Darmstädter Tagblatt 1934


11. Januar 1934

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Einzelnummer 10 Pfennlge

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Nummer 10
Donnerstag, den 11. Januar 1934. 197. Jahrgang

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Beutfces Sclafhr an dei Saut.
Wilkürregimenk der Saargrubenverwalkung: Deutſche Bergleute mit Fran und Kindern vor die Wahl geſtellt,
enkweder zu hungern oder ihr Baterland zu verraken.

Der franzöſiſche Schulkerror.
Die Saarregierung ſucht ſich reinzuwaſchen.
dsk. Saarbrücken, 10. Januar.
Die Saarregierungs=Kommiſſion hat den ſaar=
ländiſchen
Zeitungen ſchon wieder eine umfangreiche Auflage=
meldung
zugehen laſſen, die ihre Stellungnahme zu
der Denkſchrift der Deutſchen Front und der
Deutſchen Gewerkſchaftsfront über den fran=
zöſiſchen
Schulterror enthält. Die Saarregierung ſucht
ſich damit herauszureden, daß ſie von den im Röchling=Prozeß feſt=
geſtellten
Terrorfällen keine Kenntnis gehabt habe. Die Begrün=
dung
dafür iſt allerdings ſehr einfach. In vielen früheren Fällen
haben die bedrängten Bergleute bei der Saarregierung ihr Recht
geſucht aber niemals gefunden. In einzelnen Fällen erfolgte zwar
eine Wiedereinſtellung, aber ſofort ſuchte die franzöſiſche Berg=
verwaltung
wieder einen neuen Entlaſſungsgrund, den man bis=
her
in allen Fällen ſehr ſchnell gefunden hat. Es iſt begreiflich,
daß unter dieſen Umſtänden die Saarbergleute darauf verzichteten,
die Saarregierung um ihren Schutz anzugehen.
Auſſchlußreicher Briefwechſel zwiſchen Röchling
U. dem Generaldirektor der Saargrubenverwalkung.
Die Blätter veröffentlichen heute einen Briefwechſel, der
nach dem Röchling=Prozeß wegen der Schulfrage zwiſchen Röch=
ling
und dem Generaldirektor der Saargrubenverwaltung
Guilleaume ſich entwickelte. Röchling hatte in dem Prozeß
ausgeſagt, er habe bei Guilleaume Vorſtellungen in der Frage
der franzöſiſchen Schule erhoben. Es ſei aber alles beim alten
geblieben.
Darauf ſchreibt Guilleaume, er habe es damals abge=
lehnt
, ſich mit Röchling über andere als wirtſchaftliche Fragen
zu unterhälten.
Röchling gibt das in ſeiner Antwort an Guilleaume zu,
bemerkt aber, daß man ſich trotzdem eine ganze Zeit über das
in Betracht kommende Kapitel unterhalten habe. Er weiſt darauf
hin, daß laut Zeugenausſagen im Prozeß im Bereich der Berg=
werksdirektion
ein Druck auf die Eltern ausgeübt worden ſei,
die Kinder in franzöſiſche Schulen zu geben. Er weiſt auf die
Verfügung der Regierungskommiſſion vom 6. 2. 1925 hin, wo=
nach
das unſtatthaft iſt und führt die Namen derjenigen Per=
ſonen
an, die ſich entgegen der damaligen Anordnung der Berg=
werksdirektion
eines derartigen Druckes ſchuldig gemacht haben.
Guilleaume beſtreitet in ſeiner Antwort abermals, mit
Röchling eine Diskuſſion über Schulfragen gehabt zu haben.
Er habe nur eine Anzahl Dokumente darüber in Empfang ge=
nommen
mit der ausdrücklichen Bedingung, daß er ſie zur
Kenntnis nehme und keine Antwort zu geben brauche auf die
darin enthaltenen Tatſachen. Die Schlußfolgerungen, ſo ſchließt
Guillegume dieſen Brief, die Röchling aus der Sitzung der
Saarbrücker Strafkammer ziehe, erkenne er keineswegs als be=
gründet
an.
Darauf erwiderte Röchling mit der Feſtſtellung, daß
leider die Zeit unendlich fern liege, wo die Verwaltung ſich
bereit erklärte, die Sicherung ihrer Belegſchaft gegen die Be=
drückung
durch die Bergwerksdirektion asuzuſprechen.
Ich bedauere, ſo heißt es zum Schluß in dieſem Schreiben,
dieſe Haltung ganz außerordentlich, denn wer für ſo viele
MMenſchen fremder Nationalität und für perſönliche Schickſale
idie Verantwortung trägt, ſollte doch dafür ſorgen, daß nicht die
nachgeordneten Beamten nach Willkür die Möglichkeit haben
einen Teil der Belegſchaft mit Frau und Kindern vor die Wahl
iu ſtellen, entweder zu hungern oder ihr Vaterland zu verraten.
Es iſt mein ſtarkes Bedauern, daß ich nach den anfänglich
günſtigen Ausſichten für eine Zuſammenarbeit zwiſchen uns
lbeiden nunmehr erkennen muß, daß Sie heute nicht mehr in der
Lage oder willens ſind, den Weg zu beſchreiten, der nach unſerer
Meinung allein das Anſehen und die Ehre Frankreichs hier im
Grenzgebiet zu wahren imſtande iſt.
Nachdem Sie als oberſter Vertreter Frankreichs in den Fra=
gen
des Schickſals und des perſönlichen Schutzes der deutſchen
Wergleute mir als Deutſchen die Türe gewieſen haben, bleibt mir
mur der Weg, unſeren Briefwechſel der Oeffentlichkeit zu über=
geben
. Dieſe mag dann das Urteil über Ihre Haltung und die
meinige abgeben.
Die denkſchrift der Saarkommiſſion ein Tendenzwerk
Gegenüber den Kommentaren, die die Denkſchrift der Re=
gierungskommiſſion
des Saargebietes von franzöſiſcher ſozia=
lliſtiſcher
und jüdiſcher Seite in die Welt begleitet haben, iſt
feſtzuſtellen, daß dieſe Schrift, mit der ſich die der Saarbevölke=
trung
durch den Verſailler Vertrag aufgezwungene Regierung
twohl oder übel gegen die Klagen verteidigt, die die Geſamtheit
der deutſchen Volksvertreter in Genf gegen ſie vorgebracht
lhaben, ein reines Tendenzwerk iſt. Seine wahren Urheber ſind
ein paar in Deutſchland ſtrafrechtlich verfolgte Emigranten.
Sehr bezeichnend iſt die Rüge, die die Denkſchrift den beiden
FFührern der früheren deutſchen Partei, Röchling und Levacher,
erteilt, weil ſie den Proteſt der Deutſchen Front ſelbſtverſtänd=
lich
mitunterzeichnet haben; ſie haben damit die Hoffnung der
anderen auf die deutſche Zwietracht betrogen! Auch die Methode,
Nationalſozialiſten und Kommuniſten als die beiden extremen
Parteien in einen Topf zu werfen, iſt gut=weimarer Rezept!
Schon damit verraten ſich die eigentlichen Verfaſſer,
Der frühere heſſiſche Oberregierungsrat und
ſozialdemokratiſche Reichstagsabgeordnete

Heinrich Ritzel, der wegen ſchwerer Vergehen
ſteckbrieflich verfolgt wird. Er iſt heute der Ver=
trquensmann
des in Saarbrücken als Miniſterialdirektor tätigen

Elſäſſer Juden Heimburger. Das Material kommt
zum größten Teil von einer Hausſuchung, die ein anderer
Emigrant, der früher im Polizeipräſidium Eſſen als Kriminal=
aſſiſtent
beſchäftigte Guſtav Lehnert, als Polizeikommiſſar der
Saarregierung am 16. Dezember 1933 in Neunkirchen bei den
verhaßten Nazis vornahm.
Ralskagung ohne Deutſchland.
Im Mikkelpunkk der Tagung die Volksabſtimmung
im Saargebief.

DNB. Genf, 10. Januar.
Der Vorſitzende der in der nächſten Woche beginnenden 78.
Tagung des Völkerbundsrates wird der polniſche Außenminiſter
Beck ſein. Für England wird Außenminiſter Simon und für
Frankreich Paul=Boncour an den Verhandlungen teilnehmen. Es
iſt die erſte Tagung des Rates ſeit dem Austritt Deutſchlands aus
dem Völkerbund. Hauptgegenſtand der Tagung wird
die Volksabſtimmung, im Saargebiet ſein, zu der
jetzt der Rat die Vorbereitungen zu treffen hat. Vor allem ſoll
der Rat den Zeitpunkt der Abſtimmung feſtſetzen.
* Der Völkerbundsrat, der am 15. Januar zuſammentritt, findet
auf ſeiner Tagesordnung einen Punkt, der die Vorbereitung
der Abſtimmung im Saargebiet verlangt. Wir müſſen uns von
vornherein darauf gefaßt machen, daß zunächſt in Genf die
Bürokratie ſiegt und daß langwierige Unterſuchungen angeſtellt
werden, welcher Weg eingeſchlagen werden foll.
Soweit wir wiſſen, iſt man ſich in den Vorbeſprechungen
darüber einig geworden, den italieniſchen Delegierten zu bitten,
einen erſten Bericht über die Ankurbelung der Abſtimmung zu
erſtatten. Der Italiener muß die rechtliche Seite der Abſtimmung
unterſuchen und auf Grund ſeiner Feſtſtellungen dem Rat Vor=
ſchläge
machen über den Aufbau des Abſtimmungsapparates,
alſo über die geſamte techniſche Abwicklung.
In Genf wird nun davon geſprochen, daß die Abſicht be=
ſtehen
ſoll, die geſamte Abſtimmung in die Hand einer Kom=
miſſion
zu legen, der nur neutrale Perſönlichkeiten angehören
ſollen. Wir würden es begrüßen, wenn der Völkerbundsrat einen
ſolchen Beſchluß faſſen würde. Die Regierungskom=
mifſion
iſt jedenfalls die ungeeignetſte Inſtanz
zur Durchführung der Volksabſtimmung. Sie iſt
durchaus Partei, denn das hat ſie in den letzten Wochen
und Monaten zur Genüge bewieſen. Die geſamte Saarbevölke=
rung
ſteht ihr feindlich gegenüber. Umgekehrt hat ſie es unter=
laſſen
, wieder zu der gebotenen Sachlichkeit und Ueberparteilich=
keit
zurückzukehren. Außerdem iſt bekannt, daß die Regierungs=
kommiſſion
Wachs in den Händen der Franzoſen iſt. Frankreich
hat aber ein ſtarkes Intereſſe an der Volksabſtimmung. Soll
die Abſtimmung frei und unbeeinflußt erfol=
gen
, dann müſſen ſelbſtverſtändlich diejenigen
ausgeſchaltet werden, die an dem Gang der
Volksbefragung und deren Ergebnis inter=
eſſiert
ſind.
Eine neutrale Kommiſſion wäre am eheſten in der Lage
dafür zu ſorgen, daß die Saarbevölkerung in den Monaten vor
der Abſtimmung wie auch am Abſtimmungstage unter ſich bleibt.
Wir ſtellen uns eine derartige Kommiſſion aber ſo vor, daß
darin nur Bürger der Staaten ſitzen, die zu dem Kreis der
wirklich Neutralen und nicht den von Frankreich abhängigen
kleinen Staaten gehören, weil dieſe es wohl niemals wagen
werden, zur Achtung der freien und unabhängigen Abſtimmung
etwas zu unternehmen, was den Zielen Frankreichs wider=
ſpricht
.
Vor neuen likauiſchen
Gewalkmaßnahmen im Memelgebiel.
Abſehung ſämklicher Landräke, Amks= u. Gemeinde=
vorſteher
ſowie Enkwaffnung der Landes=
polizei
geplank.
DNB. Tilſit, 10. Januar.
Nach hier vorliegenden, vorerſt noch nicht nachzuprüfenden
Nachrichten aus Litauen beabſichtigen die Litauer, in den nächſten
Tagen neue Gewaltmaßnahmen gegen das autonome Memelland
durchzuführen. Wie es heißt, ſollen die litauiſchen Jungſchützen
und die litauiſche Grenzpolizei die Abſicht haben, ſämtliche Land=
räte
, Amts= und Gemeindevorſteher feſtzunehmen und für abgeſetzt
zu erklären. Bei dieſer Gelegenheit ſoll auch die Memelländiſche
Landespolizei entwaffnet werden. Die auf dieſe Weiſe freigewor=
denen
Stellen würden dann mit Litauern beſetzt werden. Ebenſo
will man das Direktorium Schreiber, gegen das die litauiſche Preſſe
in den letzten Tagen einen wüſten Hetzfeldzug entfeſſelt hat, zum
Rücktritt zwingen. Wie es heißt, ſoll in einer vorgefundenen An=
weiſung
an die litauiſche Grenzpolizei der Zeitpunkt des Gewalt=
ſtreiches
zwiſchen dem 7. und 18. Januar liegen; in dieſen Tagen
habe ſich die Polizei jederzeit bereitzuhalten.
Im Memelgebiet haben dieſe litauiſchen Pläne größte Beun=
ruhigung
hervorgerufen. Man erwartet, daß vor allem auch die
Unterzeichner des Memelabkommens (England, Frankreich, Ita=
lien
, Japan) rechtzeitig eingreifen, um die Litauer von dieſer
ſchweren Vertragsverletzung, die einer Beſeitigung der Memel=
land
=Autonomie gleichkommen würde und deren Folgen gar nicht
abzuſehen wären, abzuhalten.

Likauiſche Putſchhehe in Memel.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
B. Memel, 8. Januar.
Die dunklen Wolken, die ſich in der Vorweihnachtszeit über
dem Memelland zuſammenzogen, haben ſich zu Anfang des neuen
Jahres weiter verfinſtert. Man fühlt deutlich, daß das Unwetter
jeden Augenblick losbrechen kann, und daß es nur eines kleinen
Anſtoßes zu einem neuen Gewaltſtreich bedarf, der das heute noch
autonome Memelland endgültig in die Hände der Litauer ſpie=
len
ſoll. Eine kaum noch zu beſchreibende Spannung liegt über
Stadt und Land. Die Menſchen gehen mit ſorgenvollen Geſich=
tern
durch die Straßen, ein Gerücht jagt das andere, litauiſche
Agitatoren ziehen von Ort zu Ort, die großlitauiſche Preſſe for=
dert
unverblümt die Abſetzung der autonomen Landesregierung
des Direktoriums Schreiber und zum Verbot der deutſchen Par=
teien
auf.
Das Memelland iſt ein rein litauiſches Land, ſo behaupten
die litauiſchen Drahtzieher in ihren Proteſtverſammlungen, die
trotz des Verbots politiſcher Verſammlungen überall im Lande
abgehalten werden. Die Unterdrückung des Litauertums im
Memelgebiet muß ſofort beſeitigt werden‟. Dieſe Forderung
kehrt in den Entſchließungen an die Kownoer Regierung immer
wieder. Und auf dieſer geradezu grotesken Verdrehung der Tat=
ſachen
baut ſich die ganze Hetze der Litauer auf.
Das Memelgebiet iſt weder ein rein litauiſches Land, noch
gibt es hier ein Litauertum, das unterdrückt werden könnte.
Rund 90 v. H. der Bewohner des Memelgebiets haben ſich bei
den Wahlen ſtets zum Deutſchtum bekannt!
Diejenigen, die dieſe Proteſtentſchließungen faſſen und die
die litauiſchen Verſammlungen beſuchen, ſind keine Memelländer,
ſondern landfremde Elemente, die erſt vor kurzem als litauiſche
Beamte oder Spitzel ins Gebiet gekommen ſind, oder es ſind
geſchäftstüchtige Renegaten, die ſich ihre Rolle als bedauerns=
werte
und verfolgte Litauer teuer bezahlen laſſen. Kennzeich=
nend
für die Abſichten der Litauer iſt die Tatſache, daß die Regie
der Putſchtreibereien in den Händen des bekannten Großlitauers
Simonaitis liegt, der im Januar vor elf Jahren den litauiſchen
Ueberfall auf das Memelland inſzenierte, ſich zum Landespräſi=
denten
machte, dann aber der Volksſtimmung weichen mußte, und
der ſpäter auch den ihm zugewieſenen Landratspoſten in Memel
verlor, weil er in zahlreiche Skandale verwickelt war. Dieſer
Mann mit der anrüchigen Vergangenheit möchte heute wieder
Landespräſident werden und damit auch ſeine großlitauiſchen
Freunde an die lang entbehrte Futterkrippe zurückbringen . . .
Die Behauptungen über die Unterdrückung des Litauertums
finden eine treffliche Illuſtrierung in dem Gewaltregiment, das
der litauiſche Kriegskommandant gegen das Memeldeutſchtum
führt. Der deutſchen Sprache, der Schule, dem Theater, den Zei=
tungen
, kurz allem, was der Erhaltung der deutſchen Kultur und
alter Ueberlieferungen dient, haben die Litauer ſchärfſten Kampf
angeſagt.
Obwohl die deutſche und die litauiſche Sprache laut Auto=
nomieſtatut
als Amtsſprachen gleichberechtigt ſind, weigern ſich
die litauiſchen Behörden, auf Anfragen in deutſcher Sprache zu
antworten.
Das Memeler Städtiſche Schauſpielhaus iſt einer ſtrengen
Zenſur unterworfen, die alles verbietet, was die Bevölkerung
irgendwie an ihr deutſches Vaterland erinnern könnte. So wur=
den
nacheinander ohne Angabe von Gründen Stowitzers Bar=
baren
, Hermann Burtes Katte und Die Heimkehr des Olym=
piaſiegers
von Sindbad verboten. Da die Stücke bereits ſeit
Wochen geprobt und vorbereitet worden waren, die Zenſur ſich
aber erſt unmittelbar vor der Aufführung entſchied, iſt die Ar=
beit
von Wochen zunichte gemacht worden. Wird die Theater=
zenſur
weiter ſo gehandhabt und ſteht es im Belieben des Zen=
ſors
, jedes Stück, das ihm nicht paßt, zu verbieten, ſo iſt der Be=
ſtand
des Memeler Theaters ernſtlich in Frage geſtellt. Nicht
anders verhält es ſich mit den deutſchen Zeitungen. Der Haupt=
ſchriftleiter
des Memeler Dampfboots, Kakies, wurde vom
Kriegskommandanten mit 5000 Lit (2200 RM.) oder drei Mo=
naten
Gefängnis beſtraft, nur weil er die Weihnachtsanſprache
des Stellvertreters des Führers, Reichsminiſter Rudolf Heß, aus=
zugsweiſe
wiedergegeben hatte! Die Begründung der Litauer,
dieſe Anſprache ſei geeignet geweſen, einen Teil gegen den an=
deren
aufzuhetzen, ſchlägt der Wahrheit geradezu ins Geſicht.
Reichsminiſter Heß hat ausdrücklich von den Pflichten der Aus=
landsdeutſchen
den Staaten gegenüber, denen ſie angehören, ge=
ſprochen
. Es handelt ſich alſo hier um einen reinen Willkürakt,
der um ſo aufreizender wirkt, als die litauiſche Preſſe ſich in den
wüſteſten Schimpfereien und Beſchuldigungen gegen das Deutſch=
tum
ungehindert ergehen darf. Da ſich die Strafen in letzter
Zeit nicht nur gegen das Memeler Dampfboot, ſondern auch
gegen die Memelländiſche Rundſchau geradezu gehäuft haben,
iſt auch hier die Tendenz unverkennbar, den Beſtand dieſer bei=
den
deutſchen Blätter dadurch in Frage zu ſtellen.
Hinzu kommt, daß in der Ausweiſungsfrage ebenfalls eine
weitere Verſchärfung eingetreten iſt. Die litauiſche Regierung
weigert ſich nicht nur, die Entlaſſung der über 100 reichsdeutſchen
Lehrer und Beamten, von denen die erſten 32 am 18. Januar ihre
Stellungen verlaſſen ſollen, rückgängig zu machen, ſondern es
ſollen jetzt auch noch im Laufe des Januar annähernd tauſend
Reichsdeutſche aus privaten Stellungen vertrieben werden. Dieſe
Ankündigung hat, da es ſich bei den meiſten um im Memelgebiet
nicht zu erſetzende Spezialarbeiter handelt, in memelländiſchen
Wirtſchaftskreiſen größte Beunruhigung hervorgerufen. Man
wird abwarten müſſen, ob die litauiſche Regierung tatſächlich die
Dinge auf die Spitze treiben wird. Etwas abkühlend ſcheint in
Kowno ja bereits die deutſcherſeits im Zuge der Durchführung
des Geſetzes über die Einrichtung einer Reichsſtelle für die Ab=

Beachten Sie die

Preislrage
im Sportteil! Seite 10

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nahme von Butter, Eiern und Käſe vorgenommene Herabſetzung
des litauiſchen Butterkontingents von 2000 auf 600 Tonnen und
die nahezu völlige Sperrung des kleinen Grenzverkehrs nach
Deutſchland gewirkt zu haben. Nicht nur die memelländiſche, ſon=
dern
beſonders auch die litauiſche Landwirtſchaft hat über den
kleinen Grenzverkehr ungeheure Mengen landwirtſchaftlicher Er=
zeugniſſe
nach Deutſchland eingeführt. Die Herabſetzung des
Butterkontingents iſt in Kowno inſofern beſonders ſchmerzlich
empfunden worden, als die in Deutſchland erzielten Butterpreiſe
in der Regel doppelt ſo hoch ſind als beiſpielsweiſe in England.
Nun jammert die Kownoer Preſſe, Deutſchland hätte wegen der
Vorgänge im Memelgebiet Repreſſivmaßnahmen ergriffen und
die beſtehenden Verträge verletzt. Deutſchland hat, das wird in
Memel dankbar anerkannt, Litauen und dem Memelgebiet bis=
her
ſtets handelspolitiſche Vorteile eingeräumt. Wenn das jetzt
nicht mehr der Fall iſt, dann hat die litauiſche Regierung das
ganz allein ſich ſelbſt zuzuſchreiben. Um ſo nachdrücklicher wird
daher auch in maßgebenden Memeler Kreiſen gefordert, daß die
Kownoer Regierung ihre deutſchfeindliche Politik aufgibt, die
großlitauiſche Putſchhetze abbläſt und verſucht, mit Deutſchland
wieder zu geregelten Beziehungen zu kommen, die auch eine für
beide Teile befriedigende Löſung der wirtſchaftlichen Fragen er=
möglichen
.
Pan der Lubbe hingerichkei.
Reichspräſidenk von Hindenburg machk von ſeinem
Begnadigungsrechk keinen Gebrauch.
DNB. Leipzig, 10. Januar.
Durch das Urteil des IV. Strafſenats des Reichsgerichts vom
23. Dezember 1933 gegen den Maurer Marinus van der Lubbe
aus Leyden (Holland) erkannte Todesſtrafe iſt, da der Herr
Reichspräſident von ſeinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch
gemacht hat, am Mittwoch morgen um 7.30 Uhr in einem Hofe
des Landgerichtsgebäudes zu Leipzig mittels Fallbeils vollſtreckt
worden.
Der Reichsgerichtsdienſt des DNB. erfährt zu der bereits
gemeldeten Hinrichtung des 25jährigen Maurer Marinus van der
Lubbe noch nachſtehende Einzelheiten:
Dem Delinquenten wurde die Mitteilung von der bevor=
ſtehenden
Enthauptung am Dienstag nachmittag durch den Ober=
ſten
Anklagevertreter, Oberreichsanwalt Dr. Werner, in der Ge=
fängniszelle
gemacht, pan der Lubbe nahm die Mitteilung un=
bewegt
entgegen und lehnte auf Befragen geiſtlichen Zuſpruch ab.
Auch machte er keinen Gebrauch von dem Anerbieten, Grüße an
ſeine Angehörigen zu ſchreiben, und äußerte keinen weiteren
Wunſch. Die Vollſtreckung des Urteils wurde Mittwoch morgen
7.30 Uhr im umſchloſſenen Lichthof des Landgerichts in der
Harkortſtraße in Leipzig in Anweſenheit des Oberreichsanwalts
Dr. Werner und des Sachbearbeiters, Landgerichtsdirektors Pa=
riſius
, vollzogen. Vom Reichsgericht waren Senatspräſident Dr.
Bünger ſowie drei weitere Mitglieder des erkennenden IV. Straf=
ſenats
anweſend. Ferner wohnten 12 vom Rat der Stadt Leip=
zig
abgeordnete Gemeindemitglieder der Hinrichtung bei, ſowie
der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Seuffert, der
holländiſche Dolmetſcher Meyer=Collings, Kreishauptman Dön=
nicke
, der Gefängnisdirektor, der Gefängnisgeiſtliche und zwei
Gerichtsärzte. Preſſevertreter waren nicht anweſend. Oberreichs=
anwalt
Dr. Werner verlas den Urteilstenor und gab dann die
Entſchließung des Herrn Reichspräſidenten bekannt, wonach er
ſich dafür entſchieden habe, von ſeinem Begnadigungsrecht keinen
Gebrauch zu machen. Darauf übergab der Anklagevertreter
van der Lubbe dem Nachrichter. Der Reichstagsbrandſtifter gab
keine Erklärung vor ſeinem Ende ab. Die Hinrichtung wurde
von dem Scharfrichter Engelhardt=Schmölln durch Fallbeil voll=
zogen
und verlief ohne jeden Zwiſchenfall. Nach vollzogener Hin=
richtung
ſkellte der Gerichtsarzt den Tod feſt,
Eine Anordnung des Miniſterpräſidenten Göring.
Wie der Amtliche Preußiſche Preſſedienſt mitteilt, hat der
preußiſche Miniſterpräſident Göring durch Funkſpruch an den
Inſpekteur der Geheimen Staatspolizei, die Ober= und Regierungs=
präſidenten
und den Polizeipräſidenten in Berlin folgendes an=
geordnet
: Mehrere Sonderfälle zwingen mich, darauf hinzuweiſen,
daß die Polizei nicht nur berechtigt, ſondern auch verpflichtet iſt,
nach den bekannten polizeilichen Vorſchriften jede Perſon, gleich=
gültig
ob in Zivil oder Uniform, mithin auch Angehörige der SA.,
SS., St. oder dergleichen, einer Polizeiwache zuzuführen, um die
Perſonalien feſtzuſtellen, ſoweit die Feſtſtellung an Ort und
Stelle nicht möglich iſt! Der polizeilichen Aufforderung, zu dieſem
Zwecke zur Polizeiwache mitzugehen, iſt unbedingt Folge zu leiſten.
Jede Widerſetzlichkeit hiergegen wird unnachſichtlich als Wider=
ſtand
gegen die Staatsgewalt verfolgt.
Dieſe polizeiliche Maßnahme ſtellt keine Verhaftung, Feſt=
nahme
oder Vorführung im Sinne der Sondervorſchriften bezüg=
lich
der SA., SS. uſw. (vergl. Erlaß des Oberſten SA.=Führers
vom 7. 10. 1933) dar.

Vom Tage.

aus de

ſeiner großen Verdienſte ſein Bild mit eigenhändiger Widmung
überreicht. Die Widmung lautet: Herrn Miniſter Dr. Frick in
aufrichtiger Freundſchaft. (gez.) Adolf Hitler.

die kürzlich verſchobene Tagung der Treuhänder der Arbeit ſtatt,
auf der insbeſondere ſozialpolitiſche Fragen zur Beratung ſtehen
werden.
Die Regierungskommiſſion hat das Tragen des deutſchen
Kriegsopferabzeichens verboten mit der Begründung, daß die
deutſche Kriegsopferverſorgung politiſchen Charakter habe.
Der Studentenſtreik von Debreczin für ſchärfere Handhabung
des Numerus clauſus hat nun auch auf die übrigen Hochſchulen
Ungarns übergegriffen. An der Fünfkirchener Univerſität haben
ſich bisher nur drei Studenten zur Cinſchreibung gemeldet. An der
Techniſchen Hochſchule in Budapeſt iſt bis heute überhaupt noch kein
Student erſchienen.
Der Nuntius in Prag, Pietro Ciriacci, der wegen eines Kon=
fliktes
mit der tſchechoſlowakiſchen Regierung zur Berichterſtattung
nach Rom berufen worden war, iſt nicht mehr nach Prag zurück=
gekehrt
. Er wurde zum Nuntius in Liſſabon ernannt.
Das Geſetz zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht iſt
vom Parlament des Irak einſtimmig angenommen worden. An=
läßlich
der dritten Leſung hatte ſich innerhalb und außerhalb des
Parlamentsgebäudes eine große Menſchenmenge eingefunden, die
die Annahme mit Jubel begrüßte. Das Geſetz findet vorläufig nur
auf alle männlichen Staatsangehörigen zwiſchen 19 und 21 Jahren
Anwendung.
Die Regierung von Tibet hat die Einreiſe des Panſchen=
Lamas nach Tibet geſperrt, da er zu den Anhängern des Zuſam=
menſchluſſes
Tibets mit China gehören ſoll. Falls der Panſchen=
Lama trotz des Einreiſeverbots verſuchen ſollte, die Grenze Tibets
zu überſchreiten, würde die tibetaniſche Regierung Maßnahmen
gegen ihn ergreifen.
Die mandſchuriſche Regierung beabſichtigt, ein Geſetz über die
Vereinigung der Mongolei mit Mandſchukuo zu erlaſſen.
Auellstädeir auter Heoſteinnstrtnngeil.
Induſtriebezirke von dieſer Enkwicklung
weniger bekroffen.
DNB. Berlin, 10. Januar.
Der Arbeitsmarkt ſtand wie die Reichsanſtalt für
Arbeitsvermittlung berichtet im Dezember unter dem
Einfluß des außergewöhnlichen Kälteeinfalls
in der erſten Hälfte des Monats, der ſich bei der Tiefenwir=
kung
des Froſtes in der ganzen Berichtszeit hemmend bemerk=
har
machte. Die Außenarbeiten mußten daher in er=
heblichem
Umfange eingeſtellt werden und eine
ſtarke Belaſtung des Arbeitsmarktes blieb un=
vermeidbar
. 343 000 bisher beſchäftigte Arbeit=
nehmer
wurden wieder in die Betreuung der Ar=
beitsämter
genommen. In den vorhergehenden Jahren
waren die Steigerungen im Dezember erheblich höher (1930 gleich
plus 685 000, 1931 gleich plus 606 000, 1932 gleich plus 418 000).
In Anbetracht des Umſtandes, daß gegenüber dem November 1932
rund 1000 000 Arbeitsloſe mehr in den Außenberufen Arbeit ge=
funden
haben und dadurch eine höhere Gefährdung des Arbeits=
marktes
beſtand, iſt die Zunahme in dieſem Jahre gering.
Von dem Geſamtzugang ſind rund 300 000 Angehörige der
Außenberufe. Da aber gerade in den Außenberufen auch für die
Folgezeit durch die Arbeitsbeſchaffungsmaßnahmen Arbeitsmög=
lichkeiten
in außerordentlich ſtarkem Umfange zur Verfügung
ſtehen, ſo wird es im weſentlichen von der Witterung abhängen,
wann die entlaſſenen Arbeitskräfte wieder zur Anſtellung kommen.
In den einzelnen Landesarbeitsamtsbezir=
ken
iſt je nach der wirtſchaftlichen Eigentümlichkeit und der Ab=
hängigkeit
von winterlichen Einflüſſen die augenblickliche
Verſchlechterung des Arbeitsmarktes verſchie=
den
. Sie iſt am ſtärkſten in den Bezirken in Erſchei=
nung
getreten, in denen die Außenberufe überwie=
gen
. Die induſtriellen Bezirke ſind dagegen von
dieſer Entwicklung weniger betroffen. So kann
z. B. in Brandenburg, Weſtfalen, Rheinland, Heſſen in den mehr
konjunkturell beeinflußten Berufsgruppen eine weitere Abnahme
der Arbeitsloſigkeit feſtgeſtellt werden, ein Zeichen für die ſtark
ſaiſonmäßige Einwirkung auf den Arbeitsmarkt.
Bei den Arbeitsämtern wurden Ende Dezember rund 4 058 000
gegen 3 715 000 Arbeitsloſe Ende November gezählt. Der Zugang
entfiel in erſter Linie auf die Arbeitsloſenverſicherung (Stand
rund 554 00) und Kriſenfürſorge (Stand rund 1 175 000). Durch
die Reichsanſtalt wurden ſomit insgeſamt 1 729 000 Hauptunter=
ſtützungsempfänger
betreut neben 1 410 000 anerkannten Wohl=
fahrtserwerbsloſen
. Die Zahl der von der Reichsanſtalt geför=
derten
Notſtandsarbeiter iſt infolge des Froſtes um 123000 auf
278 000 gefallen.

Nach der Weihnachts=Amneſtie
in Beſterreich.
Wiederauffüllung des Konzenkrakionslagers

DNB. Wien, 10. Januar.
Wegen der Papierböllerexploſion, die ſich am Dienstag abend
auf dem Ring ereignete wurden drei Nationalſozialiſten ins
Konzentrationslager Wöllersdorf gebracht. Ueberdies wurde
gegen mehrere Gewerbetreibende, die ihren Gewerbebetrieb an=
geblich
zur Verbreitung von nationalſozialiſtiſchem Werbemate=
rial
verwandt haben, ein Verfahren auf Entzug der Gewerbe=
berechtigung
eingeleitet. Aus Salzburg wurden zwei National=
ſozialiſten
im Zuſammenhang mit einer Papierböllerexploſion,
die ſich Dienstag abend auf einer Nebenſtiege im Gebäude der
Polizeidirektion ereignete wodurch mehrere Fenſterſcheiben ein=
gedrückt
wurden, ebenfalls nach Wöllersdorf gebracht,
Dolfuß Führer der Skurmſcharen.
DNB. Wien, 10. Januar.
Bundeskanzler Dollfuß hat die Oberſte Führung der Oſtmär=
kiſchen
Sturmſcharen übernommen und Miniſter Dr. Schuſchnick
mit ſeiner Vertretung betraut.
Die Tiroler Handels= und Gewerbekammer
für Anſchluß an Deutſchland.
EP. Innsbruck, 10. Januar.
Die Tiroler Kammer für Handel und Gewerbe hat in ihrer
Vollverſammlung eine Entſchließung angenommen, in der es heißt:
Wir Tiroler haben bewußt einen ausſchlaggebenden Anteil
unſerer Wirtſchaft von einer Befruchtung abhängig gemacht, die
uns unſer großes Bruderland bieten kann, und nicht nur wirt=
ſchaftlich
haben wir unſerm geſamtdeutſchen Denken und Handeln
Ausdruck gegeben. In Tirol haben ſchon vor 13 Jahren 98 Prozent
der Bevölkerung in einer Volksabſtimmung den Zuſammenſchluß
mit dem Deutſchen Reich gefordert. Dies geſchah ſchon zu einer
Zeit, in der die innerpolitiſchen Verhältniſſe in Deutſchland
wahrlich in der Tiroler Bevölkerung noch nicht den Wunſch rege
machen konnten, den Anſchluß zu verwirklichen. Wir aber hörten
damals ſo wie heute vor allem auf die Stimme des Blutes. In
unſerem kläglich zerriſſenen Land haben wir faſt allein die Folgen
eines Kampfes zu ſpüren, den parteipolitiſche Gegenſätze zwiſchen
dem Deutſchen Reich und Oeſterreich hervorgerufen haben. Die
Bundesregierung darf nicht länger zugeben, daß in Tirol unzäh=
lige
Exiſtenzen vernichtet werden, weil die geographiſche Lage
in ihrer Heimat ſie in ihrem Kampf ungünſtiger ſtelle, als Nieder=
öſterreich
, und weil Tirol ſchon einmal ſo gewählt hat, wie es
die Stammeszugehörigkeit dem Grenzland vorſchrieb.
Die Beziehungen zwiſchen Danzig
anld Boren.
Eine Erklärung Polens.
DNB. Danzig, 10. Januar.
Der Vertreter Polens gab heute im Zuſammenhang mit den
kürzlich in Warſchau geführten Beſprechungen zwiſchen dem Prä=
ſidenten
des Danziger Senats und Vertretern der polniſchen
Regierung zwei Erklärungen ab.
Marſchall Pilſudſki ließ im beſonderen erklären, daß er die von
Präſident Dr. Rauſchning bezüglich des Verkehrs zwiſchen
Danzig und Polen aufgeſtellten Grundſätze für beſſere Formen des
Verhältniſſes zwiſchen Danzig und Polen für geeignet hält. Er
hält es weiter für erwünſcht, daß eine ſtufenweiſe verſtändnisvolle
Beſeitigung der beſtehenden Schwierigkeiten die Normaliſierung
der Danzig=polniſchen Wirtſchaftsbeziehungen ermögliche.
Der polniſche Außenminiſter Beck ließ Vorſchläge über eine
Bereinigung der beſtehenden Streitfälle in unmittelbaren Ver=
handlungen
ohne Einreichung von Entſcheidungsanträgen bei den
Völkerbundsinſtanzen überreichen. Zu den ſo zu behandelnden
Fragen gehören u. a. die Entwicklung der kulturellen und wirt=
ſchaftlichen
Intereſſen der polniſchen Bevölkerung in Danzig.
Mit Aufnahme der Verhandlungen iſt ſofort nach Beendigung
der am 15. Januar beginnenden Tagung des Völkerbundsrates zu
rechnen.
Die Zahl der offiziell unterſtützten Arbeitsloſen in Frank=
reich
iſt in den letzten vier Wochen um über 50 000 geſtiegen und
beträgt gegenwärtig ungefähr 320 000.

Zeutſcher Haitkreinftaß ii Manpie Mn
Hunnteis Hanmepoiiine in Balgätien.
Von Otto Daube, Sofia,
* Im Gegenſatz zu Rumänien und Jugoſlawien hat ſich Bul=
garien
ſchon in den Jahrzehnten ſeines unabhängigen Beſtehens
vor dem Weltkriege für die Aufnahme deutſcher Kultur entſchie=
den
, ſo daß die vorausblickende Südoſteuropapolitik der deutſchen
Vorkriegsregierung, die in dem jungen, für Kultur, Wiſſenſchaft,
Induſtrie und Handel noch außerordentlich aufnahmefähigen
und aufnahmewilligen Lande eine außenpolitiſch ſtarke Stütze
von weitreichender Dauer erkannte, hier ihren erſten großen
und bleibenden Erfolg erzielte. Deutſche Handelshäuſer faßten
ſchnell feſten Fuß, die deutſche Induſtrie erſchloß das reiche,
allerdings bis zu den Jahren ſeiner Befreiung von der türki=
ſchen
Herrſchaft induſtriell und landwirtſchaftlich völlig unkul=
tivierte
Land, deutſche Lehrer vermittelten an den beiden großen
deutſchen Vorkriegsſchulen in Bulgarien, in Sofia und Philip=
popel
, deutſche Sprache und Verſtändnis für deutſche Dichtung
und deutſche Geſchichte. Die bulgariſchen Studenten dagegen, der
Philoſophie, der Philologie, der Medizin, der Architektur und
der techniſchen Wiſſenſchaften kamen nach Deutſchland, ſo daß
der heutige gebildete Bulgare in deutſchem Geiſte wirkt und auf
die Entwicklung ſeines Landes und ſeiner Kultur in deutſchem
Sinne Einfluß nimmt. Die bulgariſche Literatur ſteht ähnlich
unter dem Einfluß der Deutſchen; Kant, Schopenhauer und vor
allem Nietzſche beeindruckten das bulgariſche Denken; allerdings
treten als ſtarke Teilhaber die ruſſiſchen Dichter neben die
Deutſchen, nicht ſo ſehr, weil Rußland einſt den weſentlichſten
Anlaß zur Befreiung Bulgariens gegeben hatte, ſondern aus
den natürlichen Bindungen der verwandten Sprache und der
verwandten Geiſteswelt. Die Verbundenheit iſt auch darin be=
gründet
, daß altbulgariſche Geiſtliche einſt Rußland Schrift und
Schrifttum gebracht hatten; das befreite Bulgarien empfing mit
Zins und Zinſeszinſen ruſſiſche Kulturwerte zurück, die neben
den deutſchen das neue bulgariſche Schrifttum aufbauten. Wie
auf literariſch=philoſophiſchem den ruſſiſchen, ſo hatte Deutſch=
land
auf muſikaliſchem Gebiete den italieniſch=franzöſiſchen Ein=
fluß
neben ſich; zwar zogen auch die bulgariſchen Muſikſtudieren=
den
an die Hochſchulen nach München, Dresden, Berlin, Leipzig
und Wien, aber die ausübenden Künſtler gingen vorwiegend
nach Italien (Geſang) und Paxis (Klavier, Violine) und zogen
junge kompoſitoriſche Kräfte nach, ſo daß heute im Muſikleben
ein deutlicher Zwieſpalt das allerdings fehr große deutſche Lager

von den Anhängern des franzöſiſchen Impreſſionismus, der
franzöſiſchen Inſtrumental= und der italieniſchen Vokalkunſt
trennt.
Nach dem Weltkrieg und dem unglückſeligen Friedensvertrag,
mit dem Frankreich das bulgariſche Volk ebenſo am Boden hielt,
wie es ein Gleiches mit Deutſchland verſucht hatte, ſetzte eine
förmliche Invaſion franzöſiſcher Kulturbeein=
luſſung
ein. Man wollte den vorherrſchenden deutſchen
Einfluß völlig ausrotten und bediente ſich zunächſt ſtärkſter und
bindender Druckmittel, die im Friedensvertrag feſtgelegt waren.
Den deutſchen Kulturkampf im Ausland hatte Frankreich ſchon
im Friedensvertrag mit Deutſchland ſelbſt unterbunden; es blieb
Deutſchland verboten, deutſche Kulturbeſtrebungen außerhalb
ſeiner Grenzen von Reichs wegen amtlich zu unterſtützen. Man
hatte wohl erkannt, daß eine geſunde Kulturpolitik die Grund=
lage
einer guten Außenhandelspolitik ſei. Die deutſchen Schulen
in Bulgarien wurden zunächſt völlig aufgehoben; ihre bedeut=
ſame
Wirkung war unterbunden. Dagegen wurden fran=
zöſiſche
Schulen gegründet und zu mächtigen Faktoren aus=
gebaut
, ein Inſtitut frangaiſe mit einer umfangreichen
Bibliothek eingerichtet, das öffentliche Propaganda durch Sprach=
und Vortragskurſe machte, und ein eindrucksvolles fran=
zöſiſches
Kulturgebäude im Mittelpunkt der Stadt, die
Alliance frangaiſe aufgerichtet. Mit dieſen begann eine
bewußte Tätigkeit für Frankreich und gegen Deutſchland, das
faſt völlig zum Schweigen verurteilt war.
Jetzt aber bewährte ſich die deutſche Vorkriegsarbeit; der
Bulgare blieb dem deutſchen Freunde, der noch dazu ſein Waffen=
bruder
geweſen war, die Freundſchaft der deutſchen Soldaten
mit den bulgariſchen Bauern iſt noch heute wirkſam! treu.
Zwar iſt unter dem Einfluß Frankreichs, den dieſes auf das
bulgariſche Außenminiſterium bis heute behalten konnte, in die
geſchloſſene Auswirkungsmöglichkeit der deutſchen Kultur eine
empfindliche Lücke geriſſen worden. Die franzöſiſche Sprache hat
in der Bevölkerung an Boden gewonnen, wobei ihr von Nutzen
war, daß ſie die Sprache der Diplomatie iſt; eine vom bulga=
riſchen
Außenminiſterium geleitete Tageszeitung, die einzige
fremdſprachige im Lande, erſcheint in franzöſiſcher Sprache.
Planvolle Propaganda hat den kulturellen Wirkungen des
Inſtitute frangaiſe zahlenmäßig ſtärkere Teilnehmer zugeführt
als die deutſchen Kulturveranſtaltungen finden; ein großer Teil
der bulgariſchen Studenten wählt Paris; in den bulgariſchen
Schulen nimmt die franzöſiſche Sprache weit mehr als den
doppelten Raum gegenüber der deutſchen ein; das öffentliche
Muſikleben gerät immer mehr unter franzöſiſchen Einfluß.
Aber das alles war möglich, weil hinter den neuen Strö=
mungen
ein klarer, bewußter Wille ſtand, während Deutſchland,
zunächſt an ſeiner Tätigkeit gehindert, in der Folgezeit bei wei=

tem nicht die Mittel aufbot, das verlorene Gebiet zurück=
zugewinnen
.
Erſt in den letzten Jahren dank der Zähigkeit und ſtillen
Vorarbeit der deutſchen Geſandtſchaft, dank des als Kultur=
politiker
in Bulgarien ſo hervorragenden Direktor der Deutſchen
Schule in Sofia, dank der Treue, mit der der Bulgare ſeinem
alten Freunde begegnete hat der deutſche Kultureinfluß und
mit ihm der für Deutſchland unentbehrliche Handelseinfluß
wieder zu wirken begonnen. Die durch den ehemaligen bulga=
riſchen
Staatsſekretär Dr. Donew gerettete Keimzelle deutſcher
Schularbeit iſt zu einer mächtigen Deutſchen Schule mit
annähernd 1000 Schülern angewachſen; die alte Schule in
Philippopel iſt ebenſo in ihre frühere Tätigkeit wieder eingeſetzt
worden und daneben beſtehen in Warna, Ruſtſchuck und Burgas
neue deutſche Schulen. Die Geſellſchaft für deutſch=
bulgariſche
Kulturannäherung umfaßt alle bedeu=
tenden
Städte des Landes, veranſtaltet Vortragsreihen und
Sprechkurſe und wirkt mit einer ſtattlichen Bibliothek und Leſe=
räumen
, in denen die beſten deutſchen Zeitungen und Zeit=
ſchriften
ausliegen; an der Univerſität, an der Junkerſchule
(Offiziersſchule) und dem Prieſterſeminar wirken deutſche Dozen=
ten
; das Nationaltheater ſteht unter der Leitung eines Deutſchen=
freundes
, der ſeine eigene Ausbildung in Leipzig ſuchte; der
deutſchen Sprache wird wieder der Vorzug vor der fran=
zöſiſchen
gegeben; der deutſche Tonfilm hat den franzö=
ſiſchen
bei weitem überflügelt; der deutſche Rundfung
wirkt in der gleichen Richtung; ſchließlich hat das neue
Deutſchland in dem urnational empfindenden Bulgaren
größte Sympathien gefunden, und wenn, als Groteske im Drama
der Zeit, gerade bulgariſche Kommuniſten vor dem
Reichsgericht als unwürdige Vertreter ihres Landes ſtanden, ſo
iſt es gerade Bulgarien, das vorbehaltlos dem nationalen
Deutſchland und ſeinem großen Führer zujubelt.
Die denkbar günſtigſten Vorbedingungen für
die Wiederherſtellung des ehemaligen engen
Bandes ſind gegeben, das die Preußen des Balkan,
wie man dies zähe, aufwärtsſtrebende Volk oft genannt hat, mit
Deutſchland vereinte. Sie auszubauen erfordert, da zu den fran=
zöſiſchen
auch italieniſche Bemühungen gekommen ſind, den Ein=
ſatz
unſerer beſten Kräfte. Wir haben aus dem Reich=
tum
unſerer Kultur noch unendlich viel zu bieten, was ideell und
zugleich materiell Früchte tragen wird, wenn es planvoll und
zu rechter Zeit geboten wird. Das bulgariſche Volk, trotz ſeiner
leidensvollen Geſchichte von ungebrochener Kraft und
zähem Lebenswillen, darf die Freundſchaft vom
nieuen Deutſchland erwarten, da es der deutſchen Idce
auch in Zeiten deutſchen Niedergangs unentwegt die
Treue hielt.

[ ][  ][ ]

Donnerstag, 11. Januar 1934

Darmſtädter Tagblatt 7 Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Muiegsoorverenängen iin dernen Iſten.
Zuſammenballung ſtarker ruſſiſcher Skreitkräfte im Amurbogen und in Wladiwoſtok. Täglich neue Ver=
ſärkungen
. Auch Japan bereitet ſich auf kommende Ereigniſſe vor. Zuſammenziehung
japaniſcher Skreitkräfte in der Mandſchurei und auf Korea.

Wekterleuchken am Pazifik.
Tokio, 10. Januar.
Meldungen aus Charbin zufolge treffen für die im Amur=
bogen
und in Wladiwoſtok ſtationierten ruſſiſchen Truppen täglich
neue Verſtärkungen ein. Nach einer Zuſammenfaſſung der Blätter
ſind nunmehr in Oſtſibirien 10
kriegsſtarke Infanterie= und 3
Kavalleriediviſionen zuſammen=
gezogen
. Das dort aufgehäufte
Kriegsmaterial, vor allem aber
die Luftſtreitkräfte in der Nähe
von Wladiwoſtok, ſollen ſehr be=
deutend
ſein. So wird gemel=
det
, daß Rußland über ein Rie=
ſenbombenflugzeug
verfüge, das
eine Tonne Bomben über Tokio
abwerfen und ohne jede Schwie=
rigkeit
wieder nach ſeinem Stütz=
punkt
zurückkehren könne.
Die in de Mandſchurei und
Korea zuſammengezogenen ja=
paniſchen
Streitkräfte ſind nach
den Blättermeldungen den ruſ=
ſiſchen
gleichwertig und werden
zur Zeit nach beſtimmten ſtra=
tegiſchen
Geſichtspunkten neu
verteilt. Augenſcheinlich geht
Japans Taktik für den Fall
eines Krieegs darauf aus, die
rückwärtigen Verbindungen der
Roten Armee abzuſchneiden und
ſobald wie möglich eine Ent=
ſcheidungsſchlacht
herbeizuführen.
Kriegserklärung ihre Ziele er=
reicht
haben würde.

lionen in das Budget eingeſetzt werden. In dieſem Programm
ſollen jedoch die Schiffe nicht inbegriffen ſein, für deren Bau
Präſident Rooſevelt ſelbſt einen Aufwand von 53 Millionen
Dollar gefordert hatte. Ebenſowenig jene 32 Schiffseinheiten,
die für 238 Millionen Dollar erbaut werden ſollen. Der letzte
Betrag ſoll dem Notſtandskredit für öffentliche Hilfsbauten en: werden.

das Gibraltat des Pazific.

Die Vereinigten Staaten ſind zur Zeit fieberhaft damit beſchäftigt, die Hawai=Inſeln als Flotten=
baſis
auszubauen. Zur Zeit wird der Diamondberg, die höchſte Erhebung auf Hawai, ausbeto=
Man rechnet damit, daß die niert und zu einer Feſtung hergerichtet, die ihresgleichen auf der ganzen Welt ſucht. Mehr als
erſte japaniſche Linie innerhalb zehntauſend Soldaten ſollen in ihr Aufnahme finden können. Im höchſten Punkt des Berges, auf
zwei bis drei Wochen nach einer den unſer Pfeil hinweiſt, wird ein Kommandoſtand untergebracht, von dem aus die Minenfelder
im offenen Meer ausgelöſt werden können.

Die 19. Armee räumt Amoy.
DNB. London, 10. Januar.
Wie Reuter aus Schanghai meldet, hat die 19. Armee, die
den Kern des Widerſtandes gegen die Zentralregierung von
Nanking darſtellt, geſtern abend überraſchend Amoy geräumt.
Welche Gründe dafür maßgebend waren, iſt nicht bekannt. In=
folge
der Entblößung der Stadt von Truppen beſtand für kurze
Zeir die Gefahr, daß Amoy in die Hände roter Soldaten fallen
würde. Die chineſiſchen Kriegsſchiffe, die vor Amoy lägen, haben;
heute Truppen gelandet, um die Stadt zu beſetzen. Amoy hat
eine beträchtliche Fremdenkolonie.
Amerikaniſche Flokkenbauwünſche.
EP. Waſhington, 10. Januar.
Der demokratiſche Abgeordnete Vinſon hat im Büro des
Repräſentantenhauſes einen Geſetzentwurf eingebracht, wonach
Präſident Rooſevelt ermächtigt werden ſoll, die in dem Flotten=
bauprogramm
des amerikaniſchen Marineminiſteriums vorge=
ſehenen
Neubauten zur Erſetzung der inzwiſchen veralteten
Kriegsſchiffe unverzüglich vornehmen zu laſſen. Der Abgeordnete
begründet ſeinen Antrag u. a. damit, daß Japan bereits eine
ähnliche Politik verfolgt habe und daß Großbritannien ſicherlich
dazu gezwungen werde. Die Vereinigten Staaten würden ſonſt
unfähig ſein, das Land mit aller Garantie zu verteidigen. Man
dürfe mit der nationalen Sicherheit nicht ſpielen.
Der Abgeordnete Britten brachte im Repräſentantenhaus
eine Bill ein, in der er den Bau von 101 Kriegsſchiffen in den
Jahren 193539 fordert. Hierfür ſoll der Betrag von 482 Mil=

Unkerzeichnung am Donnerskag.

DNP. Paris, 10. Januar.
Das franzöſiſch=ſowjetruſſiſche Handelsabkommen, das am Mitt=
woch
nachmittag im Handelsminiſterium paraphiert worden iſt
und am Donnerstag um 11 Uhr im Außenminiſterium unterzeich=
net
wird, ſtellt ein Proviſorium dar.
Die franzüſiſche Regierung gewährt mit dieſem Abkommen
allen ruſſiſchen Erzeugniſſen, die keine Konkurrenz für franzöſiſche
Erzeugniſſe darſtellen, Zollbehandlung nach dem Mindeſttarif.
Wenn die Gefahr der Konkurrenz auftritt, ſoll ſie durch die An=
wendung
von Kontingenten behoben werden. Die Sowjetunion
verpflichtet ſich, im Laufe eines Jahres Aufträge in Höhe von
250 Millionen Frank an Frankreich zu vergeben. Frankreich hat
ſich bereitgefunden, der Sowjet=Union Kredite zu gewähren, hin=
ſichtlich
der Diskontierung der ſich aus den Aufträgen ergebenden
Wechſeln. Die franzöſiſche Regierung gewährt der Sowjetunion
ferner das Recht, eine offizielle Handelsvertretung in Paris zu
unterhalten. Die franzöſiſche Regierung wird einen Handels=
Attaché für Moskau ernennen. Das Abkommen enthält ferner
eine Reihe von Klauſeln über die Schiffahrt. Die Frage der
Schulden iſt im Abkommen nicht berührt.
Sämtliche franzöſiſchen Kammerfraktionen, die ſich vor dem
Wiederzuſammentritt der Kammer zu Fraktionsſitzungen ver=
ſammelt
haben, ſtimmten dem energiſchen Vorgehen der Regierung
im Bayonner Leihhausſkandal zu und forderten, daß die Schul=
digen
ohne Unterſchied zur Rechenſchaft gezogen werden.

*
Scuhtunnier der Grinnerang.
66 Millionen Akten ruhen im Oeſterreichiſchen Staatsarchiv.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
O. Wien, im Januar.
Der Ballhausplatz, das iſt in Wien dasſelbe, was die
Downing=Street in London oder der Quai d’Orſay in Paris ſind.
Stille umfängt uns, wenn wir einige Schritte weiter zu einem
anderen Platz gehen, dem die Kirche der Fratres Minoriten nicht
nur den Namen, ſondern auch den Charakter gibt. Neben den alten
Barock=Paläſten ſteht das Wiener Haus=, Hof= und Staats=Archiv
Rücken an Rücken mit dem ehemaligen Außenminiſterium der
alten öſterreichiſch=ungariſchen Monarchie, dem jetzigen Bundes=
kanzler
=Amt.
Ein Jahrtauſend alte und noch über ein Jahrhundert ältere
Akten ſind in dieſem Archiv zuſammengetragen. Aelter ſind dieſe
Dokumente, als ſelbſt die Krönungskleinodien des Heiligen Römi=
ſchen
Reiches Deutſcher Nation, die einige hundert Schritte von
hier in der Geiſtlichen Schatzkammer der alten Hofburg auf=
bewahrt
werden. Nicht weniger ſind es als 66 Millionen Akten.
Vielleicht iſt es möglich, ſich die Größe dieſer Zahl zu vergegen=
wärtigen
, wenn man weiß, daß die Regale, auf denen ſie auf=
geſtapelt
ſind, nebeneinandergeſtellt eine Länge von 18 Kilometer
haben würden. Unbegreiflich erſcheint, wie es möglich war, ſie
in dieſem Gebäude unterzubringen, das von außen geſehen ganz
die vornehme Raumperſchwendung der Paläſte des Barock= Zeit=
alters
vermuten läßt. Aber der Schein täuſcht. Tatſächlich birgt
es hinter ſeiner Barockfront ein höchſt modern angelegtes Stahl=
gerüſt
von elf Stockwerken Höhe, frei übereinander gebaut, denn
Luft bedeutet auch für alte Akten Lebensdauer; und alle Er=
fahrungen
, die in den Archiven der Welt gemacht wurden, um
ſolche Schätze zu hüten und zu erhalten, ſind hier zur Anwendung
gekommen. Eine geſchickte Anlage macht es ſogar möglich, die
wertvollſten Stücke bei drohender Gefahr automatiſch verſchwin=
den
zu laſſen. Mit einem einzigen Hebeldruck kann der Boden
der Stahlkaſſetten, in denen ſie ruhen, gekippt werden, ſo daß die
Stahlkäſten durch ihre eigene Schwere ins Rutſchen kommen, die
gewölbten Barock=Gitter vor den Fenſtern durchſtoßen und ins
Freie ſtürzen.
Es iſt alle Urſache vorhanden, das hier aufgeſtapelte Material
ſo ſorgfältig als nur möglich zu bewahren, denn nicht nur in der
Menge, ſondern auch dem Inhalte nach iſt es einzig in ſeiner Art.
Hier werden z. B. die ganzen mexikaniſchen Akten, die aus der
Zeit des Habsburgiſchen Kaiſers Maximilian von Mexiko

Die nakionalen Schriftſteller aller Länder
ſollen ſich zuſammenfinden.

Der Dichter Hanns Johſt,

Präſident der Preußiſchen Dichterakademie, wurde zum Vorſitzen=
den
der neugegründeten Union nationaler Schriftſteller gewählt.
Dieſe Union richtet an die bewußt nationalen Autoren aller
Länder die Aufforderung, ſich auf einer gemeinſamen Baſis zu=
ſammenzufinden
. Als einzige internationale Schriftſtellerorgani=
ſation
beſtand bisher der Penklub, der jedoch vollkommen im
liberaliſtiſchen Fahrwaſſer ſegelt.

ſtammen, aufgehoben. Was hier ferner liegt, ſind überhaupt
Korreſpondenzen und Berichte aus allen Teilen der Welt über
Ereigniſſe, gleichgültig ob ſie ſich im Fernen Oſten, in Amerika
oder einem anderen Erdteil abgeſpielt haben. Hier befinden ſich
Briefe Luthers, Protokolle über vertrauliche Geſpräche mit Bis=
marck
, Geheimberichte über das, was ſich hinter den Kuliſſen der
Parlamentsverhandlungen in der bekannten Halsband=Affäre der
Marie Antoinette abſpielte, Jugendbriefe des Kaiſers Franz
Joſeph und ſeine Korreſpondenz mit den Herrſcherhäuſern ſeiner
Zeit, wie auch Dokumente über Nachforſchungen von Pinkerton=
Detektiven in einer Affäre der neueſten Zeit. Dieſe Pinkerton=
Akten ſind übrigens die erſten, die in dieſer Rieſenſammlung

Nr. 10 Seite 3
Erneute Verkagung
der Abrüftungs=Konferenz
aus Angſt vor der Verankworkung.
Solange Deutſchland Mitglied der Abrüſtungskommiſſion war,
wußten die Franzoſen die Dinge ſtets ſo zu drehen, daß man
Deutſchland die Verantwortung für die Unfruchtbarkeit der
Genfer Rüſtungsverhandlungen in die Schuhe ſchob. Deutſchland
hat am 14. Oktober die Genfer Konferenz verlaſſen. Damit iſt
den Abrüſtungsfeinden jeder Vorwand genommen und die ganze
Laſt der Verantwortung liegt auf ihren Schultern. Sie haben
nach dem Ausſcheiden Deutſchlands ihr altes Spiel fortgeſetzt,
die Konferenz immer und immer wieder zu vertagen.
Auch jetzt wieder iſt es ihnen peinlich, nach Genf gehen zu
müſſen, obwohl in aller Welt jeder Menſch weiß, daß die Be=
ratungen
, wenn ſie wirklich weitergeführt werden ſollten,
unfruchtbar bleiben müſſen wie bisher, weil die hoch=
gerüſteten
Staaten doch keine Neigung haben,
auch nur ein einziges Waffenlager zu opfern.
So werden jetzt wieder allerlei Nachrichten über eine Ver=
tagung
der Abrüſtungskonferenz in die Welt geſetzt.
Es wird von der Vertagung vom 21. auf den 29. Januar geſprochen
und gleichzeitig der Verſuch gemacht, die Reichsregie=
rung
mit der Vertagung zu belaſten. Angeblich
ſeien die Verhandlungen in Genf nicht möglich, weil Deutſch=
land
aus techniſchen Gründen eine Antwort auf
die franzöſiſche Denkſchrift hinauszögere. Das
iſt ein rein propagandiſtiſches Manöver gegen uns.
Wir dürfen nur einmal daran erinnern, daß die Franzöſiſche
Denkſchrift erſt am Neujahrstag in Berlin überreicht wurde und
daß inzwiſchen erſt zehn Tage vergangen ſind, während die Fran=
zoſen
für die Abfaſſung ihrer Denkſchrift viele Wochen gebraucht
haben. Unzählige Kabinettsſitzungen waren nötig, alle Sachver=
ſtändigen
wurden mobiliſiert und der Oberſte Kriegsrat zuſammen=
geholt
, bis die Denkſchrift fertig war und in Berlin abgegeben
werden konnte. Von uns wird nun verlangt, daß wir Hals über
Kopf Antwort erteilen. Auch wir müſſen die Denkſchrift erſt ein=
mal
in allen Einzelheiten und Nebenſätzen prüfen. Es wird durch=
aus
möglich ſein, von der Gegenſeite zu einzelnen Punkten Auf=
klärungen
zu fordern.
Wenn in der Internationalen Preſſe ſo getan wird, als ob
der Weltfrieden von dieſer deutſchen Antwort abhinge, dann iſt
das nur eine Kuliſſe, hinter der man die eigene Verantwortung
verſtecken möchte. Kein Menſch in der Welt glaubt noch an dieſe
Kunſtſtückchen, da lediglich Deutſchland bedroht iſt von Mächten,
die ſelbſt bis an die Zähne bewaffnet ſind. In Genf ſind ledig=
lich
die hochgerüſteten Staaten zurückgeblieben, und wenn ſie
wollten, dann könnten ſie endlich dazu übergehen, ihre Verpflich=
tungen
aus dem Verſailler Vertrag über die Abrüſtung in die
Praxis umzuſetzen. Statt deſſen ſuchen ſie jetzt nach Vorwänden,
um den Termin ihrer Abrüſtungskonferenz erneut hinausſchieben
zu können.
England beankragk Vertagung
EP. London, 10. Januar.
Der Abrüſtungsausſchuß des engliſchen Kabinetts iſt am
Mittwoch nachmittag unter dem Vorſitz des Miniſterpräſidenten
in der Downingſtreet zuſammengetreten. Außer dem Luftfahrt=
miniſter
Lord Londonderry, der zur Zeit auf einer Inſpektions=
reiſe
in Indien weilt, nahmen alle dem Ausſchuß angehörenden
Miniſter an der Sitzung teil, über deren Verlauf keine offi=
ziellen
Mitteilungen gemacht wurden.
Wie man in unterrichteten Kreiſen des Völkerbundsſekre=
tariats
erfährt, beſteht auf engliſcher Seite der Plan, eine Ver=
tagung
der Abrüſtungskonferenz vorläufig bis zum 12. Februar
vorzuſchlagen. Man hofft, durch dieſe neue Friſt von etwa drei
Wochen, den im Gang befindlichen Verhandlungen eine letzte
Chance zu geben, um eine Einigung in der Abrüſtungsfrage
herbeizuführen.
Die Kammer wird informierk.
Die franzöſiſche Denkſchrift
dem Auswärtigen Ausſchuß der Kammer mikgekeilk.
DNB. Paris, 10. Januar.
Der Kammer=Ausſchuß für auswärtige Angelegenheiten hat
heute nachmittag unter dem Vorſitz des Abg. Herriot eine Sitzung
abgehalten. Nach der darüber ausgegebenen Mitteilung wurden
die diplomatiſchen Verhandlungen mit den europäiſchen Großmäch=
ten
erörtert. Wie ferner verlautet, hat Herriot den Ausſchuß
über den Wortlaut des in Berlin überreichten franzöſiſchen Aide
memoire unterrichtet. Der Ausſchuß ſoll den Text ohne Wider=
ſpruch
gebilligt haben.

Schreibmaſchinenſchrift aufweiſen. Die Dokumente über die aben=
teuerliche
Flucht Lafayetts aus den kaiſerlichen Gefängniſſen ſind
da und der berühmte Codex, den Montezuma durch Cortez an
Karl V. überreichen ließ. Um ſeine Bilderſchrift, die bis zum
heutigen Tage noch nicht reſtlos entziffert worden iſt, den Ge=
lehrten
zugänglich zu machen, iſt eine Reproduktion hergeſtellt
worden, die das äußerſte an Genauigkeit darſtellt, die überhaupt
denkbar iſt. Durch langwierige Forſchungen wurde feſtgeſtellt, aus
welcher Art mexikaniſchen Holzes die Deckel gefertigt ſind und
wie der Kalk, auf den mit Erdfarben die Bilder gemalt ſind, in
das Leder geſtampft wurde. Die Reproduktion einer einzigen
Seite dieſes wertvollen Bilderdokuments, das auf ſeinen 48 Per=
gamentſeiten
wundervolle Darſtellungen enthält, hat mehr als
500 Stunden beanſprucht.
Mit den 66 Millionen Akten iſt der Umfang dieſer Samm=
lungen
noch durchaus nicht erſchöpft. Es gibt dort noch 260 000
Porträts, darunter auch zwei Bilder von Waſhington, die in
Amerika lange Zeit gänzlich unbekannt waren. 600 000 Siegel
ſind in einer beſonderen Abteilung geſammelt. Dazu kommen
noch Seltſamkeiten, wie z. B. ein Turbantuch, auf das der Koran
geſtickt und gemalt iſt eine Lebensarbeit von vier Derwiſchen ,
oder eine Bohne, auf die vor 400 Jahren eine Sure gegraben
wurde.
Dabei iſt das Archiv, obgleich es manche Beſtände auf Grund
der Vororteverträge abgeben mußte, in der letzten Zeit noch be=
deutend
gewachſen. Ein noch heftig umſtrittener Beſitz ſind
übrigens die Akten über den Mord von Sarajewo, um die mit
den Erben des ermordeten öſterreichiſchen Thronfolgers Franz
Ferdinand ein Formalprozeß geführt werden muß, der wohl nur
den Zweck hat, dieſe Geheimgeſchichte noch ſicherer vor der Ent=
hüllung
zu bewahren, als es die Archivvorſchrift geſtattet, die die
freie Erforſchung nur bis zum Jahre 1894 zuläßt.
Es iſt noch gar nicht lange her, daß in den alten Akten ſogar
ein Kunſtwerk gefunden wurde, ein Raynolds, wertvoller als
mancher alte Meiſter: Ein Männerakt, den damals nach dem An=
kauf
irgendeine Kommiſſion wahrſcheinlich als anſtößig erklärt
hatte.
Begreiflich das große Intereſſe, endlich einmal zu wiſſen,
was hier in dieſem Oeſterreichiſchen Staatsarchiv eigentlich alles
vorhanden iſt. Dieſer Wunſch iſt alt, und ſchon Maria Thereſia
hat ſich an dieſer Feſtſtellung verſucht. Die in ihrem Auftrage
angefangene Karthotek iſt aber nur bis zum Buchſtaben F ge=
langt
, weil die Schleſiſchen Kriege den Arbeiten ein jähes Ende
bereiteten. Aber der Wunſch nach dem Wiſſen iſt geblieben, und
in ſorgfältiger Arbeit wird nun neuerdings der Verſuch gemacht,
die hier lagernden Schätze der Vergangenheit zu regiſtrieren.
Kürzlich iſt bereits die erſte Veröffentlichung einer Folge wiſſen=
ſchaftlicher
Werke erſchienen, die in dieſem Archiv ruhen.

[ ][  ][ ]

Seite 4 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 11. Januar 1934

Een

Statt Karten.

Da es mir unmöglich ist, allen denen, die aus
Anlaß meines 90. Geburtstages meiner so
freundlich gedacht haben, zu danken, spreche
ich hierdurch allen lieben Freunden und Be-
kannten
, insbesondere der hohen Hessischen
Staatsregierung, der Bürgermeisterei, der NS-
Frauenschaft und der Ev. Kirchengemeinde
Ebe stadt für ihre Glückwünsche und Ehrungen
meinen herzlichsten Dank aus.
(521
Villenkolonie Eberstadt, den 10. Januar 1934.
Adolf-Hitlerstraße 137.
Frau Dorothea Dries
geb. Spatz.

Todesanzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß unſere liebe, treu=
ſorgende
Mutter, Schwiesermutter und Groß=
mutter
, Schweſter, Schwägerin und Tante
Mau Einadeig Srum Bwr.
(530
geb. Bechtold
heute morgen 8 Uhr ſanft entſchlafen iſt.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 10. Januar 1934.
Die Beerdigung findet ſtatt Freitag nachm.
122 Uhr, Friedhof Nied=Ramſtädter Str.

Für die Gratuletionen an-
läßlich
unserer goldenen
Hochzeit sprechen wir Allen
unseren herzl. Dank aus.
KarlEmig u. Frau
Mauerstraße 8.

Todes=Anzeige. Pſ.126
Gott dem Allmächtigen
hat es gefallen, unſere
liebe Mutter
Anna Schmitt Ww.
geb. Geppert
nach kurzem Krankenlager
im Alter von 72½ Jahren
in die ewige Heimat ab=
zurufen
.
In tiefem Leid:
Helene Schmitt
Guſtav Schmitt u. Frau
Ludwig Geppert u. Frau
nebſt Enkelkinder.
Darmſtadt, Beſſunger=
ſtraße
83, den 9. Jan. 1934.
Die Beerdigung findet
Freitag, 12. Januar 1934,
nachm. 2.30 Uhr auf dem
Beſſunger Friedhof ſtatt.

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(531
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Entſchuldungsverfahren.
Uer den landwirtſchaftlichen Be=
trieb
der: 1. Wilhelm Fritſch II.,
Witwe Eliſabethe, geb. Weber,
2. Wilhelm Fritſch III., 3. Georg
Fritſch, 4. Anna Fritſch, geb. Bern=
hard
, 5. Eliſabeth Fritſch, ſämtlich
Ober=Ramſtadt wird heute am
3. Januar 1934, nachmittags 16 Uhr
das Entſchuldungsverfahren er=
öffnet
. Zur Entſchuldungsſtelle
wird die Heſſiſche Landesbank
Staatsbank in Darmſtadt er=
nannt
.
Alle Gläubiger werden zur Mei=
dung
von Rechtsnachteilen aufge=
fordert
, bis zum 1. März 1934 bei
dem unterzeichneten Gericht oder
bei der Entſchuldungsſtelle ihre
Anſprüche anzumelden und die in
hren Händen befindlichen Schuld=
urkunden
einzureichen. (525
Heſſiſches Amtsgericht Darmſtadt.

Bauarbeiten.
Die Regulierung von Darm=
bach
-Landwehr zwiſchen Geha=
borner
Hof u. Landgraben (4,55 km
Länge mit 13000 cbm Erdaushub,
1570 cbm Beton uſw.) ſoll auf
Grund der Reichsverdingungsord=
nung
in 2 Loſen vergeben werden.
Gemeinſame oder getrennte Ver=
gebung
der beiden Loſe bleibt vor=
behalten
.
Arbeitsbeſchreibungen u. Bedin=
gungen
liegen bei dem Tiefbauamt
Zimmer Nr. 6 während der Dienſt=
ſtunden
zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis Mittwoch, den
17. Januar Ifd. Js. 10 Uhr bei
unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 10. Januar 1934.
St523) Städt. Tiefbauamt.

Holzberſteigerung Nr. 4
Dienstag, den 16. ds. Mts. von
vorm. 9 Uhr ab werden in der
Turnhalle am Woogsplatz hier aus
den ſtädt. Förſtereien Beſſ. Laub=
wald
(Franzoſenberg 13,Los 712.850)
und Städt. Tanne (Abtrieb Texas
40 Los 325429, Pelz 44 Los
20598 und Kaiſerſchlag 13, Los
599708) verſteigert:
Scheiter Rm.: 224,5 Buche, 27 Eiche,
387 Kiefer; Knüppel Rm.: 41 Buche,
295 Kiefer, 8 verſch. (St 524
Darmſtadt, den 10. Januar 1934.
Städt. Güterverwaltung.

Holsverſteigerang 4..u
Dienskag, den 16. Januar 1934.
vormittags 10 Uhr, auf Burg Frankenſtein
us Forſtort Schindkaute u. Mühlacker;
Nutzſcheit, Rm.: Buche 4.
(496
Brennſcheit, Rm.: Buche 498, Eiche 5.
Knüppel, Rm.: Buche 114, Eiche 2
Reiſer 3. Klaſſe, Wellen: Buche 2650.
Heſſiſches Forſtamt Eberſtadt.

[ ][  ][ ]

Donnerstag, 11. Januar 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 5

Aus der Landeshauptſtadt
die Zentſche Jochſcate füe Boinnt

Darmſiadt, den 11. Januar 1934.
Generalſtaaksanwalt i. R. Geheimrak Dr. Preekorius
80 Jahre all.
Am 12. Januar vollendet Geheimrat Dr. Preetorius in Unter=
grainau
bei Garmiſch ſein 80. Lebensjahr. Da der Jubilar über
20 Jahre lang hier dienſtlich tatig war, werden zweifellos auch
viele Darmſtädter ſeiner an ſeinem Ehrentage gern und ver=
ehrungsvoll
gedenken.
Geheimrat Dr. Preetorius wurde am 12. Januar 1854 in
Mainz geboren, beſtand im November 1875 die juriſtiſche Fakul=
täts
= ſowie nach zweijährigem Acceß im Mai 1878 die Staatsprü=
fung
und wurde bereits am 16. Dezember 1878 als Honorar=
ſubſtitut
des Staatsprokurators in Alzey angeſtellt. Bei der Ein=
führung
der neuen Gerichtsverfaſſung vom 1. Oktober 1879 wurde
er zum Staatsanwalt beim Landgericht Mainz und am 28. Fe=
bruar
1885 zum Landrichter bei dieſem Gericht ernannt. Schon
vor Vollendung ſeines 40. Lebensjahres am 7. Oktober 1893 wurde
Dr. Preetorius als Oberſtaatsanwalt ans Landgericht Darmſtadt
und am 21. Juni 1902 als Nachfolger von Geheimrat Schlippe als
Generalſtaatsanwalt an das Oberlandesgericht berufen. Der 25.
November 1910 brachte ihm den Charakter als Geheimrat und am
gleichen Tage 1913 wurde ihm, nachdem ihm ſchon vorher verſchie=
dene
Ordensauszeichnungen zuteil geworden waren, das Komtur=
kreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen mit
der Krone von ſeinem Landesherrn verliehen. Mit der Errich=
tung
der Heſſiſchen Landeshypothekenbank im Jahre 1903 wurde
Dr. Preetorius zum Treuhänder bei ihr beſtellt und der Prüfungs=
kommiſſion
für das Juſtiz= und Verwaltungsfach gehörte er vom
Frühjahr 1902 bis zum Frühjahr 1921 als Mitglied an. Das Ge=
ſetz
über die Altersgrenze der Staatsbeamten, das damals einge=
führt
wurde, nötigte Geheimrat Dr. Preetorius am 1. Oktober
1923, körperlich und geiſtig voll rüſtig, in den Ruheſtand zu treten.
Obwohl Dr. Preetorius ſich in Darmſtadt ſehr wohl gefühlt
hatte, zog es ihn nach Oberbayern, weil dort drei ſeiner Kinder
weilten. Er ſchuf ſich in Untergrainau, wo ſeine Tochter verhei=
ratet
iſt, ein ſchönes, überaus behagliches Heim. Die Zugſpitze
ſchaut durchs Fenſter in ſein Arbeitszimmer. An ſeinem Schreib=
tiſch
, an dem er in reger Fortarbeit täglich ſtundenlang verweilt,
hört er die Glocken der weidenden Kühe, und aus ſeinem Garten
tritt er unmittelbar auf die Matten, in die herrliche Gegend
hinaus.
Geheimrat Dr. Preetorius war ein ausgezeichneter, überaus
fleißiger, pflichtgetreuer Beamter und ein ſcharfſinniger Juriſt.
Darüber hinaus verfügt er über ein umfaſſendes allgemeines
Wiſſen und pflegt mit Liebe und Verſtändnis muſikaliſche und
ſonſtige künſtleriſche Intereſſen. Sein prächtiger Humor und ſeine
ſprühende Unterhaltungsgabe erwarben ihm zahlreiche Freunde
und machten ihn überall zum gerngeſehenen Geſellſchafter.
Nun darf er mit ſeiner liebenswürdigen Gattin, mit der er
ſeit etwa 55 Jahren in glücklichſter Ehe lebt, mit ſeiner Tochter
und zwei Söhnen, die hervorragende Künſtler ſind, die ſeltene
Feier des 80. Geburtstages begehen. Seine überaus zahlreichen
Freunde werden im Geiſte bei dem verdienten Manne weilen.
Möge ihm noch manches frohe Jahr beſchieden ſein.
Dr. Beſt, Oberlandesgerichtspräſident i. R.

Amtskage und Dienſtſtunden der Skaaksbehörden.
Stpa. Die Fülle von Geſetzen und Anordnungen, die ſich aus
der politiſchen Umſtellung auf allen Gebieten ergibt, ſowie Ein=
gaben
und Beſchwerden aller Art nehmen die Behörden ſo ſtark
in Anſpruch, daß der Verkehr mit dem Publikum auf die feſtge=
ſetzten
Sprechſtunden unbedingt beſchränkt werden muß. Nur in
den dringendſten Ausnahmefällen können für die Zukunft Volks=
genoſſen
außerhalb der Sprechſtunden empfangen werden.
Die Sprechſtunden müſſen unter allen Umſtänden eingehal=
ten
werden, da ſonſt eine pünktliche und raſche Erledigung der
laufenden Arbeiten unmöglich iſt.
Die Sprechſtunden des Staatsminiſters und der Miniſterial=
abteilungen
ſind Samstags von 8.30 bis 13 Uhr,

Hohes Alter. Amalie Creder, geb. Blümler, Witwe,
früher wohnhaft in Beſſungen, begeht am 12. Januar ihren 87.
Geburtstag in geiſtiger und körperlicher Friſche.
Nationales Ehrenopfer. Fräulein Ilſe Heſſenauer
aus Kaſſel, die am 11. Januar, 20 Uhr, im Saalbau über Grenz=
landskampf
und auslandsdeutſche Schickſale‟
ſpricht, hat von dem Reichsführer des V.D.A. den Auftrag erhal=
ten
, die Herzen aufzurütteln für das nationale Ehrenopfer, das
auch der drängenden Not der Volksgenoſſen jenſeits der Grenzen
gedenkt. Wenn auch die Darmſtädter Frauen in erſter Linie ihre
Volksgenoſſinnen zu dieſer Veranſtaltung einladen, ſind ſelbſtver=
ſtändlich
auch Männer herzlich willkommen. Eintritt frei!
Odenwaldklub. 160 Wanderer kann der Klub an ſeinem
52. Jahresfeſt am 20. Januar auszeichnen. Dieſe volkstümliche
Veranſtaltung verſchönen beliebte Künſtlerinnen und Künſtler, die
Sängerſchaft des Klubs und der Muſikzug der Standarte 115,
unter Leitung von W. Schlupp. Das echte Familienfeſt ſchließt mit
deutſchen Tänzen.
Evangeliſche Stadtmiſſion E. V., Mühlſtr. 24. Die Ver=
ſammlungen
in der Gebetswoche, die gegenwärtig jeden Abend
im Stadtmiſſionsſaal gehalten werden, erfreuen ſich eines über=
aus
ſtarken Beſuches. Am geſtrigen Abend ſprachen Herr Pfar=
rer
Köhler und Herr Prediger Veihelmann über das
Thema: Die allgemeine chriſtliche Kirche‟. Es wird beſonders
aufmerkſam gemacht auf den Donnerstag=Abend, wo Herr Miſ=
ſionar
Diefenbach von der Baſler Miſſion ſprechen wird über:
Die miſſionariſche Aufgabe gegenüber der außerchriſtlichen
Völkerwelt. Am Freitag abend wird Herr Prediger Hirtz und
Herr Fritz pan der Smiſſen über das Thema: Familie
und Jugend reden Am Samstag iſt keine Gebetsverſammlung,
dafür aber Sonntag abend große öffentliche Schlußverſammlung
über das Thema: Dein Wort iſt meines Fußes Leuchte, Mit=
wirkung
der Vereinigten Gemeinſchaftschöre,
Magda Strack, erſte Altiſtin des Heſſiſchen Landestheaters,
wird Mitte Januar anläßlich der Richard=Wagner=Feſtſpiele des
Theatro del Liceu in Barcelona die Partie der Brangäne in
Triſtan und Jſolde unter der muſikaliſchen Leitung von Gene=
ralmuſikdirektor
Prof. Hans Knappertsbuſch ſingen.
Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus Donnerstag
11. Januar Anf 20, Ende nach 22.45 Uhr. Deutſche Bühne. O 8
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12. Januar Anf. 19½, Ende nach 22½ Uhr D11
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Die Zauberflöte. Samstag
13. Janual Anf. 191 Ende geg. 22.45 Uhr. D. Bühne V 4
Preiſe 0.705.50
Gräfin Mariza. Kleines Haus Donnerstag
11. Janua Anf. 20, Ende 22.45 D. Bühne K 9 Zuſatzm. 11
Preiſe 0.703.80
Die große Chance. Freitag
A. Jfn,0 Anf 20, Ende 22 45 D. Bühne K 9, Zuſatzm. 12
Preiſe 0.703.80
Die große Ehauce. Gae
13. Januar Anf. 20, Ende 22 Uhr. (Außer Miete),
Preiſe 0.50, 1.00, 1.50
Datterich.

veranſtaltet im Laufe des Monats Januar einen politiſchen Hoch=
ſchulkurſus
, deſſen endgültige Daten jetzt folgendermaßen feſt=
liegen
:
Samstag, den 13. Januar, in Darmſtadt Pg. Maier= Benecken=
ſtein
; Thema: Die weltanſchaulichen Grundlagen des Natio=
nalſozialismus
.
Mittwoch, den 17. Januar, in Darmſtadt Pg. Dr. Klemmt;
Thema: Nationalſozialiſtiſche Staatsphiloſophie.
Samstag, den 20. Januar, in Darmſtadt Pg. Reg.=Rat Gut=
terer
; Thema: Moderne Propaganda als Mittel politiſcher
Willensbildung.
Mittwoch, den 24. Januar, in Darmſtadt Pg. Generalleutnant
von Metzſch: Thema: Sind Friedenspolitik und Wehr=
politik
Gegenſätze?
Die Schulungsabende ſtehen unter perſönlicher Leitung des

propagandaminiſterium, in ganz Deutſchland bekannt als alter
Kämpfer gegen den Marxismus an der Spitze von Klagges in
Hannover und Braunſchweig. Pg. Maier=Beneckenſtein wurde
ſchon vor Jahren Mitglied der Reichsleitung, Propaganda= Abtei=
lung
der NSDAP.
Der Referent des zweiten Abends, Pg. Dr. A. Klemmt
Berlin, iſt Studienleiter der Seminariſtiſchen Abteilung der
Deutſchen Hochſchule für Politik und Leiter der Abteilung für
Staats= und Kulturphiloſophie
Der Referent des dritten Abends, Pg. Reg.=Rat Gutterer,
ein alter Kämpfer der NSDAP., war früher Gau=Geſchäftsführer
im Gau Heſſen=Naſſau=Süd, Herausgeber der erſten Nationalſozia=
liſtiſchen
Zeitung des Gaues, des Naſſauer Beobachters, wurde
ſpäter Gau=Propagandaleiter im Gau Hannover und kam nach der
Machtübernahme als Referent in das Reichsminiſterium für
Volksaufklärung und Propaganda, Berlin.
Generalleutnant Horſt von Metzſch iſt. Dozent
der Abteilung für Wehrpolitik an der Deutſchen Hochſchule für
Politik. Durch eine Reihe richtungweiſender Schriften über wehr=
wiſſenſchaftliche
Fragen iſt ſein Name in weiteren Kreiſen be=
kannt
geworden.
Sämtliche Schulungsabende finden im Saale
des Reſtaurants Rummelbräu. Rheinſtraße,
ſtatt. Zur Teilnahme berechtigt ſind nur Mitglieder der
NSDAP. Vor allen Dingen wird die Teilnahme ſämtlichen
Parteigenoſſen dringend empfohlen, die an den früheren Schu=
lungskurſen
des Gau=Schulungsleiters, Pg. Trefz. teilgenommen
haben, oder die durch ihre ſonſtige Vorbildung die Voraus=
ſetzungen
für das nötige Verſtändnis der Vorträge mitbringen.
Der Preis beträgt für die geſamte Vortragsreihe zuſammen
3. RM. für jeden Teilnehmer. Beginn jeweils 8.30 Uhr abends.
Anmeldungen ſind zu richten an den Leiter der Reichspropa=
gandaſtelle
Heſſen, Pg. Trefz; Darmſtadt, Staatsminiſterium,
Adolf=Hitler=Platz 2.
Der Paß des Freiwilligen Arbeitsdienſtes.

Péter unter dieſem Beichen
diente, hat bewieſen.
daßer bereit iſt, zu wirken
für den de4iederaufhau.
inſeres Baterlandes!

Für die Angehörigen des Freiwilligen Arbeitsdienſtes
iſt dieſer neue Arbeitspaß eingeführt worden.
Erneuker vorbildlicher Opfergeiſt
der deutſchen Beamten.
In jüngſter Zeit eingetretene große Kataſtrophen haben ge=
zeigt
, daß trotz ſofort ergriffener Hilfsmaßnahmen in vielen
Fällen ſelbſt unter Einſatz ungeheurer Opfer nur ungenügende
Hilfe gebracht werden konnte.
Dieſe Tatſache hat das Amt für Beamte der NSDAP. unter
Führung ſeines Amtsleiters, Pg. Neef, und deſſen Stabsleiters,
Pg. Reuſch, bewogen, für eine ſtändige, ſchnellſtens zur Verfügung
ſtehende Hilfseinrichtung einzutreten. Bei der kürzlich in Mün=
chen
ſtattgefundenen Führertagung der NSDAP. konnte Pg. Neef
den von allen führenden Perſönlichkeiten unſerer Bewegung mit
großem Beifall aufgenommenen Hilfszug Bayern vorführen,
deſſen Entſtehen der Opferbereitſchaft und Volksverbundenheit
aller nationalſozialiſtiſchen deutſchen Beamten zu verdanken iſt.
Der Zug wurde der NS.=Volkswohlfahrt zur Verfügung geſtellt
und gibt die Möglichkeit, in Zukunft bei eingetretenen Kata=
ſtrophen
den betroffenen Volksgenoſſen ausreichende, ja beſte
Hilfe zu bringen. Es ſei nur erwähnt, daß die techniſche Ein=
richtung
des Hilfszuges derart vollkommen iſt, daß in einem
Tage 30000 warme Verpflegungs=Portionen und außerdem
20000 Liter heiße Getränke hergeſtellt werden können. Selbſt
eine Großſchlächterei mit eigener Kühlanlage iſt vorhanden. Ein
Operations= und Revierwagen, ſowie Werkſtatt= und Pionier=
wagen
laſſen den Hilfszug als wahres techniſches Wunderwerk
erſcheinen.
Jeder deutſche Beamte iſt ſtolz darauf, ein ſolches Werk mit
ermöglicht zu haben, hat doch der Stellvertreter des Führers,
Reichsminiſter Pg. Heß, durch ſeinen perſönlichen Dank an Pg.
Neef den Opfergeiſt der deutſchen Beamtenſchaft anerkennend ge=
würdigt
, hat der Stabsleiter der PO., Pg. Dr. Ley, doch das
vorbildliche Beiſpiel als für die Deutſche Arbeitsfront nach=
ahmenswert
bezeichnet. Und die Bitte der deutſchen Beamten
an alle Volksgenoſſen: Lernt einſehen, daß wir nichts anderes
ſein wollen und ſind als Volksgenoſſen.

Unkerbringung der Abikurienken.
Am 9. Januar fand beim Landesarbeitsamt Heſſen in
Frankfurt a. M. mit den Vertretern der höheren Schulen, der
Hochſchulen, der Wirtſchaft und der Behörden eine größere Sitzung
zur Beſprechung über die Berufszuführung der Abiturienten ſtatt.
Dabei, ergab ſich, daß im Geſamtbezirk des Landesarbeitsamts
(Land Heſſen und Provinz Heſſen=Naſſau) vorausſichtlich etwas
über 3000 Abiturienten(innen) unterzubringen ſein werden. Im
Lande Heſſen dürfen von rund 1250 Abiturienten(innen) 340
ſtudieren. Für die Provinz Heſſen=Naſſau iſt die Anteilzahl aus
der dem ganzen Land Preußen zuerkannten Zahl von Studieren=
den
noch nicht bekannt; es wird mit etwa einem Drittel der
ſchätzungsweiſe 1800 Abiturienten(innen) zu rechnen ſein. Bei den
Behörden ſind die Einſtellungsmöglichkeiten zum Oſtertermin 1934
ſehr eng begrenzt. Die Zahl der Bewerbungen überſteigt ſchon
jetzt um ein Vielfaches die mutmaßlich äußerſt geringe Zahl von
Eingangsſtellen in den mittleren Beamtenlaufbahnen, die für die
Aufnahme von Abiturienten in Frage kommen. Die Mehrzahl
der jungen Leute wird ſich daher rein praktiſchen Berufen in Han=
del
, Handwerk. Induſtrie und Landwirtſchaft zuwenden müſſen.
Die Vertreter der Berufsſtände betonten, es könne allgemein mit
einer weſentlich größeren Zahl von Lehrſtellen gegenüber dem
Vorjahr gerechnet werden. Es ſei daher mit Sicherheit anzu=
nehmen
, daß auch die Abiturientenanwärter für derartige Stel=
len
untergebracht werden können. Allerdings muß bei den jungen
Leuten die unbedingte Bereitſchaft vorhanden ſein, ſich ohne über=
mäßige
Anſprüche in die Tätigkeit eines Lehrlings hineinzufin=
den
. Es müſſen in jedem Beruf erſt die Grundkenntniſſe erwor=
ben
werden, ehe für eine fernere Zukunft mit einer Aufſtiegmög=
lichkeit
gerechnet werden kann. Dem Tüchtigen ſtehen auch auf
dem Wege über die Praxis durchaus leitende Poſten offen. Alle
Anweſenden waren ſich darüber einig, daß auch für diejenigen
Abiturienten, denen auf Grund der neuen Beſtimmungen die
Hochſchulreife nicht zuerkannt werden kann, entſprechend ihrer per=
ſönlichen
Leiſtungen angemeſſene Arbeitsplätze verfügbar ſein wer=
den
, daß der Einzelne nur den feſten Willen haben muß, mit Mut
und Kraft ſein Schickſal zu meiſtern. Ausſchlaggebend dabei wird
es allerdings ſein, daß auch die Eltern den jungen Leuten bei
ihrem Plan, in praktiſche Berufe einzutreten, keine Hemmniſſe in
den Weg legen, ſondern ebenfalls der gegebenen Lage Rechnung
tragen und ſie in vollem Umfange bejahen.
Aus der NSDAP.
Kommunalpolitiſche Tagung des Gaues Heſſen=Naſſau.
An der am Sonntag, den 14. Januar 1934, vormittags 10 Uhr,
im Hippodrom zu Frankfurt a. M. ſtattfindenden kommunalpoli=
tiſchen
Tagung haben die Bürgermeiſter und Beigeordneten des
Kreiſes Darmſtadt, ſoweit ſie Parteigenoſſen ſind und außerdem
die Fraktionsführer teilzunehmen!
Schulungskurſe finden ſtatt:
Freitag, den 12. Januar: Arheilgen.
Samstag, den 13. Januar: Darmſtadt. OG. Steinberg.
Es ſpricht der Kreisſchulungsleiter Pg. Borchert. Anfang
pünktlich 8.30 Uhr.
Ortsgruppe Darmſtadt=Maintor (TV).
In der am 11. Januar 1934, abends 8.30 Uhr, im Rummel=
bräu
(Rheinſtraße) ſtattfindenden Verſammlung der Ortsgruppe
ſpricht Pg. Groß über Eindrücke und Arbeitsverhältniſſe in
Sowjetrußland. Wegen des ſehr intereſſanten Themas iſt es
Pflicht aller Parteigenoſſen, zu erſcheinen und andere Volksgenoſ=
ſen
mitzubringen. Gleichzeitig werden die in der Zwiſchenzeit ein=
gegangenen
Mitgliedskarten und =Bücher überreicht.
NS.=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Darmſtadt=Steinberg (I), Ge=
ſchäftsſtelle
Viktoria=Schule.
Kohlengutſcheinausgabe: D. L bis 3, Donnerstag, den 11. Ja=
nuar
1934, von 3 bis 6 Uhr.
NS.=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe II (Darmſtadt=Beſſungen).
Die Ausgabe der Gutſcheine für Brennmaterial Serie D
findet in unſerem Geſchäftszimmer Eſchollbrückerſtraße 18 ſtatt:
am Donnerstag, den 11. Januar 1934, vorm. die Buchſtaben AF
von 912 Uhr, nachm. die Buchſtaben GK von 25 Uhr: am
Freitag, den 12. Januar 1934. vorm., die Buchſtaben LR,
von 912 Uhr nachm. die Buchſtaben SZ, von 25 Uhr. Weiße
Ausweiskarten nicht vergeſſen und vorgeſchriebene Zeiten ein=
halten
!
NS.=Volkswohhlfahrt, Ortsgruppe Maintor (Johannesviertel).
Ausgabe der Kohlengutſcheine, Serie D, in der Dieſterweg=
Schule, Blumenthalſtraße. Donnerstag, den 11. Januar 1934,
vormittags 9 bis 12 Uhr, die Buchſtaben A bis einſchließlich G:
desgleichen nachmittags von 3 bis 6 Uhr die Buchſtaben H bis ein=
ſchließlich
L. Freitag, den 12. Januar 1934, vormittags von
9 bis 12 Uhr, die Buchſtaben M bis einſchließlich S; desgleichen
nachmittags von 3 bis 6 Uhr die Buchſtaben Sch., Sp., St. bis ein=
ſchließlich
3. Ausweiſe ſind mitzubringen.
NS.=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Darmſtadt (Schloßgarten).
Die Ausgabe der Kohlengutſcheine findet ſtatt: AF am
Donnerstag, dem 11. 1. 34, vorm. 912 Uhr, GK, nachm. 25
Uhr, LR am Freitag, dem 12. 1. 34, vorm. 912 Uhr, S3
nachm. 25 Uhr. Die feſtgeſetzten Zeiten ſind einzuhalten, die
Ausweiſe ſind mitzubringen.
NS.=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Darmſtadt (Gervinus).
Die Ausgabe der Kohlengutſcheine findet ſtatt: Donnerstag,
1416 Uhr, Buchſtabe KQ, Freitag, 1416 Uhr, Buchſtabe
RS. Samstag, 1416 Uhr, Buchſtabe T3.
NSV., Ortsgruppe Darmſtadt=Mitte (IK).
Kohlengutſchein=Ausgabe für Januar: Donnerstag, 11. Jan.,
von 8 bis 12 Uhr S bis St. von 2 bis 5 Uhr T bis Z.
Die Zuſammenkunft der Frauenſchaft Steinberg und Mitte
findet wegen der Zuſammenkunft des VDA. erſt am Donnerstag,
18. Jan., um 8 Uhr, in der Hermannſchule, Eingang Karlsſtraße,
ſtatt.
Kraft durch Freude.
Die erwerbsloſen Berufsſchauſpieler und
Berufsſänger wollen bitte der Kreis=Betriebszelle genau an=
geben
: Perſonalien, Alter, ſtudierte Rollen und wo bereits be=
ſchäftigt
. Wir bitten einen kurzgefaßten Lebenslauf beizufügen.
Die Angaben müſſen ſchnellſtens in unſeren Beſitz kommen.
Einlöſung der Winterhilfsgutſcheine über Grieß und Boh=
nen
. Die vom Winterhilfswerk im Gebiet des Volksſtaats
Heſſen ausgegebenen grünen Gutſcheine, auf die 2 Pfund
Weizengrieß und 1 Pfund weiße Bohnen zu verausgaben ſind,
werden mit 0,66 RM. vom Landesverband des Heſſi=
ſchen
Einzelhandels, Darmſtadt Ludwigsplatz 8.
eingelöſt. An dieſe Adreſſe ſind die Scheine geſammelt zu
ſenden, und zwar durch die Ortsgruppen des Verbandes. Wo
ſolche nicht beſtehen, ſenden die einzelnen Geſchäfte die Scheine
direkt ein. Die Beträge werden überwieſen.
Evangeliſch=Kirchlicher Frauenverein der Petrusgemeinde.
Der Frauenabend dieſes Monats wird heute Donnerstag im Ge=
meindehaus
gehalten werden. Er will durch einen Vortrag ein=
führen
in ein Gebiet, das in den letzten Jahren oft im Brenn=
punkt
des kirchlichen Intereſſes geſtanden hat. Schweſter Anna
Jenſſen, die jahrelang als Gemeinde= und Kinderſchweſter in Ar=
menien
gearbeitet hat, wird einen Vortrag halten über Die
Not der chriſtlichen Kirche in Armenien.
v. Jubiläen heſſiſcher Bezirksſparkaſſen. Auf ein hundert=
jähriges
Beſtehen blicken heuer zurück: Offenbach,
Gießen und Vilbel. Die Kaſſen Nidda, Ortenberg und Lau=
bach
weiſen auf das Gründungsjahr 1833.

Aif
Tarr

2R
W Meräde Haut.

[ ][  ][ ]

Seite 6 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 11. Januar 1934

Der Polizeibericht.
Die dieburger Einbrecher feſtgenommen.
Zu der Dieburger Einbruchsdiebſtahlsaffäre iſt ergänzend
mitzuteilen, daß das Mitwirken der Preſſe und des Publikums in
erſter Linie mit zur ſchnellen und reſtloſen Aufklärung der Tat
und für die Unſchädlichmachung der Verbrecher beitrug. Dadurch
gelang es der Darmſtädter Kriminälpolizei, den gerichtsbekannten
57jährigen Peter Meurer, der ſich früher längere Zeit in Dieburg
aufhielt, als Anſtifter übelſter Art in Frankfurt aufzuſtöbern, wo
er ſich unangemeldet, alſo verſteckt, aufhielt und gerade wieder in
ſeinem Spezialfach, der Heiratsſchwindelei, tätig war und wieder
eine Frau hereingelegt hatte. Der Haupttäter, der 28jährige
Rudolf Neubauer, der in der Preſſe von der Feſtnahme ſeines
Komplizen geleſen hatte, machte ſich durch Fernbleiben von ſeiner
Wohnung verdächtig, konnte aber in der Nacht zum 7. Januar
früh in Frankfurt, in der Elbeſtraße, von Darmſtädter, unterſtützt
von Frankfurter Kriminalbeamten, dingfeſt gemacht werden. Tags
darauf gelang es auch, die Begleiterin des Neubauer, eine 19 jäh=
rige
Packerin aus Frankfurt, zu faſſen. Die Feſtnahme des letzten
Komplizen ſteht ſtündlich bevor. Ein Ehepaar aus Frankfurt,
die Ehefrau des Neubauer und deren Liebhaber, werden ſich wegen
Begünſtigung und Hehlerei zu verantworten haben. Von dem
geſtohlenen Geld konnten 3150 RM. wieder herbeigeſchafft werden.
Die leere Geldkaſſette mit den Schuldſcheinen wurde am Bahn=
damm
der Strecke MünſterOberroden aufgefunden. Der Anſtif=
ter
Meurer ſoll einen Beuteanteil von 1500 RM. erhalten haben,
über deſſen Verbleib er ſich aber noch ausſchweigt. Die teuren
Garderoben, die ſich die Einbrecher und ihre Hehler inzwiſchen
zugelegt hatten, konnten herbeigeſchafft und dem geſchädigten Metz=
germeiſter
zur Minderung des Schadens ausgehändigt werden. Die
weiteren Nachforſchungen werden ergeben, inwieweit Meurer ſich
der Anſtiftung zu weiteren Straftaten in Heſſen, darunter auch
in Dieburg ſchuldig gemacht hat und mit welchen Perſonen er in
Geſchäftsverbindung ſtand.
Selbſtmord. In der Nähe der Blockſtelle Kaſtanienallee der
Odenwaldbahn ließ ſich am Mittwoch morgen ein 23jähriger aus=
wärtiger
Student vom Frühzug überfahren und wurde auf der
Stelle getötet. Gegen 7.15 Uhr wurde ſeine Leiche von einem
Streckenwärter auf dem Schienengleis aufgefunden. Was den
jungen Mann in den Tod trieb, iſt nicht bekannt.
Den Verletzungen erlegen. Der am 2. Weihnachtsfeiertag auf
der Landſtraße Darmſtadt-Büttelborn, unweit des Bahnuber=
ganges
, mit einem Perſonenkraftwagen verunglückte 32jährige
Geſchäftsführer Karl Prähofer aus Köln iſt plötzlich im Stadt=
krankenhaus
ſeinen ſchweren Verletzungen erlegen.
Aus dem Fenſter geſprungen. Am Mittwoch gegen 19 Uhr
ſtürzte ſich in der Schuknechtſtraße ein 31jähriger Chemiker aus
Darmſtadt in ſelbſtmörderiſcher Abſicht aus dem Vorplatzfenſter
einer Wohnung im zweiten Stock. Er mußte mit ſchweren Ver=
letzungen
ins Eliſabethenſtift eingeliefert werden. Lebensgefahr
beſteht zurzeit nicht. Das Motiv zu dem Verzweiflungsſchritt iſt
noch ungeklärt.
Kollidiebſtahl. Am Dienstag wurde von einer Speditions=
rolle
vor dem Hauſe Alicenſtraße 20 ein Acht=Kilo=Paket Ziga=
retten
geſtohlen. Das Paket trug die Nummer 185 und war adreſ=
ſiert
nach dem Hauſe Pankratiusſtraße 67. Der Täter wurde von
dem Hauſe Aliceſtraße 20 auch beobachtet, wie er mit ſeinem Fahr=
rad
durch die Wendelſtadtſtraße, Richtung Blumenthalſtraße, da=
vonfuhr
. Er wird beſchrieben als etwa 30 Jahre alt, etwa 1,60
Meter groß, mittlere Statur, ſchmales Geſicht, eingefallene Backen.
Er trug blaue Schirmmütze und ſchwarzen Ueberzieher. Wer hat
Wahrnehmungen gemacht?
Feſtnahme. Am Mittwoch wurde ein von der Staatsanwalt=
ſchaft
Gießen wegen Einbruchsdiebſtahls geſuchter dreißigjähriger
Fuhrmann aus Frankfurt a. M. von der Polizei ermittelt und
dem Richter zugeführt.
Wer kennt die Betrügerinnen? Am 23. Dezember 1933 kauf=
ten
zwei Frauen nach Eintritt der Dunkelheit auf dem Marktplatz
einen Ständer für 1.15 RM. Die jüngere der beiden bezahlte mit
einem alten Zweimarkſtück. In der Dunkelheit ſah die Verkäu=
ferin
die Münze als ein Dreimarkſtück an und gab 2 Mark her=
aus
. Die ältere Frau wird beſchrieben als 55 bis 60 Jahre alt,
etwa 1,60 Meter groß, von mittlerer Statur ſchmales, blaſſes Ge=
ſicht
. Sie trug ſchwarzen Hut und ſchwarzen Samtmantel und hätte
eine ſchwer verſtändliche Ausſprache. Die jüngere kann leider nicht
näher beſchrieben werden. Wer kann Angaben über die beiden
Frauen machen:
Reiſende Einbrecher gefaßt. In einem hieſigen Hotel wurde
ein reiſender Einbrecher bei Ausübung ſeines dunklen Gewerbes
ertappt und von der Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht.
Aus dem Auto geſtohlen. Am Mittwoch gegen 22 Uhr wurde
aus einem vor dem Hauſe Wilhelmſtraße 28 haltenden Perſonen=
kraftwagen
eine grau=beige, 2 mal 1,50 Meter große Plüſchdecke in
dem kurzen Augenblick geſtohlen, als der Chauffeur Gepäckſtücke
in das Haus trug. Wer hat irgendwelche Beobachtungen gemacht
oder kann über den Verbleib der Decke Angaben machen?

Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Wegen Kindesmißhandlung werden die Ehe=
leute
Albert Mühlbauer aus Griesheim vom
Bezirksſchöffengericht am Mittwoch zu je 1½ Jahren Ge=
fängnis
verurteilt. Mit unglaublicher Roheit behandelten
die beiden ihr vierjähriges Töchterchen. Schon immer hatten die
Nachbarinnen, denen das furchtbar verſchüchterte und blaſſe, oft
blaugeſchlagene Kind auffiel, die Frau gewarnt. Immer ſchlim=
mer
wurden die Mißhandlungen, und wenn die Kinder nur ihre
Mutter von ferne hörten, fingen ſie ſchon an zu zittern und zu
beben. Die Nachbarinnen meiaten als Zeuginnen, die Frau ſei
die Schlimmere von beiden geweſen, denn ſie ſchlug das Kind am
Tag und gab am Abend keine Ruhe, ehe nicht der Mann es noch
mal gehörig durchbleute. Auf Befragen der Nachbarinnen, warum
das Kind denn ſo beſtraft werden müſſe, gab ſie an, es habe, wäh=
rend
ſie im Kino geweſen ſeien dafür war natürlich immer Geld
die übrigen Kartoffeln und Rote Rüben aufgefreſſen
Die beiden werden ſofort verhaftet, um zu verhüten, daß ſie ihre
Wut über die Strafe nochmals an den Kindern auslaſſen.
Ein Kraftfahrer der Reichspoſt, der wegen fahr=
läſſiger
Tötung angeklagt war, er ſoll einen Unfall in der
Heidelberger Straße, bei dem ein Radfahrer tödlich verletzt wurde,
durch ſein fahrläſſiges Ueberholen verſchuldet haben, wird von der
Großen Strafkammer freigeſprochen, da infolge der ſehr
ungenauen Angaben der Zeugen eine klare Sachlage nicht mehr
geſchaffen werden kann.

Fahrplanverbeſſerungen.
Von Eberſtadt (Bergſtr.) nach Pfungſtadt wird
ab 13. Januar 1934 Samstags und Sonntags noch eine
Spätfahrt im Anſchluß an Zug 970, Darmſtadt ab 23.48 Uhr,
befördert: Eberſtadt ab 23,57 Uhr, Pfungſtadt an 0.02 Uhr.
Ebenſo wird die Triebwagenfahrt 686 S. Darmſtadt
Hbf. ab 23.47 Uhr, Babenhauſen an 0.39 Uhr, auch Mitt=
wochs
und Samstags bis Babenhauſen durchgeführt=

Aus den Darmſtädker Lichtſpieltheakern
Palaſt.
Der engliſche, in deutſche Sprache übertragene Tonfilm Ca=
valcade
verſucht einen Querſchnitt durch die letzten 33 Jahre
zu geben, er beginnt in der Silveſternacht 1900 und endet mit
der Silveſternacht 1933. Dazwiſchen liegt das Ganze iſt von
England aus geſehen der Burenkrieg, der Tod der Königin
Victoria, der Weltkrieg, Taumel und Elend der Nachkriegszeit.
Dieſe Ereigniſſe ſind nicht als ſolche dargeſtellt, ſondern in ihren
Auswirkungen auf das Schickſal einer Offiziersfamilie und ihrer

Umgebung, aber die Verknüpfung zwiſchen dem perſönlichen und
dem allgemeinen größeren Geſchehen iſt nicht überall einleuch=
tend
. Vielleicht ſind einzelne Partien weggelaſſen worden, jeden=
falls
läßt der Film in ſeiner vorliegenden Faſſung keinen durch=
gehenden
klaren Sinn erkennen, der doch dem Plan, das Schick=
ſal
einer Generation zu ſchildern, in der einen oder der anderen
Weiſe zugrunde liegen ſollte. Unberührt von dieſen Män=
geln
bleibt die ſympathiſche ſchauſpieleriſche Leiſtung der bei=
den
Hauptdarſteller Diana Wynard und Clive Brook.
Als Wochenſchau bringen die Palaſt=Lichtſpiele jetzt die Ba=
varia
=Wochenſchau, ſo daß wir, um das einmal zu erwähnen, in
Darmſtadt jetzt alle vier deutſchen Wochenſchauen (Ufa, Fox, Deu=
lig
, Bavaria) zu ſehen bekommen.

U.=T.
Rakoczy=Marſch.
Dieſer Marſch der ungariſchen Huſaren iſt
darum Titel des Films geworden, weil ſeine
Klänge Erinnerungen wecken. Er wurde ge=
ſpielt
, als er das iſt der ſchneidige Ober=
leutnant
der ungariſchen Kavallerie ſie‟
das iſt die wundervollſte Frau der Welt
zum erſten Mal ſah und ſich ſelbſtredend, weil
das ſo Reiterart, in ſie verliebte! Richtig und
ernſt! Und die Klänge dieſes Marſches auch
im Walzer ertönen immer wieder, und immer
wieder wecken ſie Erinnerungen. Trübe und
wunderbar ſchöne, wie die der erſten flam=
menden
Liebe. Sie klingen auch durch die
Tragödie, die aus dieſer Liebe erwächſt, als
nämlich eine falſch verſtandene Handlung un=
ehrenhaft
ausgelegt wird und der Oberleut=
nant
im Duell faſt verblutet. Sie klingen
dann auch im happy end. Bunte, ſtark le=
bendige
Bilder aus dem Manöverleben, ſchöne
Landſchaftsbilder und temperamentvolle Muſik
und Czardastanz umrahmen die Handlung,
die, was ſelten iſt, den öſterreichiſch=ungariſchen
Offizier nicht in den Rahmen einer Operette
ſtellt. Die Darſtellung mit Guſtav Fröh=
lich
und Camilla Horn im Mittelpunkt iſt
ſehr gut.
Im Beiprogramm ziehen noch einmal die
wichtigſten Ereigniſſe des Jahres an uns vor=
über
.
2

Camilla Horn und Guſtav Fröhlich.

Barieié=Feſtſpiele im Orpheum.
Jetzt gehts los! iſt das Tempo des Abends dieſes ausge=
zeichneten
Parietéprogramms, das für einige Tage im Orpheum
gaſtiert. Ein Programm, dem für die Tage des Gaſtſpiels aus=
verkaufte
Häuſer zu wünſchen wären. Es iſt in der Tat erſtklaſſig!
Schon die Einführung originell und humorvoll. Und die Ko=
mik
findet in buntem Gemiſch mit hervorragenden Akrobaten=
künſten
Fortſetzung zunächſt in den beiden Alexander, die im
Rahmen der Groteske allerbeſte Parterreakrobatik liefern. Sie
ſind, wie ſämtliche Künſtler dieſes bunt zuſammengewürfelten
Enſembles, unglaublich vielſeitig. Humoriſten und Clowns, Step=
tänzer
und Springer! Vielſeitiger noch dann die weiblichen Mit=
glieder
des Enſembles. Man weiß nicht, was man an dieſen
nehr bewundern ſoll, den graziöſen, rhythmiſch gebundenen Tanz
oder die Jonglierkünſte, oder die Wunder an Kraft und Gewandt=
heit
am Trapez, an Tauen, in der Zahnathletik oder in der
Zauberei und Hundedreſſur. Dieſe Aufzählung allein erweiſt
ſchon die Vielſeitigkeit dieſer 1012 Künſtlerinnen, die in allen
möglichen Variationen das Programm beſtreiten helfen. Dabei
ſind dieſe Damen auf allen Gebieten hervorragend. Kraft und
Schönheit und Anmut und Humor in beſter Perſonifizierung.
Was ſie als Ida Mays Seekadetten leiſten, iſt die
ſchönſte, eleganteſte und kraftvollſte Varietékunſt, die man ſich
denken kann. Turneriſche Meiſterleiſtungen, die kaum zu errei=
chen
bzw. überbieten ſind.
Die drei Cartellas mit ihren Wunderhunden Bijon
und Tosca die beiden Tierchen verdienen vollauf, mit Namen
genannt zu werden bieten ebenſo wie die ſingenden und tan=
zenden
Myſterien der Gebrüder Uferini. Söhne des in
Darmſtadt beſtens bekannten Altmeiſters der Zauberei, umfang=
reiche
Sondervorſtellungen für ſich, die allein ſchon den Beſuch
rechtfertigen und lohnend geſtalten. Dann die köſtlichen Schatten=
bilder
, die urkomiſchen Grotesk=Akrobaten der Killy Mork
Compagnie und endlich die feucht=fröhliche Angelegenheit der
beiden Clowns Pippo und Mosca, die den Abend heiter be=
ſchließt
! Wirklich, man ſollte ſich dieſe Varieté=Feſtſpiele an=
ſehen
. Es iſt kein verlorener Abend!

Starke Vermehrung der Mittelgewinne bei der Preußiſch=
Süddeutſchen Klaſſenlotterie. Die Generaldirektion der Preußiſch=
Süddeutſchen Staatslotterie gibt jetzt den Gewinnplan zur 43.
Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſenlotterie bekannt, der, wie der Par=
lamentsdienſt
des Deutſchen Nachrichtenbüros meldet, eine erheb=
liche
Vermehrung der Mittelgewinne bringt. Während die Zahl
der Gewinne in den erſten vier Klaſſen die gleiche bleibt, enthält,
die fünfte Klaſſe 50 Gewinne zu 10 000 RM. (bisher 40), 1000 Ge=
winne
zu 2000 RM. (bisher 600), 2000 Gewinne zu 1000 RM.
(bisher 1000) und 5000 Gewinne zu 500 RM. (bisher 3000). Dieſe
Gewinne ſind zuſätzlich in den Gewinnplan eingeſtellt worden,
ohne daß andererſeits etwa eine Verringerung der hohen Gewinne
erfolgt iſt. Das Spielkapital iſt infolge der Vermehrung der
Mittelgewinne um über 3 Millionen RM. auf rund 66,4 Millio=
nen
RM. erhöht worden.
Schüht die deutſche Familie
gegenl Hanger und Haiie!
Vereins= und lokale Beranſtaltungen.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Sektion Starkenburg des Deutſchen und
Oeſterreichiſchen Alpenvereins. Es wird auf die
heutige Anzeige verwieſen.
Tageskalender.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Union: Rakoczy=Marſch Helia: Des jungen Deſſauers große
Liebe, Palaſt: Cavalcade‟
Reſi=Theater: Kaiſerwalzer

Aus Heſſen.
Dg. Arheilgen, 10. Jan. Vortrag. Die Ortsgruppe Arheil=
gen
des Heſſen=Naſſauiſchen Bauernſtandes hatte ihre Mitglieder
zu einer Mitglieder=Verſammlung im Gaſthaus Zur Sonne ein=
geladen
. Im Mittelpunkt der Verſammlung ſtand ein Referat des
Herrn Geſchäftsführers Dümas=Darmſtadt, der über das Thema:
Reichserbhofgeſetz und Entſchuldungsgeſetz ſprach. Redner ver=
reitete
ſich in anſchaulicher Weiſe über den praktiſchen Wert dieſer
Geſetze, über Zweck und Ziele, die Art der Durchführung und die
Auswirkungen auf den Bauernſtand. An Hand perſönlicher Bei=
ſpiele
legte er zahlreiche Einzelheiten klar. Die inſtruktiven und
leichtverſtändlichen Ausführungen fanden ungeteilten Beifall und
löſten eine angeregte Ausſprache aus. Anſchließend an den Vor=
trag
fanden verſchiedene örtliche Angelegenheiten ihre Er=
ledigung
. Hohes Alter. Am letzten Sonntag konnte Herr
Jakob Becker, Obergaſſe 12, ſeinen 78. Geburtstag begehen.
E. Wixhauſen, 10. Jan. Vortrag. Herr Obſtbauinſpektor
Behne=Darmſtadt ſprach in einer öffentlichen Verſammlung über
Pflege der Obſtbäume. Es wurden die Beſtimmungen über Schäd=
lingsbekämpfung
bekannt gegeben. Hiernach hat jeder Obſtzüchter
für Bekämpfung der Schädlinge an ſeinen Obſtbäumen zu ſorgen.
Im Laufe des nächſten Monats beginnt der hieſige Obſt= und Gar=
tenbauverein
mit dem Spritzen der Obſtbäume. Die Winter=
ſpritzung
der Obſtbäume mit Obſtbaumkarbolineum dient zur Be=
kämpfung
von Blut=, Blatt= und Schildläuſen, von Flechten, Moo=
ſen
, ſowie gegen faſt das geſamte in den verſchiedenſten Entwick=
lungsformen
, überwinternde Ungeziefer! Die Wirkſamkeit der
Winterſpritzung wird erhöht, wenn Stämme und Aeſte mit einem
Baumkratzer oder harten Bürſte gründlich geſäubert werden.
o. Erzhauſen, 10. Jan. Dem hieſigen kommiſſariſchen Bür=
germeiſter
Vollrath wurde ſein Geſuch um Enthebung ſeines
Dienſtes vom Kreisamt genehmigt. Derſelbe iſt wieder in ſeine
frühere Stellung in die Stadtverwaltung Frankfurt am Main
eingetreten. Die Bürgermeiſterei verſieht zurzeit Beigeordneter
W. Lotz. Am Silveſterabend verübten hieſige Schuljungen
während der kirchlichen Silveſterfeier an dem Feldhaus des Ein=
wohners
Fr. Becker groben Unfug. Die Jungen ſind jetzt er=
mittelt
.
Ek. Pfungſtadt, 10. Jan. Hohes Alter. Am Donnerstag
(11. Januar) begeht Frau Valentin Clemenz 1. Witwe, Sand=
ſtraße
72, ihren 85. Geburtstag in noch verhältnismäßig guter
körperlicher und geiſtiger Friſche. Das Winterhilfs=
werk
. In dieſer Woche gelangen 1300 Zentner Kohlen oder Bri=
ketts
an Bedürftige der hieſigen Gemeinde, ſowie der Gemeinden
Hahn, Eich und Eſchollbrücken, zur Verteilung. Durch die Pfung=
ädter
Ortsverwaltung gelangen die Gutſcheine zur Ausgabe.
Daß aber auch der Opfergedanke nicht erlahmt iſt, das zeigt das
Ergebnis der Sammlung zum 4. Eintopfgericht. Nicht nur in
Pfungſtadt, ſondern auch in den Nachbargemeinden hat die
Sammlung eine erfreuliche Erhöhung von 10 Prozent, in Hahn
ſogar von 25 Prozent erfahren. Im Dienſte der Volkswohl=
fahrt
wurde im Rheiniſchen Hof ein Wohltätigkeitskonzert ver=
anſtaltet
, dem am Abend ein deutſcher Tanz folgte. Die muſika=
liſchen
Leiſtungen unter Leitung des noch jungen einheimiſchen
Künſtlers Adam Weingärtner ließen aufhorchen. Auch konnte der
Volkswohlfahrt ein ſchöner Betrag zugeführt werden, ſo daß Ver=
anſtalter
und Beſucher voll auf ihre Koſten gekommen ſind.
k. Dieburg, 10. Jan. Lebensmüde. Ein hieſiger älterer
Einwohner hat ſich in ſeiner Wohnung erhängt. Der Grund zur
Tat ſoll in einem ſchweren Leiden zu ſuchen ſein.
Dd. Ernſthofen, 10. Jan. Filmabend der Landes=
fimſtelle
der NSDAP. Vorgeführt wurden Filme, die vom
Reichsminiſterium für Volksaufklärung und Propaganda empfoh=
len
waren. Es waren der Film vom Reichsparteitag 1933 der
NSDAP. in Nürnberg, ferner Der Brand von Moskau, ein ge=
ſchichtlicher
Film aus den Jahren 18121814, und als Beifilm
Ein Tag vom Leben unſerer Reichswehr. Die Veranſtaltung
war überaus gut beſucht, ebenſo auch die Schülervorſtellung, die
ſchon am Nachmittag ſtattfand.
Groß=Bieberau. 10. Jan. Geflügelſchau. Am Sonn=
tag
, den 14. Januar, findet die 12. große Geflügelſchau im Saale
Zur Laube ſtatt. Mehrere hundert Tiere aller Raſſen und
Farbenſchläge ſtehen zur Schau. Einreihiger Käfigaufbau. Große
Ziergeflügel= und Singvögelausſtellung. Reichhaltige Tombola
mit vielen lebenden Gewinnen. Abends findet der weitbekannte
humoriſtiſche Gickelsball mit buntem Programm ſtatt.

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[ ][  ][ ]

Donnerstag, 11. Januar 1934

Darmſtädter Tagblatt 7 Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 7

Pereinheitlichung des Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsweſens
Abſchluß der Vereinheitlichungsverkräge der heſfiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften mit den naſſauiſchen Organl=
ſakionen
. Außerordenkliche Generalverſammlungen in Darmſtadk und Frankfurk.

Einheik an Rhein-Main-Neckat.
Am Mittwoch fanden in Darmſtadt und Frankfurt die letzten
formalen Tagungen zur Bildung der Einheitsverbände der land=
wirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften an Rhein=Main=Neckar ſtatt.
Der ao. Verbandskag des Verbandes der Heſſiſchen
Landnitſchafichen Genaſenſaifen
im Städtiſchen Saalbau war von 653 ſtimmberechtigten und eini=
gen
hundert intereſſierten Genoſſenſchaftern aus dem ganzen
Lande bis auf das letzte Plätzchen beſucht.
Verbandspräſidenk Landesbauernführer Dr. Wagner
begrüßte die große Verſammlung; namentlich den Vertreter der
deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften. Hauptabteilungs=
leiter
Präſident Trumpf, den Vizepräſidenten der Deutſchen
Zentralgenoſſenſchaftskaſſe Günther, den Generalreviſor des
Reichsverbandes der Deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaf=
ten
Dr. Elſishaus u. a. Dr. Wagner betonte, ſeit unſerer er=
ſten
Zuſammenkunft nach der Machtübernahme durch Reichskanz=
ler
Adolf Hitler iſt beinahe ein Jahr vergangen. Wir haben nicht
die Hände in den Schoß gelegt, ſondern waren bemüht, die Ent=
wicklung
vorwärts zu treiben.
Der heutige Tag iſt von beſonderer Bedeutung, und jeder muß
ſich klar darüber ſein, daß wir eine Tat vollbringen, um die wir
jahrelang gekämpft haben, daß nämlich endlich einmal die Rhein=
Main=Grenze beſonders auf dem Gebiet des Genoſſenſchaftsweſens
reſtlos beſeitigt wird. (Lebhafter Beifall.)
Verbandsdirektor Berg
warf dann einen Rückblick auf die Bemühungen, die zur Rationali=
ſierung
und Vereinheitlichung des Genoſſenſchaftsweſens an Rhein=
Main und in der Rheinprovinz bereits in den Jahren 1929 begonnen
wurden. Im Frühjahr 1930 kam man zu dem gleichen Ergebnis wie
heute. Die Vereinheitlichung ſcheiterte in letzter Minute nicht an
ſachlichen Gründen oder Perſonen, ſondern an Widerſtänden, die
ſich auf dem Lande aus den verſchiedenſten Gründen nicht bei
der heſſiſchen Organiſation herausſtellten. So blieb alles beim
alten, bis nach der nationalſozialiſtiſchen Revolution Landes=
bauernführer
Dr. Wagner ſämtliche landwirtſchaftlichen Organi=
ſationen
zuſammenberief, damit das Neben= und Gegeneinander=
arbeiten
aufhöre. Was früher Wochen und Monate dauerte, wurde
jetzt in einer Stunde erledigt. (Beifall.)
Generaldirektor Berg gab einen Einblick in die Verſchmel=
zungsverträge
und weiter der Hoffnung Ausdruck, daß auch der
Zuſammenſchluß mit dem Ludwigshafener Verband bis Ende Ja=
nuar
verfekt werde. Bei der Uebernahme der ſeither fernſtehenden
Genoſſenſchaften des Ludwigshafener Raiffeiſenverbandes und der
Genoſſenſchaften des Lorſcher Bezirks würden nur die geſunden und
ſanierungswürdigen Genoſſenſchaften übernommen.
Der Redner gab zum Schluß dem Stolze Ausdruck, den der
heſſiſche Verband auf ſeine 60jährige Geſchichte haben dürfe. Was
wir geleiſtet haben, erklärte er, konnten wir nur dank Ihrer täti=
gen
Mitarbeit in allen Organiſationen erreichen. Halten Sie
dieſe Treue auch der neuen Einheitsorganiſation. Arbeite jeder
an ſeinem Platze, in der Zentrale oder in den Organiſationen
draußen, mit ſeinen beſten Kräften, dann wird auch in der Ein=
heitsorganiſation
der Segen nicht ausbleiben.
Verſchmelzungsvertrag und Satzungen wurden dann einſtim=
mig
genehmigt.
Auf Anfrage teilte Generaldirektor Berg mit, daß angeſichts
der immer größer werdenden Konkurrenz der öffentlichen Kaſſen
gegenüber den örtlichen Genoſſenſchaftskaſſen, der Herr Reichs=
ſtatthalter
die Materie geprüft habe und anordnen werde, daß
überall dort, wo kein Bedürfnis beſteht, die Eröffnung neuer Zahl=
ſtellen
von öffentlichen Kaſſen unterbleiben muß. (Beifall.)
Gegen die für die Einheitsorganiſation vorgeſehenen Mit=
glieder
des Vorſtandes und der Ausſchüſſe wurde kein Widerſpruch
laut.
Landesbauernführer Dr. Wagner ſchloß die Tagung mit dem
Ausdruck des herzlichſten Dankes an alle, die bisher im alten Ver=
bande
mitarbeiteten. Der heſſche Verband werde nicht vergeſſen,
ſondern weiterleben als das tatkräftigſte Inſtrument im neuen
Einheitsverband.
Anſchließend folgte die
ad. Generalverſammlung der Landes=
genſenſchifchanf
.
e Gen. m. b. H. zu Darmſtadt. Nach der Eröffnungsanſprache des
Vorſitzenden Diehl=Bingen erſtattete der Generalreviſor des Reichs=
verbandes
der Deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften, Dr.
Elſishans, einen Bericht über die Lage der Genoſſenſchafts=
bank
Darmſtadt und der Genoſſenſchafts=Zentralkaſſe in Frankfurt,
worauf nach Erläuterung des Verſchmelzungsvertrages zwiſchen
den beiden genannten Inſtituten von der Verſammlung einſtimmig
die Billigung ausgeſprochen wurde.
Mit dieſem Beſchluſſe, betonte Landesbauernführer Dr. Wag=
ner
, komme, eines der größten genoſſenſchaftlichen Geldinſtitute
Südweſtdeutſchlands zuſtande. Jeder Genoſſenſchafter dürfe über=
zeugt
ſein, daß die bewährten Praktiken der Verwaltung der Darm=
ſtädter
Landesgenoſſenſchaftsbank weiter verfolgt würden. Direk=
tor
Eidmann werde, die Geldgeſchäfte bei der Landesbauernkaſſe
Frankfurt ſelbſt in die Hand bekommen (Beifall), ſo daß jeder Ge=
noſſenſchafter
beruhigt ſchlafen könne.
Die letzte Tagung war die
a0. Generalverſammlung der Landwirtſchaftlichen
Zeuſfleneſenſchif.
Auch hier wurden in raſchem Tempo die neuen Statuten und der
Verſchmelzungsvertrag erläutert und der Status der Banken von
Generalreviſor Elſishans bekannt gegeben. Die Verſammlung er=
hob
keinen Einwand, ſo daß der Landesbauernführer die Verſamm=
lung
mit einem begeiſtert aufgenommenen Sieg=Heil auf den Füh=
rer
ſchließen konnte.

Während der Beratungen war der Herr
Reichsſtatthalker in Heſſen,
Gauleiter Sprenger,
erſchienen und mit einer ſtürmiſchen Ovation begrüßt worden. In
einer kurzen Anſprache gab der Herr Reichsſtatthalter ſeiner Freude
Ausdruck, daß er bei dem heutigen wichtigen Akt anweſend ſein
könne. Auch wenn er nicht ſtets perſönlich zugegen, werde er alles
tun, was der Geſundung des Bauernſtandes dienen könne.
Ich denke dabei, erklärte der Herr Reichsſtatthalter, um ſo
mehr an den Landesbauernführer, unſeren Pg. Dr. Wagner,
der durch ſeine umfaſſenden Kenntniſſe und durch die Bewährung
im nationalſozialiſtiſchen Aufbau bewieſen hat, daß er ſach= und
fachkundig dieſen Aufbau durchführen wird nach den Richtlinien
unſeres Reichsbauernführers Dr. Darré. Auf Grund ſeiner Vor=
träge
und Vorlagen konnte ich mich davon überzeugen, daß nach
meiner Auffaſſung in unſerem Gebiet und Gau der Aufbau der
Bauernſchaft ſich muſtergültig vollzieht. (Beifall.)
Das große Werk kann jedoch nur gedeihen, wenn jeder von
Ihnen mit Freude und Eiſer bei der Sache iſt. Niemals darf aus
Mißverſtändniſſen heraus oder wenn eine Maßnahme nicht ſofort
von jedem Einzelnen verſtanden wird, irgendeine Bitternis auf=
kommen
. Solche Bitterniſſe ſind vielfach geeignet. Unruhe herein=
zutragen
. Ich erinnere an das Reichserbhofgeſetz. Ich bin als
Sohn eines kleinen Bauern geboren, und in meiner Familie iſt
nachweisbar der Segen eines Erbhofgeſetzes wie der Fluch ſeiner
Aufhebung. Ich glaube, wenn jeder ehrlich prüft, wird er all=
mählich
den Segen dieſes Geſetzes erkennen, der daraus für die
kommenden Generationen erwachſen wird. Ich erwähne das, weil
ich weiß, daß hier unterſchiedliche Auffaſſungen herrſchen. Man
kann und darf eine ſolche Sache nicht mit dem Rechenſtift beurtei=
len
oder nach Vermögenswerten, ſondern allein nach der Frage:
Was frommt dem deutſchen Bauern? Weil, was dem deutſchen
Bauern frommt, dem ganzen Volke frommt! (Beifall.)
Ich beglückwünſche Sie zu dem heutigen Tage, an dem Sie in
unſerem Gau das landwirtſchaftliche Genoſſenſchaftsweſen in die
Organiſation unſerer heſſen=naſſauiſchen Aufgliederung einfügen.
Aus der Vergangenheit wiſſen Sie, daß gerade durch die Zwie=
tracht
und Eiferſucht in unſerem Gebiet die volle Entfaltung des
Genoſſenſchaftsweſens verhindert wurde. Wenn nur die Tatſache
wäre, daß durch die Zuſammenlegung der Genoſſenſchaften eine
Koſtenerſparnis von 40 Prozent erreicht würde, dann wäre das
allein ſchon Grund genug, dieſe Verſchmelzung zu tätigen, und
wenn ſonſt gar nichts weiter geſchähe. Ich bin überzeugt davon,
daß nachher durch die intenſive Betätigung der neuen Organiſation
in poſitivem Sinne ſich ungeheure Erfolge herauswirtſchaften
laſſen, die der Einzelne heute noch gar nicht überblicken kann.
Ich bitte Sie, gehen Sie dieſen Weg freudig und tragen Sie
die freudige Mitarbeit an jeden Bauern draußen heran, damit er
weiß, hier iſt ein Glied in dem großen Ganzen, das ſich in Heſſen=
Naſſau bildet und ſich gebietsweiſe über das ganze Deutſche Reich
zu einem herrlichen Bau entwickelt. Wenn jeder das erkennt dann
wird die Genoſſenſchaft in der Lage ſein, die großen Auf=
gaben
zu erfüllen, die ihr von Haus aus zugedacht ſind; nämlich
dafür zu ſorgen, daß der Bauernſtand wirtſchaftlich
lebensfähig erhalten und zum anderen durch die
Mithilfe des Bauern die Lebenshaltung des
ganzen deutſchen Volkes verbilligt und verbeſ=
ſert
wird. (Beifall.)
Der Herr Reichsſtatthalter ſchloß mit einem freudig erwider=
ten
Treuegelöbnis zum Führer.
Die Tagung in Frankfurk a. M.
Lpd. Frankfurt a. M., 10. Januar.
Am Nachmittag fanden die Sitzungen der entſprechenden
genoſſenſchaftlichen Inſtitute im Frankfurter Palmengarten ſtatt,
und zwar der außerordentliche Verbandstag des Ländlichen Ge=
noſſenſchaftsverbandes
Raiffeiſen e. V. Frankfurt a. M., ſowie
die außerordentlichen Generalverſammlungen der Genoſſenſchaft=
lichen
Zentralkaſſe e,Gmb.H. Frankfurt a. M., und der Land=
wirtſchaftlichen
Hausgenoſſenſchaft e G.mb H. Frankfurt a. M.
Landesbauernführer Dr. Wagner uwriß noch
einmal Zweck und Ziel der Vereinheitlichung, die bereits früher
ſchon in Angriff genommen worden ſei, die aber jetzt erſt reſtlos
in die Tat umgeſetzt werden könne.
Reichsſtalthalter und Gauleiter Sprenger.
der ebenfalls an dieſer Tagung teilnahm. gab ſeiner beſonderen
Freude darüber Ausdruck, daß in ſeinem Gau nunmehr die genoſ=
ſenſchaftliche
Einheit geſchaffen ſei. Der genoſſenſchaftliche Ge=
danke
könne ſich jetzt wieder in ſeiner urſprünglichen Reinheit
verjüngt durch den Nationalſozialismus durchſetzen, da ja mit der
Beſeitigung der Entartung auf politiſchem Gebiet auch die Ent=
artung
des Genoſſenſchaftsgedankens, der in der deutſchen Bauern=
ſchaft
ſchon immer lebendig war, beſeitigt ſei und die Genoſſen=
ſchaften
endgültig auf dem nationalſozialiſtiſchen Grundyrinzip
Gemeinnutz geht vor Eigennutz neu aufgebaut werden könnten.
Reichsſtatthalter Sprenger ſprach zum Schluß dem Landesbauern=
führer
ſeinen beſonderen Dank für ſeine bisher geleiſtete Arbeit
aus, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieſes genoſſenſchaft=
liche
Einheitswerk vorbildlich für ganz Deutſchland werden möge.
Nach raſcher Erledigung der Tagesordnungen, die den ent=
ſprechenden
Tagesordnungen der Darmſtädter Sitzung entſprachen,
und die die einſtimmige Annahme der Verſchmelzungsbeſchlüſſe
brachten, dankte Landesbauernführer Dr. Wagner nochmals den
bisherigen Organen der einzelnen Genoſſenſchaften für ihre Arbeit
und verlas die Namen der in die neuen Verwaltungsorgane
berufenen Mitglieder.
Der Vorſitzende des Aufſichtsrats der Genoſſenſchaftlichen
Zentralkaſſe, Dr. Nolden, der nach 38jähriger Tätigkeit aus ſeinem
Amte ausſcheidet, wünſchte der neuen Genoſſenſchaft ein weiteres
ſegensreiches Gedeihen zum Wohle der geſamten Bauernſchaft.
Mit der Annahme der Vereinheitlichungsbeſchlüſſe, iſt die
Organiſation der Hauptabteilung III. des Reichsnährſtandes,
Landesbauernſchaft Heſſen=Naſſau, deren Leiter Pg. Wirth iſt,
verwirklicht. Sie gliedert ſich nunmehr in folgende drei Einzel=
genoſſenſchaften
: 1. Genoſſenſchaftsverband, Rhein=Main=Nechar.
hervorgegangen aus dem Ländlichen Genoſſenſchaftsverband
Raiffeiſen e. V. Frankfurt a. M. und dem Verband der heſſiſchen
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften (Körperſchaft) Darmſtadt,
2. Landesbauernkaſſe Rhein=Main=Neckar, hervorgegangen aus der
Landesgenoſſenſchaftsbank e G. m. b. H., Darmſtadt und der
Genoſſenſchaftlichen Zentralkaſſe eG.mb.,H., Frankfurt a. M.,
und 3. Hauptgenoſſenſchaft Rhein=Main=Neckar, hervorgegangen
aus der Landwirtſchaftlichen Zentralgenoſſenſchaft e,G.mb.H.,
Darmſtadt, und der Landwirtſchaftlichen Hauptgenoſſenſchaft
eGmb.H. Frankfurt a. M.

EineWarnung des Landesbauernführers
gegen ungerechlſerligle Grundſlücks=Skeigpreiſe.
Die den Ueberweiſungen der Erſatzgrundſtücke in den feld=
bereinigten
Gemarkungen im vergangenen Herbſte folgende Maſſe=
ſtückverſteigerung
hat Steigpreiſe ergeben, die für den Steigerer
eines Grundſtückes eine ungeheure Belaſtung ſeines Betriebes und
Lebensſtandards darſtellen.
So wurde in den Gemarkungen Wembach-Hahn ein Durch=
ſchnittspreis
in Höhe von 1355 RM. pro Morgen (2500 Quadrat=
meter
) erlöſt. In Gemarkung Spachbrücken wurde ein ſolcher von
825 RM. vro Morgen erzielt.
Der Steigpreis iſt in zehn Jahreszielen zu entrichten mit
einer 5prozentigen Verzinſung des Reſtkaufſchillings. Ich weiſe
ausdrücklich darauf hin, daß das Zuſtandekommen derartiger Steig=
preiſe
für landwirtſchaftlich genutztes Gelände im ſchärfſten Gegen=
ſatz
zu den Richtlinien unſeres nationalſozialiſtiſchen Programms
für den Wiederaufbau des deutſchen Bauerntums ſteht.
Als Landesbauernführer und Treuhänder der Bauernſchaft des
Rhein=Main=Gebietes erkläre ich, daß jeder Bauer, der eine der=
artige
Verpflichtung übernommen hat, in die ſich hieraus ergeben=
den
Folgen einzutreten hat. Ich verſage jedem, der ſich an dieſer
ungeſunden Preistreiberei beteiligt und damit belaſtet hat, jegliche
Unterſtützung. Insbeſondere wird rückſichtslos die Eintreibung der
aus dieſen leichtſinnig übernommenen Laſten erwachſenen Ver=
pflichtungen
ſowie der durch die Belaſtung zu erwartenden Rück=
ſtände
an Steuern und ſonſtigen Zahlungen verfügt.
Darmſtadt, den 8. Januar 1934.
Der Landesbauernpräſident im Heſſiſchen Staatsminiſterium
Dr. Wagner.

Bo. Unter=Moſſau, 10. Jan. Hohes Alter. Die älteſte
Einwohnerin von Moſſau, Frau Anna Maria Heckmann, feierte
am 9. Januar noch rüſtig ihren 95. Geburtstag im Kreiſe ihrer
Familie.
4s. Erbach, 9. Jan. Die Aufnahme der Erbacher Reiter=
ſtaffel
in die Verſicherung der SA.=Reiterabteilung fand geſtern
durch Herrn Dr. Denker=Darmſtadt, in Gegenwart der Sturm=
und Bannführer und des Herrn Veterinärrates Dr. Brücher=
Erbach ſtatt. Herr Dr. Denker wies beſonders auf die Vorteile
der eingegangenen Verſicherung hin; weiter hob er vor allem
das gute und einheitliche Pferdematerial hervor. Nach voraus=
gegangener
Bezirksverſammlung fand geſtern im Gaſthaus
Zum Eck eine Kreisverſammlung der Schneider=
Innung des Kreiſes Erbach ſtatt, in welcher der Kreisgeſchäfts=
führer
und der Kreisinnungsführer über wichtige Berufs= und
Standesfragen referierten.
* Breitenbrunn, 9. Jan. Vorgeſtern abend feierte der hie=
ſige
Kriegerverein bei Kamerad Lautenſchläger ſeinen Jahrestag.
Nach Jahresbericht und Rechnungsablage beſtimmte der Vereins=
führer
den neuen Vorſtand und Prüfungsausſchuß. Zum Vereins=
diener
wurde Leonhardt Kabel 2., zum Fahnenträger Gg. Olt 2.
beſtimmt. Bei einem Glas Bier wechſelten vaterländiſche Lieder
und frohe Unterhaltung und hielten die Mitglieder beiſammen
bis in die ſpäten Abendſtunden.
Dk. Waldmichelbach. 10. Jan. Schulungskurs. Für die
Mitglieder der NSDAP. und ihrer Untergliederungen der Orts=
gruppen
Waldmichelbach und Affolterbach und der Stützpunkte
Siedelsbrunn und Schönmattenwag fand im Parteilokal Walden=
berger
ein Schulungskurs ſtatt. Nach der Eröffnung und Begrü=
ßung
durch den Ortsgruppenleiter ſprach Kreisſchulungsleiter Pg.
Glaſer=Birkenau in einem einſtündigen Referat über die natio=
nalſozialiſtiſche
Weltanſchauung und erläuterte in dieſem Zu=
ſammenhang
beſonders den Begriff der Raſſe. Die intereſſanten
und in leicht verſtändlicher Art erfolgten Ausführungen des
Kreisſchulungsleiters wurden dankbar aufgenommen. Danach
ſprach Stützpunktleiter Pg. Feick=Siedelsbrunn über unſere innen=
politiſche
Lage und über die brennendſten Tagesfragen.
Dp. Zwingenberg, 10. Jan. Der Ortsgewerbeverein Zwingen=
berg
=Hähnlein wurde aufgelöſt. Der Führer des Vereins, Herr
Sattlermeiſter Jakob Schneider, begrüßte die zahlreich Erſchienenen
und gab von der die Auflöſung des Vereins beſtimmenden Ver=
fügung
der Handwerkskammer Kenntnis. Dem Ehrenvorſitzenden
und Gründer des Vereins. Herrn Gärtner Kalb, wurde der be=
ſondere
Dank der Verſammlung ausgeſprochen. Herr Kalb gedachte
in ſeiner Anſprache all derer, die den Verein förderten. Beſon=
ders
erwähnte er Herrn Stadtbaurat Schuch=Offenbach, ein ge=
borener
Zwingenberger, deſſen Mitarbeit Zwingenberg ſeine
Handwerkerzeichenſchule verdankte.
Bm. Hofheim (Ried). 8. Jan. Hohes Alter, Am 10. Ja=
nuar
feiert Landwirt Valentin Eberts 1. ſeinen 71. Geburtstag,
Der älteſte Einwohner. Joh. Konr. Reimund, feiert am 11. Ja=
nuar
in guter Friſche ſeinen 90. Geburtstag.
I. Weinheim. 10. Jan. Schwerer Verkehrsunfall.
Geſtern mittag fuhr auf der Fernverkehrsſtraße Nr. 3 ein aus
Heidelberg kommender, in der Richtung Weinheim fahrender
Perſonenkraftwagen aus Heidenheim a. d. Lahn zwiſchen Groß=
ſachſen
und Lützelſachſen gegen einen Obſtbaum. Der Wagen war
mit einem Ehepaar beſetzt. Dem Ehemann, der den Wagen
ſteuerte, wurde der Bruſtkorb eingedrückt, er war ſofort tot. Die
Ehefrau erlitt ſchwere Kopfverletzungen, indem ihr die Kopfhaut
non der Schädeldecke gezogen wurde. Sie wurde dem Kranken=
haus
Weinheim zugeführt. Der Wagen iſt ſchwer beſchädigt. Die
Urſache dürfte Rutſchen des Wagens ſein.

Welterberichl.

Der hohe Druck über dem Kontinent beherrſcht noch zunächſt
die Wetterlage, ſo daß es vorerſt trocken bleibt und nachts Froſt
auftritt. Von Weſten her ſetzt allerdings ſtarker Druckfall ein,
wodurch auch wärmere Luft vordringt, die bei ihrem Aufgleiten
Bewölkungszunahme und ſpäter auch Niederſchläge veranlaſſen
wird. Die Temperaturen ſteigen dann allgemein etwas an.
Ausſichten für Donnerstag: Neblig, wolkig, nachts noch Froſt,
trocken.
Ausſichten für Freitag: Vielfach dunſtig und bewölkt. Im ganzen
etwas milder, aufkommende Niederſchlagsneigung.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve.
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Karl Böhmann; für
den Handel: Dr. C. 6. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für Die
Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Worti Dr. Herbert Nette; für den Anzeigen=
teilund
geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle ſämtl. in Darmſtſadt. D A. TII. 23362,
Druck und Verlag: L. C. Wittich, Darmſtadt, Rheinſtraße 28.
Für unverlangte Manuſtkripte wird Garantie der Rücſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.

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Seite 8 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 11. Januar 1934

Reich und Ausland.

Der Rheinbrückenbau bei Speyer.
Speyer. Mit dem Eintreffen der milderen
Witterung ſind die Arbeiten beim Bau der neuen
Rheinbrücke bei Speyer, die während des ſtarken
Froſtes etwa zwei Wochen lang unterbrochen wer=
den
mußten wieder aufgenommen worden. Die
neue Rheinbrücke kommt etwa 100 Meter oberhalb
der jetzigen Schiffbrücke zu liegen. Mit Rückſicht
auf die Schiffahrt muß die Brückenunterkante 9,10
Meter über dem höchſten ſchiffbaren Rheinwaſſer=
ſtand
liegen, was ſehr hohe und lange Auffahrts=
rampen
erforderlich macht. Die hierfür notwen=
digen
, umfangreichen Erdarbeiten ſind ſeit dem er=
ſten
Spatenſtich durch den Miniſterpräſidenten Sie=
bert
gelegentlich ſeiner Pfalzreiſe im September
in vollem Gange und werden ſich bis in das Jahr
1935 erſtrecken. Sämtliche Wege, welche den Bahn=
und Straßendamm kreuzen, werden ſchienenfrei
unterführt. Die meiſten der hierzu erforderlichen
Unterführungsbauwerke, ſowie die für die vorhan=
denen
Waſſergräben und den Weidgrabenbach =
tigen
Durchläſſe ſind bereits vergeben und in der
Ausführung begriffen. Zwei Bauwerke ſind bis
auf die eigentlichen Ueberbauten bereits fertigge=
ſtellt
. Zurzeit ſind außerdem die umfangreichen
Gründungs=, Beton= und Eiſenarbeiten für die Er=
bauung
der ſechs Flutbrücken auf dem rechten
Rheinufer öffentlich zur Verdingung ausgeſchrie=
ben
. Dieſe Arbeiten umfaſſen die Herſtellung des
Widerlagers auf der hadiſchen Seite, ſowie von
fünf rund 13 Meter hohen Brückenpfeilern und die
Arbeiten für die eiſernen Ueberbauten, welche die
Bahn= und Straßenfahrbahn tragen. Die ganze
Brücke erhält eine Länge von 563 Metern. Die
beiden großen Stromöffnungen mit 169 und 109
Meter Stützweite werden im nächſten Jahr in An=
für
mehrere Jahre Arbeitsgelegenheit ſchaffen.

Pokale aus dem Familienſchaß
der Romanows im Nürnberger Rathaus
Nürnberg. Der Leiter der Nürnberger
Städtiſchen Kunſtſammlungen, Studienrat Stahl,
hatte eine durchgreifende Inventariſierung der im
Beſitz der Stadt Nürnberg befindlichen Gegenſtände
von beſonderem Kunſtwert vorgenommen. Auf
Grund genauen Aktenſtudiums konnte nun die
überraſchende Feſtſtellung gemacht werden, daß
zahlreiche, im Prunkſaal des Alten Rathauſes un=
tergebrachte
Pokale, Humpen und Trinkbecher dem
Familienſchatz der letzten Zarenfamilie entſtam=
men
und offenbar nach Ausbruch der Revolution
und dem Sturz des Hauſes Romanow nach Nürn=
berg
gebracht worden ſein müſſen. Es handelt ſich
um Goldſchmiedearbeiten Alt=Nürnberger und
Augsburger Meiſter aus dem 15. und 16. Jahrhun=
dert
. Jedenfalls ſind die Kunſtgegenſtände ſeiner=
zeit
als Geſchenke reicher Häuſer in den Beſitz des
ruſſiſchen Herrſcherhauſes gekommen.

Erweiterkes Programm
der Aberammergauer Paſſionsſpiele.
Oberammergau. Das große Intereſſe,
welches das In= und Ausland den kommenden
Jubiläumsſpielen entgegenbringt, hat den Paſ=
ſions
=Spielausſchuß zur Einfügung weiterer Spiel=
tage
veranlaßt. Insgeſamt ſind 33 Spiele feſt=
gelegt
. Die erſte Aufführung ſoll bereits am
Pfingſtmontag, 21. Mai, ſtattfinden. Weitere
Spieltage ſind am 27. und 30. Mai, im Juni am
3., 6., 11., 17., 20. und 25., im Juli am 1., 4., 8.,
11., 15., 18., 22., 25. und 29., im Auguſt am 1., 5.,
8., 12., 15., 19., 22., 26. und 29., im September am
3., 5., 10., 12., 16. und 23.

Heliumfunde bei Debreczin?
Budapeſt. Nach einer Blättermeldung aus
Debreczin ſind in der Umgebung der Stadt Erd=
gasſtellen
entdeckt worden, die auch anſehnliche
Mengen von Helium ergeben haben ſollen. Helium
wurde bisher nur in Amerika gefunden. Wegen
ſeiner Exploſionsſicherheit wird es vorzugsweiſe
als Füllgas für Luftſchiffe verwendet.

Ein ergreifendes Bild von den Beiſetzungsfeiern der 13 geborgenen Opfer:
Die Hinterbliebenen im Trauerzug.
griff genommen; die Fortführung des Baues wird Auf dem Friedhof von Oſſegg konnten nur 13 Opfer der furchtbaren Kataſtrophe beigeſetzt werden,
die andern 129 haben ihr grauſiges Grab viele hundert Meter unter der Erde gefunden und werden
in abſehbarer Zeit nicht geborgen werden können.

Das verſunkene Tonfilmauto geborgen.
Murnau (Oberbayern). Der Seehauſener
Feuerwehr iſt es am Dienstag mittag gelungen,
das in den Staffel eingebrochene und unterge=
gangene
Tonfilmauto der Fox=Film=Geſellſchaft faſt
unverſehrt zu bergen. Schon am Montag nachmit=
tag
hatte man verſucht, den Wagen aus dem Waſ=

ſer zu holen. Da aber der Anker brach, mußte
über Nacht erſt ein ſtärkerer geſchmiedet werden.
Die Apparate im Innern des Wagens waren zum
großen Teil in waſſerdichten Koffern unterge=
bracht
, ſo daß auch ſie wenig Schaden erlitten. Am
Nachmittag konnte der Wagen nach München ab=
geſchleppt
werden.

4 Was iſt mit Cottz jun. los?

Vor einem großen Skandal in der Parfümfamilie. Ein myſteriöſer Todesfall.

Einer der älkeſten deutſchen Generäle *

iſt auf ſeinem Gute Wolkersdorf (Lauenburg) im
Alter von 85 Jahren geſtorben. 1870 eroberte er
mit drei Mann ſeiner Schwadron durch ein echtes
Huſarenſtück die Stadt Saargemünd. Im Welt=
krieg
erhielt er als der einzige aus der alt=
hamnoverſchen
Armee hervorgegangene Offizier
den Orden Pour le merite.

* Paris, 10. Jan. (Priv.=Tel.)
Paris iſt zurzeit der Schauplatz vieler Skan=
dale
. Noch ſteht die Oeffentlichkeit unter dem nie=
derſchmetternden
Eindruck des Staviſky=Skandals,
da wird die Aufmerkſamkeit der Bevölkerung ſchon
wieder auf eine neue Affäre gelenkt, die den Sohn
des bekaunten Induſtriellen Coty, erheblich be=
laſtet
.
Vor mehreren Wochen ſtarb in Paris ganz un=
erwartet
eine junge Engländerin. Die näheren
Umſtände des Todes ſind bislang ungeklärt und
dunkel geblieben. Jetzt iſt die Unterſuchungs=
behörde
auf eine Spur gelenkt worden, die den
jungen Coty als Mörder des Mädchens ver=
dächtigt
.
Die junge Engländerin, ein bildſchönes
Mädchen, war eine in den Pariſer Salons ſehr
bekannte Perſönlichkeit. Sie galt als die Freun=
din
Cotys, der dieſe Freundſchaft auch nie ab=
ſtritt
, ſondern ſich im Gegenteil mehrfach mit ihr
in der Oeffentlichkeit zeigte. Vor dem Tode be=
ſuchte
das Mädchen ihren Freund im Hotel und
ging zu ihm auf ſein Zimmer. Das Perſonal
hatte die Beſucherin wohl erkannt. Man ſah, wie
ſie in Coty jun. Zimmer ging, und war daher er=
ſtaunt
, als Coty das Zimmer allein verließ und
das Hotel verließ, ſich alſo um ſeinen Beſuch nicht
weiter kümmerte. Als die Hotelleitung einige
Stunden ſpäter im Zimmer antelephonierte, und
zur allgemeinen Ueberraſchung ſich niemand mel=
dete
, wurde die Zimmertür gewaltſam erbrochen.
Entſetzen packte die Leute, denn auf dem Bette lag
die junge Frau mit einem Schuß im Herzen, der
ihren ſofortigen Tod herbeigeführt haben mußte.
Die ſofort alarmierte Polizei ſtellte am Tat=
ort
feſt, daß Selbſtmord vorliegen müſſe, zumal
General der Kavallerie a. D. Götz Freih. v. König auch die Schußwaffe im Zimmer gefunden wurde.
Es fanden ſich zudem keinerlei Spuren, die darauf
ſchließen ließen, daß die Engländerin von fremder
Hand getötet worden wäre. Auf den jungen Coty
fiel keinerlei Verdacht. Er hatte das Hotel ver=
laſſen
, um einer Verabredung nachzukommen.
Seine Angaben ſtellten ſich als richtig heraus,
und doch der Letzte, der mit der Toten im Zim=

mer allein geſprochen hatte, war er. Als er in
das Hotel zurückkehrte, war er beſtürz= und erſchüt=
tert
. Die Polizei ließ es bei der Feſtſtellung
Selbſtmord bewenden.
Nicht aber die Mutter des Mädchens. Mit Hilfe
einer Reihe von Detektiven ließ ſie auf eigene
Fauſt Recherchen unternehmen und hat es jetzt
durchgeſetzt, daß das Unterſuchungsverfahren wie=
der
aufgenommen worden iſt. Welche Verdachts=
momente
ſie gefunden hat, ſteht noch aus. Jeden=
falls
hat ſie Anzeige wegen Mordes, vorläufig
gegen Unbekannt, geſtellt.
Die Stimmung in Paris iſt keineswegs zugun=
ſten
der Familie Coty. Man nimmt dem einſt=
mals
ſo mächtigen Parfümfabrikanten ſeine ſyſte=
matiſche
Deutſchenhetze übel. Schließlich hat man
auch an der Seine eingeſehen, daß die Verſtän=
digung
der einzig mögliche Weg iſt. Was vor
allem die Stimmung gegen die Cotys aufkommen
ließ, ſind ſeine mehr als dunklen Geldtransak=
tionen
. Die Vermögensverhältniſſe dieſes ehe=
maligen
Multimillionärs ſcheinen reſtlos zerrüttet.
Der Verkauf ſeines bekannten Blattes Paris
Peuple erlitt Schiffbruch, und das Blatt ging
in Konkurs.
Man iſt daher geſpannt, wie ſich dieſe Affäre
Coty weiter entwickelt und ob die Verdachts=
momente
, die die Mutter des toten Mädchens in
Händen hat, ausreichen, um gegen den jungen Coty
die Anklage des Mordes vor Gericht zu erheben.

Drei Kinder Opfer ausſtrömender
Kohlenorydgaſe.
Königsberg. In dem Dorf Thorowkon, im
Kreis Oſterode, ereignete ſich ein furchtbares Un=
glück
. Die Frau des Beſitzers Golombiewſki hatte
den Ofen im Schlafzimmer ihrer Kinder geheizt
und die Ofenklappe zu früh geſchloſſen. Im Laufe
der Nacht bildeten ſich Kohlenoxydgaſe, wodurch
die drei, im Alter von 5, 14 und 16 Jahren ſtehen=
den
Kinder vergiftet wurden. Als die Mutter am
Morgen die Kinder wecken wollte, waren ſie tot.

2as Lucknerſchiff Mopelia
geingeichri.
Bremerhaven. Die Bark Mopelia, die
frühere Vaterland des Grafen Luckner, wurde
geſtern im Hafen feierlich eingeholt. In 26 Tagen
hat der Segler die Reiſe New York-Bremerhaven
gemacht. In Rekordzeit jagte ihn der Sturm durch
den Kanal, ſo daß er in Bremerhaven rund 1½
Tage früher als erwartet eintreffen konnte. Graf
Luckner hatte ſich vorgeſtern, zuſammen mit dem
Leiter der Deutſchen Arbeitsfront in Niederſachſen,
Carius=Hannover, und dem Kreisleiter der NSBO.,
Remmers=Bremerhaven, die die Vorarbeiten, für
die feierliche Einholung der Mopelia geleitet
haben, ſowie dem Kreisleiter der Abteilung See=
fahrt
in der Auslandsabteilung der NSDAP.,
Wittekind=Bremerhaven, und anderen Herren an
Bord begeben. Die Gräfin Luckner, die vom
Juni 1929 bis November 1933 in Amerika geweilt
und in dieſer Zeit, teils mit ihrem Gatten, teils
allein. 411 amerikaniſche Städte beſucht hatte, gab
eine Schilderung von der Werbearbeit, die ſie drü=
ben
für Deutſchland geleiſtet hatten. Als ſich dann
am Abend die ganze Beſatzung um den Grafen
und ſeine Gattin ſowie die Gäſte verſammelt hat=
ten
, richtete der Leiter der Arbeitsfront für Nie=
derſachſen
, Carius, an die Mannſchaft, unter der
ſich neben Deutſchen auch Amerikaner, Schotten und
Dänen befanden, eine Anſprache. Er ſprach von
dem, was früher geweſen, und von dem, was der
Führer mit ſeinen Männern in einem Jahr ge=
ſchaffen
hat, vom Ehrenplatz des Arbeiters in der
neuen Nation, von der großartigen Eindämmung
der Arbeitsloſigkeit und vom neuen Geiſt der
Hilfsbereitſchaft und der Volksverbundenheit. Als
er geendet hatte, fiel die Beſatzung ſpontan in das
Deutſchlandlied ein und ſang es nach dem Bei=
ſpiel
der anderen mit erhobener Hand mit.
Die Heimat begrüßt die Mopelia.
Bremerhaven. Der Empfang der Mope=
lia
im Bremer Hafen war geſtern mittag der
Anziehungspunkt für Tauſende, die ſich in der
Strandhalle einfanden, um den Lucknerſchen Vier=
maſtſchoner
zu begrüßen. Das ganze Hafengelände
wies reichen Flaggenſchmuck auf. Abteilungen der
NSBO., der Marinſtürme der SA., SS. und HJ.
hatten an der Einfahrt zum neuen Hafen Aufſtel=
lung
genommen, während die Mopelia, die über
die Toppen geflaggt hatte, noch mitten im Strom
lag. Nachdem zwei Schlepper den Segler lang=
ſam
an den Pier bugſiert hatten, trat Graf Luck=
ner
, Kapitän und Beſatzung an die Reeling, und
Oberbürgermeiſter Lorenzen begrüßte als Vertre=
ter
des erſten deutſchen Hafens, den die Mopelia
angelaufen hat, die Beſatzung mit herzlichen Wor=
ten
. Graf Luckner dankte ſichtlich gerührt für den
herzlichen Empfang. Kapitän Lauterbach erklärte,
es ſei lediglich das Verdienſt ſeiner Mannſchaft,
daß er das Schiff heil zurückgebracht habe. Die
Beſatzung freue ſich, nach langer Abweſenheit in
das neue, wieder geſundete Deutſchland zurück=
kehren
zu können. Oberbürgermeiſter, Lorenzen
brachte dann ein Heil auf den Grafen Luckner,
Kapitän Lauterbach und ſeine Mannſchaft aus.

Arkeile auf Enkmannung
von Silllichkeitsverbrechern.
Deſſau. Auf Grund der neuen Reichsgeſetze,
die unter den Sicherungsmaßnahmen gegen gefähr=
liche
Sittlichkeitsverbrecher auch die Entmannung
vorſchreiben, ſind am Dienstag in Anhalt die er=
ſten
Urteile ergansen. Die Erſte Große Straf=
kammer
des Landgerichts Deſſau ordnete die Ent=
mannung
des Hilfsaufſehers Friedrich Kreitzſch aus
Neundorf und des Arbeiters Bruno Riegel aus
Deſſau an. Kroitzſch hatte ſich an zahlreichen Schul=
jungen
vergangen. Riegel der wegen Notzucht=
verbrechens
ſchon mit 8 Jahren Zuchthaus vorbe=
ſtraft
war, hatte in den Anlagen der Stadt Deſſau
eine 53jährige Frau zu vergewaltigen verſucht.
Für ihre letzten Straftaten erhielten die beiden
Sittlichkeitsverbrecher 3 bzw. 5 Jahre Zuchthaus,
neben den üblichen Ehrenſtrafen. Wie notwendig
dieſe Sicherungsmaßnahmen ſind, geht daraus her=
vor
, daß am Dienstag vor der Großen Strafkam=
mer
ſechs Verbrechen gegen die Sittlichkeit zur
Verhandlung anſtanden und insgeſamt 15 Jahre
6 Monate Zuchthaus verhängt wurden.

Das Plakak für die Grüne Woche‟.

Dieſes Plakat ruft zur Grünen Woche‟,
der großen landwirtſchaftlichen Ausſtellung, die
ſtets in den erſten Wochen des Jahres in der
Reichshauptſtadt ſtattfindet.

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Donuerstag, 11. Januar 1934

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 9

Heeresderict vom 1e. Aldder 1944.
Berlin, 18. Oktober. Am 17. Oktober nachmiltags gerieten
unſere Torpedoboote S. 115, S. 117 S. 118 S. 119 un=
weit
der holländiſchen Küſte in Kampf mit dem engliſchen
Kreuzer Undaunted und vier engliſchen Zerſtörern. Nach amt=
licher
engliſchen Nachrichten wurden die deutſchen Toxpedoboote
zum Sinken gebracht und von ihren Befatzungen 31 Mann in
England gelandet.
Der ſtellvertretende Chef des Admiralſtabes
gez. Behnke.
Lille war genommen, Antwerpen, Brügge und Oſtende. Die
belgiſche Regierung war nach Le Havre ausgewandert; im Oſten
marſchierten die deutſchen Truppen auf Przemyſl; vor zwei
Tagen hatte Weddigen mit U. 9 ſein viertes Opfer erlegt, den
engliſchen Kreuzer Hawke‟. Da miſchte ſich in die vielen Sieges=
meldungen
, dieſe kleine traurige Mitteilung. Vier alte Tor=
pedoboote
, das war nicht ſchlimm, aber faft die ganze Beſatzung
war geblieben. Wieſo? Warum? Wozu?
Das wußte man damals nicht und erfuhr es erſt viel ſpäter.
Und ahnte damals auch nicht, daß die Tapferen ſchon bei der
Ausfahrt wußten, daß tauſend zu eins kaum einer von ihnen
zurückkommen würde, daß ſie nicht nur

mit ſchweren Minen den Tod nach England tragen,
ſondern ſicherlich auch ſelbſt in den Tod fahren würden, alles
Freiwillige, die ihre Pflicht taten bis zum letzten Augen=
blick
. Die erſte weitreichende Unternehmung deutſcher Torpedo=
boote
im Kriege war die Todesfahrt der Halbflottille Thiele.
Mit der Beſetzung von Brügge und Oſtende, die am 16.
Oktober auf dem deutſchen Flottenflaggſchiff bekannt wurde öff=
neten
ſich neue Zufluchtshäfen für etwa von der deutſchen Bucht
abgeſchnittene Streitkräfte.
Die Armee verlangte zur Entlaſtung ihres rechten Flügels
die Vernichtung der an der flandriſchen Küſte ſtehenden feind=
lichen
Monitore. U=Boote konnten gegen dieſe flachgehenden
Schiffe nichts ausrichten. Deshalb beſchloß man eine Minen=
ſperre
an der engſten Stelle der Downs zu legen, welche die
Monitore auf ihrem An= und Rückmarſch nach und von Harwich,
wie man annahm häufig paſſierten. So konnte man gleichzeitis
auch den ſtarken Handelsverkehr, der durch die Downs von und
nach der Themſe ging und ohne welchen London kaum beſtehen
könne, ſtören.
Ein tollkühnes Unternehmen, aber es ſchien unbedingt not=
wendig
. Nur eine völlige Ueberraſchung und Ueberrumpelung
des Feindes konnte ein Gelingen ermöglichen. Deshalb ging
man mit größter Heimlichkeit vor.
Vier Boote der TV. Torpedobootsflottille ſollten bei Nacht
möglichſt unbemerkt vom Feinde die Downs mit Minen ſperren
und, falls es nicht gelingen würde, bis dahin vorzuſtoßen, die
Themſemündung oder eine andere Stelle nahe der engliſchen
Küſte mit Minen verſeuchen.
Korbettenkapitän Thiele, der Chef der 7. Halbflottille, war
ſtolz darauf, daß dieſer ehrenvolle Auftrag der ihm unterſtellten
Torpedoboote S. 117 Kapitänleutnant Sohnke, S. 118 Kapi=
tänleutnant
Beckert und S. 119, Oberleutnant zur See Windel,
übertragen wurde.
Und wie der Chef, ſo dachten ſie alle bis zum letzten
Mann!
Wir ſind ſtolz darauf, erklärte der Korvettenkapitän allen
ſeinen Leuten, daß gerade unſere Boote dazu auserſehen ſind,
dieſen Auftrag durchzuführen, wir wiſſen auch, daß es von die=
ſer
Fahrt kaum eine Rückkehr für uns geben wird.
Deshalb erkläre ich auf Befehl des Flottenchefs, daß es
jedermann freifteht, noch vor der Fahrt von Bord zu gehen.
Dieſe Aufgabe ſoll nur von denen gelöſt werden, die ſich
freiwillig dazu melden.
Ich werde es keinem nachtragen, der ſich nicht dazu freiwillig

meldet. Wer geht mit? Und alle Mann, ohne eine einzige Aus=
nahme
traten einen Schritt vor. Keiner wollte bleiben.
Die Augen des Kommandanten glänzten, aber ernſt fuhr er
fort:
Ich habe das gewußt, Jungs, daß keiner zurückſtehen will.
Aber ich habe auch den Auftrag, nur ſoviel Leute mitzunehmen.
als unbedingt notwendig iſt. Es müſſen ſowieſo mehrere von
Bord gehen und hier bleiben. Ich weiß, daß ihr alle freudig
euer Leben gebt für Kaiſer und Reich, aber wer in dieſer
Stunde auch an Frau und Kind denkt, dem nimmt das keiner
übel. Wir ſind ſowieſo für dieſe Fahrt zuviel. Alſo nochmals:
wer kommt mit?"
Und wieder traten ſie alle geſchloſſen vor.
Gut, dann müſſen wir ausſuchen.
Alle nicht dringend notwendigen Leute, darunter der Unter=
ſtab
der Halbflottille, wurden ausgeſchifft.
Mit Tränen in den Augen traten die meiſten von ihnen
noch einmal vor den Kommandanten:
Herr Kapitän, ſchicken Sie uns nicht weg.
Nehmen Sie auch uns mit!
Warum nicht auch wir?
Doch Befehl blieb Befehl. Und zum erſten Male konnte man
es erleben, daß über die von Wind und Wetter gehärteten
Wangen blauer Jungs Tränen liefen.
Dann trat alles an, was mitfahren ſollte.
Mützen ab zum Gebet! rief der Kommandant.
Noch einmal ſchallten drei Hurras für Kaiſer und Reich über
die Reede von Borkum und einzeln gingen die vier Torpedo=
boote
bei S,M.S. Arcona längsſeit.
Geheimſachen abgeben."
Außer dieſen wurden alle entbehrlichen Ausrüſtungsgegen=
ſtände
abgegeben, jedes Torpedoboot übernahm zwölf ſchwere
Minen und im Morgengrauen des 17. Oktober verließen die
Schiffe rottenweiſe die Ems.
Andere Torpedoboote ſuchten während der Ausfahrt die
etwa vor der Ems lauernden feindlichen U=Boote unter Waſſer
zu halten. Und bald gewann die Halbflottille Thiele das freie
Meer.
Aber der engliſche Spionageapparat arbeitete glänzend.
Schon am Abend, vor der Abfahrt der Boote, wußten die
Engländer unſere Pläne bis in die Einzelheiten genau. Die
258 Mann fuhren in den ſicheren Tod, der ſchneller auf ſie
lauerte, als ſie ahnen konnten. Fünf der ſchnellſten, modernſten
und am beſten bewaffneten Schiffe ſandten die Engländer den
vier alten, langſam laufenden Torpedobooten entgegen: den
nagelneuen Kleinen Kreuzer Undaunted Führerſchiff der
III. Zerſtörerflottille, der gerade fertiggeſtellt worden war, und
die vier Zerſtörer Lance Lennex Legion und Loyal fuh=
ren
von Harwich nach der holländiſchen Küſte bei Texel den
Torpedobooten gerade entgegen, während das engliſche U=Boot
E 8 von Terſchelling und Ameland aus die Emsausfahrt be=
wachte
.
Kurz nach 10 Uhr vormittags wurde bereits auf dem einen
deutſchen Torpedoboot gemeldet:
Feindliches U=Boot voraus!
Kurs auf U=Boot. Außerſte Kraft voraus! Rammen!
Aber raſch tauchte das U=Boot weg.
Verdammt! Wir ſind entdeckt!
Was ſollte nun geſchehen?
Durch Funkſpruch an Flottenleitung melden. Kurs auf
Terſchelling=Leuchtturm.
Korvettenkapitän Thiele lief in Sicht auf Terſchelling=
Leuchtturm und ſchlug einen Haken, machte nach Oſten kehrt.
Wenn der Engländer dort keinen Spion ſtehen hat, dann
hat er überhaupt keinen. Vielleicht gibt der nach England eine
Meldung ab, die die des U=Bootes aufhebt. Hoffen wir.
Dann, aus Sicht von Terſchelling, ſtieß er wieder nach
Weſten vor.

Der Kampf gegen die Hereros.
Vor 30 Jahren.
Am 11. Januar 1904 begann jener langwierige Aufſtand der
Hereros gegen die deutſche Kolonialmacht. Zu Beginn ſtanden
der deutſchen Verwaltung auf dem fernen Kampfplatz nur wenige
hundert Mann zur Verfügung, die mit heldenhaftem Mute ſich
gegen die Tauſenden von Angreifern wehrten. Nach der Ankunft
von Verſtärkungen folgte dann der Entſcheidungskampf vom
Waterberg, der zur Niederwerfung der aufſtändiſchen Bantu=
Stämme führte.

Etoscha-Pfanne
20/AHE

Naterberg
0 X
oWindhuk

okeetmanshoop
BONDEL-

Karte der ehemaligen Kolonie Deutſch=Südweſtafrika mit dem Sitz
der dort beheimateten Bantu=Stämme (unterſtrichene Namen).
Das Kreuz im Norden bezeichnet den Waterberg, wo die Ent=
ſcheidungsſchlacht
ſtattfand.

Unſer Befehl muß auf alle Fälle ausgeführt werden.
Auf jedes Riſiko!
Weiter ging es weſtwärts.
Nachmittags drei Uhr wurden im Norden einige Rauchwol=
ken
geſichtet. Die Torpedoboote drehten einige Strich nach Süden
ab. Aber gleich kam wieder die Meldung:
Rauchfahnen in Südweſt. Zwei, vier .. ſechs.. ſieben..."
ſieben bis acht.
Das iſt der Vorpoſten des Feindes!
Scharf hielt alles Ausſchau. Doch bald legte ſich die Span=
nung
und erleichtert atmete man auf.
Holländer. Handelsdampfer. Das iſt noch einmal gut ge=
gangen
.
Aber kaum waren dieſe und die hinter ihnen herziehenden
Rauchfahnen paſſiert, als an Backbord und auf gleichem Kurs
wie die Handelsdampfer, neue Schiffe aus dem Rauchſchleier
auftauchten.
Das war der Engländer. Ein Kreuzer und vier Zerſtörer
wurden ausgemacht.
Die Halbflottille drehte in Dwarslinie vom Gegner ab.
Höchſte Kraft voraus!
Aber die alten Boote liefen nur 18 Seemeilen und ſchnell
holte der Feind ſie ein.
S. 118 auf dem kurz vorher ein Kondenſator leck gewor=
den
war, konnte als erſtes Schiff die Geſchwindigkeit nicht
mehr halten. Kapitänleutnant Beckert, der Kommandant, machte
kurz entſchloſſen kehrt und ſtellte ſich zum Kampf.
Aber Korvettenkapitän Thiele war nicht geſonnen, eines
ſeiner Boote im Stich zu laſſen, zudem ſah er ein, daß ein
Entkommen ausgeſchloſſen war.
Minen unſcharf über Bord!
Das Oberdeck und die Torpedorohre mußten für das Gefech:
freigemacht werden.
Wenn ſie uns ſchon haben, dann wollen wir uns wenig=
ſtens
ſo teuer wie möglich verkaufen.
(Schluß folgt.)

Noman von Stefanutſch

Copyright by Verlag Alfred Bechthold, Braunſchweig.
3)
(Nachdruck verboten).
Nun begann ſein Aufſtieg. Maßgebende Perſönlichkeiten wurden
auf ſein überragendes Regietalent aufmerkſam. Bereits im Jahre 1929,
als der Tonfilm ſich die Welt eroberte, war er einer der bedeutendſten
Regiſſeure, beliebt bei allen, die ihn kannten.
Auch in den Zeiten, da es ihm ſehr ſchlecht ging, unterhielt er eine
regelmäßige Korreſpondenz mit Franz Erler. Sie ſchrieben ſich beide
jeden Monat einmal. Stauf war gerührt von der Anhänglichkeit und
Treue Erlers, er hatte ja längſt Gelegenheit gehabt, ſich von der Auf=
richtigkeit
und dem ehrlichen uneigennützigen Charakter des jungen Weſt=
falen
zu überzeugen.
Als ſich die wirtſchaftlichen Verhältniſſe Staufs immer günſtiger
geſtalteten, und er ſich einen eigenen Haushalt leiſten konnte, ließ er
Franz nach Berlin kommen.
Wir kennen uns, ſagte Stauf ganz einfach, du bleibſt zu meiner
perſönlichen Aufwartung bei mir. Ich habe dich dringend nötig. Fühle
dich nicht als Diener wir ſind Freunde. . ."
Und Erler hatte es nie bereut, nach der Hauptſtadt gekommen zu ſein.
Empfing Stauf Gäſte in ſeinem Haus es waren meiſt Damen und
Herren aus der Filmwelt ſo bediente Erler mit der Routine eines mit
allen Waſſern gewaſchenen Dieners, vornehm, ruhig, geſchickt und äußerſt
aufmerkſam. Man konnte ihn ſchon gebrauchen. Stauf wurde um dieſen
dienſtbaren und ſich ſtets nützlich erweiſenden Geiſt beneidet.
Herr Stauf, ſagte er bei einem Eſſen leiſe und machte eine devote
Verbeugung, noch eine Kleinigkeit von dieſem und jenem das Menü
aſt ausgezeichnet. . . Heute abend bitte keine Eiſpeiſe. Das Wetter ändert
nich und bei einem Witterungswechſel nehmen Ihnen genoſſene Eier den
Schlaf. Noch ein wenig Salat, bitte. . . ſo. . . Danke!. . . Recht viel
Vitamine am Abend wie am Morgen die halten das Blut geſund und
ind auch für die Zellenbildung eine vorzügliche Subſtanz. Nicht zu viel
Wein und dann nur eine Sorte immer nur eine Sorte.
Erler kannte Stauf beſſer als ſich ſelbſt.
Er neigte ſich diskret zu dem Ohr der Filmdiva:
Dieſe Nachſpeiſe, Königin des Films, iſt wundervoll. Etwas für
ganz verwöhnte Gaumen. Das Rezept hat ſich unſere Köchin aus der
früheren Hofküche des Exkaiſers verſchafft. Lukullus iſt ein Waiſenknabe
geweſen, er hat von dieſen leckeren Sachen keine Ahnung gehabt. Soll
ich ein Benediktinerchen?. . . Ja, ja, Original=Benediktiner.
Zu dem großen Schauſpieler:
Dieſe Zigarren, mein Herr, kommen aus Havanna. Abgelagerte
Marken. . . Wünſchen Sie ſtark mittelſtark leicht?. . . Der Tabak
kammt aus den beſten Pflanzungen der Welt. Oder hier ſind Zigaretten:
Mazedonen Türken Araber!. . . Soll ich Cognak einſchenken?. . .
Echten deutſchen. . . Herr Stauf dreht wohl internationale Filme, aber
rtrinkt nur nationalen Schnaps, in dieſer Beziehung iſt er Anhänger der
Autarkie. Konſequent. . . Apropos; deutſches Bier trinkt er am liebſten!
Em Vertrauen. . ."

Sie lieben alle Franz Erler. Der Mann iſt unerſetzlich, ſagte einmal
eine bekannte Filmſchauſpielerin zu Stauf.
Erler hat viel zu tun. Stauf erhält an jedem Tag etwa hundert
Briefe. Zwanzig bis dreißig fremde Beſucher an einem Tage ſind keine
Seltenheit. Niemand bekommt ihn zu ſprechen, denn er hat ſehr wenig
Zeit. Er fühlt ſich von Franz würdig vertreten.
Franz Erler geht nie abends zu Bett, bevor Stauf zu Hauſe iſt.
Kommt der Regiſſeur, ſo ſitzen beide ſtets noch ein halbes Stündchen bei=
ſammen
und unterhalten ſich über allerlei Ereigniſſe und Erſcheinungen
des Lebens.
Das iſt meine beſte Erholung, Franz, wenn wir beide allein ſind,
pflegt der Regiſſeur zu ſagen...
An dieſes und vieles andere denkt Franz Erler jetzt, da er auf dem
Bett liegt. Das Buch iſt ſeiner Hand entglitten.
Draußen tobt noch immer das Unwetter in gewaltiger Stärke.
Franz ſieht nach der Uhr. Es iſt zwei Uhr nachts. Jetzt klatſchen einige
dicke Regentropfen an die Fenſterſcheiben. Das grelle Licht der Blitze
überhellt den Schein der Tiſchlampe.
Heute abend war Stauf außergewöhnlich früh nach Hauſe ge=
kommen
. Schon um neun Uhr. Er fühle ſich nicht wohl ſeit einigen Tagen,
hatte er geſagt. Um zehn Uhr war er zu Bett gegangen, obwohl er zu
einer kleinen Geſellſchaft geladen war.
Da ſchrillt plötzlich laut und eindringlich die Glocke. Franz ſpringt
vom Bett auf. Stauf ruft ihn zu ſich. Was mag er nur haben zu dieſer
Stunde, denkt Franz. Er eilt hinunter in den erſten Stock.
Im Schlafzimmer Staufs iſt gedämpftes Licht. Er ſelbſt ruht in
halbliegender Haltung im Bett.
Der Raum iſt außergewöhnlich groß. Zu ihm paſſen die umfang=
reichen
maſſigen Möbel. Die Einrichtung iſt zeitgemäß ſchlicht und ge=
diegen
, aber ſie wirkt monumental. Neben dem Bett liegen auf einer
Konſole Bücher, ein Zeichen, daß Stauf auch zur Nachtſtunde noch öfter
lieſt.
Erler nähert ſich leiſe dem Bett.
Franz, entſchuldige, daß ich dich ſo ſpät noch ſtöre, ſagt Stauf
matt und richtet ſich ein wenig auf, Ich glaube, ich bin krank ja, ich
bin beſtimmt krank!
Haſt du Schmerzen? fragt Erler.
Nein, das nicht. Auch kein Fieber oder nur wenig. Aber es iſt
mir hundsmiſerabel zumute. Reiche mir bitte ein wenig Waſſer!
Franz füllt ein Glas und reicht es ihm. Du biſt überarbeitet meint
er beſorgt. Du haſt dir in letzter Zeit viel zu wenig Ruhe gegönnt!
Stauf trinkt. Dann lehnt er ſich erſchöpft wieder zurück.
Ich hatte einen furchtbaren Traum, beginnt er nach minuten=
langem
Schweigen wieder. Alles, was mir das Unterbewußtſein ſo
vorſpielte, war ungeheuerlich verworren. Seltſam, der Traum handelte
nur vom Krieg und von der Lazarettzeit. Es iſt verwunderlich und
tragiſch, daß wir nicht davon abkommen. Wir ſchleppen dieſe Erinne=
rungen
und Erlebniſſe bis ans Ende mit uns herum und an den
Folgen ich meine die Einwirkungen auf unſer Inneres und den
Körper leiden wir ſtetig. Es iſt traurig . . ."
Gerade du warſt ſehr ſtark davon mitgenommen worden, ent=
gegnet
Franz voll Mitgefühl.
Einer mehr und der andere weniger. Spuren ſind bei jedem
ſchließlich zurückgeblieben. Aber ſetz dich ein wenig, Franz. Oder biſt
du ſchläfrig?"
Nein, ich war noch nicht zu Bett gegangen. Aber wenn es dir recht
iſt, will ich eine Schale Waſſer holen. Wenn du Geſicht und Hände an=
feuchteſt
, haſt du gewiß Erleichterung, Waſſer erfriſcht. Deine Nerven
werden dich wieder ſchikanieren!
Ja ja, die Nerven..."

Franz legte ihm feuchte Tücher um Stirn und Hände.
Das hat noch immer geholfen in ſolchen Fällen, verſicherte er.
Schon damals in D., ich kann mich noch gut entſinnen!
Ich bin ſchon wieder beruhigt fühle mich bereits beſſer. Viel=
leicht
hat mich auch der jähe Witterungswechſel mitgenommen. Ich kann
dieſe ſtarken Veränderungen in der Natur nicht mehr vertragen. Es war
ſo unſagbar ſchwül heute am Tage. Ich hatte einen unheimlichen Druck
auf dem Herzen. Es geht überhaupt, wie es mir ſcheint, alles von meinem
Herzen aus. Daran leide ich, obwohl die Arzte ſagen, es ſei durchaus
geſund. Ich glaube das nicht. Ich bin eigentlich ein ſehr, ſehr unglücklicher
Menſch. Staufs Augen haben ſich plötzlich verſchleiert.
Na, na wehrt Franz ab. Gerade du hätteſt unter Millionen
Menſchen Urſache, glücklich zu ſein!
Du meinſt, weil ich in materieller Hinſicht keine Sorgen habe?"
Als Franz den Kopf ſchüttelt, fährt er fort: Oder weil ich eine berühmte
Perſönlichkeit bin? Mein Freund, das ſind alles Faktoren, die er=
ſchreckend
veränderlich ſind. Gewiß, es iſt eine ſchöne Sache, Großes zu
ſchaffen, der Welt zur Belehrung und Erbauung künſtleriſch und ethiſch
hochſtehende Werke zu geben. Aber mich befriedigt das alles nicht, ich
kann es dir ruhig ſagen. Das größte Werk iſt Stückwerk, es bleibt alles
ſo unvollkommen. Vielleicht hat mich das Leben zu ſtark angefaßt, es iſt
nicht gut, wenn man in ſeine Tiefen ſchaut und zu viel über alles nach=
grübelt
. Ich bin ein ganz kleiner, ein höchſt unvollkommener Menſch!
Was ſind dann die meiſten anderen Menſchen, wenn du eine ſolch
geringſchätzige Meinung von dir ſelbſt haſt?, fragt Erler erſtaunt.
Die anderen Menſchen ſind kein Maßſtab für mich. Der Maßſtab
für die Anſchauung und Betrachtung der Dinge bin ich ſelbſt, mein Ge=
wiſſen
, meine Erkenntnis, meine Sehnſucht nach etwas, was ich nicht in
Worte kleiden kann. Und was die Menſchen angeht: man ſoll und darf
nie gering über ſie denken. . . Sie haben meiſtens ihre guten Seiten; es
gibt viele Freude in ihremLeben. Die Stellung einer Perſon im geſell=
ſchaftlichen
Leben iſt nicht ganz der Wertmeſſer für ſeine Perſönlichkeit.
Wir ſind alle zu ſehr vom Glück und vom Zufälligen abhängig, und ich
bin überzeugt, daß viele ſterben und namenlos werden, die der Welt
unſchätzbare Werte hätten geben können. Es fehlte ihnen eben das Glück,
es fehlte ihnen der Zufall, es wurde für ſie die Bahn des Erfolges nicht

A"
Der größten Prüfung unterziehſt du ſtets dich ſelbſt, erwidert
ranz und läßt aus einer Kriſtallflaſche Kölniſches Waſſer auf ein Seiden=
ſich
tropfen, das er dann dem Regiſſeur reicht.
Weil ich dafür verantwortlich bin, was ich tue und laſſe. Ha, hm, es
mir wirklich wieder wohler. Das kommt daher, weil du bei mir biſt,
anz. Ich glaube, ich kann die Einſamkeit nicht gut vertragen. Sie macht
ch beinahe ſchwermütig. Wie iſt es mit dem Gewitter?
Es ſcheint vorüber zu ſein. Draußen regnet es ſtark!
Schön, das kühlt ab. Wir werden morgen eine gereinigte Erde
en. Was vvollte ich noch fragen, lieber Franz? Aha, jetzt weiß ich’s
eder. Du haſt mit deinem herzlichen und aufrichtigen Empfinden immer
ten guten Blick für das Schöne und Erhebende für menſchlich er=
eifende
Begebenheiten. Haſt du das Drehbuch zu dem Film Menſchen
Not geleſen?
Ja, ich habe es geleſen. Ein Manuſkript liegt noch im Bücher=
ank
!"
Ich weiß. Schön!. . . Welche Szene gefiel dir denn am beſten. . ."
Die mit dem Kinde, das bei dem Auflaufen des Schiffes auf ein
ff durch den Stoß aus dem Schlaf geweckt und in ſeiner Angſt aus der
jüte eilte. In der nun einſetzenden Panik fand es die Mutter nicht
eder, es irrte im Schiff umher und fand zuletzt den Weg in den Feſt=
I.
Siehſt du, ich hatte es mir gedacht/!
etzung folat, A

[ ][  ][ ]

Seite 10 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 11. Januar 1934

Soeu. Sater Ttie Saebiebe
Unſere Länderſpiel=Preisfrage.
Sieben bewährte Spieler unſerer Naklonal=Ell. Glückliche Sieben!
Wer wird ſiegen:

Der Sport des Sonntags.

Ungarn oder Deutſchland?
Das Fußball=Länderſpiel gegen Ungarn am kommenden Sonn=
tag
in Frankfurt erregt wie ſelten ein Spiel die Anhänger des
Lederballs. Nach den letzten oft zweitklaſſigen Gegnern, die
unſerer oft veränderten Länderſpiel=Nationalelf gegenüberſtanden,
kommt diesmal ein Vertreter der erſten internationalen Klaſſe.
Wir haben bereits die Mannſchaften der befreundeten Nation
mitgeteilt, die beſagt, wie große Bedeutung die Ungarn dem
Treffen beilegen. Aus Nordafrika und Deutſchland, wo ihre beſten
Mannſchaften zurzeit weilen, wurden die bekannteſten Spieler nach
Frankfurt beordert. Sie ſind geſtern bereits eingetroffen und haben
mit dem Training begonnen.
In Frankfurt wird das Stadion am kommenden Sonntag wieder
einmal ausverkauft ſein, trotz des Einbaues neuer Plätze. Der
Deutſche Fußballbund hat eine Elf geſtellt, in der neben den alten,
im vielen Länderſpielen erprobten ſüddeutſchen Kämpen, junge
Talente ausprobiert werden. Deutſchland ſteht vor einer ſchweren
Aufgabe, dennoch kann ſie gelöſt werden. Techniſch ſind unſere mit
der Vertretung der Reichsfarben betrauten Spieler gerüſtet, daß ſie
mit dem Willen zum Sieg vor den Zehntauſenden antreten werden,
iſt ohne Zweifel.
Die Meinungen im Fußballager über die Spielſtärke der bei=
den
Teams ſind gerade diesmal nicht einheitlich. Wir geben daher
unſeren Leſern Gelegenheit, ihre Anſicht über den Ausgang des
Treffens unter Bewertung des Könnens und des unberechenbaren
Fußballglücks kundzutun.
Wir legen Ihnen daher die Frage vor:

Wie endigt das Länderspiel?
Deutſchland Ungarn
: . . Tore
Halbzeit
Tore

Die Tips müſſen bis Samstag, nachmittags
3 Uhr. bei der Sportredaktion des Darmſtädter Tagblattes,
Darmſtadt, Rheinſtraße 23, vorliegen. Bezugsquittung beifügen.
Abſender genau angeben.
Als Prämie für den richtigen Tiv ſetzen wir aus:
1. Preis
20 RM.
2. Preis
10 RM.
3. Preis .
5 RM.
4.10. Preis
ein Buch.
Bei Vorlage von mehreren richtigen Einſendungen entſcheidet
das Los. Die Namen der 25 beſten Fußball=Sachverſtändigen
werden veröffentlicht.
Die junge Sporkgarde von 1934.
Das Jahr 1933 war in Deutſchland kein Jahr großer ſport=
licher
Erfolge, es war vielmehr ein Jahr der Beſinnung, ein
Jahr, das man nach den Olympiſchen Spielen von Los Angeles
brauchte, um einmal Ueberſicht darüber zu gewinnen, was eigent=
lich
vorhanden iſt. Denn das neue Jahr 1934 bringt nicht nur
die Deutſchen Kampfſpiele, ſondern auch die erſten Vorbereitungen
für die Olympiſchen Spiele des Jahres 1936, die bekanntlich in
Berlin ſtattfinden.
Intereſſant iſt, daß 1933 in faſt allen Sportarten die alten
Leute abtraten, um anderen Platz zu machen. Merkwürdig lange
haben ſich die einſtigen Größen gehalten, die man in aller Welt
kannte und die Deutſchlands Sport Weltgeltung verſchafften.
Wenn man bedenkt, daß ein Mann wie Dr. Peltzer noch im ver=
gangenen
Jahre eine ganze Reihe von Rennen beſtreiten konnte,
bei denen er von vornherein unbeſiegbar war, ſo wirkte das etwas
beſchämend, denn Peltzer iſt doch ein alter Mann. Zu denen
aber, die 1932 erſtmalig Großes leiſteten und deren Form 1933
weiter anſtieg, kamen dann eine Reihe von jungen neuen Talen=
ten
hinzu, und ſo wurden gerade 1933 eine ganze Reihe von deut=
ſchen
Rekorden geboren, von denen einige auch als Weltrekorde
anerkannt wurden.
An erſter Stelle ſteht natürlich Hansheinrich Sievert aus
Hamburg, der nicht nur den Zehnkampf=Weltrekord an ſich brachte.
ſondern auch einen neuen Diskusrekord aufſtellte. Sievert iſt eine
der größten Begabungen, die der deutſche Sport jemals hervor=
brachte
. Er kann in der Leichtathletik einfach alles, und ſein
Weltrekord im Zehnkampf, der ſchönſten und ſchwerſten Diſziplin,
die es gibt, herechtigt zu der Hoffnung, daß er, der noch ſehr jung
iſt, bei den Olympiſchen Spielen in großer Form ſein wird. Das,
was Sievert bei den Leichtathleten iſt, iſt Raymond Deiters aus
Köln bei den Schwimmern. Ein Naturtalent, mit blendender
Technik verſehen, nur noch nicht routiniert genug die Zeit und
Strecken einteilend. Aber Deiters iſt jung, er wird noch vielen
Rekorden das Lebenslicht ausblaſen. Von 200 bis 1500 Metern
beherrſcht er alle Strecken und beſitzt alle deutſchen Rekorde. Im
vergangenen Jahre hat er ſich enorm verbeſſert und iſt heute Welt=
klaſſe
, wenn wir auch vorerſt niemand haben, der den Japanern
und Amerikanern erfolgreich Konkurrenz machen könnte. Schwarz=
Göppingen und Sietas=Hamburg konnten im Bruſtſchwimmen,
Trenſchel und Frl. Saſſerath im Rückenſchwimmen. Frl. Dreyer
im Bruſtſchwimmen, neue deutſche Rekorde herausſchwimmen.
Neue Leute unter den Rekordlern waren der Leipziger Pri=
maner
Long im Weitſprung, Clemens Baatz im Autbordrennen,
H. Seeger=Oßweil im Hammerwerfen, Blaſk im Steinſtoßen und
Großpitz im Speerwerfen, bei den Damen Frl. Mauermeyer im
Fünfkampf und Frl. Niederhoff im Hochſprung. Dagegen waren
Leute wie der Speerrekordwerfer Weimann=Leipzig und die drei
Gewichtheber Wölpert, Schwaiger und beſonders der Olympia=
ſieger
Ismayr ſchon 1932 beſtens bekannt. Hans Schrill.
Handball.
Polizei Darmſtadk.
Am kommenden Sonntag haben die Handballer ein ſchweres
Auswärtsſpiel zu beſtehen. Sie haben auf dem tückiſchen Platz
der Rüdesheimer Turner anzutreten, die auf ihrem eigenen
Boden und vor dem leicht in Siedehitze geratenden Publikum
der Weinſtadt oft die Unglücksklippe für manche Vereine ge=
worden
ſind. Erinnert ſei nur an die Niederlage der Herrns=
heimer
und den knappen und hart errungenen Sieg der 98er.
Die Anhänger der Mannſchaft haben Gelegenheit zur Begleitung
der Mannſchaft. Näheres bei Sekretär Stiller, Fernruf 4720.
Rol=Weiß Darmſtadt.
Zu einer wichtigen Spielerverſammlung und Beſprechung
werden am Freitag abend 8.30 Uhr nicht nur die 1. und 2.,
ſondern auch die 3. Mannſchaft vollzählig bei Arnold, Bis=
marckſtraße
, erwartet.
Spielverlegung vom 14. auf den 21. Januar.
Wie wir aus amtlicher Quelle erfahren, ſind ſämtliche Pflicht=
ſpiele
im Handball der Bezirksklaſſe und unteren Klaſſen, die
am 14. Januar terminmäßig zum Austrag kommen ſollten, auf
den 21. Januar verſchoben worden.

So reichhaltig das Sportprogramm des Sonntags auch iſt,
ſo treten die einzelnen Ereigniſſe in ihrer Bedeutung doch hinter
das in Frankfurt ſtattfindende 11. Fußball=Länderſpiel zwiſchen
Ungarn und Deutſchland zurück. Das erſte Länderſpiel des Jah=
res
führt Deutſchland und Ungarn im Stadion zuſam=
men
, ein wertvoller Erſatz für das im letzten Sommer ausge=
fallene
Länderſpiel gegen Oeſterreich. Zehnmal haben die deut=
ſchen
Fußballer bisher mit Ungarn Länderkämpfe ausgetragen.
von denen nur zwei gewonnen werden konnten, während drei
unentſchieden endeten und fünf von den Magyaren ſiegreich ge=
ſtaltet
werden.
Deutſchlands Elf be=
ſtreitet
den Kampf in folgender
Aufſtellung: Kreß (Dresdener
SC.); Haringer (Bayern Mün=
chen
), Stubb (Eintracht Frank=
furt
); Gramlich (Eintr. Frank=
furt
), Goldbrunner (Bayern
München), Oehm (1. FC. Nürn=
berg
); Lehner (Schwaben Augs=
burg
); Lachner (München 60),
Coyer (FV. Saarbrücken), Noack,
Pollitz (beide Hamburger SV.).
Erſatzleute ſind: Schäfer ( Mün=
chen
60). Grebe (Offenbacher
Kickers), Trumpler. Schmidt
(Eintracht Frankfurt) und W.
May (FSV. Frankfurt).
Ungarns, Mannſchaft
wird aus einer fünfzehnköpfigen
Expedition erſt an Ort und
Stelle aufgeſtellt. Die Aufgabe
der deutſchen Vertreter darf
nicht unterſchätzt werden. Un=
garn
iſt eine ſtarke. Fußball=
nation
und die 15 Mann ſtellen
die Elite der Magyaren dar.
Zum Schiedsrichter des Kamp=
fes
wurde der Belgier, Baert
beſtimmt.
Die Gauligaſpiele in Südweſt=
deutſchland

nehmen ihren Fortgang. Nur
einige der Vereine, die Spieler
nach Frankfurt abſtellen ſind
befreit. Angeſetzt ſind folgende
Treffen: Gau Südweſt: Bo=
ruſſia
Neunkirch.AO. Worms.
FC. KgiſerslauternFSV.
Mainz 05. Spfr. Saarbrücken
FK. Pirmaſens Phönix Lud=
wigshaf
.SV. Wiesbaden. Gau
Baden; Karlsruher FV.
SV. Valdhof. Germ Brötzin=
gen
VfR. Mannh., FC. Frei=
burg
FC. Pforzheim. VfL.
NeckarauFreiburger FC. Gau
Sportfr.
Württemberg:
StuttgartUnion Bcking.,
StuttgSV. Feuerbach SSV.
UlmFC. Birkenfeld. Ulm 94
VfR. Heilbronn. Gau Bay=
ern
: FC. MünchenSppgg.
Fürth. Wacker München-Jahn
Regensburg, FC. Schweinfurt
Oben von links: Oehm (linker Läufer), Haringer (rechter Verteidiger), Lachner (halb= ASV. Nürnberg, 1. FC. Nürn=
berg
Schwaben Augsb. Würz=
rechter
Stürmer), Goldbrunner (Mittelläufer).
Unten von links: Politz (linker Außenſtürmer), Kreß (Tor) u. Noack (halblinker Stürmer), burger EV. 941. FC. Bay=
reuth
. Gau Nordheſſen:
Kaſſel 03Sport Kaſſel. Ha=
nau
93 Heſſen Hersfeld, Kurheſſen Marburg Boruſſia Fulda,
Spielv. Kaſſel Kurheſſen Kaſſel; Gau Mittelrhein:
Kunſt=Schaukurnen am Woogsplak.
CfR. Köln Weſtmark Trier, Sülz 07 Köln 99, Eintracht
Trier Bonner FV., VfR. Köln Rhenania Köln, Fortung
Kottenheim Mülheimer SV. Im Reich gehen die Gauliga=
Turngemeinde 1846 (Felfing-Riege)
ſpiele weiter, aus dem Ausland iſt die erſte Häuptrunde um den
engliſchen Pokal, die am Samstag mit 32 Treffen aus=
unker
Milwirkung von 17 92.-Siegern.
getragen wird, beſonders zu nennen.
Am kommenden Samstag, abends 8,15 Uhr, findet im großen
Handball.
Saale der Turngemeinde am Woogsplatz das bekannte Felſing=
Im Gau Südweſt, in Baden, Nordheſſen und Mittelrhein
Schauturnen ſtatt. Die Leiſtungen vor einem Jahre waren bei
dieſem Kunſtturnen bereits ſehr gut, und darum iſt man allerorts nehmen die Punkteſpiele ihren Fortgang. Der Durchführung der
geſpannt, was dieſes Mal geboten wird. Die der Felſing=Riege Spiele in Bayern und zum Teil auch in Württemberg ſtehen durch
befreundete Frankfurter Jahn=Riege, unter Teilnahme von Ernſt die Wetterlage noch Schwierigkeiten im Wege. Es iſt hier unklar,
Winter, dem 2. Sieger vom Deutſchen Turnfeſt 1933 in Stuttgart, inwieweit die für Sonntag angeſetzten Spiele durchgeführt wer=
hiltf
mit, dem Abend etwas ganz Außergewöhnliches zu geben, den können.
Winterſport.
Eines verdient beſonders hervorgehoben zu werden, daß das
Im Skiſport verzeichnet der Kalender eine Reihe von
Kunſtturnen mit einem Wettkampf nichts gemein
hat. Der Turner kann, ungehemmt durch das ſcharfe Auge der Meiſterſchaften, u a. die fränkiſchen Meiſterſchaften in Warmen=
Kampfrichter, ſeine Uebungen voll zur Entwicklung bringen. Er ſteinach und die Bayernwald=Meiſterſchaften in Grafenau. Dazu
kann alſo, da doch keine Wertung vorgenommen wird, viel mehr kommen zahlreiche Skirennen und Sprungveranſtaltungen in den
riskieren und deshalb viel ſchwierigere Uebungen turnen, als bei bayriſchen Bergen. Im Eishockey hat der SC. Rieſſerſee am
Samstag den HC. Mailand zu Gaſt, auf dem Titiſee geht ein
einem Wettkampf.
Geturnt wird nicht nur an den Hauptgeräten, Reck, Barren. Turnier vor ſich, und Kanadas Weltmeiſterſchafts=Vertreter, die
Saskaton Quakers, beginnen ihre Europareiſe mit einem Län=
Pferd und Schaukelringen, ſondern auch Kunſtfreiübungen und
Sondervorführungen werden durch beſondere Eigenheiten auf= derkampf Kanada Schweden in Stockholm. Im Eislaufen
ſind auf dem Staffelſee bei Murnau die bayeriſchen Meiſterſchaften
fallen. Neben dem turneriſchen Teil wird Kapellmeiſter Schlupp vorgeſehen. Der Bobſport meldet Meiſterſchaften und weitere
Wert darauf legen, gute Muſik zu bringen.
Kämpfe in Thüringen und im Schwarzwald (Rodelmeiſterſchaft).
Da die Mitglieder der Jahnriege ſowie der Felſing=Riege der
Schwimmen.
SA. angehören, haben die Führer der Darmſtädter SA. im Be=
wußtſein
, daß Turner und SA.=Mann weſensverwandt ſind, ihr
Die erſten Hallenmeiſterſchaften im Kunſtſpringen, ſollen in
Erſcheinen zugeſagt.
Halle durchgeführt werden. Deutſche Schwimmer, u. a. Claire
Dreyer, gehen in Kopenhagen bei einer internationalen Veran=
Karten erhältlich in der Turnhalle beim Wirt.
ſtaltung an den Start.
Verſchiedenes.
Ein Tag der Meiſter mit Deutſchlands beſten Ringern
DarmſtädterWinkerrunde imschwimmen
und Stemmern geht in Köln vor ſich, und ein Hallenſport=
Bei der diesjährigen Winterrunde, die am Freitag nächſter feſt iſt in Hannover vorgeſehen.

Woche beginnt, wird wieder in 3 Klaſſen geſchwommen. Jeder
Verein hat an allen Kämpfen ſeiner Klaſſe teilzunehmen und für
jedes Einzelrennen 2 Mann, für Staffeln 1 Mannſchaft zu ſtellen.
Der ſtärkſte Verein gibt ſeinen Konkurrenten nach deren Leiſtungs=
fähigkeit
Vorgaben, ſo daß für alle Teilnehmer Siegesausſichten
10.10: Nur für Kaſſel: Werbekonzert.
beſtehen. Die Mannſchaften erhalten für jeden Einzel= und
10.30: Nur für Kaſſel: Eigene Sendung.
Staffelkampf ihrer jeweiligen Placierung entſprechend Gutpunkte:
10.45: Praktiſche Ratſchläge für Küche und Haus.
bei Einzelrennen, in Klaſſe 1 13. 10, 8. 6., 5, 4, 3. 2. in 14.30: Nur für Kaſſel: Nachrichten.
Klaſſe II 8, 5, 3, 2, in der Damenklaſſe 10, 7, 5, 4. 3 Punkte, 14.40: Stuttgart: Stunde der Jugend: Aus den unveröffentlichten
in den Staffeln Klaſſe I 26, 20, 16. 12, Klaſſe II 16 und 10.
Damenklaſſe 20, 14, 10 Punkte. Die Staffeln werden doppelt
am 12. Januar.
gewertet, um den Mannſchaften mit den beſſeren Durchſchnitts= 16.00: Nachmittagskonzert. Das Funkorcheſter und Soliſten.
leiſtungen Gelegenheit zu geben, den in den Einzelrennen gegen
18.00: Stuttgart: Spaniſcher Unterricht.
Mannſchaften mit beſſeren Spitzenleiſtungen erlittenen Punktverluſt 18.20: Stuttgart: Prof. Dr. Wagner: Aus der Flußgeſchichte des
auszugleichen. Wer in allen Kämpfen ſeiner Klaſſe zuſammen die
Rheins.
meiſten Punkte erreicht iſt Sieger.
18.35: C. O. Jatho; Weisheit der Kathedralen.
In Klaſſe I für Herren ſtarten: Jungdeutſchland 1., Turnade. 19.00: Stunde der Nation: Deutſche Kantate. Eine Dichtung mit
1846, Turngeſ. 1875 und Polizei SV. Es erhalten hier Tgeſ. 75
und Polizei je vier Tade. 46 ſechs Sekunden Vorgabe für 100 20.10: Köln: Der Feierabend. Das unterhaltende Funkfeuilleton.
22.45: Stuttgart: Wird noch bekanntgegeben.
Meter, alſo alle 1 Sekunde mehr wie im Vorjahre. Jungdeutſch=
land
muß ſich daher ſchon tüchtig anſtrengen, wenn es wieder B.00: Stuttgart; Gebrüder Strauß. Unterhaltungskonzert des
Südfunkorcheſters. Ltg.: Otto Senfert.
Sieger werden will. Jedenfalls dürften die meiſten Rennen erſt
auf den letzten Metern entſchieden werden und der Geſamtſieger 2400: Stuttgart: Nachtmuſi.
erſt am Schluß der Runde feſtſtehen.
Merck und Jungdeutſchland 2. ſtehen bis jetzt als Teilnehmer
der Klaſſe 2 feſt. Die Merckſtaffel hat bei dem Staffeltag im
Dezember eine gute Figur abgegeben und die Vorgabe von 5 Sek.
9.40: Joh. Peter Hebel: Aus dem Schatzkäſtlein.
wird die 2. Garnitur des Schwimmklubs nicht im Spaziergang
10.10: Schulfunk: Teutſcher Humor in Dichtung und Lied.
gutmachen können.
In der Damenklaſſe ſtarten Jungdeutſchl. 1. und 2. Mannſchaft
Boxen. 11.30: Zeitfunk.
und Turngemeinde 1846. Die Schwimmerinnen der 1. Jung=
14.45: Kinderſtunde: Märchen.
deutſchl.=Mannſchaft haben gegen ihre Vereinskameradinnen von
der 2. und die Turnerinnen ie 100 Meter 4 Sek. aufzuholen, was 15.45: Tiergeſchichten. E. T. A. Hofmann: Aus: Kater Murr.
wohl erſt nach hartem Kampf möglich ſein ſollte. Ueberraſchungen 16.00: Breslau: Nachmittagskonzert des Funkquartetts.
ſind auch hier nicht ausgeſchloſſen.
17.00: H. Bettin: Wir bauen uns einen Photoapparat.
17.20: Aus Operetten (Schallplatten).
Fußball.
mit Hans Lorenz?
18.30: Dr. Kraemer: Neugeſtaltung der Ausbildung des Diplom=
Turngeſellſchaft 1875 SV. Weiterſtadt.
landwirts.
Aus Anlaß des Länderſpieles in Frankfurt wurde dieſes 19.00: Stunde der Nation. Frankfurt: Deutſche Kantate. Eine
Treffen abgeſetzt und für Sonntag, den 28. Jan, neu anberaumt.
Es fällt deswegen die heutige Spielerverſammlung aus. Nächſte
Pflichtſitzung Donnerstag, den 18. Jan., im Vereinshauſe.
Während der Spielpauſe bat ſich jeder Spieler am Training zu
beteiligen.
23.00: Stuttgart; Gebrüder Strauß. Unterhaltungskonzert.

Rundſunk-Programme.

Frankfurt: Donnerstag, 11. Januar
Jugendtagebüchern Hermann Görings zu ſeinem Geburtstag
Muſik von Wolfgang Brockmeier. Muſik: Gerhard Frommel.
Königswuſterhauſen.
Deutſchlandſender: Donnerstag, 11. Januar
9.00: Berufsſchulfunk: Wir wandern durch dt. Wirtſchaftsgebiete.
10.50: Schulfunk: Turn= und Sportſtunde. Einführung in das
15.10: Haushalt f. Anfänger: Das Weihnachtszummer wird gereinigt.
18.05: Zur Unterhaltung: Waren Sie ſchon mal i Schwaben
Dichtung mit Muſik von W. Brockmeier. Muſik von
Gerhard Frommel. 20.00: Kernſpruch. Anſchl.:
Deutſch=ſch=oediſches Konzert. Geſang: Liſſie von Roſen.
Das Berliner Philharm. Orcheſter. Dir.: Ernſt Praetorius,

[ ][  ][ ]

Nummer 10

Donnerstag, 11. Januar

Getreide= und Mehlpreiſe am Jahresende.
und Roggen wieder unnatürlich groß. Erſt durch die grund=
Geſundung am Gekreidemarkk.
legende Preisfeſtſetzung durch das Geſetz zur Sicherung der Ge=

Die ungeſunde Entwicklung der Getreidepreiſe in den zurück=
liegenden
Jahren drückt ſich deutlich in den Preiſen aus, die je=
weils
um das Jahresende gültig waren. Nachdem im Jahre 1925

treidepreiſe wurde in dem vorigen Sommer ein angemeſſenes
Preisverhältnis für die Dauer feſtgelegt.
Die Entwicklung der Mehlpreiſe folgt naturgemäß im weſent=
lichen
der der Getreidepreiſe. Wie das Schaubild aber zeigt, ſind

der Roggenpreis ganz ungewöhnlich weit unter den Weizenpreis
geſunken war, trat bald darauf eine Umkehrung der Entwicklung
ein, und der Roggenpreis ſtieg zeitweilig ſogar über den Weizen=
preis
. Durch die verſchiedenen Stützungsmaßnahmen der einzelnen
Regierungen wurde zwar der Roggenpreis wieder weit unter den
Weizenpreis geſenkt, aber nun wurde die Spanne zwiſchen Weizen

die Schwankungen der Mehlpreiſe bei weitem nicht ſo groß wie
die der Getreidepreiſe. Obwohl die Getreidepreiſe gegen den
Stand am Ende des vorletzten Jahres eine gewiſſe weitere Sen=
kung
aufweiſen, haben die Mehlpreiſe etwas in die Höhe geführt
werden müſſen, um den Mühlen eine angemeſſene Verdienſtſpanne
zu ermöglichen.

Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
Die Umſätze waren geſtern an der Berliner Börſe noch
kleiner als am Vortage, da ſich das Publikum nur wenig am Ge=
ſchäft
beteiligte. Man kann wohl annehmen, daß die Koupon=
erlöſe
jetzt zum größten Teil am Anlagemarkt Verwendung ge=
funden
haben, ſo daß die Nachfrage von Publikumsſeite im Augen=
blick
wenigſtens über den normalen Rahmen nicht hinausgeht.
Die Kuliſſe hielt ſich infolge der anhaltenden Geſchäftsſtille wei=
ter
zurück, zumal der ſcharfe Rückgang der Neubeſitzanleihe um
55 Pfg., der durch den Artikel eines Blattes, in dem die ſpekulative
Bewegung dieſes Papiers angegriffen wurde, ausgelöſt wurde,
verſtimmte. Außerdem ſtörten ſtärkere Rückgänge an einigen
Spezialmärkten. So waren in den letzten Tagen ſtark geſtiegene
Hapag= und Lloyd=Aktien über 100 000 RM. angeboten; Hapag er=
ſchienen
mit Minus=Minus=Zeichen, während Lloyd 30½ bis 30½
rach 325 eröffneten. Auch Allgemeine Lokal= und Kraftwerke
(minus 2½), BEW. (minus 2½) und Deutſche Atlanten (minus
1¾) waren ſtärker abgeſchwächt. Im übrigen gehen die Verluſte
kaum über ½ bis 1 Prozent hinaus. Gut gehalten waren Far=
ben
. Siemens, Deſſauer Gas, Bekula und Ver. Stahlwerke. Von
Montanwerten waren Harpener um 1¼ gedrückt. Im Verlaufe
bröckelten Aktien bei kleinſten Umſätzen weiter ab, Hapag kamen
3 Prozent niedriger zur Notiz. Von Montanwerten verloren
Buderus 1¼, Mannesmann 3. Laura waren mit 20½ nach 21½
angeboten. Dagegen waren Reichsbank erholt und überſchritten
den vortäglichen Schlußkurs um 1 Prozent. Auch für RWE. zeigte
ſich wieder Intereſſe. Chadeaktien konnten 1X RM. gewinnen.
Am Rentenmarkt erholten ſich, ausgehend von der Altbeſitzanleihe
(die 70 Pfg. gewannen). Neubeſitz um 30 Pfg. Kaſſarenten waren
dagegen überwiegend gedrückt, Länderanleihen verloren ¼ bis ½,
28er Mecklenburger 1½. Pfandbriefe und Kommunal= Obligatio=
nen
waren teils behauptet, teils leicht abgeſchwächt, nur Mei=
ninger
plus ¼ bis ½. Auch Liquidationspfandbriefe ſchwächten
ſich bis auf Rheiniſche Hypothekenbank, die ½ Prozent gewannen,
ab. Verkehrsanleihe waren ½ höher.
*
Die Frankfurter Börſe lag etwas ſchwächer. Die lang=
anhaltende
Aufwärtsbewegung am Aktien= und Rentenmarkte
führte jetzt zu einer gewiſſen Realiſationsneigung, die aber nur
vereinzelt vorliegt. Im großen und ganzen hält die Bankenkund=
ſchaft
an ihrem Beſitz feſt, wodurch ſich der Kursrückgang angeſichts
der Börſenſtille nur in beſcheidenem Ausmaße bewegte. Neue An=
regungen
lagen nicht vor. Am Rentenmarkte blieb das Haupt=
geſchäft
in Reichsmark=Obligationen und Dollar=Bonds. Trotz
ſchwächerer Amerika=Kurſe bröckelten hier die Werte durchweg nur
Prozent ab, auf dieſer Baſis beſtand aber Kundennachfrage.
Man hörte Rentenbank=Kreditanſtalt 85½, 4¾ Prozent Stahlver=
ein
79½, Rhein=Elbe=Union und RWE. je 84½. Bei Dollar=
Bonds nannte man Spargiro 51 und Preußen=Bonds 55¾ Pro=
zent
. Reichsanleihen relativ gut behauptet, nur Neubeſitz 40 Pfg.
niedriger, ſpäte Reichsſchuldbuchforderungen minus 2 Prozent,
dagegen Altbeſitzanleihe plus ½ Prozent. Pfandbriefe lagen
recht ruhig; hier liegen nur ziemlich hohe Verkaufslimite vor.
Aktien durchweg ſchwächer, Farbeninduſtrie mit 126¾ Prozent
aber gut behauptet. Auch Bekula ¼ Prozent und Siemens 1
Prozent höher, dagegen Schuckert 1 Prozent und Gesfürel ¼ Pro=
zent
niedriger. Von Montanwerten verloren Mannesmann und
Mansfeld je 1 Prozent, Laurahütte 1½ Prozent, Harpener ¼ Pro=
zent
und Stahlverein ¼ Prozent. Schiffahrtswerte ſtärker ange=
boten
. Auch für den Kursrückgang liegt eine ſachliche Begründung
ebenſowenig wie für die plötzliche Steigerung an den Vortagen
vor. Nordd, Lloyd ca. 1½ Prozent, Hapag ca. 2½ Prozent ge=
drückt
. Im einzelnen Reichsbank 1½ Prozent, Scheideanſtalt 2
Prozent und Aku ½ Prozent ſchwächer. Im weiteren Verlaufe
war die Grundſtimmung etwas freundlicher. Verſpätete Publi=
kumsaufträge
brachten geringprozentige Erhöhungen. Farben ge=
wannen
¼ Prozent, Bekula ½ Prozent. Rhein. Braunkohlen
konnten ihren Anfangsverluſt von 9 Prozent wieder ausgleichen,
Das ſchon gegen Mittagsſchluß ſtärker auftretende Intereſſe
für deutſche Anleihen erfuhr an der Abendbörſe eine Erweiterung,
da ſeitens der Kundſchaft Nachfrage vorhanden war. Daneben
beobachtete man Käufe ſeitens einiger Genoſſenſchaftskaſſen. Im
Mittelpunkt ſtanden Altbeſitzanleihe die gegen den Berliner
Schluß um 1 Prozent anzog. Neubeſitz lag bei ebenfalls beacht=
lichen
Umſätzen mit 19.25 Prozent gut behauptet. Stahlverein=
Bonds konnten ſich um 1 Prozent befeſtigen. Reichsmark= Obliga=
lionen
und Dollar=Bonds erzielten etwa ½½prozentige Beſſe=
rungen
. Pfandbriefe und andere feſtverzinsliche Werte waren
meiſt unverändert. Aktien lagen ſtill, behaupteten aber ihre Mit=
tagsſchlußkurſe
gut. Die Mitteilung über den Stand der Arbeits=
marktlage
im Reiche hinterließ keinen Eindruck. Im Verlaufe
wurde das Geſchäft zwar kleiner, doch waren Altbeſitz erneut ½
Prozent und Stahlverein=Bonds weitere ¼ Prozent feſter.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Reichsbank hat geſtern, wie bereits kurz gemeldet, im
Auftrage des RFM. eine neue Tranche Reichsſchatzanweiſungen
mit Fälligkeit zum 15. Februar 1935 zum Verkauf aufgelegt. In=
folge
der großen Nachfrage auch nach dieſer Tranche iſt heute der
Diskontſatz für dieſe Schatzanweiſungen von 4½ Prozent auf 43
Prozent ermäßigt worden.
Die Umlage aus Verkaufsbeteiligung für den Monat Dezem=
ber
1933 iſt vom Rheiniſch=Weſtfäliſchen Kohlen=Syndikat auf 3,99
gegen 4,25 RM. im Vormonat herabgeſetzt worden.
Der Londoner Goldpreis beträgt am 10. Januar 1934 für eine
Unze Feingold 127 sh 1 d 86,86 RM., für ein Gramm Feingold
demnach 49,03 Pence 2,79 RM. Für dieſen Preis wurden
800 000 Pfund Sterling Gold verkauft.

Produkkenmärkke.

Frankfurter Getreidegroßmarkt vom 10. Januar. Der Ge=
treidegroßmarkt
lag ruhig, aber weiterhin im Grundton freund=
lich
. Roggen war nur knapp, Weizen dagegen ausreichend ange=
boten
. Die Preiſe lagen jedoch unverändert. Etwas feſter ten=
dierte
Hafer bei kleinem Angebot. Gerſte zu Brauzwecken lag
weiterhin vernachläſſigt, während Futterqualitäten kleine Ab=
ſchlüſſe
für den Niederrhein verzeichneten. Mehle und ſchwere
Futtermittel hatten bei unveränderten Forderungen ſchleppendes
Geſchäft. Weizen 197,00, Roggen 172,50173,50, Braugerſte 177,50
bis 180, Hafer 146,00149,00, Weizenmehl Spezial 0 mit Aus=
tauſchweizen
29,1029,65, dito ohne 27,6028,15, Roggenmehl
(060 Prozent) 23,5024,00, dito ſüdd. Spezial 0 24,00, Weizen=
kleie
10,85. Weizenfuttermehl 12,00. Roggenkleie 10,85. Soyaſchrot
15,3515,45, Palmkuchen 15,6015,80, Erdnußkuchen 16,75 bis
17.10, Treber 17,6517,75. Trockenſchnitzel 10,2510,40, Heu ſüdd
7.00, Weizen= und Roggenſtroh drahtgepreßt 2.,202.30, dito ge=
bündelt
2,002,10 RM.
Süddeutſche Induſtrie= und Handelsbörſe. Baumwollgarne
beſte ſüddeutſche Qualität engl. Troſſels, Warbs und Pincobs
Nr. 20 1,381.42 RM., Nr. 30 dito 1.721,76 RM., Nr. 36 dito
1,801,84 RM., Nr. 42 Pincobs 1,801,84 RM. Baumwoll=
gewebe
echte ſüddeutſche Qualität, 86 Zentimeter Cretonnes 16/16
per ¼ frz. Zoll aus 20/20 28,529,5 Pfg., 88 Zentimeter Ren=
force
18/18 per ¼ frz. Zoll aus 80/30 2829 Pfg., 86 Zenti=
meter
glatt Kattune 19/18 per ¼ frz. Zoll aus 36/42 22,823,8
Pfg. Nächſte Börſe am 24. Januar.
Amtlicher Berliner Großmarkt für Getreide und Futtermittel
vom 10. Januar. Abſatzverhältniſſe weiterhin unbefriedigend.
Infolgedeſſen tritt das Angebot faſt allgemein ſtärker in Erſchei=
nung
, Forderungen und Gebote ſind ſchwer in Einklang zu brin=
gen
, Abſchlußtätigkeit ſehr gering. Anregungen vom Mehl= und
Exportgeſchäft lagen nicht vor. Exportſcheine billiger angeboten.
Weizen= und Roggenmehle kleine Bedarfsnachfrage für Lokoware.
Hafer an der Küſte in guten Qualitäten ſtetig. Gerſte unver=
ändert
.

Die deutſche Reichsbahn im November 1933.
Der Güterverkehr der Reichsbahn nahm im November
1933 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, gemeſſen an
der Zahl der arbeitstäglich durchſchnittlich geſtellten Wagen, um
7,6 v. H. zu. Gegenüber dem Vormonat betrug die Zunahme 3,5.
Im Spiegel des Eiſenbahngüterverkehrs betrachtet, zeigte die
Wirtſchaftslage ſomit ein günſtiges Bild. Im Perſonenver=
kehr
iſt der November ſtets einer der ſchwächſten Monate, im
Jahre. Auch in 1933 ging der Reiſeverkehr gegenüber dem Vor=
monat
weiter zurück. Dagegen zeigte der Berufsverkehr eine
leichte Aufwärtsbewegung.
Eine Belebung brachte eine Anzahl von Veranſtaltungen, von
denen u. a. der Gedenktag der nationalen Revolution in München
127, der Reichshandelstag in Braunſchweig 107, das Kriegsopfer=
treffen
in Breslau 74 und das NSBO.=Treffen in Weſtfalen=Süd
in Dortmund 72 Sonderzüge erforderten. Die Betriebsein=
nahmen
ſtellten ſich auf 259,53 (258,28) Mill. RM.; ſie waren
ſomit um 27,5 Mill. RM. höher als im November 1932. Die
Ausgaben erforderten insgeſamt 301,06 (298,64) Mill. RM., ſo
daß der November mit einer Mehrausgabe von rund 41,5 Mill.
RM. (im Vormonat 40 Mill. RM.) abſchließt. Der Perſonal=
beſtand
betrug am Ende des Berichtsmonats 619.461 (620 731)
Köpfe. Der Minderverbrauch iſt in der Hauptſache auf den ge=
ringeren
Bedarf an Urlaubsvertretern und auf vereinzeltes frei=
williges
Ausſcheiden von Arbeitern zurückzuführen.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Arbeitsbeſchaffung und Leipziger Meſſe. Vom Rhein= Maini=
ſchen
Induſtrie= und Handelstag wird mitgeteilt. :In der Frage
der Arbeitsbeſchaffung kommt der Leipziger Meſſe eine entſchei=
dende
Bedeutung zu. Gemäß der Anregung des Leipziger Meß=
amtes
hat der Präſident des Rhein=Mainiſchen Induſtrie= und
Handelstages und Treuhänder, der Arbeit für das Wirtſchafts=
gebiet
Heſſen, Dr. Lüer, die wirtſchaftlichen Verbände und Be=
hörden
zu einer Ausſprache über alle damit in Zuſammenhang
ſtehenden Fragen auf Dienstag, den 16. Januar 1934, 16.30 Uhr,
im Plenarſaal der Preußiſchen Induſtrie= und Handelskammer für
das Rhein=Mainiſche Wirtſchaftsgebiet, Sitz Frankfurt a M., ein=
geladen
.
Der Kursſtand der Aktien Ende Dezember. Ein Vergleich
der Kurſe, wie ſie zu Anfang und zu Ende 1933 verzeichnet wur=
den
, läßt den Kursaufſtieg, der ſich im vergangenen Jahre vollzog,
deutlich erkennen. Die Werte, die unter 25 Prozent und die zwi=
ſchen
25 und 50 Prozent notierten, ſind nach dem Wirtſchaftsbericht
der Commerz= und Privatbank in ihren Prozentziffern erheblich
zurückgegangen, während faſt alle anderen Gruppen mehr oder
weniger große Steigerungen aufzuweiſen haben. Am ſtärkſten iſt.
die Vermehrung der Werte zwiſchen 75 und 100 Prozent, für die
ſich ein Prozentſatz von 19,7 gegenüber 12,9 Anfang vorigen Jah=
res
errechnen läßt. Auf größere Zeiträume betrachtet, läßt ſich
feſtſtellen, daß ſeit 1929 der prozentuale Anteil der unter pari
notierenden Werte von 55 auf 82,9 Prozent geſtiegen iſt, während
ſich bei denjenigen Aktien, die einen über 100 Prozent hinaus=
gehenden
Kursſtand haben, eine Abnahme der Prozentziffer von
45,0 auf 17.1 zeigt. Der Monat Dezember 1933, der ſich auf den
Aktienmärkten durch verſchärfte Geſchäftsſtille auszeichnete, läßt
Veränderungen beſonderer Art nicht erkennen.
Befriedigendes Jahresende in der Baumwollweberei. Der
Geſamtverband Deutſcher Baumwollwebereien e. V.. Berlin, be=
richtet
: Die Lage der=Baumwollweberei hat ſich im Dezember ge=
genüber
dem Vormonat nicht verändert. Im allgemeinen kann
man ſagen, daß ſich der günſtige Beſchäftigungsgrad gehalten, und
daß mit dem Einſetzen der Kälte ſich der Auftragseingang für Win=
terartikel
etwas belebt hat. Nach wie vor leidet aber das Ge=
ſchäft
unter der kurzfriſtigen und ſtoßweiſen Auftragserteilung.
So waren auch die Beſtellungen für Weihnachten viel ſpäter ein=
getroffen
, als dies nach den früheren Erfahrungen zu erwarten
geweſen wäre. Alles in allem kann man ſagen, daß am Jahres=
ende
dank der ruhigen innerpolitiſchen Entwicklung eine gewiſſe
Stetigkeit des Geſchäftes und damit ein nicht unbefriedigender
Auftragsbeſtand vorhanden war. Es bleibt zu hoffen, daß der
Verlauf des Winters noch zu Nachbeſtellungen führen wird.

Viehmärkke.

Darmſtädter Schweinemarkt vom 10. Januar. Aufgetrieben
waren 94 Schweine. Die Preiſe ſtellten ſich auf 4850 Pfg. pro
Pfund (b, c). Marktverlauf ruhig, Ueberſtand.

Berliner Kursbericht
vom 10. Januar 1934

Oeviſenmarkt
vom 10. Januar 1934

Berl. Handels= Geſ.
Deutſche Bank u. 7
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
C. P. Vemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas

R
58.50
60.50
38.
29.75
27.25
135.
45.50
12.50
68.
152.50
114.

Ma
Elektr. Lieferung
F. 6. Farben.
Gelſ. Bergwerie
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Soeſch Eiſen und 1
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöckhnerwerke
Koksw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.
Orenſtein & Koppel

Md
90.875
126.50
58.50
89.125
89.75
67.75
70.50
111.50
58.625
87.375
60.025
38.50
60.25

Knse
Rütgerswerke.
Salzbetfurth Kali
Kaufho
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali !.
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werte

18
52.625
150.
15.625
37.75
114.50
54.
16.
15.
77.
73.625
91.

Währung
Buenos=Aires /1 Pap. Beio
Kanada
teanab. Doll.
Japan
19en
Kairo.
1 ägypt.
Iſtanbul
1 türk. 8
London
1s.Stg.
New Yorf 1 Dollar
Rio de Janerol1 Milreis
Uruguab
1 Goldpeſo
Amſterdam 100 Gulden

lthen
Brüſſel
Zudapeſt
Danzig.
Selungfors

100 Drachm.
100 Belgo *
100 Bengö
100 Gulden
100 finn. Mk.

Ri
0.648
2e77
0.809
14,035 14.,085
1.27
13,855
2.862
0.226
1.389
188.59
8.24
o1.a7

Brief
0.652
2.683
0.811
1.2721
13.585
2.688
0.228
1.401
168.93
2.396 2.400
58.36
2u.63
S.0441 K.ose

Italien
Jugoſlawien
Kovenhagen
Liſſabon
Sslo.
Paris
Prag
Fsland
Rigg.
Schwei;
Sofia
Spanien
Stockholm
Tallinn (Eſtl.
Miee

Me R
100 Lire 21.98
100 Dinar 5.664
100 Kronen 60.94
100 Gseudos 12.44
100 Kronen 68.63
100 Francs 16.41
100 Tſch. Kr. 12.46
100 isl. Nr. (81.38
100 Leva 3.007
100 Peſetas 184.52
100 Kronen R0.43

100 Lats le0.02 30.18
100 Franken 61.12 181.28

100 eſtl. Kr 75.22
100 Schillingl47.20

Brief
2.02
E. 676
Si.o6
12.46
68.77
16.45
12.48
(Si.s81
3.053
34.58
o.57
75.30
47.30

Zurmftädter and Kuriskardant Surmftagt, Wintüte Mr Breisner Sunk
Frankfurter Kursbericht vom 10. Januar 1934.

Kene
Gr.IIp. 1934
1935
1986
1937
. 1988
Gruppe I
6 %Otſch. Reichsanl.
v.25
629
5½% ntern., v.30
6%Baden ... v.27
6%Bayern .. v.27
6%Heſſen. .. v. 29
6% Preuß.S v. 28
6% Sachſen . v. 27
6%Thüringen
Dtſch. Anl. Ausl
ungsſch. 4‟/.Ab
öſungsanl.. ...
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.)
Deutſche Schutzge
bietsanleihe
6%Baden=Baden.
6%Berlin ... v.24
69 Darmſtadt . . . .
6% Dresben .. v. 26
6%Frankfurt a. M.
Schätze v.29
v.26
6%Mainz.. .....
6%Mannheim v. 27
60München . b. 29
6SWiesbaden v.28
62He /. Landesbl.
5% Goldoblig.
6½% Heſſ. Landes=
hyp
.=Bk.=Liquid.=

102.25
100.
96½,
93),
98
96.9
100
94
95
95.5
95.5
95
106.,6
95
92II.

94.75
19.1

9.35
78.5

83:,
86.5
88.25
89.75
87
93.75
89
93.25

De
Hyp.=Bk. Liqu.
Komm. Obl. ...
62 Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G. Pf.
5% Goldoblig.
62Landeskomm.
Bk. Girozentr. f.
Heſſ. Gldobl. R.11
R. 12
6%
6%Kaſſ. Landeskrd.
Goldpfbr. ....
16%Naſſ. Landesbl.
5½% Liqu. Obl.
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
FAusl. Ser. I
FAusl. Ser, II
Dt. Komm. Samm..
Abl. (Neubeſitz).
6%Ber.. Hyp..Bk.
5½% Lig.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=B1..
5½% Lig. Pfbr.,
Goldoblig.
D Frti. Pfbr.=Bi.
15 %. %0 n Lig.=Pfbr.
16% M ein. Hyp.=Bl.
5½ Lig. Pfbr.
6%P. lz. Hyp.=Bi.
5½% Lig. Pfbor.
6%Rhs u. Hyp. Bt.
5½% Lig. Pfbr
6% oldoblig.
6% Südd Boden=
(red.=Ba
5½%0 Lig. br.
62Württ. Syp.=B.

91.5

31

55
93.75
935),
931.

113

93
Bys
93.5
93.5
94
94e1,
s6
94.25
23.75
94

96.5
93.5
96.5

We
6%Dt. Linol. Werke
6%Maintrw. v. 26
6%Mitteld. St ahl.
6% Salzmann & Co.
6% Ver. Stahlwerkel
% VoigtckHäffner
3. G. Farben Bonds/114
5%Bosn L.c.B.
2.Inveſt.
15%Bulg. Tab. v. 62
4½% Oſt. Schätze.
4%Sſt. Goldrente.
5%vereinh. Rumän
4½%
45Türk. Admin.
I.Bagdadl
425
Zollanl..
4½Bungarn 1918
1914
4½2
Goldr.
42
1910
470
4½Budp. Stadtanl.
42Liſſabon
42 Stockholm
Aktien.
Alg. Kunſtzlide Unte
A.E.6. ........
AndregeNoris Bahn
Aſchaffbg. Brauereil
Zelſtoft
Bemberg, J. P.
Berl. Kraft u. Licht 122
Buderus Eiſen. ..
Cement Heidelberg
Karlſtadt
F. G. chemie, Baſell

Re
96
940.
82.75
73.25
75
11:/.
11:1,
6.3
12.25
18
4
23
3.3
5.3
Bos
5.1
41.5
33.25
80
a1.75
27.5
96
57.5
35.5
45.5
73.75
82.5
91

Kn
Chabe .......
Contin. Gummiw.
Contin. Linoleum.
Daimler=Benz
Dt. Atl. Telegr. . ../112
Erdöl
..
Dt. Gold= u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt.
Linoleum
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffc Widm.
Eichbaum=Werger.
Glektr. Lieferg.=Geſ.
Lichtu. Kraſt
Eſchw. Bergwer:
Eßling. Maſchinen.
Faber & Schleicher
F.G.Farbeninduſtr
Feinmech. (Fetter)
Felt & Guillegume 53.25
Frankfurter Hof..
Gelſenk. Bergwer!:
Geſ.f.elettr. Untern.
Goldſchmidt Th. .
Gritzner=Kayſer...
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.,
Hanauer Hofbräuh.
Hanfwerie Füſſen.
Harpener Bergbau
Henninger Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer
Hochtet Gſen
Holzmann, Phil. . .
Zlſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans .......!

Vi
152,5
164
187
70.5
91.75
99
208
25.5
35.5
126.5
28.25
58eI,
89.25
5=
83
28.5
89.5
100
52
101
70.5
107.5
33

Kue
Aſchersleben.
glein. Schanzlin .
Klöcknerwerke ..
KnorrC. 6.
Lahmeyer & Co. ..
Laurahütte".
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch..
Maintr.=W. Höchſt.
Manz. Akt. Br..
Mannesm.= Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallge), Franki.
Miag. Mühlenbau.
Motoren Darmſtadt
Neckarwert Cßling.
Oberbedarf
Phönix Bergbau..
Rh. Braun ohlen
Clektr. Stamm
Stahlwerke.
Riebeck Montan.
Roeder, Gebr.
Rütgerswerte ..
Salzdetlurth Ka1./151
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind. 1171
Schramm. Lackfbr.
Schucker: Elektr.
Schwartz, Storchen
Siemens & Oalske. 1148,75
Reinigerwerke
Südd Bucker-A. G. /192
Thür. Liefer.=Geſ..
Kaufhof ........"
Anterfranken ....1 95

Ji
112.5
42.25
58.75
113.5
18.75
85
217.5
70.5
60.5
60.5
28
65.5
40
88
9
45.5
199.75
93.5
83.75

185
26.5
103
81
s0
78
15.5

Mie Ke
Ver. Ultramarin. .I
Voigt & Haeffner.
Beſteregeln Kali.
Zellſtoff Waldhof.
Allg. Dr. Credilanſt.
Badiſche Ban1.. .
Bi. f. Brauinduſtr.
Baher, Hyp. u. W.
Berl. Handelsgei.
Ghpothekbt.
Comm. u. Privatb.
Dt. Ban jund Dise.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Ban;
Franki. Bant
Syp.=Ban:
Mein. Hhp.=Ban
Pfälz. Hyp. Ban1.
Reichsbank=Ant. I=
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr.Bl.
38.75 Würtib Notenban:
A..G. Verlelrsw.
Alla. Lo kalb. Kraftw
720 Dt. Reichsb. Vzo/418
Hapag.
Nordd. Lloyd.
Südd Eiſenb.=Gei.) 47
Alllanz- u. Sturtg.
Verſicherung ...!=
Verein. Verſ.
Frankona Rück=u. M
Mannheim. Verſich.
Otavt Minen
Schantung Handeßl 55

Vaf
105
111=
47.75
45
3
47.7!
58.5
60.5
82.5
86
89.75
163.25
75

43.5
27.25
29.5

119

125
20

[ ][  ]

Seite 12 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

O
Der glänzende Publikums-Erfolg!

Heute und folsende Tage A Heute und folgende Tage

Eine Premiere von der
ganz Darmstadt spricht
Gustav Fröhlich u. CamillaHorn

RakoczyMarsch
Regie: Gustav Fröhlich.
Ein Filmwerk, das ungarische
Leidenschaft in Musik und Spiel,
in Landschaft u. Volksszene atmet
Jugendliche haben Zutritt.
Vorher das besond. Beiprogramm.

Das große historische Filmwerk
der Ufa, aus der Zeit des großen
Preußen-Königs:

Des
Jungen
Dessauers
große Liebe
mit Trude Marlen,
Ida Wüst, Speelmans
Waldau, Tiedtke,
Hörbiger.

Ein großartiger Rahmen umgibt
diese zarte Liebesgeschichte vom
jungen Dessauer und der
Apothekerstochter.
Dazu das unterhaltende
Beiprogramm. (V497

Bis auf Weiteres

Ein ungemein fesselnder Tonfilm
in deutscher Sprache.
Diana Wynyard und Glive Brook

I

Vom 10. bis 15. Januar,
tägl. 20 ½,Sonntag a. 16 Uhr
Varielé -Festspiele
leis geht’s ſos!
Die Sohau des Staunens u.
Lachens, mit der Star-
Nummer der Skala Berlin
Ida May’s
Seekadetten
und weitere Attraktionen.
Kl. Preise. Kart. Verk.-
Büro und H. de Waal.

A
CAYALCADE
Der Film einer Generation.
Diesen berühmten Film, der in der
ganzen Welt Aufsehen erregte,
müssen alle denkenden Menschen
gesehen haben.
Dazu das gute Beiprogramm.

Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.

Darmſtädter Schwimmelub
Jung=Deutſchlande. b.
Einladung zur
Jahreshaupkverſammlung
am Donnerstag, 25. Januar 1934,
abends 20.30 Uhr, im Reſtaurant
Sitte, Karlſtr. 15 (gelb. Saal).
Tagesordnung:
1. Vorſtandsbericht.
Entlaſtung des Vorſtandes.
3. Anträge f. Satzungsänderungen.
4. Wahl des Führers.
5. Verſchiedenes.
(508
Der Clubführer:
Dr. Friedrich.
Holerriinekarf
Morgen Freitag (528
Karnelal. Schlacht-rest
Stimmung. Humor.

Freirelig. Gemeinde
Mitglied der Arbeitsgemeinſchaft
deutſchen Glaubens (A. d. G.).
Freitag, den 12. Januar, 20 Uhr,
Mozartſaal, Schulſtraße 8:
Vortrag:
Die Bibel im Spiegel neuzeit=
licher
Forſchung. (495
Vortragsreihe, 1. Fortſetzung.
Sprecher: Herr Kaiſer.
Eintritt frei. Gäſte willkommen
Die Jugendweihe iſt in Vorberei=
tung
und findet an Oſtern ſtatt.

Großes Hausz0b. nach 2. 45 Uhrl
Heſſiſches
D. Bühne 08
Landestheater
Donnerstag D. Bühne K9
11. Januar 1934 Zuſatzm. 11

KleinesHaus 2022.45 Uhr

Wiener Blut
Operette von Johann Strauß
Preiſe 0.703.50 Mk.

Die große Chance
Luſiſpiel von Möller und Lorenz
Preiſe 0.703.80 Mr.

Schäferhund
(Rüde) hellgrau,
entlaufen!
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Nordſee=Seelachs, geputzt, im Schnitt, Pfund 40 5
1. Sorte feinſter Kabliau geputzt, im Schnitt, Pf. 45 5
1. Sorte feinſter Schellfiſch
60 9
Feinſtes Stör=Filet . . . . . . . . . . Pfund 65 H
Hochfeines Edel=Filet . . . . Pfund 45, 50 u. 60.5
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Schnitt Pfund 1.50
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Pfanne, Pfund 50
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Salzheringe, ſowie alle Delikateſſen. (519
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Kabliau ohne Kopf, Pfund 24
im ganzen Fisch, Pfund 22
Rotbarschfilet Pfund 38
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Martha Eggerth in
KarserHäider
(Heut macht die Welt Sonn-
tag
für mich). (533
Die reizende Filmoperette
aus dem goldenen Wien.
Szöke Szakall, Willi Eichberger,
Paul Hörbiger, Trude Berliner,
Fritz Kampers.
Großes Beiprogramm!

Sonn ag Linlaß 1.30 Uhr
Jugend-Vorstellung
William Haines in:
Sport und Liebe.

Sektion
Starkenvurg.
Montag, 15. Jan.,
20 Uhr, im Hör=
ſaal
326 d. Tech=
niſch
. Hochſchule,
Eing. Weſtportal
Lichtbilder=
Vorkrag
d. Hrn. Dr.=Ing.
Fr. Wunderlich
iber: Bergfahr=
ten
in Südtirol.
Die Mitglieder
d. Sekt. Darm=
ſtadt
ſind frdl.
eingeladen.
Gäſte ſind will=
kommen
. (c
Montag,22. Jan.,
20½ Uhr, i. grü=
nen
Zimmer des
Fürſtenſaales:
Ordtl. Haupk=
verſammlg
.
Satzungsgemäß.

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Willi Forst, Fee Malten
Die schönste deutsche
Tonfilm-Operette (vse8

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Leb. Spiegelkarpfen 0.95, Schleien, Rheinhecht
Rheinzander 0.80 und 0.95,
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Billige Konſumfiſche küchenf. Ausſchnittfiſche
Nordſee=Seelachs 0.40
Kabliau o. K.
Grüne Heringe / 0.44 3sland=Kablian 0.45

Bratſchellfiſche 0.28
Goldbarſch o. K. 0.35
Friſche Makrelen 0.40

Weißm. Schellfiſch 0.60
Stockfiſche blütenw. 0.40
Fiſchfilet la 48, 50, 60

Räucherwaren n. jed. Geſchmack, alle Fiſchſalate
u. Delikateſſen, Kieler Feinmarinaden
Marke Gabelfiſch
Roter Lachskaviar
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Deutſcher Perlkaviar".
Kleine Delikateßrollmops in Remolade
¼ Pfund 0.25
1 Literdoſe Bratheringe . . . . . nur 0.60
Prompter Stadt= und Fernverſand.

W

Paul Kemp

IIIit seinem feinen Humor ist Paul Kemp der unübertroffene Held in Komödien
des Hiltags. So spielt er in dem Film Mieter Schulze gegen alle einen Mieter, dem
es nicht anders geht wie ungezählten Zeitgenossen: er muß, um seine Miete bezablen
zu können, ein Zimmer abvermieten. Hber auch seinem Hauswirt und dessen reso-
luter
Frau ist der Gedanke gekommen, ob sie nicht ein Zimmer an ein gut zahlendes
Fräulein abgeben könnten. Beide, der Hauswirt und sein Mieter Schulze wissen,
welcher Weg da am schnellsten zum Ziele führt; die kleine Hnzeige in der viel-
gelesenen
Zeitung. Und so scbwenkt denn am Anfang des Stückes die Frau des
Hauswirts, die von der temperamentvollen Trude Hesterberg famos dargestellt wird,
die Zeitung mit ihrer kleinen Anzeige. Doch ihre gute Laune schwindet gar bald,
als sie erfährt, daß auch Schulzes ein Zimmer vermieten wollen, ja schon vermietet
haben, und zwar an das junge Mädchen, mit dem sie selbst gerechnet hatten Nun
wird der Krieg gegen Mieter Scbulze erklärt, bis Hauswirt und Mieter sich nach
langem, erbittertem Prozessieren wieder vertragen.
Huch im wirklichen Leben spielt die kleine Hnzeige gerade auf dem Woh-
nungsmarkt
eine gewaltige Rolle. Wer ein möbliertes Zimmer oder eine Wohnung
mieten oder vermieten will, gibt eine kleine Hnzeige auf, für die er das Darmstädter
Tagblatt bevorzugt. Im Darmstädter Tasblatt haben alle Anzeigen stets den
besten Erfolg, weil sie durch ihre unerreichte Auswahl an ngeboten und Gesuchen
die größte Beachtung finden.

klein=Anseigen kosten wenig, sie leisten viel!
Das fette Ueberscbriſtswort kostet 20 Pfennig, jedes weitere Wort 8 Pfennig.