Ginzelnnmmer 10 Pfennige
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Hefſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwarte, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 221
Dienstag, den 11. Auguſt 1931.
194. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auffräge und Teſſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchticher Beitrelbung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankonto Deutſche Bani und
Darm=
ſtädter und Nationaibank.
Reform der Preſſe=Notverordnung.
Brüning und Curkius wieder in Berlin. — Wiederaufnahme der innenpolikiſchen Verhandlungen.
Neue Preſſenolverordnung. — Amtlicher Mißbrauch in Zukunft eingeſchränkk. —
Zwangs=
kundgebungen der Länder müſſen von nun an erſt dem Reichskabinekt vorgelegt werden.
Das Kabinekk kagl wieder.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Reichskanzler und der Reichsaußenminiſter ſind am
Mon=
ag vormittag fahrplanmäßig wieder aus Rom zurückgekehrt, und
die innenpolitiſchen Beratungen haben ſofort ihren Anfang
ge=
iommen. Um 11 Uhr war die erſte Miniſterbeſprechung, die
jachmittags fortgeſetzt wurde. Abends um 8 Uhr unterhielten
ich die Chefs einiger Reſſorts und zwiſchendurch mußte der
Zanzler noch beim Reichspräſidenten Vortrag halten. Er konnte
Herrn v. Hindenburg gegenüber feſtſtellen, daß er mit dem
Er=
zebnis der Romreiſe durchaus zufrieden ſei und bei
den Italienern für die Ziele der deutſchen
Poli=
ik, die in der Richtung einer europäiſchen
Soli=
ſarität laufen, weitgehendes Verſtändnis
gefun=
ſen habe, ſo daß auch in Einzelfragen wie bei den
Kohlenliefe=
ungen und bei den Präferenzzöllen weitgehendſte
Uebereinſtim=
nung erzielt wurde.
Die erſte Frage, mit der ſich dann das Kabinett befaßte, war
ſie Reform der Preſſenotverordnung, die zurückgeſtellt war, bis
der Kanzler aus Rom zurückgekehrt war. Die Notverordnung iſt
im Montag abend noch veröffentlicht worden. Sie ſchränkt
Miß=
fräuche vor allem in der Richtung ein, daß Zwangskundgebungen
der Länder über das Reich geleitet werden müſſen und daß auch der
Amfang eingeſchränkt iſt, ſo daß ſie bei einem Umfang über 500
Worte hinaus den Zeitungen bezahlt werden müſſen.
Die neue Breſſe=Nolverordnung.
Die heute abend in Berlin ausgegebenen Verordnungen zur
Preſſe=Notverordnung erklären:
Auf Grund des Artikels 48 Abſ. 2 der Reichsverfaſſung wird
für das ganze Reichsgebiet verordnet:
Art. 1.
Der § 1 der 2. Verordnung zur Bekämpfung politiſcher
Aus=
ſchreitungen vom 17. Juli 1931 (RGBl. I S. 371) wird wie folgt
geändert:
Abſ. 1 erhält die Faſſung: Der verantwortliche Schriftleiter
und der Verleger einer periodiſchen Druckſchrift ſind verpflichtet,
auf Verlangen einer oberſten Reichsbehörde oder einer
Landes=
behörde amtliche Kundgebungen oder Entgegnungen auf eine in
der periodiſchen Druckſchrift mitgeteilte Tatſache ohne
Einſchal=
tung und ohne Weglaſſung unentgeltlich aufzunehmen. Die
oberſte Landesbehörde kann die Aufnahme einer Kundgebung nur
im Einvernehmen mit dem Reichsminiſter des Innern verlangen.
Abſ. 2 S. 2 wird durch die Vorſchrift erſetzt: Ueber die Urt
und Weiſe des Abdruckes erläßt der Reichsminiſter des Innern
allgemeine Beſtimmungen. Er kann die Zahlung einer Vergütung
vorſchreiben, ſoweit der Abdruck einen beſtimmten Umfang
über=
ſteigt.
Art. 2.
Wird gegen das Verbot einer periodiſchen Druckſchrift, die
auf Grund des Geſetzes zum Schutze der Republik oder auf Grund
der Verordnung zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen
er=
laſſen iſt, Beſchwerde eingelegt, ſo iſt, wenn die Beſchwerde
nicht ſpäteſtens am 5. Tage nach ihrer Einlegung
der Stelle zugeleitet iſt, die ſie dem Reichsgericht vorzulegen hat,
das Verbot ohne ſachliche Prüfung ſofort
aufzu=
heben.
Art. 3.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung
in Kraft. Der Reichsminiſter des Innern wird ermächtigt, die
2. Verordnung zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen in der
ſich aus Art. 1 ergebenden Faſſung unter dem heutigen Datum
be=
kanntzugeben.
Unterſchriften.
Berlin, den 10. Auguſt 1931.
Bekanntmachung.
Auf Grund des Art. 3 der Verordnung des
Reichspräſiden=
ten vom 10. Auguſt 1931 zur 2. Verordnung zur Bekämpfung
bolitiſcher Ausſchreitungen vom 10. Auguſt 1931 wird die 2.
Ver=
ordnung zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen in der
Neuen Faſſung bekanntgemacht:
2. Verordnung des Reichspräſidenten zur Bekämpfung
bolitiſcher Ausſchreitungen vom 10. Auguſt 1931.
Auf Grund des Art. 48 Abſ. 2 der Reichsverfaſſung wird
für das ganze Reichsgebiet verordnet:
8 1.
Der verantwortliche Schriftleiter und der Verleger einer
beriodiſchen Druckſchrift ſind verpflichtet, auf Verlangen einer
Oberſten Reichs= oder Landesbehörde ſämtliche Kundgebungen
und amtliche Entgegnungen auf die in der periodiſchen
Druck=
ſchrift mitgeteilten Tatſachen ohne Einſchaltung oder Weglaſſung
Anentgeltlich aufzunehmen. Die oberſte Landesbehörde kann die
Aufnahme einer Kundgebung nur im Einvernehmen mit dem
Reichsminiſters des Inneren verlangen. Der Abdruck hat un=
Derzüglich, bei Tageszeitungen ſpäteſtens in der nach Eingang der
Kundgebung oder Entgegnung nächſtfolgenden, für den Druck
nicht bereits abgeſchloſſenen Nummer zu erfolgen. Ueber die
ſir und Weiſe des Abdruckes erläßt der Reichsminiſter allge=
meine Beſtimmungen. Er kann die Zahlung einer Vergütung
vorſchreiben, ſoweit der Abdruck einen beſtimmten Umfang
über=
ſteigt. Eine Stellungnahme zu einer Entgegnung in der gleichen
Nummer iſt unzuläſſig.
8 2.
Druckſchriften, durch deren Inhalt die öffentliche Sicherheit
und Ordnung gefährdet werden, können polizeilich beſchlagnahmt
und eingezogen werden. Periodiſche Druckſchriften können
ver=
boten werden:
1. wenn der Vorſchrift des § 1 zuwidergehandelt wird,
2. durch ihren Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung
gefährdet wird.
Die Vorſchriften des 8 12, Abſ. 2, 3: 8 13: 8 15, Abſ. 1 der
Verordnung zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen vom 28.
März 1931 (Reichsgeſetzblatt S. 79) gelten entſprechend.
§ 3.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in
Kraft.
Berlin, 10. Auguſt 1931.
Unterſchriften.
Die Ausführungsbeſtimmungen.
In Durchführung der Verordnung des Reichspräſidenten zur
Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen vom 10. Auguſt 1931 wird
vom Reichsminiſter des Innern folgendes beſtimmt:
81.
Kundgebungen und Entgegnungen, deren
Auf=
nahme auf Grund von § 1 der 2. Verordnung des
Reichspräſi=
denten zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen verlangt wird,
dürfen nicht mehr als 500 Worte umfaſſen. Für
die überſchießenden Zeilen ſind die üblichen
Einrückungsgebühren zu erſetzen. Die Kundgebung
oder Entgegnung iſt an der vom Einſender beſtimmten Stelle, mit
der von ihm beſtimmten Ueberſchrift, in der von ihm beſtimmten
Schriftgröße und in dem von ihm beſtimmten Schriftgrad zum
Abdruck zu bringen. Der Einſender ſoll darauf Bedacht nehmen,
nur ſolche Anforderungen bezüglich des Abdrucks zu ſtellen, die ſich
im Rahmen der der periodiſchen Druckſchrift zur Verfügung
ſtehen=
den techniſchen Möglichkeiten halten.
S 2.
Vor dem Erlaßjeden Verbotes einer periodiſchen
Druckſchrift iſt zu prüfen, ob der erſtrebte Zweck
nicht ſchon durch eine Verwarnung und eine
amt=
liche Entgegnung erreicht werden kann. In
leich=
teren Fällen, bei denen der angerichtete Schaden gering iſt
und anzunehmen iſt, daß lediglich fahrläſſiges
Verhal=
ten vörliegt, iſt ſtatt eines Verbotes zunächſt eine
Verwarnung auszuſprechen, ſofern der Verleger ſich
ſofort bereit erklärt, durch unverzügliche Veröffentlichung einer den
verletzten oder gefährdeten Intereſſen Rechnung tragenden
Erklä=
rung den Schaden wieder gutzumachen.
Berlin, den 10. Auguſt 1931.
Der Reichsminiſter des Innern.
gez. Dr. Wirth.
Diskonkſenkung bevorſtehend.
Noch keine Klarheit über den Zinsſah
für Ernkekredike.
* Berlin, 10. Auguſt (Priv.=Tel.)
Da ſich die Verhältniſſe bei den Banken und Sparkaſſen
zu=
friedenſtellend anlaſſen, auch der neue Reichsbankausweis
ver=
hältnismäßig freundlich ausſieht, nimmt man an, daß vielleicht
ſchon der nächſte Reichsbankausweis wieder die normale
Dek=
kungsgrenze von 40 Prozent erreicht haben wird. Am Dienstag
nachmittag tritt der Zentralausſchuß der Reichsbank
zuſammen und man nimmt an, daß er den Diskontſatz
wie=
der von 15 auf 10 Prozent herabſetzt.
In dieſem Zuſammenhang ſpielen vor allem die
Verhand=
lungen eine Rolle, die über die Finanzierung der
Ge=
treideernte geführt werden. Reichsernährungsminiſter
Schiele konnte in ſeiner Rundfunkrede am Montag abend noch
keine Aufklärung über die Zinsverbilligung für die Erntekredite
geben. Dieſer Punkt iſt aber von entſcheidender Wichtigkeit, weil
die Lombardierungskredite bei der Einlagerung des
Getreides die Hauptrolle ſpielen. Das Reich hat ſich
grund=
ſätzlich bereit erklärt, eine Kreditverbilligung
um 6 Prozent vorzunehmen. Dabei hat ſich der
Reichsfinanz=
miniſter auf den gleichen Standpunkt geſtellt wie der
Ernährungs=
miniſter Schiele. Beide haben auf die Reichsbank einzuwirken /
verſucht, um eine weitere Verbilligung um 5—6 Prozent zu
er=
reichen, ſo daß die Landwirte nur etwa 5 Prozent, bei
Lombar=
dierung einen entſprechend höheren Zins zu zahlen hätten. Die
Reichsbank hat aber erklärt, daß ſie ohnehin den
Reichsbankdis=
kont auf 10 Prozent zu ſenken gedenke und daß ſie im Augenblick
weitergehende Konzeſſionen nicht machen könne.
Der kſchechiſche „Erobeter”.
Nach der Boden= und Grenzwälderverſtaatlichung kommt die
Enteignung der deutſchen Elektrizitätswerke. — Ein neuer Schlag
gegen das Sudetendeutſchtum. — Die Exiſtenz von 11000
Deutſchen bedroht.
Von unſerem =Korreſpondenten.
Prag, 8. Auguſt.
Nach den vorliegenden ſtatiſtiſchen Angaben vermag man
nunmehr abzuſchätzen, von welchen Erfolgen die in Prag
aus=
geklügelte ſogenannte Bodenreform für die Tſchechen begleitet
geweſen iſt. Der Vorſtoß richtete ſich unzweifelhaft einzig und
allein gegen den Siedlungsraum der Sudetendeutſchen, der
zer=
riſſen und abgeſchnürt werden ſollte, ein Ziel, das infolge der
dauernden wirtſchaftlichen Schwächung des Deutſchtums im
tſchechiſchen Staate in jahrelanger zäher Zermürbungstaktik
er=
reicht erſcheint. Faſt eine Million Hektar ſudetendeutſchen
Bodens iſt mit Hilfe der famoſen Prager „Reform” enteignet
und in ſtaatliche oder ſtaatlich beſtimmte Verwaltung
überge=
führt worden — das bedeutet den Verluſt von annähernd einem
Drittel des geſamten deutſchen Siedlungsraumes in der
tſchecho=
ſlowakiſchen Republik, bedeutet, daß mehr als tauſend ehemals
von Deutſchen verwaltete landwirtſchaftliche Anweſen und Güter
in tſchechiſches Eigentum gekommen ſind, bedeutet aber auch, daß
auf Zehntauſenden deutſchen Dienſtnehmern auf dieſen
Landwirt=
ſchaften die tſchechiſche Fauſt laſtet und daß Tauſende dieſer
Sude=
tendeutſchen ihre Exiſtenz verloren haben, weil an ihre Stelle
das der Prager Regierung gerade im deutſchen Gebiet erwünſchte
tſchechiſche Element dirigiert wurde . . .
Es liegt im Weſen dieſes Syſtems, daß die nachfolgende
Verſtaatlichung der Wälder und vor allem der Grenzwälder
die mit der Bodenreform verheißungsvoll begonnene Aktion der
Zertrümmerung des deutſchen Siedlungsgebietes im Staate
fort=
ſetzte. Heute ſchieben ſich die Wälder an der deutſchen und
öſter=
reichiſchen Grenze, Jahrhunderte alte deutſche Forſte, als Keil
ziviſchen Sudetendeutſche, Reichsdeutſche und Deutſchöſterreicher,
trennen Deutſche von Deutſchen, ziehen den Kreis um die von
ihrem Mutterland abgetrennten Deutſchen enger und enger und
umgeben viele deutſche Gemeinden im deutſchen Randgebiete des
Staates als tſchechifcher Gürtel . . . Das deutſche Bauernland
Böhmens, Mährens und Schleſiens iſt umklammert, und von den
Bergen grüßt kein deutſcher Wald mehr. Tſchechiſche und
ſlowa=
kiſche Förſter, Heger und Waldarbeiter, tſchechiſche Wegtafeln in
den Jahrhunderte alten deutſchen Forſten, eingeſchüchterte
Sudetendeutſche, deren Exiſtenz in dieſen Gebieten zu einem
großen Teil irgendwie vom Wald und ſeinen Herren abhängr
— das iſt das Bild, das heute dieſe deutſchen Randgebiete des
tſchechiſchen Staates bieten, dieſe deutſchen Ländereien, auf denen
der bodenſtändige Land= und Forſtwirt verzweifelnd die Früchte
deutſchen Schaffens, harter, Jahrhunderte langer Arbeit von
Fremden geerntet ſieht, den neuen „Herren”, denen der Staat
mit Subventionen in der Höhe von Hunderten Millionen Kronen
die „Eroberung” der deutſchen Randgebiete ermöglicht hat, weil
dies im Syſtem der planmäßigen Durchſetzung des deutſchen
Siedlungsraumes mit tſchechiſchem Element ſo vorgeſehen iſt.
Von der gleichen Tendenz wie die tſchechiſche Boden= und
Wälderreform getragen, ſind die Maßnahmen zur Verſtaatlichung
der Elektrizitätswerke, die in abſehbarer Zeit in ihr
entſcheiden=
des Stadium zu treten beginnen. Dieſe ſeit langem vorbereitete
Verſtaatlichungsaktion bedeutet einen neuen, ſchwerwiegenden
Eingriff in die private Wirtſchaft des Staates, eine erweiterte
Einflußnahme ſtaatlicher Stellen auf ein Gebiet, von dem man
in Prag weiß, daß es zum großen Teil unter privater deutſcher
Verwaltung ſteht und daß ſeine Uebernahme in die ſtaatliche
Adminiſtration ſich mit den gleichen Tſchechiſierungsmaßnahmen
verquicken läßt, wie ſie bei der Boden= und Wälderenteignung
in Erſcheinung getreten ſind.
Es bekümmert die tſchechiſche Geſetzgebung nicht im
gering=
ſten, daß die bisherige private Verwaltung der kommunalen
Elektrizitätswerke glänzend funktioniert hat, ja, daß dieſe private
Wirtſchaftsführung im Gegenſatz zur Adminiſtrative zahlreicher
ſtaatlicher Unternehmungen geradezu beiſpielgebend geweſen iſt.
Von ſtaatlich verwalteten Betrieben arbeiten in der
Tſchecho=
ſlowakei aktiv lediglich die Tabakfabriken, während die übrigen
ſtaatlichen Unternehmen, Eiſenbahn, Schiffahrt, Autobuslinien,
Bäder uſw. ausnahmslos paſſiv ſind, da ſie der kaufmänniſchen
Führung entbehren. Vor der Verſtaatlichung waren die
Eiſen=
bahnen im Gebiete der jetzigen Tſchechoflowakei, zu einem
gro=
ßen Teil unter privater Leitung ſtehend, hochaktiv, und ähnlich
verhielt es ſich mit zahlreichen anderen Unternehmungen, die
nach dem Umſturz nach und nach aus der Privat= in die
Staats=
wirtſchaft überführt und damit paſſiv gemacht wurden.
Indeſſen zerbricht man ſich in Prag weniger darüber die
Köpfe, wie den ſteigenden Verluſten der ſtaatsbürokratiſch
ver=
walteten Unternehmungen am beſten zu ſteuern wäre, als
darüber, auf welche Gebiete der nationale Eroberungskampf noch
übertragen werden könnte. Poſt und Eiſenbahn ſind vom
deutſchen Element „gereinigt”, auf den Reſtgütern ſitzen
ver=
läßliche tſchechiſche Staatsbürger, die Wälder im deutſchen
Ge=
biet boten, nach ihrer Enteignung und Verſtaatlichung,
Gelegen=
heit, den tſchechiſchen Keil bis knapp an die Grenze der
Nachbar=
ſtaaten vorzutreiben, in den verſtaatlichten Bädern ſind Tauſende
tſchechiſcher Bedienſteter auf Koſten des früheren deutſchen
Per=
ſonals untergebracht . . . es bleibt nur wenig mehr im Sinne
des Prager Eroberungswillens, des nationalen Kampfes zu tun
übrig. Auf der Suche nach neuen „Enteignungs=Objekten” ſtieß
man in Prag auf die überraſchende Tatſache, daß ſich die
Mehr=
zahl der Elektrizitätswerke im Staate in deutſchem Beſitz bzw.
in deutſcher Verwaltung befinden, und dieſe Entdeckung gab
Anlaß zu jener Aktion, gegen die gegenwärtig im deutſchen Teil
der Tſchechoſlowakei einmütig proteſtiert wird: zur
Ueberfüh=
rung; der deutſchen Elektrizitätswerke, in die ſtaatliche
Ver=
waltung.
Aus der Aufſtellung eines deutſchen Blattes geht hervor,
wie ſehr die Uebernahme der elektriſchen Werke in die
öffentliche Hand das deutſche Gebiet bedroht. Nach dieſer
Publikation gliedern ſich die Elektrizitätsgenoſſenſchaften in
der Tſchechoſlowakei in drei Kategorien: in die Produktiv=, in
Einkaufs= und Hilfsgenoſſenſchaften. Ende des Jahres 1929 gab
es im ganzen 1557 Elektrizitätsgeſellſchaften, Genoſſenſchaften
Seite 2
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Nummer 221
für die Erzeugung elektriſcher Energie gab es im Staatsgebiet
39, davon allein 21 deutſche. Von den 19 Genoſſenſchaften
in Böhmen ſind 13 reindeutſch. Im Jahre 1929 wurden
von allen Genoſſenſchaften über 57 000 Tauſend=Kilowattſtunden
Strom erzeugt. Davon erzeugten die deutſchen Werke über
40 000 Taufend=Kilowattſtunden. Die Geſchäftsſtunden der
tſchechiſchen Genoſſenſchaften ſind trotz des bedeutend kleineren
Geſchäftsumfangs genau ſo groß wie die der deutſchen. Dabei
iſt zu berückſichtigen, daß die tſchechiſchen Werke noch verſchiedene
Begünſtigungen gegenüber den deutſchen Werken haben.
Die Zahl der Genoſſenſchaften für den Ein= und Verkauf
elektriſcher Energie beträgt 471. Davon ſind 319 deutſch. Unter
dieſe Genoſſenſchaften gehören auch die privaten, ſtädtiſchen ſowie
die ausländiſchen Elektrizitätswerke, die faſt zum größten Teil,
beſonders in Böhmen, in deutſchen Händen ſind. Von 18
ſtädtiſchen Elektrizitätswerken ſind allein 15 in deutſchen
Städten, und von 22 privaten Elektrizitätswerken ſind nur 7
in tſchechiſchen Orten gelegen. Im Jahre 1929 wurden von
den Genoſſenſchaften insgeſamt 7 Millionen Kilowattſtunden
erzeugt.
Die Notwendigkeit der Verſtaatlichung wird von tſchechiſcher
Seite damit begründet, daß eine Vereinheitlichung ver
Strom=
preiſe herbeigeführt werden müßte. Dabei iſt nachgewieſen, daß
die Strompreiſe der in deutſcher Verwaltung befindlichen Werke
erheblich niedriger ſind als die der tſchechiſchen
Stromlieferan=
ten, ſo daß alſo die Preis=,Vereinheitlichung” keinen anderen
Erfolg als eine Verteuerung der elektriſchen Energie erbringen
würde. In der Hauptſache aber handelt es ſich den Tſchechen
um die Eroberung neuer Arbeitsplätze für das ins deutſche
Gebiet vorzuſchiebende tſchechiſche Element, und wenn der Initiator
dieſer neuen Verſtaatlichungsaktion in einer Veröffentlichung
andeutet, daß „in der Stunde der Gefahr vom Schaltbrett in
Prag aus den unverläßlichen Deutſchen der Kraftſtrom durch
einen Hebelzug abgeſchnitten werden kann”, ſo geht daraus
deut=
lich genug die wahre Abſicht der Prager Geſetzgeber in dieſem
Falle hervor: weitere 11 000 deutſche Angeſtellte (ſoviele ſind in
den zu verſtaatlichenden deutſchen Elektrizitätswerken beſchäftigt)
ſollen den auf das Pflaſter geworfenen deutſchen Eiſenbahn= und
Poſtangeſtellten und dem entlaſſenen Perſonal der land= und
forſtwirtſchaftlichen Güter folgen, und genau ſo, wie die
Ver=
ſtaatlichung der Grenzwälder nicht frei von ſtrategiſchen
Er=
wägungen geweſen iſt, glaubt man in Prag auch mit einem
„Schaltbrett” rechnen zu müſſen, von dem aus gelegentlich den
Deutſchen in doppelter Hinſicht der „Kraftſtrom” unterbunden
werden kann . . .
Hunderte von Proteſtverſammlungen wurden bisher gegen
die neue tſchechiſche Enteignungsaktion veranſtaltet, Hunderre
werden folgen. Sie werden keinen oder nur geringen Erfolg
haben, ſolange die deutſchen Regierungsparteien im Prager
Par=
lament nicht energiſcher als bisher dem rückſichtsloſen
Erobe=
rungswillen der Tſchechen im deutſchen Gebiet entgegentreten!
Reichsreform?
Aur Berhandlungen zwiſchen Reich und Preußen?
* Berlin, 10. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Von der Reichsreform, die der Reichskanzler in ſein
Pro=
gramm aufgenommen hat, iſt es in den letzten Wochen ſtiller
ge=
worden. Man erfuhr nichts weiter, als daß im
Reichsinnen=
miniſterium ein entſprechender Entwurf ausgearbeitet ſei. Hinter
den Kuliſſen ſcheinen aber die Verhandlungen fortgeſetzt worden
zu ſein, vornehmlich allerdings zwiſchen Reich und Preußen. In
unterrichteten Kreiſen wird jedenfalls davon geſprochen, daß der
preußiſche Miniſterpräſident Braun vor längerer Zeit
die Anregung gegeben habe, eine
Verwaltungs=
gemeinſchaft zwiſchen dem Reich und Preußen
herzuſtellen in der Form, daß größere oder kleinere Teile
der preußiſchen Verwaltung, alſo etwa Juſtiz und Finanzen,
Landwirtſchaft, Handel, Volkswohlfahrt und Verkehr den
Reichs=
miniſterien übertragen würden. Dieſe Beſprechungen ſollen ſchon
ziemlich weit gediehen ſein. Aber es wäre nicht ganz unmöglich,
daß ſie von preußiſcher Seite aus nur mit Rückſicht auf den
Volks=
entſcheid unternommen wurden. Das wird ſich binnen kurzem
herausſtellen. Zeigt Preußen jetzt kein Intereſſe mehr an den
Ver=
handlungen, dann werden die Dinge von Reichs wegen wohl
weiter=
getrieben. Es würde gewiß nichts ſchaden, wenn die ſüddeutſchen
Länder auch einmal in Berlin anfragten, was da eigentlich
ge=
ſpielt wird, ſonſt könnten ſie eines Tages damit überraſcht
wer=
den, daß ſie ſich vor vollendete Tatſachen geſtellt ſehen,
Bom Tage.
Die Reichsbank teilt mit, daß der Zentralausſchuß der
Reichs=
bank für Dienstag, den 11. Auguſt, nachmittags, einberufen wor=
den iſt. Man erwartet eine Herabſetzung des Diskonſatzes von
auf 10 Prozent und des Lombardſatzes von 20 auf 15 Prozent.
K
Reichspräſident v. Hindenburg empfing am Montag den
Reichskanzler Dr. Brüning zur Berichterſtattung über den Beſuch
des Reichskanzlers und des Reichsaußenminiſters in Rom.
Die Reichsregierung hat für Francois Poncet als
franzöſi=
ſchen Botſchafter in Berlin und für den bisherigen bulgariſchen
Geſandten in Bukareſt, Pomenoff, als bulgariſchen Geſandten in
Berlin das Aggrement erteilt.
Das Bundesamt des Stahlhelms erläßt eine Kundgebung. in
der es heißt, daß der Stahlhelm das Abſtimmungsergebnis wegen
der beſonderen Umſtände, unter denen es zuſtandegekommen iſt,
aus ſtaatsrechtlichen Gründen anfechten werde.
Wie das Bundesamt des Stahlhelms mitteilt, wurde nach dem
Reichsbannertreffen in Koblenz die Geſchäftsſtelle des Stahlhelms
von Reichsbannerleuten überfallen, die größtenteils mit
Beil=
picken und Spaten ausgerüſtet waren und die wehrloſen
Stahl=
helmer zum Teil erheblich verletzten.
Die Ermittlungen der politiſchen Polizei und der
Mordkom=
miſſion nach dem Mörder des Geſchäftsführers des Gaues Köln
des Stahlhelms haben zu einem vollen Erfolg geführt. Der Täter
iſt bereits verhaftet, leugnet aber noch. Das Beweismaterial iſt
jedoch ſo umfangreich und erdrückend, daß man den Verhafteten
unbedingt als überführt betrachten kann. Außerdem ſind im
Zu=
ſammenhang mit der Mordtat eine Anzahl weiterer Perſonen
verhaftet worden. Im Intereſſe der Unterſuchung gibt die Polizei
im Augenblick Einzelheiten über das Ergebnis ihrer Ermittlungen
noch nicht bekannt.
„Paris Midi” erklärt bei Beſprechung des Ergebniſſes des
Volksentſcheides u. a., die unmittelbare Auswirkung würde
zu=
nächſt darin beſtehen, daß Laval und Briand die Reiſe nach Berlin
in ſpäteſtens 14 Tagen antreten würden. Dieſer Entſchluß der
franzöſiſchen Miniſter werde unverzüglich amtlich bekannt gegeben
werden.
Die engliſche Regierung hat dem Völkerbund eine Note mit
den vom Völkerbundsrat einverlangten Angaben über den
augen=
blicklichen Rüſtungsſtand übergeben.
Macdonald, der ſich auf Erholungsurlaub in Loſſiemouth
be=
fand, hat ſich plötzlich entſchieden, ſofort nach London
zurückzu=
kehren. Der Zweck ſeiner perſönlichen Rückkehr wird offiziell
dahin angegeben, daß er in engere Fühlung mit den
Staats=
angelegenheiten kommen möchte, als ihm dies brieflich oder
tele=
phoniſch möglich iſt. Der Schatzkanzler Snowden, der ſich zurzeit
in Tilford aufhält, wird ebenfalls in London erwartet.
Sanierangspläne
des Deutſchen Städletages.
Einſchneidende Sparmaßnahmen in der Berwalkung.
* Berlin, 10. Auguſt (Priv.=Tel.)
Nach einer Sitzung des engeren Vorſtandes des Deutſchen
Städtetages hatte der Reichskanzler eine Konferenz mit den
Ver=
tretern des Städtetages, Präſident Mulert, Oberbürgermeiſter
Dr. Sahm=Berlin, Oberbürgermeiſter Lohmeyer=Königsberg,
Bürgermeiſter Heimerich=Mannheim, wobei auch der
Reichs=
arbeitsminiſter und der Reichsfinanzminiſter anweſend waren.
Dabei legten die Vertreter des Städtetages ein Programm
zur Sanierung der Gemeinden dar, das am
Don=
nerstag der Oeffentlichkeit übergeben werden ſoll,
weil die Ausſprache mit dem Kanzler von Einfluß auf die
end=
gültige Faſſung der Vorſchläge ſein wird. Man hört, daß es ſich
um einſchneidende Sparvorſchläge handeln ſoll, u a.
Kürzung der Wohlfahrtsausgaben nach
Richt=
ſätzen, evtl. Gehaltskürzung der Beamten auf die
Stufe der Reichsbeamten, bzw.
Neueingruppie=
rung der Beamten, Einſtellung der kommunalen
Bautätigkeit und Streichung aller nicht
unbe=
dingt erforderlichen Ausgaben. Es wird auch davon
geſprochen, daß die älteren kommunalen Lehrer penſioniert und
durch junge Kräfte mit 75 Prozent Gehalt erſetzt werden ſollen
bei gleichzeitiger Erhöhung der Klaſſenſtärke.
Die Landwirkſchaft zwiſchen Sorge
And HoftHang.
Schiele über akluelle Fragen der Agrarpolikik.
Berlin, 10. Auguſt.
Reichsernährungsminiſter Dr. Schiele ſprach heute abend im
Berliner Rundfunk über aktuelle Fragen der Agrarpolitik,
ins=
beſondere über die Probleme der Erntefinanzierung und die auf
dieſem Gebiete von der Regierung eingeleiteten Hilfsmaßnahmen.
Die Rede wurde auf den Deutſchlandſender, den Weſtdeutſchen
Rundfunk, die Deutſche Stunde in München und verſchiedene
an=
dere Sender übertrgen.
Eingangs führte der Miniſter aus, daß die Erntezeit in dieſem
Jahre mehr denn je zwiſchen Sorge und Hoffnung ſtehe. Er legte
dar, daß die Vorgänge der letzten Wochen auf dem Geld= und
Kreditmarkt nicht ohne ſchwerſte Rückwirkungen für die
Landwirt=
ſchaft bleiben konnten. „Kriſe” bedeute aber nicht nur ein
Offen=
barwerden von Krankheitserſcheinungen der Wirtſchaft, ſondern
auch den Ausgangspunkt für einen organiſchen Geſundungsprozeß.
Das deutſche Volk werde nunmehr erkennen, welchen Aktippoſten
ſeine Landwirtſchaft in ſeiner Wirtſchaftsbilanz darſtelle. Die
Er=
nährung des deutſchen Volkes ſei unter Berückſichtigung der
ver=
gangenen ſchweren Jahre zu einem über alles Erwarten großen
Teile auf ſeiner heimiſchen Scholle geſichert. Wenn die
Regie=
rung trotzdem, und zwar auf Grund der derzeitigen Deviſenlage
der Reichsbank, zunächſt eine weitgehende Auflockerung der
De=
viſenbewirtſchaftung vorgenommen habe, ſo habe ſie doch
gleich=
zeitig in nüchterner Erkenntnis des anhaltendes Ernſtes der
Situation an das deutſche Volk andie Verbraucher,
den Handel und die Banken die dringende
Mah=
nung gerichtet, nur dann zur Auslandsware zu
grei=
fen, wenn der Bedarf aus eigener Produktion
nicht hinreichend gedeckt werden könne. „Ich
wieder=
hole den Appell, ſich bei der Einfuhr, insbeſondere von
Luxus=
waren und Genußmitteln, die durch die Wirtſchaftslage gebotene
Zurückhaltung aufzuerlegen, weiſe aber gleichzeitig auch darauf
hin, daß allein von der Beſonnenheit desdeutſchen
Volkes die weitere Deviſenregelung abhängen
wird.‟ Die bittere Notwendigkeit, alle Produktions= und
Ver=
brauchsmöglichkeiten innerhalb der deutſchen Volkswirtſchaft voll
auszuſchöpfen, werde zwangsläufig zu einer neuen
Gleichgewichts=
lage innerhalb der deutſchen Volkswirtſchaft zugunſten der bisher
benachteiligten Landwirtſchaft führen. Die Landwirtſchaft könne
hieraus berechtigte Hoffnungen auf die Zukunft ſchöpfen.
Im Augenblick gelte es aber zu verhindern, daß weitere Teile
der deutſchen Landwirtſchaft leiſtungsunfähig werden und verſinken,
bevor wir wieder feſtes Land unter den Füßen hätten. Die
agrar=
politiſchen Beratungen und Maßnahmen der Reichsregierung
hätten in den letzten Wochen und Tagen infolgedeſſen in erſter
Linie dem ſaiſonmäßig im Vordergrund ſtehenden Problem der
Bewegung und Finanzierung der Ernte gegolten. Die
Reichs=
regierung habe deshalb ihrerſeits die notwendigen Schritte
einge=
leitet, um ein Ueberangebot in der Landwirtſchaft zu verhindern
und auf der anderen Seite die Aufnahmefähigkeit des Marktes
für das herandrängende Angebot zu verſtärken. Die erſte Aufgabe,
einem übereilten An=den=Markt=Bringen der Ernte vorzübeugen,
könne gelöſt werden, wenn die Landwirtſchaft trotz ihrer
be=
drängten Lage ihre Ruhe und Beſonnenheit bewahre, und
keinesfalls zu überſtürzten Angſtverkäufen ſchritte.
Der Miniſter ſchilderte ſodann die Verſorgungslage bei
Rog=
gen und Weizen und legte dar, daß der Landwirt mit Zuverſicht
der Entwicklung an dieſen Märkten entgegenſehen könne,
anderer=
ſeits aber auch der Verbraucher keine Verſorgungsſchwierigkeiten
zu befürchten habe. Beim Roggen ſtände einer Ernte von 7.2
Mil=
lionen Tonnen ein ebenſo großer Bedarf und beim Weizen einem
Bedarf von zirka 4,8 Millionen Tonnen eine Ernte von nur 4,5
Millionen Tonnen mit einem ſich infolgedeſſen ergebenden
Ein=
fuhrzuſchußbedarf von 300 000 Tonnen gegenüber.
Die Träger des Büchner= Preiſes 1931.
Der alljährlich am Verfaſſungstag zur Verteilung gelangende
Georg=Büchner=Preis iſt für 1931 verliehen worden an den
Maler Alexander Poſch und an den Komponiſten und
Kapell=
meiſter Hans Simon.
Alexander Poſch
iſt zwar nicht geborener Darmſtädter, aber er iſt Heſſe und wirkt
ſeit vielen Jahren führend im Kunſtleben der heſſiſchen
Lan=
deshauptſtadt. Seine künſtleriſchen Leiſtungen, ſein maleriſches
Können iſt an dieſer Stelle oft Gegenſtand ausführlicher Be=
Nach elnem Selbſiporträt
ſprechungen und kritiſcher Würdigungen geweſen. Als Schüler von
Profeſſor Adolf Beyer blieb aus dieſer Schule die ausgezeichnete
Einwirkung des Impreſſionismus in der Malerei auf das
Schaf=
fen Alexander Poſchs. Es ſpricht von ſeiner Eigenart im
Kunſtſchaffen, ebenſo wie von ſeinem Können, daß er ſich reif
geworden völlig aus der Schule ſeines Meiſters löſte und ganz
eigne Wege geht, die in mehrfachen Wandlungen ihn immer in
enger Fühlung mit ganz modernem Kunſtſchaffen hielt, die aber
nie die krankhaften Auswüchſe mitmachte. Auch auf der
gegen=
wärtig noch laufenden Ausſtellung in Olbrichs Kunſttempel iſt
Alexander Poſch gut vertreten. Seit mehreren Jahren widmet
er ſeine emſige Arbeitskraft auch wirtſchaftlichen Organiſationen
der Künſtler.
Alexander Poſch iſt am 21. Juni 1890 in Schönberg bei
Bensheim geboren. Sein Vater war Oeſterreicher und von
Beruf Schloſſer. Die Mutter, jetzt 75 Jahre alt, iſt
altein=
geſeſſene Schönbergerin. Poſch kommt aus kleinbürgerlichen
Verhältniſſen. Er war der älteſte Sohn einer neunköpfigen
Familie. Die Volksſchule in Darmſtadt vermittelte die erſten,
für das Leben unerläßlichen Bildungsbedürfniſſe. Schon
wäh=
end der Schulzeit wurde der verſtorbene Oberbürgermeiſter
Morneweg auf die künſtleriſche Veranlagung des Schülers
auf=
merkſam. Morneweg blieb dann bis zu ſeinem Tode Förderer
des jungen Poſch. Er war es, der die Eltern auf das
künſt=
leriſche Talent aufmerkſam machte. Schweren Herzens nur
ent=
ſchloſſen ſich die Eltern aber auf dieſen Hinweis zu reagieren,
weil ſie damit rechnen mußten, daß der älteſte Sohn ſo bald
als möglich Mitverdiener und Miternährer der großen Familie
werden ſollte. Oberbürgermeiſter Morneweg veranlaßte eine
dreijährige Lehrzeit in einer Glasmalerei, in der Poſch von
1904—1907 die „erſte Anweiſung zur Kunſt” erhielt. Morneweg
vermittelte nach Beendigung der Lehrzeit ein ſtädtiſches
Stipen=
dium, das zur weiteren Ausbildung in der freien Kunſt vor
lebendem Modell in der Kunſtſchule Profeſſor Adolf Beyer
benutzt wurde. Allerdings lag das Oelmalen zunächſt Poſch
nicht. Nach dreijähriger erfolgreicher Ausbildung in der Schule
Zeher vermittelte Profeſſor Beyer ein ſtaatliches Stipendium,
das einen dreijährigen Aufenthalt in München ermöglichte. Hier
war Alexander Poſch auf der Kunſtgewerbeſchule, beſonders
Schüler der Profeſſoren Julius Diez und Robert Engels. Von
1915—17 war Poſch im Weltkrieg. Nach der Kriegszeit erſt
be=
freundete er ſich mit Oelfarben, denen der Künſtler dann bis
heute treu blieb.
Die Urkunde über die Verleihung hat folgenden Wortlaut:
„Das heſſiſche Volk verleilt dem Maler Alexander Poſch
für die Verdienſte, die er ſich als Schaffender und Führender
um das Kunſtleben des Landes erworben hat, den Georg=
Büchner=Preis 1931.‟
Hans Simon
iſt Darmſtädter. Er iſt hier am 18. Dezember 1897 geboren
und hat auch in Darmſtadt ſeine Schulbildung genoſſen. Er hat
das Realgymnaſium bis zur Primareife beſucht und erhielt
ſei=
nen erſten Muſikunterricht bei Martin Vogel und Georg Gims
(Klavier und Violine). Dieſer erſten Muſikausbildung folgte
längeres Muſikſtudium in Dr. Hochs Konſervatorium in
Frank=
furt, wo u. a. Willi Renner und Bernhard Sekles Simons
Lehrer waren. Bei Willi Renner hat Hans Simon ſpäter dann auch
ſeine kompoſitoriſchen Studien vollendet. Der Weltkrieg ſah auch
Hans Simon in Feldgrau. Nach dem Weltkrieg begann ſeine
Theatertätigkeit, zunächſt als Solorepetitor und
Schauſpielkom=
poniſt am Heſſiſchen Landestheater in Darmſtadt, von hier aus
ging Hans Simon als Opernkapellmeiſter an die Vereinigten
ſtädtiſchen Bühnen Beuthen=Gleiwitz=Hindenburg, wo ſeine
Theatertätigkeit vorerſt ihren Abſchluß fand.
Hans Simon wirkte dann bis heute als freier Komponiſt.
Von ſeinen Tonſchöpfungen ſind beſonders zu erwähnen;
Opus 1: Suite für Violine und Klavier.
. 2: Variationen über ein Originalthema für großes Orcheſter
(Uraufführung: Muſikfeſt der Franz=Liſzt=Geſellſchaft
1922 in Bad Kiſſingen).
Opus 3: Liederzyklus (Uraufführung: 1923 — freie Geſellſchaft
für Muſik Darmſtadt).
4: Violinkonzert (Uraufführung: 1925 — freie Geſellſchaft
für Muſik in Verbindung mit Heſſ. Landestheater,
Dirigent Roſenſtock, Soliſt Schnurrbuſch),
5: Drei fantaſtiſche Sätze für Streichquartett (
Urauf=
führung: 1923, freie Geſellſchaft für Muſik,
Schnurr=
buſch=Quartett).
6: Sinfonie in Es (Uraufführung: 1928,
Jubiläums=
tagung des Reichsverbandes Deutſcher Tonkünſtler und
Muſiklehrer, Heſſ. Landestheater, Dirigent Dr. Böhm),
Seine letzte große Arbeit: Die heitere Oper „Valerio”, die
im Heſſiſchen Landestheater unter der Leitung des General=
muſikdirektors Dr. Böhm zu Ende der letzten Spielſaiſon ihre
Uraufführung erlebte. War die Kritik ſich über dieſes letzte
große Werk auch nicht reſtlos einig, ſo trug dieſe Uraufführung
doch den Namen Hans Simons in die ganze muſikaliſche Welt
und ließ ſie mehr noch, als bei ſeiner Symphonie, die 1928 hier
uraufgeführt wurde, aufhorchen.
Die Zuerkennung des Georg=Büchner=Preiſes an dieſen
hochbegabten Darmſtädter Muſiker und Komponiſten dürfte ſicher
allſeitige Zuſtimmung finden. Die Urkunde über die Verleihung
hat folgenden Wortlaut:
„Dem Komponiſten Hans Simon iſt vom heſſiſchen Volk
für ſein von hohem Können getragenes ton=dichteriſches
Schaffen der Georg=Büchner=Preis 1931 verliehen worden.”
M. St.
Kleiner Belägerungszuſtand über den Bülow=Plaß. — Das Liebknechk=Haus bis zum 20. Auguft
polizeilich geſperrk. — Die „Roke Fahne” auf 14 Tage verboken.
Loud AM. beidynang
für die Ergreifung der Poliziſten-Mörder.
* Berlin, 10. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Zu den geſtrigen Vorfällen auf dem Bülow=Platz erfahren
wir aus dem Polizeipräſidium, daß es ſich nach den bisherigen
Feſtſtellungen offenſichtlich um einen Meuchelmord an den beiden
Polizeioffizieren handelt. Der Meuchelmord hat die Polizei
ver=
anlaßt, mit ſchärferen Mitteln gegen terroriſtiſche Akte der
Kom=
muniſten vorzugehen. Für die Ergreifung der Täter oder die
Aus=
findigmachung der Hintermänner des Mordes iſt nebne der
Be=
lohnung von 3000 RM. noch eine Prämie von 20 000 RM.
aus=
geſetzt worden.
Nach der polizeilichen Auslaſſung wurden am 9. Auguſt
d. J. auf dem Bülowplatz der Polizeihauptmann Anlauf und der
Polizeihauptmann Lenk hinterrücks erſchoſſen, der
Polizeiober=
wachtmeiſter Willig durch zwei Schüſſe ſchwer verletzt.
Am 1. Auguſt d. I. wurde in der Frankfurter Allee der
Polizeihauptwachtmeiſter Fiebig durch einen Bruſtſchuß
lebens=
gefährlich verletzt.
Am 30. Juni d. J. wurde der Polizeioberwachtmeiſter Emil
Kuhfeld in der Frankfurter Allee niedergeſchoſſen.
Am 29. Mai d. J. wurde am Sennefelderplatz der
Polizei=
hauptwachtmeiſter Zänkert durch einen Schuß getötet.
Nach den polizeilichen Ermittlungen kann kein Zweifel daran
beſtehen, daß es ſich in allen vorgenannten Fällen um planmäßige
Mordtaten handelt. Kommuniſtiſche Terrorgruppen haben es ſich
zur Aufgabe geſetzt, die Exekutivorgane des Staates mit Mitteln
organiſierten Meuchelmordes zu bekämpfen.
Nach den weiteren Ermittlungen iſt anzunehmen, daß die
ein=
zelnen kommuniſtiſchen Terrorgruppen miteinander in
Verbin=
dung ſtehen und der Weiſung einer zentralen Stelle unterliegen.
Die obige Belohnung iſt für Mitteilungen beſtimmt, die dazu
führen, die Terrorgruppen, ihre Mitglieder, Führer und
Hinter=
männer zu ermitteln und feſtzunehmen.
Sachdienliche Angaben, die ſtreng vertraulich behandelt
wer=
den, nimmt das Polizeipräſidium, Abteilung Ta, Zimmer 235c, 293
(Anruf 417 und 380), außerhalb der Dienſtſtunden Zimmer 246
(Hausanrufe 552 und 584) ſowie jedes Polizeirevier entgegen.
Die Verteilung der ausgeſetzten Belohnung erfolgt unter
Aus=
ſchluß des Rechtsweges.
Außerdem hat der Berliner Polizeipräſident über den
Bülowplatz den ſogenannten kleinen
Belage=
rungszuſtand verhängt. Das Karl=Liebknecht=
Haus, das in faſt allen Unruhen, die von den Kommuniſten
an=
gezettelt wurden, eine Rolle geſpielt hat, bleibt bis zum
20. Auguſt polizeilich geſchloſſen. Alle Räume und
Eingänge wurden polizeilich beſetzt. Die „Rote Fahne”, die in
ihrer heutigen Morgenausgabe die Ermordung der beiden
Polizei=
offiziere als Rache für den ermordeten Arbeiter Auge bezeichnete,
wurde beſchlagnahmt und das Blatt auf 14 Tage verboten.
Der Meuchelmord an den beiden Polizeioffizieren.
Der Polizeioberwachtmeiſter Willig, der in der gleichen
Schießerei, bei, der die beiden Polizeioffiziere getötet wurden,
chwer verletzt wurde, hat bei ſeiner Vernehmung eine eingehende
Darſtellung des Vorfalles gegeben, aus der ſich die heimtückiſche
und beabſichtigte Ermordung klar ergibt. Der Reviervorſteher,
Hauptmann Anlauf, war bemüht, Anſammlungen auf dem
Bülowplatz zu vermeiden, um es überhaupt nicht erſt zu
Zu=
ammenſtößen kommen zu laſſen. In Begleitung des
Haupt=
nanns Lenck und des Polizeioberwachtmeiſters Willig
kontrol=
ierte Hauptmann Anlauf die Maßnahmen ſeiner Beamten und
am dabei auch am Karl=Liebknecht=Haus vorbei. Die beiden
Offiziere gingen vorne, hinter ihnen der Oberwachtmeiſter.
Plötz=
ich hörte dieſer hinter ſich die Worte: „Du nimmſt
Schweine=
dacke, du Huſar und ich den anderen!” (Schweinebacke iſt der
Spitzname des Reviervorſtehers Anlauf, Huſar der des Ober=
wachtmeiſters Willig, der Hauptmann Lenck, der nur
ausnahms=
weiſe am Bülow=Platz Dienſt machte, war den Tätern offenbar
nicht bekannt.) Sofort nach dieſen Worten fielen eine Anzahl
Schüſſe: Oberwachtmeiſter Willig riß ebenfalls ſofort ſeine
Piſtole heraus und feuerte die ganzen acht Schuß des Magazins
nach hinten ab. Hauptmann Anlauf brach mit tödlichen
Ver=
letzungen am Unterleib ſofort zuſammen; Hauptmann Lenck
wurde anſcheinend auch ſofort tödlich getroffen, ſtürzte aber,
offenſichtlich ſchon zu Tode getroffen, noch in den Eingang des
Kinos Babylon und brach dort zuſammen. Oberwachtmeiſter
Willig wurde ſchwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
Nach Anſicht der zuſtändigen Stellen des Polizeipräſidiums
beweiſen die ganzen Vorfälle am Bülow=Platz nicht nur die
be=
abſichtigte planmäßige Ermordung, ſondern zeigen auch im
Zu=
ſammenhang mit den früheren Morden an Polizeibeamten, daß
der illegale Rotfrontkämpferbund einen Teil ſeiner Mitglieder
mit der Schußwaffe und militäriſch ſyſtematiſch ausbildet, um
Polizeibeamte niederzuſchießen.
Am Bülow=Platz wieder vollkommene Ruhe.
Am Bülow=Platz herrſcht am Montag vormittag wieder
voll=
kommene Ruhe. Die Polizei iſt mit verſtärkten Streiſen
an=
weſend, um eventuell aufkommende Demonſtrationen ſofort im
Keime zu erſticken. Im Laufe des geſtrigen Sonntags bis heute
früh ſind in Berlin 146 Siſtierungen vorgenommen
worden. Unter ihnen ſind 125 als Kommuniſten, 20 als
Nationalſozialiſten, 10 als Jungſtahlhelmer
und die anderen als parteilos feſtgeſtellt worden.
Für den Montag abend ſoll die KPD. erneut Ausſchreitungen
geplant haben. Die Polizei hat darum die Poſtenkette verſtärkt
und eine erhöhte Alarmſtufe der Bezirksreviere angeordnet, um
Unruhen ſchon im Keime erſticken zu können.
Inlerpellakion wegen der Poliziſtenmorde.
Die preußiſche Landtagsfraktion der Staatspartei hat aus
Anlaß der in den letzten Tagen vorgekommenen radikalen
Aus=
ſchreitungen eine Interpellation eingereicht, in der es heißt: Was
gedenkt die Staatsregierung zu tun, um Leben und Geſundheit
der vorbildlich ihre Pflicht zur Sicherung der öffentlichen Ruhe
und Ordnung und der Bürger erfüllenden Polizeibeamten zu
ſchützen? Was gedenkt die Staatsregierung zu tun, um den
unverantwortlichen radikalen Unruheſtiftern das Handwerk zu
legen? Iſt die Staatsregierung in der Lage und bereit, über
die von ihr diesbezüglich getroffenen Maßnahmen dem Landtag
alsbald Bericht zu erſtatten?"
100000 RM. Belohnung
für Ergreifung der Eiſenbahn-Atkenkäker.
Berlin, 10. Auguſt.
Für die Ergreifung der Attentäter auf den D=Zug haben
das Reichsverkehrsminiſterium und die Hauptverwaltung der
Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft Belohnungen von je 50 000 RM.,
insgeſamt alſo von 100 000 RM., ausgeſetzt.
Ueber die Verteilung der Belohnungen entſcheiden unter
Ausſchluß des Rechtsweges der Reichsverkehrsminiſter und die
Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft. Strengſte
Geheimhaltung der Namen der Perſonen, die an der Entlarvung
der Täter mithelfen, und die die Belohnung erhalten, wird
zuge=
ſichert. Zweckdienliche Angaben über den Anſchlag und die
mut=
maßlichen Täter ſind zu richten an Kriminalpolizeirat Gennath
beim Polizeipräſidium Berlin, Zimmer 52, Poſtanſchluß
Bero=
lina 0023, Apparat 428.
Herman Anders Krüger.
Zu ſeinem 60. Geburtstage am 11. Auguſt.
Wer kennt nicht die Bücher des Dichters, die den Grundſtock
jeder Schul=, Jugend= und Hausbücherei bilden? In ſeinem
Gott=
fried=Kämpfer=Buch (78.—82. Tauſend) hat er wohl von uns in
ſeiner Jugend manchen wertvollen Ratſchlag fürs ganze Leben,
für die eigene perſönliche Entwicklung gegeben. Der Roman
ge=
hörte heute, nach 25 Jahren, immer noch zu den beſten Werken
der geſamten Jugend= und Erzählungsliteratur, und es gibt nur
wenige Bücher, die wie er in der heutigen ſchweren Zeit ganz
be=
ſonders berufen ſind, mitzubauen an der ſittlichen Erneuerung
unſe=
res Volkes.
Als Fortſetzung erſchien dann der feſſelnde Roman „Kaſpar
Krumbholtz”, den Hermann Löns begeiſtert empfohlen hat.
Spä=
ter folgten ſeine Lebenserinnerungen, die unter dem Titel „Sohn
und Vater” (eine Jugendrechenſchaft) erſchienen, wiederum ein
Buch, welches ſeine Zeit überdauern wird, weil es nicht nur ein
Kulturbild der letzten 50 Jahre gibt, ſondern weil es den
Werden=
den und Ringenden ein Freund und Helfer in allen Lebenslagen
iſt. Es gehört mit zu den beſten Wegführern der Gegenwart und
lieſt ſich wie ein ſpannender Roman.
Als letztes Werk erſchien die aufſehenerregende Erzählung
„Verjagtes Volk”, eine Thüringer Waldtragödie, nach
geſchicht=
lichen, im Staatsarchiv zu Gotha aufgefundenen Unterlagen und
Akten.
Wir hielten es für unſere Pflicht, unſere Leſer mit dem
lite=
kariſchen Schaffen dieſes noch ſelten rüſtigen Dichters, dem die
Jugend immer noch zujubelt, eingehend bekannt zu machen. Viele
Leſer wird das Leben des Dichters und Herrnhuters intereſſieren,
und wir laſſen es Herman Anders Krüger in der von ſeinem
Verleger Georg Weſtermann, Braunſchweig, freundlichſt zur
Ver=
lugung geſtellten Biographie ſelbſt erzählen:
Ich bin am 11. Auguſt 1871 geboren. Mein Vater hieß
Her=
man, mein Großvater Anders. Nach beiden ward ich genannt,
als ich vor 60 Jahren zu Dorpat auf die Welt kam. Nach
bei=
den ſollte ich arten.
Der erſtere war der Sohn eines Berliner Färbereibeſitzers,
kampfte 1848 für die Freiheit und zerfiel deswegen mit ſeinem
Vater. Später wurde er Pfarrer und Hiſtoriker.
Der zweite war ein jüngerer däniſcher Hofbeſitzerſohn, deſſen
nachdenkliche Art mir durch ſeine einzige Tochter, meine herrliche
Mutter, vererbt wurde. Neben beiden ſtand als die gütige Fee
mei=
ner erſten Kindheit, meine unvergeßliche Großmutter, die Letzte
Eines altadeligen Refugiégeſchlechts, das ſich ſpäter im
Braun=
ſchweigiſchen einen Hof erworben hatte. Alle 4 Vorfahren hatten
ſich nach mancherlei inneren Kämpfen den „Stillen im
Tande” angeſchloſſen und gehörten zu den Herrnhutern,
deken ſchlichte Lehrer mich frühzeitig dazu erzogen, allen äuße=
Een Schein zu verachten, Gott zu dienen und den Armen zu helfen.
Fur ihren Kirchendienſt war ich ihnen jedoch nicht fromm und
demütig genug. Mich trieb’s unwiderſtehlich in die Welt hinaus,
wie meine Vorfahren und Brüder.
So zog ich als Lehrer nach dem Schwarzwald, nach Italien,
ſtudierte dann noch allerlei, ward Bibliotheks= und
Muſeums=
beamter in Dresden, Hochſchuldozent in Hannover, beſuchte als
Vortragsgaſt der Germaniſtic Society of U. S.A. das ſtolze Land
meiner Brüder und Onkel, zog als Freiwilliger 4 Jahre in den
Weltkrieg, lag vor Ypern, Kowno und Verdun und ward ſpäter
auch nach Sowjetrußland und nach dem neuen Italien eingeladen.
Nach dem Kriege mußte ich elf Jahre der Politik opfern, erſt
als gothaiſcher, dann als thüringiſcher Abgeordneter im Landtag,
einmal auch in der Regierung ſitzen. Sogar zum Chef der Lan=
despolizei wählte man mich in ſchlimmer Zeit. Schließlich kehrte
ich reumütig zu meiner erſten ſtillen Liebe zurück und leitete erſt
die Gothaiſche und nun die Altenburgiſche Landesbibliothek.
So war das Leben des ehemaligen Herrnhuterleins recht bunt
und vielgeſtaltig. Manches davon konnte ich in meinen Büchern
feſthalten. Wer ſich dafür intereſſiert, mag ſie leſen; mir war es
Freude genug, ſie zu ſchaffen.
Paul Barſch †.
Im 72. Lebensjahr iſt Paul Barſch in ſeinem Häuschen in
Schieferſtein bei Zobten geſtorben. Er war der Senior der
ſchle=
ſiſchen Schriftſteller, auf allen Seiten und von allen Parteien
ver=
ehrt und von einer großen Leſerſchar geliebt als einer der
ſchlich=
teſten, klarſten und edelſten Volkserzähler. Der Ruhm Paul
Barſchs gründet ſich auf ſeinen großen Roman „Von einem, der
auszog‟. Die erſte Auflage dieſes autobiographiſchen Buches
er=
ſchien 1905, 1923 kam die 15. Auflage heraus, und noch vor wenigen
Hugenberg beim Reichskanzler.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Die Zeitungen aller Schattierungen zerbrechen ſich noch
immer den Kopf darüber, wie der offenbar allen überraſchend
gekommene Mißerfolg des preußiſchen Volksbegehrens
pfycholo=
giſch zu erklären iſt. Allzuviel kommt bei dieſen Analyſen nicht
heraus. Richtig iſt immerhin die deutſchnationale
Schlußfolge=
rung, daß bei einer Landtagswahl höchſtens mit einer 80igen
Wahlbeteiligung zu rechnen ſei, daß man alſo zur Beurteilung
des Ergebniſſes von den 26 Millionen Stimmberechtigten
min=
deſtens 5 Millionen abrechnen müſſe. Auch dann noch ſind die
Stimmen des Volksentſcheides nicht zur Mehrheit ausreicheno,
aber ſie ſind auch unter dem erſchwerenden Zeichen der
halb=
öffentlichen Wahl zuſtande gekommen, die vielen und nicht nur
den Beamten die Beteiligung riskant erſcheinen ließ.
Die Schlußfolgerung, daß die Weimarer Koalition auch nach
dem Ergebnis vom 9. Auguſt nur eine Minderheit darſtellt, iſt
alſo naheliegend. Freilich ebenſo naheliegend wie die andere
Folgerung, daß die nationalſozialiſtiſche Welle ihren Höhepunkt
vom 14. Sept. mindeſtens nicht erreicht hat, vielleicht ſogar
zurück=
geebbt iſt. Die Nationalſozialiſten reklamieren daher auch ſchon
von den insgeſamt 9,8 Millionen Stimmen ohne weiteres ſieben
Millionen für ſich, um daraus einen weiteren Fortſchritt ihrer
Bewegung abzuleiten. Das iſt aber doch offenſichtlich eine
Milchmädchenrechnung. Daß die Sozialdemokraten ſich im
Sie=
gesbewußtſein geradezu überſchlagen, iſt nach der Angſt, die ſie
vorher wochenlang ausgeſtanden haben, nur zu begreiflich. Die
Demokraten unterſtützen ſie darin noch. Aber ihre Darſtellung,
Braun habe für Brüning geſiegt, iſt doch ſchief. Die Dinge
liegen wohl umgekehrt. Der Volksentſcheid iſt nicht
ein Vertrauensbeweis für diepreußiſche
Regie=
rung, ſondern höchſtens für die Perſon des
Reichskanzlers. Mit erſtaunlicher Offenheit ſpricht das
auch die „Germania” aus. Sie iſt ſonſt ſehr preußenfreundlich,
beſcheinigt aber der preußiſchen Regierung bei dieſer
Gelegen=
heit, daß ihr Aufruf die Lage eher verſchlimmert als verbeſſert
hätte und daß ſie wiederholt eine recht unglückliche Hand uno
einen bedauerlichen Mangel an Pſychologie bewieſen habe. Der
preußiſchen Regierung wird dann ſehr vorſichtig nahegelegt, in
ihrer „Perſonalpolitik und Sachpolitik große innere
Auseinander=
ſetzungen zu vermeiden und eine gewiſſe Zurückhaltung zu üben”,
eine Mahnung, die ſicherlich die preußiſchen Zentrumsminiſter
verſtehen werden, aber auch die Sozialdemokraten, denn die
„Germania” ſetzt ſich in dem gleichen Artikel auch mit der
natio=
nalen Oppoſition auseinander, deren bisherige Politik zwar
völlig verſagt habe, ohne, daß fedoch alle Möglichkeiten einer
Verbindung nach recht abgebrochen ſeien.
Dieſe Darſtellung iſt intereſſant an dem Tage, wo der
deutſchnationale Parteiführer Hugenberg beim Kanzler iſt, und
wenn in der Zuſammenſtellung bekannt wird, daß zu der Sitzung
des geſchäftsführenden Vorſtandes des Zentrums, der zum
Montag nach Berlin einberufen iſt, auch die preußiſchen
Zen=
trumsminiſter eingeladen ſind, dann iſt darin ſicherlich ein
be=
abſichtigter Wink zu erblicken.
Das Ergebnis der Unkerſuchung des Eiſenbahn=
Akkenkals.
Wie wir erfahren, iſt die Unterſuchung des
Eiſenbahnatten=
tates den ganzen Nachmittag und Abend fortgeführt worden.
Nach ihrem bisherigen Ergebnis kann man jetzt überſehen, wie
die Sprengwirkung zuſtandegebracht wurde. Es ſind nämlich
Teile von Gasröhren gefunden worden, die die Verbrecher mit
dem Sprengſtoff angefüllt und als Bomben verwandt haben. Sie
ſind dann über den 170 Meter langen elektriſchen Draht mit
Hilfe einer Taſchenlampenbatterie zur Exploſion gebracht
wor=
den. Weiter iſt feſtgeſtellt worden, daß wahrſcheinlich drei
Per=
ſonen an dem Attentat beteiligt waren. Mit einer gewiſſen
Sicherheit hat ſich jetzt auch ergeben, daß es ſich in der Tat um
ein politiſches Attentat radikaler Elemente handelt.
Der Sachſchaden, der verurſacht wurde, wird übrigens
auf weit über eine Million Mark geſchätzt. Die
Ver=
mutung, daß das Attentat dem heimkehrenden Reichskanzler und
Außenminiſter gegolten haben ſoll, erſcheint wenig glaubhaft.
Monaten iſt das 16. bis 25. Tauſend einer wohlfeilen
Volksaus=
gabe im Bergſtadtverlag herausgekommen. Dieſer Roman „Von
einem, der auszog”, der ſchon viele Serien von Modeerfolgen
überlebt hat, und der, wie vor Jahresfriſt eine Umfrage ergab, zu
den faſt ſtets ausgeliehenen Schriften in den öffentlichen
Biblio=
theken gehört, ſchöpft ſeine Wirkungen aus der kraftvollen
Ehr=
lichkeit, mit der der ehemalige Tiſchlergeſelle Paul Barſch von
ſeinem Wanderleben erzählt.
Der Dichter iſt am 16. März 1860 in Niederhermsdorf bei
Neiße geboren, erlebte eine freudloſe Jugend — erſt mit zehn
Jahren wurde er von einer frühen Blindheit geheilt — und hatte
von früheſter Kindheit an, wiewohl von Beginn kränklich und
ſchwach, ſchwere Arbeit in der Tiſchlerei ſeines Vaters zu leiſten.
Als der Tiſchlermeiſter, bei dem er in der Lehre war, bald nach
Barſchs Geſellenprüfung nach Amerika floh, ging der Dichter auf
die Wanderſchaft, die er in dem großen Roman dargeſtellt hat,
und er erlebte auf dieſem Wege den Durchbruch zum dichteriſchen
Schaffen. Barſch begann als Lyriker. Die literariſche Geſellſchaft
„Der Oſten” ſetzte ſich zuerſt für den jungen Autodidakten ein.
Dann hat er eine fruchtbare, fleißige journaliſtiſche Tätigkeit
aus=
geübt, mehrere Jahrzehnte lang. Außer dem großen Roman hat
Barſch nicht viel veröffentlicht: Drei Bände Gedichte „Auf Straßen
und Stegen”, „Fliegende Blätter” und vor allem „Ueber der
Scholle”, eine 1920 neu aufgelegte, ſchöne lyriſche Sammlung. Er
hat zudem die erſten Bände der Reihe „Die ſchleſiſchen Bücher”
herausgegeben, in ſchleſiſchen Heimatzeitſchriften manchen
wertvol=
len Beitrag geliefert und endlich zwei Hauptwerke Holteis, „Die
Vagabunden” und den „Letzten Komödianten”, glücklich bearbeitet.
Es iſt Barſchs größter Ehrentitel, daß er den Erfolg ſeines
autobiographiſchen Romans nicht bedenkenlos ausgemünzt hat.
In dieſem Buch ſteht zu leſen, wie der Tiſchlergeſelle zum Dichter
wird, wie der unruhig Umhergetriebene zur Seßhaftigkeit kommt;
hier findet ſich ein im beſten Sinne des Wortes ſchleſiſcher
Lebens=
lauf. Das iſt Paul Barſch, und mehr wollte er nie ſein; ſo hat
er in ſeinem ſpäteren Werke ſtets wieder Ergänzungen und
Zu=
ſätze zu ſeinem einen, ihm ureigenſten Buche gegeben, das ſeine
Jugend und ſeine Entwicklung in ſich begreift.
Es iſt kein Zufall, daß er gerade Holteis Werke bearbeitet hat.
Wie Holtei war er ein Schleſier; aber trotz aller Einfachheit einer
von den problematiſchen, die erſt über Sorgen und Kämpfe hinweg
zu einer ruhigen Geſtaltung ihres Lebens kommen. Wie Holtei
war er in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Breslauer
gei=
ſtigen Leben nicht fortzudenken: Als der gütige, alte Herr, der in
ſeinem traulichen und gaſtlichen Breslauer Heim und im Sommer
im Zobtener Lande gern junge Menſchen um ſich ſah und Dichtern,
ſelbſt ſolchen, die ſich nur einbildeten, es zu ſein, geduldig zuhörte
und aufmunternden Rat gab, wo er es nur verantworten konnte.
Wer einmal mit Barſch in Berührung kam, wird die rührend
ein=
fache und beſcheidene Haltung des liebenswerten Mannes nicht
ver=
geſſen, ſeine gütige Hilfsbereitſchaft, den faſt kindlich behutſamen
Stil ſeiner Briefe, die Reinheit und Zartheit, die er ausſtrahlte.
Paul Barſch war ein Schleſier; der Heimat verbunden und doch
mit einer Sehnſucht nach der Weite, gemütlich und bäueriſch, und
doch von einer inneren überzarten Lauterkeit, die ihn uns
unver=
geßlich macht. Wir haben einen der beſten Dichter von ſchleſiſcher
Eigenart ve
Dankſagung
profitierten
Schuhe sind Schuhe!
Aber keine Schönberger-
Schuhe!
gewähre ich
alles fehlerfreie, tadellose Ware, stehen
zum Verkauf, zu Preisen die an’s
wunder-
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Darmstadt
Seite 4
Dkenstag, den 11. Auguſt 1931
Nummer 221
Aurls dar drulſchen vom keiſe.
Akkivere franzöſiſche Außenpolitik? — Bevorſtehende
franzöſiſch=ikalieniſche Ausſprache.
Paris, 10. Auguſt.
Die deutſch=italieniſchen Beſprechungen, denen man in Paris
vor allem wirtſchaftliche Motive unterſchieben wollte, werden jetzt
wieder von der politiſchen Seite betrachtet. Und zwar nicht
ein=
mal mehr ſo peſſimiſtiſch wie früher. Manche glauben, daß ſie
eine allgemeine Entſpannung in der Abrüſtungsfrage und in der
Frage der Zollunion herbeigeführt haben. Aber man hat
ſelbſt=
verſtändlich keine endgültigen Ergebniſſe erwartet. Man
aner=
kennt die Vorſicht, die in der diplomatiſchen Abfaſſung der
Trink=
ſprüche zutage trat, ebenſo wie die Herzlichkeit der
Beziehun=
gen. Das Rätſelraten hält jedoch weiter an. Aber man gibt
ſich den Anſchein, als ob man die ganze Angelegenheit mit Ruhe
und Objekitivität betrachtet.
bracht, oder, wie er es einmal ausdrückte, von ſeiner
Bürger=
meiſterzeit. Er ließe ſich, wenn er direkte Verhandlungen mit
Italien herbeiführen wollte, wahrſcheinlich auch weniger von
Rückſichten auf die „Atmoſphäre” führen, als Briand dies zu
tun pflegt. Die Sticheleien der italieniſchen Preſſe, die in der
letzten Zeit eher zunahmen, würde er ebenſo überſehen, wie
ſeinerzeit den kühlen Empfang in London. Vorläufig bleibt aber
alles, was man von dem Stand der franzöſiſch=italieniſchen
Ver=
handlungen hört, recht unbeſtimmt.
Von rechtsſtehender franzöſiſcher Seite wird der Gedanke
aufgeworfen, ob es nicht zweckmäßiger ſei, wenn auch die
fran=
zöſiſche Außenpolitik ſich etwas aktiver zeigen würde.
Schein=
bar befürchtet man, daß Deutſchland allzuviele internationale
Sympathien erobert. In Anbetracht der Vorbereitung der
all=
gemeinen Abrüſtungskonferenz handelt es ſich dabei nicht um
reine Imponderabilien. Ein ſtark rechtsſtehendes Blatt regt
ſo=
gar franzöſiſche Miniſterreiſen nach deutſchem Muſter an. Wir
glauben aber kaum, daß es bei der franzöſiſchen Diplomatie
da=
mit auf eine beſondere Vorliebe ſtößt. Man nämlich in Paris
eine Schwäche für die althergebrachten diplomatiſchen Methoden.
Das bezieht ſich ſelbſtverſtändlich nicht auf den geplanten Beluch
Briands und Lavals in Berlin. Es iſt auch wahrſcheinlich, daß
Laval, deſſen Einfluß in der Außenpolitik ſich immer ſtärker
durchſetzt, eine offenere und vorbehaltsloſere Ausſprache mit den
Italienern gerne ſehen würde. Das würde eine Abweichung von
den Briandſchen Methoden bedeuten, denn Briand zog Italien
gegenüber die wohlvorbereiteten und feſtumriſſenen
diplomati=
ſchen Verhandlungen den perſönlichen Ausſprachen vor. Das
iſt an ſich verſtändlich, denn eine zwangloſe franzöſiſch=italieniſche
Ausſprache zwiſchen verantwortlichen Staatsmännern könnte ſich
leicht ins Uferloſe verlieren. Die italieniſchen Wünſche ſind
nämlich unbegrenzt
Lavals Stärke beſteht aber in den direkten Verhandlungen.
Das hat er von ſeiner früheren innenpolitiſchen Rolle mitge=
Die plötzliche Erſchütterung des engliſchen Pfundes nach der
amerikaniſch=franzöſiſchen Hilfsaktion verurſachte hier große
Auf=
regung. Man zog eine Parallele zwiſchen der Erleichterung der
finanziellen Situation Deutſchlands und den engliſchen
Schwie=
rigkeiten. In Fachkreiſen führt man aber alles auf techniſche
Urſachen und eine vorübergehende Erſchütterung des Vertrauens
in England ſelbſt zurück. Man behauptet, daß wenigſtens von
der ſtaatlichen Seite her auch England über die ſchlimmſten
Kriſentage hinweg iſt. Insbeſondere ſoll keine Urſache mehr für
irgendwelche Erſchütterung der engliſchen Währung vorhanden
ſein. Nichtsdeſtoweniger gilt hier die Situation in London für
ernſt. Was die Privatwirtſchaft betrifft, macht man ſchon mehr
Vorbehalte.
Intereſſant ſind die Nachrichten, die immer wieder über die
ſchwere finanzielle Situation Sowjetrußlands auftauchen. Man
behauptet hier jetzt offen, daß der Fünfjahresplan wohl zu
ein=
zelnen Spitzenleiſtungen, nicht aber zu einer wirklich geregelten
Arbeit führt, und knüpft allerlei politiſche Kombinationen an
dieſe Behauptung.
deutſchen Beſucher, einſchließlich der deutſchen Preſſe zweifellos
einen ſehr erfreulichen Eindruck gemacht haben. Da außerdem
ja hier in Rom keine Fragen von beſonderer augenblicklicher
Aktualität zur Diskuſſion ſtanden, die eventuelle ſchwere
Ent=
ſcheidungen verlangt hätten, konnte die Zuſammenkunft unter
einem weſentlich leichteren Himmel, als er ſich in der Natur
zeigte, ſtattfinden. Hier in Rom hat es ſich vor allem darum
gehandelt, daß der Konnex zwiſchen dem deutſchen Reichskanzler
und Muſſolini geſchaffen wurde, der geeignet erſcheint, bei
irgendwelchen Fragen von Wichtigkeit in Zukunft die Erörterung
zu erleichtern. Dieſes Ziel aber iſt vollkommen erreicht werden.
Muſſolini hat ſich von der Bedeutung und Ehrlichkeit
Brü=
nings überzeugen können, er hat erkannt und gefühlt, daß er
einem Manne von hohem ſittlichen Wert und beſter
Vaterlands=
treue gegenüberſteht, und der Kanzler ſelbſt wieder hat geſehen,
welche Kraft in Muſſolini ſteckt und vielleicht auch Bewunderung
für den friſchen Gedankenflug gehabt, der die Ideen dieſes kühn
denkenden Politikers beſeelt. Kurz und gut: der Beſuch hat im
vollen Maße das erfüllt, was man von ihm erwarten durfte,
eine weitere Befriedung Europas.
Zie Mdenismartntdge im Heucg.
Langſames Anſteigen der Arbeitsloſenziffer.
Die letzte Rundfunkrede des Reichskanzlers Brüning hat in
Paris im allgemeinen eine günſtige Aufnahme gefunden.
Son=
derbarerweiſe beſprachen die ſozialiſtiſchen Blätter dieſe Rede
am kühlſten. Sie zerſtört zwar manche franzöſiſchen Illuſionen,
wird aber dennoch von den objektiv Urteilenden als beſonders
diplomatiſch und für die internationale Entſpannung ſehr
gün=
ſtig gehalten. Es verdient bemerkt zu werden, daß die glatte
Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs in Deutſchland in
hieſi=
gen Finanzkreiſen den allerbeſten Eindruck hervorrief.
Nachklänge zum römiſchen Beſuch.
— Nom, 9. Auguſt.
Noch wärmer konnten die deutſchen Beſucher nicht empfangen
werden, als ſie in Rom begrüßt wurden. Muſſolini und ſeine
Helfer, vor allem Grandi und der Preſſechef des Duce, haben
tatſächlich eine Gaſtlichkeit und Herzlichkeit gezeigt, die auf die
Nach dem Bericht der Reichsanſtalt für die Zeit vom 16. bis
31. Juli 1931 hat in der zweiten Hälfte des Juli die
früh=
ſommerliche Entlaſtung des Arbeitsmarktes ihr Ende erreicht.
Wenn als Folge der kritiſchen Ereigniſſe auf dem Gebiete der
Kreditwirtſchaft ein raſches Anſteigen der Arbeitsloſigkeit
viel=
fach ſchon zu Ende Juli erwartet worden iſt, ſo hat der
tat=
ſächliche Verlauf nach den ſtatiſtiſchen Meldungen der
Arbeits=
ämter bis jetzt dieſen Vermutungen nicht recht gegeben. Die
Zunahme der Zahl der Arbeitsloſen um rund 20000 auf rund
3 976000 hält ſich vielmehr in engen Grenzen; in der zweiten
Julihälfte des vorigen Jahres betrug die Zunahme, allerdings
im Zuge einer raſch abſinkenden Konjunktur, bereits etwa 50 000.
In der Arbeitsloſenverſicherung iſt ein weiterer Rückgang
der Zahl der Hauptunterſtützungsempſänger zu verzeichnen, und
zwar um rund 39000 auf rund 1 205 000. Die Belaſtung der
Kriſenfürſorge iſt natürgemäß verhältnismäßig ſtark, nämlich
um rund 57 000 auf rund 1027 000
Hauptunterſtützungsempfän=
ger angeſtiegen.
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Statt Karten.
Unser Walter Edgar hat am Sonntag sein
Schwesterchen bekommen,
In dankbarer Freude:
Dr. jur. Kurt Hummel, Sundikus
und Frau Silvia, geb. von Wattenwyl.
Darmstadt
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Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme, für die
zahlreichen Kranz= und Blumenſpenden bei dem
Heim=
gang meines lieben, unvergeßlichen Gatten, unſeres
treuſorgenden Vaters
Herrn Johannes Trautmann
Telegraphen=Sekretär
Statt jeder beſonderen Anzeige.
ſagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten,
insbeſondere Herrn Pfarrer Irle für die tröſtenden
Worte am Grabe, der Deutſchen Reichspoſt, dem
Reichs=
verband Deutſcher Poſt=und Telegraphen=Beamten, den
Beamten und Beamtinnen der Poſt= und Telegraphen=
und Telegraphen=Bauämter, den Telegraphen=
Bau=
trupps, ſeinen Schulkameraden und=Kameradinnen, dem
Marineverein Darmſtadt, dem Odenwaldklub Frankonia,
ſowie der ev. Männervereinigung der Petrusgemeinde
uf dieſem Wege unſren tiefgefühlſten Dank.
Geſtern entſchlief ſanft nach langem, mit großer
Geduld ertragenem Leiden, nach einem
arbeits=
reichen Leben im 80. Lebensjahre mein lieber
Mann, unſer guter Vater und Großvater
Frau Marie Trautmann. geb. Eberhardt
und Kinder.
Hert Sohnnhen Tote
Reniner
In tiefer Trauer:
Babette Lore, geb. Bender
Heinrich Lore
Marie Lore, geb. Krahwinkel
Heinz Lore
Werner Lore.
Darmftadt, Köln, 11. Auguſt 1931.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1931.
Die Beerdigung findet ſtatt Mittwoch den 12. Auguſt,
nachmittags 2½ Uhr, von der Kapelle des
Fried=
hofes an der Nieder=Ramſtädterſtraße. (11769
Todes=Anzeige,
Am 9. Auguſt, vormittags ½12 Uhr eniſchlief nach
langen, ſchweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden
meine treue Frau, unſere liebe Tochter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Emma Wandel
geb. Illgen.
Um ſtille Teilnahme erſucht
Im Namen der Hinterbliebenen;
11757)
Jean Wandel
Landgraf=Georg=Straße 120,
Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 3 Uhr
auf dem Stadtfriedhof, Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt,
Von Beileidsbeſuchen bittet man Abſtand zu nehmen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teil=
nahme bei dem Heimgange meiner lieben
Frau ſage ich hierdurch meinen herzlichſien
Dank.
Louis Geiſt.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1931.
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Nummer 221
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Seite 5
.
Darmſitadt, den 11. Auguſi 1931.
Nur noch wenige Tage trennen uns von einer der größten
Veranſtaltungen des Jahres. Darmſtadt empfängt über 1600
Tur=
nerſänger aus allen Gauen des 9. Kreiſes (Mittelrhein) welche
ſich mit ihren Geſangsriegen im Kunſtgeſang und Volkslied
meſſen.
Das herrliche Orangeriehaus und die Turnhalle der
Turn=
gemeinde Beſſungen (Heidelberger Straße) bieten die Gewißheit,
allen Sangesfreunden und Gäſten in jeder Beziehung gerecht zu
werden. Es ſoll ſchon heute aufmerkſam gemacht werden, daß ſich
jedermann den 30. Auguſt 1931 frei hält. Darmſtadt und ſeine
Bürger müſſen wieder einmal, wie bei dem Turnfeſt und
Sänger=
feſt 1929, zeigen, daß in unſerer Vaterſtadt Gaſtfreundſchaft und
Feſtesfreude unverändert fortbeſteht.
Ueber den eigentlichen Feſtverlauf ergehen noch weitere
Anzeigen.
F. S.
D Die Ueberreichung der Büchner=Preiſe fand geſtern, am
Vorabend des Verfaſſungstages, im Staatsminiſterium durch
Staatspräſident Dr. Adelung ſtatt. Er ging von den Worten
der Stiftungsurkunde des Büchner=Preiſes aus, daß der Preis
ſtändig verliehen werden ſolle. Gerade die Zeit materieller Not
berge die Gefahr, daß die geiſtigen Angelegenheiten, insbeſondere
die der Kunſt, in Vergeſſenheit gerieten. So dürfe es aber nicht
ſein. Beſonders in ſchwierigen Zeitläuften dürfe die Kunſt nicht
notleiden, denn ſie ſei eine Kraftquelle für das geſamte Leben des
Volkes. Der Staatspräſident überreichte dann mit Glückwünſchen
die Verleihungsurkunden an die beiden Preisträger. Anweſend
war ein Teil der früher mit dem Büchnerpreis ausgezeichneten
heſſiſchen Künſtler, ferner die Mitglieder des Kuratoriums und
der Nachkomme Georg Büchners, Fabrikant Dr. Büchner, an den
der heſſiſche Staatspräſident einige beſondere Begrüßungsworte
gerichtet hatte. (Siehe auch Feuilleton.)
Freie Stelle. Die durch das Ableben des bisherigen
In=
habers freigewordene Stelle eines Notars in Seligenſtadi
ſoll neu beſetzt werden. Bewerbungen ſind bis ſpäteſtens 20.
Auguſt an den Juſtizminiſter einzureichen.
— Die Herbſttagung der Deutſchen Landwirtſchafts=
Geſell=
ſchaft, DLG., wird in dieſem Jahre vom 13. bis 18. September hier
in Darmſtadt veranſtaltet werden. In 17 öffentlichen
Ver=
ſammlungen und einer großen Anzahl von Ausſchußſitzungen wird
zu den wichtigſten Tagesfragen der Landwirtſchaft Stellung
ge=
nommen werden. Nähere Nachrichten darüber erfolgen noch.
Sozialrentnerunterſtützung. Da der 16. Auguſt auf einen
Sonntag fällt, wird die Zuſatzunterſtützung zur Sozialrente am
kommenden Montag, den 17. Ifd. Monats, vormittags, bei der
Stadtkaſſe ausbezahlt.
Die Auszahlung der laufenden Zuſatzrenten für nicht im
Erwerbsleben ſtehende Schwerkriegsbeſchädigte,
Kriegshinterblie=
bene, Altrentner und Altrentnerinnen erfolgt am Samstag, den
15. d. M., vormittags von 8—12 Uhr, durch die Stadtkaſſe.
Originelle Europareiſende ſind heute in Darmſtadt. Die
Fa=
milie Schäfer mit den bekannten Bremer Stadtmuſikanten, dem
Eſel. Hund, Katze und Hahn, durchwandern in fünf Jahren
Deutſchland und Oeſterreich. Der Schlafwagen der
Europarei=
ſenden, vor dem die Bremer Stadtmuſikanten in Lebensgröße
einträchtiglich zu ſehen ſind, wird von dem geduldigen Eſel gezogen.
Als Zweck der Reiſe wird die Bekämpfung der Schund= und
Schmutzliteratur bezeichnet. An Schulen werden von den
Reiſen=
den deutſche Märchenbücher gratis abgegeben. Ihr Erſcheinen
hat bei groß und klein viel Freude hervorgerufen.
— Das Deutſche Krieger=Kurhaus in Davos=Dorf macht
dar=
auf aufmerkſam, daß es als gemeinnützige deutſche Einrichtung
von der bekannten 100.— RM.=Ausreiſeverordnung ausdrucklich
ausgenommen iſt. Seine Patienten ſind von der Berechnung der
Ausreiſegebühr befreit. Auch auf Grund der neuen
Debiſenver=
ordnungen ergeben ſich für ſeine Schützlinge keine
Schwierig=
keiten.
— Feſtvorſtellung im Orpheum. Heute Dienstag, abends 8.30
Uhr, findet aus Anlaß der Verfaſſungsfeier eine Feſtvorſtellung
der großen Varieté=Revue „Die große Parade” ſtatt.
Eintritts=
preiſe 0,80—2.50 RM. (Siehe Anzeige.) Karten: Kiosk
gegen=
über dem Verkehrsbüro von 9—1 Uhr, Kiosk am Paradeplatz von
1—7 Uhr, Orpheumskaſſe ab 3 Uhr.
— Der Geſangverein „Liederhalle” 1886 konnte 7 ſeiner
San=
gesbrüder, die ſich um die Pflege und Förderung der deutſchen
Sangeskunſt verdient gemacht haben, belohnen. Der 1.
Vor=
ſitzende ehrte mit Anerkennungs= und Dankesworten durch
Ueber=
reichung von Urkunden und Ehrennadeln die beiden Gründer des
Vereins, Herren Hof und Eidenmüller, für 45jährige, Herren A.
Sehnert für 20jährige und R. Walter, W. Schön, Aug. Götz und
E. Vonbühren für 10jährige treue, ſtets hilfsbereite Mitarbeit
zur Förderung des deutſchen Liedes.
Angeſtellten=Berſicherungskarte bei Firmenwechſel prüfen!
Die Aufrechterhaltung der Anwartſchaft in der
Angeſtelltenverſiche=
rung iſt für viele heute die einzige Sicherung für die Zukunft. Auf
die Nachprüfung der geklebten Beitragsmarken beim Abgang von
der Firma iſt daher beſonderer Wert zu legen. Verkehrt iſt es, ſich
nur auf die Kontrolle der Karten durch die Reichsverſicherung zu
verlaſſen. Die Prüfung kann ſich nur auf die zurzeit vorliegende
Karte erſtrecken, nicht aber auf den lückenloſen Anſchluß an die
vor=
hergehende Aufrechnungsbeſcheinigung. Dieſe Prüfungsmöglichkeit
liegt nur in den Händen des Verſicherten. Wie die Praxis immer
wieder zeigt, hat eine Verſäumnis weitgehende Folgen. So iſt z. B.
durch Nichtkleben einer Beitragsmarke bei Einrichtung einer
neuen Karte eine Anwartſchaft erloſchen. Auf der neuen Karte
waren ab März eines zurückliegenden Jahres 6 Marken geklebt.
Es wurde daher angenommen, daß die Aufrechnungsbeſcheinigung
auf Grund der laufenden Beſchäftigung 2 Marken aufweiſt. In
Wirklichkeit war es nur eine, ſo daß insgeſamt nur 7 Marken
ge=
klebt waren. Die Bedingungen zur Aufrechterhaltung der
Anwart=
ſchaft waren daher nicht erfüllt. Eine Nachzahlung war nicht mehr
möglich. Auskunft über alle mit der Reichsverſicherung
zuſammen=
hängenden Fragen wird in der Geſchäftsſtelle des V.W.A.,
Darm=
ſtadt, Wilhelminenſtraße 19 I., in der Zeit von 10 bis 13 Uhr
koſtenlos erteilt.
d. Paddelbootunglück. Ein mit zwei Perſonen beſetztes
Pad=
delboot verunglückte am Sonntag abend nach 6 Uhr im Rheine
der Gemarkung Gernsheim, und zwar in der Nähe der
Gerns=
heimer Allmen, dadurch, daß das Boot durch die ſehr ſtarke
Strö=
mung umkippte. Die beiden Inſaſſen fielen ins Waſſer, während
ſich der eine durch Schwimmen retten konnte, ging der andere, es
handelt ſich um den 17jährigen Georg Klinger aus Darmſtadt,
Barkhausſtraße wohnhaft, ſofort unter. In unmittelbarer Nähe
der Unglücksſtelle befindet ſich ein Fiſcherſchokker des Georg
An=
dreas Adler dahier, deſſen Netze bereits ausgeworfen waren. Die
Strömung trieb den ertrunkenen Klinger in das Fiſchernetz:
denn als man dasſelbe hochzog, fand man darin den lebloſen
Korper. Die zur Hilfe gerufenen Aerzte konnten trotz ſofort
vor=
genommener Wiederbelebungsverſuche nur den Tod feſtſtellen.
Noch am gleichen Abend wurde die Leiche nach dem Gernsheimer
Friedhof verbracht und in der Leichenhalle aufgebahrt. Geſtern
vormittag um 11 Uhr fand in Gegenwart des Herrn Kreisarztes
des Kreisgeſundheitsamtes Groß=Gerau und des Amtsgerichts
Gernsheim die gerichtsärztliche Leichenſchau ſtatt. Die Leiche
wurde nach ſtattgehabter Sektion freigegeben. Die Ueberführung
erfolgte geſtern nach Darmſtadt. woſelbſt die Beiſetzung ſtattfindet.
Auffindung einer Kindesleiche. Am Dienstag, den 28
Juli 1931. gegen 20.45 Uhr, wurde die Leiche eines neugeborenen
Kindes männlichen Geſchlechts in den Anlagen am Dreieichring in
Offenbach a. M. aufgefunden. Es handelt ſich um ein vollſtändig
ausgewachſenes Kind, das nach der Geburt gelebt hat. Die
Kin=
desleiche war in ein Tuch mit blauen und roten Streifen, einem
Bogen graubraunem Packpapier, einer rötlichen. mit weißer
Ein=
ſaſung verſehenen Gummiunterlage und in einen Karton
ver=
dackt und mit mittelſtarker Packkordel verſchnürt —
Kindes=
leiche geländet. Am Donnerstag, den 6. Auguſt 1931,
wurde aus dem Rhein bei Gernsheim die Leiche eines
neugebo=
renen Kindes weiblichen Geſchlechts geländet. Es iſt nicht von
der Hand zu weiſen, daß das Kind nach der Geburt gelebt hat.
Derſonen, die ſachdienliche Angaben über die in Frage kommenden
Kindesmutter machen können, werden gebeten, dies der nächſten
Dolizeiſtelle oder dem Landeskriminalpolizeiamt. Zentralſtelle für
Vermißte und unbekannte Tote, Darmſtadt, Wilhelm=Gläſſing=
Straße 21. mitzuteilen. Die Angaben werden auf Wunſch
ver=
traulich behandelt.
Gegenwärkiger Stand der Kriegsopferverſorgung.
Der Verband der Kriegsbeſchädigten und
Kriegerhinter=
bliebenen der Kriegerkameradſchaft „Haſſia‟ Darmſtadt arbeitet
in engſter Fühlungnahme mit ſeiner Spitzenorganiſation, dem
Deutſchen Reichskriegerbund „Kyffhäuſer Berlin, um bei der
Reichsregierung die Milderung der Härten der Notverordnung
zu erwirken. Die Kriegerkameradſchaft „Haſſia” teilt uns
nach=
ſtehendes mit:
Die Erfahrungen zweier Monate ſind ausreichend geweſen,
um die Laſten, welche die neue Notverordnung vom 5. 6. 1931
zahlreichen Bevölkerungskreiſen auferlegt, jedem einzelnen
deur=
lich zu machen. Beſonders hart ſind die Kriegsbeſchädigten und
Kriegerhinterbliebenen von dem Leiſtungsabbau der Verſorgung
durch die Notverordnung betroffen. Es iſt jetzt ſchon feſtzuſtellen,
daß die Einſparungen im Verſorgungshaushalt des Reiches durch
den erfolgten Leiſtungsabbau der Verſorgung größer ſind, als
der Voranſchlag angenommen hatte. Das Verlangen der
Ver=
ſorgungsberechtigten, baldigſt eine Milderung der rigoroſen
Sparmaßnahmen herbeizuführen, erſcheint deshalb durchaus
ge=
rechtfertigt. Wie wir hören, hat der Verband der
Kriegsbeſchä=
digten und Kriegerhinterbliebenen des Deutſchen
Reichskrieger=
bundes „Kyffhäuſer” an die Reichsregierung aus dieſem Grunde
eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heißt:
„.. Es iſt bereits zu überſehen, daß der Sparertrag der
neuen verſorgungsrechtlichen Vorſchriften die veranlagte Summe
weit überſchreitet. Im Hinblick darauf müſſen wir es aufs
tiefſte bedauern, daß nicht alsbald eine Milderung des
Lei=
ſtungsabbaues durchgeführt worden iſt, nachdem auch amtlich
zum Ausdruck gebracht wurde, daß mit den Maßnahmen der
Notverordnung die Grenze deſſen erreicht iſt, was dem deutſchen
Volke in allen ſeinen Bevölkerungsſchichten auferlegt werden
kann. Außerdem handelt es ſich hier um den Teil der
Bevöl=
kerung, der durch Hingabe von Leben und Geſundheit in
ſchwer=
ſter Zeit die größten OOpfer für die Allgemeinheit bereits
ge=
bracht hat.
An die Stelle einer Milderung des Leiſtungsabbaues der
Verſorgung, die mit Recht hätte erwartet werden dürfen, iſt
durch einen Erlaß des Reichsarbeitsminiſteriums noch eine
er=
hebliche Verſcharfung eingetreten, indem ſämtliche
Kannlei=
ſtungen der Verſorgung, die nach der Entwicklung der
Geſetz=
gebung einen bedeutſamen Anteil an der Durchführung der
Verſorgung der Kriegsopfer haben, auf das rigoroſeſte
unter=
bunden worden ſind. Durch dieſen Erlaß iſt die als
untrag=
bar erkannte Beſchränkung der Verſorgung durch die
Notver=
ordnung noch weiter geſteigert worden.
Im vollen Bewußtſein der Verantwortung, welche die
gegen=
wärtige Geſamtlage jedem Einzelnen auferlegt, halten wir uns
für berechtigt und verpflichtet, die Aufhebung der die
Verſor=
gungsanſprüche geradezu vernichtenden Ruhensvorſchriften, die
erhöhte Berückſichtigung ſozialer Geſichtspunkte bei den
Renten=
kürzungen und die Befriſtung des geſamten Leiſtungsabbaues
ſowie die ſofortige Aufhebung des erwähnten miniſteriellen
Erlaſſes zu fordern.
Wir ſtellen dieſe Forderung aus moraliſchen, ſozialen und
politiſchen Gründen. Die im Kampfe um die wirtſchaftliche
Selbſtbehauptung ſchwächeren Kriegsbeſchädigten und
Krieger=
hinterbliebenen werden von den ihnen auferlegten Laſten
er=
drückt, wenn ihnen nicht ſofort und wirkſam geholfen wird.
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* Regſte Beachtung verdienen die Varieté=Feſtſpiele, deren
Programm ſich durch Reichhaltigkeit und Vielſeitigkeit auszeichnet
und eine Reihe erſtklaſſiger Nummern aufweiſt. Von Tanzdarbie‟
tungen über die verſchiedenſten Akrobatikſachen bis zum
Zauber=
künſtler (ſprich: Illuſioniſt), iſt alles vertreten, was zum guten
Varietéſpielplan gehört. Wir berichten morgen ausführlicher.
v. Radunfall einer Darmſtädterin am Arlberg. Die Sängerin
Adelheid Stricker iſt unlängſt zwiſchen Langen und Klöſterle ſo
unglücklich geſtürzt, daß ſie ſich eine Rißquetſchwunde am Kopfe
zuzog. Ein vorbeifahrendes Auto brachte ſie nach Klöſterle, wo
ihr ärztlicher Beiſtand zuteil wurde.
Kraftpoſt Darmſtadt—Lindenfels. Vom 13. Auguſt ab
ver=
kehrt die Kraftpoſt werktags nur noch auf der Strecke Darmſtadt—
Neunkirchen. Die Fahrten auf der Teilſtrecke Neunkirchen-
Linden=
fels werden nur Sonntags ausgeführt.
Ider Aaſtage iſt die ſatzte Dezpgigultung behufügen. Huonyre Erfreges wete
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt eine Nechteverbindndterit
„Waſſergeld”. Nach der am 1. Januar 1931 in Kraft
getre=
tenen Regelung des Geſamtminiſteriums iſt der Vermieter
be=
rechtigt, das Waſſergeld im Verhältnis der
Frie=
densmieten gegen Nachweis umzulegen. Macht der
Vermie=
ter von dieſer Befugnis Gebrauch, ſo ermäßigt ſich die geſetzliche
Miete um 3 Prozent der Friedensmiete. — Allerdings würde auch
die Verteilung nach der Kopf= und Zimmerzahl möglich geweſen
ſein, aber das Miniſterium hat wohl den Standpunkt
angenom=
men, daß, wer eine höhere Miete bezahlen könne, auch höheres
Waſſergeld zu tragen in der Lage ſei. Wir verweiſen im übrigen
auf den Aufſatz in Nr. 2 der „Neuen heſſiſchen Haus= und
Grund=
beſitzer=Zeitung vom 15. Januar 1931.
F. J. Seit 1. April 1931 unterliegen dem
Wohnungsmangel=
recht nicht mehr: Wohnungen mit einer Jahresfriedensmiete
von über 1000 Mark in Ortsklaſſe A. Eine neue Beſchlagnahme
ſolcher Räume iſt ausgeſchloſſen. Im Fragefalle dürfte es ſich aber
um eine ſolche Wohnung nicht handeln. — Im übrigen iſt, wie
aus den letzten Mitteilungen der Preſſe hervorgeht, mit einer neuen
Regelung des Wohnungsweſens für die nächſte Zeit zu rechnen,
ſo daß Beſtimmteres zurzeit nicht geſagt werden kann.
L. St. Sie werden bei dem Reichs=Aufſichtsamt für
Privatverſiche=
rung in Berlin, Ludwigkirchplatz, ſich den Namen des Treuhänders
er=
fragen müſſen, der für die Intereſſen der bei den in Frage kommenden
Lebensverſicherungsgeſellſchaften Verſicherten von dieſer Reichsbehörde
beſtellt iſt. Dieſer wird in der Lage ſein, Einzelfragen Ihrerſeits zu
beantworten.
G. F. E. Nach § 938 der Reichsverſicherungsordnung wird, wenn
der Unfall, der in die landwirtſchaftliche Unfallverſicherung gehört, einen
ſchon dauernd teilweiſe Erwerbsunfähigen trifft, bei der Berechnung der
Rente für den Verletzten von dem durchſchnittlichen
Jahresarbeitsver=
dienſte nur derjenige Teil zugrunde gelegt, welcher dem Maße der
Er=
werbsfähigkeit vor dem Unfall entſpricht. Sie werden deshalb gut daran
tun, den Vorſtand der land= und forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft
um Aufklärung bezüglich der Rentenberechnung zu erſuchen.
F. D. Wenn in dem geſchilderten Verhalten eine Beläſtigung der
Hausgenoſſen gefunden werden muß, und es im gegebenen Falle
erwie=
ſen werden kann, dürfte eine Klage auf Aufhebung des
Mietverhält=
niſſes von Erfolg ſein.
A. H. Aus den gemachten Ausführungen ſcheint
hervorzu=
gehen, daß es ſich um einen im unfallverſicherungspflichtigen
Be=
triebe beſchäftigt geweſenen Reichsbahnbeamten handelt. Im
Reichsgeſetz über die Perſonalverhältniſſe bei der Deutſchen
Reichsbahngeſellſchaft vom 30. Auguſt 1924 iſt nun im § 9
be=
ſtimmt, daß auf dieſe Perſonen die Vorſchriften des
Unfallfür=
ſorgeſetzes vom 18. Juni 1901 ſinngemäß Anwendung finden. In
§ 1 Abſ. 3 des letzteren heißt es: „Iſt der Verletzte infolge des
Unfalls nicht nur völlig dienſt= oder erwerbsunfähig, ſondern auch
derart hilflos geworden, daß er ohne fremde Wartung und Pflege
nicht beſtehen kann, ſo iſt für die Dauer dieſer Hilfloſigkeit die
Penſion bis zu 100 Prozent des Dienſteinkommens zu erhöhen.”
Nur in dieſem Rahmen dürfte eine Kürzung der Bezüge nach
der Verordnung vom 5./6. Juni 1931 zuläſſig erſcheinen. Wir
empfehlen, ſich in einer Eingabe an die zuſtändige
Eiſenbahn=
direktion zu wenden.
Tageskalender für Dienstag, den 11. Auguſt 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus. 20 Uhr: „Das öffentliche Aergernis”. — Orpheum,
20,30 Uhr: „Die große Parade”, — Konzerte: Zur Oper,
Schloßkeller, Sportplatz=Reſt. am Böllenfalltor,
Herrngarten=
kaffee, Reſt. Handelshof., Theater=Reſtaurant. Rippers
Pla=
tanen=Garten, Schuls Felſenkeller. — Städt. Saalbau
vormittags 11,30 Uhr: Verfaſſungsfeier 1931. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
* Aus den Darmſkädter Lichkſpielkheakern.
Palaſt=Lichtſpiele
bringen wiederum ein gutes Doppelprogramm ſtummer Filme.
Beſonders der Urwaldfilm „Die Schenke im Urwald” iſt
ſowohl in der Handlung originell wie in der bildtechniſchen und
ſzeniſchen Durchführung dieſer Handlung, die nach einem Roman
entſtanden iſt. Hauptträger iſt in ſchauſpieleriſcher Hinſicht Lon
Chaney, der Mann mit den 1000 Geſichtern. Lionel
Barry=
more und Imogene Robertſon ſind weiter in tragenden
Rollen tätig. Die Filmfabel könnte überſchrieben ſein „Die Rache
iſt mein‟. Dem Zauberkünſtler Phoro wird eines Tages ſein
Weib verführt. Sein Gegner ſchlägt ihn zu Boden. Durch den
Fall wird er zum Krüppel. Nach Jahr und Tag erfährt der
Krüppel, daß ſein Weib wieder in der Heimat ſei. Er findet ſie
tot und bei ihr eine Tochter. In dem Glauben, daß das Kind die
Tochter des Verführers iſt und des Mannes, der ihn zum Kruppel
ſchlug, baut er auf dieſe Tatſache ſeine Rache. Nach 18 Jahren
will er im tiefſten Urwald Menſchenfreſſern Vater und Tochter
preisgeben, um im letzten Moment zu erfahren, daß das Kind
ſeine eigene Tochter iſt, daß ſein Weib dem Verführer ſeinerzeit
nicht gefolgt iſt. Er opfert nach dieſer Exkenntnis ſein eigenes
Leben, um die Tochter zu retten. Nicht die Durchführung der
Handlung iſt das Starke an dieſem Film, ſondern die Art, wie
ſie durchgeführt wird, und der techniſche und ſzeniſche Aufwand,
der eine Fülle bis ins Groteske geſteigerter Bilder aus dem Leben
der Kannibalen, umrahmt von packenden Landſchaftsbildern aus
dem Urwald, zeigt. Vor allem aber iſt es die meiſterhafte
ſchau=
ſpieleriſche Leiſtung Lon Chaneys. Abgeſehen von der
realiſti=
ſchen Maske, verſteht dieſer einzigartige Künſtler es
hervor=
ragend, in jeder Phaſe der umfangreichen Darſtellung den
Krüp=
pel, d. h. den an beiden Füßen Gelähmten, darzuſtellen. — Der
zweite Stummfilm „Männerfang” in der Regie von Harry
Beaumont führt in das amerikaniſche Geſellſchaftsleben, zeigt eine
Reihe bildhübſcher Frauen, d. h: richtiger bildhübſcher Larven
und minderer menſchlicher Qualität. Joan Crawford und Nils
Aſther ſtehen im Mittelpunkt der Handlung, die eine reiche Fülle
guter Bilder bringt.
*
*Im Union=Theater läuft nur noch zwei Tage der
ſpan=
nende Kriminal=Tonfilm „Der Zinker” nach dem Detektiv=Roman
von Edgar Wallace. In den Hauptrollen ſind beſchäftigt: Liſſi
Arna, Fritz Raſp, Paul Hörbiger u. a. Im tönenden
Beipro=
gramm ſieht man einen köſtlichen Micky=Maus=Film „
Polar=
zauber . Beginn 3,30, letzte Vorſtellung 8,20 Uhr.
— Im Helia=Theater ſieht man heute und folgende Tage das
beliebte Komikertrio. Ernſt Verebes, Siegfried Arno und P.
Weſtermeier in dem luſtigen Kriminal=Schwank „Das Geheimnis
der roten Katze”, ein Tonfilm voller ſenſationeller Verwickelungen
und handfeſter Situationskomik. Dazu das tönende Beiprogramm.
Beginn 3,30, letzte Vorſtellung 8,20 Uhr.
— In den Palaſt=Lichtſpielen wird heute und folgende Tage
ein großes Doppelprogramm gezeigt, und zwar ein Film voller
rätſelhafter Geſchehniſſe: Die Schänke im Urwald” mit Lon
Chaney, dem Meiſter der Maske, ſowie ein groß angelegter
Ge=
ſellſchaftsfilm „Männerfang” mit Joan Chrawford und Nils
Aſther. Beginn 3,30, letzte Vorſtellung 8,15 Uhr.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Am 24. Februar ds. Is. fuhr ein Reiſender aus
Darmſtadt mit ſeinem Opelwagen kurz vor Griesheim auf einen
in gleicher Richtung fahrenden, mit Langholz beladenen
Hand=
karren auf. Der Mann, der den Handkarren ſchob, erlag alsbald
ſeinen Verletzungen, der andere mußte 8 Wochen im Krankenhaus
zubringen. Der Angeklagte behauptet in der Montag=Sitzung
des Bezirksſchöffengerichts, es ſei damals ſchon
bei=
nahe dunkel geweſen und er habe den Karren erſt auf 3—4 Meter
vor ſich geſehen. Der Verletzte behauptet, es ſei noch recht hell
geweſen. Der meteorologiſche Sachverſtändige ſagt in ſeinem
Gutachten, daß in der Dämmerung Leute im Freien noch
weſent=
lich beſſer ſehen können, als Leute, die aus einem dunklen Raum
— hier das Auto — herausſehen. Der Autoſachverſtändige hält
trotzdem dafür daß der Angeklagte fahrläſſig handelte. Das
Ge=
richt ſchließt ſich dieſer Auffaſſung an und verurteilt den
An=
geklagten wegen fahrläſſiger Tötung in Tateinheit
mit fahrläſſiger Körperverletzung zu drei
Mo=
naten Gefängnis. Für zwei Monate wird ihm eine
vier=
jährige Bewährungsfriſt zugebilligt.
Nachdem ein Mainzer Kaufmann, der wegen fahrläſſigen
Falſcheids angezeigt war, mangels Beweiſes freigeſprochen wurde.
waren zwei Münſterer Syndikaliſten wegen
Land=
friedensbruchs angeklagt. Am 4. März dieſes Jahres fand
in Dieburg eine Verſammlung der Nationalſozialiſten in ihrem
Lokal in unmittelbarer Nähe des Marktes ſtatt, auf dem die
Kom=
muniſten zu gleicher Zeit eine Kundgebung veranſtalteten. Als
da plötzlich die Ober=Ramſtädter Nationalſozialiſten in
geſchloſſe=
nem Trupp, in Uniform und ſingend, anzogen, bekamen ſie
Be=
gleitung von einer Menge, die teils aus Gegnern, zum großen
Teil auch aus Neugierigen beſtand. Da ſoll der eine der
An=
geklagten in vorderſter Reihe hinterhergezogen ſein und mit
Stei=
nen geworfen haben. Als die Nationalſozialiſten dann vor ihrem
Lokal angekommen waren, begannen ſie plötzlich, nach Ausſagen
des einen Schupobeamten, einen Sturm auf die Menge und ſollen
dabei mit Schulterriemen und Stahlfedern drauflosgeſchlagen
haben. Es ſind einige Zeugen da die ganz erheblich verletzt
wurden. Der andere Angeklagte ſoll die Tochter des
national=
ſozialiſtiſchen Gaſtwirts, bei dem die Verſammlung ſtattfand,
be=
droht haben, es werde ihnen am Abend das Haus abgeriſſen
wR=
den. Der erſte Angeklagte behauptet, er habe den Stein lediglich
wegräumen wollen, als er angeflogen kam, damit er nicht wieder
benutzt werden könne. Der andere Angeklagte ſagt, er habe
die=
ſen Ausſpruch nicht in drohender, ſondern mehr in warnender
Abſicht gemacht. Der Staatsanwalt hält Landfriedensbruch für
gegeben und beantragt gegen den erſten Angeklagten wegen
Land=
friedensbruchs mit Gewaltanwendung und Widerſtand — er
widerſetzte ſich bei ſeiner Feſtnahme — eine Gefängnisſtrafe von
acht Monaten und gegen den zweiten wegen einfachen
Landfrie=
densbruchs und wegen Bedrohung vier Monate Gefängnis.
Rechtsanwalt Dr. Kattler führt in ſeinem Plädoyer aus, daß der
erſte Angeklagte lediglich wegen Körperverletzung beſtraft
wer=
den könne. Das Gericht ſchließt ſich der Auffaſſung des
Verteidi=
gers an und verurteilt den erſten Angeklagten wegen
gefährlicher Körperverletzung und Widerſtand
zu 10 Wochen und den zweiten wegen Bedrohung zu
einer Woche Gefängnis. Dem zweiten Angeklagten wird
außerdem eine vierjährige Bewährungsfriſt zugebilligt.
Die Hierunter erſchelnenden Noiizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen m behadhten.
in keinem Faſſe irgendwie als Beſprechung oder KrifA
— Charlie Fornoff, die beliebte Attraktions=
Kon=
zert=, Stimmungs= und Tanzkapelle, gibt heute abend im
Pfung=
ſtädter Biergarten „Zum Datterich” zur Verfaſſungsfeier Konzert
und Tanz. Eintritt und Tanz frei (Siehe Anzeige.)
— Das Waldreſtaurant „Neues Schießhaus”.
veranſtaltet heute einen Kaffee= und Kuchentag, ab 8 Uhr abends
in ſämtlichen Raumen Tanz. (Siehe Anzeige.)
— Orangeriehaus, Beſſunger Herrngarten. Heute abend
8 Uhr anläßlich der Verfaſſungsfeier großes Konzert mit Tanz im
Feſtſaal. (Siehe Anzeige.)
— Konzert im Herrngarten=Café. Anläßlich der
Verfaſſungsfeier findet im Herrngarten=Café mittags und abends
Konzert ſtatt. Eintritt frei. Das Café iſt die ganze Nacht
ge=
öffnet. (Siehe Anzeige.)
— Im Hotel=Reſtaurant Poſtam Hauptbahnhof findet
heute ab 8 Uhr in allen Parterreräumen Verfaſſungsfeier mit
Tanz ſtatt. (Siehe heutige Anzeige.)
— Schuls Felſenkeller. Heute Stimmungskonzert. Für
Mittwoch iſt ein Operettenabend vorgeſehen. Eintritt frei. (S.
Anzeige.)
— Im Wiener Kronenbräukeller ſollen für dieſe
Woche drei außerordentlich große Konzerte veranſtaltet werden
und den Glanzpunkt der Konzertſaiſon bilden. Heute Dienstag
iſt Herr Kapellmeiſter Willi Schlupp mit ſeiner Künſtlerſchar für
ein Streichkonzert vorgeſehen, für kommenden Freitag ſollen die
von Herrn Louis Kümmel zuſammengeſchloſſenen 2 Kayellen von
50 Muſikern dem konzertliebenden Publikum einen beſonderen
Genuß verſchaffen. Sonntag, den 16. Auguſt, ſpielt die Neu=
Iſenburger Feuerwehrkapelle unter Leitung ihres Kapellmeiſters
Göbel.
Vereinskalender.
V.H. C. Darmſtadt. Samstag, den 15. Auguſt 1931 20.30 Uhr,
bei Sitte außerordentliche Mitgliederverſammlung. (Siehe Anz.)
Seite 6
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Nummer 221
Dd. Arheilgen, 10. Aug. Sommerfeſt. Der Geſangverein
„Liederzweig" hielt am Sonntag nachmittag und abend im
Gaſt=
haus „Zum weißen Schwanen, ſein diesjähriges Sommerfeſt ab.
Es mußte allerdings in der Hauptſache im Saale abgehalten
werden, da es im Garten zu kalt war. Schon früh am Abend
hat=
ten ſich die zahlreichen Freunde des Vereins eingefunden, ſo daß
kaum noch ein Platz zu bekommen war. Bei Muſik, Tanz und
Ge=
ſang verfloſſen raſch die frohen Stunden. Eine reichhaltige
Tom=
bola brachte den glücklichen Gewinnern große Ueberraſchungen. —
Die Feſtanſprache bei der Verfaſſungsfeier am Dienstag
vormit=
tag 9,30 Uhr auf dem Schulhof wird von Herrn
Landtagsabgeord=
neten Harth=Rüſſelsheim gehalten.
F Eberſtadt, 10. Aug. Goldene Hochzeit. Zu dem Feſt
der goldenen Hochzeit, das der Waldſtraße 19 wohnhafte Flurſchütz
i. R. Georg Haller 5. mit ſeiner Frau Dorothea, geb. Becker,
am 8. Auguſt feiern konnte, war dem Paare vom Büro des
Reichspräſidenten eine kunſtvoll ausgeführte Glückwunſchadreſſe
zugegangen, die folgenden Wortlaut hatte: „Zu dem ſeltenen Feſt
der Goldenen Hochzeit ſende ich Ihnen und Ihrer Gattin meine
herzlichſten Glückwunſche. Ich hoffe und wünſche, daß Ihnen noch
ein recht langer und ungetrübter Lebensabend im Kreiſe Ihrer
Familie beſchieden ſein möge, v. Hindenburg. Bürgermeiſter
Dr. Uecker überbrachte dem Jubelpaare perſönlich die
Glück=
wünſche der Gemeinde und eine Glückwunſchadreſſe, in der die
Heſſiſche Staatsregierung ihre Glückwünſche übermittelte. Pfarrer
Weißgerber ſprach dem Jubelpaare perſönlich die Wünſche
der evangeliſchen Kirchengemeinde aus. Durch den Vorſitzenden
des Vereins „Soldatenkameradſchaft” ließ die Großherz. Haus=
und Vermogensverwaltung dem Jubelpaare die Glückwünſche mit
einem Bildnis des früheren Großherzogs, das ſeine eigenhändige
Unterſchrift trug, überbringen. Die Ortsgruppe Eberſtadt der
Gewerkſchaft der Gemeindebeamten überreichte durch eine
Ab=
ordnung dem Paare neben einem prachtvollen Blumen=
Arrange=
ment ein herzlich gehaltenes Glückwunſchſchreiben. Eine ſehr
große Zahl von Freunden, Bekannten und Verwandten ſtellte ſich
perſönlich zur Gratulation ein, viele andere wieder überſandten
brieflich oder telegraphiſch ihren Glückwunſch. Ein großer Flor
von Blumen zeugte von der Achtung und Verehrung, deren ſich
das Ehepaar erfreuen darf. So geſtaltete ſich der Tag der
gol=
denen Hochzeit für das Jubelpaar zu einem ſchönen und freudigen
Ehrentag, an den es ſicher noch recht lange in dankbarer Freude
zurückdenken wird.
E. Eberſtadt, 10. Aug. Die Auszahlung der Kleinrentner= und
Sozialrentner=Unterſtützungen, ſowie die Auszahlung der
Zuſatz=
renten erfolgt dieſe Woche ausnahmsweiſe erſt am Freitag, den
14. Auguſt, vormittags von 8—12 und nachmittags von 2—5 Uhr.
Cp. Pfungſtadt. 9. Aug. Gemeinſame
Geburtstags=
feiern. Die 50=Jährigen hielten am Samstag abend im Lokal
Rädche unter zahlreicher Beteiligung der Altersgenoſſen eine
ge=
meinſame Geburtstagsfeier ab. Eine kleine Nachfeier fand am
Sonntag nachmittag im Lokal Meſſer ſtatt. Gleichzeitig
veran=
ſtalteten am Sonntag vormittag die 60=Jährigen und die 70=
Jährigen einen gemeinſamen Kirchgang. Zur Verſchönerung des
Gottesdienſtes, in dem Pfarrer Zinn über das Wort „Er läßts
den Aufrichtigen gelingen und beſchirmt die Frommen” predigte,
wirkte der Kirchengeſangverein mit. Die eigentliche
Geburtstags=
feier der 60=Jährigen findet erſt am kommenden Samstag abend
(15. Auguſt) im Gaſthaus Weigel ſtatt, während die 70=Jährigen
noch am Sonntag nachmittag bei Kaffenberger eine ſchlichte
Ge=
burtstagsfeier hielten.
C. Ober=Ramſtadt, 10. Aug. Geburtstagsfeier der
50=Jährigen. Einer alten ſchönen Sitte folgend, hielten
auch in dieſem Jahre die 50jährigen Schulkameraden und =
Kame=
radinnen eine gemeinſame Geburtstagsfeier ab. Die Teilnehmer
verſammelten ſich geſtern vormittag bei der Kirche, um geſchloſſen
am Gottesdienſt teilzunehmen. Es war eine recht ſtattliche Zahl,
die der eindrucksvollen Predigt unſeres Ortspfarrers lauſchte, der
dieſe Geburtstagsfeier in den Mittelpunkt ſeiner Betrachtung
ſtellte und es vortrefflich verſtand, in unſerem alten, ſchmucken
Gotteshaus Erinnerungen an die gemeinſame Schul= und
Kon=
firmationszeit wachzurufen. Nach dem Gottesdienſt fanden am
Gefallenen=Ehrenmal, auf dem Friedhof und an den einzelnen
Grabſtätten der im Heimatboden beſtatteten Kameraden und
Kameradinnen Kranzniederlegungen ſtatt. Nachmittags trafen
ſich die Teilnehmer zur gemütlichen Feier im Gaſthaus „Zum
Lowen. Auch hier verlebte man einige ſchone Stunden echter
Kameradſchaft beim Austauſch von Jugenderinnerungen und
Lebensſchickſalen, und vergaß dadurch wenigſtens für kurze Zeit
wieder einmal die ſchweren Alltagsſorgen und Alltagsnote.
Ernte. Die außerordentlich ſchweren Gewitterregen der letzten
Woche haben die Erntearbeiten empfindlich geſtört und den
Land=
wirten nicht unerhebliche Mehrarbeiten gebracht. Auch die an
den Feldfrüchten angerichteten Hagel= und Waſſerſchäden ſind zum
Teil recht bedeutend. Unſere Feldwege ſind ſtellenweiſe
augen=
blicklich gar nicht befahrbar und müſſen ſchnellſtens
wiederherge=
ſtellt werden, um bei Eintritt ſchöneren Wetters die Einfuhr
des Getreides zu ermöglichen. Faſt nach allen ſchweren
Regen=
güſſen werden in unſerer Gemarkung an den Feldwegen und an
einzelnen Ortsſtraßen immer wieder recht koſtſpielige
Ausbeſſe=
rungen notwendig.
— Waſchenbach, 10. Aug. Am 6. d. M. waren es 30 Jahre, daß
Herr Ludwig Adam als Gemeinderechner muſterhaft ſein Amt
bekleidet.
f. Roßdorf, 10. Aug. Arbeiter=Samariterkolonne.
Die Alarmbezirksübung des Arbeiter=Samariterbundes, ſüdlicher
Teil des 4. Bezirks, an der ſich die Kolonnen Eberſtadt,
Pfung=
ſtadt, Weiterſtadt und Roßdorf beteiligten, iſt gut verlaufen. Der
Uebung lag ein Unglücksfall am Klopfwerk der Odenwälder
Hart=
ſteininduſtrie und ein Exploſionsunglück im Steinbruch daſelbſt
zugrunde. Nach Alarmierung der Kolonne Roßdorf waren die
auswärtigen Kolonnen ebenfalls raſch mittelſt Auto am
Unfall=
platz eingetroffen. Die Verwundeten wurden ihren Verletzungen
entſprechend verbunden und gelagert. Bis dies geſchehen war,
hatten einige Kameraden das Auto zum Krankentransport
ge=
richtet, auf welches dann die Verletzten" gebracht wurden. Als
Krankenhaus war der Hof der neuen Schule angenommen. Dort
wurden die einzelnen Verbände und Lagerungen durch die
Ko=
lonnenärzte, die ebenfalls mit den Kolonnen ausgerückt waren,
einer Beſichtigung unterzogen. Sie konnten feſtſtellen, daß alle
Verbände und Lagerungen ſachgemäß behandelt und die
Ausfüh=
rungen auf die geſtellten Fragen an die Kolonnenmitglieder zur
Zufriedenheit beantwortet wurden.
f. Roßdorf. 10. Aug. Sommerfeſt. Auch die
Kleinkinder=
ſchule feierte geſtern ihr Sommerfeſt, das einen ſchönen Verlauf
nahm. Nachmittags bewegte ſich der Feſtzug unter Vorantritt
des Poſaunenchors, der unter Leitung ſeines bewährten
Dirigen=
ten Friedrich Geiß ſchneidige Märſche ſpielte, nach dem Schulhof in
der Darmſtädter Straße. Dort ſagten die Kleinen Sprüche und
Gedichte auf, ſangen manches ſchöne Kinderlied und zeigten
zahl=
reiche Spiele aller Art. Die zahlreichen Anweſenden hatten ihre
wahre Freude an der Veranſtaltung, und mancher dachte an ſeine
ſorgenloſe Kinderzeit zurück. Beſonderer Dank gebührt der
Lei=
terin der Kinderſchule, Frl. Tilly Schwalb, deren mühevolle
Ar=
beit es war, mit den Kleinen alles einzuüben. Auch eine
Jung=
ſchar von Mädchen der Konfirmanden half die Feier verſchönern.
Zum Schluß ſprach Herr Pfarrer Berck allen Mitwirkenden,
ins=
beſondere der Tante Tilly, für die ſchönen Darbietungen herzlichen
Dank aus. — Beigeordnetenwahl. Für die am 16. d. M.
ſtattfindende Beigeordnetenwahl werden wiederum, wie bei den
vorausgegangenen Wahlen, zwei Wahlbezirke gebildet, und zwar
Bezirk 1, umfaſſend die Wähler, deren Zunamen mit den
Anfangs=
buchſtaben A. bis einſchließlich K. beginnen, und Bezirk 2.
umfaſ=
ſend die Wähler, deren Zunamen mit den Anfangsbuchſtaben L.
bis einſchließlich Z. beginnen. Die Wahl findet ſtatt für den
Ab=
ſtimmungsbezirk 1 im Schulhaus Erbacher Straße, für den
Ab=
ſtimmungsbezirk 2 im Rathaus. Vorſitzender für den Bezirk 1:
Philipp Hangen, deſſen Stellvertreter Georg Gunther 2., für den
Bezirk 2 Johs. Karl Grünewald, deſſen Stellvertreter Johann
Georg Roßmann 3. Die Wahlhandlung dauert von vormittags
8 bis nachmittags 5 Uhr.
Le. Hering b. Lengfeld, 10. Aug. Vorgeſtern wurde Herr
Lehrer Stenner, der faſt ein Menſchenalter hindurch an der
hieſi=
gen katholiſchen Schule gewirkt hat, unter außerordentlich
zahl=
reicher Beteiligung von nah und fern zu Grabe getragen. Faſt zu
gleicher Zeit überflog ein Paſſagierflugzeug die Veſte Otzberg in
ſolcher Tiefe, daß es den auf dem Turme — auch „Weißrüb”
ge=
nannt — angebrachten Fahnenmaſt berührte und dadurch beinahe
zum Abſturz gelangt wäre.
T Nieder=Kinzig i. O., 10. Aug. Bei noch guter körverlicher
Geſundheit und geiſtiger Friſche feierte geſtern Witwe Leonhard
Fleck 3., geb. Reeg, ihr 88. Wiegenfeſt. Sie iſt die älteſte
Einwoh=
nerin der hieſigen Gemeinde.
Haupkverſammlung des Obſt= und
Garkenbau=
verbandes für den Kreis Darmſtadt.
C Ober=Ramſtadt, 10. Aug. Am Sonntag tagte dahier die
Hauptverſammlung des Obſt= und Gartenbauverbandes für den
Kreis Darmſtadt. Um 3 Uhr fand die Vorſtands= und
Ausſchuß=
ſitzung im Rathaus ſtatt, welche ſich mit der Vorbereitung der
Hauptverſammlung befaßte. Bürgermeiſter Rückert ſprach dem
Vorſtand den herzlichſten Dank für die Beehrung Ober=Ramſtadts
mit der Hauptverſammlung aus und wünſchte der Tagung beſten
Verlauf. Dann folgte die Beſichtigung des hieſigen
Schwimm=
bades. Herr Rektor i. R. Hofmann übernahm die Führung und
erläuterte den Werdegang desſelben und das harmoniſche
Zu=
ſammenwirken der Schwimmbadgeſellſchaft, die ſich aus
Turnver=
ein, Turngeſellſchaft und Arbeiter=Turn= und Sportverein
zu=
ſammenſetzt. Alle Erſchienenen konnten ſich davon überzeugen,
daß die Badeanlage allen neuzeitlichen Beſtrebungen entſpricht.
Im Gaſthaus „Zum weißen Roß” ſetzte um 4 Uhr die
Hauptver=
ſammlung ein, die ſich eines guten Beſuches erfreuen durfte. Herr
Regierungsrat Schäfer begrüßte die Erſchienenen und beſonders
Herrn Geheimrat von Hahn, Obſtbauinſpektor Behne und
Beige=
ordneten Braband und entrollte ein Bild von dem letztjährigen
Vereinsleben. Den Dank der Gemeinde für die Abhaltung der
Hauptverſammlung des Kreisobſtbauverbandes in Ober=Ramſtadt,
übermittelte mit warmen Worten Herr Beigeordneter Braband.
Sodann erteilte der Vorſitzende dem Rechner, Herrn Delp, das
Wort zur Rechnungsablage. Die Einnahmen betrugen 1466.39
RM., die Ausgaben 1347,20 RM. und ſomit ergab ſich ein
Kaſſe=
vorrat von 119,19 RM. Herr Löffler=Griesheim wünſchte für
ſpäter Spezialiſierung der Rechnungsablage oder vorherige
Zu=
ſtellung derſelben an die Ortsvereine. Dieſem Anſinnen hielt
Herr Regierungsrat Schäfer entgegen, daß dies bei keinem Verein
üblich und auch zwecklos ſei, zumal die rechneriſche Prüfung
er=
folge. Als Mitgliederbeitrag für den Kreisverband ſind
wieder=
um 40 Pfg. feſtgeſetzt worden mit der Maßgabe, daß eine
Ermäßi=
gung des Beitrages zum Landesverband von 20 Pfg. auf 10 Pfg.
pro Mitglied angeſtrebt werden ſolle. An die Verleſung und
Genehmigung des Voranſchlages für 1931 reihte ſich der
Licht=
bildervortrag des Herrn Lehrer Röſch über Obſtbauſchädlinge an
In zahlreichen, klaren Bildern nach eigenen, in den letzten zwei
Jahren gemachten Aufnahmen, lies er die Obſtbauſchädlinge und
deren Feinde auf der Leinwand erſtehen, kennzeichnete die
Schäd=
linge, die Feinde derſelben und die Bekämpfungsmaßnahmen in
anſchaulicher Weiſe. Mit geſpannter Aufmerkſamkeit lauſchte die
Verſammlung dem in zwei Teile gegliederten Vortrag und erwies
ſich dem Vortragenden am Schluß durch kräftige
Beifallskund=
gebung recht dankbar. Ebenſo dankte Herr Regierungsrat Schäfer
dem Vortragenden für ſeine mühevolle Arbeit und ſeinen äußerſt
intereſſanten Vortrag. Im Auftrag des hieſigen Obſtbauvereins
dankte zum Schluß Herr Rektor i. R. Hofmann für die Abhaltung
der Hauptverſammlung in unſerer Gemeinde und beſonders den
Herren Regierungsrat Schäfer, Geheimrat von Hahn und
Obſt=
bauinſpektor Behne für ihr Erſcheinen. Er pries den Idealismus
des Herrn Lehrer Röſch, auf den der hieſige Obſtbauverein ſtolz
ſei, und der ſo kräftig für die Förderung des Obſtbaues und
da=
mit für die Allgemeinheit wirke. Solche Lichtbildervorträge ſind
recht geeignet, in den örtlichen Obſtbauvereinen das richtige
Ver=
ſtändnis für die Bekämpfung der Obſtbauſchädlinge zu erwecken
und den Obſtertrag qualitativ und quantitativ zu fördern.
* Niedernhauſen, 10. Aug. Am 9. Auguſt fand die
Ein=
weihung der evangeliſchen Kapelle im Schloß
zu Lichtenberg ſtatt, die unter Leitung des Hochbauamtes
Dieburg und vor allem durch den kunſtſinnigen Kirchenmaler
Velte in ihrem urſpünglichen ſchlichten und darum ſo
eindrucks=
vollen Stile wiederhergeſtellt wurde. Den Einweihungsakt
voll=
zog Herr Dekan Keil, der ſeinen Segenswünſchen das Wort
Petrus 1, 25, zugrunde legte, das ſich aus alter Zeit (aus dem
Jahre 1571) als Inſchrift in der Kapelle erhalten hat. „Verbum
Domini manet in geternum!‟ Die Predigt des Ortsgeiſtlichen,
Herrn Pfarrer Flöring, über den 84. Pſalm — dieſem uralten
Heimwehliede nach dem Heiligtum des Herrn —, zeigte, wie dieſes
alte, ehrwürdige Gotteshaus, das jahrhundertelang unſeren
Vätern eine Heimſtätte geweſen iſt, auch uns heute an einem der
ſchönſten Punkte unſerer Heimat eine Heimat der Seele ſein kann.
Die eindrucksvolle Schlußanſprache des Herrn Prälaten D. Dr.
Dr. Diehl wandte ſich beſonders an die Kommenden und
Gehen=
den, die nach anſtrengender Berufsarbeit hier oben Erquickung
ſuchen. Gehort doch zu einer wirklichen Erholung auch die
Er=
holung der Seele! Die würdige Feier wurde umrahmt durch den
Poſaunenchor und Kirchenchor, der mit dem Sanktus von Schubert
und dem wundervollen Arnold Mendelſohnſchen Satz „Wir
glau=
ben all an einen Gott” dem ganzen eine tiefe Weihe verlieh.
Wie ſchön war es, daß eine Taufe die Feier abſchloß und danach
auch gleich eine Trauung ſtattfinden konnte. — Bei überaus
großer Beteiligung der Bevölkerung aus nah und fern fand dann
die Nachfeier in dem durch Herrn Bürgermeiſter Schellhaas
ge=
ſchmückten Kaiſerſaal des Schloſſes ſtatt, in der Herr Prälat Diehl
durch einen Vortrag über Bilder aus der Geſchichte von
Lichten=
berg und Umgebung die dankbaren Zuhörer erfreute. Im
Mittel=
punkt ſeines Vortrages ſtand die Bedeutung des Schloſſes
Lichten=
berg in den verſchiedenen Zeiten, in der älteren Zeit als Ruheſitz
der Landgrafen, im Dreißigjährigen Krieg als Ort der Rettung
für die von Not, Sorge und Peſt heimgeſuchte Bevölkerung, und
dann im 18. und 19. Jahrhundert als Ort der Verwaltung und
des Rechts. Einen reizenden Abſchluß der Feier, die uns ſtets
im Gedächtnis bleiben wird, bildete eine Szene in Odenwälder
Mundart von Dr. Karl Flöring.
Ct. Heubach i. Odw., 10. Aug. Einen ſchweren
Un=
fall erlitt der Landwirt Ludwig Müller. Mit dem Anſpannen
ſeiner Pferde beſchäftigt, ſchlug das eine Tier, welches Müller
am Tage zuvor erſt neu in Beſitz bekommen hatte, ihm mit ſolcher
Wucht gegen die Stirne, daß er eine ſchwere Schädelverletzung
davontrug. Der die erſte Hilfe leiſtende Arzt, Dr. Böttcher=Groß=
Umſtadt, verbrachte den Bedauernswerten ſofort in das
Kranken=
haus, woſelbſt am Abend noch eine Operation vorgenommen
wer=
den mußte. — Zu der am 23. Auguſt ſtattfindenden
Beigeord=
netenwahl wurden drei Wahlvorſchläge eingereicht. Es
kan=
didieren: Adam Barth 2. Adam Weber 2. und Nikolaus Seitz 2.
— Einen ſehr netten Verlauf nahm das Jugendfeſt des 2.
Bezirkes in Habitzheim. Mit 120 Perſonen beteiligte ſich der
Turnverein am Feſtzug, gute Leiſtungen vollbrachten die Turner
im Verein mit den Groß=Umſtädtern am Barren; 30 Siege konnte
die Jungmannſchaft erringen, und beſonderen Beifall ernteten die
ſtarken Abteilungen der Turnerinnen, die mit Freiübungen und
Reigen unter der Leitung des Frauenturnwartes Adrian den
Feſtkommers verſchönten.
Le. Weſchnitz. 10. Aug. In dem ſchön gelegenen kleinen
Weſch=
nitz verſuchten Einbrecher in verſchiedene Häuſer
nächtlicher=
weiſe einzudringen. Da ſie in dem von dem Schulverwalter
be=
wohnten Schulhaus nichts fanden, begaben ſie ſich in das
Nachbar=
haus und hießen hier ein Fahrrad und in dem nahegelegenen
Gaſthof einen Schinken mitgehen. Man hofft, daß die angeſtellten
Nachforſchungen von Erfolg begleitet ſind.
&. Bad Wimpfen, 10. Auguſt. Feuerſee. Seit Wochen iſt
man fleißig beſchäftigt, den Feuerſee zuzuwerfen und das
Quell=
waſſer in beſtimmte Wege zu leiten. Ein Kneippſches Panſchbecken
und ein Waſſerreſervoir mit Springbrunnen nehmen die Quellen
auf. Die ſo geſchaffene neue Anlage iſt eine weitere
Verſchöne=
rung und Bereicherung der Stadt.
At. Goddelau, 10. Aug. Verfaſſungsfeier. Wie
all=
jährlich, ſoll auch in dieſem Jahre der Verfaſſungstag gefeiert
werden. In Anbetracht der ſchweren Zeit hat aber der
Gemeinde=
rat beſchloſſen, ſtatt einer größeren Feier am Abend von 7—8 Uhr
auf dem Rathausplatz ein Platzkonzert und anſchließend im
Rühl=
ſchen Hofe ein Gartenkonzert durch die Kapelle des Philipps=
Hoſpi=
tals zu veranſtalten, wozu ſämtlichen Vereinen Einladungen
zu=
gegangen ſind. — Nachdem der zum Teil noch auf dem Felde
lie=
gende Weizen und Hafer ſoweit abgetrocknet war, daß er hätte
heimgebracht werden können, ſetzte heute ein wolkenbruchartiger,
langanhaltender Regen ein, ſo daß wohl auf eine Woche mit dem
Einbringen der Frucht nicht zu rechnen iſt. Infolgedeſſen
muß=
ten auch die beiden Dreſchmaſchinen den Hallendruſchbetrieb auf
einige Tage einſtellen. — Kartoffelpreiſe. Wie troſtlos
die Lage der Landwirte iſt. zeigen folgende Kartoffelpreiſe.
Hie=
ſigen Landwirten, die nach Darmſtadt Frühkartoffeln liefern
woll=
ten, wurde bei freier Lieferung ins Haus pro Zentner 1,80 Mk.
geboten. Rechnet man für den Zentner an Fuhrlohn nach
Darm=
ſtadt 1 Mark ſo bleiben dem Erzeuger für ſeine Arbeit und
Saat=
gut noch 80 Pfg. pro Zentner übrig.
Ca. Lorſch, 8. Auguſt. Reiche Ernte. Schnitter Tod hält
hier überaus reiche Ernte, denn in den letzten 3 Tagen haben nicht
weniger als 7 Perſonen ihr Leben gelaſſen, eine für unſeren 6000
Einwohner zählenden Oxt erſchreckend hohe Zahl. Neben einem
Selbſtmord und einem Unglücksfall ſind 5 natürliche Todesfälle
zu verzeichnen, bei denen es ſich um ältere Perſonen handelt.
Du. Jugenheim, 10. Aug. Man ſchreibt uns: Wie man hört.
ſoll nun das Autobus=Unternehmen des Herrn Mendel=Jugenheim.
das heißt, die Heſſ. Autobus=Verkehrsgeſellſchaft, bald von der
Reichspoſt übernommen werden. Als Termin zur endgültigen
Ver=
handlung iſt der 12. Auguſt feſtgeſetzt. Um dann für die Zukunft
eine Exiſtenzmöglichkeit zu haben, hat der Unternehmer Mendel
einen wunderſchonen neuzeitlichen, mit allem Komfort
ausgeſtat=
teten Sonderwagen für Fernfahrten erworben. Es ſind Fahrten
bis Berlin und Hambutg geplant. Wir an der Bergſtraße
be=
grüßten damals, 1925, die Eröffnung der Autobuslinie Darmſtadt
—Jugenheim durch den Herrn von Königslöw auf das herzlichſte.
denn es fehlte uns mit Darmſtadt eine derartige Verbindung. Die
elektriſche Bahn war nicht zu erwarten, da die
verſchie=
denen Gemeinden in dieſer ſchweren finanziellen Notzeit der
Kom=
munen keine Garantien übernehmen konnten. Das
Privatunter=
nehmen nahm das Riſiko auf ſich und ſtellte damals zwei Autobuſſe
in den Dienſt der Linie, ſelbſtverſtändlich ohne Unterſtützung der
Gemeinden. Die Konzeſſion für den damaligen Unternehmer von
Königslöw lautete auf Widerruf, ſobald von Poſt, Bahn oder
Heag der Betrieb eröffnet wird. Als durch Todesfall die Linie
1929 an den Unternehmer Mendel kam, lautete für dieſen die
Konzeſſion auf 5 Jahre, alſo bis 1934, jedoch nur mit dem Paſſus
auf Widerruf, wenn die elektriſche Bahn gebaut würde.
Reichs=
poſt und Heag ſollen aber damals die Uebernahme des Betriebes
abgelehnt haben. Hierauf baute der Unternehmer Mendel die
Linie aus und heute laufen ſechs bequeme Autobuſſe auf der Linie
Jugenheim-Darmſtadt. Dieſer Ausbau des Unternehmens war
natürlich mit ſchweren finanziellen Koſten verbunden, es ſtecken
heute mehr als hunderttauſend Mark in dieſem Betrieb. Ab Mai
1931 laufen nun die Verhandlungen mit der Reichspoſt zwecks
Ab=
nahme des Privat=Betriebes. Die Bürgermeiſtereien der
verſchie=
denen intereſſierten Ortſchaften erhielten von der Reichspoſt eine
Zuſchrift, woraus hervorging, daß die Reichspoſt ab 18. Mai 1931
die Linie Darmſtadt-Jugenheim übernehmen würde, mit
Verbin=
dung von Bickenbach evtl Bensheim. Mit dem Unternehmer
Men=
del wurden ſeitens der Reichspoſt einige Tage vor dieſem Termin
Verhandlungen gepflogen, die jedoch zu keinem Reſultat führten,
da die Konzeſſions=Klauſel dem Privat=Unternehmer die Linie bis
1934 zuſichert. Dieſe Verhandlungen hatten lediglich zur Folge, daß
Entſchädigungs=Angebote gemacht und Schätzung des Wagenparkes
vorgenommen werden ſollten. Eine Entſchädigung für die Linie
ſollte aus den Betriebsbüchern hergeleitet werden. Zu einem
ſpä=
teren Zeitpunkt kam es zu einer Verhandlung bei der Reichspoſt in
Darmſtadt, wobei jedoch Gutachten bzw. Schätzung des
Wagen=
parkes und die Aufſtellung aus den Büchern, die der Unternehmer
Mendel vorlegte, nicht zugrunde gelegt wurden, ſondern die
Reichs=
poſt bot eine Pauſchalſumme als allgemeine Abfindung, für Linie
und vier Wagen. Eine Vermittlung des Heſſiſchen Miniſteriums
des Innern führte auch zu keiner Einigung. Bei Annahme der
ge=
botenen Abfindungsſumme müßte der Unternehmer Mendel
Ab=
ſtand nehmen von jeder Autobus=Unternehmung im Volksſtaat
Heſſen, lediglich Taxameter=Betrieb könne er aufrecht erhalten,
Sonderfahrten per Autobus müſſen dann auch durch Mendel
ein=
geſtellt werden. Der Unternehmer Mendel, dem es jedenfalls
weni=
ger auf die gebotene Entſchädigung ankommt, ſtellte nun ſeinerſeits
den Antrag, von der Poſt als Angeſtellter mit übernommen zu
werden, dann würde er auf jegliche Entſchädigungsanſprüche
ver=
zichten. Die Reichspoſt lehnt dieſen Antrag ab. Bis zum 12. Auguſt
1931 muß nun von ſeiten des Unternehmers Mendel Jugenheim
eine uneingeſchränkte zuſagende Antwort an die Reichspoſt
ab=
gegeben werden, daß er ihren letzgeſtellten Forderungen zuſtimmt,
andernfalls die Verhandlungen als völlig geſcheitert anzuſehen ſind.
Ueber die Weiterungen ſeitens der Reichspoſt werden wohl die
nächſten Tage Aufſchluß geben.
Au. Groß=Gerau, 8. Aug. Flugtag in Groß=Gerau.
Am Verfaſſungstag, am Dienstag nachmittag, veranſtaltet die
Sportfliegervereinigung Mainz=Wiesbaden in Groß=Gerau einen
Volksflugtag. Das vorgeſehene Programm iſt ſehr reichhaltig.
Es ſieht u. a. Geſchwaderfliegen, Ballonjagden, einen
Fallſchirm=
abſprung und Kunſtflüge vor. Den Clou der Veranſtaltung wird
die Darbietung des kleinſten deutſchen Kunſtfliegers mit dem
kleinſten deutſchen Flugzeug bilden. Die Eintrittspreiſe werden
möglichſt niedrig gehalten ,damit der Charakter des
Volksflug=
tages gewahrt bleibt. — Neue Felddiebſtähle. In den
letzten Nächten wurden in der Gemarkung Groß=Gerau wieder
verſchiedene Felddiebſtähle verübt. Auf dem Acker des
Feld=
ſchützen Heinrich Herdt wurden etwa ein Zentner, und auf einem
weiteren Kartoffelfeld etwa zwei Zentner Kartoffeln von den
bisher unbekannten Tätern ausgemacht. Auch aus der
Gemar=
kung Mörfelden wird wiederum ein neuer Felddiebſtahl gemeldet.
Eine Frau wurde dabei beobachtet, als ſie am hellen Tage auf dem
Acker eines Arbeiters unberechtigterweiſe Kartoffeln ausmachte.
Sie gelangte zur Anzeige. Bei einer Hausſuchung konnte die Gen”
darmerie die geſtohlenen Kartoffeln beſchlagnahmen. —
Auto=
unfall. Auf der Mainzer Chauſſee rannte nachts ein
Darm=
ſtädter Laſtkraftwagen, der in Bretzenheim 30 Zentner Kartoffeln
geladen hatte, gegen einen Baum. Angeblich ſoll der Führer
durch einen entgegenkommenden Perſonenwagen, der nicht
ab=
blendete, geblendet worden ſein. Drei Inſaſſen des
Laſtkraft=
wagens wurden bei dem Unfall erheblich verletzt. Sie wurden im
Städtiſchen Krankenhaus Groß=Gerau verbunden und dann ins
Städtiſche Krankenhaus Darmſtadt gebracht.
Da. Egelsbach, 10. Aug. Schwindler. Ein etwa 40
jäh=
riger Mann kam in eine hieſige Wirtſchaft, gab ſich als Leiter
einer Bauabteilung aus, die an der elektriſchen Ueberlandleitung
einen größeren Umbau auszuführen habe. Er übernachtete in dem
Gaſthaus nahm morgens ſein Frühſtück, und beſtellte für ſechs
Mann Mittageſſen. Als ſich mittags niemand einſtellte, merkte
der Wirt, daß er es mit einem Schwindler zu tun hatte, der ſich
auf geriebene Art, aber durch ſein vertrauenerweckendes
Auftre=
ten Quartier und Frühſtück zu verſchaffen wußte. Es iſt
anzuneh=
men, daß der Schwindler dieſen Trick auch noch anderwärts
verſucht.
Aa. Seligenſtadt, 9. Aug. Motorradunfall. Auf der
Landſtraße zwiſchen hier und Hainſtadt kam in der Nähe der
Klein=Krotzenburger Straßenkreuzung ein Motorradfahrer mit
ſeinem Beifahrer zu Fall. Der Beifahrer, ein gewiſſer Ernſt
Saal=
müller aus Klein=Krotzenburg, wurde dabei ſo ſchwer verletzt, daß
er in das Krankenhaus Seligenſtadt eingeliefert werden mußte.
Der Motorradbeſitzer Geßner aus Klein=Krotzenburg war längere
Zeit bewußlos.
— Offenbach a. M., 10. Aug. Vom Zuge erfaßt und
getötet. Am Sonntagabend wurde der Streckenarbeiter Hans
Fiſcher aus Klein=Steinheim an der Bahnüberführung
Bieberer=
ſtraße in Offenbach von dem gegen halb 11 Uhr von Hanau
ein=
treffenden Perſonenzug erfaßt und auf der Stelle getötet. Fiſcher
wurde noch etwa 20 Meter weit mitgeſchleift. Er hinterläßt Frau
und drei Kinder.
P. Rüffelsheim, 10. Aug. Der Stadt Rüſſelsheim iſt von
der Heſſiſchen Kommunalen Landesbank eine vor einigen Jahren zum
Zwecke der Herſtellung von Straßen und Finanzierung des
Wohnungs=
baues mit kommunalen Darlehen aufgenommene kurzfriſtige Anleihe in
Höhe von 444000 RM. gekündigt worden. Falls die
Kündi=
gung aufrecht erhalten bleibt, müſſen im laufenden Etatsjahre die
be=
reits im Voranſchlag vorgeſehenen größeren Arbeiten und Lieferungen
eingeſchränkt werden.
Ah. Pfeddersheim bei Worms, 10. Aug. Gräberfeld aus
dem Bauernkrieg. In Pfeddersheim bei Worms wird eine neue
Kirche errichtet. Bei Ausſchachtungsarbeiten ſtieß man dabei in etwa
acht Meter Tiefe auf, ein Gräberfeld, das allem Anſchein nach aus dem
Bauernkrieg ſtammt. Man legte u. a. ein Maſſengrab frei, in dem ein
großer Teil der Skelette aufrecht nebeneinander ſteht.
Ah. Bingen a. Rh., 10. Aug. Mainzer Autodiebe in
Bingen verunglückt. Geſtern abend gegen halb 10 Uhr kam eine
Opel=Limouſine in ſchnellem Tempo über die Kirchſtraße und den
Freid=
hof nach der Stefan=George=Straße gefahren. Da der Fahrer in der Kurbe
die Fahrtgeſchwindigkeit nicht minderte, raſte das Auto gegen einen
Alleebaum, wodurch es zum Stehen kam. Die beiden Inſaſſen ſprangen
aus dem verunglückten Auto und flüchteten in der Richtung Bingerbrück,
den Wagen herrenlos zurücklaſſend. Die von der Polizei angeſtellten
Nachforſchungen haben ergeben, daß es ſich um einen am gleichen
Nach=
mittag in Mainz geſtohlenen Wagen handelt. Die Täter ſind unerkannk
entkommen.
h. Gießen, 10. Aug. Skalpiert wurde ein Lehrling, der
bei Schloſſermeiſter Kunz in der Lehre ſteht. Der Junge geriet
mit ſeinem Haarſchopf in die Bohrmaſchine. Ein furchtbarer Schrei
rief den Meiſter herbei, und Kopfhaut und Haarſchopf hingen in
der Spindel der Maſchine. Der Lehrling wurde in die Klinik
ver=
bracht.
Nummer 221
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Seite 7
Sattagtattdr Teeſſtätet
Von Hans Baumeiſter.
Schwer und düſter wuchtet die Pyramide des Matterhorns
iber den Wieſen des Nikolaitales. Der ſteinerne Rieſe iſt heuer
ungnädig geſtimmt. Tageweiſe ſchimmern ſeine Flanken weiß
vom Neuſchnee, bis die Sonne unter dem trügeriſchen Glanz
wieder die ſchwarzen, drohenden Felsfluchten hervorgräbt. Aber
ſchon mittags verhüllt ſich das Löwenhaupt wieder grämlich in
wallende Nebel.
Heute ſpannt ſich über dem Bergſteigerdorado von Zermatt
tiefblau der Himmel. Das Dorf rüſtet zur Feier des 1. Auguſt,
des ſchweizeriſchen Nationalfeiertags. Fahnen und Girlanden
ſchmücken die Häuſer. Gegen Abend belebt ſich die Hauptſtraße.
Hunderte von Sommergäſten laſſen die kleine Schar der
Ein=
heimiſchen faſt verſchwinden. Viel Engländer. Ganz vereinzelt
hört man deutſche Worte.
Wir acht Münchener Klubfreunde ſind heute nahezu die
ein=
zigen deutſchen Bergſteiger hier. Unſere Berglertracht, verrauft
und verſchliſſen in manchem harten Strauß mit Eis und Fels,
taucht unter zwiſchen Smokings und eleganten Abendkleidern.
Niemand ſtößt ſich an dieſem Gegenſatz. Zermatt iſt ſeit
Whym=
pers Zeiten an ſolche Miſchung gewöhnt.
Durch die Dämmerung blitzen die erſten bengaliſchen
Flämm=
chen der Illumination, Muſik und Raketen. Vor dem
Seiler=
hotel ſtaut ſich die Menge. Patriotiſche Reden und Lieder klingen
auf. Aber trotzdem iſt der Jubel nicht ganz echt. Die
Feſt=
ſtimmung hat eine ſorgenvolle Unterſtrömung. Viele Augen
prüfen den jetzt ſchwarzbewölkten Abendhimmel, die finſteren
Nebelſchwaden um’s Matterhorn. Führergruppen debattieren
erregt. Das Fernrohr im Garten des Mont Cervin wird trotz
der Dämmerung umlagert.
Auch unſere Stimmung iſt gedrückt, denn wir wiſſen, daß
zwei liebe Freunde jetzt oben in der Nordwand des
Matter=
horns den ſchwerſten Kampf beſtehen müſſen. Ganz Zermatt
nimmt teil an dieſem Kampf. Denn dieſe berühmte Nordwand
bildet mit ihren jähen Eisrinnen und ſchwarzen Felsüberhängen,
die ſich 1200 Meter hoch aus dem zerſchründeten Gletſcherſockel
emporbäumen, ſeit ſiebenzig Jahren den Angelpunkt aller alpinen
Intereſſen. Sie ſtellt das größte alpine Problem Europas dar,
das bergſteigeriſcher Wagemut noch nicht bezwingen konnte.
Mögen tauſend andere Gipfel erklommen ſein; mögen tauſend
ſchwierige Wege durch Fels und Eis bis an die Grenze des
Möglichen führen — immer wird der Wunſchtraum des
Alpi=
niſten dieſes ſchreckliche granitene Wunder umkreiſen, dieſe
unge=
heuerliche Wand, über die am 14. Juli 1865 vier der Erſtbeſteiger
des Matterhorns den Todesſturz taten. Seit dreißig Jahren
verſuchen kühne Sportsleute, Führer und Führerloſe, den Bann
dieſes Bollwerkes zu brechen — ſie mußten alle geſchlagen
ab=
ziehen.
Da gingen zwei junge Studenten, Franz und Anton
Schmid aus München, mit dem unbekümmerten Mut der
Jugend an’s Werk. Mit Zeltſack, Mauerhaken, Eishammer und
Steigeiſen ausgerüſtet, 80 Meter Seil um die Schultern, radelten
ſie in fünf Tagen von Rorſchach nach Zermatt, weil das Geld
für die Bahn nicht langte. Wie Packeſel beladen, keuchten ſie mit
ihrer eiſernen Laſt hinauf nach Staffelalp, befahen ſich das
Wagnis zwei Tage lang und brachen dann auf in’s Ungewiſſe.
Wir haben nur ſpärliche Kunde von ihnen. Führerpartien,
die vom Gipfel des Matterhorns auf dem üblichen Wege
nieder=
ſtiegen, hörten hoch oben in der Nordwand Stimmen, ſahen
die beiden und riefen ſie an: „Wie geht’s?” — „Alles wohlauf!”
„Braucht ihr Hilfe?” — „Nein!” — Dann verſchwanden die
ſeiden im Nebel.
Das war geſtern, Freitag, abend um ſechs Uhr. In 4150
Meter Höhe. Seitdem wiſſen wir nichts mehr von ihnen. Die
Wand bleibt verhüllt. Das Schickſal der beiden liegt im Dunkel.
Haben ſie ſich durchgekämpft? Oder hat ſie der Berg
abgeſchüt=
telt in die gähnenden Klüfte zu ſeinen Füßen? Wir wiſſen es
ticht.
Die Nacht vergeht, ein ſtrahlender Sonntag bricht an. Aber
keine Partie ſteigt auf’s Horn. Die beiden ſind ganz allein im
Kampf mit dem Rieſen. Gerüchte ſchwirren: Abgeſtürzt? —
ſein, ſie ſind umgekehrt! — Als ob eine Umkehr in den
furcht=
baren Steilhängen möglich wäre! Die Ungewißheit hält ganz
Zermatt in Bann. Kein anderes Geſpräch kommt auf. Aller
Augen ſuchen die raſtlos wallenden Nebel zu durchbohren.
Am Nachmittag hält es uns nicht länger. Urplötzlich ſteht
der Entſchluß da: Wir müſſen hinauf! Wir dürfen nicht tatenlos
die Freunde in Bergnot laſſen. Selbſt wenn ſie ſich
durch=
gekämpft haben, brauchen ſie Unterſtützung und Nahrung. In
wenig Augenblicken ſind wir auf dem Marſch. Ich nehme mir
nicht einmal Zeit, in’s Hotel hinauf zu eilen, um die Bergſtiefel
anzulegen. Wie ich gehe und ſtehe, mache ich mich mit den
anderen auf den Weg zur Hörnlihütte. Wir ſchleppen ſchwer
an Proviant, Seilen und wärmenden Hüllen.
Unterwegs erwiſcht uns ein ſchweres Gewitter. Triefend
kommen wir zur Klubhütte. Der Hüttenwart gibt uns etwas
Hoffnung. Er glaubt vormittags hoch oben Rufe gehört zu
haben. Vielleicht leben unſere Freunde noch!
Wir werfen uns mit den feuchten Kleidern auf’s Lager. Froſt
und Sorgen bannen den Schlaf. Um drei Uhr nachts gießt es,
was vom Himmel herunter will. Der Sturm heult. Keine
Möglichkeit aufzuſteigen. Weiterdöſen im Halbdämmer.
Um halb ſieben ſchreit draußen der Hüttenwart. Wir ſtürzen
uns auf ſein Fernrohr. Das Wetter hat aufgeklart. Man kann
den Schweizergrat bis zur 4000 Meter hohen Solvay=Hütte
ver=
folgen.
Jeder ſpäht und ſucht in höchſter Erregung. Richtig! Dort oben
bewegt ſich etwas. Zwei winzige Figürchen — ſie ſind’s! Sie
müſſen es ſein! Unſer Jubel kennt keine Grenzen. Wir ſchreien,
rufen, brüllen. Umſonſt, der raſende Sturm verweht jeden Laut.
Meine Freunde fahren in die naſſen Stiefel, werfen Seil
und Ruckſack um, klirren zum Einſtieg hinauf. Ich muß meiner
mangelnden Beſchuhung wegen ſchweren Herzens zurückbleiben.
Stunden langen Wartens vergehen. Der Berg iſt heute bösartig.
Eine dicke Neuſchneeſchicht liegt auf ſeinen Flanken und verdeckt
jede Spur. Man ſieht die beiden oben in die Oſtflanke queren.
Weitab von der üblichen Route. Sie kennen ja den Abſtieg
nicht! Wir unten ſignaliſieren umſonſt. Wollen die Waghälſe
wirklich dort herunter? Aber da wird der Berg lebendig!
Lawinen und Steinſchläge fegen über die Oſtflanke und ſchlagen
krachend in den Furggletſcher. Die beiden ſehen die Gefahr
und kehren zum Grat zurück.
Nach ſechs Stunden der Spannung und Ungeduld, des
frierenden Wartens höre ich endlich die nahen Stimmen. Franz
und Toni Schmid klettern wohlbehalten mit ihren jubelnden
Begleitern die letzten Felſen herunter. Stürmiſche Begrüßung
und endloſes Erzählen folgt. Unterbrochen von heißhungrigem
Schlingen. Die beiden Helden ſind kaum ſatt zu bekommen.
Dreiundachtzig Stunden ſind ſie nun unterwegs.
Am Freitag, den 31. Juli, morgens 2 Uhr, brachen ſie auf.
Durchquerten zwiſchen Spalten und Séraes den rieſigen
Gletſcherbruch. Knapp hinter ihnen kracht ein zwanzig Meter
hoher Eisturm auf ihre Spuren. Die Eiswand wird ſteiler —
an ſechzig Grad. Eishaken müſſen das Seil ſichern. Die
Sieig=
eiſen bohren ſich tief ein den unſicheren Grund. Um 4 Uhr wird
der Bergſchrund erreicht und überſchritten. Sie haben Glück.
Der Neuſchneebelag in der oberen Wand hindert jeden
Stein=
ſchlag. Mit achtzig Metern Seil zwiſchen ſich beginnen ſie die
ſteilen, äußerſt glatten und ſchwierigen Felsrippen zu erklimmen.
Langſam ſchieben ſie ſich höher. Abwechſelnd führt bald der
eine, bald der andere Bruder. Eine Sicherung iſt kaum
mög=
lich. Die Mauerhaken dringen nur ſelten feſt genug in den
plattigen Fels. Was ſie ſpäter an Eiſenzeug wieder zu Tal
tragen, iſt ſtumpf und krummgehämmert. Sie arbeiten mit
äußerſter Vorſicht. Ein unſicheres Schwanken, ein Fehltritt, ein
verſagender Griff — und beide müſſen hinunter in die gähnende
Tiefe.
Auf beiden Graten werden ſie von Partien beobachtet und
können ſich durch Zurufe verſtändigen. Die Dunkelheit fällt
über ſie her. Noch fünfhundert Meter bäumt ſich die Wand
über ihnen auf. Sie ſuchen nach einem Biwakplätzchen. Eine
winzige Felsnaſe gibt die einzige Möglichkeit weit und breit.
Der Schnee wird weggeräumt; ein Haken notdürftig in die
Wand verkeilt; das Seil daran gebunden. Dann ſchlüpfen
beide in den gemeinſamen Zeltſack, der ſie vor der größten Kälte
ſchützt. Aneinandergekauert verbringen ſie ſchlaflos die lange
Nacht.
Samstag morgens um ſieben Uhr beginnt das mühevolle
Werk von neuem. Etwas leichtere Felſen geben anfangs friſche
Hoffnung. Aber bald folgen Ueberhänge und Wände, deren
Bezwingung die Grenze des Möglichen erreicht. „Ganz pfundige
Sachen!” wie Franzl in ſeinem Münchener Dialekt lachend ſich
erinnert.
Ein Quergang auf ſchmalen, glatten Ausbuchtungen ohne
jeder Sicherungsmöglichkeit ſpannt die Kräfte aufs äußerſte
Es iſt ein Gang auf Leben und Tod!
Endlich, endlich gibt ſich der Berg geſchlagen. Die Wand
lehnt ſich zurück; der Durchſtieg iſt frei!
Um zwei Uhr mittags erreichen die beiden Kletterer den
italieniſchen Gipfel des Matterhorns (4502 Meter).
Triumphie=
rend jubeln ſie auf. Der Löwe iſt bezwungen, das große alpine
Problem gelöſt!
Aber ganz gibt ſich der Berg noch nicht geſchlagen. Wolken
ballen ſich um das Löwenhaupt. Ein Gewitter brauſt auf. Blitze
zucken um den exponierten Gipfel. „Macht nix!”, lacht der Toni:
„Hat uns die Wand nix getan, wird uns das biſſerl Blitzen auch
nix ſchaden!” Und juchzend machen ſie ſich an den Abſtieg. Der
Schnee fließt vom Himmel. Froſtgeſchüttelt kämpfen ſie ſich in
langem Ringen zur primitiven Solvay=Hütte am Schweizergrat
(4000 Meter) durch. Sie wickeln ihre durchnäßten, halberfrorenen
Körper in die vorhandenen Decken und ſchlafen wie die Dachſe
bis Sonntag mittag durch. Beim Erwachen wütet der Sturm
mit verdoppelter Heftigkeit. An Abſtieg iſt nicht zu denken. Der
Hunger meldet ſich; aber der karge Proviant iſt längſt aufgezehrt.
Einige alte Brotrinden finden ſie; auch etwas Benzin zum
Schneekochen. Ein herrliches Mahl für die Ausgehungerten! Aber
das Frohgefühl der vollbrachten Tat beſiegt Erſchöpfung und
Hunger; und nur Siegesjubel lacht aus den jungen Augen.
Wüſt wie Wegelagerer ſehen ſie aus: die Hoſen hängen, von
Felskanten und Steigeiſen zerfetzt. Am Ellbogen blinkt das
zer=
ſchundene Fleiſch durch den Stoff; Bartſtoppeln umwuchern die
hageren Geſichter; die Hände ſind bedeckt, mit Blaſen und
Schrunden. So ſtolpern die Helden müden Schrittes, aber
un=
gebeugt zu Tal.
In Zermatt ſchwirren die Gerüchte. Führer und Touriſten
bilden dichte Gruppen auf der Straße. Das Fernrohr hat keinen
Augenblick Ruhe. Ungeduldige eilen zum Schwarzſee hinauf. Als
wir dort ankommen, empfängt uns ein Menſchenſchwarm. Ein
paar Dutzend Photoapparate knattern. Bravos und Heilrufe
miſchen ſich in das Beifallsklatſchen. Die begeiſterte Menge
be=
mächtigt ſich ihrer Opfer. Händeſchütteln, Schulterklopfen,
Fra=
gen, Staunen, Enthuſiasmus. Mühſam bahnen wir für die
kühnen Brüder den Weg in’s Haus, wo eisgekühlte Flaſchen die
Sieger erwarten.
In Zermatt das gleiche Bild. Alles will die Senſation
aus=
koſten. Das Hotel Mont Cervin iſt umdrängt von Neugierigen.
Abends gibt der bekannte Hotelbeſitzer Dr. Seiler ein großes
Bankett. In ihrer verſchliſſenen Berglertracht ſitzen die beiden
Münchener Studenten inmitten der feierlichen Smokings. Reden
werden gehalten, Lieder erklingen, und immer wieder ſuchen
exaltierte Gäſte auf Poſt= und Menükarten die Unterſchrift der
beiden glückſtrahlenden Matterhornbeſteiger zu erhalten.
Vertreter der ſchweizeriſchen, öſterreichiſchen, engliſchen,
franzöſiſchen und holländiſchen Alpenklubs, der Walliſer
Berg=
führerſchaft und der internationalen Preſſe feiern die endgültige
Eroberung des berühmten Berges, feiern die kühne Tat deutſcher
Jugend, und der holländiſche Alpiniſt Dr. van Deelen ſchließt
ſeine begeiſterte Rede mit den Worten: „Ein Volk, das ſolche
Söhne hat, kann nicht untergehen!“
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Seite 8
Dienstag, den 11. Auguſt :1931
Nummer 221
Das D=Zug=Attentat auf den Basel-Berlin=Erpreß.
Die umgeſtürzten Wagen des D=Zugs Baſel—Berlin auf dem Bahndamm bei Jüterbog.
Unterſuchung der Unglücksſtelle.
Ein beiſpielloſes Attentat, für das die Polizei politiſche Gründe vermutet, wurde auf den D=Zug
Baſel—Berlin verübt. Auf der Strecke bei Jüterbog, eine Stunde von Berlin, wurde das Gleis
geſprengt und dadurch ſieben Wagen des D=Zuges Baſel-Berlin zum Entgleiſen gebracht. Trotz
der gewaltigen Entgleiſung ſind die Verletzungen der meiſten Fahrgäſte nur leichter Natur.
Reich und Ausland.
„Emden”=Gedenkfeier im Indiſchen Ozean.
Berlin. Der Kreuzer „Emden”
veranſtal=
tete am vorgeſtrigen Tage unter Teilnahme des
britiſchen Vermeſſungsſchiffes „Froquois”, das
hierzu von Singapore zu den Nord=Keelings=
Inſeln gekommen war, an der Untergangsſtätte
der alten Emden” eine würdige Gedenkfeier.
Da wegen ſchweren Seeganges eine Landung
nicht möglich war, wurde dem Kommandanten
des „Jroquois”, Captain A. L. Jackſon ein
Grab=
kreuz übergeben, das an Land errichtet werden
ſoll. Nach Abſchluß der Feier ſandte der
Kom=
mandant der „Emden” an den Chef des
Briti=
ſchen Chinageſchwaders ein Dank= und
Abſchieds=
telegramm. Der Kreuzer befindet ſich jetzt auf
dem Wege nach Mauritius.
Schweres Exploſionsunglück bei Wittenberg.
Wittenberg (Bez. Halle). Geſtern
vor=
mittag kurz nach 9 Uhr erfolgten in den
Spreng=
ſtoffwerken Reinsdorf bei Wittenberg zwei
hef=
tige Exploſionen. Mächtige Rauchſäulen ſtiegen
zum Himmel. In den Pulveranlagen der Werke
war ein Teil der ſogenannten Pulver=
Unter=
waſſeranlage in die Luft geflogen. Bis jetzt ſind
zwei Tote und eine Anzahl Verletzter geborgen
worden. Der Betrieb des Werkes, das der
weſt=
fäliſch=anhaltiſchen Sprengſtoff A.G. in Berlin
gehört, erleidet keine Unterbrechung, da die
Be=
triebsanlage in Geſtalt von zahlreichen
Einzel=
baracken über eine rieſige Fläche verteilt iſt.
Die Geſamtzahl der Belegſchaft beträgt etwa
2000 Mann.
Granate explodiert in einer Kindergruppe.
Trieſt. Vier Kinder fanden Sonntag früh
in der Nähe einer Schule eine Granate, die ſie
zur Entladung zu bringen verſuchten. Plötzlich
explodierte das Geſchoß und verletzte ein Kind
ſo ſchwer, daß es ſpäter im Krankenhaus ſtarb.
Ein zweites Kind wurde ſchwer, die beiden
übrigen leichter verletzt.
Schloß Buchlau niedergebrannt.
Wien. Wie aus Brünn gemeldet wird, brach
am Sonntag nachmittag auf Schloß Buchlau, das
dem früheren öſterreichiſchen Außenminiſter Graf
Berchtold gehörte, ein Brand aus. Das Feuer
breitete ſich raſch aus, und abends 9 Uhr ſtand das
ganze Schloß lichterloh in Flammen und brannte
vollſtändig nieder. Zahlreiche hiſtoriſche
Kunſt=
ſchätze ſind mit dem Brand verloren gegangen.
Schloß Buchlau iſt im 13. Jahrhundert erbaut
und war eine der beſterhaltenen und älteſten
Burgen in Mähren.
Hohe Auszeichnung
des Segelfliegers Richter.
Hans Richter,
der bekannte deutſche Segelflieger, wurde durch
die Verleihung der Lilienthal=
Erinnerungs=
medaille für ſeine langjährigen Verdienſte um
den deutſchen Segelflugſport ausgezeichnet.
Das erſte Originalbild vom Kanzlerbeſuch in Rom.
Der Nachmittagstee in der Villa dEſte.
Reichskanzler Brüning bewundert die berühmten Gartenanlagen der Villa dEſte. Muſſolini in
ange=
regtem Geſpräch mit Reichsaußenminiſter Dr. Curtius. Rechts der italieniſche Außenminiſter Grandi.
Schweres Unwetter über Siebenbürgen
und Budapeſt.
Budapeſt. Das heftige Gewitter, das über
Transdanubien und Budapeſt zog, hat mehrere
Todesopfer gefordert. In der Nähe von Vasvar
haben die ungewöhnlich großen Hagelſchloßſen
zwei auf dem Felde arbeitende Knaben, die ſich
vor dem Gewitter in einen Graben flüchteten,
den Schädel förmlich eingeſchlagen, ſo daß ſie
bald ſtarben. Eine Frau wurde auf dem Felde
vom Blitz getötet. Das Gewitter hat auch
gro=
ßen Sachſchaden angerichtet. In Szigliget am
Plattenſee ſchlug der Blitz in einen Stall, wo
von den 22 Rindern 12 getötet wurden. Die
rieſigen Hagelſchloſſen richteten auf dem Felde,
in den Weingärten und in dem Waldbeſtand
großen Schaden an. In Budapeſt, wo der Sturm
insbeſondere in Ofen mit großer Heftigkeit
wütete, wurde in den öffentlichen Parkanlagen
und Waldungen, ſowie in den Baumſchulen und
Gärtnereien der Hauptſtadt ein Schaden von
etwa 30 000 Pengö verurſacht.
Das Unwetter bei Toulon.
Zehn Todesopfer.
Paris. Der vorgeſtern bereits gemeldete
heftige Sturm an der Küſte bei Toulon ſoll zehn
Todesopfer gefordert haben. Allein aus Toulon
wird die Bergung von acht Leichen berichtet.
Die Zahl der Vermißten ſteht noch immer nicht
feſt.
Die Ueberſchwemmung in China.
Schanghai. Infolge der anhaltenden
wol=
kenbruchartigen Regengüſſe hat ſich die Lage im
Ueberſchwemmungsgebiet von Hankau erheblich
verſchlimmert; auch neuerdings ſind wiederum
zahlreiche Häuſer eingeſtürzt. Ebenſo iſt aber
auch die Lage in der chineſiſchen
Regierungs=
hauptſtadt Nanking durch die
Ueberſchwemmun=
gen äußerſt bedrohlich geworden; man zählt
etwa 40 000 Obdachloſe.
Zugzuſammenſtoß im Eiſenbahntunnel
von Stockholm.
Stockholm. In dem großen
Eiſenbahn=
tunnel in Stockholm ſtieß am Sonntag mittag
der nach Malmö fahrende Schnellzug mit einem
Lokalzug zuſammen. Eine der Lokomotiven
wurde ſchwer beſchädigt. Infolge des Anpralles
zerriſſen die Lichtleitungen. Unter den
Paſſa=
gieren entſtand eine Panik. Hilfsmannſchaften
rückten ſofort an. Glücklicherweiſe ſind nur vier
Perſonen verletzt worden. Ein Deutſcher
be=
findet ſich nicht unter den Verletzten.
Schwere Exploſion in einer Feuerwerksfabrik.
Stockholm. Am Sonntag entſtand in der
pyrotechniſchen Fabrik in Landala (Gotenburg)
ein Feuer, das zunächſt ungefährlich erſchien.
Plötzlich explodierten mehrere Zentner
Feuer=
werkskörper. Das Haus verwandelte ſich in
einen Vulkan. Viele Perſonen erlitten ſchwere
Brandwunden. Drei Feuerwehrmänner
ſchwe=
ben in Lebensgefahr.
Elf Perſonen bei Flugzeugunfällen getötet.
New York. Drei Flugzeugunfälle
inner=
halb 24 Stunden haben elf Perſonen das Leben
gekoſtet. Ein Verkehrsflugzeug ſtürzte in der
Nähe von Cincinnati ab, wobei vier Paſſagiere
und die beiden Piloten den Tod fanden. — Ueber
Lynchburg ſtürzte ein anderes Verkehrsflugzeug
ab; die vier Inſaſſen wurden auf der Stelle
ge=
tötet. — Ein drittes Flugzeugunglück ereignete
ſich bei Marſhallton im Staate Pennſylvania; ein
Paſſagier kam ums Leben, zwei andere wurden
ſchwer verletzt.
Autounfall reichsdeutſcher Studenten in Ungarn.
Budapeſt. Einer Zeitungsmeldung
zu=
folge iſt in der Nähe von Budapeſt ein
Laſt=
kraftwagen mit 12 reichsdeutſchen Studenten, die
eine Wanderung durch Oeſterreich und Ungarn
unternommen haben, in den Straßengraben
ge=
ſtürzt. Sieben Studenten und der Chauffeur
wurden verletzt.
Brandkakaftrophe in der Rhön
14 Familien obdachlos. — 6
Wohn=
hänſer, 7 Scheunen und Stallungen
vernichkel.
Kaſſel, 10. Auguſt.
Die Gemeinde Mehmel in der vorderen Rhön
wurde von einer ſchweren Brandkataſtrophe
heimgeſucht. Ein in der Scheune des ehemaligen
Ortsdieners Sauerbrey ausgebrochenes Feuer
hatte mit raſender Schnelligkeit auf die
umlie=
genden, meiſt zuſammenhängenden Gebäude
übergegriffen, ſo daß in kurzer Zeit der ganze
mittlere Ortsteil ein einziges Flammenmser
bildete. Unter Lebensgefahr verſuchten die
Be=
wohner zu retten, was noch zu retten war, und
es gelang auch, einen Teil des Hausrates und
des Viehs in Sicherheit zu bringen. Unterdeſſen
arbeiteten die Wehren der umliegenden Orte
ſchaften an der Bekämpfung des Brandes, der
insbeſondere die Kirche und die Schule bedrohte.
Als das Feuer gelöſcht war, ſtanden von ſechs
Wohnhäuſern, ſieben Scheunen, Stallungen und
einer Anzahl Nebengebäuden „nur noch die
Grundmauern. Die meiſten
Wohnungseinrich=
tungen, landwirtſchaftlichen Maſchinen, ſowie der
größte Teil der neuen Ernte iſt verbrannt. Der
Schaden beläuft ſich auf einige hunderttauſend
Mark. 14 Familien wurden durch die
Feuers=
brunſt obdachlos und ihrer Habe beraubt. Die
meiſten der Geſchädigten ſind nicht einmal
ver=
ſichert. Die Unterſuchung über die
Entſtehungs=
urſache des Brandes iſt noch im Gange.
Großes Schadenfeuer in der Nähe von Fulda.
Durch ſpielende Kinder verurſacht
Fulda. In dem Dorfe Nieſig bei Fulde
entſtand Sonntag nachmittag gegen 18 Uhr in
dem Gehöft des Landwirts Günther ein Feuer,
das ſich raſch zu einem mächtigen Brande
ent=
wickelte. Dem Feuer fielen zwei Scheunen und
die Stallungen des Landwirts Günther ſowie
die Stallgebäude des Nachbargehöftes zum Opfer.
Den Wehren aus Fulda und den umliegenden
Ortſchaften gelang es erſt gegen 21 Uhr, das
Feuer einzudämmen. Der Schaden iſt ſehr
be=
trächtlich und ſoll nur zum Teil durch
Verſiche=
rung gedeckt ſein. Wie einwandfrei feſtgeſtellt
wurde, iſt das Schadenfeuer durch ſpielende
Kin=
der d esLandwirts Günther entſtanden.
70jährige Wiener Schriftſtellerin
wird Ehrendokkorin von Heidelberg.
Die Wiener Schriftſtellerin Helene Richter
wurde anläßlich ihres 70. Geburtstages am
4. Auguſt von der Heidelberger Univerſität in
Anerkennung ihrer Verdienſte um die
Erfor=
ſchung der engliſchen Literatur zur Ehrendoktorin
ernannt. Frau Richter hat zahlreiche engliſche
Werke ins Deutſche übertragen und erläutert.
Nummer 221
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Soeh SaltoTa Saatleht
Hanooan.
T. 5.P. Braunshardk — 5.5. Darmſtadt 98 3:9 (3:4).
Im erſten Verbandsſpiel der neuen Spielzeit hatten die 98er
in Braunshardt gegen den Liganeuling anzutreten. Man weiß
zur Genüge, daß Braunshardt ſchon ſeit mehreren Jahren in der
A=Klaſſe eine führende Rolle ſpielte, ſo daß ſein diesjähriger
Auf=
ſtieg allgemein als verdient angeſehen wurde. Bei der
urwüch=
ſigen Kampfkraft des Platzvereins erwartete man von vornberein
einen hartnäckigen Widerſtand. So wundert man ſich denn auch
nicht, daß Braunshardt unter höchſter Energieentfaltung ſich ins
Zeug legte, um die Niederlage möglichſt gering zu halten. Dies
gelang auch in der 1. Halbzeit durchaus, da trotz unverkennbarer
Ueberlegenheit die 98er ſich mit einem Halbzeitſtand von 4:3
be=
gnügen mußten. Nachdem ſich jedoch die Darmſtädter im Verlaufe
der 1. Hälfte an die ſchwierigen und anormalen Platzverhältniſſe
gewöhnt hatten, lieferten ſie in der 2. Hälfte ihr gewohntes ſicheres
Spiel, das dann auch eine weſentliche Erhöhung des Sieges
ein=
brachte.
Das unter Leitung von Dienſtbach (Frankfurt) ſtehende
Spiel wurde im übrigen vornehmlich von ſeiten des Platzvereins
im echten Verbandsſpielſtil ausgetragen. Die Braunshardter
Mannſchaft zeigte, daß ſie das Zeug in ſich hat, manchem
Kon=
kurrenten — hauptſächlich auf eigenem Platz — die Punkte
ab=
zunehmen. Die Herausſtellung eines Spielers in der 2.
Spiel=
hälfte dürfte für die Zukunft als Warnung dienen, die harte
Kampfesweiſe nicht zu übertreiben. Für die 98er ſelbſt kann
dieſes erſte Spiel nicht als Gradmeſſer des derzeitigen Könnens
dienen, wenn auch die ſichere und ruhige Art, in der die beiden
erſten Punkte gebucht werden konnten, erhoffen läßt, daß die
vor=
jährige Form bald erreicht wird. Im nächſten Spiel auf eigenem
Platz gegen Wormatia Worms wird man wohl klarer ſeben
können.
Den Verfaſſungstag benutzt die Handball=Ligamannſchaft der
98er zur Austragung eines Rückſpieles gegen die Raſenſpieler in
Mannheim. Allerdings werden die Darmſtädter dieſes Spiel
nicht in ſtärkſter Aufſtellung abſolvieren können, da Henß. Förſter,
Fiedler und Fuchs erſetzt werden müſſen.
Die neu zuſammengeſtellte 3. Mannſchaft der 98er trug ihr
erſtes Spiel gegen die Reſerven, von Rot=Weiß Darmſtadt aus
Der 8:1=Sieg der Sportvereinler läßt die Hoffnung zu, daß auch
dieſe Mannſchaft bald mit einem würdigen Können aufwarten
wird.
Reichs=Arbeiter=Sporkkag.
40 Jahre Freier Athl.=SV. 1891 Darmſtadt.
Die alljährliche Werbeveranſtaltung des Arbeiter=
Sportkar=
tells, der Reichs=Arbeiter=Sporttag, erhielt dieſes Jahr durch die
damit verbundene Feier des 40jährigen Beſtehens des Freien
Athletik=Sportvereins einen etwas anderen Anſtrich. Aus Anlaß
ſeines 40jährigen Gründungstages hatte, das Geburtstagskind
einen nationalen Wettſtreit im Ringen und Stemmen
ausgeſchrie=
ben, der eine Teilnahme von nahezu 300 Wettkämpfern
aufzu=
weiſen hatte. Die Vexanſtaltung wurde durch einen Kommers
im großen Saale des Städt. Saalbaues eingeleitet. Das
groß=
zügige Programm zog ſich bis nach Mitternacht hinaus. Die
Leiſtungen ſtanden auf einer hohen Stufe. Nach einem Marſch
des Spielmannszuges der Freien Turngemeinde Darmſtadt dem
Begrüßungschor des Männerquartetts „Weſtend”, der
Begrü=
ßungsanſprache des Kartellvorſitzenden Wolf und einer kurzen
Anſprache des Miniſters des Innern Leuſchner folgten in bunter
Reihenfolge Radfahrer, Turnerinnen. Turner und Ringer. Alle
wußten ſie mit guten Leiſtungen aufzuwarten. Im zweiten Teil
den Mäl Sp eirnante Dder Vorſkende grat den perdienſvolen
Vorſitzenden des Landes= und Sportkartells, Wolf, zum
Ehren=
vorſitzenden des Vereins.
Am Sonntag fanden die Wettkämpfe auf dem Sportplatz
Müllersteich” der Freien Turngemeinde ihre Erledigung. Am
Vormittag fanden die Vorkämpfe im Ringen und Stemmen und
der Dreikampf der Leichtathleten ſtatt.
Der Nachmittag wurde durch den üblichen Umzug eingeleitet.
Fußball: Fr. Tgde. Darmſtadt — Mannheim=Waldhof 6:2 (1:1).
Darmſtadt hatte ſich mit dieſer Mannſchaft einen Gegner
ver=
pflichtet, der die in ihn geſetzten Hoffnungen nicht ganz erfüllte.
Vom Anſtoß weg entwickelte ſich beiderſeits ein flottes Feldſpiel,
bei dem Darmſtadt leicht im Vorteil war. In der Mitte der
erſten Halbzeit konnte D. in Führung gehen. Mannheim
ver=
doppelte nun ſeine Anſtrengungen und wurde des öfteren vor
dem Tor gefährlich Verteidigung und Torwart des Gaſtgebers
können, aber ihr Tor rein halten. Kurz vor Halbzeit konnte
Waldhofs Mittelſtürmer in ſcharfem Nachdrängen den Ausgleich
herausholen. Nach dem Wechſel mußte Mannheims Hüter zwei
Elfmeterbälle wegen unfairer Abwehr vaſſieren laſſen, und die
Kampfkraft des Gaſtes läßt nach. Da Mannheims Hüter in
un=
ſportlicher Weiſe das Spielfeld verläßt. gewinnt D. an
Fahr=
waſſer und kann bis zum Schluß das Reſultat auf 6:2 ſtellen. Bei
Mannheim waren Linksaußen Mittelläufer und Verteidigung
die beſten Mannſchaftsteile. Darmſtadt bot eine befriedigende
Geſamtleiſtung, doch läßt das Zuſammenſpiel noch manche Wünſche
offen. Der Schiri war gut.
Das Waſſerballſpiel Fr. Tgde. Darmſtadt — Karlsruhe
ſah ebenfalls einen verdienten 4:1=(1:0)=Sieg der heimiſchen
Mannſchaft. Es war ein wechſelſeitiges, ſchönes Spiel, das guten
Anklang beim zahlreichen Publikum fand. Darmſtadt zeigte trotz
Erſatzes gute Leiſtungen und war in der Ballbehandlung und
Zuſpiel ſeinem Gegner über.
Handball: Fr. Tade. Darmſtadt — Frankfurt=Bodenheim 5:5.
Zwei gleichſtarke Mannſchaften, die ſich ein zügiges
Kombi=
nationsſpiel lieferten. Schöne Kampfmomente feſſelten die
Zu=
ſchauer.
Die Reſultate des Dreikampfes (Kugelſtoßen Weitſprung.
100=Meter=Lauf) ſind als gut zu betrachten. Wir laſſen die drei
erſten jeder Klaſſe folgen: Sportler über 18 Jahre: 1. Avemarie,
WV.. 212; 2. Neiter Gg. 210; 3. Krämer, Hch., 195 Punkte.
Sportler unter 18 Jahren: 1. Neiter, 197: 2. R. Meiſter, 184;
H. Herbert. 179 Punkte. Fußballer: 1 O). Schäfer 174
2. E Feldmann 172: 3. H. Führes, 153 Punkte. Handballer:
Ph. Claus, 184: 2. A. Weidmann, 148: 3. K. Arnold, 142
Punkte Sportlerinnen unter 18 Jahren: 1. E Spieß, 235;
2 E. Schrottmann, 201: 3. O. Blümler, 189 Punkte.
Einzel=
kämpfe: Diskus, Sportler: 1. L. Eiſenhahn, 2. Ph. Herbert,
3. O. Förſter. Kugelſtoßen, Sportler: 1. R. Stahl. 2. H. Krämer,
3. Gg. Neiter, „Kugelſtoßen, Handballer: 1. Ph. Claus, 2. Gg.
Spalt. Weitſprung, Jugend: 1. A. Geideck, 2. J. Neiter.
Herbert. Kugelſtoßen, Jugend: 1. J. Neiter, 2. H. Herbert 3. R.
Meiſter, „Speerwerfen. Sportlerinnen: 1. L. Meiſter 2. E. Liſt.
3. K. Pfeifer. Kugelſtoßen. Sportlerinnen: 1. E. Meiſter, 2. J.
Weidmann 3. K. Pfeifer. 100 Meter, Sportlerinnen: 1. E. Spieß,
2. K. Pfeifer, 3. E. Schrottmann.
Deutſche Schwerakhletik Meiſterſchaften.
Der Deutſche Athletik=Sportverband von 1891 führte am
Sonntag in Schweinfurt und Hamburg wieder einen Teil ſeiner
deutſchen Meiſterſchaften durch. In Schweinfurt wurden die
Mei=
ſterſchaften im Gewichtheben der Schwergewichtsklaſſe und im
Ringen der Halbſchwergewichtsklaſſe entſchieden, während in
Hamburg die Titel im Gewichtheben der
und im Ringen der Mittelgewichtsklaſſe vergeben wurden.
Im Gewichtheben, der Schwergewichts klaſſe
in Schweinfurt ſiegte der Münchener Straßberger mit 720 Pfund
vor Neubauer=Würzburg (675 Pfund) und Wahly=Dortmund (660
Pfund).
Im Ringen der Halbſchwergewichtler, das
eben=
falls in Schweinfurt entſchieden wurde, ſiegte der Kreuznacher
Bräun wieder vor Ertle=Maxvorſtadt (Nürnberg) und
Heiz=
mann (Vierſen).
Im Ringen der Mittelgewichtler, in Hamburg
ſiegte Bucky=Koblenz vor dem Titelverteidiger Kremer=Duisburg
und dem Hamburger Hecker.
Bierwirt=Eſſen gewann, mit 665 Pfund das
Gewicht=
beben der Halbſchwergewichtler, vor Dietl=Polizei
München (660) und Leopold=Erfurt (630 Pfund).
Die Redenmannſchaft
des Tennis= und Eisklubs Darmſtadt
die nach ihrem Sieg über S.C. Forſthausſtraße Frankfurt a. M.
diesjähriger Medenſieger wurde.
Von links nach
rechts: Kleinlogel, Müller,
Werner, Claß. Sennewald.
Fußbal im Kreis Südheſſen.
Während die Bezirksliga bereits die erſten Kämpfe, in denen
ſich überraſchender Weiſe ſämtliche Neulinge (hier vor allem der
Südheſſenmeiſter) durchſetzen konnten, hinter ſich hat, fiebern die
Kreisligiſten dem Auftakt der Verbandsſpiele entgegen. Es iſt
deshalb nicht verwunderlich wenn die Reſultate der
Freund=
ſchaftsſpiele durchſchnittlich nicht im Einklang mit dem
Verbands=
ſpiel=Stärkeverhältnis der Mannſchaften ſtehen. Der letzte
Sonntag brachte in Gernsheim neben annehmbaren
Lei=
ſtungen im Fußballſport auch recht beachtenswerte leichtathletiſche
Ergebniſſe, ſo daß der Sportwerbetag von Concordia Gernsheim
als vollkommen gelungen bezeichnet werden darf. Aus dem
Fuß=
ballturnier ging Spp. Geinsheim als 1. Sieger hervor. Zweiter
wurde Vorwärts Bobſtadt: 3. Germania Eich; 4. Rheingold
Hamm. Die Reſultate: Spv. Geinsheim — Germ. Eich 2:1;
Vorw. Bobſtadt — Rheingold Hamm 1:0:
Entſcheidungs=
ſpiel Spp. Geinsheim — Vorw. Bobſtadt 1:0: Schlußſpiel
Germ. Eich — Rheingold Hamm nach Verlängerung 3:3. Das
Los entſchied für Eich. Ein Freundſchaftsſpiel zwiſchen Conc.
Gernsheim Reſ. — Edelweiß Zwingenberg endete nach ſchönem
Kampfe 2:1. Conc. Gernsheim 1. konnte im Schlußſpiel dieſer
Veranſtaltung gegen Rot=Weiß Darmſtadt nur ein Unentſchieden
(1:1) erzielen.
Die übrigen Spiele des letzten Sonntags brachten folgende
Reſultate: Olympia Lampertheim — Spv. Hochheim 4:2; VfL.
Lampertheim — VfR. Mannheim (Privatm.) 4:1; FC.
Bens=
heim — Union Wirhauſen 1:1; Olympia Biebesheim —
Rhein=
dürkheim 4:0; Sp.Vgg. Klein=Hauſen — T.= u. Spv. Herrnsheim
6:7. Die Spiele verliefen allgemein recht angenehm".
Zum erſten Male ſeit ſeinem Beſtehen hat am Verfaſſungstag
der Südheſſenkreis eine leichtathletiſche Veranſtaltung
ausgeſchrie=
ben, die überaus großen Zuſpruch aufzuweiſen hat. Die Kämpfe
werden auf dem Alemannia=Sportplatz in Worms ausgetragen.
und zwar unter Aufſicht und nach den Beſtimmungen der DSB.
Neben den beiden Wormſer Großvereinen, Wormatia und
Alemannia, haben noch folgende Vereine ihre Meldung
ab=
gegeben: Olympia Lorſch, Olympia Lampertheim, FV. 1919
Bib=
lis. FC. 07 Bensheim. Spp. Horchheim, VfR. Alsheim,
Poſtſport=
verein Worms. Mit dem Eingang weiterer Meldungen iſt zu
rechnen, zumal die Teilnehmer bis zum Dienstag morgen
nach=
gemeldet werden können. Die Sieger und Siegerinnen der
ein=
zelnen Poſitionen werden mit dem Titel: „Meiſter des Kreiſes
Südheſſen” ausgezeichnet. Gleichzeitig werden die Kämpfe um
die von dem Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg geſtifteten
Diplome und Plaketten zur Feier des Verfaſſungstages 1931
aus=
getragen. Es bleibt zu wünſchen, daß dieſer Veranſtaltung ein
guter Verlauf und ein angenehmer Beſuch beſchieden iſt.
Sp. C. „Viktoria” Griesheim 1. — Spv. Groß=Gerau 1. 6:2 (5:1).
Mit dieſem ſchönen Sieg konnten die Griesheimer ihr
vor=
letztes Privatſpiel in dieſem Jahre abſolvieren. In der durch
Jugendſpieler ergänzten Mannſchaft klappte es tadellos. Angriff
auf Angriff rollte auf das Tor der Grünen. Leider zog ſich
Gries=
heims Torwächter bei einem Zuſammenprall eine Verletzung zu,
die aber hoffentlich nicht ernſterer Natur wird. Spielt die
Gries=
heimer Mannſchaft in dem kommenden Verbandsſpiel mit der glei”
chen Luſt und Liebe wie vorgeſtern, dann wird von ihr auch inden
Verbandsſpielen mancher Sieg eingeheimſt werden können. — Die
zweiten Mannſchaften beider Vereine trennten ſich vorher mit 5:2
zugunſten Griesheims.
Leichkathletik.
Leichtathl. Vereinswettkampf Sportklub „Viktoria 06‟ Griesheim
gegen Tv. Groß=Bieberau i. O. 40:36.
Bei herrlichem Sportwetter fand vorgeſtern obiger
Vereins=
wettkampf auf dem Viktoria=Sportplatz in Griesheim ſtatt. Die
erzielten Leiſtungen ſind Beweis dafür, daß beide Vereine über
gute Kräfte verfügen, von denen man noch vieles erwarten darf.
Die erzielten Leiſtungen und Ergebniſſe ſind folgende:
100 Meter=Lauf: 1. Kaffenberger=Groß=Bieberau 12.1 Sek., 2.
Schecker=Griesheim 12,2 Sek., 3. Heß=Griesheim 12,3 Sek., 4.
Keil=Groß=Bieberau.
1500 Meter=Lauf: 1. Bitter=Griesheim 5:01,6 Min 2. Becker=
4. Keil=Groß=Bieberau.
4X100 Meter=Staffel: 1. Viktoria Griesheim mit 51,4 Min., 2.
Groß=Bieberau mit 52 Min.
Hochſprung: 1. Peter=Groß=Bieberau 1,60 Meter, Volz=Groß=
Bie=
berau und Höhl und Volkmann=Griesheim je 1,50 Meter.
Weitſprung: 1.=Schecker=Griesheim 6,09 Meter 2 Peter=Groß=
Bieberau 6,07 Meter 3. Höhl=Griesheim 5,88 Meter, 4. Daub=
Groß=Bieberau 5,63 Meter.
Diskuswerfen: 1 Peter=Groß=Bieberau 32.54 Meter, 2. Schecker=
Griesheim 31,54 Meter, 3. Volz=Groß=Bieberau 28,40 Meter,
4. Höhl=Griesheim 21.48 Meter.
Speerwerfen: 1. Schecker=Griesheim 52,20 Meter, 2. Becker=
Gries=
heim 42,10 Meter, 3. Keil=Groß=Bieberau 40,07 Meter, 4.
Volz=Groß=Bieberau 39.20 Meter.
Kugelſtoßen: 1 Keil=Groß=Bieberau 10.17 Meter, 2. Daub=Groß=
Bieberau 967 Meter, 3. Höhl=Griesheim 9,65 Meter, 4.
Schil=
ling 8,92 Meter.
Das am Nachmittag ausgetragene Handballſpiel zwiſchen
den erſten Mannſchaften beider Vereine mit einem glücklichen 6:5=
Sieg Groß=Bieberaus. Das Spiel war flott und ſehr
abwechſlungs=
reich. Beiden Mannſchaften gebührt für die faire Spielweiſe ein
Geſamtlob.
Seite 9
Die nenen Zußbal Regelnt in Kraft.
Mit der neuen Fußball=Saiſon treten die von der
internatjo=
nalen Regel=Kommiſſion beſchloſſenen Aenderungen in Kraft. So
wird u. a regelwidriges Einwerfen bei Ausbällen nicht mehr
durch Freiſtoß geahndet, ſondern der Einwurf wird der
Gegen=
partei zugeſprochen. Ferner darf der Torhüter nunmehr den
Ball vier ſtatt wie bisher zwei Schritte tragen, ohne daß der Ball
den Boden berührt haben muß.
Preußiſch=Süddentſche Skaakslokkerie.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 37. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterfe.
Ohne Gewähr
Nachdruck verboten
Auf ſede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen I und II.
1. Ziebungstag
8. Auguſt 1931
In der heutigen Vormſttagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Grwime m 25000 ℳ. 119806
4 Sewinne zu 10000 M. 172176 298270
18 Gewinne zu 5000 M. 14500 30241 81396 58818 99786 164309
jgesad 313116 389889
12 Gwinne zu 3000 M. 11679 19607 24571 61431 122642 347780
52 Dwinne zu 2000 M. 140 1969 5408 11138 53323 112567 115836
142590 158808 166809 180996 202747 24 267 246481 250659 288101
291881 308689 317944 318387 348857 362765 366287 366615 367070
376070
96 Gwwinne m 1000 M. 3918 12532 32443 36723 37992 40924
44333 44420 46486 52031 53344 54310 63831 89980 105604 115543
123688 126970 142016 142260 162980 174878 181946 186392 198629
215813 217023 226268 232812 233223 039815 243241 246976 250418
253639 263750 253966 271925 272066 279630 303028 306440 312549
3i6s65 336121 346538 341984 378488
216 Gewinn m 500 M. 5348 11361 12298 13962 22168 23717
27369 28298 29316 30284 33776 43918 46974 47963 53103 66514
68344 72976 73437 73463 73618 80710 81642 84092 85099 86041
87557 g6582 98162 106741 107376 109032 111182 113183 116982
117707 123032 125740 127934 128956 132399 143668 143798 145585
147967 149698 155388 156977 161762 176223 171895 180684 180816
187779 190926 198267 203096 203269 204931 206523 223396 234547
236529 239841 245642 248427 248684 251053 262680 262969 254968
262476 262690 272232 285776 289527 289767 298078 2994 17 307580
307708 312396 315364 326031 326757 331233 334270 334980 340417
344866 353427 355081 365417 356650 360488 363932 366215 367389
367720 374143 374871 382168 385402 387689 388942 396159 397708
397807
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Gebifnne m 50000 H. 179369
2 Gewinne m 26000 M. 143320
6 Gewinne zu 10000 M. 103683 219830 927904
4 Gewine zu 5000 M. 300114 380009
14 Gewinne zu 3000 M. 7098 44891 189218 206824 220350 253961
293853
52 Gewinne zu 2000 M. 8313 15309 28712 37699 39907 41883
a5424 83226 86768 95539 119498 127199 244063 259366 308307
315616 325402 339770 35 1062 353470 364986 368112 361246 372860
386942 391175
94 Gewinne zu 1000 M. 4215 24238 27022 36579 49806 51564
53986 57991 68945 60022 65814 76607 95519 110776 110856 112084
116627 120346 129573 130216 136840 142923 167786 172809 206823
501286 204371 205328 231076 237316 270346 280162 282081 288183
303995 314184 319908 321338 321542 337381 340951 346573 361 186
361405 363835 377736 389328
1866 Gewinne zu 600 M. 8246 10684 16879 18417 24370 24970
28354 32971 38096 39838 41661 60377 60398 61121 56631 68188
58815 63678 73237 81865 92697 93064 96361 109861 116966 118302
119336 120341 131374 142816 151973 156024 164794 166938 176540
180237 187824 190091 203283 218540 221684 999773 230260 236051
239417 246991 247580 248460 255590 258809 261257 263760 768782
276888 282324 282638 285343 286094 294170 598947 301596 309096
309192 314498 315312 317119 320207 320627 323793 329106 333234
339161 343538 343681 345497 352194 352855 354815 357234 359780
374089 380218 399844
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne
zu je 500000 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 100000,
6 zu je 75000, 10 zu je 50000, 26 zu je 25000, 190 zu je 10000,
478 zu je 5000, 976 zu je 3000, 2896 zu je 2000, 5810 zu je
1000, 9618 zu je 500, 28836 zu je 400 Mark.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 11. Auguſt.
12.00: Berlin: Verfaſſungsfeier im Reichstag.
15.15: Hausfrauen=Nachmittag.
17.00: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Mitw.;
Kammer=
ſänger W. Fricke (Baß), A. Haagen (Klavier).
18.40: K. Walter: Ein Handwerker=Dichter auf der Walz vor 100
Jahren.
19.05: Mannheim: L. Eid: Deutſche Krankenhilfe in der
kanadi=
ſchen Prärie.
19.25: Zeit, Programmänderungen, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.35: Violinmuſik. Ausf.: Stephan v. Plaſchko (Violine), R.
Mer=
ten (Klavier).
20.15: Szenen aus Tannhäuſer und der Sängerkrieg auf der
Wart=
burg. Handlung von Richard Wagner. In der Bayreuther
Be=
ſetzung. (Schallplatten).
22.10: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Dienstag, 11. Auguſt.
12.00: Berlin: Verfaſſungsfeier im Reichstag.
15.00: M. Nentwich: Madeira und die Azoren.
15.30: Wetter= und Börſenberichte.
16.00: Leipzia: Nachmittagskonzert.
17.00: Dr. Würzburger — J. Bunzl: Literariſche Porträts
pon=
tiſcher Köpfe.
17.30: Dr. Mario Krammer: Königin Luiſe von Preußen.
18.00: F. Stöſſinger: Die moderne Franzöſin im Leben und i
der Literatur.
18.30: Dr. Ernſt: Die menſchliche Seele.
19.00: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.05: Franzöſiſch für Anfänger.
19.30: Oberreg.=Rat a. D. Adametz: Sparpolitik, ein Weg aus
der Kriſe.
20.00: Sinfonie=Konzert. Werke von Haydn, Mozart.
anſchl. Ernſt Stahl=Nachbaur lieſt.
21.20: Tages= und Sportnachrichten.
21.30: New York: Deutſche Verfaſſungsfeier. Anſprache des
deutz=
ſchen Generalkonſuls und Darbietungen deutſcher Künſtler.
22.00: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
22.15: Konzert des Orcheſters des Königsberger Opernhauſes.
Weiterbericht.
Die Störung über Dänemark bewegt ſich in nordöſtlicher
Richtung nach Finnland hin weiter. Ihre Kaltluft an der
Rück=
ſeite iſt auch über Deutſchland vorgedrungen und hat merkliche
Griesheim 5:12 Min. 3. Vierheller=Groß=Bieberau 5:20,8 Abkühlung gebracht. Die heutigen Morgentemperaturen lagen
in unſerem Bezirk ungefähr 5—6 Grad niedriger als vor 24
Stunden. Kräftiger Barometeranſtieg erfolgte bereits durch die
Kaltluft und das Hoch im Südweſten hat ſeinen Weg nach dem
Feſtland eingeſchlagen. Unter dem weiteren Zuſtrom ozeaniſcher
Luft dauert das wechſelhafte und kühle Wetter mit ſtrichweiſen
Regenſchauern an. Jedoch ſteht mit dem anſteigenden Luftdruck
der allmähliche Uebergang zu beſtändigerem und ſpäter wieder
wärmerem Wetter in Ausſicht.
Ausſichten für Dienstag, den 11. Auguſt: Noch wechſelnd wolkiges
Wetter mit Aufheiterung, kühl, einzelne Schauer.
Ausſichten für Mittwoch, den 12. Auguſt: Ruhiger, bewölkt mit
Aufheiterung, etwas wärmer, meiſt trocken.
Hauptſchriſtlettung. Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltik und Wiriſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmannz
ür den Handel: Dr. C. H. Que iſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwari”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite:
für den Inſergienteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuhle.
Druck und Verlag. C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſiadt.
Für unverlangte Manuſkrivie wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen,
Die heutige Nuinmer hat 12 Seiten.
[ ← ][ ][ → ] Die Bahn zur Diskontſenkung frei.
Wiedereröffnung der Börſen am 17. Augufk? — Zahlungsverkehr vorläufig weiter normal.
Deutſche Werke an den Auslandsbörſen feſt.
Der Ausweis der Reichsbank.
Erhöhung der Nokendeckung.
Wie wir aus Bankkreiſen hören, rechnet man auf Grund des
vorliegenden Ausweiſes der Reichsbank in Bankkreiſen
überein=
ſtimmend damit, daß der Reichsbankdiskont noch in dieſer Woche
ermäßigt werden wird, und zwar rechnet man gegen Mitte der
Woche mit einem Abbau auf 10 v. H.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Auguſt 1931 hat
ſich in der verfloſſenen Bankwoche die geſamte Kapitalanlage der
Bank in Wechſeln und Schecks Lombards und Effekten um 122,1
Millionen auf 3849,5 Mill. RM. ermäßigt. Im einzelnen haben
die Beſtände an Handelswechſeln und Schecks um 190.1 Mill. auf
3462,7 Mill. RM. zugenommen, die Lombardbeſtände um 179 5
Mill. auf 167,5 Mill. RM. und die Beſtände an
Reichsſchatzwech=
ſeln um 132,5 Mill. auf 116,5 Mill. RM. abgenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind
88,1 Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen, und
zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 78,1 Mill. auf
4375,6 Mill. RM., derjenige an Rentenbankſcheinen um 10.0 Mill.
auf 409,2 Mill. RM. verringert. Dementſprechend haben ſich die
Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 18,5 Mill.
RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 780,6 Mill. RM.
eine Abnahme um 53,2 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich
um 62,6 Mill. auf 1672,2 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben
die Goldbeſtände um 1,7 Mill auf 1365,0 Mill. RM. und die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 60,9 Mill. auf 307,2
Mill. RM. zugenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Deviſen
beträgt 38,2 v. H. gegen 36,1 v. H. in der Vorwoche.
*
Der zweite Tag der vollen Freigabe des
Auszahlungsver=
kehrs bei den Sparkaſſen geſtaltete ſich, ſoweit es ſich auf Grund
einer Umfrage überſehen ließ, weſentlich ruhiger als am
Sams=
tag. Jedenfalls war der Andrang der Sparkaſſeneinleger vor der
Sparkaſſe der Stadt Berlin geringer, als am erſten freien vollen
Auszahlungstag. Auch aus der Provinz wird ähnlich berichtet.
Die Einzahlungen halten ſich, wie mitgeteilt wird, im Rahmen
der bisher gezahlten Beträge.
Nachdem die Unſicherheit über den Ausgang des
Volksent=
ſcheids nunmehr beſeitigt iſt, und nachdem auch der
Zahlungsver=
kehr weiter in normalen Bahnen läuft, konnte man ſich geſtern
wieder mehr mit den laufenden Fragen beſchäftigen Beſonders
rückt das Problem der Wiedereröffnung des Börſenverkehrs
ſtärker in den Vordergrund und vielleicht läßt ſich wirklich ſchon
der 17. Auguſt ermöglichen. Es fanden jedenfalls geſtern
nach=
mittag die diesbezüglichen Beſprechungen der Privatbankiers mit
dem Börſenvorſtand ſtatt, der dann die Entſcheidung in einer
heutigen Sitzung treffen wird. Nur was man mit den
Pfand=
briefen machen wird, iſt noch unklar. Vielleicht beſſert ſich aber
auch in dieſer Beziehung die Situation ſchneller, als bisher
er=
wartet, wenn die Reichsbank ſich zu einer Diskontermäßigung
be=
reitfindet. Die Bank von Danzig hat übrigens mit
Wir=
kung von geſtern ihren Diskontſatz ſchon von 10 auf 7
und ihren Lombardſatz von 12 auf 8 Prozent
her=
abgeſetzt. Nach dem oben veröffentlichten
Reichsbank=
ausweis, der eine Ermäßigung der geſamten
Kapi=
talanlage um 122 Millionen, Notenrückflüſſe um 88
Millio=
nen, eine Zunahme der Gold= und Deviſenbeſtände um 62,6 Mill.
und eine Beſſerung der Deckung auf 382 Prozent zeigt, rückt
jedenfalls die Möglichkeit einer baldigen Diskontermäßigung auch
bei der Deutſchen Reichsbank bedeutend näher. Nach
Informa=
tionen eines Mittagsblattes wird in Kreiſen der
Hypotheken=
banken die Anſicht vertreten, daß bei Wiederaufnahme des
Börſen=
verkehrs eine ſo reichliche Nachfrage nach Goldpfandbriefen
vor=
liegen wird, daß das inzwiſchen aufgeſtaute Angebot ziemlich
reſt=
los unterzubringen ſei. Die Meldung, daß man nach
Verhand=
lungen Macdonalds mit dem amerikaniſchen Staatsſekretär
Stim=
ſon mit einer Herabſetzung der Kriegsſchulden um 50 Prozent
rechnen könne, wurde zwar noch ſkeptiſch aufgenommen, jedoch
wären auch ſchon derartige Verhandlungen ſelbſt im
Kriegs=
ſchuldenproblem ein weiterer Schritt vorwärts. Ferner ſpricht
man davon, daß zwiſchen der Stadt Berlin und dem von der
Danatbank geführten Konſortium über eine Verlängerung
des B.V.G.=Kredites von 150 Mill. bis zum 15.
Oktober verhandelt wird und daß die endgültige
Ent=
ſcheidung, die die vorläufigen Abmachungen beſtätigen würde, am
Donnerstag fallen wird.
Unter dem Eindruck des Ausganges des Volksentſcheides
ten=
dierten deutſche Werte an den Auslandsbörſen
geſtern ziemlich feſt. In London gaben allerdings im
Ver=
laufe die deutſchen Bonds Teile ihres anfänglichen Gewinnes
wieder her. Das Geſchäft wurde aber allgemein ſehr ruhig. Paris
eröffnete in feſter Haltung und die Umſatztätigkeit war ziemlich
lebhaft.
Berliner Deviſen=Feſtſehung vom 10. Auguſt.
Geld Brief Geld Brief Helſingfors 10.585 10.605 Spanien . 35.81 35.89 Wien 59.15 59.27 Danzig 81.67 81.83 Prag 12.467 12.487 Japan 2.080 2.084 Budapeſt 73.43 73.57 Rio de Jan. 0.269 0.271 Sofia 3.052 3.058 Jugoſlawien 7.453 7.467 Holland 169.68 170.02 Portugal 18.53 18.57 Oslo 112.39 112,61 Athen 5.445 5.455 Kopenhagen 112.39 112,61 Iſtambul Stockholm 112.44 112.66 Kairo 20.95 20.99 London 20.435 20.475 Kanada 4.191 4.199 Buenos Aires 1.186 1.190 Uruguay 1.988 2.002 New York 4.209 4.217 Island 92.16 92.34 Belgien 58.62 58.74 Tallinn 111.99 112.21 Italien 22.02 22.06 Riga 81.12 81.28 Paris 16.485 16.525 Bukareſt 2.502 2.508 Schweiz 82.02 82.18 Kaunas 41.96 42.04 Wirtſchaftliche Rundſchau.
Deutſcher Weinbauverband überſiedelt nach Mainz? Wie verlautet,
beabſichtigt der derzeitige 1. Präſident des Deutſchen Weinbauverbands,
Dr. Müller=Karlsruhe, aus Geſundheitsrückſichten von ſeinem Amt
zu=
rückzutreten. Da der zweite Präſident, Geheimrat Dr. v. Baſſermann=
Jordan (Deitesheim) die Nachfolge wegen Belaſtung mit anderen
Ehren=
ämtern abgelehnt hat, wird vorausſichtlich der 3 Präſident, Freiherr
von Schorlemer=Lieſer, zum 1. Präſidenten vorgeſchlagen werden.
Da=
mit würde eine Verlegung der Geſchäftsſtelle von Karlsruhe nach dem
Wohnſitz des neuen Präſidenten erforderlich werden; um aber für
künf=
tige Fälle einen Sitzwechſel zu vermeiden, iſt beabſichtigt, den Sitz nach
Mainz zu verlegen und auch ſpäter dort beizubehalten. Die
Entſchei=
dung wird am 30. Auguſt auf dem Weinbaukongreß in Bingen fallen.
Die J.G. Farbeninduſtrie in Rumänien. In Intereſſengemeinſchaft
mit der J.G. Farbeninduſtrie ſind zwei Firmen in Rumänien im
Far=
benhandel tätig, und zwar: Romanyl mit einem A.K. von 5 Mill. Lei
und Coloranyl mit einem A.K. von 8 Mill. Lei. Beide Unternehmen
haben ihren Sitz in Bukareſt. Die J.G. Farbeninduſtrie beſchloß, ihre
Beteiligung an der Coloranyl zu erhöhen und hat zu dieſem Zweck die
Verhandlungen in Wien und Bukareſt begonnen. Bei dieſen
Verhand=
lungen hat auch die Farbengroßhandlung Timanyl (A.G. Timoſora)
teil=
genommen, die der Firma Romanyl einen Teil ihrer Aktien zur
Ver=
fügung ſtellte. Die diesbezüglichen Verhandlungen ſind dieſer Tage mit
Erfolg abgeſchloſſen worden.
Produkkenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 10. Auguſt. Die Preiſe verſtehen
ſich pro 100 Kilo netto waggonfrei Mannheim ohne Sack: Weizen inl.
ſofort 24—24,25, Roggen inl. ſofort 2—20,25, Hafer inl. alt 18—19,
Futtergerſte 17—17,50, Sohaſchrot 12,25, Biertreber mit Sack 10,25—
10,75, Trockenſchnitzel 6,25, Wieſenheu (loſes) 4,80—5,20, Luzernekleeheu
5—5,60, Stroh Preßſtroh Noggen=Weizen 3,30—3,50, desgl. Hafer=
Gerſte 2,80—3,00, Stroh, geb. Roggen=Weizen 2,70—2,90, desgl. Hafer=
Gerſte 2,40—2,60, Weizenmehl Spezial Null mit Sack (Auguſt) 40,00,
desgl. September—Oktober 34,25, Roggenmehl mit Sack 28,50—30,50,
Weizenkleie (feine) 9,50. Tendenz: feſt auf weſentlich erhöhte
Forderun=
gen für deutſchen Weizen und Noggen.
Frankfurter Produktenbericht vom 10. Auguſt. Weizen neuer Ernte
235, Roggen neuer Ernte 195—200, Wintergerſte neu 175, Hafer alter
Ernte 190—195, Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 39,50—40,25, desgl.
niederrhein. 39,50—40, Roggenmehl 27,50—29,50 Weizenkleie 9,25—
9,50, Roggenkleie 9—9,50, Erbſen 32—36. Linſen 25—68, Heu 4, Weizen=
Roggenſtroh drahtgepreßt 3, desgl. geb. 2,75, Treber 10,25—11. Tendenz:
Getreide feft, Futtermittel ruhig.
Mekallnokierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 10. Aug.
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg. Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche
Elektrolytkupfernotiz) auf 74,75 — Die Notierungen der
Kom=
miſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
ver=
ſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Original=Hüttenaluminium, 98 bis 99
Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM..,
des=
gleichen in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, auf 174 RM.,
Reinnickel 98 bis 99 Prozent, auf 350 RM., Antimon=Regulus
auf 51—53 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) auf 38—40 RM.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 10. Aug.;
Getreide. Weizen: September 50½, Dezember 54, März 56½,
Mai 58½; Mais: September 50½, Dezember 40,50, März 42½,
Mai 44,50; Hafer: September 22½, Dezember 24½, März 25½,
Mai 26½; Roggen: September 34,25, Dezember 38,25, Mai 42,50,
Schmalz: September 7.15, Oktober 7. Dezember 6,35.
Speck 7,50.
Schweine: Leichte 7,70—8,00, ſchwere 5,65—6,65;
Schweine=
zufuhren in Chicago 32 000, im Weſten 76 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 10. Aug.:
Schmalz: Prima Weſtern 7,96; Talg, extra loſe 3½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 61,75, Hartwinter 59,50; Mais:
loco New York 70½; Mehl: ſpring wheat clears 4,16—4,46;
Ge=
treidefracht nach England 1,6—2,3 sh, nach dem Kontinent 8
bis 8½ C.
Kakao: Tendenz ſtetig, Umſätze 180, Loconotiz 4½;
Sep=
tember 4.81, Oktober 4,90, Dezember 5,07, Januar 1932 5,16,
März 5,34, Mai 5,46, Juli 5,66.
Diehmärkke.
* Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 10. Auguſt. Auftrieb: 21
Ochſen, 15 Bullen, 298 Kühe oder Färſen, 186 Kälber, 1010 Schweine.
Marktverlauf: belebt, geräumt. Preis pro 50 Kilo Lebendgewicht in
Mark: Ochſen a) 1. 46—48; b) 2. 38—40; Bullen c) 32—34; Kühe
a) 34—36, b) 28—30, c) 20—25; Färſen (Kalbinnen) a) 46—50;
Käl=
ber c) 42—55, d) 40—42; Schweine c) 56—60, d) 60—62.
Mannheimer Viehmarkt vom 10. Auguſt. Auftrieb — Zufuhren:
W8 Ochſen, 189 Bullen, 196 Kühe, 395 Färſen, 614 Kälber,33 Schafe,
3246 Schweine, 80 Arbeitspferde, 45 Schlachtpferde, 6 Ziegen. Preiſe
für 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochſen a) 44—46 b) 34—37, c) 36
bis 40; Bullen a) 30—33, b) 30—32, c) 29—31; Kühe a) 30—34, b) 22
bis B, c) 18—22, d) 14—16; Färſen a) 45—48, b) 40—42, c) 35—37;
Kälber b) 56—60, c) 52—56, d) 46—50, e) 40—45: Schafe b) 30—34;
Schweine a) 64—65, b) 64—6, c) 65, d) 64—65 e) 62—64, f) 54—60.
Bezahlt wurde pro Stück in RM.: Arbeitspferde 800—1600
Schlacht=
pferde 40—150, Ziegen 10—22. Marktverlauf: Großvieh ruhig,
Ueber=
ſtand; Kälber mittel, geräumt; Schweine, gute Ware lebhaft;
gerin=
gere leichtere Ware ruhig, Ueberſtand; Arbeits= und Schlachtpferde
ruhig.
Frankfurter Viehmarkt vom 10. Auguſt. Aufgetrieben waren 1381
Rinder, 316 Ochſen, 143 Bullen, 483 Kühe, 396 Färſen, 543 Kälber,
dar=
unter 67 vom letzten Markt 55 Schafe, 5594 Schweine, ſowie 881
aus=
geführt. Bezahlt wurde p. Zentner Lebendgewicht: Ochſen a) 1. 43—47,
2. 38—42, b) 1. 33—37; Bullen a) 35—38, b) 30—34; Kühe a) 34
bis 36, b) 30—33, c) 22—29; Färſen a) 43—47, b) 38—42, c) 32—37;
Kälber a) 53—57, b) 46—52,Tc) 38—45; Schafe nicht notiert; Schweine
a) 58—60, b) und c) 58—61, d) 56—60, d) 52—57. Marktverlauf:
Rinder ruhig, geringer Ueberſtand; Schweine lebhaft, ſpäter abflauend,
ausverkauft; geringe leichte Ware vernachläſſigt. Kälber und Schafe
ruhig; geräumt. — Fleiſchgroßhandelspreiſe. Ochſenfleiſch 1. 70—75,
Kuhfleiſch 1. 64—66 2. 42—50; Bullenfleiſch 64—66; Kalbfleiſch 1.
70—95, Schweinefleiſch 1. 68—75. Geſchäftsgang: lebhaft Eingebracht
waren 478 Viertel=Rinderfleiſch, 24 halbe Kälber, 3 Hämmel, 249 halbe
Schweine.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Bank von Danzig hat mit Wirkung vom 10. Auguſt ihren
Dis=
kontſatz von 10 auf 7 v.H. und den Lombardſatz von 12 auf 8 v.H.
her=
abgeſetzt. Die Erhöhung auf 10 v.H. war am 28. Juli entſprechend
der Reichsbankdiskonterhöhung durchgeführt worden. Dank der glatten
Abwicklung des Zahlungsverkehrs kann die Erhöhung jetzt ſchon wieder
abgebaut werden.
Die Deutſch=Evangeliſche Heimſtätten=Geſellſchaft (Devaheim) und
die Deutſche Entſchuldungs= und Zweckſpar A.G. (Deuzag) können trotz
der eingeleiteten Sanierungsaktion, in ihrem Beſtande nicht mehr
er=
halten bleiben. Es iſt daher der Antrag auf Eröffnung des
Konkurs=
verfahrens geſtellt worden. Dadurch wird nicht berührt das Beſtreben
der Notgemeinſchaft den Sparern, insbeſondere den Notleidenden unter
ihnen, im Bereich des Möglichen zu helfen.
Die Kommandite der Danatbank, Otto Hirſch u. Co., Frankfurt, hat,
wie ſchon kurz mitgeteilt, ihre Schalter nach der Schließung am 13. Juli
niht wieder aufgemacht. Nunmehr wird nach einem Rundſchreiben an
die Gläubiger ein außergerichtlicher Liquidationsvergleich angeſtrebt.
Die Geſchäfte ſollen in Ruhe abgewickelt werden. Glätbiger bis 500
RM. werden voll befriedigt, die Depots und unbelaſtete Wertpapiere
ſofort ausgehändigt.
Der Aufſichtsrat der Mannheimer Milchzentrale hat beſchloſſen,
vom 11. Auguſt ab den Preis für offene Milch von 30 auf 28 Pfg. und
für Flaſchenmilch von 36 auf 34 Pfg. herabzuſetzen.
Die Förderung der Saargruben, die im April d. Js. noch 1022 126
Tonnen betragen hatte und im Mai auf 948 728 To. zurückgegangen
war, hat im Juni einen neuen Rückſchlag erlitten, und zwar belief ſich.
die Geſamtförderung auf 891 789 To. Gleichzeitig wuchſen die
Halden=
beſtände um weitere 30 911 To. an, ſo daß die Saargruben jetzt über
eine Haldenreſerve von 465 299 To. verfügen.
Die ungariſche Poſt hat den Poſtanweiſungsverkehr nach dem
Aus=
lande gänzlich eingeſtellt. In Wertbriefen dürfen mit Bewilligung der
Ungariſchen Nationalbank Beträge auch weiterhin ohne
Wertbefchräu=
kung nach dem Auslande geſchickt werden.
Der Anleiheausſchuß der auſtraliſchen Bundesregierung hat ſich
be=
reit erklärt, dem Miniſterpräſidenten von Neuſüdwales, Lang, eine
An=
leihe in Höhe von 500 000 Pfund zur „Verfügung zu ſtellen.
Verſteigerung.
Wegen Auflöſung eines herrſchaftlichen Haushaltes
ver=
ſteigere ich im gefl. Auftrag Donnerstag, den 13., und
Freitag, den 14. d. Mts., jeweils vormittags ½10 Uhr
beginnend, nachfolgend bezeichnete, ſehr gut erhaltene Mo=
(11753
bilien, in dem Hauſe
Schleiermacherſtraße 4, 1. Stock
lagernd, gegen ſofortige Barzahlung:
1 Schlafzimmer (modern), beſtehend aus 2 Betten mit
Roßh.=Matratz., 2 Waſchkommoden m. Marmor, 2
Nacht=
ſchränkchen mit Marmor, 1 Toilettentiſch, 1 dreitüriger
Spiegelſchrank, 2 Rohrſtühle; 1 weißes eiſernes Bett,
1 eintür Spiegelſchrank, 1 Waſchkommode mit Marmor,
2 Nachtſchränkchen m. Marmor, 1 zweitür. Kleiderſchrank,
1 Bücherſchrank und Diplomat (dunkel Eiche) 1
Herren=
zimmertiſch, 2 Schreibtiſchſeſſel, 1 Flurgarderobe, 1 Dam.=
Schreibtiſch und 1 Etagere (reich eingelegt), 1 Kommode
mit Spiegelaufſatz, 1 Chiffoniere. 1 Eckſchrank, 1
Stollen=
ſchränkchen, 1 antike Truhe (reich geſchnitzt), 2 geſchnitzte
Bauernſtühle, 1 Eckſofa, 2 Polſterſeſſel, 1 Ruhebett,
2 Pariſer Stühle, 1 Gold=Gondel, 1 Vitrine, 2 ovale
Tiſche, 1 achteckiger Tiſch, Ziertiſche, Etageres, 1
Servier=
bock mit Platte: 1 Küchenſchrank, 1 Geſchirrſchrank, 1
gro=
ßer und 1 kleiner Küchentiſch, 1 Partie Küchengeſchirr,
1 Eisſchrank, 1 Gartentiſch, 1 Gartenbank und 3 Stühle,
1 Stehleiter, 1 Treppenſtuhl, 1 Rohrplattenkoffer, Wäſche,
Vorhänge, 1 Wäſchemangel, 1 kleiner Ofen.
120 Kriſtall=Weingläſer und Karaffen, Fayence=Teller
und Delfter Vaſen, 2 Meißener Speiſeſervices.
80 Oelgemälde, darunter 12 niederländiſche Meiſter,
far=
bige Kupferſtiche, gerahmt und ungerahmt.
2 ſiebenarmige Leuchter.
Beſichtigung Mittwoch, den 12. d. Mts., von 10 bis 6 Uhr.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1931.
Kunst- und Auktionshaus
Telephon
Telephon
4323. AMiipy Mitg 4323.
Annahme von Taxationen und Verſteigerungen.
Welterfahr. Mann,
Junggeſelle, 51. J.
ſucht zwecks
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ſchaft ein. anſtänd.
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Witwe. Anton
Maurer. Hotel
zur Poſt, b.
Haupt=
bahnhof.
Aelt. Herr (
Jung=
geſelle, 57 J.) auf
Beſ. in Deutſchl.,
ſprachkund. und
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fahr., ſucht die
Be=
kanntſch. ein. Dame
m. etw. Eigent. zw.
Heir.; a. Witwe m.
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u. wünſcht hier zu
bleib. Pet. Maurer,
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Sachgemäße
Be=
kämpfung von Un
geziefer aller Art.
Obel & Lotz
Eliſabethenſtraße 3.
Fernruf 461, (7082e
Zwängsgei
ig
n
Termin: Dienstag, den 6. Oktober 1931, nachmittags ½4 Uhr,
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichts=
gebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 5, Band 18, Bl.
1244. Flur 5 Nr. 1039, Grabgarten, Niederſtraße,
410 qm Schätzung: 2500 RM.
Fur 5 Nr. 10397/0, Gewächshäuſer mit Hofraum
daſelbſt, 127 qm, Schätzung 500 RM.
Flur 5 Nr. 1041. Grabgarten daſelbſt, 262 am.
Schätzung: 1000 RM.
Eigentümer: Eheleute Heinrich Peter Wenz und
Kuni=
kunde geb. Schmidt in Darmſtadt, Soderſtraße 4,
zu je einhalb.
Es wird nur der Anteil des Heinrich Peter Wenz
ver=
ſteigert.
(11738a
Darmſtadt, den 3. Juni 1931.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Zwangsverfkeigerung.
Termin: Donnerstag, den 8. Oktober 1931. nachmittags
½4 Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt. Bezirk 1, Band 3. Blatt
128, Flur 1 Nr. 241, Hofreite Nr. 3 Schloßgaſſe,
93 am, Schätzung 6500 RM.
Eigentümer: Eheleute Metzgermeiſter Peter Diehl und
Marie geb. Henes zu je einhalb.
Darmſtadt, den 15. Juni 1931.
(11739a
Heſſiſches Amtsgericht I
Zwangsverſkeigerang.
Termin: Dienstag, den 25. Auguſt 1931, nachmittags
Uhr im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 3, Band 3, Bl. 105:
Flur 3. Nr. 113, Grabgarten. Schwanenſtraße,
443 qm. Schätzung: 8000.— RM.
Flur 3 Nr. 114, Hofreite Nr. 1a und 3, daſelbſt,
365 qm. Schätzung: 6000.— RM.
Eigentümer: Eheleute Andreas Failer und Eliſe geb.
Schneider in Darmſtadt, Schwanenſtraße 1a—3.
(9932a
Darmſtadt, den 15. April 1931
Heſſiſches Amtsgericht I.
Zwangsverſkeigerung.
Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmittags 4 Uhr,
im Sitzungsſaal, Zimmer 219 des Neuen
Gerichts=
gebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 2, Bd. 10, Bl. 733:
Flur 2 Nr. 736, Grabgarten Heinheimerſtraße, 92 qm.
Schätzung: 1000.— RM.
Flur 2 Nr. 737, Hofreite Nr. 75 daſelbſt, 167 qm.
Schätzung: 17 500. —RM.
372 zo, Grasgarten (Vorgarten) daſelbſt,
Flur 2 Nr
30 qm. Schätzung: 500.— RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft
(9611a
in Freiburg im Breisgau.
Darmſtadt, den 22. April 1931.
Heſſiſches Amtsgericht Darmſtadt I.
Zwgangsverſteigerung.
Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmitt. 344 Uhr,
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichts=
gebäudes in Darmſtadt.
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt Bezirk 1, Bd. 9, Bl. 440:
Flur 1 Nr. 1178. Hofreite Nr. 34 Kiesſtraße, 192 qm.
Schätzung: 16 000.— RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft
(9608a
in Freiburg i. Br.
Darmſtadt, den 20. April 1931.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmitt. 4½4 Uhr,
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichts=
gebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 3, Bd. 1 Bl. 37:
Flur 3 Nr. 680, Hofreite Nr. 107 Blumenthalſtraße,
152 gm. Schätzung: 14 000.— RM.
Flur 3 Nr. 681. Grabgarten daſelbſt, 142 qm.
Schät=
zung: 1000.— RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft
(9610a
in Freiburg i. Br.
Darmſtadk, den 22. April 1931.
ſt I.
Nummer 221
Dienstag, den 11. ,Auguſt 1831
Seite 11
DAtt
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
34)
Copyright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
Wittebold ſchüttelte den Kopf. „Geld? Mit Geld iſt hier
nichts zu machen. Aber . . .‟ Ein Gedanke ſchien ihm zu kommen.
Er trat näher an Fortuyn heran. „Wäre es möglich, Herr
Dok=
or Fortuyn, daß Sie mir einen Generalausweis ausſtellten, der
mir geſtattet, zu jeder Tages= und Nachtzeit das
Verwaltungsge=
häude und die Laboratoriumsanbauten zu betreten?”
Fortuyn machte eine abwehrende Handbewegung. „Ein
Aus=
weis, von mir ausgeſtellt, der würde doch nicht anerkannt
werden."
Wittebold verneigte ſich lächelnd. „Gewiß: der Name Doktor
Fortuyn” darunter allein würde ja wohl nicht genügen. Aber
die Unterſchrift des Herrn Direktors Doktor Fortuyn würde
wirk=
ſam ſein.”
„Direktor? Was ſagen Sie da? Bin ich Direktor?” Fortuyn
trat lachend einen Schritt zurück.
Wieder machte Wittebold, ſeine komiſche Reverenz. „Noch
nicht, Herr Doktor Fortuyn! Aber die Sonne wird wohl nicht
untergehn, ehe Sie’s ſind.”
„Der Teufel! Was Sie da ſagen!” fiel Fortuyn ihm fröhlich
ins Wort. „Woher kommt denn Ihre Weisheit?”
„Nun — das pfeifen doch die Spatzen von den Dächern! Ich
würde mich jedenfalls freuen, wenn es Ihre erſte Amtshandlung
ſein ſollte, dem Bürodiener Wittebold den beſagten Ausweis zu
unterſchreiben."
Und es war ſo, wie Wittebold prophezeit hatte. In der noch
am ſelben Morgen ſtattfindenden Direktionsſitzung erfolgte
For=
tuyns Ernennung zum Direktor.
Während einer kleinen Pauſe nahm Kampendonk ihn beiſeite
und ſagte: „Mein lieber Herr Doktor, wenn Sie nun Ihre
Ar=
beiten wiederaufnehmen, möchte ich Sie bitten, doch mit Ihrem
Material und demjenigen Ihrer Aſſiſtenten doch recht vorſichtig
umzugehen. Alles, was nicht unmittelbar gebraucht wird, hat
ſei=
nen Stand im Sicherheitsarchiv, zu dem außer dem Archivar
Dok=
tor Hempel nur Sie einen Schlüſſel bekommen. Daß Sie wichtige
Tagesergebniſſe Ihrer Aſſiſtenten nach Schluß der Dienſtſtunden
ebenfalls in den Sicherheitsraum bringen, iſt wohl
ſelbſtverſtänd=
lich. Ich möchte Sie ferner auch bitten, jede häusliche Arbeit zu
unterlaſſen. Sollten Sie in Ihrem Schaffensdrang, mein kieber
Doktor”, — der Geheimrat begleitete die Worte mit einer
kon=
zilianten Bewegung — „auch außerhalb der Dienſtzeit arbeiten
wollen, ſo ſteht Ihnen dafür im Werk alles, auch das
erforder=
liche Perſonal, jederzeit zur Verfügung.”
Hier fiel Fortuyn der Wunſch Wittebolds ein. „Dann wäre
ich auch berechtigt, Herr Geheimrat, von Fall zu Fall entſprechende
Blankoausweiſe gegenzeichnen.”
„Gewiß! Auch darin haben Sie freie Hand. Ich werde
Ihnen Blankoausweiſe gegenzeichnen.”
In dieſen Augenblick trat Dr. Wolff ins Zimmer. „Bitte,
meine Herren”, rief Kampendonk, „wir können jetzt fortfahren!
Herr Doktor Wolff iſt da . . . Wollen Sie, bitte, berichten, Herr
Doktor Wolff!”
Der räuſperte ſich ein paarmal, begann dann: „Ich war geſtern
in Leipzig, um dem letzten Verhör des Bernhard beizuwohnen.
Zu meinem Erſtaunen legte ſich Bernhard plötzlich aufs Leugnen.
nachdem er bisher alles, ſoweit es ſeine Perſon betrifft,
zugeſtan=
den hatte. Ich hatte ſofort das Gefühl, daß da irgendein Manöver
dahinterſteckte, um eventuell die Unterſuchung noch länger
hinaus=
zuziehen. Ich ſage „eventuell” . .. für den Fall nämlich, daß der
Verſuch, den Gefangenen an dieſem Tage zu befreien, nicht glückte.
Leider, meine Herren, iſt er geglückt! Als der Gefangene nach
Schluß der Vernehmung über den Korridor geführt wurde, fiel
eine Frau in Krämpfen ſchreiend zu Boden. In dem Gedränge,
in dem allgemeinen Tumult gelang es Bernhard, zweifellos mit
tatkräftiger Unterſtützung von Komplizen, zu entfliehen. Bis
jetzt iſt es noch nicht gelungen, ſeiner wieder habhaft zu werden."
Die erregten Zwiſchenrufe, die dieſer Mitteilung folgten,
unterbrach Dr. Wolff, indem er weiterſprach: „Doch dies iſt
nicht die einzige Hiobspoſt, die ich zu melden hätte. In der
Nacht von geſtern auf heute iſt auch die Adrienne L’Eſtoile, wie
ſie ſich nennt, aus dem Gefängnislazarett entflohen. Wie man
jetzt feſtgeſtellt hat, waren ihr im Unterſuchungsgefängnis von
außen her opiumhaltige Mittel zugeſteckt worden, deren Genuß
die Dame in einen gewiſſen Krankheitszuſtand verſetzte, ſo daß
ſie ins Lazarett kam. Auf irgendeine Weiſe iſt ſie dort in den
Beſitz einer Schweſterntracht gekommen. In dieſer Verkleidung
konnte ſie ungeſehen verſchwinden. Wahrſcheinlich wird man
von ihr nie wieder etwas hören. Denn die Polizei glaubt
ſicher zu ſein, daß ſie von einem Flugzeug, das zwiſchen
Leip=
zig und Delitzſch auf freiem Felde landete, aufgenommen wurde.
Dieſe Vorfälle ſind überaus bedauerlich. Zeigen ſie doch auch,
wie ſtark der Hinterhalt iſt, auf den die Spione ſich ſtüt eu
können. Andere Spione, die das natürlich erfahren, ſehen, .
i=
fürſorglich man ihrer im Falle der Not gedenkt. In der Folge
werden ſie natürlich ihr Handwerk um ſo frecher treiben . . .
Das Entweichen dieſer Adrienne L’Eſtoile iſt beſonders
unan=
genehm. Lag es uns doch daran, zu erfahren, woher die
Gegen=
ſeite wußte, daß Herr Düſterloh gerade in der betreffenden
Zeit die wichtigen Geſchäftspapiere in ſeiner Privatwohnung in
Leipzig hatte".
Eine Stimme rief den Namen „Lohmann!”
Wolff zuckte die Achſeln. „Es iſt möglich, vielleicht
wahr=
ſcheinlich, daß Lohmann derjenige war, der der Gegenſeite die
günſtige Gelegenheit verpfiff. Es iſt natürlich mehr als
auf=
fällig, daß Herr Lohmann unmittelbar nach der Verhaftung der
L’Eſtoile ſeine gute Poſition hier verlaſſen hat und niemals
wieder ein Lebenszeichen von ihm nach Rieba gelangt iſt.”
Kampendonk wollte die Sitzung ſchließen, da erhob ſich
Direktor Lindner und fragte: „Ich möchte darauf hinweiſen, daß
die Aktien der Rieba=Werke in der letzten Zeit in einer Weiſe
geſtiegen ſind, die mit Rückſicht auf den allgemeinen Stand der
Börſenpapiere als außerordentlich bezeichnet werden muß. Wäre
es vielleicht möglich, eine Erklärung hierfür zu geben?”
Kampendonk ſtrich ſich lächelnd den weißen Bart. Sein
Auge ging fragend über die Verſammlung. Als ſich niemand
zum Wort meldete wollte er ſelbſt ſprechen. Da wurde von ein
paar Seiten der Name „Moran” gerufen.
Kampendonk ſchaute mit ironiſchem Lächeln nach der
Rich=
tung, wo dieſe Rufe laut geworden waren. „Wenn einige
Herren meinten, die . .. glücklichen . . . Arbeiten des Herrn
Doktor Moran gäben den Anlaß zu dieſer Kursſteigerung, ſo
dürften die Herren wohl in einem ſtarken Irrtum ſein. Dieſe
unbekannten Käufer ſind Leute, die auf lange Sicht arbeiten.
Ich nehme viel eher an, daß die Kursſteigerung auf Gerüchten
baſieren, die über Doktor Fortuyns Arbeiten umgehen. Sie
wiſſen doch alle, daß man in Detroit einiges Material über
dieſe Arbeiten hat, und man wird da vielleicht feſter als
anders=
wo Kampendonk wiederholte das Wort „anderswo”, „an
einen Erfolg glauben. Eine Gefahr droht uns aus dieſen
Kräf=
ten nicht. Selbſt wenn die im freien Handel befindlichen Aktien
ſämtlich in einer Hand vereinigt wären, würde es nicht einmal
zu einer qualifizierten Minderheit langen. Wir können dieſen
Käufen ruhig zuſehen.”
Die Verſammlung wollte ſich zerſtreuen, da nahm der
Ge=
heimrat noch einmal das Wort: „Die Herren, die außer Herrn
Doktor Fortuyn und mir an der Beiſetzung unſeres früheren
Direktors Terlinden teilnehmen wollen, bitte ich, mir das noch
im Laufe des Morgens mitteilen zu wollen.”
(Fortſetzung folgt.)
Einträge in das Handelsregiſter,
Ab=
teilung 4: Am 5. Auguſt 1931
hinſicht=
lich der Firma: Georg Hof, Darmſtadt:
Die Inhaberin, frühere Ehefrau
Her=
mann Bankwitz, iſt jetzt die Ehefrau
des Wilhelm Juſti. — Am 7. Auguſt
1931 hinſichtlich der Firma; Karl. Heß
Buchhandlung Nachfolger Alfred.
Hoe=
fer, Darmſtadt: Geſchäft ſamt Firma iſt
auf Fritz Heß, Buchhändler in
Darm=
ſtadt, übergegangen. Die Firma iſt
ge=
ändert in: Karl, Heß Buchhandlung
Nachfolger Fritz Heß. — Die Prokura
der Alfred Hoefer Ehefrau Martha
ge=
borenen Anhäuſer in Darmſtadt iſt
er=
loſchen.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1931.
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Unter Berücksichtigung der
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TA
At
S-RLAT
LE
A
DARMSTADT-MARK)
Seite 12
Dienstag, den 11. Auguſt 1931
Nummer 2c
OE
Re
Der spannende Kriminal-Tonflm
Ber Zinken
nach dem Detektiv-Roman von Edgar Wallace.
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