Einzelnummer 70 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Dienstag, den 3. März 1931.
194. Jahrgang
Nummer 62
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zeiſe 200 Reſchemar. Alle preiſe in Reſchemart
ſt Doſſar — 420 Mar). — Im Falle hoherer
Gewal, wie Krieg. Aufruhr, Strell uſw., erliſcht
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auſträge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bel
Konhurs oder gerſchticher Beltreibung fäll ſeder
Nabatt weg. Bankkonto Deutſche Bant und
Darm=
ſtödter und Natlonalbank.
Ingeappierungen auf der Rechten.
Iſte Zuſammenarbeit der Deutſchnakionalen mit den Nakionalſozialiſten. — Trennung der
Volls=
konſervaliven von den Chriftlich=Sozialen. — Annäherung an die Deulſche Volksparkei.
*
Verſehlte Taktik.
Berparlamenkariſche Tagung der radikalen Rechten
in Weimar?
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Am Sonntag haben die Fraktionsvorſtände der
National=
aliſten und der Deutſchnationalen in Berlin getagt, und
da=
üiber ihre weitere gemeinſame Taktik Abmachungen getroffen,
tvohl jede Ausſicht auf ein Abſchwenken der
Deutſchnatio=
n von ihrer Abſtinenzpolitik zunichte macht, da bei dieſer
egenheit doch ſo etwas wie ein gentlemen agreement
getrof=
tvorden iſt, das ſich zunächſt negativ in einem weiteren
rtbleiben vom Reichstag auswirkt. Höchſtens mit
autl/E Ausnahme, daß ſie etwa beim Wehretat oder bei den
Agrar=
agen zwecks Abgabe einer kurzen Erklärung in den
Reichs=
zurückkehren würden, ohne ſich aber an den ſachlichen
Be=
ſ— ugen zu beteiligen. Allerdings wird mindeſtens bei den
tſchnationalen nach wie vor mit der Möglichkeit
ge=
net, daß der Kanzler ſehr bald in
Schwierig=
ten geraten wird und dann zu neuen
Ver=
idlungen mit der Oppoſition von Rechts
ge=
ungen werden könnte. Auch für dieſen Fall iſt wohl
Sonntag ſchon ſo etwas wie ein Programm aufgeſtellt wor=
und wir dürfen uns nicht wundern, wenn auch der
Ge=
ke einer Propagandatagung in Weimar
wieder=
aucht, vielleicht in der Form, daß der Reichsausſchuß für
Volksbegehren neu mobiliſiert wird und eine
außer=
lamentariſche Baſis in Weimar zu ſchaffen
t. Indeſſen, das ſind ſpätere Sorgen. Für den Augenblick
int man abwarten zu wollen, welche Taktik der Kanzler
ſt einſchlägt.
Sozialdemokraken und Wehrekak.
Durch das Verhalten der Rechten iſt Dr.
Brü=
rg nun endgültig auf die Mitwirkung der
aken bei der Verabſchiedung des Etats
an=
vieſen. Er hat erneut die Verhandlungen mit den
Sozial=
okraten aufgenommen, um zu hören unter welchen
Voraus=
ingen ihre Zuſtimmung zum Etat und zu den Agrarvorlagen
haben iſt. Eine endgültige Antwort hat er noch nicht
er=
en. Die Verhandlungen gehen noch weiter. Noch vorige
=he glaubten wir annehmen zu dürfen, daß die
Sozialdemo=
en beim Wehretat keine Schwierigkeiten machen würden.
iſt indeſſen unverkennbar, daß das Ergebnis der
Braun=
veigiſchen Wahlen den linken Flügel der Sozialdemokraten
yös gemacht hat, und daß infolgedeſſen der neue
Pan=
kreuzer die ſozialdemokratiſche
Partei=
tung vor eine doppelt ſchwierige Aufgabe
It, zumal da der Kanzler kaum noch in der Lage iſt,
irgend=
e Zugeſtändniſſe zu machen, die den Sozialdemokraten ihr
gegenkommen erleichtern würden. Immerhin herrſcht in
lamentariſchen Kreiſen nach wie vor die
ffaſſung vor, daß die Sozialdemokraten ſich
eit finden werden, auch weiterhin à la Suite
Regierung zu bleiben, und daß infolgedeſſen der
nizler ſeinen Etat auf parlamentariſchem Wege
durch=
ngt, ja ſogar darüber hinaus die Vertagung
7 Reichstages auf ein halbes Jahr erzwingt, um
n freie Hand für die Durchführung anderer
formmaßnahmen, auch im Wege der
Notver=
nung, zu haben.
Die Chriftlich=Sozialen marſchieren in Zukunft
geirennk von den Volkskonſervaliven.
BB. Berlin, 2. März. (Priv.=Tel.)
Obwohl zurzeit nach keiner Richtung hin irgend welche
offi=
en Schritte zu Neugruppierungen im Rechtslager
unternom=
werden, geht die Entwicklung der Neuordnung doch nach wie
unabläſſig weiter. So ſollen die Volkskonſervativen
ihrer letzten Berliner Tagung in einer vertraulichen Sitzung
chloſſen haben, bei einer evtl. Neuwahl keine
kenverbindung mehr mit den Chriſtlich=
So=
len einzugehen. In parlamentariſchen Kreiſen will
ſogar wiſſen, daß ſchon in abſehbarer Zeit eine offizielle
ennung zwiſchen dieſen Parteigruppen, die ſich
einer Fraktionsgemeinſchaft zuſammengeſchloſſen haben, zu
er=
ten ſei. Wahrſcheinlich iſt dies darauf zurückzuführen, daß die
iſtlich=Sozialen, die von Haus aus eng an die
Gewerkſchafts=
tik angelehnt ſind, andere Wege verfolgen als die
Volkskon=
ativen, die nach wie vor politiſch dem Landvolk naheſtehen.
iche neue Verbindung die volkskonſervativen Abgeordneten
rehen werden, ſcheint noch nicht endgültig feſtzuſtehen. Es
t, daß ſie bereits mit der Deutſchen Volkspartei Fühlung
ge=
imen hätten, um ſich nach dieſer Richtung hin eine evtl.
Liſten=
indung zu ſichern. Dies dürfte zudem durchaus im Bereich
Möglichkeit liegen, da die Volkskonſervativen in ihrer
partei=
tiſchen Einſtellung ſchon ſeit längerer Zeit eine
Uebereinſtim=
rg mit der Volkspartei feſtſtellen konnten. In hieſigen
parla=
tariſchen Kreiſen neigt man außerdem zu der Annahme, daß
riſter Treviranus perſönlich für dieſe Liſtenverbindung
ein=
ft, weil er dadurch beſſre Möglichkeiten für die Durchführung
er Pläne erhalten zu können glaubt. Auch aus
chriſtlich=
ialen Kreiſen hört man, daß ſie an keine weitere
Liſtenver=
dung mit den Volkskonſervativen mehr glauben, und man darf
ehmen, daß dieſe Partei in Zukunft ſelbſtändig vor=
Hen wird, zumal ſie eine ſtärkere Verbreiterung
ser Anbängerſchaft in der letzten Zeit herbei=
führen konnte. Man kann jedenfalls der weiteren
Entwick=
lung im Rechtslager mit Intereſſe entgegenſehen, zumal immer
damit zu rechnen iſt, daß eine ſolche Bewegung im geſamten
bür=
gerlichen Lager zu einer Umgeſtaltung führt.
Der Innen=Ekak vor dem Reichskag.
Die Volksparkei verlangk Heraufſehung des
Wahl=
alkers und Perſonalunion zwiſchen den Reich
und Preußen.
* Berlin, 2. März. (Priv.=Tel.)
Der Reichstag hat am Montag nach kurzer Pauſe ſeine
Beratungen wieder aufgenommen und die Beſprechung des
Innenetats begonnen. Die mit einiger Spannung erwartete
Rede des Innenminiſters Dr. Wirth ſoll aber erſt am Dienstag
kommen. Die Senſation des Tages war ein von der Deutſchen
Volkspartei eingebrachter und von Herrn von Kardorff
begrün=
deter Antrag, der eine Verfaſſungsänderung einleiten will. Er
verlangt die Heraufſetzung des Wahlalters von 20 auf 25 Jahre.
Er will die Einberufung und Schließung des Reichstages dem
Reichspräſidenten übertragen, will endlich die Perſonalunion
zwiſchen dem Reich und Preußen in der Form durchführen, daß
der Reichspräſident gleichzeitig preußiſcher Präſident wird und
in Preußen alle entſprechenden Funktionen hat, die ihm im Reich
als Reichspräſident zuſtehen. Daß bei der gegenwärtigen
Lage=
rung der Mehrheitsverhältniſſe und der politiſchen Spannung
ein ſolcher Antrag Ausſicht auf Annahme hat, iſt ausgeſchloſſen,
zumal ja die Väter der Weimarer Verfaſſung eine organiſche
Weiterentwicklung von vornherein durch die Forderung nach
einer qualifizierten Mehrheit bei allen Aenderungen unmöglich
gemacht haben. Trotzdem iſt es begrüßenswert, daß die Deutſche
Volkspartei den Entwurf einer Wahlreform, ſo wie ihn die
Regierung vorgelegt hat, in dem entſcheidenden Punkt durch
Er=
höhung des Wahlalters ergänzen will und gleichzeitig auch den
Anfang einer Reichsreform wenigſtens inſoweit gemacht hat,
als die außenpolitiſch unbequeme Sonderſtellung Preußens
be=
grenzt werden ſoll. Es handelt ſich dabei, ſoweit wir wiſſen, nur
um eine erſte Anregung der Volkspartei, die ja bereits vor
Monaten einen eigenen Verfaſſungsausſchuß eingeſetzt hat, und
auf ihrem nächſten Parteitag wohl das Programm eines
voll=
kommenen Verfaſſungsumbaues dem Reichstag vorlegen will.
Auf der Tagesordnung der Montagsſitzung des Reichstages
ſtand die zweite Beratung des Haushalts
desReichs=
innenminiſteriums, in Verbindung mit der erſten
Be=
ratung des Geſetzes gegen den
Waffenmiß=
brauch. Nach dieſem Geſetz, das in derſelben Weiſe wie das
Republikſchutzgeſetz befriſtet iſt, wird nicht nur das
Mit=
führen von Schußwaffen, ſondern auch von Hieb= Stoß= und
Stich=
waffen beſtraft, beſonders ſchwer, wenn dieſe Waffen bei
politi=
ſchen Kundgebungen mitgeführt werden.
Abg. Dr. Schreiber (Zentr.): Es iſt die Aufgabe der
Regierung, dafür zu ſorgen, daß unſer Volk nicht ruſſiſchen und
chineſiſchen Revolutionszuſtänden preisgegeben wird. Unſer Volk
kann weder an einer bolſchewiſtiſchen Revolution, noch an einer
nationalſozialiſtiſchen Inſurrektion geſunden. (Beifall.) Wir
brauchen eine Einheitsfront der Verantwortungsbewußten für
lange Zeit. Eine ſchnellere und ſtrengere Ahndung der gegen die
Staatsautorität gerichteten gewalttätigen Angriffe muß verlangt
werden. Wer die Freiheit mißbraucht, darf ſich nicht wundern,
wenn er die Freiheit verliert.
Die letzten Vorgänge im Parlament haben bewieſen, welcher
Mißbrauch mit der Bezeichnung „Nationale Oppoſition”
ge=
trieben worden iſt. Man iſt nicht national, wenn man
fluchtartig das Feld verläßt, ſtatt poſitiv am Neuaufbau
mitzuarbeiten. Wer in der Innenpolitik deſertiert, kann
auch in der Außenpolitik nicht als Aktiviſt angeſprochen
werden. Die Trennungslinie liegt heute zwiſchen den
auf=
bauenden und den zerſtörenden Kräften, zwiſchen denen die
poſitiv und denen, die negativ politiſch wirken. Wer dieſen
Saal fluchtartig verläßt, der kann mit dem Schlagwort
Marxismus nicht die Tatſache verſchleiern, daß er in den
ſchwerſten und bitterſten Jahren des deutſchen Volkes ſich
abſeits geſtellt hat, während große Arbeitermaſſen den Mut
aufgebracht haben, die Politik der Verantwortung
mitzu=
machen.
Der Redner verlangte dann unter großer Unruhe der
Kom=
muniſten eine energiſche Abwehr der ruſſiſchen
kulturbolſchewiſti=
ſchen Propaganda gegen die Religion. An die Erneuerung des
Rapallovertrags könne nur gedacht werden, wenn dieſe
Propa=
ganda aufhört. „Verträge werden in ſich brüchig, wenn ſie nicht
mehr vom Volksempfinden getragen werden. Die Weimarer
Ver=
faſſung könne in Einzelheiten reformiert werden, um eine größere
Stabilität der von einem verantwortungsbewußten Reichstag
ge=
ſtützten Regierungsgewalt zu erreichen.
Abg. Schreck (Soz.) verlangte eine größere Aktivität in den
Beſtrebungen der Reichsreform mit dem Ziele eines Groß=
Deutſchland. Die Jugend müſſe dazu erzogen werden, das mit
dem ihr in der Weimarer Verfaſſung gegebenen Recht auch die
Pflicht verbunden iſt. für das neue Deutſchland zu arbeiten, um
es zum Groß=Deutſchland zu machen. Der Redner wandte ſich
dann gegen das Verbot des Remarque=Films „Im Weſten nichts
Neues”
Abg. von Kardorff (D.V.P.) bezeichnete es als den
größ=
ten Schwindel, wenn die Nationalſozialiſten und Deutſchnationalen
ihren Auszug damit begründen, daß ſie mundtot gemacht worden
ſeien. Wir bedauern, daß durch das Erfordernis der
Zweidrittel=
mehrheit faſt jeder Fortſchritt in der Weimarer Verfaſſung
ver=
baut iſt.
Wir halten eine Verfaſſungsreform für dringend
notwen=
dia. Wir wollen, daß der Reichspräſident gleichzeitig
preu=
ßiſcher Staatspräſident wird, daß das Wahlalter
herauf=
geſetzt wird.
(Fortſetzung auf Seite 2, dritte Spalte.)
Kann Amerika annehmen?
„Ich wiederhole: dieſes Hintreiben zum Chaos und Elend
ſollte auf jede mögliche Art abgebremſt werden; und nichts
wäre pſychologiſch ſo wirkſam wie die endgültige Löſung des
Reparationsproblems. Das kapitaliſtiſche Syſtem ſteht in einer
Prüfung . . . Wenn die kapitaliſtiſchen Regierungen fortfahren,
Europa ſo unglaublich ſchlecht zu regieren wie ſie es bisher
taten und noch tun, und wenn Rußland bei ſeinem
kommuniſti=
ſchen Experiment Erfolg hat, dann wird Moskau nicht nur an
die Tore Berlins klopfen in einem Dutzend Jahren, . . . es
wird jedes Tor in Europa aus den Angeln heben. Sprecht von
der drohenden Gefahr eines ruſſiſchen Dumpings! Was? das
iſt nur ein Fleck am Horizont, verglichen mit dem Zuſtand der
Verbitterung, Furcht, Angſt, des Wettrüſtens und der
Handels=
kriege mittels Hochſchutzzollpolitik, jawohl: mit dem Zuſtand
internationaler Anarchie, der augenblicklich das darſtellt, was
man ſo Europa nennt.”
Mit erfreulicher Klarheit wird hier von amerikaniſcher Seite
(das Zitat entſtammt der Zeitſchrift „The Nation” vom 28. Jan.
1931) auf die letzten politiſchen Konſequenzen, die eine
Nichtreviſion der Zahlungspläne für die Welt hätte, hingewieſen.
Eine längere Dauer der internationalen Zahlungen würde eine
Geſundung Deutſchlands und Europas auf Jahre hinaus
un=
möglich machen. Sie würde aber auf der anderen Seite, darin
ſiehi der Amerikaner recht klar, die Gefahr kommuniſtiſcher
Ex=
perimente und der Sowjetiſierung Europas nahe rücken. Es
kann hier nicht die Frage nach dem Weſen der ruſſiſchen
Wirt=
ſchaft und der Möglichkeit einer Induſtrialiſierung aufgeworfen
werden. Dieſe Induſtrialiſierung auf Koſten der
Landwirt=
ſchaft und der Möglichkeit einer Induſtriealiſierung aufgeworfen
vor allem politiſches Inſtrument in den Händen der ruſſiſchen
Machthaber, ein Inſtrument, deſſen Bedeutung ſchon mehrfach
zutage trat.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die gegenwärtigen
Zah=
lungen von Deutſchland auf die Dauer nicht geleiſtet werden
können. Man ſollte die ökonomiſchen Auswirkungen einer
end=
gültigen Aufhebung der Reparationsverpflichtungen jedoch —
auch das muß einmal geſagt werden — nicht überſchätzen.
„Die Kriſe, in der ſich Deutſchland heute befindet, iſt nicht nur
eine Neparationskriſe. Sie iſt vor allem verurſacht durch die
nach dem Jahr 1924 einſetzende, überſchnelle Rationaliſierung
in der Induſtrie — zu einer Zeit, da die Höhe des Zinsfußes
eine befriedigende Nentabilität nicht garantieren konnte. Gerade
an dieſer Kapitalfeſtlegung krankt die deutſche Induſtrie. Die
heutige Kriſe iſt keineswegs eine Produktionskriſe. Sind doch
über fünfzig Prozeut des induſtriellen Apparates nicht
aus=
genutzt. Sie iſt auch nicht nur eine Kriſe, der mit Senkung
der Selbſtkoſten beizukommen iſt, die ſchließlich — mindeſtens
auf dem inneren Markt — zu einer weiteren Schwächung der
Kaufkraft führen müßte. Sie iſt vor allem eine Kriſe, deren
Urſachen in einer außerordentlichen Intenſivierung der
Arbeits=
leiſtung in qualitativer Hinſicht unter Beibehaltung der
Quali=
tät der Arbeitsleiſtung zu ſuchen ſind. Damit ſoll nicht
ge=
ſagt werden, daß die gewerkſchaftliche Forderung einer
allge=
meinen Senkung der Arbeitszeit oder die induſtrielle Forderung
einer durchgängigen Lohnkürzung die allein richtigen Mittel
ſeien. Wahrſcheinlich müſſen beide Wege beſchritten werden.
Deutſchland wird auf Jahrzehnte hinaus (auch nach Streichung
der Reparationen) ein Exportland für induſtrielle Fertigwaren
bleiben müſſen. Es wird Arbeitskraft exportieren. In dieſem
Zuſammenhang kann die Frage, ob unter dieſen Umſtänden
unſere heutige Agrarpolitik, die die Getreidepreiſe teilweiſe
auf dem Dreifachen des Weltmarktpreiſes hält, vorteilhaft, ob
unſere Schutzzollpolitik für unſere induſtriellen
Abſatzverhält=
niſſe günſtig iſt, nur angedeutet werden.
Das alles wurde nur geſagt, um zu zeigen, daß die Kriſe,
in der ſich heute Deutſchland befindet, nicht nur eine
Nepara=
tionskriſe iſt. Dies feſtzuſtellen iſt deshalb notwendig, weil eine
gewiſſenloſe Demagogie dem Volk einreden möchte, daß mit
der Zerreißung des Youngplanes das tauſendjährige Neich des
Genuſſes und des Wohlſeins kommen werde. Auch diejenigen,
die den Youngplan zerreißen wollen, werden an den übrigen
wirtſchaftlichen Vorausſetzungen durch dieſe Maßnahme nichts
ändern können. — Trotzdem wird niemand in Deutſchland
leug=
nen, daß die Zahlungen des Youngplans die deutſche Lage
we=
ſentlich erſchweren; daß ſie vor allem einen Wiederaufſtieg in
jeder Weiſe verlangſamen. Dieſer Erkenntnis verſchließen ſich
heute weite Kreiſe des Auslands nicht mehr. Die Frage nach
Zahlungsfähigkeit Deutſchlands wird immer häufiger erörtert.
Uind ſie wird immer häufiger mit einem Nein beantwortet,
Sicher nicht etwa aus Liebe zu den Deutſchen. Auch nicht etwa,
weil man die Nationalſozialiſten ſonderlich fürchtet —
wenn=
gleich die Verſchlimmerung der Lage am Kapitalmarkt
zweifels=
ohne eine „Leiſtung” der Nationalſozialiſten iſt. Der innere
Grund der neuerdings immer ſtärker einſetzenden
Reparations=
debatte liegt anderswo. In der Störung, die der
Weltwirt=
ſchaft, die insbeſondere der amerikaniſchen Wirtſchaft durch die
Reparationen zugefügt wird. Man kann heute faſt — ſo
para=
dox es klingen mag — behaupten: die Neparationsfrage iſt im
Begriff, für die Vereinigten Staaten ein ſchwierigeres Problem
zu werden als für Deutſchland. Nicht die Frage; kann
Deutſch=
land zahlen, ſondern die andere: kann Amerika annehmen, wird
weſentlich den Gang der Reparationsverhandlungen in Zukunft
beſtimmen.
Die Gründe dafür ſind nicht ſonderlich ſchwer aufzufinden.
Deutſchland kann — wenn wir die Zwiſchenſtationen Frankreich
und England uſw. einmal ausſchalten — ſchließlich nur an die
11. S. A. zahlen. Eine Zahlung im internationalen
Wirtſchafts=
verkehr iſt auf die Dauer nur in Warenform möglich.
Deutſch=
land wird alſo danach trachten müſſen, ſeinen Warenexport zu
ſteigern. Angeſichts der ſtark gewachſenen Konkurrenz der
Nach=
kriegszeit, des infolgedeſſen gewachſenen Produtionsvolumens
und des überall beſtehenden Mißverhältniſſes zwiſchen Konſum
und Produktion wird es auf die Dauer dazu nur imſtande
ſein, wenn es billiger produziert als die Vereinigten Staaten.
Hier liegt die wirtſchaftliche Wurzel aller Lohnſenkungs= und
Gehaltsabbaubeſtrebungen, die ja ſchließlich auf eine Senkung
des Lebensſtandards hinauslaufen. Dieſe Senkung des
Lebens=
ſtandards, ſo ſchwer ſie ſein mag, läßt ſich durchführen. Es
kommt damit zu einer Art „Hungerexport”, wenn man dieſes
etwas kraſſe Wort einmal anwenden will. Die billigen Waren
Deutſchlands überſchwemmen den amerikaniſchen Markt, mit
Nummer 62
Seite 2
dem Erfolg, daß amerikaniſche Arbeiter brotlos werden. Nun
gibt es dagegen ein etwas robuſtes Mittel, das von Hoover auch
recht ausgiebig angewendet wurde: Hochſchutzzölle. Damit iſt
die direkte Gefahr zunächſt abgewendet. Nicht abgewendet aber
iſt damit die Konkurrenz Deutſchlands auf dritten Märkten
(etwa Südamerika). Durch dieſe Konkurrenz werden
amerika=
niſche Exportinduſtrien ſtillgelegt. Wenn nun dieſe dritten
Märkte ebenfalls Schutzzollmaßnahmen ergreifen, ſo wird
dar=
unter zunächſt die teurere amerikaniſche Ware zu leiden haben.
Wie man die Dinge auch drehen mag: an der notwendigen
Konkurrenz der deutſchen Waren und der damit
zuſammen=
hängenden amerikaniſchen Arbeitsloſigkeit läßt ſich nichts ändern.
Dieſe Arbeitsloſigkeit wird durch die Tatſache, daß Deutſchland
ſelbſt wegen geſunkenen Lebensſtandard als Käufer amerikaniſcher
Waren nicht mehr in Frage kommt, verſchärft.
Gegen all dieſe üblen Folgen einer realen
Schuldenbezah=
lung haben ſich die Amerikaner eine Reihe von Jahren ſchützen
können, indem ſie die eigentlich fälligen Zinszahlungen und
Amortiſationen nicht nach Amerika hineinließen, ſondern ſie
ſofort in Europa reinveſtierten. Auf die Dauer aber ließ ſich
dieſe Politik nicht durchführen. Und nachdem das dringende
Kapitalbedürfnis des durch den Weltkrieg kapitalentblößten
Europa zunächſt geſtillt iſt (der Kapitalmangel Deutſchlands
iſt ein innereuropäiſches Kapitalterſchiebungsproblem, lösbar
nach Sanierung der deutſchen Finanzen und Aenderung der
Bankpolitik in Frankreich), muß einmal der Moment kommen,
da die — inzwiſchen immer größer gewordenen Zinszahlungen
zurückfließen. Und unter dieſer Not leidet heute Amerika.
Leidet mit acht Millionen Arbeitsloſen. Und wird
wahrſchein=
lich mit noch größeren Mengen leiden, wenn nicht die
Nepara=
tionsfrage einmal endgültig gelöſt wird.
Man hat folgenden Einwand gemacht: wäre es nicht
denk=
bar, daß Amerika ſich von Deutſchland die Zinſen in Form ganz
beſtimmter Waren liefern ließe (z. B. chemiſcher Artikel) und
dieſe Induſtrien im eigenen Land nicht ausbaute bzw.
liqui=
dierte? Dieſe Möglichkeit beſteht zunächſt theoretiſch, und ſie
würde bedeuten — darüber muß man ſich klar ſein —, daß auch
eine Dauer=Schuldnerſtellung Deutſchlands gegenüber den USA.
in Frage käme. Indes: welche Induſtrie würde ſich freiwillig
liquidieren laſſen? Und abgeſehen davon, eine ſolche
Liqui=
dation, denkbar im Zeitalter des Kleinbetriebs — würde im
Zeitalter der Rieſenfabriken einen außerordentlichen
Kapital=
verluſt bedeuten, würde weiterhin — bei der engen Verſlechtung
der verſchiedenen Induſtrien — auch die andern Induſtrien
emp=
findlich treffen (Abſatzeinbuße) und würde ſchließlich Amerika
vor das Problem ſtellen, die freigeſetzten Arbeitermengen an
anderer Stelle in den Wirtſchaftsprozeß einzugliedern, an
Stel=
len, wo dieſe Arbeitermengen entweder lohndrückend wirken
oder, wo der Ausbau der Induſtrie zu einer
Ueberproduktions=
kriſe über kurz oder lang führen müßte.
Die Schuldenbezahlung durch Deutſchland wird ſich alſo
immer wieder ſchließlich als äußerſt ungünſtig für die
Ver=
einigten Staaten erweiſen. Wir dürfen uns auch hier nicht
einem gefährlichen Irrtum hingeben: daß nämlich die
Nepara=
tionsfrage allein die Urſache der amerikaniſchen
Wirtſchafts=
krife ſei. Erinnert ſei nur an die Kriſe der amerikaniſchen
Landwirtſchaft, an die durch die Schutzzölle hervorgerufene
auto=
matiſche Verringerung der Exportquoten u. a. Die
Reparations=
frage aber ſpielt, wie für Deutſchland ſo für Amerika, die
Rolle eines bedeutſamen Erſchwerniſſes. Mehr faſt noch für
die Vereinigten Staaten ſelbſt. Denn für ſie würde ein
Feſt=
halten an den Zahlungsforderungen ſchließlich eine Senkung
des Lebensſtandards bedeuten; eine Senkung, der wir in
Deutſch=
land uns gewiß nicht mit Freuden unterziehen, der wir aber
bei einem entwickelteren Staatsgefühl und einer ſtärkeren
Diſziplin nicht den Widerſtand entgegenſetzen, den der an
Kom=
fort gewöhnte und weniger in einer feſten Staatstradition
le=
bende Amerikaner zweifellos aufbringen würde. — Es wäre
denkbar, daß Deutſchland — wie es früher einmal Caprivi
for=
muliert hat — ſtatt Waren Menſchen expotiert. Daß infolge
der ſchlechten Wirtſchaftslage eine Maſſenauswanderung
ein=
ſetzte, die dann wohl oder übel die amerikaniſchen Löhne drückte.
Die amerikaniſche Einwanderungspolitik mit der jetzt
vollkom=
menen Sperrung der Einwanderug ſucht dem entgegenzuwirken.
Ob ſich aber auf die Dauer eine Schutzzollpolitik auf Waren
und Menſchen mit der Forderung auf Zinszahlung vereinbaren
läßt? Nach dem vorher Dargelegten darf es als recht
zweifel=
haft gelten.
„Warum fieht Mr. Hoover nicht, daß vor ihm heute die
glorreichſte Gelegenheit liegt, Amerika in die Stellung eines
moraliſchen Führers der Welt wieder einzuſetzen?” fragt der
Verfaſſer des eingangs zitierten Aufſatzes. Betrachten wir die
Dinge doch einmal recht nüchtern. Die Vereinigten Staaten
ſind im Jahre 1917 gegen uns in den Krieg gezogen. Es dauerte
ein Jahr, bis die erſten amerikaniſchen Truppen in den Kampf
eingriffen. Während dieſes Jahres beteiligten ſich die
Ameri=
kaner an dem gemeinſamen „Geſchäft” nur durch Geldeinlagen,
weil ſie etwvas anderes vorläufig nicht geben konnten. Es
iſt durchaus verſtändlich und richtig, wenn die Franzoſen ſich
auf den Standpunkt ſtellten, daß für dieſe Geldeinlagen — die
ja nur in Ermangelung eines beſſeren: nämlich des Einſatzes
amerikaniſcher Truppen gegeben waren — keine Zinſen und
Amortiſationen gefordert werden konnten. Mag man für die
* Im Kampf uen den Himalgia.
Der erſte deutſche Angriff auf den Kangchenzönga 1929.
Von Paul Bauer.
(Mit 100 Abbildungen. Verlag Knorr u. Hirth, München.
Preis 9,40 Mk.)
Unſer Bergſteigernachwuchs hat es nicht leicht! Die Alpen
ſind nahezu übererſchloſſen. Kein Gipfel wird mehr vom Schleier
der Unberührtheit umweht. Dem jungen, ehrgeizigen Alpiniſten
bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder längſt bekannte,
aus=
getretene Pfade zu gehen, oder ſich mit ausgeklügelten und
neben=
ſächlichen Problemen der Kletter= und Eistechnik herumzuſchlagen,
deren touriſtiſcher und moraliſcher Wert ſich im Verhältnis zum
Gefahrencoeffizienten meiſt als höchſt zweifelhaft erweiſt. (
Wel=
zenbachs Eisakrobatik am Dent d’herens, Stößers ungeheuerliche
Leiſtung an der Südweſtkante der Marmolata, Ertls und Brehms
halsbrecheriſcher Weg über die Nordwand der Königsſpitze, um
nur einige Beiſpiele zu erwähnen, ſind zwar Leiſtungen, die
be=
denkenloſen Wagemut und raffinierte Technik vorausſetzen und
ſportliche Höchſtleiſtungen bilden, die aber unzweifelhaft zumeiſt
aus dem Mangel an wichtigeren und für die Allgemeinheit
wert=
volleren Objekten geboren ſind.)
Aber noch eine dritte Gelegenheit, alpinſportliches Können
zu zeigen, ſteht dem offen, der außer den nötigen Fähigkeiten auch
über Zeit und Geld verfügt. Die Rieſenberge der
außereuro=
päiſchen Länder bieten eine ſchier unerſchöpfliche Fülle von
Mög=
lichkeiten, um wagemutige Bergſteiger anzulocken.
Hier handelt es ſich, abgeſehen von der Erſchließung
erdkund=
lichen Neulandes, nicht ſowohl um die Erprobung touriſtiſcher
Leiſtungsfähigkeit, und das Aufweiſen all jener hervorragenden
körperlichen und geiſtigen Qualitäten, die das Merkmal großer
Entdecker ſind, ſondern auch um nationale Preſtigefragen. Die
Er=
oberung des kaukaſiſchen Uſchba durch zwei ſüddeutſche führerloſe
Seilſchaften, die wiſſenſchaftliche Expedition Rickmers in das
Pamirgebiet, die Erſtlingstouren Deutſcher in den Anden (nicht
zu vergeſſen die fliegeriſche Erſchließung des Feuerlandes durch
den leider zu früh dahingegangenen Ganther Plüſchow), ſind nebſt
vielen anderen Unternehmungen Taten, die dem Anſehen des
deutſchen Namens im Auslande mehr genutzt haben, als manche
Rede am grünen Tiſch.
Eine ſolche Höchſtleiſtung im ſportlichen wie nationalem
Sinne iſt die Expedition des Nahburger Notars Paul Bauer
Dienstag, den 3. März 1931
Bom Tage.
Der Generalſtaatsanwalt in Berlin hat, wie ſoeben bekannt
wird, gegen die Bundesführer des Stahlhelms Seldte und
Düſter=
berg auf Grund des § 5. Abſ. 1 des Republikſchutzgeſetzes, in
Ver=
bindung mit § 20 des Reichspreſſegeſetzes wegen des Aufrufes in
der Stahlhelmzeitung Nr. 2 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Der am 18. Januar erſchienene Aufruf war die Einladung zum
Volksbegehren.
Der Reichsvorſtand des Chriſtlich=Sozialen Volksdienſtes hat
beſchloſſen, das Volksbegehren für Auflöſung des Preußiſchen
Landtages zu unterſtützen.
Im Hauptausſchuß des Preußiſchen Landtages wurde der
Regierungsvorſchlag auf Senkung der Hauszinsſteuer ab 1. April
1931 um 3 v. H. angenommen.
An zuſtändiger Stelle in Berlin wird die engliſch=
franzöſiſch=
italieniſche Flotteneinigung grundſätzlich vom Standpunkt des
großen Abrüſtungsgedankens betrachtet, wobei allerdings
erwar=
tet wird, daß die neuen Abmachungen die allgemeine
Land=
abrüſtung nicht hemmen dürfen.
Der Generaldirektor der BJZ., Quesnay, hatte Beſprechungen
mit dem ſpaniſchen Finanzminiſter Veſtoſa und dem Gouverneur
der Bank von Spanien, Bas, die ſich auf die zur Stabiliſierung
der Peſeta zu ergreifenden Maßnahmen bezogen.
Auf Grund ultimativer Forderungen von Heer und Flotte
iſt der Präſident von Peru, Sanchez Cerro, mit dem
Geſamt=
kabinett zurückgetreten. Unter dem Vorſitz des Präſidenten des
Oberſten Gerichtshofes Elias iſt eine neue Junta gebildet worden,
der der Generalſtabschef und der Oberbefehlshaber der Flotte
an=
gehören. Die Junta hat ſoforr mit den Aufſtändiſchen in Arequipa
Piura Verhandlungen eingeleitet.
Vertreter von 52 amerikaniſchen vaterländiſchen Vereinigungen
haben einen Brief an den Präſidenten Hoover geſandt, in dem
ſie verlangen, daß jeder Handel mit Sowjetrußland eingeſtellt
werde.
Kredite der Jahre 1914—17 eine derartige Berechtigung auch
nicht leugnen können, für die großen Kriegs,kredite” des
Jah=
res 1917 liegt ſie beſtimmt nicht vor. Die amerikaniſche
For=
derung iſt im Gegenteil aufs Höchſte unmoraliſch. — Dies wurde
nur deshalb geſagt, weil davor gewarnt werden ſoll, die
vor=
ausſichtlich einmal eintretende Reviſionsſtimmung Amerikas auf
andere als rein ökonomiſche Urſachen zurückzuführen. Die
Phraſe von der moraliſchen Führerſtellung erweiſt ſich in dieſem
Falle wie in jenem Wilſons (to make world safe for democracy)
ſchließlich eben doch nur als cant. Wirtſchaftlich betrachtet aber
liegen die Dinge ſo, daß auf die Dauer die
Reparationszah=
lungen von Amerika nicht angenommen werden können. An
den Deutſchen iſt es, in dieſem wichtigen Augenblick nicht —
wie leider ſo oft ſeit dem Krieg — die Nerven zu verlieren.
Die Ereigniſſe der letzten Reparationskonferenz, die — finanziell
geſehen — zu früh auf deutſches Betreiben zuſtandegekommen
war, ſollten noch nicht vergeſſen ſein. Es beſteht leute die
be=
gründete Ausſicht, daß Amerika — wenn es vielleicht auch nicht
von ſich aus die Frage anſchneidet — ſo mürbe ſein wird, ganz
andere Konzeſſionen zu machen, als die, zu denen es 1929
be=
reit war.
Oder will Mr. Hooder warten, bis es in den Vereinigten
Staaten 15 Millionen Arbeitsloſe gibt?
Dr. Sch.
Baris und die Agrarkonferenz.
Angft ver entſcheigenden Reformen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 2. März.
In Paris gibt es zur Zeit Leute, die mit dem Ergebnis
der am Samstag abgeſchloſſenen Agrarkonſerenz ſehr
unzu=
frieden ſind. Man verbirgt immer weniger, daß die
ſran=
zöſiſche Auffaſſung, wonach die europäiſ he Agrarkriſe in erſter
Linie durch eine Reform des Agrarkreditweſens
ge=
löſt werden muß, bei den Verbündeien Frankreichs ſehr wenig
volkstümlich iſt. Es iſt wayr, daß die Agrarkredite in
den Donauländern zu wahren Wucherzinſen,
gegeben werden. Eine Rejorm in dieſem Punkte iſt alſo
unvermeidlich, wenn man die Bauernſchaft in den Tonauländern
nicht zur Verzweiflung treiben will. Allein auf dieſem Wege
iſt aber nichts zu erreichen. Europa könnte ſeine eigene
Agrar=
produktion nur dann ohne Schwierigkeit aufnehmen, wenn
die überfeeiſche Konkurrenz, die unter ganz anderen
Bedingun=
gen prodüziert, beſchränkt werden könnte. Und neben der
über=
ſeeiſchen Konkurrenz tritt immer bedrohlicher die rüſſiſche auf.
Beſondere Verträge ſollten alſo geſchaffen werden, um den Markt
den europäiſchen Produzenten zu ſichern. Nach franzöſiſcher
Auf=
faſſung aber wären ſolche Verträge undurchführbar, weil ſie
gegen das Prinzip der Meiſtbegünſtigung verſtoßen würden.
Auch in dieſem Punkte äußert ſich alſo die Angſt der
fran=
zöſiſchen Außenpolitik vor entſcheidenden Reformen.
„Waſch mir den Pelz, doch mach mich nicht naß”, könnte die
Deviſe der franzöſiſchen Paneuropabeſtrebungen lauten. Auf
dieſe Weiſe könnte man aber — bei allem guten Willen — ſtatt
Konferenzen Kaffeekränzchen abhalten . . .
Die Wahlen in Brgunſchweig.
Die Berkeilung der Mandake.
Braunſchweig, 2. März.
Die geſtrigen Kommunalwahlen haben für die
Stadtver=
ordnetenverſammlungen der Städte und die Kreistage der ſechs
Verwaltungsbezirke infolge der Entwicklung der letzten drei
Jahre — die letzten Kommunalwahlen waren im Februar 1938
— beträchtliche Verſchiebungen in den Mandaten erbracht. Die
Stadtverordnetenverſammlungen einſchließlich der Hauptſtadt
zählen 208 Sitze. Davon entfallen auf die Nationalſozialiſten
47 Sitze, vorher 2, außerdem ſind 6 „Stahlhelm=Mandate”
vor=
handen. Auf die verſchiedenen Liſten bürgerlichen Gepräges
Einheitsliſte, Mittelſtand, Landbund, Beamte uſw. entfallen 62
Sitze, vorher 105, auf die Sozialdemokraten 72, vorher 94, auf
die Kommuniſten 21, vorher 4. Die Nationalſozialiſten gewannen
ſomit 45 Mandate, wozu noch die 6 Stahlhelm=Mandate
ge=
rechnet werden dürfen. Die Kommuniſten gewannen 17 Sitze.
Die bürgerlichen Liſten verloren 44 und gewannen einen Sitz.
Die Sozialdemokraten verloren 23 Sitze und gewannen einen
Sitz. Schließlich gingen noch 3 demokratiſche Mandate verloren.
Die Kreistage haben insgeſamt 102 Sitze. Davon
erhiel=
ten die Nationalſozialiſten 32 (vorher 2), verſchiedene bürgerliche
Liſten (Mittelſtand, Beamte uſw.) 21 (vorher 46), die
Sozial=
demokraten 42 (vorher 53), die Kommuniſten 7 (vorher 1). Die
Nationalſozialiſten gewannen alſo 30 Sitze, die Kommuniſten 6.
die Sozialdemokraten verloren 11 Sitze, während die
Bürger=
lichen 25 Sitze abgeben mußten.
Von den 13 braunſchweigiſchen Landſtädten haben eine
nationgl=
ſozialitiſche Mehrheit erhalten 9 Städte: Bad Harzburg,
Blanl=
burg, Gandersheim, Helmſtedt, Holzminden, Konigslug,
Schöppenſtedt, Seeſen und Wolfenbüttel. In Stadtoldend
iſt das Verhältnis gleich zu gleich. In Schöningen ſtehen ſieh
bürgerliche acht Sozialdemokraten und Kommuniſten gegenüh
und in Eſchershauſen und Haſſelfelde iſt das Verhältnis fin
Linke zu vier Rechten. Von den ſechs Kreistagen haben dre
eine bürgerliche Mehrheit erhalten, und zwar Braunſchweig
Helmſtedt und Wolfenbüttel, eine Linksmehrheit ergibt ſich i
den Kreistagen von Blankenburg, Gandersheim und Holzminden
Die Wahlbeteiligung im ganzen betrug etwa 84 Prozent gege
89,29 Prozent bei den Landtagswahlen im September v. J.
Die Ergebniſſe der braunſchweigiſchen Kommunalwahle
haben in Berliner parlamentariſchen Kreiſen keine Ueberraſchun
ausgelöſt. Wie aus den Reihen der hinter der Regierun
Brüning ſtehenden Parteien verlautet, entſprechen die Ergel
niſſe im weſentlichen den Erwartungen, die man gehegt ha
Als überraſchend wird allenthalben die Stabilität der ſozia
demokratiſch=kommuniſtiſchen Stimmen bezeichnet, während ma
mit einem örtlichen Anwachſen der nationalſozialiſtiſchen Stimn
ziffern rechnen mußte. Im übrigen wird betont, daß die Ergel
niſſe von Braunſchweig inſofern mit den Reichstags= oder Lan
tagswahlen vom 14. September v. J. ſchwer vergleichbar ſeie
weil in einer ganzen Reihe von braunſchweigiſchen Gemeinde erſd
überhaupt nicht gewählt worden iſt. Weiter wird hervorgehobe
daß Kommunalwahlen ſehr weſentlich von örtlichen oder regi
nalen Geſichtspunkten, die nichts mit der großen Politik zu tu
haben, beeinflußt werden.
Der Innen-Gigt ugt dem Reichstag.
(Fortſetzung von Seite 1, zweite Spalte.)
Das jetzige frühe Wahlalter hat dazu geführt, daß die Juge
heute umſchmeichelt wird, ſtatt erzogen zu werden. Wir müſſ
wieder zu beſtimmten Tagungsabſchnitten kommen, wir brauc
auch eine Zweite Kammer die durchaus keine reaktionäre E.
richtung zu ſein braucht. Wir brauchen weiter eine Ve
ſtärkung der Macht des Reichspräſidenten in 1
Richtung, daß die Regierungsmacht ſtabiler wird.
In einer Zeit der politiſchen Hochſpannung muß alles v
boten werden, was dazu angetan iſt, dieſe Spannung zu verſte
ken. Mir iſt eine ſtrenge Vorzenſur ſympathiſcher, als die Zen
durch den Terror der Straße.
Wir betrachten es als die Aufgabe der Regierung, die
Staatsautorität zu ſchützen vor den Angriffen jener
radi=
kalen Kreiſe, die auf den Bürgerkrieg hinſtreben. Wir
wer=
den die Regierung in der Abwehr dieſer Beſtrebungen
unterſtützen.
Von den Sozialdemokraten iſt inzwiſchen eine Entſchließu
eingegangen, die verlangt, daß alle Reichs=, Staats= und (
meindebeamten, die zur Ausübung ihrer Obliegenheiten
Reichstagsmitglieder beurlaubt ſind, zum Dienſt herangezog
werden, ſofern ſie ihre Obliegenheiten als Abgeordneter ni
erfüllen.
Abg. D. Mumm (Chr.=Soz.) verlangte, daß im Innenmi
ſterium der Staatsgedanke lebendig bleibe. Erſte Aufgabe
Staates ſei es, ſeinen Gliedern Schutz gegen Gewalttätigkeit u
Ungerechtigkeit zu geben. Der „unbekannte Schu
Ungerechtigkeit zu geben.
Abg. Dr. Külz (Stp.) forderte, daß die Staatsautorität
gegenüber der zunehmenden Radikaliſierung der Politik durchſe
ebenſo die Autorität des Parlaments gegen Sabotageverſue
Um 19 Uhr wurde die Weiterberatung auf Dienstag, 15 U
vertagt.
im Sommer 1929 in das ſüdliche Himalajagebiet zur Erſtürmung
des Kangchendzönga (8580 Meter), deren Reſultate in dem
her=
vorragenden Buch Bauers: „Im Kampf um den Himalaja” nun
ſchon nach knapp 12 Wochen in zweiter Auflage vor der Welt in
Erſcheinung treten.
Dieſes mit Spannung geladene, formſchöne und dabei ſo
menſchlich ſchlichte und anſprechende Werk ergibt, unterſtützt durch
prachtvolles Bildmaterial eines der ſchönſten alpinen Bücher, die
wir beſitzen. Hier bekommt man, ſelbſt in Würdigung aller
Schrif=
ten über die berühmten Evereſtexpeditionen, zum erſtenmale einen
ſicheren Begriff vom Aufbau und von der zielbewußten, bis auf
den letzten Schuhnagel vorherberechneten Durchführung eines ſo
überaus ſchwierigen Unternehmens, ohne daß der Schilderung von
Pracht und Majeſtät einer fremdartigen Alpenwelt mit ihren für
europäiſche Begriffe unausdenkbaren Gefahren Abbruch getan
würde.
Hinter den Engländern ſtand nicht nur der reiche Alpine=
Club mit ſchier unerſchöpflichen Mitteln, ſondern das ganze
eng=
liſche Imperium, das die Eroberung des höchſten Gipfels der
Welt zum nationalen Preſtige erhob und keinen Konkurrenten
auf eigenem Grund und Boden duldete. Das Bauerſche
Unter=
nehmen war auf perſönlichen beſcheidenen Mitteln und dem
Opfermut weniger Münchener Sektionen fundiert und ſpielte ſich
unter unbekannten Verhältniſſen im fremden Lande ab.
Trotz=
dem ſtand dieſe Expedition der engliſchen nicht nach, ja, ſie wurde
von den Engländern ſelbſt neidlos als die weitaus beſſer
organi=
ſierte und durchdachte anerkannt. Sehr anzuerkennen iſt die
liebenswürdige Hilfsbereitſchaft und das große Intereſſe
ſämt=
licher engliſcher Behörden, die dem Bauerſchen Unternehmen jeden
nur denkbaren Vorſchub leiſteten.
Keines der beiden Wagniſſe hat zum Ziele geführt. Die
Eng=
länder büßten trotz Verwendung vieler techniſcher Hilfsmittel,
deren Hauptfaktor Sauerſtoffapparate, waren, zwei ihrer beſten
Leute ein, die dicht unter dem Gipfel, des Evereſt ſpurlos
ver=
ſchwanden.
Die Bauerſche Expedition, deren Triebfeder nur in der Kraft
und Zähigkeit ihrer Teilnehmer lag, mußte nach wochenlangem
Ringen im Sturm der Naturgewalten kapitulieren und entging
nur mit knapper Not, aber ohne Menſchenverluſte, dem
Unter=
gang.
Bauer und ſeine, in ſchwerſten Weſtalpenfahrten geſchulten
Freunde hatten ſich unter gänzlich neuen Eisverhältniſſen auch
eine neue Eistechnik geſchaffen, und es iſt fabelhaft intereſſant zu
leſen, wie dem unnahbaren Berge mit eiſerner Energie Stück um
Stück ſeiner Unzugänglichkeit entriſſen wurde; wie man ein Lager
nach dem andern auf dem unerhört ſchwierigen Bollwerk
Nord=Oſt=Eisſpornes höhlenartig in den Schnee wühlt, wie
Türme dieſes Grates in zäher Pickelarbeit untertunnelt oder
treppenartigen Gängen überliſtet wurden, bis über die Schne
und die fürchterliche, lawinengefährliche Flanke des Berges e
Traſſe gelegt war, die auch den Trägern volle Sicherheit bot.
Vom 29. Auguſt bis zum 6. Oktober hacken ſich die neun M
ner, nur auf eigene Kraft und die Unterſtützung von Seil, Pi
und Steigeiſen angewieſen, in ſtändiger Ablöſung vor. 7400 Me
werden erreicht und damit der deutſche Höhenrekord am Pik Lei
um 300 Meter überboten. Der Berg erſchließt ſich; auf dem w
hin ſanft anſteigenden Grat ſind bis zum dritthöchſten Gipfel
Welt keine Schwierigkeiten mehr zu erblicken. Wochenlac
Aufenthalt in 6—7000 Meter Höhe hat den Sturmtrupp /
ſtählt, daß auch ſchwere Eisarbeit in der dünnen, ſauerſtoffa!
Luft ohne Benutzung von Apparaten mühelos geleiſtet wird.
Sieg erſcheint ſicher zu ſein. Da erfolgt am 7. Oktober ein geu
tiger Wetterſturz. Ueber zwei Meter Neuſchnee decken die Lat
höhlen. Der Kampf wird plötzlich ausſichtslos. Schweren Herz
tritt Bauer den gefahrvollen Rückzug an. Die beiden Vorderle
der Expedition geraten in ſchwerſte Gefahr, verlieren die geſa.
Ausrüſtung und müſſen ſchutzlos, ohne Proviant in den na.
und gefrorenen Kleidern biwakieren. Bei einer ſchweren
Quer=
bricht der Erſte mit einer Wächte durch; ſein Begleiter kann
nur am Seil halten, indem er auf die andere Seite des Abgk
des hinunterſpringt. Bauer ſelbſt kommt mit einem Freund
zwei mutigen Trägern beim Abſtieg ebenfalls in ſchwerſte Leb”
gefahr. Lawinen und Schneebretter reißen die Seilſchaft m
mals mit ſich. Die Anſtrengung, ſich unter 80 Pfund ſchwe
Laſten durch bruſttiefen Schnee durchzuwühlen, iſt ungeheuer.
Am 14. Oktober endlich ſind ſämtliche Teilnehmer auf
Gletſcher am Fuß des Berges angelangt und können den 2
marſch nach der nächſten Siedelung Latſcheng antreten. Muh
erkämpft ſich die Mannſchaft im dichteſten Schneetreiben, bed
von Lawinen und Schlamm=Muren, den Ausweg. Der And
iſt abgeſchlagen, aber die Unternehmungsluſt nicht gebrochen.
dieſem Sommer will Bauer mit ſeinen Getreuen abermals
Kampf, und wie wir hoffen, zum endgültigen Sieg über
indiſchen Eisrieſen ausziehen.
Das ganze Buch iſt ein Heldenſang von deutſcher Kraſk
deutſchem Können! Es iſt der Niederſchlag einer Leiſtung,
weit über ſportliche Zwecke hinaus zur Erſchließung unberan
Striche unſerer Erde beiträgt und unſerem Namen in einer 10
lang mit Haß und Unverſtändnis infizierten Welt wieder Ach!
Hans Baumeiſte
und Ehre verſchafft hat.
hand
Feilſt
druck,
unterdt
Eini
Aber
und
teick
ener
lichke
9
ummer 62
Dienstag, den 3. März 1931
eite 3
die MmemicPranteſſche gemgintt
E gules Geſchäft für England. — Frankreich unker morgliſchem Druck. — Trotz Einigung in der
Blokten=
frage keine dauernde Enkſpannnng.
Fa
z
S
Nerrk
W
Der Bloikenpakk
nur ein modus vivendi.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 2. März
Die Einigung mit Italien wurde in Paris ohne große
Be=
rung aufgenommen. Zuerſt, weil man während der
Ver=
volungen über die techniſchen Fragen ſich auf ein großes
chen gefaßt machen mußte und dann, weil man den Ein=
, ein ſchlechtes Geſchäft gemacht zu haben, nicht
ue drücken kann. Die italieniſch=franzöſiſche
Eigungiſtnurfür England ein gutes Geſchäft.
Au. der moraliſche Druck der ungelöſten und immer
wer umgangenen Abrüſtungsfrage zwingt
Frank=
r.h zu ſolchen Konzeſſionen. Offiziös tröſtet man
ſieſamit, daß das franzöſiſch=italieniſche Verhältnis ſich von
u: an günſtiger geſtalten werde. So gewagt es auch iſt, bei
deſekannten Inkonſequenz der fasciſtiſchen Außenpolitik eine
Phezeiung aufzuſtellen, ſo zögern doch alle Kenner des fran=
E Litalieniſchen Problems nicht, zu erklären, daß der
Ei=
ung der Flottenfrage keine dauernde
Ent=
ynnung mit Italien folgen kann. Der Streit
r die Parität iſt nur verſchoben auf 1936;
die Einigung ſtellt nur einen modus virendi dar. Und —
ſoll man nicht vergeſſen — die Flottenfrage iſt nur
Teil der italieniſch=franzöſiſchen Rivali=
Der franzöſiſche Miniſterrak
ſimmk dem Flokkenabkommen zu.
EP. Paris, 2. März.
Am Montag vormittag fand unter Vorſitz des Präſidenten
die dRepublik ein Miniſterrat ſtatt, in dem Außenminiſter Briand
Marineminiſter Dumont über das zwiſchen Italien, Frank=
und England zuſtande gekommene Flottenabkommen Bericht
Eitteten. Der Miniſterrat hat, wie es in dem
offi=
en Communiqué heißt, das Abkommen”,für völlig
riedigend” erachtet.
Kurz vor ſeiner Abreiſe gab der engliſche Außenminiſter Hen=
En einem Vertreter der Agentur Radio Erklärungen ab, in
n er betonte, die Hauptſache ſei, daß das Abkommen die
Mög=
eit eines Wettrüſtens ausſchließe, das ſich bereits bemerkbar
„Eicht habe.
Henderſon nach Baris abgereiſt.
Der engliſche Außenminiſter Henderſon und ſeine Begleiter
7 am Montag mittag von Paris nach London abgereiſt. Im
Siſchen Unterhaus gab der Unterſtaatsſekretär im Foreigen
*e, Dalton, zu den Flottenverhandlungen in Rom und
is bekannt, daß nach Anſicht Henderſons jetzt ein ſolches
von Verſtändigung über die Seeabrüſtung erzielt worden
daß auch eine Einigung über die Beſchränkung von
ge=
en Schiffskategorien, die von dem Londoner Flottenpakt
rückſichtigt geblieben ſind, wahrſcheinlich ſei.
Die Aufnahme des Blokkenkompromiſſes
in Frankreich und England.
Im „Paris=Midi” ſucht Gabriel Perreux der
engliſch=
nzöſiſch=italieniſchen Flotten=Einigung den
arakter einer ausſchließlich gegen Deutſchland
ichteten Regelung zu geben. Er ſchreibt, nachdem
ein=
die Atmoſphäre gereinigt ſei, würden die politiſchen
Mei=
gsverſchiedenheiten zwiſchen Frankreich und Italien ſchnell
be=
gt werden und die europäiſche Politik werde ein
rz neues Geſicht erhalten. Die Wahl des
tſchecho=
akiſchen Außenminiſters Beneſch zum Vorſitzenden der
Abrü=
gskonferenz ſei mit Italiens Unterſtützung geſichert. Italien
England würden ſich an die Seite Frankreichs ſtellen, um
ſtürztes und demagogiſches Feilſchen auf dieſer Konferenz zu
lindern.
„Echo de Paris” erklärt, ſoweit ſich überſehen laſſe, ſei es
ifelhaft, ob Frankreich, das die deutſche Flotte
n 144 000 Tonnen in Schach halten müſſe, in der
e ſei, den wichtigſten Teil des Mittelmeers zwiſchen Frankreich
und Nordafrika zu beherrſchen. Die ganzen
Mobiliſie=
rungspläne Frankreichs ſeien aber nur auf der
Vorausſetzung einer unbedingten Hegemonie
Frankreichs in dieſer Zone aufgebaut.
Der „Matin” ſchreibt dazu: Zwiſchen Frankreich,
England, Italien, Amerika und Japan ſei ein
einheitlicher, aufeinander vertrauender Block für die
Flottenabrüſtung geſchaffen worden, der ſich
ruhi=
gen Gewiſſens der Allgemeinen Abrüſtungs=
Konferenzpräſentieren und dort ſagen könne: „Hier
iſt der Stein, den wir im gemeinſamen Einverſtändnis dem
ge=
planten Gebäude einfügen.”
In der engliſchen Preſſe wirft „News Chronicle” die Frage
auf, ob Frankreich für ſein Entgegenkommen vielleicht
irgend=
welche anderweitige Zuſicherungen gemacht worden ſeien. — Der
Marinekorreſpondent des „Daily Telegraph” weiſt darauf hin, daß
die neuen deutſchen Schiffsbauten wenigſtens zum Teil für das
franzöſiſche Flottenbauprogramm verantwortlich ſeien, und daß
die öffentliche Meinung in Frankreich zweifellos
Gegenmaßnah=
men verlangen werde. Die Angelegenheit gehe daher keineswegs
Paris und Rom allein an.
Die Siellungnahme Amerikas und Japans.
EP. New York, 2. März.
Das Zuſtandekommen einer Einigung zwiſchen Frankreich
und Italien in der Flottenfrage iſt von der amerikaniſchen
Preſſe mit großer Befriedigung aufgenommen worden. Der
New York Herald and Tribune” nennt das italieniſch=
franzö=
ſiſche Abkommen einen wirklichen Fortſchritt auf dem Wege zum
Frieden, das gleichfalls einen Erfolg der Flottenkonferenz vom
Jahre 1936 wahrſcheinlich mache. — Die „New York Times”
lobt Henderſon für ſeine erfolgreichen Bemühungen und erklärt,
daß das franzöſiſch=italieniſche Uebereinkommen die Grundlage
des europäiſchen Friedens und der Stabiliſierung Europas bilde.
Die zwiſchen Paris und Rom erzielte Einigung in der
Flottenfrage hat auch in Japan eine gute Aufnahme gefunden.
Die Gewährung einer höheren Unterſeebootstonnage an
Frank=
reich, als im Londoner Abkommen urſprünglich vorgeſehen war,
hat aber im Hinblick auf die Ablehnung der gleichen japaniſchen
Forderung auf der Londoner Konferenz eine gewiſſe
Verſtim=
mung hervorgerufen. Es wird aber nicht mit der Möglichkeit
gerechnet, daß Japan offiziell gegen das neue Abkommen
pro=
teſtieren wird, wenn auch in gewiſſen Kreiſen der Oeffentlichkeit
der Pakt lebhaft kritiſiert werden dürfte.
Genf verſpricht ſich von dem Flokkenabkommen
ein Nachgeben Ikaliens in der Landabrüſtungsfrage.
EP, Genf, 2. März.
Der Abſchluß des italieniſch=franzöſiſchen Flottenabkommens
wird in Genfer Völkerbundskreiſen lebhaft beſprochen, vor allem
im Hinblick auf die Auswirkungen dieſes
Abkom=
mens auf die künftige Abrüſtungskonferenz
1932. In alliierten Kreiſen des Genfer Sekretariats erklärt
man, daß damit auch für die Abrüſtungskonferenz die
Beſtim=
mungen des künftigen Abrüſtungsabkommens über die Flotte
ziem=
lich unter Dach und Fach ſeien und nach den Ergebniſſen von Rom
in der jetzt vorliegenden Faſſung des Abrüſtungsentwurfes kaum
noch weſentliche Aenderungen vorgenommen werden dürften.
Da=
mit verſchwindet eines der allerſchwierigſten
Probleme praktiſch ſo gut wie vollkommen aus
den Verhandlungen und gleichzeitig damit eine der
ge=
fährlichſten Möglichkeiten zu „Marchandagen‟ Es ſei, ſo erklärt
man beim Völkerbundsſekretariat weiter, auch zu erwarten,
daß nunmehr Italien ſeinen Widerſtand gegen
die franzöſiſche Auffaſſung in der Landabrüſtung
aufgeben werde, nachdem durch das
Flottenab=
kommen und die darin getroffene Verteilung
der franzöſiſchen Flotte auf Mittelmeer und
Atlantik=See die militäriſche Bedeutung der
franzöſiſchen Kolonialarmee und ihre
Verwend=
barkeit auf europäiſchem Boden für Italien ſtark
herabgemindert worden ſei.
In unterrichteten alliierten Kreiſen des Sekretariats erklärt
man, daß demnächſt auch die
Kolonialverhandlun=
gen zwiſchen Italien und Frankreich
weiterge=
führt würden, daß ſie ſich aber kaum auf den Austauſch eines
Mandats zwiſchen Frankreich und Italien erſtrecken dürften.
Abreiſe des Reichsaußenmigiſters
nach Wien.
Begtüßungskundgebung Dr. Curkius” an Oeſterreich.
Berlin, 2. März.
Reichsminiſter Dr. Curtius, Staatsſekretär Dr. Pünder und
der öſterreichiſche Geſandte Dr. Frank traten am Montag mit
dem fahrplanmäßigen Nachtzug die Reiſe nach Wien an. Die
Gattin des Geſandten, die Herren der öſterreichiſchen Geſandtſchaft
und Staatsſekretär von Bülow hatten ſich zum Abſchied auf dem
Bahnhof eingefunden.
Kurz vor ſeiner Abreiſe nach Wien hat der Reichsminiſter
des Auswärtigen Dr. Curtius dem Berliner Vertreter der
Amt=
lichen Nachrichtenſtelle in Wien u. a. folgende Aeußerungen zur
Verfügung geſtellt:
In den bevorſtehenden Verhandlungen haben wir bei der
gleichberechtigten Politik Oeſterreichs und des Deutſchen Reiches
nicht etwa Gegenſätze zu beſeitigen oder Gegenmeinungen zu
be=
kehren. Sie gelten vielmehr vor allem der Sorge, wie die
furcht=
bare Not, die gerade auf unſerem Volke laſtet, am wirkſamſten zu
bekämpfen iſt. Wir gehen dabei von der Anſicht aus, daß
ange=
ſichts des allgemeinen Charakters der Wirtſchaftskriſe nur eine
noch engere und vertrauensvollere Zuſammenarbeit der Völker
imſtande iſt, dieſes für die Exiſtenz der Menſchen augenblicklich
wichtigſte Problem einer glücklichen Löſung entgegenzuführen.
Die ungeheure Arbeitsloſigkeit iſt heute eine Geißel der
Menſch=
heit. Aber beſonders ſchwer ſucht ſie das deutſche Volk heim.
Deshalb fühlen ſich auch gerade die deutſchen Staatsmänner
be=
rufen, Mittel und Wege zu ſuchen, wie dieſe entſetzliche Krankheit
geheilt werden kann. Ich hoffe zuverſichtlich, daß die
Beſprechun=
gen in Wien geeignet ſein werden, den Boden für eine noch
frucht=
barere Zuſammenarbeit unſerer Länder als bisher und für ein
vertrauensvolles Zuſammenwirken aller derjenigen Staaten zu
be=
reiten, die dazu gewillt ſind.
Es liegt auf der Hand, daß ich mit den öſterreichiſchen
Staats=
männern während meines Beſuches außer den wirtſchaftlichen
Fragen auch die uns gemeinſam angehenden politiſchen Fragen
be=
ſprechen werde. Bei der grundſätzlichen Parallelität der
poli=
tiſchen Ziele Oeſterreichs und Deutſchlands bin ich mir ſchon im
voraus deſſen bewußt, daß unſere Stellungnahme zu den großen
Problemen der Politik völlig übereinſtimmen wird; den
Oeſter=
reich und Deutſchland wollen beide nur dem deutſchen Volke und
der Menſchheit einen gerechten Frieden ſichern.
So gebe ich mich der zuverſichtlichen Hoffnung hin, daß mein
Wiener Beſuch nicht nur perſönlich die ſchönſten Eindrücke
ver=
mittelt, ſondern auch dazu beitragen wird, die enge
Verbunden=
heit zwiſchen dem deutſchen Volke in Oeſterreich und im Reiche
noch mehr zu feſtigen und ſeinen gemeinſamen Intereſſen zu
dienen.
Die rheinheſſiſchen Bauern krikiſieren das Berhalten
der Deukſchnakionalen und Rakionalſozialiſten.
Mainz, 2. März.
Im Rheingoldſaal der Stadthalle fand geſtern nachmittag die
ſtark beſuchte 11. ordentliche Generalverſammlung der
rheinheſſi=
ſchen Bauernſchaft unter dem Vorſitz des Gutsbeſitzers Ernſt
Maſſel=Marienborn ſtatt. An der Verſammlung nahmen u. a.
auch Provinzialdirektor Dr. Wehner, Regierungsrat Oppenheim
von der Kreisverwaltung, Beigeordneter Laaf im Auftrage des
Oberbürgermeiſters und mehrere Landtagsabgeordnete teil. Der
Vorſitzende kritiſierte den Auszug der Nationalſozialiſten und der
Deutſchnationalen aus dem Reichstage. Die Bauern könnten dieſe
Haltung nicht verſtehen.
Im Mittelpunkt der Tagung ſtand ein Referat des
Präſiden=
ten des Reichslandbundes, Reichstagsabgeordneten Graf,
Kalck=
reuth, über das Thema „Der Kampf der deutſchen
Landwirt=
ſchaft‟ „Er erklärte, bisher habe es die Reichsregierung immer
noch verſtanden, die deutſche Landwirtſchaft der Weltkriſis zu
ent=
ziehen. Das heutige Programm der Regierung habe für die
Landwirtſchaft eine Enttäuſchung gebracht. Zu den Ausführungen
des Vorſitzenden erklärte er, die Nationalſozialiſten und
Deutſch=
nationalen hätten ſich nicht der Verantwortung entziehen wollen.
Jedenfalls ſei es ihre Abſicht geweſen, das marxiſtiſche Kabinett
ſo raſch wie möglich zu Fall zu bringen. Dies ſei die Auffaſſung
des Landbundes. Vor acht Tagen ſei er ſelbſt noch der Meinung
geweſen, unter allen Umſtänden mit der Regierung zu arbeiten,
ſeit drei Tagen habe ſich ſeine Meinung geändert.
An ſeine Rede ſchloß ſich eine längere Ausſprache, worauf
fol=
gender Antrag einſtimmig angenommen wurde: Der Vorſtand
des Reichslandbundes wird erſucht, zur Abwehr ſchwerſter
Ge=
fahren für das Landvolk auf die den Deutſchnationalen und
Na=
tionalſozialiſten angehörenden Reichs= und Landtagsabgeordneten
einzuwirken, daß ſie an den Beratungen der Agrarvorlagen im
Reichstag teilnehmen.
Die Sprache der Singernägel.
dillarmikroſkopiſche Unterſuchungen der Fingernägel. — Die
deutung der Nägel für Charakter und Geiſt. — Prophetie
aus Fingernägeln. — Das Rauchverbot am Zehennagel.
In Berliner Volksſchulen wurden 10 000
Kinder auf ihre Fingernägel hin unterſucht,
da ſich wichtige Urteile der körperlichen und
geiſtigen Entwicklung daraus herleiten laſſen.
Die Fingernägel des Menſchen, die ſchon von laienhaften
trakterologen zur Beurteilung des Menſchen benutzt
wur=
ſind jetzt auch von der Wiſſenſchaft als wichtige
Erkennt=
zuelle zur Beurteilung der körperlichen und geiſtigen
Ent=
kelungsmöglichkeiten der Menſchen erkannt worden. Der
feſſor Dr. Otto Müller von der Univerſität Tübingen
eine Methode ausgearbeitet, um die feinſten Hautgefäße,
ſich am Fingernagel=Falz befinden, ſichtbar zu machen.
ſe Hautgefäße haben nun für die Beurteilung der Kinder
große Bedeutung, und aus dieſem Grunde ſind
kapillar=
roſkopiſche Unterſuchungen in Berliner Volksſchulen an
00 Kindern vorgenommen worden. Es handelt ſich dabei um
Feſtſtellungen, ob die Kapillaren, die bei Neugeborenen
zerecht verlaufen und ſich in ſpäteren Jahren in beſtimmten
men krümmen, überall die erſartete Entwicklung durchlaufen
en. Man kann nämlich aus einem nicht normalen Verlauf
Entwicklung beſtimmte Schlüſſe auf geiſtige und körperliche
nmungen ziehen, die wiederum im Zuſammenhang mit der
anlagung der betreffenden Perſonen Aufklärung über das
ebleben zu geben vielleicht imſtande ſind. Die Wiſſenſchaft
imt an, daß dies möglich iſt. Man will auf dieſe Weiſe zu
tieferen und vergrabenen Schichten der menſchlichen Seele
ſtoßen, ſo daß ſich gewiſſermaßen aus den Fingernägeln
phezeiungen über die zukünftige Entwickelung der Menſchen
chen laſſen. Die Unterſuchungen der Berliner Schulkinder
en den Zweck, durch genaue Auswertung der Ergebniſſe
Be=
jungen zwiſchen den Schulleiſtungen und den Formen der
Sillaren zu ergründen. Die Unterſuchungen werden von dem
tptgeſundheitsamt zu Berlin bearbeitet. Man hofft, durch
aueſte wiſſenſchaftliche Ergründung der Fälle einen Einblick
ſeeliſche und geiſtige Beziehungen zu erhalten, die bisher
Augen der Lehrer und Wiſſenſchaftler verborgen waren.
st kann man wirklich von einer „Sprache der Fingernägel”
en, denn ſie erzählen Geheimniſſe, die der betreffende Menſch
ſelbſt nicht einmal kennt. Der Körper ſchreibt mit
geheimnis=
vollen Runen die ſeeliſche und geiſtige Entwickelungsgeſchichte
des Menſchen in ſeine Fingernägel. In mediziniſcher
Hin=
ſicht dienten auch ſchon jetzt die Fingernägel als Zeichengeber
für verſchiedene Krankheiten oder Mängel. Wenn z. B. die
Fingernägel riſſig oder narbig wurden, dann konnte man mit
Sicherheit darauf ſchließen, daß irgend eine Krankheit ſich
un=
erkannt im Körper entwickele, oder daß ein wichtiger
Aufbau=
ſtoff fehlt. Bei Nierenleiden werden derartige frühe Anzeichen
auf den Fingernägeln beobachtet. Bekannt iſt die Tatſache, daß
die Form der Nägel vielfach zur Beurteilung des Charakters
des betreffenden Menſchen benutzt wird. Lange ſchmale Nägel
ſollen die Anzeichen für einen aufrechten, ſtolzen und
wahr=
heitliebenden Menſchen ſein, während kurze, breite einen
zän=
kiſchen und kleinlichen Charakter bezeichnen ſollen. Dieſe
Charak=
teriſtiken ſind aber durchaus unverbürgt und haben ſchon viel
Unheil angerichtet, denn oft kommen dadurch harmloſe und
gutartige Menſchen in einen ganz falſchen Verdacht. Die
Wiſſen=
ſchaft weiß jedenfalls damit nichts anzufangen, denn derartige
„Charakterdiagnoſen” haben bisher einer Prüfung noch nicht
ſtand gehalten. Zwiſchen dieſen Methoden und der oben
an=
geführten auf kapillarmikroſkopiſchen Unterſuchungen beruhenden
wiſſenſchaftlichen Arbeit beſtehen keinerlei Verbindungen. Die
Beziehungen aber, die zwiſchen Geſtalt und Veränderungen der
Nägel an Fingern und Zehen einerſeits und dem körperlichen
Zuſtand andererſeits beſtehen, ſind auch in jüngſter Zeit von
der Wiener mediziniſchen Schule erkannt und betont worden.
Es wurden nämlich ganz eigenartige Verbindungen zwiſchen
den Zehennägeln und den Gefäßkrämpfen ermittelt, die bei
Adernverkalkung auftreten. Nach derartigen Anfällen machen
ſich auf dem Zehennagel beſondere Zeichen bemerkbar. Sie ſind
gewiſſermaßen ein Warnungsſignal für den betroffenen
Men=
ſchen, auf ſeine Geſundheit zu achten und ſeine Lebensweiſe
den veränderten körperlichen Bedingungen anzupaſſen, wenn
ernſthafte Bedrohungen der Geſundheit vermieden werden ſollen.
Da bei dieſen Krankheitserſcheinungen Mäßigung in vielerlei
Genüſſen, beſonders im Rauchen, geboten iſt, ſo hat man auch
von einem „Rauchverbot am Zehennagel” geſprochen, um
da=
durch zum Ausdruck zu bringen, daß die Veränderungen des
Nagels eine ernſte Urſache in den inneren Vorgängen des
Or=
ganismus haben. Die Natur ſchreibt ihre Geſchichte in
Schrift=
zeichen, die jur ihr zu Gebote ſtehen. Erfreulicherweiſe hat der
Menſch gerade in den letzten Jahren vielfach gelernt, dieſe
Zeichen zu deuten und ſo den Anfang eines ABC. der
Geſund=
heit zu ſchaffen. Man kann darum mit vollem Recht von einer
„Sprache der Finger= und Zehennägel” reden.
z.
Das Geheimnis des ſchwarzen Erdteils Von Willem Jaspert.
Band 1 der Serie „Welt im Bild”, 96 Seiten mit 64 Bildern. Preis
in Halbleinenband 1,80 RM. Verlag von Reimar Hobbing in
Ber=
lin SW. 61.
Einer der jüngſten deutſchen Afrikaforſcher hat hier eine Reportage
von der abenteuerlichen Geſchichte der Entdeckung Afrikas geſchrieben
und einen Bericht gegeben, der die größten Erlebniſſe bekannter und
berühmter Forſcher vereinigt. „Gerade dadurch, daß die
Zuſammenfaſ=
ſung von einem unſerer jüngſten Afrikaforſcher vorgenommen wurde,
bietet ſich die Gewähr einer lebhaften, ſachtundigen Darſtellung” ſchreibt
Hans Schomburgk im Vorwort. Bewußt und folgerichtig führt das
Buch auf die heutigen Methoden der Forſchung hin. Es bringt die
Ent=
deckungsgeſchichte Afrikas in konzentrierteſter und ſpannender Form.
Coermann: Rechtsfragen des täglichen Lebens. Preis 1,80 RM. Gilde=
Verlag, Köln.
„Alle Deutſche ſind vor dem Geſetze gleich”, ſagt Art. 109 der
Reichs=
verfaſſung. Sie hält es aber gleichzeitig für nötig, hinzuzufügen: „
Män=
ner und Frauen haben grundſätzlich dieſelben ſtaatsbürgerlichen Rechte‟.
Jedoch Natur und Leben zeigen, wie weitgehend dieſe Gleichheit wieder
eingeſchränkt, ſelbſt ausgeſchloſſen iſt. „Rechtsfragen des täglichen
Lebens” iſt kein Konverſationslexikon, kein weitſchweifiges juriſtiſches
Kompendium, kein Lehrbuch des Rechts, ſondern vielmehr ein
Nach=
ſchlagebuch, das aus der jahrzehntelangen richterlichen Erfahrung des
Verfaſſers heraus die praktiſche Löſung der häufigſten Rechtsfragen des
täglichen Lebens gibt.
Am Rande der Sahara. Von Martin Rikli. Band 2 der Serie
„Welt im Bild”, 96 Seiten mit 77 Bildern. Preis in
Halbleinen=
band 1,80 RM. Verlag von Reimar Hobbing in Berlin SW. 61.
Der bekannte deutſch=ſchweizeriſche Forſcher. Leiter verſchiedener
Ex=
peditionen, führte mit großem Weitblick eine Forſchungsreiſe durch die
Kyrenaika, Tripolitanien und Südtuneſien durch und entdeckte dabei die
überaus intereſſanten Länder für den Film. Mit bewundernswertem
Blick wurden gerade die Länder feſtgehalten, die in ihrer maleriſchen
Schönheit überwältigen. Nach der begeiſterten Aufnahme, die der erſte
afrikaniſche Sprech= und Tonfilm „Am Rande der Sahara” überall
ge=
funden hat, iſt hier eine Auswahl des hervorragend ſchönen und
viel=
ſeitigen Bildmaterials, welches von größtem kulturhiſtoriſchen Wert iſt,
zuſammengefaßt worden.
— Panidealiſtiſcher Ferienkurs. Ziele und Wege einer
neuen Kultur — lautet das Thema des diesjährigen
Frühjahrs=
ferienkurſus, den die Internationale Panidealiſtiſche Vereinigung zur
Einführung in die Gedankenwelt und die Erziehungsziele Rudolf Maria
Holzapfels veranſtaltet. Der Kurſus, der in Baumgarten bei
Immenſee (Zugerſee) unter Beteiligung von Vortragenden des In= und
Auslandes ſtattfindet, dauert vom 7.—14. April und wird u. a.
folgen=
den Problemen gewidmet ſein: Die geiſtige Lage der Gegenwart; Vom
Geiſt und Weſen des Panidealismus. Das neue religiöſe Ideal;
Natur=
wiſſenſchaft und Religion; Chriſtentum und Kultur; Kunſt und
Kunſt=
betrachtung: Neue Wege und Ziele des künſtleriſchen Schaffens; Das
panidealiſtiſche Gewiſſen; „Neugeſtaltung des ſozialen Lebens; Die neue
Syntheſe. — Programme durch die Zentralſtelle der Intern.
Panidealiſtiſchen Vereinigung, Kürich 7.
Statt Karten.
Dankſagung.
Allen, die unſerer lieben Entſchlafenen
die letzte Ehre erwieſen und an unſerem
großen Schmerz Anteil nahmen, ſagen
wir auf dieſem Wege herzlichſin Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Wilhelm Rexroth.
Darmſtadt, den 2. März 1931. (3402
Seite 4
Dienstag, den 3. März 1931
Nummer 62
Die Eheleute Karl Wilke, Soderſtraße 59, feiern
heute das Feſt der
Silbernen Hochzeit.
Am Sonntag, den 1. März entſchlief nach
langem, ſchweren Leiden unſere liebe Mutter,
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Frau Margarete Delp
geb. Gaubatz.
In tiefer Trauer:
Eberhard Oelp, Studienrat
Lieſel Galabowa, geb. Oelp
Anni Oelp.
Traiſa, den 2. März 1931.
Die Beerdigung ſindet am Mittwoch, den 4. März
um 3 Uhr in Darmſiadt von der Kapelle des alten
Friedhofes aus ſiatt.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 62
Dienstag, den 3. März 1931
Seite 5
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Darmſtadt, den 3. März 1931.
Landesbibliothek.
Neue Erwerbungen (Auswahl) der Landesbibliothek vom
März an auf 14 Tage im Leſeſaale zur Anſicht aufgeſtellt.
Abderhalden, Emil, Handbuch der biologiſchen Arbeits=
*hoden. Abt. IV: Angewandte chemiſche und phyſikaliſche
Me=
oven. T. 14. Berlin 1950. Bauer, Bruno: Die Stellung
er freien Berufe im Wirtſchaftsleben. Zürich 1930.
Bei=
räge zur Geſchichte, der Stadt Mainz. Bd. 6: Die Mainzer
Stadtaufnahmen des 16. bis 18. Jahrhunderts Hrsg. von
Hein=
ich Schrohe. T. 1. Bd. 7: T. 2. Mainz 1930. Deutſchtum
nd Ausland. H. 28/29: Zalozieckyj, V.: Das geiſtige Leben der
Fraine in Vergangenheit und Gegenwart. Münſter 1930.
Kirch=
iſen, Friedrich M.: Napoleon I. Sein Leben und ſeine Zeit.
3d. 6: 1804—1806. München 1930. Kurth, Ernſt:
Muſikpſycho=
ogie. Berlin 1931. Landesbibliothek Kaſſel, Die. 1580
is 1930. Hrsg. von Wilhelm Hopf. Marburg 1930. Litt,
heodor: Kan
Feuc 9. Die Cnangsliſchen Esſehungspireine. Wecder und
jrobleme. Neukirchen 1930. Nyrop, Kr.: Grammaire
hiſto=
ique de la langue frangaiſe. Tome 6. Copenhague 1930. Orel
nton: Oeconomia perennis. 3 Bde. Bd. 1: Eigentum und
rbeit. Bd. 2: Das kanoniſche Zinsverbot. Mainz 1930.
Pro=
leme der Weltwirtſchaft. Hrsg von Bernh Harms. Bd. 50
s 52. Jena 1930 Ritter, Conſtantin: Die Kerngedanken
r Platoniſchen Philoſophie. München 1931. Rockenbach,
Cartin: Neue katholiſche Dichtung. München 1931
Schrif=
en der Goethe=Geſellſchaft. Bd. 43: Georg Melchior Kraus. Von
berhard Freiherrn Schenk zu Schweinsberg. Weimar 1930.
criba W.: Der karolingiſch=romaniſche Bau der
Juſtinus=
rche in Höchſt a. M. Frankfurt a. M. 1930 Siebertz, Paul:
nrica von Handel=Mazzettis Perſönlichkeit, Werk und
Bedeu=
ſing. München 1930. Walliſch, Friedrich: Neuland
Alba=
fen. Stuttgart 1931. Wechßler, Eduard: Die Generation
Is Jugendreihe und ihr Kampf um die Denkform. Leipzig 1930.
Außerdem die neueſten gebundenen Zeitſchriftenbände.
om 16. März an verleihbar. — Vormerkungen werden im
Leſe=
ale entgegengenommen.
— Erledigte Stelle. Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen
hangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in Rehbach, Kreis
Er=
ich. Dienſtwohnung iſt vorhanden und frei.
—In den Ruheſtand verſetzt wurde: Am 24. Februar: der
berſtudienrat Dr. Heinrich Willenbücher an dem
Realgym=
rſium in Mainz auf ſein Nachſuchen, vom 1. März 1931 an.
Hohes Alter. Mittwoch, den 4. März, begeht Frau Marie
wald Witwe, geb. Sohl, Gutenbergſtraße 6, ihren 83.
Geburts=
ig in ſelten geiſtiger Friſche — Am 5. März begeht Frau
Bar=
tra Becker, Waldſtraße 46, ihren 80. Geburtstag.
* Von der Höheren Landesbauſchule. Zur Abſchlußprüfung
n Ende des Winterſemeſters waren in der Hochbauabteilung 30
d in der Tiefbauabteilung 21 Studierende zugelaſſen, die er=
Qulicherweiſe alle die Prüfung beſtanden. „Mit
Auszeich=
ung” beſtanden in der Hochbauabteilung: Wilhelm
ack, Mannheim=Feudenheim, Siegfried Coſta. Eſtrella (
Bra=
ien), Wilhelm Crößmann=Pfungſtadt. Walter Koch=
Zetzlar, Heinrich Nicklas=Mannheim, Friedrich
Rettig=
armſtadt, Georg Weber=Reinheim (Odw.), Erich
Wun=
enberg=Darmſtadt. In der Tiefbauabteilung:
Hein=
ch Bormet=Wixhauſen, Johann Brandmüller=
Aſchaf=
nburg, Robert Schmidt=Geißnidda, Friedrich
Stumpf=
iſchofshei=
(He
Georg Waſenmüller=Fränkiſch=
Fumbach.
Zecher=Biſchofsheim (Heſſen). — Die
Auf=
ahmeprüfungen für das Sommerſemeſter werden am 18.
rd 19. März 1931 abgehalten, der Unterricht beginnt am
März 1931. Aufnahmen können noch ſtattfinden. Proſpekte
rd im Sekretariat, Neckarſtraße 3, erhältlich, das auch
münd=
ce Auskunft erteilt. Fernruf 1462.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. In der Reihe ihrer
künſt=
riſchen Veranſtaltungen bringt die Bücherſtube am 5. März ihren
Echſten literariſchen Abend mit Bernard von Brentano
der: „Kapitalismus und ſchöne Literatur”; am Sonntag, den
März, die Eröffnung der Ausſtellung Joſeph Itin. La
amballaz ſ Aigle. Die Prager „Bohemia” ſchreibt über „Kapi=
Tismus und ſchöne Literatur”: „Geiſtreich iſt die Parallele, die
rentano zwiſchen Literatur und Wirtſchaft zieht. Bei gleich=
Ɨtiger Ueberfülle von Verlagsprodukten herrſche Mangel an
jichern tatſächlicher Lebensbedürfniſſe . . Es bleibe als
Er=
bnis, daß die ſchöne Literatur im Kapitalismus viel von ihrer
chönheit verloren habe.”
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Der Tartuffe
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oder die weißen Schuhe
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3, Da mit Volksb GrIu,
Preiſe 1 20—6 Mk.
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb amsta 20—22.30 Uhr
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Meine Schweſter und ich
Preiſe bis 4 Mk. Inntag
8. Mär 18.30—21.15 Uhr
Heſſenlandmiete IV ,10
Der fliegende Holjänder
Preiſe 1 bis 10 Mk
Gutſcheine beſchränkt gültig 11.15—13 15 Uhr
Schneewittchen
Marionetten=Bühne
Preiſe 0 40 bis 2 Mk.
15 — 17 15 Uh=
Im weißen Rößl
20— 22 Uhr.
Der Kreis
Preiſe 1.20—6 Mk.
Zuſ.M II9
Heſſiſches Landestheater. Der Tartuffe” von Moliere
ird in der Bearbeitung von Rudolf Blümner heute Dienstag
Großen Haus mit Joſef Keim in der Titelrolle und Keßler,
ffart, Gothe, Knott, Conradi, Baumeiſter Gallinger. Hinz,
Hindler, Weſtermann und Wiener in den übrigen Hauptrollen
ederholt. Die nächſte Aufführung findet mit der gleichen
Be=
fuing übermorgen Donnerstag ſtatt. — Alban Bergs Oper
Vozzeck” die in Anweſenheit des Komponiſten mit
außer=
dentlichem Erfolge zur Erſtaufführung kam, wird morgen
Mitt=
ſch im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl
ihm zum erſten Male in der Premierenbeſetzung wiederholt. —
r Vorverkauf für die Aufführung der Lokalpoſſe „
Liebes=
ſt oder die weißen Schuhe” von Rüthlein, die
Don=
rstag, den 5. März, im Kleinen Haus mit den Kräften der
Heſſi=
en Spielgemeinſchaft zur Darſtellung kommt, ſowie für den
Valzertraum” von Oscar Straus, der Samstag den
März, im Großen Haus als Volksvorſtellung zu halben Preiſen
Szene geht, und für das muſikaliſche Luſtſpiel „Meine
chweſter und ich”, das am gleichen Tage im Kleinen Haus
ßer Miete wiederholt wird, findet an der Tageskaſſe des
Gro=
n Hauſes ſowie beim Verkehrsbüro und bei C. L. Külp ſtatt.
Erſte Heſſiſche landeskriminalgolizeilichte
Tagung in Darmſtadt.
I.
Im Uniontheater findet unter zahlreicher Beteiligung von
Kriminalbeamten und Leitern polizeilicher Behörden aus Heſſen,
Preußen und Baden zurzeit die erſte heſſiſche
landeskriminalpoli=
zeiliche Tagung ſtatt, die bis 5. März dauern ſoll und eine Menge
beachtenswerter Referate bringt aus den Gebieten der
Krimi=
naliſtik, der kriminalen Hilfswiſſenſchaften, der Kriminalpolitik
und verſchiedenen Sondergebieten, ſoweit ſie in ſachlichem und
materiellem Zuſammenhang mit der Kriminaliſtik ſtehen.
Ins=
geſamt ſind. 16 Hauptreferate vorgeſehen, die an den vier
Vor=
mittagen erledigt werden ſollen, während die Nachmittage
vor=
behalten ſind zu Beſichtigungen praktiſchen Tatbeſtandsaufnahmen
und ſonſtigen Uebungen, der Verwendung von Suchhunden uſw.
Zu der Tagung iſt auch die Tagespreſſe zur Berichterſtattung
geladen. Die Tagung wurde Montag um 8.30 Uhr früh mit einer
Begrüßungsanſprache des Herrn
Miniſter des Innern Leuſchner
eröffnet, der nach kurzen Begrüßungs= und Dankworten darauf
hinwies, daß die Tagung im gleichen Lokale ſtattfindet, wie
ſeiner=
zeit die deutſche Polizeitagung. Wenn man der Kriminaliſtik eine
beſondere Tagung widmet, ſo geſchieht das aus der Erkenntnis
der Bedeutung dieſes Zweiges der Polizei heraus. Sein Dank
richte ſich beſonders an die Gäſte aus den Nachbarländern und
der Juſtizbeamten. Das moderne Verbrechertum kann wirkſam
nur bekämpft werden durch enges Zuſammenarbeiten mit
benach=
barten Ländern. Für die Juſtizbeamten aber iſt es ſicher
inter=
eſſant und wichtig, zu lernen, wie in der Praxis die
Kriminal=
behörden ihren Kampf gegen das Verbrechertum führen.
End=
lich aber gelte die Tagung der Erziehung und Schulung der
Kri=
minalbeamten, die fortgeſetzt neu geſchult werden müſſen, wenn
ſie dem mit allen modernen techniſchen und ſonſtigen Hilfsmitteln
arbeitenden Verbrechertum ſich gewachſen zeigen ſollen. Auch die
Herren Abgeordneten ſind geladen, um ihnen zu zeigen wie die
von ihnen bewilligten Summen verwendet werden zur Sicherheit
der Bevölkerung. Der Herr Miniſter begrüßte dann beſonders
die Vertreter der Preſſe, deren Mitarbeit die Kriminalbehörden
ſtets und heute mehr denn je zu ſchätzen wiſſen. Er begründet
dann kurz die Notwendigkeit des neu ins Leben gerufenen
Lan=
deskriminalpolizeiamts. Das Verbrechertum iſt heute nicht mehr
lokal, es iſt ſehr beweglich, „reiſend” geworden, und hat ſich zu
Spezialgebieten ausgebildet, denen nur durch Spezialiſten
ent=
gegengetreten werden kann. Das alles hat die Schaffung von
Zen=
tralſtellen erforderlich gemacht. Dazu auch das
Landeskriminal=
polizeiamt, das beſonders die Aufgabe hat mit den gleichen
Aemtern der Nachbarländer zuſammenzuarbeiten. Zu ſeiner
Auf=
gabe gehört auch die Aus= und Fortbildung der
Be=
amten, die in Zukunft ſehr in den Vordergrund der Tätigkeit
des Amtes ſtehen wird. Dazu gehört auch die Schulung der
Gen=
darmeriebeamten. Die Tagung ſoll endlich der Kameradſchaft
dienen, die erforderlich iſt unter Beamten, die dienſtlich oft
mit=
einander eng Hand in Hand arbeiten müſſen.
Das erſte Referat erſtattete dann in ausgezeichneter
Dis=
poſition und hervorragender Sachkenntnis Miniſterialrat Dr.
Siegert über
die Eignung zum Kriminalbeamten.
Die ſorgfältige Auswahl der Anwärter ſei die erſte Vorausſetzung
zur Erhaltung und Heranbildung eines Kriminalbeamtenkörpers,
der auf der Höhe ſeiner Aufgaben ſtehen ſoll. Werden hier Fehler
gemacht, ſo iſt Schaden auf Jahrzehnte zu erwarten. Vieles, was
ein Kriminalbeamter haben muß, läßt ſich durch keine Schulung
erlernen. So wichtig die Schulung an ſich iſt, die Auswahl der
Anwärter iſt wichtiger. Der Kriminalbeamte muß in hohem
Grade Menſchenkenntnis beſitzen und ein ungeheures Maß von
Berufsfreudigkeit, die Schlaf und Hunger oft erſetzen muß. Seine
körperliche Eignung iſt wichtig. Er muß kräftig, gewandt und
ausdauernd, in jeder Hinſicht leiſtungsfähig ſein, ohne körperlich
aufzufallen (etwa durch beſondere Größe oder dergleichen).
Wich=
tig iſt weiter das Lebensalter. Zu junge Beamte werden oft
Schwierigkeiten haben, die ſolche im reiferen Alter nicht haben
werden. Dagegen ſoll das Alter von 38 Jahren ()) möglichſt nicht
überſchritten ſein. Der Kriminalbeamte ſoll auch gute
Schul=
bildung haben, gewandt im ſchriftlichen und perſönlichen
Ver=
kehr ſein, möglichſt auch Stenographie und Maſchinenſchreiben
be=
herrſchen. Selbſtverſtändlich iſt tadelloſe Führung, unbedingte
Unbeſtechlichkeit und Kameradſchaft Vorausſetzung.
Schwieriger wie die genanuten, ſind noch die pſychologiſchen
Fähigkeiten des Beamten, der in der Lage ſein muß (bei
Ver=
nehmungen uſw.), ſich in das Milieu des Verbrechers einzufühlen,
um ſeine Tat verſtehen und beurteilen zu können. Ein
hervor=
ragendes Gedächtnis, beſonders Perſonengedächtnis, iſt
unerläß=
lich. Er muß auch die Methoden der Verbrecher im Gedächtnis
behalten, um gleiche Spuren zu erkennen, die oft auf den
Ver=
brecher ſchließen laſſen. Weiter iſt Kombinationsgabe notwendig,
d. h. die Fähigkeit, Dinge und Tatſachen in Verbindung zu
brin=
gen und daraus etwelchen Fall zu rekonſtruieren. Illuſtrative
Fälle aus der Praxis belegten überzeugend die Ausführungen.
— Gute Menſchenkenntniſſe werden den Beamten auch davor
ſchützen, etwa Unſchuldige zu belaſten, die bei der Vernehmung
verlegen und ängſtlich ſind, was durchaus nicht immer ein
Be=
weis von Schuld oder ſchlechtem Gewiſſen iſt. Im weiteren
be=
ſprach der Referent die pſychotechniſche Prüfung auf die
Geeignet=
heit der Anwärter, wie ſie in Preußen ſeit 1922 eingeführt iſt,
die allerdings auch umſtritten iſt. Vielfach auch hat ſich die
Pſychotechnik als gute Schulung der Beamten erwieſen. Heſſen
hat anſtelle der pſychotechniſchen Prüfung eine fachliche Prüfung
eingeführt. Aber auch dieſe iſt nicht einwandfrei. Die
Geeignet=
heit ergibt ſich ſchließlich erſt aus der Praxis. Die Prüfung muß
alſo am Ende des Probedienſtes ſtehen, nicht am Anfang. An
dieſem ſteht nur die moraliſche und körperliche Geeignetheit. In
der Probezeit ſoll man ſich allerdings intenſiv und wohlwollend
mit dem Anwärter beſchäftigen. beſonders, ihn mit intereſſanten
praktiſchen Fällen betrauen. An der Spitze der Beamtenausbildung
muß ſtehen „Erkenne dich ſelbſt!“
Aufgaben und Organiſation der Landeskriminalpolizei.
Reg.=Rat Dr. Riemann behandelte in ſeinem Vortrage
„nächſt die Entwicklung, die das gewerbsmäßige Verbrechertum
n Laufe der Jahre genommen hat. An Hand von verſchiedenen
lordtaten — wie Haarmann in Hannover, Großmann in Berlin,
denke in Münſterberg — führte er den Nachweis, daß der
Be=
ufsverbrecher ſtets bei ſeiner Arbeitsweiſe der Anwendung
einer Tricks und in der Regel auch bei der Verwendung der ihm
ertraut gewordenen Werkzeuge bleibt. Dieſelben Erſcheinungen
eigten ſich auch bei der alltäglichen Kriminalität, ſoweit
gewerbs=
näßige Verbrechen in Frage kämen wie Diebſtahl. Einbruch,
Zetrug uſw. Als praktiſche Beiſpiele führte er Kriminalfälle
s der letzten Zeit in Heſſen an. Er erinnerte an die
zahl=
eichen Einbrüche in Hotels und Penſionen, die ein gewerbs=
mäßiger Faſſadenkletterer in Bad=Nauheim in den beiden letzten
Jahren ausführte, ſowie an den Einbruchsdiebſtahl in das
Pelz=
geſchäft von Epting in Darmſtadt, den gewerbsmäßige Verbrecher
aus Köln verübten. An Hand dieſer Veiſpiele zeigte er die
Ge=
fährlichkeit der Berufsverbrecher, die an den Landesgrenzen nicht
Halt machten. Die Kriminalpolizei ſei durch das Auftreten der
gut organiſierten gewerbsmäßigen Verbrecher gezwungen geweſen,
eine andere Taktik einzuſchlagen und ſich mit den modernſten
tech=
niſchen Hilfsmitteln auszurüſten. Die hohe Kriminalität der
Nachkriegszeit insbeſondere die Anſchläge gegen
Regierungsver=
treter (Fall Rathenau) hätten das Reich veranlaßt, der
beſtehen=
den Zerſplitterung, die auf kriminalpolizeilichem Gebiete herrſchte,
ein Ende zu machen und eine das ganze Reich umfaſſende
Organi=
ſation der Kripo zu ſchaffen. So ſei das Reichsk=
iminalpolizei=
geſetz im Jahre 1922 zuſtande gekommen, das jedoch nicht in Kraft
getreten ſei. Den Gedanken aber, der dieſem Geſetz zugrunde
lag, hätten ſich die einzelnen Länder zunutze gemacht, judem ſie
von ſich aus Landeskriminalpolizejämter einrichteten. Faſt alle
Länder verfügten jetzt über L.K.P.=Aemter. In Heſſen ſei das
L.K. P.=Amt erſt im vorigen Jahre gegründet worden. Zu
glei=
cher Zeit ſeien in Mainz, Worms, Offenbach und Gießen L.K.P.=
Stellen als Stützpunkte für das platte Land geſchaffen worden,
da die wenigen Polizeikräfte auf dem Lande trotz des beſten
Willens nicht in der Lage ſeien, wichtige Kriminalfälle
aufzu=
klären. Es fehlten ihnen vor allen Dingen die nötigen
Hilfs=
mittel, die zur Aufklärung ſchwerer Straftaten erforderlich ſeien.
Die mit modernen kriminaltechniſchen Hilfsmitteln ausgeſtatteten
L.K. P.=Stellen dienten deshalb zur Unterſtützung der
Gendar=
merieſtationen und der Ortspolizeibehörden. Dieſe ſeien
ver=
pflichtet, von allen wichtigen Vorkommniſſen die
Landeskriminal=
polizei=Stellen zu benachrichtigen. Außerdem hätten ſie dem
Lan=
deskriminalpolizeiamt nach vorgeſchriebenen Formularien
Mel=
dung von allen ſolchen Straftaten, die von gewerbss oder
ge=
wohnheitsmäßigen Verbrechern verübt ſind, ſowie von allen
feſtgenommenen gewerbsmäßigen Verbrechern Mitteilung zu
machen. Das Landeskriminalpolizeiamt ſtellt dann an Hand der
von ihm geführten Karteien die Täterſchaft feſt.
Nächſter Referent war Oberregierungsrat van Baſſhuyſen,
der ſehr ausführlich über
Behandlung der Ausländer
ſprach. Er gab zunächſt zahlenmäßige Angaben über ſtändig in
Heſſen lebende Ausländer, etwa 9000 an der Zahl. Im ganzen
Reich geht die Zahl weit in die Hunderttauſende. Daß darunter
viel unerfreuliche Elemente ſind, iſt leider Tatſache, ſo daß es
immer durchaus angebracht erſcheint, wenn die Polizei ſich mit
den Rechtsverhältniſſen der Ausländer befaßt. Eine große Rolle
in der Ueberwachung der Ausländer ſpielt das Paßweſen. Jeder
Ausländer, der ſich in Deutſchland aufhält, muß ſich durch einen
gültigen Paß ausweiſen können, wenn er ſich nicht ſtrafbar machen
und ausgewieſen werden will. Die verſchiedenen Arten von
Päſ=
ſen, Fremdenpäſſen und Perſonalausweiſe nach der neuen
Paß=
ordnung finden eingehende Erörterung und Erläuterung durch
den Referenten. Gegen dieſe Paßbeſtimmungen wird vielfach
be=
ſonders auf dem Lande verſtoßen. Hier mußten Gendarmerie
und Kriminalbeamte viel aufmerkſamer und häufiger
kontrol=
lieren und Strafanzeige erſtatten. Beſonders muß auf die
pol=
niſchen Landarbeiter geachtet werden, die ſich vielfach ohne Paß
hier aufhalten, obwohl Beſtimmungen und Verträge mit der
pol=
niſchen Regierung vorliegen. Auch die ſogenannten Sichtvermerke
fanden eingehende Erörterung, ebenſo die verſchiedenen Gründe
und die techniſchen Möglichkeiten der Ausweiſung.
Das letzte Referat des erſten Tages erſtattete Regierungsrat
Dr. Kayſer über
Verkehr und Verbrechen,
ein beſonders intereſſantes und vielſeitiges Thema. In der
Ein=
leitung gab der Referent zunächſt einen geſchichtlichen Rückblick
auf die Entwicklung des Verkehrs und die damit
zuſammeu=
hängende Entwicklung des Verbrechertums wobei zu
unterſchei=
den iſt zwiſchen Gelegenheits= und Berufsverbrecher und über
die Art, wie ſich Verbrecher die modernen Verkehrsmittel zunutze
machen, entweder zur Ausübung ihrer Verbrechen oder zum
ſchnel=
len Verlaſſen des Tatortes. Stätten von Verbrechen ſind letzten
Endes alle Arten von Verkehr und Verkehrsmitteln. Ein
weſent=
licher Teil und damit ein ſolcher des Polizeidienſtes ſind
öffent=
liche Wege, Straßen, Plätze. Wo der Hauptverkehr ſich abſpielt,
bietet ſich auch Gelegenheit zu Verbrechen. Vom Aufruhr und
Gewalttätigkeiten, Straßenraub, Mord, Raub und Totſchlag bis
zum Bettel, dem Handel mit verbotener oder geſtohlener Ware,
dann Sittlichkeitsdelikte, Diebſtahl und Attentate, alles ſpielt ſich
auf öffentlichen Straßen ab. Ihre beſondere Domäne finden hier
die Landſtreicher, die oft zu Räubern und Schwerverbrechern
wer=
den. Daß der Verbrecher ſich des Kraftfahrzeuges
be=
dient, um ſchnell an den Ort ſeiner Tat oder von dieſem weg zu
kommen, um ſich ein Alibi zu beſchaffen, iſt ſelbſtverſtändlich. Auch
zu Mord an dem Beſitzer ſelbſt gibt es Anlaß, weiter zu Bomben=
und ähnlichen Attentaten, zu Entführungen, zu Schmuggel u. v. a.
Falſche Nummern, geänderte Farbe, falſche Papiere ſpielen
hier=
bei eine Rolle.
Ein weites Gebiet findet der Verbrecher in der Eiſenbahn.
Sowohl inſoweit dieſe ſelbſt Gegenſtand verbrecheriſcher Angriffe
iſt, wie Eiſenbahnfrevel und Eiſenbahnattentate uſw., aber mehr
noch zur Ausübung und Verdunkelung von Verbrechen. Vom
Dummenjungenſtreich und den Verbrechen aus Dummheit oder
Rache, bis zum gewiegten Eiſenbahnräuber (der beſonders in
Amerika zu finden iſt), weiter zum Betrug und
Verſicherungs=
ſchwindel, ereignet ſich alles in der Eiſenbahn. Aber auch die Poſt
muß herhalten zu verbrecheriſchem Tun. Entweder auf ihrer
eigenen Domäne, der Beförderung von Nachrichten uſw., wie auch
durch verbrecheriſche Angriffe in Form von vergifteten Briefen
oder Höllenmaſchinen, ſehr oft auch durch Verſicherungsbetrug,
Erpreſſung von Schadenerſatz uſw. Fälſchung von
Poſtanwei=
ſungen und Schecks, Diebſtahl, Unterſchlagung uſw. ſind an der
Tagesordnung. — Auch die Schiffahrt bietet Verbrechern
aller Art Gelegenheit, ſich zu entfalten. Rauh und Schmuggel,
vornehmlich hoher Verſicherungsbetrug, Dynamitattentate. Flucht
uſw. uſw. Und endlich auch das modernſte Verkehrsmittel, das
Luftfahrzeug. Der Tod des Bankiers Löwenſtein hat ſchon
mehrere Nachahmer gefunden. Attentate auf Flugzeuge und in
ſolchen Verſicherungsſchwindel, Schmuggel, vor allem Spionage
und ſchließlich Flucht, zu allem dient dem Verbrecher das
Flug=
zeug.
Daraus ergibt ſich für die Kriminalpolizei die unbedingte
Notwendigkeit, auf all dieſen Gebieten den Verbrechern nicht
etwa nachzuſtehen, ſondern ihnen überlegen zu ſein. Der moderne
Kriminaliſt muß all dieſe Verkehrsmittel beherrſchen und ſich
ihrer bedienen, und dieſe Bedienung muß dem Kriminaliſten in
jeglicher Weiſe erleichtert werden. Hierüber macht der Referent
verſchiedene Vorſchläge. — Damit ſchloß der erſte Tag. MI. St.
Salnlang srs Kauttms
/4
Kalun
M Basrkang.
dar Mirssaft!
— Anthropoſophiſche Geſellſchaft. Es ſei nochmals hingewieſen
auf den heute abend in der Aula des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums
ſtattfindenden öffentlichen Vortrag von Dr.=Ing. Felix Durach.
Stuttgart, über „Was dem menſchlichen Antlitz zugrunde liegt”
(mit Lichtbildern),
— Orpheum. Heute und täglich, abends 8.15 Uhr, bis zum
15. März bringt das Orpheum die große Zauberſchau Kaßner.
Mit beſtrickender Liebenswürdigkeit amüſiert Kaßner ſein
begei=
ſtertes Auditorium und ſpendet ihm 2½ Stunden reichen
Genie=
ßens. Die Unglaublichkeit aller Kaßnerſchen Hexereien, die in
blitzartiger Schnelle aufeinanderprallen, werden durch die
Gedie=
genheit des Kaßner=Services zur verblüffenden Natürlichkeit, die
weder Zeit noch nachdenken läßt und in einen Rauſch von
Be=
wunderung und ſtrahlender Freude ausklingt. Das Verſchwinden
des Elefanten Toto” iſt allabendlich. Karten für 7 Tage im
voraus in den Vorverkaufsſtellen: Verkehrsbüro und de Waal,
Rheinſtraße 14. Plakat=Karten werden nur umgetauſcht in
der eigenen Verkaufsſtelle, Ernſt=Ludwig=Straße 14 (früher
Radio=Boßler), vormittags von 11—1 Uhr und nachmittags von
3—5 Uhr (Siehe Anzeige.)
— Stenographie und Maſchinenſchreiben. Neue Kurſe in
Reichskurzſchrift beginnen Dienstag und Freitag abends in der
Handwerkerſchule; Maſchinenſchreibkurſe dagegen täglich
nach=
mittags Karlsſtraße 23 (Erdgeſch.). Die Stenographen=
Ver=
einigung „Gabelsberger” macht unter Hinweis auf die geſtrige
Anzeige nochmals darauf aufmerkſam. Der Beſuch iſt beſtens zu
empfehlen.
— Berufsheratung. Ueber dieſes Thema ſpricht Frl. Irmgard
Moeßner am Donnerstag, dem 5. März, abends 8 Uhr, im
Muſik=
vereinsſaal, Wilhelm=Gläſſing=Straße 24. (Näheres heutige
An=
zeige.)
Seite 6
Dienstag, den 3. März 4931
Nummer 62
Frauenſchule der Eleonorenſchule.
(Fortſetzung.)
Infolge eines unvollſtändigen Manuſkriptes erſchien der
Auf=
ſatz unter der obigen Ueberſchrift nur teilweiſe in der
Sonntags=
nummer unſeres Blatters. Wir laſſen den Schluß deshalb heute
folgen:
Das Gleiche gilt von der Vorbereitung auf die Laufbahn der
Wohlfahrtspflegerin, Fürſorgerin und dgl. Seit
1930 hat das Kultusminiſterium ſeine Zuſtimmung dazu erteilt,
daß Frauenſchülerinnen nach erfolgreichem Beſuch der beiden
Frauenſchulklaſſen in den oberen Jahreskurſus des
Kin=
dergärtnerinnen= und Hortnerinnenſeminars
eintreten, das bedeutet die Erſparnis von 1 Jahr der
Berufsausbildung, ſo daß nach 1 Jahr die Prüfung
als Kindergärtnerin und Hortnerin abgelegt
wer=
den kann.
Der Lehrplan der Frauenſchule 1 wurde in dieſem
Zuſammen=
hang ſo umgeſtaltet, daß die Zahl der der Kindergartenpraxis
zu=
geteilten Stunden entſprechend erhöht wurde. Auch in dem neuen
Schuljahre wird der Lehrplan der Frauenſchule, dieſes Mal
zu=
nächſt der unteren Klaſſe, eine Erweiterung erfahren, und zwar
im Hinblick auf den ſpäteren Uebergang eines großen
Prozent=
ſatzes ihrer Schülerinnen in die vorwiegend techniſch gerichteten
Berufe und Kindergartenpraxis. Um Augen und Hände die im
Zeichenunterricht der Schule erworbene Fähigkeit nicht einbüßen
zu laſſen, werden wöchentlich 2 Stunden techniſch=künſtleriſches
Zeichnen neu eingeführt werden.
Ueber dieſe praktiſchen Erwägungen und Zugeſtändniſſe
hinaus aber will die Frauenſchule ihre Schülerinnen zu
Perſön=
lichkeiten formen, die aufgeſchloſſenen Weſens und mit
ſelbſt=
erarbeiteter Sachkenntnis in das Leben hinaustreten als künftige
Frau in Haus oder Beruf — als Mutter — als Staatsbürgerin.
Dieſe Schulgattung kann ſich glücklich ſchätzen, nicht durch allzu
ſtraff feſtgelegte Pläne eingeengt zu ſein, ſie vermag es auf dieſe
Art leichter ſich veränderten Verhältniſſen anzupaſſen. Ein
Ver=
gleich mit Preußen zeigt die Bedeutung dieſer Tatſache. Dort iſt
man über die urſprünglich nur 1jährige Frauenſchule bereits zur
Zjährigen Frauenoberſchule gelangt, deren Typus der preußiſche
Kultusminiſter dieſer Tage ausdrücklich, als für eine beſtimmte
Gruppe von Begabungen beſtimmt anerkannt hat, nicht ohne die
Notwendigkeit zu betonen, daß auch die Frage der Berechtigungen
für dieſen Schultypus nunmehr praktiſch gelöſt werden müſſe.
Glanz im Alltag. Die Erdalwerbeveranſtaltung, die
zurzeit im KleinenHaus veranſtaltet wird, erfreut ſich eines
ſehr ſtarken Beſuchs. Und in der Tat bietet das Programm recht
gute Filme, die unterhaltend, belehrend und wie der Hauptfilm,
zugleich werbend ſind. Geſtern nachmittag fanden
Kinderveran=
ſtaltungen ſtatt, und es iſt für die Güte des Gebotenen
bezeich=
nend, daß die unruhigen kleinen Geiſter, die das Haus bis zum
letzten Platz beſetzt hatten, von Anfang bis Ende gefeſſelt waren.
Natürlich fand der überaus luſtige amerikaniſche Groteskfilm, die
Fahrt mit dem Kinderexpreß, mit ſeinen tollen Einfällen die
be=
geiſtertſte Aufnahme bei dem kleinen Publikum. Aber auch die
prachtvollen Naturaufnahmen von der Adria, von Trieſt und von
Venedig, ſowie die ſehr reichhaltige Wochenſchau erregten das
all=
gemeine Intereſſe. Und ſchließlich, dem Hauptfilm „Glanz im
Alltag, wurde mit lebhafter Spannung gefolgt, eine Tatſache,
die für ſich ſelbſt ſpricht. Dieſer Werbefilm iſt außerordentlich
wirkungsvoll und geſchickt zuſammengeſtellt. Es ſind lebende
Bil=
der auf der Leinwand, die zur intenſiven Aufnahme des Stoffes
zwingen. Die Gewinnung der Rohſtoffe führen den Beſchauer in
fremde Lande, nach Braſilien, und in den Fernen Oſten, nach
Frankreich, Spanien und Nordamerika. Man ſieht Palmen, das
grandioſe Meer, Erdölfelder und ganz unauffällig, faſt ſcheint
es unbeabſichtigt, wird die Produktion des Wachſes, die
Gewin=
nung des Oeles aus den Tiefen der Erde die Entſtehung des
Paraffins und des Terpentinöls gezeigt, und ſpielend ein Wiſſen
vermittelt. Unmerklich führen die Bilder in die Laboratorien der
Chemiker, und ſchließlich befindet ſich der Zuſchauer vor der Erdal=
Fabrik in Mainz, ſieht das Wahrzeichen, den Rieſenfroſch, den faſt
jedes Kind ſchon geſehen hat, das das Glück hatte, eine
Sommer=
fahrt auf unſerem herrlichen Rhein zu unternehmen. Und wir
treten ein in dieſe Fabrik, in der uns die Sinfonie der Maſchinen
zum Bewußtſein kommt, wir befinden uns mitten in einem
rie=
ſigen Arbeitsprozeß, ſehen die Entſtehung von Schuhpflegemitteln,
von Bohnerwachs, von Weihnachtskerzen, und ſehen die
gewal=
tigen Errungenſchaften der Neuzeit, die Maſchinen brachte, mit
denen mit einer Präziſion ohnegleichen im Gleichtakt täglich
hun=
derttauſende fertige Artikel geliefert werden . hier die typiſchen
Erdaldoſen mit Inhalt. Man ſpürt in dieſem Kulturfilm, in dem
ein kleines, eng begrenztes Gebiet aus dem alltäglichen
Produk=
tionskreis herausgegriffen iſt, das großartige Zeitalter der
Tech=
nik. Eine Wiederholung der Filmvorführungen findet heute und
morgen ſtatt.
Kinderfeſt im „Aliceſtift” (Anſtalt für Geiſtesſchwache),
Gelegentlich einer Weihnachtsfeier in Städt. Saalbau vorigen
Jahres, bei der auch die Kinderfreunde (Ortsgruppe Darmſtadt)
mitwirkten und der Kinder der obengenannten Anſtalt
beiwohn=
ten, war der Wunſch laut geworden, die dort gezeigten Reigen
und Tänze in der Anſtalt noch einmal vorzuführen. Am Sonntag,
dem 22. ds. Mts., fand die in Ausſicht genommene Veranſtaltung
ſtatt, bei der auch die Kinder des „Aliceſtifts” Tänze und Reigen,
die ſie zwiſchenzeitlich einſtudiert hatten, aufführten. Es war eine
Freude zu ſehen, wie ein Teil dieſer geiſtesſchwachen Kinder die
Reigen aufführten. Mit bewundernswertem Eifer führten ſie ihre
Tänze vor. Dazwiſchen ſangen, ſpielten und tanzten die
Kinder=
freunde, und ſo vergingen die Stunden im heiteren Fluge. Die
Zuſchauer, die ſich aus den Kinderfreunden, den Kindern des
„Aliceſtifts und den Eltern der Kinder zuſammenſetzten,
verfolg=
ten mit Spannung die Darbietungen und kargten nicht mit ihrem
Beifall. Die Veranſtaltung war ein großer Erfolg, und es wäre
zu wünſchen, daß ihr im Laufe des Jahres noch recht viele folgten.
Der leitende Gedanke des Kinderfeſtes war, den armen Kindern
des „Aliceſtiftes”, die körperlich und geiſtig gegenüber den
nor=
malen Kindern benachteiligt ſind, auch einmal ein bißchen Sonne
in ihr Daſein zu bringen, und dankbar nahmen die Kinder jede
ihnen gebotene Freude an. Die Veranſtaltung hat gezeigt, daß
die Erzieher dieſer Kinder in innerer Beziehung zu dieſen ſtehen
und die Kinder ihrem Weſen entſprechend zu erziehen wiſſen. Gar
oft begegnet man doch der Anſicht, daß geiſtesſchwache Kinder zu
beſonderen Leiſtungen nicht fähig ſeien. Doch die Veranſtaltung
im „Aliceſtift” brachte den Gegenbeweis. Wenn auch die
Vorfüh=
rungen wohl nur von den beſten Pfleglingen ausgeführt wurden,
ſo konnte doch beobachtet werden, daß auch die anderen Kinder
ihre Freude daran hatten. Freilich ſind die Kinder etwas
unbe=
holfen im Tanzen, ihr Körper folgt nicht ſo willig dem Befehl
des Geiſtes wie bei normalen Kindern. Aber die Freude, die die
Kinder bei der Sache haben, ſollte allein ſchon Veranlaſſung geben.
in dieſer Richtung weiter zu arbeiten. Die Mühe und Arbeit, die
tatſächlich nicht gering iſt und zu der ein großer Idealismus
ge=
hört, wird ſich lohnen. Die Tätigkeit der Erzieher und
insbeſon=
dere des derzeitigen Leiters der Anſtalt nach dieſer Richtung muß
lobend anerkannt werden.
Aa. Der Kampf der jungen Generation. Ein vom erſten
Augenblick an ſympathiſcher junger Mann, Wilfried Meßler
Prag=Bad Liebenzell, ſpricht von den Nöten, Zielen und Kämpfen
der Jugend. Das Problem der Jugend (ſo betonte er in ſeinem
in der Aula des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums gehaltenen, gut
beſuchten Vortrag) ſei heute kein theoretiſches, ſondern praktiſches
Problem, das in die Familie und Schule, in den Staat, das
öffent=
liche Leben ſowie die Geſellſchaft und Religion tief eingreife.
Da=
bei zeigt er, wie im Verhältnis zu den Eltern und Lehrern oder
etwa auch zur Konfeſſion die Kritik des jungen Menſchen dieſen
gegenüber einſetzt; denn nicht Theorien oder Predigten, ſondern
die Eindrücke des Alltags beſtimmen den jungen Menſchen. So
kommt der Redner auf die Entſtehung und Gefahren der Kluft
und auf die zahlreichen Spannungsgegenſätze zu ſprechen, die
zwi=
ſchen alt und jung beſtehen. Dieſe Kluft müßte von beiden
Sei=
ten zu überbrücken verſucht werden. Vor allen Dingen ergäbe
ſich daraus für die Alten der unbedingte Wille zum guten
Bei=
ſpiel und zum Streben, das zu ſein, wovon man ſpräche und was
man ſein möchte, oder was man möchte, daß es der Junge ſei.
Die Jugend müßte andererſeits das rechte Verſtändnis für dieſe
Vorgänge haben und verſuchen, es ſelber beſſer zu machen, um ſo
ſelbſt zu dem Edelmenſchen oder Edeltyp zu werden, den man bei
den Alten vermiſſe. Unſere Zeit kranke gerade daran, daß der
Edelmenſch fehle, der aber nicht mit dem Uebermenſchen
verwech=
ſelt werden dürfe. Die neue Zeit könne aber nicht durch die
Schaf=
fung neuer äußerer Formen, ſondern nur durch die Veredelung
des inneren Gehalts des Menſchen kommen. Daher müſſe jeder
einzelne, der ſich verantwortlich fühle, eine neue Zeit
mitzuſchaf=
fen, bei ſich ſelbſt anfangen, wenn auch der Weg dazu noch ſo
ſchwer ſei. Die wichtigſte Grundvorausſetzung dazu ſei jedoch
Selbſtdisziplin. — Zum Schluß ging der Vortragende noch kurz
auf die Lehre des jungen Inders Kriſhnamurti ein und ſchloß mit
deſſen Parole an die Jugend: „Werdet die Idee!”
* Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht hatte am Freitag zuerſt
gegen den Schuhmacher Karl Fenn von hier wegen
Sittlich=
keitsverbrechens zu verhandeln. Der 57jährige Mann hat ſich
an einem 10jährigen Mädchen, das ihm Schuhe zum Reparieren brachte,
vergangen, und hat das Mädchen angeſteckt. Nach dem Gutachten der
mediziniſchen Sachverſtändigen iſt es möglich, daß das Mädchen ſein
Leben lang krank bleibt. Der Angeklagte beſtreitet zwar, irgendetwas
mit dem Mädchen gemacht zu haben, doch ſind die Ausſagen des Kindes
von Anfang an ſo klar und ſicher, zumal durch die Krankheit der letzte
Beweis erbracht iſt, daß das Gericht den Mann zu einem Jahr und
drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Das Gericht ſieht ſich
nicht in der Lage, dem Manne mildernde Umſtände zuzubilligen, da er,
wiſſend, daß er krank war, ſich an dem Kinde nicht hätte vergreifen
dürfen.
Eine etwas harmloſere Sache war dann Gegenſtand der Verhandlung.
Zwei Karuſſellbeſitzer aus Ober=Ramſtadt, Vater
und Sohn hatten von einem dritten ein Kettenkaruſſell gekauft. Sie
hatten auch einen Kaufvertrag gemacht, da der Käufer nur 500 Mark
anzahlte, in dem der Verkäufer ſich jederzeit Pfandrecht vorbehielt.
Ge=
meint war damit Eigentumsrecht. Eines Tages vertauſchte der Beſitzer
dieſes Karuſſell mit einem anderen. An Ratenzahlung an den früheren
Beſitzer dachte er aber nicht. Und als der Mann ihn pfänden wollte.
hatte er ſeine ſämtlichen Beſitztümer an ſeine Kinder überſchrieben, und
gedachte damit jeglicher Zahlung zu entgehen, indem er ſich auf den
Vertrag mit dem Pfandrecht berief. In berechtigter Empörung zeigte
ihn daher der frühere Beſitzer wegen Unterſchlagung und
Pfandverſchleppung an. Gleichzeitig, fochten ſie auch einen
Zivilprozeß miteinander aus, in dem der frühere Beſitzer obſiegte, und
ſie machten nun einen neuen Vertrag, in dem er zu ſeinem vollen Recht
kam. Er hält nun ſehr mit ſeinen Zeugenausſagen zurück und ſagt
ganz offen, daß ihm an einer Beſtrafung nichts mehr gelegen ſei. Aber
das Gericht hält die beiden für ſchuldig und verurteilt Vater und
Sohn wegen Unterſchlagung zu je 60 Mark Geldſtrafe,
und den Vater außerdem wegen Pfandverſchle ppung
zu 50 Mark Geldſtrafe.
Mef
Frasser-Haffee risch geröstet BChulsfr. 10
— Siebentes Sinfoniekonzert im Landestheater. Nach
länge=
rer Pauſe kommt im nächſten Sinfoniekonzert am Montag, dem
9. März, unter der Leitung von Generalmuſikdirektor Dr. Karl
Böhm Mahlers „Lied von der Erde zur Wiederaufführung.
Mahler hat die ſechs Gedichte dieſer Kompoſition Bethges „
Chi=
neſiſcher Flöte” entnommen und ſie zu einem ſinfoniſchen Zyklus
zuſammengefügt. Dieſe Dichtungen altchineſiſcher Lyriker des 8.
und 9. Jahrhunderts hat Hans Bethge feinſinnig und einfühlend
verdeutſcht. Die aus einem tragiſchen Einſamkeitsgefühle
her=
vorgehenden trüben, weltſchmerzlich abgewandten Stimmungen
dieſer Dichtungen korreſpondieren völlig mit den peſſimiſtiſchen
Seelenempfindungen Mahlers, der ſeine Miſſion vollendet fühlte,
den Tod im eigenen Herzen trug, und von jenem irdiſchen
Jam=
mertal, das der Dichter im erſten Stück mit traurigen Weiſen
be=
ſingt, im Geiſte Abſchied genommen hatte. Eine Aufführung
ſei=
nes Meiſterwerkes hat der Komponiſt nicht mehr erlebt: erſt ein
halbes Jahr nach ſeinem Tode fand die erſte Aufführung ſtatt. Für
die Soli ſind zwei bedeutende Künſtler verpflichtet, die beide
ſchon oft die Weiſe Mahlers zu beſtem Erklingen brachten:
Sa=
bine Kalter, als hervorragende Interpretin der Altpartie
überall geſchätzt, und der Tenor Anton Maria Topitz, der die
Tenorſoli in dieſem Winter allein mehrere Male in Wien mit
außerordentlichem Erfolg ſang.
— Heſſiſche Spielgemeinſchaft. Vielfachen Wünſchen Rechnung
tragend, bringt die Spielgemeinſchaft am Donnerstag, dem
5. März, 20 Uhr, im Kleinen Haus Rüthleins, Liebesluſt
oder die weißen Schuhe” nochmals zur Aufführung. Der
durchſchlagende Erfolg, den die allſeitig als vorzüglich befundene
Darſtellung des Stückes mit ſeiner luſtigen Schilderung des
Darmſtädter Kleinbürgerlebens darin gefunden, ſollte alle
diejeni=
gen, die es bisher verſäumt, veranlaſſen, es ſich anzuſehen und
ſich daran herzlich zu erfreuen. Vorverkauf ab Dienstag 0,50 bis
3 Mark).
Darmſtädter Künſtler auswärts. Die Darmſtädter Pianiſtin
Maria Krauß, die von ihrem Klavier=Abend im Dezember v. J.
noch in beſter Erinnerung iſt, gab am 4. Februar d. J. in Trier
einen Klavier=Abend der ihr einen ausgeſprochenen Erfolg
brachte. Die Trierer Preſſe ſchreibt u. a.: „Maria Krauß beſitzt
eine Schulung, die es ihr ermöglichen wird, Größtes zu
voll=
bringen eine verblüffend ſichere Auffaſſung, plaſtiſcher
An=
ſchlag, beſondere perſönliche Note ihre Technik überwindet
ſpielend die komplizierteſten Hinderniſſe . . .. Maria Krauß hat
mit einem ſtaunenswerten Können überraſcht und wird eine
be=
deutſame Zukunft haben . . . . Das Auditorium gab ſeiner
Freude und Anerkennung in herzlichem und anhaltendem
Bei=
fall beredten Ausdruck.”
* Kaufmänniſcher Verein E. V. Durch ein ſehr unliebſames
Verſehen blieb in dem Bericht über den Geſellſchaftsabend
uner=
wähnt, daß Obermuſikmeiſter Mathias Weber mit
ſeinem Orcheſter den muſikaliſchen Teil des künſtleriſchen
Programms ſowohl wie des unterhaltenden mit gewohnt
beſtem Erfolg beſtritt. — Wir holen das gern nach.
— Hausfrauenbund. Heute und morgen Mittwoch, jeweils
um 3 Uhr, in unſeren Räumen, Heidelbergerſtraße 47.
Gasbrat=
vorträge der Firma Herdfabrik und Emaillierwerk G. m. b. H.,
Darmſtadt, durch die Vortragsdame Frau König mit Koſtproben
und Verloſung von Bratergebniſſen.
— Aus der Paulusgemeinde. An die Hauptverſammlung des
Frauenvereins, die am Donnerstag, dem 5. März, im
Gemeinde=
ſaal der Pauluskirche ſtattfindet und die pünktlich beginnt, ſchließt
ſich ein Teeabend an, auf dem Frau Elſe Weiße über ein
neu=
zeitlich praktiſches Thema ſprechen wird: „Geſundhaltung durch
neuzeitliche Ernährung”. Beſonders ſchön und anregend wird ſich
der Abend geſtalten durch die muſikaliſchen Vorträge zweier
Künſtlerinnen, deren Namen hier und auswärts einen guten
Klang haben. Es ſind die Geigenvirtuoſin Frl. Maxi
Jag=
ſchitz aus Mainz und die Pianiſtin Frl. Ilſe Reichenbach
von hier. Gäſte ſind uns willkommen. Teekarten können am
Saaleingang gelöſt werden.
— Miſſionsverkauf in der Stadtmiſſion. Seit einer Reihe von
Jahren findet allemal im Frühjahr in den Räumen der
Stadt=
miſſion ein Miſſionsverkauf ſtatt. Der Frauenarbeitskreis
der Stadtmiſſion iſt das ganze Jahr über tätig, um für dieſen
Verkauf allerhand nützliche Gegenſtände herzuſtellen, die dann bei
der Gelegenheit zu billigen Preiſen verkauft werden Auch
Lebensmittel werden in dieſem Jahre zu haben ſein. Mit dem
Miſſionsverkauf verbunden iſt ein Kaffeebetrieb, der die Beſucher
desſelben zu einer Taſſe Kaffee und Kuchen herzlich einlädt. Der
Ertrag des Miſſionsverkaufs kommt den verſchiedenen
Miſſions=
geſellſchaften zugute, die auf dieſe Einkünfte mehr denn je
ange=
wieſen ſind. Es muß immer wieder dankbar anerkannt werden,
daß ſich das ganze Jahr über ſo viele fleißige Hände regen, um
das Werk der Miſſion zu unterſtützen. Wir laden daher auch
dies=
mal herzlich ein zum Beſuch des Miſſionsverkaufes am
Mitt=
woch, dem 4. März 1931. Beginn vormittags 10 Uhr. Ende
abends 7 Uhr.
— Unterrichtskurſe in Kurzſchrift und Maſchinenſchreiben
er=
öffnet heute abend der Gabelsberger Stenographenverein von
1861 Der Verein macht nochmals darauf aufmerkſam, daß die
Kurſe in der Ballonſchule, und zwar um 20 Uhr, beginnen.
Näheres iſt aus der geſtrigen Anzeige erſichtlich.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die ſetzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen barte
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichteit.
E. T. Nein. Der Pflichtteil könnte Ihnen letztwillig nur
aus ganz beſtimmten, im Geſetz genannten Gründen entzogen
werden.
E. T. Der Fürſorgeverband wird Anſprüche an Sie nicht
ſtellen können, wenn durch die Erſatzleiſtungen das Fortkommen
oder das Ihrer Kinder unbillig erſchwert würde. Letzteres wird
ja bei Ihnen zutreffen. Wir glauben. Sie alſo beruhigen zu
können.
Tageskalender für Dienstag, den 3. März 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, 20 Uhr, Ende 22 Uhr,
A. 18, I. Gr. 4, 5. 6: Der Tartuffe” — Kleines Haus, 15.30,
18.00 und 20.15 Uhr: Filmvorführungen. — Orpheum 20.15
Uhr: Zaubervorſtellung Kaßner. — Stadtkirche 19.30 Uhr:
3 Konzert „Joſua”. — Konzerte: Café Ernſt=Ludwig, Zur
Oper. Schloßkeller. Datterich. Zum Tropfſtein. —
Kinopox=
ſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Aus beſſen.
F. Eberſtadt, 2. März. Volkstrauertag. Der Volkstron= wurde hierorts im Vormittags=Gottesdienſt gefeiert, zu dem de
Verein „Soldatenkameradſchaft” einen gemeinſamen Kirchgang angefet
hatte. Pfarrer Weißgerber wies einleitend zu ſeiner Predigt, de
er die Textworte aus Jeſaja Kap. 50, Vers 5, zugrunde gelegt hatte, au
die beſondere Bedeutung des Tages hin, der nach dem Willen und Wunf
unſeres Volkes „Volkstrauertag” ſein ſolle, es aber in Wirklichkeit nick
ſei, weil er nicht überall gleichzeitig gefeiert werde und ihm dadurch d=
Schutz und die Würdigung des Staates verſagt geblieben ſein. D:
Kirchenbehörde habe lediglich angeordnet, daß überall da, wo der Wunſch
geäußert werde oder ſich ein Bedürfnis ergebe, den Volkstrauertga zu
feiern, er auch im Gotteshaus gefeiert werden ſolle. Dann führte der
Pfarrer aus: „Die Menſchen, die ernſthaft in die Paſſionszeit hinein
gehen, erfaſſe Angſt und Abwehr vor dem Schickſal der Vergänglichke
des Todes. So geht es auch, wenn man zurückdenkt an 1914/18. Fſi
Tauſende und Tauſende iſt damals der Tod oft in einer Geſtalt gekom
men, die noch heute inneres Grauen erweckt. Zeichen des Todes, de
Auflöſung, des Schreckens und Grauens empfindet jeder von uns, der ar
Volkstrauertag ſeine Augen aufmacht ob der Zerriſſenheit unſeres Vol
kes. Es gibt aber auch noch ein anderes Bild, das Bild des Mute
und Opfers. Es hält ſchwer, in der Wirrnis, die ſich über die G.
ſchichte des Krieges gelegt hat, den klaren Blick zu behalten. Hoch üb
allen, die draußen geblieben ſind, ſteht das letzte Einſetzen für die Sac
der Heimat, des Vaterlandes, wie wir es in den vielen Gefallenen de
Weltkrieges erfüllt ſeben. Deſſen wollen wir gedenken, wenn wir i
dieſer Stunde unſere Grüße zu ihnen hinausſenden. Mögen wir heu
andere Meinungen und Urteile haben, wie die, die ſie damals im He
zen trugen, eins bleibt ſtehen: ſie ſind hinausgezogen, habe
Gut, Blut und Leben dahingegeben für das groß
Ganze. Unſere Pflicht ihnen gegenüber iſt es dankbar zu ſein f
ihren inneren Gehorſam, und wenn wir ſie richtig verſtehen, nicht de
äußeren Sache wegen, ſondern aus tiefſtem Inneren heraus gehorſa
ſind, dann kann es die Rettung unſeres Volkes ſein. Dazu aber gehön
Opfer zu bringen, ſich einzuſetzen mit ſeiner ganzen Perſönlichkeit m
Kraft, wie es unſere Gefallenen getan haben.” Anſchließend an m
Gottesdienſt fand eine ſchlichte Feier am Ehrenmal der Gefallenen a
dem Friedhof ſtatt, woſelbſt Heinz Heinrich Roth ſprach. Seine Woy
faßte er zuſammen in den Wunſch: den gefallenen Brüdern dankbar z
ſein, die alte Treue, die ſie dem Vaterland gehalten haben, in der neue
Zeit zu halten und treu ſein unverwandt dem lieben Vaterland. Dan
legte der Vorſitzende der „Soldatenkameradſchaft” Oſt, am Denkm
einen Kranz nieder. Das gleiche tat Heinrich Dächert namens d.
Vereinigung ehemaliger Leibgardiſten, Ortsgruppe Eberſtadt.
G. Ober=Ramſtadt, 2. März. Volkstrauertag. Eine zah
reiche Gemeinde hatte ſich am geſtrigen Sonntag zur Feier des Volt
trauertages im Vormittagsgottesdienſt verſammelt. Zur Eröffnur
ſpielte der Poſaunenchor einen Choral. In tiefgründender Predigt ge
Herr Pfarrer Nürnberger dem Gedächtnis an unſere Toten des groß=
Krieges die rechte Weihe. Im Schlußwort wirkten durch Sprechchöre d
Konfirmanden und Konfirmandinnen mit. Nach einem ſtillen Gebet. de
vor allem den Toten des Weltkrieges galt, intonierte der Poſaunenche
das Lied vom guten Kameraden. Nach Beendigung des Gottesdienſt
legte der Militärverein „Germania” am Gefallenen=Ehrenmal auf de
Friedhof einen Kranz nieder. Die Kirchenkollekte des geſtrigen Son
tags fließt dem Volksbund Deutſche Kriegergräberfürſorge zu.
Da. Brandau, 2. März. Volkstrauertag. Am Kriegerder
mal fand Sonntags nachmittags 4 Uhr eine ſchlichte Gedenkfeier für d
im Weltkrieg Gefallenen ſtatt. Nach dem Lied „Die Sonne ſank” vo
getragen vom Geſangverein „Sängerluſt” hielt Herr Pfarrer Schmil
aus Neunkirchen die Gedächtnisrede, der das Bibelwort zugrunde la
„Sei getreu bis in den Tod, dann will ich dir die Krone des Lebei
geben”. Herr Bürgermeiſter Haumann legte dann im Namen der G
meinde einen Kranz nieder. Zwei Gedichte: „Die Dankesſchuld” m
„Kinderſchuhe”, von Schulkindern aufgefagt, und ein Lied „Den G
fallenen (Sängerluſt), beſchloſſen die erhebende Feier.
Cs. Ueberau, 2. März. Volkstrauertag. Geſtern morgen far
für unſere auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden ein beſonder
Trauergottesdienſt ſtatt, woran ſich der Krieger=” und Männergeſan
verein beteiligten. Die Gedächtnisrede hatte Herr Pfarrer Sehrt=Obe
Klingen übernommen. Anläßlich der Feier war unſer Gotteshaus vo
beſetzt und die Beteiligten durften die eindrucksvolle Anſprache im G
denken der Gefallenen mit Befriedigung in ſich aufnehmen. Von ein
Gedenkfeier am Ehrenmal der Gefallenen auf dem Friedhof, wurde
geſehen.
er. Brensbach, 2. März. Anläßlich des Volkstrauertages und z
Ehrung der im Weltkriege gefallenen Kameraden aus unſerer Gemein
verſammelte ſich der Krieger= und Militärverein zu gemeinſamem Kir
gange. Der Ortsgeiſtliche, Herr Pfarrer Bickel, welcher den zu dem he
tigen Tage paſſenden Text: „Sei getreu bis in den Tod” wählte, ſpre
in innigen Worten der Trauergemeinde zu Herzen. Die Fahne d
Kriegervereins, in Trauer gehüllt hinter dem Altar, verlieh der Traue
feier zum Andenken der Gefallenen gebührendes Gepräge.
Le. Groß=Umſtadt, 2. März. An der gelegentlich des
Volk=
trauertages veranſtalteten Feier beteiligten ſich mit einer Au
nahme ſämtliche Vereine und Korporationen. Nach einem erhebende
Gottesdienſt in der Stadtkirche, wobei eine Kapelle und der Geſan
verein „Sängerluſt” mitwirkten, ſetzte ſich ein nach vielen Hundert
zählender Zug unter Vorantritt der Kapelle und unter den dumpf
Klängen der „Gedächtnisglocke”, nach dem Ehrenhain auf dem Friedh
in Bewegung, woſelbſt Rektor Lindner eine der Bedeutung des Tag
entſprechende Anſprache hielt und namens der Stadt einen Kranz m
derlegte.
Bt. Auerbach, 2. März. Volkstrauertag. Auf Anregung d
Kriegervereins wurde der geſtrige Sonntag (Reminiſzere) zum erſte
Male als Gefallenen=Gedenktag in unſerer Gemeinde gefeiert. Im Ei
vernehmen mit der evangeliſchen Pfarrei war eine beſondere Gotte
dienſtordnung für den Vormittagsgottesdienſt feſtgelegt worden. 9
Kriegerverein erſchien zu dieſem Gottesdienſt unter ſehr ſtarker Beteil
gung ſeiner Mitglieder mit ſeinen beiden Fahnen. Eingangs ſpielte de
Bläſerchor: Wirf dein Anliegen (Mendelsſohn=Bartholdy), nach d
Liturgie: Trauermarſch in G=Moll (L. v. Beethoven) und nach de
Predigt: „Des Lebens Weg iſt ſchwer” (für Sopraninſtrumente).
beiden Lieder zum Gottesdienſt: „Gott uns iſt ſo bange” und „
Nu=
hebt ein tiefes Trauern an” waren auf den ausgegebenen Programme,
abgedruckt. Der Pfarrer legte ſeiner Predigt das Wort aus Jakobi
(Vers 12) zugrunde. Nach dem Gottesdienſt begab ſich die Gemeino
unter Vorantritt des Bläſerchors nach dem Ehrenmal. Daſelbſt gal
der Bläſerchor die Einleitung mit dem Vortrag: „Es iſt beſtimmt 1!
Gottes Nat”, Pfarrer Eßlinger hielt alsdann eine kurze Gedächtnis
anſprache. Anſchließend legte der 2. Vorſitzende des Kriegervereil”
unter beherzigenden Worten, die er beſonders an die Kameraden Ree
Vereins richtete, einen Kranz nieder Mit dem Deutſchlandlied fand oe
kurze und ſchlichte Feier ihren Abſchluß. Trotz des Schneegeſtöhers
das gerade während dieſer Feierſtunde ſehr ſtark einſetzte, hatten ſich de
Gemeindeglieder ſehr zahlreich eingefunden. Die Nationalſozialiſhic
Deutſche Arbeiterpartei beteiligte ſich ebenfalls geſchloſſen an der
denkfeier.
Bb. Bensheim, 2 März. Volkstrauertag. Auch
Bensheim geſtaltete ſich der allgemeine Volkstrauertag zu einem
den Gedenken an unſere Toten des Weltkrieges. Es herrſchte cot
allgemein eine wohltuende Stille. Der Beſuch der vormittäglicheſ
tesdienſte war entſprechend ſtark. Um 11.15 Uhr hatte ſich am enl‟
friedhof eine ſtattliche Trauerverſammlung eingefunden, um der D
Volksbund Deutſche Kriegsgräberfürſorge (Ortsgruppe Bensheim) beln.
ſtalteten erhebenden Gedenkfeier anzuwohnen. Die katholiſche Kirg‟
muſik und der evangeliſche Kirchengeſangverein hatten ſich dabei in. ."
Dienſt der edlen Sache geſtellt und wirkten durch Vortrag weihenot.
Muſik und durch Choralgeſang vorteilhaft mit. Die ſehr eindrül”
volle, zu Herzen gehende Anſprache hielt Herr Karl Grünhag, der
meiſterhaften Ausführungen unſerer toten Kriegshelden gedachte.""
dabei den Lebenden das vorbildliche Aufopfern derſelben vor Ande.
führte. Die Verwaltung der Stadt hatte einen mächtigen Ehrenk.."
zur Aufſtellung bringen laſſen. An der Feier nahmen auch die b
ſchloſſenen Formationen des Kriegervereins, des Katholiſchen Manſe.
vereins, des Turnvereins und des Katholiſchen Geſellenvereins mit 19"
Fahnen ſowie die Mitglieder des Bundes jüdiſcher Frontkämpfeh."
tags zuvor bereits in ihrer Synagoge einer Ehrengedenkfeier Raum *"
geben hatten, teil. Am Schluſſe der ſchlichten Feier verharrten die *
weſenden unter den verhaltenen Klängen des Liedes „Ich hatt, Sii
Kameraden” entblößten Hauptes in zweiminutigem Schweigen.
m. Beerfelden, 2. März. Volkstrauertag. Auch hier wür.
das Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen in durchaus würdiger..
erhebender Weiſe begangen. Die Vereine beteiligten ſich geſchloſſen."
mit Fahnen an dem Vormittagsgottesdienſt, und da auch aus dei. 4
lialen zahlreicher Zuſtrom erfolgte, ſo war unſer ſehr geräumiges Le
teshaus in all ſeinen Teilen dicht beſetzt. Dem Gemeindegeſang ſb.4
zu Anfang des Gottesdienſtes ein Cor des Geſangvereins „Sängerkkſi,
und nun malte Herr Oberpfarrer Colin an Hand eines Bibelwor”
ein packendes Bild von der Bedeutung des Tages in den mannigſachſe.
Beziehungen und betonte die Lehren für uns und die Pflichten, Mie.
aus dem Opfertod der Gefallenen erwachſen. Am Ende der Pree”
erklang ein Chor des Geſangvereins „Sängerriege‟. — Das Knehe.
denkmal und das Denkmal im Heldenhain auf der Hirſchhomuer M‟
waren mit Kränzen geſchmückt.
—
—
Nummer 62
Beizung des Saakgekreides.
Die bevorſtehende Frühjahrsbeſtellung gibt Veranlaſſung, erneut auf
Notwendigkeit der Getreidebeizung hinzuweiſen. Wie das
Winter=
eide ſo kann auch das Sommergetreide durch Brandkrankheiten in
em Maße geſchädigt werden. Soweit die Krankheitskeime dem
Saat=
r äußerlich anhaften, wie das bei Steinbrand des Weizens, beim
ſtenhartbrand, beim Haferflugbrand und bei der Streifenkrankheit
Gerſte der Fall iſt, kann man durch Anwendung geeigneter
Beiz=
tel eine Abtötung der Krankheitskeime erzielen und die Entwicklung
inder Pflanzen ſichern.
Gegen den Flugbrand des Weizens und der Gerſte iſt die
Anwen=
g chemiſcher Beizmittel zwecklos. Hier iſt eine Heißwafferbehand=
7., die aber nur mittels beſonderer maſchineller Einrichtung vor=
iFtsmäßig durchzuführen iſt, angebracht. Der praktiſche Landwirt
im allgemeinen beſſer, in ſolchen Fällen neues Saatgut zu beziehen
ſich dabei die Flugbrandfreiheit garantieren zu laſſen.
Ueber anerkannte Beizmittel uſw. geben die zuſtändigen
Landwirt=
ftZämter bzw. die Heſſ. Hauptſtelle für Pflanzenſchutz gerne koſtenlos
kunft.
D. Biblis, 2. März. Beigeordnetenwahl. Bei der geſtern
gefundenen Wahl des Beigeordneten wurde Gaſtwirt und
Metzgerei=
zer Hch. Kiſſel mit 35 Stimmen mehr als ſein Gegenkandidat Land=
Müller, Gemeinderat, gewählt. Es entfielen bei einer
Wahlbetei=
rag von 80 Prozent auf den Kandidaten der „Trockenen” 877
Stim=
während die Partei der „Naſſen” nur 842 Stimmen auf ſich
ver=
gen konnte. Der Wahlkampf war verhältnismäßig ſchärfer als bei
vor wenigen Wochen vorgenommenen Bürgermeiſterwahl, wo die
„kbeteiligung 97 Prozent betrug, und die „Naſſen” mit großer
Mehr=
als Sieger aus der Wahlſchlacht hervorgingen. Zurzeit ſind die
hältniſſe etwas geſpannt, zumal die beiden erſten Poſten des
Orts=
tandes durch Vertreter aus gegenſätzigen Lagern beſetzt ſind. Es
* jedoch im Intereſſe des Allgemeinwohls zu wünſchen, daß eine
Zuſammenarbeit zuſtande kommt.
— Gräfenhauſen b. D., 2. März. Mittwoch, den 4. März d. J.,
rſtaltet Herr Konzertmeiſter Fautb aus Darmſtadt im ſtädtiſchen
orgungsheim „Ohlyſtift” zu Gräfenhauſen einen Konzertabend.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 2. März. Neuſchnee. Das war
ein ſchroffer Wechſel von vorgeſtern auf geſtern Vorgeſtern nachmit=
und abend löſte ſtrömender Regen an den Schnee= und Eislagen,
anſere Höhen noch deckten, und wirklich, das Weiße guckte nur noch
einzelnen Augen aus den Höhen hervor. Die Nacht brachte Froſt,
in den Vormittagsſtunden hub ſo dichter Schneefall an, daß gegen
tag hin wieder eine ca. 15 Zentimter hohe Schneedecke vorhanden
Die Jugend griff wieder zum Rodler, einzelne Skiläufer
probier=
im weichen Neuſchnee — wird ſind auf den Höhen wieder drin im
n Winter, wie lange, das wird die Frage ſein.
P. Rüffelsheim, 28. Febr. Wohnungsbau. Mit Zuſtimmung
Zuſtändigen Körperſchaften hat die Stadtverwaltung beſchloſſen, die
nzierung von privaten Wohnungsneubauten durch Gewährung von
verbilligten kommunalen Baudarlehen einzuſtellen, wenn bei der
erſtellung Wohnungen mit drei und mehr Zimmern in Betracht
nen. Im übrigen wird ſich die Stadt Rüſſelsheim weiter an dem
fſenſchaftlichen Kleinwohnungsbau beteiligen, ſowie auf ihre Koſten
nwohnungen bis zu zwei Zimmern und größere Wohnungen für
ilien mit großer Kinderzahl erſtellen.
D. Offenbach, 2. März. Todesfall. Im Alter von 52 Jahren
am Samstag der Schriftleiter Ernſt Schröter der Offenbacher
Zei=
f. Er war in Angerburg in Oſtpreußen geboren. In den ſechs
ren ſeiner hieſigen Tätigkeit hatte er ſich ſehr gut in das Gebiet der
iſchen Politik eingearbeitet. Muſikaliſch hervorragend beanlagt und
* ausübender Muſiker, war er auch als Kritiker von Konzerten uſw.
geſchätzt und dementſprechend auch manchmal gefürchtet. Sein
ver=
nismäßig früher Tod wird wohl von allen Leſern ſeines Blattes
bedauert.
Aus den Parkeien.
e
Provinzialtagung der Deutſchen
Staats=
tei in Rheinheſſen. Die in Mainz am Sonntag, den
Närz, veranſtaltete Provinzialtagung wies einen
außerordent=
ſtarken Beſuch auf. An ein Referat des
Reichstagsabgeord=
n Dr. Heuß über grundſätzliche Fragen zur politiſchen Haltung
Deutſchen Staatspartei, ſchloß ſich eine ausgiebige Anſprache.
anſchließend behandelten organifatoriſchen Fragen gipfelten
er Neuwahl des Provinzialvorſtandes. 1. Vorſitzender wurde
L.=Handelslehrer Martenſtein=Worms.
Dienstag, den 3. März 1931
50. Generalverſammlung der Schornſteinfeger-
Zwangsinnung für Heſſen in Mainz.
Vorſitzender Obermeiſter Karpfinger=Darmſtadt begrüßte die
Verſammlung mit herzlichen Worten und wies darauf hin, daß die
In=
nung in dieſem Jahre ihr 50jähriges Beſtehen feiern kann. Die ſchwere
Notzeit ſei auch an dem Schornſteinfegerhandwerk nicht ſpurlos
vor=
übergegangen. In ſeinem Geſchäftsbericht gedachte er zunächſt des im
vorigen Jahre verſtorbenen Mitgliedes, des
Bezirksſchornſteinfegermei=
ſters Enders=Darmſtadt. Zum Gedenken erhob ſich die Verſammlung
von den Plätzen. Dem Bericht war zu entnehmen, daß die Meiſter= und
Geſellenprüfungen mit Strenge durchgeführt werden müſſen, da gerade
in unſerer heutigen Zeit an das Handwerk größte Anforderungen
ge=
ſtellt werden. Die Lehrlinge finden in der Fachſchule in Frankfurt am
Main während der Dauer von acht Wochen eine beſondere
Berufsſchu=
lung; ſie ſind aber dafür von der Fortbildungsſchulplicht befreit. Die
Kurſe für Geſellen, die in der Fachſchule abgehalten werden, haben ſich
fehr gut bewährt. Die Innung hat Stellung genommen gegen die
er=
neut vom Miniſterium des Innern erlaſſene Verfügung, wonach
aus=
nahmsweiſe die Anbringung von Ausputztürchen an den Schornſteinen
auf den Dachböden der Häuſer erlaubt werden kann. Mit Rückſicht auf
die dadurch möglichen Gefahren vom feuerpolizeilichen Standpunkt aus
wird die Errichtung derartiger Ausputztürchen bekämpft.
Im Laufe des Jahres wurden verſchiedene Kurſe abgehalten über
die Einführung von Gasöfen an im Gebrauch befindlichen Schornſteinen.
Damit verbunden waren Vorträge über Wärmetechnik, Mängel an
Feuerungsanlagen und die damit verbundenen Gefahren. Der
Kaſſen=
bericht über die Innungskaſſe und die Sterbekaſſe fand die Billigung
der Verſammlung, und der neue Haushaltsplan wurde genehmigt. —
Bei der Neuwahl des Vorſtandes wurden die ſatzungsmäßig
ausſcheiden=
den Vorſtandsmitglieder: Obermeiſter Karpfinger=Darmſtadt Platter=
Heppenheim, Döricht=Vilbel, Keil=Gießen und Eckert=Darmſtadt
einſtim=
mig wiedergewählt. Für 10jährige Innungstätigkeit beim gleichen
Meiſter wurden mit Diplomen des Zentralinnungsverbandes durch den
Obermeiſter ausgezeichnet die Geſellen: Platter=Heppenheim, Scheffler=
Oſthofen, Borowſki=Mainz, Koch=Ober=Ingelheim und Puder=Gießen. —
Weiter wurde bekannt, daß im Laufe des Jahres verſchiedentlich
Ver=
handlungen mit der Berufsgenoſſenſchaft gepflogen wurden und die noch
nicht zum Abſchluß kamen wegen des Anbringens von Antennen und
elektriſchen Leitungen an oder in der Nähe von Schornſteinen.
Der=
artige Leitungen bilden eine Gefahr für die Schornſteinfeger in der
Ausübung ihres Berufes und führten gerade im abgelaufenen Jahre
wieder zu verſchiedenen Unfällen. Im Laufe des Jahres 1931 ſoll in
Darmſtadt im beſcheidenen Rahmen eine Feier des 50jährigen Beſtehens
der Innung abgehalten werden. Obermeiſter Karpfinger brachte bei
dieſer Gelegenheit eine hochintereſſante Urkunde zur Verlefung über
eine „Hochfürſtliche Heſſen=Darmſtädtiſche=Feuer=Ordnung” aus dem
Jahre 1767, die gerade für die Schornſteinfeger, die in ihrer Mehrzahl
ſchon im Intereſſe ihres Berufes Feuerwehrleute ſind, großes Intereſſe
fand. — Im Anſchluß an die Generalverſammlung fand unter der
Füh=
rung eines Mainzer Feuerwehrmannes eine Beſichtigung des
Feuer=
wehrmuſeums — das in der Feuerwache untergebracht iſt — ſtatt. Dieſe
Ausſtellung fand bei den Teilnehmern großes Intereſſe. Der Gründer
der Mainzer Feuerwehr war ebenalls ein Schornſteinfegermeiſter. Er
fand bei einem Brande den Tod. Die Beſichtigung des Muſeums bot
den Teilnehmern viel Intereſſantes aus der früheven Zeit im Vergleich
zur Neuzeit und im Einklang mit den Berufserforderniſſen belehrenden
Rückblick.
a. Offenbach, 28. Febr. Perſönliche
Verwaltungsaus=
gaben nach Reichsregelung? Der verfloſſene und auch der
gegenwärtige Reichsfinanzminiſter haben die außerordentliche Notlage,
in die unſere Stadt durch die außergewöhnlich hohe Arbeitsloſenziffer
geraten iſt, durchaus anerkannt und auch Abhilfe durch Reichsmittel
zu=
geſagt. Für Gewährung dieſer Reichsmittel iſt natürlich Vorausſetzung.
daß die Stadt auch von ſich aus alles tut, um die Ausgabenſeite
einzu=
ſchränken. Nachdem ſie dies in den letzten Jahren bei den ſachlichen
Aus=
gaben bereits durchgeführt hat, will die Stadtverwaltung, wie man hört,
demnächſt an diejenigen ihrer Beamten, die inhabermäßig oder auch den
Reichsbeamten gegenüber zu hoch eingeſtuft ſind, herantreten, um in
gütlicher Verhandlung eine Senkung auch der perſönlichen
Verwaltungs=
ausgaben zu erreichen. Man ſchätzt die dadurch einzuſparende Summe
auf jährlich rund 100 000 Mark. Da den Beamten die bedrohliche Lage
der Stadt am beſten bekannt iſt, wird ein reibungsloſer Verlauf der
Verhandlungen ſicher zu erwarten ſein.
— Hirſchhorn, 2. März. Waſſerſtand des Neckars am
1. März 3.20 Meter, am 2. März 3,75 Metex.
Seite 7
— Gernsheim, 2. März. Waſſerſtand des Rheins am
. März 1.43 Meter, am 2. März 2.42 Meter.
Preußiſch-Süddeukſche Klafſen=Lolkerie.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 36. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterfe.
Nachdruck verbofen
Ohne Gewähr
Auf ſede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar ſe einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen I und II
28. Februar 1931
18. Ziehungstag
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
14 Gewinne m 5000 M. 93158 165760 220769 223984 233255
250712 299833
22 Gewinne zu 3000 c. 66739 138093 167881 174204 176241
191618 265662 279840 284880 297244 397463
60 Gewinne zu 2000 M. 10514 16711 18152 25999 103188 108848
119343 124828 126061 176424 187049 190117 200288 226753 234450
256697 265070 265323 268630 288618 296322 321360 938234 356612
395043
122 Gewinne m 1000 m. 4890 8430 14141 16966 23249 23604 25896
27992 33967 84550 39042 39929 64964 85097 65434 66392 69192
81077 94726 96586 109977 110242 110997 120214 136609 141037
141634 167881 162739 178012 200974 228377 2363638 2400 10 244969
246831 268020 258104 268388 260194 266230 268362 274518 274933
284362 287869 293179 296496 298619 302114 324431 341219 347942
350736 362101 366177 369402 362830 367360 392778 386244
188 Gewinne zu 600 M. 11162 12094 29783 32112 32716 36604
86939 42320 63134 67932 68746 69092 72160 74191 76071 76867
77130 85719 85961 91718 86976 100486 102811 104307 109272
1i1ä8o 114567 11a8o8 116s84 128179 129788 132418 140129 141805
154011 i59421 161449 166428 170474 177119 183393 183698 183877
187688 180123 193019 203048 214581 218986 220485 221705 227088
230470 231428 231731 232887 235667 244428 245290 248185 257288
258260 261160 266816 268762 271006 275766 2831 16 290637 293034
296786 296495 297454 300499 300854 307994 312166 314405 316396
317774 318381 329034 394927 961689 854523 366456 369198 373816
382707 387383 393073 394433 394949 396558
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
4 Gewime m 10000 M. 35273 335567
6 Gewinne zu 5000 M. 40348 249100 391899
10 Gewinne zu 3000 M. 106096 264916 267789 301151 391216
48 Gewinne zu 2000 M. 13161 23481 35843 69610 73495 92620
133993 146382 167134 167831 198703 204114 219328 246319 260289
252882 282676 300270 804542 319976 341887 353872 376949 378914
120 Gewinne zu 1000 M. 469 2776 4872 6145 17021 26123 32668
37467 41974 62922 59074 77107 83899 86194 90063 93324 95816
97573 101381 102124 102273 108176 138269 141543 145681 153481
155428 176384 183693 195658 212666 219691 229817 230333 234371
257440 257521 268420 273586 276041 282571 286008 304936 312682
326679 336483 341872 348283 351333 361774 354811 367738 361408
367284 367972 382266 383832 394744 394851 395304
168 Gewinne zu 600 M. 16406 20904 23137 B4880 38224 44188
49673 54891 60080 61854 79308 88821 84283 86946 88080 108930
110882 113008 120404 123625 123572 124489 125478 128123 143218
149016 151443 170494 173406 182638 186369 191002 191506 194921
198362 202538 202565 204278 211019 213940 214378 227300 236689
238098 242942 245317 247325 267669 268355 274912 275098 277688
281074 263471 293514 294586 297414 299332 304613 313721 321988
326164 326201 326281 327346 329648 330261 336801 347682 358221
359667 361369 378379 383698 885 169 380817 391778 398169
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne
zu je 500000, 2 zu je 300000, 2 zu je 75000, 2 zu je 50000,
14 zu je 25000, 60 zu je 10000, 152 zu je 5000, 388 zu je 3000,
1190 zu je 2000, 2200 zu je 1000, 3570 zu je 500, 10926 zu je
400 Mark.
Beiterberichk.
Ausſichten für Dienstag, den 3. März: Leichter Nachtfroſt, ſtellenweiſe
neblig und dunſtig, tagsüber Bewölkungsaufzug, mild, trocken.
Ausſichten für Mittwoch, den 4. März: Milderes, meiſt wolkiges Wetter
mit Neigung zu Niederſchlägen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten
Zwangsverſteigerung.
min: 10. März 1931, nachmittags ½4 Uhr, im
itzungsſaal Zimmer Nr. 219 des Neuen Gerichtsgebändes
Darmſtadt.
andſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 6, Blatt 803.
Tur 37 Nr. 47, Hofraum mit Scheuer und Gerätehaus
unter dem Grohberg, 1184 qm. Schätzung: 3500 RM.
lur 37, Nr. 46‟, Acker daſelbſt, 322 qm, Schätzung:
1000 RM.
entümer: Kaufmann Felix Neumann, Darmſtadt,
eckarſtraße.
Darmſtadt, den 20. Oktober 1930.
(297a
Heſſiſches Amtsgericht I.
Zwangsverſteigerung.
anin: 30. April 1931, nachmittags 1,4 Uhr, im
Ɨtzungsſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes in
armſtadt.
indſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 4, Blatt 432:
ur 4, Nr. 312, Hofreite Nr. 1½, Georgenſtraße, 186 gw,
chätzungswert 45 000 RM.,
entümer: Eheleute Möbelhändler Johannes Deines
rd Eliabeih, geb. Trautmann, zu je 1..
Darmſtadt, den 31. Dezember 1931.
Heſſiſches Amtsgericht 1.
((3398a
Zwangsverſteigerung.
min: 7. Mai 1931, nachmittags: /,4 Uhr, im
Sitzungs=
ale Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes in Darmſtadt
indſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1, Blatt 289,
ur 1 Nr. 1091, Grabgarten, Kiesſtraße, 65 qm. Schätzung
O0 RM., und Flur 1, Nr. 1092, Hofreite Nr. 66 daſelvſt,
Bgm. 38 500 RM.
eniümer: Ehrleute Kaufmann Wilhelm Gaſſert und
atharina, geb. Heil, zu je 1/..
Darmſtadt, den 5. Januar 1931.
Heſſiſches. Amtsgericht I.
(3399a
Zwangsverſteigerung,
min: Diensteg, den 21, April 1931, nachmittags
4 Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Ge=
tsgebäudes in Darmſtadt.
Indſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1, Blatt 769:
ur I. Nr. 262, Hofreite Nr. 30, Schloßgaſſe, 194 qm.
chätzung: 8000 RM.
entäuer: Schreinermeiſter Philipp Schmidt,
Ehe=
au, Marie geb. Beil, Darmſtadt.
(3051a
Darmſtadt, den 13. Februar 1931.
Heiſiſches Amtsgericht I.
grung!
nin; 17. März 1931, nachm. ½4 Uhr, im
Sitzungs=
ſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes
in Darmſtadt
ndſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 5 Blatt 2423:
Flur 18, Nr. 1862/oo, Hofreite Nr. 15
Eſcholl=
brückerſtraße, 230 qm. Schätzung: 18 500.— RM.
Grabgarten daſelbſt. 195 qm, Schätzung: 1200.—
RM. Grasgarten (Vorgarten) daſelbſt, 54 qm,
Schätzung: 300.— RM.
ntümer: Eheleute Schuhmachermeiſter Leonhard
Spil=
ger und Eliſe geb. Vilgis zu je einhalb in
(304a
Darmſtadt.
Darmſtadt, den 22. Oktober 1930.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Ae Taultt
Leichter Kauf wie 1ol4h
Hrbeitsloſigkeit und Wirtſchaftskriſe verlangen ganz
außergewöhnliche Leiſtungen. Desbalb heute noch
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Füllen von Betten nur in Gegenwart der Kundschaft.
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Termin: 24. März 1931, nachm. ½4 Uhr, im
Sitzungs=
ſaal Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes
in Darmſtadt.
Grundſtück: „Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 5. Blatt 382:
Flur 5 Nr. 928, Hofreite Nr. 7 Beſſungerſtraße,
619 qm. Schätzung: 20 000.— RM.
Eigentümer: Kaufmann Arthur Haas in Darmſtadt. Beſ=
(305a
ſungerſtraße 7.
Darmſtadt, den 23. Oktober 1930.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Zwanasvorfkeigerung!
Termin: 19. März 1931, nachm. ½4 Uhr, im
Sitzungs=
ſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes
in Darmſtadt
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 4. Blatt 450:
Flur 4 Nr. 450, Hofreite Nr. 7 Waldſtraße,
231 qm. Schätzung: 16 000.— RM.
Eigentümer: Eheleute Zigarrenhändler Ludwig Meyer
und Eliſabeth geb. Haas in Darmſtadt zu ie
(16140a
einhalb.
einhalb.
(306a
Heſſiſches Amtsgericht I.
Parmstadt
Ludwigstr. 15
Liebfrauenſtr. 81
Leder im 2
Ausſchnitt. s
„
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Baugelder etc., der
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beamten gegen aute
Scherheit zu leihen
geſ. Rückzahlung nach
Vereinbarung.
geb. n. A. 152 Gſchſt.
Einträge in das Handelsregiſter,
Abteilung A: Am 27. Februer 1931
hinſichtlich der Firma E. Merck,
Darm=
ſtadt: Die Prokuren des Dr. phil.
Alexan=
der Röttgen und des Kaufmanns Auguſt
Horſt ſind erloſchen. — Abteilung B:
Am 27. Februar 1931 hinſichilich der
Firmen: 1. Strichwarenfabrik
Va=
tentin Schmidt & Co., Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darm=
ſtadt: Die Vertretungsbefugnis der
Liquidatoren iſt beendet und die Firma
erloſchen. — 2. Heſſiſche
Wollwaren=
fabrik, Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Die
Vertretungs=
befugnis der Liquicatoren iſt beendet
und die Firma erloſchen.
(3337
Darmſtadt, den 28. Februar 1931.
Amtsgericht I.
Pferde=Verſkteigerung.
Mittwoch, den 4. März 1931. vorm.
11 Uhr, ſoll auf dem Hofe des
Marſtall=
ſebäudes, Mathildenplatz 17, dahier,
ein ausgemuſterter
Landgefülsbeſchäler (Belgier)
gegen gleich bare Zahlung öffentlich
verſteigert werden.
Der Hengſt war ein Jahr lang als
ſtaatlicher Leihhengſt abgegeben und hat
alle landwirtſchaftlichen Arbeiten
ver=
richtet und ſich hierbei ſehr gut bewährt
Darmſtadt, den 24. Februar 1931.
Heſſiſche Landgeſtüts=Direktion.
Hertel.(TT. 3200
Entwürfe jeder Art
Schilder Schriften
Dekorationen, Werbeberatung
Rekla m ebüro
Darmſtadt, Hügelſtr 4. 13326:
Dienstag, den 3. März 1931
Schwerer Eiſenbahnzuſammenſtor
Eine griechiſche Inſel verſinkt ins Meer.
Nummer 6!
Die ineinandergeſchobenen und zertrümmerten Wagen.
Im Bahnhof Hildburghauſen ſtieß ein einfahrender Güterzug auf einen ſtehenden Zug auf.
Der Anprall geſchah mit ſolcher Kraft, daß 23 Wagen entgleiſten und 12 zertrümmert wurden.
Menſchenleben ſind glücklicherweiſe nicht zu beklagen.
Blick auf die Inſel Leukas. Links: Lagekarte der Inſel Leukas,
Die vor der Weſtküſte Mittelgriechenlands gelegene Inſel Leukas hat durch einen großen Erdru
etwa einen Quadratkilometer Land verloren. Der Bevölkerung bemächtigte ſich eine große Pa
da man weitere Landverluſte befürchtet.
Reich und Ausland.
Eine ganze Familie gasvergiftet.
Hanau. Hier hat ſich geſtern morgen in
der Familie des Verſicherungs=Generalagenten
Fritz Hengsberger ein entſetzliches Drama
ab=
geſpielt. Man fand die Ehefrau, die im Alter
von 30 Jahren ſteht, ſowie ihre drei Kinder im
Alter von acht, fünf und vier Jahren in den
Betten liegend tot vor. Der Ehemann gab noch
Lebenszeichen von ſich; er konnte ſpäter ins
Le=
ben zurückgerufen werden. Man hatte die
Bet=
ten in die Küche gebracht und den Gashahn
auf=
gedreht. Ueber die Urſache des entſetzlichen
Dramas iſt man noch nicht völlig im Klaren.
Ein Auto fährt in eine Gruppe Schulkinder.
Aachen. Ein von einer 22jährigen Dame
geſteuerter Perſonenkraftwagen fuhr geſtern in
der Mittagsſtunde auf den Bürgerſteig und in
eine Gruppe Schulkinder hinein, die gerade an
einem Metzgerladen vorüberging. Hierbei
wur=
den vier Kinder zum Teil ſchwer verletzt. Der
Schaufenſterladen wurde zertrümmert. Die
Schuldfrage iſt noch nicht geklärt.
Trotzkis Heim niedergebrannt.
Berlin. Das Haus Trotzkis auf der Inſel
Prinkipo bei Stambul iſt, wie die „M.=P.”
aus Konſtantinopel meldet, durch Feuer ganz
zerſtört worden. Der Brand brach gegen 2 Uhr
früh im Dachgeſchoß durch einen ſchadhaften
Badeofen aus. Die geſamte Garderobe, alle
perſönlichen Effekten, alles Bargeld des
Ehe=
paars Trotzki und der übrigen Hausbewohner
verbrannten, ebenſo die große Bibliothek,
Trotz=
kis Bücher mit zahlloſen Randbemerkungen und
Einlagen, die Frucht jahrelanger Arbeit, ſind
bis auf wenige Bände vernichtet. Das Archiv
mit dem umfangreichen Briefwechſel Trotzkis mit
Lenin konnte gerettet werden. Dagegen iſt das
Material für ein geplantes Buch über politiſche
Männer der Gegenwart vernichtet. Wieweit das
Material für andere Bücher über die Rote
Armee und über Lenin gerettet iſt, konnte noch
nicht feſtgeſtellt werden. Trotzki und ſeine
Haus=
genoſſen ſuchten im benachbarten Hotel Savoy
Unterkunft.
Unfall des Perſonenzuges Kempten—München.
„Kempten. Der Perſonenzug Kempten—
München iſt vorgeſtern abend bei der Einfahrt
in den Bahnhof Wildpoldsried aus bisher
un=
bekannter Urſache mit Lokomotive und Tender
entgleiſt. Verletzt wurde niemand. Die
nachfol=
genden Züge und der Eilzug aus München
erlit=
ten einige Verſpätung. Aufräumungsarbeiten
und Unterſuchung ſind im Gange.
Rätſelhaftes Rehſterben.
Hahnſtätten (Aar). In der hieſigen
Ge=
markung mehren ſich in letzter Zeit in
auffal=
lender Weiſe die Fälle, daß man verendete Rehe
auffindet. Um eine Seuche kann es ſich kaum
handeln, da in keiner anliegenden Gemeinde
dieſes Rehſterben feſtgeſtellt wurde. Man
ver=
mutet daher, daß hier menſchliche Böswilligkeit
die Hand im Spiele haben muß. Ueber 25 Tiere
ſind dieſem Frevel bereits zum Opfer gefallen,
ſo daß der lange Jahre ſorgfältig gehegte
Rot=
wildbeſtand vollkommen vernichtet ſcheint. Der
Schaden iſt um ſo größer, als die Gemeindejagd
vor der Neuverpachtung ſteht.
Großes Schadenfeuer im Schluchſee=Kraftwerk.
Freiburg. Ein großes Feuer richtete in
der Nähe von St. Blaſien, im ſüdlichen
Bauab=
ſchnitt des Schluchſee=Werkes bei Schwartabruck,
erheblichen Schaden an. Im
Transformatoren=
haus entſtand am Sonntag früh ein Brand, der
ſehr ſchnell um ſich griff. Den Feuerwehren
ge=
lang es aber, den Brand auf ſeinen Herd zu
be=
ſchränken. Das Transformatorenhaus brannte
allerdings völlig nieder. Ebenſo wurden fünf
Baracken ein Raub der Flammen. Ungefähr 200
Arbeiter verloren ihre in den Baracken
unter=
gebrachte Habe. Die Bauarbeiten werden durch
den Brand nicht unterbrochen. Die Urſache des
Feuers iſt noch unbekannt. Perſonen kamen
nich: zu Schaden.
Die Beiſehung Margareke Krupps.
Der Schwiegerſohn der Verſtorbenen Krupp von Bohlen und Halbach am Grabe. Links neben ihm
ſeine Gattin Bertha Krupp von Bohlen=Halbach, die Tochter und Erbin der Verſtorbenen.
Nach einer Trauerfeier in der Villa Hügel bei Eſſen fand die feierliche Beiſetzung Margarete
Krupps, der Gattin Friedrich Alfred Krupps und langjährigen Verwalterin der Werke, ſtatt.
Schwieriger Abtransport von Verunglückten.
In den Alpen häufen ſich in kurzer Zeitfolge die Lawinen=Kataſtrophen, und beinahe täglich lieſt
man von neuen Todesfällen und Verletzten. Die Bergung der Verſchütteten geſtaltet ſich äußerſt
ſchwierig.
Maſſenerkrankungen an Speiſeeis in Budapeſt.
Budapeſt. In der Nacht zum Sonntag
hatten die Budapeſter Rettungsmannſchaften
und Privatärzte aus verſchiedenen Gegenden
der Stadt viele Erkrankungen unter
Vergif=
tungsſymptomen gemeldet. Die
Rettungsgeſell=
ſchaft hatte binnen kurzem 17 Perſonen ins
Krankenhaus gebracht. Einige der Erkrankten
wurden nach der erſten Hilfeleiſtung in ihre
Wohnungen entlaſſen. Die Polizei hat
feſtge=
ſtellt, daß die Erkrankungen auf den Genuß von
Fruchteis, das die Erkrankten in einem
Waren=
haus verzehrt hatten, zurückzuführen ſeien.
Schwere Schiffsunfälle.
London. In der Nähe von Aberdeen iſt
das Wrack eines holländiſchen Fiſchdampfers aus
Ymuiden gefunden worden, der gekentert war.
Man glaubt, daß die geſamte Beſatzung von 12
Mann ertrunken iſt.: Ein Leichnam wurde an
Land geſpült. — In der Nähe von Seaton
Sluice in Northumberland kenterte ein kleineres
Fiſcherboot, wobei drei Inſaſſen ertranken.
In Wales und Schottland, ſowie in Nordirland
herrſchen ſchwere Schneeſtürme, die große
Ver=
kehrsſtörungen und Unglücksfälle zur Folge
hatten.
Aufdeckung eines umfangreichens
Dresden. Nach dem Inkrafttreten
deutſchen Anleiheablöſungsgeſetzes iſt die Sto
verwaltung Dresden durch Einreichung gefäl
ter Altbeſitzanweiſungen bei der Aufwertung
heblich geſchädigt worden. Die polizeilic
Ermittlungen ergaben, daß die Einreicher
Stücke zu einem Konſortium gehörten, das un
der Führung eines in Amſterdam anſäſſie
Effektenmaklers ſtand. Dieſer hatte durch A
mittlung in Berlin wohnender Perſonen gr
Poſten deutſcher Stadt= und Provinzialanleih
außer von Dresden und Leipzig, auch von B.
lin, Hamburg, Düſſeldorf, Münſter, Stuttg
und anderen Städten aufkaufen und durch M
telsperſonen nach Holland bringen laſſen. D
wurden die Stücke als Altbeſitz, der bekannt
höher aufgewertet wird, zurechtgemacht. Som
bis jetzt feſtgeſtellt werden konnte, hat der Hau
beteiligte in etwa 100 Fällen deutſche Sta
und Provinzialverwaltungen betrogen
ſchätzungsweiſe einen Reingewinn von
einer halben Million Mark erzielt; er hat !
lich einen Selbſtmordverſuch unternommen.
Schaden der Stadtverwaltung Dresden betr
nach vorläufigen Feſtſtellungen etwa 38 000 9
worauf inzwiſchen namhafte Beträge zurüd
ſtattet worden ſind. In Leipzig dürfte
Schaden ungefähr 120 000 Mk. betragen.
Bootsunglück auf der Donau.
Budapeſt. Bei der Gemeinde Duna=Pe
kenterte in der Mitte der Donau infolge ſchu
ren Sturmes ein Ruderboot, in dem vier jun
Leute ſaßen. Drei Inſaſſen ertranken.
Schweres Bootsunglück in Chile.
Santiago de Chile. Im Zuſamme
hang mit dem Beſuch des Prinzen von Wal
ereignete ſich vorgeſtern abend ein ſchweres 1
glück. 12 Militärmuſiker, die bei einem zu Ehn
des Prinzen gegebenen Abendeſſen aufgeſpit
hatten, ſind bei ihrer Rückkehr nach ihrer Garn
ſon während der Ueberfahrt über einen Seee
trunken. Ihr Boot war von einem ander
Fahrzeug gerammt und zum Kentern gebrad
worden. Sieben andere Inſaſſen des Boot”
konnten gerettet werden.
Schwerer Schneeſturm in Dänemark.
Kopenhagen. Während des ganzen vo.
geſtrigen Tages und der vorvergangenen Nach.
wütete in Dänemark ein heftiger Schneeſturn
Der Eiſenbahnverkehr erlitt überall im Land
beträchtliche Störungen. Der Bahnverkehr nal
Deutſchland konnte nur mit mehrſtündigen Ver
ſpätungen aufrecht erhalten werden. Zahlreich
Eiſenbahnzüge blieben im Schnee ſtecken. 2
Reiſenden konnten erſt nach vielen Stunden
Ve=
freit werden. Der Telegraphen= und Teleſſ
verkehr iſt zum großen Teil lahmgelegt.
Ein Auto im Eis eingebrochen,.
Göteborg. Auf dem Red=See, in Lei
Nähe von Göteborg, brach ein Auto mit Eeol=
Inſaſſen im Eis ein. Während der Chaulſe..
und ein Paſſagier ſich retten konnten, kamen.
vier übrigen Inſaſſen ums Leben.
Sechs Tunnelarbeiter von einer Lawine
verſchüttet.
Domodoſſola. Im Formezza=Tal
vom Baſſedino=Berg eine gewaltige Lawine n!
dergegangen, die ſechs bei einem Tunnelbau 9
ſchäftigte Arbeiter verſchüttete. Einzelheile
fehlen noch, da die Telephonverbindungen 4
terbrochen ſind.
160 Todesopfer des Wirbelſturmes an den
Fidſchi=Inſeln.
Suva (Fidſchi=Inſeln). Wie amtlich geme
det wird, ſind durch den letzten Wirbelſtu.
160 Perſonen ums Leben gekommen, darun.”
vier Europäer. Zahlreiche Perſonen werden, !e
vermißt.
Neuer Orkan über den Fidſchi=Inſeln.
Suva. Ein neuer Orkan, der dritte inne.
halb von zwölf Tagen, hat an der Nordoſtkuſ
der Fidſchi=Inſeln große Verwüſtungen ang!
richtet. Nähere Einzelheiten über die neue Kare
ſtrophe ſtehen noch aus, doch wird befürchtet, d0
wiederum eine große Anzahl von Menſchen um
Leben gekommen ſind.
mmmer 62
Dienstag, den 3. März 1931
Seite 9
Ausiandsbealſce.
Tags zuvor war man angekommen. Noch ſind die Sinne
be=
y men von der Fremdheit der Eindrücke, und noch klingt im
der eintönige Rhythmus der Schiffsmaſchine, die uns in
enlanger Reiſe von Europa nach der ſüdlichſten Spitze Afrikas
gricht hat. So weiß ich auch nicht, bin ich noch an Bord, auf
riffa, St. Helena oder gar daheim — als mich die braune
einer grinſenden Kafferfrau unſanft aus dem Schlafe
auf=
ſE) um mir, nach engliſch=kolonialer Sitte, den Frühtee zu ſer=
vün.
Zum Glück iſt’s Sonntag, ſodaß man Zeit hat, ſich in der
frem=
dollmgebung ein wenig umzuſchauen. Hierbei hilft ein alter,
du her Schulfreund, der, ſchon lange hier „draußen” lebend,
würdevoll, halb reſigniert, des Neulings Wiſſens= und
Stsluſt zu befriedigen bedacht iſt. So kommen wir zur Park=
—wo die Millionäre ihre prächtigen Villen haben mit den ſie
Ubenden Gärten. Darauf iſt man hier beſonders ſtolz — und
m Freund teilt dieſen lokalen Patriotismus — muß doch für
iw. Beet, für jeden Baum hier erſt ein großes Loch in den
Fels=
u grund gehauen werden, worin dann die nötige Humusſchicht
a. bracht wird. Dann freilich wächſt alles und blüht und reift
im btropiſcher Eile und Fülle.
Veshalb wohl die meiſten Villen heute geflaggt haben, zum
—in deutſchen Farben — frage ich meinen Mentor. Ja, das
ſe ne alte, britiſche Kolonialſitte, an Sonntagen und anderen
frr Gelegenheiten auf den Privathäuſern die Fahnen zu
hE Eine naiv=hübſche Gewohnheit, ſo recht ein Spiegelbild
Dergenleichten, heiteren Lebens, wie es damals noch — lange
d— em Weltkriege — die erfolgreichen Pioniere in den
briti=
ſ Ländern führen konnten. Nicht wenige darunter waren
diche. So auch hier an der Parkſtraße der Millionäre, wo
ei ſtattliche Anzahl von ſchwarz=weiß=roten Flaggen deutſcher
nEAErfolg kündete.
doch nicht bei allen, ſo ſchränkt mein Freund faſt haſtig ein,
be tet Erfolg im Berufe Glück und Ruhe. Dort zum Beiſpiel,
in ſchönen Hauſe unter den hohen Waldbäumen, dem „
Wald=
ho",dort ſei jetzt trotz allen Glücks und Erfolges Not und
Jam=
jahr ingekehrt. Und nun höre ich die Geſchichte eines jener Aus=
Mkiſe deutſchen, deſſen Lebenskurve an dem Gipfelpunkt, wo ſie
ſim ehr gleichmäßig hätte verlaufen ſollen, von einem Tage auf
io, de uderen den jähen Abſturz zeigt, wie ihn ſpäter der Weltkrieg
kraftt/— dfach wiederholt hat . . .
iſt dir =ief im Thüringerwalde ein altes Doktorhaus. Die Familie
ſchung /ſm oß, der Verdienſt aus der kärglichen, mühevollen Landpraxis
ufwen kl— Reicht knapp zur Sättigung der vielen hungrigen Mäuler.
olRk nicht aus, um des Vaters Lieblingswunſch zu erfüllen, den
Einreihe =gabten Aelteſten ſtudieren zu laſſen. Der aber will es
rten dhir en. Irgendwie. Wie und womit, weiß er nicht. Hat nur
mPidunkle Vorſtellung, daß man, um Geld zu erwerben — für
do Studium — Kaufmann werden müſſe. Am beſten an der
Ceſelbſt — alſo z. B. in Südafrika, wo man das Gold findet
„dri ürzlich ſogar Diamanten entdeckt hat. Lernt alſo in einem
„HTurger Kontor, was man für Südafrika braucht: die Sprache
de ngländer und der Buren, einiges von dem großen Lande und
ſeor Menſchen und Erzeugniſſen und Bedürfniſſen; dazu das
fo änniſche Handwerk, recht gründlich nach deutſcher Art. Da=
„hm eht es nach Südafrika. Zuerſt nach Johannesburg, wo das
G gefunden wird und wo auch die Löhne ſo märchenhaft ſein
„ſo. Dort ſitzt er auf dem Markte und verkauft Obſt und
Ge=
mr: Neben ihm ein anderer junger Deutſcher, auch ſolch ein
ſielſcher Kauz: der will nur Geld verdienen, um Naturforſcher
p.(n zu können. So tun ſie ſich denn zuſammen, handeln, hun=
G
-Sohlen u. Fleck
2.60
gern und hoffen zuſammen; haſſen und verachten das ekle Treiben
um ſich, die Gold= und Genußgier, den Schwindel und Betrug.
Machen ſich ſchließlich frei und finden beide ſolide Büropoſten in
der aufblühenden Hafenſtadt. Dort, wenngleich beinahe Nachbarn,
verlieren ſie ſich faſt aus den Augen, ſo ſehr umfängt ſie die
Ar=
beit, iſt der Blick auf das eigene Ziel hin gerichtet.
Des jungen Thüringers gründliche Art, ſein ſicheres Streben
und ehrliches Handeln hat man in der Firma bald genug ſchätzen
gelernt. Noch lieber freilich hätte man ihn mit etwas weiterem
Gewiſſen und ſpekulativerem Sinne; ſo z. B. in den ſo raſchen
Reichtum bringenden Goldminengeſchäften. Doch die rührt er nicht
an, weigert ſich, Börſenaufträge auszuführen. Gilt halt als
Son=
derling, den man „German Profeſſor” nennt. Iſt trotzdem der
Firma ſo wertvoll und unentbehrlich, daß man ihn von Stufe zu
Stufe ſteigen läßt, ſteigen laſſen muß. Jetzt hat er ſo viel
ver=
dient, daß er nach Deutſchland heimkehren und dort das erſtrebte
Studium aufnehmen könnte. Da — ganz unerwartet — macht
man ihm das Angebot, Teilhaber der inzwiſchen groß gewordenen
Firma zu werden. Abzulehnen wäre Torheit, ſo heißt es denn,
den Studiumsplan um ein paar Jahre hinauszuſchieben. Daraus
werden zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre. Jahre, erfüllt mit
Ar=
beit, Erfolg, Anerkennung, Familienglück. Längſt iſt das ſchöne
„Waldhaus, entſtanden, darin eine frohe Kinderſchar in deutſcher
Luft aufwächſt, wo die deutſche Kolonie ihren Mittel= und
Stütz=
punkt findet in jenen für ſie ſo ſchweren Jahren des Burenkrieges
und Deutſchenhaſſes.
Der fünfzigſte Geburtstag iſt die Wende. Mit ſtarkem
Ent=
ſchluß löſt er ſich von der liebgewonnenen Arbeitsſtätte, von der
Heimat der Kinder; beläßt ſein Vermögen in der Firma, zieht
mit der ganzen Familie nach Deutſchland und wird — Student
der Medizin.
Dort in der alten, kleinen Univerſitätsſtadt kannte ihn bald
jedermann: den tiefgebräunten, blauäugigen „Afrikaner”, wie er
jeden Morgen früh ſeine ſchöne Villa verläßt, zuſammen mit
ſei=
nen ſchlanken Töchtern, wie er ſich nach alter Gewohnheit am
Zeitungsſtand noch raſch die „Times” kauft und dann, die
Kolle=
genmappe im Arm, den Hörſälen zuſtrebt. Auch heute hat er
wieder ſeinen Morgengang angetreten, die engliſche Zeitung
ge=
kauft und gewohnheitsmäßig die großen Ueberſchriften mit
raſchen Augen geſtreift. Da — plötzlich — ſieht man den ſtarken
Mann wanken, der nächſten Bank zutaumeln und, mit letzter
Kraft ſich zuſammenreißend, einen Revolver ziehen und ſein Leben
enden. Das Zeitungsblatt iſt noch in der linken Hand, die
Fin=
ger haben ſich in große, ſchwarze Drucklettern verkrampft und dort
das Papier zerriſſen. Nur mit Mühe entziffert man, daß die
große ſüdafrikaniſche Firma . . . infolge unglücklicher
Spekulatio=
nen in Minenſhares ihre Zahlungen eingeſtellt hat.
— Erſt jetzt bemerke ich, daß mein Freund, deſſen Erzählung
immer ſtockender geworden war, einen Trauerflor am Arm trägt.
Auch er iſt einer der Vielen, denen der Verſtorbene Wohltäter und
Freund geweſen war ." .
Ein paar Schritte weiter halten wir an einem fürſtlichen
Hauſe, das wiederum die deutſche Flagge trägt. Das Haus jenes
anderen, der Naturforſcher werden wollte. Dem ſei es beſſer
er=
gangen. Auch er wurde Chef eines großen Handelshauſes in
jun=
gen Jahren. Wartete aber dann nicht lange, ſondern nahm
neben dem Geſchäft privat ſeine Studien auf und brachte es darin
bald ſoweit, daß ihm für ſeine Arbeiten von einer deutſchen
Uni=
verſität der Doktortitel zuerkannt wurde. Und arbeitet jetzt
wei=
ter zugleich als Kaufmann und Naturforſcher.
Th. Engelmann, Gräfelfing.
Schwimmen.
Rot=Weiß — Offenbach 96.
Heute Dienstag abend 8 Uhr empfängt Rot=Weiß
Offen=
bach 96 zu einem Klub=Zweikampf über 3X200 Meter und 10X100 Meter
Kraul. Anſchließend ſtehen ſich die 1. Rot=Weiß=Jugend Reichsbahn=
T. S. V. 1. gegenüber. Den Schlußkampf beſtreiten die Ligamannſchaften
von Rot=Weiß und Offenbach 96. Die Offenbacher ſtellen eine ſehr
ſchnelle Mannſchaft, ſo daß die verfüngte Rot=Weiß=Mannſchaft mit
einem ernſthaften Gegner zu rechnen hat. Die Waſſerball=Anhänger
dürften bei dieſer Veranſtaltung voll auf ihre Koſten kommen.
Geſchäftliches.
Das Rheiniſche Technikum Bingen, das in Fachkreiſen einen
außer=
ordentlich guten Ruf genießt, hat im Winterſemeſter 1930/31 einige
in=
tereſſante Arbeiten durchgeführt, welche die engen Beziehungen zwiſchen
Induſtrie und einer techniſchen Lehranſtalt erkennen laſſen, Fordern
Sie Lehrplan ein.
Motorrad=Ausſtellung.
Das bekannte Motorrad=Spezialhaus Otto Darmſtädter.
Darmſtadt veranſtaltet im großen Saal des Bürgerhofes am
Ludwigsplatz eine Motorrad=Ausſtellung. In dem geſchmackvoll
dekorierten Saal ſieht man die neueſten Modelle führender
deut=
ſcher Motorradfabriken. Beſonderes Aufſehen unter den
zahl=
reichen Beſuchern erregen die koloſſal niedrigen Preiſe der
ein=
zelnen Modelle. Die geſchmackvoll arrangierte Ausſtellung
ge=
währt einen intereſſanten Einblick in den Stand der heutigen
Motorrad=Induſtrie.
Rundfunk-Brogramme.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 3. März.
15.20: Hausfrauen=Nachmittag. Von der Kochtante.
16.30: Nachmittagskonzert. Werke von Richard Wagner.
18.10: H. Mohr: „Arbeiten im Gemüſegarten”.
18.45: G. Moshack: „Deutſche Pionierarbeit in der amerikaniſchen!
Einwandererfürſorge‟
19.15: Erich Käſtner lieſt aus eigenen Werken.
19.45: Anekdoten, geleſen von Martin Lang.
20.00: Roſen aus Florida. Operette in 3 Akten
22.00: Walter=Niemann=Stunde.
22.50: Unterhaltungsmuſik.
Königswuſterhauſen.
Dienstag, 3. März.
10.10: Schulfunk. Wir ſingen, ſpielen u. tanzen. Der Frühling kommt.
11.30: Dr. Taſch: Volkswirtſchaftliche Fragen: Der Kartoffelmarkt,
12.00: Franzöſiſch für Handels= und Fachſchulen.
12.30: 14.00 Schallplatten.
13.10: P. Kache: Praktiſche Ratſchläge für den Gartenfreund.
15.45: Kinderſtunde: Märchen u. Geſchichten.
16.00: U. Scherz, W. Wauer: Künſtl. Handarbeiten: Stoffſpritzen.
16.30: Nachmittagskonzert Leipzig.
17.30: Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung in die neue Muſik.
18.00: Oskar Baum: Der Zuſammenhang der Sinne.
18.30: Reichskunſtw. Dr. Redslob: Die religiöſe Kunſt d. Gegenwart.
19.00. Franzöſiſch für Anfänger.
19.30: Dr. Pohl: Volkswirtſchaftsfunk. Im Kampf geg. d. Arbeitslof,
20.00: Roſen aus Florida; Operette i. 3 Akt.. Muſie von Leo Fall.
22.10: Berlin: Dr. Joſepf Räuſcher: Politiſche Zeitungsſchau; danach:
Wetter=, Tages= und Sportnachrichten; anſchl.: Hamburg: bis
23.50: Unterhaltungskonzert Mitw.: G. Schnitzer, H. E. Groh.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Veranwwortlich für Polſtſk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reich uns
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart” Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite
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Zum Frühjahr wollen wir wieder mit einem
ausgewählten Angebot die ganze
Leistungs-
fähigkeit unseres Hauses beweisen. Darum
wurde jetzt ein Künstler mit der Ausarbeitung
von drei Vorschlägen beauftragt, die jede
Hausfrau interessieren werden, denn es
han-
delt sich um
Worschlage
die das Heim betreffen!
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bei dem keines der angewandten Mittel eine Beſſerug
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Leipziger Meſſehoffnungen.
Die Leibziger Frühjahrsmeſſe, die geſtern ihren Anfang nahm, ſteht
trotz allem Druck, der auf Deutſchland und ſeiner Wirtſchaft laſtet, unter
dem Vorzeichen einer Hoffnung auf Beſſerung. Es ſind im ganzen 9097
Ausſteller angemeldet, 25 Auslandsſtaaten ſind vertreten. Wichtige
Ex=
vort= und Induſtrieſtaaten des Auslandes haben ihre Beteiligung an der
Frühjahrsmeſſe beſonders ſorgfältig vorbereitet. Zum Teil ſind ganz
neue Auslandsausſtellungen von bemerkenswerter Reichhaltigkeit
ent=
ſtanden, z. B. die Norwegens. Die Reichsbahn hat 286 Sonderzüge zur
Meſſe eingelegt. Man hofft, daß die Leipziger Frühjahrsmeſſe nach dem
fetzt überall durchgeführten Preisabbau der deutſchen Induſtrie größere
Exportaufträge einbringen wird.
Bitiſchaffliche Rundſchau.
Transportarbeiterſtreik. Die Transportarbeiter, Packer und
Fuhrleute der Darmſtädter Möbeltransportgeſchäfte ſind geſtern
in den Ausſtand getreten. Dem Vernehmen nach handelt es ſich
um einen wilden Streik, der gegen den Willen der
Gewerkſchaf=
ten ausgebrochen iſt. Der am 2. Februar d. J. gefällte
Schieds=
ſpruch des Schlichtungsausſchuſſes wurde geſtern für verbindlich
erklärt. Der Lohnabbau ſoll 50 Pf. pro Tag betragen.
Ph. Holzmann A.=G., Frankfurt a. M. Entſprechend früheren
An=
kündigungen iſt das Geſchäftsjahr 1930 bei der Phil. Holzmann A.=G.
ziemlich günſtig verlaufen. Die Bilanzarbeiten ſind weiter
vorgeſchrit=
ten. Nach den Informationen des Fwd. ſteht die unveränderte
Divi=
dende gegen das Vorjahr von wieder 8 Prozent für 1930 ſo ziemlich feſt.
Die A. R.=Sitzung iſt für Ende dieſes Monats zu erwarten. Das
gün=
ſtige finanzielle Ergebnis beruht hauptſächlich in der erfolgreichen
Aus=
landstätigkeit des Unternehmens. Auch für 1931 wird der Ausgleich zu
dem weniger günſtig angeſehenen innerdeutſchen Geſchäfte durch
Aus=
landsarbeiten geſchaffen werden müſſen. Uebrigens ſchweben
augenblick=
lich Verhandlungen wegen größerer Aufträge. In der nächſten Woche
beginnen die intenſiveren Verhandlungen zwecks Fortführung der
erfolg=
reich beendeten Probeſtrecke von rund 130 Km. der nördlichen Abteilung
der perſiſchen Nord=Südbahn, um über 330 Km. bis zur Ebene von
Teheran.
Von der Kölner Frühjahrsmeſſe vom 22. bis 25. März. Die in
Ver=
bindung mit der vorjährigen Kölner Frühjahrsmeſſe veranſtaltete
Son=
derausſtellung von Sportgeräten und Reiſeausrüſtungen hat bei den
Meſſebeſuchern und insbeſondere auch in den weſtdeutſchen Sportkreiſen
lebhaften Anklang gefunden. Dieſe Sonderſchau ſoll deshalb auch
wei=
terhin mit der Frühjahrsmeſſe verbunden bleiben. Auf der
bevorſtehen=
den Meſſe (22. bis 25. März) wird die Abteilung gut beſchickt werden.
In Verbindung mit dieſer Gruppe ſteht eine Ausſtellung, die der
Ver=
kehrswerbung dient. Eine Reihe Verkehrsverbände, namentlich aus
Süddeutſchland, wird ſich hieran beteiligen. Es werden auch mehrere
Auslandsſtaaten mit Sonder=Ausſtellungen vertreten ſein. Bis jetzt
haben ſich u. a. angemeldet die Schweiz, Frankreich, England, Holland,
Belgien, die Tſchechoſlowakei, Schweden und Ungarn. Die
Verkehrs=
werbeſchau wird ergänzt durch eine Propaganda=Ausſtellung für den
deutſchen Wein.
Ausfuhrpreife für Eiſen. Nachdem in den letzten beiden Monaten
im Zuſammenhang mit der Preisbewegung am Welteiſenmarkt die
Avi=
rüickvergütungen teilweiſe geſenkt werden konnten, ſind für den Monat
März die Rückvergütungen erneut leicht erhöht worden im
Zuſammen=
hang mit einer entſprechenden Senkung der Weltmarktpreiſe. Als
Welt=
marktpreiſe gelten: Rohblöcke 65 (Februar 66), Vorblöcke 67,70 (68),
Knüppel 73 (72), Platinen 73 (75), Formeiſen 70 (74) Stabeiſen 79 (84),
Bandeiſen 90 (91), Walzdraht 105 (105), Grobbleche 108 (106)
Mittel=
bleche 105 (108) Die Avirückvergütungsſätze betragen: Rohblöcke 26
(25,50), Vorblöcke 33 (32,50), Knüppel 35 (34), Platinen 35 (34),
Form=
eiſen 48 (44), Stabeiſen 47 (42), Bandeiſen 55 (54), Walzdraht 22 (29),
Grobbleche 45 (44), Mittelbleche 46 (43).
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 2. März ſtellten ſich für
je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
Bre=
men oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deut=
ſche Elektrolytkupfernotiz) auf 101 RM. — Die Notierungen der
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
ver=
ſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium 98= bis
99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
des=
gleichen in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM., Reinnickel,
98= bis 99proz. 350 RM., Antimon=Regulus 56—57 RM.,
Fein=
ſilber (1 Kilogramm fein) 38—40 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 2. März ſtellten ſich für
Kupfer: März 88 (90) April 88,75 (90.50), Mai 90 (91.25),
Jun: 91.25 (91.50), Juli 92.50 (93.25), Auguſt 92.75 (93.25)
September bis Februar 93 (93.25), Tendenz: feſt — Für Blei
März 28 (28.75), April. Mai. Juni 28 (28.50) Juli und Auguſt
28 (28.75), September bis Februar 28.25 (28.75). Tendenz; ruhig.
— Für Zink: März 25.25 (26), April 25.50 (26.50), Mai 26
(26.50), Juni 26.25 (27.25). Juli 26.50 (27.75), Auguſt 26.75
(27.75), September 27.25 (27.75) Oktober 27.50 (27.75)
Novem=
ber 28 (28.25), Dezember 28 (28.50), Januar 28.25 (28.50), Febr.
28.50 (28.75). Tendenz: befeſtigt. — Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klammern Brief.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 2. März:
Getreide. Weizen: März 79.50, Mai 82.75, Juli 63.75, Sept.
63½; Mais: März 60½, Mai 64½, Juli 65.25, Sept. 65½; Hafer:
März 30.25, Mai und Juli 32, Sept. 32½; Roggen: März 36.75,
Juli 41.50, Sept. 42.50.
Schmalz: März 8.60, Mai 8.77½, Juli 8.95, Sept. 9.12½.
Schweine: leichte 7.15—7.40; ſchwere 6.40—6.80;
Schweine=
zufuhren: Chicago 53 000, im Weſten 122 000.
Baumwolle: März 11.25, Mai 11.41.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 2. März:
Schmalz: Prima Weſtern 9.35; Talg, extra, loſe 3.75.
Getreide. Weizen: Rotwinter 89½; Mais: loko New York
74.50; Mehl, ſpring wheat clears 4.40—4.70; Fracht: nach
Eng=
land 1,6—2,6 Schilling, nach dem Kontinent 7.50—8.50 Cents.
Biebmärkke.
Frankfurter Viehmarkt vom 2. März. Auftrieb: 1233 Rinder, 290
Ochſen, 111 Bullen, 456 Kühe, 376 Färſen, 521 Kälber, 94 Schafe, 6207
Schweine, darunter 270 aus Litauen. Marktverlauf: Rinder ruhig,
nahezu ausverkauft; Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt; Schweine
ſchleppend, Ueberſtand. Preiſe: Ochſen al) 46—49, a2) 41—45, b1) 36
bis. 40, Bullen a) 43—46, b) 39—42, Kühe a) 37—40, b) 33—36, c) 28—32,
d) 24—27, Färſen a) 46—49, b) 42—45, c) 38—41, Kälber b) 58—62,
C) 53—57, d) 48—52, Schweine b) 48—50, c) 48—51, d) 48—50, e) 45—47.
Auftrieb aus hieſiger Schlachtung: 684 Viertel Rinder, 24 ganze Kälber,
9 ganze Hämmel, 330 halbe Schweine.
Fleiſchgroßhandels=
preiſe: Ochſenfleiſch 1 70—80 dito 2 65—70, Bullenfleiſch 72—77
Kuhfleiſch 2 50—60, dito 3 40—50, Kalbfleiſch 2 80—90, Schweinefleiſch
1 65—70, Litauer Schweine 56—62. Geſchäftsgang: langſam.
Hrodukienberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 2. März. Die Tendenz an der
heutigen Getreidebörſe war feſt. Es notierten: Weizen (74 Kilo) 300,
Roggen (70—71 Kilo) 190, Sommergerſte 210—212,50, Hafer inl 165
bis 170, Weizenmehl ſüdd. 43,50—44,50, dito niederrhein. 43,25—44,25,
Roggenmehl 27—28, Weizenkleie 10 Roggenkleie 10,75, Erbſen 25—31,
Linſen 28—65 Heu ſüdd. 6—6,50, Weizen= und Roggenſtroh 2,90, dito
gebündelt 2,75—2,80, Treber 9,75—10 Induſtriekartoffeln hieſiger
Ge=
gend notierten 2,60—2,70. Die Tendenz war ebenfalls feſt.
Berliner Produktenbericht vom 2. März. Obwohl das Geſchäft nur
langſam in Gang kam, herrſchte an der Produktenbörſe zu Beginn des
neuen Berichtsabſchnittes wieder eine feſtere Grundſtimmung. Die für
heute ziemlich beträchtlichen Andienungen, insbeſondere von Roggen,
übten keinerlei Druck auf den Markt aus, da das Material ſchlank
auf=
genommen wird. Die Qualitäten waren nicht ganz einheitlich; von
Weizen und Roggen mußten verſchiedentlich Partien zurückgewieſen
werden. Das Inlandsangebot zur prompten Verladung war in beiden
Brotgetreidearten gering, ſo daß etwa zwei Mark über
Wochenſchluß=
niveau liegende Preife durchzuholen waren. Am Lieferungsmarkt
er=
öffnete Weizen eine bis zwei Mark, Roggen anderthalb bis drei Mark
feſter. Für Weizen= und Roggenmehle zeigt ſich ziemlich befriedigende
Nachfrage, höhere Forderungen ſind aber ſchwer durchzuholen. Hafer
liegt bei mäßtgem Angebot ſtetig. Unter den heutigen Andienungen
befanden ſich einige Partien von ſehr guter Qualität, die ein Aufgeld
gegenüber dem Kontraktpreis brachten. Gerſte ruhig.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 2. März.
Im Anſchluß an die feſte Haltung der Wochenſchlußbörſe eröffnete
auch die neue Woche in freundlicher Stimmung. Das Publikum ſcheint
etwas zuverſichtlicher geworden zu ſein, denn zum Beginn der heutigen
Börſe lagen einige Kauforders vor. Auch das Ausland bekundete
weiter=
hin etwas Intereſſe an deutſchen Aktien. Anregend wirkten ein
giin=
ſtiger Monatsbericht der Commerzbank, die Rede des
Reichsbankpräſiden=
ten zur Reparationsfrage, ferner die fortſchreitende deutſch=franzöſiſche
Verſtändigung und der erfolgreiche Abſchluß der Flottenverhandlungen.
Andererſeits machte das Anwachſen der Radikalen in Braunſchweig, der
ſchwächere Schluß der New Yorker Börſe und die Tatſache, daß keine
Minderung der Inſolvenzen im Monat Februar eingetreten iſt, nur
wenig Eindruck. Das Geſchäft hielt ſich im ganzen in beſcheidenen
Grenzen, doch waren gegen die Schlußkurſe vom Samstag teilweiſe ganz
beträchtliche Kurserhöhungen zu verzeichnen. Sehr feſt tendierten der
Montan= und Kalimarkt, die von 1½—3½ Prozent bzw. 5—6 Prozent
höher eröffneten. Am Chemiemarkt bewegte ſich die Umſatztätigkeit in
kleinem Rahmen; J. G. Farben nur wenig höher. Am Anleihemarkt
deutſche Renten freundlich, Türken und Rumänen behauptet.
Pfand=
briefe weiter freundlich, jedoch bei kleinem Geſchäft.
Im Verlaufe ſetzten ſich die Kursſteigerungen fort und die
Ten=
denz war ausgeſprochen feſt, da das Stärkeverhältnis der Radikalen in
Braunſchweig keine größere Veränderung gebracht hat und ſomit auch
keine Befürchtungen beſtanden. Die Spekulation deckte weiter, daneben
konnte man wieder einige Meinungskäufe beobachten. Die
Kurserhöhun=
gen betrugen erneut 1—2 Prozent. Gegen Schluß der Börſe nahm die
Spekulation einige Gewinnmitnahmen vor, ſo daß die höchſten
Tages=
kurſe nicht immer behauptet blieben. Die Stimmung war indeſſen
un=
vermindert feſt. Am Geldmarkt machte ſich eine kleine Erleichterung
bemerkbar, ſo daß der Satz für Tagesgeld auf 5½ Prozent ermäßigt
wurde. Am Deviſenmarkt traten keine Veränderungen von Belang ein.
Man nannte Mark gegen Dollar 4,2070 gegen Pfunde 20,43¾, London=
Kabel 4,8580, —Paris 123,96½, —Mailand 92,74, —Madrid 46,35,
—Schweiz 25,13½4, —Holland 12,117/8.
Die Abendbörſe hatte bei kleinen Umſätzen, wenig belebtes
Geſchäft. Die Kurſe lagen uneinheitlich. Farben eröffneten leicht über
Mittagsſchluß Am Elektromarkte waren Siemenswerte eher ſchwächer,
dagegen Gesfürel, Licht u. Kraft leich befeſtigt. Von Montanaktien
Phönix 1 Prozent höher. Am Kalimarkte Salzdetfurth 2½ Prozent
ſchwächer. Waldhof 1 Prozent höher. Von Frankfurter Werten
Holz=
mann auf Meldung von unveränderter Dividende 1½ Prozent feſter.
Im Verlaufe blieb die Börſe widerſtandsfähig. Farben ſchloſſen 142½.
Von ſonſtigen Kurſen ſind zu nennen: Deutſche 108½, Dresdner 108½,
Gelſenkirchen 80½, Mannesmann 757/g. Rheinſtahl 76, Stahlverein 61½,
Hapag 68½, Nordlloyd 69¾, Aſchersleben 134, Weſteregeln 140, A.E.G
102¾, Siemens 171, Schuckert 131, Gesfürel 124½, Aku 75½.
Berlin, 2. März.
Der offizielle Börſenbeginn brachte auch in der neuen Woche
freund=
lichere Kurſe. Vormittags glaubte man vielfach noch mit einer etwas
ſchwächeren Tendenz rechnen zu müſſen, da der vorwiegend ſchwächere
Verlauf der New Yorker Samstagsbörſe zur Zurückhaltung mahnte.
Als dann zur Eröffnung In= und Auslandsorders vorlagen, für die
vielleicht die optimiſtiſcheren Monatsberichte der Großbanken
mitverant=
wortlich waren, ſchritt auch die Spekulation zu Deckungen und
Rückkäu=
fen. Es trat auf einigen Marktgebieten Mäterialmangel ein und auch
verſchiedentlich beſtehende größere Decouverts, die weitere Deckungen
notwendig machten, ließen die Beſſerungen ein Ausmaß von mehreren
Prozent annehmen. Die Börſe bot ein lebhaftesBild, das durch einige Plus=
Plus=Zeichen unterſtrichen wurde. ImVerlauf blieb die Grundſtimmung feſt,
nur vorübergehend ließ das Geſchäft etwas nach, und die Kurſe
bröckel=
ten auf Gewinnmitnahmen zirka ½ Prozent ab. Bei recht regem
Ge=
ſchäft zogen die Kurſe bis zu 2½ Prozent über Anfang an. Conti
Gummi und Waldhof lagen zirka 3½ Prozent gebeſſert. Anleihen,
be=
ſonders Altbeſitz, feſter.
der Biehhandel im Februgr.
Der im Monat Januar eingetretené kataſtrophale
Preisſtur=
allen Viehmärkten hat ſich zwar im Februar nicht ganz ſo ſtark f.
ſetzt. Trotzdem gaben im Verlaufe des Berichtsmonats die Preiſe
ſveiterhin nach. Auf allen Märkten war die Geſchäftslage gedrückt
luſtlos. Beſonders fühlbar machten ſich die Maſſenkündigungen im
niſch=weſtfäliſchen Bezirk, durch die der Verbrauch an Fleiſch,
beſo=
an Nindfleiſch, enorm zurückgegangen iſt. Aus dieſem Grunde wa
Preisſturz an den rheiniſch=weſtfäliſchen Fettviehmärkten beſonders
Die ſchlechte Lage auf den Schlachtviehmärkten wirkte ſich eben
außerordentlich ungünſtig auf den Handel mit Nutz= und Zuchtvieh
Das Angebot überſtieg überall die Nachfrage, und der Handel geſ
ſich durchweg ruhig und flau. Bei Schweinen geſtaltet ſich das Ge
im Anfange des Berichtsmonats etwas gefeſtigter. Im Durchſchnitt
der Schweine= und Ferkelmarkt jedoch gegenüber dem Januar
Veränderungen, zumal auf den Ferkelmärkten bis Mitte des M
Preisrückgänge zu verzeichnen waren. In allerletzter Zeit hat ſi
einigen Bezirken die Lage etwas gebeſſert. Im Handel mit Kä
und Schafen zeigte ſich im Februar eine durchaus rückläufige Ten
Kleine Wirkſchafisnachrichken.
Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungskoſten beläuft ſich
den Feſtſtellungen des Statiſtiſchen Reichsamts für den Durchſchn
Monats Februar auf 138,8 gegenüber 140,4 im Vormonat. Sie i
um 1.1 b. H. zurückgegangen.
Nach Mitteilung des Statiſtiſchen Reichsamts wurden in
bruar 1931 durch den „Reichsanzeiger” 1065 neue Konkurſ
ohne die wegen Maſſemangels abgelehnten Anträge auf Kon
eröffnung — und 546 eröffnete Vergleichsverfahren bekannt
ben. Die entſprechenden Zahlen für Januar 1931 ſtellten ſich
1085 bzw. 510.
Der Bund der Viehhändler Deutſchlands hat in einer
gabe an die Reichstagsfraktion dringend darum gebeten, daß
Gefrierfleiſchkontingent nicht wieder eingeführt wird. Die
an den Schlachtviehmärkten habe ſich in den letzten Wochen
Monaten ſo kataſtrophal geſtaltet, daß ein erheblicher Teil
Auftriebs nicht abgeſetzt werden konnte.
Wegen des guten Erfolges der bisherigen Autobörſen fü
brauchte Kraftwagen hat die Sektion Rheinland des
Reich=
bandes des Kraftfahrzeughandels und =gewerbes ſich
entſchl=
die nachſte Veranſtaltung vom 22 bis 27. März in Köln dur
führen, zeitlich und räumlich verbunden mit der Kölner
jahrsmeſſe.
In Mainz fand am Montag vormittag die juriſtiſche C
dung der Kraftwerke A. G. Mainz=Wiesbaden ſtatt. Nachden
beiden Stadtparlamente die neue Geſellſchaft genehmigt ha
wurde vor dem Notar durch die Unterzeichnung der Oberbü
meiſter, der beiden Stadträte und der Direktoren der Ver
notariell in Kraft geſetzt.
Wie wir von der Verwaltung der Adlerwerke vorm. H
Kleyer A.G. erfahren, kann das Ergebnis des abgelaufenen
res als recht befriedigend bezeichnet werden. Es iſt gelungen
Vorräte herunterzudrücken, und auch die Verbindlichkeiten
gegenüber dem Vorjahre weſentlich zurückgegangen. Ueber
Dividendenausſichten kann allerdings noch nichts Beſtimmtes
ſagt werden, da die Abſchlußarbeiten noch im Gange ſind.
Der Aufſichtsrat der Württembergiſchen Notenbank hat
ſchloſſen, der auf den 30. März einzuberufenden G.V. die Ve
lung einer Dividende von wieder 7 Prozent auf das A.K.
7 Mill. RM. für das Geſchäftsjahr 1930 vorzuſchlagen.
Franzöſiſche Großbanken gewähren den königlich=ungariſchen St
bahnen einen Kredit von 30 Millionen Franken. Seit dem Krie(
es der erſte Fall, daß ein franzöſiſches Bankenkonſortium erſten Re
an einer größeren ungariſchen Kredittransaktion teilnimmt.
Die Coper Exporters Inc. hat die Notiz für Wirebar=
Nordſeehäfen von 10,55 auf 10,80 ds heraufgeſetzt zwecks E
chung der Parität der Londoner Notierungen.
Anläßlich der letzten deutſchen Hypothekenbankfuſionen w.
der Plan einer Auslandsgründung mehrfach in Betracht geze
Nunmehr wurde in Baſel mit 25 Mill. Schweizer Fra
(5 Mill. Fr. eingezahlt) die Internationale Bodenkreditbank
öffnet.
Berliner Kursbericht
vom 2. März 1931
Oeviſenmarki
vom 2. März 14
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank . . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
24.75
137.50
108.25
108.—
67.875
107.—
69.375
103.75
72.50
72.50
122.—
36.—
118.50
120.75
70.625
Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kofsw.
Orenſtein & Koppe
127.75
142.25
81.—
123.75
77.50
68.50
82.—
34.—
62.—
74.50
75.75
39.—
60.—
77.25
50.—
Polyphonwerk
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerke/ 61.75
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werte
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
163.—
51.50
204.50
116.75
94.—
140.—
69.25
55.75
120.50
45.50
153.75
50.—
41.—
Wien 100 Schilling 59.06 59.18 Spanien 100 Peſetas 43.93 Prag 100 Tſch. Kr. 12.45 12.47 Danzig 100 Gulden 81.65 Budapeſt 100 Pengo 73.26 73.40 Japan 1 Yen 2.081 Sofia 100 Leva 3.043 3.049 Rio de Janeirol 1 Milrcis 0.341
Holland 100 Gulden / 168.53 168.8 Jugoſlawien 100 Dinar 7.385 Oslo 1100 Kronen 112.4. 112 64 Portugal 1100 Escudo 18.82 Kopenhager 100 Kronen 112.41 112.6. Athen 1100 Drachm. 5.445 Stockholm 100 Kronen 112.59 112.8 Iſtambu= 11 türk. 2 London 1S.=Stg. 20.4 16 20.45 Kairo
1ägypt. * 20.33 Buenos=Aires 1 Pap. Peſo 1.392 1.29 Kanada
lcanad. Doll. 4.201 New York Dollar 4.2025 4.2105 Uruguav 1 Goldpeſo 2.987 Belgien
100 Belga 58.58 58.70 Jsland 00 eſtl. Kr. 92.
Italien 100 Lire 22.015 22.055 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.94 Paris
100 Francs 16 465 16.505 Riga
00 Lats 60.91
Frankfurter Kursbericht vom 2. März 1931,
78 Dtſch. Reichsan!
6
1 %Intern.,
6%Baden.
8½ Bahern.
88 Heſſen v. 2‟
v. 29
6% Preuß. Staat.
82 Sachſen ....."
„
7% Thüringen. . .
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſunsſch. +1/,
Ab=
löſungsanl..
Otſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ..
80 Aachen v. 29
8% Baden=Baden
6%Berlin ......"
8½ Darmſtadt v. 20
v. 20
79 Dresden..
3% Frankfurt a. M.
v. 20
v. 26
826 Maint . .....
8% Mannheim v. 2e
v. 2
89 München ...."
8% Nürnberg. . . .
8% Wiesbaden ..
8% Heſſ. Landesbk.
Goldoblic
4½% Heſſ. Lds.=
434
8%
Preuß. 2ds.
82
mö o Landeskomm.= 87.75 Bk. Girozentr. für 74.75 Heſſen Goldobl. 97.75 77.25 8% Kaſſeler Land= 100 kredit Goldpfbr.. 100.5 82 7% Kaſſeler Land., 87.5 kredit Goldpfbr. 95 90.5 85 942/g 8% Naſſ. Lamdesbk. 100.25 992, 94.75 84.25 81.25 4½% „Liqu. OblDt. Komm. Sam= mel=Ablöſ.=Anl. 54,75 +AuslSer. 52.75 „„ Ser.II 67.5 5.7 Dt. Komm. Samm. Abl. (Neubeſitz).. 11 Berl. Hyp.Bk. 99.25 96.5 90
85.5 2 „ Liqu.=Pfbr. 3 Frkf. Hyp.=Bk. 101.5
97 84‟½ 4½% „ Lig. Pfb. 88.8 „ Pfbr.=Bk. 101.25 m
96.25
81.75
70.5 97 „ Liqu 90.1 30 Mein Hyp.=B 6n ig. Pfbr. 88.5
93.25 cred.=B 8% Pfälz. Hyp.=Bk. 100.5 O „ Lia. Pfbr
8% Preuß. Boden= 21 ant 85.75 4½% Lig. Pfbr.
9 Preuß. Centrl. 91.25 Bodencr.=Bank 100.25 100 ½% „ Lig.Pfb= 89.25 92 %o Rhein.Hyp. B 101.5 94.5
87.5 % „ Lig. Pſbr.
Rhein.=Weſtf. 96.75
89%/g 20
100.5 Bd.=Credit ....
% Südd. Bod. Af 5 Cred.=Banl ...." 100 94.5 93 4½% „ Lig. Pfbr 9121.
3% Württ. Hyp.=B
6% Daimler=Ben=
3½ Dt. Linol. Werke
Klöckner=Werke
Mainkrw. v. 2/
Mitteld. Stahl
Salzmannu. Ce
% Ver. Stahlwerke
8% Voigt &Häffne
J. G. Farben Bond
50 Bosn. L.E.?
„ L. Inveſt.
50 Bulg. Tah. v.02
4½2 Oſt. Schätze
401 Sſt. Goldrente
%vereinh. Rumän
4½%0
40 Türk. Admin.
% „ 1. Bagdadl
„ Zollanl.
01 Ungarn 1913
1914
2
Goldr.
1910
Aktien
Mig. Kunſtziide Unie
A. E. G........."
AndregeNoris Zahr
Aſchaffbg. Brauere
Zellſto
Bemberg. 7. P...
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie
Buderns Eiſen..
Eement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſe
Chem. Werke Alber
Chade
....."
AContin Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz,
99.5
68.5
95.5
87.5
93.25
83.5
81.75
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83.2
93
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20.5
A
39
9.4
15.2
7.85
Ar4
19.25
16.2*
771
103
93
126
73
121
80
g0
170
29
116
110
25
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl
Gold=u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerke
„Eiſenhandel. ..
Dyckerhoff u. Widn
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Guilleaume
Frankf. Gas t. Lig.
Hof......
(elſen1. Bergwerk
jeſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmi
zritzner Maſchinen
Grün & Bilfinge
Hafenmühle Frift.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger. Kemp
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. .. ..
HochtieiEſſen".
Holzmann, Phil
Flſe Bergb. Stamn
Genüſſe
Junghanz.
Kali Chemie
„ Aſchersleben .
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. . .
Klein, Schanzlin".
Kköcknerwerke
Knorr C. 6...
Lahmeyer & Co. ..!"
Laurahütte ......
Lech, Augsburg ...
76,5
105
41.25
74.5
110
121
192
35
S6.5
141:
48
119
35
1237.
39.5
34
157
119
79
122
85
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Berg.
Metallge). Frankf.
Miag, Mühlenbau
MontecatiniMaild
Motoren Darmſtad
Deutz
Oberurſel
Oberbedarf
Phönix Bergbau..
Reiniger, Gebber
Nh. Braunkohlen.
„ Elektr. Stamm
„ Metallwaren".
„ Stahlwerke ..
Riebeck Montan. . .
Roeder Gebr.
Rütgerswerke
121
67.5
82.75
109
M6
101
134.5
61.75
62
131.75
A.
84.25
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130
05
191
55
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132.5
104
1.5
22
128
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HEBER-RECHTSSCHUTZ AUREB VERLAS OSRAR BEISTER, WERDaU
(Nachdruck verboten.)
e lief nach Villa Meerkönig und teilte Frau Kamnitzer mit,
as raſch einmal nach Berlin reiſen müſſe, daß ſie aber ihre
Ei, dalaſſe und bald wiederkomme.
e drei Stunden, die bis zum Abgang des Schnellzuges noch
ſchlichen ihr nur ſo hin.
idlich ſaß ſie im Abteil.
ichts gegen 2 Uhr erreichte ſie Berlin.
e begab ſich nach ihrer Wohnung, wo ihre Wirtin über ihr
ſor en ſehr erſtaunt war, und ſchlief tief und feſt bis zum
ſr n.
aniela ſuchte Juſtizrat Giſh auf.
n Vorzimmer ſaß ein junger Schreiben, der höflich nach
te des — Wünſchen fragte.
ſch möchte den Herrn Juſtizrat ſprechen!“
da müſſen Sie noch ein Weilchen warten!“
ſch dachte, der Herr Juſtizrat hat auch ſeine Wohnung hier.”
ſa, ja, aber um halb neun frühſtückt er immer. Vor neun
H: er nicht zu ſprechen.”
ſch muß ihn aber jetzt auf der Stelle ſprechen!” ſagte Daniela
Sich.
ſſt die Sache ſo wichtig, gnädiges Fräulein?”
das Allerwichtigſte
Zut, ich will’s dem Herrn Juſtizrat ſagen, und was ſoll ich
Fr elden, um was handelt es ſich?‟
Sagen Sie, es handelt ſich um ſeinen wichtigſten Prozeß. Er
ſchon wiſſen.”
ellten; fer Schreiber meldete ſeinem Chef Danielas Wunſch.
Fräulein Thuille? Kenne ich nicht. Und . . . um meinen
t in eins gſten Prozeß handelt es ſich? Was meint Sie da? Sagen
beten, /S Dame, daß ſie ſich noch etwas gedulden ſoll.”
er Schreiber entfernte ſich, kam aber kurz darauf ſchon wieder.
Na, was ſchon wieder, Johannſen?”
Die Dame läßt ſich nicht abweiſen. Sie hat mich gebeten,
vier Worte zu ſagen.”
Köſtlich ... vier Worte . . . ſo begann doch einmal ein
yer. Wie lauten ſie denn?”
Das Teſtament iſt da!"
uſtizrat Giſh zuckte hoch und ſah auf ſeinen Angeſtellten. „Das
Teſtament . . . iſt da? Welches Teſtament . . . doch nicht
Dienstag, den 3. März 1931
etwa? Laufen Sie, Johannſen, bringen Sie mir ſofort die Dame!”
Bald ſtand Daniela im Salon vor Giſh.
„Sie wollen mich ſprechen?” fragte Giſh erregt.
„Ja, Herr Juſtizrat!”
„Und . . . welches Teſtament meinen Sie?‟
Daniela ſah den Erregten lächelnd an.
tonung: „Das Teſtament Lady Viola Durhams, das Iris Durham
als Univerſalerbin einſetzt, von Sir Emmet unterzeichnet.”
Der alte Juſtizrat ſtarrte Daniela an, als könne er das alles
nicht begreifen, dann riß er ihr förmlich die Papiere aus den
Händen.
Er las und las nochmals unter Aechzen und Stöhnen, das
nach und nach einem begeiſterten Jubeln Platz machte.
Er wandte ſich Daniela wieder zu.
„Das . . . Teſtament . bei Gott es iſt das von Sir
Emmet aufgeſetzte gültige Teſtament! Hat es das Meer
zurück=
gegeben? Wie kommen Sie zu dieſem Rieſenſchatze, der für Berndt
Groth und ſeinen Sohn . . . zwanzig, dreißig oder fünfzig
Millio=
nen Pfund bedeutet?”
Hallig Fahrenkoog. Ein Zufall, nein, GottesFügung ſpielte es
mir in die Hände. Den Mann, der dem an Land geſchwemmten
Piloten einſt Geld und Papiere abnahm, trug man zu Grabe, und
von der Frau erfuhr ich davon und erhielt es ausgehändigt.”
Giſh nahm Danielas beide Hände und drückte ſie bewegt.
„Wie ſoll ich Ihnen danken, Fräulein Thuille?"
„Ich freue mich, Herrn Groth und ſeinem Kinde dieſen Dienſt
erweiſen zu können.”
„Kennen Sie Herrn Groth?”
Danielas Geſicht wurde glühend rot. „Ja,” ſagte ſie tapfer,
„wir hatten uns einſt . . . lieb . . . ſehr lieb."
ins Geſchäft geſchneit kam.
Strande?
„Bis geſtern! Da ereignete ſich aber etwas ſo Wichtiges, daß dem Erbe nicht ganz behaglich.
ich mit dem Nachtſchnellzug nach Berlin reiſte. Ich komme von
Juſtizrat Giſh
„Was wollten Sie denn dort?‟
benen Lady Viola, das Iris als Univerſalerbin einſetzte, über= die Veranlaſſung dazu ausging.”
reicht. Herr Groth und ſein Kind ... ſie werden jetzt ihr Erbrecht
durchfechten können.”
Forſt ſtarrte das Mädel an. Ihm ſchwirrte der Kopf.
Dann riß er den Hörer vom Apparat.
„Herr Salis, kommen Sie doch einmal ſofort zu mir. Ich
habe Ihnen eine ganz große Senſation mitzuteilen.”
Salis kam, und ſeine Ueberraſchung war nicht kleiner.
Seite 11
Dann mußte Daniela alles ausführlich erzählen, mehrmals
mußte ſie es tun.
Im Laufe des Vormittags traf bei Juſtizrat Giſh eine Karte
von Berndt Groth aus Braſilien ein, die ihm mitteilte, daß Groth
unter die Koloniſten gegangen ſei und im Urwald ſich eine neue
Dann reichte ſie ihm das kleine Päckchen und ſagte mit Be= Heimat ſchaffe. „Vielleicht werden Jahre vergehen, bis wir uns
wiederſehen!” ſchrieb Berndt. „Aber ſeien Sie überzeugt, mein
väterlicher Freund, daß meine Gedanken immer bei meinem Kinde
und bei Ihnen ſein werden.”
Giſh ſetzte ſofort ſein langes Kabeltelegramm auf, das ein
paar hundert Mark koſtete.
Er war kaum damit fertig, als ihm Sir Umberton gemeldet
wurde.
Giſh pfiff durch die Zähne.
„Ah . . . der kommt mir gerade recht . .. das paßt ja
wun=
dervoll!”
Der Landsmann aus England trat ein, und die beiden
Eng=
länder begrüßten ſich herzlich.
Umberton kam nicht gleich auf den Zweck ſeines Beſuches zu
„Das Meer, hat es zurückgegeben. Ich bringe es von der ſprechen. Er ſprach von dem und jenem, und ſchließlich fragte er:
„Sagen Sie, lieber Giſh . .. wie geht es eigentlich Mr. Grotb
und ſeinem Kinde?"
„Oh, ich danke, gut! Das Kind hat in unſerem Hauſe eine neue
Heimat gefunden, und Mr. Groth baut ſich in Braſilien etwas im
Urwald auf.”
„Ein Mann, ein ganzer Mann! Wie ihm das Schickſal auch
mitſpielte, er behält den Mut. Habe ihn ſchätzen gelernt, alle
drüben in Old England. Hm . . . ſagen Sie, wie ſind die
finan=
ziellen Verhältniſſe Groths?”
„Nicht ſchlecht, aber ſie könnten beſſer ſein.”
„So, das . . . das hat auch Lord Heinrich Durham gedacht.”
„Schickt er Sie, Mylord?‟
„No . . . oder doch . . . ja. Lord Henry iſt doch Erbe gewor=
Bankdirektor Forſt ſtaunte nicht ſchlecht, als plötzlich Daniela den und weiß nicht wie, ſo über Nacht, ſo unerwartet. Er iſt ein
älterer Herr, dem es an ſich ſchon nicht ſchlecht ging, leidenſchaft=
Was machen Sie denn in Berlin? Ich denke, Sie ſitzen am licher Angler, ſonſt weiter nichts. Er hatte ſich ja von ſeinem
Bruder losgeſagt, iſt das Gegenteil von ihm. Er fühlt ſich mit
„Das Erbe iſt ja auch durch eine glatte Rechtsbeugung in
ſeinen Beſitz gekommen. Das Urteil der Jury, die damals darüber
entſchied, hat das Anſehen des engliſchen Rechts nirgends erhöht.
„Was ich wollte? Ich habe dort das Teſtament der verſtor= Man hatte überall den Eindruck, daß vom politiſchen Departement
„Das iſt ja übertrieben! Aber . .. ich will mal zur Sache
kommen: Lord Durham bietet Mr. Groth und ſeinem Sohne eine
jährliche Rente, deſſen Höhe noch feſtzuſetzen iſt.”
„Das hat Lord Henry nicht mehr nötig!”
Umberton ſah ihn erſtaunt an.
„Ich verſtehe Sie nicht!”
(Fortſetzung folgt.)
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Seite 12
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in-
einander zu fügen verwag, desgleichen.
Mit Ergriffenheit folgt man der
Handlung dieses großen neuen
Ton-
films und am Schluß weint alles um
Mady Christians-
Dazu der Kurztonfilm:
Alice und ihr Staklroß
und das bunte Beiprogramm.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Ab heute
im Doppelprogramm:
Ein Film von Boxern, Liebe
und Straßßenjungens
Zwischen den Seilen
Begie: W. Wyler
Hauptdarsteller James Murray,
Barbara Hent u. Jack Hanlon
Em frisch, fröhlicher Boxkampf
ist der Höhepunkt dieses neuen
und außerordentlich spannenden
Filmwerkes
Im II. Teil
Ein Mädel mit
Temperament
nach dem Roman „Lillebil aus U.S 4.”
von Ludwig v. Wohl.
Begie: Victor Janson
In den Hauptrollen: Maria
Paudier, Lulei Serventi,
Paul Biensfeld, Hurt
Vespermann, Engen Paulgen
u. a.
Flngtechnische Leitung unter
Mit-
wirkung der deutschen Lufthansa.
Künstflüge unt. Aufsicht v. Ernst Udet.
Beginn: 3.45, 6.(0. und 8.20 Uhr.
Nur noch beute u. morgen
Die lustige Geschichte von der
Doppel-
hochzeit des originellsten Schwestern-
Paares im Bayernland.
Henny Porten
in dem neuen Tonfilm:
Koblbiesels Töchter
mit Fritz Kampers
Keine Nachsrnchronisterung des alten
Stummfilms, sond. eine vollkommene
Nenverfilmung.
Henny Porten in ihrer
Klan-
sischen Doppei rolle als
Gretel u. Liesel Kohlbiesel.
Das Publikum steht vor Rätseln;
rechts eingt die Gretel, links brummt
die Liesel — und beides spielt die
eine Porten-Sphiz.
Es wird des Lachens kein
Ende sein.angesichts dieses
humorvollen Tonfilms.
Daxu der Kurztonfilm:
„Oswald in Bevilla”” und der
köstliche Micky-Film: „Dichter
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Wir geben hierdurch bekannt, daß ſich unſere Hauptagentur
Darmſtadt ab 1. März d. Js. nicht mehr Schulſtraße 1
ſondern Hügelſtraße 20 befindet.
Die Leitung unſerer Hauptagentur Darmſiadt hat nach wie vor
Herr Fritz Obmann inne. In allen Angelegenheiten bitten
wir, ſich an untenſtehende Adreſſe zu wenden.
Volkswohl=Bund
Allgemeiner Beſtattungs= u. Verſicherungsverein a. G. Berlin
Hauptagentur Darmſtadt, Hügelſtraße 20.
Telefon: Darmſtadt 2958.
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