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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 2
Mittwoch, den 3. Januar 1934.
197. Jahrgang
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Nach der Oeberreichung des Aude memorre.
Brüfung der franzöſiſchen Vorſchläge durch die Reichsregierung. — Forkſehung der diplomakiſchen
Verhandlungen durch den engliſchen Außenminiſter in Rom.
Poncets Aufkrag.
Verſchiedene Informationen der Pariſer Preſſe kurz vor
Jahresſchluß ließen den Eindruck aufkommen, als ob. Franoois
Poncet zunächſt nach Berlin ohne das vom Pariſer Kabinett
be=
ſchloſſene „Aide memoire” zurückkehren würde. Man nahm
allge=
sein an, daß ſich die Engländer im letzten, Augenblick
eingeſchal=
te* hätten, um Frankreich von einer allzu ſcharfen Tonart
ab=
z. halten und um zu verhindern, daß es ſich auf ſeine
be=
kannte Theſe vom 14. Oktober, die zu unſerem Austritt
aus dem Völkerbund führte, noch einmal feſtlegte. Inzwiſchen
iſt aber Francois Poncet mit dem „Aide memoire” nach Berlin
geeilt. Er hat es noch am Neujahrstage, alſo zu einem etwas
un=
gewöhnlichen Zeitpunkt, dem Kanzler unterbreitet.
Es ſcheint doch richtig zu ſein, daß
von London einige Einſchalkungsverſuche gemacht
worden ſind, die zunächſt einmal dazu dienen ſollten, den auf
Ca=
pri weilenden, inzwiſchen aber bereits in Rom eingetroffenen
engliſchen Außenminiſter Simon zu informieren, damit er nun
wieder Verabredungen mit dem italieniſchen Miniſterpräſidenten
hatte treffen können. Paris hat es aber vorgezogen, ſeine
Denk=
ſchrift, ſo wie ſie vom Kabinett verabſchiedet worden iſt, in
Ber=
lin abzugeben, wenn auch noch einige Höflichkeitswendungen
nach=
träglich eingefügt worden ſind, durch die aber der Kern der von
Paul Boncour verfolgten Politik nicht im geringſten berührt
wurde.
Die Denkſchrift iſt ziemlich umfangreich
ausge=
fallen. Offenbar geht ſie nicht nur auf die Punkte ein, die der
Kanzler und der Außenminiſter mit Frangois Poncet im
Dezem=
ber durchgeſprochen haben. Es ſcheint, aks ob darüber hinaus noch
der franzöſiſche Standpunkt in aller Länge und Breite
auseinan=
dergeſetzt worden iſt, ohne daß jedoch eine Formulierung gewählt
wurde, die
weikere Ankerhaltungen
als nutzlos erſcheinen läßt. In Berlin herrſcht ebenfalls der
Ein=
druck vor, als ob auch die Franzoſen ein Intereſſe daran haben,
aus rein taktiſchen Gründen ein Fortſpinnen der Fäden zu
er=
möglichen. In der Wilhelmſtraße wird zunächſt noch das von
Fransois Poncet mitgebrachte Dokument eingehend
ſtudiert. Ob es ſchon in den nächſten Tagen zur Grundlage
neuer Geſpräche mit dem franzöſiſchen Botſchafter gemacht wird,
erſcheint zweifelhaft, da der Kanzler zu einer
Führer=
tagung nach Berchtesgaden fährt, die auf den 5., 6.
und 7. Januar anberaumt iſt. Wenn wir auch nicht wiſſen, wie
die makerielle Seite des Kide memoire
ausſieht, ſo können wir uns doch auf Grund der Informationen
der Pariſer Preſſe aus der jüngſten Vergangenheit ein
ungefäh=
res Bild davon machen. Es iſt ſeinerzeit ziemlich einhellig
hervor=
gehoben worden, daß Frankreich das Milizſyſtem wünſcht, daß es
auf der Militärkontrolle beſteht, aber eine vierjährige Probezeit
eingeſchaltet wiſſen will, außerdem alles ablehnt, was wir im
Intereſſe unſerer nationalen Sicherheit für unbedingt erforderlich
halten.
Damals iſt auch betont worden, daß ſich alle Vereinbarungen
im Genfer Rahmen halten müſſen. Wir können uns nicht
vor=
ſtellen, daß Frankreich in den letzten Tagen auch nur einen
Milli=
meter von dieſer Linie abgewichen ſein ſollte.
Paul=Boncour hält an Genf feſt.
Er will uns zwingen, wieder am Sitz des Völkerbundes zu
er=
ſcheinen und dort Abmachungen zu unterſchreiben, die ſich wohl
mit den Zielen der franzöſiſchen Politik decken, die aber im
glat=
ten Widerſpruch mit unſerer Haltung ſtehen.
Wir dürfen wohl feſtſtellen, daß wir nach der Entwicklung in
den letzten Wochen keinen Schritt vorwärts gekommen ſind, eben
weil Frankreich von einer praktiſchen Gleichberechtigung
Deutſch=
lands nichts wiſſen will und weil es uns das Recht abſpricht, auch
nur in einem beſcheidenen Maße den Bedürfniſſen unſerer
natio=
nalen Sicherheit Rechnung zu tragen. Selbſtverſtändlich werden
wir uns durch nichts einſchüchkern laſſen
und an unſerer Abrüſtungspolikik feſthalten,
die darin gipfelt, daß das im Verſailler Vertrag verankerte
Ver=
ſprechen endlich ohne weiteren Zeitverluſt eingelöſt wird. Wir
werden keiner Beſprechung aus dem Wege gehen, die geeignet
er=
ſcheint, dieſes Ziel zu erleichtern. Zunächſt iſt es aber doch wohl
Sache der Abrüſtungskonferenz, nun endlich zu einer
Rüſtungs=
verminderung zu kommen. Aber in Paris und London herrſcht
bereits die Anſicht vor, daß die Abrüſtungskonferenz zu einer
neuen / Vertagung ſchreiten wird. Ein Beweis dafür, wie gering
doch die Neigung bei den hochgerüſteten Mächten iſt, im
Rüſtungs=
wettlauf innezuhalten, geſchweige denn auch nur zu einer
Be=
ſeitigung der Angriffswaffen zu kommen.
Keine vorherige Bekannkgabe
des franzöſiſchen Aide mömoire
in anderen Hauptſtädten.
Zu einer franzöſiſchen Information, daß die britiſche
Re=
gierung am Samstag den Quai dOrſay gebeten
habe, die Ueberreichung der Denkſchrift in
Ber=
lin um einige Tage zu verzögern, und daß dieſes
Erſuchen abgelehnt worden ſei, bemerkt der
Mit=
arbeiter des „Daily Telegraph”:
Der Grund der Anregung war, daß derbritiſche
Botſchafter in Berlin Gelegenheit erhalten
ſollte, durch vorherige Beſprechungen mit der
deutſchen Regierung den Weg für den
franzöſi=
ſchen Schritt zu ebnen, und es zugleich Sir John
Simonzuermöglichen, mit
Muſſolinidenweſent=
lichen Inhalt des Schriftſtücks zu beſprechen,
be=
vor es in Berlin überreicht werde.
Die ablehnende Haltung des Quai dOrſay iſt
wahrſcheinlich folgendermaßen begründet: Die franzöſiſche
Regie=
rung hatte vorige Woche erwogen, das Dokument vor ſeiner
Ab=
ſendung nach Berlin Großbritannien, Italien, Belgien und den
oſteuropäiſchen Verbündeten Frankreichs zur Billigung zu
unter=
breiten. Dieſer Gedanke fand aber in London und Rom keine
Zu=
ſtimmung, da möglicherweiſe Berlin darin ein Zeichen für das
Vorhandenſein einer engliſch=franzöſiſch=italieniſchen Einheitsfront
gegen Deutſchland hätte erblicken können.
Der engliſche Außenminiſter in Kom.
Der vorausſichkliche Inhalt der Unkerredungen
mit Muſſolini.
EP. Rom, 2. Januar.
Der engliſche Außenminiſter Sir John
Simon iſt am Dienstag nachmittag 15 Uhr 25 im Flugzeug,
das der Atlantikflieger Major Biſee ſteuerte, von Capri
kom=
mend im Lufthafen von Oſtia eingetroffen. Bei ſeiner Ankunft
haben den engliſchen Außenminiſter der Unterſtaatsſekretär im
Außenminiſterium, Suvich, der Unterſtaatsſekretär im
Luftfahrt=
miniſterium, General Valle, der engliſche Botſchafter Sir Erie
Drummond und verſchiedene hohe Perſönlichkeiten des
Außen=
miniſteriums empfangen. Sir John Simon fuhr ſogleich im
Kraftwagen nach Rom weiter.
Während ſeines Beſuches in der römiſchen Hauptſtadt wird
der engliſche Außenminiſter Sir John Simon mit dem
italie=
niſchen Regierungschef zwei Unterredungen haben. Die
erſte wird am Mittwoch nachmittag, die zweite am Donnerstag
vormittag ſtattfinden.
Ueber den vorausſichtlichen Inhalt der Unterredungen des
heute in Rom eingetroffenen engliſchen Außenminiſters Sir
John Simon mit Muſſolini liegen aus Rom und Paris
wider=
ſprechende Meldungen vor. Während am Qugi d’Orſay erklärt
wird, daß die Frage der Völkerbundsreform in Rom überhaupt
nicht aufgeworfen werden würde, betont eine offiziöſe italieniſche
Auslaſſung, daß dieſe Frage neben dem
Rüſtungsausgleichs=
problem „nicht unerörtert bleiben darf”, wobei darauf
hingewie=
ſen wird, daß auch der Beſuch Sir John Simons in Rom zwar
keinen offiziellen Charakter hat, daß aber in den Beſprechungen
zwiſchen Muſſolini und Sir John Simon naturgemäß dieſe
beiden brennendſten Fragen zur Sprache kommen müßten.
Wie hier bekannt wird, beabſichtigt Sir John Simon bereits
am Freitag die Heimreiſe nach England anzutreten.
Paris verfolgk aufmerkſam die Zuſammenkunft
in Rom.
EP. Paris, 2. Januar.
Paris blickt geſpannt nach Rom, wo der engliſche
Außenminiſter Sir John Simon heute eingetroffen iſt. Man
erwartet hier von der Unterredung des engliſchen Außenminiſters
mit Muſſolini ſchwerwiegende Entſcheidungen und betont, daß
dieſ Zuſammenkunft aufs genaueſte von den Diplomaten
vor=
bereitet worden ſei und daher ſicherlich eine große Bedeutung
haben werde. Alles in allem zeigt man ſich hier zurückhaltend
und bemüht ſich offenſichtlich, ſich nicht den Anſchein zu geben,
als ob man dieſe Beſprechungen durch eine Stimmungsmache zu
ſtören verſuche. — Was die Haltung Italiens anbelangt, ſo
glaubt der römiſche Korreſpondent des „Temps” zu wiſſen, daß
die italieniſche Regierung offiziell und endgültig noch keine
Stellung genommen habe, daß aber die Meinung zugunſten einer
gewiſſen deutſchen Aufrüſtung bei gleichzeitiger Einführung einer
allgemeinen Kontrolle ſei.
Rothermere forderk 25 000 Milikärflugzeuge
für England.
Lord Rothermere fordert in einer Neujahrsbotſchaft die
Leſer ſeines Blattes auf, den Vorſatz zu faſſen, Großbritannien
gegen Luftangriffe zu ſichern. Er geht aber jetzt über ſeine
bis=
herigen Forderungen weit hinaus. Während er bei Beginn
ſeiner Luftſchutzpropaganda 3—4000 Militärflugzeuge für
Groß=
britannien gefordert hatte und dann 5000 wird nach ſeiner
heutigen Kundgebung England binnen drei Jahren 25 000
Mili=
tärflugzeuge zu ſeiner Verteidigung brauchen. Die franzöſiſche
Luftſtreitmacht ſei zahlenmäßig drei= bis viermal ſo ſtark wie die
britiſche,
Eine neue Anklage der franzöſiſchen
Vorkriegspolikik
durch franzöſiſche Dokumenke ſelbſt.
Von
Profeſſor Dr. Guſtav Roloff (Gießen).
In der franzöſiſchen Kriegspropaganda ſeit dem Jahre 1914
und beſonders in den Erinnerungen Poincarés hat eine große
Rolle geſpielt eine deutſche Denkſchrift aus dem Frühjahr 1913, die,
angeblich von Ludendorff herrührend, die deutſche Armeevermehrung
des Jahres 1913 begründen und einer kriegeriſchen Politik zur
Er=
oberung der Hegemonie in Europa das Wort reden ſollte. Belgien.
Holland und Dänemark ſollten danach im nächſten Kriege zum
An=
ſchluß an Deutſchland gezwungen, den Franzoſen ſollte
Loth=
ringen und die Freigrafſchaft Burgund, den Ruſſen das baltiſche
Land entriſſen und das mittelalterliche Deutſche Reich
wieder=
hergeſtellt werden: „es iſt nationale Pflicht”, ſchloß ſie
Deutſch=
land wiederzugeben, was es einſt beſeſſen hat.‟ Dieſe Denkſchrift
wurde im franzöſiſchen Gelbbuche zu Beginn des Krieges
ver=
öffentlicht als Beweis für die offenſive und verbrecheriſche
Vor=
kriegspolitik Deutſchlands und hat viel dazu beigetragen, das
Urteil über die deutſche Politik zu verwirren. Das Dokument iſt
von deutſcher Seite ſofort als Fälſchung bezeichnet worden;
Ludendorff ſelbſt veröffentlichte nach dem Kriege eine von ihm
im Generalſtab ausgearbeitete Denkſchrift aus dem Dezember
1912 — im Frühjahr 1913 war er nicht mehr Mitglied des
Generalſtabs — und daraus ging mit abſoluter Deutlichkeit
hervor, daß die franzöſiſche Veröffentlichung eine böswillige
Fälſchung war. Denn Ludendorffs wirkliche Denkſchrift enthielt
kein Wort von ſolchen politiſchen Ratſchlägen und Entwürfen,
ſondern behandelte allein militäriſche Fragen. Natürlich wurde
die Möglichkeit eines Krieges auf dem Hintergrunde der
allge=
meinen politiſchen Lage erörtert, aber ohne jede Tendenz zur
Eroberung und politiſchen Offenſive. Nicht einmal die
militä=
riſchen Dinge bei Ludendorff ſtimmten mit den franzöſiſchen
Aufſtellungen überein: ſeine Schrift kann alſo den Franzoſen
gar nicht vorgelegen haben; kurz, die franzöſiſche Arbeit war ein
reines Phantaſieſtück.
Unklar war freilich wann und wo die Fälſchung entſtanden
war. Die allgemeine Meinung, der auch an dieſer Stelle bei
Beſprechung des dritten Bandes der Erinnerungen Poincarés
Ausdruck gegeben wurde (16. 8. 27.) ging dahin, daß ſie zu
Beginn des Krieges unter Mitwirkung von Poincaré angefertigt
worden ſei, und der Zynismus mit der ſich ihrer der
fran=
zöſiſche Nationalheros noch im Jahre 1927 als echten
Beweis=
mittels bediente, obgleich ihre Unechtheit ſeit faſt einem
Jahr=
zehnt erwieſen war, gab dieſem Verdacht Nahrung. Man war
geſpannt darauf, was die amtliche franzöſiſche Publikation über
den Urſprung des Weltkrieges, von der ebenfalls mehrere Bände
an dieſer Stelle beſprochen worden ſind, hierüber bringen werde:
wenn der franzöſiſchen Regierung tatſächlich eine derartige
deutſche Denkſchrift vorlag, ſo mußte dieſe Publikation ihren
authentiſchen Text bringen. Jetzt iſt dieſe Publikation (3. Serie,
Bd. 6) bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Denkſchrift vom
deut=
ſchen Generalſtab verfaßt ſein ſoll, gediehen, (Frühjahr 1913),
und ſie liefert den endgültigen Beweis, daß die Fälſchung
von der franzöſiſchen Regierung ſelbſt
her=
rührt. Allerdings iſt ſie nicht, wie man annahm, während des
Krieges, ſondern vorher, ſpäteſtens im Frühjahr 1913,
angefer=
tigt worden.
Wir leſen auf Seite 256 in Nr. 210 der Aktenſtücke, daß der
Miniſter des Auswärtigen Pichon am 5. April 1913 dieſe ſpäter
im Gelbbuch veröffentlichte Denkſchrift den Botſchaftern in
Lon=
don und Petersburg zur Mitteilung an die dortige Regierung
überſendet hat. Sie trägt den Titel: „Rapport du Golonel
L...., Chef de section an Grand Etat-Mavor Allemand”; ſie
ſei, ſchreibt Pichon, „ein Geheimdokument des deutſchen
General=
ſtabes, das alle Merkmale der Echtheit zu tragen ſcheint”; ſie ſei
der Erkundungsabteilung des franzöſiſchen Generalſtabs
über=
geben worden und ſetze die „aggreſſiven Abſichten Deutſchlands
gegen Frankreich” außer Zweifel. Sofort erhebt ſich die Frage:
iſt etwa die franzöſiſche Regierung getäuſcht worden und hat
ſie das Dokument für echt gehalten? Die Antwort kann nur
lauten: Nein, die franzöſiſche Regierung iſt ſelbſt die Fälſcherin,
denn das Original der Denkſchrift, das uns jetzt vorliegt, iſt in
franzöſiſcher Sprache abgefaßt. Wenn es echt wäre, hätte es in
deutſcher Sprache abgefaßt ſein müſſen. Denn der Verräter oder
Spion, der einer deutſchen Generalſtabsdenkſchrift habhaft wurde,
hätte ſie natürlich nicht erſt ins Franzöſiſche überſetzt und damit
den Wert ſeines Raubes vermindert, ehe er ſie den Franzoſen
auslieferte. Somit iſt jetzt über Zeit und Urſprung der
Fäl=
ſchung kein Zweifel mehr, und nur die nebenſächliche Frage
bleibt noch zu löſen, ob das Dokument im franzöſiſchen
General=
ſtab oder im Miniſterium des Auswärtigen fabriziert worden
iſt. Darüber geben die Akten keine Auskunft, aber für die
Initiative des Auswärtigen Amtes ſpricht, daß der Zweck der
Fälſchung, wie der Inhalt und die Mitteilung nach Petersburg
und London zeigen, ein politiſcher war. Indeſſen um den Ruhm
der Urheberſchaft mögen die franzöſiſchen Inſtanzen miteinander
ſtreiten, aber ſelbſt wenn der Generalſtab der erſte Schuldige
ſein ſollte, würde ſich die Verantwortlichkeit für das
Miniſte=
rium des Auswärtigen nicht vermindern, denn über die
Unecht=
heit konnte es angeſichts des Textes in franzöſiſcher Sprache nicht
im Zweifel ſein.
Auch der Zweck der Fälſchung iſt klar: die Verleumdung
der deutſchen Regierung bei den Ententegenoſſen. Und daß dieſer
Augenblick, April 1913, gewählt wurde, iſt ebenfalls verſtändlich:
die bevorſtehende, bereits angekündigte deutſche Heeresverſtärkung
ſollte von vornherein als friedensfeindlich gebrandmarkt und die
Notwendigkeit des Zuſammenhaltens der Entente in den
Balkan=
wirren — im April begann das Schickſal Konſtantinopels
zweifelhaft zu werden — gegen die deutſche Böswilligkeit aufs
ſchärfſte betont werden. Der Charakter der franzöſiſchen
Vor=
kriegspolitik erſcheint ſomit in noch üblerem Lichte als bisher:
jetzt kann man die Fälſchung nicht mehr mit dem mildernden
Umſtand der Kriegspſychoſe erklären; jetzt weiß man, daß die
Verleumdung der deutſchen Politik und die Verfälſchung der
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 3. Januar 1934
Seite 2 — Nr. 2
öffentlichen Meinung viel älter iſt und zum Syſtem der
fran=
zöſiſchen Politik gehörte.
Leider haben die Herausgeber der franzöſiſchen
Akten=
publikation nicht den Mut aufgebracht, die Dinge feſtzuſtellen,
wie ſie liegen. Sie wagen nicht, das Dokument für unecht zu
erklären, ſondern erwähnen nur, daß Ludendorff im Jahre 1919
ſeine Echtheit geleugnet habe, ja ſie ſcheuen die Behauptung
nicht, die franzöſiſchen politiſchen und militäriſchen Behörden
hätten im Jahre 1913 an die Echtheit geglaubt, ſeien alſo, muß
man ſchließen, einer plumpen Fälſchung zum Opfer gefallen.
Aber als Grund für die Gutgläubigkeit können ſie nur die
Be=
hauptung Pichons in ſeinem Schreiben nach Petersburg und
London anführen: alſo gerade das was erſt als wahr erwieſen
werden mußte, nehmen ſie kurzer Hand als vollgültigen Beweis!
Ein größeres Armutszeugnis konnten ſie ſich ſchwerlich
aus=
ſtellen. Nach dieſer Logik müßte man jeden Angeklagten, der das
ihm Vorgeworfene leugnet, freiſprechen. Noch mehr ſpricht gegen
die wiſſenſchaftliche Sorgfalt und Unbefangenheit der
Heraus=
geber, daß ſie behaupten, Pichon habe in dem Dokument nicht
eine offizielle Denkſchrift Ludendorffs, „ſondern die Reproduktion
einer Mitteilung an eine parlamentariſche Gruppe” geſehen.
Tatſächlich heißt es in Pichons Schreiben: „es handelt ſich um
einen Bericht, der wahrſcheinlich beſtimmt war, vor einer
Kom=
miſſion des Bundesrats oder des Reichstags verleſen zu
werden, um die Forderung der militäriſchen Kredite zu
recht=
fertigen‟ Alſo deutlich genug bezeichnet er das Dokument nach
Herkunft und Beſtimmung als offizielle Denkſchrift. Endlich
wagen die Herausgeber die oft widerlegte Behauptung zu
wiederholen, daß die deutſche Militärvorlage im Jahre 1913 die
franzöſiſche Regierung zur Wiedereinführung der dreijährigen
Dienſtzeit gezwungen habe: ſie haben damit dem ſchon wiederholt
aufgetauchten Zweifel an ihrer wiſſenſchaftlichen Objektibität und
Zuverläſſigkeit neuen Grund gegeben.
Ruſſiſchjapaniſche Spannung weiter verſchärft.
EP. Moskau, 2. Januar.
Nachdem erſt kürzlich der ruſſiſche Miniſterpräſident Molotow
Rußlands Außenpolitik umriſſen hatte, äußerte ſich zu dieſer
Frage auch der Außenkommiſſar Litwinow, ohne
weſentlich Neues hierzu vorzubringen, außer daß er ſich offen
gegen eine Reviſion der Friedensverträge
wandte. Wie Molotow, wandte ſich auch Litwinow in ſehr
ſchar=
fen Worten gegen Japan, das er der Krieg
streibe=
rei beſchuldigte, wobei er erklärte, daß Japans
Angriffs=
luſt in gleichem Maße gewachſen ſei, in dem Rußland ſich bemüht
habe, Japan entgegenzukommen. Japan, ſo behauptete der
Außenminiſter, habe Rußlands Rechte an der
Chine=
ſiſchen Oſtbahn ſyſtematiſch verletzt und habe ſich
ſeit zwei Jahren geweigert, einen
Nicht=
augriffspakt mit Rußland abzuſchließen. Ehe
die=
ſer Pakt nicht abgeſchloſſen ſei und ehe nicht Rußlands Rechte an
der Bahn wiederhergeſtellt ſeien, oder dieſe für einen
angemeſſe=
nen Preis in den Beſitz des Mandſchureiſtagtes übergegangen ſei.
werde die Lage im Fernen Oſten gefahrdrohend
bleiben. Japans Politik bilde heute die dunkelſte Sturmwolke
am Horizont.
Gleichzeitig mit dieſer Rede hat ſich die ruſſiſch=japaniſche
Spannung weiter verſchärft.
In Moskau iſt ein ruſſiſcher Offizier verhaftet worden. Nach
einer offiziöſen Mitteilung wurden bei ihm Dokumente gefunden,
aus denen geſchloſſen werden muß, daß Japan im Frühjahr gegen
Rußland loszuſchlagen beabſichtige. Dieſe Schriftſtücke ſollen
be=
reits in der nächſten Woche veröffentlicht werden..
Im Kreml hat unter dem Vorſitz des Kriegskommiſſars
Woroſchylow ein Kriegsrat ſtattgefunden, an dem auch der
Oberſtkommandierende im Fernen Oſten, General Blücher=Galen,
teilgenommen hat.
Japaniſche Abſichken auf die oſtſibiriſchen
Küſten=
provinzen Rußlands
EP. London, 2. Januar.
„Sünday Expreß” und „News of the World” geben in großer
Aufmachung der Befürchtung Ausdruck, daß die gegenwärtig
be=
ſtehende Spannung zwiſchen Rußland und Japan in naher
Zu=
kunft zum Ausbruch eines Krieges im Fernen Oſten führen werde.
— Sowohl das letztgenannte Blatt wie der „Sunday Expreß”
ſchreiben Japan die Abſicht zu, durch eine Annektion
der oſtſibiriſchen Küſtenprovinzen Rußland vom
Pazifiſchen Ozean abzuſchneiden und damit die
Das Palio=Rennen in Siena.
Von Kaſimir Edſchmid.
Eine Anekdote erzählt, daß vor der fasciſtiſchen Aera ein
Kommuniſt aus der Gegend von Siena auf die Frage, wann
die Repolution ausbräche, geantwortet habe, ſie könne erſt
aus=
brechen, wenn der Palio vorüber ſei. In den Tagen des Palio=
Feſtes kommt bei den Einwohnern von Siena alles zum
Aus=
bruch, was ſeit Jahrhunderten an Kämpfertradition, an
Ehr=
geiz, an alten Zerwürfniſſen, an Ehren, Niederlagen und
Triumphen noch im Bewußtſein der Bevölkerung dieſer ſtolzen
Stadt vorhanden iſt.
Der Palio iſt das Wettrennen, das die ſiebzehn
Stadt=
viertel von Siena untereinander abhalten, auf einem der
ſchön=
ſten Plätze, die Italien kennt, mitten in der Stadt, auf einem
Platz, den gewaltige mittelalterliche Paläſte in einem mächtigen
Opal umgeben und über dem der endloſe Turm des Palazzo
Communale ſich in den Himmel reckt.
Schon tagelang vor dem Rennen iſt Siena voll Unruhe und
Aufregung. Immer wieder werden Pferde durch die Straßen
geführt, wird geſchrien und gepfiffen, wird gelärmt und kommt
es zu Zuſammenſtößen. Dann hängen die alten Paläſte Sienas
ihre Fahnen heraus. Aus allen Fenſtern fallen koſtbare
Samt=
teppiche herunter, und ſchließlich iſt die Stadt mit dem
einzig=
artigen ſüdlichen Dom ein reines Flaggenmeer. Jede der
Con=
traden hat nämlich ihre eigene Fahne und ihr eigenes
Wappen=
tier. Die Fahnen ſtellen nicht etwa nur aneinandergeheftete
Stoffbahnen dar, ſondern ſie beſtehen aus großen Seidentüchern,
auf denen in eigenartiger Weiſe Farben, Linien und Figuren
aufgetragen ſind. Dieſe Fahnen mit ihren Wappentieren, der
Giraffe, der Löwin, dem Schwan, dem Adler, dem Elefanten,
dem Stachelſchwein, dem Nashorn, dem Delphin, der Schildkröte
und der Schnecke ſind der beſondere Reiz dieſes Feſtes, denn ſie
ſtellen ja die Symbole dar, um die gekämpft wird.
Am Tage des Palio ſind die engen Gaſſen von Siena von
Menſchen dicht gefüllt. Von Zeit zu Zeit ſtößt ſich ein Trupp,
der von einem Trommler geführt wird durch die Menge. Hinter
dem Trommler gehen zwei Fahnenſchwinger, hinter den
Fahnen=
ſchwingern kommt der Kapitän des Stadtviertels in einer
Rüſtung, umgeben von vier Pagen; hinter ihnen kommt ein
Mann, der ein Pferd am Zügel führt und daneben reitet auf
einem anderen Pferd ein Mann mit Rüſtung und Hellebarde,
Das Pferd, das am Zügel geleitet wird, iſt das Pferd, das an
dem Rennen teilnimmt, und der Mann, der in der Rüſtung
auf einem anderen Pferde reitet, iſt der Jokei (Fantino). Die
Menge begleitet jeden dieſer ſiebzehn Züge mit Begeiſterung
oder mit Pfeifen. Trommelnd und ſchweigend gehen die feierlich
und ſchön gekleideten Züge durch die Stadt dahin, die Fantini
laſſen ſich einſchreiben, ſie laſſen ihre Koſtüme kontrollieren und
was dergleichen Formalitäten mehr ſind. Die Züge halten dumpf
trommelnd vor den Häuſern der Verwaltung und einfluß=
Vom Tage.
Der Reichsſchatzmeiſter der NSDAP. Schwarz weiſt im „
Völ=
kiſchen Beobachter” darauf hin, daß keine Organiſation der NS.=
DAP. die Berechtigung hat, fördernde Mitglieder zu werben.
Lediglich die „Organiſation der SS. zur Werbung fördernder
Mitglieder” beſteht zurecht.
Das vor einiger Zeit für die Dauer der zwiſchen Deutſchland
und Polen ſchwebenden Wirtſchaftsverhandlungen abgeſchloſſene
deutſch=polniſche Zollpropiſorium iſt in Warſchau erneut bis zum
15. Januar verlängert worden.
Der rumäniſche Außenminiſter Titulescu hat ſeine Demiſſion
zurückgezogen. Er hat ſich dazu entſchloſſen, nachdem er vom
Re=
gierungschef Angelescu Zuſicherungen erhalten hatte, über deren
Inhalt nichts Näheres bekannt geworden iſt.
Der rumäniſche Miniſterrat hat beſchloſſen, gegen die Eiſerne
Garde die ſchärfſten Maßnahmen zu ergreifen. Es iſt beabſichtigt,
mit einer Reihe von Prozeſſen vorzugehen, um ſchließlich die
Orga=
niſation der Eiſernen Garde gänzlich zu zerſchlagen. Auch am
Dienstag wieder wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Die Zahl der Arbeitsloſen in England betrug nach einer vom
Arbeitsminiſterium ausgegebenen Mitteilung am 18. Dezember
2 224 079, was eine Verminderung um 55 938 gegenüber dem 20.
November und um 499 208 gegenüber Dezember 1932 darſtellt.
Gefahr. zu beſeitigen, die Japan durch die in
Pladiwoſtok zuſammengezogenen
Luftſtreit=
kräfte drohe. — Der „Daily Expreß” ſpricht ſogar von einem
bevorſtehenden japaniſchen Präventivkrieg
gegen Rußland. Das Blatt erklärt, daß ſich in Japan
im=
mer mehr die Auffaſſung durchſetze, daß dieſer Krieg auf
jeden Fall geführt werden müſſe, um die
Bedro=
hung des Landes durch die ruſſiſchen
Luftſtreit=
kräfte ein= für allemal zu beſeitigen. Japan, ſo
meldet das Blatt, treffe alle Vorbereitungen, um die ruſſiſchen
Luftſtützpunkte durch einen konzentriſchen Angriff zu zerſtören, ehe
die ruſſiſchen Bombenflugzeuge Tokio vernichten könnten.
*
Obgleich die Beziehungen zwiſchen Japan und Rußland ganz
offen als „äußerſt geſpannt” bezeichnet werden und die
Möglich=
keit einer künftigen bewaffneten Auseinanderſetzung nicht in
Ab=
rede geſtellt wird, erklärt man in offiziellen japaniſchen Kreiſen,
daß die Meldungen über einen dicht beporſtehenden Ausbruch
eines Krieges „lächerlich” ſeien. — Andererſeits bleibt es eine
Tatſache, daß in der Rüſtungsinduſtrie mit Hochdruck gearbeitet
wird. Auch kann nicht überſehen werden, daß die militäriſchen
Vorbereitungen ganz offenſichtlich einen Krieg mit Rußland in
Rechnung ſtellen.
Mandſchukuo wird Kaiſerreich.
Krönung Punis am 1. März zum Kgiſer.
EP. London, 2. Januar.
Die Krönung des Präſidenten von Mandſchukuo, Puyi, zum
Kaiſer wird nach einer Meldung des „Daily Telegraph: aus
Dai=
ren am 1. März ſtattfinden. Puyi werde eine vollſtändig neue
Dynaſtie gründen und daher nicht die alten chineſiſchen
Kaiſer=
titel wieder annehmen. Jedoch ſei es wahrſcheinlich, daß er eine
Ausdehnung ſeiner Herrſchaft über Nordchina anſtrebe. Die
Ja=
paner würden ſich in dieſe Entwicklung nicht einmiſchen; ſie ließen
den mandſchuriſchen Royaliſten völlig freie Hand.
Milikäriſche Vorſichismaßnahmen Englands in Indien
EP. London, 2. Januar.
Die Errichtung einer neuen Militärbaſis zum Schutz der
in=
diſchen Grenze wird dem „Daily Herald” zufolge gegenwärtig
zwiſchen der engliſchen und der indiſchen Regierung vorbereitet.
Als eine der geeignetſten Städte ſei Srinagar, die Hauptſtadt von
Kaſchmir, in Ausſicht genommen. Die indiſche Regierung
beabſich=
tige, dem Herrſcher von Kaſchmir die Stadt Sialkot als neue
Hauptſtadt anzubieten und Srinagar dann ſtark zu befeſtigen, um
von hier aus die wachſende Unruhe in Chineſiſch=Turkeſtan zu
unterbinden und bei etwaigen durch das Ableben des
england=
freundlichen Dalai Lama in Tibet entſtehenden Schwierigkeiten
einzugreifen. Bei dieſen Plänen für eine neue militäriſche Baſis
ſpiele auch die Wahrſcheinlichkeit eines ruſſiſch=japaniſchen
Krie=
ges und deſſen Rückwirkungen in den an Indien grenzenden
Län=
dern eine Rolle,
reicher Perſonen, und die Fahnenſchwinger abſolvieren ihr
Spiel. Die Fantini probieren dann noch einmal ihr Pferd, die
Pferde werden in die Kirchen geführt und von einem Prieſter
geſegnet — und dann kommt der Nachmittag, wo das Rennen
ſtattfindet.
Von den ſiebzehn Contraden können wegen der Schmalheit
der Rennpiſte nur immer zehn mitreiten. Aus dieſem Grunde
herrſcht bereits eine große Erregung, denn mit Recht oder
viel=
leicht mit Unrecht befürchten die einzelnen Contraden von ihren
Konkurrenten alles Böſe bei der Wahl. Sie befürchten, daß die
anderen Contraden ihren eigenen Fantino beſtochen haben, ſie
befürchten, daß die anderen Contraden mächtige Geldgeber haben,
die ihnen beſonders gute Pferde zur Verfügung ſtellen, kurz, alle
gewähnten Möglichkeiten erzeugen eine Stimmung von
Explo=
ſionskraft, die ſich der ganzen Bevölkerung mitteilt. Siena beſteht
am Nachmittag des Palio aus ſiebzehn feindlichen Lagern. Und
dieſe ſiebzehn feindlichen Lager preſſen ſich auf der Mitte des
gro=
ßen Stadtplatzes zuſammen. Sie werden von einer Holzgalerie
umklammert. Zwiſchen dieſer Holzgalerie und den Fronten der
Paläſte iſt die Rennſtrecke. An den Paläſten hoch hinauf ſind
ſchmale Tribünen gebaut, auf denen beſonders gute und teure
Plätze zu haben ſind. Und alle Balkone der Paläſte ſind mit
Menſchen angefüllt. Gegen abend, wenn die Sonne nicht mehr
ſticht, und der Platz im Schatten liegt, beginnt dann der große
Umzug der Contraden.
Das Rennen ſelbſt dauert nur ein paar Minuten, der Umzug
dauert aber beinahe zwei Stunden, und er iſt an Farbenpracht,
an Echtheit der Bewegung, an Empfundenheit und Schönheit des
Bildes wohl einer der ſchönſten Anblicke, die Italien, zu bieten
vermag; iſt doch auch der Platz einer der ſchönſten Italiens, und
iſt doch ſchließlich auch die Bevölkerung genau ſo hingeriſſen von
dem Schauſpiel, wie die Darſteller ſelbſt.
Es gibt, um die Bewegtheit der zehntauſend Leute, die den
Platz füllen, zu ſchildern, wohl nur einen Vergleich, nämlich den
der ſpaniſchen Stierkämpfe, die ja auch nicht nur mit
Senſations=
luſt oder Blutgier zu erklären ſind, ſondern deren Geheimnis tief
in der nationalen Geſchichte des Landes zu ſuchen iſt. Wie in den
Stierkämpfen die Vergangenheit Spaniens mit ihren ritterlichen
Kämpfen zwiſchen Mauren und Kaſtiliern auftaucht, ſo erſcheint
in der leidenſchaftlichen Anteilnahme der Bevölkerung Sienas
beim Palio die Vergangenheit der großen Kämpfe des
Mittel=
alters wieder, der Kämpfe zwiſchen Ghuelfen und Ghibellinen.
Und damit ſtreift der Palio auch die große deutſche Geſchichte, denn
die Partei der Ghibellinen war ja die Partei der Hobenſtaufen,
die Partei des Heiligen Reiches deutſcher Nation, die Partei der
deutſchen Kaiſer — und nicht umſonſt trägt eines der adeligen
Viertel Sienas in ſeinem gelben Kaiſerbanner den kaiſerlichen
Adler.
Langſam und feierlich ziehen die ſiebzehn Gruppen der
Con=
traden in ihren mittelalterlichen Gewändern um den Platz herum,
der mit einer vor Aufregung bebenden Menge gefüllt iſt.
Sieb=
zehnmal wiederholt ſich dasſelbe Bild, aber ſiebzehnmal hat es
andere Farben, andere Deviſen, andere Fahnen. Siebzehnmal
dröhnen die Trommeln, und ſiebzehnmal bläſt am anderen Ende
Deukſch=franzöſiſcher Handelskonflik
Frankreich kürzt deutſche Wareneinfuhr.
Deutſche Gegenaktion in Borbereikung.
Die franzöſiſche Regierung hat mit Beginn des neuen Jahr
ihre handelspolitiſchen Maßnahmen in Kraft geſetzt, die i
Dezember Gegenſtand ſehr eingehender deutſch=franzöſiſcher X
ſprechungen waren. Frankreich will die Kontingente um 75
Pr=
fürzen, will damit alſo auch die Einfuhr deutſcher Waren 1
Dreiviertel kürzen, um dieſe 75 Prozent an andere Länder
verteilen, wie es das je nach Lage der Dinge für vorteilly
hält. Die Inkraftſetzung der neuen Kontingente hat in Berl
nicht überraſcht, hatte ſich doch im Zuge der Verhandlungen 4
unabänderliche Wille Fraukreichs herausgeſtellt, trotz der
Handelsvertrag verankerten Meiſtbegünſtigung dieſen Weg 1
Handelspolitik zu beſchreiten. In den Handelsbeziehungen zr
ſchen beiden Ländern iſt alſp mit dem Beginn des neuen Jahr
eine unverkennbare Verſchärfung eingetreten, da Frankreich dare
verzichtet hat, den aus dem Jahre 1927 ſtammenden Hande
vertrag zu kündigen, iſt kein Beweis dafür, daß es ſich an t
Inhalt dieſes Abkommens zu halten gedenkt. Wir werden n
zunächſt einmal die Auswirkungen der neuen Kontingentspoli
abzuwarten haben, durch die unſere Maſchineninduſtrie beſonde
hart betroffen wird. Sobald wir einen Ueberblick über die 2
gleiterſcheinungen für unſeren Handel gewonnen haben, de
mit einer entſprechenden Gegenaktion zu rechnen ſein, da wir
uns ſelbſtverſtändlich nicht gefallen laſſen können, ſchlechter
andere Staaten behandelt zu werden.
Rußland ſucht Rückendeckung in Genſ.
* Im Kreml ſcheint offenbar, das Bedürfnis vorhanden
ſein, eine ſtarke Anlehnung Sowjetrußlands
den Völkerbund herbeizuführen. Verſchiedene Anzeid
ſprechen dafür, daß die Ruſſen aus ihrer Reſexve gegenüber
Genfer Einrichtung herausgehen wollen. Das wird ihnen in
wiſſem Sinne durch ihre Beteiligung an den Arbeiten der Gen
Abrüſtungskonferenz erleichtert. Iſt doch dieſe Konferenz ein Fili
betrieb des Völkerbundes. Die Informationen, die in politiſe
Kreiſen des Auslandes über den künftigen Kurs der ruſſiſch
Völkerbundspolitik herumgereicht werden, verdienen gerade
gegenwärtigen Augenblick beſondere Aufmerkſamkeit, weil d.
Sowjetunion unzweifelhaft mit kriegeriſch
Ereigniſſen im Fernen Oſten rechnet.
Wir glauben nicht, daß man in Moskau ontimiſtiſch genug
mit einer aktiven Unterſtützung der Sopjetunion durch den V.
kerbund zu rechnen, falls ſie als Mitglied des Bundes durch Jax
angegriffen würde. Der Völkerbund hat von jeh
verſagt. Er wird auch bei einem ruſſiſch=jap
niſchen Waffengang untätig bleiben.
Das diplomatiſche Zuſammenſpiel zwiſchen d.
Sowjetunion und Frankreich iſt auffällig genug. H
treffen ſich zwei Intereſſentenkreiſe. Während die Franzoſen 1
einer Wiederbelebung der franzöſiſch ruſſiſchen Allianz aus
Vorkriegszeit träumen, denken die Ruſſen weſentlich nüchtern
Sie brauchen die Franzoſen, die wieder mit den Japanern
einem ſehr guten Verhältnis leben. Infolgedeſſen ſind ſie auch
reit, in den von Frankreich beherrſchten Völkerbund einzutret
wenn er auch ihrem Geſchmack nicht entſpricht und wenn ſie i
auch bisher unausgeſetzt als eine Gemeinſchaft von Regierung
gebrandmarkt haben, die nach Auffaſſung der Herrſchaften
Kreml nur beſtrebt ſeien, einen Interventionskrieg gegen R1
land zu entfachen. Aber die Ruſſen befinden ſich
einer höchſt ungemütlichen Situation. Sie moll
ſich jetzt, wenn auch in ſehr vorſichtiger Form, an den Völkerbu
heranmachen, um dann möglichſt kurzfriſtig Mitglied zu werde
Für die Stärke der Poſition Rußlands im Fernen Oſten ſpri
das gerade nicht. Aber wenn die Japaner erſt einmal anſetze
dann werden ſie ſich auch durch die befreundeten Franzoſen ni
von der Erreichung ihrer geſteckten Ziele abbringen laſſen u
dann wird ſich herausſtellen, daß Genf im Spiel d.
Kremldiplomatie doch nur eine Fehlkarte iſt.
DNB. Berlin, 2. Januar.
Die für den 5. und 7. Januar auf den Oberſalzberg eink
rufene Reichsführertagung der NSDAP. iſt auf Ende Janu
verſchoben worden und wird dann in Berlin ſtattfinden. Die f.
den 4. Januar angeſetzte Tagung der Reichsleiter und Amtsleit
in München findet jedoch ſtatt.
des Platzes ein Fanfaxenchor. Siebzehnmal führt der Tromml
ſein Stadtpiertel an, gefolgt von den Kapitänen der Contra
in Rüſtung und Helm, gefolgt von vier in wunderbaren Koſtüm
gehüllten Pagen, die dieſe Koſtüme auch zu tragen verſtehen. Sie
zehnmal erſcheint der Fantino in Rüſtung — aber nur zehnm
folgt ihm das ausgeſuchte Rennpferd an der Hand eines Führer
Siebzehnmal bricht die Menge in Rufe des Beifalles od
in Pfeifen aus, je nachdem ſie die Contraden, die erſcheine
liebt oder haßt. Die Pferde tragen Schabracken bis auf d
Erde. Die Pagen tragen Turbane und ſpitze Mützen und b
weiſen einen Mut zu Farben, die ja freilich nur das italieniſe
Licht zu tragen geſtattet.
Der ſchönſte Schmuck des Umzugs ſind aber die Fahne
ſchwinger. Immer, wenn der Zug vor einem der Paläſte hä.
um eine hervorragende Perſönlichkeit zu grüßen, beginnen d
Fahnenſchwinger ihr Spiel. Die Trommel raſſelt dazu ih
dumpfe Melodie. Die Fahnenſchwinger behandeln ihre Fahne
als ob ſie Florette in den Händen hätten. Die Fahnenſtange
ſind nur vierzig Zentimeter lang, die Fahnen ſind etwa zw
Meter breit und viereckig. Und mit dieſen Fahnen nunmel
führen die Fahnenſchwinger Bewegungen aus, die ebenfalls ti
aus der Geſchichte heraufzukommen ſcheinen. Sie breiten d
Fahnen aus ſie laſſen ſie wallen, ſie wickeln ſich damit ein,
laſſen den Griff über die Schultern rollen und faſſen ihn a
Rücken mit der anderen Hand wieder auf, ſie führen die ſchw
bende Fahne am Griff zur Erde hinunter und ergreifen
wieder unter dem Knie mit der anderen Hand — und ſchlie
lich werfen ſie ſie drei Stockwerke hoch in die Luft und fange.
ſie mühelos wieder auf. Und beim Anblick des rieſigen
Platze=
den in der Mitte das Volk beſetzt hält und über dem dieſ
Spiel von vierunddreißig Fahnen flattert, ergibt ſich der Ei
druck einer Harmonie und einer Einheitlichkeit, eines Sie
zuſammenfindens von Geſchichte und Volk, von Tradition un
Gegenwart, wie dies ſchöner und feierlicher und lebendig
ſchwer gedacht werden kann.
Dann kommt, von vier Ochſen gezogen, der bemalte Wage
der die Siegestrophäe trägt, den Palio, eine mit allegoriſch
Figuren bemalte Standarte, die dem Stadtviertel zufällt, welch
den Sieg davonträgt. Dazu tönt ohne Unterlaß wie in eine
Krieger=Lager die Trommel. Und dann beginnt vom Turm d
Maria die hiſtoriſche Glocke zu läuten. Darauf erſcheinen 1
Fantini auf ihren Pferden, ohne Sattel und Steigbügel. E
reiten keine Raſſepferde, ſondern die beſten Pferde, die d.
Viertel gerade aufbringen kann, ſie reiten auch nicht mehr
den Rüſtungen, ſondern in lockeren farbigen Gewändern. X
ihrem Erſcheinen und beim Start beginnt die Menge wie e
Orkan zu brauſen. Eine unbeſchreibliche Aufregung greift 1
ſich. Die Menge ſchreit die Namen der Stadtviertel, die Nam
der Tiere, welche ſie als Wappen haben, ſie ſchreit die Nam
von Heiligen, ſie ſchreit „Lupa‟ ... „Giraffa‟ . . . „Tartuce
ſie ſchreit „San Bernardo‟ . . . „Santa Caterina‟ . . . „
Mado=
della Fortuna‟ . ., ſie pfeift, ſie heult, ſie wogt hin und h.
und ſie entfeſſelt eine unerträgliche Elektrizität. Und währen
dem ſauſen die zehn Fantini auf ihren zehn Gäulen um d
Platz herum, peitſchen die Pferde, ſtoßen an den Kurven a
Mittwoch, 3. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 2 — Seite 3
Neujahrs=Aufruf des Führers.
un oie Pärtei.
DNB. Berlin, 2. Januar.
Der „Völkiſche Beobachter” veröffentlicht in großer
Auf=
machung einen Neujahrsaufruf des Führers an die
Partei, in dem es heißt: Nationalſozialiſten,
Nationalſozia=
liſtinnen, Parteigenoſſen! Zwölf Wahlkämpfe im Jahre 1932
hat=
ten auch an unſere eigene Kraft und unſere Nerven die ſchwerſten
und höchſten Anforderungen geſtellt und trotzdem! Niemals hatte
ich die Notwendigkeit, den Kampf und die Macht ohne
Kompro=
miſſe bis zur letzten Konſequenz fortzuführen mehr erkannt, als
damals, niemals war ich mehr bereit, dieſer Erkenntnis blind zu
gehorchen, niemals aber hat ſich zugleich euere Treue und
An=
hänglichkeit, meine Parteigenoſſen und =genoſſinnen, mehr
be=
währt als in dieſer letzten ſchwerſten und entſcheidenden Zeit!
Dreizehn Jahre lang habe ich als Nationalſozialiſt und als euer
Führer mit äußerſtem Fanatismus die Theſe vertreten, daß das
Wort Kapitulation in unſerem Lexikon nie zu finden ſein darf.
Es iſt immer noch beſſer, in Ehren vernichtet zu werden, als ſich
Feinden freiwillig zu unterwerfen. Der Erfolg des 15. Januars
1933 in Lippe=Detmold führte zur endgültigen Entmutigung
un=
ſerer Gegner und leitete damit jene große Umwälzung ein, die
Deutſchland ſeit vielen Jahrhunderten erlebt hat. Am 30. Januar
wurde durch den großherzigen Entſchluß des Herrn
Reichspräſiden=
ten die nationalſozialiſtiſche Bewegung mit der Führung des
Reiches betraut.
Was ſich in den zurückliegenden 11 Monaten
ſeikdem in Deutſchland vollzogen hak, iſt ein
Bandel von ſo wundervollem Inhalt und
Aus=
maß, daß ihn ſpäkere Generakionen ſchwerlich
in ſeinem Umfange werden erfaſſen können.
Am 12. November haben ſich nahezu 50 Millionen Deutſche zu
dieſem Regiment und über 40 Millionen zu unſerer Politik
be=
kannt! Getreu dem Programm unſerer Bewegung haben wir in
dieſen 11 Monaten einen unerbittlichen Kampf
aufge=
nommen gegen die Feinde und Zerſtörer unſeres
Volkes und Vaterlandes. Die große mir ſelbſt geſtellte
Aufgabe meines Lebens hat in knapp ſechs Monaten ihre Erfüllung
gefunden. Der Marxismus wurde vernichtet und der
Kommunis=
mus zu Boden getreten!
Der Marrismus in Deukſchland eriſtierk nicht mehr!
Der Nationalſozialismus iſt Sieger geblieben und wird ſeine
Geg=
ner niemals mehr ſich erheben laſſen. Wir haben den Marxismus,
nicht die Organiſationen verboten, nein, wir haben ihm das Volk
genoimen. Der deutſche Arbeiter iſt nicht mehr ein
Fremdkörper im nationalen Staate, ſondern die
tragende Kraft der deutſchen Nation. Und ſo wie
der marxiſtiſche Feind vernichtet wurde, ſind die bürgerlichen
Parteien beſeitigt. Die Organiſationen der
Klaſſenſpal=
tung, des Klaſſenhaſſes und des Klaſſenkampfes ſind auf beiden
Seiten aufgelöſt und weggefegt. Der Staat dieſer
Par=
teien aber, er exiſtiert nicht mehr. Den
parlamentari=
ſchen Geſchäften mit ihrem korrumptierenden Kuhhandel iſt ein
für aklemal ein Ende bereitet worden. Das nationalſozialiſtiſche
Prinzip der Autorität der Führung hat die parlamentariſche
Un=
fähigkeit beſiegt. Wir alle ſind uns dabei im klaren, daß die
Durchdringung unſeres öffentlichen Lebens mit dieſem neuen
Ge=
danken nicht in wenigen Monaten erfolgen kann, ſondern einer
jahrzehntelangen Erziehung und dauernden Weiterbildung bedarf.
Gleichlaufend mit dieſer Ueberwindung des Parteiſtaates erfolgte
die Stärkungder Autorität des Reichsgedankens.
Dieſe Neubildung des Reiches erhält aber ihre höchſte Bedeutung
erſt durch die Bildung einer wirklichen deutſchen
Nation.
Das deutſche volk hak ſich über Parkeien,
Skände, Konfefſionen und Weltanſchauungen
hin=
weg endlich zu einer Einheik zuſammengefunden.
Den Schädlingen an dieſer Gemeinſchaft aber iſt auf allen
Gebie=
ten unſeres öffentlichen Lebens ein unbarmherziger Kampf
ange=
ſagt worden. Wir haben uns bemüht, die Wirtſchaft von jenen
Paraſiten zu befreien, die in der organiſierten Zerſplitterung das
Heil ihrer eigenen Exiſtenz erblickten. Wir haben daher den
inter=
nationalen marxiſtiſchen Zerſtörern unſeres uralten
Gewerkſchafts=
gedankens die Organiſation genau ſo aus den Händen genommen,
wie umgekehrt auch den Vertretern großkapitaliſtiſcher Syndikate.
Wir haben damit das Vertrauen der geſamten Wirtſchaft in die
politiſche Führung der Nation ſo geſtärkt, daß ſie nunmehr auch
ihrerſeits den großen Aufgaben gerecht werden konnte, die wir ihr
zu ſtellen gezwungen waren. Denn die Kataſtrophe
un=
ſerer Arbeitsloſigkeit kann nur behoben
wer=
den durch die äußerſten Anſtrengungen aller,
denen wieder allein das gläubigſte Vertrauen
die Vorausſetzungen zum Erfolge ſchaffen kann.
Und in knapp 11 Monaten iſt es uns gelungen, einen hohen
Pro=
zentſatz der deuiſchen Arbeiter und Angeſtellten wieder in eine
allen nützliche Produktion zurückzuführen.
Gewalkig ſind die wirtſchaftlichen Aufgaben.
die wir uns ſtellten und an deren Erfüllung wir
kätig ſind.
Die Motoriſierung unſeres Verkehrsweſens hat in dieſem Jahr
einen außerordentlichen Aufſchwung genommen. Ein gewaltiges
Straßennetz befindet ſich im Bau. Ueber 1½ Millionen
Bauarbei=
ter und Handwerker ſind z. B. in Deutſchland damit beſchäfigt,
Reparaturen an Häuſern und Wohnungen auszuführen. Große
öffentliche und private Staats= und Monumentalbauten ſind
be=
gonnen worden. Der planmäßigen Zerſtörung des Bauerntums
wurde von oben herunter Einhalt geboten. Ungeheuere ſoziale
Hilfswerke ſind ins Leben gerufen. Es iſt unſer unerſchütterlicher
Wille, genau ſo wie wir bisher in 14 Jahren den Kampf um die
Macht erfolgreich beſtanden haben, am Schluß auch den
Kampf gegen die Not
erfolgreich zu beenden! Indem wir das Zentrum vernichteten,
haben wir nicht nur Tauſende von Prieſtern wieder in die Kirche
geführt, ſondern Millionen von anſtändigen Menſchen den
Glau=
ben an die Religion und die Prieſter zurückgegeben. Der
Zuſam=
menſchluß der evangeliſchen Kirche zur Reichskirche, das
Konkor=
dat mit der katholiſchen Kirche, ſie ſind nur Markſteine auf dem
Wege zur Herſtellung eines nützlichen Verhältniſſes und einer
nützlichen Zuſammenarbeit zwiſchen dem Reiche und den beiden
Konfeſſionen. Der Kampf gegen die religiöſen,
ſitt=
lichen und moraliſchen Verfallserſcheinungen
wäre aber zwecklos geblieben, wenn wir nicht die
deutſche Preſſe aus dem Niveau einer manchmal
geradezu planmäßigen Zerſetzungsarbeit
her=
ausgehoben hätten. Wenn das deutſche Volk den
großen Kampf unſerer Bewegung, und der von
ihr getragenen deutſchen Regierung um den
Frieden, die Ehre und die Gleichberechtigung
am 12. November mit dem gewaltigſten Votum,
das jemals abgegeben wurde, unterſtützte, dann
weiß ich, daß dies nicht ſo ſehr ein Zeichen für die Vorzüglichkeit
ſeiner heutigen Regierung iſt, als vielmehr
ein Zeichen für die innere Anſtändigkeit
unſeres Volkes
ſelbſt, das ſich wieder zu ſeinem beſſeren Ich zurückgefunden hat.
Und dies iſt der höchſte und ſchönſte Erfolg dieſes
Jahres! Wenm dieſes große Werk der
Reorgani=
ſation unſeres Volkes und Reiches ſoerfolgreich
in Angriff genommen werden konnte, dann war es nur
möglich dank dem Geiſt der Nationalſozialiſtiſchen Partei. Ihr,
meine Parteigenoſſen und =genoſſinnen, ſeid die Träger unſeres
Kampfes in der Vergangenheit geweſen, und ihr allein könnt die
Garanten ſein für den Aufbau in der Zukunft! Ohne die
National=
ſozialiſtiſche Partei, ohne die SA. und SS. hätte aber ſelbſt eine
deutſche Erhebung nur den Charakter eines blutigen Gemetzels
annehmen können und nur dank ihr iſt eine der größten Revolution
der Weltgeſchichte in einer Diſziplin und einer Ordnung vollzogen
ſtürzen, überſchlagen ſich ſamt den Röſſern, umreiten dreimal
den Platz — und dann iſt unter einem ohrenbetäubenden, lang
nachhallenden Lärm alles zu Ende. Zwanzig Karabinieri
um=
ringen den Sieger, der raſch abgeführt wird. Leute aus anderen
Stadtvierteln ſtürzen ſich auf ihre Fantini, die ſich gut gehalten
haben, umarmen ſie, küſſen ſie wie raſend . . . und dann löſt
ſich die Menge langſam auf. Die Erregung hält aber die ganze
Nacht noch an. Wer in das ſiegreiche Stadtviertel kommt wird,
bewirtet, die Contrada zieht mit ihren Fahnen im Triumph
durch die Gaſſen, das ſiegreiche Pferd bekommt eine Flaſche
Marſala, und erſt langſam legt ſich die Welle der Leidenſchaft,
in welche die ganze Stadt gehüllt iſt.
Später wird in der Hauptſtraße der ſiegreichen Contrada
eine feierliche Tafel gedeckt, das ſiegreiche Pferd erhält den
Ehrenplatz und bekommt eine beſondere Ehren=Mahlzeit.
Der Palio von Siena iſt ein Muſterbeiſpiel dafür, wie
national Traditionen und nationale Leidenſchaften im Volke
weiterleben, aber er iſt auch ein Muſterbeiſpiel dafür, wie ſie
richtig gepflegt und recht gehütet werden können.
Wenn man nach dem Palio nachts von Siena nach Florenz
fährt, ſtehen vor allen Häuſern in allen Dörfern die Jungens
und ſchreien in jedes Auto hinein „Chi ha vinto?” Wer hat
geſiegt? „Chi ha vinto?” Nicht nur die Umgebung Sienas,
ſondern ganz Italien nimmt an dem Ausgang des Palio teil.
Dieſes ſtundenlang aus der Dunkelheit heraus erklingende „Chi ha
into?” geht hinter dem Palio her wie eine Melodie, die noch
aufregender iſt als die Melodie der Fahnenſchwinger und der
Trommler. Denn es iſt die Melodie der Teilnahme eines
ganzen Volkes an einem ſeiner kühnſten und traditionellſten Feſte.
Ein Rieſenmuſeum germaniſcher
Argeſchichke.
Ein ganzer Wald als größkes Muſeum der Welf.
Sammlung der germaniſchen Steindenkmäler. — Kultſtätten und
Kultbräuche. — Herſtellung eines altgermaniſchen Dorfes. — Ein
germaniſches Schiff auf dem See des Muſeums.
In der Nähe von Potsdam wird in kurzer Zeit das größte
Muſeum der Welt entſtehen. Es ſoll der Pflege der germaniſchen
Urgeſchichte gewidmet ſein und wird darum einen ganzen Wald
ſimfaſſen. Als Gelände, das am beſten den Zwecken des Muſeums
dienen kann, iſt der Kunersdorfer Forſt bei Potsdam
nusgewählt worden, in dem ſich der Lienewitzſee befindet. Es
handelt ſich darum, im neuen Reich das Erbe der germaniſchen
Urahnen zu pflegen. Der Kultusminiſter hat zu dieſem Zwecke
ſine Gemeinſchaft „Deutſches Ahnenerbe” gegründet, die zur
Vereitſtellung des Muſeummaterials Hilfe leiſten ſoll.
Das Muſeum wird in erſter Reihe alle Denkmäler der
ger=
haniſchen Frühgeſchichte ſammeln. Dazu gehören die Zeugniſſe
der ſogenannten Migalithkultur. Steinplatten, Felſen, ſteinerne
Alleen, Dolmen, und Grabdenkmäler bilden denkwürdige Zeugen
vergangener Kulte und Sitten. In mehreren Teilen
Deutſch=
lands wurden Steinſetzungen gefunden, die aus mehreren,
eigen=
artig angeordneten, großen Felſen beſtehen, und die vielfach als
ganz frühe Kalender angeſehen werden. Für derartige
Er=
innerungen und Ueberreſte nordiſcher Kulturen ſind gewöhnliche
Muſeen zu klein. Sie gehören in die Landſchaft, wo ſie erſt zur
vollen Wirkung kommen. Auch andere Gründe waren für die
Wahl eines ganzen Waldgeländes als Muſeum maßgebend.
Man will ein ganzes germaniſches Haus mit allen alten
Kultur=
einrichtungen und Symbolen hier errichten, um die Bedeutung
der vorgeſchichtlichen germaniſchen Kultur für unſere Tage
deut=
lich zu machen. Hier werden die Beſucher die Möglichkeit haben,
ſich von dem Leben ihrer Ahnen ein Bild zu machen. Ein
alt=
germaniſches Schiff wird auf dem Lienewitzſee untergebracht
werden und dazu beitragen, den Charakter der Landſchaft als
Muſeum zu vertiefen. Die Germanen waren gute Schiffsbauer
und hervorragende Seefahrer. Aus mehreren Funden kennen
wir ihre Art, Schiffe zu bauen, von denen ſich einige alte
Exemplare in Muſeen befinden. Die Modelle für germaniſche
Schiffe ſind alſo in den Originalen vorhanden. Auf dem großen
Gelände werden ſich auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten
bieten, die Erinnerung an die germaniſche Frühkultur zu pflegen.
Vor allen Dingen wird hier ein Mittelpunkt für alle
der=
artigen Beſtrebungen geſchaffen werden. Es gibt hier und da
verſtreut ſehr viele alte Kulturdenkmäler, die entweder in ihrer
Bedeutung nicht erkannt, oder als Einzelſtücke nicht richtig
ge=
wertet worden ſind. Seit Urzeiten ſind ſie den Bewohnern der
betreffenden Gaue bekannt und gelten nicht mehr als beſonders
wertvolle Zeugen germaniſcher Urkultur. Erſt wenn ſie
zu=
ſammengefaßt, und auf einem beſonders dafür auserwählten
Gelände Aufſtellung finden werden, können ſie zur vollen
Würdi=
gung ihrer Bedeutung gelangen. Um den Eindruck der
alt=
germaniſchen Landſchaft vollſtändig zu machen, ſollen hier auch
die Tiere der Germanen, wie Elche und Sumpfbiber
ge=
halten werden. Dieſer Mittelpunkt germaniſcher Kulturen wird
auch Veranlaſſung bieten, verſchollene oder vergeſſene
Denk=
mäler hier unterzubringen, ſo daß das Muſeum mit ſeiner
Gründung erſt die rechte Entwicklung nehmen wird. Es wird
nicht nur eine kulturhiſtoriſch bedeutſame Einrichtung ſein,
ſondern auch für Schulen zu Unterrichtszwecken dienen, denn
hier werden die Jungen und Mädchen einen lebendigen
Ein=
druck von dem Leben und der Kultur ihrer Ahnen erhalten. Der
Forſcher Profeſſor Hermann Wirth wird bei der Schaffung des
Muſeums ſeine großen Kenntniſſe zur Verfügung ſtellen.
Reichs=
kanzler Adolf Hitler ſoll die Schirmherrſchaft übernehmen.
* Mainzer Stadttheater.
Richard Wagners „Lohengrin” als Neujahrs=Oper.
Auch ohne darin eine tiefſinnige Symbolik zu wittern,
wol=
wir der Intendanz dankbar ſein, für dieſe prächtige Neujahrs=
norden, die nur in einem einzigen Staat der neueren Zeit ein
Vorbild und Gleichnis beſaß. In Italien, der fasciſtiſchen
Re=
volution:
20s Ziel unſeres Kampfes für die deutſche Nalion
auch nach außen iſt kein anderes, als unſerem Bolke
die Ehre und die Gleichberechkigung zu geben.
und aufrichtigen Sinnes mitzuhelfen an der Vermeidung eines
Blutvergießens in der Zukunft, in dem wir ehemaligen Soldaten
des Weltkrieges nur eine neue Völkerkataſtrophe eines wahnſinnig
gewordenen Europas erblicken könnten.
So will ich am Ende dieſes Jahres nun all den
Mit=
kämpfern der Partei danken, ich will danken den
Män=
nern der Organiſation unſerer Bewegung, unſeren Amtswaltern,
will danken den Männern unſerer Propaganda und unſerer Preſſe,
will danken den hunderttauſenden Frauen, Mitkämpferinnen und
Helferinnen für unſer neues Reich. Und ich will weiterhin
dan=
ken den Männern der großen Organiſation meiner SA. und SS.,
ich will dabei insbeſondere auch jenen danken,
die ähnliche Ziele verfolgend, aus einem
an=
deren Lager zu uns geſtoßen ſind und nun heute
als Stahlhelmkameraden zu uns gehören für
immer. Ich will danken meinen alten treuen Mitkämpfern, die
heute als Führer der gewaltigſten Organiſation unſerer
Bewe=
gung, in der SA. und SS., dem Stahlhelm, in der Jugend ſowie
in der Preſſe oder im Staatsdienſt die Garanten für das
Gelin=
gen der nationalſozialiſtiſchen Revolution waren und für immer
ſein werden. Wir danken dem Manne, der als Führer des
Stahl=
helms über die perſönliche Verbundenheit hinaus in großherziger
Weiſe ſeinen Verband der nationalſozialiſtiſchen Bewegung
ein=
gegliedert hat, und will endlich auch jenen danken, die, obwohl
nicht zu uns gehörend, dennoch mit mir und mit uns im Sinne
unſerer nationalſozialiſtiſchen Idee und für unſere
nationalſozia=
liſtiſche Revolution eingetreten ſind und weiterhin mit uns
kämp=
fen wollen. So verlaſſen wir das Jahr der deutſchen Revolution
und gehen als Nationalſozialiſten hinein in das Jahr des deutſchen
Aufbaues mit dem gegenſeitigen Verſprechen, eine verſchworene
Gemeinſchaft zu ſein, erfüllt von dem einzigen glühenden Wunſch,
unſerem deutſchen Volke dienen zu dürfen zu ſeinem, friedlichen
Glück.
Adolf Hitler.
Der Führer dankk ſeinen hervorragendſten
Mikkämpfern.
DNB. Berlin, 2. Januar.
Aus Anlaß der Jahreswende hat, dem „Völkiſchen
Beobach=
ter” zufolge, der Führer an eine Reihe der älteſten führenden
Parteigenoſſen perſönliche Schreiben gerichtet. Der „Völkſiche
Be=
obachter” veröffentlicht im Wortlaut die Schreiben an die
Stell=
vertreter des Führers, Rudolf Heß, den Reichsſchatzmeiſter
Schwarz, den Verlagsdirektor Amann, den Stabschef Röhm,
den Reichsführer der SS. Himmler, den
Reichspropaganda=
leiter Dr. Goebbels und den Reichsleiter Alfred
Roſen=
berg.
In dem Schreiben an den Stellvertreter des
Füh=
rers heißt es: Seit dem Jahre 1920 haben Sie Ihre Treue und
Ihre Fähigkeiten mir und damit der Bewegung zur Verfügung
geſtellt. Freud und Leid bis in das Gefängnis hinein haben Sie
in dieſen langen Jahren mit mir geteilt.
In dem Brief an den Stabschef Röhm ſagt der
Füh=
rer u. a.: Als ich dich, mein lieber Stabschef, in deine heutige
Stellung berief, durchlebte die SA. eine ſchwere Kriſe. Es iſt mit
in erſter Linie dein Verdienſt, wenn ſchon nach wenigen Jahren
dieſes politiſche Inſtrument jene Kraft entfalten konnte, die es
mir ermöglichte, den Kampf um die Macht und die
Niederrin=
gung des marxiſtiſchen Gegners endgültig zu beſtehen.
An den Reichsführer der SS., Himmler, ſchreibt
Adolf Hitler u. a.: Aus dieſen wenigen Schutzſtaffeln eine
gewal=
tige und in ihrer Art einzig daſtehende Organiſation entwickelt
zu haben, iſt Ihr Verdienſt. Sie haben damit der
nationalſozia=
liſtiſchen Revolution eine blind ergebene Stoßtruppe, dem
natio=
nalſozialiſtiſchen Staat eine unerſchütterliche politiſche Garde
ge=
geben, die den Grundgedanken unſerer Bewegung in ihrem
eige=
nen Fleiſch und Blut verkörpert.
In dem Schreiben an Dr. Goebbels heißt es: Die
Er=
oberung der Reichshauptſtadt für die Bewegung iſt Ihr Verdienſt,
Sie haben aber darüber hinaus die Propaganda der Partei zu
jener unerhört ſcharfen Waffe gemacht, der im Laufe der Jahre
ein Gegner nach dem anderen erlegen war.
gabe. Seit das Land von der Feindbeſatzung frei geworden war,
iſt dieſe Wagnerſche Jugendoper hier nicht aufgeführt worden.
Sie jetzt erneut herauszubringen, lag nahe, wo außer ſonſtigen
ſoliſtiſchen Beſetzungsmöglichkeiten jetzt ein Dirigent deutſchen
Blutes an der Spitze der Mainzer Oper ſteht und wir zudem
einen ungewöhnlich geeigneten Vertreter der Titelrolle haben.
Daß ſie beide zum erſten Male vor dieſem Werke ſtanden, erhöhte
das Intereſſe an der Aufführung um ein Beträchtliches. Hans
Schwieger darf das Zeugnis ausgeſtellt werden, daß er ſich
ſtändig fortſchreitend in den ſeiner Jugend an ſich eigentlich noch
nicht gemäßen hohen Wagnerſtil einarbeitet und einfühlt. Der
beſte Prüfſtein in dieſem Falle ſind die beiden Vorſpiele zum
er=
ſten und zum letzten Akt. Mag man dem erſten auch anfangs noch
eine ſtärkere Doſis flimmernder Myſtik wünſchen, ſo war der
Auf=
bau und die dynamiſche Steigerung ebenſo überzeugend wie der
unaufhaltſame Schwung des Vorſpiels zum Schlußakt. Farbgebung
und Zurückhalten gegenüber den Sängern ſind vorbildlich. Hans
Decker hatte Gelegenheit, ſein herrliches Organ in einer ebenſo
ſchweren wie geſanglich dankbaren Partie zu zeigen. Es iſt
er=
ſtaunlich, wie leicht und zwanglos die Stimme auch in der
expo=
nierteſten Höhe anſpricht und in allen Lagen gleichmäßig ſchön
klingt. Es iſt kein Schaden, daß die Figur dabei lyriſcher gerät
als man das ſonſt bei der üblichen Beſetzung mit dem
Helden=
tenor gewohnt iſt, denn das Geſangliche ſteht hier doch ſehr ſtark
im Vordergrunde. Ausgezeichnet, wenn auch etwas flach, iſt die
Textausſprache. Der Mangel an dramatiſchem Schwung und an
innerer Beteiligung, wie ſie die ausdrucksloſe Mimik bezeigt,
fällt in dieſer Rolle weniger ins Gewicht als ſonſt wohl. Leider
hatte er keine gleichwertige Partnerin, denn Hildegard
Wei=
gels Elſa iſt mit ihrer früheren Leiſtung an gleicher Stelle
ein=
fach nicht mehr in Vergleich zu ſetzen. Die Stimme flackert
der=
art, daß die Tonreinheit ganz bedenklich darunter leidet, ſie hat
im Piano ſchöne Töne, klingt aber bei der geringſten Anſpannung
flach und in der Höhe hart und ſpitz. Einheitlicher iſt das Paar
der Gegenſpieler beſetzt. Der wuchtige Telramund von Franz
Larkens iſt aus früheren Jahren beſtens bekannt und hat eher
gewonnen als verloren. Steht er auf der Bühne, iſt er ſtets
gei=
ſtiger Mittelpunkt, und ſeine Niederlage im Gottesgericht muß in
der Tat als Wunder wirken. Als Ortrud lernten wir erſtmalig
Marion Hundt kennen, die hier endlich eine Aufgabe ihres
eigenſten Könnens hatte. Sie gab dieſer dankbaren Rolle ſtärkſte
Dämonie in Geſang und Darſtellung (ſtummes Spiel im erſten
Akt!), um dann allerdings leider im letzten Akt ſtimmlich
voll=
kommen abzufallen. Edmund Eichinger als König, gleichfalls
beſtens bekannt, wurde mit den unbequemen Höhen ſeiner Partie
wieder ſpielend fertig. Neu war der Heerrufer von Hans Berg.
der ein ſehr ſchönes und gepflegtes Organ zeigen konnte, im Spiel
aber noch ſehr unfrei iſt. Wundervoll klang das Quartett der
Edelknaben, das die Damen Ziegler, Büchler, Kaundinya und
Herbſt ſtellten, und auch die vier Mannen Telramunds, die
Her=
ren Kempf, John, Stumpf und Neidlinger, ſtanden auf ihrem
Poſten. Die Chöre (Mathias Bungart) waren verſtärkt durch
Damen und Herren mehrerer Geſangvereine. Die reichlich
nüchter=
nen und ſo ganz unromantiſchen Bühnenbilder von Helmdach
hätte man ſich gern durch ſolche von Preuſſer erſetzt gewünſcht.
Daß die Spielleitung von Paul Weißleder reſtlos dem Stil
einer Wagnerſchen Jugendoper gerecht zu werden verſteht und ſich
erordnet, iſt bei der bekannten Einſtellung dieſes
geſchätz=
ten Regiſſeurs ſo ſelbſtverſtändlich, daß es lediglich regiſtriert zu
D.K.‟
werden braucht.
Die Einkommenbeſteuerung für 1933.
Zuſgimenfafſung der verſchiedenen Steuerarken.
DNB. Berlin, 2. Januar.
Das Reichsgeſetzblatt vom 2. Januar veröffentlicht das neue
Geſetz über die Einkommenbeſteuerung für 1933. Im Abſchnitt I
des Geſetzes wird über die Einkommenbeſteuerung
für 1933 im weſentlichen beſtimmt, daß die Kriſenſteuer der
Veranlagten und der Zuſchlag zur Einkommenſteuer für die
Einkommen von mehr als 8000 RM. auch für die
Steuer=
abſchnitte erhoben werden, die im Kalenderjahr 1933 enden. Der
Zuſchlag zur veranlagten Einkommenſteuer der Ledigen wird in
Ausführung der Vorſchriften des Geſetzes zur Förderung der
Ehefchließungen für Steuerabſchnitte, die im Kalenderjahr 1933
enden, in Höhe der Hälfte des Jahresbetrages erhoben.
Für die im Kalenderjahr 1933 endenden Steuerabſchnitte
werden die verlangte Einkommenſteuer die Kriſenſteuer der
Ver=
anlagten, der Zuſchlag zur Einkommenſteuer für die Einkommen
von mehr als 8000 RM. und der Zuſchlag der veranlagten
Ein=
kommenſteuer der Ledigen zu einer Einheit zuſammengefaßt.
Bei Steuerpflichtigen, in deren veranlagten Einkommen
Ein=
künfte aus nicht ſelbſtändiger Arbeit enthalten ſind, mindert ſich
der Steuerbetrag für die im Kalenderjahr 1933 endenden
Steuer=
abſchnitte um 1½ vom Hundert der bei der Veranlagung
feſt=
geſtellten Reineinkünfte aus nicht ſelbſtändiger Arbeit, wenn dieſe
den Betrag von 16 000 RM. nicht überſteigen.
Die Skeuerermäßigung für Hausgehilfinnen
bei der Veranlagung für die im Kalenderjahr 1933 endenden
Steuer=
abſchnitte werden in der Weiſe gewährt, daß der Arbeitgeber für
jede Hausgehilfin, die zu ſeiner Haushaltung zählt, für jeden
vol=
len nach dem 30. Juni 1933 beginnenden Kalendermonat, in dem
die Hausgehilfin bei ihm angeſtellt war, einen Betrag von 50 RM.
von ſeinem Einkommen abziehen darf. Ueberſteigt der Arbeitslohn
des Steuerabſchnitts nicht den Betrag von 1500 RM. oder wenn
nicht die ſteuerabzugspflichtigen Einkünfte nur aus
ſteuerabzugs=
pflichtigen Kapitalerträgen beſtanden, ſo hat eine Veranlagung
nicht zu erfolgen, ſondern das ſonſtige Einkommen iſt als alleiniges
Einkommen zu veranlagen.
Der Abſchnitt II über
die Eheſtandshilfe der Veranlagken
beſtimmt:
Bei Feſtſetzung der Eheſtandshilfe der Veranlagten findet das
Geſetz zur Förderung der Eheſchließung mit der Maßgabe
Anwen=
dung, daß nicht als ledig gelten: 1. Perſonen, die zu
Be=
ginn des Steuerabſchnitts verheiratet waren; 2. Perſonen, die im
Laufe des Steuerabſchnitts geheiratet haben, wenn die Ehe im
Steuerabſchnitt mindeſtens vier Monate beſtanden hat; 3.
ver=
witwete oder geſchiedene Perſonen, aus deren Ehe ein Kind
her=
vorgegangen iſt.
Von der Eheſtandshilfe der Veranlagken ſind befreit:
Unberheiratete Frauen, denen Kinderermäßigungen zuſtehen,
wenn die Vorausſetzung hierfür beſtanden hat entweder zu
Be=
ginn des Steuerabſchnitts oder mindeſtens vier Monate in dem
Falke, daß ſie erſt im Laufe des Steuerabſchnitts eingetreten iſt.
„Perſonen, die mindeſtens ein Sechſtel ihres Einkommens
zum Uniterhalt ihrer geſchiedenen Ehefrau oder eines
bedürf=
tigen Elternteils im Steuerabſchnitt aufgewendet haben und
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
denen aus dieſem Grund die Einkommenſteuer für den
Steuer=
abſchnitt nach § 56 des Einkommenſteuergeſetzes ermäßigt wird.
Perſonen, die das 75 Lebensjahr zu Beginn des
Steuer=
abſchnitts oder mindeſtens vier Monate vor Beendigung des
Steuerabſchnitts vollendet haben.
Dem Geſetz iſt eine
Tabelle über die Berechnung der Einkommenſteuer
beigefügt, bei der der Zuſchlag zur Einkommenſteuer für die
Einkommen über 8000 RM., der Zuſchlag für die Ledigen und
die Kriſenſteuer der Veranlagten mit eingerechnet ſind. Nach
dieſer Tabelle beträgt beiſpielsweiſe bei einem Einkommen von
über 1200 RM. nach Abzug der Werbungskoſten, der
Sonder=
leiſtungen und des ſteuerfreien Einkommenteils die
Einkommen=
ſteuer für den zuſchlagspflichtigen Ledigen 134.— RM., für den
Ledigen, der dem Zuſchlag nicht unterliegt, ohne daß ihm
Familienermäßigungen zuſtehen 119.— RM., Verheiratete ohne
Kinder 96.— RM., mit einem Kind 89.— RM., mit zwei
Kin=
dern 75 RM., mit drei Kindern 48 RM.
Bei einem Einkommen von 5000 RM. nach Abzug des
ſteuer=
freien Anteils beträgt der Einkommenſteuerſatz für den
zuſchlags=
pflichtigen Ledigen 582 RM., für den Nichtzuſchlagspflichtigen
ohne Familienermäßigung 539 RM., für den Verheirateten ohne
Kinder 481 RM., mit einem Kind 441 RM., mit zwei Kindern
401 RM., mit drei Kindern 361 RM., mit vier Kindern 321 RM.
Die Steuerſätze ſteigern ſich bei Ueberſchreitung der 8000 RM.=
Grenze entſprechend den im Einkommenſteuergeſetz vorgeſehenen
Beſtimmungen, ſo daß bei einem Einkommen von 8500 RM. nach
Abzug des ſteuerfreien Teils der Steuerabzug für den
zuſchlags=
pflichtigen Ledigen beträgt: 1086 RM. für den Ledigen ohne
Fa=
milienermäßigung 1025 RM., den Verheitrateten ohne Kinder
930 RM., mit einem Kind 867 RM., mit zwei Kindern 804 RM.,
mit drei Kindern 741 RM., mit vier Kindern 678 RM.
Von demEinkommensbetrag von 8500RM. ab iſt in der
Steuerver=
rechnungstabelle eine Zweiteilung geſchaffen, und zwar außer der
eben genannten Berechnung, die für den Veranlagungspflichtigen
gilt, mit einem Einkommen von weniger als 50 von 100 aus
Arbeitslohn und eine ſolche für den, deſſen Einkommen zu 50 von
100 und mehr aus Arbeitslohn beſteht. Für dieſen betragen bei der
Einkommensſtufe von 8500 RM. die entſprechenden Sätze, die bei
den beiden ledigen Klaſſen gleich ſind, bei emem Verheirateten
ohne Kinder 909 RM., mit einem Kind 825 RM., mit zwei
Kin=
dern 741 RM., mit drei Kindern 657 RM. und mit vier Kindern
573 RM.
vor Mißbrauch der Fettkarte.
Es iſt vielfach feſtgeſtellt worden, daß die von der
Reichs=
regierung ausgegebenen Fettverbilligungsſcheine von Geſchäften
für andere Einkäufe in Zahlung genommen worden ſind. Um
dieſen Mißbrauch zu verhindern, richtet die Reichsregierung auf
den neuen Fettkarten folgenden Appell an die Bezieher der
Karten:
Volksgenoſſe, die Reichsregierung will Deutſchlands
ver=
hängnisvolle Abhängigkeit vom Auslande in der Fettverſorgung
überwinden, den Bauern, den Blutsquell unſeres Volkes, helfen
und nicht zuletzt durch Geſundung der Bauernwirtſchaft für
Handel und Gewerbe auf natürlichem Wege Arbeit ſchaffen.
Dieſem großen Ziel dient auch dieſer Schein. Er ſoll die für
die Fetterzeugung im Inlande notwendigen Preiſe den
minder=
bemittelten Volksgenoſſen erträglich machen. Volksgenoſſe, hilf
mit am großen Werk. Verhindere jeden Mißbrauch des
Gut=
ſcheines.
Mittwoch, 3. Januar 1934
Die volksdeukſche Sendung
iM deulſihen Amoräcf.
Aus dem Neujahrsaufruf des V9A.-Reichsführers.
Dr. Hans Steinacher hat einen Neujahrsaufruf
ver=
öffentlicht, in welchem er auf die Rückwirkungen der
Neugeſtal=
tung im Reich vor allem auch auf das Auslandsdeutſchtum
hin=
weiſt:
„Die neugeſtaltenden Kräfte haben in den außendeutſchen
Ge=
bieten das Bewußtſein geſchaffen, daß das Neue Reich nicht mehr
den Staatsbürger, ſondern den Volksgenoſſen als Deutſchen
wer=
tet, daß der Reichsdeutſche im In= und Ausland kein
höherwerti=
ger Deutſcher mehr iſt gegenüber den durch geſamtdeutſche Schuld
oder allgemeindeutſches Schickſal zu fremden Staatsangehörigen
gewordenen deutſchen Volksgenoſſen im Ausland. Die alte
Ueber=
heblichkeit der reichsdeutſchen Staatsbürger, die die volksdeutſchen
Brüder in der Zeit des liberaliſtiſchen Staatsbürgerdenkens ſo oft
mit Recht verletzt hat, wird gebrochen, der erwachte Volksgenoſſe
reichsdeutſcher Staatsangehörigkeit findet im verfolgten
Schick=
ſalsbruder in fremder Staatlichkeit ſeinen Staatsgenoſſen wieder,
weil er Blut und Boden, Sprache und Brauchtum, Mythos und
Art als die entſcheidenden Grundlagen des Deutſchſeins erkannt
hat. Die daraus entſpringende ſeeliſche Kraft wird größer ſein
als die ihnen durch die Fremden auferlegte Not. Und mit Stolz
ſprechen ſie wieder von ihrem Deutſchland, das aus ihrer Art
geformt zu ihren Seelen ſpricht.
Natürlich hat dieſes neue Werden innerhalb des
Auslands=
deutſchtums auch mannigfache Reibungen und Spannungen
er=
zeugt. Ich bin aber froher Zuverſicht, daß der idealiſtiſche und
reine Sinn unſerer Jugend, die das Neue ſtärkſtens trägt, auch
die nötige Achtung hegt vor der Lebensleiſtung und der wichtigen
politiſchen Erfahrungsreife bisheriger Führer! Reine werden zu
Reinen ſich finden, und die Kräfte werden ſich meſſen nur in
Leiſtungsfähigkeit und Hingabe für das Leben der Gemeinſchaft
unſeres Volkes.”
Dem volksdeutſchen Arbeitskreis im Reiche ruft Dr.
Stein=
acher zu:
„Wenn wir im neuen Jahre wieder an die Arbeit gehen,
dann müſſen wir uns in jedem Augenblick bewußt ſein, daß
ge=
rade wir, die wir in beſonderer Verantwortung ſtehen, eine der
wichtigſten und grundlegenden Forderungen der geſamtdeutſchen
Neugeſtaltung zu erfüllen haben. Im kommenden Jahre wird die
volksdeutſche Betrachtungsweiſe der inneren und
äußeren Entwicklung ſich noch ſtärker durchſetzen als im Jahre
1933, das noch in der praktiſchen Geſtaltung des Umbaues ſtark
durch die unmittelbaren Tageserforderniſſe beherrſcht wurde. Je
mehr Volk und Volkstum ſich als Grundelement aller
Lebens=
erſcheinungen geltend machen, um ſo ſtärker werden auch die
in=
neren Kräfte wirken, die den „Durchbruch zur Nation”
be=
deuten und die Welt daran gewöhnen, daß wir trotz aller
tren=
nenden Staatsgrenzen, trotz aller Verfolgungen, Schmähungen
und Intriguen ein großes deutſches Volk ſind.”
Reichspräſident von Hindenburg empfing aus Anlaß des
Ge=
denktages des 100jährigen Beſtehens des Deutſchen Zollvereins
den Präſidenten des Rechnungshofes, Staatsminiſter Saemiſch.
und den Profeſſor Geheimrat Dr. Oncken, die ihm unter Hinweis
auf die Bedeutung dieſes Gedenktages die von der Friedrich Liſt=
Geſellſchaft herausgegebenen Akten=Publikation „Vorgeſchichte
und Begründung des Deutſchen Zollvereins” überreichten.
Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher
Anteil=
nahme beim Heimgang unſerer teuren Mutter,
Großmutter, Urgroßmutter, Schwiegermutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Klara Eliſabeth Braun
geb. Wolf
ſei allen auf dieſem Wege recht herzlichſt gedankt.
Beſonderen Dank Herrn Pfarrer Heß für die
troſtreichen Worte am Grabe und für die
zahl=
reichen Blumenſpenden und allen denjenigen,
die ihr die letzte Ehre gaben.
(162
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Statt Karten.
Dankſagung.
Für die liebevolle Anteilnahme beim
Heimgange meines lieben Mannes ſage
ich meinen innigſten Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Mathilde Kahſer, geb. Zernin.
Darmſiadt, den 31. Dezember 1933.
Dankfagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Anteil=
nahme beim Heimgang meines lieben Mannes
und Vaters
Herrn Karl Schmitt
ſei allen recht herzlich gedankt. Befonderen
Dank Herrn Pfarrer Berger für die
troſt=
reichen Worte, den Polizeibeamten (
Geſangs=
abteilung), dem Reichstreubund und den
Kameraden des Stahlhelms für die letzte
Ehrung, ſowie für alle Blumen= und
Kranz=
ſpenden.
Frau Schmitt und Kind.
Darmſtadt, den 3. Januar 1934.
Arheilger Straße 53.
Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die herzliche Anteilnahme und die ſchönen
Kranzſpenden bei dem Heimgang meineslieben
Mannes und unſeres Vaters
Theobald Bauer
Obereichmeiſter i. R.
danken wir von Herzen. Ganz beſondern Dank
den Herren Eich=Beamten für die
Kranznieder=
legung und den Nachruf.
Frau Lina Bauer Wtw., geb. Maurer
und Kinder.
(173
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Mittwoch, 3. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 2 — Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, den 3. Januar 1934.
Penſionierung als nakionale Taf.
Unter beſonderer Würdigung des im nationalen
Inter=
eſſe bekundeten Opferſinns traten weiter, folgende
Be=
amten in den Ruheſtand:
Direktor Heinrich Schäfer in Darmſtadt,
Berufsſchullehrer Karl Hofmann in Büdingen,
Techniſche Lehrerin Sophie Stautz in Darmſtadt,
Techniſche Lehrerin Betty Horſt in Darmſtadt,
Techniſche Lehrerin Emma Simmer in Darmſtadt,
Techniſche Lehrerin Doris Anton in Darmſtadt,
Techniſche Lehrerin Anna Balz in Worms.
Techniſche Lehrerin Katharina Stein in Mainz,
Berufsſchullehrerin Thereſe Dorth in Mainz,
Direktor Dr. Friedrich Ritter in Mainz
Gewerbeſtudienrat Bernhard Berger in Offenbach a. M.,
Berufsſchullehrer Joſeph Max Bihlmaier in Mainz,
Berufsſchullehrer Johann Carra in Offenbach a. M.,
Berufsſchullehrer Karl Bopp in Nidda,
Techniſche Lehrerin Sophie Anthes in Gießen,
Berufsſchullehrer Karl Joſeph Kinsberger in Mainz.
Der Abſchied der vorgenannten Beamten iſt nach
unſerer Verfügung vom 8. Mai 1933 — K.M. IV. 20849 —
mit einer würdigen Feier zu umrahmen.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1933.
Heſſiſches Staatsminiſterium. — Miniſterialabteilung
für Bildungsweſen, Kultus, Kunſt und Volkstum.
Ringshauſen.
Aufforderung.
Hiermit werden ſämtliche heſſiſchen Vereine, die öffentliche
Veranſtaltungen durchführen. (Vorträge, Konzerte, Weihnachts=
und andere Feiern, karnevaliſtiſche Sitzungen, Kurſe, Sport= und
andere Wettkämpfe. Geſangs= oder Theaterdarbietungen uſw.) und
die Oeffentlichkeit zur Teilnahme einladen, aufgefordert, bei der
Reichspropagandaſtelle Heſſen in Darmſtadt, Staatsminiſterium,
Adolf=Hitler=Platz 2, folgende ſchriftlichen Angaben zu machen:
1. Name des Vereins.
2. Genaue =Anſchrift des Vereins.
3. Zweck des Vereins.
4. Zahl der Mitglieder.
gez. Trefz,
Leiter der Reichspropagandaſtelle Heſſen.
Bekannkmachungen des Perſonalamkes.
In den Ruheſtand tritt: der Gendarmeriekommiſſar Otto
Morſcheck in Alzey auf Grund des Art. 14 des
Polizeibeamten=
geſetzes vom 31. März 1928 mit Wirkung vom 1. Januar 1934.
Neue kommiſſariſche Bürgermeiſker u. Beigeordnete
Das Perſonalamt des Heſſiſchen Staatsminiſteriums gibt
bekannt:
Die nachſtehenden Bürgermeiſter und Beigeordneten wurden
kommiſſariſch in ihr Amt eingeſetzt:
Calbach: Landwirt Karl Gerhard an Stelle des
zurückge=
tretenen Bürgermeiſters Bähr.
Hillesheim: Landwirt Philipp Wirthwein, ſeither
Bei=
geordneter, an Stelle des zurückgetretenen Bürgermeiſters
Trapp, und Landwirt Michael Räder an Stelle des
ſeit=
herigen Beigeordneten Philipp Wirthwein.
Klein=Rohrheim: Kommiſſariſcher Bürgermeiſter
Schnau=
ber, Gernsheim, an Stelle des Bürgermeiſters.
Ortenberg: Kaufmann Karl Schupp an Stelle des
zurück=
getretenen Bürgermeiſters Pfeifer.
Wintersheim: Landwirtſchaftlicher Kreisfachberater Theodor
Dettweiler an Stelle des ſeitherigen Beigeordneten Groh.
Der kommiſſariſche Beigeordnete Groh an Stelle des
zurück=
getretenen Bürgermeiſters Reinhard Dettweiler.
— Ruheſtandsverſetzung. Am 1. Januar 1934 iſt der erſte
langjährige Geſchäftsführer des Verbandes der
Betriebskranken=
kaſſen für Südweſtdeutſchland, Sitz Worms. Herr Georg
Oſter=
mayer, aus dem Dienſt des Verbandes ausgeſchieden. Mit
Oſter=
mayer ſcheidet der älteſte Verſicherungspraktiker Heſſens, vielleicht
wohl auch ganz Deutſchlands, aus dem Dienſt, denn bereits mit
dem Inkrafttreten des Krankenverſicherungsgeſetzes, am 1.
Dezem=
ber 1883 wurde er von dem damaligen Oberbürgermeiſter der
Stadt Worms mit der Durchführung der Krankenverſicherung in
der Stadt Worms beauftragt. Mit Inkrafttreten der
Krankenver=
ſicherung hatte er die Leitung der vier errichteten
Ortskrankenkaſ=
ſen, nämlich derjenigen für Fabrikarbeiter, für das
Nahrungs=
mittelgewerbe, für das Baugewerbe und das Bekleidungsgewerbe
ſowie der Gemeindekrankenverſicherung. Dieſe letztere wurde
ſpä=
ter aufgelöſt und an deren Stelle zuerſt noch eine
Ortskranken=
kaſſe für das Transportgewerbe errichtet, die dann alle unter dem
Namen „Allgemeine Ortskrankenkaſſe Worms” vereinigt wurden
Gleichzeitig wurde auch die Betriebskrankenkaſſe der Stadt
Worms errichtet, die von ihm mitverwaltet wurde. Mit der
Ge=
ſchäftsführung dieſer Kaſſen war auch gleichzeitig noch ein großer
Teil der Arbeiten der Aufſichtsbehörde, wie Reviſion der übrigen
in Worms beſtandenen Betriebskrankenkaſſen, die Bearbeitung
der Invalidenverſicherungsſachen verbunden. Nachdem er 1907
aus dem Dienſte der Ortskrankenkaſſe Worms ausgeſchieden war,
übernahm er bei der Gründung des Verbandes der
Betriebskran=
kenkaſſen die Geſchäftsführerſtelle. Hier konnte er ſeine reichen
praktiſchen Erfahrungen nutzbringend verwenden. Stets hat er die
Intereſſen des Verbandes und ſeiner Mitglieder gewahrt, ſo daß
er ſich der Wertſchätzung aller, die mit ihm dienſtlich zu tun
hat=
ten, erfreute. Nach einer über 50 Jahre langen erſprießlichen
Tätigkeit in der Sozialverſicherung ſcheidet er nun aus.
Hefſiſches Landestheater.
Großes Haus Mittwoch3. Januar Anf. 191. Ende 221 Uhr. Deutſche Bühne I.4
Der Kaufmann von Venedig. Preiſe 0.50—4.50 Miinnete
4. Januar Anf. 20, Ende gegen 23 Uhr. C11. Hänſel und
Gretel, hierauf: Die Puppenfee. Pr. 0.70—5.50 Freitag
5. Januar Anf. 191 Ende 221 D 10.
Der Kaufmann von Benedig. Preiſe 0.50—4.50 Kleines Haus Mittwoch
3. Januar Anf.20, Ende 22½ Uhr. D. Bühne k17, Zuſatzm. 9
König für einen Tag.
Preiſe 0.80—4.50 Donnerstag
4. Januar Anf. 19, Ende21½z. D. Bühne, 117 Gr. IIIu. I0
Pr. 0.70 — 3.80
Töchter Ihrer Exzellenz.
— Fünftes Sinfoniekonzert. Anton Bruckner ſchrieb ſeine achte
Sinfonie in den Jahren 1885/86, ihre endgültige Form gab ihr
der Meiſter erſt im Jahre 1890. Der große Sinfoniker verwendet
in dieſer Sinfonie, wie in der voraufgegangenen ſiebenten und der
folgenden neunten die ſogenannten Wagner=Tuben, deren dunkler,
voller Ton dieſes von Richard Wagner im „Ring des Nibelungen”
ſo wundervoll angewandten Inſtruments dem Orcheſterklang eine
ganz eigenartige Klangfärbung gibt. Die langſamen Sätze der
drei letzten Sinfonien Bruckners zählen zu dem großartigſten, was
je auf dem Gebiete des ſinfoniſchen Schaffens geſchrieben wurde.
Im erſten Teil des Programms für das am Montag, den 8.
Ja=
nuar, ſtattfindende fünfte Sinfoniekonzert hat Karl Friderich
die ſinfoniſche Dichtung „Pentheſilea” nach dem gleichnamigen
Trauerſpiel H. v. Kleiſts von Hugo Wolf vorgeſehen, deren
Erſt=
aufführung ſicher großem Intereſſe begegnen dürfte.
Die Familie — der Beruf der Frau!
Zur Ausſtellung „Geſunde Frau — geſundes Volk” vom 13. 1. bis 4. 2. 1934 in der Kunſthalle am Rheinkor.
Iſt das eine Idealforderung? Iſt das etwas
Neues?
Nein, das iſt lediglich die Feſtſtellung der
(aa.
Tatſachen. Von den 22½ Millionen erwachſener
Frauen in Deutſchland haben 49 Prozent, das
ſind 11 Millionen, Haushalt und Kindererziehung
FAMLIE:
als alleinigen Beruf; weitere 21 Prozent, 4,7
Millionen, ſind Hausfrau und darüber hinaus
noch aus irgend welchen Gründen — meiſt iſt
es die Not — außerhäuslich erwerbstätig.
Ledig=
lich 30 Prozent aller Frauen, das ſind 6,8
Mil=
lionen, ſind alleinſtehende Berufstätige,
Aller=
dings leben von dieſen wiederum die meiſten
noch innerhalb ihrer Familie, es ſind die noch
nicht verheirateten Töchter, die in Fabrik,
Ge=
ſchäft, Schreibſtube uſw. gehen.
Eine Zeitlang ſah es auch ſo aus, als ob die
„berufstätigen” Frauen ſich für etwas Beſſeres
hielten als die „nur Hausfrauen”. Gar die
ſtu=
dierte Frau glaubte eine ganze Klaſſe höher zu
ſtehen als die nicht ſtudierte Hausfrau. Nun, die
Frauen haben längſt eingeſehen, daß Hausfrau
zu ſein ein ernſter Beruf iſt, den man auch ge= (71.0) Miten
lernt haben muß. Und jetzt ſehen es wohl auch die
Männer ein. Wir ſagten, den man gelernt haben
muß! Es gehört nämlich eine Menge Wiſſen und Können dazu, einen
Haushalt gut zu führen und Kinder richtig zu ernähren und zu
erziehen. Soweit das durch eine Ausſtellung überhaupt möglich
iſt, vermittelt die Ausſtellung „Geſunde Frau — Geſundes Volk”
die hier nötigen Kenntniſſe. Im übrigen bringt ſie aber wenig=
ſtens die Anregung, zeigt, was alles an Kenntniſſen nötig iſt und
weiſt auch die Wege, wo ſie etwa in beſonderen Kurſen noch zu
erwerben ſind. Ja, in der Ausſtellung ſelbſt finden Schnellkurſe,
kleine und große Vorträge ſtatt, ſo daß ſie eine rechte
Volksaka=
demie für unſere Frauen genannt werden kann.
Zum 1. Heſſiſchen Juriſtenkag.
Der Fachleiter der Fachgruppe
Richter und Staatsanwälte des
BNSDJ.. Gau Heſſen.
Am 12. Dezember 1933 iſt der Deutſche Rechtsſtand als die
einheitliche Organiſationsform der deutſchen Juriſten feierlich
proklamiert worden. Alle Sonderverbände ſind aufgelöſt. In dem
ſtolzen Bewußtſein, nunmehr in die deutſche Volksgemeinſchaft
ein=
gegliedert zu ſein, ſtellt ſich die geeinte Juriſtenſchaft Heſſens am
6 und 7. Januar 1934 der Oeffentlichkeit vor. Wir deutſchen
Rich=
ter und Staatsanwälte ſtehen in vorderſter Front Durchdrungen
von der Hoheit unſeres Berufs wollen wir im Geiſte echter
deut=
ſcher Denkart und wahrhafter Gerechtigkeit ſelbſtloſe und
unpartei=
iſche Diener des Rechts ſein. Möge der erſte Heſſiſche Juriſtentag
dazu beitragen, Verſtändnis und Vertrauen zwiſchen Volk und
Juſtiz zu wecken und zu vertiefen.
gez. Dr. Kraell.
Der Fachleiter der Fachgruppe
Rechtspfleger des BNSDJ.,
Gau Heſſen.
An alle Rechtspfleger Heſſens!
Durch die Schaffung des neuen Deutſchen Rechtsſtandes hat
der Reichsjuriſtenführer, Staatsminiſter Di. Frank. die früher
unter den Dienern ds Rechts beſtandene Kluft überbrückt, der
Be=
griff des Juriſten hat durch den Zuſammenſchluß aller
Rechts=
diener eine Erweiterung erfahren. Hiermit iſt auch unter den
Dienern am Recht die entſcheidende Wendung herbeigeführt
wor=
den, die der Vertiefung des Volksgemeinſchaftsgedankens dienen
ſoll.
Uns deutſchen Rechtspflegern iſt die Aufgabe geſtellt,
mitzu=
helfen an der Erfüllung des Willens des Führers, wir ſind in
erſter Linie mitberufen, an der rechtlichen Unterbauung ſeiner
Politik tatkräftig mitzuwirken. Es iſt eines deutſchen Juriſten
und Beamten im Dritten Reich unwürdig, an dem Geſchehen
un=
ſerer Tage gleichgültig vorüberzugehen und im Zuſtand der
Tatenloſigkeit zu verharren.
Um dieſer Neugeſtaltung durch eine machtvolle Kundgebung
auch nach außen Ausdruck zu verleihen, hat der Gauführer im
BNSDJ. Gau Heſſen, zum Juriſtentag in Darmſtadt am 6./7.
Ja=
nuar 1934 aufgerufen. Zeigt durch Eure Teilnahme, daß Ihr
reſt=
los gewillt ſeid, freudigen Herzens an der Löſung der dem
deut=
ſchen Juriſten zugewieſenen Aufgaben mitzuhelfen.
Heil Hitler!
gez.: Schäfer.
Der Fachleiter der Fachgruppe
Wirtſchaftsrechtler des BNSDJ.,
Gau Heſſen.
Ich rufe alle Volkswirte, Betriebswirte, Wirtſchaftsprüfer
und alle die mit dem Recht verwurzelten, Berufsgruppen und
Amtsträger auf zum 1. Gautag des BNSDJ., Gau Darmſtadt. Es
iſt unbedingte Pflicht, an dieſer Gautagung in Darmſtadt am 6.
und 7. Januar 1934 teilzunehmen. Die Tagung iſt von äußerſter
Wichtigkeit, keiner darf ſich ausſchließen.
Heil Hitler!
gez.: Dr. Keidel.
Opfern heißk ſäen für eine beſſere Zukunfk!
Aufwärks aus eigener Kraft!
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die
Kirchenregie=
rung wurde Pfarrer Theodor Palmer zu Lindenfels auf ſein
Nachſuchen und unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte in den Ruheſtand verſetzt und dem Pfarrer Karl
Hart=
mann zu Schlierbach die evangeliſche Pfarrſtelle zu Lindenfels,
Dekanat Erbach, übertragen. Pfarrer Adolf Allwohn zu
Wahlen, Kreis Alsfeld, wurde mit der Führung der
Dekanats=
geſchäfte des Dekanats Alsfeld bis auf weiteres beauftragt.
Goldene Hochzeit feiern am 6. Januar 1934 Karl Emig
und Frau, Darmſtadt, Mauexſtr. 8.
— Weihnachtsfeier der Turnſchüler und Schülerinnen der
Turngemeinde Beſſungen 1865. Als prächtiger Strauß blühender
froher Jugend präſentierten ſich unſere Turnſchüler vor Beginn
der Turnfolge dem zahlreich erſchienenen Publikum. Zug um Zug
wechſeln die Kleinſten mit den Größeren und den Knaben ab,
man weiß nicht, was man mehr bewundern ſoll, die rührend
lieb=
lichen Singſpiele der Kleinſten (unter Frau Friedrich) oder die
Nachahmungsſpiele (Frau Wenner). Manches Mutterherz mag
ängſtlich geklopft haben bei den nachfolgenden manchmal
wag=
halſigen „Sprüngen am Federbrett‟ (Turnwart Becker), dem zur
anſchaulichen Abwechſlung ein anmutiger Volkstanz „Kikebuſch”
folgte. Unter ihrem Turnwart Wolf zeigten die Knaben ſchöne
ſchmiſſige Freiübungen, denen ſie ſpäter Schwünge und Sprünge
am Bock und Pferd folgen ließen. „Neckſpiele und Luftfahrten”
löſten ſchallende Heiterkeit aus, Bodenturnen als
Geſellſchafts=
übungen läßt Becker folgen und ſchließt die Turnfolge mit einem
von den älteren Mädels getanzten „Rheinländer, der eine
Sym=
phonie von Licht und Farbe, helle Begeiſterung auslöſte. Eltern
und Angehörige konnten ſich überzeugen, daß ihre Kinder in den
Händen bewährter Turnführer ſind, die ihr Beſtes daranſetzen,
ihrer hohen Aufgabe gerecht zu werden. Der 2. Teil der Folge
bringt zunächſt einen ſinngemäßen Violinvortrag von Herrn Koch.
Es folgte ein Spiel „Unter den Tannen” mit Chriſtkindlein und
Nikolaus. Den Schluß der etwas reichlichen Folge machte das
Märchenſpiel Die Gänſemagd”. Wir bewundern immer die
ſchönen Szenerien, die hier mit den einfachſten Mitteln gebracht
verden. Unterſtützt von ſeinem „Beleuchter” Geil, bringt Becker,
der Allerweltsmann, und Frl. Aßmuth, hier, bis aufs Tüpfelchen
durchgedacht, immer Neues. Gute Verteilung der Rollen, ſchöne
Gewänder und Ausſtattung, Lichteffekte und das ſprechende Pferd
„Fatada” brachten eine runde Leiſtung; ein ſchönes deutſches
Märchen”. Warme Anerkennung Paul Wolf, dem Begleiter der
Geſänge und Tänze, den Veranſtaltern des Abends „Glück auf” für
weitere Arbeit im neuen Jahr.
Zuſammenſchluß der Renkner geforderi!
Der Reichsbund deutſcher Kapital= und Kleinrentner, früher
Deutſcher Rentnerbund, bittet uns um Veröffentlichung folgender
Zuſchrift:
Zwölf Jahre lang ſteht der Deutſche Rentnerbund, jetzt
Reichs=
bund deutſcher Kapital= und Kleinrentner, im Kampfe um das
Rentnerverſorgungsgeſetz und damit um die Wiedergutmachung
des den ehemaligen Kapitalrentnern durch die Inflation
zuge=
fügten ſchreienden Unrechts. Seit 12 Jahren haben alle
Regierun=
gen Abhilfe verſprochen. Keine hat die Verſprechung eingelöſt,
keine hat ernſtlich an der Löſung der Rentnerfrage gearbeitet
Aber kaum ſechs Wochen, nachdem unſer Volkskanzler Adolf
Hitler die Regierung übernommen hatte, wurde unſere
Bun=
desleitung bereits vom Reichsfinanzminiſter und vom
Reichs=
arbeitsminiſter empfangen. In Verfolg dieſer Empfänge hat
un=
ſere Bundesführung zuſammen mit den zuſtändigen
Miniſterial=
ſtellen Vorſchläge zum Rentnerverſorgungsgeſetz ausgearbeitet, die
jetzt dem Reichsfinanzminiſter vorliegen. Wir dürfen gewiß ſein,
daß die nationale Regierung die Rentnerfrage in befriedigender
Weiſe löſen und uns in Kürze das langerſehnte
Rentnerverſor=
gungsgeſetz bringen wird.
Durch Anordnung des Beauftragten des Leiters der
Deut=
ſchen Arbeitsfront ſind alle Rentnervereinigungen unſerem Bund
unterſtellt wodurch die Zerſplitterung in den Reihen der
Rentner beſeitigt wird. Die unſerem Bunde nicht angehörenden
kleinen Vereine, die niemals etwas Erſprießliches leiſten konnten.
werden aufgelöſt. Jetzt iſt es Zeit für alle uns noch fernſtehenden
Kapitalrentner, ſich unſerem Bunde anzuſchließen, damit jeder
mitarbeitet an dem gemeinſamen Ziel und jeder Anteil hat an
den Früchten unſerer Arbeit. Wer nicht Mitglied iſt, verzichtet
damit freiwillig auf die Leiſtungen des Bundes.
Anmeldungen werden entgegengenommen und jede Auskunft
wird erteilt durch den Führer der Ortsgruppe Darmſtadt des
Reichsbundes deutſcher Kapital= und Kleinrentner, Herrn Carl
Hoffmeiſter, Landskronſtraße Nr. 40. Außerdem Sprechtage
im Geſchäftszimmer: Grafenſtraße 39, jeden Dienstag und
Frei=
tag von 15—18 Uhr.
Der Spater hilft aufbauen.
C Was das Verhalten jedes einzelnen Volksgenoſſen für den
Nutzen des Ganzen und den Aufſtieg unſerer Wirtſchaft bedeutei,
das hat in klarer Weiſe die ſeitherige Entwicklung ſeit
der Machtübernahme durch die nationalſozialiſtiſche Bewegung
gezeigt. Wenn die ganze Wirtſchaft gedeihen ſoll, ſo muß ſich jeder
Einzelne ſo verhalten, daß ein möglichſt großer Nutzen für die
All=
gemeinheit und damit ſchließlich auch für ihn entſteht. Ein Gebiet,
auf dem dieſes gemeinſame Intereſſe zwiſchen Volk und dem
ein=
zelnen Volksgenoſſen beſonders deutlich zutage tritt, iſt die Geld=
und Kreditwirtſchaft. Bei den umfaſſenden
Bemühun=
gen der Reichsregierung, Arbeit und Brot zu
ſchaffen, ſteht immer wieder die Frage der
Geldbeſchaf=
fung hierfür zur Erörterung. Sie iſt bisher gelöſt
wor=
den und wird auch weiter gelöſt werden. Außerordentlich
erleich=
tert wird jedoch das Ziel der Regierung, wenn jeder einzelne
Volksgenoſſe durch vernünftiges Verhalten in Gelddingen dazu
beiträgt, d. h. vor allem, wenn er jeden Betrag, den er nicht für
Käufe, Anſchaffungen uſw. benötigt, den berufenen
Kreditinſti=
tuten, wie z. B. den Sparkaſſen anvertraut, die dann mit dieſem
geſammelten Spargeld Kredite für Hausreparaturen uſw. geben
können.
Wie ſehr gerade die Reichsregierung die aufbauende Tätigkeit
des deutſchen Sparers würdigt, brachte vor kurzem
Reichs=
wirtſchaftsminiſter Dr. Schmitt in einem Vortrag vor
der Preſſe zum Ausdruck. Dr. Schmitt äußerte ſich dort wörtlich
wie folgt:
„Mit ihrer ganzen Autorität wird die Regierung
ſchützen, was der einzelne Volksgenoſſe in einem Leben von Arbeit
ſich für ſein Alter und für ſeine Kinder geſchaffen hat. In dieſem
Vertrauen wird das deutſche Volk zum Sparen und zur
Bildung neuen Vermögens angeregt werden. Das iſt das
beſte und in Wahrheit das einzige Mittel, um der deutſchen
Volkswirtſchaft aus eigener Kraft das für die Zukunft benötigte
Kapital zur Verfügung zu ſtellen und im übrigen auch der einzige
Weg, um den Preis für Leihkapital, den Zinsſatz natürlich zu
ſenken.”
Wenn jeder Volksgenoſſe, der dazu in der Lage iſt, hiernach
handelt und zu einer Stärkung des heimiſchen
Kapi=
talfonds nach Kräften beiträgt, wird das große Ziel der
Ueberwindung der Arbeitsloſigkeit außerordentlich gefördert. Es
iſt auch nicht ſo, wie man noch immer hier und da hören kann, daß
durch eine geſunde Spartätigkeit die Kaufmöglichkeiten des
Publi=
kums beeinträchtigt würden. Einmal wird ja das Geld bei den
Sparkaſſen nicht in den Treſor eingeſchloſſen, ſondern geht als
Kredit in den Mittelſtand heraus, wo es ſich in Löhne uſw., auch
Kaufkraft verwandelt. Ferner kommt aber die
Spartätig=
keit auch der Geſchäftswelt zugute, wie deutlich die
dem=
nächſt einſetzenden Inventurverkäufe zeigen. Denn viele
Volks=
genoſſen, die bei dieſer Gelegenheit ihren Bedarf an Wäſche uſw.
befriedigen, können dies nur, weil ſie ſich eben im Laufe des
Jahres den erforderlichen Betrag bei der Sparkaſſe zurückgelegt
haben.
Der Kurzſtreckentarif. Die Heſſiſche Eiſenbahn=A.=G.,
Darmſtadt, teilt mit daß der ab 1. Oktober 1933 verſuchsweiſe
eingeführte Kurzſtreckentarif, wonach der Preis für 2 Teilſtrecken
10 Pfg., der für 3 Teilſtrecken 15 Pfg. beträgt, verſuchsweiſe auf
weitere 3 Monate bis zum 31. März 1934 beibehalten wird. Die
in den letzten drei Monaten eingetretene Verkehrsbelebung die
ſowohl auf die Tarifſenkung, als auch auf die Beſſerung der
Wirt=
ſchaftslage zurückzuführen iſt, läßt noch keinen endgültigen Schluß
zu, ob dieſe die dauernde Beibehaltung des billigen
Kurzſtrecken=
tarifes rechtfertigt. Erſt nach Ablauf von weiteren drei Monaten
bis 31. März 1934 ſoll entſchieden werden, ob der 10=Pfg.=Tarif
für die Folge beſtehen bleibt, ſo daß der Bevölkerung Darmſtadts
bis dahin noch Gelegenheit gegeben iſt, durch entſprechende
Be=
nutzung der Straßenbahn hierauf einwirken zu können.
— Taubſtummengottesdienſt. Sonntag, den 7. Januar,
nach=
mittags 2,30 Uhr, findet im Gemeindehaus der Kiesſtraße
Taub=
ſtummengottesdienſt ſtatt. Wegen Fahrtausweis wendet man ſich
an Pfarrer Heß. Hügelſtraße 6.
Seite 6 — Nr. 2
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 3. Januar 1934
Die Polizei meldet:
Verlängerung der Verordnung über die Polizeiſtunde für
Eis=
dielen. Der Herr Staatsminiſter hat durch Verordnung vom 28.
12. 1933 (Reg.=Bl. S. 143), wonach die Polizeiſtunde für Eisdielen
auf 22 Uhr und für Trinkhallen und Getränkewagen (Kioske und
Selterswaſſerhäuschen uſw.) vom 1. April bis 30. September auf
22 Uhr und für die übrige Zeit auf 19 Uhr feſtgeſetzt iſt, bis 31.
12. 1934 verlängert.
Vermißt. Seit 26. Dezember 1933 wird die 21jährige Ehefrau
Margarethe Drucktenhengſt, geb. Rhein, aus Hofheim im Ried
vermißt. Beſchreibung: Etwa 1,70 Meter groß, ſchlank, ſchmales,
blaſſes Geſicht, tiefſchwarzes Haar, ſchwarze Augen, großer Mund,
geſunde Zähne. Sie trug roſenfarbiges Kleid mit grünem
Weſten=
einſatz, dunkelroten, zweireihigen Mantel mit grauem Pelz, gelbe
Kragenſtiefel, gelbe Strümpfe, gelbe, gefütterte Lederhandſchuhe
und roten Filzhut. Da die Vermißte ſchwermütig iſt, wird
Frei=
tod vermutet. Sie iſt ſchonend anzuhalten.
Ein rabiater Menſch! Am Dienstag nachmittag wurde der 33 Arbeiter Heinrich Kinz aus Darmſtadt von der Polizei
feſtgenommen und in Sicherheitsgewahrſam gebracht. Der
Feſt=
genommene hatte in ſeiner Wohnung buchſtäblich alles kurz und
klein geſchlagen und ſeine Ehefrau mißhandelt. K., der bei ſeiner
Feſtnahme tobte und ſchrie, konnte nur mit Mühe gebändigt
werden.
Verkehrsunfall. Ecke Hermannſtraße und Heidelberger Straße
fuhr ein Radfahrer gegen einen Straßenbahnwagen und wurde
verletzt.
Verſuchter Raubüberfall. Am 1. Weihnachtsfeiertag wurde
ein ältere Mann aus Arheilgen, der ſeine Tochter in ihre
Woh=
nung begleitet hatte, in der Nähe von Kranichſtein von zwei
Burſchen angefallen und ein Raubüberfall auf ihn verübt. Nur
ſeiner Geiſtesgegenwart, daß er ſein Taſchenmeſſer zog und wie
einen Revolver auf die Burſchen hielt, hat der Ueberfallene zu
verdanken, daß er vor weiterem Schaden bewahrt blieb.
Beſchrei=
bung der Täter: Der erſte Täter iſt etwa 1,75 Meter groß,
unge=
fähr 35 bis 38 Jahre alt, der zweite Täter etwa nur 1,68 Meter
groß. Beide waren ſchlecht angezogen, trugen graue Kappen und
waren mit Schalen vermummt. Wer kann über die Räuber
An=
gaben machen?
Diebſtähle. Während der Veranſtaltung des Heſſiſchen
Fecht=
vereins „Waiſenſchutz” am Neujahrstag wurde aus dem
Bühnen=
umkleideraum aus Kleidern ein Portemonnaie mit 6,60 Mark und
50 Pfennig geſtohlen.
Am 31. Dezember wurde aus dem Hauſe Ibel u. Lotz in der
Eliſabethenſtraße eine Aktentaſche mit Badeanzug und einem
Mani=
kurkaſten geſtohlen.
Am 30. Dezember aus der Neuen Trainkaſerne ein
ſchwarz=
weißer Stallhaſe (belgiſcher Rieſe).
Wer hat bei den Diebſtählen Beobachtungen gemacht?
Aus der NSDAP.
Der Kreisleiter, Pg. Zürtz, teilt mit:
Ortsgruppe 7.
Die Ortsgruppe 7 benennt ſich ab 1. 1. 1934 nicht mehr
„Martinsviertel”, ſondern „Gutenberg”.
Für die Pg. der Ortsgruppe 7 ſind ab 1. Januar 1934 jeden
Mittwoch von 7—8 Uhr abends Sprechſtunden im
Martinsglöck=
chen angeſetzt.
Desgleichen finden die Geſchäftsſtunden der SA.=
Hilfs=
kaſſe ab 1. Januar 1934 im Martinsglöckchen (Riegerplatz)
ſtatt, und zwar Mittwochs und Freitags von 6.30 bis 8 Uhr
abends. Außerdem vom 10. bis 15. jeden Monats täglich um
dieſelbe Zeit.
Ortsgruppe 9 (Mitte).
Am Dienstag, dem 9. Januar 1934, um 20.30 Uhr, findet
im Saale der „Krone”, Brauerei=Ausſchank, Schuſtergaſſe 18, ein
Schulungskurſus der Ortsgruppe ſtatt. Es ſpricht Pg.
Kreisſchulungsleiter Borchert.
Der Zweck unſerer Bewegung iſt nicht, nur ihr Mitglied
zu ſein, ſondern verpflichtet, ſich zu ſchulen, um in der
Idee unſeres Führers und ſeinem Kampf für eine beſſere
Zu=
kunft aufzuwachſen. Jedes Mitglied iſt verpflichtet, zu
die=
ſem Abend mindeſtens einen Gaſt mitzubringen.
Kreisleitung Groß=Gerau. Geſchäftsſtelle: Kirchſtraße 4. Tel. 99.
Schulungskurſe finden ſtatt:
Am Mittwoch, dem 3. Januar 1934, in Dornheim. Kelſterbach,
Königſtädten, Walldorf, Wallerſtädten, Wolfskehlen;
am Donnerstag, dem 4. Januar, in Biebesheim, Dornberg,
Raunheim;
am Freitag, dem 5. Januar, in Bauſchheim, Büttelborn,
Klein=Gerau, Nauheim Trebur, Worfelden;
am Sonntag, dem 7. Januar, in Geinsheim.
*Nur nicht nervbs!
Wer Erfolg haben will, darf in kritiſchen Augenblicken nicht
die Nerven verlieren. Das iſt eine Binſenweisheit, die aber immer
wiederholt werden muß, denn die Menſchen haben ſich daran
ge=
wöhnt, jegliches Verſagen, bei Unluſt und Unſicherheit, bei Angſt
und Zweifel ihre ſchwachen Nerven anzuklagen und ſich als die
ſchuldloſen Opfer der Allerweltskrankheit Nervoſität anzuſehen.
Wie man ſeit einigen Jahren jeden Schnupfen oder Katzenjammer
als Grippe bezeichnet, ſo hält man ſich bei jeglichem ſeeliſchen
Un=
behagen für nervös, alſo für krank. Nervoſitätiſt aber gar
keine Krankheit, ſondern ebenſo wie das
eben=
falls viel mißbrauchte Wort hyſteriſch, ein
Zu=
ſtand, eine Art, ſich zu verhalten, eine
Reak=
tionsweiſe.
Nervös kommt von dem anatomiſchen Begriff Nerv.
Urſprüng=
lich bezeichnete Nerv aber nicht jene Leitungsbahnen, die Reize
vom Gehirn und Rückenmark zu den Muskeln oder umgekehrt
Haut= und Sinnesreize von der Haut und Sinnesorganen zum
Zentralorgan leiteten, ſondern Nerv hieß ſoviel wie Sehne. Man
ſpricht in dieſem Sinne auch heute noch von einer nervigen Fauſt
und meint damit eine kräftige, ſtarke Fauſt. Solche nervige Fauſt
wollen wir gern gelten laſſen, aber die übertragene Bedeutung
nervös die wir dem franzöſiſchen nerveux entnommen haben, iſt
bedenklich. Wir brauchen nervige Menſchen, um unſer Volkstum
wieder aufzubauen und nicht „nervöſe” Zimperlinge. Nur nicht
nervös” ſoll die Parole ſein, die uns zu Tat und Leiſtung
an=
ſpornt. Wir wollen nicht müde werden im Kampf gegen unſere
menſchlichen Schwächen. Darin iſt aber auch die Erkenntnis
einge=
ſchloſſen, daß unſer Seelenleben Schwächen und Widerſprüche
ent=
hält, die uns Schwierigkeiten machen. Wir müſſen ſie kennen um
ſie zu überwinden, und ſo erhebt ſich die Frage nach dem Weſen
der Nervoſität.
Unſere Nerven ſind lebensnotwendige Teile unſeres Körpers,
die wichtige, unentbehrliche Arbeiten verrichten. Die Nerven des
Zentralnervenſyſtems, des Hirns und Rückenmarks, die
Empfin=
dungs= und Bewegungsnerven arbeiten beim körperlich geſunden
Menſchen glatt und reibungslos. Aber es gibt noch andere
Ner=
ven, deren Tätigkeit uns im Allgemeinen nicht bewußt wird. Sie
durchflechten den ganzen Körper und dienen dazu, die
Lebensvor=
gänge zu regulieren. Sie veranlaſſen unſere Blutadern, ſich zu
er=
weitern und verengen, laſſen uns erröten und erblaſſen, ſie
trei=
ben unſere Schweißdrüſen an oder hemmen deren Tätigkeit. Sie
ſind unſerem Willen nicht unterworfen, und doch ſtehen ſie in
in=
direkter Verbindung mit den Bewegungs= und
Empfindungs=
nerven. Sie ſtehen aber auch unter dem Einfluß der Hormone,
jener geheimnisvollen Drüſenſäfte, die von kleinen Organen
(Schilddrüſe. Nebennieren, Keimdrüſen uſw.) ins Blut
abgeſon=
dert werden. Sie klingen aber auch an, wenn wir Schreck, Luſt,
Freude, Liebe, Haß, Angſt empfinden. Bei dem einen Menſchen
genügt ſchon ein ſchwacher Reiz, um ſie in Schwingungen zu
ver=
ſetzen, beim andern ſprechen ſie nur ſchwer und langſam an, je
nach Temperament und Stimmung. Es ſind alſo ſeeliſche Vorgänge,
die hier mitſpielen, und die Antriebskräfte der Seele ſind die
Triebe und Wünſche, die tief in unſerer Bruſt uns ſelbſt oft
un=
bewußt wirken und walten. Darüber herrſcht aber noch eine
höhere, veredelnde Kraft, das Sittengeſetz, das durch Vorbild und
Erziehung gebildet und geformt worden iſt und die chaotiſche
Kraft des Trieblebens bändigt. Aus ihr entſpringt das,
was wir Selbſtbeherrſchung nennen. Sind dieſe
Kräfte im Gleichgewicht, ſo entſteht eine nervöſe Perſönlichkeit,
die, mag ſie nun ein erregbares oder ruhiges unbewußtes
Nerven=
ſyſtem haben, immer wieder zu einem Ausgleich kommt.
Wenn wir nervös werden, ſo können wir vielleicht
nichts dafür. Unſere Eltern und Voreltern hatten vermutlich ein
ähnliches Temperament, und jeder Menſch hat Zeiten im Leben,
die ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Aber wir dürfen nicht
nervös bleiben. Wir dürfen nicht zum Sklaven unſerer
Schwäche werden und die Nervoſität zu einer Maſſenentſchuldigung
für jede Unbeſonnenheit. Dummheit, Haltloſigkeit oder
Unfähig=
keit werden laſſen.
Der ſeeliſch Kranke hat Anſpruch auf unſere Teilnahme und
unſere kameradſchaftliche Hilfe, wie jeder andere Kranke und
Leidende. Aber ſind wir wirklich ſeeliſch krank, wenn wir
Unbe=
hagen empfinden, ſobald uns etwas gegen den Strich geht oder
wir mit Unluſt an eine notwendige Arbeit gehen? Die Nervoſität
des Durchſchnittsmenſchen beruht nicht auf Ueberarbeitung oder
nervöſer Erſchöpfung, ſondern meiſt auf ſchlechter Laune oder
mangelndem Selbſtvertrauen. Wenn wir erſt einmal ſo viel Mut
aufgebracht haben, um uns dieſe perſönliche Schwäche
einzuge=
ſtehen, ſo haben wir die Nervoſität ſchon zu fünfzig Prozent
über=
wunden. Dazu brauchen wir nicht die Zähne zuſammenzubeißen
oder ein wildes energiſches Geſicht zu machen. Das iſt nur
ver=
drückte Nervoſität. Auch der ſogenannte ſtarke. Wille ſchafft es
nicht, ſondern nur der gute Wille. Unſer ſeeliſches Handeln muß
von geſunden ſtarken Ideen getragen ſein, dann gelingt uns auch
die große Tat.
Anderſeits iſt es auf die Dauer nicht möglich, gegen einen
unüberwindlichen Widerſtand anzulaufen. Wer vor Aufgaben
ge=
ſtellt wird, denen er nicht gewachſen iſt, muß verſagen. Man kann
nicht mit dem Kopf durch die „Wand, und allzu ſtarke Reibungen
zermürben auch den geſundeſten Menſchen. Der Kaufmann wird
nervös, wenn er merkt, daß ſeine Mittel und ſeine Kraft nicht
reichen, ſeine Ware nicht konkurrenzfähig iſt. Er will durchhalten,
kann aber nicht. So wird er nervös. Die Künſtlerin wird hyſteriſch.
wenn ſie merkt, daß eine andere mehr Erfolg hat als ſie. Das
leidet ihr Stolz, bzw. ihre Eitelkeit nicht. So wird ſie lieber ein
ſchuldloſes Opfer ihrer Schwäche als eine beſcheidene Dienerin
der Kunſt im Rahmen ihres Könnens.
Wenn wir uns nicht mehr ſo wichtig nehmen
und nur bereit ſind, unſere beſcheidenen Kräfte
voll und ganz in den Dienſt einer Idee zu ſtellen,
werden wir auch nicht nervös.
Dr. Georg Kaufmann.
Gedenket der hungernden Bögel!
Wenn Schnee und Eis die Erdoberfläche bedecken und die
Nah=
rungsquellen unſerer gefiederten Freunde verſchließen, muß eine
zweckmäßige Winterfütterung einſetzen, um den Vogelbeſtand nicht
allzu ſehr einſchmelzen zu laſſen. In anerkennenswerter Weiſe
haben Darmſtädter Samenhandlungen und Zoologiſche
Spezial=
geſchäfte, die Firmen Konrad Appel, Darmſtadt, Bismarckſtr. 61,
Darmſtädter Vogelhaus. Darmſtadt, Schulſtraße Ecke Kirchſtr. 27,
Zoo=Erdmann, Darmſtadt, Rundeturmſtr. 16, Fritz Hufeld,
Darm=
ſtadt, Müllerſtr. 39, Drog. Steinhäuſer, Darmſtadt, Mühlſtr. 78,
dem Fachämt Tierſchutz unentgeltlich Winterfutter für die
Vogel=
welt zur Verfügung geſtellt. Das Fachamt Tierſchutz iſt dadurch
in die Lage verſetzt, in den Randgebieten der Stadt verſchiedene
Futterſtellen zu unterhalten. Darüber hinaus iſt es Pflicht aller
Tierfreunde durch eifrige Fütterung der Not zu ſteuern. Die
ge=
fiederten Sänger in den Gärten und Anlagen werden im
Früh=
jahr die geringe Mühe durch eifrigen Geſang vergelten.
Fachamt Tierſchutz.
Brieftaſſen.
Jeder Anfrage iſt die ſetzie Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anſrogen waden
nſcht begntwortet. Die Beantiwortung erfolgt obne Nechtsverbindlichkelt.
T. K. Wenden Sie ſich an das Miniſterium für
Bildungs=
weſen, Kultus. Kunſt und Volkstum hier.
Der Sternhimmel im Januar 1934.
Von Günter Archenhold. Direktor der Treptow=Sternwarte.
Wir ſtehen an des Jahres Wende. Wieder
hat jene Naturkraft, die die Bewegungen der
Himmelskörper beſtimmt, und die von Newton
als weſensgleich erkannt wurde mit derjenigen,
die das Fallen aller Körper verurſacht, unſere
Erde einmal um die Sonne herumgeführt. In
der Geſchichte unſeres Planeten iſt nur eine
win=
zige Zeitſpanne verſtrichen, denn in ſeiner
Ent=
wicklung bedeutet ein Jahr noch weniger als eine
Sekunde im Leben des Menſchen. Dem
eindrin=
genden Streben des Forſchers hüllt ſich die
Ge=
burt der Erde noch immer in tiefes Dunkel. Wohl
wiſſen wir, daß ſie die heute noch in ihrem
In=
nern gewaltige Glutmaſſen enthält, wie die
übrigen Planeten ein Kind unſerer Sonne iſt,
und wir berechnen für ſie ein Alter von einigen
Milliarden Jahren. Welche gigantiſchen
Verän=
derungen ihres Ausſehens wird ſie in dieſer Zeit
durchgemacht haben, und wievielen Lebeweſen
mag ſie Wohnſtätte geweſen ſein!
Einen wie hohen Grad an Genauigkeit die
Kenntnis des allgemeinen Anziehungsgeſetzes für
die Vorausberechnung der Bewegungen der
Him=
melskörper vermittelt hat, erkennt man am beſten
an der großen Sicherheit, mit der Sonnen= und
Mondfinſterniſſe vorausgeſagt werden können.
Der Schrecken, der dieſen Erſcheinungen in alter
Zeit anhaftete, iſt ihnen dadurch genommen
wor=
den. Das Jahr 1934 bringt insgeſamt 2 Sonnen=
und 2 Mondfinſterniſſe, von denen jedoch nur die
erſte Mondfinſternis bei uns ſichtbar ſein wird.
Sie findet am 30. Januar abends von 17 Uhr
1 Minute bis 18 Uhr 24 Minuten ſtalt. Der
Mond geht an dieſem Tage bei uns gegen 16.30
Uhr auf, ſo daß wir das Ereignis in ſeinem
ganzen Verlauf verfolgen können. Die erſte
Ver=
dunkelung macht ſich am ſüdlichſten Punkt der
Mondſcheibe bemerkbar. Um 17 Uhr 42 Minuten
greift dann der Erdſchatten am meiſten in den
Vollmond hinein, und ein Neuntel ſeines
Durch=
meſſers iſt dann verdunkelt. Es handelt ſich alſo
in dieſem Falle um eine partielle Mondfinſternis.
Die nächſte totale Verfinſterung unſeres
Tra=
banten wird erſt am 19. Januar 1935 zu
beob=
achten ſein.
Der Sternhimmel leuchtet in den Abendſtunden in ſeinem
winterlichen Glanze. Nahezu im Süden ſteht das prachtvolle Bild
des Orion, deſſen Namen wir ſchon in der älteſten griechiſchen
Mythologie erwähnt finden. Es enthält einen der ſchönſten
kos=
miſchen Nebel. Schon im Opernglas vermag man ihn unter den
drei gleich hellen Gürtelſternen, im Schwerte des Orion. zu
erken=
nen. Wer ihn jedoch einmal in einem der rieſigen Inſtrumente,
z. B. in dem großen Fernrohr der Treptow=Sternwarte geſehen
hat, wird den Eindruck, den dieſe unendlich weit entfernte im
chaotiſchen Zuſtand befindliche Nebelwelt macht, nie vergeſſen
kön=
nen. Die drei Gürtelſterne des Orion weiſen in ſüdlicher Richtung
auf Sirius im Großen Hund, der uns in froſtklarer Nacht
durch ſein prächtiges Gefunkel erfreut. Für den Aſtronomen
be=
deutet allerdings das ſtarke Blinken der Sterne nichts Erfreuliches,
denn es zeigt ihm an, daß die irdiſche Atmoſphäre recht unruhig
iſt, wodurch er bei ſeinen Beobachtungen geſtört wird. Mit Hilfe
unſerer Sternkarte, die für den 1. Januar um 22 Uhr, 15. Januar
21 Uhr und 31. Januar um 20 Uhr gilt, wird man leicht die
übrigen Sternbilder des Januarhimmels aufſuchen können.
Es ſei noch erwähnt, daß während der ſpäten
Nachmittags=
ſtunden in den beiden erſten Dritteln des Monats ein heller Stern
am ſüdweſtlichen Himmel auffallen wird; es iſt der Planet
Venus, der vom Eintritt der Dunkelheit an anfangs noch bis
19.30 Uhr, Ende des Monats jedoch nur bis 18 Uhr in ſeinem
prachtvollen Glanze unſern Himmel ziert. Von den übrigen
Pla=
neten kann man zur Beobachtung nur noch Jupiter empfehlen,
welcher nach Mitternacht aufgeht und manchem, der morgens noch
vor Beginn der Dämmerung den Himmel betrachtet, durch ſeine
ſtrahlende Helle ins Auge fallen wird. Er wandert ein wenig
nördlich an dem hellen Stern Spika in der Jungfrau vorüber.
Der Mond ſteht zu Anfang des Monats noch nahezu in
vol=
lem Lichte. Am 15. Januar iſt Neumond, am 22. Erſtes Viertel
und am 30., dem Tag der Mondfinſternis, Vollmond.
Herrenloſe Tiere!
Die Vereinigung von Katzenfreunden ſchreibt uns:
„Bekanntmachungen des Heſſiſchen Polizeiamts”
Unter dieſer Ueberſchrift lieſt man zeitweiſe in den
Darm=
ſtädter Tageszeitungen eine größere Anzeige, in der zunächſt
ver=
merkt iſt, was alles gefunden wurde. Und zum Schluß der
An=
zeige lieſt man „Zugelaufen‟. Da erfährt der Leſer, daß ein
Dackel, ein Schäferhund, ein Fox, eine Katze uſw. bei der
Poli=
zei gelandet ſind, manchmal iſt auch ein Wellenſittich unter „
Zu=
geflogen” noch vermerkt.
Dieſe zugelaufenen Tiere kommen in das Tieraſyl des 5.
Po=
lizeibezirks in der Heidelberger Straße, wo ſie einige Tage (ich
glaube, 5 Tage ſind vorgeſchrieben) verweilen müſſen. Sind ſie
dann von ihren Beſitzern nicht abgeholt, ſo dürfen ſie getötet
werden. Die Polizei aber gibt ſich alle erdenkliche Mühe dieſe
mitunter wertvollen Tiere während dieſer Friſt anderweitig an
einen neuen Beſitzer zu bringen, da ihr das Tier zum
Getötet=
werden zu ſchade erſcheint. Während der 5 Tage jammern dann
dieſe Tiere naturgemäß nach ihren Herren und Herrinnen, ſie
rufen ſie ſtändig, aber in den meiſten Fällen hören dieſe ſie nicht
und wollen ſie auch nicht hören, da die Steuer der Hunde zu hoch
iſt und nicht mehr aufgebracht werden kann. Die Tiere werden
von ihren Beſitzern ohne Halsband und Marke ausgeſetzt und
wegbeſorgt, die Polizei muß nun in Funktion treten und ſich um
dieſe Tiere kümmern. Unverſtändlich will mir ſcheinen, wie
jemand ſein Tier ſo von ſich jagen kann. Warum hat ſich der
Be=
treffende überhaupt einen Hund angeſchafft, wenn er ihn ſo im
Stich läßt? Wäre es nicht bei weitem beſſer, wenn die
überflüſſi=
gen Tiere ſofort nach der Geburt getötet würden, ſtatt daß ſie ſo
enden?
Das gilt von Hunden wie von Kätzen, deren es zu viel gibt.
Wären nicht ſo viele vorhanden, ſo hätten wir auch weniger
Elend unter dieſen Tieren. Dann verblieben ſchließlich die
wertvollen Tiere, die zumeiſt von Leuten gehalten werden, die in
der Lage ſind, ſteuerlich nachzukommen.
Unter dieſen Tieren ſah ich öfters ſolche, die an ſich zu
neh=
men ſich jemand angelegen ſein laſſen ſollte, der ſich ein Tier
(Hund oder Katze) zulegen möchte. Da ſoll er noch kurz vor
Jahresſchluß ins Tieraſyl gehen und ſich ein Tier ausſuchen und
dieſes von ſeinem unſäglichen Leiden befreien. Es läßt ſich
ein=
fach nicht beſchreiben, wie ſpeziell die Hunde hier jammern und
leiden. Kluge Leute wenden ein, daß Menſchen auch leiden, was
richtig iſt, aber der Menſch kann ſich ſchließlich ſelbſt helfen, aber
die Tiere können ſich nicht helfen, ſie ſind auf die Menſchen
an=
gewieſen, denen ſie anhänglich, treu und dankbar ſind.
Wären die Hundeſteuern niedriger, wäre es um vieles beſſer.
Derzeit ſind beſonders ſchöne Tiere in Polizeigewahrſam. Wer
erbarmt ſich?
Reichsbund Volkstum und Heimat. Alle Bevölkerungskreiſe
unſerer Landſchaft zeigen an dem Reichsbund Volkstum und
Hei=
mat großes Intereſſe. Die Zahl der Anmeldungen beläuft ſich
be=
reits auf weit über Zehntauſend. Die Jugendzeitſchrift „Der junge
Heimatfreund” wird in mindeſtens 30 000 Exemplaren erſcheinen.
Im Hinblick darauf, daß in manchen Teilen unſerer Landſchaft die
Werbung für den Reichsbund erſt in den letzten Wochen eingeſetzt
hat, brauchen alle, die ſich bis zum 1. April 1934 anmelden,
eine beſondere Aufnahmegebühr nicht zu entrichten.
Vereins= und lokale Veranſtalkungen.
(Ohne Verantwortlichkeit der Schriftleitung.)
Kadenach, Darmſtadt. Mit Rückſicht auf den ſpäten
Zeitpunkt wird von einer Weihnachtsfeier am Mittwoch, den
3. Januar 1934, abgeſehen. Der nächſte kameradſchaftliche
Gemein=
ſchaftsabend findet am erſten Donnerstag im Monat Februar
ſtatt.
—Bund Königin Luiſe, Ortsgruppe Darmſtadt.
Mitt=
woch, den 3. Januar, abends 8 Uhr Pflichterſammlung bei Sitte.
Erſcheinen aller Kameradinnen iſt Pflicht.
Reichsbund ehem. Militärmuſiker,
Ortsver=
ein Darmſtadt, E. V. Wir machen unſere Mitglieder auf die heute
im Vereinslokal ſtattfindende Monatsverſammlung aufmerkſam
und erwarten ſtarken Beſuch.
— Vereinigung Fußa.=Regt. 3 (Gfz.) Es wird an
das erſte zwangloſe Treffen heute abend ab 19 Uhr bei Kamerad
Doll (Darmſtädter Hof) erinnert.
— Heimabende für ortsfremde junge
Mäd=
chen, Freundinnenheim, Sandſtr. 24, jeden Donnerstag, abends
8.15—10 Uhr: Zuſammenkunft. Jeden erſten und dritten
Mitt=
woch im Monat: Gymnaſtik, Leitung: Frl. Irmgard Pätzold.
Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat: Nähen und
Zu=
ſchneiden. — Wiederbeginn: Mittwoch, den 3. Januar: 8,30 Uhr:
Gymnaſtik, Donnerstag, den 4. Januar.
Tageskalender.
(Ohne Verantwortlichkeit der Schriftleitung.)
Union: „Die Nacht der großen Liebe‟. — Helia: „Großfürſtin
Alexandra” — Palaſt: Der Zarewitſch”
Reſi=Theater: „Glückliche Reiſe.
Mittwoch, 3. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 8)— Seite 7
Aus Heſſen.
Dg. Arheilgen, 2. Jan. Aus der NSDAP. Gemeinſam
mit der NS. Volkswohlfahrt und der Winterhilfe veranſtaltete
die Ortsgruppe Arheilgen der NSDAP. im Schwanenſaale eine
Weihnachtsfeier, zu der ſich auch die Herren Kreisleiter Zürtz,
Adjutant Reuter, Sturmbannführer Georg und ſonſtige
Ehren=
gäſte eingefunden hatten. Ein großer Weihnachtsbaum und auf
den Tiſchen brennende Weihnachtslichter ſchufen echte
weihnacht=
liche Stimmung. Herr Bürgermeiſter Birkenſtock als
Orts=
gruppenleiter begrüßte die Erſchienenen und ſprach kurz über das
deutſche Weihnachtsfeſt in der deutſchen Volksgemeinſchaft. In
wechſelreicher Folge wickelte ſich dann ein umfangreiches
Pro=
gramm ab, das neben muſikaliſchen Darbietungen der NS.=
Ka=
pelle, Prologen und anderem mehr auch zwei
Theateraufführun=
gen brachte, vom Bund deutſcher Mädchen und Parteigenoſſen
wir=
kungsvoll wiedergegeben. Auch der Geſangverein, Liederzweig”
hatte ſich in den Dienſt des Abends geſtellt und brachte einige
Chöre zu Gehör. Am Schluſſe des harmoniſch verlaufenen Abends
richtete Herr Beigeordneter Zeidler als Gruppenwalter der
NS. Volkswohlfahrt das Wort an die Anweſenden und ermahnte,
dem Winterhilfswerk auch in ſeinem zweiten Abſchnitt wieder
reiche Unterſtützung zuteil werden zu laſſen, um es erfolgreich zu
Ende führen zu können.
E. Wixhauſen, 2. Jan. In einer Verſammlung der hieſigen
Handwerker und Gewerbetreibenden, die zur Gründung einer
NS. Hago=Ortsgruppe angeſetzt war, ſprach zunächſt Herr
Amtsleiter Beyer=Arheilgen über Zweck und Ziel der NS. Hago
und erläuterte das Organiſatoriſche der NS. Hago. Alsdann
er=
nannte Herr Bayer Pg. Wilh. Lotz=Wixhauſen zum einſtweiligen
Führer der hieſigen Ortsgruppe. Es haben ſich in dieſen Tagen
über 30 hieſige Handwerker und Gewerbetreibende angemeldet,
ſo daß eine Ortsgruppe gebildet werden konnte. Wilhelm Lotz
beſtimmte Pg. Hch. Deucker zu ſeinem Mitarbeiter.
Eberſtadt, 2. Jan. Theaterabend Geſangverein
„Frohſinn” (1842) Bei ausverkauftem Haus geſtaltete ſich
der im Saale „Zum Bergſträßer Hof” (Peter) veranſtaltete
The=
aterabend für die Mitwirkenden zu einem großen Erfolg. Zur
Aufführung gelangte das heitere Volksſtück „’s Müllerſch
Lißl vunn Michlboch” mit Muſik und Geſang in 3 Akten
von Franz Schwalbach. Es führt uns zurück in das vorige
Jahr=
hundert, mitten hinein in den Odenwald — nach Waldmichelbach
— und ſpiegelt in prächtigen Farben jenes eigene Volkstum
unſerer Odenwälder Landsleute wieder, das uns nicht unbekannt
iſt, aber dennoch ergreift. Ourewäller Lieb, Handſtraich und
Hoch=
zichzugg ſind hervorſtechende Merkmale der Handlung, die im
übri=
gen durch eine Anzahl hübſcher Einzelſzenen und reizender
Ge=
ſänge ſcharf pointiert iſt. Die darzuſtellenden Perſonen fanden
durchweg kraftvolle Vertreter, in der äußeren Aufmachung ebenſo
wie hinſichtlich der geiſtigen Geſtaltung. Das Publikum war ſtark
befriedigt und ſpendete den Mitwirkenden — beſonders am Schluß
des glanzvoll geſtalteten dritten Aktes — herzlichen und
verdien=
ten Beifall.
— Eſchollbrücken, 2. Jan. Hohes Alter. Am 4. Januar
begeht Frau Johanna Lorch, Gattin des verſtorbenen
Zir=
kusbeſitzers Louis Lorch, in geiſtiger und körperlicher Friſche ihren
82. Geburtstag in ihrem Heim in Eſchollbrücken. Ihre Kinder,
die berühmte „Lorch=Familie”, können leider an dieſem Tag nicht
anweſend ſein, da ſie ſich zurzeit auf einer Gaſtſpiel=Tournee in
England befinden.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. Jan. Die Silveſternacht iſt
hier verhältnismäßig ruhig verlaufen. Das übliche
Neujahrs=
ſchießen hat faſt ganz aufgehört. Die Gaſtwirtſchaftsbetriebe
hat=
ten ſchon beſſere Geſchäfte geſehen. — Winterhilfe. Das
Er=
gebnis der am Silveſter= und Neujahrstag durchgeführten
Win=
terhilfeſammlung betrug 82 Mark einſchließlich des in der
Ge=
meinde Waſchenbach geſammelten Betrags.
G. Ober=Ramſtadt, 31. Dez. Aus Anlaß ihrer Goldenen
Hochzeit wurden den Eheleuten Konrad Burger 1. zahlreiche
Ehrungen zuteil. So erhielten ſie ein Glückwunſchſchreiben des
Herrn Reichspräſidenten, ein ſolches und zugleich ein Geldgeſchenk
des Heſſiſchen Staatsminiſters und der Evang. Landeskirche. Die
Glückwünſche der Gemeinde überbrachte Bürgermeiſter Jörgeling,
die der Kirche Pfarrer Nürnberger. Der Poſaunenchor ließ es
ſich nicht uehmen, dem Jubelpaar ein Ständchen zu bringen. Auch
Damen der Gemeinſchaft erfreuten mit mehreren Liedern.
U, Ober=Ramſtadt, 2. Jan. Silveſter. Zum letzten
Got=
tesdienſt im alten Jahre war unſere Kirche überfüllt. In
groß=
angelegter Predigt zog Pfarrer Nürnberger einen Vergleich
zwiſchen Silveſter 1932 und der Jetztzeit und kam auf all das
Große zu ſprechen, was wir als Volk und Chriſten im nun zu
Ende gehenden Jahre durch Gottes Fügung erleben durften. Der
Kirchengeſangverein wirkte in dieſer Feierſtunde mit. Die
Sil=
veſternacht nahm einen ruhigen Verlauf.
k. Dieburg, 2. Jan. Die Milchabſatzgenoſſenſchaft
tritt mit dem heutigen Tage in hieſiger Gemeinde in Kraft. Die
Milcherzeuger haben täglich zweimal ihre Milch an die
Sammel=
ſtelle abzuliefern. Der Hausverkauf von Milch iſt verboten.
Zu=
widerhandlungen gegen dieſe Anordnungen werden mit
Geld=
ſtrafe bis zu 300 Mark geahndet.
r. Babenhauſen, 2. Jan. Die Silveſternacht iſt hier
ruhig verlaufen. In einzelnen Gaſthäuſern fand bei Konzert
ge=
ſelliges Zuſammenſein von Vereinen ſtatt. Um die
Mitternachts=
ſtunde, als die Glocken unſerer altehrwürdigen Stadtkirche das
neue Jahr einläuteten, ſpielte unter dem im elektriſchen
Lichter=
glanze ſtrahlenden „Tannenbaum für alle”, die NS.
Flieger=
kapelle Choräle und flotte Märſche, während ſich zukunftsfrohe
Menſchenkinder bei dem Stelldichein auf dem Marktplatze ein
herzliches „Proſit Neujahr” wünſchten.
Cg. Reinheim, 2. Jan. Am Silveſterabend um 11.30
Uhr fand wieder in der Evangel. Kirche eine Jahreswendfeier in
der Vertonung von Br. Leipold ſtatt, die ſehr gut beſucht war. In
der Anſprache betonte Pfarrer Dr. Meiſinger, daß man in dieſem
Jahre doch viel getroſter in das neue Jahr ſchreite als im
vori=
gen Jahre, als in unſerem Vaterlande tiefe Nacht herrſchte.
Cs. Ueberau, 2. Jan. Arbeitsbeſchaffung. Seit
lan=
ger Zeit tragen wir uns in der hieſigen Gemeinde mit der
Chauſ=
ſierung der Brensbacher Straße nach den Hundertmorgen; dieſer
Punkt iſt nun ſoweit gediehen. Gleichfalls, werden die auf die
Brensbacher Straße auslaufenden Feldwege zum größten Teil
ſtückweiſe auch im Rahmen der Arbeitsbeſchaffung hergeſtellt.
Da=
mit wird unſeren Arbeitsloſen ein ſchönes Stück Arbeit und Brot
für einige Zeit ſichergeſtellt. Die Miniſterial=Forſtabteilung gab
ihre Genehmigung hierzu, daß zur Deckung der entſtehenden
Un=
koſten ein außerordentlicher Holzhieb in den Gemeindewaldungen
vorgenommen werden kann, der ſich auf zirka 250 Feſtmeter
be=
läuft und nicht wieder eingeſpart werden braucht. Die
anzufah=
renden Baumaterialien werden die landwirtſchaftlichen Betriebe
bereitwilligſt koſtenlos vornehmen, denn gerade für dieſe Betriebe
wird der Ausbau dieſes Projektes von großem Vorteil ſein. —
Ein überraſchender Schneefall herrſchte vorletzte Nacht bei
uns; auf den Rodelbahnen in unſeren Gemarkungen iſt reger
Betrieb.
Ev Mümling=Grumbach, 2. Jan. Der Turnverein hielt
ſeine Generalverſammlung ab. Nach drei Strophen des Liedes
„Ein Ruf iſt erklungen” wurde die Tagesordnung unter Leitung
des Führers Göttmann erledigt, der in ſeinem Bericht mit
deutlicher Schärfe die Arbeit ſeiner Fachwarte kennzeichnete. Die
einzelnen Fachwarte berichteten dann über die Arbeit, die in
ihren Gebieten im Jahre 1933 geleiſtet wurde. Eine gute
Betei=
ligung weiſt das Jugendturnen auf. Die Turnſtunden der Turner
müſſen im neuen Jahre beſſer beſucht werden. Der Dietwart klagt,
daß ſeine Tätigkeit auch unter der mangelhaften Beteiligung zu
leiden habe. Auch hierin muß es beſſer werden; denn ein echter
Turner im Jahnſchen Geiſte bildet nicht nur ſeinen Körper,
ſon=
dern auch ſeinen Geiſt. Dazu ſind die Dietabende da. Der
Spiel=
wart berichtet, daß zwei Mannſchaften beſtehen, die 25 Spiele
aus=
getragen haben, von denen 16 gewonnen, 8 verloren und 1
unent=
ſchieden geſpielt wurden. Die Spielſerie iſt noch nicht
abgeſchloſ=
ſen. Die Sportleute wurden durch einen Bericht aus der
Turn=
zeitung auf das Verhalten bei den Spielen hingewieſen. Der
Ver=
ein hat in der letzten Zeit ſein Gerätehaus am Turnplatz
aus=
beſſern laſſen, wodurch erhebliche Koſten entſtanden ſind. Zum
Werbe= und Preſſewart wurde der Turner Hch. Müller beſtimmt.
Nach dem gemeinſamen Geſang des Deutſchlandliedes ſchloß der
Führer die gutbeſuchte Verſammlung.
Er. Mümling=Grumbach, 2. Jan. In König hantierten einige
Jungen mit Feuerwerkskörpern. Der Sohn des
Fabri=
kanten Lutz von hier hielt einen Kanonenſchlag in der Hand. Bei
dem Entzünden wurde der Schüler, an der linken Hand verletzt.
Dr. Zimper verband den Verletzten; doch war die Verletzung ſo
ſchwer, daß die Ueberführung in das Eliſabethenſtift Darmſtadt
nößg war. Dort mußten ihm zwei Glieder des linken Zeigefingers
abgenommen werden.
*Die Wintervögel der befſiſchen Bauerngärten
Langſam beginnt es zu tagen. Der fahlgraue Himmel hellt
ſich im Oſten auf und das Dämmerlicht ſchleicht ſich in die
ver=
ſchlafenen Fenſterluken. Pferdegetrappel geht fernher über die
Straße, eilige Autos hupen noch halbverſchlafen und ſauſen
davon durch die dieſige Luft, und unter dem Hauſe poltert der
blecherne Laut angeſtoßener Milchkannen.
Aus den Dachritzen und Wandlöchern der alten Häuſer
kommen die Spatzen hervor, ſetzen ſich auf die Dachrinnen, mit
munterem „Schilp, Schilp” den Nachbarn guten Morgen wünſchend.
Dann fliegen ſie hinab auf die Straße, um das erſte Frühſtück
zu ſuchen, ſchütteln dann den letzten Schlaf aus den
Pluſter=
federn, beenden ihre Morgentoilette und machen dann ſchnell
einen kurzen Abſtecher hinter das Haus, um unter dem friſchen
Bodenreif noch ſchnell ein paar ausgefallene Unkrautſamen zu
erhaſchen.
Dann aber gehts ſpornſtracks zu den beliebten
Tummel=
plätzen, wo der neueſte Stadtklatſch ausgetragen wird, und es
die „Spatzen” von den Dächern pfeifen, daß es bei Schulzes
wieder einmal einen Ehekrach gegeben hat, daß die Müllerſche
ihre Nachbarin unter Zeugen eine dumme Gans geheißen und
dieſe nichts eiligeres zu tun hatte, als es ihrem Mann zu ſagen,
und daß Bruder Studio, der ſeit dieſem Semeſter bei Witwe
Bückdich wohnt, wieder einmal mit einem barbariſchen
Höhen=
rauſch nach Hauſe gekommen iſt. So geht der Morgen an, und
was wichtig iſt, das kommt zuerſt.
Mittlerweile iſt es völlig Tag geworden. Das graue
Häng=
gewölk, das tagelang den ſonſt froſtklaren Blauhimmel verhüllte,
ſeitdem der ſteife Nordoſt auf Nordweſten umſprang, iſt lichter
geworden, der Wind kommt wieder mehr von der Oberluftſeite,
und läßt die Sonne, die ſich tagelang hinter den niedrigen
Schleifwolken verbarg, für einen Augenblick zum Vorſchein
kommen. Und als gegen Morgen der Wind, der ſeither einige
Regengüſſe, vermiſcht mit Schlachſchnee, mitgebracht hatte, ſich
endgültig verlegt hatte, als die Pfützen, die auf den aus der
Stadt ins Land hinauslaufenden Wegen ſich vom
Schmelz=
waſſer und Regen gebildet hatten, allmählich glatt wurden und
danach ein einziges Milchglas bildeten, konnte man bemerken,
daß auf einmal auch eine Menge von Vögeln, die ſonſt ihr
Domizil das ganze Jahr über auf den benachbarten Feldern
aufgeſchlagen hatten, ſich faſt über Nacht, und ohne daß man’s
recht gewahr geworden wäre, in der Nähe der Ortſchaften
ein=
gefunden hatten und hier ſo ſelbſtverſtändlich taten, als wären
ſie allhier=ſchon von Anbeginn zu Hauſe geweſen.
In den Baumgärten hinter dem Hauſe haben ſich ganze
Scharen von Buchfinken niedergelaſſen, ihre nordiſchen Vettern,
die bunten zugewanderten Bergfinken in der Mitte, um ſich an
den Wegerichſamen, Mohnköpfen und Unkrautſtauden vor dem
Zaun gütlich zu tun.
Zu den immer anzutreffenden Wintergäſten aus dem
Vogel=
reich gehören in unſeren Gärten, Friedhöfen und Anlagen die
kräftigen, ſperlingsgroßen, dunkel grau=grünlich gefärbten
Grün=
finken. Solche Stätten mit abwechſelungsreichen Gebüſchgruppen
beſiedelt auch gerne der Blut= oder Grauhänfling, einer unſerer
beſten heimiſchen Singvögel. Ausgeſprochene Gartenvögel ſind
weiterhin im Gegenſatz zu ihrer früheren betonten
Waldheimlich=
keit unſere allbekannte Amſel, auch Schwarzdroſſel genannt, und
der Vogelzwerg unter unſeren unermüdlichen Winterſängern,
der Zaunkönig. Er ſchmettert ſelbſt im ſtrengſten Winter und
bei härteſtem Rauhfroſt ſeine Triller mit einer Lautſtärke
hin=
aus, die man dem kleinen Liliputaner gar nicht zutraut.
Selbſt=
verſtändlich haben ſich dort, wo Obſtbäume ſtehen, auch ſämtliche
Meiſenarten eingefunden. Vorneweg fällt uns die größte unter
ihnen auf, die häufig bei uns anzutreffende Kohlmeiſe, deren
ſchneeweiße Wangen luſtig aus dem blauſchwarzen Köpfchen
hervorleuchten. Ihre Unterſeite iſt ſchön gelb gefärbt, und von
der Kehle zieht ſich bis zu den Hinterleibsfedern ein
ſchwarz=
blauer Längsſtreifen über ihren Leib. Manchmal, wenn
Wind=
ſtille iſt, und die Sonne ſcheint wärmer als ſonſt, beginnen ſie
ſchon an ihrem melodiſchen Balzruf zu ſtudieren, der in ſeinem
Geläute eigentlich ſonſt nur dann in die Vorfrühlingsſtimmung
paßt, wenn die erſten Kätzchen ſchon etwas vorwitzig geworden
ſind. „Di dü, Dü, Didi, dü”, hört er ſich an. Auch ihre
Gevat=
terin, die zierliche, herrlich bunte, mit einer hellblauen
Kopf=
platte, laſurblauen Flügeln, dunkelblau eingefaßten weißen
Wangen und einer ſattgelben Unterſeite verzierte Blaumeiſe übt.
ſchon recht eifrig an ihrem Frühlingsliedchen und turnt dabei
munter mit lebhaft bewegtem Köpfchen an den Zweigen herum.
Zur Winterszeit läßt ſich zuweilen auch noch eine andere
Meiſen=
art in unſeren Gärten ſehen, nämlich die mit Vorliebe in den
Tälern mit fließendem Waſſer und Strauchvegetation
behei=
matete, unſcheinbar ſchwarz und grau gezeichnete und an der
Unterſeite mit einem weißlichen Anflug verſehene Sumpf= oder
Nonnenmeiſe, die aber auch gern an unſere ſtädtiſchen
Futter=
plätze kommt. — Endlich müſſen wir als letzte Meiſenart unſrer
Gärten noch die kleinſte, nämlich die niedliche Schwanzmeiſe
nennen. In den gertendünnen, herabhängenden Zweigen der
Bäume tänzeln dieſe kleinen Kobolde mit beſonderer Munter=
keit und ohne alle Scheu vor den davor ſtehenden Menſchen,
und ſie entwickeln eine Gewandheit dabei, daß es eine Luſt iſt,
mitzuzuſehen und das Hin= und Herhuſchen eine Zeitlang zu
betrachten. Meiſt kugeln ſie ſich förmlich, mit dem Kopf zu
unterſt, um die Zweige herum. Ihre kleinen Körperchen haben
eine richtige Kugelgeſtalt, aus der das Schnäbelchen kaum
her=
vorlugt, wogegen der neun Zentimeter lange Schwanz aber wie
ein Stiel aus dem nur vier Zentimeter langen Federbällchen
hervorſieht. Dieſes Ausſehen hat dem Tierchen auch im
Volks=
mund den charakteriſtiſchen Namen „Pfannenſtielchen”
ein=
gebracht.
Außer den bereits benannten Finken= und Meiſenarten
finden wir in unſren heſſiſchen Baumgärten auch noch andere
Vertreter dieſer umfangreichen Familie vor. Da muß zuvorderſt
noch der allbekannte, gut deutſch=öſterreichiſch gefärbte Stieglitz
oder Diſtelfink genannt werden, deſſen Köpfchen in den alten
und jetzt wieder zu Ehren gekommenen deutſchen Farben
ſchwarz=
weiß=rot gehüllt iſt und deſſen ſchwarze Flügel mit einem intenſiv
goldgelben Streifen gebändert ſind. Von Haus aus zwar mit
dem Wald verwachſen, aber neuerdings als Kulturfolger an
die Gefolgſchaft des Menſchen gebunden, iſt der in unſeren
Baumanlagen beheimatete Gimpel oder Blutfink zu uns
ge=
kommen. Seine ſchwarze Haube hat ihm auch den Namen
„Dompfaff” eingebracht. Auch er erfreut ſich wegen ſeines
bunten, unten ſchön kaminrot gezeichneten Gefieders, allgemeiner
Sympathien, und er ſowohl wie der zuvor genannte ſind
ge=
ſchätzte Käfigvögel der guten alten Vogelliebhaberei. Denn beide
haben außer ihrem farbenprächtigen Gefieder den Vorzug, leicht
im Käfig zu halten und zu zähmen zu ſein, und der Blutfink
ſteht allemal hoch im Anſehen, ob ſeiner Befähigung, als
Jung=
vogel einfache Liedchen aus dem reichen Schatze unſrer
Volks=
weiſen zu erlernen. Jedoch wird er andererſeits dann und
wann mit dem Beſitzer der Kulturgärten in Konflikt kommen,
da er die Untugend hat, im Vorfrühling mit Vorliebe die
Knoſpen junger Obſtbäume und Beerenſträucher zu verzehren
und dadurch recht merkbaren Schaden anzurichten.
Eine beſonders charakteriſtiſche Erſcheinung des
Unter=
wuchſes und der verdeckten Gebüſchgruppen iſt auch noch das
trauliche Rotkehlchen, der Vogel mit den ſamtweichen Rehaugen.
Zum Schluß ſei noch ein Blick auf die von Natur aus an
den Baumwuchs gebundenen Wintervögel geworfen. In erſter
Linie wird es ſich dabei um Angehörige der Spechtfamilie
handeln, die das grüne Jahr über allerdings mehr Wald= als
Gartenvögel ſind. Manche verlaſſen jedoch auch im dickſten
Winter nicht den Hochwald, woſelbſt ſie immer noch in den
riſſigen Borken und Morſchhölzern ihren Tiſch gedeckt finden,
oft aber kommen ſie auch zu uns in die Anlagen der Städte
und die Baumgärten der Dörfer, und ſtellen ſich hier dem
vogel=
freundlich geſinnten Naturfreund vor. Am meiſten vertreten iſt
der olivgrün gefärbte und mit einer karminroten Kappe
aus=
gezeichnete Grünſpecht, der ſich meiſt in den höchſten Baumkronen
aufhält und hier an den dickſten Aeſten herumhämmert, mitunter
aber auch den Ameiſenhaufen auf der Erde einen Beſuch
ab=
ſtattend. Wie faſt alle Spechte ſtützt er ſich bei ſeiner
Zimmer=
nannsarbeit auf ſeinen hartkieligen, zugeſpitzten Schwanz, und
ſucht nach einer Stelle am Aſte, die von Holzſchädlingen
irgend=
welcher Art befallen iſt. Bis heute iſt es noch nicht geklärt, auf
welchem Wege er ſich dieſe Kenntnis verſchafft, feſt ſteht aber,
daß er immer die richtige Stelle findet und ſofort mit ſeinenr
harten Schnabel zu hämmern beginnt, daß die Späne nur ſo
fliegen, wenn er auf die vorläufig noch völlig unſichtbaren und
lautlos arbeitenden Holzbohrer geſtoßen iſt. Durch ſein beim
Baumaufſchlagen entſtehendes Hämmern erregt er genau wie
ſeine Vettern, die bei uns ebenfalls nicht ſeltenen Buntſpechte
(großer, mittlerer und kleiner B.) die Aufmerkſamkeit der
vorübergehenden Spaziergänger. An den gleichen Orten treffen
wir endlich noch den Baumläufer an, der mit ſeinem langen,
dünnen, etwas gebogenen Schnabel die Inſekteneier meiſterlich
aus den Riſſen der Rinde herauszuholen vermag und der ſich oſt
in ensſter Nachbarſchaft mit einem höchſt merkwürdigen
Ver=
treter aus der Baumbogelkategorie ergeht, nämlich mit einenr
Vogel, der nicht Specht und nicht Meiſe iſt und der dennoch
klettert wie ein Specht und im übrigen ſo tut, als ob er eine
Meiſe wäre und darob kurzerhand „Spechtmeiſe” heißt. Auch
der Kleiber, wie man ihn ſonſt uoch genannt hat, iſt ein
farben=
ſchöner Vogel. Auf der Oberſeite iſt er ſchön ſchiefer= bis
blau=
grau, etwa wie der Ringeltäuber oder der verblaßte
Abend=
himmel gefärbt, unterſeits dagegen in gutem Kontraſt leuchtet
das Ockergelb mit roſtrotem Anflug. Wie faſt alle
baumbewoh=
nenden Vogelarten hauſt auch er im Sommer wie im Winter in
den vom Meiſter Specht zurechtgezimmerten Baumhöhlen, wobei
er aber — weiß der Himmel, warum, ſich immer ſolche
aus=
ſucht, die viel zu geräumig für ihn ſind und in deren Flugloch
er ſich vorkommen muß, wie ein kleines Kind in den Schuhen
eines Erwachſenen, kurz und gut, es iſt ſo ſeine Manie, und
ſo verklebt er allemal das Flugloch mit Lehm und wird dafür
vom Volksmund einfach „Kleber” oder „Kleiber” genannt.
As. Erbach, 31. Dez. Den Ehrenbürgern unſerer Stadt
überſandte die Stadtverwaltung als kleine Weihnachtsgabe, die
Ehrenbürgerbriefe. Den gut ausgeſtatteten Briefen lag ein
Schrei=
ben bei, in dem unſere Kreisſtadt bittet, dieſe kleine Gabe auf
den Weihnachtstiſch unſerer beiden oberſten Vertreter des
Rei=
ches legen zu dürfen. In ihrer einfachen und künſtleriſch
wert=
vollen Ausführung werden ſie ſicherlich eine kleine Freude
be=
reitet haben. Schrift und Zeichnung der Ehrenbürgerbriefe
fer=
tigte der bekannte Odenwälder Künſtler Georg Vetter=König
an. Als Zeichnung wurden zwei verſchiedene Motive des
Rat=
hauſes und der Stadtkirche gewählt. Die Briefe befinden ſich in
einem von der Firma Gg. Fr. Eichenhofer aus feinem
Ziegenleder angefertigten Ledereinband mit Goldaufſchrift.
Feſt=
gehalten werden ſie durch eine blau=rote Schnur, durch die die
Stadtfarben gekennzeichnet werden. Die beiden Schnurenden
füh=
ren durch ein als Siegel gedachtes Elfenbeinrelief mit den
be=
reits erwähnten Motiven. Angefertigt wurde das Erzeugnis der
heimiſchen Elfenbeininduſtrie von Herrn Bürgermeiſter
Lenz, deſſen Arbeiten gerade auf dieſem Gebiete den beſten Ruf
genießen. Form und Inhalt der Briefe ſind im Lichtbild
feſt=
gehalten und ſind zur Zeit bei Herrn Mader ausgeſtellt.
Pferderennen. Das Generalſekretariat der oberſten
Be=
hörde für Vollblutzucht und Rennen in Berlin hat dem
Oden=
wälder Reiterverein e, V., Erbach i. O., die Genehmigung zur
Abhaltung von vier Vollblutrennen der Klaſſe B erteilt. Es ſteht
ſomit zu erwarten, daß der Verein im kommenden Jahre Rennen
zeigen wird, wie ſie in Erbach ſeither noch nicht ſtattgefunden
haben.
Dp. Zwingenberg, 2. Jan. In einer Amtswalterſitzung der
NSDAP. die im Rathausſaale ſtattfand, wurden die
Vorberei=
tungen für die Filmvorführung „Der Choral von Leuthen”, die
am kommenden Donnerstagabend im Saal des Hotels „Zum
Lö=
wen” ſtattfindet, getroffen.
Em. Heppenheim a. d. B., 31. Dez. Eine
Bürgermeiſter=
verſammlung der Kreisabteilung Heppenheim des Heſſ.
Ge=
meindetages, zu der neben den Vertretern des Kreisamts und
der Kreisleitung der NSDAP. auch Herr Landesgeſchäftsführer
Dümas=Frankfurt von der Landesbauernſchaft Heſſen=Naſſau und
Herr Kreisbauernführer Reinheimer=Reiſen erſchienen waren,
fand im Heſſiſchen Hof” unter dem Vorſitz des Herrn
Bürger=
meiſters Bechtel=Viernheim ſtatt. Herr Dümas ſprach über das
Reichserbhofgeſetz, deſſen Grundgedanken darauf hinauslaufen, die
Bauernhöfe vor Ueberſchuldung und Zerſplitterung im Erbgang
zu ſchützen und einen feſten, die Zeiten überdauernden
Bauern=
ſtand zu ſchaffen. Wichtig ſei es für den jungen Bauer, bei Zeiten
die Lebensverſicherungsanſtalten zu benützen zur Fürſorge für den
überlebenden Ehegatten und die Abfindung der Kinder, die nicht
den Hof erbten. Kreisleiter Dr. Hildebrandt erklärte, man müſſe
das Erbhofgeſetz von höherer Warte aus betrachten und die ſich
gegenwärtig evtl. ergebenden Härten mit in Kauf nehmen. Es
folgte eine rege Ausſprache. Herr Kreisdirektor Nanz ergriff
ſo=
dann das Wort und hielt zur Schulung der Bürgermeiſter ein
umfaſſendes Referat über die grundlegenden Beſtimmungen der
Fürſorgepflichtverordnung. — Das Geſchäftszimmer der Kreis=
bauernſchaft befindet ſich ab 1. Januar im Landwirtſchaftsamt
in Heppenheim.
t. Gernsheim, 2. Jan. Am Sonntagabend nach 11 Uhr ertönte
Feueralarm. Die dicht mit Stroh und Heu gefüllte Scheune
des Landwirts J. Schäfer in der Sandſtraße ſtand in hellen
Flam=
men. Bald war die Feuerwehr angerückt. Das Vieh konnte
glück=
licherweiſe gerettet werden. Mit vereinten Kräften wurde das
Feuer aus vier Schlauchleitungen wirkſam bekämpft. Das
neben=
anliegende Wohnhaus ſowie die Schweineſtälle konnten gerettet
werden. Die Maſchinen, die ſich in der Scheune befanden, konnten
auch in Sicherheit gebracht werden. Nach dreiſtündiger Arbeit
konnte die Feuerwehr unter Zurücklaſſen einer Brandwache
ab=
rücken. Die Scheune iſt völlig ausgebrannt. Der Schaden ſoll
teil=
weiſe durch Verſicherung gedeckt ſein.
— Gernsheim, 2. Januar. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 1. d. M.: —1,48 Meter, am 2. d. M.: —1,53 Meter,
jeweils morgens 5.30 Uhr.
Bm. Hofheim (Ried), 1. Jan. Kameradſchaftsabend.
Im „Kaiſerhof” veranſtalteten am Samstag die hieſigen Stürme
16 und R. 16/221 in echter Volksgemeinſchaft mit den
Einwoh=
nern ihren erſten Kameradſchaftsabend bei ſehr gutem Beſuch.
Schneidige Muſik. Prolog, gemeinſame Lieder Theater,
Anſpra=
chen, lebende Bilder uſw. bildeten ein abwechſelungsreiches
Pro=
gramm, das dankbar und begeiſtert aufgenommen wurde.
Junge Frau vermißt. Seit 2. Weihnachtstag iſt eine etwa
20jährige junge Frau von hier ſpurlos verſchwunden und konnte.
trotz aller Bemühungen von Polizei und SA. noch keine Spur
von der Vermißten entdeckt werden. Die Frau lebte in
geord=
neten Verhältniſſen und ſteht man vor einem Rätſel, wohin ſie
ſich gewendet haben könnte.
Bm. Wattenheim, 1. Jan. Hunde im Schafpferch.
Hier drangen nachts Hunde in einen unbewachten Schafpferch und
richteten beträchtlichen Schaden an. Einige Schafe blieben tot
am Platze, verſchiedene mußten abgeſchlachtet werden und faſt alle
übrigen trugen Bißwunden davon. Die Herde war nach allen
Richtungen zerſtreut.
Oberheſſen.
LPD. Nidda, 1. Jan. Reichsſtatthalter Gauleiter
Spren=
ger hat ſchon wiederholt ſein beſonderes Intereſſe für die
Aus=
grabungen am Glauberg gezeigt. Es iſt ihm in der Hauptſache
darum zu tun, mit der Vollendung der Ausgrabungen dem
deut=
ſchen Volke und vornehmlich der deutſchen Jugend ein
Wahr=
zeichen menſchlicher Entwicklung in vergangenen Jahrtauſenden
zu ſchaffen. Dieſer Plan geht nunmehr ſeiner Vollendung
ent=
gegen. Dieſer Tage weilte der Reichsſtatthalter mit dem
Heſſi=
ſchen Staatsminiſter Jung und Miniſterialrat Ringshauſen in
Glauberg, wo er die Gründung einer Stiftung von 20 000 RM.
bekannt gab, die bezweckt, den beaſichtigten Plan in die Tat
um=
zuſetzen. Der Reichsſtatthalter gab weiter bekannt, daß der
Glau=
berg zum Naturſchutzgebiet erklärt wird und damit die
Ausgra=
bungen und die Wiederherſtellung der alten Wohnburg
ſicher=
geſtellt iſt.
Seite 8 — Nr. 2
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 3. Januar 1934
Hitler=Jugend bauk ſich ſelbſt ihr Heim.
Jungens richten das Aeußere des neuen Heims ſchmuck her.
In Berlin=Moabit haben Angehörige des Jungvolks der Hitler=Jugend ganz aus eigenen Mitteln
und durch fleißige Arbeit ein gemütliches Heim geſchaffen, das ihnen für ihre kameradſchaftlichen
Zuſammenkünfte dienen wird.
Die Faka Morgana zum erſten Male phokographierk.
Schweinehirt bei der Beobachtung eines widergeſpiegelten Dorfes mit Kirche und Brücke.
Die Fata Morgana gibt es nicht nur in den Sandwüſten Nordafrikas, von wo uns in Tauſenden
von Reiſeſchilderungen dieſe ſeltſame Erſcheinung berichtet wird, ſondern auch inmitten des
europä=
iſchen Kontinents, in der ungariſchen Pußta. Dort iſt es jetzt zum erſten Male gelungen, die Fata
Morgana auf die Plate zu bannen. Plötzlich ſehen ſich die Hirten inmitten der troſtloſen Einöde
einem ſcheinbaren Ueberſchwemmungsgebiet gegenüber, aus dem Kirchtürme, Baumgruppen, Brücken
oder Menſchen hervorragen, die vom Rande der Pußta her durch Luftſpiegelung projiziert werden.
Der ſcheinbare Waſſerſpiegel, der auf dem Trugbild alles umgibt, iſt der Luftſpiegel, der wie ein
ſilbernes Band den Horizont umſchließt.
Reich und Ausiand.
Die ONB. ſtellt ſich vor.
DNB. Berlin, 2. Januar.
Zwiſchen der erſten und der letzten zum
Jahres=
ſchluß herausgegangenen Meldung von WTB. liegt
eine Spanne von mehr als dreiviertel
Jahrhun=
derten. Der 27. November 1849, an dem mit einem
regelmäßigen telegraphiſchen Dienſt für die deutſche
Preſſe eine Epoche der Unterrichtuns der
Oeffent=
lichkeit begann, war ſein Geburtstag. Das Jahr
1865, in deſſen Frühjahr Otto von Bismarck als
preußiſcher Miniſterpräſident verhinderte, daß das
WTB. in ausländiſchen Beſitz kam und ein
Hand=
ſchreiben des Königs Wilhelm an den Inhaber
des Büros, Dr. Bernhard Wolff, die Wichtigkeit
und Notwendigkeit der „Creation eines der
glei=
chen Inſtituts” beſtätigte, entſchied über ſeine
Ent=
wicklung und ſeinen Charakter. 1874 in eine
Ak=
tiengeſellſchaft unter der Firma Continental=
Tele=
graphen=Compagnie umgewandelt, hat es das
WTB. dann verſtanden, ſich allmählich den Platz
zu erobern, den es durch zwei Menſchenalter, der
deutſchen Politik in zweckvoller zuverläſſiger und
ſchneller Unterrichtung der Oeffentlichkeit dienend,
innegehabt hat.
Zum letzten Male hat ſich auch die
Telegraphen=
union, kurz IU. genannt, an ihre Bezieher
ge=
wandt. Gleich nach dem Kriege und dem
inner=
deutſchen Zuſammenbruch des Jahres 1918 wieder
ins Leben gerufen, mit dem ausgeſprochenen Ziele,
dem nationalen Wiederaufbau zu dienen, hat ſie
ſich aus kleinen Anfängen zu einem ſo wichtigen
Faktor des Nachrichtenweſens emporgearbeitet, daß
es ihr möglich wurde, die ihr geſtellten Aufgaben
beſonders in den entſcheidungsvollen Jahren des
Ringens um die Wiedergewinnung der nationalen
Freiheit und Ehre vollauf zu erfüllen.
Nichk an elekkriſchen Leitungen baſteln!
Ein tödlicher Unglücksfall.
Koblenz. Ein Unfall, der zu erkennen gibt,
daß eigene Anſchlüſſe an das elektriſche Stromnetz
ſchwerwiegende Folgen haben können, ereignete
ſich in dem Hunsrückdörfchen Lamſcheid. Dort
han=
tierte ein Landwirt an einem Motor an ſeiner
Häckſelmaſchine, erlitt dabei einen elektriſchen
Schlag, taumelte und brach nach einigen Schritten
zuſammen. Trotzdem ſogleich ärztliche Hilfe zur
Stelle war und zwei Stunden lang
Wiederbe=
lebungsverſuche angeſtellt wurden, gelang es nicht
mehr, den Unglücklichen ins Leben zurückzurufen.
Nach den von fachmänniſcher Seite angeſtellten
Er=
mittlungen iſt der Unfall durch eine fehlerhafte
Erdung, die der Landwirt ſelbſt angelegt hatte,
verurſacht worden.
Römiſche Grabfunde.
Koblenz. Bei Straßenbauarbeiten an der
neuen Straße nach Wollſtein wurde ein römiſches
Grab freigelegt. Neben einer Anzahl Scherben
fand man eine 13 Zentimeter große verzierte
Spange und ein markſtückgroßes Bronzeblech mit
einem geprägten Wolfskopf. Beide Funde
ſtam=
men aus dem erſten und zweiten Jahrhundert nach
Chriſti. Ebenfalls bei Straßenbauarbeiten wurde
ein weiterer kulturgeſchichtlich außerordentlich
wertvoller Fund gemacht. Arbeiter ſtießen auf ein
Menſchenſkelett, das aus der frühen Eiszeit
ſtam=
men muß. Dieſes Skelett, das in einem Hockergrab
beigeſetzt war, wurde leider von den Arbeitern in
Unkenntnis der Bedeutung des Fundes beſchädigt.
Schweres Verkehrsunglück.
Breslau. In der Nacht zum Sonntag
ge=
riet auf der Straße Breslau-Mebnitz ein
Per=
ſonenkraftwagen auf der vereiſten Fahrbahn ins
Schleudern und ſtürzte eine ſechs Meter hohe
Böſchung hinunter. Der Wagen überſchlug ſich und
begrub die Inſaſſen unter ſich. Erſt drei Stunden
ſpäter wurde der Unfall von einem
vorbeikommen=
den Ackerkutſcher bemerkt. Die Inſaſſen des
Kraft=
wagens, zwei Polizeibeamte aus Breslau, waren
bereits tot. Der Führer des Wagens, ein
Meierei=
beſitzer aus Breslau, wurde ſchwer verletzt ins
Krankenhaus gebracht.
Reviſion im Lahuſen=Prozeß.
Bremen. Von der Verteidigung der
Gebrü=
der Lahuſen wird gegen das Urteil, das die
Brü=
der Lahuſen zu fünf bzw. zwei Jahren neun
Mo=
naten Gefängnis verurteilte, Reviſion eingelegt
werden. Die Reviſionsſchrift iſt fertiggeſtellt und
von zwei Verteidigern unterſchrieben. Sie wird
nach Vollziehung der dritten Unterſchrift
einge=
reicht werden.
Erſtaufführung des Weihnachtsſpiels
in Oberammergau.
München. Oberammergau führte an
Sil=
veſter erſtmals das deuiſche Weihnachtsſpiel von
Max Mell in ſeinem Uebungstheater auf. Das
Paſſionsdorf war zur Jahreswende von mehr als
3000 Perſonen beſucht. Beſonders intereſſant war,
daß bei der Aufführung des Weihnachtsſpiels
be=
reits eine Reihe von Paſſionsdarſtellern
mit=
wirkte. Das Weihnachtsſpiel, zu dem der bekannte
Hamburger Dirigent Eugen Pabſt die Muſit
ſchrieb, ſtand unter der Leitung von Georg Lang.
Nach der Aufführung ſammelten ſich die
Ober=
ammergauer Buben zu dem allbekannten
Stern=
ſingen.
Lawinenunglück in Oeſterreich.
München. Der Jagdpächter Joſeph
Grad=
nitzer und ſein Bruder Anton Gradnitzer aus
Sa=
gritz werden ſeit Samstag in der Kluidner Alpe
vermißt. Eine Rettugsexpedition iſt am
Neujahrs=
tag abgegangen. Man nimmt an, daß die beiden
Vermißten durch eine Lawine verunglückt ſind.
Franzöſiſcher Langſtrecken=Weltrekord.
Paris. Das franzöſiſche Waſſerflugzeug „
Süd=
liches Kreuz” hat durch ſeinen Flug von Berre bei
Marſeille nach St. Louis im Senegal, zu dem es
23 Stunden benötigte, den Langſtrecken=Weltrekord
in gerader Linie für Waſſerflugzeuge gebrochen
Die zurückgelegte Strecke beträgt rund 4000
Kilo=
mneter. Der bisherige Weltrekord wurde von dem
bekannten franzöſiſchen Flieger Mermez mit 3172
Kilometern gehalten.
Jakob Waſſermann †.
Wien. Der Schriftſteller Jakob Waſſermann
iſt am Montag früh auf ſeiner Beſitzung in Alt=
Ausſee in Steiermark plötzlich einem Herzſchlag
erlegen. Waſſermann iſt 60 Jahre alt geworden.
Jakob Waſſermann iſt vor allem durch Romane
wie „Das Gänſemännchen” „Chriſtian
Wahn=
ſchaffe‟. „Der Fall Maricius” eine
Lebensbeſchrei=
bung „Chriſtoph Columbus der Don Quichote des
Ozean” bekannt geworden.
Erdſtöße in Frankreich und Spanien.
Paris. Ein ziemlich heftiger Erdſtoß wurde
am Neujahrsmorgen um 5 Uhr in der Gegend
von Bayonne verſpürt. Der Erdſtoß dauerte fünf
Sekunden. Zahlreiche Häuſer bekamen Riſſe. Nach
einer anderen Meldung wurden um die gleiche
Zeit auch in Biarritz vier Erdſtöße verſpürt.
Wei=
ter wird aus Spanien berichtet, daß in den
Städ=
ten San Sebaſtian und Bilbao ebenfalls Erdſtöße
feſtgeſtellt wurden Zahlreiche Einwohner dieſer
Gegenden verließen die Häuſer und verbrachten
mehrere Stunden im Freien.
Feuer in einem franzöſiſchen Lichtſpielhaus.
Paris. In einem Lichtſpieltheater in
Ville=
juif brach am Sonntag während einer
Kindervor=
ſtellung in der Kabine des Operateurs ein Brand
aus. Die 200 im Saale anweſenden Kinder
wur=
den von Panik ergriffen. Der Brand konnte
mühe=
los gelöſcht werden. In dem Gedränge wurden
drei Kinder ſchwer verletzt.
Nebel über London.
London. Die engliſche Hauptſtadt und ihre
nähere Umgebung erlebten am Montag nachmittag
und abend einen Nebel, der ſelbſt für dieſen mit
ſolchen Naturerſcheinungen „geſegneten”, Landſtrich
etwas Außergewöhnliches darſtellte. Zeitweilig
war die Sicht ſo ſchlecht, daß an den
Straßenkreu=
zungen, auf Brücken und den ſonſtigen wichtigen
Verkehrspunkten brennende Fackeln aufgeſtellt
werden mußten Der Straßen=, Eiſenbahn= und
Luftverkehr kam faſt vollſtändig zum Stillſtand.
Trotzdem ereigneten ſich zahlreiche Unfälle auf der
Eiſenbahn und in den Straßen. Verſchiedentlich
fielen Fußgänger in Flüſſe oder Teiche. Insgeſamt
kamen acht Menſchen ums Leben. Etwa 20
Per=
ſonen wurden verletzt. — Unter dem Schutz des
dichten Nebels wurden in den Londoner Straßen
ſechs Raubüberfälle ausgeführt.
Mißlungener Anſchlag auf den Antwerpener
Schnellzug.
Brüſſel. Im Bahnhof Schaerbeek bei Brüſſel
hat die Bahnpolizei am Dienstag morgen einen
Sabotageverſuch aufgedeckt. An dem äußeren Ende
einer Weiche wurden Holz= und Stahlſtücke
ent=
deckt, die zwiſchen die Schienen geklemmt worden
waren, offenſichtlich in der Abſicht, einen Zug zum
Entgleiſen zu bringen. Die ſchwere Lokomotive
des erſten die Stelle durchfahrenden Zuges hat
jedoch die Hinderniſſe hinweggeräumt. Die
Reiſen=
den des Antwerpener Zuges ſind dadurch einer
großen Gefahr entgangen.
der Hundat
des Crédik Municipal.
Paris. Der Krach des Crédit Municipal von
Bayonne zieht immer weitere Kreiſe. Der
Haupt=
angeklagte Staviſki, der „größte Schwindler des
Jahrhunderts”, deſſen Betrügereien ſeit Beginn
ſeiner „fruchtbaren” finanziellen Tätigkeit die
Höhe von annähernd einer halben Milliarde
Fran=
ken ausmachen, bleibt verſchwunden. Verſchiedene
Blätter, u. a. die „Liberté” behaupten, daß die
Flucht dieſes Gauners von höherer Stelle
erleich=
tert worden ſei. Staviſki ſei, nachdem der Krach
bereits zum Ausbruch gekommen war, noch im
franzöſiſchen Innenminiſterium aus= und
einge=
gangen und habe ſeinen Freunden erklärt, daß
„alles geregelt ſei”. — Dem „Matin” zufolge hat
der Direktor des Crédit Municipal über die
Ver=
wendung der ergaunerten Gelder die intereſſante
Angabe gemacht, daß die Summe für den Ankauf
von ungariſchen Kriegsentſchädigungspapieren
Ver=
wendung gefunden habe. Der „Jour” gibt darüber
folgende Einzelheiten: Staviſki, der in die
unga=
riſche Fälſcheraffäre verwickelt geweſen ſei, habe
eine gewiſſe Anzahl von Liegenſchaften, die durch
den Vertrag von Trianon an die
öſterreichiſch=
ungariſchen Nachfolgeſtaaten fielen, angekauft, oder
ſei als Verwalter dieſer Liegenſchaften
aufgetre=
ten. Die früheren Eigentümer dieſes Beſitzes
wer=
den bekanntlich nach den Verrrägen entſchädigt,
und England, Frankreich und Italien haben die
Garantie für die Bezahlung dieſer Entſchädigung
übernommen. Staviſki hat nun den Plan gefaßt,
ein Paket Aktien im Nominalwert von einer
hal=
ben Milliarde Franken unter das Publikum zu
bringen, wofür dieſe Liegenſchaften, natürlich weit
überbewertet, als Garantie dienen ſollten. Das
franzöſiſche Außenminiſterium und das
Finanz=
miniſterium haben aber Wind von dieſer
Ange=
legenheit erhalten und den Schwindel im letzten
Augenblick verhindert. Staviſki aber und ſeine
Strohmänner hatten bereits die franzöſiſchen
Sparer um mindeſtens 200 Millionen Franken
geſchädigt, die in dem Crédit Municipal in
Bay=
onne ihr Vertrauen geſetzt hatten.
Große Ueberſchwemmungen
in Kalifornien.
Zahlreiche Tote und Verwundete.
Los Angeles. Von furchtbaren
Ueber=
ſchwemmungen, die nach den erſten Schätzungen
be=
reits 50 Perſonen das Leben gekoſtet haben, ſind
weite Gebiete von Nord= und Süd=Kalifornien
heimgeſucht worden. Mehr als hundert Perſonen
wurden verletzt. Der Sachſchaden geht in die
Mil=
lionen. In der Gegend von Cresconta werden 30
Perſonen vermißt, die man für tot hält;
außer=
dem wurden hier 35 Perſonen zum Teil ſchwer
verletzt. In der Nähe von Los Angeles ſtürzte ein
Kraftwagen in einen zu einem reißenden Strom
angewachſenen Fluß; die ſechs Inſaſſen ertranken.
In der Nähe von Hollywood wurden zahlreiche
Häuſer zerſtört und mehrere Brücken von den
Fluten weggeriſſen. In verſchiedenen Orten iſt
durch Dammbruch oder Steinſchlag der
Eiſenbahn=
verkehr unterbunden. Die Städte Paſadena,
Comp=
ten, Glendale und Venica haben beſonders ſchwer
unter den Ueberſchwemmungen gelitten.
150 Perſonen erfroren.
Chicago. Nach einer abnormal milden
Wit=
terungsperiode iſt plötzlich in der Gegend von
Chi=
cago wieder ſtrenge Kälte eingetreten. Mehr als
150 Perſonen ſind durch Erfrieren geſtorben.
Die Schiffsglocke der „Emden” wiedergefunden.
Sidney. Die Schiffsglocke des deutſchen
Kreu=
zers „Emden”, die im April v. J. aus dem
Kriegs=
muſeum in Sidney geſtohlen worden war, iſt in
Melbourne in einem öffentlichen Park vergraben
wieder aufgefunden und dem Muſeum
zurückge=
geben worden. Bisher hatte man angenommen,
daß die Glocke von dem Dieb nach Amerika
ver=
kauft worden ſei.
die deutſche Luftfahrk iſt gefeſſelt.
Das neue Fliegerdenkmal auf dem Lufthafen
Hamburg=Fuhlsbüttel,
das in überaus realiſtiſcher und eindrucksvoller
Geſtaltung einen durch Ketten gefeſſelten
Flug=
zeug=Motor zeigt. Das Denkmal ſoll darap
er=
innern, wie ſehr die deutſche Luftfahrt ſeit
Ver=
ſailles geknebelt und gefeſſelt iſt.
Mittwoch, 3. Januar 1934
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 2 — Seite 9
Talleyrand verkauft Briefe Napoleons an Metternich.
Die Archive der Habsburger ſind die größte
Dokumenten=
ſammlung der Welt. 66 Millionen Akten liegen in dieſen
Archi=
ven, ein großer Teil Dokumente iſt noch nicht geſichtet und es
wird Jahre brauchen, bis dieſe ungeheuere Dokumentenſammlung
wiſſenſchaftlich geordnet ſein wird. Erſt nach dem Umſturz wurden
die Habsburgerarchive der Wiſſenſchaft zugänglich gemacht, wenn
auch Publikationen unter einer gewiſſen Kontrolle ſtehen. Zwei
Hiſtorikern, C. Benédek und O. Ernſt iſt nach langjährigem
For=
ſchen in den Wiener Archiven ein außerordentlicher Fund
ge=
glückt. Sie ſtießen auf 12 Aktenpakete mit Briefen. Es ſtellte ſich
heraus, daß es ſich um die Originalkorreſpondenz zwiſchen
Napo=
leon und Talleyrand handelte und um einen geheimen
Briefwech=
ſel des Kaiſers mit Herrn de Champagny, der als Außenminiſter
Napoleons die Ehe des Kaiſers mit Marie Luiſe von Oeſterreich
zuſtande brachte. Die beiden Forſcher haben nun in der „Revue
de Paris” den Inhalt der Briefe veröffentlicht, aus denen
hervor=
geht, daß Talleyrand im Jahre 1817, während des Wiener
Kon=
greſſes, dieſe diplomatiſchen Dokumente von großem Wert an den
Fürſten Metternich verkaufte. Er erhielt fünfhunderttauſend
Francs in Gold für ſeinen Verrat.
Der Briefwechſel zwiſchen Talleyrand und Metternich wurde
von einem Vertrauten des öſterreichiſchen Kanzlers, Baron
Bin=
der, der in Paris lebte, eingeleitet. Binder fungierte zwiſchen
Talleyrand und Metternich als Unterhändler und durch ſeine
Hände iſt die Korreſpondenz der beiden Staatsmänner gelaufen.
Am 12. Januar 1817 ſchrieb Talleyrand an Metternich den Brief,
in dem das ganze Angebot enthalten iſt. Es heißt darin: „Ich
möchte Sie heute über eine Sache unterrichten, die gewiß für Sie
nicht unintereſſant iſt. Ein Ruſſe verſuchte dieſer Tage, vom
Aus=
wärtigen Archiv die Korreſpondenzen zu erhalten, die Bonaparte
mit mir gewechſelt hat, nachdem er aus Aegypten zurückgekehrt
war. Natürlich konnte er dort dieſe Schriften nicht erhalten. Man
glaubte dann, daß ich dieſe Dokumente bei mir trüge (was auch
richtig iſt), und wollte wiſſen, ob ich bereit ſei, ſie dem Kaiſer zu
überlaſſen. Ich habe geſagt, daß ich dieſe Briefe nicht mehr beſitze.
Ein weiterer, ähnlicher Schritt von anderer Seite und der
Ein=
fluß der Ruſſen laſſen mich befürchten, daß eines Tages eine oder
die andere europäiſche Macht mir die Dokumente entreißen
könnte. Dieſe Furcht hat mir die Idee eingegeben, mich von ihnen
zu befreien. Ich biete ſie Ihnen an. Es iſt zweifellos das ſchönſte
Stück, das man ſich für ein Archiv wünſchen kann, denn außer
dem Briefwechſel des Kaiſers mit mir, beginnend im Jahre III
am 25. November und fortdauernd durch die Jahre VIII, IX, X,
KI, XII, XIII, XIP bis zum Ende des Jahres 1806, enthält ſie
auch die Korreſpondenz zwiſchen Napoleon und dem Herrn de
Champagny in den Jahren 1807 und 1808 und die Napoleons mit
Maret im Jahre 1813. Alles Originale, von ihm ſelbſt
unterzeich=
net, insgeſamt zwölf ſtarke Pakete. Ich bin ſicher, daß ſowohl
Eng=
land wie auch Preußen mit großer Freude an die Erwerbung
die=
ſer Briefe ſchreiten und ſie auch mit entſprechenden Preiſen
be=
zahlen würden. Ich erwähne England und Preußen, weil nichts
mich dazu bewegen kann, ſie den Ruſſen abzutreten. Ihnen aber
kommt dieſe Briefſammlung ja eigentlich zu, weil Sie die an den
Umwälzungen Europas am meiſten Intereſſierten geweſen ſind.
Unterbreiten Sie, bitte, mein Angebot dem Kaiſer. Ich werde
nach Erhalt Ihrer Nachricht Herrn de Binder noch genaue
Mit=
teilungen machen. Ich bin und bleibe ſtets Franzoſe, und guter
Franzoſe, und ich werde alles tun, was meinem Vaterlande
Nutzen bringt. Aber Sie wiſſen, lieber Prinz, daß nach Frankreich
in meinem Herzen Oeſterreich den erſten Platz einnimmt. Ich
hoffe von ganzem Herzen, daß dieſe koſtbare und äußerſt delikate
Briefſammlung, die einen ſehr wichtigen Beitrag zur modernen
Geſchichte bilden wird, in Ihre behutſamen Hände kommt.”
Mit Brief vom 18. Februar 1817 gibt Fürſt Metternich
ſei=
nem Vertrauten, Herrn de Binder, Informationen über das, was
Talleyrand ihm mitgeteilt hat, und erteilt ihm genaue
Anweiſun=
gen, wie die Briefe nach Wien zu transportieren ſein werden.
Metternich war ſich, wie dieſer Brief zeigt, der ungeheuren
Be=
deutung des Talleyrandſchen Angebotes genau bewußt. Am glei=
chen Tage ſchreibt Metternich auch einen Brief an Talleyrand, der
eher zurückhaltend klingt, obwohl der Oeſterreicher natürlich
kei=
nen Augenblick ſich darüber im Zweifel iſt, daß er die
Korreſpon=
denz erwerben wird. Immerhin gibt er ſchon ſeine prinzipielle
Einwilligung bekannt. „Man wird der Sache jenen Platz
zuwei=
ſen, den ſie ihrem Wert nach verdient.‟ Das Geſchäft wurde
abge=
ſchloſſen. Zwei Monate ſpäter, am 6. März 1817, ſchrieb
Talley=
rand an Metternich unter anderem: „Ich habe die Ehre, Ihnen
alle jene Papiere zu überreichen, von denen ich Ihnen geſprochen
habe. Wenn ich die Briefe an eine andere europäiſche Macht
ab=
gegeben hätte, dann würde ich fünfhunderttauſend Frances dafür
verlangt haben. Da die Dokumente an S. M. den Kaiſer
ausge=
folgt werden, überlaſſe ich es ihm ſelbſt, den Preis dafür zu
be=
ſtimmen. Ich bin von vornherein mit allem einverſtanden. Ich
verlange nur, daß eine auf den „Ueberbringer” (aber ohne
mei=
nen Namen) lautende Vollmacht ausgeſtellt wird, mit der ich in
einem oder in mehreren Malen, aber zu feſt beſtimmten
Zeit=
punkten, den vom Kaiſer feſtgeſetzten Betrag abheben kann. Sie
haben ſicher die Güte, ſich eine Autoriſation des Kaiſers ſelbſt zu
verſchaffen, weil ich mit meiner Familie mich zwar in Wien
nie=
derlaſſen kann, weil ich aber auch die Möglichkeit haben möchte,
an irgendeinem beliebigen anderen Ort ſeiner Länder ganz nach
meinem eigenen Willen mich aufzuhalten, wenn die Umſtände, in
die Frankreich geraten kann, es notwendig erſcheinen laſſen, daß
ich mich aus meinem Vaterland entferne.”
Am 12. März 1817 informierte Baron de Binder den
Für=
ſten Metternich dahingehend, daß Talleyrand ihm das „Fragliche‟
übergeben habe. De Binder überreichte, den Inſtruktionen des
Kanzlers folgend, die Papiere dem Baron de Barbier,
Vizegou=
verneur Oeſterreichs in Straßburg, der wiederum die Bündel dem
General Baron de Frimont aushändigte, von dem ſie aus
Straß=
uurg nach Wien gebracht wurden. Der Betrag von
fünfhundert=
tauſend Francs, den Talleyrand gefordert hatte, wurde ihm in
Gold ausbezahlt. Benédek und Ernſt glauben, daß es ſich bei
die=
ſem Verkauf um einen Racheakt Talleyrands an den Bourbonen
gehandelt hat, die er nicht in den Beſitz der Dokumente gelangen
laſſen wollte.
Lob des Seereiſens.
Von Herhard Ludwig Milau.
Schön iſt die weite Welt! Es gibt aber wohl ſchwerlich eine
reizvollere Art, Landſchaft und Meer zu genießen, als vom Deck
eines Schiffes. Das Meer iſt bis heute eine Quelle geiſtiger und
körperlicher Kraft und Geſundheit geblieben. Die Weite des
Hori=
zonts, Spiel und Tanz der Wellen, die reine Seeluft, der Frieden
über Waſſern und Schiff, dazu dieſes leichte, behagliche, ſorgloſe
Leben mit frohgeſtimmten Menſchen an Bord, alles das macht die
Seele frei und leicht, zwingt gleichſam in Erholung und Freude
hinein. Das ganze Schiffsdaſein iſt bunt bewegt und beglückend.
Bald ſchwimmt der ſonnige Aether in einem feſtlichen Leuchten
ohne Ende, bald blitzen unter verdunkeltem Wolkenzug die Möwen
ſchneeweiß vorüber. Immer iſt das große Erlebnis gekrönt von
dem Gewinn eines neuen Naturgefühls.
Einmal fühlt jeder von uns die Sehnſucht nach der Ferne,
nach dem Meere und den fremden Ländern in ſich brennen. Und
wer ein bißchen Geld beiſammen hat, braucht nur zu wählen. Die
deutſchen Schiffe tragen ihn in alle Himmelsrichtungen — den
erſehnten Herrlichkeiten entgegen. Weniger als zwei Tage und
aus trübem Winter wird der ſonnige Glanz einer
Spanienland=
ſchaft oder einer ſanft hingeſchmiegten Mittelmeerbucht. Wenige
Stunden nur und aus der drückenden Hitze des Sommers wird
die grüne Kühle einer geruhſamen Nordlandfahrt. In weniger
als zehn Minuten nach dem Reiſeantritt in Bremerhaven iſt die
Unraſt der Stadt oder des Berufslebens vergeſſen, und die
Feier=
tagsſtimmung an Bord des Schiffes nimmt uns gefangen. Die
Seele atmet auf. Seereiſen heißt hundert Urlaubsworte in einem
einzigen vereinen. Das Schiff hat jedem etwas zu bieten. Wie
man es wünſcht, findet man Ruhe und frohgeſinntes
Geſellſchafts=
leben. Der Schwimmer hat ſein Schwimmbad, der Sportler ſeinen
Turnſaal, der Bergſteiger kann fremde Berge erklimmen, Forſcher
und Studenten können ihren Studien obliegen, Romantiker finden
ein Paradies, Geſchäftsmenſchen alles, was ſie brauchen. In
Ka=
binen und Geſellſchaftsräumen von erquickender Behaglichkeit,
wundervoll gepflegt und betreut von der Schiffsmannſchaft,
zwi=
ſchen Spiel und Ruh auf den freien Decks rollen die ſchönen Tage
gemächlich vorüber. Erholungsſuchende bekommen immer neue
Kraft.
Das deutſche Schiff iſt aber auch die Brücke zum Herzen und
zum Verſtande des Auslandes. Es überzeugt mehr als langatmige
Aufklärungsartikel. Die deutſchen Ozeanſchiffe und das Leben
und Treiben an Bord geben der Welt ein Beiſpiel von deutſcher
Ordnung, Sauberkeit, Kraft und Leiſtung, von der Zuverſicht und
dem Glauben, der durch das neue Deutſchland geht. Man mag
mit manchem fremden Dampfer gefahren ſein, aber auf einem
deutſchen Schiff zu ſtehen, mit einem der prächtigen Giganten des
Norddeutſchen Lloyd zu fahren, der ein Stück Vaterland durch das
Meer hinwegführt, auf dem deutſch geſprochen und deutſch gelebt
wird, das iſt immer wieder ein ſeltſam ergreifender Eindruck. Man
iſt in fremden Häfen wohl in der Fremde, aber man iſt dennoch
auch gleichzeitig zu Hauſe. Und wenn man von den Ausflügen in
den fremden Städten wieder an Bord kommt, dann kehrt man mit
einem Gefühl der Geborgenheit wieder in die Heimat zurück, in
eine Gemeinſchaft, die ſich vom Kapitän bis zum kleinen
Schiffs=
jungen, bei aller Diſziplin, auch als Familie fühlt.
Immer bietet eine Seereiſe mehr, als man ſich träumen läßt,
und die Koſten ſind manchmal ſo gering, daß man ſich wundern
muß, wie ſo etwas möglich iſt. Wer erinnert ſich nicht noch der
„Columbus”=Ferienfahrt nach Irland—England—Schottland im
vorigen Herbſt und anderer Reiſen des Lloyd nach dem
Mittel=
meer und in die Nordländer, Fahrten, die beiſpiellos billig waren
und den Teilnehmern mit geringem Aufwand die Zauberwirkung
des Reiſens auf dem Meer, die wahre Kunſt des Reiſens erleben
ließen. Solche Fahrten gibt es in jedem Jahre und zu allen
Zeiten.
Soll ich nun noch ein Wort von der Kunſt der
Speiſenberei=
tung verlieren, wie ſie an Bord geübt wird? Jahrzehntelange
kulinariſche Erfahrung hat hier eine Meiſterſchaft entwickelt, die
nicht übertroffen werden kann.
So groß der Gewinn einer Seereiſe für unſere eigene
Geſund=
heit iſt, ſo groß iſt er auch für die Geltung Deutſchlands. Wer mit
deutſchen Schiffen reiſt, dient arbeitſchaffend dem Vaterlande.
Wenn die Schiffahrt wieder hochkommt, geht es auch Deutſchland
gut. Wirkliche Erneuerung, Erholung, Entſpannung iſt heute die
Sehnſucht aller Menſchen. Deutſchland und ſeiner Schiffahrt
hel=
fen wollen wir auch alle. Eine Seereiſe iſt das Mittel zur
Ge=
ſundung in jedem Falle.
Weiterberichl.
Die Islandsſtörung hat ſich weiter nach Skandinavien
aus=
gebreitet und das nordöſtliche Hoch mehr nach Polen hin
abge=
drängt. Sie dehnt ſich auch langſam nach Deutſchland aus, ſo daß
ſich an ihrer Vorderſeite die Weſtſtrömung, welche durch das ſich
bildende Biscayahoch gekräftigt wird, allmählich durchſetzt und zu
allgemeiner Milderung führt. Dabei wird das trübe Wetter
fort=
beſtehen und vereinzelt werden auch Niederſchläge auftreten.
Ausſichten für Mittwoch: Neblig, dunſtig und bewölkt, etwas
mil=
der, ſtellenweiſe Niederſchläge.
Ausſichten für Donnerstag: Fortdauer der Wetterlage.
Hauptſchriftleltung: Rudelf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudelf Maupe; für Fenllleien, Reich und
Ausland und Heſſche Nachrichten: Mar Streeſe: ſür Spont: Kar! Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Btild und Wort: Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteſl und geſchäftiſche Mittellungen: Wiliy Kuhle:.
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämilich in Darmſtfadt, 1!
Für unverlangte Manuſktripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.
Copyright by Auguſt Scherl
G. m. b. H., Berlin.
49) Nachdruck verboten.
Das Wetter war den ganzen November hindurch überraſchend ſchön
geblieben. Man merkte hier ſchon die Nähe der Riviera. Die Studenten
unternahmen über Wochenende noch immer größere Ausflüge. Die
vermögenderen unter ihnen beſaßen ihr eigenes Auto, meiſt waren es
Kleinkraftwagen, die ſie ſelbſt ſteuerten. Auch Bergfahrten wurden
aus=
geführt. Da der Himmel Tag für Tag wolkenlos über den Schneehäuptern
der Meije und den gewaltigen Gletſchern der Montblanc=Gruppe lag,
dachte man ſogar daran, auch Hochtouren zu wagen. Aber an dieſen
Unternehmungen beteiligten ſich die Töchter Vernaiſſons nicht. Der
Profeſſor hielt wenig vom Sport, Adrienne, ſeine Alteſte, galt für ihn,
ihres Tennis halber, ſogar als aus der Art geſchlagen. Es koſtete Mühe,
Papa Vernaiſſon dazu zu bewegen, daß er auch nur den Ausflug nach der
Grande Chartreuſe mitmachte. Man wollte das ehemalige Kloſter des
St. Bruno beſichtigen und dann vom Gipfel des Berges den Weg hinab
zu Fuß zurücklegen. Körperliche Strapazen liebte der Profeſſor nur
wenig. Aber ein paar Dutzend Studenten vereinigten ihre Bitte in
romaniſch, ſlawiſch und amerikaniſch gefärbtem Franzöſiſch. Unterwegs
ſollte es ein Picknick geben — und der Blick in das Tal der Iſére mit der
ſchönen Stadt Grenoble und den Schneebergen im Hintergrund war doch
verlockend.
Auf dieſe Tour kamen auch die Sonntagsgäſte aus Lyon mit:
Adriennes Mann und ſein Chef, Herr Souvigne, der Beſitzer der großen
Kunſtſeidefabrik, die die Exportziffer der Lyoner echten Seide beinahe
ſchon erreicht hatte. Eine Unmenge Automobile ſchlugen aus der im
hellen Sonnenſchein daliegenden Stadt den Weg nach der Grande
Chartreuſe ein. Souvigne und Ronſard hatten ihre neueſten Wagen
her=
übergebracht, in denen ſie außer Vernaiſſon und ſeinen Damen noch
deren beſondere Schützlinge mitnahmen.
So gelangte auch Petra zu Ronſards Gaſtfreundſchaft.
Ronſard ging es zuerſt nicht anders als ſeiner Frau: er hob
ver=
wundert den Kopf und muſterte die Straßburgerin eingehend. Irgend
etwas erinnerte ihn frappant an eine junge Dame, neben der er in der
Penſion Urbach in Berlin geſeſſen hatte und auf die ſeine Frau — wie
auf alle hübſchen Geſichter in der Umgebung — eiferſüchtig geweſen
war .. . Aber Adrienne lachte ihn aus; die beiden Damen hatten raſch
Gefallen aneinander gefunden. Petra fand die Liebe, die Adrienne ihrem
Gatten, dieſer Modepuppe von Mann, entgegenbracht”, zwar
unver=
ſtändlich — aber doch geradezu rührend.
Als ſie droben beim alten Kloſter im Freien ihr Picknick veranſtalteten,
auf den aus der „Hötellerie des dames” herausgeholten Tiſchen und
Bänken, mußte Petra immer wieder die vom ewigen Zigarettendrehen
gelbgefärbten Finger Ronſards betrachten . . .
In einer kleinen Gruppe, zu der ſich auch Petra geſellt hatte, ſprach
Sonvigne ein paar Worte zu Adrienne über die überwältigende Arbeit,
die von der Fabrik gegenwärtig aufgebracht werden mußte; er neckte die
junge Frau ein bißchen damit, daß er ihr den geliebten Mann am
Mon=
tagmorgen immer wieder aus dem Hauſe herausholen mußte,
Adrienne lächelte. „Oh, Monſieur Souvigne, ich bin traurig, gewiß,
daß ich Monſieur Ronſard nur ſo ſelten ſehe, aber ich bin auch wieder ſehr
glücklich darüber, daß ſeine Mitarbeit eine ſo große Bedeutung für Ihre
Fabrik hat.”
„Monſieur Ronſard hat hohe Verdienſte um die Verfeinerung der
Produktionstechnik. Er iſt ein umfaſſend gebildeter, äußerſt fähiger
Mann.”
Adrienne war ſtolz; ſie freute ſich darüber, daß die neue, junge
Freundin es mit anhörte. „Es iſt ein ſo garſtiger Prozeß zu führen, höre
ich, Monſieur Souvigne. Das tut mir leid, denn ich habe mit den
Deut=
ſchen nur die beſten Erfahrungen gemacht, und ich verſtehe nicht, wie ſie
Ihnen ſo abſcheuliche Schwierigkeiten bereiten können.”
Souvigne hatte das ruhige und geſetzte Weſen des Großkaufmanns,
der auch ſtärkere Kriſen würdig zu überſtehen weiß. „Man iſt allzu hitzig
da drüben”, ſagte er überlegen, faſt wie entſchuldigend. „Daß es auf
unſerem Gebiet tauſend Ahnlichkeiten gibt, iſt ſelbſtverſtändlich. Die
Chemiker lernen alle voneinander — und das Maſchinenweſen
vervoll=
kommnet ſich faſt zur gleichen Zeit auf der ganzen Welt. Dieſelben
Fort=
ſchritte werden überall gemacht. Ein Mann wie Ronſard, der ſich in
hundert Städten umgeſehen hat, in vielen Ländern, vereinigt in ſich ein
Wiſſen, von dem er wohl ſelbſt kaum mehr wird ſagen können: dies habe
ich hier, dies habe ich dort erfahren, und dies habe ich ſelbſt hinzugefügt
aus eigenem Genie. Man kann den Begriff des Fabrikgeheimniſſes darum
kaum vor Gericht feſtſtellen. Die Anklage der Deutſchen muß und wird
abgewieſen werden. Unſer Geſetz ſagt: Betriebsgeheimnis iſt, was nicht
offenkundig iſt und in dem betreffenden Betrieb ſo geheimgehalten wird,
daß es nicht aus dem Hauſe herauskommt. Wenn jeder fachmänniſche
Werkangeſtellte aber aus dem Kopf ſolche geheimnisvollen Dinge
kon=
ſtruieren und fortbilden kann, ſo tauchen doch Zweifel auf, ob da
über=
haupt noch ein Betriebsgeheimnis beſteht. Und vor Ronſards genialem
Scharfblick hat ſich ja noch niemals etwas verborgen halten können.”
Petra erfuhr noch dies und das zum Lobe von Souvignes
hervor=
ragendem Mitarbeiter. Auch Adrienne zeigte ſich mitteilſam. Vernaiſſon
nannte die Laufbahn ſeines Schwiegerſohnes deswegen ſo
außerordent=
lich intereſſant, weil Ronſard kein Akademiker war, ſondern Autodidakt.
„Haben Sie in Straßburg niemals von der Familie Ronſard ſprechen
hören?” fragte Adrienne verwundert. „Jetzt iſt ſie ja ausgeſtorben, aber
die Eltern meines Mannes haben vor dem Krieg ein ſchönes Haus in
Straßburg gehabt.” Adrienne war noch niemals in der Vaterſtadt
Ronſards geweſen, wußte aber viele Einzelheiten zu erzählen.
Aufmerkſam hörte Petra zu. Sie war ſich vollkommen klar darüber,
daß es dieſe ſehr reſpektable Familie Ronſard in Straßburg niemals
gegeben habe. Emil Leſſel entſtammte einem ganz anderen Kreiſe,
Frühzeitig hatte ihn die Pariſer Apachenumwelt zum Verbrecher
ge=
formt, zum Dirnenbeſchützer, der vor nichts zurückſchreckte, bis ihn die
Flucht in die Fremdenlegion vor dem Zugriff der Juſtizbehörden rettete.
In dieſer neuen Schule des Lebens lernte er dann von Kameraden genug,
um ſich nach der Entlaſſung aus der Legion einem gewinnreicheren Beruf
zuwenden zu können: der Werkſpionage. Hierbei bewies er eine
Be=
gabung, die Staunen erwecken mußte. Souvigne wurde aufmerkſam auf
den hellen Kopf. Er zog ihn zu ſich heran, gewiß ohne jede Ahnung von
Ronſards Vorleben und der Quelle ſeiner Spezialkenntniſſe, und
Ron=
ſards Glück ſchien gemacht. Die Tochter des Profeſſors Vernaiſſon lernte
ihn beim Tennisſpiel kennen; ſie intereſſierte ſich lebhaft für den jungen
Selfmademan, der ein romantiſches Leben hinter ſich hatte und von
Dmmmmmmmmmmmmmmm mmmmm
Spannendes und Aufregendes. Aber nun war der Ehrgeiz in Ronſard
erwacht. Er wollte ſich nicht damit begnügen, ein kleiner Angeſtellter in
Souvignes Rieſenbetrieb zu bleiben, es trieb ihn höher hinauf, er wollte
jetzt, da ihm ſo viel ſchon gelungen war, an die Spitze. So ging er von
neuem auf Studienreiſen — das heißt er nahm die Werkſpionage wieder
auf. In der Tegeler Fabrik fand er ein paar Burſchen, die ſich gern den
Verräterlohn verdienten. Er beſaß alle Fähigkeiten, die den Abkömmling
eines Pariſer Gewohnheitsverbrechers und einer Straßburger Dirne
auszeichnen mußten: Skrupelloſigkeit, Talent für Hochſtapelei,
Geriſſen=
heit und die kalte Entſchloſſenheit, jedes Hindernis aus dem Weg zu
räumen. Aber ſeine Waghalſigkeit rächte ſich, da ſie ihn der berüchtigten
Meiſterſpionin der „Sureté ins Gehege trieb, der blonden Suſanne, die
ihm ſeine Erfolge mißgönnte . . .
Die Studenten und Studentinnen hatten den würdigen Profeſſor
Vernaiſſon beſtürmt, an ihren Spielen teilzunehmen. Das Bild, das ſich
auf der Kuppe des Berges, vberhalb des in einer Senkung gelegenen alten
Kloſters, entwickelte, wirkte ganz ſommerlich. Ein faſt wvolkenloſer
De=
zemberhimmel blaute über dem Graiſivaudan, der Landſchaft der Iſere,
von Süden und Südoſten her grüßten die Schneehäupter der Alpenwelt
herüber. Vernaiſſon beſtand darauf, daß ſeine drei Töchter in ſeiner
Gruppe mitſpielten: man ſpielte Plumpſack, Dritten Mann, Haſchhaſch,
ganz genau ſo, wie Petra es als Kind in der deutſchen Schule geſpielt
hatte, nur lauteten die Bezeichnungen hier anders. Im Augenblick, als
Adrienne ſie auch noch zur Gruppe holen wollte, geſellte ſich Ronſard
an Petras Seite. „Du brauchſt nicht eiferſüchtig zu ſein, Adrienne,”
ſagte Ronſard zu ſeiner Frau und drehte ſich mit ſeinen gelben Fingern
eine ſeiner winzigen Zigaretten, „ich habe an Fräulein Brouquemüller
bloß ein paar Fragen über Straßburger Bekannte zu richten, entſchuldige,
daß ich ſie dir noch für ein Weilchen entziehe. — Wenn es Ihnen recht iſt,
Mademoiſelle, promenieren wir ein Stück Wegs zuſammen. Vielleicht
zum Kloſter. Oder zur Ausſicht. Ganz wie Sie wollen.”
Petra wußte, daß ſie von ihm erkannt war. Schon mehrere ſeiner
ſcheinbar ganz harmloſen Fragen hatten ihr das bewieſen. Während des
Picknicks hatte er jede ihrer Bewegungen beobachtet.
„Zur Ausſicht, bitte!” ſagte Petra, die äußerlich ihre volle Ruhe
bewahrte. Dieſer Dezembertag iſt ja das wahre Himmelsgeſchenk.
Man freut ſich hier oben der köſtlichen Sonne, der Alpenluft — der
Freiheit!”
Wortkarg ging er neben ihr her. Der ſchmale Fußpfad führte über
die Kuppe hinweg zum Beginn der ſteilen Paßſtraße, die in zunächſt
kurzen, dann immer breiteren Kehren ins Tal der Iſére hinabführte.
„Man denkt da voller Mitleid”, fuhr Petra fort, „an Unglückliche,
die unſchuldig in engen, dumpfen Gefängniszellen ſitzen, verzweifelnd an
aller Gerechtigkeit!”
Nün ſtanden ſie am Bug der erſten Kehre. Die Mauereinfaſſung
wurde hier, wie auch an anderen Stellen der Serpentinen, für die in
Winter zu erwartende Schneebelaſtung und gegen die Lawinengefahr
ausgebeſſert. Aber heute, am Sonntag, ruhte die Arbeit; weit und breit
war kein Menſch zu ſehen. Dicht vor ihnen fiel die Böſchung ſteil ab. Ein
herrlicher Blick eröffnete ſich. Der nach Süden liegende Hang war mit
noch völlig grünem Buſchwerk beſtanden. Einzelne Steinblöcke leuchteten
aus dem ſommerlich wirkenden Grund.
Aus ſeinen Augen traf ſie ein blitzartiger Blick. „Mitleid ſchläfert das
Gehirn ein, Mademoiſelle, Achtung — Vorſicht — ei, Sie paſſen ja nicht
auf!”
Auf ſeinen plötzlichen Anruf hin wendete ſich Petra nach der
Aus=
ſichtsſeite und in derſelben Sekunde erhielt ſie von rückwärts einen Stoß,
glitt ab und ſah ſich über dem Abgrund.
Sie ſchrie auf — taſtete um ſich — bekam in letzter Sekunde Ronſarbs
Fuß zu faſſen —
Innerhalb weniger Augenblicke ſpielte ſich nun der Kampf auf Toh
und Leben ab.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 10 — Nr. 2
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 3. Januar 1934
Sport, Spiel und Jurnen
Fußball.
Turngeſellſchaft 75 — Rot=Weiß Darmſtadt 2:5 (2:1).
Der Bericht über das an Silveſter ſtattgefundene Fußballſpiel
beider Mannſchaften iſt wie folgt zu ergänzen: Der Bericht
er=
weckt den Anſchein, als habe Rotweiß das Spiel gewonnen, nachdem
die beiden Spieler der Turner das Feld verlaſſen hatten. Richtig
iſt, daß der Spieler Walter nach dem Siegestreffer und der
Spie=
ler Etzert nach dem vierten Tore der Rotweißen den Platz
ver=
ließen. Ferner dürfte ſich der Berichterſtatter bei der Ausſcheidung
der beiden Spieler inſofern geirrt haben, wenn er annimmt, daß
ſie verletzt ausſcheiden mußten. Tatſache iſt, daß die Spieler ohne
jede Urſache das Feld verlaſſen haben. Bei aller Freundſchaft der
beiden Vereine bitten wir, dies als eine ehrlich gemeinte
Berich=
tigung hinzunehmen.
VfR. Erbach—SV. 1920 Höchſt 2:2.
Von zahlreichen Anhängern begleitet, trat Höchſt am Sonntag
in Erbach an. Wie das Ergebnis ſchon ſagt, verlief der Kampf
ſehr erbittert. Höchſt fand ſich gleich gut zuſammen und der
Halb=
linke Thierolf ſchoß in der 3. Minute das Führungstor. Erbach
griff nun mit aller Macht an und erzielte in der 10. Minute
den Ausgleich. Erbach ſpielte weiter leicht überlegen und in der
25. Minute hieß es 2:1 für Erbach. Bis zur Pauſe dann
aus=
geglichenes Spiel. Nach der Pauſe ſah man, daß Erbach ſich ſtark
verausgabt hatte und merklich nachließ. Höchſt wurde überlegen
und in der 10. Min. ſtellte Mittelſtürmer Hallſtein durch
präch=
tigen Schuß das Reſultat auf 2:2. In der 15. Minute bekam
Er=
bach einen nicht einwandfreien Elfmeter zugeſprochen, der aber
von dem immer gut arbeitenden Torhüter Rudolf unter dem
Jubel der ganzen Zuſchauer meiſterhaft gehalten wurde.
Gleich darauf kam es zu einem Zwiſchenfall, ein Erbacher
und ein Höchſter Spieler mußten das Spielfeld verlaſſen. Erbach
wurde bis zum Schluß weiter ſtark bedrängt, das Unentſchieden
können die Gäſte ihrer gut arbeitenden Hintermannſchaft, ſowie
dem ſtark einſetzenden Nebel verdanken, da der Schiedsrichter
hierdurch manches nicht ſah. Schiedsrichter anfangs gut, ließ aber
ſpäter ſehr nach. 2. Mſch. 1:2.
Der
SpV. Groß=Gerau — FC. Egelsbach 03.
FC. Egelsbach 03 begibt ſich am kommenden Sonntag
mit ſeinen Mannſchaften nach Groß=Gerau. Da Groß=Gerau auf
heimiſchem Gelände ein nicht zu unterſchätzender Gegner iſt, wird
wohl ein Sieg der bis heute ungeſchlagenen Gäſte erſt nach
Kampf zu erringen ſein. Jedenfalls warnt der 1:0 Sieg des
Gaſt=
gebers gegen Mörfelden zur Genüge.
VfL. Michelſtadt — SpCl. 1928 Ober=Ramſtadt 4:3 (1:3).
Unter der vorzüglichen Leitung von Klinger=Groß=Gerau
ent=
wickelte ſich ein harter aufregender Kampf, den die ſich in
ausge=
zeichneter Verfaſſung befindlichen Ober=Ramſtädter unverdient in
der letzten Minute noch vexloren. Das einzige Erfreuliche für die
Ober=Ramſtädter war die Feſtſtellung, daß der Sturm viel
durch=
ſchlagskräftiger war, als in den letzten Spielen, denn gegen ſolch
gute Mannſchaft wie Michelſtadt wollen vier Tore geſchoſſen ſein.
Leider gab der ſonſt ausgezeichnete Spielleiter das vierte, ganz
einwandfrei erzielte Tor, wegen angeblichen Abſeits nicht. Dieſes
vierte Tor erzielte der Mittelſtürmer durch prächtigen Nachſchuß,
den Ball hatte zuletzt der Gegner, der Torwart, abgeſchlagen,
des=
halb konnte kein ſtrafbares Abſeits vorliegen. Dieſes Tor, ein
verſchoſſener Elfmeter und noch eine ganz klare Torgelegenheit,
die der Erſatz=Rechtsaußen beim Stande von 3:1 für Ober=
Ram=
ſtadt verſchoß, koſtete den Gäſten den verdienten Sieg. Die Gäſte
mußten leider zu dieſem Spiele für zwei ihrer Beſten, den
Rechts=
außen und rechten Verteidiger, Erſatz einſtellen, welcher ſich zwar
ganz brav ſchlug, aber trotzdem Erſatz blieb. Michelſtadt ſtellt eine
gut eingeſpielte Elf, in der die Außenſtürmer überragten. Das
Spiel, das von beiden Mannſchaften anſtändig durchgeführt
wurde, hatte eine große Zuſchauermenge angelockt, unter der ſich
auch einige beſſerungsbedürftige Schreier befanden. — 2.
Mann=
ſchaften 10:0 für die Gäſte.
TSV. Meſſel — TSV. Erzhauſen 5:2 (1:0).
In dieſem Spiel erwies ſich der Neuling aus Erzhauſen als
ſehr gefährlich. Durch großen Eifer gelang es ihm, das Spiel in
der erſten Hälfte vollkommen offen zu halten. In dieſer Zeit fiel
auch nur ein Tor. Dagegen ließ Erzhauſen in der zweiten
Halb=
zeit merklich nach und Meſſel konnte in regelmäßigen Abſtänden
vier weitere Tore erzielen. Beim Stande von 5:0 kam Erzhauſen
zu zwei Gegentreffern. Das Spiel wurde von beiden
Mannſchaf=
ten äußerſt fair durchgeführt.
Kreisklaſſe I. Gruppe II, Ried.
Wegen des NS.=Volkswohlfahrt=Sportfeſtes in Bürſtadt. wo
die Frankfurter Eintracht zu Gaſt weilte und vor 3000 Zuſchauern
nur 2:1 gewinnen konnte wurden die beiden Pflichtſpiele in
Bür=
ſtadt und Bobſtadt abgeſetzt, ſo daß nur in Gernsheim und
Biblis um die Punkte gekämpft wurde. Durch einen
glänzen=
den Sieg über die Lorſcher DJK. eroberte ſich Gernsheim die
Spitze der Tabelle und ſteht nun mit nur drei Verluſtpunkten
äußerſt günſtig im Rennen. Der ſeitherige Tabellenführer und
ſtärkſte Rivale der Gernsheimer, V.f.L. Lampertheim als
Unterabteilung der Lampertheimer Turner hat durch die
Platz=
ſperre dieſes Vereins auswärts antreten müſſen, und zwar
ſpiel=
ten die Lampertheimer in Biblis. Dort zeigten ſie, daß ſie zu
den ſpielſtärkſten Mannſchaften des Kreiſes zählen, indem ſie ſich
bei einem torreichen Ergebnis nur knapp ſchlagen ließen. Der
Auftakt dieſes Spieles gehörte vollauf den Gäſten. Schon nach
acht Minuten führten ſie 2:0 und erſt der Rieſeneifer der Bibliſer
brachte eine Wendung des Reſultates. Die Tabelle:
Spiele gew. un. verl. Pkt.
Gernsheim
Lampertheim
Olym. Bibesh.
TV. Biblis
TV. Hofheim
Gr. Rohrheim
DJK. Lorſch
Bobſtadt
DJK. Bürſtadt
Deutſcher Schwerakhlekik=Berband 1891.
Ringen um die Mannſchaftsmeiſterſchaft im Gau 13.
Bezirk Darmſtadt=Mainz: Lampertheim — Athl.=Club
Mainz=Weiſenau 6:14. 88 Mainz — Polizei Darmſtadt 11:9.
1910 Darmſtadt — Turngemeinde Dieburg 8:8. Vorwärts Gr.=
Zimmern — KSV. Bensheim 16:4.
Im Bezirk Darmſtadt=Mainz haben mit dem Silveſtertag die
Rückkämpfe ihren Anfang genommen. Die Favoriten blieben
Sie=
ger, wenn auch in Mainz knapp. Dieburg mußte bei dem
Tabel=
lenletzten einen Punkt ablaſſen und wird ſo mit Gr.=Zimmern
punktgleich, das gegen Bensheim überzeugend gewinnt.
Bei ſeinem erſten Kampf der Rückrunde trat Mainz=
Wei=
ſenau wieder mit verbeſſerte Mannſchaft an, indem es einen
leichteren Mann gegen einen ſchwereren Mann vertauſchte; ob
dies aber in jedem Falle richtig iſt, muß es ſelbſt verantworten,
denn ſchon die 2. Niederlage ward ihm beſchieden.
Lampert=
heim hatte wegen Fehlen eines Paſſes im Schwergewicht ſchon
drei Punkte an der Waage verloren und ſiegte nur durch Müller
und Klingler, erſterer noch kurz vor Schluß der Ringzeit. Im
Federgewicht ward Leineweber Punktſieger über Jakob:
Mund=
ſchenk Franz und Joſef ſiegten nach 5½ Minuten bzw. 10 Minuten
für Weiſenau. Das Mittelgewicht brachte Klingler nach 6½
Mi=
nuten einen Sieg für Lampertheim. Ditt im Halbſchwergewicht
wurde nach 7 Minuten Schulterſieger. Mit dieſem Sieg führt
Weiſenau weiter die Spitze an. Der Kampf ging vor vollbeſetztem
Lokale vor ſich und fanden die Kämpfe ungeteilten Beifall.
Der Kampf 88 Mainz gegen Polizei Darmſtadt hatte
eine beſondere Note für ſich. Wurde doch in der Polizei die
Mann=
ſchaft erwartet, die Mainz in der Vorrunde die einzige
Nieder=
lage beibringen konnte. So war denn auch das vollbeſetzte Lokal
zu verſtehen, das auch den an dieſem Abend ſchwachen Kampfrichter
zu manchem Pfiff veranlaßte. Der ganze Kampf war von Anfang
bis zu Ende ein Gemiſch von Glück und Ungluck. Beim Antreten
der Mannſchaften konnte man auf einen haushohen Sieg für
Mainz rechnen, da die Polizeiſtaffel ſtark mit Erſatz durchſetzt war.
aber auch bei Mainz fehlt Quick und Börner, die durch Flick und
Mailett erſetzt waren, aber beide Erſatzleute können die
Stamm=
leute nicht erſetzen, weder in Technik noch Routine. Bei
Namens=
aufruf war das erſte Pech für Mainz gegeben. Heukeroth iſt zu
ſchwer, die 3 Punkte gehören dem Gegner. Bei dem
ſtattgefun=
denen Freundſchaftskampf gegen Schnauber war ein „
Unentſchie=
den” am Platze. Beide Gegner vereitelten ſich ihre Griffe im
An=
ſatz. Nur Heukeroth gelang ein Hüftzug, der aber im aus landete.
Heukeroth war in der erſten Halbzeit etwas lebhafter, was aber
Schnauber in der 2. Halbzeit quittierte.
Im Federgewicht greift Nehren gleich von Anfang herzhaft
zu, wobei aber der Polizeimann kneift. Nehren gelingt jedoch
ein Untergriff von hinten, und der nachfolgende Ueberwurf
be=
fördert ſeinen Gegner auf die Schultern. Guthmann im
Leicht=
gewicht hat den Kampf ſtets in der Hand, und ein gut angeſetzter
Hüftzug bringt den Gaſt auf die Schultern. Es betreten nun Flick=
Mainz und Schanz=Darmſtadt die Matte, Schanz bringt ſich ſelbſt
zweimal in gefährliche Lagen durch ſeine Angriffe, die aber der
Mainzer nicht feſthält. Mit dem Urteil Punktſieger Flick hatte der
Kampfleiter nicht das richtige getroffen. Im Mittelgewicht geht
Groh wie ſo oft, zu ſiegesgewiß an den Mann, hatte aber mit ſeinem
Gegner Lang, der auch ſeinem Namen in ſeiner Körpergröße nicht
untreu iſt, nicht gerechnet und fällt einem Schulterdrehgriff zum
Opfer. Mailett und Reuter (Halbſchwergewicht) gehen zur Matte,
nach 9 Minuten iſt Mailett beſiegt.
Dann reichen ſich Horn und Siebert die Hände und gehen ſich
auch beherzt zu Leibe. Horn greift gut zu, ſein großer Gegner
ſchüttelt ihn aber leicht ab. Der Bodenkampf bringt nichts von
Bedeutung. Siebert bringt Horn in gefährliche Lage, Horn dreht
weiter, Sieberts Füße ſind in der Luft — der Schlußpfiff ertönt
— Horn wird zum Sieger erklärt. Das Haus erdröhnt von
Bei=
fall für den Sieger.
Im Bezirk Nahe: Oberſtein gegen Mittelbollenbach 12:8.
Bingen gegen Kreuznach 7:12.
Vorwärts 05 Groß=Zimmern — KSV. Bensheim 16:4.
Zum Jahresabſchluß trug der Athl.=V. Vorwärts 05 Groß=
Zimmern ſeinen Rückkampf gegen Bensheim aus. Eine ſtattliche
Mannſchaft führte Bensheim einem intereſſierten Publikum vor
und wer die kräftigen Geſtalten mit unſerer altbekannten „Erſten”
verglich, dem mochte wohl das Herz etwas höher ſchlagen bei dem
Gedanken an den Ausgang des Kampfes. Jedoch das Endreſultat
bewies daß nicht allein Kraft und guter Körperbau, ſondern auch
Ueberlegung und Geſchicklichkeit im Ringen ausſchlaggebend ſind
und letztere ließen die Gäſte teilweiſe vermiſſen. Allerdings
ver=
ſuchten einige Ringer, durch Mattenflucht über die Zeit zu
kom=
men. Trotzdem ſoll nicht unerwähnt bleiben, daß ſchließlich jeder
ſein Beſtes hergab, um den Kampf ehrenvoll zu beſtehen. Im
Bantamgewicht hatte Herbert, dem ſchon wegen Uebergewicht des
Gegners die Siegespunkte kampflos zugeſprochen waren, mit
ſei=
nem Gegner Eberle in einem Freundſchaftskampf wenig Arbeit.
Bereits nach einer Minute lag letzterer auf den Schultern. Nicht
beſſer erging es Schlenk im Federgewicht gegen Hch. Weidner, der
nach 1½ Minuten als Sieger die Matte verließ. Etwas länger,
nämlich 6 Min., gebrauchte Ohl im Leichtgewicht gegen Freitag.
Im Weltergewicht rettete Deckert die Ehre für Bensheim. indem
er durch Eindrücken der Brücke ſeinen Gegner in 3 Min. auf die
Schultern brachte. Angefeuert durch dieſen Erfolg, verſuchte nun
der ſehr ſtarke und gewandte Roth die Situation für ſeinen Verein
zu verbeſſern, aber er hatte nicht mit Reinhard gerechnet. Der
ſchwerſte und aufregendſte Kampf des Tages wurde hier
vorge=
führt, ohne daß es einem der mit Einſetzung aller Kraft, aber
auch aller Geſchicklichkeit arbeitenden Gegner gelang, auch nur
einen kleinen Führungspunkt zu erhalten. Unentſchieden war das
verdiente Urteil des Kampfrichters. — Mehr Glück hatte
Kaffen=
berger im Halbſchwergewicht gegen den ſehr guten und gewandten
Arzberger. Zehn Minuten wurden wechſelſeitig Kraftleiſtungen
gezeigt, wobei Arzberger in ſehr bedenkliche Lagen kam, aus denen
er ſich aber immer wieder geſchickt befreien konnte, bis er ſich durch
die größere Ausdauer Kaffenbergers zermürbt, unterwerfen mußte.
Eine brillante Leiſtung vollbrachte Danz im Schwergewicht gegen
den viel ſchwereren Keller. Ausgeglichener Kampf bis kurz vor
Ablauf der 6. Minute, wo es Keller gelang, Danz im Untergriff
zu faſſen. Katzenartig entwand ſich Danz dieſem Griff und, als
jeder ſchon eine Niederlage ſah, konnte Danz im blitzartigen
Ge=
genangriff ſeinen überraſchten Gegner auf die Schultern bringen.
— Der nun folgende Freundſchaftskampf des ehemaligen
Feder=
gewichtlers Georg Weidner mit dem Leichtgewichtler Freitag,
welch letzterem noch an dieſer Stelle beſonderer Dank für ſeine
Bereitwilligkeit zu dieſem Kampf gebührt, zeigte Weidner in ganz
großer Form. Nach ſehr flottem Kampf wurde Weidner bereits
in der dritten Minute Sieger. Der Kampf wurde durch
Kampf=
richter Kaltwaſſer=Darmſtadt ſehr gut geleitet. Nächſten Sonntag,
den 7. Januar, ſteigt der mit Spannung erwartete Rückkampf mit
Dieburg in Dieburg.
Handball.
Rotweiß Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag ſpielt Rotweiß in Lorſch. Anhängern
iſt dorthin Fahrgelegenheit durch Auto geboten. Einzeichnungen
bis Freitagabend bei den Mitgliedern Löffler („Sporteck”) und
Arnold (Bismarckſtraße 107) erbeten. — Monatsverſammlung
der Raſenſpielabteilung am Freitagabend bei Arnold. —
Hallen=
training ab nächſter Woche wieder in der Turnhalle.
Sporkverein 1898.
Alte=Herren=Abteilung.
Das Training der geſamten Abteilung findet am kommenden
Freitag, abends 7 Uhr, auf dem Stadion ſtatt.
Schiedsrichter=Arbeitsgemeinſchaft, Gr. Darmſtadt, des Kreiſes
Starkenburg.
Am Donnerstag, den 4. Januar 1934, findet, wie üblich, um
8 Uhr die Pflichtſitzung ſtatt. An dieſer Sitzung haben auch die
Neulinge teilzunehmen. Pünktliches und vollzähliges Erſcheinen
iſt ſelbſtverſtändliche Pflicht. gez. Hillgärtner.
Turngemeinde 1846 Darmſtadt, Volksturnabteilung.
Ab heute, 3. Januar 1934, finden unſere Uebungsſtunden in
der Halle wieder Mittwochs ſtatt, und zwar:
Turnerinnen von 19.30 bis 21.00 Uhr,
Turner von 21.00 bis 22.30 Uhr.
Tiſchtennis. Der nächſte Trainingsabend der Tiſchtennis=
Ab=
teilung des SpV. 98 findet am Mittwoch, den 3. Januar, im
Rummelbräu ſtatt. Die Bekanntgabe der Trainingsabende erfolgt
durch Anſchlag am Verkehrsbüro.
Tautaten Aad dieel leer
Traurige, aber inkereſſanke Nachleſe
zur verklingenden Prohibition in den USA.
(hk) Waſhington, Mitte Dezember 1933.
Gezogen von einem Kamel, deſſen trockene Kehle berühmt
ift, wurde vor kurzem das Unheil der Prohibition zu Grabe
getragen. Jetzt, nachdem die andere, die feuchtere Zeit
ange=
brochen iſt, die Bootlegger ſich auf den Sprit für Autos ſtatt
auf den für durſtige Kehlen umgeſtellt haben, iſt es vielleicht
an der Zeit, eine kleine Nachleſe zu halten. Sie iſt nicht immer
erfreulich und iſt bei weitem kein Beweis, daß Kultur und
Menſchenglück, Beſtimmungen und Zollpolizei Begriffe ſind, die
einander decken.
Zahlen und kühle Feſtſtellungen, ein wenig bunt
durch=
einander gewürfelt vielleicht, aber recht amtlich und
unbeſtreit=
bar echt.
einiges Geld, um ſeine Rechnung zu begleichen und fuhr ihn in
einem Privatwagen nach Paris, auf daß er die ſagenhafte halbe
Million abhebe. Es ſoll ganz ertragreich ſein, ſich mit
Millionä=
ren gut zu ſtehen ...
In Paris verſchwand der — ideenreiche Schwarzfahrer auf
Nimmerwiederſehen. Da erſt fiel ſeinen neuen Freunden ein, daß
ſie ganz vergeſſen hatten, nach dem Los zu fragen!
Wem gehört das Kind?
Die Prohibition koſtete die Vereinigten Staaten von Amerika
die runde Summe von 500 Millionen Dollar in den 14 Jahren
ihrer Exiſtenz. D. h. damit ſind die nackten Unkoſten der
Unter=
haltung der verſchiedenen eigens zu dieſem Zweck gegründeten
Aemter und Prohibitionspolizeien gedeckt.
Eine aus „amtlichen” Bootlegger=Kreiſen ſtammende
Schätzung beſagt, daß im Laufe von 10 Jahren nach dem Start
der Prohibition rund 500 Millionen Dollar in Anlagen
in=
veſtiert wurden, die zur Umgehung der Prohibition dienten, alſo
geheime Fabriken, Schiffe zum Schmuggeln des Sprits, Autos
und Panzerwagen und ähnliches mehr.
Die Höhe der entgangenen Getränkeſteuern abzuſchätzen, iſt
ganz und gar unmöglich. Man ſpricht von runden Millionen,
aber auch von runden Milliardenzahlen. Genauer weiß man
ſchon, daß New York zeitweiſe haargenau 30000 Speakeadies
unterhielt, alſo Flüſterkneipen, wo es verbotenen Alkohol gab.
Viele dieſer 30000 Häuſer waren 24 Stunden ununterbrochen
geöffnet.
In der Zeit von 1920 bis 1933 ſtarben in Amerika trotz
aller Trockenheit nicht weniger als 45 549 Menſchen an ärztlich
einwandfrei feſtgeſtelltem Alkoholismus. Damit iſt die
durch=
ſchnittliche Todeszahl an Sterbefällen durch dieſes gleiche „
Lei=
den” bei weitem übertroffen.
In den Gefängniſſen der einzelnen Städte befinden ſich nicht
weniger als 32765 Perſonen, die langfriſtige Strafen für
Ver=
letzung der Prohibitionsgeſetze verbüßen. Abgeſehen von den
5763 Perſonen, die in den Staatsſtrafanſtalten untergebracht
ſind.
Weil wir eben vom Tod durch Alkoholismus ſprachen: eine
einzige Spritladung einer Chicagoer Schmugglerbande war ſo
„ſtark”, daß 46 Perſonen daran ſtarben. 114 andere kamen mit
dem Leben davon. Die Bootlegger wurden angeklagt, aber man
zog es vor, ſie freizuſprechen.
Und noch eine Kleinigkeit zu dieſem Thema: nachweisbar
tranken die durſtigſten der Amerikaner Haaröl als Likör,
Schuh=
politur (farblos), den Spiritus aus Laboratorien, den man bei
Erneuerung der Präparate weggoß, Hautöl und ähnliche
appetit=
liche Sachen und ſchwur, daß man nie etwas Beſſeres
ge=
trunken habe.
L0s Nr. 165 783.
(k) Lyon. Alles ſtöberte in den Abendblättern herum und
kontrollierte die Ziehungsliſten einer Wohlfahrtslotterie. Auch der
Rundfunk ſchaltete ſich ein und teilte dem Publikum des Lyoner
Kaffeehauſes die Losnummern der Hauptgewinne mit. „Los Nr.
165 783 gewann eine halbe Million”, gab der Anſager durch und
ein anweſender Herr ſchrie auf: „Du, meine Güte, daß ich das
er=
leben dürfte
Man beglückwünſchte den Mann, pumpte ihm bereitwilligſt
(k) Le Mans. Vor mehreren Jahren hatte Emile Maſſon
Fräulein Neveu geheiratet und zunächſt war die Ehe auch recht
glücklich. Aber dann verdüſterte ſich der Horizont und die Frau
verließ ihren Mann, mit dem ſie ſich nicht vertragen konnte.
Maſſon trauerte ihr etwas nach, aber dann fand er, wie es
ſo geht, ein hübſches Mädchen und zog mit ihm zu gemeinſamem
Hausſtand zuſammen. Nach gegebener Zeit erſchien zur größten
Freude ein Kindchen, und der glückliche Vater ging aufs
Stan=
desamt, wo er dem Beamten anzeigte: „Madeleine Camille
Jeannine Maſſon, Tochter des Emile Marcel Maſſon und ſeiner
Ehefrau Alphonſine Eugenie, geb. Neveu”.
Aber wie das Unglück will, erblickte die wirkliche Frau
Maſſon die Geburtsanzeige des Standesamts und nachdem ſie
ſich von dem Schrecken über „ihr” Kind, von deſſen Exiſtenz ſie
bislang nichts gewußt, erholt hatte, lief ſie zum Kadi und
er=
ſtattete Anzeige. Es verhält ſich nun ſo, daß die wirkliche Mutter
nicht die Mutter iſt, ſondern das Kind gehört der geſetzmäßigen
Frau. Andererſeits iſt aber der Vater auch nicht der Vater, denn
es iſt gerichtsbekannt, daß er ſeit Jahren von ſeiner Frau
ge=
trennt lebt. Außerdem ſchwebt gegen ihn eine Anklage wegen
„Nichtanzeige einer Niederkunft und Geburt eines Kindes”, wie
es ſo ſchön heißt, derentwegen er ſich vor dem Strafgericht zu
verantworten haben wird.. Wem gehört das Kind? das iſt die
Frage.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt: Mittwoch, 3. Januar
10.45: Praktiſche Ratſchläge für Küche und Haus.
14.30: Köln: Stunde der Jugend.
16.00: Nachmittagskonzert.
18.00: Köln: Deutſch für Deutſche. Unwerſitätslektor Dr. M.
Weller: Technik des Sprechens.
18.20: Köln: Raſſe iſt entſcheidend. 18.35: Aus Zeit und Leben.
19.00: Breslau: Stunde der Nation: Geiſter im Rieſengebirge.
20.10: Stuttgart: Mit Pauken und Trompeten. Ein flottes
Pot=
pourrt, geſpielt vom Südfunkorcheſter. Ltg.: Görlich.
21.00: Stuttgart: Das Ohr der Gegenwart. Plauderei v. Köſtlin.
21.30: Stuttgart: Hornkonzert Nr. 4 von Mozart. Südfunkorch.
22.45: Trier: Kleine Unterhaltung.
23.00: Nachtmuſik. — 24.00: Stuttgart: Nachtmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſchlandſender: Mittwoch, 3. Januar
9.00: Hauptmann Seyd: Das Zorrio. Allerlei wahres
Jagd=
latein aus dem lateiniſchen Amerika.
9.20: Rückwärts= und dann Vorwärtsſchauen. Unterhaltung über
Erbſtamm und Familiengeſchichte.
9.40: Kindergymnaſtik. — 10.10: Vormittagskonzert.
11.00: Trude, Herrmann; Winterlicher Blumenſchmuck.
11.30: Stunde d. dtſch. Hausfrau: Küchenzettelſorgen im Januar.
11.50: Zeitfunk.
14.45: Kinderſtunde. Brüder einſt und jetzt.
15.15: Tierſchutzfunk für Kinder. *
15.45: Alte Dichter zum neuen Jahre. Juſtus Möſer: Der erſte
Jahreswechſel.
16.00: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.00: Jugendſtunde: Mit Perlenfiſchern im Indiſchen Ozean.
17.25: Teemuſik der Kapelle Willfried Krüger.
18.05: Was uns bewegt.
18.30: Deutſch für Deutſche. Dr. Joh. Günther: Rundgeſpräch
mit den Hörern.
19.00: Breslau: Stunde der Nation: Geiſter im Rieſengebirge.
20.00: Kernſpruch: anſchl.; Klaviermuſik von Schubert. Sonate A=
Dur poſth.
20.30: Perpetuum mobile. Die beſten Tanzkapellen der Welt
ſpielen für Sie.
22.30: Obering. Nairz; Viertelſtunde Funktechnik.
23.00; Breslau: Nachtmuſik d. Schleſ. Philharm. Ltg.7 W. Friebs.
ngen.
Feder=
Freitag,
ſeine
in ganz
bvereits
Kampf=
ntag.
mit
lungen
und
umlung
ſch. um
ch die
nen
halbe
Aioné
icht
Frau
vie es
amem
rößten
amille
ſeiner
Frau
dem ſie
enz ſie
nd er=
Nutter
igen
Nummer 2
Mittwoch, 3. Januar
Feſte Börſen zum Jahresbeginn.
Auf der ganzen Linie Kursbefſerungen. — Bevorzugung der Renkenwerke.
Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
An der Berliner Börſe waren Montanwerte durchweg
0,5—1 Prozent gebeſſert. Hoeſch ſtiegen bei 24 Mille Umſatz um
2,25 Proz. Braunkohlenwerte lagen ruhiger. Am
Kaliaktien=
markt fielen Kali Aſchersleben (plus 1,75 Proz.) auf. Die Aktien
der JG. Farben konnten 1½ Proz. und im Verlauf weitere 28
ge=
winnen. Elektrowerte waren 0,5 bis 1,5 Proz. befeſtigt.
Ledig=
lich Chade (minus 3,5 Mark) fielen durch ſchwache Haltung auf,
nachdem anſcheinend die Tauſchoperationen wegen Dollarbonds
beendet ſind. An den übrigen Märkten hielten ſich Veränderungen
im Rahmen von 0,5—1,5 Proz. Schwächer lagen die
Schiffahrts=
werte, ſpeziell Hanſa, die auf die bevorſtehende
Notizeinſtel=
lung erneut 2,25 Prozent einbüßten. Auch Schultheiß,
Süddeut=
ſcher Zucker und Aſchaffenburger Zellſtoff lagen ſchwächer. Am
Auslandsrentenmarkt wurden Bagdad=Bahnen ½ Prozent höher
bezahlt; Oeſterreichiſche Silberrente eröffneten 10 Proz. niedriger.
Nieder lagen die heute erſtmals notierten, auf Reichsmark
umge=
ſtellten Dollarbonds, die bis zu 2 Mark höher bezahlt wurden. Am
Geldmarkt trat noch keine Entſpannung ein. Tagesgeld erforderte
unverändert 5 Prozent und nur vereinzelt 4½ Prozent. Der
Ver=
lauf war weiter freundlich. Farben konnten von dem ſteigenden
Stickſtoffverbrauch der Landwirtſchaft profitieren. Reichsbank
er=
höhten, ihren Gewinn auf 3,75 Proz. Am Elektromarkt waren
Geſfürel insgeſamt 1,75 Prozent befeſtigt. Bayeriſche Motoxen
avancierten um 2,5 Prozent. Sehr feſt lag der Kaſſarentenmarkt,
Länderanleihen wurden 1,25—1,5 Prozent, 28er Mecklenburger
1,75 Prozent höher bezahlt. Provinzanleihen ſtiegen um 1 Proz.,
18. Holſteiniſche um 1,5 und 26er Niederſchleſien um 1,75
Reichs=
altbeſitz zogen auf 91,5 (90) und Neubeſitz um insgeſamt 55 Pfg.
an. Der Hamburger Altbeſitz war 2½ und der Hamburger
Neu=
beſitz 0,30 Prozent höher. Goldpfandbriefe und
Kommunalobliga=
tionen konnten faſt allgemein 1 Prozent, Liquidationspfandbriefe
teilweiſe bis 2 Prozent gewinnen; auch die Landſchaften beſſerten
ſich um 0,5 Prozent. Stadtanleihen avancierten um 3—1,5, die
Verkehrsanleihe um 1,75, 1. und 2. Dekaſana um 1 Prozent.
Ar=
bedbonds gewannen 2, Farbenbonds 0,5, Siemens u. Halske und
Schuckert 1,5 Prozent. Dagegen verloren Rhein=Main=Donau
0,75 Prozent.
Die erſte Frankfurter Börſe im neuen Jahre 1934 ſetzte
in ausgeſprochen freundlicher Grundſtimmung ein. Im
Vorder=
grunde des Intereſſes ſtand der Rentenmarkt, der ziemlich große
Umſätze und beachtliche Kursſteigerungen aufwies. Dieſe
Bewe=
gung iſt ein erfreuliches Zeichen und ein Vertrauensbeweis für
Reichsanleihen, die im Mittelpunkt ſtanden. Verurſacht iſt dieſe
Bewegung in dem Anlagebedürfnis aus freigewordenen Zins=
und Kuponeinnahmen. Die Altbeſitzanleihe gewann zunächſt ³
Prozent und dann nochmals ½8 Prozent, Neubeſitz insgeſamt 0.45
Prozent. Späte Reichsſchuldbuchforderungen lagen 1,5 Prozent
feſter. Auch für Pfandbriefe machte ſich ſchon bei Börſenbeginn
auf erhöhter Baſis Kaufneigung bemerkbar. Dollarbonds
durch=
weg. feſter. Von Induſtrie=Obligationen waren in Nachwirkung
neuerlicher Gerichtsentſcheidungen Stahlvereinbonds um 19
Pro=
zent befeſtigt. — Auch Aktien waren feſt. Es führten
verſchie=
dene Spezialwerte des Montan= Chemie= und Automobilmarktes.
Reichsbankanteile 2 Prozent höher. Reichsbahn=V.A. ausſchließl=
Zinſen etwas feſter. Nur Schiffahrtswerte bemerkenswert ſchwach,
wobei, Nordd. Lloyd und Hapag je 1½ Prozent verloren. JG.
Farben bei ziemlich großen Umſätzen insgeſamt um 2,25 Prozent
höher. Am Montanmarkt gewannen Klöckner 1,5 Proz.
Mannes=
mann 1 Proz. und Harpener 1,25 Proz. Daimler Motoren ſehr
geſucht und 1½ Proz. feſter. Zellſtoffwerte leicht anziehend.
Elek=
trowerte ruhiger und nur teilweiſe etwas freundlicher. Im
ein=
zelnen: Zement Heidelberg 1 Proz, höher, Südd. Zucker 0.5 Proz.,
Aku /8 Proz. leichter. Im Verlaufe zogen verſchiedene Werte am
Aktienmarkt nochmals an, ſo Geſfürel (erneut 1,25 Proz.),
Reichs=
bank (nochmals 1,75 Proz.), Mannesmann (plus 1½ Proz.) uſw.
Aktien waren aber insgeſamt etwas ruhiger, während Renten
ihre beachtlichen Umſätze aufrecht erhielten und ihre höchſten
Ta=
gesgewinne voll behaupteten. Pfandbriefe waren durchweg alle
höber und 1—1,5 Proz. feſter, wobei vielfach nur beſchränkte
Zu=
teilung erfolgte. Auch Stadtanleihen bis 1 Prozent gebeſſert,
Staats= und Länderanleihen zeigten ebenfalls Kursſteigerungen
um 0,5—1 Prozent. Von fremden Werten wurden Schweizer
Bundesbahnanleihen ausſchließlich etwas feſter notiert. Nach dem
Ultimo trat am Geldmarkt die erwartete Entſpannung ein,
Tages=
geld wurde mit 4 nach 4,5 Prozent feſtgeſetzt.
Der Kupontermin machte ſich auch an der Abendbörſe in
weiteren, wenn auch nur kleinen Anlagekäufen bemerkbar, wobei
Rentenwerte wieder bevorzugt waren. So eröffneten, von den
variablen Reichsanleihen Alt= und Neubeſitz bis zu ½ Prozent
höher; ferner, erhielt ſich Nachfrage nach einigen Staats= und
Städteanleihen, ſowie nach Pfandbriefen. Von
Induſtrieobliga=
tionen waren Stahlvereinbonds 0,25 Prozent feſter. Der
Aktien=
markt lag etwas ruhiger. Die Berliner Schlußkurſe waren
größ=
tenteils gut behauptet, vereinzelt weiter bis zu 0.25 Prozent
be=
feſtigt. Stärker geſucht waren Schuckert, die insgeſamt 1,5 Proz.
gewannen. Von Schiffahrtswerten konnten ſich Nordd. Lloyd nach
ihrer Abſchwächung von heute mittag um ½ Prozent erholen. Im
Verlaufe hielten ſich die Umſätze in beſcheidenen Grenzen, doch
ließen ſich teilweiſe weitere Beſſerungen um 0.25 Prozent erzielen.
JG. Farben gewannen 0,5 Prozent. Renten waren zum Schluß
etwas ruhiger, aber voll behauptet. Pfandbriefe kamen vielfach
um 0,25—0,50 Prozent höher zur Notiz.
Berliner Produktenbericht vom 2. Januar. Die Marktlage
im Getreideverkehr hat durch den Jahreswechſel zunächſt nur
in=
ſofern eine Veränderung erfahren, als für Weizen und Roggen
die höheren Feſtpreiſe Wirkſamkeit erlangt haben. Das
erſthän=
dige Angebot war auf dem neuen Preisniveau völlig ausreichend,
andererſeits disponieren die Mühlen und der Handel zunächſt noch
vorſichtig. Die Mühlen dürfen im Januar bekanntlich nur
die=
ſelben Mengen wie im Dezember vermahlen. Das Geſchäft
be=
wegte ſich in ruhigen Bahnen und die Gebote wurden nur zögernd
den höheren Forderungen angeglichen. Exportſcheine lagen ſtetig;
zu beachten iſt, daß nach dem 1. Januar bei der Wiedereinfuhr ein
Zoll von 7,50 RM. bei Weizen und 5 RM. bei Roggen zu zahlen
iſt. Weizen= und Roggenmehle liegen bei ſtetigen Forderungen
noch ruhig. Hafer iſt nach wie vor wenig angeboten und findet
weiter etwas beſſere Beachtung. Von Gerſten ſind nur feine
Brauqualitäten gefragt.
Biehmärkke.
Mainzer Viehmarkt vom 2. Januar. Auftrieb: 23 Ochſen, 5
Bullen, 445 Kühe oder Färſen, 181 Kälber, 763 Schweine. Notiert
wurde pro Zentner Lebendgewicht in RM.: Ochſen a) 1. vollfl..
ausgemäſt, höchſten Schlachtwertes 28—32; b) 2. ſonſtige vollfl.
ältere 24—27; Bullen c) fleiſchige 21—25; Kühe a) jüngere
voll=
fleiſchige höchſten Schlachtwertes 22—27: b) ſonſtige vollfl. oder
gemäſtete 17—22; c) vollfl. 12—15: Färſen a) vollfl., ausgemäſt.,
höchſten Schlachtwertes 23—33; Kälber b) beſte Maſt= und
Saug=
kälber 40—42; c) mittlere Maſt= und Saugkälber, d) geringe
Kälber 22—26; Schafe nicht notiert; „Schweine b) vollfleiſchige
von zirka 120—150 Kilo 50—52; c) vollfleiſchige von zirka 100—
120 Kilo 48—52: d) vollfleiſchige von zirka 80—100 Kilo 48—50
RM. Marktverlauf: Großvieh anfangs ruhig, ſpäter abflauend,
langſam geräumt; Kälber mäßig belebt, ausverkauft; „Schweine
ruhig, Ueberſtand.
Erleichkerungsmaßnahmen für den Geldmarkk.
Durch das Geſetz zur Aenderung des Bankgeſetzes vom 27. 10.
1933 iſt die Reichsbank u. a. ermächtigt, Lombarddarlehen zur
bankmäßigen Notendeckung heranzuziehen. Dem
Reichsbankdirek=
torium war es infolgedeſſen möglich, die bisherigen
Beſchränkun=
gen der Handhabung des Lombardverkehrs erheblich zu lockern,
namentlich auch ſoweit es ſich um den Geſchäftsverkehr mit
Geld=
inſtituten handelt. Es darf erwartet werden, daß dieſe
Maß=
nahme nicht nur zur weiteren Erleichterung des Geldmarktes,
ſondern vor allem auch zur Förderung des Kapitalmarktes
bei=
tragen und ſich in Richtung der allſeits angeſtrebten organiſchen
Zinsſenkung auswirken wird.
Die Arbeitsmarkklage im Saargebief.
Im Saargebiet war, wie im übrigen Reich, ſeit Anfang
Februar 1933 ein Rückgang der Arbeitsloſigkeit zu verzeichnen,
der zum größten Teil der vermehrten Aufnahmefähigkeit des
deut=
ſchen Markts für ſaarländiſche Erzeugniſſe zuzuſchreiben iſt.
Aller=
dings iſt der Rückgang der Arbeitsloſigkeit bei weitem nicht in
dem Umfang wie im übrigen Reich erfolgt, ja, ſeit September iſt.
wieder ein Anſteigen der Arbeitsloſenzahl zu verzeichnen. Auch
wurde die Zahl von 1931 im Gegenſatz zum Reich niemals
unter=
ſchritten Es iſt dies in erſter Linie auf das Fehlen ſtaatlicher
Arbeitsbeſchaffungsmaßnahmen im Saargebiet zurückzuführen.
Wäre das Saargebiet ſchon wieder ein Teil des deutſchen
Wirt=
ſchaftsgebietes, ſo hätte ſich zweifellos eine fühlbarere Beſſerung
auch auf dem ſaarländiſchen Arbeitsmarkt feſtſtellen laſſen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Bleihüttenproduktion im November. Die
Bleihüttenpro=
duktion der Erde betrug nach den Berechnungen der Statiſtiſchen
Abteilung der Metallgeſellſchaft AG. Frankfurt a. M., im
Novem=
ber 1933: 115 936 To. gegen 110333 To. im Oktober 1933 und
96 148 To im Monatsdurchſchnitt 1932. In Amerika belief ſich
die Raffinadeproduktion, die mit der Hüttenproduktion im
weſent=
lichen übereinſtimmt, auf 61 524 (54 861 bzw. 43 816) To. Die
Hüttenerzeugung in Aſien ſtellte ſich auf 7976 (7976 bzw. 7870)
To., in Afrika auf 2000 (2050 bzw. 1174) To., in Auſtralien auf
14656 (18 269 bzw. 15 358) To. Von der europäiſchen Produktion
von 29 780 (27 177 bzw. 27 930) To. entfielen mit 11 279 (10 187
bzw. 7935) To. auf Deutſchland. Die Produktion im
Tagesdurch=
ſchnitt betrug 3865 (3559 bzw. bezogen auf das Jahhr 1932: 3152)
Tonnen.
Der Röhrenmarkt im Dezember. Nach dem Bericht des
Röh=
renverbandes GmbH., Düſſeldorf, war das Röhrengeſchäft auf dem
Inlandsmarkt im Dezember 1933 infolge der durch den Froſt
be=
einträchtigten Verlegungsarbeiten etwas ruhiger. Sowohl in
handelsüblichen Gas= und Siederöhren als auch in
Stahlmuffen=
röhren blieben die Umſätze unter den Vormonatsziffern. Nur in
Qualitätsröhren hat ſich der Auftragseingang auf der bisherigen
Höhe gehalten. Die Verkaufsmöglichkeiten auf den
Auslands=
märkten ſind anhaltend ſchwierig.
Zum Abkommen über die Feſtſetzung von Höchſtzinsſätzen. Der
zentrale Kreditausſchuß hat durch ſchriftliche Entſcheidung
nach=
ſtehende Ergänzung des Paragraphen 5 des Abkommens über die
Feſtſetzung von Höchſtzinsſätzen für hereingenommene Gelder vom
9. Jan.1932 beſchloſſen: Werden Gelder, die für einen beſtimmten
Zeitraum hereingenommen und an einem vorher beſtimmten Tag
fällig werden, während der Dauer ihrer Laufzeit auf einen
be=
ſtimmten weiteren Zeitraum hereingenommen, ſo dürfen dieſe
Gelder, für den Zeitraum der weiteren Feſtlegung höchſtens mit
dem Satze verzinſt werden, der auf Grund der neuen, vom
Fällig=
keitstage ab zu berechnenden Laufzeit zuläſſig iſt
Frühbezugsvergütung für Thomasmehl. Der Verein der
Thomasmehlerzeuger teilt mit: Um der deutſchen Landwirtſchaft
auch weiterhin die Möglichkeit zu geben, ihren Frühjahrsbedarf
in deutſchem Thomasmehl billig einzudecken, haben ſich die
deut=
ſchen Werke bereit erklärt — einem aus der Oeffentlichkeit
laut=
gewordenen Wunſche entſprechend — die Frühbezugsvergütung
von 2 Pfg. je Kilo zitronenſäurelösliche Phosphorſäure,
Fracht=
grundlage Aachen=Rothe Erde und Oſtſee, weiter zu gewähren.
Dies gilt für Abrufe auf ſofortige Lieferung lautend: Schlußtag
31. Januar 1934.
Durchführung des Geſetzes zum Schutze des Einzelhandels. Der
Preußiſche Miniſter für Wirtſchaft und Arbeit hat folgende
An=
weiſung zur Durchführung des Geſetzes zum Schutze des
Einzel=
handels erlaſſen: Ueber die Zulaſſung von Ausnahmen von den
Verbotsvorſchriften der Paragraphen 3 und 4 des Geſetzes zum
Schutze des Einzelhandels entſcheidet, in Landkreiſen der
Ober=
bürgermeiſter, in deſſen Bezirk die Verkaufsſtelle errichtet werden
ſoll oder ſich befindet. Die Entſcheidung des Landrats erfolgt
nach Anhörung des Behördenleiters. Auch ſoll die Induſtrie= und
Handelskammer, und wenn die Belange des Handwerks berührt
werden, die Handwerkskammer gehört werden. Gegen die
Ent=
ſcheidungen des Landrats bzw. des Oberbürgermeiſters iſt
inner=
hilb zweier Wochen ausſchließlich die Beſchwerde bei dem
Regie=
rungspräſidenten in Berlin bei dem Polizeipräſidenten zuläſſig.
Die Entſcheidung des Regierungspräſidenten bzw. des
Polizei=
präſidenten in Berlin iſt endgültig.
Die in Reichsmark=Obligationen umgetauſchten Dollarbonds.
Der Ortsausſchuß Frankfurt der Ständigen Kommiſſion für
An=
gelegenheiten des Handels in amtlich nicht notierten Werten gibt
bekannt, daß die Reichsbank=Obligationen der umgetauſchten
Dol=
larbonds ebenſo wie in Berlin auch an der Frankfurter Börſe zum
Handel im Freiverkehr zugelaſſen ſind. Es wird per Erſcheinen
gehandelt unter Berechnung von Stückzinſen bis zum
Erſchei=
nungstage.
Keine Fuſion italieniſcher Großbanken. Zu den in der letzten
Zeit wiederholt aufgetretenen Börſengerüchten, die von einer
Fu=
ſion verſchiedener italieniſcher Großbankengruppen wiſſen wollten
(man ſprach von einer Fuſion der Banca Commerciale Italiana
mit der öffentlich=rechtlichen Banca del Lavoro, ſodann von dem
Uebergang des Inſtituts del Credito Marittimo auf die Banca
Commerciale und endlich auch von einer Fuſion Banco di Roma
mit Credito Italiano), wird von den zuſtändigen Stellen erklärt,
daß dieſe Gerüchte jeder Grundlage entbehrten.
7½prozentige rumäniſche Monopolanleihe von 1931. Die
Stän=
dige Kommiſſion zur Wahrung der Intereſſen deutſcher Beſitzer
ausländiſcher Wertpapiere, Berlin NW. 7. Dorotheenſtr. 4. teilt
im Einvernehmen mit den Emiſſionshäuſern der 7½prozentigen
rumäniſchen Monopolanleihe von 1931 folgendes mit: Die
rumä=
niſche Regierung hatte Ende September vor. Js. den Vorſchlag
gemacht, auf den am 1. Okt. 1933 fälligen Kupon der genannten
Anleihe eine a conto=Zahlung von 20 Prozent zu leiſten. In
län=
geren Verhandlungen mit Vertretern ausländiſcher Gläubiger hat
ſie ſich dann bereit erklärt, dieſe 2 conto=Zahlung auf 50 Prozent
zu erhöhen. Die Regelung des nicht transferierten Betrags wurde
weiteren Verhandlungen vorbehalten, die Anfang dieſes Jahres
(vorausſichtlich im Februar) nach Berichterſtattung durch
Sachver=
ſtändige über die Finanzlage Rumäniens ſtattfinden ſollen. Die
ſtändige Kommiſſion glaubt in Anbetracht der Verhältniſſe nicht,
daß eine beſſere Regelung zu erzielen ſein wird. Die Beſitzer
können die Teilzahlung ſogleich gegen Einreichung des Kupons
mit doppelten, nach der Nummernfolge geordneten
Nummerver=
zeichniſſen, worin der urſprüngliche Nennbetrag der Kupons und
der zur Auszahlung kommende Betrag (50 Prozent) vermerkt ſind,
erheben. Die Auszahlung erfolgt bei den bisherigen Zahlſtellen
— Mendelsſohn u. Co., Berlin, und Dresdner Bank. Berlin —
unter Perforierung der Kuvons und ihrer Abſtempelung mit dem
Aufdruck „50 Prozent paxés”. Alsdann werden ſie dem Einreicher
zurückgegeben.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Nach Mitteilung des Roheiſenverbandes GmbH., Eſſen,
hiel=
ten ſich im Dezember auf dem Roheiſeninlandsmarkt die Abrufe
auf der Höhe des Vormonats. Im Auslandsgeſchäft war eine
kleine Belebung feſtzuſtellen.
Nach den Angaben des Deutſchen Stickſtoffſyndikats, in dem
98 Prozent der ganzen deutſchen Produktion vereinigt ſind, zeigt
der Stickſtoffverbrauch der deutſchen Landwirtſchaft wieder eine
aufwärts gehende Linie. Der Geſamtverbrauch ſtellt ſich in dem
Düngejahr 1932/33 auf 351 000 To. gegen 325 000 To. im
Dünge=
jahr 1931/32 bzw. 360 000 To in 1930/31 und 410 000 To. in 1929=
1930 oder 280 000 To. in 1923/24.
Im Dezember 1933 ſind durch den Reichsanzeiger 197
Kon=
kurſe und 65 Vergleichsverfahren bekanntgegeben worden. Die
entſprechenden Zahlen, für November 1933 ſtellen ſich auf 221
bzw. 83.
Der bekannte Hamburger Bankier Dr. jur. Karl Melchior,
der Inhaber des Bankhauſes M. M. Warburg u. Co., iſt
Sams=
tagnachmittag im 63. Lebensjahre an einem Herzſchlag geſtorben.
Die Bank von Litauen hat vom 1. Januar 1934 ab ihren
Dis=
kontſatz von 7 auf 6 Prozent ermäßigt.
Der Londoner Goldpreis betrug am 2. Jan, für eine Unze
Feingold 127 Schill. gleich 86,6775 RM., für ein Gramm Feingold
demnach 48,9977 Pence gleich 2,78 674 RM.
Berliner Kunsbericht
vom 2. Januar 1934
Oeviſenmarkt
vom 2. Januar 1934
Me e
Deutſche Bank u. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Bant
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Niecht
51.—
58.—
25.375
14,50
28.125
24.—
135.50
45.25
12.50
G.
148.25
113,25
Deutſche Erdöl.
Elektr. Lieferung
7. 6. Farben
Gelſ. Bergwerke
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Koksw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.
Orenſtein & Koppel
Vee
89.—
125.—
57.—
86.75
89.—
6é.—
69.—
114.50
59.375
85.875
61.875
39.875
59,75
Maee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Kaufho
Verein. Stahlwerke/ 37.—
Weſteregeln Alkali
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Höhenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke.
100 Pengö Sofig 100 Leva 114.50 Holland 100 Gulden 168.38 Oslo 100 Kronen Agsb.=Nurb. Maſch. 44.50 Kopenhagen 100 Kronen 15.50 Stockholm 100 Kronen ſ7 88.875 London 2.Stg. 13.63 Buenos=Aires 1 Pap. Peſo New York Dollar. 71.75 Belgien 100 Belga s 65.125
Italien 100 Lire ſa 85.—
Paris 100 Franes
Rt
6.o24
47.65
12.32
12
3.047
68.53
10.89
70.33
0.839
2.63
58.21
22.03
is.41
Riet
Sose
47.75
12.44
3.053
168.72
68.67
61.01
70.47
13.67
0.642
2.643
58.33
22.07
16.45
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Athen
Iſtambu
Kairo.
Kanada
uruguah
Fsland.
Tallinn (Eſtl. 100 eſtl. Kr.
Niga
Rio de Janeirol Milre is 0.822
0.226 Jugoſlawien 100 Dinar 5.664 Portugal 100 Escudos 112.44 100 Drachm. 2.396 ſttürk. 8 1.279 ägypt. 14.01 t eanad. Doll 2.847 1 Goldpeſo 1.389 100 is1. Kr. (i.69 75.22 100 Lats 80.02
Briei
81.18
24.53
21.68
0.524
0.228
Se5e
2.46
2.400
1.962
19.05
2.653
1.301
6i.81
15.38
20.18
Darmſtädter und Nationalbank Darmſtadt. sugle der Oresdner Bank
Frankfurter Kursbericht vom 2. Januar 1934.
Kene
„ Gr. IIp. 1934
„ „ 1935
„. 1936
„. „ 1937
„ „ „ 1938
Gruppe I
6%Otſch. Reichsanl.
v.27
6%
5½3% ntern. ,b.30
6%Baden „.. b.27
6%Bayern .. v. 27
6%Heſſen. . . v.29
6%Preuß. S v. 28
6% Sachſen . v.27
6%Thüringen v .7
Dtſch. Anl. Ausl
ſungsſch. 42/,Ab
löſungsan!.. . . . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe .. .
6%Baden=Baden.
6BBerlin ... b.24
6%Darmſtadt . . . .
6%Dresden.. b. 26
62Frankfurt a. M.
Schätze v. 29
v.26
68Mainz......
6%Mannheim v.27
6%München . b.29
6%Wiesbaden v. 28
6 %Heſt. Landesbl.
Goldoblig
612% Heſſ.
Landes=
hap. Bk.=Liquid.
102
98:I,
95.25
92.25
8971,
95.5
100
92.5
921,
92,5
93.5
93.25
104.5
92
91.5
8.85
84
76‟,
83.5
80.25
84.75
88.5
82.75
90.5
498beſſ. Landes.
Hhp.=Bk. Liqu.
Komm. Obl. ...
6%Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G.Pf.
6% „ Goldoblig.
6%Landeskomm.
Bk. Girozentr. f.
Heſt. Gldobl. R.11
R12.
696
6½Kaſſ. Landeskrd.
Goldpfbr. ....
6%Naſſ. Landesbk.
5½% „ Liqu. Obl.
Dt. Komm.
San=
mel=Ablöſ.=Anl.
FAusl. Ser.
FAusl. Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
6%Ber., Hyp.=Bk.
5½% „ Lig.=Pfbr.
6%Frifi. Hyp.=Bl.
5½% „ Lig. Pfbr.
Goldoblig.
%Frri. Pfbr.=Bk.
2 % n Lia.=Pfbr
6% M ein.Hyp.=Bk.
„ Lig. Pfbr.
82P lz. Gyp.Bi.
Lig. Pfbr
5½%
6%Nhe n. Hyp. B
514% Lia Pfbr
oldoblig.
% Südd Boden=
Cred.=Ba
8% „ Lig.
5%Württ. Hyp. T
90
Re
85.5
91.5
92.5
92.5
89.5
106.5
17.25
90
90.5
93
91.5
88
92.5
92.25
92.25
92.5
94.5
93.25
93
93
90
95
92
94.5
60Dalmler=Benz
6% Dt. Linol. Werke
62Mainkriwv. v. 26
62Mitteld. St ihl.
6% Salzmann E Co.
6%Ver. Stahlwerfel
62 Boigte Häffner
J. G. Farben Bondsl;
5%Bosn. L.E.B.
L.Inveſt.
5%Bulg. Tab. v. 62
4½%0 Oſt. Schätze.
4%Oſt. Goldrente.
5Svereinh. Rumän
4½%
42Türk. Admin.
42 „ 1.Bagdad
Zollanl.
4½ %üngarn 19131
19141
4½%a
Goldr.
1910
4½Budp. Stadtanl.
42Liſſabon
42 Stockholm
Aktien.
Alg. Kunſtzlide Unie
A.E.G. ........"
AndregeNoris Bahn
Aſchaffbg. Brauere
Zellſtoft
Bemberg, J.P..
Berl. Kraft u. Licht
Buderus Eiſen. . ..
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſellt
Vife
96
90.75
gi.5s
81
73
115
11.5
11.5
6.3
12.25
16.75
4
6.5
3.25
2.9
5.1
4.75
4.75
4
4.75
40.75
34
Wee
Chade ..n!l=
Contin. Gummiw..
Contin. Linoleum.
Daimler=Benz....
Dt. Atl. Telegr. . ..
Erdöl
...!
Dt. Gold= u. Silber
ſcheide=Anſtalt.
Linoleum
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoff & Widm
ichbaum=Werger
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Lichtu. Kraft
Eſchw. Bergwer:
Eßling. Maſchinen
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter)
Felt & Guilleaume
Frankfurter Hof.
Zelſenk. Bergweri
Geſ.f.elektr. üintern
Goldſchmidt Th.
Gritzuer=Kalſer..
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft..
Hanauer Hofbräuh.
Hanfverte Füſſen.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer .
Hochtief Eſen ....
Holzmann, Phil. ..
Zlſe Bergb. Stamm).
Zenuſſel=
Jungh
....
42,5
40
147.5
37.25
108.5
1041,
189.5
45.25
66
16.75
68
89
89.75
212
33
125.25
26‟
52.5
26
56
86.25
48
18.75
185
83
96
27.5
88.75
96
34.5
45
96
68.5
141.75
107.25
29
Maiee
„ Aſchersleben
Klein, Schauzlin
Klöchnerwerke.
Knorr C. H...
Lahmeher & Co. ..
Laurahütte.
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch.. =
Malnkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt. Br.
Mannesm.=Röhren!
Mansfeld Bergb.
Metallgeſ. Fraukf.
Miag, Mühlenbau.
Motoren Darmſtadt
Reckarwerk Cßling.
Oberbedar ..
Phöntx Bergbau..
Rh. Braunlohlen".
Elektr. Stamm
Stahlwverle.
Riebeck Montau.
Roeder, Gebr.
Rütgerswerle
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn.).
Schöfferhof=Bind.
Schramm, Lackfbr.
Schucker:, Elektr.
Schwartz, Storchen
Siemens & Halske.
Reinigerwerkel
Südd. Zucker=A. 6.
Thür. Liefer.=Geſ..
Kaufhos ..... ..
Anterfranken .....!
116.25
421
59,25
179
110
16.5
83‟
211
6o
63.75
61”.
24
61.25
79
143.5
CK
192
13.75
We Ke
Ver. Ultramarin. ..
Voigt & Haeffner.
Beſteregeln Kalt,
Zellſtoff Waldhof.
Aig. Dt. Credikanſt
Badiſche Baut...
Bk. f. Prauinduſtr.
Bahyer. Hhp. u. W.
Verl. Handelsge
Hypothekbl.
Coim. u. Privatk
Dt. Ban lund Disc.
Dt. Eff. u. Wechſe
Dresduer Bau!
Frankſ. Ban!.
Hyp.=Ban:
Mein. Hyp.=Ban1
Pfälz. Hhp.=Bau1.
Reichsbank=Ant.
Rhein. Hyp.=Banl
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Württb. Notenban
—
A.-G. Verlelrsiv
Allg. Lokalb. Kraftwv
726 Dt. Reichsb. Vz
Hapag .......
Nordd. Llohd.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Altanz= u. Sturg.
Verſicherung ...!
„„ Verein. Verſ.”
Frankona Rück=u. 9
Mannheim. Verſich
Otavi Minen
11.5
38"
Schantung Hande
Vfe
102
*
47.5
34.25
89.75
R.5
84.5
120
45.25
4
58
80.5
80
164,75
113
108
58.5
8!
104.5
8.
50
210
215
116
18
Kroßen Br.
Vegen 1 7
Verlängert.
letzter N
Verlkz in=
Froßlüestin
Die Nacht
Paden
K,
Hartmann,
Skeul, Joh.
Loosiezak
mit Marcha
Hans Söhnke
Mit Gustar Fröhlich.
Darmia Worotna u.
Christiane
Alexander,
Der große
Publikums-Erfolg
(V197
nur noch heute
und morgen!
Mackenſenſtr. 50
Telefon 3739.
Seite 13 — Nr. 2
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mittwoch, 3. Januar 1934
Wohin heute?
UHIo
Veo7
Voranzeige!
UNION-THEATER
Ab Horgen
Der neueste Film des Meister-Regisseurs Carl Froehlichr
mit Carl kudwig Dlehl und Margot Wagner
Sektion
Starkenburg.
Sonntag, 7. Jan.
Nachmittags=
Tampf voraus!
„Ein Großfilm der neuen deutschen Reiels-Marine.
Näh.
Geſchäfts=
ſtelle Eilaſbeth.=
Str. 4. Die
Zeit=
ſchrift 1933 kann
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