Einzelnummer 10 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iluſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtatet.
Nummer 174
Donnerstag, den 25. Juni 1931. 194. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil uſw., erliſcht
jede Verpfliſchtung auf Erfüllung der
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auffräge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichticher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Banſlonio Deutſche Bank und Darme
ſtädter und Nationalbank.
Mantteic, Poct daf fein Recft.
Kein Verzichk auf den Roung=Plan. — Die Reparakionen eine geheiligke Schuld. — Deutſchland ſoll zahlen
in dieſem wie in allen anderen Jahren.”
Reichsmark erfolgen und außerdem an die BJZ.
abge=
liefert werden. Der Frankreich zugeſtandene Teil ſoll von
Frankreichs Ankwork.
der BJZ. auf das Konto Frankreichs eingetragen werden,
ſo daß die Form vollkommen gewahrt bleibe. Die fran=
Kein Verzicht auf die ungeſchütken Zahlungen.
zöſiſche Regierung ermächtigt die BJZ. jedoch, zu gleicher
Paris, 24. Juni.
Ueber den am Mittwoch vormittag unter Vorſitz des
Präſi=
benten der franzöſiſchen Republik im Elyſé abgehaltenen
Mi=
kſterrat wird folgendes Communiqué ausgegeben:
Der Miniſterrat hat endgültig den Text der franzöſiſchen
eintwort feſtgelegt, die auf die Vorſchläge des Präſidenten
ſoover erteilt wird. Miniſterpräſident Laval wird dieſen Text
m Mittwoch nachmittag dem amerikaniſchen Botſchafter in
garis überreichen.
Miniſterpräſident Laval hat gegen 18 Uhr den Botſchafter
ir Vereinigten Staaten Edge empfangen und ihm die franzöſiſche
imt wortnote auf Hoovers Vorſchlag überreicht. Das franzöſiſche
lußenminifterium hat inzwiſchen den Text dieſer Antwort dem
fanzöſiſchen Botſchafter in Waſhington kabeln laſſen, der ihn
och im Laufe des heutigen Tages Präſident Hoover direkt
zu=
tlen wird.
* Die Antwort Frankreichs ſcheint alſo wirklich ſo
auszu=
ſlen, wie wir das geſtern vermutet haben. Der franzöſiſche
4iniſterrat hält zwar ſeine Beſchlüſſe noch geheim, und es iſt
nmerhin möglich, daß die von der franzöſiſchen Preſſe
aller=
higs ziemlich einheitlich veröffentlichten Angaben nicht in allen
enzelheiten richtig ſind. Eine große Wahrſcheinlichkeit fpricht
ter doch dafür, daß Frankreich mit einem
Gegenvor=
hlag herauskommt, der an der Weiterzahlung des
ſgeſchützten Teiles der Annuität feſthält, dieſen
btrag, aber nur in Reichsmark der BFZ. überwieſen ſehen
tl, die ihn dann ſofort wieder Deutſchland leihen könnte. Der
brſchlag iſt alſo recht geſchickt aufgemacht, weil er dem Anſchein
ſich in etwas anderer Form dasſelbe erreicht, was Hoover
vllte. Aber doch nur dem Anſchein nach! Die franzöſiſche
Lhauptung, daß auf dieſe Weiſe die Zahlung des ungeſchützten
Liles ja nur theoretiſch wäre, iſt mehr als anfechtbar, denn
)s Geld wäre ja für uns dann nicht geſpart, ſondern nur
Aiehen, zudem wäre der Hooverſche Grundſatz
durch=
ſochen. Wir können uns deshalb nicht recht vorſtellen, daß
n amerikaniſche Präſident einer ſolchen Abänderung zuſtimmt.
a aber der ganze Gedanke des Weltmoratoriums von ihm
nsgegangen iſt, wird Deutſchland zunächſt abwarten müſſen,
hs er dazu ſagt und ob es vor allem ſeinen Ratgebern
mög=
ſch iſt, ihn darüber aufzuklären, wie er hier von den Franzoſen
der Naſe herumgeführt werden ſoll.
Einigermaßen auffällig berührt es, daß aus Frankreich
3her kaum ein Echo zu der öffentlichen
Auf=
ſrderung des Reichskanzlers nach einem
ſutſch=franzöſiſchen „Chequers” zu hören iſt.
9s iſt allerdings auch ſchon beinahe eine Antwort. Wenn
Unn ſich erinnert, daß dies der dritte Verſuch iſt, den die
ſutſche Regierung mach=, um mit den Franzoſen ins
Ge=
ſtäch zu kommen, dann müßte man eigentlich daraus ſchließen,
18 der Pariſer Regierung tatſächlich das politiſche Ziel höher
ht als die wirtſchaftliche Beſundung Mitteleuropas.
Der Inhalt der franzöſiſchen Denkſchriff.
Die franzöſiſche Denkſchrift, die in Paris erſt am kommen=
R Freitag veröffentlicht werden wird, umfaßt vier
Schreib=
ſchinenſeiten und iſt in äußerſt höflichem Ton gehalten.
In der Einleitung begrüßt die franzöſiſche Regierung die
lſicht Hoovers und betont, daß ein Aufruf zu Gunſten der
ſich die Kriſe beſonders betroffenen Länder ſtets Gehör finden
hrde. Frankreich habe bereits Beweiſe ſeines guten Willens
ſelegt und verſucht, durch eine aktive Zuſammenarbeit die
Hwierigkeiten zu beheben, die in Mitteleuropa aufgetreten
en. Die franzöſiſche Antwort weiſt dann auf die eigene
hanz= und Haushaltslage hin, die im Laufe der letzten Jahre
vieriger geworden ſei und die die Regierung verpflichte, alle
vorgeſchlagenen Maßnahmen genaueſtens zu prüfen.
Vom Rechtsſtandpunkt ſei es der franzöſiſchen Regierung
außerdem unmöglich, auf den Young=Plan zu verzichten,
der feierlich unterzeichnet ſei und wonach die Reparationen
eine geheiligte Schuld darſtellten. Eine Aufhebung der
ungeſchützten Zahlungen würde eine ernſte Verfehlung
gegnüber dem Young=Plan bedeuten und für die Zukunft
gefährliche Nachwirkungen haben können. Der Young=
Plan ſei außerdem vom franzöſiſchen Parlament ratifiziert
und die franzöſiſche Regierung habe daher nicht das Recht,
irgendwelche Aenderungen einzubringen, ohne das
Parla=
ment vorher zu fragen.
dem weitherzigen Unternehmen des amerikaniſchen Staats=
Nſidenten die Hilfe im Rahmen des Möglichen nicht zu
ver=
en, ſchlägt die franzöſiſche Regierung ein Kompromiß vor,
* Zugleich die Aufrechterhaltung des Young=Planes und eine
ſterſtützung Deutſchlands bedeutet. Dieſer
Kompromißvorſchlag geht dahin, daß Deutſchland in dieſem
Jahre wie in allen anderen Jahren den ungeſchützten Teil
der Reparationen in Höhe von 612 Millionen RM.
ab=
liefert. Zum Unterſchied von allen anderen Jahren ſoll
dieſe Zahlung jedoch nicht in Auslandsdevifen, ſondern in
Zeit dieſe Summe dem Reich in Form einer Anleihe zur
Verfügung zu ſtellen.
Am Schluß ihrer Antwort gibt die franzöſiſche Regierung der
Hoffnung Ausdruck, daß ihre Vorſchläge die ungeteilte
Zuſtim=
mung des amerikaniſchen Staatspräſidenten finden werden.
Belgien ſchließt ſich Ftankreich an.
Brüſſel, 24. Juni.
Wie nunmehr feſtſteht, wird Belgiens Stellungnahme zum
Hoover=Plan dieſelbe ſein, wie die Frankreichs. In Brüſſel iſt
eine franzöſiſche Antwortnote bereits bekannt und Belgien will
nach Waſhington eine gleichlautende Antwort ſenden. Die
ent=
ſprechenden diplomatiſchen Verhandlungen zwiſchen Paris und
Brüſſel haben am Mittwoch vormittag ſtattgefunden.
Ein deukſch=franzöſiſches Chequers?
Günſtige Aufnahme der deukſchen Anregung in Paris
Paris, 24. Juni.
Wie der Pariſer Korreſpondent des WIB. erfährt, iſt im
Ver=
laufe des heutigen Miniſterrates über die Anregung einer
offi=
ziellen Zuſammenkunft des Reichskanzlers Dr. Brüning und des
Reichsaußenminiſters Dr. Curtius mit dem franzöſiſchen
Miniſter=
präſidenten Laval und dem franzöſiſchen Außenminiſter Briand
beſprochen worden. Der Vorſchlag habe eine günſtige Aufnahme
gefunden und werde demnächſt praktiſche Geſtalt annehmen, die
noch präziſiert werde. — Nach zuverläſſigen Informationen wird eingeſchlagen, und es praſſelt nur ſo von Erörterungen
der deutſche Botſchafter von Hoeſch im Laufe des heutigen Abends
eine neue Zuſammenkunft mit dem franzöſiſchen Außenminiſter
haben und es iſt mit Beſtimmtheit anzunehmen, daß bei dieſer
Gelegenheit die von dem Reichskanzler gegebene Anregung weiter
verfolgt werden wird.
Die Preſſe verhält ſich zu der geſtrigen Rundfunk=Botſchaft
des Reichskanzlers auffallend ſchweigſam. Der „Temps” beſchränkt
ſich im Rahmen eines Leitartikels über das Angebot Hoovers auf
die Feſtſtellung, daß Brüning von der deutſch=franzöſiſchen
Zu=
ſammenarbeit in einem Tone geſprochen habe, der in Deutſchland
zienlich neu ſei. — Nur die „Information” erklärt, man müſſe
den mutigen Appell des Kanzlers, den Frieden auf eine
franzö=
ſiſch=deutſche Einigung zu gründen, in dieſem ſchwierigen
Augen=
blick freudig begrüßen. Es ſei möglich, daß die franzöſiſche
Re=
gierung, die darüber bereits beraten habe, ſchnell eine wichtige
Entſcheidung treffen werde. — Der „Intranſigeant” ſpricht von
einem „ergreifenden Appell” Brünings und erklärt, dies ſei eine
augenſcheinliche Geſte, der gegenüber Frankreich nicht unempfind= geſpannten Erwartungen hingibt, darf man doch behaupten, daß
lich bleiben könne.
Snowden zur Hoover=Akkion.
Zu Konferenzen keine Zeik. — Es muß ſofork gehandelt
rung an, nach dem Vorbild des Hooverſchen Vorſchlages für einen
Zugeſtändniſſe wie Deutſchland einzuräumen. Danach brauchen
keine Zahlungen aus ihren Kriegsſchulden=Verpflichtungen an
das Mutterland mehr zu leiſten.
Die in dem diesjährigen Budget vorgeſehenen Einnahmen
Englands werden durch dieſe Maßnahme um 11 Millionen Pfund
nunmehr aufzubringen hat. In ſeiner Rede, mit der Snowden
Ausdruck, daß dieſe Maßnahme ihre Rechtfertigung in der Wie=
Erklärung ab, es wäre ein Jammer, wenn Europa
Geiſte antworten würde, in dem er gemacht wor= gerade ſie ſind es, die von der Laſt am ſchwerſten getroffen
den, jetzt keine Zeit, vielmehr müſſe ſofort gehan= geſehen von ihrer Unmenſchlichkeit, ſich nicht in Worte faſſen
delt werden. Die engliſche Regierung halte es für das beſte, laſſen.
die B. J.3. anzuweiſen, unmittelbar alle Maßnahmen für eine
Einſtellung aller deutſchen Zahlungen zu treffen. Zum Schluß
nehme Hoovers Vorſchläge ſowohl dem Geiſt wie dem Buchſtaben
nach an.
Snowden ſeinen Dank aus und erklärte: Nach meiner,
und ich glaube, auch nach der Anſicht meiner Partei, hat die Re= klaren Zwecke des Verſailler Vertrages verurſacht worden ſind.
gierung einen Weg eingeſchlagen, der vollkommen im Einklang
ſteht mit der Würde und dem Rufe Englands. Ebenſo gab auch nung Deutſchlands der Anfang der Abrüſtung
17
gierung Ausdruck.
Nolverordnung,
Chequers und Waſhingkon.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
Anm. d. Red.: Der vorliegende Artikel, der
vor der Veröffentlichung des Hoover=
Vor=
ſchlages eines Tribut= und Kriegsſchulden=
Feierjahres abgefaßt iſt, zeigt die
Entwick=
lung, die zu jenem Entſchluß Hoovers geführt
hat. An dieſem Aufſatz iſt beſonders der von
unſerem Berichterſtatter geführte Nachweis
intereſſant, daß Hoovers Vorſchlag eines
ein=
jährigen Zahlungsaufſchubs nur einen Teil
der Forderungen verwirklicht, die führende
Amerikaner angeſichts der wachſenden
deut=
ſchen Not aufgeſtellt haben.
A. G. A. New York, 8. Juni.
Wird angeſichts der europäiſchen Ereigniſſe der letzten Tage
die Regierung der Vereinigten Staaten ihre bisherige Rolle
des paſſiven, unbeteiligten Zuſchauers aufgeben? Wird ſie
zu=
geſtehen, daß die deutſchen Reparationszahlungen mit den
Kriegsſchulden der Alliierten an die amerikaniſche Bundeskaſſe
faktiſch identiſch ſind? Iſt dem Umſtande, daß einer der
ſtärk=
ſten Männer im amerikaniſchen Kongreſſe, Senator Borah,
bis=
her ein ausgeſprochener Gegner jeder weiteren Verringerung
oder gar Streichung der Alliierten=Kriegsſchulden, plötzlich kehrt
macht und von Entgegenkommen ſpricht, irgendwelche beſondere
Bedeutung beizumeſſen? Darf man behaupten, daß die
Aus=
ſichten auf die „Nachprüfung der Zahlungsfähigkeit
Deutſch=
lands”, von der auf der Tagung der Internationalen
Handels=
kammer in Waſhington die Rede war, heute günſtiger ſind als
noch vor ein paar Wochen. Was hat es mit der geplanten
Europareiſe des Staatsſekretärs Stimſon auf ſich? Was mit
dem beabſichtigten Beſuche Schatzſekretärs Mellon in England
und Frankreich?
Dieſe und Dutzende damit zuſammenhängende Fragen
wer=
den heute von der amerikaniſchen Preſſe in allen Tonarten
erörtert. Die Notverordnung der deutſchen Regierung und das
gleichzeitig veröffentlichte Manifeſt, das alle dem Schreiber zu
Geſicht gekommenen größeren amerikaniſchen Zeitungen im
vollen Wortlaut veröffentlichten, haben hier wie eine Bombe
ihrer möglichen Folgen hierzulande wie jenſeits des Atlantik,
von Berichten und Beſprechungen der Miniſter=Zuſammenkunft
in Chequers, von Kombinationen, Mutmaßungen und — wie
es hier ſchon einmal ſo üblich — guten oder doch wenigſtens
gutgemeinten Ratſchlägen. Auch der üble Geruch, den das
Krepieren einer Bombe im Gefolge zu haben pflegt, fehlt nicht.
Aber der iſt zollfrei aus Frankreich importiert.
Amtlich hat die Waſhingtoner Regierung bisher nichts
dar=
über verlauten laſſen, daß die Haltung des Präſidenten und
ſeiner Ratgeber gegenüber Gutmachungs= und
Schuldenzah=
lungen ſich auch nur im geringſten geändert habe. Die
Re=
gierung hat bisher daran feſtgehalten, daß der Deutſchland
auferlegte Tribut ſie nichts angehe. Sie hat oft genug darauf
hingewieſen, daß ſie ihren europäiſchen Schuldnern äußerſt
libe=
rale Zahlungsbedingungen geſtellt, tatſächlich zwiſchen 25 und
75 v. H. variierende Abſtriche gemacht habe, und daß ihrer
An=
ſicht nach kein Grund für eine Reviſion der getroffenen
Ver=
einbarungen vorliege. Auch wenn man ſich bezüglich der
künf=
tigen Stellungnahme Waſhingtons zu dieſen Fragen keinen
hoch=
die amtlichen Wetterfahnen der
nordamerika=
niſchen Bundeshauptſtadt nicht mehr ſo
unver=
rückbar nach dem kalten Norden zeigen. In
Sena=
tor Borahs Kundgebung zugunſten einer Reviſion des Young=
Planes darf man das erſte deutliche Anzeichen dafür erblicken.
Denn der Vorſitzer des Senats=Ausſchuſſes für Auswärtige
An=
gelegenheiten gab ſeiner den Vertretern der Preſſe ſchriftlich
ge=
werden.— Zahlungsaufſchub auch für die Dominions. gebenen Darlegung erhöhte Bedeutung durch die mündlich
hin=
zugefügte Mitteilung, daß er „letzthin Beſprechungen am an=
Br. London, 24. Juni. deren Ende der Pennſylvania Avenue gehabt habe‟. Wenn
Schatzkanzler Snowden kündigte in der heutigen Sitzung des er damit vielleicht auch nicht das Weiße Haus direkt gemeint hat,
engliſchen Unterhauſes die Bereitwilligkeit der engliſchen Regie= ſo bezog er ſich jedenfalls auf das dicht neben dem Palais des
Präſidenten ſtehende Gebäude des Staats=Departements, deſſen
Leiter Herr Stimſon iſt. Und der verantwortliche Redakteur des
Zahlungsaufſchub auch den Dominions und Indien die gleichen Waſhingtoner Auswärtigen Amtes erfreut ſich des unbedingten
Vertrauens des Präſidenten und tut und ſagt in ſolch wichtigen
die Dominions und Indien vom 1. Juli an zwölf Monate lang Angelegenheiten nichts, ohne ſich mit Herrn Hoover beſprochen zu
haben.
„Die Reviſion des Reparations=Vertrages
erſcheint mir wirtſchaftlich notwendig und
fundamental gerecht”, erklärte Senator Borah. „Die
Nationen, denen Gutmachungszahlungen zukommen, können
(220 Millionen Mark) verringert, die der engliſche Steuerzahler nichts damit gewinnen und niemand iſt damit gedient, wenn
Deutſchland in völligen wirtſchaftlichen Zuſammenbruch
hinein=
von dem Zahlungsaufſchub Kenntnis gab, gab er der Hoffnung gedrängt wird. Selbſt wenn Deutſchland bei einer Fortdauer
guter Zeiten imſtande geweſen wäre, ſeinen
Gutmachungsver=
derbelebung des Vertrauens und der Wirtſchaftslage finden pflichtungen gemäß dem Young=Plan nachzukommen, wird im
werde. Mit Bezug auf den Vorſchlag Hoovers gab er weiter die Lichte der jetzigen Depreſſion klar, daß ihm dies unmöglich iſt.
Keine Nation ſollte danach ſtreben, die arbeitenden Klaſſen
auf den Vorſchlag Hoovers nicht in dem gleichen Deutſchlands in unſagbares Elend hinunter zu trampeln, und
den ſei. Für eine Konferenz über die Geſtal= werden. Die große Maſſe der Mittelſtands=Familien wird
hin=
tung der deutſchen Zahlungen ſei, ſo betonte Snow= geopfert. Dies iſt eine Kalamität, deren üble Folgen, ganz ab=
Bei der Erwägung dieſer Frage der Reviſion der
Repara=
tionen und der Zahlungsfähigkeit des deutſchen Volkes darf
ſeiner Rede erklärte Snowden nochmals, die engliſche Regierung man nicht überſehen, daß eine der Haupturſachen der Depreſſion
in Europa, eine, die Deutſchland die Erfüllung ſeiner
Ver=
pflichtungen ſtark erſchwert hat, die ſtändig zunehmenden
Hierauf ſprach der Führer der Konſervativen, Baldwin, Rüſtungslaſten ſind, die von anderen als der
deutſchen Nation unter offenſichtlicher Verletzung der
Es war beabſichtigt und vereinbart, daß die Entwaff=
Lloyd George ſeiner Freude über die mutige Antwort der Re= Europas ſein ſollte. Wäre dies geſchehen, oder wäre
nicht eine bedeutende Vermehrung der Rüſtungen erfolgt, dann
Seite 2
wäre die Wirtſchaftslage in Europa weſentlich beſſer und
Deutſchland wäre weit eher imſtande, ſeine Verpflichtungen zu
erfüllen.”
Wenn man auch der Logik des Senators aus Idaho nicht
bis zum letzten Wort ſeiner Erklärung zu folgen vermag, ſo
dient dieſe doch jedenfalls als von der Preſſe nach allen
Rich=
tungen hin ausgebeutetes Thema für mehr oder minder
inter=
eſſante Kombinationen. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß
Borah ſich ermächtigt fühlte, den Worten, die Praſident Hoover
an die Handelskammer richtete, eine ganz beſtimmte
Deutungs=
richtung zu geben: wenn Ihr abrüſtet, dann wird Euer Antrag
auf Erleichterung der Schuldenlaſt nicht mehr an ganz taube
Ohren dringen. Abrüſtung Eurer Heere, Eurer
Landſtreit=
kräfte wäre der direkte Weg zum Ziele. Abrüſtung würde auf
das amerikaniſche Volk Eindruck machen und möglicherweiſe
eine der Herabſetzung Eurer Kriegsſchulden günſtige
Stim=
mung hervorrufen, die ſich vielleicht ſogar im Kongreſſe zur
Geltung bringen dürfte, uſw. uſw. Beſonders kühne Kollegen
von der Zunft der Tagesſchriftſtellerei verſteigen ſich ſogar zu
der Vermutung, daß die Herren Stimſon und
Mel=
lon von Präſident Hoover beauftragt ſeien, in
London, Paris und anderwärts die
europä=
iſchen Staatsmänner auf die engen
Beziehun=
gen aufmerkſam zu machen, die zwiſchen
Ab=
rüſtung und Kriegsſchulden beſtehen.
Zweifellos hat ſich die auswärtige Politik der Waſhingtoner
Regierung dahin geändert, daß ſie plötzlich Intereſſe an den
Heeres=Rüſtungen der europäiſchen Mächte nimmt, während ſie
bisher auf den Rüſtungsbeſchränkungs=Konferenzen ſtets den
Standpunkt einnahm, die Wehr zu Lande ginge ſie nichts an.
Zweifellos beabſichtigt Waſhington, auf der Genfer
Zuſammen=
kunft 1932 eine wichtigere Rolle als die des unbeteiligten
Zu=
ſchauers zu ſpielen. Aber daraus jetzt ſchon ſchließen zu wollen,
daß Waſhington ohne weiteres bereit iſt, den Alliierten ihre
Kriegsſchulden um ſoviele Dollar nachzulaſſen, wie ſie Soldaten
abmuſtern, Gewehre zum alten Eiſen werfen, Kanonen
abmon=
tieren und Pulverfäſſer ins Meer verſenken, dazu liegt zur Zeit
kein Anlaß vor. Und wenn wir ſagen, daß die amtlichen
Wetterfahnen der amerikaniſchen Bundeshauptſtadt nicht mehr
ſo unverrückbar nach Norden zeigen, ſo will das lediglich
heißen, daß man ſich hier bewußt iſt, daß die wirtſchaftliche
Er=
holung der Vereinigten Staaten zum nicht geringen Teil von
jener Europas abhängig iſt, was man früher nicht wahr haben
wollte. Daß ein Zuſammenbruch Deutſchlands, politiſch oder
wirtſchaftlich, ſeine Rückwirkungen hier ebenſo ſtark fühlbar
machen würde wie drüben. Daß man mit der Möglichkeit,
viel=
leicht beſſer geſagt Wahrſcheinlichkeit rechnet, daß
Deutſchland über kurz oder lang ſeinen
Repa=
rationsverpflichtungen nur zum Teil
nachkom=
men oder die Zahlungen ganz einſtellen wird.
Daß damit auch der Zahlungsfähigkeit der Alliierten, von der
die Erfüllung der Schuldentilgungsverträge abhängig iſt, ein
Stoß verſetzt wird, und daß es ſich für die Vereinigten Staaten
dann nicht mehr darum handelt, ob ſie zu Schuldennachlaß
oder Moratorium bereit ſind, ſondern darum, ob ſie überhaupt
noch etwas bekommen. Denn Mittel zur Eintreibung der
Alli=
erten=Kriegsſchulden ſtehen Onkel Sam nicht zu Gebote. Man
weiß hier auch ſehr wohl, daß es mit der Abrüſtung Europas
gute Wege hat, ſolange Rußland von den Vereinigten Staaten
nicht als vollwertiges Mitglied der Völkerfamilie angeſehen
wird. Und daß der ganze Zweck des Rüſtens der Alliierten die
Erzwingung des Verſailler Vertrages iſt und ein
Ab=
rüſtungsprogramm nicht durchgeführt werden kann, ohne daß
auch dieſer Vertrag einer „Nachprüfung”
unter=
zogen wird.
Ueber all dies iſt man ſich in Waſhington klar,
zweifel=
los ſinnt man auf Mittel, der Kalamität vorzubeugen. Bei der
Formulierung des Young=Plans galt die Uebertragung der
Re=
parationsgelder als das ſchwierigſte Problem, das ſich
mög=
licherweiſe ſeiner Durchführung in den Weg ſtellen könnte. Man
traf Vorkehrungen, daß Deutſchland auch bei Einſtellung der
„aufſchiebbaren” Zahlungen die entſprechenden Summen in
Reichsmark an die Bank für Internationale Zahlungen
abzu=
führen habe, die ſie jedoch nicht an die Gläubiger weitergeben
ſollte. Hier handelt es ſich für Deutſchland nicht um ein
Geldüber=
tragungs=Problem, ſondern um eine Staatshaushalts=Kriſe. Und
wenn es weiterhin Zahlungen an die Bank in Baſel leiſten
müßte, ſo hätte es die dazu nötigen Gelder zuvor bei ſeinen
Steuerzahlern einzutreiben. Damit wäre ihm alſo nicht
ge=
holfen. Auch hierüber iſt man ſich in Amerika klar.
Man iſt offenbar in Waſhington bereit, die
nächſten Schritte der deutſchen Regierung
abzu=
warten. Man rechnet damit, daß „nichts Plötzliches”, nichts
Unerwartetes geſchehen wird. Man ſpekuliert wohl darauf, bis
Februar 1932 hier wie drüben für eine „kräftige”
Rüſtungs=
verringerung, eine wirklich durchgreifende Abrüſtung, nicht eine
leere Geſte, genügend Stimmung machen zu können, um — trotz
der Präſidentenwahl, trotz der Abneigung der Amerikaner gegen
Schulden=Nachlaß und =Streichung — in Unterhandlungen über
den „Roßtauſch”, wie Senator Borah ihn andeutete, einzutreten.
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Vom Tage.
Der preußiſche Innenminiſter Severing hat im Preußiſchen
Landtag abgelehnt, allmonatlich eine Zuſammenſtellung über die
politiſchen Zuſammenſtöße und Ausſchreitungen zu geben.
In Stuttgart fand eine Beſprechung von Vertretern der
ſüd=
deutſchen Regierungen Württembergs, Bayerns, Badens und
Heſſens über die Auswirkung der Notverordnung auf die Länder
und über einen Ausgleich zwiſchen den Einnahmen und Ausgaben
der Staatshaushalte ſtatt.
Auf Grund des Geſetzes zum Schutze der Republik hat der
heſſiſche Innenminiſter die in Mainz=Weiſenau erſcheinende
Ortszeitung „Der Klaſſenkampf” und die in Laubenheim
erſchei=
nende kommuniſtiſche Ortszeitung „Der Röhrbrunnen” bis zum
15. Auguſt 1931 einſchließlich verboten.
Das polniſche Gericht in Dirſchau verurteilte ſieben Danziger
Stahlhelmer, die am Sonntag verſehentlich in Uniform die
pol=
niſche Grenze bei Dirſchau überſchritten hatten und feſtgenommen
worden waren, zu je einem Monat Haft.
Die deutſch=ruſſiſchen Urheberrechtsverhandlungen wurden
er=
gebnislos abgebrochen.
Der öſterreichiſche Miniſterrat hat ſich für die Berufung des
Direktors der Deutſchen Bank und Diskonto=Geſellſchaft. Dr.
Wei=
gelt, als leitenden Direktor der Kredit=Anſtalt entſchieden für
den Fall, daß Weigelt die geſtellten Bedingungen annimmt.
Im Völkerbundsſekretariat iſt ein Komitee von zehn
wiſſen=
ſchaftlichen Sachverſtändigen zuſammengetreten, um im Auftrag
des Europaausſchuſſes nach Mitteln und Wegen zu einer beſſeren
Organiſation der Produktion und des Güteraustauſches zu ſuchen.
Aber die Abrüſtung müßte den Namen auch verdienen. Ob
Frankreich dazu bereit ſein wird? Oder England? Oder
Italien? Wenn es Herrn Hoover und Herrn Stimſon gelingen
ſollte, einen Volltreffer zu erzielen, dann mag das amerikaniſche
Volk mit ihnen gehen. Wenn nicht, dann — ſo prophezeit die
New Yorker Evening Poſt — werden ſie ſich einer Revolte
gegenüberſehen ähnlich der gegen die Ratifizierung des
Völker=
bund=Paktes.
EP. Rom, 24. Juni.
In der Antwort Italiens auf den Vorſchlag Hoovers erſucht
Muſfolini den amerikaniſchen Botſchafter, ſeiner Regierung
mit=
zuteilen, daß die italieniſche Regierung nach reiflicher Prüfung
des Vorſchlages beſchloſſen habe, von Herzen ihre grundſätzliche
Zuſtimmung zu dem Plan Hoovers zu erteilen, obgleich er
bemer=
kenswerte Opfer für Italien bedinge. Muſſolini fügt hinzu, er
werde in den nächſten Tagen der amerikaniſchen
Regierung einige Bemerkungen zukommen
laſ=
ſen für die gerechte und praktiſche Anwendung
der glücklichen Initiative der amerikaniſchen
Regierung, wie ſie ſicher in den Abſichten des Präſidenten
Hoover liege. Der italieniſche Regierungschef gibt am Schluß
der Note ſeiner Erwartung Ausdruck, daß die Anregung des
Prä=
ſidenten Hoover, deren hohe moraliſche Bedeutung von dem
ita=
lieniſchen Volke vollkommen begriffen werde, eine Periode
wirk=
ſamer Zuſammenarbeit unter den Völkern eröffne, die um ſo
not=
wendiger ſei in dieſem Augenblick allgemeiner Schwierigkeiten und
am Vorabend der Abrüſtungs=Konferenz.
Beilegung des Konflikkes
in der Gießener Skudenkenſchaft.
Gießen, 24. Juni.
Eine überfüllte Verſammlung der Gießener Studentenſchaft
beſchäftigte ſich geſtern mit dem vor einigen Tagen gemeldeten
Konflikt im Allgemeinen Studentenausſchuß und nahm
einſtim=
mig folgende Entſchließung an: „Meinungsverſchiedenheiten und
Mißverſtändniſſe haben zu einem Bruch zwiſchen der „
national=
ſozialiſtiſchen und der großdeutſchen Kammerfraktion geführt, der
die Exiſtenz der Gießener Studentenſchaft bedrohte. Nach
Wahr=
nehmung der Mißverſtändniſſe haben ſich die beiden Fraktionen
über alle Meinungsverſchiedenheiten hinweg zu gemeinſamer
Front und Arbeit geeinigt. Sie gehorchen damit dem Gebot der
Stunde, das eine in ſich geſchloſſene, ſtarke und einige
Studenten=
ſchaft fordert im Intereſſe unſeres Vaterlandes, das vor ſchweren
und ſchwerſten Entſcheidungen ſteht und dem wir uns vor allem
anderen verpflichtet fühlen. Mit dieſer Erklärung vor der
Voll=
verſammlung der Gießener Studentenſchaft nehmen die
Fraktio=
nen die Arbeit in Kammer und Vorſtand wieder auf. Gegen
Preſſemeldungen ſtellen ſie feſt, daß von einer Selbſtauflöſung der
Gießener Aſta keine Rede ſein kann, daß im Gegenteil die
natio=
nalſozialiſtiſche und die großdeutſche Fraktion entſchloſſen ſind, die
Selbſtverwaltung der Gießener Studentenſchaft in ihrer
bisheri=
gen Form allen Gefährdungen gegenüber zu ſchirmen und zu
ſchützen. Die Entſchließung iſt von Fraktionsführern der
natio=
nalſozialiſtiſchen Kammerfraktion und der großdeutſchen
Kammer=
fraktion unterſchrieben.
Nummer 174
Die SPd. forderk Aenderung
der Rolverbienang.
Die Ankwork des Kanzlers: Die Nolverordnung bleibt:
* Berlin, 24. Juni. (Priv.=Tel.)
Trotz aller früheren ſchlechten Erfahrungen haben ſich di.
Sozialdemokraten von dem Verſuch nicht zurückhalten können, di
möglichen Erleichterungen aus der Tributreviſion ſchon vorher zm
eskomptieren. Sie haben vergeſſen, welche Folgen es hatte, al:
ein ihnen naheſtehender Miniſter während der Pariſer
Verhando=
lungen über den Young=Plan ſchon Hunderte von Millionen
auss=
geben wollte, die uns — erſt noch geſtrichen werden ſollten. Si.
haben vergeſſen, daß, als dieſe Pläne in Paris bekannt wurdem
von Ermäßigungen für uns nicht mehr die Rede war, ſondern
nur noch von Steuererhöhungen! Das ſollte ſie diesmal doch
wirklich zur Vorſicht und vernünftigem Abwarten mahnen. Bevo
noch der Ausgang der Verhandlungen über den Hooverſchen
Vor=
ſchlag ſich überblicken läßt, hat die ſozialdemokratiſch=
Reichstagsfraktion an den Kanzler einen offi
ziellen Brief gerichtet und um beſchleunigte
Nachprüfung der Notverordnung erſucht. De
Reichskanzler hat ſeine Antwort ſchon im voraus
gegeben in ſeiner Rundfunkrede vom Dienstag
abend. Die Regierung kann in dieſem Augenblick doch auc
gar nichts anderes tun, als an der Notverordnung feſthalten, denm
ſonſt würden wir doch ſofort den Vorwurf einſtecken müſſen, daſ
wir unſere Sanierungsabſichten nicht ehrlich gemeint hätten. Dio
Sozialdemokratie ſcheint aber wegen der Oppoſition in ihren
eige=
nen Reihen irgend einen „Erfolg” ſuchen zu müſſen. Der „Vor
wärts” berichtet deshalb auch jetzt in großer Aufmachung, die
von der Fraktion geführten Verhandlungen hätten bereits zu den
Ergebnis geführt, daß die jugendlichen Arbeiter bis zum 21. Jahn
in der Arbeitsloſenverſicherung bleiben und Unterſtützungen im
der Höhe der Arbeitsloſenverſicherung erhalten, allerdings min
der Einſchränkung, daß die Bedürftigkeitsprüfung bei ihnen
ein=
geſchaltet bleibt. Das iſt aber doch gar nichts Neues mehr
denn dieſes Zugeſtändnis hat der Kanzler ſchon vor der letztem
Sitzung des Aelteſtenrates gemacht und konnte es auch machen,
weil das finanzielle Ergebnis der Notverordnung dadurch kaum
berührt wird.
Die neuen Gehälter der Reichsregierung.
* Berlin, 24. Juni. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett iſt bei der Beſchlußfaſſung über die
Not=
verordnung dahin übereingekommen, noch über die in der
Not=
verordnung vorgeſehenen Gehaltsſenkungsſätze hinauszugehen und
damit demonſtrativ zu zeigen, daß die Not der Zeit erheblichs=
Opfer erheiſcht, und daß auch die Mitglieder der
Reichs=
regierung bereit ſind, ſich
Einkommenskürzun=
gen zu unterwerfen, die ganz einſchneidender
Natur ſind.
Nach den jetzt vorliegenden Beſchlüſſen des Kabinetts erhält.
der Reichspräſident nicht mehr 60 000 RM. Gehalt, ſondern nur
noch 43 200 RM. Die Aufwandsentſchädigung von 120 000 RM.
iſt geblieben, weil die Repräſentationskoſten des
Reichsoberhaup=
tes notwendig ſind und ſich nicht vermeiden laſſen. Das Gehalt
des Reichskanzlers ſah vor der Notverordnung ein Grundgehalt
von 45 000 RM. jährlich vor, dazu eine örtliche Zulage von 1350
Reichsmark, ſo daß er insgeſamt 46 350 RM. bezog. Dieſe Summe
iſt um 28 Prozent gekürzt worden, alſo um 12 978 RM. auf 33372
Reichsmark. Die Dienſtaufwandsentſchädigung in Höhe von 18000
Reichsmark bleibt im bisherigen gekürzten Umfange beſtehen.
Die Gehälter der Reichsminiſter betrugen bisher 36 0000 RM.
Dazu kam die örtliche Zulage von 1080 RM., ſo daß das
Geſamt=
gehalt 37 080 RM. betrug. Es wird um 28 Prozent gekürzt, alſo
um 10 382 RM. auf 26 697 RM. Das Gehalt eines
Reichsmini=
ſters beträgt im Monat alſo etwas mehr als 2000 RM.
Ange=
ſichts der ungeheuren Verantwortung, die auf den Schultern der
Kabinettsmitglieder ruht, und der hohen Aufgaben, die ein
Reichsminiſter nicht vermeiden kann, alſo ein wirklich beſcheidenes
Einkommen, wenn man es mit den Gehältern der leitenden
Füh=
rer in der Wirtſchaft vergleicht. Auch das Wohnungsgeld von
3600 RM. iſt um 1008 RM. auf 2592 RM. abgebaut worden, das
aber in Wegfall kommt, wenn der Miniſter eine Dienſtwohnung
innehat. Die Dienſtaufwandsentſchädigung von 2800 RM. blieb
unverändert.
Die Staatsſekretäre bezogen bisher 24 000 RM. Gehalt, 720
Reichsmark örtliche Zulage, 2520 RM. Wohnungsgeldzulage und
eine Miniſterialzulage von 1200 RM. Ihr Geſamteinkommen
be=
lief ſich bisher auf 28 440 RM. Es wird um 13 Prozent gekürzt
auf 24 952,80 RM.
ſer
ner
gen,
tun
des
iM übe
im N
Die Bollenſtrecke.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Rr. Amſterdam, Juni 1931.
Eine beſondere Note verleihen dem Stadtbild Amſterdams
und anderer holländiſcher Städte, beſonders an den recht
zahl=
reichen Tagen, an denen ein graues Wolkenheer über den
Häu=
ſern hängt, die vielen Blumenhändler, die man in dieſer Zahl
ſelten wo anders finden dürfte. Blumen über Blumen werden
außer in den zahlreichen Blumengeſchäften an den Ständen und
Karren feilgehalten, die man überall antreffen kann. Einen
be=
deutenden Teil der farbenprächtigen und duftenden Handelsware
machen im Frühjahr die Blumen der Zwiebelgewächſe aus,
darunter in erſter Linie die Tulpen, die jetzt noch zu einem
Spottpreiſe erhältlich ſind. Die ſpäten, langſtieligen
Tulpen ſind es, die letzten des Jahres; ſie grüßen
aus den Fenſtern der Häuſer, ſie erfreuen noch für kurze Zeit
das Auge der Menſchen in den öffentlichen Anlagen
Amſter=
dams, am Rembrandt= und am Leidſcheplein, im Sarphati= und
im Vondelpark. Ihr Ende findet für dieſes Jahr auch bald die
bunte Pracht draußen auf den Blumenfeldern zwiſchen Haarlem
und Leiden, der ſogenannten Bollenftreek (Bollenſtrecke), die
Hol=
land den Beinamen des Bollenlandes (Landes der
Blumen=
zwiebeln) eingebracht hat. Nur wenige Wochen, insgeſamt etwa
zwei Monate im Jahr dauert die Blumenherrlichkeit, erfreuliche
Beigabe eines Zweiges der holländiſchen Wirtſchaft, der von
großer Bedeutung für das ganze Land iſt.
Die Bollenſtreek, die ſich etwa 30 Kilometer lang zu beiden
Seiten der elektriſchen Schnellbahn Haarlem-Leiden erſtreckt,
umfaßt ein Gebiet von einigen Tauſend Hektar Land in den
Provinzen Nord= und Südholland. Geographiſcher Mittelpunkt
dieſes Gebietes iſt der Ort Liſſe mit etwa 8000 Einwohnern, der
ebenſo wie der vier Kilometer nördlich gelegene mit 12000
Ein=
wohnern größte Ort der Bollenſtreek, Hillegom, rings von
Blu=
menfeldern umgeben iſt. Dort, wo ſich jetzt die Blumenfelder
erſtrecken, hauſten einſt nur Hirten mit ihren Schafherden und
Torfſtecher, ſpäter lag hier die Gemüſekammer Amſterdams, bis
ſchließlich die Blumenzwiebelzucht ihre endgültige Herrſchaft antrat.
Die Kultur der Blumenzwiebel wird in Holland bereits ſeit
dem 17. Jahrhundert getrieben, aber erſt in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts gelangte ſie zu größerer Bedeutung. Im
Herbſt werden die Zwiebeln der Erde andertraut. Dann gehen
durch das von zahlreichen Kanälen durchzogene Land viele
Män=
ner, die die Bollen, in der Hauptſache Hyazinthen und Tulpen,
daneben aber auch Narziſſen, Krokus, Schlla, Iris uſw. uſw.
in die Erde ſenken. Schutz gegen die Unbill des Winters bietet
eine dicke Schicht Schilf, das, zu hohen Schobern aufgeſtapelt, der
Landſchaft im Frühjahr ein beſonderes Gepräge gibt. Unter
dieſer Schilfdecke geht im Winter das Keimen vor ſich; haben
die erſten warmen Sonnenſtrahlen das Land getroffen, dann
wagen ſich zunächſt die Schllas hervor, deren bald helleres, bald
dunkleres Blau ſich in das noch helle Grün der Blätter miſcht.
Das Blühen hat begonnen! Bald bringen die Krokuſſe eine neue
Note in das Landſchaftsbild; ihr Gelb, Violett, Weiß und Bunt
geſellt ſich zu dem verſchiedenartigen Blau der Schllas. Die mit
dieſen Blumen beſtellten Felder ſind aber nur von
verhältnis=
mäßig geringem Umfang, ſo daß das Blühen noch keine Beſucher
hinauszulocken vermag. Leer und ſtill ſind Anfang bis Mitte
März die Wege an der Bollenſtreek. Wochen vergehen noch bis
zu dem traditionellen „Bollenzondag”, der eigentlich auf
den zweiten Oſtertag fallen ſoll, d. h. wenn es dem Wettergott
gefällt. Iſt aber Oſtern früh, oder iſt der Winter ſtreng und von
langer Dauer wie der von 1928/29, dann verzögert ſich das
Blü=
hen um mehrere Wochen. Eine erhebliche Verzögerung brachte
auch der diesjährige kühle und regneriſche Frühling mit ſich. Dies
war nicht nur im Freien, ſondern auch in den geſchützten Städten
der Fall; ſo in Amſterdam, dem nordiſchen Venedig, wo bis
Ende April, ja bis Ende Mai hinein die Bäume an den
male=
riſchen Grachten ihre kahlen Zweige in den Himmel reckten und
auf das Kommen des Blumenfrühlings nur von den Kähnen am
Singel geſchloſſen werden konnte, auf denen aus den
Treib=
häufern ſtammende Blumen feilgehalten wurden. Dieſe
Blumen=
kähne entſprechen etwa den Aepfelkähnen, die die erſten Früchte
des Jahres nach Berlin bringen.
Hat aber erſt die Sonne endgültig die Herrſchaft angetreten,
dann bedarf es nur noch kurzer Zeit, um die denkbar ſchönſte
blühende Pracht in die Landſchaft hineinzuzaubern. Ein Teppich,
gewirkt aus den herrlichſten Farben, die ſich auf der Palette des
Malers finden, breitet ſich dann über das Land. Mit jedem
Tag treten neue Farben hinzu, immer größer wird der Teppich,
deſſen grüner Grundton ſchließlich faſt ganz im Farbenmeer
ver=
ſchwindet. Tauſende und Abertauſende von Hyazinthen blühen in
allen Schattierungen von dunkel= und hellrot, weiß und gelb,
violett und blau, einfach und doppelt. Ein betäubender Duft
liegt über der zu neuem Leben erwachten Erde, ſo daß man
ſchon auf große Entfernung das Blumenwunder ahnt. Und dann
kommt die Zeit der frühen Tulpen. Faſt über Nacht erſchließen
ſie ſich, und feuerrot flammt es bald hier, bald da auf;
orange=
farbige und weiße, gelbe und bunte Farbflecke geſellen ſich dazu.
Kaum zu zählen ſind all die Spiel= und Farbarten, die ſich jetzt
dem Auge des Beſchauers darbieten. Auch die Oſterglocken und
Narziſſen wollen nicht zurückſtehen; wie die Halme eines
Ge=
treidefeldes wiegen ſich die Blütenſtengel im Wind, der manch=
mal noch ſehr rauh ſein kann, ſind doch die „Eisheiligen” noch
nicht vorüber. Immer größer wird jetzt die Zahl der Beſucher,
die hinausſtrömen, um das ſich jedes Jahr erneuernde Wunder
zu ſchauen. Was Werder zur Zeit der Baumblüte für den
Ber=
liner, das iſt die Bollenſtreek nun für den Amſterdamer und
Haarlemer, den Haager und Leidener, den Rotterdamer und
Utrechter, ja für ganz Holland. Dazu kommen dann noch die
vielen Fremden, die zum Teil mit Sonderzügen in langſamer
Fahrt durch die Pracht geführt werden. Kaum können die
öffent=
lichen Verkehrsmittel den Andrang der Maſſen bewältigen; zu
Fuß, zu Rad, im Wagen und Auto bevölkern die Menſchen die
Wege, die durch die Blumenfelder führen. Frohes Leben und
Treiben herrſcht überall, wohin man blickt. Für lächerlich
gerin=
ges Geld kann man die ſchönſten Blumen erſtehen, um auch
daheim noch die Nachfreude des Geſchauten zu genießen. Man
ſchmückt ſich ſelbft, ſein Rad, Wagen oder Auto mit Girlanden
aus Oſterglocken oder Tulpen, deren Schönheit in Staub und
Wind aber bald verbleicht. Jung und alt, arm und reich, hoc
und niedrig gibt ſich ein Stelldichein. Auch der Schloßherr von
Doorn läßt es ſich nicht nehmen, der Blumenherrlichkeit einen
Beſuch abzuſtatten. Und ſenſationslüſtern wiſſen dann
Zeitun=
gen von dem kleinen grauen Auto zu berichten, das ſich in die
endloſe Schlange der anderen Fahrzeuge einreiht. An einem
der vielen Blumenſtände läßt der Kaiſer, der von ſeiner
Ge=
mahlin begleitet wird, dann wohl halten, um auch ſeinen Wagen
zu ſchmücken, ehe er wieder nach Doorn zurückkehrt.
Aber auch das ſchönſte Blühen nimmt einmal
ein Ende. Noch ſind die Hyazinthen nicht verblüht, da gehen
wieder Männer durch das Land, die mit geübter Hand die
Blüten abſtreifen, nicht etwa die Dolden abſchneiden, da
da=
durch die Entwicklung der Zwiebel beeinträchtigt wird. Die
Blüten werden in Körbe geworfen, die dann am Rand des
Feldes oder in die Kähne entleert werden, die auf den Kanalen
liegen. Nach den Hyazinthen kommt die Reihe an die Tulpen,
deren Blumen abgeſchnitten werden; ein Teil nur gelangt zum
Verkauf, die übrigen wandern zu den Hyazinthen. Und zieht
der Abend ins Land, dann liegen die flachen Kähne mit ihrel
Blumenlaſt oft tief im Waſſer, liegen die Blumen — kurz
vor=
her noch Augenweide — zu Hauf. Noch blühen die langſtieligen
Darwin= und andere Tulpen, aber auch ihre Stunde ſchlagt.
Dort, wo ſich eben noch ein Teppich ausbreitete, ſo ſchön wie nur
Meiſterin Natur ihn wirken kann, herrſcht nun das fahle Grun
der welkenden Blätter vor. Sind ſie ganz vertrocknet, dann
gehen wieder die Männer durch das Land, die die Zwiebeln
aus der Erde bergen und ſie nach großen Aufbewahrungshäuſern
bringen. Ein Teil der Zwiebeln dient zur Vermehrung, die
außer durch Saat bei den Hyazinthen durch künſtlichen Eingriff,
bei den Tulpen auf natürlichem Wege erfolgt und drei bis
fünf, bei der Zucht aus Saat ſieben Jahre in Anfpruch nimmt.
r0 Robert Cecil macht ſich zum Sprachrohr der Völker. — Heere ſollen nur noch Polizeitruppen ſein.
Rüſtungsgleichheit für alle Stagken. — Mindeſt=Verringerung der Rüſtungskoſten um 25 Prozenl.
für Abrüſtung.
WTB. Wien, 24. Juni.
Der 22. Jahreskongreß des Internationalen Rotary=
Verban=
ſes wurde geſtern in dem mit den Fahnen ſämtlicher Nationen
jeſchmückten Konzerthausſaal mit einer Feſtverſammlung
eröff=
et. Der Vorſitzende des Kongreſſes, Mr. Sidney Paſſall,
be=
rüßte den Bundespräſidenten, den Bundeskanzler und die übrigen
Nitglieder der Regierung, den Bürgermeiſter von Wien, das
diplomatiſche Korps und die 4000 Feſtgäſte. Bürgermeiſter Seitz
ichtete für die Stadt Wien, Bundeskanzler Dr. Bureſch im
ſamen der öſterreichiſchen Bundesregierung und der Präſident
er Republik Oeſterreich, Miklas, herzliche Worte der Begrüßung
in die Rotarier.
Lord Robert Cecil hielt einen Vortrag über die
Abrüſtungs=
rage. U. a. legte er dar: Die Frage der Einſchränkung der
ationalen Rüſtungen ſoll vor die große Abrüſtungskonferenz
ge=
racht werden, die am 2. Februar 1932 zuſammentritt. Ein Erfolg
ſt nur möglich, wenn von Anfang an nicht allein auf die
Be=
renzung, ſondern auch auf die Herabſetzung und den Ausgleich
er Rüſtungen aller Nationen hingearbeitet wird.
Wir wollen eine Herabſetzung der Rüſtungen bis zur Grenze
der Polizeitruppen. Die Heere ſollen nicht länger als
Werk=
zeuge der nationalen Politik benutzt werden, durch die man
den Willen des einen oder des anderen Volkes, dieſer oder
jener nationalen Gruppe den Wünſchen der übrigen
unter=
w d', ſondern ſie ſoll einzig und allein zu dem Zwecke ge=
Jäktet werden, Unordnung und Geſetzwidrigkeiten durch die
internationale Autorität zu unterdrücken.
furzeit wird die Macht und das Anſehen eines Landes gemeſſen
ach der Stärke ſeiner Rüſtungen, und jedes Land fühlt ſich
er=
jiedrigt, wenn Länder mit gleicher oder geringerer Bevölkerung,
nit gleichen oder geringeren Hilfsquellen ſtärker gerüſtet ſind als
s ſelber. Das iſt vielleicht natürlich, ſolange die Rüſtungen zur
durchſetzung der Politik beſtimmt ſind. Beſeitigen wir dieſe
Vor=
usſetzung, wie wir es in Worten wenigſtens im Kellogg=Pakt
etan haben, und
der Einfluß eines Landes wird von ſeinem Wohlſtand,
ſei=
ner Kultur, ſeiner Ziviliſation, ſeiner Frömmigkeit
abhän=
gen, nicht von ſeiner brutalen Gewalt. Die
Aufrechterhal=
tung der Rüſtungen wird dann nicht mehr ein Gegenſtand
des Nationalſtolzes ſein, ſondern eine Laſt, eine
Verpflich=
tung, die man aus Pflichtgefühl gegenüber dem Völkerbund
übernimmt. Keine Nation rühmt ſich der Stärke ihrer
Polizeikräfte oder der Zahl ihrer Zollbeamten. Hoffen wir,
daß der Tag kommt, daß jemand, der ſich der Stärke ſeiner
militäriſchen Rüſtungen rühmt, für einen Toren gehalten
wird.
Wir dürfen nicht erwarten, daß wir ſchon im nächſten Jahre
illes oder faſt alles erreichen, was wir wünſchen. Von höchſter
Vichtigkeit iſt, daß auf der Konferenz von 1932 Richtlinien
feſt=
eſetzt werden, die uns endgültig vorwärtsbringen. Wir werden
licht zufriedengeſtellt ſein, wenn wir weniger als 25 Prozent
derabſetzung der Weltrüſtungskoſten erreichen. Faſt ebenſo
wich=
fg iſt es, daß das Prinzip der internationalen
bleichheit inbezug auf die Rüſtungen anerkannt
dird. Daraus folgt, daß die Herabſetzung allein bei
en Staaten vorzunehmen iſt, die noch, nicht
ab=
erüſtet haben.
die Regierungen ſollen unker Druck geſetzt werden.
Lord Robert Cecil machte am Mittwoch weitere
Mitteilun=
en über eine öffentliche Abrüſtungskonferenz, die
m November d. J. in Paris zuſammentreten ſoll. Zur
Teil=
ahme werden aufgefordert die führenden
Friedensorga=
iiſationen aller Staaten der Welt, insgeſamt etwa
50 Vereinigungen. Die Regierungen werden nicht eingeladen.
zisher haben eine große Anzahl von Organiſationen in den
ßereinigten Staaten, England, Oeſterreich, der Schweiz und
an=
eren Ländern die Einladung angenommen. Lord Robert Cecil
ppellierte an die Völker der ganzen Welt, ihre Vertreter zu
ntſenden. Er erblickt in dieſer Aktion das wirkſamſte
Mittel, die große öffentliche
Abrüſtungskon=
ferenz im Februar 1932 unter moraliſchen Druck
zu ſetzen und die Regierungen beizeiten wiſſen
zu laſſen, daß der Wille der Völker
Beſchrän=
kungen der Rüſtungen auf ein erträgliches Maß
verlangt.
EP. Paris, 24. Juni.
Wie der Pariſer Ausgabe der „Chicago Tribune”, aus
Waſhington berichtet wird, hat Präſident Hoover in ſeinem Plan
die Möglichkeit offen gelaſſen, das Moratorium auf zwei Jahre
auszudehnen. Zahlreiche politiſche Führer ſeien der Anſicht, daß
ein einjähriges Moratorium nicht genüge, um Deutſchland aus
ſeiner ſchwierigen finanziellen Lage herauszuhelfen. Außerdem
weiſe man darauf hin, daß unter dem Einjahresplan die Frage
der Ausdehnung des Moratoriums im Juni 1932 aufgerollt
wer=
den würde, alſo mitten in der amerikaniſchen Kampagne für die
Präſidentenwahl. Keine Partei, die Wert auf die Stimmen der
deutſch=amerikaniſchen Wähler lege, werde daher gegen eine
Ver=
längerung des Moratoriums Stellung nehmen können. Man ſei
ſchließlich der Anſicht, daß das Ergebnis der Genfer
Abrüſtungs=
konferenz die zukünftige Haltung der Vereinigten Staaten mit
Bezug auf eine Verlängerung des Moratoriums beſtimmend
be=
einfluſſen werde. Die Kongreßführer erwarteten, daß die
ameri=
kaniſche Delegation auf der Abrüſtungskonferenz an Europa das
Ultimatum ſtellen werde: „Rüſtet ab oder bezahlt!“
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 24. Juni.
Die Initiative Hoovers hat Frankreich außenpolitiſch in
eine ſchlechte Poſition gebracht. Das iſt die erſte Feſtſtellung,
die man jetzt, nachdem man die Dinge etwas ruhiger beurteilt,
macht.
Hätte, Frankreich die Initiative ſelbſt ergriffen, ſo wäre
daraus moraliſch, aber auch ſachlich ein außenpolitiſcher Erfolg
geworden. Doch iſt es jetzt zu ſpät darüber nachzudenken, und
die franzöſiſchen Nationaliſten, die der Regierung immer
Nach=
giebigkeit vorwerfen, ſchweigen ſich gerne aus. Man vergißt
wieder einmal, daß die Zahlungsfähigkeit Deutſchlands eine
unverrückbar ſtarre Grenze hat, die durch keinerlei diplomatiſchen
Intrigen zu durchbrechen iſt.
Begreiflich iſt dagegen die Verſtimmung der Kammer gegen
die franzöſiſche Diplomatie, eine Verſtimmung, die in den
Couloirs ſich unverhüllt und ſehr laut äußerte. „Wir wußten
nichts von den Verhandlungen zwiſchen Berlin und Wien über
die Zollunion, wir ſtanden beiſeite in Chequers und erfuhren
die Initiative Hoovers aus der Preſſe” hört man verbittert
ſagen, und der franzöſiſche Botſchafter in Waſhington erntet keine
Komplimente. Die Gruppe Marin iſt beſonders aufgebracht.
Aus Regierungskreiſen verlautet, daß alles unternommen
werden ſoll, um den Young=Plan wenigſtens formell zu retten.
Das heißt, Frankreich möchte nicht auf den inkonditionellen Teil
der Zahlungen verzichten, ſondern dieſe Zahlungen durch eine,
eventuell über ſie hinausgehende finanzielle Hilfe an
Deutſch=
land kompenſieren. Solche und ähnliche Projekte werden jetzt
von allen Seiten lanciert. Ihre Ausſichten ſind aber zweifelhaft.
Die Lage der Regierung Laval iſt nicht leicht. Sie muß
auf die öffentliche Meinung in Frankreich, die ſchon wieder ſehr
wenig amerikafreundlich iſt, Rückſicht nehmen. Andererſeits iſt
es aber unmöglich, außenpolitiſch ſowie finanziell die Folgen
für eine eventuelle Scheiterung der amerikaniſchen Initiative
auf Frankreich zu laden. Den Ausweg aus dieſer Situation
ſucht man durch eine franzöſiſche Gegenpropoſition an
Waſhing=
ton. Dieſe Gegenpropoſition kann aber in Anbetracht der
Lage nicht ſehr viel Sinn haben, und ſie kann überhaupt
nur dann etwas bedeuten, wenn die Zuſage
Deutſch=
lands geſichert iſt. Vielleicht könnte eine ſolche Verſtändigung
als Ausgangspunkt für eine deutſch=franzöſiſche Annäherung
dienen . . ."
Jedenfalls iſt nicht viel Zeit zu verlieren; von amerikaniſcher
Seite verlautet ſchon, daß man dem Gedanken einer Konferenz
nicht ſympathiſch gegenüberſteht.
Von unſerem F=Korreſpondenten.
Rom, 22. Juni.
Als die erſten Meldungen auftauchten, die man vielleicht als
Vorläufer der neueſten Erklärungen Hoovers deuten könnte,
wo=
nach die europäiſchen Gläubigerſtaaten auf den ihnen aus den
Reparationszahlungen verbleibenden Ueberſchuß verzichten
wür=
den, hat ſich natürlich Italien ſofort zum Wort bei dieſer
europä=
iſchen Angelegenheit gemeldet. Es hat dabei, wie zu erwarten
war, wiederum die deutſch=freundliche Maske vors Geſicht
genom=
men und erklärt, daß es dieſen Plan jederzeit unterſtützen und
auf den auf ihn entfallenden Anteil verzichten würde.
Das klingt natürlich ſehr ſchön und koſtet wenig. Nämlich
nur ungefähr 200 Millionen Lire. Dieſe ganz nett ausſehende
Summe entſpricht zwar nur 42 Millionen Goldmark, aber ſie
kann beim italieniſchen Publikum immerhin die Genugtuung
aus=
löſen, daß Italien auch diesmal in erſter Reihe unter den
euro=
päiſchen Mächten ſteht, die gewillt erſcheinen, dem auch in Rom
befürchteten Zuſammenbruch der deutſchen Wirtſchaft und
Finan=
zen entgegen zu wirken. Ganz abgeſehen davon, daß mit den
42 Millionen Goldmark Deutſchland nicht aus der Patſche
gehol=
fen wird, darf man nicht überſehen, daß dieſes üppige Angebot
immer noch an die Bedingung der Teilnahme der anderen Mächte
geknüpft wurde.
Man möchte beinahe auf die Vermutung kommen, daß es der
italieniſchen Regierung daran gelegen war, den ſchlechten
Ein=
druck zu verwiſchen, den ſie durch ihre Stellungnahme in Genf bei
der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion gegenüber Deutſchland
ein=
genommen hat. Man ſollte aber nicht zu raſch vergeſſen, daß vor
der Genfer Tagung die maßgebenden diplomatiſchen Kreiſe in
Rom in ihren Aeußerungen eine Tonart anſchlugen, die eigentlich
darauf rechnen ließ, daß Italien bei den Genfer Verhandlungen
ſich nicht vollſtändig auf die franzöſiſche Seite ſchlagen würde.
ſondern ſich trotz ſeiner Gefolgſchaft im engliſchen Fahrwaſſer
min=
deſtens einer gewiſſen Neutralität befleißigen würde. Deutſchland
hat ja dann in Genf geſehen, wie wenig es auch diesmal ſich auſ
italieniſche Andeutungen oder Aeußerungen verlaſſen konnte. In
Italien bedeutet eben in der Politik das Wort noch nichts, nur
der Nutzeffekt entſcheidet.
Wer ſich dieſe letzte Lehre von Genf eingeprägt hat, wird
natürlich auch die italieniſche Zuſtimmung zu dem oben
genann=
ten erſten Verſuch der Reparationsmilderung, trotz der
Gering=
fügigkeit des Opfers, nicht ernſthaft haben in Rechnung ſtellen
können. Nun hat Hoovers Schritt den ganzen Fragenkomplex
endlich zweifellos von neuem in Bewegung gebracht und natürlich
in Italien ein lebhaftes Echo erweckt. Man iſt ſich in Italien
klarer wie vorher darüber geworden, wie ernſthaft die Gefahr in
Europa iſt und weiß außerdem ganz genau, daß bei einem
Zu=
ſammenbruch Deutſchlands die — vielleicht ebenſo ſehr unterhöhlte
Finanzkraft Italiens als erſte von allen europäiſchen
Wirt=
ſchaftsgebieten in den Zuſammenbruch eines deutſchen Bankrotts
hineingezogen würde.
Wer eine Ahnung davon hat, auf welch ſchwachen Füßen
zur=
zeit Handel und Wandel in Italien ſtehen, wird begreifen, daß
auch in Italien eine Art Aufatmen durch die Oeffentlichkeit geht,
ſeit man durch das Eingreifen Amerikas auf eine Löſung oder
Beſſerung der Kriſe in Deutſchland hoffen darf. Man rechnet
dabei in Rom damit, daß, wenn der deutſchen Wirtſchaft geholfen
wird, auch die italieniſche Notlage ſich beſſern dürfte. Wieder
einmal wird in Italien die Walze von der Gemeinſamkeit des
Schickſals Europas abgedreht. Da die italieniſche Diplomatie
an=
nehmen darf, daß auf dem Wege über London und den Beſuch
von Chequers der Stein in Amerika ins Rollen geraten iſt, ſo
fühlt ſie ſich auch verpflichtet, als treuer Trabant der Engländer
ſich als Treuhänder bei den neueſten Operationen aufzuſpielen.
Darum weiſt zum Beiſpiel auch die „Tribuna” darauf hin, daß
Muſſolini ſchon ſeit ſechs Jahren eine Verminderung der
unhalt=
baren Reparationslaſten verlangt und die Verbindung von
Kriegsſchulden und Reparationen für unbedingt notwendig
er=
klärt habe.
Damit erinnert allerdings die „Tribuna”, wohl ohne es zu
wollen, daran, daß Italien die Verringerung der
Reparations=
laſten weniger im deutſchen als im italieniſchen Intereſſe
gefor=
dert hat. Denn das, was Italien an Reparationszahlungen ein=,,
büßen würde, wiegt weſentlich weniger als das, was es gewinnen
würde, wenn es ſeine Schulden an Amerika nicht mehr bezahlen
müßte. Darum iſt es ſehr verſtändlich, daß Italien augenblicklich
in ſeiner Politik wieder die deutſch=freundliche Seite hervorkehrt.
Denn es hofft, daß eine Anteilnahme Amerikas an Europa, wie
ſie Hoovers Mitteilung andeutet, in ihren Folgeerſcheinungen
doch vielleicht auch eine ſtarke finanzielle Entlaſtung für Italien
bedeuten kann. Ob dieſe deutſch=freundliche Einſtellung anhält,
wenn trotz der amerikaniſchen Hilfe das Schuldenproblem nicht
ge=
löſt wird, bleibt abzuwarten. Italien kann ja den Ernſt ſeines
Willens zeigen, wenn es ſich darum handeln wird, bei der
Ab=
rüſtungskonferenz in Genf den Boden für einen Weltfrieden
ernſt=
haft zu bereiten.
Ein großer Teil der Zwiebeln findet auch für den Verſand
nach aller Herren Länder Verwendung.
Der Verſand der Zwiebeln und nicht, wie ſo viele
anneh=
nen, der Verkauf der Blumen iſt Hauptzweck der ganzen Zucht.
Jon den Zwiebeln ſind es beſonders die der Tulpen, die ſich
berall einer großen Beliebtheit erfreuen. Nirgends aber hat
ſieſe Beliebtheit einen ſolchen Grad erreicht, wie in Holland in
er erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die unſinnigſten Preiſe
vurden damals für die Ziebeln gegeben, ja bis zu 13 000
hulden ſtanden beſonders ſeltene Zwiebeln im
Freis. Es war die Zeit, in der die Tulpen als
Spekulations=
bjekt dienten und als Zahlungsmittel verwandt wurden. Dies
ſindet z. B. der Giebelſtein eines Hauſes in Haarlem mit den
Vorten „Für eine Tulpenzwiebel kaufte ich dies
ſaus”. Solche Preiſe wie ehedem werden heute für
Blumen=
wiebeln zwar nicht mehr angelegt, trotzdem ſpielen ſie aber in
er holländiſchen Wirtſchaft eine erhebliche Rolle. Nicht weniger
Is 34 Millionen Kilogramm Blumenzwiebeln im Werte von
9 Millionen Gulden wurden 1929 aus Holland ausgeführt, was
v. H. der geſamten holländiſchen Ausfuhr bedeutet. Der größte
lbnehmer Hollands nach dem Kriege ſind trotz verſchiedener
linfuhrbeſchränkungen die Vereinigten Staaten, es folgen
Groß=
ritannien und Irrland, Deutſchland und Oeſterreich, die
ſkan=
ſinaviſchen Länder und Dänemark, Rußland, Frankreich uſw.
zo gibt die Zucht der Blumenzwiebel, die allein an der
Bollen=
reek in mehr als 50 Gemeinden getrieben wird, zahlreichen
Nenſchen Arbeit und Brot.
Für billiges Geld Freude dem Auge, dem Herzen, den
hinnen, dabei aber auch bedeutender Faktor des
Wirtſchafts=
bens — nicht viele Wirtſchaftszweige dürfte es geben, die ſich
es Gleichen rühmen können.
— Ebbe Kornerup: Paradies Siam. Broſchiert 3,50 RM.,
hanzleinen 4 80 RM. Mit vielen Photos. Die nur ſpärliche
Lite=
atur über Siam iſt um ein neues, ſehr intereſſant geſchriebenes
Verk von Ebbe Kornerup „Paradies Siam” bereichert. Der
Ver=
aſſer, bereits als Maler, Schriftſteller und Weltenbummler
be=
annt, iſt wohl der Berufenſte, uns von dieſem Fleckchen Erde
er=
ählen zu können, denn ſeine Unvoreingenommenheit allen
Da=
einsformen und Lebenserſcheinungen gegenüber und ſeine
Auf=
ahmefähigkeit für die Wunder fremder Welten neben der
künſt=
eriſchen Darſtellung des Erlebten gehen in ſeinem Buch weit über
en Rahmen der üblichen Reiſebeſchreibung hinaus Paradies
Hiam will nicht Erkenntniſſe vermitteln, nicht lehrhaft
wiſſen=
haftliche Tatſachen verbreiten, es will nur Kunde geben von
inem Lande, das vermöge ſeiner außergewöhnlich glücklichen
lebensbedingungen mit ſeiner kulturell hochſtehenden Bevölkerung
uf den Reiſenden ſtärkſte anziehendſte Wirkung ausübt. In
an=
nu tigem Plauderton erzählt der Verfaſſer von den einzelnen
Stät=
en ſeines Aufenthalts, den charakteriſtiſchen Merkmalen des
Lan=
es und dem Leben, das ihm in Wald und Buſch, in Dorf und
Stadt begegnet.
Vor kurzem iſt durch einige hieſige Zeitungen ein Artikel
gegangen, der mit erfreulicher Nachdrücklichkeit auf das
Hundert=
jahr=Jubiläum der Techniſchen Hochſchule zu Hannover hinwies.
Dabei wurden auch Bedeutung und Leiſtungen dieſer Hochſchule
mit anerkennenden Worten bedacht und in ein helles Licht
gerückt.
Der in einer Hochſchulſtadt wohnende Leſer wird ſolche
Mit=
teilungen mit beſonderem Intereſſe aufnehmen. Er wird
da=
neben aber auch über die Hochſchule ſeines Wohnſitzes ſich gerne
unterrichten laſſen, um aus der Wertung anderer Anſtalten dieſer
Art und dem Vergleich mit ihr zur richtigen und freudigen
Schätzung der eigenen zu gelangen. Deshalb ſeien hier einige
kurze Angaben gemacht, die erſehen laſſen, daß die hieſige
Tech=
niſche Hochſchule im Kranz der deutſchen Hochſchulen wie früher
ſo auch heute einen ſehr günſtigen Platz einnimmt und daß ſie
auch hinter der anläßlich ihres Jubiläums gerühmten Hochſchule
zu Hannover gewiß nicht zurückſteht.
Die Techniſche Hochſchule Darmſtadt wird im Jahre 1936
ihre Zentenarfeier begehen können. Sie iſt alſo um wenige
Jahre jünger als die Techniſche Hochſchule zu Hannover. Um
ſo beachtlicher iſt es, daß es ihr gelungen iſt, jene als die
zweit=
größte preußiſche Hochſchule an Hörerzahl uſw. zu überflügeln,
ſo daß ſie unter den 11 deutſchen Hochſchulen nach Berlin und
München mit an der Spitze marſchiert. Dieſe Stellung konnte
ſie als Hochſchule eines kleineren Bundesſtaates nur dadurch
gewinnen und dauernd erhalten, daß ſie ſich von Anfang an
einen Ruf zu erwerben verſtand, der ihr auch aus anderen
Tei=
len Deutſchlands und aus dem Ausland eine große Zahl
Studierender zuführte. In dieſer Beziehung war von
aus=
ſchlaggebender Bedeutung, daß auf die vollkommenſte
Einrich=
tung der Inſtitute und auf ihre den Zeitbedürfniſſen Rechnung
tragende Ergänzung ſtets ebenſo ſehr Gewicht gelegt wurde
wie auf die Beſetzung der Lehrſtühle mit ausgezeichneten
For=
ſcher= und Lehrperſönlichkeiten. Wenn wir die lange Reihe der
Dozenten, die an der hieſigen Hochſchule gewirkt haben,
durch=
gehen, ſo ſind es neben dem ſtrahlenden Namen Liebigs gar
viele andere, die ihr zur Zierde gereicht und Weltgeltung
be=
ſeſſen haben. Daß auch heute ihr rund 140 Dozenten
umfaſſen=
der Lehrkörper der verpflichtenden Tradition entſpricht, beiveiſen
— leider mit einer bitter gefärbten Deutlichkeit — die
wieder=
holten und z. T. erfolgreich verlaufenen Verſuche anderer
Hoch=
ſchulen, einzelne Glieder aus ihm an ſich zu ziehen.
Die Einſtellung zu den Fragen einer Studienreform an
den Hochſchulen wird heute mehr und mehr als Gradmeſſer der
Zeitverbundenheit und lebendiger Fortſchrittlichkeit einer
Hoch=
ſchule angeſehen. Daß Darmſtadt in dieſer Beziehung ſchon früh
über prüfende Unterſuchungen und gute Abſicht hinaus zur
friſchen Tat geſchritten iſt, iſt bei Außenſtehenden vielleicht nicht
genügend bekannt. Schon vor Jahren wurde in der
Abtei=
lung für Maſchinen=Ingenieurweſen eine Reform des Studien=
und Prüfungsplanes durchgeführt, die vorbildliche Bedeutung
gewonnen hat. Auch in anderen Abteilungen ſind ähnliche
Un=
ternehmungen in Angriff genommen worden. Und neuerdings
hat der Senat der Hochſchule einen beſonderen Ausſchuß für
Studienreform eingeſetzt, um dauernd den ſich mehrenden oder
auch ſich wandelnden Bedürfniſſen in vollſtem Umfang
nach=
zukommen.
So ſehen wir, daß die Techniſche Hochſchule Darmſtadt,
ſo hemmend ſich auch die Finanzlage des Staates und andere
äußere Momente vielfach bemerkbar machen, in ihrem
Beſtre=
ben, ſich jederzeit auf der früh erklommenen Höhe zu halten,
bisher von vollem Erfolg begleitet war. Da kann es nur der
Wunſch jedes Ernſtgeſinnten ſein, daß dies auch fernerhin, aller
Zeitnot zum Trotz, ihr gelingen möge, damit ſie zu ihrem
Jubiläum jugendfriſch und tatenſtark daſtehe, zu Nutz und
From=
men von Wiſſenſchaft und Leben, von Stadt und Land.
Pr. St.
Großes Haus. — Mittwoch, den 24. Juni.
„Der Baiazz0‟
Drama von Leoncavallo.
In der Rolle des Canio gaſtierte heute Albert Seibert,
unſer Heldentenor der kommenden Spielzeit. Es beſtätigte ſich
das Urteil, das ihn ſeinerzeit zur Anſtellung empfohlen hatte.
Geſanglich befriedigt er in hohem Maße. Er beſitzt eine ſchöne,
füllige Stimme, leicht anſprechendes Material auf baritonaler
Grundlage, müheloſe, glanzvolle Höhe, warme Farbe,
Tem=
perament und gute Technik. Im Spiel freilich traten ſeine
bereits gerügten Mängel von neuem und noch deutlicher zu
Tage. Es zeigt einerſeits Hemmungen, andererſeits Schablone.
Ueber zuviel Details verliert es die einfache große Linie. Es
fehlt die aus Eigenem fließende, perſönliche Geſtaltung. Es
wäre zu hoffen, daß der begabte Sänger dieſe durch dramatiſchen
Unterricht in ſich findet und vervollkommnet, und daß er hier von
der Regie geſtützt und geleitet wird, um vom Sänger zum
v.H.
Darſteller zu wachſer
Seite 4
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Nummer 174
Deutſche Bauwoche in Berlin.
Die volks= und weltwirkſchaftliche Bedeukung
des Baugewerbes.
Berlin, 24. Juni.
In der Zeit vom 22. bis 25. Juni halten im Rahmen der
6. Deutſchen Bauwoche die wichtigſten Spitzenverbände des
deut=
ſchen Baugewerbes ſowie der Oberſte Rat des Internationalen
Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe hier Verſammlungen ab.
Das Baugewerbe faſt aller Kulturſtaaten iſt auf der Bauwoche
vereint. Die Tagung erreichte heute ihren Höhepunkt in einer
öffentlichen Kundgebung bei Kroll, in der Vertreter der Reichs=
und der preußiſchen Staatsregierung, der Stadt Berlin, der
Tech=
niſchen Hochſchule und der politiſchen Parteien teilnahmen. Nach
der Begrüßungsanſprache des Baumeiſters Wägner nahm
Reichsarbeitsminiſter Dr. Stegerwald das Wort
zu folgenden Ausführungen:
Die entſetzliche Wohnungsnot, unter der Millionen von
Men=
ſchen gelitten haben und zum Teil heute noch leiden, verlangte
gebieteriſch die Schaffung neuer Wohnungen. Die
Vernachläſſi=
gung der Verkehyswege während der Kriegszeit erforderte
um=
fangreiche Arbeiten im Tiefbaugewerbe. Die Veränderungen in
der Struktur unſerer Wirtſchaft zwangen durch die
Rationaliſie=
rung zu großen Neuanlagen. Die rückläufige Entwickelung
un=
ſerer Wirtſchaftslage in den letzten Jahren führte zwangsweiſe
dazu, daß ein großer Teil der öffentlichen Mittel, die der
Bau=
wirtſchaft bisher zufließen konnten, zum Teil mangels niederer
Steuereingänge nicht mehr aufkamen, zum anderen Teil für noch
dringendere Bedürfniſſe des Reichs, der Länder und der
Gemein=
den gebraucht wurden. Trotzdem hat die Reichsregierung, ſoweit
es in ihren Kräften ſtand, auch bei Erlaß der beiden Notverord=
nungen verſucht, der Bauwirtſchaft in voller Würdigung ihrer
Bedeutung, jede Hilfe im Rahmen des Möglichen angedeihen zu
laſſen. Die Bauwirtſchaft als Teil der geſamten deutſchen
Wirt=
ſchaft kann ihrerſeits auch nur im Rahmen einer Geſundung
un=
ſerer geſamten wirtſchaftlichen Verhältniſſe eine Beſſerung ihrer
Lage erfahren.
Alsdann ergriff Profeſſor Dr. Wagemann, der Präſident des
Statiſtiſchen Reichsamts und Direktor des Inſtituts für
Kon=
junkturforſchung, das Wort und führte u. a. aus, daß die
Bau=
wirtſchaft mit einer durchſchnittlichen Jahresproduktion von 8
Mill. RM. gleich nach der Textilinduſtrie, die jährlich etwa 10
Milliarden RM. erzeugt, kommt, und daß die Leiſtung der
Bau=
wirtſchaft ſich weit über die Geſamtleiſtung des
Kohlenberg=
baues, der Eiſeninduſtrie und der Maſchineninduſtrie erhebt.
Eingehend betonte Wagemann die Auswirkungen der
gegen=
wärtigen Baumarktkriſe für die Geſamtwirtſchaft und legte
ins=
beſondere die Produktionsſchrumpfungen für eine große Reihe
von Induſtriezweigen ziffernmäßig feſt. Einleuchtend legte er
weiter dar, daß die gegenwärtige Baumarktkriſe eine
interna=
tionale Erſcheinung iſt. Jedoch iſt uns das Ausland in der
Konjunkturpolitik weit voraus. So zeigte der Redner, wie man
in Amerika und England den Rückgang des Wohnungsbaues
durch eine planmäßige Vergebung öffentlicher Aufträge
auszu=
gleichen ſucht.
Ueber Finanzierungsfragen der Bauwirtſchaft ſprach
Bank=
direktor Wildermuth, Vorſtandsmitglied der Deutſchen Bau= und
Bodenbank A.=G. Er führt u. a. aus, die Schwierigkeiten der
Finanzierung des Wohnungsbaues lägen in der Hauptſache
nicht in der Beſchaffung der erſten, ſondern der zweiten
Hypo=
thek. Man habe verſucht, die Sicherheit der zweiten Hypothek
zu verſtärken. Befriedigend gelöſt worden iſt auf dieſe Weiſe
das Problem eigentlich nur in Dänemark. Bei uns begann
der Staat ſelbſt auf dieſen Gebieten einzugreifen. Im
Gegen=
ſatz zu dem im Ausland üblichen Syſtem von Zinszuſchüſſen
hat man in Deutſchland aus den Mitteln der
Hauszinsſteug=
niedrig verzinsliche Darlehen zur zweiten Stelle gewährt. Anf
dieſe Weiſe ſind dem Wohnungsmarkt zur zweiten Stelle in de
Jahren 1924 bis 1930 insgeſamt 8,636 Milliarden zugefloſſern
Die Beanſpruchung des Bauunternehmers als Träger bei der
knappen Finanzlage der Bauherren, insbeſondere aller öffem
lichen Bauherren, wird immer ſtärker. Die Uebernahme ſolche=
Aufträge, die von Bauunternehmern mitfinanziert werden
mü=
ſen, bringt dieſen ein ſehr gefährliches Riſiko. Unabhängig vo.
den übrigen Konjunkturverhältniſſen iſt die Bauwirtſchaft
im=
folge des Rückgangs des Auftragsbeſtandes nach der Periode de‟
Wiederaufbaues von einer beſonderen Kriſe erfaßt worden. Die
Kriſe trifft nun zuſammen mit einer Kriſis der Weltwirtſcha
und der deutſchen Volkswirtſchaft und trifft deshalb die Bau
wirſchaft beſonders hart.
Die bedeutſame Kundgebung ſchloß mit der Annahme vo=
Reſolutionen zur Lage des Baugewerbes und zu Aenderunge
der Unfallverſicherung.
Zinsloſe Anleihe Ikaliens an Albanien.
EP. Rom, 24. Juni.
Die italieniſche Regierung hat der albaniſchen Regierun
von Tirana entſprechend deren Anſuchen eine jährliche An
leihe von 10 Millionen Goldfranken für di
Dauer von zehn Jahren bewilligt. Die Anleihe
ſo=
zinsfrei ſein und erſt rückzahlbar werden, wenn di
Verhältniſſe des albaniſchen
Staatshaushalt=
dies erlauben. Wie hierzu aus Tirana gemeldet wird, ha
auch das albaniſche Parlament ſeine Zuſtimmung zur Aufnahme
dieſer Anleihe bei Italien gegeben. Die Anleihe ſoll zur
Deckung des Fehlbetrages, zur Entwickelung der
Volkswirt=
ſchaft, für die öffentlichen Arbeiten und den Unterricht
Ver=
wendung finden.
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aus Eſchollbrücken.
Frankfurt a. Main, den 24. Juni 1934.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Oito Dreſcher
Direktor bei der Reichsbahn.
Die Beerdigung findet in Eſchollbrücken, Freitag, den 26. Juni um 3 Uhr
ab Pfarrhaus ſtatt.
Zeugen gesdcht!
Tch bitte den betr. Herrn um Angabe seine‟
Namens, der bei dem Auto-Unglück Ecke
Rhein- u. Grafenstraße in der Nacht vom
1. März zugegen war. Der betr. Herr ging
mit den Verletzten in das Städt.
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dung des Ausſchluſſes bis ſpäteſtens zum
10. Juli d. Js. bei dem Unterzeichneten
geltend zu machen.
Bis zum gleichen Termin ſind
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rungen der Nachlaßmaſſe an denſelben
zu begleichen.
Darmſtadt, den 24. Juni 1931.
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Darmſtadt, den 24. Juni 1931.
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(9707
Einkaufsſumme.
Am Freitag, den 26. Juni 1931,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich in
meinem Verſteigerungslokale, hier,
Hügel=
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öffent=
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Darmſtadt, deu 25. Juni 1931. 19709
Scharmann
Stellv. des Gerichtsvollziehers Portner
Darmſtadt, Heinrichſtr. 93 I.
Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſiellen nag
8 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. — Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
unſeren Verkeilungsſtellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.
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Nummer 174
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 25. Tuni 1931.
Eine Ehrenpflicht für Darmſtadk.
Was verdanken wir Darmſtädter nicht alles dem Odenwald?
Iſt er nicht ein Jungbrunnen für Darmſtadts Bevölkerung?
Wie=
viel Darmſtädter ſind in Odenwalddörfern geboren! Bei wievielen
ſtammen Eltern oder Großeltern aus dem Odenwald!
Und hilft uns nicht der Odenwald ernähren, Kommen nicht
Schlachtvieh. Milch, Butter, Eier, Obſt und Kartoffeln zum großen
Teil aus dem Odenwald?
Und wandern wir nicht alle in ſeine Berge? Gibt er uns
nicht Erholung und Ruhe und neue Kräfte?
Man ſtelle ſich vor, es hätte einen Menſchen gegeben, dem die
Darmſtädter ſoviel verdankten wie dem Odenwald. Er wäre unſer
Schutzpatron, er hätte ein großes Denkmal auf dem ſchönſten Platz
der Stadt. Feſte und Schulfeiern würden zu ſeinen Ehren
ver=
anſtaltet. Und der Odenwald?? Noch nicht einmal eine
Straße trägt ſeinen Namen. Wir haben in Darmſtadt
eine Taunusſtraße, einen Rhönring, einen Speſſartring, einen
Haardtring. Vier Gebirge unſerer Nachbarſchaft wurden geehrt,
und mit Recht. Und der Odenwald? Wie konnte er vergeſſen
werden? Anſcheinend nur, weil er vor unſeren Toren liegt, weil
geologiſch geſprochen — Darmſtadt zur Hälfte ſelbſt zum
Oden=
wald gehört. Iſt’s nicht eine Ehrenpflicht für uns, das Verſäumte
ſobald als möglich nachzuholen? Ich möchte zu dieſem Zweck einen
Vorſchlag machen. Taunusſtraße, Speſſartring, Rhönring liegen
beiſammen, und man könnte nun eine Straße derſelben Gegend
nach dem Odenwald benennen: Geht man von der Eiſenbahnbrücke
in der Dieburger Straße die Aeußere Ringſtraße entlang
nach dem Löwentor, ſo ſieht man bei Fernſicht den höchſten Berg
unſeres heſſiſchen Odenwaldes, die Neunkircher Höhe
über=
ragt vom Kaiſerturm des Odenwaldklubs, in ihrer ganzen
Schön=
heit zum Greifen nahe vor ſich liegen. Im letzten Winter ſah
man von hier wochenlang ihre ſonnenbeſchienenen Schneefelder in
aller Klarheit.
Aeußere Ringſtraße. — Man könnte den Namen
ver=
ſchmerzen, die Anwohner wären wohl mit einer Umbenennung
einverſtanden. Ich ſchlage vor: Odenwaldring.
Es iſt gewiß keine lebenswichtige Frage, die ich da
ange=
ſchnitten habe, trotzdem möchte ich den Herrn Oberbürgermeiſter
und die Damen und Herren Stadträte bitten, ihr einmal
näher=
zutreten.
Dr. H. D.
— Ruheſtandsverſetzung. Am 16. Juni 1931 wurde der
Sekre=
tär Heinrich Heleine bei der landwirtſchaftlichen
Verſuchs=
ſtation zu Darmſtadt auf Grund des Art. 28 des Geſetzes, die
Ruhegehalte der Staatsbeamten betreffend, vom 18. Dezember
1923, mit Wirkung vom 1. Juli 1931 an in den Ruheſtand verſetzt.
— Hohes Alter. Am 25. Juni feiert der Kirchendiener i. R.
Ludwig Boßler, Wittmannſtraße 14, bei guter Geſundheit
ſei=
nen 80. Geburtstag. Der Jubilar war 28 Jahre als Oberwärter
im Aliceſtift und über 22 Jahre als Kirchendiener an der
Paulus=
kirche tätig. Seit ungefähr 1½ Jahren befindet er ſich im
wohl=
verdienten Ruheſtand.
— Bücherſtube Alfred Bodenheimer „Ausſtellung Fritz
Schwarzbeck, Bingen—Frankfurt. Die Ausſtellung von
Pla=
ſtiken, Aquarellen und Zeichnungen des in Bingen lebenden
Bild=
hauers Fritz Schwarzbeck wird auf vielfachen Wunſch um einige
Tage verlängert. Sie wird am Montag, den 29. Juni. geſchloſſen.
Von beſonderem Intereſſe dürfte die u. a. ausgeſtellte
Porträt=
plaſtik des Miniſters Korell ſein. — Im Juli zeigte die
Bücher=
ſtube eine Reihe der neueſten und beſten Piperdrucke
ge=
tahmt. Das Ausſtellungsprogramm für die Herbſtmonate wird
demnächſt bekanntgegeben.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt.
Wir erinnern an unſere morgige öffentliche
Steuer=
verſammlung, abends 8 Uhr, im großen Saale der „Krone‟
in Angelegenheit der neuen Vermögensſteuererklärungen.
Heſſiſches Landesthealer.
Großes Haus
Donnerstag, 25. Juni
20, Ende gegen 22.30 Uhr Außer Miete
lit=Heidelberg Kleine Pr. 0.50—4 Mr
Freitag 26. Juni
MeR 4
Der Troubadour
E 28
Preiſe 1—10 Mk.
Samstag, 27. Juni
19.30, Ende nach 22 Uhr
Die drei Musketier:
C26
Pr. 1—10 Mr.
Sonntag, 28. Juni
19.30, Ende geg. 22.45 Uhr Außer Miete.
Carmen
Halbe Preiſe 0.50—5 Mk.
Freitag, 26. Juni
Samstag, 27. Juni
Sonntag, 28. Juni
Kleines Haus
20, Ende cegen 22 Uhr Außer Miete
Zpiel im Schloß Halbe Pr. 0.60—3 Mr.
20, Ende gegen 22 Uhr Samstagsmiete
1. Vorſtellung Eröffnungsvorſtellung der
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht
Armwie eine Kirchenmaus Pr. 1—3 Mk
20, Ende gegen 22 Uhr Außer Miete.
Armwie eine Kirchenmaus Pr. 1—3 Mk.
Gaftſpliele des Heffſiſchen Landestheaters in Bad=Nauheim
Donnerstag, den 25. Juni 1931: „Zar und Ziminermann”
Sonntag, den 28. Juni: „Spiel im Schloß”
— Heſſiſches Landestheater. Heute findet im Großen Haus
eine Aufführung von „Alt=Heidelberg” von Meyer=
For=
ſter zu kleinen Preiſen ſtatt. Bei dieſer Gelegenheit werden ſich
Elſe Knott als Käthi und Franz Pfaudler als Lutz vom
Darm=
ädter Publikum verabſchieden. — Freitag, den 26. Juni, geht im
broßen Haus die Oper „Der Troubadour” von Verdi in
Szene. Carl Stralendorf und Johannes Schocke treten in dieſer
Jorſtellung zum letzten Male in Darmſtadt auf. Im Kleinen
daus verabſchiedet ſich am gleichen Tage Siegfried Nürnberger
n Molnars „Spiel im Schloß”. Die übrigen Rollen ſind
beſetzt mit Baumeiſter Keßler, Kutſchera, Hoffart, Jürgas. —
Samstag, den 27. Juni, geht die mit ſo außerordentlichem Erfolg
uufgenommene Revue=Operette „Die drei Musketiere
von Ralph Benatzky im Großen Haus um 19.30 Uhr in Szene.
für die Inſzenierung zeichnen Mordo, Rabenalt und Reinking
verantwortlich. Muſikaliſche Leitung: Beppo Geiger. —
Sonn=
ag, den 28. Juni, ſchließt die Spielzeit des Landestheaters mit
iner Vorſtellung der Oper „Carmen” von Bizet. Regie: Carl
bert. Muſikaliſche Leitung: Karl Maria Zwißler. Bühnenbild:
Vilhelm Reinking. Letztes Auftreten von Hans Ney und Ernſt
Overlack, in der übrigen Beſetzung Mitrovic, Sattler, v. Stoſch,
Liebel, Kienzl.
— Die Sommerſpielzeit im Heſſiſchen Landestheater, unter
der Leitung von Direktor Bruno Harprecht, nimmt am
Samstag ihren Anfang. Als erſte Neuheit wird das
ausgezeich=
nete Luſtſpiel „Arm wie eine Kirchenmaus” von
Ladis=
aus Fodor zur Aufführung gebracht, das ſich nach den
durchſchla=
enden Erfolgen an allen Bühnen des In= und Auslandes und
der allerorts begeiſterten Aufnahme auch hier zum zugkräftigen
Kepertoireſchlager geſtalten dürfte, zumal die Beſetzung der
dauptrollen mit Hildegard Warſitz vom Deutſchen Schauſpielhaus,
ſamburg, als Gaſt und Direktor Harprecht in den Hauptrollen die
enkbar beſte iſt. — Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen
ind findet während der Dauer der Mieteinzeichnungen, bis
ein=
hließlich 3. Juli in der Mietabteilung ſtatt. Auf die
außer=
ordentlichen Vergünſtigungen der Miete, die für alle Wochentage
nit je 7 Vorſtellungen ausgegeben wird, ſei bei dieſer
Gelegen=
ſeit nochmals beſonders hingewieſen.
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Reichskagung der Bankbeamken.
Seite 5
Der Deutſche Bankbeamten=Verein hielt, ſeine
diesjährige Hauptverſammlung in Dresden ab; es hatten ſich
über 300 Abgeordnete aus allen Teilen des Reiches eingefunden.
Im Namen der ſächſiſchen Staatsregierung begrüßte
der Innen= und Arbeitsminiſter Dr. Richter die Tagung mit
ſehr freundlichen Worten. Er erkannte die Richtlinien und
ſozia=
len Leiſtungen der Organiſation und die Tätigkeit des
Vorſitzen=
den Fürſtenberg an. Als Vertreter des
Reichsarbeits=
miniſteriums war Miniſterialrat Goldſchmidt anweſend.
der u. a. die Wertſchätzung betonte, die der D.B.V. und ſeine
Führer im Miniſterium genießen, weil man dort das
Verantwort=
lichkeitsgefühl nicht nur für ihren Stand, ſondern auch für die
Geſamtwirtſchaft würdige. Für die Stadt Dresden begrüßte
deren Oberbürgermeiſter Dr. Külz die Verſammlung,
der hierbei u. a. die Bildungsarbeit des D.B.V anerkennend
wür=
digte. Auch war eine ſtattliche Anzahl von Vertretern
befreun=
deter Verbände erſchienen. Aus dem Geſchäftsbericht des
Vor=
ſitzenden Fürſtenberg ging u. a. hervor, daß der D.B.V. in
der Geſchäftsperiode, während welcher das Gewerbe über 10 000
Angeſtellte abgebaut habe, einen Zuwachs von 3200 neuen
Mit=
gliedern verzeichnen kann, ſo daß ſich jetzt ein Beſtand von über
40 000 Mitgliedern ergibt. Damit iſt mehr als die Hälfte der
kaufmänniſchen Bankangeſtellten erfaßt. In den Betriebsräten
werden 72 Prozent der kaufmänniſchen Vertreter vom D.B.V.
ge=
ſtellt: in den Bank=Aufſichtsräten ſogar 84 Prozent: damit beſitzt
der Deutſche Bankbeamten=Verein gegenüber den ſonſtigen
Bank=
angeſtellten=Organiſationen die überwältigende Majorität. Die
vom Zentralverband des Deutſchen Bank= und Bankiergewerbes
und vom D.B. V. 1909 gegründete neutrale Bankbeamten=
Penſions=
kaſſe, mit der im vorigen Jahre die Hauspenſionskaſſe der
frühe=
ren Deutſchen Bank verſchmolzen wurde, umfaßt über 66 000
Ver=
ſicherte und verfügt über ein Vermögen von über 140 Millionen
Reichsmark. — Durch eine umfangreiche und energiſch betriebene
Rechtsſchutz=Tätigkeit konnten an Gehaltsnachzahlungen,
Abfin=
dungen uſw. 2 180 000 RM. für die Mitglieder herausgeholt
wer=
den — Aus dem Kaſſenbericht ſei hervorgehoben, daß in der
Ge=
ſchäftsperiode ein Ueberſchuß von rd. 240 000 RM. erzielt wurde.
Der Präſident der Reichsanſtalt für Arbeitsvermittlung und
Arbeitsloſenverſicherung, Dr. Syrup, ſprach dann in
intereſſan=
ter und anſchaulicher Weiſe über Probleme des
Arbeits=
marktes” — Im Verfolg der ſozialen Tätigkeit und als
Zu=
ſammenfaſſung der Verhandlungen wurden verſchiedene
Ent=
ſchließungen angenommen. An Reichsregierung und Reichstag
wird erneut die dringende Forderung gerichtet, eine baldige
Reviſion der Reparationsverpflichtungen mit allen zu Gebote
ſtehenden Mitteln herbeizuführen. Gegen die Tendenz der
Not=
verordnung vom 6. Juni, die ſich hauptſächlich gegen die
Ange=
ſtellten richtet, wird mit größtem Nachdruck proteſtiert und eine
durchgreifende Reviſion gefordert. Die öffentlich=rechtlichen
Bank=
inſtitute dürften aus der Allgemeinverbindlicherklärung des
Reichs=
tarifvertrages nicht herausgelaſſen werden. Die
unberechtigter=
weiſe erfolgte Tarifſenkung müſſe bei nächſter Gelegenheit wieder
beſeitigt werden. Die weiteren Entſchließungen treten für
Sicher=
heitswirtſchaft und Ausbau der neutralen Penſionskaſſe, für Schutz
der älteren Angeſtellten, gegen weiteren Perſonalabbau, für
wei=
teren Mieterſchutz und Senkung der Mieten, für die Bildung von
Wohnheimſtätten, gegen die Zulaſſung von Rechtsanwälten bei
den Arbeitsgerichten und für den D.B.V., ſeine ſoziale und
orga=
niſatoriſche Arbeit ein. — Als nächſter Tagungsort wurde
Bres=
lau beſtimmt.
Ein Ausflugzug der Reichsbahndirekkion Mainz
nach Konſtanz und dem Bodenſee.
Die Reichsbahndirektion Mainz wird alles daran ſetzen, den
Teilnehmern des für den 1. bis 5. Juli in Ausſicht genommenen
Ausflugſonderzuges nach dem Bodenſee genußreiche Tage zu
ver=
ſchaffen. Ein ausführliches Programm, das mit Führern uſw.
während der Fahrt koſtenlos verteilt wird, gibt über alles
Vor=
geſehene erſchöpfende Auskunft. Es iſt dringend erforderlich, daß
die für die Uebernachtung in Konſtanz erforderlichen Zimmer
ſpäteſtens bis zum 27. Juni bei den Fahrkartenausgaben oder bei
den Mitteleuropäiſchen Reiſebüros beſtellt werden. Vordrucke
für Zimmerbeſtellungen unter Angabe der Preiſe liegen bei den
betreffenden Stellen auf. Der Kartenverkauf wird eingeſtellt,
ſobald die zur Verfügung ſtehenden Plätze vergriffen ſind.
Nähe=
res über die Fahrt beſagen auch die auf den Bahnhöfen und bei
den Reiſe= und Verkehrsbüros angeſchlagenen Aushänge.
— Opernſchule der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. In
Anbetracht der großen Beliebtheit, die ſich die Opernſchule der
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt bei dem Darmſtädter
Publi=
kum erfreut, iſt es nicht verwunderlich, daß die ſzeniſche
Darſtel=
lung der ganzen Oper „La Traviata” von Verdi mit nur eigenen
Kräften (Soliſten und Orcheſter) einem großen Intereſſe
begeg=
net; dies beweiſt die ſtarke Nachfrage nach Karten. Die
Auffüh=
rung, die als Vorfeier des 80jährigen Beſtehens der Anſtalt (
frü=
her Prof. Ph. Schmittſche Akademie für Tonkunſt) gedacht iſt,
fin=
det am kommenden Montag, dem 29. d. M. 20 Uhr, im Großen
Saale des Städtiſchen Saalbaues ſtatt. Die Preiſe der Plätze
ſind niedrig gehalten, um einem möglichſt großen Kreis von
Inter=
eſſenten den Beſuch der intereſſanten Aufführung zu ermöglichen.
Des zu erwartenden Andranges wegen empfiehlt es ſich, ſich
mög=
lichſt umgehend Plätze im Sekretariat der Städtiſchen Akademie,
Eliſabethenſtraße 36, Fernſprecher 3500 (Stadtverwaltung), zu
ſichern.
— Orpheum. Revue=Sondergaſtſpiel. Die große
internationale Revue mit Mlle. Baldini vom Moulin Rouge
Paris und zirka 40 weiteren Mitwirkenden gibt
heute, Donnerstag, und morgen Freitag, ihre
letzte Gaſtvorſtellung in Darmſtadt. Noch ſelten ſah
man eine ſo umfangreiche und künſtleriſch hochwertige Revue=
Dar=
bietung, wie die gegenwärtige was von Preſſe und Beſuchern
rückhaltlos anerkannt wurde. Das Enſemble, das übers
Wochen=
ende im Kurtheater Baden=Baden ſpielt, iſt auch als
Eröffnungsprogramm nach dem Schumann=Theater Frankfurt a.
M. verpflichtet. Bei den geringen Eintrittspreiſen des Orpheums
ſollte man ſich die heutige Schlußvorſtellung dieſes intereſſanten
Gaſtſpiels nicht entgehen laſſen. (Siehe Anzeige.)
— Waldmuſik. Am kommenden Sonntag, dem 28. Juni
vor=
mittags 10.30 Uhr, findet die öffentliche Waldmuſik, am
Bern=
hardsbrünnchen (nicht, wie früher angekündigt, auf der
Kohl=
platte) ſtatt. Es werden ſchöne alte Wald= und Sommerlieder
geſungen, dazu wird der Heſſiſche Singkreis die „Serenata im
Walde zu ſingen” von Matthias Claudius, Muſik von M.
Schlen=
ſog, aufführen. Eingeladen iſt jeder, der Freude am Singen hat.
Liederblätter ſind unentgeltlich zu haben. Treffpunkt um 10.15
Uhr am Oberwaldhaus.
— Autoliſten. Soeben iſt die Autoliſte Nr. 65 erſchienen. Dieſe
verzeichnet alle Meldungen (Ab= und Zugänge) von
Kraft=
fahrzeugen jeder Art in den 18 Kreiſen
desVolks=
ſtaates Heſſen (Kennzeichen VS. VR. V0) für die Zeit
vom 1.—15. Juni 1931. Die Autoliſten enthalten die
An=
gaben in derſelben Reihenfolge wie die Hauptausgabe: Name, Beruf,
Wohnort des Kraftfahrzeugbeſitzers, Type, Motornummer,
Hub=
raum in cem (und PS), Art des Fahrzeugs. Fabrikneue Wagen
ſind durch X kenntlich gemacht. Die Meldungen ſind geordnet
nach den drei Provinzen (VS, VR, VO) und Kreiſen, und innerhalb
dieſer nach Polizeierkennungsnummern. Abgemeldete Wagen
wer=
den beſonders geführt. — Die Autoliſten ſind eine wichtige
Ergänzung des Auto=Adreßbuches (Adreßbuch der
Kraftfahr=
zeugbeſitzer im Volksſtaat Heſſen), Ausgabe 1929, und
unent=
behrlich, weil ſie laufend neueſtes
Adreſſenmate=
ial liefern. Sie erſcheinen alle 14 Tage, alſo monatlich zwei
Liſten. Die ſpäteſtens am 10. eines Monats ausgegebene Liſte
enthält die Meldungen vom 16. bis 30. (31.) des
voraufgegange=
nen Monats, und die ſpäteſtens am 25 eines Monats
ausgege=
bene Liſte die Meldungen vom 1. bis 15. des gleichen Monats.
Wegen des Bezugspreiſes vgl. Anzeige! Anfragen richte
man an den zuſtändigen Verlag L. C. Wittich in Darmſtadt.
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht verhandelte, am
Mittwoch gegen acht junge Burſchen wegen
Hausfrie=
densbruch, Sachbeſchädigung und
Körperver=
letzung. Es war Roſenmontag und alle Welt in mehr oder
minder faſtnächtlicher Stimmung. Der erſte Angeklagte, der ſich
im Beſitze einer Drehorgel befand, machte ſich ſchon des
Nachmit=
tags auf den Weg und durchzog ſämtliche Wirtſchaften
Darm=
ſtadts, begann ein biſſel ſeine Drehorgel zu drehen und erntete
dafür von Gäſten und Wirten Geld oder Alkohol. Mit der Zeit
geſellten ſich andere dazu. Der eine hatte noch eine
Ziehharmo=
nika und ein anderer einen Elektriſierapparat, mit dem er
eben=
falls ſeinen Geldbeutel oder ſeinen Magen zu füllen gedachte. Dem
letzteren wurde aber im Laufe der Nacht anſcheinend etwas zu
viel zugemutet, denn die Stimmung der jungen Leute artete
derart aus, daß ſie nicht nur unliebſam auffielen, ſondern auch
anfingen, die Gäſte zu beläſtigen und Kellner und Gaſtwirte zu
verprügeln. Beim Meenzer Müller” erhielt ein Gaſt eine
Ohr=
feige, und als der Wirt ſich das verbat, bezog er ebenfalls eine.
Wo ſie kein Geld bekamen, tranken ſie kurzerhand den Gäſten
die Gläſer leer. Im Maxim gingen ſie tätlich, anſcheinend auch
mit einem Meſſer, gegen den Portier und die Wirtin vor,
ver=
letzten den Portier ſchwer an der Hand und beſchädigten beider
Kleider. In der Rheingauer Weinſtube wollte ein Oberkellner
helfen, ſie rauszuwerfen, wurde aber ſelber mit rausgeworfen und
verprügelt. Die beiden erſten Angeklagten behaupten, ſie ſeien
ſo ſinnlos betrunken geweſen, daß ſie von nichts mehr gewußt
hätten. Die Zeugen bekunden jedoch insgeſamt, daß ſie noch recht
gut bei Verſtand waren. Das Gericht verurteilt die beiden erſten
wegen gemeinſchaftlichen Hausfriedensbruch und Sachbeſchädigung
zu insgeſamt je 200 Mark. Den zweiten und
Hauptranda=
liſten außerdem wegen einer weiteren Sachbeſchädigung, einer
einfachen und zweier gefährlicher Körperverletzungen zu insgeſamt
zwei Monaten Gefängnis. Der dritte erhält wegen
zweier gemeinſchaftlicher Hausfriedensbrüche Geldſtrafen
von 50 und 70 Mark, der vierte und fünfte Geldſtrafen
von je 40 und 60 Mark. Der fünfte außerdem noch wegen
Nötigung 50 Mark. Der ſechſte wegen Hausfriedensbruch in einem
Falle 30 Mark und der ſiebte und achte wegen
Hausfriedens=
bruch in zwei Fällen je 20 und 30 Mark. Man hat den
An=
geklagten, deren Benehmen jede Grenze überſchritten habe, in
Anbetracht der Faſtnacht weitgehende mildernde Umſtände
zuge=
billigt.
Im Schwurgerichtsſaal wird gegen die
Biebes=
heimer und Crumſtädter Angeklagten zu Ende
ver=
handelt. Bei einem nationalſozialiſtiſchen Sprechabend in
Biebes=
heim war es zwiſchen anweſenden Kommuniſten und den S.A.
zu einer kleinen Prügelei gekommen. Die Kommuniſten
beſchul=
digten die S.A.=Leute und dieſe wieder die Kommuniſten, den
Anſtoß dazu gegeben zu haben. Die Kommuniſten ſollen durch
Zwiſchenrufe den friedlichen Fortgang geſtört haben, und die
S.A.=Leute ſollen durch plötzliches Erſcheinen mit bereits
abge=
ſchnalltem Schulterriemen provoziert haben. Die Beweisaufnahme
iſt ſo wenig dazu angetan, die Sache aufzuklären, daß das Gericht
ſieben der Angeklagten mangels Beweiſes freiſpricht. Ein
Kommu=
niſt wird wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei
Mona=
ten Gefängnis verurteilt, und ein S.A.=Mann ebenfalls
wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Monat
Ge=
fängnis.
— Bei der Mutter. Das Gefühl bei der Mutter zu ſein, ſoll
mächtig werden in den Herzen der Jünglinge und Mädchen, die
der V D. A. nach wohlbedachtem Plan unter bewährter Führung
aus Ausland und Grenzland in den nächſten Wochen auf den
Reichsboden führt. Die Volksverbundenheit, die wir mit aller
Kraft pflegen müſſen, wird enger und feſter, wenn ſich deutſche
Menſchen aus den verſchiedenſten Gegenden der Welt perſönlich
nähertreten. Der Zweck dieſer großzügig angelegten Studienreiſen
iſt nicht eine erſchöpfende Betrachtung von Sehenswürdigkeiten,
ſondern dieſe auslandsdeutſchen Burſchen und Mädels ſollen
Ein=
gang finden in die deutſche Familie im Reich das ihre Eltern
und Großeltern ausſandte, ſollen ſie deutſche Sitte, deutſche Art,
deutſche Gaſtlichkeit deutſche Not kennen lernen. Nach
Darm=
ſtadt kommt eine Gruppe deutſcher Jugend aus Finnland
aus=
geſandt von der deutſchen Schule in Helſingfors, deren Direktor
bis vor kurzem in Darmſtadt tätig war, ferner beſucht uns eine
Gruppe von Mädchen aus dem abgetrennten Oberſchleſien.
Tat=
kraft und Gaſtfreundſchaft der Frauengruppe des V. D. A. machen
es möglich, daß dieſe Ankömmlinge aus der Ferne hier keine
Fremde, ſondern eine Heimat finden. Auch der Verein der
Schleſier tritt freudig in Tätigkeit, Lehrerinnen und Lehrer im
Bunde mit gaſtlichen V.D.A.=Familien laſſen es ſich angelegen
ſein, den Gäſten die Darmſtädter Tage unvergeßlich zu machen.
— Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Der
Wanderaus=
ſchuß macht ſeine Klubfreunde nochmals darauf aufmerkſam, daß
die Autokarten bis heute, Donnerstag abend, bei Rob.
Berg=
mann gelöſt ſein müſſen. Der Abſchluß der Liſten muß deshalb ſo
frühzeitig erfolgen, weil wir jedem Teilnehmer für die lange, aber
ſehr abwechſlungsreiche Fahrt einen bequemen Sitzplatz
gewähr=
leiſten wollen. Für Nachzügler kann keinerlei Verpflichtung
hier=
für übernommen werden. Alles Nähere am Freitag, den 26. Juni,
auf dem Klubabend.
— Miniaturen=Ausſtellung. Die hieſige Künſtlerin Luiſe
Becker=Emmerling zeigt in der Buchhandlung
Berg=
ſtraeßer eine Sammlung von Miniaturen. Es handelt ſich um
Originalarbeiten nach lebenden Modellen, aber auch um mehrere
Kopien nach klaſſiſchen Gemälden en miniature — Einige
künſtle=
riſche Bucheinbände aus der Werkſtatt von Adeline Storck=Becker
ergänzen die in einer Vitrine reizvoll aufgebaute kleine
Kunſt=
ſchau.
— Turngemeinde Beſſungen 1865 e. V. Am kommenden
Sonn=
tag, den 28. Juni, findet das 50. Gauturnfeſt des Main=Rhein=
Gaues in Griesheim ſtatt. Auch die T.G.B. nimmt mit einer
Anzahl Wett=Turnerinnen und Wett=Turner daran teil. Wie
all=
gemein bekannt, wirft ein ſolches Turnfeſt ſeine Schatten voraus,
indem die Turnleiter mit erhöhter Kraft bei der Turnſache ſein
müſſen. Um nun die Gewißheit zu haben, daß alle Faktoren an
den richtigen Stellen eingeſetzt werden, verſammeln ſich am
Don=
nerstag, den 25. Juni, abends 8.30 Uhr, ſämtliche Wett=Turner
beiderlei Geſchlechts ſowie die Kampfrichter, Riegenführer und
Berechner im Turnhauſe zu einer letzten Beſprechung.
Geſtohlen wurde am 9. Juni aus einem Schrank des
Schwe=
ſternhauſes. Nieder=Ramſtädter Straße 30, ein dunkelblauer
Damenripsmantel mit ſchwarzem Sealpelzkragen und gleichen
Stul=
pen. — In der Nacht vom 18. zum 19. Juni wurden aus einem
Schaukaſten an dem Hauſe Wilhelminenſtraße 15 fünf Bilder im
Werte von 60 Mark geſtohlen. Die Bilder ſtellen die Tänzerin
Edith Bielefeld dar. Vier der Bilder ſind 18X24 und eins 30X40
groß. Perſonen, die hinſichtlich des Bilderdiebſtahls ſachdienliche
Angaben machen können, werden gebeten, dies bei der
Kriminal=
polizei, Hügelſtraße 31/33, zu tun. — In der Zeit vom 14. bis
17. Juni wurden aus den offenen An= und Auskleideräumen am
Woog folgende Gegenſtände geſtohlen: Eine
Nickelherrentaſchen=
uhr mit braunem Lederetui, Ankerwerk, No. 1113/45/19, ein Paar
weiße Leinenſchuhe mit Gummiſohlen und ein Paar dazugehörige
weiße Halbſtrümpfe.
Wer hat die Wagenplane gefunden? Ende Mai 1931 wurde
am Güterbahnhof des hieſigen Hauptbahnhofes, oder auf dem
Wege von dort nach der Heidelberger Straße, eine Wagenplane
verloren. Die Wagenplane iſt 3X3,50 Meter groß und trägt die
Firmenbezeichnung: „Darmagol Darmſtadt”
Feſtnahme. Der 24jährige Hilfsarbeiter Otto Müller aus
Fürfeld, Kreis Alzey, wurde wegen Betrugs feſtgenommen und
dem zuſtändigen Richter zugeführt. Müller wird wegen des in
Darmſtadt begangenen Delikts bereits von verſchiedenen anderen
Behörden geſucht.
Von der Plattform gefallen. Der 12jährige Schüler
Wil=
helm Gengnagel aus Pfungſtadt, der in Darmſtadt die Liebigs=
Oberrealſchule beſucht, iſt am 23. Juni, auf der Fahrt von
Pfung=
ſtadt nach Darmſtadt, bei der Abfahrt des Zuges im Südbahnhof
von der Plattform auf das Schienengleis gefallen. Infolge des
Sturzes mußte er in ſchwerverletztem Zuſtand in das Städtiſche
Krankenhaus eingeliefert werden.
hll. Grimm, Selfanfabrik
Engros-Lager bel: „Esweo‟, Großhandlung, Darmstadt, Feldderg=
Hessenkauf A. G., Darmstadt.
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Donnerstag, den 25. Juni 1931
Nummer 1741
Der Stadtrat verweigert erneut Oeckung des Fehlbetrages.
Ein großzügiges Wohnungsbauprogramm. — Die Stadk übernimmt Bürgſchaft für den Bau der nökigen Kleinwohnunger
der Ausgleich des Voranſchlags 1931 geſcheikerk.—Skeuererhöhungen einmükig abgelehnk. — Theakerdebakke: Conkra Harkun
Nach längerer Sommerpauſe war für geſtern der
Darmſtäd=
ter Stadtrat einberufen, namentlich um über den Ausgleich des
Voranſchlags 1931 und über das Wohnungsbauprogramm für
1931 zu beraten. Trotz der reichhaltigen und wichtigen
Tages=
ordnung wieſen die Reihen der Stadträte ſtarke Lücken auf, wohl
in der Hauptſache, weil der geſtrige Mittwoch als Sitzungstag
ungewohnt und ungeeignet war. Vor Beginn der öffentlichen
Sitzung war der Finanzausſchuß nochmals zu einer eingehenden
Beratung zuſammengetreten.
Die umfangreiche Tagesordnung brachte zunächſt die
Bera=
tung des großzügigen Wohnungsbauprogramms für 1931, das
den Bau von Kleinſtwohnungen vorſieht. Der Stadtrat war
ein=
ſtimmig der Anſicht, daß Kleinwohnungen unumgänglich nötig
ſind, daß die Mieten herabgeſetzt werden müßten, und ſtimmte
der Vorlage der Verwaltung zu, die dahin geht, die Bürgſchaft in
Höhe von 85 Prozent für das notwendige Baudarlehen zu
über=
nehmen, das auf 3,2 Millionen Mark veranſchlagt iſt.
Zur Deckung des Fehlbetrages war von der Aufſichtsbehörde
der Voranſchlag nochmals zur Beratung an den Stadtrat
zurück=
gereicht worden. Sämtliche Parteien konnten ſich aber nicht
ent=
ſchließen, der ſteuerlich ſchon ſo ſtark bedrückten Bürgerſchaft
noch=
mals neue Laſten aufzuerlegen. Der Vorſchlag einer dreifachen
Erhöhung der Bürgerſteuer, einer Verdoppelung der Bierſteuer
und der Einführung einer zehnprozentigen Getränkeſteuer wurde
daher einſtimmig abgelehnt. Nunmehr hat wiederum die
Auf=
ſichtsbehörde oder der Sparkommiſſar das Wort.
Zum Schluß der Beratungen wurde lebhaft über die Wahl
Hartungs debattiert, die von allen Fraktionen, mit Ausnahme der
Sozialdemokraten, ſcharf verurteilt und abgelehnt wurde. Im
einzelnen verweiſen wir auf den
Sihungsverlauf.
Um 17.30 Uhr eröffnete Oberbürgermeiſter Mueller die
Sitzung. Zunächſt ſtand als Punkt 1
das Wohnungsbauprogramm für 1931
auf der Tagesordnung, über das Stadtrat Hummel berichtete.
Nach dem Voranſchlag des Städtiſchen Hochbauamts ſind
Klein=
wohnungen für zirka 3 208 000 Mark vorgeſehen, und zwar zirka
84 Wohnungen zu 2½9 Zimmern. Den Stadtratsmitgliedern lag
eine umfangreiche Druckſache vor, der wir u. a. folgendes
ent=
nehmen:
Nach dem Bericht des Städtiſchen Hochbauamts iſt die
Ver=
waltung der Ueberzeugung, daß im Jahre 1931 ſtädtiſche Mittel
zur Errichtung von Wohnungen nur inſoweit zur Verfügung
ge=
ſtellt werden ſollen, als es ſich um Kleinſtwohnungen mit
einem Mietpreis von allerhöchſtens 40 RM. für
den Monat handele. In erſter Linie iſt der Bedarf für 2 und
2½=Zimmerwohnungen zu einem möglichſt geringen Preiſe
vor=
handen. Letzteres bedingt aber, daß alle nicht unbedingt
nöti=
gen Einrichtungen, wie Bad und Heizung, unterbleiben müſſen.
Als eine Selbſtverſtändlichkeit wird erachtet, daß in erſter
Linie das Gelände am Südbahnhof bebaut wird,
und nicht, wie es verſchiedentlich geſchehen iſt, Bauquartiere
er=
öffnet und an einzelnen Teilen bebaut werden, der übrige
unbe=
baute Teil aber jahrelang brach liegen bleibt.
Es iſt außer Zweifel, daß ſich bei einem weiteren Ausbau der
Wohnwert erhöht. Deshalb kann die Bebauung, wie ſie vom
Städtiſchen Hochbauamt am Südbahnhof geplant und vorgeſchlagen
iſt, zur Annahme nur empfohlen werden.
Nach dem Vorſchlag des Städt. Hochbauamts ſollen vorgeſehen
werden: 84 Wohnungen mit 2½ Zimmern zu je 6600 RM. —
554 400 RM. 428 Wohnungen mit 2 Zimmern zu je 6200 RM.
— 2653 600 RM., zuſammen 3 208 000 RM. Nach einem
ſpäte=
ren Bericht wird der angeſetzte Preis zu hoch gehalten. Von der
Summe könne ein Abſtrich von 10 Prozent vorgenommen werden.
In der letzten Sitzung des Bauausſchuſſes wurde bereits der
Antrag geſtellt, daß der Bau von 44 Wohnungen an der
Pallas=
wieſenſtraße aus dem Bauprogramm herausgenommen werden
ſolle und mit den erſparten Mitteln an den bereits
ausgeführ=
ten Bauten an der Pallaswieſenſtraße und am Grohberg, ſowie
mit Staatszuſchüſſen an der Beſſunger Straße errichtet werden
ſollen. Der Herr Oberbürgermeiſter hat ſich mit der Ausführung
nach ſeinem Bericht vom 18. Juni damit einverſtanden erklärt
unter der Vorausſetzung, daß die Mittel von der Sparkaſſe und
vom Reich noch zur Verfügung ſtehen. Es liegt hierüber bereits
eine beſondere Vorlage vor, von der man nur wünſchen kann, daß
ſie genehmigt wird und möglichſt raſch zur Ausführung gelangt.
Für die Gewährung voll verzinslicher oder auch verbilligter
Darlehen ſowie Hergabe von Zuſchüſſen bei der Teilung größerer
Wohnungen ſind 24 000 RM. vorgeſehen.
Nach dem Bericht des Herrn Oberbürgermeiſters ſollen für das
laufende Jahr keine Wohnungen auf ſtädtiſche Koſten ausgeführt
werden, ſondern es ſoll der ſogenannte Genoſſenſchaftsbau durch
Bürgſchaftsühernahme und verbilligte Darlehen unterſtützt
wer=
den. Dieſen Standpunkt kann der Berichterſtatter nicht ganz teilen.
Es muß feſtgehalten werden, daß die Stadt billiger baut.
Der Herr Oberbürgermeiſter, will die Mittel zur
Unter=
ſtützung der privaten und genoſſenſchaftlichen Bautätigkeit in
fol=
gender Form in Ausſicht ſtellen: 1. Für jede errichtete
Kleinſt=
wohnung wird ab neun Monate nach Baubeginn auf etwa 18
Jahre unter Zugrundelegung eines Satzes von 2000 RM. für die
Wohnung ein jährlicher Betrag zur Verfügung geſtellt, der der
Differenz von 2 Prozent Zinſen und dem für die Aufnahme des
Baudarlehens nachweislich zu zahlenden Zinsfuß entſpricht. 2. Für
die Aufnahme des Baudarlehens wird eine Bürgſchaft von 85
Prozent übernommen. Ein weiterer Punkt, der Beachtung
ver=
dient, ſei die derzeitige Miethöhe in den Neubauwohnungen. Er
habe große Bedenken, daß dieſe Mietſätze auf die Dauer gezahlt
werden können. Nach ernſthaften Erwägungen könne er ſich nur
für eine Bürgſchaft bis zur Höchſtgrenze von 75 Prozent
ausſpre=
chen. 3. Die Kontrolle über die Richtigkeit der angeſetzten Maſſen
und die Angemeſſenheit der Preiſe müßte vor dem Baubeginn
er=
folgen. 4. Gehe er mit dem Herrn Oberbürgermeiſter einig, daß,
im Falle die Stadt gezwungen werden ſollte, das eine oder andere
Obiekt erſtehen zu müſſen, die Geldgeber, die das Geld den
be=
treffenden Beſitzern gegeben haben, auch der Stadt überlaſſen. Es
beſteht aber die Gefahr, daß die Bauten zu teuer erſtellt und unter
Umſtänden höher belaſtet ſind, als wenn die Stadt die Bauten in
eigener Rechnung ausgeführt hätte
Er beantrage alſo: Die Bürgſchaftsgrenze auf 75 Prozent der
vor dem Baubeginn nachgeprüften Baukoſten feſtzuſetzen, ferner
2000 RM. für die Wohnung als verbilligtes Baudarlehen zu
ge=
währen, zur Förderung des Wohnungsbaues den Gedanken zur
Gründung einer Wohnungsbau=A.G. nochmals in Erwägung zu
ziehen und gegebenenfalls die Verhandlungen hierüber wieder
auf=
zunehmen.
Er ſei der Auffaſſung, daß das Wohnungsbauprogramm, wie
es von dem Städt. Hochbauamt in Vorſchlag gebracht iſt, auf 3
Jahre verteilt werden müßte.
Stadtrat Klotz (Soz.) erklärte, daß in dem vorgeſehenen
Wohnungsbauprogramm den Wünſchen inſofern Rechnung
ge=
tragen ſei, als Wohnungen auch für Minderbemittelte erſtellt
werden ſollen. Die Mieten müßten den veränderten finanziellen
Verhältniſſen angepaßt werden. Auch für Wohnkultur müſſe es
ein Eriſtenzminimum geben. Bis zu einer Bürgſchaft von 85
Pro=
zent könne die Stadt wohl gehen, ſonſt könne ein ausreichendes
Bauprogramm nicht durchgeführt werden.
Oberbürgermeiſter Mueller betonte, daß betr. Kontrolle
und Finanzierung noch Klarheit geſchaffen werden müſſe. Die
Stadt werde ſich bemühen, langfriſtiges Geld zu beſchaffen. In
einem praktiſchen Falle ſei es anderwärts übrigens bereits
ge=
lungen, Kapital aufzubringen. Klar ſei man ſich darüber, daß es
an Kleinmohnungen mangele, hier müſſe die Stadt unbedingt
ab=
helfen. Die Stadt könne aber die Verwaltung weiterer
Woh=
nungen nicht übernehmen, da ſie bereits über 1000 verwalte.
75 Prozent Bürgſchaft genüge nicht, man müſſe ſchon an die
Grenze von 85 Prozent herangehen.
Stadtrat Kollbach (G u. H.) unterſtrich, daß heute auf
dem Baumarkt anormale Zuſtände herrſchen, und daß die
Be=
tätigung der öffentlichen Hand heute allerdings nötig ſei; die
öffentliche Hand könne bei beſſeren Verhältniſſen wieder
einge=
ſchränkt werden. Bis 85 Prozent müſſe man ſchon Bürgſchaft
leiſten. Gewiſſe finanzielle Riſiken ſeien wohl vorhanden, aber
dieſe müſſe man ſchon vom Standpunkt des Baugewerbes aus
tragen.
Stadtrat Zürtz (N. S.D.A.P) hielt es für das beſte, wenn
die private Bautätigkeit angekurbelt werde, mit neuen Schulden
könnten die Wohnungsnöte nicht behoben werden. Zum
min=
deſten müſſe man 85 Prozent Bürgſchaft fordern, aber er glaube,
daß auch das vorliegende Bauprogramm eine ſchöne Geſte bleibe.
Stadtrat Fröba (Komm.) polemiſiert im Zuſammenhang
mit der Wohnungsbaufrage gegen den Kapitalismus. Er ſei
un=
bedingt der Anſicht, daß die Stadt den Wohnungsbau zu
über=
nehmen habe. Das ganze vorliegende Bauprogramm ſpreche für
das Privatintereſſe des Kapitalismus. Der Kommunismus
for=
dere u a. Enteignung von jedem Grund und Boden.
Stadtrat Richter (Soz.) wandte ſich zunächſt gegen die
Ausführungen ſeines Vorredners und gegen die kommuniſtiſchen
Forderungen, wobei er die ruſſiſchen Verhältniſſe ſtreifte. Zur
Wohnungsbaufrage betonte er. 85 Prozent Bürgſchaft werde wohl
gewährt werden müſſen. Zur Frage der Baudarlehen oder
Zins=
zuſchüſſe ſei zu bemerken, daß Baudarlehen wohl das günſtigere
ſei. Auch er betonte, daß man unter ein gewiſſes Kulturniveau
im Wohnungshau ſelbſtverſtändlich nicht heruntergehen dürfe.
Stadtrat Freudel (P. A.) nimmt zunächſt zu Vorwürfen
des Stadtrats Fröba, betr. Wohnungskommiſſion, Stellung, die
er zurückweiſt. Nach perſönlichen Bemerkungen des Kommuniſten,
die ſich in der Hauptſache gegen die Sozialdemokraten richteten,
wurde zur
Abſtimmung
geſchritten. Zunächſt wurde über den Grad der Bürgſchaft (85
oder 75 Prozent) abgeſtimmt. Der Vorſchlag der Verwaltung,
einer Bürgſchaft von 85 Prozent, wurde mit
Stimmen=
mehrheit angenommen. Frl. Walz enthielt ſich der Abſtimmung,
Stadtrat Fröba ſtimmte gegen die ganze Bauvorlage. Der
Vor=
ſchlag der Verwaltung betr. Baudarlehen wurde gegen die
Stimme des Kommuniſten, bei Stimmenthaltung von Frl. Walz,
einſtimmig angenommen. Damit iſt das Bauprogramm
angenommen.
Ueber den
Ausgleich des Voranſchlages 1931
erſtattete Stadtrat Klotz (Soz.) Bericht.
Der Voranſchlag der Stadt Darmſtadt iſt in der Sitzung vom
5. Mai 1931 unter Entnahme des Fehlbetrages von 2014 200 RM.
aus dem Vermögen verabſchiedet worden. Nach einer Mitteilung
des Kreisamts Darmſtadt erhöht ſich dieſer Fehlbetrag, da die
Ueberweiſungen aus der Reichseinkommen= und
Körperſchafts=
ſteuer und der Umſatzſteuer und die Einnahmen aus der
Sonder=
ſteuer in dem Voranſchlag für 1931 zu hoch eingeſetzt ſind.
Dieſen Mindereinnahmen ſteht allerdings eine
Mehrein=
nahme von rund 80 000 RM. aus Verwaltungskoſtenzuſchüſſen der
Reichspoſt und der Reichsbahn gegenüber, da dieſe Zuſchüſſe nicht,
wie veranſchlagt, 40 000 RM., ſondern vorausſichtlich zuſammen
120 000 RM. betragen werden. Unter Berückſichtigung dieſer
Min=
der= und Mehreinnahmen wird ſich der Fehlbetrag der Stadt
Darmſtadt alſo um rund 200 000 RM. erhöhen.
Der Herr Miniſter des Innern lehnt die Erhöhung der Bier=
und Bürgerſteuer und Einführung einer Getränkeſteuer von ſich
aus vorläufig ab. Auch das Kreisamt will vorläufig die
Er=
höhung der genannten Steuern auf dem Verwaltungswege nicht
vollziehen, ſondern dem Stadtrat ſelbſt noch einmal Gelegenheit
geben, den hohen Fehlbetrag auf ein vertretbares Maß
herab=
zuſetzen. Der Voranſchlag iſt zu dieſem Zwecke zurückgegeben.
Dem an ſich richtigen Geſichtspunkte, daß die lebende Generation
nicht allein die Laſten des Weltkrieges und ſeiner Folgen tragen
kann, iſt durch die ſtarken Vermögensentnahmen für laufende
Zwecke in den letzten ſieben Jahren — es kommen hier mehr als
9½4 Millionen Mark in Frage — ausreichend Rechnung getragen
worden.
Das Kreisamt bemängelt die Höhe der perſönlichen
Aus=
gaben und beanſtandet, daß ganze Beamtengruppen im Vergleich
zu den Staatsbeamten zu hoch eingruppiert ſeien. Es empfiehlt
Feſthaltung an dem bereits gefaßten Beſchluß, Stellen von
Beam=
ten und Angeſtellten, die frei geworden ſind, nicht wieder zu
be=
ſetzen. Schließlich ſchlägt das Kreisamt noch vor, nach dem Muſter
anderer Städte einen Sparkommiſſar zu beſtellen.
Mit Rückſicht auf die Höhe des Fehlbetrages ſchlägt das
Kreisamt die Verdreifachung der Bürgerſteuer,
die Verdoppelung der Bierſteuer und die
Ein=
führung einer 10proz Getränkeſteuer vor Bezüglich
der Bürgerſteuer geht das Kreisamt alſo noch über den Antrag
hinaus, den die Verwaltung ſchon ſelbſt bei Vorlage des Etats
geſtellt habe.
Die Stadt iſt durch den ablehnenden Beſchluß des Stadtrats
bezüglich der drei vorgenannten Steuern in große finanzielle
Be=
drängnis gekommen. Die in der vorletzten Sitzung beſchloſſene
Aufnahme einer Anleihe von 1 Million Reichsmark iſt infolge
der troſtloſen Lage des Geldmarktes bisher nicht zuſtande,
ge=
kommen. Es iſt unerläßlich, daß der Stadtrat ſich mit größter
Beſchleunigung erneut mit dem Etatsausgleich befaßt, zumal die
in der Notverordnung vom 5. Juni 1931 vorgeſehenen „
Erleich=
terungen der Wohlfahrtslaſten der Gemeinden” (R.G.Bl. S. 302)
auch nicht entfernt ausreichen, um den Fehlbetrag abzudecken.
Eine Verbeſſerung des Voranſchlags wird rechnungsmäßig
er=
zielt werden: a) durch Verminderung der Perſonalkoſten (R.G.=
Bl. S. 282 ff.) an Gehalten, Vergütungen und Ruhegehalten aus
jährlich 217 945,42 RM.: 163 458,75 RM. (für 34 Jahr), wovon.
da die Ausführungsvorſchriften noch nicht vorliegen, noch etwa
15 000 RM. abgehen können, alſo beſtenfalls 150 000 RM.: h) aus
Erſparniſſen an Löhnen und Arbeiter=Ruhegeldern (R.GBl.
S. 283, 8 7 a. E.) rund 180 000 RM. zuſammen 330 000 RM.
Dabei iſt zu beachten, daß mit dieſen Maßnahmen doch auch die
Steuerkraft und die Kaufkraft der Beteiligten herabgedrückt
wer=
den, ſo daß alſo jedenfalls auch mit erheblichen weiteren
Steuer=
ausfällen gerechnet werden muß. Unter allen Umſtänden bleibt
ein rechnungsmäßig zu deckender Fehlbetrag von 2 200 000 RM.
minus 330 000 RM. — 1870 000 RM. übrig, der nur durch eine
entſprechende Ausnutzung der in der alten Notverordnung
vor=
geſehenen Maßnahmen auf ein einigermaßen traghares Maß
ver=
ringert werden kann. Es iſt klar, daß die dem Stadtrat erneut
angeſonnene Beſchlußfaſſung ihm eine ſchwere Verantwortung
aufbürdet, der er ſich aber nicht entziehen kann. Die Verwaltung
ſei ſich auch durchaus bewußt, daß in dem Augenblick, da die neue
Reichsnotverordnung das ganze Volk von neuem in einer
furcht=
baren Weiſe belaſtet, die gegenwärtige Vorlage dopvelt veinlich
empfunden werden wird und empfunden werden muß. Der Mut
zu einem Entſchluſſe müſſe aber unbedingt gefunden werden.
Der Stadtrat werde erneut erſucht. Beſchluß zu faſſen über
a) eine Erhöhung der Bürgerſteuer, wie vom Kreisamt angeregt,
die eine Einnahme von 360 000 RM. bringe: b) eine
Verdoppe=
lung der Bierſteuer, die 207 000 RM. ausmache, und a) die
Ein=
führung einer 10prozentigen Getränkeſteuer, die 50 000 RM.
er=
bringe, zuſammen 617000 RM.
Der Geſamtfehlbetrag würde ſich alſo um dieſen Betrag
ver=
mindern, falls der Stadtrat ſich nicht entſchließt, weitere
Ein=
ſparungen durch Abſtriche an den Ausgaben vorzunehmen. Um
dem Kreisamt und den Wünſchen des Stadtrates
entgegenzu=
kommen, ſtelle die Vermaltung bezüglichen Antrag: eine
Nach=
prüfung der geſamten Verwaltung durch einen auswärtigen
Sparkommiſſar vornehmen zu laſſen, obwohl ſie ſich große, ſofort
in die Augen fallende Erſparniſſe davon nicht verſprechen könne.
Der Berichterſtatter erklärte hierzu weiter: Mit aller
Deut=
lichkeit müſſe auf den Ernſt der Lage hingewieſen werden. Würde
der Voranſchlag nicht angenommen, ſo habe man möglicherweiſe
auch keinen Anſpruch auf Mittel des Ausgleichsſtocks. Der
Finanzausſchuß habe die drei Vorſchläge abgelehnt. Es ſei
un=
möalich, die Unterſtützungsſätze herahzuſetzen, an perſönlichen und
ſachlichen Ausgaben könnte auch nicht mehr eingeſpart werden.
auch ein Sparkommiſſar könne keine Einſparungen mehr vo
nehmen. Unter ſchwierigen Umſtänden könnten vielleicht
100 000 RM. aus dem Voranſchlag herausgepreßt werden. Ein
anderen Vorſchlag, wie die Verwaltung, könne er nicht mache
Oberbürgermeiſter Mueller erklärte, die Vorlage ſei ei
außerordentliche Zumutung, darüber ſei er ſich klar. Das pſyd
logiſch Bedenkliche ſei, daß dieſe Vorlage komme unter dem Eil
druck der Notverordnung. Ein verantwortungsvoller Stadtel
müſſe ſich aber mit der Defizitdeckung befaſſen. Der Fehlbety
von nahezu 2 Millionen müſſe doch irgendwie gedeckt werden.
anderen Städten, beiſpielsweiſe in Wiesbaden, habe man ſich
gewaltigen Opfern entſchloſſen. Möglicherweiſe hätten die vorg
ſchlagenen neuen Laſten gar nicht den Erfolg, den man erwau
aber es gebe wohl kaum einen anderen Weg. Er bitte doch
an ſeine Stelle zu ſetzen. Man wolle alles tun, um die Au
gaben zu droſſeln, aber immer noch verbleibe ein, erheblicher Feh
betrag, ſelbſt nach Genehmigung dieſer neuen Steuern, ſo daß
Ueberbrückungskredit nötig ſei.
Stadtrat Schneider (Dntl.) erklärte, da ja doch imme
noch ein Fehlbetrag von mindeſtens 1 Million verbleibe und
das Volk unter ſchwerſten Steuern leide, lehne ſeine Fraktion je
Steuererhöhung ab.
Stadtrat Krug (D.V.P) erklärte, auch ſeine Fraktion müſ
im Hinblick auf die ſchwere Not der Bevölkerung und der ſteue
lichen Belaſtung jede Steuererhöhung ablehnen.
„Stadtrat Kollbach (H.u. G.) lehnte ebenfalls jede Steue
erhöhung ab.
Oberbürgermeiſter Mueller betonte, daß die Steuef
erhöhungsvorſchläge von ihm nicht ausgehen.
Auch die Stadträte Wieſenecker (Soz.), Fröbg (Kom
Glenz (Dem), Rudolvh (PA.) und Zürtz (N.S.D.A.P
lehnten die Vorlage der Steuererhöhungen ab.
Die Vorſchläge der Verwaltung wurden ein
ſtimmig abgelehnt.
Auf die reſtlichen Punkte der Tagesordnung, die debattel
erledigt wurden, kommen wir morgen zurück.
*
Unter Punkt Mitteilungen dankte Bürgermeiſte
Delp für die Wiederwahl. Er werde ſein Amt auch in Zukun
gewiſſenhaft ausüben.
Oberbürgermeiſter Mueller gab einige Mitteilungen, u.
daß der Verkehrsausſchuß einſtimmig beſchloſſen habe, dei
Weißen Turm nicht zu beſeitigen. Die D. V. P. fol
dert die Durchführung der ſchon längſt beſchloſſenen Verkehrslſeri
ordnung und deren Erlaß. Die Angelegenheit liegt derl
Miniſterium vor. Auf eine Anfrage des Stadtrats Schneide
(Dn.), ob Herr Hartung als Intendant engagiert ſei, auf wil
lange und wie hoch ſein Gehalt ſei, antwortet Oberbürgermeiſtell
Mueller, daß das Engagement endgültig ſei, daß aber der
Vertragsabſchluß noch nicht getätigt ſei, und daß Hartung nacheiſt verhin
den gleichen Geſichtspunkten engagiert ſei, wie ſein Vorgängal
Mit dieſer Anfrage war eine
E ie
leidenſchaftliche Theaterdebatte
ſueden n
entfeſſelt.
Edurück!
Zur Frage der Wahl Hartungs erklärte zunächſt Stadtrußm und
Schneider (Dn.), man lebe in einer Zeit, in der man ſehlhl ſvtl.
ſchnell vergeſſe. Herr Hartung ſei in der Auswahl ſeiner Autorchllio jugen
ſeinerzeit ganz einſeitig vorgegangen. Stadtrat Schneider nanneſu ſche
hier mehrere Autoren und brachte eine kleine Blütenleſe aufgtüſtiolung ko
führter Stücke in Erinnerung. Man habe ſich gegen Hartung gWVchen gro
wandt, weil er die Bühne zum Inſtrument politiſcher Propagandoſhe mit
herabgedrückt habe. Man habe das Recht, ſich gegen die Mißgriffe hſrl für 5
Hartungs zu wenden, der zum Teil künſtleriſch ganz wertloßelue haben
Stücke aufgeführt habe. Ein unerhörter Terror ſei unter ſeinaſeivem
Leitung im Landestheater entſtanden. Weiter ſeien anfechell M., al
bare und unſittliche Stücke aufgeführt worden, und0 Vergünſt
durch ſkandalöſe Zuſtände ſei Darmſtadt bekannt geworden. Eineſ A0igt,
ſolch anfechtbare Perſönlichkeit wage man nun wieder, an del
Darmſtädter Bühne zu bringen. Das ſei eine Brüskierung des
Darmſtädter Publikums. Der Abonnentenſchwund werde de
Quittung geben.
Oberbürgermeiſter Mueller erklärte zur Intendanten
frage, daß er gegen die Wahl Hartungs geſtimmt habe im Thee
terausſchuß. Der ſtädtiſche Theaterausſchuß habe ſich einmütz
auf den Standpunkt geſtellt, daß Hartung nicht zu wählen ſei. Eeleiſtaft”
ſei auch der Auffaſſung, daß Hartung nicht hierher berufen we:ſ0Main!
den durfte, da das Theater dadurch ſchwerſten Schaden leide. Eeſtgrößten
ſei aber der Anſicht, es handle ſich hier nicht um eine politiſckeſlingſel
Angelegenheit. Jedenfalls neige er nicht der Anſicht zu, daß Hersſiſchen Lo.
Hartung der Mann ſei, das Publikum ins Theater zu führe Mrache=
Seiner Ueberzeugung nach hätte man unſchwer eine andere Peu
ſönlichkeit finden können, die das Theater auf beachtenswerte
Höhe halten konnte. Nun ſei die Wahl entſchieden, jetzt müſſe
man den Kampf abbrechen, da ſonſt nur unſer Theater darunte
leide, und um unſerem Theater nicht den Todesſtoß zu verſetzen
möge man die Kritik jetzt ausſetzen.
Stadtrat Rudolph (P. A.) gab ſeinem Befremden Aus
druck, daß man ſich von ſozialdemokratiſcher Seite gegen die Thec
terdebatte wende. Die Frage ſei, ob ein Stadtrat im Theater
ausſchuß Vertreter des Stadtrates oder ſeiner eigenen Anſicht ſei
Er proteſtiere gegen das Verhalten, wie man mit der Anſicht de=
Stadtrates gerade in der Theaterfrage umſpringe. Wenn di
Verſtimmung in der Bevölkerung dazu führe, daß das Defizi
größer werde, werde man es dem Stadtrat zuſchreiben. Er er
kenne die Stellung des Herrn Oberbürgermeiſters an, aber nich
die Stellung des Vertreters des Stadtrates in der Theaterkom
miſſion.
Stadtrat Wieſenecker (Soz.) erklärte, daß er im Theater”
ausſchuß die Wahl Hartungs ſtets verteidigt habe. Er ſtelle aus
drücklich feſt, daß Hartung nicht Mitglied der Sozialdemokratr
ſchen Partei geweſen ſei. Unter Berückſichtigung der künſtleriſcher
Qualitäten und im Hinblick darauf, daß Herr Hartung dazu
ge=
lernt haben könne, halte er ihn für den geeignetſten Intendanter,
für Darmſtadt.
Stadtrat Ziegs (Soz.) bemerkte, daß er bei der Wahl
Har=
tungs nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen gehandelt habe. Hers
Hartung habe unter ſehr ſchlechten Verhältniſſen ſparſam
gewirt=
ſchaftet und dabei die Mieterzahl in Darmſtadt ſeinerzeit
weſent=
lich erhöht.
Stadtrat Altendorf (DV.P.) betonte, er wolle, künſt
leriſche Eignung und die politiſchen Motive zur Seite laſſen,
ob=
wohl die Vermutung und Wahrſcheinlichkeit politiſcher Motive
bei der Wahl nahe liege. Er wolle aber nur davon ſprechen, ob
es im gegenwärtigen Augenblick ratſam geweſen ſei, daß mar
unter Berückſichtigung des finanziellen Standpunktes des
Landes=
theaters gerade Hartung wählen mußte. Die wirtſchaftlicher
Verhältniſſe ſeien ſo ſchlecht, daß man mit Abonnementsrückgans
an ſich ſchon rechnen müſſe, weiter kenne man den Unwillen geger
Prof. Ebert. Um die Stimmung in allen Kreiſen zu beſſern.
hätte man nicht gerade ausgerechnet Herrn Hartung wählen
dür=
fen, der ſtets im Publikum ein Stein des Anſtoßes war. Er hoffe
ja, daß das Theater noch einigermaßen beſucht werde und die
Theatergeſellſchaften, das Theater über Waſſer halten können.
Die Animoſität gegen Hartung ſei aber ſehr ſtark und die
Ge=
fahr für den Beſtand des Theaters außerordentlich groß. Das
müſſe ſich die Kommiſſion ſagen. Bei der ganzen Stimmung hätte
man Herrn Hartung nicht wählen dürfen der dem Theater evtl. dem
Todesſtoß verſetzen könne. Jedenfalls hätte man ſich im
Theater=
ausſchuß einmütig auf eine andere geeignete Kandidatur einigem
müſſen. Nach dieſen Vorkommniſſen müſſe man die Hälfte der=
Stimmen in der Verwaltungskommiſſion verlangen. Der
Stadt=
rat müſſe ſich ſehr ſtark überlegen, ob nicht der Vertreter des
Stadtrats im Ausſchuß und in der Verwaltungskommiſſion die
Stimmenmehrheit des Stadtrats unbedingt zu vertreten habe, und
dieſe Anſicht müſſe feſtgelegt werden.
Stadtrat Zürtz (N.S.D.A P.) wandte ſich ſcharf gegen die
aufgeführten Stücke Hartungs. Es drehe ſich um die Hochhaltung
deutſcher Kulturgüter auch im Darmſtädter Landestheater, dies
Hartung vermiſſen laſſe.
Nummer 174
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Intendantenfrage Stellung die
Stadt=
ite Klotz (Soz.) für die Wahl des Herrn Hartung,
Koll=
ach (H.u. G.) und Schneider (Dntl.) gegen die Wahl.
Letz=
ier betonte, daß auch die Kunſt ſittlich hochſtehen müſſe und daß
Gticke nicht entſtellt wiedergegeben werden dürfen, wie es Herr
artung tue. Gegen die Wahl Hartungs ſprach ſich weiter
Stadt=
n Rudolph (P.A.) aus. Die Schädigung des Theaters liege
icht bei der Preſſe ſämtlicher Lager, ſondern einmal ſeither an
errn Ebert und jetzt wieder an der Kommiſſion, die Hartung
ge=
ählt habe. Stadtrat Fröba (Kom.) erklärte, für das
Theaterper=
nal ſei Hartung unannehmbar geweſen, und dem hätte man ſchon
ſechnung tragen müſſen. Damit war die Ausſprache über die
Lahl Hartungs beendet.
Zu einer deutſchnationalen Anfrage, betreffend
elektriſchen Bahnbau Darmſtadt—Ober=Ramſtadt.
klärte der Oberbürgermeiſter, daß dem Bahnbau
Schwierigkei=
mn im Wege ſtehen. Die Bahn nach Jugenheim koſte 800 000 RM.
ſieſer Betrag ſtehe zur Verfügung, dagegen ſthn 1200 000 RM.
ir den Bahnbau nach, Ober=Ramſtadt noch nicht zur Verfügung.
ine weitere Schwierigkeit liege in der Linienführung. Die
Ver=
aaltung ſei jedenfalls bemüht, die Bahn zu fördern, ſie halte aber
in Bau der elektriſchen Bahn nach Jugenheim für dringlicher,
u nach Ober=Ramſtadt bereits Omnibusverbindung der Heag
be=
ſehe. — Stadtrat Schneider (Dntl.) wünſcht den Bahnbau
ach Ober=Ramſtadt bevorzugt.
Nach einigen weiteren unweſentlichen kleinen Anfragen wurde
m 21.45 Uhr die öffentliche Sitzung geſchloſſen.
A
Verein zur Abhaltung lutheriſcher Gottesdienſte in der
ſchloßkirche zu Darmſtadt. Die Mitglieder des Vereins werden
eundlich darauf aufmerkſam gemacht, daß am Samstag, dem
Juli, ein gemeinſamer Spaziergang nach dem Jagdſchloß
wAranichſtein ſtattfindet. Um 3 Uhr Aabmarſch an den Hirſchköpfen,
Seite 7
in 4 Uhr Andacht in der Kapelle, die Herr Pfarrer Lautenſchläger
ilten wird. Hierauf folgt eine gemeinſame Kaffeeſtunde im
artenſaal. Die Mitglieder und Freunde des Vereins ſind
herz=
fhſt eingeladen.
— Zuſammenſtoß eines Radfahrers mit einem Motorrad=
Uhrer. In der Nieder=Ramſtädter Straße fuhren geſtern ein
indfahrer und ein Motorradfahrer zuſammen. Der Radfahrer zog
5 beim Sturz Kopf= und Geſäßverletzungen zu.
— Im Helia=Theater läuft ab heute ein neuer deutſcher Ton=
Seitenſprünge‟ (Er geht rechts — ſie geht links),
ſei Abenteuer aus einer modernen Ehe von heute. Die Regie
fhrt Stephan Szekely, die Muſik ſchrieb Karl M. May. In den
kuuptrollen ſind beſchäftigt: Gerda Maurus, Oskar Sima. Paul
Uncenti, Adele Sandrock, Jarmila Marton, Otto Wallburg und
neiyſaul Kemp. — Dazu ein reichhaltiges Beiprogramm.
Das Union=Theater zeigt heute zum letzten Male Harry
hahledtke in der luſtigen Verwechſlungskomödie „Der
Korvet=
ſnkapitän”, mit Maria Paudler, Lia Eibenſchutz, Fritz
Kam=
hrs u. a. Jugendliche haben Zutritt.
— In den Palaſt=Lichtſpielen wird heute das große
Senſa=
meiteſtns=Doppelprogramm Die geheimnisvolle Inſel”
Zulunfarch dem Roman von Jules Verne: „20 000 Meilen unter dem
Peer” und das Kriminaldrama „Null Uhr”, mit Lionel
ngen, u aKatrymore, zum letzten Male vorgeführt.
habe ſer — Kinder und junge Mädchen zur Erholung an die Oſtſee.
V. P onß iſt beſſer und billiger! Auch Sie erholen ſich durch eine
Oſtſee=
erkehrsſſdereiſe blendend, beſonders aber Ihre zarten Kinder und
heran=
liegt eyſachſenden Töchter, um deren Geſundheit Sie bangen. Gewiß
Schnelelltte Ihre ganze Familie nach dem langen Winter,
Ueberarbei=
ei auf viüllig oder Krankheit die verbilligte Verjüngungs= und
Kräfti=
irgermeitetlungskur an der herrlichen, waldreichen Bernſteinküſte und eine
aß aber leſſ tündige große Oſtſeefahrt für nur 8—12 Mark nötig? Wenn Sie
utung ucſtchſt verhindert ſind, geben Sie Ihr Kind evtl. dort in ein Oſt=
Vorgämeſs=Jugendheim. junge Mädchen zur Erholung in ein Töchterheim
lebensfrohen jungen Mädchen, oder in ein Haushaltpenſionat
hue gleichzeitigen Ausbildung, wo ſie treu behütet und verpfleat
ſrden nach Ihren Wünſchen und mit kräftiger Geſundheit blü=
und zurückkehren. Schon 4 Wochen tun Wunder durch Licht. Luft,
Stadtcſenne und Wellenſchlag der erfriſchenden See. Jede Woche
zwei=
man ſthrl (evtl. fünfmal) gehen Gruppen von 15 und mehr Kindern
Auton)1d jungen Mädchen aus größeren Städten in gemeinſamer Fahrt
der nank uo ſicherem Geleit in die Bäder der Bernſteinküſte. 4 Wochen
nleſe aufgl kholung koſten mit Fahrt und voller: Penſion uſw. 125—140 Mk.,
gartung /1Vochen große Ferien 165—180 Mk., oder für Ihre Tochter 3
Mo=
rovaga ure mit Koch= und hauswirtſchaftlichem Sommerlehrgang 150
Mißauf Nurk. für Halbiahreskurſus 125 Mk., alles eingeſchloſſen,
Erwach=
ſbe haben evtl. 12 Tage Oſtſee=Pauſchalkur mit Seereiſe ab
Sinemünde und 10 Tage guter Penſion in Ia Seebad für nur
Mk., alles eingeſchloſſen. Proſpekte und nähere Auskunft über
Vergünſtigungen durch die gemeinnützige Bäderauskunft Dir,
Abigt, Oſtſeebad Rauſchen.
Aus den Parkeien.
— Eine außerordentlich billige Rheinfahrt
nanſtaltet der Landesverband Heſſen der Deutſchen Volkspartei
kommenden Sonntag, dem 28. Juni, vormittags 9 Uhr, ab
inz. Brücke 3 der Köln=Düſſeldorfer,
Rheindampfſchiffahrts=
nellſchaft, gegenüber der Mainzer Stadthalle. Die Fahrt geht
m Mainz nach St. Goar, wo auf der Ruine Rheinfels,
* größten Ruine des Rheins, eine vaterländiſche
Kund=
bung ſtattfinden wird. Der Vorſitzende der volksparteilichen
ſſiſchen Landtagsfraktion, Abg. Dr. Keller, hält die
Feſt=
gprache: der Männerchor der volksparteilichen
Arbeitnehmer=
uppe Worms wird durch Geſangsdarbietungen erfreuen. Eine
Aſikkapelle ſpielt auf dem Dampfer und bei der Kundgebung.
ur Dampfer trifft abends um 8 Uhr wieder in Mainz ein, ſo
*8 alle Teilnehmer noch bequeme Anſchlußzüge ereichen. (Alles
Ahere ſiehe Anzeige.)
Lokale Veranſtaltnngen.
Werunter erſcheinenden Rotlgen ſind ausfchiließlich als Hinweiſe auf Anzeigen m betrochten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kri”
— Konzert im Heſſiſchen Hof. In der Reihe der
ukstümlichen Konzerte (Zyklus volkstümlicher Konzerte) findet
s nächſte Konzert morgen, Freitag, im Heſſiſchen Hof ſtatt. Das
ſogramm bringt im 1. Teil Werke von Verdi, Roſſini,
Tſchai=
vſky. Kalman und eine intereſſante Kompoſition des
Englän=
es Bernd Phelps betitelt: „Die Chorſänger”. Hierbei
ver=
hmen wir Orgelklänge im Dome zu London, Läuten der Glocken.
ſch Schluß der Meſſe ſpringen die Meſſejungen auf die Straße
u erfreuen ſich der Erholungspauſe. Ihr Treiben endet in
an=
ſtigem Walzerreigen. Erneutes Läuten der Glocken ermahnt
Rückkehr in den Dom. — Der 2. Teil iſt aktuell gehalten
D bringt u. a.: Drei Musketiere. Die drei von der Tankſtelle,
dei Herzen im Dreivierteltakt, Viktoria und ihr Huſar.
Per=
bliche Leitung: Matthias Weber. (Siehe auch Inſerate.)
— Saalbaugarten. Heute abend 8 Uhr großes
volks=
bliches Konzert unter perſönlicher Leitung von Kapellmeiſter
Schlupp. Illumination und bengaliſche Beleuchtung der
Gar=
tanlage. Eintritt frei. (Siehe Anzeige.)
Tageskalender für Donnerstag, den 25. Juni 1931.
ſ Landestheater, Großes Haus, 20 Uhr, Ende gegen
2.30 Uhr, außer Miete: „Alt=Heidelberg” — Kleines Haus:
Leine Vorſtellung. — Orpheum, 20.30 Uhr: Revue des
lachens. — Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller
Sportplatz=
keſt. am Böllenfalltor, Herrngartenkaffee, Saalbau=Garten,
tadt Nürnberg. — Kinovorſtellungen: Union=,
Helia=
ind Palaſt=Lichtſpiele. — Kunſtausſtellung
Matbil=
enhöhe, geöffnet von 10—18 Uhr.
Jugendkag und „vom=Skein=Feier” in Eberſtadi.
F. Im Hinblick auf die Notzeit ſah die Volksſchule in dieſem
Jahre davon ab, den Jugendtag in der früher üblichen Weiſe zu
begehen. Die ſchlichte Feier, die geſtern morgen um 7.30 Uhr in
der Schule ſtattfand, erhielt indeſſen eine beſondere Bedeutung
durch das Gedenken an Freiherrn Karl vom Stein.
deſſen Todestag ſich am 29. Juni 1931 zum hundertſten Male
jährt. Die Feier wurde durch einen Muſikvortrag der Lehrer
Knöß und Eidenmüller ſtimmungsvoll eingeleitet. Ein
Schüler der Klaſſe Ib trug das Arndtſche Gedicht „Lied vom
Stein” vor, dann folgte der gemeinſame Geſang des Liedes „Es
klingt ein heller Klang‟. Das weiter von einem Schüler der
Klaſſe la vorgetragene Gedicht „Das Vaterland” von Max
von Schenkendorf leitete zu der Anſprache über, die Lehrer Dr.
Weſp hielt. Einleitend wies der Redner auf die ſeltenen
Ehren=
namen hin, die dem Freiherrn Karl vom Stein die Geſchichte
ſchon nach kurzer Zeit gab: Des Reiches Grundſtein, des
Rechtes Eckſtein, der Deutſchen Edelſtein. Redner
führte dann weiter aus:
„Aus der Niederlage Preußens im Jahre 1806 hatte Stein
ſofort erkannt, daß Preußen vor dem vollſtändigen Untergang nur
vom Volke gerettet werden konnte. Es galt, das Volk ſtark zu
machen, es zum Dienſt am Vaterland zu erziehen. Als Stein dieſe
Arbeit auf ſeine Schultern lud, war er im wahrſten Sinne des
Reiches Grundſtein geworden.
Natürlich entging es Napoleon nicht, welchen gefährlichen
Gegner er in Stein hatte. Durch einen kaiſerlichen Befehl aus
Madrid wurden Steins Güter beſchlagnahmt und er in die Acht
erklärt: Des Rechtes Eckſtein
Stein mußte Deutſchland verlaſſen; er geht zuerſt nach
Oeſter=
reich und dann nach Rußland, beide Staaten zum Kampfe gegen
Napoleon aufreizend. Der ſo unglückliche Ausgang des ruſſiſchen
Winterfeldzuges iſt mit ein Werk Steins Endlich die Befreiung
(Völkerſchlacht bei Leipzig): Der Deutſchen Edekſtein!
Stein verbringt (nach 1814) den Reſt ſeines Lebens ſtill und
zurückgezogen. Nun iſt er ſchon 100 Jahre tot. Seine Gedanken
leben aber noch heute. Die wirtſchaftliche Not der Gegenwart
hat zwar manche Ziele zurückgeſteckt. Es wird aber auch wieder
beſſer werden. Daran kann auch die Jugend ſchon helfen. Fort
mit der Selbſtſucht, die uns immer trennt.
Her=
bei mit dem Gemeinſchaftsgeiſt, im Sinne des
Dichters: Deutſchland mußleben, auch wenn wir
ſterben müſſen.!
An geeigneten Stellen der Anſprache ſchoben ſich geſchickt zwei
Sprechchöre ein. Den erſten Sprechchor „Was iſt des Deutſchen
Vaterland?” ſtellte die gemiſchte Klaſſe II. Die Frageſätze
ſpra=
chen die Knaben, die Antworten darauf gaben die Mädchen,
wäh=
rend der Schluß: „Das ganze Deutſchland ſoll es ſein”, von den
Knaben und Mädchen zuſammen geſprochen wurde. Den
zwei=
ten Sprechchor, jene bekannten Worte von Schiller: „An’s
Vater=
land, an’s teure, ſchließ dich an” trug die Klaſſe la vor. Redner
ſchloß ſeine Anſprache mit der Mahnung an alle, ſich zum
Vater=
land, zu bekennen in dem Sinne: „Einigkeit und Recht und
Frei=
heit‟. Seiner Aufforderung, dem Bekenntnis in dem Geſang, des
Deutſchlandliedes Ausdruck zu geben, folgten Lehrer und Schüler,
und begeiſtert erſchallte das „Deutſchland über alles” durch die
Räume der Schule hinaus in den Tag der Jugend.
Inzwiſchen hatten ſich auch die unteren Jahrgänge der
Schü=
ler in dem Schulhofe eingefunden, wo alsdann die Verteilung der
von der Gemeinde geſtifteten Johannisbrezeln ſtattfand. Ein
Regen, der zunächſt ſtärker einzuſetzen drohte, vereitelte leider die
Spaziergänge und Ausflüge, die von den einzelnen Klaſſen in
Ausſicht genommen waren. Das war um ſo bedauerlicher als kurz
nach der Entlaſſung der Kinder das Wetter ſich raſch wieder zum
Beſſeren wendete.
Eine Erſindung für die Frauenwelt! Wir können heute
über eine Neuheit berichten, durch die jede Haarwäſche zum
Vergnügen wird. Es iſt die „Schaumbrille”, die Schaum und
Waſſer bei der Kopfwäſche den Augen fernhält. Auf dieſe Weiſe
hat man bei der Haarwäſche ſtets freie Sicht. Dieſe neue
„Schaumbrille” finden Sie jetzt als Hülle bei jeder Packung von
„Schwarzkopf=Extra”, dem Haarglanz=Schaumpon, auch bei der
neuen Spezial=Sorte Schwarzkopf „Extra=Blond” für Blondinen!
IV 9680
Dg. Arheilgen, 24. Juni. Neuvermeſſung des
Orts=
bezirks der Gemeinde Arheilgen. Das Liegenſchaftskataſter
unſerer Gemeinde, das in den Jahren 1846/1859 bearbeitet wurde,
ent=
ſpricht, wenigſtens ſoweit der Ortsbezirk ſelbſt in Frage kommt, nicht
mehr den Verhältniſſen der heutigen Zeit. Durch die verſchiedenen
Bau=
landumlegungen, Bauplanänderungen und Straßeneröffnungen hat das
Ortsbild einen weſentlich anderen Charakter erhalten, ſo daß die
Grenz=
punkte für die Eigentumsrechte ſehr mangelhaft abgemarkt ſein dürften
und das vorhandene Kartenmaterial zur Sicherung des Grundeigentums
einer Erneuerung bedarf. Aus dieſen Gründen wurde die
Neuvermeſ=
ſung des hieſigen Ortsbezirks beſchloſſen. Die Ausführung der Arbeiten
wird durch die Neuvermeſſungsabteilung des Vermeſſungsamtes
Darm=
ſtadt=Land durchgeführt und ſoll noch im Laufe dieſes Jahres in Angriff
genommen werden. Die Grenzregulierung und Aufnahme, die hier in
den Jahren 1846/1859 durchgeführt wurde, erfolgte nach den betreffenden
Inſtruktionen vom 30. Juli 1824. Nach dem Abſchluß der damaligen
Vermeſſung enthielt die Gemarkung Arheilgen folgende Flächen:
Hof=
reitegründe 47,1 heſſiſche Morgen (2500 Quadratmeter), Gärten 87,9,
Ackerfeld 4605,8. Wieſen 1218,0, Wald 6802,3, Chauſſeen. Wege Bäche
uſw. 353,2 heſſiſche Morgen, zuſammen alſo 13 114,3 heſſiſche Morgen.
Auch hier dürften wohl viele Aenderungen eingetreten ſein, da im Laufe
dieſer Zeit Waldgelände abgeholzt, Gärten bebaut, Wieſen in Ackerfeld
und umgekehrt angelegt wurden uſw. — Hohes Alter. Frau
Eliſabeth Barnewald, geb. Stork, wohnhaft Magdclenenſtraße 3, kann
am Donnerstag (25. Juni) ihren 80. Geburtstag begehen. —
Vor=
trags=Abend. Ortsgewerbe=Verein und Handwerker=Vereinigung
ſowie Hausbeſitzer=Verein laden für Samstag, den 27. Juni, abends, in
das Gaſthaus „Zur Sonne” (Peter Hahn) zu einem Vortrags=Abend
ein. Das Thema behandelt „Die Abgabe der neuen Vermögensſteuer=
Erklärung und ihre Bedeutung für die Einheitsbewertung ſowie die
Reichs= und Landesſteuern‟. Da der Vortrag ſehr wichtig iſt, wird
zahl=
reiches Erſcheinen der Mitglieder und Intereſſenten erwartet. Auch
werden die Teilnehmer erſucht, Vermögensſteuer=Erklärungen
mitzu=
bringen. — Vierzigjährige. Die in dieſem Jahre
Vierzig=
jährigen in unſerem Orte beabſichtigen, im Herbſt ds. J3. eine
gemein=
ſame Geburtstagsfeier zu veranſtalten. Eine erſte Beſprechung findet
deshalb am kommenden Samstag abend im Gaſthaus „Zur Sonne‟
ſtatt, zu welcher auch die auswärts geborenen und hier wohnhaften
Alterskameraden eingeladen ſind
Cp. Pfungſtadt, 24. Juni. Die Sozialbelaſtung der
Ge=
meinde. Die Gemeinde Pfungſtadt hat gegenwärtig über 300
Wohl=
fahrtserwerbsloſe zu unterſtützen, für die wöchentlich über 4000 RM.
aufzubringen ſind.
Cp. Pfungſtadt, 24. Juni. Gemeinderatsſitzung. Der
Gemeinderat nahm in ſeiner letzten Sitzung die Verteilung der
Bau=
darlehen vor. Eine größere Zuteilung war leider durch das Kreisamt
bzw. Wirtſchaftsminiſterium nicht zu erreichen. Als Baudarlehen ſtehen
in dieſem Jahre nämlich nur 8700 RM. zur Verfügung. Bardarlehen
bekommen Heinrich Ziſſel zur Erbauung eines Wohnhauſes mit zwei
Wohnungen, Franz Kühn für einen Neubau mit einer Wohnung, der
Turnverein E. V. für einen Neubau auf ſeinem Sportplatz mit einer
Wohnung und Chriſtoph Huxhorn für einen Stockaufbau. Als Bauplatz
wurde von Heinrich Ziſſel ein Platz in der Zinsgutſtraße beantragt. —
Die Fiſcherei an der Torfgrube wurde mit Wirkung vom 1. Januar
1931 ab auf 12 Jahre an Georg Hax=Frankfurt verpachtet. Die Jagd=
bogen 4 bis 8 der Gemeindejagd wurden ebenfalls an Georg Hax=
Frank=
furt zur Jahrespacht von 3200 RM. mit Wirkung vom 1. Februar 1931
ab auf neun Jahre verpachtet. An dem Betrag von 3200 RM. geben
jährlich 600 RM. ab. ſolange Jagdhüter Ley vom Jagdpächter Hax
beſchäftigt wird. Mitpächter ſind Johann Kraft, A. Hartmann, beide
in Frankfurt, und Chriſtian Leh=Pfungſtadt. — Durch das
Kreis=
geſundheitsamt wurde Fräulein Eliſabeth Appel als Hebammenſchülerin
ausgewählt. Es wurde erwogen, ob man nicht noch eine Frau als
Heb=
amme ausbilden ſolle. Gegen die ſtarke Sozialbelaſtung der Gemeinde
auf Grund der neuen Notverordnung wurde mit allen Stimmen, bei
einer Stimmenthaltung, Proteſt eingelegt. — Ein Geſuch des
Arbeiter=
ſportkartells um Zuſchuß für 20 Sportler zwecks Teilnahme an der
be=
vorſtehenden Arbeiterolympiade in Wien wurde an den zuſtändigen
Ausſchuß überwieſen. Eine Verſicherung gegen Einbruchsdiebſtahl ſoll
für die Gemeinde nicht erfolgen. Die Ergänzung des Ortsausſchuſſes
zur Fürſorge für Kriegsbeſchädigte und =Hinterbliebene wurde für die
nächſte Sitzung zurückgeſtellt. Unter Verſchiedenes wurde unter
ande=
rem die Lieferung von Nandſteinen zur Fußſteigherſtellung vergeben. —
Die Heugrasverſteigerung hatte ein Ergebnis von nur 1815,50
RM. gegen eine Taxation von 2643 RM. Trotz dieſer Mindereinnahme
wurde die Verſteigerung genehmigt.
b. Erbach, 24. Juni. Provinzialfeuerwehrtag in
Er=
bach. Aus Anlaß des Provinzialtages der Freiwilligen Feuerwehren,
der am kommenden Sonntag in Erbachs gaſtlichen Mauern ſtattfindet,
und anläßlich deſſen ſich alle Wehren der Provinz Starkenburg, ſowie
Abordnungen aus den umliegenden Ländern in Erbach ein Stelldichein
geben, nehmen wir Gelegenheit, uns in kurzen Zügen mit der
Ge=
ſchichte der feſtgebenden Wehr zu befaſſen. In Erbach ruhte bis zum
Jahre 1878 die Laſt des Feuerlöſchweſens wie überall auf der politiſchen
Gemeinde. Primitive Einrichtungen und geſetzlicher Zwang auf die
Pflichtfeuerwehrleute ließen natürlicherweiſe nichts Fruchtbringendes
entſtehen. Im genannten Jahre, fanden ſich einige Erbacher Bürger,
die Notwendigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr erkennend, zuſammen,
die mit einem Aufruf zur Gründungsverſammlung an die
Einwohner=
ſchaft herantraten. Es waren dies die Herren Buchdruckereibeſitzer
Chri=
ſtian Franz, Kaufmann A. Sachs, Fabrikant Mühlberger, Rentamtmann
Bickelhaupt und Forſtmeiſter Ihrig. Der jungen Wehr, die am 8. Mai
1879 gegründet wurde, traten auf den erſten Anhieb über 100 Mitglieder
bei. Der Voranſchlag für die Einrichtungen und Gerätebeſchaffungen
belief ſich auf 3549,53 RM. Dieſe Koſten wurden gemeinſam von der
Stadt, die 2500 RM. und der Standesherrſchaft Erbach=Erbach, die den
Neſt aufbrachte, getragen. Was bis zu dem Zeitpunkt der Gründung
der Freiwilligen Wehr geſetzlicher Zwang, von beſtimmten Altersklaſſen
verlangte, wurde durch freien Willen und durch den Idealismus der
Nächſtenliebe erſetzt, der in dem Wahlſpruch: „Einer für Alle,Alle für
Einen” zum Ausdruck kommt. So gaben ſich von einem Jahr zum
an=
deren, durch die Initiative der Wehr, Anregungen zum Ausbau der
techniſchen Mittel, die zur Leiſtungsfähigkeit und Schlagfertigkeit
er=
forderlich ſind. Dieſe Anregungen fanden durch die tatkräftige
Hilfe=
der Stadt Verwirklichung. So wurde im Laufe der Zeit ein moderner
Wagenpark. Handpumpen, eine große Leiter, die ausgezogen werden
kann und die in ihrer Höhe ſo berechnet iſt, daß ein Dachſtuhlbrand des
Schloſſes mit ihrer Hilfe wirkſam bekämpft werden kann, angeſchafft.
Hierzu kam in den letzten Jahren eine moderne Motorſpritze und eine
neue mechaniſche Leiter. Erſtere wurde gemeinſchaftlich durch
freiwil=
lige Gaben der Bevölkerung und durch einen Beitrag der Stadt, letztere
lediglich aus Mitteln der Feuerwehr angeſchafft. Die Wehr hat heute
über 400 Mitglieder, darunter 100 aktive. In ihr dienen Leute die
bereits ihr 20., 30., ja 40. Dienſtjahr hinter ſich haben. Von den
Grün=
dern iſt als einziger Herr Sattlermeiſter Wilhelm Rieſinger, der im
84. Lebensjahre ſteht, noch am Leben. Neben dem erſprießlichen
Zu=
ſammenarbeiten der Wehr mit der Stadtverwaltung muß auch
das=
jenige mit der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz
Erwäh=
nung finden. Viele junge Männer findet man als aktive Mitglieder
bei beiden Verbänden. In den letzten Jahren hat die Wehr eine Reihe
ſehr ſchwerer Aufgaben auf dem Gebiete der Feuerbekämpfung hier und
in den umliegenden Ortſchaften glänzend gelöſt. Die Geſchäfte des
Kreisverbandes werden von der Erbacher Wehr ſeit Jahrzehnten zur
vollen Zufriedenheit geführt. Sie kann, wie dies ja auch als Wehr der
Kreisſtadt ſein ſoll, ihren Brudervereinen zum Vorbild dienen. — Wir
gehen noch kurz auf das Feſt des Sonntags ein. Neben dem
Verbands=
tag, der am Samstag in der „Städtiſchen Feſthalle” ſtattfindet, verdient
beſonders die Feſtübung der Erbacher Wehr, die am Sonntag
vormit=
tag um 11 Uhr ſtattfindet, Erwähnung. Brandobiekt iſt das Erbacher
Nathaus mit den umliegenden Gebäulichkeiten. Die Wehr trägt
aus=
geſprochenen Schulcharakter und iſt insbeſondere den Pflichtfeuerwehren
des Kreiſes zu empfehlen. Für die Uebung wird ein Plan aufgeſtellt,
aus dem Einzelheiten erſichtlich ſind. — Der Feſtzug wird nachmittags
1.15 Uhr am Bahnhof und in den umliegenden Straßen aufgeſtellt. Bis
jetzt haben über 120 Wehren und Abordnungen ihr Erſcheinen zugeſagt.
Man rechnet im Feſtzug mit 3—4000 Feuerwehrleuten, zirka 15
Kapel=
len und ebenſoviel Spielmannszüge wirken im Feſtzug mit. Neu iſt
bei Feuerwehrfeſten die Wertung des Feſtzuges. Den preistragenden
Wehren werden von der Stadt Erinnerungsgaben überreicht. Gewertet
wird z. B.: Zahlreiches Erſcheinen. Haltung im Feſtzug.
Einheitlich=
keit der Uniformen u. a. m. Auf dem Feſtplatz, im ſtädtiſchen Sport=
und Erholungspark, findet man einen auserleſenen Vergnüngungspark:
Skotter=Selbſtfahrer der Firma Hugo Haaſe, Autobahn Einſchütz,
Kin=
derkaruſſells, Schaubuden und Verkaufsſtände werden jeden Beſucher
auf ſeine Rechnung kommen laſſen. Am Sonntag abend, nach Eintritt
der Dunkelheit, wird in nächſter Nähe des Feſtplatzes ein großes
Feuer=
werk abgebrannt. Das Arrangement desſelben iſt der bekannten
Feuer=
werkerei Günther in Darmſtadt übertragen. In der Feſthalle findet ein
großer Ball ſtatt. Der Montag wird nach dem traditionellen
Früh=
ſchoppenkonzert von einem großen Kinderfeſt ausgefüllt bei dem für
unſere Kleinen verſchiedene Ueberraſchungen warten. Wir ſind ſchon
heute der Ueberzeugung, daß das Feuerwehrfeſt 1931 für unſer
Städt=
chen eine erneute Fremdenwerbung größten Stils werden wird.
Ch. Hainſtadt (Kr. Erbach), 24. Juni. Unglücksfall. Die
Pro=
vinzialſtraße Hainſtadt-Landesgrenze iſt zur Zeit geſperrt und wird
dieſerhalb der Umbau der Straße vorgenommen. Zu dieſen
Umbauarbei=
ten fahren die hieſigen Landwirte abwechſelnd das Waſſer zu den
Ein=
ſchlemmarbeiten. Geſtern fuhr der Knecht des Landwirts Jakob Geiſt
und war mit einem geladenen Faß Waſſer unterwegs zur Bauſtelle,
wo=
bei er die Eiſenbahnlinie der Bahnſtrecke Höchſt—Aſchaffenburg
überfah=
ren mußte. Als er kurz vor 12 Uhr dieſen unbewachten Bahnübergang
paſſierte, wurde ſein Handpferd von der Maſchine des Zuges erfaßt und
zu Boden geſchleudert. Das Pferd erlitt Beinbrüche, ſo daß der
herbei=
gerufene Tierarzt Dr. Bauer von Höchſt nur die Abſchlachtung
anord=
nen konnte. Nur durch den Umſtand, daß der Waſſerwagen eine
Dreh=
ſcheibe hat, kann man von Glück im Unglück ſprechen, denn dadurch war
es dem Fuhrmann möglich, auf der Stelle zu drehen und ein größeres
Unglück zu vermeiden. Der Fuhrmann ſelbſt wurde vom Wagen
ge=
ſchleudert, kam aber im übrigen mit dem Schrecken davon.
— Gernsheim, 24. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
23. Juni 1,91 Meter, am 24. Juni 1,92 Meter.
Rheinheſſen.
Ah. Wackernheim bei Mainz, 24. Juni. Tödlicher
Motor=
radunfall. In einer Straßenkreuzung ſtieß der Motorradfahrer
Becker aus Wackernheim gegen einen Laſtwagen und wurde in hohem
Bogen, von ſeiner Maſchine geſchleudert. Er erlitt einen ſchweren
Schädelbruch und mußte ins Städtiſche Krankenhaus gebracht werden.
Dort iſt er kurz nach ſeiner Einlieferung geſtorben.
* Oſthofen, 24. Juni Tragiſcher Tod. Zwei Kinder hatten
nach dem Genuß von Kirſchen Waſſer getrunken. Es ſtellten ſich heftige
Schmerzen ein, an deren Folgen die Kinder geſtorben ſind. Ein drittes
Kind erlitt bei Strickhüpfen Darmperſchlingungen. Es ſtarb an den
Folgen.
Slimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaltion keineriei
Ver=
antwortung; für ſie bleißt auf Grund des 8 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem
Umfang=
der Einſender verantwortlich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden, Uönnen nicht
zurückgeſandt, die Ablehnung nicht begründet werden.
F. Siehe die heutige Meldung im politiſchen Teil.
jungen Gemuſe, alle Salate
gewinnen durch Zuſatz einiger Tropfen MAGGl‟ Wür.
ganz beſonders an Wohlgeſchmack.
Seite 8
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Nummer 179
kanadiſchen Hafen.
Blick auf den Hafen von St. John (Neu=Braunſchweig),
wo ein rieſiger Brand zahlreiche Speichergebäude und Schiffe vernichtete. Unter den verbrannten
Schiffen befindet ſich auch der Ozeandampfer „Empreß” der Canadian Pacific Line. Der Schaden
beträgt viele Millionen, man befürchtet auch Todesopfer.
Die neueſte Errungenſchaft der Luftfahrkkechnik.
Ein neues Kleinluftſchiff, das ohne Hilfe ſtartet und landet,
wurde in Mailand erbaut und vorgeführt. Das Luftſchiff, deſſen Motoren nur 150 PS
kann durch Druckluftzufuhr in die Kammern an Spitze und Heck in jede beliebige Richtung g
werden und kann ſo wie ein Flugzeug manövrieren.
Reich und Ausland.
Der Neſtor
der deutſchen chemiſchen Induſtrie.
Der am 27. Juni 1841 in der Rheinpfalz
geborene, zurzeit in Heidelberg lebende Senior
der deutſchen Chemie=Wiſſenſchaft Geheimer
Hof=
rat, Dr. phil., Dr.=Ing. e. h. Carl Glaſer,
feiert am 27. Juni 1931 ſeinen 90. Geburtstag!
Der Jubilar, ein Schüler von Liebig, trat zu
Beginn der 70er Jahre des vergangenen
Jahr=
hunderts in die Dienſte der damaligen Badiſchen
Anilin= und Sodafabrik in Ludwigshafen.
Nach=
dem er im Jahre 1879 ſtellvertretender Direktor
dieſes Unternehmens geworden war, wurde er
im Jahre 1883 in den Vorſtand dieſer Geſellſchaft
berufen, die ihm den großen Aufſchwung, den ſie
in den folgenden Jahrzehnten nahm, zu einem
guten Teil verdankt. Nach einem arbeitsreichen
Leben von faſt drei Jahrzehnten, wurde er dann
1895 in den Aufſichtsrat gewählt, deſſen
Vor=
ſitzender er von 1911 bis 1919 war. Nachdem
die ehemalige Badiſche Anilin= und Sodafabrik
mittlerweile in dem großen Unternehmen der
J.=G. Farbeninduſtrie, A.=G., aufgegangen iſt,
darf man auch Glaſer zu denjenigen Männern
zählen, die der deutſchen chemiſchen Induſtrie aus
verhältnismäßig kleinen Anfängen den Weg zur
wiſſenſchaftlichen und wirtſchaftlichen
Weltgel=
tung bereitet haben. Er erfreut ſich in den
Kreiſen dieſer Induſtrie allgemeiner Verehrung.
Von der Wagendeichſel durchbohrt.
Frankfurt a. M. Kurz vor dem
Forſt=
haus Mitteldick ereignete ſich vorgeſtern abend,
gegen 11 Uhr, ein ſchwerer Motorradunfall. Aus
der Richtung Walldorf kam der 34jährige
Ober=
wachtmeiſter Paul Heine, der der Frankfurter
Schutzpolizei angehört, mit ſeinem Motorrad;
im Beiwagen ſaß eine Bekannte von ihm. Aus
entgegengeſetzter Richtung fuhr mitten auf der
Straße ein Pferdefuhrwerk, das nicht beleuchtet
war. Heine ſtieß mit dieſem Fuhrwerk
zuſam=
men. Die Deichſel des Wagens drang ihm in
die Bruſt, ſo daß der Bruſtkorb völlig eingedrückt
wurde. Der Tod muß auf der Stelle eingetreten
ſein. Die Beifahrerin kam mit dem Schrecken
davon. Landjäger und das Ueberfallkommando
Offenbach nahmen die erforderlichen
Ermitt=
lungen an der Unfallſtelle auf. Oberwachtmeiſter
Hein, der kinderlos verheiratet war, gehörte ſeit
etwa acht Jahren der Frankfurter
Schutzpoli=
zei an.
Das erſte Porkrät von Goeihes Valer
aufgefunden.
Die Signalanlage in der DD.=Bank=Ueberwachungszentrale.
Links das „elektriſche Ohr” in einem Treſorraum.
Die 70 Berliner Filialen der DD.=Bank wurden mit elektriſchen Abhörvorrichtungen verſehen, die
das leiſeſte Geräuſch aufnehmen und durch Lautſprecher in der Zentrale verſtärken. Die
Ueber=
wachungsbeamten ſind ſo imſtande, genau zu hören, was in den Treſorräumen vorgeht.
Pferde durch kochenden Teer getötet.
Bad Homburg. Ein Fuhrwerk eines
Hom=
burger Fuhrunternehmers, das vom Steinbruch
Silberkippel kam, verlor auf der Saalburg=
Chauſſee die Bremsvorrichtung. Die Pferde
wurden von dem Wagen mitgeriſſen und
rutſch=
ten auf dem glatten Aſphalt die Straße entlang.
Dabei ſtießen ſie gegen mehrere, am
Straßen=
rand aufgeſtellte Teerkeſſel, die mit kochendem
Teer gefüllt waren. Das eine Pferd geriet mit
dem Kopf in die kochende Maſſe und wurde ſo
ſchwer verletzt, daß es ſofort erſchoſſen werden
mußte. Das andere Pferd wurde ſo ſchwer
ver=
brüht, daß es eingehen wird. Zufällig waren
die Straßenarbeiter zur Eſſenspauſe fort, ſo daß
weitere Verletzungen verhütet wurden.
Zum 50. Geburkskag des
General=
inkendanken Heinz Tiekſen.
Ein Kind vom Auto getötet.
Bad Homburg. Ein Homburger Ehepaar
zog mit einem Handwagen auf der Saalburg=
Chauſſee dem Walde zu. Die Leute gingen auf
der linken Seite, das fünfjährige Söhnchen ging
hinter dem Wagen her. Ein von Saalburg
kommendes Auto wollte den Leuten ausweichen,
nahm jedoch den Bogen etwas zu kurz. In dieſem
Augenblick ſprang der kleine Junge ſeitlich hinter
dem Wagen hervor und geriet unter das Auto.
Die Eltern hatten von dem Vorfall nichts
be=
merkt und fuhren zunächſt weiter. Der
Wagen=
führer bemühte ſich ſofort um das Kind, das
jedoch ſo ſchwere Verletzungen erlitten hatte, daß
es ſofort tot war.
Wegen Beleidigung des Wiesbadener Magiſtrats
verurteilt.
Ba. Wiesbaden. Wegen öffentlicher
Be=
leidigung des Magiſtrats und des
Bürgermei=
ſters Schulte wurden der Schriftleiter Caſſel
und der Schriftleiter der Wochenſchrift „Das
Wochenende” Battner, zu vier Monaten
Ge=
fängnis bzw. 500 RM. Geldſtrafe verurteilt.
„Das Wochenende” hatte verſchiedene Artikel
ge=
bracht, die ſich mit dem Etat der Stadt
Wies=
baden beſchäftigten, und die ſchwere
Beleidi=
gungen der Mitglieder des Magiſtrats,
insbe=
ſondere des Kämmerers und Bürgermeiſters
Schulte in Beziehung auf ihr Amt enthielten.
Die erſte Inſtanz hatte ein weſentlich milderes
Urteil gefällt und nur auf Geldſtrafen von 500
bzw. 200 RM. Geldſtrafe erkannt.
Heinz Tietjen,
der Generalintendant der preußiſchen
Staats=
theater, beging am 24. Juni ſeinen 50.
Geburts=
tag. Tietjen wurde 1925 von Breslau zum
Leiter der Berliner Städt. Oper berufen und
verſchaffte ſich binnen weniger Jahre im
deut=
ſchen Bühnenleben den Namen eines ſowohl
künſtleriſch wie verwaltungstechniſch
ausgezeich=
neten Führers.
Johann Kaſpar Goethe,
Goethes Vater, geb. 1710, geſt. 1782.
(Gemälde von Tiſchbein dem Aelteren,
ca. 1770—75 entſtanden.)
Dieſes Bildnis von Goethes Vater, dem
Kaiſer=
lichen Rat, wurde in Wiener Privatbeſitz von
dem Kunſthiſtoriker Prof. Abels=Wien entdeckt.
Es war im Beſitz von Goethes Schweſter
Cor=
nelia Schloſſer und ging ſpäter verloren. Bisher
waren von Goethes Vater nur ein
Relief=
medaillon und ein Gruppenbild bekannt.
Der eigene Sohn zündet das Haus
ſeiner Mutter an.
Trier. Nachts brach in dem Anweſen einer
Witwe in Losheim Feuer aus. Im Nu ſtand
das ganze Haus in Flammen. Trotzdem die
Orts=
feuerwehr bald zur Stelle war, gelang es nicht,
das Haus zu retten, das bis auf die
Grund=
mauern niederbrannte. Die Wehrleute mußten
ſich darauf beſchränken, die gefährdeten
Nachbar=
häuſer zu ſchützen. Später wurde bekannt, daß
der 24jährige Sohn der Witwe nach einer
Aus=
einanderſetzung mit ſeiner Mutter in
be=
trunkenem Zuſtand das Haus angezündet hat.
Nachbarn hielten den Täter ſolange feſt, bis
die Polizei ihn verhaften konnte.
Poſt und Cakiy
haben Wales überflogen.
London, 24. Jun:
Die beiden Flieger Poſt und Catty,
wie bereits gemeldet, in Neufundland zu eine
Ozeanflug aufgeſtiegen waren, haben um 19
Uhr Bangor in Wales überflogen und ibt
Flug in öſtlicher Richtung fortgeſetzt.
Nach Berlin unkerwegs!
London, 24. Jun
Die Flieger Poſt und Catty landeten
Seeland, in der Nähe von Cheſter, und ſutz
teten um 14.05 Uhr weiter nach Berlin.
Die amerikaniſchen Transozeanfliege
in Berlin.
Die amerikaniſchen Transozeanflieger P
und Catty ſind um 20,30 Uhr auf dem Flu
hafen Tempelhof glücklich gelandet.
Start der däniſchen Transozeanflieger,
Habour Grace.Die beiden däniſch
Flieger Hillig und Holris ſind zu ihrn
Transozeanflug nach Kopenhagen geſtartet.
Vier Todesopfer eines Tornados in Braſilic
Rio de Janeiro. Nach einer Meldunn
aus Porto Alegro iſt die Stadt Sao Luiz
Caceres von einem Tornado heimgeſucht wit
den. Vier Perſonen wurden getötet und 25 v
letzt. Im ganzen wurden 30 Häuſer zerſtört, un
ter deren Trümmern nach weiteren Opfern
ſucht wird.
Elf Todesopfer der Exploſion in Holtonheal
London. Die Exploſion in den Mari
werkſtätten von Holtonheath hat noch mch
Todesopfer gefordert, als aus den erſten MMl
dungen erſichtlich war. Bisher werden 11 Pi
ſonen als vermißt gemeldet, was ſoviel beſaget
will, daß ſie ſämtlich tot ſind. Verletzt wurd”
bei der Exploſion 19 Arbeiter, die meiſten
ihnen glücklicherweiſe nicht ſchwer.
Neue Rekordleiſtung der „Empreß of Britai/
New York. Der neue engliſche Rieſenl
dampfer „Empreß of Britain” der Canadi
Pacific Company, der auf ſeiner Jungfernfau)
von der franzöſiſchen Küſte nach Kanada und al
rück neue Beſtleiſtungen aufſtellte, hat ſeimi
eigenen Rekord überboten, indem er die Strei
Cherbourg—Quebec in vier Tagen 12½ Stundi
zurücklegte, alſo ſieben Stunden weniger ber)
tigte, als bei ſeiner erſten Fahrt.
Die Kra
derten eit
1 Obw
Zum 400. Todeskag
der Mukker Markin Luthers.
ſo ne (
M
Beſtechungsprozeß Günther=Marzahn.
Deſſau. Der Staatsgerichtshof für Anhalt
trat geſtern vormittag zur Verhandlung gegen
die ehemaligen Landtagsabgeordneten Günther=
Deſſau und Marzahn=Roßlau, die der Beſtechung
beſchuldigt ſind, zuſammen. Beide ſollen im
Zu=
ſammenhang mit ihrer Abſtimmung bei der
Ver=
pachtung der Anhaltiſchen Salzwerke an die
Preußag und den Bankdirektor Seyffert=Berlin
Geld erhalten haben. Die Vormittagsſitzung
wurde mit der Vernehmung des Günther
aus=
gefüllt. Günther mußte zugeben, von Seyffert
10 000 RM. erhalten zu haben, aber erſt Anfang
Oktober, während die entſcheidende Abſtimmung
über den Preußag=Vertrag ſchon Anfang
Sep=
tember ſtattfand.
Strafantrag wegen des Münchener Glaspalaſt=
Brandes.
München. Die Staatsanwaltſchaft
Mün=
chen I hat, wie die „Münchener Neueſten
Nach=
richten” melden, auf Grund der Feſtſtellung der
Polizeidirektion und des Gutachtens des
Vor=
ſtandes des Chemiſchen Inſtituts über die
Ent=
ſtehungsurſache des Glaspalaſtbrandes ein
Straf=
verfahren gegen den Malermeiſter eingeleitet,
der mit einem Gehilfen die Malerarbeiten kurz
vor dem Brandausbruch ausgeführt hat.
Margarethe Luther,
die Mutter Martin Luthers, ſtarb vor 400 Ja d
ren, am 30. Juni 1531. Unſer Bild ſtellt eime
Wiedergabe des berühmten Gemäldes von Luccb
Cranach dar, das jetzt im Lutherzimmer auf de-
Da bleibt das Geid der Aermſten.
Büroräumen leerſtehen, ſondern ganze Häuſer vom unterſten bis
Ein neuer Krankenkaſſen=Palaft.
zum oberſten Stockwerk mit „Sofort zu vermieten” beklebt ſind.
Geſchäftliches.
ſoziale Gedanke auf Abwegen. — Ortskrankenkaſſe baut ſich
mn Palaſt für fünf Millionen Mark! — Die Beträge der
Ver=
ſicherungspflichtigen und ihre Verwendung. — Kaſſen,moral”.
In den letzten Jahren ſind in zahlreichen Städten des Reiches
e Verwaltungsgebäude der Krankenkaſſen entſtanden, und
erall da, wo die Krankenkaſſen ſich ſelbſt ein Haus gebaut haben,
fſt nicht geſpart worden. Die Verwaltungsgebäude der
Orts=
kenkaſſen gehören zu den prächtigſten Neubauten vieler Städte.
Jetzt folgt die Ortskrankenkaſſe Berlin dieſem Beiſpiel: Sie
dereits dabei, ſich ein Verwaltungsgebäude zu bauen, das ein
licher moderner und komfortabler Prachtbau werden wird,
Bau ſelbſt koſtet — nach vorläufiger Schätzung — nicht
weni=
als fünf Millionen Mark. Und da man weiß, daß die
Koſten=
ranſchläge nie halten, was ſie verſprechen, ſo weiß man auch, daß
mit fünf Millionen hier nicht getan ſein wird.
Die Ortskrankenkaſſe baut ſich einen Palaſt, und das heißt
ſchts anderes als dies: Sie weiß offenbar nichts von der
tief=
roflichtenden Moral des Geldes der Allgemeinheit! Das Geld
Allgemeinheit verpflichtet zu gewiſſenhafter Verwendung für
Allgemeinheit. Aber dieſe ſelbſtverſtändliche und grundlegende
ſral des Geldes der Verſicherten iſt bei denen, die das Geld ver=
Fulten, unbekannt. Vom berechtigten Standpunkt dieſer Moral
s iſt die Verwendung von Beitragsgeldern zu anderen als den
erſicherten zugute kommenden Zwecken Unterſchlagung, nicht im
afrechtlichen, aber im ethiſchen Sinne.
Es iſt nicht das erſte Mal, daß man dieſen Vorwurf erheben
aß, aber es iſt das ſchwerſte Mal! Die ſtändig ſteigende Not, die
Notverordnungen ihren Ausdruck, aber nicht ihre Hilfe findet,
ſordert gerade in dieſer Zeit ſchwerſter wirtſchaftlicher Kriſis
ge ganz beſonders gewiſſenhafte und ſparſame Geldwirtſchaft.
tſere Zeit iſt bis an den Rand angefüllt von Not und Leid. Die
füt der Einzelnen ſchwoll furchtbar empor zur Not eines ganzen
klkes. Was der arbeitende Menſch verdient, fließt zu einem bis
5 Untragbare geſteigerten Teil in die Kaſſen eines durch
Tri=
iſte an den Rand des Abgrundes gebrachten Staates und —
gro=
ſsker Gegenſatz — in die Kaſſen der für das Wohl des Volkes
ſochaffenen Einrichtungen, aber dieſe Kaſſen ſind ſcheinbar bis
ſoden Rand gefüllt, und die überquellenden Mittel finden eine
Earvendung, die nicht denen zugute kommt, die aus ihrer
Bei=
ſtgsleiſtung einen Anſpruch auf dieſe Mittel haben.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Gelder der Verſicherten, die
ſh den Krankenkaſſen zuſammenfließen, mit Unkoſten verwaltet
ſerden müſſen. Es iſt verſtändlich und niemand nimmt daran
An=
iß, daß Berechnung, Einziehung, Buchung und Verwendung der
landehkWiträge einen teuren Apparat erfordern. Aber mit Recht wird
„yon ſeit langem der Vorwurf erhoben, daß die Krankenkaſſen
tilieger
uf dem
anflie
ind zu
in Bru
Iiſen Verwaltungsapparat nicht nach den Grundſätzen geſtalten,
ndie ungeheure Not der Zeit und der aus ihr geborene Ruf nach
füßerſter Sparſamkeit erheiſchen.
Die Verbitterung, die durch die Erkenntnis von der
unzeit=
ſonäßen Verwaltungsmaſchine der Krankenkaſſen entſtand, wurde
uh vertieft durch einen aus der Not unſerer Zeit entſtandenen
Eſtand: Der beitragzahlende Arbeitnehmer iſt nur in
beſchränk=
a Maße in der Lage, auch von den Vorteilen der
Sozialver=
ſerung Gebrauch zu machen, denn oft halten ihn
Pflichtbewußt=
ſen und der Gedanke an die mögliche Unſicherheit ſeines
Arbeits=
mhältniſſes davon ab, ſich krank zu melden und ſeiner Arbeit
en zu bleiben, um eine Krankheit zu kurieren, die vielleicht auch
ine dieſe Behandlung wieder einigermaßen vorübergeht.
Mil=
ſinen von Arbeitnehmern haben heute weder Zeit noch Mut zum
fankſein. Sie zahlen ihre hohen Pflichtbeiträge, aber ſie haben
ur in ſehr beſchränktem Umfange Möglichkeit und Gelegenheit,
Gegenleiſtung, die ihnen garantiert iſt, zu fordern.
Die Krankenkaſſe aber baut ſich aus den Beiträgen der
Ver=
ſterten einen Verwaltungspalaſt für fünf und mehr Millionen
lark. Obwohl — und das kommt gerade in dem Berliner Fall
ir erſchwerend hinzu — in dem Stadtteil, in dem ſich die
Kankenkaſſe ihren Hochſitz baut, nicht nur ganze Stockwerke mit
Millionen von totem Geld ſtecken in den Tauſenden von
leer=
ſtehenden Räumen. Aber ſtatt hier einen Ausgleich zu ſchaffen,
wird dieſe Not noch vergrößert, indem ſich die Krankenkaſſe ein
neues Verwaltungsgebäude baut, als gäbe es nichts Wichtigeres!
Man hat für die Art und Weiſe, mit der die Kaſſen ihre
Herr=
ſchaft ausüben, nicht ohne Grund das Wort Bonzokratie geprägt.
Wie weit entfernt dieſes Bonzentum von den Erforderniſſen
un=
ſerer Zeit und von der Not unſerer Tage iſt, zeigt ſich wiederum
in dieſem Verwaltungsſchloß. Daß zwiſchen dem Bonzentum und
dem Volke keine andere Beziehung beſteht als nur eine ſehr
ein=
ſeitige des Geldes, das wird in dieſem Palaſtbau ſeinen
ausdrucks=
vollen Beweis finden. Daß dieſe einzige Beziehung zwiſchen dem
zahlenden Mitglied und dem Vereinsvorſtand nur einſeitig iſt, das
wird bewieſen durch dieſe Verwendung der Beiträge!
Man kann ſich des Eindrucks nicht erwehren, als hätten die
Kaſſenbonzen vergeſſen, daß die Inſtitutionen, die ſie verwalten,
nicht Selbſtzweck ſind, ſondern dem Wohle des Volkes zu dienen
haben. Daß ſie nur geſchaffen worden ſind, um der
Volkswohl=
fahrt zu dienen. Und aus dieſer ihrer wahren Zweckbeſtimmung
ergibt ſich auch die Verpflichtung, die einfließenden Millionen im
Intereſſe derer zu verwenden, die dieſe Millionen aufbringen. Die
große Maſſe der Aermſten mit ſchmalem Verdienſt zahlt die
Bei=
träge, im Innerſten darauf vertrauend, daß es zum eigenen Wohle
geſchieht. In den Verwaltungspaläſten der Krankenkaſſen aber
wird das Geld „angelegt”. Und da man weiß, welche Nebenkoſten
ſolch ein Bau verurſacht — Koſten, die nicht den Baumarkt
be=
leben, ſondern nur Einzelnen (vermutlich nicht Beitragszahlenden)
zugeworfen werden —, weiß man auch, daß ſich der Bauherr
nicht auf die notwendige Belebung des Baumarktes berufen kann,
ſich nicht hinter dieſer Ausrede verſchanzen kann.
In unſere Zeit der Not und Notverordnungen paßt ein ſolcher
Bau von mehr als fünf Millionen Mark nicht hinein. Es iſt ein
Wahnſinn und widerſinnig, heute ſolche Verwaltungsſchlöſſer zu
bauen. Schon dies allein müßte Grund genug ſein, auf ſolche
Bau=
ten zu verzichten. Wenn aber außerdem das Geld für den Bau
denen entzogen wird, die durch ihre Beitragsleiſtung Anſpruch
darauf haben — ſei es in Form von Leiſtungen der Kaſſe oder
aber ſei es in Form der Herabſetzung der Beiträge —, dann iſt
ſolch ein Bau nicht nur widerſinnig, ſondern ſogar ein Verbrechen
an der zahlenden Arbeitnehmerſchaft! Wenn die Krankenkaſſen
— trotz ihrer teuren Verwaltung — in der Lage ſind, ſolche
un=
geheuren Ueberſchüſſe zu machen, daß ſie ſich zur Unzeit Paläſte
davon bauen, dann muß es auch möglich ſein, Härten zu mildern
und entweder die Leiſtungen zu erhöhen oder die Beiträge
herab=
zuſetzen.
Das Geld, das Millionen von Arbeitnehmern in die Kaſſen
der Krankenkaſſen tragen, iſt für die Beitragszahler da. Wird es
nicht ſür die, denen es zukommt, verwendet, ſo wird den
Berech=
tigten das Ihrige mißbräuchlich entzogen, d. h. es wird ihnen
unterſchlagen. Es zeigt ſich, daß die ganze Organiſation der
So=
zialverſicherung einen Grundfehler hat: Sie iſt nicht elaſtiſch. Sie
paßt ſich weder den Erforderniſſen der Zeit an noch den eigenen
Gewinnen! Sie fordert ſtarr in guten und ſchlechten Zeiten
die=
ſelben hohen Beiträge. Der unelaſtiſchen Organiſation fehlt die
einfache und für jeden Privatbetrieb und jeden gemeinnützigen
Betrieb ſelbſtverſtändliche Gewinnausſchüttung an die, die das
Geld aufbringen.
Der Arbeitnehmer, der dafür zahlt, daß Paläſte gebaut
wer=
den, darf ſich angeſichts ſolcher notfremden und gefühlloſen
Provo=
kation durch die Bonzokratie auflehnen gegen den Fehler in der
Organiſation. Und es wird hohe, höchſte Zeit, daß dieſe
Inſtitu=
tionen der Volkswohlfahrt nun endlich auch dem Volke zu dienen
beginnen. Eine Notverordnung, die die ſtarre Organiſation des
Pflichtkrankenkaſſenweſens elaſtiſcher geſtaltet, könnte manche Härte
erträglicher geſtalten, die andere Not und Notverordnungen erſt
geſchaffen haben. Wo bleibt die Umgeſtaltung des
Krankenkaſſen=
weſens zu einer wirklich und wahrhaft ſozialen Einrichtung?
Otfried Blau.
Menſch oder Puppe? Das bekannte Schuhhaus
Conrad Tack u. Cie, G. m. b. H., veranſtaltet am 25. Juni
und 26. Juni eine Modenſchau. Dieſelbe wird jedoch nicht wie
üblich durch Mannequins ſondern durch eine Puppe vorgeführt,
die infolge ihrer mechaniſch exakten Bewegungen überall
berech=
tigtes Aufſehen erregt hat und Zweifel aufkommen ließ, ob es
ſich bei der Puppe um einen Menſchen oder um mechaniſches
Wunderwerk handele. Man darf daher dieſer Senſation mit
größ=
tem Intereſſe entgegenſehen.
Aus Bädern und Kurorken.
Lich, „die Perle der Wetterau!”
Dieſe gern beſuchte, althiſtoriſche Stadt bietet viel
Sehens=
wertes. Der 58 Meter hohe trotzige Stadtturm beherrſcht die an
landſchaftlichen Schönheiten ſo wald= und höhenreiche Umgebung.
Daneben ſteht die Marienſtiftskirche, welche mit künſtleriſchen und
geſchichtlichen Denkmälern ausgeſtattet iſt. Das im 30jährigen
Krieg erbaute „Textor”=Haus zeigt Holzſchnitzereien ſeltenſter
Schönheit. Das fürſtliche Schloß mit ſeinen Kunſtſchätzen iſt von
dem herrlichen Schloßpark umgeben. Merian beſchreibt ſchon Lich:
„Licha iſt ein luſtiges Gräfflich Solmiſches Stättlein an der
Wet=
ter gar ſchön gelegen. — Nicht gar ein halb Meyl wol zu ſehn das
ſchöne eloſter Arnspurg.” Und heute? Modern eingerichtete
Gaſtſtätten wie Privatlogis — auch Gelände für
Wochenend=
häuschen — ſtehen Erholungsſuchenden und Wochenendnehmenden
zur Auswahl. Darum auf nach Lich! Gerne ſendet der Verkehrs=
und Verſchönerungsverein Lich koſtenlos Proſpekte an
Inter=
eſſenten.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 25. Juni.
7.30: Bad Kreuznach: Frühkonzert des Kurorcheſters.
15.20: Stunde der Jugend: 1. Wie baue ich mir ein Flugzeug? —
2. Hörbericht aus dem Flughafen.
16.30; Nachmittagskonzert des Funkorcheſters.
18.15: Regierungsrat Dr. jur. Geis: Die Einheitsbewertung und
Vermögensſteuerveranlagung 1931.
18.40: Zeit. Programmänderungen.
18.45: Dr. Richter: Das moderne Auskunftsweſen und der
Welt=
handel.
19.15: Dr. Simon: Staatsverantwortung und Staatsgeſinnung.
19.45: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorcheſters. Mitw.: Max
Menſing (Tenor), Jazzkapelle des Funkorcheſters.
20.30: Der fremde Muſikant. Muſikaliſches Volksſtück von Noether.
21.30: Kompoſitionsabend: Clemens Schmalſtich. Ausf.:
Philharmo=
niſches Orcheſter Stuttgart. Soliſtin: Berta Gunderloh (Sopran).
22.50: Köln: Tanzfunk der Kapelle Harry Head.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Donnerstag, 25. Juni.
10.10: Schulfunk: Mit dem Mikrophon am Bienenſta
14.50: G. Lapper: Deutſch für Ausländer.
15.45: Frauenſtunde: Selbſthilfe im Haushalt.
16.00: Reg.=Rat Dr. Völger: Aus dem Zentral=Inſtitut für
Er=
ziehung und Unterricht. Die Arbeit der Bildſtelle.
16.30: Berlin: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Mersmann: Hausmuſik.
18.00: G. Müller: Konjunkturbeobachtung im Dienſte des
prak=
tiſchen Kaufmannes.
18.30: Prof. Dr. Mildbraed: Botaniſches für die Reiſezeit.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00: Engliſch für Fortgeſchrittene.
19.30: Ob.=Landw. Rat Dr. Meißner: Aufgaben und Ziele des
deutſchen Tabakbaues.
19.50: Wetter für die Landwirtſchaft,
20.00: Abendmuſit des kl. Orcheſters des Weſtdeutſchen Rundfunks.
Soliſt: Heinrich Penſis (Violine).
21.00: 1. Nachbarn oder der Mord in der Friedrichſtraße. Hörſpiel
von A. Uzarſfi. — 2. Frau Klömperkamp zieht um. Ein Akt
von Hans Müller=
Schlöſſer=
anſchl. Preſſenachrichten.
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Harry Head.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltlk und Wirtſchaft: Rudelf Maupe: für Fenllleion, Reich um
Ausland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
ſür den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer ifar
„Die Gegenwart”, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilugen: Willv Kuble.
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
Copyright by Ernſt Keils Nachf. (Aug. Scherl), G.m.b.H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
„Ein Glück für Sie, daß die Sache ſo ablief, Kollege
Schapp=
ann! Glaub' gern, daß er ſonſt mächtigen Skandal gemacht
ſtte. Na, proſt!“
Schappmann hatte ſich eine friſche Pfeife geſtopft. „War da
ich ſo’ne Geſchichte heute . . . Ging mich ja weiter nichts an,
der ſchön war’s nich.”
„So: Na — erzählen Sie mal Kollege!”
„Wie ick da durch die Unterführung zu Doktor Stange gehe,
immen mir zweie aus der Montageabteilung entgegen. Auf
ein=
al — es war ſcheußlich anzuſehen — knallt der eine auf den
Pphalt hin, als ob ihn ne Granate umgeſchmiſſen hätte.
Zap=
ut mit den Armen und den Beinen, hat Schaum vorm Mund.
er andere hebt ihm den Kopf hoch, blökt mich an: „n Glas Waſſer!
chnell — ſchnell!” Ich ſeh’ mich um. Denke: Halt, auf dem Hof is
der Brunnen! Sauſe los, mach den Blechbecher voll und bring”
n hin. Und nu preßt der eine Monteur dem Krampfbruder die
ihne auseinander und pumpt ihm den ganzen Becher rin. Na
der macht die Augen auf, und denn wurde er ruhiger. Und
in ging ich weiter.”
„Aber wieſo? Ging denn das ſo leicht? Der Becher hängt doch
einer ſtrammen Kette, damit die Lehrjungen keinen Unfug
tiben."
„Nee, Kollege, das ging gar nicht leicht. Mußte ne ganze
eit würgen, eh ich das Ding los hatte.”
„Aber dabei hätte Ihnen am Ende doch was aus der Mappe
utſchen können?"
„Nee!” ſagte Schappmann, überlegen lächelnd. „Det hatt’ ick
ſon vorher bedacht. Die Mappe nahm ick ja gar nich auf den
hf mit. Die hatt ick bei die Monteure da an die Wand geſtellt.”
Wittebold, der Schappmann ſtillvergnügt zugehört hatte,
urde plötzlich ernſt. „Kannten Sie denn die Monteure?‟
„Kann mich nicht erinnern. Die blauen Affen ſehn ja einer
s wie der andre. Det heißt, der Krampfbruder, der hatte ſo
en ſchwarzen Spitzbart.”
Wittebold trank den letzten Reſt ſeiner Bierflaſche und wollte
chen.
„Na”, ſagte Schappmann, „wenn Sie morgen mit auf die
2gelbahn kommen, denn werden Sie woll eenen ausgeben müſſen.
om Packer bis zum Laboratoriumsdiener — det is en mächt ger
brung!"
„Wird gemacht, Kollege!"
Witebold ging in ſein Zimmer. Lange konnte er keinen Schlaf
ſoen. Grübelte über Dinge, die ihn doch eigentlich nichts
an=
ſichen. Denn was hatte ſich ein Laboratoriumsdiener um den
ſerbleib einer Aſpirin analyſe zu kümmern?
Am nächſten Mittag, kurz vor Beginn der Nachmittagsſchicht,
9 Wittebold in die Packerei, wo er bis vorgeſtern gearbeitet
e; und ſuchte ſeinen früheren Kollegen Embacher auf. Nach
Fedigung der deutſchen Rennſaifon fanden ſich in Rieba noch
genug unverbeſſerliche Wettratten, die ihr Geld in
Auslandswet=
ten riskierten. Als Mittelsmann diente Embacher. Doch
Witte=
bold hegte einen ſonderbaren Verdacht, um deswillen ihn ſeine
Kollegen wohl ausgelacht hätten. Er war überzeugt, daß
Em=
bacher die Wetten manchmal ſelber verrechnete; denn er hatte
ſchon ein paarmal Gewinne ausgezahlt, die auf poſtaliſchem
Wege ſo ſchnell gar nicht von Paris nach Rieba gelangt ſein
konnten.
„Schnell, Embacher! Haben Sie Ihre Aufträge abgeſchloſſen?
Iſt der Brief nach Paris ſchon weg?"
„Noch nicht. Was wollen Sie denn wetten?”
Wählen Sie für hr Kind Kufeke u. frische Mich!
Si.4
dann Mühe, Sorge. Geld
„Fünf Mark auf Le Prince‟. Wie ich hörte, ſoll der jetzt
endlich kommen!“
Embacher nickte, griff in die Taſche und holte einen Brief
heraus. Aus dem ſchon fertig adreſſierten Umſchlag zog er einen
Bogen, auf dem eine Reihe von Wettaufträgen verzeichnet war.
Schrieb die neue Wette unten an.
Wittebold deutete auf die Fabrikuhr. „Iſt aber höchſte Zeit,
daß er wegkommt! Soll ich ihn gleich mitnehmen?”
Embacher klebte den Brief zu und gab ihn Wittebold. „Ja.
Stecken Sie ihn in den Kaſten!” Und beim Weggehen rief er
ihm noch nach: „Heut abend! Alle neune! Nicht vergeſſen!“
Wittebold begab ſich zum Hauptgebäude, wo ein Briefkaſten
hing, und machte ſich an der Einwurfsöffnung zu ſchaffen. Ging
dann weiter in ſeinen Dienſt. —
Am ſelben Abend machten ſich Schappmann und Wittebold
ſchon ziemlich früh auf den Weg nach ihrem Stammlokal bei
Max Neſtler. Als ſie eintraten, ſaß dort bereits Embacher mit
einem Fremden zuſammen. Der erhob ſich beim Erſcheinen der
zwei und verſchwand.
Wittebold und Schappmann ſetzten ſich an Embachers Tiſch.
„Ein bißchen früh heut abend”, ſagte der. „Vor iner halben
Stunde wird’s wohl nicht losgehen. Eh ſe alle zuſammen ſind.."
„Spielen wir inen kleinen Skat!” ſchlug Schappmann vor.
„Max, bring mal die Karten!” Er nahm das Spiel und begann
zu miſchen. „Embacher ſchreibt — das hat er raus!”
Der Packer griff in die Bruſttaſche, zog allerhand Papiere
heraus und ſuchte nach einem brauchbaren Blatt.
Schappmann legte ihm den Haufen zum Abheben hin. „Du
haſt da ſon ſchönes, großes Kuvert! Nimm doch das! So lange
ſpielen wir ja doch nich!”
Embacher nahm den Inhalt aus dem Kuvert und ſchob ihn
mit den anderen Papieren wieder in die Taſche. Wittebold, der
gegenüberſaß, hatte das Geſicht ſcheinbar zu Schappmann
ge=
wendet, hielt aber den Blick ſcharf auf Embachers Hände
ge=
richtet. So ſah er, wie der Inhalt des Kuverts, den Embacher
ſchnell wegſteckte, wieder ein Umſchlag war, auf dem eine
fran=
zöſiſche Briefmarkte klebte.
Allmählich kamen die anderen Kegelbrüder. Embacher
rech=
nete aus: „Wittebold hat dreißig Pfennig verloren!” Und riß
das Kuvert, worauf er geſchrieben, in Stücke, die er unter den
Tiſch warf.
Während ſich alle auf der Kegelbahn verſammelten, ging
Wittebold noch einmal zurück. Sagte zum Wirt: „Hab’ meinen
Bleiſtift vorhin verloren!‟ Er beugte ſich unter den Tiſch und
nahm unbemerkt die Teile des zerriſſenen Umſchlags auf.
Schlen=
derte dann wieder nach hinten.
Von kräftigen Fäuſten geſetzt, donnerten die Kugeln über
die Bahn. Das Beförderungsfäßchen von Wittebold trug nicht
wenig zur Hebung der Stimmung bei. Embacher war, wie
immer, der Matador. Keiner ſchob ſo viele Neunen wie er. Um
ſich’s bequemer zu machen, legte er jetzt, wie die meiſten ſeiner
Kameraden auch, ſeinen Rock ab, hängte ihn an die Hinterwand
des Zimmers und kegelte in Hemdsärmel weiter. Wittebold
folgte ſeinem Beiſpiel und hängte ſeinen Rock daneben.
Als Embacher mal hinausgegangen war, machte ſich
Witte=
bold an ſeinem Rock zu ſchaffen. Dabei glitten ſeine Finger in
die Nachbartaſche. Bald hatten ſie das Kuvert mit der
fran=
zöſiſchen Marke erfaßt. Flink bugſierte Wittebold den fremden
Brief in ſeine eigene Taſche, warf den Rock über und verließ
ebenfalls den Raum.
Er ſchloß ſich in der Toilette ein, öffnete den Brief und las
den Inhalt, indem er gleichzeitig die Worte auf ein Stück
Papier ſtenographierte. Dann eilte er zurück und hängte ſeinen
Rock an die alte Stelle; der Brief wanderte wieder unbemerkt
in Embachers Taſche. Wittebold trat gerade zurück, als
Schapp=
mann ſeinen Namen zum Kegeln aufrief.
Wittebold warf ſo ungeſchickt, daß Schappmann, zu deſſen
Partei er gehörte, ihm einen grollenden Blick zuſchleuderte. „Na
— nu ſind wir verraßt! Det hat uns gerade noch gefehlt: zwei
Holz ſchmeißt der Menſch!”
Und noch öfter im Laufe des Abends mußte Schappmann
ſeinem Mieter den Vorwurf machen, er kegle ja unter aller
Sau ..
Als ſie beide dann zuſammen nach Hauſe gingen, kamen ſie
am Werk vorbei. Schappmann deutete nach Fortuyns Zimmer.
„Na — iſt der aber fleißig heut abend! Hat ja noch Licht da
oben. Will ſich wohl jetzt doppelt auf die Hoſen ſetzen? Von
wegen die Konkurrenz?”
Fortuyn war mit Frl. Dr. Gerland beſchäftigt, eine Reihe
von Schriftſtücken in einer großen Ledertaſche zuſammenzupacken.
„So, das wäre wohl alles”, ſagte er. „Dieſe Sachen da” — er
deutete auf einen Stoß, den Tilly vor ſich hatte — „müſſen
lei=
der hierbleiben, da ſie im Labor doch hin und wieder verlangt
werden könnten. Ich möchte es, wie geſagt vorläufig vermeiden,
von unſern verſtärkten Hausarbeiten viel bekannt werden zu
laſſen.”
(Fortſetzung folgt.)
Seite 10
Donnerstag, den 25. Juni 1931
Nummer 174
Sisslsdd dosAat
Darmſtädter Studenten waren die Vertreter der Techniſchen Ho 5
ſchule Braunſchweig. Darmſtadt lag bei der Pauſe zwar zu
mit 2:1 in Führung, konnte aber dann nach Wiederbeginn faſt ſoube-a
das Feld beherrſchen und ſchließlich mit 8:2 gewinnen. Bei
Darmſtädter Mannſchaft war die ausgezeichnete Verfaſſung der Sttu
merreihe ausſchlaggebend, während bei Braunſchweig Verteidigung —n
Torhüiter verſagten.
50. Gaukurnfeſt des Main=Rhein=Gaues
der Zeutſchen Zarnerſchäft.
Gerau, welches im Vorjahre den erſten Sieger in Seligmann
ſtellte, muß auf deſſen Mitwirkung Verzicht leiſten und ſo die
Kraftſpork.
Ehre einem anderen überlaſſen Tgm. Darmſtadt, Rüſſelsheim,
Aus dem 2. Kreis D.A. S.V. 1891.
12. wan Srauemärnen i Griesheiln.
Wer wird Sieger?
Am 27. und 28. Juni 1931 begeht der Main—Rhein=Gau in
Griesheim bei Darmſtadt das 50. Gauturnfeſt und verbindet
da=
mit gleichzei tig das 12. Gau=Frauenturnen, ſo daß dieſe Doppel=
veranſtaltung eine Groß=Turnſchau zu werden verſpricht, wie ſie
innerhalb des Gaues noch nicht veranſtaltet wurde. Auf
hervor=
ragender Stätte, dem neuen Sportgelände der Turnerſchaft
Gries=
heim, werden ſich am kommenden Samstag und Sonntag
turne=
riſche Kämpfe abwickeln, die mit großer Spannung erwartet
werden.
Die Turnfolge ſieht zunächſt am Samstag nachmittag
die Kämpfe der Altersturner vor. In drei Klaſſen eingeteilt,
werden ſich die Aelteren vom 35. Lebensjahre ab, bis ſolche ins
hohe Alter hinein, dem Leiſtungsturnen unterziehen. Ein
Neun=
kampf beſtehend aus ſechs Geräte=, einer Frei= und drei
Volks=
turnübungen, wird in den Altersklaſſen beſtritten. In der
jüngeren Klaſſe, in der noch überragende Leiſtungen geboten
wer=
den, ſollte man dem vorjährigen Sieger W. Kunz=Darmſtadt
(Tgſ.) wieder die Siegesausſichten einräumen können. Doch hat
ſich ebenfalls Scherer=Heppenheim, der zweite Sieger vom
Vor=
jahre, in die Bewerberliſte eingetragen und wird er verſuchen,
diesmal dem Darmſtädter den Sieg ſtreitig zu machen. Aehnlich
liegen die Verhältniſſe in der zweiten Altersklaſſe, wo
Wied=
maier=Griesheim den vorjährigen Sieg, welchen er mit
verhält=
nismäßig hohem Punktvorſprung ſicherſtellte, wiederholen will.
Ob diesmal das Können des zweiten Siegers vom Vorjahre,
Remſpecher=Dieburg, ausreicht, erſtgenanntem den Rang ſtreitig
zu machen, dürfte jedoch ſehr zweifelhaft erſcheinen. Vor
Ueber=
raſchungen iſt man im Turnen allerdings nicht immer verſchont
geblieben. In der dritten Altersklaſſe dürfte es in dieſem Jahre
eine Ablöſung in der Rangfolge geben. Hier hat ſich Schneider=
Darmſtadt (Tgſ.) in die Reihe der Wettkämpfer geſellt, und dürfte
er ſeine Mitbewerber beſonders im Geräteturnen, bei weitem
überragen, ſo daß er eine Klaſſe für ſich gelten kann. Während in
den beiden erſten Altersklaſſen ſich die Teilnehmer im einzelnen
auf die Gauvereine verteilen, ſtellt in der dritten Klaſſe die
Turn=
gemeinde Darmſtadt mit 9 Teilnehmern die ſtärkſte
Beteiligungs=
ziffer.
Nach den Wettkämpfen der „Alten” finden die Kampfrichter=
und Riegenführerſitzungen für das Hauptturnen am Sonntag in
verſchiedenen Lokalen des Feſtortes ſtatt. Rechnet man ſchon die
ſtattliche Zahl der Kampfrichter von 135 im Männer= und 70 im
Frauenturnen, die zur Beurteilung der Kämpfe benötigt werden,
ſo wird erſt die Größe dieſer Turnveranſtaltung veranſchaulicht.
aber auch Babenhauſen und Walldorf ſtellen hier gleichwertige
alte Kämpen ins Feld, das heißt, wenn es nicht dem Nachwuchs
vorbehalten bleibt, nach dem erſten Siegerkranz zu greifen. Im
Zehnkampf treten alte Könner gegenſeitig in den Wettbewerb.
Benz=Rüſſelsheim, der ſchon traditionelle Sieger des Zehnkampfes,
dürfte auch diesmal als der Ausſichtsreichſte gelten. Darmſtadt
(Tgm.), Babenhauſen und Nieder=Ramſtadt ſtellen die Rivalen.
Außerordentlich ſchwer iſt es vorauszuſagen, wer in der
Ober=
ſtufe (Zwölf, und Zehnkampf) den Sieger ſtellen kann. Oft
ent=
ſcheidet im Geräteturnen eine Hundertſtelſekunde Verzögerung den
Sieg oder die Niederlage; ein Griff, der um einen Zentimeter zu
weit nach rechts oder links geht, zieht oftmals den Mißerfolg nach
ſich. Unter ſolchen Vorausſetzungen ſetzt ſich Kampferfahrung oder
auch vielleicht Glück durch. Wollte man nach den vorjährigen
Er=
folgen der Bewerber urteilen, ſo ſollten im Zehnkampf Schäfer=
Arheilgen und Kuhn=Darmſtadt (Tgſ.), im Zwölfkampf Bauer=
Eberſtadt und Hofmann=Eberſtadt an der Spitze marſchieren. Doch
ſind die Verhältniſſe bei einzelnen Kämpfen verſchieden geweſen,
und auch die Kampfgerichte ſind ganz beſtimmt in jedem Fall vor
ganz beſondere Tatſachen geſtellt. Alſo auch in der Oberſtufe
dürf=
ten Enttäuſchungen zu erwarten ſein. Noch ſchwieriger geſtalten
ſich die Vorausſagen für die Mittel= und Unterſtufe der Turner,
Erfreulich iſt der Zuwachs, der in dieſen beiden Stufen zu
ver=
zeichnen iſt. Mögen die Würdigſten und Beſten auch in den
Un=
terklaſſen den Siegerkranz erringen.
Und nun noch die Jugend, die nicht vergeſſen möge bleiben.
Griesheim und Weiterſtadt iſt hier zahlenmäßig am ſtärkſten
ver=
treten, und wenn nicht alles täuſcht, dürften dieſe beiden Vereine
auch an der Spitze der Sieger marſchieren. Auch in der Jugend
hat ſich die Teilnehmerzahl gegen das Vorjahr erhöht, ſo daß der
Nachwuchs für den Gau und vieler ſeiner ihm angehörenden
Ver=
eine als geſichert gelten kann. Aller Vorausſicht nach wird es in
allen Klaſſen einen heißen, bis ins letzte packenden Kampf geben,
der eine teils langjährige oder eifrige Uebung ebenſoſehr zur
Vor=
ausſetzung hat, wie freudige Arbeit eines jeden Wettkämpfers an
ſich ſelbſt.
Der Kampf um die deutſche Einzelmeiſterſchaft im Stemmen un
Ningen, der in dieſem Jahre in anderer Form ausgetragen wird,
jetzt überall entbrannt. Jedoch drückt auch dieſer Form des Austragnu
die Zeit ihren Stempel auf. So können aus finanziellen Gründen n=ich
alle Teilnahmeberechtigten ſich zu dieſen Kämpfen ſtellen, und ſo iſt
zu verſtehen, daß nur erſtklaſſige Bewerber antreten. Die Sieger die
Kämpfe werden am Schluſſe unter ſich die deutſchen Meiſterſchaften a—s
tragen. Die Mannſchaftsmeiſterſchaften nehmen unbeſchadet diee
Kämpfe ihren Fortgang.
Einen ſehr ſchönen Erfolg brachten am vergangenen Sonntag
Ausſcheidungskämpfe um die deutſche Einzelmeiſterſchaft der Grup
Weſtdeutſchland in der Leichtgewichtsklaſſe Ringen und Stemmen. W=eiu
auch von 18 uns zuſtehenden Teilnehmern nur 5 am Start waren,
konnten ſie ſich glänzend behaupten. Seligmann=Frankfurt
wurde mit 525 Pfund zweiter weſtdeutſcher Meiſter hinter Leſſen
Köln mit 530 Pfund. Im beidarmigen Stoßen hätte er unbedingt m
etwas herausholen können. Mayer=Weiſenau blieb mit 505 Pd
4. Sieger. Im Ringen errang Joh. Ohl=Groß=Zimmern mit 2
Sc=
ter= und 2 Punktſiegen vor Schwarzkopf=Koblenz den Titel weſtdeutſch,
Meiſter. Der Sieg über Schwarzkopf war allerdings ein ganz knavs=
Ueberraſchend gut und ſich die Gunſt des Publikums erringend.
kämpfte ſich Schanz=Pol. Darmſtadt auf den 4. Platz. Kaurg
Weiſenau hielt ſich ſehr gut, mußte aber die Ueberlegenheit ſeiner G=A
ner anerkennen. Im Freundſchaftstreffen 88 Mainz gegen Hanau ſie g
Mainz mit 15:3. Hanau trat mit Erſatz an. 4 Kämpfe über die Bi
ſind jedoch ein Zeichen für die Schärfe des Kampfes.
Henſalion im Hamburger Ausgleich.
Auch der vorletzte Renntag der Derbywoche in Hamburg=Hsi
brachte hinſichtlich der Derby=Kandidaten noch immer nicht die erwarkt
Klärung Faſt durchweg wurden die Derbypferde von den Vertreten
älterer Jahrgänge geſchlagen. Die Nennen ſelbſt waren bei dem trüb g
regneriſchen Wetter nur mäßig beſucht. Das Hauptereignis des Tags
war der mit 10 000 Mark dotierte Hamburger Ausgleich, der über 32
T. H. Darmſtadk im Handball=Finale.
Univ. Köln — T. H. Darmſtadt 5:8.
teänudg in Form eines Konmeres im Feckeli ſait.
Die Hauptkämpfe der Turner beginnen am Sonntag
vormittag 8. 30 Uhr. Vor allem dürfte ſich das
Hauptinter=
eſſe den höheren Stufen und Klaſſen zuwenden. Wer wird hier
den Sieger ſtellen? Das iſt die Frage, die ſich immer wieder in
den Vordergrund der Intereſſen ſtellt. Wohl reicht in der
Son=
derklaſſe und Oberſtufe die Beteiligung nicht an diejenige des
Vorjahres heran, um ſo mehr aber vereinigen ſie wohl in ſich die
beſte Klaſſe der Geräteturner des Gaues. Zunächſt der
Zwölf=
kampf. Hier ſtehen 15 Turner im Kampfe um den Sieg. Groß=
Anſchließend an das Hockehſpiel fand in Marburg geſtern das
Vor=
ſchlußſpiel der Deutſchen Hochſchulmeiſterſchaft im Handball ſtatt.
Darm=
ſtadt übernahm von Anfang an die Führung und legte durch Leonhard
2 Tore vor. Nachdem Köln ein Tor aufgeholt hatte, liefen die
Darm=
ſtädter zu großer Form auf und erzielten bis zur Pauſe in regelmäßigen
Abſtänden noch 4 Treffer. Nach der Pauſe verlor der Kampf durch
beiderſeitig hartes Spiel ſtark, Köln, das mit allen erlaubten und
uner=
laubten Mitteln aufholen wollte, konnte das Torverhältnis auf 6:4
verbeſſern. Aber Darmſtadt blieb dem harten Spiel nichts ſchuldig und
konnte ſich durch 2 weitere Tore, denen Köln nur 1 entgegenſetzte, den
Sieg und die Qualifikation für das Endſpiel ſichern.
Es iſt bewundernswert, daß es einer verhältnismäßig kleinen
Hoch=
ſchule wie Darmſtadt gelang, ſich in Hockeh und Handball bis zum
End=
ſpiel durchzukämpfen: Die Darmſtädter Handballer wurden ſchon letztes
Jahr Deutſcher Hochſchulmeiſter und wollen es auch dieſes Jahr im
Spiel gegen die Univerſität Berlin werden.
Meter führte. Hier gab es eine Rieſenüberraſchung. Alle 18 Pfen
kommen vom Start gut weg, ſofort ſetzte ſich Amalfi an die Spitze
Majordomus und Grauwacke, erſt in der Schlußgeraden ſtieß da
Nobelmann vor, gefolgt von Lanfranchi und Georgia. Nobelma
konnte in einem ſcharfen Finiſh ſeine Poſition halten und kam mit
Kox=
länge vor Amalfi, Lanfranchi und Grauwacke durchs Ziel. Der wei
deutſche Hengſt, der nach ſeinem Verſagen in letzten Nennen dieſen Er
folg vor allem ſeinem großen Stehvermögen verdankte, brachte die Se
ſationsquote von 1513. Alba=Nennen: Zweijährige 3200 Ma
1000 Meter: 1. Hauptgeſtüt Graditz” Symmetri (Böhlke), Unioy=
Club=Pokal: Ehrenpreis, 4200 Mark, 1400 Meter: 1. Hauptgeſt”
Graditz” Priſka (Böhlke). Nickel=Rennen: Dreijährige, 7060 M.,
1800 Meter: 1. v. Oppenheims Wolkenflug (Grabſch). Großer Ham
burger Ausgleich: 10 000 Mark, 3200 Meter: 1. Gebr. Janſſeys
Nobelmann (Bermann), 2. Amalfi, 3. Lanfranchi, 4. Grauwacke. Ferne
Silberſtreif, Geranium, Majordomus. Norman Baron, Rosmarin, Liry,
Iffezheim Beaurivage, Georgia Curator, Blanker Hans, Botafog,
Scapos, Utamaro, Toto: 1513 Platz: 202, R7, 35. K.—1 Lg. Elbs=
Preis: 3200 Mark, 2200 Meter: 1. Hauptgeſtüt Graditz‟ Dionn=
T. H. Darmſtadt in der Hockey=Zwiſchenrunde
erfolgreich.
(Böhlke), Iſerbrooker=Ausgleich: 4500 Mark, 1600 Mete
1. Friedigers Anskar, (Raſtenberger), Horner Jagdrennen,
Herrenreiten, 3500 Mark, 3500 Meter: 1. Geſtüt Stettenfels Moskatells:
(Bohmann).
Wetterberichl.
Wie im Handball, ſo konnte die Techniſche Hochſchule auch die
Zwi=
ſchenrunde um die Deutſche Hochſchulmeiſterſchaft im Hockey im
Mar=
burger Hochſchul=Stadion erfolgreich überſtehen. Gegner der
Ausſichten für Donnerstag, den 25. Jum: Wolkig, leichte Abkühlung
vereinzelt gewitterartige Schauer.
Ausſichten für Freitag, den 26. Juni: Im ganzen trockenes, teils wo.u
kiges, teils aufheiterndes Wetter mit anſteigenden Temperaturen.
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Nummer 174
Von unſerem =Korreſpondenten.
Prag, im Juni.
Nach tſchechiſchen Blättermeldungen beabſichtigen die Prager
Be=
ziden die Verſtaatlichung der privaten Elektrizitätswerke in der
Tſchecho=
owakei, angeblich deshalb, um die Verwaltungskoſten der Werke
herab=
rſetzen, die Stromvorräte beſſer auszunützen, eine Rationaliſierung der
ſtromerzeugung zut erreichen und ſchließlich auch, um die Stromerzeugung
ür alle Fälle” ſicherzuſtellen. Im nordweſtböhmiſchen Kohlenrevier
finden ſich gegenwärtig 17 ſelbſtändige Elektrizitätswerke, von denen
Lr Gemeinden mit faſt zwei Millionen Einwohnern und eine große
ſeihe von Induſtrieunternehmungen mit Strom verſorgt werden. Dieſe
deutenden wirtſchaftlichen und finanziellen Faktoren ſeien jedoch, wie
e tſchechiſche Preſſe beſonders hervorhebt, bedauerlicherweiſe von
deut=
min und ausländiſchem Kapital beherrſcht, und nur ein einziges
Ueber=
ndwerk ſei in dieſem Gebiete tſchechiſch. An dieſes Ueberlandwerl
üißten die übrigen Werke angeſchloſſen werden, ſo daß insbeſondere die
fromverſorgung durch ſächſiſche und bayeriſche Werke ausgeſchaltet
ſürde, deren Konkurrenz in der letzten Zeit ſehr ſtark fühlbar geweſen
. Gegen die Verſtaatlichung ſtelle ſich, wie behauptet wird, das
urſche Kapital, indeſſen aber werde dafür zu ſorgen ſein, daß die
pri=
tfapitaliſtiſchen Intereſſen hinter die ſtaatlichen zurücktreten. Die
erſtaatlichung der nordböhmiſchen Werke ſei unbedingt notwendig,
eil ſie dem Staate große Vorteile bringe. —
Dazu iſt zu bemerken, daß ſich die Werke, deren Uebernahme in
tatlichen tſchechiſchen Beſitz erfolgen ſoll, in der Tat in ihrer Mehrheit
deutſcher Verwaltung befinden, da ſie übrigens auch im deutſchen
Ge=
ſete Böhmens ſiedeln. Eine Verſtaatlichung dieſer Werke würde den
eihen Prozeß auslöſen, den die Oeffentlichkeit aus der Ueberleitung
ePrivatbahnen in ſtaatliche Verwaltung kennen gelernt hat: die
deut=
en Arbeiter und Angeſtellten würden ſyſtematiſch von ihrem
Arbeits=
utz verdrängt und durch „verläßliche” tſchechiſche Staatsbürger erſetzt
urden Gleichzeitig würde die Verſtaatlichung aber auch bedeuten, daß
aige Elektrizitätswerke an der bayeriſchen und ſächſiſchen Grenze von
* Stromverſorgung der deutſchböhmiſchen Grenzgemeinden, die ſeit
rlen Jahren zur abſoluten Zufriedenheit der Konſumenten erfolgt,
iſig ausgeſchaltet würden.
Die Kohlenproduktion in Heſſen. Die monatliche Statiſtik der
Koh=
bproduktion des Volksſtaates Heſſen weiſt für den Monat Mai
31 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 71 301
Innen. Dieſe ſowie ein Lagervorrat von 4856 Tonnen aus Vormona=
Un zuſammen alſo 76 157 Tonnen, wurden zu Schwelereiprodukten
nitevverarbeitet. Aus den verſchwelten Kohlen wurden gewonnen:
180 230 Tonnen Rohteer, 539 530 Tonnen Leichtöl aus Schwelgaſen,
100 Tonnen Koks, ohne die Schwelrückſtände des Meſſeler Kohlen=
Fſierers.
Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft, Darmſtadt. In der in Mannheim
rnehaltene G.=V. haben 5 Aktionäre 22 772 Aktien zu je 800 RM.
ver=
fnten. Die G.=V. unter dem Vorſitz von Oberbürgermeiſter Dr. Bracht
Im Eſſen hat einſtimmig die Bilanz genehmigt und beſchloſſen, aus
m Reingewinn von 1526 605 (i. V. 2 111 539 RM.) auf das 2,8
Mil=
ſinen RM. betragende A.=K. eine von 10 auf 7 Prozent herabgeſetzte
2oidende zu verteilen Zum Vortrag auf neue Rechnung verbleiben
1916 RM. (i. V. 31 539). Es wurde ferner beſchloſſen, die Dividende
u 3. Juli zur Auszahlung gelangen zu laſſen. Die turnusmäßig
aus=
ſridenden Aufſichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt.
Beſprechungen über Arbeitskürzungen in der Papierinduſtrie.
Reichsarbeitsminiſterium haben Beſprechungen mit den
Eitzenorganiſationen der Papiererzeugungs= und
Papierverarbei=
ngsinduſtrie ſtattgefunden zwecks Durchführung der in der
Not=
nordnung der Reichsregierung erteilten Ermächtigung zur
Kür=
ſng der Arbeitszeit. Arbeitnehmer und Arbeitgeber erklärten
5 zum Zuſammenwirken bereit, um durch Kürzung der
Arbeits=
et eine möglichſt große Zahl von Arbeitsloſen der Arbeit wieder
nuführen.
Rhein=Elektra Mannheim. Die Rheiniſche Elektrizitätswerke A.=G.
nMannheim berichtet, daß im Jahre 1930 erſtmalig ein Stillſtand in
* Entwickelung der Elektrizitätswerke eingetreten iſt. Zwar ſei es
ringen, die Stromabgabe an die Haushaltungen noch zu ſteigern,
lnders dem Wärmeſtrom eine weitere Ausbreitung zu verſchaffen,
ſor dieſen ſtänden eine weit größere Verminderung der Stromabgabe
adie Induſtrie gegenüber. Der Einnahmeausfall konnte durch die
Ein=
ſtänkung der Betriebsunkoſten faſt ganz ausgeglichen werden. Die
Babteilung war ſchwach beſchäftigt, da die Aufträge aus der
Indu=
de fehlten. Auch das Inſtallationsgeſchäft war rückgängig, dagegen
naltete ſich das Verkaufsgeſchäft im allgemeinen befriedigend. Die
wrikbetriebe haben im allgemeinen befriedigend gearbeitet. Die
Or=
niſation des Unternehmens wurde den veränderten Verhältniſſen
gevaßt. In dem laufenden Geſchäftsjahr hat ſich das Erträgnis der
Bellſchaft im ganzen verhältnismäßig gut gehalten, ſo daß die
Geſell=
juft hofft, daß auch im Jahre 1931 das Ergebnis nicht ungünſtig
aus=
uen werde. Der Gewinn aus Beteiligungen, Unternehmungen und
Ruausführungen hat gegenüber dem Vorjahre um 550 021 RM.
abge=
umen (33 gegenüber 3,85 Mill.), während andererſeits die
Aus=
gen 424 110 RM. weniger beanſpruchten, und zwar ſind die
Ab=
beibungen von 688 964 RM. auf 599 136 RM. zurückge gangen, die
loſten ermäßigten ſich von 921 719 RM. auf 774 466 RM. Die Steuern
nöhten ſich von 571 687 RM. auf 674 853 RM., dagegen ſind die
Iſtſen von 389 453 RM. beträchtlich zurückgegangen. Sie betragen nur
1 49257 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 24. Juni ſtellten ſich für
100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg,
eemen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
ung und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium,
bis 99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
gl. in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM.. Reinnickel,
bis 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 50—52 RM.,
Fein=
ſer (1 Kilogramm fein) 39.50—41.50 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 24. Juni ſtellten ſich für
Apfer: Juni und Juli 73.50 (74), Auguſt 74 (75), Sept. 76.50
R50), Okt. 76.75 (77), Nov. und Dez. 77.25 (77.50), Jan. 77.25
.75), Febr. 77.50 (77.75), März 77.75 (78), April 78 (78) Mai
(78.25). Tendenz: ſtetig. — Für Blei: Juni 24 (25.50),
i. Auguſt, Sept. 25 (26), Okt. und Nov. 25.25 (26). Dez. 25.25
:25). Jan. 25.50 (26.25), Febr. und März 26 (26.50), April und
i 26 (26.75). Tendenz: feſt. — Für Zink: Juni 24 (26),
Ai und Auguſt 25.75 (26) Sept. 26 (26.50), Okt. 26.25 (26.50),
v. 26.25 (27), Dez. 26.75 (27.50). Jan. und Febr. 27 (27.75),
Nrz 27.25 (26), April und Mai 28 (28.50). Tendenz: ruhig. —
erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 24. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 58.25, Sept. 59.50. Dez. 64; Mais:
Ni 58.50, Sept. 57½, Dez. 50½; Hafer: Juli 27.25, Sept. 2758,
. 30,75: Roggen: Juli 38.50, Sept. 40.50, Dez. 43.75.
Schmalz: Juli 8.30, Sept. 8.40, Okt. 8.42½: Speck: 9.50.
Schweine: leichte 7.36—7.45, ſchwere 6.25—7.10;
Schweine=
ſühren: Chicago 18 000, im Weſten 90 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 24. Juni:
Schmalz: Prima Weſtern 9.00; Talg, extra, loſe 338.
Getreide. Mais, loko New York 72.50; Mehl, ſpring wheat
Ais 4.00—4.45; Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling, nach
Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz; feſt; Umſätze: 347; Lokonotiz: 5½; Juli
Sept. 5.59, Okt. 5.67, Dez. 5,83, Jan. 5.88, März 6.00, Mai
Frankfurker und Berliner Efſekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 24. Juni.
Die geſtrige Rede des Reichskanzlers wurde von der Börſe in
gün=
ſtigem Sinne aufgenommen und bildete zuſammen mit den aus Amerika
ſtammenden Gerüchten über einen bevorſtehenden amerikaniſchen Kredit
an die Reichsbank die Hauptmotive für eine vorbörsliche Befeſtigung der
Kurſe. Zu Beginn des offiziellen Verkehrs trat jedoch die zögernde
Stellungnahme Frankreichs zu dem Hooverplan ſtärker in den
Vorder=
grund und rief einige Verſtimmung hervor, ſo daß die vorherigen
Kurs=
ſteigerungen wieder gänzlich verloren gingen. In Anbetracht der in den
letzten Tagen nach der ſtürmiſchen Hauſſe eingetretenen ſtarken
Un=
ſicherheit zeigte ſich bei der Bankenkundſchaft Neigung zu
Gewinnreali=
ſationen, die ebenfalls einen Druck auf das Kursniveau ausübten, zumal
auch die Spekulation in Befürchtung einer ſchwierigen Ueberwindung
des Halbjahresultimos eher als Abgeber auftrat. Hinzu kam noch, daß
der Dollar wieder eine ziemliche Befeſtigung zeigte. Gegenüber der
bereits etwas ſchwächeren Abendbörſe traten Kursrückgänge um etwa
1½—2½ Prozent ein. Der Rentenmarkt lag ebenfalls weiter ſehr
un=
regelmäßig, aber im ganzen eher etwas ſchwächer. 7prozentige
Reichs=
anleihe minus ½ Prozent, 6prozentige dito minus 1 Prozent, 5
½pro=
zentige Young=Anleihe 70¼ (71½), Altbeſitz 51,70—51,60 (52½),
Neu=
beſitz 5,15—5,2 (5,40) Reichsſchuldbuchforderungen knapp behauptet.
Goldpfandbriefe zum Teil bis ½ Prozent nachgebend, ſonſt meiſt
unver=
ändert. Ausländer ohne Geſchäft und nur wenig verändert. Im
Ver=
laufe hielt die Unſicherheit weiter an. Verſtimmung löſten Gerüchte über
Perſonalveränderungen im Reichswirtſchaftsminiſterium aus. Das
Ge=
ſchäft bewegte ſich nur innerhalb der Kuliſſe, da von Publikumsſeite keine
nennenswerten Kauforders vorgelegen haben. Gegen Schluß der Börſe
konnte ſich dann eine neuerliche Befeſtigung durchſetzen, da man glaubte,
daß die Antwort Frankreichs in günſtigem Sinne ausfallen werde. Die
Beſſerungen erſtreckten ſich aber meiſt nur auf Spezialwerte und
be=
trugen ca. 1—2 Prozent gegen den Anfang. Am Geldmarkt blieb
Tages=
geld nominell mit 6 Prozent unverändert, jedoch war die Lage etwas
entſpannt. Monatsgeld ſehr geſucht.
An der Abendbörſe ſetzte ſich die Aufwärtsbewegung der
Kurſe im Anſchluß an den Mittagsſchlußverkehr bei lebhaftem
Geſchäft fort. Die Spekulation ſchritt in Verbindung mit kleinen
Kundenorders zu Deckungen, ſo daß gegen die Berliner
Schluß=
notierungen durchweg Beſſerungen um 1,5—2 Prozent eintraten.
Die Londoner Meldung, wonach die Antwort Frankreichs an
Hoover zufriedenſtellend ſein ſoll, gab auch der Abendbörſe
wei=
tere Anregung. Ferner bildeten die feſten Auslandsbörſen ein
günſtiges Moment. Im Verlaufe konnten ſich die Mehrzahl der
Kurſe erneut um 1—2 Prozent befeſtigen. Starke Nachfrage
er=
hielt ſich für Elektroaktien, während J. G. Farben unter
Schwan=
kungen gut behauptet blieben. Die Börſe ſchloß allgemein in
ſehr feſter Tendenz.
Berlin, 24. Juni.
Die Rede des Reichskanzlers und der günſtige Widerhall im
Aus=
land hatten, nachdem es geſtern abend etwas ſchwächer war, heute
vor=
mittag und an der Vorbörſe die Tendenz gut beeinflußt. Die
Stim=
mung war wieder recht freundlich, und man nannte durchweg höhere
Kurſe, zumal die Hoffnungen auf ein Nachgeben Frankreichs ſich nach
wie vor erhalten. Kurz vor Beginn des offiziellen Verkehrs wurde
es jedoch wieder ſchwächer. So gingen Farben, die noch vorbörslich 138
genannt wurden, wieder auf 133,5 zurück. Die Abſchwächungen gegen
geſtern Mittag=Schluß waren jedoch im allgemeinen recht unerheblich
nd betrugen ſelten mehr als 1 Prozent. Vereinzelt waren jedoch auch
Beſſerungen bis zu 2 Prozent feſtzuſtellen. Es kam von der Kundſchaft
wieder etwas Ware heraus. Die Spekulation ſchritt ebenfalls zu
Ge=
winnmitnahmen. Vereinzelt wollte man auch Blancoabgaben beobachtet
haben. Zu berückſichtigen iſt natürlich, daß heute der erſte
Schiebungs=
tag iſt und die Nähe des Halbjahres=Ultimos drückt. Der
Reportgeld=
ſatz, der heute feſtgeſetzt werden ſoll, wird ſich um 7.75 bis 8 Prozent
nach 6 Prozent bei der vorigen Liquidation bewegen. Von günſtigen
Momenten war die weitere Entlaſtung des Arbeitsmarktes
erwähnens=
wert, ferner die Steigerung des Eiſenexports, die erneute
Kupferpreis=
erhöhung um 0,25 Dollarcents uſw. Die Meldungen aus Waſhington.
nach denen die Reichsbank im Bedarfsfalle von der New Yorker
Bundes=
reſervebank und den anderen Zentralbanken einen Rediskontkredit
er=
halten könnte, wurden mit Befriedigung aufgenommen; dagegen
ver=
ſtimmte es, daß der Dollar wieder etwas feſter gegen Reichsmark lag,
ind daß ſich wieder Deviſennachfrage eingeſtellt hat. Dieſe Erſcheinung
iſt aber jedenfalls mit dem Halbjahresultimo (Zinszahlungen uſw.) zu
erklären. Im weiteren Verlaufe wurde es auf ſchwächere
Auslands=
meldungen bis zu 1 Prozent ſchwächer.
* Die 119. Süddeutſche Zentral=Häuteauktion fand im Kaſino „Hof
zum Gutenberg” ſtatt. Es waren 5185 Großviehhäute, 7817 Kalb= und
Freſſerfelle und 102 Hammelfelle angeboten. Bei gutem Beſuch, reger
Kaufluſt und einem Abſchlag bis zu 10 Prozent gegen die Maipreiſe
ging das Geſamtangebot in andere Hände über.
Frankfurter Häutemarkt vom 24. Juni. Auf der Frankfurter
Häuteauktion blieben die Preiſe im allgemeinen noch etwas
un=
ter denen des Vormonates. Schaffelle wurden zu den im
Vor=
monat erzielten Preiſen freihändig verkauft. Großviebhäute
er=
zielten teilweiſe kleine Aufſchläge gegenden Vormonat. Im einzelnen
notierten: Kalbfelle v. K. rot bis 9 Pfd. 94,5—107,25; über 9 Pfd.
85,25—92,5; ſchwarz bis 9 Pfd. 63—71,5; über 9 Pfd. 66 Pfg.
Ochſenhäute, 20—29 Pfd. 42: 30—49 Pfd. 45: 50—59 Pfd. 55,5
bis 62 Pfg.: 60—79 Pfd. 54—65 Pfg.: 80—99 Pfd. 56—60,5 Pfg.;
über 100 Pfd. 56—53,5 Pfg.: Rinderhäute: 20—29 Pfd. 53 Pfg.,
30—49 Pfd. 55,5—64 Pfg.; 50—59 Pfd. 60,25—71,25 Pfg.; 60—79
Pfd. 62—73 Pfg.; 80—99 Pfd. 67—68,5 Pfg.
Frankfurter Produktenbericht vom 24. Juni. Die Tendenz an der
heutigen Getreidebörſe war ruhig. Es notierten: Weizen (74 Kilo) 295,
Roggen (70—71 Kilo) 240—242,50, Hafer 197,50—20, Weizenmehl ſüdd.
39,50—40,50, dito niederrhein. 39,50—39,75, Roggenmehl 32—33,50,
Wei=
zenkleie 10, Roggenkleie 11—11,25.
Berliner Produktenbericht vom 24. Juni. Das Geſchäft am
Produk=
tenmarkte geſtaltete ſich auch heute recht ſchleppend. Bei den
gegenwär=
tigen Witterungsverhältniſſen erfolgten Abſchlüſſe nur für den
notwen=
digſten Bedarf, auf der anderen Seite iſt das erſthändige Angebot von
Brorgetreide zur prompten Lieferung auch weiterhin ziemlich klein, die
Forderungen lauten wenig nachgiebig. Neuweizen und Neuroggen ſind
vernachläſſigt bei keineswegs dringlichem Angebot. Im
handelsrecht=
lichen Lieferungsgeſchäft eröffnete Weizen bis 2,25 Mark, Roggen 1 Mark
niedriger, im Verlaufe trat aber eine Erholung ein. Weizenmehl liegt
ſtetig, Roggenmehl wird weiter nur für den notwendigſten Bedarf
ge=
kauft, unter Bevorzugung der billigen Qualitäten. Hafer iſt, gemeſſen
an der Nachfrage, ausreichend offeriert. Im Anſchluß an den Rückgang
der Lieferungspreiſe lauten die Gebote 1 bis 2 Mark niedriger. Gerſte
liegt ruhig. Der Schnitt der neuen Wintergerſte hat verſchiedentlich
be=
gonnen, und ganz vereinzelt liegen bereits neue Muſter vor.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Der am 11. Juli ſtattfindenden G.=V. der Frankfurter
Arma=
turenfabrik A.=G., die bekanntlich ſchon ſeit längerer Zeit mit der
F. Butzke=Bernhard Joſeph A.=G. in Intereſſengemeinſchaft ſteht,
wird jetzt die Fuſion mit der letztgenannten Firma vorgeſchlagen,
und zwar ſollen zwei Butzke=Aktien gegen drei Frankfurter
Arma=
turen=Aktien gewährt werden
Die G.=V. der „Emag” Elektrizitäts=A.=G., Frankfurt a. M.,
erledigte ohne Debatte die Regularien und genehmigte
einſtim=
mig den dividendenloſen Abſchluß für 1930. Aus dem Reingewinn
von 57 849 RM. wrden 3000 RM. dem Reſervefonds zugeführt
und 54 849 RM. zu Abſchreibungen auf die Warenvorräte
ver=
wendet.
Die Daimler=Benz A.=G. hat für ihr Werk Mercedes=Benz=
Laſtwagenfabrik, Gaggenau, von der ruſſiſchen Regierung einen
größeren Auftrag auf Lieferung von Laſtkrafftwagen erhalten.
Es verlautet von 200 Stück mit ſehr knapper Lieferzeit. Durch
die=
ſen Auftrag iſt das Werk für mehrere Monate voll beſchäftigt.
Das Kupferkartell hat am Mittwoch erneut den Preis um
0,25 es. auf 8,77½ es. pr. 1b cif Nordſeehäfen erhöht, da die
überſtürzten Käufe anhalten. Auch zu dieſem erhöhten Preis war
das Kartell ſofort wieder ausverkauft.
Die deutſche Produktion von Original=Hüttenweichblei
ein=
ſchließlich kleinerer Mengen Hartblei ſtellte ſich, wie der
Geſamt=
ausſchuß zur Währung der Intereſſen der deutſchen
Metallwirt=
ſchaft, Berlin, auf Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen Büros
der Metallgeſellſchaft A.=G., Frankfurt a. M., mitteilt, im Mai
1931 auf 7183 Tonnen gegen 7794 Tonnen im Monat April 1931.
Die Eiſenhütten des Saargebietes erzeugten im Mai mit
21 Hochöfen 130 203 Tonnen Roheiſen gegen 135 712 Tonnen im
vorhergehenden Monat. Die Rohſtahlgewinnung ging ebenfalls
veiter zurück. Sie betrug im Mai 134 922 Tonnen gegen 142 060
Tonnen im April. Im Mai 1930 hatte ſie 179 074 Tonnen
be=
tragen. Zurückgegangen iſt auch die Leiſtung der Walzwerke, und
zwar wurden im Mai nur 81948 Tonnen Fertigerzeugniſſe
ge=
walzt gegen 96 002 im vorhergehenden Monat.
Berliner Kursbericht
vom 24. Juni 1931
Oeviſenmarkt
vom 24. Juni 1931
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank . . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordb. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Eleltr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
106.—
112.50
101.25
101.75
48.—
5—
94.—
46.—
69.—
38.—
104.50
20.—
65.125
Wee ee
1. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben I.
Rlöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Baw
Mannesm. Röhr. .
Maſch.=Bau=Untn.
Nordb. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppe
Vee
133. 125
69.50
103.25
53.25
76.50
122.50
53.25
58.—
64.—
35.—
16.50
66.—
40.50
Ma Rff
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali 1192.75
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali 129.—
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
dirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drahtl 33.25
Wanderer=Werke
43.—
92.75
46.—
58.—
21.50
40.75
34.—
129.—
52.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
*5.
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Jaris
Währung
100 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch.K:
100 Pengö
100 Leva
100 Gulder
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 S=Stg.
Pap. Peſo
Dollar
00 Belga
100 Lire
100 Franes
Geld
10.589
59.15
12.46
7.47
3.049
169.38
112.69
112.69
112.83/
20.475
1.320
4.208
59.61
22.03
16.47
Brieff
10.608
9.21
12.405
73.61
3.05.
69.7
12
112.91
113.0.
0.51.
1.324
4.216
8.73
22.07
16.51
Schweiz
Danzig
Japan.
Rio de Janetro
Jugoſlawien 1100 Dinar
Portugal
Athen
Iſtambu 1 türk. 2
Kairo
Kanada
Uruguay
Jsland
Tallinn (Eſtl.)
tiga
Frankfurter Kursbericht vom 24. Juni 1931.
Pae
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60 Baden ......
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699
8½ Heſſen v. 2
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Dtſche. Anl.
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Ab=
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Dtſche. Anl. Ablö
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Deutſche Schuszge
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F. G. Chemie, Baſe
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25.5
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl
Gold=u. Silber
ſcheide=Anſtalt
„ Linoleumwerke
„ Eiſenhandel. ..
Dyckerhoff u. Widm: 51.75
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Ge
Licht u. Kraft 1110.25
Eſchw. Bergwerk. 1200
Gelſeni. Berawer
Geſ. f. elektr. Untern
Goldſchmidt Th. .
Geimeer =aſchiner
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn
Hanauer Hofbrauk
Harpener Bergbau
Henninger, Kemp
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Hindrichs=Aufſerm.
Hirſch Kupfer.
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil. / 76
flſe Bergb. Stamm
„ Genüſſe
Junghans.
Kali Chemie
Aſchersleben .1418
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R... . . .
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke
Knorr C. H..
Lahmener & Co
Laurahütte ..
Lech, Augsburg
Mansfeld Berg. 63 80
— Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau 60 MontecatiniMaild. 35.5 Motoren Darmſtad 37 Deutz 65 Oberurſe! 77
13411, Oberbedart — Phönix Bergbau 46 Reiniger. Gebbert Hof ../ 35 Rh. Braunkohlen
Elektr. Stamn 1o5 68.5 Metallwaren" 68 103.25 Stahlwerke ...
Miebeck Montan. 72.75 41. 30.5 Roeder Gebr. 51 150 Rütgerbwerke". 42.25 Sachtleben A. G. 118 128
58
120
b4 Salzbetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind.
Schramm, Lackfbr.
Schriftg. Stempel 191.5
167
160
42.5
120.5 Schuckert Elektr 120.5 64 Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr 80 Siemens & Halsfe. 152.25 Südd. Immobilier 21 91 Bucker=A. G. 415 30 Svenska Tändſtick 26 90.5 Tellus Bergbau.
Thür. Liefer.=Geſ. 65.5 Tietz Leonhard 28 Tucher=Brauerei 75 91 nnterfranken. 81 54.5 Beithwerke Ver. f. Chem. Int 49 „ Stahlwerke 46 Strohſtoffabr. 106.75 1.2 Ultramarin 123
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Hgeffner ./ 99
Wahß & Frentag. 26.75
Wegelin Rußfabrikl 26
Weſteregeln Kali. . 126
Zellſtoff=Verein ..
„ Waldhof.. . . . . 69.75
Memel .."
62
Allg. Dt. Creditanſt
Babiſche Bank....
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBankvereit
Bayher. Hyp. u. 9
Berl. Handelsge
„ Sypothekbk..
Comm. u. Privat!
Darm ſt. u. Nat.=Bk
Dt. Ban1 und Die
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Bank ...
Frankf. Bank".
Hhp.=Bank ...
Pfdbr.=Bf.
Mein. Hyp. Bank.."
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hyp.=Bank
Reichsbank=Ant.
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenbank
A. G. . Vertehrsn
Allg. Lokalb. Kraftn
7% Dt. Reichsb. Vzgl
Hapag ....."
Nordd. Lloyd.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
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Verſicherung . . . 177
„ Verein. Verſ. 200
FrankonaRück- u. M 104
Mannh. Verſio
Otavi Minen
Schantung Handelsl 85
Seite 12
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Dazn das gute Beiprogramm
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Hente letzter Tag
Im Doppel-Spielplan
Abenteuerfilm:
Jugendliche haben Zutritt
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halbe Preise.
Beginn: 3.45, 6.00 u. 8.20 Uhr
Gerda Mauras u. Oskar Sima
in dem neuen dentschen Tonfilm: W Der genzationelle
Bchtensgrange
D1e
(Er geht rechts — sie geht links)
2 Abenteuer aus einer modernen
geheimnisvolle
Ehe von heute.
Regie: Stefan Szekely.
Inse1
Musik: Karl M. May.
nach dem bekannten Roman
Weit. Mitwirkende: Panl Vincenti, W .20000 Meilen unter dem
Jarmila Marten. Otto Wallburg, WMeer” von Inles Verne.
Paul Kemp, Adele Sandrock.
Im II. Teil: (V.9682
Wer einen Blick in eine zeitgemäße
Ehe werfen will, deren Pariner MLionel Barrymore und
weniger durch häusl Zwist alsdurch / Jacqueline Gadsdon in dem
Kriminal-Drama
beiderseitigen, lang unterdrückten
Erlebnishunger vorübergehend v.
Pfad der ehelichen Tugend ab-
Mull Uhr
weichen, sehe sich diesen Heiter: M Das Meisterstäek eines
keit ausströmenden Film an.
deutschen Polizeihundes.
Dazu ein reichhalt. Beiprogramm.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr. Beginn: 3.30,5.45 u. 8.15 Uhr
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AUTOLISTE Nr. 65
Enthält die Meldungen (Ab- und Zugänge) von Kraftfahrzeugen jeder
Art der 18 Kreise des Volksstaats Hessen (Kennzeichen: VS, VR, VO)
für dle Zeit vom 1.—15. Junl 1931.
Die Auto-Listen enthalten die Angaben in derselben
Reihen-
folge wie die Hauptausgabe: Name, Beruf, Wohnort des
Kraft-
fahrzeugbesitzers, Type, Motornummer, Hubraum in ccm und
PS, Art des Fahrzeugs. Fabrikneue Wagen sind durch X
kenntlich gemacht. Die Meldungen sind geordnet nach den drei
Provinzen (VS, VR, VO) und Kreisen und innerhalb dieser nach
Polizeierkennungenummern. Abgemeldete Wagen werden
geson-
dert aufgeführt. Die Auto-Listen sind eine wichtige
Ergän-
zung des Auto-Adreßbuches (Adreßbuch der
Kraftfahrzeug-
besitzer im Volksstaat Hessen), Ausgabe 1929, und
unentbehr-
lich, weil sie laufend
neuestes Adressenmaterial
liefern. Sie erscheinen alle 14 Tage, also monatlich zwel Listen.
Die spätestens am 10. eines Monats ausgegebene Liste enthält die
Meldungen vom 16.—30. (31.) des voraufgegangenen Monats und
die spätestens am 25. eines Monats ausgegebene Liste die
Mel-
dungen vom 1.— 15. des gleichen Monats.
BeZugsp re12:
1. Bei Bezug aller Meldungen sämtlicher 18 Krelse für
12 Monate: zum monatlichen Pauschalprels von
RM. 16.50.
2. Bei Bezug der Meldungen nur für einzelne Kreise
und Städte, gleich ob für einen oder mehrere Monate, zu
Staffel-
preisen, die wir bei uns zu erfragen bitten.
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