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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 173
Mittwoch, den 24. Juni 1931.
194. Jahrgang
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Z mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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breit)/2 Reichsmark. Anzeigen von auswärte 40 Reichspfg.
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zelle 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichemark
ſt Dolar — 420 Marit. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtiung von Schadenerſatz. Bel
Konlur” oder gerſchlicher Beſtreſbung ſahft jeder
Nabatt weg. Bankkonio Deutſche Bani und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
Der Kanzler warnt vor Illuſionen.
Schwere Zeiken ſtehen noch bevor. — Höhepunkk der finanziellen Schwierigkeiten erſt 1932 zu erwarken.
An eine finanzielle Lockerung der Nokmaßnahmen nichk zu denken. — Deukſchlands Noik die Nok
der ganzen Well. — Erneuke Aufforderung an Frankreich zu europäiſcher
Zuſammenarbeit im Inkereſſe des Friedens und der Beruhigung.
ſamten finanziellen Ergebnis der Notverordnung rütteln zu laſſen.
Die Schickſalsſtunde Europas.
Nur unter Beachtung dieſes finanziellen Geſamtergebniſſes wird
Eindringliche Mahnungen
des deutſchen Reichskanzlers.
Berlin, 23. Juni.
Reichskanzler Dr. Brüning hielt am Dienstag abend 23 Uhr
im Rundfunk eine Rede, die auf alle deutſchſprachigen Sender
übernommen wurde. Der Kanzler erklärte:
Alle Völker der Erde ſtehen unter dem tiefen Eindruck des
hiſtoriſchen Schrittes, den am Samstag der Präſident der
Ver=
einigten Staaten unternommen hat, um der ungeheuren Kriſe, die
über faſt alle Völker hereingebrochen iſt, zu ſteuern und denen
Hilfe zu bringen, die ihr zu erliegen drohen. Das deutſche Volk
und die deutſche Regierung haben mit herzlicher Dankbarkeit die
Vorſchläge des Präſidenten Hoover angenommen. Eine neue
Hoff=
nung für Europa und Deutſchland ſehen wir aus dieſem
Vor=
chlag erwachſen. Er bringt Deutſchland Hilfe in einem
intſcheidenden Augenblick ſeiner Geſchichte, in dem
Schwierigkeiten bis zum äußerſten ſich
aufge=
ürmt haben.
Der erſte glückliche Anfang für eine beſſere Zukunft iſt
er=
folgt. Aber warnen muß die Reichsregierung vor dem
Glauben, als ob durch dieſen Vorſchlag des amerikaniſchen
Präſidenten, wenn er von allen in Frage kommenden
Natio=
nen angenommen wird, wir über die Geſamtheit der uns
bedrängenden Nöte hinweg ſeien.
Venn die Reichsregierung auch in den wiederholten harten
Maß=
jahmen der Notverordnungen vom Dezember und der letzten
Not=
verordnung verſucht hat, die hereinbrechenden Gefahren zu
mei=
tern, und gezwungen war, dem deutſchen Volke ein
leußerſtes an Laſten und Einſchränkungen
zuzu=
nuten, um über die kommenden Monate und vor
Ilem über den nächſten Winter
hinwegzukom=
nen, ſo iſt ſie
ſich deſſen bewußt, daß das Jahr 1932 aller Vorausſicht nach
den Höhepunkt der finanziellen Schwierigkeiten erſt bringen
wird.
Venn auch die Reichsregierung den Haushalt des Reiches für den
fall, daß nicht eine weitere Verſchlechterung der Wirtſchaftslage
intritt, für das laufende Haushaltsjahr ausgeglichen hat, wenn
ſe ſogar in erheblichem Maße Beträge für die Gemeinden
verfüg=
ſar machte, um ihnen die wachſende Laſt für die Arbeitsloſen zu
rleichtern, die weder von der Verſicherung noch vom Reich
unter=
fützt werden, ſo bleibt doch im Jahre 1931 die Lage der Länder
und Gemeinden noch nicht völlig geklärt.
Die vom Reich zu überweiſenden Steuern werden nach der
Schätzung der Reichsregierung um mehrere Hunderte von
Millionen zurückbleiben. Dazu treten die großen Ausfälle,
die bei den Ländern und Gemeinden infolge der ſchlechten
Wirtſchaftslage bei Gewerbeſteuern, Grundvermögensſteuern
und Hauszinsſteuern zu erwarten ſind. Das Sinken der
Einkommen und Löhne im Jahre 1931 wird dazu führen,
daß im Jahre 1932 erſt die volle Wucht der Steuerausfälle
die Haushalte von Reich, Ländern und Gemeinden belaſten
wird.
Die Gefahr des Deviſenſturmes.
Dazu kommt die akute Gefahr, die wir in den vergangenen
wei Jahren wiederholt durchlebt haben, daß infolge einer Reihe
vn wirtſchaftlichen Vorgängen ſich eine ungeheure Unruhe
be=
nerkbar macht und aus dieſer Unruhe heraus vom Auslande her
ewaltige Mengen kurzfriſtiger Kredite plötzlich abgezogen
wer=
dn. Mit einem Schlage zeigt ſich dann immer wieder in ihrer
unzen Größe die allen Fachleuten längſt bekannte, bedrohliche
latſache, daß die deutſche Wirtſchaft in den Jahren
der Scheinblüte zu einem erheblichen Teil mit
in= und ausländiſchen Mitteln aufgebaut wurde,
ſe nur auf kurze Zeit gegeben oder in Unternehmungen
inve=
ſert ſind, aus denen ſie nicht von heute auf morgen
herausge=
gen werden können. Der Verſuch, der nunmehr zum
britten Male gemacht wurde, große Teile dieſer
ſrzfriſtigen Kredite aus Deutſchland
abzube=
lufen, hat einen Sturm, der heute als beſchworen angeſehen
ſerden kann, herbeigeführt. Dieſer Sturm hat aber gleichzeitig
aen Einſichtigen mit draſtiſcher Schärfe die
Verbunden=
ſeit der Weltwirtſchaft im Poſitiven und
Nega=
ſiven vor Augen geführt; er hat ausder Not einzelner Völ=
Ir, und beſonders Deutſchlands, eine Not der
tanzen Welt gemacht. Er hat gezeigt, daß die
Lebens=
ſaltung eines Volkes bedingt iſt durch die
Le=
ſenshaltung auch anderer Völker.
Sanierung aus eigener Kraff.
Zu glauben, daß nach Annahme des Vorſchlages des
Präſi=
kuten Hoover alle Nöte in Deutſchland beſeitigt wären, wäre die
efährlichſte Illuſion, in die ſich das deutſche Volk hineinwiegen
Innte. Die Reichsregierung hat die harten Maßnahmen zur
lettung der Finanzen ergreifen müſſen und wird an ihnen
feſt=
hlten, weil das Durchhalten auch ohne Reparationszahlungen in
en nächſten 1½ Jahren außerordentliche Anforderungen ſtellen
ürd. Sie hat erklärt und hält daran feſt, daß ſie bereit iſt,
Här=
in und beſonders drückende Maßnahmen der Notverordnung
ab=
nändern; ſie iſt aber nicht in der Lage, irgendwie an dem ge=
bei Annahme der Initiative des Präſidenten Hoover es möglich
ſein, ohne erhebliche weitere Einnahmeausfälle das Jahr 1932
auszugleichen. Das deutſche Volk würde ſich um jedes
Verſtänd=
nis der Welt und um jedes Vertrauen bringen, wenn es nicht
feſthalten würde an dem Grundſatze der abſoluten, auch unter
Opfern durchzuführenden Sanierung unſerer öffentlichen
Finanzen.
Brünings Appell an Frankreich.
Die Reichsregierung noch einmal zu offener
Aus=
ſprache und Zuſammenarbeit bereit.
Das vorgeſchlagene Feierjahr ſoll, ſo führte Dr. Brüning
weiter aus, nach der Proklamation des Präſidenten der
Ver=
einigten Staaten
nicht nur der Wiederherſtellung des internationalen
Ver=
trauens auf wirtſchaftlichem Gebiete und damit dem
wirt=
ſchaftlichen Wiederaufbau der Welt dienen, es verfolgt
gleichzeitig den Zweck, die politiſchen Bindungen zwiſchen
den Ländern von ſtörenden Spannungen zu befreien und
eine auf überzeugter Zuſammenarbeit der Staaten
be=
ruhende friedliche Weiterentwicklung zu fördern und zu
feſtigen. Beides ſteht in einem notwendigen
Wechſelver=
hältnis. Ohne Geſundung der wirtſchaftlichen und
finan=
ziellen Beziehungen iſt keine Beruhigung der politiſchen
Lage, ohne dieſe politiſche Beruhigung keine Beſeitigung
der Wirtſchaftsnot denkbar.
Das Gedeihen Europas und der Welt hängt
da=
von ab, daß diejenigen, die eintragiſches
Ge=
ſchickim Weltkrieg zu Feinden werden ließ,
nun=
mehr entſchloſſen und weitſichtig auf beiden
Seiten ſich zu den Entſchlüſſen aufraffen, die
die beklemmende Not der Stunde von allen
Völ=
kern fordert. Für dieſes große Ziel wird der amerikaniſche
Vorſchlag Raum ſchaffen, wenn er von den in Frage
kommen=
den Ländern in demſelben hochherzigen Geiſte angenommen
wird, in dem er von ſeinem Urheber gemacht worden iſt.
Die deutſche Regierung iſt bereit, mit allen Kräften an der
Erreichung dieſes Zieles der amerikaniſchen Initiative
mitzu=
arbeiten. Sie hat den aufrichtigen Willen, auch von
der politiſchen Seite her zuſammen mit allen
Regierungen an die Löſung dieſer Fragen
her=
anzugehen, die für die Beruhigung Europas von
Bedeu=
tung ſind. Je mehr die ſchwere wirtſchaftliche und ſoziale Not
ſich mildert, unter der das deutſche Volk leidet, um ſo
ſtärker und einmütiger wird ſeine Bereitſchaft und ſeine
Fähig=
keit hervortreten, ein Bollwerk der Ruhe und
Ord=
nung in Europa zu ſein. Die Größe der Stunde und die
aus ihr ſich ergebende Verantwortlichkeit laſſen mich die
Hoff=
nung und die Erwartung ausſprechen, daß alle diejenigen, die
für die Formung der öffentlichen Meinung von maßgebendem
Einfluß ſind, ſich bewußt bleiben, von welch
entſcheiden=
der Bedeutung in dieſem Augenblick
Maßhal=
tung und Selbſtdiſziplin bei allen unſeren
Volksgenoſſen und allen Kundgebungen und
Aeußerungen ſind für Deutſchland und Europa. Die
deutſche Regierung iſt ſich bewußt, daß bei alledem
die zukünftige Geſtaltung der Beziehungen zwiſchen
Deutſch=
land und Frankreich
eine beſonders wichtige Rolle ſpielt. Wenn in der
Entwickelung dieſer Beziehungen manche Schwierigkeiten und
Hemmungen hervorgetreten ſind, wenn es in der Oeffentlichkeit
auf beiden Seiten der Grenzen vielfach zu bewegten
Auseinander=
ſetzungen gekommen iſt, ſo halte ich trotzdem an der
Ueberzeu=
gung feſt, daß all das nicht unüberwindbar iſt, daß ſich vor
allem bei beiderſeitig gutem Willen Mittel und
Wege finden laſſen werden, um dasUebereinſtimmende
und Gemeinſame in den Intereſſen der beiden
Länder in den Vordergrund zu bringen und im
Bewußtſein der beiden Völker zu verankern, daß es die Gewähr
der Dauer in ſich trägt.
Weil ich davon überzeugt bin, daß eine wirklich
aus=
geglichene und fruchtbare Zuſammenarbeit
un=
ter den Völkern Europas und die für den
leben=
digen Wirtſchaftsaustauſch mit der neuen Welt
notwendige Stabiliſierung des europäiſchen
Friedens erſt an dem Tage geſichert erſcheint,
wo zwiſchen den beiden großen Nachbarvölkern
das Vergangene ſeeliſch überwunden iſt und der
Blick in ſich gemeinſam der Zukunft und ihrer geiſtigen,
wirt=
ſchaftlichen und politiſchen Geſtaltung zuwendet.
Die deutſche Regierung wird es ihrerſeits an gutem Willen
nicht fehlen laſſen. Iſt die Einigung über das Feierjahr zuſtande
gekommen, ſo wird es um ſo leichter, in offener Ausſprache den
Weg freizumachen für eine großzügige praktiſche Zuſammenarbeit
der beiden Länder. Ich würde es begrüßen, wenn ſich für eine
ſolche einleitende Ausſprache eine Gelegenheit fände, wie ſie
neu=
lich durch die Zuſammenkunft in Chequers für die Erörterung
zwiſchen Deutſchland und England geſchaffen war. Die Aufgaben,
vor denen Frankreich und Deutſchland ſtehen, ſind für beide
Län=
der zu groß und zu dringend, als daß es nicht möglich ſein ſollte,
in vertrauensvollem und rückhaltloſem Meinungsaustauſch einen
gemeinſamen Boden zu finden, von dem aus die Löſung dieſer
Aufgaben ausſichtsvoll in Angriff genommen wird.
Hoovers Akkion.
Uns, die wir nur auf dem ſchwankenden Steg einer
Not=
verordnung und eines Notdiskonts über die furchtbar gähnenden
Schluchten der letzten Tage uns hinüberzuretten hofften, kam
dieſer Schritt Hoovers als Rettung aus höchſter Not.
Wo vor kurzem noch Panik und Troſtloſigkeit geherrſcht hat,
macht ſich heute — wenn auch nicht eitel Freude — ſo doch
Beruhigung und Sicherheit geltend. An den Börſen war am
Montag Hauße=Stimmung, die die Kurſe ſehr raſch in die Höhe
trieb ( ſo raſch, daß eine teilweiſe Neaktion wohl erwartet
werden kann). Und auch die öffentliche Meinung zeigte ſich
be=
friedigt oder verhielt ſich zumindeſt ſchweigſam. Nur Herr
Goebbels fühlte ſich verpflichtet, der amerikaniſchen Regierung
und Mr. Hoover „Bluff” vorzuwerfen.
Die pſychologiſche und ſachliche Auswirkung der Hoover=
Aktion kann nicht gering geſchätzt werden. Nicht nur, daß im
In= und Ausland in bezug auf Deutſchlands Zukunft eine
ruhigere Auffaſſung ſich Bahn gebrochen hat — was ſich bereits
jetzt in der Tatſache des Aufhörens der Deviſennachfrage
gel=
tend macht und demnächſt wohl in einem Rückfluß geflüchteter
deutſcher und vielleicht einem Zufluß freier ausländiſcher
Kapi=
talien zeigen wird. Durch die Hooverſche Aktion iſt der
deut=
ſchen Außenpolitik und beſonders der Reparationspolitik jene
„Ellbogenfreiheit” gegeben, die ſich ſelbſt zu verſchaffen ſich
Deutſchland vergeblich bemüht hat. Wir meinen damit nicht
eine „Ellbogenfreiheit”, die nunmehr hingeht und Verträge
zer=
reißt und damit jenes Pflänzchen der wachſenden Einſicht im
Auskand ausreißt, ehe es recht zum Wachstum gekommen iſt.
Sondern wir meinen damit die finanzpolitiſche Entlaſtung, die
der Reichshaushalt erfährt, und die die Regierung inſtand
ſetzen, mit Ruhe und Sicherheit neue reparationspolitiſche
Ver=
handlungen anzuknüpfen.
Was wir durch ein Transfermoratorium nur ſehr
unzu=
länglich und unter Einbußen pſychologiſcher Art erreicht hätten,
das wird durch Amerika hier offeriert. Um ſo bedeutſamer
er=
ſcheint dieſe Tatſache als damit das Transfermoratorium für
eventuelle ſpätere Zeiten aufbewahrt wird. In der finanziellen
Entlaſtung des Reichshaushalts, ſo ſehr erfreulich ſie auch iſt,
ſehen wir aber zugleich eine ernſte Gefahr. Schon jetzt, ehe der
Bär wirklich erlegt iſt, beginnt das Feilſchen um ſein Fell. Die
letzte Notverordnung,; über die viel Kritiſches geſagt werden
kann und auch hier geſagt wurde und der man vielleicht
nun=
mehr zugute halten kann, daß ſie entſcheidend die Beſchlüſſe des
amerikaniſchen Staatslenkers beeinflußt hat, — ſie iſt gewiß in
manchen Dingen der Abänderung bedürftig. Ihr
Grundge=
danke aber ſollte beibehalten, ja ſollte erheblich ſchärfer zum
Aus=
druck gebracht werden. Damit iſt nicht irgend etwas
Finanz=
techniſches gemeint. Sondern es ſoll damit nur darauf
hinge=
wieſen werden, daß auch die finanziellen
Erleich=
terungen eines Reparationsfeierjahres uns
nicht von dem Gebot eiſerner Sparſamkeit
ent=
binden. Es wird vielleicht zu erwägen ſein, ob wirklich das
Reich die 660 Millionen Erſparnis der Reichsbahn auch nur zu
erheblichen Teilen für ſich beanſpruchen ſoll, oder ob hier nicht
Reſerven für die künftigen Zeiten geſammelt werden ſollten.
Die Gefahr beſteht ſicher, daß gewiſſe Kreiſe die Erſparniſſe aus
der Hooveraktion zur Steigerung ſozialer und ſonſtiger
Leiſtun=
gen verwenden möchten. Das hieße jedoch von der Hand in den
Mund leben — eine Politik, die uns in den letzten Jahren
finanziell ruiniert hat, die uns in unſerer Poſition bei den
künftigen Reparationsverhandlungen ſchwächen wird und damit
ſchließlich auch diejenigen materiell ſchädigt, denen ſie
vorder=
hand Nutzen zu bringen ſcheint. Auch der Verwendung von
erſparten Beträgen zur „Ankurbelung” der Wirtſchaft darf man
mit Skepſis entgegenſehen. Die Ankurbelung einer Konjunktur
behördlicherſeits läuft gar leicht auf Subventionierung einzelner
Betriebe hinaus; eine Politik, über deren Gefahren man ſich
immer klar ſein muß. Die beſte Ankurbelung ſcheint noch
immer die Bereinigung des Etats, die Konſolidierung der
Ver=
pflichtungen und dann eine Steuerſenkung zu ſein. Gewarnt
werden darf ſchließlich davor, daß die kommunale Politik, die
noch immer nicht ganz die Erforderniſſe der Sparſamkeit
begrif=
fen hat, ſich nunmehr bei den Dingen beruhigt, wie ſie jetzt
liegen, ſtatt weiterhin energiſch zu ſparen. Wenn wir ſo auf die
ernſten „Gefahren” der Hooveraktion hinweiſen, ſo doch
aus=
drücklich mit dem Bemerken, daß es ſich hier um „Gefahren”
handelt, die abzuwenden vollkommen in der Hand der
deut=
ſchen leitenden Stellen liegt.
Sind dieſe Gefahren aber vermieden, ſo bietet der Hooverſche
Plan bedeutſame Vorteile — falls er durchgeſetzt wird. In
Paris liegt die Entſcheidung. Sie iſt im Augenblick, da dieſe
Zeilen geſchrieben werden, noch nicht getroffen. Eins aber kann
grundſätzlich gefagt werden: wenn Paris heute zögert oder
ab=
lehnt, ſo ſchadet es ſeiner außenpolitiſchen Stellung, die an ſich
ſchon durch den dauernden Druck geſchwächt wurde, den
Frank=
reich auf Oeſterreich ausübt und der durch England
aufgefan=
gen wurde, in bedeutſamen Maße. Und aus dieſem Grunde iſt
auch mit einer Zuſtimmung zu rechnen. Ebenſo ſicher iſt damit zu
rechnen, daß dieſe Zuſtimmung unter dem ausdrücklichen
Rechts=
vorbehalt der Unverletzlichkeit des „Neuen Plans” erfolgen wird.
Dieſer Vorbehalt wird gewiß nicht nur aus einem, an ſich dem
Franzoſen gemäßen, formaljuriſtiſchen Grunde eingebracht,
ſon=
dern in der Erkenntnis, daß in der Tat der Hooverſche Plan
das Syſtem des Youngplans zerſtört. Iſt hier einmal die
Un=
erfüllbarkeit des Youngplans anerkannt, ſo wird ſich auch
Frank=
reich auf die Dauer einer erneuten Revidierung des
Kriegs=
ſchuldenproblems nicht widerſetzen können. Mr. Hoover hat zwar
ausdrücklich die amerikaniſche Theſe vertreten, daß
Kriegsſchul=
den und Reparationen zu trennen ſeien. Aber er hat doch
gleich=
zeitig betont, daß die Reparationsfrage notwendigerweiſe ein
„europäiſches Problem” ſei, ein Problem, deſſen derzeitige
Löſung auch er nicht als eine endgültige empfindet. In dieſem
Zuſammenhang iſt es intereſſant, daß Lloyd George vor
weni=
gen Tagen in einem Aufſatz über die Fragen der Reparationen
an das Angebot Englands aus dem Jahre 1922 erinnerte, auf
ſeine Außenſtände — ſoweit ſie aus dem Weltkrieg herrühren —
zu verzichten, falls die andern Staaten ſich zu einer gleichen
Seiſachthie bereit erklären wollten. Das Problem der
Repara=
tionen wird nicht von heute auf morgen gelöſt werden können.
Auch Hoovers Aktion hat nicht die Löſung gebracht. Aber ſie
hat doch deutlich genug eins getan: der deutſchen Theſe von der
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Seite 2
Unerfüllbarkeit recht gegeben und zugleich den Boden
internatio=
nal vorbereitet. Die Reparationsfrage iſt wieder ins Rollen
gekommen. Nicht durch Hoovers Botſchaft allein, das hieße die
Bemühungen Montague Normans, der engliſchen Regierung,
ins=
beſondere Macdonalds, die Wirkung des deutſchen
Miniſter=
beſuchs in Chequers, den Beſuch Mellons in London
unter=
ſchätzen, das hieße auch die Bedeutung der kommenden
Beſpre=
chungen in Berlin zwiſchen Macdonald, Brüning und Stimſon
verkleinern.
Aber doch iſt die Botſchaft Hoovers von beſonderem Gewicht,
Nicht nur, weil hier das Oberhaupt des bedeutendſten
Gläu=
bigerlandes der Welt geſprochen hat. Nicht nur, weil hinter
dieſer Botſchaft die Hochfinanz der Wallſtreet ſteht. Sondern
weil in dieſer Botſchaft ſelbſt ſich der Wechſel in der
inner=
amerikaniſchen politiſchen Einſtellung anzeigt. Vor 14 Jahren
hat ein anderer amerikaniſcher Präſident ſeine Botſchaft in die
Welt geſchickt, die da lautete „to make world safe for demoeracy”.
Und als durch Wilſons Eingreifen Deutſchland niedergerungen
war, da wurde — weil Wilſon nicht mehr eingriff — das
niedergerungene Deutſchland derart belaſtet, daß es
zuſammen=
brechen mußte — aber in ſeinen Zuſammenbruch auch die andern
hineinriß. Damals hat ſich das amerikaniſche Volk und die
amerikaniſche Politik von Europa abgewendet. In den
folgen=
den Jahren lebte es ſich ſelbſt und ſeiner Proſperity. Bis jetzt
endlich die Erkenntnis reifte, daß auch die Vereinigten Staaten
nicht aus dem Nexus der Weltwirtſchaft herausgelöſt werden
könnten. Der Baumwollfarmer kann nicht leben, wenn die
euro=
päiſche Textilinduſtrie darniederliegt. Und der Weizen= und
Kornfarmer muß zugrunde gehen, wenn ihm niemand ſeine
Früchte abkauft. Man ſagt, daß Hoover insbeſondere durch
eine Reiſe durch den wirtſchaftlich zerrütteten Mittelweſten zu
ſeinem Schritt veranlaßt worden ſei. Darin mag viel Wahres
liegen.
In ſeiner Botſchaft ſchneidet Hoover zum Schluß die Frage
der Abrüſtungskonferenz an. Milliarden werden jährlich
un=
produktiv feſtgelegt. Nicht nur in Europa allerdings, ſondern
auch in Amerika. Niemand wird eine ehrliche Abrüſtung mehr
begrüßen als Deutſchland. Wenn es Hoover gelingt, ſeine ganze
Autorität dafür einzuſetzen und ſich damit durchzuſetzen, dann
wird er nicht nur an Deutſchland das Unrecht gutgemacht
haben, das einer ſeiner Vorgänger dieſem Lande zufügte,
ſon=
dern dann wird er der geſamten Menſchheit wirklich den Dienſt
geleiſtet haben, deſſen ſie bedarf. Ein wahrhafter „Dienſt am
Kunden” in der Tat: wird doch die von Rüſtungslaſten
be=
freite und vor allem politiſch befriedete Welt ein ganz anderer
Kunde amerikaniſcher Produkte auch ſein können als ſie es
heute zwangsläufig ſein muß. Dieſen Abſichten Hoovers, denen
Deutſchland aus vollem Herzen zuſtimmen kann, aber
wider=
ſetzt ſich mit Zähigkeit Frankreich. Sein entſchiedener und
gerade=
zu unhöflicher Proteſt gegen Hoovers Botſchaft darf daher nicht
nur aus den angedeuteten Geſichtspunkten des Formaljuriſtiſchen
und Reparationspolitiſchen verſtanden werden, ſondern als
Pro=
teſt gegen die Befriedung Europas und der Welt, die
herbeizu=
führen Hoover in Gemeinſchaft mit Maedonald ſich ehrlich
be=
müht. Deutſchland kann dieſes Bemühen nur unterſtützen. Und
wenn Hoover ſeinen Landsleuten den Rat gibt, im eigenen
Intereſſe „gute Gläubiger und gute Nachbarn” zu ſein, ſo kann
dieſer Rat von Deutſchland her an Frankreich weitergegeben
Dr. Sch.
werden.
Der Geſetgebungsausſchuß des Heſſ. Landkages
ſetzte geſtern die Beratung der ſtrittigen Punkte der
Gemeinde=
ordnung fort. Das ſeitherige demokrätiſch=ſtaatsparteiliche
Aus=
ſchußmitglied Schreiber nahm an der Sitzung nicht mehr teil, ſo
daß der Ausſchuß nur noch aus 12 Mitgliedern beſteht. Der
Ausſchuß genehmigte einſtimmig den Geſetzentwurf, über die
Einſtellung von Kraftfahrzeugen. Ein Beſchluß
der deutſchen Länder ſoll durch entſprechende Verordnung auch
für Heſſen in Kraft treten. Der volksparteiliche Antrag, den
11. Auguſt (Verfaſſungstag) als geſetzlichen Feiertag in Heſſen
aufzuheben, wurde mit 8 Stimmen der Sozialdemokraten und
des Zentrums gegen 4 Stimmen der Volkspartei und des
Land=
bundes abgelehnt. Eine den gleichen Zweck verfolgende
Ein=
gabe der Mainzer Induſtrie= und Handelskammer war damit
erledigt. Ein Antrag der früheren demokratiſchen Fraktion auf
Umorganiſation der Staatsverwaltung, wurde
gegen Volkspartei und Landbund abgelehnt. Da das
Zen=
trum für Mittwoch eine Sitzung ſeines Landesausſchuſſes nach
Mainz einberufen hat, ſetzt der Ausſchuß erſt am Donnerstag
ſeine Beratungen fort. Die Regierung ſoll bis zu dieſer Sitzung
neue Formulierungen über die Reſtpunkte der Gemeindeordnung
ausarbeiten.
Am Dienstag nachmittag beriet der interfraktionelle
Aus=
ſchuß der Regierungsparteien, wobei auch der Austritt der
dritten Koalitionspartei beſprochen wurde.
30. Zeulſcher derntelag i Aoin.
Schluß.
Aerztliche Fortbildung. — Paſſiver Luftſchutz. — Not der
Grenz=
landärzte. — Kundgebung zu den geſundheitlichen Folgen der
Tributlaſten.
Ueber ärztliche Fortbildung referierten der bekannte
Mün=
chener Kliniker Friedrich von Müller und Prof. Adam,
Berlin. Geheimrat von Müller hob hervor, daß
naturwiſſen=
ſchaftliche und mediziniſche Fortbildung nicht nur zur
ſachge=
mäßen Krankenbehandlung, ſondern für den Arzt ſelbſt
unent=
behrlich ſei. Die Weiterbildung ſei der Jungbrunnen, aus dem
der Arzt die Kräfte ſchöpft, um ſich über die Mühſal und die
Enttäuſchungen ſeines Berufes zu erheben und ſich darin
be=
friedigt zu fühlen. Die Fortbildung darf ſich aber nicht auf
theoretiſche Vorleſungen beſchränken, ſondern ſoll in praktiſcher
Tätigkeit am Krankenbett und im Laboratorium vor ſich gehen.
Fortbildungskurſe ſollen ſich immer nur auf ein oder wenige
Fächer erſtrecken. Prof. Adam, Direktor des Kaiſerin=Friedrich=
Hauſes, gab der Anſicht Ausdruck, daß ärztliche Fortbildung nicht
allein durch Kongreſſe und Lektüre wiſſenſchaftlicher Zeitſchriften
erfolgen könne. Obwohl in Deutſchland ein Fortbildungsweſen
beſteht wie es auf der ganzen Welt nicht wiederzufinden iſt, weil
man die Fortbildung bei uns nicht als eine rein berufliche
An=
gelegenheit der Aerzte anſieht, ſondern als einen weſentlichen
Faktor der öffentlichen Geſundheitspflege, muß für die
Fortbil=
dung der Landärzte mehr getan werden. Die Kurſe müſſen
ohne allzu große Opfer an Zeit und Geld erreichbar ſein.
Des=
halb haben ſich Staat, Kommunalverwaltungen,
Aerzteorganiſa=
tionen und zum Teil die Landesverſicherungsanſtalten
zuſam=
mengeſchloſſen, um den Landarzt für ſeine Unkoſten während der
Fortbildungszeit zu entſchädigen.
Zum Schluß nahm der Aerztetag eine Reihe von
Entſchlie=
ßungen an. Die erſte betraf den paſſiven Luftſchutz. Die
Aerzte=
ſchaft war von der deutſchen Luftſchutzvereinigung Stuttgart um
ihre Mitwirkung bei der Aufklärung der Bevölkerung über die
Gefahren des Luftkrieges aufgefordert worden. Der deutſche
Aerztetag ſtellt angeſichts der bevorſtehenden Abrüſtungskonferenz
die Forderung an die Reichsregierung, durch internationale
Ver=
einbarung die Verwendung von Giftgaſen und
krankheits=
erregenden Bakterien zum Zwecke der Vernichtung eines Volkes
unmöglich zu machen.
Die Not der Grenzlandärzte, die bei allzu großen ärztlichen
Verſorgungsgebieten in wirtſchaftliche Schwierigkeiten geraten
und bereits abzuwandern beginnen, veranlaßt den Deutſchen
Aerztetag, die Reichsregierung zu bitten, der Sicherung der
ärzt=
lichen Verſorgung der Grenzlandbezirke erhöhte Aufmerkfamkeit
Vom Tage.
In den Reichsminiſterien werden zurzeit die
Ausführungs=
beſtimmungen zur Notverordnung ausgearbeitet. Dabei iſt
beab=
ſichtigt, hinſichtlich der Gehaltskürzung bei den Beamten der
Schutzpolizei und der Wehrmacht eine Milderung eintreten zu
laſſen.
Der öſterreichiſche Verfaſſungsgerichtshof hat die Verordnung
über das Studentenrecht der Wiener Univerſität als geſetzwidrig
aufgehoben. Im Zuſammenhang damit kam es an der Univerſität
zu ſchweren Ausſchreitungen. Nicht nur die Univerſität, auch die
Techniſche Hochſchule ſowie die Hochſchulen für Bodenkultur und
Welthandel ſind bis auf weiteres geſchloſſen worden.
Der öſterreichiſche Nationalrat beſchloß geſtern eine Erhöhung
des Zolles auf rohen und gebrannten Kaffee von 10 auf 290 bzw.
135 auf 270 Goldkronen, und auf Tee von 250 auf 400 Goldkronen
für je 100 Kilogramm. Dieſe Zollerhöhung ſtellt eine der
Maß=
nahmen zur Sanierung der öſterreichiſchen Finanzen dar.
Julius Maniu, der Führer der Nationalen Bauernpartei
Rumäniens, richtete an den Präſidenten der Partei einen Brief.
in dem er ſeinen unumſtößlichen Beſchluß, ſich aus dem
Partei=
leben zurückzuziehen, bekannt gibt.
Botſchafter v. Hoeſch, der letzte Nacht von ſeiner Berliner
Reiſe zurückgekehrt iſt, hatte am Dienstag abend, im Anſchluß an
die Kammerſitzung, eine ausführliche Unterredung mit Briand.
Der Quai d’Orſay hat ſich ofiziell mit den Regierungen von
Brüſſel und Rom in Verbindung geſetzt, um ſich über die durch
das Angebot Hoovers geſchaffene Lage und die auf dieſes
An=
gebot zu erteilende Antwort zu verſtändigen.
Staatsſekretär Stimſon hat am Dienstag die diplomatiſchen
Vertreter Deutſchlands, Englands, Italiens, Belgiens,
Südſla=
wiens, Rumäniens und der Tſchechoſlowakei zu Beſprechungen
über den Hooverſchen Vorſchlag eines allgemeinen einjährigen
Zahlungsaufſchubes empfangen.
Zuolſchen Bafmnglon und Purls.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
* Paris, 23. Juni.
Die Erklärungen Hoovers löſten hier eine gewiſſe
Ueber=
raſchung aus. Sie kamen zwar nicht ganz unvorbereitet. Die
Reiſe Mellons und die Nachricht von der Reiſe Stimſons waren
ſchon Vorzeichen einer erhöhten Aktivität in der Außenpolitik der
Vereinigten Staaten. Die Erklärungen Hoovers kamen aber
ſchneller, als man ſie erwartet hatte.
Die Haltung Frankreichs Amerika gegenüber war bis jetzt
ganz auffallend paſſiv. Jederman hier war und iſt davon
über=
zeugt, daß zwiſchen den Reparationen und den interalliierten
Zahlungen ein faktiſcher Zuſammenhang beſteht. Aber man
hütet ſich, Waſhington gegenüber eine Initiative in dieſem
Sinne zu ergreifen. Die Urſache der franzöſiſchen
Zurückhal=
tung beſteht vor allem in der Furcht, daß, wenn Amerika ſich
nachgiebig zeigt, es auch von Frankreich Nachgiebigkeit erwartet.
Auffallend iſt, daß Hoover in ſeiner Erklärung an der
Fik=
tion, daß zwiſchen den interalliierten Schulden
und der Reparationsfrage keinerlei
Zuſammen=
hang beſteht, feſthält. Nichtsdeſtoweniger iſt dieſer
Zuſammen=
hang aber ſchon praktiſch etgbliert,
Amerika kann auf die Zahlung der interalliierten Schulden
auf ein Jahr verzichten und einen entſprechenden Nachlaß für
Deutſchland fordern. Die Interallierten Schulden entſprechen
aber nur dem konditionellen Teil der Reparationszahlungen.
Es iſt klar, daß Amerika auch die Aufhebung des inkonditionellen
Teiles der deutſchen Zahlungen auf ein Jahr wünſcht.
Nach einer Meldung der Aſſociated Preß bezieht ſich der
Vorſchlag des Präſidenten Hoover eines einjährigen
Zahlungs=
aufſchubes der Kriegsſchulden= und der Reparationszahlungen
auch auf die ungeſchützten deutſchen Reparationszahlungen.
Des=
halb kann man ſich hier für die amerikaniſchen Vorſchläge
keines=
wegs begeiſtern.
Genau wie bei den Reparationen zielt auch
in der Abrüſtungsfrage die Außenpolitik
Wa=
ſhingtons auf die Feſtlegung eines praktiſchen
Zuſammenhanges mit den interallierten
Schul=
den ab. Die Worte Hoovers ſind nicht mißzuverſtehen.
Gleich=
zeitig mit den Konzeſſionen bei der Eintreibung der europäiſchen
Schulden übt Waſhington einen nicht einmal milden Druck in
der Abrüſtungsfrage aus. Das empfindet man hier als recht
unangenehm.
Alles in allem werden die Erklärungen Hoovers als
ein Erfolg der deutſchen Außenpolitik aufgefaßt.
Vielfach wird die Aenderung in der Haltung der
Vereinigten Staaten Europa gegenüber als
eine direkte Folge der Verhandlungen in
Che=
quers dargeſtellt. Das macht ſie nicht ohne weiteres
ſym=
pathiſch. Immerhin wird auch hier die Tatſache, daß
Waſhing=
ton auf ſeine Iſolierung Europa gegenüber zu verzichten
be=
ginnt, als ein günſtiges Moment aufgefaßt.
zu widmen und zu dieſem Zwecke geeignete Maßnahmen
vorzu=
bereiten.
In einer beſonderen Kundgebung nahm ſchließlich der
Aerztetag zu den Tributlaſten Stellung. Das deutſche Volk iſt
durch die Tributlaſten nicht nur in wirtſchaftlicher, ſondern auch
in geſundheitlicher Beziehung ſchwer bedroht. Durch die
Unmög=
lichkeit, Arbeit zu finden, ſind Millionen der erwerbstätigen
Be=
völkerung mit ihren Frauen und Kindern in ihrer Lebenshaltung
aufs Aeußerſte herabgedrückt. Seeliſche und wirtſchaftliche Not
müſſen zu ſchwerer Erſchütterung der Lebenskraft führen. Sollten
Epidemien unſer erſchöpftes Volk befallen, ſo könnte die
herab=
geſetzte Widerſtandskraft zu Kataſtrophen führen, die auch an
den Landesgrenzen nicht Halt machen würden. Die deutſche
Aerzteſchaft erhebt ihre warnende Stimme dagegen, daß das
deutſche Volk wiederum dem Hunger und ſeinen entſetzlichen
Folgen ausgeliefert wird. „Es muß eine Solidarität der
Menſch=
heit gegenüber Hunger und Krankheit geben. An dieſe wollen
wir in dieſer Stunde glauben und hoffen, daß durch
Erleich=
terung der Tributlaſten das deutſche Volk wieder
Lebensmög=
lichkeiten erhält, damit es nicht der Verzweiflung in die Arme
getrieben wird."
Dr. K.
Das wichkige Amt der Kunft.
Ich denke noch an die Bauernſtuben in der Heimat, zur
Jugendzeit — da hing an den getünchten Wänden, waren ſie auch
ſonſt noch ſo arm, immer eine oder mehrere jener grellfarbigen
Lithographien, die „Jägers Begräbnis oder die Lebensalter
darſtellten. Oder es war ein Stich mit dem Kopfe Guſtav Adolfs
mit dem mächtigen Knebelbart oder Martin Luther im
Prediger=
rock mit Bibel und Beffchen. Was wars, das die Leute trieb dieſe
Bilder aufzuhängen? Sie wollten irgend etwas an der Wand
haben, das ihnen von einem „Sinn” ſprach, das eine „Bedeutung”
trug. In Bürgerſtuben war es etwa Schwinds „Morgenſtunde‟
oder ſpäterhin Böcklins „Toteninſel” oder etwas dieſer Art und
auch hier war das Bild an der Wand als Träger eines „Wertes",
als Sinn=Bild in die Wohnung hereingekommen. Es ging um
Tod oder um Leben, es ging um ein Beſchauen und Nachdenken
über die wichtigſten Dinge des Daſeins. Was iſt aber das
ent=
wickeltere Kunſtverſtändnis anderes als die Fähigkeit, Sinn, Wert
und Bedeutung auch in den ſchwerwiegenderen Geſtaltungen zu
erkennen? Etwa in einer Landſchaft, in einem Stilleben, in einer
menſchlichen Figur? Heute iſt der Film da, das große
photogra=
phiſche Material in den illuſtrierten Blättern. Das Auge des
heu=
tigen Menſchen iſt viel beſchäftigt und ganz anders eingeſtellt als
früher — aber das wichtige Amt der Kunſt iſt dasſelbe geblieben
wie zu alten Zeiten: einen Strom von Deutung in unſer Daſein
zu leiten, die Kräfte zu zeigen, die hinter den Dingen und in ihnen
wirken. Ein Bildnis von Rembrandt iſt mehr als die
Beſtand=
aufnahme eines Menſchenkonfes; es ſagt ſtets auch ein Wort über
den tragiſchen Sinn des Lebens. Ein Stilleben von Karl Hofer
weiß von der Schwermut und der brütenden Kraft, die in einem
Nummer 173
Die öfterreichiſche Regierungserklärung
Die an dem Zuſammenbruch der Kreditanfkalt
Schuldigen ſollen zur Rechenſchaft gezogen werden.
Wien, 23. Juni.
In der Dienstagsſitzung des öſterreichiſchen Nationalrat—s
ſtellte ſich die Regierung dem Parlament vor. Bundeskanzler 2
Bureſch befaßte ſich in ſeiner Regierungserklärung zunächſt mt
der Innenpolitik. Seine Richtlinien laſſen ſich in folgende Worxe
zuſammenfaſſen: Gerechte Aufteilung der von dern
Bevölkerung verlangten Opfer, raſcheſte Erl,
digung der Zollvorlagen, Abſchluß der Har,
delsverträge, Reform der Verwaltung. Uebor
die Reorganiſation der Kreditanſtalt ſagte dur
Bundeskanzler unter lebhaftem Beifall: Es wird Aufgabe
der Regierung ſein, die Verantwortung auch fürr
die verfloſſene Zeit im Sinne der beſtehenden Geſetz
gegenüber allen ſchuldtragenden Organen reſtlos feſtzuſtel,
len und vorgekommene Verfehlungen der g= Ahndung zuzuführen. Die Beſtellung ein s
Direktors als verantwortlichen Leiter der Anſtalt wird ohne Ve= erfolgen. Es wird mit nachdrücklicher Unterſtützung d e
Regierung raſcheſtens der Plan der Rekonſtitution der
Anſtalt ausgearbeitet werden, wobei das Ausmaß der
Bezüge und Penſionen einer ſtrengen Reviſion
unterzogen werden wird. In dieſer Richtung erforderliche
Maßnahmen werden notwendigenfalls auch im Geſetzeswege g.
troffen werden.
Der Bundeskanzler ging dann auf die Außenpolitä
über, von der er ſagte, daß gerade Oeſterreichs Außenpolitik in
jetzigen Augenblick in ausſchlaggebender Weiſe ſeinen wirtſchaf
lichen Erforderniſſen Rechnung tragen müſſe. Die Regierung /4
entſchloſſen, die freundſchaftlichen Beziehungen zu allen Nachbar
ſtaaten Oeſterreichs ſorgfältig zu pflegen. Insbeſondere d-i
brüderliche Freundſchaft, die Oeſterreich mie
dem Deutſchen Reiche verbindet, wird als werk
vollſter Beſtandteil der öſterreichiſchen
Außen=
politik von der gegenwärtigen Regierung mit aller Sorgfa
gepflegt werden.
Er kam dann auf die Zollunionsfrage zu ſpreche=
und meinte, er halte es nicht für angebracht, vor der Entſcheidum
des Haager Schiedsgerichtshofes zu dem Zollunionsplan in de
Regierungserklärung präjudizierend Stellung zu nehmen. Dei
Bundeskanzler ſkizzierte ſodann die gegenwärtigen
Handelsven=
tragsverhandlungen und äußerte weiter: „In den Tagen, die wir
und mit uns ein großer Teil der Staaten Europas durchleben.
kommt die frohe Kunde von der von tiefen menſchlichen Gefühle
und Verſtehen zeugenden Botſchaft des Herrn Präſidenten der
Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Lichtſtrahl der Hofn
Erweikerung des Morakoriums auf zwei Jahre!
EP. Paris, 23. Juni.
Der „Intranſigeant” glaubt zu wiſſen, daß der amerika
niſche Moratoriums=Vorſchlag nicht auf ein, ſondern
auf zwei Jahre ausgedehnt werden ſoll, was nachk
Anſicht der Wirtſchafts=Sachverſtändigen der Weltkriſe ein End
bereiten und ein Anziehen der Geſchäftstätigkeit zur Folge haben
könnte. Um die durch den Zahlungsausfall entſtehenden Budget
fehlbeträge zu decken, erwäge man ſeit geſtern, eine Anleihe
von drei Milliarden Dollar aufzulegen, die von allen
Alliierten und den Amerikanern garantiert werde und an den
auch Deutſchland ſich beteiligen könnte. Dieſe Anleihe würde es
den Gläubigerſtaaten ermöglichen, ihre Budgets im Gleichgewichn
zu halten. Die Verhandlungen über die Anleihe ſollten nicht die
Diplomaten und Techniker, ſondern die Bankiers und
Induſtriel=
len aller intereſſierten Länder führen.
Krug, einer Blume ſchlafen. Die Kunſt ſpricht alle die Begleit
gefühle, die jeder Menſch beim Anſchauen der Welt hat und die
das Wichtigſte bei dieſem Anſchauen ſind, klar aus. Sie
rede-
immer von der einen großen Welt, in der wir leben — aber lie
redet ſo von ihr, daß ſie die Menſchen wacher, ergriffener,
mäch=
tiger in dieſe Welt hineinſtellt. Vor allem auch gegenwärtiger.
d. h. zeitbewußter und zeitklarer! Wie ſehr verkennt man das
Weſen der Kunſt, wenn man überſieht, wieviel ſie uns fortdauernO
über die heutige Welt mitteilt! Wir leben die Gegenwart
doppel-
mit, wenn wir ſie auch in ihren künſtleriſchen Gebilden verfolgen-
Und der Erfolg iſt: wir verſtehen ſie beſſer.
Solche Gedanken ſind es, mit denen man die Hefte der „
Deut=
ſchen Kunſt und Dekoration”, der bekannten Darmſtädter
Kunſt=
zeitſchrift, durchblättert. Gerade weil da Ueberblick über
Ver=
ſchiedenſtes gegeben iſt. Der Inhalt des letzterſchienenen
Juli=
heftes (das Juliheft der „Deutſchen Kunſt und Dekoration” mit 6e
Abbildungen iſt auch einzeln durch alle Buchhandlungen, oder durck.
die Verlagsanſtalt Alexander Koch G. m. b. H., Darmſtadt. er=
hältlich) reicht von der Malerei bis zur Kleinkeramik, von der Ber=
nung iſt in unſer aller Herzen gedrungen. Ich nehme den Arn
laß, der ſich mir heute bietet, wahr, um dem gegenwärtigen
Lei=
ter der Geſchicke der Vereinigten Staaten von Amerika, der ſcho
einmal unſerem Volke in Zeiten größter Not die rettende Han
gereicht hat, für die neuerliche Großtat im Namen Oeſterreich
und ſeines Volkes von ganzem Herzen zu danken. Der neu
Regierungschef erbat ſodann für die Regierung die Unterſtützung
des Volkes.
Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde hierauf ſofort die=
Ausſprache über die Regierungserklärung eröffnet.
wi
it
I
der
zur
oor
cnen
liner Sezeſſion bis zum ungelehrten Autodidaktentum eines Bernh.
Feldkamp oder André Bauchant. Dieſe Vielſeitigkeit iſt aber nichts
nur ein äußerlicher Reiz der Kochſchen Monatsſchrift, ſondern
ſie=
betrifft das Weſentliche ihrer Leiſtung: großartige Informatfonl.?
über alle geiſtigen Triebkräfte, die die Kunſt von heute behekle
ſchen. Es ſei namentlich auf die einleitende Veröffentlichung
„Akademie und Sezeſſion” in Berlin hingewieſen; ſie bringt
Ab=
bildungen nach neueſten Werken von Pechſtein, Xaver Fuhr, Orin
de Fiori, Purrmann, Jaeckel, Fritſch und vielen anderen. Vielen
wird es auch ſehr erwünſcht ſein, in dieſem Heft wieder
etwas=
über das neueſte Schaffen des vielgenannten belgiſchen Bildhauers
George Minne zu erfahren. Eine Reihe anregender Textbeitrage
gibt allen, die zu leſen verſtehen, wertvolle Belehrung und Anlar
zu eigenem Denken.
— Neben der Electrola=Geſellſchaft und der Lindſtröm A.=G. haber
h nun auch die Deutſchen Grammophon= und Polyphonwerke berel?
klärt, für die Wohlfahrtskaſſen der Genoſſenſchaft Deutſcher Bühnen
gehörigen eine Schallplatte zu opfern. Die Kapellen Godwin und
vſchakoff werden moderne Schlager ſpielen. Alle an der Herſtellung.
eſer Platte Beteiligten werden zugunſten der in Not geratenen Buh
nkünſtler auf ihre Einnahmen verzichten. Die erſte „Wohlfahrtsplatte
r Genoſſenſchaft”, die ſoeben bei der Electrola in den Handel gekommern
trägt die Nummer E. W. 100. Marcel Wittriſch ſingt ein Lied auss
„Fledermaus” nd Marek Weber ſpielt einen Walzer. — Als zweite
ſohlfahrtsplatte wird im Spätſommer eine Tauber=Aufnahme auß
deon erſcheinen.
— Verſteigerung der Sammlung Hofſtede de Groot. Wie wir
er=
ren, wird die außerordentlich wertvolle Sammlung von ca. 300
Hand=
chnungen niederländiſcher Meiſter, meiſt des 17. Jahrhunderts, die der
r einiger Zeit verſtorbene bekannte holländiſche Kunſthiſtoriker Dr. Hofſtede de Groot im Haag hinterlaſſen hat, im kommendem
rbſt bei C. G. Boerner in Leipzig zur Verſteigerung gelangen.
ofſtede de Groot war ein bekannter Kenner auf dem Gebiete der hol= Kunſt des 17. Jahrhunderts und im beſonderen einer der be= Rembrandt=Spezialiſten. Die Sammlung enthält über 20
iginal=Zeichnungen Rembrandts,
Nummer 173
Seite 3
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Ruftſcen Amworl.
Zuſtimmung Frankreichs unker Vorbehallen. — Feſthalfen am Young=Plan. — Paris will Anfrollung
des Reparalionsproblems außerhalb des Young=Planes verhindern. — Deukſchland ſoll den ungeſchihlen
Teil in Reichsmark an die 5. J.3. zahlen und ihn wieder als Kredik aufnehmen, ſowie den Garankiefonds
für den Sall eines Transſer=Morakoriums ſelbſt einzahlen.
Die Pariſer Enkſcheidung verkagk.
Paris, 23. Juni.
Am Dienstag vormittag, fand im Elyſée, unter dem Vorſitz
des Präſidenten der Republik Doumer, ein Miniſterrat ſtatt, in
dem der Vorſchlag Hoovers auf einjährige Zahlungsausſetzung
geprüft wurde. Nach dem offiziellen Communiqué erſtattete
Außenminiſter Briand Bericht über die Bedingungen, unter
denen die franzöſiſche Regierung mit dieſem Vorſchlag befaßt
wurde. Finanzminiſter Flandin und Budgetminiſter Piétri
ſprachen über die Folgen, die die Durchführung der
amerikani=
ſchen Anregung auf die franzöſiſchen Finanzen haben würde. Die
Diskuſſion über dieſes Thema wird im Laufe eines Miniſterrats
morgen vormittag fortgeſetzt werden. Dabei wird auch der Text
der Antwort feſtgelegt werden, die dem Präſidenten Hoover
zu=
geſtellt werden ſoll.
* Der franzöſiſche Miniſterrat iſt am Dienstag — wie von
vornherein zu erwarten war — auseinandergegangen, ohne eine
Entſcheidung zu treffen. An amtlicher Berliner Stelle liegen
auch neue Meldungen über die Abſichten der franzöſiſchen
Regie=
rung zurzeit noch nicht vor, hauptſächlich deshalb, weil der
Bot=
ſchafter erſt am Montag auf ſeinen Poſten zurückkehren konnte
und kaum vor Mittwoch Gelegenheit hat, nach Berlin zu
berich=
ten. Es ſcheint aber ſo, als wenn in Paris daran gearbeitet
wird, einen Gegenvorſchlag auszuarbeiten, der praktiſch
darauf hinausläuft, den Gedanken Hoovers mit den
Möglichkeiten des Young=Plans zu verkoppeln
und ſo Frankreich nach zwei Richtungen hin Vorteile zu
lichern.
Die urſprüngliche Abſicht, auf der Weiterzahlung der
un=
geſchützten Annuität unter allen Umſtänden zu beharren,
iſt wohl aufgegeben worden, ſoll aber wohl in anderer
Form wieder aufleben. Frankreich will das Prinzip der
ungeſchützten Zahlungen in irgendeiner Form anerkannt
wiſſen. Es wäre bereit, für den geſchützten Teil von
1,1 Milliarden RM. Stundung zu gewähren, von dem
un=
geſchützten Teil ſoll aber ein Betrag von rund 500
Mil=
lionen an die Reparationsbank nicht in Deviſen, ſondern
in Reichsmark abgeführt werden. Aus dieſem Fonds ſollen
dann an mitteleuropäiſche Staaten, vornehmlich an
Deutſch=
land, Kredite gegeben werden. Das würde praktiſch
bedeu=
ten, daß ſich das Aufbringungsmoratorium nicht auf 1,5,
ſondern nur auf 1,1 Milliarden RM. erſtreckte. Selbſt wenn
der geſamte, auf die B. J. 3. eingezahlte Betrag uns
wie=
der geliehen würde, ſtünde uns zwar im Effekt das Geld
zur Verfügung, aber es wäre nicht geſpart, ſondern wir
müßten es verzinſen und ſpäterhin amortiſieren.
Frank=
reich aber hätte von dieſer Konſtruktion den Vorteil, daß
eine Aufrollung des Reparationsproblems außerhalb des
Young=Planes vermieden würde und gleichzeitig der
Garantiefonds, den Frankreich der Reparationsbank zur
Verfügung ſtellen muß, im Augenblick, wo Deutſchland ein
Transfermoratorium erklärt, von Deutſchland ſelbſt
ein=
gezahlt würde. Das Riſiko, das Frankreich aus dem
Auf=
bringungsmoratorium läuft, würde dadurch ausgeglichen.
Es iſt in erſter Linie Aufgabe des Präſidenten
Hoover, ſeinen Vorſchlag einem derartigen
Verwäſſerungs=
vorſchlag gegenüber zu verteidigen. Soweit man hört, hat er
auch den Franzoſen bereits eine Gegenrechnung aufgemacht und
ihnen zahlenmäßig bewieſen, daß das Riſiko für ſie bei
einem Scheitern ſeines Vorſchlags doch
weſent=
lich größer iſt. Trotzdem iſt ſicher, daß Frankreich, auch
wenn es ſchließlich dem Vorſchlag zuſtimmt den
Verſuch machen wird, durch irgendwelche
Hin=
tertürchen ſeine Vorteile zu finden.
Ludwig Wüllner und ſeine Biographie
Zu dem Artikel unter obiger Ueberſchrift vom 23. Dezember 1930.
Die im Verlag Erich Weibezahl in Leipzig erſchienene
Bio=
graphie: „Ludwig Wüllner, ſein Leben und ſeine Kunſt” von
Franz Ludwig enthält als Einleitung Aeußerungen von 14
zeit=
genöſſiſchen Perſönlichkeiten über die Kunſt Ludwig Wüllners,
die der Verlag geſammelt und unter Zuſtimmung des
Ver=
ſaſſers der eigentlichen Biographie wie der von Dr. Ludwig
Vüllner ſelbſt in das Buch aufgenommen hat.
Dr. Wüllner ſprach ſich zwar anfangs gegen dieſe
Vor=
ſprüche aus, wurde aber bald vom Verleger Weibezahl eines
underen überzeugt und hat dieſem ſelbſt verſchiedentlich bei
der Zuſammenſtellung geholfen.
Die in dem Artikel ausgeſprochene Meinung, daß der Proteſt
Vüllners ſich letzten Endes nur gegen den Verleger richte, trifft
in keiner Weiſe zu. Dr. Wüllner und Weibezahl haben ſich
mmer und in allen Punkten, die die Biographie betreffen,
ver=
tändigt, Wüllner hat den Verlag ſtets mit ſeinem Rat
unter=
tützt. Jener Brief, der in unſerem Artikel vom 23. Dezember
1930 erwähnt wurde, ſtammt aus dem Frühjahr 1928, war
längſt überholt und hatte auf die Haltung Dr. Wüllners dem
rſchienenen Buche gegenüber keinerlei Einfluß mehr. Vielmehr
tehr feſt, daß Dr. Wüllner nach wie vor mit dem Verleger
Veibezahl in Leipzig befreundet iſt und daß ſich der Proteſt
gegen das Buch einzig und allein gegen den Verfaſſer der
Biographie, Franz Ludwig, wendet.
Von Seiten, die dem Verfaſſer Ludwig nahe ſtehen, wird
eerſchiedentlich verſucht, Unklarheit in dieſe Affäre zu tragen
und die Schuld hierfür dem Verlag Weibezahl aufzubürden.
bierüber ſchwebt z. Zt. ein ſtrafgerichtliches Verfahren gegen den
ſirheber dieſer wiſſentlichen Verfälſchung. Wir ſind in der Lage,
heute eine Stelle aus einem Briefe Dr. Ludwig Wüllners zu
vröffentlichen, den dieſer nach der Lektüre eines dieſer Arlikel
in den Verfaſſer gerichtet hat:
„Sie wiſſen genau, daß Sie die ganze angelegenheit ins
gegenteil verkehrt haben, Sie wiſſen genau, daß ich meine
erklärungen nicht deshalb abgab, weil ich mich gegen die
ver=
öffentlichung jener urteile ſträubte — was ja auch lange vor
dem eigentlichen konflikt mit dem Verfaſſer (von Dr.
Wüllner hervorgehoben) geſchah, ſondern weil ich das buch
gemäß dem urteil aller ſachverſtändigen für formell ſchlecht
halten mußte und noch jetzt halte . .
(gez.) Ludwig Wüllner.
Wir nehmen gern Gelegenheit, den Verlag Erich Weibezahl
durch dieſe Veröffentlichung zu rehabilitieren.
Amerika beſteht auf vorbehaltloſer Annahme
des Hoover=Planes.
New York, 23. Juni.
In Kreiſen des Weißen Hauſes und des Staatsdepartements
herrſcht gleichfalls die Meinung vor, daß die für morgen
er=
wartete Antwort der franzöſiſchen Regierung, wenn ſie auch nicht
ablehnend ausfallen werde, doch von beſtimmten Forderungen
bezüglich des ungeſchützten Teiles der Reparationsleiſtungen
be=
gleitet ſein werde. Aber
Amerika wird, wie verſichert wird, eine bedingte
Zuſtim=
mung Frankreichs nicht anerkennen, ſondern unbeugſam
auf der Annahme des Hoover=Planes in der vorliegenden
Faſſung beſtehen.
Im Staatsdepartement wurde heute betont, daß Hoovers
Vorſchlag einen einjährigen Feiertag für alle
Regierungs=
ſchulden bedeute einſchließlich der im Youngplan als
nicht aufſchiebar bezeichneten Teilbeträge der
Reparationszahlungen. Nur unter dieſer Bedingung, ſo wurde
ausgeführt, könne der Plan das erſtrebte Ziel einer
Erleich=
terung der deutſchen kritiſchen Lage erreichen.
Amerikaniſcher Druck auf Frankreich.
Es beſtätigt ſich, daß Amerika einen beſonderen Schritt
gegenüber Frankreich unternommen hat. Die Pariſer Agentur
Radio meldet aus Waſhington, daß der Unterſtaatsſekretär des
Schatzamtes, Mills, dem franzöſiſchen Attaché eine Denkſchrift in
der Form von zwei Zahlentabellen zur Weiterleitung
nach Paris übergeben habe. Eine dieſer Tabellen zeige
den Anteil Frankreichs an dem Plane des
Prä=
ſidenten Hoover auf, während die andere die
Lage darſtelle, die ſich aus einer Ablehnung von
ſeiten Frankreichs ergeben würde. Die Denkſchrift
werde als vertraulich betrachtet, bis die franzöſiſche Regierung
Gelegenheit habe, davon Kenntnis zu nehmen, bzw. ihren Inhalt
zu prüfen. Man erfahre vorläufig nur, daß das Waſhingtoner
Schatzamt eine eingehende Berechnung aufgeſtellt habe, die auf
die Feſtſtellung hinauslaufe, daß Frankreich im Zuſammenhang
mit dem Hoover=Vorſchlag 96 Millionen Dollar aufbringen müſſe.
Ferner werde auseinandergeſetzt, daß es im eigenſten
In=
terefſe Frankreichs liege, die Vorſchläge
anzu=
nehmen.
Die franzöſiſche Kammer zu Hoovers Vorſchlag.
In der franzöſiſchen Kammerſitzung am Dienstag wandte
ſich der Abg. Marin in ungewöhnlich ſcharfer Form gegen
den Hooverſchen Plan auf einen allgemeinen einjährigen
Zahlungsaufſchub, ſo daß Briand ſich veranlaßt ſah, dagegen
zu proteſtieren und die Ausführungen Marins als zu piump
zu bezeichnen. Miniſterpräſident Laval, der dann das Wort
ergriff, erklärte, der Youngplan bilde einen Teil der Huager
Abkommen. Aenderungen an dieſen Abkommen könnten nicht
ohne Natifizierung durch die Parlamente getroffen werden. Die
Regierung berate zur Zeit über den Text der Antwort, die er
dem Präſidenten der Vereinigten Staaten erteilen werde. Er
werde die Antwort im Verlauf der Freitagsſitzung bekannt
geben. Er erſuche daher die Kammer, die Interpellationen über
Mcratorium, Kriegsſchulden und Reparationen (bisher neun)
anf Freitag zu vertagen. Die Ausſprache über die
Interpella=
ticnen wurde dem Wunſche Lavals entſprechend auf Freitag
verragt.
Der Vorſtand der franzöſiſchen
ſozialiſti=
ſchen Kammerfraktion hat ſich anſchließend mit dem
Vorſchlag Hoovers beſchäftigt und grundſätzlich
au=
erkannt, daß Frankreich dieſem Vorſchlag zuſtimmen müſſe.
Allerdings ſeien im Hinblick auf den ungeſchützten Teil
Ver=
handlungen zwiſchen Amerika und den übrigen Gläubigerſtaaten
und Deutſchland notwendig. Die Vorſchläge Hoovers müßten
durch langfriſtige Kredite zu günſtigen Zinsſätzen für die in Not
befindlichen Staaten ergänzt werden.
Die Biographie mußte erſcheinen, weil der Verlag Weibezahl
in einem Prozeß, den der Verfaſſer gegen ihn angeſtrengt hatte,
unterlegen war, trotzdem ſich Wüllner dem Gericht gegenüber
gegen die Veröffentlichung ausgeſprochen hatte.
Heſſiſches Landeskheaker.
Großes Haus. — 23. Juni.
„Zidello”
Große Oper von L. pan Beethoven.
Die heutige Aufführung kam nur mit 3 Gäſten zuſtande:
Leo=
nore — Johanna Heſſe, Rocco — Heinrich Hölzlin,
Floreſtan — Wörle, über deren in dieſen Rollen bekannte und
hochgeſchätzte Leiſtungen Neues nicht zu ſagen iſt.
Das Intereſſe des Abends hatte der Gaſtdirigent Dr. Hans
Schmidt=Iſſerſtedt aus Roſtock. Das Urteil über ihn —
ſoweit ein ſolches nach einmaligem probeloſen Vordirigieren
mög=
lich iſt — kann nur günſtig lauten. Er hatte es vor fremdem
En=
ſemble mit 3 Gäſten nicht leicht. Er ſetzte ſich durch und gewann
ſich den ſeltenen Erfolg mehrfacher Hervorrufe. Er iſt eine
ſym=
pathiſche und intereſſante Perſönlichkeit von jugendlicher,
drahti=
ger, eleganter Erſcheinung, von überlegener Sicherheit —
routi=
niert ohne Mätzchen —, von ruhigem Ernſt, heißem, doch
gebän=
digtem Temperament, großer Vornehmheit, ſtarker, geſunder.
Muſi=
kalität, feiner Intelligenz und bewundernswerter Beherrſchung
der Partitur. Es iſt ein Genuß, ihm zuzuſehen. Die Art, wie er
die große Leonoren=Ouvertüre III und das Chorfinale (
auswen=
dig) machte, bewies auch ſeine Eignung für Konzert und
Chor=
werke.
Wie ich höre, trägt man ſich mit dem Gedanken, ihn mit
Kapellmeiſter Zwißler zu koordinieren. Ich halte eine
Zwei=
teilung für gefährlich, weil ich glaube, daß bei zwei verſchiedenen
Temperamenten, Begabungen, Einſtellungen und Geſinnungen ein
Auseinanderfallen der Führung in zwei Teile mit allen ſchädlichen
Folgen mangelnder Verantwortung unausbleiblich ſein wird.
Ge=
rade heute, wo es auf dieſem Gebiete kriſelt, wo die Problematik
der Oper immer ſchärfer und die Gewinnung geeigneten
Perſo=
nals ſchwieriger wird, halte ich eine ſtraffe Führung unter
ein=
heitlicher Richtlinie für notwendig.
Wenn die Auskünfte anderer Art günſtig lauten, trüge ich
kein Bedenken, dem heutigen Gaſtdirigenten, nachdem die Abſicht,
Schmitz=München zu gewinnen, ſich nicht verwirklichen ließ, die
Vollmachten eines Generalmuſikdirektors zu übertragen. v. H.
Die Kriſe
und der Weg der Deutſchen Volksparkei.
Unter dieſer Ueberſchrift wird uns von dem
Landesvorſitzen=
den der Deutſchen Volkspartei, Bürgermeiſter Dr. Niepoth,
M. d. L., geſchrieben:
Die Deutſche Volkspartei iſt ſich durchaus bewußt, daß eine
Partei, die in der Mitte ſteht und die es ablehnt, ſich in
Abhängig=
keit oder gar in Hörigkeit zu einer großen Nachbarpartei zu
be=
geben, einen Zweifrontenkampf zu führen hat. Dieſer Kampf wird
um ſo heftiger werden, je unabhängiger der Weg der Partei iſt,
je weniger ſie auf die guten Ratſchläge andrer Rückſicht nimmt.
Es war deshalb an und für ſich nicht verwunderlich, daß der
Be=
ſchluß der Reichstagsfraktion vom Donnerstag, für die
Einbe=
rufung des Reichstags zu ſtimmen, dieſelben Angriffe auf der
Linken auslöſte, wie ſie der Beſchluß vom Dienstag, gegen die
Einberufung zu votieren, auf der Rechten hervorrief. Daß ſich an
dieſen Angriffen auch ein Teil der Zentrumspreſſe beteiligte, iſt
ſchon bemerkenswerter, daß aber auch ein amtierenden
Zentrums=
miniſter die Gelegenheit benutzte, ſeinem inneren Groll gegen die
Deutſche Volkspartei Luft zu machen, iſt — was Form und
In=
halt der Ausführungen anlangt — unerhört und verdient ſchärfſte
Zurückweiſung. Es mag zugegeben werden, daß die beiden völlig
entgegengeſetzten Beſchlüſſe der Reichstagsfraktion bei
oberfläch=
licher Beurteilung und ohne Kenntnis der Zuſammenhänge den
Eindruck erwecken konnten, als habe ſie auf Grund irgendwelcher
Einflüſſe oder auf Grund irgendwelcher Ueberlegungen bei
gleichgebliebener Geſamtlage ihre Anſicht geändert
und ſei — wie dies teils frohlockend, teils hämiſch von links und
rechts in die Welt poſaunt wird — „umgefallen”., Mir perſönlich
wird man ja keine Voreingenommenheit vorwerfen können. Ich
habe mich gelegentlich der Landesausſchußſitzung am vergangenen
Senntag mit Entſchiedenheit für den Donnerstagbeſchluß der
Frak=
tion, der die Einberufung des Reichstags forderte, eingeſetzt und
hatte die Genugtuung, einmütige Zuſtimmung zu finden. Ich bin
auch heute noch der Anſicht, daß dieſer Beſchluß der
Reichstags=
fraktion nicht nur richtig, ſondern der einzig mögliche war. Mit
derſelben inneren Ueberzeugung kann ich aber heute trotzdem
er=
klären, daß der Dienstagbeſchluß genau ſo richtig, ja genau ſo
zwangsläufig war. Das ſcheint ein Widerſpruch zu
ſein, iſt es aber nicht, denn die politiſche
Situa=
tion, die Haltung des Kanzlers hatte ſich in der
Zwiſchenzeit grundlegend geändert. Nicht die
Fraktion hat ihre Anſicht bei gleichgebliebener Lage geändert, das
Ergebnis der Verhandlungen unſeres Parteiführers Dingeldey
mit dem Kanzler war vielmehr ſo, daß die Vorausſetzungen des
Donnerstagsbeſchluſſes nicht mehr vorhanden waren. Hätte die
Partei dieſen völlig veränderten Verhältniſſen nicht Rechnung
getragen, dann hätte man von einem „Umfall” ſprechen können,
allerdings von einem Umfall vor der Meinung aller derer, die
rechts von uns ſtehen.
Wie lagen die Dinge?
Als die Notverordnung erſchien, war die Deutſche Volkspartei
in der Ablehnung einig, und zwar gleichermaßen wegen der teils
verfehlten teils geradezu unſinnigen Beſtimmungen, die ſie
ent=
hielt, wie wegen der Unterlaſſung der Inangriffnahme der
Maßnahmen, die wir entſchieden gefordert hatten. Denn neue
Laſten, die keine Regierung, wie ſie auch hieße, dem Volke hätte
erſparen können, können doch nur getragen werden, wenn ſie auch
von den Betroffenen — wenigſtens innerlich — als gerecht und
un=
abweisbar empfunden werden und wenn die Einzelnen und die
Geſamtheit das Gefühl haben, daß die Opfer und Einſchränkungen
weiteſter Volkskreiſe nicht vergebens gebracht werden. Dieſes
Gefühl hatte aber wohl, ausgenommen vielleicht die Reichsminiſter
und ihre verantwortlichen Ratgeber, niemand, und ſo iſt es kein
Wunder, daß das Bekanntwerden der Verordnung geradezu
revo=
lutionierende Wirkung auslöſte. Ueber eine ſolche Entwicklung
kann ſeiner ganzen Einſtellung nach nur der Radikalismus
Genug=
tuung empfinden, die Kommuniſten, weil ſie wiſſen, daß dadurch
immer weitere Kreiſe der S.P.D. zu ihnen hinüberwechſeln und
daß damit Deutſchland für den Bolſchewismus ſturmreif gemacht
wird, die Nationalſozialiſten, weil ſie hoffen, daß die Not immer
weitere Kreiſe des Bürgertums in ihr Lager treibt. Die Deutſche
Volkspartei weiß aber, daß jede Revolution Chaos, weitere
Ver=
elendung bedeuten muß, und unſer Führer Dingeldey ſetzte ſeine
ganze Kraft ein, um zu retten, was noch zu retten war.
Von dem Gedanken ausgehend, daß der Reichstag, der ſich
wohlweislich ſelbſt ausgeſchaltet hatte, zwar im Stande wäre, die
Notverordnung zu beſeitigen, niemals aber Neues, Beſſeres an die
Stelle zu ſetzen, verſuchte er von dem Kanzler die Zuſage zu
er=
halten, ſein Kabinett umzubilden. Neue Männer, nicht
partei=
politiſch gebunden, mit einem Wort, Perſönlichkeiten, ſollten das
verbeſſern und nachholen, was ihre Vorgänger getan reſp. nicht
getan hatten. Es iſt bekannt, daß der Kanzler zunächſt nicht
bereit war, irgend welche Zuſagen zu machen. Welche Gründe
ihn zu dieſer Haltung beſtimmten, entzieht ſich meiner Beurtei=
Gaſtſpiel Mlle. Baldini im Orpheum.
Eine Revue der Heiterkeit.
Mlle. Baldini, die „beſte franzöſiſche Vedette Comique”, mit
ihrem ausgezeichneten und vielſeitigen Revue=Enſemble „Gai
Paris” gibt wiederum ein kurzes Gaſtſpiel im Orpheum. Es
wird nur drei Tage dauern, wer ſich dieſe hübſche Revue des
Humors, der Komik und damit des Lachens und — der ſchön
ge=
wachſenen Frauen anſehen will, muß ſich beeilen! —
Mlle. Baldini iſt tatſächlich eine ganz hervorragende
Komikerin. Ihre Einfälle ſind oft grotesk, und ſie kann ſich ſehr
viel „herausnehmen”, aber was ſie bringt wirkt immer nur
ausgelaſ=
ſen heiter, ihre Komik iſt oft derb, aber nie ordinär, weil ſie alles
mit ſo liebenswürdig lachender Schelmerei gibt. Dabei iſt dieſe
Künſtlerin noch Sängerin, Tänzerin und — Akrobatin von
Qualität! —
Iſt ſie ſo die ſtärkſte Stütze ihres Enſembles, ſo iſt doch auch
dieſes — man erinnert ſich des erſten Gaſtſpiels — von beſtem
varieté=künſtleriſchen Niveau. Fabelhaft das Tänzerpaar
Boi=
zoff und Radovany in ihren ebenſo ſchönen wie originellen
Akrobatik=Tänzen, und ausgezeichnet die Red Mills Girls,
mit denen ſie oft zuſammen auftreten, deren jede faſt eine
Solotänzerin iſt und die jedes der faſt 2 Dutzend Bilder und
Szenen verſchönen und intereſſant geſtalten und — ſchön,
ganz gleich, ob ſie im originellen Sportkoſtüm oder in
Phantaſie=
gebilden mit Flitter und Feder oder — ohne Koſtüme erſcheinen.
— Ausgezeichnet auch der Grotesk=Steptänzer Mr. Andrex
und der Tenor Mr. Garrick. Kurz, alle verdienten
hervor=
gehoben zu werden, wenn das nicht zu weit führen würde. Vor
allem auch Mlle. Flor, die Sängerin, und Vali Schwarz, die
liebenswürdige Conference. Und die fabelhafte — Kapellmeiſterin
Mlle. Senés, die nicht nur das Klavier führend im Orcheſter
bearbeitet, ſondern auch dieſes ſelbſt mit einer Energie dirigiert
und zuſammenhält, wie es ihr kaum ein männlicher Kollege
gleich=
tun dürfte.
Gut ſind ſchließlich noch die phantaſievollen Koſtüme, die oft
Bilder von wundervollem Farbenſpiel ergeben und den
tänzeri=
ſchen und ſzeniſchen Darbietungen ein glänzendes Relief geben. —
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Berlin: Der Berliner Strafverteidiger Rechtsanwalt und
Notar Dr. Max Alsberg iſt zum Honorarprofeſſor an der
Juriſtiſchen Fakultät der Berliner Univerſität ernannt worden.
Gleichzeitig wurde zum Honorarprofeſſor der frühere
Vizepräſi=
dent des Kammergerichts Dr. David, langjähriger Vorſitzender
der Referandarprüfungskommiſſion, ernannt.
Seſte 2
Mittwoch, den A. Junf 1931
Nummer 773
lung. Mag es ſein, daß er ſich ſcheute — menſchlich durchaus
ver=
ſtändlich —, ſich von denen zu trennen, die ſeit Monaten mit ihm
zuſammen im Schützengraben der Verantwortung ſtehen, oder mag
es ſein, daß er glaubte, eine Zuſage gegenüber der Deutſchen
Volkspartei habe neue Forderungen auch der übrigen Parteien
zur Folge. Tatſache iſt jedenfalls, daß Dingeldey vor die Fraktion
treten mußte mit der Erklärung, daß keine Ausſicht beſtände, daß
neue Männer den Kurs einſchlügen, der wenigſtens die
Möglich=
keit eröffnete, das deutſche Volk vor dem Schlimmſten zu behüten.
Im vollen Bewußtſein der Verantwortung hat deshalb die
Mehr=
heit der Fraktion ſich für die Einberufung des Reichstages
ent=
ſchieden, nicht weil ſie glaubte, daß es der Reichstag beſſer machen
würde, ſondern weil ſie wußte, daß ein Weiterregieren mit
Mit=
teln à la Notverordnung auch ohne Reichstagseinberufung zum
Chaos führen mußte.
Für den Parteiführer gab es nach dem Beſchluß der Fraktion
zwei Möglichkeiten. Entweder er legte die Hände in den Schoß
und erwartete mit fataliſtiſcher Ruhe den Tag der
Aelteſtenrats=
ſitzung, oder aber er verſuchte nochmals, geſtützt auf den Beſchluß,
mit dem Kanzler zu verhandeln. Wer Dingeldey kennt, weiß,
daß er den zweiten Weg gehen mußte. Wie bekannt iſt, hatte er
mit Brüning auf deſſen Wunſch während der Fahrt nach
Hannover eine nochmalige eingehende Beſprechung, und wir
wiſ=
ſen, daß dieſe Unterredung das gewünſchte Ergebnis hatte. Der
Kanzler, der in den Verhandlungen vor dem Donnerstag keine
Zuſicherungen irgendwelcher Art machen zu können glaubte, wurde
anſcheinend überzeugt, und die Abmachungen der beiden Führer in
der Frage der Umbildung des Kabinetts, in der Frage
der Tributreviſion und in gewiſſen Fragen der
Wirt=
ſchaftspolitik trugen den Forderungen, die die Volkspartei
in dieſer ſo unendlich gefahrvollen Lage zu ſtellen gezwungen war,
grundſätzlich Rechnung. Es war auch für die Reichstagsfraktion
eine völlig neue Situation entſtanden. Jeder halbwegs
Ver=
nünftige wird zugeben müſſen, daß in dem Augenblick, in dem der
Verhandlungsführer zur Fraktion zurückkam mit dem Ergebnis,
daß der Verhandlungsgegner früher abgelehnte Wünſche der
Frak=
tion zu erfüllen bereit war, ein Feſthalten an dem früheren
Be=
ſchluß Sturheit, oder wie ich oben ſchon ſagte, Umfall aus Angſt
vor der Kritik bedeutet haben würde, ganz abgeſehen davon, daß
man Dingeldey als Verhandlungsführer für die Zukunft
unmög=
lich gemacht hätte.
Die Fraktion fiel nicht um, ſie hielt vielmehr
feſt an dem, was ſie für richtigerkannt hatte. Sie
war für die Reichstagseinberufung, ſolange ſie
der Ueberzeugung ſein mußte, daß die
Auffaſ=
ſung des Kanzlers ſich von der ihrigen
grund=
legend unterſchied, ſie konnte und mußte die
An=
träge auf Einberufung ablehnen, als ſie erfuhr,
daß der Kanzler Willens iſt, ihren Forderungen
Rechnung zu tragen.
Vor der Unkerzeichnung.
Berlin, 23. Juni.
Der deutſch=rumäniſche Handelsvertrag iſt, wie bereits kurz
gemeldet, geſtern in Berlin paraphiert worden. Wie von
zuſtän=
diger Stelle mitgeteilt wird, haben ſich die Unterhändler ſtreng
an die Richtlinien gehalten, die gelegentlich der internationalen
Verhandlungen über die Bevorzugung der ſüdoſteuropäiſchen
Staaten vereinbart worden waren. Der Vertrag ſieht nicht vor,
daß Deutſchland eine beſtimmte Menge Getreide zu Präferem.
zöllen abzunehmen hat und enthält auch keine Lieferungs.
verpflichtung. Es bleibt dem freien Handel
überlaſſen, den Nutzen aus den Präferens= zu ziehen. In dieſem Punkte unterſcheidet ſich di
Vertrag von dem zwiſchen Frankreich und Südſlawien
verei=
barten Präferenzzollſyſtem. In dem franzöſiſch=ſüdſlawiſcheer
Vertrage werden die Präferenzzölle direkt von Staatskaſſe 7u
Staatskaſſe verrechnet. Der deutſch=rumäniſche ſieht für die
Ei=
fuhr von Futtergerſte nach Deutſchland einen Abſchlag von
Prozent des jeweils geltenden autonomen Zolles und für Ma ;
einen ſolchen von 60 Prozent vor.
Entgegen der Behauptung des Matin hat die rumäniſche
Regij=
rung Deutſchland keinerlei Kontrolle über die Ausfuhr
zugeſta=
den. Auch in der Frage der Induſtriezölle iſt Deutſchland keinerl./
Sonderbehandlung zugeſagt worden. Auf Grund der
Meiſti=
begünſtigungsklauſel der anderen Handelsverträs=
Rumäniens genießen alle Vertragsſtaaten dä
gleichen Vorzugszölle. Man hofft in hieſigen
Kreiſe=
daß die Stärkung der Kaufkraft Rumäniens die Abſacz
bedingungen für Induſtrieartikel in Rumänien günſtiger geſta!
ten werde, und daß unſere Induſtrie in der Lage iſt, in freig,
Konkurrenz gegen die anderen Induſtrieſtaaten zu beſtehen.
Da der rumäniſche Delegationsführer Popesku geſtern un
mittelbar nach der Paraphierung des Vertrages nach Genf abgee
reiſt iſt, um dort an den Verhandlungen über ſüdoſteuropäiſch,
Agrarfragen teilzunehmen, und da auch die deutſchen
Delegc=
tionsführer an dieſen Verhandlungen teilnehmen werden, iſt ar/
zunehmen, daß der Vertrag in Genf am 24. oder 25. d. M. unten
zeichnet wird.
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Nummer 173
Aus der Landeshaupiftavt.
Darmſtadt, den 24. Juni 1931.
Ausländiſche Studenien im Schloßmnſeum.
Die Akademiſche Auslandsſtelle der Heſſiſchen Techniſchen
Hoch=
zule in Darmſtadt — auch A. K.A. genannt — beabſichtigt, in
Er=
inzung deutſch=ausländiſcher Ausſprachabende, mit den
auslän=
ſchen Studenten Studienfahrten zu deutſchen Kultur= und
Wirt=
ſaftsſtätten zu unternehmen. Die geplanten Veranſtaltungen
gen ſich ſo ineinander, daß den Ausländern ein möglichſt
ge=
loſſenes Geſamtbild der deutſchen Kultur und der deutſchen
ſirtſchaft dageboten wird, wobei ſchon aus Zeit= und
Erſparnis=
ünden das heſſiſche Land als bevorzugtes Studienobjekt zu
ſenen hat.
Mit Genugtuung darf feſtgeſtellt werden, daß die in Betracht
mmenden Stellen dieſen Beſtrebungen der A.K.A. das
aller=
ößte Intereſſe entgegenbringen. So wohnten der
Beſichti=
ung des Schloßmuſeums neben den zahlreich erſchienenen
esländiſchen Studenten ſämtlicher in Darmſtadt vertretenen
Na=
onalitäten und neben dem Mitarbeiterſtab des zuſtändigen
deut=
ſen Kommilitonen, des Herrn Hoppe, mehrere Gäſte, wie der
ſte Vorſitzende des Heſſiſchen Verkehrsverbandes der
allver=
acte Altmeiſter des Verkehrsweſens. Herr Theodor Stemmer,
. Die Heſſiſche Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt war
ſrch Herrn Dipl.=Ing. Henco, der Arbeitskreisleiter der A. K.A.
vertreten.
Beſonders genußreich wurde die Beſichtigung des entzückenden
hloßmuſeums dadurch, daß ſein Schöpfer, Herr Graf Kuno von
ſrdenberg, perſönlich führte. Seine Ausführungen gaben eine
endige Rekonſtruktion jahrhunderte alten Kultur= und
Geiſtes=
dens. Die geiſtvolle, aus dem Vollen ſch.
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Seite 5
Bereingang ſae gerichtiiche Bſpcolohte u. Pfycinteie m Heſſen
nehmen ſoll und dadurch einen unmittelbaren Eindruck von dem
Sachverhalt empfange. Vorausſetzung ſei aber, daß die Staats=
Lagung ii Burmſtadt.
anwälte für dieſe ſchwierige Aufgabe beſonders ausgebildet und
eſtündigen Führung aufle. —. Der Höhewunkt war
zweifels=
ne in der Betrachtung der Holbeinſchen Madonna gegeben Die
ſturgeſchichtlichen Darlegungen Hardenbergs, die Mitteilung
w Lenkung der möglichen Meditationen vor dieſem Meiſterwerk
gindruckten die Gäſte in einem Maße, daß ſie im wahrſten Sinne
* Wortes gebannt waren. Beſonders ſtarkes Intereſſe wurde
uh der Sammlung von Erinnerungen an den 70er Krieg, ſowie
Fbeſondere an den Weltkrieg entgegengebracht, welch letztere mit
ſten Lebensmittelkarten und den Brotrationen in natura ein
nchauliches Bild der Auswirkungen der Hungerblockade
ver=
mtelten.
Mit aufrichtigen Worten des Dankes bekundeten die
auslän=
ſchen Kommilitonen den Gewinn, der überdies durch eine
Ver=
ſung der deutſch=ausländiſchen Kameradſchaft vermehrt worden
i dürfte.
Wie wir erfahren wird demnächſt eine Führung durch die
zſiſche Landesbibliothek mit ihren wertvollen Kulturgütern
ſiatfinden, wozu in dankenswerter Weiſe Herr Direktor
Eppels=
bemer ſeine Zuſtimmung gegeben hat. Des weiteren wird eine
läudienfahrt ins Goldene Mainz” geplant woſelbſt die
bekann=
iu Zeugen alter deutſcher Kultur und das im Aufbau befindliche
ſiternationale Inſtitut für Völkerpädagogik” zu beſichtigen ſein
ud. Hinſichtlich der Beſichtigung deutſcher Fabrikationsſtätten
ſiütdie Planung noch im Gange; für Anerbieten iſt die A. K. A.
iei dankbar. Auf einem demnächſt ſtattfindenden deutſch=
auslän=
hichen Ausſpracheabend wird ein Perſer über Perſiens Kultur
w Wirtſchaft referieren.
Möchten dieſe verheißungsvollen Anfänge eines gegenſeitigen
derens und Lernens eine gedeihliche Fortentwicklung und tätige
ſtwirkung aller Kreiſe finden.
Ch.—B.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde: Am 16. Juni: der
Ge=
üſtsvollzieher mit dem Amtsſitz in Vilbel Cornelius Franz
Pau auf ſein Nachſuchen, mit Wirkung vom 1. Juli 1931.
— 40jähriges Dienſtjubiläum. Heute iſt Fräulein Marie
Murer 40 Jahre als Hausangeſtellte bei der Familie Höslein=
Ainmann tätig.
— Denkmalsenthüllung und Wiederſehensfeier ehem. 88er.
dr „Bund ehemaliger 88er”, dem außer den ehemaligen
Ange=
ſüigen des früheren aktiven Infanterie=Regiments Nr. 88 auch
ehemaligen Angehörigen der Reſerve=Regimenter Nr. 88 224,
1253. 441, Feſt.=Maſch.=Gew.=Abtlg. 8 und des Sturmbataillons
llangehören, weiht am 23. Auguſt d. J. in Mainz ein Ehrenmal
ü die im Weltkriege Gefallenen der genannten Truppenteile.
0 Denkmalsenthüllung iſt mit einer Wiederſehensfeier aller
ehe=
migen „88er” und aller ehemaligen Angehörigen des aus dem
ſtiment hervorgegangenen Feldformationen vom 22.—23. in
ſinz und am 24. Auguſt in Wiesbaden verbunden.
Anmeldun=
wolle man an Herrn Oberſtleutnant a. D. Prizelius
Ninz=Guſtavsburg, Blücherſtraße 9, richten. Gleichzeitig wird
eleten den für alle Veranſtaltungen feſtgeſetzten Feſtbeitrag von
9 RM. auf das Poſtſcheckkonto desſelben Frankfurt a. M.
67 982 einzuzahlen.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt.
hieſigen Gewerbetreibenden ſowie alle Hausbeſitzer, für die
jetzt fällige neue Vermögensſteuererklärung von größter
Be=
etung iſt, beſuchen unſere aufklärende Steuerverſammlung am
umenden Freitag abend 8 Uhr im großen Saale der
hrone‟.
Heſſiſches Landestheaker.
Die diesjährige, in Darmſtadt unter dem Vorſitz von
Ober=
landesgerichtsrat Dr. Schneider abgehaltene Tagung
beſchäf=
tigte ſich mit einem der wichtigſten Geſetzgebungsprobleme, der
Reform des Strafprozeſſes Berichterſtatter waren
Oberlandesgerichtsrat Dr. Mayer, Rechtsanwalt Karl
Neu=
ſchäffer und Medizinalrat Dr. Vix; dieſe waren
übereinge=
kommen, daß bei dem Umfang des Stoffes ſie aus der großen Zahl
von ſtreitigen Fragen nur einige ganz weſentliche und für die
Allgemeinheit beſonders aktuelle „Reformfragen” behandeln
woll=
ten, und zwar jeder Referent von ſeiner praktiſchen Erfahrung
aus.
Der erſte Berichterſtatter ging davon aus, daß die
Strafpro=
zeßordnung von 1877 das ſchlechteſte der Reichsjuſtizgeſetze geweſen,
und daß daher bereits frühzeitig eine Abänderung geplant und
auch verſucht worden ſei, ſtets aber bisher ohne Erfolg. Auch das
Einführungsgeſetz zum neuen Strafgeſetzbuch (EG.) habe eine
grundlegende Neuregelung des Strafprozeſſes nicht in Ausſicht
ge=
nommen, da eine ſolche erſt nach Einleben des neuen Strafrechts
möglich wäre und auch die umſtrittenſten Punkte noch nicht
ge=
nügend geklärt ſeien. Der Berichterſtatter berührte dann zunächſt
die zukünftige Gerichtsorganiſation, bei welcher — auch vom
poli=
tiſchen Standpunkt aus — die Frage, ob das alte reine
Schwur=
gericht die „Jury” wiederhergeſtellt werden ſolle, von größtem
Intereſſe und von ausſchlaggebender Bedeutung ſei. Vom
Stand=
punkt des Richters aus könne man das Schwurgericht nicht
emp=
fehlen, da das Ergebnis der Schwurgerichtsſprüche in keinem
Ver=
hältnis ſtehe zu dem umfangreichen Apparat; die Geſchworenen
ſeien vielfach nicht geeignet, aus einer komplizierten
Beweisauf=
nahme heraus zu einem richtigen Urteil zu gelangen, ihre
Ent=
ſcheidungen ſeien oft einſeitig, je nach ihrer Stellungnahme zu
den einzelnen Straftaten, keinenfalls bedeuteten ſie für den
An=
geklagten eine zuverläſſige Garantie. Deshalb ſei das Erweiterte
Schöffengericht, das ſeit der Novelle von 1924 unter dem Namen
Schwurgericht” für die ſchwerſten Verbrechen zuſtändig ſei
ent=
ſchieden vorzuziehen. Ebenſo ſei in Zukunft einer alten, ſeit
Be=
ſtehen des jetzigen Strafprozeſſes geltend gemachten Forderung
auf allgemeine Einführung der Berufung gegen alle Urteile
unbedingt zu entſprechen. Trotz aller gegen die
Berufungsent=
ſcheidung beſtehenden Bedenken ſei es erforderlich, die Möglichkeit
zu gewähren, noch ſo ſorgfältig vorbereitete Entſcheidungen einer
Nachprüfung in einer zweiten Tatſacheninſtanz zu unterziehen.
Bei der Geſtaltung des Vorverfahrens im zukünftigen
Straf=
prozeß ſtrebe die moderne Auffaſſung, wie ſie auch auf dem
Salz=
burger Juriſtentag ausgeſprochen wurde, dahin, die
Vorunter=
ſuchung” abzuſchaffen, um den Richter von jeder inquiſitoriſchen
Tätigkeit zu befreien und nur für die richterliche Tätigkeit zu
be=
ſtimmen. Zwar könne das Problem nicht ſo behandelt werden,
wie es Max Alsberg in ſeinem Theaterſtück „Vorunterſuchung”
verſucht habe, wo er durch Vorführung eines beſonders ſchlechten
Unterſuchungsrichters den Beweis für die Mangelhaftigkeit der
Einrichtung führen wolle. Allein es ſei nicht zu leugnen, daß
unſer bisheriges Vorverfahren, das die Akten fortgeſetzt zwiſchen
Richter und Staatsanwalt hin und her wandern laſſe, für das
neue Strafrecht mit ſeinen weittragenden, die Perſönlichkeit des
Täters erfaſſenden Entſcheidungen ungeeignet ſei. Der
Bericht=
erſtatter empfahl daher die vom Salzburger Juriſtentag und ſeinen
Referenten vorgeſchlagene Löſung: das ganze Vorverfahren ſoll
bis zur Hauptverhandlung in die Hände des Staatsanwalts
ge=
legt werden, der ſelbſt den Angeklagten und alle Zeugen ver=
ausgewählt würden. Schließlich gelangte der Berichterſtatter
dazu, trotz aller Anfeindungen die Stellung des Vorſitzenden ſo,
wie bisher, zu belaſſen; es ſei geboten, ihm vor der Verhandlung
die Akten zu ſeiner Inſtruierung zu überlaſſen, auch beſtehe kein
Grund, ihn von der Mitwirkung bei der Entſcheidung
auszu=
ſchließen. Ebenſo ſei das derzeitige Beweiserhebungsverfahren
beizubehalten, das aus dem engliſchen Recht ſtammende „
Kreuz=
verhör” durch die Parteien empfehle ſich nicht zur Einführung.
Der zweite Berichterſtatter nahm zwar ſeinen Ausgangspunkt
von der Stellung des Verteidigers, kam aber in den Hauptfragen
zu den gleichen Ergebniſſen wie der dem Richterſtand angehörige
erſte Berichterſtatter. Auch er ſprach ſich mit überzeugenden
Er=
wägungen gegen die Veränderung der Stellung des Vorſitzenden,
gegen die Beibehaltung des alten Schwurgerichts und für die
Einführung der Berufung aus; auch könne man ohne Bedenken
das Vorverfahren in Zukunft dem Staatsanwalt völlig überlaſſen.
Es müſſe aber auch im Intereſſe des Angeklagten verlangt
wer=
den, daß auch bei polizeilichen Vernehmungen die Vorſchriften
über Zeugnisverweigerung gewahrt werden. Weiter ſeien die
Rechte der Verteidigung gegenüber dem bisherigen Strafprozeß
zu verbeſſern, teils durch Vermehrung der Fälle der notwendigen
Verteidigung, teils durch Vermehrung der Rechte des
Verteidi=
gers, beſonders im Vorverfahren (Akteneinſicht!) Der dritte
Be=
richterſtatter gab einen außerordentlich intereſſanten hiſtoriſchen
Ueberblick über alle den Strafprozeß und auch das Strafrecht
be=
rührenden Fragen unter Hervorhebung der ihm als Arzt und
Pſychiater beſonders geläufigen Probleme. Er betonte die
Wich=
tigkeit der Zuziehung des Arztes ſchon im Vorverfahren, die
Ein=
führung einer Zwiſchenſtufe für das Alter von 18—21 Jahren bei
der Straffähigkeit der Jugendlichen und die Anerkennung der
verminderten Zurechnungsfähigkeit. Die anfangs von den
Gerich=
ten mit Mißtrauen behandelte forenſiſch=pſychiatriſche Tätigkeit
habe allmählich in Richterkreiſen allgemeine Anerkennung
gefun=
den, dies nötige aber andererſeits den mediziniſchen
Sachverſtän=
digen zu weiſer Beſchränkung auf die ihm kompetierenden.
Ge=
biete. Die Tätigkeit mancher Nervenärzte, beſonders
Begutachtun=
gen auf ſeruellem Gebiet, entſpreche nicht immer den Forderungen
exakter Wiſſenſchaft. Auch die Erfahrungen auf dem Gebiete der
Pſychoanalyſe ſeien noch nicht abgeſchloſſen und ihre Verwendung
daher vorläufig noch problematiſch. Die an dieſe Vorträge ſich
an=
ſchließende Ausſprache ergab in den Hauptfragen völlige
Ueberein=
ſtimmung mit den Referenten. Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer
ſprach ſich ebenfalls gegen Wiedereinführung des alten
Schwur=
gerichts aber für Einführung des Kreuzverhörs und für eine
Verminderung der Eidesleiſtungen aus. Geheimrat Profeſſor
Mittermaier ſchloß ſich den Ausführungen der Berichterſtatter in
allen Punkten an und wies darauf hin, daß der heute
ausſchlag=
gebende Gedanke ſei, die Allgemeinheit zu ſchützen, wie dies auch
der leitende Geſichtspunkt des neuen Strafgeſetzbuchs ſei.
Geheim=
rat Dr. Balſer betonte die Zuziehung des Gerichtsarztes ſetze
voraus, daß dieſer Gefängnisarzt, Vollarzt und Vollmenſch ſein
müſſe, wenn man in vertrauensvoller Zuſammenarbeit zwiſchen
Gericht, Arzt und Verteidiger die Ziele des Strafrechts erreichen
wolle
Nach Beendigung der Tagung beſichtigte man am Nachmittag
die Heilſtätte für männliche Alkoholkranke. Haus Burgwald” bei
Eberſtadt, woſelbſt die Vorträge von Geheimrat Dr. Balſer, Dr.
Georgi und des Hausvaters Paſche ein lehrreiches und
anſchau=
liches Bild der pſychotherapeutiſchen Behandlungsart in dieſem
glänzend geleiteten Heim gaben.
Mittwoch, 24. Junt
Donnerstag, 25. Juni
Freitag 26. Juni
Samstag, 27. Juni
Sonntag, 28. Juni
Mie Haie
B26
WeRee
Cavalleria rusticana hier.: Der Bajazzo
Preiſe 1—10 Mk.
20, Ende gegen 22.30 Uhr Außer Miete
Allt=Heidelberg Kleine Pr. 0.50—4M!
20—22.45
Der Troubadour
Preiſe 1—
E 28
—10 Mk.
19.30, Ende nach 22 Uhr
Die drei Musketier=
C26
Pr. 1—10 Mk.
19.30, Ende geg. 22.45 Uhr Außer Miete.
Halbe Preiſe 0.50—5 Mk.
Carmen
Gaſtſpiele des Hefſiſchen Landestheaters in Bad=Nauheim
Donnerstag, den 25. Juni 1931: „Zar und Zimmermann”
Sonntag, den 28. Juni: „Spiel im Schloß”,
— Heſſiſches Landestheater. Morgen Donnerstag findet außer
Nete eine Vorſtellung des mit ſo großem Erfolg neuinſzenierten
Zauſpiels „Alt=Heidelberg” von Wilhelm Meyer=Förſter
tt. In dieſer Aufführung verabſchieden ſich Elſe Knott in der
ſile der Käthi und Franz Pfaudler in der Rolle des
Kammer=
ſners Lutz vom Darmſtädter Publikum. — Zum erſten Male
dieſer Spielzeit wird am Freitag, dem 26. Juni, im Großen
ſus die im Vorjahre von Rabenalt=Reinking neuinſzenierte
(edi=Oper „Der Troubadour” gegeben. In der Partie des
Anrico verabſchiedet ſich Johannes Schocke und in der Partie
/ Grafen Luna Carl Stralendorf, der für die nächſte Spielzeit
udas Landestheater Schwerin engagiert wurde. Die Leonore
ſt erſtmalig Anny v. Stoſch. — Im Kleinen Haus gelangt am
Nitag, dem 26. Juni. Monars, Spiel im Schloß” bei hal=
M Preiſen (0,60—3.00 Mk.) außer Miete zur Darſtellung. In
W Rolle des Hans Korth verabſchiedet ſich Siegfried Nürnberger.
Berkenerung von Medikamenken.
Der Artikel in Nr. 163 gibt uns Veranlaſſung, folgendes
richtigzuſtellen:
Was in dem erſten Teil des Artikels über die Beſtimmungen
des Opiumgeſetzes geſagt iſt, iſt im allgemeinen richtig. Auch
von ſeiten der Apothekerſchaft ſind vielfache Einwendungen gegen
die ſich aus dem Geſetz ergebenden Härten gemacht worden, die
tief in langgewohntes Geſchäftsgebaren eingreifen und
Beſchrän=
kungen erzwingen, die nicht recht verſtändlich erſcheinen. — Das
aber, was der Artikel über das in Ausſicht ſtehende
Arznei=
mittelgeſetz ſagt, bedarf der Richtigſtellung. Der Geſetzentwurf
kam durch bedauerliche Indiskretion in die Oeffentlichkeit bevor
die erforderlichen Beſtimmungen zu ſeiner Ausführung bekannt
waren. Bedauerlich iſt es daß dieſe immer noch nicht erſchienen
ſind, obwohl der Entwurf zu dem Rahmengeſetz nun ſchon ſeit
Monaten bekannt iſt. Bedauerlich iſt es weiter, daß in dieſer
immerhin langen Zeit von den verſchiedenſten Seiten die
merk=
würdigſten Beſtimmungen in das Geſetz hineinphantaſiert
wur=
den; gerade gegen dieſe Phantaſiegebilde nun wird von den
ver=
ſchiedenſten Seiten Sturm gelaufen. Aus dem geplanten
Rahmen=
geſetz kann nicht herausgeleſen werden, daß auch nur ein ſeither
freiverkäufliches Arzneimittel in die Apotheken verwieſen werden
ſoll, ebenſowenig iſt eine Erſchwerung für die Induſtrie
hinſicht=
lich Herſtellung, Vertrieb und Ausfuhr von Arzneimitteln oder
Spezialitäten zu erkennen. Auch die Behauptung, daß durch das
geplante Geſetz die Medikamente verteuert würden, iſt aus der
Luft gegriffen und unbegründet. Der Zweck des Geſetzes iſt die
Beſeitigung allgemein anerkannter Schäden. Die Auswüchſe, die
ſich in der Herſtellung und dem Vertrieb von wertloſen oder ganz
überflüſſigen Arzneiſpezialitäten oder deren ſchwindelhafter
An=
preiſung gebildet haben, ſollen beſeitigt und unmöglich gemacht
werden. Solche Geſetze ſind in den meiſten Kulturſtaaten ſchon
längſt in Geltung. Deutſchland iſt in dieſer Beziehung rückſtändig.
Wir halten es für wünſchenswert und richtig, dann erſt
Stel=
lung zu dem geplanten Geſetz zu nehmen, wenn die amtliche
Be=
gründung vorliegt und die Ausführungsbeſtimmungen bekannt
ſind. Dann iſt es am Platze und die richtige Zeit, an dem
Geſetz=
entwurf eingehende, ſachliche Kritik zu üben.
Heſſiſche Apothekerkammer Darmſtadt.
— Der Zuſammenhalt aller Deutſchen drinnen und draußen
kann uns allein aus dem Niedergang zur Höhe führen. In
die=
ſem Gedanken arbeitet der V.DA. (Verein für das Deutſchtum
im Ausland), er erſtrebt, alle Gegenſätze der Partei, des
Glau=
bens, des Standes und Beſitzes überbrückend, eine
Kultur=
gemeinſchaft aller Deutſchen zum Segen unſeres Volkes. Die
Liebe zu unſerem Volkstum und die Notwendigkeit es gerade
außerhalb unſerer Reichsgrenzen zu ſtützen, zu erhalten und zu
fördern, verlangen von uns allen Opfern, die uns ſchwer werden
in dieſer Zeit wirtſchaftlicher Not. Aber es geht nicht an, daß
die 60 Millionen Deutſche im Reich die 40 Millionen Volksgenoſſen
außerhalb der Reichsgrenze im Stich laſſen und ihnen in dem
ſchweren Kampfe um die Erhaltung ihres Volkstums die Hilfe
verſagen. Wollen wir uns nicht freimachen von der engſtirnigen
Auffaſſung, daß der Volksgenoſſe außerhalb der Grenze uns nicht
ebenſo naheſtehe als der Angehörige nachbarlichen Stammes in
dem gegebenen Staatsgefüge. Es gilt, die deutſche Schule
im Ausland in ſchwerer Zeit zu erhalten. Deshalb glaubt
der V.D.A., wenn er vom 5.—11. Juli ſeine jugendlichen
Samm=
ler und Sammlerinnen in Tätigkeit treten läßt, daß ſein Tun
bei der Bevölkerung Verſtändnis findet und ein jeder nach
Kräf=
ten dem großen vaterländiſchen Werk ſein Scherflein ſpendet.
— „Die Revue des Lachens”, die geſtern mit beſtem Erfolg
ihr leider nur dreitägiges Gaſtſpiel im Orpheum ſtartete, iſt ein
Feſt für Auge und Ohr! Das Gaſtſpiel währt nur noch heute und
morgen! Eine Verlängerung iſt ausgeſchloſſen — Um Irrtümer
zu vermeiden, ſei darauf hingewieſen, daß die Baldini=Revue nicht
identiſch iſt mit der im vergangenen Herbſt hier gaſtierenden
Pel=
tini=Revue. Es gelten kleine Preiſe von 80 Pf. an. Karten in den
bekannten Verkaufsſtellen. (Siehe Anzeige.)
v. Schwurgericht. Die am 29. d. M. beginnende Tagung
um=
faßt ſechs Meineidsfälle und einen Totſchlag.
Orbishöhkreffen des Berbandes der evangeliſchen
weiblichen Jugend in Heſſen.
Wieviel Augen mögen in der Frühe des 21. Juni nach dem Himmel
geſchaut haben, ob der Sonntag wohl ein rechter Sonnentag werde?
Jugend läßt ſich ja nicht leicht vom Wetter abhalten, aber zum 5.
Orbis=
höh=Geburtstag wünſchen doch alle rechten Sommerſonnenſchein. Er
ward uns geſchenkt!
Während diejenigen, die Samstags ſchon gekommen waren, in Regen
nach Heim und Jugendherberge und Privatquartier zogen, durften alle
die vielen, die die Morgenzüge brachten, in hellem Sonnenſchein nach
der Zwingenberger Kirche wandern. Dicht gedrängt ſaßen denn dort
auf dem weiten Platz hinter der Kirche die verſchiedenen Gruppen.
Um 9.30 Uhr eröffnete der jugendliche Poſaunenchor von Mörfelden
den Gottesdienſt. Nach einem Lied des Pfungſtädter Singkreiſes hielt
der Vorſitzende des evangel. Neichsverbandes weiblicher Jugend, Paſtor
Riethmüller=Berlin, Liturgie und Feſtpredigt. Sein Text war: „Dein
Reich komme” und das Wort aus Matth. 6: „Trachtet am erſten nach
dem Reiche Gottes und nach ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch ſolches
alles zufallen‟. Das erſte Wort wurde bei der großen
Reichsjugend=
tagung in Hannover dem Reichsbanner des Verbandes, das zweite dem
Heſſiſchen Landesbanner als Weihewort mit auf den Weg gegeben.
Aus=
gehend von dem neuen Banner, das dem Heſſiſchen Verbande nun zu
eigen iſt, ſprach Paſtor Riethmüller von den Sturmfahnen, die über
unſerm Volk und der ganzen Menſchheit wehen. Da hilft nur eins:
Stark zu werden und treu zu ſein unſerm Meiſter und König, Jeſus
Chriſtus. Er ſoll den erſten Platz in unſerm Herzen einnehmen. —
Nach dem Gottesdienſt bewegte ſich ein Zug von über tauſend
fri=
ſchen jungen Mädchen durch die Straßen von Zwingenberg hinauf nach
der Orbishöhe, wo die alljährliche Frühjahrs=Vertreterverſammlung
ab=
gehalten wurde. Unſere heſſiſche Verbandsvorſitzende, Frau Pfarrer
Irle, begrüßte die Erſchienenen beſonders Herrn Paſtor Riethmüller,
Schulrat Haſſinger, Vertreter anderer Verbände.
Paſtor Riethmüller brachte Grüße und Glückwünſche des
Reichsberbandes und des Burckhardthauſes; Schulrat Haſſinger, der
Freund der heſſiſchen Jugend, gab der Verbandsjugend den Wahlſpruch
mit: „Die Sach iſt Dein, Herr. Jeſu Chriſt‟ Darauf ſprach Herr Pfr.
Kempf im Namen der Kirchengemeinde Zwingenberg und des
Deka=
nats. — Fräulein Janſon=Mannheim brachte Grüße des
benachbar=
ten Badiſchen Landesverbandes.
Darauf folgte der Heimbericht durch Pfr. Strack. Er verglich die
Freude des Verbandes an dem Beſitz der Orbishöhe mit der Freude
Walters von der Vogelweide, als er ſingen durfte: „Ich hab ein Lehen!”
Durch Gottes Gnade ſind wir zu dem Heim gekommen — treue
Men=
ſchen haben uns geholfen, daß wir ſo weit ſind. Ihnen allen wollen
wir danken. Wir rechnen aber noch weiter auf die Hilfe unſerer
Ver=
bandsſchweſtern. Ohne ſie geht es nicht.
Fräulein Linberger die Leiterin der „Heimhilfe” rief
dann auf, daß ſich noch recht viele Mädchen als Heimhelferinnen melden
möchten.
Darauf ſprach Frau Pfarrer Irle noch einmal über das Banner,
das für das kommende Jahr dem Kreisverband Worms zur Betreuung
übergeben wurde.
Nach der Mittagspauſe begann dann ein fröhliches Treiben auf dem
Spielplatz. „Beſſunger Geiger” ſpielten zum Tanze. War das ein
fro=
hes Leben, als die vielen Mädchen mit friſchen Volkstänzen erfreuten!
Um 15.30 Uhr war dann das Feſtſpiel: „Die fünf klugen und die
fünf törichten Jungfrauen” von M. Möll, einer Mainzer Dichterin.
Die Mädchenvereinigung der Johannisgemeinde Mainz geſtaltete das
Spiel; „Mädchen aus Worms verkörperten den lebendigen Vorhang.
Allen war das Spiel ein eindringliche Mahnung: „Macht euch bereit,
ſo lang es Zeit iſt. Eilet — daß es nicht einmal heißt für euch: — zu
ſpät!
Der Ausklang des Tages waren noch einmal eindrucksvolle Worte
des Verbandsvorſitzenden Paſtor Niethmüller. Er machte die
„Predigt eines Kornfeldes” lebendig und gab der Jugend noch ein
leuch=
tendes Wort mit auf den Weg, das Wort, das das Bundesbanner immer
weiter ſagen ſoll: Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes und nach
ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch ſolches alles zufallen.
Altbewährt bei Störungen der Verdauungs- und Harnorgane und bei Stoffwechselkrankheften
(Gicht, Dlabetes)
Brunnenschriften durch das Fachlnger Zentralbüro,
Berlin 108 W2, Wllhelmstr. 58. Erhältllch in Filneralwasserhandlungen, Apotheken, Drogerlen usw.
sowie bei Friedich Schaeier, Darmstadt, Ludwigsplatz 7, Telefon 45
(V123
[ ← ][ ][ → ] Seite 6
Zur Werbewoche des Vereins für das Deutſchkum
im Austand.
Wenn die Roſen blühen und die Natur im ſchönſten Feſtkleid
prangt, ruft der Verein für das Deutſchtum im
Aus=
land alljährlich ſeine Getreuen und Freunde in Stadt und Land
zur Beteiligung an der Werbewoche auf, um die Mittel für
ſeine Betreuungsarbeit aufzubringen.
In dieſem Jahre ſteht dieſe Werbewoche unter dem Zeichen
größter eigener wirtſchaftlicher Not. Mißmut und Verzagtheit
iſt in manche Herzen eingezogen. Dürfen wir da überhaupt
ſam=
meln für die Zwecke der Kulturarbeit bei den deutſchen
Volks=
ſplittern im Ausland?
Wäre es nicht richtiger, dieſe Menſchen da draußen ſich ſelbſt
zu überlaſſen? Der V. D. A. ſagt: Nein, nein,
und abermals nein!
Denn ſo groß die wirtſchaftliche Not auch bei uns im Lande
iſt, draußen bei den bedrängten Deutſchen in fremder Umwelt iſt
ſie noch größer. Sie wird noch verſtärkt durch die ewige Sorge
um die Erhaltung der kulturellen Einrichtungen der deutſchen
Volksteile. Es gilt für dieſe Menſchen, die Mittel aufzubringen
für ihre deutſche Schule, für Erhaltung der Kirche, Beſoldung
von Pfarrer, Lehrer, für ein Deutſches Haus, das den
Sammel=
punkt des deutſchen Vereinslebens in fremder Umwelt darſtellt.
Der fremde Staat, in dem die Deutſchen wohnen, ſteht im
gün=
ſtigſten Falle dieſer Arbeit um die Pflege deutſcher Sprache und
Sitte teilnahmslos gegenüber, in den meiſten Fällen unterdrückt
er ſogar noch die Deutſchen mit roher Gewalt. Was in dieſer
Be=
ziehung in Polen geſchieht, iſt nur zu gut bekannt, als daß darüber
noch viele Worte zu machen wären. — In den Betreuungsgebieten
des Landesverbandes Heſſen=Darmſtadt, die in Rumänien
lie=
gen, iſt es vor allem die bitterſte wirtſchaftliche Not, die uns
Hilfe zur Pflicht macht. Bei den Holzfällern und =flößern
in der Südbukowina herrſcht ſeit Februar dieſes Jahres
Hungersnot.
Dieſe ſchon immer armen Bewohner ernährten ſich von der
Arbeit in den unermeßlichen Hochwäldern der Karpathen. Sie
fällten die Bäume mit nerviger Fauſt und ſchafften die
gewalti=
gen Stämme zu Tal. Ein mageres Gütchen, von der Frau
be=
wirtſchaftet, trug dazu bei, die meiſt ſehr zahlreiche Familie zu
ernähren. Nun ruht, ſeitdem die Ruſſen ihr Holz lediglich für
den Transportpreis auf den Markt werfen, die Arbeit da oben
völlig. Ein Winter voll grauſamer Not brach herein. Die kleinen
Vorräte an Mais waren nach Weihnachten aufgezehrt:
irgend=
welche ſtaatliche Fürſorge gibt es für Arbeitsloſe in Rumänien
nicht. Das Saatkorn für dieſes Jahr mußte zunächſt den Hunger
der armen Menſchen ſtillen. Bis die Sammlungen der andern
Deutſchen in Rumänien, die ſofort in ſchöner
Kameradſchaftlich=
keit trotz eigner Not einſetzten, wirkſam wurden, mußte die
rumä=
niſche Regierung einige Waggon Mais hinauffahren laſſen, um
dieſe verzweifelte Bevölkerung buchſtäblich vor dem Verhungern
zu ſchützen. Und dann halfen die deutſchen Volksgenoſſen aus
den tiefer gelegenen Teilen des Buchenlandes: Lebensmittel,
Kleider, Schuhe, auch Geld wurde beigeſteuert, aber es genügte
nicht — jetzt muß Hilfe von außen kommen, und wir wollen
den Leuten helfen! — Wenn wir hören, wie die Kinder
da oben in den Gebirgsdörfern die Körner aus dem Miſt der
Pferde der vorbeifahrenden Schlitten herausſuchen, ſo können wir
unſer Herz nicht verſchließen vor ſolch grauſamem Schickſal. —
Darum heißt trotz aller eigener Not der Ruf des V. D. A.:
Helft den deutſchen Brüdern im Ausland!
Wenn nun in den kommenden Tagen Schüler bei Verwandten
und Bekannten, verſehen mit einer offiziellen Sammelliſte um
freundliche Gabe heiſchen, ſo weiſe man ſie nicht von der Türe.
Viele wenig geben auch ein Viel! Wenn freundliche
Mädchen für wenig Geld ein frohes Blümchen anbieten, ſo nehme
man es ab, und wenn die Ortsgruppen zu einer öffentlichen
Ver=
anſtaltung einladen, ſo mögen ſie den Beſuch finden, den ihr
guter Zweck verdient. Wir ſingen immer von der „deutſchen
Treue” im Liede — möge ſich dieſe deutſche Treue auch in dieſem
Falle bewähren: Treue zu deutſchem Volkstum, wo
es auch immer ſei in der Welt. Denn es iſt Blut
von unſerm Blut und Fleiſch von unſerm Fleiſch,
und niemals waren die Deutſchen ſtärker, als
wenn ſie einig waren!
Dr. Götz.
Mittwoch, den 24. Juni 1931
=Bühnenvolksbund. Wir nehmen Bezug auf unſere Anzeige
und bitten um alsbaldige Zahlung der letzten Rate, weil wir mit
dem Landestheater abrechnen müſſen. Gleichzeitig erſuchen wir
unſere Mitglieder, ihre Miete zu erneuern, damit wir uns mit
einer möglichſt großen Theatergemeinde Einfluß auf die
Geſtal=
tung des Spielplans verſchaffen können. — Die Städtiſche
Aka=
demie für Tonkunſt gewährt unſeren Mitgliedern bei dem Beſuch
der Aufführung der Oper „La Traviata” von Verdi durch die
Opernſchule am Montag, den 29. I. M. abends 8 Uhr im großen
Saale des Städtiſchen Saalbaues auf ſämtlichen Plätzen zum
Preiſe von 1 2 und 3 Mark eine Preisermäßigung von 25
Pro=
zent gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte im Sekretariat der
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. Eliſabethenſtraße 36. Wir
empfehlen unſeren Mitgliedern den Beſuch dieſer Veranſtaltung.
Die Neue Heſſiſche Beamtenſterbekaſſe zu Darmſtadt hielt
im Fürſtenſaal zu Darmſtadt ihre diesjährige
Mitgliederverſamm=
lung ab. Das Ergebnis der Verwaltung iſt nach dem
Jahres=
bericht als ſehr günſtig zu bezeichnen. Die Kaſſe hat in 6½ Jahren
bereits wieder rund 440 000 RM. Vermögen angeſammelt und
ihre Reſerven unter Berückſichtigung einer 3½prozentigen
Auf=
zinſung aufgebaut. Sie hat ſeit dem 1. Juli 1924 rund 150 000
RM. Sterbegelder ausgezahlt. Der Vorſtand wurde einſtimmig
wiedergewählt. Die Kaſſe iſt nach dem Deckungskapitalverfahren
eingerichtet, das die größte Sicherheit gewährleiſtet und ſchließt
Verſicherungen ab für Männer bis 3000 RM.., für Frauen bis
1500 RM. Das Büro befindet ſich in Darmſtadt, Steubenplatz 11.
— Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg—Amerika=Linie
(Auſtral/Kosmos=Linien). Ohne Verbindlichkeit. Aenderungen
vorbehalten. Ab Hamburg: Nach New York: D. Albert
Ballin 24. 6. (ab Cuxhaven 25. 6.), MS. St. Louis 26. 6. (27. 6.),
D. Hamburg 1. 7 (2. 7.), D Deutſchland 8. (9.) 7.., MS. Milwaukee
11. 7. (12. 7.), D. New York 14. 7. (15. 7.), D. Albert Ballin
22. 7. (23. 7.), MS. St. Louis 25. 7. (26. 7.). — Nach Kanada:
(Gemeinſchaftsdienſt Hapag/Lloyd) D. Havel 26 6., MS. St.
Louis ab Cuxhaven 27. 6. — Nach Boſton, Philadelphia,
Baltimore Norfolk (Gemeinſchaftsdienſt Hapag—Lloyd):
D Elmshorn 24. 6., D. Weſtfalen 1. 7., D. Hanau 14 7.. D. Holger
22. 7. — Nach der Weſtküſte Nordamerikas (
Gemein=
ſchaftsdienſt Hapag—Lloyd): MS. San Francisco 24. 6. — Nach
Cuba: D. Weſterwald 2. 7., MS. Phoenicia 25. 7. — Nach
Mexiko (in Gemeinſchaft mit der Ozean=Linie): D. Adalia
20. 6., D. Syra 2. 7., D. Werra 14. 7., MS. Phoenicia 25. 7. —
Nach Weſtindien (in Gemeinſchaft mit der Roland=Linie,
Bremen, und der Reederei H. C. Horn, Flensburg): MS.
Pre=
ſidente Gomez 20. 6., D. Kreta 20. 6. D. Grunewald 27. 6., MS.
Mimi Horn 4. 7. — Nach den Weſtindiſchen Inſeln
(in Gemeinſchaft mit der Reederei H. C. Horn, Hamburg): MS.
Zulia 30 6. — Nachder Weſtküſte Zentral=Amerikas
(Gemeinſchaftsdienſt Hapag—Lloyd): D. Weſterwald 23. 6., MS.
San Francisco 24. 6., D. Eſte 4. 7., MS. Orinoco 11. 7 — Nach
der Oſtküſte Südamerikas: D Kyphiſſia 27. 6.. D.
Phrygia 27 6., D. Württemberg 11. 7. D. Kyphiſſia 15. 7.. D.
General Mitre 25. 7. — Nach Südbraſilien (in
Gemein=
ſchaft mit der Hamburg=Südamerikaniſchen Dampfſchiffahrts=
Ge=
ſellſchaft und dem Nordd. Lloyd): MS. Pernambuco 9. 7.. D.
Paraguay 23. (. — Nach der Weſtküſte Südamerikas
(in Gemeinſchaft mit der Roland=Linie, Bremen): MS.
Königs=
berg 25. 6., D. Sachſen 27. 6., D. Amaſis 2. 7., D. Rapot 9. 7. —
Nach Oſtaſien (Gemeinſchaftsdienſt Hapag—Lloyd): D.
Ol=
denburg 20. 6., D. Saale 24. 6.. D. Pfalz 27. 6., MS.
Burgen=
land 1. 7., D. Ermland 4. 7., MS. Fulda 8. 7., D. Franken 11. 7.
— Nach Niederländiſch=Indien (Gemeinſchaftsdienſt
der Deutſch=Auſtraliſchen Dampfſchiffsgeſellſchaft, A.=G., Hamburg,
und der N.V. Nederlandſche Stoompaart Maatſchappij „Oceaan”):
MS. Clytoneus 24. 6., MS. Heidelberg (ab Rotterdam 30. 6.),
). Uckermark 8 7 — Nach Auſtralien (Gemeinſchaftsdienſt
der Deutſch=Auſtraliſchen Dampfſchiffs=Geſellſchaft, Hamburg, des
Nordd. Lloyd. Bremen, und der Reederei Alfred Holt u. Co.,
Liverpool): D. Neckar 2. 7., D. Bitterfeld 18. 7.—Nach Süd=
Afrika (Deutſch=Auſtraliſche Dampfſchiffs=Geſellſchaft. A.=G.,
Hamburg); D. Lüneburg 20. 6., D. Eſſen 18 7. — Hamburg=
Rhein=Linie: D. Straßburg 20. 6., D. Karlsruhe 25. 6.,
D. Mannheim 30. 6. — Hamburg—London=Linie:
Wöchentlich drei Abfahrten. — Mitgeteilt durch das Reiſebüro der
Hamburg—Amerika=Linie. Luiſenplatz 1. Tel. 130869.
Förderung der deutſchen Grenzlande und des innerdeutſchen Fremd
erkeh
Burm die Heicsoayn.
Die Dr. Roeſenerſchen Vorſchläge zur Auflockerung des
Perſo=
nentarifs der Reichsbahn ſind in Entſchließungen des Heſſiſchen
Induſtrie= und Handelskammertages und des Heſſiſchen
Verkehrs=
verbandes aufgegriffen und unterſtützt worden. Es ſcheint, daß
auch die zuſtändigen Stellen der Reichsbahnverwaltung,
insbeſon=
dere die Tarifderzernate, die Anregung des Wertſcheinheftes und
der Halbkarte für beachtlich halten. Den Vorſchlägen liegt der
Gedanke zugrunde, den Perſonenverkehr auf der Reichsbahn zu
heben, und zwar einmal durch Anregung zuſätzlichen Neuverkehrs,
zum anderen durch Schaffung eines Anreizes für, den auf den
Kraftwagen abgewanderten Verkehr zum Teil auf die Schiene
zurückzukehren. Man denkt hierbei offenbar in erſter Linie an den
Geſchäftsreiſenden, der bei Verbilligung der Eiſenbahnfahrpreiſe
und gleichzeitiger Erhöhung der Benzinſteuer und der
Benzin=
preiſe geneigt ſein hönnte, die Benutzung der Bahn in gewiſſen
Verkehrsbeziehungen wieder für vorteilhafter als das Auto zu
halten.
Iſt die Ueberlegung, daß mit Wertſcheinheft und Halbkarte
ein zuſätzlicher Verkehr gewonnen wird, zutreffend, und es ſpricht
manches dafür, ſo wäre der Einwand, daß es ſich die Reichsbahn
in Zeiten größter finanzieller Anſpannung nicht leiſten könnte,
eine weitere Senkung ihrer Einnahmen aus dem Perſonenverkehr
zu riskieren, nicht richtig. Denn die Einnahme aus der Erhöhung
der perſonenkilometriſchen Leiſtung würde die Mindereinnahme
aus den Tarifvergünſtigungen mindeſtens ausgleichen.
Die Vorſchläge geben Anlaß, den Gedanken, die
Perſonen=
tarife etwas beweglicher zu geſtalten, noch weiter auszuſpinnen.
Es ſei hier zunächſt darauf hingewieſen, daß eine Verkehrspolitik.
die den ausländiſchen Fremdenverkehr nach Deutſchland ziehen und
den deutſchen Reiſenden innerhalb der Landesgrenzen halten will,
mindeſtens ähnliche Anreize bieten, muß wie die Schweiz mit
ihrem außerordentlich wirkungsvollen Generalabonnement, Italien
mit den Prima=vera=Reiſen, Jugoſlawien und Tſchechoſlowakei mit
den bedeutenden Rückfahrtvergünſtigungen bei längerem
Aufent=
halt innerhalb des Landes. Die Einführung eines
General=
abonnements für ganz Deutſchland iſt ſelbſtverſtändlich nicht
mög=
lich, wohl aber könnte man daran denken, eine dem Schweizer
Generalabonnement nachgebildete Karte für beſtimmte
Fremden=
verkehrsgebiete einzuführen. Zu denken wäre etwa an je eine
Karte für die Gebiete Oberbayern, Schwarzwald, Mittel= und
Niederheingebiet. Heſſen—Heſſen=Naſſau. Thüringen.
Rieſen=
gebirge, Oſtpreußen Oſtſeebäder, Nordſeebäder, Harz u. a. m. Als
Beiſpiel für ein Fremdenverkehrs=Generalabonnement in
Süd=
deutſchland wäre eine Karte zu nennen, die ſich etwa auf die
Eiſenbahn= und Schiffahrtslinien unter gleichzeitiger
Rabatt=
gewährung auf Bergbahnen in dem Raum zwiſchen München —
Paſſau — Mühldorf — Reichenhall — Königsſee — Roſenheim —
Kuffſtein — Mittenwald — Füſſen — Oberſtdorff — Lindau —
Konſtanz — Donaueſchingen — Ulm — Augsburg — München zu
beſchränken hätte.
Daneben ſollten nach dem Vorbild der italieniſchen und
jugo=
ſlawiſchen Erfahrungen die Tarife auf größeren
Entfer=
nungen unter gewiſſen beſonderen
Bedingun=
gen abgeſtaffelt werden. Gedacht iſt hierbei beſonders an
eine fremdenverkehrspolitiſche und ſonſtige Förae
rung der Grenzlandgebiete Oſtpreußen, Schleſien,
Nc=
ſchleswig, Rhein= und Saargebiet. Die Regelung könnte der
getroffen werden, daß die Ausgabe der Karten beſchränkt wüß.)
auf Entfernungen von mehr als 500 Kilometern und der A.
gangs= oder der Zielpunkt eines der Grenzlande ſein müßte. :9.
Unübertragbarkeit der Karte müßte in Verbindung mit Legitime
tionspflicht durch Paß oder Perſonalausweis geſichert werden.
tatſächliche Durchführung der Reiſe bis zum Endziel wäre dem
nutzer an einer Zielſtation perſönlich zu beſcheinigen. Die Aru
gabe der Karte wäre an die Bedingung eines mindeſtens
höchſtens 30= oder 40tägigen Aufenthaltes im Gebiete der 3./
ſtation zu knüpfen. Unter dieſen Bedingungen könnte von
Reichsbahn ſehr wohl eine 75prozentige
Fahrpren=
ermäßigung zugeſtanden werden, da ſie damit faſt ausſchläiß
lich Neuverkehr gewinnen und ihre Einnahmen abſolut ſteig a
würde. Sie würde daneben im geſamtdeutſchen Intereſſe
Fremdenverkehr in den deutſchen Grenzlanden fördern und d
Reiſeverkehr überhaupt in beachtlichem Umfange in Deutſchlen
ſelbſt feſthalten. Der Anreiz, etwa von Königsberg nach Man
oder von Frankfurt a. M. nach Oberſchleſien für den vierten Zi
des Normalpreiſes in Ferien fahren zu können, wäre ſo grf
daß viele dieſe Reiſe einer Fahrt nach Belgien, der Schweiz o.de
nach den böhmiſchen Bädern vorziehen würden, daß ſie aber ai
von manchem unternommen würde, der den gleichen
Fahrpri=
für eine Fahrt nach näher gelegenen Zielen nicht aufwendi
würde Für die Reichsbahn ſelbſt entſtehen hierdurch nicht
mindeſten Mehrkoſten, da der Verwaltungsaufwand mit der
Län=
der Reiſe nicht zunimmt und im übrigen ſich ein derartiger Re ie
verkehr auf die fahrplanmäßigen Züge ſo verteilen wird, daß n
höhte Zugleiſtungen oder Mehreinſtellung von Perſonal nicht i
forderlich ſind. Eine ſolche Form der Vergünſtigung wird,
lange ſie nicht auf Gebiete erſtreckt wird, die ohnehin einen ſta
ken Fremdenverkehrszuſtrom haben, wie etwa die Nord= und Oit
ſeebäder und Oberbayern, auf die auch bereits durch die Ferim
ſonderzüge ausreichend Rückſicht genommen iſt, ſicher keinen Ei
nahmeausfall, ſondern mit hoher Wahrſcheinlichkeit beachtlEi
Mehreinnahmen bringen können. Gegenüber den Verwaltunss
ſonderzügen, von denen bekanntlich ein Teil mangels ausreiche:
der Beteiligung regelmäßig ausfällt hätte dieſe Verkehrswa,
bung den Vorzug, daß ſie keiner erheblichen Reklame und keir!
beſonderen Verwaltungsaufwands bedarf, und daß ſie, weil /
nicht an beſtimmte Tage und Rückfahrzeiten gebunden iſt, au
einen weit größeren Perſonenkreis rechnen kann.
Mit dem Aufgreifen dieſer Gedanken könnte die Reichsba)
vielerlei erreichen:
1. den deutſchen Reiſeverkehr im Inland halten und ausländ
ſchen hereinholen (Verbeſſerung der Zahlungsbilanz),
2. den unter Beſatzungsfolgen und politiſcher Not leidendn
Grenzlandgebieten helfen.
3. die deutſchen Stämme einander näherbringen,
4. ihre eigenen Einnahmen ſteigern.
Dr. Krebs.
Segelflng=Expedikion nach dem Jungfraujoch
in der Schweiz.
Eigenbericht der Expedition.
In der vergangenen Woche waren die Witterungsverhältniſſe
im Jungfraugebiet für die Durchführung von Segelflügen nicht
ſonderlich günſtig. Strahlender Sonnenſchein, verbunden mit
gänzlicher Windſtille, ſind für eine Sommerfriſche wohl geeignete
Witterungsfaktoren, zum Segelfliegen aber iſt Wind erforderlich.
Groenhoff verſuchte, einen Segelflug durchzuführen, kam aber bald
nach dem Start in den Abwind des Föhn und konnte deshalb
ſeine eigentliche Abſicht nicht durchführen. Segeln war gänzlich
ausgeſchloſſen. So begab ſich Groenhoff wiederum „auf Strecke‟,
und flog nach Interlaken, wo die Landung glatt erfolgte. Der
Schweizer Farner konnte gelegentlich einen Segelflug von 18 Min.
Dauer über der Jungfrau ausführen, der aber auch bald infolge
Windflaute abgebrochen werden mußte. Die Schweizer brachen
dann zum Teil ihr Unternehmen ab Farner ſtartete nochmals
auf ſeinem „Profeſſor” zu einem Streckenflug und landete bei
Stans am Vierwaldſtätter See nach Zurücklegung einer
Flug=
ſtrecke von etwa 50 Kilometern.
Am Freitag ſetzte wiederum ein Föhn ein und ließ graue
Wolkenſchleier vom Aletſchgletſcher aufſteigen. Wir hatten ſchon
den Fafnir aus der Schneegrube befreit, um, evtl. einen Start
nach Süden zu machen. Die Wolken ſenkten ſich jedoch ſchnell
tie=
fer und hüllten den Startplatz ein, ſo daß wir wiederum unſer
Flugzeug in ſeiner Schneehöhle eingraben mußten. Am Samstag
früh galt unſer Blick wie immer zuerſt dem Himmel: Immer noch
Südföhn. Auf der Nordſeite allerdings löſten ſich die Wolken
langſam auf. Um 8 Uhr wurde der Fafnir nochmals ausgegraben.
Dichte Wolkenſchwaden zogen von Süden über das Joch, gegen
Norden blieb hier und da ein Blick ins Tal frei. Groenhoff wählte
im Windſchatten die Startſtelle aus. Alle Mann werden für den
Start aufgeboten. Die Arbeiter aus dem Sphynx=Stollen, die
Beamten der Bahn, die Interpreter und Bergführer, ſchließlich
auch einige Skiläufer verſammeln ſich nach und nach am
Start=
platz. Wir können ſtarten. Ausziehen . . . Laufen . . . Los!
Der etwas verharrſchte Schnee bremſt ſtark, das Flugzeug kommt
nicht frei. Mit einer ſcharfen Wendung bringt Groenhoff die
Maſchine zum Stehen. Rücktransport des Flugzeuges und
aber=
maliger Start! Diesmal gehts glatt. Der Fafnir” gleitet nur
kurz, hebt ſchnell ab und ſchießt dann über die Köpfe der
Start=
mannſchaft hinweg ins Tal hinaus. Aufwinde heben ihn kurz.
dann ſinkt er im Föhn=Abwind ſekundenlang. Rechter Hand
hängen Wolken über den Bergen, er gleitet an ihnen entlang.
Nach 10 Minuten verſchwindet er um eine Wolkenbank in der
Nähe der Schynigen=Platte.
Wir wiſſen, daß Bern Groenhoffs Ziel iſt, die eidgenöſſiſche
Hauptſtadt. Um 10.17 Uhr hatte das Flugzeug das Jungfraujoch
verlaſſen. Auf Station Eigergletſcher, bei der Fahrt zu Tal.
hör=
ten wir, daß Groenhoff glatt in Bern gelandet ſei. Nach 1½
Stun=
den war der Flug beendet. Groenhoff war in 400 Meter Höhe
über Bern angekommen und dann längere Zeit über dem
Flug=
platz und der Stadt geſegelt, bis man ihn vom Boden aus zufällig
bemerkte. Er hatte über dem Thuner See eine ſtarke
Cumulus=
wolke angetroffen, in deren Aufwind er noch etwas Höhe
ge=
winnen konnte. Die Flugſtrecke Jungfraujoch-Bern beträgt über
60 Kilometer. Der erſte Zielflug vom Jungfraujoch aus iſt damit
gelungen.
Hoffentlich geſtatten es die Witterungsverhältniſſe in den
nächſten Tagen, noch einige Flüge auszuführen und damit noch
weiteres wichtiges Material über die Segelflugmöglichkeiten im
Alpengebiet und die Aufwindverhältniſſe zu erhalten. Rdl.-K.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aus den Parkeien.
Deutſche Volkspartei Landesverband
Heſ=
ſen. Wir machen auf das Inſerat in der heutigen Nummer
auf=
merkſam, in dem die Deutſche Volkspartei die Einzelheiten ihrer
am nächſten Sonntag ſtattfindenden billigen Rheinfahrt bekannt
gibt. Die außerordentliche Ermäßigung von 8 auf 3,50 Mark für
Erwachſene, für Jugendliche von 14—20 Jahren ſowie Studenten
auf 2,50 Mark und für Kinder bis 14 Jahre auf 1,75 Mark wird
ſicherlich ſehr vielen Veranlaſſung ſein an dieſer Fahrt
teilzu=
nehmen. Es wird ausdrücklich darauf hingewieſen, daß dieſe
ver=
billigten Karten für jedermann, alſo auch für Nichtmitglieder,
gelten.
— Landesausſchußſitzung der Deutſchen
Staats=
partei in Heſſen. Am kommenden Sonntag, dem 28. d. M.,
vormittags 9 Uhr beginnend, findet in Frankfurt a. M., Hotel=
Reſtaurant Kyffhäuſer, Kaiſerſtraße 62 eine Landesausſchußſitzung
des Landesverbandes Heſſen der Deutſchen Staatspartei ſtatt, in
der Abg. Schreiber über die letzten politiſchen Geſchehniſſe im
Reich und in Heſſen referieren wird. Alle Mitglieder der
Deut=
ſchen Staatspartei haben zu dieſer Sitzung Zutritt.
— Deutſche Staatspartei — Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Am Donnerstag, 25. Juni, abends 8.30 Uhr, findet bei Chriſt,
Grafenſtr. 18 (Kneipzimmer) eine Sitzung des Organiſationsausſchuſſes
in Form einer zwangloſen Diskuſſion über politiſche Tagesfragen ſtatt.
Alle intereſſierten Parteifneunde ſind zum Befuch herzlich eingeladen.
Aw. Im Schnellgerichtsverfahren wurde an
Montag vor dem Bezirksſchöffengericht gegen eine
39jährigen Schleifer von Darmſtadt wegen
Lan=
friedensbruchs in Tateinheit mit vorſätzlicher
Körperverletzung und Vergehens gegen die
Ve=
ordnung des Reichspräſidenten gegen politiſche
Ausſchreitungen und wegen Widerſtands gege
die Staatsgewalt verhandelt. Am 13. Juni veranſtalteter
die Kommuniſten bekanntlich eine Filmveranſtaltung in der
Palaſt=Lichtſpielen, bei denen es nachher zu Ausſchreitungen gegar
die Polizei kam. Da am Freitag abend Unruhen am
Schille=
platz waren, wurde befürchtet, daß es womöglich an dieſem Aber
auch wieder lebhaft werden könnte, und es wurden einige Beam:
der Schutzpolizei und der Kriminalpolizei beordert, die den
Au=
gang der Veranſtaltung überwachen ſollten. Die Herauskommen
den, wohl zum größten Teil politiſch Orientierte, empörten ſi
anſcheinend darüber, es wurde geſchimpft. Der Angeklagte
wurd=
dabei erwiſcht, als er rief: „Es ſind Denunzianten und Spitz
unter uns ſchlagt ſie tot!” und mit einem Stein nach einem de
Kriminalbeamten warf, ſo daß dieſer ganz empfindlich in dei
Unterleib getroffen wurde. Ein anderer Polizeibeamter wurd
mit einem Meſſer geſtochen, doch konnte man den Täter bishe
noch nicht ermitteln. Der Angeklagte leugnet ſtrikt, und es 50
auch ein Zeuge da, der ihn genau beobachtet und nichts geſeher
haben will, doch die Kriminalbeamten bekunden, daß die Idem
tität einwandfrei feſtſtehe. Ein mediziniſcher Sachverſtändiger bo
kundet, daß der Angeklagte hochgradig nervenkrank ſei, daß er fü.
den Widerſtand, den er bei ſeiner Feſtnahme geleiſtet haben ſoll
den 8 51 beanſpruchen könne, aber für den Ruf und Steinwur;
wenn auch gemindert, verantwortlich ſei. Der Staatsanwalt
b=
antragt wegen qualifizierten
Landfriedensbruch=
in Tateinheit mit Körperverletzung, ſechs
Mo=
nate Gefängnis. Das Gericht entſpricht dieſem Antras
Der Haftbefehl wird nicht aufgehoben.
Es wird dann weiter gegen ſechs Nationalſozic.
liſten und drei Kommuniſten aus Biebesheir
und Crumſtadt wegen Körperverletzung verhandel?
doch muß die Verhandlung wegen Ladung weiterer Zeugen au
Mittwoch vormittag vertagt werden.
Das Amtsgericht ſteht am Dienstag im Zeichen der Auto
unfälle, und das beſondere bei der Sache iſt, daß alle die angeklag
ten Autoführer ſich vollkommen unſchuldig fühlen. Sie mache
immer die beſonderen Umſtände dafür verantwortlich, doch kan
das Gericht nicht umhin, ſie ſtets wegen irgendwelcher Unvorſich,
tigkeiten zu verurteilen. Einmal kam ein Dipl.=Ingenieu
aus der Schloßgartenſtraße und wollte rechts in die Frankfurte
Straße einbiegen. Im ſelben Augenblick kam aus der
Stadtrich=
tung ein großes Laſtauto mit Anhänger. Statt weiterzufahrem
blieb der Ingenieur mitten im Fahrweg ſtehen, ſo daß der
Laſt=
wagen, um einen Zuſammenſtoß zu vermeiden, nach rechts in di
Schloßgartenſtraße einbog und dort auf einen Handwagen auffuhr.
ſo daß der Beſitzer, ein 60jähriger Landwirt, auf den Kühler flos
und ſich ſeine ſämtlichen Zähne einſchlug. Das Gericht verurteil
den Dipl.=Ingenieur zu einer Geldſtrafe von 30 Mark.
Entweder hätte er ſchleunigſt weiterfahren müſſen, oder er hätt
in der Schloßgartenſtraße halten und dort das Auto vorbeilaſſen
müſſen. — Im zweiten Fall fuhr ein Laſtauto an einem früher
Oktobermorgen eine Radfahrerin in der Hindenburgſtraße um
Der Angeklagte behauptet, er habe einige Wagen überholt und
ſei beim Bremſen auf der glatten Straße ins Rutſchen gekommen
Das Gericht verurteilt ihn ebenfalls zu einer Geldſtrafe
von 30 Mark, da er langſamer hätte fahren müſſen.
Die dritte Unfallſache mußte wegen Nichterſcheinen eines
Zeugen vertagt werden.
Zuletzt erſchien ein Kürſchner wegen Betrugs.
E=
hatte einen Pfandſchein weiterverkauft, trotzdem er wußte, daß e
geſperrt war, da man den einwandfreien Urſprung der Sachen
bezweifelte. Er hatte diesmal noch Glück, denn die Sachen ſtellten
ſich wirklich als einwandfrei heraus aber er wurde trotzdem weger
Betrugsverſuchs im Rückfall zu einem Mona
Gefängnis verurteilt.
ehnf
lenku
Odenwaldklub „Frankonia‟ Darmſtadt unternahm ſein”
2. Pflichtwanderung nach Wiesbaden. In ſchneller Fahrt, vorbe
Diftailce Faef erſch Duf Feſc iec den eneſſanis.
Mittagstiſch ging es auf herrlichem Waldweg hinauf zum Nero”
berg. Schon der Anfang der Wanderung war etwas Köſtliches=
Herrliche Waldungen wechſelten mit lieblichen Landſchaftsbilderr
ab. Ob man auf ſtillen Waldwieſen liegt, oder wie bei dieſen
Wanderung den Berg beſteigt und von ſtolzer Höhe auf die
grü=
nenden Täler herabblickt, überall entdeckt man neue Wunder und
Schönheiten Für alle diejenigen die ſich ihre Erlebnisfreude
bewahrt haben, wird auch dieſe Wanderung des Odenwaldklubs
„Frankonia” eine herrliche Entdeckungsfahrt im Reiche der Natun
geweſen ſein.
EPH Ev. Trinkerfürſorge im Kreiſe Dieburg: Die nächſtem
Beratungsſtunden werden gehalten: Donnerstag, den 25 Juni
nachmittags ½2 Uhr—½4 Uhr in Reinheim (Volksſchule)
Donnerstag, den 2. Inli, nachmittag ½2 Uhr bis ½4 Uhr, im
Groß=Umſtadt (Kollekturgebäude in der Schloßgaſſe).
Nummer 173
Aus den durmfädler Aälſpelſelen.
Palaſt=Lichtſpiele
bringen ein gutes Doppelprogramm ſenſationeller Filme. Eine
ganz phantaſtiſche Angelegenheit iſt „Die geheimnisvolle
Inſel”, ein Farbenfilm, der nach dem Vorwurf des bekannten
Romans „20 000 Meilen unter dem Meer” von Jules
Verne gedreht wurde. Die Regie von Lucien Hubbard hat
zu den modernſten Mitteln gegriffen, um dieſe phantaſtiſche Sache
intereſſant zu geſtalten. Unterſeeboote ſieht man tauchen, man
ſieht, wie ſie mit Kanonen zuſammengeſchoſſen werden, auf den
Meeresboden ſinken, aber immer noch die Möglichkeit geben, in
Tauchanzug auszuſteigen und wieder einzuſteigen. Maſchinenteile
von einem Boot ins andere zu bringen und ſchließlich wieder
auf=
zuſteigen. Alles Dinge, die trotz des Fortſchritts der Technik nur
Phantaſie ſein können, ebenſo wie es ein phantaſtiſcher Gedanke
iſt, daß 20 000 Meilen unter dem Meere, alſo auf dem
Meeres=
boden, neben rieſigem Drachengewürm und Polypen auch eine Art
Menſchen leben und exiſtieren, die ſich wenig von denen auf der
Erde unterſcheiden. Man muß dieſe Unmöglichkeiten überſehen,
wird aber dann an den intereſſanten und phantaſtiſchen Bildern
ſeine Freude haben können.
In dem zweiten Abenteuerfilm „Null Uhr” ſpielt ein
deut=
ſcher Polizeihund eine ausgezeichnete Rolle. In dieſem
ſenſatio=
nellen Film iſt der Mittelpunkt der ſpannenden Handlung eine
geheimnisvolle Villa, in der der Anführer einer Verbrecherbande
hauſt und in der aus allen Ecken und Vorhängen heraus
wür=
gende Hände und ſonſt geheimnisvolle Kräfte ſpielen, denen
un=
zählige Menſchen zum Opfer fallen, bis der brave Polizeihund
nach einem aufregenden Kampf auf dem Dach der Villa den
An=
führer der Verbrecherbande zum Abſturz und damit zur Strecke
bringt. Der Film iſt einer der beſten Kriminalfilme, wenngleich
vieles darin nicht gerade zu den alltäglichen Möglichkeiten
ge=
hört.
— Das Union=Theater bringt nur noch heute und morgen in
Neuaufführung Harry Liedtke in der luſtigen
Verwechſelungs=
komödie „Der Korvettenkapitän”, mit Maria Paudler, Lia
Eiben=
ſchützen. Hans Junkermann und Max Ehrlich. Regie: Rudolf
Walther=Fein. Dazu das gute Beiprogramm. Jugendliche haben
Zutritt. Beginn 3.45, 6,00 und 8,.20 Uhr.
— Im Helia=Theater ſieht man nur noch heute Conrad Veidt,
Heinrich George und Trude von Molo in dem großen Senſations=
Drama. Der Mann, der den Mord beging”. Beginn 3,45, 6,00
und 8.20 Uhr.
— Für die Sommerſpielzeit im Heſſiſchen Landestheater —
Leitung Bruno Harprecht —, die am Samstag mit dem reizenden
Luſtſpielſchlager „Arm wie eine Kirchenmaus” eröffnet
wird, beginnt am heutigen Mittwoch der Kartenverkauf. und
zwar findet derſelbe bis 3. Juli, während der Dauer der
Miet=
einzeichnungen noch in der Mietabteilung ſtatt. Fodors Luſtſpiel
„Arm wie eine Kirchenmaus” hat ſich an allen Bühnen als eines
der erfolgreichſten Revertoirſtücke erwieſen, das im In= und
Aus=
lande Hunderte von Aufführungen erlebte. Direktor Bruno
Har=
precht und Hildegard Warſitz als Gaſt ſpielen die Hauptrollen in
der am Samstag ſtattfindenden Premiere.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Straßenbau=Arbeiten
wird die Eſchollbrückerſtraße zwiſchen Hindenburgſtraße und Groß=
Gerauer Weg vom 22. Juni 1931 bis auf weiteres für Fahrzeuge
aller Art geſperrt.
p. Monſtreprozeß. Eine größere Betrugsanklage wird die
Strafkammer in den Gexichtsferien beſchäftigen; ſie richtet
ſich gegen einen gewiſſen Jungmann von Offenbach. Für die
Ver=
handlung iſt der Monat Auguſt in Ausſicht genommen.
Lokale Veranſtalkungen.
Die verunter erſcheinenden Noiizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen m betrachten
imn keinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Krit
— Bibelabend im Chriſtl Verein Junger
Männer, Alexanderſtraße 22 (Inf.=Kaſ.). Zu unſerer heute.
Mittwoch, abends ſtattfindenden Bibelſtunde laden wir hierdurch
freundlich ein. Freunde und Gäſte ſind herzlich willkommen.
Der Zyklus volkstümlicher Konzerte. Heute,
Mittwoch abend, findet wiederum im Rahmen dieſer
volktüm=
lichen Konzerte im Garten des Hotels Prinz Heinrich, untere
Bleichſtraße, ein Operetten= und Schlagerabend ſtatt, bei welchem.
dem Garten angepaßt, das Orcheſter in Streichmuſikbeſetzung,
ebenfalls unter Leitung von Matthias Weber, den Gäſten
Ab=
lenkung und Erbauung bei freiem Eintritt bieten wird. (Siehe
Anzeige.)
—Herrngartencafé. Heute abend findet ein großes
Konzert moderner Operetten und Schlager ſtatt, bei welchem
je=
dem Beſucher einige genußreiche Stunden bevorſtehen. Perſönliche
Leitung: Kapellmeiſter Schlupp.
— Schuls Felſenkeller. Heute Mittwoch, den 24. Juni,
ab 8 Uhr, Konzert. Um in die allſeitig beliebten Konzerte
Ab=
wechſelung zu bringen, kommt heute abend ein Trompetenſolo
„Die Poſt im Walde” und „Auf der Wacht” (aus der Entfernung
geblaſen) und ein Poſaunenſolo zum Vortrag. Bei ungünſtiger
Witterung finden die Konzerte in der Brauerei, Schloßgaſſe, ſtatt.
— Saalbau garten. Morgen Donnerstag großes
Kon=
zert. Illumination und bengaliſche Beleuchtung der
Garten=
anlagen, verſtärktes Orcheſter auserleſenes Programm. Anfang
8 Uhr. (Siehe morgige Anzeige.)
Vereinskalender.
—Vereinigungfrüherer Leibgardiſten
Darm=
ſtadt. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr Otto=Berndt=
Halle, Kundgebung für die Wiedererlangung der deutſchen
Kolo=
nien.
— F.=C. Union. Generalverſammlung: Samstag, den
27. Juni, abends, im Vereinslokal. Chauſſeehaus.
Jeder Anfrage iſft die letzte Bezugsaulttung beizufügen. Anonyme Anfragen warden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechteverblndſchkeſt.
M. Da in der zuletzt ausgeſtellten Quittung ein
Empfangsbekennt=
nis über den Reſt der Schuld ausdrücklich abgelegt iſt, würde Ihre
Darſtellung über die gepflogenen Verhandlungen, im Prozeßfalle an
Wahrſcheinlichkeit nur gewinnen, weshalb wir unmaßgeblich die
An=
ſchauung vertreten möchten, daß Sie es darauf ankommen laſſen könnten,
ob der gegneriſche Vertreter die im Schlußſatze der Zuſchrift gemachte
Drohung verwirklicht.
Tagskalender fir Mitwoch, den 21. Junf 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, 20.00—22.45 Uhr,
B 26: „Cavalleria ruſticana”; hierauf: „Der Bajazzo”
Kleines Haus: Keine Vorſtellung. — Orpheum, 20.30 Uhr:
Revue des Lachens. — Konzerte: Zur Oper, Schloßkella=,
Sportplatz=Reſt, am Böllenfalltor. Herrngartenkaffee. Schuls
Felſenkeller, Hotel Prinz Heinrich, Hotel Schmitz. —
Kino=
porſtellungen; Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele —
Freunde, der Darmſt. Realanſtalten, 20.30 Uhr,
bei, Heß: Monatsverſammlung. — Kunſtausſtellung
Mathildenhöhe, Juni bis Sept., geöffnet tägl. von 10
bis 18 Uhr, Eintritt 50 Rpf.
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Seite 7
Aus heſſeil.
Großer Odenwälder Bauernkag in Beerfelden.
Nahezu 5000 RM. werden an die Beſitzer des ſchönſten Viehes verteilt.
— Großes Pferde=Rennen. — Dem glücklichſten Gewinner ein
kom=
pletter Zweiſpänner.
Am 12., 13. und 14. Juli d. J. findet in dem durch ſeine
bedeu=
tenden Vieh= und Schweinemärkte von altersher bekannten
Odenwald=
ſtädtchen Beerfelden der in dieſem Jahre zum 31. Male
wieder=
kehrende „Große Beerfelder Pferde=, Fohlen=,
Zucht=
vieh=, Ziegen= und Schweinemarkt” mit Prämiierung ſtatt.
Den meiſten unſerer Leſer iſt dieſe gewaltige Veranſtaltung, welche mit
vollem Recht den Namen „Odenwälder Bauerntag” führt, aus
eigener Anſchauung bekannt und dürfte auch in dieſem Jahre wieder,
dank der gründlichen Vorbereitung ſeitens der Marktleitung, für die
Beſucher viel Intereſſantes geboten werden, kommen doch dabei nahezu
5000 RM. an Prämiengelder zur Verteilung. Ebenſo dürſte in dieſem
Jahre das dem Markt ſeit einigen Jahren angegliederte „Reit= und
Fahr=Turnier” auf Grund der Unterſtützung durch den Heſſiſchen
Landesverband der Reit= und Fahr=Vereine beſonders intereſſant
wer=
den. Alles Nähere über die Veranſtaltungen iſt aus dem Inſeratenteil
der nächſten Nummer unſerer Zeitung erſichtlich.
Auch diesmal iſt mit dem Markt wieder die bekannte „Beerfelder
Pferdemarkt=Lotterie” mit ihrem erſtklaſſigen Gewinnplan verbunden.
Die Loſe ſind ſeit einiger Zeit durch das ſeitherige Generaldebit des
ſtaatl Lotterie=Einnehmers Willenbücher in Beerfelden an die
bekann=
ten Loſeverkaufsſtellen zur Ausgabe gelangt und kann die recht baldige
Eindeckung mit dieſen Loſen dringend empfohlen werden, da Beerfelder
Pferdeloſe bekanntlich ſtets ſehr frühzeitig geräumt ſind.
Dg. Arheilgen, 23. Juni. Rotkreuztag. Der Rotkreuztag, der
in ganz Deutſchland am 14. ds. Mts. durchgeführt wurde, war beſonderer
Umſtände wegen in unſerer Gemeinde auf Sonntag, den 21. ds. Mts.,
verlegt worden. Die an dieſem Tage von der Freiwilligen
Sanitäts=
kolonne hier vorgenommene Sammlung zeitigte in Anbetracht der
gegen=
wärtigen großen Notlage, in der ſich ein großer Teil der Bevölkerung
befindet, einen ganz ſchönen Erfolg. Es waren immerhin 363,50 Mark
eingegangen, ein Zeichen dafür, daß die Hilfsbereitſchaft und ſegensreiche
Tätigkeit, die das Rote Kreuz, das ſtets im Dienſte der Nächſtenliebe
ſteht, entfaltet, auch in unſerer Gemeinde anerkannt wird. Von dem
eingegangenen Betrag verbleiben 70 Prozent in unſever Gemeinde,
wäh=
rend 15 Prozent an den Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz und
die reſtlichen 15 Prozent an die Zentrale in Berlin abgeführt werden.
— Werbeabend. Der hieſige Arbeiter=Rad= und Kraftfahrerverein
„Friſch auf” hatte für Sonntag zu einem Werbeabend in den „Löwen”
eingeladen. Nach einigen Begrüßungsworten ging der Vorſitzende auf
die Bedeutung des Abends ein und hob beſonders hervor, daß der
Arbeiter=Rad= und Kraftfahrerbund „Solidarität” ſeinen Mitgliedern
Rechtsbeiſtand. Unfallunterſtützung, Haftpflicht gegen Perſonen= und
Sachſchaden, Sicherung gegen Raddiebſtahl uſw. bietet, und dies alles
bei einem geringen Monatsbeitrag. Der Vorſitzende forderte die
An=
weſenden auf, ſich dem Verein anzuſchließen. Sodann wechſelten
Reigen=
fahren, Kunſtfahren, Radballſpiele. Einredreigen Steuerrohrreigen,
Schulreigen einer Gräfenhäuſer Damenmannſchaft uſw. in bunter
Reihenfolge miteinander ab. Im Mittelpunkt des Abends ſtand die
Ehrung der Jubilare. Für 25jährige Mitgliedſchaft wurde den
Mitglie=
dern Heinrich Gimbel, Georg Bohl, Auguſt Fleck, Jakob Wolf und Peter
Krämer die ſilberne Ehrennadel überreicht. Weiter wunden die beiden
Altersmitglieder Benz und Wolf mit einem kleinen Geſchenk bedacht.
In anerkennenswerter Weiſe hatten ſich die Bundesvereine Eberſtadt
und Gräfenhauſen in den Dienſt der Sache geſtellt. Der Abend nahm
einen harmoniſchen Verlauf, nur hätte der Beſuch ein beſſerer ſein
dürfen.
P. Eberſtadt, B. Juni. Der Kirchenvorſtand für
poli=
tiſche Neutralität. Der Beſchluß des Kirchenvorſtandes, nach
dem bolitiſchen Organiſationen der Zutritt auf kirchliches Gelände
und die Teilnahme am Gottesdienſt oder ſonſtigen kirchlichen Feiern und
Handlungen in Uniform unterſagt iſt, hat verſchiedentlich zu
Miß=
verſtändniſſen Anlaß gegeben. Das Pfarramt weiſt daher ausdrücklich
darauf hin, daß von dem Verbot nur politiſche
Organiſatio=
nen — gleich welcher Richtung — betroffen werden. Das Verbot
be=
zieht ſich nicht auf Angehörige ſonſtiger Vereine und Korvorationen
(z. B. Jugendgruppen) und auf Angehörige des Heeres und der
Schutz=
polizei. Der Kirchenvorſtand hat den Beſchluß einſtimmig gefaßt
und damit lediglich im Auge gehabt, die politiſche
Neutrali=
tät der Kirche zu wahren. — Hauptverſammlung
der Landwirtſchaftlichen Bezugs= und
Abſatzgenoſ=
ſenſchaft. Die Hauptverſammlung der Genoſſenſchaft fand am
Samstag, den 20. Juni im Gaſthaus „Zum Heſſiſchen Hof” (
Kirſch=
ner) ſtatt. Aus dem erſtatteten Geſchäftsbericht des Vorſitzenden iſt zu
entnehmen, daß der Umſatz im abgelaufenen Geſchäftsjahr hinter den
Umſätzen früherer Jahre zwar etwas zurückblieb, daß aber trotzdem ein
zufriedenſtellendes Ergebnis erzielt wurde. Der Reingewinn ſoll unter
die Genoſſen in Geſtalt von genoſſenſchaftlichen Erzeugniſſen und Waren
deren Wahl ihnen vorbehalten bleibt, verteilt werden. Dem Vorſtand
und Aufſichtsrat wurde einſtimmig Entlaſtung erteilt. Die
Aufſichts=
ratsmitglieder Dächert und Hofmann ſowie das Mitglied des
Vorſtandes, Schambach, die ſatzungsmäßig auszuſcheiden hatten,
wurden einſtimmig wiedergewählt.
4a. Eberſtadt, 23. Juni. Verkehrsunfälle. Auf der Neuen
Darmſtädter Straße wurde ein Motorradfahrer von einem Auto
ange=
fahren. Der Motorradfahrer und ſein Begleiter wurden vom Rad
ge=
ſchleudert und verletzt. — Auf der Landſtraße nach Bickenbach ſtießen in
der Nähe der Provinzialpflegeanſtalt zwei Perſonenautos zuſammen.
Eine Frau erlitt dabei, teilweiſe im Geſicht, derart ſchwere
Verletzun=
gen, daß ſie ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Cn. Hahn b. Pfungſtadt, 23. Juni. Weitere Ausdehnung
der Maul= und Klauenſeuche. Die Maul= und Klauenſeuche,
die ſeit Wochen in unſerem Orte umgeht, iſt unter den Viehbeſtänden
von drei weiteren Landwirten ausgebrochen.
4y. Neuſtadt i. Odw. mit Burg Breuberg, B. Juni. Der
ver=
gangene Sonntag hatte wieder einen lebhaften Verkehr auf der Burg
und im Städtchen zu verzeichnen. Der Lützel=Wiebelsbacher
Frauen=
verein beſuchte in anſehnlicher Stärke die alte Hochburg, und verbrachte
dort einige gemütliche Stunden. Eine Darmſtädter
Jungwandergeſell=
ſchaft mit ihren Rädern raſtete „Zur Burg Breuberg” im Städtchen.
Eine andere Wanderabteilung zog mit Geſang, von der Burg kommend.
zur Bahn. Die Männrvereinigung „Petrusgemeinde Darmſtadt=
Beſ=
ſungen” kam in den frühen Morgenſtunden vom Otzberg zum Breuberg
und raſtete in dem gaſtlichen „Ochſen” im Städtchen und freute ſich des
ſchönen Breubergerlandes. — Der hieſige Frauenverein machte ſeinen
üblichen größeren Jahresausflug. Diesmal ging die Reiſe über
Darm=
ſtadt zunächſt nach Mainz. Dort im „Roſengarten”, ſtaunte man über
das ſchöne Fleckchen Erde. Nachmittags fuhr man nach Wiesbaden, um
einen Geſamteindruck über die ſchöne Stadt mit ihren Kur= und
Bade=
anlagen zu gewinnen. Für viele Teilnehmer war dieſe Reiſe ein
Er=
lebnis, zugleich ein Lichtblick im Alltagsgetriebe einer friedloſen Zeit.
Cd. Michelſtadt, 22. Juni. Heute morgen trafen die beiden
Liga=
mannſchaften des Fußballſportvereins Frankfurt a. M. und der Kickers
Stuttgart hier ein und bleiben bis 29, hier zur Erholung. Am
Sonn=
tag, den 28. Juni, nachmittags 4 Uhr, findet im Stadion ein
Fußball=
ſpiel zwiſchen den beiden Vereinen ſtatt, wobei die Mannſchaften in
fol=
gender Aufſtellung antreten: Frankfurt: Blaimer, Grief.
Herr=
mann, Bretville, Wühler, Knöpfle, Rohr. Gölz. Miehm. Keck,
Arm=
bruſter. — Stuttgart: Haarer, Mihalek, Ueberich, Schäfer, Welz,
Eſenwein, Mayer, Kotz, Mauz. Handtke, Buhl.
Zur Teckarkanalialion.
Dr. Neckarſteinach, 20. Juni.
Begünſtigt durch gutes Wetter, ſchreiten die Arbeiten der
Neckar=
kanaliſation rüſtig vorwärts. Die Erdarbeiten bei der Bauſtelle
Hirſch=
horn ſind in vollem Gange. Die beiden Baugruben links und rechts des
Neckars mußten nach vorheriger Umſchließung trocken gelegt werden.
Sie werden in größerem Umfange ausgehoben, um innerhalb der
Um=
ſchließung Arbeitsmaſchinen wie Rammen und Pumpen u. a. aufſtellen
und Baumaterialien herbeiſchaffen zu können. Das Einrammen der
Spundwände iſt erledigt, der gleichmäßige Schlag der vielen
Dampfram=
men verklungen. Der Strom iſt nun auf eine Länge von etwa 120
Meter eingeengt durch eiſerne Spundwände, die ſich vor allem ihrer
großen Dichtigkeit halber bewähren. Eine Trockenlegung und
Trocken=
erhaltung der Gruben iſt erforderlich, um ein unmittelbares Errichten
der Fundamente auf der Baugrubenſohle zu geſtatten. Nachdem zwei
Pumpen mehrere Tage ohne Unterbrechung tätig waren, ſind beide
Gruben leer. Eine Trockenhaltung geſchieht nun immer noch durch zwei
Waſſerſchöpfmaſchinen bei der einen Grube, da das durch den Boden
und durch Undichtigkeit der Umſchließungen eindringende Waſſer
ent=
fernt werden muß. Zu dieſem Zweck hat man die Baugrube ſo groß
angelegt, daß außerhalb der eigentlichen Fundamentfläche Waſſerrinnen
angelegt werden konnten, die zu zwei tiefer liegenden Gruben führen, in
denen alles in die Baugrube eindringende Waſſer ſich anſammelt, um
durch Pumpen entfernt zu werden. Die Anlage dieſer beſonderen
Gru=
ben. den ſog. Sümpfen, hat den doppelten Zweck, die Sohle der
Bau=
grube trocken zu erhalten und die vom Waſſer mitgenommenen Erdteile
ſich ablagern zu laſſen. Beide Sümpfe ſind durch beſondere
Verklei=
dungen gegen Einſtürzen geſchützt. Das raſende Tempo der Zeit rückt
den Sand= und Steinmaſſen bedenklich auf den Leib. Große
Spreng=
ladungen geben dem großen Herrn Löffelbagger immerfort neue
Nah=
rung. Ein mächtiger Raupenbandbagger apbeitet ſich immer tiefer ein,
deſſen Löffelinhalt ungefähr einen Kubikmeter faßt. Bei einer
Bewe=
gung frißt er einige Zentner Sandſteingerölle. Mit zwei Bewegungen
iſt ein Kippwagen gefüllt. Alle 20 Minuten wird ein Zug von 10
Erdwagen durch eine mit vier gekuppelten Rädern verſehene
Tender=
maſchine mit Ziſchen und Fauchen herausgeſchleppt. Sie bringt die
Maſſen etwa 100 Meter abwärts. Unterhalb des Städtchens Hirſchhorn
wird durch Lagenſchüttung jeder Seitenkipper entleert. Von größerer
Bedeutung als das Ablagern der Erdmaſſen iſt das Abräumen derfelben.
Sie geſchieht hier ausſchließlich durch Maſchinen. Der Unterwagen des
Löffelbaggers auf der rechten Uferſeite erinnert an die Raupenbänder
der Tankwagen im Kriege. Er ſtehr wie jene auf Naupenband, der den
drehbaren Oberwagen mit Dampfmaſchine und Keſſel, den Ausleger mit
Löffel am Seilzeug trägt.
Bequem, ja ſogar von einer Sitzbank, die an der öffentlichen
Fahr=
ſtraße aufgeſtellt iſt, kann man das ganze Baugelände und die
Arbeits=
weiſe der Maſchinen verfolgen. Ein Grund, daß oft Perſonenautomobile
hier Schlange ſtehen. Der Ausleger des Löffelbaggers trägt noch eine
Löffelmaſchine, die den Löffel aus= und einfährt, der Löffelſtiel wird
durch ſie verlängert oder verkürzt. Die Löffelmaſchine wird von
dem=
ſelben Keſſel geſpeiſt wie die Maſchine, die das Drehen, Fahren und
das Auf= und Abwinden des Baggers beſorgt. — Ein Arbeitsgang bei
dieſem Bagger iſt immer der gleiche. Anſetzen des Löffels, Durchziehen
und Füllen, Drehen des Oberwagens, bis er über dem zur Abfuhr
die=
nenden Wagen hängt. Ein Ausfahren mit Hilfe der Löffelmaſchine in
die richtige Stellung iſt auch hier durch den Löffelarm noch möglich.
Dann wird die Bodenklappe geöffnet, und die Erd= und Steinmaſſen
fallen in die Wagen. Die Bodenklappe wird von dem Führerſtande aus
geſchloſſen, und ein neuer Arbeitsgang wie vorher beginnt. Auf dem
linken Ufer iſt eine ähnliche Maſchine, nur mit anderem Unterwagen,
aufgeſtellt. Von dort weiter abwärts werden neue Maſchinen montiert,
und beſondere Schleppboote beſchleunigen das Durchfahren der
Bau=
ſtelle
So intereſſant die Arbeiten auf der Bauſtelle für den Laien immer
wieder ſind, um ſo trauriger wird man geſtimmt, wenn man ſich vor
Beginn der Arbeitszeit auf den Bauer vor die Bauſtellen begibt.
Zahl=
reiche Arbeiter kommen trotz Abweiſung immer wieder mit dem
Glau=
ben, an dieſem Tage mit einer Einſtellung rechnen zu können. — Aber
gefehlt, viele junge Männer, geſund und kräftig, mit dem Willen zur
Arbeit, müſſen wieder von dannen gehen, mit einem kleinen Schein der
Hoffnung, „vielleicht an einem anderen Tag‟. „So wirkt ſich auch hier
im Neckartal die allzu rationelle Betriebsführung und
Leiſtungsſteige=
rung der Maſchineninduſtrie aus. Für die gewaltige Bauſtelle ſieht man
zu wenig Menſchen. Die Maſchinen haben die Menſchen freigeſetzt, ſie
können nur noch einſpringen, wenn eine der vielen Maſchinen verſagt.
Aber dann gilt das harte Geſetz des freien Wettbewerbs, der jeden
an=
ſpornt, quantitativ und qualitativ ſein möglichſtes, zu leiſten unter
gleichzeitiger Niedrighaltung der Preiſe. Aber hoffen wir, daß mit
dem Fortſchreiten der Arbeiten auch mehr Arbeiter des Bezirkes
Einſtel=
lung finden mögen.
Groß=Umſtadt, 20. Juni. Wie alljährlich, ſo findet auch in
die=
ſem Jahre am 10. Juli hier ein Ziegenzuchtviehmarkt ſtatt.
Zum Auftrieb gelangen nur Tiere der weißen deutſchen Gdelziege, die
in das Herdbuch für die weiße Edelziege des
Landwirtſchaftskammeraus=
ſchuſſes für die Provinz Starkenburg eingetragen ſind. Nicht
eingetra=
gene Tiere dürfen auf den Markt nicht aufgetrieben werden, worauf
auch nachdrücklich hingewieſen wird. Den Gemeinden iſt Gelegenheit
ge=
boten, erſtklaſſiges Bockmaterial für ihre Faſelſtälle zu erwerben. Allen
Ziegenzüchtern ſei der Beſuch dieſes Marktes beſtens empfohlen. Der
Auftrieb erfolgt unter den Bäumen in der Kaiſerſtraße, neben dem
Gaſthaus „Zur Brücke‟.
Ct. Reinheim, B. Juni. Nach der jetzt bekannt gegebenen
Aus=
ſchreibung veranſtaltet der Reit= und Fahrverein des vorderen
Odenwaldes am Sonntag, 28. Juni, in hieſiger Gemeinde ein Turnier,
das ein ſehr reichhaltiges Programm umſchließt. Zunächſt Aufmarſch
fämtlicher Turnierteilnehmer auf dem Feſtplatz, dann folgen die
ein=
zelnen Programmnummern: Wettkämpfe in Abteilungen und
Einzel=
prüfung, Jagdſpringen, Geſpannprüfungen Paarſpringen und eine
Vielſeitigkeitsprüfung, die aus einer Reiterprüfung, einem Geländeritt,
einem Jagdſpringen und einer Fahrerprüfung beſteht. Dieſe
Wettbe=
werbe müſſen von den Teilnehmern auf demſelben Pferde beſtritten
wer=
den, und ſtellt aus dieſem Grunde eine ſolche Prüfung hohe
Anforderun=
gen an Reiter und Pferd. Das Intereſſe an der Veranſtaltung iſt von
ſeiten der Pferdeſport treibenden Bevölkerung der Provinz Starkenburg
ein ſehr großes. Neben den verſchiedenen ländlichen Abteilungen wird
ſich auch der Darmſtädter Reiterverein mit Unterſtützung des
Reitinſti=
tuts Schott mit zahlreichen Nennungen beteiligen. Das Reitinſtitut
Schott wind unter Leitung des Herrn Reitlehvers Schubert eine
Jugend=
abteilung herausbringen, ſo daß dem Publikum Gelegenheit geboten iſt,
den Reiternachwuchs jüngſten Datums kennen zu lernen. Wenn auch an
einer ſolchen Veranſtaltung der Fachmann das größte Intereſſe haben
wird, ſo ſei doch darauf hingewieſen, daß eine Pferdeſportveranſtaltung
in ihrer Art etwas ganz beſonderes iſt und alt und jung jeden Standes
erfreuen muß. Um aber jedem Freund der Pferdeſache Gelegenheit zum
Beſuch der Veranſtaltung zu geben, hat die Turnierleitung — der
heu=
tigen Zeit Rechnung tragend — den Eintrittspreis auf 50 Pfg.
herab=
geſetzt. Wir begrüßen das und wünſchen der ſchönen Veranſtaltung den
beſten Erfolg,
Dk. Aſchbach, 23. Juni. Dr Geſanaverein Harmonie
er=
rang bei dem in Schönau bei Heidelberg ſtattgefundenen
Geſangswett=
ſtreit unter Leitung des Dirigenten Krämer=Affolterbach in der 2. Klaſſe
für erſchwerten Volksgeſang bei ſtärkſter Konkurrenz den 2. Preis. Der
Verein ſang als Volkslied „Abendglocken” von Fr. Leiendecker, und als
Preischor „Sabbatfrühe” von Lothar Kempter. Heil deutſchem Lied
und deutſchem Sang!
— Gernsheim, B. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
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Mittwoch, den 24. Juni 1931
Jubiläumsfeſt des evang. Kirchſpiels Fürkh i. Odw. Die beſten Tanzpaare Europas in Bad=Rauheim.
A. Fürth i. Odw., 23. Juni.
Ueber Erwarten groß war die Anteilnahme an dem
Erinnerungs=
feſt des hieſigen ebangeliſchen Kirchſpiels anläßlich der 30. Wiederkehr
des Tages der Grundſteinlegung der hieſigen Kirche, mit welcher Feier
die Jahresverſammlung des Zweigvereins Lindenfels des Guſtav=Adolf=
Vereins und der Kirchengeſangvereine des Trommgebietes verbunden
war. Um 2 Uhr fand, da das Wetter ſo günſtig war, ein
Feſtgottes=
dienſt im Freien vor der Kirche ſtatt, bei welchem Herr Pfarrer Erich
Meher, Frankfurt a. M., die Feſtpredigt hielt, in der er auf die
Be=
deutung des Tages Bezug nahm und beſonders betonte, wie wichtig die
Kirche im Leben des Menſchen ſei und wie es heute in beſonderem
Maße darauf ankomme, den Glauben an das Evangelium hochzuhalten,
was ja auch eine beſondere Aufgabe des Guſtav=Adolf=Vereins ſei, wie
er ſie auch bei der Erbauung der Fürther evangeliſchen Kirche getätigt
habe. Im Anſchluß an den Gottesdienſt, der durch Choralſpiel der
Poſaunenchöre und Maſſengeſang der Kirchenchöre umrahmt wurde,
bewegte ſich ein ſchier endloſer Feſtzug durch die feſtlich geflaggten
Ortsſtraßen, wobei beſonders anzuerkennen war, daß auch die katholiſche
Einwohnerſchaft geflaggt hatte! Am Ehrenmal der Gefallenen ein
kur=
zer Halt. Die Turnhalle, wo nun die öffentliche Feier ſtattfand,
ver=
mochte noch nicht die Hälfte der Feſtgäſte zu faſſen. Es waren weit über
1000 erſchienen. Viele ſtanden draußen vor der Halle, wo die nun
fol=
genden Anſprachen in der Turnhalle noch einmal wiederholt werden
mußten. Herr Pfarrer Meher von hier dankte im Namen der
Feſt=
gemeinde für den überaus ſtarken Beſuch des Feſtes, auf den man gar
nicht gerechnet hatte, und begrüßte alle Gäſte, insbeſondere die Vertreter
der Kirchenregierung. Nach ihm ergriff das Wort Herr Superintendent
Dr. Müller=Darmſtadt, der die Grüße und Glückwünſche des
Landeskirchen=
amtes übermittelte und beſonders hervorhob, wie von der Kirche auch
heute noch ein Segensſtrom ausgehe, und wie gerade die
Glaubens=
genoſſen in der Diaſpora im Zuſammenſchluß und im eigenen
Gottes=
haus eine ſtarke Glaubensſtütze haben. Weiter ſprachen noch Herr
Kir=
chenrat Dr. Horre=Darmſtadt und im Auftrag des Verbandes der
heſſi=
ſchen evangeliſchen Kirchengeſangvereine. Herr Dekan Zimmermann=
Darmſtadt. Zwiſchendurch ſpielten die Poſaunenchöre von Lampertheim,
Birkenau und Reichelsheim ernſte und Marſchweiſen und die
Kirchen=
geſangvereine ſangen freigewählte Volkschöre. Herr Pfarrer Sartmann
von Schlierbach erſtattete als Rechner des Zweigvereins Lindenfels vom
Guſtav=Adolf=Verein den Rechenſchaftsbericht, wobei er angab, daß
ins=
geſamt vom Guſtav=Adolf=Verein in Deutſchland im verfloſſenen Jahre
2 Millionen Mark aufgebracht wurden durch Kollekten, Stiftungen uſw.,
davon in Heſſen 90 000 Mark und vom Zweigverein Lindenfels 1500
Mark. Er bezeichnete in kurzen Umriſſen, wie dieſe Geldmittel nun
wieder bedürftigen Gemeinden zur Erbauung von Kirchen, Schulen und
Betſälen zugeleitet werden, auch beſonders den Glaubensbrüdern in
fremden Ländern, und verknüpfte damit die Mahnung, auch in Zukunft
dieſes edle Werk zu unterſtützen. So nahm das Feſt einen erhebenden
Verlauf.
Cr. Werſau, 23. Juni. Sonntag abend hielt Herr Lehrer Hoffmann
von der Höheren Bürgerſchule in Sprendlingen (Rheinheſſen) hier im
Saale Trautmann einen Vortrag über ſeine Tätigkeit als
Auslands=
lehrer für das Deutſchtum in Südweſtafrika. Zur Einleitung des
Vor=
trages ſchilderte Hoffmann ſeine Reiſeerlebniſſe der vierwöchigen
See=
fahrt bis nach Swakopmund. An Hand zahlreicher Lichtbilder führte er
den Aufbau der deutſchen Schule vor Augen. Der dreiſtündige Vortrag
zeigte, daß die Deutſchen in Südweſtafrika treudeutſch allerwege ſind.
Der gut beſetzte Saal bewies das Intereſſe an dem Vortrag. Lehrer
Hoffmann erklärte ſich weiterhin bereit, einen zweiten Vortrag zu halten
über das Leben der Schwarzen und ſeine perſönlichen Erlebniſſe mit
denſelben. Ganz beſonders hervorzuheben iſt, daß der Erlös der
Vor=
träge dem von ihm gegründeten Pfadfinderbund in Südweſtafrika
zu=
gute kommt.
Ds. Fränkiſch=Crumbach, 23. Juni. Wiederſehensfeier. Die
am Sonntag dahier ſtattgefundenen Wiederſehensfeiern der 50= und 60=
Jährigen nahmen einen guten und würdigen Verlauf. Nach einem
gemeinſamen Kirchgang, wo Herr Pfarrer Flöring von Niedernhauſen
predigte, verſammelten ſich die 50Jährigen im Gaſthaus „Zur Linde‟,
während ſich die 60=Jährigen im Gaſthaus „Zur Burg Rodenſtein”
ein=
gefunden hatten. Die örtlichen Darbietungen und die guten
Muſikvor=
träge hielten die ehemaligen Schulkameraden bis zur ſpäten
Abend=
ſtunde in beiden Lokalen zuſammen. Man trennte ſich beglückwünſchend
auf ein frohes Wiederſehen in 10 Jahren. — Beſitzwechſel. Das
ſeit einigen Jahren dem Herrn Georg Maul, dahier, gehörige „Kaffce
Rheingold” ging durch Kauf an den Landwirt und Küfermeiſter
Wil=
helm Steiger zu dem Preiſe von 10 500 Mk. über. —
Erdbeer=
ernte. Mit der Aberntung der Erdbeeren ſind wir in unſerem Ort
zurzeit auf der Höhe angelangt. Schon in früher Morgenſtunde eilen
alt und jung mit Körben und Kiſten nach ihren Kulturen um die reife
Frucht abzuernten. Der Behang iſt in dieſem Jahre ein fehr guter.
Trotz der niedrig gehaltenen Preiſe bleibt dem Erzeuger für ſeine
mühevolle Arbeit immerhin noch eine ſchöne Einnahme, was bei den
heutigen Zeitverhältniſſen den Leuten ſehr zuſtatten kommt.
e. Bad Wimpfen, 23. Juni. Ein däniſches Volksfeſt in
Bad Wimpfen. Die Tanzgruppe der Kopenhagener
Volkshoch=
ſchule führt hier auf dem Kirchenplatz in ihren maleriſchen Trachten
viele von den alten Tänzen auf, die auf den däniſchen Inſeln heute
noch bei den Feſten getanzt werden, von den Färöer=Inſeln im Norden
Schottlands bis zu den öſtlichſten Inſeln in der Oſtſee, nicht zu
vergeſ=
ſen die däniſchen Hauptinſeln, Jütland, Fünen und das königliche
See=
land. In den Tänzen ſpiegelte ſich viel vom Volkscharakter wieder:
die breite Behaglichkeit des Bewohners der Ebene, der Humor eines
recht beweglichen Volksſchlages, die Luſt zu gemeinſamen Feſten. Viel
Beifall fand die Vorſtellung der Koſtüme. Mit einem ſchönen
Volks=
lied nahm die Vorführung ihr Ende. Herr Stadtpfarrer Reith dankte
für die ſchönen Darbietungen mit herzlichen Worten. Im Kurhotel
fand ſich darnach eine große Zahl von Freunden der Sache zuſammen.
Die fröhliche Stimmung, die nach kurzer Zeit zwiſchen den Deutſchen
und Dänen herrſchte, gab Zeugnis vom Geiſte freundſchaftlicher
Ver=
ſtändigung. Am Montag zeigte die Gruppe ihre Tänze in Heidelberg.
— Samariter=Uebung. Am Sonntag fand in Jagſtfeld auf
Veranlaſſung der Reichseiſenbahn eine größere Gruppenübung der
Arbeiter=Samariter=Kolonnen (Kochendorf. Jagſtfeld, Wimpfen, Ober=
und Unter=Eiſtsheim) ſtatt. Die Kolonne Wimpfen fuhr im Auto zur
feſtgeſetzten Stunde nach der bezeichneten Bahnſtelle. Gedacht war ein
Eiſenbahnunglück eines Militärtransportzuges. Die Feuerwehrleute aus
Jagſtfeld markierten die Verunglückten. Das Bild trug durchaus den
Charakter einer wirklichen Unglücksſtätte. Eine große Zuſchauermenge
umſtand den Uebungsplatz. 15 Samariterinnen und 50 bis 60
Sama=
riter waren in eiligſter Arbeit um die Verwundeten bemüht. Später
prüfte Herr Dr. med. Engel aus Bad Wimpfen die Richtigkeit der
Not=
verbände und ſtellte feſt, daß einwandfreie Samariterhilfe geleiſtet
wor=
den war. Ueberhaupt iſt alles derart gut geſchult, daß im Ernſtfalle
tüchtige Leute zur Hand ſind. Der Herr Bürgermeiſter aus Jagſtfeld
ſowie Herr Regierungsrat Heſſer hielten kurze Anſpachen und betonten
die Notwendigkeit freiwilliger Samariterkolonnen. — Die
Gemeinde=
ratsſitzung findet nicht am Dienstag, wie zuerſt angeſetzt, ſondern
am Donnerstag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, ſtatt. Samstag, den 27.,
bis Dienstag, den 30. Juni 1931, findet der „Talmarkt”, das große
Volksfeſt am unteren Neckar, verbunden mit Krämer= und
Kirſchen=
markt, ſtatt.
4a. Wolfskehlen, B. Juni. Dienſtjubiläum.
Bahnhofs=
meiſter Baumann kann außer ſeiner neunjährigen Dienſtzeit auf dem
Bahnhof Mannheim=Waldhof am 1. Juli auf eine 25jährige Tätigkeit
auf dem Bahnhof Leeheim=Wolfskehlen zurückblicken. Baumann iſt bis
jetzt der erſte Beamte, der auf den beiden hieſigen Bahnhöfen auf eine
derartig lange Dienſtzeit an der gleichen Stelle zurückblicken kann.
Auch außerdienſtlich hat ſich Baumann ſehr verdient gemacht. So ging
unter anderem die Gründung des hieſigen Waiſenſchutzvereins, die im
Jahre 1912 erfolgte, auf ſeine Initiative zurück. Außerdem wurde ihm
beim Beginn des Krieges durch das Kreisamt Groß=Gerau die
Eierver=
ſorgung übertragen. Im Jahre 1917 übertrug ihm die Obſt= und
Ge=
müſeverwaltung Mainz die Ueberwachung des Obſt= und
Gemüſeverſan=
des auf der rechtsrheiniſchen Seite.
Vom 18. bis 21. Juni fand in Bad=Nauheim eine „
Internatio=
nale Tanzwoche” ſtatt. Den Auftakt bildete ein Tanzabend von
Mitgliedern des Frankfurter Opernhauſes.
Ein beſonderes Ereignis war das erſtmalige Erſcheinen von Mr.
und Mrs. Shlveſter, London, den bedeutendſten Exponenten der
Welt im Geſellſchaftstanz. Im Rahmen eines Tanztees demonſtrierten
die Schöpfer des engliſchen Tanzſtils, der die Welt erobert hat, die
heu=
tige Tanzform in höchſter Vollendung
Den Höhepunkt bildete die Meiſterſchaft von Europa im
Geſell=
ſchaftstanz. Die Champions der Amateure, ſowie die Profeſſionals von
Deutſchland, England, Eſtland, Frankreich, Holland, Spanien, der
Tſche=
choſlowakei, der Schweiz und Italien kämpften um ihren höchſten Titel.
Der Abend im großen Feſtſaal des Kurhauſes war ein geſellſchaftliches
Ereignis erſten Ranges. Bis auf den letzten Platz füllte ein
auserleſe=
nes internationales Publikum das Nund um die Turnierfläche. Eine
Schau eleganter Abendtoiletten, unterbrochen durch das Schwarz der
Fracks und Smokings. Filmoperateure arbeiteten fieberhaft für eine
Tonfilmaufnahme; das Blitzlicht des Photographen flammte auf. Auf
den Rundfunk übertrug Dr. Laven vom Südweſtfunk intereſſante
Mo=
mente, plaudernd mit Lady Drummond=Hay, der bekannten einzigen
Journaliſtin auf „Graf Zeppelins” Weltreiſe, die zur Zeit in Bad=
Nau=
heim zum Kuraufenthalt weilt.
Mit ſtarkem Beifall wurden die folgenden Reſultate aufgenommen:
Amateur=Champions von Europa 1931: Mr. und Miß Wells=England;
2. Preis: Herr und Frau Neumann=Deutſchland; 3. Preis; Herr und
Frau Kuhn=Schweiz; einen Ehrenpreis außer Konkurrenz errang der
54jährige Altmeiſter Heath=London mit ſeiner Partnerin Miß Wood.
Die Meiſterſchaft von Europa für Profeſſionals fiel wiederum an die
mehrfachen Welt= und Europameiſter Maxwell Stewart= Pat Shkes
(England). Zweite wurden Herr Moeller=Frl. von Schkopp (
Deutſch=
land). Das franzöſiſche Paar Ronald=Lyette erhielt den dritten Platz,
während das ſpaniſche Meiſterpaar Gasquez=Gregorio Vierte wurden.
Wenn=
stets das Haar
in weichen
Wellen liegt,
dann wans.
Lilt
IV 1716
reicht für 2mal
ES12-28
W. Heppenheim a. b. B., 22. Juni. Meſſerſtecherei. Das
hieſige Armenhaus war wieder einmal der Schauplatz einer
folgen=
ſchweren Meſſerſtecherei. Letzte Woche geriet ein im Armenhaus
woh=
nender älterer Mann mit ſeinem Schwiegerſohn in heftigen
Wort=
wechſel. Im Verlauf des Streites zog der erregte Schwiegerſohn ein
Meſſer und richtete ſeinen Schwiegervater entſetzlich zu. Mit Hilfe
der ſofort herbeigerufenen Freiwilligen Sanitätskolonne wurde der
Ver=
letzte ins hieſige Krankenhaus gebracht. Die ärztliche Unterſuchung
er=
gab, daß der Verletzte Meſſerſtiche am Kopf und am ganzen Körper
ufwies. Es iſt nicht das erſtemal, daß ſich eine ſolche Tat im
Armen=
haus ereignete, denn vor ein paar Jahren wurde bereits ein
Familien=
bater im Wortgefechte niedergeſtochen. — Ortsgewerbeverein.
Im Intereſſe der Wichtigkeit des Vortrages ſei darauf hingewieſen, daß
am kommenden Dienstag, den B. d. M., im Gaſthaus zum „Heſſiſchen
Hof” Herr Oberregierungsrat Kadel=Darmſtadt über das Thema: „Die
Abgabe der neuen Vermögensſteuererklärung und ihre Bedeutung für
die Einheitsbewertung, ſowie die Reichs= und Landesſteuern” referiert.
— Mit dem Einſetzen der Lindenblüte hat ſich die Natur an der
Berg=
ſtraße nun in voller Pracht entfaltet und ſüßer Duft erfüllt die
Atmo=
ſphäre. — Erdbeer= und Heidelbeerernte. Die
Erdbeer=
ernte, die dieſes Jahr einen reichen Ertrag liefert, iſt auch hier in
vol=
lem Gange. Die Früchte weiſen oft eine reſpektable Größe auf,
kom=
men doch ſolche im Gewicht von 60—80 Gramm pro Stück nicht ſelten
vor. — Der ſeit einigen Tagen eingeſetzte warme Regen beſchleunigt
die Reife der durchweg gutbehangenen Heidelbeerpflanzen, ſo daß bis
zum offiziellen Beginn der behördlich angeſetzten Ernte die Früchte in
großer Zahl voll ausgereift gepflückt werden können. Der Preis ſtellt
ſich heute pro Pfund auf 45—50 Pfg.
2. Offenbach, 22. Juni. In der letzten Mitgliederverſammlung der
Deutſchen (liberalen) Volkspartei vor der Sommerpauſe ſprach der
Vor=
ſitzende der Landtagsfraktion, Abg. Dr. Keller, über „Unſere Arbeit im
Landtag‟. Er führte in mehr als einſtündiger Rede darüber aus: Die
Arbeit im Landtag iſt für eine Partei, die zur Minderheit und zur
Oppoſition zählt, recht ſchwer und, von außen geſehen, nicht lohnend.
Die geſamte Oppoſition iſt zu ſehr geſpalten, ſelbſt der Bauernbund
war uns, als einer ſeiner Führer in die Regierung zu kommen hoffte,
eine unzuverläſſige Stütze und ſprang zeitweilig ganz ab. Die
Regie=
rungsparteien finden ſich immer wieder, wenn es um Sicherung ihrer
Macht geht. Wir kämpften für ein Herabdrücken der ſteuerlichen Laſten,
für eine ſachliche Beamtenpolitik und eine liberale Kulturpolitik. Unſer
Kampf währt ohne Unterbrechung ſeit 1919. Die Regierungsparteien,
beſonders Demokraten und Zentrum, ſahen mit den Jahren immer mehr
ein, daß wir mit unſeren Warnungen und Mahnungen auf dem
rech=
ten Wege waren. Was ſeit 1924 geſündigt wurde, iſt natürlich
unend=
lich ſchwer abzuſtellen. In der Beamtenpolitik beſetzten zunächſt
vor=
nehmlich die Demokraten die Aemter, gegenwärtig ſind die
Sozialdemo=
kraten an der Reihe. Nachdem man erkannt hat, daß die heutige
Re=
gierung im Herbſte wohl ihr Ende erreichen wird, ſucht man mit
auf=
fälligem Eifer noch manches in die Scheuer zu bringen. Was im
lau=
fenden Staatsvoranſchlag zur Geſundmachung geſchehen iſt, geht faſt
ausnahmslos auf Koſten der Gemeinden. Die Schuld an der
Verlänge=
rung des Landtags tragen der Landbund, der Stahlhelmer Dr. Wolf,
der Nationalſozialiſt Dr. Werner und die Deutſchnationale Heraeus,
die ihren Kampf gegen den Marxismus uns führen ließen. Die
letz=
ten Steuerzettel über die erhöhten „Beſitzſteuern” (Grund= und
Sonder=
ſteuer) ſcheinen die Wähler endlich munter gemacht zu haben, nachdem
unſer zeitiges Wecken im Dezember 1930 vergeblich war. Ein
bedenk=
licher Punkt iſt die Kulturpolitik des Zentrums, die ſich in der
Ver=
legung des Pädagogiſchen Inſtituts nach Mainz äußert, und das
Hin=
neigen weiter Wählerkreiſe zu den Nationalſozialiſten, die mit von der
Sumpfblüte des Antiſemitismus leben. Bei der Landtagswahl im
Herbſt ſteht das Barometer auf Sturm. Es wird an den Wählern ſein,
die beſonnene, nationale und liberale Mitte zu ſtärken. So
wollen wir mit hoffnungsvoller Zuverſicht „des Endes erwarten”. —
Im Anſchluß an die ſehr beifällig aufgenommenen Ausführungen machte
Stadtratsmitglied Heyne, M. d. L., vertrauliche Mitteilungen über die
letzte Sitzung der Wahlkreisvorſitzenden der Partei in Berlin, worin
die Reichstagsfraktion ihren Standpunkt zu der Notverordnung
dar=
legte.
Nummer T73
Die Mainzer Gukenberg=Zeier.
Gutenbergabend im Kurfürſtlichen Schloß.
Im Rahmen der Mainzer Gutenbergfeier fand am Montag abend
im Kurfürſtlichen Schloß ein Gutenberg=Abend ſtatt, bei den
Direktor Dr. Ruppel über „Gutenberg und ſein Wer
ſprach. Der Vortragende gab in gedrängter Kürze eine Ueberſicht üb=e
den neueſten Stand deſſen, was man von Gutenbergs Leben und Erfi*
dung weiß. Er ſprach über den Geburtstag, das Geburtsjahr, den
G=
burtsort und das Geburtshaus Gutenbergs, über die Auswanderung de
Erfinders aus ſeiner Vaterſtadt über ſeine politiſche Geſinnung urd
über die Wandlung derſelben, über ſeinen Aufenthalt in Straßburt
über ſeine dortigen Prozeſſe wegen Bruchs des Eheverſprechens,
Beleic=
gung eines Straßburger Bürgers und wegen Geheimhaltung einer
E=
findung, die wir als Anfänge der Druckkunſt bezeichnen müſſen. Ez
wurde ferner geſchildert, wie der nach Mainz zurückgekehrte Gutenbex;
mit Hilfe des Mainzer Bürgers Fuſt eine große Druckerei gründet,
wann er die erſten Druckerzeugniſſe herſtellte und wie er etwa 1457 einer
finanziellen Zuſammenbruch erlitt, von dem er ſich nicht mehr erholen
ſollte. Der alt gewordene Gutenberg wird 1465 Hofmann des Mainze=
Kurfürſten, der ihm Kleidung und Nahrung bis an ſein Lebensende
zu=
ſichert. Nach der Beweisführung des Vortragenden blieb Gutenbex,
entgegen der Anſicht anderer Gutenbergforſcher in Mainz; hier iſt
e=
auch geſtorben und begraben. Die Gutenberggeſellſchaft hat in dieſem
Frühjahr eine Verſuchsgrabung auf dem Gelände der ehemaligen
Fray=
ziskanerkirche, in der Gutenberg ſeine letzte Ruheſtätte gefunden hatte,
unternommen. Da jedoch bei dieſen Grabungen zwar eine ganze Anzall
Beſtattungen, aber keine Grabſteine oder ſonſtige Erkennungszeichen, die
auf die Perſönlichkeit der Beſtatteten Rückſchlüſſe zuließen, gefunder
wurden, erſcheint es unwahrſcheinlich, daß man bei größeren Grabunger
die Leiche Gutenbergs identifizieren könnte. Zuei Schluß würdigte der
Vortragende die Druckkunſt als die größte und folgenſchwerſte Erfindung
die jemals von einem Menſchen erdacht wurde. Die Feier war von
Vor=
trägen des Mainzer Lehrer=Sängerchores und des Orcheſters der Städti
ſchen Muſikhochſchule umrahmt.
Die Sonderausſtellung und die Gutenbergwerkſtätte, die im Guten
bergmuſeum (Rheinallee) zurzeit in Betrieb vorgeführt wird, haben weid
gehendes Intereſſe bei der Bevölkerung gefunden. Es ſei nochmals dar
auf hingewieſen, daß heute beſondere Führungen ſtattfinden. Der Be
ſuch der Sonderausſtellung und der Gutenbergwerkſtätte iſt koſtenfrei.
Die Gutenbergveranſtaltungen finden ihren Abſchluß am
Johan=
nistag (Mittwoch, den 24. Juni). An dieſem Abend wird im Stadtparl
das Gutenbergfeſtſpiel „Johanniswunder” zum letzten Male zur
Auffüh=
rung gebracht. Bei dem Erfolg, den die Aufführung am vergangenen
Sonntag aufzuweiſen hatte — waren doch weit über 2000 Perſonen im
Stadtpark —, iſt mit einem ſtarken Beſuch zu rechnen. Das Feſtſpiel,
das Gutenberg, mit ſeinen Druckgeſellen, nach getaner Arbeit einige
Mußeſtunden in freier Natur am Rhein verbringen läßt, wird allen
Be=
ſuchern eine herrliche Johannisnacht vermitteln. Eine Lautſprecher
anlage ermöglicht es, daß alle Zuhörer auch am entlegenſten Plätzchen
dem Stück gut folgen können. Die feenhafte Bühnenbeleuchtung und
eine märchenhafte Geſamtbeleuchtung werden dem Johannisabend das
richtige Geſamtbild verleihen.
Bm. Hofheim (Ried), 22. Juni. Feuerwehrjubiläum. Von
gutem Feſtwetter begünſtigt, konnte geſtern unſere Freiwillige Feuerwehr
ihr 35jähriges Jubiläum begehen. Schon rein äußerlich zeigte es ſich,
daß die Einwohnerſchaft geſchloſſen hinter der Wehr ſteht, denn unſer
Ort zeigte reichen Flaggen= und Girlandenſchmuck. Auch die
Beteili=
gung war ſehr gut, ſo daß das Feſt auf breiteſter Grundlage gefeiert
werden konnte. Am Vorabend fand am Kriegerdenkmal eine würdige
Totenehrung ſtatt, der ſich dann ein großer Lampionszug anſchloß. Der
große Feſtkommers im Adlerſaal” nahm unter Beteiligung aller
Orts=
vereine einen ſchönen Verlauf. Die vier aktiven Jubilare der Wehr
wurden durch den 1 Kommandanten geehrt. Am Hauptfeſttag fand
vor=
mittags unter Beiſein des Kreisfeuerwehrinſpektors Breunig ſowie des
Oberbrandmeiſters Holzner=Bensheim und einer Anzahl
Wehrkomman=
danten der Nachbarſchaft eine exakte Schul= und Exerzierübung ſtatt, der
ich dann ein groß angelegter Brandangriff anſchloß. Hierbei waren
auch Vertreter der Freiwilligen Sanitätskolonnen Worms ampeſend.
Gleich nach Mittag trafen rund 20 auswärtige Wehren ein, und ein
großer, impoſanter Feſtzug ging durch die Ortsſtraßen. Der Hauptfeſtakt
brachte gute Muſikſtücke des hieſigen Feſtorcheſters, Prolog, Anſprachen
des 1. Kommandanten und des Bürgermeiſters. Die Feſtrede hielt Herr
Bahnhofs=Inſpektor Eberts, Lampertheim, ein Sohn unſerer Gemeinde.
Seine groß aufgebaute Rede war der Glanzpunkt des Feſtprogramms
Den Feſtabſchluß bildete ein großer Feſtball im „Adlerſaal” und
„Löwen‟. Herr Feuerwehrinſpektor Breunig war mit der aktiven
Lei=
ſtung unſerer Wehr ſehr zufrieden, was er in einer längeren Anſprache
nach der Brandübung beſonders betonte. Unſere Wehr darf ſtolz ſein
auf ihr Jubiläum, ſie hat geſehen, wie die Bevölkerung hinter ihr ſteht,
und kann nun erneut geloben: „Gott zur Ehr, dem Nächſten zur Wehr”.
— Hirſchhorn, 23. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
22. Juni: 1,74 Meter; am 23. Juni: 1.68 Meter.
S.
mmen!
n Luft
Rheinheſſen.
Aus Mainz
* Zu dem ſchweren Motorradunfall am Samstag iſt noch folgendes
zu berichten: An der Straßenkreuzung am Ober=Olmer Forſthaus kam
es zwiſchen dem Milchtransportwagen einer Firma aus Jugenheim
(Rheinheſſen) und einem Motorradfahrer zu einem folgenſchweren
Zu=
ſammenſtoß. Der Motorradfahrer der ledige 31jährige Landwirt Mich.
Johann Becker aus Wackernheim flog bei dem Zuſammenſtoß mit
furcht=
barer Gewalt gegen die Schutzſcheibe des Laſtwagens und zog ſich außer
einer tiefen Schnittwunde am Hals einen ſchweren Schädelbruch zu.
Der Verunglückte iſt am Montag nachmittag im Städtiſchen
Kranken=
haus, wohin er gebracht wurde, an den Folgen der ſchweren Verletzungen
geſtorben.
* Tödlicher unglücksfall. Am Montag nachmittag fiel dem
verhei=
rateten Maurer Aſtheimer aus Büttelborn an dem Schleuſenbau bei
Mainz=Koſtheim ein ſchwerer Balben aus erheblicher Höhe auf den Kopf.
A. wurde derart unglücklich getroffen, daß ein ſchwerer Schädelbruch
ent=
ſtand, der den ſofortigen Tod des A. zur Folge hatte. Die Leiche des A.
wurde durch die Staatsanwaltſchaft vorläufig beſchlagnahmt und durch
das Beerdigungsinſtitut Volk hierher auf den Friedhof gebracht.
* Mainz=Koſtheim, 23. Juni. Ertrunken. Montag vormittag
ertrank beim Baden im Rheinarme der 30jährige ledige Kaſpar Hübner,
Trotz eifrigen Suchens konnte die Leiche noch nicht geborgen werden.
Ah. Oppenheim a. Rh., 23. Juni. Küfertag. Der diesjährige
Küfertag in Oppenheim war ein voller Erfolg. Der Aufführung am
Vormittag wohnten mehrere hundert Zuſchauer bei. Die
Nachmittags=
aufführung wies die ſtärkſte Beſucherzahl der letzten Jahre auf. Zum
erſten Male traten bei dem diesjährigen Küferſpiel auch die Winzer mit
auf. Ein gemütliches Beiſammenſein bei Wein und Tanz bildete einen
harmoniſchen Abſchluß. — Lebensmüde. Eine jüngere Frau von
hier hat ſich in ihrer Wohnung erhängt. Das Motiv der Tat iſt
un=
bekannt.
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n den erheblichen Geldmitteln
gbrach, die zum Bau oder zur
Frmietung der benötigten
Luft=
achrzeuge erforderlich waren.
Für größere Unternehmungen
aſchien nach den
beklagenswer=
en Erfahrungen der „Italia”
ach nur ein Großluftſchiff ge=
Nignet, und der Heranziebung
es demnach vorerſt allein in
Frage kommenden Luftſchiffes
Graf, Zeppelin” ſtellten
ich bisher vorwiegend
verſiche=
ungstechniſche Hinderniſſe noch
In den Weg. Dieſe
Schwierig=
eiten konnten in den
vergange=
en Monaten dank dem
Ver=
rauen, das ſich das deutſche
Nuftſchiff durch ſeine
weltbekann=
en Leiſtungen trotz der
eng=
iſchen Luftſchiffkataſtrophe bei
en in= und ausländiſchen Ver=
Licherungsgeſellſchaften erworben
ſatte, nunmehr überwunden
verden. Als nach Nanſens Tod
dr. Eckener den Vorſitz der
leroarctic übernommen hatte
ſund damit eine glückliche
Per=
onglunion für die Bereiche der
8olarwiſſenſchaft und
Luftſchiff=
nraxis hergeſtellt war, gewann
er Plan einer erſten Probereiſe
In die Arktis mittels
Großluft=
hiffes feſtere Geſtalt und wurde
uf Antrag und unter
Mitwir=
ſung Rußlands zu einer näheren
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Seite 9
Vorſchau auf die Arkkisfahrt des „Graf Zeppelin”.
Von Korvettenkapitän a. D. Beelitz=Berlin.
Wie bekannt ſein wird, hat ſich die überſtaatlich organiſierte, zieren, wenn ein Abſtecher des Luftſchiffs nach dem Standorte des
gäſſenſchaftliche Geſellſchaft Aeroarctic ſchon vor Jahren U=Boots zugeſagt werden konnte. Dies war im vergangenen
die nähere Grforſchung der Polargebiete mittels Luftfahrzeugen zum Frühjahr geſchehen, und damit war auch für das Luftſchiff die
Fele geſetzt. Dieſe internationale Gemeinſchaft von Gelehrten Durchführung der Expedition für den Juli d. J. ſichergeſtellt.
uas den verſchiedenſten Wiſſenſchaftszweigen hatte bereits unter Internationale Wiſſenſchaft, amerikaniſches
Nanſens Führung einen Arbeitsplan entworfen, der die all= Kapital, deutſcher Leiſtungsſtand im
Luftſchiff=
nähliche Aufhellung noch unerforſchter Zonen in der Arktis durch weſen und deutſche Organiſationsarbeit ſind die
Unlegung von bemannten oder ſelbſtregiſtrierenden Beobachtungs= vier Pfeiler, auf denen das Gebäude dieſes neuerlichen Vorſtoßes
trtionen bezweckte, wobei zur Ausſetzung, Verſorgung, Bewachung in noch unbekannte Erdgebiete errichtet wurde, und ſo konnte aus=
und Wiederaufnahme dieſer Stationen Luftfahrzeuge in Ausſicht geſprochen werden, daß die Vorbedingungen für eine glückliche
gnommen waren. An die praktiſche Inangriffnahme dieſes Abwicklung dieſes kühnen Planes kaum jemals bei einer früheren
Panes konnte aber bislang nicht
„Graf Zeppelin” landek zum erſten Male auf dem Waſſer.
Das Luftſchiff bei ſeiner erſten Waſſerlandung auf dem Bodenſee,
die in Gegenwart Dr. Eckeners durchgeführt wurde. Das Manöver darf als Vorübung für die
geplante Nordpolreiſe des deutſchen Luftrieſen angeſehen werden.
erkundung Nordlands, jener Inſelgruppe zwiſchen dem
eikolaus II.=Land und dem Franz=Joſef=Land, feſtgeſetzt. Dabei
ſund v lourde vorläufig noch nicht an die Ausſetzung von
Beobachtungs=
ationen, ſondern lediglich an die allgemeine praktiſche
Feſtſtel=
ung der Eignung des Luftſchiffs für Arktisfahrten gedacht.
Stand inſoweit nur der Zeitpunkt einer ſolchen Unternehmung
roch nicht feſt und war deren zeitliche Ausdehnung in hohem
Naße von den erlangbaren Geldmitteln abhängig, ſo erfolgte der
Inſtoß zu einer allſeitig ſchnellen Entſchließung durch den
Wage=
rut des Amerikaners Sir Hubert Wilkins, der mit ſtaatlicher
nterſtützung und privater Hilfe des amerikaniſchen
Preſſemag=
uaten William Randalph Hearſt eine U=Bootfahrt von
Spitz=
ergen aus über den Nordpol bis zur Behringſtraße bereits für
en Sommer dieſes Jahres vorbereitet hatte. Eine zeitliche
Zu=
ummenlegung dieſer U=Bootsfahrt mit der Erkundungsreiſe auf
em Luftwege verhieß nicht nur dem Stifter des Kapitals einen
rheblich größeren Gewinn für Preſſe und Film, ſondern mußte
uch der U=Bootsunternehmung als ſolcher für den Fall von
Stö=
ungen willkommen ſein, ſo daß Hearſt ſich auf Dr. Eckeners
An=
ebot bereit erklärte, auch die Luftſchiffunternehmung zu finan=
Entdeckungsreiſe ſo günſtig und vertrauenerweckend erſchienen wie
diesmal.
Inzwiſchen traten aber auf ſeiten des U=Bootes bereits
mehr=
fache Verzögerungen ein. Schon bei den Probefahrten des „
Nau=
tilus” verſank er einmal unfreiwillig auf den Grund des
Hud=
ſon, die erforderlichen Inſtandſetzungen verurſachten einen
pein=
lichen Zeitaufenthalt, und als das U=Boot endlich ſeine Ozeanreiſe
von Amerika nach Europa angetreten hatte, erlitt es am 14. d. M.
auf dem 46. Grad nördlicher Breite eine Häufung von
Maſchinen=
ſtörungen, die erſt den einen Motor, dann die
Akkumulatoren=
batterie und ſchließlich auch den zweiten Motor außer Betrieb
ſetzten, ſo daß das Boot von dem Linienſchiff „Wyoming” in
Schlepp genommen werden mußte. Mittlerweile iſt die
Fahr=
fähigkeit des Bootes zwar wieder hergeſtellt, aber es bleibt doch
fraglich, ob ein planmäßiges Zuſammenarbeiten mit „Graf
Zep=
pelin” auch jetzt noch ermöglicht werden kann.
Es wäre voreilig, dies auf dem Atlantik eingetretene
Miß=
geſchick des „Nautilus” als einen Beweis für die grundſätzlich
mangelnde Eignung des U=Bootes für Polarunternehmungen
an=
zuſehen. An ſich iſt man in der Fachwelt der Anſicht, daß zur Er=
kämpfung und Ueberwindung der Arktis Großluftſchiff und
U=Boot die tauglichſten Mittel darſtellen. Dem
Luft=
ſchiff würde nach Verlaſſen Leningrads, dem letzten
Stütz=
punkt vor der eigentlichen Entdeckungsreiſe, ein mehr als
ſechstägiger Leiſtungsbereich zur Verfügung ſtehen.
Das U=Boot „Nautilus” kann mit ſeinen Akkumulatoren zwar nur
jeweils 220 Kilometer unter Waſſer fahren, aber Wilkins glaubt
als erprobter Polarkenner ſeiner Sache ſicher zu ſein, daß ſich in
dieſer Jahreszeit genügend zahlreiche offene Stellen im Eiſe zum
gelegentlichen Auftauchen finden werden, und nach Möglichkeit
ſoll das U=Boot ja im allgemeinen auch nur über dem Waſſer
fahren. Eisberge mit tiefreichenden Unterwaſſerteilen kommen in
der inneren Arktis nicht vor und die Dicke des Eiſes über der
Tiefſee des aktiſchen Mittelmeeres pflegt nicht ſtärker als
höch=
ſtens 4 bis 5 Meter zu ſein. Aus den durchſichtigen Oberluken des
U=Bootes würde man Lichtungen im Eiſe an der größeren
Hellig=
keit der Oberfläche wahrſcheinlich gut erkennen können.
Unge=
achtet dieſer Tatſachen bleibe natürlich dieſe erſte U=Bootfahrt
quer durch das Nordpolargebiet ein großes Wagnis und vermag,
was Sicherheit und Zuverläſſigkeit betrifft. an die
Luftſchiffunter=
nehmung nicht heranzureichen. Dem Luftſchiffe werden als zu
ge=
wärtigende Schwierigkeiten vorausſichtlich nur der Bodennebel
und die Möglichkeit der Eisbelaſtung entgegentreten. Die in der
Höhe begrenzte Nebelſchicht bietet angeſichts der ſtändigen
Funk=
verbindung des Luftſchiffs in navigatoriſcher Hinſicht keine
Schwierigkeiten und würde nur in dem Ausnahmefall nach unten
durchſtoßen werden müſſen, wenn das U=Boot, das ſeinen
Stand=
ort mittels Feſſelballons und daran befeſtigten Blinkſpiegels anzeigt,
ſich etwa in Notlage befindet und der Hilfe dringend bedarf.
Hin=
ſichtlich einer möglichen Eisbelaſtung aber, die auch nur innerhalb
enger Grenzen um den Temperatur=Nullpunkt und bei hohem
Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu erwarten iſt, darf ein
Großluft=
ſchiff auf ſeine ſtarke dynamiſche Hubkraft vertrauen, die bei
„Graf Zeppelin” ein zuſätzliches Tragvermögen von 12. Tonnen
gewährleiſtet. Im übrigen wird eine umſichtige Führung den
Ge=
fahren der Eisbildung und Schneebelaſtung in den meiſten Fällen
ſchon vorbeugend nach oben aus dem Wege gehen können.
Sollte „Nautilus” nun doch noch gegen Ende Juli bis in
die Arktis vordringen, ſo wird die Unternehmung des Luftſchiffs
„Graf Zeppelin” aus zwei Fahrtabſchnitten
be=
ſtehen. Die erſte Aufgabe umfaßt die photographiſche und
photogram=
metriſche Feſtlegung der größtenteils noch unbekannten Konturen
des Nordland=Archipels. Sobald die funkentelegraphiſche
Nach=
richt eintrifft, daß das U=Boot an einer beſtimmten Stelle in der
Nähe des Nordvols ſeine Warteſtellung eingenommen hat, wird
„Graf Zeppelin” den auf etwa 12 Stunden veranſchlagten
Ab=
ſtecher zum Standort des U=Bootes und damit den zweiten Teil
des Reiſeprogramms aufnehmen. Es würde ſchon einen großen
Gewinn bedeuten, wenn der Nachweis erbracht würde, daß man
einen nach Länge und Breite feſtſtehenden Punkt im Polargebiete
mit dem Luftſchiffe ſicher zu erreichen vermag. Eine Landung des
Luftſchiffes iſt planmäßig nicht vorgeſehen, doch ſind Luftſchiff und
U=Boot für eine etwa notwendig werdende Hilfslandung
ſicher=
heitshalber vorbereitet. Eine ſolche würde durch den mit dem
U=Boot gegebenen Verankerungspunkt und mit Hilfe der
Spill=
maſchinen und der 18köpfigen Beſatzung des Bootes keine alzu
großen Schwierigkeiten bereiten. In jedem Falle würden beide
Fahrzeuge ſowohl hinſichtlich der wiſſenſchaftlichen wie der
film=
techniſchen Ausbeute ihrer Reiſen mit intereſſanten Ergebniſſen
in ihre Ausgangsländer zurückkehren.
Gibt „Nautilus” indeſſen die Durchführung ſeines
Pro=
grammteils auf, ſo wird die Aeroarctic jedenfalls verſuchen, die
Luftſchiffunternehmung allein durchzuführen. Ob ſie das vermag,
iſt eine reine Geldfrage, die ſich möglicherweiſe erſt im
letzten Augenblick klärt. Es wäre ſehr zu wünſchen, daß Hearſt
ſeine einmal gegebene Zuſage nun nicht etwa wieder zurückzieht.
Wenn es auch zu bedauern bleibt, daß die Berichterſtattung über
den Verlauf dieſer überwiegend deutſchen Expedition auf ein
aus=
ländiſches Preſſemonopol angewieſen ſein wird, ſo darf doch nicht
überſehen werden, daß dieſe der deutſchen Wiſſenſchaft und Technik
zur Ehre gereichende Unternehmung bei der heutigen
Wirtſchafts=
lage mit inländiſchen Mitteln ſchwerlich ermöglicht werden könnte,
und daß der ausländiſche Geldgeber keineswegs ohne Riſiko große
Mittel bereits auswarf, um ſpäter durch filmiſche Wiedergabe den
Bildbericht von der neueſten Fahrleiſtung des deutſchen
Luft=
ſchiffs zum Ruhme ſeines Heimatlandes in alle Welt zu tragen. —
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Mittwoch, den 24. Jmi 1931
Nummer 173
Seite 10
Schwediſcher Blokkenbeſuch int Hafen von Skralfund.
Hiugsengaoftars Hoet der Ufiſtr.
Das Flugzeug wird vom Bergungsdampfer „Körte” gehoben.
In der Nähe des Feuerſchiffes „Adlergrund” ſtürzte ein Flugzeug der Verkehrsfliegerſchule Warne
münde aus geringer Höhe ab und wurde ſchwer beſchädigt. Die Beſatzung blieb unverletzt.
Die ſchwediſchen Kriegsſchiffe vor Anker.
Unter Führung des Zerſtörers „Oernen” iſt ein großer Teil der ſchwediſchen Kriegsflotte zu
mehrtägigen Beſuch in den Hafen von Stralſund eingelaufen.
einic ſech W
Reich und Ausland.
Die Elekkrokagung in Frankfurk a. M.
Frankfurt a. M., 23. Juni.
Der 2. Tag der Elektrotagung in Frankfurt
a. M. (Verband Deutſcher Elektrotechniker und
Vereinigung der Elektrizitätswerke) brachte
Vor=
träge von Prof. Matthias und Prof. Dr. Haas
über Probleme der
Hochſpannungskraftübertra=
gung und die Auswirkungen der Lauffener
Kraft=
übertragung auf die Elektrizitätswirtſchaft.
Prof. Matthias, der Direktor der
Stu=
diengeſellſchaft für Höchſtſpannungsanlagen in
Berlin, beleuchtete die Arbeiten und
Schwierig=
keiten, die bei der überaus raſchen
Aufwärtsent=
wicklung der letzten Jahrzehnte in ungeahntem
Maße zu bewältigen waren. Er gab dann einen
Ueberblick über den heutigen Stand der
Fortlei=
tung höchſter Spannungen, der Kabeltechnik, der
Schaltung großer Leiſtungen und der Erforſchung
der elektriſchen Gewittereinflüſſe. Abſchließend
ſagte er, daß die Wiſſenſchaft ſich im letzten
Jahr=
zehnt in ſtändigem Maße mit den Problemen der
Kraftübertragung befaßt habe, und daß ihr
engeres Zuſammenarbeiten mit der Praxis nach
allen Richtungen hin große Fortſchritte gebracht
habe.
Generaldirektor Prof. Dr. Haas,
Rheinfel=
den in Baden, ging nochmals auf die vielen
Fra=
gen ein, die vor 50 Jahren von den
Elektrotech=
nikern zu beantworten waren, und zeigte die
Ent=
wicklung, die die Kraftübertragung bis zum
heu=
tigen Tage genommen habe. Durch die
Kraft=
übertragung wurde eine weiteſte Verbreitung
der Elektrizität ermöglicht, was ſich wiederum
günſtig auf die Induſtrie, und namentlich wieder
auf die elektrotechniſche Induſtrie, auswirkte. Die
Entwicklung der Elektrizitätswirtſchaft, die erſt
nach der Durchführung der Uebertragung von
Energie erfolgen konnte, geht heute ſoweit, daß
man in nächſter Zeit von einer europäiſchen
Stromwirtſchaft ſprechen wird. Allerdings, ſo
ſchloß Dr. Haas, ſollte gerade der elektriſchen
Energie, als einem wertvollen Handelsgut, in
Zukunft Erleichterungen bei Aus= und Einfuhr
zuteil werden.
Nach einer lebhaften Ausſprache im Anſchluß
an die Vorträge fanden am Nachmittag mehrere
Dutzend Fachvorträge über Maſchinen und
Trans=
formatoren, Kraftwerke, Kraftübertragung,
Zu=
ſammenſchluß von Kraftwerken uſw. ſtatt.
Am Mittwoch klingt die Elektrotagung, die
für wenige Tage die Elite der deutſchen und
ausländiſchen Elektrofachmänner nach Frankfurt
gebracht hat, mit Beſichtigungen des
Elektrizi=
tätswerkes, induſtrieller Werke, Rundfahrten
durch die Stadt ſowie Ausflügen nach der
Um=
gebung Frankfurts aus.
Deukſches Land in fremder Hand”.
Krocfeio aberhaett dioemat den Handr im Sgeintägseng.
Kronfelds Segelflugzeug „Wien” vor dem Start an der franzöſiſchen Küſte.
Schloß Naſſau. — Stein=Erinnerungsräume.
Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des
Todes=
tages des Reichsfreiherrn vom und zum Stein,
am 29. Juni, findet im Schloß Naſſau an der
Lahn, an ſeiner Geburtsſtätte, eine
Gedächtnis=
feier ſtatt, an der die Reichs= und
Staatsbehör=
den teilnehmen werden. Der Stammſitz des
Steinſchen Geſchlechts, Schloß Naſſau, das
be=
kanntlich durch die fünfjährige Beſatzung — es
war mit Marokkanern belegt — ſchwer gelitten
hat, iſt wieder hergerichtet worden und wird der
Feier einen würdigen Rahmen geben. Das
Schloß ſoll nach der Feier der Oeffentlichkeit
zugänglich gemacht werden.
Geheimrat Duisberg und Ford.
Herr Geheimrat Duisberg hat dem
Reichs=
verband der Automobilinduſtrie geſchrieben, daß
er in ſeiner Kölner Tiſchrede die ihm unterlegte
Wendung vom rein deutſchen
Ford=
wagen nicht gebraucht habe. Sie würde
auch ſeinen eigenen Beobachtungen beim
Rund=
gang durch das Werk widerſprochen haben. Er
habe die Ford=Motor=Company, A.=G., brieflich
erſucht, jegliche propagandiſtiſche Ausnutzung der
ihm unterſtellten Behauptung zu unterlaſſen.
Böſes Ende einer Wirtshauszecherei.
Bingerbrück. Eine Bluttat mit
Todes=
folge hat ſich in dem eine Stunde von hier
ge=
legenen Höhenort Rümmelsheim ereignet. Der
25jährige Johann Fleck betrug ſich in einer
dor=
tigen Gaſtwirtſchaft in ſtark betrunkenem Zuſtand
ſo ungebührlich, daß er an die Luft geſetzt werden
mußte, wobei er mit dem Meſſer drohte. In
der Abwehr wurde er von zwei jungen Leuten
aus dem gleichen Ort mit einem Knüppel
nie=
dergeſchlagen. Fleck iſt ſeinen Verletzungen
er=
legen.
In das Johannisfeuer gefallen.
Kaſſel. Bei einer Sonnenwendfeier in
Quenteln ſprangen zahlreiche Teilnehmer, wie
üblich, durch die Flammen des entzündeten
Holz=
ſtoßes. Bei einem ſolchen Feuerſprung ſtießen
zwei junge Leute gegeneinander und fielen in
die Glut. Mit ſchweren Brandwunden konnten
die beiden jungen Leute geborgen und dem
Landeskrankenhaus zugeführt werden.
Das neue Denkmal für die verlorenen deutſchen
Kolonien in Berlin=Döberitz
wurde unter Beteiligung zahlreicher ehemaliger
Afrikakämpfer und Vertreter der
Heimat=
verbände feierlich eingeweiht.
Der Mörder Schlegel feſtgenommen.
Nürnberg. In der Nacht zum Dienstag,
kurz nach 12 Uhr, wurde durch die Gendarmerie
der Kriegsbeſchädigte Schlegel aus Ludwigsſtadt,
der bekanntlich in der Nacht zum Sonntag den
Gendarmeriehauptwachtmeiſter Zenk erſchoſſen
hatte, aus dem Perſonenzug Probſtzella-
Kro=
nach herausgeholt. Der Mörder war infolge des
ergangenen Steckbriefes von Bahnbeamten
wäh=
rend der Fahrt erkannt worden. Die ſofort
ver=
ſtändigte Gendarmerie konnte ihn überraſchen
und ohne Widerſtand feſtnehmen. Er wurde in
das Amtsgerichtsgefängnis Kronach eingeliefert.
Die Zeppelin=Nordpolfahrt abgeſagt.
Friedrichshafen. Die geplante
Nord=
polfahrt, bei der ein Stelldichein mit dem
Polar=
forſcher Wilkins geplant war, wurde nun
end=
gültig abgeſagt. Wilkins hat bekanntlich mit
ſeiner „Nautilus” bereits Schiffbruch erlitten.
Der Luftſchiffbau plant eine Art Arktisfahrt
über Sibirien und das Cariſche Meer, die Ende
Juli angetreten werden ſoll.
Segelflug Groenhoffs mit beſchädigtem Steuer.
Baſel. Segelflieger Groenhoff hatte am
Montag, beim Start vom Jungfraujoch, um
14.46 Uhr, ein neues Mißgeſchick. Nach dem „
Ber=
ner Bund” riß die Auslöſevorrichtung am
Schwanz ſeines Flugzeuges. Das Steuer ſprang
infolgedeſſen aus den Lagern und flatterte, an
den Steuerſeilen hängend, hinterher. Groenhoff
ſegelte trotzdem, nur langſam an Höhe
verlie=
rend, über Mürren und die Fünffingerſpitze
dahin. Kurz vor 18 Uhr landete er in
Inter=
laken.
Verhaftung eines gefährlichen Querulanten.
Bukareſt. Ein Kriegsinvalide namens
Niculescu, der während des Krieges in der
deut=
ſchen Gefangenſchaft an Schwindſucht erkrankt
war, hat die Bukareſter deutſche Geſandtſchaft
mehrmals um Schadenerſatz erſucht. In einem
zuletzt an den deutſchen Geſchäftsträger Dr.
Kirchholtes gerichteten Brief bedrohte er
den=
ſelben mit dem Tode, falls er keinen
Schaden=
erſatz erhalten ſollte. Die Polizei, die auf die
Drohbriefe Niculescus aufmerkſam gemacht
wurde, ertappte vorgeſtern Niculescu, als er ſich
durch einen Seiteneingang in die deutſche
Ge=
ſandtſchaft einſchleichen wollte, und verhaftete
ihn. Bei der Durchſuchung fand man bei ihm
mehrere Drohbriefe und einen geladenen
Revol=
ver. Bei ſeiner Verhaftung erklärte er, daß er
Dr. Kirchholtes töten wollte, da er keinen
Scha=
denerſatz bekommen ſollte. Niculescu, an dem
Symptome von Irrſinn feſtgeſtellt wurden, wurde
vorläufig in ein Irrenhaus gebracht.
Exploſion in einer engliſchen Marinewerkſtatt.
London. In einer Werkſtatt der engliſchen
Marine in Holtonheath ereignete ſich eine
Explo=
ſion, bei der drei Arbeiter getötet wurden. Man
befürchtet jedoch, daß das Unglück noch mehr
Opfer gefordert hat.
Amerikaniſche Flieger zum Weltrundflug
geſtartet.
Erſtes Ziel: Berlin.
New York. Auf dem Flugplatz
Rooſe=
velt=Field ſind die amerikaniſchen Flieger Poſt
und Gatty in den frühen Morgenſtunden des
Dienstags zum Flug nach Harbour Grace, als
der erſten Etappe des beabſichtigten
Weltrund=
fluges, geſtartet. Sie planen einen Ohnehalt=
Flug von Harbour Grace nach Berlin.
Sländiger Schienen=Zeppelin=Verkeh
Berlin-Hamburg.
Berlin. Der Erfolg der Fahrt Berlin=
Hamburg des Krukenbergſchen Propellerwagen
ſoll inſofern bereits eine wichtige Auswirkuf
gezeigt haben, als die Reichsbahngeſellſchaft ſa
entſchloſſen habe, ſchon zum ſpäten Herbſt eine
Schnellverkehr auf der Strecke Berlin—Hambrz
einzurichten. Dazu wäre notwendig, daß der ge
ſamte gewöhnliche Güterzugverkehr auf die Nach
verlegt würde. Es müßten für alle langſamere
Züge Zwangshalteſtellen und Ueberholunss
ſtationen eingeführt werden. Die Gleisanlaz
ſoll, wie in Fachkreiſen angenommen werde, die
Benutzung durch den Schienen=Zeppelin aushal
ten können.
Verſchiedentlich ſind Vermutungen aufse
taucht über die weitere Verwendung des Pr
peller=Triebwagens des Dipl.=Ing. Krukenbezel
die weit den Tatſachen vorauseilen. Einfod
läge die Verwendung des Propeller=Trieb
wagens, wenn ein beſonderer Schienſtrang zu
Verfügung ſtände. An den Bau einer beſot
A
deren Strecke iſt bei der augenblicklichen Finarmne Bzirls
lage in Deutſchland nicht zu denken. Würſe ſurtch Ve
doch allein ein Kilometer einer neuen zweigle=ſhnn
Ma=
ſigen Hauptbahn bei gerader Linienführung oh ung
äuerr=
beſondere Uebergänge 750 000 RM. an Baukoſt /9—(S
erfordern. Aber auch bei einem anderen Schä=t
nenſtrang müßte die Begegnung mit Propelle ac), Fe
Triebwagen erprobt werden. Tatſächlich beab
ſichtigt Krukenberg eine weitere Durchkonſtrus
tion des Wagen. Die Reichsbahn fördert uw
unterſtützt weitere Verſuche und Konſtruktionaſ dr A.
des Triebwagens.
Eut, Ge
Rieſenbrand im Hafen von St. Johns (Kanadal,
New York. In den Hafenanlagen von S
Johns in Neu=Braunſchweig (Kanada) iſt en
Rieſenfeuer ausgebrochen. Zahlreiche Getreidel
ſilos und viele im Hafen vor Anker liegen?
Schiffe wurden ein Raub der Flammen. De
Dampfer „Empreß” der Canadian=Pacific=Liue
wurde, durch eine Keſſelexploſion infolge dell)
Brandes vernichtet. Man befürchtet, daß hierbihe vor
zahlreiche Perſonen umgekommen ſind. Der Sachl0 ause
chaden beträgt mehrere Millionen Dollar. De
Feuerwehren kämpften vergeblich gegen das raß))"
um ſich greifende Feuer an. Der Brand droh?
An
auch auf die Stadt überzugreifen, jedoch wurgel
ſie durch den plötzlich ſich ändernden Wind vurſ
der Vernichtung bewahrt. Vier Kais ſind voll= nſe
kommen abgebrannt. Bis jetzt iſt ein Toter Si
beklagen. Zahlreiche Perſonen wurden verletz=
Enkhüllung desGefallenendenkmals für
das ungariſche Hindenburg=Regimend
Der deutſche Geſandte von Schoen
hält vor dem Denkmal die Einweihungsred=
In Stuhlweißenburg (Ungarn) fand die feien
liche Einweihung des Denkmals für die
Gefa-
lenen des ehemaligen k. u. k. Infanterie=Reg:
ments 69 (Generalfeldmarſchall v. Hindenburg
ſtatt. Als Vertreter des Reichspräſidenten hiel
der deutſche Geſandte von Schoen die
Feſtrede=
in der er betonte, daß die Kriegskameradſchaß
mit Ungarn in Deutſchland nicht vergeſſen ſer!
Mummer T73
Spoct, Spiel und Jucnen
Seite 11
50. Jubiläums=Gaukurnfeft.
12. Gau=Frauenkurnen
am 27., 28., 29. Juni in Griesheim h. D.
Die Meldungen zum 50. Jubiläums=Gauturnfeſt ſind aus den über
Sauvereinen in erfreulich großer Zahl eingegangen. Insgeſamt 700
ſumer werden zu den Wettkämpfen antreten, davon eine ſtattliche Schar
ſursturner, die ſchon am Samstag mittag ihre Wettkämpfe austragen.
beiſo ſind mehr als 300 Turnerinnen zum Wettkampf gemeldet, aber
ſei weitem größerer Zahl werden ſie am Sonntag nachmittag an den
ſaübungen und Volkstänzen teilnehmen. Außerdem ſtehen 300
Kampf=
her. Riegenführer und Rechner zur Verfügung, um eine ſchnelle
üungsloſe Abwickelung der Wettkämpfe und einen baldigen Ueberblick
er die Zahl der errungenen Siege zu gewährleiſten. Die
Spielmanns=
ge werden in einer Stärke von 200 Mann antreten. Die
Fechter=
brilungen zeigen am Feſtſonntag mittag für Griesheim zum erſtenmal
ee Kunſt, die ſpannende Kämpfe erwarten läßt. Auch die Gau=
Sänger=
mft wird am Sonntag ihr Teil zur Verſchönerung des Feſtes
bei=
ſingen. 1700 Turner und Turnerinnen werden alſo aktiv im Dienſt des
nuturnfeſtes ſtehen. Aus allen Vereinen liegen aber auch überaus
clreiche Anmeldungen von älteren inaktiven Turnern vor. Sie haben
früheren Jahren an vielen Gaufeſten um den Sieg gerungen und in
ſuſiger Vereinstätigkeit mitgearbeitet am Aufſtieg des Gaues. Sie
riten an ſich erfahren, zu welchem reichen Segensquell für Körper und
eit das Turnen wird. Ihnen iſt es daher ein Herzensbedürfnis, zu=
Cmmen mit ihren Familienangehörigen gerade das 50. Jubiläums=Gau=
Uenfeſt mitzufeiern und jahrelange Bande der Freundſchaft mit
Turn=
euden zu erneuern und zu feſtigen. — Wenn dann beim Feſtzug
mliche Fahnen der Gauvereine mitgeführt werden und beim
Auf=
umſch zu den Maſſen=Freiübungen ein Fahnenwald den Turnern und
urerinnen voranflattert, ſo wird gerade dieſes farbenfrohe Bild bei
en Zuſchauern einen unauslöſchlichen Eindruck hinterlaſſen und ein
mmbol ſein der Stärke und Lebenskraft des Main=Rbein=Gaues.
Sporkberichte Darmſtädker Vereine
er Ereigniſſe, die am vergangenen Samstag oder Sonntag vor ſich
Ingen, finden heute kaum Intereſſe mehr. Wir geben jedoch kurz die
fernmäßigen Ergebniſſe aus einigen Berichten wieder:
uaßball (Samstag): Bensheim 07 — Polizei Darmſtadt 1:7.
„ſſennis (Sonntag): Turngemeinde 46 — Palmgarten Frankfurt 11:8
Punkte (24:17 Sätze. — Bei den D. T.=Ausſcheidungsſpielen um
die Kreismeiſterſchaft in Mainz gingen im Doppel die Herren
Binſack und Opp (Tgde. 46 Darmſtadt) als Gruppenmeiſter der
leichtathletik (Samstag): SV. 98 Jugend — SC. Frankfurt 1880
Klaſſe B hervor.
71:75 Punkte.
ſchwerathletik: Bei den weſtdeutſchen Ringermeiſterſchaften
wur=
den Siebert=Pol. Darmſtadt Meiſter im Schwergewicht. Auguſt
Schanz=Pol. Darmſtadt Dritter im Leichtgewicht.
Süddeutſchlands Handball=Elf.
für die Spiele in Südoſtdeutſchland.
Süddeutſchland trägt am Wochenende in Schleſien zwei
Handball=
tpfe aus. Am Samstag ſpielen die Süddeutſchen in Oppeln gegen
ne Bezirksmannſchaft und am Sonntag in Breslau gegen die
ſüdoſt=
duſche Verbandself. Süddeutſchland trägt beide Treffen mit der
fol=
uden Mannſchaft aus: Tor: Henß (Darmſtaodt 98);
Vertei=
gung: Denzer (Sp.Vg. Fürth), Förſter (SV. 98 Darmſtadt);
Käuferreihe: Nothelfer (München 60) Gebhardt (Sp.Vg. Fürth),
ſelp (SV. 98 Darmſtadt); Sturm: Fiedler, Werner (beide
V 98 Darmſtadt) Hauptenbuchner (München 1860), Zacherl (Sp.Vg.
ſnh), Feick (SV. 98 Darmſtadt).
Handball in der 2. T. (9denwaldgan).
Der 21. Juni brachte folgende Ergebniſſe: Habitzheim — Heubach
9; Habitzheim Schüler — Heubach Schüler 4:1; Schaafheim —
Spach=
bicken (Spachbr. nicht angetreten); Schlierbach — Hainſtadt 4:1:
Er=
ſth — Kirch=Brombach 4:2: Erbach 2./3. — Beerfelden 1. 10:2: Stein=
— Zell 4:4; 2. Mannſchaften 2:9; Klein=Umſtadt — Wald=Amor=
5 9:3; Groß=Umſtadt 3. — Hergershauſen 2. 6:6; Gundernhauſen
Nieder=Klingen 9:5 (3:3); 2. Mannſchaften 5:7.
Im Feldſpiel waren Habitzheim und Heubach gleich ſtark. Der
beſ=
ſe Torſchuß gab Habitzheim den Sieg. Schlierbachs
durchſchlagskräf=
teres Stürmerſpiel entſchied das Treffen. Vor der Pauſe lag Zell im
griff, nach ihr kam Steinbuch auf. Steinbuchs Spieler ſollten nicht
7 die aufhetzenden Zurufe der Zuſchauer hören! Klein=Umſtadt
be=
es, daß es immer noch zu ſpielen verſteht. Nach anfänglichem
Drän=
g von ſeiten Groß=Umſtadts wurde der Kampf mit Hergershauſen
nd ausgeglichen. Der Halbrechte von Hergershauſen müßte doch etwas
ahr den Mund halten. Das Treffen in Gundernhauſen wurde ſehr
art durchgeführt, bot bis zum Stande von 5:5 verteiltes Feldſpiel;
ſh nach dem Führungstreffer der Einheimiſchen verloven die Gäſte
m Mut. Im Spiel der zweiten Garnituren entſchied Nieder=Klingens
ſſerer Tormann das Spiel.
Am Sonntag, den 28. Juni ſpielen: Groß=Zimmern 2.
Klein=Zimmern 1. um 2,30 Uhr; König — Reinheim um 2.30 Uhr;
1Mannſchaften um 1.30 Uhr; 3. Mannſchaften um 3.30; Kirch=
Brom=
ſh — Steinbach um 3.15 Uhr: 2. Mannſchaften um 2 Uhr: Momart —
ſeder=Klingen um 3.15 Uhr; 2. Mannſchaften um 2 Uhr; Habitzheim
Gundernhauſen um 3 Uhr: Richen — Altheim um 4 Uhr: Mümling=
Eumbach — Spachbrücken um 2 Uhr: Semd 1. — Lengfeld 2. um
10 Uhr.
Sonntag, den 5. Juli iſt wegen des Gaufeſtes in Brensbach
Spiel=
abot.
Vom Vier=Verbände=Kampf der Leichkathleken
in Leipzig.
Borchmeyer (Weſtdeutſchland) bei ſeinem Sieg im 200=Meter=Lauf
Die 1500=Meter=Läufer auf der Strecke.
Sieger wurde Krauſe (Berlin).
Deuſſche Anfangserfolge in Wimbledon.
Die Tennis=Weltmeiſterſchaften am Dienstag.
Bei den letzten Spielen des Montags und bei den Kämpfen am
Dienstag gab es in Wimbledon einige ſchöne Erfolge für das deutſche
Tennis. Der junge Gottfried v. Cramm führte ſich mit einem
ziem=
lich ſicheren Sieg über den mehrfachen ungariſchen Meiſter Bela
v. Kehrling vielverſprechend ein. Nach dem Verluſt des erſten
Satzes von 6:8 beherrſchte der Deutſche ſeinen Gegner vollkommen, und
er ſiegte ſchließlich mit 6:8, 6:1, 6:2, 6:3. Am Dienstag fertigte
v. Cramm dann den Iren Seroope 6:1, 2:6, 7:5, 6:4 ab und
er=
reichte damit bereits die dritte Runde. Der Kölner Nourney hatte
mit dem ihm von früheren Kämpfen her bekannten Holländer
Ploug=
man keine Mühe, um 61, 6:0, 6:3 erfolgreich ſein zu können. Auch die
deutſchen Damen können bereits einige Erfolge melden. Frl.
Krah=
winkel und Cilly Auſſem, die erſt in der zweiten Runde des Damen=
Einzels einzugreifen brauchen, traten noch nicht in Aktion. Aenne
Peitz=Düſſeldorf wartete mit einem bemerkenswerten 6:2, 6:4=Sieg
über die ſpielſtarke Engländerin Miß Shatterthwaite auf, und
unſere vorjährige Junioren=Meiſterin, Frl. Sander, konnte die
Eng=
länderin Eaſtley 6:4, 4:6, 6:4 bezwingen. Lilly de Alvarez gab der
Engländerin Miß Lycett 2:6, 6:1, 6:2 das Nachſehen. Weitere
Ergeb=
niſſe: Herren=Einzel: Auſtin (England) — H. Sato (Japan) 6:1, 6:3,
6:0; van Ryn (U. S.A.) — Merlin (Frankreich) 6:2, 6:4, 6:1; Borotra
(Frankreich) — Smith (England) 8:6 4:6, 8:6, 6:1: Brugnon,
Frank=
reich) — Leſter (England) 7:9 6:4, 4:6, 7:5, 6:3 (l); del Caſtillo (
Argen=
tinien) — Hecht (Tſchechoſlowakei) 7:5, 6:4, 5:7, 2:6, 6:2; Maier (
Spa=
nien) — Powel (England) 6:4, 5:7, 6:2, 1:6, 8:6; Mateika (Oeſterreich)
— Williams (England) 6:2, 10:8, 6:2; Miki (Japan) — Legg (England)
9:7, 6:2, 8:6.
Henry Cochet wurde bei den Wimbledon=Meiſterſchaften bereits am
erſten Tage von dem Engländer Nigel Sharpe mit 6:1, 6:3, 6:2
aus=
geſchaltet.
Fußball.
Fr. Tade. Darmſtadt — Arb.=SpV. Weiterſtadt.
Am Mittwochabend (6 Uhr) empfängt eine komb. Elf der Fr.
Tade, die erſte Elf von Weiterſtadt zum fälligen Rückſpiel. Das
Vor=
ſpiel wurde von der Sondermannſchaft ausgetragen und ging 3:5
ver=
loren. Wir glauben diesmal an einen Sieg der Darmſtädter Elf, die
ſich in letzter Zeit weſentlich verbeſſert hat. Es dürfte ſich daher
loh=
nen, das Treffen anzuſehen. Eintritt frei.
Geſchäftliches.
Keine Kopfſchmerzen mehr durch Bohnerluft,
wenn Sie Perwachs, die neue ideale Boden=Creme, zur Pflege
der Fußböden, Treppen, Möbel, Leder, Marmorplatten uſw.
ver=
wenden. Denn Perwachs gibt herrlichen, erfriſchenden
Tannen=
duft. Mit Perwachs zu bohnern iſt angenehm. Dabei iſt die
Arbeit leicht und einfach, der Erfolg hervorragend: Hochglanz
ohne Glätte. Ein Ausrutſchen iſt normalerweiſe ausgeſchloſſen.
Fragen Sie Ihre Nachbarin, die kleine Kinder hat und die
be=
reits Perwachs verwendet. Sie iſt erfreut und dankbar. Tauſende
Anerkennungen beweiſen es.
Die hieſige Vertretung der Reichsmonovolverwaltung
Anton Fiſcher, Frankfurter Straße 12—14, gibt
durch das heutige Inſerat bekannt, daß Brennſpiritus ab
heute in Kaniſter in Verkauf gebracht wird. Dieſe Packung
empfiehlt ſich ganz beſonders für Touriſten und Wanderer
Aus=
flügler, da eine Bruchgefahr der Flaſchen nicht mehr beſteht.
Aus Bädern und Kurorken.
Deutſches Nordſeebad Büſum.
Büſum iſt als ruhiges, ländliches Bad, das ſeinen einfachen
deutſchen Charakter nach echter Frieſenart bewahrt hat, beſtens
zu empfehlen. Wer Ruhe und Erholung ſowie Heilung von
mancherlei Gebrechen ſucht, bei guter Beherbergung und dem
Nordſeeklima angemeſſener Verpflegung, ohne dabei ein geſelliges
und zwanglos unterhaltendes Leben vermiſſen zu wollen, wird in
Büſum leicht finden, was er ſucht.
In Büſum ſind tatſächlich alle Heilfaktoren eines idealen
Seebades vorhanden, unter denen das Wattenlaufen ſich
nament=
lich bei allen Erkrankungen der Atmungsorgane, bei
Unregel=
mäßigkeit der Zirkulationstätigkeit und nervöſen Störungen
be=
währt. Dabei iſt es auch ein kurzweiliger Zeitvertreib. Aber
auch diejenigen Gäſte, welche weder vom Baden noch vom
Watten=
laufen Gebrauch machen, finden in der außerordentlich reinen
von lebenserweckender Feuchtigkeit durchtränkten Seeluft einen
Heilfaktor von unberechenbarer Wunderwirkung.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 24. Junf.
7.30: Bad Kreuznach: Konzert des Kurorcheſters.
10.20: Schulfunk: Die Orgel.
15.20: Stunde der Jugend.
16.30: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters.
18.15: S. Gideon, F. T. Gubler, C. Linfert: Neues Bauen.
18.40: Zeit, Programmänderungen.
18.45: H. Neuert: Die Empfangsverhältniſſe nach Durchführung
des Groß=Senderbaues.
19.15: Dr. v. Bronſart: Die heilige Hildegard von Bingen, eine
Naturforſcherin des Mittelalters.
20,00: Köln: Gurre=Lieder von Jens Peter Jakobſen, für Soli,
Chor und Orcheſter von Arnold Schönberg.
21.00: Unterhaltungskonzert des Funkorcheſters.
22.00: Negro Spirituals (Geiſtliche Negerlieder). Ausf.: V. Orſin.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 24. Juni.
9.00: Berliner Schulfunk: Abeſſinien, das Land des Königs der
Könige.
10.10: Schulfunk: A. d. Buch „Kaukaſiſche Reiſebilder” von Knut
Hamſun.
15.00: Tanzturnen für Kinder.
15.45: Thekla von Arnoldi: Marktzubereitung von Obſt und
Ge=
müſe.
16.00: A. d. Preußiſchen Kultusminiſterium: Min.=Rat Prof.
Ke=
ſtenberg: Muſikpädagogik im Rahmen der 2. Tagung für
Rund=
funkmuſit in München.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: K. Graef u. Mitwirkende: Das Melodram.
18.00: M. Schaffer: Deutſche Schickſale in Amerika.
18.30: Oberbürgermeiſter Prof. Dr. Moſt: Das politiſche Erbe des
Frh. vom Stein.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19 00: Berlin: Geh. Juſtizrat Prof. Dr. Heilfron: Rechtsfragen des
Tages.
19.30: Ernſt Schrader: Der Polizeibeamte.
19.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
20.00: Hotel Kaiſerhof: Unterhaltungsmuſik. Kapelle Géza Komor.
20.30: Prof. Dr. Auhagen: Die Agrarrevolution in Sowjet=
Ruß=
land.
21.00: Orcheſterkonzert. Leipziger, Rundfunkorcheſter.
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
22.30: In der Schuſterſtube. 3. Akt aus „Die Meiſterſinger von
Nürnberg” Von Richard Wagner.
anſchl. Eden=Hotel: Tanzmuſik. Kapelle Oscar Jooſt.
Wekterbericht.
Ausſichten für Mittwoch, den 24. Juni: Bewölkt mit Aufheiterung.
vereinzelte Gewitterſtörungen oder etwas Niederſchlag.
Tem=
peraturen wenig verändert.
Ausſichten für Donnerstag, den 25. Juni: Etwas kühler, teils
wol=
kig, teils aufheiternd, meiſt trocken.
Beerfelder
ferdemarkt= Lotterie.
1spreis 1 Mk. Ziehung 14. Juli 1931
Hauptgewinne:
weiſpänner=Erntewagen mit zwei
Pfer=
den und Geſchirren, kompl.
3 Pferden, reſp. Fohlen, 3 Rinder,
4 Schweine uſw.
IV 953=
General=Debit:
Staatl. Lotterie=Einnehmer
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Nummer 123
Mittwoch, den 24. Juni
Die dage der deurſchen Mnciererſcheft.
22 Milliarden Liker im Jahre.
Der Unterausſchuß für Landwirtſchaft des Enquete=Ausſchuſſes
ver=
öffentlicht ſoeben die Ergebniſſe ſeiner Unterſuchungen über die deutſche
Milchwirtſchaft. Dieſe iſt mit einer Jahreserzeugung von 22
Milliarden Liter Milch im Werte von drei bis vier
Milliarden RM. einer der größten und wichtigſten Zweige der
deut=
ſchen Landwirtſchaft, zugleich aber auch eine der weſentlichſten
Grund=
lagen der deutſchen Volksernährung. Der Außenhandel weiſt im
Durch=
ſchnitt der letzten Jahre einen Einfuhrüberſchuß an milchwirtſchaftlichen
Erzeugniſſen von mehr als einer halben Milliarde RM. auf. Es müſſe
eines der wichtigſten Ziele der zukünftigen Produktionspolitik ſein, die
Leiſtungsfähigkeit ſo zu ſteigern, daß die Einfuhr ausländiſcher
Molkerei=
erzeugniſſe möglichſt entbehrt werden kann. Produktionstechniſch wäre
dies in kurzer Zeit zu erreichen. Die Schwierigkeit liege aber darin, daß
die deutſche Milchwirtſchaft in ihrer Entwicklung durch die Kriegs= und
Inflationsverhältniſſe gehemmt worden iſt. Im einzelnen werden
ſo=
dann der Umfang der deutſchen Milcherzeugung und die Möglichkeiten
ihrer Steigerung vor allem durch Ausbau des Kontrollvereinsweſens
er=
örtert, weiter das Molkereiweſen, die Friſchmilchverſorgung, die
Milch=
verarbeitung, das Notierungsweſen und die Preisverhältniſſe. Dabei
werden beſonders auch die Möglichkeiten zur Verbeſſerung der
Milch=
gewinnung und Milchbehandlung an den Erzeugungsſtätten ſowie im
Transport und bei der Be= und Verarbeitung der Milch eingehend
erör=
tert, ebenſo wie die Maßnahmen, die erforderlich wären, um eine
Ver=
beſſerung der Buttererzeugung und des Butterabſatzes wie auch der
Käſeerzeugung herbeizuführen.
Bei der Darſtellung des deutſchen Molkereiweſens wurden
insgeſamt 9304 Molkereien erfaßt, wobei angenommen werden kann,
daß kaum eine nennenswerte Molkerei unberückſichtigt geblieben iſt
Von der in Deutſchland erzeugten Kuhmilch fließt reichlich ein Drittel
durch die Molkereien. Schätzungsweiſe ergibt ſich, daß nach Abzug des
etwa ein Fünftel der deutſchen Kuhmilcherzeugung ausmachenden
Eigen=
verbrauchs der landwirtſchaftlichen Betriebe die unmittelbar von den
Erzeugern in Form von Milch, Butter und Käſe auf den Markt
ge=
brachten Mengen den Anteil der Molkereien überſteigen. Der
Schwer=
punkt der molkereimäßigen Milchverwertung liegt bei den
Genoſſenſchaf=
ten, und zwar gingen von der geſamten molkereimäßig erfaßten
Milch=
erzeugung zwei Drittel durch die Genoſſenſchaften, und die
Buttererzeu=
gung liegt zu nahezu vier Fünfteln in ihren Händen. Beim
Friſch=
milch= und Rahmverkauf halten ſich Genoſſenſchaften und
Privatmol=
kereien ungefähr die Waage, da ſich die Privatmolkereien in beſonders
großer Zahl in den Städten befinden.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 23. Juni.
An der heutigen Effektenbörſe war die Tendenz ziemlich
ner=
vös. Nach der ſtarken Aufwärtsbewegung von geſtern machte ſich
heute eine ruhigere Beurteilung der Situation bemerkbar, da
man die Stellungnahme Frankreichs zu den Vorſchlägen Hoovers
abwartet. Die Grundſtimmung war indeſſen weiter feſt, doch war
bei der Kuliſſe in Anbetracht des nahenden Ultimos eine gewiſſe
Zurückhaltung zu beobachten. Anregung erhielt die Börſe von der
weiteren Befeſtigung der Mark, ferner von den durchweg feſten
Auslandsbörſen. Weiteren Käufen des Publikums vom In= und
Auslande ſtanden Abgaben der Spekulation zwecks
Gewinnſicherun=
gen gegenüber, ſo daß die Kursgeſtaltung gegen die abgeſchwachte
Abendbörſe ſehr uneinheitlich war. Die Zahl der zur Notiz
kom=
menden Papiere war wieder ziemlich groß; das Geſchäft erfuhr
jedoch gegen geſtern eine weſentliche Einengung. Auch an den
Rentenmärkten war die Kursbildung unregelmäßig. Während
5½proz. Younganleihe im Einklang mit der internationalen
Be=
wegung 2½ Prozent höher notierten, ergaben ſich für die
Mehr=
zahl der Staatsanleihen Rückgänge um bis ½ Prozent, Gproz.
Reichsanleihe von 27 (80) weiter um 1 Prozent rückgängig.
Alt=
beſitzanleihe 52,30 (52½), Neubeſitz 5,65—5,55 (5,60). Nicht völlig
einheitlich war die Haltung bei Stadtanleihen, immerhin hatten
die Mehrzahl kleine Kursbeſſerungen zu verzeichnen. 8proz.
Darm=
ſtadt von 26 82¾ (81½), 7proz. Frankfurter von 26 79½ (78),
dagegen 8proz. Ludwigshafen 84 (85), 8proz. Mannheim 86 (87).
Auslandsrenten überwiegend ¼ bis ½ Prozent höher. Auch im
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Aktienindex. Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete
Aktien=
index (1924/26 — 100) ſtellt ſich für die Woche vom 15. bis 20. Juni 1931
auf 73,1 gegenüber 73,2 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe
Bergbau und Schwerinduſtrie auf 66,2 (65,1), Gruppe verarbeitende
In=
duſtrie auf 63,5 (63,7) und Gruppe Handel und Verkehr auf 96,1 (96,9)
Durch die Kursſteigerungen an der Montagsbörſe hat ſich der
Aktien=
index ſtark erhöht. Er ſtellt ſich auf den 22. Juni 1931 auf 78,3, und
zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerinduſtrie auf 73,7, Gruppe
verarbeitende Induſtrie auf 68,1 und Gruppe Handel und Verkehr auf
100,0.
Faber u. Schleicher A.=G. Offenbach a. M. Die
Generalverſamm=
lung, in der 5 Aktionäre 929 300 RM. Aktienkapital vertraten,
geneh=
migte einſtimmig den vorgelegten Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1930
ſowie die vorgeſchlagene Gewinnverteilung, nach der aus 174 067 (249 383)
RM. Reingewinn 6 (10) Prozent Dividende auf 1,4 Mill. RM.
Aktien=
kapital verteilt werden und 69 167 (68 158) RM. auf neue Rechnung
vor=
getragen werden.
Butzbach=Licher Eiſenbahn A.=G. (Verkehrsweſenkonzern). Die
Ge=
neralverſammlung, in der zehn Aktionäre etwas über eine Million
Aktienkapital vertraten, genehmigte den bekannten Abſchluß 1930 mit
einem Verlüſtvortrage von insgeſamt 67 252 RM. Den
Betriebsein=
nahmen von 406 000 RM. ſtanden Betriebsausgaben von 358 000 RM.
gegenüber. Die Verwaltung machte davon Mitteilung, daß es nicht
möglich war, die am 1. Juli 1930 fälligen Obligationszinſen zu bezahlen.
In der folgenden Obligationärverſammlung wurde beſchloſſen, den
Ge=
meindevertretungen noch einmal die Aufrechterhaltung der Bahn für
die nächſten Jahre vorzuſchlagen. Ueber das abgelaufene Jahr wurde
von dem verſuchsweiſe eingeführten Kraftwagenbetrieb mit der
Kraft=
verkehrsgeſellſchaft Heſſen (Majoritätsbeſitzer Deutſche Reichsbahn)
zwi=
ſchen Butzbach-Lich und Lich—Grünberg berichtet, deſſen Benutzung
aber ſehr gering war. Bei der Bahn waren die Einnahmen aus dem
Perſonen= und aus dem Güterverkehr erheblich zurückgegangen, was zur
Unmöglichkeit der Zinszahlung für die Obligationen führte. Dem
An=
trage auf Erlaß der Staatsſteuern wurde vom heſſiſchen Staate faſt
völlig entſprochen. Nicht genehmigt, weder vom heſſiſchen Staat noch
von der Pxovinz Oberheſſen und den Kreiſen Gießen und Friedberg,
wurde eine Barunterſtützung. Die Generalverſammlung genehmigte die
Regularien.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 23. Juni ſtellten ſich
für je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 81 RM. Die Notierungen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung
und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium. 98 99proz, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
desgl. in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM.. Reinnickel,
98= bis 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 50—52 RM.,
Fein=
ſilber (1 Kilogramm fein) 41—43 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 23. Juni ſtellten ſich für
Kupfer: Juni 70.50 (73), Juli 73 (73.50), Auguſt 73 (75)
Sept. 74.75 (75.50), Okt. 76 (76.50), Nov. 76.75 (77.25), Dez. 77.25
(77.50), Jan. 77.50 (77.75), Febr. 77.50 (78), März 78.25 (78.50),
April 78.50 (78.75), Mai 78 (78.25). Tendenz: ſtramm. — Für
Blei: Juni 24 (26.50), Juli 24 (27), Auguſt bis Nov. 25 (27),
Dez. 25 (26.50), Jan. und Febr. 25.50 (26.50), März 25.75 (26.50),
April und Mai 25.75 (26.75). Tendenz: feſt. — Für Zink;
Juni 24 (26), Juli 24.75 (25.50), Auguſt 24.75 (25.25), Sept. und
Okt. 25 (26), Nov. 25.75 (26.50). Dez. 26 (27) Jan. und Febr.
26.5 (27.25), März 26.50 (27.50), April 26.75 (27.25), Mai 27.25
(27.75). Tendenz: ſtetig. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die
in Klammern Brief.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 23. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 57¾, Sept. 58½, Dez. 62½: Mais:
Juli 58½, Sept. 56, Dez. 49½; Hafer: Juli 26½, Sept. 27.50,
Dez. 30.25; Roggen: Juli 37.50, Sept. 39.75, Dez. 42.75.
Schmalz: Juli 8.25, Sept. 8.35, Okt. 8.75: Speck 9.50
Schweine: leichte 7.30—7.50, ſchwere 6.40—7.15;
Schweine=
zufuhren: Chicago 23 000, im Weſten 90 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 23. Juni;
Schmalz: Prima Weſtern 8.95: Talg, extra, loſe 3½8.
Getreide. Weizen: Rotwinter 91.50; Mais, loko New York
72: Mehl, ſpring wheat clears 4.10—4.50; Fracht: nach England
1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 78: Lokonotiz: 5½; Juli
5.20, Sept. 5.42, Okt. 5.49, Dez. 5.64, Jan. 5.71, März 5.82,
Mai 5.93.
Viehmärkke.
* Mainzer Viehhofmarktbericht. Amtliche Notierung vom 22./23.
Juni 1931. Auftrieb: 7 Ochſen, 5 Bullen, 501 Kühe oder Färſen, 287
Kälber, 840 Schweine. Marktverlauf: Großvieh und Schweine mittel=
mäßig belebt; Kälber ſchleppend, langſam geräumt. Preis pro 50 Kilo
Lebendgewicht: Ochſen al) 44—47, b2) 35—38; Bullen c) 33—35: Kühe
a) 3—37, b) 2—32, e) 2—26; Färſen a) 4—47: Kälber, 7) 40—54,
9) 36—40: Schweine e) 44—4, d) 46—4
Verlaufe war keine einheitliche Tendenz feſtzuſtellen und die Kurſe
ſchwankten unſicher nach beiden Seiten. Zeitweiſe drückten
Ge=
winnmitnahmen etwas größeren Ausmaßes auf die Kurſe, wobei
beſonders J. G. Farben und andere Spezialwerte in
Mitleiden=
ſchaft gezogen wurden. Die Vertagung der franzöſiſchen
Entſchei=
dung zum Hoover=Plan um einen Tag wurde relativ günſtig
auf=
genommen. Die Schlußnotierungen lagen zwar noch ſehr
unregel=
mäßig, doch ergaben ſich auch Beſſerungen bis zu 2½ Prozent.
Tagesgeld war mit 6 Prozent eher etwas leichter.
An der Abendbörſe neigte die Tendenz unter Schwankungen
überwiegend etwas zur Schwäche, da die Spekulation weiter kleine
Ge=
winnmitnahmen ausführte, denen keine nennenswerten Kauforders
gegenüberſtanden. Nach anfangs uneinheitlicher Kursbildung
über=
wogen im Verlaufe Rückgänge von 1—2 Prozent gegen den Berliner
Schluß. Mehr rückläufig waren Kaliaktien, die von 3—4 Prozent
nach=
gaben. Die Umſatztätigkeit war im ganzen nicht groß. Im Verlaufe
bröckelten die Kurſe zunächſt meiſt weiter leicht ab, doch konnte man
gegen Schluß wieder vereinzelt leichte Erholungen feſtſtellen.
Berlin, 23. Juni.
Auf die Hauſſe der geſtrigen Mittagsbörſe zeigte der Abendverkehr
bereits eine gewiſſe Reaktion, doch nannte man heute vormittag ſchon
wieder etwas feſtere Kurſe, da man glaubte, daß ſich die Deckungen heute
fortſetzen würden. Die Feſtigkeit der Reichsmark, die Hauſſe an den
in=
ternationalen Börſenplätzen, vor allem aber die Nachfrage nach deutſchen
Werten, ſo in New York nach Young= und Dawes=Anleihe, regte
eben=
falls ſtärker an. An der Vorbörſe und dann auch zu Beginn des
offi=
ziellen Verkehrs wurde es jedoch kursmäßig wieder etwas ſchwächer,
wäh=
rend die Grundtendenz weiter zuverſichtlich blieb. Die Banken=
Kund=
ſchaft hatte die ſtark erhöhten Kurſe zu Gewinnmitnahmen benutzt, auch
aus dem Auslande (Holland, Schweiz und Tſchechoſlowakei) lagen
ein=
zelne limitierte Verkaufsorders vor. Die erſten Kurſe zeigten
Rück=
gänge von 3 bis 5 Prozent, doch waren auch Beſſerungen in demſelben
Umfang feſtzuſtellen. Die Spekulation hielt ſich heute ziemlich zurück,
da ſie erſt die Entſcheidung Frankreichs, die heute fallen ſoll, abwarten
will. Man glaubt jedoch, daß Hoovers Vorſchlag ohne Einſchränkungen
allgemein angenommen werden wird, zumal nach neueſten Waſhingtoner
Meldungen kein Zweifel daran beſteht, daß von Amerika Konzeſſionen
nicht gemacht werden. Lebhaft beſprochen wurde der Plan, den die
eng=
liſche Regierung vorbereiten ſoll, eine Währungskonferenz der
Noten=
bankleiter zuſammenzurufen. Neben verſchiedenen Minus=Minus=
Zei=
chen waren auch einzelne Plus=Plus=Zeichen an den Maklertafeln
feſt=
zuſtellen. Das Geſchäft war weſentlich ruhiger als geſtern. Im
Ver=
laufe wurde es nach zunächſt weiterer Abſchwächung wieder auf höhere
Auslandsmeldungen feſter, doch konnten ſich die im Verlaufe erzielten
Gewinne nicht immer voll behaupten, ſo daß die Kursgeſtaltung ſpäter
ziemlich uneinheitlich war. Der Geldmarkt war bei unveränderten
Sätzen weiter angeſpannt. Deviſen ſind heute eher angeboten, der
Dollar ſtellte ſich auf 4,2090, Madrid, Buenos etwas feſter, Schweiz
ſcnwächer.
Die Arbeiksmarkklage in Heſſen.
Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat nach Mitteilung des
Landesarbeitsamtes Heſſen während der Berichtszeit merklich nachgelaſ.
ſen. Nach den Berichten der Arbeitsämter dürfte mit einer erheblichern
weiteren Entlaſtung im Laufe dieſes Sommers kaum mehr zu rechnern
ſein. In ſechs von achtzehn Arbeitsamtsbezirken iſt die
Arbeitſuchenden=
ziffer bereits wioder leicht geſtiegen. Die Stagnation erſtreckt ſich auf
alle Berufsgruppen einſchließlich des Baugewerbes; die Portefeuille=
Induſtrie und das Bekleidungsgewerbe weiſen ſogar infolge von
Sai=
ſoneinflüſſen eine ausgeſprochene rückläufige Tendenz auf — die Zahll
der Arbeitſuchenden iſt in dieſen Gruppen um 5,4 bzw. 6,9 Prozent
ge=
ſtiegen. Am 15. Juni waren bei den Arbeitsämtern insgeſamt 254 14.
Arbeitſuchende gemeldet, davon waren 41 752 Frauen; gegenüber einen
Beſtand von 255 406 (41 593 Frauen) am Anfang des Monats iſt ihres
Zahl alſo nur unbedeutend, um 1260 oder 0,5 Prozent, zurückgegangen.
und zwar nahm die Zahl der Männer um 1419 ab, während die der
Frauen um 159 ſtieg.
Anſpruch auf die Hauptunterſtützung in der Arbeitsloſenverſicherungg
hatten am 15. Juni 85 641 (Abnahme gegen den Stand vom 11. Juni==
5364), auf Kriſenunterſtützung 51 307 (Zunahme 751) Perſonen. Die=
Abnahme der Hauptunterſtützungsempfänger in der
Arbeitsloſenver=
ſicherung iſt zu einem großen Teil auf die Erſchöpfung des
Unter=
ſtützungsanſpruchs zurückzuführen. Bei Notſtandsarbeiten, die aus
Mit=
teln der Reichsanſtalt gefördert werden, wurden Ende Mai 2115 frühere=
Hauptunterſtützungsempfänger und 207 Wohlfahrtserwerbsloſe be=.
nit ihm
„Nein
it,
Kumpendor
m neun U
„Ich m.
von der bet
ung Kennt
Berliner Produktenbericht vom 23. Juni. Gegenüber dem
freundlichen Vormittagsverkehr bildete die Börſeneröffnung eine
gewiſſe Enttäuſchung. Nach den geſtrigen Preisſteigerungen waren
die Käufer heute mit Anſchaffungen vorſichtig, zumal die
Witte=
rungsverhältniſſe für die Ernteausſichten als ſehr befriedigend
angeſehen werden. Am Markt für promptes Brotgetreide hielt
ſich die Umſatztätigkeit mangels paſſenden Offertenmaterials in
engen Grenzen, die Preiſe waren aber gut behauptet und für
Roggen lauteten die Gebote eher wieder höher. Weizen neuer
Ernte iſt gleichfalls nicht dringlich angeboten, Käufer waren aber
nur auf 1—2 Mark niedrigerem Preisniveau als geſtern
vorhan=
den; die für Neuroggen abgegebenen Untergebote im Rahmen
von etwa 1 Mark führten kaum zu Abſchlüſſen, da die
Landwirt=
ſchaft wenig zu Preiskonzeſſionen bereit iſt. Am Lieferungsmarkt
blieben die Juliausſichten behauptet, für Herbſtlieferungen kam
es zu Abbröckelungen, die bei Weizen bis 1½ Mark betrugen.
Weizenmehl hatte nach der geſtrigen Belebung wieder ruhigeres
Geſchäft: in Roggenmehl erfolgten nach den Preisſteigerungen der
letzten Zeit nur die notwendigſten Bedarfskäufe, und man wartet
das Ergebnis der Müllerverhandlungen bezüglich einer
Erweite=
rung des Kontingents aus Regierungsbeſtänden ab. Hafer iſt
in den erſthändigen Forderungen gehalten, die Käufer bleiben
aber vorſichtig. Gerſte iſt weiter vernachläſſigt.
Kleine Wirkſchaftsnachrichten.
Gegenüber dem letzten Stichtag iſt die Zahl der Arbeitſuchenden nur
um 53 000 zurückgegangen. Insgeſamt ſind noch immer 4 Millionen
Menſchen erwerbslos. Davon entfallen auf die Verſicherungsanſtalt 1,4
Millionen, der Reſt auf Kriſenfürſorge und kommunale Fürſorge.
Die Generalverſammlung der Adreae Noris Zahn A.=G.,
Frank=
furt a. M., beſchloß einſtimmig und debattelos, aus dem im
Geſchäfts=
jahr 1930 erzielten Reingewinn von 563 689 (einſchließlich
Gewinnvor=
trag von 99 967) RM. eine Dividende von wieder 10 Prozent auf die
Stamm= und von wieder 7 Prozent auf die Vorzugsaktien zu verteilen,
der Reſerve II 100 000 RM. und der Baureſerve 144 963 RM.
zuzu=
weiſen. Der verbleibende Gewinnreſt von 92 726 RM. wird auf nue
Rechnung vorgetragen.
Die Süddeutſche Waſſerwerke A.=G., Frankfurt a. M., beſchloß in
ihrer geſtrigen Generalverſammlung den im vergangenen
Geſchäfts=
jahre entſtandenen Verluſt von 5117 RM. aus dem Gewinnvortrag des
Vorjahres von 8333 RM. zu decken, ſo daß 3213 RM. Vortrag für 1931
verbleiben. Im neuen Geſchäftsjahr iſt noch keine Beſſerung der
Ge=
ſchäftslage zu bemerken.
Vier der größten New Yorker Depoſitenbanken haben angekündigt,
daß ſie künftighin nur noch 3½ Prozent Zinſen zahlen werden. Die
nderen Banken, ſo heißt es in der Meldung, dürften wahrſcheinlich
intſprechende Anordnungen treffen.
Berliner Kursbericht
vom 23. Juni 1931
Oeviſenmarkt
vom 23. Juni 1931
Berl. Handels=Ge
Danatbank . . . . . . .
eutſche Bank u.
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Dresdner Bank
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Italien
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100 Schilling
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
00 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
00 Kronen
E=Stg.
1 Pap. Peſo
Dollar
00 Belga
100 Lire
100 Francs
ZeId
10.583
59.09
12.453
73.43
3.044
169.28
112.66
112.6
112.79
20.466
1.332
4.205
58.55
22.025
16 46
Brief.
10.603
59.21
12.47
73.57
3.05
169.6
112 88
112.89
113.0
20.506
1.336
4.213
58.67
22.06*
16.50
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janetro
Jugoſlawien
Portugal
Athen
Fſtambul
Kairo
Kanada
Uruguay 1 Goldpeſo
Jsland
Tallinn (Eſtl.)
Riga
Währung /
1100 Franke
100 Peſetas
100 Gulden
11 Yen
1 Milreis
100 Dinar
100 Escudor
100 Drachm.
1 türk. 2
ägypt. 2
1 canad. Dol
100 isl. Kr.
100 eſtl. Kr.
100 Lats
e11
81.55
40 46
81.80
2.081
0.322
7.438
18.61
5.45
20.59:
4.193
2—440
92.33
112.00
81.05
Ri
e1.71
10.54
1.96
2.065
0.324
7.452
18.65
5.4657
21.035
4.201
2.452
92.51
112.22
e1.21
Haroant, Kominanditgereaſchaft
Frankfurter Kursbericht vom 23. Juni 1931.
7% Dtſch. Reichsan
6%
5½%Intern.,
6%Baden ......."
8% Bayern ......
2
..
8% Heſſen v. 28
v. 29
6% Preuß. Staat
8% Sachſen ......"
78 Thüringen....
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4:/.
Ab=
löſungsanl. . . . .
Dtſche. Anl. Ablö.
fungsſch. (Neub.
Deutſche Schutzge
bietsanleihe .. . .
8%0 Nachen v. 29
8% Baden=Baden.
6%Berlin .......
8% Darmſtadt v. 2
8%
v. 2
7% Dresden.. . . . .
8% Frankfurt a. M.
7% „ v. 20
68
v. 26
„
8% Mainz.......
8% Mannheim v. 26
6
v. 27
8% München .....
8½ Nürnberg. . . .
8% Wiesbaden
8½ Heſſ. Landesbk
„
3½ „ Goldoblie
½% Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid.
4¾% „Kom.=Obl
8% Preuß. Lds..=Anſt. G. Pf.
8X Golboblia
95
80
70.5
72
98
78
98.5
87.5
91
95.75
O Landeskomm.
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8% Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr..
7% Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr..
6%
2 Naſſ. Landesbk.
„
688
½% „Liqu. Ob
52.3
5.6
2.35
84
82.75
82.5
79.5
n0
82.25
86
69.5
90
83
95
92.25
97.25
8i.s
99.5
96
95.75
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+AuslSer.
„ „ Ser. II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)..
8% Berl. Hyp.B
4½ %mLigu.=Pfbr.
18% Frkf. Hyp.=Bt..
o
4½% „ Lig. Pfbr
8% „ Pfbr.=Bk.
4½% * „ Liqu
80 Mein. Hyp.=Bk.
„
4½% „Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp.=Bk.
4½% Lig. Pfor
18% Preuß.
Boden=
cred.=Bank
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank
4½% „ Lig. Pfbr.
18% Rhein.Hyp.Bk
4½% Lig.Pfbr.
18% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit..
18% Südd. Bod.,
Cred.=Bank ....
4½½ — Lia. Pfbr.
95
97
8s
98.25
93.25
85.5
89.5
AGJ
61
11
96.5
96
885l=
95.5
96
87.5
98.25
95.75
89.5
98
100
88.5
99
89.5
97.4
87
96.25
93
89%,
96.5
98.75
93.75
88.5
8% Württ. Hyp.-4
60 Datmler=Benz
8% Dt. Linol. Werke
Klöckner=Werke
Mainkrw. v. 26
Mitteld. Stahl.
8% Salzmann u. Co
79Ver. Stahlwerke
18% VoigtcHäffne
F. G. Farben Bond
5% Bosn. L.E.B.
5% „ L.Inveſt
5% Bulg. Tab.v. 02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5 % vereinh. Rumän
4½% „
40
„
14%0 Türk. Admin.
4% „ 1. Bagdad
4½ „ Zollanl.
4½% Ungarn 1913
1914
4½2
Goldr.
4%0
1910
49
Aktien
Nlo. Kunſtziide Unie
A. E. G. .........
Andrege Noris Zahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtof
Bemberg, J. P...
Bergm. El.=Werkel
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen...
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Alber
Chade ........."
Contin. Gummiw.
„ Linoleum
Daimler=Benz ...
96.5
63
88.5
80
88.5
77
87.s
94.5
Re
1.3
19.5
14.25
5.9
952/,
105
72
87.25
70
52
40
57
84.75
156
30
Ad
ä
Dt. Atl. Telegr.
„ Erdöl ......."
Gold=u. Silber
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerke
„ Eiſenhandel. .
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraf
Eſchw. Berawerk.
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnere
80
109
112.5
200
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Gnilleaume
Frankf. Gas i. Lig.
Hof..
Gelſeni. Bergwer
Geſ. f.eleftr. Untern
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger .
Hafenmühle Frrft.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. ....
Hochtief Eſſen ..."
Holzmann, Phil.
Ilſe Bergb. Stamn
„ „ Genüſſel
Junghans ...."
Kali Chemie .. .."
„ Aſchersleben
Kammgarnſpinn. .
Karſtadt, R. . . . . . .
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke ..
Knorr C. H.... ..
Lahmeher & Co. ..
Laurahütte ...."
Lech. Augsburg..
76
675
124.5
65
65
135
72.5
35
72
103
39
297
150
128
54
65
79.75
94.75
30
86
118
111
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Berg. ..
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Miag, Mühlenbau
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſe!
Oberbedar;
Phönix Bergbau
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„ Stahlwerke ..
Riebeck Montan. . .
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Schramm, Lackfbr.
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Schuckert Elektr. .
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halsfe
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Svenska Tändſticks
Tellus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonhard.
Tucher=Brauerei
Unterfranken. .
Beithwerke ..
Ver. f. Chem. Ind
„ Stahlwerke .. ."
Strohſtoffabr.
„ Uſtramarin".
50
18
62
112
65
52.5
37
31.5
46.1
70
111
73.5
51
44.9
118
189.5
167
163
42.5
71
124.25
75
110.s
28
66
RTC.
75
A
49.75
45.75
104
Af
Mnn He
Voigt & Haeffner.
Wahß & Frentag.
Wegelin Rußfabril
Weſteregeln Kali..
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Waldhof... .."
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Badiſche Bank. . . . 1112
Bk. f. Brauinduſtr. /118.5
BarmerBankverein/ 98.25
Bayer. Hyp. u. W./116.5
Berl. Handelsgeſ..
„ Cypothelbk.. 210
Comm. u. Privatb/403
Darm ſt. u. Nat.=Bf. 112
Dt. Ban1 und Dic. /101.5
92.75
99
24.5
27.5
131
73.5
61
Dt. Eff. u. Wechſe
Dresdner Bank ...
Frankf. Bank
„ Hyp.=Bank ...
„ Pfdbr.=B1.
Mein. Hyp. Fank ..
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Khp.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Hhp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenban!
A..G. „Vertehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vzgl
Hapag ......"
Nordd. Lloyd.. . .
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Alltanz. u. Stutg
Verſicherung ..
„. Verein. Verſ.
FrankonaRück=u. M
Mannb. Verſich..
Otavi Minen
Snndnnnane
101.75
86.5
126
130
11
138.5
120
130
8.75
94
84.5
49‟
51-
174
pröffentlich
Fortuy
„Schor
hen, unſeret
viſſen Dok=
Begriffe wa
itieren.
des
Kautſch=
n Wien n
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Mit Rückſick
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dermaßen:
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oder
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tüher zu
Näheres:
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Zint.- M
[ ← ][ ][ → ]Nummer 173
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Seite 13
DTatatts
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
Copyright by Ernſt Keils Nachf.. (Aug. Scherl), G.m.b.H., Berlin.
Er ſtrich ihr das wirre Haar aus der Stirn, neigte ſich zu
dr, ſprach begütigend auf ſie ein. Mählich fühlte er, wie ihre
ſlieder weicher wurden, wie ſie ruhiger atmete. Er hob ſie ſanft
mpor, legte den Arm um ihre Schulter, wandelte mit ihr im
Zim=
ſer auf und ab. „Wir dürfen Clemens nicht vergeſſen. Haſt du
nit ihm ſchon über das alles geſprochen?"
„Nein. Sein Befinden iſt heute nicht gut. Es würde ihn
ſcher ſehr erregen — unnötigerweiſe vielleicht . . . Denn,
Wal=
nr, du wirſt ja gar nicht fortgehen. In meiner Angſt ſah ich
johl ſchwärzer als nötig. Man wird dich nicht ziehen laſſen —
ſird dir goldene Brücken bauen . . . Und wir werden
zuſammen=
ſeiben, uns immer wiederſehn — und lieben!“
Er hatte ſchon Abſchied genommen, da raunte er ihr noch zu:
büte dich vor Düſterloh! Er
„Ich weiß”, flüſterte ſie mit abgewandtem Geſicht zurück.
Beſſer als du!"
Noch ehe am nächſten Morgen Fortuyn ſich bei Geheimrat
ſampendonk melden laſſen konnte, bat ihn deſſen Privatſekretär,
m neun Uhr bei Kampendonk zu erſcheinen.
„Ich muß es aufs lebhafteſte bedauern, Herr Doktor, daß Sie
un der bevorſtehenden Neuerung im Werk indirekt durch die
Zei=
ung Kenntnis erhielten. Die Notiz wurde ohne unſer Zutun
rröffentlicht. Ich bin bereit, Ihnen volle Aufklärung zu geben.”
Fortuyn verneigte ſich kurz. „Bitte, Herr Geheimrat .
„Schon vor längerer Zeit erfuhren wir von den Iduna=
Wer=
in, unſerer Tochtergeſellſchaft in Wien, daß man dort einen
ge=
uſſen Doktor Moran als Mitarbeiter verpflichtet habe, der im
ſegriffe war, ſich als Dozent in ſeiner Heimatſtadt Prag zu
habi=
ſtieren. Seine Forſchungen auf dem Gebiete der Chemoſyntheſe
ds Kautſchuks ſeien vielverſprechend. Gelegentlich eines Beſuches
Wien nahm unſer Direktor Lindenberg von den Moranſchen
ſrbeiten Kenntnis und gab uns einen ſo glänzenden Bericht, daß
ur auch noch Direktor Bünger hinſchickten. Auf Grund der
über=
mſtimmend günſtigen Gutachten beſchloß das Direktorium, nach
niterer genauer Prüfung aller Unterlagen, einem Engagement
löktor Morans näherzutreten. Dieſer verhielt ſich zunächſt
ab=
ſhnend, wobei rein perſönliche Verhältniſſe maßgebend waren.
lit Rückſicht auf die größeren Mittel und beſſeren
Forſchungs=
dingungen in den Rieba=Werken erklärte er ſich aber ſchließlich
breit. Erſt vor drei Tagen kam der formelle Vertragsabſchluß
iſtande. Da dies auf den erſten Blick als eine gewiſſe.
Des=
vouierung Ihrer Perſon erſcheinen könnte, war ich ſofort
ent=
ſloſſen, Sie darüber zu informieren. Leider hat die voreilige
kitungsnachricht nun meine Abſicht vereitelt. Ich glaube, das
drfte Ihnen genügen?"
„Gewiß, Herr Geheimrat. Es genügt mir vollkommen.
Ob=
geich ich —
„Ich weiß: Sie wollen zum Ausdruck bringen, daß, wenn zwar
icht Ihre Perſon, doch Ihr Verfahren dadurch beeinträchtigt
urde. Dem iſt nicht ſo. Sie arbeiten an Ihrer Elektroſyntheſe
uhig weiter, wenn auch mit verkleinertem Aſſiſtentenſtab. Was
un das Moranſche Verfahren betrifft, ſo liegt die Sache
folgen=
drmaßen: Wir produzieren, ebenſo wie viele andere Werke, nun
ſton ſeit Jahren nach der Chemoſyntheſe Kautſchuk. Angeſichts
dr ungenügenden Rentabilität der bisherigen Methoden erſchien
unbedingt geboten, die Moranſche Erfindung, die einen
bedeu=
uden Fortſchritt verſpricht, uns zu ſichern. Dürften wir natürlich
abſehbarer Zeit einen guten Enderfolg Ihrer Arbeiten er=
(Nachdruck verboten.)
warten, ſo hätten wir vermutlich von Morans Engagement
ab=
ſehen können. Aber Sie werden ſelbſt eingeſtehen müſſen, Herr
Doktor, daß vom kaufmänniſchen Standpunkt aus unſer Schritt
durchaus verſtändlich iſt. Sobald Ihre Elektroſyntheſe vollſtändig
entwickelt iſt, ſind ſelbſtverſtändlich alle chemoſynthetiſchen
Ver=
fahren überholt.”
Tabte
„Feinen ixbeliebigen
Mabkaffer — G muf
AerlkenE
ſein!
Zeift audter
Mabtaffer hat nämlich
das feng
Kathreiner=
groma.
Fortuyn erhob ſich. „Gewiß, Herr Geheimrat — ich gebe das
zu. Es lag mir ja nur daran, die Klarheit zu bekommen, die
Sie mir in ſo dankenswerter Weiſe gaben.”
In ſeinem Zimmer dann griff Fortuyn zum Telephon. Ein
kurzer Gruß flog zur Villa Terlinden.
Wittebold war nach dem Abendeſſen zu Schappmanns
hinüber=
gegangen. Die gute Luiſe ſaß neben dem Ofen in einem
Korb=
ſtuhl, einen Strickſtrumpf in den Händen. Aber die müden
Fin=
ger wollten nicht recht. Immer wieder nickte ſie ein, bis ſie es
ſchließlich ſatt bekam, die verlorenen Maſchen aufzunehmen, und
den grauen Kopf in das Kiſſen mit dem „Ruhe ſanft!”
zurück=
lehnte.
Wittebold hatte zur Feier ſeines Dienſtantritts ein paar
Fla=
ſchen Bier mitgebracht. Sie ſaßen, ſprachen. Worüber? Ueber das
Werk. Für Schappmann der einzige Geſprächsſtoff.
„Was Sie mir da vorhin ſagten, Kollege Wittebold, über
einen neuen Herrn Moran aus Wien . . . ja, das iſt noch ine
merkwürdige Sache, Konkurrenz für Herrn Fortuyn oder
Nach=
folger? — Das is man ſo mit die Herren Gelehrten. Da hat
einer ſo’n feines Ding gedreht — ſchon holen ſein her. Aber wie
lange dauert die Herrlichkeit, da haben ſie wieder nen Beſſern
gefunden. Wie viele Leiter von die Laboratorien hab’ ich ſchon
kommen und gehen ſehen!”
„Wie lange iſt denn Doktor Fortuyn hier?” fragte Wittebold.
„Das kann ich Ihnen ganz genau ſagen. Er kam gerade am
ſechzigſten Geburtstag von meiner Luiſe — macht alſo drei Jahre
und acht Monate. Sollte mir leid tun um Herrn Fortuyn, wenn
er weg müßte. War in kulanter Mann! Na — ich werd’ nicht
mehr die Ehre haben, unter dem Neuen zu dienen.”
Wittebold ſchaute nachdenklich dem blauen Rauch ſeiner Pfeife
nach.
„Is auch Zeit, daß ich gehe!” fuhr Schappmann fort. „Den
ganzen Tag auf die Beine — da wollten die alten Knochen nicht
mehr. Und wenn denn noch ſon Haufen Aerger dazwiſchenkommt,
da freut man ſich, daß jetzt alles ein Ende hat. Na, proſt, Kollege
Wittebold! Spülen wir den Kummer weg! Es hat mich lange
genug gewurmt!”
„Na, was iſt Ihnen denn für ne Laus über die Leber
gelau=
fen?” fragte Wittebold.
Schappmann ſtrich ſich den Schaum aus dem Bart, pruſtete
ein paarmal. „Ja, das war in regelrechter Krach, den ich hatte.
Mit dem Herrn Hempel vom Treſor. Na, daß Sie’s wiſſen: Das
iſt der, der die ganzen Vorſchriften für die mediziniſche
Fabrika=
tion in ſeinem Geldſchrank hat. Der ſagte mir doch heute glatt
vor den Kopf, ich hätt’ ſone Vorſchrift verloren, wo drin ſteht,
wie man den ganzen Deubelskram macht. „Analyſe” ſagen ſe
auch manchmal. Und das wär, ne Bummelei von mir, und das
könnt’ ſchweren Skandal geben. Und wie Gott den Schaden
be=
ſah, war alles nicht wahr. Ich hatte gar nichts verloren!”
„Analyſen verlieren” meinte Wittebold, „das wär” allerdings
eine ſchlimme Sache. Solche Dinge werden doch gehütet wie Gold,
Wie war denn das?"
„Das war ſo, Kollege: Der Herr Doktor Hempel gibt mir nen
Haufen Papiere, die ich zu Doktor Stange bringen ſollte, in die
Aſpirinabteilung. Ich ſteck die in meine Mappe und geh” rüber.
Leg’ alles auf Herrn Stange ſeinen Schreibtiſch und ziehe wieder
los. Wie ich nach ner halben Stunde gerade bei Doktor Fortuyn
bin, kommt einer jeloofen, ich ſoll man gleich zu Herrn Hempel
kommen. Na, wie ick da reinſtiefle, krieg’ ick doch nen Schreck:
Fährt der auf mich los, ich hätt, ne Betriebsſchrift verloren!
Unter den Papieren für Doktor Stange wär’ ſie geweſen, und der
hätte ſie nicht gekriegt. Na, ick blieb ganz ruhig. Machte meine
Mappe uff. Die war leer. Sagte: „Wat Se mir gegeben haben,
hab’ ich hier, reingepackt und bei Herrn Doktor Stange auf den
Tiſch gelegt. Wenn der ſe nich gekriegt hat, denn is ſe eben nicht
dabei geweſen.” — Er guckt mich nen Augenblick ganz dämlich
an, geht dann an ſeinen Schrank und ſucht. Fängt an zu
jam=
mern, er könnt beſchwören, daß er ſe mir gegeben hätte. Und
wenn ſie weg wäre, ginge es mir ſchlecht und ihm ſchlecht. Na,
und wie er noch ſo mitten drin is, da klingelts. Er nimmts
Telephon. Det hätten Se ſehn ſollen, det Jeſicht! Eben noch
wien Deibel, und uff eenmal wien ſüßer Engel. Nickt immer ins
Telephon, Spricht: „Jut, jut — Herr Doktor!” Und denn zu mir=
„Se is da! Herr Stange hat ſe! Und nehmen Set, nich übel,
Schappmann!” Er fingerte ſo mit ſeiner Hand rum. Aber ich tat,
als ob ich’s nich ſähe, und ſagte bloß: „Na — denn juten Morgen!”
(Fortſetzung folgt.)
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Seite 14
Mittwoch, den 24. Juni 1931
Nummer 175
2
Nur roch heute und morgen
in Neuaufführung!
Harry Liedike in der Iust. Verwechslungs-Komödie
Der Korvettenkapitän
In weiteren Hauptrollen: Maria Paualler, Fritz
Kampers, Lia Eibenschütz u. a.
Jugendl. zugelassen. Beginn 3.45. 6.00 und 8.20 Uhr.
Heute letzter Tag
Conrad Veidt und Hch. George
in dem großen Sensations-Tonfilm:
Der Mann, der den Mord beging
mit Trude von Molo, Frieda Richard u. a.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Nur noch heute und morgen
Der sensationelle Abenteuerfilm
Die geheimnisvolle Insel
nach Jules Vernes „20000 Meilen unter dem Meer‟
Lyonel Barrymore in dem Kriminalroman
Mull Uhr
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Beginn: 3.30, 5 45 und 8.15 Uhr.
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Leitung: Kapellmeister Willy Schlupp
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Opernschule
Montag, den 29. Jnni 1931, 20 Uhr,
im Großen Saale des Städt. Saalbaus
„La Traviata‟
Oper in 3 Akten von Giuseppe Verdi
in szenischer Darstellung.
Musikalische Leitung: Prof. W. Schmitt.
Spielleitung: Opernsänger Heinrich Kubn.
Bähnenbild: Elli Büttner vom Hess.
Landestheater.
Orchester: Instrumental-Verein (Orchester
der Städt. Akademie).
Karten zu RM. 1.—, 2.— u. 3.— im
Sekretariat der Städt. Akademie,
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kann auf Wunsch in 2 Raten entrichtet werden. Die Mietpreise: für
7 Vorstellungen betragen:
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II. Parterre . . . . ...
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vom 15.—25. Juli zahlbar. Einzeichnungen in der Miet-Abteilung.
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Eröffnungs-Vorstellung: Samstag, den 27. Juni
Arm wie eine Klrchenmaus
Lustspiel in 3 Akten von L. Fodor
mit Hildegard Warsitz vom Deutschen Schauspielhans Hamburg
als Gast und Direktor Bruno Harprecht in den Hauptrollen.
Ein Fest für Auge und Ohr im Orpheum
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der Deutſchen Volkspartei findet in dieſem Jahre
am Sonntag, den ſ28.) Juni ſtatt
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auf der Ruine Rheinfels.
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ſowie Studenten Mk. 2.50. (Normaler Fahrpreis Mk. 8.00)
An der Fahrt kann ſedermann, (alſo auch Nichtmitglieder)
teilnehmen. Karten ſind zu haben in der Geſchäftsſtelle der
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und auf dem Verkehrsbüro am Schloß, Fernſprecher 582
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