Tradition und unternehmender
Mut zu neuer und neuzeitlicher Arbeit reichen ſich hier die Hand.
Harald von Koenigswald: Sickingens letzte Fehde. (Reclams
Univerſal=Bibliothek Nr. 7267. Gebunden 75 Pf.) Sickin=
gens
leßte Fehde iſt zugleich auch die letzte Fehde des mittel=
alterlichen
Rittertums überhaupt, das ſich noch einmal in kühnem
Angriff gegen die Macht der Territorialfürſten erhebt, um in
ritterlichem Sinn das Reich politiſch zu geſtalten. Gewaltig iſt
dieſes letzte Aufgebot des Rittertums, gewaltig die Geſtalt Franz
von Sickingens, des reichen Günſtlings Kaiſer Karls V., beſchwö=
rend
dahinter die Figur Ulrich von Huttens als des Verkünders
der politiſchen Sehnſucht im Zeitalter der Reformation. Dieſe
letzte Fehde des Rittertums und der Untergang Sickingens iſt
eine der erſchütterndſten Szenen, der deutſchen Geſchichte, eine
Mahnung an das politiſche Gewiſſen unſerer Zeit.

[ ][  ][ ]

Seite 4 Nr. 286

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Dienstag, 16. Oktober 1934

Aate
Fa

Schwägerin

Fräulein
einnd Menger
Die tieftrauernd
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 13. Oktober 1934.
Die Beiſetzung fand in der Stille ſiatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Nach Gottes heiligem Willen verſchied am
Sonntag, den 14. Oktober nach kurzem,
ſchweren Leiden meine innigſtgeliebte
Mutter, Schwiegermutter und Groß=
mutter

Eliſe Becker, geb. Lehr
Hebamme
nach einem arbeitsreichen Leben im Alter
von 59 Jahren.
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Knöpp.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1934.
Die Beerdigung findet am Mittwoch nach=
mittag
um 3 Uhr auf dem Waldfriedhof
ſtatt. Beileidsbeſuche dankend verbeten.

Todes=Anzeige.
Nach Gottes heiligem Willen entſchlief
Montag früh 8 Uhr nach langem, mit
großer Geduld ertragenen Leiden meine
liebe Frau, unſere treuſorgende Mutter,
Schweſter, Tante und Schwägerin
Frau

geb. Poth
im Alter von 52 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Ackermann, Förſter i. R.
und Kinder.
Nieder=Modau, den 15. Okt. 1934.
Die Beerdigung findet Mittwoch, nach=
mittags
3 Uhr, ſtatt.
(10847

Statt Karten.
Ludwig Nohascheck
Steuerrat
Elisabeth Nohascheck
geb. Lindenschmit
VERMAHLTE
Darmstadt, Erbacherstr. 65, Oktober 1934.

Nachruf.
Am 12. ds. Mis. iſt nach lurzer Krankheit
unſer lieber Amtsgenoſſe
Herr
Aoun Schzfer
Lehrer an der Ballonſchule zu Darmſiadt
hingeſchſeden.
27 Jahre hat er in vorbildlicher Pflichttreue
an unſerer Anſtalt gewirkt. Wir verlieren
in ihm einen gütigen und gerechten Erzieher,
einen liebenswerten und unermüdlichen
(10829
Mitarbeiter.
Sein Andenken wird in Ehren fortleben.
Das Lehrerkollegium der Ballonſchule.

Heuteverſchied nach langem ſchweren
Leiden unſre innigſigeliebte treue
Schweſier, unſre liebe Tante und

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Gott der Allmächtige hat unſeren lieben
Vater und Großvater
Kirchenrat
Emnt unch
heute vormittag im 84. Lebensjahre in
die Ewigkeit abberufen.
Marie Münch
Theodor Münch, prakt. Zahnarzt
Martha Mürch, geb. Bauer
Gerbard Münch.
Schotten, Darmſtadt, 14. Okt. 1934.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
17. Oktober 1934, nachmittags 3.45 Uhr
in Schotten ſtatt.

Jurgerſteuer und
Ausſiellung der Steuerkarten
Alle die Bürgerſteuer ſowie die Ausſtellung und
Aenderung von Steuerkarten betreffenden Ar=
beiten
werden bis auf weiteres in der ehemaligen
Infanterie=Kaſerne, Alexanderſtraße 22. Erdgeſchoß,
Zimmer 6 (Fernſprecher: Stadtamt 3500), erledigt.
Sprechſtunden täglich von 812 Uhr vormittags.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1934.
(st.10857
Bürgermeiſterei.

Va
MAA

Austtert

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen lieben, treuſorgenden Gatten, unſe=
ren
lieben Vater, Großvater, Schwieger=
vater
, Bruder, Onkel und Schwager
Ludwig Hebermehl
Schreiner
im 57. Lebensjahre, nach langem, ſchweren,
mit Geduld ertragenem Leiden zu ſich in
die Ewigkeit abzurufen,
Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen;
Frau Ludwig Hebermehl.
Darmſtadt, Philipp Röth=Weg 48, Goddelau,
Crumſtadt, Biebesheim, 14. Oktober 1934.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
17. Oktober 1934, nachm. 2½ Uhr von der
Kapelle des Waldfriedhofes aus ſtatt.

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1

2

(19587)

Einträge in das Handelsregiſter Abteilung A
Am 26. September 1974 hinſichtlich der Firma-
Joſef Schmid, Darmſtadt: Die Firma iſt er=
loſchen
. Am 28. September 1934 hinſichtlich
der Firma: Carl Schürmann & Co., Darmſtadts
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt aufgelöſt. Geſchän
ſamt Firma ſind, auf den bisherigen Geſellſchafter
Heinrich Hartoch übergegangen. Neueinträges
1) Am 28. September 1934: Firma: Leonhaudo
Lutz, Spezialgeſchäft für Bürobedarf, Darm=
ſtadt
. Inhaber: Leonhard Lutz, Kaufmann im
Darmſtadt. 2) Am 5. Oftober 1934: Firmas,
Heinricke Fink, Tabakwaren= Großhand=
lung
, Pfungſtadt Inhaberin: Georg Fing
Ehefrau Heinricke geb. Brodbeck in Pfunkgſtadt.
Abteilung B: Am 21. September 1934 hinſicht=
lich
der Firma: G. C. Klebe, Papierwaxen=
fabrik
Aktiengeſellſchaft, Eberſtadt: Oskam
Grunewald in Eberſtadt wurde zum Vorſtands=
mitglied
beſtellt. Die beiden Vorſtandsmitgliedem
ſind berechtigt, die Firma gemeinſam oder jedem
zuſammen mit einem Prokuriſten zu vertreten und=
zu
zeichnen. Am 2. Oktober 1934 hinſichtlichs
der Firma: Möbel=Trier Geſellſchaft mit be=
ſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Durch Beſchluß
der Generalverſammlung vom 21. September 1939
iſt die Gefellſchaft mit Wirkung vom 30. Septemben
1934 aufgelöſt. Liquidatoren ſind a) Kaufmanr
Ernſt Trier, Darmſtadt, b) Rechtsanwalt Erwir,
Löhlein, Darmſtadt. Jeder der Liquidatoren iſzi
alleinvertretungsberechtigt. Am 4. Oftober 1939
Neueintrag: Firma: Palatin Geſellſchaft min
beſchränkter Haftung. Sitz Darmſtadt.
Gegenſtand des Unternehmens: Die Verwertung
der für den Dipl.=Ing. Robert Kuſtner beſtehenden,
und noch entſtehenden Schutzrechte hinſichtlich dem
Verarbeitung von Schieferrückſtänden und Schiefem
zu zementartigen Werkſtoffen und veredelten Pro=, d. h. Umwandlung von Schiefer in Säufe=
Schutzbauſtoffe ſowie Beleiligung an ähnlichen Un=
ternehmungen
. Stammkapital 20.000. RM.
Geſchäftsführer: Reinhold, von Becker, Geheimrat,
Darmſtadt. Der Geſellſchaftsvertrag iſt an
24, Auguſt 1934 feſtgeſtellt. Als nicht eingetragemn
wird veröffentlicht: Die Veröffentlichungen der Ge
ellſchaft erfolgen im Deutſchen Reichsanzeiger.
Darmſtadt, den 11. Oktober 1934.
Amtsgericht Darmſtadt,
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Dienstag, 16. Oktober 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 286 Seite

Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, den 16. Oktober 1934.
Ein berühmkes Grab in Darmſtadt.
E Der Oberbürgermeiſter der Landeshauptſtadt Darmſtadt
bat angeordnet, daß das Grab des ungariſchen Philoſophen
Melchior Palagyi in dauernder Pflege der Stadtver=
woaltung
gehalten wird. Melchior Palagyi ſtarb am 13. Juli
24 in Darmſtadt. Er war der erſte naturwiſſenſchaftliche
sverakliteer, der die Welt nicht als Sein auffaßte, ſondern als
exn Werden, als ein lebendiges Geſchehen. Es war eine denk=
v
ürdige Tat, als Palagyi auf dem 85. Naturforſchertag in Wien
dras Schwindelgebilde Einſteins mit der denkwürdigen Rede Die
9Telativitätstheorie in der modernen Phyſik zerriß. Es bildet
eirne hohe Anerkennung des ungariſchen Philoſophen, daß Lud=
weig
Klages ihm zum Dank verpflichtet war. Das neue Deutſch=
land
bemüht ſich, die Sünden der Vergangenheit wieder gut zu
yrachen. Ludwig Klages wurde aus dem Dunkel der Verken=
ruing
herausgeholt, und ſo hat die Stadtverwaltung Darmſtadt
auich den großen Ungarn nicht vergeſſen, der ſeit einem Jahrzehnt
bei uns ruht, und dem es nicht mehr vergönnt war, den Sieg
ſi ines Gedankens und das Wiedererwachen unſeres Vaterlandes
zn erleben, an das er ſo glühend geglaubt hat.
Wir begrüßen den Beſchluß des Oberbürgermeiſters mit be=
ſunderer
Genugtuung und Freude, die auch unſere Leſer mit uns
ti=ilen werden, da Melchior Palagyi lange Jahre bis zu ſeinem
Rode zu den meiſtgeſchätzten Mitarbeitern des Darmſtädter Tag=
bTatts
zählte. Eine große Reihe ſeiner wertvollen Artikel ſind
musſchließlich in unſerem Blatte erſchienen. D. R.

Das Deutſche Jungvolk hat ſich, von der Rede des Führers
hrngeriſſen, zu einer Brotſammlung für Freitag, den 19. Okto=
barr
, und Samstag, den 20. Oktober, erboten.
Die Verteilungen des diesjährigen Winterhilfs=
w
erks werden infolgedeſſen mit einer Brot= und Marme=
ladeausgabe
am Sonntag, den 21. Oktober, eröffnet.
Kreisbeauftragter des Winterhilfswerks 1934/35.

Der Reichsſtakthalter in Heſſen:
Perſonalnachrichten.
Ernannt wurden am 8. Oktober 1934 der Studienrat Heinrich
Alarius in Gießen zum Direktor der Univerſitätsbibliothek
Greßen, mit Wirkung vom 1. Juni 1934.
In den Ruheſtand verſetzt wurde am 27. September 1934 der
Kreisdirektor des Kreiſes Alsfeld Dr. Hermann Stammler auf
Grund des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom
2. Juli / 19. Dezember 1923, in der Faſſung des Geſetzes über die
Ernſtellung des Perſonalabbaues in Heſſen und zur Aenderung des
hiſiſiſchen Perſonalabbaugeſetzes vom 8. Oktober 1925, mit Wirkung
vam 1. November 1934, unter Anerkennung ſeiner dem Staate ge=
ieſiſteten
langjährigen treuen Dienſte.
Der heſſiſche Staaksminiſter:
Bekanntmachungen des Perſonalamts.
Zugelaſſen wurde am 5. Oktober 1934 der Rechtsanwalt Wil=
hlm
Jöckel in Offenbach a. M. zur Rechtsanwaltſchaft bei der
Krammer für Handelsſachen in Offenbach a. M. und bei dem Land=
zeiricht
in Darmſtadt.
In den Staatsdienſt übernommen wurde am 6. Oktober 1934
ruff Grund des Artikels 3 des Geſetzes über die Ermächtigung der
Syaatsregierung zur Neuregelung der Dienſtbezüge der Kommu=
rallforſtwarte
ſowie zur Neueinteilung der Förſtereien vom
Juli 1920 der Kommunalforſtwart Johann Georg Poth II.
u! Altenſtadt als Förſter der Förſterei Altenſtadt.

D Achtung! Muſiker und Muſikfreunde! Wir machen noch=
nſels
auf die anläßlich der Landestagung der Reichsmuſikkammer
n. Darmſtadt ſtattfindende Muſiker=Verſammlung im
7geinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters am Mittwoch,
m 17. Oktober 1934, vorm. 11.30 Uhr, aufmerkſam,
ſei der führende Männer der Reichsmuſikkammer ſowie Oberſt=
elwmeiſter
Kirchner Muſikreferent der Reichsleitung des
Dwutſchen Arbeitsdienſtes, ſprechen.
Verlängerung der Jubiläumsſchau Richard Hoelſcher. Die
nläßlich des 50jährigen Künſtler=Jubiläums von Profeſſor
thard Hoelſcher veranſtaltete Ausſtellung, die in ſehr ſchöner
Geiſe ſeinen ganzen künſtleriſchen Werdegang wiedergibt. erfreut
ich nach wie vor großen Intereſſes und beſonders guten Beſuchs.
5 hatten ſich letzten Sonntag wieder zahlreiche Kunſtfreunde in
ſei: Kunſthalle am Rheintor eingefunden, aus deren Reihen ver=
ch
edentlich der Wunſch ausgeſprochen wurde, die Hoelſcher=Schau
och nicht ſchon mit dem 14. d. M. zu ſchließen. Dem wurde dann
aourch Rechnung getragen, daß die Ausſtellung noch bis ein=
c
ließlich Sonntag, den 21. d. M., offengehalten wer=
er
ſoll. Dieſer Tag muß allerdings der unbedingt letzte Termin
eim, weil dann ohne Verzug mit den Arbeiten für die kommende
lesſtellung begonnen werden muß. Die Verlängerung der jetzi=
eir
Veranſtaltung war im übrigen auch um deswillen geboten,
väl nach einer Mitteilung der NS.=Gemeinſchaft Kraft durch
fneude für die Kameraden der Arbeitsfront noch Führungen
urch die Jubiläumsſchau Hoelſcher durchgeführt werden, ſollen.
ſuswiſchen waren auch einige weitere Verkäufe zu verzeichnen;
ie Arbeiten Der Schreiner P. K, Wegwende und Heim=
elr
gingen in Privatbeſitz über.
Hefſiſches Landestheater Darmftadt.

Wenſſ
18.

Großes Haus.
Anfang 20, Ende 22.45 Uhr. Miete A. 5
Oktober Cavalleria ruſtieana, Hierauf: Der Bajazzo.
Preiſe 0.705.50 Mk.

Natwoch

17. Oktober

Anf. 19.30. Ende 22,15. Miete B 4
Preiſe 0.705.50
Fidelio.

Kleines Haus.

Venſ
16. Oktober
Vane
18. Oktober

Anf. 20. Ende geg. 22.30 Uhr.
Volksmiete r. Vorſt
Wenn der Hahn kräht.

Deutſche Bühne
Preiſe 0.703.80

Anf. 20, Ende 22.15 Uhr. Zuſatzmiete V 1. Vorſt.
Der Poſtillon von Lonjumeau. Pr. 0.804.50

Ein Volk, ein Führer, ein Wille.
Eröffnung des Winkerhilfswerkes des deutſchen Volkes 1934135 für den Gau Heſſen=Naſſan
durch den Gauleiter Reichsſtakthalter Sptenger.

Geſtern vormittag wurde im Städtiſchen Saalbau das Winter=
hilfswerk
1934/35 für den Gau Heſſen=Naſſau in einem feierlichen
Feſtakt durch den Reichsſtatthalter eröffnet. In Rieſenlettern
prangt über dem Haupteingang die Inſchrift, die dieſem Bericht
vorangeſtellt iſt. SA.= und SS.=Abordnungen mit Fahnen vor dem
Saalbau, zeigen auch den Paſſanten, daß hier ein Akt von beſon=
derer
Bedeutung inſzeniert wird. Der Gauleiter und Reichsſtatt=
halter
wird die Eröffnung des Winterhilfswerkes in ſeinem Gau.
wie im Vorjahre in Frankfurt, ſo in dieſem Jahre in Darmſtadt
vornehmen, um die Parität zu wahren und die Zuſammengehörig=
keit
des Gaues auch nach außen zu beſtätigen. Zahlreiche Paſſanten
bleiben ſtehen, um den Aufmarſch und die Auffahrt der Wagen
zu ſehen, den Statthalter zu begrüßen. Im Feſtſaal haben ja bei
weitem nicht alle Platz. Der Feſtſaal des Saalbaues und der Gar=
tenſaal
trugen ſelten ſchönen eindrucksvoll=feierlichen Schmuck in
Herbſtblumen und dunklen Tannen= und Eichenlaubgirlanden.
Ueber der Bühne die große Inſchrift, Keiner ſollhungern
und frieren‟. Die Säulen um die Eſtrade waren ganz mit

Gauführung
Voltt
Geut

Frankfurt am Main
Telefon: 7o891
Poſtſchech=Konto:
Frankfurt am Main 2sioo

Heſſen=Naſſau
bdes
NS4

Mainzer Löſtr. 42
Gank=konto:
Malfaulſche Landeobank
Giro=konto 8so0

Tannengrün verkleidet, die Brüſtungen der Balkone mit Girlan=
den
und Herbſtblumen geſchmückt, die die Hoheitszeichen umrahm=
ten
. Eine einfarbige Dahliengirlande umzog die Brüſtung und
fand ihre Fortſetzung in der Umrahmung des Proſzeniums. Der
ebenfalls mit Blumen geſchmückte Rednertiſch auf der Bühne wird
durch fünfkerzige Leuchter erhellt und von den Fahnenabordnun=
gen
der SS.. SA., Arbeitsdienſt und HJ. flankiert. Im Hinter=
grund
das lebensgroße Bild des Führers ebenfalls von Blumen=
girlanden
eingerahmt. Dunkelrote Blumen, in Eichenlaub gebet=
tet
, ſchmücken den vorderen Teil des Podiums, SS., SA. und
Polizei verſehen den Ordnungsdienſt. Im großen Saal ſieht man
faſt nur Uniformen. Vorherrſchend braun. Auf den Balkonen und
im Gartenſaal, der durch Lautſprecher angeſchloſſen iſt, Zivil. Der
Reichsſtatthalter wird bei ſeinem Erſcheinen im Saal mit Marſch=
muſik
begrüßt. Der Reichsſtatthalter nimmt mit ſeinem Stabe auf
der Bühne Platz. Ebenſo Staatsminiſter Dr. Jung, Kreisleiter
Oberbürgermeiſter Wambold. Bürgermeiſter Haug uſw.
Die feierlichen Klänge der Egmont=Ouvertüre von Beethoven,
geſpielt vom Muſikzug der Standarte 115 unter Leitung des
M. 3.F. Willy Schlupp, leiten das Programm des Feſtaktes ein.
Dann ſpricht Oberſpielleiter Pölzig vom Heſſiſchen Landes=
theater
den
Vorſpruch:
Wir haben um die Zukunft gezittert.
Wenn wir an Deutſchland gedacht
Vierzehn Jahre!
Wir wurden mit leeren Phraſen gefüttert
Und arm gemacht
Vierzehn Jahre!
Vierzehn Jahre endloſer Bürde,
Verzweiflung. Not, unſagbares Leid
Das war die Schönheit, Freiheit und Würde‟,
Die uns prophezeit!
Doch aus den dunklen Wolken hernieder
Brach leuchtend und mahnend ein neues Licht,
Auf daß der Glaube an Deutſchland wieder
Aus jungen Quellen zum Leben bricht.
Wir folgten dem Rufe: Deutſchland erwache!
Ein Künder der Wahrheit die Trommel ſchlug
Feuer entbrenne, Flamme entfache!
Vergeltung für den Verrat und Betrug!
Vierzehn Jahre durch Nacht und Wende,
Terror und Haß ein einziger Schrei.
Wir aber reichten dem Führer die Hände
In Treue und Liebe: Deutſchland wird frei!
Deutſchland ward frei! Der Süd, der Norden,
Der Oſt. der Weſt ein leuchtendes Band!
Denn Frühling iſt es wieder geworden
In allen Herzen im deutſchen Land!
Der Geſangverein Liedertafel und Sängerluſt unter Lei=
tung
von Chormeiſter Grimm bringt den Chor Mahnung von
Wilhelm Veſper und Deutſche Sonnenwende zum Vortrag. Ein=
dringlich
dringt das Nun ſchweige jeder von ſeinem Leid in die
Herzen der Hörer und jubelnd klingt die Deutſche Sonnenwende‟
aus im Glauben an den Sieg der deutſchen Sache.
Dann folgt
die Eröffnung der Kundgebung
durch den Gaubeauftragten des Winterhilfswerks 1934/35, Pg.
Bürgermeiſter Haug: Am 9. Oktober hat der Führer das
Winterhilfswerk des deutſchen Volkes 1934/35 eröffnet. Mit dem
heutigen Tage eröffnet der Gau Heſſen=Naſſau dieſes Werk für
ſeinen Bezirk. Es war der beſondere Wunſch des Gauleiters, dieſen
Auftakt, um die Einheit des Gaues zu beweiſen, hier in Darm=
ſtadt
vonſtatten gehen zu laſſen. Es ſind zu dieſem feierlichen Akt
verſammelt Vertreter der Partei, als der führenden Trägerin des
Hilfswerkes, Vertreter der Behörden des Staates und der Stadt,
Hilfsbedürftige und Opfernde, alle Stände und Schichten. Es iſt
die deutſche Volksgemeinſchaft, die ſich hier als große Schick=
ſalsgemeinſchaft
, als Not= und Blutsgemeinſchaft zeigt. Wenn
der Gau Heſſen=Naſſau im vergangenen Jahre mit

an der Spitze des Hilfswerkes marſchierte, ſo habe
ich heute nur eines zu tun, mit Stolz zu behaupten und dieſer Be=
hauptung
die Tat folgen zu laſſen, daß auch im kommenden Win=
terhilfswerk
der Gau Heſſen=Naſſau ſeine Schuldigkeit tun wird.
Ich darf Ihnen. mein Gauleiter, melden: Der Gau Heſſen=
Naſſau ſteht bereit!
Kreisleiter Oberbürgermeiſter Wamboldt führte aus es
ſei ihm eine beſondere Ehre, als Vertreter der Stadt Darmſtadt
den Gauleiter, die Vertreter der Reichs=, Staats= und Gemeinde=
behörden
und alle Erſchienenen begrüßen zu dürfen. Ich danke be=
ſonders
dem Gauleiter dafür, daß er diesmal die Eröffnung des
Nationalſozialiſtiſchen Winterhilfswerkes in Darmſtadt hat ſtatt=
finden
laſſen. Wir ſind ſtolz darauf, hier die Träger des Winter=
hilfswerks
für unſeren Gau und die Vollſtrecker des Willens des
Führers bei uns begrüßen zu dürfen, deren Aufgabe es iſt den
Willen der nationalſozialiſtiſchen Regierung und des Führers
durchzuſetzen, daß auch im kommenden Winter kein Volksgenoſſe
hungere oder friere. Der Geiſt, in dem das Werk durchgeführt
wird, entſpricht der nationalſozialiſtiſchen Idee. Die Opfer, die ge=
bracht
werden, ſind keine Mildtätigkeit, keine Barmherzigkeit. Wir
opfern aus dem nationalſozialiſtiſchen Pflichtgefühl heraus und
aus der Verantwortung dafür, daß das Volk die ſchwere Notzeit
überſtehen kann. Die, die Gaben empfangen, empfangen kein Al=
moſen
, ſondern die Gabe, die gereicht wird, kommt von der Nation
zum Ausgleich der Schickſalslage. In dieſem Sinne wünſche ich dem
Winterhilfswerk 1934/35 vollen Erfolg. Heil Hitler!
Gauleiter Reichsſtakthalter Sprenger
führte dann etwa folgendes aus: Das Winterhilfswerk des deut=
ſchen
Volkes iſt ureigenſtes Gedankengut unſeres Führers Adolf
Hitler. Er hat im vorigen Jahre grundlegend geſagt, die inter=
nationale
Solidarität des Proletariats haben wir zerbrochen. Da=
für
wollen wir aufbauen die lebendige nationale Soli=
darität
des deutſchen Volkes. Kein politiſch anders
denkender ſoll ausgeſchloſſen bleiben. Das iſt der Grundgedanke des
Werkes, mit deſſen Durchführung er den Reichsminiſter für Volks=
aufklärung
und Propaganda beauftragt hat. Damit hat der Führer
nicht nur dem deutſchen Volk, ſondern auch der Welt bewußt vor
Augen geführt, wie hoch und wie weit die nationalſozialiſtiſche
Weltanſchauung ihre Ziele ſteckt, und daß ſie das ganze Volk
zu umfaſſen vermag. Der Führer war es auch, der erneut vor
wenigen Tagen bei der Eröffnung des Winterhilfswerkes vor
Augen führte, in welchem Geiſte auch in dieſem Jahre das Werk
geführt werden ſoll. Es ſoll im Zeichen des Opfers ſtehen aller
die noch opfern können. Wenn wir uns die Erfolge des Winter=
hilfswerkes
des vergangenen Jahres vor Augen führen, ſo wollen
wir uns daron erinnern, daß die früheren Syſtem=Träger der Auf=
faſſung
waren, daß es unmöglich ſei, das Werk durchzuführen, weil
die Anſpannung vorher ſchon zu groß geweſen ſei und die Zahl
der Hilfsbedürftigen zu groß. Und doch hat die zuſammengeballte
Kraft des Nationalſozialismus es fertig gebracht, eine Organi=
ſation
zu ſchaffen, die ſich ausſchließlich dieſer Aufgabe widmet. Sie
hat den Gedanken des Führers in die Tat umgeſetzt und hat eine
geradezu ungeheure Summe aufgebracht. Trotz wirtſchaftlicher Not.
Der unvergleichliche Opferſinn des deutſchen
Volkes hat weit über 300 Millionen aufgebracht,
die Not der Volksgenoſſen zu lindern.
Im Rahmen des Winterhilfswerkes ſind wir im Gau Heſſen=
Naſſau, was wir mit Stolz feſtſtellen, mit an der Spitze aller
Gaue Deutſchlands marſchiert. Die Hoffnung der Bedürftigen
wurde erfüllt. Ich danke allen, die mitgeholfen haben und die
geopfert haben. Beſonders dem Pg. Bürgermeiſter Haug, der
das Hilfswerk für den Gau organiſierte und mit ſeinen Mitarbei=
tern
durchführte. Ich danke beſonders auch den ſtillen Helfern, die
nach außen nicht in die Erſcheinung treten wollten, und von denen
in der Stille vielfach Großes geleiſtet wurde.
Auch in dieſem Jahre ſoll es ſo ſein! Es gibt nur noch eine
Betreuungsſtelle. Wer glaubt, für ſich allein etwas tun zu müſ=
ſen
, ſollte ſich daran erinnern, daß das Werk nur gelingen kann,
wenn alle gemeinſam eingeſpannt werden. Alle
guten Kräfte ſind willkommen zur Arbeit im Rahmen des Win=
terhilfswerkes
, in der Organiſation der NSV., die am beſten be=
urteilen
kann, wo geholfen werden muß. Ich richte einen beſon=
deren
Appell an alle, ihr Augenmerk auf die zu lenken, die ſtill
leiden, die nicht laut klagen. Auch ſie, die verſchämt in ihrer
Stube ſitzen, ſollen bedacht werden. Es iſt Pflicht jedes Einzelnen,
uns Namen dieſer Art wiſſen zu laſſen.
Es gilt zu opfern! ſagt der Führer. Er hat uns
auch geſagt, was er darunter verſteht. Geopfert iſt nur dann,
wenn der Opfernde ſich ſelbſt Beſchränkung durch ſein Opfer auf=
erlegen
muß. Opfern beginnt erſt da, wo die eigene
Entbehrung anfängt! Wenn das überall berückſichtigt
wird, muß das Ergebnis vom vorigen Jahre noch übertroffen
werden. Gewiß haben viele Volksgenoſſen inzwiſchen Arbeit und
Erwerb gefunden. Ihr Lohn aber iſt vielfach noch ſo gering, daß
er nur für die dringendſten Bedürfniſſe ausreicht. Es iſt noch
immer ſoviel Not vorhanden, daß das Opfern im vollen Umfang
einſetzen muß. Wenn jeder ſich zu dem Opfergeiſt des Führers
bekennt, wird es ein Leichtes ſein, den Erfolg zu ſichern. Erſt wer
ſelbſt durch ſein Opfer die Not ſpürt, wird zum Träger des Opfer=
ganges
, den wir dieſen Winter antreten.
Was wir auch beginnen, immer ſeien wir uns bewußt, daß
wir ganz im Gedankengut ſtehen der nationaloſozialiſtiſchen Welt=
anſchauung
. Tragen wir, dieſen Gedanken auch in den letzten
Volksgenoſſen. So wollen wir dieſe Feierſtunde beenden im Ge=
denken
an unſeren Führer, deſſen Weg wir folgen: Unſer Führer
Adolf Hitler Heil!
Bürgermeiſter Haug ſprach dann ein kurzes Schlußwort:
Die Parole iſt gegeben! Das Ziel ſteht feſt! Laßt uns nun ans
Werk gehen. Laßt uns der Welt zeigen, daß das Deutſchland
des Nationalſozialismus, des Führers Adolf Hitler ein wahr=
haft
einig Volk von Brüdern iſt! Mag draußen die
Welt über unſer Deutſchland die Schmutzkübel ausſchütten, hier
iſt ein Volk, ein Reich und eine Nation am Werk, die nur noch
eines kennt, den Glauben an eine deutſche Zukunft
und an den Führer, der ſie uns ſchaffen wird. Parteigenoſſen,
SA., SS., Arbeitsdienſt, Wehrverbände, Polizei, Behörden: ein
Weg, eine Straße muß uns als Ziel vor Augen ſtehen. Mag
ſie ſteinig ſein, ſie führt zur Höhe und zur Freiheit und Rettung
des deutſchen Volkes. Es lebe das einige deutſche Reich! Es
lebe der Führer! Sieg Heil!!!
Der gemeinſame Geſang des Deutſchland= und Horſt= Weſſel=
liedes
beſchloß den Feſtakt
M. St.

Dieſe appetitliche Kaffeewürze in Srießform gibt ſedem Kaſfee
ſelbſt feinſtem Bohnenkaffee, Malzkaffee und anderem Getreide=
kaffee
Fülle, Kraft, herrliches Aroma und ſchöne goldbraune Farbe.

[ ][  ][ ]

Seite 6 Nr. 286

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Dienstag, 16. Oktober 1934

Aus der NSDAP.

Der Kreisleiter.
NSV., Ortsgruppe Schloßgarten.
Die Spenden aus dem Lebensmittel=Opferring werden am
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. 16., 17. und 18. 10. 1934,
abgeholt. Die NS.=Frauenſchaft und ſonſtige Helferinnen wer=
den
gebeten, ſich am Dienstag, dem 16. 10. 1934, vormittags 8.30
Uhr, auf der Geſchäftsſtelle. Emilſtraße 1. zu melden.
Wir bitten die Mitglieder des Lebensmittel=Opferrings, die
Spenden zum Abholen bereit zu halten.
NS.=Frauenſchaft, Ortsgruppe Beſſungen 2.
Der nächſte Frauenſchaftsabend findet am Mittwoch, dem 17.
Oktober, abends 8 Uhr. im Chauſſeehaus, Heidelberger Straße,
ſtatt.
NS.=Frauenſchaft Darmſtadt.
Die Buben von der bisherigen Kinderſchar bei der
NS.=Frauenſchaft wollen ſich am Mittwoch, dem 17. Sep=
tember
, pünktlich nachmittags 3 Uhr, Rheinſtraße 48, einfinden.
Den Eltern zur Kenntnis, daß die Kinder von der Hitler=
Jugend übernommen werden.
NS.=Frauenſchaft Darmſtadt.
Am Samstag, dem 20. Oktober 1934 abends 8 Uhr, veran=
ſtaltet
die NS.=Frauenſchaft im Städtiſchen Saalbau ihr erſtes
Winterhilfskonzert mit anſchließendem Tanz unter Mitwirkung
der Kapelle Buslau.
Der Eintritt beträgt 50 Pf. Uniformierte und Erwerbsloſe
an der Abendkaſſe 30 Pf.
Reichsfachſchaft Deutſcher Schweſtern, Ortsgruppe Darmſtadt.
Am Dienstag. dem 16. Oktober, findet im Stadtkrankenhaus,
Grafenſtraße, abends um 8.15 Uhr, die Monatsverſammlung der
Reichsfachſchaft Deutſcher Schweſtern ſtatt. Es ſpricht Pg. Dr.
Kranz=Gießen über das Thema: Raſſenfrage oder Eugenik,
Erbbiologie? Gäſte ſind freundlich dazu eingeladen.
Deutſches Jungvolk in der HJ. Jungbann 1/115 Flandern.
Jungvolkreſerve.
Am Mittwoch, dem 17. Oktober 1934, tritt die Jungvolk=
reſerve
des Jungbanns 1/115 um 16 Uhr an der Feſthalle ( Süd=
ſeite
) an.
Der Führer des Jungbanns 1/115,
M. d. F. b.: gez. Ferdinand Nickel, Stammführer.

Werbeveranſtalkung des Milchwirkſchaftsverbandes

Heſſen für das Milcheiweißbrok

in Gemeinſchaft mit dem Hausfrauenbund und der NS. Frauenſchaft,
am Donnerstag, 18. Oktober, nachmittags 4 Uhr
undabends 8 Uhr, im großen Saal des Saalbaus.
Der Hausfrauenbund Darmſtadt ſchreibt uns: Jede deutſche
Hausfrau ſollte in ſich die Verpflichtung fühlen, ihren eigenen
kleinen Haushalt und die Befriedigung ſeines Bedarfs ſo einzu=

richten, daß ihr Handeln ſich den Bedingungen und Forderungen
einer geſunden Volkswirtſchaft einfügt. Dies gilt in beſonders
hohem Maße in Zeiten, in denen das Vaterland in ſchwerem
Ringen um die Erſtarkung und Geſundung ſeiner Wirtſchaft ſteht.
Die Hausfrauen ſollten dann mit Aufmerkſamkeit die Maßnahmen
verfolgen, die die behördlichen maßgebenden Stellen einführen und
die ſtets durch ſorgfältig geprüfte Umſtände, durch Knappheit oder
Ueberſchuß deutſcher Erzeugniſſe durch Jahreszeit und Ernteausfall
beſtimmt werden. In dieſer Woche ſollen die Darmſtädter Haus=
frauen
mit einem neuen Verfahren bekannt gemacht werden, das
zum Ziel hat, den großen Ueberſchuß an Magermilch und im Be=
ſonderen
ihren reichen Eiweißgehalt der Volksgeſundheit nutzbar
zu machen und zur denkbar beſten Verwendung zu bringen. Dies
ſoll durch eine Beimiſchung von Milcheiweiß zum Brot erreicht wer=
den
, alſo durch eine Maßnahme, die jeden Haushalt angeht, für ihn
von Wichtigkeit und Bedeutung iſt.
Der Milchwirtſchaftsverband Heſſen veranſtaltet deshalb eine
große Werbeveranſtaltung, in der der Werbeleiter, Herr Henrich,
Frankfurt a. M., an Hand von zahlreichen Lichtbildern alle Fra=
gen
erläutern wird, die mit Milch und Fettgewinnung und Ver=
brauch
zuſammenhängen.
In den Pauſen werden Proben von Milcheiweißbrot und Milch=
kakao
ausgegeben. Der Hausfrauenbund ruft alle ſeine Mitglie=
der
und darüber hinaus die weiten Kreiſe der Darmſtädter Frauen=
welt
zu zahlreichem Beſuch der Veranſtaltungen auf, es geht um
eine Sache, über die ſie im Belange unſerer Volkswirtſchaft Be=
ſcheid
wiſſen müſſen.

Wilhelm Backhaus ſpielt in Darmſtadt!

Zum bevorſtehenden Konzert der NS.=Kulturgemeinde

am 19. Oktober.
DDer Darmſtädter Konzertwinter weiſt dieſes Mal die
Eigenheit auf, daß ein Höhepunkt (wenn nicht ſogar der Höhe=
punkt
!) gleich zu Anfang liegt: Wilhelm Backhaus ſpielt!
Die ganze Welt wußte tragiſcherweiſe eher als wir Deutſche
ſelber, was das heißt: Backhaus ſpielt! Dieſer Meiſter des
Klaviers war bereits eine Weltberuhmtheit, ehe man ihn in
ſeinem Vaterlande ſchätzen lernte. Backhaus war Schüler Eugen
d’Alberts und hatte als 17jähriger 1901 in einem der berühmten
Mancheſter Hall=Konzerte, wo er für den erkrankten Siloti ein=
ſprang
, ein außerſt erfolgreiches Dehüt. Mit Brahms und Beet=
hoven
führte ſich Backhaus in der Queens=Hall in London ein,
wurde mit 21 (1) Jahren Kgl. Großbritanniſcher Profeſſor und
erſpielte ſich 1905 in Paris unter Bewerbern der ganzen Welt
den Rubinſtein=Preis. Mit Richard Strauß, Burleske wurde
Backhaus zuerſt in Deutſchland bekannt Jahrzehnte erfolgreichſten
Wirkens in der ganzen Welt folgten! Südamerika, Auſtralien,
USA.. London, Mailand, Rom, Madrid. Liſſabon, Wien.
Paris .. .! Wer anders als Backhaus hätte es wagen können, in
Buenos Aires 21 aufeinanderfolgende Klavierabende mit wech=
ſelndem
Programm zu geben? Wer anders begeiſtert die Welt
mit ſeinen großartigen Beethoven=Zyklen und erſpielt Achtung
vor deutſcher Kunſt? Wer jemals das Glück hatte, einen der
großen Beethoven=Abende zu hören, weiß, daß hier ein Künſtler
am Werk iſt, wie es nur wenige auf der Welt gibt. Es ſei auch
Backhaus niemals vergeſſen, daß er trotz allen Ruhmes ſtets der
einfache Menſch geblieben iſt, der es auch den kunſtbegeiſterten
kleinen Städten möglich macht, ihn zu hören. Daß er die Ge=
ſchmackloſigkeiten
der vergangenen Muſikepoche nicht mitmachte.
iſt für ihn eine Selbſtverſtändlichkeit.
Sein Spiel iſt gar oft in den überſchwenglichſten Tönen ge=
rühmt
worden. Die Kritiker ſahen ſich ihm gegenüber ſehr, ſehr
oft in der peinlichen Lage, nicht Worte genug des Lobes zu
wiſſen. Technik iſt bei Backhaus ihrem ſouveränen Beherrſcher,
ein Mittel zum Zweck. Deshalb iſt Backhaus kein Virtuoſe. Seine
männliche, geradlinige, echt deutſche, tiefe Ausdeutungsgabe, ſeine
überragende pianiſtiſche Meiſterſchaft machten ihn zum berufen=
ſten
Künder unſerer großen Meiſter.
Kein Geringerer als unſer Führer Adolf Hitler ſchätzt die
Kunſt Wilhelm Backhaus' ſehr hoch. Unvergeßlich dieſes Kon=
zert
in der Berliner Philharmonie (1. Juni 33), in dem Adolf
Hitler begeiſterter Zuhörer war und Backhaus am Schluſſe unter
Beifallsſtürmen die Hand drückte!
Und wenn am 19. Oktober Backhaus in der Woogsturnhalle
ſpielt, wollen wir deſſen eingedenk ſein, daß wir hier einen der
höchſten Repräſentanten beſter deutſcher Kunſt begrüßen dürfen.
P.A.

Odenwaldklub. Die Wanderung der Frauenabtei=
lung
führte die Unentwegten zuſammen, die ſich vor keinem
Wetter ſcheuen. Sie blieb vom Regen verſchont, erfreute durch die
Pracht der Ausblicke und den Farbenrauſch des ſterbenden Waldes
und bewies wiederum, daß Kenner unſeres Wandergebietes immer
wieder neue überraſchende Wege zu finden wiſſen. Der fünfſtün=
dige
Marſch eine geſunde Leibesübung, nahm als erſtes Ziel

für die Lotterie der deutſchen Gebirgs= und Wandervereine, die ſich
in das große Arbeitsbeſchaffungsprogramm eingliedern und denk=
würdige
Bauwerke vor dem Verfall bewahren wollen, dankte den
Führern, die die Wanderung trefflich vorbereitet hatten, Direktor
Schäfer und Profeſſor Wentzel, und überreichte den neu
eingetretenen Mitgliedern die Silberne Klubnadel. Der Tag ſtand
im Zeichen der Freude und der Volksverbundenheit und zeigte, daß
das Frauenwandern im Odenwaldklub richtige Fortſchritte macht.

Die deutſche Arbeitsfront

Mikgliederverſammlung der DAF. Beſſungen.

Am Samstag abend ſtieg der große Mitgliederappell der Orts=
gruppe
Beſſungen unter Teilnahme von etwa 350 Volksgenoſſen.
Nach kurzen Begrüßungsworten des Ortsgruppenwalters, Pg.
Hank, ergriff der Redner des Abends, Pg. v. Oelhafen, das
Wort zu einer ſeiner markanten Reden, die, weitausholend es
verſtehen, das Weſentliche klar herauszuſtellen. Er ſprach über
Weſen und ſoziale Bedeutung der DAF.
Wahre Volksgemeinſchaft ſei zum erſten Male im Weltkrieg
zum Durchbruch gekommen, wo Adliger und Arbeiter gemeinſam
im Graben ſtanden. Hinter der Front aber wühlte der Marxis=
mus
unter weitaus leichteren Umſtänden, als ſpäter der Natio=
nalſozialismus
arbeiten konnte. Der Frontſoldat kam zurück und
fand alles von der Geſinnung an bis zur kleinſten Handlung inter=
nationaliſiert
. Und da ſtand der Führer auf und gründete eine
nationale und ſozialiſtiſche Arbeiter Partei. Das Ziel die=
ſer
Verbindung war: Deutſchland ſoll leben, und der
Arbeiter ſoll ſeine Ehre wiedergewinnen. Der
Arbeiter, ſo fuhr der Redner fort, war noch niemals Marxiſt; er
wurde nur ſtets mit Gewalt in den Klaſſenkampf hineingezogen.
Die Schuld daran hatte nicht allein der Marxismus, ſondern ein
verrottetes Bürgertum. Als im Mai 1933 die Gewerkſchaften
übernommen worden, da begann erſt der Kampf auf breiter Front
für die Eingliederung des Arbeiters in die Volksgemeinſchaft.
Vorarbeit hat die NSBO. geleiſtet in den Jahren 1930/31. Dieſer
Kampf der alten NSBO.=Kämpfer in den Betrieben war ſchwerer,
als der auf der Straße. Dort ſtand man wenigſtens mit gleich=
geſinnten
Kameraden und nur kurze Zeit dem Feind gegenüber,
im Betrieb aber den ganzen Tag über und allein. Die DAF.
wahrt alle Rechte der alten Verbandsmitglieder. Die DAF. wird
immer ſauber ſein und bleiben, denn die Bewegung hat, wie ſich
am 30. Juni zeigte, die Kraft, faule Elemente auszumerzen. Und
dieſe Ausmerze geht ſtillſchweigend dauernd
weiter.
Durch die NSG. Kraft durch Freude hat der Arbeiter ſeine
Heimat wiedergefunden, kennen und lieben gelernt. K. d. F.
iſt etwas viel größeres und gar nicht zu vergleichen etwa mit der
italieniſchen Feierabendgeſtaltung, Dopolavore. Heute wird wahre
Bildung an die Arbeiter herangetragen; und der Arbeiter hat be=
ſtimmt
mehr Herzensbildung als der Bürger der ihn früher von
allen Bildungsmöglichkeiten zurückſtieß. Dem Arbeiter wurde wie=
der
ein Ehrbegriff gegeben, der ſich auch in der Sauberkeit der
Verwaltung ſeiner Organiſation auswirkt. Ein Beiſpiel: Der
frühere Baugewerkbund forderte einen Wochenbeitrag von
2. 10 RM. Davon gingen nach Berlin 1.65 RM., es verblieben
beim Kreis 45 Pfg. Es wurde eine monatliche Invalidenunter=
ſtützung
gezahlt von 5 RM. Die heutige RBG. Bau er=
hielt
monatlich 1. 30 RM. und zahlt Invalidenunterſtützung von
monatlich 15. bis 24. RM. Alle alten Gewerkſchaftsmit=
glieder
ſind heute unterſtützungsberechtigt. Darüber hinaus wurde
das Werk für die Opfer der Arbeit geſchaffen, das ſeine Lei=

ſtungen nicht nach Lohnklaſſen, ſondern nach der Notlage der Be=
troffenen
richtet.
Früher, fuhr der Redner fort, konnte man Darlehen auf
Grundbeſitz oder Vermögen erhalten. Die DAF wird vielleicht
ſchon im nächſten Jahr die Möglichkeit ſchaffen, dem beſitzloſen
Arbeiter auf ſeine Ehrlichkeit und die werteſchaffende Arbeit ſe=
ner
Hände ein Darlehen zu gewähren. Das iſt die Auswirkung der
Idee des Führers, der wahren Volksgemeinſchaft. Darum muß je=
der
einzelne an ſich arbeiten, um das Ziel, Nationalſozialiſt zu
werden, zu erreichen. Denn wir alle ſind noch keine Nationalſozig=
liſten
. Es gibt nur einen Nationalſozialiſten in Deutſchland, das
iſt der Führer.
Lang anhaltender Beifall dankte dem Redner für ſeine mit
ungeteilter Aufmerkſamkeit aufgenommenen, inhaltreichen Worte.
Nach einer kurzen Pauſe, in der ſich einzelne Volksgenoſſen Auf=
klärung
über verſchiedene Fragen holen konnten, ſprach der in=
zwiſchen
eingetroffene Pg. Formel in ſeiner Eigenſchaft als
Organiſationswalter des Kreiſes kurze Schlußworte, in denen er
die Wichtigkeit der Erziehungsaufgaben der DAF. hervorhob,
Wenn heute der Arbeiter ſchon vertrauensvoll zum Betriebsführer
kommt, ſo iſt das der erſte Erfolg dieſer Erziehung. Und dieſes
Vertrauen darf nicht enttäuſcht werden. Ein Beiſpiel gab ein Be=
triebsführer
aus Frankfurt, der, um ſein kleines Werk über eine
Kriſenzeit hinwegzuretten, ſich gemeinſam mit ſeiner Gefolgſchaft:
mit einem Wochenlohn von 10. RM. durchſchlug. Heute ſteht
der Betrieb zum Wohl der Geſamtheit wieder gefeſtigt da und
kann ſogar den vorhergegangenen Lohnausfall allmählich wie=
der
nachzahlen. Wenn vor einiger Zeit das Wort von der Hun=
dertmarkgrenze
auftauchte (ausgerechnet wieder an die Oeffent=
lichkeit
gebracht, von der alles andere als nationalſozialiſtiſchen
Frankfurter Zeitung), ſo ſei das eine nicht zu verſtehen, wie
es immer noch deutſche Menſchen geben konnte, die anfänglich die=
ſen
Unfug glaubten und an dem Wort des Führers zweifelten,
Ein Wort, vom Führer gegeben, iſt unantaſtbar. Durch Erziehung
werden wir von unſerer heutigen Wirtſchaft zur Volkswirtſchaft:
kommen; und dieſe Geſinnungsbildung durch die DAF., verbunden
mit der politiſch=weltanſchaulichen Ausrichtung durch die Partei;
werden das Dritte Reich ſchaffen.
Ein begeiſtertes Sieg=Heil auf den Führer und das Horſt==
Weſſel=Lied beſchloſſen die wirkungsvolle Kundgebung. Muſik und
ſpäter auch Tanz hielten die Anweſenden, unter denen ſich auch
verſchiedene Betriebsführer der Ortsgruppe befanden, noch lange=
zuſammen
, ein Bild wahrer Kameradſchaftlichkeit, wie wir ſie:
erſtreben.
... tz.

Veranſtaltung der Deutſchen Angeſtelltenſchaft, Reichsberufs=

gruppen der Angeſtellten in der DAF.
Der am 14. 10. angezeigte Vortrag am Mittwoch, dem
Neue Wirtſchaſtsführung
findet erſt am
Mittwoch, dem 24. 10. 34, im Fürſtenſaale, Grafenſtraße 18,

17. 10. 34, über

ſtatt.

Diebſtahl eines Kunſtwerkes.

Ende September laufenden Jahres wurde aus einem Aus=
ſtellungsraum
in Darmſtadt eine Bronzefigur geſtohlen. Dieſelbe
ſtellt einen Steinwerfer dar und hat eine Größe von etwa 15

Herofannooenſchau i Mieinen Haug.

Mit den erſten kühlen Tagen und dem erſten Auftauchen dern
Frage: Was werden wir dieſen Winter anziehen? war ſie auch4
ſchon da: die große Herbſtmodenſchau, die am geſtrigen Tage im
Kleinen Haus vor den kritiſchen Augen der Darmſtädterinnen vot=s
beidefilierte. Veranſtaltende waren die Firmen W. u. P., welche=
Damenmoden, und Stegmüller, die Herrenmoden zeigten, von 1
Grete Welter ſtammten die Hüte, die Schuhe von J. G. Jagob=
das
Haus Schad zeigte Lederwaren, Hauptmann die püſſen=
den
Handſchuhe, Schmuck ſah man von Herm. Macholdt, Schul=
ſtraße
. Parfümerie Frank gab die duftige Note und für die
Friſuren der Damen zeichnete Bein verantwortlich.

Von Regina Harre in liebenswürdig gewandter Weiſe an=
geſagt
, rollte der bunte Modefilm ab; von lebhaftem Beifall dess
dichtbeſetzten Hauſes begrüßt, entſtiegen auf der Bühne, die Richart)
Emich geſchmackvoll dekoriert hatte, die Modelle einem Spiegel=
rahmen
. Da gab es in weiſer Steigerung zunächſt einfachere Mo=
delle
, wollene Tages= und Nachmittagskleider, ſchlicht in der Linie=

Straßencomplets mit den weiten kragenloſen 34 langen Jacker,
und Pelzkrawatten, dann größere Nachmittagskleider, bei dener

Zentimetern. Da es ſich um ein Original handelt, ſo iſt der
Verluſt für den Künſtler enorm. Wer kann ſachdienliche Mittei=
lungen
über die hier abgebildete Figur machen? Angaben wer=
den
entgegengenommen bei dem Landeskriminalpolizeiamt,
Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 29a.

Herbſttanz in der Woogsturnhalle. Werft ab alle
Sorgen und Qualen! ſo ſangen wir mit Günther Simony

und ſeinem Singkreis in der Otto=Berndt=Halle anläßlich des
Abſchlußfeſtes für die Reichswerbewoche Geſunde Frau durch
Leibesübungen‟. Dieſer Appell hat tatſächlich nachhaltig gewirkt.
Wie am Samstag die Otto=Berndt=Halle wegen Ueberfüllung
ihre Pforten ſchließen mußte, ſo ſchien auch am Sonntag abend
die Woogtsurnhalle zu klein zu ſein, um das luſtige Volk der
Darmſtädter Turner und Sportler aufzunehmen, die beim Klange
der Muſik alle Sorgen und Qualen zu Hauſe laſſen wollten, um
ſich in fröhlicher Stimmung dem Tanze hinzugeben. Die Darm=
ſtädter
Turn= und Sportgemeinde 1846 hatte wie=
der
einmal nicht zu viel verſprochen, als ſie ihre Mitglieder,
Freunde und Gäſte zu einem Herbſtfeſte einlud, das die arbeits=
und erfolgreiche Sommerſaiſon beſchließen ſollte. Zahlreiche un=
ermüdliche
Helfer waren die ganze Nac

es ſchon zu kniſtern und rauſchen beginnt, denn wir werden Tafr
tragen. meine Damen, viel Taft; er herrſcht auch abends vor, wirc)
dann oft durch Samt= oder Paillettencapes ergänzt. Die Mode=
farbe
? Grün in allen Tönen und zu jeder Tageszeit! Die Hei=
renmode
vermeidet alles Laute und Extravagante, bringt neber;
Streifen auch viel ziemlich große Karos, beſonders an Mänteln!
Sehr ſorgfältig werden überall die kleinen Hütchen der Mode zun!
Anzug oder Kleid abgeſtimmt.
Zwiſchen den einzelnen Modevorführungen, zu denen die Ka=
pelle
Ernſt Zahn muſizierte, war noch reichlich für Abwechſlung=
geſorgt
durch Darbietungen von Mitgliedern des Heſſiſchen Lan=
destheaters
. Es wurde viel von Liebe und Verliebtheit geſungen!
Den Anfang machte Lea Piltti mit den Proch=Variationenu
Erna von Georgi und Bernd Aldenhoff wußten ſowohl inn
Sologeſang als auch im Duett etwas zu dieſem Thema zu ſagen!
oder vielmehr zu ſingen; Tilly Amelung ſang aus Léhars
Paganini Liebe, du Himmel auf Erden und Johannes Spirc
das Rheinlied vom Koblenzer Eck. Am Flügel ſaß zur Beglei=
tung der Soliſten Kapellmeiſter F. Bohne. Dazwiſchen gab 2
auch was zu lachen: Ludwig Linkmann erzählte Reiſeerlebniſſe
vom Nordſeeſtrand! Und Li Teſſa Ihlenfeld tanzte ein ziel=
liches
Spitzen=Pizzicato und einen Exzentrik=Tanz. Zum Schluch
des Programms hörten wir noch das Soloquartett des Heſſiſchen!
Landestheaters (die Herren Iſterling, Horina, Wüſt unch
Schüppel), die mit ihrem luſtigen Potpourri von der blonder?
Kathrein den Comedian Harmoniſts Konkurrenz machen konnten
Es gab für alle Künſtler vielen und herzlichen Beifall unch
die befriedigten Geſichter, die man am Ende der Vorführungenn
ſah. vierrieten, daß die Darmſtädter Damen ſich nun ſchon ſehl
viel klarer darüber ſind, was ſie in dieſem Winter tragel!
werden.

Von der Bühne her grüßte das Schild Zur Winzerlieſel, wo
der edle Traubenſaft in ausgiebiger Menge kredenzt wurde. Der
Gleichſchalter und der Federweiße hatten bald in den Niſchen
und Laubengängen des feſtlich geſchmückten Winzerdorfes eine ſo
glänzende Stimmung hervorgerufen, daß Max Jaa, der beliebte
Frankfurter Salonhumoriſt, den richtigen Boden für ſeine Vor=
träge
vorfand. Kennen Sie Max Jaa? . . . Nun, wer noch nichts
von ihm gehört hat, kommt beſtimmt wenig nach Frankfurt. Er
verſtand es jedenfalls überraſchend ſchnell, ſich auch die Herzen
der Darmſtädter zu erobern, und ſeine Verwandlungsſzene vom
Genfer Völkerbundskongreß riß die Beſucher zu wahren Lach=
ſalven
heraus und forderten mehrere Zugaben. Es war ohne
Zweifel ein gut gelungener Abend, der die Darmſtädter Turner
und Sportler in der Woogsturnhalle vereinigte und hier auf
dem Gebiete der Geſelligkeit dieſelbe Harmonie bekräftigte, die
bereits im aktiven Turn= und Sportleben Darmſtadts durch die
gemeinſame Zuſammenarbeit eingezogen iſt.
Hausfrauenbund. Hausfrauenturnen. Unſeren Mitglie=
dern
wird mitgeteilt, daß Mittwoch, abends 8.15 Uhr, in unſeren
Räumen, Heidelberger Straße 47 (Eingang Wilhelmſtraße) ein
Kurſus für Hausfrauenturnen beginnt. Leiterin: Frl. Rhenius.
Ein Anzahl Mitglieder haben ſich zur Teilnahme bereits gemel=
det
. Wir möchten aber alle diejenigen, die den Wunſch haben, auch
daran teilzunehmen zur erſten Unterrichtsſtunde noch einmal herz=
lich
einladen.

Kunſtnachrichken.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)

Chorleiterſchule der Städt. Akademie für Ton?
kunſt. Die Städt. Akademie hat jetzt als beſondere Abteilung eiſſ-
Chorleiterſchule zur Heranbildung eines fachlich hochwertigen Nache
wuchſes für den Chorleiterberuf verbunden mit Fortbildungs= un.
Umſchulungskurſen eingerichtet. Nach beendetem Studiengang i..
det für die Teilnehmer eine Abſchlußprüfung ſtatt. Das hiernoſ.
in Verbindung mit der Landesmuſikerſchaft Heſſen=Naſſau 9=
Reichsmuſikkamer ausgeſtellte Befähigungszeugnis bildet daſſe
die Vorausſetzung für die Anerkenntnis als Berufschorleiter. Fh
die auswärtigen Kurſusteilnehmer werden ſämtliche Unterrichle
ſtunden der Woche möglichſt auf einen Tag gelegt. Die Kurſe )e
ginnen am 1. November 1934.

Manir

Auf die Bekanutmachung der Bürgermeiſterei Darmſtadt
wegen vorübergehender Verlegung der Dienſtſtelle für die Ausſtel=
lung
von Steuerkarten und Erledigung der Geſuche, betref=
fend
Bürgerſteuer aus dem Stadthaus in die ehemalige In=
fanteriekaſerne
, Alexanderſtraße 22, weiſen wir beſonders hin.

Leiſtung.
nicht Geburt oder Stand, und
zeichnen den Führer. Die Fühle.
Rauserasſchaft auswahl der

erfolgt nach dieſem Grundſatz. Volle

genoſſen, überzeugt Euch davon und Ve
Hiller=Jugent

ſucht die Ausſtellung in der Feſthat.

Kampf und Sieg der H.J.!

[ ][  ][ ]

Dienstag, 16. Oktober 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 286 Seite 7

Aus Heſſen.
* Hängerkreffen und Liederkag in Arheilgen.
Dg. Arheilgen, 15. Oktober.
Geſtern, Sonntag nachmittag, veranſtaltete der Geſangverein
Frohſinn ein Sängertreffen, verbunden mit einem Liedertag.
eben den hieſigen Geſangvereinen Sängerluſt, Liederzweig,
nird Eintracht hatten die Vereine Einigkeit Mörfelden, Sän=
ſirluſt
, Wixhauſen, Einigkeit Gräfenhauſen, Frohſinn= Har=
nonie‟
Darmſtadt, Concordia Darmſtadt, Sängervereinigung
En zhauſen, Sängerluſt Erzhauſen. Sängerluſt Pfungſtadt und
ASolkschor Langen der Einladung Folge geleiſtet, ſo daß der
eiedertag nahezu 800 Sänger vereinigte.
Vor dem Singen ſelbſt fand am Haus der Arbeit eine kurze
Lurndgebung ſtatt, die der Führer des gaſtgebenden Vereins,
darr Philipp Völger, mit einer kurzen Anſprache einleitete
ind die zahlreichen Gäſte herzlich willkommen hieß. Dann ergriff
di tsgruppenleiter Bürgermeiſter Birkenſtock das Wort und
mlbot den Gruß der Gemeinde und der Ortsgruppe der NSDAP.
Sufine weiteren Ausführungen gipfelten in einer Mahnung an die
öü nger, auch weiterhin das deutſche Lied und damit deutſches Kul=
unrgut
zu hegen und zu pflegen. Sei doch gerade das deutſche Lied
öXdernd für den Gemeinſchaftsgedanken und ſchon in alten Zeiten
a=u angetan geweſen, unſeren Empfindungen in allen Lebens=
as
=en Ausdruck zu verleihen. Die dem deutſchen Geſangsweſen in
eir letzten Jahren drohende Gefahr durch den Einfluß der Oſt=
untur
ſei durch die ſieghafte nationalſozialiſtiſche Idee gebannt
ſarden, wofür dem Führer Dank gebühre, der in einem dreifachen
iiſeg=Heil zum Ausdruck gebracht wurde.
Anſchließend ſprach Vereinsführer Völger über den Zweck
heutigen Sängertreffens. Neben den Wertungsſingen fördere
Sängerbund derartige Veranſtaltungen, die der Pflege der
errneradſchaft dienen und werbend für das Geſangsweſen wirken,
tacchzeitig aber auch ein Bekenntnis zu Führer und Reich ſein
Uſten. Durch die vielſeitige Betätigung der Sänger ſeien die Ge=
uwvereine
in eine Notlage geraten. Der Führer habe aber er=
umnt
, daß das deutſche Lied ein mächtiges Bindeglied für die
ſol ksgemeinſchaft ſei und wolle dieſer Not entgegentreten. Aus
ezer Erkenntnis heraus habe der Stellvertreter des Führers in
nem Erlaß die Organiſationen der NSDAP. angewieſen, die
äinger für die Singſtunden freizumachen, was von großer Wich=
gzeit
ſei. Wir freuen uns und danken dem Führer am beſten in
ivem Sinne, wenn wir mit unſeren Liedern unſer Vaterland
reſſen. Die Anſprache fand ihren Abſchluß in dem Chor Deutſch=
mo
heilger Name von Baußner, den die beteiligten Vereine im
ſißſenchor unter der Stabführung des Ehrenchormeiſters des Krei=
sDDarmſtadt
=Land und Dieburg, Herrn Simmermacher, der gleich=
iurg
Dirigent des gaſtgebenden Vereins iſt, wirkungsvoll zum
ottrag brachten und dafür den Beifall der Anweſenden fanden.
grait war die Kundgebung beſchloſſen.
Im Saale fand anſchließend ein Liedertag ſtatt. Nach dem
nseitenden Sängergruß und dem Chor Morgenlied im
ſai=de durch den einladenden Verein boten die beteiligten Ver=
n
unter der Stabführung ihrer Dirigenten eine reiche Folge
m. ausgezeichneten Chorwerken aus unſerem großen deutſchen
enerſchatz, die alle ſtärkſten Beifall fanden und die gute Beſetzung
eſtes Liedertages rechtfertigten. Wurden doch die teilweiſe recht
uſierigen Chöre anſtandslos bewältigt, was von gutem Können
d. einfühlender Arbeit der Chorleiter zeugte. Eine Abwechſlung
diie Fülle der Darbietungen brachte der Frauenchor des Volks=
uus
Langen unter Leitung von Herrn Simmermacher mit zwei
fülligen Liedern.
Fabrikbrand in Groß=Biebetau.
PD. Aus bisher noch unaufgeklärter Urſache brach in dem
fhrikgebäude der Vereinigten Hartgummi=, Bein= und Holz=
ineninduſtrie
in Groß=Bieberau Feuer aus, das in den Roh=
inerialien
reiche Nahrung fand. Obwohl die Ortsfeuerwehr mit
eix Zügen und auch die Kreis=Motorſpritze alsbald zur Stelle
i wurde das Fabrikgebäude zum größten Teil ein Raub der
hnimen. Die Feuerwehr mußte ſich darauf beſchränken, die
jahbargebäude und die angebaute Mühle vor dem Uebergreifen
BBrandes zu ſchützen. Glücklicherweiſe war genügend Waſſer
jder Stauſchleuſe der Hartmannsmühle vorhanden, ſo daß die
Bu it der Feuerwehren erleichtert wurde. Auch der Arbeitsdienſt
s Reinheim war in einem Eilmarſch zur Hilfeleiſtung angerückt.
Ir Sachſchaden iſt recht beträchtlich, da die Maſchinen zum größ=
Teil neu angeſchafft waren.

Ar. Eberſtadt, 15. Okt. Der Turnverein 1876 beging
Samstag abend in ſeiner Turnhalle, im Anſchluß an die
hc swerbewoche. Geſunde Frau durch Leibesübungen das 25 Beſtehen ſeiner Turnerinnenabteilung.
kon dieſes Jubiläum an und für ſich beweiſt, das frühzeitige
Cennen der Zweckmäßigkeit des Frauenturnens, wofür die Dar=
brungen
der einzelnen Abteilungen am Samstag abend beredtes
ümmis ablegten. Die ſehr reichhaltige Darbietungsfolge unter
ſcheren Geſamtführung des Oberturnwartes Heß, dem die
Imen Frau Spieß, Frl. Formhals und Frau Nickel
enſwo ſicher aſſiſtierten, brachte den zahlreich erſchienenen Be=
ſenn
die volle Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Frauen=
tans
, wie aber auch von der Leiſtungsfähigkeit des Vereins.
hze lne Uebungen verlangten in ihrer Durchführung von den
Ensrinnen ſchon ein gut Teil Mut und Kraftaufbietung ſowie
ſchEcklichkeit. Der Vereinsführer, Herr Bildhauer Hch. Die=
te
, ſelbſt ſichtlich erfreut und zufriedengeſtellt, ermahnte die
üneichen Beſucher, im Sinne unſeres Reichsſportführers von
honnmer und Oſten zu handeln und Leibesübungen zu treiben
ſchloß die Veranſtaltung mit dem Deutſchlandlied.
Uk. Pfungſtadt, 15. Oktober. 25 Jahre Kaninchen=
1ᛋhEverein Einigkeit, Anläßlich des Jubeltages ver=
naltete
der Verein in ſeinem Lokale Geißlinger eine ſchöne
Trſſchau, verbunden mit Prämiierungen. Gleichzeitig wurde der
isſtag abgehalten. Der Vereinsführer, Chriſtoph Berſch, wies
Geiem Rundgang durch die Ausſtellung auf den ausnahmsweiſe
un Stand des Zuchtmaterials hin. In 126 Kaſten konnte man
Fichen aller Farben und Größen finden. Stärkſte Exemplare
weir 15 Pfund. Herr Berſch betonte, daß heute der Kaninchen=
at
eine große Zukunft bevorſteht. Iſt doch unſere pelzverarbei=
we
Induſtrie heute in der Lage, die begehrten Pelze wie Seal,
Enes, Luchs, Nerz uſw. aus Kaninchenfellen nachzuarbeiten. Den
Hiuern bietet ſich eine gute Einnahmequelle dadurch, daß der
ſwart heute die Felle ſammelt und meiſt nach Leipzig zur Ver=
amung
ſchickt. Eine koſtenloſe Beratungsſtelle für jedermann iſt
Sakob Engelhardt, Taunusſtraße 9, eingerichtet, der über große
ſyy=niſſe verfügt; er hatte allein 52 Tiere ausgeſtellt.
Ober=Ramſtadt, 15. Oktober Rückkehr von Ferien=
mern
. Ende letzter Woche kehrten 19 zu vierwöchiger Er=
am
im Unterweſterwald= und Main=Taunus=Kreis unterge=
ihi
geweſene Kinder hierher zurück. Sämtlichen Kindern hat es
hiren Gaſtgebern gut gefallen und ſie haben ſich alle ausge=
met
erholt. Die Kinder hatten Gewichtszunahmen bis zu
Phund zu verzeichnen. Obſtbaumpflege. Für alle Obſt=
un
geſitzer beſteht auf Grund der Polizeiverordnung vom 6. 2.
2üie Verpflichtung, ſämtliche dürren und wertloſen, abgängigen
9Phnrume bis längſtens 15. Dezember d. J. zu beſeitigen. Weiter=
würd
bis längſtens 1. März nächſten Jahres alle Obſtbäume ab=
* Hußen, zu bürſten und zu reinigen, ſachgemäß zu lichten und von
Atſoürren Aeſten zu befreien. Kommen die Baumbeſitzer oder
Zurgsberechtigten dieſer Verpflichtung nicht nach, werden die
erdterlichen Maßnahmen auf ihre Koſten gemeindeſeits durch=
ehitt
.

Alfred Roſenberg vor den Opelarbeitern
über die zukünflige Kulkurgeſtalkung
in der deutſchen Induſtrie.
Be. Rüſſelsheim, 15. Oktober.
In dem feſtlich geſchmückten Opelwerkbahnhof ſprach am Mon=
tag
abend der Reichsleiter Pg. Alfred Roſenberg über Die Ge=
ſtaltung
der deutſchen Kultur in den Werken. Kurz nach 8 Uhr
ſpielte das Landes=Symphonieorcheſter Frankfurt a. M. den Ein=
zugsmarſch
. Unter den Klängen des Marſches wurde Alfred Roſen=
berg
vom Gauleiter und Reichsſtatthalter Sprenger, der in Be=
gleitung
ſeines Adjutanten und ſeines engeren Stabes erſchienen
war, ſowie von Geheimrat Wilhelm v. Opel, in den überfüllten
Werkbahnhof geleite. Hierauf erfolgte der Einmarſch der SA.=
Standarte 13 unter den Klängen ihres Parademarſches. Lebhaft
begrüßt, nahm ſodann Geheimrat Wilhelm v. Opel das Wort, um
den Reichsleiter Alfred Roſenberg und Gauleiter Reichsſtatthalter
Sprenger im Namen der Adam Opel A.=G. willkommen zu heißen.
Hierauf ergriff Reichsamtsleiter Dr. Stang=Berlin das Wort zur
Begrüßung Alfred Roſenbergs, der dann ſelbſt das Wort nahm
und in längeren Darlegungen das geſamte nationalſozialiſtiſche
Kulturprogramm der kommenden Jahre aufzeichnete. Den Abſchluß
bildete des Vorſpiel zu den Meiſterſingern, ebenfalls geſpielt
von dem Landes=Symphonieorcheſter Frankfurt a. M. Wir kom=
men
auf die Veranſtaltung noch zurück.

* Skernwanderung des Nordkreiſes.
Die Odenwaldklub=Ortsgruppen des Nordkreiſes,
der das Klubgebiet von MainzFrankfurtOffenbach bis nach
Dieburg-Babenhauſ umfaßt, trafen ſich am Sonntag, 14 Oktober.
in Langen zur jahresüblichen Sternwanderung; wohl war das
Wetter nach dem herrlichen Sommer nicht mehr gerade günſtig,
aber die Beteiligung war doch, wie gewohnt, recht ſtark, ſo daß ſich
ein ſtattlicher Feſtzug der erſchienenen Ortsgruppen von der Adolf=
Hitler=Anlage aus zum Verſammlungsort bewegen konnte. Die
Tagung fand im Gaſthaus zum Lämmchen ſtatt, das überfüllt
war. Die feſtgebende Ortgruppe Langen entbot durch ihren Vor=
ſitzenden
, Herrn Walther Koethe, allen Klubgenoſſen ein herz=
liches
Willkommen. Der eiſte Vorſitzende des Nordkreiſes, Herr
J. Sauer=Frankfurt, begrüßte ſeine Getreuen mit warmen Wor=
ten
, zugleich das Bedauern des verhinderten Führers des Klubs
Heirn Profeſſor Dr. Werner, ausſprechend. Anſchließend ergriff
der zweite Vorſitzende des Kreiſes, Herr Amtsgerichtsrat Becker=
Dieburg, das Wort zur Feſtanſprache, die mit einem Friſchauf für
Heimat und Vaterland und deſſen Kanzler und Führer ausklang,
worauf das Deutſchlandlied durch den Saal brauſte. Inzwiſchen
war auch Herr Prof. Kiſſinger=Darmſtadt erſchienen, der,
herzlich von der Verſammlung begrüßt, die Grüße des Vorſtandes
des Geſamtklubs überbrachte und nach einer begeiſterten Schil=
derung
der Wanderfreuden, die uns die Heimat bietet, dem Oden=
waldklub
ſein Friſchauf brachte. Die Ortsgruppe Langen bot eine
reiche Unterhaltung. Eine kleine Kapelle ſorgte unermüdlich für
frohe Stimmung, die Mädchengruppe des Odenwaldklubs Langen
trat wiederholt auf die Bühne, um in heiteren Volkstänzen und
Reigen, in netten Koſtümen, ſich den Dank der Zuſchauer zu ge=
vinnen
. Die Chorvereinigung Langen ſang als Gaſt wiederholt
ſchöne deutſche Volkslieder in anſprechender Ausführung, die gleich=
falls
viel Beifall fanden. Allen um das Gelingen des Tages ver=
dienten
Mitgliedern von Langen ſowie,den beiden Rednern, Herrn
Amtsgerichtsrat Becker und Profeſſor Kiſſinger, ſprach zum Schluſſe
der Verſammlung Herr J. Sauer den herzlichſten Dank namens
aller Feſtteilnehmer aus, mit dem Wunſche auf frohes Wieder=
ſehen
im nächſten Herbſt auf der Sternwanderung in Dreieichen=
hain
ſchließend.
Eine ganze Familie durch Bohnenſalat vergiftel.
* In Wallerſtädten ereignete ſich am Sonntag ein ſchwe=
res
Unglück, durch das eine ganze Familie hinweggerafft wurde.
Nach dem Genuß von Bohnenſalat, der aus einem nicht dicht ver=
ſchloſſenen
Einmachglas entnommen wurde, erkrankten ſämtliche
Mitglieder der Familie Wendel Rödner, Vater, Sohn, Tochter und
Schwiegerſohn, unter Vergiftungserſcheinungen. Während die
jungen Leute ſchon am Sonntag früh durch den Tod erlöſt wur=
den
, rang der 51jährige Vater bis Sonntag abend mit dem Tode.
Er iſt kurz vor 8 Uhr ebenfalls geſtorben. Somit hat das entſetz=
liche
Unglück vier Todesopfer gefordert.

hervorragend bewährt bei
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k. Dieburg, 15. Okt. Werbewoche für das Frauen=
turnen
. Der Turnverein Dieburg 1863 e. V. veranſtaltete im
Rahmen der Werbewoche für Frauenturnen in der Turnhalle des
Gymnaſiums einen beſonderen Uebungsabend, wozu die Frauen
eingeladen waren Die Kleinkaliber= Schützenab=
teilung
des Kriegervereins begann am Sonntag mit ihrem
Herbſtabſchießen verbunden mit Königs= und Meiſterſchaftsſchießen
ſowie einem Preisſchießen. Freiwillige Feuerwehr.
Am Montag nachmittag 5 Uhr fand eine Uebung der Freiwilligen
Feuerwehr mit Reſerve=Pflichtfeuerwahr und der Sanitäts=
kolonne
ſtatt. Taubenſperre. Da die Kartoffelernte ihrem
Ende zugeht und die Landwirte mit der Winterſaat beginnen, iſt
Daubenſperre bis zum 15. November angeordnet. Tuberku=
loſenberatungsſtelle
. Die ſeither von Herrn Dr. Pull=
mann
innegehabte Leitung der Fürſorgeſtelle für Lungenkranke
wird in der Folge von dem Kreisarzt des Kreiſes Dieburg, Herrn
Med.=Rat Dr. Hofmann übernommen.
Cr. Birkenau, 15. Oktober. Unglücksfall. Beim Beſchla=
gen
eines Pferdes wurde in einer hieſigen Schmiede ein auswär=
tiger
Dienſtknecht von dem Pferd ſo unglücklich geſchlagen, daß er
mit einem Knochenbruch in das Krankenhaus Weinheim verbracht
werden mußte. Aus der NSV. Die hier und in der Um=
gebung
untergebracht geweſenen Ferienkinder der NSV. aus
Biſchofsheim bei Hanau ſind nun wieder in ihre Heimat zurück=
gekehrt
. Die Ortswaltung der NSV. hat alles getan, um den Kin=
dern
den Ferienaufenthalt recht ſchön zu geſtalten. Ein ſehr ſchöner
Ausflug mittels Omnibus wurde vergangene Woche nach Heidel=
berg
unternommen. Einige der im Sommer von der NSV. Frank=
furt
hierher geſchickten Ferienkinder haben nun auch wieder ihre
Herbſtferien bei ihren Pflegeeltern vom Sommer verbracht.

Einweihung des Gefallenen Ehrenmals
des Jahurinierte Heuments Mr. 3.
Lpd. Mainz, 14. Oktober.
Das ehemalige Fußartillerie=Regiment Generalfeldzeugmeiſter
(Brandenburgiſches) Nr. 3 weihte heute in Verbindung mit der
Feier ſeines 70jährigen Beſtehens in ſeiner alten Garniſonſtadt
am Fort Joſef ein Ehrenmal für die gefallenen Regimentskame=
raden
. Am Samstag abend hatten ſich die Regimentskameraden
aus nah und fern zu einem Begrüßungsabend in der Stadthalle
eingefunden. Nach Gottesdienſten am Sonntag morgen traten die
Kameraden zu einem Regimentsappell zuſammen. Darauf zogen
die Teilnehmer hinaus zu dem inmitten prächtiger Grünanlagen
liegenden Ehrenmal, das auf den Mauern des ehemaligen Forts
Joſef errichtet worden iſt und mit einer ſchweren Feldhaubitze aus
Baſaltlava gekrönt iſt. Auf dem Sechseck, auf dem die Haubitze
ſteht, fand die alte Fahne des ruhmreichen Regiments Aufſtellung,
die von einer Ehrenhundertſchaft der Schutzpolizei zu dem Weihe=
akt
gebracht worden war. SA.=Stürme, der NS.= Frontkämpfer=
bund
und die Vereine des Kyffhäuſerbundes hatten ſich mit ihren
Fahnen vor dem Ehrenmal eingefunden. Hinter ihnen drängte
ſich eine nach Tauſenden zählende Menſchenmenge. Die Himpel
rühmen von Beethoven leitete die Feier ein. Nach einem Männer=
chor
nahmen Pfarrer Falckner aus Mühlhauſen i. Th. und
Prior Bongart vom Kloſter Jakobsberg das Wort zu tiefemp=
fundenen
Anſprachen, in denen ſie den Helden= und Opfermut und
die glühende Vaterlandsliebe der im Weltkrieg Gefallenen feier=
ten
. Oberſt a. D. und Führer des Regimentsringes des ehemaligen
Fußartillerie=Regiments Nr. 3, Degner, hielt ſodann die Weihe=
rede
. Einleitend begrüßte er die zahlreich erſchienenen Ehrengäſte,
unter ihnen die Vertreter des Reichsſtatthalters und Gauleiters
Sprenger, des heſſiſchen Staatsminiſters, den Verkreter des Biſchofs
uſw. Er dankte allen, die zum Gelingen des Werkes beigetragen
haben und ſprach den Wunſch aus, daß das Ehrenmal uns und
unſeren Nachkommen ein Anſporn ſein möge, der Liebe und Treue
der Gefallenen zum Vaterlande nachzueifern. Dann werde das
Blut der 109 Offiziere und 2504 Unteroffiziere und Mannſchaften
nicht vergeblich gefloſſen ſein. Er ſchloß mit den Worten: Wir
wollen vor allem angeſichts dieſes Denkmals als alte Soldaten
dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Treue bis in den Tod
geloben und mit ihm gehen durch dick und dünn zum Wohle unſe=
res
geliebten Vaterlandes. Nachdem die Hülle gefallen war,
übernahm Oberbürgermeiſter Kreisleiter Dr. Barth das Denk=
mal
in die Obhut der Stadt. Der Denkmalsplatz werde künftig
zur Erinnerung an das Regiment und ſeiner Toten Ehrenbain
General=Feldzeugmeiſter heißen und die Straße, die zu ihm führt,
ebenfalls den Namen des ruhmreichen Regiments führen. Nach
den Kranzniederlegungen formierte ſich ein Feſtzug durch die
Stadt, der mit einem Vorbeimarſch an den Ehrengäſten vor dem
Stadttheater endete.
Raubmord in Mainz.
der Täker verhaftel. Er etbeukete 442 Mark.
LPD. Mainz, 15. Oktober.
Geſtern abend wurde im Hauſe Schillerplatz 3 das 68jährige Frl.
Katharina Grau von dem 32jährigen Franz Becker aus Gonſen=
heim
bei Mainz erdroſſelt. Der Täter, der die Geldtaſche ſeines
Opfers mit 442,50 RM. Inhalt raubte, konnte dank der Geiſtes=
gegenwart
einiger Einwohner des Hauſes verhaftet werden, noch
bevor er das Haus wieder verlaſſen hatte. Die polizeilichen Er=
mittlungen
ſind noch nicht abgeſchloſſen.

LPD. Mainz, 14. Okt. Der Rauüberfall auf eine
Mainzer Sparkaſſenangeſtellte aufgeklärt. In
der Raubüberfallsſache in Mainz=Mombach iſt es, wie bereits kurz
gemeldet, nunmehr gelungen, die Tat reſtlos aufzuklären und
ſämtliche beteiligten Perſonen feſtzunehmen. Ueber den Vorfall
ſelbſt meldet der Polizeibericht: Die Täter hatten den Entſchluß
zu dem Raubüberfall bereits vor mehreren Wochen gefaßt und ſeit
dieſer Zeit Beobachtungen angeſtellt, um feſtzuſtellen, wo der
Ueberfall am beſten ausgeführt werden könnte. Als ſie glaubten,
mit den Gepflogenheiten der Angeſtellten genau vertraut zu ſein,
beſchloſſen ſie, am Dienstag, den 9. Oktober 1934, den Ueberfall
auszuführen. Die drei Täter fuhren am Dienstag nach Wies=
baden
, wo ſie vor einem dortigen Kaffeehaus den Kraftwagen,
mit dem ſie den Ueberfall ausführten, ſtahlen. Von dort fuhren
ſie nach Mainz zurück, ſetzten den dritten Täter hier, ab mit dem
Auftrag, ſie am Dienstag früh um 8 Uhr in Mainz=Mombach in
der Turnerſtraße zu erwarten. Die beiden anderen fuhren nach
Budenheim zur dortigen Kirchweih, wo ſie ſich die ganze Nacht
über aufhielten. Am Dienstag früh fuhren ſie von dort nach
Mombach, trafen ſich mit dem dritten Täter und hielten ſich in
der Nähe der Mombacher Sparkaſſe auf. Als die Angeſtellte das
Sparkaſſengebäude verließ, um das Geld zur Poſt zu bringen,
folgten ihr zwei der Täter unauffällig, während der dritte mit
dem Wagen langſam nachfuhr. Bei dem Ueberfall wurde der An=
geſtellten
das Geld entriſſen. Die Täter ſprangen in den Wagen
und fuhren in ſchnellſtem Tempo nach Mainz, wo ſie den dritten
Täter abſetzten, während die beiden übrigen nach Wiesbaden=
Biebrich weiterfuhren, dort den Wagen ſtehen ließen, ſich nach
Wiesbaden begaben und von dort mit dem D=Zug nach Köln
fuhren. Als die von hier angeſtellten Ermittlungen ergaben, daß
ſich die Täter vermutlich in Köln aufhielten, wurden zwei Krimi=
nalbeamte
von hier nach Köln geſchickt, denen es nach ſchwierigen
Ermittlungen gelang, einen der Täter in einem Hotel, wo er ſich
unter falſchem Namen eingetragen hatte, feſtzunehmen. Der
dritte Täter hatte ſich bereits nach Amſterdam begeben, wollte ſich
aber mit den inzwiſchen Feſtgenommenen im Laufe des vorgeſtri=
gen
Tages wieder in Köln in einem Hotel treffen. Dieſes Hotel
wurde unter Beobachtung geſtellt, und es gelang vorgeſtern nach=
mittag
, auch dieſen Täter zu faſſen. Als Anſtifter und Helfers=
helfer
zu der Tat konnten zwei weitere Perſonen ermittelt und
feſtgenommen werden. Bei den eigentlichen Tätern handelt es ſich
um den 27jährigen Heinrich Wendel aus Mainz=Mombach, den
24jährigen Konrad Hemmersbach aus Köln und den 21jährigen
Adolf Müller aus Mainz, während der 18jährige Otto Zahn aus
Mainz=Mombach und der 23jährige Willi Mitſchke aus Mainz=
Mombach als die geiſtigen Urheber der Tat in Frage kommen.
Von dem geraubten Gelde konnte ein Betrag von über 1400 RM.
herbeigeſchafft werden. Den Reſt hatten die Täter bereits ver=
ausgabt
.
Eb. Langen, 15. Oktober Gewerbeſchau Am Samstag
fand die feierliche Eröffnung der von der Fachſchaft Einzelhandel
veranſtalteten. Schau deutſcher Arbeit ſtatt. Als Vertreter des
Einzelhandels Langen begrüßte Optiker Oeder alle Erſchienenen.
Syndikus Dr. Reis ſprach namens der Heſſiſchen Handwerkskam=
mer
, die NS.=Hago Offenbach vertrat Pg. Appelshäuſer,
den Einzelhandel des Kreiſes Offenbach Pg. Katter. Für die
Gemeinde Langen ſprach Bürgermeiſter Göckel. Die Ausſtellung
gibt einen Ueberblick über die Leiſtungsfähigkeit der einheimiſchen
Handwerker= und Gewerbebetriebe. Insgeſamt ſind 32 Firmen
daran beteiligt. Sie iſt ſo umfaſſend, daß ſie auf zwei Räumlich=
keiten
, und zwar auf den Saalbau Zum Lindenfels und den Saal
des Evgl. Gemeindehauſes, verteilt werden mußte. Die Ausſtellung
erfreute ſich beſonders am geſtrigen Sonntag eines guten Beſuches,
Sie dauert noch bis zum 21. Oktober.
Gernsheim, 15. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
Pegel am 14. Oktober 0,66, am 15. Oktober 0,75 Meter.

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Hese e
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Hese e
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Sank 1/ OSRA) u erkalter

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Seite 8 Nr. 286

Reich und Ausland.
Einſturzunglück
am Neubau der Kaltowiher Kathedrale
Kattowitz. Ein ſchweres Einſturzunglück
ereignete ſich am Montagvormittag am Neubau
der Kattowitzer Kathedrale. Die Bauleitung hatte
am Montag etwa 100 Arbeiter neu eingeſtellt, da
nach einer längeren Pauſe die Bauarbeiten fort=
geſetzt
werden ſollten. Vor Arbeitsbeginn ſollten
die Arbeiter über den Stand der Bauarbeiten
unterrichtet werden. Als ſich etwa 70 Arbeiter
auf dem zweiten Stockwerk des Baugerüſtes be=
fanden
, ſtürzte dieſes zuſammen und begrub die
Arbeiter unter den Trümmern. Nach den vorläu
figen Feſtſtellungen wurden etwa 30 Arbeiter
ſchwer verletzt, während die gleiche Anzahl
leichtere Verletzungen davontrug. Zehn der
Schwerverletzten liegen hoffnungslos
danieder. Unter den Schwerverletzten befin=
det
ſich auch der Bauführer ſowie ein Geiſtlicher
Ueber die Urſache des Einſturzunglücks konnte bis=
her
nur feſtgeſtellt werden, daß das Baugerüſt an=
ſcheinend
infolge der anhaltenden Regenfälle in
ſeiner Standhaftigkeit gelitten hat, ſo daß es un=
ter
der ſtarken Belaſtung zuſammenbrach.

Immer wieder Manſardeneinbrüche in Frankfurt.
Frankfurt a. M. Manſardeneinbrecher
machen in Frankfurt trotz aller Warnungen an die
Einwohner immer wieder reiche Beute. In letz=
ter
Zeit ſind wieder einige Manſardeneinbrüche
durch zwei Burſchen im Alter von 35 bis 40 Jah=
ren
verübt worden, die ſich unter dem Vorwand
in die Häuſer ſchleichen, ſie hätten Papierplaket=
ten
zur Arbeitsbeſchaffung anzubieten. Sie über=
reichen
dann auch tatſächlich ein weiß=rot umrän=
dertes
Stück Pappe mit der Aufſchrift Arbeits=
beſchaffung
. Das ganze Manöver iſt aber ledig=
lich
ein Vorwand, um ungehindert in die Häuſer
und zu den Manſarden zu gelangen, wo ſie dann
alles mitgehen heißen, was nicht niet= und nagel=
feſt
iſt.
Die Ermordung des Erzbiſchofs
von Letkland.
Aufbahrung in der Rigaer Kathedrale.
Riga. Ueber die grauenhafte Mordtat an
dem griechiſch=orthodören Erzbiſchof. Lettlands
Johann Pommer werden weitere erſchütternde
Einzelheiten bekannt. Die durch drei Aerzte vor=
genommene
Unterſuchung der Leiche ergab, daß
auf den Ermordeten zuerſt geſchoſſen worden iſt.
Der Schuß muß aus allernächſter Nähe aus einem
Revolver großen Kalibers abgegeben worden ſein.
Ob jedoch der Tod gleich eingetreten iſt, läßt ſich
nicht ſagen. Es iſt, wie die Unterſuchung ergab,
durchaus möglich, daß die Mörder den tödlich
verletzten Erzbiſchof mit Petroleum und Benzin
begoſſen und anzündeten, während er noch am Le=
ben
war.
Es hat ſich herausgeſtellt, daß die Verbrecher
unter den perſönlichen Feinden des Erzbiſchofs zu
ſuchen ſind. Die Polizei hat eine Reihe von Per=
ſonen
verhaftet, deren Namen jedoch der Oeffent=
lichkeit
vorläufig noch nicht bekanntgegeben
werden.
Nach einem Gottesdienſt in dem Landhaus des
Ermordeten, an dem alle griechiſch=katholiſchen
Geiſtlichen Lettlands teilnahmen, wurde der Sarg
mit den ſterblichen Ueberreſten des Erzbiſchofs in
feierlichem Zuge in die griechiſch=katholiſche Ka=
thedrale
gebracht, wo der Sarg aufgebahrt wer=
den
wird. Die Beiſetzung ſoll am 21. Oktober
ſtattfinden.
Erzbiſchof Pommer lebendig mit Benzin begoſſen
und angezündet!
Riga. Die Leichenöffnung bei dem ermor=
deten
griechiſch=katholiſchen Erzbiſchof Johann
Pommer hat jetzt einwandfrei ergeben, daß der
Erzbiſchof zwar durch die Revolverſchüſſe tödlich
verwundet worden iſt, jedoch noch lebend mit Ben=
zin
und Petroleum begoſſen und angezündet
wurde. Man hat in der Lunge Kohlenteilchen
gefunden, die beweiſen, daß der Erzbiſchof noch
gelebt hat, als Feuer angelegt wurde.
Die feierliche Ueberführung des ermordeten
Erzbiſchofs in die Rigaer ruſſiſche Kathedrale
fand Sonntag unter Beteiligung der geſamten
griechiſch=katholiſchen Geiſtlichkeit Lettlands ſtatt.
Annähernd 80 000 Einwohner bildeten für den
Trauerzug Spalier.
125. Geburkskag des Gründers des
Norddeutſchen Llond.

1 in der reichs=
Vom Beſuch des Reid
deutſchen Schule in
Budapeft.
Reichsminiſter Ruſt ſtattete die=
ſer
Tage der reichsdeutſchen Schule
in Budapeſt einen Beſuch ab. In
ſeiner Begleitung befand ſich
Staatsſekretär Szily und der
deutſche Geſandte v. Mackenſen
mit mehreren Herren ihrer Um=
gebung
. Der Miniſter wurde vom
erſten Vorſitzenden des Schulver=
eins
, Direktor Deyhle, und dem
Leiter der Anſtalt, Oberſtudien=
direktor
Dr. Rettig, empfangen.
Die Herren nahmen am Unterricht
mehrerer Klaſſen teil und beſich=
tigten
dann die Schulſäle und die
Lehrmittelſammlung. Anſchließend
wurden dem Reichskultusminiſter
die ungariſchen und die deutſchen
Lehrkräfte der Schule vorgeſtellt.
Zum Schluß brachte der Miniſter
dem Lehrerkollegium ſeine Aner=
kennung
für die geleiſtete Schul=
und Erziehungsarbeit zum Aus=
druck
. Unſere Aufnahme iſt im
Hofe der Schule gemacht und zeigt
den Moment, wo das jüngſte
Mädel des BDM. dem Miniſter
einen Blumenſtrauß überreicht.
Die beiden Herren rechts und links
vom Miniſter ſind Heſſen=
Darmſtädter, und zwar rechts der Leiter der Schule, Oberſtudiendirektor Dr. Peter Rettig,
links vom Miniſter der Landesjugendführer für Ungarn, Studienrat Dr. Georg Bräunig.


von der Mungener Gdurag ang des 2.2Juriſtenbundes.

In der Aula der Münchener Univerſität fand die Eröffnung der Gautagung des NS=Juriſtenbundes
ſtatt, bei der Reichsjuſtizkommiſſar Dr. Frank (auf dem Rednerpodium) das Wort zu richtung=
gebenden
Ausführungen ergriff.

Die Beiſehung Barkhous.

Am 16. Oktober jährt ſich der Tag zum 125. Male.
an dem Hermann Henrich Meier, der ſpätere
Gründer und Präſident des Norddeutſchen Lloyd,
in Bremen das Licht der Welt erblickte.

Der Sarg, der mit der Tricolore bedeckt iſt, wird zum Invalidendom gebracht. Daneben ſchreiten
(beginnend mit dem Zweiten von vorn) der oberſte Feldgeiſtliche der franzöſiſchen Armee, der Rek=
tor
der Pariſer Sorbonne, Marſchall Pétain und dahinter Offiziere mit den Orden des Toten.

Schneefall im Rieſengebirge.
Breslau. Wie die Wetterdienſtſtelle Bres=
lau
=Krietern mitteilt, trat in der Nacht zum
Montag im Rieſen= und Iſergebirge Schneefall
in, der bei leicht zunehmendem Froſt auch am
Montag anhielt. Die Schneehöhe hat in den
höheren Lagen zum Teil ſchon 10 Zentimeter er=
reicht
.
31 Todesopfer des Bergwerksunglücks bei Lyon.
Paris. Man hatte jede Hoffnung aufgege=
ben
, irgendeinen der bei dem Grubenunglück von
St. Pierre=la=Palud bei Lyon verſchütteten 32

Bergleute lebend bergen zu können. Fünf Tage
waren vergangen, und inzwiſchen ſind über
20 Leichen geborgen worden. Am Sonntag gelang
es einer Rettungsmannſchaft, in einen abgele=
genen
Stollen vorzudringen. Hier ſtieß ſie auf die
letzten noch lebenden Verunglückten, zwei Polen,
von denen einer aus Erſchöpfung wenige Stunden
ſpäter geſtorben iſt, während man den anderen am
Leben erhalten zu können hofft. Die im Schacht
gebliebenen Leichen ſind jetzt auch geborgen wor=
den
, ſo daß der Kataſtrophe insgeſamt 31 Berg=
leute
in der Hauptſache Polen zum Opfer
gefallen ſind.

* Schönheit der Arbeit.
Ein Rundgang durch die Berliner
Bekriebe der Reichspoft.
Die Reichspoſt hatte die Vertreter der Preſſe
zu einem Rundgang durch die Berliner Betriebe
eingeladen, um einmal über den Stand ihrer
Wohlfahrtseinrichtungen und ſanitären Anlagen
innerhalb der Poſtanſtalten Rechenſchaft abzu=
legen
. Die Beamten, Angeſtellten und Arbeiter
der Reichspoſt haben in dem vielgeſtaltigen Be=
trieb
oft unter den ſchwerſten Bedingungen u
arbeiten, und beſonders in den Zeiten des haup=
ſächlichſten
Verkehrs ſind die Anforderungen, die
an die Belegſchaft geſtellt werden, ganz erheblich,
Die nationalſozialiſtiſche Staatsführung hat
ſehr nachhaltig für wachſende Vervollkommnung
der beſtehenden Arbeitsbedingungen Sorge getra=
gen
. Es galt vor allem in den Poſtanſtalten auf=
zuräumen
, die ja zum größten Teil in einer Zeit
entſtanden waren, als man ſich um das Wohl und
Wehe des arbeitenden Menſchen noch herzlich
wenig kümmerte. So gut es eben geht, hat die
Reichspoſt hier aber energiſch Wandlung geſchaf=
fen
. Schon ein erſter kurzer Beſuch im Haupttele=
graphenamt
, dem nächſt London größten Tele=
graphenamt
Europas, zeigte, daß man bei gutem
Willen auch aus alten und unmodernen Häuſern
noch etwas herausholen kann. Die Raumfrage
ſpielte eine große Rolle. Hier wurden helle und
freundliche Arbeitsräume geſchaffen, die den An=
geſtellten
ihre ſchwere und anſtrengende Arbeit
leichter machen. Ein heller Anſtrich, ein paar
Blumen vor den Fenſtern können da ſchon viel
ändern. Man ſorgte für eine geſunde Beleuch=
tung
und Beheizung der Dienſträume, für eine
ausreichende Entlüftung arbeiten hier in den
Hauptverkehrsſtunden doch Hunderte in einem ein=
zigen
Raum , man achtete auf zweckmäßige und
nach Geſundheitsgrundſätzen ausgeſuchte Dienſt=
möbel
und auf eine möglichſt hohe Herabſetzung
der an ſich unvermeidlichen Betriebsgeräuſche. In
ausreichendem Maße wurden Waſch= und Bade=
gelegenheiten
eingerichtet. Man richtete Ruhe=
Zimmer ein, ſorgte für Bibliotheks= und Leſezim=
mer
, und nicht zuletzt für einen gepflegten und
luftigen Dachgarten, wo beſonders in den Som=
mermonaten
die Angeſtellten ihre Erholung
ſuchen und wo auch regelmäßige Freiübungen ab=
gehalten
werden.
In den Neubauten der Poſtanſtalten iſt natur=
gemäß
von vornherein auf dieſe Einrichtungen
mehr Rückſicht genommen worden. Hier hat man
ſich auch der neueſten techniſchen Fortſchritte be=
dient
und den Arbeitenden alle nur denkbare Er=
leichterung
zu ſchaffen verſucht. So ſind das
Paketzuſtellamt in Berlin=Charlottenburg und
das Paketumſchlagsamt an dem bekannten Gleis=
dreieck
im Zentrum der Stadt, wo 60 Prozent
aller Berlin verlaſſenden Pakete abgefertigt wer=
den
, in ihren Einrichtungen der Außenarbeitsſtel=
len
vorbildlich. Die Beamten und Arbeiter müſ=
ſen
hier oft in kalter Zugluft ſtundenlang ſtehen
und ihren Dienſt verſehen. Da hat man rieſige
Warmluftturbinen eingebaut, die warme Luſt=
ſtrömungen
direkt an die Arbeitsplätze heranfüh=
ren
. Beſondere Sorgfalt erſuhren auch die ſani=
tären
Anlagen der ſogenannten Poſthalterei, das
iſt die Reparatur= und Aufladewerkſtätte der
Elektromobile. Hier haben die Arbeiter mit den
giftigen Säuren der Elemente zu tun, ſie erhal=
ten
dafür eine beſondere Arbeitskleidung geſtellt,
und kein Arbeiter darf ſeine Arbeitsſtelle verlaſ=
ſen
, ohne ein gründliches Bad genommen zu
haben.
Schließlich finden ſich in allen Anſtalten der
Reichspoſt heute geräumige Kantinen, die die An=
geſtelltenſchaft
zu wirklich billigen und erſchwing=
lichen
Preiſen wohlſchmeckende Speiſen verab=
folgen
. Um eine Gleichförmigkeit zu vermeiden,
hat man die Wirtſchaftsbetriebe allgemein an zu=
verläſſige
Oekonomen verpachtet. Selbſtverſtänd=
lich
iſt aber auch dafür Sorge getragen, daß die
Angeſtellten ſich mitgebrachte Speiſen auf beſon
deren Kochſtellen aufwärmen und kochen können.
Das Frühſtück können ſie dann in hellen und pein=
lich
ſauber gehaltenen Räumen ungeſtört verzeh
ren. Die Einnahme von Speiſen innerhalb der
Betriebsräume iſt ſtreng verboten, und auf die
Innehaltung dieſer verſtändigen Maßnahmen
wird peinlichſt geachtet.
* Die Entführung der Miſſis Stoll.
Vor wenigen Tagen kam aus Amerika die
Nachricht von dem neueſten Entführungsſkandal.
Es iſt der Polizei in Louisville jetzt gelungen,
einen Mann zu verhaften, der der Enrführung
der Millionärsgattin Berry Stoll dringend ver=
dächtig
iſt. Der Entführer war in der Kleidung
eines Monteurs in der Villa der Familie Stol
erſchienen und hatte angegeben das Leitungs=
waſſerreſervoir
nachſehen zu müſſen. Er halle
dann ſcheinbar eine Reparatur ausgeführt, war
dann aber plötzlich in das Zimmer der Miſſie
Stoll eingedrungen und hatte ſie mit einem Re
volver bedroht. Zunächſt verlangte der Eindring=
ling
von der Frau, ihm einen Blankoſcheck ausön.
händigen. Als ſie das ablehnte, überwältigte "
ſie und zerrte ſie aus dem Hauſe. Auf der Straß=
wartete
bereits der Wagen eines Komplizen, dee
ſich dann in raſender Fahrt entfernte. Gleich noc
der Benachrichtigung der Polizei wurde unveröhl.
lich die Verfolgung des Entführers aufgenomme
Der Ehemann aber ſetzte auch auf eigene Fal
Nachforſchungen an und trat mit Verbrecherkreiſ
in Verbindung. Er zahlte auch auf deren Gehe
ein Löſegeld von 50 000 Dollars. Durch die De
haftung des Banditen in Louisville hofft mg
der Bande jetzt auf die Spur zu kommen.

In ſeiner neuen Tauchermaske erſtickt.
Mailand. Der Marineleutnant Albel
Cuniberti, der Erfinder einer neuen, mit eiſſe
Sauerſtoffbehälter ausgeſtatteten Tauchermſs
die einen längeren Aufenthalt unter Waſſer L
ſtattet, iſt bei einem Verſuch mit ſeinem Gei
erſtickt. Er wurde beim Tauchen offenbar. L
einem Unwohlſein befallen und hatte daher. Le
Hahn des Sauerſtoffbehälters nicht rechtzeitig.
öffnet. Mit ſeinem Gerät war er ſchon hail
über eine Stunde unter Waſſer geblieben.

[ ][  ][ ]

Dienstag, 16. Oktober 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 286 Seite 9

Hauptverſammlung
Hauptverein

9 aſſau=Heſſen, der bekanntlich gemäß der kirchlichen Neuordnung
aus den beiden Hauptvereinen Heſſen und Wiesbaden=Frankfurt; / zu haben; doch werde ſein großes Buch, der Aufgang der Menſch=
gebildet
wurde, trat am Samstag und Sonntag das erſtemal ſeit
Leeffentlichkeit. Die Tagung fand überall im Gebiet des Haupt= als Roman gewertet. Wirths Anſchauungen ſeien keine Religion,
viereins großes Intereſſe, weil auf der reichhaltigen Tagesordnung
dee brennendſten Tagesfragen, wie z. B. innerkirchliche Einigkeit wie Wirth habe auch Bergmann. Kummer gehe auf die alten Re=
und Sammlung. Bekenntnis zu Evangelium und Volkstum und
dee entſchiedene Abwehr fremdgeiſtigen Glaubens und Weſens, be=
h
ndelt wurden.
Eingeleitet wurde die Tagung durch eine Sitzungdes Ar=
beitsringes
am Samstag nachmittag.
Ein verheißungsvoller Auftakt war die am Samstag abend
der Kreuzkirche abgehaltene Eröffnungsverſammlung, in deren
Mrittelpunkt der Vortrag von D. Dr. Johann Witte=Berlin über
das Thema Deutſchglaube und Chriſtusglaube‟
teend. Nach einem feierlichen Orgelvorſpiel eröffnete der Vor=
ſisende
des Hauptvereins Naſſau=Heſſen, Pfarrer Dr. Bergér=
Tmrmſtadt, die Verſammlung. Der Evangeliſche Bund ſei wohl
irugeordnet, habe aber die alte Loſung: Deutſch und evangeliſch!
Der Evangeliſche Bund ſei ſich bewußt, daß durch die Wendung
ſe Dinge in Deutſchland ſeine Loſung eine neue Wende bekommen
AWbe. Jetzt heiße es arbeiten damit nach der politiſchen und wirt=
Fmftlichen Einigung auch eine Einigung im inneren und inner=
tin
Seelenleben herbeigeführt werden könne. Der Deutſche Evan=
zTiſche
Bund habe nunmehr eine heilige Aufgabe zu erfüllen und
u. glaube an ſeine Sendung. Erfreulich ſei die Anerkennung durch
i höchſten Kirchenbehörden. Der Vorſitzende erflehte Gottes rei=
yrn
Segen auf die Verſammlung der auch die Vertreter zahl=
1eſ cher kirchlicher und weltlicher Behörden beiwohnten. Er eröff=
nTe
die Verſammlung mit einem Gruß an den Führer und Reichs=
anzler
, als dem deutſchen und dem frommen Manne, dem ſich ein
Sgg=Heil auf den Führer und das Deutſchland= und Horſt= Weſſel=
ied
anſchloſſen.
Die Grüße des Zweigvereins Wiesbaden überbrachte Pro=
ellor
Anacker. Wenn es auch noch nicht auf allen kirchenpoli=
iſchen
Gebieten roſig ausſehe, ſo ſei doch keine Urſache zur Ver=
autheit
vorhanden; dieſe kenne der Epangeliſche Bund nicht, mutig
uo tapfer ſchreite er vorwärts.
Vom Präſidium des Evangeliſchen Bundes war Profeſſor
anze=Berlin erſchienen. Er würdigte die großen Verdienſte,
ie der Hauptverein und ſeine Zweigvereine, ſowie die führenden
Nänner für die evangeliſche Sache hätten. Mit der Loſung Deutſch
v Evangeliſch wolle der Evangeliſche Bund keineswegs den
mgersgläubigen Volksgenoſſen ihr Deutſchtum abſprechen, im Ge=
er
teil., der Evangeliſche Bund wiſſe ſich mit dieſen Volksgenoſſen
ues engſte verbunden, weil alle eines Blutes und eines Geiſtes
ün. Alle gehörten in die große Gemeinſchaft, die der Führer
ms geſchenkt habe; der Evangeliſche Bund werde alles vermeiden,
as dieſer Gemeinſchaft ſchaden könnte, unter ſeinem Panier wolle
alle verſammeln, die deutſch und evangeliſch ſeien und mit Leib
ſeele für das Evangelium einzutreten bereit ſind. Eifrig wolle
e: Bund für ſeine Sache werben, um alle die zu gewinnen, die
zn= heute noch fern ſtänden; jederzeit werde er ſich dagegen wen=
en
, daß ſein verheißungsvolles Banner von irgend jemand her=
yvergeholt
würde es weiter auszubreiten, bleibe das Ziel.
In ſeinem Feſtvortrag befaßte ſich Profeſſor D. Dr. Witte
i. der Deutſchen Glaubensbewegung, die erkläre, das neue
eurtſchland müſſe das Chriſtentum abſtoßen, weil es dem nor=
ſwcen
Geiſt nicht entſpreche. Es gelang dem Redner, den nam=
ahren
und führenden Vertretern dieſer Bewegung manchen Trug=
ltaß
nachzuweiſen. An ſich ſei die Idee einer chriſtentumfeind=
chen
Religion nicht neu, ſie reiche ſchon zurück bis in die Mitte
s. vorigen Jahrhunderts, wo Paul Lagarde einer ihrer hervor=
igendſten
Vertreter war, der einmal vorausſchauend geſagt hat,
umeuen Deutſchland werde kein Platz mehr für das Chriſtentum
in. In letzter Zeit habe all dieſen Neugründungen die Betonung
s ſpezifiſch Deutſchen ſtarken Auftrieb gegeben. Der Redner be=
ßze
ſich mit den verſchiedenſten Religionen der älteſten Vergan=
nceit
. Einer eingehenden Würdigung unterzog Profeſſor Witte
e Aeußerungen der in der Deutſchen Glaubensbewegung beſon=
Un= hervorgetretenen Führer, wie Hermann Wirth Bergmann.

des Evang. Bundes,
Naſſau=Heſſen.
IPD. Wiesbaden, 15. Okt. Der Evangeliſche Bund, Hauptverein/ Kummer und Hauer. Profeſſor Wirth habe das Verdienſt, die Auf=
merkſamkeit
der Oeffentlichkeit auf die altnordiſche Vorzeit gelenkt
ſäner Neuorganiſation mit ſeiner Hauptverſammlung vor die heit vielfach nicht als Tatſachenvorſtellung, ſondern ſchlechthin
ſondern eine materialiſtiſche Weltanſchauung. Aehnliche Anſichten
ligionen ein, und Hauer ſtelle den ariſchen Pantheismus mehr in
den Vordergrund. Eingehender behandelte der Redner dann die

verſchiedenen indiſchen Religionsphiloſophien deren Grundſtim=
mung
ein unabweisbares Erlöſungsbedürfnis ſei. Mit Zitaten
aus der Bhagavadgita konnte der Redner ſeine Darlegungen
ſtützen.
In den Schriften der Deutſchen Glaubensbewegung werde
keine Antwort erteilt auf die Frage: Wie ſollen wir uns ſtellen
zu Leid und Not? In keiner Religionslehre habe ein Menſch von
ſich behauptet, er ſei Gottes Sohn, das habe nur Chriſtus getan.
Und ſeine Jünger hätten nach dem Erlebnis der Auferſtehung ver=
kündet
, daß er der lebendige Gott ſei. Wie eine mathematiſche
Formel laſſe ſich das Chriſtentum nicht beweiſen, entſcheidend ſei
immer der Glaube. Der Gottesſohn habe alle Schuld geſühnt da=
mit
die Menſchheit wieder zu Gott kommen könne. Das Chriſten=
tum
wolle, niemand Gewalt antun, doch müſſe es ſich gegen
Schmähungen mit aller Gewalt zur Wehr ſetzen. Es gäbe auch
heute noch ſehr viele Materialiſten, um dieſe zu ringen lohne ſich.
Chriſtus regiere; daß er ſiege, dafür zu ſorgen, ſei ſchönſtes Ziel.
Das Schlußwort ſprach Pfarrer Heinz=Frankfurt=Bonames,
indem er u. a. Landeskirchenrat Merz für ſeine großen Verdienſte
ehrte.

*Tieriſche Wetterpropheten in Dichtung und Wahrheit.

Von Paul Eipper.

Wir ſtehen auf dem Dorfplatz unter der Linde, und plötzlich
ſagt jemand: Sieh mal, wie niedrig die Schwalben fliegen; ſie
bringen uns leider Regenwetter! Zuſtimmend nickt der alte
Bauer. Ja. ja, darauf kann man ſich verlaſſen; in einer Stunde
geht’s los. Und wahrhaftig, bereits vor dem Abendbrot iſt
alles naß.
Dennoch können die Schwalben weder durch ihren Bodenflug
den Regen herbeizaubern, noch ſteigen ſie in Vorahnung eines
Wolkenbruches aus den oberen Luftſchichten herab. Wir Men=
ſchen
verwechſeln vielmehr Urſache mit Wirkung, und es ſoll der
Zweck dieſer Betrachtung ſein, bei den tieriſchen Wetterpropheten
einmal Wahrheit und Dichtung voneinander zu trennen.
Es ſpuken hier nämlich noch viele Ueberlieferungen aus dem
Mittelalter in unſeren Köpfen, aus jener Zeit, da man zwar
durchaus richtig die Tiere der dörflichen Umgebung beobachtete,
jedoch nicht den tatſächlichen Veranlaſſungen nachſpürte, ſondern
der tieriſchen Handlung einen myſtiſchen Sinn unterſchob. So
entſtanden verzerrte und falſche Erkenntniſſe, die leider bis heute
ganz allgemein erhalten blieben.
Die exakte Forſchung der belebten und der unbelebten Natur
vermag uns heutzutage weitgehend aufzuklären; wir wiſſen längſt
daß die elektriſchen Spannungen in der Atmoſphäre ſchmerzhaft
auf lungen= und herzkranke Menſchen einwirken, ſo, daß ſie ein
Gewitter ſtundenlang vorausahnen; auch völlig Geſunde fühlen
zuweilen eine ſolche Veränderung bereits im Entſtehen. Gerade
ſo iſt es bei manchen Haustieren; ſie werden plötzlich unruhig
und der Bauer weiß, daß ein Unwetter bevorſteht, trifft ſchnell
Vorſichtsmaßnahmen gegen Blitzſchlag und Wolkenbruch. Sing=
vögel
ſpüren ebenfalls den atmoſphäriſchen Tiefdruck; jeder auf=
merkſame
Naturfreund kann beſtätigen, daß kurz vor einem Ge=
witter
lähmendes Schweigen im Walde herrſcht. Auch vermehr=
ter
Feuchtigkeitsgehalt der Luft beeinflußt das Verhalten von
Tieren.
Bei niedrigem Barometerſtand kommen Mücken, Fliegen und
andere Klein=Inſekten ſofort in die unteren Luftſchichten, da wei=
ter
oben durch die Vermiſchung von Kalt und Warm Luftwirbel
und riſſige Winde entſtehen. Nun ſind wir, wieder bei den
Schwalben angelangt, den patentierten Wetterpropheten! Sie
kümmern ſich bei ihrem Bodenflug nicht im geringſten um die

Nſch D An ernf ie der en Ee Fäf äfe
rend bei ſonnigem Wetter die Inſekten teilweiſe ſchon von den
Wärmeſtrahlen emporgetragen überall im Luftraum verteilt
ſind. Die winzigen Kerbtiere nimmt das Menſchenauge nicht
wahr; ſie ſind die eigentlichen Wetterpropheten, und die Schwalbe
kam als ihr Nutznießer zu unverdientem Ruhm.
Dagegen gehören die Spinnen zu den echten Wetterpropheten;
das hängt wohl mit der hygroſkopiſchen Eigenſchaft der Spinn=
webfäden
zuſammen, die ſich ja nach dem Feuchtigkeitsgehalt der
Luft dehnen oder zuſammenziehen. Auch das Benehmen des
Regenwurms läßt wenigſtens mittelbare Wetterſchlüſſe zu; der
Regenwurm, geht bei herannahender Regenzeit beſonders gern
auf Nahrungsſuche oder Brautſchau.
Da alle Schnecken ein großes Feuchtigkeitsbedürfnis haben,
können wir auch ſie durchaus mit Recht tieriſche Wetterprophe=

ten nennen; Baumſchnecken zum Beiſpiel ſteigen lange vor einem
Gewitter ſtammaufwärts, und auch die Bodenſchnecken kriechen
alsdann (für ihre Verhältniſſe) ſchnell und überall umher.
Warum hat die Sturm=Möve ihren Wetternamen? Sie flieht
den Sturm, verläßt bei hohem Wellengang das Meer, und ihr
Erſcheinen am Land kündet zuverläſſig einen Witterungsumſturz
an. Solange die Menſchheit noch nicht exakte, meteorologiſche
Meßapparate beſaß, der Rundfunk nicht fünfmal täglich Wetter=
meldungen
in jedes Haus ſandte, war das Erſcheinen der Sturm=
möven
für den Seemann und Fiſcher von weittragender Bedeu=
tung
. Viele Seevögel ſind brauchbare Wetterpropheten; bei auf=
kommendem
Sturm erſcheinen Lummen und Seeſchwalben war=
nend
auf der Unterelbe, ja ſogar in Hamburg.
Dagegen iſt der prophetiſche Laubfroſch eigentlich nur ein
Märchen, das von der Treue der Volksüberlieferung lebt. Ah=
nungen
für Wetterwechſel hat der Laubfroſch nicht; er flüchtet
bei Regen gern unter ein breites Baumblatt; aber dann iſt es
bereits ſoweit, daß auch wir Menſchen den Regenſchirm auf=
geſpannt
haben.
Aber nicht alle Reaktionen der Tiere auf die Veränderungen
der Umwelt ſind mit dem Schlagwort Aberglauben abzutun.
Es gibt ſogar Tiere, die den Mondwechſel ankündigen. Leider
reicht hier der Raum nicht aus, um von dem ſeltſamen Palolo=
Wurm zu erzählen; ich empfehle darüber im unerſchöpflichen
Brehm nachzuleſen. Ebenſo über die Anneliden, deren im Meer
lebende Arten bei Vollmond, plötzlich in der Elbmündung er=
ſcheinen
.
Auch Erdbeben werden von manchen Tieren im voraus ge=
meldet
. Hühner, Kaninchen und Hunde zeigen manchmal ganz
ohne erkennbare Urſache ſtärkſte Nervoſität; 24 Stunden ſpäter
ſchwankt der Erdboden. Auch einige Wildtiere ſpüre ſolche kom=
menden
Erſchütterungen; die Berg=Lemminge ſollen in ungeheuren
Scharen fluchtartig das Gebiet verlaſſen, das kurze Zeit nachher
von einem Erdbeben heimgeſucht wird. Wahrſcheinlich können
die viel empfindlicheren Sinne und Nervenantennen dieſer Tiere
ſchon jene unterirdiſchen Einſtürze und leichten Brüche wahrneh=
men
, die einem Erdbeben meiſt vorausgehen
Ich ſagte zu Anfang, daß die exakte Erforſchung der belebten
und unbelebten Natur vieles aufgeklärt habe alles jedoch nicht.
So wiſſen die Gelehrten zunächſt noch keine Formel dafür,
warum Rallen, Rohrſänger und andere ein feſtes Neſt bauende
Waſſervögel in waſſer= und überſchwemmungsreichen Jahren den
Schlaf= und Brutraum gleich von vornherein in höheren Lagen
errichten als früher. Aehnliches ſoll an Biber=Ratten beobachtet
worden ſein.
Wird man hier nicht an Hamlets tiefgründiges Wort erin=
nert
? Auch im 20. Jahrhundert gibt es noch viele Dinge zwiſchen
Himmel und Erde, vor denen unſere Schulweisheit verſtummen
muß. Unendlich groß iſt die lebendige Natur, beglückend ſchön in
ihren gelöſten und ebenſo in ihren ungelöſten Rätſeln. Daß der
heutige Menſch wieder naturnah werde und bleibe, dies ſcheint
mir (um noch einmal Shakeſpeare zu zitieren) ein Ziel, aufs
Innigſte zu wünſchen!

ROMAN VON HANS RABL
Copyright 1934 by Auguſt Scherl G. m. b. H., Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Ich gebe Ihnen alſo zu, daß ich vielleicht unrecht habe. Daß
ielleicht ungerecht bin, Möglich, gut. Aber es iſt mir lieber,
ſen al ungerecht zu ſein, als, das Opernhaus der Gefahr aus=
teßen
, ſich durch eine ſchlechte Aufführung zu blamieren. Gehen
ee alſo und ſagen Sie Ihrem Mann, ich wär’ ein ekelhafter
erfſch aber ich tu’s nicht.
MMarie ſtand auf. Es wird ſich ſicherlich ein Opernhaus
Mdrn, das mich brauchen kann und deſſen Intendant weniger
tſachtig iſt, was meinen Mann , plötzlich ſagte ſie mein
ſumn betrifft.
Manns ſah ſie verblüfft an. Wie meinen Sie ?"
Ja, Sie haben vollkommen richtig verſtanden.
Manns zuckte die Achſeln. Ich kann Sie nicht verſtehen.
ſh Ekann Sie wirklich nicht verſtehen, daß Sie deswegen hier
es hinſchmeißen wollen
Können Sie es nicht verſtehen, Herr Intendant? Wirk=
nricht
?
=Nein, ſagte er kalt. Ich kann es nicht verſtehen, wenn
te Künſtlerin Ihres Formats ſich derart von ihren Privat=
geregenheiten
unterkriegen läßt. Wer das tut, der iſt kein
enſtler entſchuldigen Sie, aber ich kann es nicht zurück=
um
en.
Marie ſchluckte. Sie haben gut reden, ſagte ſie leiſe. Sie
ſtein eben keine Ahnung wenn es noch lange ſo weitergeht,
An werde ich bald aufgehört haben, Künſtlerin zu ſein. Be=
ian
Sie das nicht? Sie müſſen, Sie müſſen einfach ,
Ni ßte ihn beim Arm. Es wäre furchtbar, wenn ich hier
Rgehen müßte, das wiſſen Sie auch ganz gut. Aber ich muß
m, wenn Sie jetzt nicht nachgeben. Gerade weil ich Künſt=
En bin ich muß mich irgendwie erhalten, verſtehen Sie
ſt ſoenn nicht? So kann ich nicht weitermachen, ſo kann ich
lit weiterarbeiten. Und wenn Sie mir nicht die Möglichkeit
ſtfſen, dann Sie brach ab.
Manns ſah nachdenklich zu ihr herunter. Warum haben
ſich denn nicht ſchon lange ſcheiden laſſen? fragte er
1ſtet:lich.
Marie zuckte die Achſeln. Wenn das Ihre ganze Antwort
9 ſo einfach iſt das nicht. Ich dachte, Sie müßten mich
breifen. Schade. Ja, dann muß ich eben ſehen
Manns ſetzte ſich wieder an den Flügel. Aergerlich hieb er
ein Haufen diſſonierender Akkorde hinein. Endlich drehte er
ſ wieder nach Marie um.
Marie ſah geradeaus, an ihm vorbei.
Err ließ mit einem Knall den Deckel der Klaviatur zufallen.
letztes Wort: Herr Seydell wird nächſtens einmal ein=

ſpringen, wird irgendeine Oper, die ſteht, für einen Abend über=
nehmen
. Er kann dazu natürlich keine Probe machen. Aber
wenn er ſo gut iſt als Dirigent, wie er und Sie meinen, dann
muß er ja eine Oper, die ſteht, auch ohne Probe bewältigen.
Ich werde mir die Aufführung anhören, und wenn es gut
iſt wenn es auch nur möglich iſt, dann wird er dann
wird er alſo ich wollte eigentlich gegen Ende der Saiſon noch
irgendeinen Lortzing herausbringen. Den ſoll er dann haben.
Er ließ Marie keine Zeit, zu antworten. Er zog ſein Notiz=
buch
und ſah hinein. Plötzlich verzog ſich ſein Mund zu einem
unangenehmen Lächeln. Sagen Sie ihm er könne am Neun=
zehnten
zeigen, was er kann! Er gab Marie die Hand. So,
jetzt haben Sie aber wirklich durchgeſetzt, was irgend möglich
war. Gratulieren Sie ſich! Wenn mir nicht an Ihnen täge,
dann hätten Sie mich nicht ſo weit bekommen. Aber das haben
Sie ja auch gewußt, ſonſt hätten Sie nicht ſo va bangue ge=
ſpielt
. Nett war es nicht, gnädige Frau! Er ging zur Tür,
Alſo, auf morgen! Singen Sie heute nicht mehr, Sie ſind ein
bißchen müde
Er war hinaus.
Marie ſetzte ſich. Sie hatte das Gefühl, ſie müſſe ſofort
Seydell anrufen und ihm alles ſagen. Sie war ſehr froh. Sie
hatte nicht erwartet, irgend etwas zu erreichen, denn ſie kannte
Manns und ſeinen Eigenſinn. Sie hatte jetzt, nachträglich, ein
wenig Kniezittern, wenn ſie daran dachte, was geſchehen wäre,
hätte er einfach geſagt: Ja, dann kann ich Sie eben nicht halten,
möchten Sie eine Empfehlung? Aber jetzt war ja alles gut.
Sie ſprang auf und lief hinaus. Als ſie auf den ange=
ſchlagenen
Spielplan ſah, entdeckte ſie, daß der Neunzehnte noch
nicht darauf ſtand. Sie ſah ſich unſchlüſſig um und wollte gerade
in die Portierloge, um Eugen anzurufen, als Dr. Ringer vor=
überkam
.
Doktor Doktor einen Augenblick wiſſen Sie, was
am Neunzehnten für eine Oper iſt?
Doch, natürlich, ſagte Dr. Ringer, ohne nachzudenken.
Nehmen Sie ſich nichts vor.
Wieſo?. Habe ich ? Sie dachte an Manns' unan=
genehmes
Lächeln, als er den Tag des Probedirigierens heraus=
ſuchte
. Daß er ausgerechnet eine ihrer Opern herausgeſucht
hatte, war boshaft.
Ja, Sie, ſagte Dr. Ringer. Salome‟! Entſchuldigen Sie,
ich muß noch Er eilte vorbei.
Salome l dachte Marie. Sie fühlte, ſie hatte nun keine
Handhabe mehr gegen Manns, und ſie w.ißte gleichzeitig, daß
ſie verloren hatte. Die Salome einem Dirigenten ohne viel

D
brachte nur Manns fertig. Oh, ſie hatte ſo viel Abträgliches
über Manns gehört! Sie hatte nie daran geglaubt, weil er
immer nett und anſtändig zu ihr geweſen war, ſie gefördert
hatte, wo er konnte, weil ſie ihm ein Gutteil ihrer ganzen Ent=
wicklung
dankte. Aber dies ...
Es mußte ſchiefgehen, und Manns wußte, er wollte, daß
es ſchiefgehen mußte, darum hatte er ja gerade den Tag heraus=
geſucht
.
Sie verließ ratlos das Haus. Am beſten, dachte ſie, ſie
ſagte Eugen einfach, ſie hätte nichts erreicht, Manns hätte ab=
gelehnt
. Sie hatte Angſt, jetzt nach Haufe zu gehen. Eine kleine
Galgenfriſt wenigſtens wollte ſie ſich laſſen. Sie winkte dem
Auto, das ſie gewohnheitsmäßig angerufen hatte, wieder ab
und wanderte langſam zu Fuß der Fredericiaſtraße zu.
Am Samstag nachmittag haben die Grammophonplatten=
läden
meiſtens gute Zeit. Da kommen alle die, die gern Plat=
ten
oder Apparate kaufen möchten und unter der Woche keine
Zeit haben, ſich eine halbe Stunde lang in Abhörkabinen zu
ſetzen und Muſik zu hören. Am Samstag haben ihre Büros
früher Schluß gemacht, da kommen ſie. Darum iſt eine Platten=
verkäuferin
meiſtens am Samstag abend todmüde und hat wenig
Sinn für Vergnügungen. Und darum iſt es auch eine reichlich
unerhörte Angelegenheit, wenn mitten in dieſem Trubel ein
privates Telephongeſpräch kommt.
Fräulein Oſtermann machte ein ziemlich indigniertes Ge=
ſicht
, als ſie Grete gegen vier Uhr ans Telephon holte. Daß die
Filialleiterin ſelbſt keinen beſſer gezognen Freund oder Mann
hatte, das fand das tüchtige Fräulein Oſtermann reichlich
unmöglich, und ihr ſchmales, ein wenig ſpitziges Geſicht zeigte
das auch. Grete ſcherte ſich freilich nicht darum. Während ſie
langſam zum Apparat ging, überlegte ſie, was ſie Seydell ſagen
ſollte es konnte ja wohl niemand anders ſein. Natürlich
würde ſie ihn jetzt gründlich abfahren laſſen. Erſtens einmal,
weil er vorhin ſo ungezogen geweſen war, zweitens, weil es ihr
jetzt ſchon leid tat, daß ſie ihn überhaupt angerufen hatte.
Aber es war gar nicht Seydell. Es war Erwin Poſt. Er
entſchuldigte ſich ſofort, daß er anrief.
Iſch weiß ja, wie das bei euch jetzt iſt, ich mach’s auch
ganz kurz , ſagte er.
Oh es iſt trotzdem lieb, daß du angerufen haſt, ſagte
Grete ſehr nett. Im Augenblick, als ſie Poſts Stimme hörte,
entſchloß ſie ſich dazu, mit ihm heute abend irgend etwas zu
unternehmen und ihm dabei tropfenweiſe ihren Entſchluß ein=
zugeben
. So vorſichtig und freundlich, daß ihm gar nichts an=
deres
übrigbleiben würde als zuzuſtimmen, ſogar begeiſtert zu=
zuſtimmen
. Haſt du , ſagte ſie, da unterbrach er.
Ja, er ſtotterte ein bißchen er ſchien verlegen zu ſein,
ich wollte nur ſagen: Es kann ſein, daß ich heute ein wenig
ſpäter nach Hauſe komme. Ich habe mich nämlich mit Nelli ver=
abredet
.
Oh das iſt aber ſchade ich wollte dich gerade fragen,
ob wir nicht
Weißt du, ſagte er eifrig und überhörte ſcheinbar, daß
ſie etwas gewollt hatte, weißt du, es handelt ſich da um den
Filmfritzen, von dem ich dir neulich erzählt habe. Nelli möchte
gern, daß ich ſie mit ihm zuſammenbringe, ſie meint, das
könnte für ſie ſehr wichtig und nützlich ſein und der Film=
fritze
iſt auch anſcheinend intereſſiert da muß ich das doch
ſchon machen, nicht wahr:
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Dienstag, 16. Oktober 1934

Seite 10 Nr. 286

Spoct, Spiel und Jucnen

Schwimm=Klubkampf
TSG. 46 Heſſen Worms 10:2.
* Zu dem geſtrigen Rückkampf zwiſchen TSG. 46 und Heſſen
Worms hatte ſich im Hallenbad nicht die erwartete Zuſchauerzahl
eingefunden, als Gauſchwimmwart Bingel die Gäſte vom Rhein
und die Anweſenden willkommen hieß. Im Namen der Stadt
Darmſtadt konnte er den Heſſen als Angebinde das Buch Aus
Darmſtadts Vergangenheit überreichen.
Die Kämpfe verliefen recht ſpannend und in der Führung
wechſelnd, insbeſondere bei den Damen und Mädchen, ſo daß die
Anweſenden nicht enttäuſcht wurden. Von ſeinen beträchtlichen
Fortſchritten legte namentlich der Nachwuchs vom Woogsplatz
Zeugnis ab, ſo daß für die Zukunft neue ſchwimmeriſche Hoff=
nungen
herangebildet werden können. Bei den Ergebniſſen iſt
vergleichend zu berückſichtigen ,daß die Wormſer Heſſen ein Ver=
ein
ohne Winterbad ſind, wenn ſich dies auch jetzt nach Ende der
Freiwaſſerzeit noch nicht ſo deutlich auswirkte.
Die Ergebniſſe.
8X100 Meter Herrenbruſt: Sieger: TSG 1846 in 12:31.8 Min.
mit Eiländer, Uhland, E. Hanſt, Niedecker, Raſch, Vogel, Boßler,
Fr. Hanſt; 2. Heſſen Worms in 12:36 Min. 3X100 Meter
Damenlagen: Sieger: TSG. 46 in 4:57,2 Min., mit Fleiſchmann,
Bernhardt, Klöß; 2. Heſſen Worms in 5:18,8 Min. 3X100
Meter Knabenlagen: Sieger: TSG. 46, 1 Mannſch., in 4:38,4, mit
Simon, Gerſtenſchläger, Friedrich; 2 TSG. 46, 2 Mannſch., in
4:58,8; 3. Heſſen Worms 3X50 Meter Mädchenlagen: Sieger:
TSG. 46 in 2:35 Min., mit Köhler, Keller 1., Keller 2.: 2. Worms
in 2:48 Min. 3X100 Meter Herrenlagen: Sieger: TSG. 1846,
1. Mannſch, in 3:57,4 Min., mit Gerhard (der die 100 Meter
Rücken in 1:18 Min. zurücklegte!); 2. TSG. 46, 2 Mſch., in 4:13,2
Min.; 3. Heſſen Worms in 4:20 Min. 4X100 Meter Damen=
bruſt
: Sieger: Heſſen Worms in 6:55 Min., mit Meuſchke, Holz=
heuſer
, Oeſterreicher, Joſt; 2. TSG. 46 in 7:12,6 Min. 3X100
Meter Knabenkraul: Sieger: TSG. 46 1 Mſch., in 4:20,4 Min.,
mit Ph. Bender, Simon, Friedrich; 2 TSG 46, 2. Mſch., in 4:31
Min.; 3. Heſſen Worms. 3X50 Meter Mädchenbruſt: Sieger:
TSG. 46, 1. Mſch., in 2:40 Min., mit Eigel, H. Keller, Köhler;
2. Heſſen Worms in 2:40,8 Min.; 3. TSG. 46, 2. Mſch., in 3:13,6
Min. 4X50 Meter Damenkraul: Sieger: TSG. 46. in 2:41,8
Min., mit Möſer, Fleiſchman, Friedrich. Klöß; 2. Heſſen Worms
in 2:56,8 Min. 10X50 Meter Herrenkraul: Sieger: TSG. 46,
1. Mſch., in 5:19,2 Min. mit Schmidt Vogel, Eilender, E. Hanſt,
Reſch, Schmalbach, Fr. Hanſt. Jakob, Gerhard Roßkopf; 2. Heſſen
Worms in 5:47,4 Min.; 3. TSG. 46, 2. Mſch., in 6:03,6 Min
Das abſchließende Waſſerballſpiel endete zugunſten der Darmſtädter
mit 6:0 Toren. Geſamtergebnis: 10:2 P. (Herren 6:0, Damen
4:2 P.)
Ausſchreibung des Herbſt=Orienkierungslaufes.
Am Sonntag, dem 28. Oktober 1934, vormittags
um 9.30 Uhr beginnend, findet mit Start und Ziel auf dem Platz
des SV. 1898 Darmſtadt am Böllenfalltor der Herbſt= Orientie=
rungslauf
nach Karten ſtatt. Gelaufen wird in drei Klaſſen:
Klaſſe 1: Aktive. Klaſſe 2: Alte Herren (alle vor dem
1 1. 1903 Geborenen), Klaſſe 3: Jugend (alle nach dem 1. 1. 1916
Geborenen). Anzahl der Kontrollſtellen 3. Antreten aller Mann=
ſchaften
: pünktlich um 9.30 Uhr.
Beſtimmungen: Der Lauf findet unter Aufſicht und
Leitung des Reichsbundes für Leibesübungen Fachamt für
Leichtathletik ſtatt.
Teilnahmeberechtigt ſind alle Vereine die dem Reichsbund
angehören, außerdem die Kameraden der SS., SA., HJ. und des
Arbeitsdienſtes im Rahmen der gegebenen Beſtimmungen.
Der Lauf wird als Mannſchaftslauf ausgetragen. 4 Läufer,
d. h. ein Führer und 3 Mann, bilden eine Mannſchaft, die ge=
ſchloſſen
ab= und einläuft und geſchloſſen an den Kontrollſtellen
anzutreten hat.
Karten werden geſtellt. Kompaß kann benutzt werden. Plan=
zeiger
iſt nicht erforderlich.
Die 3 Kontrollſtellen ſind in der Reihenfolge ihrer Bezeich=
nung
anzulaufen. Dort werden in ein Kontrollblatt An= und
Ablaufzeit eingetragen. Jede Mannſchaft muß mindeſtens 3 Mi=
nuten
und darf längſtens 5 Minuten an einer Kontrollſtelle ver=
weilen
.
Gelaufen wird in Sportkleidung.
Die Mannſchaften ſtarten in Zeitabſtänden von 35 Minuten.
Geſamtzeitdauer für die Löſung der Auf=
gabe
: 2 Stunden!
Die Meldungen ſind ſchriftlich, getrennt nach Klaſſen, zu rich=
ten
an Kreisſportwart Heinz Lindner=Darmſtadt, Mollerſtr. 21.
Geburtsjahrgang und Namen der Mannſchaftsteilnehmer ſind an=
zugeben
. Ummeldung vor dem Start iſt zuläſſig.
Meldungen werden angenommen bis ſpäteſtens Samstag, den
27. Oktober. Vorzeitige Meldung iſt jedoch im Intereſſe der Vor=
bereitung
dringend erwünſcht. Die Meldegebühr beträgt pro
Mannſchaft 1 RM. Vereine bzw. Einheiten, die mit mindeſtens
3 Mannſchaften am Start antreten, zahlen als Pauſchale nur
einen Betrag von 2 RM. für alle Mannſchaften zuſammen. Die
Meldegebühr muß ſpäteſtens vor dem Start entrichtet ſein. Die
ausgegebene Karte geht durch Entrichtung der Gebühr nach dem
Lauf in das Eigentum der teilnehmenden Vereine bzw. Einheiten
über
Sieger wird die Mannſchaft, die unter Abrechnung der Auf=
enthaltszeiten
an den Kontrollen die Aufgabe in der kürzeſten
Laufzeit gelöſt hat. Die Kontrollpoſten ſind nicht gekennzeichnet,
ſondern durch eine ausgegebene Parole anzuſprechen und feſtzu=
ſtellen
.
Auskunft erteilt auf Anfrage (Porto beilegen!) der Kreis=
gez
. Heinz Lindner, Kreisſportwart.
ſportwart.

Plakake werben: Deutſcher, für Dich!
Farbenfrohe Plakate in allen Straßen der Stadt werben in
dieſen Tagen für den SA.=Sportabzeichengedanken. Groß iſt das
Ziel und ein weites, aber ſegensreiches Aufgabenfeld ſteht heute
noch bevor, bis die deutſche Jugend, bis alle Volksgenoſſen um die=
ſes
Zeichen deutſchen Mannestums nicht nur wiſſen und kämpfen,
ſondern ſtolz ſeine Träger ſind.
Für Darmſtadt ſind folgende Prüfer beſtellt,
die Anmeldungen von Bewerbern entgegennehmen und Auskünfte
erteilen:
Sturmführer Servos, Sturmbüro 12/M 50, Peter= Gemein=
der
=Straße 1;
Obertruppführer Karl Schmitt, Liebigſtraße 2;
Sturmmann Ernſt Söllinger, Kekuléſtraße 6 I.
Fußball.
Viktoria GriesheimSpV. Mörfelden 2:4 (1:2).
Mit ſehr gemiſchten Gefühlen traten die Fußballer die Reiſe
nach Mörfelden an, mußten doch Hauf, Heiß, Nold, ſowie die
Erſatzleute Dierks und Fiſcher erſetzt werden. Daß ſie trotzdem
dieſes Reſultat erzielt haben, ja mit etwas Glück ſogar zum Siege
hätten kommen können, iſt der Mannſchaft hoch anzurechnen.
Jeder einzelne kämpfte mit voller Hingabe, ſo daß die Mann=
ſchaft
in ihrer Geſamtheit reſtlos gefallen konnte. Griesheim er=
zielte
durch Schilling das 1. Tor und iſt hierauf von einem
Siegeswillen beſeelt, der den Gegner, und hier beſonders die Zu=
ſchauer
, ganz aus dem Häuschen brachte. Mit einem Radau, von
dem auch ein Teil dem Schiedsrichter galt, ſo daß dieſer Zu=
ſchauer
vom Platz verweiſen mußte, verſuchte man den Gegner
einzuſchüchtern. Erſt als das Spiel 4:1 ſtand, gab man ſich zufrie=
den
, und die unſportlichen Ausdrücke unterblieben, um ſofort
wieder, als Becker nach ſchönem Umſpielen der Verteidigung und
des Torwächters zum 2:4 aufholte, einzuſetzen. Mörfelden ſpielte
in der 1. Hälfte bedingt durch Verletzungen, ungefähr 20 Minu=
ten
mit 9 Mann, erhielt auch zwei Elfmeter zugeſprochen, von
denen einer verwandelt wurde. Den erſten hielt Feuerbach
glänzend. Die Elfmeterentſcheidungen waren reichlich hart
Beim Spiel der 2. Mannſchaften ſah man ebenfalls gute Leiſtun=
gen
Griesheim lag bereits mit 0:2 Toren im Hintertreffen, als
es L. Gernand gelang, mit zwei Torerfolgen den Gleichſtand zu
erzielen. Auch dieſes Spiel hatte ſehr unter den Zuſchauern zu
leiden. Die Junioren konnten nur mit 8 Mann nach Groß=
Gerau fahren und unterlagen erſt in den letzten Minuten.
Handball: Im erſten Verbandsſpiel landete die Jugend
einen überlegenen Sieg von 7:3 Toren gegen die hieſige Turner=
ſchaft
. Der Mannſchaft für ihre gute Leiſtung ein Geſamtlob. hs.
Chattia 09 WolfskehlenUnion Wixhauſen 1:0 (0:0).
Unter der einwandfreien Leitung von Schader=Bürſtadt er=
rang
Wolfskehlen weitere wertvolle Punkte und bewies damit,
daß die ſchlechte Form des Vorſonntags nur vorübergehend war.
Die Gaſtmannſchaft überraſchte durch große Spielſtärke. Nur der
letzte Einſatz eines jeden Einzelnen brachte Wolfskehlen den knap=
pen
Sieg. Der entſcheidende Treffer fiel Mitte der zweiten
Hälfte durch ſchönen Schuß des Halblinken. Die erhöhten An=
ſtrengungen
der Gäſte um den Ausgleich zerbrachen an der aus=
gezeichneten
Wolfskehler Deckung. Bei den 2. Mannſchaften
drehte Wixhauſen das Blatt um und fügte noch eine Null dazu.
Germania EſchollbrückenOlympia Hahn 1:5 (1:1).
Das Lokalderby lockte über 200 Zuſchauer an. Keiner der=
ſelben
bereute ſein Kommen, denn ſie ſahen ein Spiel, ſpannend
von Anfang bis Ende. In der 20. Min. erzielte Eſch, das Füh=
rungstor
. Die Freude der Platzanhänger dauerte nicht lange,
denn Hahn glich wenige Minuten ſpäter durch den Linksaußen
aus. Nach Beginn der zweiten Hälfte ging Hahn mit einem
Eifer zur Sache der Erfolg bringen mußte, trotzdem die Platzelf
ſehr gut verteidigte. Das Spiel wurde jetzt noch härter, denn
beide Mannſchaften verſuchten mit aller Gewalt eine Wendung
ins Spiel zu bringen. Ein Deckungsfehler ließ den ſehr guten
Gäſte=Linksaußen zum Schuß kommen, und ſchon ſtand das Spiel
1:2. Dieſer Erfolg wurde beſonders bejubelt. E. ſpielt von
nun an ſehr zerfahren, was den Gäſten noch 3 Toxe ermöglichte.
Das ſehr ſpannende Spiel lag in den Händen des Schiedsrichters
Ludwig Mühlbach=98 Darmſtadt, welcher ſehr gut und korrekt lei=
tete
. Es war das Verdienſt des Schiedsrichters, daß das Spiel
in dieſer Weiſe und ohne Begleiterſcheinungen zu Ende ging.
TSG. 22 Erzhauſen SV. 29 Erzhauſen 1:0 (0:0).
Um 3 Uhr gab der Schiri für die 1. Garnituren das Leder
frei. Die Sportvereinler haben den Wind, als Bundesgenoſſen.
Gleich rollt ein gefährlicher Angriff auf das gegneriſche Tor, je=
doch
das raſche Eingreifen des Gäſteverteidigers konnte denſelben
zunichte machen. Das Spiel ging auf und ab, und an beide Tor=
wächter
wurden hohe Forderungen geſtellt. Sie ließen ſich einfac
ihr Heiligtum nicht beſchädigen, und tragen deshalb dieſen Ver=
dienſt
, daß es mit 0:0 in die Halbzeit ging. Nach dem Wechſel
haben die Turner den Wind auf ihrer Seite, und die ſchwerſte Zeit
war ſomit überſtanden. Die in der 1. Halbzeit ſchon gutgedachten
Angriffe wurden jetzt häufiger, aber die Schüſſe verfehlten immer
ganz knapp ihr Ziel. Unverhofft kommt das Unglück. Der gefürch=
tete
und auch gutgedeckte Halbrechte Gaußmann iſt mit dem Ball
ſeiner Wache entwicht und hat durch Prachtſchuß den Siegestreffer
eingeſchoſſen. Es kommen noch einige bange Minuten, dann iſt
das Derby zu Ende, ohne daß noch Tore fielen. Die 11 Vertreter
des Turnvereins haben nun den zahlreichen Zuſchauern einmal be=
wieſen
, daß ſie auch Fußball ſpielen können, und dem Mahnwort:
11 Freunde müſſen es ſein, um Spiele zu gewinnen. Folge leiſten
können. Schiri Melk=Wixhauſen war ſehr gut. Reſerven 4:1 für
die 29er.

Südweſt=Turner für Dorkmund.
Ernſt Winker der Beſte beim Ausſcheidungskurnen.
Der Turngau 13 (Südweſt) hatte am Sonntag ſeine Turner
nach Pirmaſens gerufen, um hier die 10 Südweſt=Turner für die
deutſchen Geräte=Meiſterſchaften in Dortmund zu ermitteln. So=
wohl
in den Pflicht= als auch in den Kürübungen gab es erfreu=
lich
gute Leiſtungen. Natürlich war der Sieg dem Weltmeiſter im
Reckturnen, Ernſt Winter (Eintracht Frankfurt), nicht zu nehmen
Der Frankfurter erreichte 222 Punkte. Als Ueberraſchung muß der
zweite Platz des Pirmaſenſers Hecker gewertet werden, der mit
209,75 Punkten dem Frankfurter Weltmeiſter am nächſten kam.
Nach Abſolvierung der Pflichtübungen am Samstag nachmittog
folgten am Abend in Anweſenheit von 3000 Zuſchauern die Kür
übungen am Barren, Pferd und Reck. Die 12 Turner des Gaug
Südweſt (die beiden Letzten gelten als Erſatzleute) für Dortmund
ſind demnach: 1. Winter (Eintracht Frankfurt) 222 P. 2. Hef=
ker
(63 Pirmaſens) 209,75 P. 3. Göbig (Mainz=Mombach
201,50 P., 4. R. Haßler, (Frankfurt=Bornheim) 197,75 P.
5 Herrmann (Frankfurt=Bockenheim) 195,75 P., 6. R. Reu=
ther
(Germania Oppau) 195,75 P., 7. Schnäbele (63 Pirma=
ſens
) 195,50 P. 8. Luettinger (Ludwigshafen) 19225 P.
9. Hoernis (Frankfurt=Niederrad) 189,25 P. 10. Müller
(Mainz=Mombach) 187 P., 11. Eberspach (Germania Oppau
185,50 P., 12. Stiegler (Mainz=Weiſenau) 183 P.
Von TSG. 46 waren Blumenſchein und Fiedler nach Pirma=
ſens
entſandt.
Am 30. Okkober in der Woogs=Turnhalle
Gau Südweſt boxk gegen Bayerns berühmke Skaffel.
Die Woogsturnhalle zu Darmſtadt iſt am Dienstag, dem 30.
Oktober (20.30 Uhr) der Schauplatz eines Amateur= Boxgroß=
kampfes
, auf deſſen Ausgang die geſamte deutſche Boxſport=
gemeinde
geſpannt iſt. Es gilt für die Staffel des Gaues Süd=
weſt
, die in den letzten Monaten beachtenswerte Erfolge gegen
beſte deutſche und ausländiſche Mannſchaften erzielte, zu bewei=
ſen
, ob ſie tatſächlich in die deutſche Spitzenklaſſe eingereiht wer=
den
kann. Als Gegner wurde Bayerns berühmte Staffel ver=
pflichtet
, die in ſtärkſter Beſetzung antreten wird.
TSG. 46 Darmſtadt Box=Ring Worms.
Am Samstag weilte die Boxabteilung der TSG. 46 als Gaſt
zu einem Freundſchaftskampf in Worms. Den erſten Kampf be=
ſtritt
in der Schülerklaſſe (85 Pfd.) Keil 2.. TSG. Grünewald=
Worms. Nach ausgeglichener erſter Runde ſammelte ſich K. in der
2. und 3. Runde durch ſchöne linke Gerade Punkte und konnte da=
durch
den Sieg für ſich buchen. In der Anfängerklaſſe ſtartete im
Jugendweltergewicht Konrad=TSG. Fickeiſen=W. Konrad, der
erſtmals im Ring ſtand, konnte ſich nicht zurechtfinden, und ſo
mußte der Ringrichter den Kampf in der 2. Runde zugunſten F.
abbrechen. Auch Fritz=TSG. in der Federgewichts=Anfängerklaſſe,
mußte den Sieg ſeinem Gegner, Schlöſſer=W., in der erſten Runde
abtreten. Schmidt=TSG. im Weltergewicht zeigte, daß er ſchon eine
ſchöne Formverbeſſerung angenommen hat, konnte er doch ſeinen
Gegner Webel=W. nach gutem Kampf überlegen nach Punkten
ſchlagen. Der nächſte Kampf im Mittelgewicht, Keil 1. TSG. und
Scherz=W. brachte eine Ueberraſchung. Keil konnte ſich mit Sch.,
der ein wüſter Schläger war, nicht zurechtfinden und lief in einen
Schwinger hinein, der ihn fſtr die Zeit zu Boden brachte. Nach der
Pauſe gab es einen Revanchekampf zwiſchen den Schülern Roß=
mann
=TSG. und Kühne=W. Die beiden hatten in Frankfurt beim
Jugendturnier um den Endſieg gekämpft, und konnte damals K.
als Sieger hervorgehen. R., der ſich diesmal gewaltig anſtrengte,
glückte es nicht, K. zu ſchlagen, er mußte ihm nach drei tempera=
mentvollen
Runden den Sieg überlaſſen. Die Schüler Lind=
TSG. und Sattler=W. lieferten einen ſchönen Kampf. S. konnte
durch beſſere Arheit den Sieg für ſich entſcheiden. Zum erſten Mal
ſtartete Staudt=TSG. in der aktiven Weltergewichtsklaſſe. Sein
Gegner Bertſch=W., der unſerem St. an Alter ſowie Kampferfah=
rung
weit überlegen war, konnte durch einen wohlgezielten Haken
St. für die Zeit zu Boden ſchicken. Das Mittelgewicht ſah= Bok=
TSG Gött=W. Nach zwei abwechſelungsreichen Runden unter=
lief
B. durch zu tiefes Abducken mit dem Konf ein Fehler, wodurch
ſein Gegner behindert war, den Kampf nach einer Minute, die
zur Erholung gegeben wurde, fortzuſetzen, und der Ringrichter
brach zugunſten Gs. ab. Den letzten Kampf des Abends im Halb=
ſchwergewicht
beſtritt Köhler=TSG. gegen Bolz=Mannheim. Beide
waren ſich an Größe und Schlagkraft gleich, und man fah drei
ſchöne Runden. K. konnte ſogar ſeinen Gegner zweimal zu Rod
ſchicken, den immer der Gong vor dem Auszählen rettete. Durch
dieſen Zufall glückte es B., daß er über die drei Runden kam=
konnte
aber nicht verhindern, daß K. haushoher Punktſieger
wurde.
SV. 1910 Weiterſtadt.
Kommenden Mittwoch (nicht Donnerstag) findet im Ver=
einslokal
, abends 9 Uhr, unter Leitung des Trainers ein Uebungs=
abend
ſtatt. Es iſt Pflicht ſämtlicher aktiver ſowie Jugendſpieler,
an dieſem Abend zu erſcheinen. Turnſchuhe ſowie Sportkleidung
iſt mitzubringen. Die Jugendlichen erſcheinen bereits 8.30 Uhr.

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Wekterbericht.
Während vom Weſten her der Luftdruck kräftig anſteigt, ver=
lagert
ſich das kräftige Oſtſeetief weiter nördlich und verliert all=
mählich
ſeinen Einfluß. Aber immerhin werden durch ſeine Rück=
ſeite
noch polarmaritime Luftmaſſen ſüdwärts befördert, die vor=
erſt
noch wechſelhafte Bewölkung und vereinzelt auch Schauer
verurſachen. Aber zwiſchendurch tritt auch Aufklarung ein, wobei
in der Nacht infolge der Ausſtrahlung die Temperaturen Gefrier=
punktnähe
erreichen.
Ausſichten für Dienstag: Wechſelnd bewölkt mit Aufheiterung,
noch vereinzelt Schauer, nachts kalt.
Ausſichten für Mittwoch: Ruhigeres, aber noch nicht ganz beſtän=
diges
Wetter, ſtellenweiſe leichte Nachtfroſtgefahr.

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[ ][  ][ ]

Nummer 286

Dienstag, 16. Oktober
eſſNeueſte Nachrichten

Steigerung der deutſchen Ein= und Ausfuhr.

Nie Außenhandelsumſähe im Sepkember
Die Außenhandelsumſätze ſind im September in Ein= und
usfuhr geſtiegen. Die Einfuhr hat von 342 auf 352 Mill.
9N2., d. h. um faſt 3 v. H., zugenommen. Da ſich die Einfuhr=
uochſchnittswerte
im ganzen kaum verändert haben, entſpricht
eder Wertſteigerung auch eine gleich große Mengenzunahme. Die
rinöhung der Geſamteinfuhr ergibt ſich in erſter Linie aus einer
tnigerung der Einfuhr bei der Gruppe Fertigwaren von 64 auf
EMill. RM. An dieſer Zunahme ſind in erſter Linie ſolche Er=
umniſſe
beteiligt, die in Deutſchland eine Weiterverarbeitung
fhren. Lebende Tiere wurden im September im Werte von
1 Mill. RM. eingeführt gegen 2,5 Mill. RM. im Auguſt. Die
iy fuhr in Lebensmitteln und Getränken ſtellte ſich auf 75,5
. 4), die in Rohſtoffen und halbfertigen Waren auf 199,8 (194,5)
n), die Einfuhr fertiger Waren auf 74,8 (63,7) Mill. RM.
Die Ausfuhr iſt im September weiter, und zwar auf 350
TI. RM. geſtiegen. Sie lag damit um rund 5 v. H. über dem
ſuxuſtergebnis. Dieſe Steigerung iſt faſt ausſchließlich den Fer=
waren
zu verdanken. Trotz der vorhandenen Abſatzſchwierig=

S der Ausführ im Sotender vorwiegend Eufog beteiligt.
worzuheben ſind Steigerungen des Abſatzes nach den Nieder=
nioen
, der Tſchechoſlowakei und nach Frankreich Abgenom=

Musiär Belauſt ich bei echenden Fieren auf f.t Auaf 15.
i Lebensmitteln und Getränken auf 6,7 (7.1), bei Rohſtoffen
halbfertigen Waren auf 65,6 (64,4) und bei fertigen Waren
f 277,9 (262,2) Mill. RM. Die Handelsbilanz war ſomit im
ſrtember rein warenmäßig betrachtet faſt ausgeglichen. Es er=
6 ſich zwar noch ein kleiner Einfuhrüberſchuß, aber er beträgt
ur noch 2 Mill. RM. gegen 9 Mill. RM. im Auguſt. Der Rück=
uun
des Einfuhrüberſchuſſes beruht ausſchließlich auf einer Ver=
inwerung
des Paſſivſaldos im Verkehr mit den überſeeiſchen
unDern. Der im Warenaustauſch mit europäiſchen Ländern be=
hende
Ausfuhrüberſchuß hat ſich weiter vermindert. Die Stei=
nung
der Ausfuhr beruht faſt ausſchließlich auf einer Zunahme
Fertigwarenexports. An dieſer war die Mehrzahl der Fertig=
ſrrengruppen
beteiligt.

Produkkenmärkke.

FFrankfurter Getreidegroßmarkt vom 15. Oktober. Der Ge=
tigegroßmarkt
war wieder ſehr ruhig. Brotgetreide iſt etwas
miger, aber doch infolge der nur kleinen Mühlennachfrage aus=
tchend
angeboten. Dagegen iſt die Zufuhr in Futtergetreide,
Flgeſondere für Futtergerſte, ungenügend, Aufgelder für höhere
ſkwolitergewichte für Hafer werden nur ſchwer bewilligt. Von
artfuttermitteln blieben ölhaltige Artikel bei ſehr knappem An=
pitt
geſucht, daneben zeigte ſich vermehrte Nachfrage für Fleiſch=
di
Fiſchmehle. Mit dem Beginn der Zuckerkampagne erwartet
zu, in dieſen Tagen auch Angebot in Trockenſchnitzel, angeſichts
Wbevorſtehenden Feſtpreisregelung iſt man noch zurückhaltend.
19. Mehlgeſchäft iſt weiterhin außerordentlich ſchwach, auch für
ju re Lieferungen werden, nennenswerte Abſchlüſſe kaum be=
ant
. Mühlenabfälle liegen ebenſo wie Rauhfuttermittel ruhi=
f
. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo=
amrm
) in RM.: Weizen W. 9 200,00, W 13 204,00, W 16 208,00:
logen R 9 160,00, R 13 164,00, R 15 168,00: Futtergerſte G 9
,F0. G 11 165.00. G 12 167,00: Hafer H 13 160,00, H 14 162,00:
eit enmehl Type 790 W 13 27,15, W 16 27,15; Roggenmehl R13
230,, R 15 24.00: Weizennachmehl 16.25; Weizenfuttermehl 12,50;
Lirenkleie W 13 10,40, W 16 10,60; Roggenkleie R. 13 9,60,
15 9,84; Soyaſchrot 13,00: Palmkuchen 13,30; Erdnußkuchen
13,; Treber 17.2517,35; Heu 11,00: Weizen= und Roggenſtroh
ahrgepreßt oder gebündelt 3,753,85 Kartoffeln: gelb=
ſtlgige
hieſiger Gegend 2,903,00 RM. per 50 Kilogramm bei
Aegonbezug. Tendenz: ruhig.
Berliner Getreidegroßmarkt vom 15. Oktober. Der Handel
(Setreideverkehr kam zu Wochenbeginn nur langſam in Gang.
hy. des regneriſchen Wetters der letzten Tage iſt eine Verſtär=
des
erſthändigen Angebotes nicht feſtzuſtellen, auch das über
Getreidewirtſchaftsverbände zum Verkauf geſtellte Material
gt ſich in mäßigen Grenzen. Gemeſſen an der Nachfrage der
likllen, ſteht Weizen ausreichend zur Verfügung; frei Mühle
dem am hieſigen Platze vereinzelt Umſätze ſtatt, Aufgelder für
gere Naturalgewichte ſind kaum durchzuholen. In Roggen kann
Aachfrage zumeiſt nicht befriedigt werden, das Geſchäft an den
änenländiſchen Waſſerſtationen iſt ſtark beeinträchtigt. Weizen=
o
Moggenmehle haben kleines Bedarfsgeſchäft. Futtergerſte zur
Lnsonverladung iſt gut gefragt, wird aber auch aus fracht=
uunſtigen
Gebieten nur in geringem Umfang zum Verkauf ge=
Mt. Aus Oſtpreußen tiegen in Hafer und Futtergerſten Offer=
ur
Waſſerverladung vor. Die Verwertungsmöglichkeiten
ſi aber an der Küſte günſtiger als am hieſigen Platze.
Milchvieh=Aukkion in Darmſtadl.
Die am Samstag auf dem Pferdemarktplatz abgehaltene
Aaviehauktion erfreute ſich regen Kaufintereſſes. Von den 26
ſiattriebenen Kühen und Rindern, von denen 16 dem ſchwarz=
pfun
Niederungsſchlag und 10 der Simmentaler Fleckviehraſſe
enörten, konnten 23 verkauft werden, und zwar 14 Tiers des
Nderungsſchlages und 9 Simmentaler. Die Preiſe lagen etwas
bei, als bei den letzten Auktionen. Gute ſchwarz=weiße Mila=
ſie
ſtellten ſich zwiſchen 405 und 460 RM. Tiere geringerer
alſität gingen zwiſchen 305 und 365 RM. ab. Die Simmentaler
kamen zwiſchen 295 und 395 RM., während Simmentaler
Inder mit 310 bis 355 RM. abgingen. Die Rinder des Niede=
gsſchlages
kamen etwas höher, von 275 RM. ſteigernd bis zu
RM. Unter den Tieren des Niederungsſchlages befanden ſich
9 Serdbuchtiere aus Oſtpreußen und Oldenburg. Dr. Chriſtiani
ſege wie immer im Auftrag der Nutzviebbeſchaffungsgenoſſen=
Frankfurt die Auktion mit großem Geſchick.
Viehmärkke.
Darmſtädter Kleinviehmarkt vom 15, Oktober. Auftrieb: 594
weine. Preiſe: a) , b) 5153, c) 4953, d) 4853 Es
1den notiert in der Klaſſe a) , b) 103, c) 410 und d) 74
Marktverlauf: lebhaft, geräumt.
rankfurter Schlachtviehmarkt vom 15. Oktober. Auftrieb;
dier 1476 (gegen 1415 am letzten Montagsmarkt), davon 418
Yem, 128 Bullen, 468 Kühe und 462 Färſen. Dem Schlachthof
ſiü wurden zugeführt: 8 Ochſen 3 Kühe und 2 Färſen. Käl=
N W7 (475), Schafe 113 (87), Schweine 4146 (4268). Notiert
9d: pro 1 Zentner Lebendgewicht in RM.: Ochſen a) 38, b)
AF, c) 3134, d) 2630; Bullen a) 3536, b) 3334, c) 30
Nz2, d) 2529; Kühe a) 3436, b) 3033. c) 2429 d) 14
ſi28; Färſen a) 3839, b) 3437, c) 3033, d) 2529; Käl=
Ra 5054, b) 4049, c) 3439, d) 2833; Lämmer und
hnmel b2) Weidemaſt 3536, c) mittlere 3134: Schafe e) beſte
93B, f) mittlere 2831;: Schweine a1) 53, a2) 5253, b) 52
M5i, c) 5153, d) 4853, e) 4650, f) , g1) 5051, g2) 42
45. Im Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt blieben
Adrr. Hammel und Schweine ziemlich unverändert, Kälber zogen
RM. an. Marktverlauf: Rinder rege, nahezu ausverkauft
barſtand: 21 Ochſen, 7 Färſen); Kälber ruhig; Schafe rege,
uomkauft: Schweine lebhaft, ausverkauft. Großhandels=
o
.iſe für Fleiſch und Fettwaren. Beſchickung: 653
Artel Rindfleiſch. 49 ganze Kälber, 29 ganze Hammel 337
Kn inehälften. Preiſe für 50 Kilogramm in RM.: Ochſenfleiſch
25060; Bullenfleiſch b) 5456; Kuhfleiſch b) 4450. c) 30
WD: Rindfleiſch b) 5660; Kalbfleiſch b) 6468, c) 5662;
inmrelfleiſch b) 7075: Schweinefleiſch b) 7073: Speck unter
en timeter 8085: Flomen 90. Marktverlauf: lebhaft.

Beiiiner and Hranrfärtereffellendorſe.
Die Berliner Börſe ſetzte zum Wochenbeginn ſehr ruhig
ein, da vom Publikum nur wenig Aufträge vorlagen und die
Kuliſſe kaum Unternehmungsluſt zeigte. Die Anfangsnotierungen
waren nicht ganz einheitlich, doch blieb der freundliche Grundton
weiter vorherrſchend. Die weitere Beſſerung der Außenhandels=
ziffern
im September gab der Tendenz einen gewiſſen Rückhalt.
Etwas Intereſſe zeigte ſich für Maſchinenwerte im Hinblick auf
die Auftragszunahme im September. Am Markt der unnotierten
Werte wurden Ufa=Bonds auf das Konperſionsangebot mit etwa
100 nach 98½ genannt. Der Rentenmarkt lag weiter freundlich.
Die Altbeſitzanleihe ſetzte 20 Pfg. höher ein, während Umſchul=
dungsanleihen
mit 83½ nach 83,85 gehandelt wurden. Von In=
duſtrieobligationen
zogen Krupp um 1 Prozent und Mittelſtahl
um 38 Prozent an Reichsbahnvorzugsaktien lagen unverändert,
Reichsſchuldbuchforderungen gingen mit 95½ um. Auch Umtauſch=
obligationen
waren auf der Baſis der letzten Kurſe zu hören.
Von Genußrechten waren AEG. 1 Prozent höher, dagegen Geſ=
fürel
1 Prozent niedriger. Am Aktienmarkt gingen die Verände=
rungen
kaum über 1 Prozent hinaus, von Montanwerten gewan=
nen
Schleſiſche Bergbau 2½ Prozent. Braunkohlenaktien gaben
bis 1 Prozent nach. Kaliwerte verloren, mit Ausnahme von
Aſchersleben (plus ½ Prozent) ½ Prozent. Auch chemiſche Werte
bröckelten ab; Farben 144½ zu 144½ nach 145. Elektroaktien
waren meiſt ½ Prozent niedriger. Licht u Kraft und El. Schle=
ſien
verloren 1½ bzw. 1½ Prozent. Maſchinen= und Metallwerte
gewannen etwa ½ Prozent. Auch Kunſtſeidenwerte lagen etwas
freundlicher. Von Papier= und Zellſtoffwerten gewannen Aſchaf=
fenburger
Zellſtoff ½ und Zellſtoff Waldhof 88 Prozent. Für Bier=
und Spritaktien hielt das Intereſſe in Erwartung der Abſchlüſſe
an. Auch Schiffahrtsaktien waren wieder ¼½ Prozent höher,
während Bahnaktien ½ Prozent verloren. Bankaktien waren gut
behauptet Reichsbank ſogar 1½ Prozent höher.
Im Verlaufe bröckelten die Kurſe infolge des ſtillen Geſchäfts
etwas ab. Die Kuliſſe hielt ſich weiter zurück, da ſie abwarten
müſſe, in welcher Weiſe das Kapitalſtockgeſetz verlängert wird.
Die Frankfurter Börſe zeigte am Wochenbeginn wohl
eine behauptete Haltung, das Geſchäft war aber außerordentlich
minimal. Aus Privathand lagen Aufträge kaum vor, während
die Kuliſſe mangels größerer Anregungen ſich kaum am Geſchäft
beteiligte. Die fortwährend bekannt werdenden günſtigen Nach=
richten
aus der Induſtrie, Lageberichte, Abſchlüſſe uſw. machten
zwar einen guten Eindruck, auch die gebeſſerte Außenhandels=
bilanz
für den Monat September fand Beachtung, zu größerer
Unternehmungsluſt reichten ſie aber dennoch nicht aus. Die Kurs=
geſtaltung
war uneinheitlich, ohne daß ſtärkere Veränderungen
gegenüber dem Wochenſchluß eintraten. Etwas lebhafter waren
anfangs nur Schiffahrtswerte, wobei Hapag und Nordd. Lloyd
je ¼ Prozent anzogen, nach dem erſten Kurs aber wieder ab=
bröckelten
. Von chemiſchen Werten verloren Goldſchmidt 1½ Pro=
zent
, Metallgeſellſchaft 1 Prozent, Scheideanſtalt, Deutſche Erdöl
und Farbeninduſtrie lagen behauptet, in letzterem Papier iſt der
Umſatz aber ſehr klein geworden. Am Elektromarkt konnten ſich
AEG. ½ Prozent, Bekula ¼ Prozent, Gesfürel ½8 Prozent und
Mainkraft etwas ſtärker, nämlich 2 Prozent, erhöhen, Elektr.
Lieferungen gaben ½ Prozent nach. Montanpapiere ſetzten zu=
meiſt
etwas niedriger ein, ſo Gelſenkirchen (minus 9 Prozent),
Ilſe Genuß (minus 1 Prozent), Mansfelder, Rheinſtahl und
Stahlverein um je minus ½ Prozent. Phönix, Buderus und
Klöckner lagen behauptet, Mannesmann ½ Prozent feſter. Im
einzelnen eröffneten u. a. Reichsbankanteile 1, Aku ½, Zellſtoff
Aſchaffenburg ½ Prozent freundlicher, Südd. Zucker lagen unver=
ändert
, Thür Lieferung ½ Prozent niedriger. Am Rentenmarkt
war das Geſchäft ebenfalls ſehr klein und die Kursgeſtaltung war
gleichfalls unregelmäßig. Altbeſitz und ſpäte Reichsſchuldbuchfor=
derungen
gewannen je ½ Prozent, während Kommunal= Umſchul=
dung
, Zinsvergütungsſcheine und Reichsmark=Anleihen kaum be=
hauptet
waren. Fremde Werte lagen zunächſt geſchäftslos.
Im Verlaufe herrſchte auf allen Marktgebieten nahezu Ge=
ſchäftsſtille
, und die Kurſe bröckelten in den meiſten Fällen durch=
ſchnittlich
½½ Prozent ab.
War ſchon an der Mittagsbörſe die Umſatztätigkeit minimal,
ſo ſtockte das Geſchäft im geſtrigen Abendbörſenverkehr faſt voll=
kommen
. Der Börſe gebrach es an jeglicher Anregung, vor allem
vermißte man weiterhin Aufträge aus der Kundſchaft, wodurch

die Zurückhaltung der Kuliſſe noch erhöht wurde. Von der ge=
beſſerten
Außenhandelsbilanz ging eine nachträgliche Anregung
aus. Die Grundhaltung war indes freundlich, und die Berliner
Schlußkurſe blieben in den meiſten Fällen behauptet, nur hier
und da ergaben ſich leichte Rückgänge. Das Rentengeſchäft ſtag=
nierte
ebenfalls nahezu vollkommen, die Kurſe zeigten auch hier
kaum eine Aenderung von Belang.

am 14. Okkober 1934.

Die deutſche Regierung hat in den Monaten April bis Juni
den Treuhändern der Dawes=Anleihe Deviſen zur Verfügung ge=
ſtellt
, die eine 50prozentige Einlöſung der am 15. Oktober fälligen
Zinsſcheine gewährleiſten.
In beſonderen Abkommen mit England, Frankreich, Schweiz,
Holland (Zeichnung bevorſtehend), Belgien, Schweden und Italien
iſt vorgeſehen, daß die Zinsſcheininhaber, die die in dieſem Ab=
kommen
feſtgelegten Bedingungen erfüllen, volle Bedienung er=
halten
. Inſoweit die Zinsſcheine auf Grund dieſer Abkommen oder
mangels entſprechender Abmachungen nicht voll in Deviſen zur
Einlöſung kommen, wird den Inhabern die Möglichkeit gegeben,
gegen Aushändigung der Zinsſcheine Zahlung in Reichsmark, für
deren Verwendung gleiche Grundſätze wie für die Verwendung
von Regiſtermark gelten, zu erhalten. Auf dieſe Weiſe wird auch
den Inhabern dieſer Zinsſcheine die Möglichkeit eröffnet, ſoweit
es in Deutſchlands Macht liegt, ſich bezahlt zu machen.
Die Inhaber der in Deutſchland zur Einlöſung vorgelegten
Zinsſcheine werden, ſoweit ſie nach den vorſtehenden Regelungen
nicht Anſpruch auf Deviſenzahlung haben, Zahlung in Reichsmark
erhalten, wobei die Grundſätze der deutſchen Deviſengeſetzgebung
Anwendung finden.
Kleine Wiriſchaftsnachrichken.

Die ſchwebende Schuld des Reiches belief ſich am 30. Sep=
tember
1934 auf 2243,5 Millionen RM. gegen 2316,7 Mill. RM.

am 31. Auguſt ds, Js. An Steuergutſcheinen waren 1182,55 Mill.
gegen 1182,27 Mill. RM. im Umlauf, von denen 579,86 Mill. RM.
wie im Vormonat für Zwecke der öffentlichen Arbeitsbeſchaffung
der Reichsbank als Sicherheit überlaſſen waren.
Die Zahl der Poſtſcheckkonten iſt im September um 780 auf
1048 136 geſtiegen. Auf dieſen Konten wurden bei 59,5 (Auguſt
62,5) Mill. Buchungen 9742 (9874) Mill. RM. umgeſetzt. Davon
ſind 7986 (8106) Mill. RM. oder 82 (82,1) Prozent bargeldlos
beglichen worden. Das Guthaben auf den Poſtſcheckkonten betrug
am Monatsende 527,2 (503,9) Mill. RM., im Monatsdurchſchnitt
535,7 (532,8) Mill. RM.
Die Eiſengießereien, im Lahn= und Dillgebiet können ihre
Belegſchaften unvermindert in die Wintermonate hinüber auf=
recht
erhalten. Die Belegſchaftsziffern haben teilweiſe die Vor=
kriegsziffern
wieder erreicht. Die Nachfrage nach Oefen und Her=
den
hält unvermindert an.
Die Automobil= und Maſchinenfabrik Fiat, Turin ( Aktien=
kapital
400 Mill. Lire), hat im laufenden Jahre ſo befriedigend
gearbeitet, daß in unterrichteten Kreiſen wieder mit einer Divi=
dende
von 5 Prozent gerechnet wird. Sie wird aber diesmal dem
Reingewinn entnommen werden und nicht, wie in den beiden
Vorjahren, aus den Rücklagen.
Aus dem Fernen Oſten, hauptſächlich aus Japan und China,
mehren ſich die Meldungen, daß Amerika wieder auf den dortigen
Eiſenmärkten Fuß zu faſſen beginne. Auch macht ſich der ameri=
kaniſche
Wettbewerb auf Kuba bemerkbar, was eine Herabſetzung
der dortigen Preiſe um 3,9 Schill zur Folge hatte. Dieſes Wieder=
aufleben
des amerikaniſchen Wettbewerbes findet bei den inter=
nationalen
Verkaufsverbänden ſtarke Beachtung.
Man
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich
und Ausland und Heſſiſche Nachrichten: MarStreeſe;für den Schlußdienſt: Andreas
Bauer; für den Handel: Dr. C. 6. Quetſch für den Sport: Karl Böhmann:
für Die Gegenwart. Tagesſpiegel in Bild u. Wort: Dr. Herbert Neite; für den
Anzeigenteil und geſchäftliche Mitteilungep: Willy Kuhle, ſämtlich in Darmſtadt.
D. A. 1X. 34. 22363. Druck und Verlag: L. C. Wittich, Darmſtadt, Rheinſtraße 23
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen
Sprechſtunden der Redaktion: Vormittags 121 Uhr, nachmittags 67 Uhr.

Die heutige Nummer hat 12 Geiten.

Berliner Kursbericht
vom 15. Oktober 1934

Deviſenmarki
vom 15. Oktober 1934

Berl. Handels=Geſ
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Nordd. Llotzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Vereinigte Glanzſt
Bergmann Elektr.
Berl.Maſch.=Bau
Conti=Gummi
DeutſcheCont. Gas

Mi
77.
78.75
29.
31.
29.25
130.
134.25
150.
13
111.50
131.75
124.25

Mnute
Glektr. Lieferung
F. 0. Farben
Gelſ. Bergwerke
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
glöcknerwerke
gorsw. Chem. Fabr
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.

Mge
103.50
144.25
64.125
111.375
106.75
77.875
79.50
119.75
77.
97.
m. mi5
55.

Weeu
Polyphonwerke.
Rütgerswerke.
Salzdetfurth Kalt
Weſtdte. Kaufhof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht!=
Wanderer=Werke

e
17.
98.75
156.50
32.50
42.375
118.25
69.
14.375
125.125
49.25
103.50
109.75
130.50

Aegypten
Argentinien
Belgien
Braſilien
Bulgarien
Canada
Dänemar!
Danzig
England
Eſtland.
Finnland
Frankreich
Briechenland
Holland
Fsland

Mie
lägypt. 2
1 Pap. Peſo
100 Belga
1Milreis
100 Leva
1canad. Doll.
100 Kronen
100 Gulden
12. Stg.
todeſtl. Kr.
00 finn. Mk.
100 Franken
100 Drachm.
100 Gulden
100 isl. Kr.,

Geld Brieſ

12.42
0.542
58.77 4
0.204
3.047
2.5is
54 04
g1.1is
12.10
65.65
5.345
15.39
2.485
188.50
54,77

2.i
v. 83s
56,29
0.20
3053
2.524
54.74
81.34
12,13
68.82
5.355
16.43
2.471
166.84
54.27

Italien

Japan
Jugoſlawien
Lettland
Norwegen
Oeſterreich
Portugal
Schweden
Schweiz
Spanien
Tſchechoſlowak.
Türkei

ungarn
Uruguah
Ver. Staaten

D
100 Lire. *
1Yen
100 Dinar
100 Lats
100 Kronen
100 Schiling
100 Gseudo
00 Kronen
100 Franes
100 Peſetas =
00 Tſch. Kr.
1türk. *
100 Pengs
1 Goldpeſo
Dollar.

GeldBrief

121.45 12
5.694
60.72 100.38
60.30
48.95
10.,98
162.40
81.09
34,02
10.35
1.274

21.49
0.50N 0.709
5.706
60.32
49.06
1.00
82,58
gi.25
34.08
0.30
1.279

0.9o9 1.001
2.471 2.475

Surmſtädter anu Kariohalsane Surmadt, Fhtiute ort Aresoner Bunr

Frankfurter Kursbericht vom 15. Oktober 1934.

Kenee
Gr. II p. 1934 1103.7
1938 105
1936 1102.25
. 1937 992),
1938 98.2
Gruppe1 .... /101.75
48 Dtſch. Reichsanl.
v27 95.75
5%
5½%Intern. v.80 93.25
69Baden .. v.27/ 957/
69Bayern . .v.271 95
6%Heſſen. ... v.291 94.5
6% Preuß, St. v. 28/107.65
6% Sachſen ..v.27/ 96.25
68Thüringen v.27
6% Dt. Reichsbahn
Schätze. . ......, /400.85
5% Dt. Reichspoſt
200
Schäßze.
Dtſch. Anl. Ausl.
*I, Ablöſung: /4002,
(Neubeſitz)
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe
. / 9.525
6%Baden=Baden. 82
6%Berlin v.24 85.75
68Darmſtadt . . 85.5
6%Dresden. . v. 26 80
6% Frankfurt a. M.
Schätze v.29
v38
6%.
68Mainz. . . ...
6%Mannheim b.27
6%München b. 29
6%Wiesbaden v.28
93
6%Heſſ. Landesbl.
6% Golboblig. / 89.5

b½% Geſ. Landes=
hyp
.=Bk.,Liquid. 93.5
43.30
Komm. Obl. . .. 92.75
6% Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G.Pf. 94.75
1 6% Goldoblig. 91
6% Landeskomm.=
Bk. Girozentr. f.
Heſſ. Glbobl. R.11
R.12
6%
6% Kaſſ. Landeskrd.
Goldpfbr. ....
62Naſſ. Landesbk. 92
5½% Lig.=Obl./ 93.75
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
*Ausl. Ser. IZiehungl
4Ansl. Ser. II Ziehung
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz) 20.25

6%Berl. Hyp.=Bl.
5½% Llg.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=Bk.
5½% Lia.=Pfbr.
Golboblig.
18%0
620 Frif. Pfbr.=Bk.
Lia.=Pfr.
15½0
6% Mein. Hyp.=Bk.
5½% Lia=Pfr.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Lig.=Pffr.
8BRhein,Hhp.=Bi.
5½% Lig.=Pfr.
Goldoblig.
2 Südd. Boden=
Fred.=Bank
51
Lia.=Pfbr.
62Würt. oyp.=B.

33,5
92.5
931).
89.5
92.25
94),
927f,
94
95
94
93.25
927)
91"
95.5
93),
95.25

Weee
62Dt. Linol,Werke
83Mainkrw. v. 26
82Mitteld. Stahl
6% SalzmanncCo.
6%Ver. Stahlwerke
6%Voigtc Häffner
J. G. Farben Bonds
5%Bosn. L. E. B.
5% L.Inveſt.
5% Bulg. Tab. v. 08
4½% Oſt. Schätze
425 Oſt. Goldrente
5%pereinh. Rumän
4½%
475
4¾Türk. Admin..
4% 1.Bagdad
429
Zollanl.
4½%üngarn 1918
4½% 1214
Goldr.
42
1910
42
4½Budp.Stadtanl.
4½Liſſabon
42 Stockholm
Aktien.
Accumulat. Fabrik
Alg. Kunſtzide Unie
A.E. G.
...."
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtoff
Bad. Maſchinenfbr.
Bemberg, 5.P...
Berl. Kraft u. Licht!
Buderus Eiſen....
Cement Heidelberg
Karlſtadt

Re
96
3.

28.25

6.95

52
105

62
2811.
105.5
103.75

146.4
857,
au6
133

N.G.Chemie, Baſell
Chem.Werke Abert
Ehade A.c)
Contin. Gummiw. .
Contin.,Linoleum
Daimler=Benz.
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl

Dt. Gold= u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt.
Linoleum.
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffé Widm. 104.25
Eichbaum=Werger
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchwe. Bergwerk.
Eßling. Maſchinen
Faber & Schleicher
Fahr, Gebrüder ..!.
N.0. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Fetter)
Felt & Gutlleaume
Frankfurter Hof ..
Gel enkirch, Bergw.
Geſtfelektr.Untern.
Goldſchmidt Th.
Gritzner=Kayſer.
Grün & Bilſinger
Hafenmühle Frkft.
Hanauer Hofbräuh.
Hanfwerke. Füſſen
Harpenerd ergbau. /106.25
Henninger, Kemp
HilbertArmaturfrb
Hindrichs=Aufferm.
Hochtief Eſen. ../115
Holzmann, Phil.
Zlſe Bergb. Stamm).

He
112.5
132.5
50.5
I1e2.5
108
215.5
58.75
87.25
89
104
118.5
272
54.5
60
117.75
144
7.5
77
64,75
111.78
911/.
30,5
211
412
49.5
110
47.75
792).
*

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Aſchersleben. 1
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Knorr C.
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Mansfeld. Bergb.
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Miag, Mühlenbau
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Neckarwert Eßling
Oberbedar;
Park=u. Bürgerbräu
Phönix Bergbau..
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Glettr. S.
nm
Stahlwerie ..
Riebeck Montan.
Roeder, Gebr.
Rütgerswerke ....!
Salzdetfurth Kali".
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind,
Schramm, Lackfbr.
Schuckert, Elektr.
Schwartz, Storchen
Siemens & Halske
Reinigerwerkel
Südd. Zucker=A. G.
r Liefer.=Geſ.!1

Ws
123"
1201/,
77.5
200
123
20.75
230
*
79.25
85.5

75.25
9s
118.5
49:1,
230
101.25
90.5
93
39.5
220
155
39
94
1100
1142
82.5
189,5
102.75

Unterfranken .7.!.
Ver. Stahlwerke ..
Ver, Ultramarin ..!.
Voigt & Haeffner.
Weſtdt.e Kaufhof.
Weſteregeln Kali
Zellſtof/Waldhof
Allg. Dt. Ereditanf
Badiſche Bank..
Bk. . Brauinduſtr.
Baher, Hyp. u. W.
Berl. Handelsgeſ.
Hhpothelbk.
Eomm. u. Privatbk.
Dt. Ban!1 u. Dise.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Bant..
Frankf. Banl.. .
Hyp.=Bank
Mein. Hyp.=Bank
Pfälz. Hyp.=Ban!
Reichsbank=Ant.
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.-Cr. B!
Württb. Notenban
A..G. Verlehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftn
72 Dt. Neichsb. Vze
Hapag
Nordö. Llohzd.
Südd. Eiſenb. Ge
Alianz= u. Stuttg,
Verſicherung ...!=
Verein. Veri.
Frankona Rück=u. M/5
Mannh. Verſich.

Otavi Minen
13
Schantung Handelsl 54.5

Mes
42.75
135
32.25
47o
53.75

78.5
96),
194
78.75
82.75
84.75
83
147.75
110.75
64

120
112:
28.75
30.5
56.5

Da6
212.5
15
40

[ ][  ]

Seite 12 Nr. 286

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Odenwald-
Klub

Ortsgruppe
Darmſtadt.

LANDESTHEATER

Kassenstunden: Waktegs 9.30 Uhr bis
13.30 und 1 Stunde vor der Vorstellung

GROSSES
HAUS

Anfang 20, Ende 22.45 Uhr
Hauptm. A. 5. Vorſtellung
Cavalleria rusticana
Oper von Mascagni
Muſikal. Leitung: Blümer
Hauptrollen: Ammer=
mann
, Aldenhoff, Liebel,
Blaſel, Harre.
Hierauf:
Der Bajazzo (Pagliacci)
Oper in zwei Aufzügen und
einem Prolog von Leoncavallo
Muſikaliſche Leitung: Blümer
Hauptrollen: Seiberta G.,
Harre, Köther, Vogt, Ritz=
haupt

Preiſe 0.70 bis 5.50 Mk.

KLEINES
HAUS

Anf. 20, Ende geg. 22.30 Uhr
Deutſche Bühne
Volksmiete 1 Vorſtellung

Wenn der Hahn kräht
Komödie von Hinrichs.
Spielleitung: Stieda
Bühnenbild: Büttner,

Hauptrollen: Verden, Lem=
bach
, Hall, Linkmann, Loh=
kamp
, Stieda, Magel, Weih=
mann
, Weſtermann, Gothe

Preiſe 0.70 bis 3.80 Mk.

Montag, den 22. Oktober,
abends 8 Uhr, im kleinen
Saalbauſaal

Kammermusikabend

des

Anni Delp-Quartetts

(Anni Delp, Lili Hickler,
Karl Cauer, K. Klammer)
unter Mitwirkung von
Eberhard Delp, /Klavier)
Klavierquintette von
Brahms und Schumann

Karten zu Mf. 3.-, 2.- und 1.-
und Schülerkarten zu
Mk. -,60, bei Chr. Arnold
am Weißen Turm. (10835

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Mittwoch, 17. Oktober 1934, abends 8 Uhr, in der
Aula des Ludwig=Georgs=Gymnaſſums, Karlsſtr

Tornag
des Herrn Alfred Spörr, Frankfurt a. M.
Aihet Olüuoe An Di Natu.

Gäſte willkommen!

Afee

Eintritt frei!

Tanzuntgrricht

An einem in den nächsten Tagen beginnenden
Kurs können noch einige Damen und Herren
teilnehmen

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Heidelbergerstraße 28, p. Tel. 1717
Einzelunterricht jederzeit
(9708a

Sonntag, 21. Okt.
10. Wanderung
Reinheim
Böllſtein
Reichelsheim.
Oſtbahnhof ab
6.15 Uhr.
Karten zur Ge=
ſellſchaftsfahrt

u. Tiſchkarten b.
Fr. Tillmann,
Eliſab.=Str. 21,
ſpäteſt. am 19.
10. i. Klublokal.

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Ia Süßbücklinge ½ Pfd. 23.5

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10091a

Nur 8 Tage

in Neuaufführung
der erfolgreiche
Lustspielschlager

Keſſel Trier, Freiburg 251
Frankfurt: Dienstag, 16. Oktober
6.00: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnaſtik. 6.45: Zeit,
Meldungen. 6.50: Wetter. 6.55: Morgenſpruch, Choral.
7.00: München: Das kleine Sinfonieorcheſter. Ltg.: v. Spallart.
In einer Pauſe ca. 8.09: Nur für Frankfurt: Waſſerſtand,
Wetter. 8.30: Stuttgart: Gymnaſtik. 9.00: Nur Freiburg:
Werbekonzert. 9.15: Nur Freiburg: Neue und alte Volksweiſen,
10.00: Nachr. 10.10: Schulfunk: Saarbauer hält Wacht.
vörbild r
deutſchen Bauern an der Grenze. 10.45: Prat=
iſche
Ratſchläge für Küche und Haus. 11.00: Werbekonzert,
11.30: Me dungen. 11.45: Sozialdienſt.
2.00: Schallplarten: Jedem das Seine, 13.00: Stuttgart: Zeit,
Saardienſt, Nachr. 13.10: Nachr. 13.15: Gießen: Stadt=
theaterorcheſter
. Ltg.: Cujé. 14.15: Zeit, Nachr. 14.301
Wirtſchaftsbericht. 14.45: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen.
14.55: Wetter. 15.00: Für die Frau: Es klingt ein Lied aus
alten Tagen. Hörfolge. 15.50: Kunſtbericht der Woche,
16.00: Berlin: Nachmittagskonzert des kleinen Funkorcheſters. Lig.:
W. Steiner. 18.00: Italieniſcher Sprachunterriht. 18.15:
Aus Wirtſchaft und Arbeit. Kurzberichte aus dem Reich und
von der Saar. 18.30: Wandlungen des deutſchen Wirtſchafts
Aufbaues von 1925 bis 1933. Das Ergebnis der Betriebs=
zählung
vom 16. Juni 1933. Bericht von Dr. Plum.
18 45: Da Capo. Zwei heitere Schallplattenſendungen, die zur
Wiederholung Anlaß gaben: 1. Vom Funkhaus zum Anteme=
rich
: 2. Porzellanfuhren. Chaufſeewanezn, Nuckelpinnen! 19.427
Tagesſpiegel. 20.00: Zeit, Nachr. 20.10: Breslau:
Huttens letzte Tage. Kantate für Bariton und Orcheſter nach
Worten von Konrad Ferdinand Meyer. Von F. Reuter.
21.00: Breslau: Heitere Abendmuſik des Funkorcheſters. *
21.20: Kapitäne der Landſtraße. Funkfolge. 22.00: Zeile
Nachr. 22.10: Nachr. Wetter, Sport. 22.30: Kaiſers
lautern: Pfälziſche Bauern= und Tanzmuſik. 23.00: Hannobel:
Unterhaltungsmuſik des Niederſächſ. Sinfonieorcheſters. Lta.: von
Soſen. 24.00: Stuttgart: Nachtmuſik. Einlage: Streich
quartett der SS.=Kapelle.

Nichts dreht ſich von allein. Alles muß getrieben, alles muß
durch eine Kraft bewegt werden, wenn es nicht zum Still=
ſtand
kommen ſoll. Jedes, auch das kleinſte Geſchäft, iſt
ein Rädchen im Wirtſchaftsleben, das als treibende Kraft
die Werbung braucht, um ſtets in Schwung zu bleiben.
Jede Mark, die Sie für eine wirkungsvolle Werbung aus=
werfen
und die wirkungsvollſte iſt und bleibt die Anzeige
in einer guten Zeitung macht ſich vielfach bezahlt.

Darmſte
er Cagblatt

Kleies
Madel
großes
Geück
Dolly Haas
WilliEichberger
Adele Sandrock
Theo Lingen
Eugen Rex Fuost

Deutſchlandſender

Welle 1571.
Deutſchlandſender: Dienstag, 16. Oktoder
6.00: Hamburg: Wetter. 6.05: Nachr. 6.15: Berlin: Gyne
naſtik. 6.30: Tagesſpruch: anſchl.: Choral. 6.35: Leipzi9
Frühkonzert. In einer Pauſe gegen 7.00: Nachr. 8.00:
Sperrzeit. 8.45: Leibesübung für die Frau. 9.00: Sperk
zeit. 10.00: Nachr. 10.15: Auslandskunde: Nippon, das
Land der aufgehenden Sonne. Ein Mehrgeſpräch. 10.45: Frod=

licher Kindergarten 11.15: Seewetterbericht. 11.30: Funk=
ſtille
. 11.40: Prof. Dr. Ebert: Die deutſche Apfelernte und
ihre Verwertung. 11.50: Glückwünſche und Wetter.
12.00: Leipzig: Schalk und Laune. Konzert des Funkorcheſters
Ltg.: Hilm. Weber. 12.55: Zeitzeichen. 13.00: Liebe
Sorge und ſo Allerlei. (Schallpl.). Anſchl.: Wetter. *
13.45: Nachr. 14.00: Sperrzeit. 14.55: Programmhinweiſt
Wetter, Börſe. 15.15: Für die Mutter: Neue Beſchäftigunge
ſpiele für Kinder. 15.40: G. Kaufmann: Aufgabe u. Arbe‟
der HJ. bei der Rückführung der Stadtjugend aufs Land.
16.00: Königsberg: Kleines Funkorcheſter. Ltg.: Eugen Wilcken.
In der Pauſe 17.00: Der Deutſchlandſender erinnert. 18:

Anfang 3.30, 6 00, 8.20 Uhr

Jugendſportſtunde: Aus den Anfängen des Flugſports. 18.-
Jungmädelarbeit im BDM. 18.35: Hauptſchriftleiter Haſe
Fritzſche: Politiſche Zeitungsſchau. 18.565: Das Gedicht; anſſ."
Wetterbericht.
19.00: Aus der Flimmerkiſte. Peter Arnolds mit Schallpl.
20.00: Kernſpruch; anſchl.: Kurznachr. 20.15: Alles ſingt Mit
Jugend bringt Euch Volkslieder. 21.05: Uraufführung !"
den Rundfunk: Schwarzmann und die Magd. Ein Volksſtück ho
W. E. Schäfer. 22.00: Wetter=, Tages= und Sportngc".
22.30: Diskus Bumerang, wie entſtehen ſie? Funkbericht Oi

einer Sportgerätefabrik. (Aufn.). 22.45: Seewetterherint
3.00: Himmliſae Klänge, (Schallpl.2