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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931.
194. Jahrgang
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Gewall, wie Krieg, Aufruhr, Streitl uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufräge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturz oder gerichticher Beltreibung fällt jeder
Rabatt weg. Bantkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalban”
Hennes” Auflehnung gegen Hitler. — Berliner 52.-Leuke beſehen Parkeibüro und „Angriff”.
Goebbels erhält Generalvollmacht zur Säuberung der NSDAF.
Das politiſche Intereſſe konzentriert ſich nach wie vor auf die
häuslichen Streitigkeiten innerhalb der nationalſozialiſtiſchen
Sturmabteilungen, die in Berlin bereits zu einer offenen
Re=
bellion unter Führung des Hauptmanns
Sten=
nes geführt haben. Da alle beteiligten Kreiſe nach Möglichkeit
über die Vorgänge in ihren eigenen Reihen ſich ausſchweigen, iſt
es ſchwierig, ſich ein abſolut klares Bild von der Bedeutung der
Vorgänge zu machen. Es ſieht aber ſo aus, als ob die
Aufleh=
nung gegen Hitler nur auf den Berliner Gau beſchränkt iſt.
Alle anderen Landesverbände, die nach den
Be=
hauptungen der Stennes=Gruppe von Hitler
abgefallen ſein ſollen, laſſen geharniſchte Proteſte gegen
das Verhalten der Berliner vom Stapel und erneuern ihr
Treubekenntnis zu Hitler. Wenn auch die Berliner
Rechtspreſſe bereits der Befürchtung Ausdruck gibt, daß der
Streit zwiſchen Stennes und Hitler zu einer Spaltung der
Natio=
nalſozialiſtiſchen Partei führen könne, ſo wird man doch gut daran
tun, die weitere Entwicklung abzuwarten. Dr. Goebbels iſt
zwar mit Generalvollmacht ausgerüſtet worden, um
die „Reinigung” der Partei vorzunehmen. Das fällt ihm aber
anſcheinend ſehr ſchwer, weil er über die dazu erforderlichen
Machtmittel noch nicht verfügt.
Goebbels Auftrag.
München, 2. April.
Der „Völkiſche Beobachter” veröffentlicht neben einem
Ar=
tikel, in dem Adolf Hitler den Saboteuren in der
NSDAP. ſchärfſten Kampf anſagt, einen Brief
Hitlers an Dr. Goebbels. Darin wird Dr. Goebbels
von Hitler erneut mit der Säuberung der
Be=
wegung beauftragt und ihm Generalvollmacht
erteilt. Goebbels ſolle rückſichtslos handeln und ſich durch
keinerlei Bedenken beeinträchtigen laſſen, da es immer noch
beſſer wäre, daß es überhaupt keine nationalſozialiſtiſche
Be=
wegung gäbe, als eine Partei der Undifziplin, der
Zerfahren=
heit und des Ungehorſams. Der Brief ſchließt: „Was immer
Sie in Erfüllung dieſer neuen Aufgabe tun mögen: Ich
decke Sie!”
Der Hinauswurf.
München, 2. April.
Die Parteileitung der Nationalſozialiſtiſchen Deutſchen
Ar=
beiterpartei gibt folgende Meldung aus: „Hauptmann Stennes,
ſowie Wetzel und Veltjens wurden heute vormittag aus der
Nationalſozialiſtiſchen Deutſchen Arbeiterpartei ausgeſchloſſen.”
Die Berliner Sturmabteilungen ſtehen
ge=
ſchloſſen hinter Hauptmann Stennes. Sie
haben auch verhindert, daß ſein von Hitler ernannter
Nach=
folger, Oberleutnant Schulz, den Befehl übernahm. Sie
haben auch den Abgeordneten Haines abgewieſen, der eine
neue Vermittlungsaktion einleiten wollte.
Unter dieſen Umſtänden iſt es verſtändlich, daß der
Reichspropa=
gandaleiter Dr. Goebbels ſich im Hintergrunde hält und erſt
ein=
mal abwartet, bis ſich die erſten Wogen etwas gelegt haben. Er
ſoll übrigens von Parteifreunden in Berlin verborgen gehalten
werden, um ihn vor Ueberfällen beſonders aufgebrachter SA.=
Leute zu ſchützen. Inzwiſchen hat ſich übrigens Stennes mit
ſei=
nen Freunden von der Nationalſozialiſtiſchen Partei getrennt.
Unklar iſt noch, ob ſie ausgetreten ſind, oder, bevor ihr Austritt
bekannt war, ſchon ausgeſchloſſen worden waren. Trotzdem
behauptet Stennes in Berlin mit ſeinen Anhängern im
Parteibüro das Feld. Er hat auch die Räumlichkeiten der
Tageszeitung „Der Angriff” beſetzt.
Aus dieſer neuen Revolte verſuchen die bereits aus der Partei
ausgeſchiedenen revolutionären Nationalſozialiſten um Dr. Otto
Straſſer und Major Buchrucker Nutzen zu ziehen. Sie erlaſſen
einen Aufruf, um die Unzufriedenen aus der NSDAP. wieder an
ſich zu ziehen. Ob ein Teil der nationalſozialiſtiſchen Oppoſition
wieder zu den Kommuniſten hinüberſchwenkt, woher ſie zum Teil
kamen, bleibt abzuwarten. Der „Angriff” iſt am Donnerstag
noch erſchienen. Er nimmt von den Auseinanderſetzungen zwiſchen
Stennes und Hitler Kenntnis, verhält ſich aber rein referierend.
Da ſich der größere Teil des „Angriff”=Verlages in Händen der
Münchener Parteizentrale befindet — der Reſt gehört Dr.
Goeb=
bels —, ſind bereits juriſtiſche Maßnahmen gegen Hauptmann
Stennes eingeleitet worden. Vor dem Parteigebäude in der
Hede=
mannſtraße ballten ſich auch am Donnerstag die Anhänger der
beiden Gruppen, doch war das Haus ſtreng abgeſperrt. Die
Po=
lizeipoſten in der Straße waren ebenfalls verſtärkt.
Der Berliner 59.-Krieg.
Berlin, 2. April.
Auch von nationalſozialiſtiſcher Seite werden jetzt die
ſchwe=
ren Differenzen zugegeben, die ſich aus der Abſetzung des
Haupt=
nnanns Stennes durch Hitler ergeben haben. Es ſcheint, daß
Fich der Widerſtand gegen Hitler jetzt über Berlin hinaus auf
Janz Norddeutſchland ausgedehut hat. Jedenfalls hat in der
Nacht zum Donnerstag eine Konferenz der SA.=Führer
ſtatt=
gefunden, an der außer Berlin auch die Führer Brandenburgs,
MMecklenburgs, Pommerns, Schleſiens und Oſtpreußens
teil=
uiahmen, die ſich mit Stennes ſolidariſch erklärt haben ſollen.
Außerdem hat eine Verſammlung der SA.=Vertrauensleute Ber=
Eins eine Entſchließung gefaßt, die ſich wegen der Abſetzung des
SA.=Gruppenführers Stennes ſcharf gegen Adolf Hitler wen=
Det. Entgegen der Vertrauenskundgebung für Stennes teilt die
Sauleitung der NSDAP. offiziell mit, daß die Behauptung des
Sauptmann Stennes, die SA.=Pommern ſtänden hinter ihm,
auf Unwahrheit beruhe. Dasſelbe wird jetzt auch von den Gauen
BBerlin, Brandenburg, Schleſien, Oſtpreußen und Schleswig=
SLolſtein behauptet, die Treueerklärungen für Hitler abgegeben
haben. Die Berliner SA. ſteht jedenfalls hinter Stennes. Aus
ahren Kreiſen erklärt man, daß ſich zwiſchen ihm und ſeiner
Truppe eine enge Verbundenheit entwickelt habe. In der Tat
Eſt es dem Oberleutnant Schulz, der bekanntlich zum
Nachfolger von Stennes beſtimmt worden iſt, bis Donnerstag
rnittag einfach unmöglich geweſen, ſeinen Poſten
anzutreten. Das Parteigebäude in der
Hede=
mnannſtraße wird von ſtarken SA.=Poſten
be=
pacht. Von einer Beſetzung der Zeitung durch die SA. kann
nan aber nicht ſprechen. Die Dinge liegen aber ſo, daß faſt
Fämtliche Angeſtellte, einſchließlich der Setzer, SA.=Leute ſind.
Wie ſich die Dinge zugeſpitzt haben, geht auch aus der Abſicht
Oes Hauptmanns Stennes hervor, die norddeutſchen SA.=Kräfte
Zu einem Verband der „Vereinigten Aktiviſten der NSDAP.”
Zuſammenzufaſſen. Ob eine ſolche Bewegung über Berlin
hin=
aus Erfolg haben wird, läßt ſich jetzt noch uicht ſagen. Von
Slünchen her wird jedenfalls behauptet, daß die Nicht=Berliner
SA.=Führer zu Hitler halten würden.
Der Gau Berlin, der NSDAP. teilt mit: Das bisherige
Blatt des Gaues Berlin. „Der Angriff” wird z. Zt. durch die
im Verlage angeſtellten Stennes=Anhänger terroriſiert, ſo daß es
im Augenblick nicht als Organ der NSDAP. zu betrachten iſt.
Juriſtiſche Schritte werden eingeleitet, um dieſen Zuſtand zu
beſeitigen.
Veberſiedlung der Berliner SA.
in die Matthäi=Kirchſtraße.
Die Spältung zwiſchen Hauptmann Stennes und Hitler hat
zur Folge gehabt, daß die Berliner SA. am Donnerstag die
Räume in der Hedemannſtraße, ihrem bisherigen Hauptquartier,
verließ und in die Matthäi=Kirchſtraße überſiedelte. Ob
Schrift=
leitung und Sekretariat des „Angriff” folgen werden, ſteht noch
nicht feſt, da ja Goebbels und Hitler neben dem Verleger
Süße=
rott Inhaber der Anteile ſind. Der „Angriff”, der heute
nachmittag die Erklärung von Hauptmann Stennes abdruckte, iſt
nach einer Erklärungder NSDAP. nicht mehr deren
Parteiblatt. Von der Redaktion und dem Perſonal des „
An=
griff” etwa 156 Angeſtellten, ſind 145 SA.=Leute oder ſtehen doch
auf Seiten von Stennes, ſo daß dadurch das Erſcheinen des
Blat=
tes für die nächſten Tage in Frage geſtellt ſcheint, da Goebbels
kaum in ſo kurzer Zeit einen neuen Redaktionsſtab und andere
Angeſtellte finden dürfte. Alle Vermittlungsaktionen ſcheinen
ge=
ſcheitert zu ſein. Heute nachmittag fand in der Hedemannſtraße
eine große Konferenz ſtatt, an der die leitenden Perſönlichkeiten
der NSDAP. teilnahmen.
Konmenkare der Berliner Preſſe zur Kriſe
bei den Nakionalſozialiſten.
Der Konflikt zwiſchen Adolf Hitler und dem Berliner SA.=
Führer Stennes nimmt auch in den Berichten der heutigen
Abendblätter einen breiten Raum ein. Während die meiſten
Abendblätter einſchließlich der Rechtspreſſe nur referierend die
Ereigniſſe bei der NSDAP. behandeln, beſchäftigen ſich andere
auch in Kommentaren mit den Vorgängen. Die „Germania”
ſpricht von einer rückſichtsloſen brüsken Kampfanſage an Hitler.
Der „Börſen=Courier” nennt die Kriſe „ſtrukturell”, und nicht
„konjunktureil‟. Die Widerſprüche, aus denen die Partei
zu=
ſammengeſetzt ſei, wirken ſich jetzt aus. Nicht nur über die Wege
zum Ziele, ſondern über dieſe ſelbſt herrſche hoffnungsloſe
linklarheit und Gegenſätzlichkeit, nicht nur in
Auffaſſungen, ſondern um Taktik,
Organiſa=
tion, Menſchen und Mittel werde erbittert
ge=
kämpft. Die „Deutſche Allgemeine Zeitung” ſieht in dem
Konflikt die Erfüllung des alten Geſetzes der Politik, daß der
Radikale von dem noch Radikaleren abgelöſt werde. Die „Deutſche
Tageszeitung” hält die „offene Rebellion gegen
Hit=
ler” als unmittelbar zur Spaltung der Partei führend.
Die „Kreuzzeitung” bedauert die Parteikriſe im Intereſſe der
geſamten nationalen Bewegung, deren Aktivität unter
Umſtän=
den gelähmt werden könnte. Noch ſei die Lage nicht
durchſich=
tig genug, um alle Konſequenzen überſehen zu können.
Dr. Rieih zum Geſandken in Wien erngunk.
Berlin, 2. April.
Der Reichspräſident hat den Botſchaftsrat bei der Botſchaft
in Paris, Dr. Rieth, zum Geſandten erſter Klaſſe in Wien
er=
nannt.
Dr. Kurt Rieth iſt 1881 in Antwerpen geboren. Zunächſt
Großkaufmann, war er 1914—18 in der Zivilverwaltung, bzw. in
der politiſchen Abteilung in Brüſſel, mit der Amtsbezeichnung
als Legationsrat tätig. 1918 wurde er in den diplomatiſchen
Dienſt übernommen, 1919 wurde er Geſchäftsträger und 1920
be=
vollmächtigter Vertreter des Auswärtigen Amtes in Darmſtadt.
Ende 1920 in das Auswärtige Amt berufen, wurde er 1922 der
Botſchaft beim Quirinal zugeteilt und 1923 Geſandtſchaftsrat
da=
ſelbſt. Seit 1924 war Dr. Rieth als Botſchaftsrat bei der
Bot=
ſchaft in Paris tätig.
* Das ruſſiſche Ruhrgebiei.
Urkuzkom — das Lieblingskind der Sowjets. — Fahrt nach
Jekaterinburg. — Ural=Erz und ſibiriſche Kohle.
Von unſerem Berichterſtatter.
N. Moskau, Ende März 1931.
Mehrere große Schaufenſter des „ſtaatlichen Warenhauſes”
in Moskau, des ehemaligen Kaufhauſes Muir und Mureliſe,
ſind für die ſtaatlich=kommuniſtiſche Propaganda reſerviert. Man
mag hier aus der Not eine Tugend gemacht haben. Denn der
Waren gibt es nicht eine ſo überreiche Fülle, daß dieſe paar
Fenſter nicht entbehrlich wären. Außerdem iſt aber die
Schau=
luſt der Moskauer Bevölkerung noch immer weit größer als ihre
Kaufkraft. Der Anſchauungsunterricht, der in dieſen Fenſtern
getrieben wird, iſt — wie überall, wo es ſich um bolſchewiſtiſche
Propaganda handelt — gut. Da gibt ein Plakat bildmäßig
die Entwicklung der Roheiſenproduktion im Ural wieder. Links
eine Fabrik in mikroſkopiſchem Format, rechts ein
Rieſenhütten=
werk. Und darunter ſteht: „1928 — 603 000 Tonnen, 1932 —
2 515 000 Tonnen”. — Fragt man ſeinen ſachkundigen
kommuni=
ſtiſchen Begleiter, ob die oberſte wirtſchaftliche Behörde ſich denn
in der Tat eine ſolche Steigerung der Eiſenerzeugung und eine
ſolch ungeheure Ausbreitung der Hütteninduſtrie erhofft, ſo
er=
hält man die Gegenfrage zur Antwort: „Sie kennen doch Ihr
Nuhrgebiet? Nun, die Produktion des Urkuzkom wird in
weni=
gen Jahren die des weſtdeutſchen Montan= und
Hütteninduſtrie=
bezirks weit übertreffen.‟ Dabei wird man noch an die
Be=
ſchlüſſe der jüngſten Tagung in Moskau erinnert, die die
ur=
ſprünglichen Voranſchläge beträchtlich nach oben revidiert haben.
Zwar ſei allerdings die bisherige Erzeugung hinter den Soll=
Ziffern zurückgeblieben, aber die neuen, die offenbar noch nicht
bis zu dem Plakatzeichner durchgedrungen ſeien, lägen weit
höher.
Urkuzkom? Die neuruſſiſche Abkürzungsmethode hat
hier ein beſonderes Wortmonſtrum geſchaffen. Es bedeutet:
Ural=Kuznezk=Kombinat. Es bedeutet — zum erſten Mal in der
bolſchewiſtiſchen Wirtſchaftspolitik — in ſeiner praktiſchen
Ziel=
ſetzung eine Rahonierung des Wirtſchaftsgebietes und in ſeiner
wirtſchaftlichen Auswirkung ſo etwas, wie einen Anſatz zu
dem vertikalen Aufbau der Sowjetinduſtrie, im Gegenſatz zu der
bisherigen wahlloſen Errichtung von einzelnen Rieſenwerken,
die in der Hauptſache wegen ihrer rein optiſchen Wirkung auf
die Maſſe ſo außerordentlich beliebt waren. In dem dritten
Teil des Wortes „Kombinat”, der ſolgerichtig auf Konibination
zurückzuführen iſt, liegt ſeine Bedeutung, kombiniertes
Indu=
ſtriegebiet Ural=Kuznezk, d. h. Verbindung von Ural=
Erz mit ſibiriſcher Kohle.
Der Plan, die im Ural und in Weſtſibirien ſchlummernden,
ungeheuer reichen Bodenſchätze weitgehend auszubeuten, iſt erſt
verhältnismäßig ſpät entſtanden. Seine Umſetzung in die Tat
wurde aber ſofort mit Feuereifer betrieben. Den erſten Anſtoß
gaben wohl die ſchlimmen Erfahrungen, die die Sowjets in
jeder Hinſicht mit dem Donez=Gebiet gemacht haben. Einmal
liegt dieſer wichtige Bergbaubecken bekanntlich in der Ukraine.
Die Sowjets, die überhaupt das Pech haben, daß ſämtliche
wichtigen Bodenſchätze in den Gebieten der
ſo=
genannten nationalen Republiken liegen, haben
deren Bewirtſchaftung zwar im Fünfjahresplan den
Bundes=
ſtaaten entzogen und ihnen wurde nur noch die kulturelle
Auto=
nomie gelafſen, die durch den Parteiapvarat in gewiſſen, fehr
eng gezogenen Grenzen gehalten wird. Das Nationalbewußtſein
der Ukrainer ſollte dadurch einen Ausgleich für die verlorenen
wirtſchaftlichen Werte erhalten — ganz hat die Ukraine dieſen
Verluſt aber nie verſchmerzt. Und hierdurch entſtehen Gefahren
für die Moskauer Zentralregierung, die ſie dadurch teilweiſe zu
verringern glaubt, daß ſie die Schaffung eines neuen Zentrums
der Kohlenförderung und Eiſenerzeugung im Ural und Sibirien
beſchleß. Der Ukraine ſoll dadurch geſagt werden, daß ihre
dominierende Bedeutung auf dem Gebiet der Schwerinduſtrie
das Donezgebiet liefert noch heute drei Viertel des geſamten
Kohlen= und Eiſenbedarfs der Union — fehr bald gebrochen ſein
wird. — Sodann will aber auch die Mechauiſierung der Arbeit
im Donezgebiet noch immer nicht gelingen. Auch der Ban neuer
Hüttenanlagen und Kohlenſchächte bleibt trotz alle:
Inveſtierun=
gen weit hinter dem gewünſchten Tempo zurück, und in den
ver=
floſſenen erſten zwei Jahren des Plans betrug die
Geſamt=
kohlenförderung nur 84,2 Mill. Tonnen gegenüber einem Soll
von 92,7 und die Eiſenerzeugung 9,0 gegenüber 9,4. Im
Sonder=
quartal ſind die Aufgaben nur zu 69 v. H. im Januar zu 75,
im Februar ſogar nur zu 58,5 v. H. erfüllt worden. Dieſe
Zahlen machen die ungeheuren Brennſtoff= und
Verkehrsſchwierigkeiten verſtändlich. —
Schließ=
lich aber iſt das Donezgebiet auch beſonders ſchleiht ernährt. Die
Produktivität der Arbeit iſt im letzten Jahr um 14,5 v. H.
ge=
ſunken, und wie groß die Arbeiterwanderung noch iſt zeigt die
Mitteilung der Verwaltung, daß im Februar zuvar über 3500
neue (hauptſächlich landwirtſchaftliche und jungkommuniſtiſche,
alſo ungelernte) Arbeiter ins Donezrevier beordert wurden, daß
im gleichen Zeitraum aber über 5000 abgewandert ſind.
So iſt Uirkuzkom Moskaus Lieblingskind
ge=
worden. Man will die im Ural vorhandenen Anſätze zur
Erzgewinnung benutzen, um durch Errichtung von Rieſenwerken
alle bisherigen Rekorde zu ſchlagen. Von bier aber, von
Swerdlowſk, dem Verwaltungszentrum, und von Magnitogorſk,
dem Induſtriemittelpunkt, wandert der Blick über die Bergkette
des Ural hinüber nach dem 2000 Kilometer entfernt liegenden
Kuznezk ſüdlich von Tomſk in Weſtſibirien. Dort ſind
Kohlen=
vorkommen gefunden worden, die — wenn die Schätzungen
ſtim=
men: — Rußland zum reichſten Kohlenland der Welt machen.
2000 Kilometer . . . Für die ſibiriſchen Dimenſionen gewiß
nichts Ueberwältigendes! Aber (von den erſt noch mit den
Ent=
ſtehungsſchwierigkeiten ringenden Schacht= und Hüttenanlagen
abgeſehen) allein ſchon ein Problem, das in die Erfüllung der
Moskauer Wunſchträume von der Verſorgung nicht nur
Sibi=
riens und über die Turkſib Mittelaſiens, ſondern auch eines
großen Teils des europäiſchen Rußlands mit Brenzſtoffen und
Eiſenerzeugniſſen vorläuſig noch en große Zweifel ſetzen läßt.
Man hat das Wort vom „ruſſiſchen Ruhrgebiet” noch in
den Ohren, da der Zug ſich Swerdlowfk nähert. Man deukt an
Bochum und Gelſenkirchen und hält nach Fördertürien und
Hochöfen, nach Kokereien und Eiſengießereien Ausſchau. Nichts
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von alledem iſt aber vorläufig zu ſehen. Langſam rattert der
Zug durch die Steppe, und erſt im Uralgebiet ſelbſt zeigen ſich
bewaldete Hügel. Dann gehts in allmählichen Steigungen
auf=
wärts, bis man zum erſten Mal hält. Ein Blick durch die
Fenſter — wir ſind mitten im Walde. Erſtaunt fragt man nach
der Urjache der Störung und kriegt von erfahreneren
Mitreiſen=
den zu hören, daß das das Vorzeichen von Swerdlowſk ſei.
Der Knotenpunkt ſei verſtopft — Verkehrsſchwierigkeiten — man
hört etwas von mangelnder Diſziplin. Und in der Tat hielt
der Zug noch vier Mal, bevor er ſich — wieder auf freier Strecke
endgültig verpuſtet hatte. Rechts und links ſieht man ein
Knäuel von Gleisanlagen — hier in Swerdlowſk, dem
ehemaligen Jekaterinburg, kreuzen ſich fünf
Strecken, wo zur Zarenzeit nur eine war — aber
es gibt keinen Bahnhof. Der alte entſprach nicht mehr
den getvachſenen Anſprüchen und wurde abgeriſſen — der neue
iſt aber noch nicht ganz fertig. Man muß mühſam die Stufen bis
zur ebenen Erde herunterklettern und befindet ſich mitten auf
dem großen Rangierbahnhof.
Swerdlowſk könnte Detroit heißen. Es iſt eine
amerika=
niſche Stadt, eine aus dem Boden geſtampfte Großſtadt.
Aeußerlich fällt das Fehlen der Kirchen im Stadtbild auf.
Die wenigen, die im alten Jekaterinburg ſtanden, ſind abgeriſſen,
umgebaut und in Arbeiterklubs verwandelt, oder ſo von den
benachbarten Verwaltungs= und Fabrikpaläſten zurückgedrängt
worden, daß man ſie nicht mehr ſieht. Dagegen dominieren die
Fabrikſchlote, die rieſigen, oft 7—Sſtöckigen Zweckbauten der
Werke und Büros. Die ſtaatlichen Truſts feiern Orgien in Glas
und Beton. Gerade Linien, peinlichſte Raumausnutzung, viel
Licht und Luft. Ganze Straßenzüge werden neu geſchaffen, hier
und da wechſeln moderne Großbauten mit Bretterzäunen, ja mit
ſchiefen Wohnhütten der Deklaſſierten ab. Die Wohnungsfrage
iſt auch hier ein trauriges Kapitel. Es gibt zwar mehrere
ein=
fache, aber wohnlich errichtete Arbeiterhäuſer, und den ſtändig
neu zuziehenden Arbeitern ſucht man damit zu helfen, daß man
ihnen unentgeltlich Holz zum Wohnungsbau zur Verfügung
ſtellt. Es iſt auch ſchon ein ganzer Gürtel von Arbeiter=
Wohnlauben um das Zentrum der Stadt entſtanden. Für
den enormen, im Plan vorgefehenen Arbeiterbedarf iſt das aber
völlig unzureichend.
Trotzdem wird hier Gewaltiges geleiſtet,
wenn auch das meiſte noch zu tun übrig bleibt und man
ver=
geblich nach einem Gelſenkirchen, Bochum oder Dortmund ſucht.
Die kommuniſtiſchen Arbeiter ſind zäh — nicht umſonſt wird
dies der röteſte Fleck der roten Erde genannt — und es gibt
in jedem Klub, dem der Maſchiniſten, der Schloſſer, der Dreher,
zuverläſſige kommuniſtiſche Zellen. Einen Feind haben ſie alle
— den Kapitaliſten, „der uns das Blut ausſaugt” und der für
alles, buchſtäblich für alles verantwortlich gemacht wird. Selbſt
die Verkehrs= und Ernährungsſchwierigkeiten gehen auf ſein
Konto. Und nur die Einſichtigen geben zu: „Eswird alles
gehen, — wenn mit der Ernte allesklappt‟. Das
iſt der wunde Punkt. Auch hier .. .
Nach dem im Februar revidierten Plan des oberſten
Volkswirtſchaftsrats ſoll der Ausbau des Ural=Kuznezk=
Kombinats als vordringlich behandelt werden. Daß zur
Durch=
führung des Plans ein beſonderer Ausführungsausſchuß
einge=
ſetzt wurde, zeugt von der Bedeutung, die man ihm beilegt. Der
15. Mai und der 15. Juni ſind die erſten Stichtage für die
Generalinventur. Bis dahin ſoll es ſich gezeigt haben, ob die
Projekte in dem Umfange, wie ſie ausgearbeitet wurden,
wirk=
lich Ausſicht auf Verwirklichung haben. Die beſten Köpfe der
Union ſind damit beſchäftigt. Die Teilaufgaben müſſen in fünf
bis ſechs Jahren erfüllt ſein, und 1937 ſoll ein
Schwer=
induſtriezentrum daſtehen, wie es auf der Welt
einzigartig iſt. Die Schlagworte „Wir müſſen Amerika
überholen” und „Das größte der Welt” ſpielen auch hier wieder
eine große Rolle. — Und auch hier gibt es Zahlenpyramiden.
Der in der Nähe von Magnitogorſk befindliche Berg —
Mag=
nitowaja Gora — ſoll ein einziges Erzvorkommen ſein. Dann
gibt es aber auch Platin, Gold, farbige Metalle, mit deren
Abbau überhaupt erſt jetzt begonnen wurde, und Edelſteine.
Vor allem aber: Eiſen, Eiſen und wieder Eiſen. Ein großes
Werk in Magnitogorſk, das nach dem urſprünglichen Plan
jähr=
lich 650 000 Tennen Metall liefern ſollte, wird auf eine
Er=
zeugung von 2,5 Mill. und ſpäter auf 4 Mill. Tonnen umgeſtellt
werden. Das größte amerikaniſche Werk ſoll nur wenig über
2,8 Mill. Tonnen liefern können. Im Herbſt d. J. foll die Arbeit
bereits beginnen, und im letzten Jahresquartal wird ſchon mit
einer Lieferung von über 150 000 Tonnen gerechnet. Auch die
Kupfer=, Blei= und Zinkwerke werden ausgebaut und ihre
Pro=
duktion ſoll in dieſem Jahr nahezu verdoppelt werden.
Dann iſt aber da noch das rieſige Kohlenprojekt von Kuznezk.
Die dortigen Vorkommen wurden auf 250 Milliarden Tongen
geſchätzt. Die in Deutſchland lollen nur 275, in Amerika 255 und
in England nicht ganz 200 Milliarden Tonnen betragen.
Zu=
ſammen mit dem Donezgebiet (Schätzung 75 Milliarden Tonnen)
würde Rußland alſo die reichſten
Kohlenvorkom=
men der Erde beſitzen. Aber die Ausbeutung ſtößt wegen
des Verkehrsproblems auf Schwierigkeiten, die in Europa gar=
Hariteltagshande.
Von Dr. Siegfried Mauermann.
Längſt verklungene Worte gewinnen ihren alten Ton wieder
und reden zu uns, als ob ſie eben erſt geſprochen worden
wären, wenn nur der Anlaß, der ſie aus einer Menſchenbruſt
preßte, wieder lebendig geworden iſt. Karfreitag läßt das große,
ſich für die Menſchenliebe hingebende Leiden Chriſti in
be=
zwingender Allgewalt wiedererſtehen. Worte, die da geſprochen
wurden, dringen in unſer Herz: Karfreitagsworte. Und wenn
ſie nicht geſprochen worden wären, würden uns die Blicke am
erſten Karfreitag unendlich viel fagen: Karfreitagsblicke. Wie
nun aber, wenn wir zu ſtiller Paſſionsbetrachtung nur den
Ausdruck der Hände deuteten, die am Karfreitag ausgeſtreckt
wurden, die litten in unendlicher Qual: Karfreitagshände.
Es gibt eine Sprache der Hände, die in aller Welt
verſtan=
den wird. Wink und Abwehr, Handſchlag und Streicheln, all
das ſagt ſo viel. Die „Hände zum Zeus erhoben” ſind das
Gebet des Altertums, die gefalteten Hände beten heute zu Gott.
Welche Sprache reden die Karfreitagshände? Die Paſſionslieder
im Geſangbuche, namentlich die von Paul Gerhardt verfaßten,
ſprechen von Händen, die ſich nach dem leidenden Jeſus
aus=
ftrecken. Man will ihn halten, man will ihn „feſt an ſein Herz
drücken‟ Die Erlöſung ſuchende Menſchheit gehört zu ihm.
Nicht der große Meiſter aus Nazareth, ſondern wir ſollten „an
Händen und an Füßen gebunden” ſein. Die gebundene
Kar=
freitagshand iſt das Zeichen des Verurteilten, der ſich in ſein
Schickfal ergibt. — Aus den Ebangelien geht über die
Kar=
freitagshände mancherlei hervor. „Sie ſchlugen ihn” heißt es
bei Matthäus: Sündige Karfreitagshände. Aber im
Johannes=
evangelium Maria und der Jünger, den er lieb hatte,
hände=
ringend und einander tröſtend. Bei Matthäus und bei Lukas
die behutſame Hand des Joſeph von Arimathia, der den
Leich=
nam des Herrn in hüllendes Linnen wickelt. Die
Verzweif=
lungshände der Frauen des Altertums finden wir bei Lukas
(23,48); dort ſchlagen die Frauen ihre Brüſte. Es iſt, als ob
die Hand Hilfe am eigenen Körper ſuche. Die Hände des
Herrn ſelbſt, betend gerungen, ausgeſtreckt, hingegeben. Das
Beten in Gethſemane zeigt den Anfang des Karfreitags. Selbſt
Jefu Hände, des reinen Gottesſohnes, falten ſich; auch er muß
Beterangſt durchmachen, die die Hände glaſig und dürr werden
läßt, aber gottergeben. Was machen dieſe Hände alles durch!
Sie werden gebunden. Sie müſſen das Kreuz tragen, die
zar=
ten Hände, die an keine ſchwere Arbeit gewöhnt ſind. Sie
wer=
den geſchunden und matt. Endlich werden ſie mit Nägeln
durchbohrt, bluten, zucken, ſterben ab. Die Karfreitagshände
mit den Nägelmalen werden zum Siegeszeichen göttlichen Dul=
Freitag, den 3. April 1931
Vom Tage.
Im Reichstag ſind nunmehr auch Anträge der Deutſchnationalen
und der Nationalſozialiſten auf Einberufung des Reichstages
eingegau=
gen. Die Anträge werden in der für den 8. April anberaumten Sitzung
des Aelteftenrates erledigt werden, in der auch der gleiche Antrag der
Kommuniſten zur Entſcheidung ſteht.
Nach ſeinem vollzogenen Rücktritt iſt Miniſter Dr. Frick am 1. April
noch nach München abgereiſt. Er hinterließ den Auftrag, den ihm
bis=
her unterſtellten Beamten ſeinen Dank zu ſagen.
Wie bekannt wird, iſt die Generalſynode der evangeliſchen Kirchen
der altprenßiſchen Union auf den 20. April nach Berlin einberufen
wor=
den, um über die Stellungnahme der Kirche zu dem Entwurf des
evan=
geliſchen Kirchenvertrages endgültig Beſchluß zu fafſen.
Wie wir erfahren, hat die deutſche Geſandtſchaft in Kowno beim
litaniſchen Außenminiſterium in Sachen der Auswciſung von
Reichs=
deutſchen aus dem Memelgebiet und der Verweigerung von
Einreiſe=
genehmigungen erneut einen Schritt unternommen.
Der Senat der Freien Stadt Danzia hat das danzig=polniſche
Ab=
kommen über das Anlegerecht polniſcher Kriegsſchiffe im Danziger Hafen
gekündigt, da er auf dem Standvunkt ſteht, daß Danzia keinerlei
Flot=
tenbaſis ſein darf und überdies der Gdinger Hafen nunmehr genügend
ausgebaut iſt, um als Stations= und Winterhafen" für die polniſchen
Kriegsſchiffe zu dienen.
Der litauiſche Innenminiſter Aradicius hat ſeinen Rücktritt erklärt
Der Chef der Kriminalpolizei, Oberſt Ruſteika, wurde vom
Staatsprä=
ſidenten zum Innenminiſter ernannt. Man führt den Rücktritt auf
Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen Arabicius und Ruſteika zurück, die
ſchon ſeit längerer Zeit beſtanden.
Der rumäniſche Miniſterrat beſchloß, ab 15. April die
mitteleuro=
päiſche Zeit in Rumänien einzuführen.
Der Agrarkreditausſchuß der Finanzorganiſation des Völkerbundes
iſt in Genf zuſammengetreten, um den Plan einer internationalen
Agrarkreditbank weiter zu beraten.
Der ehemalige engliſche Wohlfahrtsminiſter Neville Chamberlain hat
den Vorſitz der Konſervativen Partei niedergelegt. Baldwin hat ſich mit
dieſem Schritt Chamberlains einverſtanden erklärt und zu ſeinem
Nach=
folger Lord Stonehaven ernannt, der kürzlich von Auſtralien
zurück=
gekehrt iſt, wo er fünf Jahre lang die Aemter eines Generalgouverneurs
und Oberbefehlshabers innehatte.
Der neue Vizekönig von Indien und Nachfolger Lord Irwins, Lord
Willingdon, hat London verlaffen, um ſich nach Indien einzufchiffen.
Zum Nachfolger des ſeines Amtes enthobenen Präſidenten des
Oberſten ſpaniſchen Gerichtshofes, Burguete, iſt der bisherige
General=
kapitän von Andaluſien, Marquis de Oavalcante, ernannt worden.
Im zweiten ſpaniſchen Militärprozeß von Jaca wurde geſtern das
Urteil gefällt, das ſehr milde ausgefallen iſt. Ein Kapitän und ein
Leutnant erhielten je ein Jahr Gefängnis, ein Oberſt acht Monate, zwei
Oberſtleutnants ſechs Monate Gefängnis. Die übrigen Angeklagten
wurden freigeſprochen, d. h. ſie werden zum Teil ſtrenge Arreſtſtrafen zu
verbüßen haben, die im Höchſtfall 60 Tage betragen.
nicht vorſtellbar ſind. An ſich iſt der Plan, die ſibiriſchen
Boden=
ſchätze nutzbar zu machen, nicht neu. Er wurde aber immer
wie=
der fallen gelaſſen, weil ſeine Durchführung Jahrzehnte an Zeit
und Milliarden an Geld erfordert. Nun hat Moskau das
Pro=
jekt in Angriff genommen. In dieſem Jahr ſollen allein 1,3
Milliarden inveſtiert werden. Der Eigenkoſtenpreis ſoll
ge=
ſenkt, die Arbeitsergiebigkeit verbeſſert, neue Arbeiter eingeſtellt,
neue Rieſenwerke errichtet werden. Man geht alſo mit Elan
an die Arbeit. Und 1936, dem Jahre des Heils, ſoll z. B. in
der Roheiſenproduktion die enorme Zahl von 25 Millionen
Ton=
nen erreicht werden. Um damit Amerika, das nur etwas über
31 Mill. Tonnen produzieren ſoll, bald hinter ſich zu laſſen. Das
iſt Moskaus Hoffnung.
Ruſſenverhandlungen in Berlin.
Berlin, 2. April.
Bei den Beſprechungen der deutſchen Induſtriedelegation
in Moskau mit den Führern der Sowjetwirtſchaft wurden
er=
gänzende Verhandlungen in Berlin vereinbart. Diefe
Verhand=
lungen werden dem „Börſen=Couricr” zufolge kurz nach Oſtern
aufgenommen werden. Ruſſiſcherſeits wird nach Berlin eine
größere Komiſſion entſandt, der zahlreiche Sachverſtändige aus
verſchiedenen Zweigen der Sowjetinduſtrie beigegeben werden
ſollen. Die Sowjetkommiſſion dürfte vorausſichtlich vom früheren
Staatsbankpräſidenten und jetzigen Leiter der
Bundesvereini=
gung der ruſſiſchen chemiſchen Induſtrie und dem
ſtellvertreten=
den Leiter der Berliner Sowjethandelsvertretung, Bieker, geführt
werden, die auch an den Moskauer Beſprechungen mit den
deut=
ſchen Wirtſchaftsführern aktiv teilgenommen haben. Die
Ber=
liner Verhandlungen werden ſich auf die Klärung der näheren
Lieferbedingungen für die zuſätzlichen Sowjetaufträge erſtrecken,
wobei gleichzeitig auch gewiſſe Vorausſetzungen für die
Aus=
führung der neuen Sowjetbeſtellungen geſchaffen werden ſollen.
Nach dem Abſchluß dieſer Verhandlungen werden die Ruſſen
daran gehen, die in Moskau vereinbarten zuſätzlichen Aufträge
zu vergeben. Die Vergebung dieſer Aufträge muß bekanntlich
nach den Moskauer Vereinbarungen bis zum 1. Juli d. J.
erfolgen.
dens über menſchliche Roheit. So ſind alle leidenden Hände
der Welt zu Siegerhänden geworden. Sie reden eine Sprache,
die überall verſtanden wird, die überall zu Herzen geht.
Auf dieſer Grundlage baut ſich das auf, was die Kunſt an
ausdrucksvollen Karfreitagshänden geſchaffen hat. Vieles mag
dabei bewußt geſchehen ſein, vieles aber auch, dem tiefſten Fühlen
der Menſchenſeele gemäß, unbewußt. Von den Paſſionsſpielen
ſind die zu Oberammergau die bekannteſten. Blättert man in
den alten Texten verſchiedener Paſſionsſpiele, ſo findet man
außer den erwähnten Bewegungen der Hände noch das Zeigen.
Wie ſie auf Jeſum anfangs höhniſch deuten, dann aber
ehr=
furchtsvoll, als wollten ſie ſagen: „Das war doch der Größte‟
Hier haben die Hände der Darſteller Ausdruck zu ſchaffen,
der ſchnell vorübergeht. Was aber der Bildhauer, der
Bild=
ſchnitzer, der Maler geſchaffen hat, bleibt unveränderlich. Es
wundert uns nicht, daß große Künſtler Vorſtudien für
Kar=
freitagshände ausgeführt haben, damit ſie für das endgültige
Kunſtwerk das Entſprechendſte verwenden konnten. Leonardo
da Vinei hat ſolche Handſtudien getrieben. Vom einfachſten
Altar mit dem betenden Jeſus in Gethſemane bis zum großen
Kunſtwerke der Kreuzigung, bis zur Kreuzabnahme und der
ſtillernſten Pietä, überall finden wir Karfreitagshände. Die
ſündigen Hände der Feinde Jeſu treten zurück. Die packende
Hand eines römiſchen Kriegsknechtes (etwa bei der
Verleug=
nung des Petrus) iſt die Hand der nicht grübelnden
Pflicht=
erfüllung. Hier und da zeigt wohl triumphierend eine fanatiſche
Hand ſpöttelnd (Kaſpar Iſenmann, Kolmar) auf den Herrn,
die das „Verhör Jeſu vor Pilatus” dadurch beſchleunigen
möchte.
Häufiger ſind die edlen Karfreitagshände abgebildet. Ein
Idealiſt wie Leſueur hat uns die zarten Hände der heiligen
Veronika gemalt, die ihr Schweißtuch dem leidenden Jeſus
knieend entgegenſtreckt. Die Hände berühren dieſes Tuch kaum,
ſie breiten es auseinander. Nur zaghaft recken ſich dieſe
mit=
fühlenden Hände dem Erlöſer entgegen. Auf Sinkels Bild
„Es iſt vollbracht” heben ſich Marias Hände flehend zum Freuz,
als wollten ſie dem großen Sohne alle Schmerzen lindern, und
Johannes, der an der andern Seite des Kreuzes ſteht, drückt
ſeine Hände gegen ſeine eigenen Schultern, die Arme gekreuzt;
er ſcheint darin ſeinen Herrn und Meiſter bergen zu wollen.
Aehnlich iſt das Mittelbild des Pähler Altars in München.
Bei Raffael erfährt der Gekreuziate Stärkung durch die
hilfs=
bereiten Hände herbeifliegender Engel. Unterm Kreuz ſtehen
und knien Geſtalten, die die Finger verzweiflungsvoll
inein=
ander flechten. Eine Hand iſt ausgebreitet, die innere
Hand=
fläche nach oben, als böte ſie ſich ſelber als Erfatz an. Und
noch zartere Hände bei den Kreuzesabnahmen, ob Rubens oder
Rembrand: oder van der Weyden; immer das Stützende, damit
ſelbſt der Leichnam von ſeiner Laſt befreit ſei. Und all die
Die Forderungen der
Invaliden=
derſichrrung
an die Angeſtellkenverſicherung.
Zu den Ausführungen des Herrn Präſidenten der
Landesver=
ſicherungsanſtalt Heſſen iſt folgendes zu ſagen:
Es iſt richtig, daß man im Jahre 1922 beide Verſicherungen
trennte, um die Doppelverſicherung zu beſeitigen und die
Ange=
ſtellten vollſtändig unabhängig von der Invalidenverſicherung zu
machen. Wenn für die Angeſtellten eine beſondere Verſicherung
vorhanden war, dann war es auch notwendig, daß ihr alle
Ange=
ſtellten angehörten. Daß aber die Angeſtellten beiden
Verſiche=
rungen angehörten, war ein Unding, denn es entſtand ja für ſie
eine doppelte unnötige Beitragszahlung.
Nun wird aber geſagt,daß man der Invalidenverſicherung die
Beitragszahler nahm, die Rentenempfänger aber überließ. Daß
aber dieſe Rentenempfänger vorher ihre Beiträge an die
Inva=
lidenverſicherung zahlten und zur Schaffung des Kapitals
beitru=
gen, habe ich bereits in meinen letzten Ausführungen geſagt.
Fer=
ner iſt von der Invalidenverſicherung nicht geſagt worden, daß die
Invalidenverſicherung für die Verſicherten, die zur
Angeſtelltenver=
ſicherung herüberwechſelten und dort die Anwartſchaft erwarben.
die Grundrente ſpart, wodurch die Angeſtelltenverſicherung
zu=
gunſten der Invalidenverſicherung belaſtet wird. Die Renten
ſetzen ſich nämlich wie folgt zuſammen:
Invalidenrente: Grundbetrag — 240 Mk. (einſchließlich
Reichs=
zuſchuß) zuzüglich Steigerungsbeträge aus den gezahlten
Bei=
trägen.
Rente der Angeſtelltenverſicherung: Grundbetrag 480 RM.
zuzüglich Steigerungsbeträge aus gezahlten Beiträgen.
Wenn ein Verſicherter bei der Angeſtelltenverſicherung Rente
erhält, dann bekommt er den Grundgehalt der
Angeſtelltenver=
ſicherung und die Steigerungsbetrage aus den Beiträgen. War
er noch in der Invalidenverſicherung verſichert, dann erhält er
nur die Steigerungsbeträge aus den Beiträgen der
Invaliden=
verſicherung hinzu, nicht aber den Grundbetrag der
Invaliden=
verſicherung, auch wenn er dort die Anwartſchaft erfüllt hatte. Die
Angeſtelltenverſicherung erhält von der Invalidenverſicherung
vom Grundbetrag keinen Anteil vergütet, ſo daß die
Invaliden=
verſicherung hier eine ganz weſentliche Erleichterung erfahren hat.
Würde die Angeſtelltenverſicherung nach gleichem Rezept
verfah=
ren und würde hier eine Gegenrechnung aufmachen, dann könnte
ſie verlangen, daß die Invalidenverſicherung an den
Grundbeträ=
gen beteiligt wird, weil ja die Verſicherten die Wartezeit
erfüll=
ten. Der Anſpruch der Angeſtelltenverſicherung wäre ein ganz
be=
deutender, da faſt alle Rentenempfänger früher bei der
Invaliden=
verſicherung verſichert waren. Auf Grund dieſer Vorgänge werde
ich dem Ortsausſchuß Darmſtadt der Angeſtelltenverſicherung in
ſeiner Sitzung, die demnächſt ſtattfindet, den Antrag vorlegen:
Die Angeſtelltenverſicherung zu beauftragen, hier genaue
Berech=
nungen anzuſtellen. Zugunſten der Invalidenverſicherung werden
dieſe niemals ausfallen, denn vor 1922 waren ja die Angeſtellten
bis 2000 Mk. Jahreseinkommen ebenfalls bei der
Invalidenver=
ſicherung mitverſichert, bzw. bei beiden Verſicherungen.
Zum Streit über die Zugehörigkeit habe ich bereits in
mei=
nen letzten Ausführungen geſagt, daß die Angeſtellten gar keinen
Wert darauf legen, daß die Angeſtelltenverſicherung Kreiſe
auf=
nimmt, die nicht als Angeſtellte zu betrachten ſind. Die
Ange=
ſtellten wollen eine Sonderverſicherung und keine
Miſchverſiche=
rung und wehren ſich mit allen Mitteln gegen jede Erweiterung
des Kreiſes der Verſicherten. Wenn geſagt wird, daß nur auf
Grund des Berufsverzeichniſſes entſchieden wird, ob jemand zur
Angeſtelltenverſicherung gehört, dann kann ich auf Grund meiner
Tätigkeit als langjähriger Beiſitzer ſagen, daß gerade das
Gegen=
teil der Fall iſt. In jedem einzelnen Falle wird ganz genau
nachgeprüft, ob der Antragſteller auf Grund ſeiner
Beſchäf=
tigung in die Angeſtelltenverſicherung gehört. Man hat ja
ge=
rade aus dieſem Grunde die Spruchbehörden in dieſer Form
be=
ſetzt, weil man wußte, daß die Angeſtellten nur eine
Sonderver=
ſicherung wollen, und weil man wußte, daß ſie dieſen Gedanken
ſelbſt vertreten. Damit fallen aber alle Behauptungen über
Wegnahme invalidenverſicherungspflichtiger Perſonen zur
Ange=
ſtelltenverſicherung in ſich zuſammen, denn ſonſt ware die
Auf=
rechterhaltung der Angeſtelltenverſicherung ſinnlos. Gerade der
Kampf um die Aufrechterhaltung der Angeſtelltenverſicherung als
Sonderverſicherung zeigt dies mit aller Klarheit und Deutlichkeit.
Es erübrigt ſich deshalb, auf die gemachten Behauptungen näher
einzugehen. Nur eine Richtigſtellung noch: Es iſt geſagt worden,
daß die Zahl der Verſicherten 1913 etwa 1,5 Millionen betrug,
zurzeit aber ungefähr 3 Millionen. Dieſer Entwicklungszuſtand
ſei nicht natürlich. Erſtens iſt hier darauf hinzuweiſen, daß jetzt
ebenfalls die Lehrlinge mitverſichert ſind, die 1913 fehlten.
Fer=
ner kann nicht beſtritten werden, daß Angeſtellte zu ihrer
Verſiche=
rung gekommen ſind, zu der ſie eigentlich gehörten, denn im
Jahre 1913 waren ſich ja viele über ihre Zugehörigkeit nicht im
Klaren. Aber wie geſagt, es handelt ſich nur um ſolche
Ange=
ſtellte, die wirklich zur Angeſtelltenverſicherung gehören, und nicht
um andere. Das Berufsgruppenverzeichnis, das aufgeſtellt wurde,
iſt nur auf Grund der Entſcheidungen und der genauen Kenntnis
des Angeſtelltenſtandes aufgeſtellt worden. Eine Erweiterung
ſollte es niemals bringen, und hat es auch nicht gebracht.
Wenn ein Unterſchied bei der Anrechnung der Beiträge auf
die Wartezeiten gemacht wurde, dann liegt dies in der Natur der
Sache, denn die Beiträge der Angeſtelltenverſicherung ſind höher,
weil ſie ja auch für beſſere Leiſtungen gegeben werden. Dieſer
Unterſchied iſt alſo vollſtändig berechtigt. Der Schluß, der aber
daraus gezogen wird, iſt mehr als übertrieben, denn die Warte=
Grablegungen, etwa von Martin Schongauer ein Kupferſtich,
von Raffael ein Gemälde, dann zur Piets hin von der „
Be=
weinung Jeſu” von Fra Bartolommeo bis zu Böcklin. Salbende
Hände, hüllende Hände. Michelangelos Marmorgruppe in der
Peterskirche: die linke Mutterhand ſchwach, aber die rechte unter
die Achſel des toten Sohnes liebreich und behutſam gepreßt.
Auf all dieſen Bildern und Bildwerken die
Karfreitags=
hände Jeſu ſelbſt. Der Beter in Gethſemane flicht die Finger
wirr durcheinander. Es iſt ein Gebet höchſter Verzweiflung.
Die Finger des Kreuztragenden ermatten, etwa bei Schühlein
und in den herrlichen Nürnberger Plaſtiken von Adam Krafft.
Die gebundenen Hände zeigt uns das Ecce=homo=Bild von
Andrea Solario in Mailand. Die Hände mit den Nägeln
ſchmerzverkrampft, bis ſie leblos herabhangen. Beſonders
be=
merkenswert Murillos Bild in Sevilla, das die Viſion des
heiligen Franziskus darſtellt. Der Heilige hebt den Herrn
von Kreuz ab. Die Linke iſt noch feſtgenagelt, aber die Rechte
hat Leben gewonnen, ſie ſchlingt ſich um den Nacken des
frommen Mannes.
So ſpricht eine Fülle menſchlicher Regungen aus den
Kar=
freitagshänden. Auf den Karfreitag folgt der Oſterfonntag, auf
die Karfreitags= folgen die Oſterhände, die ebenfalls eine ſtumme
Sprache reden. Man will den Stein „von des Grabes Tür
fort=
wälzen”, man will „ſalben” Auferſtehung aus der
Grabes=
nacht wollen fürſorgliche Frauenhände, ſanftes Betten wollen
ſie, wenn man einem Toten nun ſchon nichts weiter mehr antun
kann. Wir wollen Oſterhände für unſre Lebenden wirken laſſen
und unſern Toten Auferſtehung erflehen.
— Verein „Freunde der Plaſſenburg” e. V., Kulmbach. Das
Nach=
richtenblatt Januar—März 1931 iſt ſoeben erſchienen. Es enthält auf
der Titelſeite einen Aufruf an die „Freunde der Plaſſenburg”, weiterhin
mitzuarbeiten an den Zielen des Vereins: „Auswertung der
Plaſſenburg für kulturelle Zwecke”. „Sammeln von
Mitteln für Pflege und Verſchönerung der Burg”
Werbung für die Burg und die Heimat‟. Den vom 7.
bis 14. April in Kulmbach tagenden oberrheiniſchen Geologen werden
Begrüßungsworte gewidmet. Maler Michel Weiß=Kulmbach bringt einen
Beitrag aus der Kriegsverwendung der Plaſſenburg: „Fluchtverſuche
aus dem Offiziersgefangenenlager Plaſſenburg”. Schriftſteller Franz
Oskar Schardt=Nürnberg hat eine Studie „Sieg der Fürſtin” (die
mut=
maßliche Geſchichte zweier Bilder auf der Plaſſenburg) und
Heimat=
ſchriftſteller Theodor Vogel=Schweinfurt eine Vogelweiderſkizze „Zu Gaſt
auf der Plaſſenburg” zum Erſtabdruck überlaſſen. Aus Martius: „
Wan=
derungen durch Franken” iſt ein Brief, datiert Kulmbach, den 22. Juni
1793 abgedruckt, der über die damaligen Zuſtände auf der Plaſſenburg
berichtet. Unter „Allgemeine Mitteilungen” findet man eine Fülle von
kleinen Nachrichten aus der Heimatarbeit. Durch Entgegenkommen der
Ver=
waltung des Bayeriſchen Krongutes haben die Vereinsmitglieder
nun=
mehr freien Eintritt in den Schönhof der Plaſſenburg bei Vorweis der
Mitgliedskarte. Auch dieſe Vergünſtigung wird dem Verein hoffentlich
recht viele neue Mitglieder zuführen.
Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 3
zeit bei der Angeſtelltenverſicherung beträgt nur 60
Beitrags=
monate. Die Invalidenverſicherung hat alſo für diejenigen, die
aus der Invalidenverſicherung abwandern, während den
folgen=
den 5 Jahren noch die Renten zu übernehmen. Dieſe Fälle ſind
derart gering, daß man erſtaunt iſt, daß ſie überhaupt erwähnt
werden. Wenn man aber dagegen hält, daß die
Invalidenver=
ſicherung für alle anderen, die nach 5 Jahren Rente erhalten, keine
Grundbeträge mehr zu zahlen hat, dann ergibt ſich hier ein Bild.
das derart zuungunſten der Invalidenverſicherung ausfällt, daß es
beſſer nicht erwähnt würde.
Wenn nun die Invalidenverſicherung auf die Zahlung von 600
Mill. Papiermark im Jahre 1922 hinweiſt, die als Uebergang 4 Jahre
lang gezahlt werden ſollten, dann iſt hierbei darauf aufmerkſam
zu machen, daß eine Goldmark. Ende 1922 — 1750 Papiermark
waren. Die endgültige Abfindung im Jahre 1927
war dafür mehr als reichlich. Seit dieſer Zeit hat ſich
aber nichts geändert. Es iſt auch nicht gelungen, hierfür einen
Beweis zu erbringen, der ſtichhaltig iſt oder durch wirkliche
Zah=
len nachgewieſen wurde. 1927 forderte die Invalidenverſicherung
noch 60 Millionen, heute ſind es 500 Millionen, und weiterhin
jährlich mindeſtens 30 Millionen, die ſich aber noch ſteigern
wer=
den. Es iſt ein krampfhaftes Bemühen um einen Weg zu
fin=
den, der die Invalidenverſicherung aus ihrer Notlage
heraus=
führen ſoll. Welchen Zweck und Sinn hat es aber, auf dieſe
Weiſe andere Verſicherungen ebenfalls dem Abgrund zuzuführen,
ohne daß der Invalidenverſicherung ſogar eine grundlegende
Hilfe gegeben werden kann.
Die Inflation hat die Sparvermögen der Angeſtellten
eben=
falls vernichtet. Die Rücklagen der Angeſtelltenverſicherung ſind
Sparvermögen der Angeſtellten. Soll das Vertrauen der
Ange=
ſtellten wiederum erſchüttert werden?
Hugo Weinberg.
Geſchäftsführer des Gewerkſchaftsbundes der Angeſtellten.
Die Handhabung der Nolverordnung in Heſſen.
Zur Ausführung der Verordnung des Reichspräſidenten vom
28. März 1931 zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen hat
das Heſſiſche Geſamtminiſterium folgenge Beſtimmungen getroffen:
1. Die Anmeldung der öffentlichen politiſchen
Verſammlun=
gen und Aufzüge unter freiem Himmel ſowie der
Laſtwagenfahr=
ten zu politiſchen Zwecken hat innerhalb der üblichen
Dienſtſtun=
den bei den Polizeiämtern und Polizeiverwaltungen zu erfolgen.
In denjenigen Gemeinden, die keine Polizeiämter oder
Polizeiver=
waltungen haben, hat die Anmeldung bei den Kreisämtern zu
er=
folgen. Dabei genügt nicht die allgemeine Angabe der Gemeinde
und des Tages der Veranſtaltung, ſondern es ſind auch die
Stunde der Veranſtaltung, der Verſammlungsraum oder =platz,
bei Aufzügen und Fahrten auch die einzelnen Straßen, die
be=
rührt werden, genau anzugeben. Erſtreckt ſich die
anmeldepflich=
tige Veranſtaltung über mehrere Amtsbezirke, ſo iſt ſie unter
An=
gabe dieſer Tatſache bei jedem einzelnen örtlich zuſtändigen Amte
anzumelden. Es ſei darauf hingewieſen, daß dieſe Anmeldung
nach der Verordnung ſpäteſtens 24 Stunden vorher geſchehen
muß.
2. Die Vorlage von Plakaten und Flugblättern politiſchen
Inhalts (die nach der Verordnung ſämtlich ebenfalls 24 Stunden
vor ihrer Veröffentlichung den Polizeibehörden zur Kenntnis
ge=
bracht werden müſſen) hat ebenfalls bei den Polizeiämtern oder
Polizeiverwaltungen zu erfolgen. In den Gemeinden ohne
Po=
lizeiverwaltungen oder Polizejämter ſind ſie den jeweils
zuſtän=
digen Kreisämtern zur Kenntnisnahme vorzulegen. Zur
Erleich=
terung der techniſchen Abwicklung dieſer Beſtimmung iſt folgende
Beſtimmung getroffen worden: Sollen Plakate und Flugblätter
politiſchen Inhalts in einem größeren Bezirk Heſſens der
Oeffent=
keit zugänglich gemacht werden, dann können ſie auch dem
Landes=
kriminalpolizeiamt zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Dieſe
Vorlage wird durch einen entſprechenden Druckvermerk auf den
einzelnen Plakaten oder Flugblättern kenntlich gemacht. Auch in
anderen Fällen kann die Vorlage bei der zuſtändigen Stelle mit
ideren Genehmigung durch einen entſprechenden Druckvermerk
kenntlich gemacht werden.
3. Die übrigen Beſtimmungen regeln die Zuſtändigkeit für
WVerbote von Verſammlungen, Aufzügen und Laſtwagenfahrten,
Ibzw. ihre Genehmigung unter Auflagen, ferner die Auflöſung
rvon Verſammlungen und Aufzügen, oder die polizeiliche
Beſchlag=
mahme von Plakaten, Flugblättern und Druckſchriften, ſowie die
Auflöſung von Vereinigungen, bzw. den Erlaß von Uniformver=
Goten. Als leitende Beamte des Staates, die neben den
Orga=
men, Einrichtungen und Behörden des Sraates nach der
Verord=
mung gegen Beſchimpfung oder böswillige Verächtlichmachung
be=
ſſonders geſchützt ſind, werden benannt: der Staatspräſident, die
Miniſter, die Vorſtände der Provinzialdirektionen, der
Kreis=
ſämter, der Polizeiämter, des Landeskriminalpolizeiamts und der
Polizeiverwaltungen.
Lie Luſtric-Affäre var dem franzöſiſchen
Stggis=
gerichtshof.
Am Donnerstag nachmittag hat der franzöſiſche Senat unter
wem Vorſitz ſeines Präſidenten Doumer eine Sitzung
abgehal=
den, in der er ſich in ſeiner Eigenſchaft als Staatsgerichtshof
Tonſtituierte, um gemäß einer Entſchließung der Kammer vom
26. März aufgrund der Feſtſtellungen des parlamentariſchen
Un=
terſuchungsausſchuſſes im Falle Ouſtrie gegen Raoul Peret,
Mené Besnard, Gaſton Vidal und Albert Fadre das Verfahren
einzuleiten. Die heutige Sitzung, der weder die Angeklagten
rioch deren Rechtsvertreter und keine Regierungsvertreter
bei=
tvohnten, trug rein formalen Charakter.
Die Erklärungen, die der öſterreichiſche Außenminiſter Schober
vor Vertretern der ausländiſchen Preſſe in Wien abgegeben hat,
decken ſich im allgemeinen auch mit der Berliner Auffaſſung über
die mit der Zollunion zuſammenhängenden Fragen. Was den von
Schober erwähnten bevorſtehenden Vertragsabſchluß
Oeſterreichs mit Ungarn angeht, ſo iſt dazu zu bemerken,
daß es ſich hier um einen Regionalvertrag auf der
Grundlage von Vorzugszöllen handelt. Angeſichts des
Deutschlands Außenhande!
mit den Staaten der geplanten Zollunion
*Deutschland
zu erwartenden Abſchluſſes der Zollunion hat natürlich auch
Deutſchland ein unmittelbares Intereſſe an dieſem
Vertragsab=
ſchluß, ebenſo wie an den Verhandlungen, die Oeſterreich
zurzeit mit Südſlawien führt. Es iſt daher anzunehmen, daß
beidieſen Verhandlungenauch Berliner Wünſche
in dem erforderlichen Maße berückſichtigt worden ſind oder
werden. Nebenher laufen zurzeit auch die ſchon ſeit längerem in
Gang befindlichen deutſch=rumäniſchen
Handelsver=
tragsverhandlungen in Wien, die nach Auskunft von
zuſtändiger deutſcher Stelle bis vor kurzem noch recht günſtig
ſtan=
den. Da die Rumänen ziemlich weitgehende Forderungen in bezug
auf die Einfuhr landwirtſchaftlicher Erzeugniſſe ſtellen, ſind vom
Miniſterialdirektor Poſſe entſprechende Gegenforderungen
ge=
ſtellt worden, wobei allerdings zu berückſichtigen iſt, daß Rumänien
durch ſeine internationalen Verpflichtungen, insbeſondere Amerika
und Frankreich gegenüber, hinſichtlich der Einfuhr von
Induſtrie=
erzeugniſſen ſtark gebunden iſt. Da aber die ſonſtigen
Verhand=
lungen durchaus in gutem Fluß ſind, dürfte eine günſtige
Rück=
wirkung auf die Wiener deutſch=rumäniſchen Verhandlungen
vor=
ausſichtlich nicht ausbleiben.
Zeine gemeinſame Aktion der Allierken.
Paris, 2. April.
Die reſervierte Haltung Italiens gegenüber dem
deutſch=
öſterreichiſchen Zollabkommen hat in der franzöſiſchen Preſſe
lebhafte Verſtimmung hervorgerufen. Dieſer Verſtimmung gibt
das „Oeuvre” Ausdruck, das behauptet, Muſſolini habe eben
erſt die Meiſtbegünſtigungsverträge zum Scheitern gebracht,
wel=
che die Tſchechoſlowakei, Jugoſlawien und Rumänien
Oeſter=
reich angeboten hatten, oblvohl man den Italienern verſprochen
habe, den ganzen Donauverkehr nach Fiume zu leiten. — Das
Journal” fragt ſich, ob Italien durch dieſe Haltung neue
fran=
zöſiſche Zugeſtändniſſe in der Flottenfrage herauszuſchlagen
hoffe. Was dieſes Blatt beſonders beunruhigt, iſt die Tatſache,
daß auch England und Frankreich durchaus nicht
einig über die Schritzte ſeien, die ſie in der
Frage der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion
zu unternehmen gedenken.
Briands neueſtes Manöver gegen die Zoſlunion.
Bisher war noch immer die Frage offen, was Briand nach
dem Scheitern des Verſuches, Henderſon zu einer gemeinſamen
engliſch=franzöſiſchen Aktion gegen die deutſch=öſterreichiſche
Zoll=
union zu bewegen, zu unternehmen beabſichtigte. Nach dem ſtets
gut unterrichteten diplomatiſchen Korreſpondenten des „Daily
Te=
legraph” iſt damit zu rechnen, daß der franzöſiſche Außenminiſter
dem Völkerbundsrat, ſowie natürlich auch Deutſchland und
Oeſter=
reich, einen umfangreichen Gegenvorſchlag unterbreiten werde.
Dieſer Vorſchlag ſoll eine Erweiterung der Zollunion auch auf
andere Länder vorſehen, und zwar etwa in der Weiſe, daß außer
Deutſchland und Oeſterreich noch andere Staaten zuſammen mit
Frankreich eine Zollunion bilden ſollten. Da Deutſchland und
Oeſterreich erklärt hätten, daß ſie auch mit anderen Staaten
Zoll=
unionen abſchließen wollten, ſo würden ſie ihre ehrlichen Abſichten
dadurch zu beweiſen haben, daß ſie den Briandſchen Plan
an=
nähmen.
Herr Briand ſcheint nach den letzten Meldungen, die aus
Paris und zum Teil auf dem Umwege über London kommen, ſeine
Taktik plötzlich geändert zu haben. Was im einzelnen geſpielt wird,
weiß man auch an den Berliner amtlichen Stellen noch nicht. Sie
lehnen daher auch jede Aeußerung ab, bis ſie feſtere Unterlagen
beſitzen. Es liegt aber nahe, daß Briand zu der Feſtigkeit der
eng=
liſchen Unterſtützung kein rechtes Zutrauen hat. Er fürchtet, im
ent=
ſcheidenden Augenblick iſoliert zu bleiben, wenn er ſich mit dem
engliſchen Vorſtoß vor dem Rat begnügt. Deshalb der
Vor=
ſchlag, die Verhandlungenüber ein Zollbündnis
nicht auf Deutſchland und Oeſterreich zu
be=
ſchränken ſondern die übrigen europäiſchen
Staaten hinzuziehen, im Grunde alſo nur eine
Aufwärmung des alten paneuropäiſchen
Wirt=
ſchaftsplanes unter franzöſiſcher Führung und
Aufſicht. Briand hat damit einen Vorwand gefunden, daß er
ja gar nicht daran denke, die deutſch=öſterreichiſchen Abſichten kaputt
zu ſchlagen, ſondern daß er ſie nur erweitern wolle. Daß praktiſch
ſein Vorſchlag auf eine Zerſchlagung hinausläuft, weiß natürlich
Herr Briand genau. Das beweiſen auch die Erfahrungen, die in
den letzten Jahren mit den Verſuchen einer wirtſchaftlichen
Ver=
ſtändigung Europas gemacht worden ſind, und die alle
ſcheiter=
ten, weil insbeſondere Frankreich damit politiſche Ziele erreichen
wollte. Aus dieſem Grunde iſt es angebracht, derartige „
Anre=
gungen”, falls ſie tatſächlich aus Paris kommen ſollten, ganz
ent=
ſchieden abzulehnen. Schließlich kann ja Deutſchland in ſeinem
eigenen Hauſe machen, was es will, alſo auch einladen, wen es
will. Frankreich war, ſoweit wir wiſſen, nicht zur Teilnahme an
der Zollunion eingeladen. Ungebetene Gäſte kommen meiſt nicht
mit ehrlichen Abſichten. Deutſchland hat auch keine Veranlaſſung,
dieſe Einladung nachträglich an Frankreich ergehen zu laſſen.
Soll=
ten die Franzoſen aber trotzdem ihre mißtrauiſchen Verſuche, ſich
an den Verhandlungstiſch zu ſetzen, nicht aufgeben, dann muß
ihnen mit aller Deutlichkeit geſagt werden, daß die Zollunion
ſo=
zuſagen eine Familienangelegenheit iſt, die nur Deutſchland und
Oeſterreich was angeht. Vor allem aber wird man ſich in
Frank=
reich ſo langſam wieder daran gewöhnen müſſen, daß auch in
Europa eine Suppe gekocht wird, ohne daß gleich der Franzoſe
ſeine Naſe im Topf hat. Auf keinen Fall vertragen die
deutſch=
öſterreichiſchen Verhandlungen einen weiteren Aufſchub. Noch
weniger kann man Herrn Briand den Gefallen tun, den einzigen
Vorteil, der ſchon in der deutſch=öſterreichiſchen Verſtändigung
liegt, aufzugeben. Herr Briand irrt ſich, wenn er glaubt, daß
wir den Spatz in der Hand fliegen laſſen würden, ſobald er uns
eine Taube in Europa zeigt.
Hiſtoriſche Feſtſtellungen über die Tragödie Chriſti.
Wie lautete das Todesurteil? — Der Wortlaut
wurch einen ungewöhnlichen Umſtand erhalten.
Die ſechs Anſchuldigungen gegen Chriſtus.
Der Tag der Kreuzigung.
Der Geſchichtswiſſenſchaft iſt es in letzter Zeit gelungen,
ſäber die Tragödie des erſten Karfreitags einige bemerkenswerte
und eingehende Feſtſtellungen zu machen, ſoweit wiſſenſchaftliche
Methoden dazu verwendet werden konnten. Auch der Zufall kam
dabei zur Hilfe, denn ein einzigartiger Fund ermöglichte es, den
AVortlaut des Todesurteils gegen Chriſtus kennen zu lernen. Aus
Aufzeichnungen, die ſich auf einer Erzplatte in der Kapelle von
SSaſerta befinden, kann man entnehmen, daß das Todesurteil
Bamals auf dieſe Weiſe ſchriftlich firiert worden iſt, um dem
ganzen Lande mitgeteilt werden zu können. Welche juriſtiſchen
Formalitäten für dieſen Brauch, das Todesurteil auf einer
Erz=
platte einzugraben, maßgebend waren, iſt nicht bekannt. Es
lwnnte auch bisher noch nicht feſtgeſtellt werden, ob dieſe Platte
von Caſerta, die ſeit mindeſtens 1000 Jahren bekannt iſt, eine
Fälſchung darſtellt oder nicht. Die Tatſache, daß ſie nicht in
Saläſtina entdeckt wurde, ſondern in Italien, ſpricht nicht gegen
die Echtheit, denn es iſt ſehr wohl möglich, daß ſie auf irgendeine
Leiſe zu Schiff nach Italien transportiert worden iſt. Das
Irteil, deſſen Kenntnis gerade heute am Karfreitag von
beſon=
derem Intereſſe ſein dürfte, lautet nach dem Inhalt der Erzplatte
ungefähr folgendermaßen:
Pontius Pilatus, der Landpfleger von Nieder=Galiläa hat
über Jeſus von Nazareth das Urteil gefällt, daß er den
Kreu=
z’Stod erleiden ſoll, und zwar wurde das Urteil geſprochen
im 17. Jahr der Regierungedes Kaiſers Thebärius in der
Stadt Jeruſalem als Anas und Kaifas hohe Prieſter waren.
Das Urteil ſtützt ſich auf die Ausſagen von Zeugen des
Vol=
kes, die dahin gehen: erſtens Jeſus iſt ein Verräter, zweitens
ein Aufwiegler, drittens er iſt ein Feind der Geſetze, viertens,
er maßt ſich den Titel Gottesſohn an, fünftens er nennt ſich
zu Unrecht König von Iſrael, ſechſtens er hat den Tempel
zu Unrecht betreten.
Pontius Pilatus befiehlt auf dem Stuhl des Pretos dem
Centurio Quirinus Cornelius Jeſus von Nazareth zum
Richtplatz zu führen und weder arm noch reich darf ihn daran
hindern. Es werden vier Zeugen aufgeführt, die beim
Ur=
teilsſpruch mitgewirkt haben.
Sie Namen ſind nicht mehr gut leſerlich. Aber man kann ſo viel
(ukennen, daß einer der Unterzeichneten ein Schriftführer iſt. Auch
das Tor, durch das Jeſus aus Jeruſalem hinausgeführt werden
ſoll, um den Kreuzigungstod zu erleiden, wird genau bezeichnet.
Die Kreuzigung fand, wie wir heut mit größter Genauigkeit
wiſſen, am 7. April des Jahres 30 ſtatt. Prof. Dr. Oswald Gerhardt
hat auf Grund von aſtronomiſchen Feſtſtellungen errechnet, wann
der 15. Niſan des Oſterfeſtes der Juden auf einen Freitag fiel.
Am Nachmittag des Paſſahbeginnes, der auf den 11. Niſan fällt,
begann Jeſus mit ſeinen Jüngern das Paſſahmahl, und am
nächſten Tage wurde er hingerichtet. Es wurde nun auf
aſtrono=
miſche Weiſe beſtimmt, wann in den Jahren von 29 bis 33, die
für die Hinrichtung Chriſtis in Betracht kommen, der 15. Niſan
auf einen Freitag fiel. Es mußte zu dieſem Zweck feſtgeſtellt
jverden, wann ſich zum erſten Male nach dem Neumond die junge
Mondſichel in der Abenddämmerung des geſchichtlichen Monats
Niſan ſo zeigte, daß der 15. Tag ein Freitag war. Mit großen
Schwierigkeiten konnte der Tag genau aſtronomiſch beftimmt
werden, wie Prof. Gerhardt in „Forſchungen und Fortſchritte‟
mitteilte, ſo daß man heute über das Datum des erſten
Karfrei=
tags völlig im klaren iſt.
Die Fähigkeit zu künſtleriſcher Geſtaltung des textilen Materiales,
zur Belebung, zur ſinnvollen Differenzierung, Gliederung und
Bereiche=
rung der Stoffe durch beſtändige Bearbeitung nimmt in der Frauenwelt
nicht ab. ſondern zu. Dieſe Feſtſtellung, — die zugleich eine wichtige
Rechtfertigung der neuzeitlichen Stickerei=Kunſt bedeutet, — läßt ſich bei
einem Ueberblick über die vielgeſtaltigen Arbeiten machen, die im
reich=
illuſtrierten Aprilheft der anregenden Frauen=Kunſtzeitſchrift „Stickereien
und Spitzen” geboten werden. (Verlagsanſtalt Alexander Koch=
Darm=
ſtadt. Einzelheft mit zirka 30 großen Abbildungen 2 Mk.). Da iſt eine
zart und fromm geſtickte „Madonna” (Maria Nepvert=Boehland) mit
ſchimmerndem Strahlenkranz, — nicht „Kunſtgewerbe”, ſondern echtes
Werk. Da ſind vortreffliche Handarbeiten. Kinderkleider. Tülldurchzug
uſſo. der „Württembergiſchen Frauenarbeitsſchulen‟. Da ſind elegant
geſtaltete Seidenkiſſen (Mathilde Flögl. Hilde Koops, Editha Klein=
Köppen, Martha Büchner, Gertrud Schütz u. a. m.), bei denen der
charakterbolle Ausdruck teils durch beſtimmte Flächen=Proportionierung,
teils durch motiviſche Darſtellung geſucht wird. Da ſind beſtickte
Leinen=
decken (Käte Brandt=Elkiſch), neue Klöppelſpitzen (Leni Matthaei),
hand=
geſvebte Teppiche zu modernen Möbeln (Ludwia Kozma), Tüll=, Voile=,
Weiß= und Bunt=Stickereien (Käte Louiſe Roſenſtock. Hilde Koon3.
Mau=
garete Kreutzer, Suſanne Kodges=Budapeſt u. a.). Alle dieſe
Meiſterin=
nen der Stickereikunſt, alle dieſe ſchaffenden Kräfte laſſen durch die Art
ihrer Arbeit erkennen, daß ſie mit den formenden, aufbauenden, ta
fäch=
lich vorwärtsſtrebenden Energien unſerer Zeit im Zuſammenhange
ſtehen, — es ſind Menſchen, kür die es Leerlauf und Langeweile nicht
gibt, ſie ſchreiten in ihrer Arbeit rüſtig voran, von Tag zu Tag. Und
wer dem Leſerkreis dieſer anregenden Kumſtzeitſchrift „Stickereien und
Spitzen” angehört, dem iſt es ermöglicht, in fruchtbare Beziebung zu
treten mit dieſen ſchaffenden Kräften.
Berlin: Zum Honorarprofeſſor an der Techniſchen Hochſchule iſt
der Leiter eines Forſchungsinſtitutes der A.E.G. in Berlin, Prof. Dr.
Karl Ramſauer ernannt worden.
Bauriſche Kunſtgeſchichte, 2 Bde., bei Knorr u. Hirth, G. m. b. H.,
in München. Bd. 1 „Altbayern und Schwaben” von Prof. Dr. Hans
Karlinger, geb. 6.—, Leinen 7.50 Mk. Bd. 2 „Franken und die Pfalz”
von Dr. J. M. Ritz, geh. 6.50, Leinen 8.— Mk.
Im Nahmen der Sammlung „Bahriſche Heimatbücher” behandeln
die vorgenannten 2 Bände die Kunſtgeſchichte Baherns (der Titel der
Bände, iſt nicht wörtlich zu nehmen, es handelt ſich natürlich um eine
deutſche Kunſtgeſehichte, dargeſtellt an den Formen, die Bayern bietet).
Wohl kaum eine Landſchaft enthält eine ſolche Fülle lebender
Denk=
mäler der Vergangenheit, wie gerade Bayern. Es iſt dies leicht
erklär=
lich, da ein großer Teil Baheuns nicht Kriegsſchauplatz des 30jährigen
Krieges war und auch nicht den Fanatismus dieſer Zeit zu ſpüren
be=
kam, da es vom Religionswechſel verſchont blieb. Außerdem iſt die
Inſammenſetzung der Bevölkerung für die Entwicklung einer
verbrei=
teten Kultur außerordentlich günſtig, denn es kannte, wie ganz
Süd=
deutſchland, ſchon im 15. Jahrhundert keine Hörigkeit mehr; es war
freies Bauernland, das mit zahlreichen Städtchen durchſetzt iſt, von
denen jedes die Entwicklung der großen Kulturzentren mitzumachen
be=
ftrebt war. Daher finden wir auf dem flachen Lande ſo unendlich viele
ſehr gute Denkmäler dergangener Zeiten, die uns hier namhaft gemacht
und in vorzüglichen Bildern ge eigt werden. So ſind, dieſe beiden
Bände, deren glänzende Ausſtattung beſonders hervorzuheben iſt, für
den Liebhaber der Kunſt ein ſchöner Wegweiſer durch Süddeutſchland.
Der 1. Band behandelt Altbayern und Schwaben. Es ſind hier drei
Kulturzentren, die ihren Einfluß auf die Kunſt dieſer Landſchaft
fühl=
bar machen. Die alte Reichsſtadt Regensburg hatte im frühen
Mittel=
alter die Führung in kulturellen Dingen in ganz Süddeutſchland, ihr
zur Seite ſtand nicht weniger einflußreich, beſonders ſpäter zur Zeit
Kaiſer Maximilians, die Biſchofsſtadt Augsburg. Salzburg beeinflußte
hauptſächlich Niederbayern, das dadurch noch heute eine ſo ſtarke eigene
Note hat, daß ſie jedem Reiſenden leicht in die Augen fallen wird.
Ar=
chitektur. Malerei und bildende Kunſt der verſchiedenen Epochen werden
in einzelnen Kapiteln beſchrieben und in zahlreichen Bildern dargeſtellt
(92 faſt durchweg ganzſeitige Bilder auf 232 Seiten). Ich möchte nur
Namen wie Altdorfer, Burkmaier, Holbein d. Ae. und Aſam nennen,
um die Fruchtbarkeit der Landſchaft darzutnn.
Der 2. Band (210 Seiten mit 109 Bildern) behandelt Franken und
die Pfalz, uns durch die Nähe ſchon bekannter. Im frühen Mittelalter
hatte hier die Biſchofsſtadt Bamberg zweifellos die Führung inne. Im
hohen Mittelalter ging ſie an die Bürgerſchaft der Städte über,
beſon=
ders Nürnberg; aber auch Nothenburg und zahlreiche andere, die heute
noch in alter Form erhalten ſind, gewähren uns einen guten Einblick
in die Baukultur, der damaligen Zeit. Im 17. und 18. Jahrhundert
führte Würzburg, deren bauliebende Biſchöfe, die zeitweiſe auch den
Bamberger Stuhl inne hatten (Schönborn), der ganzen Landſchaft ihren
Stempel aufzudrücken berſtanden, die ja aber auch die hervorragendſten
Architekten dieſer Zeit, die Dientzenhofers und B. Neumann in ihren
Dr. E=
Dienſten hatten.
Seite 4
Freitag, den 3. April 1931
Nummer 93
Ein geſundes Töchterchen
angekfommen
Martin u. Aenne Hatzenberger
geb. Neßling
Arbeilgen, 2. April 1931.
Die Hebamme Katharina Ritſert.
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1931
Ueberraſcht und erfreut über ſo viele
herzliche Liebe und Verehrung iſt es
uns leider nicht möglich, jedem
Ein=
zelnen unſeren aufrichtigen und
ehr=
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einzuſehen und ſagen auf dieſem
Wege Allen Dank, die an unſerem
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De
heute morgen im Alter von 84 Jahren zu ſich in ſein
himmliches Reich au zunehmen.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Düball Witwe, geb. Hof.
Darmſitadt, den 2. April 1931.
Mauerſr. 28.
(5359
Die Beerdigung findet am Samstag, den 4 April 1931,
vormittags 12 Uhr, vom Portal des Friedhofs an der
Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſiatt.
Für die vielen Beweiſe herzlichſier
Anteil=
nahme beim Heimgange unſeres lieben
Entſchlafenen ſagen wir hiermit Allen,
insbeſondere dem Herrn Pfarrer Weiß für
ſeine troſireichen Worte am Grabe und
Herrn Dr. Bernei für ſeine liebevolle Pflege
(5360
unſeren herzlichſien Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Wwe. Sophie Roth, geb. Klier
und Familie.
Dankſagung.
Für die überaus warme Anteilnahme und
die zahlreichen Blumenſpenden bei dem
Ableben unſeres lieben Vaters, ſagen
herzlichen Dank.
Geſchwiſiter Koch.
Darmſtadt, den 2. April 1931.
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Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 5.
Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, den 3. April 1931.
* Vom ernſteſten aller Sinnkage.
Jedes wahre Feier=Erlebnis gipfelt im Sinn=Erlebnis.
Zu dem ernſteſten aber führt der Karfreitag mit ſeinem
ragen=
den Kreuze.
Wie verblaßt gegen dieſes Erlebnis alle Zweckhaftigkeit der
Welt! Der Zweck iſt auf den äußeren Erfolg aus: der Sinn aber
will das Element der Wirkung. Wie ſagt ein Großer unſeres
Vol=
kes: „An meinen Schickſalen liegt nichts, an der Wirkung meines
Lebens aber alles!“
So dachte auch Jeſus.
Auf daß ſein Leben zur Vollwirkung in die fernſte Zeit
ge=
lange, darum wollte er in heldiſcher Folgerichtigkeit durch das
Tiefſte und Schwerſte gehen. Seine Sehnſucht war ein Beiſpiel
des wahrhaften Tatmenſchen zu geben, des echten Opferweſens. —
Von ſolchem Standpunkte aus lernen wir auch die
Ariſtokra=
tie dieſes Tages zu erfaſſen. Wo alleweg das Weſen Jeſu ſich
offenbarte immer trug es den Stempel der echten, inneren Hoheit.
Wo Göttliches dem Leben ſich bietet, bleibt es im Ringe der
Vor=
nehmheit.
So iſt der ganze Leidensweg Chriſti der eines Adelsmenſchen.
Je tiefer die Leidkurve ſinkt, je größer erſcheint der große Leidende
von Golgatha. Immer bleibt er in der Liebe und immer in der
Verbundenheit mit der höheren Welt. Hiermit gewinnen wir den
Kern aller Leidüberwindung und ihrer ſegnenden Erfahrung.
Nur wer mit dem „Vater”, alſo mit dem ewigen Poſitiven,
mit der ſchöpferiſchen Jenſeitigkeit verbunden bleibt, geht groß
durch das Leid und leidet es ſich zum Segen. Nur wer aus Gott
lebt, vermag das Schwerſte des Erdendaſeins im Zeichen inneren
Sieges zu ertragen.
Blüht uns nicht ſelbſt am ernſteſten der Sinntage das ewig
ſchöpferiſche Geſetz der Polarität ans Herz? Erfaſſen wir, wenn
wir recht zu erfaſſen wiſſen, es nicht gerade an dieſem Tage, in
ſeiner unendlichen Grundwertigkeit? Nur wer verſteht, der außeren
Nacht das innere Licht, der äußeren Hölle das innere Paradies
entgegenzuſetzen, bleibt im Gleichgewicht des adlig=heldiſchen
Men=
ſchen. Und andere Gedanken ſtrömen auf aus der unerhörten Sinn=
Predigt des Karfreitags:
Eines jeden Menſchen Geſchichte hat, wie die Weltgeſchichte,
zwei Seiten: eine ſichtbare und eine unſichtbare, eine in äußerer
Wirklichkeit ſich darſtellende und eine in innerer Wirklichkeit ſich
offenbarende, eine körperhafte und eine unſinnliche, ins
Uner=
forſchliche ragende. Und die Reich=Gottes=Geſchichte unſeres
ver=
ſönlichen Lebens, wie auch die der Nation hat oft ihren höchſten
Gnadenpunkt im tiefſten Tiefpunkte des äußeren Geſchehens.
So wuchtet Golgatha zum herrlich troſt= und deutungsreichen
Symbole auf.
Aber wie kommt es darauf an, daß wir die wahrhaft
Leben=
digen bleiben und die an das Göttliche Geknüpften!
Und nur vom Stundpunkt ſolcher Anſchauungen aus gewinnt
auch das Opfer ſeinen tiefſten Sinn und ſeinen höchſten, reinſten
Glanz, und das Herz iſt unbezwingbar im Glauben, daß
irgend=
wann und irgendwie auf Karfreitag Oſtern folgen muß!
So iſt auch für uns Zeit=Geſchlagenen als Volk die Gewißheit
vorhanden: Aus dem Karfreitagsvolke wird ein Oſtervolk
wer=
den! Freilich müſſen wir unſer Teil dazu tun! — —
Und noch ein anderer Gedanke, eng mit dem dargebotenen
verwandt, möchte aus der Karfreitags=Sinnpredigt uns etwas
ſagen. Es iſt der Gedanke vom Standpunktvertreten. Alleweil iſt
es ſo, daß es weniger darauf ankommt, daß wir unſern
Stand=
punkt vertreten, ſondern wie wir ihn vertreten! Und darin
bleibt der große Nazarener unübertrefflicher Meiſter: Treu ſich
ſelbſt und ſeiner ihm von Gott geſtellten Aufgabe, immer und
immer lichte, ewigkeitsſtarke Unbeirrbarkeit, immer hoheitsvolle
Güte, immer der aus Gottverbundenheit Adlig=Ragende! Mutig
zum Opfer, was auch komme!
Die Tat bleibt alles, die Tat aus Liebe!
Führen wir ein Standpunkt=Leben in ſeiner Nachfolge, wo
wir ſtehen mögen! So wird die Wirkung unſeres Lebens nicht
ausbleiben!
R. B.
* Jubiläum im Hauſe Wittich. In der L. C. Wittichſchen
Hofbuchdruckerei (Darmſtädter Tagblatt) feierte wiederum ein
Angeſtellter das Jubiläum ſeiner 25jährigen Tätigkeit, nämlich
der Hauptkaſſe=Buchhalter Adam Fleiſchmann. Im
Konfe=
renzſaal des Verlages fand am Vormittag aus Anlaß des
Jubi=
läums eine Feier ſtatt, zu der die Inhaber der Firma, die
Kolle=
gen des Jubilars und die Mitglieder der Redaktion eingeladen
und erſchienen waren. Im Namen der Firma ſprach Herr R. L.
Wittich dem Jubilar die herzlichſten Glückwünſche aus. In der
Anſprache wurden beſonders der Pflichteifer, die Treue und die
Zuverläſſigkeit des Gefeierten gebührend hervorgehoben. Im
Auf=
trage der Kollegenſchaft ſprach Buchhalter Fr. Wagner dem
Jubilar ebenſo herzlich Glückwünſche aus und überwies auch die
Jubiläums=Ehrengaben der Kollegen. Außer dieſen Geſchenken
wurden Herrn Fleiſchmann zahlreiche Blumenſpenden und eine
künſtleriſche Glückwunſchadreſſe, von ſämtlichen Angeſtellten der
Firma unterſchrieben, überreicht. In längerer Rede ſprach der
Jubilar herzlichſten Dank aus für die Glückwünſche und Geſchenke,
unterſtrich das ausgezeichnete Vertrauensverhältnis, das immer
zwiſchen den Angeſtellten und Firmeninhabern im Hauſe
L. C. Wittich geherrſcht hat, und die freudige Genugtuung
darüber, daß es ihm vergönnt war, an verantwortlicher Stelle
die ſtete Aufwärtsentwicklung der Firma im Laufe des letzten
Vierteljahrhunderts mitzuerleben. — Zahlreiche Glückwünſche, auch
von außerhalb der Firma, wurden dem Jubilar zuteil.
— Der goldene Ring des Studentenwerkes wurde, wie wir
erfahren, u. a. auch an Herrn Prof. Dr W. Schlink=
Darm=
ſtadt als langjährigem verdienten Vorſitzenden verliehen. Der
goldene Ring des Studentenwerkes wurde von der Techniſchen
Hochſchule Dresden „als Zeichen des Dankes und der
Anerken=
nung, die die deutſchen Hochſchulen dem Wirken des
Studenten=
werkes ſchulden, geſtiftet.
— Hohes Alter. Der durch ſeine alltäglichen Spaziergänge
in nächſter Umgebung hieſiger Stadt wohlbekannte Photograph
Herr Joſef Magnus, Karlſtraße 52, vollendet in voller
Rüſtig=
keit und Geſundheit am Oſterſonntag ſein 89. Lebensjahr.
Glück=
auf zum 90. Geburtstag!
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen pötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu
rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind an den
Feier=
tagen folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Am
Kar=
freitag, den 3. April: Dr. med. Buchhold II., Aliceſtr. 19½,
Telephon 3208; Dr. med. Hein, Hermannſtr. 25, Telephon 281;
Dr. med. Stern II., Ludwigspl. 6, Telephon 2587. Am
Oſter=
ſonntag, den 5. April: Dr. med. Holzmann,
Schwanen=
ſtraße 73, Telephon 22; Dr. med. Weyell, Hölgesſtr. 16,
Tele=
phon 253; Frau Dr. med. Dörr=Aſal, Heinrichſtraße 62,
Telephon 3448. Am Oſtermontag, den 6. April: Dr. med.
Draudt, Heinrichſtr. 17. Telephon 2520; Dr. med. Kautzſch,
Riedeſelſtr. 37, Telephon 880; Dr. med. Rühl, Dieburgerſtr. 5,
Telephon 4300.
Nachtd enſt während der Oſterfeiertage: Vom 2. April
abends bis 4 April vorm.: die Löwenapotheke, Ballonplatz 11,
Adlerapotheke, Wilhelminenplatz 17, Hirſchapoiheke, Nieder=
Sſtamſtädterſtraße 21. Vom 4. April abends bis 11. April vorm.
Die Merck’ſche Apoiheke, Rheinſtraße 9, Beſſunger Apo=
Theke, Witmannſtraße 1.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an=
Fchließenden Woche am 3. April die Löwen=Apotheke, Ballon=
Slatz 11, Adlerapoiheke, Wilhelminenplatz 17, Hirſchapotheke,
Mieder=Ramſtädterſtr. Am 5. April die Merk’ſche Apotheke,
Biheinſtr. 9, Beſſunger Aootheke, Wittmannſtr. 1 Vom 6. bis
l. April die Merck’ſche Apoiheke, Rheinſtr. 9, Beſſunger
Apotheke, Wiitmannſtraße 1.
Dollbracht!
EPH. Was das Schwerſte iſt im Leben?
Zweifellos das Sterben! Es iſt das Ergebnis
des Lebens, ſeine Summe. Mancher, der leicht
gelebt hat, ſtirbt ſehr ſchwer, und mancher,
der ſchwer gelebt hat, ſtirbt ſehr leicht. Wer
ſchon viele hat ſterben ſehen, weiß, daß das
Sterben das Meiſterſtück iſt, das wir zu
voll=
bringen haben.
Wer könnte ſagen im Blick auf ſein Leben:
es iſt vollbracht! Wer ſieht mit wirklicher
Klarheit, was er will, nein, was er ſoll im
Leben? Und wer kann ſagen, daß er das Ziel
des Lebens auch wirklich erreicht hat, wenn
er die Augen ſchließt? Faſt ſcheint es bei
Menſchen unmöglich!
Daſtirbteiner am Kreuz!
Schwei=
gend, ſchwer, ſchwarz ſteht die Welt rings um
ihn! Sie hat ihn ausgeſtoßen, verleugnet,
ver=
raten, gekreuzigt. Sie fürchtet ſich vor ihm,
vor ſeiner Größe, ſeinem unerbittlichen Ernſt.
Sie kann ihn nicht mehr ertragen. Die Welt
des Böſen und der Sünde! Und er ſtirbt,
unter Qualen, zwiſchen Himmel und Erde.
Aber über ſeine Lippen kommt es ſieghaft:
Es iſt vollbracht!
Und in der Tat! Sein Sterben iſt die
Vollendung ſeines Lebens, die
Vollen=
dung ſeiner Liebe! Was hat er
an=
ders gewollt im Leben, als das Reich der
Liebe bauen! Das Reich ſeines Gottes, der
die Liebe iſt! Und welche höhere Vollendung
der Liebe gäbe es, als die, daß ſie für die
andern leidet und ſtirbt? Obwohl er hätte
mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz!
Die Liebe, die er gelebt hat, führt er zur
Vollendung in ſeinem Sterben! Seitdem ſteht
das Kreuz unter uns als Inbegriff des
Hei=
ligen. Golgatha als der Berg, von dem
unab=
läſſig die Liebe rinnt in unſer armes,
liebe=
leeres Leben! Tropfen um Tropfen, ſeit
zwei=
tauſend Jahren! Und jeder einzelne wird zu
einer Quelle, aus der die Menſchheit die Liebe
ſchöpft, von der ſie lebt; das Waſſer, das ſie vor dem Verdurſten
ſchützt in der Sandwüfte des Egoismus!
Von dorther allein kommt die Erlöſung von der Not
unſeres Lebens, von der Not unſeres Volkes! Denn alle Not,
alle Sünde iſt das Eine: das Leerſein von Liebe! Als er ſtarb,
hat er die Sünde beſiegt! Sein Kreuz iſt die Erlöſung! Mit
Chriſtus am Kreuz
von Pier Francesco Sacchi.
heiligem Erſchauern und innerſtem Ergriffenſein, aber auch mit
gläubigem Vertrauen und ſeligem Hoffen hören wir das Wort,
das aus ſeinem Munde vom Kreuze her zu uns ſpricht: „Es iſt
vollbrächt!“
Karfreitagsſtille! Karfreitagsernſt! Karfreitagsglaube!
Dr. Bergér, Darmſtadt.
Kunftausſtelung Darmftadt 1231 Makhldenhöhe.
Aus Anlaß der im September 1931 in Darmſtadt
ſtattfinden=
den Jahrestagung des Reichsverbands bildender Künſtler
Deutſch=
lands wird unter Leitung der Neuen Heſſiſchen
Arbeitsgemein=
ſchaft für bildende Kunſt vom 2. Auguſt bis Ende September eine
Kunſtausſtellung der heſſiſchen Künſtlerverbände auf der
Mathil=
denhöhe in Darmſtadt ſtattfinden.
Zugelaſſen ſind alle im Volksſtaat Heſſen lebenden Künſtler,
unter Jury, ohne Frachtentſchädigung. Außerhalb Heſſens
woh=
nende Künſtler ſind nur dann zur Teilnahme berechtigt, wenn ſie
Mitglieder heſſiſcher Künſtlerverbände und juryfrei eingeladen
ſind.
Die Verbände ſind benachrichtigt. Anmeldebogen für
Ver=
bandloſe ſind im Stadthaus, Rheinſtraße, Zimmer 20, erhältlich.
Termin für Beſchickung zur Mathildenhöhe vom 1. bis 8. Juli;
v.HI.
für Anmeldebogen bis 1. Juni an die Geſchäftsſtelle.
Dre Tternanier
unſeres Blattes erſcheint bereits, mnit der
Aus=
gabe vom 4. April vereinigt, am Oſter=Gamstag
und gelangt nachmittags ab 4 Uhr in der Stadt
durch die Trägerinnen zur Verteilung. Für
Ab=
holer erfolgt die Ausgabe von 4 bis 5 Uhr
Bleichſir. (Portier), Anzeigen für die Oſter=
Ausgabe müſſen ſpäteſtens bis Samstag, vorm.
10 Uhr, aufgegeben lein; Inſerate für die
Ausgabe vom Dienstag, T. April, werden bis
Samstag, nachmittag 1 Uhr, angenommen.
Ab 2 Uhr bleibt die Geſchäftsſielle geſchloſſen
Der Verlag.
Orpheum. Ueber den ſenſationellen Oſterſpielplan ab
Sonntag, den 5. April, beachte weitere Mitteilungen in der
Oſter=
nummer des „Tagblatts. Der Kartenverkauf hat begonnen. Am
Oſtermontag, 6. April, ſind zwei Vorſtellungen: nachmittags 4 Uhr
große Freidenvorſtellung bei halben Eintrittspreiſen, ſowie
abends 8 Uhr der große Oſtergaſtſpielplan.
Anweſenverkauf. Das mitten im Gartenpark gelegene
mehrſtöckige Wohnhaus Wilhelminenſtraße 53 ging dieſer Tage
zum Preiſe von 70 000 Mark in den Beſitz des katholiſchen
Mädchen=Inſtituts der engliſchen Fräulein in der Waldſtraße
über. Der Ankauf geſchah aus Erweiterungsgründen, weil das
ſeitherige Anweſen ſich zu eng erwieſen hat, um den zahlreichen
Anmeldungen zur Aufnahme in das Penſionat gerecht zu werden.
Um das Pädagogiſche Inſtikuk.—
EPH. Wie wir erfahren, hat das Miniſterium für Kultus=
und Bildungsweſen verfügt, daß die Neuaufnahme von
Lehrer=
ſtudenten für das Sommer=Semeſter 1931 nur im Pädagogiſchen
Inſtitut Mainz zu erfolgen hat. In Darmſtadt werden demnach
nur Kurſe für diejenigen Studenten weitergeführt, die hier
ſeit=
her ſchon geweſen ſind. Praktiſch bedeutet dieſe Verfügung die
langſame Ueberleitung des Inſtitutes von Darmſtadt nach Mainz.
Trotz der Proteſte aus Lehrerkreiſen, trotz des öffentlichen
Aufrufes der Evangeliſchen Kirchenregierung, trotz des Anſpruchs
der Stadt Darmſtadt ſowie der Studentenſchaft von Darmſtadt
iſt dieſe Verfügung erlaſſen worden. Es iſt wohl nicht
anzu=
nehmen, daß namentlich die evangeliſche Bevölkerung Heſſens, die
in der Verlegung des Inſtitutes eine erhebliche Schädigung ihrer
berechtigten Intereſſen ſieht, ſich bei dieſer Verfügung beruhigen
wird.
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus Elenes Haus Meee3. April Keine Vorſtel ung Keine Vorſtellung Samstag
4 April Keine Vorſte lung Keine Vorſtellung Oſter=
Sonntag
5. April 19.30
Zum erſten Male:
D21 Turandot
Preiſe 1.20—1 Mik.
Bahlguiſcheine beſchränkt gultig 20—22.49 Uhr
Der Graue
Zuſ.=Miete ,9 P.5
Darmſt Volksb. Gr I—TV
Preiſe 1.20—6 Mk. Oſter=
Montag,
April 17 30—22.15 Uhr
Die Meiſterſinger von Nürnberg
B19 Preiſe 1.20—1- Mer
Wahlgutſcheine beſchränkt gültig 20. Ende vor 22 Uhr
Sturm im Waſſerglas
T, Gr. 1, 4, 5, 6
Preiſe 1.20—6 Mk.
Heſſiſches Landestheater. Erſtaufführung „
Turan=
dot” Puccinis nachgelaſſene Oper „Turandot” die erſt ſeit
fünf Jahren dem internationalen Opernſpielplan eingefügt iſt,
wird Oſterſonntag, den 5. April, im Großen Haus unter
muſika=
liſcher Leitung von Karl Maria Zwißler zum erſten Male zur
Aufführung kommen. Die Inſzenierung beſorgt Renato Mordo
(Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp). Die Titelpartie wird
von Anita Mitrovic die Partie des Prinzen Kalaf von Joachim
Sattler geſungen. In den übrigen Hauptrollen: Schocke
Herr=
mann, Kienzl, Kuhn, Vogt, Heyer, Spira. Tänze: Hans Macke. —
Spielplanänderung. Es wird nochmals darauf
hinge=
wieſen, daß am Oſterſonntag im Kleinen Haus an Stelle des
ur=
ſprünglich angeſetzten Schauſpiels „Der Mann, den ſein Gewiſſen
trieb” von Roſtand Friedrich Forſters Schülertragodie „Der
Graue”, deren Erſtaufführung zu einer beſonders nachhaltigen
Wirkung führen konnte, in Szene gehen wird. — Wegen
Erkran=
kung eines Hauptdarſtellers muß die für Oſtermontag
angekün=
digte Vorſtellung der Geſellſchaftskomödie „Der Kreis”, von
Maugham ausfallen Statt deſſen gelangt Oſtermontag im
Klei=
nen Haus das erfolgreiche Luſtſpiel „Sturm im
Waſſer=
glas” von Bruno Frank mit der bekannten Beſetzung zur
Auf=
führung. Dieſe Vorſtellung findet nicht für die
Zuſatz=
miete III ſodern für die Miete T Gruppe 1, 4, 5 und 6 ſtatt.
Für die Zuſatzmiete III wird „Der Kreis” zu einem ſpäteren
Zeit=
punkt nachgeholt werden.
Aithewährt bei Störungen der Verdauungs- und Harnorgane und bei
(Gicht, Diabetes)
enschriften durch das Fachinger Zentralbüro,
Berlin 108 WSs, Wilhelmstr. 55- Erhältllch in Fiineralwasserhandlungen, Apotheken, Drogerien usw.
sowie bei Friedrich Schaeter, Darmstadt, Ludwigsplatz /, Teleton 45
WVigs
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Freitag, den 3. April 1931
Nummer 93
Aſphalt oder Wandermenſchen?
Von Schulrat Heinrich Hafſinger=Darmſtadt.
Das muß ein ganz beſonderer Genuß ſein, ſo jahraus und jahrein,
an allen Sonntagen, die an den Himmel kommen, immer wieder durch
dieſelben Straßen ſpazieren zu gehen, dieſelben Menſchen zu ſehen,
denſelben Staub zu ſchlucken und denſelben Aſphaldunſt in die Naſe
ein=
zuziehen. Wenn das kein Genuß wäre, könnte ich mir nicht denken,
daß es immer noch ſo viele tun. Zum Beiſpiel dieſe jungen Burſchen
mit den ſteifen Kragen, den ſackweiten Hoſen, den ſeidenen Socken, den
eleganten Querſchleifen, den ſpitzen Schuhen und — jawohl, natürlich —
der ewigen Zigarette im Mund. Kavaliere! Und neben ihnen die
paſſenden Mädchen: Stöckelſchuhe, Seidenflorſtrümpfe erſter Wahl,
ge=
zipfelte Kleider, hier ein bißchen rot und dort ein bißchen weiß,
tipp=
topp und elegant. Die Damen! Hin und her, her und hin auf dem
Aſphalt, und wenn es auswärts geht — nicht zu weit, bitte, es iſt ja
doch immer und überall dasſelbe — dann geht es per Auto oder per
Tram (wegen der Lackſchühchen und der „Louis XIV.=Abſätze‟). Jawohl.
das alles muß doch ein ganz beſonderer Genuß ſein.
Wir Wandermenſchen wiſſen davon allerdings nur wenig oder meiſt
gar nichts. Sonntag, das iſt vor allem mal ein freier Tag; da ſoll
unſer Herz und unſere Seele, und da ſoll auch unſer Körper frei haben.
D. h., er ſoll ſich mal tüchtig austoben können. Und da ziehen wir
unſere kurze Buxe an, ein ſolides Hemd, auf das überhaupt und um
Himmelswillen kein ſteifer Kragen paßt, und dann ein Paar breite,
bequeme Stiefel oder Schuhe, damit auch die armen Trippelfüße endlich
mal wieder Platz und Luft haben. Jawohl, ſo geht’s los. Wohin?
Nun, das iſt nicht ganz ſo wichtig wie die Tatſache, das e8 überhaupt
los geht, aber jedenfalls nicht dorthin, wo ſich die Menſchen (ſiehe bbige
Porträtierung) drängen und ſchieben und quetſchen und vor lauter
Ver=
gnügen auf der Heimfahrt dann über den „Betrieb”, die ſchlechte
Be=
dienung, den ſchwachen Kaffee, den trockenen Kuchen, die befleckte Bluſe
vom Kätchen und die zerriſſene Hoſe vom Erwin ſchimpfen. Nein, dahin
auf keinen Fall. Davon müſſen wir auf der Heimfahrt ja gerade
genug ſchlucken, ob wir wollen oder nicht. Unſer Feld iſt die Welt.
Sie fängt gerade da an ihr Aſphatlmenſchen, wo eure aufhört
mög=
lichſt weit draußen nämlich, dort, wo ſich die Menſchen nicht mehr nur
in Herden treffen. Sie liegt, ſo gut es geht, immer abſeits von der
Straße, denn unſere Lunge hat auch einen freien Tag und möchte heute
mal keinen Benzindunſt ſchlucken. Und weil auch unſer Herz frei hat,
deshalb ſchleichen wir nicht ſtumm und bedrückt, ſondern wir ſingen und
muſizieren, daß es nur ſo durch die Wälder und über die Wieſen
hin=
klingt. Jawohl, ſo machen wir’s! Aber keine Roſen ohne Dornen:
dafür ſind wir nun einmal keine Kavaliere und keine Damen, es iſt
unſer Schickſal, daß wir auch Sonntags genau dieſelben Buben und
Mädchen bleiben wie Werktags, Buben und Mädchen, nach denen ihr
euch ſicherlich nicht einmal umdreht. (Oh, das tut weh!) Aber wir ſind
euch nicht böſe darum; ein bißchen Mitleid ſitzt ſogar in unſerem Herz,
und das wird immer größer und größer, je mehr wir an euch denken.
Denn wie mag es euch Montags gehen, wen ihr wieder aus euren
ſchö=
nen Kleidern heraus müßt, und es iſt euch von dem Sonntag gar nichts
anderes geblieben als eine verrauchte Kehle und ein dumpfer Kopf?
Wie es bei uns iſt, das kann ich euch gerne ſagen: In den Ohren haben
wir noch ſo einen Widerhall von dem Rauſchen der Wälder, in den
Augen noch ſo ein wenig von dem Schimmer der Bäche und Wieſen,
wie ſie da geſtern in der Sonne geglänzt haben, und im Herzen ſo ein
nettes Bündelchen Freude, wie wir ſie eben da draußen in all den
Herz=
lichkeiten geſammelt haben. Und nun denken wir, daß es uns eine ganz
beſondere Freude machen müßte, wenn wir euch das alles einmal erleben
laſſen könnten. Wir meinen nämlich, jung ſein und hinausziehen müſſen
und wandern und ſingen, da ſei ein und dasſelbe:
Berlegung des Reiſebüros des Verkehrsvereins.
Der Verkehrsverein unterhielt im Hauſe Rheinſtraße 24 ein
Reiſe= und Verkehrsbüro. Dasſelbe wurde nach dem
Luiſen=
platz 4, neben dem Landtagsgebäude verlegt und
wird von Dienstag, den 7. April, ſeine Tätigkeit
auf=
nehmen. Der Verkehrsverein hat ſich im Intereſſe des Publikums
entſchloſſen, das Reiſebüro mehr in den Mittelpunkt der Stadt zu
verlegen, da die bisherigen Räumlichkeiten für manche
Intereſ=
ſenten etwas abſeits lagen. In dem neuen Reiſebüro wird dem
Reiſenden mit derſelben Aufmerkſamkeit und Bereitwilligkeit
jede Auskunft gegeben, wie dies ſchon immer der Fall war. An
dieſer Stelle ſei nochmals darauf hingewieſen, daß in dem
Reiſe=
büro auf dem Luiſenplatz, neben dem Landtagsgebäude,
Fahr=
karten nach allen Richtungen aufliegen, ebenſo können Flugkarten
erſtanden und Seereiſen gebucht werden. Der Verkehrsverein
glaubt, im Intereſſe des reiſenden Publikums gehandelt zu haben,
wenn er dieſe notwendige Verlegung nach dem Luiſenplatz, neben
dem Landtagsgebäude, vornahm. Er bittet, bei allen
vorkommen=
den Fällen ſich des Reiſebüros zu bedienen.
— Der Kohlenſparverein Darmſtadt hielt ſeine
Jahreshaupt=
verſammlung im Fürſtenſaal ab, die ſich eines außerordentlichen
Beſuches erfreuen durfte. Wie aus dem Geſchäftsbericht zu
ent=
nehmen iſt, hat die ſeitherige günſtige Entwickelung auch im
ab=
gelaufenen Geſchäftsjahre angehalten. Der Verein hat ſich in der
Zeit ſeines ſiebenjährigen Beſtehens innerlich aufs beſte
konſoli=
diert. Am 8. Februar 1931 mußte die Geſchäftsſtelle aus den
ſeit=
herigen Räumen in der Viktoriaſtraße nach Landwehrſtraße 2
ver=
legt werden, um in räumlicher Beziehung den geſchäftlichen
Not=
wendigkeiten des Vereins entſprechen zu können. Eingangs der
Hauptverſammlung erſtattete der Geſchäftsführer, Herr Wenz, ein
Referat über „Den Weg der Kohle von der Grube bis zum
Ver=
braucher in kaufmänniſcher und techniſcher Beziehung‟. Dieſes
Referat, das den meiſten Mitgliedern wohl zum erſten Male einen
klaren Einblick über die weitverzweigten Dinge in der
Wärme=
wirtſchaft gab, wurde von der Verſammlung mit lebhaftem
Bei=
fall aufgenommen. Die Jahresabrechnung ſowie die Bilanz
fan=
den einmütige Genehmigung durch die Hauptverſammlung. Den
Mitgliedern wird auch für das abgelaufene Geſchäftsjahr 1930 ein
ſehr namhafter Betrag zurückvergütet, der durch größere
Spar=
ſamkeit in der Verwaltung herausgewirtſchaftet werden konnte.
Einige Anfragen aus Mitgliederkreiſen wurden in
zufrieden=
ſtellendſter Weiſe durch den Vorſtand beantwortet. Die
Erſatz=
wahlen zum Vorſtand ergaben die debatteloſe Wiederwahl der
ſeitherigen Vorſtandsmitglieder.
— Der Sterbekaſſeverein Darmſtadt hielt ſeine 44.
ordent=
liche Hauptverſammlung ab. Die Tagesordnung war ſehr
umfang=
reich, wickelte ſich aber unerwartet ſchnell und reibungslos ab. Der
Bericht des Vorſitzenden gab ausführlichen Aufſchluß über die
Vorgänge des abgelaufenen Geſchäftsjahres und fand die
Geneh=
migung der Anweſenden. Dem Reſervefonds konnte auch wieder,
wie in früheren Jahren, ein erheblicher Betrag zugeführt werden.
Der Zugang betrug im Jahre 1930 3508,75 RM. Das ganze
Ver=
mögen beläuft ſich nunmehr auf 21 235,50 RM. Behufs weiterer
Stärkung des Reſervefonds beſchloß man, das ſeitherige Verfahren
bei Auszahlung der Sterbegelder auch im kommenden
Geſchäfts=
jahre beizubehalten. Der Entwurf der neuausgearbeiteten
Satzung wurde der Hauptverſammlung zur Genehmigung
vorge=
legt und wurde mit einigen kleinen Zuſätzen einſtimmig
geneh=
migt. Da der Verein dem Reichsaufſichtsamt für
Privatverſiche=
rung unterſteht, bleibt noch die Genehmigung dieſer Behörde
her=
beizuführen. Der ausſcheidende Vorſitzende und Rechner, ſowie
weitere 5 Mitglieder wurden einſtimmig wiedergewählt. Daß
auch jüngere Mitglieder im abgelaufenen Geſchäftsjahre
verſtor=
ben ſind, hob der Vorſitzende beſonders hervor. Es ſollten dies
daher diejenigen beherzigen, die einen Beitritt zu dem Verein
da=
mit ablehnen, daß ſie noch jung ſeien und bis zur Erreichung der
Altersgrenze noch einige Jahre Zeit hätten. Bei den heutigen
ſchlechten wirtſchaftlichen Verhältniſſen müßte daher jeder darauf
bedacht ſein einem Sterbekaſſeverein anzugehören, damit bei
etwaigem Sterbefall die betreffenden Hinterbliebenen durch
Er=
halt eines Sterbegeldes der erſten Sorgen enthoben ſind. Der
Verein nimmt Mitglieder vom 17. bis einſchließlich 55
Lebens=
jahre auf, entgegen anderen Vereinen, die nur Aufnahmen bis
zum 50. Lebensjahre betätigen. Nähere Auskunft wird
bereit=
willigſt erteilt durch die Herren E Kalkhof Vorſitzender,
Heidel=
berger Straße 45, L. Blumhardt. Rechner, Viktoriaſtraße 44, und
den Erheber, von welchem auch die Aufnahmeformulare zu
erhal=
ten ſind.
Städtiſches Muſeum. Das Städtiſche Muſeum iſt am erſten
Feiertag geſchloſſen, am zweiten Feiertag wie Sonntags von 11
bis 13 Uhr und von 15—17 Uhr geöffnet.
Die ruſſiſche Kirche auf der Mathildenhöhe iſt jeden Tag
zur Beſichtigung von 10—12.30 Uhr und von 3—7 Uhr geöffnet.
Simmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redattion leinerlei
Ver=
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des s 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfange
der Einſender verantworilich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden, jönnen nicht
zurückgeſandt. die Ablehnung nicht begründet werden.
Zur Abwehr der politiſchen Verhetzung.
Ein Unfug der jetzt unterdrückt werden könnte, iſt der neuerlich
aufgekommene Brauch, Parteiverſammlungen dadurch anzukündigen, daß
die Straßen von Ausrufern durchzogen werden. Wohin ſoll es
führen, wenn auch andere Parteien von dieſem lärmenden Mittel
Ge=
brauch machen?
Ebenſo widerwärtig ſind die Mahnrufe und Hetzworte, mit welchen
Fußſteige, Hauswände u. a. beſudelt werden. Ohne lange
nach dem Täter zu fahnden, ſollte man die Koſten der Beſeitigung
ein=
fach der Partei auferlegen, zu deren Gunſten der Unfug verübt
wor=
den iſt.
Auch die zum Ankleben zugelaſſenen Flächen bedürfen einer
Ueber=
wachung. Es iſt ein Unding, daß Anſchläge wochenlang geduldet
werden, die das Oberhaupt des Reiches abſcheulich verunglimpfen. Hier
wären ſchon die vorhandenen Geſetze ausreichend.
Zu den verwerflichen Mitteln, die jetzt angewandt werden, gehört
das Austeilen von Blättern, durch die Schüler gegen die Lehrer
aufgewiegelt werden. Solche Austeiler haben ſogar ſchon vor den
Schulgebäuden ihr verderbliches Treiben ausführen dürfen Auch hier
müßte, wenn kein Buchdrucker genannt iſt, die Partei zur
Verantwor=
tung gezogen werden, in derem Sinn die Hetze unternommen wird.
Jatzt können wir dieſe Dinge noch bewältigen. Laſſen wir ſie nicht
—
weiter wachſen!
* Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheakern.
Zu dem Negerfilm „Hallelujah!”
geben wir im Anſchluß an unſere Beſprechung noch eine
Auslaſ=
ſung wieder, die Kaſimir Edſchmid als Kenner des
ameri=
kaniſchen Negermilieus anfangs dieſes Jahres für die „F. Ztg.”
ſchrieb:
„Die Handlung dieſes Films iſt eine gräßliche Handlung. Sie
ſetzt ſehr gelaſſen Szenen zuſammen, die aus Detektivromanen und
aus Wildweſtgeſchichten reichlich bekannt ſind. Sie iſt unlogiſch,
unerträglich, verlogen und dumm. Trotzdem iſt der Film
inter=
eſſant. Es iſt ein Stück Welt darin geſtaltet. Welche Welt?
Der Film zeigt zuerſt, was eine religiöſe Sektiererbewegung
in Amerika leiſten kann. Sinclair Lewis hat das ja bereits gut
beſchrieben. Der Hallelujah=Film zeigt es nun als optiſche
Sen=
ſation, und ein Teil der Detail=Aufnahmen iſt ausgezeichnet.
Aus=
gezeichnet der groteske Humor, mit dem die raſchen Wandlungen
der Sünder gezeigt werden, wenn ſie ins Waſſer geſtülpt werden,
ausgezeichnet iſt die Ironie, mit welcher die ſoziale Veränderung
der in den Prophetenſtand eingegangenen Baumwollfamilie
dar=
geſtellt iſt. Weniger ſchön ſind dagegen die Aufnahmen, wo die
Erleuchtungen der Sünder offenbar ernſt gemeint ſind. Packend
ſind die Bilder, wo Hyſterie, Dummheit und Fanatismus als eine
Form der Ekſtaſe erſcheinen ſollen, aber nur eine Erſcheinung des
aufgereizten ſozialen Lebens ſind.
Das Wichtigſte an dem Film aber iſt, daß er nur Neger und
Miſchlinge zeigt. Alle Neger und alle Miſchlinge ſind zu jeder
Zeit, wenn es ihnen paßt, Tänzer und Schauſpieler. Dieſe beiden
Tugenden ſind das einzig wirklich Gewiſſe an dieſer Raſſe. So
ſpielen die Neger=Mamys und die Neger=Ladys auch wirklich gut,
und der heroiſche Mulatte, der auf dem Eſel als Prophet durch die
Mitte des Films reitet, ſingt und ſpricht recht ſchön. Wie aber,
wenn man die ländlichen Teile des Films von den Negern
ent=
völkerte und mit Tirolern beſetzte — gäbe das nicht dieſelben
Idylle, Geſang und Tanz bei der Arbeit? Neger ſozial bei der
Arbeit zu zeigen iſt ſchwerer, als der Film Hallelujah es nimmt,
der vergnügt über den Schweiß, über Gefängniſſe und Morde
hin=
weggeht und ſich im Grunde an das Tanzen und an das Hyſteriſche
hält, was in dieſem Fall dasſelbe iſt.. Neger tanzen bei jeder
Ge=
legenheit, und da ſie keine Kriegstänze mehr tanzen können,
ver=
legen ſie den dramatiſchen Ausdruck des Tanzes in die
Bekehrungs=
ſzenen. Das iſt das Einzige, wo die Mentalität, die in Afrika
Köpfe abſchlug, ſich mit der Mentalität berührt, die in Amerika
die Arme ausbreitet, Gott auf einer Wolke ſieht und den Teufel
mit Kinnhaken an die Wand boxt. Und hier iſt der Film
wirk=
lich toll.
Wer aber iſt ein ziviliſierter Neger in dieſem Film? Er iſt
ein Mann, der bei Geſang Baumwolle pflanzt, der Geld verſpielt,
Menſchen erſchießt, ein Heiliger wird, mit der Tänzerin durchgeht,
wieder ſchießt und würgt, durch ein kleines nettes Gefängnisleben
dahingleitet und am Schluß mit einer für ſo viel umgebrachte
Menſchen rührenden Herzlichkeit, die Mandoline in der Hand, auf
die heimiſchen Baumwollplantagen zurückkehrt.
Im Film wirkt das als herrlicher Kitſch. Aber ob dies
wirk=
lich nur Kitſch iſt, das werden erſt die Raſſekämpfe zeigen, die in
nicht allzulanger Zeit anbrechen werden. In Afrika iſt man der
Anſicht, daß dieſer Kitſch wirklich die Seele der Neger iſt. Und
nur an dieſer Stelle des Films liegt eine aufregende Problematik.
die, weil ſie politiſch iſt, zehnmal aufregender iſt als das Geheul
des Bekehrungsfoxtrotts, das nur hyſteriſch iſt."
— Im Uniontheater läuft nur noch heute, Karfreitag. „Der
Prozeß des Hauptmanns Dreyfus” mit Fritz Kortner in der
Titel=
rolle. In weiteren Rollen ſind Heinrich George, Grete Mosheim,
Albert Baſſermann, Fritz Kampers u. v. a. beſchäftigt. Dieſer
Film, der bei ſeiner Erſtaufführung in Darmſtadt einen
außer=
gewöhnlichen Erfolg zu verzeichnen hatte, kann anderweitiger
Dispoſitionen halber nur noch heute gezeigt werden. Jugendliche
haben Zutritt. (Näheres ſiehe Anzeige.)
— Das Heliatheater bringt nur heute, Karfreitag, den Film
nach dem gleichnamigen Drama von Karl Schönherr „Glaube und
Heimat‟. Die Handlung ſpielt zur Zeit der Gegenreformation in
den öſterreichiſchen Alpenländern und zeigt die Tragödie eines
Volkes. Jugendliche haben Zutritt. (Naheres ſiehe Anzeige.)
Stets
Prassel-Hafeß risch geröstet Schulsfr. 10 8
— Muſikaliſche Feierſtunde in der Stadtmiſſion. Die Chöre
der Stadtmiſſion veranſtalten am Karfreitag, nachmittags um
3.30 Uhr, im großen Saale der Stadtmiſſion eine muſikaliſche
Feierſtunde. Es werden in der Hauptſache paſſionsmuſikaliſche
Darbietungen geboten werden. Einige Sologeſänge und
Klavier=
vorträge bereichern das Programm. Im Mittelpunkt der Feier
ſteht eine bibliſche Anſprache von Herrn Stadtmiſſionsinſpektor
Bringmann. Gleichzeitig wird darauf aufmerkſam gemacht, daß
am erſten Oſterfeiertag, nur morgens um 9 Uhr, eine
Gebets=
ſtunde und nachmittags um 3.30 Uhr eine Oſterbibelſtunde
ſtatt=
finden wird. Am zweiten Oſterfeiertag fallen ſämtliche
Veran=
ſtaltungen aus. Am Sonntag nach Oſtern dem 12. April, abends
8 Uhr. veranſtaltet der Jugendbund der Stadtmiſſion die
Auffüh=
rung des Deklamatoriums Nathanael” verbunden mit
muſi=
kaliſchen Darbietungen. Wir machen hierauf ſchon jetzt
auf=
merkſam.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beisufügen. Anonpme Anfrogen we
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rochteverbindlichtet
F. D., hier. Die Befreiung der Steuerpflichtigen mit einem Umſatz
von weniger als 5000 Mark jährlich tritt erſt ab 1. Juli 1931 in
Kraft.
N. 100. H. Wenden Sie ſich an eine Münzen= bzw.
Briefmarken=
handlung.
A. B. 100. In der Satzung iſt § 32 BGB. nicht enthalten, auch
abſchwächend nicht ausgeſchloſſen; mithin iſt zur Gültigkeit des
er=
wähnten Beſchluſſes erforderlich, daß der Gegenſtand bei der Berufung
der Hauptverſammlung bezeichnet war; mit anderen Worten: iſt in der
nach § 11 der Satzung ordnungsmäßig (§ 13) bekanntgemachten
Haupt=
verſammlung der Antrag in der für die Mitglieder erkennbaren Weiſe
bekannt gemacht worden, ſo konnte in der Hauptverſammlung ein
bin=
dender Beſchluß mit einfacher Stimmenmehrheit gefaßt werden; im
an=
deren Falle wäre ein gültiger Beſchluß über den Antrag nicht
vor=
handen. Dabei bleibt die Frage offen, ob der Beſchluß überhauvt
rück=
wirkende Kraft hat. Nach der Faſſung des Wortlautes kann man
zu einer Verneinung der Frage kommen. In dieſem Sinne empfehlen
ſich bezügliche Verhandlungen wit dem Vereinsvorſtand.
Aus Heſſen.
Mipſlande bei der Wohlfahrtsfurſorge.
Aus dem Lande erhalten wir folgene Zuſchrift, der wir Raum geben,
da uns Mißſtände auch von anderer Seite wiederholt geſchildert wurden.
„Daß die Wohlfahrtsunterſtützung den Gemeinden, welche mit
aus=
geſteuerten Erwerbsloſen ſtark belaſtet ſind, ſchwer zu ſchaffen macht,
wiſſen wir alle. Auch wiſſen wir, wenn in kurzer Zeit keine Aenderung
eintritt (der Staat dieſe Unterſtützung teilweiſe mitübernimmt), dieſe
Gemeinden finanziell zuſammenbrechen. Was dann werden ſoll, das
überlaſſen die heutigen Regierenden anſcheinend den Göttern. Bei der
Unterſtützung wird die Bedürftigkeit eingehend geprüft, und doch
kom=
men Sachen vor, die man vom ſozialen Standpunkt aus für unmöglich
halten ſollte. In ſehr vielen Gemeinden ſitzen heute die Vertreter der
Demokratie in den Büros und ſchalten und walten nach ihren
Partei=
prinzipien. Dieſe Leute, die früher nicht genug ſchimpfen konnten über
Vettern= und Baſenwirtſchaft, treiben heute eine viel ſchlimmere
Vettern=
wirtſchaft. Wer heute von Erwerbsloſen und Wohlfahrtsunterſtützten
das Mitgliedsbuch einer gewiſſen Partei in der Hand hat, für den iſt
es in gewiſſen Gemeinden leicht, ſich durchzubringen. Während bei allen
Unterſtützten jedes Nebeneinkommen in Abzug gebracht werden ſoll,
drückt man bei denen, die das richtige Parteimitgliedsbuch in der Taſche
haben, beide Augen zu. Auch iſt es nicht richtig, wenn man einem
Unter=
ſtützungsempfänger, welcher jede Woche einen Nebenverdienſt hat, ſeine
volle 15 Mark, einem anderen, welcher nichts nebenher verdient, mit ber
gleichen Kinderzahl bloß 12 Mark anweiſt. Dies alles macht das
Partei=
mitgliedsbuch. Wo iſt hier das ſoziale Empfinden der Herren, die doch
das Wort ſozial ſo groß auf ihre Fahnen ſchreiben? Auch iſt es nicht
richtig, wenn zu Gemeindearbeiten immer dieſelben Perſonen zugezogen
werden. Man könnte hier ſchon wieder dieſelbe Mitgliedsbuch=
Feſtſtel=
lung machen wie oben. Wenn ob ſolcher Verhältniſſe große Erregung
unter den Wohlfahrtsunterſtützten herrſcht, und dieſelben ſolche
Machi=
nationen anprangern, ſo läßt dies die heutigen Machthaber kalt, obgleich
dieſe Herren ſich ſelbſt den Aſt abſägen, auf dem ſie ſitzen.”
Dg. Arheilgen, 2. April. Vom Standesamt. Im hieſigen
Standesamtsregiſter wurden im Laufe des Monats März folgende
Ein=
tragungen vollzogen: 4 Trauungen 17 Geburten und 1 Todesfall. —
Elektriſche Feueralarm=Sirene. Auf Vorſchlag der
Frei=
willigen Feuerwehr Arheilgen beſchloß der Gemeinderat vor einiger Zeitz
in einer Sitzung, in unſerem Orte eine elektriſche Feueralarm=Sirene
einzuführen. Geplant war eine Anlage mit 2 Sirenen und 8 Meldern,
die in verſchiedenen Teilen des Ortes angebracht werden ſollten, wobei
noch nicht der Ortsteil Kranichſtein berückſichtigt war. Da für den
ge=
nannten. Zweck eine beſondere Leitung nötig iſt, die ſich über ganz
Arheilgen erſtreckt, ſind die Koſten enorm hoch. Als nun die
Vor=
anſchläge gemacht und die Vorarbeiten ſoweit gediehen waren, daß mit
dem Bau der Anlage begonnen werden konnte, ſah man an
verantwort=
licher Stelle ein, daß bei den derzeit ſchlechten wirtſchaftlichen
Verhälr=
niſſen und der finanziellen Notlage die Gemeinde nicht in der Lage iſt,
für dieſen Zweck einen größeren Betrag auszuwerfen. Die ganze
An=
gelegenheit war deshalb in der letzten Gemeinderatsſitzung nochmals
Gegenſtand eingehender Beratungen, und der Gemeinderat kam zu dem
Entſchluß, von dem Bau der Anlage in dem geplanten Ausmaße aus
den angeführten Gründen Abſtand zu nehmen. Da jedoch die Heſſiſche
Brandverſicherungskammer ſchon im Intereſſe der ſchnellen Bekämpfung
von Bränden zu den Koſten der Erſtellung der Sirenen einen Zuſchuß
gewährt, wurde man ſich dahin einig, vorerſt eine Anlage in kleinerem
Ausmaße ausführen zu laſſen, und zwar eine ſolche mit 2 Sirenen und
nur 2 Meldern. Von den beiden Sirenen ſoll eine auf dem Rathaus
und die andere auf dem Schulhaus aufmontiert werden. Einer der
bei=
den Melder kommt ebenfalls an das Rathaus, der zweite wird
voraus=
ſichtlich an dem Gemeindehaus in der Guten Gartenſtraße (Badewärter
Anthes) angebracht. Die erforderlichen Arbeiten werben demnächſt in
Angriff genommen. Dieſe Anlage ſoll dann nach und nach weiter
aus=
gebaut werden und ſich über den ganzen Ort erſtrecken. Im Intereſſe
der raſchen Bekämpfung eventueller Brände iſt dieſe Signal=Anlage nur
zu begrüßen.
O. Erzhauſen, 2. April. Wie alljährlich, ſo hält auch dieſes Jahr
am erſten Oſterfeiertag der Evangeliſche Kirchengeſangverein abends in
der Kirche ein Konzert zum Beſten der Kleinkinderſchule ab.
Cp. Gräfenhauſen, 2. April. Schulentlaſſung. Am Schluß
des vergangenen Schuljahres kamen hier 21 Kinder, darunter 11
Mäd=
chen, aus der Schule. Anläßlich dieſer Schulentlaſſung fand im Gaſthaus
Pons unter zahlreicher Beteiligung der Elternſchaft eine
Schulentlaſ=
ſungsfeier ſtatt, die bei Liedervorträgen, Deklamationen und der
Auf=
führung eines kleinen Theaterſtückes einen befriedigenden Verlauf nahm.
— Neu in die Schule aufgenommen werden nach Oſtern 25 ABC=
Schützen, und zwar 14 Mädchen und 11 Knaben. — Auch im Nachbarort
Schneppenhauſen fand eine Schulentlaſſungsfeier ſtatt. In
Schneppenhauſen kommen in dieſem Jahre acht Kinder, und zwar ſechs
Mädchen und zwei Knaben, zur Schule.
J. Griesheim, 2. April. Der Metzger Hans Seibert, hier, iſt als
Aushauer bei der hieſigen Freibank amtlich verpflichtet worden. — Die
Bürgermeiſterei hat aus Anlaß der begonnenen Ausſaatzeit das
Ein=
ſperren der Tauben für die Zeit vom 29. März bis 25. April d. J.
an=
geordnet. Zuwiderhandlungen unterliegen der Beſtrafung gemäß
Ar=
tikel 39 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzes.
— Griesheim, 2. April. Sportklub Viktoriae. V. Wie
be=
richtet wurde, feiert der Sportklub Viktoria im Mai ſein 25jähriges
Be=
ſtehen, und zwar im Rahmen einer Sportwoche vom 10.—17. Mai d. J.
Die Zeit iſt jetzt ſchon ſoweit vorgeſchritten, daß Näheres über dieſe
Sportwoche berichtet werden kann. Die für ein gutes Gelingen dieſer
Sportwoche verantwortlichen Ausſchüſſe haben tatkräftige Arbeit
gelei=
ſtet, ſo daß jetzt die Reihe an unſeren aktiven Fußballern, Handballlern
und Leichtathleten iſt, durch fleißige Mitarbeit der Sache zum vollen
Erfolg zu verhelfen. Zur Sportwoche ſelbſt: Eingeleitet wird dieſelbe
am 10. Mai mit Spielen der aktiven Fußball= und
Handballmannſchaf=
ten. Die Wochentage ſind der Jugend= und Schülerabteilung
vorbehal=
ten, mit Ausnahme des Himmelfahrtstages. Für dieſen Tag iſt der
leichtathletiſche Klubwettkampf mit der Turnerſchaft Griesheim
feſtge=
ſetzt. Dieſes Zuſammentreffen wird einer der Höhepunkte der
Jubi=
läumswoche bilden. Die beſten Leichtathleten beider Vereine werden hier
im friedlichen Wettkampf um die Siegespalme ringen. Ueber die
nähe=
ren Einzelheiten wird an dieſer Stelle Weiteres berichtet. Als
Ab=
ſchluß des Klubkampfes ſteigt das Handballrückſpiel zwiſchen der 1. Elf
der Turnerſchaft und der gleichen des Sportklubs Viktoria. Alles in
allem wird dieſer Himmelfahrtstag für jeden Sportintereſſenten viel
Wertvolles bieten. Auf geſellſchaftlichem Gebiet iſt für Samstag, den
16. Mai, ein Kommers geplant, der den bis jetzt getroffenen
Vorberei=
tungen nach zu urteilen für jeden Beſucher ein paar genußreiche und
ſchöne Stunden bieten wird. Auch über dieſen Abend wird an dieſer
Stelle noch Näheres zu berichten ſein. Als Höhepunkt der ganzen
Jubi=
läumswoche iſt Sonntag, der 17. Mai, zu bezeichnen, an dem der
Sport=
ausſchuß der Oeffentlichkeit etwas ganz Neuartiges bieten wird. Es iſt
dies ein Blitzturnier zwiſchen vier ſpielſtarken Fußballmannſchaften,
ein=
ſchließlich der Ligamannſchaft des Sportklubs Viktoria. Im Gegenſatz
zu den Pokalſpielen mit dem k.o. Syſtem wird hier jeder Verein gegen
den anderen ſpielen, ſelbſtverſtändlich mit verkürzter Spielzeit, und zwar
ſind für jedes Spiel 2 mal 15 Minuten vorgeſehen.
F. Eberſtadt, 2. April. Offenlage der
Gemeinderech=
nung. Die Gemeinderechnung und die Rechnung für das Gemeinde=
Waſſerwerk für das Rechnungsjahr 1929 liegen vom 2. April 1931 ab
eine Woche lang auf der Bürgermeiſterei (Zimmer 1) zur allgemeinen
Einſicht offen. — Vergebung von Fuhrleiſtungen. Die
Leichenfuhren im Rechnungsjahre 1931 ſollen auf dem Submiſſionswege
vergeben werden. Angebote ſind bis ſpäteſtens 7. April, nachmittags
3 Uhr, bei der Bürgermeiſterei einzureichen. — Gemeindebad. Am
Karfreitag iſt das Gemeindebad wie Sonntags geöffnet. An den beiden
Oſterfeiertagen ruht der Badebetrieb. — Die Geſchäftszimmer der
Bürgermeiſterei ſind am Samstag, den 4. April, bis mittags 12 Uhr
ge=
öffnet. Dringende Standesamts=Angelegen ten können am zweiten
Oſterfeiertag, vormittags von 10—11 Uhr, auf Zimmer 4 erledigt werden.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. April. Billiges Schweinefleiſch.
Das Sinken der Schweinepreiſe hat hierorts eine Mehrung der
Selbſt=
ſchlachtungen mit Fleiſchaushauen zur Folge. Bereits zu 80 Pfg. iſt
das Pfund Schweinefleiſch zu haben, während bei den Metzgern 90 Pfg.
bis 1 Mk. je nach Qualität bezahlt werden müſſen. —
Bautätig=
keit. Im neuen Jahre verſpürt man hierorts noch wenig von einem
Aufleben der Bautätigkeit. Es ſind wohl 2 oder 3 Wohnhausneubauten
in Ausſicht genommen, doch halten die Bauluſtigen im Hinblick auf die
ungewiſſe Lage immer noch zurück. Ein überaus wichtiger Faktor für
die Belebung der Bauwirtſchaft wäre noch eine Klarſtellung der Frage
über die Gewährung der verbilligten Baudarlehen. Nach Lage der
Ver=
hältniſſe dürfte wohl in dieſem Jahre mit größeren Mitteln nicht zu
rechnen ſein. Um ſo notwendiger wäre die Bekanntgabe der
Beſtimmun=
gen, damit bei den Bauluſtigen keine falſchen Hoffnungen erweckt werden.
Cp. Pfungſtadt, 2. April. Die Molkereigenoſſenſchaft
hat zur Erweiterung ihres Betriebes einen Paſteur angeſchafft, um auch
paſteuriſierte Milch in den Handel bringen zu können. Außerdem iſt
angeordnet worden, daß die Milchkühe ſämtlicher angeſchloſſenen
Mit=
glieder regelmäßig tierärztlich unterſucht werden.
Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 7
* Sleuer= und Wirkſchaftskalender
für die Zeit vom 1. bis 30. April 1931.
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
1. April: Obligationenſteuer. Zahlung der Halbjahrsrate der erhöhten
Obligationenſteuer gemäß Steuerbeſcheid. Schonfriſt eine
Woche.
1. April: Letzter Tag für die Entrichtung des Schulgeldes für die
Darmſtädter höheren Schulen und die gewerblichen
Fortbil=
dungsſchulen für März 1931 an die Stadtkaſſe. (Schonfriſt
bis 10. April 1931.)
5. (7.) April: Abgabe der Beſcheinigung an die Finanzkaſſe, daß die
Summe der im März 1931 abgeführten Steuerabzugsbeträge
mit der Summe der im März 1931 einbehaltenen
Steuer=
beträge übereinſtimmt. (Keine Schonfriſt.)
(7.) April: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 16.
bis 31. März 1931 erfolgten Lohnzahlungen. Falls die bis
zum 15. März 1931 einbehaltenen Beträge 20 RM. nicht
erreicht haben, im Ueberweiſungsverfahren Abführung, der
Lohnſteuer für die in der Zeit vom 1. bis 31. März 1931
erfolgten Lohnzahlungen. (Keine Schonfriſt.)
Ferner Ledigenſteuer, ſoweit ſie im Steuerabzugsverfahren
einbehalten wird.
5. (7.) April: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. März 1931 fällig
geweſene 6. und letzte (gemeindliche) Ziel der Gemeinbe=,
Kreis= und Provinzialumlagen für das Rechnungsjahr 1930=
1931 Grüner Stenerzettel.
5. (7.) April: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. März 1931 fällig
geweſene 6. und letzte Ziel der Filialſteuer in Darmſtadt für
das Rechnungsjahr 1934/31. Weißer Beſcheid.
(7.) April: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. März 1931 fällig
geiveſene 6. und letzte Ziel der Müllabfuhr=,
Straßenreini=
gungs= und Kanalbenutzungsgebühr in der Stadt
Darm=
ſtadt für das Rechnungsjahr 1930/31. Blauer
Gebühren=
beſcheid.
10. April: Zahlung der Börſenumſatzſteuer, ſoweit dieſe im
Abrech=
nungsverfahren eutrichtet wird.
10. April: Ablauf der Schonfriſt für die Entrichtung des Schulgeldes
für die Darmſtädter höheren Schulen und die gewerblichen
Fortbildungsſchulen für den Monat März 1931.
10. April: Umſatzſteuer=Voranmeldung und Vorauszahlung für das
erſte Vierteljahr 1931. Schonfriſt bis 15. April 1931.
10. April: Einkommenſteuer=Vorauszahlung für das erſte Vierteljahr
1931. Nicht für Landwirtel (Keine Schonfriſt.)
Die Stillegung der Hefrag in Wölfersheim.
10. April: Körperſchaftsſteuer=Vorauszahlung für das erſte
Viertel=
jahr 1931. Nicht fürLandwirtel (Keine Schonfriſt.)
15. April: Ablauf der Schonfriſt für die am 10. April 1931 fällig
ge=
weſene Umfatzſtener=Voranmeldung und =Vorauszahlung.
H. W. Wohmann.
(f) Noßdorf, 2. April. Sperrzeit für Tauben. Nach einer
Bekanntmachung der Bürgermeiſterei ſind die Tauben vom 1. bis 14.
April infolge der Saatzeit eingeſherrt zu halten. Zuwiderhandlungen
wverden nach § 39 des Feldſtrafgeſetzbuches zur Anzeige gebracht.
Nodungsarbeiten. Bei den in Angriff genommenen
Nodungs=
arbeiten im Gemeindewald haben eine Reihe ausgeſteuerter Arbeitsloſer
Beſckäftigung gefunden.
Br. Seckmauern, 2. April. Der Förſter Wilhelm Rummel,
Seck=
znauern, feierte am 1. April 1931 ſein 40jähriges Dienſtjubiläum als
Forſtbeamter. Der frühere Brotherr, das Fürſtl. Haus von Erbach=
Schönberg in Schönberg, bei welchem Förſter Rummel 3934 Jahre in
Dienſten ſtand, übermittelte ein Dankſchreiben, verbunden mit einem
Geſchenk. Ebenſo wurden von ſeinen Vorgeſetzten viele herzliche Dank=
und Gratulationsſchreiben überſandt. — Der Landwirt Joh. Peter
Eckert 6., Seckmauern, begeht am 4. April 1931 ſeinen 82. Geburtstag
in geiſtiger und körperlicher Friſche.
— Fränkiſch=Crumbach, 2. April. Am 1. Oſterfeiertag, abends,
fin=
der im Saale „Zur Traube” ein Blaskonzert ſtatt, ausgeführt
von der verſtärkten Kapelle Bauer, unter Leitung von Herrn Bertſch.
Heppenheim, 2. April. Vom 26. bis 30. März fand in der neu
eingerichteten Jugendherberge auf der Starkenburg eine
Abi=
turientenfreizeit ſtatt. Sie war gut beſucht, ſo daß noch einer Reihe von
Intereſſenten abgeſagt werden mußte. Das Geſamtthema war: „Geiſtige
Bildung und Lebensgeſtaltung im Zeitalter der Technik.‟ Die Leitung
hatte der Landesjugendpfarrer Lie. v. d. Au. Mitarbeiter waren:
Pfar=
ger Storck=Heppenheim. Studienrat Behrich=Offenbach, Pfarrer Lic.
Nuh=
land Hirfchhorn. Jügendpfarrer Lic: zur Nieden=Offenbach. Schulrat
Haſſinger vom Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen ſtattete als
GHauvorſitzender des Jugendherbergsverbandes der Freizeit einen
Be=
ſuch ab. Die zur Verpflegung nötigen Lebensmittel waren in der
Haupt=
ſache von einer oberheſſiſchen Gemeinde und von Heppenheimer
evan=
geliſchen Gemeindegliedern geſtiftet.
Gießen, 1. April.
Zu der berichteten Stillegung des Braunkohlen=
Schwel=
kraftwerkes Heſſen=Frankfurt A. G. (Hefrag) in
Wölfers=
heim und der daraus zu erwartenden Entlaſſung von rund 1300
Arbei=
tern und Angeſtellten erfährt der „Gießener Anzeiger” folgendes:
Die Stillegung der Hefrag, mit der zum 1. Juli zu rechnen iſt, hat
drei bedeutſame Gründe. Zunächſt iſt es der allgemeine Zuſammenbruch
der internationalen Oelwirtſchaft, in der auf der einen Seite eine
ſtän=
dig anwachſende Ueberproduktion an Erdöl herrſcht, während auf der
anderen Seite die Abſatzmärkte immer mehr einſchrumpfen. Als
zwei=
tes kommt hinzu das Dumping der Ruſſen, die ihre Benziuvorräte um
jeden Preis auf den deutſchen Markt werfen, um hier Abſatzgebiete zu
erobern. Infolgedeſſen iſt es zu einem rieſigen Preiskampf auf dem
Benzinmarkt gekommen, den die Nuſſen durch ihr von den
Konkurren=
ten abgelehntes Verlangen auf eine Quote von jährlich 400 000 Tonnen
Benzin beſonders verſchärft haben. Die Konkurrenzunternehmungen der
Ruſſen auf dem Benzinmarkt bemühen ſich, den unbequemen rufſiſchen
Ri=
valen nur ein weſentlich geringeres Abſatzfeld in Deutſchland zu
über=
laſſen, ſo daß nun infolge des Quotenverlangens der Ruſſen der Kampf
um den Benzinabſatz auf der ganzen Linie in vollem Umfang entbrannt
iſt. Weiter iſt in dieſem Zuſammenhange zu beachten, daß die
Benzin=
preiſe international ſehr ſchwvach liegen, weil es allen ausläudiſchen
Ben=
zinfirmen infolge der Ueberproduktion und des Abſatzmangels nicht gut
geht. Da der weitaus größte Teil des in Wölfersheim erzeugten Teers
und Leichtöls als Ausgangsprodukt für die Benzinerzeugung verwandt
wird, ſind die Zuſammenhänge zwiſchen dem Kampf auf dem
Benzin=
markt und den Schwierigkeiten des Wölfersheimer Werkes ohne weite=
Sonderveranſtaikungen in Bad=Rguheim.
Auch in dieſem Jahre wieder hat Bad=Nauheim, ſeiner
Ueberliefe=
rung getreu, ein ausgewähltes und reiches Programm künſtleriſcher,
ge=
ſellſchaftlicher und ſportlicher Sonderveranſtaltungen zuſammengeſtellt.
Eine beſondere Note erhält das künſtleriſche Programm durch eine
Nordiſche Woche, deren Rahmen vier Veranſtaltungen umfaßt:
Am 14. Mai erſcheint Strindbergs Schauſpiel „Schwanenweiß‟. Am
15. Mai findet ein der Nordiſchen Muſik gewidmetes Sinfonie=Konzert
ſtatt mit Profeſſor Julius Ruthſtröhm=Stockholm, Violine, als Soliſt.
Der 16. Mai bringt einen Tanzabend mit Elly Holmberg, Solotänzerin
der Stockholmer Oper, als Gaſt. Am 17. Mai ſchließt ein populärer
„Nordiſcher Abend” dieſe intereſſante Feſtwoche, die bei den Gäſten Bad=
Nauheims aus dem In= und Auslande lebhaften Anklang finden wird.
An Opern=Aufführungen mit hervorragender Beſetzung
ſind im Laufe der Kurzeit vorgeſehen: „Carmen” (7. Mai), „Der
Roſen=
kavalier” (31. Mai). Zar und Zimmermann” (11. Juni). „Rigoletto‟
(9. Juli), „Tiefland” (23. Juli).
Das Genre der Operette iſt vertreten durch: „Der Bettelſtudent”
(31. Mai) „Viktoria und ihr Huſar” (25. Juni), „Der Vogelhändler”
(20. Auguſt).
Die ſieben Sinfonie=Konzerte (15. Mai, 4. Juni, 2. Juli,
16. Juli, 6. Auguſt, 27. Auguſt. 10. Sevtember) bringen u. a. Werke von
Atterberg. Mahler, Reger, Sibelius, Taylor. Als Soliſten wurden
außer dem ſchon genaunten Violinvirtuoſen Profeſſor Julius
Ruth=
ſtröhm=Stockholm, gewonnen: Herta Glückmann=Breslau. Andre
Kreuch=
auff=Müncken. Geſang (4. Juni) und Elſe Jolles=Berlin (Mozart=Feier
am 6. Auguſt). — Für einen Richard=Wagner=Abend (28. Mai) wurde
als Soliſt Reiner Minten. Heldentenor der Leipziger Oper, verpflichtet.
— Ein weiterer Nichard=Wagner=Abend findet am 13. Auguſt ſtatt. —
Einen Violin=Abend (30. Juli) gibt Laſzlo Szentgyörgi. — Ein Chor=
Konzert „Ein deutſches Requiem” von Brahms (3. September) findet
unter Mitwirkung des Muſikvereins Friedbera/H. ſtatt, mit den
Soli=
ſten A. Quiſtorp=Leipzig. Kurt Wichmann=Halle.
Das Kurorcheſter für dieſe Kurzeit iſt das Städtiſche Orcheſter von
Mainz. Der erſte Dirigent iſt General=Muſikdivektor Heinz Bongartz=
Bad=Nauheim und der zweite Dirigent Muſikdirektor Willy Naue=Bad=
Nauheim.
Zum Schutz gegen
OyrlPPe
Pantiavin
Erkällungskrankheilen, / pasmuen
Handel-u. Hafsentzündengen A (aSsionsvuesosswert
res erſichtlich. Als drittes Moment für die Beurteilung des
Wölfers=
heimer Entſchluſſes kommt das überaus reichliche Erdölvorkommen in
der Lüneburger Heide ſeit September vor. Js. in Betracht, für das die
Möglichkeit zur Aufarbeitung zur Zeit in Deutſchland nur in
beſchränk=
tem Umfange vorhanden iſt, weil entſprechend der bisherigen geringen
Urproduktion nur wenige deutſche Raffinerien beſtehen. Infolgedeſſen
haben ſich die Erdölbetriebe in der Lüneburger Heide mit ihrer
Pro=
duktion zum Teil auch auf den Rohteermarkt geworfen und damit dort
zu der Preisrevolutionierung ebenfalls beigetragen, während gleichzeitig
die Benzinkonvention zuſammengebrochen iſt und die Preisgeſtaltung
für Wölfersheimer Braunkohlen=Schwelteer, die in enger Abhängigkeit
vom Benzinpreis ſteht, unter ungeheuren Druck geraten. So kam es,
daß der Preis für das Wölfersheimer Teerprodukt um nicht weniger als
drei Fünftel gegenüber den Erlöſen von 1929 bis 1930 gefallen iſt. Was
das bedeutet, ſagt die Tatſache, daß die Wölfersheimer
Schwelteerpro=
duktion die größte von ſämtlichen Betrieben Deutſchlands iſt. Bei dieſer
Sachlage müſſen leider die Betriebsausſichten des Schwelkraftwerkes iw
Wölfersheim als ſo trübe bezeichnet werden, daß die Stillegung
zwangs=
läufig wurde. Es iſt außerordentlich bedauerlich, ſowohl für die
Wirt=
ſchaftsgeſamtheit unſerer Provinz, wie auch für den Arbeitsmarkt, und
nicht zuletzt für das Unternehmen ſelbſt, daß dieſer mit großen
Hoff=
nungen begleitete Betrieb jetzt in derartige Schwierigkeiten geraten iſt.
Man darf wohl als ſelbſtverſtändlich annehmen, daß alle Möglichkeiten
zur Behebung dieſes Notſtandes, ſoweit ſie noch irgendwie gegeben ſind,
unverzüglich angeſvandt werden, um den Wölfersheimer Betrieb in
Gang zu erhalten und damit auch dem Arbeitsmarkt die außerordentlich
unerwünſchte Neubelaſtung mit rund 1300 Erwverbsloſen zu erſparen.
Eine Internationale Tanzwoche (17. bis 21. Juni) bringt
Gaſtſpiele bedeutender Tanzſtars. Ferner die beiden großen
Internatio=
nalen Konkurrenzen: Meiſterſchaft von Europa für Profeſſionals und
Meiſterſchaft von Europa für Amateure. Daran ſchließt ſich eine
Tanz=
ſchau der beſten Tanzpaare Europas. Ein Nationales Tanzturnier
fin=
det am 12. September ſtatt.
Die Pflege des Sportes findet ihren Ausdruck vor allem in
einem Internationalen Tennisturnier (14. Auguſt), in einem Golfturnier
(19. Auguſt) auf dem bedeutend erweiterten Golfplatz, und zwei
Inter=
nationalen Wurftauben=Schießen (24. Juni, 26. Auguſt).
Zu dieſen Veranſtaltungen geſellen ſich Illuminationen des
Kur=
parks (16. Juni, 7. Juli, 21. Juli), Feuerwerke (26. Mai, 11. Auguſt),
eine Noſen=Sonder=Schau mit anſchlie endem Roſenfeſt und Ball (18.
Juli), ein Blumen=Korſo (19. Juli), ein Sommernachtsfeſt (27. Jum),
ein Sommernachtsfeſt (1. Auguſt) und ein Winzerfeſt (5. September). —
Aenderungen bleiben vorbehalten.
— Hirſchhorn, 2. April. Waſſerſtand des Neckars am
1. April 1,93 Meter, am 2. April 1.96 Meter.
— Gernsheim, 2. April. Waſſerſtand des Rheins am
1. April 1,69 Meter, am 2. April 1,52 Meter.
a. Offenbach, 1. April. Bierſteuer. Für Neu=Ifenburg, Klein=
Auheim und Zellhauſen hat das Kreisamt angeordnet, daß die
Bier=
ſteuer, die mit dem heutigen Tage außer Kraft getreten wäre, auch für
das Rechnungsjahr 1931 zu erheben iſt. Auf Beſchluß des Gemeinderates,
älſo freiwillig, wird dieſe Steuer von heute ab in Froſchhauſen,
Götzen=
hain, Groß=Steinheim, Klein=Steinheim, Mainflingen. Lämmerſpiel,
Obertshauſen, Rembrücken und Steinbach erhoben. Die Erhebung iſt
unbefriſtet, läuft alſo nicht mit dem Rechnungsjahre 1931 ab. —
Zins=
fußerhöhung. Um das Abziehen größerer Einlagenbeträge zu
unterbinden, erhöht die Städtiſche Sparkaſſe den Zinsfuß für
Spar=
einlagen, und zwar für Einlagen bis zu 5000 Mark um ½, für höhere
Beträge um 14 h. H.
Geſchäfliches.
Den Frühlingskatarrh
halten viele Menſchen für unvermeidlich und bedenken nicht, daß ſich
daraus oft ſehr ſchwere Erkrankungen bilden können. Man ſchützt ſich
am beſten von vornherein vor derartigen Erkrankungen, wenn man von
Zeit zu Zeit einige „Panflavin=Paſtillen” im Munde
zer=
gehen läßt. Dieſe desinfizieren gründlich Hals und Rachenhöhle und
ſind für jeden, der geſund bleiben will, unentbehrlich. Dank ihres
aus=
gezeichneten milden Wohlgeſchmacks werden ſie von jung und alt gern
genommen und gehören zum eiſernen Beſtand der Hausapotheke.
Hachrichten des Slandesamts Darmſtadt.
Geſtorbene. Am 27. März: Zeiß, Katharina, geb. Lammers, 50
J., Ehefrau des Landwirts in Fürth; Gambel, Babette, 65 J., ohne
Beruf, ledig, Gernsheim a. Rh., hier Martinspfad 72: Roth. Friedrich
Ludwig, Steueraufſeher in Ruhe, 69 J., Heidelbergerſtr. 112; Arutzen.
Karoline Auguſte, geb. Boclo, 68 J., Witwe des Ingenieurs,
Roßdorfer=
ſtraße 4. Am 28. März: Krichbaum. Anna Katharina, Schülerin,
7 J., Billings, hier Grafenſtr. 9; Schubkegel, Friedrich, Kaufmann,
Landwehrſtr. 19. Am 29. März: Koch. Jakob, Zugführer i. R., 80 J.,
Moosbergſtr. 46. Am 28. März: Heil, Johann Adam,
Schutzmauns=
wachtmeiſter i. R., 78 J., Soderſtr. 51: Kifſinger, Marie, 5 J.,
Griesheim, Kr. Darmſtadt, hier Grafenſtr. 9. Am 30 März: Reh.
Friedrich, Oberbaurat i. R., 67. J.. Gervinusſtr. 95; Nauſch. Anna
Martha Eliſabeth Katharina, geb. Bahrer, Witwe des Taglöhners,
Hinkelsgaſſe 16: Schmitt, Margarete, 9 Tage, Arheilgen, hier
Hein=
heimerſtr. 21; Müller, Eliſabeth Jacobine Karoline, geb. Schul,
54 J., Rhönring 145. Am 31. März: Pfeiffelmann, Charlotte,
geb. Keller, 72 J., Witwe des Kirchendieners in Worms, Burkhardſtr. 10;
Schmitt, Hildegard, 10 Tage, Arheilgen, hier, Heinheimerſtraße 21.
Am 24. März: Klein, Karl Johann Friedrich,
Stadtgartenoberinſpek=
tor, 45 J., Steinbergweg 45. Amr 1. April: Ihrig, Noſalia, geb.
Goldmann, 34 J., Ehefrau des Fuhrmanns, Schwanenſtr. 8.
Kiichliche Nachrichken.
Samstag (4. April).
Martinstirche. Abends 6 Uhr: Beichte. Pfarrer Kühler
Johannestirche. Abends 6 Uhr: Vorbereitungsgottesdienſt. Pfaurer
Marx.
Stiftskirche. Nachm. 3 Uhr: Liturgiſche Paſſionsandacht mit Beichte.
1. Oſterfeiertag (5. April).
Kollekte in Stadttirche, Stadtkapelle und Schloßkirche für die Kirchenkaſſe
(Gemeindepflege der Stadtgemeinde).
Stadtkirche. Vorm. 8,30 Uhr: Chriſtenlehre für die Markusgemeinde.
Pfarrer Vogel. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Superintendent
Dr. Müller, (Kirchenchor.) — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Lautenſcläger. — Nachm. 5 Uhr: Predigtgottesdienſt mit
Vor=
bereitung für die Konfirmation der geſamten Aeformationsgemeinde
Pfarrer Wagner.
Die Stadtkircke iſt wochentags von 9—,6 Uhr zu ſtiller Andacht
ge=
öffnet. Eingang Nordtüre.
Stabtkapelle. Vorm. 7 Uhr: Oſtermette mit Feier des heiligen
Abendmahles. Pfarrer Heß. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Heß. — Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfaurer Vogel.
Schloßkirche. Vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre. Dekan Zimmermann.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Dekan Zimmermann. — Vorm. 11.15
Uhr: Kindergottesdienſt. Dekan Zimmermann.
Martinslirche. Vorm. 7 Uhr: Oſtermette unter Mitwirkung des
Poſaunenchors. Pfarrer Beringer. — Vorm 10 Uhr: Hauptgottesdienſt
unter Mitwirkung des Kirchenchors und Feier des heiligen
Abend=
mahls. Landeskirchenrat D. Waitz. Anmeldung von 930 Uhr an in
der Sakriſtei. — Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt für die
Martins=
gemeinde Weſt. Pfarrer Dr. Berg”r.
Aitersh=im. Vorm. 9,30 Uhr: Einweihung der neuherg ſtellten
Kapelle. Pfarrer Dr. Belgir. Anſckließend: Oſtergot esdienſt mit
Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Köhler.
Johanneskirche. Vorm. 7 Uhr: Oſtermette. Pfarrer Marx. —
Vor=
mittags 10 Uhr: Hauptaottesdienſt. Pfarrer Goethe. — Vorm. 11.15
Uhr: Kindergottesdienſt.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie) Vorm. 10
Uhr: Feſtgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Becke: — Vorm. 11.15 Uhr:
Kinder=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Bccker. — Abends 6 Uhr:
Vorbereitungs=
gottesdienſt. Pfauraſſiſtent Becker.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). (Kollekte für den Kirckeufonds
der Petrusgemeinde.) Vorm. 7 Uhr: Oſterfrühfeier. Pfarrer Irle. —
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des heiligen Abendmahles.
Anmeldung von 3,30 Uhr an in der Sakriſtei. Pfarrer Weiß. — Vorm.
11.45 Uhr: Kindergottesdienſt be der Bezirke. Pfarrer Weiß. — Abends
6 Uhr: Vorbereitungsgottesdienſt für das Konfirmationsabendmahl des
Beſtbezirks. Pfarrer Irle.
Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfaurer Rückert. Feier des heiligen für junge Männer.
Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung von halb 10 Uhr an in der
Sakriſtei.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit heiligem Abend= — Mittwoch, abends 8,30 Uhr: Bibelſtunde: Gekreuzigt (Matth. R, 32
mahl. Pfarrer Hickel. — Nachm. 3 Uhr: Liturgiſche Oſterandacht.
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Heldmann, Griesheim=Arheilgen.
2. Oſterfeiertag (6. April).
Stadttirche. Vorm. 9.30 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Konfirmation mit Lichtbildervortrag: „Das Deutſche Reich von ſeiner Grimdung bis
und Feier des heiligen Abendmahls für die geſamte Reformations= zur Gegenwart”.
gemeinde. Pfarrer Lautenſchläger und Waguer.
Stadtkapelle. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Dr.
Bergér.
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Heß.
Konfirmandenſaal im Schloß. Dienstag, 7. April, abends 8 Uhr: handlung mit Predigt. — Oſtermontag: Oſterfeier in Oberbeerbach.
Mädchenvereinigung der Schloßgemeinde. — Donnerstag, den 9. April,
abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadtgemeinde. — Samstag, den
11. April, abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadtgemeinde.
Po=
ſaunenchor.
Gemeindehaus (Kiesſtraße 17). Dienstag, 7, Aduil, abends 8 Ubr: Abends 7 Uhr: Predigt=Gottesdienſt. Thema: „Karfreitagsſorgen
Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (ältere Abteilung). — Mädchen= Oſterfreuden”. Prediger: Hermaun Mann=Frankfurt a. M.
Anſchlie=
vereinigung der Reformationsgemeinde (jüngere Abteilung). — Mitt= ßend Feier des Geiligen Abendmahls,
woch. 8. April, nachm. 4 Uhr: Jungſchar der Stadtgemeinde. — Abends
8 Uhr: Jugendbund. der Markusgemeinde (ältere Abteilung). —
Mäd=
chen=Vereinigung de Reformationsgemeinde (ältere Abteilung). — Don= vormittags 11,15 Uhr: Sonntagsſchule. Nachmittags 4,30 Uhr:
Verkün=
nerstag, 9. Abril, abends 8 Uhr: Jugendbund der Lukasgemeinde (jün= dicung des Wortes Gottes. Montag, den 6. April (Oſtermontag). 10
gere Abteilung). — Freitag, 10. April, abends 8 Uhr: Jugendbund der Uhr vormittag3: Betrachtung des Wortes Gottes. Mittwoch, den 8.
Markusgemeinde (füngere Abreilung).
gemeinde.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer Beringen
Martinskirche. Vorm. 7 Uhr: Oſtermette. Pfarrer Dr. Berger.
Vorm. 9 Uhr: Konfirmation der 2. Konfirmandenabteilung der Mau= jeden Sountag, vorm. 10 Uhr, und jeden erſten und dritten
Mitt=
tiunsgemeinde Oſt mit Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Köhler, digt: 2. Kor 4:18
Kollekte für kirchliche Zwecke. — Nachm. 3 30 Uhr: Vorſtellung und
Prü=
fung der 1. Konfirmandenabteilung der Martinsgemeinde Weſt.
Landes=
kirchenrat D. Waitz.
des Nordbezirks. Pfarrer Marx.
geöffnet.
Abendmahls. Pfarraſſiſtent Becker.
Oſterfeier im Mütterabend.
Beffunger Kirche (Petrusgemeinde). (Kollekte für den Kindergottes=
Irle. — Nachn. 3 Uhr: Prüfung und Vorſtellung der Konfirmanden kommen
des Oſtbezirks. Pfarrer Weiß.
ſtandsſitzung des Frauendereins. — Freitag, 10 April, abends 8.15 Uhr: nerstag, abends 8 Uhr: Bibelſtudium mit Diskuſſion.
Kirchenchor — Samstag. 11. April, abends 8 Uhr:
Vorbereitungsgottes=
dienſt für das Konfirmationsabendmahl des Oſtbezirks. Pfarrer Weiß.
Pauluskirche. (Kollekte für die Pauluskirche.) Vorm. 930 Uhr:
mahls. Pfarrer Müller — Nachm 3 Uhr: Vorſtellung und Prüfung ſchließend: Feier des hl. Abendmahls.
der Konfirmanden des Oſtbezirks. Pfarrer Rückert. — Nachm. 5 Uhr:
Nackfeier für die Konfirmanden des Weſtbezirks. Pfarrer Müller.
Stiftslirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptyottesdienſt. Pfarrer Waldeck.
Nachm. 3 Uhr: Liturgiſche Oſterandacht.
ſtunde. — Nachm. 3 30 Uhr: Bibelſtunde. Heur Bringmnann. — Dienstag, mit heiligem Abendmahl
abends 8.30 Uhr: Blaukreuz=Bibelſtunde. — Mittwoch, abends 8.15 Uhr:
Bringmann. — Freitag fällt die Bibelſtunde in Beſſungen aus.
Samstag, abends 8.15 Uhr: Poſaunenchor.
Bibelbeſprechſtunde für junge Männer. — Nachm. 4.45 Uhr: Bibel= Bibelſtudium mit Diskuſſion.
beſprechſtunde für junge Mädchzn. — 2. Oſtertag: Ausflug in den Oden=
— Mittwoch, nachm. 3 Uhr: Kinderbund. — Abends 8.15 Uhr: Frrundes=Bibelſtudium mit Diskuſſion.
Pauluskirche. (Kollekte für den Kirchenfonds der Paulusgemeinde.) kreis für junge Männer. — Donnerstag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V. (Alexanderſtr. 22,
Infan=
terie=Kaſerne, Hof links). Oſtern auf Fahrt nach König—Miltenberg.
bis 44). — Donnerstag: Heimabend. — Freitagabend auf dem Sbort=
Schloßkapelle Kranichſtein. 1. Oſterfeiertag, vorm. 10 Uhr: Feſt= platz. — Sonntag, 12. April: Vortrag von Dr. Kiſſel: „Vom Sport”
(mit Lichtbildern). — Mittwoch: Jungſchar: Auf Fahrt!
Evangeliſcher Arbeiter= und Handwerkerverein: Feierabend (
Stifts=
ſtraße 51). Dienstag, 7. April. abends 8.30 Uhr: Monatsverſammlung
Die Chriſtengemeinſchaft. (In der Städt. Akademie für Tonkumt,
Elifabethenſtraße.) Oſterſonntag, 5. April: 9.30 Uhr: Kinder=
Sonntagshandlung. 10 Uhr: Konfirmation. 10.30 Uhr: Menſchenweihe=
Sonſtige Gemeinden.
Methodiſten=Gemeinde (Evang. Freikirche). Wendelſtadtſtraße 38.
Oſter=Sonntag (5. April): Vormittags 11 Uhr: Sonntagsſchule.
Chriſtliche Verſammlung, Zimmerſtraße 4. Sonntag, den 5. April.
Jugendbund der Kaplanei= Abril, abends 8.15 Uhr: Gebetſtunde. Freitag, den 10. April, abends
8.15 Uhr: Betrachtung des Wortes Gottes (2. Theſſ Kav. 2—3.).
Chriſtlich=wiſſenſchaftliche Vereinigung (Chriſtian Science
Society), Aula der Landesbauſchule, Neckarſtraße 3. Gottesdienſte
woch im Monat, abends 8.15 Uhr, Thema: Unwirklichkeit; Pre=
Die Heilsarmee, Schulzengaſſe 3 Karfreitag 8 Uhr: Oefftl.
Verſammlung. — Oſterſamstag, 8 Uhr: Extra=Verſammlung im
Johanmeslirche, Vorm. 10 Uhr: Konfirmation der Konfirmanden Saale der Evang. Stadtmiſſion, Mühlſtraße 24: Oſter=Oratorium
„Vom Kreuz zum Thron”. Jedermann iſt eingeladen. — 1. Feier=
Die Johanueskirche iſt wockentags von 7—7 Uhr zu ſtiller Andacht tag, vorm. 10 Uhr: Heiligungs=Verſammlung; 11.30 Uhr:
Kin=
der=Verſammlung; nachm. 3 Uhr: Kinder=Wegweiſer=Unterricht;
PaulGerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie), Vorm. jo nachm. 5 Uhr: Kinder=Heils=Verſammlung; abds 8 Uhr: Auf=
Uhr: Hauptgottesdienſt mit Konfirmation und Feier des heiligen erſtehungsfeier. — Dienstag, abds. 8 Uhr: Mitglieder=
Verſamm=
lung. — Mittwoch abds. 8 Uhr: Heils=Verſammlung. — Don=
Veranſtaltungen: Donnerstag, 9. April, abends 8 uhr: nerstag, abds. 8 Uhr: Heimbund für Frauen und Mädchen.
Freitag, abds. 8 Uhr:; Heiligungs=Verſammlung.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Darm=
dienſt der Petrusgemeinde.) Vorm. 9.30 Uhr: Konfirmation der Kon= ſtadt. Pfungſtädter Straße 7 I (Reſt. zur Harmonie): Jeden
Don=
firmanden des Weſtbezirks mit Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer 8 Uhr: Bibelſtudium mit Diskuſſion. Jedermann herzlich will=
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe Eber=
Veranſtaltungen: Mittwoch, 8. April. vorm. 10 Uhr: Vor= ſtadt, Pfungſtädter Straße 7 ] (Reſt. zur ahrmonie): Jeden Don=
Auswärtige Gemeinden.
Ev. Gemeinde Eberſtadt Karfreitag, vormittags 9.30 Uhr:
Konfirmationsfeier für den Weſtbezirk und Feier des heiligen Abend= Hauptgottesdienſt unter Mitwirkung des Kirchenchors; an=
Provinzial=Pflegeanſtalt. Nachmittags 1.30 Uhr: Gottesdienſt
mit Feier des hl. Abendmahls. 1. Oſtertag.
Evangeliſche Gemeinde Traiſa. Erſter Oſtertag: 9.30 Uhr:
Feſtgottesdienſt. 10.,30 Uhr: Kindergottesdienſt der Gr.; 13 Uhr: Kinder=
Stadtmiſſion (Mühlſtr. 24). 1. Oſtertag, vorm. 9 Uhr: Gebets= gottesdienſt der Kl. — Zweiter Oftertag: 9.30 Uhr: Konfirmation
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe Rein=
Gemiſchter Chor. — Donnerstag, abends 8,30 Uhr: Bibelſtunde. Herr heim i. O., Kirchſtr. 93. Jeden Samstag, abends 8 Uhr:
Bibel=
ſtudium mit Diskuſſion.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe Auer=
Jugendbund für E. C. (Mühlſtr. 24). 1. Oſtertag, uachnu. 2,30 Uhr: bach, Darmſtädter Straße 2. Jeden Mittwoch, abends 8 Uhr;
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Bicken=
wald. Abfahrt 8 Uhr Oſtbahnhof. Treffen halb 8 Uhr am Oſtbahnhof, bach, Darmſtädter Straße 69. Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr;
Seite 8
Freitag, den 3. April 1931
Nummer 93
Reich and Ausland.
Ein engliſches Flagzeugmukkerſchiff
rammk einen franzöfiſchen
Pgſſeglerdampfer.
London. Ein ſchwerer Zuſammenſtoß hat
ſich am Mittwoch zwiſchen dem engliſchen
Flug=
zeugmutterſchiff „Glorious” und dem franzöſiſchen
Paſſagierdampfer „Florida” infolge dichten
Ne=
bels in der Nähe von Gibraltar ereignet. Das
Flugzeug=Mutterſchiff ſoll keinerlei
Beſchädi=
gungen davongetragen haben, die „Florida”
da=
gegen iſt ſtark beſchädigt, ſo daß ſämtliche 500
Paſſagiere an Bord des Kriegsſchiffes
übernom=
men werden mußten. Von der Beſatzung des
franzöſiſchen Dampfers wurden mehrere Mann
getötet und verſchiedene andere verletzt, doch ſteht
deren genaue Zahl noch nicht feſt. Paſſagiere der
„Florida” ſind anſcheinend nicht zu Schaden
ge=
kommen. Dem Paſſagierdampfer wurde von dem
Flugzeugmutterſchiff ein weitklaffender Riß auf
der Steuerbordſeite beigebracht. — Die 17
Flug=
zeuge, die ſich bei dem Zuſammenſtoß in der Luft
befanden, mußten auf dem ſpaniſchen Flugplatz
Malaga niedergehen.
Der Zuſammenſtoß des engliſchen
Flugzeug=
mutterſchiffs „Glorious” mit dem franzöſiſchen
Dampfer „Florida” öſtlich von Gibraltar, iſt
nach den letzten Meldungen folgenſchwerer
ge=
weſen, als zunächſt angenommen wurde. Die
Admiralität gibt ohne genaue Zahlenangabe
be=
kannt, daß einige Matroſen der Beſatzung der
„Florida” getötet und eine ganze Reihe ſchwer
verletzt worden ſind. Die 500 Paſſagiere, die die
„Florida” von Buenos Aires nach Genua an
Bord hatte, wurden auf die „Glorious”
über=
führt. Später nahm das Kriegsſchiff die „
Flo=
rida” ins Schlepp, um ſie nach Malaga zu
bringen, wo die beiden Schiffe am Donnerstag
erwartet wurden.
26 Todesopfer des Schiffszuſammenſtoßes
bei Gibraltar.
London. Bei dem Zuſammenſtoß des
eng=
liſchen Flugzeugmutterſchiffes „Glorious”, mit
dem franzöſiſchen Dampfer „Florida” ſind, nach
einer Mitteilung des engliſchen
Außenminiſte=
riums, im ganzen 26 Menſchenleben zu beklagen,
und zwar ſind tödlich verunglückt zwei Matroſen
der „Glorious” und ein Paſſagier der „Florida”,
während 23 Paſſagiere als vermißt gemeldet
werden, die aber zweifellos ums Leben
gekom=
men ſind. Verletzt wurden 16 Perſonen, davon
haben 10 Aufnahme im Hoſpital von Malaga
gefunden. Die große Zahl der tödlich
verunglück=
ten Perſonen iſt in der Hauptſache darauf
zu=
rückzuführen, daß die Deckladung der „Florida‟
im Augenblick des Zuſammenſtoßes in ſich
zuſam=
menſtürzte und eine Gruppe von Auswanderern
unter ſich begrub. Die „Glorious” war gerade
damit beſchäftigt, Flugzeuge aus dem Waſſer an
Bord zu nehmen, als ſich das Unglück ereignete.
Grauenvolle Bluttat.
Aſchaffenburg. Am Donnerstag früh
7 Uhr erſchoß die 24 Jahre alte, geſchiedene
Ehe=
frau Thereſe Möhn ihre 37 Jahre alte Schweſter,
ihre drei Kinder, ein Zwillingsmädchenpaar im
Alter von ſechs Jahren und einen Jungen von
vier Jahren. Die Schweſter und die beiden
Kin=
der waren ſofort tot, der Junge liegt im
Ster=
ben. Die Täterin ſtürzte ſich aus dem 4. Stock auf
die Straße, wo ſie tot liegen blieb. Die Frau
lebt ſeit drei Jahren in Scheidung und beging
die Tat deshalb, weil ſie auf eine gerichtliche
Entſcheidung hin die Kinder heute an ihren in
Karlsruhe lebenden Ehemann abgeben ſollte,
der Verſicherungsbeamter iſt.
Verwegener Raubüberfall.
Berlin. Ein dreiſter Raubüberfall wurde
vorgeſtern abend auf das Verwaltungsbüro der
Siedlung Cecilien=Gärten in Schöneberg verübt.
Fünf Männer drangen in das Gebäude ein,
be=
drohten den Verwalter, deſſen Frau und den
Pförtner mit vorgehaltener Schußwaffe und
ent=
wendeten aus einer Schreibtiſchſchublade 20000
Maxk Mietgelder.
Eine 275-Zenkner=Glocke
läukei Oſtern ein.
Seit mehr als 400 Jahren bildet die
be=
rühmte „Glorioſa” im Dom zu Erfurt eine der
Hauptſehenswürdigkeiten der
zwölfhundertjäh=
rigen Luther=, Blumen= und Domſtadt. Mit
ihren 275 Zentnern iſt ſie, neben der Kölner
Domglocke, die größte deutſche Glocke. Das
Läu=
ten erfolgt nur am Vorabend vor großen Feſten
und am Feſttagsmorgen ſelbſt. Ihr eherner
Klang dringt weit über die Stadt mit ihren
trauten alten Winkeln und in die Berge des
nahen Thüringer Waldes
Die erooeoemtaiafttesne von Managau.
1150 Toke, 3000 Berlehie.
New York. Nach maßgebenden Schätzungen
ſind bei der Erdbebenkataſtrophe von Managua
1150 Menſchen ums Leben gekommen; die Zahl
der Verletzten beträgt 3000. Die Gerüchte,
wo=
nach 2500 Menſchen getötet worden ſeien, ſind
bisher nicht beſtätigt worden. Eine einigermaßen
genaue Schätzung iſt allerdings nicht vor einigen
Tagen möglich. Faſt die ganze Bevölkerung iſt
aus der zerſtörten Stadt ausquartiert worden.
Die Feuersbrunſt, die ſeit Beginn der
Kata=
ſtrophe faſt in der ganzen Stadt wütete, hat ſich
vorgeſtern, als plötzlich der Wind ſich drehte, auf
das Geſchäftsviertel ausgedehnt. Soweit bis
jetzt bekannt, ſind ſechs amerikaniſche Bürger
ums Leben gekommen. Der Sachſchaden an
ame=
rikaniſchen Gebäulichkeiten beläuft ſich auf 35
Millionen Dollar. Die große Südamerikaniſche
ſtände mit ſich. Mehrere amerikaniſche Aerzte
und ärztliches Hilfsperſonal, die ſich mit dieſen
Flugzeugen nach Managua begeben hatten,
konn=
ten mit der Hilfeleiſtung in der zerſtörten Stadt
beginnen. Das Kriegsſchiff „Rocheſter; iſt aus
Balboa (Panama) ausgelaufen und wird am
Freitag früh in Corinto, dem Hafen von
Ma=
nagua, erwartet. Es führt gleichfalls zahlreiche
Aerzte, Krankenſchweſtern und Hilfspecionai an
Bord. Ein Hoſpitalſchiff mit voller Ausrüſtung
iſt von Kalifornien aus unterwegs nach
Nicora=
gua. Außerdem wird in Corinto am Freitag das
amerikaniſche Transportſchiff „Chaomont”
er=
wartet. Ein Funkſpruch von der „Lexington”
meldet, daß ſich ſieben weitere Waſſerflugzeuge
nach Managua begeben werden, um eine
be=
ſchleunigte Hilfeleiſtung zu ermöglichen.
Das Präſidentenpalais in Managua.
Bank iſt auf Befehl der Militärbehörden
ge=
ſprengt worden. In ihren Kaſſen befanden ſich
500 000 Dollar Bargeld.
25 000 Flüchtlinge aus Managua.
Weitere leichte Erdſtöße.
New York. Wie aus Managua gemeldet
wird, haben 25 000 Einwohner die Stadt auf
Laſtwagen, Kraftwagen, Ochſenkarren und zu
Fuß verlaſſen und ſich in das Innere des Landes
begeben. 20000 Obdachloſe konnten in einem
rieſigen Zeltlager auf einem Hügel in der Nähe
der Stadt untergebracht werden. Auch der
Nationalpalaſt iſt bis auf die Grundmauern
ausgebrannt, wobei ſämtliche Regierungsakten
vernichtet wurden. Das deutſche Warenhaus
Franz Braun iſt vollſtändig zerſtört worden.
Es verlautet, daß der Präſident von Nicaragua,
Seuchen in Managua.
New York. Die durch das ſchwere
Erd=
beben und die darauffolgende verheerende
Feuersbrunſt verwüſtete Hauptſtadt von
Nica=
ragua, Managua, wird von einer Seuche
be=
droht. Die vielen Hunderte von Leichen liegen
noch unbeſtattet in den Straßen und ſtellen eine
große Gefahr für die Geſundheit der in der Nähe
von Managua kampierenden Einwohner dar. Es
ſind bereits Vorſichtsmaßnahmen
ge=
gen die Ausbreitung der Peſt
getrof=
fen worden. Man beabſichtigt, die
Ueberleben=
den einer Impfung zu unterziehen. Zahlreiche
amerikaniſche Flugzeuge mit Aerzten und
Nah=
rungsmitteln ſind in der Nähe von Managua
eingetroffen, während ſich weiteres
Hilfsperſo=
nal bereits nach Managua unterwegs befindet.
Wie der Präſident von Nicaragua, Moncada,
Karte des Unglücksgebietes.
Moncada, die vollſtändige Räumung der Stadt
erwägt, da in den Nachmittagsſtunden erneut
leichte Erdſtöße verzeichnet wurden.
Amerikaniſche Hilfeleiſtungen für Managua.
bekannt gibt, beſteht die Abſicht, Managua ganz
zu räumen und die Stadt Leon oder die Stadt
Granada zur Hauptſtadt des Landes zu erheben,
da der Wiederaufbau von Managua unmöglich
erſcheint.
Die amerikaniſchen Flottenſtäbe haben eine
umfaſſende Hilfsaktion für das Erdbebengebiet
von Managua eingeleitet. Fünf Flugzeuge
flo=
gen vom Kriegsſchiff „Lexington” etwa 240
Kilometer von der Oſtküſte Nicaraguas ab und
erreichten Managua. Sie führten grüßere
Mengen von Medikamenten, Verbandsmaterial,
Lebensmitteln und andere notwendige Gegen=
Des Reichspräſidenten Anteilnahme
an der Kataſtrophe in Nicaragua.
Berlin. Der Reichspräſident hat dem
Präſidenten der Republik Nicaragua anläßlich
der Erdbebenkataſtrophe in Managua ſeine und
des deutſchen Volkes herzliche Anteilnahme
tele=
graphiſch zum Ausdruck gebracht.
Ein neuer Zuſammenbruch in Paris.
Hunderte von Millionen Franken
verloren?
Paris. Eine neue Millionenbetrugsaffäre
wird heute bekannt. Bei der Filmgeſellſchaft
Pathé Natan ſind gerichtliche Durchſuchungen
vorgenommen worden. Nach dem „Journal du
Commerce” ſoll der Vorſitzende des Aufſichtsrats,
Natan, der in Wirklichkeit Tannenzapf heißt,
durch noch aufzuklärende Machenſchaften einen
großen Teil des Kapitals und der Reſerven der
Geſellſchaft verſchwendet haben. Er habe u. a.
etwa 90 Millionen Franken Aktiven der
Film=
geſellſchaft auf die ſchon vor längerer Zeit in
Schwierigkeiten geratene Bank Bauer de
Maré=
chal übertragen. Der Schaden für die Sparer
und Aktionäre werde ſich auf mehrere hundert
Millionen Franken belaufen.
Neun Todesopfer bei einem Flugzeugabſturz.
New York. In der Nähe von Emporia
(Kanſas) ſtürzte ein Verkehrsflugzeug ab. Alle
neun Inſaſſen wurden getötet. Unter den
Todes=
opfern befindet ſich der berühmteſte
Fußball=
trainer Amerikas, Knute Rockne.
Eröffnung der Deutſchen
Kunſtausſtellung in Belgrad.
Belgrad. Die geſtern erfolgte
Eröff=
nung der erſten deutſchen Kunſtausſtellung in
Belgrad geſtaltete ſich zu einem
kulturpoli=
tiſchen und geſellſchaftlichen
Ex=
eignis erſten Ranges. Niemals bei der
Eröffnung einer Kunſtausſtellung war ein ſo
vornehmes und zahlreiches Publikum anweſend,
wie bei dieſer erſten Fühlungnahme der
jugo=
ſlawiſchen Elite mit deutſcher Kunſt. Anweſend
war der Protektor der Ausſtellung, Prinz Paul,
der Vetter des Königs Alexander, ſeine
Gemah=
lin, Prinzeſſin Olga, und deren Schweſter,
Prin=
zeſſin Marie, der Unterrichtsminiſter
Maximo=
witſch, das geſamte diplomatiſche Korps, mit dem
päpſtlichen Nuntius an der Spitze, zahlreiche
frühere jugoſlawiſche Miniſter und
hervorra=
gende Vertreter der Belgrader Kunſt.
Der deutſche Geſandte Hatzfeld wies in
ſeiner Eröffnungsrede, die durch Rundfunk
ver=
breitet wurde, darauf hin, daß dieſe Ausſtellung
zwiſchen den beiden Ländern die künſtleriſchen
Beziehungen feſtigen und die Freundſchaft mit
ihnen vertiefen werde. Im Namen der
Deut=
ſchen Kunſtgeſellſchaft, die die Ausſtellung
veran=
ſtaltet, ſprach dann Fürſt Günther von
Schön=
burg=Waldenburg, worauf der jugoſlawiſche
Unterrichtsminiſter in einer längeren Rede die
Ausſtellung unter den Schutz der jugoſlawiſchen
Regierung nahm. Er erklärte, dieſe Ausſtellung
ſei ein kulturelles Erlebnis erſten Ranges. Das
erſt vor kurzem befreite jugoſlawiſche Volk
emp=
finde Dankbarkeit gegen die Nationen, die mit
ihm zuſammenarbeiten wollen. Er begrüße dieſe
Ausſtellung um ſo herzlicher, als das deutſche
Volk durch ſeine ſchöpferiſche Kraft in aller Welt
Achtung errungen habe.
Nachdem Prinz Paul die Ausſtellung für
er=
öffnet erklärt hatte, begann ein Rundgang.
Gleichzeitig findet in Belgrad gegenwärtig eine
Art Deutſche Woche ſtatt, in deren Rahmen
mehrere deutſche Kunſthiſtoriker und andre
Fach=
leute auf dem Gebiet der Kunſt Vorträge über
deutſches Kunſtweſen halten werden.
Die Bedeutung des deutſch=italieniſchen
Luftverkehrs.
Rom. Der italieniſche Luftfahrtminiſter
Balbo gab zu Ehren des Reichsverkehrsminiſters
von Gugrard im Hotel Excelſior ein Bankett, an
dem auch der deutſche Botſchafter von Schubert
mit ſeinen Mitarbeitern teilnahm. In einem
Trinkſpruch feierte Balbo die Bedeutung des
jetzt eröffneten deutſch=italieniſchen Luftverkehrs.
Er erklärte, wenn man ſich daran erinnere wie
noch vor 20 Jahren die Ueberfliegung der Alpen
mit Lebensgefahr verbunden war, ſo könne man
den heutigen Tag als denkwürdig für die Zivil=
Luftfahrt bezeichnen. — Reichsverkehrsminiſter
v. Guérard dankte für die herzliche Aufnahme
und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue
Verkehrsverbindung der wirtſchaftlichen
Zuſam=
menarbeit der beiden Länder förderlich ſein
werde, das gegenſeitige Verſtändnis vertiefen
und die beiden Nationen einander näher bringen
werde.
Die Luftlinie Berlin—Schanghai wird in Betrieb
genommen.
Schanghai. Die chineſiſche Teilſtrecke der
direkten Luftverbindung Berlin — Schanghai,
deren Einrichtung ſeit längerer Zeit von der
Lufthanſa geplant worden war, iſt am
Mitt=
woch morgen eröffnet worden. Ein Flugzeug
der Lufthanſa iſt von Schanghai mit dem Ziel
Irkutſk aufgeſtiegen, von wo aus Flugzeuge der
Sowjet=Regierung die Verbindung mit Moskau
herſtellen. Von Moskau nach Berlin wird der
Flugdienſt wieder durch die Lufthanſa betrieben.
Auf der Strecke Schanghai—Irkutſk werden
Zwi=
ſchenlandungen in Peking, Mukden und
Mand=
ſchuria vorgeſehen.
„Romars” Zwiſchenlandung auf offener See.
Le Havre. Das Flugboot Rohrbach=Romar
iſt auf ſeinem Ueberführungsflug nach
Frank=
reich am Mittwoch nachmittag hinter Dünkirchen
wegen Kühlerſchadens auf offener See
zwiſchen=
gelandet. Der Kühler wurde gelötet und das
Boot ſtartete wieder. Wegen Dunkelheit wurde
dann Le Havre angeflogen, wo die „Romar”
glatt landete. An Bord iſt alles wohl.
Donners=
tag früh wird der Flug nach Cherbourg
fort=
geſetzt.
Neuer Weltrekord im Streckenflug.
Paris. Die beiden franzöſiſchen Flieger
Mermoz und Paillard ſind um 5.45 Uhr in Oran
glatt gelandet, nachdem ſie den
Streckenwelt=
rekord auf abgeſteckter Strecke um 200 Kilometer
überboten haben. Die Flugleiſtung war über
9000 Kilometer in 54 Stunden.
Neuer Rekordverſuch auf der Lufiſtrecke
London-Auſtralien.
Anderſon Scott,
der bekannte engliſche Flieger, iſt von London
zu einem Einzelflug nach Auſtralien
aufgeſtie=
gen, um den beſtehenden Rekord von 9 Tagen
und 22 Stunden zu brechen.
Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 9
2 Tages=Wanderang an die Bergftraße.
1. Tag: Sonntagskarte Weinheim. Fahrt bis
Zwingen=
berg (altertümliches Städtchen mit alter Kirche). Beginn der
Wanderung. Farbzeichen A blau, durch Feld, ſpäter Wald an
der „Not Gottes” vorbei zum Auerbacher Schloß (wohlerhaltene
Ruine 1674 zerſtört). Blick in die Rheinebene. Aenderung
des Farbzeichens: I gelb nach 2 Stunden Auerbach.
Aen=
derung des Farbzeichens — rot — blau zum Fürſtenlager
mit Jugendherberge, auf zur Straße bis zur Kreuzung mit
gelb, dies Farbzeichen weiter, über den Kirchberg nach 3½
Stunden Beusheim. Aenderung des Farbzeichens R weiß durch
Weinberge auf zum Hemsberg (Ausſichtsturm) durch Feld zum
Hohlweg „Ahlegaſſe”, weiter nach 4½ Stunden Unter=Hambach,
ſpäter an einem Kapellchen vorüber zum „Gräfftempel”, nach
5½ Stunden Heppenheim. (Ruine Starkenburg, Liebig=Apotheke,
Nathaus, Marktbrunnen, kath. Kirche, Jugendherberge.)
Ueber=
nachten. 2. Tag: Farbzeichen — rot. Auf Straße ins
Er=
bacher Tal, hinter der Mühle von der Straße ab, an
Stein=
bruch vorbei in 1½ Stunden zur Juhöhe; nun in ſüdl.
Nich=
tung zum „Waldnerturm”, auf Waldwegen über den Bocksberg
zur „Roth=Hütte”, zum Saukopf mit ſteinernem Ausſichtsturm,
ſteil ab ins Birkenauer Tal, Straße nach 5 Std. Weinheim.
(Burg Windeck, Wachenburg, Amtshaus, Rathaus,
Fachwerk=
bauten, Zedernhain Mandelblüte.) Heimfahrt.
Ofkterwerbung für gute Wanderſiiken.
Die Abteilung Rhein—Main=Gau der Deutſchen Bergwacht,
Sitz Frankfurt a. M., bittet uns, allen Oſter=Wanderern und =
Aus=
flüglern nachſtehende 10 Gebote zur Beachtung ans Herz zu legen:
1. Haltet Ordnung auf der Eiſenbahn! Rückſichtsloſigkeit
Un=
fug und Geſchrei haben mit fröhlicher Wanderfahrt nichts zu
tun.
2. Achtet die Gebote des Forſtmannes! Meidet die Schonungen!
Zündet kein Feuer im Walde an!
3. Laßt die Hände vom jungen Grün! Das Abreißen von
Zwei=
gen ſchädigt Büſche und Bäume und verunſtaltet ihr Ausſehen.
4. Beſchädigt und zerſtört nicht die Schutzhütten, Ausſichtsſtätten
und Ruhebänke!
5. Schützt die Wegemarkierungen in Wald und Flur! Die
Ge=
birgs= und Wandervereine haben ſie zum Nutzen der
Allge=
meinheit geſchaffen.
6. Verunreinigt nicht die Raſtplätze! Verlaßt ſie, wie Ihr ſie
vorzufinden wünſcht.
7. Achtet des Landmanns Arbeit! Zertrampelt nicht Wieſen und
Felder wegen eines Straußes Blumen, der bald verwelkt.
8. Zerzauſt nicht die Weidenbüſche, um die „Kätzchen”
bündel=
weiſe fortzuſchleppen! Es ſteht Strafe hierauf.
9. Laßt mutwillige Zerſtörung und Verſchandelung nicht
taten=
los geſchehen! Mahnt zur Einſicht und Vernunft!
10. Haltet Wald und Flur wie ein großes Heiligtum, das in
ſeiner Schönheit alle Herzen erheben ſoll.
Die Abteilung Rhein—Main=Gau der Bergwacht hat dieſe
Gebote als Merktafeln in Zweifarbendruck herſtellen laſſen und
wird ſie in ihrem Arbeitsgebiet verbreiten. Möchte dieſe
Oſter=
werbung für gute Wanderſitten allſeits willige Beachtung finden!
Empfehlenswerte Fahrt für Auto und Motorrad.
Mitgeteilt vom Starkenburger Automobil=Club e. V., Sitz Darmſtadt — A.D.A. C.
Oſterfahrt nach Würzburg.
Darmſtadt — auf Kleinpflaſterſtraße über Roßdorf—
Gun=
dernhauſen—Dieburg—Babenhauſen—Aſchaffenburg (Beſuch des
Pompejanums! Schönes Stadtbild bereits auf der Brücke auf
Schloß und Pompejanum), durch die Stadt „Richtung Würzburg”
auf neuhergerichteter Straße ſanft bergauf nach Heſſenthal —
nicht rechts abfahren, ſondern gerade aus bergauf an Forſthaus
„Echterspfahl” vorbei nach Rohrbrunn (1000jährige Eiche, rechts
langſam hinüber der Domſtraße entlang. Am Samstag abend
erhebende ſog. Auferſtehungsfeier auf dem feſtlich beleuchteten
Marktplatz mit ſeiner herrlichen gotiſchen Marienkapelle Sonntag
früh 10 Uhr große Oſterfeier im Dom. — Würzburg über den
Main auf die Leiſtenſtraße, aber bald links halten nach Höchberg
—Gerchsheim—Groß=Rinderfeld-Tauberbiſchofsheim. 29,6 Km.
Rechts durch das Taubertal nach dem am Main ſchön gelegenen
Hessers
chat"
Aae at
Mclktheig
Amor
Aschaffen burg
TKgin.
Larmstod!
Babenhausen
Niebag
Kadt
(ns
FDrdof
Hockst
Mtten
Mettäimn
*p
Konic
Wurzburg
Eulbach
Nichelstadlt.
Tauberbischefshein
Hardkeim
Wall dürn
am Waldrand gelegen), auf guter Straße nach Eſſelbach —
Kre=
denbach (Vorſicht! Brücke in ſtarker O=Kurve) bis zum Main.
Ueber die Brücke nach Marktheidenfeld, rechts halten nach
Erlen=
bach. In 8=Kurve zur Höhe mit weitem Rundblick. bergab nach
Remlingen — Uettingen — ſcharfer Rechtsbogen! Von der Höhe
auf der breiten Leiſtenſtraße — hoch oben die Feſte Marienberg
— nach Würzburg — der Stadt der Kirchen und des
Ba=
rocks, 118 Km. Vor dem Main links durch die alten
Feſtungs=
tore (ſehr langſam und vorſichtig fahren!) bis zur alten Brücke,
Wertheim mit ſeiner intereſſanten Burgruine. — Miltenberg
(gute Uebernachtungsmöglichkeiten)
Klingenberg (Rotwein!)
am linken Mainufer
Obernburg
auf die Straße
Aſchaffen=
burg—Babenhauſen, 78 Km. oder Hardheim (782 geſchichtlich
er=
wähnt) — Wallfahrtsort Walldürn, 26,7 Km. Durch ein ſchönes
Tal nach Amorbach — Jagdſchloß Eulbach (Engl. Garten),
Michelſtadt, auf neuhergeſtellter Straße durch das Mümlingtal
nach König — Höchſt —über den Tunnel (Rondell) — Groß=
Ulm=
ſtadt — Dieburg — Darmſtadt, 84,4 Km. Geſamtſtrecke 258,7 Km.
Eibrenenswelle Holels, Haslokiscältek und Beilelltischen
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13950)
Seite 10
Freitag, den 3. April 1931
Nummer 93
ſonnenem Schritt ein Stückchen Heimat erwandern, die die ſtille
nur mit Autlern taten und raten, die reiſen, ohne zu raſen, Darmſtädter ſtolz. Wir ſchlendern über die alte Mainbrücke.
und die mit ihrem neuzeitlichen Verkehrsmittel eine
beſchleu=
pflegen. Dieſer Aufgabe eines veredelten, verinnerlichten Rei= lebensgroßen Glaubenskämpfer ſich ſo überaus theatraliſch
ge=
ſens wenden die meiſten Automobilklubs beſonderen Eifer zu.
abwechſelungsreichen Flußtäler. Unſere nachbarlichen Flüſſe,
Mümling und der Weſchnitz abgeſehen, breiten Frieden, Freude Gelegenheit, das Sprichwort teilweiſe zu überprüfen: „Zu
Kliu=
von Badenden umlärmt oder gar durch das Machtwort der
Induſtrie verrenkt und eingeengt ſind. Sie nehmen meiſt den
kürzeſten, geraden Weg, der Sachlichkeit empfehlen möchte, ſie
nehmen ſich Zeit, ſie winden ſich, ſchlängeln ſich, drehen ſich,
buchten ſich, und dadurch eniſteht die reizvolle Mannigfaltigkeit fahrtsort wenden wir uns nach dem waldumſäumten
Wieſen=
ſanſten Berglandes und dichter Waldungen wunderſam ſteigert.
Auch wird man nicht vergeſſen, daß der Main alten deutſchen bare Geſchichten umgehen. Wir werden kaum die richtige Zeit
im einzelnen zu beſchreiben, ſondern ich will nur hier und da
würdiges außer Acht läßt. In der Abſicht, den Main in
Aſchaffenburg zu erreichen, durchbrechen wir Darmſtadts
uörd=
heiligtum, Marienkapelle und Hexenturm offenbart. Wir kom= Höhe empor, die noch einmal einen Rückblick gewährt in das
men zu dem gleich uns ſeiner ſtolzen Garniſon beraubten ſanfte Gewoge der Odenwaldberge. Groß=Umſtadt hinter
Babenhauſen, und denken einen Augenblick daran, daß uns laſſend, treffen wir in Dieburg wieder unſere
Anfahrts=
dieſer Gerſprenzort als Stadt älter iſt als Darmſtadt, das auf
ſeine 600 Jahre ſo ſtolz iſt. Das ehemalige Schloß des Grafen
von Hanau erinnert uns an die Selbſtherrlichkeit lächerlicher Sonntags.
Kleinſtaaterei. Zu einem Halt drängt die gewerkfleißige,
han=
delsfrohe, parkreiche, an die Ausläufer des Speſſarts gelehute
Stadt Aſchaffenburg, groß geworden und mit Koſtbarkeiten
beglückt durch die Gunſt und Kunſt der Mainzer Kirchenfürſten.
Die Stiftskirche, im Junern reich an Werken der
bilden=
den Kunſt und ſeltenen Stücken eines ſehenswerten Schatzes,
zeigt im Aeußeren, daß trotz langer Bauzeit mit ewiger Zutat
und Aenderung und dem dadurch entſtehenden Nebeneinander
der Stilformen der Geſamteindruck eines maleriſchen Ganzen
nicht Not gelitten hat. Deutſche Rengiſſance feiert ihren
Triumph in dem Rotſandſteinbau des mächtigen Schloſſes,
des Johann Schweickhard von Cronberg nach ſeiner Wahl zum
Erzbiſchof von Mainz in den Jahren 1605—1616 durch den
Hof=
baumeiſter Eeorg Ridinger aus Straßburg errichten ließ. Heute
muß ſich der ſchöne Bau mit dem Michelſtädter Rathaus tröſten:
beide werden, um Fremde anzulocken, „beleuchtet‟. Die
Schwär=
merei des Bahernkönigs Ludwig I. für die Antike, ließ das
Pompeianum erſtehen. Auf felſigem Grund geſtellt, von
Mandelbäumen, Feigen und Roſen umgeben, ahmt es das in Körper zur Erholung nötig hat.
Pompei ausgegrabene Haus des Kaſtor und Pollux getreulich
Römers im 1. Jahrh. n. Chr. beſchaffen war. Unſere Fahrt
der alten wehrhaften Mainſtädtchen, ſie meidet den Mainbogen,
der uns durch das weingeſegnete Klingenberg, an dem
ſchönen Park der „Reſidenz” Klein=Heubach vorbei nach
dem vom Kloſter Engelberg und der ſtolzen Miltenburg
über=
ragten Miltenberg führt, ſie läßt uns nicht Einkehr halten
in dem alten Gaſthaus zum „Rieſen”, in dem ſchon Barbaroſſa
den Humpen ſchwang, ſie entzieht uns diesmal die Schönheit
entzückende Lage in der Taubermündung einen Vergleich mit
Heidelberg herausfordert. Unſer Führer will uns in das Herz / Städtebild nicht fehlen. Und wahrlich, dort auf dem anderen Hügel der
des Hochſpeſſarts blicken laſſen. Dieſes Gebirge überraſcht uns
gruppen, nicht durch rauſchende Waſſerfälle: es iſt der heilige ſvollte.
Bezirk hochſtämmiger, hochwipfliger, uralter Eichen und Buchen.
Wohl zeigen ſeine niederen Randflächen weite Lichtungen, und
obſtbaumdurchſetzte Ackerflur klemmt ſich zwviſchen ſeine
nadel=
holztragenden Ausläufer. Der hohe Speſſart aber gleicht einem
Waldmeer, das ſeinesgleichen in Deutſchland ſucht. Noch fehlt
die Farbe bei unſerer Frühlingsfahrt, noch nicht erfreut uns
in dem weiten Gebiet das ſatte Grün, das in
Maienfruchtbar=
keit die Vormacht der Laubhölzer hervorzaubert. Wohl aber
be=
wundern wir die ſtolzen Säulen dieſes gewaltigen Tempels, die
Altbeſtände an Eichen und Buchen. Noch iſt Urwaldmäßiges
im Umkreis forftlicher Geſittung erhalten geblieben, noch gibt es
Stellen, wo nie Menſchenhand ein Samenkorn geſtreut, nie eine
Pflanze geſetzt hat. Vergeblich ſuchen wir den Säulenſchaft von
Eichen zu umſpannen, die ihre frühſte Jugend mit Kolumbus
und Luther verlebt haben. Die Rotbuchen bedauern, daß ſie
uns ihren eigenartigen Kronenſchmuck noch nicht zeigen können.
Bergan geht die Fahrt zu einer der älteſten Siedlungen im
Hochſpeſſart, nach Hefſenthal. Traumverloren liegt zur
Rechten in prachtvoller Waldumrahmung das alte Waſſerſchloß
Meſpelbrunn. Unſer nächſtes Ziel iſt Rohrbrunn, die
vielbeſuchte Sommerfriſche, das beliebte Standquartier der
Speſſartwanderer. Erinnerung wird lebendig an Hauffs „
Wirts=
haus im Speſſart”. Bei Marktheidenfeld treffen wir
wieder den Main und ſtreben auf kürzeſtem Wege unſerem
Endziel zu.
Würzburg grüßt uns, von Rebenhügeln umgürtet, der
Türme viel gen Himmel reckend. Glockenklang und Wein haben
uach einem alten Volksſpruch dieſe Stadt berühmt gemacht.
Das Tempo unſerer Reiſe läßt uns keine Zeit zum Studium
der Wunderwerke ſakraler Baukunſt, die dieſe ehemalige Reſidenz
ihr eigen nennt, die Stift=Hauger=Kirche, die Marienkapelle, die
Dom= und die Neumünſterkirche, die durch eine Inſchrift an der
Außenwand daran erinnert, daß hier der Minneſänger Walther
von der Vogelweide ſeine letzte Ruheſtätte gefunden hat. Ein
ewiges Denkmal werktätiger Nächſtenliebe iſt das Julius=
Hoſpital, eine ſegensreiche Stiftung des kunſtſinnigen
Menſchenfreundes Julius Echter von Meſpelbrunn. Glanz und
Pracht eines ſtolzen, ſelbſtbewußten, in der Aufbringung der
Mittel nicht bedenklichen Fürſtentums zeigt die Reſidenz,
der bedeutendſte Profanbau des deutſchen Barock, ein Werk des
genialen Balthaſar Neumann. Wir überſchreiten einen weiten
gepflaſterten Platz, der einſt die Welt des Souveräns von der
bürgerlichen Stadt trennen ſollte. Aus der Einfahrtshalle, in
der einſt die Karoſſe mit Achterzug bequem wendete, ſteigen
wir empor in die Pracht des weitläufigen Treppenhauſes, deſſen
Decke ein Rieſenfresko des Venezianers Tiepolo ſchmückt. Wir
ſchleifen durch die kühle Vornehmheit der zahlloſen Gemächer,
ſtaunen ob des unerhörten Reichtums der Formen und der
Schwelgerei der Farben, bis uns der Kaiſerſaal gefangen nimmt
durch ſeine großartige Raumwirkung und der gewaltigen
Decken=
gemälde, auf dem Tiepolo die ganze Mythologie in Bewegung
ſetzt, um bei der im weltmänniſchem Geiſt und ſinnlicher Glut
dargeſtellten Hochzeit Barbaroſſas mit Beatrix von Burgund
mitzuwirken. Vielleicht entdeckt auch einer in dem Gewölk dieſes
Himmels den frechen Scherz, den ſich der Maler bei einem
Konflikt mit ſeinem Auftraggeber erlaubt hat. In eine andere
Aus dem Lager der Wanderer kommend, die ſich mit be= Welt reißt uns die Univerſität, von jeher berühmt durch
die Leiſtungen ihrer Mediziner. In Würzburg hat auch
Waldſchneife und den einſamen Höhenweg bevorzugen, kann ich Nöntgen gewirkt. Die Läden der Geſchäfte machen uns
Aus dem Halbrund ihrer Pfeiler wachſen mächtige
Barock=
nigte Touriſtik mit wachem Auge und empfänglichen Herzen Heiligenfiguren empor, und wir wundern uns, daß dieſe
über=
bärden. Einen herrlichen Blick auf Stadt und Fluß, Reb= und
Wer ſollte dem Rufe nicht folgen zu einer Oſterfahrt nach Ackergelände bietet ein Aufſtieg zum Käppele, einer Wall=
Würzburg? Wer Bilder der Lieblichkeit und Anmut ſucht fahrtskirche, die ſich mit minarettartigen Türmen auf dem
und ſchätzt, der nimmt ſeinen Reiſeweg mit Vorliebe durch unſere Nikolausberg erhebt, einem Bruder des Leiſtenbergs, der den
feurigen Leiſtenwein ſchenkt und die langgedehnte Baumaſſe der
Main und Neckar, von dem Kleinvolk der Gerſprenz, der Feſtung Marienberg trägt. Schließlich ſuchen und finden wir
und Schönheit aus, wenn ſie nicht gerade überpaddelt, umzeltet, genberg am Main, zu Bacharach am Rhein, zu Würzburg auf
dem Stein, da wächſt der beſte Wein”, daß man Wein einſt zum
Anrühren des Mörtels benutzt habe, erzählt man in
Tauber=
biſchofsheim, das wir auf der Fahrt nach Walldürn
durchſtreifen. Von dieſem ſchöngelegenen, altberühmten
Wall=
der Szeuerie, deren unbeſchreiblicher Zauber die Umrahmung grund, in dem ſich das heute als Sommerfriſche geſuchte
Amorbach erhebt, von deſſen wundertätiger Quelle ſonder=
Kulturboden durchfurcht, daß die belebte Handelsſtraße Nürn= finden, um dem Spiel der weitbekannten Orgel in der
ſehens=
verg—Fraukfurt ſeinen Uſern folgte und auf Schritt und Triit werten Abteikirche zu lauſchen. Wald iſt unſer ſtändiger Be=
Erinnerungen an Großtaten unſrer Ahnen die dergeßliche Gegen= gleiter. Bald tauchen wir in die ſtille eines weiten Wildparks.
wart wecken. Es ſoll nicht meine Aufgabe ſein, den Fahrtweg Liebliche Einſamkeit gibt dem Jagdſchloß Eulbach ſeinen
Zauber. Nach kurzer Fahrt halten wir vor den Holzpfeilern des
ein mahnendes Halt rufen, damit der Unkundige nich: Denk= merkwürdigen, ſpitztürmigen Rathauſes von Michelſtadt, des
alten Holzbaues, von dem der neue, etwas koſtbare Gedanke
ausging, ein vielbeſtauntes Stadion anzulegen. Auf nördlichem
lichen Waldgürtel, in deſſen Reich Frühlingskraft und Leben Kurs können wir die ganze Schönheit des anmutigen
Mümling=
zu pulſen und zu drängen beginnt, und eilen nach dem alten tals einfangen und uns geloben, den zu Unrecht vernachläſſigten
Dieburg, der Stadt der ſchönen Frauen und des fröhlichen / „hinteren Odenwald” öfter aufzuſuchen. Bald durchfahren wir
Karnevals, dem in Römerzeiten bedeutenden Ort, deſſen wechſel= König, das aufſtrebende Stahlbad, das bleichen Mädchen
volle Geſchichte ſchon die Zuſammenſtellung der Namen Mithras= friſche Wangen gibt, und hinter Höchſt winden wir uns zur
ſtraße, erfüllt von ſtarken Eindrücken, die uns Main. Spcſſart
und Odenwald gegeben haben in der kurzen Spanne eines
Dr. Eugen Köſer.
Heraus aus der winterlichen Enge, der Frühling zieht ins Land!
Das Neckartal in ſeiner ganzen, entzückend innigen Lieblichkeit wirbt um
dich. Bad=Wimpfens Tore ſtehen gaſtlich offen!
Auch du ſollſt es erleben — warum willſt du dich ausnehmen? —
was es heißt, einen Frühlingstag in Bad=Wimpfen zu genießen. Ob du
von dem Vorbau des neuen Kurmittelhauſes, von den weiten Terraſſen
des Kurhotels Mathildenbad, von den andeven Neckarterraſſen oder von
einem der vielen idylliſchen Plätzchen der Kuranlagen hinüberblickſt über
die weite, grüne Ebene, die ſich lachend vor dir erſchließt, oder ob du
von den gleich hinter der Stadt leicht auf die Höhe führenden Oeläckern,
mitten in roſafarbenen Baumblüten, auf die alten und ehrwürdigen
Häuſer der ſtufenweiſe anſteigenden altdeutſchen Stadt ſchauſt, immer
bewegt dich das gleiche Gefühl, das zu Herzen gehende Empfinden: hier
iſt die Ruhe, die ich brauche, hier iſt der Frieden, den ich ſuche, den mein
Doch willſt du die Stadt im Blütenkranz bewundern, dann ſteige
nach und zeigt ſo, wie das Wohnhaus eines wohlhabenden hinauf auf den 50 Meter boben Blauen Turm. dem Wahrzeichen
Wimp=
fens, dem Berafried der Hobenſtaufenpfalz. Und haſt du dich ſatt
ge=
will die Schönheit des Speſſarts in die Genüſſe des Tages ein= ſeheu= an der herrlichen Landſchaft, dann erfaſſe die unter dir liegende
Stadt in ihrer ganzen mittelalterlichen Echtheit. Die Sonne ſpiegelt ſich
beziehen. Deshalb führt ſie uns nicht durch die engen Gaſſen in den Dachfenſtern der bald hohen, bald niedrigen, kreuz und quer
ge=
richteten Häuſern. Ein beſchauliches Durcheinander, breite und noch
viel mehr ſchmale, winkelige Gaſſen und Gäßchen, enge Staffeln und
laufende Brunnen bieten ſich an. Da ſind die auf weite Strecken noch
gut erhaltenen Stadtmauern, die altersarauen Stadttore, die wuchtigen
Bollwerke, der oft ſeenartig erweiterte Wallgraben, die Reſte der
hohen=
ſtaufiſchen Kaiſerpfalz: das mächtige Steinhaus mit den hohen
Treppen=
gieheln. das zu den geſaltigſten Häuſern aus dem hoben Mittelalter
in Deutſchland zählt, und der trutzige Rote Turm. der äſtliche Berafried
Wertheims, das mit ſeiner wuchtigen Burg und durch ſeine der Pfalz. An erhabener Stelle ragen die himmelanſtrebenden Türme
der evana. Stadtkirche emvor. Das Kloſter darf im mittelalterlichen
Stadt erhebt ſich feſtgefügt und maſſia das Dominikanerkloſter. Es
be=
nicht durch wuchtige Berggipfel, nicht durch getürmte Fels= herbergte einſt Karl V. und Ferdinand II., als die Pfalz ſchon zerfallen
Ebe du aher vom Turme ſteigſt, wird dich noch einmal der ſchmell
zu deinen Füßen in ſilbernem Bogen dahinrauſchende Neckar feſſeln,
möglich, daß du einen darauffahrenden Schlehver mit fünf oder ſechs
Frachtſchiffen mit deinen Blicken verfolgen kannſt. Noch einmal wird ſich
das Auge an der mohltuenden Ruhe der weiten, grünen, mit Burgen
und Dörfern geſchmückten „Deutſchherriſchen Ebene” ergötzen.
Begeiſtert, verklärt von all dem Erſchautn hat der Beſucher nur
noch den einen Wunſch, die mittelalterliche Schönheit im einzelnen zu
erfaſſen, hineinzutauchen in die traulichen Winkel und gewundenen
Gäßchen, Vergangenes zu ergründen, zu ſchürfen, zu ſuchen, die
mittel=
alterlichen Baudenkmäler nahe zu ſehen und ihre beredte Sprache zu
verſtehen. Wer die Kunſt liebt, wird überraſcht ſein von all dem
Sebens=
werten, das Alt=Wimpfen zu bieten hat. Er wird ſeine Freude haben
an den einzigartigen, romaniſchen Arkaden der Kaiſerpfalz, er wird mit
Andacht die herrlichen gotiſchen Kirchen bewundern, entzückt ſein über
die reinen Formen und die ehlen Ausmaße der Stiftskirche, einer der
erſten gotiſchen Kirchen Deutſchlands — Ermin von Steinbach, der
Er=
bauer des Straßburger Münſters, ſoll die Pläne geliefert und den
Be=
ginn der Ausführung überwacht haben — er wird mit Ehrfurcht in dem
ſtimmungsvollen Kreuzaang dieſer Kirche und dem des
Dominikaner=
kloſters wandeln. Er wird das Können der Zimmerſeute der
vergange=
nen Jahrhunderte hoch einſchätzen, wenn er die mächtigen Giebel= und
Fachwerkhäuſer ſieht. Der Beſucher wird noch Hunderte von
Einzelbei=
ten entdecken, die ſein Auge entzücken. Hier kann der von unſerer
haſten=
den Zeit gejagte Menſch verweiſen, tage= und wochenlang Rückblicke
hal=
ten und in Vergangenem ſchwelgen.
Als Luftkur= und Badeort genießzt Bad=Wimofen, befonders wegen
ſeiner Sbezialkuren gegen Aſthma und Rheumatismus und wegen ſeiner
Kneiphſchen Kuren den allerbeſten Ruf. Es beſitzt das modernſte mit
allen Neuerungen der Heilkunde auf das beſte ausa=ſtattete, in herrlichem
Kurgarten ſchön gelegene Kurmittelhaus, das zwiſchen Bad=Reichenhall
und Bad=Soden im Taunus ſeinesgleichen nicht hat.
Altertümlichkeit, landſchaftliche Schönheit, gümſtiges Klima
beſtein=
gerichtetes Kurmittelbaus, das ſind die Kennzeichen von Bad=Wimpfen.
Wer hier geweilt, wer die Stadt mit der ſchönſten Silbouette, die Perle
am Veckar geſehen hat unvergeßliche Werte in ſich aufgenommen.
Der Deutſche Touring=Club. Ortsaruppe Darmſtadt, hat ſich dieſes
Jahr Bad=Wimofen als Zielfahrt auserſehen. An den
Oſter=
feiertagen (5. und 6. Abril), wird er ſeine Geſchicklichkeits rüfung in
Bad=Mimofens Mauern abhalten. Die Stadt wird alſes aufbiefen, um
den Gäſten den Aufenthalt, ſo angenehm wie möglich zu machen, ihr
guter Ruf als Fremdenſtadt wird gewahrt bleiben. Drum:
Heraus aus Winters Enge, der Frühling =ieht ins Land!
Das Auto ſchnell gerüſtet, der Weg iſt wohl bekannt.
Zum Nockartal geſteuert. Bad=Wimpfen ench embfängt.
Ein ſchöner Preis dem winket, der gut den Wagen lenkt!
Dr. Betzendörfer.
Der tiefe Druck im Weſten hat auch auf dem Feſtland zu
Barometer=
fall geführt und ſich als Störung über Weſtfrankreich entfaltet.
Nament=
lich über dem weſtlichen Deutſchland ſind infolgedeſſen die Temperaturen
bereits angeſtiegen und Bewölkung kommt auf. Durch den
Störungs=
einfluß werden die Winde über Süboſten nach Süden umdrehen und
uns warme Luft zuführen, ſo daß mit allgemeinem Temperaturanſtieg
zu rechnen iſt. Ferner nimmt die Bewölkung zu, und das Auftreten
ein=
zelner Niederſchläge bis in unſeren Bezirk iſt dabei nicht ausgeſchloſſen.
Ausſichten für Frritag, den 3. April: Nachts und am Tage weiterer
Temperaturanſtieg, wolkig, meiſt trocken.
Ausſichten für Samstag, den 4. April: Wechſelnde Belvölkung und
auf=
heiternd. Temperaturen zwiſchen Tag und Nacht ſich mehr
ausglei=
chend, keine nder nur bereinzelt geringe Viederſchläge
* Ein Gükerzug voll Fünfmarkfkücke.
Ein Beſuch in der Silbergeld=Fabrik des Deutſchen Reiches.
Laut Beſchluß des Finanzminiſteriums werden für 100 Millioven
Mark neue Silbermünzen als. Fünfmarkſtücke geprägt,
Dem beſcheiden roten Backſteinbau in der Unterwaſſerſtraße in
Ber=
lin ſieht man ſeine Beſtimmung nicht an. Nur wenige ahnen, daß hier
der Silberſtrom zu fließen beginnt, der auf dem Weg über die
Reichs=
bank, über die Kaſſeuſchalter der Banken in die Geldtaſchen wandert, bis
er, trübe und abgegriffen, wieder zur Quelle zurückfließt.
Es gibt in Deutſchland ſechs ſtaatliche Münzpräganſtalten: in
Ber=
lin, Hamburg. Muldener Hütte in Sachſen, München, Stuttgart und in
Karlsruhe. In dieſen werden die Fünfmarkſtücke in einem
zuſammen=
hängenden Arbeitsgang hergeſtellt, während für die kleineren Münzen
die fertigen Münzplättchen von einigen Privatbetrieben hergeſtellt
wer=
den, ſo daß ſie in der ſtaatlichen Münze nur noch geprägt zu werden
brauchen.
UIm welche Mengen es ſich hier handelt, zeigt ein einfaches
Rechen=
exempel. Ein Fünfmarkſtück wiegt genau 25 Gramm. 2 Millionen
Fünfmarkſtücke haben daher das runde Gewicht von einer Million Pfd.
Da ein normaler Güterwagen der Reichsbahn 15 Tonuen Tragkraft hat,
ſo wären zur Beförderung von 100 Millionen in Form von
Fünfmatk=
ſtücken
33 Güterwagen
erforderlich. Die Verſendung eines Schecks in gleicher Höhe iſt
entſchie=
den „leichter”.
Die Prägung eines Fünfmarkſtückes iſt ein umſtändlicher und
ſchwie=
riger Prozeß. Er beginnt mit dem Schmelzen einer Silberlegierung,
deren Zuſammenſetzung geheim iſt, die aber zu fünfzig Prozent aus
Silber beſteht. Das aus dem Schmelzofen kommende „Zain” — ſo
nennt der Fachmann die Münzlegierung — wird in Stangenform
ge=
goſſen, 40 Zentimeter lange 4,5 Zentimeter breite Streifen. Durch
mächtige Walzmaſchinen werden dieſe Stangen zu langen Streifen von
genau beſtimmter Breite und Dicke ausgedehnt. Dieſe Metallſtreifen
werden durch Stanzmaſchinen geführt, di. Plättchen von der Größe
eines Fünfmarkſtückes herausſtanzen. Die Münzplättchen werden dann
abermals durch eine Walze geführt, wodurch der Rand aufgebogen
und mit einem ſchiver nachzuahmenden Muſter verſehen wird.
Dann werden die ungeprägten Plättchen durch abermaliges Glühen
gehärtet und durch Abkochen in chemiſchen Löſungen gereinigt, wodurch
ſie ihre ſchmutziggraue Färbung verlieren und den blitzenden
Metall=
glanz erhalten.
Die ſo vorbereiteten Münzplättchen werden in die „Präge” geleitet,
eine Maſchine, die mit Hilfe von Prägeſtempeln unter ſtarkem Druck
dem Metallwert erſt Geldwert gibt. Automatiſch wverden die geprägten
Münzen gezählt, daß man ſie nicht etwa in die Taſche ſpringen laſſen
kann. In der Berliner Münze ſind gleichzeitig 30 Prägemaſchinen für
Fünfmarkſtücke in Betrieb. Täglich müſſen zweimal die Prägeſtempel
aus beſtem Stahl erneuert werden, weil ſie durch den gewaltigen Druck
beim Prägen ſchnell unbrauchbar werden.
Die Männer, die in dieſer Geldiabrik arbeiten, ſind ſo ſachlich am
Werk, als wenn ſie Blechmarken druckten, obwohl jeder von ihnen
täg=
lich viele tauſend Mark im wahrſten Sinne des Wortes fabriziert. Aber
dieſe Methode der Geldherſtellung, die ſich nur wenig von den Methoden
des Mittelalters unterſcheidet, gilt noch immer als die beſte und ſicherſte.
Der beſte Beweis iſt die Tatſache, daß nur äußerſt ſelten Fälſchungen
ſo gut gelingen, daß ſie nicht ſofort als ſolche kenntlich ſind. Und vor
allen Dingen hat die Staatliche Münze für techniſche Neuerungen kein
— Geld.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Freitag, 3. April
8.00: Orgelkonzert: Werke von Joh. Seb. Bach.
10.00: Peterskirche, Frankfurt a. M.: Morgenfeier; Mitw.; Pfarrer
Groenhoff (Liturgie und Prediat), die Chorgruppe der
Zentral=
ſtelle für Kirchenmuſik. C. R. Müller (Orgeh.
12.00: Konzert.
14.00: Stunde der Jugend: Legenden.
15.30: Joſeph von Arimathia, eine Erzählung von Alfons Paquett.
16.00: Der Meſſias. . .. Georg Fried. Händel.
18.00: Paſſio Chriſto.
19.00: Karfreitags=Weiheſtunde: Anſprache von Prof Pfarrer= Veit.
136: Großer Saal des Saalbaues, Frankfurt a. M.: Framz
Schubert: Meſſe in As=Dur: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus,
Be=
nedictus, Agnus dei.
20.30: Chriſtuslegende von Selma Lagerlöf.
21.00: Stunde der Kammermuſik. Streichquartettop. 51,J. Handn.-
Samstag, 4. April.
15.20: Stunde der Jugend.
16.30: Konzert des Städt. Kurorcheſters Wiesbaden: Werke von
Beethoven, Bach, Mozart, Mendelsſohn, Schumann, Wagner.
17.00: Hamburg=Hummelsbüttel: Länder=Hockeyſpiel Deutſchland —
England, 2. Halbzeit.
17.40: Fortſetzung des Konzerts.
18.15: Bacc: Die griechiſche Invaſion.
18.45: Kaſſel: Oberregiſſeur Geis: Einführung zu Fauſt 1. u. 2. Teil.
19.10: Spaniſch.
19.45: Mannheim: Konzert der Bläſervereinigung des Mannheimer
Nationaltheaterorcheſters.
20.30: Zwei Märchenſpiele 1. Das wandernde Seelchen. 2. Der
Tod und das kleine Mädchen.
21.30: Bach=Konzert des Philharmon. Orcheſters Stuttgart.
23.00: Schweizer Lyrik; Mitw.: Emma Mayer (Alt), Artur Haagen
(Klavier).
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag, 3. April.
8.50: Morgenfeter. Stundenglockenſpiel d. Polsd. Garniſonkirche,
anſchl.: Glodengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Orgelmuſik. Werke von J. S. Bach, M. Reger, J. Brahms.
W. Orwensfi, Walter Drwensk: (Orgel).
11.30: Dr. J. Günther: Spiele von Leiden und Sieg, 700 Jahre
Oſterſpiel.
12.00: Bar=cmuſik — Rokokomuſik. Mitw.: Dr. E. Kruttge (
Cem=
balo., Bach=Orcheſter.
14.00: Jugendſtunde Legenden.
14.30: Paſſionsdichtungen.
15.00: Aus Meſſen. Schallplatten)
15.40: O. Buchmann: Redaktionskollege Löns”.
16.00: Pro). Hans Ph. Weitz: Der ewige Menſch.
16.30: Orcheſterkonzert. Soliſt: H. Denus (Violinel. Werke von
Bach Mozart. Beethoven.
18 00: W. Boenigk: Tagebuchblätter einer Weſtfrontfahrt.
18 40: Dr. A. Mohrhenn: Albrecht Schaeffers „Parziva!”.
19 05: Pfarter Marquardt: Okkultismus und religiöſe Erfahrung.
19.35: Franz Schubert: Meſſe As=dur. Kyrie, Gloria, Credo,
„Sanctus, Benedictus. Agnus dei. Mitw: Cior des Cäcilienvereins
m. d. Rühlſchen Geſangverein e. V. Ber!, Sinfonie Orcheſter.
20.30: Chriſtuslegende Von Selma Lagerlöf.
21.00: Kammermuſik Aus „Die ſieben Worte des Erlöſers am
Kreuze”, Streichquartett, op. 51. Joſeph Havdn.
22.00: Wetter= Tages= u. Sportnachrichten.
Deutſche Welle: Sonnabend, 4. Apri.
15.00: Kinderbaſtelſtunde: Der Oſterhaſe in Afrika.
15.45: Frauenſtunde: Oſtergebräuche — Oſtergeſchenke.
16.00: Dr. L. Baum: Neue Wege in der latholiſchen
Internats=
erziehung.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.00: Uebertragung der 2. Halbzeit des Länderhockeyſpiels
Deutſch=
land —England in Hamburg=Hummelsbüttel.
1740: Dr. med. Goetſch: Ueber d. Wert der Fichtenertraktbäder.
18 05: Franzöſiſch
18 30: W. Huck: Reiſeeindrücke aus Rußland.
19.00: Dr. Dorothea Klein: Sinnbilder der Paſſion: Das
Schweiß=
tuch der Veronika und Pieta.
19.30: Stille Stunde: Der neue Morgen.
20,00: Orcheſterkonzert des Notſtandsorcheſters des Arbeitamtes
Berlin=Mitte.
In einer Pauſe: Henriette Hardenberg lieſt eigene Dichtungen.
22.30: Sinfonte Nr. 2. c=moll, von G. Mahler, Mitw.: Mia
Neu=
ſitzer= Thoeniſſen Sopran Julia Lotte Stern Alt), Berliner
Funkorcheſter und der verſtärkte Berliner Funf Chor.
Hauptichriftleltung. Rudolf Maupe
Verantwoxtlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudelf Maupe ſür Feutlleion. Neich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Que iſch” für den Schlußdlenſt: Andieas Bauer;ſ44
„Die Gegenwart”,„ Tagesſpiegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite:
fär den Inſeratentell und geſchäftliche Mittellungen. Wiliv Kuble
Druck und Verlag. L.C. Wlttich — ſcmtlich in Darmſtad!
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Geiten.
[ ← ][ ][ → ] DO DINN NEOlNNNI
Von Regierungsbaurat R. Krause, Darmstadt.
Sang= und klanglos hat mit Beginn dieſes
Jahres auch das dritte Jahrzehnt des 20.
Jahr=
hundert begonnen. Noch mehr als am Ende
eines Jahres iſt es zweckmäßig, eine Rückſchau
auf die Entwicklung dieſes abgelaufenen
grö=
ßeren Zeitabſchnittes zu tun. Derartige
Rück=
blicke ſind in der Technik wie auch im
Wirt=
ſchaftsleben üblich geworden und in unſerer
Bild 1. Dynamo aus dem Jahre 1881.
ſchnellebigen Zeit auch notwendig, damit eine
gewiſſe Sammlung zum Bewußtſein deſſen
führt, was alles geſchehen iſt.
Noch anregender aber wird es ſein, wenn
man den Rückblick auf 50 Jahre erſtreckt, da
gerade am Anfang der letzten abgelaufenen 50
Jahre eine beſonders ſchnelle und reichhaltige
Entwicklung in vielen Zweigen der Technik
begonnen hat. Erſt bei näherer Betrachtung
wwird es ſich finden, daß gerade in den letzten
50 Jahren ungeheuer viele techniſche Dinge
voll=
kommen neu aufgetaucht und zum allgemeinen
,ut der Menſchheit geworden ſind. Das Bild
Dder techniſchen Welt hat ſich ſeit 1881 viel ſtär=
Eer geändert, als man ohne genauere Kenntnis
der Tatſachen gemeinhin weiß, ſo ſtark geändert,
daß gerade in dieſem Zeitabſchnitt die euro=
Bäiſche Kultur äußerlich ein vollſtändig anderes
Anſehen bekommen hat. Zwar hat in dem
un=
mittelbar vorhergehenden Zeitraum von 50
„Jahren, alſo 1831 bis 1881, die Einführung
Dder Dampfkraft und die ihr unmittelbar
fol=
gende Erfindung der Eiſenbahn ſowie deren
allgemeine Verbreitung das Bild gewandelt,
aber doch nicht in gleichem Maße. Stellt man
Der Dampfkraft und der Eiſenbahn einmal die
Elektrizität und das Automobil parallel, ſo wer=
Den hierdurch die beiden Zeitabſchnitte ſich
un=
gefähr ausgleichen. Die neuere Zeit hat aber
nioch eine faſt unendliche Menge anderer ebenſo
wvichtiger Einführungen aufzuweiſen, ſo daß ihr
vvohl die größere Wandlung des Weltbildes
zu=
geſprochen werden muß.
Es wird ſicherlich nicht möglich ſein, alle
kechniſchen Fortſchritte der letzten 50 Jahre hier
aufzuführen und ihre Geſchichte, wenn auch
nur kurz, darzuſtellen, wir müſſen uns darauf
beſchränken, einige der wichtigſten Erfindungen
herauszugreifen.
Es iſt ſchon oft darauf hingewieſen
wor=
den, daß faſt alle Erfindungen ſchon einmal
aufgetaucht waren, bevor ſie von einem zweiten
Menſchen neu gemacht wurden, der dann nicht
nur den Erfindungsgedanken unabhängig vom
erſten erneuerte, ſondern der auch das Glück
und die nötige Ausdauer hatte, die dazu gehört,
den Gedanken in die Tat und die Praxis
umzu=
ſetzen. Es wird nicht nur intereſſieren, wann
eine Erfindung gemacht wurde, es wird noch
wertvoller ſein zu erfahren, wann eine
Erfin=
dung zum Allgemeingut der Kulturnationen
geworden iſt.
Nicht nur die Tatkraft des Erfinders iſt
maßgebend dafür, daß eine Neuerung ſich
durch=
ſetzte, auch die Zeit muß reif dafür ſein, die
Vorbedingungen für eine allgemeine
Einfüh=
rung müſſen gegeben ſein. Daraus iſt es zu
erklären, daß nur wenig Erfindungen von einem
Einzelnen gemacht wurden, bei vielen wurde
dieſelbe Idee gleichzeitig unabhängig
vonein=
ander von mehreren gedacht und verwirklicht.
Neben vielen Fortſchritten der letzten 50
Jahre, die ſich durchſetzen konnten, ſind ſicherlich
ebenſoviele kluge Gedanken aufgetaucht, die
Er=
finderhoffnungen geblieben ſind, die in eine
Sackgaſſe führten, aus denen es vorläufig keinen
Ausweg gab. Bei den Hoffnungen und
Gedan=
ken iſt es bis jetzt geblieben, vielleicht daß es
wie bei früheren Vorerfindungen
auch ſpäter wieder einmal einen
Zeitpunkt geben wird, wo der
Ge=
danke, zur Verwirklichung reif.
94
wieder aufgegriffen und dann durch=
L0N
geſetzt wird.
Die Einführung der Elektri= o
zität hat wohl, wie ſchon oben
ge=
ſtreift, ebenſo wie früher die
Ein=
führung der Dampfkraft, unſerer
Zeit beſonders ihren Stempel
auf=
gedrückt. Die Erfindung iſt zwar
älter als 50 Jahre, da Werner von MEM
Siemens bereits im Jahre 1866 das
dynamo=elektriſche Prinzip fand,
wo=
durch er der Elektrotechnik erſt die
„Möglichkeit gab, zu einer wirklichen
Kraft und einem Wirtſchaftsfaktor
zu werden. In dieſem Blatt wurde
im Juli vergangenen Jahres eine
launige Schilderung über die „
Ge=
burtsſtunde der Dynamomaſchine‟
veröffentlicht. Mit der Erfindung
allein war es nicht geſchehen. Im
Jahre 1880 wurde die erſte
elektro=
techniſche Ausſtellung in Paris
er=
öffnet, wo Ediſon ſeine erſte, 1879
erfundene Glühlampe zeigte, und
zwar ſchon in 1000 Lampen, die
allerdings noch recht „rot”
brann=
ten. Im Jahre 1881 war auch die
erſte brauchbare
Differentialbogen=
lampe von Hefner=Alteneck
erfun=
den worden. Zum Ruhm des deut=
Bild
ſchen Vorerfinders H. Goebel ſoll
nicht unerwähnt bleiben, daß dieſer ſchon 1855
die erſten Glühlampen und Bogenlampen, durch
galvaniſche Elemente geſpeiſt, gebaut und
öffent=
lich gezeigt hat.
Es kann nicht unſere Aufgabe ſein, die ganze
Entwicklung der Elektrotechnik der letzten 50
Jahre hier aufzuzeichnen, nur erwähnt ſei noch,
daß die erſte Kraftübertragung über eine Strecke
von 57 Kilometer im Jahre 1882 durch Deprez
von Miesbach nach München vorgenommen
wurde, und erwähnt ſei weiter die Großtat
Millers, der 1891 auf der elektrotechniſchen
Aus=
ſtellung in Frankfurt über eine Strecke von 175
Kilometer die erſte wirkliche Ueberlandanlage,
mit Drehſtrom betrieben, zeigen konnte. Die
ungeheure Entwicklung gerade der
Ueberland=
anlagen, die heute den kleinſten Ort mit Strom
verſorgen, haben wir miterlebt. Leitungen von
380 000 Volt ſind ſchon keine Seltenheit mehr
gegenüber den 10 000 vor 40 Jahren.
Auch die Entwicklung der elektriſchen
Be=
leuchtung ſeit der Glühlampe Ediſons, der zuerſt
einen Baumwollfaden und dann einen
Bam=
busfaden als Lichtträger benutzte, iſt noch ſo
jung, daß ſie vielfach bekannt iſt. Auer von
Welsbach baute 1902 die erſte Osmiumlampe
und fand 3 Jahre ſpäter im Wolfram das
Me=
tall, das den endgültigen Sieg davontragen
ſollte. Erſt 1910 gelang es, dieſes Metall in
haltbarer Form als Osmium=Spiraldraht
her=
zuſtellen. In der Form der Halbwatt= und der
Gasgefüllten Lampe, die zudem in
den letzten Jahren noch „genormt”
wurde, beherrſcht ſie heute das Feld.
Kürzlich, beim 100. Geburtstag
des Reichspoſtmeiſters Stephan,
wurde darüber berichtet, daß im
Jahre 1881 in Berlin das erſte
öffentliche Fernſprechamt eröffnet
wurde. Der Amerikaner Graham
Bell hatte zwar 1877 die Erfindung
des deutſchen Volksſchullehrers Reis
erneut und verbeſſert, es bedurfte
aber doch noch mehrere Jahre, bis
die allgemeine Einführung ſich
durchſetzen konnte. Neben der
elek=
triſchen Bahn wurde 1881 ein
Tele=
phon als beſonderes Schauſtück auf
der Ausſtellung für Patentweſen
und Muſterſchutz in Frankfurt am
Main gezeigt. Die Wirkung war
ſo groß, daß noch im gleichen Jahr
in Frankfurt eine Fernſprecheinrich=
Bild 2. Großkrattwerk Kligenberg. Leistung 200000 Kilowatt, tung mit 148Teilnehmern in Betrieb
genommen werden konnte. Auch das Telephon
hat im Laufe der letzten 50 Jahre, dank
uner=
müdlicher Arbeit, bedeutende Fortſchritte
ge=
macht. Erwähnt ſei nur die Erfindung des
Selbſtwählers durch Max Langer, deſſen
Ein=
führung an vielen Orten jetzt durchgeführt wird.
Was man noch 1881 als ein Wunderwerk
der Technik anſah, iſt heute zur
Selbſtverſtänd=
lichkeit und zum unentbehrlichen Hilfsmittel zur
Ueberwindung von Raum und Zeit geworden.
In Verbindung mit der Funktelephonie iſt heute
die Möglichkeit gegeben, mit ſich ſelbſt um die
ganze Erde herum zu ſprechen, allerdings würde
dieſer Spaß nicht weniger als 250 Dollar für
die Dauer von 3 Minuten koſten.
Wenn auch die Dampfmaſchine ſchon zu
Beginn unſeres Zeitabſchnittes ein weſentlicher
Wirtſchaftsfaktor war, ſo ſind doch die jetzigen
Höchſtleiſtungen nur in Verbindung mit der
Dampfturbine möglich geworden. Parſon baute
1884 ſeine erſte Turbine mit 10 PS. Im Jahre
1893 zeigte de Laval auf der Chicagoer
Welt=
ausſtellung ſeine Turbine zum erſten Male
öffentlich. Kurz nach 1900 wurde aber erſt die
Dampfturbine Allgemeingut. Welcher Abſtand
im Verlauf von noch nicht 40 Jahren! Von
10 PS iſt die Leiſtung einer einzelnen Maſchine
bis auf 200 000 KWl geſtiegen.
Amerikaner T. Underwood überlaſſen mußte.
Mit dem Erſcheinen dieſer Maſchine im Jahre
1898 und der Adlermaſchine im Jahre 1899
begann der unaufhaltſame Siegeszug der
Schreibmaſchine durch alle Schreibſtuben der
Welt. Ende der 90er Jahre tritt auch in
Deutſch=
land die Schreibmaſchine in größerem Umfange
auf, ſo daß dieſe heute auf eine etwa 30jährige
allgemeine Verwendung zurückblicken kann. Es
Bild 4. Benzwagen aus dem Jahre 18-8.
bedarf kaum der Erwähnung, daß auch die vielen
andern heute in den Schreibſtuben verwandten
Büromaſchinen, wie Rechenmaſchinen,
Adreſſier=
maſchinen, Frankiergpparate, Regiſtrierkaſſen
uſw. im Lauf der letzten 50 Jahre eutſtanden,
vervollkommnet und allgemein eingeführt
wor=
den ſind. Die vielfach verwandte Aktenklammer
in länglicher Form aus Draht wurde im Jahre
1899 von dem Schweden Vaaler erfunden.
In der heutigen Beherrſchung der Luft iſt
ein alter Traum der Menſchheit in Erfüllung
gegangen, ein Traum, deſſen erſte Vorboten
ſagenhaft bis in das graue Altertum
zurück=
reichen. Am Beginn unſeres Zeitabſchnittes
war zwar, Dank der Erfindung des Frauzoſen
Montgolfier, der Luftballon und auch der
Fall=
ſchirm bekannt und zu wiſſenſchaftlichen und
ſportlichen Zwecken vielfach verwendet. Aber
eine Lenkung dieſer Luftfahrzeuge war nicht
möglich. Vielfache Verſuche waren gemacht
wor=
den, beſonders iſt der Franzoſe Giffare zu
nennen, aber erſt im Jahre 1882 gelang dem
deutſchen Paul Henlein zu Brünn eine kurze
Probefahrt. Längere Fahrten unternahmen
1884 zwei Franzoſen, Renard und Krebs. Dieſe
unſtarren Luftſchiffe waren, beſonders mangels
eines geeigneten Antriebsmotors, nicht von
gro=
ßen Erfolgen beglückt. Der zähen Tatkraft des
Grafen Zeppelin war der dauernde Erfolg
be=
ſchieden. Er meldete 1895 ſein Syſtem zum
Patent an und vollendete im Jahre 1900 ſein
erſtes Luftſchiff — 11300 Kubikmeter Inhalt,
nit dem er am 2. Juli ſeinen erſten Aufſtieg
d 5. Der schnellste Krattwagen der
Gegen-
wart „Blue Bird II".
Auch der Kraftwagen iſt ein Kind der
letzten 50 Jahre. Im Jahre 1886 baute Carl
Benz ſeine erſten Kraftwagen. Launig
ſchil=
dert er uns in ſeiner „Lebensfahrt eines
deut=
ſchen Erfinders”, daß der Motor in einer
Sil=
veſterſtunde zum erſten Mal im regelmäßigen
Rhythmus „tät tät tät”, die Zukunftsmuſik
einer neuen Zeit, ſang. Drei Jahre ſpäter
legten Frau und Sohn die erſte Fernfahrt von
Mannheim bis Pforzheim zurück. Aber auch
hier dauerte es lange, bis ſich aus dem erſten
Verſuchsſtadium ein Wagen entwickelte, der
All=
gemeingut werden konnte. Noch um die
Jahr=
hundertwende hatten die Kraftwagen ſich wenig
von dem Chaiſentyp entfernt. Im Jahre 1897
wurde in Deutſchland die erſte automobiliſtiſche
Vereinigung „Der Mitteleuropäiſche
Motor=
wagenverein” in Berlin geründet. Bis zum
Jahre 1905 dauerte es noch, bis ſich das Auto
als Gebrauchsfahrzeug durchſetzte und nicht
mehr nur Sportfahrzeug war. Schon im Jahre
1911 wurde auf einem Benzwagen (200 PS)
ein Weltrekord mit einer
Stundengeſchwindig=
keit von 228 Kilometer erreicht. 20 Jahre ſpäter
trotz der ungeheuren Entwicklung, die Motor
und Wagenform inzwiſchen durchgemacht haben,
erreicht Kapitän Campbell mit ſeinem „
Blue=
bird 2” eine Geſchwindigkeit von 395 Kilometer.
Trotz der mindeſtens fünffachen Steigerung der
Motorſtärke iſt nicht einmal die doppelte
Ge=
ſchwindigkeit erreicht worden.
Eine andere Einrichtung, die zu dem
äußeren Bild unſerer Zeit viel beigetragen hat,
die vor allem die äußere Form des
wirtſchaft=
lichen Lebens ſtark beeinflußte, iſt die
Schreib=
maſchine. Sie hat inſofern verändernd gewirkt,
als ſie einen ganz neuen Berufszweig, den der
Stenotypiſtin, geſchaffen und damit dem
weib=
lichen Teil der Bevölkerung einen weſentlichen
Einfluß auf das Berufsleben gegeben hat.
Der Gedanke der Schreibmaſchine iſt über
200 Jahre alt. Es iſt unbekannt, ob der
dama=
lige Erfinder, der Engländer Mill, überhaupt
eine Vorrichtung zum Schreiben baute. Erſt im
Jahre 1867 hat der Amerikaner Sholes eine
brauchbare Schreibmaſchine hergeſtellt. Nach
weiteren Verbeſſerungen kam dieſe Maſchine
als erſtes Modell der Remington 1876 zwar in
Amerika in den Handel, ſie ſetzte ſich aber nicht
durch, da ſie noch zu unvollkommen war. Im
Jahre 1888 konſtruierte der ausgewanderte
deutſche Mechaniker Wagner die erſte
Schreib=
maſchine mit ſichtbarer Schrift, deren induſtrielle
Ausnutzung er allerdings dem kapitalkräftigen
Freitag, den 3. Apri 1931
Technik der Gegenwart
Nummer 3
unternahm. Weſentliche Wandlungen in der
Form, in der Bauart und ganz beſonders in
der Stärke und Anordnung der Motoren mußten
gemacht werden, bis es zu den
Glanzleiſtun=
gen von L. Z. 127 kommen konnte, dem „Grafen
Zeppelin” mit einem Inhalt von 105 000
Kubikmeter.
Weſentlich andere Wege hat die Flugtechnik
beſchritten, die ohne ein Traggas die Löſung
des Flugproblemes anſtrebte. Es kann auch
hier nicht Aufgabe ſein, all die Vorerfinder
aufzuzählen, die zu anfehnlichen, aber doch
un=
vollkommenen Leiſtungen kamen. Der Vater
der Flugtechnik iſt der deutſche Segelflieger Otto
von Lilienthal, der in ſyſtematiſchen Verſuchen
ſich ſelbſt zunächſt die wiſſenſchaftlichen
Grund=
fagen ſchuf und dann ebenfalls von Stufe zu
Stufe aufbauend in den Jahren 1890—1896
immer beſſere und weitere Segelflüge
aus=
führte. Er hat im ganzen faſt 1000 Flüge
aus=
geführt, bis ein unglücklicher Sturz ſeinem
Le=
ben vorzeitig ein Ziel ſetzte. Auf ſeinen
Vorar=
beiten bauten die Erfinder des Drachenflugzeugs,
die amerikaniſchen Brüder Wilbourg und Orvill
Wright auf. Sie führten zunächſt Gleitflüge aus.
Ihnen gelang es am 17. Dez. 1903, den erſten
Flug eines Menſchen in einem Motorflugzeug
auszuführen. In 59 Sekunden legten ſie einen
Weg von 260 Meter frei in der Luft zurück.
5 Jahre ſpäter kamen ſie nach Europa und
führten am 31. Dezember 1908 ſchon einen
Flug von 124,7 Kilometer Länge aus. Einen
Markſtein in der weiteren Entwicklung der
Flugzeuge bildete der Bau des erſten
Ganz=
metallflugzeuges durch Junkers im Jahre 1915,
wodurch die verſpannungsloſe Bauart
weſent=
lich gefördert wurde. Betrachtet man die vor
etwas mehr als 20 Jahren gebauten erſten
Flugzeuge, Lattengeſtelle mit Draht verſpannt
und mit Leinwand überzogen, darin ein Motor
von 25 PS, und vergleicht man damit ein
mo=
dernes Großflugzeug, etwa den Do. X, der 12
Motore von je 525 PS hat, dann wird man
ſich bewußt, welch ungeheuren Fortſchritt die
Flugtechnik in dieſem verhältnismäßig kurzen
Zeitraum gemacht hat. Kurz ſeien noch
die Erfindungen kurz beſprochen, die dem
Unterhaltungsbedürfnis und den Vergnügungen
unſerer Zeit das beſondere Gepräge gegeben
haben: das Grammophon, der Kinematograph
und die Funktechnik.
Im Jahre 1878 erfand Ediſon den
Phono=
graphen mit Staniolwalze, die er ſpäter durch
eine Hartgummiwalze erſetzte. Lebensfähig
wurde dieſe Einrichtung aber erſt, als Emile
Berlin, im Jahre 1887 das Grammophon —
die Schallplatte — erfand. Damit war die
Möglichkeit gegeben, von einer
Originalauf=
nahme durch mechaniſche Vervielfältigungen
viele Platten herzuſtellen. Weſentliche
Verbeſ=
ſerungen brachte in den letzten Jahren die
Ein=
führung eines elektriſchen Aufnahmeverfahrens.
Der Kinematograph wurde zuerſt 1895 durch
die Gebrüder Lumiere in praktiſch brauchbarer
Form hergeſtellt. Sie benutzten hierbei den von
dem amerikaniſchen Geiſtlichen Goodwin 1887
erfundenen Filmſtreifen, den ſie ruckweiſe, nicht
kontinuierlich wie frühere Erfinder, vorſchoben.
Schon Ende des Jahres 1895 wurde von dem
Berliner Photographen Skladanowſky im
Win=
tergarten zu Berlin ein von ihm unabhängig
von den Franzoſen gebauter erſter
Kino=
apparat in Deutſchland vorgeführt. Auch dieſe
erſten Apparate haben weſentliche Wandlungen
erfahren, erwähnt ſei nur die Zeitlupe, die
Musger 1907 zuerſt erfand, und der Tonfilm,
eine Schöpfung von Dr. Engel, Vogt und
Maſolle im Jahre 1922.
Die drahtloſe Uebertragung von Zeichen
und Sprache gründete ſich auf die
wiſſenſchaft=
lichen Vorarbeiten des deutſchen Profeſſors
Heinrich Hertz, die er in den Jahren 1387—1893
machte. Die erſte Uebertragung von Zeichen
gelang dem Italiener Marconi im Jahre 1895,
im gleichen Jahr erfand der Ruſſe Popow die
Antenne. Erſt die fundamentalen Arbeiten von
Braun und Slaby, insbeſondere die Einführung
eines geſchloſſenen Schwingungskreiſes durch
erſteren 1898, ermöglichten größere Reichweiten.
Die Erfindung der Audion=Röhre 1905 durch
Lee de Foreſt und der Verſtärkerröhren durch
von Lieben 1910 halfen beſonders die drahtloſe
Uebertragung von Geſprächen zu fördern. All
die wichtigen Erfindungen, die nötig waren, um
die Funktechnik auf die Höhe und
Vervollkomm=
nung zu bringen, daß die allgemeine
Einfüh=
rung des Rundfunks im Jahre 1923 möglich
wurde, müſſen wir uns verſagen zu erwähnen.
Nur die Erfindungen der Karoluszelle als
Grundlage der Bildübertragung ſei noch
er=
wähnt.
Es wurde an vielen Beiſpielen gezeigt,
daß nicht der eigentliche Erfindungsgedanke das
Entſcheidende war, ſondern daß die Umſetzung in
die Praxis und die Einführung in den
allge=
meinen Gebrauch den Wert der Erfindung
aus=
macht. Es wird deswegen auch von beſonderem
Intereſſe ſein, zu ermitteln, wann ſich einzelne
Erfindungen in Darmſtadt eingeführt haben.
Zuvor müſſen wir uns aber kurz den
tech=
niſchen Zuſtand Darmſtadts im Jahre 1881
ver=
gegenwärtigen. Das allgemeine öffentliche
In=
tereſſe beanſpruchte damals das neuerrichtete
Darmſtädter Waſſerwerk, das zum Erſatz für
etwa 20 Quellzuleitungen in den Jahren 1879/80
im Griesheimer Eichwäldchen errichtet worden
war. Die Koſten beliefen ſich auf 1,7 Millionen
Mark. Das geſamte Rohrnetz umfaßte 53
Kilo=
meter, in ihm waren über 300 Hydranten und
ebenſoviel Abſperrſchieber eingebaut. Am 1. April
1881 wurden allgemein Waſſermeſſer, von J.
Va=
lentin in Frankfurt geliefert, eingebaut. Im
gleichen Monat beſchloß die
Stadtverordneten=
verſammlung, daß die alten „Privatabſtiche
ge=
ſchloſſen und die Krahnenkaſten zugeworfen
wer=
den ſollten‟. Es iſt amüſant, in den damaligen
Zeitungsberichten zu leſen, wie man ſich bemühte,
den Abnehmerkreis von etwa 1100 Anſchlüſſen zu
erweitern. Dagegen beantragten auch
Hausbe=
ſitzer von Beſſungen, das erſt am 1. April 1888
eingemeindet wurde, Anſchlüſſe an die
Waſſer=
leitung.
Großes Zutrauen muß man allerdings zu dem
Werk nicht gehabt haben, denn unter dem
Ein=
druck des großen Hoftheaterbrandes in Wien
wurden die Feuerlöſcheinrichtungen im
Darm=
ſtädter Hoftheater nachgeprüft und feſtgeſtellt,
daß eine Lokomobile mit Pumpwerk vorhanden
ſei, die aus einem, vom Woog her gefüllten,
Waſſerbehälter „drei Reſervoire auf dem
Kron=
leuchterboden enthaltend 78 Kubikmeter Waſſer
und die Berieſelungsanlage auf der Bühne”
ver=
ſorgte.
Bedenkt man dagegen, daß das Theater mit
offenen Gasflammen in Form der
Fiſchſchwanz=
brenner, die nur durch Drahtkörbe geſchützt
waren, beleuchtet wurde, ſo kann man dieſe
Vor=
ſicht verſtehen. Darmſtadt hatte ſeit dem
Anlage war für 4000 Lampen zu je
16 Kerzen (wie beſcheiden!) berechnet.
Zu=
nächſt ſchloß ſich das Hoftheater, der
Großherzog=
liche Hof, die Hofhaltung des Prinzen
Alexan=
der von Heſſen und etwa 70 Privatleute, meiſt
Ladeninhaber in den Hauptgeſchäftsſtraßen, an.
Das Werk war von Anfang an in ſtädtiſchem
Eigentum und wurde erſt 1912 zur „Heag”
um=
gewandelt.
Bild 6. Ein Museumsstück: Der erste
Drachentlieger der Brüder Wright.
14. März 1855 allgemeine Gasbeleuchtung in den
Straßen. Das Gas lieferte anfangs eine private
Gasgeſellſchaft, deren altes Werk an der
Lager=
hausſtraße am 1. April 1880 von der Stadt
über=
nommen wurde. Damals waren 767 öffentliche
Laternen und 1193 Gasmeſſer in Benutzung. Im
September 1881 wurde durch Aufſtellung zweier
Siemensſcher Regenerativbrenner auf dem
Marktplatz eine beſſere Beleuchtung erſtmalig
gezeigt. Erſt 1892 brachte die Einführung des
Auerſchen Glühſtrumpfs einen großen Fortſchritt
dieſer Beleuchtungsart, die ſich ſchon in den
darauffolgenden Jahren auch in Darmſtadt
ein=
führte. 10 Jahre ſpäter erfanden Bernt und
Cervenka das hängende Gasglühlicht.
Die elektriſche Beleuchtung, die ſchon am
16. Oktober 1881 zur Beleuchtung der großen
Oper in Paris benutzt wurde, fand in Darmſtadt
erſt im Jahre 1885 Eingang, wo ſie zur Beleuch=
Im Zuſammenhang mit dem Elektrizitätswerk
muß darauf hingewieſen werden, daß die
Darm=
ſtädter Techniſche Hochſchule den Ruhm für ſich
in Anſpruch nehmen kann, den älteſten und erſten
Lehrſtuhl für Elektrotechnik in der Welt zu
be=
ſitzen. Mit der Berufung Erasmus von Kittlers
im Jahre 1882 hatte der damalige Heſſiſche
Landtag einen Antrag auf Aufhebung der
Tech=
niſchen Hochſchule abgelehnt und die Hoffnung
ausgeſprochen, daß durch Angliederung dieſes
ganz modernen Zweiges der Ruf der Hochſchule
ſehr gehoben würde. Die Hoffnungen haben ſich
Bild 7. Ein deutsches Großtlugzeug Do. K.
tung des Main-Neckar=Bahnhofes benutzt
wurde. Zwei Dampfmaſchinen von je 35 PS
trieben hier 5 (i. W. fünf!!) Dynamomaſchinen
an. Die allgemeine Einführung der elektriſchen
Beleuchtung brauchte noch weitere 3 Jahre. Am
1. September 1888 wurde der Betrieb des
Elek=
rizitätswerkes eröffnet. Hier kamen zunächſt
drei größere Dampfmaſchinen von je 100 PS zur
Aufſtellung, mit denen direkt gekuppelt (was als
beſonderer Vorzug hervorgehoben wird!) drei
beſtätigt, im nächſten Jahre kann der Lehrſtuhl
auf eine 50jährige erfolgreiche Arbeit
zurück=
blicken!
Die weſentlichſte Kraftquelle, die den recht
zahlreichen Darmſtädter Fabriken anfangs der
80er Jahre zur Verfügung ſtand, war die
Dampf=
maſchine. Es ſtanden damals etwa 80
Dampf=
maſchinen mit einer durchſchnittlichen Leiſtung
von je 8 PS in Betrieb. Daneben waren wenige
Gasmaſchinen mit einer durchſchnittlichen
Dynamos von je „66 000 Volt=Ampere” liefer
und zwei kleinere von je „24 000 Volt=Ampére‟
die zuſammen von einer Dynamomaſchine von
70 PS angetrieben wurden. Die
Umdrehungs=
zahl der Lichtmaſchinen betrug 200 (!). Die
Leiſtung von 5 PS aufgeſtellt. Die erſte
Dampf=
maſchine und bis zum Jahre 1831 einzige in
Darmſtadt war die in der heſſiſchen Münzanſtalt.
Die Abwäſſer der Stadt wurden ſchon damals
n zwei Hauptkanälen, an die ſich Seitenkanäle
anſchloſſen, abgeleitet. Auch ſchon 1881 ſchlug
Dr. med. Kraus aus Beſſungen die Anlegung
von Rieſelfeldern, die aber erſt 1895 zur
Aus=
führung kamen, vor. Intereſſant iſt eine
Ver=
öffentlichung der Bürgermeiſterei vom 30.
De=
zember 1880, wonach die Privatentwäſſerungen
in ſtädtiſche Kanäle vom 1. April 1881 ab eine
„Recognitionsgebühr” von 3 Mark im Jahr zu
entrichten hatten.
Das die Stadt Darmſtadt berührende
Eiſen=
bahnnetz hat ſich in den letzten 50 Jahren nicht
verändert. Die Main-Neckar=Bahn (am 1. 8.
1846 eröffnet), die heſſiſche Ludwigsbahn (
Darm=
ſtadt—Mainz 1. 8. 1858, Darmſtadt—
Aſchaffen=
burg 18. 11. 1858) die Riedbahn (ſeit 1871) und
die Bahn in den Odenwald (ebenfalls ſeit 1871)
ſind länger im Betrieb und nicht durch weitere
Strecken ergänzt worden. Dagegen iſt das
Stra=
ßenbahnnetz viel jüngeren Datums. Die
Dampf=
bahn nach Eberſtadt und Griesheim wurde 1886,
diejenige nach Arheilgen 1889 in Betrieb
genom=
men. Die elektriſche Straßenbahn läuft ſeit dem
23. September 1897, ſie wurde 1902—03 durch
Angliederung neuer Strecken erweitert. Erſt
nach dem Krieg iſt die Dampfbahn verſchwunden
und die Elektrifizierung der Vorortbahnen zur
Ausführung gekommen. Ob auch die
weiter=
reichenden Pläne der Bergſtraße entlang und
zum Rhein hin bald zur Ausführung kommen,
muß die Zukunft lehren.
Für das Nachrichtenweſen beſtand im Jahre
1881 ſchon ein ausgedehntes Telegraphennetz in
Heſſen. In Darmſtadt war die
Telegraphenan=
ſtalt am 1. April 1853 eröffnet worden. In
Heſ=
ſen beſtanden 1880 157 Telegraphenämter bzw.
ſtationen. Der Fernſprecher hat ſeinen Einzug
in Darmſtadt erſt im Jahre 1885 gehalten. Am
16. Auguſt wurde mit dem Legen der Drähte
be=
gonnen, und am 22. September vormittags um
7 Uhr wurde, wie es in dem Darmſtädter
Tag=
blatt heißt, „die Darmſtädter Telephonleitung in
Betrieb geſetzt. Bis jetzt ſind erſt 29 Anſchlüſſe
erfolgt, welche ſich übrigens wohl bald vermehren
werden.‟ Die Frankfurter Telephonleitung wurde
unter dem Eindruck der damaligen
Aus=
ſtellung ſchon am 1. September 1881 mit 148
Sprechſtellen in Betrieb genommen. Im
Darm=
ſtädter Adreßbuch wird es merkwürdigerweiſe im
Jahrgang 1893 zum erſten Male für nötig
ge=
halten, die Telephonnummern mit aufzuführen.
Es ſind damals etwa 170 Anſchlüſſe vorhanden
geweſen — und heute fehlt das Telephon faſt in
keinem Haus.
Fahrräder waren in Darmſtadt im Jahre
1881 zwar nicht unbekannt, jedoch immerhin noch
eine beſonders bemerkenswerte Erſcheinung. In
Nr. 76 des „Darmſtädter Tagblattes” von 1881
ſteht zu leſen: „Am Oſtermontag fand ſich
eine Anzahl Velocipedefahrer aus Heidelberg,
Frankfurt und Wiesbaden hier ein und ſtieg im
Darmſtädter Hof ab. Die Fahrt von Frankfurt
hierher wurde in 2 Stunden, diejenige von
Hei=
delberg in 3½ Stunde zurückgelegt. Agent
Ficke, ein Bremenſer, fuhr auch in dieſem Jahr
ein aus England bezogenes Hochrad als erſter
Darmſtädter Radfahrer. Ein 50jähriges
Jubi=
läum, das wir heute feiern könnten. Im Jahre
1883 wurde der Bicycle=Club gegründet, der in
den folgenden Jahren auf dem Marienplatz
Ren=
nen mit Rädern der verſchiedenſten Art
veran=
ſtaltete.
Wann das erſte Automobil in Darmſtadt
auf=
getaucht iſt, konnte bis jetzt noch nicht ermittelt
werden. Sicher iſt nur, daß im Jahre 1900 Herr
Müller (Firma Müller & Ober) bereits einen
Benz „Comfortable” kaufte und in Darmſtadt
Fahrten unternahm, die bis auf den Feldberg
(erſtes Automobil auf dem Feldberg!)
aus=
gedehnt wurden. Der Wagen hatte einen
liegen=
den Zylinder mit 3 PS.
Im Flugweſen hat Darmſtadt von jeher eine
weſentlichere Rolle geſpielt. Vielen wird noch
er=
innerlich ſein, daß im Sommer 1908 Euler ſeine
Flugverſuche auf dem Griesheimer Sand machte.
Dort wurde auch der erſte deutſche aktive
Offi=
zier als Flugzeugführer ausgebildet. Dieſe
Vor=
führungen und beſonders die Modell= und
Segel=
flugverſuche auf der Ila 1909 veranlaßten eine
Anzahl Schüler höherer Lehranſtalten ſchon
da=
mals zum Bau von Segelflugzeugen. Auf dem
Holzhof und in einer Halle des Pferdemarktes
wurden die erſten Modelle gebaut, auf dem
Prinzenberg bereits ein Flug von 30 Meter
Länge erreicht. Mit dem neunten Modell zog
die Flugſportvereinigung, wie ſie ſich nannte, im
Juli 191: nach der Rhön. Im folgenden Jahr
wurde dort bereits ein Weltrekord von 840
Meter (Lilienthal, hatte es bloß bis zu 500
Meter gebracht) ufgeſtellt. Aus dieſer
Ver=
einigun, iſt dann in den Jahren nach dem Krieg
die „Akademiſche Fliegergruppe” geworden, die
ſeit dem erſten Segelflugwettbewerb in der Rhön
im Jahre 1920 eine große Zahl von
hervor=
ragenden Leiſtungen und Rekorden an ſich
geriſ=
ſen hat. Namen wie: „Konſul”, „Darmſtadt”,
„Geheimrat” und Namen der Flieger wie Botſch,
Nehring und Kronfeld tauchen aus ruhmvoller
Vergangenheit auf.
Es ſei in dieſem Zuſammenhang noch
er=
wähnt, daß in Darmſtadt ſchon im Jahre 1783
der erſte Aufſtieg eines Luftballons in
Deutſch=
land ſtattgefunden hat. Das erſtemal erſchien
ein lenkbares Luftſchiff des Grafen Zeppelin am
4. Auguſt 1908, am Tag vor dem Echterdinger
Unglück, über Darmſtadt. Die erſte
Zeppelin=
landung erfolgte im Jahre 1912 auf dem kleinen
Exerzierplatz.
Es wäre auch noch zu ermitteln, wann das
erſte ſtändige Kino in Darmſtadt eröffnet wurde.
Soweit bekannt, wurde zuerſt das Kino auf der
Meſſe in Zelten vorgeführt. Das Radio hat ſich.
wie allgemein in Deutſchland, 1923, der Tonfilm
im vergangenen Jahre in Darmſtadt eingeführt.
Sicherlich ſind noch eine ganze Reihe
wiſſens=
werter Tatſachen und Zeitangaben unbeachtet
geblieben, ſicherlich erinnert ſich mancher alte
Darmſtädter noch an techniſche Neuerungen und
die näheren Umſtände ihrer Einführung. Dieſs
Zeilen geben vielleicht Veranlaſſung zur
Rück=
erinnerung und zu einer kurzen Mitteilung, für
die der Verfaſſer dankbar wäre. Wenn man
be=
denkt, daß 50 Jahre doch nur einen Augenblig
im Leben der Menſchheit bedeuten, dann muß
man ſtaunen über die Fülle der Neuerungen, die
dieſe letzten 50 Jahre gebracht haben,
Neuerun=
gen, ohne die wir uns unſer Daſein kaum noc
vorſtellen können.
Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 13
Svott, Opier und Turnen.
Der Spork an den Oſterkagen.
Die allgemeine Wirtſchaftskriſe hat ſich auch ſchon im Sport in
mannigfacher Hinſicht ausgewirkt, dem Sportprogramm der Oſtern 1931
merkt man davon allerdings nicht viel an; es iſt reichhaltig, bunt und
intereſſant.
Fußball.
Die Oſtertage ſind möglichſt von Meiſterſchaftskämpfen freigehalten
worden, der feſttägliche Charakter der Tage wird mehr durch große
in=
ternationale Freundſchaftsſpiele betont. So ſpielt der öſterreichiſche
Tabellenführer Admira Wien gegen den 1. FC. Nürnberg (Sonntag)
und gegen die Eintracht Frankfurt (Montag). SS.d.P. Pommery Reims
iſt am Sonntag Gaſt von Union Niederrad und am Montag Gegner
von FV. Zuffenhauſen. St. Gallen ſpielt Samstag in Ulm gegen FV.
93 und am Sonntag gegen Wacker München. Aus dem weiteren
ſüd=
deutſchen Programm der Feſttage ſeien noch erwähnt die Spiele
Wies=
baden — Mainz 05 (Samstag). Mainz 05 — V.f.L. Neu=Iſenburg,
Sp. Vg. Schramberg — V.f.B. Stuttgart, SV. 05 Saarbrücken —
Preu=
ßen Gladbach (Samstag), Sp.Vg. Riegelsberg — Preußen Gladbach,
Boruſſia Fulda — Germania Bieber und das Blitzturnier des V.f.R.
Mannheim, das ſich über beide Feſttage ausdehnt. Der zweite Feſttag
bringt folgende Treffen: V.f.R. Heilbronn — 1. FC. Nürnberg.
Frei=
burger FC. — Rot=Weiß Frankfurt, FV. Ebingen — FC. Birkenfeld,
V. Großroſſeln — Preußen Gladbach. — Eine Anzahl von ſüddeutſchen
Mannſchaften fährt auch wieder in andere Verbände bzw. ins Ausland.
Rot=Weiß Frankfurt ſpielt in der Schweiz, wvohin auch der FV.
Saar=
brücken reiſt. FC. Hanau 93 weilt noch ſeiter ſüdlicher in
Südfrank=
reich, die Kickers Offenbach ſind in Norddeutſchland, Phönix
Ludwigs=
hafen, Jahn Regensburg und FSV. Franrfurt beſuchen weſtdeutſche
Städte. Wormatia Worms nimmt an einem Turnier in Luxemburg teil,
SC. Freiburg reiſt ins nahe Elſaß und die Sp.Vg. Fürth hat ſogar
die ſchwere Aufgabe, in Wien gegen Rapid zu beſtehen. Von den
Spielen im Reich, ſoweit nichtſüddeutſche Vereine beteiligt ſind, ſeien
noch vermerkt: Hertha=BSC. — Vienna Wien, Holſtein Kiel — Vienna
Wien, Eintracht Braunſchweig — Wiener AC., Fortuna Leibzig — DFC.
Prag, V.f.B. Leipzig — Caſuale London. Meiſterſchaftsſpiele ſind, wie
ſchon geſagt, nur wenige angeſetzt. In Süddeutſchland gibt es lediglich
zwei Troſtrundenſpiele der Gruppe Südoſt. München 1860 wird gegen
V.f.R. Fürth gewinnen und damit ſeine führende Poſition weiter
be=
feſtigen. Da der FC. Pforzheim ebenfalls noch eine gewiſſe Chance hat.
Abteilungsſieger zu werden, ſo hat auch ſein Spiel in Angsburg noch
Bedeutung.
Rugby.
Das hervorſtechendſte Ereignis im deutſchen Rugbyſport iſt der
tra=
ditionelle Oſterbeſuch der Oxford Greyhounds. Die Engländer ſpielen
am erſten Feſttag gegen den ſüddeutſchen Meiſter SC. 80 Frankfurt und
am Tage darauf gegen den RC. Heidelberg.
Handball.
Ein — allerdings bedeutungsloſes — Meiſterſchaftsſpiel der Gruppe
Oſt wird zwiſchen SC. Freiburg und dem Abteilungsſieger Sp.Vg.
Fürth ausgetragen. In der Rubrik Freundſchaftsſpiele ſind verzeichnet
u. a.: SV. Wiesbaden — Ulmer FV. 94 (Sonntag), Pfalz
Ludwigs=
hafen — Ulm 94 (Montag). V.f.R. Schwanheim — TV. Ried. Rot=Weiß
Frankfurt — Schwarz=Weiß Barmen (Samstag), V.f.R. Schwanheim —
Barmen (Montag), TSV. Langen — Sportfr. Saarlouis=Roden,
Ein=
tracht Frankfurt — Kölner RC. (Damen). Der V.f.R. Mannheim hält
ein „Blitzturnier” ab.
Hockey.
Nach den Kämpfen gegen Holland und Frankreich, die unſere Hockey=
Nationalelf keinesſegs in befriedigender Form ſahen, erreicht die
Län=
derſpielſerie des Deutſchen Hockey=Bundes, mit dem am Samstag in
Hamburg ſtattfindenden Treffen gegen Enaland ihren Höhepunkt. Das
Zuſammentreffen der beiden ſpielſtärkſten Mannſchaften im europäiſchen
„Hockey hat natürlich einen ganz beſonderen Reiz. — Oſtern iſt überhaupt
im Hockey mit großen Ereigniſſen geſegnet. So gibt es wieder große,
ſtark beſetzte Turniere in Bad=Kreuznach, Uhlenhorſt. Hannover und
Paris.
Boxen.
Traditionsgemäß trägt der Deutſche Reichsverband für
Amateun=
boxen an den Oſtertagen ſeine Deutfchen Meiſterſchaften im
Amateur=
boxen aus. Diesmal iſt Hamburg vom Freitag bis Montag Schauplatz
der Kämpfe. Die Meiſterſchaften werden bei dem erfreulich guten Stand
des deutſchen Amateurborens ſicher wieder einen intereſſanten Verlauf
nehmen. Den Titelkämpfen voraus geht eine Tagung des
Reichsver=
bandes, bei der die Einigung mit dem Athletikſportverband im
Mittel=
bunkt der Debatten ſtehen wird.
Winterſport.
Der Winterſport verabſchiedet ſich an den Oſtertagen endgültig. Er
bringt u. a. noch einmal ein iternationales Skirennen auf dem
Zugſpirt=
platt ſowie Oſterſkiſpringen in Oberwiefenthal und Braunlage (Harz).
Nadſport.
Die neue Saiſon auf offenen Bahnen ſetzt an den Oſtertagen in
Deutſchland machtvoll ein. Am erſten Feſttag gibt es Rennen in
Frank=
furt (mit Krewer, Snoek, Blattmann, Schäfer und Chriſtmann), in
Berlin (Olympiabahn), Bonn. Forſt, Hannover und Paris. Der zweite
Feſttag bringt Radrennen auf den Bahnen in Dresden, Köln, Krefeld.
Halle und Speher=Dudenhofen. Am Sechstagerennen in St.: Etienne,
das von Karfreitag ab läuft, nimmt mit den Berlinern Kroſchel/Miethe
auch eine deutſche Mannſchaft teil. Deutſche Rennfahrer ſind auch an
einigen belgiſchen Straßenrennen ſowie an der Fernfahrt Paris—
Rou=
baix beteiligt.
Pferdeſport.
Das glänzend beſetzte Frankfurter Reitturnier erreicht an den beiden
Feiertagen ſeinen Höhepunkt. Galopprennen gibt es am erſten
Oſter=
tag in Dresden, Magdeburg Neuß und Auteuil, während für den
Mon=
tag Rennen in Karlshorſt. Neuß, München=Riem und Paris vorgeſehen
ſind.
Oſter=Handball in der 9.T.
Vierzig Spiele ſind wirklich eine erhebliche Zahl. Weitaus die
mei=
ſten Gegner kommen aus den benachbarten Gauen: Frankfurt a. M.,
Rheinheſſen, Baden, Pfalz, Odenwald, und die Langener erwarten ſogar
Tgde. Böckingen bei Stuttgart. Das einzige Treffen gegen einen DSB.=
Verein iſt in Bickenbach gegen „Kickers” Offenbach am zweiten Feiertag.
Auffallend iſt die Verpflichtung weit ſtärkerer Gegner in den unteren
Klaſſen, ſo daß der Name werbend wirkt. Eine klaſſenmäßige
Auf=
zählung würde der Bedeutung der Spiele nicht gerecht; da
beiſpiels=
weiſe die Begegnung Nauheims mit dem Odenwaldmeiſter Groß=
Zim=
mern dem Spiele Walldorf gegen TV. Nied gewiß nicht nachſteht. Am
erſten Feiertag: Tgſ. Ober=Ramſtadt — Groß=Bieberau; Nieder=
Ramſtadt — Wartburgverein Frankfurt; Langen — Böckingen;
Wolfs=
kehlen — Alzey; Nauheim — Groß=Zimmern; Seeheim — Groß=Gerau;
Bickenbach — Tgſ. Worms; Weiterſtadt — Egelsbach; Biebesheim —
Hofheim (Ried); Birkenau — Worms=Pfiffligheim.
Am zweiten Feiertage: Crumſtadt — Eich (Rheinh.);
Wor=
felden — Wallerſtädten; Erzhauſen — Büttelborn 2.; Walldorf — Nied
Groß=Hauſen — Abenheim; Hahn — Pfungſtadt 2.; Arheilgen —
Nieder=Saulheim; Roßdorf — Bretzenheim; Lorſch — Frankfurt a. M.=
Oberrad; Tgſ. Ober=Ramſtadt — Tgſ. Worms; Bickenbach —
Offen=
bacher Kickers; Erfelden — Auerbach; Eberſtadt — Hähnlein;
Bir=
kenau — Bensheim 2.; Pfungſtadt — Biſchofsheim b. Mainz. Der
Main=Rheingau iſt noch immer gaſtfreundlich geweſen, und ſo mögen
auch diesmal die Turner mit frohen Erinnerungen heimkehren.
Die Preſſeſtelle iſt am zweiten Feiertag in der üblichen Zeit
beſetzt. Anrufe von 6.15 bis 8 Uhr.
TV. König i. Odw.
DV. König 1. empfängt am 1. Oſterfeiertag um 2 Uhr die
Turn=
geſellſchaft Frankfurt a. M.=Bornheim. Dieſe Mannſchaft iſt in ihrem
eigenen Gau eine immerhin beachtenswert ſpielſtarke und wird für
König einen Gegner bedeuten, der unbedingt ernſt zu nehmen iſt. Der
2. Oſterfeiertag bringt um 3 Uhr ein Spiel gegen die in der
Spitzen=
gruppe der Meiſterklaſſe ihres Gaues ſpielende Schutzpolizei Hanau a.
Main. Wenn man bedenkt, daß die Polizei nur kräftige Geſtalten in
ihren Reihen ſtehen hat und der Sport bei der Ausbildung der Polizei
eine gewichtige Rolle ſpielt, dann wird man mit Intereſſe dem Ausgang
dieſes Spieles entgegen ſehen. — Am 2. Oſterfeiertag 1.30 Uhr ſpielt
König 3. gegen Jugend TV. Arheilgen.
TV. Lengfeld — TV. Mainz=Ginsheim.
Am 1. Oſterfeiertag 15 Uhr enmpfängt der TV. Lengfeld den TV.
Mainz=Ginsheim zu einem Freundſchaftsſpiel. Ueber die Spielſtärke
der Gäſte iſt im Odenwald nicht viel bekannt. Da die Gäſte jedoch mit
ihrer ſtärkſten Mannſchaft antreten, werden ſich die Einheimiſchen
an=
ſtrengen müſſen, um ein günſtiges Reſultat herauszuholen.
TV. Nieder=Ramſtadt — Wartburgverein e. V. Frankfurt a. M.
Am 1. Oſterfeiertag nachm. 3 Uhr treffen ſich obige Vereine in
Nieder=Ramſtadt zu Freundſchaftsſpielen. Frankfurt ſpielt in der
Mei=
ſterklaſſe und nimmt einen guten Platz in der Tabelle ein. Nieder=
Ram=
ſtadt hat eine Umſtellung im Sturm vorgenommen, welche ſich am
ver=
gangenen Sonntag gegen Tgde. Weiterſtadt voll und ganz bewährte.
Um 2 Uhr treffen ſich die 2. Mannſchaften.
Rol=Weiß Darmſtadt — 3b. 94 Ulm 11:5 (6:5).
Dieſes Abendſpiel am Donnerstag hielt, was man ſich davon
ver=
ſprochen und die verhältnismäßig zahlreich erſchienenen Zuſchauer gingen
nicht enttäuſcht nach Hauſe. Man ſah ein intereſſantes und faires Spiel.
Die Rot=Weißen ſpielten ſehr flüſſig, zeigten ein ſchönes und raſches
Zuſammenſpiel und einige wundervolle Kombinationszüge. Sämtliche
Spieler leiſteten ihr Beſres; es hieße andere zurückſetzen, wenn man
einen loben wollte.
Die Ulmer Mannſchaft ſpielte ebenfalls ſehr flink, zumal in der
erſten Halbzeit, ließen dagegen in der zweiten Halbzeit etwas nach, was
erklärlich wird, wenn man bedenkt, daß die Mannſchaft früh 7 Uhr auf
einem Lieferwagen in Ulm wegfuhr und erſt gegen 4 Uhr in Darmſtadt
ankam. Sehr ſchöne Leiſtungen zeigte vor allem der Torhüter. Im
Sturm klapdte das Zuſammenſpiel nicht ganz, ſodaß man auch von
Dietz eigentlich nicht viel zu ſehen bekam. Trotzdem bleibt der
Geſamt=
eindruck der Ulmer Mannſchaft ein ſehr guter.
Rot=Weiß hat Anwurf, der ziemlich ſchnell durchgeführte Angriff
vor des Gegners Tor wird jedoch abgewieſen. Doch bald nach Beginn
erzielt Roſenau den Führungstreffer für Rot=Weiß, dem ſofort der
Ausgleich durch den Ulmer Halblinken folgt. Rot=Weiß drückt mächtig
und liegt zeitweiſe klar in Führung. Zehn Minuten nach Beginn kann
Rettig durch Strafſtoß auf 2:1 erhöhen. Kurz danach meiſtert Meyer
einen wuchtigen Strafſtoß, dann erhöht Rettig nach ſchöner Kombination
des Innentrios auf 3:1 für Rot=Weiß. Jetzt ſcheinen ſich die Gäſte mit
den Platzverhältniſſen vertraut gemacht zu haben. Dietz gelingt ein
wuchtiger Strafſtoß, unhaltbar für Meher und dem Ulmer Linksaußen
der Ausgleich. Dann geht das Spiel in ziemlicher Schmelle ausgeglichen
hin und her. Roſenau kann durch placierten Schuß an der Latte vorbei
auf 4:3 erhöhen, doch folgt ſofort durch den Ulmer Rechtsaußen der
Ausgleich. Rettig erhöht durch Strafſtoß auf 5:4, doch bringt Dietz
durch Strafſtoß den Ausgleich für Ulm. Dann werden auf beiden Seiten
noch ein paar ſchöne Chancen verpaßt. Ganz knapp vor Halbzeit erhöht
Schäfer nach ſchöner Kombination auf 6:5 für Rot=Weiß. Nach
Wieder=
beginn erhöht Roſenau zum 7. Treffer, Schäfer durch zwei prachtvolle
Doppelhänder, Rettig durch ſchönen Schuß auf 10:5 und Roſenau ſtellt
das Endergebnis von 11:5 her. Damit hatte ein ſchönes Spiel ſein
Ende gefunden, bei dem Schiedsrichter Grünewald (Sp. V. 98) keinen
ſchweren Stand hatte. Wir wünſchen der Ulmer Mannſchaft zu ihrer
weiteren Oſterſpielreiſe einen ſchönen Erfolg und mehr Glük bei den
nächſten Spielen.
Anion Darmſtadt — Biebrich.
Union empfängt am Oſterſonntag, nachmittags 15 Uhr, SV.
Bieb=
rich zum friedlichen Geſellſchaftsſpiel. Bei dem ſportlich guten Ruf, der
den Gäſten vorausgeht, und in Anbetracht der Verjüngung der Union=
Mannſchaft ſteht ein ſportlich hochſtehendes Spiel zu erwarten. Iſt ſich
die Unionelf ihrer Pflicht bewußt und ſpielt ſie lediglich um des Sportes
willen, ſo wird ſie die Gunſt der Zuſchauer und der Vereinsmitglieder
reſtlos erwerben. — Am 2. Feiertag, nachmittags 3.30 Uhr auf der
Renn=
bahn, ſpielt die 2. Mannſchaft gegen SV. Groß=Rohrheim
Freie Turngemeinde Darmſtadi.
Die Fußballabteilung der Fr. Tgde, wartet über die Feiertage mit
einem regen Spielbetrieb auf. Das Spielprogramm iſt folgendes: Am
Karfreitag empfängt die Alte Herren=Mannſchaft die gleiche der
Pfung=
ſtädter Turner, die Jugend ſpielt um 2 Uhr nachmittags in Wixhauſen.
Die 1b=Mannſchaft gaſtiert an beiden Feiertagen in Oberheſſen bei dem
Arbeiter=SV. Himbach. Die 3. Mannfchaft fährt über Oſtern als Gaſt
in den Odenwald, und wir erwarten auch hier, daß der Sieger
Darm=
ſtadt heißt. Das Hauptprogramm der 1. Mannſchaft ſteigt an beiden
Feiertagen am „Müllersteich”. Am 1. Feiertag gegen den beſtbekannten
Arb.=FV. Würzburg am 2. Feiertag gegen den durch ſeine
Teil=
nahme an der ſüddeutſchen Endrunde hinreichend bekannten 1. FC.
Ludwigshafen. Spielbeginn bei beiden Treffen 3 Uhr.
* Kreisliga Südheſſen.
Am Oſterſonntag findet mit Rückſicht auf die ſchwierigen
Platzber=
hältniſſe der Heppenheimer am „Galgen” ein Verbandsſpiel ſtatt. Es
treffen ſich:
Starkenburgia Heppenheim — Normannia Pfiffligheim.
Es ſteht ſvohl außer Frage, daß die Bergſträßer dieſen Punktekampf für
ſich entſcheiden. Die Normannen müſſen immer noch reichlich
erſatz=
geſchwächt antreten.
Das Oſterprogramm
bezüglich der Freundſchaftsſpiele iſt diesmal äußerſt reichhaltig. Es
treffen ſich über die Feiertage: Olympia Lampertheim Spv.
Sand=
hofen komb.; FV. Bobenheim — Spp. Horchheim; FV. Biblis — 08
Mannheim komb.; FV. Biblis Reſ. — Zwingenberg 1.; Olympia Worms
— FV. Frankenthal; Neu=Iſenburg Ref. — Olympia Lampertheim;
Spp. Dieburg — VfL. Lampertheim; Konkordia Gerusheim — Spp.
Kirchheimbolanden; Spv. Münſter — Konkordia Gernsheim; VfR.
Bür=
ſtadt — Sppgg. Arheilgen; FV. Biblis — Spogg. Arheilgen; Spv.
Horchheim — FV. Kirn a. d. Nahe; FV. Hofheim — Spv. Abenheim;
Spv. Homburg — Spv. Horchheim; FV. Dotzheim — Olympia Worms;
FV. Frankenthal — Spv. Abendheim; Klein=Hanſen — Wormatia
Worms Reſ.
Nicht weniger als 18 Freundſchaftsſpiele ſind alſo vereinbart, die
allgemein recht intereſſante Begegnungen bringen werden. Die
Lam=
pertheimer Vereine haben ſich wieder recht ſtarke Gegner ausgeſucht;
auch Bürſtadt und Biblis können über Oſtern Proben ihres derzeitigen
Könnens ablegen. Die „Kleeblätter” haben ein Heim= und
Auswärts=
ſpiel zu abſolvieren; man darf geſpannt ſein, ob Olympia, gegenüber
den letzten Spielen, endlich wieder in Schwung kommt. Gernsheim
ſpielt in Münſter, gegen das am letzten Sonntag auf eigenem Platze 3:2
gewonnen werden konnte. Das Heimſpiel mit Kirchheimbolanden wird
eine glatte Sache werden. Die beiden 4=Klaſſen=Meiſter treffen ſich in
Hofheim. Beide Mannſchaften ſind unbedingt kreisligafähig — der
Ausgang des Spieles iſt offen. Die übrigen Treffen ſind natürlich nicht
ſveniger ſpannend; wie werden die Reſultate ausfallen?
Zum Kampf Schmeling-Siribbling.
Ohne Hearſtprefſe und Milchfonds.
Die Chikagoer Veranſtalter für den in Ausſicht genommenen
Welt=
meiſterſchaftskampf zwiſchen Max Schmeling und Young
Strihb=
ling haben wie bereits gemeldet, als Termin dieſes Treffens den
19. Juni in Ausſicht genommen. Kampfftätte iſt die rieſiege, mehr als
100 000 Perſonen faſſende Arena des Soldiers=Field. Die
zwiſchenzeit=
lich aufgetauchten Gerüchte von einem Treffen zwiſchen Schmeling und
dem früheren Mittelgewichts=Weltmeiſter Mickey Walker ſind ſchneil
wieder dementiert worden. Im übrigen läuft das Rennen „Chikago
oder New York” immer weiter, und es iſt durchaus noch nicht als ſicher
anzunehmen, daß nun die Weltmeiſterſchaft auch in Chikago ſtattrinden
wird, es iſt auch noch nicht genau heraus, daß Stribbling der Gegner
Schmelings ſein wird, wie es die Chikagoer Veranſtalter als feſt
hin=
ſtellen. Jack Sharkey wäre ein ſchlechter Geſchäftsmann, wenn er ſich
die Revanche entgehen ließe. Seine Beauftragten ſind denn auch eifrig
bemüht, eine Gelegenheit herbeizuführen, um das Urteil vom 12. Juni
1930 revidieren zu können. Auch Schmeling ſelbſt reihnet durchaus mit
der Möglichkeit, unter Umſtänden gegen Sharkey antreten zu müſſen,
und ſo darf man ſich nicht wundern, wenn das Kabel eines ſchönen Tages
den endgültigen Kampfabſchluß eines Revanchetreffens zwiſchen
Schme=
ling und Sharkey meldet.
Von Intereſſe iſt weiter, daß die Hearſtpreſſe, die den letzten
Welt=
meiſterſchaftskampf zugunſten des Milchfonds aufgezogen hatte, an dem
Weltmeiſterſchaftskampf, wenn er tatſächlich in Chikago ſtattfindet, nicht
beteiligt iſt. Damit gehen auch die zu erwartenden großen Einnahmen
aus dem Meiſterſchaftskampfe für den Milchfonds verloren.
In San Franzisko gewann Tilden mit 7:5, 6:3, 3:6, 6:3 gegen
Fozeluh, unterlag jedoch in Berkeley gegen den Ungarn zur Abweihflung
wieder einmal 4:6, 6:3, 7:5, 6:2.
Zu den Oſter=Skirennen auf der Zugſpitze hat neben Walter Glaß
und Erich Recknagel auch der Norweger Sigmund Rund gemeldet.
Arne Ruſtadſtuen gewann in Hammerfeſt die Skirennen über 17 und
30 Kilometer jedesmal vor Ole Stenen.
Infolge einer Schuldenlaft von 25000 Mark mußte der Berliner
FC. Kickers in Konkurs gehen.
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[ ← ][ ][ → ] Der Abſchluß der Landeskommunalbank=
Girozenene jdr Heiſen.
Die Kommnnale Landesbank und die Heſſiſche Girozentrale haben
am 1. Januar 1930 ihre Geſchäftsbetriebe zu einer gemeinſamen Bank,
der Landeskommunalbank=Girozentrale für Heſſen” vereinigt. Dieſes
als Gemeinſchaftsbank gegründete Inſtitut legt nun ſeinen erſten
Ge=
ſchäftsbericht vor. Der Bericht der Direktion befaßt ſich mit der ſchweren
Wirtſchaftskriſe, unter beſonderer Berückſichtigung der Kapitallage, und
bem Druck, der namentlich auf den Gemeinden laſtet. Auch die
feſt=
verzinslichen Werte blieben von dem Kursdruck nicht verſchont, wenn
auch hier die Kurseinbußen, insbeſondere bei den Pfandbriefen und
Schuldverſchreibungen der öffentlich=rechtlichen Kreditanſtalten und der
Hypothekenbanken weſentlich geringer waren, die günſtige Wirkung
nach=
haltiger Kursregulierung machte ſich vorteilhaft bemerkbar.
Das Hanptaugenmerk richtete das Inſtitut nach Eröffnung des
gemeinſamen Geſchäftsbetriebes auf eine Konſolidierung der
kurz=
friſtigen Gemeinde=Darlehen. Nach dem Geſchäftsbericht
betrug bei der Bank Ende 1930 der Beſtand an Gemeindedarlehen rund
153 Millionen RM., wovon 112½ Millionen langfriſtig und 40½
Mil=
lionen kurzfriſtig laufen. Die kurzfriſtigen Darlehen verminderten ſich
in 1930 infolge Umſchuldung in langfriſtige Darlehen, die ſich die Bank
beſonders angelegen ſein ließ, um über 12 Millionen RM. Der Zugang
an langfriſtigen Darlehen betrug über 23 Millionen Reichsmark. Der
durchſchnittliche Verwaltungskoſtenbeitrag der langfriſtigen Darlehen
er=
reicht nicht ganz den Satz von 0,27 Prozent. Zur Förderung der
Ent=
ſchuldung bevorzugte die Bank auch im Berichtsjahr wieder die
Gewäh=
rung von Darlehen mit planmäßiger Tilgung (Amortiſationsdarlehen).
Die planmäßigen Tilgungen betragen im Berichtsjahr über 2 Millionen
RM. Der Umlauf an Inlands=Goldſchuldverſchreibungen, die
bekannt=
lich im ganzen Reichsgebiet mündelſicher ſind, erhöhte ſich im Jahre
1930 um über 15 Millionen RM. Die Bilanzſumme beläuft ſich auf
190 Mill. RM., der Umſatz auf über 2,6 Milliarden RM. Im Spar=
Giroverkehr hatte die Bank in 1930 rund 318000 Eingangspoſten. In
der Scheckabteilung wurden rund 335 000 Schecks bearbeitet. Bei der an
die Bank angegliederten Bauſparkaſſe wurden im Berichtsjahr=
304 Bauſparverträge über einen Geſamtbetrag von 2 213 000.— RM.
ab=
geſchloſſen. Von der geſamten Vertragsſumme konnten in 1930 (im
erſten Jahr des Beſtehens der Bauſparkaſſe) bereits 8,13 Prozent
zu=
geteilt werden. Bei den ſämtlichen dem Deutſchen Sparkaſſen= und
Giroberband angeſchloſſenen öffentlichen Bauſparkaſſen ergibt ſich für
Ende 1930 bereits eine Bauſparvertragsſumme von rund 136,6
Millio=
nen RM.
Die Eröffnungsbilanz für 1. Januar 1930 zeigt auf der
Vermögensſeite einen Kaſſebeſtand von 42 932,90 RM., Debitoren
30 656 190,04 RM. davon Vorſchüſſe an Städte und Gemeindeverbände
3 445 750 RM., Forderungen an Gemeinden und Gemeindeverbände
Sparkaſſen und öffentliche Kaſſen 6894 317,38 RM. und ſonſtige
Debi=
toren 4 278 568,50 RM. Wechſel und Schecks ſind mit 403 845,60 RM.,
Wertpapiere mnit 1342 562,50 RM., Lombarddarlehen mit 192 666,50
RM., Hypothekdarlehen mit 237 290 RM. und Zinsdarlehen an
Gemein=
den und Gemeindeverbände ſowie an ſonſtige Körperſchaften des
öffent=
lichen Rechts a) kurzfriſtig mit 49 631 937,54 RM., b) langfriſtig (mit
mindeſtens zweijähriger Laufzeit) mit 16 994 509,41 RM., in Summe
mit 66 626 416,95 RM. ausgewieſen. Die Tilgungsdarlehen betragen
72 392 970,17 RM. Zurückgekaufte eigene Goldſchuldverſchreibungen
er=
ſcheinen mit 2 150 370,25 RM.
Auf der Laſtenſeite ſtehen für Grundvermögen 2000 000 RM.,
Rück=
lagen 3 935000 RM. Die Kreditoren betragen für a) Gemeinden und
Gemeindeverbände 3 741 241,49 RM., b) Sparkaſſen und andere
öffent=
liche Kreditanſtalten, Kaſſen und Fonds 60 830 125,27 RM., c) Banken
und Bankfirmen 8 918559,86 RM. 0) Sonſtige Kreditoren 4 461.546,39
RM., in Summa 77 951 473,01 RM. Es ſind langfriſtig hereingenommene
Gelder und Anlehen (mit mehrjähriger Laufzeit) mit 21 439 500,20 RM.
ausgewieſen. Der Umlauf eigener Schuldverſchreibungen (hierunter eine
Tprozentige Anslandsanleihe von nominell 8 2 880000.—) beträgt
46 916 507,08 RM, die langfriſtigen Tilgungs=Anlehen (hierunter Dollar=
Anlehen 8 1660 533,28) 24 163 008,87 RM. Die Eröffnungsbilanz für
1. Januar 1930 bilanziert mit 177 521 220,94 RM.
Die Bilanz für 31. Dezember 1930 zeigt auf der
Ver=
mögensſeite einen Kaſſebeſtand von 60 917,57 RM. Die Debitoren
be=
tragen 28 479 564,45 RM., davon Forderungen an Gemeinden und
Ge=
meindeverbände, Sparkaſſen und öffentliche Kaſſen (hiervon 2842 791.—
RM. äglich fällig) 4 526 971,60 RM. Wechſel ſind mit 321 762,64 RM.,
Wertpapiere mit 1 398 875,14 RM. Lombarddarlehen mit 179 907 RM.,
Hypothekdarlehen mit 646 186,21 RM. und Zinsdarlehen an Gemeinden
und Gemeindeverbände ſowie an ſonſtige Körperſchaften des öffentlichen
Rechts a) kurzfriſtig mit 40 685 000,78 RM., b) langfriſtig (mit
minde=
ſtens zweijähriger Laufzeit) mit 20256 031,78 RMM., in Summa mit
60 941 032,56 RM. ausgewieſen. Die Zinsdarlehen an Genoſſenſchaften
gegen kommunale Bürgſchaft betragen 82 676 RM., die
Tilgungsdar=
lehen 92 341 313,83 RM. Weiter erſcheinen noch Anteilige Zinsbeträge
aus Kommunaldarlehensraten (fällig in 1931) mit 861238,40 RM.,
Zurückgekaufte eigene Goldſchuldverſchreibungen mit 2850 938,35 RM.,
Grundſtücke mit 400 000 RM. und Beteiligungen mit 1860 001 RM.
Einrichtungen ſind auf 1.— abgeſchrieben.
Auf der Laſtenſeite ſteht das Grundvermögen mit 2000 000 RM.,
die Rücklagen mit 3 935 000 RM. Kreditoren betragen für a)
Gemein=
den und Gemeindeverbände 3 988 490,15 RM., b) Sparkaſſen und andere
öffentliche Kreditanſtalten, Kaſſen und Fonds 44 514 702,83 RM., c)
Ban=
ken und Bankfimen 19 183 405.16 RM. d) Sonſtige Kreditoren
5 198 438,62 RM., in Summa 72 885 036,76 RM. Es ſind ausgelvieſen
langfriſtig hereingenommene Gelder und Anlehen (mit mehrjähriger
Laufzeit) in Höhe von 18 552 500,20 RM. und der Umlauf eigener
Gold=
ſchuldverſchreibungen mit 61 248 896,79 RM. Die langfriſtigen
Tilgungs=
anlehen betragen 29 98043,52 RM., Anteilige Zinsbeträge auf
Schuld=
verſchreibungen und langfriſtige Anlehen (fällig in 1931) 1 205 853,11
RM. Die Bilanz der 31. Dezember 1930 ſchließt auf beiden Seiten
mit 190 424 414,15 RM.
Die Gewinn= und Verluſtrechnung für das Jahr 1930
bilanziert mit 7 765 469,55 RMM.
Franffurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 2. April.
Die letzte Börſe vor den Feiertagen wpar ziemlich ſtill, aber feſt
ge=
ſtimmt. Zu den erſten Kurſen war die Umſatztätigkeit zwar nicht groß,
doch konnte ſich auf einigen Marktgebieten ein lebhaftes Geſchäft
ent=
wickeln. Beſondere Anregungen lagen nicht vor. Der Bericht der preuß.
Induſtrie= und Handelskammern machte im ganzen einen guten Eindruck.
Die ſchwachen Auslandsbörſen blieben ohne Einfluß. Kleine
Kauf=
orders, denen keine Abgaben gegenüberſtanden, bewirkten erneute
Kurs=
beſſerungen bis zu 1½ Prozent. Der Farbenmarkt bot dabei wieder
ſtärkere Anregung. Einmal auf die Belebung des Stickſtoffgeſchäfts hin.
ſodann in fortdauernden Erwartungen hinſichtlich der
Dividendenent=
ſchließung. Die Farbenaktie ſetzte 2½ Prozent feſter ein. Von
Elektro=
aktien waren Siemens mit plus 4 Prozent ſtärker erhöht, ſonſt ergaben
ſich Beſſerungen bis zu 1½ Prozent. Stärkere Kursbeſſerungen ergaben
ſich für Kaliwerte, von denen Salzdetfurth 5½ Prozent und
Aſchers=
leben 3 Prozent getvannen. Am Anleihemarkt blieben deutſche Renten
gut behauptet. Auslandsrenten ohne Geſchäft. Der Pfandbriefmarkt
wvies für Liquidationspfandbriefe einiges Intereſſe auf.
Reichsſchuld=
buchforderungen bis ½ Prozent feſter.
Im Verlauf der Börſe blieb die Tendenz weiter feſt bei neuen
Kurs=
beſſerungen bis zu 1 Prozent. Im Vordergrunde ſtanden weiterhin J.
G. Farben und einige Elektrowerte. Der Reichsbankausweis mit ſeiner
normalen Anſpannung zum Quartalsultimo wurde verhältnismäßig
günſtig beurteilt. Durch die viertägige Verkehrsunterbrechung waren
gegen Schluß der Börſe die Kurſe leicht rückgängig, die Abſchläge gingen
nicht über 1 Prozent hinaus. J. G. Farben ſchloſſen ſehr feſt, bei
ge=
ringen Umſätzen. Am Geldmarkt hielt die Nachfrage für Tagesgeld zum
Satz von 5½ Prozent an. Am Deviſenmarkt lag die Mark erneut
ſchwächer, anſcheinend im Zuſammenhang mit den
Diskontſenkungsge=
rüchten. Man nannte Mark gegen Dollar 4,20, gegen Pfunde 20,3995
London=Kabel 4,8592, —Paris 124,20. —Mailand 92,80, —Madrid 44,25,
—Schweiz 25,25½, —Holland 12,124/s.
Berlin, 2. April.
Die letzte Börſe vor den Feiertagen eröffnete in überraſchend feſter
Haltung. Das Geſchäft erfuhr zwar keine weſentliche Belebung, und bei
den Banken lagen nur verhältnismäßig wenig Orders vor, es konnten
ſich aber gegen geſtern durchſchnittlich 2= bis Zprozentige Beſſerungen
durchſetzen, die in der Hauptſache vvohl auf das Deckungsbedürfnis der
Kuliſſe zurückzuführen waren. Intereſſe beſtand beſonders für
Spezial=
werte. Sie erſchienen, um die der Kampf Petſchek gegen Viag zu toben
ſcheint, erneut mit —=Zeichen und ſetzten 12 Prozent über geſtern
ein. Auch bei J. G. Farben erhielten ſich die bekannten Kombinationen
zu denen aber von Verwaltungsſeite keine Stellungnahme vor der
Bi=
lanzſitzung zu erwarten ſei. Bei größeren Umſätzen gewannen ſie 31/8
Prozent und blieben auch im Verlaufe geſucht. Sarotti anfangs
eben=
falls — + und ſpäter 7 Prozent höher notiert, profitierten von dem
ſich gut anlaſſenden Oſtergeſchäft. Auch im Verlaufe blieb die
Stim=
mung freundlich, weitere nennenswerte Kursgewinne erzielten aber nur
einige Spezialwerte. So machte ſich für Bankaktien etſvas Nachfrage
fühlbar, und auch Elektropapiere fanden als Tauſchobjekt gegen
Kunſt=
ſeideaktien einige Beachtung. Anleihen waren wenig verändert.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 2. April;
Getreide. Weizen: Mai 84½, Juli 59½, Sept. 58½. Dez.
61.75; Mais: Mai 61, Juli 62, Sept. 60.25. Dez. 53: Hafer
Mai 30½, Juli 30.50, Sept. 30½, Dez. 32; Roggen: Mai 35½,
Juli 38.25, Sept. 39.
Schmalz: Mai 8.85, Juli 8.95, Sept. 9.15.
Schweine: leichte 8.10—8.25, ſchwere 7.00—7.40;
Schweine=
zufuhren: Chicago 25 000, im Weſten 70000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 2. April:
Schmalz: Prima Weſtern 9.60; Talg, extra, loſe 9.75.
Getreide. Weizen: Rotwinter 92; Mais, loko New York
74½; Mehl, ſpring wheat clears 4.00—4.40; Fracht: nach
Eng=
land 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 77: Loko: 5½. Mai 6.10,
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 77; Loko: 5½. Mai 5.46,
Juli 5.60, Sept. 5.75, Okt. 5.82. Dez. 5.94, Januar 1932: 6.00,
März 6.10.
Wirtſchaftiche Rundſchau.
Die Blei=Hüttenproduktion im Februar 1931. Laut Mitteilung der
Statiſtiſchen Abteilung der Metallgefellſchaft A.=G. in Frankfurt a. M.
betrug die Weltbleiproduktion im Februar 1931 124 866 To. gegen
130 455 To. im Januar 1931 und 137 904 To. im Monatsdurchſihnitt des
Jahres 1930. Auf Europa entfielen hiervon 36 771 To. (33074 bzw.
33 632), auf Amerika 66 116 To. (73 933 bzw. 81006), auf Anſtralien
12704 (14 123 bzw. 13 884) und auf Aſien 7475 To. (7475 bzw. 7536).
Die Tagesdurchſchnittsproduktion betrug 4460 To. gegen 4208 bzw. 4534
Tonnen.
Thüringer Elektrizitäts=Lieferungsgeſellſchaft Gotha. Der
Brutto=
gewinn verminderte ſich auf 5,22 (5,33) Mill., ſo daß nach Abzug von
1,86 (1,87) Mill. RM. für Unkoſten und 0,67 (0,52) Mill. für Zinſen
nach Ueberweiſung von 1,24 (1,16) Mill. RM. an den
Wertminderungs=
fonds ein Reingewinn verbleibt von 1.41 (1,61) Mill., aus dem
bekannt=
lich eine von 8 auf 7 Prozent ermäßigte Dividende zur Verteilung
vor=
geſchlagen wird.
Melallnokierungen.
Der Ausweis der Reichsbank.
Normale Anſpannung. — Günſtige Notendeckung.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 31. Dezember 1931 hat ſich
in der Ultimowoche die geſamte Kapitalanlage der Bank in Wechſeln
und Schecks, Lombards und Effekten um 806,2 Mill. auf 2469,2 Mill.
erhöht. Im einzelnen haben die Beſtände an Wechſeln und Schecks um
485,5 Mill. auf 1950,8 Mill. RM., die Lombardbeſtände um 187,4 Mill.
auf 274,1 Mill. und die Beſtände an Reichsſchatzwechſeln um 132,9 Mill.
auf 141,5 Mill. RM. zugenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 735,2
Mill in den Verkehr abgefloſſen, und zwar hat ſich der Umlauf an
Reichsbanknoten um 690,0 Mill. auf 4455,7 Mill., derfenige an
Renten=
bankſcheinen um 45,2 Mill. auf 439,1 Mill. RM. erhöht.
Dementſpre=
chend haben ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen um
6,8 Mill. RM. ermäßigt. Die fremden Gelder zeigten mit 387,5 Mill.
eine Zunahme um 44,6 Mill. RM. Die Beſtände an Gold und
deckungs=
fähigen Deviſen haben ſich um 2.8 Mill. auf 2511,5 Mill. RM. erhöht.
Im einzelnen haben die Goldbeſtände um 37,3 Mill. auf 2323,4
Mill. zugenommen und die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um
34,5 Mill. auf 188,1 Mill. abgenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein vermindert ſich auf 62,1
gegen 60,7 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold und
deckungs=
fähige Deviſen auf 56,4 gegen 66,6 Prozent.
Fnſion von Hausbeſiherbanken.
Die Berliner Bank für Handel und Grundbeſitz, das Spitzeninſtitut
der in Genoſſenſchaften und Aktiengeſellſchaften verkörperten
wirtſchaft=
lichen Unternehmungen des deutſchen Hausbeſitzes, hat der Barmer
Kre=
ditbank, Wuppertal=Barmen, ſowie der Gewerbebank A.=G., Trier, ein
Fuſionsangebot gemacht. Der hierdurch erfolgende weitere Ausbau der
bereits mit beiden Inſtituten beſtehenden Intereſſengemeinſchaft
ver=
folgt das Ziel, durch engſten Zuſammenſchluß alle Kräfte
zuſammenzu=
faſſen, um beſonders den fuſionierenden Inſtituten die Möglichkeit zu
geben, auch in der Zeit der wirtſchaftlichen Depreſſion ihren Aufgaben
als Stützpunkte des Mittelſtandes und Hausbeſitzes noch mehr als
bis=
her gerecht zu werden. Die Barmer Kreditbank, wie auch die
Gewerbe=
bank Trier werden unter Beibehaltung ihrer Firmenbezeichnungen als
Zweigniederlaſſungen der Berliner Bank für Handel und Grundbeſitz
ihre örtlichen Aufgaben in bisherigem Sinne weiter erfüllen und
aus=
dehnen. Die Berliner Bank für Handel und Grundbeſitz hat trotz der
ungünſtigen Wirtſchaftsverhältniſſe im Geſchäftsjahr 1930 einen
Ein=
lagezuwachs von über 8 Mill. RM. erhalten und wird nachDurchführung der
Fuſion eine Bilanzſumme von über 100 Mill. RM. ausweiſen. Im
Zu=
ſammenhang mit den vorgenannten Transaktionen wird die von der
H.V. am 27. Juni 1930 beſchloſſene Kapitalserhöhung auf 4 Mill. RM.
durchgeführt. Für das Jahr 1930 wird eine Dividende von 10 Prozent
(1929: 12 Prozent) vorgeſchlagen werden.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
In Hamburg tagten die Kommiſſionen der Spitzenorganiſationen
der Lagerhausunternehmungen und Speichereibetriebe Deutſchlands.
Auf der Tagesordnung ſtand die Beratung der Organiſationsfragen. Die
vorgelegten Satzungen fanden allgemeine Zuftimmung. Der Verein
wird den Namen „Arbeitsgemeinſchaft der Lagerhalter Deutſchlands e.
V.” mit dem Sitz in Berlin führen.
Der Arbeitgeberverband der Metallinduſtrie Gladbach=Rheydt und
Umgegend hat das Lohnabkommen für Metallarbeiter zum 31. Mai
ge=
kündigt. Er verlangt einen Abbau dr Tariflöhne ſowie eine Aenderung
dahingehend, daß die Höchſtlöhne nicht bei 22, ſondern bei 24 Jahren
erreicht werden.
Das Vergleichsverfahren der Magdeburger Bau= und Kredit A.=G.
wurde vor dem zuſtändigen Amtsgericht eröffnet. Laur
Vergleichsvor=
ſchlag werden 40 Prozent Quote ausgeſchüttet werden. Es iſt
beabſich=
tigt, die Gläubiger bis zu 200 RM. voll auszuzahlen, während die
übrigen Gläubiger ratenweife abgefunden werden ſollen.
Die Neubrücker Wandplattenfabrik iſt wegen andauernder
Abſatz=
ſchwierigkeiten gezwungen, den Geſamtbetrieb vollkommen ſtillzulegen.
— Auch die Chemiſche Fabrit Brücken, die in letzter Zeit ſchwach
be=
ſchäftigt war, ſoll wieder vollkommen ſtillgelegt werden.
Die Konferenz zur Regelung des Weltzuckerpreiſes hat ſich über die
Oſterfeiertage auf kommenden Mittwoch vertagt. Man hat ſich
grund=
ſätzlich dahin geeinigt, einen Weltzuckerpreis von 2½ Cents pro Pfund
vorzuſchlagen. Die javaniſchen Delegierten wollen in der Zwiſchenzeit
mit der Heimat bezüglich dieſes Vorſchlages in Verbindung treten.
Berliner Kursbericht
vom 2. April 1931
1
Deviſenmarkt
vom 2. April 1931
Berl. Handels=Geſ. 1128.50
Danatbank . . . . . . . 150——
Deutſche Bank u.
113.375
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban: 112.875
73.75
Hapag
96.75
Hanſa Dampfſch
75.25
Nordd. Lloyd
A. E. G.
110.—
Bayr. Motorenw. 80.75
99 50
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr. 1101.—
Berl. Maſch.=Bau / 54.—
Conti=Gummi 117.—
Deutſche Cont. Gas 144.—
Deutſche Erdb!
7!
Meie Mee Vff
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Vhil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerle
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Unin
Nordd. Wolle
Oberſchlef. Kofsw.
156.125
86.—
133.—
26.—
73.625
93.125
164.75
73.75
81.—
84.—
44. 125
70.—
82.50
Orenſtein & Koppell 58.—
Ma Rff
Rütgerswerke 57.125
Salzdetfurth Ka 257.—
Leonh. Tietz
123.25
Verein. Glanzſtoff 1120.—
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
61.—
169.—
68.875
24.—
119.50
163.50
50.
57.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budap
Sofia
Hollan?
Oslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenos=Aixe:
New Yort
Belgien
Italien
Paris
Die Berliner Metallnotierungen vom 2. April ſtellten ſich für
je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 95.50 RM. — Die Notierungen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium, 98= bis
99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
des=
gleichen in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM., Reinnickel
(98= bis 99proz.) 350 RM., Antimon Regulus 52—54 RM.,
Fein=
ſilber (1 Kilogr. fein) 38.50—40.50 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 2. April ſtellten ſich für
Kupfer: April 82 (83.50), Mai 82.75 (83.75), Juni 83 (84),
Auguſt. Sept. 25 (26) Okt., Nov., Dez. 25.25 (26), Jan Febr.,
März 25.50 (26) Tendenz: feſt. — Für Zink: April 23.25 (24)
Mai 23.50 (24.25). Juni 23.75 (23.50) Juli 24.25 (25), Auguſt
24.50 (25.50), Sept. 24.75 (25.50) Okt. 25.25 (26 Nov. 25.50
(26.25), Dez. 26 (26.50), Jan. 26.75 (27), Febr. 26.50 (27), März
26.75 (27.25). Tendenz: feſter. — Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klammern Brief.
6%
5½%Interit., 100.5 84.75 6% Baden .. 80.25 8% Bayern". 100.5 82 8% Heſſen v. 28 91.5 v. 2‟ 241 80 Preuß. Staat. 96.25 8½ Sachſen ..... 99.75 .....
726 Thüringen... 78.5 86.25 Dtſche. Anl. Auslo=
ſunsſch. +1), Ab=
löſungsanl.. . . 58.5 Otſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub. 6.2 Deutſche Schutzge=
bietsanleihe. 3.15 30 Nachen v. 21 11 8½ Baden=Baden. 93 6% Berlin ..... 8% Darmſtadt v. 2 v. 28 90 Dresden....." 83 % Frankfurt a.M. 98‟I. v. 26 86 v. 26 79 8% Mainz ...... 82 Mannheim v. 26 93 v. 27 76 8% München 85.25 80 Nürnberg 82 Wiesbadt 93.5 8% Heſſ. Landesb 1400.5 95.25 „ Goldoblig 1 96 4½% Heſſ. 2b8.=
Hhp.=Bk.=Liquit 90 4310‟ Kum.=Sbl. 8% Preuß. 2bs.
pfbr.=Anſt. G. P 1200.5
82 „Gowoörie 95
Frankfurter Kursbericht vom 2. April 1931.
a
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8½ Kaſſeler Land
kredit Goldofbr..
/% Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.. / 94.75
82 Naſ. Lamd
5% Württ. Hyp.=B. 1100.5
97.25 16 Daimler=Benz
18% Dt. Linol. Werke
100
37,
41220
86
1100.25
95.25
86.5
Liqu. Obl/ 927/,
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
*AuslSer. 1
„ „ Ser. II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz).
Berl. Hyp.B!
„Liqu.=Pfbr
%0 Frkf. Hyp.=Bk..
½.%0 Lig. Pfbr
„ Pfbr.=Bk.),
„ Liqu.
Meiu.Hhp.=Bl.
„ Lig. Pfbr.
% Pfälz. Hyp.=B!.
% „ Lia. Pfbr.
% Preuß.
Boden=
cred.=Ban1
„ Lig. Pfbr.
Preuß.Centrl.
Bodencr.=Bank".
14½% — Lia. Pfbr
8% Rhein. Hyp. Bf.
4½%5 „ Lig. Pſbr.
3% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit ... ..
Südd. Bob.=
Cred.=Bauk ....
4½½ Lia. Bfbr.
57.5
74
11
97
S2PI.
Rr4
97.5
95
101
92.25
101.5
96.75
93.5
101
95.25
Klöckner=Werkel 96
Mainkrw. v. 26/ 88.25
70 Mitteld. Stahl. 86
8% Salzmannu. Co
7% Ver. Stahlwerkel 86.75
8½ Voigt &Häffner
J. G. Farben Bonds/1os.5
50 Bosn. L.E. B
L. Inveſt
50 Bulg. Tah. v.02 28.25
4u0 Oſt. Schätzel 39
40 Sſt. Golorente
5½vereinh. Rumänl 2.6
4½
6.8
—
4% Türk. Admin.
40 „ 1. Bagdadl —
Zollanl.
O” Ungarn 1913
1914
Goldr.
16.5
Aktien
Ria. Kunſtziide Unie/ 87.25
N. E. G. .. . . . . . . . 1110.25
AndregeNoris Zahn
Aſchaffba. Brauerei/128.5
Zellſtoff/ 83.5
Bemberg. J. P.. ..! 97.5
Bergm. El.=Werle/100.25
BrownBoverickCie.! 80
Buderus Eiſen.
Cemen: Heidelberg/ 81.5
„ Karlſtad:
J. G. Chemie, Baſel/183.5
Chem. Werke Abert! 39
Chade
10g.75 MContin. Gummiw./116.5
Linoleum O8
93.5 1Daimter-Benz ....! 34
Dt. Atl. Telegr
„ Erdöl"
Gold=u. Silber
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerte
Eiſenhandel. ..
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Eleftr. Lieferg.-Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk. /205
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guillegume
Fraulf. Gas :. Lig.
Gof.
u eiſent. Berqwer
Geſ. f.eleltr. Untern
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hatenmühle Frift.
Hammerſen (Len
Hanauer Kofbrauh.
Harpener Vergbau
Henninger Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufſerm
Hirſch Kupfer.
Hochtief Eſſen
Holzmann. Phi!
Zlſe Bergb. Stamn
Cenüſſe
Junghan=
Kali Chemie
„ Aſchersleben.
Kammgarnſpinn. .
Karſtadt. R....
Klein. Schanzlin
Klöckneriverke
Inorr C. H.
Lahme Co.
Laurahütte
Lech. Augsburz
U8
40
13.75
71.5
125
84/
74
44
a0
66
Sachtieben 9.0...114,
Salzdetſurtk Kal: 1257
Salzw. Seilbronn 1181
6
Schöfferhoi=Bind..1192
8.5 Schramm. Lackfbr. / 54
Schriſtg. Stempel. 86.5
Schuckert Eleitr. . .
1
—
Schwarz=Storchen
9
Siem. Glasinduſtr.
Siemen& & Salste. /187.6
3
Südd. Immobilier
Zucker=A. G. 1126
Re
Speuslo Tändſtic?
Tellus Bergbau.
Thür. Liefer.=Geſ. / 85
Tietz Leonhard
Tucher=Brauerei 1104.:
unterfran ler
25
74.9
133.5
*
110
135
129
40.1
02
156
50.5
118
40
86.5
173
L3wenbr. Minch.
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr Darmſt.
Mainfr.-W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br. . .
Mannesm. Röhren
Mansfeld Berg.
Metallgeſ. Frankf.
Miag. Mühlenbau
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Sberurſe
Sberbedar)
Phönn Bergbau .! 64
ga Reiniger. Gebbert! 80
Rh. Braunkohlen ..
Eleftr. Stamm 1123
M.etallwaren.".
Stahlwerke .. . 89
132.75 Riebec Montan..
Roeder Gebr.
42.75 Rütgerswerte 57
A.-G. I. Veriehrsw.
Allg. Lofalb. Kraftw)
7% Dt. Reichsb. Vzo
Sapag .....
Norbd. Llohd. .
Südd Ciſenb.=Ge
170
Der f.Chem. 3u
Stahlverke ..."
Strohſtoffabr.
Uſtramarin ...!
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung
„ Verein. Verſ. 211
FrankongRück=u. M
Mannh Ver ich
Me Mii e
Boigt & Haeffne:
Wahß 4 Freytag. 38
Wegelin Rußfabrikl 42
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein ...! 43
Waldhof.
1109.25
Memel
68
Allg. Dt. Creditanſt. C5.5
Badiſche Bant. 145
Bk. f. Brauinduſt=
BarmerBanlvercin 109
Baher. Chp. u. W. 128
Berl. Handelsgeſ.
Ehrothelbk. 70
Comm. u. Privatb. 115.25
Darmſt. u. Nat.=Bk. 450
Dt. Banl und Disc. 113.75
Dt. Eff. u. Wechſel *4.5
Dresdner Bank.. . 113
Frankf. Bant
„ Hyp.=Ban! 158
Pfdbr.=B1. (158
Mein. Ehp. Ban 1 .1165.5
Oſt. Creditanſtal;
Pfälz. Enp.=Ban /131
Reichsbank=Ant.
Rhein, Khp.=Banl. 136
Südd. Bod.=Cr. Bf. 147.75
Wiener Bankverein)
Württb Notenban//129
(8.5
73.55
87
Otavi Minen
Schantung Hanbels
33
[ ← ][ ][ → ]Nummer 93
Freitag, den 3. April 1931
Seite 15
Gaatangsanlsstien.
27)
Ein Roman von Walter Bloem.
Copyright by Noviffima Verlag G. m. b. H., Berlin SW 61, Belle Alliance Straße 92.
(Nachdruck verboten.)
Der Diener bittet zum Abendeſſen. Eine Feſttafel iſt
ge=
richtet, die Frau Baronin erſcheint in großer Toilette, gefaßt,
reſigniert, bittet ſchmerzlich=gütig um einen Abſchied in alter
Serzlichkeit, ſie will die Scheidung einleiten, ihn freigeben, er
Foll ihr ſeine Freundſchaſt bewahren, wer weiß — dielleicht,
waß die Trennung . . . Einerlei, laß uns noch einmal glücklich
Fein.
Er iſt bis zu Tränen dankbar, der Abend verläuft in
be=
herrſchter Verſöhnlichkeit, ſie iſt ganz ſchmachtende Hingebung,
irrſinnig taumelnde Verliebtheit.
In der Nacht erwacht er mit einem Gefühl raſenden
Kopf=
ſchmerzes, atembeklemmender Uebelkeit . . . Das Zimmer iſt
dunkel, er wittert Gas — der Ofen, den die Weichliche ſonſt nachts
ſtändig brennen ließ, erloſchen
Er taumelt aus dem Bett, bricht zuſammen, rafft ſich auf,
ſchleppt ſich zur Tür, um Luft einzulaſſen . . . verſchloſſen —
Schlüſſel fehlt . . . Zum Fenſter — in raſender Angſt, die
Krea=
tur wehrt ſich ſtumm inbrünſtig gegen die Vernichtung, unter
einen erlahmenden Fauſthieben ſplittern die Scheiben. Luft,
draußen wütendes Hundegebell, Ohnmacht.
Wie er erwacht, ſtarrt die entſetzte Dienerſchaft ihn an wie
einen Verdammten, der aus der Hölle zurückkehrt. Das
Zim=
mer iſt hell, ſeine Frau liegt auf ihrem Bette, regungslos, er
elber iſt unfähig, ihr beizuſtehen. Nach ſeinen geſtammelten
Anweiſungen machen die Mädchen Wiederbelebungsverſuche,
um=
ſonſt. Der Arzt kann nur noch den Tod konſtatieren.
Der Schwiegervater tobt in Wut und Verzweiflung, ſchreit
dem ins Krankenhaus überführten, immer noch ſchwerleidenden
Mann ins Geſicht, er habe ſeine Frau ermordet, alles weitere
ſei raffiniert erſonnene Komödie. Polizei, Unterſuchungsrichter,
Ortsbeſichtigungen, Vernehmungen, Briefbeſchlagnahme,
Gut=
achten. Bernd läßt alles ſtumpf brütend über ſich ergehen. Er muß
erwarten, aus dem Krankenhaus ins Unterſuchungsgefängnis
überführt zu werden. Aber noch ehe der Arzt ihn aus der
Be=
handlung entläßt, erreicht ihn der Gerichtsbeſchluß, daß das
Hauptverfahren nicht zu eröffnen, der Angeſchuldigte aus
Man=
gel an Beweiſen außer Verfolgung zu ſetzen ſei.
Er tritt mit der Berliner Geſandtſchaft des exotiſchen
Staa=
tes, der ihn anzuſtellen bereit war, in Verbindung. Wird man
ihn trotz des grauenhaften Zwiſchenfalles in die dortige Armee
tufnehmen? „Selbſtverſtändlich, aber Sie müſſen nun ſofort
fahren, ſonſt wird die Stelle anderweitig beſetzt.”
Vor der Abreiſe läßt er ſich durch den Rechtsanwalt
be=
lehren, daß der Beſchluß, der ihn außer Verfolgung ſetzte, nicht
eidgültig ſei, ſondern ſeitens der Staatsanwaltſchaft noch
an=
gefochten werden könne. In dieſem Falle würde jetzt, wo er aus
dem Krankenhaus entlaſſen ſei, zweifellos ſofort die
Unter=
ſtuchngshaft wegen Fluchtverdachts über ihn verhängt werden.
Er weiß: Alicens Vater wird ihm nichts erſparen. Kein
Rweifel, der beſtürmt die Staatsanwaltſchaft, die Verfolgung
ſortzuſetzen. Trägt zuſammen was irgend gegen ihn ſprechen
könnte. Unterſuchungshaft? Erneuerung der Tortur?
Ver=
luſt ſeiner Anſtellung in der Fremde? Darauf mag er’s nicht
ankommen laſſen. Zwei Tage ſpäter ſticht er an Bord der Chicago
in See. Im Augenblick der Abfahrt wird ihm ein Telegramm
überbracht: nach Kenntnis der Einzelheiten ſeines Falles habe
ſich das Kriegsminiſterium entſchloſſen, auf ſeine Dienſte zu
ver=
zichten. Auch das — dürfte auf Herrn Kommerzienrat Wittichs
Bemühungen zurückzuführen ſein.
Einerlei — nur fort, fort — übers große Waſſer! Da ſitzt
man nun — ein paar hundert Dollar als letzten Zehrpfennig in
der Taſche, vielleicht liegt droben in der Kapitänskafüte ſchon
der Verhaftungsbefehl der Berliner Staatsanwaltſchaft. „Nun
wiſſen Sie’s, gnädige Frau. Das iſt Bernd Wilczek. Das
bin ich."
Abgewandten Blickes hat der Mann erzählt. Als ſpräche
er vor dem Gitter des Beichtigers. Ellen hat ſchweigend
zu=
gehört. Faſt regungslos. Konnte den Blick nicht laſſen von
dem Schickſalsgezeichneten.
Sie ſtreckte dem Erzähler beide Hände hin: „Ich danke
Ihnen, Baron. Sie werden ein neues Leben beginnen. Das
Schickfal hat ſchwer an Ihnen gefrevelt. Es iſt Ihnen
Genug=
tuung ſchuldig.”
Zum erſtenmal hoben ſich Wilzceks Augen, ſtrahlten Dank.
Umſchatteten ſich raſch aufs neue. „Miſter Hutchinſon hat’s
ausgeplappert, woher er’s weiß, ich ahne es nicht: an Bord des
Schiffes, ſagte er mir, befinde ſich jemand, der unmittelbar vor
der Ankunft verhaftet werden ſoll.”
Ellen ſann. Dann kam ihr ein Lächeln, faſt ein Lachen. „Ach,
der Wichtigmacher! Der hat mir auch ſo etwas vorgefabelt".
Ich verſteh’ die Geſchichte natürlich noch nicht recht — aber der
hat ganz etwas anderes im Sinn. Von Ihrem Fall weiß er
offenbar gar nichts. Er behauptet, der jemand, der verhaftet
werden ſolle, der habe einen Raub auf dem Gewiſſen!“
„Einen Raub — was für einen —?‟ Das weiß er
an=
ſcheinend ſelber nicht. Nur daß es ſich um Millionenwerte
han=
deln ſoll.” „Und woher will er das wiſſen?” „Damit rückt er
nicht heraus. Er habe es durch einen Zufall erfahren.”
„Alſo darum iſt er zwei Tage lang ſo merkwürdig von mir
abgerückt . . .‟ grübelte Wilezek. „Ich glaubte natürlich, er
wiſſe irgendwie um meinen Fall. Aber wie erklären Sie ſich
nun die Szene, die er uns eben geſpielt hat? Auf einmal iſt er
die Liebenswürdigkeit, das Vertrauen ſelber. Ich ſoll ein
Kon=
zertkomitee bilden, den Vorſitz übernehmen — und geſtern noch
Millionenräuber?”
„Mein Himmel, Baron, der Mann langweilt ſich. Fährt zum
—zigſten Mal über den großen Teich, macht ſich wenig aus
Frauen, wenigſtens aus Damen nicht — was ſoll er anfangen?
Er ſpioniert, klatſcht, intrigiert halt ein biſſel rum Solche
Leute gibt’s überall, wo viele Menſchen beſchäftigungslos
bei=
ſammen ſind. Aber nun noch einmal, lieber Freund: Kopf
hoch und friſchen Mut! Selbſt wenn das kommen ſollte, was
meint mein Laienverſtand — doch kaum mehr kommen kann...
Iuzwiſchen haben wir noch fünf Tage Fahrt, da wollen wir
beide beſſer zuſammenhalten als bisher, mögen Sie?”
Aus den hellen Augen der Frau brach ein Strahl von Güte
und Vertrauen.
„Wenn Sie’s mit einem Stiefkinde des Schickſals wagen
wollen?” „Ich will! Und nun, lieber Baron — auf zur Tat,
bilden Sie Ihr Komitee!” „Soll ich wirklich? Sie wiſſen, was
alles nur um ein paar Wochen und Tage hinter mir liegt —‟
„Aber es liegt hinter Ihnen. Wer ein neues Leben
be=
ginnen will, kann nicht früh genug damit anfangen! Und wenn
wir bei der Gelegenheit den biederen Miſter Hutchinſon ein
wenig aufs Glatteis locken könnten —‟.
Ueber der weſtwärts ſtürmenden „Chicago” ſchwebte der
Genius der Muſik. Es war, als hätte ſein Schwingenrauſ hen die
böſen Geiſter der Schnüffelei in die finſterſten Winkel des
Ge=
päckraumes verſcheucht. Ein paar ſchöne, ruhig=freudevolle Tage
waren angebrochen. Die geheime Unruhe, die das Revier der
erſten Klaſſe durchſeucht hatte, ſchien beſchwichtigt.
Alles ſprach nur von dem kommenden Konzert der
Promi=
nenten. Zwei Sterne allererſter Größe an Bord — welcher
Glückszufall! Wer Jgnaz Richter war und was er konnte, wußte
die Welt. Aber wer vollends ſeiner Improviſation am Flügel
hatte lauſchen dürfen, der konnte davon erzählen, was für
er=
leſene Genüſſe dieſe Hände zu verſchenken hatten.
Der Ruhm der deutſchen Sängerin war von geſtern und nur
einem engeren Kreiſe von Muſikenthuſiaſten vertraut. Für ſie
ſprach ihre blendende Erſcheinung, das ruhige Selbſtbewußtſein
ihres Auftretens.
Der Geſellſchaftsſaal, bei Richters Konzert jedem Hörluſtigen
geöffnet, wurde nun morgends während der Proben ſorgfältig
zugeſperrt. Wenn die beiden Zunftgenoſſen drinnen übten,
drang kaum ein ſchwacher Hall auf das Promenadendeck. Die
ſtetige Briſe von Weſten verſteifte ſich. Mächtig harften ihre
unſichtbaren Finger am Takelwerk, die Kielwelle wölbte ſich
höher, die Meeresfläche ſpiegelte nicht mehr das frühlingszarte
Himmelblau, ſie rauhte ſich, mit weißen Schaumkämmen gefleckt.
Die ſtramme „Chicago” ließ ſich nicht anfechten, zog ihren Weg
mit der fahrplanmäßigen Geſchwindigkeit. Kaum daß ein leiſes
Wiegen in der Kielrichtung ſpürbar wurde. Das ſtörte jetzt nicht
einmal die Empfindlichſten. Doch das ſachte Brauſen, das wie
ein geruhiges Präludium den gelaſſenen Wandel des Schiffes
umſchwebte, übertönte den Einklang der Menſchenſtimme und
des Inſtrumentes da drinnen im Saal.
Ellen Winterfeldt war ſehr glücklich. Sie durfte nun
täg=
lich zwei Stunden lang das Beiſammenſein, die Arbeit mit dem
Großen genießen, unter deſſen Führung ſie Amerika erobern
wollte. Ein Glückszufall auch für ſie, mit dem mächtigen,
wich=
tigen Manne ſchon vor dem Beginn der gemeinſamen
Wirkſam=
keit in ſo enge Beziehung zu treten. Später wird ſie nur eine
von vielen ſeiner Mitarbeiter ſein. Sie lernt, ſie wächſt, ſie
er=
lebt nicht den Kapellmeiſter, ſie darf den Menſchen fühlen; die
Fülle von Können, Wiſſen, Sein erſchließt ſich ihr, aus der die
Meiſterſchaft ſich hebt wie die mächtig ſchattende Eiche aus dem
verſchwiegenen Waldesgrunde, dem ſie entward.
(Fortſetzung folgt.)
Geſchäfts=Eröffnung.
Meiner werten Nachbarſchaft ſowie
allen Freunden, Bekannten u.
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nern zur Kenntnis, daß ich am
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