Einzelnummer 10 Pfennige
Bezugspreis:
Bei wöchenilich 7maligem Erſcheinen vom 1. Januar
bie 31. Januar 2— Reichemark und 20 Pfennig
Ab=
tragegebähr, abgeholt 2.— Reſchsmark, durch die
Agenturen 2.20 Reichsmark frel Haus. Poſfbezugsprelt
reis
im Januar ohne Beſtellgeld monatliſch 2.40 Reichemart.
Nichterſcheinen einzelner Nummern infolge höherer
Gewalt berechtigt den Bezſeher nicht zur Kürzung des
Bezugspreſſe. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf ohne Verbindlichkeiſt für un.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätzt und eigenen Nachrichten nuc mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 21
Montag, den 22. Januar 1934.
197. Jahrgang
Anzeigenpreis:
Die 22 mm breite Zeille im Anzeigenteil. 1 mm hoch,
Pyſg. Die B mm breie Zeiſe im Textell 1 mm
a. platzaufſchlag (nach vorheriger Der=
Pen”
eindgrung)
3.
ſerung unter Text oder an
be=
immter Stelle 25h. R
ſtnach 2
eigen
28
*
einſpalig) das fetgedru
wort 2
Ueber
ſedes weſtere Wort 8 pfennig. Fomiiene Anzelgen
die 22 mm brelite Zeſſe 1 mm hoch 6 pfennig.
poſſcheckonto: Frankkurt a. M. 1301. Bankkonio:
DD= Bank und Darmſtädter und Nationalbank.
Der Bauer als Jundament des Staates.
Abſchluß des Reichsbauerntages in Weimar. — Grundſätzliche Erklärungen des
Reichsbauern=
führers und Ernährungsminiſters Darré zur nationalſozialiſtiſchen Bauernpolitik.
Abſchluß einer unſeligen Epoche
deutſcher Bauerngeſchichke.
Weimar, 21. Januar.
In feierlicher Weiſe wurde am Sonntag vormittag der zweite
Tag des Reichsbauerntages in der Weimarhalle eröffnet. Unter
ſtürmiſchen Heilrufen der Verſammlung betrat
Reichsbauern=
führer Darrs den Saal. Staatsſekdetär Willikens betonte
in ſeiner Begrüßungsanſprache, daß bereits der erſte Tag des
Bauerntages als ein Tag der Arbeit und der Freude gezeigt
habe, daß das, was die Reichsbauernführerſchaft als Ziel für das
deutſche Bauerntum geſetzt habe, ſchon in der Gemeinſchaft des
deutſchen Buerntums feſte Wurzeln zu ſchlagen beginne. —
Reichsſtatthalter und Gauleiter von Thüringen Sauckel
unterſtrich dieſe Auffaſſung; das, was an den beiden Tagen des
Reichsbauerntages aufgezeigt werde, könne in ſeiner Bedeutung
für unſer Volk und unſere Nation vielleicht erſt in 500 oder 1000
Jahren voll gewürdigt werden. Der Bauer aber, der heute Glied
der Volksgemeinſchaft ſei, möge es für ſeine weſentliche Pflicht
anſehen, den Millionen von Bauernenkeln, die heute ohne Haus
und Hof in der Not und Enge der Stadt ſäßen, ein Bruder der
Tat zu ſein.
Unter großer Aufmerkſamkeit hielt ſodann.
Reichsernährungsminiſter und
Reichs=
bauernführer R. Walker Darre
ſeine mit beſonderer Spannung erwartete Rede über die
Grund=
ſätze nationalſozialiſtiſcher Bauernpolitik und ihre zukünftigen
Aufgaben. Der Reichsbauernführer ging davon aus, daß man am
erſten deutſchen Reichsbauerntag der deutſchen Geſchichte feſtſtellen
könne, daß wohl auf keinem innenpolitiſchen Gebiet die Totalität
des nationalſozialiſtiſchen Führeranſpruchs ſo in die Wirklichkeit
habe umgeſetzt werden können. Der beſondere Dank gelte daher
den alten Kämpfern der Bewegung, die treu und unbeirrt als
Gefolgsleute Adolf Hitlers in den ſchwerſten Jahren ihre Pflicht
erfüllt hätten, um damit den totalen Durchbruch
nationalſozia=
liſtiſcher Agrarpolitik zu ermöglichen. Die diſziplinierte
Zuſam=
menfaſſung des deutſchen Bauerntums habe die legale
Durchfüh=
rung der Revolution garantiert und damit unſägliches Leid von
unſerem Lande ferngehalten.
Zum erſten Male hätten ſich vor drei Jahren gleichfalls in
Weimar, die Bauernvertreter der NSDAP. verſammelt, wobei
zum erſten Male erklärt worden ſei, daß das wirtſchaftliche
Mo=
ment im Rahmen der agrarpolitiſchen Probleme in zweiter
Reihe und der Bauer als Menſch in erſter Reihe zu ſtehen habe.
Dieſe Zuſammenkunft ſei das Signal zur Sammlung des
gan=
zen deutſchen Bauerntums unter einem Eymbol geweſen.
So betrachtet, ſei der erſte Reichsbauerntag der Abſchluß eiuer
unſeligen Epoche der deutſchen Bauerngeſchichte und zugleich der
Beginn einer neuen Zeit. Aus dem letzten Jahrtauſend der
deut=
ſchen Geſchichte rage immer wieder
der Gegenſaß des deutſchen Bauern zu den
Repräſenkanken der eindringenden Ueberfremdung
hervor. Unſerer Jugend aber habe man die deutſche Geſchichte als
ein glanzvolles oder düſteres Bilderwerk ohne jeden organiſchen
Zuſammenhang dargeſtellt. Als die Hohenſtaufen vergeſſen
hät=
ten, daß der Schwerpunkt ihrer Macht in ihrer deutſchen Heimat
lag, habe der Elendsweg des deutſchen Bauerntums begonnen.
Dieſe Abkehr von ihrem Blut und Boden hätten die Staufen
da=
mit bezahlt, daß der letzte Hohenſtaufe unter dem Henkersſchwert
in Italien geſtorben ſei. Auch in der jüngeren Geſchichte, als
Bis=
marck, der in ſeiner Politik immer bäuerlich dachte, gehen mußte
und ein junger Kaiſer unter Caprivi einen „neuen Kurs”
ver=
kündete, da habe zum zweiten Male in der deutſchen Geſchichte
jener Weg der Hohenſtaufen begonnen, der unzweifelhaft über
kurz oder lang in innerpolitiſchem Chaos enden mußte.
Es iſt mir ein Bedürfnis, ſo erklärte der Reichsbauernführer
weiter, an dieſer Stelle Adolf Hitler den Tank des deutſchen
Bauerutums dafür zum Ausdruck zu bringen, daß er
das nalionalſozialiſtiſche Deukſchland
beniffaif den Raerfan guffaf
und damit eine neue Epoche deutſcher Geſchichte einleitet.
Der Reichsbauernführer beſchäftigte ſich dann eingehend mit
den wirtſchaftlichen Fragen und erklärte, wenn der Reichskanzler
dem deutſchen Bauerntum durch das Reichserbhofrecht
eine Sonderſtellung eingeräumt habe, ſo deshalb, weil er in dem
Bauerntum die Quelle der Nation erblicke. Der Grundſatz des
Nationalſozialismus „Gemeinnutz geht vor Eigennutz” ſei, eine
Erkenntnis von ungeheurer Tragweite, und erſt, wenn man ſich
klar und eindeutig zu dieſer Grunderkenntnis bekenne und von
ihr aus die Bedeutung des Landvolkes zum Geſamtvolk überprüfe,
könne man die nationalſozialiſtiſche Agrarpolitik verſtehen. Es
gehe niemals um den Sondernutzen eines Standes, ſondern um
das Wohl des geſamten Volkes.
Die Einigung der Bauernſchaft ſei die erſte, und die Einheit
zwiſchen Bauernführer und Miniſter die zweite Vorausſetzung zu
dem Agrargeſetzeswerk geweſen. Das
Reichsnährſtand=
geſetz rage als erſtes Geſetz beſonders hervor. Es ſei die
Vor=
ausſetzung geweſen für das Geſetz über die
Getreidefeſt=
preiſe. Der Bauer ſei durch die ſinkenden Preiſe immer mehr
der Verelendung anheimgefallen. In dieſer gefährlichen Lage
habe man die grundſätzliche Umſchaltung gewagt und den Preis
für die wichtigſten Erzeugniſſe in gleicher Staffelung nach Raum
und Zeit feſtgelegt, in
gerechſer Abwägung nach den Inkereſſen
des Erelgers Mud des Peflauel.
Man habe damit nicht nur den Bauern vor einem weiteren
Preisverfall geſchützt, ſondern auch den Verbraucher vor
ungerech=
ter Preiserhöhung bewahrt.
Mit dem feſtliegenden Preiſe ändere ſich auch das ganze
Wirtſchaftsſyſtem mit einem Schlage. Wenn man liberaliſtiſch
eingeſtellt geweſen wäre, hätte man angeſichts des Preisverfalls
Stützungsmaßnahmen ergriffen, um den Preis zu halten. Das
wäre aber nur den Getreideſpekulanten zugute gekommen und der
Staat hätte auf ſeinen Getreidevorräten ſitzen bleiben müſſen.
Aus dieſer Erkenntnis heraus habe man das kapitaliſtiſch=
libera=
liſtiſche Syſtem in der Landwirtſchaft beſeitigt. Aus den gleichen
Erkenntniſſen ſei auch das Reichserbhofgeſetz entſtanden, das dem
Boden den Charakter einer Handelsware nehme. Bejahe man
die Abwendung von der kapitaliſtiſchen Wirtſchaft, dann bejahe
man auch folgerichtig den Gedanken der Unveräußerlichkeit, der
Unteilharkeit, der Unverſchuldbarkeit des Bodens, wie er im
Reichserbhofgeſetz verankert ſei, und zugleich die Feſtpreiſe. So
ſehe man den Aufbau einer völlig neuen, unkapitaliſtiſchen, in
ſich geſchloſſenen Wirtſchaft.
Zu den Beſtreßen nach feſten Breiſen und ſeſten
Roſfea
Löhnen geſelle ſich das venreben nach einem feften
Zin
Dinsfuß.
Hier liege allerdings die ſchwierigſte Aufgabe. Denn es
han=
dele ſich ja ſchließlich darum, das Kapital aus der kapitaliſtiſchen
Wirtſchaft herauszulöſen. Daß dieſes Ziel, das ja nichts anderes
bedeutet als die Brechung der Zinsknechtſchaft allen
National=
ſozialiſten unverrückbar vor Augen ſtehe, ſei ſelbſtverſtändlich. Es
ſtehe feſt, daß es an der deutſchen Bauernſchaft nicht liegen ſolle,
zur Brechung der Zinsknechtſchaft bis zum letzten beizutragen, da
ſie ja am ſtärkſten darunter gelitten habe.
Der Reichsbauernführer ſchloß in der Ueberzeugung, daß
un=
ſere Nachfahren einmal erklären würden:
Die Bauernführer aus der Zeit der großen deutſchen
Revo=
lution haben in hingebungsvoller Arbeit ihrem Volke und
Land=
ſtande gedient und haben ſich dabei erwieſen als das
unerſchüt=
terlichſte Fundament unſeres Führers Adolf Hitler.
Im weiteren Verlauf ergriff auch der
Reichsjugend=
führer Baldur von Schirach das Wort, um den
Bauern=
führern den Sinn und die Notwendigkeit der Eingliederung der
Bauernjugend in die Hitleriugend klarzulegen.
Gegen 1 Uhr mittags konnte Staatsſekretär Willikens die
Beratungen des Reichsbauerntages ſchließen.
Den Abſchluß des erſten Deutſchen Reichsbauerntages in
Wei=
mar bildete eine von der Bauernſchaft des Landes Thüringen und
der angrenzenden Gebiete ſtark beſuchte
Maſſenkundgebung in der Weimarhalle
am Sonntag nachmittag. Die wichtigen Ausführungen der Führer
des Reichsnährſtandes ſollten auch breiteren Maſſen für die
bäuer=
liche Selbſtverwaltung zugänglich gemacht werden. Außer dem
Reichsobmann für die bäuerliche Selbſtverwaltung, Staatsrat
Meinberg, ſprachen der Landesbauernführer von
Heſſen=Naſſau, der Landesbauernführer von Thüringen und
Reichsſtatthalter Sauckel.
Staatsrat Meinberg begründete in ſeiner Anſprache unter
an=
derem die Verlegung des Sitzes des Reichsnährſtandes von
Ber=
lin nach Goslar, in dem er betonte, daß ſich dieſer Sitz aus dem
Weſen der Organiſation naturnotwendig ergebe, da eine
bäuer=
liche Organiſation ſo nahe wie möglich an das Bauerntum ſelbſt
herangebracht werden müſſe. Goslar ſei überdies der geſchichtliche
Mittelpunkt niederſächſiſcher Bauernpolitik. Der Reichsnährſtand
habe ja auch keinen Grund, wie frühere bäuerlichen
Organiſatio=
nen, ſeinen Sitz in Berlin zu haben. — Reichsſtatthalter Sauckel
erinnerte die Bauern an ihre Verpflichtungen der
Volksgemein=
ſchaft gegenüber und ſtellte feſt, daß der deutſche Bauer nach dem
nunmehr beendeten Kampf die Stellung einnehme, die ihn
be=
fähige, ſeiner hauptſächlichſten Aufgabe nachzukommen, nämlich
Ernährer der ganzen Nation zu ſein.
der Führer des ſteiriſchen Heimatſchußes verhafkel.
DNB. Wien, 21. Januar.
Der Führer des ſteiriſchen Heimatſchutzes, Franz
Kammer=
hofer wurde am Samstag in ſeinem Wohnort St. Marein
ver=
haftet. Es kam im Ort und in den Nachbarorten zu
Kund=
gebungen für den Verhafteten. Die Gendarmerie ſchritt ein und
es gab mehrere Verletzte. Kammerhofer wird ins
Konzentra=
tionslager Wöllersdorf gebracht werden.
Reichsminiſter Stabschef Röhm
auf der SA-Zührerkagung.
1934 — das Jahr der Bewährung.
Friedrichsroda, 20. Januar.
Die SA.=Führertagung in Friedrichsroda nahm wie die
NSK. meldet, am Samstag ihren Fortgang mit
Beſprechun=
gen organiſatoriſcher Natur.
In ſeiner abſchließenden Rede faßte Stabschef Röhm das
Ergebnis der Tagung in großen Umriſſen zuſammen. Er
er=
klärte dabei u. a.: Dem Jahr des Sieges folge das Jahr der
Bewährung. Die nationalſozigliſtiſche Revolution ſtelle uns
über das bisher Erreichte hinaus noch große und wichtige
Aufgaben, durch deren Erfüllung die deutſche Erhebung ihre
Krönung erfahren müſſe. Vor der Gefahr des Stagnierens
und des geiſtigen Verſpießerns bewahre die Nation der
revo=
lutionäre Schwung der SA. als der Garantin der Revolution.
„Wir ſind kein bürgerlicher Klub, ſondern eine Vereinigung
entſchloſſener politiſcher Kämpfer. In der SA. wird und muß
dieſe repolutionäre Linie im Geiſte der rückliegenden Zeit
ein=
gehalten werden. Ich will keine Lämmer führen, die den
Spießern gefallen, ſondern Revolutionäre, die ihr Paterland
vorwärts reißen.”
Das neue Deutſchland müſſe immer, fuhr der Stabschef
fort, geiſtig jung bleiben und dürfe nie ein bürokratiſcher Staat
werden. Wenn Träumer und Neaktionäre, politiſche Eunuchen
das nicht begreifen ſollten, ſo würden ſie durch die SA. darüber
eindeutig belehrt werden. Das Ergebnis eines jahrelangen,
blu=
tigen, innerpolitiſchen Kampfes werde nur eine diſziplinierte
Kameradſchaft der Nation ſein.
Kameradſchaft u. Manneszucht ſeien die Grundlagen
nicht nur der ſoldatiſchen Gemeinſchaft, ſondern erſt recht der
erfolgreichen politiſchen Schickſalsgeſtaltung. Dieſe Kameradſchaft
habe namentlich auch Geltung nach unten. Die im Kampf durch
Blut gekittete Verbundenheit von Führer und Mann ſei die
Stärke der SA. bisher geweſen und werde ſie auch künftig
blei=
ben. Die geſamte SA. in allen ihren Gliederungen ſei eine
Gemeinſchaft von Kämpfern und Herren. An Stelle des
Sklaven=
geiſtes, des Geiſtes ſchwächlicher Demut, die vergangene Zeiten
dem deutſchen Menſchen einzuimpfen verſucht hätten, erziehe die
Sol. bewußt Herrennaturen.
Der Stabschef betonte weiter, daß der deutſche Aufbau die
ganze ſtraffe Zuſammenfaſſung aller Kräfte erfordere, die gewillt
ſeien, bedingungslos für die Nation einzutreten unter einem
Führer, einem Willen, einem Ziel. Es werde künftig keine
ſelb=
ſtändig nebeneinander ziehende Kolonnen mehr geben, ſondern nur
die vollkommene Einheit aller politiſchen Soldaten der Nation, die
gleich in ihren Pflichten und darum auch gleich in ihren
Rech=
ten — beſeelt ſeien von eiſerner Energie, von vorwärts
ſtürmen=
dem revolutionärem Schwung und von glühender
Vaterlands=
liebe. Aufeinander eingeſchworen, vom oberſten SAl.=Führer bis
zum letzten SA.=Mann, ſeien die braunen Bataillone die
revo=
lutionären Willensträger des Führers, des
nationalſozialiſti=
ſchen Staates, die das Vertrauen des Führers mit unbedingter,
hingebungsvoller Treue erwiderten. Soldatiſche Verbundenheit,
eiſerne Diſziplin und unerſchütterliche Kameradſchaft, die
Grund=
lagen wahrer Volksgemeinſchaft, fänden in der SA. ihre beſte
Verkörperung.
Der Stabschef ſchloß ſeine eindrucksvolle Rede mit dem Appell
an die verſammelten SA.=Führer, dieſen Geiſt der
Volksgemein=
ſchaft, den der Führer gepredigt habe, auch künftig die Grundlage
der Erziehungsarbeit der SA. ſein zu laſſen. Dann werde die
Nation das deutſche Schickſal meiſtern und damit den tiefſten
Sinn des Nationalſozialismus erfüllen.
Mit einem Heil auf den Führer ſchloß der Stabschef die
SA.=Führertagung, die in ihrer Geſchloſſenheit das Band des
Ver=
trauens, das zwiſchen dem Stabschef und den SA.=Führern
be=
ſteht, überzeugend zum Ausdruck brachte.
Vom Tage.
Nach der Annahme des Abſchnitts des Rooſevelt’ſchen
Wäh=
rungsgeſetzes, der die Uebertragung der Goldbeſtände der Federal
Reſerve Banken auf das Schatzamt vorſieht, hat das Parlament
in ſpäter Nachtſtunde auch die geſamte Währungsvorlage
gutge=
heißen.
Die öſterreichiſche Regierung plant die Errichtung eines neuen
Konzentrationslagers in Oberöſterreich. Die geſamte Wiener
Syſtempreſſe fordert jetzt die Gewinnung der ſozialdemokratiſchen
Arbeiterſchaft für die Regierung Dollfuß.
Nach einer Mitteilung der Preſſeabteilung des
Reichsnähr=
ſtandes iſt der bayeriſche Landesbauernführer Luber bis zum
Ab=
ſchluß des von ihm gegen ſich ſelbſt eingeleiteten
Prüfungsverfah=
rens beurlaubt worden.
Die SA=Führertagung in Friedrichsroda hat am Samstag mit
Beſprechungen organiſatoriſcher Natur ihren Fortgang genommen.
Reichsminiſter Stabschef Röhm hielt eine abſchließende Rede, in
der er das Ergebnis der Tagung zuſammenfaßte und an die
ver=
ſammelten SA=Männer den Appell richtete, den Gedanken der
Volksgemeinſchaft, den der Führer gepredigt habe, auch künftig
als Grundlage der Erziehungsarbeit der SA. gelten zu laſſen.
Seite 2
Nr. 21
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Montag, 22. Januar 1934
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadi, den 22. Januar 1934.
Geſunde Frau —Gefundes Volk.
Die heukigen Borkräge in der Kunſthalle am Rheinkor
15.00 Uhr: Vortrag über „Neuzeitliche Ernährung” für
die NS.=Frauenſchaft und angeſchloſſenen
Frauenver=
bände, anſchließend
16.00 Uhr: Kurzvortrag über „Magen= und Darmſchon=
Frau Pgn. Liſi Paupié ſtaatlich geprüfte
koſt”
Diätſchweſter und Mitglied der NS.=Frauenſchaft.
17.00 Uhr: Kurzvortrag und praktiſche Vorführung „Wie kann
) meinem Kinde helfen”, Kinderturnen als
Vorbeuge und Ausgleich von Haltungsfehlern.
Lei=
tung: Frl. Käte v. Strzemieczny (orthopädiſche
Turnlehrerin).
18.30 Uhr: Dr. med. Kl. Hoffmann Vortrag: „Die
Wech=
eljahre der Frau” (Nur für Frauen und
Mäd=
chen) und anſchließend Führung.
Neuerwerbungen der Skadkbücherei.
Johannes Georgi: Im Eis vergraben. Erlebniſſe auf
Station „Eismitte” der letzten Grönland=Expedition Alfred
Wegeners. 1933. 5 Cp 113. Ludwig Ferdinand Claus:
Als Beduine unter Beduinen. 1933. 20 Cf 40. Howard
Car=
ter: Tut=ench=Amun. Ein ägyptiſches Königsgrab. 3. (Schluß)=
Kulturgeſchichte
Band. 1934. 6 Kg 512. Leo Frobenius;
Afrikas. Prolegomena zu einer hiſtoriſchen Geſtaltlehre. 155 Cz 34.
Wilhelm Teudt: Germaniſche Heiligtümer. Beiträge zur
Aufdeckung der Vorgeſchichte. 15 Bd 325. Wolfgang Schultz:
Altgermaniſche Kultur in Wort und Bild. 1934. 15 Bd 295.
Eugen Weiß: Steinmetzart und Steinmetzgeiſt. 5 Cz 430.
Günther Franz: Der deutſche Bauernkrieg. 1933. 30 Bd. 510.
Adolf von Scholz: Erlebniſſe und Geſpräche mit Bismarck.
60 Bd 630. Albert Ruppersberg: Geſchichte des
Saar=
gebietes. 1923. 100 Bd 1019. Hans von Keſſel;
Handgra=
naten und rote Fahnen. Tatſachenbericht aus dem Kampf gegen
das rote Berlin 1918—1920. 90 Bd 375. F. Everling u.
Günther: Der Kaiſer. Wie er war, wie er iſt. 1934. 65 Bd 920.
Adolf von Trotha: Admiral Scheer, der Sieger vom
Ska=
gerrak. 1933. 65 Bd 850. Franz Reuter: Schacht (Männer
und Mächte). 1934. 90 Bd 1020. Ernſt Röhm: Die Geſchichte
eines Hochverräters. 1933. 35 Fp 850. Wilfrid Bade.
Ge=
ſchichte des Dritten Reiches. 1. Band: 1933, das Jahr der
Revo=
lution. 90 Bd 50. Albert Leo Schlageter: Deutſchland
muß leben. Geſammelte Briefe. 5 L 6374. Wehrgedanken.
Sammlung wehrpolitiſcher Aufſätze. Herausgegeben von F. von
Cochenhauſen. 1933. 20 Fp 250. Krieg und Krieger.
Heraus=
gegeben von Ernſt Jünger. 1930 1 Bk 110. Max Simoneit;
Wehrpſychologie. Abriſſe ihrer Probleme und praktiſchen
Folge=
rungen. 1933. 20 Fp 200. R. Hennig u. Leo Körholz:
Einführung in die Geopolitik. 1933. 10 Fp 233. Othmar
pann: Tote und lebendige Wiſſenſchaft. Kleines Lehrbuch der
Volkswirtſchaſt. 1929. 5 Fn 242. Franklin D. Rooſevelt:
lick vorwärts. 1933. 70 Bf 318. Hans Kammerer: Winter=
Photographie. 1930. 20 Ep 600.
Einziehung von Zehn=Mark=Scheinen.
Vdz. Im Publikum beſteht vielfach Unklarheit über die
Gül=
tigkeit von Zehn=Mark=Scheinen, nachdem im Oktober vorigen
Jahres ein Aufruf von Zehn=Mark=Scheinen erfolgt iſt. Es iſt
deshalb darauf hinzuweiſen, daß es ſich bei dieſem Aufruf um
die Zehn=Mark=Reichsbanknoten handelt, die das Ausgabedatum
des 11. Oktober 1924 tragen. Dieſe Noten verlieren allerdings
bereits am 31. Januar, alſo in zwei Wochen, ihre Gültigkeit im
allgemeinen Verkehr, ſo daß es höchſte Zeit iſt, noch im Beſitze
des Publikums befindliche Noten dieſer Serie abzuliefern. Auch
die Reichsbankanſtalten nehmen ſie nur noch bis Ende Februar
zur Einlöſung an. Der größte Teil dieſer Zehn=Mark=Scheine,
von denen fruher einmal eine Milliarde Mark im Umlauf waren,
iſt im Laufe der Jahre bereits eingezogen worden. Es befinden
ſich aber immerhin noch 33 Millionen Mark davon im Verkehr.
Die Ablieferungspflicht erſtreckt ſich aber nur auf dieſe Scheine
aus dem Jahre 1924, alle übrigen Zehn=Mark=Noten, die das
Datum des 22. Januar 1929 tragen behalten auch fernerhin ihre
Gültigkeit, ebenſo die Rentenmarkſcheine, die das Ausgabedatum
vom 3. Juli 1925 tragen. Es iſt auch in der Oeffentlichkeit
viel=
fach nicht bekannt, daß die Fünf=Rentenmark=Scheine bisher nicht
aufgerufen ſind und infolgedeſſen, wenn ſie auftauchen, noch
immer als vollgültiges Zahlungsmittel anzuſehen ſind.
Nach Einziehung der Zehnmarkſcheine der Ausgabe 1924 iſt
allerdings die Zahl der verbleibenden, weiterhin gultigen Zehn=
Mark=Scheine nicht erheblich. Der Umlauf an Zehn=Mark=
Schei=
nen aus dem Jahre 1929 und an Rentenmarkſcheinen iſt auf
etwa 20 Millionen Mark zu ſchätzen. Es werden auch
grundſätz=
lich neue Zehn=Mark=Scheine nicht mehr ausgegeben, da dieſe
koten nach den Abſichten des Reichsfinanzminiſteriums durch
Silbergeld erſetzt werden ſollen. Wie das Vdx.=Büro von
zuſtän=
diger Stelle erfährt, wird beſonders die Einziehung der
Drei=
markſtücke, die bekanntlich reſtlos aus dem Verkehr gezogen
wer=
den ſollen, in den nächſten Wochen mit Nachdruck betrieben
wer=
den, um das für die Ausprägung der neuen kleinen
Fünfmark=
ſtücke erforderliche Silber zu gewinnen. Von den neuen
Fünf=
markſtücken ſind bisher nur die Luthergedenkmünzen im
Geſamt=
wert von 1 Million Mark in den Verkehr gebracht worden.
Die Auspragung der eigentlichen neuen Fünfmarkſtücke hat
noch nicht begonnen. Die Ausprägung und Ausgabe im großen
Umfange iſt erſt für März und April zu erwarten. Dann wird
die Ausprägung allerdings beſchleunigt werden, um den
Zeit=
raum, in dem die alten neben den neuen Münzen im Verkehr
ſind, im Intereſſe der Vermeidung von Verwechſelungen nack
Möglichkeit abzukurzen. Die Münzſtätten werden dann in jeder
Woche 12 bis 15 Millionen Mark neu ausprägen. Ueber die
Ausſtattung des Münzbildes der neuen Fünfmarkſtücke iſt die
endgültige Entſcheidung noch nicht gefallen.
Die Reichsbahndirektion Mainz hat die Vorausbeſtellung
von Platzkarten vom 20. Januar d. J. ab auf weitere Züge
und Unterwegsbahnhöfe ausgedehnt. Es können in Mainz=Hbf.
außer für D. 17 (Wiesbaden-Berlin), auch für E. 110 (
Wies=
baden—München) und in Mainz=Kaſtel für D. 27 (Wiesbaden—
Berlin) Plätze freigehalten werden. Vorausbeſtellungen nehmen
die Fahrkartenausgaben und Reiſebüros entgegen.
Poſtwertzeichen. Die Deutſche Reichspoſt gibt demnächſt
neue Luftpoſtmarken heraus. Die Marken von 5 bis
100 Rpf. — 9 Werte — zeigen einen Adler im Fluge um die
Erde, die zweifarbigen größeren Marken zu 2 und 3 RM.
Bild=
niſſe von Otto Lilienthal und Graf Zeppelin mit Abbildungen
eines Flugzeugs und eines Luftſchiffs. Die Adlermarken ſind
nach einem Entwurf des Bildhauers und Malers Baſtanier=
Ber=
lin hergeſtellt worden. Die Entwürfe der Marken zu 2 und
3 RM. ſtammen von der Reichsdruckerei. Die neuen Marken
wer=
den den Poſtanſtalten erſt ſpäter geliefert; ſie können aber ſchon
demnächſt auf ſchriftliche Beſtellung von den Verſandſtellen für
Sammlermarken in Berlin W. 30, Geisbergſtraße 7—9 und in
München 2 bezogen werden. Ferner hat die Deutſche Reichspoſt
neue Dienſtmarken in den Werten von 3 bis 50 Rpf.
her=
ſtellen laſſen. Die Farben der Marken von 3 bis 40 Rpf.
ent=
ſprechen den Farben der gleichwertigen Freimarken, die
Dienſt=
marke zu 50 Rpf. iſt in goldgelber Farbe gedruckt.
Heſſiſches Landestheater.
Mite Hfe g3. Januar Anf. 19½, Ende gegen 22½ Uhr. D. Bühne H8Der Kaufmann von Venedig. Preiſe 0.50—4.50 Mitch Anf. 20, Ende 22½ Uhr. B 14
24. Januar /Tiefland.
Preiſe 0.70—5.50 Kleines Haus
Anf. 20, Ende nach 22 Uhr. Zuſatzm. 1, 7
DierSta 23, Januar Don Pasquale,
Preiſe 0,80—4 50
Reichsgründungsfeier
der Kriegervereine Darmſtadts.
Eine würdige und erhebende Feier
ward am Sonntag abend die Reichsgründungsfeier der
Ver=
einigten Kriegervereine Darmſtadt (
Kriegerkame=
radſchaft Haſſia): Der große Saal des Städt. Saalbaues und die
Nebenräume, einfach und ſinnvoll geſchmückt mit Tannengrün, den
ſiegreichen Kampffahnen des Dritten Reiches, den alten Fahnen
ſchwarz=weiß=rot und der ſchönen neuen Fahne der Kriegervereine,
waren ſchon vor Beginn der Veranſtaltung, die unter dem Zeichen
alter, kameradſchaftlicher Verbundenheit ſtand, überfüllt.
Die Vereinigung ehem. Milit ärmuſiker (unter
der exakten Leitung von Obermuſikmeiſter A. Rühlemann,
führte den muſikaliſchen Teil des Abends in gewohnt ſchneidiger
Weiſe aus. Nach dem feierlichen Einzug der 20 Fahnen, deren
Abordnungen zum Teil in den prächtigen alten
Friedensunifor=
men einmarſchierten, erklangen die wuchtigen Rhythmen des
„Badenweiler”=Marſches.
Als Führer des Landesverbandes begrüßte
Ekzellenz Generalleuknank von Oidkmann
herzlichſt die Anweſenden, insbeſondere die Kameraden der SA.,
der SS. und des Stahlhelms. Heute abend gelte es, ein
patrioti=
ſches Feſt zu feiern und mit Recht, denn wenn am 18. Januar 1871
nicht das Deutſche Reich in Verſailles gegründet worden wäre,
dann gäbe es heute auch kein Drittes Reich. Ein Volk, das die
Taten ſeiner Väter nicht ehre, das verdiene nicht, ein Volk
ge=
nannt zu werden. Auch unſer großer Führer Adolf Hitler habe in
ſeinem Buche „Mein Kampf” gefordert, das Gute aus der
Ver=
gangenheit hochzuhalten. Der Redner ſprach die Hoffnung aus, daß
wir uns auch im Dritten Reich unſerer Väter und Vorväter wert
erweiſen möchten! Mit einem dreifachen „Sieg=Heil” auf unſeren
Führer Adolf Hitler ſchloß Exzellenz von Oidtmann die
Begrü=
ßungsanſprache, der das Horſt=Weſſel=Lied folgte. Frau
Flory Drath ſang mit einem ausdrucksvollen, klaren und
tem=
peramentvollen Sopran „Halleluja” von Hummel.
Die Feſtanſprache
hielt Herr Oberſtudienrat a. D. Profeſſor Wentzel. Er führte
u. a. Folgendes aus: Deutſche Männer und Frauen, liebe
Kame=
raden! Eine Reichsgründungsfeier dürfen wir heute nicht nur
mit größerer Freude feiern, ſondern müſſen ſie aber auch mit
grö=
ßerem Ernſt feiern, denn wir ſtehen an einer Schickſalswende des
deutſchen Volkes. Das Jahr, das abgeſchloſſen iſt, war das Jahr
der Erfüllung, vor uns liegt das Jahr der Zukunftshoffnungen.
Die deutſche Geſchichte iſt ſeit 2000 Jahren nichts
als die Geſchichte der deutſchen
Einheitsbewe=
gung. Solange Deutſchland beſteht, iſt es bei ſeiner Lage in
Mitteleuropa dem Druck ſeiner Nachbarn ausgeſetzt, iſt bis auf
den heutigen Tag ein Volk ohne Raum. Ein tragiſches
Schickſal, begründet im Volk und ſeinen Führern, hat es bis heute
verhindert, daß Deutſchland dieſem Druck folgend, zur Einheit kam.
Wenige Perioden in der Zeit der deutſchen Geſchichte gab es, die
Wege zur deutſchen Einheit wieſen, ſo die Zeit der Reformation
und der napoleoniſchen Kriege, die den Willen zur Einheit in
Deutſchland heiß aufflammen ließen. Der preußiſche Staat,
der ſich mit der einen Schulter der wachſenden ſlawiſchen Flut
ent=
gegenſtemmte, und mit der anderen Schulter den Anſturm
Frank=
reichs am Rhein aushielt, der hat in der norddeutſchen Tiefebene
den Hauptfaktor der deutſchen Einheit bedeutet. Und ſo wird es
immer bleiben. In dieſer Zeit traf dann die geniale Schöpferkraft
und der eiſerne Wille des eiſernen Kanzlers, die
Führerperſönlich=
keit mit den Willenskräften des Volkes in einer Weiſe einheitlich
zuſammen, wie nie zuvor. Das neue Reich war zwei ſtarken
Be=
laſtungsproben ausgeſetzt, im Innern dem Anſturm der
ultramon=
tanen und marxiſtiſchen Kräfte, im Aeußeren der
Einkrei=
ſungspolitik Frankreichs, die ſich dann ſchließlich im
Weltkrieg entlud. Ueber vier Jahre lang beſtand das deutſche Volk
einen Abwehrkampf, wie ihn die Welt noch nie erlebt hat.
Heute dünken uns die Nachkriegsereigniſſe, die leider viele
ver=
räteriſche Machenſchaften brachten, ein ſchwerer Traum. Die
Frontkameradſchaft, die nur an den heiligen Mutterboden
dachte, ſchuf den Zuſammenhalt im Innern. So erwuchs die große
nationalſozialiſtiſche Bewegung, die die alten
Par=
teien hinwegfegte. Auch heute hat ſich wieder in wunderbarer
Weiſe der Wille des Volkes mit der genialen Führung Adolf
Hit=
lers vereinigt. Sein Werk iſt die gradlinige Fortſetzung des
Wer=
kes Bismarcks. Was in zwei Jahrtauſenden
gewor=
den iſt, wird auch Jahrtauſende bl eiben. So ſchließt
ſich heute der Kreis der Jahrtauſende zuſammen in den
Perſön=
lichkeiten unſeres Reichspräſidenten v. Hindenburg und
Adolf Hitlers, unſerer Führer, vor ihnen vereinigen wir uns
in Verehrung und Dankbarkeit.‟ Die Feſtanſprache klang aus in
ein begeiſtert aufgenommenes dreifaches Sieg=Heil auf unſere
bei=
den Führer und das Deutſchland=Lied. —
Herr W. Eichel, ließ dann mit der Arie aus dem „
Evan=
gelimann”, „Selig ſind, die Verfolgung leiden”, einen kraftvollen,
klangſchönen Tenor hören. Mit dem „Deutſchen Fanfarenmarſch”,
den A. Rühlemann für die Benützung hiſtoriſcher Trompeten
und Pauken komponiert und der „Haſſia", gewidmet hat, und der
begeiſtert aufgenommen wurde, ſchloß der erſte Teil der
Vor=
tragsfolge.
Der Vortragsfolge zweiter Teil war mehr auf eine he itere
Note geſtimmt, um die Folge machten ſich außer den genannten
Künſtlern u. a. auch Herr G örner (Kompoſitionen am Flügel),
Herr Heinrich Gutkäſe (heitere Vorträge), die „jüngſten
Kanoniere” (eine reizende Exerziereinlage) und Fräulein
Wally Martin vom Heſſ. Landestheater erfolgreich verdient,
die den Strauß graziös tanzte. Den Beſchluß der
Reichsgrün=
dungsfeier bildeten zündende alte Märſche.
Reichsluftſchußbund E.B.
Vortragsfolge
des 6. Lehrganges der Luftſchutzſchule der Ortsgruppe Darmſtadt
des Reichsluftſchutzbundes e. V. (R. L.B.).
Männer= und Frauenlehrgang vereinigt.
Leitung der Schule: Dr.=Ing. Paul Seidel.
Ort der Schule: Realgymnaſium, Kirchſtraße.
Dritter Abend: Montag, den 22. Januar 1934, 20 Uhr.
Vortrag 6. Der zivile Luftſchutz (paſſive Luftſchutz) einſchließlich
Flugmeldedienſt und Luftſchutzwarndienſt (¾ Stunde).
Referent: Polizeikommiſſar Laukart.
Vortrag 7. Die Familie im Luftſchutz (½ Stunde).
Referent: Frau Eliſ. Seidel.
Vortrag 8. Der Feuerſchutz. (1 Stunde.
Referent: Branddirektor Winter.
B. Praktiſcher Teil.
Vierter Abend: Donnerstag, den 25. Januar 1934, 20 Uhr.
Uebung 1. Verpaſſen der Gasmasken (Reizraum) und
Uebungs=
marſch mit Masken (2 Stunden).
Referenten: Ing. Altmannsberger und Betr.=
Aſſiſtent Aßmus.
Vortragsfolge des 1. Lehrganges der Luftſchutzſchule
der Ortsgruppe Darmſtadt des Reichsluftſchutzbundes (R. L.B.)
für Block= und Hausluftſchutzwarte.
Leitung der Schule: Dr.=Ing. Paul Seidel.
Ort der Schule: Realgymnaſium, Chemieſaal, Kirchſtr.
Zeit der Schule: Beginn des theoretiſchen Teils am 23. Jan.,
Ende am 30. Januar 1934.
Lehrgang 1a
A. Theoretiſcher Teil.
1. Abend: Dienstag, den 23. Januar, 19.45 Uhr pünktlich.
Vortrag 1. Der zivile Luftſchutz (paſſive Luftſchutz) einſchließlid
Flugmelde= und Luftſchutzwarndienſt (Vortragszeit
Stunden)
Referent: Polizeikommiſſar Laukart.
Vortrag 2. Die Angriffsmittel der Luftwaffe, die chemiſchen
Kampfſtoffe und ihre Wirkung auf den menſchlichen
Körper (Vortragszeit: ¼ Stunden)
Referent: Bezirksgruppenleiter Obertruppf. Velten.
Vortrag 3. Der Gasſchutz im Luftſchutz: Die Gasmaske. (
Vor=
tragszeit ½ Stunde). Referent: Ing.
Altmanns=
berger und Betr.=Aſſiſtent Aßmus.
2. Abend: Freitag, den 26. Januar, 20 Uhr pünktlich.
Vortrag 4. Die Familie im Luftſchutz. (Vortragszeit ½ Stunde.)
Referent: Polizeioberſt a. D. Schroder.
Vortrag 5. Der Feuerſchutz. (Vortragszeit 1 Stunde.)
Referent: Brandinſpektor Herborn.
Lehrgang 1b.
Leitung der Schule: Dr.=Ing. Paul Seidel.
Ort der Schule: Realgymnaſium, Phyſikſaal, Kirchſtraße.
Zeit der Schule: Beginn des theoretiſchen Teils am 23. Jan.,
Ende am 30. Januar 1934.
A. Theoretiſcher Teil.
1. Abend: Dienstag, den 23. Januar. 2 0.30 Uhr pünktli
Vortrag 1. Der zivile Luftſchutz (paſſive Luftſchutz) einſchließlie
Flugmeldedienſt und Luftſchutzwarndienſt.
Vortragszeit: ¼ Stunde.
Referent: Polizeikommiſſar Laukart.
Vortrag 2. Die Angriffsmittel der Luftwaffe, die chemiſche
Kampfſtoffe und ihre Wirkung auf den menſchlich
Körper. (Vortragszeit: ¼ Stunde.)
Referent: Bezirksgruppenleiter Obertruppf. Velter
Vortrag 3. Der Gasſchutz im Luftſchutz: Die Gasmaske. (Vo
tragszeit ½ Stunde).
Referent: Ing.
Altmann=
berger und Betr.=Aſſiſtent Aßmus.
2. Abend: Freitag, den 26. Januar, 20 Uhr pünktlie
Vortrag 4. Der Feuerſchutz. (Vortragszeit 1 Stunde.)
Referent: Brandinſpektor Herborn.
Vortrag 5. Die Familie im Luftſchutz. (Vortragszeit 1 Stunde
Referent: Polizeioberſt a. D. Schroder.
Auf die am 22. Januar in der Aula des Realgymnaſiums —
Kirchſtraße — ſtattfindende Vorbeſprechung für die
Hausluftſchutz=
warte wird nochmals an dieſer Stelle hingewieſen. Pünktliches
Erſcheinen erforderlich.
Aus den Darmftädter Lichtſpieltheakern.
Zilm=Morgenfeier im Helid.
„Abenteuer auf dem Meeresgrund ein F
vom Kampfe des Menſchen gegen die Ungeheuer der Meeres
*
man denkt, wenn man dieſen Titel hört, an das in unſere
Tagen wieder ſpukende Märchen von der Seeſchlange, an Schill
„Taucher”, an großartig erfundene Geſchichten aus bunt=
bedruck=
ten Zehnpfennigheften und findet, wie es ſich für unſere Zeit
ge=
hört, einen ſehr genauen, äußerſt feſſelnden, mit modernſten
Mit=
teln hergeſtellten Bildbericht über das in der Tat phantaſtiſche
Leben auf dem Meeresboden, eine glänzende Leiſtung der
Unter=
waſſerphotographie.
Die Expedition des Amerikaners Williamſon, die das
Mate=
rial zu dem Film geliefert hat, hat hauptſächlich in der Nähe der
weſtindiſchen Bahama=Inſeln gearbeitet. Die geräumige
Unter=
waſſerkabine, von der aus die Aufnahmen des von ſtarkem
Schein=
werferlicht erhellten Meeresgrundes gemacht werden, ſteht durch
einen rohrförmigen Schacht, der zum Einſtieg und zur
Friſchluft=
verſorgung dient, mit dem Expeditionsſchiff in Verbindung. So
iſt es den Operateuren möglich, ſich mitten in das wimmelnde
Leben des Ozeans hineinzuverſetzen und aus allernächſter Nähe
die oft ſeltſamen und bizarren Erſcheinungen der Meeresfaung
und Flora aufzunehmen. Bis zu welcher Tiefe die
Unterwaſſer=
kabine herabgelaſſen werden kann, wurde im Film nicht
angege=
ben, in das Bereich der Tiefſee läßt ſich ſo natürlich nicht
hinabge=
langen, aber die Expedition hat ſich dafür beſonders ergiebige und
reichhaltige Jagdgründe ausgeſucht. Vor dem Fenſter der
Ka=
bine ſehen wir exotiſche Fiſche von ſeltſamer Form und in großer
Mannigfaltigkeit, ſehen große Korallenbäume und merkwürdige
pflanzliche Gebilde, ſehen die Taucher, die beſondere
Seltenbei=
ten heraufholen, bei ihrer Arbeit und ſehen, wie die Fiſche
un=
ruhig werden, und manche ſich in ihre Korallengrotten
zurück=
ziehen, wenn ein Hai oder ſonſt ein großer Räuber in ihre Nähe
kommt. Auch die verſchiedenen Arten des Haifiſchs ſelber, bis
zum gefürchteten Menſchenhai, können wir geruhſam betrachten
und ihnen, während ſie vor dem Kabinenfenſter beutehungrig
kreiſen, geradewegs in ihr breites Maul mit dem furchtbaren
Ge=
biß hineinſchauen.
Auch der Beifilm „Aus dem Leben des Kiebitz” bringt ſchöne
und intereſſante Aufnahmen, ſo daß man das Programm als
äußerſt ſehenswert jedem Beſucher empfehlen kann.
*
„Helig”
„Die Sonne geht auf” — nicht nur im Helia, mit dem
neueſten muſikaliſchen Luſtſpielfilm, ſondern im Herzen eines
je=
den Helia=Theaterbeſuchers! Die einſchmeichelnde Hauptmelodie
zieht ſich durch den ganzen Film wie ein goldener Faden
hin=
durch, hinzu kommt der bekannte Schlager „Schön iſt jeder Tag
den du mir ſchenkſt, Marie=Luiſe
Und dieſe einprägſamen
Weiſen, um die ſich die ganze Filmhandlung rankt, ſingt in
ton=
lich ausgezeichneter Wiedergabe mit herrlicher Tenorſtimme
Charles Kullmann, der Heldentenor der Berliner
Staats=
oper. Schon deſſen reinen Geſang zu hören, iſt ein Genuß für
ſich. Hinzu kommt aber das liebliche Spiel ſeiner entzückenden
Partnerin Reva Holſey, die in iherer naiv=ungekünſtelten Art
dem luſtigen Film eine beſondere Note gibt. Eine Reihe bekannt
guter Filmkünſtler, wie Fritz Kampers in ſeiner lebendigen
Spielart. Jeſſie Vihrog. Jakob Tiedtke und Max
Güls=
torff u. a. verhelfen dem Film, der frohe und unbeſchwerte
Stunden vermittelt, zu ſtarkem Erfolg. Willy Reibers Regie
iſt treffend und flott. Wer kennt nicht das bekannte Schlagerlied
„Schön iſt jeder Tag, den du mir ſchenkſt. Marie=Luiſe‟.
ge=
nau ſo bekannt wie dieſe Melodie wird der Luſtſpielfilm „Die
Sonne geht auf” werden.
Ein reichhaltiges und gutes
Bei=
programm und die neueſte Wochenſchau geht dem entzuckenden
Hauptfilm voraus.
Briefkaffen.
Jeder Anfrage iſt die ſehzte Bezugsqulttung beizufügen. Anonyme Anfrogen wirden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfelgt ohne Rechtsverbindlichkeit.
Nr. 100. 1. Ja. Der Umſatzſteuer unterliegen Lieferungen und
ſonſtige Leiſtungen, die jemand innerhalb der von ihm
ſelb=
ſtändig ausgeübten gewerblichen (oder beruflichen) Tätigkeit im
Inland gegen Entgelt ausführt. Die Steuer wird von dem für
die ſteuerpflichtige Leiſtung vereinnahmten Entgelt berechnet.
(§s 1. 8 des Geſetzes in der Faſſung vom 30. Januar 1932.) Als
gewerbliche Tätigkeit gelten für dieſes Geſetz auch die Urerzeugung
und der Handel. 2. Das Entgelt für das verarbeitete Materia,
und der gezahlte Werklohn ſind umſatzſteuerpflichtig nach dem oben
angegebenen Geſetzeswortlaut.
Montag, 22. Januar 1934
darmſtädter Tagbl
Nr. 21
Kutball=Tabellenfuhrer geſchlagen!
Hohe 6:3 Niederlage der Offenbacher Kickers bei Wormatia. — Eintracht läßt Wiesbaden die Punkte.
Berlin lernt 0:3 von der Prager Stadtelf.— Normale Ergebniſſe der Bezirksklaſſe.
Rhein=Main=Zurner bleiben hinter Frankfurt und Rheinheſſen.
Die Fußball=Ergebniſſe.
Gauliga=Verbandsſpiele in
Süd=
weſtdeutſchland.
Gau Südweſt:
FSV. Frankfurt—Phönix Ludwigshafen 3:1.
SV. Wiesbaden — Eintracht Frankfurt 2:0.
Wormatia Worms — Kickers Offenbach 6:3.
FK. 03 Pirmaſens — Bor. Neunkirchen 6:0.
Sportfr. Saarbrücken — FSV. Mainz 05 0:2.
Gau XIII (Südweſt).
5V. Wiesbaden * 14:14 FC. Kaiſerslautern 34:3, 13:13 intracht Frankfurt 13 13:1 SV. 05 Mainz 15 39:3
* 13:17 Sportfreunde Saarbrücken 13 24.: 11:10 Phönix Ludwigshafen 14 5:22 Z Boruſſia Neunkirchen 13 10:16 A.O. Worms 12 18: 8:16
Gau Baden:
V.f.R. Mannheim — Karlsruher FV. 3:0.
Phönis Karlsruhe — FC. Freiburg 0:1. SC.
Freiburg — V.f.L. Neckarau 0:3. FC.
Pforz=
heim — Vf.B. Mühlburg 2:1.
Gau Württemberg:
SV. Feuerbach — Ulm 94 1:2. V.f.B.
Stutt=
gart — Stuttgarter Kickers 4:0. V.f.R.
Heil=
bronn — Union Böckingen 2:5. SSV. 1ilm
Sportfreunde Stuttgart 3:2.
Gau Bayern:
Bayern München — ASV. Nürnberg 3:1.
1860 München — Schwaben Augsburg 3:0.
1. FC. Nürnberg — Jahn Regensburg 6:2.
FC. Bayreuth — Wacker München 0:2. FC.
Schweinfurt 05 — FC. München 4:0. SpVgg.
Fürth — Würzburg 04 5:1.
Gau Nordheſſen:
Chattia Kaſſel — V.f.B. Friedberg 1:3. FC.
Hanau 93 — Kurheſſen Marburg 6:1.
Bo=
ruſſia Fulda — SC. 03 Kaſſel 4:0. Sport
Kaſſel — Kurheſſen Kaſſel 2:4.
Gau Mittelrhein:
Sülz 07 — FV. Neuendorf 3:2. Weſtmark
Trier — Bonner FV. 3:2.
Fußball im Ausland.
Länderſpiele.
In Brüſſel: Belgien — Frankreich
In Luxemburg: Luxemburg — Belgien B
Frankreich.
Städteſpiel Paris — Budapeſt (Berufsſp.) 1:3
Städteſpiel Paris — London (Amateure) 1:4
Zußball im Reich.
Gau Oſtpreußen: Pruſſia Samland
Raſenſport/Preußen Königsberg 2:1; Preußen
Gedania Danzig 4:3; Viktoria —
Hinden=
burg Allenſtein 1:5.
VfB.
Gau Pommern: Stettiner SC.
Polizei
Stettin 3:1; Viktoria Stralſund
Stettin 1:5; „VfL. Stettin — Preußen Stettin
3; Phönix Köslin — Viktoria Kolberg 2:2
Germania Stolp — Hubertus Kolberg 2:3.
Gau Brandenburg: Städteſpiel
Ber=
lin — Prag 0:5.
Gau Schleſien: FV. 06 Breslau —
Sppg. 02 Breslau 0:5: Beuthen 09 — Vorw.
Breslau 5:3; Hertha Breslau — Preußen
Hin=
denburg 2:1; SV. Hoyerswerda — Vorw
Ra=
ſenſport Gleiwitz 0:6: Ratibor 03 — STC.
Görlitz 5:2
Gau Sachſen: SBC. Plauen — Dres=
3; Gutsmuts Dresden — VfB.
dener SC. 2:
Leipzig 1:4; VfB. Glauchau — Chemnitzer BC
4:2; Wacker Leipzig — Polizei Chemnitz 0:2;
SC. Planitz — Sppg. Falkenſtein 5:2.
Gau Mitte: 1. SV. Jena — Wacker Halle
1:1; Preußen Magdeburg — SC. Erfurt 0:4;
Sppg. Erfurt — SV. 99 Merſeburg 12:2;
For=
tung — Viktoria 96 Magdeburg 1:1.
Gau Nordmark: Altona 93
Ham=
burger SV. 1:5; Eimsbüttel — Polizei Lübeck
Prager Stadtelf ſchlägt Berlin.
Lehrſpiel vor 35000
Zuſchauern.
Die Fußballbegeiſterung der Berliner
Sport=
gemeinde erſtrahlte am Sonntag im ſchönſten
Licht. 35 000 Zuſchauer überfüllten bei
froſt=
klarem herrlichen Winterwetter den
Preußen=
platz. In der langen Reihe der Ehrengäſte ſah
man u. a. Generalmajor v. Reichenau, den
Oberpräſident Kube, Staatsſekretär Hinkel, den
tſchechiſchen Geſandten, Vertreter der polniſchen
Geſandtſchaft und den Bundesführer
Linne=
mann. Die Erwartungen der Maſſe, die man
auf das Spiel der Tſchechen richtete, wurden
weit übertroffen. Die Prager Stadtmannſchaft
erwies ſich als eine Einheit aus einem Guß.
alle Spieler zeigten große Leiſtungen, in der
Körperbeherrſchung, dem Zuſpiel, dem Start=
und dem Laufvermögen dem Aufbau=
Stel=
lungs= und Kopfſpiel, aber auch in der Taktik
waren ſie den Berlinern klar überlegen. Eine
beſonders überragende Rolle ſpielte der
Sturm=
führer, der ehemalige Belgier, Raymond
Braine.
Einem ſolchen Gegner konnte Berlins
Fuß=
ball keine ebenbürtige Mannſchaft
entgegen=
ſtellen. Zwar ſchlugen ſich die Vertreter der
Reichshauptſtadt ſehr tapfer, aber ihr Können
reichte zu einem erfolgreichen Widerſtand nicht
aus. Abgeſehen von ganz wenigen Spielphaſen
beherrſchten die Tſchechen ſtändig die Situation.
Im Berliner Angriff genügte nur der
Halb=
linke Käſtner. Auch in den hinteren Reihen
zeigten ſich ſtarke Schwächen. Auch die beiden
Internationalen Appel und Brunke gehörten
zu den enttäuſchenden Kräften. Die ganze
Mannſchaft ſpielte ſehr befangen und unſicher,
wozu auch wohl nach der harte gefrorene,
glatte Boden beitrug.
Die Tſchechen kamen ſchon in der erſten
Halb=
zeit durch Braine und Kopetzky zu zwei
Treſ=
fern. Nach der Pauſe erhöhten Braine, Kopetzky
und Nejedly bei ſchönen Angriffen auf 5:0.
3:1; Polizei Hamburg — Holſtein Kiel 1:1;
Boruſſia Kiel — Union Altona 4:2.
Gau Niederſachſen: „Arminia
Hano=
ver — Bremer SV. 4:2: Werder Bremen —
Eintracht Braunſchweig 6:2; RSV. 06
Hildes=
heim — Algermiſſen 1911 (0:0; SC. 05
Göt=
tingen — SV. 96 Hannover 2:3.
Gau Weſtfalen: Germania Herne
FC. Schalke 04 (Geſ. Sp.) 0:3.
Gau Niederrhein: TSV. 99 Duisburg
— Fortung Düſſeldorf 1:1;, Boruſſia Gladbach
Hamborn 07 3:2; VfL. Benrath — Aleman.
Aachen 3:1
Preußen Eſſen — Schwarz=Weiß
Barmen 8:2; VfL. Preußen Krefeld — Schwarz=
Weiß Eſſen 2:2.
Das Fußballprogramm der ſüd= und
ſüdweſt=
deutſchen Gaue war an dieſem Sonntag ſehr
intereſſant, es gab auch wieder eine Anzahl von
Ergebniſſen, die auf den erſten Blick hin, als
Ueberraſchungen anmuten könnten, die aber
viel=
fach doch erwartet werden mußten. Das gilt
bei=
ſpielsweiſe von der 6:3= (2:1=) Niederlage des
Tabellenführers im Gau Südweſt,
Offen=
bacher Kickers, in Worms. Wormatia ſiegte
durchaus verdient, der Erfolg wurde allerdings
dadurch erleichtert, daß bei den Kickers der
er=
krankte Mittelläufer verſagt. Eintracht
Frank=
furt zog ſich bei einem überlegen geführten Spiel
in Wiesbaden eine 0:2= (0:1) Niederlage zu.
Von den Verluſten der Kickers und der Eintracht
profitierten Pirmaſens und der FSV.
Frank=
furt, die nun dicht hinter den immer noch
füh=
renden Offenbacher Kickers liegen. Pirmaſens
ſchlug Boruſſia Neunkirchen, deren ſonſt ſo guter
Tormann verſagte, 6:0 (2:0), und der FSV.
Frankfurt fertigte Phönix Ludwigshafen 3:1
(0:0) ab. Sportfreunde Saarbrücken verlor
ge=
gen Mainz 05 0:2 (0:0), da der Saarbrücker
Mittelſtürmer kurz vor der Pauſe in
unſport=
licher Weiſe den Platz verließ.
Harte Kämpfe in
DerTabellenführer geſchlagen
Wormakig Worms — Ofſenbacher
Kickers 6:3 (2:1).
Die Offenbacher Kickers lieferten im Adolf=
Hitler=Stadion zu Worms vor 4000 Zuſchauern
nicht das gewohnte Spiel. Ihr Mittelläufer
Stein, durch Krankheit geſchwächt, verſagte, und
dadurch litt das Spiel der ganzen Elf. Worms
bot die weitaus beſſere Mannſchaftsleiſtung und
ſiegte auch in dieſer Höhe verdient. Ein von Gölz
getretener und von L. Müller verlängerter
Strafſtoß brachte der Wormatia in der 12. Mi=
In Baden blieb der Tabellenführer
Wald=
hof ſpielfrei. V.fR. Mannheim kam durch einen
überraſchend glatten 3:0= (2:0=) Sieg über den
KFV. näher an den Führenden heran.
Uner=
wartet unterlag Phönix Karlsruhe auf eigenem
Gelände dem Freiburger FC. mit 0:1 (0.:1)
da=
gegen mußte der Freiburger SC. dem VfL.
Neckarau mit 03 (0:1) die Punkte überlaſſen.
Der FC. Pforzheim gewinnt allmählich ſeine
te Form zurück, diesmal ſchlug er den ſtarken
VfB. Mühlburg 2:1 (0:0).
Württemberg meldet eine Niederlage
des Tabellenführers Stuttgarter Kickers durch
den Lokalrivalen VfB. Nicht der Sieg des VfB.
ſondern die Höhe des 4:0= (1:0=) Reſultats
über=
raſcht. Tabellenführer iſt jetzt hier wieder Union
Böckingen, das den VfR. Heilbronn 5:2 (2:0)
be=
ſiegte. Die Ulmer Vereine ſind nach einigen
ttäuſchungen wieder auf dem Vormarſch.
SV. Ulm beſiegte die Sportfr. Stuttgart 3:2
(2:2), und Ulm 94 blieb in Feuerbach 2:1 (2:0)
in Front.
In Bayern blieben mit einer Ausnahme
alle Platzvereine ſiegreich. Die größte Bedeutung
hatte der 3:0= (1:0=) Sieg von München 60 über
die Augsburger Schwaben. Mit 21:7 Punkten
bleibt aber dank ſeines 4:0= (2.:0=) Sieges über
den ſchwachen FC. München der FC.
Schwein=
furt Tabellenführer vor München 60, mit ſeinen
20:6 Punkten. Den dritten Platz hält mit 20,8
der 1. FC. Nürnberg, der Jahn Regensburg 6:2
abfertigte. Bayern München hat nach ſeinem
3:1= (2:0-) Erfolg über ASV. Nürnberg
Augs=
burg überflügelt. Unerwartet glatt ſiegten
Fürth über Würzburg 04 mit 5:1 (2:1) und
Wacker München in Bayreuth mit 2:0 (0:0).
In Nordheſſen iſt die Lage unverändert
geblieben. Hanau 93 ſchlug zu Hauſe Marburg
6:1 und bleibt bei 22,6 Punkten Tabellenführer,
vor Boruſſia Fulda mit ſeinen 21:5 Punkten.
Fulda ſchlug den Tabellendritten SC. 03 Kaſſel
ſehr ſicher mit 4:0.
Gau Südweſt.
nute den erſten Treffer ein. Bei wechſelvollem
Kampf glich Offenbach zwar in der 34. Minute
durch Keck aus, jedoch ging Wormatia kurz vor
dem Wechſel durch Fath erneut in Front. Nach
der Pauſe wurde Wormatia ſtark überlegen.
Fath ſchoß bald ein drittes Tor. Ludwig Müller
verwandelte einen Foul=Elfmeter zum vierten
Treffer und in der 33. Minute reihte
Zimmer=
mann noch ein füuftes Tor an. Wormatia ließ
nun etwas nach, die Kickers kamen dadurch auf
und es gelang ihnen auch, durch Tore von Grebe
und Maid das Ergebnis auf 5:3 zu verbeſſern.
Zwei Minuten vor Schluß konnte aber Winkler
nach einem feinen Durchbruch von Fath noch ein
ſechſtes Tor für die Platzherren ſchießen. — Bei
Heß=Stuttgart lag die Spielleitung in guten
Händen.
Einkracht verlor unverdienk.
SP. Wiesbaden ſiegt 2:0 (1:0).
Vor 4000 Zuſchauern konnte der SV.
Wies=
baden im Kampf gegen die Frankfurter
Ein=
tracht nur mit viel Glückck zu einem Sieg
kom=
men. Das 2:0 (1:0)) für die Wiesbadener wurde
dem Spielverlauf in keiner Weiſe gerecht.
Ein=
tracht, obwohl ohne den verletzten Stubb
ſpie=
lend, war die techniſch einwandfrei beſſere
Mannſchaft. Sie hatte auch im Spielverkauf
klare Ueberlegenheiten. Der Sturm erwies ſich
aber als zu ſchußſchwach, ſo daß die ſehr ſichere
Hintermannſchaft der Platzherren alle Gefahren
abwenden konnte. Bei Wiesbaden kamen neben
der ſehr guten Abwehr der übrigen
Mannſchafts=
teile nicht über den Durchſchnitt hinaus.
Der Führungstreffer für Wiesbaden fiel in
der 28. Minute durch den Mittelſtürmer
Sieben=
tritt. Der Halbrechte Kraus erhöhte in der 12.
Minute der zweiten Halbzeit auf 2:0. Wenig
ſpäter verſchoß der Mittelläufer Habermann noch
einen Foul=Elfmeter. Kurz vor Schluß hatte die
Eintracht noch das Pech, daß ihr Stürmer Möbs
wegen eines kaum beabſichtigten Fouls den
Platz verlaſſen mußte. Das Spiel wurde im
üb=
rigen durch Forſt=Köln annehmbar geleitet.
Hoher Sieg des SK. Pirmaſens
Boruſſia Neunkirchen 6:0 (2:0)
geſchlagen.
Pirmaſens war in der erſten Halbzeit
ſtär=
ker überlegen als ſpäter, dennoch fielen aber
die meiſten Treffer erſt nach der Pauſe.
Wäh=
rend nämlich bis zum Wechſel. Neunkirchens
Hintermannſchaft ſich ausgezeichnet ſchlug,
machte ſie nach der Pauſe bei nachlaſſendem
Stürmerſpiel der Platzherren zahlreiche ſchwere
Schnitzer. Beſonders unglücklich ſpielte diesmal
der Neunkirchener Tormann Müller, der allein
drei Treffer ſehr leichtfertig paſſieren ließ.
Pir=
maſens lieferte im übrigen auch heute wieder
ein ſehr gutes Spiel, bei dem ſich die
Läufer=
reihe in hohem Maße auszeichnete. Die
Tref=
fer ſchoſſen Lutz, Brill (je zwei), Gronauer und
Wagner. Urig=Bürgel leitete vor 2000
Zu=
ſchauern gut.
Mainzo5 ſiegl in Saarbrücken
über die Sportfreunde mit 2:0 (0:0).
Das Spiel war in der erſten Halbzeit ſehr
flüſſig, beide Tore gerieten ſtändig in Gefahr,
doch kämpften die Verteidiger ſehr gut. Die
Wendung des Kampfes kam, als kurz vor der
Pauſe der Saarbrücker Mittelſtürmer Eyrich
ſeine Mannſchaft in unſportlicher Weiſe allein
ließ. Mit nur zehn Mann kämpfend, war
Saarbrücken nach der Pauſe der mit großem
Elan und auch mit gutem Können ſpielenden
Mainzer Elf nicht mehr gewachſen. Scherm
ſchoß in der 15. und 39. Minute die
entſchei=
denden Treffer — Urnau=Saarwellingen war
trotz der Proteſte der 2500 Zuſchauer als
Kampf=
leiter gut.
351. war beſſer.
35B. ſchlug Phönir Ludwigshafen 3:1
Das von 4000 Zuſchauern überraſchend gut
beſuchte Spiel gewann erſt nach der Pauſe an
Qualität. Bis dahin verlief auch
der Kampf
trotz deutlicher Ueberlegenheit des FS.
„V. torlos.
Nach der Pauſe wurde der Kampf
ausgegliche=
ner. Phönix wehrte ſich mit dem Mute der
Ver=
zweiflung gegen eine Niederlage, aber der FSV.
kam doch dank beſſerer Ausnützung der Tor=
Chancen zu einem verdienten Sieg. Hartwig,
Knapp und Haderer ſchoſſen in der 17., 25. und
36. Minute die Treffer. Kurz vor Schluß
er=
reichte Phönix dann durch Hörnle das Gegentor.
Glaſer=Neckarſulm leitete das Spiel einwandfrei,
Nr. 21
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Montag, 22. Januar 1934
Polizei Darmstadt läßt mcht lockee!
Die Spitzengruppe in Südheſſen berdichtet ſich. — Lorſch bei Polizei geſchlagen.
Sp. 98 Darmſiadt findet Anſchluß. — Olympia Lampertheim in Arberach geſcheitert.
Die Südheſſen=Ergebniſſe.
Polizei Darmſtadt — Olymp. Lorſch 2:0 (2:0),
V. f. R. Bürſtadt — FV. Bensheim 4:1 (3:1),
Stark. Heppenheim — 98 Darmſtadt 1:2 (1:2),
04 Arheilgen — Viktoria Pfungſtadt 1:1 (1:0),
Vikt. Urberach — Ol. Lampertheim 3:1 (2:1).
Die Ergebniſſe in Südheſſen entſprachen im
weſentlichen den Erwartungen. Lediglich der
Tabellenführer Polizei begnügte ſich nach zwei
Treffern vor der Pauſe mit einem mäßigen
Spiel und dem Halten des Ergebniſſes, was
nicht ſchwer war, da der Lorſcher Sturm keine
Offenbarungen zeigte. Polizei hat dadurch ihre
Stellung weiter befeſtigt, während Lorſch
gleich=
zeitig zum SV. 98 herabgerutſcht iſt.
Die „Lilien” ließen ſich von den ungeſtüm
angreifenden Starkenburgianern auf dem
gefähr=
lichen Platz in Heppenheim nicht aus dem
Kon=
zept bringen und packten zwei wertvolle Punkte
in ihre Koffer. Sie, die in der letzten Saiſon
noch unrettbar dem Abſtieg verfallen ſchienen,
haben ſich jetzt zur Spitzengruppe vorgeſchafft,
al=
lerdings auch noch einige ſchwere Gänge vor ſich.
Aber ihren Vordermännern blüht das gleiche
Vergnügen noch.
Bürſtadt machte die Erfahrung, daß die
Bens=
heimer Elf das Rennen gegen den Abſtieg noch
nicht aufgegeben hat. Der Sieg der
Raſenſpie=
ler ſtand allerdings nie in Frage, und man ſah
einen anſtändigen Kampf.
Am Arheilger Mühlchen gab es einen
tempe=
ramentvollen Waffengang mit dem erwartet
knappen Ergebnis gegen die Pfungſtädter
Ger=
manen. Obwohl ſich die Platzbeſitzer mit vier
Mann Erſatz mutig in den Kampf ſtürzten, ſo
behielten ſie nur einen Punkt, da der ſonſt
kor=
rekte Schiedsrichter ein regelrecht erzieltes Tor
nicht zugeſtand. Pfungſtadt ſetzte ſeine
aufſtre=
bende Linie auch am heutigen Sonntag fort.
In Urberach machte die Viktoria ihrem
Na=
men Ehre und ſchickte Olympia Lampertheim,
die nicht zur beſten Form auflief, 3:1 nach Hauſe
Aus anderen Gruppen.
FV. Sprendlingen — Sppgg. 05 Oberrad
1. FC. Langen — Kickers=Vikt. Mühlheim
Viktoria Walldorf — FV. Frankenthal
SC. Opel Rüſſelsheim — FC. 03 Egelsbach
Ergebniſſe der Kreisklaſſe I.
Sportv. Groß=Gerau — Union Wixhauſen
SC. Dietzenbach — Tgd. Sprendlingen
vV. Offenthal — FC. 02 Dreieichenhain
Sportv. Niederroden — Sportv. Münſter
die Gruppe Bergſtraße.
Union Darmſtadt — SV. Weiterſtadt 1:1
Viktoria Griesheim — SV. Roßdorf 4:2 (1:1),
Germ. Eberſtadt — SV. Mörfelden 1:0 (1:0),
SV. Groß=Gerau — FV. Wirhauſen 1:6
(0:1),
Die Gruppe Ried.
Groß=Rohrheim — D.J.K. Bürſtadt 11:0 (6:0),
Ol. Biebesheim — Konk. Gernsheim 3:2 (2:0),
TV. Lampertheim — Vorw. Bobſtadt 7:1 (2:0),
D. J.K. Lorſch — SV. Biblis
0:5 (0:3).
Gernsheim mußte die Tabellenführung an die
Lampertheimer Turner abgeben. Bis kurz vor
Schluß gab Olympia bei dieſem Spiel in
Biebes=
heim den Ton an und führte auch 3:0. Die
Gernsheimer kamen dann aber merklich auf und
erzielten faſt noch den Ausgleich.
Ganz groß in Fahrt war auch Groß=
Rohr=
heim, das jedem Bürſtädter Spieler ein Tor mit
nach Hauſe gab.
Ihre aufſteigende Form beſtätigten die
Bib=
liſer durch einen glatten Auswärtsſieg in Lorſch.
Die Lampertheimer Turner hatten es in
Bobſtadt nicht allzu ſchwer. In der erſten Hälfte
hielten die Vorwärtsleute noch einigermaßen
Stand, aber nach dem Seitenwechſel mußten ſie
noch 5 Treffer einſtecken, gelangten allerdings
zum verdienten Ehrentor.
Die Tabelle hat nach dieſem Spielſonntag
keine weſentliche Veränderung erfahren.
Ein Tor am Frankenſtein!
Germania Eberſtadt — SV. Mörfelden 1:0 (1:0).
500 Zuſchauer hatte das Spiel nach dem
Ger=
mania=Sportplatz gelockt. Sie wurden nicht
eni=
täuſcht. Man ſah einen ſtets ſpannenden und
auf=
regenden Kampf. Beiderſeits ausgezeichnete
Leiſtungen. Auf beiden Seiten waren die
Ab=
wehrreihen beſter Mannſchaftsteil. Beide
An=
griffsreihen im Felde ganz gut, dagegen in
Tor=
nähe allzu durchſichtig. Der Kampf ſelbſt war
gleichmäßig verteilt, wenn auch die Germanen
mehr Torgelegenheiten herausarbeiteten. Auf
Grund deſſen iſt der Sieg als verdient
anzuſpre=
chen, wenn auch der Ausgleich in bedrohlicher
Nähe lag. Der entſcheidende Treffer fiel nach
ausgezeichneter Flanke von Schimpf durch den
Halbrechten Kaiſer 2. Schneider=Union=
Nieder=
rad war als Schiedsrichter ausgezeichnet.
2. Mannſchaften 1:2.
In der erſten Halbzeit entſchieden!
Totlos endeke die zweile Halbzeit.
Polizei Darmſtadt — Olympia
Daß die Gäſte eine gefährliche und
kampftüchtige Elf ſtellen, haben ſie heute auch
Lorſch 2:0 19:0).
auf dem Exert gezeigt. Daß ſie ohne Ehren=
Dem Tabellenführer Polizei Darmſtadt ſtellte
ſich geſtern Olympia Lorſch zum Rückſpiel.
Nach der Leiſtung der Polizei am Vorſonntag
hatte man mit einem eindeutigen Sieg der
Grünen gerechnet. Dieſe Erwartung wurde nicht
in vollem Umfange erfüllt. Der Sieg der
Platzelf iſt gewiß verdient, er wurde jedoch
mitgeſchaffen durch die im Sturm enttäuſchende
Leiſtung des Gegners. Dieſem Umſtand iſt es
auch zuzuſchreiben, daß die Olympianer nicht
einmal zum Ehrentor gelangten.
Dem Schiedsrichter Schlöſſer=Wiesbaden,
der das harte ſchnelle Spiel ſtets in der Hand
hatte, ſtellten ſich
die Mannſchaften
wie folgt:
Lorſch: Faſſoth; Schmitt 2, Degen: Albert,
Lorbacher 1. Adrian; Lorbacher 2. Metz,
Schmitt 1. Wachtel, Herd.
Polizei: Klein; Bönſel, Balſer;
Scheuer=
mann, Mathes, Kaſpar; Kaltwaſſer, Pfeiffer,
Seipp, Schupp, Göbel.
Temperamenkvoll begann die erſte
Kalell.
Kurz nach dem abgeſtoppten Anſtoß der
Polizei iſt ſchon wieder Göbel die Linie
ent=
lang gejagt, aber ſeine ſcharfe Flanke aufs
Tor wird von Faſſoth im Sturz abgedeckt.
Un=
geſtüm rollen die Angriffe des Polizeiſturms
gegen Lorſch. Knapp vorbei geht eine Flanke
von rechts. Dann erhält Pfeiffer eine Vorlage
von Göbel, ſchießt jedoch knapp über die Latte.
Der Lorſcher Angriff, von Lorbacher mit
wei=
ten Vorlagen gefüttert, wird jetzt aggreſſiver.
Eine klare Chance wird jedoch von Schmitt
vermaſſelt. In der 10. Minute flankt Schupp
knapp vor das Tor,
Kaltwaſſer iſt da
und köpft den Ball an Faſſoth vorbei hoch in
die Ecke 1:0.
Im Anſchluß fällt die erſte Ecke für Polizei.
Von Göbel getreten, kommt ſie gut herein zu
Mathes, der aufs Tor verlängert, wo jedoch
Faſſoth den Ball erwiſcht.
Auch die zweite Ecke wird von der ſtramm
ins Zeug gehenden Gäſteverteidigung
abge=
wehrt. Ein Strafſtoß gegen Lorſch wird von
Mathes weit neben die Kiſte geſchoſſen. Mitte
der erſten Halbzeit iſt Polizei deutlich
über=
legen; drückt auch die Gäſte etwas zurück, aber
der große Lorbacher im Mittellauf beherrſcht
doch im Feld alle hohen Bälle. Als Klein im
Polizeitor eine hohe Flanke hereinholt und
Schmitt ihn im Sprung angreift, wehrt Klein
regelwidrig mit dem Knie ab.
Der Elfmeter gegen Polizei
wird von Degen ſcharf getreten, aber von Klein
unter lebhaftem Beifall ſeiner Anhänger
ge=
halten.
Kurz danach zeigt Klein wieder eine ſchöne
Pärade. Vor dem Lorſcher Tor entſtehen
zwei=
mal brenzlige Situationen, und nur der
auf=
opfernden Arbeit von Schmitt und Degen iſt
es zu verdanken, daß keine weiteren Tore
fal=
len. Aus einer, Kerzenfabrik” erwiſcht Pfeiffer
das Leder und ſchießt unverhofft aufs Gehäufe,
aber der Ball ſtreicht ins Aus. Und wieder
haben die Gäſte Glück: Faſſoth iſt einer Flanke
entgegengeſtürzt, ſie wird ihm entwunden,
aber geiſtesgegenwärtig hat Schmitt den
Tor=
rgum bezogen und kann den Nachſchuß
ab=
wehren.
Nachdem ein Schuß von Kaltwaſſer im
Außennetz landete, fällt im Anſchluß die dritte
Ecke für Polizei. Als ſich der Eckball hinter
dem Elfmeterpunkt niederſenkt, erwiſcht ihn
Schupp und im Drehſchwung jagt er den Ball
zum 2. Tor ins Netz.
Nach der Pauſe
erzielen die Grünen, die für 10 Minuten das
Feld beherrſchen, zwei Eckbälle, die beide ſehr
gut abgewehrt werden. Ein 25=Meter=Strafſtoß
für Lorſch führt zur erſten Ecke der Gäſte, die
Klein ins Feld boxt. Ein weiterer Strafſtoß
gegen Darmſtadt wird von Lorbacher gegen
die Latte getreten. Kaltwaſſer wird regelwidrig
vom Ball getrennt. — Mathes ſetzt den
Straf=
ſtoß aufs Tor, doch treibt der Wind den Ball
knapp daneben. Lorſch nimmt nun klar das
Heft in die Hand, die Läuferreihe der Gäſte
ſpringt wenig ſanft mit dem Gäſteſturm um
und zerſtört jeden Angriff ſchon im Mittelfeld.
Der Polizeimittelläufer wird jetzt etwas in
den Schatten geſtellt und der Gäſteſturm kann
ſich etwas beſſer entwickeln. Die Abwehr
be=
kommt zu tun, hält jedoch dicht. Außer dem
zweiten Eckball vermögen die Gäſte nichts zu
erreichen. Auch dieſe Hereingabe landet durch
Pfeiffer im Felde. Die Gäſte machen von ihrem
größeren Körpergewicht auf einzelnen Poſten
reichlich Gebrauch. Nur einem unfairen
An=
griff des Gäſte=Halblinken auf Torwart Klein,
der oft zu lange mit dem Ball tändelte, folgt
Platzverweis für Metz, dem er allerdings erſt
nach energiſcher Aufforderung nachkommt.
Bis zum Schluß vermag das Spiel nicht
mehr zu begeiſtern. Das Tempo flaute ab, der
Ball wandert meiſt von einer Abwehrreihe zur
anderen, die Läufer beherrſchen das Feld. Der
Sturm hat ſich hüben und drüben vor dem
Oſtwind und der ſchönen Sonne verkrochen.
treffer heimfuhren, lag, wie ſchon geſagt, an
ihrem ſchußſchwachen Sturm. Der
Mittelſtür=
mer war ausgeſprochen unter Form, allerdings
hätte der gute Mittelläufer Lorbacher ſeine
Tätigkeit etwas nach vorne verlegen müſſen,
um ſeinen Sturm etwas zu unterſtützen. Sonſt
arbeitete er zuverläſſig, wie auch Albert als
linker Half. In der Verteidigung verdiente
Schmitt ein beſonderes Lob. Faſſoth machte
manche Unbegreiflichkeiten als Torhüter und
hatte oft das Glück in Geſtalt der Torlatten
neben ſich. Im übrigen gefiel der Eifer, mit
dem die Elf das Spiel durchhielt.
Polizei kam heute, auch in ihrer beſten Zeit,
nicht in erſte Fahrt hinein. Es iſt typiſch für
die Mannſchaft, wie ſie kurz nach Beginn der
zweiten Halbzeit in eine Schwächeperiode fällt
und der Kampfgeiſt iſt dann erlahmt. Das war
heute namentlich im Sturm feſtzuſtellen, wo
lediglich Göbel und Pfeiffer durchhielten
Allerdings war Pfeiffer beſonders liebevoll
bewacht. Die geſamte rechte Seite der
Mann=
ſchaft war heute der linken überlegen. Vielleicht
iſt das Nachlaſſen nach Seitenwechſel in den
beiden letzten Spielen dadurch milder zu
be=
urteilen, als man ja durch klaren Vorſprung
führte und außerdem die Verteidigung auf
der Höhe war. Immerhin darf die angeſtrebte
Meiſterſchaft nicht durch ſelbſt veranlaßte oder
nicht verhinderte Ueberraſchungen gefährdet
werden.
5-
SP. 98 ließ ſich am „Galgen” nicht abhängen.
1:0. Das war ungefähr Mitte der 1.
Halb=
zeit. Wenig ſpäter führt der geſamte blaue
Skarkenburgia Heppenheim
Sturm einen Muſterangriff vor. Der Ball
kommt über Böhner zu Mahr, und ſchon war
eine Bombe aus beachtlicher Entfernung
—5b. 98 Darmſtadk 1:2 11:2).
Es waren zwei Mannſchaften mit
grund=
verſchiedenen Spielweiſen, die ſich in
Heppen=
heim am „Galgen’in einem erbittert
durchge=
führten Treffen um die Punkte ſtritten. Auf
der einen Seite die Heppenheimer, die einen
kraftvollen und ſchnellen Fußball, gepaart mit
einem immenſen Eifer, ſpielen, auf der
ande=
ren Seite die 98er, die dieſer Spielweiſe mit
dem einzig richtigen Rezept begegneten, indem
ſie den Ball in ſyſtemvoller Art flach
vortru=
gen, um dem Gegner auf dieſe Weiſe gefährlich
zu werden.
Die Heppenheimer, die, mit erſt 3
errunge=
nen Punkten faſt ausſichtslos geſchlagen,
das „Schlußlicht” der Tabelle
bilden, nahmen die Sache hölliſch ernſt und
ver=
ſuchten, jede Chance auszunutzen, durch einen
Sieg den vor ihnen ſtehenden Mannſchaften
näher zu kommen. So nimmt es auch nicht
wun=
der, daß ſie im heutigen Spiel durch ihr
elan=
volles Spiel wenigſtens in der 1. Hälfte eine
leichte Ueberlegenheit herausſpielten. In dieſer
Phaſe des Spiels ſah es auch zunächſt nicht
ge=
rade danach aus, als ob die Darmſtädter beide
Punkte mit nach Hauſe nehmen würden. Doch
als ſich die Heppenheimer nach einer
Viertel=
ſtunde erfolgloſen Drängens an der heute ſehr
ſicheren Darmſtädter Hintermannſchaft die Zähne
ausgebiſſen hatten, kamen auch die „Blauen”
mehr zur Geltung. Sie ſpielten jetzt ein recht
variiertes Spiel, der Sturm kombinierte
ge=
ſchickt, viele ſchöne Torgelegenheiten wurden
herausgeſpielt, doch, wie ſchon ſo oft, fehlte die
Krönung — das Torſchießen. So mußte manch
ſchöne Gelegenheit verpuffen, weil ſich die linke
Sturmſeite einfach nicht mit dem Nachdruck
ein=
ſetzte, wie es die rechte Seite Böhner/Mahr tut.
Ein von Frey gut getretner Strafſtoß, den
Seiffert mit dem Kopf aufs Tor ſtieß, hätte
faſt einen Erfolg ergeben, doch Graber im
Hep=
penheimer Tor wehrt gut ab. Auf der anderen
Seite gelingt es Bärenz, dem allein vor dem
Tor ſtehenden Mittelſtürmer der Gaſtgeber, den
Ball vom Fuß zu holen. Als Mahr wieder
einmal gute Vorlage von Geyer erhält, flankt
er exakt zur Mitte, von wo Seiffert den Ball
unhaltbar ins Tor dirigiert. Darmſtadt führt
zur 2:0=Führung
ins Netz geflitzt. Das alles kann Heppenheim
nicht deprimieren, mit temperamentvollen
An=
griffen kommen ſie immer wieder vors
Gäſte=
tor. Kurz vor Halbzeit kommen ſie denn auch,
nach verunglückter Abwehr eines Darmſtädter
Verteidigers, durch ihren Halblinken Adelmann
zu ihrem Gegentor. Auch nach Halbzeit läßt
das Tempo nicht nach. Jeder verſucht, durch
energiegeladenen Einſatz für ſeinen Verein eine
Verbeſſerung des Reſultats zu erſtreben.
Tor=
gelegenheiten waren auch in Hülle und Fülle
vorhanden, doch im Uebereifer wird, manches
Ausſichtsreiche verkorkſt. So verſtehen es Mahr
und Staigmüller, ebenſo gut wie der
Heppen=
heimer Linksaußen, nicht, freie Bälle ins Tor
zu bringen. Gegen Schluß warfen die
Heppen=
heimer noch einmal alles nach vorn, um
wenig=
ſtens einen Punkt zu retten, doch das
Darm=
ſtädter Schlußtrio im Verein mit der jetzt
defen=
ſiver ſpielenden Läuferreihe erweiſen ſich als
ein unſchlagbares Vollwerk. Der Schlußpfiff
ging im.Jubel, der zahlreichen. Darmſtädter
Schlachtenbummler unter. Die Mannſchaften
ſtanden:
Heppenheim: Graber; Wolf. Vock;
Metzendorf. Martin, Enzinger: Nack, Rettig,
Mathais, Adelmann, Schmidt.
SV. 98: Bärenz; Eßlinger, Kugel; Geyer,
Schnägelberger, Frey; Mahr, Böhner, Seiffert,
Staigmiller, Hebeiſen.
Die 98er haben ſich durch ihren heutigen
Sieg in die Spitzengruppe vorgeſchoben. Heute
gab jeder ſein Beſtes. Beſonders gute
Leiſtun=
gen zeigten Bärenz, Frey, Schnägelberger und
Böhner.
Die Hauptſtützen der
Heppenhei=
mer ſind der Torhüter Graber der
Verteidi=
ger Wolf und der Halbrechte Rettig, der jedoch
ſeine unfairen Mätzchen laſſen ſollte. Der
Schiedsrichter. Dr. Storch aus Ludwigshafen,
war ein wirklich guter Leiter. Er gehört zu
den leider ſo ſeltenen Unparteiſchen, die ein
ſcharfes Auge für verſteckte Fouls haben, und
durch ihre Ruhe, mit der ſie Entſcheidungen
fällen, Spieler und Publikum günſtig
beein=
fluſſen.
re—
Abſtiegsſorgen beflügeln den Kampfgeift!
dieſem Stande der Dinge klar, daß diesmal
die Gäſte nicht unter die Räder
PfL. Bürſtadk-BV. Bensheim
kommen würden.
Nach der Pauſe kamen ſie verſchiedentlich
4:1 (13:1).
nochmals ſchwer ins Gedränge und aus einem
Nachdem die Bergſträßer am vergangenen
Sonntag gegen Lampertheim eine zweiſtellige
Niederlage hatten hinnehmen müſſen, verſprach
man ſich in Bürſtadt keine großen
Sehenswür=
digkeiten. Trotzdem waren 700 Zuſchauer
gekom=
men, die ein Schützenfeſt auf dem Bürſtädter
Waldſportfeſt erhofften. Sie hatten aber die
Rechnung ohne den berühmten Bensheimer
Kampfgeiſt gemacht, der in dieſem Spiel wahre
Wunder ſchuf und den Leuten von der Bergſtraße
um eine höhere Niederlage herumhalf. Die
tech=
niſch viel beſſeren Bürſtädter kamen dadurch faſt
gar nicht ins Spiel und hatten ihre liebe Not,
gegen dieſen enormen Kampfgeiſt der Gäſte
auf=
zukommen.
Mit Huſaren=Attacken
trieben dieſe immer wieder den Ball vor und ſie
hatten auch tatſächlich in der 5. Minute bereits
eine ſchöne Torgelegenheit, die aber Weihrich 1.
im Uebereifer verſchenkte. Ueberhaupt mußte
vorerſt Ludwig im Bürſtädter Tor weit mehr
eingreifen, als ſein Gegenüber Wörthge, der erſt
in der 13. Minute dur cheinen Kopfball von
Hartmann geſchlagen war. Bei dem zweiten Tor
in der 13. Minute durch einen Kopfball von
lich Pech, da ihr Tormann bei der Abwehr einer
Rechtsflanke ſtürzte, den Ball aber doch noch an
den Pfoſten drücken konnte. Von hier ſprang das
Leder Hartmann vor den Fuß, der mühelos
ein=
drücken konnte. Derſelbe Spieler erhöhte 3
Mi=
nuten ſpäter auf 3:0, aber die unabläſſig
kämp=
fenden Bensheimer kamen 7 Minuten ſpäter, als
Ludwig nicht ſchnell genug am Ball war, zu
ihrem perdienten Ehrentreffer. So war es nach
ſolchen Getümmel heraus gelang den
Bürſtäd=
tern durch Kleber der 4. Treffer. Unentmutigt
kämpften die Bensheimer weiter, jagten mit
Blaſebälgen von Lungen jedem Ball
unermüd=
lich nach, ſo daß trotz grundverſchiedener Syſteme
bei beſſerer Kampfesweiſe der Bürſtädter kein
einſeitiges Spiel aufkommen konnte. Kurz vor
Schluß hatten die Bergſträßer nochmals Pech, als
ihr Linksaußen an den Pfoſten ſchoß, aber auch
Glück, als ihr geriſſener Torwart Wörthge mit
einem ſtrammen Schuß ins Tor fallend, den Ball
noch vor der Linie wegwerfen konnte. So fand
das Spiel mit drei Toren Unterſchied ſeinen
ge=
rechten Ausgang.
Schiedsrichter Panzer=Ludwigshafen war ein
mäßiger Spielleiter.
Die Mannſchaften
ſtanden: Bensheim mit Wörthge; Stock,
Wei=
rich 2.; Rettig, Braunsdorf, Treffert; Genß,
Arzberger, Zängerle, Pfeiffer, Weirich 1.
Bürſtadt mit: Ludwig; Gotha,
Gugge=
mus: Rau, Schmidt, Koch; Krapp, Hartmann,
Kleber, Emig, Stockmann.
Kritiſch geſehen
war Bensheim hauptſächlich in der Deckung ſehr
gut. Wörthge, neben dem ehemaligen
Zwingen=
berger Braunsdorf, war der Turm in der
Schlacht. Man kann ſich denken, daß bei dieſer
enorm aufopfernden Spielweiſe in Bensheim ſo
leicht nicht mehr zu gewinnen ſein wird.
Die Bürſtädter waren bis auf den
Mittel=
läufer Schmidt, der ſchwach war, und dem
erſt=
malig wieder ſeit einem Sperrjahr
teilnehmen=
den Stockmann als Rechtsaußen ſehr gut. H.H.
Montag, 22. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 21
Punkteteilung am Arbeilger Mühlchen.
die geſamte Fünferreihe. Viktoria iſt auf dem
Spbg. Urheiigen 04 — Germ. beſten Wege, wieder eine ſchlagfertige Mann=
Prangniadt 1.4Hr.0.
Nachdem geſtern vormittag am Arheilger
Mühlchen bereits durch das Lokaltreffen im
Handball ſeine Anziehungskraft nicht verfehlt
hatte, waren auch am Nachmittag bei gutem
Wetter wieder zirka 400 Zuſchauer erſchienen,
um Zeugen des Fußballſpiels gegen Germania
Pfungſtadt zu ſein. Allerdings ſtellte
Pfung=
ſtadt den größeren Teil, denn durch die
Nieder=
lage der Sp.Vgg. im Handball am Vormittag
hatten ſicherlich viele Einheimiſche die Luſt
ver=
loren, am Nachmittag nochmals zum Mühlchen
zu wandern.
Zum Spiel ſelbſt iſt zu ſagen, daß es wohl
niemand enttäuſchte, denn es wurden wirklich
ſehr ſchöne Leiſtungen gezeigt. Arheilgen, das
mit 4 Erſatzleuten antreten mußte, war
erfreu=
licherweiſe gut in Form, während Pfungſtadr
gegen ſeine letzten ſonntäglichen Spiele nicht
gefallen konnte. Das Spiel war äußerſt ſchnell
und lebhaft. In der erſten Spielhälfte war
hauptſächlich Arheilgen tonangebend. Auf
bei=
den Seiten wurden viele „totſichere Sachen”
von den Stürmern vermaſſelt. Voll auf der
Höhe waren beiderſeits nur die
Verteidigun=
gen. Im Anſchluß an eine Torgelegenheit für
Pf., bei der allerdings der Sturm das leere
Tor nicht finden konnte, erhielt Arh. einen
Handelfer zugeſprochen, der zum 1:0
verwan=
delt wurde.
In der zweiten Halbzeit ließ Arheilgen
ſtark nach, jedoch konnte der Gäſteſturm in
dieſer Drangperiode nur einmal durch eine
ausgezeichnete Leiſtung des Rechtsaußen
er=
folgreich ſein.
Bei der Elf aus der Bierſtadt gefielen
be=
ſonders die Außenſtürmer, die allerdings durch
die guten Außenläufer der Schwarz=Weißen
immer wieder und ſicher abgedeckt wurden.
Arheilgen mußte, wie geſagt, mit 4 Mann
Erſatz ſpielen, aber ſie ließen ſich
erfreulicher=
weiſe heute recht gut an. Die Elf ſtand mit
Körber; Hundsdorf, Barnewald; Lindelaub,
Becker, Reitz, Treuſch, Erzgräber, Schwerdt,
Rückerich, Fleck.
Schiedsrichter Bert=Frankfurt war ein guter
und gerechter Leiter; er hatte auch bei der
fairen Spielweiſe beider Mannſchaften leicht
zu amtieren. Allerdings gab er ein klares Tor
von Schwerdt — das dieſer mit der Bruſt
ein=
gedrückt hatte — wegen angeblicher „Hand”
nicht. Dadurch ging ein Punkt flöten.
mi
Bikkoria Urberach -Olytpia
Lampert=
heim 3:1 (2:1).
Unter der umſichtigen Leitung von Schiri
Wolf=Teutonia Haußen landete Viktoria
Urbe=
rach vor etwa 2—300 Zuſchauern einen
wohl=
verdienten Sieg über Olympia Lampertheim.
Die Einheimiſchen kamen anfänglich nicht recht
in Schwung. Erſt als der Mittelläufer ſich
richtig in das Milieu eingefunden hatte, reiften
die Erfolge. Der erſte Erfolg für Urberach
war halbwegs ein Eigentor, das der
Gäſtetor=
hüter ſelbſt verſchuldete. Der erſte eigentliche
Treffer von Urberach führte durch den
Mittel=
ſtürmer Wunderlich zum 2:0.
Kurz nach der Pauſe flankte der Linksaußen
von Lampertheim weit nach rechts, ſo daß
Lam=
pertheims Rechtsaußen zum Ehrentor einköpfen
konnte. Alsbald nach Wiederbeginn ſtellt der
Halbrechte des Platzvereins mit einem
unhalt=
baren Schuß das Endergebnis ſicher. Zwar
hat=
ten die Platzherren noch einige gute Chancen,
ſie konnten aber nicht verwertet werden.
Unentſchieden auf der „Beſſunger
Rennbahn.
FC. Union Darmſtadt — SV. Weiterſtadt 1:1
(0:1).
Union präſentierte ſich vor etwa 200
Zu=
ſchauern mit einer neuen Sturmaufſtellung. Roß
führte den Angriff und zeigte auch ein ganz
ge=
fälliges Spiel, aber ſein Sturm war immer noch
nicht ſtoßkräftig genug, um Tore zu erzielen.
Wie in der Vorſchau erwähnt, leiſteten die Gäſte
großen Widerſtand.
Union eröffnete das Spiel mit einigen
ge=
fährlichen Angriffen, die aber an der
aufmerk=
ſamen Gäſteverteidigung zerſchellen oder eine
ſichere Beute des guten Torwächters wurden. Die
fünf Union=Stürmer ſind nicht müßig und leiten
gefährliche Angriffe ein. Jedoch durch ein
Miß=
verſtändnis im Unionſtrafraum erzielt
Weiter=
ſtadt in der 35. Minute den Führungstreffer.
Es werden von beiden Parteien noch einige
Eck=
bälle erzielt, die aber abgewehrt wurden. Es
bleibt beim 1:0=Stand für die Gäſte bis
Halb=
zeit.
Nach Halbzeit iſt Union leicht im Vorteil.
Ein Elfmeter für W. wurde verſchoſſen. In der
70. Minute erhielt Union einen Elfmeter
zuge=
ſprochen, den Roß unter die Latte jagte und ſo
den Ausgleich 1:1 herſtellte. Bei dieſem Stand
ſetzt ein verzweifeltes Ringen um den Enderfolg
ein, was aber nichts mehr einbrachte.
Schieds=
richter Wolf=Frankfurt konnte befriedigen. Er
mußte einen Spieler jeder Partei vom Platz
weiſen.
Reſerven 10:0; Junioren — Junioren SV. 98
3:5; Soma — 4. SV. 98 7:2; Schüler —
Schü=
ler Rot=Weiß, V.f.R. 0:6.
Vikkoria Griesheim verbeſſerk ſich.
Viktoria Griesheim — SV. Roßdorf 4:2 (1:1).
Vor ungefähr 200 Zuſchauern lieferten ſich
beide Mannſchaften einen harten und überaus
ſpannenden Kampf, den Griesheim verdient
er=
folgreich abſchließen konnte. Roßdorf war durch
das Fehlen von Landzettel gezwungen, eine
kleine Umſtellung vorzunehmen, die ſich nicht
bewährte und das zeitweiſe ſchwache Spielen
entſchuldigte. Auf der Gegenſeite hatte
Gries=
heim mit ſeiner Neubeſetzung inſofern Glück, als
dieſe überraſchend gut einſchlug. Beſonders gut
gefallen konnte Ritter als Mittlelläufer ſowie
ſchaft zu werden, was für den alten Kämpen
Friedmann, jetziger Leiter der Fußballer, wohl
der beſte Dank für ſeine mühevolle Arbeit ſein
dürfte.
Der Spielverlauf
brachte in den erſten Minuten den Gäſten einen
leichten Vorteil, der jedoch ſchwindet, als ſich der
Gaſtgeber beſſer findet und das Spiel
ausge=
glichen geſtaltet. Auf beiden Seiten werden
gute Torgelegenheiten, meiſt im Uebereifer,
aus=
gelaſſen. Einen Foulelfer verwandelt der
Mit=
telſtürmer Roßdorfs in der 20. Minute zum
Führungstreffer. Griesheim ſtrengt ſich mächtig
an, kann aber an der guten Abwehr der Gäſte
nicht vorbeikommen. Erſt in der letzten Minute
vor dem Pauſenpfiff gelingt Heißt der
Aus=
gleich. Mit dem Wind im Rücken ſpielt
Gries=
heim nach dem Wechſel überlegen, während die
Gäſte vorerſt kaum etwas zu beſtellen haben. In
der 55. Minute kann Ritter einen ſchwachen
Ab=
ſtoß des Gäſte=Torhüters zum Führungstreffer
ausnutzen, und geraume Zeit ſpäter iſt es
Dier=
ker, der das Reſultat auf 3:1 erhöht. Roßdorf
gerät vollſtändig außer Faſſung und muß den
Griesheimern weiter das Kommando überlaſſen,
die auch noch ein 4. Tor durch Hauff erzielen.
Härter wird das Spiel, und Heißt=Griesheim
muß Platzverweis einſtecken. In den
Schluß=
minuten ſetzt Roßdorf einen guten Endſpurt an,
der ein zweites Tor einbringt.
Als Schiedsrichter zeigte Roßkopf=Koſtheim
oftmals Schwächen; er hatte allerdings auch mit
einigen Hitzköpfen ſeine liebe Not.
cba.
Dun den Hbagfeideln.
zahlreichen Ausfällen der letzten Monate
über=
haupt nicht mehr damit zu rechnen iſt, daß die
Die Handball=Ergebniſſe.
Gauliga=Pflichtſpiele.
Gau Südweſt.
Gruppe Main=Heſſen:
SV. 98 Darmſtadt — TSV. Herrnsheim 10:7.
V.f. R. Schwanheim — Tgſ. Offenbach 12:5.
Gruppe Saar=Pfalz:
SpVgg. Merzig — TV. Malſtatt 2:4. Pfalz
Ludwigshafen — Tgm. Neunkirchen 7:1.
Gau Baden: SV. Waldhof — TV. Hockenheim
11:1. Phönix Mannheim — Tgm. Ketſch 5:1.
Gau Württemberg: Gruppe Oſt: Ulmer FV.
Tbd. Tailfingen 11:2. Tbd. Ulm
TV. Altenſtadt 7:5.
Gau Bayern: Nordbayern: Polizei —
1. FC. Nürnberg 8:7.
Gau Nordheſſen: Tuſpo 86 — Kaſſel 03 7:7.
Henſchelwerke Kaſſel — TV. Eſchwege 0:7.
Kaſſeler Turngem. — Kurheſſen Kaſſel 7:4.
Schwacher Spielbetrieb.
Der Spielbetrieb im Handball war an
die=
ſem Sonntag, dem von der DT. bei der
Ter=
minanſetzung überhaupt freigelaſſenen, dritten
Sonntag im Monat, recht gering. Immerhin
kamen einige Treffen zum Austrag, da bei den
Spiele rechtzeitig fertig werden, wenn noch
wei=
ter ſpielfreie Sonntage terminmäßig vorgeſehen
werden.
Im Gau Südweſt
gelang es dem Sportverein 98
Darm=
ſtadt ſich am DT.=Altmeiſter TSV.
Herrns=
heim für die Niederlage im Vorſpiel zu
revan=
chieren und mit 10:7 Toren den Spieß
umzu=
drehen. Darmſtadt hat die Herrnsheimer nun
mit 14:6 Punkten am zweiten Platz überflügelt,
und es hat den Anſchein, als würde ſich der
Kampf um die Spitze, ſoweit bei dem Vorſprung
der Darmſtädter Poliziſten (20:0 Punkte)
über=
haupt noch mit einem ſolchen zu rechnen iſt,
zwi=
ſchen den beiden Darmſtädter Mannſchaften
ent=
wickeln. Mit 12:5 ſiegte der V. f. R.
Schwan=
heim über die Turngeſellſchaft Offenbach,
wo=
mit die Raſenſpieler ihren vierten Platz
vertei=
digten.
In der Gruppe II (Saar—Pfalz) wurde
Pfalz Ludwigshafen durch einen 7:1=
Sieg über die noch immer punktloſe
Turnge=
meinde Neunkirchen vorübergehend
Tabellen=
führer, da der DT.=Altmeiſter TV. Frieſenheim
ſpielfrei war. Einen überraſchenden Sieg konnte
der TV. Malſtatt in Merzig mit 4:2
lan=
den, wodurch er aber von ſeinem vorletzten
Tabellenplatz nicht wegkam.
Geglückte Revanche des SV. 98.
Herrnsheim findet ſich jetzt ſehr gut zuſammen
und ſpielt mit ungeheurer Energie und mit=
Sb. 98 Darmſtadt
reißendem Eifer. Ein von Embach ſcharf nach
der Torecke geworfener Ball wird von Henß
29. Herinsgeim 10.t 14.4) in prächtiger Abwehr zur Ecke gelenkt. Aber
In warmer Frühlingsſonne
hatte ſich zu dieſem Spiel am Sonntag
vormit=
tag auf dem Stadion eine anſehnliche
Zuſchauer=
menge eingefunden, die dem Abſchneiden der
98er gegen den TV. Herrnsheim, dem die Lilien
zweimal unterlegen waren, mit Spannung
ent=
gegenſahen, Herrnsheim erſchien mit kompletter
Elf, alſo Kronauer; Flörſch. Jahnſon; Uhl,
Seeberger, Köſtner; Kiſſel, Embach, Wiegand,
Kaltenthaler, Pauly.
Die Gäſte boten in dem Kampf eine
aus=
gezeichnete Geſamtleiſtung. In hervorragender
Form war beſonders der Sturm, in dem
Em=
bach, Wiegand und Kaltenthaler hervorragten,
aber auch die beiden Flügelleute Kiſſel und
Pauly waren auf der Höhe. Seeberger als
Mittelläufer war „in Form”, und da die
ge=
ſamte genau und rückſichtslos arbeitende
Ab=
wehr ihrem guten Ruf Ehre machte, ſo war
SV. 98 gezwungen, ſein ganzes Können
einzu=
ſetzen.
Die jetzige 98er Stürmerreihe
hat noch immer nicht die frühere Meiſterform
erreicht — vermag dies wohl auch nicht —,
ob=
wohl ſie heute eine beſſere Partie als am
Vor=
ſonntag lieferte. Den Fünf fehlt ein
Sturm=
führer von Format. Gegen die beiden
Flügel=
ſtürmer Feick und Koch läßt ſich kaum ein
Ein=
wand erheben, während die Zuſammenſetzung
des Innenſturms Werner, Freund, Ploch viele
Wünſche aufkommen ließ. Das von dem 98er=
Sturm zur Zeit bevorzugte „Syſtem” iſt etwas
veraltet, zu wenig variiert in Anlage und
Durchführung. Der „Aufbau” durch einen
Spie=
ler allein erleichtert naturgemäß dem Gegner
die Zerſtörung. Jeder in der Mitte muß „
auf=
bauen”, wenn man dieſen Ausdruck überhaupt
noch anwenden will. Die rechte Sturmſeite
wurde zudem in hohem Maße vernachläſſigt.
Immer wieder wurde das Spiel auf die linke
Seite verlegt, zu engmaſchig geſtaltet, und ein
Durchkommen der fünf Stürmer gegen 8 Mann
Verteidigung des Gegners war dann
unmög=
lich. Man vermißte bei den Stürmern auch
das dauernde In=Bewegung=Sein, wie es die
Herrnsheimer Stürmer recht augenfällig
zeig=
ten. Den oft zu ſpät einſetzenden Start haben
wir ſchon kürzlich moniert. An Eifer ließen es
die 5 nicht fehlen, und ſie paßten ſich auch der
recht harten Abwehr des Gegners bald an. In
der Läuferreihe war Klöß mit der Bewachung
Embachs vor eine ſchwere Aufgabe geſtellt, die
er recht anſprechend erledigte. Auch Dittmar
war auf dem Poſten, während Fiedler ſehr oft
von ſeinem wendigen Gegner umſpielt wurde.
Die drei Schlußleute Zopf=Förſter=Henß
ver=
dienten keine Kritik.
Das ausgeglichene, ſpannende Spiel
begann mit einer kleinen Verſpätung, da der
vorgeſehene Schiedsrichter ausgeblieben war,
Die Parteien einigten ſich auf Schiedsrichter
Michel=Polizei Darmſtadt.
Bereits nach 2 Minuten liegt SV. 98 durch
Feick und Ploch 2:0 in Führung. Durch
Wie=
gand holen die Gäſte ein Tor auf. Bei einem
Strafwurf gegen Herrnsheim ſpielt Freund zu
Feick, der unhaltbar einwirft. Das
Kombina=
tionsſpiel des 98er=Sturms klappte bis jetzt
„wie in früheren Zeiten”. Feick wirft knapp
über die Latte, und auch Ploch hat Schußpech.
wenige Augenblicke ſpäter ſitzt ein Strafwurf
von Embach zum 3:2 doch im Netz. Kurz danach
hält. Henß einen ſcharfen Schuß des
durchge=
brochenen Kiſſel, und auf der Gegenſeite geht
eine Chance der 98er durch die Latte, auf der
Freunds Wurf landet, verloren. Durch
Fehl=
entſcheidungen des Schiedsrichters werden die
98er etwas nervös, und Herrnsheim drängt mit
ungebrochenem Mut. Nachdem Werner in der
20. Minute aus ſpitzem Winkel den 4. Treffer
erzielt hatte, ſtellt Herrnsheim das Ergebnis
durch Strafwürfe von Kaltenthaler und
Em=
bach auf 4:4, was die Spannung außerordentlich
erhöht. Zweimal verpaßt der 98er=Sturm klare
Torgelegenheiten, dann lautet es zum
Seiten=
wechſel.
Nach der Pauſe reißt Embach durch ſchönes
Feldtor
die Führung an Herrnsheim,
doch nicht lange dauert die Freude der
zahl=
reichen Gäſteanhänger, denn ein prachtvoller
Doppelhänder Feicks ſauſt unter Kronauer un=
haltbar ins Tox. Die 98er verdoppelten ihre
Anſtrengungen. Nachdem Freund einmal
voll=
kommen freiſtehend daneben feuerte, verbeſſert
Feick durch präziſen Strafwurf auf 6:5. Dann
aber ſcheint das Schickſal der Platzbeſitzer
ent=
ſchieden zu ſein: Völlig ungerechtfertigt wird
Freund vom Platz verwieſen, als er einem
Gegner bei der Ausführung eines Wurfes den
Ball aus der Hand zu ſchlagen ſuchte.
Herrns=
heim nutzt die Situation aus und ſchafft
erneut den 6:6=Ausgleich. Als Ploch unfair
gelegt wird, hält Feick durch Strafwurf den 7.
Treffer, und ein zügiges Zuſammenſpiel von
Werner=Ploch ergibt in der 22. Minute den
8:6=Stand. Der linke Läufer der Gäſte wird
ebenfalls des Feldes verwieſen, obwohl einige
ſeiner Mitſpieler größere Regelverſtöße ſich
hat=
ten zuſchulden kommen laſſen. Dann vermag
Fiedler ſeinen Gegner nicht zu halten, und
Herrnsheim bucht ſeinen 7. und letzten Treffer.
Als dann Koch auf Rechtsaußen beſſer eingeſetzt
wird, kommt er noch zweimal erfolgreich zum
Schuß und das Endreſultat von 10:7 iſt fertig.
Schiedsrichter Michel wollte, anſcheinend
nicht das Odium einer Begünſtigung des SV. 98
auf ſich laden und verfiel ins Gegenteil. Als
er ſchließlich zwei reguläre Tore der 98er nicht
anerkannte, war es außerhalb der Barrieren
um ſeine Autorität geſchehen, — und zwar mit
Recht. Zudem hätte er bereits in der erſten
Hälfte das Anſpringen der Verteidiger durch
die Stürmer unterbinden und zweimal grob
rohes Spiel durch 13=Meter=Ball ahnden müſſen.
TV. Lorſch — Rol=Weiß Darmſtadt
1.
1:5 01.3).
Noch beſſer als getipt, konnten Sieg und
Punkte mit nach Darmſtadt gebracht werden. Es
will ſchon was heißen, nicht in beſter Aufſtellung
in Lorſch zu gewinnen. Auch Meyer, zurzeit in
einem SA.=Sportkurſus, mußte durch Buchert
er=
ſetzt werden, der aber über ſeine ſonſt
gewohn=
ten Leiſtungen weit hinaus wuchs und der
Mannſchaft dadurch ein abgerundetes Ganzes
gab. Gemeſſen an den letzten Spielen, hat die
R.W.=Elf an Schlagkraft viel gewonnen, was
für die Aufſtiegſpiele von großem Nutzen ſein
wird.
Wie vorausgeſagt, hängen in Lorſch die
Punkte hoch. Lorſch, obwohl nicht komplett,
zeigte ein überragendes Spiel, wobei das
durch=
dachte Spiel weit mehr zutage trat, als bei RW.
Auch die nötige Schärfe brachte Lorſch ſchon mit
ins Spiel, was aber Sdr. Nikoley=Wolfskehlen
bald ſpitz hatte. Die erſten 15 Minuten ſind ſich
beide Mannſchaften ebenbürtig. Erſt mit dem
Stande von 1:1 kommt das beſſere Spiel der
Gäſte zum Durchbruch. Gärtner=Lorſch und der
R.W.=Halblinke ſind die Schützen. Die
Ruhe=
pauſe des Darmſtädter Halblinken ſcheint ſehr
gut geweſen zu ſein, denn heute zeigte er
wie=
der das beſtechendſte Spiel im Sturm. Auch die
zwei weiteren Tore bis Halbzeit gehen auf ſein
Konto, wobei ſeine Nebenleute praktiſche
Hilfs=
ſtellung leiſteten. Die zweite Hälfte bringt
aber=
mals zähes Spiel der Lorſcher, wobei auch die
Härte nicht fehlte, die R.W. zwei Statiſten
ein=
brachte und Arnold ausſchied. Trotzdem bringt
es die R.W.=türmerreihe fertig, noch zwei
wei=
tere ſchöne Feldtore zu landen. Der Viererſturm
beſitzt auch jetzt noch die nötige Schlagkraft, und
beſonders das gute Verſtehen mag es zuwege
gebracht haben, daß gerade der Aushilfsſtürmer
der Torſchütze war.
Lorſch war in dem Spiel keine 5 Tore
ſchlech=
ter, beſonders ihr Torer ſtellte den R.W.=Sturm
vor große Aufgaben. Genügend Pech hatte
Lorſch im Torwurf, auch Strafwürfe waren nicht
viel zu landen, da die Darmſtädter
Hintermann=
ſchaft wieder ein beſtechendes Spiel lieferte. Das
Spiel blieb durch die gute Leiſtung des Sdr. im
Rahmen und hatte guten Beſuch aufzuweiſen.
Als normal darf man den Platz nicht anſehen,
hier würde ſich die Behörde ein Verdienſt
erwer=
ben, dieſen Platz ſpielfähig herrichten zu laſſen,
Die 2. Mannſchaften trennten ſich nach
ausge=
glichenem Spiel 3:3.
Ueberraſchungen im Bezirk Starkenburg
Bezirklsklaſſe: Gruppe 1: Sppgg. 04
Arheilgen—Tv. Arheilgen 0:4 (0:2), Tgde.
Sprendlingen—Merck Darmſtadt 4:6 (2:2),
Gruppe 2: Lorſch—Rot=Weiß Darmſtadt 1:5,
Bickenbach—Tv. Pfungſtadt 3:1 (1:1), — Gruppe
3: Tſchft. Griesheim-Büttelborn 7:5 (3:2),
Braunshardt—Worfelden 3:4 (2:3).
Kreisklaſſe I: Gruppe 2: Walldorf—
Nauheim 6:7 (4:3), Trebur-Wolfskehlen 2:2
(1:1). — Gruppe 3: Birkenau—Hahn 3:4 (2:3).
Kreisklaſſe II: Erzhauſen—FV.
Sprend=
lingen 1:2 (1:2), Nordheim—Crumſtadt 5:5
(3:1).
Ueberraſchungen: Den klaren
Turner=
ſieg in Arheilgen hatten die wenigſten
erwar=
tet. Braun und Götz hätten noch vier Tore
ſchießen können. — Eine ſehr gute Partie
lie=
ferte Büttelborn in Griesheim gegen die
Tur=
ner, und der Sieg wurde mit Glück erſt gegen
Schluß geſichert. — Worfelden ſiegte verdient
in Braunshardt trotz Erſatz im Sturm und
Ab=
wehr, das iſt eine Ueberraſchung. — Nauheim
behielt in Walldorf trotz Halbzeitverluſt das
beſſere Ende. Wolfskehlen erzwang in Trebur
ein Unentſchieden. — Crumſtadt büßte in
Nord=
heim dadurch, daß die Platzelf vier Strafwürfe
einſchoß, einen Punkt ein.
Enttäuſchungen: Man fragt ſich mit
Recht, ob es bei der Bedeutungsloſigkeit des
Spiels notwendig war, daß es in Bickenbach
und Birkenau je drei Platzverweiſe gab? Ein
Bickenbacher (Koradill), zwei Pfungſtädter
(Wenner und Liebig) und drei Hahner.
Zur Lage.
Klärungen hat es keine gegeben. Im
Gegen=
teil, es ſind neue Bewerber vorgetreten.
Feſt=
ſtehen folgende Vereine als Tabellenerſte: Rot=
Weiß Darmſtadt, Heppenheim und Zell, alſo
erſt drei von zehn. Die Bezirksklaſſe Ried
brachte in Worfelden einen neuen Bewerber,
allerdings müſſen noch drei auswärtige Spiele
gewonnen werden. Daß dies möglich iſt, zeigte
der Sieg in Braunshardt. Wir glauben aber,
daß es die Griesheimer Turner ſchaffen. Die
Nordgruppe brachte das Verſagen der Arheilger
Sppgg. 04 und eine ganz große Leiſtung der
Turner. Noch zweimal ſolche Leiſtungen,
da=
heim der Lokalkampf und in Groß=Zimmern,
dann iſt der erſte Platz an keinen Unwürdigen
gefallen.
Kreisklaſſe I: In der Darmſtädter Gruppe
ſcheint Nieder=Ramſtadt das Ren n zu machen.
Dagegen hat das Ried ſeine Tradition
hochge=
halten. Es ſtehen noch ſechs Spiele aus und
vier Vereine haben Ausſicht: Nauheim,
Wall=
dorf, Wallerſtädten und Trebur.
Kreisklaſſe II: Im Norden hat ſich
Drei=
eichenhain eine ausſichtsreiche Stellung erobert.
Es bleibt aber abzuwarten, in welcher Linie
ſich die Leiſtungen des neu hinzugekommenen
FV. Sprendlingen entwickeln. Gruppe 2: Hier
ſtehen Mörfelden und Weiterſtadt in der Spitze.
Ried: Der nächſte Sonntag bringt die
Entſchei=
dung in Crumſtadt gegen Gernsheim (Vorſpiel
4:0 für Crumſtadt).
Sppg. 04 Arheilgen — TV. Arheilgen
0:4 (0:2).
Mit derzeitig ſtärkſter Beſetzung
wurde dieſes wichtige Lokaltreffen beſtritten.
Die Platzelf mit: Anthes; Schmalz, Lücker;
Hahn, Lindenlaub, Fleck; Hahn, Gimbel,
Schä=
fer, Germann, Traßer.
Die Turner: Schmidt; Jakobi, Anthes;
Stein, Becker, Spengler; Weitzel, Götz, Braun,
Weber, Fleck.
Schiedsrichter: Laux=FSV. Frankfurt.
Zu dem Vormittagsſpiel waren über 300
Zuſchauer gekommen. Ein ſcharfer Oſtwind fegte
über den Platz, der die Spieler offenſichtlich
be=
hinderte. Es gab ſteife Finger und daher öfters
Fangfehler und manchen ſchlecht placierten Tor=
Nr. 21
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Montag, 22. Januar 1934
wurf. Lobend ſei vorweg genommen, daß ſich
die Parteien ritterlich vertrugen und man kaum
glauben wollte, daß hier vielleicht der
Tabellen=
erſte entſchieden würde. Die Parteien
began=
nen ſofort ein flüſſiges Feldſpiel. Die Turner
kamen zum Angriff. Der Linksaußen Fled
ſtartete zur Mitte, erhielt dort den Ball und
ſein ſcharfer Schuß in die untere Ecke ſitzt. So
hießt es bereits in der 3. Minute 1:0 für die
Turner. Dieſes Tor gab den Turnern den
An=
ſporn zu ſtetem offenſ: em Spiele bis zum
Schlußpfiff. In der 14. Minute war es wieder
Fleck, der einen unhaltbaren Schuß anbrachte.
Kurz vor der Pauſe hatte ſich Braun am Kreiſe
ſchön freigeſpielt. Sein Wurf wurde jedoch
glän=
zend gehalten. Anfangs der zweiten Hälfte
hatte die Platzelf Pech, denn Traßer ſetzte einen
ſcharfen Schuß an die Latte. In der 10.
Mi=
nute erhöhte Fleck auf 3:0 und in den
Turner=
reihen hörte man ein Aufatmen. Da manche
Spieler, man möchte faſt ſagen, etwas
leicht=
ſinnig ihre Körperkraft einſetzten, gab es in der
Ueberhaſt jetzt einige Zwiſchenfälle bei den
Tur=
nern. Der Hüter verletzte ſich bei einem
ge=
fährlichen Sprung und verließ kurze Zeit das
Feld. Götz konnte nicht wieder weiterſpielen.
Dagegen konnte ſich Schäfer ſpäter bei einem
gewaltigen Satz nicht mehr fangen und ſtürzte
ſo unglücklich, daß man ihn vom Platze tragen
mußte. Feſtgeſtellt ſei hierbei, daß die Unfälle
niemals im Kampf Mann gegen Mann
verur=
ſacht wurden. Hierbei wurde ſtets auf die
Ge=
ſundheit des Gegners geachtet. 8 Minuten vor
Schluß erhöhte Fleck auf 4:0. Faſt hätte Anthes
den Ball noch erwiſcht. Da der Sieg feſtſtand,
drängten die Turner auf höhere Torbeute. Doch
Götz ſchoß die Bälle drüber.
In der Kritik
kommt die Sppgg. 04 nicht gut weg. Der Sturm
ſpielte ſo hilflos und ohne jeden Plan, daß er
kein Tor fertig brachte (zum erſten Male in
der Pflichtrunde). Die Abwehr hatte viel
Ar=
beit und auch noch Glück, da die Turner öfters
Bälle daneben jagten. Zügige Angriffe ſah
man nur bei den Turnern. Weites Flügelſpiel
und gutes Laufvermögen. Die Abwehr war
vorbildlich. Jeder hielt ſeinen Platz, und mochte
die Platzelf ihre Angriffe einleiten wie ſie
wollte, die Turnerabwehr durchſchaute ſie, und
hierin lag vielleicht die Erfolgloſigkeit. Denn
Gimbel, Traßer uſw. ſind doch gewiß auch flinke
Stürmer. Schließlich verſuchten ſie es mit
aus=
ſichtsloſen Fernſchüſſen. Der Schiedsrichter
un=
beirrbar und peinlich genau. Es iſt ſein Ver
dienſt, daß der Lokalkampf am Mühlchen
rei=
bungslos endete. Beide Hüter ſehr gut.
Reſer=
pen 4:1 für die Sppgg. 04.
Tu. Bickenbach — To. Pfungſtadt
3:1 11:1).
Beinahe zehn Jahre ſind es, daß die
Par=
teien Spiele gegeneinander austragen. Um ſo
unverſtändlicher iſt es, wo doch gar nichts auf
dem Spiele ſtand, daß von beiden Seiten der
ſportliche Anſtand ſo maltraitiert wurde. Einen
Bickenbacher und zwei Pfungſtädter ſtellte Nau=
Büttelborn heraus. Hätte er auf jeder Seite
noch drei Spieler nackfolgen laſſen, es wäre
keine Fehlentſcheidung geweſen.
Zum Spielverlauf: Pfungſtadt ſchoß das erſte
Tor durch Strafwurf. Ebenſo holte Bickenbach
den Ausgleich. Das Fehlen Schweickerts im
Bickenbacher Sturm machte ſich ſtark bemerkbar.
Auch der Gäſteſturm war der ſchlechteſte
Mann=
ſchaftsteil. Die Unſportlichkeiten ſteigerten ſich
ſo weit, daß ſich Nau endlich zu Platzverweiſen
entſchloß. Pfungſtadt geriet jetzt mit ſeinen
Mann ins Hintertreffen. Allein Grünig hielt
ſich tapfer.
Tſchft. Griesheim — Bükkelborn
*5
7./ (3:2).
Die Parteien in beſter Aufſtellung.
Gries=
heim, vertrauen auf ſeinen großen Platz und
den guten Spurt der zweiten Hälfte in
Büttel=
born, hatte den Sieg ſchon ſicher geglaubt. Doch
Büttelborn enttäuſchte nach der angenehmen
Seite. Es fand ſich auf dem großen Gelände
bald zurecht. Guter Kampfgeiſt, Eifer und
Lei=
ſtung brachten es zuwege, daß Griesheim faſt
um den Sieg gekommen wäre. Namentlich der
Büttelborner Jungheim zeigte ein großes Spiel=
Griesheim drückte ſofort auf das Tempo und
ſchoß in der erſten Viertelſtunde drei Tore
Dann kam Büttelborn auf und bedrängte die
Abwehr der Platzelf, die mit einem Male
auf=
fallend unſicher wurde. Bis zur Pauſe holten
die Gäſte zwei Treffer auf. Dann hatte
Gries=
heim wieder einen Lichtblick und erhöhte auf
4:2. Aber ᛋ.
in war es eine Zeitlang aus.
Büttelborn zeigte jetzt das beſſere Spiel und
ging nach drei Toren 5:4 in Führung. Schon
wollten Griesheims Zuſchauer verzweifeln, als
8 Minuten vor Schluß doch noch die Wendung
kam. Auf eine Karte konnte nur geſetzt wer
den, und die hieß Sieg. Büttelborn beging den
Fehler, ſich auf das Halten des Ergebniſſes zu
verlegen und verteidigte faſt mit der ganzen
Elf. Griesheim rückte nach, 9 Mann ſtürmten
und ſchafften es mit drei Toren zum 7:5. Ein
recht anſtändiges Spiel, bei dem Büttelborn
einen guten Eindruck hinterließ.
T5V. Braunshardt — Worfelden
3:4 (2:3).
Der Spielverlauf dieſes wichtigen Spieles
ähnelt ſtark dem in Griesheim. Nur mit dem
Unterſchied, daß Worfelden taktiſch richtig ſpielte
und dadurch ſeinen Vorſprung behielt.
Brauns=
hardt reichte nicht im entfernteſten an die
Lei=
ſtungen früherer Spiele heran. So ſchlecht hat
der Sturm ſchon lange nicht mehr geſpielt, und
die Abwehr ließ auch manche Wünſche offen.
Worfelden hatte Erſatz im Sturm (2 Spieler)
und eine neue Abwehr. Doch fügten ſich die
neuen Spieler ſo gut in die Elf ein, daß man
keinen ſchwachen Punkt ſah. Die Gäſte zogen
bald davon und führten 3:0. Bis zur Pauſe
holte Braunshardt zwei Tore auf und erzielte
dann den Ausgleich mit 3:3. Aber damit war
es auch geſchehen. Die Elf fiel gegen Schluß
ſtark ab, Worfelden hielt jedoch durch und
er=
zielte den Siegestreffer, der auf Grund ſeiner
Geſamtleiſtung auch verdient iſt. Ohl=Tgde. 1846
leitete das ordentliche Spiel ſehr gut.
Franklurt steat
ane SeLtenssstantsttaenere.
Das Ergebnis der Bezirks=Endrunde: Frankfurt
1490 P.-Rheinheſſen 1410P.-Main=Rhein 1375 P.
Zunl iehen Male.
* Kunſtturnen! Einſtmals eine „eigene‟ Sache
der DT.=Vereine, denn nur ſchwer gelang es
Intereſſenten zu gewinnen. Heute eine
Ange=
legenheit, die auch ſehr viele „Nicht’turner in
ihren Bann zu ziehen vermag. Dieſe Tatſache
erlebten wir erſt kürzlich bei dem Turnen der
Felſingriege, und ſo war es auch geſtern im
Hippodrom zu Frankfurt a. M. Eine zahlreiche
und begeiſterte Anhängerſchaft, und dieſe nicht
nur aus Frankfurt, nein — überall aus dem
alten Mittelrheingebiet waren ſie
hergekom=
men, um Zeuge dieſes Schluß= und
Abſchieds=
kampfes zu ſein, um ſich noch einmal (in der
Pauſe) die Hände in alter Turnerfreundſchaft
zu drücken. Denn mancher Turnersmann iſt jetzt
durch die Neuordnung in ein anderes Lager
ver=
ſetzt worden, und ſo wurde der Kampf auch zu
einem Schlußſtein für die turneriſche Arbeit
des 9. Kreiſes.
Es iſt 3 Uhr — Trommelwirbel ertönen
Fahneneinmarſch folgt und ſiehe da, im ſchmucken
Weiß — die drei Wettkampfmannſchaften —
ge=
führt von Gaumännerturnwart Martin Ge
hardt.
Kreisführer und DT.=Dietwart Münch=
Frankfurt begrüßt die Vertreter der Behörden
die Führer der Turnerſchaft und nicht zuletzt die
Turner der Bezirke Rhein=Main=Rheinheſſen
und Frankfurt a. M. Seine Worte gipfelten in
dem Bekenntnis, daß die turneriſche Arbeit
Dienſt am Volke, Dienſt am Volkstum ſei, und
das „Gut Heil” galt dem Führer Deutſchlands.
Der Kampf beginnt ...."
Eine halbe Stunde Barrenturnen.
Schon das erſte Gerät zeigte den Anhängern
der heimiſchen Mannſchaft, daß diesmal nicht
der erſte Platz zu erringen war. Nach dem
vier=
ten Mann lag Main=Rh. an dritter Stelle und
der Schlußturner konnte bei der erſten Uebung
auch nichts mehr ändern. Der Kampf am
Bar=
ren ſah Rheinheſſen mit 401 Punkten nach
Frank=
furt mit 408, während Rh.=M. nur 374 Punkte
herausturnen konnte. Benz=Rüſſelsheim brachte
es als einziger Vertreter über 50; er erhielt für
ſeine flott geturnte Uebung 54 P. Dagegen ſahen
wir bei den Frankfurter Turnern 5 Vertreter,
die über die 50 kamen. Hier iſt neben Winter
beſonders Hermann=Bockenheim, der 58
heraus=
holte zu, erwähnen. Er zeigte ein fließendes
Turnen mit den größten Schwierigkeiten.
Rhein=
heſſens Turner konnten mit 4 Wettkämpfern die
50=Punktgrenze überſchreiten, ſo erhielt Göbig=
Mz.=Mombach 55 P.
Nun rollt das Querpferd heran.
Man rechnete mit einem beſſeren Ergebnis, aber
verfehlt. Viele Turner, in allen Mannſchaften,
zeigten nicht das, was man hoffte. Es fehlte gar
oft das fließende Turnen, die ſchwierigen
Ueber=
gänge, und nicht zuletzt gab es manchen
Ver=
ſager. Frankfurt führt weiter mit 820 P. vor
Rheinheſſen mit 791 und MRh. 730 P. Ein
fei=
nes Turnen am Pferd zeigte Ott (Eintracht) mit
ſeinen mannigfaltigen Wanderflanken und
Ueber=
gängen, er brachte es auch mit Mück (Mz.=Mom=
bach) auf 58 P. Unſere Turner ſchafften es nur
mit 50 als „höchſte”, und zwar konnte Groh=Ur
berach dieſe Zahl erringen. Die anderen Sieben
lagen zwiſchen 33 und 49 P.
Eine nette Abwechſelung brachten 50
Turne=
rinnen mit einem flotten Tanzreigen, reicher
Beifall zollte man ihnen und dann kamen
die ... Freiübungen.
Es war eine Pracht, die herrlichen Geſtalten
zu ſehen. Je 4 Turner der Mannſchaften zeigten
eine Ausleſe beſter Kür=Freiübungen. Wie ein
Film rollten die Formen an den Augen vorüber
und alle die Ueberſchläge, Standwagen, Saltos
vor= und rückwärts aufzuzählen, iſt nicht möglich.
Bei dieſem Kampf verſtärkte Frankfurt ſeine
Vormachtſtellung, allerdings muß man die
Rhein=
heſſen auch loben, denn ſie ſchafften 223 P.
zu=
ſammen, dagegen konnte Frankfurt nur 217
her=
ausholen, unſere Vertreter kamen nur auf 201.
Blumenſchein holte ſich dabei 55 Punkte,
Win=
ter=Frankfurt kam auf 57 und der Mombacher
Müller „ſprang” die gleiche Zahl heraus. Der
Schluß rückte heran. Ein Gerät ſtand noch aus..
das Hochreck.
Das Gerät, das den Zuſchauer immer feſſelt,
das von dem Turner den vollen Einſatz ſeines
ganzen Könnens verlangt, das Mut und
Ent=
ſchloſſenheit im höchſten Grade erfordert. Und
vielen, die dieſe Turner an der Reckſtange ſahen,
ſtockte oftmals der Atem. Wundervolle Abgänge,
herrliche Uebergänge, Drehungen, wie man ſie
ſich wünſchte, floſſen ineinander und begeiſterten.
Man war geſpannt, was die Frankfurter zeigen
würden. Nur drei Vertreter der Jahn=Riege
wa=
ren dabei, alſo die anderen fünf mußten beſſer
ſein. Und fürwahr — keiner von dieſen Acht kam
unter 54 Punkte. Ernſt Winter, der Schlußmann
der Frankfurter, erhielt unter toſendem Beifall
die einzigen „60” und er hat ſie ſich verdient mit
ſeinen Salto rückwärts mit einer halben
Dre=
hung. Prachtvoll turnte auch Göbig=Mombach, er
ſchaffte ſich auf 57 herauf. Benz=Rüſſelsheim
ge=
lang es, mit ſeinem Salto 56 zu holen, während
Schneider=Tgſ. und Blumenſchein=Tgde, nur auf
51 kamen, Lüttgemann=Rüſſelsheim turnte 53
heraus.
Mit dem Schlußergebnis von 1490 Punkten
wurde Frankfurt erſter, Rheinheſſen zweiter mit
1410 und Main=Rhein mit 1315 dritter Sieger
Nun noch ein Wort zum Kampf. War unſere
Mannſchaft wirklich ſo ſchlecht, oder ſprechen noch
andere Gründe mit?? Eines muß man ſagen,
bei dem Vorkampf in Darmſtadt ſahen wir
beſ=
ſere Leiſtungen und nicht ſoviel Verſager, ſei es
am Anfang, in der Mitte, oder am Schluſſe der
Uebungen. Und wenn wir noch betrachten, daß
bei der Wertung unſere Leute etwas knapp
ge=
halten wurden, ſo kann man ſich das Ergebnis
erklären. Um einen kleinen Ueberblick zu geben,
wie ſich die Turner gehalten haben, ſo ſind
nach=
ſtehend die Punktekolonnen aufgeführt, jedoch
ohne Freiübung, ſo ſteht Benz=Rüſſelsheim mit
157 P. an der Spitze, ihm folgt Groh=Urberach
mit 150, Blumenſchein=Tgde. 144, Lüttgemann=
Rüſſelsheim 139, Schneider=Tgeſ. 138, Eiſenacher=
Mörfelden 132, Hlienetzky=Langen 132, und
Schwinn=Tgde. mit 120.
—f.
Diesmal kipken wir.
Fußball.
Länderſpiel Belgien — Frankreich 1:3,
Ergeb=
nis 2:3.
Gauliga: Wormatia Worms — Kickers
Offen=
bach 3:2, Ergebnis 6:3. SV. Wiesbaden
Eintracht Frankfurt 1:2, Ergebnis 2:0. V.f.R.
Mannheim — Karlsruher FV. 2:0.
Ergeb=
nis 3:0. 60 München — Schwaben
Augs=
burg 4:1, Ergebnis 3:0. SpVg. Duisburg —
Fortuna Düſſeldorf 3:2, Ergebnis 1:1. V.f.B.
Stuttgart — Stuttgarter Kickers 2:2,
Ergeb=
nis 4:0.
Bezirksklaſſe: Polizei Darmſtadt — Olympia
Lorſch 4:2. Ergebnis 2:0. Starkenburgia
Heppenheim — 98 Darmſtadt 1:3. Ergebnis
1:3. Bürſtadt — FV. Bensheim 5:1,
Ergeb=
nis 4:1. 04 Arheilgen — Germania
Pfung=
ſtadt 2:1, Ergebnis 1:1. Urberach —
Olym=
pia Lampertheim 4:3, Ergebnis 3
Kreisklaſſe: Griesheim — Roßdorf 4:3,
Ergeb=
nis 4:2. Eberſtadt — Mörfelden 3:1,
Ergeb=
nis 1:0.
Handball.
98 Darmſtadt — Herrnsheim 9:6, Ergebnis 10:7.
TV. Lorſch — Rot=Weiß Darmſtadt 3:5,
Er=
gebnis 1:5.
Wir ſind erfreut, daß unſere Beurteilung der
Vereine, insbeſondere in unſerem Bezirk, ſo
weit=
gehende Begründung gefunden hat. Hier hat
kein getipter Sieger enttäuſcht und verloren.
Erfolge des Akademiſchen
Skiklub Darmſtadt.
Otto Holmboe (Akademiſcher Skiklub)
wird mitkeldeutſcher Meiſter.
Trotzdem überall in Deutſchland die
Ski=
rennen abgeſagt wurden, konnte der Gau
XII/XIII im D.S.V. die Läufe des Verbandes
Mitteldeutſcher Skivereine durchführen. Einzig
der Abfahrtslauf für Herren fiel der Witterung
zum Opfer. Der Schnee, der beim Langlauf
faul war durch den während und vor dem
Lauf herrſchenden Regen, wurde durch die in
der Nacht einſetzende Kälte hart und führig.
Am erſten Tag der Gaumeiſterſchaften wurde
der Langlauf ausgetragen. In der Nacht hatte
Föhnſturm und Dauerregen faſt allen Schnee
zerfließen laſſen und es war ſtaunenswert, daß
trotzdem nach mühevollem Suchen es gelang,
eine gute Strecke zu finden. Oft mußten
ſchnee=
freie Wieſen, Steine, Baumſtämme, Bäche
überquert werden. Die erreichten Zeiten ſind
trotz alledem als hervorragend zu bezeichnen.
Erſter im Langlauf Klaſſe 1 wurde W.
Schrö=
der, Schneelaufklub Kaſſel. Erſter in Klaſſe 2
der für Winterſportverein Kaſſel ſtartende
Nor=
weger Saaſtad.
Die Ergebniſſe:
Klaſſe I: 1. W. Schröder, Schneelaufklub
Kaſſel, 1:01.48 Std.: 2. Seyffert Rhönklub
Ffm., 1:02.30; 3. Saetre, Akad. Stiklub
Darm=
ſtadt, 1:03.33; 4. W. Müller, A. S. Dſtdt.,
1:04.04; 8. Günderſen, A.S. Dſtdt., 1:12.06.
Herrenklaſſe II: 1. Saaſtad, WSV. Kaſſel,
0:58:14 Std.: 2. Holmboe, A.S.D., 1:0
13;
3. Oyen, A.S.D., 1:00:28; 5. Magnus, A. S.D.,
1:03.28; 12. Bryde, A. S.D., 1:06.27; 19. Grönke,
A. S. D., 1:10.06: 24. Frank. A. S.D., 1:13.07;
29. Ruhland, A.S.D., 1:16.35; 38. Ligniez,
A. S. D., 1:25.50.
Altersklaſſe I: 1. K. Schmidt, Rhön=Klub
Ffm., 1:02,57. — Altersklaſſe II: 1. E. Kaſſel,
Schneelauf=Klub Kaſſel 1:04.34. —
Alters=
klaſſe III: 1. Gg. Kiefer, SC. Taunus Ffm.,
1:35.32.
Am Samstag wurde der Staffellauf
durch=
geführt. Zu Anfang war die Spur reines Eis
und ſtellte an die Läufer unerhörte
Anforde=
rungen. Später wurde ſie beſſer. Es wurden
auf den 4 Teilſtrecken zu je 10 Km.
ausgezeich=
nete Zeiten erzielt.
Die Ergebniſſe:
1. Winterſportklub Kaſſel: 3:16.22 Std',
mit Brinkmann, Schaumann, Sandrock, Storch.
2. Akad. Skiklub Darmſtadt 3:16.45
Std., mit Müller, Saetre, Magnus, Holmboe,
6. Akad. Skiklub Darmſtadt (2. Mſchft.) mit
Bryde, Grönke, Gunderſen, Ohen. — Der Akad.
Skiklub mußte ſich mit nur 23 Sekunden
ge=
ſchlagen bekennen.
Beſtzeiten auf ihren Strecken liefen:
Brink=
mann, Kaſſel, 49.08: Kropf, Kaſſel, 49.42;
Magnus, ASD., 47.08: Saaſtad, Kaſſel, 45.36.
Damit lief Magnus die zweitbeſte Zeit
Der Sprunglauf
war für Darmſtadt ein voller Erfolg. Die
Schanze war den Schneeverhältniſſen
ent=
ſprechend ſehr gut.
Im Sprunglauf kamen folgende Ergebniſſe:
Herrenklaſſe I (Höchſtnote 360). 1. Magnus,
ASD., (21, 28, 28 Meter) 262,9. —
Herren=
klaſſe II: 1. Lyng. A.S.D., 324,5 (20,5, 29, 29.
Meter); 2. Holmboe, A.S.D., 302,2 (19,5, 26,
37 Meter); 3. Kropf, Kaſſel, 261,9 (16, 22, 25
Meter). — Altersklaſſe II: 1. Kaſſel, Kaſſel.
207,1 (15, 23, 25 Meter). — Jungmannen: 1.
Edelmann, Kaſſel, 242,1 (14,5, 21, 21,5).
Der kombinierte Lauf
brachte zum erſten Male die Mitteldeutſche
Skimeiſterſchaft nach Darmſtadt.
Erſter und Mitteldeutſcher Meiſter wurde
Otto Holmboe, Akad. Skiklub
Darm=
ſtadt, Note 319,85. 2. Saaſtad, Kaſſel,
302,35. 3 Magnus, A.S.D., 282,2. 6. Sgetre.
A. S. D., 257,1.
Der Abfahrtslauf für Damen und Jungmannen
entführte zum erſten Male einen Damenſieg
nach Darmſtadt.
Damen: 1. Frl. Tzſchach, Rhöntlub Ffm.,
1.53 Min.; 2. Frl. Carla Müller, A.S.D.,
2.02 Min.; 3. Frl. Sauer, W. Sp. V. Kaſſel 2.05
Min. — Jungmannen: 1. E. Müller,
Taunus=
klub Ffm., 1.09 Min.
Für die Deutſche Meiſterſchaft wurden auf
Grund ihrer guten Leiſtungen Müller und
Lyng. A. S.D., gemeldet.
Nach Darmſtadt fielen ſomit 10 Preiſe.
Da=
mit hat der Akad. Skiklub erneut bewieſen, daß
er auf großen Veranſtaltungen ganz ſeinen
Mann ſtellt. Bemerkenswert iſt noch, daß Lyng
einen neuen Schanzenrekord aufftellte. FK.
„Vorwärks” Groß=-Zimmern ringt ſich weiker vor!
Polizei Darmft.—„Vorwärks
Groß=Zimmern 6:14.
Zu dem geſtrigen Ringkampf in der Polizei=
Sporthalle gegen Vorwärts Groß=Zimmern hatte
ſich eine recht temperamentvolle Zuſchauermenge
eingefunden. Sie ſah, daß die in der letzten Zeit
erkämpften Erfolge der Vorwärtsſtaffel aus
gu=
tem Grunde entſprungen waren. Polizei
ent=
täuſchte auf manchem Poſten und ließ den früher
oft gerühmten Kampfgeiſt vielfach vermiſſen.
Groß=Zimmern ging durch Herbert, der Becker
unter ſich brachte, in Führung. Im Federgewicht
ſiegte Weidner (Gr.=3.) über den Poliziſten
Keutzer entſcheidend. Fiedler im Leichtgewicht
brachte Uebergewicht, ſo daß Groß=Zimmern
be=
reits auf der Waage 3 Punkte in den Schoß
fie=
len. Im folgenden Freundſchaftskampf wurde
Ohl (Gr.=3.) Punktſieger. Aug. Schanz im
Wel=
tergewicht holte mit einem Schulterſieg über
ſeinen Gegner in der letzten Minute 3 Punkte
für die Polizei. Kaffenberger (Gr.=3.) ſiegte
entſcheidend über Lang=Polizei. Im
Halbſchwer=
gewicht war Lißfeld=Polizei eine Enttäuſchung,
denn er gab die Begegnung nach Punkten an
Reinhardt (Gr.=Z.) ab. Im Schwergewicht legte
Meiſter Siebert=Polizei ſeinen Gegner Danz
(Gr.=3.) auf die Schultern.
vim
Schwugmen.
Tgde. Darmſtadt 1846, Schwimm=Abteilung.
Das Jahr 1934 bringt für die Schwimm=
Abteilung der Tgde, die 25. Wiederkehr
ihres Gründungstages. Mit ihrem erſtmaligen
geſchloſſenen Auftreten im Jahre 1909, das von
nachhaltiger Wirkung war, erfolgte damals auch
die Eröffnung des ſtädtiſchen Hallenbades, das
in dieſem Jahre ebenfalls 25 Jahre der
Oeffent=
lichkeit zugänglich iſt. All dies iſt der Schwimm=
Abteilung Anlaß, dieſes Jubiläum würdig zu
begehen. Für heute, Montag, abends 20,45 Uhr,
iſt nun die Jubiläums=Mannſchaftsjahresver=
ſammlung der Schwimm=Abteilung im
Turn=
haus Woogsplatz angeſetzt, in der Bericht über
das abgelaufene Jahr, ſowie über die
vorge=
ſehene Jubiläumsarbeit erſtattet wird. Alle
Ausübenden der Schwimm=Abteilung und deren
Freunde werden auf dieſe Verſammlung und
de=
ren Pflichtbeſuch nochmals aufmerkſam gemacht.
Für die Wettkampfmannſchaft erfolgt
Neuauf=
ſtellung der Teilnehmer für die nun laufende
Winterrunde.
Winkerfahrt des Gaues Weſt
mark im 29AC.
83 Teilnehmer beteiligten ſich am
Wochen=
ende an der Winterfahrt, die der Gau VI (
Weſt=
mark) des DDAC. gemeinſam mit der
Kraft=
wagengruppe Weſtmark im NSKK. durchführte.
Nach einer Startprüfung wurden die Teilnehmer
am Sonntag früh auf die 194 Kilometer lange
Zuverläſſigkeitsfahrt geſchickt, die von Koblenz
über Boppard, Bernkaſtel, Wittlich zum Nürburg=
Ring führte. Eine Brems= und Anfahrtprüfung
bildeten hier den Abſchluß des Wettbewerbs. Elf
Teilnehmer konnten dabei die „Goldene
Pla=
kette” erringen, und zwar: Klaſſe Ib (
Motor=
räder bis 200 Kbzm.): E. Schuy (Mayen) NSul.
(NSKK.); Zintl (Rüſſelsheim) DKW. (Mot.=
SA.); Loeſch=Koblenz (Imperia), Motor=SA.
Klaſſe IIIa (Wagen bis 1200 Kbzm.): Wieſt=
Darmſtadt (BMW.), Motor=SA. — Klaſſe
IIIb (bis 2000 Kbzm.): Treber=Rüſſelsheim
(Opel), NSKK.; Fink=Ober=Ramſtadt
(Roehr),Motor=SA., Roſenberger=
Darm=
ſtadt (Roehr jr.), Mot.=SA., Meyer=
Darm=
ſtadt (Roehr jr.), Motor=SA.; Dr. Birkenmeyer=
Rüſſelsheim (Opel), Motor=SA., Becker=Ob.=
Ramſtadt (Roehr jr.), Motor=SA. Ferner
erhielten 61 Teilnehmer die Silberne Plakette
und 4 die Bronzene Plakette.
Montag, 22. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt 7 Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 21 — Seite 7
Zuſammenſchlußdes Einzelhandelsim Kreiſe Erbachi. O.
Ein weikerer bedeukender Schritk im berufsſtändiſchen Aufbau.
Die Gründungsverſammlung
in Michelſtadt.
* Auf Einladung des Landesverbandes des Heſſiſchen
Einzel=
handels hatten ſich geſtern mittag in Schmerkers Garten in
Michelſtadt die Vertreter des Einzelhandels des ganzen Kreiſes
zuſammengefunden, um unter Mitwirkung der N.S.=Hago=
Kreis=
führung Erbach den geſamten Einzelhandel des Kreiſes Erbach
zu einer Kreisgruppe zuſammenzuſchließen.
Die ſehr zahlreich beſuchte Verſammlung ſtand unter der
Leitung des Führers des Landesverbandes Herrn Franz
Stapel, der die Tagung mit Worten herzlicher Begrüßung
eröffnete und beſonderen Gruß entbot den Herren Vertreter des
Kreisamts Reg.=Rat Dr. Helmreich, der Hagoleitung Pg.
Preuſch, Vertreter der Hago und der Preſſe. Er warf dann
einen kurzen Rückblick auf die nationale Revolution, die mit
vorangegangenen Bewegungen nicht zu vergleichen iſt, da ſie,
ganz abgeſehen von allem Politiſchen, den ganzen deutſchen
Menſchen auch innerlich umwandelte und alle Gebiete des
öffentlichen Lebens, der Kunſt, Wiſſenſchaft, ebenſo wie der
In=
duſtrie und der Wirtſchaft einſchneidend erfaßt. Freilich,
kom=
mandieren läßt ſich die Wirtſchaft nicht. Sie iſt von zu vielen
Momenten abhängig, ſo daß hier der Umbau und die
Einord=
nung in den neuen Staat nur ſchrittweiſe vor ſich gehen kann.
Am ſchwerſten betroffen wird im Rahmen der Wirtſchaft der
Einzelhandel. Aber auch ſeine Umorganiſation muß erfolgen
und iſt auf dem Wege nach dem Grundſatz Gemeinnutz geht
vor Eigennutz ſich neu zu ordnen. Das darf nicht nur die
Or=
ganiſation erfaſſen, ſondern muß den Menſchen auch geiſtig
erziehen. Der Umbau der Wirtſchaft muß erfolgen, ohne daß auch
nur ein Rad in dem komplizierten Getriebe zerbricht. Es kann
nicht ertragen werden, daß auch nur die geringſten Werte
ver=
loren gehen. Das Tempo des Umbruchs muß der Führung
über=
laſſen bleiben. Viele Wünſche mußten vorerſt zurückgeſtellt
wer=
den das Heer der Arbeitsloſen dürfe und darf nicht vergrößert
werden. Darum mußte auch in der für den Einzelhandel
wich=
tigſten Frage der Warenhaus=Betriebe kurz getreten
wer=
den. Die Bahn wird allerdings freigemacht werden, ſobald es
möglich iſt, das Perſonal im Einzelhandel unterzubringen.
Schwerwiegend war und iſt auch die Frage der
Konſum=
vereine in Verbindung mit den Gewerkſchaften. Außen= und
innenpolitiſche Rückſichten, laſſen ein alsbaldiges Zerſchlagen der
Konſumvereine nicht zu. Trotz allem muß man bekennen, daß
in den wenigen Monaten, die hinter uns liegen, viel auch zum
Schutze des Einzelhandels getan wurde. Erinnert ſei an das
Verbot der Errichtung weiterer Warenhäuſer, Herabſetzung der
Polizeiſtunde für Trinkhallen, Beſchränkung des Andranges zum
Beruf, Herabſetzung des Bar=Rabatts uſw. Alles Dinge, die dem
Schutz des mittelſtändiſchen Einzelhandels dienen. Unter den
früheren Regierungen war das Gegenteil der Fall. Der
Natio=
nalſozialismus ließ ſich den Schutz des Einzelhandels angelegen
ſein, auch in der Erziehung zur Volksgemeinſchaft, zur
Kollegiali=
tät, zur Einigkeit.
Die reſtloſe Beſeitigung des Bar=Rabatts ſcheiterte an der
Tatſache, daß nur 3—4 Verbände von insgeſamt 26—28 ſich
dafür ausſprachen. Es gilt alſo zunächſt einmal Einigkeit in den
eigenen Reihen zu allen wichtigen Fragen zu erreichen. Der
Erfolg wirdlauch im neuen Jahr nicht von ſelbſt kommen. Es
heißt kämpfen und helfen, die Wirtſchaft aufzubauen. Wie auf
politiſchem iſt auch auf wirtſchaftlichem Gebiet Diſziplin und
Einigkeit unerläßlich. Die Zuſammenfaſſung des Einzelhandels
auf geſetzlichem Wege iſt in Preußen bereits durchgeführt. Der
Rhein=Main=Verband arbeitet in gleicher Zielſetzung. Es darf
im berufsſtändiſchen Aufbau niemand abſeits ſtehen. Die heutige
Verſammlung dient der Vorarbeit. Es handelt ſich um keine
Neugründung, ſondern um Vereinfachung der Geſamtorgani=
ſation um Beſeitgung des Nebeneinander= oder gar
Gegen=
einander=Arbeitens.
Der Redner verbreitete ſich dann kurz über die Organiſation
und ihre organiſche Einzelgliederung, die lebendige
Verbunden=
heit mit der kleinſten Gruppe garantiert, von denen der Impuls
ausgehen und nach oben durchſetzen ſoll.
Pg. Preuſch dankte für die Einladung und ſprach
Be=
grüßungsworte namens der NS.=Hago. Er erſuchte die
Anweſen=
den, die Ausführungen des Redners zu beherzigen und nach
Kräften dafür zu werben, daß alle noch Außenſtehende ſich der
Einzelhandelsorganiſation anſchließen.
Auch Regierungsrat Dr. Helmreich begrüßte die
Ver=
ſammlung und ſetzte ſich mit warmen Worten für den
Zuſam=
menſchluß ein, damit auch der Einzelhandel ſich dem großen
Ganzen unter Adolf Hitlers Führung und nach ſeinem Willen
einfügt.
Syndikus Dr. Moeſner=Darmſtadt unterſtrich und
er=
gänzte das Referat des Landesführers. Es fehlt in
Einzel=
handelskreiſen noch vielfach an der Erkenntnis, wohin ſich
orien=
tieren. Es ſei notwendig, daß der Einzelhandel beiden
Or=
ganiſationen, dem Landesverband des Einzelhandels wie der
NS.=Hago, angehören muß. Der Einzelhandelsorganiſation
ob=
liegt die berufspolitiſche und wirtſchaftliche Vertretung, der
NS.=Hago die erziehungs= und ſozialpolitiſche und darüber
hinaus, die Erziehung des Führer=Nachwuchſes in politiſcher
Hinſicht. Es liegt an dieſer Unkenntnis und Unentſchloſſenheit,
daß die Stoßkraft des Einzelhandels nicht ſo ſtark iſt, wie etwa
die des Handwerks u. a. Kreiſe. Mit Recht habe der Vorſitzende
auf die wirtſchaftspolitiſchen Schwierigkeiten hingewieſen, die immer
wieder zur Zurückſtellung brennender Fragen zwang. DieBeſeitigung
der Warenhäuſer bleibe aber nach wie vor Programmpunkt der
Partei, auch wenn die Verwirklichung nur langſam vor ſich gehen
kann. Auch in der Konſumvereinsfrage iſt alles noch im Werden.
Im Laufe dieſes Jahres noch ſind Löſungen zu erwarten. Das
Einzelhandelsſchutzgeſetz hat jetzt ſchon dafür geſorgt, daß keine
neuen Warenhäuſer, keine Einheitspreisgeſchäfte und keine
Filia=
len mehr errichtet werden dürfen. Es bietet auch Gewähr
da=
für, daß in Zukunft nur wirklich geſchulte Kaufleute in den
Be=
ruf des Einzelhandels hineinkommen können. Auch ſonſt hat die
Geſetzgebung manches gebeſſert. Mit dem Erreichten ſind wir
natürlich noch lange nicht zufrieden. Es wird im Intereſſe des
Standes und Berufs weiter gearbeitet, weiter gekämpft werden,
Ausverkäufe. Weiße Wochen uſw. müſſen verſchwinden. Die
Frage des Rabattgebens iſt nicht zufriedenſtellend geregelt. Wir
hoffen, daß das Geſetz nur ein Uebergangsgeſetz bleibt. Im
Grunde muß jede Beſeitigung des Rabatts in irgendeiner Form
gefordert werden. Das Zugabeverbot iſt im weſentlichen erreicht.
Es darf ſich heute ſchon nur noch um Eigenreklame handeln. Auf
dem Gebiete der Steuergeſetzgebung muß noch Vereinfachung
er=
reicht werden. Unſere beſondere Sorge gilt dem kleinen
Ge=
ſchäftsmann, namentlich auf dem Wege der Kreditgewährung.
In bezug auf Buchführung, in Steuer=, Verſicherungs= und
Rechts=
fragen ſteht der Verband durch ſeine Geſchäftsſtelle beratend und
helfend zur Verfügung. Die Fragen des Beamtenhandels, der
Verſandgeſchäfte uſw. werden ſtändig vom Verband geprüft.
Not=
wendig zu allem iſt der enge Zuſammenſchluß aller. Jeder
ein=
zelne muß arbeiten und ſtreben, ſich das Recht auf den Schutz des
Staates zu verdienen. —
Der Führer, Pg. Stapel, reſumierte das Geſagte und
ver=
kündete dann die Gründung der Kreisgruppe Erbach,
die die Ortsgruppen Erbach und Höchſt und alle
Einzelmitglieder des Kreiſes Erbach umfaßt.
Alle anderen Ortsgruppen müſſen der Kreisgruppe beitreten.
Zum Führer der Kreisgruppe Erbach wird Pg. Preuſch
be=
rufen. Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer Adolf
Hitler wird die Verſammlung geſchloſſen. Anmeldungen können
bei den Kreis= oder Ortsgruppen der Hago oder beim Landes=
M. St.
verband in Darmſtadt erfolgen,
F. Eberſtadt, 21. Jan. Von der Vereinsbank. Der
Aufſichtsrat der Vereinsbank Eberſtadt, e. G. m. b. H., ſah ſich zur
Veröffentlichung einer Erklärung veranlaßt, in der darauf
hinge=
wieſen worden iſt, daß die Verhältniſſe bei der Vereinsbank
durchaus einwandfrei und geordnet ſind. Der Aufſichtsrat tritt
mit dieſer Erklärung umlaufenden Gerüchten entgegen und warnt
vor ihrer Weiterverbreitung. Der Aufſichtsrat hat ſich
vorbehal=
ten, in einer außerordentlichen Mitgliederverſammlung, die
dem=
nächſt ſtattfinden ſoll, über einige akut gewordene Fragen
Auf=
klärung zu geben.
Cf. Birkenau, 19. Jan. Ratsſitzung. Die
Jagdverpach=
tung vom 15. d. M. wurde vom Rat nicht genehmigt, da
der=
ſelbe das abgegebene Gebot von 160 RM. für zu niedrig er=
Die
achtet. — Die Grundſtücksverpachtung wurde genehmigt.
Rückſtände der Gemeinde an Forſtverwaltungskoſten ſollen dadurch
abgedeckt werden, daß jährlich zirka 50 Feſtmeter Nutzholz mehr
gefällt werden, welches dem Staat zur Abdeckung der Schuld
be=
laſſen wird. Der Wert dieſer 50 Feſtmeter beläuft ſich auf zirka
1000 RM.
Cf. Birkenau, 19. Jan. Umwandlung der
Konfeſ=
ſionsſchule in Simultanſchule. Heute fand auf dem
Rathaus zu Birkenau unter dem Vorſitz von Herrn Kreisdirektor
Nanz die Abſtimmung über die Umwandlung der hieſigen
konfeſ=
ſionellen Schule in eine Simultanſchule ſtatt. Der Antrag hierzu
war von dem Rat der Gemeinde geſtellt worden. Von den 38
Abſtimmungsberechtigten, wovon 14 der evangeliſchen und 14
der katholiſchen Konfeſſion angehörten ſtimmten 27 für die
Ein=
führung der Simultanſchule. Dieſe Einmütigkeit iſt erfreulich,
da durch die Umwandlung der konfeſſionell getrennten hieſigen
Volksſchule in eine Simultanſchule dem Wunſche des Führers
Rechnung getragen und die Volksgemeinſchaft ein gutes Stück
vorwärts gebracht wurde. Die Erteilung des
Religionsunter=
richts durch die Geiſtlichen beider Konfeſſionen erleidet durch die
Einführung der Simultanſchule keinerlei Beſchränkungen.
Em. Heppenheim a. d. B., 17. Jan. Auf dem Wanderer=
Ehrungsfeſt der Ortsgruppe des Odenwaldklubs wurde die
Weihe und Uebergabe der neuen Standarte vollzogen, die nach
einem Entwurf Herrn Zeichenlehrers Herrmann angefertigt
wurde und in künſtleriſcher Weiſe die Symbole der Heimatſtadt
mit den Symbolen des Klubs und dem Zeichen des neu erwachten
Deutſchlands verbindet. Durch den Vertreter des Hauptausſchuſſes,
Herrn Amtgerichtsrat Becker=Dieburg, konnten 26. Wanderer,
darunter 7 Damen, mit Ehrenzeichen für reges Wandern bedacht
Im großen Saale des Rathauſes wurde in einer
denk=
werden. —
würdigen Sitzung der Verein „Bergſträßer Feſtſpiele in
Heppenheim E. V.” gegründet, der ſich zur Aufgabe macht,
das von unſerem Heimatdichter Hans Holzamer verfaßte
drei=
aktige Freilichtſpiel „Um Stadt und Volk” auf dem alten
Markt=
platz zur Aufführung zu bringen. Die Uraufführung findet am
7. Juni ſtatt. Herr Bürgermeiſter Schiffers wurde zum Führer
des Vereins gewählt.
t Gernsheim, 18. Jan. Anläßlich des 63. Jahrestages der
Gründung des zweiten Reiches durch den Kanzler Bismarck
fan=
den in den hieſigen Schulen entſprechende Feiern ſtatt. In den
Anſprachen wurde auf die Bedeutung des Tages hingewieſen. Die
öffentlichen Gebäude hatten Flaggenſchmuck angelegt. —
Nied=
riger Waſſerſtand des Rheins. Der Rhein zeigt
augen=
blicklich einen ſehr niedrigen Waſſerſtand. Die Schiffe ſind
mei=
ſtens nur mit halber Fracht beladen. Auch ſind bereits Schiffe
an dem ſogen Grund gegenüber dem ſchwarzen Loch”
aufgefah=
ren. Doch gelang es nach mühevoller Arbeit, die Schiffe wieder
flott zu machen. — Bei dem hier geländeten Liebespaar handelt
s ſich um die 18jährige Magda Heinrich=Leiſelheim und den 20 Fritz Walter=Pfeddersheim. Seit 7 Wochen waren ſie
aus Pfeddersheim ſpurlos verſchwunden. Liebeskummer hat die
beiden anſcheinend gemeinſam, durch einen Ledergürtel eng
um=
ſchlungen, in den Tod getrieben.
Dp. Zwingenberg. 20. Jan Gemeinderatsbericht.
Der Stellenplan der Gemeinde Zwingenberg wird genehmigt bis
auf die Feldſchützenſtelle, über welche erſt bei endgültiger Beſetzung
Beſchluß gefaßt werden ſoll. 2. Flüſſigmachung von
Steuerrück=
ſtänden laut einer behördlichen Verfügung und 3. Verminderung
von Steuerrückſtänden. In dieſen beiden Punkten verfährt die
Gemeinde nach dem Vorgehen des Staates. 4. Erhebung einer
DAP. Hierzu
geldlichen Zuwendung an die Kreisſtelle der NS
werden vorerſt monatlich 8.— Mk. zugebilligt. 5. Der Antrag der
landwirtſchaftlichen Schule in Darmſtadt um Bewilligung eines
Zuſchuſſes wird zurückgeſtellt bis zur Klärung der Frage, ob
Zwin=
genberg zur landwirtſchaftlichen Schule Darmſtadt oder
Heppen=
heim in wirtſchaftlicher Hinſicht zählt.
Dem Kampf gegen Hunger und Kälke dienen auch die
diesjährigen Wohlfahrtsbriefmarken! Dank und
Freude der Armſten werden das Ergebnis ſein.
Wer könnke da zurückſtehen, ſie zu kaufen?
Bm. Hofheim (Ried), 20. Jan. Bauernverſammlung.
Nach Vorführung der Fohlen, fand hier im „Kaiſerhof” eine
Bauernverſammlung ſtatt, wobei Landſtallmeiſter Dr. Denker
einen bedeutſamen Vortrag über Pferdehaltung, =pflege und
=Fütterung hielt. Beſonders widmete ſich der Redner der
Pferde=
einfuhr, die nun unter Ausſchaltung der jüdiſchen Händler von der
Bauernkammer durchgeführt wird. Landwirt Friedrich=Nordheim
prach beſonders über Reinzucht und Weideplätze. Die
Verſamm=
lung war gut beſucht und wurde durch den Vorſitzenden des Heſſ.
Pferdezuchtvereins geleitet.
Be. Büttelborn, 18. Januar. Gemeinderat. Laut
Ver=
fügung des Heſſiſchen Kreisamtes ſoll die Gemeinde entſcheiden,
ob ſie das hieſige Volkshaus mit allen Laſten übernehmen will.
Der Gemeinderat ſtellt ſich dieſem ablehnend gegenüber. Der
An=
trag des Pfarramtes wegen Errichtung einer Kleinkinderſchule
in der Gemeinde Büttelborn wird vertagt. Der Gemeinderat hat
ferner den Bürgermeiſter Barthel und den Fraktionsführer Dr.
Haſter beauftragt, mit dem Miniſterium in Verhandlung zu
tre=
ten, daß die Umgehungsſtraße von der Südſeite zur Nordſeite
ver=
legt wird.
Bn. Hirſchhorn, 19. Jan. Auf einer Eisſcholle
ab=
getrieben. Ein aufſehenerregender Vorfall, welcher noch gut
abgelaufen iſt, ereignete ſich dieſer Tage hier auf dem Neckar, als
ſich einige Knaben am Eiſe zu ſchaffen machten. Plötzlich löſte ſich
eine Eisſcholle und trieb mit dem achtjährigen Sohne des Maurers
Wilhelm Walter neckarabwärts. Da kein Nachen zur Stelle war,
konnte dem Jugen zunächſt keine Hilfe gebracht werden. Erſt die
Arbeiter des nahen Steinbruchs, von Weber=Eberbach in der
Krautlache konnten den in Lebensgefahr ſchwebenden Jungen
ret=
ten, indem ſie ihm ein Seil zuwarfen, mit deſſen Hilfe er ſich nach
dem Ufer drücken konnte, um dann auf einem Brett an das Land
zu kommen.
Straßenbahn=-Unſall in Wiesbaden.
Lpd. Wiesbaden, 21. Jan. Am Sonntag abend löſte ſich an
einem von Dotzheim nach der Stadt fahrenden Straßenbahnzug
die Kupplung zwiſchen dem Motorwagen und den beiden
Anhän=
gern. Der Motorwagen fuhr erſt allein weiter; als er zum
Hal=
ten gebracht war, rannten die auf der abſchüſſigen Straße
nach=
rollenden Wagen auf den Motorwagen auf. Von den Perſonen,
die durch den Zuſammenſtoß Verletzungen erlitten hatten, wurden
ſechs nach dem Krankenhaus gebracht,
Mald und Schule.
Von Forſtaſſeſſor H. A. Wilckens=Berlin.
Mit dem „ſchönen deutſchen Wald” pflegt der Städter ſo
etwas wie romantiſche Vorſtellungen zu verbinden. Er denkt
an den angeblich ſchönſten Beruf des Forſtmannes, der nach
ſei=
ner Meinung nur des Wildes wegen da iſt, in ſeinem idylliſchen
Forſthaus mitten im Walde wohnt und ein herrliches
Jäger=
leben führt. Und wenn ein deutſcher Junge einen Grünrock mit
ſeinen Teckeln und der Büchſe auf dem Rücken daherkommen oder
vielleicht einmal vor ſeinem efeuumrankten Forſthaus gemütlich
rauchend ſitzen ſieht, dann lockt es ihn jedesmal. Jäger und
Forſt=
mann zu werden. Der Städter denkt weiter an Picknick und
Sonntagnachmittags=Spaziergänge und ſieht draußen doch den
Wald vor Bäumen nicht. Einige Lieder über Wald und wilde
Jägerei fallen ihm ein, und Kinder und dem zarten Geſchlecht
über=
kommt bei dem Gedanken, im Walde etwa von der Nacht
über=
raſcht zu werden, immer ein gewiſſes Gruſeln.
In den Wald treibt es die Menſchen wie zu einer ewigen
Pilgerfahrt, und es iſt beſonders die Jugend, die ſich immer
wie=
der zu Wald und Waſſer hingezogen fühlt. Iſt es dann nicht
ſelt=
ſam, daß man dieſer Jugend in den Schulen niemals etwas
ge=
ſagt hat über den Wald, woher er kommt, wie er entſteht, was er
bedeutet? Es wird wohl Heimatkunde=Unterricht getrieben und
es werden dabei die Namen von Städten, Seen, Flüſſen
ge=
paukt. Denkmäler genannt und Zahlen auswendig gelernt, aber
von ſolchen Fragen über den Wald, die der Jugend viel näher
liegen, hören ſie nichts. Iſt es denn gar ſo wichtig, vom Walde
etwas zu wiſſen? Sicherlich, denn von da aus, wo es die Jugend
gefühlsmäßig am meiſten zieht, ſoll man beginnen, ihr die Augen
für die Heimat zu öffnen, um damit Heimat= und
Vaterlands=
liebe zu erwecken. Ein ſchöner und dankbarer Aufgabenkreis für
die Schule. Und gehen wir beſonders aufs Dorf. Denn hier wird
die Schule auch von Söhnen der Beſitzer kleinerer
landwirtſchaft=
licher Betriebe beſucht, die ſpäter mit Antritt des väterlichen
Erbes auch oft einen kleinen Waldbeſitz übernehmen. Iſt aber
das Verſtändnis für die Waldwirtſchaft bereits auf der
Schul=
bank ganz allgemein wachgerufen, ſo wird auch ſpäter der
Forſt=
betrieb nicht vernachläſſigt. Wird den Schülern in der Schule
an=
ſchaulich dargeſtellt, daß das Holz als Erzeugnis des Waldes
immer der uralte Begleiter menſchlicher Siedlung geweſen iſt,
daß die Erhaltung des Waldes als wertvolles Kulturgut
unlös=
bar mit der Verwertung des Holzes als Werk= und Bauſtoff
verbunden iſt, dann wird jeder Waldbeſitzer und Bauer nicht nur
ſein Holz zu ſchlagen, ſondern auch zu pflegen verſtehen und
be=
ſtrebt ſein, ſtatt Eiſen und Eiſenbeton möglichſt viel Holz im
eigenen Betriebe zu verwerten.
Nun ſetze ſich der Dorfſchulmeiſter beileibe nicht hin, um mit
großem Eifer Forſtwirtſchaft aus Büchern zu pauken. Er halte
mit ſeinem benachbarten Förſter gute Freundſchaft, laſſe ſich von
ihm erzählen und übertrage das dann in die Bilderſprache für
ſeine Kinder. Er ziehe dann alljährlich mit ſeiner Schuljugend
hinaus in den Wald und gebe dort ſeinen kleinen aufmerkſamen
Hörern ein anſchauliches Bild von dem Wachſen und Werden der
Wälder von der Kulturzeit und der Verjüngung der Beſtände
durch Pflanzung und Saat. Er zeige wie der Forſtmann
er=
ziehend in die Beſtände eingreifen und die ſchlechteren Stämme
zu=
gunſten des wertvollen Materials herausnehmen muß. Es wird
auch hier nicht auf Maſſe, ſondern auf Hochwertigkeit gezüchtet,
Auf die großen Schäden, die dem Wald durch Streunutzung
er=
wachſen, weiſt der Lehrer an Hand von Beiſpielen hin und im
Zuſammenhang damit wird der Kreislauf der Nährſtoffe
er=
läutert. Der Forſtſchutz findet eine beſondere Würdigung. Die
großen Raupenplagen, die ſchon ganze Wälder vernichtet haben,
werden anſchaulich dargeſtellt und beſonders der Vogelſchutz und
die Bedeutung der Vogelwelt für die Vertilgung forſtſchädlicher
Inſekten beſprochen. Wenn die Kinder wiſſen, daß ein
Meiſen=
paar mit Jungen jährlich 1½ Zentner Schädlinge vertilgt,
ſ=
zollen ſie dieſen kleinen Tierchen beſondere Hochachtung. Jeder
Schüler erkennt damit, daß die Zerſtörung von Vogelneſtern, das
Ausnehmen der Eier ein großer Unfug iſt, eine Schädigung des
Waldes bedeutet und das ganze Landſchaftsbild gefährdet. Und
hier macht der Lehrer ebenfalls darauf aufmerkſam, daß auch die
Waldameiſen als beſondere Beſchützer des Waldes gelten, da auch
ſie ungeheure Mengen von Raupen und ſonſtigen forſtſchädlichen
Inſekten vertilgen und ganze Beſtände verſchiedentlich ſchon vom
Kohlfraß verſchonen konnten. Daß es daher eine frevelhafte
An=
jren, wird
gewohnheit iſt, die Ammeiſenneſter willkürlich zu z
ſie
Wald=
den Schülern hierdurch eindringlich klar gemacht,
brandgefahr kann den Schülern als ein ſo furchtbares und
grau=
ſames Ereignis für alles Waldgetier und auch für die am Walde
gelegenen menſchlichen Siedlungen hingeſtellt werden, daß dieſe
Erzählungen für immer im Gedächtnis der aufmerkſamen Zuhörer
haften bleiben und allzeit ihre praktiſche Wirkung tun.
So lernen die Kinder beobachten, die Natur ſehen, und ſie
gewinnen lebendige Eindrücke von dem großen Leben und
Trei=
ben in der Tier= und Pflanzenwelt. Sie ſehen die Heimat mit
verſtändnisvollen Augen und heimatfrohem Herzen. Sie lernen
ihr Vaterland lieben.
Rundfunk=Programme.
14.30
18.25:
21.45:
22.20:
2.
B:
9.00:
9.40
10.10.
10.50
11.35.
11.45:
15.00;
15.45.
16.00
17.00:
17.20:
18.05:
18.25:
19.00:
19.30:
20.05:
21.00:
21.45:
A.30
23.00:
Frankfurt: Montag, 22. Januar
10.30: Nur Trier: Eigene Sendung.
Nur Kaſſel: Nachrichten.
14.40: Lieder aus dem deutſchen Mittelalter.
16.00: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters:
17.45: Kaſſel: Dr. Kiſſin: Die Brüder Grimm u. d. dtſch. Gedanke,
18.00: Stuttgart: Stunde der Jugend: Karl Maſt erzählt von Haiti
und einem dort erlebten Wirbelſturm.
Stuttgart: Franzöſiſcher Sprachunterricht.
19.00: Bunter Abend. Gemeinſchaftsſendung
Frankfurt=Köhn. Das
Marſchpotpourri des Südweſtfunks. — Allerlei Volksmuſik,
20.00: Griff ins Heute.
20.10: Stuttgart: Feſtkonzert. Singchor d. Württ. Staatstheater,
21.00: München: Beethoven: 6. Sinfonie F=Dur op. 68, Paſtorale.
Ausf.: Das Funkorcheſter. Ltg.: Prof. Pfitzner.
Dr. Rüdiger: Deutſche Gegenwart u. klaſſiſches Altertum.
Wee
rlin: Die deutſchen Winterkampfſpiele 1934 u. ihr Schaupl.
5: Karlsruhe: Kleine Unterhaltung.
Beethoven: Klavierſonaten.
24.00: Köln; Schallplatten: Robert Schumann.
Königswuſterhauſen.
Deutſchlandſender: Montag, 22. Januar
Schulfunk: Zwoa Brettln, a gführiger Schnee. Jungvolk
m den Bergen.
Friedrich Kipp: Die luſtigen Jägerſtreiche des tollen Romberg,
Schulfunk: Dort unten im der Mühle. Hörfolge.
Schulfunk: Turn= und Sportſtunde: Boxen.
Dr. Heſmer: Die deutſchen Wälder in urgerm. Zeit.
Zeitfunk.
lünſtleriſche Handarbeiten: Das ſelbſtgehäkelte Wollkoſtüm.
Bücherſtunde: Moeller v. d. Bruck: Die Deutſchen, (8. Bände.)
Stuttgart: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters.
Das Kameradſchaftsheim, die neue ſtudentiſche Erziehungsform
Zeitfunk. — 17.30: Tänze aus Spanien u. Ungarn.
Jugendſportſtunde: Kurt Schmidt und Sportarzt Dr.
Lotter=
oſer ſprechen.
A
uf Kulturpfaden durch Bulgarien. Zwiegeſpräch.
Gemeinſchaftsſendung Frankfurt—Köln; Bunter Abend. De=
Marſchpotpourri des Südweſtfunks.
Allerlei Volksmuſik. — 20.00: Kernſpruch.
Kamrad Student. Ein fröhlicher Heimabend.
München: 6. Sinfonie. Das Funkorcheſter. Dir.: Pfitzner,
Vor den Bergen, Gedichte von Julius Zerzer.
Pg. Klagges: Die deutſchen Winterkampſſpiele 1934 und ihr
Schauplatz.
Frankfurt: Aus dem kammermuſikal. Schaffen Beethovens=
Wekterbericht.
Ausſichten für Dienstag, den 23. Januar: Im weſentlichen
noch Fortdauer der Wetterlage.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve.
erantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe;
Auslan
Sport: Karl Böhmann; fü
Rt
C. 6. Quetſch” für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; h.
„Die
: D.
degenwar
gel in Bild ur
Wort: Dr. Herbert Nette; für den Anzei
igen=
Be
teilund geſchiſtliſche
zilungen: Willy Kuhle, ſämtl. in Darmſtadt. D. A. XII. 23362,
Druck und Verlag: L. C. Wittich, Darmſtadt, Rheinſtraße 23.
Für unverlangte Manuſkripte wird. Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 8 Seiten,
[ ← ][ ]Seite 8 — Nr. 21
Copyright by Verlag Alfred Bechtbold, Braunſchweig.
(Nachdruck verboten).
13.
„Das Riſiko möchte ich nicht auf mich nehmen”, erwidert der
Apo=
theker kleinlaut.
„Ich wär gar nicht abgeneigt, eine Verlobung heute abend zu feiern.
Alſo nur gewagt, dem Mutigen gehört die Welt!‟ Der Baſaltkönig
lächelt Liſa zu.
Nein, nein”, wehrt Schmitz ab. „Jugend gehört zu Jugend, das iſt
geſetzmäßig!"
Liſa geht lachend aus dem Zimmer in den Saal. Sie hat heute
abend alle Hände voll zu tun.
Ubrigens iſt da eine ſchon ältere Dame in meiner Nachbarſchaft”
beginnt der Apotheker wieder, „auch Junggeſelle wie ich, ha, ha, Jungfrau
iſt ſie, ja, ja. Wir verkehren eigentlich ſchon ſeit Jahren miteinander,
wenn auch nur auf weite Diſtanz. Wir ſtehen faſt immer gleichzeitig am
Fenſter. Neulich hatte uns da ein kleiner Junge beobachtet, er mochte
zehn oder zwölf Jahre alt ſein. Wiſſen die Herren, was der Bengel
ge=
ſagt hat?"
Alle ſehen ihn geſpannt an.
„Fauſt und Gretchen hat er geſagt. Ja, ja.”
Schallendes Gelächter ſetzt ein.
„Aber ich glaube, ſie iſt nur verſeſſen auf meinen Garten”, fährt der
Apotheker fort, „und ſie betrachtet mich wohl nur als eine karge Mitgift
dieſes meines Gartens. Wenn es ſich um ſolche Feſtſtellungen handelt
von dieſer oder ähnlicher Art, ſo bin ich, ich will nicht ſagen raffiniert,
aber ſehr feinfühlig und feinhörig. Es lauert faſt immer etwas im
Hinter=
halt, wenn Damen mit unzähligen Semeſtern noch einen Platz auf der
Fakultät des Gottes Amor belegen wollen!
Nun läßt ſogar der lange Geiben zum erſtenmal an dieſem Abend
als Beifallszeichen ſein „hä, hä, hä” hören.
Draußen vor dem Gaſthaus fahren eine Menge Taxis vor, die aus
dem nahen Rheintal kommen. Die Reiſegeſellſchaft trifft Anſtalten, in
ihre Hotels zurückzufahren. Viele Yankees ſind ſchwach auf den Beinen
In die nächtliche Stille des Dorfes tönt die Muſik des Sternenbanners.
Noch immer liegt Günter Brabeck auf dem Balkon. Er zieht einen
weißen Wollſchal enger um Schultern und Hals, denn die Nacht iſt friſch
und kühl. Auf dem Weiher liegt dünner milchiger Nebel, aus dem Walde
dringt der ſchaurige Ruf einer Eule an ſein Ohr.
Er erwacht aus ſeinem Sinnen, als aus einem Zimmer des gleichen
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Stockwerks Licht in das Dunkel dringt. Ein Fenſter wird geöffnet. Hinter
blauen und roten Blumen, die in Käſten auf der Fenſterbank wachſen,
ſteht im Lampenſchein Liſa. Nur der Kopf und die Bruſt ſind ſichtbar.
Jetzt ſieht ſie ihn, auch er erkennt ſie.
In dem Lokal iſt es ſtill.
Alle Bewohner des Hauſes ſind zur Ruhe gegangen.
Nur zwei Menſchen flieht der Schlaf. . .
Sie ſind ſich beide ſo nahe, und doch ſo fern.
Günter Brabeck ſieht, wie Liſa ihre Hände auf die Bruſt drückt.
„Sie beugt ſich, als küſſe ſie die Blumen. Nun iſt ſie fort, geräuſchlos
ſchließt ſich das Fenſter.
Nach einer kleinen Weile verlöſcht das Licht
Alles iſt dunkel. Der weiße Nebel auf dem Weiher kriecht über die
Ufer, ſchleicht langſam dahin und füllt das Tal.
Es iſt weit nach Mitternacht, als Günter Brabeck ſich von der Veranda
in ſein Zimmer begibt. Er ſetzt ſich auf das Sofa und ſetzt eine Zigarette
in Brand. Die Tiſchlampe wirft einen traulichen Schein in den Raum.
Vor ihm liegt eine Autokarte und ein Notizblock. Er hat die Abſicht,
mit ſeinem Wagen eine Tagesreiſe in die nähere und weitere Umgebung
zu unternehmen. Die bedeutendſten Plätze, die er beſuchen will, ſind
auf=
gezeichnet.
Er überdenkt noch einmal den Reiſeplan. Über Nauheim, Bad
Hom=
burg vor der Höhe, Wiesbaden und zurück über Rüdesheim ſoll die Fahrt
gehen. Es iſt ſonderbar, daß ihm ſeine Phantaſie ſtets das Bild
vor=
zaubert, Liſa ſitzt neben ihm im Auto als ſeine Reiſebegleiterin.
Er iſt nicht der Menſch, der einen erfüllbaren Wunſch außer acht läßt.
Gut, er wird Fräulein Liſa einladen, mit ihm zu fahren. Er iſt überzeugt,
daß ſeine Bitte nicht abſchlägig beſchieden wird.
Nun nimmt er den Block, reißt das obere Blatt ab und legt es vor
ſich auf den Tiſch. Er hat augenblicklich das Bedürfnis, alles, was ihn
in den letzten Stunden bewegte, niederzuſchreiben. Schon beugt er ſich
vor und beginnt:
Es iſt 1.30 Uhr nachts, am 12. Juni 1932. Seit einer Stunde weiß
ich, daß ich Liſa Dingkela liebe.
Ehe ich hier eintraf, wußte ich nicht, was Liebe iſt. Ich habe, ſeitdem
ich erwachſen bin, ſtets verſucht, auf pſychologiſcher und wiſſenſchaftlicher
Grundlage dem gefühlsmäßigen Weſen jenes ſeeliſchen Zuſtandes
nahe=
zukommen, das man Liebe nennt. Jetzt erſt erkenne ich, daß ich bis dahin
nichts um das große Myſterium der Liebe wußte. Ich ſtaune über mich
ſelbſt, denn das berauſchende und überaus glückliche Gefühl, das mein
Inneres durchſtrömt, iſt mir ein ſolch überraſchendes koſtbares Geſchen!
des Schickſals, daß ich wie vor einem Wunder ſtehe.
Iſt es Zufall, daß ich ahnungslos gerade an dieſem Platz Erholung
und Ruhe ſuchte? Ich glaube nein. Iſt es nicht vielmehr herrlich, zu
denken, daß unſere Schritte immer und ewig gelenkt werden — daß ſich
gleichgeſtimmte, gleichfühlende harmoniſche Mächte, verankert im tiefſten
Grunde der menſchlichen Seele, anziehen und beleben wie die Sonne
die Natur? —
Montag, 22. Januar 1934
Die große Tragik meiner Vergangenheit hat mir meine impulſive
Natur geraubt, ich ſuche nur das Ewige, Wertbeſtändige, Gute und
Schöne. . . So habe ich nun trotz meines Glückes die Sorge und Bange,
dieſes große und tiefe Gefühl nicht auf jene Höhenpfade leiten zu können,
wo es nur mehr Licht und keine Schatten mehr gibt, denn die Schwere
meines Gemütes lehrt mich auch den Ernſt dieſer wahren Liebe nicht
überſehen.
Aber ich will nicht weiterdenken, die Zukunft überlaſſe ich dem
Schick=
ſal. So wird alles, wie ich hoffe, ſich zum Beſten wenden.
Ich habe Liſa in den erſten Tagen kaum beachtet. Wohl fand ich,
daß ſie ſchön ſei, aber ſchöne Frauen gibt es viele, zumal in meiner
filmiſchen Umgebung, ſo daß eine einzelne durch ſolcherlei körperliche
Vorzüge kaum meine Bewunderung erwecken kann. Zuerſt ſah ich ihre
Geſtalt ohne jeglichen Makel, ich dachte, ein großer Künſtler, ein
Bild=
hauer oder Maler, würde ſie als Modell wünſchen. Dann feſſelten mich
plötzlich ihr Gang und ihre Haltung. Sie hat etwas Königliches an ſich
wenn ſie ſich bewegt. Der Glanz und die Reinheit ihrer Augen bezeugen,
daß ſie des Weibes koſtbarſten Beſitz unantaſtbar im Innern ihres
Her=
zens verſchloſſen gehalten hat. Ich finde es ganz natürlich, daß mich vieles
auf ſie aufmerkſam machte, nur iſt es mir unerklärlich, wie eine Jungfrau
in dieſen Verhältniſſen ſich zu ſolcher Schönheit und Grazie entfalten
konnte.
Ich habe unzählige Male von einer Vertrauten, von einer Kameradin
meines Lebens geträumt. Nie hätte ich geglaubt, daß das weibliche Weſen,
wie es meine Phantaſie ſchuf, mir jemals begegnen würde. Liſa iſt ſtärker,
viel ſtärker als meine Phantaſie.
Als ich heute nachmittag mit ihr ausging, konnte ich mir die Unruhe
erklären, die mich am frühen Morgen bis zum Mittag ergriffen hatte.
In mir drängte alles zu dem Augenblick, einmal mit ihr allein zu ſein.
Was wir geſprochen haben, war ſehr oberflächlich, ich kann mich nur mehr
an weniges erinnern. Sie ſagte einmal, daß ſie mit einem Menſchen,
den ſie gern habe, allein auf einer einſamen Inſel ihr Leben verbringen
könnte. Das war aus der Tiefe ihrer Seele geſprochen. Als ich ſie in
meinen Armen hielt, wußte ich, daß wir beide auf dieſer Welt verbunden
ſind. Ich war nie ſo glücklich als in jenen Minuten, denn ich fühlte, daß
ſie mich liebt, daß ihr Herz in Güte und Wärme für mich ſchlägt.
Geſtern unterhieltenwiruns angeregt über Kenntniſſe und rethoriſche
Fähigkeiten, wie ſie über die ſchwierigſten künſtleriſchen Probleme mit
mir diskutierte.
Als wir vom Film ſprachen, ſagte ſie mir ganz offenherzig, daß fie
ſich ſeit Jahren in erſter Linie nur für die Filme intereſſiere, die unter der
Regie Norberts Staufs geſchaffen würden. Ich glaube, ich bin ein wenig
nervös geworden. Auch Geiben, ihr Pate, durch deſſen Güte und
Wohl=
wollen ſie alle hervorragenden Filme zu ſehen bekomme, habe geſ gt,
daß zur Zeit kein Regiſſeur der Welt an Stauf heranreichen könn. . Ich
mußte lächeln, und gerade ihr Urteil hat mich mehr erfreut als die beſten
Kritiken in den bedeutendſten Blättern. Nun warte ſie auf die
Auf=
führung des Tonfilms „Menſchen in Not”, der bereits von der
Welt=
preſſe angekündigt worden ſei.
(Fortſetzung folgt.)
folgende
Te
A
Hent
Bis
eiter
es
Der ganz große Erfolg
Kans Westmar
Einer von Vielen.
Ein deutsches Schicksal aus
dem Jahre 1929, nach dem
Buch:
Korst Wessel
von H. H. Ewers.
Jugendliche haben Zutritt.
Das große Filmlustspiel
Die Sonne geht auf
(Schön ist jeder Tag.
den Du wir schenkst
Marie Luise)
Hauptdarsteller:
Charles Kullmann, Reva
Holsey, Fritz Kampers u. v. a.
Jugendliche haben Zutritt.
Nur noch wenige Tage
Den preisgekrönten Film
des Jahres 1935;
Grün ist die Heide
ein echter deutscher
Heimattilm nach Motiven
von Hermann Löns.
Hauptdarsteller:
Camilla Spira, Theodor Loos,
Peter Voss. (V974
Jugendliche haben Zutritt.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr
Feine Molkerei-
Süßrakm-Butter
Ffund nur noch Rll. 1.38
994
empfiehlt
Tacob Becken
Ernst-Ludwigstraße 20 Fernruf 1883
Lieferg. a. Wunsch frei Haus Darmstadt
„Runst im Kandwerk
am Ludwigsplatz 415-
Neuankertigung in Gold
und Sieder.
Die 20 Schllerseer
ORPHEUMSMUhr
Heute Montag und folg. Tage
Unbeschreiblicher Lacherfolg
Die Dachserin
Die köstl Geschichte aus den.
Nachlaß v. Dr. Ludwig Thoma
Alles will die Dachserin
sehen!
Karten: Verk.-Büro, de Waal,
Preise von 60 + an.
Wissenschaftlich studiertes
K4
Handlesen
der im In- und Ausland berühmten
Meister-Psvcho-Chirologin vor
Weltruf. Frau Dir. Schaefer.
Baden Baden—Stuttgart. 18jährig
Praxis, 75000 Hände geprüft.
Aus-
kunft in allen Lebensfragen für
Damen u. Herren. Sprechst. 2-7 Uhr
eter-Gemeinderstr. 6, I., Vdh. (374z
Beuasttausmtatkt
Seeheim",
Sank
OMaunk
Tanzab 8 Uhrig
Voranzeige! Der große Maskenball
(925
Samstag, 3. Februar.
Die erste Pflicht-
Dein Augenlicht!
(a Optißer
Mäi.
Spaethe
A. Schuchardstr. 11.
„Prinz Karl”
Ecke Schul= und
Karlſtraße. (a
Montag, 22. 1.:
rühlingsſuppe
Rindsroulade,
Salzkartoffeln.
(Kein Trinkzw.)
70 %, Abo. 65.5.
Neuer Inhaber
Scharf. langjähr.
Küchenchef,
und Frau.
NÜM 3 TAGE
Das Schicksaleines ſpäten
Heimkehrers aus dem
Weltkriege
EIN MANN
kommt nach Deutschland
kommt zu seiner Fabrik
kommt zu seiner Frau
kommt zu seinem Kind
man kennt ihn nicht —
oder will man ihn nicht
(99
kennen ??
Werner Kraus
Haria Bard in
MENSCH
OHNE HRHEN
Hertha Thiele — Helene
Thimig — 1 Falkenstein
Holzhofallee 27
Fernruf 4788 u. 2039
Bekanntmachungen
des Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Kinderpullover,
Damenfahrrad. 1
Nickelarmband=
uhr, 49 einzelne Handſchuhe, 5
Paar Handſchuhe, 1
Herrenman=
tel, 3 Bund Schlüſſel, 4
Damen=
gürtel, 1 Zange, 1 Mütze, 1 Wachs
tuch, 1 Peitſche, 1 weiße Schürze,
1 Zwicker, 1 Holzgeſtell, 1 Tüte
mit Holzperlen, 5 Marktnetze, 7
Flicklappen, 1 Damenſchirm, 1
Herrenſchirm, 1 Schal, 1
Kinder=
ſchürze, 1 Hakenkreuzabzeichen.
Zugelaufen: 1 Seidenpinſcher,
1 Schäferhündin.
eines
Inventur-Verkaufs
ist eine ordentliche Räumung mit den
Lager-
beständen und die ist nur durch umfangreiche
Preisreduzierungen zu erreichen! Darum finder
Sie bei gewohnt aufmerksamer Bedienung im
Fachgeschäft Handschuh-Hauptmann die
be-
kannten Lagerqualitäten zu so vorteilhaften
Preisen wie diese:
Leder-Imit.-Handschuhe . . . . ab Mk. 0.75
Glage-Handschuhe . . . . . . ab Mk. 2.59
Oberhemden . . . . . . . . ab Mk. 3.95
Selbstbinder in schönen Mustern ab Mk. 0.75
Damen-Hemdhosen ganz
bedeu-
terd zurückgesetzt . . . . ab Mk. 0.95
Camen-Strümpfe, anerkannt gute Qualitäten
in allen Preislagen.
Handschahr
HauptmanR
Das alte Darrnstädter Fachgeschäf
am Ludwigsplatz 2 s5e
Analle Hausbesitzer und Mieter!
Für die Elektro-Front, Ortsgruppe Darmſtadt
werden Sle in dieſen Tagen von Werbe-
Fach=
leuten beſucht. Viele Wohnungen, Treppen.
häuſer und andere Räurnlichkelten ſind noch
nicht inſtalllert, alte Anlagen müſſen überholt
werden, Laſſen Sle lich Vorſchläge unterbrelter
und nutzen Sie den Reichszuſchuß aus
welcher bis zu/, des Geſamtbetrages gewährt
wird. Unterſtützen Sie das Arbeltsprograrmn
unſerer Regierung, indem Sie Aufträge erteilen.
der vereinlgten Elektro-
Die Elektro-Front installsteune Darmstad
958
Fahrradreiſen
BENZ
Grafenstr. 20
Stühle
werden von 1 geflochten.
Arbeit wird
ab=
geholt. Pfleger,
Fuhrmannſtr. 10,
I. lks., Hinterhs.
lig Schuh=
BiMtsreparatur
Nicklas.
Gervi=
nusſtr. 69, Ecke
Roßdörferſtr. (a
R
A
Eliſabethenſtr. 29
2gr. Räume für
Praxis, Büro od.
Einzelmieter per
Februar z1
vermieten. Näh.
I., rechts 10—1.
und 3—4 Uhr. ſa
Kleine, helle
Werkſtatt
zu miet. geſucht.
Off. E. 194 Gſch.
Mauerſtr. 15
möbl. Zimmer
zu vermieten.
Wohnungs=
Nachweis
Eliſabethenſtr. 30
H. 1. St., f.
Haus=
beſitzer. Vermiet.
u. Mieter günſtig
fabrikneue (e
Nähmaſchinen (Adler) 22 ℳ.
Gütting
Schucharbſtr. 10.
196)
jueldbeeg jeisuefneuos e11ig
21 18-Jepuleuleo-leled
1OMOSS
SUDSRM IeplelelelA
vejuuegegziemsleid ininß
sie jelssun mnegulg unz
Stneyten-ntuenu
sep ebel de ziel eip eis ueznueg
Marienbad
Wannen-, Kur- und Heilbäder. Spez.
Massage (Ischias, Nerven-Punkt-Massage)
streng individuelle Behandlung. Fachärztliche
Anerkennung.
Alle Krankenkassen zugelassen.
a den heutigen sanitären Verhältnissen
ent-
sprechende Behandlungs- und Ruhe-
Aufent-
haltsräume.
9a
Geöffnet täglich von 8—20 Uhr.
Landgr.-Phil.-Anl. 62 — Tel. 3488- Inh. Ludwig
ehem. lang. Masseur a. d. U-iv Kin. Heidelberg
Pefstermöbef
Oabalten
Sapezieanbeilen,
„) Dekoralionen
A
C.HERBER
ouisenstr. 36. Telefon: 1916
Stabiles Marken=
Damen=Fahrrad
billig abzugeb.
Eliſabethenütr. 35 r.
Weg. vollſt.
Um=
bau von
Lager=
räumlichk. ſollen
Speiſe=,
Herren=
u. Schlafzi. ſow
großer Poſten
Küchen bill. ver
kauft werden. (a
Möbel=Klohe,
Mädchenrad
Damenrad 20
Döngesborn=
gaſſe 3.
OL imgorige
,
WFULHuniel gegen
Kopfschmerzen,„Migräns
Br-un Lonnndnnnnndnnn.
hagen und Schmerzzustände. Seit
Jahrzehnten behauplet sich Citrovanille
Elektr. automat. Treppenhausbe= dank seiner enerkannt roschen und mildel
Wirkung. Stets bekömmlich - unschädlich
leuchtung. Klingel= u.
Türöffner=
für Herz und Magen. Sie sollten deshalk
Anlagen z u äußerſt günſt. Preiſen / das bowährte Citrovanilie immer zur Hand
inſtalliert
24a
haben. Erhältlich in allen Apolhaken.
Val. Niebes, Arheilgerſtraße 31, 8 Rücer- oder 12 Oblden-Pckg. RM 1.10.
Tel. 11718. (Auch daf. Reichszuſchuß