Ginzelnummer 10 Pfennige
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ſiagegebübr, abgehoſt 2.— Reiſchsmark, durch die
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I zu=gspreiſes. Beſſellungen und Abbeſiellungen durch
rmuf ohne Verbindlichkelt für uns. Poſſcheckonio
Franfturt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Orlginal=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 362
Freitag, den 30. Oezember 1932.
195. Jahrgang
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27 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 23 Reichspig
Finanz=Anzelgen 35 Reichspfg. Rellamezelle (92 mm
breitl 2. Reichomark-Anzeigen von auswärie 3s Reſchepfg.
Finanz=Anzelgen 50 Reichspfg. 92 mm breite
Reliame=
zelle 3.00. Reſchsmark. Alle preſſe in Reichsmare
(: Dolſar — 420 Markl. — Im Falle, höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fäglt ſeder
Rahatt weg. Banſonio Deuſche Bant und Darme
Kädter und Nationalbank.
Eakoppelung von Meiſtbegünſtigungs= und Präferenziyſtem unker gleichzeitigem Berzicht auf jede
Konkin=
geſilierung. — Größere Bewegungsfreiheit für Verhandlungen mik anderen Ländern.
Währungsſchutzklauſel, wonach bei einer Verſchiebung
der Währung des einen Teiles gegenüber derjenigen des andern
Die neue Berkragsform.
Jetzt ſind auch die neuen Zollabmachungen mit Frankreich
öffentlicht worden. Sie führen handelspolitiſch in Neuland,
ell hier zumerſten Mal der Verſuch gemacht wird, die
keiſtbegünſtigung, die in den letzten
Jahrzehn=
ſen eigentlich die Grundlage der ganzen
euro=
ſäfiſchen Handelspolitik bildete in andere
For=
nzugießen und ſie den veränderten
Verhält=
ſiſſen anzupaſſen.
Grundſätzlich wird im neuen deutſch franzöſiſchen
andelsvertrag die Meiſtbegünſtigung
aufrechter=
all ten. Ausnahmen ſind für etwa 30—40 Poſitionen
zuge=
ieen, die zwar im deutſch=franzöſiſchen Handelsvertrag keine
Eiße Rolle ſpielen, die aber beiden Staaten für Verhandlungen
ü anderen Ländern größere Bewegungsfreiheit
aern. Generelle Ausnahmen ſind außerdem inſoweit
vorge=
hen, als die Möglichkeit gegeben iſt,
Präferenz=
u d Kollektiv=Verträge zu ſchließen, ohne daß
da=
uch einer der Partner auf Grund ſeines
Meiſtbegünſtigungs=
dates Anſprüche erheben oder die Vergünſtigungen des
Prä=
rinzvertrages für ſich beanſpruchen kann. Endlich wird das
am ze Syſtemelaſtiſcher dadurch geſtaltet daß jeder
eil einzelne Poſitionen binnen 14 Tagen zur
imleitung von Ausgleichsverhandlungen
kün=
igen kann, die dann eine Erhöhung einer Zollbindung auf
er einen Seite durch Entgegenkommen bei einer anderen
Poſi=
on wettmachen ſollen.
Das iſt eine intereſſante und neuartige Methode, um ohne
e tragskündigung beiderſeits zu einer gewiſſen
Handlungsfrei=
e zu gelaugen. Sie ſtellt ein für die gegenwärtigen labilen,
tenn auch nicht für normale Verhältniſſe geeignetes Experiment
n. Es erhält den Vertrag aufrecht, deſſen Ausfall angeſichts
er zahlreichen Durchlöcherungen des Handelsvertragsſyſtems
h= unerwünſcht geweſen wäre, beſonders auch, weil der Export
us Frankreich in Goldvaluta und ohne Deviſenreſtriktionen
be=
ſallt wird:
Es iſt heute noch nicht zu ſagen, wie ſich dieſes neue Syſtem
wer Praxis auswirken wird, weil man wohl erſt Erfahrungen
mmeln muß. Aber der Gedanke der Verkoppelung von
Fiiſtbegünſtigungs= und Präferenzſyſtem unter
Sichzeitigem Verzicht auf jegliche
Kontingen=
rung hat für den erſten Blick etwas Beſtechendes an ſich
ing vermutlich wird die neue Vertragsform für die
Reiteren Wirtſchaftsverhandlungen zur Beruhigung des
zwiſchen=
atlichen Warenaustauſches eine große Rolle ſpielen.
Das Deviſenabkommen.
Im einzeln zerfällt der neue Vertrag in ein Deviſenabkommen,
einen Zuſatz zum Handelsvertrag und in ein
Fremdenverkehrs=
biwmmen. Das Deviſenabkommen ſieht folgende Regelung
ir Wenn die Ausfuhr franzöſiſcher Waren nach Deutſchland das
euckſcherſeits normalerweiſe für die Bezahlung franzöſiſcher Waren
ſtgeſetzte Deviſenkontingent überſchreitet, werden die=Zahlungen,
terdarüber hinausgehen, in Mark auf ein zu errichtendes
Reichs=
anl kkonto erfolgen. Dieſe Beträge werden zur Bezahlung deutſcher
amen dienen, die nach Frankreih ausgeführt werden. Es erfolgt
ſ= keine Transferierung. Das Deviſenabkommen tritt am
Fanuar 1933 in Kraft und gilt bis zum 28. Februar 1933 und
iiſd von da ab ſtillſchweigend verlängert, wenn es nicht mit
ttägiger Kündigungsfriſt gekündigt wird.
Das Zuſahabkommen.
Im Mittelpunkt der Vereinbarungen ſteht das
Zuſatzab=
mmen zum Handelsvertrag. Hierzu erfahren wir von
zuſtän=
ger Stelle:
Die erſten vier Artikel dieſes Abkommens regeln die Frage
er Meiſtbegünſtigung. Praktiſch iſt die gegenſeitige
leiſtbegünſtigung voll aufrecht erhalten worden. Die
gegen=
itsg meiſtbegünſtigten Waren ſind in zwei Liſten enthalten, die
ens Abkommen beigefügt ſind. Von der Meiſtbegünſtigung
aus=
ewommen ſind lediglich ſolche Waren, an denen die
Vertrags=
uutner kein Intereſſe haben; beiſpielsweiſe iſt für Deutſchland
un genommen die Ausfuhr von Johannisbrot und Bananen nach
inkreich. Es iſt aber vereinbart worden, daß die beiden
poſi=
veen Liſten auch ſpäter noch auf Wunſch eines der
Vertrags=
uner noch ergänzt werden können.
Der wichtigſte Artikel des Abkommens iſt
amn der Artikel 5, der die Beſtimmungen über
ie Auflockerung der Tarifanlagen des
Han=
ellsvertrags enthält. Die neue Regelung iſt ſo, daß zwar
te Liſten des alten Abkommens aufrecht erhalten bleiben und
einxe Aenderung der Sätze feſtgelegt iſt, aber jedem
Vertrags=
eü iſt jetzt die Möglichkeit gegeben, einzelne oder mehrere
Po=
tionen mit vierzehntägiger Friſt aufzukündigen. Dieſe
Aufkün=
grung darf jedoch nicht willkürlich erfolgen, ſondern es iſt eine
erreinbarung getroffen worden, daß der betroffene Vertragsteil
ſeishandlungen beantragen kann, wenn er glaubt, daß durch die
ündigungen das Gleichgewicht verſchoben worden iſt. Bei dieſen
eishandlungen ſollen dann auch die Gegenmaßnahmen des
be=
rofffenen Ver agsteiles erörtert werden. Falls es dabei nicht
immen zehn Tagen zu einer Einigung kommt, kann der
betrof=
ehee Vertragsteil auf dem ganzen Gebiet der Liſten
Zoll=
rhööhungen vornehmen. Das Ausmaß dieſer Zollerhöhungen
arf aber den anderen Teil nicht ſtärker belaſten, als deſſen
Nümndigungen ausmachen.
In Artikel 6 des Zuſatzabkommens ſind die Ausnahmen
ander Meiſtbegünſtigung neu geregelt. Der Artikel
nühält außer den alten Beſtimmungen über den
ſo=
einannten kleinen Grenzverkehr, auch eine
Teils um mehr als 10 Prozent Zollzuſchläge erhoben werden
können. Ferner enthält der Artikel 6 Beſtimmungen über die
Bezugnahme auf die Abmachungen der
Konfe=
renz von Streſa, denen zufolge die auf dieſer Konferenz
vereinbarten Zollvergünſtigungen nicht ohne weiteres auf die
Vertragspartner Anwendung finden.
Artikel 7 regelt die Frage der Wiederausfuhr, und Art. 8
legt die Gleichſtellung der Urſprungserzeugniſſe der
Handels=
kammern mit denen der Landwirtſchaftskammern feſt. Im
Ar=
tikel 9 ſind ſchließlich die üblichen Schlußformeln enthalten.
Das Fremdenverkehrsabkommen.
Schließlich iſt noch ein Fremdenverkehrsabkommen vorgeſehen,
deſſen Unterzeichnung demnächſt erfolgen ſoll; dieſes Abkommen
ſieht vor, daß die Summe, die nach Frankreich reiſende Deutſche in
Zukunft mit ins franzöſiſche Ausland nehmen dürfen, von 200 auf
700 Mark pro Monat und Perſon erhöht wird.
Franzöſiſche Anleihe für Oeſterreich
gegen Verzichk auf die Anſchlußpolikik.
EP. Paris, 29. Dezember.
Die franzöſiſche Kammer begann am Donnerstag vormittag
mit ziemlich ſchwacher Beſetzung die Ausſprache über das
öſter=
reichiſche Anleiheprotokoll. Der Berichterſtatter des
Finanzaus=
ſchüſſes der Kammer, Lamoureux, begründete den zuſtimmenden
Beſchluß des Finanzausſchuſſes mit dem Hinweis auf die
wirt=
ſchaftliche Notwendigkeit der Zuſtimmung zu der Anleihe.
Der Berichterſtatter des außenpolitiſchen Ausſchuſſes der
Kam=
mer, Vienot, ging eingehend auf die Frage der
politi=
ſchen Bedeutung der Anleihe ein. — Bei der Anleihe
an Oeſterreich handle es ſich um ein Werk der europäiſchen
Soli=
darität. Was die Frage der Anſchlußpolitik im
Zuſammen=
hang mit der Anleihe angehe, ſo ſeien ſich wohl ſämtliche
ein=
ſichtigen Kreiſe in ganz Europa darüber einig, daß Europa
im gegenwärtigen Zuſtand vor allem Stabilität
und Ruhe brauche. Um dieſe Stabilität zu
ſchaf=
fen, ſei aber auch die Anleihe an Oeſterreich
not=
wendig.
In der Ausſprache lehnten die Kommuniſten die Anleihe
ab, weil ſie angeblich einer reaktionären Regierung gegeben
wer=
den ſolle. — Louis Marin und Flandin wandten ſich
gleich=
falls gegen die Anleihe, da der wirtſchaftliche oder politiſche
An=
ſchluß durch die neue Anleihe doch nicht verhindert würde.
Herriols „Reviſion der Friedensverkräge‟
ein Spiel mit Worten.
Unter den Befürwortern der Anleihe befand ſich Herriot,
den das Haus mit geſpannter Aufmerkſamkeit anhörte. Die
öſterreichiſche Anleibe, ſo führte er aus, trage ein
anderes Geſicht als alle früheren Anleihen.
Es ſei in der Kammer verſchiedentlich zum Ausdruck
gekom=
men, daß die Friedensverträge die Wirtſchaft
Europas eingeſchnürt und Staaten geſchaffen
hätten, die nicht lebensfähig ſeien. Man ſolle
deshalb dieſe Verträge revidieren. Es ſei
ge=
fährlich, von der Tribüne der Kammer ſo etwas zu ſagen. Im
gegenwärtigen Falle handele es ſich einfach darum,
Oeſter=
reich zu unterſtützen, damit es aus ſeiner
augen=
blicklichen Notlage herauskomme. Es gäbe zwei
Möglichkeiten, die man im Auge behalten müſſe: 1. den
Anſchluß, und 2. die Zuſammenarbeit
Oeſter=
reichs in einer größeren Einheit. Man ſolle dabei
nicht vergeſſen, daß das Deutſche Reich ſeine politiſche Einheit
mit Hilfe einer Zollunion ſyſtematiſch vorbereitet habe. Man
ſolle ſich auch davor hüten, einen Zuſtand zu ſchaffen, der ein
Deutſches Reich herbeiführe wie es die Geſchichte bereits
ge=
kannt habe, und das wie eine Ellipſe mit zwei Zentren ſeinen
politiſchen und wirtſchaftlichen Schwerpunkt in Berlin und Wien
beſitzen werde. Um dieſen Gefahren zu begegnen, bleibe nur
übrig, Völkerbundspolitik, zu treiben, d. h. die
wirtſchaft=
liche und politiſche Unabhängigkeit
Oeſter=
reichs innerhalb eines organiſierten
Regi=
mes in Europa zu ſichern.
Von der wirtſchaftlichen Bedeutung der Anleihe für den
ganzen europäiſchen Oſten ausgehend, wies Herriot darauf hin,
daß ein Scheitern der Aktion notwendigerweiſe auch die in Streſa
begonnenen Verſuche zu einer wirtſchaftlichen Zuſammenarbeit
im Oſten und Mitteleuropa zum Stillſtand bringen müßten. Die
Kernfrage, die ſich ſtelle, ſei folgende: In ihrem einen Teil:
ſoll Oeſterreich wieder eine großdeutſche
Pro=
vinz werden? Der andere Teil der Kernfrage,
ob, die Kammer die Politik des Völkerbundes
machen wolle, wie ſie in dem Protokoll
vorge=
zeichnet ſei. Ein Zuſammenbrechen der Anleihe, auf die
Oeſterreich mit Bangen warte, treffe nicht nur Oeſterreich; er
treffe in noch ſtärkerem Maße den Völkerbund und die ganze
Politik der Annäherung und des Friedens.
Ein Zuſatzantrag Louis Marins, im Falle der
Zahlungs=
unfähigkeit die Zinsbelaſtung Frankreichs auf 4½ Prozent zu
begrenzen, wurde mit 387:189 Stimmen abgelehnt, da Paul=
Boncour die Vertrauensfrage geſtellt hatte. Die namentliche
Endabſtimmung über das Anleiheprojekt ergab 352:188 Stimmen
für die Regierung, alſo eine Mehrheit von 164 Stimmen.
Englands Verkrauen in Deutſchlands
Aufſtieg.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, Ende Dezember.
In dieſen ſchickſalsſchweren Tagen, da Deutſchland ſo
heroiſche, ja übermenſchliche Anſtrengungen macht, um aus
wirt=
ſchaftlicher Not und politiſcher Verwirrung wieder zu Wohlſtand
und Ordnung emporzuſteigen, mag es für viele Deutſche und
Nichtdeutſche gewiß von Intereſſe ſein, zu erfahren, wie die
poli=
tiſchen und wirtſchaftlichen Ausſichten eines Wiederaufſtiegs
Deutſchlands und damit ganz Europas von England, dem
Lande der politiſchen Erfahrung und nüchternen Kalkulation,
be=
urteilt werden? Wenn wir nun verſuchen wollen, dieſe wichtige
Frage vom engliſchen Blickfeld aus zu beantworten, ſo ſei vor
allem daran erinnert, daß, ebenſo wie in der geſamten Welt,
der Regierungsantritt des Generals v.
Schlei=
cher auch in England eine überaus günſtige
Auf=
nahme gefunden hat und als der Beginn einer neuen
Aera in der Nachkriegsgeſchichte Deutſchlands beurteilt wird. Für
dieſes günſtige Urteil verantworklich iſt in erſter Linie die
her=
vorragende Perſönlichkeit des Generals von Schleicher. Während
an ſeinen Worten und Taten in England noch im Sommer und
Frühherbſt dieſes Jahres recht ſcharfe Kritik geübt wurde und
er oft als „der General in Militärſtiefeln” hingeſtellt wurde, hat
dieſes kritiſche Urteil nun einer allgemeinen Lobpreiſung ſeiner
ſtaatsmänniſchen Tugenden und ſeiner Mäßigung Platz gemacht.
Die ſtets vorſichtig abwägenden „Times” ſagen von ihm: „
Gene=
ral von Schleicher iſt ein Mann von Kraft und
Anpaſſungs=
fähigkeit zugleich. Seine erſten politiſchen Maßnahmen ſind
neu=
artig und gewagt, aber gewiß nicht undemokratiſch. Er iſt ein
Soldat, der es verſteht, Diplomat zu ſein. Er knüpft an das
Preußen Friedrich des Großen an. Aber er iſt zur gleichen Zeit
durchaus von modernen Ideen erfüllt . . ." Der „Economiſt”,
das große engliſche Wirtſchaftsblatt, urteilt über ihn ähnlich:
„Herr von Schleicher wird es leichter haben, Deutſchland zu
re=
gieren, als ſeine Vorgänger, weil er erſtens ein völlig neuer und
zweitens ein überaus anpaſfungsfähiger Mann iſt, und man hat
alle Urſache, ſeinen Regierungsantritt aufs wärmſte willkommeu
zu heißen.. ” Und der „New Statesman”, ein radikal
geſinn=
tes Blatt, meint vom neuen deutſchen Reichskanzler, daß er „der
am wenigſten gehaßte Mann Deutſchlands wäre und ein guter
Vertreter des modernen Deutſchland. Seine Ernennung
bedeu=
tet eine Rückkehr zu demokratifchen Regierungsmethoden. Und
ſie erfüllt die Welt mit neuem Vertrauen in die politiſche und
wirtſchaftliche Zukunft Deutſchlands.
Dieſes, in Herrn von Schleicher geſetzte Vertrauen Englands
iſt in erſter Linie begründet auf ſeinerklugen und feſten
Handhabung der innerpokitiſchen Dinge. „Die
Kanzlerſchaft Herrn von Schleichers” erklären die „News
Chronicle”, „bereitet allen Befürchtungen einer gewaltſamen
Revolution in Deutſchland ein endgültiges Ende‟. Das iſt
natürlich das Entſcheidende. Doch die engliſche Preſſe hebt
da=
neben noch eine Reihe weiterer Momente hervor, die ſie zu
einer günſtigeren Beurteilung der innerpolitiſchen Lage
Deutſch=
lands berechtigen. „Alles Gerede über bevorſtehende
Verfaſſungs=
änderungen und dergleichen”, meint der „Daily Telegraph”,
„wird vor der Hand aufgegeben. Die Südſtaaten brauchen nichts
mehr zu befürchten. Zwiſchen ihnen und Preußen ſind wieder
freundſchaftliche Verhältniſſe hergeſtellt worden‟. Die gebeſſerten
Beziehungen der Regierung zu den Gewerkſchaften unter
General von Schleicher werden ebenfalls betont. Der „New
Statesman” bemerkt hierzu treffend: „Wenn der Vorſitzende des
deutſchen Gewerkſchaftsbundes und das Haupt der Reichswehr
miteinander friedlich zuſammenarbeiten, ſo kann das nur als
Zeichen deſſen aufgefaßt werden, daß die ſoziale Struktur
Deutſchlands zur Zeit durchaus geſichert ſein muß.‟ Das vom
geſamten Ausland bisher mit unverhohlener Beſorgnis
betrach=
tete Anſchwellen der beiden extremen Parteien, der
National=
ſozialiſten und Kommuniſten, ſcheint, nach Anſicht der engliſchen
öffentlichen Meinung, zum Stillſtand gekommen zu ſein. „Die
Wahlen in Thüringen” meint der „Spectator”, „waren hierfür
überaus aufſchlußreich: Nationalſozialiſten und Kommuniſten
ver=
loren beträchtlich an Stimmen; die Zahl der für das Zentrum
ab=
gegebenen Stimmen nahm zu; das Ganze war ſehr
ſympto=
matiſch für die nun vor ſich gehende, erfreuliche innerpolitiſche
Beruhigung Deutſchlands”. Desgleichen werden auch die bis
da=
hin in England mit ſo viel Erregung und Uebertreibung
be=
urteilten Pläne der Reichsregierung in bezug auf die
Jugend=
ertüchtigung zur Zeit viel ruhiger und nüchterner beurteilt, als
noch vor wenigen Monaten. Selbſt die „Times” ſchreiben jetzt
hierüber in folgender verſtändnisvoller Weiſe: „General von
Schleicher erklärt offen und ehrlich, daß er gerne die Einführung
einer allgemeinen Wehrpflicht ſehen würde und er führt hierfür
gewichtige Gründe an. Es kann in der Tat, beſonders in dieſen
Zeiten, der Jugend nur zu Nutzen gereichen, wenn ihr Geiſt
und Körper diſzipliniert wird. Und die allgemeine Wehrpflicht
iſt letzten Endes eine höchſt demokratiſche Einrichtung, da ſie
Leute der verſchiedenſten Klaſſen und Berufe, Arme und Reiche,
Untergeordnete und Vorgeſetzte im Intereſſe der gleichen Sache,
der Arbeit, Diſziplin und Kameradſchaftlichkeit vereinigt ..
Die durch den Regierungsantritt von Schleichers erfolgte
innerpolitiſche Konſolidierung fällt zuſammen mit einer
ſpür=
baren Beſſerung der außenpolitiſchen
Stel=
lung Deutſchlands. „Die in Genf ſtattgehabte
internatio=
nale Anerkennung der deutſchen Gleichberechtigung in der
Wehr=
frage” meint der „New Statesman”, „gibt Herrn von Schleicher
die Möglichkeit, ſeine Kanzlerſchaft mit einem glücklichen Start
zu beginnen‟. Die Genfer Uebereinkunft iſt gewiß auch in
England als ein bedeutender Erfolg der deutſchen Diplomatie
aufgefaßt worden. Man hebt jedoch mehr noch die Tatſache der
bei dieſer Gelegenheit erfolgten Stärkung des
Verſtändigungs=
gedankens zwiſchen Deutſchland und den Mächten hervor und
die Bedeutung der weiteren Genfer Mitarbeit Deutſchlands für
das Gelingen der geſamten Abrüſtungsbemühungen. Der „
Ecv=
nomiſt” ſchreibt die Tatſache der zuſtandegekommenen
Verſtän=
digung zu einem großen Teil dem Einfluß des neuen
Reichs=
kanzlers zu und erklärt: „Der neue deutſche Reichskanzler, der
ſtets mehr Diplomat, als General geweſen iſt, geht ohne
Zwei=
fel darauf aus, internationale Verſtändigung überall dort zu
erreichen, wo dieſes praktiſch möglich iſt‟. Die „Times” preiſen
Seite 2 — Nr. 362
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 30. Dezember 19322
gleichfalls die konzilianten Eigenſchaften des neuen
Reichskanz=
lers und diejenigen ſeines Außenminiſters, Freiherrn von
Neu=
räth, der ſich bekanntlich gerade in England eines großen
Ver=
trauens und einer allgemeinen Popularität erfreut, und
ſchrei=
ben: „Herr von Schleicher und Herr von Neurath ſind beides
Männer, mit denen es angenehm iſt, zu verhandeln. Sie ſind
bei ſich zu Hauſe Herren der Lage. In ihren Verhandlungen mit
dem Auslande ſind ſie nicht nur verbindlich, ſondern auch ehrlich
in der Definition ihres außenpolitiſchen Zieles. Und dieſes iſt
ganz offen darauf gerichtet, Deutſchland freier und ſtärker
zu machen.. ." Man hat in England alſo endgültig erkannt,
daß in Fragen der Außenpolitik ganz Deutſchland eines Sinnes
iſt. Man weiß, daß Veränderungen der Regierungen die
Ent=
ſchloſſenheit der deutſchen Nation, ihre internationale Geltung
wieder zu erlangen, und die erforderlichen Abänderungen des
Friedensvertrages zu erreichen, in keiner Weiſe zu beeinfluſſen
vermögen. Man trägt dieſer Tatſache in zunehmendem Maße
Rechnung. Und ein angeſehenes engliſches Wochenblatt, die
„Time an Tide”, gibt der allgemeinen Auffaſſung einen
glück=
lichen Ausdruck, indem es mit Bezugnahme auf den Genfer
Erfolg Deutſchlands feſtſtellt: „Der Verſailler Vertrag hat
be=
gonnen, unter der Lauge der Realitäten ſich langſam, aber ſicher
aufzulöſen . .
In engem Zuſammenhang mit den inner= und
außenpoliti=
ſchen Erfolgen des Kabinetts von Schleicher ſteht endlich die
optimiſtiſche Beurteilung ſeitens Englands
der Ausſichten für eiuen wirtſchaftlichen
Wie=
deraufſtieg Deutſchlands. Der Uebergang der
Regie=
rung in die feſten Hände Herrn von Schleichers hat nicht nur
das Vertrauen Englands in eine Stabilität der deutſchen
Ver=
hältniſſe und der deutſchen Politik gefeſtigt, ſondern hat auch
das Intereſſe des, in den letzten Jahren von Deutſchland
fort=
geſcheuchten, engliſchen Kapitals für den deutſchen Markt wieder
merklich aufleben laſſen. Dieſe Rückkehr des Vertrauens der
Londoner City in die deutſche Wirtſchaft wird des weiteren durch
folgende Umſtände beſtärkt: 1. durch das umſichtige, ausſchließlich
auf Arbeitsbeſchaffung eingeſtellte und allen gewagten
Experi=
menten abholde Wirtſchaftsprogramm des neuen Reichskanzlers;
2. durch die Perſönlichkeit des Reichsbankpräſidenten Dr. Luther,
der, nach engliſcher Anſicht, eine abſolute Garantie dafür bietet,
daß die Ausdehnung des Reichskredits, der zur Durchführung
des Schleicherſchen Arbeitsbeſchaffungsprogramms erforderlich
ſein wird, keine, die deutſche Währung gefährdende Dimenſionen
annehmen wird; und 3. durch die andauernde und weiter
zu=
nehmende Aktivität der deutſchen Handelsbilanz. Von größter
Bedeutung iſt ferner die Tatſache, daß während der letzten
Monate Deutſchland — wie die „Financial News” es errechnet
haben — mehr als 30 Prozent aller britiſchen kurzfriſtigen
Kredite wieder zurückgezahlt hat. Dieſe teilweiſe Rückzahlung
der nach Deutſchland vergebenen Kredite hat ſich überaus günſtig
auf dem Londoner Geldmarkt ausgewirkt und hat viel zu ſeiner
Liquidität beigetragen. Im Ergebnis hat an ſämtlichen engliſchen
Börſen ein ſtarkes Anziehen der deutſchen Währung und der Kurſe
für alle deutſchen Anleihen eingeſetzt. Die engliſche Handelswelt
glaubt ſich daher berechtigt, der zukünftigen Entwicklung der
wirtſchaftlichen Dinge Deutſchlands mit vollem Vertrauen
ent=
gegenzuſehen. Die deutſche Handelslage ſtellt ſich den Briten,
verglichen mit derjenigen Frankreichs, als überaus günſtig dar.
Man rechnet in London mit einem baldigen Fallen gewiſſer
Einfuhrquoten für britiſche Waren, vor allem für britiſche Kohle
und überhaupt mit einer weſentlichen Belebung des
deutſch=
engliſchen Geſchäfts im kommenden Jahre. „Vieles in bezug auf
Deutſchlands wirtſchaftliche Zukunft” meint der „Economiſt”
„wird gewiß davon abhängen, ob es Herrn von Schleicher
ge=
lingen wird, den Gegenſatz zwiſchen den Intereſſen der
Expor=
teure und denjenigen der Landwirtſchaft zu überbrücken. Und
überhaupt iſt ein Prophezeien in wirtſchaftlichen Dingen heute
ein mehr als gewagtes Unterfangen. Doch auf Grund all der
genannten günſtigen Auſpizien in Wirtſchaft und Politik geht
das allgemeine engliſche Urteil über Deutſchland heute ohne
Zweifel dahin, daß — falls es Herrn von Schleicher gelingen
ſollte, auch nur für einen Teil der Erwerbsloſen Arbeit und
Nahrung zu beſchaffen — er gewonnenes Spiel haben und
Deutſchland gewiß einer beſſeren Zukunft entgegenführen wird.
599-Millionen=Franken=Anleihe Belgiens
in Frankreich geſicherk.
Infolge der Verabſchiedung des Sanierungsbudgets 1933 durch
die Kammer ſind die Verhandlungen der belgiſchen Regierung mit
den franzöſiſchen Banken über die Auflegung einer Anleihe von
500 Millionen Franken auf dem franzöſiſchen Markte in ihre
Schlußphaſe getreten. Die Ausgabe erfolgt in Form von
einjäh=
rigen, zu 4½ Prozent verzinsbaren Schatzſcheinen.
Vom Tage.
Wie von zuſtändige Stelle mitgeteilt wird, findet ein
Neu=
jahrsempfang im Heſſiſchen Staatsminiſterium nicht ſtatt.
Der Reichslandbund fordert in einem Telegramm an den
Reichskanzler die völlige Buttereinfuhrſperre.
Der Reichskommiſſar für Arbeitsbeſchaffung Dr. Gereke
emp=
fing geſtern zu einer längeren Beſprechung Vertreter des
Zentral=
verbandes chriſtlicher Bauarbeiter Deutſchlands und ferner den
Präſidenten des Preußiſchen Landgemeindetags Weſt. Dr. Göb.
Wegen der Ablehnung, die das Schauſpiel „Gott, Kaiſer und
Bauer” von Jul. Hay im Deutſchen Theater in Berlin bei einem
großen Teil des Publikums gefunden hat und wegen der daraus
erfolgenden Störungen hat die Direktion des Deutſchen Theaters
nach einer Beſprechung im Polizeipräſidium auf die weitere
Auf=
führung des Stückes verzichtet. Das Deutſche Theater bleibt daher
verläufig geſchloſſen.
Das Thüringer Volksbildungsminiſterium hat der Frau
Ober=
ſchulrat Dr. A. Siemſen die ihr im Jahr 1923 widerruflich erteilte
Erlaubnis zum Halten von erziehungswiſſenſchaftlichen
Vorleſun=
gen an der Univerſität Jena entzogen. Anlaß zu dieſer Maßnahme
gab die Tatſache, daß Frau Siemſen die von einer Reihe deutſcher
Profeſſoren veröffentlichte Erklärung zugunſten des in Heidelberg
disziplinierten Profeſſors Dr. Gumbel unterſchrieben hat.
Der bulgariſche König beauftragte den bisherigen
Miniſter=
präſidenten Muſchanoff mit der Bildung des neuen Kabinetts.
des Begründers der Deutſchen Gewerkvereine.
Dr. Max Hirſch der Begründer der Deutſchen
Gewerkver=
eine und damit der freiheitlich=nationalen Arbeitnehmerbewegung,
wurde am 30. Dezember 1832 in Halberſtadt geboren. Der Schluß
dieſes Jahres bringt demnach die 100. Wiederkehr ſeines
Geburts=
tages. Die Pietät erfordert ſchon allein aus dieſem Anlaß ein
Gedenken ſeines Werdens und Wirkens. Viel zwingender für einen
Rückblick auf ſein arbeitsreiches Leben ſind aber ſeine, bereits vor
65 Jahren propagierten Ideen, welche zweifellos die Grundlagen
für eine zentraliſierte Organiſation der Arbeitnehmer überhaupt
erſt geſchaffen haben. Der Verteidigung, dem Ausbau und der
Verwirklichung dieſer Ideen hat Dr. Hirſch ſeine Arbeit und ſein
Leben gewidmet.
In Magdeburg betätigte ſich Hirſch außer der Führung des
Geſchäftes, das ihm tiefe wirtſchaftliche Einblicke brachte, praktiſch
an der Gründung und Leitung des Arbeiterbildungs=, des
genoſ=
ſenſchaftlichen Vorſchuß= und des Konſumvereins.
Durch dieſe Tätigkeit in den Arbeiterbildungsvereinen hatte
Hirſch die zwingende Notwendigkeit einer materiellen
Beſſerſtel=
lung der Arbeiter erkennen gelernt.
Im Winter 1867/68 geſtalteten ſich die wirtſchaftlichen
Ver=
hältniſſe in Deutſchland kataſtrophal. Die Genoſſenſchaftsbewegung
wurde als ein Rettungsweg aus den allgemeinen ungünſtigen
Verhältniſſen angeſehen. Schultze=Delitzſch trat für den Weg der
Selbſthilfe ein. Um ſeinem Freunde Schultze=Delitzſch im Kampfe
für die Selbſthilfeeinrichtungen beizuſtehen, ging Hirſch aus
eige=
nem Antrieb und auf eigene Koſten nach England, dem klaſſiſchen
Lande der Genoſſenſchaftsidee, und lernte bei dieſer Gelegenheit
die „Trade=Unions” (die engliſchen Gewerkvereine) kennen. Hirſch,
der im September 1868 aus England zurückgekehrt war, nahm
ſo=
fort den Kampf für ſeine Ideen auf und wurde dabei tatkräftig
unterſtützt von Franz Duncker und Schultze=Delitzſch, die
ihre Anhängerſchaft in ſeit Jahren wirkender
ſozialreformatori=
ſcher Richtug unter den Handarbeitern (Facharbeitern) hatten.
Es gab kein Gebiet der Arbeiterfrage, auf dem ſich Hirſch nicht
fördernd beſchäftigte.
Außerhalb der eigentlichen Arbeiterbewegung betätigte ſich
Hirſch in vielen Vereinigungen und Körperſchaften. Für die
gei=
ſtige Wohlfahrt des Volkes ſetzte er ſich in beſonderer Weiſe ein.
Er war Gründer der Humboldt=Akademie und deren langjähriger
Generalſekretär. Auch zu den Mitbegründern der Geſellſchaft für
Verbreitung von Volksbildung zählte er. Der Verein für
Sozial=
politik und die Geſellſchaft für ſoziale Reform rechneten ihn zu
ihren geſchätzten Mitarbeitern.
Am 26. Juni 1905 verſchied Dr. M. Hirſch ganz unerwartet in
einem Sanatorium in Homburg v. d. Höhe. Bis zum letzten
Augen=
blick arbeitete er für die Gewerkvereine, ſtändig ſtand er mit der
Verbandsleitung in Verbindung, auch von ſeinem
Kranken=
lager aus.
Das vielgeſtaltige Leben Dr. M. Hirſchs galt der Hebung des
Arbeitnehmerſtandes. Dafür gebührt ihm Ehre und Anerkennung,
die aus Anlaß ſeines 100. Geburtstages beſonders zum
Aus=
druck kommt.
Die ſüdafrikaniſche Regierung Hertzog hat am Dienstag i.
Notenbank von der Verpflichtung zur Einlöſung ihrer Noten
Gold entbunden. Dieſer Vorgang, im Verein mit den politiſchh
Auseinanderſetzungen, die ihm vorangegangen und gefolgt ſi
hat vor allem in London, aber auch in der übrigen Welt, „u
beträchtliches Aufſehen hervorgerufen, zumal es bisher noch nfiy
ganz klar iſt, ob damit ein Abgehen vom Goldſtandard, etwa nug
engliſchem Muſter, verbunden iſt, oder ob es ſich nur um eiie
vielleicht vorübergehende, Schutzmaßnahme gegen das Hamſtge
oder Ausführen ſüdafrikaniſchen Goldes handelt.
Die ſüdafrikaniſche Union iſt ſeit den engliſchen Währun.
maßnahmen im Herbſt 1931 das einzige Teilglied des Imperium
geweſen, das ſeine Goldwährung unverändert aufrecht erhal=u
hatte. Dafür waren Erwägungen beſtimmend, in denen die Ro
Südafrikas als eines der wichtigſten Goldproduktionsländer,
arb=
auch andere wirtſchaftliche und vor allem politiſche Motive, A.
Streben nach Verſelbſtändigung des Dominion im Vordergrum
ſtanden. Erſt in der allerletzten Zeit, eigentlich erſt ſeit Tagya
hatten ſich daraus ſpekulative Vorgänge ergeben, die zu einn
ſtarken Angebot ſüdafrikaniſcher Pfunde gegen engliſche
Ausnutzung eines etwa 30prozentigen Disagios der engliſchen
Währung — und zum Hamſtern ſüdafrikaniſchen Goldgeldes, au
zu einer Minderung der Golddecke der afrikaniſchen Noten, fühm
mußten. Dabei hat vielleicht die Beſorgnis vor einem
Regierun=
wechſel in Südafrika mitgeſprochen, der ſich aus dem Vorſtoß A
früheren Juſtizminiſters Thielman Roos gegen die Regiern
Hertzog ergeben konnte. Dieſer Vorſtoß hatte eine doppe
Angriffsrichtung: eine wirtſchaftliche, auf den Abbau des Gc.
ſtandards abzielende, um von den Vorteilen der imperia
Handelspolitik und von der Schuldenminderung durch eine Pfun
entwertung zu profitieren, und eine politiſche, um den alten Kat
zwiſchen den beiden Generälen Hertzog und Smuts zu
beenda=
von denen der eine mehr ſüdafrikaniſch=nationaliſtiſch, der
and=
mehr proengliſch eingeſtellt war. Das Ziel Roos war der
ſammenſchluß der beiden Parteien, der Nationaliſten und der
S-
afrikaner unter jüngeren Führerperſönlichkeiten, die die alte Au
moſität der beiden ſeit etwa zwanzig Jahren miteinander ring.n
den Führer nicht teilen und aus deren bisheriger Gefolgſchaft en
entſcheidende und tragfähige große Mittelpartei oder wenigſt
eine ſtarke Koalition zu bilden vermöchten.
Die weltwirtſchaftliche Lage Südafrikas ſpiegelt zwar auch
Weltkriſe, die z. B. auf eines ſeiner wichtigſten Bodenerzeugn:
die Diamanten, einen ſehr ungünſtigen Einfluß ausgeübt E)
aber ſchon die Tatſache, daß die Union bisher den Goldſtand
aufrecht erhalten konnte, beweiſt, daß es ihr noch nicht ſo ſchle
geht wie anderen Ländern. Die Kapitalflucht der jüngſten Z
gegen die das Kabinett Hertzog, und insbeſondere deſſen Finc
miniſter Havenga, nun die oben erwähnten Maßnahmen ergreſ
hat denn auch vielleicht weniger wirtſchaftliche Beſorgniſſe,
vielmehr politiſche zur Urſache. Die Goldproduktion, mit der we
tigſte Zweig des ſüdafrikaniſchen Wirtſchaftslebens, hat ſich in „
letzten drei Jahren ſogar noch erhöht, und zwar von 44 Million
Pfund im Jahre 1928 auf einen Wert von 46,2 Millionen
Jahre 1931. Die Auslandsverſchuldung iſt angeſichts dieſes ſtare
wirtſchaftlichen Rückhalts verhältnismäßig gering.
Das deutſche Intereſſe an dieſen Vorgängen erſtreckt ſich nic
auf die Konſequenzen eines etwaigen Abgehens Südafrikas —u
Goldſtandard in der Eigenſchaft der Union als eines Exportl)
des. Denn in dieſer Eigenſchaft iſt die Produktion Südafrikgs
vollkommen verſchieden von der deutſchen, daß eine Rivali
auf dritten Märkten nicht beſteht, und daß eine etwaige Verül
igung ſüdafrikaniſcher Ausfuhrerzeugniſſe durch eine Herabmu
derung der Währung für den deutſchen Außenhandel ohne Bedi
tung bliebe. Ein unmittelbares Intereſſe liegt nur inſofern v
als die ſüdafrikaniſche Union in nicht unerheblichem Maße Käuſt
deutſcher Erzeugniſſe iſt und deutſche Exporteure für ihre etwaig
Verkäufe auf der Baſis des ſüdafrikaniſchen Pfundes durch
Abgleiten dieſer Währung Verluſte erleiden könnten. Einſtweig
ſteht jedoch noch keineswegs feſt, ob die geſtern durchgeführte M.
nahme ein ſolches Abgleiten — gewollt oder ungewollt — bedent
wird, zumal das Deckungsverhältnis der ſüdafrikaniſchen Noten
Gold durch die Aufhebung des Einlöſungszwanges an ſich nit
erührt wird.
Zu den wenigen wichtigen Erſcheinungen gehört hier
unbe=
dingt das Buch von Ferdinand Weinhandl „Die
Meta=
phyſik Goethes‟). Dieſe Darſtellung der Philoſophie
Goethes iſt wirklich eine Arbeit, die nicht der billige Anlaß
her=
vorrief, ſondern die ſeit langem zu leiſten war und hier
vor=
züglich geleiſtet worden iſt. — Philoſophiſche Bedeutung im
wiſſenſchaftlich ſtrengen Sinn hat man bisher Goethe nicht
bei=
gemeſſen. Seine eigenen Worte „Für Philoſophie im
eigent=
lichen Sinne hatte ich kein Organ” ſchienen dagegen zu ſprechen,
ſolange man überſah, daß Goethe mit ſolchen Aeußerungen
nur ſein gegenſtändliches Denken gegenüber dem trennenden
Verfahren der Philoſophen verteidigte. In der Philoſophie,
die ihm ſeine Geiſtesart vorſchrieb, war allerdings das Denken
nicht vom Anſchauen zu trennen und ließ ſich trotz hoher
Fähigkeit zur Abſtraktion das Gefühl für Ganzheit und
Zu=
ſammengehörigkeit nicht durch bloßes Nebeneinander, durch
analytiſch=trennende Behandlung der Einzelheiten erſetzen.
Solches ganzheitliche und gegenſtändliche Denken, das heute
wieder im Vordringen begriffen, hat in Goethe ſeinen großen
Methodiker und Syſtematiker. Als ſolchen ſtellt ihn Weinhandls
Werk aufs gründlichſte und genaueſte und mit lückenloſen
Be=
legen dar. Im Mittelpunkt ſteht das Prinzip der Metamorphoſe
und des damit vorausgeſetzten Geſtaltgedankens, auf denen
Goethes univerſelle Phyſiognomik ſich aufbaut. Grundſätzlich
ge=
klärt wird das Verhältnis ſeiner Erkenntnislehre zu Kant, und
endlich wird von ſolchen Grundlagen her die Aeſthetik Goethes
vom Symbolgedanken her in ihrer ganzen Bedeutung erfaßt. —
Gine kleine ſprachphyſiognomiſche Beanſtandung ſei trotzdem
erlaubt. Es finden ſich bei Weinhandl Wendungen wie „Was
Goethe hier ſagen will, iſt das Folgende” und das klingt, als
habe Goethe etwas ſagen wollen, was erſt wir klar zu
verlaut=
baren imſtande ſeien. Während es doch in Wirklichkeit ſo iſt,
daß wir uns buchſtabierend an der Unverrückbarkeit ſeiner
Aus=
ſagen entlangtaſten.
Ludwig Klages in ſeiner Schrift „Goethe als
Seelen=
forſcher”) geht von der Frage aus, ob Goethes ungemein
zahlreiche Ausſprüche über die Menſchenſeele Grundeinſichten
erkennen laſſen, durch die der feſte Beſtand unſeres Wiſſens
(am Weisheitsgehalt wird niemand zweifeln) vermehrt worden
iſt. Nacheinander behandelt er Goethe als Erſcheinungsforſcher,
als Entdecker des Unbewußten und als Charakterologen. Was
dabei Erſcheinungsforſchung heißt, läßt ſich am treffendſten
durch einige Sätze Goethes ſelbſt andeuten. So durch den
Aus=
ſpkuch gegenüber Eckermann: „Ich habe mich in den
Natur=
wiſſenſchaften ziemlich nach allen Seiten hin verſucht, jedoch
gingen meine Richtungen immer nur auf ſolche Gegenſtände,
die . . . unmittelbar durch die Sinne wahrgenommen werden
konnten.” Oder durch den Aphorismus „Man ſuche nur nichts
hinter den Phänomenen; ſie ſelbſt ſind die Lehre‟. Solche
Denk=
art geht aus der Ueberzeugung hervor, daß der Natur ſelbſt
etwas Vernunftartiges innewohnt, und daß der Menſch davon
ſoviel hat, daß er Teile des Höchſten erkennen kann. Wie ſehr
ſich eine ſolche Geiſteshaltung von der unſerer Wiſſenſchaft
ab=
hebt, bedarf keines Hinweiſes. — Im Kapitel über das
Unbewußte hebt Klages die Erkenntnis Goethes vom ſchöpferiſchen
Wert des Unbewußten für das dichteriſche Schaffen hervor und
zeigt, wie damit ſeine Ablehnung der pſychologiſchen
Selbſt=
beobachtung zuſammenhängt. Endlich beleuchtet er in knappſter
Form die ſyſtematiſchen Erkenntniſſe in Goethes
Charakter=
kunde. — Die kurze, aber gründliche Schrift regt, auch wo ſie
Widerſpruch hervorruft, zum Weiterdenken an.
Die Geſpräche Heinrich Ludens”), des Jenger
Hiſtorikers, mit Goethe zeigen dieſen von einer Seite, die
der naive Idealiſt als mephiſtopheliſch empfinden wird. Aus
den politiſchen Geſprächen läßt ſich vieles ohne Kommentar
auf die Gegenwart anwenden. Goethe verſichert, daß er nicht
gleichgültig ſei gegen die großen Ideen Freiheit, Volk,
Vater=
land, und er ſpricht von dem ſtolzen Bewußtſein, einem großen,
ſtarken, geachteten und gefürchteten Volke anzugehören. Aber
er ſtellt der aktiviſtiſchen Begeiſterung Ludens folgende
Be=
denken entgegen: „Sie ſprechen von dem Erwachen, von der
Erhebung des deutſchen Volkes . . . Iſt denn jede Bewegung
eine Erhebung? Erhebt ſich, wer gewaltſam aufgeſtöbert wird?
Wir ſprechen nicht von den Tauſenden gebildeter Jünglinge
und Männer, wir ſprechen von der Menge, von den Millionen.”
Das dann folgende Bekenntnis Goethes zu der Zukunft und der
wahren Sendung ſeines Volkes gehört zum Schönſten, was er
über Deutſchland geſagt hat und hat den Ton echter
Weis=
ſagung.
„Die Sprache Goethes”) behandelt Prof. Friedriay
Maurer im Rahmen ſeiner menſchlichen und künſtleriſchen
Ent=
wicklung und gibt einen Ueberblick über das bisher geförderte
wiſſenſchaftliche Material. Der Wandel wird kurz ſkizziert: von
der affektſtarken, naturnahen Sprache der Frühzeit die
Hin=
wendung zu einem neuen Stilideal in der italieniſchen Zeit,
das ſich an antikem Vorbild ſchult und durch Klarheit und
An=
ſchaulichkeit auszeichnet. Dann das völlig unvergleichliche
Ge=
präge der Altersſprache mit ihrem Streben nach Typiſierung,
Knappheit, Objektivität und mit ihrer ſprachſchöpferiſchen Kraft,
die trotz der blaſſeren Farben dieſes nach gedanklicher
Allgemein=
gültigkeit ſtrebenden Stils nie ſtärker war.
Die kleine Einführung von Fr. C. Endres in die
„Symbolik von Goethes Fauſt”) verſucht es, den
gleichnishaften Sinn des Fauſtdramas zu zeigen und deutet es
als typiſches Erlöſungswerk. Daß der Verfaſſer mit den
Ge=
bieten der Myſterienkunde und religiöſen Geheimlehre nicht
unvertraut iſt, kommt ihm dabei zuſtatten. Ob man verſuchen
ſoll, durch ſolche unvermeidlich immer etwas ſchulmeiſterlichen
Erklärungen ſeine Empfänglichkeit für das Geheimnis einer
Dichtung zu fördern, das muß man dem Einzelnen überlaſſen;
dem Verfaſſer wird man gern bezeugen, daß er ſich von
ſpitz=
findiger Geheimniskrämerei und gezwungenen Auslege=
Kunſt=
ſtücken ferngehalten hat.
Die knappe Auswahl aus Goethes Tagebüchern, die F
Societätsverlag, Frankfurt a. M., unter dem Titel „Dr
kumente des Irdiſchen” herausgegeben hat, iſt recht
zu gebrauchen und hat ihre Berechtigung, da die 13 Bä
Tagebücher ,der vollſtändigen Weimarer Ausgabe den Alle
wenigſten nur zugänglich ſind. Die Auswahl iſt auf Angabe
die ſich auf das perſönliche Leben Goethes beziehen, beſchrän
und hat das Bild des Alten in den Vordergrund gerückt; de
Umfang nach nimmt das letzte Lebensjahr über ein Drittel (
Die Abneigung gegen ſezierende Selbſtbeobachtung, die Richtur
aufs Objektive und Gültige treten auch in dieſen privaten Au
zeichnungen hervor. Uebermenſchlich wirkt gegen das Ende
die Diſtanz, aus der er ſich zum Zuſchauer ſeines eigenen Lebe
macht. Wohlgemerkt, nicht zum Analytiker ſeiner Gefühle 1
Regungen, ſondern zum Chroniſten ſeiner geiſtigen und tätig
Lebensäußerungen!
Die Idee der Geſtalt und des Geſtaltwandels iſt es, d
Leopold Ziegler”) in einer ſchönen gedankentiefen un
zugleich dichteriſch beſchwingten Rede vor uns entfaltet un
von der er einen Zugang ſchafft zu der Kosmologie Goetke
Als ſolche nämlich erſcheint ihm Goethes Naturdenken, als Le)
vom Welt=All oder vom Welt=Geſamt, nicht als Naturwiſſenſcka
im europäiſch eingeengten Begriff. Goethe als Kosmologe i
Sinne der frühen griechiſchen Philoſophen, im Sinne einig
Myſtiker und Romantiker — das iſt das Thema des in
geſchloſſenen Werkes, das Ziegler aus zwei Reden und eine
imaginären, tiefſinnig erfundenen Geſpräch zuſammengefügt hel
und aus deſſen Vorwort man einen bemerkenswerten Vorſt
entnehmen kann. Jene Feſtrede nämlich, die am 13. März 19
im Deutſchen Reichstag in Berlin gehalten wurde, hat währen
ihres Vortrags laut geäußertes Aergernis und pöbelhafte A
lehnung hervorgerufen. Hier ſcheint ein
kurzes Schlußwort zum Goethejahr
angebracht zu ſein.
Das Jahr 1932 hat gezeigt, was man ſich alles auf ein
großen Mann zugute tun kann. Es hat eine Unzahl vi
Goethefeiern, Reden und Vorträgen hervorgebracht, die meiſte
auf den Grundton des anmaßenden, ſelbſtzufriedenen San
„denn er war unſer” abgeſtimmt waren und über die beſchämenſ
entgegengeſetzte Tatſache hinwegtäuſchen wollten, daß nämli
wir uns nach dieſen 100 Jahren nicht einmal die Seinen nenn
dürfen. Man hat in Berlin und im Reich hundert langweili”
Goethereden, die das Bild eines Gipsklaſſikers beweihräucherte
über ſich ergehen laſſen, aber man hat in der Hauptſtadt un
im repräſentativen Raum des Reiches einen der wenigen, d
zu ſprechen berufen waren, nicht ausreden laſſen wolle
Warum? Der wirkliche Goethe iſt unbequem und zu wen
olympiſch. Zitiert und im Munde geführt haben wir ihn 9
wiß genug, geleſen haben wir ihn weniger, gelernt von ihm u.
aus ſeinem unausſchöpfbaren Vermächtnis haben wir niche
Sein Land, in dem laut Statiſtik alle 18 Minuten ein Bu.
erſcheint, hat es in dieſem Jahr nicht für nötig gehalten,
einzige vollſtändige Ausgabe ſeines Werks, von der viele Bän
Frreitag, 30. Dezember 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Die Deutſce keichsonhn iin Sahre L30g.
irtſchaft und Berkehr in Deutſchland auf die Zeit von 1890 bis 1900 zurückgeworfen. — Die Sinanzlage
der Reichsbahn nach wie vor ſehr ernſt. — Weikerer ſtarker Verkehrsrückgang und erhebliches
Abſinken der Einnahmen. — Auch nach Inkrafkkreken des Lauſanner Abkommens
ruhen noch politiſche Laſten auf der Reichsbahn.
Der Jahresrückblick
der Deutſchen Reichsbahn=Geſellſchaft.
Berlin, 29. Dezember.
Das amtliche Nachrichtenblatt der Deutſchen
Reichsbahngeſell=
urt veröffentlicht einen vorläufigen Jahresrückblick über die
Er=
krriſſe der Deutſchen Reichsbahn im Jahre 1932:
I. Die Finanzwirtſchaft.
1. Die finanzielle Entwicklung.
Die allgemeine wirtſchaftliche Notlage des Jahres 1932 mußte
an die Finanzen der Reichsbahn beeinfluſſen. Dies zeigte ſich in
vem weiteren ſtarken Verkehrsrückgang und einem weiteren
er=
bichen Abſinken der Einnahmen. Gegenüber dem Höchſtſtand der
innahmen im Jahre 1929 mit 5 354 Millionen RM. werden ſie
Jahre 1932 vorausſichtlich auf der Höhe von rund 2850
Millio=
v. RM. liegen und damit auf einem nicht vorhergeſehenen
Tief=
and anlangen. Gegenüber 1929 bedeutet das einen
Einnahme=
u=ffall von rund 2500 Millionen RM. oder 47 v. H. und
gegen=
ur 1931 einem ſolchen von rund 1000 Millionen RM. oder 26 RM. Vorzugsaktien, die ſeinerzeit dem Reich unentgeltlich
w. In dem Ausfall iſt der Perſonen= und Gepäckverkehr weniger
n„ck beteiligt als der Güterverkehr. Ferner haben die
Tarif=
mäßigungen der Jahre 1931 und 1932, bei denen der erhoffte
ſchrverkehr ausblieb, die Einnahmen um etwa 500 Millionen
AX. vermindert.
Von dem geſamten Einnahmerückgang entfallen auf den
Ver=
hrsrückgang und den Wettbewerb etwa 35 v. H. und auf den
usfall durch Tarifermäßigungen etwa 12 v. H. Tariferhöhungen
en= Ausgleich des Einnahmerückgangs verboten ſich in der Zeit
er Kriſe und des Preisabbaues von ſelbſt. Die Reichsbahn mußte
h darauf beſchränken, die Ausgaben den ſinkenden Einnahmen
5 Möglichkeit anzupaſſen und mußte daher die Ausgaben aufs
azirfſte droſſeln. Die Schwierigkeiten liegen vor allem darin, daß
e Reichsbahn mit einem hohen Anteil feſter Koſten belaſtet iſt.
o macht in erſter Linie der Perſonalaufwand etwa
0v. H. aller Betriebsausgaben aus. Die Schätzung der
esſonalausgaben für 1932 ergibt einen um 820 Millionen RM.
dr 28 v. H. geringeren Betrag als im Jahre 1929. Dies
Ergeb=
us iſt nicht nur auf die Senkung der Gehälter, Löhne und
Sozial=
agaben, ſondern auch auf die des Perſonalſtands
zurückzufüh=
ef- Dieſer wird von 713 000 Köpfen in 1929 auf vorausſichtlich
ufd 604 000 Köpfe in 1932 vermindert werden. Bei der
Ver=
ſhingerung des Perſonalſtandes iſt die Reichsbahn
im=
e bemüht geweſen, durch Einlegung von
Feierſchich=
en größeren Umfanges und durch Arbeitszeitkürzung
Aet, geringeren Arbeitsanfall auf das vorhandene Perſonal zu
ver=
ien, um dadurch weitere Entlaſſungen zu ver=
Mtiden
Auf Wunſch des Reichs führte die Reichsbahn ein
zuſätz=
hiches Arbaitsbeſchaffungsprogramm im vollen
1Amfange des Aufkommens aus der 4½prozentigen ſteuerfreien
Ebleichsbahnanleihe 1931, nämlich im Geſamtbetrage von 257
Mil=
onen RM. durch. Im Herbſt 1932 hat ſie ein weiteres zuſätzliches
roeitsbeſchaffungsprogramm in Höhe von rund 180 Millionen
MM. herausgegeben. Darüber hinaus hat ſie auf Wunſch des
Weiches noch für weitere 100 Millionen RM. Arbeitsaufträge vor=
Fleſ=hen. Trotz aller Bemühungen der Reichsbahn werden die Aus=
Fuhen der Betriebsrechnung 1932 ſich vorausſichtlich von 4500
Mil=
onen RM. auf nur rund 3000 Millionen RM., alſo um rund
5i4 Millionen RM. oder 33 v. H. gegenüber 1929 vermindern:
iſen. So wird die Gewinn= und Verluſtrechnung vorausſichtlich
Eii einem nicht unerheblichen Fehlbetrag abſchließen
ißſen. Auf die im Auguſt geſchloſſene Reichsbahnanleihe von
12—1 ſind im Ganzen rund 257 Millionen RM. voll eingezahlt
urden. Sonſtige Anleihen ſind im Geſchäftsjahr 1932 nicht
be=
lehen worden. Für die Beförderungsſteuer, Grund= und Umſatz=
ict mehr zu haben ſind, neu aufzulegen. Die Geſpräche
ürethes, die jeder Gebildete zeitlebens zur Hand haben ſollte,
yp ſeit langem vergriffen und nicht neu herausgebracht in
Eiſem Jahr, das eine Rieſenmakulatur über ihn zutage
ge=
racht hat.
Das iſt Deutſchland. Man ſage nicht, das ſei eine
Frag=
es Buchhandels und nichts ſonſt. Hat man etwa erlebt, daß
Mrethes Pädagogik angewandt, daß ſeine Naturlehre
aufgenom=
r, ſeine Wiſſenſchaftslehre, die unmittelbar anwendbar iſt,
ertwirklicht worden wäre? Oder wo ſind Anzeichen dafür, daß
ie Kultur, die Goethe zumal in ſeinen Romanen und
Ge=
uächen als individuale, aber für jede deutſche Geſamtkultur
ra totypiſche gegründet hat, auf ſein Volk überzugehen be=
„innt? — Ueber die geſchichtliche Bedeutung Goethes kann man
Nch. kurz faſſen: Er iſt hundert Jahre tot und er hat nicht
Dr. Herbert Nette.
ewirkt.
Junker u. Dünnhaupt Verlag, Berlin.
Verlag J. A. Barth. Leipzig.
Auguſt Lax Verlag, Hildesheim.
Verlag Palm u Enke, Erlangen.
Raſcher u Co. Verlag, Zürich.
Verlag Köhler u. Amelang, Leipzig.
Das Zweite Inkernakionale Polarjahr
Zworg v. Neumaher, Carl Weyprecht und Hans Graf Wilczek.
an dem Sekretär der Deutſchen Kommiſſion für das
Polar=
ur 1932/33 Dr. P. Heidke, Deutſche Seewarte, Hamburg.
Am 1. Auguſt d. J. hat die Beobachtungstätigkeit des
Zwei=
en. Internationalen Polarjahres angefangen, das durch die
zetteiligung von etwa 50 Staaten zum größten Unternehmen
Yueernationaler Zuſammenarbeit zwecks Erforſchung der
geophy=
kaliſchen Verhältniſſe der Erde als Ganzes geworden iſt.
Be=
eitts liegen Nachrichten von verſchiedenen Expeditionen vor,
vache in polaren und ſubpolaren Gegenden beobachten. Eine
dankespflicht iſt es daher, jetzt wieder der Männer zu gedenken,
Aſie vor fünfzig Jahren das erſte Internationale Polarjahr an=
e egt und ſeine Durchführung ermöglicht haben: Georg
. Neumayer (geb am 21. 6. 1826 in Kirchheimbolanden)
16h einpfalz, geſt. am 24. 5. 1909 in Neuſtadt a. d. Hardt), Carl
WBreyprecht (geb am 8. 9. 1838 in Darmſtadt, geſt. am
9- 3. 1881 in Michelſtadt im Odenwald), Hans Graf
Pilczek (geb. am 7. 12. 1837, geſt. am 27. 1. 1922 in Wien).
Von dieſen hat Neumayer wohl zuerſt ſolche Gedanken, die
päter im Polarjahr 1882/83 verwirklicht wurden, ausgeſprochen,
Fel och nur in ziemlich allgemeiner Form. Seine Aeußerungen
uneben bei den Zeitgenoſſen wenig beachtet. — Anders bei
Behprecht. Völlig unabhängig von Neumayer gelangte dieſer
zil uff Grund ſeiner polaren Erfahrung zu ähnlichen Gedanken
Md trat mit ihnen, ſie zu ſcharfen, beſtimmten Vorſchlägen und
ſteuer erhält die Reichsbahn Steuergutſcheine. Die Reichsbahn
rechnet mit einem Eingang von etwa 180 Millionen RM. aus
dieſen Steuergutſcheinen und wird damit ein zuſätzliches
Arbeits=
beſchaffungsprogramm aufbauen und ſchon jetzt mittels Wechſels
vorfinanzieren.
2. Reparationen, Beförderungsſteuer und Schuldendienſt.
Nach den Lauſanner Abmachungen vom Juli 1932 ſoll das
Darlehen der B. J.3. in Höhe von 540 Millionen RM. geſtrichen
werden, ferner ſoll die Reparationsſteuer, die die Reichsbahn vor
der Hoover=Regelung in Höhe von 660 Millionen RM. jährlich zu
zahlen hatte, endgültig wegfallen. Da das Lauſanner Abkommen
bisher jedoch noch nicht ratifiziert worden iſt, iſt die ganze
Rege=
lung einſtweilen noch in der Schwebe. In der Wirtſchaftsrechnung
für 1932 iſt ſie ſchon vorläufig berückſichtigt worden. Da das Reich
noch Reparationszahlugen zu leiſten hat, ſo hat ſich die Reichsbahn
verpflichten müſſen, den bisherigen Beitrag für Reparationszwecke
von jährlich 70 Millionen RM. auch weiterhin zu leiſten. Die
Reichsbahn wird daher auch nach Inkrafttreten des Lauſanner
Ab=
kommens noch folgende politiſche Laſten zu tragen haben (Stand
Ende 1932):
1. Reparationslaſt: a) Beitrag an das Reich für
Repa=
rationszwecke 70 Mill. RM., b) Vorzugsdividende auf 500 Mill.
überlaſſen wurden 35 Mill. RM., zuſammen 105 Mill. RM.
2. Beförderungsſteuer: 181 Mill. RM.
3. Weitere Laſten; a) Politiſche Perſonallaſt (Penſionen)
203 Mill. RM., b) Mehrkoſten aus neuer Grenzziehung 12
Mill. RM., zuſammen 501 Mill. RM.
Das ſind etwa 17,6 v. H. der vorausſichtlichen
Betriebseinnah=
men des Jahres 1932.
3. Ausblick auf 1933.
Wirtſchaft und Verkehr ſind in Deutſchland
zur=
zeit auf den Stand von 1890 bis 1900
zurückge=
worfen worden. Es wird jahrelanger Arbeit
be=
dürfen, dieſen Rückſchritt wieder aufzuholen.
Auch wenn die Wirtſchaft, wie zu erhoffen iſt, wieder anſteigen
ſollte, wird die Finanzlage der Reichsbahn nach wie
vor ſehr ernſt bleiben. Wie ſich daher die Ausſichten für
das neue Geſchäftsjahr 1933 geſtalten werden, läßt ſich zurzeit noch
nicht überſehen.
I. Berkehrsbedienung und Tarifgeſtaltung.
1. Perſonenverkehr.
Der Perſonenverkehr des Jahres 1932 iſt in Einnahmen und
Verkehrsleiſtungen weſentlich hinter den Ergebniſſen des
Vor=
jahres zurückgeblieben. Im Geſamtverkehr werden die
Einnah=
men aus dem Perſonen= und Gepäckverkehr 77,9 v. H., die Zahl
der beförderten Perſonen 82,9 v. H. und die Zahl der geleiſteten
Perfonenkikometer 82,6 v. H. des Jahres 1931 ausmachen.
Hier=
nach ſind die Einnahmen im Geſamtverkehr ſtärker
zurückgegan=
gen, als die Verkehrsleiſtungen, was in einer um 5,5 v. H.
ver=
ringerten Einnahme auf den Perſonenkilometer zum Ausdruck
kommt: Sie beträgt 2,95 Reichspfennige im Jahre 1932
gegen=
über 3,12 Reichspfennige im Jahre 1931. Die Reiſeweite im
all=
gemeinen Verkehr iſt nur wenig, etwa 0,4 v. H. gefallen. Der
vom Hundertanteil der Holzklaſſe an den Einnahmen ſowohl im
Geſamtverkehr wie im allgemeinen Verkehr hat weiter
zugenom=
men. Im Jahre 1932 wurden etwa 417 Millionen Zugkilometer
geleiſtet, das ſind 1 v. H. weniger als im Vorjahre. Die
Ein=
nahme je Zugkilometer wird 2,33 RM. gegen 2,83 RM. im
Vor=
jahre betragen. Der Rückgang des Verkehrs erforderte eine
be=
ſonders vorſichtige Aufſtellung des neuen Fahrplans. Es konnte
ſich weniger um die Einlegung neuer Züge, als vielmehr um die
Veränderung und Verbeſſerung beſtehender Züge handeln.
Namentlich wurde Wert darauf gelegt, die Reiſedauer der Züge
möglichſt abzukürzen. Sodann gibt der Jahresbericht die genauen
Perſonentarife im In= und Auslandsverkehr.
Plänen formulierend, in die Oeffentlichkeit. Sie fanden bald
internationale Anerkennung. Auch für ihre Durchführung wirkte
Weyprecht mit größter Ausdauer. Graf Wilezek hat durch ſeine
ganz erhebliche geldliche Unterſtützung und durch das begeiſterte ſal des Dekanats der philoſophiſchen Fakultät der Univerſitär
Einſetzen ſeines weitreichenden Einfluſſes das Unternehmen
entſcheidend gefördert.
Nach abgelegten Hochſchul=Examina der Ingenieur= und der
exakten Naturwiſſenſchaften wurde Neumayer zunächſt
See=
mann, dieſen Beruf als Schiffsjunge von der Pike an kennen= zu gering ein; als wichtigſtes Ergebnis der mühſeligen und
erfolg=
lernend, — kurze Zeit Hilfslehrer an der Hamburger Navigations=
Gründer und erſter Direktor des Flagſtaff=Obſervatoriums in
Mel=
bourne/Auſtralien, eines nautiſch=meteorologiſchen Inſtituts, —
Ausſcheiden W. v. Freedens Direktor der von dieſem 1868
gegrün=
deten Deutſchen Seewarte in Hamburg. Die Aufhängung ſeines ſein frühzeitiger Tod im kräftigſten Mannesalter, hat dem
Tat=
lung I des Hamburger Senats über dem Sitz von deſſen
Präſiden=
ten zeigt noch heute, welche Wertſchätzung ſich Neumayer an der Expedition nach Jan Mayen 1882/83 zu krönen.
Stätte ſeines langjährigen Wirkens erworben hat. Seine
viel=
ſeitigen Kenntniſſe, ſeine organiſatoriſche Begabung, ſeine
außer=
ordentliche Gewandtheit in der Behandlung internationaler Unter= Wilczek Zeit ſeines Lebens pietätvoll und mit feinſtem
Ver=
nehmungen dürften veranlaßt haben, daß Neumayer im Oktober ſtändnis die Ueberlieferungen ſeiner öſterreichiſchen Heimat und
1879 zum Präſidenten der damals gegründeten Internationalen ſeines Geſchlechtes gepflegt. „Adel verpflichtet” nach dieſem
Polar=Kommiſſion gewählt wurde. Dieſes Amt legte er allerdings Grundſatz hat er ſtets gehandelt. Hochgewachſen und ſehnig,
über=
bereits im Auguſt 1880 nieder und wurde durch H. Wild erſetzt.
Vorſitzender der deutſchen Polar=Kommiſſion blieb Neumayer bis bereits Familienvater im 29. Lebensjahre, als Gemeiner für ſein
zur Erledigung ihrer Aufgaben und bis zu ihrer Auflöſung, die
gleichzeitig mit der Auflöſung der Internationalen Polar=Kom= Tapferkeitsmedaille; nur ſie trug er, ein begeiſterter Patriot, von
miſſion im September 1891 erfolgte.
reichiſche Kriegsmarine ein und gehörte ihr bis zu ſeinem Ende
als Seeoffizier an. In der Seeſchlacht bei Liſſa 1866 zeichnete er Südfrankreich, Afrika, in die nordeuropäiſchen Meere, nach
Si=
ſich durch beſondere Tapferkeit und Umſicht aus und erhielt den, birien und Rußland, verbunden mit gefährlichſten Kletterpartien
Orden der Eiſernen Krone mit der Kriegsdekoration, der außer in den Gebirgen die Bekanntſchaft mit zahlreichen intereſſanten
ihm nur noch einem einzigen weiteren Subalternoffizier zuteil Perſönlichkeiten ſeiner Zeit, darunter viele gekrönte Häupter,
wei=
wurde. Einſchneidende Bedeutung für ſein ganzes Leben erlangte
furter Geogr. Vereins mit dem bekannten Gothaer Geographen durchführen können. Ein hochverdienter Menſchenfreund, ein För=
Auguſt Petermann machte. Seine erſte 3½monatige Polar=Reiſe derer von Kunſt und Wiſſenſchaft mit feinſtem Verſtändnis für
auf dem kleinen norwegiſchen Segelſchiff „Isbjörn” unternahm beide, das war Hans Graf Wilczek. Hier möge aus dem Nachruf,
Weyprecht im Sommer 1871 zuſammen mit dem bereits auf der
2. deutſchen Polar=Expedition 1869/70 bewährten öſterreichiſchen bürger ſeiner Gemeinde widmete, nur angeführt werden: „Ein
Oberleutnant Payer, ſie erreichten nördlich von Novaja Semlia; großer Freund der Menſchen, ein Linderer ihrer Not und Tröſter
rd. 790 nördlicher Breite. Am 14. 7. 1872 trat Weyprecht, wieder in ihrem Kummer, ein Förderer der Kunſt und vieler edler
Be=
zuſammen mit Payer, auf dem zu dieſem Zweck gebauten 220 Tons ſtrebungen iſt mit Graf Wilczek dahingegangen. Kunſtſinn und
großen Schraubendampfer „Tegetthoff” ſeine zweite, allgemein be= Menſchenliebe, das waren die Leitſterne dieſes hervorragenden
kannt gewordene Polar=Expedition an, die am 30. 8. 1873 zur Ent= Mannes.”
deckung von Franz Joſeph Land führte. Am 20. 5. 1874 wurde nach
Aufgabe des vom Eiſe eingeſchloſſenen Schiffes unter ſeiner Lei= Prälat D. Dr. Diehl herausgegebenen. Heſſiſchen Volksbüchern”
tung der gefährliche, mühevolle und ſehr anſtrengende Rückzug / Band 17 u. 18: Der Nordvolarforſcher Carl Weyprecht. Bearbeitet
nach Novaja Semlia mit Booten und Schlitten angetreten; er vor= von E. Ihne in Darmſtadt.
Nr. 362 — Seite 3
2. Güterverkehr.
Die durchſchnittliche arbeitstägliche Wagenſtellung ging auf
unter 100 000 Wagen zurück. Sie war damit noch um etwa 12
v. H. geringer als die Wagenſtellung im Vorjahre. Nach der
Verkehrsentwicklung wird ein Ueberblick über die
Betriebsfüh=
rung, Tarifgeſtaltung und den internationalen Güterverkehr
ge=
geben. Die Betriebsunfälle haben bis Mitte Dezember 1932
gegen 1931 weiter erheblich abgenommen. Bei einer Geſamtzahl
von 1870 Unfällen beträgt die Abnahme gegen das Vorjahr 350,
d. h. 16 v. H. Die Entgleiſungen haben ſich mit 220 Fällen um
23 v. H. und die Zuſammenſtöße mit 115 Fällen um 26 v. H.
gegenüber 1931 vermindert.
3. Kraftwagenverkehr.
Schon im Rückblick auf das Jahr 1931 wurde berichtet, daß
die am 1. November 1931 in Kraft getretene
Not=
verordnung über den Ueberland=Kraftverkehr
für das Gebiet des Güterdienſtes nicht
befrie=
digte. Der Bahnſpeditionsvertrag trat dann am 1. März 1932
in Kraft. Die Zahl der dem öffentlichen Güterverkehr
dienen=
den Kraftbetriebe der Reichsbahn betrug am Ende des
Berichts=
jahrs 53. Hiervon wurden 35 Verkehre von der Reichsbahn allein
und 18 gemeinſam mit anderen Unternehmungen betrieben. Die
Zuſammenarbeit mit der Reichspoſt auf dem Gebiet des Kraft=
Perſonenverkehrs wurde fortgeſetzt.
III. Die Ausgabenwirtſchaft.
Aus dem umfangreichen Kapitel über die Ausgabenwirtſchaft
intereſſiert unter den Sachausgaben vor allem die
Unter=
haltung und Erneuerung der Anlagen und hier beſonders die
Erneuerungsarbeit am Oberbau. Der andauernde Rückgang der
Einnahmen hat die Reichsbahn dazu gezwungen, das
urſprüng=
lich vorgeſehene Erneuerungsprogramm am Oberbau
einzu=
ſchränken. Erſt das Programm der Reichsregierung
zur Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit und zur Belebung der
Wirtſchaft, in das auch die Reichsbahn einbezogen wurde, hat es
ermöglicht, weitere Oberbauerneuerungsarbeiten in Ausſicht zu
nehmen. Infolgedeſſen ſind noch im Herbſt 1932 500 Kilometer
Gleiſe und 1600 Weichen erneuert worden, ſo daß ſich die
Ge=
ſamterneuerung im laufenden Geſchäftsjahr auf rund 1500 Km.
Gleiſe und 5400 Weichen beläuft. Beſondere Beachtung gebührt
ferner den elektriſchen Anlagen.
Nakionalſozialiſtiſche Regierung
in Thüringen
führt die Schlachiſteuer ein.
Die thüringiſche Regierung, an deren Spitze der
National=
ſozialiſt Sauckel ſteht, hat dieſer Tage auf dem
Notverordnungs=
wege die Schlachtſteuer eingeführt, mit der Begründung, daß
die Selbſtändigkeit des Landes auf dem Spiele ſtehe und
Thürin=
gen vom Reich boykottiert werde, wenn es nicht alle noch
ver=
fügbaren Steuerquellen reſtlos erfaſſe. Die Verordnung umfaßt
ſogar einen Teil der Hausſchlachtungen.
Man könnte über dieſe Verordnung der
nationalſozialiſti=
ſchen Regierung in Thüringen zur Tagesordnung übergehen,
wenn dieſe Maßnahme nicht ganz anders zu werten wäre als
die gleiche Maßnahme z. B. der heſſiſchen Regierung. Als in
Heſſen die Schlachtſteuer eingeführt wurde, erhob ſich bei den
Nationalſozialiſten ein Sturm der Entrüſtung. In der heſſiſchen
nationalſozialiſtiſchen Preſſe wurde die Schlachtſteuer als „das
Weihnachtsgeſchenk des Syſtems Adelung=Kirnberger=Leuſchner”
bezeichnet. Der heſſiſchen Regierung wurde von der gleichen
Preſſe der Vorwurf gemacht, daß „ſie ſich trotz der Kaſſenleere
nicht zu ſpartaniſchen Sparmaßnahmen entſchließen wolle.”
Weiter wurde damals auf die berhängnisvolle Wirkung der
Schlachtſteuer hingewieſen und als Beweis dafür auf das
Bei=
ſpiel der Weinſteuer verwieſen, „deren einziger Erfolg war, daß
ſie die Weinpreiſe ab Winzer unheimlich drückte‟. Im
Zuſam=
menhang damit wurde davon geſprochen, daß die Schlachtſteuer
dem Bauern noch niedrigere Preiſe für ſein Vieh bringen, dem
ſtädtiſchen Verbraucher das Fleiſch verteuern und dem
Arbeits=
loſen ganz unmöglich machen würde, hie und da noch ein
Fleiſchgericht zu erhalten.
Noch den letzten thüringiſchen Landtagswahlkampf beſtritten
die Nationalſozialiſten mit der Parole: „Keine neuen Steuern,
vor allem keine Schlachtſteuer”. Mit dieſem Programm
über=
nahmen ſie auch die Regierung in Thüringen. Um ſo
inter=
eſſanter dürfte für die Oeffentlichkeit die jetzige Einführung der
Schlachtſteuer in Thüringen durch die nationalſozialiſtiſche
Re=
gierung ſein.
nehmlich hat Weyprechts Führereigenſchaften ins glänzendſte Licht
geſtellt. An ihn erinnert das ſchöne, eine ganze Wand
einneh=
mende Payerſche Oelgemälde „Nie zurück”, das heute den Sitzungs=
Wien ziert. Höchſte Anerkennung, auch aus wiſſenſchaftlichen
Krei=
ſen, wurde Weyprecht für ſeine geographiſchen Entdeckungen und
für ſeine ſorgfältigen geophyſikaliſchen Beobachtungen zuteil. Er
ſelbſt ſchätzte ſeine Leiſtungen in weitgehender Beſcheidenheit viel
reichen Expedition betrachtete er die Erkenntnis, daß die weitere
ſchule, — Matroſe und Schiffsoffizier, — Teilnehmer an und Polarforſchung am beſten durch Durchführung des Unternehmens
Führer von verſchiedenen Expeditionen ins Innere Auſtraliens, — gefördert werde, das ſpäter als „Internationales Polarjahr
1882/83” bekannt geworden iſt. Dieſer Erkenntnis in
unermüd=
licher Tätigkeit trotz aller Hinderniſſe Bahn gebrochen und ihr
Hydrograph der deutſchen Admiralität, — ſchließlich 1875 nach dem zur internationalen Anerkennung verholfen zu haben, das iſt das
zweite große Verdienſt Carl Weyprechts. Ein tragiſches Schickſal,
wohlgetroffenen Oelbildes im Verſammlungszimmer der Abtei= menſchen Weyprecht einen Lieblingswunſch verſagt, ſein
Lebens=
werk durch die Führung der öſterreichiſch=ungariſchen Polarjahr=
Aus altem Adelsgeſchlecht ſtammend, hat Hans Graf
aus genügſam und hart gegen ſich ſelbſt, erwarb ſich Graf Wilczek,
kühnes und tapferes Verhalten bei Blumenau 1866 die Goldene
ſeinen vielen hohen Auszeichnungen mit gleichem Stolz wie jeder
Mit 18 Jahren trat CarlWeyprechts) 1856 in die öſter= öſterreichiſche Kriegsveteran auf der Joppe und auf dem Frack.
Reiſen in ſeiner geliebten öſterreichiſchen Heimat, nach Italien,
teten ſeinen Blick. Ohne ſeine Unterſtützung, ohne ſeine
Opferwil=
die Bekanntſchaft, die Weyprecht 1865 bei einer Sitzung des Frank= ligkeit hätte Weyprecht wohl kaum ſeine Expeditionen und Pläne
den der Wiener Bürgermeiſter Neumann dem verſtorbenen Ehren=
*) Näheres über unſeren heſſiſchen Landsmann, in den von
[ ← ][ ][ → ]Seite 4 — Nr. 362
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 30. Dezember 1922
OM
Ol
Statt Karten.
Dipl.-Ing. Paul Nowak
Josefine Nowak, geb. Peppler
geben ihre am 29. Dezember vollzogene
Vermählung bekannt.
Darmstadt, Moosbergstr. 76.
Am 28. Dezember eniſchlief ſanft nach langem, ſchwerem
Leiden meine liebe Frau, unſere herzensgute,
treu=
ſorgende Mufter, unſere liebe Schweſter, Schwägerin,
Tante und Schwiegermutter
Frau
Ratchen Tuffelber!
geb. Lenges
im 55. Lebensjahr.
In tiefer Trauer
im Namen der Hinterbliebenen:
Karl Hofferbert und Kinder.
Darmſtadt, den 29. Oezember 1932.
Soderſtr. 34.
Die Beerdigung findet Samstag, den 31. Dezember,
vormittags 11.30 Uhr, von der Kapelle des
Waldfried=
hofes aus ſkatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme für die
ſchönen Blumenſpenden beim Heimgange unſerer lieben
Eniſchlafenen
Frau Margarethe Schönberger Bwe.
ſagen wir unſeren tiefgefühlten Dank. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Goethe, für die troſtreichen
Worte am Grabe. Den Baimherzigen Schweſtern
ſprechen wir ebenfalls für ihre liebevolle Pfiege unſeren
herzlichſten Dank aus.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Georg Schönberger.
Darmſtadt, den 29. Dezember 1932.
Georgenſtr. 12.
(18003
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe wohltuender
Teil=
nahme, die ſchönen Blumen und Kränze
und das letzte Geleit beim Heimgang
unſerer teueren Mutter
Frau Marh Lautenberger
geb. Sherwood
ſagen wir herzlichen Dank.
In tiefer Trauer:
Thomas Lautenberger, Freg.=Kapitän a. 2.
Lilli Heil, geb. Lautenberger.
Darmſiadt, den 30. Dezember 1932.
Geiſenſee 1.
(18090
Dankſagung.
Für die liebevolle Teilnahme bei
dem Heimgang unſerer lieben
Entſchlatenen, insbeſondere für
die troſtreichen Worte des
Herrn Pfarrer F Müller ſagen
innigſien Dank
(18108
Familie K. öllert
Familie W. Döll
Familie E. Hein Bwe.
Familie B. Markolf.
Darmſiadt, den 29. Dez. 1932.
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Dankſagung.
Allen, die uns bei dem Heimgang meiner unvergeßlichen
Frau, unſerer lieben Mutter, Schweſter und Schwägerin
ihre Liebe und Anteilnahme in ſo wohliuender Weiſe
bezeugt haben, ſagen wir innigſten Dank.
Für die trauernde Familie:
Pfarrer Wilhelm Scheid
und Kinder.
Darmſiadt, den 30. Dezember 1932.
Bin erkrankt,
H.b. konnte Brief
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Teilnahme beim Heimgange
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im 83. Lebensjahre zu ſich in die
Ewigkeit zu nehmen.
ſagen wir tiefgefühlten Dank.
Insbeſondere danken wir Herrn
Pfarrer D Waitz für die
troſi=
reichen Worte, ſowie für die
Anteilnahme ſeiner früheren
Schulkollegen.
n Franz., Engl.,
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erteilt Primaner.
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Darmſtadt, den 30. Dez. 1932.
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Die Beerdigung findet am
Sams=
tag, den 31. 12., vorm 11 Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
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zeugniſſe einſenden.
ſpeitag, 30. Dezember 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 362 — Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 30. Oezember 1932.
Bürgerſteuer 1933.
7— Unter Bezugnahme auf die in der heutigen Nummer
er=
ſeriene Bekanntmachung der Bürgermeiſterei werden wir um
Ffrahme nachſtehender Ausführungen erſucht.
SBezüglich der Einbehaltung der erſten Bürgerſteuerrate 1933
SWochenlohnempfängern hat der Reichsminiſter der Finanzen
grordnet:
Alnter der Vorausſetzung, daß der Betrieb zwiſchen Weihnach=
und Neujahr geſchloſſen iſt, daß ferner die Arbeitnehmer für
f. Zeit einen Lohnvorſchuß erhalten und daß es ſich endlich um
imrbeitende Arbeitnehmer handelt, ermächtige ich
ausnahms=
ſſis die Arbeitgeber die erſte Bürgerſteuerrate ſtatt an der erſten
wen 10. Januar 1933 folgenden Lohnzahlung erſt an der zweiten
enzahlung nach dem 10. Januar 1933 einzubehalten. In den
gn. in denen auch noch die zweite Lohnzahlung nach dem 10.
in uar 1933 durch die Verrechnung des Vorſchuſſes bei den
kurz=
d fitenden Arbeitnehmern betroffen wird, darf die Einbehaltung
Fälligen Bürgerſteuerrate ſogar auf die dritte, dem 10. Januar
0, folgende Lohnzahlung verſchoben werden. Eine weitere
Ver=
ſiSung kommt nicht in Frage.
Bezüglich der Bürgerſteuerpflicht der weiblichen
Hausange=
üt en (Dienſtmädchen) ſcheinen im Publikum noch Unklarheiten
beſtehen. Hierzu wird bemerkt, daß die weiblichen
Hausange=
ſuen (Dienſtmädchen) grundſätzlich hürgerſteuerpflichtig ſind.
ſausſetzung iſt hierbei, daß ſie am 10. Oktober 1932 ihren
Wohn=
m Darmſtadt und an dieſem Tage das 18. Lebensjahr vollendet
en. Auf der Steuerkarte 1933 wird in der Regel nur die Hälfte
ſsmiedrigſten Steuerſatzes von 30 RM. — 15 RM. Bürgerſteuer
3, angefordert worden ſein, da in den meiſten Fällen das
Ein=
mrnen (Bar= und Sachbezüge) der weiblichen Hausangeſtellten
i nſtmädchen) dem Steuerabzug vom Arbeitslohn nicht
unter=
g—. Für die Sachbezüge gelten die für den Steuerabzug vom
keitslohn maßgebenden Wertfeſtſetzungen. Hiernach iſt für die
2 freie Station einſchließlich Wohnung. Heizung und
Beleuch=
un der Betrag von monatlich 25 RM. anzuſetzen. Auf der
Ab=
hrung der monatlichen Teilbeträge der Bürgerſteuer 1933 in
ts von 1.25 RM. innerhalb der geſetzlichen Friſt (ſiehe Seite 4.
ſier III der Steuerkarte 1933) muß beſtanden werden, da der
ſeichsminiſter der Finanzen angeordnet hat, daß die Abführung
ſe=Kleinbeträge an Bürgerſteuer 1933, die eine Reichsmark
über=
ſig en, termingemäß zu erfolgen hat.
Im Allgemeinen iſt zu der Abführung der Bürgerſteuerbeträge
ſuch die Arbeitgeber zu bemerken, daß bei der Ablieferung der
ſi gerſteuer die Zahl der Arbeitnehmer, auf die ſich die
abge=
ſh te Summe verteilt, der Stadtkaſſe mitzuteilen iſt. Einer Be=
Hio nung der einzelnen Steuerpflichtigen, für die die Steuer
ein=
ſhalten und abgeführt iſt, bedarf es nicht.
Hundert Jahre Baumaler.
Am 1. Januar 1933 beſteht die über Heſſens Grenzen hinaus
ſk nnte Malerfirma Gebrüder Nover 60 Jahre in Darmſtadt.
. Anlaß dieſes Geſchäftsjubiläums veranſtalten die jetzigen
nüaber eine Ausſtellung von Entwürſen, Skizzen und Details
eralicher und profaner Malerei vom Urgroßvater bis zum
Ur=
k. I. aus der Zeit von 1832—1932.
Am 7. Januar 1933, vormittags 11 Uhr, wird Herr
Schrift=
irter W. Michel in der Aula der Höheren Landesbauſchule,
ekkarſtraße 3, zur Eröffnung der im Gewerbemuſeum befindlichen
i ſtellung einen Vortrag über „Handwerkskunſt und
Handwerks=
weition” halten.
Vom 7. bis 31. Januar iſt die Ausſtellung täglich von 10—13
Uht und von 15—17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Wünſchen
piks Führung durch die Ausſtellung wird bereitwilligſt
ſtatt=
geben werden.
— Zur Aenderung in der Leitung des Städtiſchen
Kranken=
aufes iſt berichtigend mitzuteilen, daß Herr Obermedizinalrat
luguſt Fiſcher noch bis zum 1. März 1933 amtiert. Die
Ruhe=
airdsverſetzung tritt erſt mit dieſem Tage in Wirkſamkeit, ebenſo
i. Wechſel der übrigen Aemter.
— Treue Mieter. Familie Johannes Rauſch wohnt am
Januar 1933 25 Jahre im Hauſe Weiterſtädterweg 33.
Haus=
ſeſtzer Herr Darmſtädter.
— Odenwaldklub. Das „volkstümlichſte aller Feſte”, das
ſetorierungsfeſt, muß in dieſem Jahre in ſeiner alten Form
ſider ausfallen. Die Mittel des Klubs werden durch die
Not=
ſendigkeit der Erhaltung ſeiner gemeinnützigen Einrichtungen
* Anſpruch genommen, ſo daß er die Koſten eines Feſtes und
I daran hängende Steuerlaſt nicht mehr tragen kann. Um
der ſeine getreuen Wanderer zu ehren, wird die Dekorierung
ia den Schluß der erſten Wanderung im neuen Jahre angefügt.
ie ſe führt am 15. Januar nach Lichtenberg, und der
Kai=
raal des Schloſſes ſcheint ein würdiger Ort, die Treueſten der
ſreuen zu ehren.
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus
urnstag,
31. Dezember
19—2134 Uhr. Außer Miete.
Prinz Methuſalem. Preiſe 0.70—5.50 Mk.
22½—23½ Uhr.
Preiſe 0.70—2.00 Mk.
Silveſter=Kabarett.
Anf. 18½, Endeg. 22, 410u. Dſt. Vb. P, Gr. 1—4
Wertace
Preiſe 0.70—5.50 Uhr
1. Januar / Der Freiſchütz.
Kleines Haus
Anfang 19½, Ende geg. 22 Uhr. Außer Miete.
Ker
Preiſe 0.70——3.30 Mk.
31. Dezember Pygmalion.
Frmstag,
31. Dezember
Anf 22½, Ende gegen 2334 Uhr.
Preiſe 0.70—2 Mk.
Silveſter=Kabarett.
Anf. 19½, Ende geg. 22 Uhr. Zuſ.=Miete III5
rnntag.
Preiſe 0.70—3.80 Mk.
1. Januar Pygmalion.
— Silveſter=Vorſtellungen im Landestheater. „
Pygma=
ion” Bernard Shaws erfolgreichſtes Luſtſpiel, das mit Grete
Nosheim und Oskar Homolka den erſten Teil der Berliner
St ielzeit völlig beherrſchte, wird unter der Regie Arthur Maria
ſabenalts, mit Beſſie Hoffart, Joſef Keim, Hermann Gallinger
ind Käthe Gothe in den Hauptrollen, im Kleinen Haus des
eandestheaters als Silveſter=Vorſtellung gegeben. — Im Großen
Aus geht Johannes Strauß”, des unſterblichen Komponiſten der
„äledermaus”, Operette. Prinz Methuſalem”, unter der Regie
uanr Hans Strohbach; Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp;
nrſikaliſche Leitung: Dr. Hans Schmidt=Iſſerſtedt, in Szene. In
ſen Hauptrollen ſind beſchäftigt die Damen: Maja von
Speng=
er. Regina Harre und die Herren: Dr. Allmeroth. Joſef Sieber
und Eugen Vogt. Ferner wirken mit das Ballett, unter Leitung
ſor: Hans Macke, der geſamte Damen= und Herrenchor, unter
Leitung von Chordirektor Wick. — Der Vorverkauf für alle
Ver=
tnſtaltungen hat in ſo ſtarkem Maße eingeſetzt, daß wir
eip=
ehlen, ſich fruhzeitig mit Karten zu verſehen. Zu der
Silveſter=
lufführung Prinz Methuſalem” können Gutſcheine leider nicht
nehr eingelöſt werden. Am Sonntag, den 1. Januar 1933, findet
die erſte Wiederholung der erfolgreichen Neueinſtudierung von
Vebers „Freiſchütz”, unter der muſikaliſchen Leitung von
Karl Maria Zwißler, in der Inſzenierung von Hans Strohbach,
tatt. Die Agathe wird an dieſem Abend von Carlotte Krauß
geſungen werden. Die übrige Beſetzung iſt die der Premiere.
„DerKongreß der Zukunftsdeuter beehrtſich...
Vier Propheken ſchauen ins kommende Jahr. — Mit Pendeln, Karken, Helkgeſichten...
Blick ins Schickſal 1933!
Nein, das war wirklich kein Silveſterulk! Die Aufmachung
der Einladung ganz ſeriös, und die meiſten derjenigen die
unterzeichnet haben, ſind mir perſönlich bekannt. Deutlich ſteht da:
Berlin, den 7. Dezember 1932.
Die unterzeichneten wiſſenſchaftlichen Zukunftsforſcher
und =forſcherinnen geben ſich die Ehre, Sie zu einer
ver=
traulichen Sitzung einzuladen. Thema: „Schickſal 1933!‟—
Als Zeitpunkt iſt 10 Uhr abends feſtgeſetzt. Pünktlich ſtehe
ich vor jener Villa im Weſten Berlins, die in der Einladung
angegeben iſt. Auf mein Klingeln öffnet ein Diener. Er
ge=
leitet mich in einen großen Raum. der nur von Kerzen —
getra=
gen von ſchweren Meſſingleuchtern — erhellt wird. Um einen
runden Tiſch ſitzen die eigentlichen Veranſtalter, zwei Männer.
drei Frauen. Ringsum kann man ein elegantes Publikum
— ausſchließlich geladene Gäſte — in ziemlicher Spannung
beobachten.
Nachdem ich mich ſchriftlich habe verpflichten müſſen, in
einem Bericht über dieſe Sitzung zumindeſt alle Hinweiſe auf
die teilnehmenden und veranſtaltenden Perſönlichkeiten zu
unter=
laſſen, eröffnet der Vorſitzende die Sitzung.
Der Hellſeher:
Ein großer, korpulenter Mann
Sein Auge flackert
un=
ruhig. Die Rechte umklammert den Tiſchrand. Der
Hell=
ſeher will den Reigen der Prophezeiungen eröffnen . . . (Der
Ueberſichtlichkeit halber habe ich ſeine Angaben nach Stichworten
geordnet und Unintereſſantes, ſowie Zwiſchenbemerkungen
hin=
weggelaſſen.)
Ausland: Will ſich mit Deutſchland endlich vertragen.
Deutſchland: Nach Ueberwindung großer
Schwierigkei=
ten im erſten Teil des Jahres wird ſich eine Zuſammenfaſſung
aller Kräfte ermöglichen laſſen und dann die Grundlage bilden
für einen wirklichen wirtſchaftlichen Wiederaufſtieg, deſſen
Symptome ſpäteſtens im Herbſt deutlich ſichtbar ſein werden.
Fernſehen: Einführung des erſten volkstümlichen
Fern=
ſeh=Apparates: Preis um 250 Mark.
Gold: Die Entdeckung neuer großer Goldgebiete wird zur
Erſchütterung auf den Goldmärkten beitragen.
Rohſtoffpreiſe: Ziehen weiter an!
Rußland: Stalin bleibt. Aber erſte ernſthafte
Arbeiter=
revolte gegen die Regierung.
Die ſideriſche Pendlerin:
Hellſehen muß nicht leicht ſein — denn der Mann hat
furcht=
bar geſchwitzt.
Jetzt ſteht die ſideriſche Pendlerin am Tiſch: etwas rundlich,
Mutter dreier Kinder, gute Hausfrau — und eine Berühmtheit
in ihrem Fach.
Um ihren rechten Zeigefinger iſt ein Fädchen gewickelt, an
deſſen Ende ein lotförmiger Goldklumpen blitzt. . . Mit der
Lin=
ken ſtreicht ſie noch einmal den Faden mit feuchten Fingern glatt,
dann ſpricht ſie:
„Ich pendle die Börſenereigniſſe des kommenden Jahres aus.
Achtung — ich pendle . . ." — Und tatſächlich beginnt der an ihrem
Finger hängende Klumpen zu zucken. Aller Augen — insbeſondere
auch die einiger wohlbeleibter Börſenherren — hängen wie
ge=
bannt an ſeinen Bewegungen. Wie aus der Ferne dringt jetzt die
Stimme der Pendlerin:
„Der Pendel zuckt von Süd nach Nord unruhig hin und her:
die Neubelebung der Wirtſchaft hat noch mit ſtarken
Baiſſeſtim=
mungen zu kämpfen. Jetzt kommt der Monat März. Sehen Sie:
Kreiſe, ruhige, gleichmäßige Kreiſe. Die Wirtſchaft belebt ſich...
Doch da im Mai, ich ſehe Gefahren für die Rohſtoffpreiſe..
Im Herbſt: neue Zuckungen, neue Kriſe. .. So um den Anfang
November herum iſt auf der Börſe eine beſondere Erſchütterung
zu erwarten. ..
Der Aſtrologe:
Ein ſchmalbrüſtiger Mann, Brille im Geſicht. Sein Name iſt
über die Grenzen Deutſchlands hinaus bekannt. Zahlloſe
Promi=
nente — insbeſondere von Bühne und Film — holen ſich Tag für
Tag bei ihm Rat. (So eine Beratung koſtet zwiſchen 30 und 50
Mark!) Gleichmäßig und ruhig ſpricht er:
„Wenn wir der wiſſenſchaftlichen Zukunftsforſchung dienen
wollen, ſo darf ich Ihnen nicht verſchweigen, daß die
Konſtel=
lationen für das Jahr 1933 nicht durchgehend günſtig gewertet
werden können.
Im Monat März wird die Wirtſchaft einen ſtarken Auftrieb
erfahren, der auch durch außenpolitiſche Komplikationen um die
Mitte des Monats April nicht gehemmt werden wird. Für
Deutſch=
land ſind Erfolge in der Abrüſtungsfrage zu erwarten, auch die
Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ſcheint für das Jahr 1933
nicht ausgeſchloſſen.
Gefahr beſteht, daß die Monate Mai und Juni ſich teilweiſe
äußerſt kritiſch geſtalten, Streikbewegungen drohen, auch politiſche
Auseinanderſetzungen. Beſonders groß erſcheinen dieſe Gefahren
für die erſten Maiwochen. Denn hier zeigt das Jahreshoroſkop des
Reiches eine ſeiner kritiſchſten Konſtellationen. Zudem ſcheint das
Horoſkop einer der wichtigſten deutſchen Perſönlichkeiten im
glei=
chen Monat durch ungünſtige Saturneinwirkungen geſchwächt.
Das Horoſkop des Reichskanzlers von Schleicher zeigt für 1933
eine beſonders glückliche Konſtellation, und es iſt hinzuzufügen,
daß bei ſeinem Horoſkop auch für den Monat Mai keine
Ab=
weichung im ungünſtigen Sinne zu konſtatieren iſt
Die Wirtſchaft wird auf der ganzen Welt ſich langſam wieder
beleben; auch in Deutſchland wird die Erholung allmählich
fühl=
bar werden.
Ungünſtig iſt die Konſtellation für internationale Konferenzen.
Alles in allem: das kommende Jahr wird uns manche
inner=
politiſchen ſchweren Konflikte erleben laſſen. Eine endgültige
Be=
ruhigung dürfte erſt im September eintreten. Aber es erſcheint
gewiß, daß die dann errungene Staatsgrundlage die Baſis für den
Wiederaufſtieg ſein wird.”
Die Kartenlegerin:
Eine nette, kleine, grauhaarige Frau, mit ſchwäbiſchem Akzent,
ſie ſpricht ſtoßartig, aber ſehr überzeugt:
„Wollen Sie bitte alle der Reihe nach abheben. — Da, da
iſt ſchon der große Mann! Er hat ſchon eine große Rolle in
Deutſchland geſpielt, und wird wieder in einflußreiche Stellung
zurückehren!
Sie miſcht von neuem, läßt wieder abheben: „Ah, ein
ge=
waltiger Orkan wird im kommenden Jahre vor allem
Nordweſt=
deutſchland heimſuchen und zwei kleinere Ortſchaften vollkommen
verheeren ..
Da iſt ein Komet. Ueberſchwemmung Maul= und Klauenſeuche
in öſtlichen Provinzen
Die Glückszahlen für das kommende Jahr: 6, 37, 111. 13, 2..."
Wahr oder nicht wahr — die Sitzung, die ſich bis 4 Uhr
nachts in die Länge zog, hat mich eigenartig beeindruckt; lauter
Leute, deren Ruf in immer weitere Kreiſe dringt, und deren
Aeußerungen nachzuprüfen, ſich ſchon des öfteren namhafte
Ge=
lehrte bereitgefunden haben.
Und was das gläubige Publikum betrifft — Damen und
Herren aus dem Berliner Weſten —, ſo mag für die Frakuns.
ſchönes Wort gelten:
„Ehe uns in unſern Nöten.
Geht die letzte Zukunft flöten,
Baun wir auf die Zauberkraft
Der okkulten Wiſſenſchaft!”“
Peter Elmann.
Arbeitsiubiläumn in der Eiſengießerei 1.
Maſchinen=
fabrik Carl Schendk, G. m. b. H., Darmſtadt.
Im Laufe des letzten Geſchäftsjahres konnten nachſtehende
Jubilare auf eine 40= bzw. 25jährige ununterbrochene Tätigkeit
bei der Firma zurückblicken: Herr Johann Jäger, Dreber,
Darmſtadt, Kaſinoſtraße 26; Herr Jakob Becker, Schloſſer,
Goddelau, Alte Länderſtraße 7½: Herr Auguſt Fleiſcher,
Vorarbeiter, Pfungſtadt, Hahner Straße 13; Herr Georg
Bütt=
ner. Werkzeugſchloſſer, Arheilgen, Auguſt=Bebel=Straße 28:
Herr Otto Bork, Vorarbeiter. Darmſtadt. Kahlertſtraße 25;
Herr Friedrich Leißler, Techniker. Darmſtadt. Rhönring 20;
Herr Joſef Oeſtreicher, Schmied, Münſter, Friedhofſtr. 13.
Die Jubilare, die in den Jahren 1891/92 bzw. 1907 in die
Dienſte der Firma eingetreten ſind, widmeten ihr ſeit jener Zeit
ununterbrochen ihre Dienſte. Die Firma ehrte ihre Jubilare in
feierlicher Weiſe und überreichte ihnen im Auftrage der
In=
duſtrie= und Handelskammer Darmſtadt Ehrenurkunden.
Jubi=
läumsgaben wurden am Tage des Jubiläums übexreicht. Von
verſchiedener Seite wurde noch in Anſprachen der Jubilare mit
Worten des Dankes und der Anerkennung gedacht.
Achtung!
Bis morgen abend
werden Anzeigen für die
Neu-
jahrs Hummer angenommen.
Ab 5 Uhr ist die
Geschäfts-
stelle am Samstag geschlossen
DER VERLAG.
— Deutſchtum in Japan. So lautet das Thema des
Vor=
trags, den auf Veranlaſſung der Männergruppe des Vereins
für das Deutſchtum im Ausland am Freitag, den
6. Januar, abends 8 Uhr, im Hörſaal 326 der Techniſchen
Hoch=
ſchule Herr Superintendent Dr. E. Schiller aus Bonn halten
wird. Der Redner, der 37 Jahre in Japan tätig war, iſt erſt
im letzten Jahre in die Heimat zurückgekehrt. Er gilt als einer
der beſten Kenner des Oſtens, ſo daß die Bekanntgabe ſeiner
Erfahrungen ſtarkem Intereſſe begegnen dürfte.
Volksſondervorſtellung im Orpheum. Heute, Freitag, 30.
De=
zember, abends 8,15 Uhr, verabſchiedet ſich die wunderſchöne
nor=
diſche Tempo=Revue „Die Fahrt ins Blaue”. An der Spitze
Thora Malmſtröm mit ihren temperamentvollen
Skandi=
navierinnen. Ein ſelten ſchöner Spielplan. Dazu ein großer
Varieté=Teil. Es gelten ganz kleine Preiſe von 50 Pfg. an und
iſt jedem letztmalig Gelegenheit geboten, den Weihnachtsſpielplan
noch heute zu bewundern. (Siehe Anzeige.)
— Weihnachtsfeier im Landgerichtsgefängnis Darmſtadt. In
der Anſtaltskirche des hieſigen Landgerichtsgefängniſſes fand eine
gemeinſame Weihnachtsfeier für alle Strafgefangenen ſtatt. Die
Vormittage der beiden Feſttage waren, wie ſtets, den religiöſen
Feiern beider Bekenntniſſe vorbehalten; die gemeinſame
Ver=
anſtaltung war auf den Nachmittag des zweiten Weihnachtstages
gelegt worden. Herr Prof. Schmitt, der Direktor der Städt.
Akademie für Tonkunſt, hatte, wie ſchon öfters, bereitwillig
über=
nommen, aus den jungen Künſtlern der Akademie die
Vortra=
genden für den muſikaliſchen Teil zu gewinnen. Ein Adagio von
Mozart, wirkungsvoll vorgetragen von Karl Cauer, gab ſofort
die richtige Einſtimmung. Berthel Schneller ſang anſchließend
eindringlich Ferd. Hillers „Gebet” für Sopran, Willi Schmitt
erſchütterte die Zuhörer durch Felix Mendelsſohn=Bartholdys Arie
aus dem Oratorium „Elias”. Dann hielt der bekannte
Darm=
ſtädter Schriftſteller und Redner Wilhelm Michel einen
Feſt=
vortrag, der, von allgemein menſchlichen Beobachtungen
aus=
gehend, gleichſam „von unten herauf” Sinn und Gehalt des
Weih=
nachtsfeſtes erſchloß. Nachdem Berthel Schneller und Karl Cauer
noch zwei Lieder für Sopran mit obligater Violine („Ave Maria”
von Adolf M. Förſter und „Mariä Wiegenlied” von Max Reger)
vorgetragen hatten, erklang zum Abſchluß der machtvolle Baß
Willi Schmitts im „Halleluja” von „Eerd. Hummel. Am Klavier
begleitete, wie im Vorjahr. Nelly Birrenbach mit
Feinfühlig=
keit. Die Veranſtaltung, deren Eindruck ſich niemand unter den
Zuhörern entziehen konnte, verlief ohne jeden ſtörenden
Zwiſchen=
fall.
Weihnachten der Heimatloſen in der Herberge zur Heimat.
Nach altem ſchönen Brauch wurde auch dieſes Jahr den
heimat=
loſen Wanderern in der Herberge zur Heimat ein Weihnachtsfeſt
bereitet. Aus ganz Deutſchland warer ſie gekommen, 90 an der
Zahl, alte und junge, ſolche, denen Wind und Wetter tiefe
Fur=
chen ins Geſicht gruben, und ſolche, die zum Teil auch
Abenteurer=
luſt und trübe Erwerbsverhältniſſe von daheim wegtrieben, und
die ſich nun unter dem ſtrahlenden Chriſtbaum verſammelten.
Ge=
meinſam ſangen ſie die Weihnachtslieder und lauſchten der
An=
ſprache des Herrn Pfarrers Heß, der ihnen die
Weihnachts=
geſchichte aus Lukas II vorlas. Und muß es nicht gerade für die
Brüder von der Landſtraße eine beſeligende Botſchaft ſein;
„Fürchtet euch nicht, denn ſiehe, ich verkündige euch große Freude!”?
Denn beſonders in ihre Herzen kann ſich ja die Furcht einſchleichen
vor den mannigfaltigen Gefahren der Landſtraße und vor dem
Leben überhaupt, das gerade ihnen hart und troſtlos erſcheinen
muß. Aber ſie ſollen nicht verzagen, denn auch in ihre Seele ſoll
wenigſtens einmal im Jahre die Freude einziehen. Und ſie
freu=
ten ſich auch, alle, die da bei Kaffee und Kuchen unter dem
bren=
nenden Weihnachtsbaum ſaßen und denen durch die Mithilfe ſo
mancher wohltätigen Hand ein liebesvolles Geſchenk beſchert ward.
So ſei hiermit auch allen Spendern gedacht, die durch ihre
freund=
lichen Gaben dazu beigetragen haben, die große Not unter den
wandernden Handwerksburſchen ein wenig zu lindern.
— Heſſenſkikurſe über Neujahr. Am erſten Tag im neuen Jahr
werden vom Heſſenſkikursverlag zwei ſchöne Skikursfahrten
unter=
nommen, die in die ſchönſten Teile des Schwarzwaldes führen.
Diejenigen, die nur ein paar Tage Urlaub zur Verfügung haben,
werden bei der 3=Tagefahrt voll und ganz auf ihre Koſten
kom=
men. Schöne und geheizte Wagen verbürgen für bequemes fahren.
Bei Schneefall im Odenwald und Taunus finden preiswerte
Sonderfahrten ſtatt. (Siehe Inſerat.)
— Volksküche e. V., Waldſtraße 18. Samstag, 31. Dezember
1932 — Silveſter — iſt die Volksküche nur bis nachmittags
6 Uhr geöffnet. Am Neujahrstage bleibt die Volksküche ganz
ge=
ſchloſſen. Sonntag, den 8. Januar 1933, iſt die Volksküche wieder
von vormittags 10 bis 2 Uhr nachmittags geöffnet.
Seite 6 — Nr. 362
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Der Hund mit der blauen Zunge.
Eine chineſiſche Legende. — Die „Heldenkaken” der Ahnen der Chow=Chow=Hunde.
Chineſiſche Ahnentafeln haben etwas Geheimnisvolles. Es
ſteckt immer in ihnen ein Geheimnis, das keineswegs bloß von
den ſeltſamen Schriftzeichen herkommt, die zuerſt ſo überwältigend
fremdartig vor Augen liegen. Iſt das ſchon ſo bei der
Familien=
geſchichte der chineſiſchen Geſchlechter, der Feng, Ming, Sun. Wu
oder Fu und wie ſie heißen, ſo darf man das beim Chow=Chow,
der auch den poetiſchen Namen tragen kann, dem Hund der blauen
Zunge, kaum anders erwarten. Ein Wunder nur, daß nicht ſeine
Ahnenreihe geradlinig hinaufführt zu den wunderſchönen
Drachen=
ſcheuſalen, deren Exiſtenz aus chineſiſchen Wappenzeichnungen und
Dekorationskünſten vieler Jahrhunderte zur Genüge
nachgewie=
ſen iſt.
Wir ſind ganz zufrieden, daß die reizenden kleinen
vierbei=
nigen chineſiſchen Freunde wirklich blaue Zungen haben. Was auch
immer die Legende, die Feng=Tao, der Hundehändler, uns erzählt,
als Urſache dafür angibt! . . . Eine merkwürdig zarte blaue Zunge,
die dieſem Abkömmling alter tibetaniſcher Raſſen etwas ganz
Eigenartiges, Originales gibt.
Aber ſo erzählt Feng:
„Der Kaiſer — vor vielen tauſend Jahren war es — war auf
der Jagd. Ein Drache überfiel den Sohn des Himmels. Als das
Untier den Todesſtreich empfing, ſchlug es noch einmal mit ſeiner
Pranke nach dem hohen Jäger. Verwundet, ohnmächtig ſtürzt er
nieder. Aber die Chow=Chow=Hunde, ſeine treuen Gefährten,
lecken ihm die Wunde, ſo daß das Gift des Drachenodems ihm das
Blut nicht vergiften konnte. Seitdem haben die Chow=Chow=
Hunde ihre blauen Zungen.”
Das iſt die Legende vom Hunde mit der blauen Zunge, wie
ſie der chineſiſche Hundehändler Feng=Tao kund und zu wiſſen tut.
Die hübſchen munteren Kerle mit ihren Löwenköpfen und
Mäh=
nen, die ſo weich ſind wie chineſiſche Seide, ſpringen poſſierlich
da=
bei herum. Selbſt nicht ahnend, welche fabelhafte Vergangenheit
ſie und ihre Raſſe beſitzen.
Die Chow=Chow=Hunde gehören mit zu den modernſten
Lieb=
lingen, die unſere Hundefreunde ſich halten. Erſt wenige Jahre
ſind es her, daß überhaupt Chow=Chow=Hunde nach Amerika und
Europa gelangt ſind. Nach dem Schäferhund, dem immer treuen
und vielbegehrten vierbeinigen Freunde, der nun ſchon ſeit zwei
Jahrzehnten die klugen Pudel, die anhänglichen Möpſe abgelöſt
hat, waren es die Drahthaarterrier mit ihren drolligen viereckigen
Setzköpfen, die ſich immer mehr die Zuneigung von Frauchen und
Herrchen eroberten. Freilich, die eigentlichen Jagdhunde, die
et=
was ganz Vornehmes für ſich ſind, konnten ſie nicht erſetzen: unſere
Vorſteh= und Hühnerhunde, vor allem auch unſere anhänglich=
un=
gehorſamen Dackel.
Ein Chow=Chow.
der auf einem Wettbewerb in Berlin preisgekrönt wurde.
Kommt da dieſer ſonderbare Geſelle aus dem fernen Oſten
unter ſie! Mit einer Ahnentafel und einer Herkunftslegende, die
ebenſo fabelhaft anmuten wie die blaue Zunge, die er aber
leib=
lich ſchlappernd aus dem Löwenmaul heraushängt. Wir ſtellen
den neueſten vierfüßigen Freund vor: Chow=Chow, der Hund der
blauen Zunge.
— In den Helia=Lichtſpielen läuft ab heute in Uraufführung
der luſtige Tonfilm „Muß man ſich gleich ſcheiden laſſen”, mit
Iwan Petrowitſch, Elſe Elſter und Szöke Szakall in den
Hauyt=
rollen. Die Regie führte Hans Behrendt, und die ſchmiſſige
Muſik ſtammt von Miſcha Spolianſky. Im tönenden
Beipro=
gramm: Die neueſte Emelka=Woche.
— Im Union=Theater ſieht man heute unwiderruflich zum
letzten Male Marlene Dietrich in dem ergreifenden Tonfilm
„Die blonde Venus
— Die Palaſt=Lichtſpiele zeigen, um jedermann Gelegenheit
zu geben, ein paar frohe Stunden zu verleben, noch einige Tage
zu ermaßigten Preiſen den großen Lacherfolg „Filmverrückt”, mit
Harold Lloyd, dem König des Humors, in der Hauptrolle.
Jugendliche haben Zutritt.
Helia=Film=Morgenfeier. Der von Preſſe und Publikum
am 2. Weihnachtsfeiertag mit ſo großer Begeiſterung
aufgenom=
mene Kulturtonfilm „Daſſan, die Inſel der fünf Millionen
Pinguine”, wird am kommenden Sonntag nochmals wiederholt.
Es wird darauf aufmerkſam gemacht, daß eine weitere
Wieder=
holung, anderer Dispoſitionen halber, nicht ſtattfinden kann.
Die=
ſer Film iſt von dem Forſcher Cherry Kearton aufgenommen.
Jugendliche haben Zutritt.
— Silveſter=Kabarett nach Pygmalion” auch im Kleinen
Haus. Da bis auf wenige Plätze das Silveſter=Kabarett im Gro=,
ßen Haus bereits geſtern ausverkauft war, hat ſich die
General=
direktion entſchloſſen, nach der „Pygmalion”=Premiere auch im
Kleinen Haus ein Silveſter=Kabarett zu veranſtalten, das im
weſentlichen die Kräfte und das Programm des Kabaretts im
Großen Haus bringt, dazu einige eingelegte Nummern. Es wird
im Kleinen Haus u. a. die neue Solotanzerin Ilſe Meudtner
einige der Tänze vorführen, die ſie mit Harald Kreutzberg jetzt auf
der Amerikatournee getanzt hat. Das Silveſter=Kabarett im Kl.
Haus beginnt um 22,30 Uhr. Vorverkauf ab heute; Preiſe: 0.70
bis 2.00 Mark.
Wer iſt der Tote? Das Landeskriminalamt Heſſen (Zentrale
für Vermißte und unbekannte Tote) teilt mit: Am 29.
Dezem=
ber wurde in Mainz ein unbekannter Toter aus dem Rhein
ge=
borgen. Er iſt etwa 50 bis 55 Jahre alt, 1,72 Meter groß,
kräf=
tig, hat braunes, an der Stirn lichtes Haar bräune Augen, trägt
vollen, geſtutzten Schnurrbart, hat ſchlechte Zähne (im Oberköfer
fehlen die Eckzähne) und war bekleidet mit grünem Lodenmantel
(Lederknöpfe), Marengorock und Höſe grüner Strickweſte (weiße
Knöpfe), weißem Maccohemd (bläulicher Einſatz), weißer
Un=
terhoſe. Der weiße Kragen trägt das Tintenzeichen 2827.
Grau=
wollene Socken nud ſchwarze, gewöhnliche Schnürſchuhe, Größe 41.
Der Tote trug einen Trauring M. B. 1925. Die ſchwarze
Horn=
brille hat ſilberne Bügel und Brücke, das Taſchenmeſſer trägt
die Aufſchrift: Auguſt Kinzler u. Co., Edelliqueure. Die Leiche.
die etwa drei Wochen im Waſſer lag, wurde nach dem Mainzer
Friedhof gebracht. Angaben, die zur Feſtſtellung dienen können,
wolle man an das nächſte Polizeiamt oder an das L.K.P.=Amt,
Darmſtadt Wilhelm=Gläſſing=Straße, richten.
Ab. Um ein Obdach zu bekommen — zum Autodieb geworden.
Auf der Polizeiverwaltung in Bernkaſtel=Cues (Moſel) erſchien
ein 21jähriger Wanderburſche aus Darmſtadt, der erklärte, in
Trier ein Auto geſtohlen zu haben Nach ſeinen Angaben hat er
ſich in Trier zweimal obdachlos gemeldet, iſt aber jeweils
abge=
wieſen worden. Er hat dann verſucht, auf einer Bank zu
ſchla=
fen. Als es ihm hierbei aber zu kalt geworden iſt, tam er auf
den Gedanken, ſich ein Auto zu ſuchen, um dort ſchlafen zu
können. Am Hauptpoſtamt in Trier hat er den Gedanken dann
auch in die Tat umgeſetzt und fuhr mit einem faſt neuen
Mer=
cedeswagen bis in die Nähe von Wittlich. Als Strafe für dieſes
Vergehen will der Wanderburſche ein Jahr Gefängnis, damit er
von der Straße wegkomme. Die polizeilichen Ermittlungen
er=
gaben, daß das Auto tatſächlich geſtohlen worden iſt; es konnte
ſeinem Beſitzer wieder zugeſtellt werden,
Oie hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechunu oder Kriti.
Städt. Ratskeller. Samstag abend: Silveſter
Feier — Künſtler=Konzert. (Siehe morgige Anzeige.)
Silveſter und Neujahrsfeier in den beiden
Gaſtſtätten Hotel Bender, Georgenſtraße 1½, und Reſt
Bender, Eliſabethenſtraße 23. In den dekorierten Räume
Künſtlerkonzerte mit Tanz und Ueberraſchungen. (Näheres An
zeige.)
— Bayernverein Darmſtadt, e. V. Der
Bayern=
verein wird ſeiner Gewohnheit gemäß auch in dieſem Jahre ſeine
Weihnachtsfeier am 1. Januar im Konkordiaſaal abhalten. D
dazu notwendigen Vorbereitungen ſind mit größter Sorgfalt ge
troffen, ſo daß den Feſtbeſuchern abermals erhebende und genuſ
reiche Stunden bevorſtehen. Neben der Wiedergabe von zwe
ſtimmungsvollen Theaterſtücken werden u. a. mehrere original
bayeriſche Schuhplattlertänze der aus der Operettenrevue. „In
Weißen Rößl” beſtens bekannten Tanzgruppe zur Aufführun
gelangen. (Näheres ſiehe Anzeige!)
Silveſterfeier. Am Samstag, den 31. Dezember
abends findet in der Reſtauration Rehberger eine Silveſterfei,
ſtatt. Außer Herrn L. Fludor wurde für die Muſik noch e
Wiener Schrammeltrio verpflichtet. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Tageskalender für Freitag, den 30. Dezember 1932.
Union=Theater: „Die blonde Venus”; Helia=Lichtſpiele: „Mu
man ſich gleich ſcheiden laſſen”: Palaſt=Lichtſpiele: „Filmver
rückt”. — Orpheum: Revue „Die Fahrt ins Blaue”.
„Umſtellung im deutſchen Obftbau.”
Hinweis auf den gleichlautenden Vortrag
gelegentlich der Landwirtſchaftlichen Woche in Darmſtadt.
(Der landwirtſchaftliche Vortragskurſus vom 3. bis
5. Januar 1933 in Darmſtadt bringt am Mittwoch den
4. Januar, vormittags 11 Uhr, im „Rummelbräu”,
Rhein=
ſtraße 101, einen Vortrag über Umſtellung im
deut=
ſchen Obſtbau”, von Kreis=Oberinſpektor Braun,
Radolf=
zell. Dem Vortrag voraus, um 9 Uhr beginnend, ſpricht Profeſſor
Dr. Kraemer, Gießen, über „Die Fleckviehzucht und
ihre Bedeutung für die heſſiſche
Landesrind=
viehzucht‟ Die am Obſtbauvortrag Intereſſierten werden
gut tun, ſich ſchon frühzeitig einzufinden, um Platz zu erhalten.
Obſtbau=Oberinſpektor Braun iſt ſeit vielen Jahren im
Bezirk Radolfzell am Bodenſee tätig, einem obſtbaulich
bedeu=
tenden Gebiet. Er war in dieſer Zeit führend in der Umſtellung
des altüberlieferten, mehr extenſiden zum leiſtungsfähigen,
neu=
zeitlichen Qualitätsobſtbau. Die heſſiſchen Obſterzeuger dürften
hier aus berufenem Munde manche wertvolle Anregung mit nach
Hauſe bekommen, da auch im Radolfzeller Bodenſeegebiet der
Kleinbeſitz vorherrſcht und mittlere landwirtſchaftliche Betriebe
ſich auch nicht von alters her mit intenſivem Obſtbau befaßten.
Der badiſche Obſtbau in dieſen Gebieten hat heute nicht nur
guten Ruf hinſichtlich der Güte und handelsmäßigen Herrichtung
des Obſtes, ſondern auch bezüglich der mengenmäßigen
Lei=
ſtungen. Iſt in den letzten Jahren der Wert großzügiger
Schäd=
lingsbekämpfung beſonders in Erſcheinung getreten, ſo
iſt vorausgehend aber auch eine weſentliche Verbeſſerung in der
Sortenwahl, der Baumpflege, Düngung zu verzeichnen. Auch im
Bodenſeegebiet wird Obſtbau auf offenem Boden betrieben, nicht
nur in Grasböden, auch hier verlangt der Ackerbau neben der
Viehwirtſchaft ſein Recht, genau wie auch der Kleinbetrieb ſeine
beſondere Einſtellung zum intenſiven Obſtbau finden mußte, die
nicht von vornherein leicht war. Es wird ein Praktiker aus
der großen Praxis ſprechen, den zu hören niemand vom Beruf
verſäumen ſollte.
Jetzt Beutel 35 Pfg., Dose 40 Pfg. und 75 Pfg.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nichi beantwortet. Die Beantwartung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkeit
A. S. Bäume und Sträucher dürfen, ſofern ſie mehr als
2 Meter hoch ſind, nur in einem Abſtande von 2 Metern, ſofern
ſie 2 Meter oder weniger als 2 Meter hoch ſind, nur in einem
Abſtande von einem halben Meter von der Grenze des
Nachbar=
grundſtücks gehalten werden. Der Abſtand wird von der
Mittel=
achſe des Baumes oder Strauches bis zur Grenzlinie gemeſſen,
und zwar an der Stelle, wo der Baum oder Strauch aus em
Boden heraustritt. Durch Lokalpolizeiverordnung die bei der
Bürgermeiſterei zu erfragen wäre, können andere Beſtimmungen
getroffen werden. Der Nachbar kann die Entfernung aller
Bäume und Sträucher verlangen, die in einem geringeren als
dem nach obigem Geſetz zuläſſigen Abſtande gehalten werden. Die
genannten Geſetzesvorſchriften finden keine Anwendung auf
Bäume und Sträucher in Gärten, ſofern die Gärten mit einer
feſten Umfriedigung verſehen ſind und die Bäume und
Sträu=
cher zu einer Zeit angepflanzt werden, zu welcher der Garten
nicht an Aecker, Wieſen oder Weinberge grenzt.
B. in W. Wenn Sie mit einem Reiſenden der Firma auf
deſſen Warenangebot hin nur Vorverhandlungen gepflogen
haben, ſo wird zu ſagen ſein, daß ein Vertrag nicht zuſtande
ge=
kommen iſt. Im übrigen würde es gut ſein, wenn Sie die
Ver=
handlungen im einzelnen näher ſchildern würden, da nur dann
eine abſchließende Antwort möglich iſt.
N. F. Dieſe Fragen müſſen Sie wohl an den
Südweſtdeut=
ſchen Rundfunk richten.
Gokkesdienſt der Iſrgelikiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, 30. Dezember: Voxabendgottesdienſt 4.45 Uhr.
Samstag, 31. Dezember: Morgengottesdienſt 8.45 Uhr.
Sabbatausgang 5.25 Uhr.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7.30. abends 6.00 Uhr.
Samstag, 31. Dezember: 8 Tag Chanuckoh.
Vorabend 4.10 Uhr. Morgens 8,00 Uhr. Nachmittags 4.00
Uhr. Abends 5.25 Uhr.
Wochentags: Morgens 7.15 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr.
Freitag, 30. Dezember 19214
Aus Heſſen.
— Griesheim, 29. Dez Reichspräſident v. Hindenbuu
hat dem Ehepaar Gg. Betz zur goldenen Hochzeit ein Ehru
geſchenk übermittelt.
Mu
s. Traiſa, 29. Dez. Die Jahreshauptverſammlung des O0ſ
und Gartenbauvereins findet Montag, den 2. Jan..
„Heſſiſchen Hof” ſtatt.
G Ober=Ramſtadt, 29. Dez. Hohes Alter. Am 31. d.1.
vollendet Herr Heinrich Keller 5., Neugaſſe 12 wohnhaft.
82. Lebensjahr.
Roßdorf, 29. Dez. Sparſinn. Ein Beweis dafür, daß
Sparſinn in unſerem Dorfe wieder erheblich im Aufſteigen besn!
fen, iſt, daß die hieſigen Spar= und Kohlenvereine, die Sparer=”
der Spar= und Darlehnskaſſe ſind, im Laufe dieſes Jahres drun
allwöchentliche Erhebungen bei ihren Mitgliedern insgeſamt
anſehnlichen Betrag von 31 000 RM. zuſammengebracht har)
wovon 20 000 RM. für Kohlenbezug Verwendung fanden, rri
rend der Reſt an die Mitglieder in bar mit Zinſen zur Aussu0
lung kam.
s. Roßdorf, 29. Dez. Der weit über die Grenzen Roßdact
bekannte Lokaldichter Georg Löffler feierte ſeinen
Geburtstag. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil.
Bz. Reinheim, 29. Dez. Hohes Alter. Am 31. d. Au
feiert Herr Peter Marx in voller körperlicher und geiſtiſe
Geſundheit ſeinen 83. Geburtstag. Peter Marx iſt hier der ei
zige noch lebende Kriegsteilnehmer von 1870/71.
Ds. Fränkiſch=Crumbach. 28. Dez. Oeffentliche
Ve=
ſammlung des Landbundes, Geſchäftsführer Dymu=
Darmſtadt ſprach geſtern abend über das Thema „Was ſoll uud
muß der Landwirt von Steuergutſcheinen wiſſen?” Im Mitzl, e
punkt ſeiner Ausführungen ſtanden Fragen über die Verwenduug zmn 40l
und Benutzung der Gutſcheine bei Steuerzahlung und Mehrbeſchhi= ſydten Bl
tigung. Auch auf die Baugeldzuſchüſſe bei Revaraturen, die mun a.d 2m
ls 250 Mark betragen, kam der Redner zu ſprechen.
R. Pfaffen=Beerfurth i. Odw.. 28. Dez. Der Geſangverzn asd mk
„Harmonie” hielt im Gaſthaus. Zur Poſt” ſeinen Theatergboſd
ab Zur Aufführung gelangten: „Um Ehre und Glück”, ein Lru=
ſpiel in drei Akten, und Schuſtersfritze als Millionenbraut”,
Schwank in einem Akt. Die Vorſtellung wurde durch verſchiedent
auserleſene Chöre umrahmt, und nahm einen guten Verlauf.
Cd. Michelſtadt, 29. Dez. Jahreshauptverſammlu
des Odenwaldklubs. Der Jahresbericht und der Ber:)
des Rechners wurden einſtimmig genehmigt. Bei der Vorſtann, I.
wahl ſchieden zwei Mitglieder aus, dafür wurden neu gewäkl, za M.0
Herr L. Haſenzahl, Phil. Hoffarth und Gg. Eckſtein. Unter W½, B=uttei
ſchiedenes wurde bekanntgegeben, daß im Januar das Dekorn 1—
Mder
rungsfeſt unter Mitwirkung des Jung=Odenwaldklubs ſtattfins
ſoll. Außerdem hält Herr Studienrat Dr. Götz=Darmſtadt Mfre
Januar einen Vortrag mit Lichtbildern über, ſeine Fahrt mt u=
Wien-Budapeſt. — Bubenſtreich. Der ſchon ſeit einixm ſken ſeitg
Wochen auf dem Marktplatz vor dem altehrwürdigen Ratheas )3 int dera
ſtehende Weihnachtsbaum, der allabendlich im Glanze ſeiner ekl= unweitt 9!
triſchen Kerzen erſtrahlte und dadurch das Entzücken von j.1g räef vih!
und alt hervorrief, wurde in der Heiligen Nacht ſeiner ſtromf-” ſrmuls /0
renden Lichtleitung beraubt. Auch der Steckſchalter am al m rnd Merweil
Rathaus wurde unbrauchbar gemacht. Hoffentlich gelingt —, am ſ. Defemb
den oder die Täter zu faſſen und entſprechend zu beſtrafen. —u mur ſchr d
Ein Dieb bekommt Reue. In einem Orte in der Naie zueute belanſt,
Michelſtadts wurde einem älteren Mann, der dort bei ſeiner Tcr/ n Mlien
ter ſeinen Lebensabend zubringt, vor zirka 1 Jahre eine Br—3 muüuhen
taſche, enthaltend 20 Mk. in bar und wertvolle Schriftſtücke, e= ar) Ruiſche
wendet. Die Nachforſchungen blieben erfolglos. Doch das au ſeinem W Wolf
wiſſen des Diebes ließ ſich ſcheinbar nicht beruhigen. Am di ſs ſe= ud drchg
jährigen Weihnachtsfeſte wurde dem Beſtohlenen alles wienr.ſie M 3ue
ie und der
vollzählig zugeſtellt.
allen
Ea. Stockheim. 28. Dez. Der Geſangverein Liederkranz hiit
im Saale „Zum Anker” eine Weihnachtsfeier ab. Es kamen ein
ſchöne Lieder zum Vortxag und ein Theaterſtück „Der Jugss)
Schuld geſühnt” Zum Schluſſe fand eine Chriſtbaumverloſiwn
ſtatt. Alle Anweſenden waren befriedigt über die guten Leiſtung
der Theaterſpieler die unter der Leitung von Herrn Lehrer A
HiN
mus und L. Vey ſtanden.
Ci. Erbach, 27. Dez. Stiftungsfeſt des
Radfahru=
vereins 1900. Der Radfahrerverein 1900 feierte unter ſtar:
Beteiligung im Schützenhofſaal ſein 32. Jahresfeſt und zeigte da
in mannigfacher Weiſe, welche hohe Stufe der Radfahrſport
unſerem Städtchen erreicht hat. Neben verſchiedenen Reigen, ein
Saalrennen auf unterſetzten Rädern, zwei Radballſpielen des 1e
freundeten Michelſtädter Radfahrervereins 1902 fand vor all.7
noch das Kunſtfahren der Herren Gaulrapp und Rodemi/
ſowie des 10jährigen Schülers Adolf Gaulrapp ſtärkſten
Bi=
fall und allſeitige „Anerkennung. Ein Film über das Deutſſie
Radfahrerbundesfeſt 1932 in Nürnberg ergänzte recht
eindruch=
voll die ſachkundig zuſammengeſtellte Vortragsfolge. Anſchließe=)
gab der erſte Vorſitzende, Herr Kaufmann Eberhard Volk. eimt
Einblick in die vielſeitige Jahresarbeit des Vereins.
Beſonde=
hervorzuheben ſind die Erfolge beim Kunſtfahren, der ſtarke
Am=
ſchwung, des lange Jahre kaum noch gepflegten Wanderfahrens, Or
getätigte Motorradſport, ein im Sommer durchgeführtes
Straße=
rennen; eine Fuchsjagd und das neu aufgenommene Saalrenn.u
auf unterſetzten Rädern. Sein beſonderer Dank galt dem
nimme=
müden geſchäftsführenden Vorſitzenden, Herrn Philipp Schöp
den erfolgreichen Kunſtfahrern und dem Radfahrerverein 1902
Michelſtadt, den eine jahrelange Freundſchaft mit dem feſtgebe.
den Verein verbindet. Die ſich nun nreihende Preisverteilur imer der Mei
bei der beſonders die Kunſtfahrer reich bedacht wurden, beſchloß Oe ſu in das Re
hübſche Veranſtaltung.
uigs abſchrecken
As. Erbach. 27. Dez. Kriegsgräberfürſorge. Di Mterſtützen müſ
Bezirksgruppe Erbach des Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfü, ſich werden,
ſorge iſt es nach jahrelangen Verhandlungen endlich gelunge=, ſellten Erfindu
einen Kriegerfriedhof in Feindesland in Patenſchaft zu überne-” Kchaſt zu ne
men.‟ Da aber zur Herrichtung und dauernden Inſtandhaltun: Eeigentlich ab
eines ſolchen Friedhofes immerhin größere Geldmittel erforde” ſchls angelege
lich ſind, ſo hat ſich die Ortsgruppe Erbach der Ortsgruppe Dart / wiederherzu
ſtadt angeſchloſſen. Beide Verbände haben nun den Kriegerfrie-” ſand ihn bei e
hof in Dunſur Meuſe zur ſtändigen Betreuung übernomme ” hai Schlettm
Der Ort liegt etwas nördlich von Verdun, alſo ſehr leicht zu e/W
Anverwa=
reichen. Bis jetzt ſind von Darmſtadt 10 000 RM. und von d— M einen Ma
Bezirksgruppe Erbach 30 000 RM. zur Herrichtung zur Verfügur” /ner Sache ſo
geſtellt worden. Damit iſt der Wunſch vieler Mitglieder und v. ſiſt zu erſchein
allem des Herrn Kreisſchulrats Gerbig in Erfüllung gegange / ”,ſeigte mir
der die Verhandlungen von Anfang an geleitet hat.
te allein
Bo Unter=Moſſau. 29 Dez. Der Gemeinderat beſtimmte de W Mühe wert
Weißbindermeiſter Heinrich Neff, zum Gemeindebauaufſeher, m 7. ſ0der hier zu
ſteinlichkeit, e
Wirkung vom 1. Januar 1933 ab.
— Rothenberg. 28 Dez. Schule. Auch in dieſem Jahre ſtell //Sgeührt
unſere Schule die Erzeugniſſe ihrer Werkunterrichtsarbeit de ./ausgeſet
Weihnachtshilfe zur Verfügung Wieder wurden in den letzte F0 wenn i
der
derſ=
rſelben
Tagen vor dem Feſte zahlreiche große Pakete mit ſelbſtangefertis
ten Holzſpielſachen an gemeinnützige Anſtalten, wie Nieder=Ran”/ a.6 Mitte
aus ziem
ſtadt. Vereine der Inneren Miſſion uſw., verſchickt., wo ſie am reck
2 Nit einem
ten Orte ſicher viel Weihnachtsfreude verbreiten halfen
Cf Birkenau. 29 Dez. Schwerer Unfall. Die im ver A hatte
Mtalt beft
gangenen Jahre von hier nach Freudenſtadt (Schwarzwald) ver e die
zogene Familie des Schreiners Franz Sturm wurde von einer
ſchweren Unglücksfall betroffen. Frau und Kind waren bereit” uß
ſchon am dem 1. Feiertag mit der Bahn hier eingetroffen wöh= durde
rend der Mann die Strecke mit dem Motorrad zurücklegte. Er kan
auch bis kurz vor Großſachſen (15 Minuten vor Birkenau) we
bei dem nebligen Wetter mit einem Perſonenwagen aus Eſſe;
zuſammenſtieß, der mit drei jungen Leuten beſetzt war, die eim
Vergnügungsfahrt in den Schwarzwald machen wollten. Der Zu
ſammenſtoß war ſo ſtark, daß Sturm der linke Unterſchenkel voll
ſtändig zertrümmert wurde und dem Bedauernswerten nach de
Einlieferung in das Krankenhaus Weinheim das Bein ſofort ab
genommen werden mußte. Die Schuld an dem ſchweren Unali4
trifft einwandfrei die jugendlichen Autofahrer, welche von Weim
heim kommend, die Linkskurve innen nahmen und trotz des
Nebel=
ſehr raſch fuhren. Das Motorrad mit Beiwagen wurde vollſtän
dig zertrümmert
Bd. Alsbach a. d. B., 28 Dez. Die Weihnachtsfeiertage
ver=
liefen hier in altgewohnter Stille. Die Weihnachtsgottesdienſte ar.
Heiligen Abend und an den beiden Feiertagen waren jedesma,
ſehr gut beſucht. Der Verkehr war im Allgemeinen ſehr gering
Man beliebte, das ſchönſte aller Feſte im Kreiſe der Familie zu
verleben.
Dp. Zwingenberg. 29. Dez. Zwingenbergs älteſter männliche?
Einwohner, Herr Schreinermeiſter Heinrich Lehr. wurde geſtern
kurz vor Vallendung ſeines 92 Lebensjahres. zu Grabe getragen!
Er war Mitkämpfer von 1866 und 1870. Der Soldaten= und
Krie=
gerverein Zwingenberg gab ſeinem langjährigen treuen Mitglied
das letzte Geleite.
Bb. Bensheim, 29 Dezbr. Goldene Hochzeit. Geſtern
begingen Herr Profeſſor Dr. phil. Mohr und ſeine Ehefran
Helene geb. Guntrum das ſeltene Feſt ihres 50jährigen
Ehejuhr=
läums.
reitag, 30. Dezember 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Der Segelflug einſt und jetzt.
a5 Ringen um die Kunſt des Fliegens in früheren Jahrhunderken. — Ein Gedenken den
Segelflug=
pionieren. — Enorme Forkſchritte des Segelflugs in ſporklicher Hinſichl.
Nr. 362 — Seite 7
Ein deutſches Segelflug=Inhiläum.
Im Jahre 1782 — vor jetzt 150 Jahren — trat der badiſche
4ſbaumeiſter Carl Friedrich Meerwein in den „Ober=
Atiſchen Mannigfaltigkeiten” mit ſeiner Idee eines motorloſen
ſozeuges an die Oeffentlichkeit. Sein Vorhaben erregte
allge=
nu großes Aufſehen Bald erſchien aus ſeiner Feder eine Schrift
i Menſch! ſollte der nicht auch mit Fähigkeiten zum Fliegen
gohren ſeyn” (gedruckt 1782 zu Emmendingen), die die Mitwelt
eweins nicht minder in Erſtaunen ſetzte. Es dauerte noch
Jahre, bis Meerwein in Gießen einen praktiſchen Flugverſuch
einem großen Apparat unternahm; wenn wir auch nicht viel
über dieſen Segelflugverſuch wiſſen, als daß er mißglückte,
ſi dieſer Verſuch dennoch außerordentlich beachtenswert, weil
en cht nur geradezu genial durchdacht und vorbereitet war,
ſon=
weil um die gleiche Zeit — 1783 — die Franzoſen
Mont=
uſer mit ihren Pionierarbeiten der Ballonſchiffahrt begonnen
liten, alle Welt alſo nach Frankreich blickte, und weil damals
zu einem berufenen Gelehrten, dem großen franzöſiſchen
Aſtro=
unen Lalande, im „Journal de Paris” (das mit zu den
bedeu=
rdten Blättern jener Zeit gehörte) geſagt worden war: „Es iſt
ylig bewieſen, daß es dem Menſchen unmöglich iſt, ſich mit
künſt=
ſien Flügeln oder anderen Mitteln in die Luft zu heben oder
uc nur in der Luft zu halten. Der Menſch iſt für die Erde
ge=
ſuffen, die geflügelten Weſen für die Luft. Suchen wir nicht die
Getze der Natur zu verletzen!‟ Dieſer Ausſpruch ſtammt vom
Ihre 1781. Zwei Jahre ſpäter kam in Frankreich der Luftballon
wWelt, und abermals zwei Jahre ſpäter ſtartete in Deutſchland
de erſte Segelflugverſuch der Welt!
Meerwein hatte 1784 eine zweite Schrift verfaßt: „Die Kunſt
ufliegen nach Art der Vögel, erfunden von Carl Friedrich
Meer=
vin Hochfürſtlichem Badiſchen Landbaumeiſter” Sie wurde
ſo=
gu ins Franzöſiſche überſetzt. Meerweins Scharfſinnigkeit bei der
burteilung der naturwiſſenſche
FSLeKhiffe, der äße Aiis Fer leſien eidind.
ules andere, das er ſehr langatmig und gründlich auf 37
Druck=
ſien feſtgelegt hat. Man muß ſich immer wieder nur wundern,
dz eine derartige Pionierarbeit anderthalb Jahrhunderte
un=
zwertet bleiben konnte! Wie viele Opfer und Gut und Blut
rren wahrſcheinlich erſpart geblieben, wenn das Schaffen des
dnals 47=Jährigen weiter bekannt geworden wäre. Geboren
urde Meerwein am 2. Auguſt 1737 zu Leiſelheim, geſtorben iſt er
u6. Dezember 1810 zu Karlsruhe; außer ſeinen Schriften und
e paar ſehr dünnen zeitgenöſſiſchen Berichten iſt über ihn nichts
nit er bekannt. Zwar findet man in größeren Werken jener Zeit
kine Notizen über ihn, die aber faſt ausnahmlos auf den Bericht
zrickgehen, den J. H. Campe, der berühmte Jugendſchriftſteller
nd deutſche Bearbeiter des Robinſon Cruſoe” im Jahre 1786 in
nem zu Wolfenbüttel erſchienenen Buch „Sammlung intereſſan=
und durchgängig zweckmäßig abgefaßter Reiſebeſchreibungen
üi die Jugend” (2. Teil. Seite 169) erſtmalig niedergeſchrieben
9. und den ich hier auszugsweiſe wiedergebe:
„Unter allen Menſchen ſind mir diejenigen, welche die Maſſe
de menſchlichen Kenntniſſe und Geſchicklichkeiten durch neue
Er=
ntdungen vergrößerten, von jeher die intereſſanteſten geweſen.
uch dann, wenn ihre Verſuche mißlangen, bewunderte ich in
inen noch die Kühnheit, mit der ſie ſich über das Bekannte und
Ge=
rhnliche zu erheben ſtrebten, und ſie blieben mir daher, auch
rnn ſie fielen, noch in ihrem Falle achtungswerth. Auch war ich
umer der Meinung, daß man Geiſter dieſer Art, ſelbſt wenn ſie
ſch in das Reich der Unmöglichkeit zu verirren ſcheinen,
keines=
egs abſchrecken, ſondern vielmehr auf alle Weiſe ermuntern und
nterſtützen müſſe. Denn auch verunglückte Verſuche können
lehr=
lich werden, und man hat nicht ſelten geſehen, daß aus einer
ver=
ſolten Erfindung eine andere entſtand, die der menſchlichen
Ge=
ſſchaft zu noch größerem Nutzen gereichte als diejenige, auf die
eigentlich abgeſehen war. — Ich hatte daher am folgenden Tage
ichts angelegentlicheres, als den Mann, der die Kunſt des
Däda=
ls wiederherzuſtellen verhieß, von Perſon kennen zu lernen. Ich
ind ihn bei einem der berühmteſten hieſigen Profeſſoren, dem
ſeirn Schlettwein, jetzigen Gutsbeſitzer im Mecklenburgiſchen,
deſ=
ſn Anverwandter er war. Er hieß Meerwein, und ich lernte in
im einen Mann von ſehr lebhafter Einbildungskraft kennen, der
ſiner Sache ſo gewiß war, daß er ſich ſo, wie er nächſtens in der
uft zu erſcheinen glaubte, ſchon in Kupfer hatte ſtechen laſſen.
Er zeigte mir die ſchon fertigen Flügel, deren er ſich bedienen
tollte; allein ſobald ich dieſe geſehen hatte, konnte ich es nicht mehr.
er Mühe werth halten, des damit anzuſtellenden Verſuches wegen
Inger hier zu bleiben. Denn es war mit mehr als bloßer
Wahr=
heinlichkeit, es war mit Gewißheit vorauszuſehen, daß die Sache
nausgeführt bleiben würde, weil offenbare Unmöglichkeiten
da=
ei vorausgeſetzt waren, wie meine jungen Leſer ſelbſt finden
ſerden, wenn ich ihnen eine Beſchreibung dieſer Flügel mache.
eder derſelben war ein großes Oval, ungefähr 12 Fuß lang und
n der Mitte ungefähr 6 bis 8 Fuß breit. Der äußere Rand
be=
and aus ziemlich ſchweren hölzernen Latten; der Zwiſchenraum
dar mit einem Netzwerk von Bindfaden ausgefüllt, und an
dem=
lben hatte er eine Menge pavierner Lappen von gleicher Größe
ergeſtalt befeſtigt, daß ſie wie Schuppen übereinander lagen und
die die Federn der Vögel von der Luft bewegt werden konnten.
ſeide Flügel wurden durch ein Leder zuſammengehalten, doch ſo,
aß die damit vorzunehmende Bewegung dadurch nicht gehindert
durde.”
Dann ſchildert Campe weiter, daß Meerwein ſich mit dieſem
ſpparat von einer Anhöhe habe herablaſſen wollen, daß dieſer,
die er (Campe) bei ſeiner Rückkehr ſpäter gehört habe, den
Ver=
uch tatſächlich unternommen habe, dabei abgeſtürzt ſei, ſich aber nicht
erletzt habe, weil die ausgebreiteten großen Flügel den Fall doch
ehr aufgehalten hätten (1), und daß Meerwein die Hoffnung,
ine Erfindung zu verbeſſern, dennoch nicht aufgegeben habe. Die
beſchichte weiß aber über einen zweiten Flugverſuch Meerweins
benſo wenig wie über ihn ſelbſt! Nur eines weiß man genau:
Ein Modell iſt 1781 geflogen und dieſes Modell ſcheint in der
Lonſtruktion anders geweſen zu ſein, als es Campe beſchreibt, denn
er hier wiedergegebene Entwurf ſtammt von 1782. und er ſtellt
ine große Tragfläche dar Campe hingegen ſpricht von zwei.
flügeln, gleich denen der Vögel; dieſen zweiflügligen Apparat
eſchreibt Meerwein auch in ſeiner Schrift von 1784, deren Lektüre
ch jedem Freunde des Segelſports nur warm empfehlen kann.
Gilbert W. Feldhaus=Berlin.
Der Segelflug im Jahre 1932.
Als im Jahre 1920 Oskar Urſius den 1 Rhön=Segelflug=
Pettbewerb ins Leben rief, ahnten ſelbſt die kühnſten Optimiſten
ſicht, daß dieſe junge Bewegung in wenigen Jahren einen
Auf=
chwung erfahren würde, wie wir ihn heute zu verzeichnen haben.
Groß ſind die Opfer, die gebracht worden ſind, das Ziel zu
er=
reichen, und wir gedenken mit Trauer und Stolz derer, die ihr
Leben dafür eingeſetzt haben, um aus dem anfangs lediglich als
Spielerei gewerteten Segelflugſport eine Bewegung zu machen,
die heute in der ganzen Welt als ein Zeichen deutſchen Willens
und Könnens bewundert wird. Gerade das nunmehr vergangene
Jahr, das 13. in der Entwicklung des Segelfluges, wird für ſeine
weitere Verbreitung von beſonderer Bedeutung ſein. Schwer ſind
die Verluſte, die der motorloſe Flug in dieſem Jahre gefordert
hat. In Deutſchland allein haben ſechs Jungflieger ihre
Begei=
ſterung für die Fliegerei mit dem Leben bezahlen müſſen.
Beſonders tragiſch iſt das
Ge=
ſchick Günther Groenhoffs der
wenige Tage nach dem tödlichen
Abſturz ſeines Kameraden
Rü=
diger auf der Waſſerkuppe durch
einen Fehlſtart den Tod fand.
Wenige Jahre nur waren es.
die Groenhoff dem Segelflug
widmen konnte, in denen er mit
hervorragendem Geſchick und
aus=
gezeichnetem Können einen Sieg
nach dem anderen errang. In
aller Erinnerung ſind ſeine
Re=
kordflüge im Gewitter von
Mün=
chen nach der Tſchechoſlowakei
mit 270 Kilometern, von der
Waſſerkuppe nach Magdeburg,
ſeine kühnen Forſchungsflüge im
hochalpinen Gelände, und nicht
zuletzt ſeine Pionierflüge mit
den ſchwanzloſen Flugzeugen des
Forſchungsinſtitutes auf der
Waſ=
ſerkuppe und nach Berlin. Als
Flieger errang ſich Groenhoff die
Bewunderung ſeiner Kameraden.
als Menſch gewann er ihre
Her=
zen. Er wird Deutſchlands
Jung=
fliegern für alle Zeiten ein
leuch=
tendes Vorbild ſein. Wenige
Wochen nur überlebte ihn
Haupt=
mann Jans, dem ein Sturmflug
an der Bergſtraße zum
Verhäng=
nis wurde. Jans hatte in
die=
ſem Jahre erſtmalig am
Rhön=
wettbewerb teilgenommen und
durch ſeine ausgezeichneten Flüge
beſondere Anerkennung gefunden.
Die Flüge des vergangenen
Jahres haben gezeigt, daß unſere Jungflieger von den gefallenen wertvoll macht, iſt die Tatſache, daß ihm der Nachweis gelungen
für ihre ſchöne große Bewegung einzuſetzen.
Welche Fortſchritte in ſportlicher Hinſicht hat uns nun das
Jahr 1932 gebracht? Man darf bei Beurteilung dieſer Frage nicht
von dem Standpunkt ausgehen, daß das Ziel des Segelfluges
in der rein ſportlichen Entwicklung, alſo in der Aufſtellung.
von Rekorden, liegt. In dieſem Falle würde man wohl leicht zu
einem negativen Reſultat gelangen. Als einzige neue
Welt=
höchſtleiſtung iſt der 21=Stundenflug eines amerikaniſchen
Offi=
ziers auf Honolulu zu verzeichnen, der damit den ſeit 1927 von
Schulz aufgeſtellten Weltdauerrekord um 6 Stunden überbieten
konnte. Nach vorſichtig gegebenen Informationen ſoll anläßlich
des ruſſiſchen Segelflugwettbewerbs in der Krim eine Dauer
von 40 Stunden erreicht worden ſein doch iſt dieſe Nachricht nicht
verbürgt, da von ruſſiſcher Seite jegliche Angaben über derartige
Dinge unterdrückt werden. Was aber dem vergangenen Jahre
eine beſondere Bedeutung verleiht, iſt die Tatſache, daß die von
den Segelfliegern durchgeführten. Dauer=, Höhen= und
Strecken=
flüge nicht mehr wie in früheren Jahren Einzelleiſtungen beſon= Segelflug eine wichtige Aufgabe. Wenn es auch nicht das Weſen
hebliche Verallgemeinerung erfahren haben, woraus der Schluß
zu ziehen iſt, daß ſolche großen Leiſtungen nicht dem Zuſammen=
Technik und ausgezeichnetem meteorologiſchen Verſtändnis zu
verdanken ſind, ſondern durchaus gelehrt und erlernt werden
auch von den jüngeren Piloten ausgeführt, und die Zahl derer,
die die 100=Kilometer=Grenze überſchritten haben, hat ſich im
vergangenen Jahre auf ſechs erhöht. Beſonders beachtenswert
ſind die Flüge von Hirth im Wettbewerb 1932 mit 150 und 160
Ueeden de Frlch auncelich des anetäalſchen Weiſſeneis
von dem Deutſchen Schempp ausgeführten Flüge von 100 Kilom,
5 Stunden Dauer und 2000 Meter Höhe. Schempp wurde für
dieſe ausgezeichneten Flüge als achtem Segelflieger das deutſche
Leiſtungsabzeichen verliehen. Für, das große Können unſerer
Jungflieger iſt der Wettbewerb 1932 ein beredtes Zeugnis Allein
dreimal gelang es den jüngeren Piloten, den ſchon ſeit 1930
he=
ſtehenden Rhöndauerekord zu überbieten und ſchließlich auf zwölf
Stunden zu ſteigern, eine Leiſtung, die der bayeriſche Segelflieger
Schleicher am vorletzten Wettbewerbstage vollbringen konnte.
Von beſonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung des
Segelfluges ſind die Forſchungsflüge Peter Riedels im
Alven=
gelände, die der Erkundung der Segelflugmöglichkeiten im
Hoch=
gebirge dienten, das gerade für die Durchführung großer
Strecken=
flüge beſonders geeignet erſcheint. Riedel konnte von Prien am
Chiemſee aus eine Reihe von Segelflügen mit 2—3 Stunden
Dauer und 40 Kilometer Strecke ausführen, die über die
Auſ=
windverhältniſſe aufſchlußreiche Ergebniſſe brachten. Im
Spät=
herbſt unternahm Niedel den Verſuch, mit dem beſtens bekannten
„Rhönadler” von München aus im Etnppenflug die oberitalieniſche
Tiefebene zu erreichen. Nach dem Schleppſtart in München
er=
reichte er glatt Innsbruck, von wo der Start nach Meran
er=
folgen ſollte. Leider zwangen die ungünſtigen
Witterungsver=
hältniſſe zu einem vorzeitigen Abbruch des Unternehmens. In
Mailand nahm Riedel nochmals ſeine Schleppverſuche auf, um
in Italien den Segelflug zu propagieren und erweckte bei den
Italienern, die noch keine eigentlichen Segelflüge geſehen haben,
große Begeiſterung. Was das Unternehmen Riedels beſonders
Ozeanflieger Johannſen erprobt die neuartige Segelflugmaſchine von Hans Richter.
Meiſtern gelernt haben und wie ſie bereit ſind, ſich voll und ganz iſt, daß bei günſtigen Witterungsverhältniſſen, wie ſie im
Früh=
jahr anzutreffen ſind, eine Ueberquerung der Alpen durchaus
mög=
lich iſt. Die Verſuche ſollen 1933 fortgeſetzt werden.
1932 fand in Gersfeld anſchließend an den Rhönwettbewerb
die 2 Internationale Segelflugtagung ſtatt, zu der Vertreter aller
der Internationalen Studienkommiſſion für den motorloſen Flug
angehörenden Länder erſchienen waren. In einer Reihe von
Vor=
trägen wurden die neueren Erkenntniſſe des Segelfluges in
wiſſenſchaftlicher, techniſcher und ſportlicher Hinſicht dargelegt und
Anregungen für eine weitere enge internationale Zuſammenarbeit
gegeben.
Auch im Ausland iſt man im vergangenen Jahre nicht
un=
tätig geweſen. Beſonders eifrig haben ſich Rußland und England,
Frankreich und Amerika dem Segelflug gewidmet und teilweiſe
beachtliche Erfolge erzielt. Den Bemühungen Amerikas iſt es
ge=
lungen, die von Deutſchland bisher gehaltenen
Welthöchſtleiſtun=
gen in einem Falle zu überbieten und in anderen ziemlich an die
deutſchen Rekorde heranzukommen. Hieraus erwächſt dem deutſchen
ders befähigt erſcheinender Piloten darſtellen, ſondern eine er= des Segelfluges iſt, Welthöchſtleiſtungen aufzuſtellen, ſo iſt doch
immerhin zu bedenken, daß von Deutſchland der Sgeelflug ſeinen
Ausgang nahm, und daß deutſchen Fliegern und Konſtrukteuren
virken von ungewöhnlichem fliegeriſchen Talent, meiſterhafter dieſe hervorragende Entwicklung zu verdanken iſt, und es muß
unter allen Umſtänden dafür Sorge getragen werden, daß
Deutſch=
land, das Heimatland des Segelfluges, die ſportliche Führung
be=
können. Flüge von 50 bis 100 Kilometer wurden ohne weiteres hält. Die klimatiſchen und orographiſchen Verhältniſſe unſerer
Heimat laſſen jedoch eine weitere Steigerung der bisherigen
Höchſtleiſtungen kaum zu, was in hohem Maße in ſüdlicheren
Breiten mit ihren günſtigen thermiſchen Verhältniſſen der Fall
iſt. Es muß deshalb verſucht werden. Deutſchland die Möglichkeit
zu geben, durch Segelflugexpeditionen in die Tropen mit den
eifrig um die Führung kämpfenden Nationen konkurrieren zu
können. Vor kurzer Zeit iſt Kronfeld im Auftrage der engliſchen
Regierung nach Indien gereiſt, um dort Forſchungsflüge
auszu=
führen. Man darf auf die von ihm gewonnenen Erfahrungen
ge=
ſpannt ſein.
Zuſammenfaſſend läßt ſich ſagen, daß der Segelflug im
ver=
gangenen Jahre, ohne daß weſentliche Höchſtleiſtungen erzielt
wer=
den konnten, einen weiteren Aufſchwung zu verzeichnen hat, der
für ſeine weitere Entwicklung das beſte hoffen läßt.
A. Keutzer.
Straßenbericht
für die Woche vom 1. bis 7. Januar 1933.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
Fernverkehrsſtraßen in Heſſen:
45 Heldenbergen—Windecken bis auf weiteres für allen Verkehr
geſperrt. Umleitung für den Durchgangsverkehr: Friedberg,
Vilbel, Bergen, Mainkur, Hanau; für den Lokalverkehr:
Eichen, Oſtheim, Windecken.
49 Gießen—Fulda (zwiſchen Alsfeld und Renzendorf) bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Eifa. Rainrod.
Hauptſtraßen in Heſſen:
Keine Sperren gemeldet.
Sonſtige Straßen in Heſſen:
Eberſtadt—Seeheim-Jugenheim-Zwingenberg (alte Bergſtraße)
vom 8. 9. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Seeheimer
Tanne. Bickenbach.
Langgöns—Holzheim vom Abzweig Grüningen bis Holzheim vom
22. 9. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Grüningen.
Kirchgöns—Bahnhof vom 7. 11. bis auf weiteres geſperrt.
Oert=
liche Umleitung.
* Reichenbach i. Odw., 29. Dez. Frau Pfarrer Scheids
letzte Fahrt. Es darf wohl als außergewöhnlich bezeichnet
werden, daß über 200 Perſonen eines Odenwalddorfes die weite
Reiſe nach Darmſtadt unternehmen, um ihrer Pfarrfrau das letzte
Geleit zu geben. Es war dies ein Zeichen der Dankbarkeit der
Reichenbacher gegenüber einer Frau, die 39 Jahre lang ihre
Liebestätigkeit in der Gemeinde geübt hat. Unter den Klängen
des Reichenbacher Poſaunenchors wurde Frau Pfarrer Scheid im
Alter von 68 Jahren auf dem alten Darmſtädter Friedhof zur
letzten Ruhe beſtattet. Der Geiſtliche ſprach am Grabe ſchlichte,
zu Herzen gehende Worte. Alsdann folgten Kranzniederlegungen
des Frauenvereins Reichenbach, des Frauenvereins Elmshauſen,
des Jungfrauenvereins, des Kirchenvorſtands und des
Patronats=
herrn Sr. Durchl. des Erbprinzen zu Erbach=Schönberg. Auf
den drei Poſtkraftwagen mit Anhängern kehrten die Reichenbacher
am Abend wieder heim.
t. Gernsheim. 28. Dez. Den Gernsheimern wurde am erſten
Weihnachtsfeiertag ein ſeltener Genuß zuteil. Es war gelung
die Stahlhelmkapelle Mainz unter Leitung des Kavellmeiſters
Holzapfel=Mainz zu einem Konzert hierher zu bekommen. Leider
ließ der Beſuch ſehr zu wünſchen übrig. Die mit Schwung und
Schneid vorgetragenen Muſikſtücke ernteten wiederholt ſtarken
Beifall. Ein auserleſenes Programm, wie Märſche. Quvertüre zu
„Roſamunde” von Schubert, Ounertüre zu „Dichter und Bauer”
von Suppe. Große Fantaſie „Meiſterſinger” von Wagner und
Fantaſie „Zauberflöte u. a. wurden zu Gehör gebracht. Herr
Weiler, Kreisleiter Groß=Gerau. hielt im Laufe des Abends eine
kurze Anſprache.
Ein ergiebiger Gaunerftreich.
Iſt es das ſchlechte Gewiſſen, das ihm die Arbeit erleichterte?
WSN. Mainz, 29. Dez. Seit längerer Zeit war es einem
lungen, Schiffsführer um größere Geldbeträge zu prellen.
Gauner, der ſich als Beamter der Rheinpolizei ausgab. ge=
Faärden eilſehngef zu miſei. 1unen Släff es S.ſt
fenen hin ließ er ſich dann dazu herbei die Haftbefehle gegen
Stellung einer Kaution, die ſich durchſchnittlich auf 25 bis 30
hol=
ländiſche Gulden oder 40 bis 50 RM. belief, nicht auszuführen.
In einer einzigen Woche ergaunerte er auf dieſe Art und
Weiſe nicht weniger als 3000 RM. Ein nettes Geſchäft, und
man muß ſich unwillkürlich die Frage vorlegen: Was war größer:
die Leichtgläubigkeit der Betroffenen oder das ſchlechte Gewiſſen.
Schließlich wurde durch eine Anfrage bei der Staatsanwaltſchaft
der ganze Schwindel offenbar. Jetzt iſt es gelungen, den
Be=
trüger in der Perſon eines 27jährigen Kaufmanns namens Otto
Schemuth aus Bonn feſtzunehmen. Er wurde in
Unterſuchungs=
haft genommen.
Ca. Lorſch, 28. Dezember. Auch hier wurde eine
Notgemein=
chaft der Neuhausbeſitzer ins Leben gerufen, die ſich der
Notge=
meinſchaft des Heſſiſchen Neuhausbeſitzes als Ortsgruppe Lorſch
anſchloß. Nach einem erläuternden Vortrag von Herrn
Rechtsan=
walt Dr. Neuſchäffer=Darmſtadt über den Zweck und die Ziele der
Notgemeinſchaft, traten gleich 50 Perſonen der Ortsgruppe bei.
Im Weißen Kreuz tagteu die Althausbeſitzer. Hier ſprach Herr
Thomar vom Heſſiſchen Landesverband der Althausbeſitzer über
das Thema: Die Not des Althausbeſitzes und deren Milderung. —
Aa. Wolfskehlen, 28. Dez. Hohes Alter. Landwirt Johann
Ludwig Schaffner, Floßgaſſe, begeht am Samstag ſeinen
81. Geburtstag.
— Neu=Iſenburg. 27. Dez. Die Goethe=Realſchule feierte am
vergangenen Freitag Weihnachten in der bis auf den letzten Platz
gefüllten Turnhalle. In die Vorarbeit hatten ſich Fräulein Knecht
und die Herren Landmann, Dr. Mann und Schneider geteilt. Ihr
Bemühen hatte Erfolg im guten Verlauf des Abends. Buben und
Mädels waren mit ganzem Herzen und Können dabei:
Schul=
orcheſter und Schulchor boten der Zuhörerſchaft bekannte
Weih=
nachtslieder und Werke von Beethoven und Haydn. Im
Weih=
nachtsſpiel: Im Wald zur Weihnachtszeit”, wirkten Schülerinnen
der Oberklaſſen mit. Die Sexta brachte das Gedicht vom „
Pelze=
märtel” mit verteilten Rollen. Die Quarta erregte Aufſehen mit
dem Sprechchor: „Drei gute Geſellen” von Jupp Jaſper Großen
Beifall fand der Sprechchor: Unſer Spielzeug müßt Ihr ſehn” der
von Schülern der Sexta und Quinta geſprochen wurde. Am Schluß
dankte Herr Direktor Dr. Zörb den Anweſenden für ihr
Er=
ſcheinen und den Mitwirkenden für die in allen Teilen gelungene
Feier.
— Gernsheim, 29. Dezbr. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 28. d. M.: —1.09 Meter, am 29. d. M.: —1,08 Meter,
jeweils morgens 5.30 Uhr.
Seite 8 — Nr. 362
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Freitag, 30. Dezember 1473
Blick auf den Bukareſter Boulevard mit dem Hotel „Britannia” (in der Mitte mit den ſpitzen
Türmen auf dem Dach).
Eines der größten Bukareſter Hotels, das 500 Zimmer aufweiſende Hotel „Britannia” wurde
durch eine Feuersbrunſt faſt gänzlich zerſtört.
Tennisſpiel auf der Eisbahn von St. Moritz.
Tennis auf Schlittſchuhen, das geht noch viel ſchneller und erlaubt auch im Winter, den ſchönen
Sport in freier Luft auszuüben, ſo ſagte ſich der bekannte kanadiſche Eiskunſtläufer Phill Taylor;
und macht nun bei den Winterſportlern in St. Moritz fleißig Propaganda für ſeine „Erfindung”,
Verſuchker Raubüberfall im 2-Zug
Leipzig-Berlin.
Berlin. Am Anhalter Bahnhof wurde am
Mittwoch abend nach Eintreffen des D=Zuges
Leipzig-Berlin ein Fahrgaſt aus Leipzig
ver=
haftet, der im fahrenden Zug auf die mitreiſende
Stütze Anna Müller aus Berlin einen
Raub=
überfall verſucht hatte. Der Mann, der angibt,
Herbert Karl Jude zu heißen, und in Leipzig
mit einer Bahnſteigkarte in den Zug geſtiegen
war, hatte die Müller beim Verlaſſen der
Toi=
lette überfallen und ihr mehrere Kopfwunden
beigebracht. Seine Abſicht, die Ueberfallene zu
berauben, wurde durch das Hinzukommen anderer
Paſſagiere durchkreuzt. Es gelang dann dem
Räuber, ſich im Zuge bis zur Ankunft verborgen
zu halten. Der Zugführer hatte jedoch während
der Fahrt telegraphiſch die Kriminalpolizei
ver=
ſtändigt, die ihn dann feſtnahm. Nach längerem
Leugnen gab der Täter zu, den Raubüberfall
ge=
plant zu haben und begründete dies mit
Mittel=
loſigkeit.
Exploſion in einer Baummollfpinnerei.
Großer Sachſchaden.
Kaiſerslautern. In der
Baumwoll=
ſpinnerei Lampertsmühle ereignete ſich vorgeſtern
nachmittag eine ſchwere Exploſion. Wenn dabei
Menſchenleben auch nicht zu Schaden kamen, ſo iſt
der Materialſchaden doch außerordentlich groß.
Eine umfangreiche Rauhmaſchine wurde an die
Decke geſchleudert, das Dach eingedrückt und auf
der Oſtſeite ſämtliche Fenſterſcheiben in den
Fa=
brikhof geſchleudert. Die Grundmauer erhielt
einen durchgehenden 10 Zentimeter breiten Riß.
Im Innern wurde eine Mauer umgeriſſen. Drei
Arbeiter, die an einer Rauhmaſchine arbeiteten,
wurden an die Wand geſchleudert, kamen aber
mit dem bloßen Schrecken davon.
Die Gauner werden immer frecher.
Frankfurt a. M. Vor einigen Tagen kam
ein bisher unbekannter Mann in ein Café auf
der Kaiſerſtraße und zeigte eine Beſcheinigung
vor, nach welcher er berechtigt war, eine
Klavier=
harmonika abzuholen, die einen Wert von 500
RM. repräſentierte. Das im Café anweſende
Küchenmädchen händigte das Inſtrument auch
ahnungslos aus.
50. Todeskag des franzöſiſchen
Staaks=
mannes Leon Gambetta.
Leon Gambetta,
der große franzöſiſche Patriot und Politiker,
ſtarb vor 50 Jahren, am 31. Dezember 1882.
Gambetta proklamierte am 4. September 1870
die Thronentſetzung Napoleons III., entkam dann
aus dem belagerten Paris im Luftballon und
organiſierte von Tours aus als Diktator den
franzöſiſchen Widerſtand gegen die Deutſchen.
Noch viele Jahre ſpäter ſtand er im Mittelpunkt
der franzöſiſchen Innenpolitik, erlebte aber faſt
durchweg nur Mißerfolge. Bekannt iſt vor allem
ſeine Erklärung, daß die Rückgabe Elſaß=
Lothrin=
gens an Deutſchland gerecht ſei. Dieſe
Stellung=
nahme zog ihm natürlich den Haß der
franzö=
ſiſchen Reaktion zu.
Das Stadion Littoriale in Bologna,
das ſchönſte italieniſche Stadion, wo am Neujahrstag die deutſche Fußball=Nationalmannſchaft
gegen die Fußball=Elf Italiens antritt. Vor dem Turm in der Mitte ſieht man ein
Reiterſtand=
bild des Duce.
Rieſendampfer „Maiefic” bei der Skurmfahrt über den Ozean ſchwer beſchädigk
Ein Mann der Beſatzung getötet.
New York. Der große engliſche
Schnell=
dampfer „Majeſtic”, der u. a. für 17,5 Millionen
Dollar Gold aus der am 15. Dezember fällig
ge=
weſenen britiſchen Schuldenzahlung an Bord
hatte, traf mit eintägiger Verſpätung in New
York ein. Er hatte auf der Ueberfahrt einen
un=
gewöhnlich ſchweren Sturm zu beſtehen. Durch
die ungeheure Gewalt der überkommenden Seen
wurde eine Reihe ſchwerer Beſchädigungen
ver=
urſacht; ſo wurde eine ſchwere eiſerne Tür im
Gewicht von einer halben Tonne von der See
losgeriſſen. Ein Mann der Beſatzung wurde von
einer Sturzſee ſo heftig gegen die Reeling
ge=
ſchleudert, daß er bald darauf ſeinen
Verletzun=
gen erlag.
Nebel verurſacht ſchwere Unfälle.
Koblenz. Der ſtarke Nebel in den letzten
Tagen hat verſchiedentlich zu ſchweren Unfällen
geführt. Unter anderem geriet ein junges
Mäd=
chen auf dem Heimweg von Engers nach
Heim=
bach von der Straße ab und fiel in eine tiefe
Grube, in der es ſchwerverletzt und
beſinnungs=
los liegen blieb. Auf die ſpäteren ſchwachen
Hilfe=
rufe wurden in der Nähe wohnende Leute
auf=
merkſam und fanden nach längerem Suchen das
ſchwerverletzte Mädchen auf, das in ein
Kran=
kenhaus eingeliefert werden mußte.
In Hargesheim geriet ein
Kraftwagen=
führer infolge des dichten Nebels von der
Straße ab und fuhr gegen einen Neubau. Durch
das ſtarke Bremſen geriet der Wagen in einen
Bach und überſchlug ſich mehrere Male. Der
Chauffeur wurde dabei von ſeinem Sitz
geſchleu=
dert und blieb mit ſchweren Rückgrat= und
inne=
ren Verletzungen auf der Straße liegen, wo er
ſpäter aufgefunden und in ein Krankenhaus
überführt wurde.
Erdbeben zerſtört mexikaniſche Ortſchaft.
Mexiko. Wie erſt jetzt gemeldet wird, iſt die
Ortſchaft Tomatlan in der Provinz Jalisco am
19. Dezember durch ein Erdbeben völlig zerſtört
worden. Man beklagt 27 Tote und mehr als
50 Verletzte.”
Achi Monake Gefängnis für ein
befrügeriſches Oelſardinengeſchäft.
Berlin. Nach mehrmonatiger Verhandlun=
Spnter
F.=V.
wurde am Donnerstag der „Direktor” Ador!
Viktoria
Wüſt wegen gemeinſchaftlichen fortgeſetzten Be
truges und ſchwerer Urkundenfälſchung zu ac
Monaten Gefängnis verurteilt, Wüſt hatte da
Vermögen des Hamburger Kaufmanns Walter
German
des deutſchen Vertreters einer der größten portw!
vere
gieſiſchen Oelſarinenfabriken, dadurch um 150 004
RM. geſchädigt, daß er für 200 000 Mark Oen
ſarinen beſtellte und bei Empfangnahmu
lediglich 50 000 Mark Anzahlung leiſtete. In de
Urteilsbegründung ſtellte das Gericht feſt, da
nit
es Wüſt nur darum zu tun geweſen wäre, di
mnkiur
Ware zu erhalten, um ſie lombardieren zu köm, ſsmn wir der
nen. Das Gericht ſtellte weiter feſt, daß das Be: Eogen der 4 von Wüſt gemeinſam mit dem gengen zuſta
Berliner Rechtsanwalt Dr. Walter Triebe aus= ſrichen.
geführt worden ſei. Das Verfahren gegen Dr./ Sportlich
Triebe wurde vor wenigen Tagen auf Grund de
Amneſtie eingeſtellt, da bei ihm wirtſchaftlich= neien. D
Notlage als Urſache der Handlung angeſehert Ecer vo
Union
wurde.
ud ſe
Neue Probefahrt
des „Zliegenden Hamburger”.
Hamburg. Der „Fliegende Hamburger:.
heilgen
der ſeine geſtrige Fahrt mit einer ganzen Reihe= na an ſo
bekannter Perſönlichkeiten als Fahrgäſte unter= ſüle. Aber au
nahm, brauchte für die Strecke Berlin—Hamburg= zlett die Bege
nur 138 Minuten gegenüber 142 Minuten auff uderen Lager,
ſeinen früheren Probefahrten. Unter den Fahrt=/ A dafür geſor
teilnehmern befanden ſich a. u. Staatsſekretär.” ſitf nun nur
Dr. Meißner als Vertreter des Reichspräſiden= „eit, damit
Ue Fälle
ten, Staatsſekretär Planck als Vertreter der) — der Beſuch
Reichsregierung, der Generaldirektor der deuts; imn werden.
ſchen Reichsbahn Dr. Dorpmüller, ferner mehrere:
Sportve
höhere Beamte des Reichsverkehrsminiſteriums,
Profeſſoren der Univerſitäten und Techniſchen /. Arheilger
Uhr, am Arheil
Hochſchulen uſw.
us Die Ein
Die auf der Goldſuche verſchollenen auſtraliſchen
Flieger gerettet.
Melbourne. Die beiden ſeit mehreren
Ta=
gen vermißten auſtraliſchen Flieger, die beim
Aufſuchen einer Goldmine im Gebiet der Liveſey=
Gebirgskette ſpurlos verſchwanden, ſind nach
abenteuerlichen Strapazen in Cook eingetrofſen.
Sie mußten in einem völlig verlaſſenen Gebiet
eine Notlandung vornehmen, wobei ſich das
Flug=
zeug überſchlug und beſchädigt wurde. Erſt nach
mehreren Tagen, die ſie faſt ohne
Nahrungs=
mittel verbrachten, gelang es ihnen, die
Ma=
ſchine mit Baumzweigen ſoweit wieder herzu=,
ſtellen, daß ſie nach Cook fliegen konnten.
Flugzeugunglück in Spanien.
Paris. Nach einer Blättermeldung aus
Madrid ſtürzte das Poſtflugzeug Barcelona—
Toulouſe in der Provinz Lerida brennend ab.
An Bord befanden ſich der Pilot und zwei
Hochzeitsreiſende. Der Pilot und die junge Frau
verbrannten, der Ehemann wurde ſchwer verletzt.
Paris-Hinkerindien in 10 Tagen.
lungt in Ver
emen Gegner,
ſimigen Jahre
irksliga zu e
Frion. Gutjahr
ſund. Arheilgen
vlbracht, ſo
M Anbetracht
Spieles verfol
ſändlich ern
Biltori
An
Lwberach zu
en eine tech
ſinieren der
hen, die
Dielten,
Schlagwekkerunglück in Ungarn.
Budapeſt. Nach einer Meldung aus
Fünf=
kirchen hat ſich in der Grube von Nagymanyck
eine ſchwere: Schlagwetterexploſion ereignet.
Dreizehn Bergleute wurden dabei getötet, ein
weiterer Bergmann wurde ſchwer verletzt.
Die Urſache des Bergwerksunglücks
bei Fünfkirchen iſt offenbar in einer Exploſion
ſchlagender Wetter oder Kohlenſtaub zu ſuchen.
Die Unterſuchung iſt in vollem Gange. Es
han=
delt ſich um eine Zeche der Salgotarjaner
Koh=
lenbergwerke AG. Das Unglück ereignete ſich
Mittwoch, abends 9 Uhr. Es iſt Hoffnung
vor=
handen, daß das ſchwerverletzte 14. Opfer am
Leben erhalten werden kann.
Der franzöſiſche Flieger Lefevre
hat die 12000 Kilometer lange Strecke Paris—
Saigon (Hinterindien) in 10 Tagen zurückgelegt
und damit den ausgeſetzten Preis des
franzo=
ſiſchen Staatspräſidenten gewonnen.
zeitag, 30. Dezember 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 362 — Seite 9
SAü.Ba AaAas
Sußball zugunſten der Winkernokhilfe.
lie= Veranſtaltungen des Kreiſes Starkenburg am 1. Januar.
WWie an dieſer Stelle ſchon erwähnt wurde, veranſtaltet der
Etweutſche Fußball= und Leichtathletik=Verband auch in dieſem
hre am Neujahrstage Spiele, deren Reinertrag der
Winter=
ilfe zufließen ſoll. Wenn man weiß, daß im vorigen Jahr
Sebiet des Süddeutſchen Verbandes über 150 000 RM. an die
uſchiedenen Stellen abgeführt werden konnten, wird man den
hi4 dieſer Hilfsaktion richtig einzuſchätzen wiſſen. Auch im
tees Starkenburg konnte eine recht ſchöne Summe für dieſen
dick herausgeholt werden.
DDie Veranſtaltungen dieſes Jahres im Kreisgebiet ſcheinen
ichrer Art noch zugkräftiger zu ſein, als jene des Vorjahres,
taaß zu hoffen iſt, trotz der ſchlechter gewordenen
Zeitverhält=
nſt, werde die Summe des Vorjahres wieder erreicht.
Bedauer=
h iſt, daß der Arbeiter=Turn= und Sportbund immer noch
ge=
ninſamen Veranſtaltungen ablehnend gegenüberſteht (obwohl
den meiſten Orten die Vereine ſelbſt ſolche Pläne
befürwor=
ml= bei einem Zuſammenwirken würde gut und gern die
dop=
yte Summe herauskommen. Dagegen wirken, wie im Vorjahr,
Vereine der Deutſchen Jugendkraft und der „Rot=Sport” mit und an verſchiedenen Orten finden wir auch
an=
dri örtliche Vereine noch mit den Fußballern gemeinſam am
lei ke.
Bereits an den Weihnachtsfeiertagen haben einzelne Orte den
Miang gemacht. Wenn nicht alles nach Wunſch ausgefallen iſt,
mag daran manche Störung in der Terminfeſtlegung ſchuld
zweſen ſein, da einzelne Spiele an= und abgeſetzt und doch
er=
nur angeſetzt werden mußten. Glücklicherweiſe ſteht das
Pro=
zumm für den Neujahrstag endgültig feſt. Während an den
leihnachtstagen Spiele in Michelſtadt. Ober=Roden, Eberſtast
d. Lengfeld ausgetragen wurden, über die hier bereits
be=
ihret wurde, ſehen wir folgende
Spiele am 1. Januar (Neujahrstag):
Polizei Darmſtadt — Union Frankfurt=Niederrad,
Sportvereinigung 04 Arheilgen — 1. F.=C. Langen,
F.=V. Sprendlingen — V. f. L. Neu=Iſenburg,
Viktoria, Walldorf — Sportfreunde Frankfurt,
Viktoria Urberach — Sportverein Münſter,
Fußball=Club 03 Egelsbach — Union Wixhauſen,
Haſſia Dieburg — Deutſche Jugendkraft Dieburg,
FV. 22 Eppertshauſen — D. Jgdkr. Eppertshauſen.
Germania Babenhauſen — Reichsbahn Darmſtadt,
Sportverein Groß=Gerau — Sportverein Mörfelden,
Sportverein Weiterſtadt — Union Darmſtadt,
FSV. Jugenheim — Germania 03 Pfungſtadt, komb.
Da man in einer Stadt wie Frankfurt nur mit
Großver=
altungen aufwarten darf (eine Wiener
Profeſſionalmann=
haft ſpielt gegen eine Städtemannſchaft), hat man mehrere
rankfurter Bezirksligavereine in die Provinz dirigiert. Weiter
gen wir den größten Teil der Starkenburger Kreisliga auf
läatzen der 4=Klaſſe. Jedenfalls ſind in der Mehrzahl
Begeg=
ungen zuſtande gekommen, die ſehr ſpannende Spiele
ver=
rechen.
Sportlich am wertvollſten ſollte die Begegnung
Polizei=SV. Darmſtadt — Union Niederrad
erden. Der kommende Starkenburg=Kreismeiſter hat hier einen
jegner vor ſich, der für ihn die ſchwerſte Prüfung bedeutet.
mon Niederrad iſt eine der Frankfurter Spitzenmannſchaften
und ſeit jeher der gefährlichſte Gegner der Eintracht und des
ußballſportvereins, die oft ſchon den Kürzeren gegen Niederrad
ezogen haben. Die Mannſchaft ſpielt vor allem einen techniſch
unz prächtigen Fußball. Da die Gäſte verpflichtet ſind, mit
ſrer kompletten Elf anzutreten, ſo werden ſie ſicher eine Art
ehrſpiel in Darmſtadt geben. Man darf geſpannt ſein, wie ſich
te Polizei ſchlagen wird. Auch in Sprendlingen,
Ar=
eilgen und Walldorf treten Vereine aus der
Bezirks=
ga an, ſo daß der gute Beſuch von vornherein garantiert ſein
Ute. Aber auch die Spiele in den anderen Orten, und da nicht
uletzt die Begegnungen mit der örtlichen Konkurrenz aus einem
nderen, Lager, haben große Anziehungskraft. Jedenfalls iſt über=
A dafür geſorgt worden, daß guter Sport geboten wird. Man
arf nun nur noch hoffen, daß das Wetter den Spielen günſtig
leibt, damit auch der Publikumszuſpruch nicht ausbleibt. Auf
lle Fälle kann — ſchon in Anbetracht des wohltätigen Zweckes
der Beſuch aller Spiele am Neujahrstage nur beſtens
empfoh=
en werden.
Sportvereinigung 04 Arheilgen — 1. FC. Langen.
Arheilgen trägt am kommenden Sonntag, nachmittags 2.30
Ihr, am Arheilger Mühlchen gegen obigen Gegner ein Wettſpiel
us. Die Einnahmen fließen der Winternothilfe zu. Das Spiel
nngt in Vergleich zum vorjährigen gegen Sportverein Darmſtadt
inen Gegner, der noch ſpielſtärker iſt. Langen verſteht es ſeit
inigen Jahren, ſich immer wieder im letzten Moment die
Be=
inksliga zu erhalten. In der Mannſchaft finden wir Leute wie
Frion, Gutjahr, Keim uſw., die ganz ausgezeichnete Einzelkönner
ind. Arheilgen hat in den letzten Spielen ſehr gute Leiſtungen
vollbracht, ſo daß jedenfalls auf ein ſchönes Spiel zu rechnen iſt.
In Anbetracht des guten Zweckes, der mit der Austragung des
Spieles verfolgt wird, hoffen wir auf ſtarken Beſuch;
ſelbſtver=
tändlich erwarten wir auch ein ſchönes Spiel.
Viktoria Schaafheim — Viktoria Urberach (Reſ.) 4:0 (2:0).
Am 2. Weihnachtsfeiertag hatte Schaafheim die Reſerve von
Urberach zu einem Freundſchaftsſpiel verpflichtet. Die Gäſte
ſtell=
ien eine techniſch ſehr gute Mannſchaft, die aber vor lauter
kom=
dinieren den krönenden Torſchuß vergaß. Anders die
Einheimi=
chen, die zwwar einen für das Auge weniger gefälligen Fußball
pielten, deſſen Endzweck aber ganz auf Erfolg eingeſtellt iſt. Sehr
überraſchend fällt das 1. Tor. Bei einer Hereingabe läßt der
Gäſte=
torhüter den ſchon gefaßten Ball wieder fallen, und der einheimiſche
Linksaußen kann den Ball im Gedränge gerade noch die Richtung
aufs Tor geben. Vom Anſtoß weg ſpielt ſich der rechte Gäſteflügel
auber durch, wird aber im Strafraum regelwidrig geſperrt. Der
ſällige Elfer wird von Urberach verſchoſſen. Vor der Pauſe noch
eizielt der Mittelſtürmer des Platzvereins das 2. Tor, und bald
nach dem Wechſel das 3. Kurz vor Schluß erhöht der Halblinke
zum 4:0. Die ſichere und reife Ballführung der Gäſtemannſchaft
ließ auf gutes Training ſchließen. Schade, daß der Gäſteſturm ſo
wenig Schußvermögen zeigte und ihm das Ehrentor verſagt blieb.
das beſtimmt verdient war. — Schiedsrichter Wick=Haſſia Dieburg
le itete einwandfrei.
Schwerathlekik.
Aus dem 2. Kreis des D. A. S. V.
Nachdem die Oberliga mit den letztberichteten Kämpfen für
das Jahr 1932 ihre Ferien angetreten hat, ſind auch aus der
Kreisliga die letzten zu berichten. An dem jetzigen Stand der
Tabellen dürfte ſich noch wenig ändern. Von Bedeutung für den
letzten Kampfſonntag iſt der Sieg von Neu=Iſenburg über
Frankfurt. Der erſte Bezirk der Kreisliga brachte den Kampf
Langenlonsheim — Waldböckelheim 10:9.
Ein Treffen zweier Endmannſchaften denen der Abſtieg droht,
Dieſer kommt aber nur, wenn der Nahe=Gau wieder Gaukämpfe
zuſtande bringt. Oder ſollte der Sieg von Langenlonsheim einem
gewiſſen Mitleid entſprungen ſein, da Waldböckelheim die Punkte
im Schwergewicht kampflos abgab?
Im 2. Bezirk:
Eckenheim — Arheilgen 15:4,
Nieder=Ramſtadt — Polizei 2. Darmſtadt 16:3.
Zwei hohe Reſultate, die aber doch das Stärkeverhältnis bei
dieſen Kämpfen widergaben. Arheilgen will es dieſes Jahr nicht
beſonders glücken. Gegen Eckenheim konnte auch kein Sieg
er=
wartet werden. Die Höhe der Niederlage iſt aber ein Beweis
der Stärke des Eckenheimer Vereins. Von Arheilgen ſiegte —tein
im Bantam durch Uebergewicht, Weber im Halbſchwergewicht
un=
entſchieden gegen Kerber, Rau, Weider, Gemmrich und
Buchber=
ger waren Schulterſieger, Schweickhardt Punktſieger. Eine
über=
lesene Sache war auch die Begegnung Nieder=Ramſtadt mit der
Polizei=Reſerve. Dazu wurde auch noch der Vertreter der
Jo=
lizei im Schwergewicht überraſcht und durch Untergriff in der
1. Minute beſiegt. Sein Gegner war Bollmann. Techniſch war
an dieſem Tage Nieder=Ramſtadt der Polizei überlegen und
ſiegte durch Emig. Lautenſcläger, Kaffenberger und Bollmann
entſcheidend. Göbel und Walter nach Punkten. Von den
Poli=
ziſten ſiegte Hahl im Bantam.
Der 3. Bezirk begann die Rückrunde; als Reſultate waren
zu verzeichnen:
Dieburg — Hörſtein 14:6.
Neu=Iſenburg — 86 Frankfurt 10:8.
Eiche Hanau, 2. — Waſſerlos 0:21.
Dieburg geht in dieſem Jahre mächtig ins Zeug, was ſein
Sieg über Frankfurt bewies. Aber auch am letzten Sonntag
zeigte es gegen Hörſtein gute Arbeit, denn 14:6 iſt immerhin
ein gutes Reſultat. Seine Sieger waren Bingel, Ohl, Dotter
und Herdt entſcheidend. Wick nach Punkten, von Hörſtein
Heß=
vderger und Haas.
Tabellenſtand.
Oberliga, 1. Bezirk
Kämpfe gew. verl. un. Punkte
Kreuznach
Hammerſtein
85 Mainz
...
Oberſtein
Mittelbollenbach
Oberliga, 2. Bezirk
Eiche Hanau
Groß=Zimmern
Polizei Darmſtadt
Aſchaffenburg=Damm
Germania Hösbach
Klein=Oſtheim
1910 Darmſtadt
Kreisliga, 2. Bezirk.
Kämpfe
10
10
10
10
10
10
gew. verl.
Kämpfe
Eckenheim
Nieder=Ramſtadt
6
6
Mainz=Weiſenau
6
Arheilgen
Mainz=Biſchofsheim
6
Kreisliga, 3. Bezirk
Kämpfe
Turngemeinde Dieburg
K. S. V. Neu=Iſenburg.
86 Frankfurt
Waſſerlos
*.
Hörſtein .. =
Hanau 2. ..
gew.
gew.
verl.
verl.
0
un.
0
un.
0
0
un.
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Neuer Weltrekord im Gewichtheben.
Der ägyptiſche Mittelgewichtsmeiſter Antar Arapa
ver=
ſuchte ſich mit Erfolg in der höheren
Halbſchwergewichts=
klaſſe. Im beidarmigen Drücken ſchaffte er mit 113 Kilogramm
einen neuen Weltrekord und verbeſſerte damit die bisherige
Beſt=
leiſtung des Tſchechen Pſnicka um 2 Kilogramm. Der deutſche
Re=
kordmann und Meiſter Vogt=Ochtendang hatte allerdings ſchon am
17. September d. J. in dieſer Uebung 112,5 Kilogramm zur
Hoch=
ſtrecke gebracht. Dieſe Leiſtung hat jedoch bisher noch keine
An=
erkennung als Weltrekord gefunden.
Erfolgreiche Trabrennfahrer.
Das unvergleichliche Können von Charlie Mills und ſein
einzigartiger Rekord von 205 Siegesfahrten in einer
Saiſon ſind bereits zur Genüge gewürdigt worden. Nach ihm
folgt der populäre Lasbeker Trainer Walter Heitmann mit
143 Siegen. Auch ſeine Leiſtung iſt ganz ungewöhnlich und
ver=
dient höchſte Anerkennung. Noch ein dritter Fahrer, der junge
J. Frömming überſchritt die „Hundert”, Mit 103 Siegen
hat auch dieſer Fahrkünſtler eine phantaſtiſche Leiſtung vollbracht.
Einen guten vierten Platz nimmt J. Jaus jun mit 88 Siegen
ein. Auf 20 Siege und mehr brachten es dann noch J. Spieß (50),
J. Mills (47), W. Eberl (45), C. Weidmüller, J. Absmeier (je 29),
M. Roth (28), R. Stegmeier (27) K. Bartnick (26), Alb. Freundt,
G. Neuenfeld, E. Teubel (je 24), K. Gillar (23), J. Kruithoff (22),
A. Lohmann (20).
Erfolgreichſter,Herrenfahrer war der junge
paſ=
ſionierte W. Kraus mit w Siegesfahrten. Mit 24 Siegen ſteht der
Hamburger A. Stegemann an zweiter Stelle. Auf ſechs und
mehr Siege kamen dann noch: P. Schmidt (14), J. Middeldorf (13),
S. Frensdorff. E. Perk, Th. Retzki (je 12), G. Paulus. A.
Brüm=
mer (je 11), R. Schaper, J. Schmidhuber (je 10) Th. Böcker (9),
J. Heider, K. Rothkopf (je 8), H. Baumgart, E. Speckmann (je 7),
F. Brandt, H. Roſenberg. K. Schmidt (je 6).
Neujahrsgruß an die Deutſche Turnerſchaft!
Liebe Turnbrüder und Turnſchweſtern!
Was ſoll das neue Jahr uns bringen?
Ein ſchönes. großes, wohlgelungenes Deutſches Turnfeſt in
Stuttgart! Ein Feſt. das für alle die Hunderttauſende von
Mit=
gliedern der Deutſchen Turnerſchaft ein Quell neuer Freude am
turneriſchen Tun und friſcher Begeiſterung werden ſoll!
Ein Feſt, das für viele Millionen deutſcher Volksgenoſſen in
der ganzen Welt eine wahre Herzensſtärkung in ihrem Glauben
an das deutſche Volk und die deutſche Zukunft bedeuten ſoll!
Dafür gilt es. in 1933 mit aller Kraft zu arbeiten!
Der Vorſtand der Deutſchen Turnerſchaft:
Dominicus. Neuendorff, Thiemer, Steding, Schill.
Tiſchkennis-Vereinsmeiſterſchaften.
Bar Kochba, Frankfurt a. M., der geſtrige Gegner des
Sport=
vereins 1898 Darmſtadt, hatte es ſich ſehr ernſtlich vorgenommen,
dieſes für die Meiſterſchaft wohl entſcheidende Verbandsſpiel der
A=Klaſſe für ſich zu entſcheiden. Zwei ſeiner auswärtigen Spieler
hatte es zu dieſem Turnier kommen laſſen: Schimmel aus
Stutt=
gart und Sally Levi aus Würzburg. Schimmel konnte ſeine
bei=
den Einzelſpiele nach Kampf gegen Schardt und Wöbke gewinnen,
doch revanchierten ſich letztere für ihre Niederlage im Doppel, das
ſie gegen Schimmel=Hoyda glatt 3:0 gewannen. Auch Ploch ſchlug
Hoyda, ſeinen Bezwinger im Darmſtädter Turnier, faſt mühelos
3:1. Andererſeits gelang es außer N. Biener jedem der
Frank=
furter, mindeſtens ein Einzel zu gewinnen. Dank der
unerſchütter=
lichen Ruhe und Energie des Doppels Keller=Keil gewann SV.
den entſcheidenden Satz und damit das Spiel. Auch die diesjährige
Meiſterſchaft dürfte entſchieden ſein. Wenn auch SV. noch gegen
ſeinen hieſigen Rivalen Tennisclub Weiß=Blau zu ſpielen hat —
das Spiel findet heute, Freitag, 20 Uhr, im Rummelbräu,
Rheinſtraße 101, ſtatt —, ſo dürfte ein Punktverluſt kaum noch zu
befürchten ſein.
Olympiafonds der Hockeyſpieler.
Der Deutſche Hockey=Bund hat bereits jetzt die erſten
Vörbe=
reitungen für die Olympiſchen Spiele 1936 in Berlin getroffen.
Es beſteht vorerſt ein „Olympiafonds 1936”, auf den jederzeit
Geldſpenden eingezahlt werden können. Im Januar wird dann
vom Vorſtand dem Bundestag in Würzburg ein genauer
Finan=
zierungsplan vorgelegt werden, der die Beſchaffung der
erfor=
derlichen Mittel vorſieht, über den dann die Vereine zu
be=
ſchließen haben.
Die New Yorker Boxſport=Journaliſten haben auch in dieſem
Jahre wieder Max Schmeling an die Spitze ihrer Rangliſte
ge=
ſtellt. Schmeling, dem von 60 Kritikern 38 ihre Stimme gaben,
hat nun zum dritten Male hintereinander die Führung.
Bayern und Oeſterreich tragen am 14. Januar in Wüzrburg
den erſten Kampf um den neugeſchaffenen Mitteleuropäiſchen
Boxpokal für Amateur=Ländermannſchaften aus.
Der bekannte Autorennfahrer Louis Chiron hat ſeine
bis=
herige Firma verlaſſen und wird in der nächſten Saiſon für Alfa
Romeo ſtarten.
Der Stettiner Mittelſtreckler Waldemar Helpapp iſt jetzt dem
Berliner Sportclub beigetreten, deſſen Rennmannſchaft dadurch
eine weſentliche Verſtärkung erfahren hat.
Rundfunk=Programme.
17.00:
18.25:
18.50:
19.30:
19.45:
Auf
21.00:
lft.
22.45:
15.00:
15.45:
16.00:
16.30:
17.30:
18.00:
19.20:
19.40:
20.50:
21.00:
22.D:
Anſchl.
Frankfurt a. M.
Freitag, 30. Dezember
München: Konzert. Leitung: Kloß.
H. Reifenberg: Ein ganz gewöhnlicher Tag in Indien.
Prof. Sittig: Der Himmel im Januar und Februar.
Wer iſt es? Literariſche Rätſel aufgegeben von W.
Wey=
rauch.
Deutſch im Rundfunk. Einiges Grundſätzliches zur
ſprach=
lichen Form der Anſage, von O. W. Studtmann.
Orcheſterkonzert des Philharm. Orcheſters Stuttgart.
Stimmen der Nacht. Ei Zyklus von romantiſcher Liebe
aus dem alten Frankfurt, von Paul Wiegler.
Zeit. Nachrichten, Wetter, Sport,
Berlin: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag. 30. Dezember
Jungmädchenſtunde.
Jugendſtunde: Winterſonnenwende.
Pädagogiſcher Funk.
Leipzig: Nachmittagskonzert.
K. Figdor: Soziale Utopien,
F. Warſchauer: Geiſtliche Muſik Europas (m. Schallplatten).
18.30: Prof. Dr. Palyi: Die Währungspolitik Englands und
Amerikas.
19.00: Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Aerzte.
Curt Weſſe: Zum Jahresausgang.
Schwerin: Blaskonzert
Tages= und Sportnachrichten.
Hamburg: Sunte Maria toum Schare. Hamborger
Sing=
ſpel von Br. Peyn Muſik von S. Scheffler.
Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Tanzmuſik der Kapelle Adalbert Lutter.
Welkerberichl.
Infolge des allgemeinen Luftdruckverfalls hat das
Hochdruck=
gebiet an Ausdehnung verloren, doch wird durch die über dem
Feſtland herrſchende ſüdlich=ſüdöſtliche Luftſtrömung der
vorwie=
gend trockene Witterungscharakter im weſentlichen noch erhalten
bleiben.
Ausſichten für Freitag, den 30. Dezember: Dunſtig und bewölkt mit
Aufklaren, weiterhin Nachtfroſt, meiſt trocken.
Ausſichten für Samstag, den 31. Dezember: Keine weſentliche
Aenderung.
Hauptſchriffleitung: Rudolf Mauve
„Dſe Gegenwarie Tagesſbſegel im Bid und Won: D.cherbert Nettei
für den Inſeratenteſil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle;
Druck und Verlag: L. C. Wittſch — ſämilich in Darmſtadt.
Fär unverlangte Manuſkripte wird Garantſe der Rückſendung nich t übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten.
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ſüd= oder ſüdöſtl. Stadtteil
z. kauf. geſ. Größe u. Preis
unt. V 121 a. d. Geſchſt.
Bürgerſteuer 1933.
Nach § 25 der Verordnung zur
Durch=
führung der Bürgerſteuer 1933 vom 28.
September 1932 haftet der Arbeitgeber
für die von ihm auf Grund der
Steuer=
karte 1933 einzubehaltenden
Bürger=
ſteuerbeträge und für deren
ordnungs=
mäßige Abführung. Kommt der
Arbeit=
geber ſeiner Verpflichtung zur
Abfüh=
rung der einbehaltenen
Bürgerſteuer=
beträge innerhalb der vorgeſchriebenen
Friſten nicht nach, ſo hat er dies bis
zum Ablauf der Friſten der Stadtkaſſe
anzuzeigen. Unterläßt der Arbeitgeber
die ihm obliegende Anzeige oder
Ab=
führung der Steuer innerhalb der
vor=
geſchriebenen Friſt, ſo kann gegen ihn
wegen Steuerzuwiderhandlung im Wege
des Strafverfahrens vorgegangen
wer=
den. — Im übrigen verweiſen wir auf
die Beſtimmungen auf Seite 4 der
(St. 18105
Steuerkarte 1933.
Darmſtadt, den 29. Dezember 1932.
Bürgermeiſterei.
Die großen, süßen
Grunen
10L B8.
nur bei
Jacoh Becher
Ernst Ludwigstraße 20
Nuh- und
Brennholz=
verſteigerung.
Montag, den 2. Januar 1933, 9½
Uhr, im „Darmſtädter Hof” in Gries
heim aus Forſtort Harras, Abtl. 15,
17, 23 und 29, Abzähl. Nrn. 1 bis 450:
Stammholz, Fichte: 17 Stck. Kl. 1a
—2,67 fm. 16 Kl. 1b—4,17 fm.
Derb=
ſtangen, Fichte: 65 Stck. 2. und 3. Kl.
Reisſtangen, Fichte: 568 Stck. 4. bis
6. Kl. Nutzſcheitholz, rm: 3 Eiche (
Gar=
tenpfoſten 2.50 m lang). Nutzknüppel,
rm: 2 Eiche (Gartenpfoſten, 2.50 m lg.),
58 Kiefer (Schweineſtallegner 2.50 n
lang). Scheitholz, rm: 10 Buche I., 230
Eiche I.. 1 Eiche II., 218 Kiefer I.
136 Buche.
Blau unterſtrichene Nummern
kom=
men nicht zum Ausgebot. — Auskunft
durch Herrn Förſter Ahlheim. Forſt
(18085
haus Harras.
Dornberg, den 28. Dezember 1932.
Heſſ. Forſtamt Dornberg.
Beidnntmäcang.
Wegen Abſchlußarbeiten iſt unſere
Kaſſe für Stromgeldzahlungen
am 2. Januar geſchloſſen.
Heſ. Eiſenbahn-A. G.,Darmſtadt
(18107b)
Aus den Amtsverkündigungen
des Kreisamts Darmſtadt und den
Bekanntmachungen des Polizeiamts
Darmſtadt.
Gefunden: 4 Portemonnaies mit
In=
halt. 1 Nickel=Lederarmbanduhr. 1
Füll=
federhalter. 1 Segeltuchmappe. 1 Paar
wollene Kinderhandſchuhe. 1 neu
ge=
ſohlter Kinderſchuh. 1 Bund Schlüſſel.
1 Damenhandtaſche m. Inhalt. 2 Herr.=
Fahrräder. 1 Brille mit Etui. 3,5 Mtr.
Hemdenſtoff. 1 Paar Damenhandſchuhe.
2 einzelne Handſchuhe. — Zugelaufen:
1 ſchwarzgrau gefleckte Dogge.
Wir machen wiederholt darauf
auf=
merkſam, daß auch noch
Fundgegen=
ſtände vorhanden ſind, die in früheren
Bekanntmachungen verzeichnet waren.
Intereſſenten können dieſe
Fundgegen=
ſtände während der Büroſtunden auf
Zimmer Nr. 11 beſichtigen.
Nummer 362
DDaggglagſofteedie!
Freitag, 30. Dezem
Der deutſche Baumarkt 1932.
Die Einwirkung der Wiriſchaftskriſe auf das Baugewerbe. — Fühlbarer Rückgang des Beſchäftigungsgrades.
Die Lage des Schlüſſelgewerbes.
Nach einer Unterſuchung über die Lage des deutſchen
Bau=
marktes im Jahre 1932 hat das deutſche Baugewerbe in viel
ſtär=
kerem Maße unter der Wirtſchaftskriſe gelitten, als die deutſche
Geſamtinduſtrie. Während der Beſchäftigungsgrad der deutſchen
Geſad tinduſtrie einſchließlich des Baugewerbes im
Monatsdurch=
ſchnitt des Jahres 1929 noch 70 4 Prozent betrug und ſich 1930,
1931 bzw. 1932 auf 61,2 bzw. 50,7 bzw. 41,5 Prozent ſenkte, betrug
der Beſchäftigungsgrad des deutſchen Baugewerbes allein 1929
53,8 Prozent und ſenkte ſich über 1930/31 und 1932 auf 35,6 und
21,4 bzw. 11,9 Prozent. Gegenüber 1931 hat die
Beſchäftigungs=
kapazität im Baugewerbe einen Rückgang um 44,4 Proz, erfahren,
während die Beſchäftigungskapazität der Geſamtinduſtrie nur um
18,.1 Prozent zurückgegangen iſt. Die Zahl der Arbeiter im
deut=
ſchen Bau= und Nebengewerbe, die 1929 noch 1,6 Millionen betrug,
fiel 1932 auf 416 000, alſo um 26 Prozent. Der Wert der baulichen
Produktion betrug 1929 noch 8,9 Milliarden. 1930: 7.1, 1931: 4,0
und 1932 nur noch 2 Milliarden Reichsmark. Die Zahl der
pro=
jektierten oder vollendeten Wohngebäude im Jahre 1932 iſt
gegen=
über dem Vorjahre nicht in demſelben Maße geſunken wie die
Zahl der Wohnungen, öffentlichen Gebäude und
Wirtſchaftsbau=
ten. Dieſe Erſcheinung iſt auf den in Zunahme begriffenen Bau
der Eigenheime zurückzuführen. Bemerkenswert iſt die
Feſtſtel=
lung, daß 1931 noch 87 Prozent, dagegen 1932 nur 54 Prozent aller
Wohnungsbauten mit öffentlichen Unterſtützungen erſtellt wurden.
Nach einer überſchlägigen Berechnung dürften z. B. in Frankfurt
am Main die zur Ausführung gelangten Hochbauten einſchließlich
der Ueberhänge aus dem Vorjahre ungefähr 25 Prozent des
vor=
jährigen Bauvolumens betragen haben. Auch der Geſamtwert
der Arbeiten im Tiefbau iſt ſehr gering geweſen. Die im Vorjahr
begonnene Senkung der Baukoſten hat im Berichtsjahr
angehal=
ten. Der Baukoſtenindex fiel von 176,8 Prozent im erſten Quartal
1930 auf ſchätzungsweiſe 120,8 Prozent im dritten Quartal 1932.
Der Bauſtoffverbrauch ging nicht in gleichem Maße zurück wie die
Beſchäftigung. Dies iſt darauf zurückzuführen, daß durch
Selbſt=
hilfe=, Schwarz= und Regiearbeit ſowie den Freiwilligen
Arbeits=
dienſt eine größere Anzahl von Bauwerken aller Art errichtet
wur=
den. Somit bildet nicht nur die Wirtſchaftskriſe, ſondern auch die
Ausdehnung der nicht gewerblichen Produktion eine ernſte Gefahr
für das Baugewerbe. Die Ausſichten für die Bauwirtſchaft im
Jahre 1933 hängen vollkommen von der Durchführung des
öffent=
lichen Arbeitsbeſchaffungsprogramms ab. Doch dürften die
be=
abſichtigten Maßnahmen ein weiteres Abgleiten in der
Beſchäf=
tigungskapazität verhindern.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Deutſcher Sparkaſſen= und Giroverband. (Aenderung in der
Verbandsleitung). Mit Ende Dezember 32 tritt Stadtrat Jurſch,
Geſchäftsführer des Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverbands und
geſchäftsführender Direktor der Deutſchen Girozentrale—Deutſchen
Komunalbank, nach Erreichung der geſetzlichen Altersgrenze in
den Ruheſtand. Um die Förderung des Spargiroverkehrs und des
kommunalen Finanz= und Kreditweſens hat ſich Stadtrat Jurſch
große Verdienſte erworben. Im Zuſammenhang mit dem
Aus=
ſcheiden von Stadtrat Jurſch erfolgt zugleich eine Aenderung in
der Verbandsleitung dahin, daß die Funktionen der bisherigen
zwei Geſchäftsführer in der Hand eines ſtellvertretenden
Präſi=
denten zuſammengefaßt werden. Aus dieſem Anlaß tritt auch der
andere Geſchäftsführer des Deutſchen Sparkaſſen= und
Girover=
bandes, Direktor Cremer, unter Beurlaubung ab 1. Januar 1933
in den Ruheſtand. In die Verbandsleitung tritt andererſeits als
ſtellvertretender Präſident Oberbürgermeiſter a. D. Dr.
Gugel=
meier, der bisherige Präſident des Badiſchen Sparkaſſen= und
Giroverbandes, neu ein.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk
Darm=
ſtadt. Neue Konkurſe: Alsfeld: Fa. Baſaltwerk
Billerts=
hauſen, Gebrüder Nagel, K.Geſ. in Billertshauſen. Af. 9. 1. 33,
GlV. und Prft. 16. 1. — Darmſtadt: „Verſt. Polizeimajor und
Prof. Dr. jur. Harry Wilhelm Hollatz. Af. 12. 1., Prft. 15. 2.,
GlV. 12.
R.W. E. erwirbt 21 Mill. RM. Rheinbraunkohlenaktien. Im
Einverſtändnis mit der Rheiniſchen AG. für Braunkohlenbergbau
und Brikettfabrikation, Köln, hat das RWE. aus dem Beſitz der
Charlottenhütte ein Aktienpaket von nom. 21 Mill. RM.
Rhein=
braunkohlenaktien erworben. Man iſt überzeugt, daß durch die
Erwerbung des Aktienpakets die bisher ſchon beſtehenden engen
Beziehungen zwiſchen den beiden Geſellſchaften zu einer
verſtärk=
ten Zuſammenarbeit auf elektrowirtſchaftlichem und
bergbau=
lichem Gebiete führen.
Zur Ablöſung der holländiſchen Ruhrverbandsanleihe 1927.
Wie verlautet, wird die am 1. Januar 1933 fällige Rate von 225
holl. Gulden je Obligation der 7prozentigen fünfjährigen Anleihe
von 1927 des Ruhrverbandes, Eſſen, in Holland vom 2. Jan. 1933
ab eingelöſt. Außerdem ſollen die Zinſen für den noch nicht
ein=
gelöſten Anleiheteil für die Zeit vom 1. 7. bis 31. 12. 1933 mit
23,62 holl. Gulden ausbezahlt werden. — Der nach Einlöſung
die=
ſer zweiten Rate noch nicht getilgte Teil der Anleihe (450 hfl. je
Obligation) ſoll bekanntlich je zur Hälfte am 1. 7. 33 und am
1. 1. 34 gezahlt werden.
Mekallnokierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kilogramm am
29. Dezember ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt cif
Ham=
burg. Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für
die Deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 48 RM. — Die
Notie=
rungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die
Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Liefe=
rung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original=Hüttenalumnium,
98 bis 99 Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren, auf 160
RM., desgl, in Walz= oder Drahtbarren 99 Prozent, auf 164 RM.,
Reinnickel 98 bis 99 Prozent, auf 350 RM. Antimon=Regulus
37—39 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) auf 34,25—37,75 RM.
Produkienmärkte.
Mannheimer Produktenbericht vom 29. Dezember. 100 Kilo
netto in RM: Weizen inländ, 76—77 Kilo, 20,50—20,60:
Rog=
gen, inländ., 16,75: Hafer, inländ., 13,50— 14: Sommergerſte
in=
ländiſche 18,50—20; Futtergerſte 17,75: Mais, La Plata, gelber,
19,00; Soyaſchrot 10 30—10,40; Biertreber 10,60—10,75;
Trocken=
ſchnitzel loſe 8,00; Wieſenheu, loſes 5—5,30. Rotkleeheu 5—5,20,
Luzernkleeheu 5—5. 60: Stroh, Preßſtroh, Roggen=Weizen 2 70—
2,90, desgl. Hafer=Gerſte 2,40—2,80: Strob geb., Roggen=Weizen
2,20—2,40, desgl. Hafer=Gerſte 2—2,20; Weizenmehl Spez. Null
mit Austauſchweizen 28,50; Roggenmehl, nord=ſüdd., 60—70proz.
21—23,50 Weizenkleie, feine 7.50: Erdnußkuchen 12,00. Tendenz:
ſtetig. Bei fortgeſetzter Zurückhaltung des Konſums und
allge=
meiner Luſtloſigkeit verkehrte die Börſe in ruhiger Haltung.
Berliner Produktenbericht vom 29. Dezember. Nach ſtetigem
Vormittagsverkehr machte ſich an der Produktenbörſe allgemein
eine Befeſtigung geltend. Das Inlandsangebot hat nachgelaſſen,
dagegen läßt die Kaufluſt, beſonders für Roggen und Hafer, eine
Belebung erkennen wobei die Neuregelung der Reis=Einfuhr
ſtimmungsmäßig nicht ganz ohne Einfluß blieb. Am Mehlmarkt
hat allerdings nur die Beſſerung des Roggenmehlabſatzes
ange=
halten, wobei die Mühlen jedoch auch über unzureichenden
Mahl=
lohn klagen. Im Promptgeſchäft waren für Weizen und Roggen
etwa 1 Mk. höhere Preiſe als geſtern zu erzielen; am
Lieferungs=
markt ergaben ſich zumeiſt Preisbeſſerungen in gleichem Ausmaß,
wobei die Staatliche Geſellſchaft nur Angebots=Stützen
aufzuneh=
men brauchte: Mairoggen eröffnete aber nur 0,5 Mk. höher.
Wei=
zenmehl hat ruhiges Geſchäft bei wenig veränderten Preiſen,
Roggenmehl iſt nach wie vor etwas beſſer beachtet und im Preis
gut behauptet. Für Hafer zeigt ſich regere Kaufluſt an der Küſte,
anſcheinend zur Verladung noch norddeutſchem Mäſtergebiet. Gerſte
liegt ruhig, aber ſtetig.
Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
Die Tendenz des Vormittags und vorbörslichen Verkehrs an
der Berliner Börſe war ſowohl für Aktien als auch für
feſt=
verzinsliche Werte als überwiegend feſt zu bezeichnen. Man
nannte die Kurſe bis zu 1 Prozent, teilweiſe noch darüber höher.
Der offizielle Börſenbeginn brachte dann aber eine gewiſſe
Ent=
täuſchung. Die bei den Banken vorliegenden Kauforders, welche
teilweiſe ſogar beträchtlicheren Umfanges ſein ſollten, betrafen in
der Hauptſache die Rentenmärkte, und man konnte ſogar eher das
Beſtreben feſtſtellen, Aktienpoſitionen in Renten zu tauſchen.
In=
folgedeſſen zeigten die erſten Notierungen keine einheitliche
Ten=
denz, und neben Beſſerungen bis 1,5 Prozent konnte man auch
Rückgänge in gleichem Umfange feſtſtellen, von denen beſonders
der Montanmarkt betroffen wurde. Es lagen nur wenig
Mo=
mente vor, die von Einfluß auf die Tendenz waren. So regten die
Kursſteigerungen an der vorgeſtrigen New Yorker Börſe,
beſon=
ders die der deutſchen Bonds, an; ferner befriedigte die Zunahme
der Spareinlagen, dagegen blieb die Zahlungseinſtellung des
Brandenburger Bankhauſes Müller u. Co. ohne Eindruck.
Sie=
mens, über deren vorausſichtliche Dividende in der Preſſe geſtern
Erörterungen erſchienen ſind, die von 6 Prozent ſprachen lagen
1,75 Prozent ſchwächer. Wie ſchon erwähnt, konzentrierte ſich das
Hauptintereſſe auf die feſtverzinslichen Märkte unter Führung
von Alt=, Neubeſitzanleihe und Reichsſchuldbuchforderungen, die
bis 1 Prozent höher lagen. Das Geſchäft war hier, wie auch in
anderen Werten des Rentenmarktes, lebhaft, und die Börſe ſchloß
ſich den Käufen des Publikums gleichfalls mit Neuanſchaffungen
an. Im Verlauf ließ das Geſchäft allgemein weiter nach, doch
zeigte ſich für einige Spezialwerte etwas Intereſſe, und ſo konnten
ſich RW.E. um 18 und Rhein Braunkohle um 2 Prozent beſſern.
Altbeſitzanleihe zog auf 61,25 Prozent an. Am Berliner Geldmarkt
war die Situation kurz vor dem Ultimo natürlich weiter ſteifer,
und Tagesgeld zog an der unteren Grenze auf 4,75 bzw. 458 Proz.
an. Privatdiskonten lagen weiter im Angebot. Reichswechſel
und Reichsſchätze waren ſo gut wie umſatzlos.
Das Intereſſe der Frankfurter Börſe blieb auf dem
Rentenmarkt außerordentlich ſtark und erfaßte vor allem die
feſt=
verzinslichen Werte des Reiches. Hier iſt nicht nur die
Spekula=
tionstätigkeit ſehr umfangreich geworden, viel mehr liegt im
weſentlichen Publikumstätigkeit vor. Der nahe Zinstermin am
Jahresultimo verurſacht bereits ſtärkere Vorkäufe; auch werden
beſonders ſpäte Schuldbuchforderungen gegenüber guten
Induſtrie=
obligationen und gegenüber, den Pfandbriefkurſen als
unter=
bewertet angeſehen. Späte Schuldbücher zogen auf 77,75 (77)
Prozent, Neubeſitz auf 6½ (6,7), Altbeſitz auf 60½ (60½) Prozent
an. Induſtrieobligationen ebenfalls freundlicher. Desgleichen
wurden faſt ſämtliche Kommunalobligationen von der
Aufwärts=
bewegung mitgezogen. Am Rentenmarkt regte im allgemeinen
noch die Solvenzerklärung für ſämtliche Landſchaften an. Dadurch
vermochten auch Pfandbriefe ihre Kurſe noch leicht zu erhöhen,
wenngleich hier Angebot und Nachfrage wiederum ziemlich
aus=
geglichen war. Gegenüber der forſchen Bewegung der Renten lag
der Aktienmarkt ſehr ruhig, ſogar ziemlich vernachläſſigt. Es
er=
folgten hier weitere Glattſtellungen aus Publikumskreiſen und
von ſeiten der Spekulation, ſo daß ſich Kursrückgänge ergaben, die
allerdings nicht bedeutend wurden, da man mit Rückſicht auf den
bevorſtehenden Jahresbilanztermin, durch Intervention einem
größeren Abſchlag der Aktienkurſe entgegenwirken würde. J.G.
Farben eröffneten mit 96½ (96½), Erdöl 85 (85.5); gut gehalten
waren Scheideanſtalt und Goldſchmidt. Auch Reichsbankanteile
noch 1 Prozent höher. Elektroaktien außerordentlich ruhig und
uneinheitlich. Gut behauptet eröffnete Lahmeyer und ſeine
Kon=
zernwerte, auch Licht u. Kraft 0,25 Prozent höher.
Die Abendbörſe zeigte bei ziemlich lebhaftem Geſchäft
freundliche Tendenz. Im Vordergrund ſtanden wiederum
Renten=
werte, wobei Reichsanleihen erneut bevorzugt wurden. Altbeſitz
0.75, ſpäte Schuldbuchforderungen ½. Neubeſitz 0,10 Prozent feſter.
Pfandbriefe und Induſtrieobligationen gut behauptet. Am
Aktien=
markt waren JG. Farben etwas lebhafter und vorübergehend
0,25 Prozent höher. Montan= und Elektrowerte gut behauptet,
teilweiſe etwas freundlicher. Kunſtſeidenwerte bis 1 Proz höher
auf die Meldung über Beſſerung des deutſchen Kunſtſeide=
Außen=
handels. Der Verlauf der Börſe war behauptet. Farben ſchloſſen
97,25 nach 97½ Prozent.
Die ſüdafrikaniſchen Banken zur Goldwährungsfra
Die ſüdafrikaniſchen Bankhäuſer legen die Proklamation
Generalgouverneurs dahin aus, daß Gold zum Zweck des
wechſelns für „geſetzmäßige Transaktionen in ausländiſcher Td
rung” auch fernerhin ausgegeben und daß die Einwechſlung
weiterhin auf derſelben Grundlage vorgenommen werden kmn
wie bisher mit Bezug auf das Pfund Sterling.
Anderſeits hält das Regierungsblatt „Vaterland” in entfd
dener Form ſeine Behauptung aufrecht, daß Südafrika die Eul
währung aufgegeben habe.
Piehmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 29. Dezember. Aufgetric)
waren 7 Ochſen, 2 Schweine, 155 Kälber. Die Preiſe ſtellten
für Kälber a) auf 23—28, b) 19—24, c) 15—18 Pfg. pro Pfu
Spitzentiere über Notiz. Marktverlauf: ſchleppend. Ueberſtan
Ferkelmarkt in Groß=Gerau. Auftrieb: 351 Ferkel. Preſ
8—13 Mark pro Stück. Der nächſte Ferkelmarkt findet am M
woch, den 11. Jan., vormittags 8.30 Uhr, auf dem Marktplatz
Groß=Gerau ſtatt.
Mannheimer Viehmarkt vom 29. Dezember. Aufgetrie
waren: 54 Kälber, 23 Schafe 340 Schweine. 562 Ferkel und Li
fer, zuſammen 979 Tiere. Preiſe für 50 Kilo Lebendgewicht
RM.: Kälber b) 32—34 c) 26—30, d) 22—25: Schafe b) 15—
Schweine nicht notiert. Ferkel bis vier Wochen koſteten 6—11
das Stück, über vier Wochen 12—14 Mk., Läufer 15—18
Marktverlauf: Kälber ruhig, langſam geräumt: Ferkel und Lu/
fer: mittel.
Frankfurter Viehmarkt vom 29. Dezember. Aufgetrie
waren: Vom letzten Markt 48 Rinder, 6 Ochſen, 5 Bullen,
Kühe; neu aufgetrieben: 836 Kälber 153 Schafe, 498 Schwe
vom letzten Markt 43. Es erzielten: Kälber b) 33—35, c) 28—
d) 20—27: Schafe a) 1. 23—25. b) 20—22. c) 16—19: Schwer
c) 34—38, d) 33—36. Marktverlauf: Kälber und Schafe ſch!
pend, geräumt; Schweine ſchleppend, Ueberſtand. — Fleiſchgr
handelspreiſe. Ochſenfleiſch 1. 50—54, 2. 42—46; Bullenfleiſch
bis 48; Kuhfleiſch 2. 32—38, 3. 20—31: Kalbfleiſch 2. 52—
Hammelfleiſch 50—60; Schweinefleiſch 1. 54—58. Geſchäftsga
ruhig. Eingebracht waren 722 Viertel Rinder, 140 Kälber,
Hämmel, 771 halbe Schweine.
Frankfurter Pferdemärkte 1933. Die Frankfurter Pfer)
märkte wurden für das Jahr 1933 wie folgt feſtgeſetzt: 2. Januu
30. Januar, 27. Februar, 27. März, 8. Mai, 12. Juni, 13. Ju
14. Auguſt, 2. Oktober und 4. Dezember. Bei der Feſtſetzung
Termine iſt den Wünſchen der Intereſſenten, die Frankfurg
Pferdemärkte vor den Märkten in Süddeutſchland abzuhalt,
nach Möglichkeit entſprochen worden.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Zwiſchen den Vertretern des Weſtdeutſchen Zementverband
der Kartellſtelle des Reichsverbandes der deutſchen Induſtrie 10
des Reichswirtſchaftsminiſteriums fanden geſtern Verhandlunge
über die Außenſeiterfrage ſtatt. Ob bei dieſer Gelegenheit M
Frage eines eventuellen Zwangsſyndikats angeſchnitten wur)
iſt noch nicht bekannt.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1933 wird unter entſprechen?
Erhöhung der Gehälter von der 5tägigen zur 6tägigen Arbei?
algenein die Zulchſungsſelle die Zulaſiung der Aftien. 4.
Chemiſchen Fabrik vorm. Goldenberg, Geromont u. Cie. in Lig
zurückgenommen hat, wird die Notierung der Aktien mit Wirkuu
vom 28. Dezember 1932 an der Frankfurter Börſe eingeſtellt.
Donnerstag früh ſtarb nach kurzem Krankenlager im Ald
von 68 Jahren der Gründer der Karl Lindſtröm A. G., Karl Lind
ſtröm, in Berlin.
Die zunehmende Goldausfuhr aus Frankreich, vor allem nock
den Vereinigten Staaten, wirkt ſich zum erſten Male in ſtärkerem
Maße in der Wochenbilanz der Bank von Frankreich vom 9.—0
Dezember aus. Der Goldbeſtand iſt um 150 Millionen Franku
auf 83.120 Millionen Fr. zurückgegangen. Die Golddeckung beträg
77,72 Prozent gegenüber 78,16 Prozent in der vorhergehenden 2A
richtswoche.
Die polniſchen Siemenswerke (A.K. 2 Mill. Zl.) weiſen f
das am 30. September beendete Geſchäftsjahr einen Verluſt
Höhe von 586 679 Zl. einſchließlich 364 394 Zl. Verluſtvortrag a
dem Vorjahre aus. Der Bruttogewinn beträgt 2,56 Mill. Zl. 5
der Bilanz werden 100 Prozent Beteiligung bei den Eiſenbahrſu
Signalwerken C. Fibrandt in Bromberg mit 1,72 Mill. Zl. un
die Beteiligung bei der Polniſchen Kabelfabrik mit 0,75 Mill.
angegeben.
Berliner Kursbericht
vom 29.Dezember 1932
Oeviſenmarkt
vom 29. Dezember 193
Berl. Handels=Geſ.
Deutſche Banku. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban)
Hapag
Hanſa Damp
Nordd. Lloyzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Re
75.—
61.75
17.75
26.125
18.375
29.55
62.625
57.25
21.875
35.25
120.—
Deutſche Cont. Gas 105.50
Meſe
Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelf. Bergw.
Geſ.f.elektr.Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen u.
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben 1
Klöchnerwerte.
Kolsw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Orenſtein & Koppel
Are
80.56
96.25
51.-
76.—
87.—
53.25
60,75
114.75
47.25
Ka
43.50
40.875
Onſgee
Rätgerzwerke
Salzdetfurth Koli
Leonh. Tieg
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Lin z
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
BogelTelegr. Draht
Wanderer=Werie
Nif
43.50
171.—
39.75
36.—
119.75
38.
17.375
53.125
25.75
69.—
32.
57.—
Helſingfors
Bien
Prag
Budapeſt
Sofig.
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm.
London,
Buenos=Aires
Rew Yor).
Belgien.
Stalien
Paris
Währung
100 finn. M.,
100 Schillinglsi.95
100 Tſch. Kr.
100 Pengs
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 E.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar.
100 Belgo
00 Lire
100 Franes
eid
s.134.
12.4651
2,osr
169.19
72.08
72.43
76.32
13.98
0.85o
4.209
50.34
21.55
18.42
Brieft
6. 146
2.05
12.485
3.063
189.52
72.22
72.,55
76.48
14,02
0.364
4.21
58.46
21.59
6.46
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Fugoſlawien.
Portugal.
Athen.
Iſtambu
Kairo.
Kanado
Uruguah
Fsland.
Tallinn (Eſtl.)
Rigg
Felde
Suraftävter untd Karionarbanr Suricradt, Filtan dtr Prrscher Buner
Frankfurter Kursbericht vom 29. Oezember 1932.
Menge
ſällig 1. 4. 34...
„ 1. 4. 35...
„ 1. 4. 36 ...
1. 4. 37...
„ 1. 4. 38...
6% Dtſch. Reichsanl
6% „ „ v.27
5)=% Intern.,,
6%Baden ......."
6%Bahern ......!
6% Heſſen ...v. 23
6% Preuß. St. v. 28
69 Sachſen v. 27
6% Thüringen b. 27
Dtſch. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4I.
Ab=
ſöſungsanl. . ...
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe .. . .
6% Baden=Baden.
6% Berlin ...v. 24
6% Darmſtadt ...
6% Dresden, v. 26
62 Frankfurt a.M.
Schätze v. 29
6‟
v. 26
6%Mginz ......."
690 Mannheimv. 27
6% München „v. 29
6% Wiesbaden v. 28
6% Heſſ. Landesbl.
629. Goldoblig
5½% Heſſ. Landes=
Hyp.=Bk.=Liquid.
4¾ %., Kom.=Obl.
91.5
85.5
80.5
75.75
71I.
92.75
76.5
80
7
95.5
80"
71
61.25
6.8
5.8
62
67.5
66.5
65.5
65.25
81.5
70.5
85
Pe
Pfd.=Anſt. G. Pf.
6% „ Goldoblig.
6½ Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für)
Heſſ. Goldobl. R.11
„ R.1s
83o
6½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
62Naſſ. Landesbk.
5½%0 „ Liqu. Obl.
Dt. Komm
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
*AuslSer. II
.. Serat
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)..
6% Berl. Hyp. Bk.
%„ Ligu.=Pfbr.
8% Frkſ.Hyp.=Bk.
1.% „ Lig. Pfbr.
Goldoblig
8% Frif. Pfbr.=Bi.
%a „. Lig.=Pfbr.
%Mein, Hyp.=Bk.
20 „ Lig. Pfbr..
% Pfälz. Hyp.=Bk.
Ja „ Lig. Pfbr.
82 Nhein.Hyp.B!.
s% „ Lig. Pfbr..
Goldoblig.
Südd. Bod.=
Cred.=Bank
5½% „ Lig. Pfbr.
16% Württ. Hhp.=B.
6% Daimler=Benzl
5 Dt. Linol. Werke
6% Mainkrw. v. 26
Re
53.5
88.75
82.25
84.5
85
58‟
78
83.5
88‟
85
85”),
73.25
85
891),
84
86.25
86
86.5
84.25
B.8
74.25
57
84.25
Pa Ru
62Ver. Stahlwerke
6% Voigt & Häffner
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L. E. B.
L.Imnveſt.
Bulg. Tab.v.02
Oſt. Schätze
3 Oſt. Goldrente
vereinh. Rumän
2lo
48 Türk. Admin.
„ 1. Bagdadl
% „ Zollanl.
4½% Ungarn 1913
4½% „ 1914
Goldr.
4%
1910
4%0
4½Budp. Stadtan!
42 Liſſabon.
4%0 Stockholm,
Aßtien
Aig. Kunſtzüdeunie
A. E. 6. ...
AndregeNorisBahn
Aſchaffbg. Brauereil
„ Zellſtofi
Bemberg, J. P...
Berl. Kraft u. Licht
Buderus Eiſen....
Cement Heidelberg
Karlſtadt.
J. G. Chemie, Baſe!l”
Chem.Werke Albert
Chade .........."
Contin. Gummiw.
69.5
76
96eI.
5.4
8.75
4.5
3.7
4.2
30.25
80
46.5
30
93
28.75
56.5
114
44
46.5
57
136
36
120
29. Dezer
Daimler=Benz uns.
Dt. Atl. Telegr. ..
Erdöl ..
Dt. Gold= u.
Silber=
ſcheide=Anſtal
Linolwerk. Berl
Dortm. Ritterbräu
Oyckerhof & Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwert.
Eßling. Maſchinen.
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guitleaume
Frankfurter Hof ..
Gelſenk. Bergwer!,
Geſ.felektr. Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner=Kahſer...
Grün c=Bilfinger.
dafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh.
Hanfwerke Füſſen.
Harpener Bergbau
Henninger Kempf
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer.. ...
Hochtief Eſſen ....
Holzmann, Phil.
3lſe Bergb. Stamm!.
„ „ Genüſſe
Junghans .......
Kali Chemie .....
Aſchersleben 4
Re
s5
153.25
42.5
23.2
192.5
19.5
5"
26.25
55.25
37.5
58
75.75
311.
29.5
167.25
55
86.5
41.s
11.5
78.5
60.5
101.5
19.75
„Klein, Schanzlin :
Klöcknerwerke ...
Knorr C. 6....... .
Lahmeher & Co.
Laurahütte ......
Lech, Augsburg.
Löwenbr. Münch.
Lutz, Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Alt.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld. Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag. Mühlenbau.
Montecatini Maild.
Motoren Darmſtadt
SSberbedar:.
Phönir Bergbau.
Meiniger, Gebbert.
Rh. Braunkohlen.
Eleltr. Stamm
Stahlwerte ..
Riebeg Montan...
Roeder, Gebr.
Rütgerswer
Salzdetfurt
Salzw. He
Schöfferho
Schramm, Lackfbr.
Schriftg. Stempel.
Schucker:, Elektr.
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske.
Südd. Zucker=A. G.
(Eellus Bergbau..
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonhard ...
ſunterfranken ..
115 Ber. Stahlwerke ..
s
30.25
217
64
76.75
62.5
33.5
12.75
36
199
94.5
73.5
38
43.5
170
180
150
15
85.5
55"
121.5
145.25
64
40
83.25
Ver. Uramarin.
Boigt & Haeffner.
Wahß & Frehtag.
Weſteregeln Kali. /=
Zellſtoff Waldho).
Memel.
Aulg. Dt. Creditanſ.
Badiſche Bank..
Bk. f. Brauinduſtr.
Bayer, Hyp. u. W.
Berl. Handelsgei.
Shpothelbi.
Comm. .. Privatb.
Dt. Ban lund Disc.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Ban 1.
Frankf. Banl....
Hyp.=Bank.
Mein. Hyp.=Ban.
Pfälz. Hyp.=Ban
Reichsbank=Ant. .
Rhein. Syp.=Bank.
Südd. Bod.-Cr. Bl.
Württb. Notenbank
A.-G. . Ver ehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftw
7%0 Dt. Reichsb. Bze
Hapag ........
Nordd. Lloyd.....
Südd Eiſenb.=Geſ.
Allianz u. Stutte.
Verſicherung ...
. .. Verein. Verſ.
Frankona Rück=u. M
Mannheim. Verſich.
Otavi Minen .....
SchantungHankels!
7055
94‟1,
17.55
18.8
36
101.5
21
16.25
Ate
ſneitag, 30. Dezember 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 362 — Seite 1
PUMPEE
U. Soldmmmm We
Einjunges Mädchen reiſt.
Wie langſam die Stunden verrinnen.
Die frühe Dämmerung macht den Abend endlos, wenn man
dir, es iſt ſchon Nacht, iſt kaum die ſechſte Stunde des
Nach=
ings herum, immer weiter muß man warten, warten,
dop=
quälend, wenn man nicht weiß, auf was.
In tödlich langweiligem Tempo fährt der Zug durch das
uks winterliche Land. Alle paar Minuten hält er, man lieſt
Fuinbekannten Namen eines weltvergeſſenen Neſtes, ſeufzt und
ſi wieder in ſeine Ecke zurück, von der dumpfen Hitze des
Mils eingeſchläfert, ohne ſchlafen zu können.
Was Barba Goering in dieſem kümmerlichen Perſonenzug
b. Deſſau nicht ſchlafen ließ, war die Hoffnung auf Ino Beß.
Feder Station erwartete ſie, die blonde Frau in ihr Abteil
aen zu ſehen, allein was einſtieg, waren immer nur
Provinz=
riit kältegeröteten Geſichtern und unbegrenztem
Mitteilungs=
wurfnis das nur noch von ihrem Wiſſensdrang übertroffen
mide. Barba mußte ſich mit ihrer ganzen Abwehr wappnen,
upem widerſtehen zu können. Sie ſchloß die Augen und lehnte
m Kopf zurück, in dem die Gedanken ſchwerfällig herumirrten.
imer wieder denſelben Weg legten ſie zurück, den Weg, den
ArHa Goering am heutigen Tage zurückgelegt hatte, vom frühen
ſor gen an, da ein herrſchaftlicher Chauffeur ein dringendes
chreiben überbrachte. Dann eilten die Gedanken wieder
vor=
mits, nahmen einen Anlauf gewiſſermaßen, aber über die
ſröe, die ihnen den Weg verſperrte, kamen ſie nicht hinweg.
Inen Brief hatte der Chauffeur überbracht, einen Brief, der
Aubas Knie zittern machte.
Sie ſind in derſelben Gefahr, in der Philipp Spoor
ſchwebt, ich beſchwöre Sie, meinem Chauffeur ſofort zu
fol=
gen und für evtl. Nachfragen eine Ausrede zu hinterlaſſen.
Vielleicht wird alles gut. Vertrauen Sie
Ino Beß.
Und es war nur ein Wort, das Barbas Faſſung erſchüttert
tte, das Wort: Schwebt. Nicht „ſchwebte” hatte die Frau
eſchrieben, deren bezwingender Perſönlichkeit ſie nicht lange
tie widerſtehen können, nein, ſchwebt, das konnte, das mußte
uchts anderes bedeuten als: Er iſt noch vorhanden, Philipp
„Eoor, er lebt noch, er iſt in Gefahr, aber er lebt noch!
Und dieſes Wort als erlöſende Beſtätigung ihrer dumpfen
ſrungen, die hinter dem rätſelhaften Selbſtmord des
Gelieb=
hr ein unheimliches Verbrechen vermuteten, dieſes Wort riß
ßie letzte Mißtrauenshemmung in Barba nieder: Ino Beß
bußte um Phil und ſein Erleben, ſie wußte um das ſeltſame
eh eimnis, das ihn überfallen hatte, das ſeine Klauen jetzt auch
ſich ihr ausſtreckte — keine Sekunde hatte Barba gezögert, Inos
ſerha
elegenhei PFüf zu folgen.
ſten nL/‟ Eine halbe Stunde ſpäter beſaß ſie die Gewißheit, daß der
gliebte, törichte, über alles Geliebte noch lebte! In dem grenzen=
Te‟
we
Cie.
e in ſt
vom 9-P
versch. gefüllte Kreppel . . Stück 0.10
für 0.50 6 Stck., für 1.00 12 Stck.
wr dicm ir Jungefüllte Kreppel . . . "Stück 0.05
mmarl
nber 19
loſen Jubel, der ſie durchbebte, überſah ſie faſt, daß er ſich noch
in großer Gefahr befand, ja, am heutigen Tage in der größten
ſeit ſeinem Verſchwinden, und Ino war es unmöglich geweſen,
der Beglückten einzuhämmern, daß die Chancen für den jungen
Mann nicht übermäßig günſtig waren. Die Zuſammenhänge
mit dem Geheimnis der Frau Beß waren nur andeutungsweiſe
geſtreift worden, doch kam es Barba gar nicht mehr
über=
raſchend, daß das ganze verbrecheriſche Myſterium in engſter
Verbindung zu dem gelbſeidenen Tuch ſtand, das Phil an jenem
letzten häßlichen Abend gebracht hatte, und das ſie in den erſten
Tagen nach ſeinem vermeintlichen Tode eigentümlicherweiſe
völ=
lig vergeſſen hatte.
Denn das war Inos erſte Frage, als ſie Barba in der
Kaiſerallee 215 empfing: „Weiß Spoor von dem Geheimfach in
Ihrem berühmten Schachtiſch und dem Tuch darin?”
Faſſungslos nickte Barba. In ſeiner Gegenwart hatte ſie ja
das Unglückstuch dort eingeſchloſſen, und das Fach ſelbſt war
zwiſchen Phil und ihr oft genug Gegenſtand verliebten Spottes
geweſen.
„Großartig”, rief Ino, „das muß ihm einfallen!” Ohne
weitere Erklärung hatte ſie Barba wieder ins Auto gepackt und
war mit ihr nach der Nettelbeckſtraße 13a gefahren, eine halbe
Stunde vor dem Erſcheinen Herrn Sommerfelds, der alſo nicht
zu Unrecht den Eindruck hatte, als ſei jemand vor ihm in ſeinem
Laden geweſen.
„Fragen Sie nicht” bat Ino, „wenn alles vorüber iſt,
wer=
den wir zum Erzählen Zeit genug haben — hoffentlich.” Barba
gehorchte erſtaunt und folgte auch Inos unbegreiflichem
Ver=
langen, die Lagertür, um die ſich Herr Sommerfeld ſelten
küm=
merte, nicht mit Sicherheitsſchloß und Riegel zu verſperren.
„Es müßte doch mit dem Teufel zugehen”, murmelte Ino,
die ſich am Geheimfach Katharinas zu ſchaffen machte, „wenn
das nicht klappen ſollte!”
Barba hatte es fertig gebracht, ihre Fragen zurückzubehalten,
und ihrem Inſtinkt folgend, ſich entſchloſſen, um den Preis, Phil
wieder zu gewinnen, blindlings der fremden Frau zu vertrauen.
Ino Beß ſah nicht ſo aus, als handle ſie unüberlegt, und
ſicher=
lich war es nicht einfach, ſie aus dem Sattel zu werfen. Darum
war Barba ohne Zögern in den Zug geſtiegen, der ſie nach
Deſſau bringen ſollte, und darum erwartete ſie ſeit der Abfahrt
vom Schleſiſchen Bahnhof ungeduldig, doch nicht mißtrauiſch,
Inos Erſcheinen.
Ino Beß beſtieg das Abteil nicht.
Draußen wurde die Dämmerung immer trüber, immer
lang=
ſamer vergingen die Stunden, und trotzdem Barbas inneres
Gleichgewicht nicht zu erſchüttern war, legte ſich die
Ungewiß=
heit über Philipp Spoors und ihr eigenes Geſchick an dieſem
traurigen Winterabend immer drückender auf ihr Herz. Erlöſt
atmete ſie auf, als ſie dem Verhalten der Mitreißenden
entneh=
men konnte, daß Deſſau nahe war und überlegte gleichzeitig
unwillkürlich, ob ihre Barſchaft für die eventuell notwendige
Rückfahrtkarte reichen würde. Aber das ging vorüber. Sie hatte
ſich entſchloſſen, Ino zu vertrauen und verharrte dabei.
Dann ſtand ſie auf dem zugigen Bahnſteig, blickte ſich um,
etwas verwirrt, da ſich nichts ereignete — Ino Beß war nicht zu
ſehen. Sie ließ den Strom der Reiſenden den Ausgang
paſſie=
ren, ſpähte angeſtrengt nach allen Seiten, ſtreifte noch mehrere
Male über die Bahnſteige, durch die Warteſäle — keine Ino
Beß. Ratlos ging ſie ſchließlich durch die Sperre in die
Bahn=
hofshalle.
Eine Dame, die wartend dort ſtand, drängte haſtig ein böſes
Lächeln zurück und trat auf das junge Mädchen zu. Barba ſah
ſich plötzlich zwei ſchwarzen funkelnden Augen gegenüber, deren
tiefe Ränder ein mondäner Halbſchleier nicht verhüllen konnte
— inſtinktiv empfand ſie im erſten Moment ein lebhaftes
Angſt=
gefühl, ſie machte ein abweiſendes Geſicht.
„Ich bin die Freundin von Frau Ino Beß”, ſagte die Dame
liebenswürdig, mit leicht exotiſch gefärbter Stimme, die Barba
nicht ſonderlich angenehm berührte, „ich irre wohl nicht in der
Annahme, Fräulein Barba Goering vor mir zu haben?”
Barba blickte feſt in die unruhigen Augen der anderen. „Ich
heiße Barba Goering”, ſagte ſie reſerviert, dieſe Freundin gefiel
ihr nicht, „iſt Frau Beß nicht mitgekommen?”
Die Dame ſchüttelte den Kopf. „Nein, Fräulein Goering,
eh — ſie kommt ſpäter mit dem Auto — ſie hat mich telephoniſch
gebeten, Sie abzuholen. Ich war bereits ſtark beunruhigt, dachte,
Sie ſeien ebenfalls nicht mitgekommen.”
Barbas Geſicht zeigte mißtrauiſches Erſtaunen. „Ich nicht
mitgekommen? — Aber Frau Beß weiß doch, daß ich in dieſen
Zug geſtiegen bin —
Die andere vermied es geſchickt, ſich auf die Lippen zu
bei=
ßen aus Aerger über ihre Ungeſchicklichkeit, ſie lächelte
be=
gütigend — „Sie mißverſtehen mich, mein Fräulein — daß Sie
im Zug ſaßen, teilte Ino mir mit, aber ich ſelbſt hegte die
Be=
fürchtung, Sie ſeien unterwegs ausgeſtiegen — —obwohl —
„Warum ſollte ich denn ausſteigen?”
„obwohl ich mir das nicht hätte erklären können — das
wollte ich ſagen, mein liebes Fräulein, gerade heute abend — —
wo ſoviel für Sie auf dem Spiele ſteht!” Barba ſchwieg mit
ge=
runzelter Stirne. Die Dame näherte ſich ihr, umwogt vom
be=
täubenden Duft eines ſüßlichen Parfüms ſie wiederholte
bedeu=
tungsvoll: „Nein, das hätte ich mir nicht erklären können, wo
Sie heute abend in meinem Hauſe — — Philipp Spoor
wieder=
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