Rnzelnummer 10 Pfennige
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Krmſtät
Pat
9.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nachdruck ſämtlicher mit * verſebenen Original=Aufſätze und eigeven Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 274 Donnerstag, den 4. Oktober 1934. 196. Jahrgang
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Neue Wolken über dem Pazifik.
Amerikaniſches Mißkrauen gegenüber Japan. — „Japan der gefährlichſte Gegner der
Vereinigken Skaaken.”
Japaniſche Rüſtungspläne.
Das Spannungsdreieck im Fernen Oſten.
* Die politiſchen Spannungen im Fernen
Oſten ſind zwar in den letzten Wochen nicht allzu ſehr in die
Erſcheinung getreten, ſie beſtehen aber nach wie vor
unver=
mindert fort. Sie haben ſich durch die
japaniſch=
ruſſiſche Einigung über den Verkauf der
Oſt=
chinabahn nicht verringert. Eher ſieht es ſo aus, als
ob nun die Regierung in Nanking dieſen Bahnverkauf benutzen
wird, um nun ihrerſeits wieder eine Proteſtaktion nach der
rnderen vom Stapel zu laſſen.
Es ſteht nun die große internationale Flottenkon=
Ferenz vor der Tür. Doch läßt ſich heute noch nicht
vor=
ausſagen, ob es gelingen wird auch nur irgend ein kleines
Ergebnis zu Tage zu fördern. Die Japaner wollen auch der
Konferenz den Vorſchlag machen, daß nur dann neue
Schiffe gebaut werden dürfen, wenn ſie
aus=
ſchließlich der Verteidigung dienen, daß aber
alle Kriegsſchiffe mit Angriffscharakter
zer=
tört werden ſollen. Mit einem ſolchen Vorſchlag wer=
Den die Japaner bei der allgemeinen Einſtellung der
Regie=
rungen kein Glück haben. Aus ihrem Antrag klingt aber ſtark
Die Sorge heraus, von der ſie wegen ihrer
geogra=
ohiſchen Lage beherrſcht werden. Dieſe Sorge hat durch
vie Erklärungen des amerikaniſchen Brigadegenerals Mitchell
m Luftfahrtausſchuß neue Nahrung gefunden. Mitchell hat ganz
offen auf Japan hingewieſen, das der gefährlichſte
Feind der Vereinigten Staaten ſei, weshalb er den
Bau von Langſtreckenflugzeugen und von 50
Zeppelinluft=
ſchiffen fordere, weil man damit Japan innerhalb zwei Tagen
rledigen könne.
In Japan wieder wird eine Flugſchrift verbreitet,
die die Anſicht des Kriegsminiſters wiedergeben ſoll. Dieſe
Schrift beſchäftigt ſich mehr mit dem japaniſch=ruſſiſchen
Ver=
bältnis, arbeitet aber doch die bisherige Schwäche Japans im
allgemeinen heraus und unterſtreicht, daß Japan nur
auſend Flugzeuge habe, während es
jeder=
eit von 6000 angegriffen werden könne. Die
Fol=
erung alſo iſt, die Aufrüſtung Japans und die Entfaltung
ſeiner militäriſchen Kraft zu ſteigern.
Das Mißtrauen der fernöſtlichen Staaten
eſteht nach wie vor, es wächſt von Monat zu Monat
weiter an und iſt im übrigen das ſicherſte Mittel, alle
Verein=
harungen, die auf eine Rüſtungsherabſetzung und eine
Milde=
uuung der Reibungsflächen hinauslaufen, zu verhindern.
Amerika fordert 50 Luftſchiffe, um gegen Japan
gerüſtet zu ſein.
EP. Waſhington, 2. Oktober.
In einer Rede vor dem von der Regierung eingeſetzten
Luftfahrt=Ausſchuß trat heute der ehemalige Chef des
ameri=
kaniſchen Militärflugweſens, Mitchell, für den Bau von
Militär=
luftſchiffen ein. Mitchell betonte, daß die Luftſchiff=Unfälle der
arnerikaniſchen Marine auf kraſſe Jgnoranz zurückzuführen
ſeien und nicht gegen die Luftſchiffe als ſolche ſprächen. Wenn
die Vereinigten Staaten 50 Luftſchiffe beſäßen, betonte Mitchell,
konnte man damit Japan zur Luft angreifen und innerhalb von
zwei Tagen würde nichts mehr von Japan übrig bleiben.
Aitchell fügte in dieſem Zuſammenhang hinzu: „Japan iſt
uriſer gefährlichſter Gegner. Wenn wir heute neue Luftſchiffe
und neue Flugzeuge bauen, müſſen wir ſie ſo bauen, daß ſie
inſtande ſind, Japan anzugreifen, genau ſo wie England heute
Frugzeuge baut, um Europa anzugreifen. Die neuen amerika=
In ſchen Flugzeuge müſſen einen Aktionsradius von mindeſtens
6000 bis 8000 Meilen haben.”
Japan will in Waſhingkon prokeſtieren.
Die Erklärungen des ehemaligen Chefs der amerikaniſchen
Luftſtreitkräfte General Mitchell, über einen Krieg der Zukunft
zwiſchen den Vereinigten Staaten und Japan hat in hieſigen
politiſchen Kreiſen größtes Aufſehen erregt. Die
Be=
ha uptung Mitchells, Japan ſei als der größte Feind der
Ver=
einigten Staaten anzuſehen, und ſeine Forderung, daß die
unnerikaniſche Regierung ſich zum Kampfe gegen die Japaner
du rch den vermehrten Bau von Flugzeugen vorbereiten müſſe,
verden in japaniſchen politiſchen Kreiſen als ein Verſuch
aus=
flegt, ſich wegen der Verſtärkung der amerikaniſchen
Luft=
lotte zu rechtfertigen. Die japaniſche Regierung werde deshalb
durch ihren Geſchäftsträger in Waſhington Schritte unternehmen
und darauf hinweiſen, daß ſolche Erklärungen nicht beruhigend
ür die Beziehungen zwiſchen Japan und den Vereinigten
Slaaten wirken könnten, abgeſehen davon, daß die Erklärung
des Generals Mitchell zu einem Zeitpunkt, zu dem die
apaniſch=engliſch=amerikaniſchen Flottenbeſprechungen eingeleitet
verden ſollen, ſymptomatiſch ſei für die feindliche Haltung der
Vereinigten Staaten gegenüber einer Verſtärkung der japaniſchen
Luft= und Seeſtreitkräfte.
Der japaniſche Kriegsminiſter fordert ſtärkere
Wehrmachk und Wirtſchaftsreform.
Das japaniſche Kriegsminiſterium hat 16 000 Exemplare einer
flugſchrift verbreitet, in der eine wirtſchaftliche
Keorganiſation des Landes gefordert wird und ein
ſtar=
es Heer, das der Lage im Fernen Oſten entſpreche. Japan
leißt es darin, müſſe beſonders ſeine militäriſche Macht in der
zuft ſtärken. Mehr als 6000 Flugzeuge ſeien in der Lage, Japan
anzugreifen, während Japan nur 1000 Flugzeuge beſitze. Eine
Streitmacht von 3000 Flugzeugen ſei notwendig, um Japan davor
zu bewahren, in der Luft von einer Anzahl fremder Mächte
ge=
ſchlagen zu werden.
Die an dem gegenwärtigen Wirtſchaftsſyſtem geübte Kritik
gründet ſich auf den Grundſatz, daß eine wirkſame
Lan=
desverteidigung von einer vollkommenen
Ver=
einheitlichung der geiſtigen und moraliſchen
Kräfte des Volkes abhänge. Das jetzige kapitaliſtiſche
Syſtem, ſo wird in der Flugſchrift ausgeführt, führt zu einer
Be=
reicherung einer kleinen Minderzahl und zur Verarmung der
großen Maſſen, beſonders der Bauern und Fiſcher. Es ſollten
da=
her Anſtrengungen unternommen werden, um zu einem „
mo=
raliſchen Wirtſchaftsſyſtem” zurückzukehren, das von
der jetzigen Volkswirtſchaft aber verdrängt worden ſei, deren
Grundlagen die ausländiſchen Lehren vom Individualismus
bilden.
Die Flugſchrift kommt auch beiläufig auf die Frage der
See=
macht zu ſprechen und ſagt, das gegenwärtige Syſtem
des Stärkeverhältniſſes zu anderen Mächten
ſei für einen ſelbſtändigen Staat unerträglich.
Wenn die Flottenkonferenz von 1935 fehlſchlagen ſollte, dann werde
es eine Kriſe geben, die nicht nur diplomatiſche Verhandlungen,
ſondern ein Zuſammenfaſſen der ganzen Nation erfordere. Weiter
weiſt die Erklärung auf die außenpolitiſche Entwicklung hin und
ſpricht in dieſem Zuſammenhang von „Amerikas geſteigerten
Offen=
ſivkräften zu Waſſer und in der Luft” und den „den Frieden im
Fernen Oſten bedrohenden fortſchreitenden militäriſchen
Vorbe=
reitungen der Sowjets”.
Vorzeitiges Parlamenksende in Eſkland.
Parlamenksauflöſung?
DNB. Reval, 3. Oktober.
Staatspräſident Pgets hat Dienstagnacht das eſtländiſche
Parlament vorzeitig beendet. Das Parlament hätte
verfaſſungs=
mäßig bereits am 1. Ma: d. J. ſeine Tätigkeit einſtellen ſollen,
da aber nach der Schaffung der autoritären Regierung Paets=
Laidoner und nach der Verhängung des Ausnahmezuſtandes die
Parlamentswahlen verſchoben wurden, blieb das bisherige
Parla=
ment im Amte. Seine Rechte wurden allerdings ſtark beſchnitten.
Die Regierung ließ vor der Eröffnung der Herbſttagung den Ab=
Staatspräſident Paets.
geordneten mitteilen, daß eine zerſetzende Kritik der
Regierungs=
handlungen von der Parlamentstribüne herab nicht zugelaſſen
werde. Als am Dienstag dennoch zwei Abgeordnete in ſehr
aus=
geſprochener Form die Regierungsmaßnahmen kritiſierten und ſie
als undemokratiſch bezeichneten, verfügte Paets den
Parlaments=
ſchluß. Formell beſteht alſo das Parlament weiter, es darf aber
nur nach Einberufung durch den Staatspräſidenten zu
außer=
ordentlichen Tagungen zuſammentreten.
*
Der eſtländiſche Innenminiſter und ſtellvertretende
Miniſter=
präſident Einbund gab vor Preſſevertretern eine Erklärung über
die Regierungsmaßnahmen hinſichtlich des Parlaments ab, wobei
er feſtſtellte, daß ſich die Hoffnung der Regierung auf eine
gemein=
ſame Zuſammenarbeit mit dem Parlament als zweckloſer Verſuch
erwieſen habe, daß eine Zuſammenarbeit des Staates mit dem
Parlament nicht möglich ſei, da das Parlament keinen Gemeinſinn
und keinerlei Sinn für ſeine große Verantwortung beſitze. Der
Miniſter ſtellte mit Bedauern feſt, daß mindeſtens von der Hälfte
der Parlamentsabgeordneten eine Störung des friedlichen Lebens
im Staate zu erwarten ſei. Daher würden Staatspräſident,
Ober=
befehlshaber und Regierung die ihnen auferlegten Aufgaben auf
Grund der eigenen Verantwortung mit Unterſtützung des Volkes
durchführen. Die Regierung werde prüfen, wie ſich das weitere
Schickſal des Parlaments geſtalten ſolle. Hierunter meint der
Miniſter, zweifellos die Frage, ob das Parlament auch formal
aufgelöſt werden ſoll, nachdem ſeine Tätigkeit durch
Regierungs=
verfügung ausgeſetzt wurde.
* Volksdeutſche Arbeit
der evangeliſchen Kirche.
Zur Reichskagung des Guſtav=Adolf=Vereins.
Von
Dr. phil. Carl Schneider.
Von lebendigen Wirklichkeiten ſpricht man am beſten, indem
man nicht über ſie redet, ſondern ſie ſelbſt zeigt. So auch vom
Guſtav=Adolf=Verein. Man muß ihn einmal bei ſeiner Arbeit
irgendwo in Oeſterreich oder Braſilien, in Lettland oder
Süd=
afrika geſehen haben, ehe man ermeſſen kann, was er iſt. Mir
iſt ſeine Bedeutung in einem meiner ſchönſten und größten
Erlebniſſe klar geworden, bei der unerwarteten „Entdeckung”
der deutſchen evangeliſchen Gemeinde Sidney. Daß es in dieſer
großen auſtraliſchen Stadt eine deutſche Kolonie gab, die ſich
aus reichen Wollkaufleuten, auf dem Land geſcheiterten Farmern,
erfolgreichen Ingenieuren, vom Schiff weggelaufenen Matroſen,
aus Menſchen der verſchiedenſten Stände und politiſchen und
weltänſchaulichen Richtungen zuſammenſetzte, daß dieſe Kolonie
zwei deutſche Clubs und eine deutſche Kirche hatte, das wußte
ich wohl. Aber daß ſie eine lebendige Gemeinde bildete, die
über die Stände und Anſchauungen hinweg eine Einheit in
den letzten Tiefen der Seele war, das war ein geradezu
über=
wältigendes Erlebnis.
Wie war es dazu gekommen? Bei dem einen: durch das
Heimweh. Er hatte, wie der Auslandsdeutſche ſo oft erfahren,
daß das im Club und auf der Kegelbahn nicht geſtillt wird,
und obwohl er in Deutſchland nie in die Kirche gegangen war,
ging er jetzt hinein, denn es war ein Stück echte Heimat, das
er fand. Bei dem anderen: durch die prächtige Geſtalt des
Pfarrers von Sidney. Er war in wirtſchaftlicher Not zu dem
Pfarrer gekommen und hatte mit Erſtaunen erfahren, daß er
hier nicht bürokratiſch behandelt wurde, ſondern — vielleicht zum
erſten Mal in ſeinem Leben — mit perſönlich warmer Liebe.
Bei dem dritten: durch eine Gewohnheit, die ihm aber ſo lieb
geworden war, daß ihm ein Sonntag ohne deutſchen
Gottes=
dienſt in der kleinen, aber ſchönen Kirche undenkbar war. So
war die Kirche das eigentliche, geradezu myſtiſche Band, das
aus der Kolonie ein von den reichſten Gefühlen durchblutetes
Ganze machte. Das bewährte ſich in den Verfolgungen des
Krieges, als trotz aller Drohungen — ſie waren in Auſtralien
härter als anderswo — dieſe Gemeinde zuſammenblieb als
einzige Bindung, und das bewährte ſich in der Nachkriegszeit,
als eine konfeſſionelle, von außen kommende Gruppe die
Ge=
meinde zu zerſetzen drohte und ihr die Kirche entreißen wollie.
Seite an Seite ſtanden der Wollmillionär und der wenige Jahre,
ja oft Monate vorher noch kommuniſtiſche Matroſe zur
Ver=
teidigung dieſer Kirchgemeinde! Aber in dieſer grenzenloſen
Einſamkeit, in der eine ſolche Gemeinde in einer ſo nervöſen
und haſtigen Weltſtadt ſteht, hätte ſie ſich auf die Dauer doch
nicht halten können, wenn ſich nicht der Guſtav=Adolf=Verein
um ſie gekümmert hätte. Er ſorgte dafür, daß ſie eine lebendige
Beziehung zur Heimatkirche bekam, daß ſie in allen inneren
und äußeren Nöten einen Zufluchtsort erhielt, der ihrem
Be=
ſtand nach menſchlichem Ermeſſen für alle Zukunft ſichern wird.
Dieſes Beiſpiel zeigt, worum es im Guſtav=Adolf=Werk
geht: um äußere und innere Hilfe für deutſches evangeliſches
Gemeindeleben in der ganzen Welt. Unternehmen wir kurz
einen Rundgang durch ſeine Gebiete. In der Not der letzten
Monate und Jahre haben ſich in Oeſterreich Zehntauſende ernſt
gewordener Menſchen in die evangeliſche Kirche geflüchtet, ſie
brauchen Betreuung, damit ſie dort wirklich für die Not ihrer
Seele Hilfe finden. In Polen ringen deutſche evangeliſche
Familien um die religiöſe Erziehung ihrer Kinder, ſie brauchen
Schulen, Lehrer und Kindergottesdienſte. In den alten
deut=
ſchen Diaſporagebieten Rumäniens dringt mit der weſtlichen
Kultur die Entfremdung von den letzten religiöſen Bindungen
ein. Wer ſtärkt die evangeliſche Kirche in ihrem Kampf, wenn
nicht der Guſtav=Adolf=Verein? In einer der deutſchen Kolonien
Lettlands ſuchen evangeliſche Koloniſten, Reſtgutsbeſitzer und
Knechte Seite an Seite nach einem Mittelpunkt ihrer Gemeinde.
In einer Lehmhütte halten ſie Gottesdienſt. Mehr ſchaffen
können ſie nicht, denn noch immer ſtehen die früher blühenden
Dörfer als Ruinen des Krieges da, und ihr mühſam
ge=
zogenes Vieh kauft ihnen keiner oder nur jemand zu ſolchen
Spottpreiſen ab, daß ſie nicht einmal Saatgetreide dafür
er=
werben können. Wer baut ihnen die ſo nötige Kirche? In den
Serragegenden Braſiliens rodet der deutſche Siedler im Schweiße
ſeines Angeſichts; wenn wir ihm nicht einen Seelſorger ſchicken,
kommt die amerikaniſche Sekte und entfremdet ihn ſeinem
eigenſten Weſen.
Es geht in allen dieſen Fällen um die Kirche. Es geht nicht
um eine beſtimmte Konfeſſion. Was auf dem Boden des
Evangeliums der deutſchen Reformation ſteht, Lutheraner,
Reformierte, Uniierte, Herrnhuter, ſie alle ſind draußen in Not,
und ihnen allen hilft das Guſtav=Adolf=Werk gleich, ganz nach
dem Wort des Neuen Teſtaments: „Wenn nur Chriſtus
ge=
predigt wird‟. Es geht auch nicht um eine beſtimmte
kirchen=
politiſche Richtung. Wer in der Gefahr des Urwaldes und der
Wüſte, in Gefahr feindlicher Umgebung und innerer Angſt
ge=
ſtanden hat, hat keine Zeit zu Kirchenpolitik. Es geht auch
nicht um beſtimmte politiſche Aufgaben. Es iſt klar und
tauſend=
fältig erwieſen, daß die Erhaltung des Evangeliums der
deut=
ſchen Reformation Deutſchtum erhält, und zwar beſtes,
wert=
vollſtes, bewußteſtes Deutſchtum. Aber der Guſtav=Adolf=Verein
muß immer wiſſen, daß ihm dieſes Volkstum für das
Evan=
gelium anvertraut iſt.
In dieſer Gewißheit werden ſich in dieſen Tagen in
Königs=
berg und in Danzig, in Tannenberg am Grabe Hindenburgs
und in der Marienburg Hunderte deutſcher evangeliſcher Männer
zuſammenfinden, um in ernſter Arbeitstagung den
Wirkungs=
plan des Guſtav=Adolf=Werkes für das nächſte Jahr aufzuſtellen.
Aber faſt noch wichtiger iſt, daß von Königsberg aus ein überall
zu hörender Ruf über unſer ganzes evangeliſches Volk hin
er=
ſchallt, der über die Meinungsverſchiedenheiten und Streitereien,
über das bloße Fragen und über die Konfeſſionen hinweg alle
ohne Ausnahme zur Tat ruft: zu der großen evangeliſchen
Liebestat an der gerade in dieſen Tagen beſonders hart
ringen=
den deutſchen Diaſpora!
Seite 2 — Nr. 274
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 4. Oktober 1934
* Eine Ueberraſchung
für die Kriegsſchuldforſcher.
Die Gedächtnisrede des franzöſiſchen Außenminiſters Barthou
zu Ehren ſeines Freundes Delcaſſé dürfte wohl die allermeiſten
der Kriegsſchuldforſcher der Welt überraſcht haben: Herr Barthou
iſt jetzt plötzlich mit dem Dreh in die Erſcheinung getreten, daß
die Bündnispolitik Delcaſſes nicht Kriegszwecken, ſondern dem
Frieden gedient hätte und daß dieſe Politik gegen niemand
irgend etwas Aggreſſives enthalten habe.
Wer ſich auch nur oberflächlich mit dem politiſchen
Intrigen=
ſpiel Delcaſſés beſchäftigt hat, weiß ganz genau, daß es dieſem
Manne einzig und allein darauf ankam, um Deutſchland einen
eiſernen Ring zu legen und die mit den verſchiedenen Staaten
abgeſchloſſenen Bündniſſe im geeigneten Augenblick gegen
Deutſch=
land auszuſpielen. Delcaſſékannte nurdas eine Zie
Deutſchland zu überfallen. Er hat mit allen Mitteln
darauf hingearbeitet, gegen Deutſchland in der Welt Stimmung
zu machen und der Entente cordiale ihre gegen Deutſchland ge
richtete Spitze zu geben.
Herr Barthou, von dem man allerdings nicht erwarten kann,
daß er den Kriegsſchuldforſchern auch nur in einem Punkte recht
gibt, hat allerdings die Außenpolitik Delcaſſés in dieſer Form
nur deswegen glorifiziert, um ſeine Kritiker abzuſchütteln. Er
hat den Verſuch gemacht, durch Herausarbeitung des angeblich
friedlichen Charakters der Delcaſſeſchen Politik ſeinen Gegnern
auseinanderzuſetzen, daß auch ihm nichts anderes vorſchwebe. Mit
dieſem Verſuch mag er immerhin bei einigen Kreiſen in
Frank=
reich Eindruck erwecken, außerhalb der franzöſiſchen Grenzen iſt
man über das Ziel der Barthouſchen Außenpolitik doch ſtark
an=
derer Meinung.
Schwere Zuchtkhausfkrafen
für Unkerſchlagungen beim Winkerhilfswerk.
DNB. Göttingen, 3. Oktober.
Das Göttinger Schwurgericht verurteilte dieſer Tage nach
mehrtägiger Verhandlung den früheren Kreisamtsleiter der
NSV., Hagemann, zu 3 Jahren Zuchthaus, 200 RM.
Geldſtrafe und 10 Jahren Ehrverluſt, den früheren politiſchen
Kreispropagandaleiter Niens zu 3 Jahren 3 Monaten
Zuchthaus, 200 RM. Geldſtrafe, und den früheren
Pro=
pagandgleiter der PO., Woltjes, zu 3 Jahren
3 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverluſt. Die
Verurteilten hatten ſich wegen Untreue und Unterſchlagungen
am Winterhilfswerk 1933/34 zu verantworten. Die Schwere der
Strafen war bedingt durch die Tatſache, daß es ſich um Gelder
des Winterhilfswerk handelte.
Als eigentlicher Urheber der Geſamtaktion war Woltjes
anzuſehen, der Hagemann veranlaßte, ihm ein Darlehen von
350 Reichsmark auszuzahlen und dieſen Betrag nicht zu buchen.
Niens ließ ſich für die Städtiſchen Spiele in Göttingen ein
Darlehen von 2500 RM. geben, über das nicht quittiert und
das nicht verbucht wurde. Ferner konnte Hagemann keine
Aus=
kunft über den Verbleib von 3000 RM. geben, und ſchließlich
hat er 750 RM. durch doppelte Quittungen unterſchlagen. Die
zum Nachteil deutſcher notleidender Volksgenoſſen unternommenen
Veruntreuungen haben ſomit ihre gerechte Sühne gefunden
Die dem Winterhilfswerk 1933/34 durch Hagemann entzogenen
Gelder werden dem Winterhilfswerk 1934/35 zur Verfügung
geſtellt werden.
eworziof
Komute -Henrak Falk zu 5 Jahren 1 Monak Zuchkhaus
und 10 Jahren Ehrverluft verurkeilf.
DNB. Berlin, 3. Oktober.
Nach mehrſtündiger Beratung verkündete der 3. Senat des
Volksgerichtshofes am Dienstag in ſpäter Abendſtunde das Urteil
im Sachlieferungsſchiebungsprozeß gegen den Kommerzienrat Max
Falk=Düſſeldorf. Falk wurde unter Aufhebung der vom
Düſ=
ſeldorfer Schöffengericht gegen ihn erlaſſenen Urteile wegen
lan=
desverräteriſcher Untreue und Abgabe einer falſchen
eidesſtatt=
lichen Verſicherung zu 5 Jahren und einem Monat
Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverluſt verurteilt.
Ein Monat der Unterſuchungshaft wird auf die Strafe
ange=
rechnet.
In der Begründung dieſer Entſcheidung kam der Vorſitzende
zu dem Schluß, daß Falk, wenn er ſich ſo mit einem Ausländer
zuſammentat, um die zum Schutze der deutſchen Währung
erlaſſe=
nen Beſtimmungen zu ſabotieren, ihn die ganze Schwere des
Ge=
ſetzes treffen mußte, zumal der Senat auch der bereits von der
Düſſeldorfer Strafkammer aufgeſtellten Auffaſſung beitrat, daß
„Staatsgeſchäfte” vorliegen, durch die das Deutſche Reich erheblich
geſchädigt worden iſt.
Falk nahm das Urteil mit einer nach außen hin, zur Schau
getragenen Gleichgültigkeit auf.
* Nordiſche Landſchaftsmalerei
des 1v. und 44. Jahrhundetts.
Ausſtellung im Landesmuſeum.
Die Sonderſchau, die die Direktion des Landesmuſeums
augenblicklich aus eigenen Beſtänden zuſammengeſtellt und in
den unteren Räumen des Muſeums ausgeſtellt hat, iſt
gewiſſer=
maßen eine Fortſetzung in rücklaufender Richtung zu der letzten
großen Ausſtellung, welche die Landſchaftsmalerei des 17. und
18. Jahrhunderts zeigte. Die jetzige Ausſtellung ſetzt ein in
der Zeit der ausgehenden Gotik und der beginnenden
Renaiſ=
ſance, als der bis dahin ganz jenſeitig orientierte Menſch
be=
gann, die Welt die ihn umgab, wirklich zu ſehen.
Wer jetzt einen Blick in die erſten Abteilungen der Aus
ſtellung wirft, auf die feinen Dürer=Aquarelle (in der
hervor=
ragenden Wiedergabe der Marées=Drucke), der glaubt ſich gar
nicht einem Werk gegenüber, von dem uns mehr als vier
Jahr=
hunderte trennen. Das ſpricht uns ſchon ganz „modern” an,
iſt mit treueſter Genauigkeit der Natur nachgezeichnet. Es ſind
zumeiſt Motive aus der Nürnberger Umgebung, die dann —
wie etwa das Weiherhaus — in den Stichen wiederkehren.
Ueberhaupt weiſen die Kompoſitionen Dürers eine Fülle von
landſchaftlichen Motiven auf, wie wir feſtſtellen können an den
zahlreichen Blättern, die den Beſtänden des Kupferſtichkabinetts
entnommen ſind, Oxiginale von hoher Qualität. Wir ſehen
Teile der großen Holzſchnittfolgen: der Apokalypſe, der großen
Paſſion, des Marienlebens; dann unter andern Kupferſtichen
den „Hl. Euſtachius”, ein Blatt, auf dem die Landſchaft eine
beſonders große Rolle ſpielt, ſich aber noch im gotiſchen Sinn
ganz vertikal aufbaut. Zeitgeſchichtlich intereſſant iſt daneben
noch die Darſtellung einer Schlacht. Der Kreis um Dürer iſt
mit mehreren ausgeſuchten Arbeiten von Baldung Grien.
Schaeuffelin, Burgkmair. Hans Wechtlin
ver=
treten; auch von Schongauer findet man ein paar
charak=
teriſtiſche Blätter. Krauſer und verworrener als bei den Vorher
gehenden werden die Linien bei Lukas Cranach, der z. B
in der „Verſuchung des Heiligen Antonius” eine beſondere
Freude an den bizarren Formen der böſen Geiſter zeigt.
Von Auguſtin Hirſchvogel finden wir aus den 40er
Jahren des 16. Jahrhunderts ein paar feine Federzeichnungen
auf getöntem Grund, Landſchaften, bei denen auf jede Staffage
verzichtet iſt. Bei Lautenſack taucht im Hintergrund eines
Porträts eine Landſchaft auf; Michael Oſtendorfer malt
eine Partie aus dem Lorſcher Wald. Der Donaukreis iſt mit
Vom Tage.
Der Führer und Reichskanzler hat an den König von
Bul=
garien aus Anlaß des Jahrestages ſeiner Thronbeſteigung ein
Glückwunſchtelegramm gerichtet.
General der Landespolizei, Daluege, hielt im Laufe des
Mitt=
woch Beſprechungen mit dem Stabe der Landespolizeiinſpektion
Frankfurt=Südweſt ab. Zum Mittag folgte er mit den Offizieren
ſeines Stabes einer Einladung des Reichsſtatthalters und
Gau=
leiters Sprenger.
Der diesjährige Reichsbauerntag findet vom 11. bis 18.
No=
vember in Goslar ſtatt.
Der deutſche Botſchafter in Moskau, Graf von der
Schulen=
burg, hat am Mittwoch im Kreml dem Vorſitzenden des
Zentral=
exekutivkomitees ſein Beglaubigungsſchreiben überreicht.
Zum neuen Polizeipräſidenten von Wien iſt der bisherige
Vizepräſident Dr. Michel Skubl ernannt worden. Dr. Skubl war
nach den Juliereigniſſen mit der Leitung des Wiener
Polizeiprä=
ſidiums betraut und zum Generalinſpizienten der geſamten
öſter=
reichiſchen Bundespolizei ernannt worden. Er galt als beſonderer
Vertrauensmann des verſtorbenen Bundeskanzlers Dollfuß.
Die Verhaftung des Wiener Staatspolizeibeamten Dr. Franz
Sonnleitner hat weitere Kreiſe gezogen. Im Zuge der Erhebungen
wurden die Gattin und die Schweſter Sonnleitners ſowie zwei
wei=
tere Beamte der Polizeidirektion feſtgenommen.
Die Verſuche Sowjetrußlands, in England eine langfriſtige
Anleihe von 50 Millionen Pfund aufzunehmen, ſind endgültig
ge=
ſcheitert. Augenſcheinlich hat die Bank von England ein Veto ge
gen das Projekt eingelegt.
holeigewerve und Weitwittſchaftstthe.
Staaksſekrekär Funk auf dem Inkernakionalen
Hokelier=Kongreß.
DNB. Berlin, 3. Oktober.
Auf dem Internationalen Hotelierkongreß (ſiehe auch Reich
und Ausland), der heute in der Reichshauptſtadt eröffnet
wurde, hielt Staatsſekretär Funk eine Anſprache, in der er
dar=
auf hinwies, daß das Hotelgewerbe auf die guten Beziehungen
der Völker untereinander im beſonderen Maße angewieſen ſei.
Die wirtſchaftliche Zerrüttung, in die die Welt verfallen
iſt, wird von ihrem Gewerbe beſonders ſchwer empfunden. Das
Hotelgewerbe. iſt ſtark konjunkturempfindlich und ein feiner
Barometer der Wirtſchaftslage. Die deutſche Regierung bemühe
ſich mit allen Kräften, zur Beſeitigung der ſchweren
Wirtſchafts=
nöte der Welt das ihrige beizutragen, denn Deutſchland habe
kein Intereſſe daran, wenn ſich der Welthandel auf einer
Ein=
bahnſtraße bewege, auf der man nur nehmen und nicht geben
wolle. Die Wiederaufrichtung eines normalen Handelsverkehrs
in der Welt liegt durchaus auch im deutſchen Intereſſe, und
Deutſchland werde nichts unverſucht laſſen, um die zurzeit
beſtehenden Schwierigkeiten zu beſeitgen. Dies werde aber nur
möglich ſein, wenn man ſich zu einer Generalbereinigung
ent=
ſchließe und die maßgebenden Wirtſchaftsländer der Welt ſich
auf einen Plan einigten, der einen geſunden Ausgleich zwiſchen
Rohſtoff= und Induſtrieländern herbeiführe, und wenn die
Re=
gierungen von Geld= und Währungsexperimenten abſähen, die
keine Löſung bringen könnten und ſchließlich immer nur zu
neuen Kapitalverluſten und neuen Erſchwerungen des
Weltver=
kehrs führen müſſen. Der deutſche Reichsbankpräſident und
Wirtſchaftsminiſter Dr. Schacht habe immer wieder erklärt, daß
Deutſchland ſolche Experimente nicht mitmachen könne und
werde. Andererſeits werde Deutſchland unter dem Druck
dieſer verfehlten Wirtſchaftsmethoden gezwungen, aus der
Deviſennot eine Rohſtofftugend zu machen, d. h.
ſynthetiſche Rohſtoffe zu erzeugen, was eines
Tages vielleicht einmal die Rohſtoffländer vor eine völlig neue,
für ſie keineswegs erfreuliche Situation ſtellen könnte. Beſſer
wäre es ſchon, man kehrte wiader zur Natur
zurück und gebe Deutſchlandfür gute Ware gutes
Geld damit eskaufen und verkaufen könne um
auf dieſe Weiſe wieder wirtſchaftlich ſtark und unabhängig zu
werden. Aber ſo oder ſo, dieſes Ziel werde die
national=
ſozialiſtiſche Regierung auf jeden Fall erreichen.
Auch im Fremdenverkehr vertrete Deutſchland unbeſchader
des Primats der nationalen Pflichten und Belange grundſätz
lich durchaus den Standpunkt der Freizügigkeit, und bedauere
es ſelbſt ſehr, daß zurzeit für uns auf dieſem Gebiete ſo große
Schwierigkeiten beſtänden.
Die deutſche Regierung ſehe es als ein gutes Zeichen an
daß das internationale Hotelgewerbe mit dieſer Tagung eine
anerkennenswerte Solidarität und den Mut zur Objektivität
be=
kundete und wünſche ſehr, daß dieſer Geiſt auch auf andere
Wirtſchaftszweige und auf die Regierungen der Staaten
über=
greifen möge. In dieſem Sinne wünſcht die Deutſche
Reichs=
regierung der Tagung einen vollen Erfolg.
Arbeiten von Altdorfer. Wolf Huber und H. Frühauf
vertreten, außerdem ſehen wir eine Reihe ſeltener Blätter von
Monogrammiſten, endlich von Jörg Breu, deſſen Name im
Rahmen dieſer Ausſtellung inſofern einen Einſchnitt bedeutet,
als nach ihm nicht mehr von Gotik die Rede ſein kann.
Anderer=
ſeits macht er hier auch rein äußerlich den Abſchluß der
deur=
ſchen Künſtler: die folgende Zeit iſt ausſchließlich durch Werke
der Niederländer vertreten.
Die Breughels eröffnen dieſe Reihe: Pieter d. A.,
aus deſſen Brabanter Skizzenbuch wir ein paar feine Studien
nach der Natur ſehen, Pieter d. J. und Jan d. A. Eigen
artig duftig und ſehr tief ſind dieſe Landſchaften durch die in
die Sepia=Zeichnung blau aufgeſetzte Luft. Joſſe van Liere,
der 1562 aus den Niederlanden nach Frankenthal kam, und
Verhaecht, der 1. Lehrer des Rubens, folgen mit
ver=
ſchiedenen Blättern; Vinckeboons baut in ſeine Landſchaften
Perſonen ein; wir ſehen eine ganz beſonders feine kleine Land
ſchaft von Teniers d. J., einem Freunde Rubens”; von den
Bildern Roeland Saverys bleibt ein wundervoll
durch=
gearbeiteter Baum im Gedächtnis. Hans Bol der um 1550
in unſerer Nähe, in Heidelberg, tätig war, malt ſehr zierliche
faſt miniaturhafte Landſchaften, die er mit reicher Staffage
ausſtattet; manieriert muten auch die Arbeiten von
Heems=
kerk an. Saftlevens Landſchaften vom Mittelrhein und
der Moſel erinnern in der ſehr feinen Durcharbeitung einzelner
Partien beinahe an die in der vorhergehenden Ausſtellung
ge=
zeigten Bilder Peter Beckers. Ganz anders wieder die
Land=
ſchaften von Fr. Milet, ebenfalls ſehr fein durchgearbeitet,
aber ganz gobelinhaft, flächig. Paul Brill, der in den
70er Jahren des 16. Jahrhunderts nach Rom ging, und
Breenbergh, der ihm ſehr nahe ſteht, malen feine italieniſche
Landſchaften. Ueber Jan Lievens, der in Leyden denſelben
Lehrer wie Rembrandt hatte, kommen wir zu Rembrandt
von dem ein kleines Blatt da iſt, das mit wenigen Strichen
die Weite der niederdeutſchen Landſchaft wiedergibt. Das nächſte
Kabinett enthält eine Reihe koſtbarer Blätter von Jan
van Goyen, des Lehrers von Salomon van Ruisdael,
der ebenſo wie der große Jakob Ruisdael in der
Aus=
ſtellung vertreten iſt. In den Landſchaften von Everdingen
tauchen plötzlich Motive auf, die er unmöglich in ſeiner Heimat
gefunden hat: phantaſtiſche Felsblöcke, die wir als Erinnerungen
von ſeinem Aufenthalt in Skandinavien verſtehen können. Be
Bakhuyſen, der mit dem zum Rembrandtkreis gehörender
Eſſelens und Aert van der Neer auch zeitlich die Reihe
der Niederländer beſchließt, begegnen wir zum erſten Mal in
dieſer Ausſtellung einem Seeſtück, das in der Wiedergabe des
ſpiegelnden Waſſers und der Atmoſphäre ſehr fein iſt.
A. H.
Die Regierungskriſe in Spanien.
Lerrour mit der Kabinettsbildung beaufkragt.
EP. Madrid, 3. Oktober.
Der mit der Neubildung der Regierung
beauf=
tragte Führer der Radikalen, Lerroux, hat
ſo=
fort ſeine Beſprechungen begonnen. Er empfing den
ehemaligen Miniſterpräſidenten Samper ſowie einige weitere
ehe=
malige Miniſter. Lerroux beabſichtigt, ein auf die Rechte
geſtütz=
tes Kabinett zu bilden und wird außer dem Portefeuille des
Mi=
niſterpräſidenten das Miniſterium der nationalen Verteidigung
übernehmen. Wie in zahlreichen anderen Ländern iſt bereits
grundſätzlich die Zuſammenlegung des Kriegs= und
des Marineminiſteriums beſchloſſen worden.
In Madrid verlief der geſtrige Tag vollkommen ruhig, wenn
auch die Miniſteranwärter, die geſtern beim Präſidenten
der Republik und ſpäter bei Lerroux vorfuhren, von einer
Leibgarde ſchwerbewaffneter Männer umgeben
waren. Die große Frage iſt, wie ſich der Führer der Volksagrarier,
d. h. der Katholiſchen Volkspartei, Gil Robles, zu den Abſichten
Lerroux' ſtellen wird. Gil Robles wird heute eine Beſprechung
mit Lerroux haben. Aber ſelbſt wenn Gil Robles das ihm von
Lerroux gemachte Angebot ablehnen und ſich Handlungsfreiheit
für die Zukunft vorbehalten ſollte, dürfte Lerroux ſein Kabinett
bilden.
Takarescus Programm.
DNB. Bukareſt, 3. Oktober.
Der rumäniſche Miniſterpräſident Tatarescu gab am
Mitt=
woch Preſſevertretern gegenüber Erklärungen über die
Kabinetts=
umbildung und über die von der neuen Regierung zu verfolgende
Politik ab. Er erklärte u. a.: Die Regierung in ihrer jetzigen
Geſtalt werde das Programm reſtlos erfüllen, das die Billigung
der Krone und des Landes gefunden habe. Dieſes Programm
laufe im Innern auf eine Politik der Befriedung und auf
Er=
haltung der Ordnung ſowie auf einen Wiederaufbau hinaus.
Was die Außenpolitik anlange, ſo beabſichtige das Programm
eine Erhaltung aller Bündniſſe und Freundſchaften, ein ſtändige
Feſtigung des unbedingten Zuſammengehens der Staaten der
Kleinen Entente und eine immer engere Zuſammenarbeit mit
Frankreich, mit dem Rumänien durch die Traditionen von geſtern
und den Lebensintereſſen von heute verbunden ſei,
Die Regierung in ihrer neuen Geſtalt zeichne ſich dadurch aus,
daß an ihr die jüngere Generation beteiligt ſei.
Was die Zuſammenarbeit mit Titulescu angehen, ſo habe
Titulescu im Prinzip den Vorſchlag angenommen, die Führung
des außenpolitiſchen Reſſorts zu übernehmen. Titulescu habe be
reits mitgeteilt, daß er auf dem Wege nach Bukareſt ſei. Bei
ſeiner Ankunft würden dann die Bedingungen einer
Zuſammen=
arbeit erörtert werden.
Paris afmek auf.
Die raſche Bildung der neuen Regierung Tatarescu und
die Hoffnung, daß Titulescu letzten Endes doch wieder das
Außenminiſterium übernehmen wird, haben in Paris eine
auf=
fallende Befriedigung ausgelöſt. Der „Excelſior” ſchreibt dazu,
die Verſuche auf Auflöſung der Kleinen Entente
ſeien durch die klare und energiſche Haltung des Königs von
Rumänien, der ſowohl ſeine Autorität als auch ſein politiſches
Gefühl unter Beweis geſtellt habe, mißlungen. In
offi=
ziellen franzöſiſchen Kreiſen ſei man befriedigt
über die Hoffnung, daß auf Intervention des Königs Tatarescu
und Titulescu ohne Zweifel ihre Zuſammenarbeit wieder
auf=
nehmen werden, die notwendiger denn je ſei. — Auch der
„Figaro” drückt dieſen Wunſch aus und ſagt: „Möge dieſe
Zu=
ſammenarbeit fruchtbarer denn je werden. Das iſt der Wunſch
aller Freunde Rumäniens, nämlich aller Franzoſen.
Barkhous Romreiſe verſchoben.
Wie aus zuverläſſiger Quelle verlautet, iſt die urſprünglich
für Mitte dieſes Monats vorgeſehene Reiſe Barthous nach
Rom auf Ende dieſes Monats oder Anfang
No=
vemberverſchoben worden. In gut unterrichteten politiſchen
Kreiſen erklärt man dazu, daß dieſer Aufſchub in engem
Zuſam=
menhang mit der bevorſtehenden Pariſer Reiſe des ſüdſlawiſchen
Königs ſtehe.
Neuordnung der evangeliſchen Landeskirche
Würkkemberg.
DNB. Berlin, 3. Oktober.
Durch Kirchengeſetz vom 28. September hat das Geiſtliche
Miniſterium der Deutſchen Evangeliſchen Kirche einige Organe
der Landeskirche Württemberg umgebildet, wie dies auch bei den
Eingliederungen der übrigen Landeskirchen erfolgte.
Fliegende Feſtungen ...
Aufrüſtung in der ganzen Welt! Nicht genug, daß die
Gren=
zen unſerer Nachbarn auf der Erde mit unüberſehbaren
Feſtungs=
gürteln gepanzert ſind, nicht genug, daß es ſchwimmende
Feſtun=
gen gibt, nicht genug, daß Millionen von Rekruten Jahr um
Jahr in den Dienſt der Armeen treten. „Fliegende und mit
Feldgeſchützen bewehrte Feſtungen”, das iſt das Neueſte, was die
Kriegsinduſtrie und Technik in Frankreich hervorgebracht hat.
Feſtungen, die ihre Wälle bis hoch hinauf in die Stratoſphäre
aufrichten. Von dieſen neuen Errungenſchaften, deren
Ausſtat=
tung und Leiſtung bringt die „Deutſche Flugilluſtierte” in Wort
und Bild eine intereſſante Serie, die ſich mit einem weiteren
ſort= und Bildbericht über die Entwicklung nordiſcher Luftfahr
zu einem Ring zuſammenfügt. Weiter erzählt die Zeitſchrift
von Hans Seidemann, dem „Roten Teufel”, der ſich dem Leſe
vorſtellt, und plaudert von ſeinen fliegeriſchen Huſarenſtücken.
An=
dere Artikel, wie „Erſte internationale Flugwoche in
Deutſch=
land” „Teilnehmer am Auſtralien=Rennen” die aktuelle Seite
veranſchaulichen dem Leſer das, was jeder Deutſche von der
Luft=
fahrt wiſſen muß. Wer möchte nicht einen Rund= oder Strecken
flug machen? Die „Deutſche Flugilluſtrierte” gibt jedem Leſer
die Möglichkeit, durch einen Wettbewerb in den Beſitz eines
ſol=
chen zu gelangen. Alles in allem ein Heft, das ſich wieder viele
neue Freunde erwerben und auch die alten, getreuen Leſer voll
und ganz zufriedenſtellen wird.
„Theater ohne Frau”. Mit einem ſtatiſtiſchen Nachweis der
deut=
ſchen Gefangenenbühnen, ihrer künſtleriſchen Leiter, des Reper
toires, der Bühnenverhältniſſe, Literatur uſw., von Dr. Her
mann Pörzgen. (Ganzleinen 5,80 RM. Oſt=Europa=Ver
lag, Königsberg i. Pr.
Theater ohne Frau”; ein ungewöhnlicher Titel für ein
un=
gewöhnliches Buch. Vor der furchtbaren ſeeliſchen Verzweiflung
der Kriegsgefangenſchaft mit ihren Selbſtmordgedanken.
Wahn=
ſinnsausbrüchen, verzweifelten Fluchtverſuchen gab es nur ein
Mittel; Zerſtreuung. Niemals und nirgendwo in der Welt i
das Theater ſo notwendig und dringlich geweſen, wie in de
jahrelangen Ohnmacht der Gefangenſchaft, nirgendwo hat es
leidenſchaftlicher deutſchen Kulturwillen dokumentiert. Alle zog
es in ſeinen Bann! Von improviſierten Veranſtaltungen in zu
fällig gebildetem Kreiſe, von jämmerlichen, primitiven
Bühnen=
aufbauten bis zu bewunderungswürdig ſelbſtgefertigten
Bühnen=
häuſern mit großartigem Repertoire, von ſeltſamen
bühnentech=
niſchen Schwierigkeiten und wie man ſie löſte, von Regie und
Darſtellungskunſt, von dem großen Erlebnis, zu dem das Theater
den ſeit Jahren von der Heimat Verbannten wurde, davon
er=
zählt der Verfaſſer zum erſten Male mit einer Unmenge
inter=
eſſanter Einzelheiten über die Lagertheater draußen
n allen
Welt: in Auſtralien, Indien und Japan, in Amerika, Rußland
Frankreich, England und anderen Ländern dem überraſchte
Leſer.
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 274 — Seite 3
2
BehnnenteMarung mm euargerier
Frankreichs Skoßlrupps flüchten über die Grenze. — Heimburger, Skaatsanwalt in Marokko.
Machts und Sender auf franzöſiſchem Boden.
Die Rakken verlaſſen das finkende Schiff.
* Von der Abſtimmung an der Saar trennen uns noch
3½ Monate, eine verhältnismäßig lange Zeit, die jedoch für
diejenigen Elemente, die ſich in die Dienſte der franzöſiſchen
Sache geſtellt haben und mit Sack und Pack ins Saargebiet
übergeſiedelt ſind, eine recht kurze Zeit bedeutet. Sie überlegen
ſchon ſorgenvoll, was ſie nach dem 13. Januar des nächſten
Jahres anfangen ſollen und wohin ſie ihre Schritte lenken
ſollen. Denn darüber ſind ſie ſich nicht im Zweifel, daß die
Abſtimmung mit einem großen Sieg der Saarländer enden wird,
und daß die Emigranten und Separatiſten, wie überhaupt
alles landfremde und landesverräteriſche Volk
an der Saar nichts mehr zu ſuchen hat.
Einige der „großen Kanonen”, die ſich Herrn Knox
ver=
ſchrieben haben und die mit den Franzoſen auf ſehr intimem
Fuß ſtehen, haben offenbar bereits vergeſſen, daß ſie eigentlich
dazu da wären, in dieſen Wochen des Endkampfes ihre ganze
Kraft ihren franzöſiſchen Geldgebern zu widmen. Herr
Heim=
burger, der das Referat der inneren Verwaltung bei der
Saarregierung betreut und einer der ſchlimmſten Renegaten iſt,
hat die jüngſte Zeit benutzt, um ſich in Frankreich eine neue
Exiſtenz zu ſchaffen. Die Franzoſen haben ihm großmütig einen
Staatsanwaltspoſten in Afrika, und zwar in Marokko angeboten.
Herr Heimburger hat in ſeiner Verzweiflung zugegriffen und
wird einige Zeit nach der Abſtimmung an der Saar dort
ver=
ſchwinden um den Arabern näherzukommen. Praktiſch iſt er
alſo ſchon jetzt franzöſiſcher Staatsbürger, dennoch läßt es die
Neutralität des Herrn Knox zu, daß Herr Heimburger
weiter=
hin in Polizeifragen den erſten Ton angibt.
Schließlich gibt es noch mehr Geſellen dieſer Art, die ihre
Koffer packen und die mit den berüchtigten Ratten zu
ver=
gleichen ſind, die das ſinkende Schiff verlaſſen. Das gilt vor
allem für den Rechtsanwalt Sender, der in Saarbrücken
eine höchſt anrüchige Rolle geſpielt hat. Sender weiß, daß man
ihn nach dem 13. Januar doch nur mit ſchiefen Blicken
an=
ſſehen wird. Der Verlegenheit, von allen als Landesverräter
gemieden zu werden, will er aus dem Weg gehen. Deshalb
hat er ſich kurzerhand eine neue Wohnung, und zwar in For=
Bach auf lothringiſcher Seite, ausgeſucht, die er demnächſt be=
Ziehen wird.
Der berüchtigte Polizeikommiſſar Machts ſchätzt
allerdings die Verhältniſſe im Saargebiet rechtzeitig richtig ein.
Er nahm zwar Handgeld von den Franzoſen und Herrn Knox,
ſchlug aber gleichzeitig ſeine Zelte auf franzöſiſchem Boden auf,
Sraucht alſo nach der Abſtimmung im Saargebiet nicht mit
Sack und Pack über die Grenze zu gehen.
Treten heute alſo ſchon die Separatiſtenführer den Rückzug
ſiber die Grenze an, dann iſt unausbleiblich damit zu rechnen,
waß auch die kleineren Kreaturen des Status quo der
Zu=
ſichlagung des Saargebietes an Frankreich den „großen
Vor=
eildern” folgen werden. Für die Saarländer iſt dieſe
Entwick=
ſtung jedoch nur erfreulich, denn wenn die Stoßtrupps der
Franzoſen jetzt ſchon flüchten, dann kann es über den Ausgang
ger Abſtimmung keinen Zweifel mehr geben.
Der Ueberfall auf den Bergmann Schulz
vor dem Oberſten Abſtimmungsgericht.
DNB. Saarbrücken, 3. Oktober.
Nach 14 Tagen völligen Schweigens hat ſich die
Regierungs=
lommiſſion nunmehr endlich veranlaßt geſehen, auf die
zahl=
loſen Anfragen der Preſſe über den hier viel beſprochenen
myſteriöſen Polizeiüberfall auf den Bergmann Anton Schulz aus
Münchwies zu erklären, daß dieſe Angelegenheit dem Oberſten
Pbſtimmungsgericht zur weiteren Behandlung überwieſen
wor=
den ſei und deſſen Entſcheidung zunächſt abgewartet werden müſſe.
Es kann nur außerordentlich begrüßt werden, daß dieſe
Angelegenheit vor dem Forum des neutralen
Abſtimmungs=
gerichtes von allen Seiten ſo beleuchtet wird, wie es der
ſaar=
landiſchen Oeffentlichkeit im Intereſſe einer reſtloſen Aufklärung
dreſes dunklen Falles ſchon längſt dringend erforderlich ſchien.
* Helia: „Schwarzer Jager Johanna
Es iſt hochintereſſant, dieſen Film neben dem amerikaniſchen
h ſtoriſchen Film „Die große Zarin” zu ſehen und Vergleiche zu
ziehen. Man ſieht bei der Gegenüberſtellung deutlich den
grund=
ligenden Unterſchied zwiſchen deutſcher und amerikaniſcher
Film=
a beit. Es fehlt hier der Rieſenaufwand an Ausſtattung in
bild=
licher und ſzeniſcher Hinſicht. Es fehlt der ungeheure Aufwand,
der in dem amerikaniſchen Film ſtändig und aufdringlich in den
Vordergrund tritt. Trotzdem ſind auch in dieſem Film zahlloſe
Menſchen beſchäftigt und ſind auch Maſſen an Soldaten und
Pfer=
dim aufgeboten. An Stelle des Ausſtattungsaufwandes aber ſtehen
in, dieſem Film im Vordergrund des Geſchehens wundervolle
Men=
ſchen. Menſchen, durchpulſt von wirklichem Leben, menſchlichem
Fertigbringen, ſich ganz in die zeitlich ſo weit zurückliegende
Men=
tallität einzufühlen. Und an allem zeigt der Film „Schwarzer
äger Johanna” eine ausgezeichnete Kenntnis der Geſchichte, wenn
luch einzelne Begebenheiten eben mit den Handlungen, die die
imniſche Wiedergabe erfordert, durchſetzt werden.
Wohl ſteht im Mittelpunkt dieſer Handlung hier und dort
ine Frau. Dort eine, deren Wiege am Fürſtenhof ſtand, die aber
ſrotzdem eine gewaltige innere und äußere Umwandlung ihres
Le=
ſenis durchlebte, die ſie auf die Höhe eines Weltgeſchehens brachte.
öier ein ſchlichtes, in der Charakterzeichnung aber ungemein
ſym=
mkhiſches, kernhaftes Bürgermädchen, das ſeine Schickſalsberufung
inzig in der Liebe ſucht und findet, das ſich gar nicht bewußt iſt,
velche heroiſche Aufgabe das Schickſal ihr in ihrem kleinen Kreiſe
ugedacht hat. Trotzdem behandelt auch „Schwarzer Jäger
Jo=
ſanna” ein Stück Weltgeſchehen, iſt eine Epiſode aus den
Anfän=
en der Befreiung des deutſchen Volkes aus dem Joch, in das
rankreich, wie ſo oft, es ſpannen wollte, iſt alſo der Auftakt zu
en Befreiungskriegen, denen Deutſchland die Uranfänge ſeiner
Viedererſtarkung und ſeiner Einigung verdankt. Wie in Preußen
er Major Schill ſeine „Schwarzen Jäger” organiſierte, ſo der
ra unſchweigiſche Major Korfes mit und unter dem Herzog von
Braunſchweig ſein „Schwarzes Korps”. In beiden Führern
ſpie=
ſelt ſich die opfervolle und opferfreudige Vaterlandsliebe, der
lühende Haß gegen den Korſen und der ebenſo glühende Drang
ur Befreiung Deutſchlands wider. Wie Johanna Luerſſen, die
Zürgerstochter (deren Wiege nach dem Roman, der dem Film
zu=
runde gelegt ward, an der Weſer ſtand), in die Filmhandlung
ſineinkommt, das iſt im Film etwas unklar gelaſſen. In einer
leihe von Bildern der erſten Szenen erſcheint Johanna bei
Ver=
dandten, dann in der Poſtkutſche, in einem Gaſthaus uſw. Und
n dieſen kurzen Bildern erfüllt ſich ſchon ihr Schickſal. Sie wird
unächſt aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit — gefühlsmäßig
Es dürften keine Zweifel darüber beſtehen, daß das Oberſte
Abſtimmungsgericht einwandfrei feſtſtellen wird, wer für dieſen
eigenartigen Widerſtand eines Einzelnen gegen die durch eine
Uebermacht von Polizeibeamten verkörperte Staatsgewalt die
Schuld trägt. Den Verhandlungen und dem Urteil des Oberſten
Abſtimmungsgerichtes wird jedenfalls allſeitig mit Ruhe und
größtem Intereſſe entgegengeſehen.
Fu
dum Wiederaufbau=Programm an der Saar!
Immer wieder iſt zu betonen, daß ſich an der Saar trotz der
gewaltigen Induſtriewerke die Grundart des Gebietes — Wald=
und Ackerland — wie nur in wenigen Teilen Deutſchlands
erhal=
ten hat.
So ſieht das Wiederaufbau=Programm neben der
Arbeiter=
ſiedlung eine ſtarke Bauernſiedlung, Bodenverbeſſerungen und
Aufforſtungen vor, und zwar:
1. 10 000 Hektar Regulierung von Fluß= und Bachläufen,
Ent=
wäſſerung naſſer Wieſen.
2. 2600 Hektar Kultivierung von Oedland.
3. 2000 Hektar durch Rodung zu gewinnendes Acker= und
Wie=
ſengelände.
4. 1800 Hektar Aufforſtung.
5. 1600 Hektar Entwäſſerung von Ackerland.
Was ſpricht deutlicher für die Planmäßigkeit und die große
wirtſchaftliche Aufgabe deutſcher Saarpolitik! Das deutſche Volk
wird ſeinen Brüdern an der Saar eine beſſere Zukunft aufbauen
helfen. Die deutſche Wirtſchaft wird die Saar in ihr großes
Wie=
deraufbau=Programm einſchließen.
Jeder deutſche Volksgenoſſe aber bringt ſein Saaropfer durch
Erwerb des Saar=Abſtimmungskalenders, der vom 5. Oktober 1934
bis zum Abſtimmungstage läuft und deſſen Reinertrag
ausſchließ=
lich dem Saar=Winterhilfswerk zugute kommt.
In jedem deutſchen Arbeitsraum ſoll am 5. Oktober ein
Ab=
ſtimmungskalender hängen. Der Kalender iſt zu haben in jeder
Buchhandlung. Preis: 1.— RM.!
* Die Behandlung der Nein=Sager.
Graf Reventlow hat in der nationalſozialiſtiſchen
Wochen=
ſchrift „Reichswart” unter dem Titel „Die Behandlung der Nein=
Sager” einen längeren Artikel veröffentlicht, der von der
Kampf=
anſage des Düſſeldorfer Aerztevereins an das Düſſeldorfer Marien=
Hoſpital ausgeht. Dieſe Kampfanſage iſt erfolgt, weil bei der
letzten Volksabſtimmung in dem Hoſpital eine größere Anzahl von
Nein=Stimmen abgegeben worden war. Reventlow erklärte nun,
ein ſolches Verfahren entſpreche ſchwerlich dem Ziel, das Adolf
Hitler in Nürnberg für die Folgezeit geſetzt habe, die 10 Prozent
Nein=Sager vom 19. Auguſt zu gewinnen. Darüber hinaus — und
das iſt nicht minder ſchlimm und bedenklich — wird die feierlich
verſprochene Freiheit der Abſtimmung nachträglich illuſoriſch
ge=
macht. Auf völliger Freiheit der Abſtimmung
allein beruht ihr Wert. Der Führer will jedes Jahr auf
entſprechendes Verlangen hin eine Abſtimmung halten, um
feſt=
zuſtellen, wie das deutſche Volk zu ihm und zum
Nationalſozialis=
mus ſteht. Das Ergebnis ſoll nicht geheim bleiben. Der hohe
mo=
raliſche Wert dieſer Befragung iſt einmal darin enthalten, daß
der Führer den Mut und das Vertrauenhat, durch
eine freie Abſtimmung die Frage an das Volk zu
ſtellen, der andere, nicht minder bedeutende moraliſche Faktor
liegt eben in der abſoluten Sicherung einer freien Abſtimmung.
Sobald Zwang oder auch nur in irgendeiner Form nachträglich
Strafe geübt wird, verliert die ganze Aktion entſprechend an Wert.
Auf dieſe Weiſe wird aber auch, wie Reventlow unterſtreicht, eine
gefährliche Heuchelei großgezüchtet. Wie ihm offen erzählt
wor=
den ſei, hätten Leute, die Gegner des nationalſozialiſtiſchen
Staa=
tes ſeien, mit ja geſtimmt, um ſich nicht unangenehmen Folgen
auszuſetzen. Man werde ohne weiteres zugeben müſſen, daß auch
ſo der Grundgedanke der Volksabſtimmung
ver=
fälſcht werde. Der nationalſozialiſtiſche Staat
ſei ſtark genug, um die Wahrheit zu ertragen. Es
gäbe überhaupt nur zwei Möglichkeiten: den politiſchen Kampf
mit allen dienlichen Mitteln oder den von Adolf Hitler
gewie=
ſenen. Weg, die den nationalſozialiſtiſchen Staat ablehnenden
Volksgenoſſen zu gewinnen.
weigert ſie ſich, einem Spion einen Brief zu übergeben — in
Män=
nerkleider geſteckt und kommt ſo in die nächſte Umgebung des
Ma=
jors Korfes. Trotz all ſeiner Verſuche gelingt es ihm nicht,
Jo=
hanna wieder der Heimat zuzuführen. Sie ſchließt ſich ſeinen
Kriegsunternehmen an, ſie wird „Schwarzer Jäger”. Ganz
un=
ſentimental, aber rührend ſchlicht wächſt ſie nun in ihre große
Auf=
gabe, gleichzeitig Soldat und liebende Frau zu ſein, hinein. Man
Aus einem Mädchen wird ein „Mann”
Paul Hartmann und Marianne Hoppe im
Terra Film „Schwarzer Jäger Johanna‟
könnte keine beſſere Vertreterin für dieſe Rolle finden wie
Ma=
rianne Hoppe. Sie iſt einfach wundervoll. Und ebenſo ſympathiſch,
männlich, ſchlicht, zurückhaltend und ſtark iſt Paul Hartmann, als
Major Korfes. Ueber ſeinen Gegenſpieler, den Spion Napoleons,
Dr. Froſt, von Guſtav Gründgens, wurde bereits geſtern
geſpro=
chen. Um dieſe drei reiht ſich noch eine große Anzahl von
Mitwir=
kenden in führenden Rollen, ausgezeichnete Typen, ſowohl im
deutſchen wie im franzöſiſchen Heerlager, ſchauſpieleriſch aber und
in der Bedeutung ihrer Filmaufgabe reichen ſie an die drei
Ge=
nannten nicht heran. —
* Likauiſche Folkerkammern
im Memelgebiet.
In den Gefängniſſen des Memelgebietes und in Litauen ſelbſt
ſchmachten zahlreiche unſchuldige Memelländer, denen willkürlich
der Vorwurf der ſtaatsfeindlichen Betätigung gemacht worden iſt
oder die aus politiſchen Gründen von der Bildfläche verſchwinden.
mußten. Sie wurden ebenſo willkürlich aus irgendeinem
vorge=
ſchobenen Grund zu Freiheitsſtrafen verurteilt. Eben erſt haben
wieder 8 Memelländer für längere Zeit, ihr bürgerliches Kleid
mit dem Schandkleid des Zuchthäuslers vertauſchen müſſen.
Wie es in den Gefängniſſen der Litauer zugeht, wiſſen wir
von dem Engländer Sir Lawrence, der ſich längere Zeit an der
Memel und in Litauen aufgehalten hat, und der auf Grund
ein=
gehender Erhebungen, nicht nur feſtſtellt, daß die
Verhaf=
teten unſchuldig in den Gefängniſſen ſitzen,
ſon=
dern dazu noch mißhandelt und geprügelt werden
mit dem Ergebnis, daß in einem Fall der Tod
ein=
trat, während ein anderer Memelländer
irrſin=
nig geworden iſt. Die litauiſchen Behörden haben ſich ſtreng
geweigert, Lawrence zu den Gefangenen zu laſſen, oder ihm das
Recht einzuräumen, ſich ohne Aufſicht der Gefangenenwärter zu
unterhalten. Es iſt dem Engländer ſo gar zu verſtehen gegeben
worden, daß das Leben der Gefangenen in Gefahr gerate, wenn
er ſeine Nachforſchungen fortſetzen werde.
Die Denkſchrift von Sir Lawrence verdient
gerade in dieſem Augenblick allergrößte Beachtung, da
ſie vor allem für die Garantie=Staaten des
Memel=
ſtatuts ein Zeugnis von unſchätzbarem Werte iſt,
deſſen erſchütternde Berichte allein genügen ſollten, um noch
ein=
mal mit allem Nachdruck in Kowno vorſtellig zu werden. Aber
die Litauer ſetzen ſich aufs hohe Roß und dementieren einfach, daß
überhaupt ein Schritt der Großmächte erfolgt iſt.
nonkt
* London dementierk das Kownoer Zemenki.
Die amtliche litauiſche Telegraphenagentur hat nach allen
Richtungen hin dementiert, daß die Regierungen Englands,
Frankreichs, Italiens und Japans in Kowno wegen der
fort=
gefetzten Rechtsbrüche im Memelgebiet nicht nur einen
Proteſt=
ſchritt unternommen, ſondern darüber hinaus ſogar noch einen
Unterſuchungsausſchuß eingeſetzt hätten. Das klare und poſitiv
gehaltene Dementi aus Kowno iſt aber keine 24 Stunden alt
geworden, denn ihm iſt unmittelbar eine Londoner Meldung
auſ dem Fuße gefolgt, in der klipp und klar auseinandergeſetzt
wird, daß die Signatarmächte des Memel=
Abkommens eine offizielle Unterſuchung über
die Maßnahmen der litauiſchen Regierung im
Memelgebiet eingeleitet haben, und daß von dieſer
Unterſuchung, die durch Rechtsſachverſtändige der
Unterzeichner=
mächte durchgeführt wird, das litauiſche Außenminiſterium in
Kenntnis geſetzt worden iſt.
Die litauiſche Regierung hätte ſich alſo ihr Dementi ſparen
können, denn in einer derartigen Angelegenheit mußte ſie
da=
mit rechnen, daß aus dem Kreiſe der Garantiemächte heraus die
Oeffentlichkeit informiert werden würde. Wir dürfen aber erneut
die Hoffnung ausſprechen, daß der Unterſuchungsausſchuß ganze
Arbeit leiſtet, und daß die Garantiemächte dann aus den
unzähligen Rechtsbrüchen und der völligen Zertrümmerung der
Memelkonvention dem litauiſchen Staat gegenüber die
ent=
ſprechenden Konſequenzen ziehen, die eben nur darin beſtehen
können, daß Litauen veranlaßt wird, kurzfriſtig den
urſprüng=
lichen Zuſtand wiederherzuſtellen und alle gefangenen
Memel=
länder wieder freizulaſſen.
Deutſch=finniſches Verrechnungsabkommen.
DNB. Berlin, 3. Oktober.
Die Verhandlungen zwiſchen Vertretern der deutſchen und der
finniſchen Regierung über Erleichterung der Zahlungen im
gegen=
ſeitigen Warenverkehr haben zur Unterzeichnung eines
deutſch=
finniſchen Verrechnungsabkommens geführt, das im Reichsanzeiger
veröffentlicht werden wird. Auf Grund dieſes Abkommens, das
am 10. Oktober 1934 in Kraft tritt, erfolgt die Bezahlung
der beiderſeitigen Warenausfuhr über
Verrech=
nungskonten, die die Reichsbank und die Finnland=Bank
einrichten. Zahlungen in dritter Währung werden hierdurch für
die Abwicklung des Warenverkehrs zwiſchen beiden Ländern
prak=
tiſch ausgeſchaltet. Das Abkommen geht davon
aus=
daß Deutſchland aus dem Handelsverkehr mit
Finnland ein Deviſenüberſchuß verbleibt. Zur
Sicherſtellung eines entſprechenden Deviſenanteils wird ein
Pro=
zentſatz aller Einzahlungen finniſcher Importeure auf ein
beſon=
deres Konto abgezweigt, über das die Reichsbank jederzeit frei
verfügen kann. Ferner ſind Vereinbarungen über die Abwicklung
des Sonderkontos der Finnland=Bank bei der Reichsbank
getrof=
fen worden.
„Schwarzer Jäger Johanna” iſt einer von den Filmen, die ein
Stück Kulturgeſchichte widerſpiegeln in einer Form, daß auch die
breiteſten Maſſen in Bann gezwungen werden, einer von den
Fil=
men, die man ſehen muß.
M. St.
Operekken=Uraufführung in Mannheim.
„Schwarzwälder Kirſch”.
Mit friſchem Wagemut iſt das Mannheimer Nationaltheater
an die Uraufführung einer Operette herangegangen, die unter
dem Titel „Schwarzwälder Kirſch” zunächſt textlich die
veraltete, verlogene Operettengalerie von vertrottelten Fürſten,
geſchiedenen Frauen, reichen Amerikanern, und wie ſonſt noch die
Figuren hießen, von der bisher mit Muffluft erfüllten
Operetten=
bühne hinwegfegte. Aber auch die Unreinlichkeit, mit der man
die Operette „zeitgemäß würzen” zu müſſen glaubte, iſt von dem
Textdichter Erhard Siedel ausgeſchwelt. Mit Behagen und
innerer Freude folgt man den Begebenheiten, die der
Schwarz=
wälder Kirſch bei einem Schützenfeſt vor und in einem
Schwarz=
wälder Gaſthaus unter Einheimiſchen, Muſikanten und einer
Filmgeſellſchaft anrichtet. Dieſes hübſche, überaus ſpaßhafte
Spiel, oft in vertrauter Schwarzwälder Mundart eingehüllt, hat
Klaus Valentin mit einer trefflichen Muſik begleitet. Er
bringt mit dem Einſatz eines vollen Orcheſters, alles an, was
Wirkſamkeit erzielt. Kunſtvoll gebaute Enſembleſätze wechſeln ab
mit Märſchen voll Rhythmus, mit Tänzen voll Beſchwingtheit, mit
melodiöſen Liedern, in die auch mit Geſchmack moderne
Klang=
effekte einbezogen ſind. Man muß dem Muſiker Valentin den
ſicheren Blick für das Theater zugeſtehen, das Talent zu
inſtru=
mentieren, auch die Kultur, mit der ſeine ganze Kompoſition
er=
füllt iſt. Für die Hauptrolle hat der Komponiſt ein paar
er=
leſene Lieder geſchrieben. Unzählige Hervorrufe dankten dem
Dirigenten Karl Klauß, allen Beteiligten ſowie dem anweſenden
Textdichter Erhard Siedel.
Dr. Konrad Ott.
— Hans Friedrich Blunck: „Die Frau auf dem Holm”, Ballade
in 18 Holzſchnitten von Klaus Wrage Volksausgabe mit
den verkleinerten Holzſchnitten der Original=Ausgabe.
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läen=Verlag. Berlin. Kartoniert 2 Mark.
Blunck und Wrage ſind Landsleute, beide der ſchweren
nordi=
ſchen Erde verhaftet. Sie kennen ſich lange, einer wußte um den
anderen und ſo iſt es nicht verwunderlich, daß dieſe beiden
Ge=
ſtalter einmal im künſtlexiſchen Schaffen einen gemeinſamen Weg
fanden. Wie ſehr die Schwarz=Weiß=Kunſt Wrages, der
Holz=
ſchnitt zum Klang und Ton der Ballade drängt, zeigen uns die
Schnitte zur „Frau auf dem Holm” von Hans Friedrich Blunck.
Es will uns ſcheinen, als ob dieſe ſchöne Dichtung nun erſt ihre
letzte Formgebung erhalten habe. Bild und Text ſind zu einer
Einheit verſchmolzen. Das war nur möglich, weil zwei Künſtler
ſich fanden, die aus demſelben ſchöpferiſchen Element aufſteigen;
beide verbindet Herkunft und Kraftquelle desſelben Landes, beide
treffen ſich im gemeinſamen Wollen, im übergeordneten Dienſt am
Vaterland. Sie ſind Kameraden des gleichen Ziels.
Seite 4 — Nr. 274
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 4. Oktober 1934
KUM
Todes=Anzeige.
Nach Gottes heiligem Willen entſchlie
Dienstag früh 35 Uhr nach langem, mit
großer Geduld ertragenem Leiden meine
liebe Frau, unſere treuſorgende Mutter
unſere liebe Tochter, Schweſter, Tante
und Schwägerin
Frau Frieda Schäfer
geb. Adam
(10400
im Alter von 33 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Karl Schäfer und Kinder
Familie Georg Adam ſen.
Familie Jean Adam
Familie Georg Adam jun.
Darmſtadt, (Kahlertſtr. 38), den 4. Okt. 1934.
Die Beerdigung findet heute nachmittag
um ½3 Uhr auf dem Waldfriedhof ſtatt.
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Für die zahlreichen Beweiſe der Liebe und Teilnahme
beim Heimgange unſerer teuren Entſchlafenen
Frau Berta Schneider
geb. Kinkel
ſprechen wir hierdurch unſeren innigſten Dank aus.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Berta Schneider.
Darmſiadt, den 3. Oktober 1934.
d0397
Für alle Beweiſe der Teilnahme und des freundlichen
Gedenkens beim Heimgange unſerer lieben Mutter
Frau Anna Henſel
geb. Rach
dankt herzlich
im Namen der Familie:
Thilde Sander, geb. Henſel
Darmſiadt, Offenbach a. M., den 2. Oktober 1934.
Statt Karten.
Bei der langen Krankheit und dem Hinſcheiden
unſerer lieben Entſchlafenen ſind uns ſo viele
Be=
weiſe wahrer Teilnahme und treuen Gedenkens
zu=
gegangen, daß ich vorerſt nur auf dieſem Wege
unſeren tiefgefühlten herzlichen Dank ausſprechen kann.
Dr. Heinrich Lautz.
Darmſtadt, im Oktober 1934.
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— 6.15 und 6.30: Gymnaſtik. — 6.45: Zeit,
Meldungen.
6.50: Wetter. — 6.55: Morgenſpruch, Choral.
7.00: München: Frühkonzert auf Schallpl.
In einer Pauſe
ca. 8.00: Nur für Frankfurt: Waſſerſtand, Wetter.
— 8.30:
Stuttgart: Gymnaſtik.
9.00: Nur Kaſſel: Werbekonzert.
9.15: Nur Kaſſel: Eigene Sendung. — 10.00: Nachs. —
10.454
Praktiſche Ratſchläge für Küche und Haus. — 11.00:
Werbe=
konzert. — 11.30: Meldungen. — 11.45: Sozialdienſt.
12.00; Baden=Baden: Sinfonie= und Kurorcheſter Baden=Baden,
Dir.: K. Aßmus. — 13.00: Stuttgart: Zeit, Saardienſt, Nachr.
13.10: Nachr. — 13.15: Stuttgart: Schallplatten: Wir ſind
jung und das iſt ſchön! — 14.15: Zeit, Nachr. — 14.30:
Wirt=
ſchaftsberie
14.45: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen. — 14.55:
Wetter.
15.00: Nur Kaſſel: Nachr.
— 15.15: Freiburg:
Kinderſtunde: Der Streit der Muſikinſtrumente. Märchenſpiel.
16.00: Nachmittagskonzert. — 18.00: Stuttgart: Spaniſcher
Sprach=
unterricht. — 18.15: Frohes Leben: 1. Fröhliche Pfalz. 2. Luſtige
Bergfibel. — 18.45: Trier; Konzert des Städt. Orcheſters.
19.00: In der Pauſe: Meſdungen.
19.45: Tagesſpiegel. —
20.00: Zeit, Nachr., Mitteilungen a. d. kulturellen Leben. —
20.10: Stuttgart: Saar=Umſchau. — 20.30: Konzert des
Funk=
orcheſters.
21.20: Stuttgart: Unſer lieber Reiſeonkel. Eine
Hörfolge. Zu Baedekers 75. Todestag. — 22.00: Zeit,
Nachrich=
ten. — 22.10: Nachr., Wetter, Sport. — 22.20: Berli: Worüber
man in Amerika ſpricht. Von K. G. Sell. — 22.30:
Kammer=
muſik für Violine und Klav
— 23.00: München: Das
Tanz=
funkorcheſter. Ltg.: Aulich.
— 24.00: Stuttgart: Nachtmuſik. Als
Einlage: Horntrio von Joh. Brabms.
Deutſchlandſender
Welle 1571.
Deutſchlandſender: Donnerstag, 4. Oktober
5.45: Hamburg: Wetter. — 5.50: Nachr. — 6.00: Berlin: Gym=
3.15: Tagesſpruch. — 6.20: Berlin: Kapelle Erich
naſtik.
— 8.00:
— In der Pauſe gegen 7.00: Nachr.
10.00. — 9.40: Hauswirtſchaftl. Lehrgang: Kochlehre. —
Nachr. — 10.10: Funkſtille. — 11.15: Seewetterbericht
11.30: Planmäßige Bodenwirtſchaft. Zwiegeſpräch. — 11.50:
Glückwünſche, Wetter.
12.00: Leipzig: Leipziger Sinfonieorcheſter. Ltg.: Hilmar Weber.
13.00: Liebe deutſche Heimat. (Schall=
12.55: Zeitzeichen.
14.00: Sperr
platten.); anſchl.: Wetter. — 13.45: Nachr.
14,55: Programmhinweiſe, Wetter, Börſe. — 15.15
zeit.
Dr. Korkhaus: Deutſchland und der Welttierſchutztag. — 15.25
Tierſchutz als Idee und Wirklichkeit in der Welt, Zwiegeſpräch.
15.40: Luſtiges Vogelkonzert. (Schallplatten).
16.00: Breslau: Schleſ. Gau=Symphonieorcheſter. Ltg.: Mundrn.
17.30: Dr. Raché: Wie Rooſevelt das Problem der Arbeitsloſigkeil
anpackt. — 17.52: Eine Seefahrt, die iſt luſtig (Schallplatten).
18.10: Manfred Kyber: Tiergeſchichten (Aufn.). — 18.30:
Lied=
romantik.
19.00: München: Die Gaukapelle München=Oberbayern. Ltg.: Lange.
20.15:
20.00; Kernſpruch. Anſchl.: Wetter. Kurznachrichten.
— An=
1000 muntere Noten. — 22.00; Wetter. Nachr., Sport.
ſchließend: Nachrichten a. d. kulturellen Leben.
22.20: K.
22.45: See=
Sell: Worüber man in Amerika ſpricht (Aufn.). —
wetterbericht. — 23.00; Himmliſche Klänge (Schallplatten)
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 274 — Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſiadt, den 4. Oktober 1934
Winkerhilfswerk 19341 35.
Anmeldung zur Bekreuung.
— Im Rahmen des Winterhilfswerks 1934/35 werden in der
Stadt Darmſtadt alle Einzelperſonen und Familien betreut,
deren monatliches Einkommen nach Abzug der
Woh=
nungsmiete folgende Richtſätze nicht erreicht:
1. für alleinſtehende Perſonen . . . 50.— RM.,
2. für ein Ehepaar ohne Kinder . . . 68.— RM.,
3. für ein Kind bis zu 10 Jahren . . 13.— RM.,
4. für ein Kind über 10 Jahren."
16.— RM.
Alle Einzelperſonen und Familien, bei denen dieſe
Voraus=
ſetzungen vorliegen, können ſich ab heute von 9—12 Uhr und 14.30
bis 17.00 Uhr bei der zuſtändigen Ortsgruppe in
Darmſtadt zur Aufnahme eines Unterſtützungsantrags melden.
Vorläufiger Meldeſchluß am 8. Oktober 1934
Diejenigen Hilfsbedürftigen, denen bereits eine Nachricht
über die Aufnahme in die Kartei des Winterhilfwerks 1934/35
zu=
gegangen iſt, brauchen ſich ſelbſtverſtändlich nicht mehr zu melden.
Darmſtadt, den 4. Oktober 1934.
Der Kreisbeauftragte des Winterhilfswerks 1934/35.
Ferienkinder kommen nach Darmſtadt.
Heute vormittag treffen wiederum 35 Kinder aus dem
Kreiſe Main=Taunus auf dem Hauptbahnhof in Darmſtadt ein.
Die Kinder werden für mehrere Wochen hier im Kreiſe zur
Er=
holung untergebracht. Die Kinderlandverſchickung der NS.=
Volks=
wohlfahrt, die bisher außerordentlich große Erfolge gezeigt hat,
hat noch immer nicht ihr Ende gefunden. Wir wollen wünſchen,
daß auch dieſen Feriengäſten eine einigermaßen ſchöne Witterung
den Aufenthalt bei uns angenehm geſtaltet.
Kreisamtsleitung des Amtes für Volkswohlfahrt.
Die neue Konzerkmiete der N.5. Kulkurgemeinde.
Die NS. Kulturgemeinde erweitert, ihr Arbeitsgebiet. Sie
hat ihrer Abteilung Theater (Deutſche Bühne) eine Konzertmiete
angereiht. Sie erfüllt damit eine weitere ihr geſtellte Aufgabe
jedem Volksgenoſſen deutſche Muſik als wirklich erhebende
Abend=
eier zu bieten. Die neu aufgelegte Konzertmiete greift zurück auf
alte Darmſtädter Tradition und wird die unvergeßlichen
Meiſter=
konzerte des einſtigen Richard=Wagner=Vereins wieder aufnehmen.
Die Kulturgemeinde war ſich von vornherein darüber klar, daß
nur ausgezeichnete Konzerte geboten werden dürfen, auch
keines=
falls eine Ueberfülle von zehnKonzerten und mehr. Man begnügte
ſich mit ſechs ausgewählten Konzerten und iſt dadurch in der Lage,
durch entſprechnde Preisgeſtaltung jedem Volksgenoſſen den
Be=
ſuch zu ermöglichen. Die Kulturgemeinde denkt nicht daran,
Star=
konzerte der Vergangenheit wieder aufleben zu laſſen, die nur dem
wohlhabenden Bürger zugänglich waren. Auch der wenig begüterte
Volksgenoſſe ſoll ſich an dem Spiel und Geſang eines Meiſters
er=
bauen. Die Konzertreihe wird eröffnet von keinem Geringeren
als des Führers Freund Wilhelm Backhaus. Er ſpielt
Beethoven und Brahms. Das Konzert findet bereits am 19.
Ok=
tober in der Turnhalle am Woogsplatz ſtatt. Ein ſolcher Künſtler
bedarf keiner beſonderen Einführung. Es gilt in Darmſtadt eine
Scharte vergangener Tage auszuwetzen und Meiſter Backhaus
durch einen vollen Saal zu beweiſen, daß er auch in Darmſtadt
ſeine Freunde wieder um ſich ſchart. Ihm folgt im November
Marcel Wittriſch, der weltbekannte Tenor der Berliner
Staats=
oper, der auch im Konzertſaal dank ſeiner ausgezeichneten
Geſangs=
kultur als Meiſter beſtehen wird. Cyrill Kopatſchka beſtreitet
das dritte Konzert. Er zählt heute ſchon zu den erſten Geigern
Deutſchlands. Im vierten Konzert kehrt Schulze=Prisca aus Köln
im Februar des nächſten Jahres mit ſeinem Quartet wieder.
Un=
vergeßlich bleibt der Eindruck, den das Spiel dieſer Künſtler in
einem Konzert des Kampfbundes für deutſche Kultur im Jahre
932 hier hinterließ. Das fünfte und ſechſte Konzert wird aus der
Reihe der Konzerte des Landestheaterorcheſters und der Konzerte
des Muſikvereins ausgewählt. Mieter der Konzertreihe des
Lan=
destheaters und Mitglieder des Muſikvereins können ſtatt dieſer
Konzerte eine zweite Karte zu einem der vier anderen Konzerte
zum Ausgleich erhalten. Sie können auch auf ihren Wunſch durch
ein Konzert aus der Reihe der geplanten außerordentlichen
Kon=
zerte ſchadlos gehalten werden.
Die Kulturgemeinde will mit dieſen Konzerten Volk und
Künſtler dienen; ſie verpflichtet ſich beiden. Sie muß, um ihr
Pro=
gramm durchzuhalten, damit rechnen, daß alle Kreiſe des Volkes
durch den Beſuch der Konzerte, ſie in der Erfüllung ihrer Aufgabe
unterſtützen. Kein Volksgenoſſe möge ſich ausſchließen. Er kann
ſchon in kleinſten Raten ſeine Konzertmiete zahlen.
Die Sprechſtunden des Herrn Staatsminiſters fallen, wie
das Staatspreſſeamt mitteilt, am Samstag, den 6. Okt., aus.
Heſſiſches Landestheater Darmſtadt.
Großes Haus.
4. Oktober Anfang 20. Ende 22.30 Uhr. Miete C. 3
Pr. 0.50—4.50
Madame Butterfly Se
6. Oktober Anfang 19.30, Ende 22 Uhr. Dtſch. Bühne 21
Kinderreiche Mütter Nr. 51—100
Pr. 0.50—4.50 Mr.
Ein Volksfeind. Kleines Haus. Donnerstag,
4. Oktober Anfang 20, Ende 22.45 Uhr
Deutſche Bühne M 1, III. und IV. Kinderr.
Mütter Nr. 1—50
Preiſe 0.70—3.80 Mk.
Kabale und Liebe. Samstag,
6. Oktober Anf. 19.30—22 Uhr. Deutſche B. H2 Zuſatzm. 1
Der Poſtillon von Lonfumeau. Pr. 0.80—4.50
In Vorbereitung: Wenn der Hahn kräht. — Fidelio,
Heſſiſches Landestheater. Heute abend findet im Großen
Haus des Heſſiſchen Landestheaters eine Aufführung von „
Ma=
dame Butterfly” ſtatt. Dieſe vorübergehende
Wiederauf=
nahme einer bereits ſtehenden Inſzenierung bietet eine ſicherlich
von vielen begrüßte Gelegenheit, die berühmte und immer
erfolg=
reiche Oper Puccinis, deren Melodien zu den bekannteſten der
modernen Muſik gehören, auch in dieſer Spielzeit einmal zu
hören. Die muſikaliſche Leitung der Aufführung hat
General=
muſikdirektor Karl Friderich. In den Hauptrollen ſind Erna
v. Georgi und Martha Liebel, Bernd Aldenhoff, Karl Köther und
Eugen Vogt beſchäftigt. — Im Kleinen Haus des
Landes=
theaters wird heute abend „Kabale und Liebe” zum erſten
Male wiederholt. Die Inſzenierung von Jochen Poelzig mit
Käthe Gothe. Hedda Lembach, Ruth Trumpp, Anton Gaugl,
Lud=
wig Linkmann. Emil Lohkamp, Heinz Stieda, Ullrich Verden und
Kurt Weſtermann in den Hauptrollen hatte am Dienstag einen
ganz ungewöhnlichen Erfolg.
Das Luftſchutzproblem.
Von F. W. v
Man darf nicht müde werden, es immer wieder zu ſagen:
Kein Land Europas, ja kein Land dieſer Erde iſt ſo ſehr der
Ge=
fahr von Angriffen aus der Luft ausgeſetzt, wie Deutſchland.
Un=
ſere zentrale Lage im Herzen Europas gibt die Möglichkeit, jede
deutſche Landſchaft, jede deutſche Stadt in wenigen Stunden mit
dem Flugzeug zu erreichen. Ueberall in der Welt verfügen die
Staaten über ſtarke, ſich täglich zahlenmäßig und materiell noch
ver=
ſtärkende Luftflotten. Hunderte und Tauſende von
Kriegsflug=
zeugen ſtehen jenſeits der deutſchen Grenze bereit, um für den Fall
feindlicher Luftangriffe den Gegner ſchon längſt vor Erreichung
des geſteckten Angriffszieles zu faſſen, zu bekämpfen und
zurück=
zuwerfen.
Nur Deutſchland iſt ſchutzlos! Die Gefahr, die unſerem
Vcter=
lande daraus erwächſt, iſt ungeheuerlich groß. Wir alle, ob arm
oder reich, ob Gelehrter oder Arbe ter, ſind gleichmäßig von ihr
bedroht. Das ganze deutſche Volk Lildet gegenüber den Gefahren
aus der Luft das, was man in anderen Bezirken des menſchlichen
Lebens eine Gefahrengemeinſchaft zu nennen pflegt.
Es iſt merkwürdig, daß dieſe Tatſachen noch immer nicht bei
allen Volksgenoſſen das eigentlich doch nur ſelbſtverſtändliche
In=
tereſſe gefunden haben. An den deutſchen Küſten, da wo die
Men=
ſchen im ſtändigen Kampf mit den Gefahren des Lebens leben,
be=
darf es keines Hinweiſes auf die Notwendigkeit, in Gemeinſchaft
dieſe Gefahren zu bekämpfen und Vorſorge für ihre Abwehr zu
treffen. Die kleine Stelle des Deiches, die das eigentliche Anweſen
gegen die Fluten des Meeres deckt, iſt nicht das Entſcheidende. Der
Deich als Ganzes iſt der Schutz der Gemeinſchaft. Wird er an
einer Stelle vom Anprall der Wogen zerſtört, dann iſt die Gefahr
für alle, die hinter ihm leben, gleichmäßig groß.
Nicht anders kann die Einſtellung gegenüber den Gefahren aus
der Luft ſein. Gewiß, jeder Deutſche hat für ſeine Perſon die
Pflichten zu erfüllen, die ihm durch die Aufgaben des Luftſchutzes,
der unſere einzige Waffe gegenüber den Gefahren aus der Luft
bildet, geſtellt werden. Jeder hat die Pflicht, die Arbeiten der
Luftſchutzorganiſationen an ſeinem Teil zu unterſtützen. Es iſt
wich=
tig, auch für den einzelnen, daß er über die Gefahren von
Luftan=
griffen unterrichtet iſt, daß er den Anweiſungen, die ihm in dieſer
Richtung erteilt werden, Folge leiſtet, daß er ſein Heim und ſeine
Arbeitsſtätte nach dieſen Anweiſungen für den Fall eines
Luft=
angriffes vorbereitet.
Aber dieſe Arbeit iſt nicht nur für ihn, ſondern für die ganze
Volksgemeinſchaft von größter Bedeutung. Es kommt gar nicht
einmal ſo ſehr darauf an, daß der einzelne nun ſich und ſeine
Fa=
milie ganz beſonders zu ſchützen ſucht, die Volksgemeinſchaft ſtellt
größere Aufgaben. Jeder von uns ſollte ſich darüber klar ſein,
daß auch die beſte Selbſtſchutzorganiſation gegenüber den
Gefah=
cen aus der Luft nicht imſtande ſein kann, einen überall und
ab=
ſolut wirkſamen Schutz zu ſchaffen. Sollte eines Tages die
Ge=
fahr furchtbare Wirklichkeit werden. ſollten einmal
Bombenflug=
zeuge über deutſchem Land ihre tödliche Laſt abwerfen, ſo wird
es Tote und Verwundete, ſo wird es Vergiftete und Verſtümmelte,
ſo wird es brennende Häuſer und rauchende Trümmer geben.
Vor dieſer Tatſache darf kein Deutſcher die Augen verſchließen
Vor dieſer Tatſache darf niemand von uns zurückſchrecken oder
gar in ſeiner Mitarbeit an den Aufgaben des Luftſchutzes erlah
men. Worauf es ankommt, iſt dies: Wenn jeder von uns ſeine
Pflicht erfüllt, dann mögen einzelne Häuſer getroffen werden, der
Wille, uns auch dann zu behaupten und durchzuſetzen, das
Ver=
antwortungsgefühl des Volkes der Gemeinſchaft gegenüber wird
dann ſiegen. Es wird keinen allgemeinen Zuſammenbruch, keine
on Oertzen.
allgemeine Panik geben, wir werden uns nicht fremder Willkür
beugen, das iſt das Entſcheidende.
Wenn es heute immer noch Menſchen gibt, die der Meinung
ſind, daß die Luftſchutzorganiſation ja doch nicht imſtande ſein
werde, die Gefahren von Luftangriffen völlig zu bannen, ſo iſt
ihnen zu erwidern, daß die Männer, die an vorderſter Stelle in
dieſer Arbeit ſtehen, als alte Soldaten oder gar, wie der
Reichs=
luftfahrtminiſter Hermann Göring ſelbſt, als alte Kriegsflieger
genau wiſſen, daß das niemals möglich ſein wird. Aber wenn
eines Tages die rieſige Organiſations= und Erziehungsarbeit, die
auf dem ganzen Gebiet des Luftſchutzes ſchon geleiſtet worden iſt
und noch zu leiſten bleibt, zu einem gewiſſen Abſchluß gekommen
ſein ſollte, dann wird die Gemeinſchaft all derer, die an dieſer
Ar=
beit ſtehen und ſich in dieſer Arbeit ihrer Pflicht als Glieder der
deutſchen Volksgemeinſchaft bewußt ſind, einen Deich bilden, an
dem der Anprall feindlicher Angriffswogen ſich brechen muß.
Wir leben in einem neuen Deutſchland. Wir leben in einem
Reich, deſſen Fundament der Gedanke der Volksgemeinſchaft, der
ſozialiſtiſchen Tat bildet. Die Mitarbeit am Luftſchutz, der
Ge=
danke, daß was jeder Einzelne von uns auf dieſem Gebiet leiſtet,
nicht nur ihm ſelbſt, ſondern vielmehr noch der Allgemeinheit
zu=
gute kommt, iſt aus dieſem Geiſt des Nationalſozialismus heraus
nur eine Selbſtverſtändlichkeit. In den Arbeitslagern ſtehen junge
Deutſche aus allen Gauen des Vaterlandes und aus allen Schichten
der Bevölkerung kameradſchaftlich nebeneinander. Sie führen die
Hacke und den Spaten und leiſten Arbeit für den Aufbau und für
die Erhaltung unſeres Vaterlandes. Nicht anders kann es im
Luftſchutz ſein. Der Betriebsführer, der alle Maßnahmen, die der
Luftſchutz von ihm verlangt, in ſeinem Werk vorbildlich zur
Durch=
führung bringt, ſchützt damit ja nicht nur die Vermögenswerte
ſeiner Aktionäre. Doch ein Werk, als der Arbeitsplatz von
Hunder=
ten oder Tauſenden von Volksgenoſſen, iſt ein deutſcher Wert. Was
zu ſeinem Schutze unternommen wird, dient der Allgemeinheit,
dient dem praktiſchen Gedanken der Volksgemeinſchaft.
Jeder deutſche Volksgenoſſe, der im Gedankengut des
Natio=
nalſozialismus wirklich heimiſch iſt, wird das alles als
Selbſtver=
ſtändlichkeit empfinden. Aber wir wiſſen gut genug, daß die
natio=
nalſozialiſtiſche Erziehungsarbeit zum Gemeinſchaftsdenken und zum
Gemeinſchaftshandeln noch lange nicht abgeſchloſſen iſt. Und an
dieſem Punkte wird die ganze Luftſchutzarbeit, wird das ganze
Luftſchutzproblem zu einem unendlich wertvollen Erziehungsmittel,
das das Seine beitragen kann und beitragen muß zur
Durch=
dringung des deutſchen Volkes mit dieſem ſelbſtverſtändlichen
Ge=
fühl der Gemeinſchaftlichkeit.
Die Gefahren aus der Luft bedrohen uns alle gleichmäßig
Wenn wir uns zu ihrer Abwehr zuſammenſchließen, wenn wir
die=
ſen Gefahren gemeinſchaftlich die Stirn bieten, ſo muß und wird
es möglich ſein, ſie in ihren Wirkungen ſoweit zu vermindern, daß
das deutſche Volk als Ganzes ihnen zu trotzen vermag.
In dieſen Tagen, in denen der bisher erreichte Stand der
Luftſchutzarbeiten in praktiſchen Uebungen einer eingehenden
Prü=
fung unterzogen wird, hat jeder deutſche Volksgenoſſe die
Gele=
genheit, nicht nur ſich von dem Vorhandenſein und dem
Funktio=
nieren des Luftſchutzes zu überzeugen, er kann mehr tun. Er kann
durch ſeine Teilnahme und ſein Intereſſe beweiſen, daß er in die
Gemeinſchaften der Volksgenoſſen hineingehört, daß er gewillt iſt,
für ſeine Perſon in dieſer Gemeinſchaft mitzuarbeiten für den
Ge=
danken, den der Nationalſozialismus zum Motiv allen Handelns
gemacht hat:
Gemeinnutz geht vor Eigennutz.
der Huntd und Yu.
Die Veranſtaltung der Fachſchaft für das Schutz= und
Dienſt=
gebrauchshundeweſen e. V. am kommenden Sonntag findet ſchon
jetzt allgemein größtes Intereſſe. Jeder, der unſeren vierbeinigen
Freund von zuhauſe aus kennt, ſieht mit Spannung dem
Auf=
marſch der Hunde am Sonntag vormittag entgegen. Und auch alle
diejenigen, die nicht ſelber im Beſitz eines Hundes ſind, werden
an dem Zug der Tiere ihre helle Freude haben.
Die Nachmittags=Veranſtaltung, um 14.30 Uhr, auf dem
Poli=
zeiſportplatz hinter der Feſthalle wird den Beweis erbringen,
welche hohe Intelligenz und vielſeitige Fähigkeiten der Hund
beſitzt.
Möge die Bevölkerung Darmſtadts den Veranſtaltern und
ihren Tieren das Intereſſe entgegenbringen, das nicht zuletzt auch
der Hund verdient, da er in den meiſten Fällen jederzeit bereit
ſein würde, das Leben für ſeinen Herrn zu laſſen. Kaum eine
Kreatur zeigt uns Menſchen in gleicher Weiſe Treue und
Anhäng=
lichkeit. Durch rege Beteiligung an der Veranſtaltung tragen wir
Menſchen nur einen Teil deſſen ab, was im Kriege und auch ſonſt
der Hund zum Wohle der Menſchheit, oft unter Aufopferung
ſei=
nes Lebens, vollbracht hat. So ſteht er auch heute wieder im
Dienſte der Winterhilfe.
Jeder Darmſtädter wird Sonntag vormittag ſeine Hunde ſehen!
Jeder Darmſtädter wird Sonntag nachmittag ihr Können
bewundern!
2
Herbſtlaub.
Eine breite Straße inmitten der Stadt. Vor Wochen, in
lich=
ten Sommertagen, iſt man das letzte Mal über ſie
hinweggeſchrit=
ten, und das Bild von damals haftet im Gedächtnis. Um ſo mehr
iſt man verwundert, ſie jetzt ſchon ſo herbſtlich vorzufinden. Das
einſt üppige Laub iſt geſchwunden, zerzauſt ſehen die Wipfel aus,
und man kann hindurchſehen zu dem lichten Abendhimmel
hin=
über, der in herbſtlicher Schönheit ſtrahlt. Wenn nur das Laub
nicht wäre, das auf dem Boden liegt, an den Rinnſtein gefegt, zu
Hauf geſchichtet. Ob man will oder nicht, der Gedanke iſt
unab=
weisbar: Abſchiednehmen. Die ganze ſtrahlende Herrlichkeit des
durchſonnten Tages hilft nicht darüber hinweg. Wieder einmal
geht es mit Siebenmeilenſtiefeln hinein in die grauen,
nebelver=
hangenen Tage, die ſpät beginnen und früh enden.
Aber dort draußen, wo ſich die Wieſen dehnen und
Baum=
gruppen wie Bollwerke ſtehen, dort iſt noch ein Stück Sommer.
Zwar ſtiehlt ſich auch dort das helle Gelb und zugedeckte Rot des
herbſtlichen Verfärbens in die grüne Blätterfülle der Kronen.
Aber man könnte faſt glauben, es ſei ein Jubilieren, ein
Ueber=
ſchwang der Natur, denn noch fehlt das Troſtloſe des gefallenen
Blattes. Troſtlos, weil es ein Abgedanktſein in ſich ſchließt, weil
es ſagt: Du haſt getan, was dir zukam, nun tritt ab, wir bedürfen
deiner nicht mehr.
Das aber kann kein froher Gedanke ſein, denn irgendwann
einmal kommt dieſes Wort auch zu uns. Heute noch eine kleine
Wichtigkeit, morgen eine Null, wenn nicht gar eine Laſt. Deine
Aufgabe haſt du erfüllt, deine Kräfte ſind erſchöpft, das Alter
faßt dich an und ſagt: Komm, tritt beiſeite, denn es ſind Neue
da, Junge, die ſich bewähren wollen, denen biſt du im Wege. Und
du machſt aus der Not eine Tugend und ſagſt: Was iſt mir denn
daran gelegen? Ich habe mein Leben gelebt, mein Frühling und
Sommer waren ſchön, und es mangelte nicht an Segen, der in die
Zukunft weiſt. Wenn ich nur weiß, daß mein Daſein nicht ſinnlos
war. Was kann es mich kümmern, ob man mich rühmt? Nutzen
muß man doch, was ich gebaut, weiterbauen auf ihm, wie es
immer war und immer ſein wird.
Und irgendwo in einem Garten leuchten die bunten Blüten
des Herbſtes und drängt ſich auf langen Beeten Frucht an Frucht.
Die ſchwellende Blüte des Frühlings iſt Segen geworden. Und
von neuer Blüte erhofft man ihn.
weil in der eimat
voll ausgereiff!
Bibliſches Alter. Fräulein Bertha Löve im Altersheim
Emilſtraße feiert am nächſten Sonntag, den 7. Oktober, ihren 90.
Geburtstag. Sie iſt die Aelteſte im Heim und noch bei guter
Geſundheit und bei friſchem Geiſte, lieſt täglich ohne Brille das
Darmſtädter Tagblatt.
— Jubiläum des Heſſiſchen Landestheater=Orcheſters. Am 1
September ds. Is. waren es 25 Jahre her, daß Kammermuſiker
Konrad Klammer als Celliſt in den Verband des damaligen
Heſſiſchen Hoftheaters eintrat. Nach ſeiner Ausbildung an der
Muſikhochſchule in Würzburg war er in verſchiedenen Bädern von
Ruf tätig und erhielt 1911 den Poſten eines ſtellvertretenden
Solocelliſten am Braunſchweiger Hoftheater; von dort kam er nach
Darmſtadt. Herr Klammer, der ſich in dieſer langen Zeit als
dienſteifriger und gewiſſenhafter Kollege bewährt hat, wurde in
einer beſonderen Feier, die ſich an die Generalverſammlung des
Landestheater=Orcheſters anſchloß, gebührend geehrt.
Geſchäftsſtelle: Darmſtadt, Kleines Haus des Heſſ. Landestheaters.
derthane k.ois 20.Stteser
aain V
TT 227
[ ← ][ ][ → ]Seite 6 — Nr. 274
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Aus der NSDAP.
Der Reichsſchatzmeiſter.
NSK. Der Reichsſchatzmeiſter gibt bekannt:
Es beſteht Veranlaſſung, darauf hinzuweiſen, daß meine
Ver=
fügungen 36/33 vom 28. September 1933, ſowie 56/33 vom 23.
November 1933 erſchienen im Verordnungsblatt Folge 56 vom
Oktober 1933. bzw. Folge 60 vom 30. November 1933, nach
wie vor zu Recht beſtehen.
Bis zur Aufhebung dieſer Verfügungen ſind
Aufnahme=
geſuche, ſowie Geſuche um Wiederaufnahme
zwecklos.
Die Parteidienſtſtellen werden angewieſen, die bei ihnen
ein=
laufenden Aufnahmegeſuche bzw. Wiederaufnahmegeſuche von
ſich aus ablehnend zu beſcheiden.
München. 2. Oktober 1934.
Schwarz.
Rhein=Mainiſche Stätte für Erziehung in Mainz.
Das Schulungslager für Erzieher ſieht auf eine fünfmonatige
Erfahrung zurück. Bis jetzt ſind etwa 1700 Lehrer und
Lehre=
rinnen der verſchiedenen Schularten hindurchgegangen. Die
fol=
gende Statiſtik zeigt, wie ſich die Teilnehmer auf die einzelnen
Kreiſe Heſſens verteilen: Kreis Darmſtadt 108 (99 Herren. 9
Da=
men), Kreis Offenbach 168 (143, 25), Kreis Groß=Gerau
(79,
18), Kreis Bensheim 72 (68, 4), Kreis Heppenheim 35 (29, 6),
Kreis Dieburg 69 (58, 11), Kreis Erbach 83 (76 7), Kreis Mainz
113 (92. 21), Kreis Bingen 47 (43, 4), Kreis Alzey 56 (47. 9),
Kreis Oppenheim 50 (48, 2), Kreis Worms 113 (93, 20) Kreis
Gießen 120 (108 12), Kreis Friedberg 62 (61, 1), Kreis Büdingen
54 (48, 6), Kreis Lauterbach 43 (39, 4), Kreis Schotten 40 (37, 3)
Kreis Alsfeld 81 (77, 4). — 1. bis 9. Lager: Geſamt 1411 (1245
Herren, 166 Damen).
Nationalſozialiſtiſcher Deutſcher Frontkämpferbund (Stahlhelm),
Am Samstag, den 6. Oktober 1934, 20.30 Uhr, findet in der
Beſſunger Turnhalle der zweite Schulungsabend ſtatt. Redner:
Kreisſchulungsleiter der N
DAP. Herr Borchert. Erſcheinen für
ſämtliche Kameraden, außer den zu Feier der Reichsvereinigung
ehem. Kriegsgefangener e. V., Ortsgruppe Darmſtadt.
Komman=
dierten, in Bundestracht Pflicht.
Der Kreisführer.
NS. Kriegsopferverſorgung, Ortsgruppe Darmſtadt.
Stützpunkt 7 Gutenberg der NSKOV. ladet hiermit ſeine
Kameraden und Kameradenfrauen zu dem am 6. Oktober, abds.
7.30 Uhr (pünktlich), ſtattfindenden „Bunten Abend” ein. An
dieſem Abend gelangen verſchiedene Mitgliedskarten zur
Aus=
gabe. Deshalb iſt das Erſcheinen aller Mitglieder (auch der
Kameraden der RDO.) unbedingte Pflicht.
Samstag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, findet ein
Kamerad=
ſchaftsabend des Stützpunktes 5 (Waldkolonie) bei W. Arnold,
Bismarckſtraße 107. ſtatt. Erſcheinen zu dieſem
Kameradſchafts=
abend wird den Kameraden und Kameradenfrauen zur Pflicht
gemacht.
Aus dem Gerichksſaal.
Am. Wieder hatte die Große Strafkammer am
Mitt=
woch gegen einen Sittlichkeitsverbrecher, den 28
jäh=
rigen H. Sch. aus Griesheim zu verhandeln, der fortgeſetzt
Unzucht mit zwei 12= bzw. 13jährigen Mädchen getrieben hatte.,
Die Verhandlung zeigt ein geradezu troſtloſes Milieu,
insbeſon=
dere die beiden Mädchen ſcheinen recht verdorben. Das Gericht
iſt der Anſicht, daß man gegen derartige Verbrechen, die ſich in
letzter Zeit in geradezu erſchreckender Weiſe vermehrt haben, mit
aller Strenge vorgehen müſſe, und erkennt auf insgeſamt ein
Jahr und ſechs Monate Gefängnis, abzüglich zwei
Monaten und 14 Tagen Unterſuchungshaft.
Darnach hatte die Staatsanwaltſchaft Antrag auf
Sicherungs=
verwahrung geſtellt gegen den 57jährigen P. R. aus Lindenfels.
E. hatte in einer Wirtſchaft Behauptungen aufgeſtellt, die
geeig=
net waren, der nationalen Regierung ſchwer zu ſchaden. Es ſtellt
ſich jedoch heraus, daß R. ſeit Jahren chroniſcher Alkoholiker und
als ſolcher geiſtig nicht mehr verantwortlich iſt. Das Gericht lehnt
infolgedeſſen den Antrag ab, da es der Anſicht iſt, daß der
Ange=
klagte eine Gefahr nicht bedeutet, und er durch geeignete
Maßnah=
men vom Alkoholgenuß abzuhalten iſt.
4
Reichsgericht beſtätigt Urteil der Darmſtädter Strafkammer.
Nach mehrtägiger Verhandlung verurteilte die Strafkammer
Darmſtadt am 24. Februar d. J. den früheren Leiter der
Gewerk=
ſchaft Grube Meſſel, Direktor Weißkopf, wegen fortgeſetzter
Un=
tkeue zu einem Jahr Gefängnis. Der mitangeklagte Prokuriſt
Drude erhielt wegen Beihilfe 1½ Jahr und der aus München
ſtammende Angeklagte Röhrl vier Monate Gefängnis. Während
Drude ſich mit ſeinem unterdeſſen rechtskräftig gewordenen Urteil
abgefunden hatte, iſt die gegen Röhrl verhängte Strafe durch die
Amneſtie erledigt — Direktor Weißkopf war der Repräſentant
der bei Darmſtadt gelegenen Oelſchiefergrube Meſſel und war
gleichzeitig an dem Geſchäft Röhrls finanziell beteiligt. Die
bei=
den Hauptangeklagten haben ſich dadurch pflichtwidrige
Vergünſti=
gungen zuſchulden kommen laſſen, daß ſie durch Einſchaltung eines
Mittelsmanns dem Angeklagten Röhrl große finanzielle Vorteile
zugeſchanzt haben. — Mit ſeiner beim Reichsgericht gegen das
Urteil eingelegten Reviſion beſtritt der Angeklagte Weißkopf, daß
der Tatbeſtand der Untreue gegeben ſei. Vor dem Reviſionsgericht
erwieſen ſich jedoch dieſe Einwendungen als unbegründet; das
an=
gefochtene Urteil wurde vielmehr durch Vevwerfung der Revſion
am Dienstag vom Reichsgericht rechtskräftig beſtätigt.
Das Geheimnis des Vogelzuges. Einer der in dieſem
Früh=
ſommer in Lampertheim ausgeſchlüpften Jungſtörche, der beringt
war, iſt in Vercelli in der italieniſchen Poebene geſchoſſen
wor=
den. Der Ring wurde mit der Ortsangabe der Vogelſchutzwarte
Roſſitten aus Italien überſandt. So bedauerlich die Tötung in
Italien an ſich iſt, ſo trägt der Fund doch dazu bei, das Geheimnis
des Vogelzuges weiterhin zu klären.
Kluge Arbeitseinteilung im Frauenleben.
NSK. Wir kennen ſie alle . . . die beiden Arten von Frauen
und Müttern! Die einen ſingen leiſe ein Lied vor ſich hin, wenn
ſie mit beiden Armen tief im Waſchbottich ſtecken, ſie haben ein
Lächeln auf den Lippen, wenn ſie die ſchwere Suppenſchüſſel auf
den Tiſch ſtellen und auf die neugierig erhobenen Näschen ihrer
Kinder ſchauen . . . ſie überſehen auch einmal ein etwas ruppig
gekämmtes Mädelhaar und zwei noch ſchnell gewechſelte
Buben=
boxhiebe unter dem Tiſch!
Sie haben Zeit, mit den Kindern in die Sonnen
hinaus=
zulaufen und mit dem Mann einen ſtillen, ganz ſtillen
Abend zuſammen zu ſitzen, wenn er das braucht!
Sie geraten nie in Verzweiflung, wenn der Mann einen
Kameraden zum Eſſen mitbringt, und kennen nicht tauſend
Ent=
ſchuldigungen, daß eben nur das und nichts anderes zum Eſſen
da ſei. Sie ſind von den anderen Frauen, von denen das
ent=
ſchuldigende Wort der „tüchtigen Hausfrau” umgeht, meiſt mit
mißgünſtigen Blicken für leichtſinnig und durchaus unernſthaft
ver=
ſchrien. Mann und Kinder aber haben das Glück im Haus, ganz
gleich, ob das Gehalt nun jämmerlich klein oder angenehm
um=
fangreich iſt.
Beſtimmend für die Haltung dieſer Frauen iſt das Geld
auf keinen Fall.
Die anderen Frauen aber arbeiten mit fanatiſcher
Leiden=
ſchaft. Sie wollen das Beſte und geben das Beſte, wie ſie es
eben können. Kein Tag reicht für das Rieſenprogramm ihrer
Hausfrauenpflichten, keine Stunde iſt da, die man vertändeln
könnte. Und will der Mann einmal ein ruhiges Wort, ein
be=
ſinnliches Beſprechen großer Fragen, iſt die Frau wohl da für
ihn, ſelbſtverſtändlich, aber ſie hat gewiß den großen Flickkorb
neben ſich und ſtichelt und ſorgt, und wenn der Mann auf eine
Antwort wartet, ſucht ſie gerade die paſſende Farbe für einen
zertrümmerten Socken ſo gründlich, daß es unmöglich iſt, die
Frage anders, als eben ſo ohnehin zu beantworten! Und wenn
ein jubelndes Kind aus der Schule kommt und will die Mutter
überreden, mit hinaus zu kommen, und will berichten von all
den unausdenkbar großen Erlebniſſen, iſt ſicher die erſte Antwort:
n Gott, Kind, wie ſiehſt du wieder aus! Und mitkommen
9
iſt ganz unmöglich. Ich muß doch axbeiten. Geh nur
8.
ichk
alleine!” Und ſie ſieht dann nicht, wie alle Sonnenlichter aus
dem kleinen Geſicht verſchwinden, ſondern ſieht nur, daß der
Boden nun endlich blitzblank iſt, ſo wie er in einem tadelloſen
Haushalt ſein muß, oder daß die gebügelte Wäſche ſich immer
höher türmt und alles tadellos iſt!
Erſt Jahre ſpäter merkt ſie dann, daß kein Kind mehr
for=
dernd zu ihr ſtürmt, daß das Kinderleben neben dem ihren
dahinläuft, und ſieht voll bitterem Leid, wie anders doch
das Nachbarskind mit ſeiner Mutter ſpricht!
Und doch iſt in dieſem Frauenleben nichts ernſter geweſen
als der Wille, die Pflichten für Mann und Kinder zu erfüllen,
reſtlos und ohne jede Rückſichtnahme auf eigene Wünſche und
eigene Sehnſüchte. Und doch iſt das Glück, das ſonnige, lachende
Glück, das nur die Mutter den ihren geben kann, nicht in dem
Haus
Und dieſe Frauen, die das Beſte wollen und dabei doch mit
leeren Händen im Leben ſtehen, könnten genau ſo reich, ſo
ver=
ſchwenderiſch ſein wie jene anderen!
Nur eines müßten ſie tun, die Augen aufmachen und das Herz!
Dem Großen, Wichtigſten im Frauenleben bereitwillig ſich
zur Verfügung ſtellen: Mann und Kindern leuchtend frohe, immer
bereite Kameraden zu ſein! Mehr denn je verlangt unſer Leben
von der Frau und Mutter die immer bereite Helferin in
leid=
vollen Stunden, die immer frohe Begleiterin in glückhaften
Tagen. Nie war der Aufgabenkreis der Hausfrau gerade in
ſeeliſcher Beziehung größer denn jetzt. Denn alle Kampfkräfte,
alles Beharrungsvermögen der Männer und unſerer Jugend
müſſen bereit ſein, zum großen Kämpfen für unſer Volk!
Unver=
rückbar, mit ruhigen Nerven und klarem Kopf muß der Mann
an ſeiner Arbeit ſtehen können, um Ganzes zu leiſten, Ruhe,
Frieden ſeeliſche und körperliche Pflege daheim müſſen alle, aber
auch alle Kräfte frei machen für draußen! Und das kann nur
geſchehen, wenn Frohſinn und Harmonie, Verſtehen und
Bereit=
ſein daheim auf die Ermüdeten warten . . . das kann nur ſein,
wenn eine Frau und Mutter erkennt, daß aller Ehrgeiz auf die
ſachliche Pflege des Haushalts zurückſtehen muß hinter der
Er=
kenntnis des inneren Zuſammengehens. Daß darüber nicht der
Haushalt verkommen darf, iſt ſelbſtverſtändlich. Aber da eben
muß das einſetzen, was alles möglich macht,
die kluge, überlegene Arbeitseinteilung.
Man kann einmal mit ruhigen Händen im Schoß während eines
Abends bei Mann und Kindern ſein, ohne daß der Flickkorb ins
Uebermenſchliche anſchwillt. Lieber ſoll man dann einmal noch
eine Stunde früher als gewöhnlich . . . auch wenn das „
gewöhn=
aufſtehen, und mit friſchen,
liche” ſchon ſehr, ſehr früh iſt
ausgeruhten Händen die verſäumte Arbeit einholen! Man ſollte
es ſich ſchon als junge Frau im erſten Jahr der Ehe zur Pflicht
machen, wenn die Anforderungen noch kleiner ſind die Arbeiten
des Tages ſo einzuteilen, daß einige Stunden übrig bleiben für
all das andere im Leben, was nötiger iſt, als ein ſtetiges Sorgen
und Mühen.
Und wenn man es allein nicht zuwege bringt, dann ſollte
man ruhig einmal bei den Frauen anfragen, die immer für
Mann und Kinder Zeit haben und deren Haushalt doch ſtetig
und ordentlich erledigt wird! Denn dieſe heiteren, frohen Frauen
haben meiſt den anderen das voraus, daß ſie mit konzentrierten
Kräften und mit frohem Mut das tägliche Tagewerk bezwingen,
eben weil ſie an einzelnen Stunden des Tages in ungebundener,
innere Freiheit ſich ſeeliſche Kräfte holen!
Und dieſe Frauen und Mütter ſind die, die unerſetzlich ſind
und zu denen die Kinder noch kommen, wenn längſt das Leben
ſie aus dem elterlichen Heim geholt hat, und wenn die Sorgen
um die eigenen Kinder ſie ſchon erfüllt. Aufrechte, kluge und
hei=
tere Mütter braucht unſer Heimatland, ſoll unſere Jugend kraft=
D. Volbehr
voll ſein.
Auelle des Erfolgs.
* Die Siemens=Studien=Geſellſchaft, die vorige Woche bereits
einen vorbereitenden Vortragsabend veranſtaltete hatte für
ge=
ſtern abend zu einem weiteren Vortrag des Präſidenten der
Geſellſchaft, Herrn Auguſt Dick, über das Thema: „Quellen des
Erfolgs” in den Fürſtenſaal eingeladen. Der Einladung waren
zahlreiche Intereſſenten gefolgt.
Der Landesleiter von Heſſen=Naſſau, Brecht, richtete
herz=
liche Begrüßungsworte an die Zuhörer. Präſident Dick erinnerte
eingangs ſeiner Ausführungen an die Kriſenzeiten, die eine
Um=
ſchichtung aller Werte zur Folge hatten. Heute ſteht und wird in
Zukunft das Leiſtungsprinzip im Vordergrund ſtehen. Der
Lebensuntüchtigkeit muß begegnet werden. Acht Stunden im Tag
ſollen für das tägliche Brot die übrige Zeit der Fortbildung zur
Verfügung ſtehen. Einen Fehler ſah Referent u a. im
Schul=
ſyſtem, in dem vergeſſen wurde, das Lebenswichtigſte in den
Vor=
dergrund zu ſtellen. Der Verſtand, auch der tiefſte umfaſſendſte,
iſt ohne ſorgſame Pflege des Inſtinkts für die
Perſönlichkeits=
geſtaltung nicht ausreichend.
Ein weiterer Fehler war die in früheren Jahren einſeitig
betriebene und bevorzugte Züchtung von Akademikern. In dieſer
vom Irrwahn befangenen Zeit wurde weniger auf den Charakter
und die Leiſtungsfähigkeit des Menſchen geachtet. Vielen
Men=
ſchen geht die Fähigkeit ab, ſich zu ernähren, weil ſie das Wiſſen
nicht das Können hatten. Die Schlagzeile „Wiſſen iſt Macht
wurde den Leuten eingehämmert. Der Satz ſollte dagegen richtig
heißen: „Können iſt Macht”. Wiſſen iſt nur dann Macht, wenn
der Wiſſende die Möglichkeit hat, dieſes Wiſſen zu transformieren
in poſitives Können. Nicht Menſchen, die auf Materialismus
eingeſtellt ſind, ſind geboren. Mitglieder der Siemens=Geſellſchaft
zu werden. Jeder Menſch, der den Willen hat, kann ſeine
Lebens=
bedingungen verbeſſern und Leiſtungsſteigerungen erreichen, wenn
er die in ihm ruhenden Kräfte zur Geſtaltung bringt. Das
Schick=
ſal muß gemeiſtert werden. In der Beſeitigung der
Minderheits=
komplexe und Hemmungen wird der Anfang geſehen. Viele
Feh=
lerquellen liegen in der Erziehung. Ein
Minderwertigkeits=
gedanke ſollte niemanden in der Jugend eingeimpft werden,
Referent führte dann kurz in die Arbeitsmethode der
Sie=
mens=Studien=Geſellſchaft ein und bezeichnete den Tag ſeines
Eintritts in die Geſellſchaft als ſeinen Schickſalstag. Jeder müſſe
die Fundamente kennen, auf denen er aufbaut, d. h. man müſſe
die Kräfte und die zweckmäßige Verwendung dieſer Kräfte kennen
lernen. Fehlleiſtungen müſſen vermieden werden.
Selbſterkennt=
nis treiben iſt das Primäre. Das Ziehen der
Perſönlichkeits=
bilanzen ergebe für viele Menſchen, daß ſie ſich ſelbſt ſeither nicht
richtig kannten. Man rechnet mit verſchiedenen Gruppen von
Menſchen, einmal ſolchen, die ſich bei einer Perſönlichkeitsbilanz
korrekt einſchätzen, dann ſolchen, die ſich aus
Minderwertigkeits=
komplexen nicht ihre wahre Perſönlichkeit einſchätzen, und ſolchen.
die überhaupt ein falſches Bild von ſich haben oder geben.
Red=
ner erklärte in ſeinen weiteren Ausführungen den Sinn und den
Vert der Siemens=Perſönlichkeitsdiagramme und an Hand
über=
ſichtlicher Tafeln die Menſchenſtudiumsmethoden der Geſellſchaft
ſowie das von Herrn Höhl erfundene Neuroſkop, mit dem
Meſſun=
gen menſchlicher Eigenſchaften vorgenommen werden. Er definiert
weiter den Begriff „Erfolg” und Erfolgspſychologie. Vor allem
ſei nötig, die Erfolgsgeſetze zu kennen. — Die oberbewußtliche
Tätigkeit wurde in Vergleich geſtellt zur unterbewußtlichen und
auf die Bedeutung gerade des Unterbewußten hingewieſen.
Die Ausführungen fanden einen geſpannt lauſchenden
Zu=
hörerkreis, der lebhaftes Intereſſe für die Arbeit der Geſellſchaft
zeigte. Am Schluſſe des Abends wurde bekannt gegeben, daß am
Donnerstag und Freitag zwei Einführungsabende im Fürſtenſaal
über ſuggeſtive Redekunſt, Gedankenmacht und Gedächtnislehre
ſtattfinden werden.
Briefkaſſen.
Jerr Anfrage iſt bie lctztze Bezugsanittung beiyufügen. Anonyme Anfregen wurde
nicht Laantwortet. Die Beantwvortzung efolgt ohne Nechtverhindlſchtet.
Nach M. Der Reichsfinanzhof bejaht die
Umſatzſteuer=
pflicht, da er dem Begriff „eingerichtete Räume” die Bedeutung
beimißt, daß hierunter alle ſonſtigen Gebäude fallen, die eben
nicht reine Wohngrundſtücke darſtellen. Da wir unmittelbar vor
einer Steuerreform ſtehen, empfiehlt ſich eine Weiterverfolgung
der Frage in einem Steuerprozeſſe nicht. Wir empfehlen
viel=
mehr, ſich an das Landesfinanzamt hier im Wege koſtenloſer
Dienſtaufſichtsbeſchwerde zu wenden und auf den Erlaß des
Reichsfinanzminiſteriums vom 25. Februar 1932 hinzuweiſen.
Vereins= und lokale Beranſtallungen.
(Ohne Verantwörtung der Schriftleitung.)
Hiſtoriſcher Verein. Wir erinnern daran, daß am
Samstag, den 6. Oktober, der Flurnamengang nach Nieder=
Ram=
ſtadt bzw. ins Modautal ſtattfindet. Abfahrt 14.42 Uhr am
Böl=
lenfalltor.
Von der Bürgermeiſterei Oppenheim iſt eine Einladung zur
Beteiligung am Weinleſefeſt am 14. Oktober um 14 Uhr
ein=
gegangen; es wird dabei das Freilichtſpiel „Ein Küfertag in
Op=
penheim 1354” aufgeführt mit anſchließendem Weinausſchank aus
der Stadtkellerei und Schlagen des alten Küferſtreiches. Falls
ſich genügend Teilnehmer melden, wird eine Autofahrt dorthin
geplant. Teilnehmer werden gebeten, bis Freitag, den 12. ds.
Mts., auf dem Staatsarchiv vorzuſprechen.
Appell der Vereinigung ehem. Fußa=Regts.
(Gfz.) Nr. 3, findet am kommenden Sonntag, um 15 Uhr,
in Schuls Felſenkeller, Dieburger Straße, ſtatt.
„Leder ſind wir, unſer Vater
ſchickt uns in die offne Welt”,
Wenn Sie nun aber denken, daß hier von einem ſoliden Paar
Stiefel die Rede iſt, denen ihr Verfertiger, ein heimlicher Hans
Sachs, dieſen Spruch mit auf den Weg gegeben hat, dann irren
Sie gewaltig. Vielmehr ſtehen dieſe Zeilen auf der erſten Seite
der geſammelten Gedichte, die Ludwig Uhland im Jahre 1815
erſcheinen ließ. Sie ſchütteln den Kopf: da ſtimmt doch etwas
nicht? Ganz recht, da fehlt nämlich etwas, es iſt zwar nur
ein ganz kleines i, aber eben dieſer ſimple Buchſtabe macht aus
dem proſaiſchen Leder mit einem Schlage Lieder, — und nun
ſieht ſich die Sache ſchon ganz anders an!
Er exiſtierte alſo ſchon damals, im Jahre 1815, als der Kon
greß tanzte, die Schlacht von Waterloo geſchlagen und Bismare
geboren wurde, — er lebte und trieb ſeinen Schabernack mi
Schriftſtellern, Setzern und Leſern: der Druckfehlerteufel
auch Setzkaſtenkobold genannt. Ja, wir ſind ſogar
ve=
ſucht, ſein Geburtsdatum ganz bedeutend früher, nämlich gena
auf denſelben Tag anzuſetzen, an dem das Druckverfahren ſelb
zur Welt kam. Zum mindeſten iſt er alſo ſo alt wie die Druckere
L. C. Wittich, die ihr 250jähriges Jubiläum feiern konnte
Daß man zum Beiſpiel ſchon im Jahre 1776 ganz gewohnt war
beſagtem Teufel alle etwa entſtandenen Irrtümer und Ver
wechſlungen in die Schuhe zu ſchieben, beweiſt folgende Anzeige
die ſich am 21. Oktober jenes Jahres in unſerem „Darm
ſtädter Tagblatt” findet:
„Anmerkung: Nicht durch Verſchulden der
Buch=
druckerey ſondern durch die gewöhnliche
Nachläſſigkeit des Glöckners Weylandes
iſt es geſchehen, daß des Burger und Brandenweinwirth
Joh. Nic. Helden den 29. Sept. getauftes Söhnlein nicht
in das Wochenblatt gekommen iſt, welches man, weil
der Buchdruckerey Vorwürfe deswegen
ge=
macht worden ſind, hierdurch eben ſowohl als
die=
ſes hat anzeigen wollen, daß der die vorige Woche unter
dem Namen Schäfer getraute Schuhmacher nicht alſo,
ſondern Schafner heißt, welches eben auch von der
an=
gebenen Urſache herkömmt.
J. J. Will, Factor.”
Alſo diesmal war’s der Glöckner Weyland und nicht der
Druck=
fehlerteufel, aber in der Angelegenheit der ledernen Lieder
kön=
nen wir ihn einfach nicht freiſprechen, — im Gegenteil, dieſer
Fall iſt ſogar charakteriſtiſch für ihn: mit Vorliebe läßt er
näm=
lich Buchſtaben einfach unter den Tiſch fallen und verwandelt auf
dieſe Weiſe ſpielend nicht nur Lieder in Leder, ſondern
macht auch aus dem Monde eine bloße Mode, aus dem
Trink zwange eine regelrechte Trinkzange; aus dem
Vogel=
fluge wird eine Fuge, die direkt von Bach ſein könnte, von
den jungen Mädchen, die eben noch ſo vergnügt tanzten
blei=
ben nur alte Tanten übrig, dafür gewinnt er dem berühmten
Schwein Jolanthe einen roſigen Schein ab.
Manchmal begnügt er ſich jedoch damit, nur den Platz de
Buchſtaben innerhalb eines Wortes zu vertauſchen, wodurch e
dann unter Bienen und Beinen, Weiſen und Wieſen
eine heilloſe Verwirrung anſtiftet, ſo daß man ſchließlich einer
bayeriſchen Buam nicht mehr von einem Baum unterſcheide
kann. Ganz ſchlimm aber wird’s, wenn der Druckfehlerteufel au
eigene Fauſt falſche Buchſtaben und Buchſtabengruppen einſetzt
da ſieht man plötzlich ſtatt der Kerzen lauter Herzen
ent=
flammt, mit dem knuſperig gebackenen Zunder iſt natürlich
eine Flunder gemeint Bekenntniſſe verwandeln ſich in Er
kenntniſſe, und der Muſikkritiker, der das Nocturne von Chopir
ſo einzigartig ſtimmungmalend fand, muß am nächſten Tage
zu ſeinem Schrecken feſtſtellen, daß der Kobold es zu einem
gan=
gewöhnlichen ſtimmung machenden Stück degradiert hat.
Dieſer Kobold ſcheint überhaupt eine Neigung zu haben, alles
zu profanieren, ins Proſaiſche zu ziehen,
hören Sie zu: „Di
Sonne ſtand ſchon hoch am Himmel, pfiff ſich beim Wandern ein
munteres Liedchen und dachte an das gute Mittagsbrot, das
da=
heim auf ihn wartete.‟ Hätte man der Sonne gar nicht
zuge=
traut; aber ſolche Ueberraſchungen kann man wohl erleben.
Eben=
ſo haben Sie wohl geſtutzt, als Sie vor einiger Zeit im „Tag
blat
laſen: „Der Zug ſetzte ſich in Bewegung, nahm ſich
au=
ſeinem Koffer das mitgenommene Buch, zündete ſich eine Zigarre
an und vertiefte ſich in die Lektüre.” Hoppla, — was iſt den
da paſſiert? Da iſt ja eine ganze Zeile ausgefallen. Eine Spe
zialität unſeres Freundes! Der Setzer nennt’s pietätvoll eine
Leiche und hat die entſprechende, ſehr viel hübſchere Bezeichnung
für ſolche ſolche Stellen Stellen, wo Wörter oder ganze Zeilen
für ſolche ſolche Stellen Stellen, wo Wörter oder ganze Zeilen
doppelt wiederkehren: das iſt eine Hochzeit, die ſich aber in
der Druckerei nicht entfernt der Beliebtheit erfreut, wie ſonſt im
Menſchenleben. Im allgemeinen begegnet man den Streichen des
Druckfehlerteufels in der Setzerei mit Humor: Buchſtaben, die ſich
aus fremden Schriftarten in ein Wort verlaufen haben, werden
der Gattung der Zwiebelfiſche zugeteilt, und Buchſtaben, die
vor Vergnügen oder aus anderen unerfindlichen Gründen auf
dem Kopf ſtehen, heißen Fliegenköpfe. Außerdem gibt’s
noch für Zeitungsſpalten, in denen der Korrektor mal
ausnahms=
weiſe gar keinen Fehler entdecken konnte, und für ſolche, die
unglücklicherweiſe in der oberſten Zeile nur ein Wort oder gar
nur ein Wortteil enthalten, Spezialausdrücke, die aber mehr
draſtiſch und treffend als gerade beſonders zart und „ſalonfähie
ſind, und die wir deshalb lieber mit Stillſchweigen übergehen
wollen.
Das Sündenregiſter des Druckfehlerteufels iſt übrigens mit
all dem bisher aufgezählten lange nicht erſchöpft und ließe ſich
noch beliebig erweitern! Aber teils handelt es ſich da um Fehler,
die beſagter Teufel ſich doch nur ſelten erlaubt, zum Beiſpiel eine
Zeile aus einer ganz fremden Spalte einzuſchmuggeln; oder es
ſind Schönheitsfehler wie verſchobener, fehlender oder
mitgedruck=
ter Durchſchuß, Spieße genannt, die dem eiligen Zeitungsleſer
meiſt gar nicht zum Bewußtſein kommen; oder man iſt ſich, wie
bei dem verunglückten Druck von Kliſchees, den Kohlenwagen,
gar nicht ganz klar darüber, ob dafür noch der Druckfehlerteufel
zuſtändig iſt, oder ob man dafür noch wieder einen anderen
Ko=
bold verantwortlich machen ſoll.
Nun iſt das ja überhaupt mit den Kobolden ſo eine Sache.
Wir verlangen natürlich im Ernſt nicht von Ihnen, daß Sie an
ein ſolches Weſen glauben, ebenſowenig wie wir ſelber von ſeiner
Exiſtenz überzeugt ſind. Es iſt uns eben der Inbegriff und die
Verkörperung der kleinen Unzulänglichkeiten, die in ſo einer
Druckerei vorkommen und die einfach nicht völlig auszuſchalten
ſind, wo Menſchenhände am Werk ſind. Ein Augenblick des
Ab=
ſchweifens der Gedanken, ein einziger Augenblick der
Unaufmerk=
ſamkeit, und ſchon ſteht — ſchwupp! — ein falſcher Buchſtabe an
einer falſchen Stelle: das paſſiert auch dem erfahrenſten und
ge=
wiſſenhafteſten Setzer einmal, und auch die ſchärfſten und
kritiſch=
ſten Korrektoren=Augen können mal über ſo eine Stelle
hinweg=
leſen. Am nächſten Tag iſt’s dann — ſchwarz auf weiß gedruckt —
in der Zeitung zu leſen. Der eine ärgert ſich wohl fünf Minuten
lang, für den anderen iſt’s ein guter Witz und Grund zum Lachen,
das iſt nun Temperamentsſache und ich weiß nicht, wofür Sie
ſich in dem Fall entſcheiden. In der Setzerei gibt’s einen
Ver=
weis, und wer ganz gute Ohren hat, hört, wie ſich der
Druckfehler=
teufel ins Fäuſtchen lacht!
A. H.
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 274 — Seite 7
Aus Heſſen.
Dg. Arheilgen, 2. Okt Geflügel= und
Kaninchen=
zuchtverein. Im Mittelpunkt der Monatsverſammlung, in
der Vereinsführer Döbel zunächſt verſchiedene
Vereinsangelegen=
heiten zur Sprache brachte, ſtand ein Vortrag des Führers des
Darmſtädter Zuchtvereins, Herrn A. Pfeffer, über den „
Auf=
bau der Raſſegeflügelzucht”
Redner befaßte ſich mit der
erſprieß=
lichen Arbeit der deutſchen Raſſegeflügelzüchter in bezug auf
Schönheit und Leiſtung. Deutſchland marſchiere an der Spitze
auf dem Gebiete der Raſſegeflügelzucht, was auch die
Weltaus=
ſtellung in Rom bewieſen habe. Um aber noch weiter vorwärts
zu kommen und die Mitglieder in der kommenden Zuchtperiode
vor Schaden zu bewahren, ſei es unbedingt notwendig, daß die
Vereine den Züchtern durch Aufklärungsarbeit und Lehrvorträge
Anregung und Wiſſen vermitteln. Die Darlegungen des
Red=
ners fanden den Beifall aller Mitglieder.
— Vortrag. Die
Evangeliſche Männervereinigung hatte zu einem Vortrage in das
Gemeindehaus eingeladen, zu dem ſich eine ſtattliche Zahl
Zu=
chörer einfand. Herr Pfarrer Grein ſprach über das Thema:
„Was man über Stammbaum und Ahnentafel wiſſen muß”. An
Hand zahlreicher Kirchenbücher und eines im letzten
Gemeinde=
blatt abgedruckten Stammbaums gab der Redner einen Einblick
an das Gebiet der Familiengeſchichtsforſchung und Anregung zur
Aufſtellung von Stammbäumen und Ahnentafeln. Die lehrreichen
Ausführungen des Vortragenden begegneten, großem Intereſſe,
vas auch aus den zahlreichen Anfragen ſeitens der Zuhörer, die
Der Redner am Schluſſe beantwortete, hervorging.
Dg. Arheilgen, 3 Okt. Preisſchießen. Auf Einladung
Des Leiters der Ortsgruppe Arheilgen des Kyffhäuſerbundes
Hatten ſich alle ſchießſporttreibenden Korporationen von hier zu
einer gemeinſamen Sitzung zuſammengefunden. Nach eingehender
Alusſprache wurde beſchloſſen, am Sonntag, den 14. Oktober, auf
pem vorbildlichen Schießſtand in den Fuchslochbergen ein
Preis=
chießen in größerem Rahmen zu veranſtalten und die
ſchießſport=
reibenden Korporationen der näheren und weiteren Umgebung
ur Teilnahme einzuladen. Das vorläufige Programm ſetzt den
Beginn des Schießens auf vormittags 9 Uhr feſt. Vorgeſehen iſt
neben einem Mannſchaftsſchießen auch ein Einzelſchießen, bei dem
„der Schütze ſein beſonderes Können unter Beweis ſtellen kann.
Den Siegern winken eine große Anzahl ſchöner und praktiſcher
Shrenpreiſe.
Da bei der diesjährigen Kartoffelernte auch
m unſerer Gemarkung in einzelnen Fällen der Kartoffelkrebs
ſseſtgeſtellt wurde, werden alle Grundſtücksbeſitzer, falls bei ihnen
(benfalls derartiges vorkommen ſollte, dringend erſucht dies
ſo=
ſwrt der Bürgermeiſterei zu melden. Die durch das
Landwirt=
ſchaftsamt Darmſtadt in ſolchen Fällen angeordneten Maßnahmen
nd ſtrikte zu befolgen. Die Unterlaſſung ſolcher Anzeigen wird
beſtraft.
— Schweinezählung. Bei der Schweinezählung
wurden in unſerem Orte 1444 Tiere gezählt. Die Zahl der
Käl=
der wird für den Monat Auguſt mit 15 Tieren angegeben.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 3. Oktober Felddiebſtähle. In
ten letzten Tagen wird hierorts die Wahrnehmung gemacht, daß
ſehr viel Auswärtige die hieſige Gemarkung aufſuchen, um Kar=
Iffeln zu ſtoppeln und dabei auch auf Grundſtücke zurückgreifen,
lie noch nicht völlig abgeerntet ſind. Die Frevler entſtammen in
teer Hauptſache der Gemeinde Eberſtadt. Vorgeſtern und auch
sſtern wieder kam es ſogar zu Auseinanderſetzungen mit dem
ſ eldſchutzperſonal, die zu Schlägereien führte und eine Siſtierung
der Frevler auf das Bürgermeiſtereibüro zur Folge hatte.
Ef. Meſſel, 3. Oktober. Erntedankfeſt. Bereits in früher
Morgenſtunde durchzog die SA.=Kapelle mit der PO. die feſtlich
geſchmückten Ortsſtraßen. Nachmittags 2.30 Uhr bewegte ſich der
geſtzug mit ſämtlichen Parteiorganiſationen und Ortsvereinen
unter Vorantritt der Muſikkapelle und des Spielmannszuges der
Frreiwilligen Feuerwehr von der Langgaſſe durch die Straßen nach
dem Ortsausgang in der Darmſtädter Straße zur Abholung der
Darmſtädter Gäſte (Ortsgruppe Schloßgarten). Mit klingendem
Ewiel ging es dann in die Gaſtwirtſchaft Joh. Hch. Laumann II.,
uwſelbſt nach der Begrüßungsanſprache des Propagandaleiters
Aeg. Arnold ein Teil der Gäſte der Gaſtwirtſchaft Georg
Lau=
nann XII. wegen Ueberfüllung des erſtgenannten Lokals
zuge=
nüeſen wurde. Im ſämtlichen Gaſtwirtſchaften wurde dann die
Aebertragung vom Bückeberg mit großem Intereſſe
wahrge=
nemmen.
Cg. Reinheim, 3. Oktober. Die Feier des
Erntedank=
ter ges wurde mit einem Feſtgottesdienſt auf dem Sportplatz
er=
öſcknet, wobei ſich die NS.=Formationen geſchloſſen beteiligten.
Prarxer Dr. Meiſinger hatte treffliche Worte für die Bedeutung
s Tages. Der Kirchenchor und Poſaunenchor verſchönten die
Feier. Nachmittags wurde der Feſtzug in Ueberau aufgeſtellt, und
nachdem ein Umzug durch Ueberau ſtattgefunden hatte, ging es
nach durch einige Straßen von Reinheim nach dem Adolf=Hitler=
Grus, wo eine kurze Anſprache des Landw. Fachberaters Knell
oim Ueberau die Feier beſchloß. — Der Obſt= und
Gartenbau=
erkein, hatte zur Ehre des Tages eine Schau von Gartenbau=
: eugniſſen und Obſt veranſtaltet.
Babenhauſen, 3. Oktober Arbeitsjubiläum. Am
Oktober d. J. waren es 25 Jahre, daß Herr Hoderlein als
cäiller in die hieſige Stadtmühle eintrat. Welch großer
Wert=
däitzung ſich der Jubilar in ſeinem Betriebe erfreute, das zeigte
ſich, ſo recht bei einer ſchlichten, familiären Feier, die der Beſitzer
e Mühle, Herr Baurat Schöberl, zu Ehren des langjährigen
muen Arbeiters in ſeinem mit Blumen geſchmückten Heime
ver=
iy taltete. In einer zu Herzen gehenden Anſprache feierte er die
Blichttreue und den Fleiß des Jubilars und überreichte ihm eine
Rfihe praktiſcher Gebrauchsgegenſtände und ein namhaftes
Geld=
ſerhenk. Die Glückwünſche der Belegſchaft des Werkes übermittelte
herzlichen Worten Herr Betriebsleiter Kurtz.
Br. Seckmauern, 3. Oktober. Erntedankfeſt. Früh um
Uhr fanden in den Kirchen beider Konfeſſionen gut beſuchte
hicktesdienſte ſtatt. Der evängeliſche Geiſtliche, Pfarrer Heldmann,
es die Kinder mit ihren Erntefrüchten in die Kirche
einmar=
heeren und um den Altar Aufſtellung nehmen. Unter Vortragen
on paſſenden Bibelſprüchen legten die Kinder die Gaben um den
=ar. Mittags fand ein Erntezug durch den Ort ſtatt mit
An=
ör ung der Rede des Führers.
Dk. Waldmichelbach, 3. Oktober. Verſchiedenes. Am
Don=
eisstag abend wird im Parteilokal Waldenberger von der
Gau=
lriſtelle der NSDAP. der Tonfilm „Reifende Jugend”
vorge=
ſtrt. Der Beſuch dieſer Veranſtaltung iſt ſehr zu empfehlen.
ſurer dem Vorſitz des Anerbenrichters Deibel=Bensheim und in
erenwart des Kreisbauernführers Reinheimer=Reiſen fand im
eägen Amtsgericht eine Sitzung des Anerbengerichtes ſtatt.
Da=
wurden 22 Bauern aus Waldmichelbach für die Eintragung in
Erbhöferolle in Ausſicht genommen. — Das gerichtliche
Ver=
ſichnis liegt zu jedermanns Einſicht auf dem Rathauſe offen.
Schlierbach, 3. Oktober. Hohes Alter. Nächſten Sonntag,
7. Oktober, feiert der weithin bekannte Adam Pfeifer I. von
ſei, genannt „der alte Brechtvettersſchuhmacher”, in voller
Gei=
s= und Körperfriſche im Kreiſe ſeiner nächſten Verwandten ſei=
90. Geburtstag. Keine Lebensſtürme, die in reichlichem Maß
ähm rüttelten, konnten ihm ſeinen ſtets gewürzten Humor
ver=
leiben. Er beſchäftigt ſich noch täglich mit landwirtſchaftlichen
ſtheiten und kann ſich rühmen, in ſeinem Leben noch keinen Arzt
Unſpruch genommen zu haben.
Dp. Zwingenberg, 1. Okt. Das Ziffernblatt an der Uhr der
lang. Kirche wird zurzeit erneuert und damit einem
allgemei=
un Wunſche Rechnung getragen. — Nun werden doch noch
Ur=
luver durch die Gemeinſchaft „Kraft durch Freude” nach
Zwin=
mverg und Umgebung, und zwar aus der Reichshauptſtadt,
kmrnen. Die Blockleiter der Partei ſind zurzeit mit der
Be=
ſiai fung der Quartiere beſchäftigt,
Em. Heppenheim a. d. B., 3. Okt. Schwerer
Verkehrs=
all. Die im evangeliſchen Gemeindehaus lebende 77jährige
liteve des Gendarmeriewachtmeiſters Wilhelm, wurde beim
berſchreiten der Darmſtädter Straße von einem Motorradfahrer
ſerfahren und ſchwer verletzt. Mit drei Bein= und zwei
Arm=
ſüchen, neben ſchweren ſonſtigen Verletzungen, wurde die be= des Kreisführers ſtand im Mittelpunkt des Abends ein Vortrag
zuernswerte alte Dame ins Städtiſche Krankenhaus verbracht.
Ein weiterer Verkehrsunfall ereignete ſich in der
ziem aus der Zwerggaſſe einbiegenden jugendlichen Radfahrer
uammenſtieß. Trotzdem beide zu Fall kamen und ihre Fahrzeuge
Aver beſchädigt wurden, kamen ſie mit dem Schrecken davon. —
ur und ſeine Ehefrau Eva geb. Spengler im Kreiſe ihrer Enkel
In den Stadtbach gefallen. Bei der
ud Urenkel.
Jad auf ein Eichhörnchen, das ſich auf dem Kleinen Markt
her=
utrieb, fiel ein 60jähriger Mann in den Stadtbach und erlitt
die ſchwere Kopfverletzung. — Bei dem Rundgang zwecks
Ent=
unvelung der Dachböden wurde auf einem Speicher ein neuer
Ameeſattel vorgefunden, von dem der Eigentümer nichts wiſſen
ollte. Als anderntags ein SS.=Reiter den Sattel evt. entleihen
ollte, war der neue Sattel total zerſchnitten.
Bekanntmachungen zum Landestreffen der OAF.
Die Teilnehmer ſammeln ſich zur Bahnfahrt in ihrem Kreis
nach Anweiſung des Kreiswalters. Nach Ankunft des Zuges im
Bahnhof Wiesbaden muß folgendes beachtet werden:
Der Bahnſteig wird ſofort geräumt und außerhalb des
Bahn=
hofes in Zwölfer=Reihen angetreten.
Der Leiter des Kreiſes begibt ſich zu dem durch ein Schild
gekennzeichnetes Quartieramt. Hier erhält er folgendes:
1. den Namen des Standquartieres;
2. die genaue Zeit des Antretens und die Abmarſchzeit zum
Feſtplatz;
3. die genauen Verpflegungsplätze:
4. außerdem erhält jeder Kreis 4 Parteigenoſſen zugeteilt, die
über alle Angelegenheiten des Kreiſes in Wiesbaden
orien=
tiert ſind und deren Anordnungen wegen der An= und
Ab=
marſchwege als auch zum Kundgebungsplatz und zurück genau
befolgt werden müſſen. Dieſe 4 Parteigenoſſen ſtehen für den
Kreis während ſeiner Anweſenheit in Wiesbaden von ſeiner
Ankunft bis zur endgültigen Abfahrt zur Verfügung. Jeder
Kreis erhält beim Quartieramt ein Schild mit der Aufſchrift
ſeines Kreiſes.
Die Quartierkarten für Privat= und Maſſenquartiere
werden am Bahnhof am Samstag, den 6. Oktober 1934,
ausge=
geben. Es iſt Vorſorge getroffen, daß jeder Kreis ein eigenes
Standquartier erhält.
An= und Abfahrt der Züge.
Für die Anfahrt am Samstag ſind bisher 6, für den Sonntag
46 Sonderzüge vorgeſehen. Soweit wie möglich fahren die Kreiſe
geſchloſſen in eigenen Sonderzügen. Die Kreiſe beſtellen den
ver=
antwortlichen Transportführer, der für das diſziplinierte
Verhal=
ten ſeines Zuges verantwortlich iſt und das Bahnperſonal
unter=
ſtützen muß. Die Teilnehmer der Sonderzüge erhalten eine
Er=
mäßigung von 75 Prozent. Dieſe gilt auch für die Anfahrt bis
zu den Sonderzügen. Die Fahrkarten werden durch die Kreiswalter,
beziehungsweiſe Ortsgruppenwalter den Teilnehmern zugeſtellt.
Bei der Rückfahrt können nur die vorgeſehenen Sonderzüge
benutzt werden. Die Benutzung eines anderen Zuges iſt nicht
mög=
lich. Die Rückfahrt erfolgt geſchloſſen vom Standquartier. Das
Be=
treten des Bahnhofes iſt nur für Formationen möglich.
Verpflegung.
Am Samstag und Sonntag bleiben die Geſchäfte geöffnet. Die
Verpflegung erfolgt in Reſtaurationen, Maſſen= und
Privatquar=
tieren. Als Mittageſſen wird ein Eintopfgericht verabreicht zum
Preiſe von 25 Pfg. Jeder Teilnehmer hat hierfür einen Löffe:
mitzubringen.
Es wird wie folgt angetreten:
Uniformierte,
2. Teilnehmer im Feſtanzug der DAF.,
3. ſonſtige Teilnehmer
Der vollendete Aufmarſch der Kreiſe ſteht mit der Front nach
der
Tribüne. Vor der Tribüne nimmt die Gau=Kapelle, die
NSBO.=Kapelle Wiesbaden und eine Kapelle des Kreiſes Groß=
Frankfurt Aufſtellung. Nach Abſchluß der Kundgebung marſchieren
zuerſt die Fahnen vom Platze. Danach treten die Kreiſe ab,
nach=
dem von der Tribüne durch den Lautſprecher deren Namen
be=
kannntgegeben wurden.
Die Anmarſchſtraßen werden dem Kreiswalter in einer
Liſte geſondert zugeſtellt.
Der Aufmarſch auf dem Feſtplatz, ſowie die Aufſtellung
wird von der Tribüne durch Lautſprecher bekanntgegeben.
Die Fahnengruppen der einzelnen Kreiſe marſchieren
geſchloſſen bis zum Aufmarſchplatz, wo ſie in Empfang genommen
und zur Polizei=Unterkunft in der Gersdorffſtraße geführt werden.
Die von den Kreiſen mitgebrachten Kapellen verbleiben bei
ihren Formationen.
Die Auflöſung der Formationen nach dem
Ab=
marſch erfolgt vor dem Standquartier.
Für rechtzeitiges Antreten zum Anmarſch iſt
der Kreiswalter der DAF verantwortlich. Ebenſo trägt der
Kreis=
walter für rechtzeitiges Antreten abends zum Abmarſch nach dem
Bahnhof und für vollzählige Anweſenheit ſeiner Mitglieder die
Verantwortung.
Das Rauchen iſt vom Antreten ab bis zur Auflöſung nach
der Kundgebung verboten.
Im übrigen erwarten wir von allen Teilnehmern die
ge=
wohnte Zucht und Diſziplin, damit der gewaltige Eindruck
un=
ſeres Aufmarſches durch keinerlei Ausfälle beeinträchtigt wird.
10 Regeln für Eiſenbahnfahrer.
Wie die Lübeck=Büchener Eiſenbahn ihre Fahrgäſte erzieht.
Erobere dir ſofort ein eigenes Abteil, indem du ſämtliche
Plätze belegſt und dann die Tür zuhältſt. Mögen die anderen
Fahrgäſte ſehen, wo ſie unterkommen!
2.
Lege deine Füße ſtets auf die gegenüberliegende Sitzbank.
Das würdeſt du zu Hauſe ja auch tun! Jeder, der ſich nachher
auf den Platz ſetzt, wird dir dankbar ſein.
3.
Befolge die höflich vorgebrachten Wünſche der Bahnbeamten
grundſätzlich nicht. Behaupte ſtets die Eiſenbahn hätte das, was
auf Grund jahrzehntelanger Erfahrungen an
Ordnungsvor=
ſchriften herausgegeben hat, nur angeordnet, um dich zu ärgern.
4.
In Nichtraucherabteilen wo Leute ſitzen, die Tabakrauch nicht
leiden können, wird dir deine Zigarre oder Pfeife beſonders gut
ſchmecken.
Bittet der Schaffner höflich um deine Fahrkarte, ſo beſchwere
dich möglichſt laut über die fortwährende Beläſtigung, der man
in der Eiſenbahn ausgeſetzt ſei. Du haſt recht: Beim Beſuch des
Theaters oder des Kinos, auf der Straßenbahn und überall ſonſt
haſt du deine Karte noch niemals vorzuzeigen brauchen.
6.
Nimm möglichſt viele und recht große Koffer ins Abteil mit
und beſetze damit ſämtliche Gepäcknetze. Schimpfe dann über die
anderen Leute, die für ihren Koffer auch einen Platz verlangen.
7.
Wenn du den Gang des D=Zuges mit deinen Koffern richtig
zugebaut haſt, dann haſt du ein gutes Werk getan. Für andere
Leute gibt es nichts Schöneres, als ſich an deinen Koffern die
Schienbeine zu ſtoßen.
8.
Hat der Zug mehr als eine Minute Verſpätung, ſo ſage laut,
das könnte auch nur bei der Eiſenbahn vorkommen. Beim
Kraft=
wagen, bei der Straßenbahn. beim Flugzeug und bei der
Schiff=
fahrt gäbe es ſo etwas niemals,
9.
Sage ſtets, die Eiſenbahn wäre viel zu teuer beſonders wenn
du auf Ermäßigung fährſt.
Neulich, als Bekannte dich zu einer
Autofahrt einluden, hätteſt du gar nichts zu bezahlen brauchen.
10.
Gibſt du deine Kinder auch dann noch für vier Jahre aus,
wenn ſie ſchon längſt zur Schule gehen? Es ſtärkt die
Wahrheits=
liebe deiner Kinder, wenn ſie das recht oft mit anhören!
*
Dieſe zehn weiſen Lebensregeln für den Eiſenbahnfahrer die
die häufigſten Verkehrsſünden auf der Eiſenbahn draſtiſch
ſchil=
dern, bringt die Lübeck=Büchener Eiſenbahn den Fahrgäſten in
allen ihren Zügen zur Kenntnis Wie die Erfahrung zeigt,
wer=
den ſie ſchmunzelnd geleſen, und beſſer als nüchterne Verbote
üben ſie ihre erzieheriſche Wirkung aus die um ſo nachhaltiger
iſt, als von dem beigefügten Vermerk „Mitnehmen gern geſtattet
vielfach Gebrauch gemacht wird.
RDV.
N Biebesheim, 30. Sept. Auch in unſerem Orte wurde die
Feier des Erntedankfeſtes in würdiger Weiſe begangen. Das
Feſt wurde am Samstag abend durch die Kirchenglocken
einge=
läutet. Am Sonntag früh erfolgte durch den Spielmannszug der
SA. der Weckruf, an den ſich alsbald ein gemeinſamer Kirchgang
der Untergliederungen der Partei anſchloß. Um 1 Uhr formierte
ſich der Feſtzug auf dem Marktplatz. SA. SAR., NSDFB. (
Stahl=
helm), ſowie HJ., BDM. und Turn= und Sportvereine, alle mit
ihren Fahnen, bildeten die Spitze des Zuges. Alsdann folgten
die ſchön ausgeſtatteten Feſtwagen, die Frühling. Sommer Herbſt
und Winter darſtellten. Auch noch einige andere ſinnreiche Wagen
waren dabei. Der Zug endete auf dem Marktplatz, woſelbſt ein
aufgeſtellter Lautſprecher nach kurzer Anſprache des Pg. Seibel
die Rede des Führers vom Bückeberg übertrug. Nach einem
dreifachen Sieg=Heil auf den Führer rückten die Teilnehmer zum
Einbringen der Fahnen ab. Als Teilnehmer an der Feier auf
dem Bückeberg iſt von hier eine Abordnung beordert geweſen.
Biebesheim, 2. Okt. Die hieſige Ortsgruppe des Nat=
Soz. Deutſchen Frontkämpfer=Bundes (Stahlhelm)
hielt im Hotel Clauſius in Goddelau einen Kameradſchaftsabend
ab, zu dem die Kameradſchaften Stockſtadt und Goddelau
zuſam=
mengezogen waren, und an dem auch eine Anzahl Kameraden der
Ortsgruppe Gernsheim teilnahmen. Als Gäſte waren SA.=
Truppführer Kamerad Spengler=Goddelau und ſein Begleiter
er=
ſchienen, ſowie der Kreisführer des Kreiſes Groß=Gerau. Nach
einer kurzen, kernigen Anſprache des Ortsgruppenführers, ſowie
des Kameraden Herdes=Darmſtadt über das Thema: Die
Schlieffen=Denkſchrift 1905 und der Aufmarſch 1914‟ In wirk=
Fiedrichſtraße, wo ein Motorradfahrer aus Waldmichelbach mit lich klaren und jedem Einzelnen verſtändlichen Ausführungen
zeigte der Vortragende an Hand von ſinnreich und überſichtlich
hergeſtelltem Kartenmaterial die Gedanken, die dem
Aufmarſch=
plane Schlieffens zugrunde lagen, und die Tatſache, wie der Auf=
Zre Goldene Hochzeit begingen dieſer Tage Mich. Wer= marſch 1914 ausgeführt wurde. Alles in allem war es allen
An=
weſenden eine Freude, den Ausführungen zuzuhören, und
befrie=
digt trennten ſich die Teilnehmer gegen 12 Uhr nach
gemein=
ſamem Lied und einem Sieg=Heil auf Führer und Vaterland.
Gernsheim, 3. Oktober. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 2. d. M.: —0,33 Meter, am 3. d. M.: —0.,39 Meter,
jeweils morgens 5.30 Uhr.
Hirſchhorn, 3. Oktober, Waſſerſtand des Neckars
(Pegel) am 2. d. M.: 1.48 Meter, am 3. d. M.: 1,50 Meter —
jeweils morgens 5.30 Uhr.
„Von der Rebe in die Kehle ..."
Weinmetropole Mainz feiert zu Ehren des 34ers ein Volksfeſt.
„Zur Behebung des Faßmangels”, den der überreiche
Wein=
herbſt heuer herbeiführen dürfte, veranſtaltet die Weinſtadt Mainz
am 7. und 8. Oktober unter obigem Motto eine fröhliche Feier zu
Ehren des 34ers in der Stadthalle. Auf dieſem großen, echt
rheiniſchen Volksfeſt ſoll zum erſten Male der „Neue” gekoſtet
wer=
den, und zwar als Süßer, Federweißer und Ausgegorener. Zur
Abwechſlung gibt’s aber auch guten „Alten”, und alle dieſe Sorten
entfließen einem prächtigen Weinbrunnen wie Milch und
Honig im Schlaraffenlande.
Bekannte rheiniſche Stimmungsſänger und Vortragskünſtler
werden zur ſchnelleren Hebung der Stimmung ihr Beſtes
bei=
ſteuern, und nicht weniger als drei Kapellen ſollen in ſämtlichen
dekorierten Räumen das Tanzbein der Jugend von 16 bis 60 in
Dauerbewegung halten. Im Rahmen eines Winzerfeſtzuges
er=
ſcheint Gott Bacchus perſönlich, um den 34er einzuweihen. Für
alle die, welche nicht nur Zungen=, ſondern auch Augengenießer
ſind, wird das Stadttheater=Ballett wahre Wunderdinge aus dem
Reiche Terpſichores darbieten.
So ſollen Tempo und Schwung, Stimmung und Rhythmus,
Jubel und Trubel und wahrer Volkshumor auch dieſe Mainzer
Weinfeier beherrſchen, die, nebenbei geſagt, auch das Ihrige dazu
beiträgt, durch verſtärkten Konſum unſerem Winzerſtand hilfreich
unter die Arme zu greifen.
Gernsheim, 3. Okt. Das Winterhilfswerk beginnt.
Mithelfen am Aufbau der Nation. Von dieſem Gedanken ging die
deutſche Angeſtelltenſchaft aus, als ſie die Richtlinien für das
Winterhalbjahr 1934/35 feſtlegte. Der Winterarbeitsplan der
Ortsgruppe Gernsheim beweiſt das. Nun ſoll die Winterarbeit
1934/35 der Ortsgruppe Gernsheim der D.A. am Samstag, den
6. Oktober, abends 8.30 Uhr, im Saalbau „Darmſtädter Hof
feierlich eröffnet werden. Die Mitglieder der deutſchen
Angeſtell=
tenſchaft werden hierzu vollzählig erſcheinen. Den Hauptvortrag
über die Ziele der deutſchen Angeſtelltenſchaft hält Pg.
Berufs=
kamerad Feige aus Mainz.
Ex. Bürſtadt, 3. Oktober. Schwere Unfälle. In unſerer
Gemeinde ereigneten ſich über die Kirchweihtage zwei ſchwere
Un=
fälle. Sonntag nacht fuhr ein auswärtiger Motorradfahrer
mit ſolcher Wucht gegen ein beleuchtetes Pferdefuhrwerk, daß er
mit einem ſchweren Schädelbruch ins ſtädtiſche Krankenhaus nach
Worms verbracht werden mußte. Am gleichen Tag wollte ein
Motorradfahrer einigen Kirchweihgäſten ausweichen, wobei er
vom Rade flog und bewußtlos liegen blieb. Der Arzt ſtellte eine
ſchwere Gehirnerſchütterung feſt. — Montag nacht fuhr ein,
ſcheinbar betrunkener, Motorradfahrer gegen die Hauswand des
„Darmſtädter Hofes” und erlitt eine ſchwere Gehirnerſchütterung.
Dr. Ferrari leiſtete hier erſte Hilfe. — Kirchweihe. Nachdem
die Hauptfeſttage unſerer Kirchweihe vorüber ſind, war feſtzuſtellen,
daß eine bedeutende Beſſerung der Wirtſchaftslage nicht zu
ver=
kennen war, waren doch, trotz des Erntedankfeſtes, zahlreiche
Kirch=
weihgäſte aus der ganzen Umgebung herbeigeeilt, um die beliebte
Bürſtädter „Kerwe” mitzuerleben — Waſſerleitung in
Betrieb. Im ganzen Ortsbetrieb Bürſtadt wurde nunmehr die
neue Waſſerleitung voll in Betrieb geſetzt. Freudige Geſichter ſah
man, als das friſche Naß aus den neuen Kranen floß, das
aller=
dings noch nach der Rohrleitung ſchmeckt, was in Kürze aber behoben
ſein wird. Mit dem Bau dieſer Leitung wurde eine nationale Tatz
verrichtet, brachte ſie doch Hunderten von Volksgenoſſen für
Mo=
nate Arbeit und Brot. Auch für die Volksgeſundheit wurde
da=
durch großes geleiſtet und wird man dieſes Werk erſt in Zukunft
ſchätzen lernen.
Be. Groß=Gerau, 3. Oktober. Blindgängerſuchen! In
letzter Zeit fand in verſchiedenen Orten unſeres Kreiſes das
ſo=
genannte „Blindgängerſuchen” ſtatt. Dieſe Uebung hat bei der
Reichsführung des Reichsluftſchutzbundes Anklang gefunden. Sie
wurde ſchon vor einiger Zeit in Frankfurt a. M. ausgeführt und
hält jetzt ſo ziemlich überall ſeinen Einzug. Die Uebung vollzieht
ſich folgendermaßen: Es wird angenommen, daß nach einem
er=
folgtem Luftangriff etwa 10 Blindgänger auf öffentlichen
Stra=
ßen, Plätzen und Anlagen der Stadt oder des Dorfes
niederge=
fallen ſind. Dieſe Blindgänger ſollen vom Jungvolk geſucht
wer=
den. Dabei dürfen die Blindgänger nicht berührt oder bewegt
werden. Die Fundſtelle muß durch ein deutlich ſichthares
War=
nungszeichen kenntlich gemacht werden. Nach Auffindung der
Mar=
kierung muß der Jungvolk=Junge ſofort die Polizei (
Standquar=
tier der RLB.=Leitung) benachrichtigen und mündlich Bericht
er=
ſtatten über die getroffenen Maßnahmen. Die Jungvolk=Jungen
werden vor Beginn der Suche aufgeklärt und werden mit den
Verhaltungsmaßregeln bekannt gemacht Die ROB.=Leitung
über=
zeugt ſich nach dem Eintreffen der Meldungen davon, wie die
Fundſtellen geſichert worden ſind. Den Findern wird ein Preis
überreicht, dieſes geſchieht meiſtens am Abend bei einem
Luft=
ſchutzabend, der mit dem Blindgängerſuchen verbunden iſt. — Es
iſt dies eine Uebung, die den Jungen recht viel Freude bereitet,
die aber auch in ſich einen großen nützlichen Wert beſitzt.
Offenbach, 3. Okt. Mädchen von Laſtwagenzug
über=
ahren. An der Landesgrenze wurde ein junges Mädchen beim
Ueberſchreiten der Straße von einem Laſtwagenzug erfaßt und
zu Boden geworfen. Die Räder des Motorwagens und des
An=
hängers gingen der Verunglückten über den Bruſtkorb, ſo daß ſie
ſchwere innere Verletzungen davontrug. Sie wurde in
bedenk=
lichem Zuſtande ins Offenbacher Krankenhaus übergeführt.
Aus Oberheſſen.
h. Gießen, 3. Oktober Die Beiſetzung des Chirurgen Dr.
Szubinſki erfolgte auf dem neuen Friedhof im Beiſein von
zahlreichen Aerzten, Stahlhelmern. Vertretern der ehemaligen 116,
den Klinikärzten und Profeſſoren. Pfarrer Bechtoldsheimer
ſchil=
derte den Verſtorbenen als Arzt, Kameraden Menſchen und
Fa=
milienvater. Für den NSDFB. (Stahlhelm) ſprach
Ortsgruppen=
führer Loppe, für die Aerzte widmeten Dr. Kranz und Dr. Walther
Nachrufe.
Seite 8 — Nr. 274
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Am Geburkskage des verewigken Reichspräfidenken.
Reichswehr hält die Ehrenwache am Sarge des verblichenen Generalfeldmarſchalls und
Reichs=
präſidenten von Hindenburg.
Deukſchland ſiegk im größken Aukorennen der Tſchechei.
Hans Stuck in ſeinem Auto=Union=Rennwagen vor der Tribüne,
ein Momentbild vom Maſaryk=Ring=Rennen, das als größtes automobilſportliches Ereignis der
Tſchechoſlowakei am Sonntag bei Brünn über 495 Kilometer gefahren und von Hans Stuck in neuer
Rekordzeit gewonnen wurde.
Reich und Ausland.
Flugzeugabſturz auf eine Skraße von Barcelond.
Geheimrak Profeſſor Robert Oben F.
Hannover. Der Präſident des Staatlichen
Materialprüfungsamtes in Berlin, Geheimrat
Prof. Dr.=Ing. e. h. Robert Otzen, iſt im hieſigen
Städtiſchen Krankenhaus nach kurzem, ſchwerem
Leiden im Alter von 62 Jahren geſtorben. Länger
als ein Vierteljahrhundert, von 1905 bis 1932,
ge=
hörte er dem Lehrkörper der Techniſchen Hochſchule
Hannover an. Faſt zwei Jahrzehnte hindurch hat
er als ordentlicher Profeſſor zahlloſe
Bauinge=
nieure in der Kunſt des Stahl=, Beton= und
Eiſen=
betonbaues ausgebildet.
Die Landwirtſchaftliche Ausſtellung in Frankfurt
wird vorbereitet.
Frankfurt a. M. Im Jahre 1936 findet
die Jubiläumsausſtellung der Deutſchen
Land=
wirtſchaftsgeſellſchaft in Frankfurt ſtatt. Die
Stadt hat bereits damit begonnen, das
Ausſtel=
lungsgelände vorzubereiten, das zunächſt das
ge=
ſamte Feſthallengelände und ferner das daran
an=
ſchließende Gelände in einer Größe von
unge=
fähr 25 Hektar umfaßt, das bisher eine
Klein=
gartenkolonie geweſen iſt. Für dieſe Ausſtellung
hat die Stadt Frankfurt die Uebernahme
folgen=
der Verbindlichkeiten bewilligt: Drei
Jahres=
raten von 65 000 RM. für 1934, von 22 000 RM.
für 1935 und 22 000 RM. für 1936. Die
Bereit=
ſtellung von 20 000 RM. außerplanmäßig zu
ver=
rechnender Betriebsmittel und die Herſtellung
einer Rohrleitung zur Waſſerverſorgung des
Ausſtellungsgeländes mit einem Koſtenaufwand
von 13 000 RM.
Ueber Barcelona ſtürzte ein Militärflugzeug ab. Während die Straßenpaſſanten mit dem Schrecken
davonkamen, wurde die Beſatzung der Maſchine ſchwer verletzt.
Vom Förderkorb ſchwer verletzt.
Siegen. Auf der Grube „Eiſenhardter
Tief=
bau” bei Eiſern wurde der Anſtreicher Sänger aus
Weidenau, der mit dem Neuanſtrich des
Förder=
gerichtes beſchäftigt war, von dem
herniederfah=
renden Förderkorb ſchwer verletzt, ſo daß ſeine
Ueberführung in ein Krankenhaus notwendig
wurde.
Einſturzunglück in Erfurt.
Erfurt. Beim Einlagern von Getreide im
zweiten Stock einer Lederfabrik brach plötzlich der
Fußboden durch. Die Wucht der ſtürzenden
Maſ=
ſen war ſo groß, daß die Decke des Kellers und
der Boden des erſten Geſchoſſes zuſammenbrachen.
Drei Arbeiter wurden mit in die Teife geriſſen.
Einer war ſofort tot, zwei trugen ſchwere
Verlet=
zungen davon.
Durch Gas vergiftet.
Stuttgart. Eine Frau, ihr zwei Jahre
altes Kind und ihre Freundin wurden am
Mitt=
woch nachmittag in ihrer Siedlungswohnung durch
Gas vergiftet aufgefunden. Die
Wiederbelebungs=
verſuche blieben bei der Freundin und dem Kind
erfolglos. Aller Wahrſcheinlichkeit nach liegt
Selbſtmord vor. Der Grund dazu konnte noch
nicht einwandfrei geklärt werden.
Der Berliner Robert Lubahn
3000 eingeſandten Gedichten mit dem erſten Preis
ausgezeichnet wurde. Mit dieſer Hymne, die zu Dampfer den von der „Millpool” zuletzt angege
Berlin — Buenos Aires.
Am 27. Oktober findet die letzte diesjährige
Fahrt des Luftſchiffes „Graf Zeppelin” nach
Süd=
amerika ſtatt. Die deutſche Luftpoſtlinie nach
Südamerika wird aber auch weiterhin wöchentlich
einmal beflogen, und zwar werden vom 3.
Novem=
ber ab die Deutſche Lufthanſa und das Condor=
Syndikat gemeinſchaftlich einen regelmäßigen,
wöchentlichen Verkehr mit Flugzeugen zwiſchen
Berlin und Buenos Aires unterhalten. Flugplan,
Poſtleitſtellen und Poſtſchlußzeiten werden
voraus=
ſichtlich nicht geändert werden.
Erſtbeſteigung der Untersberg=Südwand.
Berchtesgaden. Zwei jungen
Reichenhal=
ler Bergſteigern gelang es, von Sonntag
vor=
mittag bis Montag nachmittag die hochragende
Untersberg=Südwand, die ſüdlich des Störhauſes
mit überhängenden 300 Meter hohen Abſtürzen
gegen Berchtesgaden abbricht, erſtmals zu
beſtei=
gen. Die beiden Bergſteiger vollbrachten damit
eine kletterſportliche Höchſtleiſtung, die bisher noch
niemand gelungen war.
„Valutendetektive” werden unſchädlich gemacht.
Budapeſt. Die Polizei hat eine mehrköpfige
Bande unſchädlich gemacht, deren Mitglieder in
der jüngſten Zeit als falſche „Valutendetektive‟
auftraten. Eines der Mitglieder der Bande hatte
die Aufgabe, Kaufleuten Valutengeſchäfte
anzu=
bieten. Ging dann der Betreffende auf das
Ge=
ſchäft ein, ſo wurde er vor Abwicklung des ge
planten Geſchäfts von den übrigen Mitgliedern
der Bande, die ſich als Detektive ausgaben, „
feſt=
genommen”. Man nahm dem Opfer das Geld ab
und ließ es dann frei. Die Geſchädigten wagten
es nicht, eine Anzeige zu erſtatten, da ſie ja eine
Strafverfolgung wegen Deviſenvergehens zu
be=
fürchten hatten. — Aus den Ausſagen der
ver=
hafteten Bande geht hervor, daß ſie auf die
ge=
ſchilderte Weiſe in wenigen Wochen 150 000 Pengö
erbeutet hat.
Die „Millpool” mit Mann und Maus
untergegangen?
New York. Der engliſche Frachtdampfer
„Millpool” hatte am Dienstag
funkentelegra=
phiſch Hilferufe ausgeſandt. Der Frachtdampfer
hat eine Olympiade=Hymne geſchaffen, die unter „Blackgull” ſandte am Mittwoch einen Funkſpruch
aus, wonach am Mittwoch früh wiederholt zwe
wertonen, ſich Richard Strauß bereiterklärt hat, benen Standort überkreuzt hätten. Von der „
Mill=
wird die Berliner Olympiade 1936 eröffnet werden, pool” ſei jedoch keine Spur mehr gefunden worden.
Das Ergebnis
des Gordon-Benneit=Fluges.
Warſchau. Nach den Berechnungen des
Sportausſchuſſes des Gordon=Benett=Fluges
be=
legen die deutſchen Ballons „Deutſchland”, „
Wil=
helm v. Opel” nud „Stadt Eſſen” den 11., 12. und
14. Platz. Die amtlichen Ergebniſſe werden vor=,
ausſichtlich am 4. Oktober veröffentlicht. Die
Preisverteilung findet zwei Wochen nach der
Veröffentlichung ſtatt. Zurzeit prüft der
Sport=
ausſchuß noch die Frage des Ballons „Polonia”,
der auf einem finniſchen See niederging und den
Barographen verlor. Unter Umſtänden kann
in=
folgedeſſen der Ballon „Polonia”, der den 4, Platz
inne hat, nicht gewertet werden.
Hochbriſanter Sprengſtoff
aus einem amerikaniſchen Munitionslager
geſtohlen.
Bridgeport (Connecticut). Aus dem
Munitionslager der Remington Arms Company
wurden zehn Zweipfundbüchſen Polnol geſtohlen.
Polnol, das als Zünder für Granaten
Verwen=
dung findet, iſt ein außerordentlich hochbriſanter
Sprengſtoff, deſſen Wirkung im Vergleich zu
Schwarzpulver etwa 2000mal ſo ſtark iſt. Die
ge=
ſtohlene Menge dürfte ausreichen, mehrere
Häu=
ſerblocks in die Luft zu ſprengen. Die
Exploſions=
gefahr des Polnol iſt ſo groß, daß der Transport
dieſs Sprengſtoffes niemals in Wagen, ſondern
ſtets durch Boten mit beſonderen Traggürteln
er=
folgt. Die Entdeckung des Diebſtahls hat eine
beträchtliche Aufregung verurſacht. Die Behörden
tun alles, um die Diebe auf die Gefährlichkeit
ihres Diebesgutes hinzuweiſen. Wiederholt iſt
durch Funkſpruch gewarnt worden, die Päckchen
etwa in den Hafen zu werfen, da allein ſchon der
Waſſeraufſchlag genügt, um eine Erploſion
herbei=
zuführen, ſondern ſie vorſichtig ins Waſſer
glei=
ten zu laſſen. Die geſamte Polizei iſt
aufgebo=
ten, um den Verbleib des Sprengſtoffes
feſtzu=
ſtellen.
Peſt in einer mandſchuriſchen Stadt.
Mukden. In der Stadt Nunan, in der
Mandſchurei, iſt die Peſt ausgebrochen. Nach den
bisherigen Meldungen ſind mehr als 150
Todes=
opfer zu verzeichnen. In der 12 000 Einwohner
zählenden Stadt herrſcht furchtbare Panik.
Zahl=
reiche Einwohner verſuchten, die Stadt zu
verlaſ=
ſen. Die mandſchuriſchen Sanitätsbehörden
ha=
ben Maßnahmen getroffen, um eine Verſchleppung
der Krankheit zu verhindern.
Feierliche Eröffnung
des Inkernakionalen Hokelierkongreſſes
in Berlin.
Berlin. In den feſtlich mit den Farben des
Dritten Reiches und den Fahnen ſämtlicher
Kul=
turſtaaten der Erde geſchmückten Reichstagsſaal
bei Kroll wurde am Mittwoch der Internationale
Hotelierkongreß eröffnet. Dem Feſtakt war eine
feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal
vor=
ausgegangen. Unter den zahlreichen Ehrengäſten,
die der Präſident des Hotelbeſitzervereins,
Bur=
kard=Spillmann (Luzern), in ſeiner
Eröffnungs=
anſprache begrüßte, bemerkte man als Vertreter
der Reichsregierung Staatsſekretär Funk, den
Staatskommiſſar der Reichshauptſtadt Dr. Lippert,
Oberbürgermeiſter Dr. Sahm, den Präſidenten
des Reichsſtandes des Handels, Prof. Dr. Luer,
den Präſidenten der Internationalen
Handels=
kammer Frowein ſowie mehrere Handelsattachés
und diplomatiſche Vertretungen.
Präſident Spielmann wies in ſeiner
An=
ſprache auf die internationale Kriſe im
Hotel=
gewerbe hin und erläuterte in dieſem
Zuſammen=
hang den Zweck und Sinn des Weltkongreſſes.
Anſchließend übermittelte Staatsſekretär Funk
die beſten Wünſche der Reichsregierung und
ins=
beſondere des für das Fremdenverkehrsweſen
zu=
ſtändigen Reichsminiſters Dr. Goebbels (ſ. Politik),
Dann entbot Staatskommiſſar Dr. Lippert
dem Kongreß die Willkommensgrüße des
preußi=
ſchen Miniſterpräſidenten und der
Reichshaupt=
ſtadt. Nach kurzen Begrüßungsanſprachen weiterer
Ehrengäſte ſprach noch der Führer des deutſchen
Gaſtſtättengewerbes in der Gruppe Handel der
Geſamtorganiſation der deutſchen Wirtſchaft, Fritz
Dreeſen, Bad Godesberg, ferner die
Ehrenmit=
glieder und ehemaligen Präſidenten des Vereins,
Francis Towle=London und Nils Truiſſon=
Stock=
holm.
Dann hielt Reichsfachgruppenleiter des
Be=
herbergungsgewerbes im Reichseinheitsverband
des deutſchen Gaſtſtättengewerbes, Fritz
Gab=
ler, Heidelberg, einen grundlegenden Vortrag
über Fremdenverkehrspolitik und
Beherbergungs=
gewerbe im neuen Deutſchland. Er führte u. a.
aus, daß es ſich bei der Fremdenverkehrsfrage vor
allem um dreierlei handele: Einmal um die
Aus=
ſchaltung des zweckwidrigen Nebeneinanders im
organiſchen Aufbau und um die Zuſammenfaſſung
aller Kräfte zum gleichgerichteten Handeln.
Fer=
ner werde eine vorbildliche deutſche Gaſtlichkeit
angeſtrebt, die ſich ohne Unterſchied nach Klaſſe,
Stand, Religion und Nation betätigt. Endlich
ſei es notwendig, aus der praktiſchen Erfahrung
heraus zu handeln, wobei neben der Werbung vor
allem dem Leiſtungswillen und der Wertung der
Leiſtungsfähigkeit der gewerbsmäßigen
Verkehrs=
träger ſachkundige Fürſorge zu widmen ſei.
Das neue Reichsſporkabzeichen.
Das neue Reichsſportabzeichen unterſcheidet ſic
dadurch von dem alten, daß anſtelle der
Initic=
lien des alten Deutſchen Reichsausſchuſſes fur
Leibesübungen die des Deutſchen
Reichsbunde=
für Leibesübungen — DRI. — getreten ſind.
während der Eichenkranz unten ein Hakenkreid
erhalten hat.
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 274 — Seite 9
*Zauber des Memellandes.
Am 4. Oktober 1924 wurde die Memelkonvention
in das Regiſter des Völkerbundes eingetragen und
damit rechtskräftig.
Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, wie das
Ab=
kommen, das den Memelländern wenigſtens auf ihrem eigenen
Gebiet die einfachſten Rechte auf deutſche Art und Sprache
ſichern ſollte, immer mehr mißachtet und in Fetzen geriſſen
wurde; heute iſt praktiſch nichts mehr davon übrig, ohne daß ſich
eine Stimme für das verbriefte Recht geregt hätte. Um ſo mehr
Anlaß haben wir im Reich, uns immer wieder des ſchönen
Landes zu erinnern, das nach wie vor zu uns gehört und das
wir nie verloren geben werden. Noch iſt es nicht zu ſpät für
eine Herbſtreiſe in das Land der Dünen, Elche und einſamen
Fiſcher ...
Wer kennt Klaipeda? Ein trauriger Spuk iſt mit künſtlichen
litauiſchen Ortsnamen heraufgezogen, und doch iſt die Stadt,
die von Landfremden ſo zwangsgetauft wurde, nichts anderes
als das gute alte Memel ſelbſt, das ſchöne, erinnerungsreiche
alte Memel, das deutſche Ritter ſchon im 13. Jahrhundert
ge=
gründet haben. Heute hat es 40 000 Einwohner, deren
Schiff=
fahrt und Holzhandel, durch die vernunftwidrige Trennung
ſchwer zu leiden hat. Und es iſt ein trauriges Bild, durch die
Straßen mit ihren alten Giebelhäuſern zu gehen und überall
die leeren Sockel zu ſehen, von denen die Litauer die deutſchen
Denkmäler geſtürzt haben. Aber eine ſchöne Ueberraſchung iſt
der Brunnen vor dem Stadttheater, der „Märchenbrunnen” mit
ſeiner einfachen, ſchlichten Mädchengeſtalt, die ſo deutſch iſt wie
die Geſtalt des Gretchens. Iſt nicht das Lied von Aennchen
von Tharau überall, wo es geſungen wird, ein Ausdruck unſeres
echten Empfindens? Die Brunnenfigur iſt der Dank Memels an
ſeinen Dichter Simon Dach, den bedeutendſten der
Königs=
berger Dichterſchule des Barockjahrhunderts, der am 29. Oktober
1605 hier in der Stadt geboren wurde. Hat er nicht auch die
Verſe geſchrieben
„Der Menſch hat nichts ſo eigen,
ſo wohl ſteht ihm nichts an,
als daß er Treu erzeigen
und Freundſchaft halten kann”?
Er hat ſie für einen perſönlichen Freundeskreis gemeint; aber
heute dringen ſie in unſer Herz als eine ſtarke Mahnung an
das leicht vergeßliche völkiſche Gewiſſen.
150 Kilometer lang ſtreckt ſich der ſchmale Landſtrich, der
Memel folgend, von Süden herauf bis nach Nimmerſatt, an
ilſit vorbei, das ſchon einmal in unſerer Geſchichte eine trübe
Rolle geſpielt hat. 1807 war es, als der König vor Napoleon
mach Memel geflüchtet war und auch Luiſes Bitten nicht
ver=
chindern konnten, daß im Tilſiter Frieden Preußen über die
Bälfte an Gebiet und Menſchen verlor. Doch gewann es durch
Die Erhebung des Volkes 6 Jahre ſpäter das Verlorene wieder.
Zwiſchen Tilſit und Memel führt die Bahn an Heydekrug
worüber, in deſſen Nähe der Dichter Sudermann geboren
wurde, der die ſchöne Erzählung vom „Katzenſteg” ſchrieb . . .
Die ſtillfließende Minge wird überquert, und bei Memel
elbſt mündet von Nordoſten von Litauen her, die Dange ins
Haff; die Dange, deren ungeſtörte Hügellandſchaft die feinſten
Geize des Memellandes verbirgt.
Stadt zwiſchen Meer und Haff, zwiſchen Dünen, Wäldern
und Flüſſen, das iſt Memel. Wunderbar ſtill und unberührt iſt
wie Landſchaft, in ihrer gleichen Grundſtimmung ſo
überwäl=
igend verſchieden, überall einſam, aber nicht traurig, eine
wohl=
uende Friedlichkeit für unruhig ſchlagende Herzen iſt ihr
Ge=
chenk an den Beſucher. Es iſt ein karges und mühſames Leben
überall in Sand, Moor und Heide; aber die grelle Härte der
Mnterdrückung, die es jetzt gefangen hält, paßt nicht hinein und
darf dem Land nicht für immer ſeinen Stempel aufdrücken.
Iſt es nötig, Humboldts Worte zum Lob ſeines beſonderen
Kleinods, der Kuriſchen Nehrung, anzuführen? „Man muß ſie
Benſogut wie Italien oder Spanien geſehen haben, wenn einem
icht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen ſoll.” Wir
möchten heute dazuſetzen, daß dieſes Gebiet, noch viel näher
l egt als irgendein Platz am Mittelmeer, und nicht nur im
Zu=
gehörigkeitsgefühl, ſondern auch in der Landſchaft ſelbſt. Aber
täe Nehrung iſt in der Tat etwas Einmaliges in ganz Europa.
Lzie Wanderdünen ziehen in unheimlichem Schweigen darüber
weg und ergießen ſich ins Haff, noch vor 100 Jahren haben ſie
1as Dorf Negeln unter ſich begraben und entfalten eine
un=
heimliche Zerſtörungskraft, ſoweit ſie nicht durch Pflanzenwuchs
gebändigt ſind. Bei Nidden, dicht an der heutigen Grenze,
er=
heben ſie ſich bis zu 60 Metern Höhe und bilden das
ge=
ſpenſtiſche „Tal des Schweigens”, wo die vollkommene Wüſte
üSer ein Stück Europa Gewalt gewonnen hat. Und gleich
da=
heben dehnt ſich das Gebiet der Elche, Moor und Bruch in
eimer wahren Urwelteinſamkeit. Heide und Kiefernwälder, lieb=
liche Landſchaften ruhen dazwiſchen, am Ufer der Haffdörfer
liegen die Fahrzeuge der Fiſcher mit ihren altertümlichen
Wahr=
zeichen, und Nidden und Schwarzort insbeſondere ſind gepflegte,
ſchöne Badeorte.
Niemand im Memelland hatte den Wunſch, Litauer zu
wer=
den, auch die Litauer, die dort anſäſſig waren, zogen die
Zu=
gehörigkeit zu Deutſchland jeder anderen vor, wie die alliierte
Sonderkommiſſion ſelbſt zugeben mußte. Trotzdem wurde es
1919 losgeriſſen, konnte ſich aber zunächſt autonom halten und
war notgedrungen damit zufrieden. Und dann geſchah 1923 das
Unfaßliche, daß die franzöſiſche Beſatzung vor eingedrungenen
Landfremden die weiße Fahne hißte und der Gewalt ihren Lauf
ließ. In dem Abkommen vor 10 Jahren wurde immerhin die
Gleichheit der Sprachen und der Rechte ſämtlicher Bewohner
feierlich anerkannt und ein Selbſtverwaltungskörper eingeſetzt,
der heute entrechtet iſt, deſſen Beamte größtenteils widerrechtlich
entlaſſen wurden.
140000 Menſchen leben in Stille und Einſamkeit und
kämpfen mit ihrem harten Leben ebenſo wie mit ihrem harten
Geſchick. Sie zu beſuchen, iſt zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis;
darüber hinaus bleiben die Worte Simon Dachs bei uns haften:
nichts ſteht einem jeden von uns ſo wohl an, als daß er „Treu
erzeigen und Freundſchaft halten kann." Dr. Gerhard Hag.
Eine Nacht unter mandſchuriſchen Räubern.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
Wir veröffentlichen nachſtehend einen uns
brief=
lich zugeſtellten Augenzeugenbericht über den
mörde=
deriſchen Ueberfall, der in der Nacht vom 31. Auguſt zum
1. September auf den Expreßzug Harbin/Hſingking auf
mandſchuriſchem Gebiet durchgeführt wurde. Bei
dem ſeinerzeit telegraphiſch gemeldeten
Banditen=
ſtreich waren 10 Reiſende getötet, über 30 verletzt
und 11 verſchleppt worden.
Die Schilderung
ſtammt von einem betagten Amerikaner, der bei
dem Ueberfall unverletzt blieb und — durch
glück=
liche Umſtände — unberaubt entkam.
Die Schriftleitung.
J. N. Mukden, Anfang September 1934.
Unſer Zug verließ den Bahnhof Harbin um 9.30 Uhr
abends. Da mich die Tage vorher ſtark angeſtrengt hatten, wollte
ich mich einmal ordentlich ausſchlafen und hatte zu dieſem Zweck
ein Abteil erſter Klaſſe mit zwei Schlafplätzen belegt. Bald nach
der Abfahrt legte ich mich zur Ruhe nachdem ich die Tür vorher
von innen gut verſchloſſen hatte. Ich hatte noch keine Stunde
geſchlafen, als ich plötzlich durch einen gewaltigen Ruck, der mich
halb aus dem Bette warf, geweckt wurde. Ueber die Urſache der
Störung hatte ich keinen Zweifel: der Zug mußte entgleiſt ſein.
An einen Ueberfall durch Räuber dachte ich im erſten Augenblick
nicht, denn mir war die Strecke allgemein als „vollkommen ſicher”
bezeichnet worden.
Dieſer Zuſtand der Ungewißheit dauerte allerdings nicht
lange. Noch ehe ich den Verſuch machen konnte, mich anzuziehen
fing es ſchon rechts und links an zu knallen, und eine Kugel
zerſchmetterte die Scheibe meines Wagenfenſters. Da galt es
denn als erſtes, ſich vor dem ununterbrochenen Gewehr= und
Maſchinengewehrfeuer zu ſchützen. Weitere Einſchläge in mein
Abteil folgten bald, und da ſie alle nach oben in die
Wagen=
decke oder Innenwand gingen, mußte der Bahndamm an dieſer
Stelle ziemlich hoch ſein. Ich rollte mich aus dem Bett auf
den Boden, ſchob mein Gepäck als Schutz vor Kopf und Füße
und verſtärkte dieſen Wall durch die dicken Kiſſen. Dann zog ich
die Decken ſowie die Matratze über mich und war ſo
einiger=
maßen gegen Treffer geſchützt.
Bald merkte ich übrigens daß der Zug verteidigt wurde,
denn von Zeit zu Zeit fiel ein Schuß von unſerer Seite. Die
Banditen jedoch feuerten ununterbrochen und müſſen eine
Un=
menge Munition verknallt haben. Mein ganzes Abteil war bald
mit Glasſplittern überſät, und auch die Deckenlampe war
zer=
trümmert. Die Bettlampe hatte ich gleich bei den erſten Schüſſen
ausgeſchaltet. Unendlich langſam verging die Zeit. Da ich es
nicht wagte, Licht zu machen, konnte ich nicht wiſſen, wie lange
der erſte Feuerüberfall dauerte. Aber ich merkte, daß das
Gegen=
feuer der Verteidiger immer ſeltener wurde und ſchließlich ganz
aufhörte. Unſere zehn Verteidiger (Dem Zuge waren 10
japa=
niſche Bahnſchutzbeamte beigegeben. D. Red.), von denen neun
mehr oder weniger ſchwer verwundet wurden, hatten ihre
Munition verſchoſſen und mußten dem kommenden untätig
zu=
ſehen.
Nach einer Ewigkeit, wie ſich nachher herausſtellte etwa
anderthalb Stunden, hörte das Feuer der Banditen plötzlich auf.
Einen Augenblick herrſchte eine beängſtigende Ruhe, unterbrochen
von dem Stöhnen der Verwundeten im Zuge. Dann brach auf
beiden Seiten ein hölliſches Geſchrei los: die Banditen
ſtürm=
ten den Zug. Jetzt wurde die Lage kritiſch, doch konnte ich nichts
tun, als mich in meinem Verſteck ruhig zu verhalten. Bald
wurde gegen meine Tür gepoltert und Verſuch gemacht, ſie zu
öffnen. Als dies nichts zu nützen ſchien, gingen die Banditen
mit ſchärferen Mitteln vor. Beil= oder Axthiebe krachten gegen
die Tür, und ich erwartete jeden Augenblick das Ende. Aber,
o Wunder, die feſte Tür des Wagens der Internationalen
Schlafwagengeſellſchaft, hielt ſtand! Ohnmächtig vor Wut gaben
meine Belagerer ungezählte Revolverſchüſſe gegen das
Hinder=
nis ab. Auch dieſe blieben wirkungslos im Holze ſtecken. Da
gaben die Banditen ihre unfruchtbaren Bemühungen ſchließlich
auf und ließen von meinem Abteil ab . . ."
Erſt nachdem die unmittelbare Gefahr abgewandt war, kamen
mir der Lärm und das Geſchrei innerhalb des Zuges zum
Be=
wußtſein. Noch eine ganze Weile dauerte es an, dann wurde
es ganz ſtill. Die Banditen zogen ab, und ihr Lärmen verklang
in der Ferne. Dafür wurde das Stöhnen der Verwundeten
um ſo lauter, und bald machten ſich auch andere Laute
bemerk=
bar. Ich erhob mich, kleidete mich, ſo gut es im Dunkeln ging
an und öffnete die Tür, um mich einmal umzuſehen.
Was ich ſah, war grauenerregend: überall lagen Tote und
Verwundete, um die man ſich, ſo gut es ging, kümmerte,
Stär=
kungsmittel waren nicht im Zuge und auch das vorhandene
Waſſer war bald verbraucht. Die Lokomotive und zwei Wagen
waren umgeſtürzt, und die leichter gebauten Wagen der dritten
Klaſſe waren größtenteils zertrümmert. Einer davon war
voll=
ſtändig zerquetſcht worden. Von den Inſaſſen, alles junge
japa=
niſche Athleten, die zu einem Sportfeſt nach Mukden wollten,
waren ſechs tot, die anderen alle mehr oder weniger ſchwer
ver=
wundet. Am beſten hatten die Wagen der erſten und zweiten
Klaſſe ſtandgehalten. Ihre Stahlwände hatten die Entgleiſung
ſowie die darauffolgende Beſchießung ausgehalten. Aber alle
Fenſter waren zertrümmert, und unzählige Geſchoſſe hatten ſich,
durch die Fenſter kommend, in die Holzwände eingebohrt. Allein
in meinem Abteil zählte ich 34 Einſchläge.
Die Banditen hatten nach Erſtürmung des Zuges wie die
Wilden gehauſt. Alles Gepäck wurde herausgezerrt, gewaltſam
aufgebrochen, und der Inhalt, ſoweit er nicht geraubt wurde,
umhergeſtreut. Wer nur den geringſten Widerſtand leiſtete,
wurde niedergeknallt. Am meiſten ſchienen es die Banditen auf
gewiſſe Dokumente abgeſehen zu haben, denn alle Aktentaſchen
wurden mitgenommen. Dazu entführten ſie neun Japaner und
zwei Amerikaner, beides Angeſtellte der Metro=Goldwyn=Meyer,
während ein Engländer, der Reuter Korreſpondent in Harbin,
ihnen nachträglich entwiſchte.
Zweieinhalb Stunden nach Beginn des Ueberfalls kam
der Entſatz. Die Banditen, die übrigens zwiſchen 2 bis 300
Mann ſtark geweſen ſein müſſen und vorzüglich bewaffnet
waren, ſchienen übrigens von außen her dirigiert worden
zu ſein, denn ſie verließen ganz plötzlich den Schauplatz, und
zwar genau eine Viertelſtunde vor Eintreffen des Militärs.
Sie trugen Abzeichen, die Sie als kommuniſtiſche Truppe
kennt=
lich machten. Das unglaublichſte aber iſt, daß der erſte Hilfszug
erſt zwölf Stunden ſpäter eintraf, obwohl der Ueberfall nur
42 Km. von Harbin erfolgt war.
Was dieſes Erlebnis für mich um ſo merkwürdiger macht,
iſt der Umſtand, daß es mir auf meiner fünfundzwanzigſten
Reiſe um die Welt zuſtieß. Ich war der einzige Paſſagier, der
nicht den geringſten Schaden erlitt, denn ich trug nicht die
kleinſte Verwundung davon. Auch mein Gepäck blieb
unver=
ſehrt. Erſt nachdem alles vorüber und die Räuber abgezogen
waren, kam mir ein Gedanke, der mich noch nachträglich gruſeln
macht: warum waren die Banditen, als ſie die Tür nicht
auf=
bekamen und in ohnmächtiger Wut ihre Piſtolen und Revolver
dagegen abſchoſſen, nicht einfach zum Fenſter hineingeklettert?
Es iſt wirklich ein Wunder, daß ſie es nicht taten! Aber zu ihrer
Rechtfertigung muß ich ſagen, daß auch ich während der ganzen
Zeit, zweieinhalb Stunden lang, die ich unter meiner Matratze
vergraben lag, nicht ein einziges Mal an das Fenſter, durch
das die Kugeln dutzendweiſe pfiffen, als an eine Gefahrenquelle
für mich dachte ...
Inzwiſchen iſt telegraphiſch ſchon berichtet worden, daß
ſämtliche Gefangenen der Banditen befreit ſind, ohne körperlichen
Schaden erlitten zu haben. Wenige Tage nach dem geſchilderten
Ueberfall unternahmen japaniſche und mandſchuriſche Land=,
Fluß= und Luftſtreitkräfte nämlich einen konzentriſchen Angriff
auf die fliehenden Räuber, die dabei faſt vollſtändig vernichtet
wurden. — D. Red.
ROMAN VON HANS RABL
Copyright 1934 by Auguſt Scherl G. m. b. H., Berlin.
K
12
(Nachdruck verboten.)
„Ja, Herr Runge, ſofern Sie dann ebenſo ſchnell jemand
Sen, der die Leitung der Leipziger Straße übernimmt — das
das einzige, was mich im Augenblick bindet. Sonſt beſtehen
eimerlei Abmachungen nach dritter Seite.”
„Ach, die Leipziger Straße —‟ Herr Runge machte eine leichte
andbewegung. „Das iſt eine Sache von ein paar Stunden, da
mand zu finden. Das würde nicht hindern.”
„Alſo dann —
„Sie ſind verheiratet, Frau Poſt. Wie lange?‟
„Eineinhalb Jahre, Herr Runge.”
„Oh — ſo kurz!“
Grete ſah ihn fragend an. Was ſollte das hier?
„Nun ja, Frau Poſt — ich habe bisher ganz abſichtlich das
ſort „Reiſetätigkeit” vermieden, um nicht den Eindruck
aufkom=
gen zu laſſen, wir ſuchten einen beſſeren Reiſevertreter. Aber
itſächlich würden Sie gegebenenfalls ſehr viel unterwegs ſein
üſſen. Und wenn Sie erſt eineinhalb Jahre verheiratet ſind —
meine, würde da Ihr Gatte einverſtanden ſein, Sie mitunter
ſochen oder ſogar noch länger entbehren zu müſſen?”
Beſtimmt nicht ohne weiteres, Guter, beſtimmt nicht! dachte
rete. Aber ſie ſagte: „Aber natürlich, Herr Runge — Beruf iſt
ruf, das geht doch vor!
„Alſo auch in dieſer Richtung beſteht keine Schwierigkeit?”
„Nein, auch in dieſer Richtung nicht, Herr Runge.”
Runge nickte zufrieden. Er ſah nicht, daß Grete plötzlich rot
porden war, oder wenn er es ſah, ſchob er es auf irgend etwas
deres. Frauen wurden ja manchmal rot, und man wußte nicht,
arum. „Und nun noch eine letzte Frage, Frau Poſt. Wie wären
Wenn er nur nicht immer „gegebenenfalls”
gebenenfalls —
ſagen wollte! dachte Grete. „Wie wären gegebenenfalls Ihre
Anſprüche?‟
Grete ſah ihn ruhig an. „Siebenhundert Mark monatlich”,
ſagte ſie und nahm von Herrn Runges Verſteinern keinerlei Notiz.
„Und zwar im Rahmen eines Vierteljahresvertrags, der zu
Be=
ginn des dritten Jahres automatiſch in einen Jahresvertrag
übergeht.” Jetzt ſchmeißt er mich raus! dachte ſie. Aber ſie
lächelte ihn freundlich an, als hätte ſie gar nichts geſagt.
Runge ließ eine Pauſe eintreten. Pauſen waren
erfahrungs=
mäßig in ſolchen Fällen gut. Sie erweckten in den Kandidaten
das Gefühl, maßlos überfordert zu haben, ſie zerſchmetterten ſie
ſicherer als alle Worte. Er ſah die Frau vor ſich verſtohlen an.
Es war nichts von einer Zerſchmetterung zu merken. Genau ſo
ſelbſtſicher und exakt, wie ſie bisher geweſen war, ſchien ſie auch
jetzt zu ſein. Sie ſchien überzeugt davon, eher zu wenig verlangt
zu haben; ſie ſchien ſicher, daß für die Tonola überhaupt kein
anderer Menſch als ſie in Frage kam und daß ſie das Geld, das
ſie gefordert hatte, wert ſei. Die Pauſe beeindruckte ſie nicht im
mindeſten, im Gegenteil, Herrn Runge wurde plötzlich unbehaglich
zu Sinn, und er beeilte ſich, wieder zu ſprechen.
„Sie hatten früher bei uns —”, ſagte er und tat, als ſuche
er in den Papieren, die vor ihm lagen, die Ziffer.
„Dreihundertfünfzig, monatliche Kündigung”, half ihm Grete
liebenswürdig.
Er ſah ſie an. Sie ſchien gar nicht zu merken, welcher
Unter=
ſchied da ſichtbar wurde. Runge ärgerte ſich über ſich ſelbſt. Hatte
er es nötig gehabt, ihr eigens zu ſagen, daß die Leipziger Straße
gegenüber der projektierten Stellung eine Nebenſächlichkeit ſei?
Da hatte er nun den Erfolg — aber anders, als er ihn ſich
ge=
dacht hatte. Sicher war jedenfalls, dachte er, eines: Die Frau
da war eine ziemlich geriſſene Unterhändlerin; was ſie jetzt gegen
die Firma ausſpielte, würde nachher in ihrem Dienſt ein
wert=
volles Aktivum ſein. Sie hatte, dachte Herr Runge — er dachte
in ſolchen Fällen ſehr ſchnell — die Begabung, es als vollkommen
unmöglich erſcheinen zu laſſen, daß ſie einmal keinen Erfolg haben
könne.
Das waren ſchon die Leute, die man brauchte! Unvermittelt
ſtand Herr Runge auf. „Alſo vorläufig danke ich Ihnen für Ihren
Beſuch, Frau Poſt. Ich bin ja jetzt vollkommen im Bilde —‟ Er
ſah ſie fragend an.
Sag, du machſt es auch für weniger! durchfuhr es Grete. Jetzt
iſt noch Zeit. Aber ſie tat die Lippen nicht voneinander. Gerade!
dachte ſie. Es wird ſchon gut gehen, nur die Lumpen ſind
be=
ſcheiden.
Da war es auch ſchon zu ſpät, da ſprach Runge ſchon weiter,
„Wir werden Ihnen, ſoviel ich ſehe, in etwa acht Tagen
prin=
zipiell Beſcheid zukommen laſſen können. Vielleicht,
wahrſchein=
lich wird ſich vorher noch eine Unterredung mit Direktor Hertling
nötig machen. Aber länger als acht Tage werden wir Sie nicht
auf die Folter ſpannen, hoffe ich. Mit unſerer prinzipiellen
Aeußerung, meine ich. Der definitive Anfang freilich kann”! —” und das Ausrufungszeichen war hörbar. —
noch eine Weile länger auf ſich warten laſſen.” Er gab ihr die
Hand und brachte ſie zur Tür. „Inzwiſchen alſo auf Wiederſehen,
Frau Poſt!”
„Auf Wiederſehen, Herr Runge!” ſagte Grete, und ſie ſtand
allein in dem langen Flur des Direktionsgebäudes.
Als ſie aus dem großen Haus trat, ſah ſie links von ſich,
über irgendeinen Kanal weg, Grün. Bäume, Sträucher, Wieſen.
Das mußte der Schleſiſche Buſch ſein. Und irgendwo dahinter
war der Treptower Park, da war Köpenick, da war auch allerlei
Waſſer — wenn es klappt, dachte ſie, dann muß Erwin ſehen,
daß er in irgendeine Filiale hier in der Gegend kommt, dem
Herrn Schauer wird er ja ohnehin nicht nachtrauern, und dann
ziehen wir hierheraus. Sie ſah noch einmal nachdenklich zu dem
kleinen, lockenden Park hinüber, dann wandte ſie ſich rechts und
ging langſam in die Richtung des Schleſiſchen Tors.
Sie ſah auf eine Normaluhr. Oh, es war erſt halb zwölf?
Ja, Herr Runge hatte ſie ſeltſamerweiſe nicht einmal ſich mürbe
warten laſſen. Um eins erwartete man ſie in der Leipziger
Straße erſt wieder zurück. Da konnte man noch irgendwo in Ruhe
eine Taſſe Kaffee trinken und das Ganze überdenken.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 10 — Nr. 274
ſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Stgreabt deTTtb
Der Sport des Sonntags.
Heſſen die Führung einbringen. Heſſen Hersfeld erwartet den
Neuling Langenſelbold, Hanau 93 empfängt Kurheſſen Kaſſel,
Sutonlreanderlampf gegen Danemart. und in Kaſſel gibt es ein Lokaltreffen SC. 03 — Spielverein. Der
Zum ſiebten Male findet am Sonntag der Fußball=
Länder=
kampf Deutſchland — Dänemark ſtatt. Nur zweimal hat
Deutſchland bisher gegen Dänemark gewonnen, während die
Dä=
nen vier Siege zu verzeichnen haben. Zurückzuführen iſt dies
dar=
auf, daß der D.F.B. meiſtens die Dänen unterſchätzt und zu den
Länderſpielen gegen unſern nördlichen Nachbarn ſchwächere
Mann=
ſchaften geſtellt hat. Diesmal iſt der DFB. aber ſcheinbar
ent=
ſchloſſen, die Bilanz zu verbeſſern, denn er ſchickt unſere
augenblick=
lich ſtärkſte Mannſchaft nach Kopenhagen. Die deutſchen Farben
vertreten: Buchloh; Janes, Schwartz; Gramlich. Szepan, Zielinſki;
Lehner, Hohmann, Conen, Rohweder, Fath. Wir hoffen auf einen
deutſchen Sieg, der ſich dann würdig den großen internationalen
Erfolgen deutſcher Turner und Sportler auf allen Gebieten der
Leibesübungen anſchließen wird.
Das Programm der Gauliga erfährt in
Süddeutſch=
land keine nennenswerte Unterbrechung, nur im Gau Südweſt
ſind die Spiele von Wormatia Worms und Eintracht Frankfurt
abgeſetzt worden, in den übrigen Gauen finden aber mindeſtens
vier Treffen ſtatt. Im Gau Südweſt trägt Phönir
Ludwigs=
hafen wieder ein Heimſpiel aus, die Sportfreunde Saarbrücken
ſind der Gegner. Der SV. Frankfurt gaſtiert in Pirmaſens und
Boruſſia Neunkirchen hat den FC. Kaiſerslautern zu Gaſt. In
Baden erwartet der Tabellenführer Freiburger FC. zu Hauſe
den VfB. Mühlburg, Gaumeiſter Waldhof muß nach Karlsruhe
zum KFV. und die beiden Neulinge ſpielen zu Hauſe.
Mann=
heim 08 erwartet den FC. Pforzheim. Germania Karlsdorf den
VfR. Mannheim.
In Württemberg, wo nach dem führenden SV.
Feuer=
bach vier Mannſchaften mit gleicher Punktzahl am zweiten Platz
ſtehen, dürfte der Sonntag eine Verſchiebun
ng bringen. Schon
Feuerbach wird den Beſuch in Ulm beim Se
„V. kaum erfolgreich
geſtalte
n. Kickers Stuttgart hat ein leichtes Heimſpiel gegen
den Sc
C.. Union Böckingen wird es aber zu Hauſe ebenſowenig
leicht gegen den VfB. Stuttgart haben wie Ulm 94 in Eßlingen.
Das Treffen der Sportfreunde Stuttgart gegen Göppingen
er=
gänzt das volle Programm. Im Gau Bayern hat der führende
FC. Nürnberg einen ſchweren Gang nach Schweinfurt vor ſich.
Wacker München, mit dem „Club” zuſammen an der Spitze, iſt
ſpielfrei und erwartet Werder Bremen zu einem
Freundſchafts=
ſpiel. München 60 dürfte ſich über Jahn Regensburg zu Hauſe
durchſetzen. In den übrigen Treffen erwarten wir Fürth über
den ASN. und Bayern München in Weiden ſiegreich. Das
bedeu=
tendſte Treffen in Nordheſſen führt Boruſſia Fulda und den
VfB. Friedberg zuſammen. Boruſſia iſt Tabellenführer
Fried=
berg folgt mit einem weniger ausgetragenen Spiele ohne
Ver=
luſtpunkt an dritter Stelle. Ein Sieg der Friedberger würde den
Gau Mittelrhein iſt ſpielfrei.
Handball.
Das Sonntagsprogramm verzeichnet zwei intereſſante
Gau=
ſpiele Württemberg=Südweſt, die am Samstag in
Eßlingen und am Sonntag in Göppingen ausgetragen werden.
Das Programm der Punktekämpfe iſt in beiden Gauen unter
die=
ſen Umſtänden natürlich ſehr klein. In den übrigen Gauen geht
der Punktekampf auf der ganzen Linie weiter. Das Programm
im Gau Südweſt: Polizei Darmſtadt — SV.
Wies=
baden.
Leichtathletik.
Ueber 30 Teilnehmer erſcheinen in München am Start zur
22. Deutſchen Meiſterſchaft im 50=Kilometer=
Gehen. In Dresden wird ein Hindenburg=
Gepäck=
marſch ausgetragen, und in Paris gehen deutſche Athleten bei
einem „Internationalen” an den Start, wo man mit beſonderer
Beachtung dem Revanchetreffen zwiſchen Berger=Holland und
Borchmeyer entgegenſieht.
Radſport.
Der Sonntag bringt wieder zahlreiche Kehraus=Rennen auf
offenen Bahnen. Von den deutſchen Rennen verdienen die in
Köln=Riehl, deren Hauptereignis das „Goldene Rad vom
Rhein” mit Weltmeiſter Metze am Start iſt, beſondere
Bedeu=
tung. Weitere Schlußrennen, ſtehen in Chemnitz. Mainz
und Singen auf. dem Programm. In Frankfurt geht ein
Radball=Länderkampf Deutſchland — Schweiz in
Szene.
Motorſport.
Am Samstag und Sonntag wird, mit Start und Ziel in
Königsberg die Oſtpreußen=Fahrt abgewickelt, zu der 266
Nennungen in allen Klaſſen abgegeben wurden.
Tennis.
„Das Tennisereignis Deutſchlands” hat man das
Treffen zwiſchen Gottfried von Cramm und Hans Nüßlein
in Berlin genannt. Ein reizvolleres Treffen als das des
deut=
ſchen Amateurmeiſters und des Weltmeiſters der Tennislehrer
dürfte auch kaum gefunden werden. Nicht nur in Deutſchland,
ſondern in der ganzen Tenniswelt wird man dieſem Ereignis mit
größter Spannung entgegenſehen.
Pferdeſport.
Die deutſche Galopprennzeit geht ihrem Ende entgegen. Am
Sonntag ſteht auf dem Programm der Hoppegartener
Rennen als Hauptereignis das Ratibor=Rennen.
4 Fußball in Starkenburg.
SV. Groß=Gerau — Union Wixhauſen.
Die Gerauer haben das Pech, auch im zweiten Heimſpiel auf
Der Bezirksklaſſenmeiſter greift ein.
eine der ſtärkſten Mannſchaften zu ſtoßen. Es ſcheint ziemlich aus=
Das Programm der Bezirksklaſſe Südheſſen (
Spielbe=
ginn 15 Uhr!!).
FV. Egelsbach — Polizei Darmſtadt (Schmidt=Frankfurt),
V. f. R. Bürſtadt
— 98 Darmſtadt (Dötſch=Frankfurt),
Germ. Pfungſtadt — Norm. Pfiffligheim (Enzler=Darmſt.),
Olympia Lorſch — Walldorf (Oßwald=Worms).
Zunächſt ſollte der 7. Oktober ſpielfrei ſein, aber durch die
Spielausfälle am Erntedanktag ſind dieſe fünf Begegnungen
an=
geſetzt worden.
Zum erſten Male greift der letztjährige Bezirksmeiſter
Po=
lizei Darmſtadt in das Geſchehen ein, und zwar auf dem
kleinen Platz in Egelsbach, dem bisherigen Tabellenführer.
Die Grünen kommt ausgeruht aus dem Urlaub, und es wird ſicher
ein ſpannendes Rennen werden, den zweifellos werden die
Platz=
herren alles daranſetzen, auf eignem Platz auch von der Polizei
ungeſchlagen zu beſtehen. Wenn wir auch gefühlsmäßig den
Darm=
ſtädtern ein kleines Plus zugeſtehen möchten, ſo wollen wir doch
einmal den Spielausgang völlig offen laſſen und abwarten, wie
ſich die „Grünen” bei ihrer Feſtaufführung anlaſſen.
In Darmſtadt iſt wieder Spielruhe, denn auch der zweite
Bezirksklaſſenverein, S V. 98, muß reiſen, und zwar diesmal zum
f. R. Bürſtadt, wo nur bei Aufbietung allen Könnens und
reſtloſen Eifers etwas zu holen iſt. Kaum anzunehmen, daß die
Raſenſpieler den „Lilien” etwas ſchenken werden.
Aeußerſt reizvoll wird auch die Begegnung in Pfungſtadt
ſein wo Pfiffligheim antreten ſoll. Die Gäſte haben
Spiel=
verlegung nach Hauſe beantragt, doch dürfte ſie kaum genehmigt
werden. Den Germanen möchten wir — trotz des Bombenſieges
der Gäſte am Vorſonntag — nicht jede Chance abſprechen, falls
die Deckungsreihen der Normannen=Taktik entſprechend begegnen.
Der Ausgang der Begegnung in Lorſch ſollte einen
knap=
pen Sieg des Platzvereins bringen.
Die Kreisklaſſe 1 Starkenburg
war am Erntedanktag völlig ſpielfrei. Sie verzeichnet am
Sonn=
tag volles Programm.
Kreisklaſſe I. Gruppe 1.
F.=V. Hofheim
— F.=C. 1907 Bensheim,
Conc Gernsheim — Alem. Groß=Rohrheim,
T. u. Spv. Biebesheim —
Starkbg. Heppenheim,
F.=V. Biblis — Vorw. Bobſtadt.
Kleinhauſen: ſpielfrei.
Der Auftakt der Bensheimer in Hofheim wird ohne
Zweifel nicht ſo einfach ſein, denn ſie müſſen auf dem kleinen
Ried=
platz beſtimmt alle Regiſter ihres gewiß recht guten Könnens
ziehen, um dort ehrenvoll zu beſtehen. Die Hofheimer haben in
Kleinhauſen aufhorchen laſſen! Allerdings ſpielte dort ihr beſter
Allroundſpieler und derzeitiger Tormann Sauer zum letzten
Male, da er nunmehr in der Darmſtädter Polizei eingetreten iſt,
wo er bei dem Polizeiſportverein natürlich auch ſpielen wird. Ohne
Zweifel haben es die Bensheimer „in ſich” in Hofheim wenigſtens
ein Unentſchieden zu erringen, wenn ſie taktiſch richtig ſpielen.
Aus Gernsheim erfährt man, daß die Mannſchaft
wie=
der vollſtändig beiſammen iſt. Demzufolge wäre alſo für die
Gäſte wenig zu holen.
Die Heppenheimer werden mit ihrer bombiſchen
Hin=
termannſchaft in Biebesheim antreten. Dort iſt zurzeit unbedingt
leichter etwas zu erreichen als beiſpielsweiſe bei den gleichen
Spielen im Vorjahr, ſo daß es uns nicht wundern würde, wenn
die Heppenheimer mindeſtens einen Punkt nach Hauſe holen. Die
Bobſtädter haben ſich nun endlich entſchloſſen, doch
mitzu=
machen. Sie haben dabei einen ſchlechten Start gewählt, denn daß
ſie in Biblis „Federn laſſen” werden, ſteht außer Zweifel.
Kreisklaſſe I. Gruppe 2.
Viktoria Griesheim — Chattia Wolfskehlen.
In Griesheim hat die noch punktloſe Platzmannſchaft eine
gute Gelegenheit, ihr Punktkonto zu eröffnen. Allerdings darf
man nicht allzu leichtfertig in den Kampf gehen, denn der
be=
nachbarte Neuling iſt ſchon in der Lage ab und zu mit einer
Ueberraſchung aufzuwarten. Immerhin iſt nicht anzunehmen, daß
dies gerade in Griesheim geſchieht.
geſchloſſen, daß ſie den zurzeit ſchlagfertigen Unioniſten den Erfolg
ſtreitig machen.
TSG. 46. Darmſtadt — SV. Mörfelden.
Das wohl wichtigſte Spiel der zweiten Gruppe an dieſem Tage
ſteigt in Darmſtadt, an der Rheinallee, wo die 46er den jetzt
füh=
renden SV. Mörfelden erwarten. Die Gäſte, die ihre beiden
er=
ſten Spiele ziemlich überzeugend gewinnen konnten, werden
allge=
mein für den ausſichtsreichſten Bewerber auf die Meiſterſchaft
an=
geſehen. Am Sonntag nun an der Rheinallee hat die Mannſchaft
dieſe Vorausſagen zu rechtfertigen. Wie wir die ehemaligen Rot=
Weißen kennen, werden dieſelben jedenfalls alles daranſetzen, den
Gäſten ein Schnippchen zu ſchlagen.
SV. Weiterſtadt — Germania Eberſtadt.
Ein hartes Ringen wird ſich auf dem Weiterſtädter Gelände
entſpinnen, wo die Eberſtädter Germanen anzutreten haben.
Wei=
terſtadt, das im erſten Spiel recht ſicher geſchlagen wurde, hat nun
Gelegenheit, ſeine Spieltüchtigkeit vor heimiſchem Publikum zu
zeigen. Die einſt ſo gefürchtete Mannſchaft der Germanen iſt bis
heute noch zu keiner feſten Form gekommen, ſo daß es ſehr leicht
möglich iſt, daß ſie ausgepunktet die Heimreiſe antreten muß.
Je=
denfalls kann man mit allem rechnen.
T.=Geſ. 1875 iſt ſpielfrei.
Im Oktober beginnen die Spiele der Kreisklaſſe um 15.30 Uhr
ohne Wartezeit. Die Reſerven treffen ſich jeweils vor den erſten
Mannſchaften.
Kreisklaſſe I. Gruppe 3.
Groß=Zimmern — Michelſtadt,
Ober=Ramſtadt — Höchſt,
Babenhauſen — Schafheim,
Roßdorf: ſpielfrei.
Das Treffen Michelſtadt — Groß=Zimmern ſollte urſprünglich
in Michelſtadt ſtattfinden, da jedoch über den dortigen Platz wegen
der Vorgänge am 17.6. beim Spiel gegen Roßdorf Platzſperre bis
31. Oktober verhängt wurde, müſſen die Odenwälder reiſen.
Gleich=
zeitig muß der V.f. R. auf zwei Spieler ein Jahr lang verzichten,
ſo daß man Groß=Zimmern, das allerdings auch noch nicht
kom=
plett antritt, die beſſeren Ausſichten zuſprechen kann. In Ober=
Ramſtadt ſollte der Sieg der Platzelf bei eifrigem Einſatz nicht
gefährdet werden, und auch in Babenhauſen dürfte für Schafheim
wenig zu erben ſein.
0
Kreisklaſſe I. Gruppe 4
meldet folgende Begegnungen (um 13 Uhr): Eppertshauſen"=
Offenthal, Oberroden — Dreieichenhain, Münſter — Meſſel
Du=
denhofen — Niederroden. Im allgemeinen kann man den
Platz=
vereinen die beſſeren Siegesausſichten beimeſſen, allerdings ſollte
Meſſel ſtark genug ſein, in Münſter zu imponieren.
Die Kreisklaſſe 2
ſieht im Kampf:
Gruppe 1: Fehlheim — Alsbach, Seeheim — Auerbach,
Hähnlein — Jugenheim;
Gruppe 2: Nauheim — Leeheim,
Trebur — Geinsheim, SV. 98, 3.
—Büttelborn, 10.30 Uhr.
Dorn=
heim — Stockſtadt; Gruppe 3: Erzhauſen — Eſchollbrücken,
Reichsbahn — TSG. Erzhauſen, Gräfenhauſen — Merck und Hahn
Sprendlingen; Gruppe 4: Groß=Umſtadt — Kleeſtadt.
Beer=
felden — Erbach. Sandbach — Lützel=Wiebelsbach, Neuſtadt
Ueberau, Lengfeld — Spachbrücken.
Nach dem erſten Spielſonntag iſt die Kräfteverteilung noch zu
ungewiß, um einzelne Vorausſagen wagen zu können, wenn auch
die alten Spitzenreiter bisher recht gut abſchnitten.
SC. Hota.
Das für heute Donnerstag in Stockſtadt angeſetzte Spiel
findet nicht ſtatt. Neuer Termin wird bekanntgegeben.
Wie ſpielen ſie am Sonnkag?
Die kleine Preisfrage für Zußballer.
Nach der Unterbrechung durch unſere große Ferienreiſeaktion
folgt heute wieder die kleine Preisfrage für Fußballer. Es ſind
lediglich die Sieger bezw. ein Unentſchieden der
ein=
zelnen Begegnungen anzugeben. Die Einſendungen unſerer
Fußballfreunde erbitten wir — Poſtkarte genügt — bis
Sams=
tag abend, 18 Uhr, an die Sportſchriftleitung des „Darmſtädter
Tagblatt‟. Darmſtadt, Rheinſtraße 23, I.
Die Preisträger für die beſten Einſendungen finden
Sie in der Montagsausgabe, die ſagt, wer den
1. Preis: 5 RM. bar,
2. Preis: zweimonatigen Freibezug des „D.T.”
3. Preis: einmonatigen Freibezug des „D.T.”
errungen hat.
Sie ſpielen am Sonnkag:
Dänemark — Deutſchland
....."
FK. Pirmaſens — FSV. Frankfurt . . . ..
Egelsbach — Polizei Darmſtadt . . . . ."
Pfungſtadt — Pfiffligheim
.....
Bürſtadt — 98 Darmſtadt
....."
Lorſch — Walldorf
....."
....
46 Darmſtadt — Mörfelden
Groß=Gerau — Wixhauſen
.....
Groß=Zimmern — Michelſtadt
.....
Ober=Ramſtadt — Höchſt
....."
„Geſunde Frau durch Leibesübungen
Werbewoche vom 8. bis 13. Oktober.
Heute Donnerstag, abends 8, 30 Uhr, findet im
grünen Zimmer der Woogsturnhalle die letzte Beſprechung über
die Durchführung der Werbewoche in Darmſtadt ſtatt. Alle
zu=
ſtändigen Vereinsvertreter werden deshalb gebeten, beſtimmt und
pünktlich zu der Sitzung zu erſcheinen.
Turnerbund Jahn 1875 — Turnerinnen.
Die nächſte Turnſtunde findet heute (Donnerstag) abend
vünktlich 8.15 Uhr, und zwar im Turnhauſe Dieburger Straße 26.
ſtatt. Für die Turnſtunden ab Montag, den 8. Oktober, die von
dieſem Zeitpunkt ab wieder in, der Halle der Eleonorenſchule,
Lagerhausſtraße 5. jeweils 8.15 Uhr ſtattfinden, ſtehen die
Lehr=
kräfte, Turn= und Sportlehrerin Büttel ſowie Langsdorf,
wieder zur Verfügung. Die Frauenturnabteilung leitet
Turn=
lehrerin Gertrud Schüttler.
An die Nichtſchwimmer Darmſtadks.
In Weiterverfolgung der Ziele der vom 17. bis 24. Juni
dieſes Jahres ſtattgefundenen Reichsſchwimmwoche, das
Schwim=
men zum Allgemeingut des deutſchen Volkes zu machen, geben
die unterzeichneten Vereine nachfolgende gemeinſame
Erklä=
rung ab:
Mit erſchreckender Deutlichkeit hat die Reichsſchwimmwoche
gelehrt, daß das Heer der Nichtſchwimmer in Deutſchland noch
außerordentlich groß iſt. Noch gibt es Millionen deutſcher
Volks=
genoſſen, die des Schwimmens unkundig ſind und dadurch eine
nationale Pflicht verletzen, weil ſie ſich einmal großer Gefahren
ausſetzen, zum anderen nichts tun für ihre Geſundheit und ihren
Mitmenſchen keine Retter ſein können. Hier einzugreifen und
zu helfen iſt die Aufgabe der deutſchen Schwimmer, wie ſie von
der Reichsſchwimmwoche geſtellt wird.
Deshalb führen die unterzeichneten Vereine während des
Winters in ihren Uebungsſtunden einen
allgemeinen Schwimmunterricht
durch, zu deſſen Teilnahme alle Nichtſchwimmer Darmſtadts, ob
alt oder jung, ob Mann oder Frau, ob Junge oder Mädel,
hier=
mit aufgefordert werden, denn keiner iſt zu alt, um ſchwimmen
zu lernen. Teilnahmeberechtigt iſt jeder deutſche Volksgenoſſe
und jede deutſche Volksgenoſſin. Jeder kann ſich für einen der
unterzeichneten Vereine entſcheiden, ohne daß er damit
verpflich=
tet iſt, während der erſten 3 Monate Mitglied des Vereins zu
werden. Erſt dann ſteht es ihm frei, ſich zu entſcheiden, ob er in
den betreffenden Verein eintreten will oder nicht.
Der Schwimmunterricht iſt koſtenlos. Zur Deckung der
Un=
koſten des Vereins wird lediglich ein Eintrittsgeld von 030
RM. für Erwachſene und für Jugendliche ein ſolches von 0.20 RM.
in den Uebungsſtunden erhoben. Auch außerhalb der
Uebungs=
abende ſtehen nach Vereinbarung koſtenlos Lehrkräfte zur
Ver=
fügung.
Nichtſchwimmer Darmſtadts, kommt alle zu uns und helft uns
mit, unſer großes Ziel zu verwirklichen:
Jeder Deutſche ein Schwimmer!
Darmſtädter Schwimmklub Jung=Deutſchland,
Darmſtädter Turn= und Sportgemeinde 1846,
Polizeiſportverein Darmſtadt,
Poſtſportverein Darmſtadt,
Reichsbahn=Turn= und Sportverein Darmſtadt,
Sportvereinigung 04 Arheilgen,
Sportverein Merck Darmſtadt,
Turngemeinde Beſſungen 1865 Darmſtadt,
Turnerbund Jahn 1875 Darmſtadt.
Nachſtehend geben wir
den Uebungsplan
für das Hallenbad bekannt:
Montag: Große Halle: 19.30—20.30 und 20.30—21.30 Uhr:
Turn= und Sportgemeinde 1846; Kleine Halle: 1930 bis
20.30 Uhr: Poſt=SV., 20.30— 21.30 Uhr: Reichsbahn=TS9
Dienstag: Große Halle: 19.30—20 30 Uhr: Polizei=SV.;
Kleine Halle: 19.30—20.30 Uhr: Jung=Deutſchland,
Damen.
Mittwoch: Große Halle: 19.30— 20.30 Uhr: Reichsbahn bi
1934. 20.30—21.30 Uhr: TSG. 46*
Kleine Halle=
11.
19.30— 20.30 und 20.30—21.30 Uhr: Merck=SV.
Donnerstag: Große Halle: 19.30—20.30 Uhr: TSG. 46. 20 30
bis 21.30 Uhr: Polizei; Kleine Halle: 19.30—20.30 Uhr:
Reichsbahn ab 1. 11. 1934.
Freitag: Große Halle: 19.30—20.30 und 20.30—21.30 Uhr:
Jung=Deutſchland, Herren.
Samstag: Große Halle: 19.30—20.30 Uhr: Turnerbund Jahr
1875. 20.30—21.30 Uhr: Tgd 1865 Beſſungen; Kleine
Halle: 19.30—20.30 Uhr: SVgg. 04 Arheilgen.
Anmeldungen zum Schwimmunterricht werden von den
einzelnen Vereinen in den oben angeführten Uebungsſtunden in
Hallenbad entgegengenommen Nichtſchwimmer Darmſtadts, kommt
alle und helft uns unſer höchſtes Ziel erreichen: „Jeder muß
ſchwimmen können
Welebeiſchl.
Die Wirbeltätigkeit im Norden hat ſich noch verſtärkt, und
Deutſchland bleibt weiterhin im Bereich nach dem Kontinent
fließender ozeaniſcher Luftmaſſen. Der Witterungscharakter bleibt
daher wechſelhaft und zeitweiſe zu Niederſchlagsſchauern geneigt.
Ausſichten für Donnerstag: Wechſelnd bewölkt mit kurzer
Auf=
heiterung, vereinzelt Niederſchläge, Temperaturen wenig
ver=
ändert.
Ausſichten für F. itag: Etwas kühler, ſonſt wenig Aenderung
der Wetterlage.
Nummer 274
Darmſtad
Donnerstag, 4. Oftober
ar Aeohtendeloierſchaftang.
Der Runderlaß Nr. 118 der Reichsſtelle für
Deviſenbewirt=
ſchaftung enthält einſchneidende Beſtimmungen über den Tauſch
Son ausländiſchen Wertpapieren in deutſche Auslandsbonds.
Ab=
geſehen von der Erhöhung der an die Reichsbank abzuliefernden
Deviſenquote muß bei der Ausführung des Geſchäfts die Deutſche
Holddiskontbank beteiligt werden. Die Beſtimmung, daß die
Alusführung durch Vermittlung der Deutſchen Golddiskontbank zu
geſchehen hat, ſoll nach Abſicht der Deutſchen Golddiskontbank aber
richt dahin verſtanden werden, daß dieſe die Aufträge zum
Ver=
auf und Ankauf im Auslande ſelbſt ausführt. Vielmehr wird
von der Deutſchen Golddiskontbank auf das Nachſtehende
hin=
rewieſen:
Die Bank hat ihre Verpflichtung gemäß I, 2 des Runderlaſſes
Nr. 118 dadurch zu erfüllen, daß ſie vor Ausführung des
Geſchäf=
es der Deutſchen Golddiskontbank Mitteilung macht. Sie hat
unsbeſondere zu bezeichnen den Genehmigungsbeſcheid mit Datum
und Ort der Ausſtellung, die zu verkaufenden Werte, die im
Kauf zu erwerbenden Werte. Die Deutſche Golddiskontbank wird
wdann mitteilen, ob ſie mit dieſem Geſchäft einverſtanden iſt.
Degebenenfalls wird ſie Widerſpruch erheben und Aenderung des
Seſchäftes verlangen, namentlich dann, wenn ſie Bedenken gegen
den Erwerb der anzukaufenden Bonds hat. Die Abwicklung des
Heſchäfts einſchließlich Durchführung im Ausland bleibt zunächſt
der einzelnen Bank überlaſſen. Nach Erledigung ſind die
Unter=
lagen über die Geſchäftsentwicklung der Deutſchen
Golddiskont=
ank zur Einſichtnahme einzureichen. Die Deutſche
Golddiskont=
bank hat zugeſagt, die Entſcheidungen auf die vorerwähnten
Mit=
tilungen möglichſt unverzüglich zu treffen. Eine Gebühr für die
Entſcheidung wird ſie nicht erheben.
Ausländerkonken für Inlandszahlungen.
Vereinzelt wird die Anſicht vertreten, daß bei jeder
Einzah=
lung auf ein Ausländerkonto für Inlandszahlungen, ſofern es ſich
m eine nach dem 24. Sept. 1934 fällige Zahlungsverpflichtung
handelt, die Bewilligung der zuſtändigen Ueberwachungsſtelle
bei=
gebracht werden muß. Dieſen Standpunkt ſollen auch einige
De=
kiſenbewirtſchaftsſtellen eingenommen haben. Der Zentralverband
tes deutſchen Bankiergewerbes weiſt demgegenüber in
Ueberein=
immung mit der Reichsſtelle für Deviſenbewirtſchaftung darauf
ffin, daß einſtweilen die Vorſchriften über die Einzahlungen auf
usländerkonten für Inlandszahlungen nicht geändert ſind und
infolgedeſſen bis auf weiteres eine Genehmigung der
Ueber=
wachungsſtelle nicht einzuholen iſt.
Die Konſerveninduſtrie im Sepkember.
Wie der Reichsverband der deutſchen Obſt= und
Gemüſever=
vertungsinduſtrie e. V., Berlin, berichtet, ſind die Fabriken jetzt
gut mit der Herſtellung von Herbſtgemüſen beſchäftigt. Die ſtän=
9rg zunehmende Nachfrage nach Erbſen und Bohnen gibt allen
C rund zu der Annahme, daß auch das Herbſtgemüſe in dieſem
Jahre flotten Abſatz findet. Die Verſandtätigkeit der Fabriken
ick ſtarker als im Vorjahr. Die Anlieferungen in Obſt waren
1t und entſprachen der Nachfrage. Allerdings ſtellte ſich bei
Pflaumen gegen Ende der Ernte ein erheblicher Mangel heraus
Der Produktionsumfang in Obſt dürfte den des Vorjahres nicht
überſchreiten. Es wird mit einer geſteigerten Nachfrage und
beſ=
ſiren Preiſen gerechnet. Hinſichtlich Marmelade und Konfitüren
iſe zu berichten, daß die Fabriken mit der Hereinnahme der
Roh=
ware größtenteils ſchon fertig ſind. Der Abſatz iſt geringer als
ſanſt, was auf das vermehrte Vorhandenſein von Obſt in dieſen
WBochen der Ernte zurückzuführen iſt. Der Umſatz an Fruchtſäften
urid Sirupen iſt im September ſtark zurückgegangen, eine
ſaiſon=
mäßig bedingte Erſcheinung, da die Abehmerkreiſe die
vorhan=
denen Beſtände möglichſt bei Ende der Saiſon ausverkaufen. Die
X reiſe ſind unverändert.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Das vorläufige Ergebnis des öffentlich=rechtlichen
Hagelver=
ſicherungsverbandes in Deutſchland im Jahre 1934. Die
Ergeb=
wſſe des öffentlich =rechtlichen Hagelverſicherungsverbandes in
Teutſchland in 1934 können als befriedigend angeſehen werden.
Tiie Zahl und die Höhe der Schäden bleiben noch hinter denen
des Vorjahrs zurück. Es war gegenüber dem Vorjahr eine
Zu=
nahme an Verſicherungen von 8236 zu verzeichnen. Die
eingetre=
temen Schäden beliefen ſich auf 2949; an Entſchädigungsſummen
eimſchließlich Regulierungskoſten waren 874 364 RM.
aufzuwen=
den. Die Erhebung eines Nachſchuſſes iſt nicht erforderlich. Mit
der weiteren Herabſetzung des Zuſchlags für
Nachſchußrückverſiche=
rungen kann gerechnet werden.
Das Leipziger Meßamt vermittelt Warentauſchgeſchäfte. Die
Leipziger Meſſe, die jährlich tauſende deutſcher
Fertigwarenfabri=
kanten mit tauſenden von ausländiſchen Einkäufern
zuſammen=
b ingt, legt die Möglichkeit des Abſchluſſes von
Warenaustauſch=
ge ſchäften beſonders nahe. Das Leipziger Meßamt iſt jederzeit in
der Lage, deutſchen Einführern, die Waren auf dem
Austauſch=
weg einzuführen beabſichtigen, geeignete Partner, d. h. deutſcher
fertigwarenfabrikanten, die nach den in Ausſicht genommenen
Ländern liefern nachzuweiſen.
Metallgeſellſchaft AG., Frankfurt a. M. Herr Dr. Alfred
Merton, der bekanntlich vor Jahresfriſt aus geſundheitlichen
Gründen unter Verbleib im Vorſtand den Vorſitz im Vorſtand
der Metallgeſellſchaft AG. niedergelegt und ſich ſeither für die
Mahrung der vielfältigen Auslandsintereſſen zur Verfügung
ge=
halten hat, hat nunmehr ſein Amt als Mitglied des Vorſtandes
niedergelegt. Herr Dr. A. Merton wird auf Grund beſonderer
Vereinbarungen für die Intereſſen der Metallgeſellſchaft weiter
Verfügung ſtehen und die ausländiſchen Vertretungen und
e befreundeten Geſellſchaften im Ausland, denen er ſich von
je=
r gewidmet hat, weiter betreuen.
Der Hafenverkehr von Antwerpen im September 1934. Im
September 1934 liefen 908 Seeſchiffe von insgeſamt 1 770 779 To.
dm Hafen von Antwerpen an. Das durchſchnittliche Tonnenmaß
betrug 1950 pro Schiff. Die entſprechenden Ziffern für
Septem=
ber des Vorjahres betrugen 810 Schiffe und 1618 392 To. Von
dem Schiffen, die den Hafen anliefen im September 1934, waren
B engliſche, 179 deutſche. 135 holländiſche, 66 norwegiſche, 44
bel=
giſche, 46 franzöſiſche, 42 däniſche, 15 amerikaniſche, 13 griechiſche
11 italieniſche. 10 finniſche, 7 japaniſche, 6 jugoſlawiſche, 6
portu=
gieſiſche, 6 ruſſiſche, 4 lettiſche, 3 ſpaniſche, 2 öſterreichiſche, 2
bra=
ilianiſche, 2 litauiſche, 2 von Panama, 2 polniſche, 1 eſtländiſches
2 ſchwediſche, 1 ungariſches, 1 rumäniſches, 1 von Tunis und ein
isländiſches.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Der Aufſichtsrat der Torpedowerke AG., Fahrräder und
Näh=
maſchinen, Frankfurt a.M., hat wiederum eine Aederung erfahren,
da Franz Schwarz, Treuhänder der Arbeit, Frankfurt a. M.,
aus=
geſchieden iſt.
Wie aus den Kreiſen der holländiſchen Gummiintereſſenten
verlautet, kann als beinahe feſtſtehend angenommen werden, daß
die Gummireſtriktionsquote für das erſte Quartal oder das erſte
Halbjahr 1935 unverändert mit 30 Proz. beibehalten wird.
Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet, wurde
in den Flußtälern des Tſchirſchk (Usbekiſtan), des Talas und des
Karakul (Kirgiſengebiet) ein goldhaltiger Sand gefunden, der
induſtriell verwertbares reines Gold enthält. Im Flußtale von
Mukſu (Pamir=Hochland) wurden mehr als 50 Adern von
gold=
haltigem Quarz entdeckt.
Der Londoner Goldpreis betrug am 3. Oktober für eine Unze
Feingold 142 Schill. 2,5 Pence gleich 86,6404 RM. für 1 Gramm
Feingold demnach 54,8652 Pence gleich 2,78 555 RM.
Heren in Beärſche Ansranssoonog.
Beriner and Zrantfarier efferiendörſe.
Die Berliner Börſe war bei neuen Anlagekäufen des
Publikums, die ſich aber meiſt nur auf Spezialmärkte erſtreckten,
überwiegend feſter. Die Kuliſſe ſelbſt nahm teilweiſe
Glattſtellun=
gen vor. Die Stimmung wurde weſentlich von den erfolgreichen
Verhandlungen über die Neuregelung der deutſchen
Außenhan=
delswirtſchaft beeinflußt. Man verwies in dieſem Zuſammenhang
auf den Abſchluß der deutſch=ungariſchen Wirtſchaftsbeſprechungen
und das deutſch=finniſche Verrechnungsabkommen ſowie den
Be=
ginn der deutſch=braſilianiſchen Wirtſchaftsbeſprechungen.
Bevor=
zugt waren in erſter Linie ſogenannte billige Werte, wie die
Aktien der Stahlvereinsgruppe, AEG. und Weſtdeutſche Kaufhof.
Letztere waren vorbörslich mit 36 zu hören und eröffneten bei
Glattſtellungen der Kuliſſe mit 35 nach 34½ am Vortag.
Stahl=
vereinswerte gewannen bis ¼ Proz., AEG. ½ Proz.
Montan=
werte waren bis ½ Proz. höher, nur Hoeſch, Klöckner und
Mans=
feld waren angeboten. Am Braunkohlenaktienmarkt wurde die
Bildung von Pflichtgemeinſchaften zum Zweck der gemeinſamen
Treibſtoffgewinnung viel erörtert. Während Ilſe 4¾ und
Leo=
poldgrube 158 Proz. gewannen, ermäßigten ſich Eintracht um 2
und Bubiag um 1 Proz. Kaliwerte gaben um 1—1½ Prozent
nach. Chemiſche Werte waren unter Fuhrung von Farben gut
gehalten. Am Elektroaktienmarkt überwogen die Beſſerungen, die
teilweiſe bis 1 Prozent gingen. Auslandswerte konnten ſich
wei=
ter etwas erholen. Der Verlauf war infolge von Realiſationen
nicht ganz einheitlich. Eine Reihe von Spezialitäten lagen
wei=
ter feſt. Leopoldsgrube ſtiegen von 35½ auf 38. Elektr.
Liefe=
rungen wurden auf das Abkommen mit der Lokalbahn 1½ Proz.
höher bezahlt. Schwartzkopff waren auf Abſchlußerwartungen 2¼
Prozent befeſtigt. Lebhaftes Geſchäft entwickelte ſich auch in
Vo=
gel Telegraph, die 4½ Prozent gewannen. An den übrigen
Märk=
ten wurden die Anfangsnotierungen meiſt um Prozentbruchteile
unterſchritten. Eintracht Braunk erhöhten ihren Verluſt auf 2½
Prozent. Lebhaft lagen Schiffahrtsaktien, Lloyd konnten gegen
den Vortag 1½ Prozent und 1½ Prozent gewinnen. — Renten
lagen freundlich, Goldpfandbriefe waren wenig verändert.
Das Geſchäft an der Frankfurter Effektenbörſe zeigte
auch geſtern keine nennenswerte Ausdehnung. Die Aufträge der
Kundſchaft hielten ſich weiter in engen Grenzen, wodurch die
Un=
ternehmungsluſt der Kuliſſe etwas gehemmt wird. Indeſſen iſt
die Grundſtimmung weiter freundlich und auch das Kursniveau
zeigte eine weitere leichte Erhöhung. Einige Spezialpapiere
ver=
zeichneten etwas lebhafteren Umſatz und gaben der Geſamtbörſe
in Verbindung mit weiter günſtigen Mitteilungen aus der
Wirt=
ſchaft eine Stütze, daneben fanden die in letzter Zeit
abgeſchloſ=
ſenen Zahlungs= und Verrechnungsabkommen ſowie die
verſchie=
denen Wirtſchaftsbeſprechungen mit dem Auslande Beachtung. Am
Aktienmarkt traten AEG. etwas ſtärker in den Vordergrund, die
unter Schwankungen bei lebhaftem Geſchäft bis auf 30¾ (29¾)
anzogen. Die übrigen Elektroaktien lagen zumeiſt gut behauptet,
nur Bekula gingen um ¼ Prozent zurück. Der Montanmarkt war
gleichfalls wieder lebhafter und feſter. So gewannen
Gelſen=
ſirchen ¼ Proz., Mannesmann ³8 Proz., Harpener, Phönix und
Stahlverein je ¼ Proz. Schiffahrtsaktien zogen an, und zwar
Hapag um 88 Proz. und Nordd. Lloyd um ¼ Proz. AG. für
Ver=
kehrsweſen lagen mit 81 um 1 Proz. ſchwächer. Mehr befeſtigt
waren noch Holzmann mit plus 1¼ Proz. Farbeninduſtrie hatten
ziemlich kleines Geſchäft, lagen aber bei 144 Prozent gut
be=
hauptet. Im Verlauf wurde das Geſchäft zwar allgemein etwas
lebhafter, die Kursgeſtaltung war aber ſehr unregelmäßig. Die
Veränderungen hielten ſich in engen Grenzen. Am Rentenmarkt
wurden ſpäte Reichsſchuldbuchforderungen und Kommunal=
Um=
ſchuldung bei unveranderten Kurſen lebhaft umgeſetzt,
Das Geſchäft an der Abendbörſe war zwar nicht groß,
die Haltung war aber weiter freundlich. Die Kundſchaft zeigte
ebenſo wie die Kuliſſe kleines Kaufintereſſe, wobei Montanwerte
bevorzugt blieben bei leicht anziehenden Kurſen. Etwas bewegter
waren auch Farbeninduſtrie mit 144½—144—144½; Scheideanſtalt
konnten ſich um 1 Prozent erhöhen. Daneben fanden noch A. E.G.
einige Beachtung. Im allgemeinen blieben die Berliner
Schluß=
kurſe gut behauptet. Am Rentenmarkt blieb die Haltung feſt,
wobei Kommunal=Umſchuldung bei lebhaften Umſätzen im
Vor=
dergrund ſtanden. Im übrigen war das Geſchäft kleiner bei
un=
veränderten Kurſen.
Aus amtlicher Quelle wird uns mitgeteilt: Nachdem es in der
Einſchlagsperiode 1933/34 im großen und ganzen gelungen war,
die Rund= und Schnittholzpreiſe auf einer für Holzerzeuger und
Holzverbraucher annehmbaren Höhe zu ſtabiliſieren, wird in den
letzten Wochen ein Anziehen der Rund= und Schnittholzpreiſe für
einige wichtige Sortimente beobachtet. Zwar liegt eine
ſaiſon=
mäßig bedingte, aber vorübergehende Knappheit einiger wichtiger
Holzſortimente vor; man kann ſich indes des Eindrucks nicht
er=
wehren, daß ſpekulative Kräfte am Werke ſind, angeſichts einer
vorübergehenden Knappheit in dieſen Sortimenten eine
Hauſſe=
bewegung auf der ganzen Linie einzuleiten.
Es wird darauf aufmerkſam gemacht, daß der Bedarf an Rund=
und Schnittholz mit allen zu Gebote ſtehenden Mitteln ſicher
geſtellt wird. Es beſteht alſo kein Grund, durch
Holzpreiserhohun=
gen die deutſche Wirtſchaft zu ſtören. Ohne Zweifel werden alle
diejenigen, die in der Hoffnung auf eine Holzpreishauſſe
unge=
rechtfertigte Einkaufspreiſe anlegen, vor Rückſchlägen nicht
be=
wahrt bleiben und finanzielle Verluſte erleiden.
Es wird bei dieſer Gelegenheit darauf hingewieſen, daß die
Holzpreisfrage im Hinblick auf ihre umfaſſende Bedeutung im
Rahmen der deutſchen Geſamtwirtſchaft in den nächſten Tagen
zum Gegenſtand einer Beſprechung der beteiligten Reichsreſſors
gemacht wird.
Produkkenmärkke.
i. Marktbericht des Obſt= und Gemüſe=Großmarktes Weinheim
(Bergſtr.) vom 2. Okt. Es wurde bezahlt: für Zwetſchen 9—12,
Birnen 1. Sorte 6—11, do. 2. Sorte 3—5, Aepfel 1. Sorte 6—10,
do. 2. Sorte 4—5, Pfirſiche 1. Sorte 12—21, do. 2. Sorte 6—11
Tomaten 1—2. Nüſſe 12—16, Kaſtanien 7. Bohnen 4—8,
Welſch=
nüſſe 35—41, Quitten 5—6 Pfg. Anfuhr 500 Ztr. Nachfrage gut.
Verſteigerungen werktags 14 Uhr.
Frankfurter Getreidegroßmarkt vom 3. Oktober. Am
Getreide=
großmarkt blieb das Geſchäft klein. Das Angebot in Brotgetreide
iſt zufolge der Feldarbeiten der Landwirtſchaft zwar kleiner
ge=
worden, für Weizen iſt aber angeſichts der nur minimalen
Kauf=
meinung der Mühlen es weiterhin mehr als reichlich. Dagegen
werden Hafer und Futtergerſte bei guter Nachfrage nur knapp
offeriert. Brau= und Induſtriegerſten liegen geſchäftslos. Das
Mehlgeſchäft ſtockt weiter vollkommen; die Preiſe für Weizenmehl
wurden um eine Viertelmark heraufgeſetzt; Roggenmehl blieb
da=
gegen unverändert. Oelhaltige Futtermittel werden bei knapper
Zuteilung der Oelmühlen weiter gut gefragt, während
Mühlen=
jachfabrikate ruhigeren Markt haben. Es notierten: Weizen
W. 9: 200, W. 13: 204, W. 16: 208; Roggen R 9: 160, R. 13:
164, R. 15: 168: Futtergerſte G. 9: 162, G. 11: 165, G. 12
Hafer H. 13: 160, H. 14: 162; Weizenmehl W. 13: 27.15,
16: 27.15, Roggenmehl R. 13: 23,35, R. 15: 23,75;
Weizen=
nachmehl 16,25, Weizenfuttermehl 12,50, Weizenkleie W. 13: 10.40,
V. 16: 10,60, Roggenkleie R. 13: 9.,60. R. 15: 9,84, Soyaſchrot
13,00, Palmkuchen 13.30, Erdnußkuchen 14,50, Treber 17,25—17,35,
Heu 11,00, Weizen= und Roggenſtroh drahtgepreßt oder gebündelt
3,60—3,75. Tendenz: ruhig.
Berliner Getreide=Großmarktbericht vom 3. Oktober. Von den
an ſich mäßigen Umſätzen im Getreideverkehr berührt weiterhin
ein erheblicher Teil den hieſigen Großmarkt überhaupt nicht.
Wäh=
rend von dieſer Entwicklung bisher in der Hauptſache Brotgetreide
betroffen wurde, zeigt ſich die gleiche Bewegung auch in Hafer,
ſo daß der Bedarf der hieſigen Verbraucher nicht befriedigt
wer=
den kann. Feſtofferten in Hafer lagen auch in ſchwereren
Quali=
täten vor. Das Angebot in Futtergerſte iſt gleichfalls recht knapp.
Am Brotgetreidemarkt haben ſich die Abſatzverhältniſſe nicht
ver=
ändert, Roggen iſt weſentlich leichter als Weizen unterzubringen.
Das Weizenangebot überſteigt zumeiſt noch die Nachfrage,
ver=
ſchiedentlich werden zu Futterzwecken freigegebene Partien
um=
geſetzt. In Mehl erfolgen kleinſte Bedarfskäufe, wobei
Roggen=
mehl in der Hauptſache in Provinzfabrikaten Käufer findet. Gute
Braugerſten werden zu ſtetigen Preiſen aufgenommen.
G
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve.
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich
d Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für den Schlußdier
Andreas
uer; für den Handel: Dr. C. H. Quetſch: für den Sport: Karl Böhmann:
e Gegenwart” Tage
gel in T
Wort: Dr. Herbert Nette; für d
Mitteilu
genteil und geſchäftlich
en: Willy Kuhle, ſämtlich in Darmſtad
D. A. VIII. 34. 22415. Druck und Verlag: L. C. Wittich, Darmſtadt, Rheinſtraße 2
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen
Sprechſtunden der Redaktion: Vormittags 12—1 Uhr, nachmittags 6—7 Uhr.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.
Berliner Kursbericht
vom 3. Oktober 1934
Deviſenmarkt
vom 3. Oktober 1934
Me H
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Vereinigte Glanzſt
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
DeutſcheCont. Gas
Me
70.—
73.25
27.—
30.—
30.25
131.875
A
17.50
111.25
133.50
125.75
Me
Elektr. Lieferung
F. G. Farben
Gelſ. Bergwerke
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Koksw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.
are
102.75
144.125
65.50
111.25
106.—
77.875
83.—
123.—
76.7
99.50
78.50
57.—
Ween ee
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Weſtdte. Kaufhof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlör. Ind.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah=
Wanderer=Werke
Ree
17.125
41.62
156.—
43.50
34.875
68.25
14.125
127.50
52.50
106.75
112.50
134.75
Aeghpten
gentinien
Zelgien
Braſilien
ulgarien
Canada
Dänemart
Danzig.
England
Eſtland
innland
Frankreich
genland
Jsland
Währung
1äghpt. 2
Pap. P
100 Belg
Milreis
100 Leva
1canad. Doll
100 Kronen
100 Gulder
1 2. Stg.
100eſtl. Kr.
00 finn. Mk
100 Franke
100 Drach
100 Gulden
100 isl. Kr.
Re
12.49
0.
204
7375
23e,
38.64
55.07
Brieſ
471
168.98
5. 19
Italien
Japan
goſlawien
dettland
orwegen
jeſterreick
Bortugal
veden
chweiz
Spanier
Tſchechoſlowak.
ürkei
ngarn
Uruguay
Ver. Staaten
Währung
100 2a
nen
009
100 Schillir
10 Escudo=
00 Kronen
00 Franc
Peſetas
00 Tſch. Kr.
1o0
nab
1 Goldpeſo
1 Dollar
GeldBrief
21.45
0.7
197
*
0.9‟
2.472
17
1.03
1.221
1.001
2.476
Marionärdane Sarihftade, Fillane ort Sressher Sunr
Frankfurter Kursbericht vom 3. Oktober 1934.
Ke
„Gr. II p. 1934
338
19
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1938
„Gruppe1 ...."
4½ Dtſch. Reichsanl.
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Bahern ..v.
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% Preuß. St. v. 28
% Sachſen ..v. 27
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6% Dt. Reichsbahn
Schätze. .......
% Dt. Reichspoſt
Schätze..... . . .
Dtſch. Anl. Ausl.
2. Ablöſung.
„ (Neubeſitz)
Deutſche
Schubzge=
bietsanleihe ....
Baden=Baden
Berlin .. .v.2
Darmſtadt .
Dresden.. v.
6% Frankfurt a.
Schätze v.
„ v.
Mainz. . . . .
3Mannheim v.27
München v. 29
„Wiesbaden v. 28
6%Heſſ. Landesbk.
6% Goldoblig.
103.7
105
102.25
3.2
101.75
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4:
107.e
33
100.6
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81
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92
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3%
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6% Preuß. Landes=
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6% „ Goldoblig
6% Landeskomm.
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11
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6%Naſſ. Landesbk.
5½% Lig.=Obl.
Dt. Komm.
Sam=
nel=Ablöſ.-Anl.
+Ausl. Ser. I
Ausl. Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
6%Berl. Hyp.=Bk
„
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Frkſi. Hyp.Bk.
g.=Pfbr
936
Goldoblig
6% Frkli. Pfbr.=Gk
Lig.=Pfr.
6% Mein, Hyp.=Bl
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509 Dig=Pfr.
6%Rhein. Hyp.=Bl
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6% Dt. Linol. Werke
Mainkrw. v.
Mitteld. Stahl
Salzmannce
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2Ver. Stah
6% Voigtck Häffn=
J. G. Farben Bonds
5%Bosn. L. E.B
L. Inveſt
2Bulg. Tal
% Oſt. Schätze
2 Oſt. Goldrente
%vereinh. Rumän
% „
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1.Bagdad
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4½Budp. Stadtanl.
4½Liſſabon
„
4% Stockholm .
Aktien.
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Alg. Kunſtzide Unie
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Bad. Maſchinenfbr.
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96
30.3.
79.3
80
119.75
Un
30.25
4.9
R6
103
61.5
30.25
104
147
88.25
118.25
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132.5
62.5
511
124
112
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91
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110.5
46.75
117.5
162,5
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65.5
124.5
122:/,
77
53
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94.25
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Frankf. Bank. . . . 90
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78.5
Nein, Hhp.=Bank.
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Neichsbank.”
hein. Hyp.=Bank.
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Württb. Notenbankl100
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Seite 18 — Nr. 274
Der weltberühmte Tenor
Louis Graveur
In seinem neuesten
Film:
EinWalzer
Für Dich
Ein fröhlicher Sängerfilm
mit Camilla Horn, Heinz
Rühmann,Adelesandrock
Theo Lingen u. v. a.
Nicht für Jugendliche!
Beginn: 5.45, 6.00, 8.20 Uhr.
AH
Hlente undl Tolgende Tage
Der Großfilm der Terra
Nach dem gleichnamigen Roman
der Berliner IIlustrirten,
von Georg v. d. Vring.
Marianne Hoppe
Dienächſte Zuſammenkunft
der ehemaligen Schülerinnen des
Hofmänn’ſchen Inſtituts
findet am
Samstag, den 6. Oktober 1934,
nachm. 4 Uhr, auf dem Heilig=,
kreuzberg, Dieburgerſtraße, ſtatt
II. 8. Kullurgemeinde
(Deutsche Bühne)
Miete M (12 Vorstellungen)
Für die heutige Vorstellung
sind noch einige Karten
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zuholen in derGeschäftsstelle
von 9—13 und 16—20 Uhr
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Mainz am Rhein
Jubel — Trubel — Volkshumor
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Traue) Eintritt: RM. 0.50
1 Glas ;/uo Lit. Wein RM. 0.20
Hberall sind Publikum und
Presse begeistert von
Erich Waschneck’s Filmwerk
MUIlK IMBLUT
Darum wählte ihn das
RESl-THEATER
zu seiner bevorstehenden
SAISON-ERGFFNUNG
LEO SLEZAK
steht als sorgender Papa und
Direktor einer
Musikhoch-
schule inmitten einer Schar
vorwärtsstürmender, junger
Menschen. (10426
Beachten Sie bitte die weiteren
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Hein ſpielt abends ſo
ſchön auf dem
Schifferklavier
in:
Krach um
Jolanthe
Jugendliche Zutritt. (F10408
Beginn: 5.45, 6.00, 8.20 Uhr.
Schwarzer Jager
Tohunna
Ein Mädchen reitet gegen Napoleon.
Hauptdarsteller:
Johanna Luerssen . . Marlanne Hoppe
Major Korfes . . . . . Paul Hartmann
Dr. Frost, politischer Agent
Gustaf Gründgens
1809. Das Volk in Norddeutschland
erhebt sich gegen die Franzosen Die
siebzehnjährige Johanna Luerssen folgt
dem Mann, den sie liebt, in den Krieg
Dieser Mann ist Major Korfes, der
Führer des Schwarzen Korps. Johanna
rettet ihm das Leben, schützt ihn vor
dem Verrat des Spions Dr. Frost und
befreit das Korps aus einer
gefähr-
lichen Lage. Korfes dankt der kleinen
tapferen Johanna diesen Dienst am
Vaterland mit seiner Liebe.
Jugendliche haben Zutritt.
Beginn: 5.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
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Donnerstag, 4. Oktober 1934
Hauptm. C 3. Vſt. 20 b. 22.30
Madame Butterfly
Oper von Puccini.
Muſikaliſche Leitung: Friderich
Hauptrollen: von Georgi,
Liebel, Aldenhoff, Köther,
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Preiſe: 0.50—4.50
KLEINESHAUS
Donnerstag, 4. Oktober 1934
Deutſche Bühne M. 1. Vorſt.
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Kinderreiche Mütter Nr. 1—50
20 bis 22.45 Uhr
Kabale und Liebe
Bürgerliches Trauerſpiel
von Schiller.
Spielleitung: Poelzig
Bühnenbild: Riedl
Hauptrollen: Stieda,
Loh=
kamp, Linkmann, Lembach
Gaugl, Verden, Gothe, Trumpp
Weſtermann.
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Im Anſchluß an unſere Theatermieten legen wir eine
Konzertmiete
mit 6 Meiſter=Konzerten in nachſtehender Folge auf:
1. Ein Klavierkonzert mit Wilhelm Backhaus am Flügel, am 19. Oktober.
2. Ein Geſangskonzert mit Marcel Wittrich, Tenor der Staatsope=
Berlin, im November.
3. Ein Geigenkonzert mit Cyrill Kopatſchka, Sologeige, im Januar.
4. Ein Quartett=Abend Schulze=Prisca aus Köln a. Rh., mit ſeinen
Künſtlern, im Februar.
5. Ein Orcheſterkonzert aus der Reihe der Konzerte des
Landes=
theaters, nach Zuteilung.
6. Ein Chorkonzert aus der Reihe der Konzerte des Muſikvereins,
nach Zuteilung.
Die Konzerte 1—4 finden in der Turnhalle am Woogsplatz und die
beiden anderen im Landestheater ſtatt.
Mietpreiſe:
Mk. 13.50
Abteilung I. 1. bis 3. Saalreihe numeriert.
zahlbar in 9 Monatsraten zu je Mk. 1.50
Abteilung II. 4. bis 10. Saalreihe numeriert
Mk. 10.80
zahlbar in 9 Monatsraten zu je Mk. 1.20
Abtellung III. 11. bis 18. Saalreihe numeriert
Mk. 9.00
zahlbar in 9 Monatsraten zu je Mk. 1.00
Abteilung IV. 19. bis 24. Saalreihe u. Galerie 1. Reihe num. Mk. 6.00
zahlbar in 6 Monatsraten zu je Mk. 1.00
Mitglieder des Muſikvereins und Mieter der Konzertreihe des Landes
theaters werden auf Wunſch für den Wegfall des 5. und 6. Konzertes
mit je einer weiteren Eintrittskarte zu den erſten 4 Konzerten oder
mit einer Karte zu unſeren geplanten Sonderkonzerten entſchädigt.
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