Einzelnummer 10 Pfennige
Nr
T4
Tädter
N4
Tatt
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Bezugspreis:
Bei wöchentlich 7maligem Erſcheinen vom 1. Februar
bls 28. Februar 2.— Reichsmark und 20 Pfennig
Ab=
fragegebühr, abgeholt 2.— Reichsmark, durch die
Agenturen 2.20 Reichsmark frel Haus. Poſtbezugspreis
im Februar ohne Beſtellgeld monatlich 2.40 Reichsmark.
Nichterſcheinen einzelner Nummern infolge höherer
Gewalt berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſiellungen durch
Fernruf obne Verbindlichkelt für und.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit verſebenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 39
Freitag, den 9. Februar 1934.
196. Jahrgang
Anzeigenpreis:
Die 22 mm breite Zeile im Anzeigentell, 1 mm hoch,
7 pfennig. Die 92 mm brelie Zeile im Textteil 1 mm
hoch 100 Pfennig. Platzaufſchlag (nach vorheriger
Ver=
einbarungl ſür Plazierung unter Text oder an
be=
ſtimmter Stelle 25%. Rabat nach Tarlf. Privatanzeigen
ſeinſpaltig) das fetgedruckte Ueberſchriftswort 20 Pfg.,
ſedes weltere Wort 8 pfennig. Famillen- Anzeigen
die 22 mm brelte Zelſe 1 mm hoch 6 pfennig.
Poſiſcheckonto: Franffurt a. M. 1301. Bankkontos
DO=Bank und Darmſtädter und Nationalbank.
Mugnng der Aibensioſigten i Junnnt..
Dezember=Rückgang zum großen Teil wieder ausgeglichen. — Planmäßiger Einſatz des
Arbeitsbeſchaffungs=
feldzuges führt zu gutem Erfolg.
Die Vier=Millionen Grenze
wieder unkerſchrikken.
Arbeitsloſenziffer um 285000 auf 3 774000 gefunken
DNB. Berlin, 8. Februar.
Der planmäßige Einſatz der Arbeitsbeſchaffungsmaßnahmen
zum Ausgleich der winterlichen Saiſonſchwankungen führte im
Januar zu einem guten Erfolg. Während in früheren Jahren in
dieſem Monat unter dem Einfluß der Entlaſſungen aus den
Außenberufen die Arbeitsloſenzahl zu ſteigen pflegte, gelang es
in dieſem Jahre, allerdings ſtark begünſtigt durch die milde
Wit=
terung, die Arbeitsloſenzahl in beträchtlichem Umfange zu ſenken.
Der Rückgang betrug 285 000, ſo daß die im Dezember
eingetre=
tene Zunahme von rund 344 000 zum großen Teil wieder
ausge=
glichen iſt. Insgeſamt wurden bei den Arbeitsämtern 3 774000
Arbeitsloſe gezählt, das ſind rund 2 239 000 weniger als am
glei=
chen Stichtag des Vorjahres.
Die Zahl der Arbeitsloſen in den Außenberufen
iſt in den Wintermonaten um rund 140 000 zurückgegangen. So
wurden z. B. im Baugewerbe und den von ihm abhängigen
Wirt=
ſchaftszweigen Ende Januar 110 000 Arbeitsloſe weniger gezählt
als zu Beginn des Monats. Ein Teil dieſer Entlaſtung iſt
auf die großen öffentlichen Arbeiten, wie
Auto=
ſtraßenbau, und die zahlreichen
Notſtandsar=
beiten zurückzuführen; die im Januar durch die Gunſt
der Witterung weiter ausgedehnt werden konnten. Die übliche
winterliche Arbeitsruhe im Hochbau und ſeinen
Nebenzweigen wurde durch die zahlreichen Anregungen zu
Um=
bau= und Inſtandſetzungsarbeiten ſtark
gemil=
dert. Daß ſich über dieſen von der Regierung herbeigeführten
Antrieb hinaus auch die privaten Wirtſchaftskräfte zu regen
be=
ginnen, zeigt die Entwicklung der Zahl der mehr von der
Kon=
junktur abhängigen Berufsgruppen. In dieſen Berufsgruppen
iſt ein Rückgang der Arbeitsloſen um rund 144 000 eingetreten,
Träger dieſer günſtigen Entwicklung waren in der Hauptſache
das Eiſen= und Metallgewerbe, das Holzgewerbe und das
Spinn=
ſtoffgewerbe.
Enkſprechende Enklaſtung auch in den
Unkerſtühungs=
einrichkungen der Reichsanftalk.
Im Einklang mit der Entwicklung der Arbeitsloſenzahl zeigte
ſich auch in den Unterſtützungseinrichtungen der Reichsanſtalt
und der öffentlichen Fürſorge eine entſprechende Entlaſtung. Die
Zahl der Arbeitsloſen in der Arbeitsloſenverſicherung ging auf
549 192, in der Kriſenunterſtützung auf 1 155 806 zurück.
Arbeits=
loſe anerkannte Wohlfahrtserwerbsloſe wurden von den
Ar=
beitsämtern 1317 873 gezählt, das ſind 93 681 weniger als am
31. Dezember 1933. Die Zahl der Notſtandsarbeiter nahm im
Januar um rund 138 000 zu. Insgeſamt wurden bei den durch
die Reichsanſtalt geförderten Arbeitsbeſchaffungsmaßnahmen am
31. Januar 414 274 Notſtandsarbeiter gezählt. Der Rückgang
der Arbeitsloſen verteilt ſich bis auf eine Ausnahme auf alle
Landesarbeitsamtsbezirke.
* Das Ergebnis der Januarzählung der Erwerbsloſen iſt wohl
der beſte und ſicherſte Ausdruck der Energie, die hinter dem
Feld=
zug gegen die Arbeitsloſigkeit ſteht. Bisher war es immer ſo, daß
bei Eintritt der Froſtperiode die Außenarbeiten eingeſtellt und
auch dann nicht wieder aufgenommen wurden, wenn vor Ablauf
der winterlichen Jahreszeit die Queckſilberſalbe über den
Gefrier=
punkt hinausging.
Wir haben im Dezember einen ſtarken
Kälteein=
bruch erlebt, der zur Folge hatte, daß über 340 000 Perſonen,
die mit Außenarbeiten beſchäftigt wurden, ihre Werkzeuge
nieder=
legen und wieder ſtändige Gäſte der Arbeitsämter werden
muß=
ten. Der Januar hat dann vielfach im Reich einen
Temperaturan=
ſtieg gebracht. Die Witterungsbeſſerung iſt ſofort be=
„nutzt worden, um die ſtillgelegten Außenarbeiten ſortzuſetzen.
Dank der zielbewußten Führung des Feldzuges
gegen die Arbeitsloſigkeit konnten erneut
285 000 Perſonen einer regelmäßigen
Beſchäfti=
gung zugeführt werden, ſo daß die
Arbeitsloſen=
kurve ſich wieder auf ſtark abſchüſſiger Bahn
be=
wegt. Während der Dezemberausweis über die Vier=Millionen=
Grenze hinausging, zeigt das Januarergebnis ein Abſinken auf
3½ Millionen.
In der letzten Zeit iſt nun wieder ein
Froſtein=
bruch erfolgt. Es muß damit gerechnet, daß vor Ab=
„ſchluß des Winters durch die
Temperaturſchwan=
kungen verſchiedene Außenarbeiten erneut
ein=
geſtellt werden müſſen. Wenn alſo die
Februarzif=
fer unter Umſtänden ein Anwachſen der
Arbeits=
loſigkeit zeigt, ſo darf das nicht weiter überraſchen, wie es
ja für jeden, der die Arbeitsmarktlage aufmerkſam beobachtet,
eine Selbſtverſtändlichkeit iſt, das beſtimmte Arbeiten, die
Witte=
rungseinflüſſen ausgeſetzt ſind, nicht durchgeführt werden können,
wenn ſich dieſe Einflüſſe hindernd in den Weg ſtellen. Es muß
aher unterſtrichen werden, daß der Dezemberrückſchlag
die Anſtrengungen des deutſchen Volkes zur
Ueberwindung der Arbeitsloſigkeit verdoppelt
hat; und daß wir ſehr wahrſcheinlich zu Beginn
des Frühjahres dort ſtehen, wowir Ende
Novem=
der angelangt waren.
Die Frühjahrsoffenſive wird alſo verlorenes
Terrain nicht wieder zu gewinnen brauchen. Sie
kinn gleich zu ihrer Kraftentfaltung gegen die noch nicht
unter=
gebrachten Erwerbsloſen ſchreiten. Dabei ſind wir uns vollkommen
kar darüber, daß es genau ſo wie in der Vergangenheit nicht leicht
ſein wird, die Arbeitsloſigkeit zu verringern. Der Reichskanzler
hat ſelbſt im Mai geſagt, daß man mit einer vierjährigen Periode
nechnen müſſe. Der bisherige Erfolg gab der Hoffnung Raum, daß
eine weſentlich kürzere Zeit genügt, um das geſteckte Ziel zu
er=
reichen. Aber das iſt nur möglich, wenn mit der gleichen Energie
fortgeſchritten wird und wenn an dieſen ſchönen Erfolg der
Be=
kämpfung der Winterarbeitsloſigkeit auch unter den
allerungün=
ſtigſten Umſtänden ſehr bald neue Erfolge angereiht werden
können.
Der Reichsarbeitsführer über den Arbeilsdienſt
im Frühjahr.
DNB. Berlin, 8. Februar.
Der Reichsarbeitsführer Staatsſekretär Hierl gewährte einem
Mitarbeiter des „Angriff” eine Unterredung über den
Arbeits=
dienſt, der folgendes zu entnehmen iſt:
Während der Arbeitsdienſt im Jahre 1932 nur 26 602882
Tagewerke leiſten konnte, hat er mit durchſchnittlich 228 778
Mann im Jahre 1933 nicht weniger als 68 754 984 Tagewerke
geleiſtet. Von dieſen Tagewerken entfielen allein faſt 29
Mil=
lionen auf Bodenbewäſſerung, 10 Millionen auf
Verkehrsver=
beſſerung und mehr als 4,5 Millionen auf Forſtarbeiten und
über 3 Millionen auf Arbeiten zu Siedlungszwecken.
Der Reichsarbeitsführer äußerte ſich dann über zwei immer
klärer in Erſcheinung tretende hemmende Momente: 1. Die zu
ſchwache Beſetzung des Kulturbauamtes, das die vom
Arbeits=
dienſt angeregten Arbeiten zu organiſieren habe, ſo daß ſich
un=
liebſame Verzögerungen ergeben und zweiten die Vielheit der
Behörden, mit denen verhandelt werden müſſe.
Staatsſekretär Hierl äußerte ſich ſodann abſchließend in
kurzen Worten über die Zukunft des Arbeitsdienſtes. Im
Augen=
blick ſei für die 250 000 Freiwilligen Arbeit für Jahre hinaus
ſiebergeſtellt. Der Arbeitsvorrat in Deutſchland ſei aber unendlich
größer. In einer beſonderen Abteilung der Arbeitsdienſtführung,
die ſich mit der reinen Erfaſſung der Arbeitsmöglichkeiten
be=
faſſe, habe man einen Arbeitsvorrat feſtgeſtellt, der für 500 000
auf 20 Jahre genügen würde.
Stahlhelm=Gelöbnis für Hikler.
Ein Befehl Seldkes.
DNB. Berlin, 8. Februar.
Der Bundesführer des Stahlhelms, Seldte, veröffentlicht im
„Stahlhelm” einen Befehl an den Bund. In dem Befehl
heißt es: Dem Stahlhelm ſtelle ich in völligem Einvernehmen
mit unſerem Führer Adolf Hitler für die Zukunft die Aufgabe,
das für den Beſtand und die Entwicklung der Nation
unentbehr=
liche Ideengut des Frontſoldatentums im Sinne des
National=
ſozialismus zu wahren und zu pflegen. Ueber die
organiſato=
riſche Gliederung und die Beſetzung der Führerſtellen des
Stahl=
helms folgen weitere Anordnungen. Bis zu deren Durchführung
haben, alle öffentlichen Veranſtaltungen des
Bun=
des zu unterbleiben. In einzelnen Teilen des Reiches iſt
dem Stahlhelm in letzter Zeit vorgeworfen worden, er verfolge
reaktionäre Beſtrebungen. Ich weiß, daß dieſe Vorwürfe nicht
berechtigt ſind.
„Ich will im Stahlhelm eine treue Gefolgſchaft Adolf Hitlers
führen. Deswegen, und um allen Verdächtigungen des Bundes
auch den Schein des Rechtes zu nehmen, ordne ich an, daß bis
zum 28. Februar jeder Stahlhelmkamerad ſich ſchriftlich mit
eigen=
händiger Unterſchrift der unbedingten Gefolgſchaft Adolf Hitlers
zu geloben hat. Die Landesverbände melden bis zum 15. März,
daß alle Stahlhelmkameraden ihres Bereiches verpflichtet ſind,
und diejenigen, die eine Verpflichtung abgelehnt haben, aus dem
Bunde ausgeſchloſſen ſind.
Die Verpflichkung haf folgenden Worklank:
„Auf Mannes= und Soldatenwort gelobe ich unbedingte
Ge=
folgſchaft dem Führer Adolf Hitler. Ich verpflichte mich, auf
Befehl des Führers an jeder Stelle der Nation mit allen
mei=
nen Kräften zu dienen, und allen ſtaatsfeindlichen Beſtrebungen,
ſeien ſie reaktionärer oder marxiſtiſcher Richtung, rückhaltloſen
Widerſtand entgegenzuſetzen.”
Durch Kameradſchaft zur Willenseinheit.
Im Reichsblatt des Deutſchen Reichskriegewbunds „
Kyffhäu=
ſer” veröffentlicht Oberlandesführer Oberſt a. D. Reinhard,
Bun=
desführer des Kyffhäuſer=Bundes, folgenden Aufſatz, in dem es
heißt:
Es gibt keine „Wenn” und keine „Abe” mehr, keine
Satzungsbar=
rikaden oder Organiſationsbelange, keine Vereinsmeierei, es gibt
nur einen gemeinſamen Dienſt und eine große Pflicht:
Deutſch=
land. Darum wende ich mich an alle ehemalige Soldaten, ob ſie
dem Kyffhäuſer=Bund, den Waffenringen, Regimentsvereinen oder
irgend ſonſtwie gearteten Traditionsbünden angehören, mit der
Bitte alles Hemmende hinwegzunehmen und durch Kameradſchaft
zur Willeneinheit zu kommen.
* Fundamenk japaniſcher Weltgeltung.
Zum Ausbruch des ruſſiſch=japaniſchen Krieges
am 9. Februar 1904.
Von
Oberſt a. D. K. L. v. Oertzen.
Am 9. Februar 1904 wurde die Welt von der Nachricht
über=
raſcht, daß die japaniſche Flotte ohne vorherige Kriegserklärung
die ruſſiſche Flotte auf der Reede von Port Arthur überfallen
und mehrere Schiffe außer Gefecht geſetzt habe. Damit ging die
Seeherrſchaft im Fernen Oſten an Japan über, und das
japa=
niſche Heer konnte auf das aſiatiſche Feſtland übergeſetzt
wer=
den. Seit Jahrhunderten ſtrebt Japan nach dem Feſtlande. Der
Beſitz der Mandſchurei iſt für das Inſelreich eine geopolitiſche
Notwendigkeit. Japan iſt ein Einfuhrland und findet — wenn
auch kein Siedlungsland — faſt alles, was es für ſeine
Rüſtungsinduſtrie braucht, in der rohſtoffreichen Mandſchurei.
In dem chineſiſch=japaniſchen Kriege 1894/95 ging es um
den Beſitz von Korea. Im Frieden von Shimoniſeki mußte
Japan vor dem gemeinſamen Einſpruch Rußlands, Frankreichs
und Deutſchlands wieder vom Feſtland zurückweichen. Rußland
beſetzte Port Arthur, England Weihaiwei. Die Seefeſtung Port
Arthur, die einer der japaniſchen Seemacht ebenbürtigen
ruſſi=
ſchen Flotte als Stützpunkt diente, empfanden die Japaner ebenſo
als eine ſchwere Bedrohung ihrer nationalen Wohlfahrt wie
die wirtſchaftliche Erſchließung und Ausbeutung der Mandſchurei
durch die Ruſſen. Der japaniſchen Diplomatie gelang es in den
nächſten Jahren, Rußland in Oſtaſien zu iſolieren und ſich
durch ein Bündnis mit England vor dem Eingriff dritter
Mächte in den bevorſtehenden Krieg mit Rußland zu ſichern.
Rußland befand ſich damals im Anfang des Jahrhunderts
dem japaniſchen Angriff gegenüber militäriſch in ähnlich
ſchwie=
riger Lage, wie heute die Sowjet=Union. Gewiß waren ſeine
militäriſchen Machtmittel vor 30 Jahren erheblicher, auch
beſon=
ders das Stärkeverhältnis dem Heere und der Flotte des Mikado
gegenüber günſtiger als heute. Aber damals wie jetzt war die
große Entfernung, die das Zentrum der ruſſiſchen Macht vom
Fernen Oſten trennte, ein faſt unüberwindliches Hemmnis. Der
Transport der Streitkräfte aus den weſtlichen ruſſiſchen
Pro=
binzen nach Mukden dauerte 40 Tage. Die ſibiriſche Eiſenbahn
war noch durch den Baikalſee unterbrochen. Die
Umgehungs=
bahn wurde erſt während des Krieges fertiggeſtellt. So
über=
querten die ruſſiſchen Truppenteile im Fußmarſch den See,
ſo=
lange er im Winter eine tragfähige Eisdecke trug. In der
wär=
meren Jahreszeit wurden ſie in Schiffen übergeſetzt. In jedem
Falle entſtand ein großer Zeitverluſt.
Den Oberbefehl im Oſten führte Admiral Alexejew. Unter
und neben ihm in nicht völlig geklärtem Kommandoverhältnis
befehligte der Kriegsminiſter Kuropatkin die Armee.
Die japaniſchen Operationen leitete der Generalſtabschef
Marſchall Jamagata von Tokio aus. Den Oberbefehl auf dem
Feſtlande führte Marſchall Ojama mit ſeinem Generalſtabschef
Kodama. Die vier japaniſchen Armeen kommandierten die
Gene=
rale Kuroki, Oku, Nogi und Nodzu, die ſich ſämtlich im
manſchu=
riſchen Kriege einen Namen machten.
Den Japanern gelang es zunächſt der ruſſiſchen
unentſchloſſe=
nen Führung gegenüber, die Ruſſen aus der koreaniſchen
Halb=
inſel nach der Mandſchurei zurückzudrängen und das von
General Stöſſel verteidigte Port Arthur einzuſchließen. General
Nogi leitete die Belagerung deren Entſatz durch die Ruſſen
wegen des Verluſtes der Schlacht am Schaho ebenſo mißlang
wie der Durchbruch der ruſſiſchen Flotte durch die japaniſche
Blockadelinie. Dabei wurde die ruſſiſche oſtaſiatiſche Flotte in
der Seeſchlacht bei Port Arthur vernichtet.
Nach der Schlacht am Schaho ſtanden ſich die beiden Heere
wochenlang eingegraben gegenüber — ein für die europäiſchen
Generäle damals noch unerklärlicher Vorgang, der in der
Ueber=
legenheit der Verteidigung über den Angreifer und der
Er=
ſchöpfung beider Gegner ſeine Urſache hatte. Die Japaner
war=
fen dann die Ruſſen — nachdem ſie am 1. Januar 1905 Port
Arthur eingenommen hatten — in den Schlachten bei Sandepu
(25./28. Januar) und bei Mukden (21. 2.—10. 3.) weiter zurück,
ohne das ruſſiſche Heer außer Gefecht ſetzen zu können.
Die baltiſche ruſſiſche Flotte hatte inzwiſchen den Marſch
nach Oſtaſien angetreten, um den Japanern die Seeherrſchaft
ſtreitig zu machen, ein von vornherein ausſichtsloſes
Unterneh=
men. Admiral Togo vernichtete ſie in der Schlacht bei Tſuſhima
am 27. Mai 1905.
Die ruſſiſche Regierung zeigte ſich nach dieſen Schlägen
geneigt, in Friedensverhandlungen einzutreten, obwohl das
ruſſiſche Heer noch operationsfähig war. Aber die Ausſicht, noch
einen irgendwie ins Gewicht fallenden Vorteil zu erringen, war
gering; beſonders aber verlangte die außerordentlich kritiſche
innerpolitiſche Lage eine raſche Liquidierung des oſtaſiatiſchen
Unternehmens. Der Präſident der Vereinigten Staaten von
Nordamerika übernahm die Vermittlung. Am 5. September 1905
führten die Verhandlungen zum Frieden von Portsmouth.
Ruß=
land verlor Port Arthur, die Kwan=tung=Halbinſel und die
Südhälfte von Sachalin, gab die oſtchineſiſche Bahn bis
Kwan=
tſchin=tſy (222 Km. ſüdlich von Charbin) auf und verzichtete auf
ſeinen Einfluß in Korea, das unter japaniſche Herrſchaft trat.
Japan erreichte damit im weſentlichen alles, was ihm die
euro=
päiſchen Großmächte 1895 noch mit Erfolg ſtreitig machen
konnten. Das Fundament ſeiner überragenden Stellung in
Oſt=
aſien war gelegt.
Auf dieſem Fundament errichtete die aufſtrebende
Inſel=
macht in unſeren Tagen, ein Menſchenalter, nachdem es
end=
gültig auf dem oſtaſiatiſchen Feſtlande Fuß faßte, ſeine die
anderen Großmächte ausſchließende Vorherrſchaft in Oſtaſien.
Schon heute wird die japaniſche See von Japan allein beherrſcht.
Nicht viel bleibt noch zu tun, damit die japaniſche Front dem
Feſtland, dem „Weſten gegenüber lückenlos geſchloſſen
iſt und man ſich in Tokio den eigentlich weſentlichen
Zielen der japaniſchen Politik zuwenden kann; der Schaffung
von Siedlungs= und Lebensraum für den überquellenden
Be=
völkerungsüberſchuß, der nur im Süden und Oſten gefunden
werden kann. Erſt jetzt reift die Ernte, welche zu gewinnen
1904/05 120 000 Japaner willig ihr Leben ließen für die Größe
und Wohlfahrt ihres Volkes.
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Seite 2 — Nr. 39
Merhausgeſpräce.
Das Geheimnis des Jahres „N”.
Winſton Churchill, der kriegeriſche Sproß des Hauſes
Marl=
borough, hat in der großen Abrüſtungsdebatte im engliſchen
Un=
terhaus auch geſprochen. Das iſt für die Auguren jedesmal mit
Herzklopfen verbunden, denn er liebt Seitenſprünge und plaudert
gelegentlich recht kräftig aus der Schule. Das hat er auch diesmal
getan.
Er hat angedeutet, daß bis zum Jahre 1929 von der engliſchen
Regierung mit einer Kriegsgefahr nicht gerechnet worden ſei. Damit
iſt das Geheimnis des Jahres „X”, das in früheren
Rüſtungs=
debatten des Unterhauſes oft eine große Rolle geſpielt hat, gelöſt.
Die engliſche Landesverteidigung war einmal von der Theorie
ausgegangen, daß nach den Erfahrungen des Weltkrieges bis zum
Jahre „X” ein neuer Krieg nicht zu befürchten ſei. Damit wurden
die militäriſchen Sparmaßnahmen begründet, die eigentlich nach
Anſicht der Sachverſtändigen über die Grenzen des Zuläſſigen
hin=
ausgingen. Aber weil alle drei Miniſterien ſich darin einig waren,
daß bis zu dieſem Jahre „X” kriegeriſche Verwicklungen nicht zu
befürchten, ſeien, glaubten ſie auf die Finanzlage des Landes
weit=
gehende Rückſicht nehmen zu müſſen.
Churchill hat jetzt behauptet, daß dieſe Schonfriſt auf zehn
Jahre bemeſſen geweſen wäre, daß das Jahr „X” alſo eigentlich
ſchon 1929 abgelaufen ſei und ſeitdem die engliſche
Landesvertei=
digung auf vollen Touren laufen müßte, weil von dieſem
Zeit=
punkt an die Gefahr eines neuen Krieges angenommen werden
müßte. Dazu ſteht aber im Gegenſatz, daß Macdonald noch auf der
Londoner Marinekonferenz weſentliche Zugeſtändniſſe gemacht hat
und ſich dabei auch auf die Admiralität berufen hat — wieder
Be=
zugnahme auf das Jahr „X” Macdonald hat ſich bis jetzt keine
Mühe gegeben, dieſen Widerſpruch aufzuklären und auch die
eng=
liſchen Miniſterien werden daran nur ſehr ungern herangehen,
ſchon weil ſie befürchten müſſen, daß gewiſſe Rückſchlüſſe auf ihre
Anſichten über die Entwicklung der Weltpolitik gezogen werden
können, wenn einmal öffentlich bekannt wird, wann tatſächlich die
Schonfriſt des Jahres „X” abgelaufen war.
Baldwin wird leichtſinnig.
Miſter Baldwin hat im Anſchluß an die Simon=Rede im
engliſchen Unterhaus einmal die Kehrſeite des
Abrüſtungspro=
blems beleuchtet und ſich dabei gegen das „leichtſinnige Gerede
über die wirtſchaftlichen Blockaden” gewandt, hat ſich aber für
die Wahrung der Miſſion Englands eingeſetzt, falls der letzte
Verſuch der Londoner Regierung fehlſchlagen ſollte. Er hat
da=
mit eigentlich das ausgeſprochen, was jeden Engländer angeſichts
der militäriſchen Ueberlegenheit Frankreichs ſtändig im
Inner=
ſten bewegt.
Ueberhaupt hat der zweite Teil der Unterhausdebatte einen
weniger friedlichen Charakter gehabt. Daß Baldwin gegen
Blockadepläne, wie ſie in verſchiedenen Genfer
Abrüſtungspro=
grammen ſpuken, Front machte, iſt ihm zu danken. Aber faſt im
gleichen Atemzuge deutet er Möglichkeiten von Sanktionen an,
greift alſo auf den Teil der franzöſiſchen Pläne zurück, die die
Abrüſtung mit dem Sanktionsbegriff verbinden wollen, wozu
allerdings die wirtſchaftliche Blockade gehört, von der Baldwin
nichts wiſſen will.
Wir müſſen ſchon ſagen, daß Herr Baldwin eigentlich nicht
minder leichtſinnig iſt als jene, die nach ſeinen Darlegungen
dauernd über Wirtſchaftsblockade redeten. Leichtſinnig war er
mindeſtens inſofern, als er der franzöſiſchen Propaganda wieder
ein Stichwort gegeben hat. Aber das ſoll uns zunächſt nicht
ſtören. Augenblicklich hat es die Londoner Regierung
übernom=
men, an die Stelle der deutſch=franzöſiſchen Beſprechungen etwas
anderes zu ſetzen, von dem ſie ſich mehr verſpricht. Warten wir
das Ergebnis ihrer Bemühungen ab. Bis heute haben wir
aller=
dings noch keinen Anhaltspunkt dafür, daß es Herrn Simon
ge=
lingen wird, die Mächte auf eine allen genehme
Abrüſtungskon=
vention feſtzulegen.
Zweierlei Maß im Saargebief.
Im Berufungsprozeß gegen Kommerzienrat Röchling,
Ver=
lagsdirektor Hall und die drei Bergleute Merſchner. Dibo und
Hillmann wurden heute vormittag vor dem Oberſten Gerichtshof
des Saargebietes vom Vertreter der Anklage, dem Luxemburger
Generalſtaatsanwalt Berg, die Strafanträge geſtellt. Berg
bean=
tragte wegen Vergehens gegen die berüchtigte Notverordnung
vom Jahre 1923 ſowie gegen die Notverordnung von 1933 gegen
Röchling wegen Abfaſſung und Verbreitung des Flugblattes und
wegen Beleidigung der Nebenkläger eine Geldſtrafe von 5000
Franken, gegen Verlagsdirektor Hall wegen des Druckes des
Flug=
blattes eine Geldſtrafe von 500 Franken, gegen die drei
Berg=
leute wegen der Verbreitung des Flugblattes eine Geldſtrafe von
je 75 Franken; im Nichtbezahlungsfalle ſoll für je 25 Franken ein
Tag Haft eintreten. Außerdem richtete der Generalſtaatsanwalt
die dringende Bitte an das Gericht, einen Strafaufſchub nicht zu
gewähren.
Die Anfsaden ores Nei ernännten
Aeicsſimoramatasscht.
DNB. Der vor einigen Tagen vom Reichsminiſter Dr.
Goebbels als Reichsfilmdramaturg in das
Reichspropaganda=
iniſterium berufene Schriftleiter des „Angriff” Willi Krauſe,
ſprach am Dienstag abend über den Deutſchlandſender in einem
Zwiegeſpräch mit dem Schriftleiter des „Angriff” Hermann
Fiddickow, über die Ziele und Aufgaben in ſeinem neuen Amte.
Seine Arbeit, ſo ſagte er, ſtehe vor der Aufgabe, für die
Pflege und Weiterentwicklung der bereits vorhandenen guten
Anſätze im deutſchen Film zu ſorgen. Daß vorerſt nur Anſätze
vorhanden ſeien, liege daran, daß man auch im Film nicht von
heute auf morgen alle Beteiligten mit nationalſozialiſtiſcher
Ge=
ſinnung erfüllen könne. Es ſei auch kein Geheimnis, daß von
der Filmerzeugung des vergangenen Jahres nicht viel für den
Filmpreis in Frage komme, der am 1. Mai vom
Reichsproga=
gandaminiſter für den beſten Film verliehen werde. „Wenn die
Filminduſtrie zum 1. Mai 1935 auch nur ein halbes Dutzend
Filme vorlegen kann”, ſo betonte der Reichsfilmdramaturg, „die
ohne Mängel ſind, ſo wäre ich mit der erſten Etappe meiner
Arbeit zufrieden‟. Dieſes Ziel, ſo führte er weiter aus, könne
er aber nicht als Einzelner allein erreichen, alle Intereſſierten
und Beteiligten — Erzeuger, Verleiher, Regiſſeure, Autoren,
Muſiker, Architekten, Kameramänner, Darſteller und Preſſeleute
— alle müßten daran arbeiten nach beſten Kräften, ohne das
Geſaniziel aus den Augen zu verlieren. Er zweifle nicht daran,
daß auf dem Gebiet des Films die klügſten und künſtleriſch
fähigſten Kräfte am Werk ſeien. Mißerfolge und Mängel ſeien
lediglich in den Methoden der bisherigen Arbeit zu ſuchen.
Zu=
nächſt ſei ein Ausgleich zwiſchen den Anſprüchen wirtſchaftlicher
und künſtleriſcher Art herbeizuführen. Weiter gelte es, eine
engere Zuſammenarbeit mit der Preſſe in dem Sinne zu erzielen,
daß die Preſſe in die Lage verſetzt werde, eine
verantwortungs=
bewußte und gerechte Kritik zu liefern.
Ueber den Film als Kunſtform und als Mittler gab der
Vortragende eine Fülle von Anregungen. Er wies auf die
Aehn=
lichkeit mit dem Rundfunk hin, der ebenſo wie der Film zwar
eine arteigene Kunſtform entſtehen laſſe, außerdem aber ein
wvichtiger Mittler zwiſchen dem Geſamtgeſchehen und den
Deut=
ſchen ſei. „Kamera und Mikrophon können ohne Vermittlung
eines Dritten an den Ereigniſſen teilnehmen. Dieſe Reportagen
miüſſen im Sinne einer Idee durchgeführt werden.” Aus dieſen
Tatſachen entwickelte der Reichsfilmdramaturg einige
Möglich=
keiten der filmiſchen Entwicklung, indem er auf die Wechſelwir=
Vom Tage.
Zwiſchen Vertretern der deutſchen und der niederländiſchen
Regierung iſt eine Einigung über ein bis Ende Juni 1934
gel=
tendes Transfer=Abkommen zuſtande gekommen. Es ſieht eine
volle Befriedigung der niederländiſchen Gläubigern zuſtehenden
Scrips aus dem Erlös zuſätzlicher Ausfuhrgeſchäfte nach den
Nie=
derlanden vor.
Der Sicherheitsdirektor von Tirol hat die katholiſch=deutſche
Burſchenſchaft „Lützow” in Innsbruck, die dem
nationalſozialiſti=
ſchen Ring katholiſch=deutſcher Burſchenſchaften angeſchloſſen war,
aufgelöſt. In Graz wurde die katholiſch=deutſche
Hochſchulverbin=
dung „Suevia” wegen nationalſozialiſtiſcher Betätigung verboten.
Die gleiche Maßregelung traf kürzlich ihre Tochterverbindung
„Cimbria”,
Nach den letzten amtlichen Mitteilungen aus Warſchau wird
der polniſche Außenminiſter Beck am 13. Februar in Moskau
ein=
treffen. Die Reiſe des Außenminiſters wird als Erwiderung des
ſeinerzeitigen Beſuches des geweſenen Außenkommiſſars Tſchitſcherin
in Warſchau angeſehen.
In namentlicher Abſtimmung hat das ſpaniſche Parlament der
Regierung Lerroux mit 235 gegen 54 Stimmen das Vertrauen
aus=
geſprochen.
Nach einer im „Dail” von dem Verteidigungsminiſter Aiken
abgegebenen Erklärung beabſichtigt der iriſche Freiſtaat die
Schaf=
fung einer Territorial=Armee in ungefährer Stärke von 20 000
Mann. Der Aufbau dieſer Truppe wird ſich eng an das Schweizer
Milizſyſtem anlehnen. mit dem einzigen Unterſchied, daß ſie nicht
auf dem Prinziv der allgemeinen Wehrpflicht aufgebaut iſt, ſondern
ſich aus Freiwilligen zuſammenſetzen wird.
In der Umgebung des Weißen Hauſes erklärt man, Präſident
Rooſevelt ſei der Anſicht, daß die Zinsſätze, die für verſchiedene
Kategorien Schulden an die amerikaniſchen Gläubiger bezahlt
wer=
den, zu hoch ſeien und herabgeſetzt werden müßten. Immerhin ſei
aber in dieſer Hinſicht bisher keinerlei Maßnahme ins Auge gefaßt
worden.
Der japaniſche Handelsminiſter Baron Nagajina iſt
zurückge=
treten. Der Rücktritt ſteht im Zuſammenhang mit einem von
Nagajima vor zehn Tagen geſchriebenen, aber erſt jetzt
veröffent=
lichten Artikel, der ihm heftige Angriffe im Parlament eintrug.
Zu ſeinem Nachfolger wurde Matſumoto ernannt.
Heimwehr-Akkionen
auch in Steiermark und im Burgenland.
EP. Wien, 8. Februar.
Die Heimwehraktionen in den öſterreichiſchen Bundesländern,
die von Tirol ihren Ausgang genommen haben, ſetzen ſich weiter
fort. Nach Tirol und Oberöſterreich hat nun auch
der Heimatſchutz von Steiermark, und nach dieſem
der des Burgenlandesähnliche Forderungen wie
die Tiroler Heimatwehr aufgeſtellt.
Die öſterreichiſch=ungariſchen Beſptechungen.
EP. Budapeſt, 8. Februar.
Ein über die Budapeſter Verhandlungen des öſterreichiſchen
Bundeskanzlers veröffentlichtes Communiqué iſt äußerſt wortkarg
und beſchränkt ſich lediglich auf die Feſtſtellung, daß beſchloſſen
wurde, ſowohl auf politiſchem wie auf
wirtſchaft=
lichem Gebiet die bisherige Politik fortzuſetzen.
In gut unterrichteten Kreiſen wird erklärt, daß auf
wirt=
ſchaftlichem Gebiet Entſcheidungen getroffen wurden, wonach die
beiden Staaten wirtſchaftlich bis zu jener äußerſten Grenze
zu=
ſammengehen werden, bis zu welcher ein Zuſammenwirken
über=
haupt praktiſch durchführbar iſt. Die bezüglichen konkreten
Ver=
fügungen ſind für die nächſte Zeit zu erwarten.
Das Communiqué betont auch ein Zuſammenwirken und
gegenſeitige Unterſtützung auf politiſchem Gebiete.
In informierten Kreiſen wird jedoch betont, daß der
augen=
blickliche Konflikt der öſterreichiſchen Regierung mit dem Reiche
nicht in den Rahmen der Vereinbarungen einbezogen wurde, da
Ungarn, das ſowohl mit Deutſchland als auch mit Oeſterreich die
ſeſten politiſchen Beziehungen unterhält, ſich durchaus nicht
be=
wogen fühlt, in dieſem Konflikt Stellung zu nehmen. Ungarn
wünſcht aufrichtig, daß die Gegenſätze der beiden Staaten
ſchnell=
ſtens aus der Welt geſchafft werden, ſchon aus dem Grunde,
da=
mit aus der äußerſt unerquicklichen politiſchen Atmoſphäre zum
mindeſten dieſer Giftſtoff entfernt werde.
Die Beratungen zwiſchen dem öſterreichiſchen Bundeskanzler
Dr. Dollfuß und dem ungariſchen Miniſterpräſidenten Gömbös ſind
heute abgeſchloſſen worden. Dollfuß wird Freitag früh in Wien
zurückerwartet.
Reichsverweſer Horthy verlieh am Donnerstag Bundeskanzler
Dollfuß bei einer Audienz das Großkreuz des ungariſchen
Ver=
dienſtkreuzes, die höchſte ungariſche Auszeichnung. Dem den
Bundeskanzler begleitenden bevollmächtigten öſterreichiſchen
Mini=
ſter Hornboſtel und dem öſterreichiſchen Geſandten in Ungarn
Baron Hennet wurde das ungariſche Verdienſtkreuz 1. Klaſſe
über=
reicht.
Die Dichkerin Gabriele Reuter 75 Jahre alt.
Gabriele Reuter,
die bekannte deutſche Erzählerin, beging am 8. Februar
ihren 75. Geburtstag. Von ihren Werken wurde am
ver=
breitetſten der naturaliſtiſche Roman „Aus guter Familie,
Leidensgeſchichte eines Mädchens”, der 1895 erſchien und
durch die Aufrollung der modernen Frauenfrage größtes
Aufſehen erregte.
kungen hinwies zwiſchen Kunſtform und Berichterſtattung,
Hör=
ſpiel und Hörbericht, Spielfilm und Filmbericht. Aus ſolchen
ſinnvollen Beziehungen könne eine ſtändige Steigerung der
inne=
ren formalen Werte gewonnen werden. In dem Film vom
Reichsparteitag werde deutlich, daß der „Sieg des Glauben”
der nur die blanken Ereigniſſe ſprechen laſſe, doch ſo erregend,
ſpannend und mitreißend dargeſtellt ſei, wie im beſten
Spiel=
film. Man hätte nur wünſchen können, daß die Worte Dr.
Goebbels” allgemein richtig verſtanden worden wären: „Die
Stoffe und Themen liegen auf der Straße‟,
Der Film klebe heute manchmal noch zu ſehr am
Senſatio=
nellen. Wie die großen Ereigniſſe im Leben der Völker dem
Film einen wertvollen Gegenſtand böten, ſo ebenſo wohl die
Freitag, 9. Februar 1934
Landesbiſchof Lic. Dr. Diekrich.
Wir haben bereits geſtern mitgeteilt, daß der Reichsbiſchof
den Pfarrer Lic. Dr. Dietrich=Wiesbaden zum Landesbiſchof der
Evangeliſchen Landeskirche Naſſau=Heſſen berufen hat.
Der nun 37jährige Landesbiſchof iſt geborener Heſſe, denn
er erblickte am 28. Januar 1897 in Groß=Umſtadt als Sohn des
Oberſtudienrats Prof. Dietrich das Licht der Welt.
Nach dem Beſuch des Gymnaſiums in Worms ſtudierte er
in Gießen Theologie und Orientaliſtik. Seine erſte pfarramtliche
Tätigkeit übte er als Pfarraſſiſtent an der Chriſtuskirche in
Mainz aus. Als Pfarrer amtierte er 1923—27 in Wackernheim
(Rheinheſſen), von 1927—29 in Alt=Barmbeck bei Hamburg und
dann an der Marktkirche zu Wiesbaden. Am 12. September des
vergangenen Jahres wurde er auf der großheſſiſchen Synode in
Mainz zum Bevollmächtigten der Naſſauiſchen Landeskirche
ge=
wählt. Der Landesbiſchof wird ſeinen Amtsſitz bis zur
end=
gültigen Entſcheidung über den Sitz der Kirchenregierung in
Darmſtadt nehmen.
Der Landeskirchenrat der Kirchenregierung Naſſau=
Heſſen trat am Donnerstag in Darmſtadt zuſammen. Er ſetzt
ſich aus Landesbiſchof Dr. Dietrich=Wiesbaden,
Landes=
lirchenrat Walther=Bierſtadt und Pfarrer Olff=Bodenheim
als Theologen, Amtsgerichtsrat Kipper=Wiesbaden als
Juri=
ſten und Studienrat Dr. Heydt=Mainz als Laienmitglied
zu=
ſammen. Die Mitglieder des Landeskirchenrates führen den
Titel Oberlandeskirchenrat. Amtsgerichtsrat Kipper wurde zum
Oberlandeskirchenpräſidenten mit den Funktionen eines
Präſi=
denten der neuen Kirchenkanzlei beſtellt.
An Stelle der bisherigen Superintendanturen Starkenburg,
Rheinheſſen und Oberheſſen treten die gleichartigen Propſteien,
denen ſich die bisherigen Propſteien Frankfurt und Wiesbaden
angliedern. Die Pröpſte gehören nicht mehr dem
Landeskirchen=
rat an.
Es wird betont, daß die Beurlaubung von Prälat Dr. Dr.
D. Diehl und Vizepräſident Dr. Dahlem nur als vorläufig
anzuſehen ſind.
Am Donnerstag fand dann noch eine mehrſtündige Sitzung
des Herrn Landesbiſchofs mit den Dekanen ſtatt.
In den nächſten Tagen wird der neue Landesbiſchof einen
Aufruf an das evang. Kirchenvolk erlaſſen.
Die Kirchenſteuer 1934.
In einem Min.=Ausſchreiben vom 5. Februar an die
Kreis=
ämter heißt es über die Religionsgeſellſchaftsſteuern für das
Rechnungsjahr 1934: „Die Beſteuerungsgrundlagen für die
Religionsgeſellſchaftsſteuer 1934 der evangeliſchen,
katholiſchen und altkatholiſchen Kirche ſind: a) das Ergebnis der
Einkommenſteuerveranlagung 1933; 6) die im Kalenderjahr 1933
einbehaltene Lohnſteuer; c) der Wert des land= und
forſtwirt=
ſchaftlich oder gärtneriſchen genutzten Grundbeſitzes nach der
heſſiſchen ſtaatlichen Grundſteuer.
Als Religionsgeſellſchaftsſteuer (
Landeskirchen=
ſteuer) haben wir für das Rechnungsjahr 1934 folgende
Steuerſätze genehmigt:
a) der evangeliſchen und katholiſchen Kirche:
9 Prozent des Einkommenſteuerbetrages (Steuerabzugs) und
4 Npfg. auf je 100 Mark Steuerwert des land= und
forſtwirt=
ſchäftlich oder gärtneriſch genutzten Grundbeſitzes nach der
heſſi=
ſchen ſtaatlichen Grundſteuer. Hierzu tritt ſowohl bei der
evange=
liſchen als auch bei der katholiſchen Kirche eine Kopfſteuer (
Kirch=
notgeld) im Jahresbetrag von 2 Reichsmark, die von allen
An=
gehörigen der beiden Kirchen erhoben wird, die zu Beginn des
Rechnungsjahres 1934 das 25. Lebensjahr vollendet haben.
b) der altkatholiſchen Kirche=
10 Prozent des Einkommenſteuerbetrags (Steuerabzugs) und
Rpfg. auf je 100 Mark Steuerwert des land= und
forſtwirt=
ſchaftlich oder gärtneriſch genutzten Grundbeſitzes nach der
heſſi=
ſchen ſtaatlichen Grundſteuer.
Richklinien für die Beranlagung der Einkommenſteuer
und der Körperſchaftsſtener für das Jahr 1933.
Zur Einkommenſteuererklärung für 1933 iſt allen
Steuer=
pflichtigen zu empfehlen, ihre Steuererklärungen nicht abzugeben,
ohne die „Richtlinien für die Veranlagung der Einkommenſteuer
und der Körperſchaftsſteuer für 1933” gründlichſt durchgeleſen zu
haben. Dieſe Veranlagungsrichtlinien ſind in Carl Heymanns
Verlag, Berlin W. 8. Mauerſtraße 44, erſchienen und zum
Stück=
preis von 70 Pf. (mit Anlagen) und zum Stückpreis von 40 Pf.
(ohne Anlagen) im Buchhandel erhältlich.
*
Frankenführer Julius Streicher iſt vom Führer mit Wirkung
vom 27. Januar 1934 zum Ehrenführer im Range eines
Gruppen=
führers der SA. ernannt worden.
Im franzöſiſchen Handelsminiſterium haben franzöſiſch=
hollän=
diſche Kontingentierungsverhandlungen zwiſchen den Vertreterr
der beiden Länder begonnen.
Alltagsarbeit, die Landſchaften, urſprüngliche Menſchentypen. Um
auch die bedeutenden Erſcheinungen des deutſchen Schrifttums
dem Film zugänglich zu machen, müſſe dafür geſorgt werden,
daß nicht das Werk eines Dichters von einem Nurtechniker
ver=
flacht oder verbogen werde. Nur wenige Dichtungen ſeien für
den Film geeignet. Mit einem Hinweis auf die techniſchen
Ent=
wicklungsmöglichkeiten des Films in bezug auf Plaſtik und
Farbe führte der Vortragende aus: „Auch dieſe Probleme
wer=
den wir bewältigen, wenn wir nur gerade und kompromißlos
den Weg gehen, den uns der Führer vorgezeichnet hat. Die
Technik wird nie zur Gefahr, wenn man ſie einer Idee, die dem
Volke dient, unterordnet”.
„Der Herr Reichspropagandaminiſter hat mich”, ſo ſchloß
der Reichsfilddramaturg”, als Helfer der Filminduſtrie auf
meinen Poſten berufen. Wenn ich einmal etwas zu beanſtanden
habe, ſo können die Betreffenden verſichert ſein, daß es geſchieht,
um mit Rat und Tat einzuſpringen. Meine Tätigkeit ſoll poſitiv,
nicht negativ, eingeſtellt ſein. Ich will tatkräftig arbeiten und die
Filminduſtrie bei ihrer Arbeit unterſtützen”.
Uraufführung im Mannheimer Nakionaltheaker.
Otto Rombach: „Der Münſterſprung”
Nun hat die Geſchichte des Schneiders von Ulm auch ihre
Dramatiſierung erfahren. Otto Rombach, ſelbſt ein Schwabe
und von klein auf mit ſchwäbiſcher Kultur verwachſen, hat ſie
unternommen. Unter dem Titel „Der Münſterſprung”,
ein Volksſtück um den Schneider von Ulm, gelangte das neue
Bühnenwerk im Mannheimer Nationaltheater zur erfolgreichen
Uraufführung.
Otto Rombach beſitzt unzweifelhaft Talent, ſchwäbiſches Milieu
u zeichnen. Ein paar Szenen in den fünf Bildern, zumal jene,
in denen der Amtsbüttel volksechte Töne trifft, zuweilen eine
ulkige Situation, die durch die umſtändliche ſchwäbiſche
Bedacht=
ſamkeit hervorgerufen wird, beweiſen dies. Es iſt auch
anzuer=
kennen, daß vom Verfaſſer das Hauptgewicht für ſeine
Bühnen=
arbeit weniger auf die Geſtaltung des mißglückten Flugverſuchs
im Jahre 1811 gelegt iſt, der in ſo tragikomiſcher Weiſe mit einem
Sturzbad im Donauwaſſer endigte, als vielmehr auf die
Charak=
terſchilderung des in einem heroiſchen Kampfe mit ſeiner
be=
ſchränkten Umwelt ſtehenden Schneidermeiſters Ludwig Albrecht
Berblinger, der ſich ſeinen unerſchütterlichen Glauben an ſeine
Miſſion durch keinerlei Mißgunſt, Ränke und Spötteleien rauben
läßt.
Geſpielt wurde unter der Leitung von Richard Dornſeiff.
der vor allem den Volksſzenen Lebendigkeit und Spannung
ver=
lieh, ganz ausgezeichnet. Die Aufführung, mit den
anheimeln=
den Bildern Alt=Ulms von Eduard Löffler, war vorbildlich für
dieſes Volksſtück.
Dr. K. O.
Freitag, 1. Februar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten.
Nr. 39 — Seite 3
Doumergue an der Arbeit.
Preſſe begrüßt Bekrauung Doumergues. — Freundliche Aufnahme im Senal. — Zurückhalkung in der Kammer.
Doumergue beabſichkigt, außer Herriok, Barkhou und Tardieu keine Parlamenkarier,
ſondern nur Sachverſtändige in ſein Kabinekk zu nehmen.
Doumergue in Paris.
EP. Paris, 8. Februar.
Der ehemalige Präſident der Republik,
Doumergue, der vom Präſidenten Lebrun
mit der Bildung eines überparteilichen
Kabinetts beauftragt worden iſt, traf
heute vormittag 9.15 Uhr (W. E.3.) von
Toulouſe kommend auf dem Orſay=
Bahnhof ein. Eine große Menſchenmenge
brachte ihm eine begeiſterte Kundgebung
dar. Doumergue begab ſich ſofort in den
Elyſée=Palaſt, um mit Lebrun über ſeine
an die Annahme des Antrages zur
Re=
gierungsbildung geknüpften
Bedingun=
gen zu verhandeln.
Gaſton Doumergue iſt am 1. Auguſt
1863 geboren. Nach Abſchluß des
juri=
ſtiſchen Studiums wurde er Rechtsanwalt in Nimes.
Er war als Richter in Cochinchina und in Algerien tätig. Im
Jahre 1893 wurde er zum erſten Male zum Abgeordneten
ge=
wählt. In den Jahren 1905/06 leitete er das
Kolonialminiſte=
rium. 1906/07 war er Handelsminiſter, 1909/10
Unterrichts=
miniſter. Im Jahre 1910 wurde Doumergue zum Senator
ge=
wählt. 1913/14 war er erſt Miniſterpräſident, dann Außenminiſter
und anſchließend daran drei Jahre lang Kolonialminiſter. 1917
wurde er in beſonderer Miſſion nach Rußland geſchickt. Als die
Neuwahlen 1924 zur Niederlage des nationalen Blockes gegen
das Linkskartell führten und Poincaré als Miniſterpräſident und
Millerand als Präſident der Republik zurücktraten, wurde
Doumergue am 13. Juni 1924 Präſident der Republik, und zwar
als neutraler Kandidat zwiſchen der Mehrheit und der
Minder=
heit. Er bekleidete ſein Amt die vorgeſchriebenen ſieben Jahre
und zog ſich dann ins Privatleben zurück.
Das Echo in Preſſe, Kammer und Henak.
Der Rücktritt des Kabinetts Daladier wird allgemein als
Folge der Ereigniſſe bezeichnet und mit einem Gefühl der
Er=
leichterung begrüßt. Die Betrauung des früheren
Staatspräſidenten Doumergue mit der Bildung
einer Regierung löſt, wenn man von den extremen linksſtehenden
Kreiſen abſieht, allgemeine Genugtuung aus, da ſie als
ein=
zige Gewähr für die Klärung der Lage und die
Beruhigung der Geiſter angeſehen wird. Doumergue
wird als rechter Mann auf dem rechten Platz gefeiert, von dem
man die Herſtellung des Burgfriedens und die Bildung einer
Regierung der nationalen Einigung erwartet. Die Ausſichten
über eine Auflöſung der Kammer und die Ausſchreibung von
Neuwahlen gehen hingegen auseinander.
Die Berufung Doumerques durch den Präſidenten Lebrun
iſt im Senat mit großer Befriedigung aufgenommen worden.
Man erklärt, daß Doumergue ſämtliche Stimmen des Senats
auf ſich vereinigen wird. Die Haltung der Kammer iſt
begreif=
licherweiſe wenig eindeutig, doch haben bereits zahlreiche
Frak=
tionen der Rechten und der Mitte ſich für die Bildung einer
Regierung der nationalen Union ausgeſprochen. Selbſt die
Neu=
ſozialiſten haben eine dahingehende Entſchließung gefaßt. Auch
hier dürfte Doumergue alſo auf nennenswerte Schwierigkeiten
nicht ſtoßen.
Doumergues Bemühungen um die Regierungsbildung
Im weiteren Verlauf ſeiner Beſprechungen empfing er noch
zahlreiche Parlamentarier, darunter den Führer der Radikalen
Partei, Herriot, und den Vorſitzenden der Finanzkommiſſion der
Kammer, Malvy. In politiſchen Kreiſen verlautet, daß
Doumer=
gue den Vorſitz in der neuen Regierung ohne Portefeuille
über=
nehmen werde. Er beabſichtige, die drei ehemaligen
Miniſterpräſi=
denten Herriot, Barthou und Tardieu in ſein Kabinett
hineinzu=
nehmen, darüber hinaus aber keine Parlamentarier, ſondern nur
Sachverſtändige und Techniker.
Radikalen unkerſtühen Doumergue.
Die Radikale Partei hat heute nachmittag nach längerer
Aus=
ſprache ihren Präſidenten Herriot ermächtigt, Doumergue bei dem
Werk der öffentlichen Wohlfahrt die Mitwirkung der Radikalen
Partei zu gewähren. Damit iſt eine der Vorbedingungen, die
Dou=
mergue für die Bildung ſeines Kabinetts aufgeſtellt hat, nämlich
die Beteiligung der Radikalen Partei, erfüllt.
Die Mikkwach=Anruhen in Paris
in der Haupkſache das Werk von vorbeſtraften
Elemenken und Apachen.
Die revolutionären Unruhen haben am Mittwoch die ganze
Nacht über angedauert. Die großen Boulevards vom Opernplatz
bis zur Madeleine=Kirche, ſowie die Rue Royale bis zum
Con=
cordienplatz bieten einen wüſten Anblick. Dutzende von
Zeitungs=
kiosken lagen brennend auf den Bürgerſteigen oder Straßen, wo
ſie den Manifeſtanten als Barrikaden dienten. Die
Demonſtran=
ten haben auf den Straßen die Waſſerleitung aufgebrochen, ſo
daß vielerorts meterhohe Waſſerſäulen emporſchießen. Ein
gro=
ßer Teil der Straßenlaternen liegt zerbrochen auf den Straßen.
Die Manifeſtanten haben das ausſtrömende Gas angezündet.
Es hatte den Anſchein, als ob die geſtrigen
Unruhen zum großen Teil das Werk von
vorbe=
ſtraften Elementen und Apachen waren. Da die
Po=
lizei nicht überall gleichzeitig ſein konnte, haben dieſe Elemente
zum Teil in aller Ruhe ihre Plünderungen und Zerſtörungen
durchführen können. Es beſtätigt ſich, daß mehrere Kaufläden im
Zentrum der Stadt ausgeraubt wurden. Die Banditen zögerten
nicht, von den in ihrem Beſitz befindlichen Schußwaffen Gebrauch
zu machen. So entſtand im Kammerviertel, bei der Oper,
Made=
leine, Place de la Concorde und in der Nähe des Bahnhofs
Saint Lazare eine Zone, die in manchen Augenblicken zu betreten
für niemanden ratſam war. Die Apachen ſchoſſen wild auf die
Poliziſten ein, die das Feuer erwiderten. Die auf den Straßen
errichteten Barrikaden zählten nach Dutzenden. In der Rue de
Rivoli iſt ein kommuniſtiſcher Kundgeber von einem ſeiner
eige=
nen Geſinnungsgenoſſen irrtümlich niedergeſchoſſen und getötet
worden. In dieſer Straße hatten die Apachen eine Barrikade
errichtet und von zahlreichen Kraftwagenfahrern Durchlaßgelder,
je nach der Größe des Wagens, verlangt. Man forderte zwiſchen
hundert und tauſend Franken.
Gegen Mitternacht hatte die Polizei etwa hundert
Verhaf=
tungen vorgenommen. Die meiſten der Verhafteten waren junge,
mit Revolvern bewaffnete Elemente. Zahlreiche von ihnen waren
im Beſitz von Schmuckſachen, ſeidenen Hemden uſw., der Beute
aus den Plünderungen des Tages. Wiederum war eine
Waffen=
handlung ausgeraubt worden.
Die Zahl der am geſtrigen Abend verletzten
Kund=
geber wird auf über 200 geſchätzt. Zwei von ihnen
wurden getötet.
Generalſtreik=-Drohung
Die ſozialiſtiſchen Gruppen und Parteien aller
Schattierun=
gen, auch die Neuſozialiſten, haben beſchloſſen, den von dem
All=
gemeinen Gewerkſchaftsbund für kommenden Montag
ausgerufe=
nen Generalſtreik zu unterſtützen. Für dieſen Tag werden die
ge=
nannten Parteien ihre Anhänger auffordern, in den Straßen von
Paris gegen „den fasciſtiſchen Staatsſtreich”, zu
proteſtieren.
Demonſtranten bemächtigen ſich eines Omnibuſſes, um den ſchweren Wagen als Barrikade gegen
die Polizei zu benutzen.
Berittene republikaniſche Garde vor einem brennenden Laden am Boulevard des Sebaſtopole,
der von kommuniſtiſchen Haufen geplündert und dann in Brand geſteckt worden war.
Großes Haus. — 8. Februar.
„Die Zauberflöke‟
Oper von W. A. Mozart.
Heute ſang Erna v. Georgi die Pamina. Das wird
manche überraſcht haben. Es iſt aber im Grunde nichts anderes,
als der Einſatz der jungen Künſtlerin in ihr eigentliches Fach.
Ihre Verwendung zumeiſt in der Operette, für die es ihr doch
an vielen Vorausſetzungen fehlt, oder in der komiſchen Oper in
Rollen, die der Koloraturſängerin gehören, mußten im Publikum
eine abwegige Anſchauung über die Art ihrer Begabung
hervor=
rufen. Sie verdankt dieſe übrigens für ſie äußerlich ſehr
erfolg=
reiche Verwendung ihrer reizvollen Erſcheinung und ihrer
aus=
geſprochenen Spielbegabung, während ihre geſangliche
Betä=
tigung dabei oft verkümmern mußte. Ihr Ziel und ihr Fach iſt
das jugendlich=dramatiſche. Ihre nordiſche Erſcheinung, ihr
herbes Weſen, ihre Stimmfarbe: alles verweiſt ſie auf die
deutſche Oper, auf Mozart, Weber, Wagner. Hier liegt ihre
Zukunft, und es iſt nur eine Frage der Zeit ihrer eigenen
ge=
ſanglichen Weiterbildung und einer ihr zu teil werdenden
För=
derung, wann ſie hierin als fertig gelten kann. Man ſollte ihr
dieſen Weg erleichtern.
Als eine liebenswürdige, vortreffliche Pamina bewies die
tsſichtsreiche Künſtlerin ihre geſanglichen Fortſchritte neben
er großen Muſikalität, die ihr erſtaunliche Sicherheit verlieh,
nd der geſchmackvollen Behandlung, die gerade Mozart
beſon=
ers zugute kommt. Die Rolle ſteht trotz all” ihrer Dankbarkeit
hr exponiert und verlangt Technik und Kultur. Ihre Stimme
darf in den Mittel= und Tiefen=Lagen wohl noch mehr Klang,
t aber flüſſiger geworden und hat an Wärme des aus dem
nneren ſtrömenden Ausdrucks gewonnen. Die ſympathiſche
Er=
heinung und das vornehme Spiel verſtärkten den Eindruck
rer ſchönen, erfolgreichen Leiſtung weſentlich.
Hier ebenfalls zum erſten Male ſang Peter Anders den
amino. Er überraſchte durch eine vortreffliche, ſichere Leiſtung
on Format. Es iſt das Beſte, was wir ſeither von ihm hörten.
ehlte den Rezitativen und dem geſprochenen Worte zuweilen
ch Klarheit und Prägnanz, ſo konnten die Arien durch die
chönheit der ſtimmlichen Mittel, die ſaubere Technik und die
inmittelbarkeit des Ausdrucks außerordentlich gefallen. Als
in echter Mozartſänger, als der er ſich offenbarte, dürfen ſich
m große Ausſichten eröffnen. In der Friſche und Jugendlich=
keit des Ausſehens, der Naivität und Wärme der Darſtellung
wuchſen beide Künſtler zu einem gradezu ideal zueinander
paſſen=
den Paare zuſammen, und gaben dem Abend eine beſonders
v.H.
ſtimmungsbolle Note.
Engländer ſpielen für die Winkerhilfe.
Ein altengliſches Sprichwort ſagt „Die Wohltat beginnt zu
Hauſe‟. Nach dieſem Worte veranſtaltet die engliſche Kolonie
Berlin ſeit vier Jahren allwinterlich zwei
Liebhaberaufführun=
gen engliſcher Theaterſtücke für die Bedürftigen der etwa 400
Köpfe ſtarken engliſchen Kolonie.
In dieſem Jahre hat ſie einen dritten Abend hinzugefügt,
deſſen Reinertrag ausſchließlich dem Hilfswerk der
National=
ſozialiſtiſchen Volkswohlfahrt, der Winterhilfe, zugute kommt.
Dieſe Aufführung des Luſtſpiels von James Montgomery
„Nichts als die Wahrheit”, die Mittwoch abend im
Kurfürſten=
damm=Theater ſtattfand, wurde zu einem Ereignis von
beſon=
derem Rang. Das Haus war bis auf den letzten Platz beſetzi.
Unter den Gäſten bemerkte man den Reichsleiter der
Winter=
hilfe, den Berliner Polizeipräſidenten, den Chef des
Miniſter=
amtes Generalmajor von Reichenau, Vertreter des Auswärtigen.
Amtes und der Reichsmarine, verſchiedene hohe SA.=Führer,
darunter Prinz Auguſt Wilhelm, den Auslandspreſſechef der
NSDAP., Dr. Hanfſtängel, und ſelbſtverſtändlich waren die
Mitglieder der engliſchen Kolonie erſchienen, um ſo ihr
Scherf=
lein für das Winterhilfswerk des Landes beizuſteuern, deſſen
Gaſt ſie ſind oder in dem ſie wie viele von ihnen eine zweite
Heimat gefunden haben.
Die mitwirkenden Damen und Herren der engliſchen Kolonie
übertrafen ſich an dieſem Abend ſelbſt. Es ſchien, als wollten ſie
durch ihre hingebungsvolle, mitreißende Darſtellung
unterſtrei=
chen, wie ſehr ſie mit dem Herzen bei der guten Sache ſind, der
ſie ſo ſelbſtlos dienten. So hob ſich die Aufführung weit über
den Rahmen einer Wohlfahrtsveranſtaltung hinaus.
Unſere engliſchen Gäſte, vor allem aber die Verantwortlichen
und Mitwirkenden dieſes Abends, dürfen verſichert ſein, daß
ihnen die bereitwillige Bekundung der Nächſtenliebe und die
Mitwirkung an dem großen deutſchen Hilfswerk, das gerade
den Aermſten des deutſchen Volkes zugute kommt, hoch
angerech=
net und nicht vergeſſen werden wird. Den ſtimmungsvollen, ja
feierlichen Abſchluß der Veranſtaltung bildeten neben zahlloſen
Hervorrufen und prachtvollen Blumenangebinden für die
mit=
wirkenden Damen die Nationalhymnen beider Länder, die von
der dankbaren Zuhörerſchaft begeiſtert mitgeſungen wurden.
Ueber dies Thema hielt im Rahmen der
Winterveranſtaltun=
gen des China=Inſtituts Frankfurt Herr Profeſſor
Fer=
dinand Leſſing vom Völkermuſeum in Berlin einen äußerſt
lehrreichen Vortrag, zu dem ſich viele Hörer eingefunden hatten.
Auf einem chineſiſchen Gemälde haben meiſtens die
dar=
geſtellten Dinge, z. B. Naturgegenſtände und Naturerſcheinungen,
zugleich einen tieferen ſymboliſchen Sinn, der vom
Betrachten=
den mitgenoſſen wird. Insbeſondere gibt es eine förmliche
Sprache von Symbolen bei ſolchen Kunſtgegenſtänden, die
außer=
dem einen Wunſch für Glück uſw. ausdrücken ſollen, und das
umfaßt naturgemäß ſehr viele Gegenſtände und durchzieht auch
das ganze Kunſtgewerbe. Eine ſolche Symbolſprache hat
gewiſſer=
maßen ihre eigene Grammatik, und der Vortragende bot einen
Ausſchnitt mit einer Fülle von Beiſpielen, die den Charakter
dieſer ſinnbildlichen Ausdrucksweiſe verdeutlichten.
Unter den Arten von Symboliſierung fallen eine ganze
Reihe von Symbolen auf, die bei uns im allgemeinen nur in
der Form des „redenden” Wappens oder als Rebus
vorkom=
men, nämlich die lautlichen Symbole. So z. B. bedeutet im
Chineſiſchen Fu ſowohl Fledermaus wie auch Glück.
Infolge=
deſſen wird die Fledermaus als Glücksſymbol verwandt. Auf
dieſe Weiſe bedeutet z. B. der Lotos nicht nur das, was ſeine
Natur ausdrückt, das Streben aus dem Schlamm zum Licht,
die Makelloſigkeit und die Erleuchtung, ſondern, da es zwei
Lotosarten gibt, chineſiſch Ho und Liän, zugleich Harmonie
und dauernde Verbindung. Der Vortragende ging dann eine
Reihe von Gebieten durch, die auf Grund ihres
Symbolcharak=
ters äußerſt lebendige Vorſtellungen vermittelten. So nahm er
zunächſt Symbolreihen aus Linien und Schriftzeichen vor,
wo=
bei ſich häufig genug gewöhnliche Webmuſter als tiefſinnige
und zarte Anſpielungen und Glückwünſche erweiſen. Dann zeigte
er, unterſtützt von Lichtbildern, eine Reihe von Perſonen
menſch=
licher oder mythiſcher Art, die gleichfalls beſtimmte Ideen oder
Tätigkeiten ſymboliſieren. Daran ſchloſſen ſich Beiſpiele aus der
Tier= und Pflanzenwelt, dann Naturgebilde und
Naturerſchei=
nungen und endlich Bauten und Geräte menſchlicher Fertigkeit,
Ja es zeigte ſich, daß eine Zuſammenſtellung von Symbolen
nicht nur ein ſchönes Gemälde ergibt, ſondern zugleich als
ge=
flügeltes Wort, als ein Spruch aus drei oder vier Worten
geleſen werden kann. Der Vortragende ſchloß mit der Darſtellung
von Gewändern und einer geſtickten märchenhaften Landſchaft
ab, wobei eine Fülle von Symbolen eine Unendlichkeit des
Lebensgefühls, ſeine Hoffnungen und Wünſche dem Hörer und
Zuſchauer lebendig werden ließ.
*
Seite 4 — Nr. 39
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 9. Februar 1934
Unſere liebe unvergeßliche Mutter und
Schwiegermutter
Frau BerthaLanz
Witwe des Lehrers i. R. H. Lanz
iſt am 2. Februar ds. Js. im 76.
Lebens=
jahr von uns gegangen.
(1707
In tiefer Trauer:
Emmi Seibert, geb. Lanz
Bankdirektor W. Lenhard
und Frau Otti, geb. Lanz.
Darmſtadt, Gera, den 8. Februar 1934.
Die Beſſetzung fand in der Stille ſtatt.
Stangen
Rundſtäbe
Stuhlrohr
Peddigrohr
Wickelrohr
Stuhlſitze
Laubſägeholz
Sperrholz.
Brückner
Holzſtraße, (c
am Brunnen.
Bill Kerzen
1 Stück nur 7 3
3 Stück nur 20 5
Neu: Jedes Stück
mit Patentfuß, ſteht
ohne Leuchter. (a
Seifen=Lehner
Mackenſenſtraße 2.
Margarine
Butter
Maul
Schuſtergaſſe 5. (a
o ce
gbends Ns Huwe.
waſſe getalt Zeh De.
Nee et
der Wäſche als ein Le
wöhnliches Einweichn”.
He e
nus nur 49 Pfennich
zberalzu haben. Deod”.
deſe Hoſtenlos D.
Jagob A. G, Darmſted.
(V 432
Gebr. Herren=
Markenräder
9.— 15.— 18.—
22.— ℳ.
Bleichſtraße 32.
Küchen,
elfenb. u.
natur=
laſiert, ſpottbill.
bei Krämer,
Rheinſtr. 28,Hof.
Anzuſehen von
9—7 Uhr. (b
Billig (e
zu verkaufen:
Herrenbüſten,
Knabenbüſten,
Schaufenſter= u.
Ladenlampen.
Schulſtraße 2, II.
Steh=
Zeichentiſch,
1.50X1.00 Mtr.,
zu verkaufen.
Off. G. 229 Gſch.
Das gute
Brikeil, auch Union
Ia Nußkohlen
Kohlen-Schmitt
Schwanenstr. 15.
Tel 2660
Einige wenig
gebrauchte
nändäif.
ſehr bill. abzug.
Gg. Moll,
Eliſa=
bethenſtr. 25½, (c
Herrenrad,
Ballon, gemufft,
20 ℳ.
Knaben=
rad, wie neu. m.
Garantie billig
zu verk. Karlſtr.
Nr. 14, Laden. (e
Hämorrhoide n
eind lästig. Eine einzige der
10 000 Gratisproben
welche wir versenden, um jeden
zu überzeugen, wird
von der Wirkung un eres AluFällN Ihnen schon neue
Lebenstreude geben. Täglich gehen Dankschreiben von
Ueberglück-
lichen ein, denen geholfen wurde. Sie erhalten Probe, med.
Auf-
klärungsschrift, ärztl. Gutachten, alles umsonst und portofr, durch
die Versandapotheke. — Schreiben Sie deshalb heute noch an
Anuvalin, Berlin SO 36, Abteil. 31.
(TV313
A
höne
Braut-Aussteuern
zeigt Ihnen
Wäschehaus Eichberg
Peter-Gerneinder-Straße 2O
(1716
Beachten Sie bitte meine beiden Schaufensterl
für Frauenbildung und Eruerb
Alice-Eleonorenschule, Darmstadt
Friedrichstraße 4
Mütter-Schulungs-Kurs
für Frauen aller Stände. Beginn 15. Februar.
Tages- und Abendkurse.
(1727
Anmeldungen sofort erbeten, Auskunft im
Sekretariat täglich von 9-3 Uhr. Tel. 1839.
Küche
(weiß), Bett mit
Sprungrahmen
u. Roßhaarmatr.,
Waſchtiſche, 2 gl.
Nachttiſche, kl. Igl.
Tiſche, 8eck. Tiſch,
Spiegelſchrank,
Vertiko billig zu
verkaufen.
Herd=
weg 95, Gartenh.
Dr.
Arztlich. Sprechtag für
Asthmakranke in Frankfurt,
Gutleutstraße 98, 1 Treppe,
jed. Samstag v. 8½/.-1½/, Uhr
Fechter. (TV 217
Unſer gutes Speiſeöl kann
im Haushalt wie Butter
oder Fett verwendet
wer=
den. Es iſt
außerordent=
lich ausgiebig und deshalb
billig — es iſt geſchmack= u.
geruchlos und dabei ſehr
bekömmlich. — Alſo: Oel
nicht nur für Salate,
ſon=
dern auch zum Kochen,
Braten und Backen
ver=
wvenden.
(1723
Wir empfehlen:
Sonnenblumenöl
1. Preſſung . ½ Ltr. b. 10
Erdnnßöl
1. Preſſung, ½ Ltr. 0.70
Olivenöl echt.
Gua=
dalquivir ½kg=Doſe 1.40
Reiormhaus Braunwarth
Darmſtadt. Ernft=Ludwigſtraße 3
und Erbacherſtraße 61.
Ballonräder
58.— Mk.
Victoria-Räder
mit 10.— Mk.
Anzahfung. Alte
Räder in Tausch.
Größte Auswahl
billige Preise.
Buttér=
Maul
Schuſtergaſſe 5. (a
Aukofahrken
m. 4Sitz. (Lim.)
übernimmt bill.
Hahn, (b
Schwanenſtr. 20.
Ab 115.— Mk.
fabrikneue (b
Nähmaſchinen
Gütting
Schuchardſtr. 10.
Hufeiſen=
Portemonnaie
mit
Rückfahr=
karte Hannover,
Dienstag abend
berloren. Ehrlich,
Finder 5 Mk.
Be=
lohnung. Abzug.
Friedrichſtr. 13, I.
2
11
Im Parterre:
Große Auslagen in
Karnevals-Artikeln
HANOMAG
Viersitzer-Limousine mit den
hervorragenden
Fahreigen-
schaften, in bekannt
vorzüg-
licher Oualität jetzt
2500 R0.
durch
Hanomag-Generalvertreter:
Müller &Ober
Rheinstraße 39, (1729b
A
A
Männlich.
geſ.z. Verk.
heit unſ.
Zigar=
ren an Wirte u.
Private. H.
Jür=
genſen & Co.,
Hamburg 22.
(II. Hbg. 1703)
Große
Nährmittel=
fabrik ſucht f. den
Bezirk
Oberheſ=
ſen an all. Orten
tüchtige
Vertre=
ter zu hoh.
Pro=
viſionsſätzen. —
Auch als
lohnen=
de
Nebenbeſchäf=
tigung zu
betrei=
ben. — Ang. u.
G. 224 Geſchſt.
Die Lieferung von Eiſenwaren für den
Kanal=
bau im Rechnungsjahr 1934 ſoll auf Grund der
Reichsverdingungsordnung vergeben werden.
Leiſtungsbeſchreibungen und Bedingungen liegen
bei dem ſtädt. Tiefbauamt, Darmſtadt, Grafenſtr. 30,
Zimmer Nr. 6, während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis Donnerstag, den 22. Februar
I. J., 11 Uhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 8. Februar 1934.
(st. 1719
Tiefbauamt.
Die bei der Vornahme baulicher Herſtellungen in
verſchiedenen ſtädtiſchen Gebäuden voriommenden
Beton= u. Asphaltarbeiten, Beton=Schreinerarbeiten
ſowie das Trocknen und Herrichten von
Buchen=
langriemen und Eichenparkett ſollen auf Grund der
Reichsverdingungsverordnung vergeben werden.
Die Bedingungen liegen bei dem unterzeichneten
Amte, Grafenſtraße Nr. 30, I., Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis Mittwoch, den 14. Febr. 1934,
19 Uhr, bei der vorbezeichneten Dienſtſtelle ein= Tüchtiges,
zureichen.
Darmſtadt, den 5. Februar 1934.
Städtiſches Hochbauamt.
Gokkesdienſt der iſt. Religionsgemeindt
Hauptſynagoge.
Freitag, 9. Febr.: Vorabendgottesdienſt 5.30 Uhr.
Samstag, 10. Febr.: Morgengottesdienſt 8.45 Uhr.
Sabbatausgang 6.20 Uhr.
(1702
An den Wochentagen: Morgens 7.30, abds. 6.20 Uhr
Alte angesehene Versicherungs-Gesellschaft, die
sämtliche Versicherungssparten betreibt,
sucht für Darmstadt
und Umgebung
rührige Mitarbeiter
aus allen Kreisen, vornehmlich auch solche, die
über gute Beziehungen zu Handel und Industrie
verfügen. — Ausführliche Bewerbungen unter
F. N. 155 an Koch & Münzberg G. m.b. H.,
Frankfurt a. M., Kaiserstraße 5. (T1414
Immer noch
erhalten Sie die feine hessische
Süßrahm-Butter
das Ffund zu RMl. 1.38
bei
(731
Jacob Becken
Ernst-Ludwigstraße 20 Feinruf 1883
Lieferung a. Wunsch frei HausDarmstadt
Weiblich.
Tüchtiges, ((
kinderliebes
Mädchen
mit nur beſten
Zeugniſſ. geſucht.
Frankf.=Str. 29,I.
Alleinmädchen,
verfekt in
fein=
bürgerlich. Küche
und Hausarbeit,
mit guten
Zeug=
niſſen, zu zwei
Perſon. geſucht.
Off. G. 239 Gſch.
Fleiß., ehrliches
Mädchen
zu baldig.
Ein=
tritt geſucht.
Tiſchler,
Rheinſtraße 2.
(st.1599 zuverläſſiges,
kinderliebes
Alleinmädch.
perfekt in Küche
und Hausarbeit,
geſuchl.
Angeb. m.
Zeug=
nisabſchriften u.
Altersangabe u.
H. 1 Geſchſt. (b
Ehrl. u. zuverl.
Mädchen
bis nach d.
Spü=
len geſucht.
Hei=
denreichſtr. 41, II.
Fleißiges junges
Mädchen
vom Lande, für
15. Febr. geſucht.
Näh. Geſchäftsſt.
ſucht Stellg. als
Haushälterin
bei
alleinſtehen=
dem Herrn geg.
kleines Entgelt. Wohnung
Off. G. 227 Gſch.
Männlich.
Tüchtiger
Herrenfriſeur
und
Bubikopf=
ſchneider ſucht
ſofort Stellung,
auch ½ Tage od.
Aushilfe. Off. u.
G. 225 Geſchſt.
3 große helle
Räume
als Büro oder
Wohnung ſofort
zu vermieten.
Mackenſenſtr. 55,
parterre.
Fräulein Saalbauſtr. 71, I.
Schöne
6-Zimmer-
2 Verand., Bad,
kein Gegenüber,
alsbald z. verm.
Näh. Kirchſtr. 4.
Tel. 86. (a
Möbliertes
Zimmer
zu verm.
Schu=
chardſtr. 13, pt.
Laden
Karlstr. 20 (bisher Konditorei), zu
verm. Ausk. ert. Ludwig Netz, 2. S
Zwei ſchön möb.
Zimmer (a
abzug.,
Garten=
ſtadt. — Alfred=
Meſſel=Weg 34.
Kleines, möbl.
Zimmer
ſei alleinſtehend.
Herrn gegen
Be=
dienung zu ver
geb. Annaſtr. 10,p.
K
Leeres Zimmer,
auch Manſarde,
heizbar/Ofen
vor=
handen) ſofort
ge=
ſucht, evtl. gegen
Haus= od. Büro=
Arbeit. Offert. u.
G 243 Geſchäftsſt.
4—5=Zimmer=
Wohnung
zum 1. April
ge=
ſucht.
Johannes=
viert. bevorzugt.
Off. G. 235 Gſch
Junges Ehepaar
ſucht leeres
Zimmer
und Küche zum
März. Off. u.
G. 233 Geſchſt.
2=Zim.=Wohng.
mit Zubehör bis
1. März oder 1.
April zu mieten
geſucht. Eventl.
Teilwohnung.
Herd und Ofen
können geſtellt
werden. Ang. u.
G. 232 Geſchſt.
Möbliertes
Zimmer
m. Klavier (
mög=
lichſt
Zentralhei=
zung) geſucht. —
Off. G. 129 Gſch.
Gut möbl.
Zimmer
mit Ruhebett für
Herrn zum 15. 2
geſucht. Ang. unt.
G 241 a. Geſchſt.
Berufstätig. Che
miker ſucht zum
1. März
möbl. Zimmer
i.
Landskronvier=
tel. Ang. m. Preis
u. G 245 Geſchſt.
Mittleres
Haus
mit größ.
Werk=
ſtatt zu kaufen
geſucht. Ang. u.
G. 226 Geſchſt.
Wirtſchaft
gr. Ort b.
Darm=
ſtadt, m. 2=Zim.=
Wohng. f. mon.
60ℳ ſof. zu
ver=
mieten. Näheres
Dingeldein.
Landwehrſtr. 39.
Telefon 2067. (e
Hofgut
mit oder ohne
Mühle zu kauf.
geſucht,
womög=
lich 70—80
Mor=
gen. Zuſchr. unt.
G. 237 Gſchſt. (c
Bauplatz
Nähe
Paulus=
kirche, ca. 1100
qm, gegen Kaſſe
zu verkaufen.
Off. G. 177 Gſch.
Werner Fütterer
„Heimat am Rhein” — ein Film voll Sonne und Sorge. Ja, ſchwere Sorgen laſten auf Hannes
Lorenz, dem jungen Beſitzer des „Niederlacher Kronenberg”, eines Weinguts am deutſchen Rhein.
Derner Fütterer ſpielt den Kronenwirt, und er ſpielt ihn mit der Friſche und Berhaltenheit des
braven, liebenswürdigen, großen Zungen. der von den Hätern ererbte Beſitz wird ein Opfer der
ſchlechten Zeiten. Er iſt überſchuldet. Herſchreibungen und Hypotheken befinden ſich in den Händen
eines gewiſſenloſen Spekulanten, der das Anweſen zur Herſteigerung kommen laſſen will. Das
Herhängnis nimmt ſeinen Lauf.
Im Spiel tritt eine kleine Anzeige auf, eine von denen, die Grundſtücke zum Berkauf ſtellen.
Hon ſinnbildlicher Bedeutung und ſchickſalhafter Kraft iſt dieſe kleine Anzeige. Sie kündigt den
gerichtlichen Berkauf des Kronenbergs an und hat den Erfolg, daß ſich zum angeſetzten Termin das
Lokal mit Intereſſenten füllt. Aber durch die Entſchloſſenheit und Tatkraſt von Mizzi Gruber,
einer grundgeſcheiten Wienerin, die den Hannes ins Herz geſchloſſen hat, werden alle
Schwierig-
keiten beſeitigt. Hannes Lorenz behält den Kronenberg und Mizzi wird ſeine Frau.
Kleine Rnzeigen, durch die Grundſtücke, Hypotheken, Geſchäfte uſw. zum Kauf
geſtellt werden, gehören in das darmſtädter Tagblatt, mit ſeinem kaufkräftigen Leſerkreis.
Freitag, 9. Februar 1934
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, den 9. Februar 1934.
Wir opfern für das kägliche Brok
unſerer nokleidenden Volksgenoſſen.
Straßenſammlung am Sonnkag, 11. Februar 1934.
Am Sonntag, den 11. Februar 1934. findet eine
Straßen=
ſammlung gegen Abgabe von Anſtecknadeln nach folgendem Muſter
ſtatt.
Das eingehende Geld iſt zur Beſchaffung von Brot für unſere
notleidenden Volksgenoſſen notwendig.
An dieſem Tage darf es daher keinen Volksgenoſſen geben, der
nicht dieſe Plakette trägt.
Volksgenoſſen, laßt den deutſchen
Sozialis=
mus zur Tat werden und opfert am Sonntag
euer Scherflein zur Linderung der Not vieler
unſerer unſchuldig leidenden Mitmenſchen.
Bekaunkmachungen des Perſonalamkes.
Ernannt wurden: der Polizeihauptmann der Verwaltung
Karl Horſt zu Darmſtadt mit Wirkung vom 1. März 1934 zum
Miniſterialamtmann; am 18. Januar 1934: zu Mitgliedern der
Diſziplinarkammer bei dem Landgericht der Provinz
Starkenburg; Amtsgerichtsdirektor Landmann,
Offen=
bach, Amtsgerichtsrat Dr. Tautphaeus, Darmſtadt.
Ober=
amtsrichter Glenz. Reinheim i. O., Landgerichtsrat Dr.
Wer=
ner, Darmſtadt; zu ſtellvertretenden Mitgliedern der
Diſziplinarkammer bei dem Landgericht der Provinz
Starken=
burg: Amtsgerichtsrat Herber, Offenbach, Oberamtsrichter
Vetzberger, Bensheim Oberamtsrichter Elbertt, Groß=
Umſtadt, Landgerichtsrat Dr. Jacobi, Darmſtadt; zu
Mitglie=
dern der Diſziplinarkammer bei dem Landgericht der
Provinz Rheinheſſen; Amtsgerichtsdirektor Koeler,
Mainz, Oberamtsrichter Hamm Oſthofen, Oberamtsrichter
Müller, Pfeddersheim, Amtsgerichtsrat Dr. Lang, Mainz;
zu ſtellvertretenden Mitgliedern der Diſziplinarkammer
bei dem Landgericht der Provinz Rheinheſſen: Amtsgerichtsrat
Kempf, Mainz, Amtsgerichtsrat Rode, Mainz.
Amtsgerichts=
rat Klein, Alzey= Amtsgerichtsrat Dr. Kowarzik. Nieder=
Inhelheim; zu Mitgliedern der Diſziplinarkammer beim
Landgericht der Prov. Oberheſſen: Amtsgerichtsdirektor Dr.
Mickel, Gießen, Amtsgerichtsrat Brückel, Gießen.
Amtsge=
richtsrat Leun, Gießen, Oberamtsrichter Holzinger,
Orten=
berg; zu ſtellvertr Mitgliedern der Diſziplinarkammer bei
dem Landgericht der Provinz Oberheſſen; Oberamtsrichter
Gun=
drum, Homberg. Landgerichtsrat Knauß, Gießen.
Amts=
gerichtsrat. Dr. Kalbfleiſch; Gießen. Amtsgerichtsrat
Schaeg. Gießen; zu Mitgliedern des Diſziplinarſenats:
Oberlandesgerichtsrat Dr. Bittel; Darmſtadt.
Oberlandes=
gerichtsrat Bechſtein. Darmſtadt, Landgerichtsdirektor Gros,
Darmſtadt, Landgerichtsdirektor, Heckler, Darmſtadt,
Land=
gerichtsdirektor Dr. Hetzel, Mainz, Landgerichtsrat Heid
Gießen; zu ſtellvertretenden Mitgliedern des
Diſzipli=
narſenats: Amtsgerichtsrat Dr. Mahr, Darmſtadt,
Land=
gerichtsrat Dr. Friedrich, Darmſtadt Landgerichtsrat Volk.
Darmſtadt, Oberamtsrichter Becker, Wöllſtein, Landgerichtsrat
Dr. Sack, Mainz, Amtsgerichtsrat Dr. Willenbücher, Bad
Nauheim; zu Mitgliedern des Diſziplinarhofs;
Land=
gerichtspräſident Dr. Schneider, Mainz, Landgerichtsdirektor
Dr. Krug, Mainz, Landgerichtsdirektor Schmahl Gießen,
Landgerichtspräſident Weiffenbach. Darmſtadt,
Oberlandes=
gerichtsrat, Hildebrand.,Darmſtadt. Amtsgerichtsdirektor
Dr. Lemſer, Worms; zu ſtellvertretenden Mitgliedern
des Diſziplinarhofs: Oberlandesgerichtsrat Küchler.
Darm=
ſtadt, Oberlandesgerichtsrat Dr. Werner, Darmſtadt.
Ober=
landesgerichtsrat Gauf, Darmſtadt, Amtsgerichtsrat Deibel,
Bensheim, Amtsgerichtsrat Dr. Hoffmann, Mainz.
Amts=
gerichtsrat Orth. Darmſtadt.
Das Perſonalamt des Heſſiſchen Staatsminiſteriums gibt
be=
kannt: Am 1. Februar 1934 wurde Heinrich Mees zum
Bürger=
meiſter in Boſenheim (Kreis Alzey) ernannt.
Berichtigung zu den Perſonalnachrichten der
Oberpoſt=
direktion Darmſtadt. Bei den in den Ruheſtand tretenden
Beam=
ten muß es heißen; Poſtinſpektor Spannuth, ſtatt
Ober=
poſtſekretär Spannuth.
Heſſiſches Landestheater.
Miſite He Freitag9. Februgr 19½, Ende 22 D. Bühne Jugendr. 14, Gr. 3u. 4
Alle gegen Einen — Einer für Alle, .50— 4.50 Samstag
10. Februar An”. 19½. Ende geg. 22.45 Uhr (Au er Mieteſ.
Preiſe 0.50—4.50
Gräfin Mariza. Anf. 23 Uhr. (Außer Miete).
Großes Faſchingskonzert. Preiſe 0.50—2.00 Sonntag
11. Februar
Anf 15, Ende 16.45 Uhr (Außer Mieteſ.
Preiſe 0.50—2.00
Hänſel und Gretel. Anf. 19 —, Ende 22 Uhr. R16
Preiſe 0.50—4.50
Die Hochzeitsreiſe. Kleines Haus Freitag
9. Februar Zuſatzmiete 1V8
Anf. 20, Ende nach 22 Uhr.
Prei e 0.80—4.50
Don Pasquale. Anf. 20, Ende nach 22 Uhr. (Außer Miete).
Ganteh
10. Februar ! Die Erbtante oder Familie Luſtig. 0.50, 1.- 1.50 Sout.u4
11. Februat Anf. 19½, Ende geg. 22½. Volksvorſtellung
Preiſe 0.50—3.00
Der Wildſchütz
— Heſſiſches Landestheater. In dem am Roſenmontag, den
12. Februar, im Kleinen Haus, ſtattfindenden großen Faſchings=
Kabarett wirken, die Damen Beatrice Doering, Käthe Gothe,
Erni Trauernicht, ferner die Herren Dr. Heinrich Allmeroth. Joh.
Drath, Heini Handfchumacher Theo Herrmann. Hannsgeorg
Lau=
benthal, Ludwig Linkmann, ſowie das Tanzpaar Bäulke, Max
Buddenhagen mit ſeinen Soliſten und ein Soloquartett des Chors
mit.
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nochrichten
Nr. 39 — Seite 5
Verpflichtung im Freiwi ligen Arbeitsdienſt.
ſchlecht zu Geſchlecht vererbt werden. Neuland für unſer
deut=
ſches Volk wird vom Arbeitsdienſt geſchaffen.
Zer ehrenvielt um Bonte.
Die Arbeit muß aber auch noch volkserzieheriſche Wirkung
Vier Abteilungen des Freiwilligen Arbeitsdienſtes waren
geſtern nachmittag in der Feſthalle angetreten, um auf ihre Fahne
zur Treue verpflichtet zu werden. Dem feierlichen Akt wohnte
der Gauführer Faatz perſönlich mit ſeinem Stabe bei, außer ihm
waren Führer des Freiwilligen Arbeitsdienſtes, als Vertreter
der Stadt Bürgermeiſter Kopp und der Vertreter der Polizei
erſchienen. Etwa 700 Mann wurden verpflichtet.
Nachdem dem Gauführer Faatz Meldung erſtattet worden
war, hielt er eine Anſprache an die Arbeitsdienſtkameraden, die
ſich aus allen Schichten des Volkes zuſammenſetzen. Jeder Deutſche
muß Kämpfer und Arbeiter für ſein Volk ſein. Und wenn es
auch nicht möglich iſt, daß die Jugend mit dem Schwerte dem
Volke dienen kann, wohl aber in friedlicher Arbeit mit dem
Spa=
ten in der Hand im Arbeitsdienſt, ſo iſt doch auch dies eine
Ehrenpflicht. Die Arbeit im Arbeitsdienſt gilt nur dem
deut=
ſchen Volke zur Verbeſſerung ſeiner Lebensbedingungen. Die
Feinde des Arbeitsdienſtes ſind die Oedlandſtriche, ſie zu
bear=
beiten hat er ſich zum Ziel geſetzt, aus ihnen fruchtbares Land
zu. ſchaffen, daß deutſche Menſchen wieder in Arbeit kommen und
ſeßhafte Bauern werden können. Unter dieſen Geſichtspunkten
ſt die Arbeit am Boden nicht ſtumpfſinnig, ſondern ſie bekommt
Sinn und Seele. Wer eingeſetzt wird an den Straßen, helfen
darf an dem großen Denkmal, das durch Jahrhunderte Zeugnis
ablegen wird, von dem iſt eine große Ehrenaufgabe erfüllt. Der
Arbeitsdienſt iſt Ehrendienſt am Volke, die Arbeiten dürfen alſo
nicht von Sträflingen aus den Gefängniſſen oder
Konzentra=
tionslagern ausgeführt werden, ſie bleiben allein der deutſchen
Jugend vorbehalten. Das Land ſoll von den Ahnen von Ge=
haben. Kameradſchaft wird im Bewußtſein der
Zuſammengehörig=
keit gepflegt bei der Arbeit für die Gemeinſchaft „Ein
gedeih=
liches Zuſammenleben iſt aber nur bei ſtraffer Diſziplin
mög=
lich. Diſziplin iſt alſo nötig. Und jeder Einzelne ſoll ſich deſſen
bewußt ſein, daß er ſich nicht einer Perſon, ſondern einer
gro=
ßen Idee unterordnet. Wenn jetzt Treue der Fahne gelobt wird,
ſo möge es mit tiefem Ernſt geſchehen. In Treue zur Fahne
lie=
ßen zwei Millionen Deutſcher im Feld ihr Leben, in Treue zur
Fahne ſtarben über 400 Männer im braunen Ehrenkleid. „Wer
der Fahne Treue hält, hat Anſpruch darauf, echter Deutſcher zu
heißen, wer die Fahne verläßt, verliert ſeine Ehre und gilt als
geächtet.” Mit dieſen Worten leitete der Gauführer die
feierliche Verpflichtung
ein. Die vier Fahnenabordnungen marſchierten auf das
Kom=
mando des Gruppenführers 254, Major Heine, vor, die
Sym=
bole der Treue wurden geſenkt und durch Auflegen der Hand
der je 9 ausgewählten Mann aus jeder Abteilung wurde das
Gelöbnis abgelegt. Alle Mann gelobten Treue und
verpflich=
teten ſich, im Sinne des Führers im Arbeitsdienſt ihre Kraft
ein=
zuſetzen. Die Verpflichtungsformel wurde durch den Stabsleiter
Avenarius verleſen. Während jeder Einzelne durch ſeinen
Abteilungsführer mit Handſchlag vernflichtet wurde, ſpielte die
Kapelle: „Ich hab mich ergeben . . ." Mit einem dreifachen „Sieg=
Heil” dem Führer Adolf Hitler und dem Geſang des Deutſchland=
und Horſt=Weſſel=Liedes war der feierliche Akt beendet. Nach
einem Vorbeimarſch vor dem Gauführer und ſeinem Stab und
vor dem Gruppenführer zogen die Abteilungen mit klingendem
Spiel ab.
N5.-Volkswohlfahrksheim.
Darmſtadt. Mackenſenſtraße 18.
Die frühere Volksküche dahier. Mackenſenſtraße 18, iſt an die
NS.=Volkswohlfahrt übergegangen und wird als
NSV.=Heim
weitergeführt.
In dieſem Heim werden in ſeinem neu hergeſtellten, großen
Raum an hilfsbedürftige Perſonen, die ihre
Bedürftig=
keit durch einen behördlichen Ausweis
nachwei=
ſen, verbilligte Speiſen verabreicht, und zwar.
Kaffee (etwa ½ Liter).
für 5 Pfg.
Kaffee mit Zucker
6
Tagesſuppe
10
Hülſenfrüchteſuppe
15
Dicke Suppe mit Wurſt
25
Pellkartoffeln
Kartoffelſalat
Bratkartoffeln
Wurſt
Hering
Gemüſe, Fleiſch und Kartoffeln „ 35
ein Stück Brot
Alkoholhaltige Getränke werden nicht ausgegeben.
Die Speiſen können auch dort in mitzubringenden Gefäßen
abgeholt werden.
10
15
15
15
10
4
Elektro=Gas=Fronk.
Die Tätigkeit der Elektro=Gas=Front hat ſich im geſamten
Reichsgebiet außerordentlich günſtig ausgewirkt. Die Inſtallateure
ſind gut beſchäftigt und die Umſätze in Fachhandel und
Fachindu=
ſtrie ſind geſtiegen. Aber das Ziel der Aktion iſt noch nicht voll
erreicht. Der Arbeitsmarkt muß noch mehr entlaſtet. Induſtrie
und Handel müſſen noch ſtärker beſchäftigt werden. Es kommt ja
nicht nur darauf an, ausſchließlich Inſtallateure der Gas= und
Elektrobranche unterzubringen, nein, die Tätigkeit der Elektro=
Gas=Front ſoll das geſamte Wirtſchaftsleben befruchten und auch
jelebend auf andere Berufe wirken.
Hausbeſitzern und Mietern iſt es leicht gemacht, ihrer
natio=
nalen Pflicht, Arbeit zu beſchaffen, nachzukommen. Die Gas= und
Elektrizitätswerke gewähren langfriſtige Kredite, deren
Rückzah=
lung kaum merklich durch allmähliche Einziehung mit den Strom=
und Gasabrechnungen erfolgt. Außerdem erhalten alle
Auftrag=
geber erhebliche Reichszuſchüſſe. Für Inſtandſetzungs= und
Ergän=
zungsarbeiten werden noch bis zum 31. März 1934 35 Prozent
des Rechnungsbetrages vergütet. Dabei iſt von beſonderer
Wich=
tigkeit, daß nicht nur größere Arbeiten bezuſchußt werden, ſondern
bereits alle Aufträge von 32 RM. an. Aber auch noch
darunter=
liegende Aufträge werden dankbar begrüßt.
Die Hausbeſitzer und Mieter werden daher aufgefordert,
um=
gehend nochmals alle Möglichkeiten zu prüfen ihre Gas= und
Elektro=Anlagen ausbeſſern zu laſſen und elektriſche und
Gas=
apparate zu erwerben. Es wird nie wieder möglich ſein, dieſe
Ar=
beiten und Anſchaffungen ſo billig durchzuführen. Erfüllen Sie
Ihre nationale Pflicht! Schaffen Sie Arbeit, Sie helfen Ihren
arbeitsloſen Volksgenoſſen und fördern damit zugleich Ihren
eige=
nen Wohlſtand!
Opferſinn des Reichsbahnperſonals.
„Im Monat Januar 1934 ſind von den Bedienſteten des
Reichs=
bahndirektionsbezirks Mainz abgeführt worden:
a) Für die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit
20 385 RM.,
0) für die Winterhilfsſpende 27 300 RM.,
zuſammen 47 685 RM.
Eine größere Anzahl Bedienſteter hat außerdem für die
Win=
terhilfsſpende bei den örtlichen Wohlfahrtseinrichtungen
erheb=
liche Beträge gezeichnet.
Das Staatspreſſeamt teilt mit: Der erſte Oberſpielleiter
der Kölner Städtiſchen Bühnen, Franz Everth. unſer
zukünf=
tiger Generalintendant, hat auf perſönliche Einladung des
Prä=
ſidenten der Reichs=Theaterkammer, Miniſterialrat
Laubin=
ger, den ehrenvollen Auftrag erhalten, für die Organiſation
Kraft durch Freude” im Großen Schauſpielhaus Berlin, Theater
des Volkes, das Guſtav=Waſa=Drama „Alle gegen einen — einer
für alle” des Münchener Schriftſtellers Pg. Forſter=
Burg=
graf zu inſzenieren.
Der Führerrat des Heſſenbundes hat den Beſchluß gefaßt.
den Vertrag über die Neuordnung des Evang. Jugendwerks und
Eingliederung in die Hitler=Jugend vom 19. Dezember 1933 auf
Grund der Genehmigung vom 30. Januar 1934 alsbald
durchzu=
führen.
Generalmufikdirekkor Friderich.
Der muſikaliſche Oberleiter des Heſſiſchen
Landes=
khealers weiter auf drei Jahre verpflichket.
Das Staatspreſſeamt teilt mit:
Der muſikaliſche Oberleiter des Heſſiſchen Landestheaters in
Darmſtadt Karl Friderich wurde mit Beginn der nächſten
Spielzeit auf 3 Jahre als Generalmuſikdirektor des Heſſiſchen
Landestheaters in Darmſtadt verpflichtet.
Karl Friderich wurde am 14. April 1899 in Nürnberg
ge=
boren, abſolvierte dort Realgymnaſium und Konſervatorium, nach
Unterbrechung durch Militär= und Frontdienſt in München die
Akademie der Tonkunſt (Kloſe, Courvoiſier, Waltershauſen)
und die Meiſterklaſſe für Dirigieren bei S. von Hausegger,
Gleichzeitig ſtudierte er an der Münchener Univerſität ſechs
Semeſter Philoſophie und Kunſtgeſchichte. Im Jahre 1921 wurde
er nach erfolgreichen Gaſtſpielen als 2. Opernkapellmeiſter an das
Stadttheater in Baſel verpflichtet, von wo er 1924 als 1.
Kapell=
meiſter an die Wiener Volksoper berufen wurde. Seine weitere
Laufbahn führte ihn in erſte Stellungen nach Beuthen (Landes=
theater) Dortmund (Stadttheater), Coburg (Landestheater). Mit
Beginn der laufenden Spielzeit wurde er an das Heſſiſche Landes=
theater in Darmſtadt berufen, deſſen muſikaliſche Führung
nun=
mehr in ſeinen Händen liegt. Er dirigiert daſelbſt außer den
Sinfoniekonzerten des Landestheaters auch die Chorkonzerte des
Muſikvereins.
Von der Heſſiſchen Regierung wurde er zum Staatskommiſſar
für Muſiklehrerprüfungen in Heſſen ernannt.
* Die Verpflichtung Karl Friderichs als Generalmuſikdirektor
unſeres Landestheaters wird von den am Muſikleben unſerer
Stadt teilnehmenden Kreiſen mit beſonderer Freude begrüßt werden.
Seine erfolgreiche Tätigkeit als muſikaliſcher Oberleiter unſerer
Bühne hat eine einmütige Anerkennung ſowohl bei der geſamten
Kritik wie auch bei den Theaterbeſuchern gefunden. Karl Friderich
verbindet mit ſeinen fachlichen Fähigkeiten eine ungewöhnliche
Arbeitsfreude und Arbeitskraft. Er hat es weiter verſtanden, auch
dem Konzertleben Darmſtadts den Stempel ſeiner Perſönlichkeit
aufzudrücken. So iſt es ihm gelungen, den Sinfoniekonzerten ſichere
Haltung und programmatiſche Weite zu geben, die nicht nur das
klaſſiſche Erbe wahrt und pflegt, ſondern auch den Mut hat. Neues
zur Ausſprache zu ſtellen. Bei der reichen Muſikkultur Darmſtadts.
die wie kaum ſonſt wo in den weiteſten Kreiſen der Bevölkerung
ihre Wurzel hat, iſt gerade dieſe Tätigkeit als Mittler und
An=
reger von nicht zu unterſchätzender Wichtigkeit.
Daß die Verpflichtung auf drei Jahre erfolgte, wird
als Zeichen dafür zu werten ſein, daß das Landestheater nunmehr
in die Periode der Stetigkeit eintritt.
Aufhebung der Handwerkskammer=Nebenſtellen
Darmſtadt und Friedberg.
Auf Grund des § 103 Abſ. 3 der Reichsgewerbeordnung und
8 1 Abſ. 2 der Satzung der Heſſiſchen Handwerkskammer vom
30. Mai 1930 (Reg.=Bl. S. 67) wird nach Anhörung der
Heſſi=
ſchen Handwerkskammer folgendes beſtimmt:
Die Handwerkskammernebenſtellen Darmſtadt und Friedberg
werden vom 1. Februar 1934 an aufgehoben.
Die dem Bezirk der Handwerkskammernebenſtelle Friedberg
unterſtellten Kreiſe Friedberg und Büdingen werden der
Hand=
werkskammernebenſtelle Offenbach a. M., der Kreis Schotten
wird der Handwerkskammernebenſtelle Gießen zugeteilt.
Die Aufgaben der Handwerkskammernebenſtelle Darmſtadt
werden von der Heſſiſchen Handwerkskammer Darmſtadt (
Haupt=
ſtelle) übernommen.
Die Heſſiſche Handwerkskammer iſt ermächtigt, für die
Durch=
führung der Aufhebung der Handwerkskammernebenſtellen
be=
ſondere Anordnungen zu treffen.
— Guſtav=Adolf=Verein. Der letzte Sonntag war in den
evangeliſchen Kirchen Darmſtadts dem bedeutungsvollen Werk des
Guſtav=Adolf=Vereins gewidmet der über 100 Jahre das
evan=
geliſche Deutſchtum in der inländiſchen und ausländiſchen
Dia=
ſpora betreut. Dem gleichen Zwecke diente auch die
Vortrags=
veranſtaltung am Abend in der Stadtkirche. Der langjährige,
verdienſtvolle Generalſekretär der Guſtav=Adolf=Stiftung,
Pfar=
rer Geißler aus Leipzig, war als Redner gewonnen und ſprach
über das zeitgemäße Thema: „Das deutſche Volk und ſeine
evan=
geliſche Kirche‟. In klaren und eindrucksſtarken Ausfühungen
würdigte er das Geſchehen unſerer jüngſten Vergangenheit, das
Eigentümliche der im edelſten Sinne konſervativen Revolution
des Nationalſozialismus. Er wies derauf hin, daß dem zu
ſei=
nen urſprünglichen Quellen zurückgekehrten Volk ſeine
evange=
liſche Kirche ſich tief verbunden fühle, ihm viel ſein müßte und
könnte, indem ſie freudig und opferbereit ihre Kraft dem Werke
des Führers hingibt. Von dieſer Verbindung zwiſchen
Volks=
tum und Kirche aus wußte der Redner für die Guſtav=Adolf=
Vereins=Arbeit zu werben, indem er Mißverſtändniſſe und
An=
griffe zurückwies und die Zuhörer in die großen Nöte des
evan=
geliſchen Deutſchtums hineinblicken ließ. In die Nöte
Oeſter=
reichs wo dieſes Deutſchtum beſonders treu an den
national=
ſozialiſtiſchen Ideen hängt und dafür leidet, aber auch Polens
und Rußlands. Die einleitenden und abſchließenden Worte
un=
ſeres hieſigen Vorſitzenden des Guſtav=Adolf=Vereins, Pfarrer
Weiß von der Petruskirche, zeugten wiederum von dem Reichtum
ſeiner Erfahrungen als langjähriger Diaſporapfarrer und von
ſeiner tiefen Verbundenheit mit dem Guſtav=Adolf=Werk. Der
Chor der Stadtkirche unter Leitung Borngäſſers hat in
ſelbſt=
loſer Weiſe durch ſeine feinen Lieder die Abendſtunde in dem
herrlichen Gotteshaus beſonders genußreich geſtaltet.
EILRINOTAIOEII EENIZ
In Dosen und Tuben
ernalt die Haut weich und geschmeidig ven R9. 0.18 bis 1:n
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 9. Februar 1934
Seite 6 — Nr. 39
Der Skand der Zeuerwehren
Wi Meis Burmmtadt.
Schulungsvorkräge
im Kreisverband der freiwilligen Feuerwehren.
El. Auf der Hauptverſammlung des Verbandes der
Frei=
willigen Feuerwehren des Kreiſes Darmſtadt im Konkordiaſaal
erſtattete der 1. Führer, Kreisfeuerwehrinſpektor
Karpfin=
ger, den Geſchäftsbericht. Ihm iſt zu entnehmen, daß im
Kreis Darmſtadt in allen Gemeinden
Freiwil=
lige Feuerwehren mit 1100 freiwilligen und 570
Pflicht=
feuerwehrmännern als Hilfsmannſchaften beſtehen. Sieben
Ge=
meinden haben je 2 Löſchzüge. Außer der Kreisautoſpritze hat
die Neue=Röhr=AG. in Ober=Ramſtadt ein Feuerwehrauto mit
Motorſpritze und Pfungſtadt eine kleine Motorſpritze. An
Bränden waren 1933 im Kreis (außer Darmſtadt und E.
Merck) 4 Großfeuer. 1 Mittelfeuer, 10 Kleinfeuer und
verſchie=
dene Waldbrände. Die Statiſtik erweiſt, daß durch die
Schlag=
fertigkeit der Freiwilligen Wehren die Brandſchäden bedeutend
zurückgegangen ſind; ſiehe 10 Kleinfeuer, alſo Brände, die im
Entſtehen wirkſam bekämpft wurden. Die Bekleidungsordnung
und verſchiedene amtliche Bekanntmachungen wurden noch
durch=
geſprochen, darunter, daß die erſten Führer (ſeither
Komman=
danten) mit mehr als einem ſelbſtändigen Löſchzug jetzt
Ober=
brandmeiſter, mit einem Löſchzug Brandmeiſter heißen und der
1. Führer in Darmſtadt den Titel Branddirektor führt.
Am Nachmittag wurden im Beiſein des Referenten für das
Feuerlöſchweſen, Regierungsrat Schäfer vom Kreisamt, und aller
Führer des Kreiſes Schulungsvorträge gehalten.
Brand=
direktor Karpfinger behandelte in faſt zweiſtündigem
Vor=
trag zahlreiche Fachfragen.
Stellv. Kreisfeuerwehrinſpektor Herborn ſprach über
Feuerwehr und Luftſchutz, ſowie Rauch= und
Gasſchutz=
geräte mit praktiſcher Vorführung.
Herr Griesheimer Kolonnenführer vom
Roten Kreuz, ſprach in eingehender und verſtändlicher Weiſe
über „Feuerwehr und Sanitätsdienſt”
Nachdem die Vorträge mit großem Beifall aufgenommen
worden waren, brachte Regierungsrat Schäfer auf den Führer
und Reichskanzler ein dreifaches Sieg=Heil aus, in das alle
freu=
dig einſtimmten. Zum Schluß dankte Branddirektor Karpfinger
den Kameraden für ihre Aufmerkſamkeit, die ſie im Intereſſe des
Feuerlöſchweſens und zur Erhaltung der Sachwerte ihrer
Mit=
bürger den Vorträgen entgegenbrachten, und ſchloß die lehrreiche
Verſammlung.
vie eriagngang dee beurſchen Hruu.
Beranſtaltung der NS. Frauenſchaft.
In ebenſo anerkennenswerter wie zeitgemäßer Weiſe
veran=
ſtaltete die Nationalſozialiſtiſche Frauenſchaft
Ortsgruppe Darmſtadt, unter dem Motto: „Wie muß die
deutſche Frau als Urquelle des deutſchen Volkes
charakteriſtiſch und körperlich ſich ſtählen?” am
Donnerstag im Städtiſchen Saalbau einen Vortrags= und
Demonſtrationsabend, der überaus ſtark beſucht war. Die
Polizeikapelle unter Obermuſikmeiſter Buslaus ſtraffer
Führung verſchönerte den Abend mit Orcheſtervorträgen.
Ueber das vorſtehend genannte Thema ſprach Pg. Dr. Ende,
Kommiſſar der ärztlichen Spitzenverbände Heſſens, der zu Eingang
ſeiner Ausführungen betonte, daß die nordiſchen Völker
nicht die ſogenannten „Alten Völker”, die erſten Weltfahrer und
auch die erſten Kulturbringer waren. Die ganze Welt zu
bevöl=
kern, war den nordiſchen Völkern nur darum möglich, weil ſie
einen Ueberfluß an erbtüchtigem Nachwuchs hatten, und weil bei
ihnen, im Gegenſatz z. B. bei den orientaliſchen und jüdiſchen
Völkern, bei denen die Frau die Stellung einer Dienerin hatte,
die Frau und Mutter hoch geachtet wurde. Der Redner ſtreifte
den Niedergang des deutſchen Volkes und ſtellt für unſeren
Wie=
deraufſtieg, bei dem die deutſche Frau in erſter Linie mitzuwirken
hat, hinſichtlich der Frauen folgende drei Forderungen auf
Reinhaltung, der Raſſe, Geſundheit und Moral.
Pg. Dr. Ende gab dann einen kurzen ſyſtematiſchen Ueberblick über
den Aufbau des menſchlichen Körpers und charakteriſierte hierbei
die beiden Seiten des Frauenſports, den
frühe=
ren, bei dem die Frau es überall dem Manne gleich tun, ſchlanke
Formen und keine Kinder haben wollte, — und den neuen
Sport, der Geiſt und Willen, den Charakter und die Spannkraft
ſtählen ſoll, den Sport, der in der Gymnaſtik der Pflege der
Erb=
geſundheit gilt und der einen geſunden Körper pflegen, nicht mit
ausländiſchen Mittelchen „verſchönern” will. Der Redner
verbrei=
tete ſich dann über Hygiene und Körperpflege (Baden, Haar= und
Zahnpflege, Abhärtung) im Einzelnen und erinnerte mahnend
daran, daß zur Pflege des Körpers auch Maßhalten in Eſſen
und Trinken, im Rauchen und anderen Dingen gehört! Wandern,
Schwimmen und Winterſport, alles mit Maß getrieben, ſtärken
den Körper. Abſchließend trat der Redner neben der
Geſundheits=
pflege des Körpers für die Geſundheitspflege der
Seele ein. Die Seele will genau ſo gepflegt werden, wie der
Körper, will künſtleriſch geformt und gefördert werden. So auch
die deutſchen Kinder aufzuziehen, ſind die
deut=
ſchen Frauen und Mädchen berufen! Heil Hitler! (
Leb=
hafter Beifall.)
Nach dem ſchneidig geſpielten „Badenweiler Marſch” führten
Schülerinnen der Schule Hilde Wolff. M. d. Fr., Gymnaſtik
und Tanz im Leben der Kinder vor. Friſche deutſche kleine und
kleinſte Mädels zeigten ſo in einer ausgiebigen Lehrſtunde, von
ſicherer Hand geführt, die vielfältigen Formen und Uebungen
geſunder und tänzeriſcher Gymnaſtik.
Heuue lai Hot.
Unſer Führer hat es uns gezeigt, wie Freude dem deutſchen
Volke zuteil werden kann. Er gilt allen als leuchtendes Vorbild
der Hilfsbereitſchaft und Opferwilligkeit. Er weiß, daß Freude
am Leben dem Einzelnen not tut, damit er am Aufbau des
Rei=
ches mitwirken kann. Aber wie ſchenkt und empfängt man Freude?
Die „NSDAP.=Straßenlotterie” gibt dafür einen
wunder=
baren Hinweis. Sie dient dem Winterhilfswerk des deutſchen
Vol=
kes. Jedes ihrer Loſe ſchenkt Freude. Einmal ſorgt es in ſelten
ausgiebiger Weiſe für die Aermſten in Deutſchland, dann läßt er
dich und deine Freunde auf offener Straße teilhaben an dem
fröhlichen Losziehen mit dem vorausſichtlichen ſofortigen
Gewinn=
entſcheid. Und nur 50 Pfg. koſtet dieſes Erlebnis. Die Spannung
des Losziehens, die uns aus dem alltäglichen Einerlei hebt. iſt
ſchon allein die paar Groſchen wert. Und dann noch der gewichtige
Inhalt dieſes einzigartigen Losbriefes:
Erſtensmal die drei hübſchen Bildpoſtkarten mit Schilderungen
und Photos aus Deutſchlands hehrer Geſchichte und Kunſtleben
geben jedem dieſer braunen Briefe ein beſonderes reizvolles
Ge=
präge, Schließlich die Losnummer! Sie kann ſofort 5000 Mark
bringen. In Mannheim und Pforzheim waren dieſer Tage ſolch
glückliche Gewinner anzutreffen. Da 30 Serien dieſer braunen
Losbriefe unterwegs ſind, iſt anzunehmen, daß dir auch noch das
Glück mit dem höchſten Treffer winkt.
Sollteſt du aber vorläufig eine Niete gezogen haben, ſo tröſte
dich mit dem rechts am Briefinnern befindlichen Prämienſchein,
der im März noch auf Verloſung harrt und ebenfalls 5000 Mark
dir ſchenken kann. Iſt das nicht eine herrliche Lotterie, die zweimal
in ſo hoffnungsfreudige Spannung verſetzt! Zuguterletzt, wenn du
gar keine Neigung zum Losziehen verſpürſt, ſo gib wenigſtens
dei=
nem gebefreudigen Herzen einen Ruck! Schau, der ſchmucke graue
Glücksmann, der dir ſo freundlich lächelnd die Losbriefe anbietet,
hat ja durch dieſe Winterhilfs=Lotterie auch ſein Brot gefunden.
Er iſt unermüdlich auf den Beinen, er hat daheim eine Familie,
für die er ſorgen muß! Du machſt ihm eine
Rieſenfreude,
wenn du mit dem Loskauf ihm hilfſt, ſeinen Verdienſt zu behalten.
Dem Frühling zu! Trotzdem uns ſchon mancher verfrühte
Maikäfer, Schmetterling und ein ähnliches Frühlingszeichen auf
die Redaktion gebracht wurde, haben wir doch mit Freude den
hübſchen lebhaften Zitronenfalter bewundert, den uns geſtern ſtolz
der kleine Karl Fr. Münch zeigte und den er ſorgſam pflegen will.
Es ſcheint wirklich ernſt zu werden mit dem Fruhling.
Kump; unn Befterreick.
Eindrucksvolle Oeſterreich=Kundgebung
der Skudenkenſchaft und des Kampfringes
der Deutſchöſterreicher im Reich.
Eine eindrucksvolle Oeſterreich=Kundgebung der verſammelten
Studentenſchaft und des „Kampfringes der Deutſchöſterreichiſcher
im Reich” fand geſtern abend in der Otto=Berndt=Halle ſtatt. Auch
weite Kreiſe der Darmſtädter Bevölkerung nahmen an der
Kund=
gebung teil.
Nach dem Einzug des Sturmbannes 7 eröffnete Sturmführer
Bonifer den Abend. Das Lied „Im Heſſenland marſchieren
wir” wurde geſungen. Dann ergriff Pg. Theo Stadler=
Salz=
burg von der Landesleitung Oeſterreich der NSDAP. das Wort.
Er führte u. a. aus, wenn er heute Gelegenheit habe, die
Braune Front und die Mitkämpfer in Zivil zu ſehen, ſo ſehe er
zugleich das Kampfbild des neuen Deutſchland. Als damals der
Führer die Macht übernahm, da erklang auch in Oeſterreich das
Horſt=Weſſel=Lied und ein Sturm der Begeiſterung ging durch
Oeſterreich, denn man glaubte, daß nun das ſchwarze Syſtem zu
Ende ſei. Dieſe Hoffnung, die damals Hoffnung von 70 Prozent,
heute vielleicht die Hoffnung von 90 Prozent iſt, wurde betrogen.
Alle jene, Juden und Liberalen, denen in Deutſchland der Boden
zu heiß wurde, ſetzten ſich in den Nachbarländern und u a. in
Wien feſt. Heute bemühen ſich jene „Emigranten”, einen jüdiſchen
„Naturſchutzpark” zu erhalten. Sie ſind in Oeſterreich die
Draht=
zieher.
„Ich ſpreche hier als Oeſterreicher, ſo erklärt Pg. Stadler der
„ausgebürgert” iſt, es darf ſich keiner wundern, wenn ich ſcharf
die Verhältniſſe meiner öſterreichiſchen Heimat zeichne, die
ge=
quält und geknechtet wird, in der es heute verboten iſt, den Geiſt
eines Andreas Hofer bochzuhalten (Pfui!). Der Kampf in
Oeſter=
reich iſt heute ein Kampf der Entſcheidung. Es kommt noch ein
Teil des Klerus mit Intrigen hinzu. Hinter der Regierung
Doll=
fuß ſtecken viele verſchiedene politiſierenden Kreiſe, denn die
Marxiſten, Freimaurer. Juden und Liberaliſten und der Klerus
haben ſich zum „Syſtem Dollfuß” zuſammengeſchloſſen.
Redner führte dann in die internen öſterreichiſchen
Verhält=
niſſe ein. Er erklärte, wie Herr Dollfuß zur Regierung kam. Die
Präſidenten des Nationalrats hatten damals ihre Aemter
nieder=
gelegt, ein Mann, der zwar mal Miniſter war, ſtand kurzerhand
auf und erklärte, da die Situation im Nationalrat verfahren ſei,
fühle er ſich aus einem Kriegsermächtigungsgeſetz von 1917
be=
rufen, Bundeskanzler zu werden. Darauf ſchickte er den
Natio=
nalrat nach Hauſe. Der Bundespräſident ſagte damals Ja und
Amen. Neben Dollfuß ſteht Herr Major Fey, der ſelbſt auf den
Bundeskanzlerpoſten lauere. Weiter ſei Dr. Steidle zu nennen.
der ebenfalls gerne Bundeskanzler würde. Starhemberg würde
ebenfalls gerne Reichsverweſer oder Bundeskanzler. Das ſei die
derzeitige Regierung. Der Bundespräſident Miklas habe
über=
haupt nichts zu ſagen.
Die derzeitige Regierung habe nur das Intereſſe, ſich an der
Krippe zu halten. Die Angſt der Schwarzen und Roten halte
beide zuſammen, und ſie führen aus Angſt den Kampf gegen den
Nationalſozialismus. Eine Biſchofskonferenz habe zwar ein
Verbot politiſcher Betätigung auf den Kanzeln erlaſſen, aber der
Klerus kümmere ſich darum nicht.
Oeſterreich ſei ein Zankapfel der Politik. an dem auch das
Ausland Intereſſe hat. Aber Oeſtereich iſt deutſch. Es bildet
einen raumpolitiſch bedeutſamen Grenzgürtel, daher habe man
im Ausland ſolches Intereſſe. Im Südoſten des deutſchen Sprach=
und Kulturraumes habe ſich eine umkämpfte Oſtmark gebildet.
Auch der Stamm der Bajuvaren iſt einmal in das Donauland
eingedrungen und er ſiedelt dort ſeit Jahrhunderten. Im Laufe
von 1000 Kulturjahren bildete ſich das heraus, was heute
Deutſch=Oeſterreich iſt. Redner beleuchtete hier gewiſſe
bevölke=
rungsmäßige Verhältniſſe.
Die kämpfenden SA.=Männer in Oeſterreich ſind genau ſo
gute Nationalſozialiſten wie im Reich. Wir kämpfen um einen
Boden, der heiß umſtritten iſt, wir kämpfen auf deutſchem Boden,
Heute iſt es nicht mehr angebracht, vom „Kamerad Schnürſchuh?
zu ſprechen.
Die Kärntner, Tiroler, Ober= und Nieder=Oeſterreicher, die
Steierer — man denke an die Taten dieſer kernigen Männer —
kämpften um ihre Heimat und gaben ihr Blut. Man denke an
die Heimat Adolf Hitlers, wenn man an Oberöſterreich denkt; es
gibt ein deutſches Wien, das Wien der Nationalſozialiſten. In
Oeſterreich fühlen ſich alle Deutſchen einig, und es wird der Tag
kommen, wo 500 000 Tſchechen und Juden hinausgeworfen
wer=
den, um Wien wieder zu einem deutſchen Bollwerk zu machen.
eine „Mainlinie” zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich erdichtet
wurde. In der K. u. K. Oeſterreichiſch=Ungariſchen Armee ſind
allerdings viele Raſſen und Konfeſſionen vereinigt geweſen. aber
es gibt Unterſchiede zwiſchen dem deutſchen Oeſterreicher und den
anderen. Fremdraſſiſche haben nichts gemein mit dem Deutſch=
Oeſterreicher. Klar ſei der Unterſchied zwiſchen den Oeſterreichern
und denen zu ziehen, die auch Oeſterreicher genannt werden. Die
Oeſterreicher fühlen ſich als Kämpfer und brauchen keine
Minder=
wertigkeitskomplexe zu haben. Auch im Reiche mußte gekämpft
werden, aber es ſei in Deutſchland wenigſtens ein offener Kampf.
eine Frontſtellung in Hakenkreuz oder Sowjetſtern geweſen. Aber
in Oeſterreich ſei ein Kampf zu führen gegen unterirdiſche Mächte.
Die Oeſterreicher fühlen ſich in Oeſterreich zu gewaltigem Proteſt
vereinigt. — Auf Seite der Regierung ſtehen nur einige Wenige:
Die Heimwehr. Mit Tücke und Falſchheit verſuche man den
Nationalſozialismus zu bekämpfen. Es handele ſich um eine ſcharfe
Umſchaltung in Oeſterreich, die noch zehnmal ſchärfer ſein wird,
als im Reich. Wann die Umwandlung ſein wird, könne man
heute natürlich noch nicht ſagen. Das ſei auch durchaus einerlei
Die nationalſozialiſtiſchen Soldaten in Oeſterreich fragen nicht
nach der Zeit, ſie halten nur durch. Entweder überſpannt oder
lockert Herr Dollfuß den Bogen, beides iſt für ihn gleich gefährlich.
Die Regierung Dollfuß hat die Wirtſchaft im vorigen Jahre
rufniert. — In Oeſterreich gart es heute weiter. Die
Gendar=
merie, das Bundesheer, die Exekutive wird immer müder. Deshalb
das Beſtreben des Bundeskanzlers, „zu Studienzwecken
franzö=
ſiſche Truppen hereinzuziehen. (Pfui!) Niemand, ſelbſt das
Aus=
land nicht, nehme Herrn Dollfuß ernſt. Es werde von jedem
ein=
zelnen Mitglied der Regierung intrigiert. Keiner der Herren
werde ſpäter in Oeſterreich etwas zu „plauſchen” haben. Der Tag,
da die Nationalſozialiſten die Macht in Oeſterreich übernehmen.
liege in nicht mehr weiter Ferne. Es ſeien heute Hunderte und
Tauſende, die in den Konzentrationslagern ſchmachten, die
be=
drängt und deren Exiſtenz vernichtet wurde. Die Regierung hat
weder ein Recht, ſich deutſch, noch öſterreichiſch zu bezeichnen. Wenn
die Nationalſozialiſten an der Regierung ſein werden, dann
wer=
den die Spitzel und jene Herren, die ihre Kanzel mißbrauchen, der
verdienten Strafe zugeführt.
Die Deviſe lautet: Wir fordern unſer Recht. Die Geiſter
haben ſich in Oeſterreich heute ſchon geſchieden.
Er hoffe, daß die deutſchen Kameraden im Kampf mit ihren
öſterreichiſchen Brüdern nicht abſeits ſtehen. Der geiſtige Anſchluß
Oeſterreichs an das Dritte Reich müſſe vorbereitet werden. Der
Kampf gehe weiter. Der öſterreichiſche Kampf werde auch auf das
Reich befruchtend wirken. Man kämpfe in Deutſch=Oeſterreich nicht
um Oeſterreich allein, ſondern um das deutſche Schickſal. Auch in
Oeſterreich ſoll das Hakenkreuz flattern. In dieſem Kampfe ſollen
die Reichsdeutſchen Kameraden ſein! (Heil.) Minutenlanger
Bei=
fall dankte Pg. Stadler.
Sturmführer Bonifer gelobte, für ſeine Kameraden ſtets an
die öſterreichiſchen Brüder zu denken. Er verlas eine Entſchließung,
in der es heißt: Die bei einer öſterreichiſchen
Kundge=
bung der verſammelten SA. der Techniſchen Hochſchule
und Fachſchulen Darmſtadts, Mitglieder des „Kampfringes der
Deutſchöſterreicher im Reich” und der Darmſtädter Bürger
beken=
nen ihre tiefe Verbundenheit mit den um die Freiheit kämpfenden
Brüder in Oeſterreich in der ſicheren Gewißheit des Sieges der
Freiheitsbewegung Adolf Hitlers.
Nachdem noch 1000 Sympathiebriefe überreicht worden waren,
wurde mit dem Deutſchland= und Horſt=Weſſel=Lied die
Kund=
gebung geſchloſſen.
Verbok bäuerlicher Trachten bei
Faſſnachks=
veranſtalkungen.
Die Polizeibehörden weiſen nochmals darauf hin, daß das
Tragen bäuerlicher Trachten auf Maskenbällen und ähnlichen
Ver=
anſtaltungen nicht geſtattet iſt, da es nicht angeht, daß das
bäuer=
liche Ehrenkleid als Faſchingskoſtüm verwandt wird. Es darf
wohl angenommen werden, daß die Bevölkerung hierfür
hin=
reichendes Verſtändnis zeigt, ſo daß Zwangsmaßnahmen nicht
er=
forderlich werden.
ährt bei
Rheuma • Gicht
Kopfschmerzen
Ischias, Hexenschuß und
Erkältungskrank-
heiten. Stark harnsäurelösend,
bakterien-
tötend! Absolut unschädlichl Ein Versuch
überzeugt! Fragen Sie Ihren Arzt.
Aus den Darmſtädter Lichtſpielkheakern.
Palaſt.
Aus der NSDAP.
N5.-Volkswohlfahrk Orisgruppe Rheinkor (IIh
Darmſtadt.
1. Brotausgabe heute (Freitag) in der Geſchäftsſtelle.
Rheinſtraße 62 (Bauernkammer)
vormittags von 9—12 Uhr.
nachmittags von 3—5 Uhr.
Kücheneſſer kommen bei der Ausgabe nicht in Betracht.
2. Die Liſten über die Pfundſammlung ſind durch die
einzel=
nen Zellen ſofort zu erledigen und ſpäteſtens am Samstag
nach=
mittag 16 Uhr auf der Geſchäftsſtelle abzugeben.
NS. Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Maintor.
8,30 bis 12,30 Uhr und nachm. von 3 bis 6 Uhr ſtatt
Die Helfer und Helferinnen wollen ſich pünktlich einfinden.
NS. Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Darmſtadt. Gervinus.
Die Brotverteilung erfolgt für die Bedürftigen Buchſtabe
A—Z am Freitag, den 9. Februar, vormittags von 9—12 Uhr
und nachmittags von 2—6 Uhr.
Ortsgruppe Darmſtadt — Gutenberg.
Nächſte Brotausgabe für die bis 6. 1. 1934 gemeldeten
Hilfe=
ſuchenden findet am Freitag, dem 9. Februar, nachmittags von
1—5 Uhr in den Räumen der Geſchäftsſtelle, Alexanderſtraße 26.
ſtatt. Kücheneſſer werden nicht berückſichtigt. Ausweiſe ſind
mit=
zubringen.
„Gretel zieht das große Los”, d. h., eigentlich ſtimmt die
Nummer nicht ganz, weil ganz am Schluß der richtigen Zahl eine
3 ſteht, die eigentlich eine 8 ſein müßte. Aber weil Gretel ſo
furcht=
bare Angſt hat, daß ſie ihre Stelle verliert (weil ſie wieder
ein=
mal zu ſpät ins Geſchäft gekommen iſt) erfindet ſie die Ausrede
mit dem großen Los und macht den kleinen Unterſchied zwiſchen
einer 3 und einer 8 noch ein bißchen kleiner. Von den Folgen dieſer
Handlung hat ſie ſo wenig eine Vorſtellung wie der Zuſchauer zu
Beginn des Films eine Ahnung davon hat, was für groteske
Szenen und Zwiſchenfälle ſich daraus ergeben, bis dann ganz zum
Schluß Gretel doch noch das große Los zieht — Was wir ſo mit
einigen Worten andeuten, iſt in dieſem Film zu einem köſtlichen
Luſtſpiel verarbeitet, das hauptſächlich auf der ſehr ausgebildeten
Charakterkomik von Lucie Engliſch beruht, in dem aber
da=
neben zur Erheiterung des Zuſchauers auch noch ſo bewährte
Luſt=
ſpieltypen wie Jakob Tiedtke. Hans Brauſewetter,
Hilde Hildebrandt mitwirken.
X
Ortsgruppe Darmſtadt — Gutenberg.
Am Freitag, dem 9. Februar, findet eine Amtswalterſitzung
im „Martinsglöckchen” um 8.30 Uhr abends ſtatt. Erſcheinen
ſämtlicher Amtswalter Pflicht!
Schulungskurſe finden ſtatt:
Freitag, 9. Februar, abends, Pfungſtadt.
Samstag. 10. Februar, abends 8,30 Uhr, Gräfenhauſen.
Es ſpricht der Kreisſchulungsleiter Pg. Borchert. Anfang
pünktlich 8,30 Uhr.
Nationalſozialiſtiſcher Lehrerbund, Kreis Darmſtadt=Stadt,
Wahlgruppe Volksbildung. Arbeitsſitzung; Freitag, den
9. Februar, 17 Uhr, im Saale 31 der Volkshochſchule. Neckarſtr. 3.
Bund Deutſcher Oſten Ortsgruppe Darmſtadt.
Mitglie=
derverſammlung. Ortsgruppenführer Lehmann gab in
ſeinen Eingangsworten einen Ueberblick über die Entwicklung und
Ausdehnung des Bundes, deſſen Schirmherr Oberpräſident Kube,
Berlin, iſt. Er wies vor allem darauf hin, daß es ſich bei dem
B. D. O. nicht um einen landsmannſchaftlichen Verein handele,
ſondern um einen Bund, deſſen Aufgabe die Förderung des
deut=
ſchen Oſtens ſei. Im Mittelpunkt des Abends ſtand ein Vortrag
von Landgerichtsdirektor v. Pfiſter=Darmſtadt über „Die
Schönheiten des deutſchen Oſtens‟. Der Vortragende.
der im letzten Herbſt eine größere Oſtlandfahrt unternommen hat,
gab in anſchaulicher Weiſe ein Bild von den landſchaftlichen,
architektoniſchen und kulturellen Beſonderheiten des deutſchen
Oſtens. In den Ausführungen kam alles das zum Ausdruck, was
der Oſtdeutſche kennt und ſchätzt, was der Volksgenoſſe aus dem
deutſchen Weſten aber bei einer Oſtlandfahrt unter allen
Umſtän=
den kennen und ſchätzen lernen wird. Aus den Worten des
Vor=
tragenden war im weſentlichen zu entnehmen: Deutſcher, beſuche den
deutſchen Oſten. Das Land jenſeits der Elbe iſt keineswegs jene
ſagenhafte Gegend, wo Fuchs und Wolf ſich gute Nacht ſagen!
Der intereſſante Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Vereins- und lokale Beranſtaltungen.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Turngemeinde Darmſtadt 1846. Der beliebt=
Turnermaskenball findet am Samstag, den 10. Februar, in
ſäm=
lichen Räumen des Turnhauſes ſtatt. Saalöffnung: 19.30 Uhr
Beginn: 20.15 Uhr. Vorverkauf nur Turnhalle Woogsplatz. Ein
trittspreis 1.20 RM.
Geſchäftliches.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Es wird auf die heutige Anzeige der Alige=
Eleo=
norenſchule, Friedrichsſtraße 4. aufmerkſam gemacht.
Tageskalender.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Reſtaurant Bender, täglich, von heute bis Faſtnacht
Konzert und Tanz.
Freitag, 9. Februar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 39 — Seite 7
Das (rbhofgeſetz in der Praxis.
Amksgerichtsdirektor dr. Eiſe über die Grundzüge der Handhabung des Erbhofgeſehes.
Sicherung bodenfkändigen Bauernkums.
Vor der erſten Verhandlung des Erbhofgerichkes.
** Geſtern vormittag fand im Amtsgerichtsgebäude die erſte
Sitzung des Erbhofgerichts ſtatt, jener Einrichtung, die für ein
geſundes. bodenſtändiges Bauerntum von ſo weittragender
Be=
deutung iſt. Die Wichtigkeit des Erbhofgerichts wurde damit
BerilhoDicer Berd Aul del Püde. Bededruiß zin
Fahnen des neuen Deutſchland geſchmückten Saale
Amtsgerichts=
direktor Dr. Eiſe die Grundzüge der Handhabung der Erbhof=
Rechtspflege gab.
M Sichen deu ertäce dergeſch. D Seie eeie
nover hin, die heute ſtattfinde. Er begrüßte beſonders die
Her=
ren Landesbauernführer und Kreisbauernführer, die zu der
Ver=
handlung erſchienen ſind. Vor der Verhandlung, die nicht
öffent=
lich iſt, halte er es für ſeine Pflicht, einige Grundſätze
bekannt=
zugeben, die für das Erbhofgericht maßgebend ſind.
Am 1. Oktober 1933 hat unſer großer Führer Adolf Hitler
in Bückeberg bei Hameln das Erbhofgericht als Geſetz verkündet.
Das Geſetz ſtellt den Kern des nationalſozialiſtiſchen
Wirtſchafts=
programms dar, das Gottfried Feder feſtgelegt hat. Es ſoll
ver=
nunftgemäß Klein=, Mittel= und Großbeſitz geben. Es ſoll ein
feſtes, bodenſtändiges Bauerntum geſchaffen werden als
Grund=
lage für den Beſtand der Nation. Der Staat muß alſo vor allem
die außerordentliche Verſchuldung der Bauernhöfe beſeitigen,
mußte eine Zwangsvollſtreckung unmöglich machen, und das
ge=
ſchah durch das Reichserbhofgeſetz, durch eine zweckmäßige
Ent=
ſchuldung und durch eine Umſchuldung der Erbhöfe. Wenn ein
Bauer meinen ſollte — obwohl es ſicher einen Bauer, der dieſe
Anſicht vertritt, kaum gibt —, er hätte nun ein ſchönes Leben, er
könnte ſich nach altgermaniſchen Begriffen auf die faule
Bären=
haut legen, ſo ſei dem entgegenzuhalten, daß jeder Bauer weiß,
daß für ihn der Grundſatz gilt: Im Schweiße deines
An=
geſichts ſollſt du dein Brot genießen. Sollte es aber doch einen
Bauer geben mit der oben angeführten falſchen Anſicht, ſo ſteht
es in der Entſcheidung des Gerichts, ob er „abgemeiert” werden
muß, denn den früheren römiſch=rechtlichen Eigentumsbegriff
haben wir nicht mehr. Der Hof gehört dem Bauern nicht im
früheren Sinn zu eigen, ſondern er iſt ihm übertragen vom Volke.
Das Anerbe iſt eingetreten. Der Bauer iſt Repräſentant auf
ſeinem Hofe für alle Zukunft. Vorbei iſt der römiſch=rechtliche
Begriff vom Eigentum, es gilt wieder das alte germaniſche
Recht: Beſitz iſt Lehen des Volkes. Nur in wenigen Gegenden
Deutſchlands hat ſich dieſe vernünftige Auffaſſung erhalten.
Welche Wirkungen die Zerſplitterung der Höfe hatte, ergibt ſich
beiſpielsweiſe bei der Aufſtellung des gerichtlichen Verzeichniſſes
der Erbhöfe in unſerer Gegend. In unſeren Nachbargemeinden,
die jede etwa aus 3000 Einwohnern beſteht, gibt es in Arheilgen
21, in Pfungſtadt 16, in Griesheim nur 2—3 Erbhöfe, in
Eber=
ſtadt gar keinen. Dagegen ſind in höheren Gebirgsorten weit
mehr Erbhöfe in viel kleineren Gemeinden.
Das Erbhofgeſetz kam gewiſſermaßen über Nacht. Das war
gut ſo. Es ſteht heute ſtark, ſtarr und unbeweglich vor uns.
Gewiß, er wiſſe, daß es viele Tränen gab und noch geben wird,
Er kenne die Fragen, die bei den Bauern wegen der Abfindung
der Söhne und Töchter auftauchen. Aber er dürfe wohl mit
Zuſtimmung der Anerbenrichter ſagen, daß für die
Uebergangs=
zeit die Härten, ſoweit es ſich mit dem Geſetze vereinbaren läßt,
abgemildert werden ſollen. Beiſpielsweiſe kann ein Hof nach
gerichtlicher Entſcheidung etwas verkleinert werden, wenn er
dann auch noch „bei Kräften bleibt”,
Zum Schluſſe betonte Amtsgerichtsdirektor Dr. Eiſe, daß
das Erbhofrecht marſchiert und marſchieren wird. Es werde
nicht geſchehen, daß das Geſetz des Führers, wie das im Jahre
1858 in Heſſen erlaſſene Geſetz, nur auf dem Papier ſtehe. Der
Staat iſt heute ſtark genug, ſeine Geſetze durchzuführen, und hat
die Hilfe der zuſtändigen Richter. Die beiden Laienrichter, die
nur dem Geſetz und ihrem Gewiſſen bei ihren Entſcheidungen
unterworfen ſind, werden mit ihm unabhängig Recht ſprechen.
Nach der feierlichen Vereidigung der beiden
Laien=
richter faßte der Vorſitzende den Dank für die Schaffung des
Bauerngeſetzes in ein dreifaches „Sieg Heil” auf den Führer
Adolf Hitler zuſammen. — Anſchließend wurde in die erſte
nicht=
öffentliche Verhandlung eingetreten.
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Von keiner Sachkenntnis getrübt war das Wirken und
Können des Darmſtädter Naturheilpraktikers
NikolausBurt=
ſchell, der ſich am Donnerstag vor der Großen
Strafkam=
mer wegen fahrläſſiger Tötung zu verantworten hatte. Burtſchell
iſt in Klein=Hauſen bei Lorſch im Jahre 1892 geboren. Er beſuchte
dort die Volksſchule und lernte den Kaufmannsberuf. Doch bald
fühlte er die Berufung in ſich, anderen zu helfen, und er machte
zunächſt mal einen Kurs mit bei dem Pſychophyſiognomiker und
Augendiagnoſtiker Hutter und einen Maſſagekurs durch. Schon
vor dem Kriege verſuchte er ſeine Kunſt bei Bekannten und
Ver=
wandten. Zunächſt aber ſchlug er ſich, da ihm anſcheinend der
kaufmänniſche Beruf wenig zuſagte, als Muſiker durchs Leben.
Nebenbei bildete er ſich aber immer weiter, wie er ſagt. 1923
ließ er ſich als Heilpraktiker nieder. 1927 kam er nach Darmſtadt,
und hatte hier in den letzten Jahren eine recht gutgehende Praxis.
Bis er im November vorigen Jahres offenſichtlich Pech hatte. Er
wurde eines Tages zu einer Frau gerufen, die über Schmerzen
im Leib klagte, und ſeine erſte und unmittelbare Diagnoſe lautete
auf Eierſtockentzündung. Pflichtgemäß hätte er daraufhin den Fall
an einen approbierten Arzt weitergeben müſſen. Er begann aber
ſeine Behandlung mit Augendiagnoſe, er pendelte ſeine
aſtrobio=
logiſchen Mittel aus, und als eines der Mittel, auf das er ſchwor,
ihn eines beſſeren belehrte, war er gern bereit, zu glauben, daß
die Frau nur Darmgeſchwüre hätte. Er glaubte außerdem auch
Blähungen feſtzuſtellen, und fing daher an, die Frau zu maſſieren.
Dem Ehemann wurde die Sache aber allmählich zu bunt, und es
wurde ein Arzt beſtellt, der ſofort eine ſchwere
Unterleibsent=
zündung feſtſtellte und die Ueberführung ins Krankenhaus
anord=
nete. Am nächſten Tag wurde die Frau operiert. Das Herz war
jedoch durch die zwei Fieberwochen und durch rieſige Eitermengen
im Körper derart geſchwächt, daß es bei der Operation trotz aller
Bemühungen der Aerzte verſagte und die Frau ſtarb. Der Arzt
bekundet in der Verhandlung, daß man derartigen Eiterſäcken von
Kindskopfgröße überhaupt nur noch in alten Lehrbüchern
begeg=
nen würde. Allerdings habe die infektiöſe Entzündung bei der
Frau ſchon ſicher monatelang beſtanden, ſei aber durch die
ver=
kehrte Behandlung, insbeſondere die Maſſage des Angeklagten,
derartig aufgeflackert. Wäre die Frau zu Beginn der 14tägigen
Behandlung in die Hände eines erfahrenen Arztes geraten, dann
wäre ſie aller Wahrſcheinlichkeit noch zu retten geweſen. Der
An=
geklagte hat ein höchſt unſicheres, dabei doch recht ſelbſtbewußtes
Auftreten. Geradezu erſchütternd ſind ſeine Sachkenntniſſe. So gibt
er zum Beiſpiel ohne weiteres zu, er habe noch nicht gewußt, daß
eine wechſelnde Fieberkurve das ſichere Zeichen einer infektiöſen
Erkrankung ſei. Er ſteht außerdem auf der unglaublichen naiven
Anſicht, daß, wenn Eiter in die Bauchhöhle gelange — was ſeiner
Meinung nach bei der Overation geſchah — ja das Herz unbedingt
ſofort ſtillſtehen müſſe. Das Gericht erkennt gegen den
Angeklag=
ten auf eine Gefängnisſtrafe von einem Jahr und drei
Monaten. Der Vorſitzende führt aus, daß das Gericht hier
keineswegs Stellung zu nehmen gedenke gegen die Naturheilkunde
im allgemeinen, daß es aber nicht angehe, daß jemand mit einem
derartigen Dilettantismus und einer Unſicherheit und dabei mit
ſolcher Selbſtüberheblichkeit vorgehe, wie der Angeklagte, der
un=
glaublich fahrläſſig gehandelt habe. Die Unterſuchungshaft wird
mit 2 Monaten angerechnet und der Haftbefehl aufgehoben.
Brieſkaſſen.
„Dr
Anfrage iſt die letzte Bezugsqulſtung beizufügen. Anonyme Anfragen wurten
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkelt.
„Angeſtellter.” Alle die angeführten, wiederkehrenden
Be=
züge, die zuſammengerechnet den Betrag von 1300 RM. und mehr
im Jahre überſteigen, ſind einkommenſteuerpflichtig.
Langjähriger Abonnent, hier. Doorn, Holland.
Aus Heſſen.
E. Wixhauſen, 8. Febr. Die hieſige NS.=Hago=
Orts=
gruppe veranſtaltete einen Schulungsabend. Geſchäftsführer
Pg. Schmidt hielt einen Vortrag über die Organiſation der NS.=
Hago. Er führte u. a. aus, daß die NS.=Hago als
wirtſchaftspoli=
tiſche Vertretung der Handwerker und Gewerbetreibenden die
Aufgabe hat, ihren Mitgliedern nationalſozialiſtiſches
Gedanken=
gut zu übermitteln. Alsdann ſprach Propagandaleiter Rebſcher:
Im Jahre 1934 wird der Staat organiſch weiterentwickelt. Es iſt
erforderlich, daß auch der Handwerker und Gewerbetreibende in
nationalſozialiſtiſches Wirtſchaftsdenken eindringt. — Der evgl.
Frauenverein hat ſeine Mitglieder zu einem
Kaffeekränz=
chen eingeladen. Jung und alt hatten ſich zahlreich eingefunden.
Durch Aufführung eines Theaterſtückes und allerlei Voxträge war
für Unterhaltung beſtens geſorgt. Namentlich hatte Frl. Höcker
durch einen heiteren Vortrag alle Anweſenden ergötzt.
J. Griesheim, 5. Febr. Hohes Alter. Seinen 89.
Geburts=
tag beging in körperlicher und geiſtiger Friſche unſer Ortsbürger
Schuhmachermeiſter Hellwig Funk, Bahnhofſtraße.
G. Ober=Ramſtadt, 8. Februar. Hohes Alter. Bei
verhält=
nismäßig guter Geſundheit vollendete Herr Karl Fiſcher X.,
Darmſtädter Straße 17, heute ſein 76. Lebensjahr.
TAgetteEU
f. Roßdorf, 7. Februar. Der Geſangverein „Concordia” hielt
im „Darmſtädter Hof”, wie alljährlich, ſeinen Vereinsball, der
gut beſucht war. Zahlreiche Ueberraſchungen aller Art brachten
gute Stimmung und hielten die Teilnehmer bis zum Tagesgrauen
beiſammen. — Als Erſatzortsgerichtsmänner wurden Wilhelm
Gunkel 2 und Philipp Auguſt Roos beſtimmt.
An. Groß=Zimmern, 8. Febr. Familienabend des
Männergeſangvereins. Nach einem von der Kapelle
Reitzel ſchneidig aufgeſpielten Eröffnungsmarſch hielt der
Ver=
einsführer eine temperamentvolle Anſprache und ernannte acht
verdiente Sangesbrüder zu Ehrenmitgliedern des Vereins. Das
abwechſlungsreiche Programm ſah neben Muſikvorträgen und
Ge=
ſangsdarbietungen zwei reizende Einakter vor, die unter Leitung
von Hans Lorz ſehr wirkungsvoll und mit beſtem Erfolg
aufge=
führt wurden. Zum Schluſſe wurde am Ausgang für das
Winter=
hilfswerk eine Tellerſammlung veranſtaltet.
Cg. Reinheim, 8 Februar. Der Evang. Frauenverein
hatte in den Gemeindeſaal zu einem Kaffeeabend eingeladen. Frau
Pfarrer Hein bat in der Begrüßung, alle möchten mithelfen, daß
die Gemeinſchaft ein Herz und eine Seele werde. Mit vielem
Hu=
mor gewürzt wurden „Die vier Jahreszeiten flott geſpielt, ebenſo
die Aufführung für drei Damen „Stadt und Land”, Frau Kilian=
Kaiſer ſang „Das trutzige Dirnd’!” unter Begleitung von Fräulein
Müller. Das Schlußwort ſprach Pfarrer Dr. Meiſinger, hoffend,
daß der Abend allen in recht guter Erinnerung bleiben möge.
Dd. Asbach, 8. Febr. Aus dem Gemeinderat. Die
Holzverſteigerungen vom 1. und 2. Februar wurden genehmigt
und als erſter Abfuhrtag der heutige Tag beſtimmt. Ferner wurde
beſchloſſen, den Fahrweg am Gaſthaus Hofferbert zu chauſſieren,
um den Arbeitsloſen Beſchäftigung zu geben. —
Werkſtatt=
brand. Einem hieſigen Schreiner brannte während der Nacht
die Werkſtatt vollſtändig aus. Das Feuer konnte jedoch nicht
weitergreifen, da ſich der Raum im Keller befand, der ganz von
Steinmauern umgeben iſt.
Eine Schenkung für die Schnlung
der jungen Kämpfer für das Dritte Reich.
LPD. Gießen, 8 Febr. Graf Solms=Laubach in
Lau=
bach hat dem Reichsſtatthalter in Heſſen eine Schenkungsurkunde
übermittelt, in der es heißt: „Hiermit ſchenke ich in oberheſſiſcher
Dankbarkeit und Verehrung dem Reichsſtatthalter in Heſſen Jakob
Sprenger das auf hiſtoriſch bedeutſamem Boden, neben dem
Wahrzeichen der Wetterau, der Burgruine Münzenberg, gelegene
Wohnhaus meines Hofgutes Münzenberg mit dazu gehörigem
Grasgarten, mit der Bitte um Verwendung für die
national=
ſozialiſtiſche Bewegung insbeſondere die Schulung der jungen
Kämpfer des Dritten Reiches. Heil Hitler! Laubach, am 8.
Neb=
lung 1933 gez. Graf Solms=Laubach.”
Der Herr Reichsſtatthalter Sprenger hat die hochherzige
Schenkung der Hitlerjugend Oberheſſens überlaſſen, die in dem
Gebäude ihre Führerſchule des Oberbannes Oberheſſen errichtet,
deren Einweihung und Eröffnung am kommenden Samstag in
Anweſenheit des Herrn Reichsſtatthalters Sprenger und des
Ge=
biets Heſſen=Naſſau der Hitler=Jugend ſtattfinden wird. In dem
Hauſe ſind im Erdgeſchoß die Küche, Vorratsräume, Waſch= und
Baderäume Verwaltungszimmer und Empfangszimmer für Gäſte
enthalten, der 1. Stock enthält die Wohn= und Aufenthaltsräume
der Kurſusteilnehmer, im 2. Stock ſind Räume für Heimabende
und Zimmer für Gäſte uſw. vorgeſehen. Ein Sportplatz iſt
gleich=
falls vorhanden.
r. Babenhauſen, 6. Febr. Ihren 5 politiſchen
Schu=
lungsabend hielt die NSDAP. im Gaſthaus „Zum Adler”
ab. Er war ſehr ſtark beſucht. Nach Begrüßungsworten des
Orts=
gruppenleiters Pg. Hoxſt, der es als vornehmſte Pflicht
bezeich=
nete, die politiſche Schulung unſerer Volksgenoſſen durchzuführen,
ſprach der Schulungsleiter, Pg. Aſſeſſor Kratz, in faſt 2ſtündiger
eindrucksvoller Rede über das bedeutungsvolle Thema: „
Marxis=
mus und Nationalſozialismus”. In der erſten Strophe des Horſt=
Weſſel=Liedes und einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer
klang der Abend aus.
Ag. Lindenfels, 8. Febr. Denkmal=Errichtung! Auf
der Bürgermeiſterei in Lindenfels, ſind Unterlagen einzuſehen,
denen zufolge hier die Errichtung eines Denkmals ernſtlich
er=
wogen wird. Es ſoll dies ein Mahnmal werden zur Erinnerung
an den Aufbruch der Nation 1933, und ſollen die ortsanſäſſigen
Architekten, Zeichner und Techniker aufgefordert werden,
ent=
ſprechende Zeichnungen, Modelle oder Entwürfe einzureichen. —
Burgfeſt 1934! Zur Erhaltung Odenwälder Trachter,
Sit=
ten und Gebräuche iſt das diesjährige Burgfeſt auf den 28., 29.
und 30. Juli feſtgelegt worden.
Bb. Bensheim, 8. Februar. Ausſtellung. In Gegenwart
zahlreich erſchienener eingeladener Gäſte wurde in der Turnhalle
des Gymnaſiums die Ausſtellung heſſiſcher und heſſen=naſſauiſcher
Töpferkunſt eröffnet. Die Ausſtellung umfaßt über 1000 Nummern.
— Auf Veranlaſſung des hieſigen Haus= und Grundbeſitzervereins,
unterſtützt vom Bürgermeiſter und dem Reichsausſchuß für
Sach=
werterhaltung hielt Major a. D. Freiherr von Maſſenbach, hier,
in den vollbeſetzten beiden Sälen des „Deutſchen Hauſes” einen
Lichtbildervortrag über die beiden Themen „Wie ſchütze ich mein
Haus und deſſen Bewohner vor Luftangriffen” und „Wie ſchütze
ich mein Haus vor Verfall‟. Die durch Tonfilm und Filmbilder
unterſtützten Vorträge erfreuten ſich größten und nachhaltigſten
Intereſſes. — Die Stadtverwaltung hat es erreicht, daß ihr die
Genehmigung zur Erbauung eines neuen Schlachthauſes erteilt
worden iſt. Damit hat die kommunale Bautätigkeit erneuten
An=
reiz bekommen.
t. Gernsheim, 8. Febr. Schulungsabend der NSDAP.
Der geſtrige Schulungsabend im „Darmſtädter Hof” wies einen
ſtarken Beſuch auf. Schulungsleiter Pg. Kauth gab einen trefflichen
Ueberblick über die Außenpolitik. Pg. Kiſſel referierte über die
Innenpolitik. Ein Lichtbildervortrag über „Volksfürſorge” fand
bei den Zuhörern reichen Beifall. Die ſchneidige SA.=Kapelle
um=
rahmte den Abend mit Muſikvorträgen.
— Gernsheim, 8. Februar. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 7. d. M.: —1,14 Meter, am 8. d. M.: —1,13 Meter,
jeweils morgens 5,30 Uhr.
Bm. Hofheim (Ried), 7. Febr. Kirchenbau. In der
„Krone” hatte der evangeliſche Kirchengeſangverein ſeine
Jahres=
verſammlung, wobei neben der übrigen Tagesordnung beſchloſſen
wurde, auf behördlichem Wege darum einzukommen, daß der
ge=
plante Kirchenbau im Rahmen des Arbeitsbeſchaffungsprogramms
durchgeführt wird, womit die hieſigen Erwerbsloſen in Arbeit
ge=
bracht werden könnten.
Bm. Hofheim (Ried), 6. Febr. Eierſammelſtelle. Zwecks
Gründung einer Eierſammelſtelle fand in der „Ebertsburg” eine
Verſammlung ſtatt, in der Gaufachbearbeiter Pg. Eckhard einen
ſehr belehrenden Vortrag über die Notwendigkeit der Eier=
Ge=
noſſenſchaft hielt. Eine Eierſammelſtelle wird in den nächſten
Tagen gegründet und erteilt Ortsfachberater Kärcher auf alle
ein=
ſchlägigen Fragen jederzeit Auskunft.
Cp. Klein=Gerau, 6. Febr. Ein Kleintierzuchtverein
wurde hier am Samstag abend gegründet. Dem neuen Verein
traten bereits 20 Züchter als Mitglieder bei.
Bm. Hofheim (Ried), 6. Febr. Verſchiedenes. Im „
Kaiſer=
hof” fand eine Verſammlung der hieſigen Ortsgruppe vom
Reichs=
bund der Kinderreichen ſtatt, in der Herr Barbian=Lorſch einen
Vortrag hielt über „Die Familie im neuen Reich”. — Am 5. Febr.
beging Frau Eliſabeth Wetzel Wwe, ihren 76. Geburtstag.
Da. Egelsbach, 7. Febr. Der Kreisführer des
Winterhilfs=
werkes im Kreiſe Offenbach, Pg. Straſſer, ſprach im
Eigenheim=
ſaale dahier vor zahlreichen Zuhörern über „Das
Winterhilfs=
werk und die NS.=Volkswohlfahrt im Lichte ihrer Bedeutung für
die Volksgemeinſchaft” und zeichnete in klaren Ausführungen ein
intereſſantes Bild von dem, was das Winterhilfswerk bis jetzt
beiſpielsmäßig im Kreiſe und in der Stadt Offenbach geleiſtet hat.
Die Zahlen, die der Redner nannte, ſetzten jedermann in
Er=
ſtaunen.
Db. Urberach, 6. Febr. Kath. Männerverein. Am
Sonntag, den 4. Februar, fand hier die Bezirksverſammlung der
Kath. Männervereine des Bezirkes Dieburg ſtatt. Verbunden mit
dieſer Bezirkstagung hat der Männerverein Urberach ſein 40 Jubiläum im ſchlichten Rahmen eingefügt. Zu
dem Gottesdienſt am Feſtnachmittag waren zahlreiche
Bruderver=
eine aus der Umgebung erſchienen. Nach dem tagte der
Bezirks=
vorſtand im engeren Kreis, woran ſich die Bezirksverſammlung im
„Schwanen” anſchloß. Vor bis auf den letzten Platz beſetztem
Saale nahmen Diözeſanpräſes Weißbecker=Mainz ſowie Pfarrer
Kuhn=Niederroden das Wort, um in Themen über die innere Kath.
Aktion ſowie zur gegenwärtigen Weltanſchauung Stellung zu
nehmen. Ganz beſonders aber wurde betont, an der weiteren
Ar=
beit des Dritten Reiches tatkräftig mitzuhelfen und zu wirken.
Lacht Euch von Sorgen krei.
Und schweigt, Ihr grämlichen Philister, Laßt die Narren Possen treiben,
denn auch die Lust gehört zum Leben.
So soll es sein am kommenden Sonntag, der dem närrischen Funk
ge-
hört. Wie stehts, habt Ihr schon einen SABA-Radio-Apparat zu Haus?
Das eine müßt Ihr wissen: Ein SABA läßt Euch nie im Stich! Aus ihm
werden die munteren Spässe in ungestörter Folge in die Stube tanzen!
SOM TMTO
LEHRTEUCH LACHEN!
ScHWARZWALDER APPARATE-BAU-ANSTALT • AUGUST SCHWER SOHNE GMBH • WILLINGEN-SchW.
Arföbslicher Prosnatt F 5 vnd Laruasasellegnachwafs kestenfes und vaverbiadtlet
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 9. Februar 1934
Seite 8 — Nr. 33
Dr. Goebbels beſucht die hannoverſche Garniſon.
Die feierliche Verkündung der neuen Skudenken=Berfaſſung.
In Gegenwart des Führers fand in Berlin die feierliche Verkündung der Verfaſſungen der
Reichs=
ſchaft der Studierenden, der deutſchen Studentenſchaft und der deutſchen Fachſchulſchaften durch
Reichsinnenminiſter Dr. Frick ſtatt. Die neue Verfaſſung hebt die Studentenſchaft auf eine neue
Stufe ihrer Bedeutung.
Generalleutnant Fleck, Befehlshaber im Wehrkreis VI, verabſchiedet ſich von dem
Reichsprovaganda=
miniſter. Dazwiſchen Generalmajor v. Dalwigk, der Kommandeur der Kavallerie=Schule Hannover.
Reichspropagandaminiſter Dr. Goebbels unternimmt zur Zeit mehrere Reiſen zu den Standorten der
Reichswehr, um vor Offizieren und Mannſchaften, über die nationalſozialiſtiſche Idee zu ſprechen.
Skurmfluk an der Nordſeeküſte.
Fiſchkutter „Condor” untergegangen.
Bremen. Für die deutſche Nordſeeküſte
droht zurzeit erhöhte Sturmgefahr. In der Nähe
des Hoheweg=Leuchtturms geriet Donnerstag
vor=
mittag der Fiſchkutter „Condor” aus
Wilhelms=
haven in Seenot. Das Schiff iſt untergegangen.
Ueber das Schickſal der Beſatzung war noch nichts
zu erfahren. Einige Fiſchdampfer, die in dem
Ha=
fen einliefen, haben erhebliche Schäden erlitten.
Die Schiffahrt hat durch den ſtarken Sturm
aller=
lei Verzögerung erfahren. So konnte der Hapag=
Dampfer „New York”, der Mittwoch abend von
Bremerhaven nach Hamburg auslaufen ſollte, erſt
Donnerstag früh die Columbia=Kaje verlaſſen.
Lloyddampfer „General von Steuben”, der
Don=
nerstag morgen auslaufen ſollte, muß erſt
günſti=
geres Wetter abwarten.
Ein Funkkurm auf dem Flugplaßz
Fuhls=
bükkel infolge des Sturmes eingeſtürzk.
Hamburg. Dem ſchweren Sturm iſt am
Donnerstag nachmittag auf dem Flugplatz
Fuhls=
büttel der weſtliche der beiden großen
Funk=
türme zum Opfer gefallen. Der ganze Funkturm
ſtürzte unter donnerähnlichem Krachen zu Boden
Perſonen ſind nicht zu Schaden gekommen. Man
befürchtet, daß auch der zweite Funkturm dem
Sturm nicht gewachſen ſein wird. Die
Feuer=
wehr hat bereits Vorſichtsmaßnahmen ergriffen.
Der Schaden iſt zwar erheblich, doch ſteht dem
gegenüber, daß ohnehin die Beſeitigung dieſer
beiden Funktürme geplant war. Der Flugverkehr
iſt durch den Einſturz des Funkturmes nicht
be=
hindert. — Auch im Innern der Stadt hat
der Sturm an verſchiedenen Stellen durch
Ab=
reißen von Dächern und Eindrücken von
Schau=
fenſterſcheiben Schäden angerichtet. Im Altonaer
Hafen ſind zwei Fahrzeuge leck geſchlagen und
abgeſackt.
Die Reviſionsverhandlung im Gereke=Prozeß.
Leipzig. Das Reichsgericht hat am
Don=
nerstag über die gegen das Urteil der Großen
Strafkammer beim Landgericht I Berlin, vom
16. 6. 1933 eingereichten Reviſionen zu
entſchei=
den. Das angefochtene Urteil war gegen den
früheren Reichskommiſſar für Arbeitsbeſchaffung,
Landrat a. D. und Landwirt Dr. Günther Gereke,
wegen fortgeſetzter Untreue auf 2½ Jahre
Ge=
fängnis und 1000 RM. Geldſtrafe erkannt
wor=
den, der Verbandsſekretär Oskar Freigang hatte
wegen Beihilfe hierzu eine viermonatige
Gefäng=
nisſtrafe erhalten.
S.O.S.=Rufe eines franzöſiſchen Dampfer.
Paris. Mehrere franzöſiſche Radioſtationen
haben am Donnerstag früh S.O.S.=Rufe des
franzöſiſchen Dampfers „Loiret S.” aufgefangen,
der ſechs Meilen von Chaſſiron (Inſel Ré)
ge=
ſtrandet ſein ſoll.
Der erſte Gendarmerie-=General
Preußens.
Der bisherige Landjägeroberſt Schoepplenberg
wurde nach Umbenennung der preußiſchen
Land=
jägerei in Gendarmerie zum Gendarmerie=General
befördert.
Reich und Ausland.
Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund.
In feierlicher Sitzung von Geſamtvorſtand und
Vertreterinnen der Ortsgruppen des Deutſch=
Evangeliſchen Frauenbundes fand in Hannover
die Amtsübergabe an die am Vortage gewählte
neue Bundesvorſitzende ſtatt, Fräulein lic. theol.
Meta Eyl, Hannover, die in einer geiſtvollen,
mit größtem Intereſſe aufgenommenen Anſprache
ihre Auffaſſung von den Aufgaben des Deutſch=
Evangeliſchen Frauenbundes in der Gegenwart
darlegte. Der ſcheidenden Bundesführerin, Frau
D. theol. h. c. Paula Mueller=Otfried,
die in faſt 33jähriger, unermüdlicher Tatkraft den
Deutſch=Evangeliſchen Frauenbund aufgebaut hat,
wurde von Vertreterinnen der Landesverbände
und Ortsgruppen, von der Leiterin des von ihr
gegründeten Chriſtlich=Sozialen, Frauenſeminars,
von der Vorſitzenden des angeſchloſſenen
Evange=
liſchen Verbandes ſozialer Jugendgruppen in
be=
wegten Worten gedankt für ihre Lebensarbeit.
Die neue Vorſitzende, lic. theol. Meta Eyl, hat
im Gemeindedienſt in Hannover, wie in der
Stu=
dentinnenſeelſorge der Univerſität Göttingen
ge=
arbeitet und ſtand dem Deutſch=Evangeliſchen
Frauenbund in beſonderer Weiſe während
eini=
ger Jahre nahe durch Reiſe= und
Vortragstätig=
keit und durch ihren Unterricht an ſeinem
Chriſt=
lich=Sozialen Frauenſeminar.
Geh. Oberbaurat Dr.=Ing. e. h. Schmick †.
München. Kurz nach der Vollendung ſeines
75. Lebensjahres iſt Geh. Oberbaurat Rudolf
Schmick infolge Herzſchwäche im Nymphenburger
Krankeahaus geſtorben. Er war
Ehrenvorſitzen=
der der Deutſchen Geſellſchaft für Bauweſen und
Ehrenmitglied des Münchener Architekten= und
Ingenieurvereins.
Bildhauer Auguſt Kraus †.
Berlin. Der mit der ſtellvertretenden
Wahr=
nehmung des Amtes des Präſidenten der
Preußi=
ſchen Akademie der Künſte beauftragte Bildhauer
Prof. Auguſt Kraus iſt am Donnerstag
vormit=
tag im Alter von 65 Jahren durch Herzſchlag
ver=
ſchieden.
Erneſto Aueſada F.
Spinz (Berner Oberland) In der
vorver=
gangenen Nacht ſtarb hier nach kurzem Leiden der
berühmte Soziologe und Geſchichtsſchreiber
Süd=
amerikas Profeſſor Erneſto Queſada. Der
argen=
tiniſche Gelehrte ergriff urſprünglich die
Diplo=
matenlaufbahn und wurde nachher Gener
lſtaats=
anwalt in Buenos Aires. Gleichzeitig wirkte er
an den Univerſitäten in Buenos Aires und La
Plata. In den letzten Jahren wurde er auch
Helbſtmord des Direkkors des Königlich
Ungariſchen Aukomobilklubs.
Budapeſt. Der Direktor des Königlich
Ungariſchen Automobilklubs Edmund Deghy hat
ſich vergiftet. In ſeinem Abſchiedsbrief gibt er
als Grund ſeines Selbſtmordes an, daß er
in=
folge hochgradiger Blutarmut ſich dem
Automo=
bilſport nicht mehr widmen könne. Ohne
Auto=
mobilſport bedeute ihm das Leben aber nichts.
Selbſtmord des Hauptangeklagten Nolte
im Detmolder Beſtechungsprozeß.
Detmold. Der am geſtrigen Donnerstag
beginnende Beſtechungsprozeß gegen den früheren
Direktor des Elektrizitätswerks in Lemgo, Nolte,
brachte bei Eröffnung der Verhandlung eine
Ueberraſchung. Der Vorſitzende teilte mit, daß
der Hauptangeklagte Nolte, als die Beamten des
Gerichtsgefängniſſes ihn hätten vorführen wollen,
in ſeiner Zelle erhängt aufgefunden worden iſt.
Direktor Nolte war beſchuldigt Beſtechungsgelder
im Geſamtbetrag von etwa 36 000 RM.
angenom=
men zu haben, die ihm von den Mitangeklagten
gezahlt wurden. Die Mitangeklagten ſind zum
Teil Vertreter großer Firmen.
Südamerikapoſt nach Rio unterwegs.
Rio de Janeiro. Das erſte Flugzeug im
planmäßigen Luftpoſtdienſt der Deutſchen
Luft=
hanſa über den Südatlantik iſt am Mittwoch,
ge=
gen 20 Uhr MEZ., von Natal nach Rio de
Janeiro geſtartet.
Vor 30 Jahren: Ruſſiſch=japaniſcher Krieg.
Oben: Japaniſche Truppen landen auf der Halbinſel Liautung in der Nähe von Port Arthur.
In der Mitte rechts: General Nogi, der Erſtürmer von Port Arthur.
Unten: Blick auf den Hafen von Port Arthur mit ruſſiſchem Kreuzer im Dock.
Vor 30 Jahren, im Februar 1904, brach der ruſſiſch japaniſche Krieg aus, der zum erſten Male der
Welt zeigte, daß in Japan eine Großmacht herangewachſen war, die es mit dem als unbeſiegbar
geltenden Rußland aufnehmen konnte. Rußland verlor den Krieg völlig und mußte Japan
Gebiets=
teile ſowie ſeine Einfluß=Sphäre in der Mandſchurei abtreten. Damals begann Japan ſeine
Expan=
ſionspolitik auf dem aſiatiſchen Feſtland, die jetzt wiederum zu ſo ſchweren Konflikten mit Rußland
geführt hat, daß ein neuer Krieg faſt unvermeidbar ſcheint.
Honorarprofeſſor an der Berliner Univerſität. Er
ſchenkte dem deutſchen Staat die größte
Fach=
dibliothek Südamerikas, die als Queſada=
Biblio=
thek im Ibero=Amerikaniſchen Inſtitut in Berlin
untergebracht iſt. Sein Lebenswerk liegt in rund
290 Schriften vor, größtenteils in umfangreichen
Büchern. Sein 75. Geburtstag wurde kürzlich in
der alten und neuen Welt durch große
Feſtlich=
keiten gefeiert. Der Verſtorbene lebte ſeit Jahren
in Spinz. Er war verheiratet mit der bekannten
deutſchen Schriftſtellerin Leonore Deiters de
Queſada.
Reichsverband der Deutſchen Tierärzke
gegründel.
Berlin. In Berlin wurde, wie die NSK.
meldet, von den Vertretern der verſchiedenen
tier=
ärztlichen Vereinigungen und Verbände auf
Grund eines vom Reichsminiſter des Innern
ge=
billigten Satzungsentwurfs der Reichsverband
der Deutſchen Tierärzte gegründet. Der
Reichs=
verband wird unter die Aufſicht des
Reichsmini=
ſters des Innern geſtellt. Die Mitglieder der
bisherigen tierärztlichen Verbände und
Vereini=
gungen werden in den Reichsverband
überge=
führt.
Ein Volksſchädling in Schutzhaft genommen.
Karlsruhe. Wegen des Verdachts
be=
trächtlicher Steuerhinterziehungen und wegen
Vergehens gegen die Deviſengeſetzgebung wurde
vom Geheimen Staatspolizeiamt der
General=
direktor Prof. Dr. Hans Friedrich Bonte,
zur=
zeit in Heidelberg wohnhaft, in Schutzhaft
genom=
men. Der Zugriff ſeitens des Geheimen
Staats=
polizeiamts erfolgte ſo plötzlich, daß in der
Woh=
nung Bontes noch eine Unmenge ſchriftliches
Ma=
terial beſchlagnahmt werden konnte, wodurch man
weiteren Einblick in das in den letzten Jahren
äußerſt volksſchädliche Treiben des Genannten
gewinnen wird.
Freitag, 9. Februar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 39 — Seite 9
Suche nach Afrika — in Afrika.
Anf Entdeckungsfahrken in Tripolis. — Europa hat „geſiegt”. — Erkennkniſſe am Tor des Piazza Ikalia.
Japan eroberk Afrika.
Von unſerem Sonderberichterſtatter
Alfred W. Kames.
Tripolis, Anfang Februar.
Der erſte Eindruck der Stadt Tripolis iſt — enttäuſchend.
„Enttäuſchend” iſt vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Man
empfindet ſo ungefähr das, was der alte Fiſcher in
Strind=
bergs „Nach Damaskus” ausdrückt, wenn er, nachdem er ſeine
Sehnſucht nach dem Beſitz einer Fiſchreuſe erfüllt ſieht,
be=
dauernd ſagt: „Ja, das iſt das was ich mir das ganze Leben
gewünſcht habe, aber es iſt nicht ſo, wie ich es mir vorgeſtellt
habe.” — Sicher iſt die Vorſtellung, die man von Tripolis als
eine alte orientaliſche Seeräuberſtadt beſitzt, ganz anders, als
ſich die Stadt dann auf den erſten Blick darbietet.
In Wirklichkeit macht Tripolis zuerſt einmal den Eindruck
eines großen, ein wenig auf „orientaliſch” friſierten Riviera=
Kurortes. Ein wundervoller, mit rieſigen Palmen beſtandener
Quai, der jede Konkurrenz mit den berühmteſten Promenaden
der Riviera aushält, zieht ſich an dem vorzüglich ausgebauten
Hafen und weiter am Meer entlang. Große Gebäude, die jeder
Großſtadt Italiens und auch des übrigens Europas Ehre machen
würden, ſäumen ihn ein. Hinter dem Grand=Hotel, das ſeinen
Namen ebenfalls in jeder europäiſchen Stadt führen dürfte
er=
weitert er ſich zu einer prächtigen Gartenanlage, — wie
über=
haupt das ganze moderne Tripolis mit Recht Wert darauf legen
kann, eine Gartenſtadt genannt zu werden. Aber man kommt
nicht nach Nordafrika, und ausgerechnet in den Teil
Nord=
afrikas, der ſeiner hiſtoriſchen Entwicklung nach immer noch als
der urſprünglichſte gilt, um eine Gartenſtadt zu bewundern
Man ſucht Afrika, und deshalb iſt man auf den erſten Blick
enttäuſcht, wenn man von dieſem Erdteil zunächſt nichts anderes
ſieht, als einige braune und ſchwarze Menſchen, die teils mit
ein paar Lumpen kaum ihre Blöße verdecken oder mit großen
weißen Wolltüchern bis über den Kopf vermummt ſind. Auch die
paar hiſtoriſchen Bauten, die es hier gibt, das von deutſchen
Kreuzrittern erbaute Kaſtell am Hafen und der gut erhaltene,
aber eigentümlich kleine Triumphbogen des Kaiſers Marc Aurel
ſind nicht das, was man eigentlich ſucht.
Im Hotel verſchwindet erſt recht das Gefühl, nun in einer
anderen Welt zu ſein. Der Empfangschef iſt ein in Mailand
geborenen Deutſcher, der deshalb wohl ſeine Mutterſprache nicht
in allen Feinheiten beherrſcht. Zum Ausgleich dafür iſt der
Portier ein Italiener, der in Hamburg das Licht der Welt
er=
blickte und aus dieſem Grunde beſſer deutſch als italieniſch
ſpricht. Im übrigen iſt der ganze Zuſchnitt international, und
nur dadurch von dem Leben in großen internationalen Hotels
verſchieden, daß die Preiſe hier recht mäßig ſind. Das Hotel
hat ſelbſtverſtändlich ſeinen Speiſeſaal, ſeinen Tanz= und
Feſt=
ſaal, ſeine große Halle, ſeine Bar und was ſonſt noch eben alles
dazu gehört. Seine beſondere Attraktion aber iſt der von der
Gemeinde verwaltete Spielſaal, das „Caſino”. Hier werden
immerhin und ziemlich Abend für Abend Umſätze gemacht
deren ſich Monte Carlo wahrſcheinlich auch heute nicht zu
ſchämen brauchte. Der Mindeſteinſatz beträgt fünf Lire, der
Höchſtſatz dafür aber doch ſchon 3500 Lire. Wenn einer im Zuge
einer Glücksſträhne zehnmal hintereinander mit dem zwölffachen
Gewinn beim Höchſteinſatz herauskommt — und das iſt nicht
einmal ſelten — ſo kann er ein ganz hübſches Vermögen mit
mach Hauſe nehmen. Sofern er die Nerven beſaß, rechtzeitig
aufzuhören.
Nein, alles das iſt nicht Afrika. Iſt es auch dann nicht,
wenn am Spieltiſch ein in einen fleckenloſen weißen Burnus
gehüllter Tuareg=Scheich mit klaſſiſch geſchnittenem Geſicht
unbe=
wegt ſitzt und zu jedem Spiel, ob Gewinn oder Verluſt, den
Höchſtſatz auf „Zero” ſchiebt. Er fällt nicht einmal auf, obwohl
er innerhalb der Stunden, die er am Spieltiſch verbringt ein
großes Vermögen verſpielt. Das „Faites votre jeu”, das „Rien
ve va Plus” der Croupiers verklingt gleich unbeteiligt, gleich
wohlerzogen und weltmänniſch ob nun Zero herauskommt oder
ob das Pech an dieſem Sohn der Wüſte geradezu zu kleben
ſcheint. Europa hat offenſichtlich auf der ganzen Linie geſiegt.
Nein, das iſt nicht Afrika. Auch die Straßen ſind es nicht,
durch die man beim Abendſpaziergang bummelt, obwohl gleich
neben dem eleganten Luxus=Automobil plötzlich eine Karawane
von Kamelen auftauchen kann, die hochbeladen, im bedächtigen
Wüſtenſchritt ohne ſich um die Vorgänge links und rechts zu
kümmern, das europäiſche Viertel durchſchreitet. Ein prachtvolles,
neues Gouvernementshaus, in Gärten erbaut, die noch jetzt, Ende
Dezember, in verſchwenderiſchem Blütenreichtum prangen,
Bank=
paläſte, eine architektoniſch langweilige Kathedrale, eine „Galeria”,
wie man ſie in allen italieniſchen Städten findet
Geſchäfts=
häuſer Theater und Cafés — alles das kann überall ſein, kann
überall genau ſo neu, ſo gut gepflegt und ſauber angetroffen
werden. Ein Brunnen auf dem Piazza Italia, der von unten
mit farbig wechſelnden Lichtern beſchienen wird, offenbart einen
Kitſch, den man ſelbſt in Europa gern vermißt. Und doch iſt
gerade hier die Pforte Afrikas, denn gleich hinter dem Piazza
Italia beginnt das Afrika, welches man ſucht.
Eine hohe mittelalterliche Mauer, an das Kaſtell
an=
ſchließend, von einem breiten Torbogen durchbrochen, ſchließt
dieſen Mittelpunkt der Stadt nach der Weſtſeite zu ab. Man
läßt ſich von einem Strom farbiger Menſchen: Berbern, Arabern,
Juden, Negern und vereinzelt auch Europäer dazwiſchen, treiben.
biegt in eine dunkle Seitengaſſe ab und iſt plötzlich, ehe mans
noch recht verſpürte, mitten drin im wirklichen Orient.
Der Suk, das Eingeborenen= und
Eingeborenengeſchäfts=
viertel von Tripolis iſt noch heute ſo erhalten, wie es vor 50,
100 oder vielleicht auch vor Hunderten von Jahren war. Nur
die Elektrizität und die — Sauberkeit ſind hier eingedrungen als
einziges, was in dieſem Viertel europäiſch anmutet. Man kann
ſtundenlang durch die engen Gaſſen ſchreiten, die geheimnisvoll
ſind und dem Fremden immer geheimnisvoll bleiben. Weiße,
fenſterloſe Mauern, nur hier und da durch eine verwahrloſt
aus=
ſehende Tür und vielleicht durch ein kleines viereckiges mit
Holz=
ſtäben vergittertes Loch durchbrochen, rücken ſo nahe aneinander
heran, daß kaum zwei Menſchen nebeneinander Platz zum
Gehen haben.
Und eine unſägliche Stille liegt darüber. Selbſt der Schritt
der wenigen Menſchen, die durch dieſe Seitengäſſen ſchleichen,
hat etwas Geheimnisvolles an ſich und iſt kaum zu hören, da
man auf Pantoffeln oder nackten Fußſohlen läuft. Wenn man
einemal Frauen begegnet — die man hier übrigens nie allein
gehen ſieht — ſo ziehen ſie erſchreckt den Haik auch noch vor
den Augen zuſammen und wenden den Kopf ſeitwärts damit
kein unreiner Blick ihr Geſicht treffe. Sollten ſie ſo hübſch ſein,
daß das nötig iſt? Mal gelingt ſolchem Blick aber doch ein
Schnappſchuß, und was er dann haſcht — reizt eigentlich nicht
zur Wiederholung. Hier hat ſich alte mohamedaniſche Sitte in
ihrer ganzen Strenge, im Gegenſatz zur modernen Türkei, noch
völlig erhalten. Hier gibt es auch noch wirkliche Harems, in
denen die drei Frauen des Familienvaters inmitten einer Schar
von Nebenfrauen und Dienerinnen und ungezählter Kinder ihr
tatenloſes Daſein verleben.
Je weiter man in dieſes Gewirr von Gaſſen vordringt, in
dem man ſchließlich jede Orientierung verliert, um ſo ſtiller
wird es. Man iſt nun wirklich ganz von Europa abgeſchnitten
und ſchwimmt wie auf einem Meer von Träumen aus
Tauſend=
undeine Nacht dahin. Iſt man im Kreiſe gelaufen, daß man
plötzlich wieder in der Nähe des Hafens landet? Jedenfalls
ſteht man plötzlich auf einem freien Platz, auf dem ein Denkmal
für die Kriegsgefallenen errichtet wurde und dann verliert man
ſich, einen Haken ſchlagend, am Marc=Aurelsbogen vorbeigehend
wieder in ein neues Labyrinth von Gaſſen, die von Bögen
oder auch direkt von Holzdächern überdeckt ſind. War man
vor=
her in der Mohammedanerſtadt, ſo iſt man jetzt ins
Juden=
viertel eingedrungen. Hier werden die Gaſſen mit jedem Schritt
belebter. Vor den Haustüren ſpielen anſagbar ſchmutzige Kinder,
hier iſt Geſchrei, iſt Lärm, Hämmern und Arbeit. Viereckige
Kammern, nur notdürftig beleuchtet, öffnen ſich der Gaſſe zu.
Schneider ſitzt neben Schneider. Ein, zwei, drei Straßen lang;
dann kommt die Straße der Schreiner, die der Kürſchner und
dann die der Silberſchmiede, die köſtliche Armſpangen, Gürtel,
Ringe und Doſen mit immer gleichbleibenden, aber doch in
ſich ſtets wechſelnden Motipen ziſilieren. So wie in den
deut=
ſchen Städten des Mittelalters hat hier jedes Handwerk ſeine
eigene Gaſſe...
Dann iſt man plötzlich im Bazar. Hier ſind die Gaſſen alle
überdeckt, ſo daß auch am Tage ein geheimnisvolles Dunkel
herrſcht, das ſicher dem Handel vorteilhaft iſt, weil es die
Prü=
fung der Waren=Qualität erſchwert, Alles, was man ſich nur
denken kann, liegt hier zum Verkauf aus. Jeder Handelszweig
hat ſeinen eigenen Bazarteil und jeder Nachbar alſo macht dem
Nachbarn denkbar ſchärfſte Konkurrenz. Und wieder merkt man,
wie ſehr Europa über Afrika geſiegt hat. Wirklich afrikaniſche
Waren ſind außer den Silberarbeiten nirgends zu ſehen. Was
einem hier an echten Teppichen oder auch an buntfarbigen
Stof=
fen und Tüchern, ja ſelbſt an Lederwaren angeboten wird, kann
trotz ſeines afrikaniſchen Anſtriches ſeine italieniſche, deutſche
oder engliſche Herkunft nicht verleugnen. Europa hat geſiegt —
aber ſelbſt in dieſem eroberten Land erſteht ihm nun der
Kon=
kurrent, der ihm überall auf dem Weltmarkt zu ſchaffen macht:
Japan. Es gibt, hier mitten im Suk, ſchon eine ganze Reihe
von Japanläden, die den denkbar größten Zulauf haben, weil
ſie alles bieten, was des Eingeborenen Herz begehrt.
Als man das Tor am Piazza Italia durchſchritt, kam man
in eine andere Welt. Hier iſt Afrika, und ſofort iſt man
mitten=
drin in ſeiner Problematik.
Rundſunk=Programme.
Frankfurt: Freitag, 9. Februar
Nur für Freiburg; Werbekonzert.
Nur für Freiburg: Eigene Sendung.
Nur für Freiburg: Nachrichten.
Stunde der Frau: Weltgeſchichte am Spimrad.
Hamburg: Nachmittagskonzert. Kl. Funkorcheſter u. Soliſten.
Kraft durch Freude. Gedanken zur Organiſation. Zwiegeſpräch
zwiſchen H. v. WentochRetzwfki und L. Bender.
10.30:
10.50:
14.30:
14.40:
16.00:
17.35:
18.00: Stuttgart: Stunde der Jugend: Gunther Plüſchow und
18.25:
19.00:
20.10:
22.40:
23.00:
24.00;
Anſchl.
900:
10.50:
15.15:
16.00:
17.00:
17.25:
17.35:
18.05:
19.00:
Auft.
Freiherr von Hünefeld. — Zum dritten Todestage des
Fliegers von Tſingtau.
Köln: Engliſcher Sprachunterricht.
Breslau: Stunde der Nation: Ein Durchbruch zur
deut=
ſchen Muſik. Mitw.: Funkkapelle, Funkchor, Soliſten.
Ohne Arbeit kein Feiern. Durch Schwabenfleiß entſteht
ein Volksinſtrument. Hörbilder aus Troſſingen.
21.00: Stuttgart: Orcheſtermuſik. Das Südfunkorcheſter.
Karl Auguſt Woll. Zum 100. Geburtstag des Saardichters.
Dresden: Unterhaltungsmuſik der Dresdner Philharmonie.
Vom Schickſal des deutſchen Geiſtes. Gerhard Frommel:
Die muſikaliſche Entwicklung Friedrich Nietzſches.
Muſik.
Königswuſterbauſen.
Deutſchlandſender: Freitag, 9. Februar
Schulfunk: Volksliedſingen. — 9.40: Arbeiter erzählen z.,
Herm. Lindemann: aus „Menſchen auf der Flucht”.
10.10: Schulfunk: Seltſame Erlebniſſe m fremden Erdteilen.
Spielturnen im Kindergarten. — 11.30: Dr. Auſt: Iſt die
Erde übervölkert? — 11.45: Zeitfunk.
Ei Kampf um Rom. Querſchnitt von Irmtraut Hugi
aus Felir Dahns Roman zum 100. Geburtstag des Dichters.
München; „Veſperkonzert. Ltg.: Erich Kloß.
Wolfg. Stumme: Muſik — Jugend — Schule.
Dr. Kurt Burchardt; Stratoſphäre und Höhenſtrahlen.
Volkslieder für Frauenchor. Kammerchor Erich Hannemam.
Lachen im Alltag. Witz und Humor aus Fabrik u. Kontor,
Breslau: Stunde der Nation: Ein Durchbruch zu deutſcher
Muſik. Die Funkkapelle der Funkchor und Soliſten. Ltg.:
Riſchka. — 20.10: Oben=Ing. Nairz: Viertelſtunde
Funk=
technik. — 20.30: Oſtland ruft. Ei Heimabend der
Oſt=
deutſchen Hitlerjugend. — 21.00: Stuttgart: Orcheſtermuſik.
Das Südfunkorcheſter. Ltg.: Ferd. Droſt.
Breslau: Unterhaltungskonzert.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve.
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feuilleton, Reich
und Ausland und Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſe;fürden Schlußdienſt: Andreas
Bauer; für den Handel: Dr. C. 6. Quetſch; für Sport: Karl Böhmann: für „Die
Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nettei für den
Anzeigen=
teilund geſchäftlicheMitteilungen: Billy Kuhle, ſämtl. in Darmſlabt, D. A. I. 34: 23606
Druck und Verlag: 9. C. Wittich, Darmſtadt, Rheinſtraße 28.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rüchſendung nicht übernommen.
Copyright by Verlag Alfred Bechtbold, Braunſchweig.
(Nachdruck verboten).
31)
„Ah, ich verſtehe, was Sie meinen. Aber, hm, ich habe ein Gefühl
für überſinnliche Dinge. Liſa wird mich um Jahrzehnte überleben. Und
Ihr beide werdet, wie ich hoffe, Kinder bekommen, denn ſie iſt geſund,
geſund wie die Natur, in der ſie aufgewachſen iſt. Aber geſetzt den Fall,
daß ein unſanftes Schickſal .. . nein, daran iſt nicht zu denken. Ich bin
gewiß immer ſehr objektiv und korrekt, aber dieſe meine Bindungen
ge=
ſchehen nicht durch den, den Sie vor ſich ſitzen haben, ſie vollziehen ſich
durch jenen Udo von Geiben, der vielleicht ſchon nicht mehr lebt. Es ſind
zwei Naturen in mir, von denen die eine nach irdiſchen Begriffen ſich
ſehr fremd gebärdet. Als ich die Entdeckung machte, daß mein Geſchlecht
einſtmals dieſen unglücklichen Roland von Dingkela betrog, hatte ich den
Drang in mir, an den noch lebenden Gliedern dieſes Namens wieder
gutzumachen. In dieſe Zeit fiel die Geburt Liſas. Ich bat ihre Eltern
dringend, Pate ſtehen zu dürfen. Dabeileiteten mich zwei Geſichtspunkte.
Erſtens war mir die Möglichkeit gegeben, nach meinem Tode unauffällig
mein Patenkind als Erbin über mein Vermögen einzuſetzen. Man würde
das ſicherlich als eine originelle Tat meinerſeits bewundert und beſtaunt,
aber immerhin begreiflich gefunden haben. Ich hatte nicht nötig, alte
Sünden meiner Väter an die Offentlichkeit zu zerren. Ich ließ es mir
angelegen ſein, Liſa eine erſtklaſſige Erziehung zuteil werden zu laſſen,
damit ſie ſpäter den ihrem Vermögen und ihrer Stellung entſprechenden
Intellekt nicht zu vermiſſen brauchte. Durch die Weckung und Bildung
ihres ſchöngeiſtigen Empfindens ſollte ſie Herrin und nicht Dienerin
ihrer materiellen Güter werden. Zweitens war mir als Pate die
Möglich=
keit gegeben, der Vertraute eines Kindes zu werden — eines kleinen
Kindes . . . Allein, der Gedanke hat mich damals in einen Glücksrauſch
verſetzt, Herr Stauf — ein Kind, ein Kind!. . . Wieviel Sonne und Licht
mir Liſa vom Tage ihrer Geburt ab geſchenkt hat, das weiß nur ich. Ich
war arm — ich wurde reich . . . Ihr Lachen, ihre Augen, der Hauch ihres
kleinen Mundes, ihre jubelnden oder traurigen Worte, ſie hoben mich in
jene Sphäre des Daſeins, wo man die Gnade der Schönheit des
Gött=
lichen empfängt. Wenn ſie ihre Kinderärmchen um meinen Hals legte
und ſich an mich drückte, wenn ich die Wärme ihres kleinen Körpers
ver=
ſpürte, wenn ich ſie durch die blumenreichen Wieſen des Tales führte,
ſo war ich wunſchlos. Der erſte Odem der Liebe wehte mir entgegen, mir,
dem in zwar formvollendeter, aber kalter und weſensfremder Umgebung
aufgewachſenen jungen Mann. Die erſte Liebe, ſie machte mich, den
Sonderliug, zu einem anderen Menſchen.”
Geiben nimmt das Einglas in die Hand und putzt es mit einem
Seidentuch, dann fährt er haſtig einigemale über die Augen, die feucht
jeworden ſind.
„Wenn ich Ihnen ſage, Herr Stauf”, beginnt er wieder, „daß ich
in meinen jungen Jahren viel tiefen Kummer gehabt habe, ſo können Sie
las glauben. Ich bin häßlich, das weiß ich, in phyſiſcher Hinſicht gewiß
Unornial. Mein Außeres — in erſter Linie meine Größe — wurde dauernd
leſpöttelt. Ich war beinahe fünfzehn Jahre auf den Schulen bei meinen
ſtlaſſenkameraden der Gegenſtand des Hohnes und des Spottes. Ich
ſätte wohl den Mut gehabt, mich zu verteidigen, aber ich fand eine Er=
niedrigung darin, mich durch Raufereien zu rehabilieren. Oft wurde mir
das Lernen zur Qual, ich blieb zu Hauſe und meine Erzieher haben viel
Arbeit mit mir gehabt. Nie habe ich einen Freund gefunden, in deſſen
Augen ich Treue und Wahrhaftigkeit hätte erblicken können. Man hatte
wegen meines Außeren einen Widerwillen gegen mich. Es fragte niemand
danach, daß ich ungeheuer darunter litt. Erſt hier im Riktertale wurde ich
entſchädigt für bittere Jahre in meiner Jugend. Hier fand ich, was ich
immer erſehnt hatte.”
Udo von Geiben iſt ein wenig in ſich zuſammengeſunken. Die lange
hagere Geſtalt ſitzt vornübergebeugt. Die Finger der rechten Hand, die
jetzt über einen alten Folianten gleiten, zittern. Die Erzählung hat ſein
Inneres ſichtlich erregt.
Nun drücken ſich beide Männer die Rechte. Wortlos. Einen
Augen=
blick ſehen ſie ſich in die Augen. In dem Blick des Induſtriellen liegt
Zu=
friedenheit und Ergebung. Er hat dem zukünftigen Mann ſeines
Paten=
kindes vieles geſagt, aber eins hat er verſchwiegen. Davon wird auch nie
ein Menſch erfahren, das Geheimnis ſeiner großen Liebe bleibt in ſeiner
Bruſt verſchloſſen.
Denn — er hat entſagt! . . ."
Und unglücklich iſt er nicht, denn er hat keine großen Forderungen
mehr an das Leben. Er iſt zufrieden, wenn Liſa ihn in Liebe und Achtung
in der Erinnerung behält. Auch hat er die Hoffnung, ſie oft zu ſehen und
Tage und Wochen in ihrer Nähe zu ſein.
Stumm blicken die unzähligen Bücher von den mächtigen Regalen
hernieder, in denen eine Welt voll Wiſſen verborgen iſt.
Geiben drückt auf einen Knopf. Ein Diener in Livree kommt leiſe
herein und verbeugt ſich leicht.
„Bitte ſervieren Sie das Souper auf der Terraſſe. Drei Gedecke,
Guſtav, drei Gedecke!...!"
Der Diener geht lautlos über Teppiche hinweg.
„Herr Stauf, Sie machen mir das Vergnügen, mit mir zu ſpeiſen?”
Gern, ſehr gern bleibe ich!..."
Um Geibens Mund huſcht ein Lächeln. Wir ſpeiſen zu dritt. In
einer Viertelſtunde kommt Liſa noch herauf. Gegen wir ihr entgegen!“
X.
Es kommt ein großer Tag für Liſa Dingkela und Norbert Stauf.
Noch liegt das Rittertal in tiefem Schlafe, als die Morgendämmerung
leiſe und langſam heraufſteigt. An Gräſern und Blumen glitzern bereits
die Tautropfen wie Brillanten, ſie küſſen nach dem Erwachen die keuſchen
jungen Knoſpen.
Von den Bergen wveht der Nebel zu Tal, immer tiefer und tiefer.
Ein weißes Meer füllt Täler und Schluchten aus, über dem der reine
Himmel im Glanz der erſten Strahlen der Morgenſonne blaut.
Es kommt ein großer Tag — und ein ſchöner Tag.
Als die Morgenglocken mit hellem Klang den Tag einläuten, liegen
die Gehöfte im Rittertal noch in ſtiller Ruhe. Wohl krähen die Hähne wie
immer, wohl bellen die Hofhunde wie an jedem anderen gewöhnlichen
Tag in den Morgen, um ihre Anweſenheit zu verkünden und dem Herrn
zu zeigen, daß es an Wachſamkeit nicht mangelt, aber die peinliche
Sauber=
keit auf den Höfen, Wegen und Pfaden, ſowie die feierliche Stille an
dieſem prachtvollen Sommermorgen in Flur und Wald zeigt an, daß ein
Feſttag gekommen iſt, ein Tag der Freude und des Feierns für alle, die
im Rittertal wohnen.
Der Werktag ſieht das Tal in feſtlichem Schmuck. Schon in aller
Frühe beginnt emſiges Leben und Treiben in dem ſonſt ſo ſtillen
Erden=
winkel. Prachtvolle Autos fahren vor dem Gaſthof vor, deſſen Außenfront
mit Kränzen und Blumen geſchmückt iſt. Kleine Mädchen, in Weiß
ge=
kleidet, pflücken Blumen in Wieſen und Gärten, ſammeln, ſie in
Körb=
chen, die mit Seidenſchleifen verziert ſind.
Die Räume des Gaſthofs füllen ſich mit Gäſten, die, feſttäglich
gekleidet, zur Hochzeit Liſa Dingkelas und Norbert Staufs gekommen ſind.
Freundlich grüßen die Spitzen und Türmchen der Burgvilla von der
Höhe zu Tal, es grüßen Berge, Wälder und Fluren. Das Tal hat ſein
Feſttagsgewand angelegt, denn es nimmt teil an dem Glück und der
Freude ſeiner Kinder.
Um acht Uhr ſetzt ſich der Hochzeitszug nach dem Rheinſtädtchen zu
in Bewegung. Stolze Pferde traben über die Straße, in prächtigen
Equipagen ſitzen die nächſten Verwandten und Freunde der Familie
Dingkela und Stauf.
Das Gefährt, das Liſa und Norbert zur Kirche bringt, wird von zwei
prächtigen Trakehnern aus dem Geſtüt Geibens gezogen.
In einer uralten Kirche des Rheinſtädtchens findet die Trauung ſtatt,
die einen ſehr feierlichen Verlauf nimmt. Um das blonde lockige Haar
Liſas windet ſich der Myrtenkranz, das ſeidenſchillernde Brautkleid
umſchließt ihre ſchlanke Geſtalt. Ihre großen ſeelenvollen Augen leuchten
in Glück und Reinheit.
Die feierlichen Zeremonien nehmen ihr Ende. Von der Empore
ſchallt Kindergeſang in das Kirchenſchiff. Weißgekleidete kleine Mädchen
ſtehen mit Blumenſträußen im Mittelgang in Reihen hintereinander.
In einer der vorderſten Bankreihen ſteht Udo von Geiben. Stolz
und aufrecht wie eine Stutue. Um ſeinen Mund iſt ein gütiges Lächeln,
die Augen in dem hageren Geſicht ſind feucht. Sein Liebling, ſein
Paten=
kind, hat den Bund der Ehe geſchloſſen mit dem Mann, dem ihr Herz
gehört. Die Hände des Brautpaares liegen ineinander. Liſa fühlt den
leiſen Druck Norberts und erwidert ihn. Während die Muſik der Orgel
durch die Kirche brauſt, tritt die Hochzeitsſchar ins Freie.
Liſa und Norbert nehmen die Gratulation entgegen.
Am Abend iſt die Burgvilla illuminiert. Der nächſte Kreis um das
Brautpaar feiert den Abſchluß des Feſtes auf dem Beſitztum Udo von
Geibens. So hatte es der Induſtrielle gewünſcht.
Hell ſtehen die Sterne am dunkelblauen Himmel. Das ganze Haus
iſt feſtlich erleuchtet. In den Sälen und auf der Terraſſe, in den Gärten
und den Anlagen des Parkes ſieht man fröhliche Menſchen. An den
Bäumen, die links und rechts neben den verſchlungenen Wallwegen
ſtehen, hängen Fackeln, die ein buntes magiſches Licht in das
nächtlich=
ſommerliche Grün des Berges werfen.
Der Stammtiſch des Gaſthofes „Zum Rittertal” iſt auf luftige Höhe
verlegt worden. Er hat ſeinen Ehrenplatz auf einem mit Blumen
behau=
genen Balkon der Burgvilla. Es iſt begreiflich, daß in dieſem Kreiſe die
Stimmung am heiterſten iſt. Luſtige Scherze und lautes Lachen erſchallen
von dorther. Der älteſte Wein aus dem Keller Geibens findet ſeine
Würdigung.
Aus dem Tal dringt rauſchende Muſik herauf. Das ganze Dorf iſt
in den Räumen des Hauſes Dingkela verſammelt. An einer Hochzeit
im Rittertal nehmen Kinder und Greiſe, Burſchen und Mädchen,Männer
und Frauen teil. Es gibt niemand, der ſich von dieſer althergebrachten
Sitte ausſchließt.
Nur noch wenige Stunden, und Liſa und Norbert ſind allein. Arm
in Arm wandern ſie über die Höhe zu den Ruinen der Burg. Es rückt auf
Mitternacht. Sie ſind aus dem Feſttrubel geflüchtet, um in der Stille
und Einſamkeit ſich das zu ſagen, was ihre Herzen bewegt.
Wie ein Baldachin breitet ſich der Nachthimmel über ihnen aus,
als wolle er die beiden glücklichen Menſchen ewig beſchirmen.
Ende. —
Burnang des Reichsſporrjähters.
Hein Schlußwork zum „Zall” Edmund Neuendorfſ.
Der Herr Reichsſportführer v. Tſchammer und Oſten hat an
die Gau= und Bezirksführer der Deutſchen Turnerſchaft, an die
Fachverbände, ſowie an ſeine Gau= und Bezirksbeauftragten ein
Schreiben gerichtet, in dem er unter Bezugnahme auf den Fall
Dr. Neuendorff betont, daß er für die Neuorganiſation der
Leibesübungen im Geiſte der nationalſozialiſtiſchen Staatsidee
allein verantwortlich ſei. Weiter heißt es in dem Schreiben:
„Deshalb verlange ich von jedem mir unterſtehenden
Tur=
ner und Sportler, daß er die Maßnahmen, die ich in dieſer
Be=
ziehung treffe, achtet und anerkennt. Ich habe wiederholt betont,
daß ich bewährte Kräfte, die ſich vor der nationalſozialiſtiſchen
Revolution Verdienſte um die Turn= und Sportbewegung
erwor=
ben haben, ungeachtet ihrer früheren — neutralen oder ſogar
ab=
ſolut ablehnenden — Haltung dem Nationalſozialismus
gegen=
über zur Mitarbeit heranziehen werde, ſofern ſie meinen, den
vom Führer ſowie von dem zuſtändigen Reichsminiſter des Innern
gebilligten Weg mitzugehen vermögen.
Dieſe Loyalität von mir iſt im Falle des Direktors
Neuen=
dorff von dieſem mißbraucht worden. In einem an mich gerichteten
perſönlichen Schreiben hat er in maßloſer Weiſe meine Perſon und
meine Arbeit angegriffen. Darüber hinaus hat er es für nötig
befunden, dieſen perſönlichen Brief mit gleicher Poſt an ſämtliche
Gauführer und an die Mitglieder des Führerrates der Deutſchen
Turnerſchaft zu ſenden und dadurch den Verſuch gemacht, dieſelben
gegen mich zu beeinfluſſen.
Die Form ſeines Abganges hat ſich ſomit Direktor
Neuen=
dorff durch ſein — mit nationalſozialiſtiſcher Auffaſſung nicht in
Einklang zu bringendes — Verhalten ſelbſt zuzuſchreiben.
Unter dieſen Umſtänden ſehe ich Erörterungen über die
Zweck=
mäßigkeit ſeines Ausſcheidens oder Eingaben an mich oder andere
Inſtanzen des Staates, die darauf abzielen, die Perſon des
Direk=
tors Neuendorff am Aufbau der Leibesübungen im neuen Reich
in irgendeiner Form weiter zu beteiligen, als Sabotage meiner
Maßnahmen an, gegen die ich entſprechend vorgehen werde.
gez. v. Tſchammer und Oſten.”
Chriftl Cranz bei den Damen.
Lankſchner bei den Herren ſiegreich.
Zum erſten Male werden in Berchtesgaden bei Deutſchen Ski=
Meiſterſchaften die Kämpfe im kombinierten Abfahrts= und
Sla=
lomlauf als Meiſterſchaftswettbewerbe durchgeführt. Dieſer
in=
tereſſante Titelkampf nahm am Donnerstag mit dem Abfahrtslauf
ſeinen Beginn. Es war eine außerordentlich ſchwierige Prüfung,
ein Kampf, der in ſeiner ganzen Art dazu angetan war, aus
un=
ſerer Skijugend das Letzte herauszuholen und ſie für die
kommen=
den ſchweren internationalen Kämpfe auf Herz und Nieren zu
er=
proben. Die Tatſache, daß dieſe Probe nicht nur von den Siegern,
ſondern auch von dem größten Teil der anderen Teilnehmer
glän=
zend beſtanden wurde, und daß Zeiten herausgeholt wurden, die
vorher von den Fachleuten einfach für unmöglich gehalten worden
waren, ſpricht deutlich genug für die Qualität unſerer Skijugend.
Der Sieg fiel bei den Herren an Lantſchner=Innsbruck, bei
den Damen an Chriſtl Cranz=Freiburg i. Br. Beide verdienten
ſich den Sieg mit einer bewundernswürdigen Leiſtung.
Die Ergebniſſe:
Damen=Abfahrtslauf: 1 Chriſtl Crantz=Freiburg i. Br. 5:00
Min. 2. Liſa Reſch=Partenkirchen 5:45.1 Min. 3. Lotte Bader=
Feldberg (Schwarzwald) 6:01.2 Min. 4. Käthe Graſecker=
Parten=
kirchen 6:03,2 Min. 5. Liſl Schwarz=Berchtesgaden 6:29.1 Min.
6. Frl. Ackermann=Bayeriſch=Zell 6:49.0 Min. 7. Elſa Adolph=
Schreiberhau 6:49,0 Min. 8. Rösli Streif=Schweiz 6:50,4 Min.
9. Wera Heinz=Johanngeorgenſtadt 7:15,0 Min. 10. Julie
Na=
touſek=Paſſau 7:21,0 Min.
Herren=Abfahrtslauf: 1. Lantſchner=Innsbruck 5:36,4 Min.
2. Anton Seelos=Garmiſch 5:45,4 Min. 3. Friedl. Däuber=
Berch=
tesgaden 6:01,2 Min. 4. Roman Woerndle=Partenkirchen 6:03.1
Min. 5. Franz Pfnuer=Schellenberg 6:13,2 Min. 6. Chriſtl
Stauf=
ner=Reichenhall 6:18,4 Min. 7. Jakob Raſp=Schellenberg 6:27,3
Min. 8. Toni Baader=Partenkirchen 6:34.0 Min 9. Ludwig
Kleiſe=Partenkirchen 6:36,3 Min. 10. Julius Böhler=München
6:39,1 Min.
Die Strecke war bei den Herren 4200 Meter lang, bei einem
Höhenunterſchied von zirka 1200 Meter, bei den Damen waren bei
einem Höhenunterſchied von 600 Meter zirka 2600 Meter
zurück=
zulegen. Vor dem Start hatten aber die Teilnehmer noch einen
ſchwierigen Anſtieg zum Startplatz von drei. bzw. zwei Stunden
Dauer zu abſolvieren.
Deutſchlands Eishockeyſpieler
haben ſich bei den Weltmeiſterſchaften in Mailand den zweiten
Platz in der Gruppe 3 hinter Kanada erkämpft. Während die
deutſche Mannſchaft am Mittwoch abend den Kanadiern mit 0:6
unterlag, ſchlug ſie am Donnerstag einwandfrei die franzöſiſche
Mannſchaft mit 4:0 (2:0, 0:0. 2:0). Um in die Endrunde zu
kom=
men, hat Deutſchland nun noch ein Ausſcheidungsſpiel gegen den
Zweiten der Gruppe 1. vorausſichtlich Tſchechoſlowakei,
auszu=
tragen.
Polizei Darmſtadt — FC. 07 Bensheim.
Dieſes Spiel ſteigt am kommenden Sonntag, 2.30 Uhr nad
mittags, auf dem Polizeiſportplatz. Das Vorſpiel in Benshei
ging ſeinerzeit für die Polizei 1:0 verloren. Wie und unt
welchen Umſtänden ſoll hier nicht mehr erwähnt werden. De
Polizeielf ſei daher geraten, das Rückſpiel völlig ernſt zu nehme
und damit ihren Anhängern zu beweiſen, daß der Grund de
Vorſpielverluſtes nicht durch ein ſchwaches Spiel, ſondern ſonſtw
zu ſuchen war.
Daß das Spiel vollen Einſatz und ganzes Können jedes Ein
zelnen verlangt, braucht wohl nicht beſonders erwähnt zu we
den. Auch die Vorbedingungen hierzu ſind jedem Einzelnen b
kannt, und es genügt ſicher dieſer kleine Hinweis.
FC. 07 Bensheim wird ebenfalls beſtrebt ſein, das Beſte z
geben, um zu holen, was zu holen iſt. Dazu ſind einige Spiele
der Elf, die geſperrt waren, wieder ſpielberechtigt. Vor dieſe
Spiel, um 13 Uhr, Polizei Reſ.—Viktoria Walldorf Reſ. Au
hier wird guter Sport gezeigt, ſo daß ſich ein frühzeitiger Beſu
lohnen wird.
Handball im Kreis Skarkenburg.
Tv. Arheilgen—Spv. 04 Arheilgen.
Jetzt wird auch die Gruppe Nord der Bezirksklaſſe ihren T
bellenſieger erhalten, denn der Arheilger Lokalkampf ſteigt a
Sonntag vormittag 11 Uhr auf dem Platze der Turner. All
Möglichkeiten ſind noch offen. Merck wird Erſter, wenn die
Tu=
ner verlieren. Ein Unentſchieden macht ein Spiel auf neutralet
Platze notwendig. Ein Turnerſieg bedeutet für ſie die Spitze.
7000 RM. für die Winterhilfe waren das Ergebnis einer
legentlich des Berliner Reitturniers veranſtalteten Sammlung.
Noch 29 Strafpunktfreie gab es beim Winterbewerb für
Kraf=
fahrzeuge nach den Prüfungen des Mittwochs. Im Wettbewer
lagen noch 164 Fahrer.
Einen neuen deutſchen Schwimmrekord ſtellte am Mittwo
abend in Düſſeldorf Anny Stolte im 100=Meter=Rückenſchwimme
mit 1:25,6 Minuten auf. Die frühere Rekordhalterin, Elfriel
Saſſerath, wurde mit 1:27 Zweite.
Konletti.
Georg Wunderlich trainiert SV. 98 Darmſtadt.
Wie wir erfahren, hat der jetzt in Darmſtadt anſäſſige
mehr=
fache nationale Rechtsaußen Georg Wunderlich (früher
Sp.Vgg. Fürth und Stuttgarter Kickers) das Training der
Fuß=
ballabteilung des Sportvereins 1898 übernommen, und
es bleibt zu hoffen, daß ſeine großen Erfahrungen auf
fußball=
techniſchem Gebiet bei dem zahlreichen Spielermaterial der 98er
auf fruchtbaren Boden fallen.
Im Gau 13, unſerem Gau der unbeſchränkten Möglichkeiten
nähert ſich der Kampf immer mehr um Führung und Abſtieg
ſei=
nem Höhepunkt. Die Offenbacher Kickers trugen ſeither einen
Stein um den anderen zum Bau ihrer Spitzenſtellung zuſammen.
Sie werden nach normaler Schätzung auch noch einige Wochen die
Führung behalten, aber zum Schluß könnte wohl doch der
Pirma=
ſenſer „Club” mit einer Naſenlänge Vorſprung durchs Ziel gehen.
In ſtarker Abſtiegsgefahr hängt Alem.=/Olymp. Worms mit dem
traditionsreichen Ludwigshafener „Phönix", der wohl kaum noch
ſeine pechbekleckerten Schwingen zum Aufſtieg in ſichere Regionen
erheben wird. Der „Dritte in dieſem Bunde” ſteht noch aus, doch
arf man ruhig annehmen, daß entweder Neunkirchen oder
Saar=
brücken ſich vergeblich an den „rettenden Strohhalm” klammern.
*
Noch bunter als bei uns geht es übrigens zurzeit am
Nieder=
rhein, im Gau 10, zu. Dort wurde diesmal VfL. Benrath mit
nicht weniger als 8:3(!) Toren von Hamborn 07 abgezogen.
Da=
gegen konnten auch Hohmann und Raſſelnberg nichts
machen. Die Hamborner haben damit wieder die Führung an ſim
geriſſen, laſſen Fortuna Düſſeldorf mit ihrem leeren Glückshorn
„Gewehr bei Fuß” ſtehen und ſchwören auf ihren Trainer, unſeren
alten Nationaltormann Teddy Lohrmann, dem ſie ohne
Zweifel viel zu verdanken haben.
In Norddeutſchland macht der HSV. mit unſerem linken
Na=
tionalflügel Politz=Noack von ſich reden, der jetzt ſeinen
ſtärk=
ſten Rivalen, Eimsbüttel, mit 5:2 Toren aus dem Sattel hob
und ſich ſelbſt an die Spitze des Gaues 7 ſetzte. Obwohl Noack
am Samstag gebeiratet, hat, zeigte er, daß einem
ech=
ten Sportsmann all das „Drum und Dran” einer Hochzeit gar
nichts ausmachen darf, wenn ihn ſeine Kameraden brauchen.
Noack ſchoß am Tage nach ſeiner Hochzeit 4 Tore gegen
Eimsbüt=
tel und war mit Politz der glänzende Stern des HSV.
Ohne einen einzigen Punktverluſt hat es Viktoria Stolp als
erſter und neugebackener Abteilungsmeiſter des Gaues 1
durchge=
riſſen. Allerdings ſtehen dort nur 7 Vereine in der Abteilung und
die Spielſtärke kann ſich mit der Süddeutſchen nicht meſſen.
*
Wenn es an den Kragen geht, beſinnen ſich die Vereine
im=
mer wieder auf ihre „alten Kanonen”, die dann hervorgeholt
werden. Die „Eintracht” holte Schütz, der die Frankfurter auch
gleich wieder erſtarken ließ, und jetzt Willi Pfeiffer. Fortung
Düſſeldorf holte den Nationalſtürmer „Schorſch” Hochgeſang
aus Berlin zurück, der das „Glückskind” vom Niederrhein auch
gleich wieder zum Sieg und zum Anſchluß an die Spitzengruppe
führte.
Hugo Mantel wird „Mantello‟. Er wird in Mailand
voraus=
ſichtlich bei Ambroſia ſpielen. Neben ſeinem enormen Können war
ſeine Stärke das Studium der Schottenwitze, die ihm dann auch
im Laufe der Jahre zu einem anſehnlichen Sparkaſſenbuch
verhol=
fen haben dürften, denn „Hugo” war äußerſt ſparſam. Uebrigens
eine Eigenſchaft weniger Sportkanonen ...
*
Der bekannte KFV.=Stürmer, „Müller=Spitzer” hat jetzt,
nach=
dem ihn der KFV. ein Jahr geſperrt hat, dieſem Verein den
Rük=
ken gekehrt, und iſt wieder zu ſeinem alten Verein. VfB.
Mühl=
burg, zurückgekehrt. Man darf geſpannt ſein, ob dies ſo glatt
abgehen wird.
Der Torrekord=Schütze von Baden iſt der Freiburger Stürmer
Peters, der bereits über ein Dutzend Tore erzielt hat. Der
DFB. hat ein Auge auf ihn für die Nationalmannſchaft geworfen.
Als erſter Bezirksmeiſter unſeres Gaues ſtellt ſich Saar 05
Saarbrücken vor. Dies iſt nicht der Verein, bei dem unſer
Nationalmittelſtürmer Conen ſpielt, alſo nicht FV. Saarbrücken.
Neben dieſem alten Bezirksligaverein ſteht in der Frankfurter
Kante Union Niederrad vor der Meiſterſchaft. Mombach
und Heuſenſtamm führen zwei weitere Bezirksklaſſen. Wer
wird ſich mit dieſen beiden erſten mächtigen Mannſchaften aus
un=
ſerem Bezirk um den Aufſtieg zur Gauliga wetzen? Polizei
Darm=
ſtadt, oder die Bürſtädter Raſenſpieler?? Nur zwei Vereine
werden in die Gauliga einziehen ..."
In unſerer Starkenburger Bezirksklaſſe wurde am letzten
Sonntag in Lampertheim der Zuſchauerrekord mit 2500 „
Gezähl=
ten” aufgeſtellt. Aehnlich wird es ſicherlich beim Spiel Bürſtadt —
Lorſch in Bürſtadt werden und auch die Polizeikaſſierer werden
bei annehmbarem Wetter in Lampertheim und Bürſtadt nächſtens
ſchmunzeln können. Wieviel aber auf dem Spielfelde für die „
Grü=
nen” dort zu holen iſt, muß abgewartet werden. Die Mittelgruppe
hat ſich jetzt etwas verdichtet; wir rechnen damit, daß 16—17
Punkte zum Verbleib in der Bezirksklaſſe ausreichen.
Bombiſch ſchlagen ſich allſonntäglich die beiden Spitzenvereine
der Kreisklaſſe 1 unſeres Bezirks. TV. Lampertheim ſowohl
als auch Egelsbach holten mit glatten Auswärtsſiegen zwei
weitere Punkte. Da keine Aufſtiegſpiele zur Bezirksklaſſe in Frage
kommen, werden dieſe beiden Vereine ſofort nachrücken. Evtl.
braucht ſogar kein Verein aus dem Starkenburger Bezirk
abzu=
rücken, wenn nämlich die Teilnehmerzahl auf 12 (wie in allen
Be=
zirken) erhöht wird und natürlich unſer Bezirksmeiſter in die
Gauliga aufrückt. Bis dahin hat es aber noch etwas Weile ...."
*
Der DFB. teilt amtlich mit, daß Oberſturmbannführer Prof.
Glöckler=Berlin, der Gauführer von Berlin=Brandenburg,
nun=
mehr ſtändiger Stellvertreter des Bundesführers F. Linnemann=
Berlin geworden iſt.
Eine Hochburg der deutſchen Ruderei, Mannheim=
Ludwigs=
hafen, iſt nicht bei den zehn Olymvia=Verſuchsachtern vertreten,
trotz aller Tradition der „Amicitia” Man hofft allerdings noch,
in der Donpelſtadt am Rhein bis zur Olympia 1936 guten
Nach=
wuchs zu finden.
*
Bei einem Mittwochſpiel waren in England vorige Woche
71000 Zuſchauer erſchienen. Am 11. März treten wir bekanntlich
in Luxemburg zum 100=Länderſpiel an. Wir können froh ſein,
wenn dort ein Fünftel dieſer Zuſchauermaſſe auf die Beine
ge=
bracht wird. Bis jetzt war die Höchſtzahl bei einem Länderſpiel
in Luxembura (gegen Italien) 9000 Perſonen. Es kann ſchon ſein,
daß am 11. März mehr Deutſche auf dem Luxemburger Stadion
zu ſehen ſind, als Luxemburger Fußballanhänger
Oeſterreichs Fußball=Mannſchaft gegen Italien
ſteht wie folgt: Platzer; Ciſar, Seſta; Wagner, Smiſtik. Nauſch;
Ziſchek, Kubarek, Bican, Binder, Viertl. Das Spiel findet am
kommenden Sonntag in Turin ſttt.
Usaspor!
Neuer deutſcher Schwimm=Rekord.
Am Mittwoch abend gab es im deutſchen Schwimmſport bereits
wieder einen neuen deutſchen Rekord. Auf einer
worſchrifts=
mäßigen Bahn von 25 Metern trugen im Düſſeldorfer Stadtbad
Anny Stolte und Elfriede Saſſerath einen Zweikampf im 100=
Meter=Rückenſchwimmen aus. Anny Stolte befand
ſich in beſter Form, ſie ſiegte in der neuen Rekordzeit von 1:25,6
Minuten vor Frl. Saſſerath, die den alten Rekord mit 1:26,2
Minuten gehalten hatte, heute aber als Zweite 1:27 Minuten
benötigte.
Ein neues Schwimmerkalenk enkdeckt.
In Bremen kamen am Sonntag Olympia=
Prüfungsſchwim=
men zum Austrag, die erfreulicherweiſe wieder eine glänzende
Leiſtung eines Nachwuchsſchwimmers brachten. Im 400=Meter=
Crawlſchwimmen erzielte der erſt 15 Jahre alte Freeſe die für
ihn ganz glänzende Zeit von 5:18,2 Minuten; aber auch ſonſt
waren die Ergebniſſe ausgezeichnet. Das 100=Meter=
Crawl=
ſchwimmen gewann der deutſche Meiſter Fiſcher=Bremen in 1:01,4
Minuten vor dem Hannoveraner Leiſewitz=Waſſerfreude (1:02,8)
der ſich dafür den Sieg im 200=Meter=Crawl in 2:26,5 Minuten
ſicherte. Das 200=Meter=Bruſtſchwimmen gewann Witt=Bremen
in 2:52,1. Bei den Damen konnte Frl. Heindorf=Hildesheim
das 100=Meter=Crawlſchwimmen in 1:17 und Frl. Ehlendorf=
Bremen das 400=Meter=Crawlſchwimmen in 6:43,2 gewinnen.
Ernſt Derichs wieder aktiv II=
Der mehrfache Deutſche Meiſter und Rekordmann im 100=
Meter=Freiſtilſchwimmen Ernſt Derichs=Köln hatte im
ver=
gangenen Sommer kurz vor den Deutſchen Meiſterſchaften erklärt,
daß er nicht mehr aktiv ſein werde. Dieſen Beſchluß hat Derichs
nun revidiert; er meldete ſich dieſer Tage wieder bei „Sparta”
Köln an und wurde auch wieder aufgenommen. Sparta weiſt
nun in der Beſetzung Derichs—Deiters—Holzmann—Aßmann
wie=
der eine ausgezeichnete Kraul=Staffel auf. Außerdem kann Sparta
auch bald wieder mit dem vor einiger Zeit verunglückten „
Quer=
durch=Köln SSieger Hülfepich rechnen, der ebenfalls für die erſte
Staffel=Mannſchaft in Frage kommt.
Stundenweltrekord für Automobile jetzt 214,064 Klm.
Nach unzähligen Verſuchen konnte der bekannte Engländer
G. E. T. Eyſton auf einem 7.9 Liter=Panhard=Wagen einen
neuen Stunden=Weltrekord für Automobile aufſtellen. Eyſton
fuhr auf der Autorennbahn von Linas—Montlhery in der Stunde
214,064 Kilometer und übertraf damit den von Graf Czaikowſki
im Vorjahre aufgeſtellten Rekord von 213,839 Klm. um ein
Ge=
ringes. Er erreichte alſo mit ſeinem ſtärkeren Wagen —
Cſai=
kowſki fuhr einen 4,9 Liter=Bugatti — nur 225 Meter mehr. Bei
der Rekordfahrt verbeſſerte Enſton gleichzeitig noch den 100
Mei=
len= und 200 Klm.=Rekord, die ebenfalls von Czaikowſki gehalten
wurden, mit 214,017 bzw. 214,109 Stunden=Klm.
Scuderia Ferrari” in Deutſchland.
Ein umfangreiches Programm hat ſich die Leitung, des
italie=
niſchen Automobil=,Rennſtalles Scuderia Ferrari” fur 1934
zu=
rechtgelegt. 45 Rennen ſollen die 12 feſt verpflichteten Fahrer
Varzi, Chiron, Moll, Troſſi, Gherſi. Barbieri, Taddini, Comoti,
Roſa, Marinoni, Carraroli und Aldrighetti mit dem
umfang=
reichen Wagenmaterial in der kommenden Rennzeit beſtreiten.
Auch in Deutſchland wird die „Scuderia” ſtarten, und zwar beim
Avusrennen, Eifelrennen, Keſſelbergrennen und im Großen Preis
von Deutſchland auf dem Nürburgring. Außerdem beteiligt ſich
die Renngemeinſchaft an den großen Motorradrennen mit den
Fahrern Aldrighetti, Serafini, Loma und Pignorini.
Kein Waſa=Lauf 1934.
Der längſte Skiwettlauf der Welt, der auf hiſtoriſcher Strecke
von Sälen nach Mora in der ſchwediſchen Provinz Dalarne über
94 Klm. alljährlich ausgetragene Waſa=Lauf, iſt für dieſes Jahr
aus finanziellen Gründen abgeſagt worden.
Ringen.
Darmſtadt 1910—1904 Lampertheim.
Zum letzten Verbandskampf auf heimiſcher Matte empfangen
die Darmſtädter morgen Samstag abend, 8,15 Uhr, in der
Turn=
halle, Soderſtraße 30, die Mannen des Stemm= und Ringklubs 04
Lampertheim. Die Gäſte ſtellen eine körperlich gut durchgebeldete
Mannſchaft, die ſich durch ihr Draufgängertum im Gaugebiet
einen Namen erworben hat. In dieſer Hinſicht tun ſich
beſon=
ders ihr Bamtamler Müller und Leichtgewichtler Hahl hervor.
Da 1910 in dieſen Klaſſen gleichgeartete Leute ſtehen hat, dürfte
gerade das morgige Zuſammentreffen erſt recht intereſſieren,
denn die Einheimiſchen zogen im Vorkampf den Kürzeren, im
Bantam durch Selbſtwurf und im Leicht nach Punkten. Auch in
den übrigen Klaſſen wäre es verfehlt, ſchon auf einen Sieger zu
tipen, denn hier halten ſich beide Staffeln die Waage. Auf alle
Fälle wird es zu ſpannenden Kampfhandlungen kommen.
Saal=
öffnung ab 19.30 Uhr.
Zum Nachfolger des Arſenal=Managers Chapman, der
bekanntlich vor kurzer Zeit geſtorben iſt, wurde von der
Vereins=
leitung jetzt der Radio=Reporter Alliſon ernannt. Der neue
Be=
treuer Arſenals war ein enger Freund Chapmans.
Der neue Porſche=Rennwagen hat ſeine
Verſuchs=
fahrten in Mailand beendet und wurde zu ſeiner Ueberholung in
die Fabrik der Deutſchen Auto=Union zurückgebracht.
Die Internationale Automobil= und
Motor=
rad=Ausſtellung Berlin 1934 wird vom 8.—18. März
in den Ausſtellungshallen am Kaiſerdamm ſtattfinden.
Welterbericht.
Durch die Wirbeltätigkeit im Oſten und den hohen Druck
über der Biskaya und Südfrankreich verbleiben wir im Bereich
ozeaniſcher Luft, die aus nördlicheren Breiten zufließt. Somit
bleibt der Witterungscharakter wechſelhaft, wenn auch
zwiſchen=
durch Aufklaren auftritt. Die Temperaturen gehen zunächſt zurück.
Ausſichten für Freitag, den 9. Februar: Unbeſtändiges,
wechſelnd=
wolkiges Wetter mit Aufklaren, einzelne Schauer,
Tempera=
turrückgänge.
Ausſichten für Samstag, den 10. Februar: Wechſelnd wolkig mit
Aufklaren, nur vereinzelt leichte Schneeſchauer, kälter,
Winterſportmöglichkeiten.
Vogelsberg: Hoherodskopf; Rauhreif, minus 5 Grad, 45
bis 50 cm kein Neuſchnee, Pulver, ſehr gut. —
Herchen=
hainer Höhe: Nebel. minus 3 Grad. 20 cm., kein
Neu=
ſchnee, vereiſt, gut.
Rhön: Waſſerkuppe: Nebel. minus 4 Grad, 40 cm.,
Rauh=
reif, gut. — Gersfeld: Nebel, minus 2 Grad, 18 cm.,
kein Neuſchnee, mit Rauhreif bedeckt, gut. — Kreuzberg;
Nebel, minus 3 Grad. 40 cm., kein Neuſchnee, mit Rauhreif
bedeckt. gut.
Sauerland: Winterberg: Nebel, minus 3 Grad, 40 cm,
kein Neuſchnee, mit Rauhreif bedeckt. gut.
Taunus: Kleiner Feldberg: Nebel, minus 3 Grad, 25 cm.,
kein Neuſchnee, mit Rauhreif bedeckt, gut.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.
[ ← ][ ][ → ] Kartoffeln im Wintergeſchäft.
Speiſekarkoffelmarkt kommt nichk zur Enkfalkung. — Reges Zukker= und Feldkarkoffelgeſchäff.
Ueberwiegen der Kartoffeleinfuhr 1933.
Forkſchritke des Saakkarkoffelmarkkes.
Von Dr. Heinz Roth, Beratender Volkswirt RDV., Krefeld.
Die Umſätze in Speiſekartoffeln haben während des
Winter=
geſchäftes nicht die Bedeutung gewinnen können, die man
allge=
mein erwartet hatte. Das Geſchäft konnte nirgendwo zur
völli=
gen Entfaltung kommen, da die Nachfrage jedwede Anregung zu
einer größeren Tätigkeit vermiſſen ließ. Das Angebot verhielt
ſich ſehr zurückhaltend, und zwar ſo ſehr, daß auf keinem
Groß=
verbrauchsplatz größere Kartoffelmengen zuſammenfließen
konn=
ten, die dann eine Gefahr für die bisherige ſichere und ſtete
Preis=
entwicklung zu werden drohten. Unter dieſen Verhältniſſen, die
den Zuſammenhang zwiſchen den einzelnen Märkten vermiſſen
ließen, und die eigentlich nur einen Verkehr zwiſchen nahe
gele=
genen Erzeuger= und Verebrauchergebieten erlaubten, waren
leichtere Preisſchwankungen nicht zu vermeiden. Im Grunde
je=
doch ſetzte ſich die Preiserhöhung auch jetzt weiter fort. Der höchſte
Erzeugerpreis wurde gegen Ende Januar auf einer der
Erzeu=
gerverſteigerungen am Niederrhein mit 2,80 RM. für Induſtrie
und Erdgold und mit 3.30 RM. für Juli notiert. Induſtrie,
Erdgold und ähnliche gleichwertige Sorten zeigten je Zentner
loſe ab jeweiliger Station folgenden Preisſtand: im Oſten 1,85
bis 2,00 RM., in Mitteldeutſchland 2,10—2,15 RM.; im Weſten
2,50—2,70 RM., und in Süddeutſchland 2,10—2.30 RM., ſowie
in Schleſien 1.90—2,00 RM. und in Norddeutſchland 1,95—2.15
RM. Dieſe Preiſe konnten weder durch die ſich
dazwiſchenſchie=
benden mehr oder weniger kurzen Froſtzeiten oder durch eine der
Verladung günſtige Witterung beeinflußt werden. Die geſicherte
Verwertungslage gab den Preiſen den notwendigen inneren Halt.
Die nur kleinen Geſchäftsmögli keiten in Speiſekartoffeln hatten
die Vermutung auftauchen laſſen, als ob die gebeſſerte
Wirt=
ſchaftslage bereits eine Abwanderung des Verbrauchs zu ſogen.
höherwertigen Nahrungsmitteln mit ſich gebracht hätte. Das iſt
jedoch nicht der Fall. Im Gegenteil wird die Kartoffel als eine
der deutſchen Haupternährungsgrundlagen nicht nur betrachtet,
ſondern auch in ausreichendem Maße behandelt. Das kleine
Ge=
ſchäft während des Winters kann nur durch die in größerem
Um=
fange als jemals zuvor durchgeführte Großverſorgung des
Ver=
brauchs während des Herbſtgeſchäfts erklärt werden. Dieſe ruhige
Marktlage wird folgerichtig von dem ſich rechtzeitig einſtellenden
Frühjahrsbedarf abgelöſt werden. Der Stand der
Verwertungs=
lage wird von der Preisberichtsſtelle beim Reichsnährſtand mit
23,38 Millionen To. am 31. Dezember angegeben gegen 24,48
Mil=
lionen To. am 15. Januar 1933.
Dieſer an ſich bedeutend kleineren Beſtandsmenge ſteht der
erhöhte Futterbedarf an Kartoffeln gegenuber, der ſich in einer
bedeutſamen Nachfrage nach Futter= und Feldkartoffeln aller
Sorten bemerkbar macht. Dieſe Nachfrage war ſo ſtark, daß ein
ausreichendes Angebot eigentlich kaum zur Verfügung ſtand und
der allgemeine Markt von dieſer Seite daher eine nicht
ausfall=
bare Stütze fand. Der großen Bedeutung dieſer unſortierten
Kartoffeln entſprechend waren hier die Preiſe nicht höher, aber
durchweg deſto feſter. Daß die Kartoffel, eine immer größere
Bedeutung in der deutſchen Schweinemaſt erhält, iſt auch daraus
zu erſehen, daß die Schweinehaltung aus den nordweſtdeutſchen
Mäſtergebieten mehr und mehr zu den öſtlichen
Kartoffelerzeuger=
gebieten abwandert. Setzen wir den Schweinebeſtand bei der
Zählung im Dezember 1929 gleich 100 für den Nordweſten und
ſür den Oſten, ſo iſt bis zum Dezember 1933 eine Verſchiebung
eingetreten, die für den Nordweſten 97,4 und für den Oſten 134,9
ausmacht. In Fabrikkartoffeln ſehen wir, was das Angebot
an=
geht, einen ähnlichen Markt, wenn auch die Nachfrage bei weitem
nicht die Ausmaße erreicht, wie bei Feldkartoffeln. Immerhin iſt
das Geſchäft auch hier größer als in früheren Wintern.
Einen weiteren erheblichen Rückgang hat die Ausfuhr
erfah=
ren, ſo daß wohl mengen= als auch wertmäßig ein Ueberwiegen
der Einfuhr feſtgeſtellt werden muß. Die Kartoffelhandels= und
Zahlungsbilanz ſtellt ſich wie folgt dar:
Geſamteinfuhr . . 71 290 To. Wert 5 591 000 RM.
Geſamtausfuhr . . 34 261 To. Wert 2 404 000 RM.
37 038 To. und 3 187 000 RM.
Unterſchied
zugunſten der Einfuhr.
Die Einfuhr umfaßt meiſt Frühkartoffeln. Italien führte
36 037 To., Holland 20 493 To. und Belgien 4595 To. ein. Die
Ausfuhr ging in der Hauptſache nach der Schweiz mit 9834 To.,
nach Italien mit 7637 To., Frankreich mit 3135 To. und Portugal
mit 2094 To. Gegenüber einem Ausfuhrüberſchuß von 76 549 To.
im Werte von 3 853 000 RM. aus dem Jahre 1932 kann dieſem
bedeutſamen Rückgang der Ausfuhr, der mit dem Nachlaſſen der
Einfuhr nur wenig Schritt hält, nicht genug Beachtung geſchenkt
werden.
Die ruhige Lage des Speiſekartoffelmarktes brachte es mit
ſich, daß man ſich reger mit Saatkartoffeln beſchäftigte, zumal das
Intereſſe für dieſen Markt ſchon ſehr früh erwacht war. Man
wird in dieſem Frühjahr im Gegenſatz zum Vorjahr allgemein
einen Saatgutwechſel vornehmen, zumal der erhöhte
Kartoffel=
bedarf gezeigt hat, daß es weiterhin auf eine ausreichende
Kar=
toffelernte mehr denn je ankommt. Der Mehranbau von
Winter=
raps und Winterrübſen, der Anfang Dezember eine Fläche von
31 300 Hektar gegen 5200 Hektar im Vorjahre umfaßt, iſt in der
Hauptſache auf Koſten der Anbaufläche in Winterweizen
gegan=
gen. Eine weſentliche Vermehrung des Anbaues von eiweißreichen
Körnerfrüchten auf den ganz leichten Sandböden, iſt deswegen
noch nicht möglich, weil die Süßlupine in einem größeren Umfang
noch nicht zur Verfügung ſteht. Die Kartoffel wird deswegen eine
Einſchränkung ihrer Anbauflächen noch nicht zu gewärtigen haben.
Auch aus dieſem Grunde geht das Saatgeſchäft gut vorwärts.
Jedenfalls ſind bis heute bereits beträchtliche Mengen deutſcher
Originalſaaten zur Frühjahrslieferung und zu annehmbaren
Preiſen feſt verkauft. Der Anbau von krebsfeſten Sorten ſteht
ſei=
ner Bedeutung gemäß im Vordergrund. Man legt immer noch
Wert auf eine krebsfeſte induſtrieähnliche Sorte mit einem
mög=
lichſt hohen Ertrage, um ſo eine Rückverſicherung gegen ein
etwaiges Verſagen des Speiſekartoffelmarktes einzugehen. Dieſe
krebsfeſten Sorten ſtehen im Vordergrund des Intereſſes, wobei
natürlich auf die Sorten zurückgegriffen werden muß, die wie die
Erdgold uſw. auch in den Abſaaten in größeren Mengen bereits
zur Verfügung ſtehen. Für verſchiedenſte Sorte mußten die Preiſe
der ſtarken Nachfrage wegen erhöht werden.
Produkkenmärkke.
Mannheimer Getreidemarkt vom 8 Februar. Weizen inl.
(76/77 Kilo) frei Mannheim 19,85—19,90, desgl. franko
Vollbahn=
ſtation des Erzeugers, Feſtpreis per Februar, Bez. 9 19,35, desgl.
Bez. 10 19,55, desgl. Bez. 11 19 85, Roggen ſüdd., frei Mannheim
(71/72 Kilo) 16,90—17, desgl. franko Vollbahnſtation des
Erzeu=
gers, Feſtpreis per Fehruar, Bez. 8 16,30, desgl. Bez. 9 16,60,
Hafer inl. ſtetig, 15.50—15,75 Sommergerſte inl (Ausſtichware
über Notiz) 18—19, Pfälzergerſte (Ausſtichware über Notiz) ruhig
18—19, Futtergerſte 17. Mais im Sack La Plata 19.25—19,50
Erd=
nußkuchen prompt 16,75—17, Soyaſchrot prompt 15—15,25,
Raps=
kuchen 14,50 Palmkuchen 15,50, Kokoskuchen 17,50 Seſamkuchen 17:
Leinkuchen 17,25— 17,50. Biertreber mit Sack 17,75, Trockenſchnitzel
ab Fabrik 10, Rohmelaſſe 8,50, Wieſenheu (loſes) 6.40—6,80,
Rot=
kleeheu 6,80—7, Luzernekleeheu 8—8,20, Stroh, Preßſtroh, Roggen=
Weizen 2.20—2,40, desgl. Hafer=Gerſte 1,80—2, Stroh, geb. Stroh,
Roggen=Weizen 1.40—1,60, desgl. Hafer=Gerſte 1,20—1,40,
Weizen=
mehl. Spez. 0 mit Austauſchweizen per Februar 29,70, desgl.
März 30, desgl. Spez. 0 aus Inlandsweizen per Februar 28,20,
genkleie 10,50—11,25, Weizenfuttermehl 11,75, Roggenfuttermehl
11,50—12,50, Weizennachmehl 15—15,25. Tendenz: ruhig.
Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
Weiteres Anlagebedürfnis des Publikums gab der Berliner
Börſe geſtern das Gepräge. Renten rückten etwas in den
Vorder=
grund, beſonders die Neubeſitzanleihe lag recht lebhaft und konnte
40 Rpfg. höher eröffnen. Da man annimmt, daß die
Konverſions=
beſtrebungen in nächſter Zeit ſich wieder ſtärker bemerkbar machen
werden, lagen auch die übrigen feſtverzinslichen Werte nicht
un=
freundlich. Von Obligationen konnten Vereinigte Stahl ½
Pro=
zent höher eröffnen, Krupp=Obligationen waren ½ Prozent
ge=
beſſert. Reichsbahn=Vorzugsaktien wurden zu vorgeſtrigen Kurſen
aus dem Markt genommen. Von Auslandsrenten waren Ungarn
und Macedonien befeſtigt, während Bosnier 1 Prozent nachgaben.
Der Aktienmarkt war nicht ganz einheitlich, aber unter dem
Ein=
druck weiterer zuverſichtlicher Nachrichten aus der Wirtſchaft gut
behauptet. So konnten Kohlenwerte von der Abſatzſteigerung im
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlenſyndikat profitieren. Am
Elektro=
markt fand der Abſchluß von Siemens u. Halske Beachtung. Für
Autowerte war im Hinblick auf die bevorſtehende
Autoausſtel=
lung etwas Intereſſe vorhanden. Daimler eröffneten jedoch mit
44 nach einem Vorbörſenkurs von 45 (44½). Von Montanwerten
waren Hoeſch 3 Prozent und die Stahlvereinswerte ½ Prozent
höher. Laura verloren weitere ½. Braunkohlenwerte und
Kali=
aktien waren behauptet. Farben wurden ½ Prozent höher
umge=
ſetzt. Am Elektroaktienmarkt ermäßigten ſich Siemens um ½,
Schuckert um ½ und AEG. um 3. Dagegen waren Lieferungen
und Elektr. Schleſien je ½ Prozent höher. Von Maſchinenaktien
lagen Berlin=Karlsruher 1 Prozent niedriger, Kunſtſeidewerte
waren gut gehalten. Papier= und Zellſtoffwerte bröckelten weiter
ab. Leidiglich Aſchaffenburger Zellſtoff konnten ſich um ½ Prozent
erholen. Reichsbankanteile hatten mit einem Gewinn von 1½
Prozent heute die Führung. BEW. ſtiegen um 7. Schiffahrtswerte
waren abgeſchwächt. Hapag ermäßigten ſich um 1. Verkehrswerte
lagen uneinheitlich. — Im Verlauf bröckelten Aktien ab.
Die Frankfurter Börſe hatte wenig Umſätze. Es machte ſich etwas
Abgabenneigung bemerkbar, einmal um die jetzigen hohen Kurſe
zu Gewinnverkäufen auszunützen, und dann infolge einer
Zurück=
haltung, da beſonders auf Spezialgebieten des Rentenmarktes
Glattſtellungsbedürfnis beſtand., Reichsmark=Obligationen werden
jetzt angeliefert, wodurch die Mitläuferſchaft aus
Geldbeſchaffungs=
gründen verkaufte. Wiederſtandsfähig blieb die Börſe trotz der
Geſchäftsſtille, da von der wirtſchaftspolitiſchen Seite her größere
Anregungen vorlagen. Die Abſchlüſſe im Siemens=Konzern, die
be=
achtliche Erhöhung der Spareinlagen und die Berichte üebr die
Kohlenmarktlage wurden mit Befriedigung vermerkt.
Farbenin=
duſtrie ſetzten behauptet ein. Elektrowerte bröckelten leicht ab
wo=
bei die zur Vorſicht mahnende Erklärung der AEG.=Verwaltung
mitſprach. AEG. 7 Prozent, Bekula und Gesfürel je ½ Prozent
gedrückt Siemens behauptet. Von Montanwerten gewannen
Phö=
nix ¼ Prozent, Stahlverein ½ Prozent, Rhein. Braunkohlen ½
Prozent. Ilſe Genußſcheine 1 Prozent, während Klöckner und
Mansfeld je ¼ Prozent und Mannesmann 8 Prozent verloren.
Schiffahrtswerte blieben ſchwach, Hapag 1½ Prozent, Nordd. Lloyd
½ Prozent niedriger, auch Reichsbahn=VA. mit 113 nur knapp
ge=
halten. Im einzelnen lagen Reichsbankanteile ¼ Prozent höher,
dagegen L. Tietz in Reaktion auf die bisherige Steigerung um
1½ Prozent ſchwächer.
Am Rentenmarkt waren Neubeſitz lebhafter und 10 Pfg. höher,
Altbeſitz ½ Prozent niedriger. Späte Reichsſchuldbuchforderungen
ſetzten mit 94½ Prozent behauptet ein.
Im Verlaufe blieb das Geſchäft an allen Märkten recht ſtill.
Die Kursbildung war ſehr uneinheitlich.
Die Abendbörſe litt unter Auftragsmangel und eröffnete
nahezu in geſchäftsloſer Haltung. Die Grundtendenz blieb aber
widerſtandskräftig, wobei die Verringerung der Arbeitsloſen um
285 000 Perſonen entgegen der Saiſontendenz von Einfluß war.
Im allgemeinen blieben die Berliner Schlußkurſe etwa behauptet,
teilweiſe bröckelten ſie auch um Bruchteile eines Prozentes ab,
denen jedoch ebenſolche Erhöhungen gegenüberſtanden. Am
Ren=
tenmarkt ſetzten Neubeſitzanleihe mit 19.40 Prozent unverändert
ein. — Im Verlaufe hielt die Geſchäftsſtille an und nennenswerte
Kursverſchiebungen traten nicht ein.
Die Abſchlüſſe des Siemens=Konzerns.
Gebeſſerke Lage durch die Polikik der Reichsregierung
Der letzte Teil des Geſchäftsjahres 1932/33 und auch der
bis=
her abgelaufene Teil des neuen Geſchäftsjahres zeigte wieder
Beſtellungen, die nicht unerheblich über den Fabrikationsziffern
lagen und daher die Gewähr einer erhöhten Beſchäftigung im
lau=
fenden Jahre bieten. Dieſe Belebung iſt umſo erfreulicher, als
erfahrungsgemäß die Elektrotechnik ſpäter als die übrige
In=
duſtrie im Durchſchnitt die Wirkung der Konjunktur ſpürt. Die
Geſellſchaft iſt in der Lage, auch ihre Beſtände wieder zu
er=
höhen, was weiter zur Vermehrung der Arbeitsgelegenheit
bei=
trägt. Die Beſtellungen der Reichspoſt auf Apparate hätten kaum
ein Viertel des entſprechenden Umſatzes in den Jahren vor der
Kriſe ausgemacht, während der Ausfall im Geſamtgeſchäft etwa
50 Prozent betrage. In den letzten Monaten hat ſich die
Beſchäf=
tigung der Werke durch die allgemeine Belebung des
Inlandsge=
ſchäfts und durch die Arbeiten für die Rundfunkſaiſon gehoben.
Man glaubt jedoch, mit einem weiteren Rückgang des
Auslands=
geſchäftes rechnen zu müſſen. Bei Siemens u. Halske und Siemens=
Schuckert und den von ihnen kontrollierten Geſellſchaften waren
Ende des Geſchäftsjahres 79 000 Mann beſchäftigt, davon im
In=
lande 61 000 Die Zuſammenfaſſung von Fabrikation und Vertrieb
elektromediziniſcher Apparate bei der Siemens=Reiniger AG.
wurde durchgeführt. Als Holding=Geſellſchaft für die ausländiſchen
Beteiligungen blieb die Siemens=Reiniger=Veifa Geſellſchaft für
mediziniſche Technik GmbH. beſtehen. — Wie mitgeteilt ergibt ſich
für 1932/33 ein Reingewinn von 6 14 (6,97) Mill. RM., der ſich
durch den Vortrag von 2,89 (2.22) Millionen auf 9,03 (9.19)
Mil=
lionen erhöht. Der Generalverſlg. am 7. März wird vorgeſchlagen,
wieder 7 Prozent Dividende zu verteilen und 2,76 (2.,89) Mill.
RM. vorzutragen. In der Bilanz erſcheinen u. a. (in Mill RM.)
Beteiligungen 161,68 (158,12), Wertpapiere 51,87 (49,35),
Schuld=
ner 139,78 (151,16), flüſſige Mittel 56,45 (51,38); andererſeits
bei unv. 107,09 Grundkapital Anleihen 126,0 (132,88) Gläubiger
37,30 (33,99). Die Generalverſammlung hat Beſchluß zu faſſen
über die Abänderung des in der Generalverſammlung vom 28
Fe=
bruar 1933 gefaßten Beſchluſſes in der Weiſe, daß die am 31. März
1934 ablaufende Friſt zur Durchführung der Erhöhung des
Aktien=
kapitals um den Reſtbetrag von nom. 4,41 Mill. RM. Aktien bis
31. März 1935 verlängert wird.
Bei der Siemens=Schuckertwerke AG. hat ſich bis Ende des
Geſchäftsjahres (30,9) die Erhöhung des Auftragseinganges noch
nicht in einer Steigerung des verrechneten Umſatzes ausgewirkt,
er ging vielmehr gegenüber dem vorhergehenden Geſchäftsjahre
weiter zurück. Der entſtandene Verluſt wird aus den Rücklagen
gedeckt. Im Auslandsgeſchäft geſtalteten ſich die Verhältniſſe
weniger günſtig. Die Arbeitsbeſchaffungspläne der
Elektrizitäts=
werke, ſowie die Erſatz= und Erneuerungsbeſchaffungen unter
Aus=
nutzung der Steuererleichterungen werden ſich erſt im neuen Jahre
auswirken. Das Schaltanlagengeſchäft war 1932/33 recht lebhaft.
Von den Beteiligungsgeſellſchaften hat die Bergmann=
Elektrizi=
täts=Werke AG. ihre Neuorganiſation durchgeführt und entwickelt
ſich befriedigend — Die Bilanz zeigt Waren 32,21 (35,95)
Wert=
papiere 33,16 (20,43), Schuldner 99 94 (121,90), Wechſel, Kaſſe
und Bankguthaben 31,47 (34.13). Auf der anderen Seite bei unv.
120,0 AK., 16,8 Reſerve Rückſtellungen 27,9 (30,98), Anleihen 57.20
(64,08) und Gläubiger 38,15 (41,78).
Viehmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 8. Februar. Aufgetrieben waren
150 Kälber. Die Preiſe ſtellten ſich auf a) 31—34, b) 27—30, c) 23
bis 26 Pfg. pro Pfund. Spitzentiere über Notiz. Marktverlauf:
Schleppend, geräumt.
Ferkelmarkt in Groß=Gerau am 7. Februar. Auftrieb: 489
Ferkel. Ferkel koſteten 12—21 RM. pro Stück. Der nächſte
Ferkel=
markt findet am Mittwoch, den 21. Februar 1934, vormittags 8.30
Uhr, auf dem Marktplatz zu Groß=Gerau ſtatt.
Frankfurter Viehmarkt vom 8. Februar. Auftrieb: Rinder
insgeſamt 54 (gegen 37 am letzten Donnerstagsmarkt), Kälber
930 (931), Schafe 226 (394), darunter befanden ſich 169 (288)
Ham=
mel, Schweine 850 (562). Notiert wurde pro 1 Zentner
Lebend=
gewicht in RM.: Kälber, Sonderklaſſe, —, andere a) 43—45, b)
36—42, c) 30—35, d) 25—29. Lämmer und Hammel b1)
Stall=
maſthammel 31—32. c) mittlere Maſtlämmer 28—30. d) geringere
Lämmer und Hammel 25—27. Schafe e) beſte 27—28, f) mittlere
24—26, g) geringe 20—23. Schweine a) 47—48, b) 44—47, c) 44
bis 47. d) 40—46, e) 35—42, f) und g) nicht notiert. Im
Preis=
vergleich zum letzten Donnerstagsmarkt blieben Kälber. Hammel
und Schafe behauptet, hingegen büßten Schweine 2—3 RM. ein.
Berliner Kursbericht
vom 8. Februar 1934
Deviſenmarkt
vom 8. Februar 1934
Berl. Handels=Geſ.
Deutſche Bank u. /
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Nordd. Lloyd
A. E. 6.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
f
64.75
66.25
28.—
30.—
29.75
136.875
45.50
17.50
n6.50
151.25
115.—
Meiſte
Glektr. Lieferung
J. 6. Farben
Gelſ. Bergwerke
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Koksw. Chem. Fabr
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.
Orenſtein & Koppell
Veee
96.375
127.—
60.125
A
89.75
71.875
66.375
160.—
60.—
87.25
62.—
ANwee
62.—
Maennee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali I.
Kaufhot
Verein, Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind. 1
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Vafe
53.50
154.—
21.50
40.—
115.75
58.50
19.375
101.125
25.50
83.—
69.—
95.50
Bährung
Buenos=Aires 1 Pap. Peſo
teanab. Doll,
Ranche
Japan
1 Yen
Kairo
Iſtanbul
London
New Yort
Rio de Faneirol1 Milreis
üruguah
Amſterdam
Athen
Brüſſel
Budapeſt
Danzig
Helſingfors
1äghpt. *
1 türk. 2
12.Stg.
1 Dollar
1 Goldpeſo
100 Gulden 11
100 Drachm.
100 Belga.
100 Pengö
100 Gulden
100 finn. Mk.)
Geld,
0.66
2532
0.7641
3.ies
1.993
12.805
2.557
0.214
1.2g9
167.83
2.301
58.14
ſon.z2
5.6841
Brieff
0.s64
2.53
2.78e
13.215
1.397
12,g35
2.563
6.216
1.307
168.17
2.a05
56.26
1.4g
5.S76
Italien
Jugoſlawien
Kopenhagen
Liſſabon
Oslo
Paris
Prag
Fsland
Riga
Schweiz
Soſia.
Spanien
Stockholm
Tallinn (Eſtl.
Wien
Währung
100 Lire
00 Dinar
100 Kronen
100 Eseudos
1o0 Kronen
100 Franes
100 Tſch. Kr.
100 isl. Kr. 58.04
100 Lais
100 Franken
100 Leva
100 Peſetas
100 Kronen
100 eſtl. Kr.
100 Schilling
Geld
21.93
5.664
57.29
11.69
64.49
16.42
12.327
go.02
80.72 ſa
3.047
33.87
69.1g
47.20
Brief.
2t.s7
5.676
57.45
11.71
ſ64.,S1
15.46
12.447
58.16
(0.18
30.88
2.053
3,93
66.18 66.32
69.32
47.30
Surmſtädter und Karionaroane Burmftast, willan Me ätessher Bunt
Frankfurter Kursbericht vom 8. Februar 1934.
Wene
„ Gr. IIp. 1934
„ 1935
1938
1937
1938
GruppeI
6% Dtſch. Reichsanl
v.27
5½%Intern.,b.30
6%Baden ... v.27
6%Bahern .. v.27
6%Heſſen. .. v.29
6% Preuß. St. v. 28
6% Sachſen .. v.27
6%Thüringen v.27
Dtſch. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4ſ.
Ab=
löſungsanl.. . ..
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ....
6%Baden=Baden.
6%Berlin ... b.24
69Darmſtadt . .
68Dresden.. b.26
6%Frankfurt a. M.
Schätze v. 29
„ b.26
62Maliz. ...
6%Mannhein v.27
6%München .v. 29
6%Wiesbaden v. 28
6%Heſſ. Landesbk.
Goldoblig.
5½ %beſſ.
Landes=
hhp.=Bk.=Liquid
102.25
10G.
97.25
937).
92
97.1
1100-,
95.25
941,
94
95.5
93,
105
95
93.25
97
19.4
83.5
79.25
82
84),
82
85.25
88‟
86
92.25
90
e e
Hyp.=Bk. Liqu.
Komm. Obl. ...
6% Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G. Pf.
6% Goldoblig.
6%Landeskomm.=
Bk. Girozentr. f.
Heſſ. Gldobl. R. 11
169
R.12
62Kaſſ. Landeskrd.
Goldpfbr. . .
6%Naſſ. Landesbk.
5½% „ Liqu. Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
Ausl. Ser, I
FAusl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
6%Berl. Hyp.=Bk.
3½% Lig.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=Bk.,
5½% „ Lig. Pfbr.,
Goldoblig.
Frkf. Pfbr.=Bk.
½%0 v Lig.=Pfbr.
6%Mein. Hhp.=Bk.
5½%0 Lig. Pfbr.
6% Pfälz. Hhp.=Bk.
Lig. Pfbr.
8Rhein,Hyp. Bk.
5½% „ Lig. Pbr.
Goldoblig.
6% Süidd. Boden=
Cred.=Bank
„ Lig. Pfbr
82Würt Hyp. B.
W
6% Dt. Linol. Werke
93 6%Mainkrw. v. 26
88Mitteld, Stahl.
82 SalzmanncCo
6% Ver. Stahlwerke
3
6% Boigt& Häffner
J. 6. Farben Bondsl=
15%Bosn. L.E.B.
86.25/55 — L.Inveſt.
5%Bulg. Tab. v. 02
4½% Oſt. Schätze.
92.25 47Oſt. Goldrente.
92.25 15 %vereinh. Rumän
4½8
48
95.25 4% Türk. Admin..
114 147 1.Bagdadl
Zollanl.
429
18.5 14½Bungarn 1918
19141
92
Goldr.
1910
92.5
91.25 /4½Budp. Stadtanl.
88.75 14%Liſſabon
92.25 4% Stockholm
33
92.25
92
92-,
94.5
94
92.5
92
30.5
Ahtien.
Rlg. Kunſtziide Unie
A. E. G. .... . . . . .
AndregeNoris Bahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtoff
Bemberg, J. P. ...
Berl.Kraft u. Licht
Buderus Eiſen. . ..
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G.Chemie, Bafeil;
9GI,
9"
81.5
115.55
21.25
20
5.25
425
6.1
6if.
49.25
40.5
84
45.75
29".
96
63‟
37.5
45,
124
73.5
86.25
137
e
Chade „uuann!
Contin. Gummiw..
Contin, Linoleum.
Daimler=Benz ....
Dt. Atl. Telegr. . .
Erdöl ......"
Dt. Gold= u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt.
Linoleum ...."
Dortm. Ritterbräu
Dhckerhoffc Widm.
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
„ Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk
urßling. Maſchinen.
Faber & Schleicher
J. 6. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Fetter)
Felt & Guilleaume
Frankfurter Hof.
Gelſenk.Bergwerk
Geſt.f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th. .
Gritzner=Kahſer...
Grün & Bilfinger /195
Hafenmühle Frrft.
Hanauer Hofbräuh.
Hanfwerke Füſſen.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ....
Hochtief Eſen ..../1
Holzmann, Phil...
3lſe Bergb. Stammlt
Genüſſel1
Junghans ......!
R
152.5
3
1177.5
47.25
79
89.5
76.5
96:),
101.25
210
30
42
126‟,
38.25
60
59eI.
941.
25.75
40
89.5
99‟
66
Kue
Aſchersleben.
glein, Schanzlin..
Klöcknerwerke ..
Knorr C. 6. .. . . . .
Lahmeher & Co.
Laurahütte.
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch.: 1205
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt. Br..
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
Motoren Darmſtadt
Neckarwer: Eßling.
Oberbedar)
Phönix Bergbau..
Rh. Braunkohlen".!
„ Glektr. Stamm
Stahlwerke .
Riebeck Montan..
Roeder, Gebr.
Rütgerswerke ....
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind.,
Schramm. Lackfbr.
Schuckert, Elektr. /1
Schwartz, Storchen!
Siemens & Halske.
Reinigerwerke
Südd. Zucker=A. G./1
Thür. Liefer.=Geſ..
Kaufhof .........!
Unterfranken .....!
60
185
1113
22
72.5
62
62
32.5
54
Aue
91.5
13.25
47
199.5
88
86
52.5
188
176
Ver. Stahlwerke ./ 40 I,
Ver. Ultramarin. 1117
Voigt & Haeffner.
Weſteregeln Kalt. .1115.5
Zellſtoff Waldhof. . 48
Allg. Dt. Creditanſt. / 46.25
Badiſche Bank.. /122
Bk. f. Brauinduſtr.
Baher. Hyp. u. W. 79.5
Berl. Handelsgeſ. 93.25
„ Hypothekbl.
Comm. u. Privatb.
Dt. Bank und Dise. 64.75
Dt. Eff. u. Wechſell 75.5
Dresdner Ban!
66.25
Frankf. Bank. . . .
Hyp.=Ban!/ 83.25
Mein Hhp.=Ban1. 86
Pfälz. Hyp.=Ban).
Reichsbank=Ant. 165
Rhein. Hyp.=Ban1. /116
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Württb. Notenbank/u00
A.G. ,„ Vertehrsw.! 64
Allg. Lokalb. Kraftw/ 94.5
726 Dt. Reichsb. Vzol1123 ,
Hapag ......
Nordd. Lloyzd.
30
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Allianz= u. Stutte
Verſicherung .. /235
„ n Verein. Verſ./245
Frankona Rück=u. 4
Mannheim. Verſich. 20
—
Otavi Minen
137/,
Schantung Handelsl 40
Seite 12 — Nr. 33
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 9. Februar 1934
HELIA
HELIA
Filw-Morgenleier, Sonntag vorm. 11.15 Uhr unwiderrullich letzte Wiederholung
„Abenteuer auf dem Meeresgrund
Vorverkauf Helia-Tageskasse. Ein Film vom Kampfe des Menschen gegen die Ungeheuer der Meerestiefe. Kleine Preise. Jugendliche Zutritt.
2513
Heute letzter Tag
Das entzückende Lustspiel:
Der Jage vom
Dalmasse=Kotel
mit
Dolly Haas und Harry Liedtke
Beginn: 3.45, 6.00 u. 8.20 Uhr
Zum Skilaufen
wieder nach
Breungeshain
(Vogelsberg)
(35 cm Pulverſchnee)
(728
Die Fahrt Mk. 5.80.
Abfahrt: Samstag 14 Uhr.
Näheres: Heſſenſkikurſe, Ernſt=
Lud=
wigſtraße 11, Telefon 2194.
Volksbund für das
Deutſchtum im Ausland.
Franengruppe Darmſtadt.
Sonntag, den 11. Februar, 15 Uhr
Städtiſcher Saalbau
Faſching
für Große und Kleine.
Auf der Bühne: Tänze aus aller
Welt. In den oberen Räumen:
Beluſtigung für die Kleinen.
Im großen Saal: Tanz.
Für alle Kreppel-Kaffee.
Vorverkauf bei J. Ph. Leuthner,
(1753
am Weißen Turm.
Erwachſene ℳ 1.00 — Kinder X 0.50
Studenten und Schüler ℳ 0.75.
Saalöffnung 14.30 Uhr.
2
Hente Freltns Eretaufführung
K
Eine neue an Fröhlichkeit kaum zu übertrellende
Film=Operette:
Reatg
Wiltrors
K
Kapokmatratzen
laJava=Kapok a35.—
ſofort abzugeben.
Eheſtandsdar=
lehen werden angenommen. Eil=
Offerten erb. u. G. 231 Geſchäftsſt.
Ohre.
Empfehle prima junges Schweinefleiſch.
Aus eigener Zucht: Bratenſtücke Pfd. 0.80
Bauchläppchen Pfd. 0.76, Koteletis Pfd. 0.86
Ferner empfehle Reh= und Haſenbraten,
Lapins, junge Hahnen, Kapaunen,
Poularden, Maſtenten, Maſthühner,
Faſanen, junge und alte Tauben.
Auf Wunſch bratfertig frei Haus.
L. SCHRODER
Kiesſtraße 15 713) Telephon 1969
Schweine-
Holzstraße 2
metgerel Fuchs Fernspr. 1641
Heute frische Schweinenieren O
Krakauer, ¼ Pfd. 0.23
Warmer Leberkäse / Pfd. 0.35
Alles andere billigst. (1726
Gebrauchter
Schreibtiſch
für ſof. geſucht.
Off. G. 234 Gſch.
Paul Kemp
Ein großesUIfa-Filmlustspiel nach der Bühnenoperette:
sMeine Schwester und ichs von Karl Hartl.
Musik: Ralph Benatzky und Schmldt-Gentner.
Die Schlager: „Sag mir was Du liest.
„Du bist der Stern. . .
„lch lade Sie ein Fräufein . . .
„Hein Mädel ist nur eine Verkänferin . ."
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Herrngar ten Gale Sonntag, Montag, Dienstag
An den 4 Karnevalstagen
durchgehend geöffnet
Kinder-Maskenball
G1798
2 Maskenanzüge
(Kornblume und
Matroſe) z.
ver=
leihen.
Pankra=
tiusſtraße 30.
Den ſchönſten Karneval
erlebten wir jedes Jahr
Samstag, Sonntag, Roſenmontag und Faſtnacht im
in ſeinen herrlich dekorierten Räumen
Einfach fabelhafte Kapelle
Eintritt frei
Tiſchbeſtellungen erbeten
Heute Freitag
Konzert und Janz
11-
Preis=Abſchlag
für
Haſenrücken. per Pfd. 1.00
Hafenkeulen per Pfd. 1.00
Hafenläufe „per Pfd. 0.80
Haſenpfeffer, per Pfd. 0.30
FaſanenhennenSt. 2.00
Wildenten . . St. 1.80
Ferner:
Junge Hahnen, junge Enten,
poularden, Kapaunen, Suppen=
und Ragolt• Hühner.
Schuſſtraße 16 zuuis Telefon 115
Faßmatten
größte Auswahl.
Bohnerwachs, Federwedel,
Paliertücher,
Skunkswedel,
Scheuertücher, Kehrmaſchinen.
Brückner
Holzſtraße, am Brunnen. (1604b
Heute
Freitag, den 9 Februar 1934, um
20 Uhr im Heaghaus, Luisenstr. 12
Kochvortrags
Eine Auswahl von Vorspeisen und
Aufläufen für die elektrische küche!
Hess.Eisenbahn A. G., Darmstadt
HAsNEnäfiz
im Städt.
Saalbau
„Mit der Liedertafel in den Lauberwald”
Fastnacht-Samstag, den 10,Februar, 20.11 Uhr
Kartenvorverkauf: Für Gäste Zigarrenhaus Hartstang, Ludwigsplatz 3.
Für SA.-Angehörige und Studenten Mk. 1.— einschließlich Tanz bei
Hofmann, Hügelstraße 6, III.
un21
Uhe
Mnkre a
Fastnacht-Dienstag, abds. 8 Uhr
Großes harneralitich. Treiben
Motto: 2 Herzen u. 1 Schlag
Eintritt einschl. Tanz:
Herren 0.75 Mk., Damen 0.50 Mk.
Für die Rücktahrt nach Darmstadt
Sonderwagen der Reichspost. (1708a
Großes Haus
19.30 —22 Uhr
Deutſche Bühne
Jugendring 1 4
Gruppe 3 u. 4
0.50 —4.50 Mk.
Heſſiſches
Landestheater preiſe
Freitag
9. Februar 1934
Zuſatzm. 1V,8
Preiſe
10.80—4.50 Mk.
Kleines Haus 20 bis nach 22 Uhr
Alle gegen Einen —
Einer für Alle
Schauſpiel von Friedrich Forſter
Spielleitung: Dr. Praſch
Bühnenbild: Edward Suhr a. G.
Darſteller: Franke=Booch, Gothe,
Ausfelder, Baumeiſſer, Beſt,
Geh=
re,Hauer, Heck,Hinzelmann,Keim,
Laubenthal, Langer, Linkmann,
Magel=Maletzki, Schudde, Schwartz
Weſtermann, Worret
„Runst im Kandwerk‟
am Ludwigsplats uisa
in dold
Neuankertigung und Silber
Verchromen
von Beſtecken, ſolid und preiswert
Karl Föbel, Grafenſtr. 16. 45a
Don Pasquale
Komiſche Oper von G. Donizetti
Muſikaliſche Leitung: Fritz Bohne
Szeniſche Leitung: A. M. Rabenalt
Bühnenbild: Elli Büttner
Darſteller: Harre, Anders, Draht,
Kuhn, Ritzhaupt
Zu Fastnacht, Frohsinn
und Kälte gehört Alkohol!
In keiner anderen Form genossen ist er
s0 harmlos und freudespendend wie in
unseren Pralinen mit Alkohfolällungen.
Wir nennen nur drei aus unserer Huswabl:
Preis vom Rhein .. . 150g—809
(Alkoholmischung)
Weinbrandbohnen mit und ohne
Zuckerkruste 1559 bzw. 145g—809
Weinbrandkirschen 1659—809
809—40₰
Peter-Gemeinderstraße 19
u. in Frankfurt: Kaiserstraße 21
nahe Frankfurter Hof‟
Nachweis
Eliſabethenſtr. 30
O
Suche für
13jähr. Tochter
Unterkunft
mit voller
Ver=
pflegung. Ausf.
Off. 6 242 Gſch.”
Sektion
Darmſtadt.
Heute abend
8½ Uhr ſpricht
in der Aula des
Ludwig=Georgs=
Gymnaſiums
Herr Apotheker
Burckardt
aus Bensheim
an Hand v.
Licht=
bildern über: (e
Bergwande=
rungen in
Hoch=Tirol
(Stubaier=,
Oetztaler= und
Ortler=Gruppe).
Brauchen Sie ein
Fahrrad
der 13008
SeiEscnlen
Hu u H ue
Eesfe Dantd Ruche
dann ſchreiben
Sie ſofort unter
G. 106 an dieſe
Zeitung.
Sie werden schreiene
Ovor Entzücken O.
Im Büro iſt dauernd etwas
anzuſchaffen, ganz
abgeſe=
hen davon, daß in den
mei=
ſten Büros noch an
ver=
alteten Möbeln, mit
ver=
alteten Maſchinen
gearbei=
tet wird! Hier liegen noch
große Aufgaben zur
Be=
darfsdeckung! Wer
Büro=
möbel, Schreibmaſchinen ete.
vertreibt, ſollte ſich
ſchleu=
nigſt mit der
Zeitungs=
anzeige im Darmſtädter
Tagblatt verbünden!
Wir bieten
unſeren werten Mitgliedern an:
Aus unſeren Fleiſchabgabeſtellen:
la Ochſenfleiſch . . . . Pfd. 0.72
la Schweinefleiſch Pfd. 0.90
la Kalbfleiſch . . Pfo. von 0.75 an
Hammelfleiſch . . Pfd. von 0.65 an
GEc Cervelatwurſt, a. reinem
Schweinefleiſch hergeſt., Pfd. 1.30
GEG Leberwurſt. ca. 1 Pfd.=D. 0.55
GEG Ochſenmaulſalat . . . . . . ca. 1 Pfd.=Doſe 0.40
GEG Fleiſchſalat . 1 Pfd. netto Doſe 1.05 und 0.95
GEG Rollmops, Bismarckher., pik. gewürzt, 1 Ltr.=D. 0.68
. . 1Ltr.=D. 0.60
GEG Bratheringe
Fettheringe in Tomaten, Marke Eisberg, ovale Doſe 0.33
Aſter, o. Grät., . „ 0.40
Fettheringe
Anchovy, o. K. u. Schwanz. i. Doſe od. Glas 0.55 u. 0.40
Süfe Bücklinge, Heringe in Gelee, Sardinen, Sardellen,
Oelſardinen, Scheibenſeelachs in Del billigſt.
la Röſtkaffee Pfd. 3.20, 2.80 2.40, 2.20 u. 1.84
GEG Malzkaffee 1 Pfd.=Paket 0.43, ½ Pfd.=Paket 0.22
Weizenmehl aus der GEG=Mühle Mannheim
Pfd. 0.22, 0.19 und 0.18
Kokosfett, 100% Fettgehalt . . . . 1 Pfd.=Tafel 0.58
Eier . . Stück 0.13, 0.12½, 0.12, 0.11 u. 0.09
Orangen, gewickelt Pfd. 0.15, ungewickelt Pfd. 0.14
.. Pfd. 0.09
Friſchgemüſe: Weißkraut u. Wirſing
Rotkraut Pfd. 0.12 Blumenkohl Stück 0.34
Sellerie Stück 0.18 Suppengrin Bündel 0.03
Rheinhefſ. Beißwein in 5 Ltr.=Korbfl., v. Glas, Ltr. 0.80
Ingelheim. Rotwein in 5 Ltr.=Korbfl, o. Glas . Ltr. 0.80
Bermutwein
.. . ½, Flaſche mit Glas 0.80
Aus unſerer Großbäckerei: täglich friſche Kreppel Stück 6 ₰
Unſer bekannt gutes Miſchbrot, Roggenbrot. Schrotbrot,
Volkornbrot, 1a Brötchen, Gebäck, Zwleback, Kuchen.
G.
m.
b.
6.
(Warenabgabe nur an Mitglieder)