Seite 12 — Nr. 189
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 11. Juli 1934
UBEK
20)
Roman von Wolfheinrich v. d. Mülbe
(Nachdruck verboten)
Kulicke hatte Humor, er mußte laut auflachen. Lohmann aber
hätte den Zettel vor Wut faſt zerriſſen. Pflichttreue hinderte ihn
daran, und er legte ihn ſorgfältig geglättet wieder zurück.
„Wiſſen Sie, ſagte Kulicke nach einer Weile, „daß wir doch
noch einen Anhaltspunkt haben? Zwar nicht fürs Signalement,
das iſt und bleibt allgemein und ungenau, aber eine Falle, in die
er ſicher gehen wird?
„Na?‟
„Die Nummern der Dollar= und Peſoſcheine, die der
Kom=
merzienrat ſich aufgeſchrieben hat, ohne recht zu wiſſen warum,
wie er ſagte. Es war eine gute Idee. Ich habe ſie notiert. Wir
müſſen ſie allen Schiffen telegraphieren. Daran denkt er nicht. Sie
werden ſehen, Lohmann, das wird zur Verhaftung führen!“
Kulicke hatte richtig prophezeit, wenn auch die Folgen der
Verhaftung andere ſein ſollten, als er ahnte.
Zweiter Teil. Auf hoher See.
Zwölftes Kapitel.
Die beiden Ingenieure.
Der Schnelldampfer „Kondor” befand ſich auf der Fahrt nach
New York. Er hatte vor zwei Tagen den Hamburger Hafen
ver=
laſſen und ſtrebte nun durch den Atlantik ſeinem Ziel zu. Die
erſten achtundvierzig Stunden war das Wetter ſchauderhaft
ge=
weſen: der Kapitän und der Erſte Offizier waren nicht einen
Augenblick von der Brücke gekommen, und die Reiſenden nicht aus
ihren Kabinen. Nur die Köche hatten es gut gehabt; denn für
die wenigen Paſſagiere, die zu den Mahlzeiten erſchienen, war die
Arbeit ſchnell getan.
Zu dieſen Seefeſten gehörte außer einer kleinen amerikaniſchen
Geſellſchaft, die immer laut durcheinanderſprechend zuſammenſaß,
ein älterer deutſcher Profeſſor, ein Mediziner, der von New York
eine Vortragsreiſe durch die Vereinigten Staaten antreten wollte.
„Die täglichen Gifte und ihre Bekämpfung” lautete ſein Thema.
Profeſſor Knickmeier ſtreckte ſeine hageren Glieder den ganzen
Tag in einem Klubſeſſel des ſchwankenden Rauchſalons,
ver=
qualmte eine ſchweree Import nach der anderen und verſuchte
augenſcheinlich, ob es nicht möglich ſei, die Tönung ſeiner
Bur=
gundernaſe durch reichliche Zufuhr von Bordeaux noch um eine
Nuance zu erhöhen.
Knickmeier langweilte ſich. Bei dem düſteren Sturm= und
Regenwetter war der Verſuch, friſche Luft zu ſchöpfen, zwecklos,
und drinnen, wo die Schlingerleiſten, auf den Tiſchen ſaßen und
alles feſtgeſchraubt war, herrſchte Oede. Kein Menſch, mit dem
man ein vernünftiges Wort reden konnte. Den Hamburger
Groß=
kaufmann, der in der anderen Ecke des Salons in einem
Leder=
ſofa auf und nieder ſtieg, hatte er in der erſten halben Stunde
mit einer nicht genügend begeiſterten Bemerkung über Hamburg
für ewig beleidigt. Vergebens ſah ſich der Profeſſor nach jemand
um, der ihm bei ſeinem Bordeaux hätte Geſellſchaft leiſten können.
Zwar erſchien ab und zu einer der Tennisſpieler, die vom
Sport=
ausſchuß zum Hallenturnier nach Chicago geſchickt worden waren,
auf der Bildfläche und ließ ſich mit einem verzweifelten Verſuch,
männliche Feſtigkeit zu zeigen, mit zuſammengebiſſenen Zähnen in
einem Seſſel nieder; aber es dauerte nie lange, und für die
„Sportlaffen” hatte Knickmeier auch nichts übrig.
Und der junge ſchweizeriſche Fabrikbeſitzer — Dr. Bruno Lerſe,
wie er ſich vorgeſtell hatte — war ſo merkwürdig ſchüchtern und
zurückhaltend. Er ſchien freilich viel jünger zu ſein als Knickmeier
und war auch Kaufmann wie der langweilige Hamburger, aber
daneben war er doch akademiſch gebildeter Ingenieur und machte
den Eindruck eines ſympathiſchen Menſchen.
Knickmeier mochte ſonſt Leute, von ſo feiner Beſcheidenheit,
wie Dr. Lerſe ſie hatte, ſehr gern, aber dieſer Schweizer war gar
zu ſtill. Schade. Der Mann war nicht die Spur ſeekrank, warum
ſaß er dann ſo viel in ſeiner Kabine, anſtatt einen ordentlichen
Tropfen Rotwein mit ihm zu trinken? Das Leſen ſchien ihn auch
anzuſtrengen. Knickmeier hatte beobachtet, daß Di. Lerſe
jedes=
mal, wenn er ein Weilchen bei einem Glas Whisky ſeine tech=
Heuaufführung
Mur wenige Tage
Der Filmder deutsch.
Segel-
fliegerei. Ein Film echter
Kameradschaft und voller
Humor.
Rivalen
Nur noch wenlge Tage Mur noch wenlge Tage
der Luft
Hauptdarsteller:
Claus Clausen
Wolfg. Liebenelner
Hilde Gebünr
Sybille Schmitz
Guzzi Lantschner
Für Jugendliche
In Neuaufführung die große,
unvergeßliche Filmleistung
Emll Jannings
Der
ſchwarze
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Einladung.
Die Mitglieder des Bürgervereins. Darmſtadt e. V.
und die Mitglieder der Keglervereinigung Darmſtadt
und Umgebung e. V. werden hierdurch zu einer
gemeinſamen
außerordentl. Generalverſammlung
auf Donnerstag, den 19. Juli 1934, 21 Uhr im Hauſe
Saalbauſtraße 67 eingeladen. Die Mitglieder der
Keglervereinigung haben bereits um 20 Uhr zu
erſcheinen.
Tagesordnung: 1. Zuſammenſchluß derbeidenVereine
auf Grund des abgeſchloſſenen Vertrags
unterdem Namen „KeglerſporthausVerband
Darmſtadt u. Umgebung e. V.” 2. Beſchluß
faſſung über die neuen Satzungen, 3. Wahl
des Verbandsvorſitzers u. der Kaſſenprüfer,
Angeſichts der wichtigen Tagesordnung iſt
vollzäh=
liges und pünktliches Erſcheinen der Mitglieder
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niſchen Zeitſchriften ſtudiert hatte, die Blätter weglegte, ſeine
leichte goldene Brille abnahm und ſich mit der typiſchen Bewegung
der Kurzſichtigen die ermüdeten Augen rieb.
Wirklich ſchade, der ſchlanke, brünette Dr. Lerſe mit dem
hübſchen, klugen Geſicht war ihm entſchieden der angenehmſte der
Mitreiſenden, die er bis jetzt zu Geſicht bekommen hatte.
Was das nur für ein komiſcher Kauz ſein mochte, dieſer
ſtäm=
mige, dunkelblonde Herr, der ab und zu, vom Schlingern des
Schiffes hilflos hin und her geſchleudert, durch die
Geſellſchafts=
räume, Gänge und Treppen irrte und ſich dabei mit einem ſo
for=
ſchenden Ausdruck in ſeinem kreideweißen Geſicht umſah? Er
pflegte dann plötzlich um noch eine Nuance blaſſer zu werden und
mit verzweifelten Augen jäh zu verſchwinden.
Es war Kulicke, der zur Verfolgung Borchs auf den Kondor
geſchickt worden war, und mit dieſem Schiff ſeine erſte größere
Seereiſe machte. Seit man ſich auf hoher See befand, war er
ret=
tungslos ſeekrank, aber mit eiſernem Pflichteifer raffte er ſich
im=
mer wieder zu einem Rundgang auf. Zur nicht geringen
Schaden=
freude ſeines jungen Kollegen, Reinhold, Fürſt, des
Borddetek=
tivs, der von der Geſellſchaft angeſtellt war und die Entſendung
eines ſtaatlichen Kriminalkommiſſars faſt als perſönliche Kränkung
empfand.
„Aber, Herr Kollege,” ſagte er, wenn er Kulicke durch einen
Gang herumſchwenken ſah, „bleiben Sie doch bloß in Ihrer
Ka=
bine. Hier entgeht Ihnen keiner mehr, und vor der Landung
wer=
den Sie hoffentlich niemand verhaften wollen.”
Einmal wäre Kulicke beinahe die große Treppe zum
Speiſe=
ſaal hinuntergefallen, wenn Dr. Lerſe, der gerade vorbeikam, ihn
nicht mit erſtaunlicher Gewandtheit aufgefangen und auf die
Füße geſtellt hätte.
„Danke,” kam es tief aus Kulickes Innern, aber da es nicht
das einzige blieb, das aus ſeinem Innern kam, konnte man es
Dr. Lerſe nicht verdenken, daß er ſich davonmachte.
Gegen Abend des zweiten Tages legte ſich der Sturm mehr
und mehr, bis es faſt windſtill wurde, und während der Nacht
funkelte über dem ſchwarzen, brauſenden Meer ein prachtvoller
Sternenhimmel. Am Morgen herrſchte Nebel und als gegen neun
Uhr die erſten Paſſagiere das Promenadendeck betraten, war alles
in einen leichten, weißen Dunſt gehüllt, hinter dem man ſchon die
Sonne ahnte. Nicht lange, und das Licht brach durch, der Nebel
ſtieg in Fetzen auf und verrauchte. Von dem reinen, hellblauen
Himmel ſtrahlte die Sonne und blitzte auf dem dünnen Reif, der
alles bedeckte und der nun raſch zerſchmolz. Auf dem
Promenaden=
deck erſchienen immer mehr Gäſte, denen der ruhige Seegang ihr
Wohlbefinden wiedergegeben hatte.
Dr. Lerſe ſaß behaglich an einem ſonnigen Plätzchen. Er hielt
die Brille in der Hand und blinzelte über das grünblaue Waſſer
hin, das in langen, flachen Hügeln vorüberwogte. Nur manchmal
brach ſich der Kamm einer Welle und verrieſelte in ſchneeweißen
Schaumperlen.
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wird am Donnerstag, den 12. Juli 1934, dem
öffentlichen Betrieb übergeben. Die Standorte
der Feuer= und Unfallmelder ſind folgende:
Hochſtraße 61
Nieder=Ramſtädterſtr., Echke Jahnſtr.
Hobrechtſtr., Ecke Jahnſtr.
Klappacherſtr., Ecke Jahnſtr.
Orangerieſtraße, Eche Herrngartenſtr.
Moosbergſtr., Eche Heidelbergerſtr.
Haardtring 56
Beſſungerſtr. 208
Groß=Gerauer Weg
Heidelbergerſtr. 17
Heidelbergerſtr. 49 (Kaſerne)
Beſſungerſtr. 117, Ecke Donnersbergring
Karlſtr. 93, Ecke Wilhelmſtr.
Hügelſtr. 31 (Polizeiamt)
Rheinſtr. 16 (Stadthaus)
Kirchſtr. 13 (Feuerwache)
Landgraf=Georgſtr., Ecke Mühlſtr.
Schloßgraben 9
Pankratiusſtr. 1
Dietrich=Eckart=Platz
Schlageterſtr. 44
Dieburgerſtr. 68
Alfred=Meſſelweg 39
Fiedlerweg, Ecke Erbacherſtr.
Roßdörferſtr., Ecke Heidenreichſtr.
Nied.=Ramſtädterſtr., Ecke Teichhausſtr.
Frankfurterſtr. 2, Ecke Bismarckſtr.
Landwehrſtr., Ecke Blumenthalſtr.
Frankfurterſtr., Eche Kahlertſtr. 1
Schlageterſtr., Echke Frankfurterſtr.
Pallaswieſenſtr. 121
Bismarchſtr. 125 (Güterbahnhof)
Dornheimerweg 32 (Waldkolonie)
Steubenplatz (Wohlfahrtsamt)
Neckarſtr., Ecke Eliſabethenſtr. 60
Ludwigsplatz, Drogerie Schäfer.
st F5is) Direktion der ſtädt. Betriebe.
Einzelnumme
e
T
R
Nf
R
TA
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Bezugspreis:
Anzeigenpreis:
Beſ wöchentlich Tmaligem Erſcheinen vom 1. Juſi
bis 31. Juſi 2— Reichsmark und 20 Pfennig
Ab=
tragegebühr, abgeholt 2.— Reichsmark, durch die
Agenturen 2.20 Reichsmark frei Haus. Poſtbezugspreis
im Juſt ohne Beſtellgeld monatlich 2.40 Reichsmart.
Nichierſcheinen einzelner Nummern infolge höherer
Gewalt berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſiellungen durch
Fermruf obne Verbindlichkeit für uns.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 190
Donnerstag, den 12. Juli 1934.
196. Jahrgang
Die 22 mm breite Zeile im Anzeigenteil 1 mm hoch,
7 Pfennig. Die 92 mm breie Zeile im Texteil 1 mm
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die 22 mm breite Zeiſe 1 mm hoch 6 Pfennig.
Poſtſcheckkonto: Frankfurt a. M. 1301. Bankkonto:
DD.= Bank und Darmſtädter und Natlonalbank.
RegierungsumbildunginOeſterreich
Rücktrikt der Bundesregierung. — Bundespräſidenk Miklas verweigertk die Geſamtdemifſion. — Ausſcheiden
des Heeresminiſters Fürſt Schönburg=Harkenſtein und mehrerer Bundesminiſter.
Dier Porkefeuilles für Dollfaß.
Beeftärlang des chriſtlich-fozialen und des
Heimwehr=
einflaſſes.
DNB. Wien, 17. Juli.
Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat namens der Geſamtregierung
dem Bundespräſidenten die Demiſſion der Bundesregierung
ange=
boten. Der Bundespräſident beauftragte Dr. Dollfuß, Vorſchläge
für die neue Zuſammenſetzung der Regierung zu machen. Der
Bundeskanzler wird folgenden Vorſchlag unterbreiten:
Regierungschef: Dr. Dollfuß, außerdem:
auswär=
tige Angelegenheiten, Sicherheitsweſen, Landwirtſchaft und
Lan=
desverteidigung; Vizekanzler: Starhemberg,
Bundes=
miniſter: Fey, Unterrichtsminiſter: Schuſchnigg,
Sozial=
miniſter: Neuſtädter=Stürmer, Finanzminiſter: Bureſch,
Handelsminiſter: Stockinger, Juſtizminiſter: Berger=
Waldenegg, Staatsſ=kretär für Sicherheitsweſen:
Karwin=
ſky, Staatsſekretär für Aeußeres: der bisherige Berliner
Ge=
ſandte Ingenieur Tauſchitz.
Aus dieſer Miniſterliſte geht hervor, daß die beiden dem
Landbund naheſtehenden Kabinettsmitglieder, der Innenminiſter
Koerber und der Staatsſekretär der Juſtiz Glaß, aus dem
Kabi=
nett ausgeſchieden ſind.
Der Poſten des Innenminiſters iſt bisher noch nicht beſetzt worden.
Ferner iſt der Poſten eines Staatsſekretärs beim
Heeresminiſte=
rium geſchaffen worden, der gleichfalls noch nicht beſetzt iſt. Das
neue Kabinett trägt mit dem Ausſcheiden der beiden
Landbundmitglieder einen ausſchließlichchriſtlich=
ſozia=
lenHeimwehr=Charakter. Der neue Juſtizminiſter
Ber=
ger=Waldenegg ſteht den Heimwehren nahe. Beſonders
bemerkens=
wert erſcheint die Ernennung des öſterreichiſchen Geſandten
Tau=
ſchitz zum Staatsſekretär für das Aeußere; über die Ernennung
ſeines Nachfolgers auf dem Berliner Poſten iſt bisher noch keine
Entſcheidung getroffen. Die Umbildung des Kabinetts
in der Richtung einer Verſtärkung des
chriſtlich=
ſozialen und des Heimwehreinfluſſes wird
all=
gemein auf beſtimmte Gegenſätze zurückgeführt,
die in der letzten Zeit innerhalb des Kabinetts
zutage getreten waren. Oberſt Adam, bisheriger
Schrift=
leiter bei der chriſtlich=ſozialen „Reichspoſt”, iſt zum Kommiſſar
für den Heimatdienſt ernannt worden und übernimmt damit
Auf=
gaben, die bisher von dem Bundeskommiſſariat für Propaganda
ausgeführt wurden.
Major Fey Generalſtabskommifſar
für außerordenkliche Sicherkeitsmaßnahmen.
Bundeskanzler Dr. Dollfuß nahm die Rekonſtruktion der
Re=
gierung vor, um auf dieſe Weiſe eine konzentrierte
Zuſammenfaſ=
ſung der wichtigen, auf die Sicherung von Ruhe und Ordnung
be=
züglichen Reſſorts in ſeiner Hand durchzuführen und ſo die letzten
Reſte ſtaatsfeindlicher Beſtrebungen zu beſeitigen. Es werden
ohne Verzug eine Reihe von Maßnahmen
durch=
geführt werden, die im beſonderen eine Erweiterung der
auf Sprengſtoffanſchläge bezüglichen Geſetze
und Vorſchriften betreffen. Auf den Beſitz von
Sprengſtoffen wird die Todesſtrafe geſetzt, falls
nicht innerhalb einer kurz bemeſſenen Friſt, innerhalb deren dem
unbefugten Beſitzer Strafloſigkeit zugeſichert wird, die reſtloſe
An=
lieferung der noch vorhandenen Sprengſtoffvorräte erfolgt. Die
Bedeutung der Miniſterratsbeſchlüſſe wird durch die
Ein=
ſetzung eines Generalſtabskommiſſars, für
rußerordentliche Sicherheitsmaßnahmen zur
Bekämpfung ſtaatsfeindlicher Beſtrebungen in
der Perſon des Miniſters Fey unterſtrichen, der Vorſitzender eines
ſtändigen Miniſterausſchuſſes und einer beſonderen
Staatskommiſ=
ſion mit beſonderen Vollmachten wird.
Bundespräfidenk Miklas genehmisk nur den Rückkritk
einzelner Kabinekksmitglieder.
Amtlich wird gemeldet: Bundeskanzler Dr. Dollfuß erſchien
Nittwoch früh beim Bnudespräſidenten Miklas, der ihm auf ſein
Ingebot der Demiſſion der Bundesregierung mitteilte, daß er die
Seſamtdemiſſion der Regierung nicht annehme, ſondern nur den
tücktritt einzelner Mitglieder des Kabinetts. Demnach
ſchei=
en aus dem Kabinett Dr. Dollfuß folgende Mitglieder aus:
undesheeresminiſter Generaloberſt Fürſt Schönburg=
Har=
enſtein, Bundesminiſter Dr. Koerber, Bundesminiſter
ichmitz, Bundesminiſter Ender und Staatsſekretär Dr.
ilaß. Die Ernennung des Bundesminiſters für die innere
Ver=
faltung, ſowie der beiden Staatsſekretäre für Landesverteidigung
Und Landwirtſchaft ſteht unmittelbar bevor.
Eine amfliche öſterreichiſche Erklärang.
Amtlich wird mitgeteilt: Der Bundespräſident hat die
Um=
ldung des Kabinetts genehmigt. Wie die Politiſche
Korreſpon=
enz erklärt, iſt der politifche Grund für die
Regierungsumbil=
ung vor allem in der Tatſache zu ſehen, daß Bundeskanzler
r. Dollfuß die für die Innen= und Außenpolitik der
Bundes=
gierung beſonders wichtigen Reſſorts übernimmt und
perſön=
uch führt. Dadurch ſollen die letzten Reſte
ſtaats=
eindlicher Bewegungen in Oeſterreich
endgül=
g beſeitigt werden. Der Rücktritt der Bundesminiſter
nder und Schmitz iſt auf die neue Bundesverfaſſung
zurück=
tführen, nach der die Funktionen eines Landeshauptmannes
mit denen eines aktiven Bundesminiſters unvereinbar ſind. In
der Berufung des bisherigen öſterreichiſchen Geſandten in
Berlin, Tauſchitz, zum Staatsſekretär für
aus=
wärtige Angelegenheiten liegt keinerlei
Aende=
rung in der Zielſetzung der Außenpolitik
Oeſterreichs. Mit beſonderem Bedauern wird der Rücktrit
des Bundesminiſters ſür Landesverteidigung, Schönburg=
Har=
tenſtein, aufgenommen, der einer der hervorragendſten
Perſön=
lichkeiten der öſterreichiſchen Armee iſt. Sein Rücktritt ſoll aus
Familienrückſichten erfolgt ſein. Die perſönlichen
freundſchaft=
lichen Beziehungen Schönburg=Hartenſteins zu Bundeskanzler
Dr. Dollfuß ſind allgemein bekannt und nur die von dem
Miniſter vorgebrachten Gründe konnten den Bundespräſidenten
und den Bundeskanzler bewegen, ſeinem Rücktrittsgeſuch Folge
zu leiſten.
Wie verlautet, legt Bundeskanzler Dr. Dollfuß beſonderen
Wert darauf, die Erfahrungen Schönburg=Hartenſteins dem
öffentlichen Leben Oeſterreichs zu erhalten, was von der
öſter=
reichiſchen Oeffentlichkeit mit größter Genugtuung begrüßt
wer=
den wird.
Vorübergehend keine Beſehung des öſterreichiſchen
Geſandkenpofkens in Berlin?
DNB. Wien, 11. Juli.
In gut unterrichteten Kreiſen verſtärkt ſich am Mittwoch der
Eindruck, daß die öſterreichiſche Regierung vorläufig nicht die
Abſicht hat, nach der Berufung des bisherigen Berliner
Ge=
ſandten Dr. Tauſchitz zum Staatsſekretär des Aeußeren den
Berliner Poſten in nächſter Zeit neu zu beſetzen. Es ſoll
viel=
mehr im Hinblick auf die gegenwärtigen Beziehungen zwiſchen
Deutſchland und Oefterreich der Plan beſtehen, den Berliner
Poſten für einige Zeit unbeſetzt zu laſſen. In politiſchen
Krei=
ſen erblickt man darin einen betonten Schritt der öſterreichiſchen
Regierung, die offenbar damit nach außen hin die Spannung
zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich zum Ausdruck bringen
will. Die endgültige Entſcheidung über die Wiederbeſetzung des
Berliner Geſandtenpoſtens ſoll erſt nach der Zuſammenkunft
zwiſchen Muſſolini und Dollfuß in Riccione Ende Juli fallen.
Sollte ſich dieſe Nachricht bewahrheiten, ſo handelt es ſich
offenbar um eine Verlegenheitsmaßnahme; denn die
öſter=
reichiſche Regierung iſt anſcheinend nicht in der Lage, angeſichts
des gegenwärtigen Standes der deutſch=öſterreichiſchen
Beziehun=
gen aus ihrem Beſtande einen Anwärter zu präſentieren oder
aus dem Kreiſe der geeigneten Perſönlichkeiten jemand zu
finden, der dieſe Aufgabe zu übernehmen bereit wäre.
Regierungsdruck auf die Hochſchulen.
Durch einen Erlaß des öſterreichiſchen Unterrichtsminiſteriums
iſt angeordnet worden, daß nur diejenigen akademiſchen
Funktio=
näre beſtätigt werden ſollen, die der Vaterländiſchen Front
ange=
hören. Wie die Blätter berichten, hat das Unterrichtsminiſterium
nun den Hochſchulbehörden eine Friſt bis zum 31. Juli geſtellt,
bis zu welcher ſie ſich über ihre Stellungnahme zu der
Vaterlän=
diſchen Front zu erklären, bzw. den Beitritt der jetzt
neugewähl=
ten Funktionäre zu der Vaterländiſchen Front mitzuteilen hätten.
*
* Alleinherrſcher Dollfuß.
Die Umbildung der Regierung Dollfuß wird an den
inner=
politiſchen Verhältniſſen Oeſterreichs kaum etwas ändern. Die
Neubildung betont noch ſtärker als bisher die Vorherrſchaft
der Chriſtlich=Sozialen und der Heimwehren.
Außerdem will Dollfuß das Strafgeſetz noch weiter verſchärfen, ſo
daß der Kampf der Regierung gegen das Volk nur
noch zunehmen und die Kluft zwiſchen Dollfußund den
Oeſterreichern ſich noch immer mehr vertiefen
wird. Wenn Dollfuß in den nächſten Wochen dem italieniſchen
Miniſterpräſidenten den angekündigten Beſuch abſtatten wird, dann
kann er ſich ihm als Alleinherrſcher Oeſterreichs vorſtellen.
Doll=
fuß hat alle Machtmittel des Staates in ſeiner Hand vereinigt.
Er hat außerdem den Bundesminiſter Fey zum
General=
ſtaatskommiſſar für außerordentliche
Sicher=
heitsmaßnahmen ernannt und ſich damit in Fey eine
Stütze ſeines Regimes geſchaffen.
Die Frage liegt nun nahe, warum Dollfuß zur
Kabi=
nettsumbildung geſchritten iſt. Es iſt wohl tatſächlich ſo
geweſen, daß er innerhalb des Kabinetts immer wieder auf
Mei=
nungsverſchiedenheiten ſtieß, und daß weiter die Vertreter
des Landbundes keine allzu große
Regierungs=
luſt mehr an den Tag legten. Die ſind nicht zurückgekehrt,
ſtatt deſſen iſt der Einfluß der Chriſtlich=Sozialen und der
Heim=
wehr auf die Regierung verſtärkt worden. Aber die Tatſache hat
ſich doch nicht aus der Welt ſchaffen laſſen, daß die Regierung
Dollfuß auch in ihrer neuen Form ſozuſagen in
der Luft hängt. Zur Bevölkerung führt keine
Brücke hinüber. Der Kampf gegen das Syſtem
Dollfuß wird ſeine Fortſetzung finden. Allerdings
wird Dollfuß ſeine Alleinherrſchaft in noch rückſichtsloſerer Weiſe
als bisher mit Hilfe des Scharfrichters durchführen müſſen.
Die Ueberkragung der Reichstagsſihung am 13. Juli.
DNB. Berlin, 11. Juli.
Die Reichsſendeleitung teilt mit: Am Freitag, den 13. Juli,
abends 20 Uhr, übernehmen alle deutſchen Sender vom
Deutſch=
landſender die Uebertragung der Reichstagsſitzung mit einer
Rede des Führers Reichskanzler Adolf Hitler und einer
Er=
klärung der Reichsregierung.
Neues aus der Roken Armee.
Ausbau der Lufkwaffe. — Unzufriedene Rokarmiſten.
Von unſerem Moskauer Sonderberichterſtatter.
Moskau, im Juli 1934.
Die Leitung der Roten Arme widmet in letzter Zeit
beſon=
dere Aufmerkſamkeit dem Ausbau der Luftwaffe. Es iſt
anzu=
nehmen, daß man in Moskau die Anſicht vertritt, der Luftkrieg
werde im Falle eines kriegeriſchen Konflikts im Fernen Oſten
wenn nicht gerade die Entſcheidung bringen, ſo doch von
größ=
ter Bedeutung für den Verlauf der militäriſchen Operationen,
und zwar ſowohl auf dem Gebiete des Angriffs als auf den
der Verteidigung haben. Die noch immer fortgeſetzte
Konzen=
tration ſtarker ruſſiſcher Luftſtreitkräfte im Fernöſtlichen Gebiet
zeigt, daß die Sowjetuncn ihre gegenwärtig noch beſtehende
Ueberlegenheit in der Luft dem präſumtiven Gegner Japan
gegenüber anſchaulich zum Ausdruck bringen will.
In dieſem Zuſammenhang iſt die Reiſe des
Oberkomman=
dierenden der ruſſiſchen Kriegsluftflotte Alkſnis nach London,
angeblich nur zur Teilnahme an der Luftſchau in Hendon, von
beſonderem Intereſſe. Die Tatſache, daß Alkſnis von zahlreichen
ruſſiſchen Kriegs= und Zivilfliegern und Flugzeugkonſtrukteuren
begleitet wird, zeigt indeſſen, daß dieſe Reiſe auch andere Zwecke
verfolgt. Bei ſeiner Unterredung mit dem engliſchen
Luftfahrt=
miniſter Lord Londonderry wird der ruſſiſche Luftchef
zweifel=
los die Verhandlungen, die ſeit einiger Zeit über ruſſiſche
Flug=
zeug= und Motorenbeſtellungen in England eingeleitet wurden,
ein gutes Stück vorwärts gebracht haben. Der Kriegskommiſſar
der Sowjetunion Woroſchilow hatte gerade auf dem letzten
Moskauer Parteikongreß ſich lebhaft darüber beklagt, daß die
ruſſiſche Induſtrie, darunter auch der Flugzeugbau, in techniſcher
Hinſicht und in bezug auf die Qualität der Rohſtoffe und
Er=
zeugniſſe die Verteidigungsbereitſchaft der Roten Armee ſchwer
gefährde, Anſcheinend hält die ruſſiſche Heeresleitung die eigene
Fabrikation quantitativ und qualitativ nicht für ausreichend
genug, um auf entſprechende Beſtellungen im Auslande
verzich=
ten zu können. Außer in England ſollen Flugzeug= und
Motoren=
beſtellungen auch in Frankreich, möglicherweiſe auch in Italien,
vergeben werden.
In der gleichen Richtung liegt die Schaffung eines
beſon=
deren Amtes für Luftabwehr im Rahmen des
Landesverteidi=
gungskommiſſariats. Zum Chef dieſes Amtes iſt Sergius
Kame=
new ernannt worden. Kamenew iſt eine der intereſſanteſten
Perſönlichkeiten des Sowjetheeres. Als Oberſt im Generalſtab
des Zarenheeres galt er als ſehr fähiger Offizier, dem bereits
damals wichtige Aufgaben übertragen wurden. Er war einer
der erſten hohen ruſſiſchen Militärs, die nach der bolſchewiſtiſchen
Revolution ſich dem Sowjetregime zur Verfügung ſtellten. Im
Bürgerkriege ſpielte er im roten Generalſtab in Moskau und
als Führer großer Truppenformationen an der Front eine ſehr
bedeutende Rolle. In der Folgezeit iſt er Chef der
Heeres=
leitung und ſtellvertretender Kriegskommiſſar der Sowjetunion
geweſen. Während die meiſten anderen Zarenoffiziere, die in
den erſten Jahren des Sowjetregimes führende Poſten in der
Roten Armee einnahmen, im Laufe der Zeit immer mehr durch
Kommuniſten, die ſogenannten „roten Komandeure” erſetzt
wurden, genoß Kamenew nach wie vor das unumſchränkte
Ver=
trauen des Kreml, und ſeine neueſte Ernennung zeigt, daß
der Luftabwehr in Rußland jetzt weitaus größere
Aufmerkſam=
keit gewidmet werden ſoll als bisher. In Moskauer politiſchen
Kreiſen ſpricht man in dieſem Zuſammenhang ſehr viel davon,
daß das geſamte ruſſiſche Flügweſen zentraliſiert werden ſoll,
wobei an die Schaffung eines beſonderen Volkskommiſſariats
für Luftfahrt gedacht iſt. Ob das militäriſche Flugweſen dabei
einbezogen werden wird, ſteht noch nicht feſt, iſt indeſſen ſehr
wahrſcheinlich, da auch der Zivilflugverkehr unter militäriſchen
Geſichtspunkten eingerichtet und ausgebaut wird. Das neue
ruſſiſche Luftſchiffgeſchwader, das aus acht halbſtarren
Luftſchif=
fen beſtehen wird, ſoll nach der offiziellen Verſion für Paſſagier=
und Frachtbeförderung beſtimmt ſein, man geht aber wohl nicht
fehl in der Annahme, daß auch dieſe Luftſchiffe militäriſche
Be=
deutung haben.
Mit gewiſſer Beſorgnis verzeichnet die Sowjetpreſſe in
letz=
ter Zeit die Tatſache, daß die Klagen von Rotarmiſten über
die vielfach fehlende bzw. nicht ausreichende Unterſtützung ihrer
Angehörigen in Stadt und Land, vor allem aber in den
Dör=
fern, zuſehends im Zunehmen begriffen ſind. Zahlreiche Briefe,
die die Moskauer Blätter veröffentlichen, zeigen, daß die
Sol=
daten ſtark erbittert über den Bürokratismus und die
Schlam=
perei der Behörden ſind, die die Angehörigen von Rotarmiſten
bei Unterſtützungszahlungen, Wohnungszuweiſungen,
Lebens=
mittel= und Warenverſorgung uſw. uſw. ſehr oft leer ausgehen
laſſen. Die Rotarmiſten beklagen ſich ſehr lebhaft darüber, daß
alle ihre Beſchwerden und Briefe an die zuſtändigen Behörden
und Parteiſtellen in den ſeltenſten Fällen und auch dann erſt
nach langen Monaten beantwortet werden. Es iſt klar, daß ſolche
Vorfälle die Stimmung der Truppe ſehr ungünſtig beeinfluſſen
müſſen. Dies um ſo mehr, als die große Dürre in
Südruß=
land die Lage der Bauern in den betroffenen Gebieten an ſich
ſchon außerordentlich erſchwert, ſo daß das Verhalten der
Be=
hörden gegenüber den Rotarmiſtenfamilien beſonders ſchlimme
wirtſchaftliche Folgen für dieſe haben kann. Zweifellos werden
die Sowjetregierung und die Parteileitung alles tun, um eine
Wiederholung früherer Kriſen zu vermeiden, bei denen, wie es
damals hieß, der Bauer an die Kaſernentore klopfte, um ſeinen
Dorfgenoſſen in Uniform um Hilfe gegen den Bürokratismus
und die Rückſichtsloſigkeit der Behörden zu bitten. Die von den
Rotarmiſten in ihren Briefen aufgedeckten Mißſtände ſind
in=
deſſen in ſehr vielen Fällen aufs engſte mit dem Regime ſelbſtz
verbunden, ſo daß ihre Beſeitigung kaum möglich ſein wirg.
„eite 2 — Nr. 190
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 12. Juli 1934
Ueberkragung der Goebbels=Rede
auf auswärkige Hender.
DNB. Berlin, 11. Juli.
Die Anſprache des Reichsminiſters Dr. Goebbels mit dem
Thema: „Der 30. Juni im Spiegel des Auslandes” wurde über
alle deutſchen Sender, angeſchloſſen die italieniſche Sendergruppe
Mailand und die argentiniſche Sendergruppe Radio Prieto in
Buenos Aires geſendet. Ferner waren angeſchloſſen die
Richt=
ſtrahler nach Afrika auf Welle 25,51 und 49,83 Meter mit dem
Rufzeichen DJC und DJD. Auch die „Britiſh Broadcaſting
Corporation London, ſchaltete auf den Deutſchlandſender Die
Rede wurde wiederholt am Dienstag um 20.45 Uhr in
eng=
liſcher Sprache nach Afrika, um 23.05 Uhr über alle deutſchen
Sender, um 23.30 Uhr in deutſcher Sprache nach Süd=, Mittel=
und Nordamerika, um 0.25 Uhr in portugieſiſcher Sprache nach
Südamerika und zu gleicher Zeit in engliſcher Sprache nach
Mittel= und Nordamerika. Ferner wurde die Rede wiederholt
um 1.10 Uhr nachts in ſpaniſcher Sprache nach Süd= und
Mittel=
amerika, um 2.15 Uhr morgens in franzöſiſcher Sprache nach
Kanada, um 3.15 Uhr morgens in deutſcher Sprache nach
Nord=
amerika, um 4.15 Uhr morgens in engliſcher Sprache nach
Nord=
amerika.
Weiterhin wird die Rede am 11. Juli geſendet um 14.15
Uhr über den Richtſtrahler des deutſchen Kurzwellenſenders in
deutſcher Sprache nach Aſien und Nordamerika, ferner um 15
Uhr in franzöſiſcher Sprache nach Aſien und Kanada und um
16 Uhr in engliſcher Sprache nach Aſien und Nordamerika.
Engliſche Stimmen zur Goebbels=Rede.
DNB. London, 11. Juli.
Die Rundfunkanſprache des Propagandaminiſters Dr.
Goebbels findet in der engliſchen Preſſe große Beachtung. Die
Blätter bringen die Verurteilung der ausländiſchen
Preſſebe=
richterſtattung durch Dr. Goebbels ſtark im Vordergrund und
veröffentlichen längere Auszüge aus der Rede. Irgendein
ſach=
licher Verſuch, die Feſtſtellung des Propagandaminiſters über
die ausländiſchen Preſſelügen zu widerlegen, wird
bemerkens=
werter Weiſe nicht gemacht. Soweit eine Stellungnahme vorliegt,
läßt ſich kaum der gute Wille feſtſtellen, in Zukunft deutſchen
Angelegenheiten gegenüber mehr Verſtändnis zu zeigen.
Die geſtrigen Ausführungen des Reichspropagandaminiſters
Dr. Goebbels ſind natürlich nicht nach dem Geſchmack der
franzö=
ſiſchen Blätter. Soweit die Berliner Korreſpondenten der
franzö=
ſiſchen Blätter Stellung nehmen, ſuchen ſie ſich zu verteidigen.
Der Berliner Korreſpondent des „Temps” beſchränkt ſich auf die
Wiedergabe der Rede und fügt hinzu, daß ſein Blatt keine der
falſchen Nachrichten, von denen Dr. Goebbels geſtern geſprochen
habe, wiedergegeben habe.
Die Reichseinnahmen und ausgaben
im April und Mai 1934.
DNB. Berlin, 10. Juli.
Das Reichsfinanzminifterium veröffentlicht ſoeben die
Mit=
teilung über die Reichseinnahmen und =ausgaben in den
Mona=
ten April und Mai 1934 des Rechnungsjahres 1934. Danach
be=
trugen (Angaben in Mill. RM.) im ordentlichen Haushalt im
Mai die Einnahmen 510,1 (April 740,8) und die Ausgaben
573,7 (491,0), mithin ergibt ſich für Mai eine Mehrausgabe von
63,6 (April: Mehreinnahme 249,8). Für Ende Mai errechnet
ſich alſo eine Mehreinnahme von 186,2. Um dieſen Betrag
vermindert ſich der aus dem Vorjahr übernommene Fehlbetrag
von 1796,7 auf 1610,5. Im außerordentlichen Haushalt wurden
im Mai 0,8 (April 0,3) verausgabt, ſeit Beginn des
Rechnungs=
jahres alſo 1,1, während Einnahmen auch in dieſem Jahre nicht
ausgewieſen werden. Der vom vergangenen Rechnungsjahr her
vorhandene Plusbeſtand von 14,2 vermindert ſich daher auf
13,1. Für beide Haushalte, einſchließlich der aus dem Vorjahr
übernommenen Fehlbeträge bzw. Beſtände errechnet ſich für
Ende Mai 1934 ein Fehlbetrag von 1597,4. Der
Kaſſen=
ſollbeſtand Ende Mai von 2057 iſt wie folgt verwendet worden:
Zur vorläufigen Deckung des aus dem Vorjahr übernommenen
Fehlbetrages 1796,7 abzüglich der Mehreinnahme April/Mai
von rund 186,2 — rund 1610, zur Deckung der Ausgaben des
Außerordentlichen Haushaltes für April/Mai rund 1 und für
ſonſtige noch nicht rechnungsmäßig gebuchte Auszahlungen unter
Gegenrechnung der Hinterlegung 436, zuſammen alſo 2047. Der
Kaſſenbeſtand bei der Reichshauptkaſſe und den Außenkaſſen
be=
trägt daher am 31. Mai 1934 10,0.
Vom Tage.
Der durch ſeine Beteiligung am Münchener Geißelmord
be=
kannte ſozialdemokratiſche Schriftſteller Erich Mühſam, der ſich in
Schutzhaft befand, hat ſeinem Leben durch Erhängen ein Ende
ge=
macht, Mühſam, ein geborener Berliner, ſtand im 57. Lebensjahr
und war 1919 zu 15 Jahren Feſtung verurteilt. 1924 aber
begna=
digt worden,
Der öſterreichiſche Bundespräſident hat den bisherigen
Präſi=
denten des Verfaſſungsgerichtshofes, Dr. Ernſt Durig, zum
Präſi=
denten des Bundesgerichtshofes, der auf Grund der neuen
Ver=
faſſung errichtet wurde, ernannt.
Die ſterbliche Hülle des vor einer Woche verſtorbenen
Prinz=
gemahls Heinrich wurde am Mittwoch vom Haag zu der in Delft
gelegenen Familiengruft des Hauſes Oranien=Naſſau übergeführt
und dort beigeſetzt.
Der mit der Prüfung des Geſetzentwurfes über die beſonderen
Vollmachten für die belgiſche Regierung beauftragte
parlamenta=
riſche Ausſchuß hat mit 13 gegen 10 Stimmen den Geſetzentwurf
gebilligt. Es handelt ſich bekanntlich um Sondervollmachten für die
belgiſche Regierung zum Zwecke der Sanierung der Wirtſchaft und
der Finanzen.
Der rumäniſche Miniſterpräſident Tatarescu, der zur
Eröff=
nung von Rüſtungskrediten nach Frankreich gekommen iſt, wurde
bereits am Mittwoch nachmittag von Außenminiſter Barthou
empfangen.
Das engliſche Luftfahrtminiſterium hat eine Anzahl
moder=
ner Nachtbomber in Auftrag gegeben. Es handelt ſich um die
er=
ſten Eindeckertypen, die die engliſchen Luftſtreitkräfte verwenden.
Die neuen Flugzeuge ſollen eine große Geſchwindigkeit und einen
beträchtlichen Aktionsradius haben. Die Spannweite der
Trag=
flächen beträgt 33 Meter.
der Führer der Wirkſchaft, Keßler.
Abberufen.
DNB. Berlin, 11. Juli.
Der Reichswirtſchaftsminiſter
hat den bisherigen Führer der
Wirtſchaft, Generaldirektor Phil.
Keßler, von ſeinem Poſten
als Führer der Wirtſchaft mit
ſo=
ſortiger Wirkung abberufen. Bis
zur endgültigen Regelung iſt der
ſtellvertretende Führer der
Wirt=
ſchaft, Graf von der Goltz, mit
der alleinigen Wahrnehmung der
Führung der Geſchäfte beauftragt
worden.
* Graf v. d. Goltz iſt ein alter
Parteigenoſſe. Er war in Stettin
als Rechtsanwalt tätig und hat
ſich auch als Verteidiger in den
Fememordprozeſſen einen Namen
Generaldirektor Ph. Keßler. gemacht. Auf wirtſchaftlichem
Ge=
biet konnte er beſondere
Fähigkeiten vorweiſen.
In=
folgedeſſenwurde er auch dem
jetzt abberufenen Führer der
Wirtſchaft Generaldirektor
Philipp Keßler, als
Stell=
vertreter beigegeben. Er hat
in dieſer Funktion etwa die
Aufgabe des
Geſchäftsfüh=
rers eines großen
induſtriel=
len Verbandes. Daß der
Reichswirtſchaftsminiſter ihn
mit der vorläufigen Führung
der deutſchen Wirtſchaft
be=
traut hat, iſt bezeichnend und
darf wohl als beſonderer
Ausdruck des Vertrauens
gewertet werden.
Nach dem Geſetz zum
Aufbau der nationalen
Wirt=
ſchaft hat der
Reichswirt=
ſchaftsminiſter das Recht,
Wirtſchaftsführer jederzeit
Graf von der Goltz.
zu ernennen und
abzuberu=
fen. Ob noch weitergehende
Perſonalveränderungen folgen werden, iſt nicht vorauszuſehen,
erſcheint aber unwahrſcheinlich. Durch das Geſetz zum Aufbau
der nationalen Wirtſchaft ſollte der ſtändige Aufbau vorbereitet
werden. Offenbar hat ſich bei dieſen Vorarbeiten nicht immer
Uebereinſtimmung zwiſchen Keßler und dem
Reichswirtſchafts=
miniſter ergeben, ſo daß es im Intereſſe der gemeinſamen Sache
dem Miniſter vorteilhaft erſchien, eine Aenderung vorzunehmen.
Verordnung
zur Durchführung der landwirkſchaftlichen
Schulden=
regelung.
In der nächſten Nummer des Reichsgeſetzblattes erſcheint
die 6. Verordnung zur Durchführung der
landwirt=
ſchaftlichen Schuldenregelung, die vor allem aus
zwei Gründen von erheblicher Bedeutung iſt.
Sie verlängert einmal die Friſt innerhalb der die
Eröff=
nung des Entſchuldungsverfahrens beim zuſtändigen
Entſchul=
dungsgericht beantragt werden kann, und paßt ferner die durch
das Geſetz zur Regelung der landwirtſchaftlichen
Schuldverhält=
niſſe vom 1. Juni 1933 und das Reichserbhofgeſetz vom 29.
September 1933 entſtandenen Rechtsverhältniſſe einander ſo an,
daß nunmehr auch bei Erbhöfen die Schuldenregelung nach dem
Geſetz vom 1. Juni 1933 erfolgen kann. Darüber hinaus enthält
die Verordnung eine große Zahl von Beſtimmungen, die eine
beſchleunigte Durchführung der landwirtſchaftlichen
Schulden=
regelung ermöglichen werden.
Die Friſt, innerhalb der die Eröffnung des
Entſchuldungs=
verfahrens beim zuſtändigen Entſchuldungsgericht beantragt
werden kann, war am 30. Juni 1934 abgelaufen. Sie wird
nun=
mehr durch die neue Verordnung bis zum Ablauf des 30.
Sep=
tember 1934 verlängert. Mit einer weiteren Friſtverlängerung
kann nicht gerechnet werden.
Die Verordnung beſtimmt ferner, daß die Ablehnung eines
Antrages auf Eröffnung des Entſchuldungsverfahrens der
Stellung eines neuen Antrages bis zum Ablauf des 30.
Sep=
tember 1934 nicht entgegenſteht. Das gleiche gilt in den
Fäl=
len, in denen das Schuldenregelungsverfahren ohne Beſtätigung
des Entſchuldungsplanes oder Vergleichsvorſchlages rechtskräftig
aufgehoben oder eingeſtellt iſt. Iſt ein landwirtſchaftlicher
Be=
trieb Erbhof, ſo iſt die Ablehnung der Eröffnung des
Ent=
ſchuldungsverfahrens oder der Erklärung des Betriebes zum
Entſchuldungsbetrieb (Selbſtentſchuldung) aus den Gründen
des § 3 Abſ. 1 Br. 4 des Geſetzes (Sanierungswürdigkeit) nicht
zuläſſig, wenn der Kreisbauernführer erklärt, daß er keinen
Anlaß hat eine Entſcheidung des Anerbengerichtes über die
Bauernfähigkeit des Betriebsinhabers herbeizuführen. Ein für
einen Bauern anhängiges Schuldenregelungsverfahren kann
nicht wegen Entſchuldungsunfähigkeit aufgehoben werden. Wird
in einem für einen Bauern eröffneten
Schuldenregelungsver=
fahren der Vergleichsvorſchlag abgelehnt, ſo kann ihn das
Ent=
ſchuldungsgericht, wenn es ihn nicht für unbillig hält, auf
An=
trag der Entſchuldungsſtelle beſtätigen. Zu der im Geſetz
vor=
geſehenen Eintragung der Aenderung mündelſicherer Rechte iſt
nach der neuen Verordnung, ſoweit es ſich um einen Erbhof
handelt, die Genehmigung des Anerbengerichts nicht erforderlich.
Bemerkenswert iſt ferner aus der Verordnung noch die
Be=
ſtimmung, daß das Entſchuldungsverfahren, auch wenn die
Perſönlichkeit oder die Wirtſchaftsweiſe des Betriebsinhabers
nicht die Gewähr für eine erfolgreiche Durchführung des
Ver=
fahrens bieten, eröffnet werden muß, wenn der Betriebsinhaber
ſich gegenüber der Entſchuldungsſtelle ſchriftlich verpflichtet, den
geſamten Betrieb nach Durchführung des
Schuldenregelungs=
verfahrens zu einem die verbleibenden Schulden nicht
über=
ſteigenden Preis der Siedlung zur Verfügung zu ſtellen.
Die neue Verordnung, die 50 Artikel enthält, von denen
hier nur auf die wichtigſten hingewieſen wurde, tritt mit
Wir=
kung vom 1. Juli in Kraft.
Todesſtrahlen.
Mit 50 Millionen Bolk gegen 10 000 Blugzeuge.
Die New Yorker Blätter veröffentlichen in ſenſationeller
Auf=
machung eine Unterredung mit Dr. Nicola Tesla, der weiteren
Kreiſen durch die nach ihm benannten Ströme und durch ſeine
Erfindungen zur beſſeren Auswertung des elektriſchen Stromes
vekanntgeworden iſt.
In der Unterredung behauptete Dr. Tesla, es ſei ihm
ge=
lungen, ſogenannte „Todesſtrahlen” durch eine Art elektriſchen
Geſchützes in wirkungsvolle Form zu bringen, ſo daß 10000
Flugzeuge auf eine Entfernung von 250 Meilen und ganze
Armeen vernichtet werden könnten. Nur die allerſtärkſten
Stahl=
panzer behauptet Tesla weiter, ſeien imſtande, den Strahlen
Widerſtand zu leiſten, mit denen nach jedem im Fernrohr
ſicht=
baren Gegenſtand gezielt werden könnte. Zur Erzeugung der
„Todesſtrahlen” ſei eine Spannung von 50 Millionen Volt
nötig. Es handele ſich im weſentlichen darum, einen Apparat
herzuſtellen, durch den Strahlen in freier Luft ſtatt in dem
bis=
her benötigten Vakuum ausgeſendet werden könnten. Ferner ſei
die Erzeugung von ganz enormen elektriſchen Energien
not=
wendig.
Dr. Tesla, der bereits 77 Jahre alt iſt, beabſichtigt, ſeine
Erfindung der Genfer Abrüſtungskonferenz vorzulegen.
* Deutſche Landſchaftsmalerei
i „del Jährhunderien.
II.
Mit den Werken Carl Rottmanns, der ſehr reich
ver=
treten iſt, kommen wir ſchon zu der Malerei der Romantik.
Seine ſüdlichen Landſchaften ſind großzügig geſehen, als eine
Einheit, — hier iſt nicht mehr von Kuliſſen und Staffagen die
Rede. Die Farbgebung iſt auch viel kühner geworden, ſeine
Farben ſind glühend und leuchtend, dem Thema der Bilder
ent=
ſprechend. — Ungefähr zur ſelben Zeit malt Schilbach das
Meer und die Felſen von Capri und Sorrent, ſüdliche Städte
mit ihren flachen, blockhaften Häuſern. Oft genügt ihm auch
nur eine Wolkenpartie zum Thema einer kleinen Studie, oder
er zeichnet den Schwung von Hügellinien nach. — K. Ph. Fohr
dagegen iſt der getreue Porträtiſt des Heidelberger Schloſſes,
das er immer wieder malt. Sehr fein von ihm eine duftige
kieine Flußlandſchaft in blaugrünen Tönen, die bei der
Ueber=
ſetzung ins Große ſehr an Stimmungsreiz verloren hat. Auguſt
Lucas bei dem Staffage=Gruppen wieder eine größere Rolle
ſpielen, ſteht ſtark unter dem Einfluß von J. A. Koch von
dem — ebenſo wie von Preller Schirmer und Leſſing
nur wenige Schaffensbeiſpiele gezeigt werden, da die
Oel=
malerei nicht in die Ausſtellung einbezogen wurde. Von Leſſing
ſehen wir z. B. eine Studie zu dem im Münchener Glaspalaſt
verbrannten Bild. Das einzige Bild von B. Fries iſt trotz
des kleinen Formats ſo durchaus groß in der Auffaſſung, daß
es ſich ohne weiteres ins Große übertragen ließe. Während
E. Fries ganz der italieniſchen Landſchaft verhaftet iſt, malt
E. Kaiſer ſehr fein die dicken Gräſerpolſter einer
Hoch=
gebirgswieſe. Der große Schilderer, der bayriſchen Hochebene
aber wird W. v. Kobell, der eine Tegernſeelandſchaft ſehr
licht, mit kleinen Schattenpartien durchbaut, ganz in ſich ruhend
malt.
Eine Reihe von Darmſtädter Künſtlern, um die Mitte oder
in der 2. Hälfte des 19. Jahrunderts tätig, ſchließt ſich an:
L. W. Bayrer iſt beſonders für Architekturmotive intereſſiert,
er liebt das krauſe Giebelgewirr einer deutſchen Stadt, die den
Berg hinanklettert. C. K. Köhler ſucht ſeine Motive in den
Alven, Schweich, Röth und A. Noack haben einen feinen
Blick für den Reiz der heimatlichen Landſchaft (
Bergſtraßen=
motive). Mit liebevollſter Genauigkeit ſchildert P. Weber eine
Zum 60. Todeskage
von Friß Reuter.
Fritz Reuter,
der Meiſter plattdeutſcher
Erzählungskunſt, ſtarb am
12. Juli vor 60 Jahren. Mit
ſeinen Romanen und
Ge=
dichten hat er ſeiner
meck=
lenburgiſchen Heimat ein
unvergängliches Denkmal
geſetzt. Seine hervorragende
Beobachtergabe, ſein
gemüt=
voller Humor und ſeine
prachtvolle Erzählerkunſt
ſtellen ihn an die Spitze der
deutſchen Mundartdichter.
Partie am Bach bei Darmſtadt. Gegenüber einem ſolchen Bild,
aus dem eine Liebe und Vorliebe für das kleine ſpricht, ſtehen
dann die Bilder von Eugen Bracht, dem es nur noch um
das Ganze eines Landſchaftseindrucks geht. In ganz aufgelöſter
Weife malt er ſo ein Stück Natur, das Hochmoor, ein felſiges
Tal, ein langſam ziehendes Waſſer. Auf die Wiedergabe einer
beſtimmten Oertlichkeit kommt es ihm nie an. In ſeiner
Farben=
ſkala kehren ein fahles Roſa und Grün öfter wieder. Neben
ſolchen Bildern wie der Jordanniederung mit den ſehr ruhigen
Wagerechten zeigt er dann in andern, wie z. B. dem
umge=
ſtürzten Baumſtamm, eine beſondere Freude an
durcheinander=
ſprießenden Linien.
Einen großen Raum nimmt im Rahmen der Ausſtellung das
Werk des Frankfurter Peter Becker (1828—1904) ein; hier
wurden die Beſtände des Muſeums, z. T. Neuerwerbungen,
er=
gänzt durch Leihgaben aus Privatbeſitz (Prof. Meißner,
Darmſtadt, Deubel Frankfurt, Binding Frankfurt) und
aus der Städtiſchen Galerie, Frankfurt. — Peter Becker hat
immer wieder betont, daß ihm die Entdeckung der deutſchen
Landſchaft am Herzen lag, er zog mit Kohle und Zeichenſtift
aus, um nach der Natur zu zeichnen, und alle ſeine Bilder
zeugen von einer ſehr liebevollen Beobachtung der Natur. Wenn
er auch in manchen Bildern zu ſehr bei der Schilderung feiner
und feinſter Kleinigkeiten ſtehen bleibt, ſo entſchädigt er dafür
doch vollkommen in ſolchen Bildern wie der Waldbachſchlucht
aus dem Odenwald, wo die heimlich dunkle Stimmung eines
deutſchen Waldwinkels unmittelbar zu uns ſpricht. Im
allge=
meinen liebt er die Weite auf ſeinen Bildern, noch in ſeine
kleinen Bilder, wie etwa die Weſterwälder Landſchaft, fängt er
unendlich viel Luft und Weite ein. Auch wenn er, wie auf dem
Bild aus der Schwalm, die Tiefe mit einer Brücke zubaut, ſo
geſchieht das nur, um ſie zwiſchen den Brückenbogen hindurch
um ſo betonter freizugeben. — Peter Becker iſt der Entdecker
einer Landſchaft geworden, die heute im Mittelpunkt deutſchen
Intereſſes ſteht: Der Saarlandſchaft. Zu ſeinen ſchönſten
Werken gehört das große Bild der Saar=Schleife von Mettlach,
von großer Höhe aus geſehen, von der der Blick ungehindert
in die Weite ſchweift und hinunter in das Tal, in das ſich der
Fluß tief eingegraben hat: man glaubt geradezu die Kräfte,
die während einer ganzen erdgeſchichtlichen Periode daran
ge=
wirkt haben, das Geſicht der Landſchaft hier ſo und nicht anders
zu geſtalten, noch lebendig in dieſem Bild zu ſpüren.
An dem Werke des Mainzers Peter von Halm bewundert
man vor allem die virtuoſe Technik, hinter der das Eigene, was
der Künſtler zu ſagen hätte, manchmal ſo zurücktritt, daß der
Eindruck der Arbeiten etwas kühl bleibt. Halm hat eine ganz
ausgeſprochene Vorliebe für krauſe, ſtarrende ſpießende Formen
und Linien. Er ſucht ſie überall auf: in den dürren Zweigen
alter Kopfweiden, dem Balkengewirr eines Gerüſtes oder eines
abgebrochenen Hauſes, in den durcheinanderragenden Maſten
von Schiffen, in einer Eiſenbahnbrücke, die er auch nicht als
klare Konſtruktion, ſondern als ein Gewirr von Streben ſieht.
Sehr glücklich verbindet ſich dann dieſe Vorliebe für krauſe
Formen mit einem Sinn für den Stimmungsreiz alter
Städt=
chen in ſeinen Bildern aus Meersburg oder Alt=Bamberg. —
Charakteriſtiſch für ihn iſt noch, daß er kleine Motive, einen
Baum, eine Brücke, immer ganz allein ſieht, weniger im
Zu=
ſammenhang mit dem ganzen Raum der Landſchaft, der kaum
angedeutet wird.
Ein weiter Weg, der von den im Atelier entſtandenen
Kompoſitionslandſchaften — zu Beginn der von der Ausſtellung
erfaßten Zeit — zu den letzten, nach der Natur gezeichneten
Werken führt: ein Weg, bei dem der Schwerpunkt des Intereſſes
bald bei dem großen Ganzen einer Landſchaft, bald in ihren
Kleinformen lag; bei dem die Landſchaft oft nur Ausdruck einer
Stimmung des Künſtlers war, oft ganz ſachlich und ohne
Bei=
gabe von Perſönlichem hingeſtellt wurde. Jedenfalls ein Weg,
den zu verfolgen für jeden, der die Landſchaft und ihre Dar=
A. H.
ſtellung in der Kunſt liebt, ein Erlebnis wird.
Donnerstag, 12. Juli 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr.
Pakkpläne in Berlin vermikkeln
eik eines Konfliktes zwiſchen
Deutſchland ziehl zweiſeitige Richkangriffspakte
den Regionalverkrägen vor.
Der franzöſiſche Außenminiſter Barthou hat ſowohl bei
ſei=
nem Abſchied an der Themſe als auch bei ſeiner Ankunft an der
Seine ein glückſtrahlendes Geſicht gemacht und den Emdruck
her=
vorzurufen geſucht, als ob es ihm gelungen wäre, einen 100
pro=
zentigen Erfolg zu erzielen. Wir werden noch einige Zeit warten
müſſen, bevor es möglich iſt, ein endgültiges Urteil über das, was
zwiſchen Barthou und Sir John Simon ausgehandelt worden iſt,
zu fällen.
So liegen aber die Dinge ganz gewiß nicht, daß alle Wünſche
Barthous in Erfüllung gegangen ſind, wie auch umgekehrt die
Prophezeiungen der Londoner Preſſe, England werde ſich auf
nichts, was über den Locarno=Vertrag hinausgeht, einlaſſen, ſich
als falſch herausgeſtellt haben. Vielleicht hatte Herr Eden, als er
ſeine letzte Rede hielt, noch die Hoffnung, daß England ſich den
franzöſiſchen Forderungen entziehen könne. Aber Herr Barthou
hat ſich nicht geniert, in London einige Trümpfe auszuſpielen, ſo
daß die Engländer reichlich verdutzt dageſeſſen haben dürften und
ſchließlich darauf abgekommen ſind, das ſogenannte kleinere
Uebel zu wählen.
Worin beſteht es? In der
Unkerſtühung der franzöſiſchen Oſtpolikik.
ſoweit es ſich dabei um den zwiſchen Barthou und Herrn
Litwi=
now abgemachten Sicherheitspakt handelt. Denn vieles deutet
darauf hin, daß Herr Barthou den Abſchluß eines franzöſiſch=
ruſ=
ſiſchen Militärbündniſſes in ſichere Ausſicht geſtellt hatte, falls das
Oſtlocarno nicht zuſtande kommen würde. Die Engländer
haben alſo eine gewiſſe Nachgiebigkeit vorgezogen, wenn auch
be=
hauptet wird, daß ſie ihre Unterſtützung auf dem
Ge=
biet der Abrüſtung wettgemacht wiſſen wollen.
Doch nirgends finden ſich in der ausländiſchen Preſſe
einwand=
freie Anhaltspunkte dafür, daß Herr Barthou eme nennenswerte
Abrüſtung in Ausſicht geſtellt hat. Auf das Geſpräch, das er mit
Henderſon wegen der Wiederaufnahme der
Abrüſtungsverhand=
lungen im September geführt hat, kann man ſich ſchwerlich ſtützen.
Es bietet nicht die geringſte Handhabe für die Vermutung, daß
die Abrüſtung in London eine Rolle geſpielt hat.
Die Auswirkungen der Wahl des kleineren Uebels durch
Eng=
land können nicht mehr lange auf ſich warten laſſen. Es iſt doch
offenſichtlich vereinbart worden, daß
die Engländer wieder ihre Diplomaken zugunſten
Frankreichs mobilmachen
und daß ſie nun wieder in Berlin verſuchen werden, uns ein Oſt=
Locarno in den ſchönſten Farben zu ſchildern. Für dieſen Plan
haben wir uns in der Vergangenheit nicht begeiſtern können. Wir
können ihm auch heute keinen Geſchmack abgewinnen. Früher
ver=
ſtand man unter Oſt=Locarno eine deutſch=polniſche Vereinbarung,
jetzt, nachdem ſich Deutſchland und Polen direkt geeinigt haben,
wollen die Franzoſen im Oſten eine ganze Staatengruppe
zu=
ſammenfaſſen, die ſich gegenſeitig die Sicherheit verſprechen und
die ſich gegenſeitig militäriſchen Beiſtand gegen den Friedensbrecher
leiſten ſollen. Die Gruppe, die von Frankreich für dieſen Pakt
aus=
erſehen iſt, ſoll ſich aus Rußland, Polen, den Baltiſchen Staaten,
der Tſchechoſlowakei und Deutſchland zuſammenſetzen. Ueber allen
aber will
Frankreich als Garankiemacht
ſchweben. Bei den Betrachtungen des Oſtpaktes iſt nun
wieder=
holt in der franzöſiſchen Preſſe ausgeſprochen worden, daß
da=
durch Rußland auch zur Garantiemacht für das
Weſt=Locarno wird, während umgekehrt
Frank=
reich den Beſtand der Grenzen der Sowjetunion
garantiere. Ganz abgeſehen von der grotesken Erſcheinung,
daß die kapitaliſtiſchen Franzoſen, obwohl die kommuniſtiſchen
Vorpoſten nicht nur in Amſterdam, ſondern auch ſchon in Paris
ſtehen, mit dem kommuniſtiſchen Räterußland durch dick und dünn
gehen wollen, ergeben ſich bei genauerem Zuſehen allerlei
Situationen, die kein Volk in Kauf nehmen kann, das ehrlich den
Frieden will. Man denke nur einmal an die
Wie würde ſich das Verhältnis Deutſchlands zu den Streitenden
geſtalten? Muß es ſein Gebiet für einen franzöſiſchen Aufmarſch
gegen eine der Parteien hergeben? Muß Deutſchland vielleicht
ſeine Söhne bereitſtellen, damit ſie mit ihrem Blut die Händel
anderer Staaten ſchlichten? Warum ſoll Deutſchland in eine
Staatengruppierung eintreten, die der Sowjetunion den Rücken
deckt und freie Hand im Oſten und Südoſten gibt? Sollen wir
z. B. Japan verärgern, ohne auf der anderen Seite einen
entſpre=
chenden Nutzen einzuhandeln?
Es ergeben ſich Fragen über Fragen, die fraglos eintreten
und ſich gegen Deutſchland auswirken können.
Deutſchland hat in der Vergangenheit das Syſtem
der unmittelbaren zweiſeitigen
Nichtangriffs=
verträge gefördert, in dem ſich die Vertragspartner den
gegenſeitigen Frieden verſprechen und ſchließlich verpflichten, beim
Auftreten von Streitigkeiten internationale Schiedsgerichte
an=
zurufen. Sogenannte Regionalpakte, zu denen auch das
Oſt=Locarno gehört, haben wir abgelehnt, weil dabei doch
nichts Richtiges herausſpringt, und weil darin militäriſche
Klau=
ſeln enthalten ſind, die nicht dem Frieden, ſondern dem Kriege
dienen. Regionale Pakte rufen im übrigen ein Gefühl abſoluter
Unüberſichtlichkeit hervor, ſie fördern die internationale
Unſicher=
heit, anſtatt ſie zu beſeitigen.
nicht aber für Verträge, die einen regionalen
Charakter haben, die auf Staatengruppen zugeſchnitten ſind
und dadurch von vornherein entwertet werden, da in dieſe
Staatengruppen militäriſche Bündniſſe hineinragen.
Wenn man in London geglaubt hat, ſich für eine
ſo ſchlechte Sache, wie das von Frankreich begünſtigte
Oſt=Locarno einſetzen zu müſſen und damit die
fran=
zöſiſche Vorherrſchaft auf dem Kontinent zu unterſtützen, dann
müſſen die Engländer dafür Gründe gehabt haben. Ein
fran=
zöſiſch=ruſſiſches Militärbündnis iſt ihnen jederzeit äußerſt
unan=
genehm. Es gibr Leute, die behaupten, daß dieſes Bündnis ſchon
Wirklichkeit geworden ſei, und daß die ungeheuren militäriſchen
Beſtellungen Rußlands in Frankreich durch das Bündnis
ausge=
löſt worden ſeien. Wenn vielleicht auch von einem Bündnis noch
nicht geſprochen werden kann, ſo ſind ſich Ruſſen und Franzoſen
doch ſchon außerordentlich nahe gekommen, ſo nahe, wie beinahe
ſchon in der Vorkriegszeit. Das Zuſammengehen zwiſchen beiden
kann England auch durch ſeine Einſchältung jetzt nicht mehr
ver=
hindern, mag es ſich auch noch ſo redlich Mühe geben, Deutſchland
auf ein Oſt=Locarno feſtzulegen. Welchen Nutzen aber hat
Euorpa davon, wenn es in Regionen eingeteilt
wird, die von Frankreich beherrſcht werden?
Kaum daß die Tinte für die Unterſchriften unter ein O=Locarno
getrocknet wäre, hätten wir ſchon wieder neue franzöſiſche
Sicher=
heitsforderungen zu verzeichnen. Frankreich iſt eben nicht
zufrie=
denzuſtellen. Davon müſſen ſich auch die Engländer allmählich
überzeugen. Warten wir alſo ab, welche unmittelbaren Folgen
die Londoner Beſprechungen haben werden. Vielleicht werden ſie
ſchon weſentlich früher in die Erſcheinung treten, als ſich dies im
Augenblick vorausſagen läßt.
Im engliſchen Unterhaus kündigte Außenminiſter Sir John
Simon auf eine Anfrage, ob er über ſeine Beſprechungen mit dem
franzöſiſchen Außenminiſter Barthou Mitteilungen machen könne,
an, er werde am Freitag gelegentlich der Beratung über das
Budget des Außenminiſteriums Erklärungen über dieſe
Beſpre=
chungen abgeben.
Die engliſch=franzöſiſchen Flotten=Vorbeſprechungen wurden
geſtern fortgeſetzt. Der franzöſiſche Marineminiſter Piétri hatte
im Foreign Office eine neue Unterredung mit dem Erſten Lord
der Admiralität, Sir Bolton Eyres=Monſell, an der auf beiden
Seiten techniſche Berater teilnahmen; dies deutet darauf hin, daß
die Beſprechungen ſich auf techniſche Einzelheiten erſtreckten.
Piétri wird vorausſichtlich am Donnerstag abend nach Paris
zu=
rückkehren.
General Johnſon hat den Präſidenten Rooſevelt gebeten,
einen Ausſchuß für die Leitung der Geſchäfte der NJRA
einzu=
ſetzen. Er. Johnſon, würde dann zurücktreten.
Deunnchland jorder
Eingreifen der Signakarmächke im Mei.
DNB. Berlit
Der Reichsaußenminiſter hat Dienstag mittag die Hotſchafter
Frankreichs, Englands, Italiens und Japans empfangen, um ſie
nachdrücklichſt auf die Verhältniſſe im Memelgebiet und die
Not=
wendigkeit eines unmittelbaren Eingreifens der Signatarmächte
hinzuweiſen.
Der Reichsaußenminiſter hat ihnen in der nachdrücklichſten
Weiſe die Verhältniſſe im Memelgebiet vor Augen geführt und
die Notwendigkeit eines ſchleunigen
Eingrei=
fens unterſtrichen. Die Garantiemächte ſind durch die
Reichs=
regierung fortlaufend über die Vorgänge im Memelgebiet
in=
formiert worden. Jede Regierung beſitzt ausführliches Material
über die ſyſtematiſchen Rechtsbrüche Litauens. Es wäre
alſo längſt möglich geweſen, entweder in Kowno einzuſchreiten
oder den Völkerbundsrat mobil zu machen, denn jedes Mitglied
des Völkerbundes hat das Recht, den Rat auf eine Verletzung
der Memelautonomie aufmerkſam zu machen.
Bedauer=
licherweiſe hat der Völkerbund aber auch in dieſer Frage
kläglich verſagt. Reichsaußenminiſter v. Neurath hat nun
die Offenſive zugunſten des Memelgebiets
er=
öffnet. Wir erwarten, daß die Garantiemächte
jetzt ohne Zeitverluſt nicht nur einen Proteſt in
Kownoloslaſſen ſondern auch dafür ſorgen, daß
die Selbſtverwaltung in vollem Umfange
wie=
derhergeſtellt wird.
Bildung eines Volkskommiſſariaks für innere
Angelegenheiten unker Einverleibung der 9GPA.
Der Zentralvollzugsausſchuß der Sowjetunion beſchloß die
Bildung eines Volkskommiſſariats für innere Angelegenheiten
unter Einverleibung der OGPU. Dem neuen Volkskommiſſariat
obliegt u. a die Sicherung der revolutionären Ordnung, der
Staatsſicherheit und des geſellſchaftlichen (ſozialiſtiſchen)
Eigen=
tums ſowie der Grenzſchutz.
Innerhalb des Volkskommiſſariats, das für die geſamte
Sowjetunion gilt werden u. a. Hauptverwaltungen für die
Staatsſicherheit, für die Miliz, für den inneren und den
Grenz=
ſchutz ſowie für Arbeitslager und Arbeitsſiedlungen gebildet.
Das Gerichtskollegium der OGPU. wird aufgelöſt. Der
Volkskommiſſar für innere Angelegenheiten und ſeine örtlichen
Organe werden beauftragt, gleichzeitig die Akten der von ihnen
unterſuchten Verbrechen nach Unterſuchungsabſchluß den
ent=
ſprechenden Gerichten zur Urteilsfällung nach den geſetzlichen Bes
ſtimmungen zu übermitteln.
Bei dem neuen Volkskommiſſar wird außerdem eine
Sonder=
abteilung eingerichtet, die berechtigt iſt, auf verwaltungsmäßigem
Wege Verſchickungen und Verbannungen in Arbeitslager bis zu
5 Jahren ſowie Ausweiſungen aus der Sowjetunion
anzu=
ordnen.
Zum Volkskommiſſar für innere Angelegenheiten wurde
Heinrich Jagova ernannt. Erſter Stellvertreter iſt Jakob
Agra=
now, zweiter Stellvertreter Georgi Prokofjen.
* Die Maßnahme der ruſſiſchen Regierung bedeutet, daß die
Vollmachten der ruſſiſchen politiſchen Polizei recht erheblich
be=
ſchnitten worden ſind, und daß die GPU., die die nicht minder
berüchtigte Tſcheka ſeinerzeit ablöſte, von der allgemeinen
Ver=
waltung aufgeſogen werden ſoll. Die GPU. war ein Staat im
Staate. Sie verfügte über eine geradezu vorbildliche
Bewaff=
nung, ſelbſt über Artillerieformationen. Alle Angehörigen in
der Polizeitruppe waren beſſer geſtellt als die übrigen Beamten,
wurden bevorzugt bekleidet, verpflegt und untergebracht. Die
GPU. beſaß bisher eine eigene Gerichtsbarkeit, die von jener des
Sowjetreiches nach jeder Richtung unabhängig war. Jederzeitz
konnten durch die Beamten der GPU. Perſonen feſtgenommen,
zum Tode verurteilt und ſogleich hingerichtet werden, ohne daß
elbſt der Staat gegen die Verhaftungen, Verhandlung oder
Hin=
richtung etwas tun konnte. Es iſt nicht übertrieben, wenn
Ruß=
landkenner behaupten, daß die GPU. ſelbſt die Spitzen der
Sowjet=
union ſtändig überwacht, und daß man ſogar in maßgebenden
Re=
gierungskreiſen vor dieſer Polizei zittert. Wenn jetzt Wert auf
die Feſtſtellung gelegt wird, daß das Richterkollegium der GPU.
aufgelöſt iſt und daß die GPU. dem Innenkommiſſar unterſtellt
wurde, dann muß der Terror der politiſchen Polizei in letzter
Zeit Formen angenommen haben, die es der Moskauer Regierung
doch ratſam erſcheinen ließen, mit der GPU. langſam
aufzuräu=
men. Etwas merkwürdig iſt es, daß die politiſche Polizei es
nicht gewagt hat, ſich gegen die Umorganiſation zur Wehr zu
ſetzen.
Neue Bücher zu einem alten Thema.
Immer wieder begegnen uns Bücher, in denen ein Menſch
ſich in ſeinem Verhältnis zur Natur, zu der ihn umgebenden
Landſchaft darſtellt. Nicht in jedem Fall wird dieſes
Verhält=
nis zum eigentlichen Thema des Buches, oft verrät ſich nur in
einer gelegentlich eingeſchobenen Schilderung die Art und Weiſe,
wie der Verfaſſer die Natur ſieht und welche Haltung er ihr
gegenüber einnimmt. In den Büchern, die wir hier
zuſammen=
ſtellen, nimmt die Darſtellung des Verhältniſſes von Menſch
und Natur einen ganz verſchieden breiten Raum ein, doch in
ledem ſpricht ſich ein ganz eigentümliches Naturerleben aus
Eine nur wenig bedeutſame Rolle ſpielt die Darſtellung
dieſes Erlebens in dem kleinen Band von C. F. Ramuz:
Eine Hand (Raſcher u. Co., A.=G., Verlag, Zürich, Leipzig
u. Stuttgart). Hier wird die Geſchichte einer zerbrochenen Hand
erzählt. Die phyſiſchen Vorgänge werden ſtellenweiſe faſt
ſekunden=
getreu beobachtet, und in der gleichen Weiſe wird auch das
eeliſche Geſchehen regiſtriert, das Schweifen der Gedanken mit
all ſeinen kleinen Um= und Abwegen. Man ſieht nicht recht ein,
vas dieſe Betrachtungen, die oft nur die Brütereien eines
ingeduldigen Kranken ſind, wert machte, aufgezeichnet zu werden.
Eine innere Wandlung geht jedenfalls nicht mit dem Helden des
Buches vor ſich; man hat das Gefühl, daß er nach ſeiner Heilung
fenau ſo weiterleben wird wie bisher. Wenn wir das Buch
ſier erwähnen, ſo hat das ſeinen Grund in den eingeſtreuten
Naturſchilderungen: hin und wieder entwirft Ramuz ein Bild
einer Umgebung, etwa von der kleinen Stadt im Schnee, dem
See und dem Himmel, den er von ſeinem Lager aus ſieht.
Er tut das mit den Augen eines Malers, mit einem ſehr ſtark
uusgeprägten Sinn für feinſte Farbwerte. Es entſteht vor uns
o etwas wie das Gemälde eines franzöſiſchen Impreſſioniſten,
ein hingetupft, von großem optiſchen Reiz. Aber er wendet
ich nur an unſere Augen und läßt uns im übrigen ganz kühl,
vie man auch fühlt, daß er ſelbſt kaum von dem berührt wurde,
vas er da beſchreibt.
Und das gerade ſpüren wir ganz ſtark in einem andern
Zuch, einem Erzählungsband von Friedr. Deml nach der
rſten Erzählung „Das Totenbrett” genannt (Verlag
5tyria, Graz, Oeſterreich). Hier ſpricht ein Menſch, der in ſeiner
deimat, Franken=Bayern, nicht nur jeden Stein, jede alte Sage
ennt, ſondern wirklich innerlich ganz feſt mit den Kräften
ieſes Heimatbodens zuſammenhängt. So iſt es etwas ganz
Tatürliches, daß er alle ſeine Themen aus dem Erlebnis dieſer
Landſchaft und ihrer Menſchen nimmt und in ſie ſeine ganze
efe Liebe, die aber gar nichts Sentimentales hat, einſtrömen
äßt. Er erzählt dieſe einfachen Geſchehniſſe — mit einigen
benigen Ausnahmen in der Ichform — ganz einfach, aber mit
iner verborgenen Unruhe und Leidenſchaft. Er iſt innerlich
immer ganz ſtark beteiligt und wenn er nur einen Gang durch
den Morgen („Rupertiwinkel”) beſchreibt. Er verdichtet eine
indheit in den Rhythmus des ländlichen Jahres, die
Hochzeits=
ahrt eines jungen Menſchenpaares in den heißen, ſonnigen
erbſt am Main. Jeder Sinn iſt bei Deml ganz hell wach, —
a iſt nichts krankhaft Ueberfeinertes, nur eine geſunde
Auf=
eſchloſſenheit für die Umwelt. Man glaubt beim Leſen zu
chmecken, zu riechen, zu taſten. — Wenn bei Ramuz, auch noch
n der Ueberſetzung ſpürbar, die Umſetzung des Gedankens in
den Ausdruck ganz glatt geht, ſo iſt das zwar hier bei Deml
urchaus noch nicht der Fall. Beſonders fühlt man das dort,
vo er verſucht in gebundener Sprache zu dichten; da iſt es noch
nehr ein Knarren und Stolpern als ein Singen. Doch es iſt
viel urſprüngliche Kraft in dem Ganzen, daß man darüber
hinwegſieht in der Hoffnung, daß der Verfaſſer noch einen
ge=
jäßen Ausdruck erringen wird.
Ganz anderes Naturleben ſpricht in dem Buch „Pagel
m Glück” von Guſtav Schenk (Carl=Schürmann=Verlag,
zremen). Hier iſt das Verhältnis zur Natur viel krampfhafter
ind weniger geſund, auch ganz verantwortungslos und ohne
indungen. Kennzeichnend iſt ſchon, daß hier im Mittelpunkt
in Landſtreicher ſteht, der heute eine Landſchaft genießt, morgen
ſeiterzieht, während hinter Demls Erzählungen jemand ſteht,
er ſich dem Heimatboden verpflichtet fühlt, und zwar „nicht
ur als ſtumpfer Ackerknecht, ſondern als wirklicher Bauer und
öchöpfer” — Dieſer Pagel zieht aus um die Geheimniſſe des
aldes, die Weisheit des Bodens zu erlangen, ſie der Natur
iehr zu entreißen als zu erlauſchen. Letzten Endes ſieht er
der Natur etwas Böſes, Feindſeliges und ſo ſtellt er ſich ihr
ft auch faſt feindſelig gegenüber. „Pagels Lachen läßt die
reatur verſtummen.‟ Der Verfaſſer weiß um die dämoniſchen
Mächte in der Natur, Idyllen gelingen ihm weniger als die
iſion der Wilden Jagd oder das Schlußkapitel „Der Schnitter”
3 iſt noch viel Freude am Grotesken, Bizarren in dem Buch,
gibt es dann ſolche unerfreulichen Kapitel wie „Pagel
ver=
ubert Hühner” wo verſucht iſt, Wiſſenſchaft und Zauberei —
eide ſchief geſehen — einander gegenüberzuſtellen. Reiner ſpricht
ich ſchon in dem Kapitel „Die Magd” das aus, was Schenk
ſeinem Pagel verkörpern will: das leidenſchaftliche
Andrän=
en eines Menſchen an die Natur.
Man kann in dieſen Zuſammenhang noch Joſef Leitgebs
Kinderlegende” (Bruno=Caſſirer=Verlag, Berlin) ſtellen,
weil hier ein ganz ſtarker Kontraſt gegeben iſt zu dem Ringen
um die Natur wie Pagel es — letzten Endes doch erfolglos und
als Beſiegter — durchlebt. Der Knabe Lienhard, deſſen Geſchichte
Leitgeb in Hexenprozeßakten des 17. Jahrhunderts fand, beſitzt
das, was Pagel ſucht und was wir alle verloren haben: er hat
eine ganz ſtille, ſelbſtverſtändliche Vertrautheit mit der Natur,
ihren lichten und dunklen Mächten. Und gerade dies, was ihm
ſo ſelbſtverſtändlich iſt, macht ihn ſeiner Umgebung wunderbart
wenn er eine Schlange oder Horniſſe anfaßt, einen biſſigen
Hund beſchwichtigt. Seine Mitmenſchen ſehen Hexerei, wo er
nur das Natürliche tut. — Sehr fein iſt dieſes Kind gezeichnet,
das ſelbſt etwas Pflanzenhaftes hat und das ſo
ſchlafwand=
leriſch ſicher ſeinen Weg geht, der unentrinnbar auf ein düſteres
Ende hinführt. Am beſten iſt der Ausdruck der Verbundenheit
dieſes Kindes mit der Natur erreicht in dem Bild, des
wan=
dernden Knaben, der in der Morgenfrühe von Hauſe aufbricht,
„Die Sonne wärmte ihm den Rücken und legte ihre Hand ſo feſt
auf ihn, daß er glaubte, ſie ſchiebe ihn vor ſich her.” — Die
Sprache des Buches iſt ganz ohne Zierrat, feſt und behutſam
zu=
greifend. Ein ſchönes Zuſammenſtimmen von Inhalt und Form
iſt hier erreicht.
A. H.
„Wallenſtein” auf dem Römerberg.
Als erſter Abend der Wallenſtein=Trilogie erzielten „
Wal=
lenſteins Lager” und „Die Piccolomini” bei der
geſtri=
gen Erſtaufführung auf dem Römerberg in Frankfurt einen
ſtar=
ken Erfolg. Die Parade der Truppen vor Wallenſtein, der
Schwur der Soldaten und die Bankettſzene gaben glänzende Bilder
in Hans Meißners wirkungsvoller Inſzenierung. Robert Taube
war ein überragender Wallenſtein.
Von der Univerſität Gießen. Der Rektor unſerer
Landes=
univerſität, Profeſſor D. Heinrich Bornkamm, hat zum 1. 4.
1935 einen Ruf auf den ordentlichen Lehrſtuhl für Kirchengeſchichte
an der Univerſität Leipzig erhalten.
Begleitmuſik zur Körperſchulung, 36 Muſikſtücke für Klavier von
Reinhard Schneider. Broſch. 1,80 RM. Wilhelm=Limpert=
Verlag.
Die vorliegenden Muſikſtücke ſollen als Begleitmuſik im Dienſt
einer kraftvollen Körperſchulung ſtehen, die verſchiedenen
Bewe=
gungen ſtützen und zu ſtraffer, willensbildender Ausführung
an=
treiben. Die Aufgabe der Körperſchulung iſt, Hemmungen in
einem oft durch ungeſunde Lebensgewohnheiten verbildeten
Kör=
per zu überwinden und durch natürliche und lebendige Formen
den Perſönlichkeitswert zu ſteigern. Die kleinen Tänze ſollen zur
Anwendung gelernter Bewegungsformen anregen und Freudg
bringen.
Seite 4 — Nr. 190
Darmſtädter Tagblatt 7 Heſſiſche Neueſte Nachrichken
Donnerstag, 12. Juli 1934
E
Heute entſchlief nach langem, ſchwerem,
mit großer Geduld ertragenem Leiden
mein lieber Gatte, mein guter Vater,
unſer Sohn, Bruder, Schwiegerſohn,
Schwager und Onkel
Her Hermann Hofmann
im Alter von 41 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Hofmann, geb. Riebel
Tochter Margarethe.
Darmſtadt (Darmſtr. 33), den 10. Juli 1934
Die Beerdigung findet am Freitag, den
13. Juli, nachm. 3½ Uhr, vom
Wald=
friedhof aus ſtatt.
Statt Karten.
Dankſagung.
Für die überaus zahlreichen Beweiſe herzlicher Anteilnahme und
die vielen Kranz= und Blumenſpenden bei dem Heimgang unſerer
lieben Entſchlafenen ſagen wir allen unſeren herzlichſten Dank.
Ganz beſonders danken wir Herrn Pfarrer Beringer für die
troſi=
reichen Worte und allen denen, die der lieben Entſchlafenen die
letzte Ehre erwieſen haben.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Hupel und Kinder.
Darmſiadt (Schlageierſtr. 135), den 12. Juli 1934.
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Werbedamen
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nicht Bedingung, werden für la Sache noch
eingeſtellt. Täglich guter Verdienſt wird
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Achtung!
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Wirklich gute
DAUEREKISTENZ
(weit über dem Durchſchnitt ſtehend) richten wir
allerorts Herren ein, die über RM. 1—3000.—
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Programm, Wirtſchaftsmeldungen, Wetter. — 11.50; Sozialdienſt.
12.00; Italiener ſingen Puccini. (Schallpl.). — 13.00: Zeit, Nachr.,
Saardienſt. — 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. —
13.20: Stuttgart: Die Perlenfiſcher, von Bizet. (Schallpl.½
13.50; Zeir, Nachr. — 14.00: Stuttgart: 100 Jahre
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muſik. Ei Potpourr auf Schallpl. — 14.30: Nur Kaſſel:
Nachr. — 14 40: Kinderſtunde: Grimmſche Märchen. — 15:30:
Wetter. — 15.35; Wirtſchaftsbericht. — 15.50; Zeit,
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ſchaftsmeldungen.
16.0; Wiesbaden: Nachmittagskonzert. — 17.30: Zum 60.
To=
destage Fritz Reuters. Zwiegéſpräch. — 17.45: Aus Zeit
und Leben. — 18.15: Stuttgart: Familie und Raſſe. — 18.25:
Stuttgart: Spaniſch. — 18.45: Wetter, Wirtſchaftsmeldungen
Programm, Zeit. — 18.50: Das Leben ſpricht. (Soziales
Funkbild).
19.00: Militärkonzert. Deutſche Jägermärſche. — 19.30:
Saarlän=
diſche Umſchau. — 19.40: Fortſetz, des Militärkonzertes. —
20.00; Zeit, Nachr., Mitteilungen aus dem kulturellen Leben.
20.15: Hamburg: Stunde der Nation: Kart Loewe. Ein deutſcher
Meiſter in Pommern. — 20.45: Freiburg: Wir fahren auf
dem Bodenſee. Radolfszell — Reichenau — Konſtanz. Hörfolge.
21.30: Kaſſel: Ade zur guten Nacht. Muſikaliſcher Reigen.
22.20: Zeit, Nachr. — 22.35: Funkbericht zum Nürburgrennen.
22.45: Nachr. aus dem Sendebezirk. — 23.00; Trier:
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muſik. Ltg.; Bachmann. — 24.00: Nachtmuſik (Schallpl.).
Deutſchlandſender
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Deutſchlandſender: Donnerstag, 12. Juli
5.45: Hamburg: Wetter. — 5.50: Nachr. — 6.00: Berlin:
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8.00:
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wirtſchaftlicher Lehrgang: Ernährungslehre: Bedeutung und Wert
der Eiweiß=Stoffe. — 10.00: Nachr. — 10.10: Funkſtille,
11.15: Seewetterbericht. — 11.30: Lieder von Wälter A. Fr
Graeber und Kurk Schuberk. — 11.55: Wekter.
12.00: Breslau: Funkorcheſter. Ltg.: Gerh. E. Riſchka. — 12.
Zeitzeichen. — 13.00: Aus der Spielzeugſchachtei (Schallpl.
Anſchl.: Wetter. — 13.45: Nachr. — 14.00: Sperrzeit. — 14.
Glückwünſche und Programmdurchſage. — 15.00: Wetter, Börſe.
15.15: Funkkaſperl: Kaſverl u. d. Hoppelpoppel. — 15.40: Fritz
Neuter; Läuſchen und Riemels.
16.00: München: Das kleine Symphonieorcheſter. Lfg.: M. G
von Spallart. — 17.15: L. Karnatz: Fritz Reuter zum 60.
Todestag. — 17.30: Erlebnis des Ozeans. Von einer Fahrt nach
Südamerika. — 17.45: Virduoſe Klaviermuſik. — 18.20:
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funk. — 18.30: Stunde der Scholle: Mielke möchte
Seiden=
bauer werden. Zwiegeſpräch. — 18.55: Das Gedicht; anſchl.:
Wetter.
19.00: Deutſcher Kalender: Juli. Monatsbild vom
Königswüſter=
häuſer Landboten. — 20.00; Kernſpruch; anſchl.: Kurznachk.
20.15: Hamburg: Reichsſendung: Stunde der Nation: Karl
Loe=
we, ein deutſcher Meiſter in Pommern. — 22. 45: Tanz unter
der Dorflinde. — 22.00: Wetker=, Tages= und Sportnacht
Anſchl.: Nachrichten aus dem kulturellen. Leben
K. Kißhauer: Wir und die Sterne. — 22.45: Seewetterbericht.
23.00; Steife Briſe — leichter Föhn.
Donnerstag, 12. Juli 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 190 — Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, den 12. Juli 1934
lille zur Arbeit..
lebt außerordentlich ſtark im deutſchen Volke.
Wir haben mit Hilfe unſeres Führers ſchon mancherlei
Wege zu neuer Lebensgeſtaltung gefunden. Als vordringlichſte
Aufgabe aber erkannten wir die Löſung des ſchwierigen
Pro=
blems der Arbeitsloſigkeit.
Die „NSDAP.‟=Lotterie erwies ſich ſchon im vorigen Jahre
zweimal als ein anerkennenswerter großer Unterſtützungsfaktor
im Kampfe gegen die deutſche Arbeitsnot, indem ſie reichlich
Geldmittel zur Arbeitsbeſchaffung beiſteuerte.
Da jetzt der Ziehungstag der diesjährigen
Arbeitsbeſchaf=
fungs=Lotterie immer näher rückt und die Friſt, braune Loſe
kaufen zu können, bald abgelaufen iſt, ſeien diejenigen, die ſich
über die tatſächlichen Aufgaben dieſer gemeinnützigen
Geld=
lotterie noch immer nicht im klaren ſind, hiermit nochmals auf
die hohen Ziele der Lotterie hingewieſen:
Wie die vorjährigen beiden „NSDAP.‟=Lotterien dient auch
dieſe dritte zur Gewinnung von Mitteln für die deutſche
Arbeitsbeſchaffung. Aber zum erſten Male hat dieſe
Arbeits=
beſchaffungs=Lotterie ihren Gewinnplan dem
nationalſozialiſti=
ſchen Empfinden gemäß um ein beträchtliches erweitert. Zugunſten
vieler mittlerer Gewinne wurde von dem früheren, engherzig
gedachten einzelnen Hauptgewinn abgeſehen. Vielen Deutſchen
ſteht ſomit eine Gewinnfreude bevor.
Die Loſe ſind in zwei Abteilungen: A und B im Umlauf.
Ein Doppellos beſitzt derjenige, der zwei Loſe mit der gleichen
Nummer aus der Abteilung A und B gezogen hat. Entfällt auf
ſeine Nummer ein Gewinn, ſo erhält er dieſen doppelt
aus=
bezahlt.
1500 000 RM. werden ausgeloſt und warten auf ihre
Ge=
winner. Da wird wohl keiner mehr zögern, braune Loſe zu
erſtehen, zumal dieſe großartige Gewinnausſicht nur noch kurze
Zeit, nämlich bis zum 21. Juli offen bleibt. Am 21./22. Juli
iſt ſchon Ziehung!
Heſſiſches Skaaksminiſterium:
Bekanntmachungen des Perſonalamts.
Ernannt wurden am 2. Juli 1934 zu Bürgermeiſtern:
Kreis Groß=Gerau; Karl Philipp Auguſt Metzger in
Stockſtadt a. Rh.; Heinrich Leonhard Bonn in Trebur; Kreis
Friedberg: Auguſt Schmidt in Holzhauſen; Kreis
Oppenheim: Friedrich Brand 2. in Biebelnheim; Anton
Haſenfuß in Ludwigshöhe; Kreis Worms; Karl Jakob
Deheck in Dittelsheim; Heinrich Friedrich Metzler in
Han=
gen=Weisheim. Zu Beigeordneten: Kreis Alze y:
Heinrich Grün 2 in Tiefenthal; Kreis Oppenheim;
Chri=
ſtian Schaad 1. in Ludwigshöhe; Eduard Walldorf in
Schornsheim; Kreis Worms: Wilhelm Sulzer in
Dittels=
heim
Beſtellt wurden: Am 2. Juli 1934: Heinrich Weiß in Eifa
zum kommiſſariſchen Beigeordneten der Gemeinde Eifa, Kreis
Alsfeld; am 4. Juli 1934 zu kommiſſariſchen
Bürgermei=
ſtern: Adam Stein in Daubringen, Kreis Gießen;
Orts=
gruppenleiter Seipp in Geilshauſen, Kreis Gießen, Eduard
Schultheiß in Lumda, Kreis Gießen.
— Hohes Alter! Frau Chriſtian Müller, Witwe, wohnhaft
Kleine Kaplanei=Gaſſe 1, feiert am 12. Juli ihren 75. Geburtstag.
im Kreiſe ihrer Kinder. Enkel und Urenkel.
Konſularnachricht. Der zum Vizekonſul bei dem
Mexika=
niſchen Konſulat in Frankfurt a. M. ernannte Herr Javier
J. Favela iſt anerkannt und zur Ausübung konſulariſcher
Ver=
richtungen im Volksſtaat Heſſen zugelaſſen worden.
— Heimabende für ortsfremde junge Mädchen,
Freundinnen=
heim, Sandſtraße 24. Jeden Donnerstag, abends 8,15—10 Uhr:
Zuſammenkunft. Jeden erſten und dritten Mittwoch im Monat:
Gymnaſtik Leitung: Frl. Irmgard Pätzold. Jeden zweiten und
vierten Mittwoch im Monat: Nähen und Zuſchneiden.
Donners=
tag, den 12. Juli: Singen.
— Benutzung von Eil= und Schnellzügen mit
Arbeiterwochen=
karten. Wie die Reichsbahnhauptverwaltung bekannt gibt,
kön=
nen Eil= und Schnellzüge nunmehr allgemein mit Arbeiter= und
Kurzarbeiter=Wochenkarten, Angeſtellten=Wochenkarten und
Kurz=
arbeiter=Wochenkarten für Angeſtellte gegen Zahlung der vollen
tarifmäßigen Zuſchläge benutzt werden, während dies bisher nur
in Einzelfällen geſtattet worden war.
Achlung, Kraftfahrer!
Nit nur 4,8 pro Mille Alkohol im Blut hat man bereits zu leben
aufgehört.
— Schon mit einem Alkoholgehalt von nur 1 pro Mille im
zlut iſt der Menſch bereits „angeheitert‟. Er hat alſo ſchon den
ſewußten „leichten” Rauſch.
Mit 2—3 pro Mille iſt ſchon ein „mittlerer” Rauſch gegeben,
lit 3—4 pro Mille ein „ſchwerer”.
Ein Alkoholgehalt von nur 4,8 pro Mille führt bereits zur
bſolut tödlichen Alkoholvergiftung.
Das ſollte unſere Kraftfahrer zum Nachdenken veranlaſſen,
enn es iſt ſtatiſtiſch erwieſen, daß ein großer Teil aller
Auto=
nobilunfälle auf den Einfluß von Alkohol zurückzuführen iſt, in
denen entweder die Kraftfahrer oder aber das Opfer des Unfalls
ngetrunken waren.
Es hat ſich herausgeſtellt, daß die Grenzen, in denen ein
Nenſch dem Einfluß des Alkohols erliegt, viel weiter anzuſetzen
ind, als man bisher glaubte. Es iſt nicht nötig, daß ein
Un=
all gerade immer von einem ſogenannten, ſchweren” Rauſch
her=
beigeführt werden muß; im Gegenteil, die Erfahrung hat gezeigt,
daß die Mehrzahl aller Kraftfahrzeugunfälle auf einen
ſogenann=
fen „leichten” Rauſch zurückzuführen ſind. Da aber ein „leichter”,
Rauſch nur in den ſeltenſten Fällen durch Zeugen einwandfrei
feſtgeſtellt werden kann, hat die gerichtsmediziniſche Wiſſenſchaft
eine beſondere Methode entwickelt, durch die man mittels
Blut=
broben den Alkoholgehalt im Blut des Betreffenden ſehr genau
ſtſtellen kann.
Die geſetzliche Grundlage für die zwangs eiſe Durchführung
lon ſolchen Blutunterſuchungen wurde in dem neuen § 81a der
Strafprozeßordnung durch das Geſetz vom 24. 11. 33 geſchaffen.
5 kann alſo jeder Polizeibeamte — als Hilfsorgan der
Staats=
nwaltſchaft — jeden an einem Verkehrsunfall: Beteiligten und
er Trunkenheit Verdächtigen einem Arzt zuführen, um eine
Alutunterſuchung durchführen zu laſſen.
Von dieſer Möglichkeit ird von nun ab reger Gebrauch
ge=
lacht werden. Die Oeffentlichkeit muß vor derart diſziplinloſen
jahrern geſchützt werden, die nicht nur das Vermögen der
Volks=
emeinſchaft in materieller Hinſicht ſchädigen, ſondern darüber
inaus ſchwere ſeeliſche Zerſtörungen in den von einem tragiſchen
infall betroffenen Menſchenkreis hineintragen.
Wer das Vermögen der Volksgemeinſchaft nicht ſchädigen
nd auch ſeinen Mitmenſchen keine materiellen und ſeeliſchen
öte bereiten will, muß ſich freiwillig den für Angehörige der
ationalen Verbände geltenden Verhaltungsmaßregeln
unterwer=
n. nach denen dem Kraftfahrer und dem Erſatzfahrer der Genuß
uch der kleinſten Menge Alkohol vor und während der Fahrt,
ei Raſten uſw. aufs ſtrengſte unterſagt iſt.
werden dieſe Erholungsfahrten ermöglicht, mit denen nicht nur mögen froh und gekräftigt wieder zurückkehren.
der jungen Generation Kraft und Geſundheit, Stählung des
Kör=
wird vor allem die Verbundenheit zwiſchen Stadt und Land ver=
600 Kinder fahren aufs Land.
Kreisleiter und Oberbürgermeiſter Wamboldt und Gauamksleiter der NSB. Bürgermeiſter Haug
grüßen die in Ferien fahrenden Mädels und Jungens Darmſtadls.
insbeſondere dankte er dem Gauamtsleiter der NSV., Pg.
Bür=
germeiſter Haug, und dem Kreisleiter der NSV.. Pg. Hanſel, für
Große Abſchiedskundgebung
ihre tatkräftige Mitarbeit an der Durchführung des Werkes. Die
Kinder haben gehört, zu welchem Zweck ſie aufs Land geſchickt
werden, ſie ſollen dort die Lebensbedingungen des
Bauernſtan=
auf dem Mercksplaß.
des kennen lernen, ſie ſollen geſund und geſtärkt an Körper und
*F 600 Kinder fuhren geſtern zur Erholung zu den Bauern Geiſt wieder kommen. Ein herzlicher Abſchiedsgruß rief den
Kin=
aufs Land nach Oberheſſen. Mit Hilfe der NS. Volkswohlfahrt, dern der Kreisleiter und Oberbürgermeiſter unſerer Stadt zu. ſie
Der Leiter des Sozialamtes der Hitlerjugend, Dr. Kratz,
pers und Erholung gegeben wird, ſondern mit ſolchen Fahrten weiſt darauf hin, daß es noch im letzten Jahr Menſchen gab, die
tieft. Noch vor zwei Jahren wäre es unvorſtellbar geweſen, daß von dieſen Landferien nichts wiſſen wollten, die nicht verſtehen
unſere Stadtkinder ſo freudigen Herzens auf dem Lande aufge= konnten, daß durch den gegenſeitigen Beſuch die Volksgemeinſchaft
nommen worden und umgekehrt die Landkinder in der Stadt, errichtet wird. Es gibt in Deutſchland nur Deutſche, die ſich
gegen=
ſeitig helfen. Mögen die Kinder braun gebrannt und geſtärkt
zurückkommen, wie die 60 Jungens von dem Rimdidim, die man
begrüßt hat. Die deutſche Jugend ſoll Deutſchlands Beſtand
ga=
rantieren, das kann aber nur eine geſunde Jugend. Deutſchland
wird leben für unſeren Führer und ſeine große Idee.
Der Kreisleiter der NSV., Hanſel, ſprach zum Schluß allen
Vertretern der Behörden, des Staatsminiſteriums und der
Schu=
len Dank aus und ſchloß die Kundgebung mit einem dreifachen.
begeiſtert aufgenommenen „Sieg=Heil” dem Führer. Die Kapelle
intonierte das Horſt=Weſſel=Lied.
Anſchließend formierte ſich ein großer Zug unter Vorantritt
der Landespolizeikapelle, der ein Teil der Amtswalter der NSV.
mit dem Kreisſtab folgte, dann die Kinder, die nach Hanau
fuh=
ren, Abordnungen des JV., der HJ, des BDM. und die vom
Rimdidim zurückgekehrten Kinder. Der Standartenkapelle, unter
Leitung ihres Dirigenten Schlupp, folgte ein Teil der
Amtswal=
ter und die nach Oberheſſen, nach Gießen, fahrenden Kinder und
hinter dem Spielmannszug der HJ. marſchierten weitere Kinder
und die Eltern zum Hauptbahnhof.
Nachdem die erſte Gruppe der kleinen Reiſenden am Bahnhof
die bereitſtehenden Wagen beſtiegen hatte, wurde der größere
Teil noch einmal im Garten des Rummelbräu” verpflegt. Dort
ſah man von den Vertretern der Gauamtsleitung der NS.
Volks=
wohlfahrt Herrn Bürgermeiſter Haug, wie er ſich neben dem
Kreisamtsleiter, Pg. Hanſel, um die Kinder mühte. Die
K
Ferienkinder und deren Eltern fanden ein ausgezeichnetes
Ein=
topfgericht vor, und die munteren Weiſen der Muſikkapelle der
Auf dem Marſch zum Bahnhof.
Heſſiſchen Landespolizei unter Leitung des Obermuſikmeiſters
Buslau ſorgten für gehobene Reiſeſtimmung. Als dann die
Heute werden dieſe gegenſeitigen Beſuche gern gemacht, werden
die Kinder überall herzlich aufgenommen. Man hat ſchon ſeine
reine Freude, wenn man in den ſtrahlenden Augen die frohen,
glänzenden Geſichtchen der Kleinen ſehen kann, die
erwartungs=
voll und ſtaunend ihre erſte große Reiſe zur Erholung antreien
Und ſo war es geſtern, als die 600 Buben und Mädels auf dem
Mercksplatz zum feierlichen Abſchied angetreten waren, überall
große leuchtende Kinderaugen! Auch die Eltern und zahlreiche
Zuſchauer wohnten dieſem Abſchied vor froher Reiſe bei. — Als
dann noch die 60 Jungens vom Rimdidim, braun gebrannt wie
die Neger, kerngeſund und guter Dinge von ihrer Ferienreiſe
zu=
rückgekehrt, zum Abſchied auf dem Mercksplatz anmarſchierten, da
gab es ein freudiges Grüßen und Winken, und manches
Mutter=
herz ſchlug in dankbarem Stolz, daß ihr Junge dabei war, und
die Eltern der abreiſenden Kinder freuten ſich, daß auch ihren
Kleinen ein ſolch ſchönes Erleben bevorſteht.
Die Landespolizeikapelle unter Leitung des
Obermuſikmei=
ſters Buslau, umrahmte den Abſchied mit Muſikſtücken. Als
Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt eröffnete der Kreisleiter
der NSV., Pg. Hanſel, die Kundgebung auf dem Mercksplatz
und hieß die Kinder herzlich willkommen. Beſonderen Dank ſprach
er der Bevölkerung aus, die dem Rufe zur Abſchiedsfeier ſo
zahl=
reich gefolgt war. Er begrüßte dann die Buben, die vom
Rim=
didim zurückgekehrt ſind, und wünſchte den 600 Buben und Mädels,
die zur vierwöchigen Erholung abfahren, auf dem Lande frohe
Ferien.
Der Gauamtsleiter der NS. Volkswohlfahrt, Pg.
Bürger=
meiſter Haug. betonte in ſeiner Anſprache, mit Stolz im Herzen
ſtelle man heute die erfolgreiche Arbeit der NSV. unter Beweis.
Es ſei damit bewieſen, daß die NSV. nicht nur groß im
Sammeln iſt, ſondern auch in der praktiſchen Arbeitsleiſtung die
im Willen des Führers und ſeiner Idee liege. Pg. Haug
richtete dann Mahnworte an die Jugend, die hinausgeſchickt wird,
nicht allein, um ſich zu erholen, ſondern auch um den Beweis zu
erbringen, daß die große deutſche Schickſalsgemeinſchaft ſo ſtark
und tragend iſt, daß ſie dieſe Taten vollbringen kann, daß ferner
Brücken geſchlagen werden zwiſchen Stadt und Land. Eine
Volks=
gemeinſchaft iſt entſtanden ohne Rückſicht auf Beruf, Stand oder
Konfeſſion. Die Jugend ſoll das wahr machen wofür der
Natio=
nalſozialismus gekämpft und gerungen hat. Sie ſoll nicht mehr
zu „Proletariern” oder „Bürgern” werden, ſondern ſie ſoll deutſch
werden, ſonſt nichts. Die Erkenntnis, daß in der Jugend die
Zu=
kunft unſerer Nation liegt, ſoll aber die Jugend nicht überheblich
werden laſſen, ſondern ſie muß dem Großen dienen, nachdem ſie
gelernt hat, zu dienen, zu arbeiten und ſich unterzuordnen, denn
nur der, der gelernt hat, zu gehorchen, kann auch befehlen. Die
Jungen und Mädels, die von der NSDAP. hinausgeſchickt
wer=
den, ſollen ſich ſo anſtändig aufführen, wie es die Eltern von ihren
fordern, ſie ſollen beweiſen, daß ihnen die nationalſozialiſtiſche
Idee das A und O ihres Handelns iſt, und ſollen geſtärkt an Geiſt
und Gliedern zu einer Generation werden, die feſt, mit beiden
Füßen auf der Erde ſteht, aber auch bereit iſt, ſich für ihr
Vater=
land einzuſetzen. Heil Hitler!
Kreisleiter Oberbürgermeiſter Pg. Wamboldt dankte der
NSV., daß ſie es ermöglicht hat, die Kinder aufs Land zu ſchicken,
Verwaltungsſonderzug nach Gelſenkirchen am 14. Juli. ab
Frankfurt a M. Aus Anlaß der Reichstagung der oſtdeutſchen
Heimatverbände (Schleſier, Oſt= und Weſtpreußen, Poſener) in
Gelſenkirchen, verbunden mit einer gewaltigen Treuekundgebung,
verkehrt zwiſchen Frankfurt a. M. und Gelſenkirchen ein
Verwal=
tungsſonderzug: Frankfurt ab: Samstag, den 14. Juli, 8.45 Uhr;
Gelſenkirchen ab: Montag, den 16. Juli 17.10 Uhr. Fahrpreis
für die Hin= und Rückfahrt 9. 30 RM. Fahrkartenausgabe
er=
folgt in Frankfurt a. M.=Hauptbahnhof. Anmeldungen für die
Fahrtteilnahme bis Freitag mittag, unter Rufnummer 90.
Darm=
ſtadt.
R6
383
Gauamtsleiter Pg. Bürgermeiſter Haug im Kreiſe der Ferienkinder
Abſchiedsſtunde ſchlug, gingen die Kinder mit ihren
Reiſebeglei=
tern zum Bahnhof hinüber, und es war erſtaunlich, zu ſehen, wie
hier in wenigen Minuten dieſer rieſige Transport in den Wagen
untergebracht war, ohne irgendeine Störung und Hemmung
feſt=
ſtellen zu müſſen. Eine Glanzleiſtung der Organiſation bei der
Kreisamtsleitung der NS. Volkswohlfahrt.
Auf dem Bahnſteig ſtanden die Reihen der Angehörigen dicht
gedrängt, um ihren kleinen „Ausreiſern” noch ein Lebewohl
zu=
rufen zu können, und es wird auf die Fahrgäſte eines aus Baſel
eintreffenden D=Zuges mit Reiſenden aus dem Auslande nicht
ohne Eindruck geblieben ſein, als ſie die freudige Stimmung und
den Jubel der kleinen Reiſenden und des Publikums wahrnehmen
konnten. Raſch wurden noch von beſorgten Müttern ernſte
Mah=
nungen erteilt, heimlich und beiläufig wurden Freuden= und
Ab=
ſchiedstränen im Augenwinkel zerdrückt und ein Mitglied der
Ortsgruppe 3 der NSV., das ſich ſogar ein Patenkind verſchrieben
und dieſes eigens für dieſe Reiſe von Kopf bis zu Fuß neu
ein=
gekleidet hatte, wirft noch einen letzten ſtolzen Blick auf den
hoff=
nungsvollen Knaben. Als dann der lange Ferienzug ſich in
Be=
wegung ſetzte, brach nochmals ein brauſendes Abſchiednehmen
los, und dem verſtockteſten Querulanten mußte dabei das Herz
weich werden, als er die frohe Zukunftshoffnung unſerer
Darm=
ſtädter Kinder miterlebte. — die Zukunftshoffnung eines ganzen
Volkes. So wie hier in opferbereiter Kleinarbeit an der
Geſun=
dung und Einigung unſeres deutſchen Volkes durch die NS.
Volkswohlfahrt gearbeitet wird, ſo ſollte unſer ganzes Volk in
allgemeiner Opferbereitſchaft mitarbeiten und mitaufbauen!
Aus dem Gerichksſaal.
Wenn In Frankkurt . . . dann
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Der Reichsbiſchof ſpricht in Frankfurt. Am Freitag, dem
13. Juli d. J., nachmittags 5 Uhr ſpricht in Frankfurt a M.
im Bachſaal der Herr Reichsbiſchof in einer großen
Volksver=
ſammlung.
Die Städtiſche Berufsfeuerwehr wurde im Monat Juli 1934
24mal alarmiert, und zwar zu 5 Mittelfeuern, 2 Kleinfeuern,
6 Waldbränden, 1 Waſſerrohrbruch 2 Tierrettungen, 5
Verkehrs=
ſtörungen und 3 ſonſtigen Fällen. Auf der Feuerwache, Kirchſtr. 13
(Fernſpecher Nr. 600 und 3500), wurde in 9 Fällen erſte Hilfe
geleiſtet.
Aw. Das Schwurgericht verhandelte in ſeiner letzten
Sitzung am Mittwoch=Vormittag gegen den 24jährigen
Fried=
rich Hofferbert wegen Meineids und gegen den 27
jäh=
rigen Johannes Hallſtein, beide aus Höchſt i. O., wegen
Anſtiftung dazu. Hallſtein war in der Neujahrsnacht, die
er in einigen Wirtſchaften Sandbachs zugebracht hatte, in Streit
mit einem Dritten geraten, und die Folge war eine
Beleidigungs=
verhandlung gegen ihn. Hofferbert war als Zeuge dabei geweſen,
und wurde nun von Hallſtein ſolange bearbeitet, bis er zu ſeinen
Gunſten ausſagte. Die Folge war die heutige Verhandlung gegen
die Beiden. Sie geben beide zu, Hofferbert, daß er die
Unwahr=
heit beſchworen, und Hallſtein, daß er ihn dazu beſtimmt hatte.
Hofferbert wird mildernd zugute gerechnet, daß er bereits in der
Vorverhandlung zugunſten Hallſteins ausgeſagt hatte, und deshalb,
um ſich nicht einer Beſtrafung wegen Begünſtigung auszuſetzen,
auch im gerichtlichen Termin wieder die Unwahrheit beſchwor, und
er erhält aus dieſem Grund nur eine Gefängnisſtrafe von
einem Jahr. Hallſtein erhält eine Zuchthausſtrafe
von einem Jahr und ſechs Monaten, dazu drei Jahre
Ehrverluſt, und Hand in Hand damit wird auf dauernde
Eides=
unfähigkeit erkannt. Beiden wird die Unterſuchungshaft, mit je
zwei Monaten angerechnet. Das Urteil wird in vollem Umfang
anerkannt und rechtskräftig.
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Seite 6 — Nr. 190
Zum Tag der Roſen.
Die recht umfangreichen Vorarbeiten für die Durchführung
des Tages der deutſchen Roſe ſind in vollem Gange.
Es iſt weſentlich ſchwieriger 12—15 Millionen lebende Roſen
für die Verteilung an zwei Tagen bereitzuſtellen, als dies bei
Plaketten, Spitzen oder Kunſtblumen der Fall iſt.
Tauſende fleißige Gärtnerhände haben bereits vor Wochen
die Roſenpflanzen bzw. die Zweige und Triebe zurückgeſchnitten
(pinciert, wie der Fachausdruck lautet), um für Mitte Heuert
(Juli) die große Zahl der benötigten Roſenblumen in Blüte
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 12. Juli 1934
Ausflug des Hiſtoriſchen Pereins.
zu haben. Kunſt des Gärtners. Trotz Trockenheit werden die
Roſen rechtzeitig in Blüte ſtehen. Verſand der Roſen erfordert
große Sorgfalt. Bei der ſommerlichen Hitze müſſen Waggons
mit Eis gekühlt werden. Zum Teil werden Flugzeuge in den
Dienſt des Tages der deutſchen Roſe geſtellt, um in kürzeſter
Zeit die Blumen auf große Entfernungen zu verſchicken.
In den waſſerdichten Kartons, in denen die Roſen verſandt
werden, wird den Roſen eine Eispackung beigegeben, um
Feuch=
tigkeit und Kühle mit auf den Weg zu geben.
Zum „Tag der Deutſchen Roſe” fährt die
Reichsbahndirek=
tion Mainz am Sonntag, den 15. Juli, einen um 60 Prozent
ver=
billigten Verwaltungsſonderzug nach Bad Kreuznach, der ſicherlich
viele Schauluſtige und Roſenfreunde in die Stadt der Roſen und
Nachtigallen führen wird. Der Zug beginnt in Darmſtadt und
fährt in Groß=Gerau. Mainz uſw. ſo zeitig ab, daß die
Reiſeteil=
nehmer bis zur Eröffnung des Ziergartens im Oranienhofpark
um 12 Uhr noch gut drei Stunden Zeit haben, in Bad Kreuznach
ſich zu ergehen und die eigentliche Roſenſchau in den Sälen des
neuen Kurſaalgebäudes, die ab 9 Uhr geöffnet ſind, anzuſehen.
Für die Sonderzügler gibt es gegen Vorzeigen der
Sonderzug=
karte ermäßigte Eintrittskarten zu 40 Pfennig. Bietet Bad
Kreuz=
nach mit dem benachbarten Bad Münſter am Stein ſchon
land=
ſchaftlich ſeine oft gerühmten Reize, ſo wird am kommenden
Sonntag der Schmuck der Roſenblüte eine Anziehungskraft
aus=
üben, die kaum übertroffen werden kann. Den ſonſtigen fur den
15. Juli vorgeſehenen Veranſtaltungen iſt ein beſonders feſtlicher
Rahmen gegeben. Alle notwendigen Einzelheiten ſind aus der
Be=
kanntmachung im Anzeigenteil erſichtlich.
Das Geſekz über Kleinrenknerhilfe
vom 5. Juli 1934.
p. Nachdem der genaue Geſetzeswortlaut jetzt vorliegt, geben
wir im Nachſtehenden eine Erläuterung des am 1.
Septem=
ber 1934 in Kraft tretenden Geſetzes:
Am 1. September 1934 ſechzig Jahre alte Männer und am
gleichen Tage 55 Jahre alte Frauen, ſowie Erwerbsunfähige die
infolge körperlicher oder geiſtiger Gebrechen nicht nur
vorüber=
gehend außerſtande ſind, ſich durch Arbeit die Hälfte ihres
Lebens=
bedarfes zu beſchaffen, erhalten Kleinrentnerhilfe, wenn ſie
nachweiſen, daß ihnen am 1. Januar 1918 ein
Kapitalver=
mögen von mindeſtens 12000 Mark gehört hat oder daß ſie zu
dieſem Zeitpunkt einen Rechtsanſpruch auf eine lebenslängliche
Rente von jährlich mindeſtens 500 Mark hatten und das
Ver=
mögen oder der Anſpruch der Geldentwertung zum Opfer gefallen
iſt. Dem eigenen Vermögen iſt das Vermögen gleichgeſtellt, das
der Hilfsbedürftige von ſeinem Ehegatten nach 1. Januar 1918
von Todeswegen erworben hat, wenn es dieſem am 1. Januar
1918 gehört hat. (S 1.)
Die Kleinrentnerhilfe iſt von der öffentlichen Fürſorge nach
den ſeither beſtehenden Vorſchriften, aber mit den
Vergün=
ſtigungen, die ſich aus dem neuen Geſetz ergeben,
durchzuführen.
Der Empfänger der Kleinrentnerhilfe, ſein
Ehegatte oder ſeine Eltern ſind nicht
verpflich=
tet, dem Fürſorgeverband die Koſten der
Klein=
renterhilfe zu erſetzen. § 21a. Die
Fürſorgepflichtver=
ordnung vom 6. Juni 1931 bleibt unberührt. (§ 3.)
Der Erbe des Empfängers der Kleinrentnerhilfe muß dem
Fürſorgeverband die Koſten der Hilfe nach Maßgabe des § 25
Abſ. 3 Sätze 2—4 der Fürſorgepflichtverordnung erſetzen; der
Ehegatte des Empfängers und ſeine Verwandten auf= und
ab=
ſteigender Linie ſind als Erben von der Erſatzpflicht befreit.
(8 4.)
Der Erſatzanſpruch gegen den Erben verjährt
in vier Jahren vom Ablauf des Jahres an, in dem die
Un=
terſtützung gewährt worden iſt. Durch das Recht des Erben, den
Erſatz zu verweigern (§ 25 Abſ. 3 Sätze 3 und 4 der
Fürſorge=
pflichtverordnung vom 6. Juni 1931), wird der Lauf der
Ver=
jährung nicht gehemmt.
Die Vorſchriften der FPflV. von 1924 und 1931 über
Ar=
beitspflicht Arbeitszwang und das
Verwal=
tungsverfahren gegen Unterhaltspflichtige
gelten nicht für die Empfänger der
Kleinrent=
nerhilfe.
Der für die Bemeſſung des notwendigen Lebensunterhaltes
feſtzuſetzende Richtſatz muß ſo bemeſſen ſein, daß er den
Richt=
ſatz der allgemeinen Fürſorge wenigſtens um
ein Viertel überſteigt. (8 6.)
Die Fürſorgeverbände dürfen von den Vorſchriften des
§ 84 Aufwertungsgeſetzes und des § 26 des
Anleiheablöſungs=
geſetzes nicht abweichen. § 2 der Notverordnung vom 9. 12.
1931, Kap. V RGBl. S. 725 vom 9. Dezember 1931 findet
inſo=
weit keine Anwendung. Die Vorſchriften des § 84 Aufw. Geſ. und
des S26 Anl.Ablöſ.Geſ. finden auch auf die Mehrleiſtungen nach
§ 6 Anwendung.
Bei Prüfung der Hilfsbedürftigkeit, der Art und des
Um=
fangs der Kleinrentnerhilfe bleibt das Einkommen aus
Arbeits=
verdienſt außer Anſatz, ſoweit es die Hälfte des Richtſatzes nach
§ 6 nicht überſteigt. Von dem Mehrverdienſt darf nicht mehr
als 50 v.H. angerechnet werden.
Die Hilfsbedürftigkeit des Empfängers der
Klein=
rentnerhilfe darf ohne deſſen Antrag erſt nach Ablauf von
je zwei Jahren erneut geprüft werden.
Für die bis zum 1. September 1934 den Kleinrentnern im
Sinne des §1 aus der öffentlichen Fürſorge gewährten
Leiſtun=
gen gelten 88 3 und 4 entſprechend. Erſatzleiſtungen, die
bis zum 6. Juli 1934 bewirkt wurden, können
nicht zurückgefordert werden.
Sehr wichtig iſt, daß die für den Erſatz der
Koſten der öffentlichen Fürſorge beſtellten
Sicherheiten von den Fürſorgeverbänden
frei=
zugeben und ſonach Hypotheken zur Löſchung zu
bringen ſind.
Im übrigen ſind noch allgemeine Verwaltungsvorſchriften
und Rechtsverordnungen zu erwarten, die der
Reichsarbeitsmini=
ſter einvernehmlich mit Reichsinnen= und Reichsfinanzminiſter
zur Durchführung und Ergänzung des Geſetzes erlaſſen kann.
Herrliche Fahrt
über Wirhauſen, Erzhauſen, Dreieichenhain
nach Heuſenſtamm.
Beim Ausflug am letzten Sonntag lagen die Ziele
verhält=
nismäßig in der Nähe Darmſtadts. Und doch war gar vielen
Teilnehmern einzelnes bisher unbekannt geweſen. Daher erklärt
ſich auch die große Teilnehmerzahl, die in dem einzigen Omnibus
— ein zweiter konnte weit und breit nicht aufgetrieben werden —
kaum Platz fand, ſondern noch zwei Limouſinen notwendig machte.
Eine frühzeitigere Anmeldung hätte freilich die z. T. doch recht
gedrängte Unterkunft vermeiden helfen.
Um ½2 Uhr bereits erreichten wir Wixhauſen. Die
Kirche iſt Ende des 18. Jahrhunderts von Schuknecht, dem
Er=
bauer des Darmſtädter Zeughauſes, umgebaut worden. Es
han=
delte ſich damals um Vergroßerung des Raumes, der noch auf
gotiſche Verhältniſſe zurückging. Das Intereſſanteſte der Kirche
bleibt der Turm, der keineswegs als Kirchturm errichtet
wor=
den iſt, ſondern vermutlich als Wohnturm mit einer
Umfaſ=
ſungsmauer der die heutige Friedhofsmauer entſprechen dürfte.
Freilich ſind die Ausmaße außerordentlich klein. Die lichte Weite
beträgt nur dreimal drei Meter. Der Zugang erfolgt durch eine
Leiter, wie auch die drei Stockwerke durch Leitertreppen
verbun=
den waren. Die gekuppelten romaniſchen Fenſter ſind ſehr roh.
Als Bedachung dient das Satteldach. Der vorphyrartige Stein,
den man hier verwandt hat, dürfte aus der Gegend von Langen.
ſtammen. Während der Turm in ſeiner Entſtehungszeit, etwa
um das Jahr 1225, anzuſetzen iſt, wo ein miles de Wicheshuſen
erwähnt wird, iſt der Eingang der Kirche und das anſchließende
Kreuzgewölbe auf 1400 zu datieren.
Nach kurzer Fahrt langten wir in Erzhauſen an, wo es
wiederum galt, die Dorfkirche zu beſichtigen. Sie geht
be=
ſtimmt in die romaniſche Bauperiode zurück, wenn ſie nicht gar
als Nazariuskirche der karolingiſchen Zeit angehört. Aeußerlich
tritt jedoch bei der einſchiffigen Kirche nur die Gotik in
Erſchei=
nung. Urſprünglich ſchloß, wie die jüngſten Ausgrabungen
er=
wieſen haben, die Kirche mit einer halbkreisförmigen Apſis ab.
Selten findet man in Dorfkirchen flache, halbkreisförmig
abge=
deckte Niſchen, wie ſie ſich hier im Schiff vorfinden und
vermut=
lich als Sitzplätze dienten. Ihre letzte Geſtalt hat die Kirche im
18. Jahrhundert erhalten, dem auch die bäuerlichen Malereien
zuzurechnen ſind. Bei den nunmehr abgeſchloſſenen
Wiederher=
ſtellungsarbeiten hat man mittelalterliche Malereien aufgedeckt,
deren ältere durch ihr Rot an Lorſcher Malereien erinnern. Die
jüngeren Reſte ſind durch Figuren= und Faltenbehandlung der
Frühgotik zuzurechnen. Sie zu erhalten, war jedoch nicht
mög=
lich. Im öſtlichen Teil befanden ſich noch zwei Pfeiler, die, falls
ſie nicht dem Lettner gedient haben, als Stützen für den
Dach=
reiter anzuſprechen wären. Die Tür zur Sakriſtei, in der die
Reihe der ſeit 1532 wirkenden Geiſtlichen, beginnend mit dem
erſten reformatoriſchen Prediger Beihel aus Weißenburg,
ange=
bracht werden ſoll, zeichnet ſich durch ſpätgotiſche Formen aus.
Die alten Altarplatten, die man wieder aufgefunden hat, nimmt
man wieder in Gebrauch.
Von da führte die Fahrt nach Dreieichenhain. Herr
Prof. C. Bronner, der Führer dieſes Ausflugs, iſt ein
beſon=
derer Kenner Dreieichenhains. In ſeinen „Odenwaldburgen”,
2. Teil. S. 11 ff., hat er die beſte neuere Beſchreibung der Burg
geliefert, und neuerdings in Band 29 der Mainzer Zeitſchrift
nnerhalb ſeiner Aufſatzreihe. Wohntürme im Volksſtaat Heſſen”,
S. 14 ff., eine ausführliche Würdigung der Wohnturmruine von
Dreieichenhain nachfolgen laſſen. Der Forſt Dreieich gehörte als
öniglicher Wildbann zu den Reichspaläſten Frankfurt und
Tre=
bur. Er umfaßte Teile des Odenwaldes und des Forehahi, dem
in der Rheinebene gelegenen Wald. Das Wildbannrecht wie
Der 23. Berbandstag
des Rhein=Mainifchen Friſeurverbandes
in Bad Homburg v. d. H.
Der Rhein=Mainiſche Friſeurverband hatte für Sonntag und
Montag ſeine Mitglieder ſowie alle Berufskollegen nach Bad
Homburg v. d. H. zu ſeiner alljährlichen Tagung berufen.
Wohl annähernd 1000 Friſeure waren dem Rufe der
Ver=
bandsleitung gefolgt, um nicht nur an den Beratungen der
Be=
rufsfragen tatkräftigen Anteil zu nehmen, ſondern um auch an
den fachlichen Vorführungen ihr Können und Wiſſen zu bereichern
und Fertigkeiten zu erlernen, damit höhere Leiſtungen geboten
werden können. Aber nicht nur aus Berufskreiſen war der
Zu=
ſpruch ein großer, ſondern auch die Bevölkerung und die Kurgäſte,
angeregt durch die Stadtverwaltung und den Kur= und
Verkehrs=
verein, nahmen zahlreichen Anteil. So brachte die Tagung
wäh=
rend den beiden Tagen reges Leben im Kurhaus und der Stadt
ſelbſt.
Pünktlich ſetzte am Sonntag die Tagung durch die Eröffnung
der Haararbeiten=Ausſtellung ein. Im Dreiklang
hat=
ten 145 Meiſter, Geſellen und Lehrlinge ihre eigens angefertigten
Arbeiten zur Ausſtellung gebracht, um damit der Oeffentlichkeit
zu zeigen, mit welcher Sorgfalt und künſtleriſchem Gefühl der
Friſeur ſeine Arbeit anfertigen muß, um ſie der Natur und dem
Körper des Menſchen anzupaſſen.
Nachdem der Verbandsvorſitzende Weidner=Frankfurt a. M.
unter Hinweis auf die Aufbauarbeit unſeres Führers Adolf
Hit=
ler, der nunmehr auch dem Handwerk ſeinen Platz an der Sonne
wieder zurückgegeben habe, die anweſenden Behörden und Gäſte,
u a. vor allem den Präſidenten des Bundes deutſcher Friſeure,
Renz, begrüßt hatte, erklärte er die Ausſtellung ſowie den
Ver=
bandstag als eröffnet. Anſchließend fand die Beſichtigung der
Ausſtellung ſtatt.
Im Anſchluß hieran war die gemeinſame Sitzung der
Fachlehrer=Vereinigung und der Modekommiſ
ſionen, in der Bundespräſident Renz grundlegende
Ausfüh=
rungen über die zukünftige gemeinſame Tätigkeit aller am
Auf=
bau mithelfender Berufskollegen machte. In vorbildlich klarer
Weiſe zeigte er wie die Fachlehrer in der Erziehung und
Aus=
bildung der Lehrlinge organiſchen Anteil haben müſſen und wie
die Modekommiſſionen anſchließend die Weiterbildung von
Ge=
ſellen und Meiſtern in Verbindung mit der Innung
weiterzu=
führen haben.
Ebenſo umriß er auch das Aufgabengebiet der Innungen und
forderte, daß mindeſtens alle Monat einmal eine
Innungsver=
ſammlung ſtattzufinden habe, bei der der fachliche Teil im Vor= ſtehen müſſe.
Der Nachmittag brachte das allerſeits mit großem Intereſſe
erwartete Preisfriſieren. Zu dieſem Berufswettkampf
tra=
ten 25 Teilnehmer an, welche in zwei Klaſſen um die ausgeſetzten
Preiſe rangen. Zielbewußt, mit großer Sorgfalt und Liebe
ent=
ſtanden allmählich Friſuren, die nicht nur die größte Bewunderung
der Berufsangehörigen, ſondern auch die gleiche des Publikums
hervorriefen. Als Preisträger gingen hervor: in der Klaſſe 4:
A. Krah jun., Bettinger, Kemmerer, Luft, alle aus Frankfurt a.
M. und Wenniger=Gießen. In der Klaſſe B: B. Engelert und
Herſche=Frankfurt a. M., Pollgläſner=Wiesbaden. Diefenbach=
Frankfurt und Weinbrenner=Gießen.
Der Abend brachte eine Begrüßungsfeier nebſt Fahnenweihe.
Am Montag zeigten Fachlehrer und
Modekommiſſionsmitglie=
der Arbeiten aus der Praxis für die Praxis bei ſtarkem Beſuch
intereſſierter Berufskreiſe.
Um 11 Uhr begannen dann die Hauptverhandlungen,
die nach kurzer Begrüßung der Behörden und Teilnehmer einen
Vortrag von Handwerkskammer=Präſident Müller=Wiesbaden über
das neue Geſetz für den vorläufigen Aufbau des deutſchen
Hand=
werks, den Geſchäftsbericht, die Entlaſtung des Vorſtandes, die
Genehmigung des Haushaltsplanes, die Wahl bzw. Beſtätigung
des Vorſtandes und im Anſchluß die Arbeiten der Fachlehrer und
Modekommiſſionen in ſich ſchloſſen Mit einem Schlußwort und
einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer und das Vaterland,
ſowie dem Deutſchland= und Horſt=Weſſel=Lied ſchloß der
Verbands=
vorſitzende um 1 Uhr die Tagung.
Eine Rundfahrt durch die herrlichen Gaue und Wälder des
J. Sp.
Taunus brachte dann den endgültigen Abſchluß.
die Oberaufſicht übten die Herren von Hagen, die Ende des
11. Jahrhunderts zuerſt auftreten und Anfang des folgenden
Jahrhunderts im Beſitz der Reichsvogtei des Bannforſtes
ſind (1128). Trotzdem ſie durch Heirat mit den Arnsburgern
in der Wetterau Beſitzungen erhielten und dort als Stützpunk
die Münzenburg erbauten, wurde die Burg Dreieich nicht
vernachläſſigt. Nach dem Ausſterben der Münzenberger 1255
fiel der Hain zu einem Sechſtel an Hanau, zum übrigen Teil an
Falkenſtein, deſſen Erbſchaft 1418 Sayn und Iſenburg antraten
1486 kaufte Iſenburg den Saynſchen A: eil und 1710 ertauſchte
es das Hanauſche Sechſtel, ſo daß es nunmehr in Alleinbeſitz des
Hains kam. Nach der Spaltung des Iſenburger Hauſes fiel die
Burg an die Birſteiner Linie, welche die Unterhaltungspflicht
dem Geſchichts= und Verkehrsverein in Dreieichenhajn über,
laſſen hat.
Die Stadt Dreieichenhain iſt mit Umfaſſungsmauern
um=
geben, die durch Wehrtürme verſtärkt ſind. Von den alten
Stadt=
toren ſind nur die Ober= und Unterpforte noch erhalten. Viele
Fachwerkhäuſer ſchmücken das Städtchen. Am öſtlichen Ende liegt
die Burg, eine Waſſerburg, deren Oſtſeite begrenzt wird durch
einen vom Hengsbach geſpeiſten Teich. Von dort bietet ſich dem
Beſchauer die ſchönſte Anſicht der Burg dar, deſſen Hintergrund
die Kirche und die ſchönen Bäume ausmachen. Das Burggebiet
war von einer ſtarken Ringmauer mit Wehrgang umſchloſſen.
An der öſtlichen Wehrmauer zeigt ſich an einigen Stellen der
Fiſchgrätenverband (opus spicatum), der, römiſche Mauertechnit
nachahmend, weſentlich dem 12. und 13. Jahrhundert eigen iſt.
Von dem gewaltigen runden Bergfried ſind, da er den
Bewoh=
nern des Städtchens als bequemer Steinbruch galt, nur noch die
unteren Teile erhalten. Der daneben ſtehende Pallas iſt uns in
ſeinem ſüdlichen Teil aufs beſte überkommen mit guterhaltener
Kaminfeuerung. Der gotiſche Charakter wird durch die
Re=
naiſſancefenſterumrahmung geſtört. Die älteſte Burganlage
— wohl des 11. Jahrhunderts — beſtand aus einem Wohnturm
mit einem Mauerring. Später hat man ſich dieſen Turm
vier=
geſchoſſig zu denken mit einem Untergeſchoß und als Abſchluß mit
einem Zinnenkranz. Der Kern der eigentlichen Burganlage
ſtammt erſt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts.
Als letztes wurde Heuſenſtamm beſucht. Zunächſt die
katholiſche Dorfkirche, die aus der Glanzzeit der
Schön=
borns ſtammt, 1739 erbaut, wie man heute weiß, nach den
Ent=
würfen von Balthaſar Neumann. Es iſt eine der beſten
Leiſtungen des Spätbarocks in Heſſen. Beachtenswert ſind auch
die farbenprächtigen Deckengemälde von Th. Scheffler aus
Augs=
burg 1741. Sie ſtellen die Wiedererweckung des Lazarus (
Lang=
haus), den Triumph des Erlöſers über Tod und Hölle (Vierung)
und die Anbetung des Lammes (Chor) dar. Der Hochaltar mit
ſeinem aus Muſchelmotiven zuſammengeſetzten durchſichtigen
Auf=
bau iſt ein echtes Werk des Rokoko
Nach der Kaffeepauſe im Gaſthaus zum Löwen wurde noch
das Schloß beſichtigt, das in ſeinen älteren Teilen dem
An=
fang des 17. Jahrhunderts angehört und einen Uebergang von
der befeſtigten Burg, die mit einem Graben umgeben iſt, zum
offenen Schloß darſtellt. Seit 1661 iſt das Schloß im Beſitz der
Grafen von Schönborn. Die nun beginnende Bautätigkeit hat im
weſentlichen nur die vordere Front fertiggeſtellt. Jenſeits des
hinteren Grabens befinden ſich die Reſte des ſog. ſteinernen
Hau=
ſes, das dem 16. Jahrhundert entſtammt, aber neugotiſch
ausge=
baut iſt. Aehnlich iſt der Erhaltungszuſtand des älteſten Teiles.
eines Wohnturms, der in den Anfang des 13. Jahrhunderts
zurückgehen dürfte. Zum Schluß wurde noch der
triumphbogen=
artige Torbau zu Ehren Kaiſer Franz I beſichtigt. Er galt
als Huldigung für den kaiſerlichen Aufenthalt in Heuſenſtamm
gelegentlich der Reiſe nach Frankfurt zur Krönung ſeines Sohnes
Joſeph 1764.
Dem Führer des Ausflugs, dem Ehrenmitglied des Vereins,
Prof. C. Bronner aus Mainz, und Herrn Pfarrer S.
Wer=
ner aus Erzhauſen, der einige Ergebniſſe ſeiner
geſchicht=
lichen Forſchung vorbrachte, ſei hier nochmals gedankt! *. Kn.
Aus der NSDAP.
Der Stellvertreter des Führers.
NSK. Der Stellvertreter des Führers hat folgende
Anord=
nung erlaſſen:
Unbeſchadet der grundſätzlichen und im Programm der
NSDAP verankerten Schaffung eines geſunden
Mittelſtandes haben Kämpfe zwiſchen einzelnen
Einrichtun=
gen der Deutſchen Volkswirtſchaft zu unterbleiben. Wegen
Zu=
gehörigkeit zu Verbrauchergenoſſenſchaften darf
kein Parteigenoſſe oder Volksgenoſſe angegriffen oder benachtei=
Werdtalderfi ine Ueit Den Erterncääice der Huf
riſchen Einſchlages zu enthalten.
gez. Rudolf Heß,
München, den 9. Juli 1934.
Erholungsurlaub für bedürftige Muſiker.
Die Reichsmuſikkammer ſchickt in dieſem Jahre erſtmalig
ältere erwerbsloſe und bedürftige Berufsmuſiker für 14 Tage in
Urlaub. Es iſt dies wiederum ein beredtes Zeichen, wie ſehr ſich
der nationalſozialiſtiſche Staat die Sorge um die Angehörigen
jedes Standes angelegen ſein läßt. Wenn man bedenkt, wie wenig
früher für den älteren, kranken oder erwerbsloſen Berufsmuſiker
geſorgt worden iſt, iſt dieſe neue Maßnahme als Ausdruck eines
wahrhaftigen Sozialismus der Tat zu bewerten. Auch aus dem
Gebiet der Landesmuſikerſchaft Heſſen=Naſſau ſollen ältere,
er=
werbsloſe und bedürftige Berufsmuſiker für zwei Wochen in
Er=
holung geſchickt werden. Bewerbungen ſind umgehend an die
zu=
ſtändigen Ortsmuſikerſchaften oder an die Landesmuſikerſchaft
Heſſen=Naſſau. Darmſtadt, Mackenſenſtr. 21. zu richten.
Landesmuſikerſchaft Heſſen=Naſſau des Fachverbandes B in der
Reichsmuſikkammer.
Der Leiter der Landesmuſikerſchaft Heſſen=Naſſau des
Fach=
verbandes B in der Reichsmuſikkammer, Stadtrat Kammermuſiker
Paul Fichtmüller, gibt amtlich bekannt, daß zum Leiter der
Nebenſtelle Viernheim in der Ortsmuſikerſchaft Bensheim der
Muſiker Konrad Wunderlich 4. zu Viernheim beſtellt
wor=
den iſt.
— Die Bauarbeiten der neuen Feuer= und Unfall=Meldeanlage,
die heute in Betrieb genommen wird, ſtanden unter der Leitung
des Oberingenieurs Stohr von der Elektrozeit=A.=G./
Frankfurt am Main.
Vereins= und lokale Veranſtalkungen.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
— Der Verein ehem. Heſſ. Leibdragoner
Darm=
ſtadt macht ſeine Mitglieder auf den am Freitag abend, 8 Uhr,
ſtattfindenden Familien=Abend im Gutenberg aufmerkſam.
— Verein der Pioniere und Verkehrstruppen
Darmſtadt und Umgegend. Meldung zur Teilnahme am
Waffenringtag in Heidelberg am 5. 8. 34 muß bis zum 20. 7. 34
an Kamerad Handke, Mackenſenſtraße 40. Zimmer 7.
Erdgeſchoß=
erfolgen. Je nach Beteiligung Fahrpreisermäßigung. — M
gliederverſammlung am 21. 7. 34, 8.30 Uhr, bei Kamerad Biſchoff=
Ludwigsplatz.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Beſſunger Lichtſpiele: Pantoffelhelden.
Waldbrände können ungeheueren
Schaden anrichken!
Ein weggeworfenes Zündholz, achtlos weggeworfene
Zigarren= oder Zigarettenreſte rufen Waldbrände hervor!
Donnerstag, 12. Juli 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 190 — Seite 7
Aus Heſſen.
* Die Dreſchmaſchine brummt!
Luſtig ertönt das fauchende und brauſende Lied der
Dreſch=
maſchine, als würde ſie ſich freuen, daß ſie die goldenen
Getreide=
garben in ſich verſchlingen darf. Vor der geräumigen Halle ſteht
Wagen an Wagen, hochbeladen mit dem reichen Ertrag des
Som=
mers. Im Schatten der Wagen oder wo er ſich gerade bietet, ſitzen
die Bauersleute froh und leutſelig wartend, bis ſie die Maſchine
benutzen können. Ein buntes und lautes Bild herrſcht hier. Man
kommt, man geht, es rauſcht, es brauſt, frohes Kinderlachen
er=
ſchallt, mitunter zerreißen laute Rufe der Maſchinenarbeiter die
Luft Schiebt dann ein Bauersmann ſeinen hochbeladenen Wagen
durch den Sonnenſchein zur Maſchine, dann glänzen auf dem
Wagen die Getreidegarben wie pures Gold. Aber es glänzt noch
etwas: Die Augen des Bauern. Sieht er doch vor ſich ſeine Arbeit,
ſeinen Lohn, ſeinen Ertrag. Eitle Freude liegt auf ſeinem Geſicht
ob der Menge und der Güte der Frucht. Es war aber auch eine
harte Arbeit bis heute, bis er die Frucht, um die er manchen Tag
und manche Nacht gebangt, zur Dreſchmaſchine bringen konnte.
Und ſind dann die Garben durch die Maſchine gelaufen und der
Binder wirft das Stroh aus und die Säcke an der Maſchine
lau=
fen voll mit Körner, die uns Menſchen das Brot geben, dann iſt
er zufrieden, und ſtolz treibt er ſeine Pferde an zur Fahrt nach
Hauſe. Die ſchönſten und größten Aehren jedoch hat man aus den
Garben herausgenommen und nicht in die Maſchine gegeben. Man
nimmt die mit nach Hauſe. Sie dürfen im Schmucke ihrer Körner
bleiben. Sie werden am Erntedankfeſt den Altar in der Kirche
ſchmücken, ſie werden dem Höchſten und Allmächtigen geopfert zum
Danke für die Gabe, daß er die Frucht beſchützte und behütete.
E.J.
Et. Reichelsheim. 10. Juli. Am Sonntag und Montag wurde
n dem benachbarten Gumpen die „Kerb” gefeiert. In drei Sälen
par Tanzmuſik. Bei überfüllten Sälen wurde ein gutes Geſchäft
gemacht. In Groß=Gumpen wurden einem Bauern 12 Mk.
ge=
tohlen. Als Täter wurde von der Reichelsheimer Gendarmerie
ſer eigene Dienſtknecht feſtgeſtellt.
Bt. Reichelsheim, 7. Juli. Hier herrſcht bereits wahre
Feſt=
timmung. Und das mit Recht. War doch ſchon mindeſtens ſechs
jahre kein Vereinsfeſt in Reichelsheim. Die Sängervereinigung
Eintracht” eröffnet den Reigen und begeht ihr 90jähriges
Jubel=
eſt, verbunden mit Kreis=Wertungsſingen (Gerſprenz=Kreis) am
5. und 16. Juli. Ueber 600 Sänger haben ihr Erſcheinen
zu=
eſagt. Das Wertungsſingen beginnt 8.30 Uhr Sonntag früh im
Zereinslokal „Zum Adler”. 1.30 Uhr Aufſtellung des Feſtzuges.
der Verein hat ſchon bei früheren Veranſtaltungen gezeigt, daß
* Meiſter iſt im Ausſchmücken von Feſtwagen. Aber, wie man
ört, werden diesmal die Feſtwagen alles bisher Dageweſene
berbieten. Um 2 Uhr Abmarſch durch unſeren herrlichen
Luftkur=
rt nach dem idylliſch gelegenen, ſchattigen Feſtplatz am Fuße des
keichenberges. Augenblicklich wird die Hauptſtraße geteert, die
is zum Feſt fertig iſt, ſo daß der Marſch nur durch erſtklaſſige
straßen geht. Auf dem Feſtplatz wird wohl die Hauptanziehung
er Maſſenchor und die Liedvorträge der einzelnen Vereine ſein.
luch unſere Sängervereinigung hat unter ihrem bewährten
Diri=
enten, Rektor Greim, ganz großartige Chöre eingeübt. Am
lbend iſt Feſtball in zwei Sälen, aber auch auf dem Feſtplatz iſt
ür allerlei Kurzweil geſorgt. Am Montag, um 15 Uhr, iſt
Ab=
rarſch des feſtgebenden Vereins und der hieſigen Ortsvereine nach
em Feſtplatz. Daſelbſt Liedvorträge, Konzert und
Volks=
eluſtigung.
n. Groß=Bieberau, 7. Juli. Volkstum und Heimat. Am
5. d. M. veranſtaltet der hieſige Ortsring einen Gang durch die
ieſigen Gärten. Im Anſchluß daran hält Lehrer Hilsdorf aus
ſarmſtadt einen Lichtbildervortrag über die Bedeutung des
Gar=
ens in der jetzigen Zeit.
Es. Fürth i. Odw., 10. Juli. Wertungsſingen. Am
onntag fand hier das Wertungsſingen des Kreiſes Weſchnitz
es Heſſiſchen Sängerbundes ſtatt. Angetreten waren 36 Vereine
es Kreiſes. Als Kritiker wirkten die Herren Prof. Dr. Noack
nd Obermuſiklehrer Samper aus Darmſtadt. Nachdem
Kreis=
alter Gehbauer=Fürth im Saalbau Schmitt und ſein
Stellver=
eter Kenzler=Affolterbach in der Turnhalle die erſchienenen
änger begrüßt hatte, nahm das Singen etwas nach 8 Uhr ſeinen
nfang. Um 12 Uhr ſchloß ſich in beiden Sälen, eine mündliche
ritik an. Beide Kritiker wieſen in über einſtündigen
Ausfüh=
ngen die Chormeiſter und auch die Sänger auf etwaige Fehler
Dynamik. Rhythmik. Ausſprache, Stimmbildung und
Choraus=
ahl hin. Dankbar wurden alle Anregungen entgegengenommen.
ſenn die Worte der beiden Herren beherzigt werden, muß es mit
m Geſang in unſerem Kreiſe aufwärts gehen. — Nachmittags
n 3. Uhr vereinigten ſich ſämtliche Chöre des Kreiſes zu einer
undgebung für das deutſche Lied. Nach einem Muſikſtück und
m deutſchen Sängergruß wurde der Pflichtchor „Mein
Deutſch=
nd” von Ernſt Hanſen, unter Stabführung des Kreischormeiſters
rämer=Fürth, als Maſſenchor geſungen. Hierauf begrüßte
Kreis=
alter Gehbauer die Sänger im Auftrage des Heſſ.
Sängerbun=
s und im Auftrage des verhinderten Bürgermeiſters. Dann
ihm er die Ehrung von drei Sängern vor, die für 40jährige
ak=
ve Sängertätigkeit die Sängernadel als Auszeichnung erhielten.
5 waren dies die Sänger Adam und Johann Fiſcher=Aſchbach
Id Sänger Adam Hildenbeutel=Fürth. Seine weiteren
Ausfüh=
ngen galten dem deutſchen Liede. Mit dem Deutſchlandliede
nd die eindrucksvolle Feier ihr Ende.
Bh. Weſchnitz i. O., 10. Juli. Am Sonntag fand hier auf dem
hützenſtande das diesjährige Bezirksſchießen des KKS.=Kreiſes
iomm ſtatt, wobei der Verein Weſchnitz den 1. Platz belegen
nnte. Auch bei früheren Kreisprüfungsſchießen errang unſer
RS. gute Erfolge, wie z. B. 2 goldene 2 ſilberne und 3
bron=
ne Ehrennadeln. — Der Gründer und Führer des KKS. Weſch=
6, Förſter Hildenbeutel, trat mit dem 1. Juli in den
wohlver=
inten aus nationalem Opferſinn genommenen Ruheſtand.
ber dreißig Jahre war Hildenbeutel Hüter und Pfleger
s heimatlichen Waldes und ſtand in beſtem Einvernehmen mit
ner Behörde, der Gemeinde und den Vürgern. So wurde ihm
ch am letzten Tage ſeines Dienſtes eine ſchlichte Feier dargeboten
s Dank und Anerkennung für ſeine treuen Dienſte. — Förſter
hmitt, Eras=Ellenbach, wurde ab 1. Juli nach hier verſetzt.
r. Babenhauſen. 10. Juli. Bei einem nächtlichen
Güter=
agendiebſtahl an unſerem Bahnhof hatte der 44jährige
teb. Georg Steiger aus Frankburt a. M., trotz krimineller
Er=
hrung in derartigen Diebſtählen das „Pech”, während er einen
ac Leder ſtahl, ſeine Ausweispapiere zu verlieren und ſich da=
Irch zu verraten. Die Zweckloſigkeit, in dieſem Falle zu leugnen,
h der Angeklagte vor der Strafkammer ein, doch beſtritt er
ener=
ſch. andere ähnliche Diebſtähle damals in Babenhauſen
began=
n zu haben. Das Gericht verurteilte den rückfälligen Dieb zu
ei Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverluſt. Außerdem
irde ſeine Sicherungsverwahrung angeordnet.
. Dieburg. 10. Juli. Volkstum=Abend. Mit dieſer
ranſtaltung in der Feſthalle des Städt. Schloßgartens kann die
5. Gemeinſchaft „Kraft durch Freude”, einen vollen Erfolg
chen. Die Halle war dicht beſetzt, die Darbietungen fanden ein
nkbares Publikum. Das Mandolinenorcheſter mit ſeiner
Zupf=
iſik erntete reichen Beifall, ebenſo der Geſangverein „
Sänger=
t” mit ſeinen Volksliedern. Die Volkstänze der Odenwälder
achtenaruppe ſowie die Mundartgedichte fanden allgemein
An=
ng. Zwei Schwänke der Laienſpielſchar des Kreiſes hatten die
cher auf ihrer Seite. Pg. Demmel=Eberſtadt erläuterte in
ſem kurzen Vortrag Zweck und Ziele der Volkstumabende und
loß mit einem dreifachen „Sieg=Heil” auf den bewährten Füh=
Betriebszellenobmann Knauf dankte dem Redner und allen
itwirkenden. Ein Tänzchen hielt dann noch lange die
Teil=
mer beiſammen.
k. Dieburg, 7. Juli. Ferienkinder. Von der
Kreisamts=
tung iſt ein Dankſchreiben eingetroffen, das in begeiſterten
urten den freundlichen Empfang und die in allen Orten des
eiſes überaus gute Aufnahme der Kinder hervorhebt. — Aus
n Kreiſe Dieburg kommen demnächſt 100 Kinder für vier
ochen nach Mainz. Vom Amt für Volksmohlfahrt ſind für die
nderverſchickung Bekleidungsſtücke zur Verfügung geſtellt.
reisfeuerwehrtag. An dem „Kreisfeuerwehrtaa, in
berau nimmt die Mannſchaft vom 2. Zug der Freiwilligen
erwehr teil — Volkstum=Abend. Am Sonntag 8. Juli
rd die NS. Gemeinſchaft „Kraft durch Freude” in der Feſthalle
z Städtiſchen Schloßgartens einen Volkstum=Abend
veranſtal=
an dem die Odenwälder Trachtenaruppe Michelſtadt, der
Ge=
averein „Sängerluſt” Diehurg und das Mandolinen=Orcheſter
Beteiligung zugeſagt haben. Nach den Aufführungen findet
nz ſtatt.
Herurgamſaloriſche Auforac des Baghersang Karofferikoäuet”
gewerbes im Rhein=Mainiſchen Wirtſchaftsgebiet.
Der Landesverband der Wagner= und Karoſſeriebauer=Innungen
für Heſſen und Naſſau hielt ſeinen 14. Verbandstag in Groß=
Gerau (Heſſen) ab. Der Auftakt für die Tagung bildete eine
Delegierten=Verſammlung im Reſtaurant Krämer,
unter Leitung des Verbandsführers Luft, Neu=Iſenburg.
Der Führer der Wagner=Innung Groß=Gerau Winter,
Leeheim, begrüßte die bereits eingetroffenen
Verbandstagteilneh=
mer und gedachte des Reichskanzlers Adolf Hitler, dem auch das
Wagnerhandnerk dafür zu danken habe, daß durch ſeine
Entſchluß=
kraft Deutſchland von innerer Revolte verſchont blieb.
Die Delegiertenverſammlung ſelbſt wurde durch
Verbands=
führer Luft Neu=Iſenburg, eröffnet, der in einer Anſprache auf
die Notlage im Wagnerhandwerk hinwies. Die Fertigware und
auch vielfach die Uneinſichtigkeit mancher Kreiſe für ein
vernünf=
tiges Preisniveau ſtellen ſich der Erſtarkung des Gewerbes
ent=
gegen. Das Wagnerhandwerk lehnt jede Preistreiberei ab, muß
aber für ſeine Arbeit ſo bezahlt werden, um lebensfähig zu
blei=
ben. Den Tätigkeitsbericht für das Jahr 1933—1934 erſtattete
Verbandsführer Luft, Neu Iſenburg. Der organiſche Aufbruch
ſtelle den Landesverband künftighin vor die Erfüllung großer
Auf=
gaben berufsſtändiſcher und wirtſchaftlicher Art. Den Rechnungs=
und Kaſſenbericht trug der Verbandsrechner Klepper,
Darm=
ſtadt, vor, der, wie auch der Haushaltsplan für 1934—1935,
an=
genommen wurde. Ueber die Errichtung einer Verrechnungsſtelle
im Landesverband berichtete Wagnermeiſter Stiehl, Haiger.
Die Delegiertenverſammlung beſchloß, den Landesverbandstag in
1935 in Frankfurt a. M. abzuhalten. Mit der Beratung und
Verabſchiedung eingegangener Anträge und interner Beſprechung
über Berufsfragen ſchloß die gutbeſuchte Delegiertenverſammlung.
Die Landesverbandshauptverſammlung im Hotel „Zur Krone‟.
Die Begrüßungsanſprache hielt Innungsführer Winter,
Lee=
heim, und die Eröffnungsrede Verbandsführer Luft, Neu=
Iſen=
burg, der Gelegenheit nahm, die Verbandstagsteilnehmer und die
erſchienenen Gäſte, unter ihnen den Reichsfachſchaftsführer
Mende Halle, den Präſidenten der Heſſiſchen Handwerkskammer,
Fritz Müller, Mainz, den Kreisinnungsausſchußführer
Das=
bach, Groß=Gerau, und die Preſſe zu begrüßen.
Landesverbandsführer Luft gab Aufſchluß über die
Bera=
tungen und Vorverhandlungen der Delegiertenverſammlung und
gab Hinweiſe auf das neue Handwerkergeſetz, bzw. die
Rechtsver=
ordnung des Herrn Reichswirtſchaftsminiſters und des
Reichs=
arbeitsminiſters vom 15. Juni 1934. Die Neuordnung der Dinge
bringe dem Handwerk die langerſehnte Selbſtverwaltung und
hof=
fentlich damit auch den erſehnten Wiederaufſtieg.
Der Reichsfachſchaftsführer Mende, Halle, überbrachte die
Grüße des Reichsfachverbandes und betonte, daß der beginnende
Zuſammenſchluß aller Kollegen neue Wege zeige. Die reſtloſe
Or=
ganiſation im Handwerk gehe nicht allein um des Handwerks
wil=
len, ſondern um das geſamte deutſche Volk. Die Beſeitigung der
teilweiſe noch vorhandenen Regiebetriebe und eine wirkſame
Be=
kämpfung der Schwarzarbeit wurde zur Forderung erhoben. Die
Grundlage und die Richtung, wie ſich der Aufbau zu vollziehen
hat, müſſe vom Handwerk ausgehen. Damit die Verordnung
ſinn=
gemäße Anwendung finde ſind Nationalſozialiſten als Garanten
einzuſetzen. Neben der wirtſchaftspolitiſchen Sicherung habe auch
die bejahende ſtaatspolitiſche Sicherung vorhanden zu ſein.
Anſchließend nahm der Präſident der Heſſiſchen
Handwerks=
kammer, Fritz Müller, Mainz, das Wort, der einleitend die
Verſchiedenartigkeit von Revolutionen näher beleuchtete und über
den völkiſchen Begriff ſprach. Es gelte, die Schädlinge in den
eigenen Reihen endlich zu beſeitigen, damit das Handwerk wieder
zur Achtung und Geltung komme. Behandelt wurde das
Führer=
prinzip. Mit der Artung des Führers ſteige oder falle die
An=
hängerſchaft. Bei der Berufung der Innungsführer müſſe völkiſches
Denken vorausgeſetzt werden. Der Vortragende ging weiter auf
die kommenden Organiſationsformen ein. Berührt wurde die
Preisbewegung im Handwerk und klargelegt, daß es nicht
Auf=
gabe der Organiſationen ſein kann, Preiſe als Feſtpreiſe
feſtzu=
legen. Niemand könne dagegen verwehren, wenn ſich die
Berufs=
angehörigen über Preismoral und Kalkulation beſprechen. Der
Nenner zur Landwirtſchaft müſſe gefunden werden. Jeder Stand
habe ſeine Aufgabe. Zuſammenarbeit ſei notwendig da der eine
Stand auf den anderen angewieſen iſt. Weiter ſprach der
Vor=
tragende noch über Handwerk und Religion. Dem Innungsführer
iſt es unterſagt, konfeſſionelle Probleme in die Verſammlung zu
tragen. Die Pflichterfüllung ſei das Loſungswort der Stunde,
was jeder Handwerker und beſonders der Organiſationsführer
be=
denken muß. Mit großem Beifall nahm die Verſammlung die
Ausführungen auf.
Durch den Präſidenten der Heſſiſchen Handwerkskammer wurde
die Ehrung des Wagnermeiſters Ludwig Schäfer, Biebesheim.
vorgenommen und der Ehrenmeiſterbrief überreicht.
Der Landesverbandsführer Luft Neu=Iſenburg, ſchloß die
eindrucksvolle Tagung mit einem dreifachen Sieg=Heil auf den
Volkskanzler Adolf Hitler.
Das Schlißer Trachkenfefk.
LPD. Schlitz 10. Juli. Alte Städtchen gibt es im Heſſenlande
gar viele, aber keines, das in das 20. Jahrhundert hinein ſich
ſet=
nen mittelalterlichen Chavakter noch rem erhalten hat. Schon
weit von Schlitz grüßt vom Berge ſein Ring altersgrauer Burgen
und Türme. Seine Kirche, 812 geweiht, iſt ein Kleinod
mitrel=
alterlicher Baukunſt und birgt überraſchend viele Schätze deutſcher
Plaſtik und Malerei. Immer von neuem wird der Beſucher durch
die wechſelnden Bilder entzückt, die er beim Durchwandern der
winkligen alten Gaſſen mit ihren hochgiebeligen Fachwerkhäuſern
entdeckt. Unvergeßlich iſt der Eindruck des Kirchplatzes mit ſeinen
uralten Linden und des Marktplatzes mit ſeinem gotiſchen
Georgs=
brunnen. Hier hat ſich noch unverfälſcht die farbenfrohe Tracht
und das Brauchtum aus Urvätertagen erhalten und wird mit
be=
ſonderem Stolze gepflegt, weil im Dritten Reich dieſem
wertvol=
len Gut Achtung und Anerkennung nicht verſagt wird. Fleißige
Hände wirken koſtbares Leinen und zeigen, was handwerkliches
Können aller Art zu leiſten vermag. Darum kommt zum
Trachten=
feſt des Heſſenlandes nach Schlitz am 22. Juli und genießt die
Schönheit der von Wäldern umrauſchten Stadt auf dem Berge.
Le. Groß=Umſtadt, 6. Juli. Am nächſten Freitag, den 13. Juli,
findet hier der diesjährige Ziegen= und Bockmarkt ſtatt.
Da das Ziegenmaterial des Verbandes Dieburg weithin als
erſt=
klaſſig bekannt und der Markt einer der erſten in der Provinz iſt,
dürfte ſowohl für Gemeinden, wie auch Private eine gute
Ge=
legenheit geboten ſein, beſtes Zuchtmaterial zu erſtehen. An
Aus=
zeichnungen erhielten auf der Reichsnährſchau in Erfurt drei
aus=
geſtellte Ziegen zwei erſte und zweite Preiſe.
Le, Groß=Umſtadt, 10. Juli. Im Zeichen der Brände.
Am Sonntag abend ertönten die Sturmglocken; ein Waldbrand
im Hardtberg iſt ausgebrochen, war auf allſeitiges Fragen die
Antwort, die ſich ſchnell in allen Straßen verbreitete. Schließlich
ſtellte es ſich heraus, daß auf der Höhe der Wächtersbach im
Hardt=
berg im ſog. Bauernwald — dem Herrn Albert Arzt gehörig —
in der Nähe einer Ruhebank, jedenfalls infolge Wegwerfens
eines Steichholzes oder Zigarettenſtummels, ein Waldbrand im
Entſtehen war, der am Boden durch die derzeitige Trockenheit und
Dürre ſchnell weiterlief. Durch tatkräftiges Eingreifen der
ſchnell=
ſtens herbeigeeilten hieſigen Freiwilligen Feuerwehr und der in
der Nähe befindlichen Leute der Gemeinde Heubach wurde der
Brand bald zum Erſticken gebracht und hierdurch großer Schaden
abgewendet. Eine Feuerwehrabteilung als Brandwache konnte
erſt gegen Nachmitternacht die Brandſtätte wieder verlaſſen. Der
Sachſchaden iſt gering.
As. Erbach. 10. Juli. Von unſeren Segelfliegern.
Kamerad Leonhard Rodemich von hier beſtand als erſter des
Fliegerhorſtes Erbach ſeine A= und B=Pilotenprüfung. Es iſt dies
umſo erfreulicher, als der junge Flieger dieſe Prüfungen in
ver=
hältnismäßig kurzer Zeit mit ſehr guten Flugzeiten ablegte. Für
den Fliegerhorſt ſelbſt dürfte dies ein Anſporn ſein, um auch den
Flugbetrieb mit der ſelbſtgebauten Maſchine aufzunehmen. —
Vom NSLB. Die letzte Bezirksverſammlung fand am Samstag
in Michelſtadt ſtatt. Nach einleitenden Worten des
Bezirksob=
manns Meier=Michelſtadt, der beſonders auf die jüngſten
poli=
tiſchen Ereigniſſe Bezug nahm, hielt Herr Lehrer Heß=
Michel=
ſtadt einen äußerſt klaren und intereſſanten Vortrag über das
Thema: „Völkiſche Erziehung nach Krieck”. Anſchließend an das
Referat wurden noch wichtige Vereinsangelegenheiten geregelt.
Gartenkonzert. Am Sonntag nachmittag veranſtaltete das
Städtiſche Orcheſter im Garten des „Schützenhofes” ein Konzert,
das leider nicht den Beſuch aufzuweiſen hatte, den es in
Anbe=
tracht der guten muſikaliſchen Leiſtungen verdient hätte. Am
Abend ſchloß ſich im Saale ein gemütliches Tänzchen an.
Werbeabend. Am Montag abend veranſtaltete die Heſſiſche
Eiſenbahn=AG. Darmſtadt im großen Saale des Schützenhofes
einen Werbeabend. Im Mittelpunkt desſelben ſtand ein Vortrag
des Herrn Albert Heß über das Thema: „Siegeszug der
Elek=
trizität” verbunden mit praktiſchen Vorführungen; anſchließend
fanden eine Filmvorführung und eine Verloſung von elektriſchen
Geräten ſtatt.
Dp. Zwingenberg, 10. Juli. Ordentliche
Generalverſamm=
lung der Bergſträßer Obſt= und Gemüſezentrale.
Der Geſchäftsbericht für das abgelaufene Geſchäftsjahr wurde von
dem Geſchäftsführer Mahr verleſen. Das Jahr 1933 brachte, da
Froſt der Ohſternte viel geſchadet hatte, und der Obſtumſatz
dement=
ſprechend mäßig war, keineRekordzahlen. Die Zahl derGeſchäftsanteile
hat ſich von 457 auf 463 erhöht. Die Summe der Geſchäftsanteile
be=
trägt heute rund 10 000 RM. Weitere Einzahlungen ſind bereits
eingegangen. Für Tilgung am Stammkapital wurden ohne die
Mittel, welche für Zinſen aufzubringen waren, 4000 RM.
ver=
wendet. Im Berichtsjahre wurden drei Monatsverſammlungen
für Mitglieder und ſieben Sitzungen der Verwaltung abgehalten.
Von großem Intereſſe waren die Ausführungen, nach welchen die
Genoſſenſchaft künftig Träger des Marktſchutzes für einige
Ort=
ſchaften des Rieds mit Pfungſtadt und des Kirſchhäuſertales mit
Heppenheim iſt. Man verſpricht ſich hieraus hinſichtlich der
erſt=
genannten Orte in der Spargelernte und hinſichtlich der
letztge=
nannten in der Apfelernte Erfolg. Der Rechner der
Genoſſen=
ſchaft. Herr Schmidt, verlas alsdann die Bilanz. Ihm folgte der
Aufſichtsratsvorſitzende mit dem Reviſionsbericht, Geſchäfts= und
Buchführung gaben zu Beanſtandungen keinen Anlaß. Bei den
alsdann vorgenommenen Wahlen wurde der ſeitherige Direktor,
Lehrer Engel=Zwingenberg, wiedergewählt, desgleichen die
aus=
ſcheidenden Herren des Aufſichtsrates: Georg Kiſſel=Zwingenherg.
Karl Schweickert=Rodau. Heinrich Hechler=Alshach und Peter
Rechel=Zwingenherg. Zum Schluſſe wurde beſchloſſen, anläßlich
des 25jährigen Beſtehens des hieſigen Obſtmarktes, welcher vom
Obſtverwertungsverein. Zwingenberg ins Leben gerufen wurde.
am 9. Sentember eine ſchlichte Feier zu veranſtalten. Es verdient
noch Erwähnung, daß an der Hypothekſchuld in 1934 bereits 5000
RM. getilgt werden konnten.
Rekofei- Reichsnährftand.
Die verſchiedenen Veröffentlichungen des Reichsnährſtandes
bzw. des Beauftragten des Reichsnährſtandes, Herrn Pgeſch,
insbeſondere die letzte Anordnung des Reichsbauernführers, haben
in den Reihen unſerer Mitglieder neuerdings Unklarheit und
Un=
ſicherheit hervorgerufen. Ich weiſe daher nochmals darauf hin, daß
die im Rahmen des Geſetzes zur Vorbereitung des organiſchen
Aufbaues der nationalen Wirtſchaft vom 5. Mai 1934 vom Herrn
Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Schmitt angeordnete
Zwangsorganiſation zum Rekofei
für alle Betriebe des Kolonialwaren=, Feinkoſt= und Lebensmit=.
tel=Einzelhandels, die die Vorausſetzung des 8 4 der Dritten
Ver=
ordnung zum Reichsnährſtandsgeſetz erfüllen, durch die Anordnung
des Reichsbauernführers nicht berührt wird.
Es iſt ſomit
geſetzlicher Zwang
für alle Betriebe des Kolonialwauen= Feinkoſt= und Lebensmittel=
Einzelhondels, die Landhandel nur in unerheblichem Maße oder
Landhandel in nicht unerheblichem Maße neben anderem
Einzel=
handel, wie Kaffee, Tee, Kakao, Salz. Putzmittel und andere
Wa=
ren, betreiben,
die Mitgliedſchaft beim Rekofei zu erwerben.
Da es ſich bei der Organiſation des Rekofei ebenſo wie beim
Reichsnährſtand um eine durch Geſetz angeordnete
Zwangsmit=
gliedſchaft handelt, iſt für Betriebe, die unter dieſe geſetzliche
Be=
ſtimmung fallen, der Austritt aus dem Rekofei unmöglich.
Austrittserklärungen bzw. Kündigungen ſind daher
unwirkſam.
Ich weiſe beſonders darauf hin, daß die Anordnungen des
Herrn Reichswirtſchaftsminiſters durch das Geſetz über
wirtſchaft=
liche Maßnahmen vom 3. Juli 1934 — gezeichnet: Der
Reichskanz=
ler Adolf Hitler — eine beſondere Erhärtung erfahren, indem
der 8 1 des Geſetzs den Reichswirtſchaftsminiſter ermächtigt,
inner=
halb ſeines Geſchäftsbereichs alle Maßnahmen zu treffen, die er
zur Förderung der deutſchen Wirtſchaft ſowie zur Verhütung und
Beſeitigung wirtſchaftlicher Schädigungen für notwendig hält.
Dieſes Geſetz beſagt weiter, daß die auf Grund dieſer Ermächtigung
getroffenen Maßnahmen ſogar von den beſtehenden Geſetzen
ab=
weichen können.
Der Führer hat in ſeinem Befehl vom 30. Juni an den neuen
Chef des Stabes, Lutze, die Lebensregeln für den deutſchen SA.*
Mann feſtgelegt. Dieſe gelten für jeden deutſchen Volksgenoſſen
und ſomit auch für alle deutſchen Kolonialwaren=, Feinkoſt= und
Lebensmittel=Einzelhändler. Auch in unſeren Reihen muß als
durchgehendes Prinzip Gehorſam, Treue und Kameradſchaft
herrſchen:
Unbedingter Gehorſam dem Befehl des Führers und Achtung
vor den Geſetzen.
Berlin, 5. Juli 1934.
Der Präſident des Rekofei
(gez. Dr. Hayler.
Em. Heppenheim a. d. B., 10. Juli. Bergſträßer
Feſt=
ſpiele und Sommernächte. Am Samstag und Sonntag
bildete Heppenheim durch, obige volkstümliche Veranſtaltungen
wiederum den Hauptanziehungspunkt der Bergſtraße. Beſonders
am Sonntag herrſchte ein enormer Verkehr. Auf den verſchiedenen
Parkplätzen ſtanden maſſenweiſe Autos, von nah und fern. Das
Feſtſpiel, das ſchauſpieleriſch die Höchſtleiſtung zeitigte, hatte
Re=
kordbeſuch aufzuweiſen, und im Feſtdorf „Graben=Neudorf” war
Kehraus bei rieſigem Gedränge und bis zum Schluß anhaltender
glänzender Stimmung. Auch die älteſte, 93 Jahre zählende
Ein=
wohnerin Heppenheims, Frau Ida Mannert, beſuchte das
Feſt=
ſpiel, über das ſie ſich ſehr befriedigt äußerte, und ſah ſich den
Be=
trieb im Feſtdorf an. — Ein neues
HolzamerſchesFrei=
lichtſpiel für nächſtes Jahr. Unſer Heimatdichter Hans
Holzamer hat für nächſtes Jahr ein neues verheißungsvolles
Frei=
lichtſpiel geſchrieben.
Cp. Biebesheim, 10. Juli. Vor der Eröffnung des
Gurkenmarktes. Der hieſige Gurkenmarkt wird am
kom=
menden Montag, dem 16. Juli, eröffnet werden. Er findet
wöchent=
lich zweimal, und zwar Montags und Donnerstags, jeweils um
13 Uhr, auf dem Marktplatz ſtatt. — Der Gemeinderat ſtimmte
der wegen der Dammbauarbeiten am „Schwarzen Ort”
erforder=
lich gewordenen Grenzregulierung zwiſchen Gernsheim und
Bie=
besheim zu.
Aus Rheinheſſen.
LPD. Mainz, 11. Juli. Das Heſſiſche Sondergericht
tagte geſtern vormittag in Mainz. Zwei Angeklagte hatten ſich
zu verantworten, weil ſie in einem ins Ausland gerichteten Brief
unwahre Angaben über die tatſächliche Lage in Deutſsland
mach=
ten, die geeignet waren, das Anſehen der Reichsregierung ſchwer
zu ſchädigen. Während der eine mit einer Gefängnisſtrafe von
vier Monaten davonkam, erhielt der andere eine ſolche von ſechs
Monaten. Ein anderer Angeklagter erhielt wegen unwahrer,
us=
ter dem Einfluß von Alkohol gemachten Angaben ebenfalls eine
ſechsmonatige Gefängnisſtrafe
Be. Aſtheim, 11. Juli. Kleine Urſache, große
Wir=
kung. Einem hieſigen Weißbinder iſt vor einigen Tagen ein
wenig Mörtel in das Auge gekommen. Er legte dem keine
beſon=
dere Bedeutung bei, mußte ſich jedoch nach einigen Tagen zum
Arzt begeben, da ſich der Zuſtand des Auges zuſehends
verſchiim=
merte. Man mußte den Bedauernswerten dann in das Städtiſche
Krankenhaus nach Mainz bringen und mußte hier durch eine
Operation das Auge entfernt werden.
Seite 8 — Nr. 190
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 12. Juli 1934
Mufſolini driſcht Gekreide.
Das furchtbare Exploſionsunglück bei Hamburg
Um ſeiner Verbundenheit mit dem Bauernſtand ſichtbaren Ausdruck zu geben, ſetzte ſich der Duce
beim Ausdreſchen des erſten Getreides, das auf dem neu gewonnenen Ackerland der Pontiniſchen
Sümpfe bei Littoria geerntet wurde, ſelber an die Dreſchmaſchine und arbeitete dort 3 Stunden lang.
Das Einfamilienhaus des kriegsblinden Lehrers Weſtphal, der ſich durch Leuchtgas vergiften wollte‟
nach der Exploſion.
3 Tote, darunter der Selbſtmörder, und 5 Schwerverletzte wurden aus den Trümmern geborgen.
Reich und Ausland.
Das Programm des deutſchen Kreuzer=
Beſuches in England.
Portsmouth. Die deutſchen Kreuzer „
Kö=
nigsberg” und „Leipzig” ſind am Mittwoch
vor=
mittag zu einem viertägigen Beſuch im hieſigen
Hafen eingetroffen. Es handelt ſich um eine
Er=
widerung des Beſuches der britiſchen Kreuzer
„Dorſetſhire” und „Norfolk” in Kiel, im Juli 1931.
London. Zum erſten Male ſeit mehr als
20 Jahren beſuchten deutſche Kreuzer am Mittwoch
einen engliſchen Hafen. Das Programm ſah
fol=
gende Veranſtaltungen vor:
Das Programm aus Anlaß des Beſuches der
beiden deutſchen Kreuzer in Portsmouth iſt
außer=
ordentlich vielſeitig. Am Mittwoch findet nach
den offiziellen Beſuchen und Gegenbeſuchen eine
vierſtündige Rundfahrt im Kraftwagen für 30
Mannſchaften ſtatt. Eine Gruppe von Offizieren
und Mannſchaften beſichtigt das Schlachtſchiff
„Nelſon” die „Victory” und die Werftanlagen.
Danach findet eine Gartengeſellſchaft im
Admira=
litätshaus in Portsmouth ſtatt, zu der der
deutſche Admiral, die Kommandanten und die
Of=
fiziere geladen ſind. Die Mannſchaften jedes
Schiffes nehmen am ſelben Tage an einem
Ten=
nisſpiel teil. Außerdem gibt die Offiziersmeſſe
der Torpedoſchule für eine Anzahl deutſcher
Offi=
ziere ein Diner.
Am Donnerstag finden weitere Beſichtigungen
der „Victory” und der Werftanlagen ſtatt. Die
Mannſchaften der beiden Kreuzer nehmen
außer=
dem am Waſſerpolo und einer Teegeſellſchaft bei
der engliſchen Marine teil. Für andere
Mann=
ſchaften werden Ausflüge in die Umgebung
ver=
anſtaltet. Am Abend wird ein Diner in der
Deck=
offiziersmeſſe der britiſchen Flottenkaſerne für alle
deutſchen Deckoffiziere, Oberfeldwebel und
Feld=
webel veranſtaltet.
Der deutſche Admiral die Kommandanten und
eine Anzahl weiterer Offiziere begeben ſich am
ſelben Tage nach London wo um 12.30 Uhr die
Vorſtellung des Admirals und der beiden
Kom=
mandanten durch den deutſchen Marineattaché
Ka=
pitän Waßner bei der Admiralität erfolgt.
Mittags findet ein Frühſtück beim deutſchen
Botſchafter v. Hoeſch ſtatt, zu dem außer den
deut=
ſchen Offizieren auch zahlreiche britiſche
Marine=
offiziere geladen ſind. Nach einer Beſichtigung
Londons im Kraftwagen nehmen die deutſchen
Offiziere den Tee bei Frau Kapitän Waßner und
ſind außerdem bei Kapitän Karlow zu Gaſt.
Abends findet ein großer Empfang auf der
deut=
ſchen Botſchaft ſtatt, auf dem die deutſchen
Offi=
ziere Gelegenheit haben, die Mitglieder der
deut=
ſchen Kolonie kennenzulernen. Auch am Freitag
geht eine Anzahl Offiziere und Mannſchaften von
Portsmouth zu Beſuch nach London. Mittags
trifft der deutſche Botſchafter in Portsmouth ein,
wo an Bord der „Königsberg” ihm zu Ehren ein
Frühſtück ſtattfindet. Abends gibt der
Oberbe=
fehlshaber von Portsmouth dem deutſchen
Admi=
ral, dem Kommandanten und dem deutſchen
Marineattaché ein Diner.
Am Samstag erfolgen weitere Beſichtigungen
und Ausflüge, während am Sonntag deutſche
Be=
ſucher den Kreuzer „Leipzig” beſichtigen werden.
Kurz nach 15 Uhr werden die deutſchen Kreuzer
aus Portsmouth auslaufen.
Ein alkes Kunſthandwerk lebk wieder auf
Breitſcheid (Dillkreis). Breitſcheid hat
gegenwärtig noch vier Töpfereien, deren Betriebe
ſich von Generation zu Generaiion vererbt haben.
Die Abſatzverhältniſſe der Töpfereien, die ihr
ur=
wüchſiges Volkskunſtgewerbe im Handbetrieb
aus=
üben und hübſche Gegenſtände des täglichen
Be=
darfs herzuſtellen verſtehen, haben ſich gebeſſert,
ſeitdem der Zwiſchenhandel ausgeſchaltet iſt und
die Produzenten ſelber ihre Ware an den Markt
bringen. Heute ſieht man wieder auf den
Märk=
ten des Weſterwaldes die bekannten Breitſcheider
Töpferwaren, die gern gekauft werden.
* Am Dienstag, mittag gegen 13 Uhr, brach
in dem Neuen Univerſitätsgebäude in Freiburg
im Breisgau ein rieſiges Feuer aus, das einen
unermeßlichen Schaden anrichtete und den großen
mittleren Kuppelbau ſowie das geſamte
Dachge=
ſchoß in Schutt und Aſche legte. Unermeßliche
Werte ſind bei dem Brand vernichtet worden
Nach einer lange Stunden währenden
großzü=
gigen Löſchaktion, an der die geſamten
Feuer=
wehren, die Polizei und ſtarke Kommandos der
SA. und SS. beteiligt waren, gelang es erſt, des
fiel das Mauerwerk auf das Dach der Aula und
richtete in dem Saal eine unbeſchreibliche
Verwü=
ſtung an. Immer weiter fraßen ſich die
Flam=
men durch und hatten bald den geſamten
Dach=
ſtuhl des Univerſitätsgebäudes erfaßt. Mit
lau=
tem Krach ſtürzten von Zeit zu Zeit immer neue
Mauerabſchnitte ein.
Allmählich gelang es dann den
Wehrmann=
ſchaften, das Feuer ſyſtematiſch einzukreiſen. An
verſchiedenen Stellen wurde das Dach aufgehackt.
Das brennende Univerſitätsgebäude in Freiburg.
wütenden Feuers Herr zu werden. Das Feuer
brach zu einer Zeit aus, als das Gebäude voller
Studenten und Profeſſoren war.
Die Neue Aula in Freiburg iſt erſt
unmittel=
bar vor dem Kriege erbaut worden. Sie liegt
an einem großen, freien Platz, neben dem
Stadt=
theater und in unmittelbarer Nähe der
Haupt=
feuerwache. Das Feuer wurde zuerſt von
Paſ=
ſanten auf der Straße bemerkt. Aus dem
Kup=
pelbau drangen dichte ſchwarze Rauchwolken. Im
gleichen Moment ſtürzten auch ſchon ein paar
Studenten aus dem Gebäude heraus und riefen
über den Platz: „Die Univerſität brennt!” Wie
ein Lauffeuer verbreitete ſich die Nachricht über
die ganze Stadt. Und wenige Minuten ſpäter
rückten auch ſchon die erſten Löſchmannſchaften
der Feuerwehr an. Unverzüglich wurden die
ſämtlichen Wehren der Stadt, das ſind 8
Löſch=
züge, in Alarm geſetzt. Das Feuer hatte aber mit
ſolcher Wucht um ſich gegriffen, daß die
Wehr=
leute dem Wüten der Flammen zunächſt machtlos
gegenüberſtanden. Nicht zuletzt die langandauernde
Hitze hatte den Dachſtuhl ſo ausgedörrt, daß die
Flammen in dem heißen und ſtaubigen Holz reiche
Nahrung fanden. Zudem bot das reichlich auf
dem Boden lagernde Material der Tauſende von
Büchern und Zeitſchriften dem Feuer das
beſt=
brennende Material. Zu allem Unglück herrſchte
ein ziemlich heftiger Wind, der die Flammen
im=
mer von neuem anfachte. Nach kurzer Zeit ſtand
nicht allein der große Kuppelbau des Mitteltrakts
in hellen Flammen, ſondern das Feuer hatte auch
auf das obere Stockwerk übergegriffen. Machtlos
ſtanden die Feuerwehrmänner dieſem Raſen der
Elemente gegenüber. Schon hatte es den
An=
ſchein, als ob nichts mehr gerettet werden könnte
und die Aula bis auf die Grundmauern
nieder=
brennen würde.
Feuerwehrleute und Polizei, Profeſſoren und
Studenten, SA. und SS. beteiligten ſich
fieber=
haft an dem gemeinſamen Werk, um zu retten,
was zu retten war. Auf dieſe Weiſe gelang es,
eine Menge wertvoller Bücher und Inſtrumente
aus dem brennenden Gebäude in Sicherheit zu
bringen. Das ganze Löſchwerk wurde dann gegen
1.30 Uhr unterbrochen, als mit rieſigem Krach
um ſo mit neuen Rohren an die Brandherde
her=
anzukommen. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß durch
den Brand eine unabſehbare Menſchenmenge
an=
gezogen worden war, die in einem dichten Wall
den Platz umſäumte. Ein ſtarkes Aufgebot mußte
ſtrenge Abſperrmaßnahmen vornehmen, damit die
Arbeiten der Löſchmannſchaften nicht beengt
wurden.
Unermeßlich iſt der Schaden, der durch den
Brand entſtanden iſt. Abgeſehen von dem rein
baulichen Verluſt iſt ein großer Beſtand von
wert=
vollen Büchern und Gemälden ein Raub der
Flammen geworden. Unter den vernichteten
Büchern befindet ſich vor allem die mühſam
er=
arbeitete und in vielen langen Jahren geſammelte
Badiſche Chronik. Dank der aufopfernden
Mit=
arbeit der Studenten mit dem Rektor der
Univer=
ſität an der Spitze iſt es immerhin gelungen, faſt
das geſamte volkswirtſchaftliche Seminar und den
größten Teil des rechtswiſſenſchaftlichen Seminars
zu retten. Das Archiv des
Zeitungswiſſenſchaft=
lichen Inſtituts iſt aber als verloren anzuſehen.
Die Freiburger Univerſität iſt eine Gründung
aus dem Jahre 1457. Damals legte Herzog
Albrecht VI. von Oeſterreich den Grundſtein. Nach
Jahren kurzer Blüte kam das Inſtitut aber bald
unter die Oberherrſchaft der Jeſuiten. Im Jahre
1810 kam dann der geſamte Breisgau an Baden.
Die Univerſität Freiburg genoß nun in den
fol=
genden Jahren, unter der Regierung des
Groß=
herzogs Friedrich XV. von Baden, eine ganz
be=
ſondere Pflege und nahm auch einen
entſprechen=
den Aufſchwung. Bald ſtellte ſich dann auch
her=
aus, daß die vorhandenen Baulichkeiten
unzu=
reichend waren. Und ſo wurde dann im Jahre
1906 der Grundſtein zu dem Neubau gelegt, der
heute ein Raub der Flammen wurde. Die
„Alma mater Alberto=Ludoviciana”, ſollte ein
neues Heim bekommen. Die Univerſität trägt
dieſen Namen zu Ehren des Großherzogs Ludwig
von Baden. Im Jahre 1911 war der Bau der
„Neuen Aula”, des Zentra= und Kollegienhauſes
fertiggeſtellt und wurde durch den Großherzog
Friedrich II. von Baden perſönlich in einem
feier=
lichen Staatsakt geweiht.
An der Brandſtäkte der Freiburger
Univerſität.
der große Kuppelbau zuſammenſtürzte. Dabei Freiburg. Der Kanzler der Univerſität
Freiburg, Prof. Dr. Felgenträger, bat die Preſſe
am ſpäten Nachmittag, nachdem der Brand ein
gedämmt war, zu einer kurzen Beſichtigung der
Univerſität. Erſt im Innern des ſo ſchönen
Ge=
bäudes ſah man, welche verheerenden Wirkungen
der Brand gehabt hat. Allenthalben erblickte man
Feuerwehrleute, die mit Aufräumungsarbeiten
be=
ſchäftigt waren und die hie und da noch etwa
ge=
fahrdrohende Mauerreſte beſeitigten. So wurde
auch der Teil des großen Kupferdaches, der noch
über dem Eingang hängen geblieben war, herun
tergeriſſen. Die ehemalige Aula bietet ein
troſt=
loſes Bild; verbogene und verſchmolzene
Eiſen=
träger ragen aus den Schuttmaſſen zum Himmel
Da und dort züngeln noch kleine Flammen aus
den Ueberreſten der ſtolzen Kuppel. Gegen Abent
wurde eine Schlauchleitung in dieſes
Trümmer=
feld geführt, um auch die letzten Brandneſter zu
zebeſeitigen.
Der Vorleſungsbetrieb wird zunächſt für zwe
Tage unterbrochen; dann will man verſuchen, in
den unteren, vom Feuer verſchont gebliebenen
Räumen den Lehrbetrieb wieder aufzunehmen
Der Kanzler legte beſonderen Wert auf die Feſt
ſtellung, daß kein Anhaltspunkt für eine Brand
ſtiftung vorliege. Das Feuer iſt im nördlichen
Flügel, im bodenkundlichen Inſtitut, ausge
brochen. Der Kanzler dankte dann allen, die ſich
in uneigennütziger, kameradſchaftlicher Weiſe,
un=
ter Einſetzung ihrer Geſundheit und ihres
Leben=
am Rettungswerk beteiligten; ſo ſei noch viel ge
rettet worden. Leider ſeien den Flammen aber
auch wertvolle, zum Teil unerſetzliche Bücher zum
Opfer gefallen.
Große Brände in Frankreich.
Paris. Infolge der ſeit Wochen
andauern=
den Trockenheit wird ganz Frankreich von einer
Flut von Bränden und Großfeuern heimgeſucht
Aus allen Städten und Orten werden
Groß=
brände, Wald= und Heidebrände gemeldet. Das
franzöſiſche Alpendorf Vougron in Savoyen
wurde teilweiſe durch ein Großfeuer zerſtört
Zwei große Farmen mit umfangreichem Zubehör
fielen dem Feuer zum Opfer. Die Feuerwehren
waren gegen den Brand machtlos, da kein Waſſer
zur Verfügung ſtand.
Polizeiinſpektor Bony wegen Beſtechung angeklagt.
Paris. Gegen den viel umſtrittenen
Polie=
zeiinſpektor Bony, der im Verlaufe der
Verhand=
lungen im Fall Staviſky abwechſelnd von ſeinen
Vorgeſetzten mit großem Vertrauen geehrt wurde
und dann wieder verdächtigt worden iſt, ſeine
amtliche Stellung in unzuläſſiger Weiſe
miß=
braucht zu haben, iſt Anklage erhoben worden,
Die Anklage lautet auf Beſrechung und Beihilfe
dazu und bezieht ſich auf die Tatſache, daß ſich
Inſpektor Bony von einem gewiſſen Volberg
gegen den er eine Unterſuchung einzuleiten hatte.
ſeine Schneiderrechnungen bezahlen ließ.
rauchitſch verunglückt.
Man
Der bekannte Rennfahrer erlitt beim Training
zum „Großen Preis von Deutſchland” auf dem
Nürburgring einen ſchweren Unfall. In einer
Kurve überſchlug ſich ſein Wagen. v. Brauchitſch
brach ſich zwei Rippen und erlitt Quetſchungen
und Prellungen. Jedoch beſteht keine
Lebens=
gefahr für ihn.
Donnerstag, 12. Juli 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 190 — Seite 9
Zu den Reichsfeſtſpielen Heidelberg.
R
r. BoodBoasfog!
m neuhergerichteten Bandhausſaal des Heidelberger Schloſſes wird anläßlich der Reichsfeſtſpiele
as altflämiſche Spiel von „Lanzelot und Sanderein” und anſchließend, das Luſtſpiel
von Kleiſt „Der zerbrochene Krug” geſpielt.
Alexander Golling (Bild rechts) ſpielt bei den Heidelberger Reichsfeſtſpielen in „Götz von
Ber=
lichingen” den Weislingen, in „Ein Sommernachtstraum” den Oberon, in „Lanzelot und Sanderein”
den Ritter, in „Die Räuber” den Spiegelberg, in „Deutſche Paſſion 1933” den böſen Geiſt.
Der Mann, der die Weit vergiſtet.
er Rauſchgift-Schmuggel. — Schreckliche Folgen des Rauſchgiftgebrauchs. — Das Schickſal des Mr. Whike.
ein Erbverbrecher. Man nennt ihn den „Prinzen”! Weshalb er
gerade der „Prinz” heißt, weiß ich nicht. Seinen wirklichen
Ein Verbrechen an der Menſchheil.
Namen kennt niemand. Man weiß weder wo er wohnt, noch wie
Von E. T. A. Hay.
(Nachdruck verboten!)
Inhalt der bisher erſchienenen Teile:
Der internationale Rauſchgifthandel iſt über die ganze
Welt verbreitet. Der Unbekannte, der an der Spitze
dieſes Rauſchgiftſyndikates ſteht, führt den Spitznamen
„Prinz”. Ueberall hat er ſeine Opfer. Die Polizei und
Kontrollſtationen aller Welt ſuchen ihn und ſind im
Kampf gegen ihn. In Macpherſons Hotel in London,
in das der Verfaſſer zufällig gerät, gehen merkwürdige
Dinge vor. Die Menſchen dort ſcheinen alle zu ſchlafen.
Eine Zigarettenverkäuferin fällt in unerklärlichen
Traumzuſtand, der ſich in der vierten Nachmittagsſtunde
plötzlich ändert. Von dieſer Stunde an erwacht auch das
ganze Hotel, deſſen Gäſte und Perſonal unter den
Aus=
wirkungen des furchtbaren, auf raffinierte Weiſe
einge=
ſchmuggelten Rauſchgiftes ſtehen.
Brieftauben als Schmuggler!
„Auch die Zollbeamten werden nichts gegen die Ausfuhr der
ieftauben einzuwenden haben. Auf See trifft dieſer Dampfer
lien Fiſchdampfer und kauft Fiſche von ihm. Man muß etwas
wechſlung in die Koſt bringen. Niemand ahnt, welch ſeltſamen
uchinhalt zum Beiſpiel jener rieſenhafte Kabliau hat, daß
ſer Kabliau in Verbindung mit jenem Zufall zu bringen iſt,
ß beim Füttern der Tauben vergeſſen worden iſt, die Tür des
ubenſchlages zu ſchließen und in der Frühe ſämtliche Tauben
vongeflogen ſind . . . Nein, niemand ahnt, daß dieſer rieſige
bliau in ſeinem wohlzugenähten Bauch Kokain und Opium
ig und daß dieſe Ladung nun in zweihundert kleinen Paketen
den Hals der fortgeflogenen Brieftauben in den Hafen
ge=
icht wird, den der Dampfer verlaſſen hat. Kein Zollbeamter
in die Vögel und ihre gefährliche Poſt anhalten. Und wieder
das Syndikat die Möglichkeit, einen Rieſengewinn
einzu=
eichen. Wieder ſind unzählige Rauſchſüchtige mit dieſem Gift
rſorgt worden ..."
Natürlich, hinter all dieſe Tricks kommt mit der Zeit die
lizei. Durch Zufall, durch Verrat, durch Beſpitzelung. Aber
an iſt es ſchon längſt zu ſpät. Das Rauſchgiftſyndikat hat ſchon
t langem wieder eine neue Form des Schmuggelns, einen neuen
ick erſonnen, von dem die Polizei nichts weiß.
In allen Staaten der Welt führt die Polizei einen ſtändigen
ieg gegen das furchtbare Rauſchgift und dieſes ſchurkiſche
Ver=
icherſyndikat. Hier und da hat ſie auch große Erfolge zu
ver=
chnen gehabt. Es gelang erſt vor kurzem, durch eine
groß=
gelegte internationale Aktion in allen Staaten der Welt
ge=
me Rauſchgiftfabriken, die dem Syndikat gehörten, zu ſchließen.
zählige Verhaftungen wurden vorgenommen. Ein großer Teil
Führer dieſes Syndikates wurde verhaftet. Schon glaubte
n, das Uebel bei der Wurzel gepackt zu haben. Es ausgerottet
haben. Das Gift wurde plötzlich knapp. Kokain, Haſchiſch,
ium, Heroin war plötzlich nur noch zu geradezu phantaſtiſchen
eiſen zu erlangen. Die Rauſchſüchtigen in Paris, Marſeille,
ndon, Buenos Aires, New York, ja in allen Staaten und
ädten der Welt begannen die Knappheit zu ſpüren. Schon
be=
nn die Zahl der Rauſchſüchtigen zurückzugehen. Nur die
aller=
chſten konnten es ſich noch kaufen. Schon ſank die Ziffer der in
renhäuſern, Gefängniſſen, Zuchthäuſern eingelieferten
Rauſch=
tſüchtigen. Schon ſank die Ziffer der Verbrechen, Betrügereien,
rruptionen und dann .. . ja, eines Tages war wieder alles
im alten. Plötzlich war wieder neuer Stoff da. Durch alle
näle floß es wieder herein. In den Bars, in den Cafés, in
Weinſtuben tauchten wieder die Händler auf. Schnee ...
ium . . . Morphium . . . Heroin ... überall wurde es angeboten.
S Angebot war ungeheuer. Der Preis fiel mehr und mehr
d immer neue Opfer wurden von der ſchrecklichen Seuche erfaßt.
Statiſtik der Verbrechen, durch Rauſchgiftſüchtige begangen,
gen wieder von Tag zu Tag ... Das alte Elend war wieder
Die internationale Rauſchgiftpolizei arbeitete fieberhaft.
kam das Zeug plötzlich wieder her? Waren irgendwelche
eimen Fabriken wieder errichtet? Man ſuchte mit fieberhaftem
er, aber man fand ſie nicht, weder in Bulgarien noch in der
rkei noch in den ſüdamerikaniſchen Staaten, wo ſonſt die
Dora=
dieſer Fabriken ſind. Nein, auch nicht eine Fabrik konnte
in finden, wo dieſes furchtbare Gift hergeſtellt wurde ..
Noch eine andere unbegreifliche Tatſache ſtellte die
internatio=
e Rauſchgiftpolizei feſt. Man konnte wohl die Einfuhr
ver=
enen Rauſchgiftes hier und da feſtſtellen, denn in dieſem ewigen
jeg zwiſchen Rauſchgifthändlern und Zollbeamten fallen immer
endwelche Schmuggler in die Hände der Beamten, aber man
nte nirgends eine Ausfuhr von dem Gift feſtſtellen .. . Alſo
Gift kam in die einzelnen Länder wieder herein, aber es kam
keinem Lande heraus. Woher kommt nun das Gift jetzt?
iſt der Polizei ein Rätſel. . . Ein unbegreifliches Rätſel, und
befürchte, daß dieſes Rätſel nur der „Prinz” löſen kann".
t Mr. White und lächelt ein wenig ſpöttiſch.
Angläcksfälle köfen aug ...
„Wieſo der Prinz?” frage ich erſtaunt. „Wer iſt der Prinz?
„Der Prinz iſt der Chef des internationalen
Rauſchgiftſyndi=
es. Er iſt einer der genialſten Verbrecher aller Zeiten. Sicher
ſein bürgerlicher Name iſt, noch wie er ausſieht, noch wie alt er
iſt. Kurz, man weiß nichts von ihm, aber man kennt ſeine Taten.
Die Polizei, ſeine Leute, alle, die mit Rauſchgifthandel zu tun
haben, wiſſen, daß er es iſt, der hinter all dem ſteht, was im
Dienſte dieſes ſchrecklichen, ſkrupelloſen Syndikates paſſiert. Morde
an Polizeibeamten, die ihm zu nahe auf der Spur ſind, Morde an
ſeinen eigenen Leuten, die er im Verdacht hat, geplaudert zu
haben, Morde an allen ihm unbequemen Perſonen. Keine
direk=
ten Morde, dazu iſt dieſer Burſche zu ſchlau. Der Knall eines
Revolvers iſt zu laut, der Stich eines Meſſers zu unſicher. Aber
es gibt Unglücksfälle, die dasſelbe tun. Jemand ſtürzt in dunkler
Nacht über die Reling eines Schiffes und ertrinkt. Unglücksfall.
Ein raſend gewordenes Auto überfährt einen Mann. Bei der
Einlieferung in das Krankenhaus ſtirbt er. Unglücksfall. Aber
ſchließlich, was ſind dieſe Unglücksfälle zu den Tauſenden, die durch
das Gift dem ſicheren Tode zugeführt werden. Tauſende und
aber Tauſende.
Die Stätiſtiken aller Länder, nennen ſchreckliche Zahlen der
Rauſchgiftſüchtigen. Aber es iſt ja nicht der Tod allein, der dieſe
Leute nach wenigen Jahren erreicht. Viel ſchrecklicher iſt all das,
was im Gefolge dieſes furchtbaren Rauſchgiftes einhergeht . . . Das
Gift zerſtört ja nicht nur die Geſundheit. Es zerſtört Moral,
Ehre, Anſtand und Willen. Es macht aus energiſchen Leuten
Schwächlinge. Aus Wahrheitsfanatikern Lügner. Aus fleißigen
Arbeitern Faulenzer .. . Der beſte Charakter kann in kurzer Zeit
unter dem Einfluß des Rauſchgiftes verdorben werden. Nichts
bleibt ... als die ſchreckliche Sucht, ſich wieder und wieder dieſes
Gift zu verſchaffen. Es iſt unmöglich, ohne es zu leben.
Reich=
tum, Ehre, Familie, all das gilt nichts mehr ... nur der
krank=
hafte Drang, wieder und wieder die Wirkung des ſchrecklichen
Gif=
tes zu ſpüren. Es iſt eine Sucht ... ſchlimmer wie Hunger und
Durſt ... Man zittert vor Angſt bei dem Gedanken, heute das
Gift vielleicht nicht zu bekommen. Man iſt bereit, jedes
Ver=
brechen zu begehen, um in den Beſitz des Rauſchgiftes zu gelangen.
Ja, man iſt kein Menſch mehr, wenn man unter dem grauſamen
Zepter dieſes Giftes ſteht ..." ruft Mr. White aus und vergräbt
einen Augenblick das Geſicht in ſeinen Händen.
Niemand kann dem Gifk enkrinnen ..."
Ich bin erſchüttert von den Worten Mr. Whites. Ich ſehe,
daß er die Wahrheit ſpricht. Wie iſt dieſer Menſch verändert
gegen früher? Ich lege meine Hand auf ſeine Schulter.
„Aber um des Himmels willen, Mr. White, Sie ſind doch ein
Mann, entſagen Sie doch dieſem Gift. Kommen Sie nie wieder
hierher. Meiden Sie alle Lokale, wo Ihnen Rauſchgifte
ange=
boten werden. Es muß doch einen Weg geben, der aus dieſer
Verdammnis führt . . ." rufe ich aus.
Mr. White ſieht mich traurig an. „Es gibt keinen Weg, der
mich noch aus dieſer Verdammnis retten kann. Die Reaktion des
Giftes iſt zu furchtbar. Tage ohne dieſes Gift ſind Tage der
Hölle. Sobald die Wirkung des Giftes nachläßt peitſcht eine
Un=
ruhe, die geradezu teufliſch iſt, den ganzen Körper auf. Viſionen
des Todes quälen einen. Man ſtiert kraft= und willenlos vor
ſich hin und ſieht furchtbare Bilder. Man iſt ſchwach wie ein
Kind. Mutlos wie ein Geächteter. Man iſt voll Scham und
Verzweiflung. Das Leben gilt einem nichts, und doch fürchtet
man ſich in einer ſinnloſen Weiſe vor dem Tode. Man möchte
ſchlafen, aber man kann nicht ſchlafen .. . Das Hirn iſt ſchwer, die
Glieder wie Blei, aber die Erquickung des Schlafes fehlt. Man
weiß, daß dieſes ſchreckliche Gift eines Tages den Tod bringen
wird. Man will es nie wieder nehmen ... man ſchwört es ſich zu.
Man will tapfer bleiben .. . nie wieder das Gift ... nie wieder.
Aber niemand kann dieſen Schwur halten.
Niemand! Und zuletzt greift man doch wieder zu dem Gift
mit zitternden Fingern, mit unglaublichem Haß gegen die eigene
Schwäche. Man verachtet ſich in dieſem Augenblick ſelbſt ſo, daß
man ſich morden könnte, aber ... kaum hat man das Gift
genom=
men, iſt die Welt wie verändert. Die Mutloſigkeit verſinkt, ein
ungeahntes Kraftgefühl durchſtrömt einen. Leben .. . Leben".
ach, iſt das Leben ſchön! Man ſchämt ſich nicht mehr, das Gift
genommen zu haben. Was ſchadet das ſchon? Moralfatzken, die
daran Anſtoß nehmen. Alles iſt Freude, Glück, Schönheit ... ruft
M. White aus und ſeine Augen zeigen den feuchten Glanz aller
Rauſchgiftſüchtigen.
„Aber das iſt doch eine trügeriſche Freude. Eine unnatürliche
Luſt ...” ſage ich und blicke umher.
Aber überall um mich iſt dieſe unnatürliche Luſt.
Das Gelächter all dieſer Menſchen um mich klingt mir jetzt
wie das Gelächter von Irren in den Ohren.
Ihre Freude iſt krampfhaft.
Ihre Lebhaftigkeit Rauſchzuſtand.
Ihre Energie, ihre Lebhaftigkeit, ihre Impulſivität nichts
als ein teufliſcher Betrug des Giftes.
(Fortſetzung folgt.)
Wie die Sonne in die Weit kam.
Bei einer Exploſion des Welkalles entſtanden. — Eine bedeukſame Schöpfungstheorie Eddingkons.
Wann fand die Exploſion des Weltalls ſtatk? — Wie bei der Exploſion die Sonne entſtand.
Die Geburk des Skernenhimmels.
inf. Der große engliſche Aſtrophyſiker Sir Eddington hat vor
kurzer Zeit ſeine bedeutſame Schöpfungstheorie in einem Werk
zuſammengefaßt, in dem er ſich auch über die Geburt der Sonne
äußert. Dieſe Theorie iſt nicht eine phantaſtiſche oder dichteriſche
Geſtaltung des Weltſchöpfungsdramas, ſondern ſie ſtützt ſich auf
die neueſten Erkenntniſſe der aſtronomiſchen Forſchung. Sie hat
dadurch die Klarheit einer durch Experimente geſtützten Lehre.
Bekanntlich wurden durch die ſogenannte „Rotverſchiebung”, im
Spektrum zahlreich Stern=Nebel feſtgeſtellt, daß das Weltall mit
ungeheurer Schnelligkeit auseinanderſtiebt, denn durch die
Rot=
verſchiebung können wir erkennen, welche Welten ſich von uns
entfernen. Dieſes Auseinanderſtieben der Welten iſt nur dadurch
möglich geworden, daß das ganze Weltall vor urdenklichen Zeiten
einmal explodiert iſt, wie die Stücke einer explodierten Granate
gleichfalls auseinanderſauſen. Man hat aus der heutigen
Geſchwin=
digkeit, mit der die Welten ins Unendliche fliegen, die Zeit
be=
rechnet, wann die Exploſion des Weltalls ſtattfand und iſt zu
dem Ergebnis gekommen, daß dieſes kataſtrophale Ereignis vor
ungefähr 2000 Milliarden Jahren vor ſich gegangen iſt. Andere
Forſcher kommen zu höheren Zahlen, da ſie annehmen, daß die
Geſchwindigkeit der fliegenden Welten nicht immer gleich geweſen
iſt. Heute beträgt ſie zum Teil 20 000 Kilometer in der Sekunde,
hat alſo ſchon einen ungeheuren Wert erreicht, der für uns
un=
vorſtellbar iſt. Dieſe Welten ſind wahrhafte Schnelläufer des
Himmels. Für dieſe Betrachtung iſt die Tatſache von Wichtigkeit,
daß nach der Anſchauung der modernen Forſchung bei der Exploſion
des Weltalls auch unſere Sonne entſtanden, oder, richtiger
aus=
gedrückt, ein ſelbſtändiger Himmelskörper geworden iſt, der ſich
von einer größeren, übergeordneten Welt abgelöſt hat und von
dieſer Zeit an ſein eigenes geſetzmäßiges Leben führt.. Zahlreiche
andere Sterne ſind durch dieſelbe Urſache und zur gleichen Zeit
entſtanden, ſo daß damals der Sternenhimmel ein ganz neues
Ausſehen erhielt. Von dem heutigen war es erheblich
unterſchie=
den, deni in dem dazwiſchen liegenden ungeheuren Zeitraum
haben ſich die Sterne gegeneinander durch ihre ſelbſtändigen
Be=
wegungen verſchoben. Damals war die Sonne noch ein einſamer
Stern, der noch nicht über ſeine Planeten=Familie verfügte. Ein
neues kosmiſches Ereignis von ungeheurem Ausmaß war nötig.
um die Planeten aus dem Leib der Sonne zu ſchaffen, denn die
Planeten ſind Kinder unſeres Tagesgeſtirns. Durch den
Vorüber=
gang eines anderen gewaltigen Himmelskörpers wurde auf die
Sonnenmaſſe eine ungeheure Anziehungskraft ausgeübt. Es
ent=
ſtand gewiſſermaßen eine „Sonnenflut” wie auf der Erde durch
die Anziehungskraft des Mondes eine Flut im Meere entſteht.
Aber dieſe Flut war ſo ſtark, daß die von dem Himmelskörper
an=
gezogenen Maſſen über die Sonnenoberfläche in den freien
Wel=
tenraum hinaustraten und ſich hier als feuerflüſſige oder
feurig=
gaſige Maſſen um die Sonne bewegten, denn jetzt trat wieder die
Anziehungskraft der Sonne in Geltung, die dieſe Ableger nicht
aus ihrem Bereich hinausließ. Im Laufe der Zeit verdichteten ſich
dieſe abgeriſſenen Maſſen zu ſelbſtändigen Himmelskörpern, die
wieder Begleiter in Geſtalt von Monden gebaren und ihr eigenes
Leben führten. Sie waren jung und wurden alt, und zwar im
Verhältnis zu ihrer Größe, denn ein großer Himmleskörper
altert langſamer als ein kleiner. Dann entſtand auf der
erkal=
tenden Erde organiſches Leben, und am Ende dieſer Entwickelung
trat der Menſch in Erſcheinung.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzie Bezugéquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht Seantwortet. Dſe Beantwortung erfolgt obne Rechtsverbindlichkeit.
W. B., hier. Die formgerecht (vor Richter oder Notar)
ab=
geſchloſſenen Erbverträge, können nur unter Beobachtung
eben dieſer Form wirkſam wieder aufgehoben werden. Sind die
Erbverträge unter Ehegatten oder Verlobten, die ſpäter Ehegatten
wurden, abgeſchloſſen ſo kann die Wiederaufhebung auch durch ein
formgerechtes gemeinſchaftliches Teſtament
die=
ſer Ehegatten erfolgen.
A. B. 1. Es ſind ſowohl das Reichsmietengeſetz wie das
Mie=
terſchutzgeſetz in Kraft; aber ſeit 1 Juli 1933 iſt eine weitere
Lockerung einſchneidender Art in Heſſen erfolgt. Wohnungen,
deren Jahresfriedensmiete in der Ortsklaſſe B, zu der Langen
gehört, 600 Mark und mehr beträgt, fallen nicht mehr unter das
Reichsmietengeſetz und den erſten Abſchnitt des Mieterſchutzgeſetzes,
Zur Beantwortung der Fragen 2 und 3 wollen Sie noch
angeben=
wieviel der monatliche Mietzins beträgt.
Seite 10 — Nr. 190
Vom Damen=Endkampf in Wimbledon.
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Dorothy Round=England während ihrres Spieles gegen Helen Jacobs=USA.
Mit ihrem Sieg über die Amerikanerin eroberte, ſie den zweiten Wimbledon=Titel für England.
Der Boxkampf Heuſer-Marin.
Donnerstag, 12. Juli 1934
der in Berlin zum Austrag kam, endete bereits in der zweiten Runde mit dem Siege des Deut
ſchen, da der völlig zuſammengeſchlagene Marin wegen einer Augenverletzung aufgeben mußte
Der Sport des Sonntags.
Wiederum Großkampftag.
Daß es zu einem Großkampftag im Sport nicht des Fußballs
bedarf, zeigt der dritte Juliſonntag. Auf allen Gebieten verzeichnet
man große Ereigniſſe in reicher Zahl.
Höhepunkt der deutſchen Automobil=Saiſon
bildet der Große Preis von Deutſchland auf dem Nürburgring.
Am Start werden neunzehn Wagen, darunter ſieben deutſche, und
zwar je drei der Auto=Union und von Daimler=Benz und ein
Zol=
ler=Wagen erſcheinen. Ihnen ſtehen die ausländiſchen Firmen
Alfa=Romeo und Maſerati und ein Bugatti=Wagen gegenüber. Die
deutſchen Wagen haben noch nicht alle ihren Führer gefunden,
zu=
mal Manfred von Brauchitſch durch einen Trai ingsſturz außer
Gefecht geſetzt iſt. Auf der vertrauten Bahn des Nürburgringes
werden die deutſchen Fahrer alles daranſetzen, die Scharte vom
Grand Prix” auszuwetzen, während der Grand Prix=Sieger Louis
Chiron wiederum ebenſo darum bemüht ſein wird, zum Großen
Preis von Frankreich auch den von Deutſchland hinzuzugewinnen.
Für das Rennen ſtehen 45 000 RM. an Preiſen zur Verfügung.
Der „Große Preis” bildet das Hauptereignis des ſonntäglichen
Sportes und wieder werden Zehntauſende aus allen Teilen des
Reiches nach dem Nürburgring kommen, um Zeugen dieſes großen
und ſchweren Rennens zu werden, das hoffentlich mit einem
deut=
ſchen Siege enden wird.
Für Deutſchlands Motorradfahrer iſt der Große Preis von
Belgien nicht weniger wichtig als das Nürburgrennen für die
Autorennfahrer. Von DKW. wurden allein ſechs Fahrer gemeldet,
unter ihnen befinden ſich Ley, Roſemeyer, Geiß, Winkler und
Kahrmann. Für den Lingener Roſemeyer wird dieſes Rennen
übrigens eines ſeiner letzten Motorradrennen ſein, da er ſich
künftig als Wagenfahrer betätigen wird.
Fußball.
Ganz kommt „König Fußball” auch im Juli nicht zur Ruhe.
In Gelſenkirchen trifft der deutſche Fußballmeiſter, Schalke 04,
im Rahmen einer großen Kundgebung der heimattreuen
Oſtdeut=
ſchen auf eine ſchleſiſche Auswahlmannſchaft und in Baden=
Baden ſpielt die einheimiſche Spielvg. im Rahmen einer
Saar=
kundgebung gegen den MTV. Saarbrücken. Im Ausland
wird das letzte Spiel der zweiten Mitropacup=Runde zwiſchen
Admira Wien und dem Sieger der auf Proteſt wiederholten
Be=
gegnung zwiſchen Sparta Prag und Hungaria Budapeſt in
An=
griff genommen.
Leichtatbletik.
Im „olympiſchen Sport” iſt das Programm wieder recht
um=
fangreich. Unſere Leichtathletinnen ſtarten beim erſten
Länder=
kampf gegen Polen in Warſchau. Leicht werden es unſere
Vertre=
terinnen nicht haben, denn die Polen verfügen in der
Olympia=
ſiegerin Stella Walaſiewicz und der Weltrekordlerin Weiß über
ausgezeichnete Kräfte. Der Leiſtungsdurchſchnitt der Deutſchen iſt
allerdings beſſer, ſo daß man immerhin mit einem deutſchen Sieg
rechnen darf. Das erſte der fünf deutſchen Amerikaner=Sportfeſte
geht am Sonntag in Hamburg in Szene. Deutſchlands Elite wird
in den verſchiedenen Wettbewerben den Yankees gegenüberſtehen.
In Südeutſchland bringt der Sonntag zwei intereſſante
Aus=
wahlkämpfe. In Pforzheim treffen ſich Baden und Württemberg,
in Regensburg ſtehen ſich Nordbayern und Südbayern gegenüber,
angeſichts des Ausfalls der bayeriſchen Meiſterſchaften eine
inter=
eſſante Heerſchau über die beſten Könner des Gaues. Einen
gro=
ßen Raum nimmt die Leichtathletik auch bei den Deutſchen
Hoch=
ſchulmeiſterſchaften in Frankfurt ein, wo zahlreiche deutſche
Spitzenkönner an den Start gehen.
Aus dem reichhaltigen Terminkalender des Auslandes heben
wir die engliſchen Meiſterſchaften (Freitag und Samstag) hervor,
an denen ſich die Krefelder „Preußen”, die den engliſchen
Meiſter=
titel über 4mal 100 Meter zu verteidigen haben, beteiligen
werden.
Rugby.
Eine Kampfſpielprobe veranſtaltet Süddeutſchlands
Auswahl=
mannſchaft am Samstag in Heidelberg. In einem Spiel gegen
eine Heidelberger Stadtmannſchaft wird die ſüddeutſche
Fünf=
zehn ihre letzte Probe für das am 25. Juli in Nürnberg
ſtatt=
findende Pokal=Endſpiel gegen Norddeutſchland zu beſtehen haben.
Radſport.
Ein Rieſenprogramm bringt auch der Radſport. Im
Bahn=
rennſport ſind die deutſchen Meiſterſchaften der Berufsfahrer auf
der Radrennbahn in Hannover das wichtigſte Ereignis. Bei den
Stehern ſtarten neben Meiſter Metze noch Möller, Krewer.
Loh=
mann, Hille, Wißbröcker, Schindler und Carpus. Für die
Flieger=
meiſterſchaft liegen 21 Meldungen vor, hier dürfte es wieder zu
einm Kampf der Kölner Fahrer kommen, von denen der
Titel=
verteidiger Richter der Beſte iſt. Die Berufs=Straßenfahrer
tref=
fen ſich beim Großen Straßenpreis von Schleſien über 214 Km.
Bis auf die bei der „Tour” tätigen Fahrer wird das ganze Feld
der deutſchen Berufsfahrer neben den beſten Amateuren am Start
erſcheinen. Ein weiteres großes deutſches Straßenrennen iſt der
Straßenureis des Saargebietes, der über 190 Km. führt und zum
achten Male ausgefahren wird. — Von den zahlreichen
Ereig=
niſſen des Auslandes erwähnen wir die „Tour de France”, bei
der die Fahrer die elfte Etappe von Nizza nach Cannes über 126
Km. zu fahren haben.
Schwimmen.
Nach den Leichtathleten ermitteln die Schwimmer ihre
Gau=
meiſter. Der Gau Südweſt hat ſeine Titelkämpfe nach
Wies=
baden angeſetzt, wo ſie im neu erbauten Opelbad auf dem
Nero=
berg abgewickelt werden. Württembergs Titelkämpfe werden in
Salach ausgetragen. In Danzig werden die Meiſterſchaften der
deutſchen Meere abgewickelt und bei den Deutſchen Hochſchul=
Meiſterſchaften in Frankfurt am Main nehmen die
Schwimm=
kämpfe neben der Leichtathletik den größten Raum ein.
Rudern.
Das Wochenende bringt einige ruderſportliche
Veranſtaltun=
gen, die im Hinblick auf die acht Tage ſpäter ſtattfindende
Deutſche Meiſterſchafts= und Kampfſpielregatta beſondere
Beach=
tung verdienen. Im Vordergrund ſteht die Hamburger
Jubi=
läums=Regatta, die neben zahlreichen Meldungen aus Berlin,
Lübeck, Bremen Bamberg, Roſtock und Kiel durch die Teilnahme
des Agecroft RC. Mancheſter internationale Beſetzung erhalten
hat. Frankfurt a. M. iſt der Schauplatz der Hochſchul=Regatta,
Tennis.
Nach den Tagen von Wimbledon wendet ſich das Intereſſe
wieder dem Davispokalkampf zu In Prag treffen ſich die
Tſchecho=
ſlowakei und Auſtralien zum Endkampf der Europa=Zone. Der
Sieger dieſes Treffens mißt ſich dann mit USA. im
Interzonen=
finale, und deſſen Gewinner trifft in der Herausforderungsrunde,
dem eigentlichen Endkampf, auf den Verteidiger England.
Saar=
brücken und Wildbad bringen die wichtigſten Turnier
Süddeutſch=
lands.
Pferdeſport.
Hauptereignis des Sonntags iſt der Große Preis von Berlin
in Hoppegarten, bei dem nach der Abmeldung des Ungarn Tempo
noch ſieben Pferde: Arjaman, Janitor, Athanaſius, Graf
Alma=
viva, Grandſeigneur. Palander und Blinzen, an den Start gehen.
Das Rennen iſt mit 27 000 Mark ausgeſtattet. Der
Terminkalen=
der verzeichnet außerdem noch Galopprennen in Halle, Köln und
Auteuil.
Verſchiedenes.
Auf der Waſſerkuppe wird das 27, Rhön=Turnfeſt, nächſt dem
Feldbergfeſt eines der beliebteſten Bergfeſte, abgewickelt. In
Frankfurt a. M. geht ein Jugend=Boxturnier des Gaues Südweſt.
in Szene, deſſen Gewinner auf Koſten des Gaues als Zuſchauer
zu den Deutſchen Kampfſpielen fahren dürfen. In Magdeburg
werden die Deutfchſen Polizei=Meiſterſchaften abgewickelt, Leipzig
iſt der Schauplatz des 20. Deutſchen Bundes=Schießens.
Zus nieizſeltver kürner.
Turnerfahnen wehen im Gau 13.
Von den 19 Turnkreiſen, welche der 13. Gau (Südweſt)
um=
faßt, begingen an den beiden erſten Juli=Sonntagen insgeſamt
8 Turnkreiſe ihre Kreisturnfeſte. Von den übrigen Kreiſen
be=
gehen am kommenden Sonntag ſieben ihre Turnfeſte und dieſer
Tag iſt als der Haupttag der Kreisturnfeſte anzuſprechen.
Unter den ſieben Kreisturnfeſten am 15. Juli nimmt das
Kreisturnfeſt des 18. Kreiſes Darmſtadt in Arheilgen mit eine
Vorrangſtellung ein.
Nicht nur Turner, ſondern auch Turnerinnen, Jugend= und
Altersturner. Fechter und Schwimmer, vereinigen ſich dort, um
ihre Wettkämpfe auszutragen, die ſomit die Vielſeitigkeit des
deutſchen Turnens zeigen werden. Das Turnfeſt in Arheilgen, im
kleinſten Turnverband, der beſteht. gefeiert, wird wie alle
Turn=
feſte, zur Offenbarung turneriſchen Lebens und Strebens. Unter
dem Motto:
„Turnerſchaft der Weg — Volk das Ziel”,
werden die Kreisturnfeſte des 13. Gaues gefeiert und gleichwie
bei dem erſten großen Deutſchen Turnfeſt in Coburg das
Tur=
nen der 1000 dort zuſammengekommenen Turner unter dem
Wahl=
ſpruch
„das Turnen kann nur dann ſeine rechten Früchte
entfal=
ten, wenn es als Mittel betrachtet wird, dem Vaterland
ganze, tüchtige Männer zu erziehen”.
ſtand, ſo werden es auch die Turnerſcharen, die aus der engeren
Heimat in Arheilgen ſich verſammeln, ebenſo bekräftigen.
Ein kleiner Anfang in Coburg mit dem erſten Deutſchen
Turnfeſt. Die Woge brandete auf, die Turnerſchaft marſchierte
und es ging der Weg über die vielen großen Deutſchen Turnfeſte,
Kreisfeſte und die unzähligen Gauturnfeſte. Ueberall das gleiche
Bild — ein vaterländiſches Bekenntnis kraftſtrotzender deutſcher
Jugend und herangereiftem Alter. Es kam die Krönung aller
Turnfeſte — Stuttgart 1933. Der Führer, unſer Reichskanzler
Adolf Hitler, nimmt das Treugelöbnis von 1 Million Männern
entgegen. Die Arme von 1 Million Deutſcher recken ſich zum
Füh=
rer empor und ſtellen damit Jahnſches Turnertum in den Dienſt
der Erziehungsarbeit des Dritten Reiches und der Führer
er=
kennt, wie noch kein deutſcher Staatsmann, die Tat eines Friedr.
Ludwig Jahn an. Iſt auch das erſte Kreisturnfeſt in Arheilgen
nur ein Teilausſchnitt eines großen Gau= oder DT.=Feſtes, ſowird
es aber gleich wie ſolche ſein:
„ein Bekentnis zu Volkstum. Volkskraft und
Volks=
gemeinſchaft”.
Und ſo wird denn das Kreisfeſt in Arheilgen zu einem wahren
Volksfeſt ſich geſtalten. Es wird, wie alle Turnfeſte, zur
nationa=
len Erhebung und es ſoll bringen einen Tag tiefinnerlicher
Beſin=
nung auf die Werte unſeres Volkstums.
Arheilgen ruft jeden einzelnen Volksgenoſſen zum Feſt, zum
Feſt, das ſein ſoll
ein Treuebekenntnis zum Führer.
Arheilgen iſt gerüſtet zum Empfang, es ruft auch dich, der du dich
verbunden fühlſt mit der Turnerſchaft.
„Turnerſchaft der Weg — Volk das Ziel!”
Turnerfahnen, vereint mit dem Symbol der Erneuerung
Deutſch=
lands, Hakenkreuzbanner wehen und flattern. Auf nach Arheilgen
zum erſten Kreisturnfeſt des Kreiſes 18 Darmſtadt am 14./15. Juli.
In der geſtrigen Ausgabe wurde in der Vorſchau zum
Kreis=
turnfeſt angegeben, daß alle Wettkämpfe am Samstag vormittag
ausgetragen werden. Dies iſt ſelbſtverſtändlich ein Fehler de=
Setzers und muß heißen: „am Sonntag, den 15. Juli, vormittags
ausgetragen werden.‟ Die Schwimmwettkämpfe beginnen bereit
am Samstag nachmittag um 4 Uhr.
Reichsbahn TSB. Darmſtadt.
Alle Turner und Turnerinnen, die am Kreisturnfeſt in Ar
heilgen teilnehmen, müſſen ſich heute, Donnerstag, abends 20,3.
Uhr, vor den Umkleidehallen auf dem Sportplatz einfinden. Außer
dem werden die Vereinsmitglieder gebeten, ſich möglichſt zahlreic
am Kreisturnfeſt zu beteiligen und ſo unſeren Teilnehmern einer
guten Rückhalt abgeben. Der Beſuch unſeres Kreisturnfeſtes müßt
jedem Mitglied Ehrenſache ſein.
Feigk.
Deutſches Turn= und Sporkabzeichen.
Die nächſte Prüfung zur Erlangung des Deutſchen Turn= un
Sportabzeichens in Gruppe 5, Radfahren, findet am nächſte
Sonntag, den 15. d. M., vormittags 8 Uhr, ſtatt. Sammelſtelle
Reſtaurant Roſengarten, Frankfurter=Str. Nähere Auskunft be
Gg. Hahn, Ecke Schwanenſtraße und Schloßgartenplatz.
Am kommenden Freitag, den 13. Juli. findet im Rahmen de
Klubkampfes SV. 98 Junioren/2 — Merck Darmſtadt eine Ab
nahme der Prüfung für die leichtathletiſchen Uebungen de
Reichsſport= bzw. Jugendabzeichens ſtatt. Bewerber treten mi
Urkundenheft um 18 Uhr auf dem Platz des SV. 98 am Böllen
falltor an. Gelaufen werden alle Strecken, 10 Km. jedoch nur
wenn genügend Teilnehmer und die nötige Zeit im Rahmen de
Geſamtabwicklung vorhanden ſind. Außerdem können Weitſprung
und Kugelſtoßen beſtritten werden.
Kreisſportwart Heinz Lindner=Darmſtadt
hat als Starter drei ehrenvolle Einladungen erhalten. Am
Sam=
tag und Sonntag wird er in Frankfurt bei den Deutſchen Hock
ſchul=Meiſterſchaften als Starter tätig ſein. Am 22. Juli
wird=
ebenfalls in Frankfurt das große Amerikanerſportfeſt „ſchießen
und ſchließlich wurde er zuſammen mit „Weltſtarter” Miller un
Umgelter (Stuttgart) als Starter für die Deutſchen Kampfſpiel
in Nürnberg vom Deutſchen Leichtathletik=Verband aufgeſtellt.
Jung=Leichtathleten des Sportverein 98 in Köln.
Am Sonntag befanden ſich die Jung=Leichtathleten des SA
98 bei den weſtdeutſchen Jugendkampfſpielen in Köln. Lommatzſ
wurde im Endlauf über 200 Meter Sechſter, ebenſo über 400
Mt=
v. Davidſohn wurde mit der gleichen Sprunghöhe durch Steche
mit 1,55 Meter Dritter. Im 1000=Meter=Lauf wurde Raab i
2:49 Min. Zweiter, während Kleinſchmidt in 2:51 Min. Vierte
wurde.
Am kommenden Freitag, beginnend um 18,30 Uhr, wird au
dem Stadion am Böllenfallter ein Klubkampf der Junioren un
zweiten Garnituren gegen den Merck=Sportverein ſtattfinden, de
folgendes Programm umfaßt: 4 mal 100=Meter=Staffel. 10me
100=Meter=Staffel, Olympiſche Staffel. Viertelſtunde=Paarlau
Kugelſtoßen und Dreiſprung. Eintritt frei. Die Wettkämpt
verſprechen einen intereſſanten Verlauf.
Der Leichtathletik=Klubkampf Akad. SV. 2. — Polizei=SV.
— Merck wurde zugunſten des ASC. mit 71,5 P., vor Polize
57 P., und Merck, 44,5 P., entſchieden.
Das für Samstag, den 14. bzw. 21. Juli vorgeſehene Som
merfeſt des Polizeiſportvereins, verbunden mit Ehrung der be
den Meiſtermannſchaften muß aus dienſtlichen Gründen leider vor
erſt verſchoben werden. Es findet vorausſichtlich erſt im Herb
ſtatt.
SC. Hofa.
Das für heute, Donnerstag, angeſetzte Training fällt aus, d
um 3 Uhr bei Fr. Rummel, Grafenſtraße 37, Generalver
ſammlung ſtattfindet. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung.
Wekkervorherſage für die Zeit vom 12. bis 20. Jul
Die beſtändige Schönwetterlage geht jetzt zu Ende. In de
nächſten Tagen wird das Wetter noch recht warm, teilweiſe ſchwi
ſein. Aber es werden zunächſt im Weſten, dann auch im Oſte
örtliche Gewitterſtörungen auftreten. Da n anſchließend
wi=
bei vorwiegend maritimer Luftzufuhr leicht unbeſtändiges,
ſchauerartigen oder gewittrigen Niederſchlägen neigendes Wette
im ganzen jedoch freundliches Wetter vorherrſchen. Auch in de
zweiten Julidrittel wird die Temperatur im Durchſchnitt meiſtel
orts über dem Normalwert liegen. An vielen Orten wird /
mehr als vier Tagen des Vorherſagezeitraums Niederſchlag v..
mindeſtens 0,1 Millimeter fallen.
Ausgeſprochen ſonnenloſe Tage werden höchſtens ganz ſelle
auftreten, ſo daß die geſamte Sonnenſcheindauer in dem 10tägig‟
Abſchnitt faſt überall 60 Stunden betragen wird.
Weikerbericht.
Der hohe Druck ſchrumpft allmählich immer mehr zuſamm.
und verliert ſomit ſeinen Einfluß auf unſer Wetter.
flachen Ausläufer der Baltikumſtörung haben ſtellenweiſe auch b.
uns ſtärkere Bewölkung verurſacht. Das Wetter wird jedoch kein
unfreundlichen Charakter annehmen, vielleicht unbeſtändig und
Gewitterbildung neigen.
Ausſichten für Donnerstag und Freitag: Schwül, leicht 1
beſtändig, mit vereinzelten gewittrigen Niederſchlägen.
Donnerstag, 12. Juli
Weitere Abnahme der Arbeitsloſigkeit im Juni 1934.
Zahl der Arbeiksloſen im Landesarbeitsamtsbezirk Heſſen um über 3000 zurickgegangen.
Die Preſſeſtelle des Landesarbeitsamts Heſſen teilt mit: Die
Arbeitsloſigkeit im Landesarbeitsamtsbezirk Heſſen hat auch im Beriiner und Fräntfätter Eſſelensoeic.
Juni weiterhin abgenommen, und zwar iſt die Zahl der bei den
Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsloſen um rund 3100 oder 2,1 v.
H. zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitsloſen liegt demnach Ende
Juni um rund 136 700 oder 48,8 v. H. niedriger als im gleichen
Zeitraum des Vorjahres. Insbeſondere wieſen die konjunkturell
beeinflußten Berufsgruppen eine über dem Durchſchnitt liegende
Entlaſtung auf; u. a. beträgt die Abnahme der Arbeitsloſenziffer
in der Berufsgruppe Metallgewerbe 1233 oder 5,8 v. H., im
Nah=
rungs= und Genußmittelgewerbe 477 oder 10,3 v. H., im Gaſt= und
Schankwirtſchaftsgewerbe 277 oder 7,8 v. H. und im Holzgewerbe
über 200 — 3,1 v. H. In den Saiſon=Außenberufen ((
Forſtwirt=
ſchaft, Induſtrie der Steine und Erden, Baugewerbe) hat dagegen
die Arbeitsloſigkeit im Juni leicht zugenommen. Die Zunahme in
dieſen Berufsgruppen iſt hauptſächlich auf die planmäßig erfolgte
Einſchränkung der Notſtandsarbeiten zurückzuführen; die Zahl der
Notſtandsarbeiter iſt um rund 8400 auf 22 500 geſenkt worden. Der
Kampf gegen die Arbeitsloſigkeit in den Großſtädten konnte mit
Erfolg fortgeſetzt werden. Die Zahl der Arbeitsloſen in der Stadt
Frankfurt a. M. iſt um 4062 oder 10,1 v. H., in Kaſſel um 446
oder 4,3 v. H. und in Mainz um rund 200 oder 2,5 v. H.
zurück=
gegangen; nur in der Stadt Wiesbaden iſt eine leichte Zunahme
der Zahl der Arbeitsloſen zu verzeichnen, die mit der Beendigung
der Notſtandsarbeiten in Zuſammenhang ſteht. Von den Ende
Juni bei den Arbeitsämtern gemeldeten 143 293 Arbeitsloſen
be=
zogen 16 692 Arbeitsloſen= und 45 031 Kriſenunterſtützung. Von
der öffentlichen Fürſorge wurden insgeſamt 52 918 anerkannte
Wohlfahrtserwerbsloſe unterſtützt, davon waren 6494 Frauen. Die
öffentliche Fürſorge iſt ſomit gegenüber dem Vormonat um rund
3100 Arbeitsloſe entlaſtet worden.
Vom Holzmarkk.
Von fachmänniſcher Seite wird uns berichtet: Es ſind in dem
Berichtsabſchnitt mehrere größere Abſchlüſſe in allen Sorten von
Schnittholz, namentlich von Stammware, getätigt worden, weil
man in weiten Kreiſen die Preisgrundlagen nunmehr für ſo
ge=
feſtigt hält, daß in einer geſchäftlichen Dispoſition auf längere
Zeit hinaus keine wirtſchaftliche Gefahr und auch nicht das Riſiko
von Verluſten durch Preisrückgänge erblickt wird. Mehrere
be=
deutende rheinländiſche Holzhandlungen kauften in Oſtpreußen
aus neuem Einſchnitt Stammkiefer ein. Sie ſind der Meinung,
daß infolge der Schwierigkeit, gegen Deviſen amerikaniſche Hölzer
in beträchtlicheren Mengen einzukaufen, der Abſatz von
inländi=
cher Tiſchlerkiefer, wie übrigens ſchon in früheren Jahren, einen
zeträchtlichen Aufſchwung nehmen wird. Daß in den allernächſten
Nonaten durch die Vorausdispoſitionen im Einkauf von
Schnitt=
holz zahlreiche Unternehmungen des Holzhandels und
Holzver=
rauchs im Einkauf zurückhaltender ſein werden, iſt zu erwarten.
Die Läger werden jetzt etwas aufgefüllt und bedürfen dann nur
illmählich einer Wiederauffüllung. Dieſe Ausſicht wird am
Holz=
narkt als willkommen bezeichnet, weil langſamere Umſätze bei
rotzdem gleichbleibenden guten Abſatzverhältniſſen die zu
erwar=
en ſind, eine unnötige und auch nicht angebrachte Preisſteigerung
m Markte des Tiſchlerholzes verhüten werden. Am
Bauholz=
jarkt, der den Bedarf in Schalholz, beſäumten Bohlen, Balken,
lantholz und ähnlichen Sorten ſicherzuſtellen hat, war das
An=
ebot ausreichend und der Abſatz durchaus befriedigend. Geſucht
ſar für Betonſchalung geeignete Parallelware. Das Geſchäft mit
en bayeriſchen Sägewerken verlief lebhaft. Die Uebernahme von
ſauholzliſten bereitete hier und da einmal gewiſſe
Schwierigkei=
en da die Betriebe infolge zahlreicher Aufträge nicht ganz
kurz=
eiſtige Lieferungen hinausſchieben wollten.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Sanierung Voigt u. Haeffner AG., Frankfurt a. M.,
ge=
ehmigt. Die Generalverſammlung genehmigte den Abſchluß 1933
lit ein.m Geſamtverluſtvortrag von 6,16 Mill. RM. und
an=
hließend die in allen Einzelheiten bekannte Neuordnung durch
erabſetzung des Grundkapitals i e. F. von 10,2 auf 1,975 Mill.
MM. Es werden noch 350 000 RM. Genußſcheine zur Abgeltung
er in Stammaktien umgewandelten und 2:1 zuſammengelegten
ſorzugsaktien ausgegeben. Sie erhalten nach Abſetzung der
rdentlichen Abſchreibungen 10 Prozent des verbleibenden
Rein=
ewinne wovon 5 Prozent als Dividende und 5 Prozent als
ilgung zu betrachten ſind. Die Geſellſchaft kann die Genußſcheine
derzeit zu pari zurückerwerben. Weiter wurde eine bedingte
Ka=
italserhöhung um bis zu 1,325 Mill. RM. beſchloſſen, die bis
nde 1936 durchgeführt ſein muß. Aus der Kapitalserhöhung
über=
immt gegebenenfalls die DD=Bank die neuen Aktien anſtelle
nes von ihr bis Ende 1936 zu einem ermäßigten Zinsſatz
feſt=
egebenen Kredites in gleicher Höhe. Anſtelle des nach Berlin
ver=
genen Dr. Sippell wurde Dir. Friedrich Herbſt (DD=Bank
Ber=
n) in den Aufſichtsrat gewählt. Die Verwaltung begründete
noch=
als die Notwendigkeit der großen Aktionäropfer durch den
Ka=
italſchnitt 8:1. Seit 1929 ſei das Geſchäft dauernd
zurückgegan=
en, die Aufträge in dem Hauptgebiete von Schaltanlagen fielen
lletzt ganz aus. Die Folge der ſcharfen Konkurrenz war
gleich=
itig ein erheblicher Preisdruck. Dazu kamen für das
Auslands=
eſchäft die bekannten Export= und Deviſenerſchwerungen. Die
eiſtungsfähigkeit des Betriebes wurde nur noch mit 25 Prozent
usgenutzt. Trotz erheblicher Unkoſteneinſparung von 60 Prozent
1932 gegenüber 1929 konnten die dauernden Verluſtſteigerungen
icht aufgehalten werden. Erſt mit dem letzten Vierteljahr 1933
kat die Wendung zum beſſeren ein. Für das laufende Jahr wird
lan ohne Verluſte abſchneiden. Der Auftragseingang hält ſich jetzt
och auf der Höhe der letzten Monate des Vorjahres, die
Aus=
ſirkungen aus dem neuen techniſchen Programm berechtigen
eben=
iIls zur optimiſtiſcheren Auffaſſung über die Entwicklung der
neu=
eordneten Geſellſchaft.
Produkkenmärkke.
Frankfurter Getreidegroßmarkt vom 11. Juli. Bei ſtetiger
Ten=
n3 erfolgten am heutigen Getreidegroßmarkt in Körnerfrüchten
r noch ſporadiſche Umſätze, der Uebergang aufs neue Erntejahr
mmt die Unternehmungsluſt, zumal man allgemein die in Aus=
)t ſtehenden Ausführungsbeſtimmungen zum Geſetz zur Ordnung
r Getreidewirtſchaft abwartet. Roggen in alter Ware war kaum
ch angeboten, auch die Nachfrage iſt ſchwach; die Notiz ging um
RM. per Tonne zurück. Weizen war ausreichend offeriert, die
ühlen nehmen zum Feſtpreis nur noch ganz vereinzelt etwas
f. Hafer war ſtärker angeboten und ging im Preiſe erneut um
RM. per Tonne zurück; der Preis wird immer noch für zu hoch
ichtet. Neue Wintergerſte wurde noch nicht notiert, man wartet
geſetzliche Neuregelung ab. Für zweizeilige neue Wintergerſte
irden etwa 200—210 RM. per Tonne verlangt. Für
Mühlen=
chprodukte, insbeſondere für Nachmehle, iſt die Haltung feſt,
öl=
ltige Artikel liegen ruhiger. Gefragt waren im freien Markt
rtoffelflocken zu 18,50 RM. pro 100 Kg. frei deutſcher Station.
e Rauhfuttermittelpreiſe blieben unverändert. Es notierten in
N.: Weizen 208—210, Roggen 180, Hafer 200—205 Weizenmehl,
pe 563, Feſtpreisgebiet W. 10 28,90 plus 0,50 RM.
Frachtaus=
ich, Feſtpreisgebiet W 7 28,60 plus 0,50, Roggenmehl Type 610
ſtpreisgebiet R 8 25,25 plus 0,50, dto. R 6 25,25 plus 0,50.
Wei=
imehl 4 B 17—17,25. Weizennachmehl 16,50—16,75,
Weizen=
ermehl 12,75, Weizenkleie fein 11.40, grob 11,75,
Roggenfutter=
hl 13.25, Roggenkleie 12.50, Soyaſchrot 15,80, Palmkuchen 15,70,
dnußkuchen 17.20, dieſe Preiſe verſtehen ſich als Fabrikpreiſe ab
d. Fabrikſtation, Treber 17—17,25, Heu 10,50—11, Weizen= und
ggenſtroh drahtgepr. oder gebündelt 2,70—2,90, Tendenz: ſtetig.
Die Berliner Börſe war bei zunehmendem Intereſſe des
Publikums, allgemein befeſtigt und teilweiſe recht lebhaft. Die
ſchon in den letzten Tagen begehrten Spezialitäten lagen zwar
weiter feſt, doch erfolgte die Aufwärtsbewegung geſtern auf
we=
ſentlich breiterer Baſis als bisher. Die Kuliſſe, die in den letzten
Tagen als Käufer aufgetreten war, nahm verſchiedentlich
Glatt=
ſtellungen vor, die aber kaum ins Gewicht fielen. Farbe konnten
den Kurs von 150 Prozent erreichen, das vorliegende große
An=
gebot von über 100 000 RM. wurde glatt aufgenommen.
Charakte=
riſtiſch für das Intereſſe des Publikums war die Steigerung
nie=
drig ſtehender Werte. So konnten Weſtdeutſche Kaufhof auf 223,
Junghans auf 39½, Hapag auf 28½ bei Befeſtigungen von
durch=
ſchnittlich ½—3 Prozent anziehen. Chemiſche Heyden ſetzten ihre
Aufwärtsbewegung um 2½ Prozent fort. Auch Goldſchmidt (plus
3) wurden hiervon mitgeriſſen. Für Schultheiß beſtand weitere
Nachfrage, desgleichen für Berlin=Karlsruher. Induſtriewerke.
Montanwerte lagen nach freundlicher Eröffnung bald 1 Prozent
über den letzten Notierungen. Von Braunkohlenpapieren waren
Eintracht erneut 2 Punkte höher, Kaliaktien gewannen ½—1
Pro=
zent, Linoleumwerte bis 1½, auch die übrigen Papiere mit
Va=
lutacharakter waren befeſtigt. Tarifwerte waren angeſichts der
ſtarken Abſatzſteigerung bei Deſſauer Gas und den Vereinigten
Elektriſchen Werken Weſtfalen weiter gefragt und bis 1½ Prozent
befeſtigt
Nach Erledigung der anfangs vorliegenden Kaufaufträge
wurde das Geſchäft im Verlauf ruhiger, doch wurde vielfach noch
über den erſten Notierungen gehandelt. Chade ſtiegen um 3½.
Lieferungen gingen um 2 Prozent und RWE. um 1 Prozent gegen
geſtern zurück. Am Pfandbriefmarkt waren überwiegend
Beſſerun=
gen von ½—½ feſtzuſtellen, auch Kommunglobligationen lagen
freundlicher. Rheiniſche Hyp. Komm. Obligationen gewannen
teil=
weiſe 9. Auch Stadtanleihen lagen freundlicher Kaſſeler und
Leipziger ſtiegen um je ½. Provinzanleihen befeſtigten ſich um
½ Prozent. Länderanleihen waren dagegen überwiegend 4—
gedrückt, nur 29er Mecklenburger wurden ½ Prozent höher bezahlt.
Die Frankfurter Börſe lag, ohne daß größere Anregungen
vor=
lagen, weiterhin freundlich und zuverſichtlich. Das Geſchäft blieb
indeſſen meiſt wieder nur auf einzelne Spezialpapiere beſchränkt,
zumal die Auftragserteilung der Bankenkundſchaft immer noch
minimal iſt. Die etwas höheren Vorbörſenkurſe im hieſigen
Früh=
verkehr wurden nicht immer erreicht, da hier und da kleine
Ab=
gaben erfolgten. Bei der zurzeit herrſchenden Marktenge
beſtim=
men ſchon kleinſte Beträge ſowohl nach oben wie nach unten den
Kurs. Ganz überwiegend feſter lag wieder der Elektromarkt, wobei
die täglich günſtigen Nachrichten über Stromabſatzſteigerung uſw.
Anregung geben. Es gewannen Siemens 1½ Prozent, Lechwerke
und Elektr. Lieferungen je ½ Prozent, AEG., Licht und Kraft
und Bekula je ¼ Prozent, nur Gesfürel ſetzten ½ Prozent
nie=
driger ein. Chadeaktien, die ſchon geſtern ſtärker erhöht waren,
zogen erneut um 1½ RM. an. Mehr Intereſſe wandte ſich ferner
dem Montanmarkt zu. Harpener und Gelſenkirchen ſtanden mit je
plus 1 Prozent im Vordergrund, die übrigen Werte gewannen von
½—½ Prozent. Am Schiffahrtsmarkt lagen Hapag ½ Prozent
höher, Nordd. Lloyd ¼ Prozent leichter. Chemiewerte waren
zu=
nreiſt gut behauptet, Farbeninduſtrie allerdings mit 149½ ½
Pro=
zent niedriger nach vorbörslich noch 1501 Prozent. Von
Neben=
werten ſetzten Deutſche Linoleum ihre Befeſtigung um 1 Prozent,
Aſchaffenburger Zellſtoff um ½ Prozent fort, auch Waldhof zogen
zirka 1 Prozent an. Ferner eröffneten Daimler Motoren 1
Pro=
zent, AKU. 38 Prozent, Zement Heidelberg ½ Prozent
freund=
licher. Reichsbankanteile lagen zu 155 Prozent unverändert, Conti
Gummi bröckelten um ½ Prozent ab.
Auch im Abendbörſenverkehr entwickelte ſich bei freundlicher
Tendenz nur kleines Geſchäft, da die kleine Publikumsbeteiligung
anhält, während die Kuliſſe kaum zu größeren Eigengeſchäften
neigt. Die Kurſe blieben im Vergleich zum Berliner Schluß in den
meiſten Fällen gut behauptet, vereinzelt zogen ſie auch noch leicht
an. Am Rentenmarkt bliebew deutſche Anleihen, Reichsmark=
Obligationen gut behauptet letztere konnten ſich teilweiſe um
½—½ Prozent befeſtigen, auch induſtrielle Genußrechte fanden
wei=
tere Beachtung.
Geſeß gegen Mißbrauch
des bargeldloſen Zahlungsverkehrs.
Die Reichsregierung hat unter dem 3. 7. 34 ein Geſetz gegen
Mißbrauch des bargeldloſen Zahlungsverkehrs (RGBl. I vom 10. 7)
erlaſſen. Den Beſtimmungen des Geſetzes unterliegen
Unterneh=
mungen, die zum Zwecke der Einräumung von Krediten im
weſent=
lichen auf unbaren Wege Guthaben ſchaffen, über die nach der
geſchäftlichen Gepflogenheit durch Scheck, Anweiſung jeder Art oder
Verrechnungsauftrag, nicht aber durch Barabhebung verfügt
wer=
den ſoll. Bei Zweifeln, ob eine Unternehmung Geſchäfte dieſer Art
betreibt, entſcheidet der Reichswirtſchaftsminiſter. Der
Reichswirt=
ſchaftsminiſter kann Unternehmungen, deren Betrieb nach ihrem
Zweck, ihrer Grundlage oder ihrem Aufbau den bezeichneten
Un=
ternehmungen ähnlich iſt, den Vorſchriften dieſes Geſetzes
unter=
ſtellen. Nach dem Inkrafttreten dieſes Geſetzes dürfen
Unterneh=
mungen der vorbezeichneten Art den Geſchäftsbetrieb nicht mehr
beginnen oder fortſetzen. Die oberſten Landesbehörden können die
Aufhebung der Unternehmung anordnen. Dies iſt auch dann
zu=
läſſig, wenn die Unternehmung den Geſchäftsbetrieb noch nicht
be=
gonnen hat. Eine ſolche Anordnung wirkt wie ein
Auflöſungsbe=
ſchluß. Die oberſten Landesbehörden können ferner die Liquidation
der Unternehmung einem von ihnen beſtellten Liquidator
über=
tragen. Anſprüche auf Entſchädigung gegen das Reich oder die
Länder werden durch dieſes Geſetz nicht begründet. Wer dieſen
Vor=
ſchriften zuwider den Geſchäftsbetrieb beginnt oder trotz
Ver=
warnung fortſetzt, wird mit Gefängnis oder Geldſtrafe beſtraft.
Das Geſetz iſt mit dem Tage der Verkündung in Kraft getreten.
Die Lage des mikkelrheiniſchen Weinbaues.
Die anhaltende Trockenheit in den letzten Wochen hatte einen
gewiſſen Stillſtand im Wachstum der Reben mit ſich gebracht. Vor
allem hat ſich die Trockenheit überaus ſtark in den Jungfeldern
bemerkbar gemacht. Der in der letzten Woche wiederholt
nieder=
gegangene Regen hat den Reben die notwendige Erfriſchung
ge=
bracht; die Rebſtöcke zeigen ein geſundes Ausſehen. Die
verſchie=
dentlich aufgetretenen Rebſchädlinge wurden rechtzeitig und
in=
tenſiv bekämpft, ſo daß der bisher zu verzeichnende Schaden in
erträglichen Grenzen liegt. Die Bildung der Geſcheine iſt recht
zufriedenſtellend. Nach dem gegenwärtigen Stand der Weinberge
iſt mit einem guten Herbſtertrag zu rechnen. Im Verkaufsgeſchäft
iſt die zu dieſer Jahreszeit alljährlich feſtzuſtellende Ruhe zu
ver=
zeichnen. Beſonderen Abſatz haben die Konſumweine, während
die guten Marken aus Mangel an Geld bei den Verbrauchern
nicht in allzu großer Zahl zum Verkauf kommen. Beſonderen
Ab=
ſatz finden die Weine des Jahrganges 1933; aber auch die älteren
Jahrgänge werden keineswegs verſchmäht. Die Preiſe halten ſich
auf der Höhe des letzten Monats.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Durch Runderlaß 75/34 der Reichsſtelle für
Deviſenbewirtſchaf=
tung iſt angeordnet worden, daß mit Wirkung vom 11. 7. 34 die
von der Ueberwachungsſtelle für Kautſchuk bewirtſchafteten Waren
nicht mehr im Rahmen der allgemeinen Genehmigungen und
da=
mit auch nicht mehr in RM. auf die Sonderkonten der Länder,
mit denen ſtaatliche Zahlungsabkommen beſtehen, bezahlt werden
dürfen.
Ab 11. 7. 34 gelten folgende Preiſe für Metallhalbzeug (in
RM. je 100 Kg. für Abſchlüſſe auf 100 Kg.): Kupfer: Bleche 73,25
(74), Röhren 89,25 (90), Drähte und Stangen 66,25 (67).
Der Londoner Goldpreis betrug am 11. 7. 34 für eine Unze
Feingold 137 sh 11 d — 87,3013 RM., für ein Gramm Feingold
demnach 53,2095 Pence — 2,80680 RM.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Manve.
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton Reich
und Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für den Schlußdienſt: Andreas
Bauer; für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Sport: Karl Böhmann; für
Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite; für dem
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen,
Sprechſtunden der Redaktion: Vormittags 12—1 Uhr, nachmittags 6—7 Uhr.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.
Berliner Kursbericht
vom 11. Juli 1934
Deviſenmarkt
vom 11. Juli 1934
Berl. Handels=Geſ.
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Nordd. Llohzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw. 1
C. P. Bemberg
Vereinigte Glanzſt.
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gasl.
Vff
62,25
65.5
28.25
31.625
23.375
131.125
67.25
95.625
135.75
135.5
Ke
Glektr. Lieferung
F. G. Farben
Gelſ. Bergwerke
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kalt Aſchersleben
Klöcknerwerke
Koksw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
U75
90.—
149.875
60.125
108.—
Kf
75.125
59.5
125.—
72.875
94.25
65.25
45.25
Weeen
Polyphonwerke.
Rütgerswerke
Salzbetfurth Kalt
Weſtdte, Kaufhof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Akali
Agsb.=Nnrb. Maſch
Baſalt=Linz
Berl. Karlsr. Inb.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Wuch
15.75
39.875
164.25
22.,625
40.5
124.25
63.—
11.25
122.375
29.375
92.—
78.5
Aegypten
Argentinien
Belgien.
Braſilien
Bulgarien
Canada
Dänemar
Danzig
England
Eſtland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Holland.
Island
Währung
1 ägypt. 2
1 Pap. Peſo
100 Belga
1 Milreis
100 Leva
1canad. Doll.
100 Kronen
100 Gulben
1 2.Stg.
100 eſtl. ger
100 finn. Mk.
100 Franken
100 Drachm.
100 Gulden
100 isl. Kr.
Surmſtädter und Narionnlonnt Sarmkaut, Bihale der Atescher Sunz
Frankfurter Kursbericht vom 11. Juli 1934.
Keeretcheie
„Gr. Ip. 1984
1935
1938
1987
1938
„Gruppel ...."
68 Dtſch. Reichsanl.
„ v.27
5½%Intern.,b.30
6%Baden ... b.27
6%Bayern ..b.27
68Heſſen ....b.29
6% Preuß. St. b.28
6%Sachſen „.b.27
6½Thüringen v. 27
6% Dt. Reichsbahn
Schätze ........
5% Dt. Reichspoſt
Schätze ..... ...
Dtſch. Anl. Ausl.
+½. Ablöſung".
„ (Neubeſitz)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ...
69Baben=Baden.
6%Berlin ...b.24
6%Darmſtadt . . .
6% Dresden .. b.26
6%Frankfurt a. M.
Schätze v. 29
„ b.20
68Mainz. . . . . ..
6%Mannheim v.27
6München v.2‟
6%Wiesbadenv. 28
6%Heſſ. Lanbesbk.
6% „ Goldobli,
uoo es
103.8
1081).
99.5
97.5
101.75
93
91
98
93
90.75
107
92.5
90.5
100.9
100.35
95
9.2
81.75
80.75
76.5
79.25
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82
85.25
89.5
85
5½% Heſ.
Landes=
hyp.=Bk.=Liquid.
4½8
Komm. Obl. .
60 Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G. Pf
6% „ Goldoblig.
6% Landeskomm.=
Bk. Girozentr. f.
Heſſ. Glbobl. R.11
R.1s
6%6
6%Kaſſ. Landeskrd.
Goldpfbr. ..
6%Naſſ. Landesbk.
5½% „ Liqu.=Obl
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
FAusl. Ser.
„„Ser.II/
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz
6BBerl. Hyp.=Bk.
5½% „ Lig.=Pfbr.
6%Frkf. Hyp.=Bk..
5½% „ Lig.=Pfbr.
Golboblig
6GFrkf. Pfbr.=Bk.
„ Lig.=Pfr.
6FMein. Hyp.=Bk
„ Lig.=Pfr.
6%Pfälz. Hyp.=Bk.
5½% „ Lich.=Pfbr.
6SRhein,Kyp.=Bk.
5½% „ Lig.=Pfr.
„ Goldoblig
6% Südd. Boben=
Cred.=Bank.
5½%0 n Lig.=Pfbr.
62Württ. Hhp.=B.
88.75
92.5
90‟
81
81
90.5
88
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89
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68 Dt. Linol,Werk”
62Mainkrw., v.26
62Mitteld. Stahl
62 SalzmanncCo.
6%Ver. Stahlwerke
6%VoigteHäffner
J. G. Farben Bonds
59Bosn. L. E.B
L.Inbeſt.
5%Bulg. Tab. v. 02
4½0 Oſt. Schätze
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47 „ 1.Bagdad
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4½Büngarn 1913
1914
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Goldr.
1910
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42Liſſabon
42Stocholm
Aktien.
Accumulat.= Fabrik
Alg. Kunſtzide Unie
A. E. G.
AndregeNoris Zahn!=
Aſchaffbg. Brauerei
„ Zelſtoff
Bad. Maſchinenfbr.
Bemberg, F.P...
Berl. Kraft u. Licht
Buderus Eiſen....
Cement Heibelberg
Karlſtadt
38
89.75
81
78.5
117.5
*
9.5
34
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60.25
122
G7
143.9
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K i
Chem.Werke Abert
Chade (A=C).....!1
Contin. Gummiw. .
Contin.=Linoleum:
Daimler=Ben
Dt. Atl. e
Erdöl
Dt.
Gold=
ſcheide=Anſtalt.
„ Linoleum
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffé Widm.
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk
Eßling. Maſchinen. 40
Faber & Schleicher!.
Fahr, Gebrüder ..!.
F.6. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. E Guilleaume
Frankfurter Hof ..
Gelſenkirch. Bergw.
Geſt.f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner=Kahſer...
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.
Hanauer Hofbräuh. 96.75
Hanfwerke. Füſſen
HarpenerBergbau
Henninger, Kempfl!
HilbertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hochtief Eſſen ..../102.5
Holzmann, Phil.
Jlſe Bergb. Stamm!
„ Genüſſel.
Viffe
198
138.5
611,
48.5
111‟
118
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61.5
71
92
111
234
52.5
106
148.75
39.5
66
60.5
108
70.75
21"
75.5
39
106.25
109.55
3a.5
167
127.5
Kali Chemie .....
Kali Aſchersleben .
Klein, Schanzlin.
Klöchnerwerke
Knorr C. H. .
Konſerven Braun.
Lahmeher & Co.
Laurahütte
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz Akt.=Br.
Mannesm.=Röhren
Mansfeld. Bergb
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frankf.:
Miag, Mt
Moenus
Motoren.
Neckarwert
Oberbedar
Park=u. B1
Phönix Be=
Rh. Braunkol
„I.
Elektr.
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Stahlwerke
Niebeck Montan.”.I
Roeder, Gebr.
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind.,
Schramm, Lackfbr.
Schuckert, Elektr.
Schwartz, Storcher
Siemens & Halskel=
Reinigerwerk
Sübd. Zucker=A. 6.
Thür. Liefer.=Gef.
125.
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93
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Unterfranken . ..=
Ver. Stahlwerke ..
Ver. Ultramarin ..
Boigt & Haeffner.
Beſtdte. Kaufhof.
Weſteregeln Kali.
Zelſtoff Waldhof.:
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank. . ..
Bk. f. Brauinduſtr.
Bayer. Hyp. u. W.
Berl. Handelsgeſ.
Gypothekbk.
Comm. u. Privatbk.
Dt. Ban1 u. Disc.
Dt. Eff. u. Wechſe
Dresdner Ban!
Frankf. Bank
Hyp.=Ban
Mein, Hyp.=Bank.
Pfälz. Hyp.=Ban
Reichsbank=Ant. .
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Württb. Notenbank
A.-G.f. Vertehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftn
726 Dt. Reichsb. Vzg)”
Hapag ........
Nordd. Llohd.. ..
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Allianz= u. Stuttg.
Verſicherung ...!.
Verein. Verſ. /220.5
Frankona Rück=u. Ml*
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Otavi Minen
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64.25
1717.5
111.
28.5
31.5
52.5
209.5
169.5
14
46.5
Seite 12 — Nr. 190
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Donnerstag, 12. Juli 1934
Einzellospreis 1.— Mk. Doppellospreis 2.— Mk.
empfiehlt
Lollerie-Einnahme Peirenz, Rheinstraße 33, Telelon 221.
Aus eigener Rheinfiſcherei
all
Lebd. Breſem 0.55, Backfiſch 0.35
Lebd. Rhein=Aale . . . 1.30
Echter Rhein=Salm. (533
Len
Schweſter
Angelika
Der ſchwarze
Walfiſch.
Der Film der deutschen
Segelfliegerei.
Hinter Klostermauern
Susanna Marville
in einer Doppelrolle.
Des groß. Filmschauspielers
Emil Jannings
reifste Leistung. (V7517
Ein Film echter
Kamerad=
schaft und voller Humor
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr
Arbeitsbeschsfkungs rLotterie
Ziehung nächste Woche!
Ooppellose zu M. 2.—
Einzellose zu M0. 1.— 2u haben bei den staatlichen Lotterie-Einnehmern:
und Kullmann
Küfp
Peter-Gemeinderstraße 9.
Schulstraße 15
TP 7535
Romen von Wolfheinrich u. d. Mülke
(Nachdruck verboten)
„Catch him!“
Bruno Lerſe hob ſchnell den Kopf. Ein karierter Gummiball
ſprang dicht vor ihm auf, dann über ihn weg, und ein
vierjäh=
riges, blondlockiges Mädchen in einem weißen Pelzmäntelchen
patſchte ihm lachend mit beiden Händchen in den Schoß. Er brachte
ſchnell ſeine Brille in der Taſche unter und nahm die Kleine aufs
Knie, die gleich ſeelenvergnügt auf engliſch losplapperte. Das
Kind erzählte von allem möglichen, und Dr. Lerſe erfuhr, daß
Mama immer noch blaß in der Kabine liege und nicht aufſtehen
möge. Lerſe fand die Kleine entzückend. Als die franzöſiſche Bonne
kam und unter vielen Entſchuldigungen ihre Pflegebefohlene
weg=
holen wollte, gab er ſie nicht her, ſondern fing an, mit dem Kind
zu ſpielen.
Unterdeſſen waren faſt alle Reiſenden der erſten Klaſſe auf
der Sonnenſeite erſchienen. Alte Bekannte trafen ſich wieder, neue
Bekanntſchaften wurden gemacht, es war ein lebhaftes
Sichunter=
halten und Promenieren.
Die beiden Detektive ſtanden zuſammen, woran nichts
Auf=
fälliges war, da niemand von ihrer wirklichen Eigenſchaft wußte.
Kulicke fuhr als Kaufmann C. F. Krüger aus Berlin. Reinhold
Fürſt trug die Uniform eines Erſten Maſchiniſten. Er machte die
Reiſe zur Abwechſlung in der Maske eines ſtellvertretenden Erſten
Ingenieurs mit, da bis kurz vor Abſchluß der Paſſagierliſte kein
Ingenieur daringeſtanden hatte. Nun waren dicht vor der
Ab=
fahrt nacheinander noch zwei Herren gekommen, von denen der
eine, Dr. Lerſe, ausgerechnet Ingenieur ſein mußte — zum Aerger
Fürſts und zur ſtillen Freude der Offiziere.
„Jetzt können wir uns alle anſehen,” meinte der Borddetektiv.
„Es fehlen kaum noch ein paar. Von den Herren eigentlich nur
Herr Renner, der große ſchwarze, wiſſen Sie, der im letzten
Augen=
blick an Bord kam. Er hat ſich gleich in ſeiner Kabine ſchlafen
gelegt und iſt ſeitdem nicht wieder zum Vorſchein gekommen. Ich
weiß nicht, ob Sie ihn geſehen haben, das Signalement würde
vorzüglich auf ihn paſſen.”
„So?” Kulicke ſah geſpannt auf.
„Machen Sie ſich nur keine vergeblichen Hoffnungen. Daß ſich
der Mann in ſeine Kabine verkriecht, will gar nichts ſagen.
Den=
ken Sie an das Wetter! Und Gott weiß, mit was für einem Kater
er an Bord gekommen iſt. Blaß genug ſah er aus. Das
Signale=
ment? Du lieber Himmel! Sie werden ſelbſt zugeben, es paßt auf
jeden, der gut ausſieht, groß, ſchlank und brünett iſt. Wenn Sie
wenigſtens die geringſte Beſonderheit wüßten".
„Nein, nur die Warze,” murmelte Kulicke, aber der
Bord=
detektiv ſchien kaum hinzuhören.
„Die anderen Klaſſen habe ich ſchon kontrolliert,” erklärt
Fürſt, „da iſt niemand Verdächtiges. Sie meinen ja auch, daß
nur die erſte Klaſſe in Frage käme?
„Nach allem, was wir über Harald Borch wiſſen, muß ich das
annehmen,” erwiderte Kulicke, „aber ſelbſtverſtändlich werde ich
mir die Paſſagiere der anderen Klaſſen auch anſehen.”
„Bitte . . .” es klang etwas ſpitz. Der Borddetektiv hatte das
Gefühl, der andere nähme ihn nicht für voll, und das konnte er
nicht vertragen. „Sie haben übrigens auch hier die Auswahl. Ich
ſehe wenigſtens vier, fünf Herren, auf die der Steckbrief ungefähr
paßt. Zwei davon gehören allerdings zu den Tennisſpielern,
ſcheiden alſo wohl aus.”
„Ja ... das heißt . . . bei Borch iſt alles möglich. Er könnte
die Geſellſchaft zuſammengebracht haben."
„In der Eile? Nein, die Plätze ſind ſeit Wochen vom
Sport=
ausſchuß vorausbeſtellt.”
„Sie kennen Borch nicht,” meinte Kulicke überlegen.
„Da iſt es um ſo bedauerlicher, daß Sie ihn auch nicht kennen,”
entgegnete Fürſt ſcharf. „Uebrigens könnte Dr. Lerſe, der da
drüben mit der kleinen Aſtrid Winſton ſpielt, ebenſo gut der
Ge=
ſuchte ſein. Vergleichen Sie mal.”
Kulicke ſah hinüber.
„Ja ... Aber auf den würde ich am wenigſten tippen,”
ſagte er.
„Und Sie verſteifen ſich noch immer darauf, daß Borch gerade
auf unſerem Schiff iſt?” fragte Fürſt.
„Ich habe Ihnen ſchon geſagt, warum,” erwiderte Kulicke
et=
was kurz.
„Na, viel Glück,” erklärte Fürſt. „Einſtweilen werde ich mich
ein wenig mit Dr. Lerſe unterhalten. Ich habe ihn ſchon
kennen=
gelernt, während Sie noch dem Meergott opferten.
„Ich auch,” entfuhr es Kulicke, aber Reinhold Fürſt war ſchon
hinübergegangen.
Kulicke blieb allein zurück. Er war eigentlich nur deswegen
ſo kurz gegen den blonden Borddetektiv geweſen, weil er für ſeine
Anſicht, daß Borch auf dem „Kondor,, ſein müſſe, keine
zwingen=
den Gründe anführen konnte. Trotzdem war er innerlich davon
überzeugt. Er hatte in Berlin, um ſeine Entſendung auf dies
Schiff mit der Begründung gebeten, daß Borch ſicher den
euro=
päiſchen Boden allmählich zu heiß finden und er wegen der
draht=
loſen Telegraphie die Strecke nach New York jeder längeren
See=
reiſe vorziehen würde. „Dies zugegeben,” hatte er ſeine
Erklä=
rungen geſchloſſen, „kommt nur der nächſte Schnelldampfer nach
New York in Betracht, und das iſt der „Kondor”. Sein Vorge=
ſetzter war nicht ſo überzeugt geweſen, aber Kulickes Spürſinn
ſollte ſich als der feinere erweiſen.
An Bord hatte Kulicke ſich gleich dem Kapitän vorgeſtellt,
und als von dieſem die Bekanntſchaft der beiden Detektive
ver=
mittelt worden war, hatte er ſeinem Kollegen alles auf Borch
Bezügliche mitgeteilt. Alles, mit einer Ausnahme. Daß er die
Nummern der Dollarſcheine des Kommerzienrats wußte, hatte
er als ſeinen eigenen Trick für ſich behalten; denn ſchließlich wollte
er derjenige ſein, der den berühmten Hochſtapler verhaftete.
Fürſt hatte eine Weile zugeſchaut, wie Dr. Lerſe mit dem
blondlockigen kleinen Mädchen ſpielte. Die franzöſiſche Bonne
ſtand dabei, und der Borddetektiv hörte den Schweizer mit
der=
ſelben Fertigkeit abwechſelnd Franzöſiſch und Engliſch ſprechen,
Daß Dr. Lerſe ein vollſtändig akzentfreies Deutſch ſprach, wußte
er und dachte daran, daß auch Borch ein außerordentliches
Sprach=
talent haben muße. Vor allem aber, wollte er eines feſtſtellen.
„Sie ſprechen ja Franzöſiſch, Engliſch und Deutſch, als ob
jedes Ihre Mutterſprache wäre”, wandte er ſich liebenswürdig an
den jungen Fabrikbeſitzer.
„Das iſt kein Wunder,” entgegnete Dr. Lerſe beſcheiden. „Ich
bin ja in Genf aufgewachſen, mein Vater war Deutſchſchweizer,
und ich habe ſpäter lange in der Fabrik eines ſeiner engliſchen
Geſchäftsfreunde gearbeitet.”
„Trotzdem! Ihr Talent iſt beneidenswert. Wer ſo begabt iſt,
ſpricht gewöhnlich noch mehr Sprachen. Ich möchte wetten, daß
das bei Ihnen auch der Fall iſt.”
Dr. Lerſe lächelte. „Ein wenig Italieniſch kann ich als
Schweizer natürlich. Und dann habe ich einmal Ruſſiſch
angefan=
gen. Ich habe es aber bald wieder aufgegeben, es iſt doch eine
zu ſchwere Sprache für uns.”
Fürſt fühlte ſich ſeinem Ziele näherkommen.
„Sie beherrſchen ja faſt ganz Europa,” rief er begeiſtert.
„Deutſch und außerdem den Weſten, den Süden und den Oſten
Sie ſollten noch eine ſkandinaviſche Sprache dazulernen, aber am
Ende ſprechen Sie ſchon etwas Schwediſch oder Däniſch?
Lerſe winkte ab. „Kein Wort,” ſagte er. „Was denken Sie!
Das iſt doch wirklich etwas viel verlangt, daß ich gleich alle
Spra=
chen können ſoll.”
Er ſtand auf. Die Bonne hatte das Kind zu ſich genommen.
Jetzt wandte ſich Dr. Lerſe an Fürſt.
„Hören Sie, Herr Ingenieur,” ſagte er, „Sie könnten mir
einen großen Gefallen tun. Wenn Sie mich gelegentlich einmal
mit hinunternehmen und mir Ihre Keſſelanlagen zeigen wollten,
würde mich das ſehr intereſſieren. Sie wiſſen ja, ich bin ſelbſt
Ingenieur.”
„Das wird ſich leider kaum machen laſſen,” entgegnete der
andere. „Ich ſpiele hier nur eine Nebenrolle und bin von
un=
ſerer Fabrik im Einverſtändnis mit der Reederei dem Erſten
Ma=
ſchiniſten beigegeben, um zu beobachten, wie ſich gewiſſe
Erfin=
dungen von uns im Betriebe bewähren. Wenden Sie ſich mit
Ihrem Wunſch an den Ingenieur oder Erſten Maſchiniſten, wie
wir hier heißen, er wird ſich ein Vergnügen daraus machen, Sie
zu führen.”
„Ich möchte den vielbeſchäftigten Herrn nicht gern beläſtigen,”
erklärte der Fabrikbeſitzer in ſeiner ſtillen Art. „Es kommt mir
nur auf ein paar Kleinigkeiten an, über die Sie mir ſicher
Aus=
kunft geben können.”
(Fortſetzung folgt.)
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