Einzeinmmer 10 Pfeunige
Bei wöchentlich 2maligem Erſcheinen vom 4. Januar
bis 34. Januar 2.48 Reſchsmark und 22 Pfennig
Abtragegebühr abgeholt 2.25 Reichsmarl, durch die
Agenturen 2.46 Reichsmart frei Haus. Poſibezugspreis.
im Jan, ohne Beſtellgeld monatlich 2.45 Reichemar.
Veranworilichkelt für Aufnahme von Anzeigen an
beſimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechiſgt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf ohne Verbindlſchtelt für uns. Poſtſcheckonto
Frantfurt a. M. 1304.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt.
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geffattet.
Samstag, den 3. Januar 1931.
Nummer 3
194. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezeile (92 mm
breit) 2 Reichsmarl. Anzeigen von auswärte 40 Reichepfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reſchepfg. 92 mm breite
Reklame=
zelle 300 Reſchsmart. Alle Preiſe in Reichsmart
(4 Dollar — 420 Mark). — Im Falle böherer
Gewalt wie Krieg. Aufruhr, Streil uſw. erliſcht
ſede Verpfſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchtlicher Beltreibung fäll jeder
Rabatt weg. Bankonto Deuiſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbanl.
Streikgefahr im Ruhrgebiet.
Verftärkke Propaganda der revolukionären Gewerkſchafken. — Einſehung kommuniſtiſcher Skoßkrupps.
Die Bergarbeiterverbände mahnen zur Ruhe und Beſonnenheit und warnen
vor den politiſchen Streikparolen der K.P.9.
Kommuniſtiſche Skreikhehe.
Terroriſierung Arbeikswiliger durch Erwerbsloſe.
* Eſſen, 2. Jan. (Priv.=Tel.)
Die Verſuche der Kommuniſten, einen Streik im Ruhrgebiet
zu inſzenieren, ſind zurzeit nicht ohne Erfolg geblieben. Auf
zahlreichen Zechen des Gebietes iſt am Freitag die Arbeit zum
Stillſtand gekommen, weil überall die Kommuniſten die
Arbeits=
willigen von den Gruben fernhielten. Vielfach hatten ſie die
Anmarſchwege zu den Gruben mit Erwerbsloſen beſetzt, die die
Bergarbeiter zurücktrieben. Dabei kam es vielfach zu
Tätlich=
keiten, ſo daß die Schutzpolizei alarmiert werden mußte. Die
Gewerkſchaften geben ſich alle Mühe, eine Ausdehnung des
Streikes zu verhindern. Sie haben an ihre Anhänger die
Parole ausgegeben, die Arbeit vorläufig
fort=
zuſetzen und ſich um die Kommuniſten nicht zu kümmern.
Wieweit dieſe Anweiſung befolgt wird, bleibt abzuwarten. Am
7. Januar wird der Schlichter des Bezirks, Prof. Brahns,
erneut mit den Parteien verhandeln. Man nimmt
allgemein an, daß er diesmal zu einem Schiedsſpruch kommen
wird. Es wird ſogar ſchon davon geſprochen, daß eine
Lohn=
kürzung von etwa 8 Prozent in Frage kommen dürfte. Die
Gewerkſchaften wollen einen geringeren Abſchlag durchdrücken.
Infolgedeſſen wurde in den letzten Tagen des vorigen Jahres
eine Einigung nicht erzielt. Sollte auch am 7. Januar eine
Einigung nicht gelingen, dann wird beſtimmt mit dem
Ein=
greifen des Arbeitsminiſters gerechnet, der ein
ſtar=
kes Intereſſe daran hat, daß die 290 000 Bergarbeiter im
Ruhr=
gebiet ihre Arbeitsſtätte behalten, womit ihnen Arbeit und Brot
geſichert iſt.
Wilde Skreiks.
Auf einer ganzen Anzahl von Zechen im Ruhrgebiet kam es
am Freitag früh unter dem Druck von Arbeitsloſen, die die
Zechen=
tore beſetzt hatten, zu wilden Streiks. Während auf einzelnen
Zechen nur ein Teil der Belegſchaft nicht eingefahren iſt, ruht auf
anderen Zechen des Bezirkes die Arbeit vollſtändig. Soweit ſich
bis jetzt feſtſtellen ließ, werden von dieſen Streiks etwa 22 Zechen
des Ruhrbergbaues betroffen. Am ſtärkſten macht ſich die
Streik=
bewegung im Hamborner Bezirk bemerkbar, wo in vier von ſechs
Schächten die Arbeit zum Teil niedergelegt wurde. Die Hälfte
der 5500 Mann ſtarken Belegſchaften iſt hier, nicht eingefahren.
In den Waſchkauen und anderen Räumen der Hamborner Zechen
wurden heute früh Belegſchaftsverſammlungen abgehalten, in
denen ſich die Mehrheit für den Streik ausſprach. Als Grund
wird hier das Kündigungsſchreiben der Zechenbeſitzer angeſehen.
Im Bezirk Recklinghauſen ſind von 18 Schachtanlagen bis jetzt
5 von der Streikbewegung betroffen.
Die Bergarbeikerverbände gegen die
Skreikbewegung.
Wie vom Gewerkverein chriſtlicher Bergarbeiter mitgeteilt
wird, hat ſich der Hauptvorſtand der Gewerkſchaft mit dem Streik
im Ruhrbergbau befaßt und ſeine Mitglieder aufgefordert,
wei=
terzuarbeiten. Die Verhandlungsmöglichkeiten ſeien noch nicht
erſchöpft. Bereits für den 7. Januar ſeien Verhandlungen in
Ausſicht genommen. Auch müßten die alten Löhne bis zum
15. Januar weiterbezahlt werden. Der Alte Bergarbeiterverband
richtet gleichfalls an die Ruhrbergleute einen Aufruf. Darin heißt
es: Die Kommuniſten haben heute morgen den Verſuch gemacht,
auf den Zechen des Ruhrgebietes Streiks hervorzurufen. Auf
ungefähr 22 Schachtanlagen iſt ihnen der Streik durch Anwendung
von Gewalt in mehr oder minder großem Umfange gelungen. Der
Verband fordert ſeine Mitglieder und die Belegſchaften auf,
ſol=
chen Putſchparolen keine Folge zu leiſten, und ſich den Verſuchen,
ſie gewaltſam durchzuführen, energiſch zu widerſetzen.
Der Bergbauverein teilt mit: Auf einigen Zechen des
Ruhr=
gebietes wurde heute von kommuniſtiſcher Seite verſucht, die
Be=
legſchaft von der Arbeit abzuhalten. Der weitaus größte Teil
der Belegſchaften iſt der Streikparole nicht gefolgt. Der ganze
Süden des Bezirkes, die Bezirke Dortmund, Witten, Bochum,
Wattenſcheid, Eſſen und Mülheim ſind ſtreikfrei. Die Geſamtzahl
der Ausſtändiſchen beträgt 11,91 Prozent der Frühſchicht. Die
Streikbewegung erſtreckt ſich hauptſächlich auf die Reviere
Ham=
born, Gladbeck, Buer und Hamm. Auf einzelnen Zechen ſtanden
auswärtige Arbeitsloſe Streikpoſten. Da die
Bergarbeiterver=
bände der Bewegung fernſtehen, iſt mit einem baldigen Erlöſchen
des Streikes zu rechnen.
Zur Skreiklage im Ruhrbergbau.
Zur Streiklage im Ruhrbergbau teilt der Bergbauverein
mit: In der allgemeinen Streiklage iſt in der Nachmittagsſchicht
gegenüber der Morgenſchicht eine weſentliche Aenderung nicht
ein=
getreten. Zu den beſtreikten Zechen ſind die Schachtanlagen
Dier=
gardt II und Friedrich Thyſſen II/V im Hamborner Bezirk
hinzu=
gekommen, während die Belegſchaften der Zeche Bismarck VHI//III,
die in der Frühſchicht zum Teil am Streik beteiligt waren, in der
Nachmittagsſchicht vollſtändig angefahren ſind. Auf mehreren
Zechen ſind einige Leute, die in der Morgenſchicht gefehlt haben,
in der Mittagsſchicht angefahren. Vielfach wurde von
auswär=
tigen Elementen an den Zechentoren ergebnislos verſucht, die
ein=
fahrende Belegſchaft für eine Streikbeteiligung zu gewinnen.
Wie wir hierzu von Gewerkſchaftsſeite erfahren, hat die
Streik=
lage in den Hauptſtreikgebieten Buer, Gladbeck, Hamm und
Reck=
tinghauſen ſich in den heutigen Mittagsſtunden teilweiſe noch ver=
ſchärft, da die Zechentore weiter von großen Trupps von
Erwerbs=
loſen, Frauen uſw. belagert werden, die die Belegſchaften an der
Einfahrt zu hindern verſuchen. Während auf einzelnen
Schacht=
anlagen die Bergleute ſich gewaltſam Eingang zum Schacht
ver=
ſchafften, mußten auf anderen Zechen die Belegſchaftsmitglieder
wieder nach Hauſe zurückkehren, da ſie den Stoßtrupps machtlos
gegenüberſtanden. Auf der Zeche Guſtav in Eſſen wurden drei
kommuniſtiſche Betriebsratsmitglieder, die ſich an dem Streik
be=
teiligt hatten, friſtlos entlaſſen.
Ein Aufruf der vier Bergarbeikerverbände
an die Ruhrbergleuke.
Die Bergarbeitergewerkſchaften des Ruhrgebietes, der
Ver=
band der Bergbauinduſtriearbeiter Deutſchlands, der
Gewerk=
verein Chriſtlicher Bergarbeiter, der Gewerkverein Hirſch=
Duncker, die Polniſche Berufsvereinigung, wenden ſich heute
in Form eines Flugblattes mit einem beſonderen Aufruf an die
Ruhrbergarbeiter, in dem es, wie folgt, heißt:
Kameraden! Die Unternehmer des Ruhrbergbaues haben
die Kündigung aller Arbeitsverträge bis zum 15. Januar
ausge=
ſprochen. Mit brutaler Gewalt ſoll die Lohnkürzung, die bei
den Schlichtungsverhandlungen nicht erreicht werden konnte,
durchgeſetzt werden. Die Not der Bergarbeiter ſoll noch
vergrö=
ßert werden. Sie ſollen die Schäden der Kriſe allein tragen.
Kameraden! Macht die Abſicht der Bergwerksbeſitzer
zuſchan=
den, zeigt, daß ihr nicht gewillt ſeid, euch dem Diktat der
Unter=
nehmer zu beugen, lehnt den Abſchluß von neuen
Arbeitsver=
trägen ab, weigert euch, die Bediugungen der Arbeitgeber
an=
zunehmen. Von eurem Verhalten hängt der Ausgang des
Lohnkonfliktes ab, deshalb ſchließt keinen neuen
Arbeitsver=
trag ab, vertraut euch der Führung der vier
Bergarbeiter=
verbände an. Kameraden! Weiſt die kommuniſtiſchen Parolen
zurück. Sie haben nur den Zweck, euch in einen ausſichtsloſen
Putſch hineinzutreiben; ſie dienen niur der Reaktion und fördern
die Diktaturgelüſte der Unternehmer. Lehnt dieſe Parolen ab,
folgt den Weiſungen der vier Bergarbeiterverbände.
Bergarbeikerführer Huſemann über die Skreiklage.
Der Vorſitzende des Verbandes der Bergbauinduſtriearbeiter
Deutſchlands (Deutſcher Bergarbeiterverband), Fritz Huſemann,
hat ſich über die durch die Streikaktion der revolutionären
Gewerk=
ſchaftsoppoſition entſtandene Lage im Ruhrgebiet dahin geäußert,
daß das Endziel der Bewegung ſeiner Anſicht nach die Gründung
eines kommuniſtiſchen Bergarbeiterverbandes bezwecke. Huſemann
glaubt, daß die kommuniſtiſche Streikaktion ſchon in kurzer Zeit
zuſammenbrechen werde, weil die überwiegende Mehrheit der
Bergarbeiter einſähe, daß ihr mit derartigen Bewegungen nicht
gedient ſei. Trotz der kommuniſtiſchen Ueberrumpelungserfolge
auf einzelnen Schachtanlagen könne jedenfalls die Maſſe der
Berg=
arbeiterſchaft als feſt in der Hand ihrer verantwortungsbewußten
Führer bezeichnet werden.
Miniſterkonferenz in Freiburg über den Ruhrkonflikk.
Das Reichskabinett hatte urſprünglich die Abſicht, erſt am
12. Januar ſeine Arbeiten wieder aufzunehmen. Es hat ſich
aber doch als notwendig erwieſen, noch vor der Abreiſe
des Kanzlers in die Oſtgebiete eine Beſprechung der
wichtigſten Mitglieder des Kabinettes herbeizuführen. Der
Kanzler, der einige Tage im Schwarzwald weilte, hat ſich in
Freiburg mit dem Reichsfinanzminiſter getroffen. Der
Reichsarbeitsminiſter Stegerwald hatte ſich eigens zur
Beſprechung nach Freiburg begeben. Die drei Miniſter haben
dann am Freitag mehrere Stunden beraten. Der Kanzler und
der Arbeitsminiſter ſind erſt in den Abendſtunden nach Berlin
zurückgekehrt, während Dr. Dietrich noch einige Tage in Urlaub
bleibt. Die Tatſache, daß der Arbeitsminiſter nach Freiburg
fährt, und die Rückkehr des Kanzlers am Samstag vormittag in
Berlin nicht abwartete, läßt den Schluß zu, daß es einige
be=
deutſame aktuelle Fragen waren, die zur Debatte ſtanden. Dr.
Stegerwald hat den Kanzler vor allem über den Stand der
letzten großen Lohnverhandlungen, namentlich
auch über den Konflikt im Ruhrbergbau
unterrich=
tet. Man iſt ſich vermutlich darüber einig geworden, welche
Mittel angewendet werden ſollen, falls der Konflikt ſchärfere
Formen annimmt. Weiter ſcheint auch die
Preisſenkungs=
aktion behandelt worden zu ſein. Die Reichsregierung hatte
ja wegen des Weihnachtsgeſchäftes keine neuen Vorſchläge zur
Förderung des Preisabbaues gemacht. Wahrſcheinlich wird
aber jetzt binnen kurzem ſchon mit einer neuen Betriebſamkeit
auf dieſem Gebiet zu rechnen ſein. Auch das
Erwerbsloſen=
problem und die finanziellen Auswirkungen ſtanden zur
Aus=
ſprache. Am Sonntag will der Kanzler ſeine Oſtreiſe antreten,
von der er erſt am 11. Januar wieder zurückkehren wird.
Verkauf von Reichsbahnvorzugsakkien.
* Im außerordentlichen Etat des Reiches iſt der Verkauf
von Reichsbahnvorzugsaktien des Reiches in Höhe von 300
Millionen vorgeſehen, um den Haushaltsplan im Gleichgewicht
zu halten. Insgeſamt beſitzt das Reich etwa 700—800
Mil=
lionen Vorzugsaktien, von denen bereits früher ein Teil zur
Behebung von Kaſſenſchwierigkeiten herangezogen wurde. Jetzt
iſt ein Paket von 64 Millionen zum Kurſe von 86 Prozent an
die Allianz und Stuttgarter Lebensverſicherungsbank abgeſtoßen
worden. Weitere Verkäufe werden folgen, da ja auch ein Teil
der Aktien zugunſten der Länder bereits im Etat auf der
Ein=
nahmeſeite enthalten ſind.
Pariſer Bilanz.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, Ende Dezember 1930.
Das Jahresende brachte die beklemmende Gewißheit: die
Weltwirtſchaftskriſe hat auch Frankreich erfaßt. Glaubt man
dem früheren Finanzminiſter Paul Reynaud, ſo iſt es unrichtig,
von einer Weltwirtſchaftskriſe zu ſprechen, er meint, jedes Land
habe ſeine eigene Kriſe. Das iſt Dialektik und kann nicht darüber
hinwegtröſten, daß Paul Reynaud, der mit Hiobsprophezeiungen
das Finanzminiſterium betrat, es mit denſelben
Hiobsprophezei=
ungen verließ. Die Kriſe iſt noch nicht einmal da, ſie
wird für Frankreich erſt kommen.
Es ließe ſich, vom Standpunkt des Pſychologen aus, ſehr
diel über die Tatſache ſagen, daß Frankreich nun wirtſchaftlich
ſeine Ausnahmeſtellung „als letzte Inſel der Proſperität” verlor.
Die Franzoſen ſind zwar Individualiſten, und wenn ſchon das
Schlimme unvermeidlich iſt, dann wollen ſie noch immer lieber
ihre eigene, ſpezielle Kriſe haben, als unter der allgemeinen
Kriſe der Weltwirtſchaft doppelt leiden. Aber das tut nicht mehr
viel zur Sache. Die Wirkungen der Kriſe waren in der
Innen=
politik bereits zu fühlen. Tardieu und ſeine Regierung waren
politiſch die Opfer der Kriſe, das Wort Proſperität war das
Verhängnis Tardieus. Mit einer virtuoſen Effeithaſcherei,
die beſſer in die Kammer als in den Senat gepaßt hätte, warf
ihm ein Senator das Schickſal einer der älteſten
franzö=
ſiſchen Banken vor, die „
hundertſiebenundvier=
zig Jahre allen politiſchen Erſchütterungen
ſtandhielt und unter der Politik der
Proſperi=
tät zu Grunde ging”.
Der Glaube an Amerika iſt mit dem Glauben an die
allein=
ſeligmachende Proſperität verſchwunden. Die erſten Anzeichen
der Kriſe genügten, um die keimende amerikaniſche
Weltanſchau=
ung auf franzöſiſchem Boden verſchwinden zu laſſen. Denn
Amerikanismus war kein politiſcher Begriff in Frankreich, es
war eine Art ſeeliſche — mehr ſeeliſch als praktiſche —
Ein=
ſtellung zur Außenwelt, die in den Kreiſen der Intellektuellen
und der Jugend ſich breitzumachen begann. Sie hatte ihre
Ver=
treter in der Literatur und in der Politik, im geſellſchaftlichen
Leben und ſogar in den Kreiſen der Wirtſchaft. In der Politik
hieß dieſer Vertreter André Tardieu.
Eine Mode iſt verſchwunden, bald werden manche
junge Franzoſen auf ihre Kleider mit amerikaniſchem Schnitt
verzichten und ſelbſt die viel gerügte Mode der Coctails könnte
eines Tages nachlaſfen. Davon ſind wir zwar noch ziemlich weit
entfernt, aber die Ereigniſſe gehen ja ſo ſchnell. In dieſem
Falle hat man den Eindruck, daß dem Franzoſen, wenigſtens
der Mehrheit, die amerikaniſche Einſtellung ſceliſch ganz
be=
ſonders fremd war. Die Jugend, die ſo gerne den
amerikani=
ſchen Einflüſſen erlag, wird ſo ſchnell nichts neues finden. Das
iſt bedauerlich, die alte Generation ſcheint es aber nicht zu
be=
dauern; wohl nirgends in der Welt wird mit ſo viel Freude —
wenn auch ohne Boshaftigkeit — auf die Kriſe der
amerikani=
ſchen Mentalität hingewieſen. Das mag für viele Anbeter der
„mesure”, des franzöſiſchen Maßhaltens in allen Dingen, einen
Troſt bereiten. Nicht alles, was aus Amerika in den letzten
Jah=
ren importiert wurde, war gut, manche Dinge und
Lebensge=
wohnheiten ſtehen ganz tief unter dem Niveau des „Corned
Beef”. Aber dem aufmerkſamen Beobachter muß es doch ſo
ſcheinen, daß es vergeſſen wird, daß im Grunde
genom=
men nicht Amerika, ſondern Europa verſagte.
Wir wollen an den niederſchmetternden Ziffern, die auch hier
über amerikaniſche Arbeitsloſigkeit und Bankerotts von Mund
zu Mund gehen, nicht zweifeln. Sie ſind ſchon ganz gewiß
rich=
tig, und die Beſchönigungsverſuche der Waſhingtoner
Regie=
rung, welche durch die unwahrſcheinlichſten Kanäle an die
euro=
päiſche Oeffentlichkeit gelangen, laſſen uns kühl. Aber wenn
es ein Land gibt, das ſeine ſpezielle, eigene, individuelle Kriſe
hat — wir verſtehen das Wort jetzt nicht ausſchließlich im
wirt=
ſchaftlichen Sinne — ſo ſind es die USA. Damit ſollen die
berühmten weltwirtſchaftlichen Zuſammenhänge nicht geleugnet
werden, im Gegenteil; aber die Kriſe in Europa iſt unendlich
verwickelter, die Urſachen hier ſind viel mannigfacher als jenſeits
des Ozeans.
Die Kriſe der Abrüſtung und das Verſagen
der Liquidierung des Krieges imwahren Sinne
des Wortes iſt eine in erſter Linie europäiſche
Angelegenheit. In Paris liegen die Splitter des
wirt=
ſchaftlichen Syſtems, Autarchie genannt, — man verſtand hier
darunter die wirtſchaftliche Selbſtgenügſamkeit Frankreichs mit
ſeinen Kolonien. Die koloniale Ausſtellung, dieſe großzügige
Manifeſtation des plus grande France — des größeren
Frank=
reich — wird, ohne daß man an Koſten und Arbeit ſpart,
vor=
bereitet. Aber die kolonialen Aktien ſind entwertet und faſt
unverkäuflich. Von der Auflegung der kolonialen Anleihe hört
man, obwohl ſie von der Kammer angenommen wurde, nichts
mehr, und die größte Finanzierungsbank" für die Kolonien
(Société Financiere Coloniale) muß ſaniert werden. In der
Kammer iſt der Kampf der Richtungen längſt zu einem
perſön=
lichen Kampf entartet, das Kabinett Steeg führt ein mühevolles
Daſein inmitten einer Oppoſition, und die mit ſo viel Emphaſe
verkündeten Grundſätze der Außenpolitik beginnen bedenklich zu
ſchwanken.
Die nächſte Völkerbundstagung wird Antwort auf die Frage
geben, ob. die neue politiſche Entwicklung in Frankreich, die
unter dem Druck der internationalen Fragen zuſtande kam, ſich
über dieſe internationalen Probleme auch Rechenſchaft gibt
und aus ihnen, wenn auch noch ſo zaghaft, einen Schluß zu
ziehen wagt. Nämlich den Schluß, daß Frankreich
aus eigenem Intereſſe in den Neubau Europas
einwilligen und an ihm mitarbeiten muß. Bis
jetzt ſind dafür noch nicht viele Anzeichen vorhanden. Das
Jahr 1930 ging zur Neige, ohne in dieſer Richtung etwas
Poſi=
tives gebracht zu haben. Es hat nur Beſtehendes erſchüttert.
Die Prophezeiungen für das Jahr 1931 klingen peſſimiſtiſch, die
Lage iſt tatſächlich nicht roſig, aber gerade in ſolchen
Zeiten könnten neue Ideen einen günſtigen
Boden finden.
Seite 2
Samstag, den 3. Januar 1931
Nummer 3
Vorfeldgefechte
um die deukichen Minderheiten.
Der deutſche Botſchafter in Paris hat den franzöſiſchen
Außenminiſter noch einmal beſucht. Die Unterredung galt in ſchen Kreiſen davon geſprochen, daß zur Durchführung des
erſter Linie den bevorſtehenden Genfer Verhandlungen des
Völ=
kerbundsrates. Dieſe diplomatiſchen Beſprechungen
werden fortgeſetzt nicht nur in Paris, ſondern unſere Botſchafter
ſind auch bei den übrigen Ratsmächten, angewieſen, im Sinne
unſerer Minderheitenbeſchwerden vorſtellig zu werden und die
pol=
niſchen Darſtellungen als den Tatſachen nicht entſprechend zu
ent=
kräften. Was bei der letzten Beſprechung Briand—v. Hoeſch
herausgekommen iſt, entzieht ſich der Kenntnis der Oeffentlichkeit.
Es iſt aber bekannt, daß ſich die Franzoſen reſtlos auf
die Seite Polens ſtellen werden und daß ſie nichts
unter=
laſſen dürften, um eine empfindliche Niederlage Polens im Rate
zu vermeiden.
Fragt ſich nur, in welchem Sinne die deutſche Minderheiten= Bauern weiter beſchränkt werden.
beſchwerde überhaupt erledigt werden ſoll. Verſchiedene
Möglich=
keiten ſind gegeben, darunter auch die der Einſetzung der üblichen
Unterſuchungskommiſſion zur Prüfung unſerer Klagen. Es iſt
nicht ausgeſchloſſen, daß man ſich im Rate für dieſes Verfahren
entſcheidet. Wir müſſen dann allerdings Wert darauf legen, daß
die Unterſuchung befriſtet erfolgt und daß ſchon die nächſte
Rats=
wir uns nicht damit einverſtanden, erklären, daß ſich die
Unter=
ſuchung endlos hinzieht und ſo unſere Beſchwerde langſam verſackt.
Aber nach unſerer Auffaſſung können wir uns auch nicht einfach
damit abfinden, daß der Rat lediglich beſchließt, eine Unterſuchung
vorzunehmen. Er muß ſchon weitergehen und auf Grund des ihm gelaſſen.
überreichten einwandfreien Materials den Polen eine ernſte Rüge
erteilen und die Warſchauer Regierung auffordern, die
eingegan=
genen Minderheitenverpflichtungen ſtrickte einzuhalten, darüber
hinaus den Verletzten eine angemeſſene Entſchädigung zu
gewäh=
ren und die Schuldigen zu beſtrafen.
Der Wechſel im Vorſikz der Januar=Ralstegung.
vollzogen.
Berlin, 2. Januar.
Wie wir erfahren, hat ſich der britiſche Außenminiſter
Hen=
derſon, der Anregung Deutſchlands entſprechend, bereit erklärt,
den Vorſitz in der Völkerbundsratstagung im Januar zu
über=
nehmen. Reichsaußenminiſter Dr. Curtius wird dann bei der
nächſten Ratstagung als Präſident fungieren.
Zu den Meldungen vom Verzicht Deutſchlands auf den Vor= wird
ſitz der Januartagung des Völkerbundsrates erklärt man im
Völkerbundsſekretariat, daß Deutſchland bei den Verhandlungen
über einen eventuellen Tauſch des Vorſitzes mit einer anderen
Ratsmacht, nicht an die alphabetiſche Reihenfolge gebunden ſei,
ſondern mit jedem beliebigen Mitglied des Rates den Vorſitz
tauſchen könne. Solche Tauſchverhandlungen müßten auf
diplo=
matiſchem Wege vor ſich gehen; dem Völkerbundsſekretariat ſtehe
auf ſie kein Einfluß zu. Die Abſicht, einen Tauſch vorzunehmen,
erkläre ſich zum größten Teil wohl aus der Schwierigkeit für Dr.
Curtius, in den vorausſichtlich ſehr lebhaften Verhandlungen
präſident zu ſprechen. Man wiſſe auch nicht, ob die deutſch=
pol=
niſchen Auseinanderſetzungen ſich lediglich auf dem Gebiete des
Minderheitenſchutzes halten werden. Es ſei vielmehr zu erwarten,
daß von polniſcher Seite auch diejenigen Einflüſſe zur Sprache
ge=
bracht würden, die durch die verſchiedenen Bekundungen der
deut=
ſchen Reviſionspolitik ſeit der erſten Treviranusrede auf die
Stim=
mung der polniſchen Bevölkerungsteile in Polniſch=Oberſchleſien
ausgeübt worden ſeien. Die deutſche Beſchwerde erſtrecke ſich
frei=
lich nur auf die beſtehenden Verträge des Genfer Abkommens und gegen ½2 Uhr nachts, kam es zu Unruhen, bei denen an dem
des Allgemeinen Minderheiten=Schutzvertrages und ihre
Durch=
führung. Die Verhandlungen könnten jedoch eine Form
an=
nehmen, die über dieſen Rahmen hinausgeht, und dabei könne
ein Präſident, der gleichzeitig Partei ſei, vor dem Völkerbundsrat
in eine ſehr ſchwierige Lage kommen. Da man im Sekretariat
vorausſah, daß die Auseinanderſetzungen ſehr leicht eine politiſche Zuſammenhang mit der vorhergehenden Schießerei ſtehen, iſt noch
nur die rechtlichen Grundlagen, wie ſie im Genfer Abkommen und
im allgemeinen Minderheitenſchutzvertrag gegeben ſeien, aufs
ein=
gehendſte geprüft, ſondern ſich auch ſehr gründlich mit der ganzen
Entwicklung des oberſchleſiſchen Problems ſeit der oberſchleſiſchen
Entſcheidung des Völkerbundsrats vom Jahre 1921 befaßt.
Zeform des Bölkerbundsſekrekarials.
* Wir hatten ſchon wiederholt Gelegenheit, uns mit der
Ver=
teilung der Poſten innerhalb des Völkerbundsſekretariats zu
be=
ſchäftigen. Bisher war es Deutſchland nicht gelungen, ſich ebenſo
wie Frankreich und England einen maßgebenden politiſchen Poſten
zu ſichern, ſodaß unſer Einfluß in der Völkerbundsbürokratie nur
ſehr beſchränkt iſt. Anfangs Januar ſoll nun ein zur Reform des
* Aus unbekannken Herderſchen
Familienbriefen.
Napoleon und Alexander in Erfurt und Weimar.
Von Dr. Stephan Kekule von Stradonitz.
Ueber unſeren großen deutſchen Klaſſiker Herder wird
dem=
hächſt — auf Veranlaſſung der Familie und weiteren
Nach=
kommenſchaft — (Kommiſſionsverlag: Zentralſtelle für deutſche
Perſonen= und Familiengeſchichte, Leipzig, Deutſcher Platz,) ein
großes zweiteiliges Werk erſcheinen und iſt bereits im Drucke:
„Johann Gottfried Herder, ſeine Vorfahren und ſeine
Nachkom=
men” von Hans Schauer und Peter von Gebhardt. Der zweite
Teil des Geſamtwerkes bringt 232 Briefe und Urkunden aus
dem Herderkreis, die, bisher veröffentlicht, zum großen Teile
naturgemäß für das Weimar der Goethezeit von großer
Be=
deutung ſind. Von dieſem zweiten Teile liegen mir bereits die
Aushängebogen vor. Darin erſcheinen einige Nachrichten über
die Kaiſer Napoleon und Alexander I. in Erfurt und Weimar,
der Aufmerkſamkeit weiteſter Leſerkreiſe nicht unwert. In Erfurt
wo Napoleon vom 27. September bis 14. Oktober 1808 weilte,
um mit Alexander I. eine Zuſammenkunft zu haben, wo er
un=
zählige Fürſtlichkeiten Deutſchlands um ſich verſammelte, ſeinen
berühmten und Lieblingsſchauſpieler Talma und die Comédie
Francaise vor einem Parkett von Königen” ſpielen ließ, wo er
Goethe empfing, von wo aus er Goethe und Wieland die
Ehren=
legion verlieh. In Weimar, das beide Kaiſer im
Zuſammen=
hange mit dem Erfurter Aufenthalte beſuchten.
Zunächſt ſchreibt Herders Tochter Luiſe am 29. September
aus Weimar über dieſe Dinge an ihren Bruder Auguſt und
deſſen Gattin Sophie: „Schade war es daß Du guter Bruder
von all den Kaiſerlich= und Herlichkeiten nur ein kleines
Stück=
chen ſehen konnteſt. — Am Sonntag abend zwiſchen 6 und 7 Uhr
kam endlich der Kaiſer (Alexander), unter dem Geläute aller
Glocken ſowohl der Dörfer als die der Stadt, in unſern Mauern
an. Abends war große Cour. Montag ritt er vormittags
mit dem Erbprinz ſpäzieren. Abends erhielt er franzöſiſche
Depeſchen und kam daher nicht in das Theater. Dienstag früh
9 Uhr verkündigte das Krachen der Kanonen in Erfurt die
An=
kunft Napoleons — kurz darauf kam auch die Staffette mit der
Nachricht. — Nun wurde es lebendig in der Stadt. Jedes wollte
den Alexander abreiſen ſehen. Ich ging mit Wielands um
12 Uhr an das Schloß, wo ſchon ſämtliche Kutſchen, die ganze
Jägerei zu Pferde, unſere Huſaren und die franzöſiſche Garde,
Bom Tage.
Die Vorführung des Films „Im Weſten nichts Nenes” iſt
für ganz Oberöſterreich verboten worden. Uebertretungen
dieſes Verbots werden mit Geldſtrafen belegt.
Im Zuſammenhange mit der Oſtreiſe des Kanzlers wird in politi=
Oſtprogramms eine Anleihe von einer halben
Mil=
liarde entriert werde.
Der frühere Hauptmann Röhm, der ſeinerzeit am
Hitler=
putſch beteiligt war und jetzt nach 2jährigem
Aufent=
halt in Bolivien nach Deutſchland zurückgekehrt iſt,
übernimmt den Dienſt als Chef des Stabes der Nationalſozialiſtiſchen
Sturmabteilung.
Der polniſche Außenminiſter Zaleſki hat in einem
Regierungs=
blatt eine Neujahrserklärung veröffentlicht, die in der Feſtſtellung
gip=
felt, daß die polniſche Außenpolitik vollkommen die
gleiche bleibe wie bisher.
Das Plenum des Vollzugskomitees Großrußlands hat nach dem
Vorſchlag des Juſtizkommiſſars Janſon mehrere Geſetze beſtätigt in
denen die Rechte der noch individuell wirtſchaftenden
Der ſpaniſche Miniſterpräſident General Berenguer erklärte
noch=
mals, daß die Wahlen zum ſpaniſchen Parlament am
1. März und die Wahlen zum Senat am 15. März ſtattfinden
werden. Er ſicherte volle Wahlfreiheit zu.
Marſchall Joffre hat auch dieſe Nacht überlebt. Er iſt ohne
Bewußt=
ſein und befindet ſich in einem Zuſtand größter Schwäche. Die Aerzte
tagung ein abſchließendes Ergebnis vorfindet. Jedenfalls können erklären ſich aber außer Stande, vorauszuſagen, wann der Tod
ein=
treten wird.
Die Aufſtändiſchen in Burma erlitten eine ſchwere
Nie=
derlage durch engliſche Truppen. Bei einem Kampf eroberten die
Truppen das Hauptlager der Aufſtändiſchen und ſchlugen dieſe in die
Flucht. Die Aufſtändiſchen haben 200 Tote auf dem Kampfplatz zurück=
Der frühere Generalagent für die Reparationszahlungen, S. Parker
Gilbert, wird, wie mitgeteilt wird, am Freitag in das Bankhaus J. P.
Morgan u. Co. als Teilhaber eintreten.
Sekretariats eingeſetzter Ausſchuß zuſammentreten und zu den
deutſchen Wünſchen Stellung nehmen. Soweit wir hören, beſteht
Grund zur Annahme, daß man uns die innere Verwaltung
an=
bieten will. Damit allein iſt uns allerdings nicht gedient.
Deutſch=
land wird aber den Poſten nicht ausſchlagen, weil es ſich um einen
recht maßgebenden Poſten handelt. Der inneren Verwaltung
unterſteht die geſamte mittlere und untere Beamtenſchaft und ihr
Aufgabenbereich. Bisher lag die Verwaltung in den Händen
eines Amerikaners, den aber die Franzoſen ſchon lange
hinauszu=
beißen ſuchten, um ſich ſelbſt dieſen Poſten zu holen. Sie bemühen
ſich auch jetzt hinter den Kuliſſen ſehr eifrig darum, doch wäre es
zu wünſchen, daß Deutſchland dieſen Poſten erhält, wodurch unſer
Anſpruch auf einen politiſchen Beamtenplatz natürlich nicht berührt
Reichsbanner-Anruhen in Schwabsburg.
WSN. Mainz, 2. Januar.
In dem rheinheſſiſchen Orte Schwabsburg bei Nierſtein
iſt es in der Silveſternacht zu ſchweren Ausſchreitungen
gekom=
men. Nach einer Wormſer Blättermeldung ſoll das
Schwabs=
burger Reichsbanner im Verein mit dem alarmierten Nierſteiner
Reichsbanner die Bewohner von Schwabsburg
auch mit Beilen bedroht und einige Gebäude
einmal als deutſcher Ratsvertreter und dann wieder als Rats= ſchwer beſchädigt haben. Die Telephonleitungen
zum Bürgermeiſteramt und zum Telegraphenamt ſeien
durch=
ſchnitten worden.
Nach einer Auskunft, die wir an zuſtändiger Stelle erhalten
haben, ſtellen ſich die Vorgänge wie folgt dar: In Schwabsburg
haben in der Silveſternacht junge Leute ſcharf
ge=
ſchoſſen, urſprünglich wohl nur, um Silveſterulk zu treiben.
Dabei wurden mehrere Telephonleitungen beſchädigt. Später,
Hauſe eines an der Schießerei Beteiligten zwei Fenſter
einge=
ſchlagen wurden und der Beſitzer des Hauſes am Kopfe ſchwer
ver=
letzt wurde. Ob aber dieſe Unruhen, die ſich bis 6 Uhr
morgens fortſetzten und an verſchiedenen Stellen des
Ortes zu Sachbeſchädigungen führten, in direktem
Wendung nehmen können, habe man in den letzten Wochen nicht nicht erwieſen. Es ſteht auch noch nicht feſt, ob die an den
Un=
ruhen beteiligten Perſonen Reichsbannerleute geweſen ſind oder
ob ſich ſolche darunter befunden haben. Alles Nähere muß erſt
die weitere Unterſuchung, die morgen fortgeſetzt wird, ergeben.
* Wenn eines an dieſer Meldung überraſcht, dann iſt es die
Tatſache, daß es der Polizei nach bald zwei Tagen noch nicht
gelungen iſt, feſtzuſtellen, wer ſich an den Unruhen beteiligt hat.
Wir haben in Heſſen genügend Beiſpiele für ein flottes und
energiſches Arbeiten der Polizei und insbeſondere der
politi=
ſchen Polizei. Die Erklärung von zuſtändiger Stelle in Mainz,
die an Unklarheiten alles Wünſchenswerte enthält, legt die
Ver=
mutung nahe, daß die Schuldigen auf der Reichsbanner=Seite
zu ſuchen ſind. Wenn es rechtsſtehende Kreiſe wären, ſo ſtünde
die Schuldfrage beſtimmt ſchon feſt.
die Napoleon dem Alexander zur Escorde ſchon Sonnabend
Abend hierher geſchickt hatte, — in ſchönſter Ordnung hielten. —
Wie es aber überhaupt bei großen Herrn immer heißt: früh
ge=
ſattelt u, ſpät geritten; ſo mußten wir auch ſehr lange ſtehn
und warten . . . ich blieb aber u. habe auch ihn in den Wagen
ſteigen ſehen und habe denn alſo dieſen ſchönen Mann auch
ge=
ſehn, — von dem ich mir aber doch eine noch größere Idee
ge=
macht hatte. Der Marſchall Lannes ſaß mit ihm in einem
Wagen. — Seine Suite war ſehr groß. Als er abreiſte, war es
kurz vor 2 Uhr — um 3 Uhr hörte man abermals die
Kanonen=
donner von Erfurt her, der ſeine Ankunft dort verkündigte.
Napo=
leon iſt ihm eine Strecke entgegengefahren, und als er ſeinen
Wagen erblickte, ausgeſtiegen und ihm entgegen gegangen, beide
Kaiſer gingen dann, nachdem ſie ſich auf das Freundlichſte
be=
grüßt hatten, noch eine Strecke zu Fuß unter vertraulichem
Ge=
ſpräche. 3000 Mann Infanterie und Cavallerie ſind von Erfurt
dem Alexander entgegengezogen in ſchönſter militäriſcher
Ord=
nung unf Maneuvre. — Jetzt ſind nun dieſe hohen Häupter
zu=
ſammen, Euer König (Friedrich Auguſt I. von Sachſen) iſt
Montag in Erfurt eingetroffen”.
Ergänzt wird dieſe Mitteilung durch einen Brief Karoline
von Herders, vom 10. Oktober an die beiden vorgenannten,
eben=
falls aus Weimar:
„Der hohe Beſuch und die Jagd iſt den 6. u. 7. glücklich
vorüber gegangen . . . Der Jagdſchirm war in der ſchönſten
Gegend des Ettersburger Waldes, unter den Fichten
ge=
nannt, gebaut; er war 200 Fuß lang und 50 Fuß breit — mit
Tannenreißer und Pfeiler in Form von Palm=Bäumen ſchön
deco=
riert und inwendig mit grünem Tuch beſchlagen. Die ganze
Stadt ſtrömte hinaus es zu ſehen. Der Vorkehrungen aller Art
in der Stadt und am Hof waren viel und beſchäftigten faſt alle
Einwohner. Den 6. war die Jagd . . jetzt am Donnerstag,
er=
ſchien wie durch ein Wunder der ſchönſte heiter=mildeſte
Herbſt=
tag. Der Herzog mit dem ganzen Jagdperſonale des Landes
in Staatsuniform zu dem ſich auch Gothaiſche Oberforſtmeiſter
geſellten, ritt den beiden Kaiſern, 3 Königin, Fürſten Primas
und mehreren Deutſchen Prinzen, entgegen. Sie wurden mit
Vivatrufen und Muſik die in mehreren Chören im Wald
ver=
teilt war, empfangen. Napoleon war ſehr heiter und artig gegen
unſeren Herzog. Nach eingenommenem Frühſtück begann die
Jagd nach 1 Uhr. Napoleon ſoll ſehr gut ſchießen und das
meiſte geſchoſſen haben. Im ganzen warens 41 Stück. Gegen
5 Uhr war der Einzug in die Stadt unter dem Geläut aller
Glocken . . . unſerm Haus vorbei, längſt der Straßen, durch die
Efplanade, über den Markt ins Schloß. Unſere Jägerei, und
Huſaren, und die Kaiſerliche Garde ritten voran, die 2 Kaiſer
im erſten Wagen. Um 6 Uhr war Tafel. An der Erſten ſaßen
Der Konflikt in der Wirtſchaftsparkei.
Das Geheimnis um Drewih.
* Berlin, 2. Januar. (Priv.=Tel.)
Der erſte Vorſitzende der Wirtſchaftspartei, Drewitz, übt ſein
Amt als Parteiführer bis zum 4. Januar nicht aus, trotzdem ihm
der Parteivorſtand vor einigen Tagen beſcheinigt hatte, daß die
gegen ihn vorgebrachten Klagen völlig haltlos ſeien. Am 4.
Ja=
nuar tritt das Schiedsgericht zuſammen, um über den Ausſchluß
des Reichstagsabgeordneten Coloſſer und des
Landtagsabgeord=
neten Dannenberg zu entſcheiden. Die Tatſache, daß Drewitz
vor=
übergehend ſein Amt niederlegt, hat zu einem allgemeinen
Rätſel=
raten geführt. Dazu kommt, daß der Parteiführer davon Abſtand
genommen hat, gegen die Verbreiter der Behauptung, daß er
Par=
teigelder für ſich verwandt haben ſoll, auf dem Klageweg
vorzu=
gehen. Dazu verlautet, daß die Satzungen der Partei einen
der=
artigen Weg nicht zulaſſen, daß vielmehr Vorwürfe ſolcher Art
vor einem internen Gremium zu behandeln und zu klären ſind.
Der die Intereſſen der Partei in Oſtſachſen vertretende „
Säch=
ſiſche Kurier” behauptet, daß beſtimmt mit einem
Führer=
wechſel in der Wirtſchaftspartei zu rechnen ſei. Aber
auch das beſtreitet die Partei und ſtellt die Ausführungen des
Blattes als Kombination dar. Dieſes Blatt ſteht aber dem Abg.
Beier ſehr nahe, der gleichzeitig der Vorſitzende des in der Affäre
Drewitz=Coloſſer eingeſetzten Unterſuchungsausſchuſſes iſt. Die
Vermutung liegt alſo nahe, daß der „Sächſiſche Kurier”
einiger=
maßen informiert iſt und nicht mehr alle Kreiſe hinter Drewitz
ſtehen.
In einer heute herausgegebenen Erklärung hält Abg.
Coloſſer ſeine Behauptungen voll aufrecht, die
er auch, im Gegenſatz zu der parteiamtlichen Nachricht, niemals
zurückgenommen habe.
Der Parteiführer Drewitz läßt jetzt noch ankündigen, daß mit
gerichtlichen Schritten gegen Coloſſer und deſſen Freunde wegen
der Behauptung, er hätte Parteigelder für Privatzwecke benutzt,
zu rechnen ſei. Ob das wirklich geſchehen wird, kann man
abwar=
ten. Am Samstag tritt das Parteigericht der Wirtſchaftspartei
zuſammen, um über den Antrag Drewitz auf Ausſchluß der Abg.
Coloſſer und Dannenberg zu beraten. Das Urteil ſoll
geheim=
gehalten werden, bis der Parteiausſchuß, der auch am Samstag
beraten wird, darüber entſchieden hat.
Der Bundesrak genehmigt den Haudelsvertrag
mit Deukſchland.
Wien, 2. Januar.
Der öſterreichiſche Bundesrat hat den Handelsvertrag
mit Deutſchland und das damit zufammenhängende
Ueberein=
kommen betreffend den kleinen Grenzverkehr und die Rechtshilfe
in Zollſachen ſowie das Ausführungsgeſetz dazu und den
Ver=
trag mit dem Deutſchen Reiche über Sozialverſicherung ohne
Einfpruch genehmigt.
Der Berichterſtatter Dr. Hugelmann verwies in ſeinem
Refe=
rat auf den bedeutenden Fortſchritt, den das vorliegende
Ver=
tragswerk darſtelle und betonte, ein Teil der beſonders in
agra=
riſchen Kreiſen erhobenen Bedenken ſei durch einen Schriftwechſel
beſeitigt worden, der über die Auslegung des Abkommens über
den kleinen Grenzverkehr zwiſchen den beiderſeitigen Regierungen
ſtattgefunden habe. Der Berichterſtatter trat der
weitverbrei=
teten Meinung endgegen, als ob das erſte Genfer Protokoll einer
Ausgeſtaltung des wirtſchaftlichen Verhältniſſes Oeſterreichs zum
Deutſchen Reiche, ſei es nach einem Präverenzzollſyſtem, ſei es
in Geſtalt einer Zollunion, im Wege ſtünden. Bei der
ſeinerzei=
tigen Beratung über dieſes Genfer Protokoll im Bundesrat
habe der Sprecher der Mehrheit, insbeſondere aber der
dama=
lige Referent und der damalige Außenminiſter, im Ausſchuß
ausdrücklich eine Auslegung abgelehnt, als ob dieſes Genfer
Protokoll über Artikel 28 des Friedensvertrages noch
hinaus=
ginge. Aber auch ganz allgemein betrachtet, könne durch eine
Zollunion oder durch Präverenzzölle die Unabhängigkeit eines
Staates niemals gefährdet werden. Es ſei wohl der einmütige
Wunſch des Bundesrats, daß dieſer Vertrag doch nur ein
An=
fang ſein möge, um die handelspolitiſchen Verhältniſſe
zwi=
ſchen Deutſchland und Oeſterreich auf einer Grundlage zu
regeln, die, wie das Völkerbundskomitee erklärt hat, den
ethni=
ſchen, geſchichtlichen und geographiſchen Zuſammenhängen
zwi=
ſchen dem Deutſchen Reiche und Oeſterreich entſpricht. Sollte
es auf längere Zeit bei dieſem Vertrage bleiben müſſen, dann
könnte durch einen Notenwechſel zwiſchen den beiden
Regie=
rungen die ſogenannte Notſtandsklauſel feſtgelegt werden.
Schöner und beſſer aber wäre es, wenn der Weg zu einem
Aus=
bau der handelspolitiſchen Verhältniſſe zwiſchen beiden
Staa=
ten begangen würde, wie er zwiſchen Staaten am Platze iſt,
die von einem Volke bewohnt werden und die durch
tauſend=
jährige Geſchichte, durch vergoſſenes Blut und durch gemeinſam
getragene Leiden verbunden ſind.
die Kaiſer, Königl. u. fürſtl. Perſonen, an der zweiten Tafel, in
der langen Gallerie die übrigen. Nach 7 Uhr gings in die
Com=
mödie, wo durch des Kaiſers Schauſpieler=Truppe die
Tra=
gödie la Mort de Caesar (von Voltaire) aufgeführt wurde. Der
große Schauſpieler Talma machte den Brutus. Er ſoll
vortreff=
lich ſpielen. Und obgleich das auf dem franz. Theater
angenom=
mene Phatos und theatraliſche Manier den Deutſchen auffallend
und nicht angenehm iſt, ſo ſoll denn doch der Ton wie ſie
decla=
mieren doch wieder ſehr gern gehört werden, und das überall
angemeſſene, vornehme und abſichtlich kunſtmäßige Betragen
In=
tereſſe erregen. Nach und während der Comödie Ilumination
und Ball, den andern Tag gings auf den Landgrafen= jetzt
Napoleon=Berg .. . (Folgt eine genaue Angabe, wo die
einzel=
nen Fürſtlichkeiten in Weimar logiert worden ſind)‟ Eine
Nachſchrift fügt dann noch hinzu: „Faſt habe ich vergeſſen zu
ſagen: Daß Goethe dem Napoleon in Erfurt vorgeſtellt und ſehr
zufrieden mit ihm ſei. — Wieland hat ihn hier an Hof nach der
Comödie geſprochen, wo Napoleon ſich über eine Stunde mit
ihm unterhalten hat. So eben höre ich, daß auf übermorgen
die beiden Kaiſer abreiſen — u. ſomit der Congreß geſchloſſen
iſt. Alexander kommt hierher ..
Am 17. Oktober ſchreibt aus Weimar die Mutter an Sohn
und Schwiegertochter noch folgende Einzelheiten: (nach
Auf=
zeichnung zahlreicher Empfänger goldener Doſen von Napoleon)
„Goethe und Wieland haben einen Orden von Napoleon
bekom=
men. Alexander gab darauf Goethe den großen St. Annen
Orden u. an Wieland den kleinen. Dieſe Abſtufung hat hier
niemand gefallen.”
Am 24. Oktober, gleichfalls aus Weimar, gab dann die
Tochter Luiſe an Bruder und Schwägerin folgende
Geſamtdar=
ſtellung: „.. Viel Vergnügen machte mir das Theater, — ſo
verſchieden es auch von unſerer deutſchen Kunſt u.
Vorſtel=
lungsart, Declamation und Empfindungsweiſe iſt, ſo iſt es in
ſeiner Art ſehr intereſſant, — ihre Geberden u. Ausdruck ſind
ſehr grell u. lebhaft, ihr Affekt oft auch höchſt unnatürlich, —
u. doch haben ſie wieder einen Anſtand, eine Aufmerkſamkeit in
der Haltung des Körpers, u. eine eigene, aber mir ſehr
an=
genehme Deklamation u. Modulation. Ich ſah in Erfurt
Mitri=
thate (von Racine), Rodogune (von Corneille), u. hier wurde
1a mort de César gegeben. — Ihr vorzüglichſter Acteur Talma
machte in letzterem den Brutus, ſehr mit Studium — u.
wür=
digem Ernſt, ſie ſprechen ſehr deutlich u. langſam, ſo daß man
ihnen ſehr leicht folgen kann . Gegen den Herzog u. Herzogin
war Napoleon ſehr artig u. freundlich; am Abend beim Ball
wünſchte er Wieland zu ſprechen, u. hat ſich gegen anderthalb
Stunden aufs artigſte, vertraulichſt mit ihm unrerhalten,
gleich=
ſam wie mit einem alten Bekannten. Er bekommt den Orden
Nummer 3
Samstag, den 3. Januar 1931
Seite 3
n
ehne=
en zwi=
Sollte
dann
egie=
vortreff=
nom
nom=
ffallend
peelge
berall
iue=
imation
Neujahrsbotſchaften des Auslands
Nach der eindringlichen Friedenskundgebung Hindenburgs eine Friedensrede Muſſolinis.
Hoovers „Fronk des guken Willens”.
Muſſolinis Friedensbokſchaft
an das amerikaniſche Volk.
Rom, 2. Januar.
Muſſolini hielt am Donnerstag in engliſcher Sprache eine
Rundfunkrede an das amerikaniſche Volk, in der
er einleitend von der Freundſchaft ſprach, die man in Italien für
die Vereinigten Staaten empfinde. Wir können uns, ſo fuhr
Muſſolini fort, die moderne Geſchichte ohne die Vereinigten
Staaten nicht vorſtellen. Ohne die mächtige Hilfe der
Vereinig=
ten Staaten wäre der Krieg nicht gewonnen worden und jede
Rückkehr zur Wohlfahrt unmöglich. „Weder ich noch meine
Re=
gierung, noch das italieniſche Volk wollen einen Krieg
vorberei=
ten. Ich habe im Krieg als einfacher Soldat mitgekämpft und
weiß, was Krieg bedeutet. Die ſchrecklichen Erinnerungen jener
Zeit ſind meinem Gedächtnis nicht entſchwunden.” Wenn heute
auch nur zwiſchen zwei Nationen der Krieg ausbrechen würde,
ſo wäre ein Weltkrieg die unvermeidliche Folge. Die geſamte
Ziviliſation würde aufs Spiel geſetzt. Der künftige Krieg wäre
angeſichts der Errungenſchaften und der Fortſchritte der
Wiſſen=
ſchaften viel ſchrecklicher als der letzte. Nicht nur die
Kriegs=
teilnehmer gerieten in Todesgefahr, ſondern ganze
Bevölkerun=
gen, ohne daß die Möglichkeit einer wirkſamen Verteidigung
be=
ſtünde.
Muſſolini berührte ferner die Beziehungen
Ita=
liens zu Rußland, die wirtſchaftlicher Art ſeien.
Fascis=
mus und Bolſchewismus ſeien noch immer Antipoden in
Theo=
rie und in Praxis. Das bewieſen u. a. die fortwährend von
der 3. Internationale in Moskau verſandten Aufrufe, den
Fascismus bis zum Tod zu bekämpfen. Auf die
Arbeitsloſen=
frage eingehend, erklärte ſich Muſſolini als Gegner der
Arbeits=
loſenunterſtützung. Er ziehe die Hilfe vor, die in öffentlichen
Arbeiten liege, die gleichzeitig der Landeskultur dienten. Die
Arbeitsloſenunterſtützung gewöhne die Arbeiter an die Faulheit.
Ungeachtet der Arbeitsloſigkeit — Italien habe zurzeit eine halbe
Million Arbeitsloſe — herrſche in Italien Frieden und Ruhe in
allen Klaſſen.
Muſſolini gegen Frankreichs milikäriſche
Vorherrſchaft.
Die Londoner Daily Mail veröffentlicht eine Unterredung
ihres Sonderberichterſtatters in Rom mit Muſſolini, in deren
Verlauf der italieniſche Regierungschef erklärte: Die Lage
der internationalen Angelegenheiten in Europa iſt ſehr
ge=
ſpannt. Die Urſache liegtinder großen
Ungleich=
heit der Rüſtungen. Die militäriſche
Vorherr=
ſchaft einer Gruppe von Staaten macht die
nomi=
nelle Gleichberechtigung innerhalb des
Völker=
bundes zu einem Trug. Ich weiß, daß die
franzö=
ſiſche Nation nicht angriffsluſtig iſt. Aber die
militä=
riſche Hegemonie, die ſie in Europa geſchaffen hat, hält
den geſamten Kontinent in Gärung. Neben der
Verminderung der Rüſtungen iſt die Reviſion
der Friedensverträge notwendig, um Europa
ein Gefühl der Sicherheit wiederzugeben. Es
gibt territoriale Abſurditäten, mit denen aufgeräumt
werden muß. Es gibt moraliſche Unbilden, wie die
Verſtümmelung Ungarns, die wieder gutgemacht werden müſſen.
Italien zielt nicht auf die Bildung eines
revi=
ſioniſtiſchen Blocks hin; aber die
Anſtrengun=
gen, die unternommen werden, um die
gegen=
wärtigen Verhältniſſe in Europa zu
kriſtalli=
ſieren, kann nur eine Gemeinſchaft
derjeni=
gen ſchaffen, die von ihnen beinträchtigt werden.
* Nach Hindenburg legt jetzt auch Muſſolini teilweiſe den
Finger auf die Wunden, an denen Euroa krankt. „Die
mili=
täriſche Hegemonie einer Gruppe von Staaten hält den
geſamten Kontinent in Gärung. Neben der Verminderung
der Rüſtungen iſt die Reviſion der Verträge
not=
wendig, um Europa ein Gefühl der Sicherheit wiederzugeben”.
Bis jetzt hat dieſe Erklärung Muſſolinis in Frankreich noch kein
Echo gefunden. Wir können jedoch Satz für Satz dieſer
Aus=
führungen Muſſolinis unterſchreiben, wenn er dabei auch
weni=
ger Deutſchlands Lage im Auge gehabt haben mag. In der
Tat ſteht der Grundſatz der Gleichberechtigung, wie ihn der
Völ=
kerbund auf ſeine Fahne geſchrieben hat, nur auf dem Papier.
Als das deutſche Volk nach unvergeßlichen Leiſtungen im
Welt=
krieg die Waffen ſtreckte, „verzichtete” es unter dem Druck der
Verhältniſſe und im blinden Vertrauen auf das
Abrüſtungsver=
ſprechen der Siegermächte auf ſeine Wehrhaftmachung. Unſere
Vertragspartner haben ihr Verſprechen bis jetzt nicht eingelöſt.
Deutſchlands Abrüſtung iſt nach wie vor einſeitig geblieben.
Der Grundſatz der Gleichberechtigung, auf den wir ein
ſelbſt=
verſtändliches Anrecht haben, iſt bis jetzt noch nicht gewährleiſtet.
Das deutſche Volk iſt in ſeiner Sicherheit mehr als je bedroht.
Die franzöſiſche Preſſe läuft bereits dagegen Sturm, daß nun
auch Deutſchland für ſich das Recht auf Sicherheit in
Anſpruch nimmt. Unter dieſen Umſtänden ſtellt der franzöſiſche
Imperialismus erſt recht eine ernſte Bedrohung des Friedens
dar. Mit Recht hat daher der Reichspräſident in ſeiner
Neu=
jahrsbotſchaft darauf hingewieſen, daß die Durchführung
der allgemeinen Abrüſtung nicht nur ein Gebot
der internationalen Gerechtigkeit gegenüber
Deutſchland ſei, ſondern auch das ſicherſte Mittel zu
einer wirklichen Befriedung der Welt.
Hand in Hand mit dieſer Forderung geht auch die
Forde=
rung auf Beſeitigung der territorialen
Abſur=
ditäten und moraliſchen Unbilden, von denen
Muſſolini ſpricht. Er verweiſt dabei auf die Verſtümmelung
Ungarns, ohne ein Wort für die Zerſtückelung
Deutſch=
lands zu finden, das infolge ſeiner Landverluſte durch den
Verſailler Vertrag aus tauſend Wunden blutet. Mit als unſere
wichtigſte, außenpolitiſche Aufgabe hat daher Hindenburg die
Sorge um die Erhaltung unſeres Volkstums
im Ausland und die Innehaltung der
internatio=
nalen Verträge zum Schutze der deutſchen
Min=
derheiten bezeichnet. Ebenſo wie Ungarn nimmt auch
Deutſchland für ſich das Recht auf Wiedergutmachung in
An=
ſpruch. Unſere Forderungen nach Reviſion der deutſchen
Oſt=
grenze ſind bekannt, und die Stunde wird nicht mehr fern ſein,
in der ſie durch die berufenen Vertreter des deutſihen Volkes an
maßgebender Stelle vorgebracht werden.
Wir haben ebenſowenig Veranlaſſung wie Italien, die
Bil=
dung eines Reviſionsblocks, der große Gefahren in ſich birgt,
an=
zuſtreben oder uns an einem ſolchen zu beteiligen. Was wir
aber fordern müſſen, iſt, daß die ſittlichen und ſozialen
Lebens=
grundlagen des deutſchen Volkes nicht erſchüttert werden. Dahin
gehört auch die Reviſion des Youngplans, die
allmäh=
lich immer greifbarere Geſtalt annimmt. Nachdem die
Reichs=
regierung Ordnung in die Reichsfinanzen gebracht hat — ſie iſt
die unbedingte Vorausſetzung für jede Aktion auf dieſem Gebiet
— legt ſie ſich ernſtlich die Frage vor, ob das deutſche Volk
die im neuen Plan vorgeſehenen Laſten unter den heutigen
welt=
wirtſchaftlichen Verhältniſſen noch zu tragen vermag. Denn ſeit
den Abmachungen des Youngplans hat die geſamte
weltwirt=
ſchaftliche Lage eine tiefgreifende Veränderung erfahren. Nicht
zuletzt ſind es die ſtarken Intereſſengegenſätze, die
allenthalben das Schickial der Völker bedrohen. Zu ihrem
Aus=
gleich bedarf es der Zuſammenfaſſung aller
poſiti=
ven Kräfte. Deutſchland iſt bereit, an der großen
Friedens=
aufgabe ernſtlich mitzuarbeiten. Die Löſung dieſer Aufgabe iſt
aber äußerſt ſchwierig. Die Wahrung deutſcher Intereſſen bei
dieſer Löſung iſt nur möglich, wenn unſer Volk in dieſer
Schick=
ſalsſtunde Schulter an Schulter ſteht. Hindenburg hat uns
alle=
zeit — ſelbſt in der bitterſten Stunde ſeines Lebens — ein
leuch=
tendes Beiſpiel von Pflichtbewußtſein, Opferwillen und
Vater=
landsliebe gegeben. Wenn wir ſeinem Beiſpiel nachſtreben,
dann wird die Zukunft unſer ſein.
„Europa am Scheideweg.”
London, 2. Januar.
In einem „Europa am Scheidewege” überſchriebenen
Leitar=
tikel vergleicht „Times” die jetzige Lage mit der vor hundert
Jahren, wo mit der franzöſiſchen Juli=Revolution die liberale
Gegenbewegung gegen das Syſtem Metternichs begann. „Times”
ſagt u. a.: Wieder bildet die parlamentariſche Regierungsform
das Hauptproblem, um das es bei der europäiſchen Politik geht.
Beinahe überall wird die Entartung des parlamentariſchen
Syſtems zugegeben, aber Diktator gilt nicht als letztes Wort und
hat in vielen Fällen lediglich Zuſtimmung gefunden infolge eines
vorübergehenden Widerwillens gegen die zur Wirkungsloſigkeit
verdammte Geſchwätzigkeit, die in öffentlichen Verſammlungen
zutage tritt. Aber auch, wo eine Diktatur feſt errichtet worden iſt,
gibt es heftigen Widerſtand, und dieſer wird umſo ſtärker, je
länger der Allgemeinheit die politiſchen Freiheiten vorenthalten
werden. „Times” weiſt weiter darauf hin, daß häufig eine
ſonder=
bare Verbindung der neuen Autokratien mit dem Sozialismus
wahrnehmbar ſei, und bemerkt in dieſem Zuſammenhang: Manche
Aeußerungen Hitlers haben einen durchaus bolſchewiſtiſchen
Klang, und in der letzten Reichstagsſitzung, in der es ſich um
Hilfe für die Opfer von Bergwerkskataſtrophen handelte, waren
die Aeußerungen der Anhänger Hitlers in der Heftigkeit ihrer
Angriffe auf „kapitaliſtiſche Zechenbeſitzer”, von denen der
Kom=
muniſten nicht zu unterſcheiden. — Am Schluß des Artikels heißt
es: Zwiſchen den Bolſchewiſten und Fasciſten haben die
mitt=
leren Parteien Mühe, ihr Terrain zu behaupten. Deutſchland mit
ſeinen 107 „Nazis” ſeinen 76 Kommuniſten und einer aus
ver=
ſchiedenartigen Elementen zuſammengeſetzten knappen Mehrheit
der mittleren Parteien — von ſeiner wirtſchaftlichen Not und
ſeiner großen Arbeitsloſigkeit ganz zu ſchweigen — iſt ein
ge=
treues Abbild des heutigen Europa, und es kann ſein, daß, ähnlich
wie Frankreich vor hundert Jahren anderen Nationen das
Bei=
ſpiel gab, die weiteren Entwicklungen in Deutſchland Wirkungen
hervorrufen werden, die weit über ſeine Grenzen hinausgehen.
Die Neujahrsbotſchaft der Amerikaner.
New York, 2. Januar.
Präſident Hoover ſtellte in den Mittelpunkt ſeiner
Neujahrs=
botſchaft den Londoner Flottenvertrag, der nunmehr endgültig in
Kraft getreten iſt, nachdem Irland ihn ratifiziert hat. Die
Pro=
klamierung des Vortrages ſei für das bevorſtehende Jahr eine
bedeutſame Friedensgeſte. Hoover ſprach dann von den
Beſtim=
mungen des Vertrages, der das britiſche Reich, Japan, Italien,
Frankreich und die Vereinigten Staaten zu einer gemeinſamen
„Front des guten Willens”, zuſammenſchließe. Staatsſekretär
Stimſon wies in einer Erklärung darauf hin, daß dieſes glückliche
Vorzeichen für den Frieden und dieſes Beiſpiel der Begrenzung
und Beſchränkung der Rüſtungen durch gemeinſame
Vereinbarun=
gen nach ſeiner Ueberzeugung dazu beitragen werde, die weiteren
Friedensbemühungen im neuen Jahr zu fördern. Die
Verſtändi=
gung unter den Völkern müſſe immer die internationale Politik
leiten. Zwei große Fortſchritte ſeien in dieſer Hinſicht ſchon
er=
zielt worden: 1. Der Londoner Flottenvertrag und 2. der
Kriegs=
verzichtvertrag aus dem Jahre 1929.
James Speyer forderk ein Morakorium.
New York, 2. Januar.
Der Bankier James Speyer veröffentlicht in der
amerika=
niſchen Preſſe einen Artikel über das Reparationsproblem und
die Fragen der Kriegsſchulden. Speyer weiſt darauf hin, daß
Deutſchland infolge der ſchteren ihm auferlegten Laſten
ge=
zwungen iſt, ſeine Ausfuhr ſtändig zu ſteigern und daß von
dieſer Konkurrenz kein Land mehr als Amerika betroffen würde.
Allgemein leide die Weltwirtſchaft heute mehr unter den Folgen
des Friedens als unter den Folgen des Krieges. Allerdings ſei
es zunächſt Aufgabe der europäiſchen Nattonen, ſich
untereinan=
der zu einigen. Zu der Frage der Kriegsſhulden betont Speyer,
daß die Rückzahlungen den Handel ſtören, da die Kaufkraft des
Goldes ſtark geſtiegen iſt. Amerika könne ſich im Intereſſe ſeiner
Bevölkerung allerdings nicht leiſten, alle Schulden zu ſtreichen.
Man könne aber die Anregungen Owen Youngs weiter
ver=
folgen und den Schuldnern gegenüber ein größere
Entgegen=
kommen zeigen. Dies ſetze jedoch voraus, daß jede
Schuldner=
nation auch ihren eigenen Schuldnern gegenüber Nachſicht zeige,
wenn Amerika beiſpielsweiſe einen fünfjährigen Aufſchub
ge=
währen würde.
Englands „Zugeſtändniſſe” an Indien.
EP. London, 2. Januar.
In der heutigen Sitzung des Unterausſchuſſes für
bundesſtaat=
liche Beziehungen der Indienkonferenz deutete Lordkanzler
San=
key in einer wichtigen Rede in großen Umriſſen an, welche
Zuge=
ſtändniſſe England in der Frage der Selbſtverwaltung an Indien
zu machen bereit iſt. Es ſei nutzlos, daß England Indien etwas
zugeſtehe, was wertlos ſei; auf der anderen Seite ſei es aber
ebenſo zwecklos, daß Indien etwas fordere, was England im
ge=
genwärtigen Augenblick nicht gewähren könne. Er warnte
gleich=
zeitig die indiſchen Delegierten davor, in den kommenden
Ver=
handlungen mit Schlagworten und Phraſen zu arbeiten, da das
kaum zu überwindende Schwierigkeiten bereiten könnte.
Erfor=
derlich ſeien im Augenblick wirklich brauchbare und realiſierbare
Vorſchläge für eine Reform der jetzigen indiſchen Regierung. —
Was ihn perſönlich betreffe, ſo ſei er gewillt, den gerechten
Be=
ſtrebungen Indiens unter gewiſſen Garantien für
Eng=
land im Rahmen des Möglichen entgegenzukommen.
der Ehrenlegion von ihm geſchickt, auch erhielt er von Alexander
den kleinen St. Annen Orden, Goethe den großen! Die
Unter=
redung Wielands u. Napoleons wird Wieland auf Anſuchen
des Benevent niederſchreiben u. erſcheint wahrſcheinlich im
Moniteur . . .‟ (Es folgt nun nochmals ein Verzeichnis der
ver=
liehenen Orden und Doſen uſw.)
Man kann ſich aus dieſen, bisher ungedruckten Briefen ein
ſehr anſchauliches Bild von den Erfurter und Weimarer Kaiſer=
Tagen machen! Sehr beachtenswert iſt die Beurteilung der
Schauſpielerkunſt der Franzoſen durch die Herderſchen Damen.
Bezeichnend und unterhaltend iſt es aber geradezu, wie ſehr ſich
die Briefſchreiberinnen mit den Orden von Goethe und Wieland
beſchäftigen. Namentlich der „große” St. Annen=Orden Goethes
und der „kleine” Wielands ließen ihnen keine Ruhe!
* Orpheum.
Die Tanzgräfin.
Das iſt eine recht anſprechende heitere Operette, die vieles überragt,
was in letzter Zeit in ähnlicher Art aufgeführt wurde. Ein Libretto,
das nicht, wie ſo vieles, der Originalität entbehrt, und im Dialog nicht
ganz ſo gedankenarm iſt, wie leider ſo viele Operettentexte ſind.
Leo=
pold Jacobſon und Robert Bodanzky erzählen die Geſchichte
von der hübſchen Gräfin, die acht Tage vor ihrer Hochzeit mit einem
ungeliebten Marquis doch einmal im Leben etwas „erleben” will, und
die zu dieſem Zweck in einem kleinen Tanz=Kaffee am Montmartre
Karneval feiert, wobei ſich ihr Geſchick erfüllt in Geſtalt eines jungen
Marineleutnants, ſehr entſprechend. Und ſie wiſſen im weiteren
Ver=
lauf der Handlung viel Ueberraſchungs= und Situationskomik
einzu=
flechten, ja, gewiſſe Spannungsmomente zu ſchaffen, die der Operette
Originalität verleihen. Und Robert Stolz hat hübſche, flotte,
melodiöſe Muſik dazu geſchrieben, die nicht auf Herausſtellen von
gSchlagern” ſich beſchränkt, ſondern gut illuſtriert und viel ſchmiſſige
Tänze und Enſembleſätze wirkungsvoll verarbeitet.
Unter der gewandten Regie von Paul Waldemar und guter
muſikaliſcher Wiedergabe unter Kapellmeiſter Pettuni wird eine
Auf=
führung geboten, die volles Lob verdient. Flott und temperamentvoll.
mit dem unerläßlichen leichten Schuß von Sentimentalität, mit viel
Laune und gutem Humor. Frei von Uebertreibung, aber die Pointen
ſicher herausarbeitend, eine abgerundete, ſehr gute Leiſtung. Geſchickt
auch die tanzenden Rollen und Partien beſetzt: Hilde Schroeder
eine bildhübſche gertenſchlanke, ebenſo temperamentvolle wie „
vor=
nehme‟ Gräfin Colette und Ernſt Federlein ein ſehr guter
Part=
ner als Leutnant Octave. Beide in Spiel und Geſang ihre Aufgaben
reſtlos erſchöpfend. Henny Walden wieder eine entzückend
queck=
ſilbrige, graziös=anmutige und ſchelmiſch=feſche Tänzerin Etelka voll
ſprudelnder Laune, und Otfrid Breiholz ein ſehr origineller
unga=
riſcher Zigeunerprimas, der mit die ſtärkſte Stütze des Enſembles iſt.
Das alt=komiſche Fach, würdig” vertreten durch zwei vorbildlich
dege=
verierde Trottel, denen Willy Droſt und Paul Woldemar, Geſtalt
liehen. Ein beſonderes Lob verdienen für ihren ausgezeichneten origi=
Ernſt Legal Inkendank der Skaaklichen Schauſpiele
in Berlin.
Ernſt Legal,
der bisherige interimiſtiſche Intendant, übernimmt nach den
letz=
ten Beſprechungen im Kultusminiſterium die Leitung der
Staat=
lichen Schauſpielhäuſer in Berlin.
nellen Girl=Jazz=Tanz Elſe Falkenſtein, Steffi Luba, Erika
Seibert und Elſe Federlin. Gut auch die Inſzenierung und
Herausſtellung der Bühnenbilder. Man ſollte ſich dieſe Vorſtellung
*.
nicht entgehen laſſen.
Hermann Stehr:
lag, Berlin.
Geſchichten aus dem Mandelhauſe. Horen=Ver=
iünfeäaufſie ſiter ſc ſitn d eeie ein iee
einer eigenen Welt an.
Einer Welt, wo viel Ruhe herrſcht, wo keine Probleme ihrer
Löſung harren, wo es wenig Gegenſätze gibt und noch weniger
Ereigniſſe. Die Menſchen dieſer Welt leben mehr in Gefühlen
und Träumen als in Taten und in der Wirklichkeit, und wir ſind
— leider — ein wenig fern von ihnen. Doch das will nicht
be=
ſagen, daß wir die Wahrheit hier iſt natürlich von dichteriſcher
Wahrheit die Rede in dem Werke Stehrs in einer ſymboliſtiſchen
Geſtalt nicht auffinden würden.
In den „Geſchichten aus dem Mandelhauſe” erſcheint uns
Hermann Stehr als Pſycholog. Und zwar auf dem ihm ureigenen
Gebiete der Kinderpſychologie (er iſt Pädagoge). Die Seele eines
Dorfkindes, des Söhnchens eines einfältigen, aber
phantaſiebegab=
ten Dorfſchneiders, iſt der Gegenſtand ſeines Studiums. Er ſtudiert
die zarte, einfache und doch reiche Seele des Kindes mit der Liebe
und Beobachtungsſtärke eines Kunſtliebhabers. Die Erlebniſſe
und Träume des kleinen Amadeus — ſo heißt das Knäblein —
bilden den Inhalt des Romans. Ein ſcheinbar ärmlicher Inhalt,
der für manchen Leſer monoton erſcheinen könnte. Dieſe
Inhalts=
armut iſt aber nur ein Schein, denn in den feinen Beobachtungen
iſt neben viel Lehrreichem auch viel Poetiſches verſteckt. Stehr
vermag die ganze Reinheit der Kinderſeele zurückzugeben, ebenſo
wie ihre Empfänglichkeit, welche die Eindrücke bewahrt und
ſam=
melt, wie auch ihre Unruhen und Beſorgniſſe, die vieles, was im
Leben einfach iſt, unverſtändlich finden und die in der Dunkelheit
ein ſeltſames, verſchwommenes Feenreich entſtehen laſſen, wo
Phantaſie und Wahrheit ſich zu einem Ganzen verſchmelzen.
Die Kinderpſychologie Stehrs hat etwas Maleriſches an ſich.
Man könnte wohl mit etwas Uebertreibung behaupten, er malt
und zeichnet die Seele, er beſchreibt ſie, er verſucht ſie als ein Bild
vorzuzaubern, anſtatt ſie zu analyſieren. Dieſe Methode iſt wohl
mehr klaſſiſch als modern, ſie iſt immer naheliegend, aber nicht
immer befriedigend. Die Beſchreibung iſt eine ſtarke Seite des
Verfaſſers er verſteht es meiſterhaft, eine Umgebung mit ſeinen
kleinſten Zügen wiederzugeben, er verfällt nie dem Realismus.
Das Einfache und Arme wird bei ihm ins Idylliſche verwandelt,
das Idylliſche iſt die weſentlichſte Eigenart ſeiner Dichtung.
Wir finden das auch in der zweiten Erzählung: Der
Geigen=
macher. Hier iſt ein myſtiſcher Geigenmacher der Held, der das
Wunder der Muſik in ſich verkörpert. Seine Wanderungen, um
Proſa von der Poeſie der Muſik. Wir finden in ihm den ewigen
und reinen Stil der Legende, wie auch das ganze Werk eine
muſi=
kaliſche Legende genannt werden könnte. Das myſtiſche Element
ſpielt aber hier eine viel größere Rolle als das pſychologiſche,
denn die Geſtalten der Erzählung ſind eigentlich Symbole, die
die Zaubermacht der Muſik wiedergeben. Hermann Stehr iſt auch
als Pſychologe Myſtiker, und gerade das unterſcheidet ihn von
anderen Pſychologen, die alles mit dem Verſtand, der Logik oder
der Erfahrung ergründen wollen, während er die Geheimniſſe der
Seele mit der Hilfe des Gemüts und des Myſtizismus unterſucht.
Darum ſieht und verſteht er vieles, was andere nicht ſehen und
verſtehen können; der Myſtizismus läßt ihn aber von der
Wahr=
heit immer mehr entrücken.
Die ſprachlichen Schönheiten dieſes Werkes ſind zahlreich und
groß, auch iſt Stehr wie immer ein Meiſter der Form. t. .
Seite 4
Samstag, den 3. Januar 1931
Nummer 3
Heinrich Gerhold
Lulu Gerhold
geb. Hörbert
Vermählte
Darmſiadt, Neckarſiraße 26
Kirchliche Trauung: Sonntag, den 4. Januar,
nach=
mittags 3 Uhr in der Stadtkapelle.
Am 24. Dezember 4 Uhr, entſchlief nach
länge=
rem ſchweren Leiden mein lieber, guter Bruder
Kanzlei=Oberaſſiſtent am Landgericht
4
Son. aad.
In tieter Trauer:
Schweſter Eliſabeth Haack
Viktoriaſtraße 24.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſiatt.
Statt Karten.
HerzlichenDank
für die uns anläßlich unſerer
Silber=Hochzeit zugegangenen
Geſchenke und Glückwünſche.
Heinrich Mentzer und Frau
Müllerſtraße 39.
Unſerem lieben Vereinsmitglied
Gg. Roth
zur Silbernen Hochzeit
ein dreifaches Hoch.
Glückauf zur Goldenen!
Dankſagung.
Allen Dank denen, die unſerem
lieben Entſchlafenen die letzte Ehre
erwieſen haben. Beſonders Herrn.
Pfarrer Marx für die tröſtenden
Worte und der Vereinigung
frühe=
rer Leibgardiſten.
Familie Stopfel.
Darmſtadt, den 2. Januar 1931.
Du warſt ſo gut,
Du warſt ſolieb,
Wer Dich gekannt,
vergißt. Dich nie
Nach Gottes unerforſchlichem
Natſchluß verſchied nach kurzem
ſchweren Leiden unſere liebe,
gute und unvergeßliche (484
Maya
im 18. Lebensjahr.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Marie Schwebel, Ww.
geb. Hö zer
Anton Hölzer
Wilhelm Becker
Reinheim, den 2. Januar 1931
Die Beerdigung findet Montag,
5. Januar, nachm. 1 Uhr ſtatt.
Statt Kärten.
Herzlichen Dank Allen, die bei dem Heimgang meines
lieben Mannes
Johannes Emmerich
ihre mitfühlende Teilnahme durch Beileidsbezeugungen
und Blumenſpenden und allen denen, die ihm die
letzte Ehre am Grabe erwieſen. Beſonderen Dank
der Gärtner=Verbindung Darmſtadt und Umgebung
für die Niederlegung eines Kranzes, dem
Geſang=
verein Sängerluſt für den erhebenden Grabgeſang
und Niederlegung eines Kranzes, Herrn Pfarrer
Kle=
berger für die tröſtenden Worte.
In tiefer Trauer:
Katharina Emmerich.
Darmſtadt, den 3. Januar 1930.
Statt besonderer Anzeige.
Nach Gottes heiligem Willen wurde am Silvesterabend mein
lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder,
Schwager und Onkel, Herr
Geh. Gewerberat
Gecr! artt
nach Vollendung seines 80. Lebensjahres, wohlversehen mit den
hl. Sterbesakramenten, in ein besseres Jenseits abberufen.
Mainz, den 2. Januar 1931.
Hafenstraße 20.
Eva Falk, geb. Stein
Jean Falk und Frau, geb. Dorth
Joseph Falk und Frau, geb. Löw
Rechtsanwalt Paul Falk und Frau, geb. Schmidt
Johannes Gerster und Frau, geb. Falk
Rechtsrat Dr. Karl Falk u. Frau geb. Becker-Moser
und 8 Enkelkinder.
Das Reguiem ist in der Pfarrkirche St. Joseph. Samstag, den 3. Januar, 9.30 Uhr.
Die Beerdigung fndet im Sinne des Verstorbenen in der Stille statt. Man bittet
von Beileidsbesuchen gütigst absehen zu wollen.
481
Nachruf.
Jean Falk
Geheimer Gewerberat, Mainz.
Ein ſorgenreiches, leidſchweres Jahr hat geendet. Und in letzter Stunde reichte
e8 noch einmal den bitteren Kelch einem großen, geſchloſſenen Kreis im Vaterland.
dem Deutſchen Fleiſcher=Verband. — Johann Baptiſt Falk iſt von uns
ge=
gangen am Silveſterabend 1930. Den frohgemuten Mainzer, den raſtlos
ſchaffen=
den Rheinländer, den tatkräftigen Sohn ſeines Vaterlandes, raffte eine kurze
Krank=
heit unerbittlich hinweg. Das geſamte deutſche Handwerk, insbeſondere die Mainzer
Metzger=Innung, verlieren in ihm den vorbildlichen Meiſter, den Organiſator voll
Arbeitswille, voll Berufsfreudigkeit, voll Standesbewußtſein.
Seine Charaktereigenſchaften befähigten ihn zum Führerſein. Und durch ſeine
Lebensarbeit dröhnt das Schreiten des aufrechten Mannes, dem die Natur auch
Schönheit und Wucht der körperlichen Erſcheinung nicht verſagt hatte.
Mit kaum 30 Jahren wird er Mitglied des Mainzer Innungsvorſtandes; faſt
vier Jahrzehnte war er Obermeiſter. 1924 ſchied er als Ehrenobermeiſter.
Als 1897, unter der Aera Eduard Stein=Lübeck, die
Fleiſchereiberufsgenoſſen=
ſchaft von der Genoſſenſchaftsverſicherung für das Nahrungsmittelgewerbe
abge=
zweigt wurde, übertrug man ihm das Amt eines 3., 1903 das des 1. Vorſitzenden.
Schon 1901 war es ihm gelungen, den Sitz der Genoſſenſchaſt nach Mainz zu
bringen, wo ihr auf ſein energiſches Einſchreiten hin 1904 ein großartiger Bau
bei dem ehemaligen kurfürſtlichen Schloſſe als Heim geſchaffen wurde. Den
Vor=
ſitz gab er 1923 an Obermeiſter Pfeiffer=Frankfurt ab.
Der unter ſeiner Mitwirkung 1900 begründeten Heſſiſchen Handwerkskammer
wurde der Fünfzigjährige als 1. Vorſitzender beigegeben. Er blieb ein
Viertel=
jahrhundert lang. Der Heſſiſchen Handwerkszentralgenoſſenſchaft, die der Kammer
unterſteht, gehörte er ebenfalls von 1908 als Vorſitzender an.
Das alles leiſtete er ehrenamtlich. Und treu ſtand ihm über 50 Jahre ſeine
Frau mit wackerer Unterſtützung zur Seite. Die Meiſterfrau. Ebenfalls von
vorbildlichem Wirken.
Welch reiches Leben. Vor kurzem feierte er ſeinen 80. Geburtstag. Geiſtig
leb=
haft und — ſcheinbar — körperlich noch ſehr rüſtig. Voll Freude darüber, wie
man allſeitig ſein Streben, ſein früchtereſches Schaffen anerkannte, wie Reich,
Staat und Stadt zu ihm ſtanden. Wie ſeine Berufsgenoſſen, überall her, ſich
noch einmal um ihn ſcharten.
Nun iſt er gegen. Sein Werk iſt Vorbild. Sein Andenken bleibt lebendig.
Mainz, am Neujahrstag 1931.
Mainzer Metzgerinnung.
Todes=Anzeige.
Am Solveſterabend 1930 um 8 Uhr verſchied ſanft der
Ehrenvorfitzende der Hefſiſchen Handwerkskammer
Herr Geheime Gewerberat J. B. Falk, Mainz.
Schmerzerfüllt ſieht das heſſiſche Handwerk an der Bahre eines Mannes, der ſein Leben,
ſeine Arbeitskraft voll und ganz ſeinem Berufsſtande widmete. Nun hat ein arbeitsfrohes,
mit Erfolgen reich geſegnetes Leben ſeinen Abſchluß gefunden, das aber, was der Verſtiorbene,
der ſeit Gründung der Handwerkskammer bis zum Jahre 1924 den Vorſitz inne hatte, leiſtete,
wird über den Tod hinaus leben und weiterbeſiehen.
Das heſſiſche Handwerk trauert tief um den Verluſt einer ſeiner beſiten Männer, der mit
ſeltenen Geiſiesgaben ausgeſtattet mit eiſerner Energie und nie ermüdender zielbewußter
Arbeitskraft ſeine Kenntniſſe und Erfahrungen ſelbſilos dem Dienſie an ſeinem Berufsſiande
weihte.
Seinem dahingegangenen Führer wird das heſſiſche Handwerk ein ewig dankbares
Ge=
denken bewahren.
Darmſiadt, den 1. Januar 1931.
Im Namen des Vorſtandes der Heſſiſchen Handwerkskammer
Schüttler
Nohl
Direktor.
Vorſitzender.
Todes=Anzeige.
Geſtern Abend um 645 Uhr verſchied nach kurzer
Krankheit im Eliſabethenſtift zu Darmſtadt im 46.
Le=
bensjahr mein innigſtgeliebter Mann, unſer treu
be=
ſorgter Vater, Bruder und Schwager
Hert Johl
8 Noßmann=
Gaſtwirt und Metzger.
Er ruhe ſanft.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Roßmann Wwe., geb. Hartmann
und Kinder.
Klein=Bieberau u. Lützelbach i. ddw., den 1. Jan. 1931,
Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Januar,
nachmittags um ½2 Uhr ſtatt.
(448
Die Beiſetzung findet in der Stille ſtatt.
Statt Karten.
Für die erwieſene herzliche Teilnahme
beim Heimgang unſeres lieben
Ent=
ſchlafenen
Herrn Chriſtian Wolf
Schuhmachermeiſter
prechen wir Allen, beſonders Herrn
Pfarrer Vogel und der Schuhmacher=
Innung unſeren innigſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 31. Dez. 1930.
Ober=Rechnungsprobator i. R. Georg
Staus und Ehefrau Marie, geb.
Spies, zu Darmſtadt. Rheinſtraße Nr. 28,
1. Stock, feiern am Sonntag, 4. Januar
1931, ihr
(483
bie
Mittag= und
Abendtiſch
von 50 bis 95 Pfg.,
vegetariſche und
Fleiſchküche. (181a
Reform=Reſtaurant
Alexanderſtr 4 I.
Runder Nußbaum=
Biedermeier=Tiſch
aus Privathand zu
kaufen geſ. Ang. m.
Pr. u. O. 147 Gſch.*
Piano zu kaufen
geſucht. Offerten u.
O. 159 Geſchſt. (*sg
Gebr. Kummet, Gr.
70 cm. zu kauf. geſ.
Angeb. m. Preis u.
O. 167 a. d. Gſchſt.*
Suche gebr.
Zink=
zulage, 3—4 mm
ſtark, z. kauf., ev. k.
eich. od. buch.
Bret=
ter, trock. Ware, in
Tauſch gegeb. werd
Ang. u. O.164 Gſch.*
Nummer 3
Samstag, den 3. Januar 1931
Seite 5
ung der Mnndesmapiftabt.
Darmſtadt, den 3. Januar 1931.
Weihnachksfeier des Hefſ. Zechlvereins Waiſenſchuß.
Der Fechtverein „Waiſenſchutz”, deſſen ideale Ziele allein
darauf gerichtet ſind, möglichſt vielen Kindern, die unter ſeinem Schutz
ſtehen, an Feſttagen, wie Weihnachten und Oſtern, durch nützliche
Ge=
ſchenke Freude zu bereiten, tritt ſehr ſelten in der Oeffentlichkeit durch
Feſtlichkeiten hervor. In ſtillem Fleiß ſorgt und ſammelt er für ſeine
Schutzbefohlenen, und wer je Gelegenheit hatte, einer Beſcherung des
Heſſiſchen Fechtvereins „Waiſenſchutz” beiwohnen zu können, der weiß,
welche reine Freude er in die Kinderherzen zu ſenken vermag. 121
Kin=
der konnten auch in dieſem Jahre mit nützlichen Dingen, wie Kleidern,
Wäſcheſtücken, aber auch mit Dingen, die dem Kinde beſonderen Spaf
bereiten, mit Spielſachen aller Art, bedacht werden.
Der Verein veranſtaltet für ſeine Mitglieder alljährlich eine
Weih=
nachtsfeier, die diesmal wieder im Städtiſchen Saalbau
abgehal=
ten wurde. Zahlreiche Mitglieder hatten ſich unter dem hell
ſtrahlen=
den Weihnachtsbaum im großen Saale eingefunden, der bis zum letzten
Platz beſetzt war; galt es doch, in befreundetem Kreiſe das ſchönſte Feſt
des Jahres Weihnachten gemeinſam zu feiern. Man war ſich
außer=
dem bewußt, daß der Reinerlös des Abends einer idealen Sache zugute
kommt, und daher ein ſtarker Beſuch der Veranſtaltung angebracht war,
Frohen Herzens folgte man der ſorgfältig ausgewählten Vortragsfolge,
zu deren Verſchönerung ſich der Zitherkranz Darmſtadt 1920 ſowie die
Geſangsabteilung des Vogelsberger Höhen=Clubs in ſelbſtloſer Weiſe
zur Verfügung geſtellt hatten. Nach einem hübſchen Potpourri „
Weih=
nachtsfreuden” und einem Muſikſtück hOffenbachiana”, dargeboten vom
Zitherkranz, ſprach Fräulein Engel einen ſehr ſinnigen Prolog.
Der 1. Vorſitzende des Vereins M. Fiſcher begrüßte in herzlichen
Worten die Teilnehmer an der Weihnachtsfeier und ſprach all denen,
die den Verein tatkräftig unterſtützen, warmen Dank aus. Dann nahm
er die Ehrung und Beförderung verdienſtvoller Mitglieder vor, denen
er eine Urkunde überreichte. Es wurden ernannt: zu Fechtwarten
die Herren Karl Trumpfheller, Albert Kaſigkeit, Fritz Belz, Karl
Mül=
ler, Heinrich Frick; zu Oberfechtwarten die Fechtwarte Konrad
Kindinger, Friedrich Schmunck, Anton Würz; zu
Hauptfecht=
warten die Oberfechtwarte Frau Magdalene Seipp, Franz Oeſtreicher
und Guſtav Wolff; zu Generalfechtwarten die
Hauptfecht=
warte Leonhard Gilberg, Anton Scharf, Ernſt Schulz.
Anſchließend trug die Geſangsabteilung des V.H.C. unter ihrem
Dirigenten Gg. Späth die „Weihnachtsglocken” ſehr gut vor. Herr
H. Angert erfreute durch ausgezeichnete Xylophondarbietungen; die
Begleitung hatten die Herren Müller, Knörzer, Gans,
Wille=
mann übernommen. Im weiteren Verlauf der Vortragsfolge brachte
die Geſangsabteilung des V.H.C. noch einige ganz vorzügliche Chöre
und der Zitherkranz Darmſtadt verſchiedene hervorragende Muſikſtücke
zu Gehör. Fräulein Harniſchfeger und die Geſchw. Knörzer
als allerliebſte Kammerkätzchen führten einen hübſchen Tanz auf; ein
humoriſtiſcher und origineller Damenchor produzierte ſich zur größten
Freude der Zuhörer mit einem luſtigen Liederſtrauß. Die anpaſſende
Klavierbegleitung hatte Frau Kaſigkeit übernommen, die auch die
Lieder einſtudiert hatte. Beſondere Beachtung verdient das techmiſch
vollendet gute Einzelſpiel des Herrn Gg. Knörzer, der ſeine
In=
ſtrumente in ſeltener Virtuoſität beherrſcht. Den Abſchluß der
Vor=
tragsfolge bildete der hübſche Schwank in einem Aufzug „Der
Sünden=
pfuhl”, bei dem die Darſtellerinnen: Frl. Harniſchfeger,
Die=
ner Hartmann, R Knörzer und die Herren Petri, Brück,
W. Knörzer, Fr. Willemann und Frick ihr Beſtes gaben. Die
ſämtlichen Darbietungen fanden reichen Beifall.
Den in allen Teilen harmoniſch und ſchön verlaufenen Abend
be=
ſchloß ein ausgiebiger Tanz, zu dem die Muſikkapelle Weber unter der
perſönlichen Leitung des Obermuſikmeiſters Weber aufſpielte. Eine
reichhaltige Tombola brachte vielen Glückspilzen ſchöne Gewinne.
Ver=
anſtalter und Teilnehmer an dieſer Weihnachtsfeier ſind über den Ver=
**
lauf voll befriedigt.
Erledigt iſt eine Stelle für eine katholiſche techniſche Lehrerin
an der Volksſchule in Seligenſtadt Kreis Offenbach; die
Stelle für einen evangeliſchen Rektor an der Volksſchule in
Erz=
hauſen, Kreis Darmſtadt; die Stelle für einen evangeliſchen
Rektor an der Volksſchule in Nieder=Ramſtadt, Kreis
Darmſtadt.
Ernannt wurde durch Entſchließung des heſſiſchen
Mini=
ſteriums für Kultus und Bildungsweſen der Studienreferendar
Georg Eimer zu Darmſtadt zum Studienaſſeſſor.
— Eine Gedächtnisfeier für den ſoeben verſtorbenen
Reichs=
miniſter a. D. Dr. David findet am Sonntag vormittag im Mainzer
Stadttheater ſtatt. Staatspräſident Dr. Adelung hält die
Ge=
denkrede, die vom Frankfurter Rundfunkſender von
10.15 bis 10.35 Uhr übertragen wird.
— Jubiläum. Herr Richard Rommel blickte am 2. Januar
1931 auf eine 25jährige Tätigkeit als Leiter der Teppich=, Stoff=
und Gardinenabteilung der Möbelfabrik Joſeph Trier, Darmſtadt,
zurück. Herr Rommel hat ſich durch ſeine Treue zum Beruf, ſein
großes Sachverſtändnis und ſeinen Fleiß allenthalben Freunde
erworben, die ihm anläßlich des in heutigen Zeiten beſonders
er=
freulichen Jubiläums auch für die Zukunft die beſten Wünſche
ent=
gegenbringen. Von ſeiten der Firma Joſeph Trier iſt Herr
Rom=
mel durch anerkennende Worte und ein Geſchenk geehrt worden.
— Orpheum. Nur noch heute Samstag und morgen
Sonntag finden Aufführungen der beifällig aufgenommenen
und zugkräftigen Faſchingsoperette „Die Tanzgräfin” ſtatt.
Robert Stolz hat eine flotte, einſchmeichelnde Muſik geſchrieben.
Die Aufführung am Neujahrstage erwies ſich, ohne weiteres als
publikumswirkſam. Die zugleich auf Tränendrüſen und
Lachmus=
keln gerichtete Handlung gibt den Stoff für einen höchſt
vergnüg=
lichen Abend. Im Mittelpunkt ſtehen Hilde Schröder als junge
Gräfin und last not least Henny Walden a. G. als ungariſche
Tän=
zerin mit ihrer unvergleichlichen tänzeriſchen Begabung und ihrem
hinreißenden Temperament. — Es wird nochmals darauf
hinge=
wieſen, daß die Aufführung der Tanzgräfin nur noch heute
und morgen letztmalig in Szene geht. — Preiſe von 1.— Mk. an.
Karten: Verkehrsbüro und de Waal ſowie teleph. unter Nr. 389.
(Siehe Anzeige.)
In der außerordentlichen Hauptverſammlung des
Landesver=
bandes der Obſt= und Gartenbauvereine in Heſſen, welche am
Mitt=
woch, den 7. Januar, nachmittags 14.30 Uhr, im großen Saal des
Rummelbräus, Rheinſtraße 95 dahier ſtattfindet, wird der
Sach=
verſtändige für Vogelſchutz in Bayern Herr Forſtrat Hänel von
Bamberg, über „Vogelſchutz und Schädlingsbekämpfung” ſprechen.
Der Eintritt iſt frei. Gäſte ſind willkommen.
* Aus den Darmſtädker Lichtſpieliheakern.
Union=Theater.
Die Zauberweiſen eines Franz Lehär vermögen ſich
einzu=
ſchmeicheln — feſtzuſetzen und weiterzuklingen im Herzen der
Men=
ſchen. Seine entzückenden Operetten gehen mit ungeheurem Erfolg
über die Bühnen und — ſeitdem der Tonfilm in ſo ungeahnter
Weiſe vordringt — nun auch über die Leinwand. Kein
Gerin=
gerer als Richard Tauber, deſſen Stimme ſchon in Darmſtadt
aufhorchen ließ, als er nach Beſuch der Schule Beines zum erſten
Male an die Oeffentlichkeit trat, und der inzwiſchen weltberühmt
wurde ſpielt und ſingt die Hauptrolle des Films „Das Land
des Lächelns. Sein ganzes wundervolles Organ kommt voll
zur Geltung, und das „Niemand liebt dich ſo wie ich” und „Dein
iſt mein ganzes Herz” verſteht der große Künſtler außerordentlich
wirkungsvoll vorzutragen. Ihm iſt ein Hauptteil am Erfolge
dieſer Operette auf der Leinwand zuzuſchreiben. Die hübſche
Ope=
rette — ein Doppelliebesſpiel auſ der Leinwand —
ſchickſalbe=
ſtimmend für den exotiſchen Fürſten, wie für den Prinzen Sou
Chong, beide Rollen von R. Tauber dargeſtellt, hat eine Reihe
einſchmeichelnder Melodien, die Ausſtattung iſt beſonders
ge=
ſchmackvoll, die photographiſchen Aufnahmen und die
Tonwieder=
gabe harmonieren ausgezeichnet, ſo daß dieſer Film als
außer=
gewöhnlich angeſprochen werden kann. Das Land des Lächelns,
China, mit ſeinen charakteriſtiſchen Gebräuchen auf einer „
Frei=
lichtbühne” dargeſtellt und der prunkvolle Rahmen eines
glän=
zenden Gartenfeſtes geben einen impoſanten, prächtigen Rahmen
zu dem Filmwerk ab. R. Tauber hat vorzügliche Partnerinnen in
Mary Loſſeff, Margit Suchy und Hella Kürthy ebenſo
ſind die männlichen Nebenrollen vorteilhaft beſetzt. Filmtechniſch
iſt die Operette ſehr gut erfaßt, man erlebt eine Darſtellung von
erfreulich hohem Niveau. Einige ſehr gute Beifilme und die
reiche Wochenſchau machen das neue Programm des Union=
The=
aters, das geſtern ausverkaufte Häuſer hatte, wirklich ſehenswert.
Helia.
„Das Mädel von der Reeperbahn” — ein Film, in dem das
Spiel Olga Tſchechowa’s einige Lichtblicke gewährt, während
die Handlung in einer Weiſe durchgeführt iſt, die ſich wenig
Gele=
genheiten, kitſchig zu ſein, entgehen läßt. Lächerlich wirken
ins=
beſondere die Texte der Dialoge und Geſangseinlagen, die an
ge=
wollter „Natürlichkeit” und erreichter Unnatürlichkeit etwa das
bieten, was man früher in ſchlechten Operetten fand. Man hat
wieder einmal das Gefühl, daß dieſelbe Sache als ſtummer Film
erträglicher geworden wäre.
Palaſt=Lichtſpiele
bringen eine ganze Serie Carl=Laemmle=Filme, von
denen nur einer Anſpruch auf das Prädikat „Gut” erheben kann.
der kurze Film aus dem Tierleben. Die übrigen Erzeugniſſe der
Laemmle=Produktion, die ſich neuerdings bekanntlich zur
Spe=
zialiſtin für Deutſchenhetzfilme entwickelte, ſind nicht ſehr
hervor=
ragend. Zwar hat der große Revolutionsfilm „Der Kapitän
der Garde” einige gute und große Momente. Es ſind ihrer
aber wenige. Vielleicht nur die kurze Szene des wuchtigen
An=
marſches der revolutionären Horde unter Führung des
Kapi=
täns der Garde. Innerhalb dieſer Szenen ein Merkwürdiges:
Beim Anrollen eines Geſchützes durch die Revolutionäre, in einer
gut bewegten Maſſenſzene, lautes Lachen der jungen Arbeitsloſen
in den vorderen Sitzreihen. Im übrigen läßt dieſer Film. beſonders
in techniſcher Beziehung, außerordentlich zu wünſchen übrig. Die
Bildfolgen ſind von einer nervös machenden Unklarheit.
Bezeich=
nenderweiſe iſt eine einzige Szene bildlich gut und klar, höchſt
eindrucksvoll die des Galgenaufſchlagens. Die Kampfſzenen
hinge=
gen ſind ſo außergewöhnlich kindiſch, die gefallenen Gardiſten des
Krieges liegen wie hölzerne oder Bleiſoldaten hingeſtreckt, die
Bewegung der Maſſen, gerade in den großen Kampfſzenen, zu
denen außerordentliche Mengen aufgeboten ſind, iſt ſo ungeſchickt
wie möglich, ſo daß auch nicht in einem Moment der Eindruck
eines Geſchehens, in dem Tauſende ihr Leben laſſen, vermittelt
wird. Es ſcheint, als ſei der ganze Film nur gedreht worden um
John Boles, der in der goldſtrotzenden Gardeuniform
tadel=
loſe Figur macht und um Laura Lla Plante ihre Liebes= und
Freiheitslieder ſingen zu laſſen. — Wenn Kampfſzenen im „
Re=
marque=Film” ähnlich kindlich geſtaltet ſind, wäre es nicht zu
verſtehen, daß ein derartiges Laemmle=Machwerk ſoviel Staub
aufwirbeln konnte.
Aus den Parkeien.
Anfrage. Die durch Zeitungsmeldungen und Eingaben
der Betroffenen bekannt gewordenen Vorfälle in der
Oppenhei=
mer Stadtverwaltung zeigen nicht nur die völlige Desorganiſation
der Stadtverwaltung, ſondern drohen auch zu einer Untergrabung
des Anſehens der Staatsgewalt zu führen. Die Eingabe der
An=
hänger der bürgerlichen Parteien an den Herrn Miniſter des
In=
nern, in der von an bolſchewiſtiſchen Terror grenzenden Zuſtänden
geſprochen wird, wirft ein grelles Licht auf die dortigen Zuſtände.
Die Fraktion der Deutſchen Volkspartei fragt daher an, was
ge=
denkt der Herr Miniſter des Innern zu tun, um dieſen Zuſtänden
ein Ende zu machen und den gewählten Vertretern des Stadtrates,
auch ſoweit ſie den bürgerlichen Parteien, angehören, die
Aus=
übung ihres Amtes wieder möglich zu machen?
Das begehrke Mitfel
gegen Husten, Heiserkeit und
Katarrh sind und bleiben
Maisen-Bpulsf-Caramelen
Ke
O
Erhältlich in Apotheken, Drogerien und wo Plakate sichtbar.
I. 3t 55)
Tageskalender für Samstag, den 3. Januar 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus E13, T 5 und 6,
20 Uhr: Das Glöckchen des Eremiten . — Kleines Haus
15 Uhr, T,3 und III,5: „Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb‟
20 Uhr, T6. T 7 und 8: Wie werde ich reich und glücklich?‟
— Orpheum, 20,15 Uhr: „Die Tanzgräfin”
Kon=
zerte: Schloßkeller, Café Oper, Café Ernſt Ludwig, Alte
Poſt, Spaniſche Bodega, Reſtaurant Bender. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=, Helia=, Palaſt=Lichtſpiele.
* Aus dem Gerichksſagl.
Aw. Ein Maurer, der in ſeiner Familie nicht ſehr
wohl=
gelitten war, zog zu einer Bekannten, einer 34jährigen Witwe in
Höchſt, mit der er alsbald auf recht gutem Fuße ſtand. Auch der
15jährigen Tochter dieſer Witwe war er gut, und das Mädchen,
das ſchon einen recht fraulichen Eindruck macht, ſchien auch
Ge=
fallen an ihm zu finden. So konnte es bald nicht mehr ausbleiben,
daß er auch mit dem Mädchen anbändelte, was dieſe ſich
an=
ſcheinend, nach ſeinen Ausſagen, nur zu gern gefallen ließ. Die
Mutter behauptet, nicht das Mindeſte davon” gemerkt zu haben.
Doch einmal kam die Sache heraus, als nämlich das Mädchen ein
Kind bekommen ſollte. Sie kamen nun alle in mehr oder minder
große Verzweiflung und verſuchten mit allen möglichen Mittelchen
das Unheil abzuwenden. Als im Oktober jedoch das Kind geboren
wurde, kam der Mann in Unterſuchungshaft, und es wurde, am
Freitag vor dem Bezirksſchöffengericht in
nichtöffent=
licher Sitzung wegen Notzucht und verſuchter
Abtrei=
bung gegen ihn verhandelt. Die Mutter ſaß neben ihm wegen
Kuppelei und eine Nachbarin wegen Beihilfe zur
Abtreibung weil ſie den guten Rat der Teeverwendung
gegeben hatte. Das Mädchen offenbart heute keinen ſehr guten
Charakter, denn ſie will alle Schuld auf den Mann ſchieben, der
ſie mit Gewalt gezwungen habe. Jedoch ſcheint das den ganzen
Umſtänden nach und auch nach den Ausſagen des Angeklagten
ſelber und der Zeugen nicht zuzutreffen. Der Angeklagte iſt
be=
müht, Mutter ſowohl wie Tochter in Schutz zu nehmen, und die
Mutter behauptet nach wie vor, nichts gemerkt zu haben, was
ent=
weder auf keine ſehr große Liebe zu ihrem Kind oder auf eine im
Uebermaß ausgebildete Vertrauensſeligkeit — um nicht zu ſagen
Dummheit — ſchließen läßt. Doch nimmt das Gericht an, daß ſie
trotz allem etwas wußte und verurteilte ſie zu zwei Monaten
Gefängnis unter Anrechnung von 14 Tagen
Unterſuchungs=
haft. Der Mann erhält wegen Verführung eines
unbeſchol=
tenen Mädchens unter 16 Jahren und wegen verſuchter
Ab=
treibung insgeſamt fünf Monate Gefängnis
abzüg=
lich zwei Monate Unterſuchungshaft, und die Nachbarin muß
ihre Hilfsbereitſchaft mit einer Geldſtrafe von 50 Mark
an Stelle von 10 Tagen Gefängnis büßen.
Es wird dann gegen einen Kaufmann wegen
Zechprel=
lerei verhandelt. Mit ſeiner Braut durchreiſte er unter falſchem
Namen auftretend, die Lande. Kurz vor Oſtern 1928 ſtieg er in
einem hieſigen Hotel ab. Sie traten feudal auf, brauchten
unbe=
dingt ein Zimmer mit Heizung und verſchwanden nach den
Feier=
tagen wieder unter Zurücklaſſung ihrer Gepäckſtücke, deren Inhalt
ſich jedoch bei genauerer Unterſuchung als ziemlich wertlos erwies,
und etwa 60 Mark Schulden. Der Geſchädigte war der
Ober=
kellner, der dann auch Strafantrag ſtellte. Es dauerte geraume
Zeit, bis man den Angeklagten ausfindig machen konnte und ihm
einen Strafbefehl über zwei Monate Gefängnis zuſtellte, gegen
den er jedoch Einſpruch erhob. Er behauptet nämlich, nicht von
vornherein Betrugsabſichten gehabt zu haben, er habe damals noch
genug Geld beſeſſen. Das Gericht kann dem jedoch keinen Glauben
ſchenken und verurteilt ihn zu acht Wochen Gefängnis, die durch
die Unterſuchungshaft als verbüßt gelten.
Stets
Frasser-Kaffee Hisch geröstet SChulstr. 10
Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus Kleines Haus Samstag,3. Januar 20—22.30 Uhr
Das Glöckchen des Eremiten
E13. T. Gr. 5 und 6
Preiſe 1— 10 Mk. Anf. 15, Ende gegen 17 Uhr
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Heſſenlandmiete I.,3 u. III,5
Preiſe 1—5 Mk.
20—22.30 Uhr
Wie werde ich reich und glücklich ?
Zuſatzmiete 16, T. Gr. 7 u.
Preiſe 1 50—7.50 Mk. Sonntag,
4. Januar 19.30—22 30 Uhr
Preiſe 1—10 Mtk. 20—22.30 Uhr
Königskinder Wie werde ich reich und glücklich ?
H6, Büynenvolksbund Zuſatz=Miete 111,8, T, Gr. 4
Preiſe 1.50—7.50 Montag
5. Januar 20, Ende gegen 22 Uhr
5. Sinfonie=Konzert
Preife 1.20—8 Mr. Keine Vorſtellung Dienstag
6. Januar 19 30—22 Uhr
Das Glöckchen des Eremiter
Miete A 13 T 2 und 3
Preiſe 1—10 Mr. 20—22 Uhr
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
K8 Bühnenvoltsbund
Zuſ.=M. XII 1 20—6 Mik. Mittwoch,
7. Januar 19.30, Ende 22.15 Uhr
Die ſchöne Helena
G8Darmſt. Volksb. Gr. I-IV
Preiſe 1—10 Mk. Keine Vorſtellung Donnerstag,
8. Januar Anf. 19.30 Ende 22.30 Uhr
Preiſe 1—10 Mr. 20—22 Uhr
Im weißen Röſel
C 12. Die Zauberflöte Geſchl. Vorſt f d. Erwerbsl.
Kein Kartenverkauf. Freitag,
9. Januar i
Keine Vorſtellung 20—22 Uhr
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Zuſatziiete 1V 7
Preiſe 1.20—6 Mk. Samstag
10. Januar 19.30—22.30 Uhr
F8 Königskinder
Dſt. Vo ksb. Gruppe L-IV
Preiſe 1—10 Mk. 20—22.30
Wie werde ich reich und glüchlich
T Gruppe 1. 4, 5
Preiſe 1 20—6.00 Mk. Sonntag
11. Januar 19, Ende nach 22 Uhr
Carmen
Heſſenlandmiete IV 6
Preiſe 1.20—12 Mk. 19.3 —22 Uhr
Meine Schweſter und ich
Außer Miete
Preiſe 1—5 Mk.
— Heſſiſches Landestheater. Am Sonntag, den 4. Januar, geht
im Großen Haus um 19.30 Uhr „Königskinder” Oper von
Humperdinck, in Szene. — Nach längerer Pauſe gelangt am
Mitt=
woch, den 7. Januar, im Großen Haus die Offenbach=Operette
„Die ſchöne Helena” in der Inſzenierung von Renato Mordo,
muſikaliſche Leitung: Karl Maria Zwißler, zur Aufführung. Den
Paris ſingt Hans Sylveſter Bunſel, die Helena Käthe Walter. In
den übrigen Hauptrollen: Harre, Pfaudler, Vogt, Ney, Gallinger.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren innigſi geliebten Sohn und Bruder
und meinen heißgeliebten Bräutigam, den
Apotheker
Kurt Leiſter
nach ſchwerem Leiden in ein beſſeres Jenſeits
abzurufen.
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
P. Leiſter
Oberpoſidireltionspräſident.
Darmſtadt, den 1. Januar 1931.
Die Beerdigung findet ſiatt am 3. Januar,
nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des alten
Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſtraße.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Todes=Anzeige,
(Statt jeder bsſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag entſchlief ſanft nach langem, mit großer
Ge=
duld ertragenem Leiden mein innigſtgeliebter Mann, unſer
treu=
ſorgender Vater, lieber Bruder, Schwager, Schwiegervater,
Groß=
vater und Onkel
Feronnane Schuid
Weißbindermeiſter
im 62. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emilie Schulz.
Darmſtadt, den 1. Januar 1931.
Bismarckſtr. 46,
Auf Wunſch des Entſchlafenen findet die Beiſetzung in aller Stille
ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitte Abſtand nehmen zu wollen.
Von der Reise zurück
Med.-Rat Dr. Curschmann
Facharzt für Lungenkrankheiten
Heidelbergerstraße 35, I.
Aähma iſt heilbar
Aſthmakur nach Dr. Alberts kann ſelbſ.
veraltete Leiden dauernd heilen.
Aerzt=
iche Sprechſtunden in Frankfurt, Mainze
Landſtraße 133, 1. Stock, jeden Mittwoch u
Samstag von 8 30—1 30 Uhr.
1V 153
BRIEFMARKEN-SAMMLER
welche angenehm. Anschl. zw. Aufvau ihrer
Samml. wünsch., sind uns willkommen. Wir
bring.Auswahlen f.gr u. kl Sammler z solid
Preisen. Verlang, Sie uns Druckschriften u
Probeauswahl vei Standesangabe. (187 1b
Internation. Philatelisten Vereinigung
Berlin-Neukölln, Nogatstraße 23.
Schülern Nachhilfe
in Franz., Engl. u.
Lat. Näh. Geſchſt.*
Einfamilienhaus in
Arheilgen, 2X3 Z.,
Küche, Garten,
be=
ziehb., in beſt.
Zu=
ſtand. für 13000 ℳ
(Anzahl. 5-6000 ℳ)
zu verkaufen. Adolf
Dingeldein ſenior,
nur Landwehrſtr. 39.
Telefon 2067. (465
3X4=, 1X3=3.=Haus,
Toreinfahrt. Mitte
Stadt, f. 16 000
(Anzahl. 5-6000 ℳ)
zu verkaufen. Adolf
Dingeldein ſenior,
nur Landwehrſtr. 39,
Telefon 2067. (464
Gründl. franz. und
engl. Nachhilfe ſow.
ranz. Konverſation
Olbrichweg 10, I.
(*mso)
Konzert=
Elſe Hochſtätter, pianiſtin,
Mitgl. d. Ton=Künſtlerv. Berlin,
Künſtler. Ausb. i. Klavierſp. Theorie,
Ermäß, Honorar. Kinder u. 12 J. ℳN 10
(*sgm
monatl, Schulſtraße 15, II.
Kleine Gymnasial-
Neuen-
adagoglam heim- Heldelberg. und Real-Klassen:
Sextab Abitur. Arbeitsstund., Spielplätze Sport. Eigene
wirtsch. Boste Verpfleg. Prüfungserfolge, (17.
„Seite 6
Samstag, den 3. Januar 1931
Nummer 3
Aus heiſen.
Vorkragskurſus der Landwirkſchaftskammer
vom 6. bis 8. Januar 1931 in Darmſtadk.
T Infolge der drückenden wirtſchaftlichen Lage hat der Landwirt
vielfach das Intereſſe an Vorträgen und Verſammlungen verloren. Das
iſt im gegenwärtigen Zeitpunkt begreiflich, denn dem Einzelnen kann,
wenn er ſtark verſchuldet oder ſonſtwie ſein Betrieb wirtſchaftlich
zu=
rückgegangen iſt, durch Vorträge und Belehrungen oft nicht mehr
ge=
holfen werden. Andererſeits wurde auf dem Gebiet des
Vortrags=
weſens verſchiedentlich des guten zu viel getan, insbeſondere in den
Zeiten, als man in der Steigerung der Roherträge das einzige Mittel
zur Hebung der Nentabilität der Landwirtſchaſt ſah. Die Zeit hat
ge=
lehrt, daß heute leichter erzeugt als verkauft iſt und Höchſterträge nichts
beſagen, wenn die erzielten Preiſe nur wenig oder überhaupt nicht über
dem Friedensſtand liegen. — Was nun die Vorträge auf dem
Vor=
tragskurſus der Landwirtſchaftskammer anbelangt, die die Jahre ſtets
gut beſucht waren, ſo ſind dieſelben auf die ſchwierigſten Fragen
ein=
geſtellt, welche in den kommenden Monaten und Jahren gelöſt werden
müſſen. Im Vordergrund ſtehr die Abſatzgeſtaltung und die Frage der
richtigen betriebswirtſchaftlichen Einſtellung zu den veränderten
Abſatz=
verhältniſſen. Hierüber werden am 7. Januar 1931 2 Referenten
ein=
gehend ſprechen. Tags zuvor wird über die Bedeutung und zukünftige
Entwicklung des Hackfruchtbaues geſprochen werden, ſpwie über die
zweckmäßigſte Fütterung im bäuerlichen Betrieb. Am dritten Tag, dem
8. Januar, werden Vortragende zu Wort kommen, welche ſich mit der
Rindviehzucht und mit der Milchpreisfrage befaſſen, welch letztere
vor=
nehmlich im Frankfurter Wirtſchaftsgebiet und in den heſſiſchen
Provin=
zen eine große Rolle ſpielt. — Auch an den Nachmittagen ſind
inner=
halb der Veranſtaltungen der landwirtſchaftlichen Vereine und
Organi=
ſationen eine Reihe von beachtenswerten Vorträgen angeſetzt, ſo daß
der Beſuch des Vortragskurſus allen Landwirten empfohlen werden
kann.
Dd. Arheilgen, 2. Jan. Jahreswechſel. In der letzten Nacht
des alten Jahres war der Verkehr auf den Straßen und in den
Loka=
len trotz der aufgehobenen Polizeiſtunde nicht ſo lebhaft wie ſonſt.
Durch das unfreundliche Wetter und die ſchlechte wirtſchaftliche Lage
mögen viele veranlaßt worden ſein, zu Hauſe zu bleiben. Um 12 Uhr
läuteten die Glocken, und der hieſige Poſaunenchor, der ſich vor der
Kirche aufgeſtellt hatte, begrüßte das neue Jahr mit dem Lied „Nun
danket alle Gott”. An den Fenſter blickten freudige Geſichter und
grüß=
ten ſich mit einem freudigen „Proſit Neujahr‟. Hoffentlich gehen alle
an das neue Jahr geknüpften Erwartungen in Erfüllung. — Der
Turnverein 1876 e. V. hielt am 1. Januar, nachmittags 3 Uhr, in
ſei=
ner Turnhalle ein Weihnachts=Schauturnen der
Schülerin=
nen und Schüler ab. Die beiden Abteilungsleiter hatten ſich mit
Er=
folg bemüht, ein dem Geſchmack und der Leiſtungsfähigkeit der Kinder
angepaßtes Programm, zuſammengeſetzt aus Muſik, Vorträgen und
turneriſchen Uebungen, zuſtande zu bringen.
E. Wixhauſen, 2. Jan. Der Jahreswechſel nahm hier einen ruhigen
Verlauf. Am Silveſterabend fand wie alljährlich in der Kirche ein
Gottesdienſt ſtatt, der ſich eines guten Beſuches erfreute. In den
Gaſt=
ſtätten war der Betrieb nicht beſonders rege, was wohl der herrſchenden
Notlage zuzuſchreiben iſt.
J. Griesheim, 2. Jan. Die Neujahrsnacht iſt in hieſiger
Gemeinde verhältnismäßig ruhig verlaufen. Der Straßenverkehr war
infolge des ſtürmiſchen und regneriſchen Wetters weniger lebhaft,
da=
gegen herrſchte in den Lokalen reger Betrieb. Das Neujahrsſchießen
beſchränkte ſich nur auf vereinzelte Schüſſe, Unglücksfälle ſind nicht zu
verzeichnen geweſen. Hoffentlich gehen die gegenſeitig ausgetauſchten
Neujahrswünſche in Erfüllung. — Am Sonntag, den 4. Januar,
nachmittags 2 Uhr, findet im Gaſthaus „Zum grünen Laub” hier eine
außerordentliche Generalverſammlung der Frankfurter
Markt=
vereine 1. 2 und 3 ſtatt. Tagesordnung: Zuſammenſchluß der Vereine
und Feſtlegung der Statuten. — Heute beging Frau Peter Schilling 1.
Witwe, Rathenauſtraße 64, hier ihren achtzigſten
Geburts=
tag. Die Greiſin iſt bereits ſeit 38 Jahren Witwe, beſucht jetzt noch
wöchentlich dreimal bei Wind und Wetter den Darmſtädter
Wochen=
markt und verrichtet noch ſämtliche Haus= und Feldarbeiten. Wir
gra=
tulieren der rüſtigen und fleißigen Greiſin zu ihrem Wiegenfeſte mir
dem Wunſche, daß ihr auch weiterhin ein ungetrübter Lebensabend im
Kreiſe ihrer Kinder und Enkel beſchieden ſein möge. —
Verſuch=
ter Diebſtahl. In den letzten Nächten wurden an dem
Pferde=
ſtall, der in den Sicherheitsſtand an der ſüböſtlichen Ecke des
Schieß=
platzes am Pfungſtädter Weg eingebaut iſt, einige 7 Meter lange
Eiſen=
bahnſchienen herausgezogen. Man vermutet, daß ſich unter den Tätern
außer hieſigen auch Perſonen aus einem Nachbarort befinden, die
jeden=
falls für die Schienen Verwendung haben. Vor Ankauf wird gewarnt.
Die Polizei iſt den Tätern bereits auf der Spur.
Cp. Pfungſtadt, 2. Jan. Jahreswechſel. Die Gottesdienſte
am Silveſterabend und am Neujahrstage erfreuten ſich eines guten
Be=
ſuches. In beiden Fällen wirkte der Kirchengeſangverein mit. — Am
Jahreswechſel konnte der Küfer Adam Rothmann ſein 40jähriges
Ar=
beitsjubiläum bei der Exportbrauerei Hildebrand begehen.
Der Radfahrerverein 1898 hielt bereits ſeine diesjährige
Hauptverſammlung ab. Mit den Erfolgen des abgelaufenen Jahres
kann der Verein vollauf zufrieden ſein. Der ſeitherige Vorſtand wurde
in der Hauptſache wiedergewählt. Leider hat der Verein im
vergange=
nen Jahre ſeinen Ehrenvorſitzenden Peter Böttiger 7. durch den Tod
verloren. Ueber Gau= und Bundesfragen entſtand eine längere
Aus=
ſprache. Schließlich wurde einſtimmig der Austritt des Vereins aus
dem Heſſiſch=Naſſauiſchen Radfahrerbund beſchloſſen.
Bericht ader oie Wielſchantniche Lage ors Hanewderis ti Monar Beieilder 1330.
RI. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns
geſchrieben:
Die Wirtſchaftslage im Monat Dezember hat durch eine Reihe
von Merkmalen ihre beſondere Prägung erhalten, unter denen
ins=
beſondere die zu nennen ſind; die Fortſetzung der
Konjunkturver=
ſchlechterung, der übliche Saiſonrückgang, die von der
Reichsregie=
rung eingeleitete Preisſenkungsaktion und das übliche
Weihnachts=
geſchäft.
Die Konjunkturlage iſt dadurch gekennzeichnet, daß die Zahl
der Arbeitsloſen bis zum Jahresende auf rund 4 Millionen
geſtie=
gen iſt. Es liegt auf der Hand, daß das Handwerk von dieſem
allgemeinen Niedergang nicht unberührt bleiben kann. In der
Tat hat denn auch die Zahl der arbeitsloſen Geſellen im Handwerk
erheblich zugenommen — Unter den Saiſoneinflüſſen ſteht die
Einſtellung der Bautätigkeit an erſter Stelle. Das zuſätzliche
Woh=
nungsbauprogramm des Reiches hat nur allgemein eine geringe
Belebung herbeigeführt, die jedoch bei weitem nicht ausreicht, den
völlig daniederliegenden Baumarkt zu beleben. In den
Saiſon=
zweigen des Bekleidungsgewerbes iſt die Belebung mehr oder
weniger ſtark hinter dem ſonſt üblichen Aufſchwung in früheren
Jahren zurückgeblieben. Stark erſchwert und beeinträchtigt wurde
der Geſchäftsgang im Handwerk durch die Preisſenkungsaktion.
Leider wird das Handwerk in zunehmendem Maße in ſeiner Rolle
als Letztverarbeiter mit beſonderer Vorliebe für den hohen
Preis=
ſtand verantwortlich gemacht, für den es keine Schuld trägt. Die
— Hahn b. Pfungſt., 2. Jan. Fräulein Eliſe Schmitt war am
1. Januar 1931 20 Jahre als landwirtſchaftliche Hausgehilfin im Dienſt
des Landwirts Adam Thon tätig. Sie hat beſonders während des
Krieges, als Herr Thon im Felde war, bewieſen, mit welcher Liebe und
Treue ſie ihren Beruf ausübt. Die Einwohner unſeres Dorfes freuen
ſich über das zwei Jahrzehnte lange gute Einvernehmen der Jubilarin
mit dem Arbeitgeber und wünſchen, daß das Arbeitsverhältnis in der
gleichen Weiſe fortbeſtehen möge.
F Eberſtadt, 2. Jan. Nachdem ſich der Gemeinderat geweigert hat,
die Bürgerſteuer einzuführen, iſt dieſe nunmehr auf Grund des
Art. 3 Abſ. 1 und 2 des Ausführungsgeſetzes zu dem zweiten Abſchnitt
der Verordnung des Reichspräſidenten zur Behebung finanzieller,
wirt=
ſchaftlicher und ſozialer Notſtände vom 26. Juli 1930 durch Verfügung
des Kreisamts vom 31. Dezember 1930 für den Gemarkungsbezirk der
Gemeinde Eberſtadt nach dem Landesgeſetz eingeführt worden.
Theaterabend Geſangverein „Frohſinn” 1842. Wie
immer, ſo war auch dieſesmal dem Geſangverein „Frohſinn” (1842) zu
ſeinem am Neujahrstage im Saale „Zum Bergſträßer Hof” (Peter)
ver=
anſtalteten Theaterabend ein volles Haus beſchieden. Zur Aufführung
gelangte das von unſerem Landsmann Ernſt Elias Niebergall in
Darm=
ſtädter Mundart geſchriebene Luſtſpiel: „Des Burſchen
Heim=
kehr” oder „Der tolle Hund”, das der Verein im Jahre 1921
ſchon einmal mit größtem Erfolg über die Bretter gehen ließ. Das
äußerſt humorvolle, wirkſamſte Stück Niebergalls erlebte auch in dieſem
Jahre dank der glücklichen Rollenbeſetzung eine treffliche Wiedergabe.
Ludwig Brückner, der Vorſitzende des Vereins, ſpielte in der
Haupt=
rolle den Metzger Knippelius trotz ſeines Alters mit jugendlicher Friſche
und verlieh dem Träger des Stückes urwüchſige Geſtalt. Ihm zur Seite
geſellte ſich Gretel Münſter als ſeine Frau, die ihm Lebensgefährtin und
beſorgte Mutter des Studenten Fritz (Georg Schäfer) und deſſen
Schwe=
ſter Bärbel (Gertrud Müller) war. Das Karlchen ſpielte Willi Knieß,
den Bierbrauer Puttel in ſeiner Einfalt Wilhelm Reibold, ſeine Frau
Margarete Hilde Braun, deren Tochter Sabine Dina Götz, den
Kamm=
macher Nachtſchatten Adam Mink und den Schneidergeſellen Valentin
Wilhelm Knieß. Alle Mitwirkenden fanden ſich mühelos in ihren
Rol=
len zurecht und gewährleiſteten dem Stück durch geſchicktes
Zuſammen=
ſpiel einen glatten Verlauf, der um ſo höher zu veranſchlagen iſt, als es
in ſeinen vier Aufzügen von nahezu dreiſtündiger Dauer recht
beträcht=
liche Anforderungen an die Spielenden ſtellt. Das Publikum ſpendete
den verdienten Beifall.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. Jan. Neujahrsnacht. Im
Gegen=
ſatz zu früheren Jahren verlief die diesjährige Neujahrsnacht ziemlich
ruhig und ohne jegliche Zwiſchenfälle. Die Wirtſchaften waren
weſent=
lich geringer beſetzt als in den Vorjahren. Auch die Schießerei machte
der Polizei keinerlei Schwierigkeiten, ſie war ſehr minimal. Der
allge=
meine Geldmangel hat ſich bei dieſer Gelegenheit ſo recht bemerkbar
ge=
macht. — Das neue Jahr hat der Gemeinde eine Ueberraſchung
be=
ſchert, inſofern, als durch das Kreisamt mit Wirkung vom 1. Januar
1931 an die Bierſteuer auf dem Verordnungswege eingeführt wurde. Die
in Frage kommende Ortsſatzung liegt in der Zeit vom 3. bis 10. Januar
I. J. zur Einſichtnahme auf dem Rathaus offen
G. Ober=Ramſtadt, 2. Jan. Neujahr. Das alte Jahr wurde in
kirchlicher Beziehung hier mit einem Silveſtergottesdienſt um 8 Uhr
abends beſchloſſen, in dem der Kirchenchor mitwirkte. Im
Hauptgottes=
dienſt des Neujahrtages ſpielte der Poſaunenchor. Am Turm unſerer
altehrwürdigen Kirche grüßt als Zeichen des Lichts ein weißes Kreuz,
das abends elektriſch beleuchtet iſt. Die Neujahrsnacht ſelbſt verlief
auch hier ziemlich ruhig. Die allgemeine Geldknappheit machte ſich ſehr
bemerkbar. — Holzverſteigerung. Das Forſtamt Ober=
Ram=
ſtadt hält ſeine dritte Holzverſteigerung am Donnerstag, den 8. Januar,
vormittags 9.30 Uhr, in der Gaſtwirtſchaft Keller in Wembach ab, bei
der Nutz= und Brennholz aus den Domanialwalddiſtrikten Dörnbach
und Großer Heegwald der Förſterei Koloniewald zur Verſteigerung
kommt.
Die Bekämpfung der Wühlmäuſe.
Mitteilung aus der Heſſiſchen Hauptſtelle für Pflanzenſchutz.
Die Wühlmäuſe können in Garten und Feld oft verheerend
auf=
treten. Sie gehen nicht nur an die in der Erde befindlichen
Wurzel=
gewächſe wie Sellerie, Schwarzwurz, Möhren uſw., ſondern ſie freſſen
auch Zwiebelgewächſe und nagen vor allem an den Wurzeln unſerer
jungen Obſtbäume. In turzer Zeit vermögen ſie das ganze Wurzelwerk
der Obſtbäume zu zerſtören und ſo manchen Apfelbuſch und Hochſtamm
zum Abſterben zu bringen. Leider merkt man das Auftreten dieſes
geſährlichen Schädlings meiſt erſt dann, wenn im Frühjahr die
beſchä=
digten Bäume ſpät und kümmerlich austreiben und die jungen
Stämm=
chen mit leichter Mühe aus dem Boden gezogen werden können.
Im Felde werden die Gras= und Getreidewurzeln abgefreſſen, junge
Saat und Verjüngungen im Forſtgarten werden zerſtört. In der Nähe
von Gewäſſern werden die Wühlmäuſe dadurch gefährlich, daß ſie bei
ſtarkem Ueberhandnehmen die Ufer und Dämme unterwühlen und
zer=
ſtören können und ſo dem Eindringen von Waſſer Vorſchub leiſten.
Sehr häufig iſt bei Wühlgängen in Gärten die Frage zu
entſchei=
den ob es ſich hier um die Tätigkeit von Wühlmaus oder Maulwurf
handelt. Beide Tierarten legen lange, weitverzweigte Gänge an und
werfen Erdhaufen auf. Die Gänge der Wühlmaus ziehen ſich nun
meiſtens dicht unter der Erdoberfläche hin und ſind mitunter ſo flach,
daß die Bodendecke beim Wühlen aufgehoben wird. Die Gänge der
Wühlmaus ſind weiter als die des Maulwurfs; die aufgeworfenen
Hau=
fen unterſcheiden ſich von denen des Maulwurfs leicht dadurch, daß ſie
viel ungleichmäßiger ſind, aus größeren Erdbrocken beſtehen und nur
ſelten eine Oeffnung aufweiſen. Für den Laien wird es nicht immer
leicht ſein, aus der Beſchaffenheit von Gängen und Haufen zu erkennen,
welche von beiden Tierarten er vor ſich hat. Darum ſei hier noch die
Köderprobe erwähnt. Dieſe iſt folgendermaßen zu machen. Die friſchen
Gänge oder Haufen öffnet man an verſchiedenen Stellen. In das
ent=
ſtandene enge Loch ſteckt man ein kleines Holzſtäbchen, an deſſen unterem
Ende ein kleines Stück Johannisbrot befeſtigt iſt. Die Oeffnung wird
dann wieder verſchloſſen. Eine Wühlmaus wird den Köder bald
be=
nagen oder abfreſſen, ein Maulwurf dagegen läßt ihn unberührt.
Der Kampf gegen die Wühlmaus iſt recht ſchwierig, und man muß
genügend Ausdauer beſitzen. Es wird vielfach empfohlen, in Gärten,
die von der Wühlmaus heimgeſucht werden, die kreuzblätterige
Wolfs=
milch (Euphoroia latifolia) anzubauen; man glaubt, durch den Geruch
dieſer Wolfsmilchart würden die Wühlmäuſe abgeſchreckt werden und
ſich aus den Gärten verziehen. Es hat ſich jedoch gezeigt, daß dieſe
Meinung irrig iſt.
Die ungeheure Schwierigkeit in der Bekämpfung der Wühlmaus
liegt in der unglaublich feinen Witterung des Tieres. Kein Köder wird
angenommen, der mit der menſchlichen Hand in Berührung gekommen
iſt. Es iſt deshalb ſehr angebracht, wenn man bei allen
Bekämpfungs=
arbeiten alte Handſchuhe anzieht, die man vorher mit Erde
eingerie=
ben hat.
Als Bekämpfungsmaßnahmen kommen in Frage einmal das
Auf=
ſtellen von Fallen, zum zweiten das Auslegen von Gift und ſchließlich
die Vergaſung der Baue mit Räucherapparaten. Die beſte
Bekämp=
fungszeit iſt im Winter und im zeitigen Frühjahr. Die Vorteile, die
dieſe Zeit der Vegetationsruhe für die Bekämpfung bietet, liegen in
dem leichteren Auffinden der Baue bei der fehlenden Bedeckung des
Bodens und in der willigeren Aufnahme der vergifteten Köder durch
die Wühlmaus, wenn man ſich für dieſe Bekämpfungsart entſchließt.
Sehr gut eignet ſich die Attenkoferſche Wühlmausfalle, die nach den
bisherigen Feſtſtellungen bei vorſchriftsmäßiger Anwendung vorzüg=
liches zu leiſten vermag. Beim Stellen der Fallen wird man oft im
Zweifel ſein, ob dieſer oder jener Gang überhaupt noch bewohnt iſt.
Um dies feſtzuſtellen, wird man die Gänge an verſchiedenen Stellen
üffnen. Werden die Löcher wieder zugeſchoben, ſo iſt der Bau ſicher
bewohnt, bleiben ſie offen, ſo ſind die Gänge eben leer. Durch dieſe
mehr orientierende Vorarbeit, die man übrigens bei allen drei
Be=
lämpfungsmethoden mit Erfolg anwenden wird, hat man den Vorteil,
haß viel unnötige Arbeit und Geld geſpart wird. Erwähnt ſei in
die=
ſem Zuſammenhang auch noch die Zürnerſche Wühlmausfalle.
Zu dem Vergiften der Tiere durch ausgelegte Köder eignet ſich
beſonders die Verwendung der Zelio=Paſte auf folgende Weiſe: Gerne
genommene Köder, wie z. B. kleine Sellerieknollen, Möhren oder
Löwenzahnwurzeln werden halbiert, etwas ausgehöhlt und mit der
Zelio=Paſte gefüllt (etwa ein 1 Zentimeter langes Stück aus der Tube);
zweckmäßig iſt es, wenn man hierzu noch einige Tropfen Baldrian gibt
zur beſſeren Anlockung, weil die Wühlmaus dieſen Riechſtoff ſehr liebt.
Die beiden Hälften des Köders werden dann mittels eines Hölzchens
wieder zuſammengefügt. Die Wühlmausbaue werden an verſchiedenen
Stellen vorſichtig geöffnet und die Köder mit dem Wurzelende nach
unten in die Oeffnung gebracht. Der Gang wird dann vorſichtig dicht
abgeſchloſſen, am beſten mit einem Brettchen und Erde, um ſo ſpäter
leichter kontrollieren zu können. In den nächſten Tagen ſieht man nach,
ob der Köder von den Wühlmäuſen verzehrt worden iſt. Iſt dies der
Fall, ſo legt man nochmals friſch aus und ſetzt dies ſolange fort, bis
kein Köder mehr angenommen wird und damit gerechnet werden kann,
daß alle Wühlmäuſe vertilgt ſind. Daß man zur Vorbereitung und
zum Auslegen der Köder Handſchuhe anzieht aus den ſchon oben
ge=
nannten Gründen, ſei der Wichtigkeit halber nochmals erwähnt. Zum
Vergaſen der Baue verwender man am beſten ſolche Apparate (z. B.
Hora=Apparate), an die man eine Fahrradluftpumpe zum ſchnelleren
Eindringen des Gaſes in die Baue anſchließen kann. Bei der großen
Länge der Gänge genügt im allgemeinen ein einfaches Einleiten des
Gaſes nicht, da es dann meiſt nicht überall hinlangt. Als
Näucher=
patronen haben ſich in der Praxis bewährt Horapatronen ſowie
Lepit=
patronen. Die Wühlmaus hat nun die Eigenart, ſich gegen das
vor=
dringende Gas durch Verſtopfen des Baues zu ſchützen. Es dürfte ſich
deshalb empfehlen, daß man mit mehreren Apparaten zur gleichen Zeit
arbeitet. Man beginnt dabei am beſten von außen her in einem weiten
Kreis, den man allmählich immer mehr verengert. Beim Arbeiten mit
nur einem Apparat führt man das Gas am vorteilhafteſten abwechſelnd
von zwei gegenüberliegenden Stellen über dem Kreuz ein.
Will man während der Sommermonate eine Bekämpfung
durchfüh=
ren, ſo iſt das Giftlegen weniger geeignet. Den Tieren wird dann von
der Natur reichlich Pflanzennahrung geboten, ſo daß die Köder weniger
ſicher angenommen werden. In dieſer Zeit dürfte neben der
Verwen=
dung von Fallen die Vergaſung der Baue vorzuziehen ſein.
Wegen der großen Verbreitungsgefahr iſt immer ein
Zuſammen=
ſchluß der Grundbeſitzer eines größeren Gebietes zur gemeinſamen
Be=
kämpfung des gefährlichen Schädlings geboten. Der einzelne iſt
macht=
los. Was nützt es ihm wenn er in noch ſo energiſcher Weiſe den
Kampf beginnt, und der Nachbar iſt läſſig; er wird dann immer wieder
Zuzug von Wühlmäuſen aus verſeuchten Nachbargrundſtücken erhalten.
Es wird ſomit nur ein gemeinſames Vorgehen von danerndem Erfolg
gekrönt ſein, bei gemeinſamer Beſchaffung der Bekämpfungsmittel und
Dr. Becker.
einheitlicher gemeinſamer Anwendung.
durch die eingeleiteten Beſtrebungen verurſachte Zurückhaltung der
Käuferſchichten hat im Berichtsmonat ſehr erhebliche Ausfälle
ge=
bracht, die den bereits vorhandenen Ausfall an Kaufkraft infolge
der ſtarken Arbeitsloſigkeit weſentlich verſtärkten.
Die gekennzeichneten Umſtände haben verhindert daß das
Weihnachtsgeſchäft den in früheren Jahren erzielten Umfang
er=
reichte. Soweit die Handwerksbetriebe mit einem Ladengeſchäft
verbunden ſind, iſt häufig eine kurzfriſtige Belebung der
Umſatz=
tätigkeit feſtzuſtellen; ſie bleibt hinter derjenigen des Vorjahres
und noch mehr hinter derjenigen des Jahres 1928 zurück. Soweit
die reine Werkſtattarbeit in Frage kommt, iſt die Belebung durch
Weihnachtsaufträge faſt überall ausgeblieben. Hiervon wurden
nicht zuletzt diejenigen Handwerkszweige betroffen, für deren
Ge=
ſchäftsgang das Weihnachtsgeſchäft von entſcheidender Bedeutung
iſt; hierher ſind die Elektroinſtallateure, die Sattler, die
Schnei=
der und in gewiſſem Sinne auch die Bäcker, Konditoren und
Flei=
ſcher zu rechnen
Die Entlaſſung von Arbeitskräften hat im Berichtsmonat
weiter zugenommen. Lohnerhöhungen ſind nicht bekannt
gewor=
den. Die Beſchaffung von Material iſt keinen Schwierigkeiten
be=
gegnet, die Rohſtoffpreiſe ſind in einzelnen Zweigen gefallen. Im
Zuſammenhang mit der ſtarken Arbeitsloſigkeit hat die
Schwarz=
arbeit merklich zugenommen, obwohl allenthalben Maßnahmen zu
ihrer Bekämpfung ergriffen wurden. Im Zahlungsverkehr hat
das Borgunweſen ſich augebreitet, ebenſo ſcheint das Ratengeſchäft
zugenommen zu haben.
Skraßenbericht
für die Woche vom 4. bis 10. Januar 1931.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club E. V.)
Hauptdurchgangsſtraßen in Heſſen:
Heppenheim—Hemsbach vom 29. Dez. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Lorſch-Hüttenfeld—Hemsbach bzw. Lorſch-Viernheim.
Heldenbergen—Windecken wegen Brückenbauarbeiten an der Nidder
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Eichen—Oſtheim.
Friedberg—Wetzlar (zwiſchen Pohlgöns—Niedergleen bis zur
Lan=
desgrenze) vom 6. 10. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Langgöns.
Frankfurter Straße in Vilbel vom 16. 10. bis auf weiteres geſperrt.
Uimleitung: Nieder=Erlenbach-Harheim-Bonames.
Grünberg—Hungen (Ortsdurchfahrt Hungen) vom 10. 11. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: für den Schwerverkehr (über 2,5 Tonnen)
Richtung Grünberg und Laubach über Langsdorf-Villingen-
Nonnen=
roth. Nichtung Nidda über Trais=Horloff—Steinheim—Rodheim.
Klein=Linden-Wetzlar (Ortsdurchfahrt Klein=Linden) vom 3. 11.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Garbenheim-Dorlar—Atzbach—
Heuchelheim—Gießen.
Niederdorfelden—Gronau vom 6. 11. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: von Niederdorfelden: nach Frankfurt a. M. über Bergen, nach
Friedberg über Rendel, Klein=Karben. Umleitung: von Gronau über
Frankfurt a. M. über Vilbel—Nieder=Erlenbach—Harheim-Bonames.
Sonſtige Straßen in Heſſen:
Verbindungsſtraße von dem Forſthaus Unterſchweinſtieg nach
Kel=
ſterbach von der Landesgrenze am Forſthaus Hinkelſtein bis
Bahnunter=
führung vor Kelſterbach vom 3. 12. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Niederrad—Schwanheim.
Ortsdurchfahrt Egelsbach von der Wendſtraße bis zur
Frankfurter=
ſtraße im Zuge der Provinzialſtraße von der Straße Arheilgen-Langen
nach der Straße Mörfelden-Langen vom 30. 12. 30 bis 10. 1. 31
ge=
ſperrt. Umleitung: Langen.
Ortsdurchfahrt Sprendlingen (Rhh.), St. Johannerſtraße, vom 11.
11. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Wolfsheim-Gau=Weinheim
—Wallertheim—Gau=Bickelheim.
Ortsdurchfahrt Vernsburg vom 8 12. bis auf weiteres für ſchweren
Verkehr geſperrt. Umleitung: Arnshain— Ruhlkirchen
Klein=Linden-Lützellinden (Ortsdurchfahrt Klein=Linden) vom 29.
Dezember bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Großen=Linden.
Ortsdurchfahrt Wieſeck vom 18. 9. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Nödgen und Lollar-Daubringen.
— Traiſa, 2. Jan. Gemeinderatsbericht. Zu Punkt 1:
Nachtragsumlage für das Rechnungsjahr 1930, Erhebung eines 7. Ziels
Grundſteuer und Einführung der Bürger= oder Bierſteuer. Der
Bür=
germeiſter verlas dem Gemeinderat nochmals die amtlichen
Beſtimmun=
gen und empfiehlt dem Gemeinderat, um den Gemeindehaushalt in
Ord=
nung zu bringen, die Erhebung eines 7. Zieles Grundſteuer und die
Einführung der Bürgerſteuer zu beſchließen. Von der Einführung der
Bierſteuer bittet er, des geringen Verbrauches wegen Abſtand zu
neh=
men. Die Rechte erklärte ſich bereit, ihre Zuſtimmung zu der Erhebung
eines 7. Zieles Grundſteuer und zu der Einführung der Bürgerſteuer zu
geben. Die Linke dagegen hat ſich ablehnend verhalten, weil in den
Be=
ſtimmungen ein Paſſus enthalten iſt, der beſagt: „beſchließt eine Gemeinde,
das 7. Ziel Grundſteuer zu erheben, iſt obligatoriſch hiermit die
Bürger=
ſteuer in der Gemeinde eingeführt”, die bekanntlich die Linke vor etlichen
Wochen abgelehnt hat. Die geheime Abſtimmung ergab 7 Stimmen der
Rechten, mit Einſchluß des Bürgermeiſters und Beigeordneten, für
Er=
hebung des 7. Zieles Grundſteuer und Einführung der Bürgerſteuer,
gegen 6 Stimmen der Linken (eine Stimme ungültig). Hiermit iſt die
Bürgerſteuer in der Gemeinde Traiſa eingeführt. Die erſte Rate
Bür=
gerſteuer wird am 10. Januar, und die zweite Rate am 10. März 1931
erhoben, ſie iſt reſtlos für den Gemeindehaushalt beſtimmt. Befreit von
der Bürgerſteuer ſind alle Perſonen, die Arbeitsloſenunterſtützung.
Kri=
ſenunterſtützung, Kriegsbeſchädigtenzuſatzrenten oder
Fürſorgeunter=
ſtützung erhalten, desgleichen Klein= und Sozialrentner, deren
Einkom=
men 900 Mark jährlich nicht überſteigt und die kein ſonſtiges
Einkom=
men haben. Die Bürgerſteuer wird geſtaffelt. Bei Einkommen unter
1200 Mark bleibt es bei einem Satz von 3 Mark. Bei Einkommen
zwi=
ſchen 1200 und 4500 Mark ſind 6 Mark. zwiſchen 4500 und 6500 Mark
9 Mark, 6500 bis 8000 Mark 12 Mark. 8000 bis 12 000 Maxk 18 Mark,
12 000 bis 16 000 Mark 24 Mark zu zahlen. Für Ehefrauen wird ein
Zuſchlag erhoben, der die Hälfte der vorgenannten Sätze beträgt. — Der
Schwerkriegsbeſchädigte A. Spieß hat bei dem Kreisamt Darmſtadt
Be=
ſchwerde gegen die Wahl des Beigeordneten Brehm zum
Gemeinderech=
ner erhoben. Der Bürgermeiſter wird demgemäß dem Kreisamt Bericht
erſtatten. — Die Verpachtung der Gemeindewieſen wurde, ſoweit die
an=
geſetzte Taxe erreicht iſt, genehmigt. Für alle übrigen Wieſen, bei denen
die Taxe nicht erreicht wurde, ſollen die Steigerer die Erhöhung
be=
zahlen oder die Gemeinde wird ſpäter die Wieſen am Halm verſteigern.
— Verſchiedene Geſuche um Steuerſtundungen wurden abgelehnt.
Ct. Heubach i. Odw., 2. Jan. Am Neujahrstag hielt der
Geſang=
verein „Liederzweig” eine Abendunterhaltung mit Ball ab. Der erſte
Vorſitzende Georg Volland begrüßte herzlich die Vereinsmitglieder mit
ihren Angehörigen ſowie die Gäſte, die ſich zahlreich eingefunden hatten.
Er benützte zugleich die Gelegenheit, einen Rückblick zu geben auf die
Tätigkeit des Vereins im letzten Jahre unter der Leitung ſeines neuen
Dirigenten, Gg. P. Kehrmann=Groß=Umſtadt. Als Einleitung folgten
dann zwei Chöre, die Zeugnis ablegten von dem guten
Stimmenmate=
rial, über das der Verein verfügt. Von dieſen beiden Liedern, dem
ſchönen Rheinlied „Grüß mir das blonde Kind” von Glückenbühler, und
dem alten ſchönen Liede „Der Wald” von Hoeſer, darf letzteres als
be=
ſonders gut gelungen bezeichnet werden. Als Höhepunkt der
Veranſtal=
tung hatte der Verein, um den Zuſchauern einige genußreiche Stunden
zu bereiten, die Aufführung der Schauſpieloper „Prerioſa” einſtudiert.
Eine gewiß ſchwere Aufgabe, doch gelang ſie vollkommen. Die
Rollen=
verteilung war gut gewählt, die Darſteller waren ihren Anforderungen
gewachſen. Die Spielleitung, die bei dem Mitglied Nik. Seitz in guter
Hand lag, war ſehr geſchickt. Beweis für ein gutes Gelingen war der
nicht endenwollende Beifall. Ein Couplet=Vortrag von A. Lipp
bil=
dete den Abſchluß der Vortragsfolge. Der Saal des Gaſthauſes „Zum
Löwen” war dicht beſetzt. Ein Tanz ſchloß ſich der Vortragsfolge an.
Mit Befriedigung werden die Beſucher an den ſchönen Abend
zurück=
denken.
Ck. Birkenau, 2. Jan. Ruheſtandsverſetzung. Der 1925 von
Hirſchhorn a. N. hierher verſetzte Gendarmerie=Oberwachtmeiſter A.
Nie=
bel trat mit dem 1. Januar 1931 in den Ruheſtand. Oberwachtmeiſter
Niebel hatte ſich im vergangenen Jahre während ſeines Urlaubes durch
Sturz von einem Baum eine Verletzung zugezogen, die es nicht mehr
ermöglicht, den mitunter mit großen Anſtrengungen verbundenen
Gen=
darmeriedienſt auszuüben.
— Hirſchhorn, 2. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
1. Januar: 1,58 Meter; am 2. Januar: 1,84 Meter. (Morg. 5.30 Uhr.)
— Gernsheim, 2. Jan. Waſſerſtand des Rheins am
1. Januar: 039 Meter; am 2. Januar: 0,58 Meter. (Morg. 5.30 Uhr.)
Ca. Lorſch, 2. Jan. Jubelfeier. Am Samstag abend hielten
die 50=Jährigen im Gaſthaus „Zum weißen Kreuz” ihre diesjährige
Ge=
burtstagsfeier ab. Selbſt von auswärts waren die Kameraden und
Kameradinnen gekommen, um ſich im Kreiſe von Schulkollegen für einige
Stunden zuſammenzufinden. An ein gemeinſames Abendeſſen ſchloß ſich
ein gemütlicher Unterhaltungsabend mit Konzert und Tanz, der die
Jubilare nebſt Angehörigen bis zum frühen Morgen beiſammenbielt.
Nummer 3
Seite 7
Ca. Lorſch, 2. Jan. Einbruch. In letzter Nacht wurde in die
Wirtſchaft Zur Sonne” (Jak. Grieſemer) eingebrochen. Die Diebe
ſtiegen durch ein Fenſter ein, taten ſich zunächſt in der Küche bei
Eß=
waren gütlich und warfen das, was ſie nicht vertilgen konnten, im Raum
umher und ließen dann noch einige Flaſchen Wein und ſonſtige
Kleinig=
keiten mitgehen. — Doch Einführung der Bürgerſteuer.
Entgegen dem Gemeinderatsbeſchluß vom 17. d. M. hat nunmehr das
Kreisamt Bensheim auf Grund der Notverordnung des Herrn
Reichs=
präſidenten für Lorſch die Bürgerſteuer für das Rechnungsjahr 1930
eingeführt. Die betr. Verfügung iſt endgültig und unanfechtbar. — Der
Kriegerverein Lorſch veranſtaltete am Neujahrsabend im Gaſthaus. Zum
Lagerhaus” ſeine diesjährige Neujahrsfeier. Ein ausgewähltes
Pro=
gramm verbürgte einige angenehme Stunden.
W. Heppenheim a. d. B., 2. Jan. Winternothilfe. In
Fortſetzung der ſeither getätigten Hilfe den Ausgeſteuerten unſerer
Stadt gegenüber hat die Stadtverwaltung beſchloſſen, ſeine ſogenannte
Winternothilfe 1930 anzuordnen. Man hofft, ſo dem Elend
entgegen=
arbeiten zu können. Eine geplante Haus=Geldſammlung hat bereits
begonnen. — Schwimmbad. Am Platze des ſeitherigen
Turn=
platzes der Deutſchen Turnerſchaft wird augenblicklich ein Schwimmbad
errichtet. Durch die anhaltende gelinde Witterung ſchreiten die
Aus=
grabungsarbeiten, die von Ausgeſteuerten ausgeführt werden, rüſtig
vorwärts. Auch mit den Arbeiten des neuen Turnplatzes, der ſich
ört=
lich dem Schwimmbad anſchließt, iſt man bereits beſchäftigt. —
Erd=
beerblüten. Durch den ſeitherigen milden Winter und beſonders
durch die letzten gelinden Tage ſind in hieſigen Gärten blühende
Erd=
beerſträucher zu finden.
De. Großhauſen, 2. Jan. Auch die Diebe beabſichtigten ſcheinbar,
ſich einen guten Neujahrsbraten auf billige Art und Weiſe zu beſchaffen,
denn im Geflügelhof des Herrn Jakob Dörlam wurden eine Anzahl
Hühner geſtohlen. Es iſt dies in letzter Zeit das zweitemal, daß Hühner
in Großhauſen geſtohlen wurden.
De. Groß=Hauſen, 2. Jan. Durch den Sturm am 23. November
und die naſſe Witterung iſt der Boden im Jägersburger Wald ſo
auf=
geweicht, daß jetzt noch Bäume umfallen. So fielen am 30. Dezember
nochmals 2 große Buchen, die von den Holzhauern mit den Windfällen
mit aufgearbeitet werden müſſen.
r. Babenhauſen, 2. Jan. In der öffentlichen
Gemeinde=
ratsſitzung, die am Dienstag abend unter dem Vorſitz des
ſtell=
vertretenden Bürgermeiſters, Herrn Gemeinderat Brenger, ſtattfand,
wurden folgende Beſchlüſſe gefaßt: Der Erſatz des Hauer= und
Setzer=
lohnes für das Ortsbürgerholz wird auf 29 RM. für ein Los feſtgeſetzt.
— Das Kaufgeld des zur Verſteigerung kommenden Holzes wird bis
Ende Juni 1931 zinslos geſtundet, ab 1. Juli werden 6 Prozent
Jah=
reszinſen berechnet. Fälligkeitstermin 11. 11. 1931. — Gemäß einer
Verfügung des Heſſiſchen Innenminiſteriums wird zur Prüfung der
Preisbildungsfrage eine örtliche Kommiſſion gebildet, die aus
folgenden Gemeinderäten beſteht: Fengel und Dudene (Arbeiter= und
Bauernſchaft), Oberreallehrer Müller als Vorſitzender des
Beamten=
ortskartells, Hch. Engel für die Verbraucher und Schmiedemeiſter
Göh=
rig als Vertreter der Handwerker. — Für die Obſtbäume auf dem der
Reichsbahn gehörigen Gelände gegenüber der großen Unterführung iſt
noch eine Entſchädigung feſtzuſetzen. Der Gemeinderat iſt der Anſicht,
daß die Obſtbäume bis zur endgültigen Löſung der Platz= und
Straßen=
bildung ſtehen bleiben ſollen. Bis dahin ſoll auch die Regelung der
Vergütung zurückgeſtellt werden. — Ueber die von der Bürgermeiſterei
vorgeſchlagene Herſtellung eines Projekts für die Kanaliſierung
Baben=
hauſens entſpinnt ſich eine ſehr lebhafte Ausſprache. Schließlich einigt
man ſich dahin, zunächſt beim Kulturbauamt die Höhe der Koſten für
die Ausarbeitung dieſes Planes feſtzuſtellen und weitere noch damit
zu=
ſammenhängende Fragen erſt zu klären — In michtöffentlicher Sitzung
werden Unterſtützungsgeſuche und Beſchäftigungsmöglichkeiten für die
Arbeitsloſen beſprochen. — Nach Prüfung der bisher eingegangenen
Holzangebotspreiſe wird der Zuſchlag folgenden Firmen erteilt: das
Kiefernſchwellenholz 1. Klaſſe (ca. 800 Feſtmeter) bekommt die Impreva
Holzverwertungs=Aktiengeſellſchaft, das Grubenholz (etwa 1500
Feſt=
meter) erhält die Holzfirma Joh. Wißler=Groß=Oſtheim.
Samstag, den 3. Januar 1931
b. Erbach, 2. Jan. Gemeinderatsſitzung. In der letzten
öffentlichen Gemeinderatsſitzung befaßte ſich der Gemeinderat mit der
Stadtkaſſe für das Jahr 1927/28. Den Vorſitz hatte Gemeinderat
Weiß=
mantel. Die Rechnung wurde in Teil I in Einnahme mit 383 612,10 M.
und in Ausgabe mit 361 674,68 Mark, in Teil II in Einnahme und
Ausgabe mit 206 201,10 Mark einſtimmig genehmigt. Weiter fand die
Rechnung des Kreiskrankenhauſes für das Rechnungsjahr 1929/30 in
Einnahme mit 51 904,11 Mark und in Ausgabe mit 47 975 Mark unter
Vorſitz des Gemeinderats Zwingler einſtimmige Genehmigung.
a. Neu=Iſenburg, 31. Dez. Hohes
Grundſteuerkapi=
tal. Bei der Veranlagung zum Wehrbeitrag im Jahre 1913
waren unſere Haus= und Grundbeſitzer bemüht, ihre
Liegenſchaf=
ten möglichſt hoch bewerten zu laſſen. Es kaufte damals eine
Frankfurter Geſellſchaft allen erreichbaren Grund und Boden
unſe=
rer Gemarkung auf, und da man mit einer weiteren Steigerung
der Bodenpreiſe rechnete, glaubte man, mit der höheren Schätzung
bei künftigen Verkäufen bei der damals beſtehenden
Wertzuwachs=
ſteuer billiger wegzukommen. Die Höhereinſchätzung beim
Wehr=
beitrag macht ſich noch heute durch ein außergewöhnlich hohes
Grundſteuerkapital bemerkbar. Obwohl in den vier „Gaſſen”", wie
ſie noch richtig heißen, unſeres älteſten Stadtteils nur ſehr
gering=
wertige Häuſer ſtehen, iſt im Durchſchnitt jedes Haus der Stadt
in der Steuerveranlagung doch mit rund 20 000 Mark bewertet.
Für die Stadtkaſſe wirkt ſich das Beſtreben jener Zeit, möglichſt
vermögend zu ſein, heute noch günſtig, für die Haus= und
Grund=
beſitzer aber ſehr nachteilig aus. Niemand dachte eben vor 20
Jah=
ren daran, daß die Bodenſpekulation der Frankfurter Geſellſchaft
in ſteuerlichem Sinne einmal Nachteile für unſere Grundbeſitzer
haben könnte.
Cm. Wallerſtädten, 2. Jan. Naturſchutz. In unſerer
Gemar=
kung ſtehen am Ufer des Landgrabens etwa 100 Kopfpappeln, die der
Gegend einen beſonderen Reiz geben. Da dieſe Pappeln neuerdings
dem Waſſerbauamt zugefallen ſind, wünſcht die Gemeinde eine
ent=
ſprechende Entſchädigung, um nicht zum Abholzen der Bäume
gezwun=
gen zu ſein. Zur Wahrung des prächtigen Landſchaftsbildes und im
Intereſſe des Vogelſchutzes wäre eine entſprechende Einigung zu
wün=
ſchen. — Gemeinderat. In der letzten Gemeinderatsſitzung
wur=
den folgende Beſchlüſſe gefaßt: Der Bürgermeiſter wurde als Vertreter
der Gemeinde bei der Bezirksſparkaſſe beſtimmt. Die Aufteilung des
Pfarrgartens geſchieht ſo, daß 6 Kleingärten entſtehen, die mit dem
Obſt verpachtet werden. Die Vertragserneuerung mit der
Kleinkinderſchul=
ſchweſter wird vorgenommen. Der Antrag des Schulvorſtandes, die
Bäume im Schulhofe zurückzuſchneiden, wird abgelehnt, dafür ſollen
1—2 Bäume gefällt werden, um ſo die Beſchattung der Schulſäle zu
beſeitigen.
Cm. Geinsheim, 2. Jan. Die Staatsanwaltſchaft ließ in
der Nähe des Kornſands den Rhein nach dem vermißten Landwirt W.
und dem Fräulein H. abſuchen — ohne Ergebnis. Da nun ſchon über
8 Tage verfloſſen ſind, ohne eine Leiche aufzufinden, darf mit der
Möglichkeit, daß die Vermißten noch am Leben ſind, gerechnet werden.
Rheinheſſen.
* Mainz, 2. Jan. Um die Gehaltskürzung der
Ange=
ſtellten der Stadt Mainz. Entſprechend der 6proz.
Gehalts=
kürzung der Beamten, die am 1. Februar 1931 in Kraft tritt, hat die
Mainzer ſtädtiſche Verwaltung beſchloſſen, auch die Bezüge der
Ange=
ſtellten vom gleichen Zeitpunkte ab um 6 Prozent zu kürzen. In der
Stadtratsſitzung vom 26. November 1930 lagen zwei Anträge der
ſozial=
demokratiſchen ſowie der Zentrumsfraktion vor, die beide das Ziel
ver=
folgten, bei den Angeſtellten eine geringere Gehaltskürzung als bei den
Beamten durchzuführen, und zwar unter Berückſichtigung der
Sozial=
verſicherungsbeiträge und beſonders der Beiträge zur
Arbeitsloſenver=
ſicherung, welche die Angeſtellten zu leiſten haben. Die Verwaltung
wendet ſich nun in einem Bericht an den Perſonalausſchuß gegen eine
unterſchiedliche Behandlung von Angeſtellten und Beamten. Als
Gründe werden angeführt: Die Angeſtellten der Stadt Mainz ſind
bis=
her in ihren Gehaltsbezügen behandelt worden wie die Beamten. Es
geht daher nicht an, daß jetzt, wo zum erſtenmal die Beamtenbezüge auf
der ganzen Linie gekürzt werden, die Angeſtellten beſſer und anders
wie die Beamten behandelt werden. Es könne daher weder vor den
Steuerzahlern noch dem Reich und Land gegenüber verantwortet
wer=
den, für die ſtädtiſche Angeſtelltenſchaft in Mainz eine
Ausnahmerege=
lung zu ſchaffen, zumal Erkundigungen ergeben haben, daß in
ſämt=
lichen Städten des rhein=mainiſchen Wirtſchaftsgebietes die
Gehalts=
kürzung der Angeſtellten um 6 Prozent zur Durchführung gebrachr
wird. Die Verwaltung beantragt daher, zu beſchließen: „Der
Perſonal=
ausſchuß nimmt davon Kenntnis, daß die Bezüge der Angeſtellten ab
1. Februar um 6 Prozent gekürzt werden. Der Perſonalausſchuß
emp=
fiehlt dem Stadtrat, die von der ſozialdemokratiſchen und der
Zen=
trumsfraktion in dieſer Angelegenheit eingereichten Anträge durch die
Erklärungen der Verwaltung als erledigt zu betrachten.”
* Selbſtmordſtatiſtik in Groß=Mainz für 1930. Die Zahl der
Selbſt=
morde im Jahre 1930 in Groß=Mainz betrug über 80 gegenüber 51 im
Vorjahre. Ungefähr in der gleichen Höhe bewegte ſich auch die Zahl
der Selbſtmordverſuche im abgelaufenen Jahr. In der Mehrheit
wur=
den die Selbſtmorde und Selbſtmordverſuche von Perſonen männlichen
Geſchlechts ausgeführt. Der größere Teil der Zunahme der vollendeten
und verſuchten Selbſtmorde iſt auf die ſchlechten wirtſchaftlichen
Ver=
hältniſſe zurückzuführen. Die Mehrzahl der Freitode wurde durch
Ver=
giften und Erhängen, der zweitgrößte Teil durch Ertränken und
Ueber=
fahrenlaſſen, und der Reſt durch Erſchießen ausgeführt. Als Urſache
ſind in der Hauprſache häusliche Verhältniſſe, wirtſchaftliche
Schwierig=
keiten und unglückliche Liebesverhältniſſe feſtgeſtellt worden. Ungefähr
ein Drittel der Perſonen, die Freitod verübten, hat ihren Wohnſitz in
Frankfurt, Wiesbaden und einigen Nachbarorten. — In Groß=
Wies=
baden wurden im abgelaufenen Jahre 71 gegenüber 54 Selbſtmorden
verübt. Auch dort wird die Zunahme als Folge der verſchärften
Wirt=
ſchaftskriſe angeſehen.
— Oppenheim a. Rh., 2. Jan. Vergleichs=Verfahren.
Ueber das Vermögen der Firma Mittelrheiniſches
Mobel=
werk A. G. in Oppenheim iſt am 18. Dezember, nachmittags 5 Uhr,
das Veregleichsverfahren zur Abwendung des Konkurſes eröffnet
wor=
den. Der Bureauvorſteher Heinrich Hembd in Oppenheim iſt zur
Ver=
trauensperſon ernannt. Termin zur Verhandlung über den
Vergleichs=
vorſchlag iſt auf Samstag, den 17. Januar, vorm. 9 Uhr, vor dem
Amtsgericht in Oppenheim, Zimmer 12, anberaumt.
* Eppelsheim a. Rh., 2. Jan. 25 Jahre Bürgermeiſter.
Bürgermeiſter Zimmer hier feierte ſein 25jähriges Amtsjubiläum.
Kreisdirektor Schön überreichte dem Jubilar eine Ehrenurkunde vom
Heſſiſchen Miniſterium. Von der Gemeinde erhielt der Jubilar ein
wertvolles Bild.
* Worms, 2. Jan Arbeit des Staatskommiſſars.
Neue Steuern. Der Staatskommiſſar der Stadt Worms
Ober=
regierungsrat Dr. Sehferth aus Mainz, hat die Einführung folgender
Steuern angeordnet: 33½prozentige Erhöhung der Grundſteuer für
be=
baute Grundſtücke, 50prozentige Erhöhung der Grundſteuer von land=
und forſtwirtſchaftlich benutzten Flächen, 50prozentige Erhöhung der
Gewerbeertragsſteuer, Erhöhung der Bierſteuer und Einführung der
Bür=
gerſteuer und der Getränkeſteuer.
* Aus Rheinhefſen 2. Jan. Weinbau und Weinhandel.
Durch den Weihnachtsſchnee und die folgenden Regenniederſchläge iſt
der Weinbergsboden in einen aufgeweichten Zuſtand verſetzt worden,
ſo daß vorläufig die Arbeiten ruhen müſſen. Das iſt auch weiter nicht
ſchlimm, da in den vorausgegangenen Wochen manches in den
Wein=
bergen getan worden iſt. Erwünſcht wäre aber kälteres Wetter, damit
der Boden gut durchfriert. Der Abſtich der Jungweine wird
fort=
geſetzt. Bei den letzten Verkaufsabſchlüſſen von 1930er
wur=
den bezahlt in der Sprendlinger Gegend für die 1200 Liter 420—450
Mark, in Nieder=Saulheim um 400 Mk., Dromersheim 430—450 Mk.
Vereinzelt wurden größere Abſchlüſſe getätigt. Für 1929er wurden
be=
zahlt in Ockenheim 750—850 Mk., Sprendlingen 650—700 Mk., für
1929er Rotwein in Nieder=Saulheim 590 Mk., 1930er Rotwein im
Bin=
ger Hinterland (Ockenheim) 450—530 Mk. (alles das Stück). — Bei einer
Weinbergsverſteigerung in Laubenheim bei Mainz — die
Steig=
luſt war nicht beſonders — erlöſte je Klafter durchſchnittlich 5 Mark.
— Unlängſt ſind in der Gemarkung Wöllſtein in den Diſtrikten „Auf
dem Höllberg” und „Auf dem Feldwingert” neue Reblausherde entdeckt
worden.
31
Kri=
Nachrichken des Standesamls Darmſtadk.
—Geſtorbene. Am 12. Dezember: Anna Marie Heiſt, geb. Trumpf
heller, 59 Jahre. Witwe des Metzgermeiſters, Neue Niederſtraße 8. Am
22. Dezember: Charlotte Nungeſſer, geb. Degent, 81 Jahre, Witwe des
Monteurs, Martinsſtraße 18. Am 23. Dezember: Jakob Gerhard 2.,
Schreinermeiſter, 62 Jahre, in Auerbach (Kreis Bensheim), hier
Er=
bacher Straße 25; Johann Heinrich Stöppler, Gerichtsvollzieher i. R.,
75 Jahre, Taunusſtraße 15; Wilhelm. Katharine Henriette Jäger, geb.
Reitz, 64 Jahre, Witwe des Schuhmachermeiſters, Kiesſtraße 21; Anna
Margaretha Gölz, geb. Wilhelm, 76 Jahre, Ehefrau des Pfarrers,
Rhönring 17; Karl Wilhelm Chriſtoph Schmitt, Maſchinenſchloſſer, 57
Jahre, Sandbergſtraße 29. Am 24. Dezember: Heinrich Wilhelm
David Herrmann. Privatmann, 77 Jahre. Ernſt=Ludwigſtraße 21;
Johannes Haacke, Oberaſſiſtent, 59 Jahre, Viktoriaſtraße 24; Karoline
Seim, geb. Wagner 56 Jahre, Landwehrſtraße 13. Am 25. Dezember:
Chriſtian Wolf, Schuhmachermeiſter 67 Jahre, Stiftsſtraße 42; Georg
Knörzer, Privatmann, 71 Jahre, Barkhausſtraße 11. Am 26.
Dezem=
ber: Jakob Frank, Reichsbahnſekretär, 39 Jahre, Schachtſtraße 4;
Phi=
lipp Klein, Schreiner, 68 Jahre, Karlsſtraße 73; Georg Lorenz,
Bahn=
wärter i. R., 80 Jahre, Feldbergſtraße 88b; Marie Hallſtein, geb.
Reinhardt, 33 Jahre, Hetſchbach. Am 27. Dezember: Erwin Würth,
Amtsgerichtsrat, 54 Jahre, Hügelſtraße 57. Am 28. Dezember: Anna
Becker, geb. Kreiſel, 65 Jahre, Ehefrau des Hilfsarbeiters,
Ober=
gaſſe 44. Am 27. Dezember: Margaretha Eliſabetha Nees, geb.
Mühl=
häuſer, 67 Jahre, Witwe des Stadtaſſiſtenten i. R., Mollerſtraße 5;
Eva Stephan, geb. Lang, Ehefrau des Schuhmachermeiſters, 68 Jahre,
Hügelſtraße 87. Am B. Dezember: Georg Karl Weyer,
Eiſenbahn=
inſpektor i. R., 72 Jahre, Dornheimer Weg 32; Wilhelm Horn,
Hilfs=
arbeiter, 69 Jahre, ledig, in Brensbach, hier, Grafenſtraße 9; Eliſabeth
Ihrig, geb. Diem, 76 Jahre, Witw edes Fuhrmanns, Heinheimerſtr. 20.
Am 2. Dezember: Luiſe Schmidt, Näherin, ledig, 82 Jahre,
Emil=
ſtraße 1. Am 28. Dezember: Kurt Philipp Hild, Student, ledig, 19
Jahre, Wienerſtraße 45; Ernſt Karl Georg Friedrich Kliffmüller, Kanz
leidiener i. R., 66 J., Taunusſtr. 35. Am 29. Dez.: Babette Dietz geb.
Loos, 69 J., Ehefrau des Eiſenbahninſpektors i. R., Rhönring 60.
Barbara Dennefleh. 1 Mon., Heppenheim a. d. B., hier
Heinheimer=
ſtraße 21. Luzie Frank, 1 Mon., Arheilgerſtraße 39. Am 30. Dez.:
Franz Abt, Schmied, 18 J., ledig, Blumenthalſtraße 63. Rechnungsrat
i. R. Hartmann Batz, 82 J., Pallaswieſenſtraße 29; Günter Neumann,
1 Monat Sandbergſtraße 16; Caroline Suſanne Eliſabethe Regine
Auguſte Johanma Louiſe Guyor geb. Schimpff, Witwe des Pfarrers,
in Heppenheim (Bergſtraße), hier, Erbacher Straße 21; Heck, ohne
Vor=
namen, Mädchen, hier, Heinheimerſtraße 21. — Am 30. Dez.: Heck,
ein Mädchen, 6 Stunden alt, Roßdorf (Kr. Darmſtadt), hier,
Hein=
heimerſtr. 21. — Am 31. Dez.: Anna Margarethe Seibert geb. Ripper,
84 J. alt, Witwe des Bergmanns, Liebfrauenſtraße 40. Johannes
Roß=
mann, Metzger, 46 J., Klein=Bieberau, hier Erbacherſtraße 21. Lina
Junker geb. Behrmann, 65 J., Witwe des Milchhändlers, Ober=
Ram=
ſtadt, hier Erbacherſtraße 25. Marie Grimm, Haushälterin, ledig,
Aliceſtraße 43. — Am 1. Jan.: Margar. Clara Eliſabetha Grimm
geb. Kaufmann, 76 J. Nieder=Ramſtädter Straße 36. Georg Daniel
Ferd. Schulz, 61 J., Weißbindermeiſter, Bismarckſtr. 46. Kurt Leiſter,
Apotheker, 30 J., ledig, Gießen, Weſtanlage 54. Luiſe Hebermehl geb.
Gengnagel, 52 J., Crumſtadt, hier Grafenſtraße 9. Phil. Hoffmann 4.,
Landwirt, 78 J., Brensbach, hier Grafenſtraße 9. Günter Schneider,
2 Monate, Helfmannſtraße 8.
Kirchliche Nachrichken
Evangeliſche Gemeinden.
Samstag, (3. Januar).
Stadtkirche. Abends 8.30 Uhr: Andacht.
Sonntag nach Neujahr (4. Januar).
Stadtkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Köhler. — Nachm. 5 Uhr: Abendgottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Die Stadtkirche iſt wochentags, von 9—4 Uhr, zu ſtiller Andacht
geöffnet. Eingang Nordtüre.
Stadtkapelle. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Heß.
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Dekan
Zim=
mermann
Konfirmandenſaal im Schloß. Dienstag, 6. Januar, abends
8 Uhr: Mädchenvereinigung der Schloßgemeinde. — Mittwoch,
und Samstag, 10. Jan., nachm. 2—4 Uhr: Handarbeitsſchule
der Skadtgemeinde — Freitag, 9. Jan., abends 8 Uhr:
Jugend=
vereinigung der Stadtgemeinde, Poſaunenchor. — Samstag, 10.
Dez., abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Stadtgemeinde,
Singekreis.
Gemeindehaus (Kiesſtraße 17) Sonntag, 4. Jan., nachm. 2.30
Uhr: Taubſtummengottesdienſt. Pfarrer Heß. — Abends 8 Uhr:
Jugendvereinigung der Stadtgemeinde. Montag, 5. Januar,
abends 8 Uhr: Männervereinigung der Lukasgemeinde:
Jahres=
bericht, Leſeabend, — Jugendbund der Lukasgemeinde (ältere Ab=
teilung). — Dienstag, 6. Januar, abends 8 Uhr: Kirchenchor der
Stadtkirche. — Jugendvereinigung der Stadtgemeinde (ältere Ab=
Mädchenvereinigung der Reformationsgemeinde (
jün=
teilung
gere Abteilung) — Mittwoch, 7 Januar, nachm. 4 Uhr:
Jung=
ſchar der Stadtgemeinde. — Abends 6 Uhr: Bibelſtunde.
Dekan Zimmermann. — Abends 8 Uhr: Kirchenchor der
Stadt=
kapelle und Schloßkirche. — Jugendbund der Markusgemeinde
(ältere Abteilung). — Mädchenvereinigung der
Reformations=
gemeinde (ältere Abteilung) — Donnerstag, 8. Jan., abends
8 Uhr: Frauenverein der Lukasgemeinde, Nothilfe=Kreis. —
Jugendbund der Lukasgemeinde (jüngere Abteilung). — Freitag,
9. Jan., abends 8 Uhr: Mütterabend der Stadtgemeinde. —
Jugendbund der Markusgemeinde (jüng. Abteilung). —
Jugend=
bund der Kaplaneigemeinde.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Vom 1. Januar ab:
Pfarrer Heß.
Krankenpflege durch Diakonen: Hauptſtation im
Diakonen=
heim, Heidelberger Straße 21 Fernſprecher 2883.
Ev. Wohlfahrtsdienſt: Gemeindehaus, Kiesſtraße 17,
Vorder=
haus, 1 Treppe. Sprechſtunden vorm. von 10—12 Uhr und nachm.
(außer Samstags) von 5—6 Uhr. Fernſprecher 4584.
Martinskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Landes=
kirchenrat D. Waitz. Feier des heiligen Abendmahls mit
Vor=
bereitung. Anmeldung von ½10 Uhr an. — Vorm. 11 Uhr:
Kindergottesdienſt für die Martinsgemeinde Weſt.
Landeskirchen=
rat D. Waitz.
Mittwoch, 7. Jan., abends 8 Uhr: Bibelſtunde im
Martins=
ſtift: „Das Gebet des Herrn . — Abends 8 Uhr: Bibelſtunde im
Gemeindehaus: „Sintflut”
Martinsgemeinde. (Kirchliche Veranſtaltungen.) Dienstag,
6. Januar:, abends 8 Uhr, im Martinsſtift: Kirchenchor; im
Ge=
meindehaus: „Jugendvereinigung. — Donnerstag, 8. Jan., abends
8 Uhr, im Martinsſtift: Mädchenvereinigung (Oſt); im
Gemeinde=
haus: Mädchenvereinigung (Weſt); Mauerſtraße 5:
Poſaunen=
chor. — Freitag, 9. Jan., abends 8 Uhr, im Martinsſtift;
Mütter=
abend (Oſt); im Gemeindehaus: Mütterabend (Weſt);
Jugend=
vereinigung (ältere Abteilung.)
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Goethe. — Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Veranſtaltungen: Montag, 5. Jan., abends 8 Uhr:
Kirchenchor und Mütterabend.
Die Johanneskirche iſt wochentags von 7.30—5 Uhr zu ſtiller
Andacht geöffnet.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie).
Vor=
mittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Becker.
Veranſtaltungen: Dienstag, 6. Jan., abends 8.15 Uhr:
Männerabend. — Donnerstag, 8. Januar, abends 8 Uhr:
Mütter=
abend.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarrer Irle.
Veranſtaltungen: Montag, 5. Jan., nachm. 3 Uhr:
Vorſtandsſitzung des Frauenvereins — Abends 8.15 Uhr:
Mäd=
chenvereinigung. — Mittwoch, 7. Jan., nachm. 3 Uhr: Sitzung
der Frauenhilfe. — Abends 8 Uhr: Bibelſtunde für den
Oſt=
bezirk im Gemeindehaus über Perſon und Briefe des Johannes”.
Pfarrer Weiß. — Abends 8 Uhr: Bibelſtunde für den
Weſt=
bezirk im Saal der neuen Trainkaſerne. Pfarrer Irle. —
Don=
nerstag, 8. Januar, abends 8 Uhr: Mütterabend. — Abends
8.15 Uhr: Mädchenvereinigung; Heimabend für Gruppe III.
Freitag, 9. Januar, abends 8 Uhr: Mädchenchor.
Abends 8.15 Uhr: Kirchenchor. — Samstag, 10. Januar,
abends 7.30 Uhr: Singekreis.
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Rückert.
Veranſtaltungen: Sonntag, 4. Jan., vorm 8.49 Uhr:
Abfahrt der Jugendvereine vom Oſtbahnhof nach Groß=Zimmern.
— Montag, 5. Jan., abends 8 Uhr: Jugendbund. — Dienstag,
6. Jan., vorm. 10 Uhr: Vorſtandsſitzung des Frauenvereins
Abends 8 Uhr: Kirchenchor. — Donnerstag, 8. Jan., abends 8 Uhr:
Mütterabend. — Samstag, 10. Jan., abends 8 Uhr:
Jugendver=
einigung (Bibelabend).
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Hickel. — Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. — Ev. Sonntags=
Verein: Nachm. 4—7 Uhr: Vereinsſtunden. — Donnerstag,
8. Jan., abends 8 Uhr: Betſtunde.
Lutheriſcher Gottesdienſt (Selbſt. ev.=luth. Kirche) im „
Feier=
abend . Stiftsſtraße 51. Sonntag, den 4. Januar, 10.15 Uhr:
Predigtgottesdienſt. Pfarrer Müller=Erbach.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24). Sonntag, vorm. 9 Uhr:
Ge=
betsſtunde. — Vorm. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachm.
3.30 Uhr: Bibelſtunde. Prediger Bringmann. — Vom 5.—10.
Jan.: Allianz=Gebetswoche. Jeden Abend 8.30 Uhr:
Gebets=
ſtunde.
Voranzeige: Sonntag, den 18. Januar, abends 8 Uhr:
2. Elternabend.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtraße 24) Sonntag, nachm
2.30 Uhr: Bibelbeſprechſtunde für junge Männer. — Nachm. 445
Uhr: Bibelbeſprechſtunde für junge Mädchen. — Abends 8.30 Uhr:
Weiheſtunde. — Vom 5. bis 10. Jan.: Beteiligung an der Allianz=
Gebetswoche.
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V. (Alexanderſtraße 22.
Infanterie=Kaſerne, Hof links). Sonntag, 4. Jan., vorm. 9 Uhr:
Weißkreuzſtunde. — Nachm. von 3—6 Uhr kommt das Jungwolk
zuſammen und abends 8 Uhr die Hauptabteilung. „Organismus
und Organiſation” iſt das Thema des Abends. — Dienstag, 6. Jan.,
abends 8.30 Uhr: Jungvolk=Miſſionsſtunde: „50 Jahre in Tibet”,
— Mittwoch, 7. Jan., nachm. 3.30—6 Uhr: Jungſcharſtunde. —
Abends 8.30 Uhr: Familienkreis=Bibelſtunde. — Donnerstag,
8. Jan., abends 8.30 Uhr: Heimabend. — Freitag, 9. Jan., abends
8.15 Uhr: Turnen in der Ludwigs=Oberrealſchule.
Evangeliſcher Arbeiter= und Handwerkerverein: Feierabend
(Stiftsſtraße 51). Dienstag, 6. Jan., abends 8.30 Uhr:
Mitglie=
derverſammlung.
Die Chriſtengemeinſchaft (in der Städtiſchen Akademie für
Tonkunſt, Eliſabethenſtraße). Sonntag, 4. Januar, 10 Uhr:
Menſchenweihehandlung mit Predigt. — Dienstag, 6. Januar,
Epiphanias, findet die Menſchenweihehandlung in einem
Privat=
haus ſtatt.
Möttlinger Freundeskreis. Anläßlich der Allianzgebetswoche
fällt die Bibelſtunde Montag, den 5. Januar, aus.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Chriſtlich=wiſſenſchaftliche Vereinigung (Chriſtian. Science
Society). Aula der Landesbauſchule. Neckarſtraße 3.
Gottes=
dienſte jeden Sonntag, vorm. 10 Uhr, und jeden erſten und dritten
Mittwoch im Monat, abends 8.15 Uhr. — 4. Januar 1931: Thema:
Gott. Predigt: Jeſaja 48, 17.
Chriſtliche Verſammlung, Zimmerſtraße 4. Sonntag, vorm.
11.15 Uhr: Sonntagsſchule. Nachm. 4.30 Uhr:
Wortverkündi=
gung. — Mittwoch. abends 8.15 Uhr: Gebetſtunde. — Freitag,
abends 8.15 Uhr: Wortbetrachtung.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt, Grafenſtraße 20 (Fürſtenſaal): Jeden Dienstag, abends
8 Uhr: Bibelſtudium mit Diskuſſion. Sonntags, vormittags
10 Uhr: Kinderverſammlung.
Chriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40).
Sonn=
tag, den 4. Januar, vorm. 9.30 Uhr: Andacht. Nachm. 3.30 Uhr:
Evangeliumsverkündigung. Abends 8 Uhr: Jugendbundſtunde.
Mittwoch, abends 8.15 Uhr: Bibelſtunde. — Freitag, abends 8.15
Uhr: Allianzgebetsſtunde.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten),
Mauer=
ſtraße 17. Sonntag, den 4. Januar, vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt.
Um 11 Uhr: Sonntagsſchule. Nachm. um 4 Uhr: Predigt und
Taufe. — Von Montag, den 5. Januar, bis Freitag, den 9.
Ja=
nuar jeden Abend 8.15 Uhr: Allianz=Gebetsverſammlung (Pred.
M. Hähnel).
Advent=Gemeinde, Waldſtraße 18 Sonntag, vorm. 9 Uhr:
Religions= und Nachhilfeunterricht für Kinder. Abends 8 Uhr:
Oeffentlicher Vortrag. — Montag: Heimabend. — Mittwoch:
Tabea=Abend. — Freitag, abends 8 Uhr: Oeffentliche
Elternver=
ſammlung. — Samstag, vorm. 9.30—11.30 Uhr: Sabbatſchule und
Predigt. Nachm. 3 Uhr: Jugendſtunde.
Evangeliſche Gemeinſchaft, Schulſtraße 9. Sonntag, vorm 10
Uhr: Predigt (P. Schanz) 11 Uhr: Sonntagsſchule: 8 Uhr:
Pre=
digt (P. Schanz) — Montag bis Freitag, je abends 8.15 Uhr:
Allianzgebetsſtunde.
Auswärtige Gemeinden.
Evang. Gemeinde Nieder=Ramſtadt. Sonntag, den 4 Jan.,
vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. — Dienstag:
Jungmädchenver=
ein. — Mittwoch: Generalverſammlung des Kirchenchors. —
Don=
nerstag: Frauenverein. — Freitag: Jugendvereinigung.
Auswärtige Gemeinſchaften.
Methodiſten=Gemeinde (Evang. Freikirche)
Wendelſtadt=
ſtraße 38. Sonntag, 4. Januar, vormittags 11 Uhr:
Sonntags=
ſchule. Abends 8 Uhr: Predigt. Thema: „Jeſus Chriſtus, der
Fels in ſchwankender Zeit” Prediger E. Bültge. Von Dienstag,
6. Januar, bis einſchl. Freitag, 9. Januar, jeden Abend 8.15 Uhr:
Allianzgebetsverſammlungen.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Eber=
ſtadt, Pfungſtädter Straße 7 I (Reſtauration zur Harmonie):
Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr; „Bibelſtudium mit Diskuſſion.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Rein=
heim i. O., Kirchſtraße 93. Jeden Samstag, abends 8 Uhr:
Bibel=
ſtudium mit Diskuſſion
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Auer=
bach, Darmſtädterſtraße 28. Jeden Mittwoch, abends 8 Uhr:
Bibelſtudium mit Diskuſſion.
Internationale Bibelforſcher=Vereinigung, Ortsgruppe
Bicken=
bach, Darmſtädterſtraße 69. Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr;
Bibelſtudium mit Diskuſſion.
Seite 8
Samstag, den 3. Januar 1931
Nummer 3
Champion im Damen=Jagdſpringen 1930.
Fräulein Vierling
gewann das diesjährige Damenchampionat im Jagdſpringen mit 23 Siegen.
B0
chaft und Ski=Europameiſterſchaft in Oberhoſ.
Das Empfangstor für die internationalen Gäſte in Oberhof.
In dem wundervoll gelegenen Thüringer Winterſportplatz Oberhof findet vom 24. Januar bis
1. Februar die Bob=Weltmeiſterſchaft, vom 13. bis 16. Februar die Europameiſterſchaft im Skilauf
ſtatt. Die Ski=Meiſterſchaften werden auf der Hindenburgſchanze ausgetragen, die Bob=Fahrten
auf der 1909 Meter langen Bahn des Bobklubs.
Reich und Ausland.
Tumult in der Silveſternacht.
Der Aſchaffenburger Hauptbahnhof
Schauplatz wüſter Schlägereien.
Aſchaffenburg. Der „B. a. M.” meldet,
daß es in der Silveſternacht kurz nach drei Uhr
im Hauptbahnhof zu außerordentlich
unlieb=
ſamen Szenen gekommen iſt. Im Reſtaurant
erſter Klaſſe hatten ſich etwa 30 bis 40 meiſt
jüngere Leute angeſammelt, die von ihren
Sil=
veſterfeiern aus der Stadt kamen und, wie man
mitteilt, bereits ſtark bezecht waren. Aus
bis=
her noch nicht aufgeklärter Urſache entſtanden
zwiſchen den Gäſten Reibereien, die bald in
eine wüſte Schlägerei ausarteten. Die Polizei
war ſofort in Stärke von acht Mann zur Stelle,
und auch die Bahnpolizei rückte mit zehn Mann
an. Nach längeren Bemühungen gelang es
ſchließlich, die inzwiſchen auf über 100 Mann
an=
gewachſene Schar der Radaubrüder aus dem
Warteſaal auf den Bahnſteig zu drängen, der
nun in ſeiner ganzen Ausdehnung von einer
ſchreienden und ſkandalierenden Menſchenmenge
angefüllt war, die ſich immer noch mehr
ver=
ſtärkte. Erſt gegen 6 Uhr gelang es, den
Bähn=
ſteig zu ſäubern und die Menge auf den
Bahn=
hofsplatz abzudrängen, während die Eingänge
zum Bahnhof ſelbſt geſperrt wurden. Auch auf
dem Bahnhofsplatz ſetzten ſich die Skandalſzenen
zunächſt fort, bis ſich ſchließlich gegen 7 Uhr die
Menge nach und nach zerſtreute und endlich Ruhe
eintrat. Während des Haupttumultes wurden
von der Polizei mehrere Verhaftungen
vorge=
nommen.
Bilanz der Neujahrsnacht.
383 Siſtierungen in Berlin.
Berlin. Am Silveſterabend und in der
Neujahrsnacht ſind in Groß=Berlin insgeſamt
383 Perſonen ſiſtiert und zum Polizeiprändium
gebracht worden. Die Urſachen zu den
Zwangs=
geſtellungen ſind verſchiedener Art. An der
Spitze marſchieren die Teilnehmer an
Schläge=
reien mit 104 Siſtierten, ſodann folgen 40
Siſtie=
rungen wegen groben Unfugs, 40 wegen
Trun=
kenheit, 29 wegen Sachbeſchädigung, 28 wegen
Beleidigung, 25 wegen Hausfriedensbruches, 24
wegen Diebſtahls, 20 wegen ſonſtiger
Ausſchrei=
tüngen, 19 wegen Körperverletzung, 16 wegen
politiſcher Schlägereien, 13 wegen unpolitiſcher
Vorfälle, 7 wegen Fahrgeldhinterziehung, 3
we=
gen Widerſtandes, je 2 wegen
Einbruchsdieb=
ſtahls, Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen,
Familienſtreitigkeiten und Abbrennen von
Feuerwerkskörpern, ferner je eine Siſtierung
wegen Mietſtreitigkeiten und wegen unbefugten
Waffentragens.
Schwere Meſſerſtechereien in der Silveſternacht
im Induſtriegebiet.
Eſſen. In der Silveſternacht kam es in
verſchiedenen Städten des Induſtriegebietes, ſo
in Eſſen, Alteneſſen, Bottrop und Gelſenkirchen
zu ſchweren Auseinanderſetzungen. Insgeſamt
erlitten etwa neun Perſonen, meiſt durch
Meſſer=
ſtiche, mehr oder minder gefährliche Verletzungen.
Raubüberfall auf ein junges Mädchen.
Bitterfeld. Am Freitag vormittag wurde
auf dem Ratswall in Bitterfeld ein
Raubüber=
fall verübt. Ein junges Mädchen aus einem
hie=
ſigen Malergeſchäft hatte von der Bank Geld
geholt und auf der Poſt für 161 RM.
Verſiche=
rungsmarken gekauft. Kurz vor ihrem Hauſe
ſprang aus einem hinter ihr her fahrenden Auto
plötzlich ein Mann heraus, entriß ihr die Taſche
mit 320 RM. und den Verſicherungsmarken und
entkam in der Richtung nach der Dübener Heide.
Ein Rittergutsbeſitzer von einem Schäfer
erſtochen.
Schwerin. Auf dem Gut Schloß
Gruben=
hagen ſüdlich von Greifswald wurde am
Vor=
mittag des Neujahrstages Rittergutsbeſitzer
Freiherr v. Maltzan von dem angetrunkenen
Schäfermeiſter durch Meſſerſtiche getötet. Nach
Mitteilung des Oberſtaatsanwalts in Güſtrow
kam es zwiſchen dem Gutsbeſitzer und dem
Schä=
fermeiſter vor dem Schafſtall zu einer
Ausein=
anderſetzung, bei der der Schäfer dem
Gutsbe=
ſitzer einen tödlichen Stich in die Halsſchlagader
beibrachte. Als der Gutsbeſitzer zuſammenbrach,
verſetzte ihm der Schäfer noch drei Meſſerſtiche in
den Rücken. Der Gutsbeſitzer erlag nach wenigen
Minuten ſeinen Verletzungen. Der Täter wurde
ins Juſtizgefängnis nach Güſtrow überführt.
Neujahr in der Reichshaupkſtadt.
Das Berliner diplomatiſche Korps nach dem großen Empfang beim Reichspräſidenten v. Hindenburg.
Die Neujahrsparade der Reichswehr vor dem Palais des Reichspräſidenten in der Wilhelmſtraße.
Wieder ein Raubüberfall auf eine Stationskaſſe.
Köln. Auf die Eiſenbahnſtationskaſſe
Hor=
rem bei Köln wurde am Donnerstag abend kurz
nach 8 Uhr von zwei unbekannten Burſchen ein
ſchwerer Raubüberfall verübt. Während der
eine vor dem Schalterraum Schmiere ſtand,
ſchlug der andere, der ſein Geſicht durch ſchwarze
Farbe unkenntlich gemacht hatte, mit einer
Schienenlaſche das Schalterfenſter ein und ſtieg
in den Kaſſenraum, wo er die Tageskaſſe mit
etwa 400—500 Mark Inhalt an ſich riß. Der
Räuber gab auf den hinzukommenden
Schalter=
beamten, der ſich in einem hinter dem
Schalter=
raum gelegenen Nebenzimmer aufgehalten hatte,
einen Schuß ab, der jedoch fehlging, und flüchtete
dann zuſammen mit ſeinem Komplizen. Obgleich
die Verfolgung ſofort aufgenommen wurde,
konnten die Räuber, die während der Flucht noch
mehrmals Schüſſe abgaben, ohne jedoch zu
tref=
fen, unerkannt mit der Beute in den
benach=
barten Wald entkommen.
Acht Verletzte bei einer Exploſion von
Feuer=
werkskörpern.
Dortmund. In der Silveſternacht
ereig=
nete ſich in einem Geſchäft in der Priorſtraße
eine Exploſion eines Lagers mit
Feuerwerks=
körpern. Der Inhaber des Geſchäfts wollte ſeiner
Frau und ſieben Gäſten einen größeren
Feuer=
werkskörper vorführen und zündete ihn an.
Durch die umherfliegenden Funken explodierte
das ganze Lager mit Feuerwerkskörpern und das
Geſchäft geriet in Brand. Die ſieben Gäſte
wur=
den ſchwer und die Frau des Geſchäftsinhabers
leichr verletzt. Bei einem Verletzten beſteht
Le=
bensgefahr.
Hochwaſſer der Moſel.
Trier. Die Moſel hat am Neujahrstage die
untere Hochwaſſergrenze überſchritten. Sie
ſteigt ſtündlich um etwa 3 Zentimeter. Auch die
Eifelflüſſe führen infolge ſtarker Regenfälle am
Silveſter Hochwaſſer.
Fortuna in der Backſtube.
Sprottau. In der Weihnachtslotterie der
Arbeiterwohlfahrt gewann der Bäckerlehrling
Ernſt Lindner aus Sprottau den Hauptgewinn
in Höhe von 25 000 RM. Der Gewinner iſt ein
Waiſenknabe.
Abteilung amerikaniſcher Marineſoldaten
von Banditen überfallen.
Waſhington. Bei Acapaga in Nicaragua
wurde eine Abteilung amerikaniſcher
Marine=
infanterie, die Telephonlinien ausbeſſerte, von
Tanditen überfallen. In einem zweiſtündigen
Gefecht wurden ein Sergeant und ſieben
Sol=
di=ken getötet; außerdem zwei weitere Soldaten
ſchwer verletzt. Die Banditen wurden
zurückge=
ſchlagen und ließen 11 Tote und zahlreiche
Ver=
letzte auf dem Kampfplatz.
re Kraftwagenunfälle in En
London. In den erſten Morgenſtunden des
Freitag wurden bei Paisley 35 Perſonen bei
einem Zuſammenſtoß zwiſchen einem
Ueberland=
auto und einem Straßenbahnwagen verletzt. Die
Unglücksſtelle befindet ſich etwa eine viertel
Stunde von dem Ort, wo vor etwa einem Jahr
70 Kinder bei dem Brand eines Lichtſpielhauſes
das Leben verloren. Infolge der vereiſten
Straße ſchleuderte der Autobus, der mit hoher
Geſchwindigkeit fuhr, gegen einen
Straßenbahn=
wagen, der aus dem Gleis gehoben wurde. Beide
Fahrzeuge legten ſich quer über die Schienen.
Sie waren voll beſetzt mit Perſonen, die vom
Vergnügen nach Hauſe zurückkehren wollten.
15 Verletzte wurden in die Krankenhäuſer
ge=
bracht. Einige von ihnen befinden ſich in
Le=
bensgefahr. — Am Neujahrstage verloren in
England ferner 9 Menſchen ihr Leben durch
Kraftwagenunfälle aller Art. Rund 20 Perſonen
wurden verletzt. Der ernſteſte Unfall ereignete
ſich in Schottland, wo ein Kleinauto verunglückte
und drei Menſchen getötet wurden.
Untergang der „Torefjell” infolge einer
Exploſion.
Oslo. Nach den letzten Meldungen über den
Untergang des norwegiſchen Dampfers „
Toref=
jell” mit 24 Menſchen an Bord, ſcheint
feſtzu=
ſtehen, daß das Schiff am vorigen Samstag
in=
folge einer Exploſion untergegangen iſt. Eine
Unterſuchung der angetriebenen Wrackſtücke läßt
den Schluß zu, daß die Exploſion mittſchiffs
ſtatt=
gefunden hat. Wenn dieſe Theorie zutrifft, ſo
würde das bedeuten, daß die Mannſchaft, die
im Vorderteil des Schiffes ſchlief, untergegangen
iſt, ehe ſie an Deck gelangen konnte, während der
Kapitän, der Steuermann und deren Frauen,
die mittſchiffs ſchliefen, durch die Exploſion
zer=
riſſen worden ſein dürften.
Großer Erdrutſch in Norwegen.
Oslo. Ein großer Erdrutſch ereignete ſich
geſtern früh am Fluß Glomm in der Nähe von
Sarpsborg. Durch die in den Fluß geſtürzten
Erdmaſſen wurde die Schiffahrt einige Stunden
behindert, doch iſt die Fahrrinne jetzt wieder
paſſierbar. Menſchenleben hat das Ereignis
nicht gefordert. Der Materialſchaden iſt noch
nicht bekannt, doch dürfte er beträchtlich ſein.
In den Ortſchaften in der Nähe von Sarpsborg
und Fredrikſtad iſt die Ueberlandleitung
größten=
teils geſtört.
Schweres Einſturzunglück in einem
Goldbergwerk.
London. Durch einen Geſteinseinſturz in
einem Goldbergwerk im öſtlichen Randgebiet von
udafrika wurden 12 Bergarbeiter getötet und
12 weitere, darunter ein Europäer verletzt.
Die engliſche Oſkaſienfliegerin
in Köln gelandei.
Amy Johnſon.
Köln. Die engliſche Fliegerin Amy
John=
ſon iſt geſtern 14.35 Uhr von Lüttich kommend
auf dem Kölner Flughafen Butzweiler Hof glatt
gelandet. Infolge des ſchlechten Wetters wird
Miß Johnſon erſt heute früh zur nächſten Etappe
ihres Fluges nach Peking über Berlin nach
Warſchau ſtarten.
Nummer 3
Samstag, den 3. Januar 1931
Seite 9
*Die Reichsmarine im Jahre 1930.
Das Jahr 1930, das für die Schiffe und Fahrzeuge der
Reichsmarine dienſtlich in der üblichen Weiſe nach dem
Jahres=
ausbildungsplan ablief, ſcheint für die Zukunft der Marine
eine ganz beſondere Bedeutung gewonnen zu haben. Die
Reichs=
regierung entſchloß ſich, den bereits vor 2 Jahren vom
Reichs=
tag geforderten Bauplan vorzulegen, durch den der Erfatz der
veralteten und unbrauchbar gewordenen Linienſchiffe geregelt
werden ſoll. Die einmütige Billigung, die der in den
Haus=
halt eingearbeitete Bauplan Mitte November vor dem Plenum
des Reichsrats fand, läßt die Hoffnung nicht unberechtigt
er=
ſcheinen, daß auf dem weiteren geſetzgeberiſchen Wege nicht
allzu große Schwierigkeiten entſtehen. Der Bau der
Erſatz=
ſchiffe, der im kommenden Haushaltjahr mit größter Tatkraſt
begonnen werden ſoll, wird die Marinewerft Wilhelmshaven für
fünf Jahre mit regelmäßiger Arbeit verſorgen und wird die
Jadeſtädte vor ernſten Arbeitskataſtrophen bewahren. Der
Schiffsbauerſatzplan iſt vom Reichstag in erſter Leſung an den
Haushaltsausſchuß verwieſen, der Mitte Januar ſeine
Bera=
tungen aufnehmen wird. Die engliſche Zeitſchrift „Naval and
Military Record” faßt ihre Anſicht über ihn in folgenden Worten
zuſammen:
„Wir haben bei mehr als einer Gelegenheit die Anſicht
vertreten, daß eine ſtarke deutſche Oſtſeeflotte als
Gegen=
gewicht gegen die Sowjetflotte im Intereſſe des europäiſchen
Friedens durchaus erwünſcht iſt.”
Wie unzutreffend daneben die Behauptungen derienigen
Politiker ſind, die in dem Schiffbauerſatzplan eine Bedrohung
Frankreichs fürchten, laſſen die Worte der italieniſchen „Tribuna”
erkennen:
„Die franzöſiſchen Verſicherungen, daß allein die deutſchen
Neubauten Frankreich verpflichten, gleichfalls neue Schiffe zu
bauen, können nicht Stich valten. Selbſt ſvenn Deutſchland
die ganze Tonnage bauen toürde, die ihm der Verſailler
Ver=
trag zubilligt, ſo würde das Refuliat noch weit davon
ent=
fernt ſein, eine ernſtliche Bedrohung für Frankreich zu
bilden.”
Vollends unbegründet iſt die Anſicht, man könne durch
Ver=
zicht auf den Erſatzplan Frankreich abrüſtungsfreundlicher
ſtimmen. Deutſchland hat nicht den geringſten Anlaß, die
we=
nigen Rechte, die ihm der Friedensvertrag läßt, aufzugeben und
wird ſie im Interſſe der Landesverteidigung ausüben.
Sehr umfangreich iſt im vergangenen Jahre die
Auslands=
tätigkeit der Marine geweſen. Es iſt bekannt, daß die Marine
ſtändig einen Schulkreuzer auf längerer Ausbildungsreiſe im
Auslande hält. Dies war von Januar bis Mai der Kreuzer
„Emden”, der Weſtindien und Nordamerika beſuchte, von Mai
bis Dezember der Kreuzer „Karlsruhe”, der den afrikaniſchen
Erdteil umſchiffte. Der unbedeutende Zwiſchenfall, der ſich
auf dieſer Reiſe in Tanga abgeſpielt hat, und von einigen
engliſchen Zeitungen über Gebühr aufgebauſcht wurde, wird
weit beſchattet durch den hervorragenden Eindruck, den das
Schiff in anderen afrikaniſchen Häfen hervorgerufen hat. Dies
beſtätigen zahlreiche Preſſeſtimmen. Vor allem bei den
Deut=
ſchen der ehemals deutſchen Kolonie Südweſtafrika rief ſein
Beſuch große Freude hervor. Sie konnten ſeit langer Zeit zum
erſtenmal ein deutſches Kriegsſchiff bei ſich begrüßen. Die
Hottentottenſtämme des inneren Landes ſchickten — ein
inter=
eſſantes Symptom — eine Abordnung nach Lüderitzbucht zum
Beſuch des Kreuzers. Einer ihre Kapitäne legte an deutſchen
Soldätengräbern zum Zeichen ſeiner Verehrung Kränze nieder.
Während des Aufenthaltes in Kapſtadt erſchien in einer
eng=
liſchen Zeitung ein „Eingeſandt” in dem unter der Ueberſchrift
„Was man nicht vergeſſen darf!” daran erinnert wurde, daß im
Kriege in der Nähe von Kapſtadt ſechs engliſche Schiffe von
deutſchen Minen vernichtet ſeien. Die gleiche Zeitung brachte
darauf am nächſten Tage ein anderes „Eingeſandt”, in dem es
unter der gleichen Ueberſchrift hieß: „Wahrhaftig! Einzig und
allein die Deutſchen haben während des Krieges Minen gelegt,
nur England hat Schiffe verloren, nur engliſche Soldaten ſind
für das Vaterland gefallen und Deutſchland hat England den
Krieg erklärt — nicht etwa umgekehrt! Laßt uns die
Ver=
leumder nicht vergeſſen!‟ Es zeigte ſich bei dieſem Vorfall, daß
ſich immer noch Stimmen im Ausland erheben, die die
Feind=
ſchaft des Krieges nicht vergeſſen können. Ebenſo raſch aber
ertönte in dieſem wie in anderen Fällen eine Erwiderung von
der Gegenſeite. Meiſt ſind es die alten Kriegsteilnehmer, die
von einer Verewigung des Kriegshaſſes nichts wiſſen wollen.
Mitte Dezember traf „Karlsruhe” wieder in der Heimat ein.
Zu gleicher Zeit ging „Emden” mit dem neuen
Kadettenjahr=
gang für zwölf Monate wieder in See.
Von großer Bedeutung war, nicht nur im Intereſſe der
militäriſchen und ſeemänniſchen Ausbildung, die diesjährige
Aus=
bildungsreiſe der Flotte, die den größten Teil der Seeſtreitkräfte
für zwei Monate im Mittlemeer vereinigte. Auf dieſer Reiſe,
die den Streitkräften eine gründliche Gelegenheit zum
gemein=
ſamen Operieren und Manöverieren bieten ſollte, wurden die
deutſchen Schiffe von den Regierungen und der Bevölkerung der
Mittelmeerländer, deren Preſſe in ſehr ehrender Weiſe den
Wiederaufſtieg Deutſchlands und die Leiſtungen des deutſchen
Volkes ſchilderten, beſonders liebenswürdig aufgenommen.
Hier=
über hat die deutſche Preſſe ausführlich berichtet. Der Kreuzer
„Köln”, das neueſte Schiff der Marine, ſtattete im Sommer
einen ſechstägigen, glänzend verlaufenen Beſuch in Danzig und
wenige Wochen ſpäter einen fünftägigen Beſuch in Kopenhagen
ab. Im Oktober begab ſich der Kreuzer, der als
Artillerie=
verſuchsſchiff eingerichtet iſt, zu einer zweimonatigen
artille=
riſtiſchen Probefahrt in den Atlantiſchen Ozean, vo wo er
zu=
ſammen mit dem Kreuzer „Karlsruhe” nach Deutſchland
zurück=
kehrte.
Nachdem der letzte alte Kreuzer „Amazone” am 15. Januar
durch den Kreuzer „Köln” erſetzt iſt, ſind nur noch moderne
Kreuzer im aktiven Dienſt. Es ſind dies die Schulkreuzer
„Emden” und „Karlsruhe” und die Flottenkreuzer „Königsberg”
und „Köln‟. Der Kreuzer „Leipzig” geht ſeiner Fertigſtellung
im Jahre 1931 entgegen. Die Marine verfügt dann über fünf
moderne Kleine Kreuzer von 6000 Tonnen Deplacement, von denen
vier ſtändig im Dienſt ſein werden; der fünfte befindet ſich
dann zur Grundreparatur auf der Werft. Auch der Bau des
Panzerſchiffes „Erſatz Preußen” macht gute Fortſchritte. Das
Datum des Stapellaufs ſteht allerdings noch nicht feſt. Im
Jahre 1930 waren die alten Linienſchiffe „Schleswig=Holſtein”,
„Schleſien”, „Heſſen”, bis 24. Febr. „Elſaß”, ab 25. Februar
„Hannover” im Dienſt. Drei andere Schiffe dieſer Klaſſe ſind
für weitere Indienſtſtellung unbrauchbar geworden und werden
im Jahre 1931 nebſt drei alten Kreuzern, einigen Torpedobooten
und anderen Fahrzeugen zu einem geſchätzten Preiſe von 3 Mill.
RM. zum Verkauf gelangen. Auch bei den aktiven
Linien=
ſchiffen ſind im letzten Jahr wieder zahlreiche Materialverſager
vorgekommen (Rohrreißer, Lagerſchäden, Mauerſchäden,
Pum=
benbrüche, Kondenſatorlecke, Motorenausfälle,
Rohrundichtig=
keiten u. a.), die die Gefechtsbereitſchaft der Schiffe beeinträchtigt
haben, wohlgemerkt außer den alltäglichen kleinen Störungen
der Maſchinenbetriebe, die unerheblich ſind und beſonderer
Er=
wahnung nicht bedürfen. Starke Abnutzung. Ermüdung des
Materials und korrodierende Wirkungen ſind in vielen Fällen
die Ulrſache der Störungen geweſen. Erſt der bevorſtehende
Erſatz der alten Linienſchiffe wird auf dieſem Gebiet wieder
normale und erträgliche Verhältniſſe bringen.
Die Arbeiten der Marine auf dem Gebiet der Wiſſenſchaft,
Nautrik und Vermeſſung haben gute Fortſchritte gemacht. Das
Seekartenwerk, das jährlich 60 000 Seekarten an die
Handels=
ſchiffahrt liefert, beſteht zur Zeit aus 800 Karten. Auf
be=
ſonderen Wunſch der Handelsſchiffahrt wurden Seekarten von
Kap Horn, der Barentſee, der braſilianiſchen, argentiniſchen,
chileniſchen Küſte und des Aegäiſchen Meeres neu hergeſtellt.
Für die tiefgehenden neuen Schiffe des Norddeutſchen Lloyds
wurde der Großſchiffahrtsweg zwiſchen dem Weſer= und
Bor=
kumriff=Feuerſchiff neu vermeſſen. Das Seehandbuchwerk
be=
ſteht jetzt aus 58 Bänden, das Leuchtfeuerverzeichnis aus 13
Bänden. Das Nautiſche Inſtrumentenweſen iſt auf den
ver=
ſchiedenen Gebieten (Funkpeilgeräte, Echolote, neue
Sextant=
formen, Fahrtmeſſer, kleine Kreiſelkompaſſe u. a.) weſentlich
gefördert. Der Fiſchereiſchutz wurde in der Nordſee und unter
Island von „Zieten”, „Meteor” und Frauenlob regelmäßig
ausgeübt. Die Befatzung des unter Island geſtrandeten deut=
ſchen Fiſchdampfers „Mars” wurde durch „Zieten” geborgen.
Das Vermeſſungsſchiff „Meteor” ſetzte die vorjährigen
ozeano=
graphiſchen Forſchungen in der Dänemarkſtraße zwiſchen Island
und Grönland fort. Das Peilboot II führte eine geologiſche
Exkurſionsfahrt an der Küſte Rügens für das
Geologiſch=
mineralogiſche Inſtitut der Univerſität Köln aus, an der unfer
Führung von Profeſſor Philipp 21 Studenten teilnahmen.
Die 15 000 Mann der Reichsmarine verteilten ſich im Jahre
1930 folgendermaßen: 714 Seeoffiziere, 178. Ingenieuroffiziere,
100 Sanitätsoffiziere, 448 Deckoffiziere und Oberfeldwebel,
3543 Feldwebel und Unteroffiziere, 9933 Mannſchaften. In der
Kopfzahl 15000 ſind außerdem 81 Marinezahlmeiſter und 3
Intendanturräte enthalten. Der Geſundheitszuſtand der Marine
hat ſich bis in die letzte Zeit fortſchreitend gebeſſert. Das letzte
Jahr verzeichnet weniger als ein Drittel der Krankenzugänge
des Jahres 1921.
Algunus.
Sport, Spiel und Zurnen.
Handball.
Einkracht Frankfurk — 5.J. Darmſtadt 1898.
Die beiden kommenden Sonntage haben die 98er ihre letzten
Ver=
bandsſpiele auszutragen, die allerdings für die Meiſterſchaft in keiner
Weiſe mehr ausſchlaggebend ſind. Gegner ſind: Eintracht und
Fußball=
ſportverein Frankfurt. Während letzterer am 11. Januar in Darmſtadt
anzutreten hat, müſſen die Sportvereinler am morgigen Sonntag ſich in
Frankfurt der Eintrachtelf zum Kampfe ſtellen. Das Spiel findet
nach=
mittags 3 Uhr auf dem Platze am Riederwald ſtatt. Die
Eintracht=
mannſchaft iſt in letzter Zeit weſentlich erſtarkt, ſo daß die Darmſtädter,
die vorausſichtlich nicht in ihrer ſtärhſten Aufſtellung antreten können —
Werner und Fuchs werden vorausſichtlich nicht mit von der Partie ſein
— gut daran tun, den Kampf nicht leicht zu nehmen. Vor dieſem Spiel
treten die Alten Herren des Sportvereins 98 gegen die Alten Herren von
Eintracht Frankfurt an. (Abfahrt 12,B3 Uhr.)
Die Ligareſerven ſpielen nachmittags 3 Uhr auf dem
Schupoſport=
platz gegen die Reſerve=Elf des Polizeiſportvereins. Hier ſtehen ſich die
beiden Beſtplacierten der A=Runde gegenüber, ſo daß man ein ſchönes
Spiel erwarten kann. Man wird ſich wohl auch beiderſeits befleißigen,
fair zu ſpielen. Für die Tabellenführung iſt das Treffen ohne
Bedeu=
tung, da die Reſerve=Elf der 98er einen wohl kaum mehr einzuholendem
Vorſprung von 6 Punkten herausgeſpielt hat. Die dritte Mannſchaft
fährt nach Eppertshauſen und wird wohl ihr ganzes Können und
Wol=
len einſetzen müſſen, wenn ſie die Punkte für ſich buchen will.
Freie Tade. Darmſtadt — Bierſtadl.
Im weiteren Verlauf der Serienſpiele tritt am Sonntag, nachm.
2.30 Uhr. Bierſtadt auf dem Platz an der Kranichſteinerſtraße an.
Bierſtadt verfügt über eine ſehr ausdauernde Mannſchaft, die vor allem
auch einen großen Kampfgeiſt hat, der Darmſtadt auch beinahe im
Vor=
ſpiel gefährlich worden wäre. Darmſtadt hat bei zwei noch ausſtehenden
Spielen nur 1 Punkt Vorſprung. Es darf alſo von den beiden Spielen
keines verloren gehen. Darmſtadt wird mit Erſatz antreten müſſen, die
Mannſchaft wird alſo alles aus ſich herausgeben müſſen, um den Sieg zu
erringen. Vorher ſpielt um 1.30 Uhr die 1a Mannſchaft gegen die erſte
von Ober=Ramſtadt. Auch dieſes Spiel verſpricht ſehr intereſſant zu
werden. Um 12.30 Uhr ſpielt die Jugend gegen Bickenbach.
Fußball.
Union Darmſtadt — Haſſia dieburg.
Morgen, Sonntag, 2 Uhr nachm., treffen ſich obige Gegner
zum fälligen Verbandsſpiel auf der Rennbahn. Wer Zeuge war
des harten Kampfes im Vorſpiele in Dieburg, der nach
ſpannen=
dem Verlauf 1:1 endete, wird begreifen, daß Union alles aus ſich
herausgeben muß, um dieſe wertvollen Punkte für ſich buchen zu
können. Dieburg hat ſich, obwohl Kreisliga=Neuling, ſo gut
ge=
ſchlagen, daß es den Tabellenplatz, den es einnimmt vollauf
ver=
dient hat. Nicht allein zu Hauſe, auch auswärts, ſtellt die Elf
ihren Mann, was die erzielten Reſultate in Walldorf und
Sprendlingen beweiſen. Union erſetzt immer noch ſeinen guten
Torwächter, aber bei Hergabe des ganzen Könnens dürfte es doch
gelingen, einen Sieg zu erringen. Hoffentlich hat die ſeitherige
Ruhe der Mannſchaft zum Vorteil gereicht. Union hat Punkte
bitter nötig, will es nicht weiter am Tabellenende ſtehen.
Wün=
ſchen wir dem Spiele einen fairen Verlauf und einen guten
Schiri. Vorher meſſen ſich beide Liga=Reſerven.
Sportverein „Olympia” 15 Biebesheim.
Olympia Biebesheim hatte am 1. Januar die Ligareſerve der
Wormatia Worms im Freundſchaftsſpiel zu Gaſte. Bei
einiger=
maßen ſpielfähigem Platz und trotz des Regenwetters lieferten
beide Mannſchaften ein ſchönes und vor allem äußerſt faires
Spiel. Die Gäſte, die nur mit 10 Mann antraten, gefielen
be=
ſonders durch ihr taktiſches Stellungsſpiel und einen präziſen
und genauen Zuſtoß. Das Reſultat 3:1 für Biebesheim entſpricht
dem Verlauf. Am kommenden Sonntag empfängt die
Fußball=
elf die Rohrheimer Alemannen zum fälligen Verbandsrückſpiel.
Die Handballelf fährt nach Worms, um dort gegen die Poſt
Worms das Verbandsrückſpiel zu abſolvieren.
Kreisliga Südheſſen.
Der erſte Sonntag im neuen Jahr bringt ein volles, ſehr
intereſſantes Programm. Die beiden „Erſten” der Tabelle haben
ſehr wichtige Spiele: Olympia Lampertheim ſpielt erſtmals
wie=
der auf eigenem Platze. Die Bibliſer haben ſich am erſten Tag
im neuen Jahr endlich geeinigt und werden in Gernsheim mit
ihrer beſten Beſetzung antreten. Die Begegnungen lauten:
Olympia Lorſch — Olympia Worms,
Olympia Lampertheim — V.f.R. Bürſtadt,
Conc. Gernsheim — F.V. Biblis,
Norm. Pfiffligheim — V.f.L. Lampertheim,
Starkb. Heppenheim — Spv. Horchheim,
Spv. Hochheim — Vikt. Neuhauſen.
Der Altmeiſter wird trotz ſeiner derzeitig recht annehmbaren
Form in Lorſch wohl nicht um eine Niederlage herumkommen.
Natürlich darf die Sache unter keinen Umſtänden von den
Ein=
heimiſchen leicht genommen werden, zumal es ſich gewiſſermaßen
um eine Vorentſcheidung für die Meiſterſchaft handelt. Die
Bür=
ſtädter Raſenſpieler haben einen ſchweren Gang nach
Lampert=
heim, wo Olympia ſeit Monaten zum erſtenmal wieder auf
eigenem Platze ſpielt. Der Ausgang dieſes Kampfes, der
ſicher=
lich ſehr ſpannend ſein wird, iſt offen. In Biblis hat man das
neue Jahr mit einer Ueberbrückung der Gegenſätze begonnen.
Die Riedleute werden in nächſter Zeit alſo wieder komplett
an=
treten; bereits am Sonntag in Gernsheim wird die Elf in
ſtärkſter Beſetzung das Spiel beſtreiten. Trotzdem hat der
Zweit=
letzte unſeres Kreiſes dieſen Kampf noch nicht verloren
Pfifflig=
heim wird ſich gegenüber den Lampertheimern V.f. L.=Leuten auf
keine Punktabgabe verſtehen; ebenſo werden die Bergſträßer an
die Gäſte aus Horchheim ſicherlich keine Punkte abtreten. In
Hoch=
heim ſpielt der Tabellenletzte. Auch hier darf man wohl die
Ein=
heimiſchen als knappe Sieger erwarten.
A=Klaſſe, Gau Ried.
Alle Teilnehmer ſtehen diesmal im Kampf. Am meiſten
in=
tereſſiert der Ausgang des Treffens in Bobſtadt, wo Bensheim
antritt. Es treffen ſich:
Hofheim — Bürſtadt (priv.), Biebesheim — Gr. Rohrheim,
Hüttenfeld — Zwingenberg, Klein Hauſen — Auerbach,
Bobſtadt — Bensheim.
Hofheim wird dieſes Treffen ohne weiteres für ſich
entſchei=
den. Die Begegnung in Biebesheim und das Spiel in Hüttenfeld
wird die glücklichere Partei als Sieger ſehen. Auerbach wird ſich
mit einer Niederlage abfinden müſſen. Der Ausgang des Kampfes
in Bobſtadt iſt von gewiſſer Entſcheidung für die Meiſterſchaft.
Eine Punkteteilung wäre für den Tabellenerſten Hofheim das
günſtigſte Ergebnis.
Kraftſporl.
Darmſtadt 1910 — 1886 Frankfurt a. M.
Zum fälligen Verbandskampf der Rückrunde ſtehen ſich am morgigen
Sonntag die Oberliga=Ringermannſchaften obengenannter Vereine,
vor=
mittags 10,30 Uhr, in der Turnhalle, Soderſtraße 30, gegenüber. Die
Gäſte aus der benachbarten Mainmetropole ſind in der letzten Zeit gut
aufgekommen und haben ſich in der Tabellenmitte gut placiert: Von
den Einheimiſchen kann man faſt das Gegenteil ſagen, eine gehörige
Portion Mißgeſchick hat ſie in ernſte Abſtiegsgefahr gebracht. Aber auch
inbezug auf Kampfkraft haben ſie ganz beſonders enttäuſcht und es
bleibt zu hoffen, daß ſie im neuen Jahre die Schwächeperiode
überwin=
den. Die Mannſchaft hat das nötige Zeug in ſich, jedem Gegner von
Ruf eine ebenbürtige Partie zu liefern, wenn ſie die nötige
Sieges=
energie nicht vergißt. Dies muß beim morgigen Treffen in erſter Linie
maßgbend ſein. Iſt ſie ſich deſſen voll und ganz bewußt, dann iſt eine
Verbeſſerung der derzeitigen Tabellenpoſition durchaus möglich. Hoffen
wir noch zum Schluß auf einen guten Unparteiiſchen.
Der Kampf um die Deutſche Schwergewichtsmeiſterſchaft im Boxen
zwiſchen Hans Schönrath und Hein Müller findet endgültig am
1. Februar in der Dortmunder Weſtfalenhalle ſtatt.
Intermationales Tiſchtennis=Turnier in Frankfurt.
Unter Beteiligung von etwa 300 Spielern aus Frankfurt und
Um=
gebung begann am Freitag das Internationale Tiſchtennis=Turnier der
Frankfurter Eintracht. Auch die ungariſchen Meiſterſpieler griffen
be=
reits in die erſte Runde ein. Sowohl Weltmeiſter Szabados als auch
Nytray konnten ihre erſten Spiele gegen die Frankfurter Schimmel und
Siegwart glatt gewinnen; allerdings nahm Schimmel Weltmeiſter
Sza=
bados den erſten Satz ab. Im Damen=Einzel gewann Frl. Berg, im
Herren=Einzel kamen Salinger=Homburg und Merton=Frankfurt eine
Runde weiter.
Der Wiener Fußball=Weihnachtspokal fiel an den Brigittenauer AC.,
der im Endſpiel Hakoah Wien 3:1 ſchlug.
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Samstag, 3. Januar.
13.50: Störungsſchallplatte mit Erklärung.
14.30: Stunde der Jugend. Joſ. Bauer: Im Vorbeigehn, die
Tſcheinerſpitze. — Ein Siebenbürger Sachſe auf der Fahrt.
16.00: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Soliſten:
Ellen Beck (Sopran), M. v. Wiſtinghauſen (Bariton).
18.05: Ernſt Kahn: Durch Schulung zur kommunalpolitiſchen
Selbſt=
beſtimmung.
18.35: Ländliche Arbeiter. Geſpräch.
19.05: Spaniſcher Sprachunterricht.
19.30: Mannheim: Alte Muſik (17. und 18. Jahrhunderk). Mitw.*
Lene Heß (Violine), H. Mayer (Fköte), D. Altyzer (Cello und
Viola da gamba), M. Sinzheimer (Cembalo).
20.00 Stuttgart: Schwäbiſcher Abend. Winter im Schwabenland. —
Originale und Käuze. — Das Dreikönigsſpiel. Von Seb. Sailer.
— Kehraus.
0.30: Stuttgart: Nachtkonzert. Das Rundfunkorcheſter.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Sonnabend, 3. Januar.
15.00: Kinderbaſtelſtunde. Bunte Briefe.
1o.45: Frauenſtunde: Clotilde Beck: Der Wert der Anerkennung.
16.00: Stud.=Rat Dr. Mayer: Gegenwartskunde.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Erna Arnhold: Die heutige Kultur in den ehemaligen
ſpa=
niſchen Kolonien.
18.00: Franzöſiſch für Fortgeſchrittene.
18.30: Geh.=Rat Prof. Dr. Waetzoldt: Warum Muſeen?
19.00: Schallplatten=Konzert.
19.15: Prot. Dr. Nölting und Reichstagsabgeordneter Feder:
So=
zialismus und Nationalſozialismus.
20.00: Stille Stunde: „Vom Segen der Sitte‟,
20.30: Berlin: Unterhaltungsmuſik. Kapelle Emil Rooſz.
21.15: Aus dem Metropoltheater: 2. Akt aus „Schön iſt die Welt”.
Operette von Franz Lehar (mit Gitta Alpar und Richard Tauber.
Ca. 22.15: Tanzmuſik. Ben Berlin=Orcheſter.
Größte Ausnahl
EADI6
BosSer ambh
Fachmännische
Ernst-Ludwigstr. 14
PHOTO Bedenung
Tel. 2140. (210a
Amkliche Winkerſporknachrichken.
Herausgegeben von der Heſſ. Oeffentlichen Wetterdienſtſtelle am
Landw. Inſtitut der Univerſität Gießen am 2. Januar 1931.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Nebel. — 1 Grad. Geſamtſchneehöhe
3 Ztm., Pulverſchnee, keine Sportmöglichkeit.
Taunus. Kleiner Feldberg: Schneetreiben, — 2 Grad, 7 Ztm.,
ver=
harrſcht, Ski und Rodel mäßig.
Sauerland. Winterberg: Schneetreiben, — 2 Grad, 22 Ztm.,
Pul=
verſchnee, Ski und Rodel gut.
Rhön. Waſſerkuppe: Schneeregen, 2 Grad, 8 Ztm., verweht, Ski
und Rodel mäßig.
Schwarzwald. Ruheſtein: Leichterer Schneefall, — 2 Grad, 5 Ztm.,
vereiſt, Ski und Rodel mäßig.
Alpen. Garmiſch=Partenkirchen: Schneetreiben. — 1 Grad. 15 Ztm.,
Pulverſchnee, Ski und Rodel ſehr gut. — Berchtesgaden:
Leichterer Schneefall, — 3 Grad, 35 Ztm., Pulverſchnee, Ski
und Rodel gut.
Harz. Schierke: Leichterer Schneefall, 0 Grad, 5 Ztm., Pappſchnee,
Ski mäßig, Rodel gut. — Braunlage: Leichterer Schneefall,
0 Grad, 10 Ztm., Pappſchnee, Ski mäßig, Rodel gut.
Thüringer Wald. Inſelberg: Stärkerer Schneefall, —2 Grad,
15 Ztm. Pappſchnee Ski und Rodel mäßig.
Sächſiſches Gebirge. Johanngeorgenſtadt: Leichterer Schneefall,
0 Grad, 23 Ztm., verharrſcht, Ski und Rodel gut.
Wekkerberichl.
Ausſichten für Samstag, den 3. Januar: Kälteres, wechſelnd
wol=
kiges Wetter mit vereinzelten Regen=, in höheren Lagen
Schneeſchauern.
Ausſichten für Sonntag, den 4. Januar: Mehr beſtändiges Wetter,
meiſt trocken, teils bewölkt, teils aufklarend, Temperaturen
um den Gefrierpunkt.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Veranwwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reich mnd
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Bshmann;
für den Hanbel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas, Bauer; für
„Die Gegenwart” Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert. Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Wiliy Kuhble.
Druck und Verlag: C. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die beutige Nummer hat 12 Geiten.
[ ← ][ ][ → ]11,5
von 1927-30.
Ein Berliner Mittagsblatt hat eine Unterſuchung über die
Börſen=
verluſte des letzten Jahres angeſtellt. Auf Grund der Notierungen am
Jahresende an der Berliner Börſe beträgt der Geſamtwert der Aktien
kaum mehr als 10 Milliarden, das heißt, daß die Berliner Börſe im
vergangenen Jahre rund 3,5 Milliarden verloren hat. Im Laufe des
Jahres 1927 betrug der Geſamtwert der notierten Aktien noch 21,5
Milliarden Reichsmark, ſo daß alſo insgeſamt 11,50 Milliarden
einge=
büßt wurden.
Konkurſe und Vergleichsverfahren im Dezember 1930. Nach
Mittei=
lung des Statiſtiſchen Reichsamtes wurden im Dezember 1930 durch den
„Reichsanzeiger” 850 neue Konkurſe — ohne die wegen Maſſenmangels
abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 477 eröffnete
Ver=
gleichsverfahren bekannt gegeben. Die entſprechenden Zahlen für
No=
vember 1930 ſtellten ſich auf 829 bzw. 467.
Vor der Stillegung in der Peiner Großinduſtrie. Zur Beilegung
des Tarifſtreites beim Peiner Walzwerk und der Ilſeder Hütte hatte
der Regierungspräſident in Hildesheim die Parteien für Mittwoch zu
einer Beſprechung gebeten. Auch dieſe Verhandlungen brachten keine
Verſtändigung. Die Werksleitung macht heute durch Anſchlag in den
Betrieben bekannt, daß die Zahl der Unterſchriften derjenigen Arbeiter,
die ſich zur Weiterarbeit zu den im Schiedsſpruch feſtgeſetzten
Bedingun=
gen (8prozentige Lohnkürzung) bereit erklären, nicht genüge, um den
Betrieb wirtſchaftlich aufrecht zu erhalten, und daß demnach die
Still=
legung der Werke am 3. Januar erfolgen müſſe.
Die Landesbank der Rheinprovinz hat den freihändigen Verkauf der
reichsmündelſicheren 7prozentigen Gold=Kommunal=
Schuldverſchreibun=
gen der Landes=Bank der Rheinprovinz, 5. Ausgabe, zum Kurſe von
94,25 Prozent wieder aufgenommen. (Vgl. heutige Anzeige.)
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Offenbach a. M.: Firma Sport=Meſſer,
Inh. Karl Meſſer. Anmeldefriſt 15. 1., Wahltermin und
Gläubigerver=
ſammlung 8. 1., Prüfungstermin 5. 2. Mainz: Firma Geſchwiſter
Minge, Weißwarengeſchäft. Anmeldefriſt 1. 1., Gläubigerverſammlung
und Prüfungstermin 8. 1.: Kaufmann Abraham Rath.
Weißwarenhand=
lung. Anmeldefrift 1. 1., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin
8. 1.: Kaufmann Karl Friedrich Aßmann, Transportgeſchäft.
Anmelde=
friſt 1. 1., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 9. 1.:
Kauf=
leute Otto Stöckl und Hans Reiß. Anmeldefriſt 1. 1.,
Gläubigerver=
ſammlung und Prüfungstermin 9. 1. — Aufgehobene
Ver=
gleichsverfahren: Mainz: Paul Stiegler, Sattlermeiſter.
Verlängerung des Weſtdeutſchen Zementverbandes bis 31. Januar.
Mit Rückſicht darauf, daß mit einem Außenſeiterwerk eine
Verſtändi=
gung noch nicht herbeigeführt werden konnte, wurde die Verlängerung
des Weſtdeutſchen Zementverbandes verläufig nur bis zum 31. Jan. 31
in der Geſellſchafterverſammlung beſchloſſen. Die übrigen
Außenſeiter=
werke halten ſich an die erzielte Verſtändigung bis zu dieſem Termin
gebunden.
Induſtrie= und Handelsbörſe Stuttgart. Beſtimmt wurden als
Bör=
ſentage für 1931: 14. Januar, 4. und 18. Februar, 4. und 18. März,
1. und 15. April, 6. und 20. Mai. 3. und 17. Juni, 1. und 15. Juli,
12. Auguſt, 9. und 2. September, 14. und 28. Oktober, 11. und 25.
November, 9. und 16. Dezember. Somit findet die erſte Börſe in dem
neuen Jahre am 14. Januar ſtatt. — Der Mitgliedsbeitrag von ſeither
30 Mark wurde für das kommende Jahr auf 2 Mark feſtgeſetzt; die
Gebühr für den Bezug von Preisnotierungen wieder auf 5 Mark pro
Stück.
Frachtermäßigung für Güter des ſogenannten Nottarifs. Zur
Unterſtützung der Preisſenkungsbeſtrebungen der Regierung hat
ſich die Deutſche Reichsbahn=Geſellſchaft, wie bereits früher
mit=
geteilt wurde, entſchloſſen, für die im Nottarif genannten
Lebens=
mittel und Lebensmittel=Rohſtoffe im Wagenladungsverkehr eine
Frachtermäßigung zu gewähren. Hierzu werden folgende
Einzel=
heiten bekannt: 1. Getreide, Mehl und Hülſenfrüchte
werden, ſoweit es ſich um Sendungen der Hauptklaſſe
han=
delt, d. ſ. in der Regel ſolche von mindeſtens 15 Tonnen, künftig
zu den Frachtſätzen der Klaſſe D des Normaltarifs befördert.
Die Frachtſätze der Nebenklaſſen werden in der Weiſe
feſt=
geſetzt, daß für Sendungen von mindeſtens 10 Tonnen die um
5 Prozent, für ſolche von mindeſtens 5 Tonnen die um 10 Prozent
erhöhten Sätze der Hauptklaſſe berechnet werden. 2. Bei den
übrigen in dem Nottarif genannten Gütern tritt zur
Erleich=
terung und Verbilligung des Bezugs kleinerer Sendungen eine
Ermäßigung der Frachtſätze für 10 und 5 Tonnen ein, und zwar
werden dieſe Sätze künftig, wie folgt, feſtgeſetzt: a) für Käſe,
Obſt, Oelfrüchte, Oelſaaten: 10=Tonnen=Klaſſe —
Sätze der jetzigen Hauptklaſſe + 5 Prozent; 5=Tonnen=Klaſſe —
Sätze der jetzigen Haupklaſſe — 10 Prozent: b) für Gemüſe=
10=Tonnen=Klaſſe — Sätze der jetzigen Hauptklaſſe + 10 Prozent;
5=Tonnen=Klaſſe — Sätze der jetzigen Hauptklaſſe + 20 Prozent
c) für Kohlrüben, Mohrrüben Karotten: 10=
Ton=
nen=Klaſſe — Sätze der jetzigen Hauptklaſſe + 15 Prozent.
Hier=
nach ſtellen ſich die Frachtſätze für die Haupt= und Nebenklaſſen
für 100 Kg. wie folgt: 1. für Getreide Mehl und
Hül=
ſenfrüchte auf 100 Klm. 5 Tonnen jetzt 112, künftig 89, 10
Tonnen jetzt 97, künftig 85, Hauptklaſſe jetzt 86, künftig 81: auf
200 Klm. 5 Tonnen jetzt 195, künftig 156, 10 Tonnen jetzt 171.
künftig 149, Hauptklaſſe jetzt 150, künftig 142. 2. für Käſe auf
200 Klm. 5 Tonnen jetzt 218, künftig 200, 10 Tonnen 200, künftig
191. Hauptklaſſe jetzt 182. künftig 182. 3. für Obſt auf 200 Klm.
5 Tonnen jetzt 195, künftig 165, 10 Tonnen jetzt 171, künftig 158,
Hauptklaſſe jetzt 150, künftig 150. 4. für Gemüſe auf 200 Klm.
5 Tonnen jetzt 113, künftig 90. 10 Tonnen jetzt 94, künftig 83.
Hauptklaſſe jetzt 75, künftig 75. 5. für Karotten uſw. auf
150 Klm. 10 Tonnen jetzt 59, künftig 52, Hauptklaſſe jetzt 45,
künftig 45. Es handelt ſich bei dieſer Neuregelung des Tarifs für
die genannten Lebensmittel um Ermäßigungen, die insbeſondere
bei Wagenladungen geringeren Gewichts recht erheblich ſind. So
ſtellt ſich der 5=Tonnen=Frachtſatz für Gemüſe und für Mehl in der
genannten Entfernungsſtufe von 200 Kilometer um 20 Prozent
billiger als jetzt. Die Tarifänderungen werden vorausſichtlich
zum Beginn des neuen Jahres in Kraft treten.
Viebmärkke.
Mannheimer Viehmarkt vom 2. Januar. Zufuhr und Preiſe: 129
Kälber 56—72, 3 Schafe 40—45, 64 Schweine nicht notiert, 588 Ferkel
und Läufer, Ferkel bis vier Wochen 13—17, über vier Wochen 19—25,
Läufer 27—35 Mark. Marktverlauf: Kälber ruhig, Ueberſtand, Ferkel
und Läufer lebhaft.
Frankfurter Viehmarkt vom 2. Januar. Dem heutigen
Kleinvieh=
markt waren zugeführt: Seit dem letzten Markt 171 Rinder, ferner 468
Kälber, 92 Schafe und 168 Schweine. Bezahlt wurden pro Zentner
Lebendgewicht: Kälber b) 73—76 c) 67—72, d) 60—66; Schafen a) 1. 47
bis 50, b) 1. 40—45; Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Kälber und
Schafe mittelmäßig, geräumt; Schweine ruhig, ausverkauft. —
Fleiſch=
großhandelspreiſe. Ochſenfleiſch 1. 80—90, desgl. 2. 70—80; Bullenfleiſch
82—86; Kuhfleiſch 2. 60—70; desgl. 3. 45—55; Kalbfleiſch 2. 109 bis
110; Hammelfleiſch 95—100; Schweinefleiſch 1. 82—85; Litauer 70—75.
Geſchäftsgang langſam.
Die Berliner Metallnotierungen am 2. Januar ſtellten ſich
für je 100 Kg. für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt.
Elektrolyt=
kupfernotiz) auf 101 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion
Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM, desgleichen in
Walz=
oder Drahtbarren. 99 Prozent, 174 RM., Reinnickel. 98—99
Pro=
zent. 350 RM., Antimon=Regulus 54,50—55,50 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 43—45 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 2. Januar ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 86,50 (87), Februar 87 (88) März 87,50 (89),
April 88,75 (89.50) Mai Juni 89 (90), Juli, Auguſt, September
89,50 (90,50) Oktober, November. Dezember 89,75 (90,50).
Ten=
denz: ſchwächer Für Blei: Januar 26.50 (28.50) Februar
27,50 (28.50) März. April 28 (28.50) Mai 28 (28.75), Juni, Juli
28 (28.50) Auguſt, September, Oktober 28,25 (28,50), November,
9825 (28,75), Dezember 28,25 (28,50)= Tendenz: ſchwächer, Für
Zink: Januar 26 (27,50), Februar 26,75 (27.25), März 27
(27 75) April 27,75 (28,25), Mai 28 (28,75), Jun: 28,50 (29,25),
Juli 28,75 (29,50), Auguſt 28,75 (29,75), September 29 (29,50),
Oktober, November 29 (29,75) Dezember 29 (29,50). Tendenz
ruhig. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
beigefügten Brief.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 2. Januar.
Auch die erſte Börſe im neuen Jahre eröffnete eher wieder etwas
ſchwächer, da das Fehlen faſt jeglicher Kaufaufträge verſtimmte. Die
Steigerungen, die ſich am letzten Börſentage im alten Jahre ergeben
haben, ſind auf rein bilanztechniſche Vorgänge erfolgt, was ganz
beſon=
ders bei den Kaſſakurſen zum Ausdruck kam, die zumeiſt höher als die
Terminkurſe notierten. Trotz feſterer Auslandsbörſen und des
ausge=
brochenen Bergarbeiterſtreiks in Süd=Wales brachten die erſten Kurſe
meiſt Rückgänge, da der Teilſtreik im Ruhrbergbau dieſen eher günſtigen
Symptomen ſtörend gegenüberſtand. Bei geringſter Umſatztätigkeit
waren die Abſchwächungen nur von geringer Bedeutung, da ſtärkeres
Angebot kaum vorgelegen haben dürfte. Die Grundſtimmung war nicht
unfreundlich, und lediglich der mangelnde Ordereingang ließ die Kurſe
etwas niedriger eröffnen. Etwas ſtärker abgeſchwächt lagen
Salzdet=
furth. die 3,75 Prozent einbüßten. Aſchersleben minus 1 Prozent,
A. E. G. blieben knapp gehalten. Chemieaktien lagen 1 Prozent
niedri=
ger. Am Kunſtſeideaktienmarkt ſetzten Aku 1,25 Prozent ſchwächer ein.
Bis zu 2 Prozent niedriger eröffneten außerdem Deutſche Linoleum und
von Bauunternehmungen Ph. Holzmann. Reichsbahnvorzugsaktien
wur=
den heute erkluſive Dividende notiert. Am Bankenmarkt überwogen die
Rückgänge bis zu 1 Prozent. Am Anleihemarkt lagen Altbeſitz 0,25
Prozent höher. Von fremden Werten gaben Zolltürken ein Achtel
Pro=
zent nach.
Nach den erſten Kurſen hielt die ſchwächere Stimmung an, und
in=
folge der Orderloſigkeit ergaben ſich meiſt neue Rückgänge, die aber kaum
1 Prozent überſchritten. Lediglich Felten wurden ſpäter 4 Prozent
nied=
riger feſtgeſetzt, ohne daß nennenswertes Angebot vorhanden war. Am
Geldmarkt machte ſich nach dem Ultimo wieder eine Erleichterung
be=
merkbar, ſo daß der Satz um 0.75 Prozent auf 5,25 Prozent ermäßigt
wurde. Am Deviſenmarkt lag die Mark wieder etwas ſchwächer. Man
nannte Mark gegen Dollar 4,1995, gegen Pfunde 20,39½/s, London—
Kabel 4,8557, Paris 123,65, Mailand 92,74, Madrid 46,35, Schweiz
25.05½, Holland 12,0615.
An der Abendbörſe konnte ſich die Stimmung im Einklang mit
der Ermäßigung des Bankdiskonts in Frankreich und der etwas feſteren
Eröffnung der New Yorker Börſe leicht beſſern. Die Umſatztätigkeit
hielt ſich jedoch in den engſten Grenzen, da Aufträge nicht an den Markt
gekommen waren. Die Kursfeſtſetzung ging ſehr ſchleppend vor ſich.
J. G. Farben konnten ſich zirka 1 Prozent erholen, während im übrigen
die Kurſe gegen den erholten Berliner Schluß behauptet blieben.
An=
leihen faſt ohne Umſatz. Im Verlaufe blieb das Geſchäft zwar ziemlich
klein, doch traten bei einzelnen Werten Beſſerungen bis zu 1,75 Proz. ein.
Berlin, 2. Januar.
Das neue Jahr brachte für die Börſe gleich zu Beginn des erſten
Effektenverkehrs eine Enttäuſchung. Der Schluß der New Yorker
Mitt=
vochs=Börſe und die Kohlenſtreiks in Südwales ließen vormittags eine
freundliche Eröffnung erwarten; zu den erſten Kurſen herrſchte aber
Ordermangel und ſo kam es, daß, die durch Nachrichten von Teil=Streiks
an der Ruhr verſtimmte Spekulation die Kursentwicklung ſtärker
beein=
fluſſen konnte. Schon die Tatſache, daß gerade Hauptwerte — unter
an=
deren Berger. Schultheiß, Rheinſtahl, Riebeck Montan und Salzdetfurth
— um 2 bis 3,75 Prozent gedrückt waren, erhellt den Charakter der
Ab=
gaben. Aber auch die übrigen Werte waren vielfach 1 bis 2 Prozent
ſchwächer. Im Verlaufe bröckelten die Kurſe bei ſtagnierendem Geſchäft
weiter ab. man wollte von neuen Inſolvenzen im Auslande wiſſen, und
da bereits Mittwoch an der Mailänder Börſe einer der bedeutendſten
Effekten=Makler ſeine recht beträchtlichen Ultimo=Differenzen nicht hatte
begleichen können, fanden dieſe Gerüchte ein williges Ohr. Auch der
heute früh veröffentlichte Monatsbericht des Stahlwerks=Verbandes
mahnte eher zur Zurückhaltung. Die Uebernahme von 644 Eiſenbahn=
Vorzugsaktien durch die Allianz=Verſicherung lenkte das Intereſſe etwas
auf dieſen Markt, doch konnte auch dieſes Papier ſeinen, bei
Berückſich=
tigung des 3.15 Prozent betragenden Couvon=Abſchlages, etwas feſteren
Kurs ſpäter nicht voll behaupten. Im allgemeinen lag das Niveau bis
zu 1 Prozent unter Anfang. Altbeſitzanleihe zogen um 0.30 Prozent an,
Neubeſitz waren unverändert.
Berliner Produktenbericht vom 2. Januar. Die Produktenbörſe
zeigte heute etwas uneinheitliche Preisgeſtaltung, jedoch war eine ſtetige
Grundſtimmung unverkennbar. Die ſchwächeren Auslandsmeldungen
blieben ohne Eindruck, zumal das Inlands=Angebot von Weizen ſich nicht
verſtärkt hat und infolge einer Belebung des Weizenmehl=Geſchäftes
allſeitig beſſere Nachfrage zu 1 bis 2 Mark höheren Preiſen als am
Jahresſchluß zu beobachten war. Am Lieferungsmarkte ſetzte Mai=
Weizen 2 Mark höher ein. Roggen lag ruhig. Das Inlandsangebot iſt
zwar nicht dringlich, die Gebote für prompte Verladung lauteten
je=
doch zumeiſt eine Mark niedriger, der Lieferungsmarkt folgte dieſer
Preisbewegung. Für Weizenmehl hat ſich eine leichte Belebung der
Nachfrage ergeben, ſo daß 25 Pfennig höhere Forderungen durchzuholen
waren. Roggenmehl liegt ruhig. Im Hafer=Promptgeſchäft iſt das
Angebot ausreichend, der Konſum bekundet jedoch einiges Intereſſe, und
die Preiſe ſind behauptet. Gerſte liegt ruhig aber ziemlich ſtetig.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 2. Januar:
Getreide. Weizen: März 79½, Mai 81½, Juli 65½: Mais;
März 69,75. Mai 138, Juli 725: Hafer: März 33½, Mai 33½8,
Juli 53; Roggen: März 42,50, Mai 43½. Juli 42,75.
Schmalz: Januar, Februar, März 8,70, Mai 8,875.
Speck. loco 15,50.
Schwienezufuhren in Chicago 22 000, im Weſten 85 006.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 2. Jan.:
Getreide. Weizen: Rotwinter 74½; Mais: loco New York
84½: Mehl: ſpring wheat clears 4,00—4,35: Getreidefracht nach
England 1,6—2,3 sh, nach dem Kontinent 7—8 C.
An der Berliner Freitagsbörſe wurde der Privatdiskont für kurze
Sichten um ½ v. H. auf 4¾ Prozent ermäßigt. Der Satz für lange
Sichten blieb unverändert 4¾ v. H.
Zwiſchen dem Reichsfinanzminiſterium und der Allianz und
Stutt=
garter Lebensverſicherungsbank A.G. iſt eine Vereinbarung
zuſtande=
gekommen, wonach letztere vom Reich einen Poſten
Reichsbahnvorzugs=
aktien von nom. 64 Millionen RM. käuflich erworben hat. Der
Kauf=
preis iſt im Laufe des Monats Februar an das Reich zu zahlen.
Der ſtaatliche Schlichtungsausſchuß fällte unter dem Vorſitz des
Bei=
geordneten Bragard einen Schiedsſpruch, der eine Senkung der Löhne
in der Wuppertaler Textilinduſtrie um 7 Prozent vorſieht. Gleichzeitig
wird eine Anzahl Zulagen=Tarife für die Lüſtrierer, Gummibandwirker
ſowie auch in der Kunſtſeideninduſtrie gekürzt oder geſtrichen. Dieſer
Schiedsſpruch tritt am 16. Januar in Kraft.
Nach Mitteilungen des Vereins Deutſcher Spiegelglasfabriken in
Köln ſind mit Wirkung ab 1. Januar 1931 die Liſtenpreiſe für
Spiegel=
glas ermäßigt worden, ſoweit es für Bauzwecke und Schaufenſter
Ver=
wendung findet. Die neuen Preiſe liegen in den verſchiedenen
Grö=
ßen 5—15 Prozent unter den bisherigen Notierungen.
Der Vorſtand der Weſterwälder Grobſteinzeuginduſtrie hat
beſchloſ=
ſen, für ſämtliche Erzeugniſſe eine ſofortige Preisermäßigung
vorzu=
nehmen, die bei den gebräuchlichſten Haushaltsartikeln bis 10 Proz. geht.
In der geſtrigen Sitzung des Börſenvorſtandes, Abteilung
Wert=
papierbörſe, wurde Herr Oskar Frankling Oppenheimer zum
Vorſitzen=
den und damit auch gleichzeitig zum Vorſitzenden des
Geſamtbörſenvor=
ſtandes, ſowie Herrn Otto Hauck zum ſtellv. Vorſitzenden des
Förſen=
vorſtands, Abteilung Wertpapierbörſe, einſtimmig wiedergewählt.
Der Preis für Weizenmehl Spezial Null wurde von der
Süddeut=
ſchen Mühlenvereinigung um 25 Pfg. auf 41,75 RM. ab Mühlenſtation
erhöht.
Der Lohntarif für die mitteldeutſche Weißlederinduſtrie iſt zum
31. Januar 1931 und der Manteltarif zum 28. Februar von den
Arbeit=
gebern gekündigt worden.
Die Bank von Frankreich ermäßigte geſtern ihren Diskontſatz von
2,5 auf 2 Prozent.
Ein Sitz an der New Yorker Effektenbörſe wechſelte zum Preis von
186 000 Dollar ſeinen Beſitzer. Dieſer Preis der niedrigſte der ſeit
1927 bezahlt wurde, kennzeichnet die Wirtſchaftskriſe. Der höchſte Preis
im Jahre 1930 betrug 480 000 Dollar, und noch im September wurde
in Sitz für 325 000 Dollar verkauft.
Berliner Kursbericht
vom 2. Januar 1931
Oeviſenmarkt
vom 2. Januar 1931
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
Aere
143.50
108.25
108.25
61.—
121.—
61.50
91.125
53.75
43.—
105.—
30.25
107.— 2
99.50
59.—
Glektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
boeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Nöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Tordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel
92.—
123.12:
80.25
88.—
76.—
61.12
70.—
124.50
54.75
67.50
61.—G
29.75
43.25
65.—
40.50
Maee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerk
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind
Hirſch Kupfer
Hobenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
142.—
44.-
194.—
101.—
85.—
56.875
130.50
59.—
24.75
42.75
44.—
135
50.50
37.75
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos-Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
*
Währung
100 finn. Mk
100 Schillin
100 Tſch. Kr.
100 Pengo
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
12.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belgo
100 Lire
100 Francs
Red
10.554
59.04
12.43
73.365
3.035
168.92
112.16
112.17
112.34
20.369
1.330
4.1955
58.58
21.965
16 47
Brief
10.574
59.16
12.45
73.505
3.04
69.2
112 3‟
112.39
112.56
20.401
1.33
4.2035
58.70
22.005
16.51
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiro
Jugoſlawien
Portugal
Athen
Iſtambu=
Kairo
Kanada
K
Uruguay
Island
Tallinn (Eſtl.
Riga
*
Währung
100 Franken
100 Peſetas
00 Gulden
1 Yen
Milre 1
100 Dinar
100 Escudos
100 Drachm
türk. 2
1 ägypt. 4
1 canad. Doll
1 Goldpeſo
100 eſtl. Kr.
100 eſtl. Kr.
100 Lats
Geld
81.31
44.06
81.445
2.078
0.386
7.416
18.81
5.433
20.89
4. 18:
3 017
91.8:
111.55
80.73
Zrief
81.47
44.14
.E05
2.C62
(.:88
430
8.65
5.443
20.93
4.185
3.C23
92.01
1-77
80.89
Frankfurter Kursbericht vom 2. Januar 1931.
70 Dtſch. Reichsanl
5½%Intern.
6‟ Baden ......
8% Bayern...."
6%
8% Heſſen v. 28
v. 29
30 Preuß. Staat.
80 Sachſen.. ....
....."
2 Thüringen.
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. *:½=
Ab=
löſungsanl..
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe . . .
89 Baden=Baden
6% Berlin ......
89 Darmſtadtv. 26
v. 2
3 Drechden.
8% Frankfurt a.M.
Ac
v. 26
2 Mainz:
88 Mannheim v. 26
v. 27
80 München..
8% Nürnberg.
8% Wiesbaden ..
Nt
Rne
3
74
98
82.25
84.25
89
94
98
80.5
52.5
5-2
1.55
79.5
79.5
75.75
94.5
80
70
86.75
69.9
91
8%6 Heſſ. Landesbk./ 99.5
91
% Goldoblig/ 94
4½% Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid./ 8
42/,% „Kom.=Obl./ 79.25
8% Preuß. Lbs..=Anſt. G. Pf. 100
97
A—,Gebekssl 9
80 Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für
Heſſen.Goldobl.
89Kaſſeler Land.,
kredit Goldpfbr.
6Olo
8% Naſſ. Launbesbl
4½% „Liqu. Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.-Anl.
+Ausl. Ser.
„„ Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
8% Berl. Hyp.=Bk.
4½%„Ligu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.=Bk..
4½% — Lig. Pfbr.
Pfbr.=B!
8%
Aaft
88 Mein. Syp.=B.
½%n Lia. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp.=B
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
cred.=Bank
4½%0 „Lig. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank".
4½0 „ Lig. Pfb
8% Rhein. Hyp. Bk.
790
4½% „ Lig. Pfbr
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit ...."
80 Südd. Bod.=
Cred.=Ban!
4½% n Lig. Pfbr.
82 Württ. Hyp.=B
6% Daimler-Benzl 64.5
97.75
98.75
85
100
85
87.25
38
38
101
96.75
7
100.75
Me
91
100.5
95
87.8
100
89.5
100.5
87.75
100
86.5
100
95
89
97.5
R.
88:),
98.5
* Dt. Linol. Werke
Pr Rne Sne
7% Mainkrw. v. 26.
790 Mitteld. Stahl.
32 Salzmannu. Co
7% Ver. Stahlwerke
82 VoigtckHäffner
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L. E.B
L. Inveſt
4½% Oſt. Schätz
4% Oſt. Goldrente
5 %vereinh. Rumän
4
4%
4% Türk. Admin.
4% „ 1. Bagdad
4% „ Zollanl.
4½% Ungarn 1913
1914
4½%
4
Goldr.
1910
42
Aktien
Rlg. Kunſtziide Uni
A. E. G........."
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtoff
Bemberg, J. P..
Bergm. El.=Werke.
BrovvnBoverickCie.
Buderus Eiſen. ...
Tement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Alber
Chade . ........"
Contin Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz.
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl
Gold= u. Silber=
Hheide-Anſtalt
91
84.25
93
85
22
39.25
8.7
6.5
3.25
17.5
43
91.5
71
79
65.25
158
26
110
101
89
60
Anee
„ Eiſenhandel. .
Dyckerhoffu. Widm
Eichbaum=Werger.
Eleltr. Lieferg=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerl..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Guilleaume
Frankfurter Gas ..
Hof..
Geiling E Cie. ..."
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f.elektr Untern
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Dafenmühle Frrft..
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfbr.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer. .. . .
Hochtief Eſſen".
Holzmann. Phil.
Flſe Bergb. Stamn
„ Genüſſe
Junghans.
Kalt Chemte. .
„ Aſchersleben.
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R.. . . . .
Klein, Schanzlin".
Klöcknerwerke ....
Lahmeyer & Co...
Laurahütte .. ....
Lech. Augsburg
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
But Gehr. Darmſt.
Vfe
70.5
125
90
196
28.5
94
123
48
118
49
80
88
36
32
168
110
155
75
Me
55.5
116
61
70.25
170
32
110
82
67.5
104
54
115
34.75
178
43
12
Mit che
Mainz. Akt.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
Nansfeld Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtad
Deutz
Oberurſe!
Oberbedarf
Phönix Bergban".
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen..
„Elektr. Stamm.
„ Metallwaren".
„ Stahlwerke . . . ."
Riebeck Montan. .
Roeder Gebr.
Rütgerswerle
Sachtleben A. G...
Salzdetfurth Kali.
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr.
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Svenska Tändſtick=
Tellus Bergbau.
Thür. Liefer.=Gef.
Tietz Leonhard ...
Tucher=Brauere:
Unter ranken
Beithwerte
Ver. f. Chem. Ind.
„ Stahlwerke.
Strohſtoffabr.
„ UIltramarin . . .
Vogtländ. Maſchin
Vvigt & Haeffner.
61.5
40
40
AATK
71
86.75
Rrr
43.75
124
192.5
200
185
61
88
120
141
3
A
70
102.5
20
20
62
57
120
21
33.5
Aase
Mit e
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali
Zellſtoff=Verein.
„ Waldhof. ..
Memel.
Atlg. Dt. Crediuan
Badiſche Ban:
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBankverei
Baher. Hyp. u. W.
Berl. Handelsgef.
Sypothekbi.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=B1.
Dt. Bank und Disc.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Bant ..
Frankf. Bant.
Hyp.=Bant
„ Pfdbr.=Bk. ....
Mein. Hyp. Ban!
Oſt. Creditanſtalt".
Pfälz. Hyp. Ban:
Reichsbant=Ant. . .
Rhein. Hyp.=Ban1.
Südd., Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenban!
A.-G. ſ. Vertehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vzog
Hapag ....."
Nordd. Lloyd..
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung ...
„ Verein. Ver
FrankonaRück=u. M
Mannh. Verſich.
Otavi Minen
Knnnnge
35
58
129.75
au
73.5
97.5
135
96.5
100
126.5
219
108.5
143
108.25
95.25
107.5
93
154
154
158.5
27.4
127
226‟1.
133
141
gel.
135
112
84.75
61.5
62.25
85
150
160.5
101
25
26
[ ← ][ ][ → ]Rummer 3
Samstag, den 3. Januar 1931
URHEBER-REcHTSschUTZ DURcMNEELA6 OSRAR MEISTER, WERDA0
5)
(Nachdruck verboten.)
Nach dem Mittageſſen fuhren ſie zum Notar, der die
Ver=
mögensverwaltung der deutſchen Werte Lady Durhams inne
hatte.
Lady Durham ließ Berndt Groth Vollmacht geben, machte
ihn verfügungsberechtigt.
Berndt war über dieſen wohl größten Vertrauensbeweis
anfangs beſtürzt, bald aber erfaßte ihn eine tiefe Freude.
Zu Haufe angekommen, fanden ſie bereits zwei Beſucher
vor, und zwar einen Herrn Etzel Battenberg, einen kleinen,
ver=
hutzelten Herrn mit ſehr gutmütigen, aber etwas verſchmitzten
Zügen, und Herrn Gideon Bleuer, einen Mann in den
Vier=
zigern, der wie ein ehemaliger Polizeioffizier wirkte. Sein
Ge=
ſicht war glattraſiert, ſeine Augen ſcharf und klar.
Lady Durham begrüßte die Herren ſehr freundlich und
ent=
fernte ſich dann mit Gideon Bleuer, nachdem ſie Berndt als
ihren neuen Sekretär vorgeſtellt hatte.
Herr Battenberg nahm im Seſſel Platz und brannte ſich eine
ſchwarze Braſil an.
„Rauchen Sie, Herr . . . Groth war doch Ihr Name?”
„Richtig! Nein, ich rauche nicht. Einmal eine Zigarette, aber
ſeit ich hier Sekretär bin, will ich mir’s langſam abgewöhnen.”
„Geht ſchwer, mein Lieber! Werden’s nicht ſchaffen!“
„Ohne Sorge . . . ich ſchaff’s! Wäre ſchlimm, wenn man ſich
nicht in der Gewalt hätte!”
„Sie ſind heute erſt angetreten?”
Ja.”
„Wie ſind Sie zu Lady Durham gekommen?”
„Vielleicht ſo wie Sie, Herr Battenberg! Ich weiß es nicht
genau!”
„Entſchuldigung! Haben recht, ſo fragt man die Leute aus!
Hm . . . alſo Sekretär . .. hm . . . ſagen Sie, Verehrter, wenn
es kein Geheimnis iſt, ſollen Sie auch den finanziellen Teil der
Arbeit mit erledigen?”
„Ich vermute es!“
„Hm! Dann werden wir eng zuſammenarbeiten. Herr
Groth! Sie haben ein anſtändiges Geſicht
„Sehr verbunden!” lachte Berndt.
Etzel Battenberg ſah ihn verwundert an. „Warum lachen
Sie, Herr Groth? Das kommt nicht oft vor! Bin ein alter
Menſchenkenner! Alſo, Herr Groth . .. da werden wir eng
zu=
ſammenarbeiten müſſen!“
„Das wird Lady Durham beſtimmen, Herr Battenberg!”
„Wird ſie .. natürlich .. im Vertrauen: Ich bin doch der
finanzielle Mitarbeiter Lady Durhams.”
„Intereſſant!”
„Seit vier Jahren bin ich das! Habe die ganze Zeit meine
Berichte nach England geſandt, und . . . der Teufel ſoll mich
... wenn da eine Sache drunter war, die nicht ſtand! Habe
Lady Durham viel Geld verdient.”
„Das iſt ſehr erfreulich.”
„Sie iſt anſtändig, hat mir Spaß gemacht, für ſie zu
arbei=
ten! Ja, Herr Groth, dem alten Etzel ſieht’s keiner an, wo der
überall ſeine Naſe hineinſteckt. Ehe die Zeitungen was wiſſen,
bin ich längſt orientiert.”
„Haben Sie Vollmachten der Lady . . . Bankvollmachten?”
„Nein, nein! Die brauche ich nicht! Ich liefere nur die
In=
formationen, nichts ſonſt. Tc kann nicht glauben, daß Lady
Durham irgend jemanden Vollmacht über ihr Vermögen gibt.
Lord Durham ſelber . . . ich glaube, der würde nichts dagegen
haben, wenn er ſie hätte.”
„Lord Durham? Ich denke, er iſt einer der reichſten
Groß=
induſtriellen Englands?”
„Keine Spur! Er hat Nieſenverluſte erlitten! Man iſt ſich
ja über ſeine Transaktionen, wenigſtens über einige noch nicht
ganz klar ." aber ich glaube, es geht bergab mit ihm.”
Die Tür öffnete ſich, Lady Durham erſchien und bat: „Herr
Battenberg . . . Herr Groth .. darf ich bitten!“
Battenberg war überraſcht, daß der Sekretär gleichfalls mit
in das Allerheiligſte gebeten wurde. Aber er ſagte nichts,
ſon=
dern folgte mit Berndt der Lady.
Sie nahmen drin Platz. Das Zimmer war nüchtern
einge=
richtet, wie ein Geſchäftsbüro.
Am großen Schreibtiſch ſaß die Lady.
„Herr Battenberg, ich teile Ihnen zunächſt mit, daß ich
meinem Sekretär Bankvollmacht, überhaupt Vollmacht über mein
Vermögen erteilt habe. Die Verbindung zwiſchen Ihnen und
mir bleibt die gleiche, nur ändert ſie ſich inſofern, als Sie Herrn
Groth Bericht erſtatten und Herr Groth Ihnen die Orders gibt.”
„Gewiß, Mylady!” ſagte der kleine Herr verdutzt.
Berndt Groth warf ein: „Mylady, ich bin auf dieſem Gebiet
noch nicht ſo zu Hauſe.”
Sie ſah ihn liebenswürdig an und meinte: „Sorgen Sie ſich
nicht, daß Sie Fehler machen. Herr Battenberg iſt ſehr
ge=
ſchickt und routiniert. Er hat mich bis heute ſo gut bedient, daß
Sie ohne weiteres mitgehen können. Mit der Zeit werden Sie
in der Lage ſein, ſich ſelbſt ein Bild zu machen. Dann ſteht es
Ihnen durchaus frei, zu dämpfen oder zu forcieren. Alſo das
wäre erledigt. Weiter: Herr Battenberg, haben Sie erfahren,
wer hinter den Käufen der Aktien der perſiſchen Bahnen ſteht?”
„Ich weiß es noch nicht, Mylady! Die Käufe beſorgt das
Bankhaus Forſt u. Salis. Man ſpricht davon, daß ſie im
Auf=
trage der . . . engliſchen Regierung erfolgen."
„Aber .."
„Ich glaube nicht daran.”
„Sie vermuten . . .
„Er kauft!“
„Ah . . . gut! Ich wundere mich, daß er es noch vermag!”
„Lady Durham wollen berückſichtigen, daß er immer noch
einen mächtigen Kredit beſitzt. Man ſpricht auch davon, daß ihm
Die schönsten
und billigsten
Vervieltäitigangen
originalgetreue
Wiedergabe der
Hand- und
Ma-
schigenschrift.
Zeichnungen.
Noten usw usw.
liefert schnell
Bäumeris Büro
Rheinstraße 8.
Tel. 1223. (335a
Wer übern. Beilad
am 7. Jan. v. Höchſt
i. Od. nach
Büttel=
born u. am 14. Jan.
v. Pflaumheim bei
Aſchaffenbg. n.
Er=
bach i. O.2 Eilang.
u. O. 139 Geſchſt.
Klein Kaſſenſchrank
lichte Weite 35/50
cm., 1 Aufſ.=
Wäſche=
ſchrank bill. zu verk.
Beckſtraße 50, I.
Anzuſ. v. 12—3 U.*
Gebr. Eisſchrank
80X60 f. 15 ℳ verk
Frankfurterſtr. 22, I.
(*sg)
3—4000 Mk.
zu leih geſ. gegen
mon. Rückzahl. Off.
u. O. 150 Geſchſt.
300.— RM. auf
Mon. geg. 60 RM.
Vergüt. z. leih. geſ.
Sicherh. vorh. Ang.
u. O. 153 Geſchſt.
70.- RM.
auf 6 Mon. z. leih.
geſ. Mon. Rückzahl.
Off. u. O. 156 Gſch.*
Altes Geſchäft Nähe
Darmſt. ſucht
kurz=
friſtig einige tauſ.
Mark geg. Sicherh.
od. Teilhaber. Ang.
u. O. 172 Gſch. (467b
Geſucht
1000—1500 Mk. per
ſof. auf 1 Jahr geg.
1. Sicherh. Offert.
u. O. 149 Geſchſt.
Diei, 4-Siher
ſehr gut erhalten,
umſtändehalber zu
verkaufen. Ang. u.
O. 158 a. d. Geſch.*
Geleg.-Kauf!
Gutes Oelgemälde
(Wald=Motiv) v. 2
Dieffenbach 1888, I
1500 gek., f. 250 ℳ
zu verkaufen.
Herd=
weg 95. Gartenh.
kreuzſaitig,
land ſchwarz.
wenig gebr., ſehr
billig zu verkaufen
Heinrich Arnold,
Mühlſtr. 1. 1. Stock.
Guterhalt.
Kleider=
ſchrank zu verkauf
Sandſtraße 24.
Nähwaſchine
wie neu, ℳ 58.—.
3. Jahre Garantie.
Moll,
Grafenſtraße 4
Schreibingſchint
gebr., aber gut
er=
halten, zu verkauf.
Anfrag. unt. O. 16‟
an die Geſchſt. (470
Ke
Wer beteiligt ſich
mit 1000.— Mk. a
ganz erſtkl. Sache?
Große
Verdienſt=
möglichkeit. Betrag
nach 6 Woch. zurück.
Off. u. O. 141 Gſch.*
Landhaus
o. Wohn. 5—7 3. i.
ruh., ſtaubfr. Lage
z. 1. 4. z. miet. geſ.
Off. u. O. 144 Gſch.*
Sonnige neuzeitl.
6=Zim.=Wohnung
zum 1. April 1931
geſucht.
Tintenvier=
tel bevorzugt. Ang.
u. O. 173. Gſch. (466b
Alleinſteh. ält.
Ehe=
paar ſucht z. 1. od.
15. April 4—5=Zim.
Wohnung, mögl. m.
Gart., od. kl. Einf.=
Haus in frei Lage.
Ang. an Möbus,
Landgr.=Georgſtr. 64
(*sg)
4=Zim.-Wohng.
ev. 3 große Zi.
mit Manſ. in nur
freier Lage p. 1. 4.
31 zu miet. geſucht.
Zuſchr. unt. O. 143
a. d. Geſchſt. (446
TV 18550)
Berufstätiger Herr
ſucht ab 1. Februar
leeres heizb. Zimm.
(el. Licht) m. Küche.
Kellerbenutz., a. ſch.
Manſarde. Off. m.
Pr. u. O. 148 Gſch.*
Exiſtenz.
Zum Aufbau eines nachweislich
ren=
kablen Unternehmens, wird tätiger oder
ſtiller Teilhaber mit ca. Mk. 5000.—
flüſſigem Kapital geſucht. Angeb. unter
O. 161 an die Geſchäftsſtelle ds. Bl. (*
ohne Gehaltsab=
Darlehn an Beamte retung in
Mo=
natsraten, Hybothekengelder in jeder Höhe
dch Joh Uhrenbacher, Darmſt., Hügelſtr. 15, I./*
Wer sucht Geld? Darlehen
Hypothe-
ken, Kauf-u. Baugelder d. wende sich
persönl. en P. H. Thyssen, Frankfurt
am Main, Bahnhofsplatz 2. (IV.125
Haldosvann der Hiefnwlerinz
Zentrale Düsseldorf, Filialen in Aachen, Essen, Köln, Trier.
Wir haben den freihändigen Verkauf der
reichsmündelsicheren
20/0 Gold-Kommunal-Schuldverschreibungen der Landes-
Bank der Rheinprovinz 5. Ausgabe
zum Kurse von 941/,0
wieder aufgenommen.
Zinstermin: April-Oktober: Tilgung: 12 zuzüglich ersparter Zinsen, erstmals
1. April 1932. Verstärkte Tilgung und Gesamtkündigung: frühestens 1. April 1935.
Zulassung zum Börsenhandel und zur Beleihung bei der
Relchs-
bank wird nachgesucht.
Stückelung: RMI. 10 000.—, 5000.—, 2000.—, 1000.—, 500.—
Stücke sofort lieferbar.
Außerdem geben wir, solange Vorrat, unsere älteren Emfssionen
zum jeweiligen Tageslturse ab.
Haufanträge werden von uns, den Girozentralen, Landesbanken, rheinischen Sparkassen,
allen sonstigen Banken, Bankiers, Sparkassen u. Kreditgenossenschaften entgegengenommen.
(IV.450
Seite 11
Forſt u. Salis über hunderttauſend Pfund zur Verfügung
ge=
ſtellt haben."
„Was mag ihn bewegen, zu kaufen?”
„Schwer zu ſagen, Mylady! Ich vermute . . . die Gerüchte
über die Erzfunde im Elbrusgebirge in der Nähe des
Dema=
wend haben ihn veranlaßt, Mylady! Vielleicht iſt es mehr als
Gerücht, vielleicht auch ſchon Tatſache. Vor allen Dingen ſoll
es ſich um ein neues unbekanntes Metall — das leichte Metall
— handeln, mit dem man dem Problem des leichten Motors —
Sie wiſſen, Mylady, wie man ſich ſeit Jahrzehnten darum müht
zu Leibe gehen kann. Die Angelegenheit iſt ſehr intereſſant.”
Lady Durham ſah nachdenklich vor ſich hin.
„Beſtimmt, Herr Battenberg, das iſt ſie. Aber . .. man
müßte einmal eine Kalkulation machen, welche
Kapitalinveſtie=
rung bei einem ſolchen Unternehmen in Frage käme. Das ſind
vielleicht zehn Millionen Pfund.”
„Es könnte ſein, Mylady!”
„Und es iſt bei der angeſpannten politiſchen Lage nicht
leicht, ſie einzuſetzen. Man iſt auf dem Kapitalmarkt nicht ſo
raſch dabei, ſolche Summen in ausländiſche, exotiſche
Unterneh=
men zu ſtecken. Sie wiſſen ja von den Schwierigkeiten meines
Vaterlandes in Indien. Es ſteht viel auf dem Spiel.
Afghani=
ſtan und Perſien. Englands Einfluß iſt beſtimmt gut in beiden
Ländern, aber wenn einmal die große Welle kommt, dann ſind
beide Länder beſtimmt nicht Englands Freunde. England hat
keine Freunde.”
„Sie ſagen es, Mylady! Aber es hat doch den Anſchein, daß
er . . . dieſes Kapital zuſammenbringt. Ich weiß aus einer
Korreſpondenz, die mir durch Zufall in die Hände kam, daß er
ſeinem . . . Vertrauten ſchrieb, daß er von ſich aus für neun
Millionen Pfund garantiere!”
Lady Durham ſchrak auf und verfärbte ſich einen Augenblick.
„Das ... hat er geſchrieben? Neun Millionen Pfund!
Un=
möglich!”
„Ich habe es ſchwarz auf weiß geſehen!“
Lady Durham ſchien beunruhigt. Sie ſah eine Weile
ſchwei=
gend vor ſich hin.
„Was wollen Sie tun, Mylady?” fragte Battenberg. „
Wol=
len Sie kaufen?”
Sie ſchüttelte den Kopf.
„Nein, jetzt noch nicht. Ich danke Ihnen, Herr Battenberg!
Sie ſind tüchtig. Herr Groth wird Ihnen heute einen Scheck
über fünfhundert Pfund ausſchreiben.”
Damit war die Ausſprache zu Ende.
Die beiden Männer verließen den Raum.
Draußen ſchrieb Berndt den Scheck und trug ihn ein
„Was ſagen Sie nun, Herr Groth?”
„Nichts, Herr Battenberg! Vorläufig kann ich mich unr
wundern. Es iſt mir alles zu neu.”
„Kommt noch! Wird alles klar werden!“
„Jedenfalls ſehe ich, daß Sie ſehr geſchickt ſind, und im
Intereſſe Lady Durhams wünſche ich nur, daß Sie es bleiben.”
(Fortſetzung folgt.)
Als hochverzinsliche mündelſichere Kapitalanlage
empfehlen wir unſere
2ligen Goldhypothekenpfandbriefe
Ausgabekurs: 96½% freibleibend
Rückzahlungskurs: 100%o.
Da die Kündigung nicht vor dem 30. September 1936 erfolgen kann, und die
Kapitalerirag=
ſteuer am 2. Januar 1931 fortfällt, ſichert ſich der Erwerber auf viele Jahre eine hohe Verzinſung
und außerdem einen Rückzablungsgewinn.
Die Sicherſtellung der Pfandbriete iſt eine dreifache:
1. durch erſiſtellige innerhalb, der mündelſicheren Beleihungsgrenze eingetragenen
Goldhypotkeken;
2. durch das geſamte Vermögen und die Rücklagen der Naſſauiſchen Landesbank,
3. durch die unbeſchränkte Garantie des Bezirkeverbandes des Regierungsbezirks
Wiesbaden, der mit ſeinem Vermögen und ſeiner Steuerkraft, einſchließlich der
Steuerkraſt aller Städte, Kreiſe und Landgemeinden des Regierungsbezitks
Wiesbaden, für die Einlöſung der Pfandbriefe haftet.
Die Goldpfandbriefe der Naſſauiſchen Landesbank ſind an den Berliner und Frankturter
Börſen jederzeit veräußerlich und bei der Reichsbank lombardfähig. Außerdem ſind ſie für die
Anlegung von Mündelgeld in ganz Deutſchland zugelaſſen.
Ausgabe in Stücken zu 100, 500, 1000, 2000 und 3000 Goldmark.
Die Stücke ſind ſofort lieferbar und können durch jämtliche Banken, Sparkaſſen und
Kredſt=
genoſſenſchaften ſowie alle Niederlaſſungen der Landesbank ſelbſi bezogen werden.
Direktion der Naſſauiſchen Landesbank.
Ehep. oh. Kdr. ſucht
ſof. 1 3. u. Küche.
Wohnungsunkoſten
ſtelle ſelbſt. Zahle
J. voraus. Ang.
u. O. 163 Geſchſt. (*
Eine alleinſt. Frau
ſucht 1 Zimmer m.
Küche, evtl. auch
Manſarde. Miete i.
voraus. Angeb. m.
Pr. u. O. 152 Gſch.*
anermieter
emütl. Heim m.
od. ohne Penſ. bei
legerer Familie.
Näh. Geſchäftsſt.
Angeſtellter in geſ.
Stellg. m. Mietbe
rechtigungsſch. ſucht
3—4=Z.=Wohnung.
Ang. u. O.162 Gſch.*
A
WElßticn
Fräulein, gute
Kö=
chin ſucht Stell. z.
ſelbſt. Führg. eines
Haushaltes. Ang.
u. O. 142 Geſchſt
Mädchen
v. Lande, 19 J. in
all. Hausarb. firm
Nähen Martha=
Haushaltſch. beſucht.
ſucht in nur gutem
Hauſe Stell. Gefl.
Ang. u. O. 160 Gſch.
(447)
Junge Frau
ſucht 2—3mal wöch.
Laufſtelle.
Näh. Geſchäftsſt.
Fräulein, 23 Jahre
ſucht Stelle f.
tags=
über. Koch= u.
Näh=
kenntn. vorhanden
Angeb. unt. O. 16
an die Geſchäftsſt.*
MANALICH
Erfahrener.
bilanzſicherer
Buchhalfer".
mit beſt. Empfehl.
ver bald geſucht.
Offert. m.
Lebens=
lauf. Zeugn.=Abſchr.
Anſprüchen unter
O. 100 Geſch. (*mſ
Vertreter
für Karnevalartikel
geſ. Ang. m. Lichtb.
u. Referenzen unt.
Nr. 6166 an Ala=
Anzeigen A. G.,
Hei=
delberg. (IIMhm454
Berkreter
mit gut. Bezieh. zu
Kraftwagenbetrieb.,
Auto=Rep.=Werkſt.
uſw. f. d. Vertrieb
v. maſchinell.
Ein=
richt. u. Autoteilen
bei gut.
Verdienſt=
möglichk. f.
Darm=
ſtadt u. Umgebung
geſucht. Kaution n.
erford. Offert. unt.
Poſtlagerkarte 306
Wiesbaden erbeten.
(442)
STRÜAPEE
eder Art werden angeſtrickt 244a
(Füße nicht abſchneiden.)
Maschinenstrickerei Braunwarth
Telephon 3369
Sch ulzengaſſe 3
iige Zerlleler
aller Branchen zur Mitnahme einer
Kol=
lektion Reklame=Artikel von
beſtrenom=
mierter Reklame=Artikel=Fabrik bei feſten
Proviſionsſätzen geſucht. Angeb. unt.
Z. M. 80 an „Tageblatt” in
Mühl=
berg (Elbe).
(1V.451
WElBLICK Junges
lordentl. Mädchen
Jüng., ordentliches tagsüber ſofort
ge=
ſucht. May, Neckar
ſtraße 9. 2. Stock.
Laufmädch.
ür ſofort geſucht.
Eichbergs Nachf.,
Wilhelminenſtr. 29.
Aelteres, tüchtiges
Maschen
das ſelbſtänd, koch.
kann, bis nach den
Spül. geſucht. (444
Landgraf=Georg=
Straße 146, I r.
Zuverläſſ., in allen
Hausarbeit, erfahr.
Alleinmädchen
m. Zgn. z. 15. 1.geſ.
Mathildenſtr. 36.p.
In all. Hausarbeit.
erfahr., ſaub. tücht.
Mädchen
bis nach dem Spül
geſucht.
Bismarckſtr. 70.I
Lauffrau
tagsüber geſucht.
Angeb. m.
Gehalts=
anſpr. u. L. M. 740
a. d. Geſchſt. (479
Aelt. Haushälterin
mit etw. Erfahrung
in Krankenpflege u.
Krankenkoſt, geſucht.
Rhönring 127, III.,
vorm. v. 10 Uhr an.*
SchulfreiesMädchen
ſofort geſucht.
Näh. Geſchäftsſt. (*
1 Springer bill. zu
verkaufen.
Marien=
platz 1. Zim. 4
Kanarienvögel verk.
Truffel, Bismarchſtr. 28
17751a)
Am Donnerstag, den 8. Januar,
vormittags 9 Uhr, werden in der
Turnhalle am Woogsplatz in
Darm=
ſtadt aus den Abteilungen: Baſſinteil 3.
6a, 7a, 13a und Dürr= und Windfallholz
der Staatsförſterei Baſſinteil ſowie
Dom=
merberg 14a. Moosberg 33a und Dürr=
und Windfallholz der Staatsförſterei
Böllenfalltor verſteigert: Scheiter, rm:
Buche 1. 252,3, Buche 11. 4, Eiche I. 39,9,
Eiche II. 7, Linde I. 3, Kiefer I. 79,2,
Kiefer II. 2; Knüppel, rm: Ahorn 1,
Akazie 3, Buche 201,5, Eiche 23,6, Linde
12, Kiefer 167,3. Jichte 2; Reiſer I.
(Reisknüppel), rm: Buche 14, Eiche 5,
Linde 2, Kiefer 12; Reiſer III., H. W.:
Buche 1,2: Stöcke, rm: Buche 26. Eiche
9, Kiefer 64, Linde 1. Das Holz iſt
vor=
ſer einzuſehen. Blau geſtrichene Nrn.
kommen nicht zum Ausgebot. Nähere
Auskunft erteilen Herr Förſter
Klip=
ſtein, Holzhofallee 10, und Herr Förſter
Benſel, Forſthaus Böllenfalltor. (463
Darmſtadt, den 2. Jan. 1931.
Heſſ. Forſtamt Darmſtadt.
Frankfurt a. M.
Pferde=Märkte
5. Jan., 9. Februar, 16. März,
20. April, 18. Mai. 1V.7
Durchſchnittlicher Auftrieb 700
Pferde all. Raſſen, auch
Schlacht=
pferde: größte Auswahl u. beſte
Gelegenheit für Kauf od. Tauſch.
Ein Beſuch dieſer Märkte iſt zu empfehlen
der Handel Sonntags verboten.
Seite 12
Samstag, den 3. Januar 1931
Nummer 3
UNION
Sonntag, den d. Januar, vorm. 11½/, Uhr, letztmalige Wiederholung der Film-Morgenfeier UA
„Walter Mittelholzers AfrikasFlag 1938
ON
mit einleitendem Vortrag des IIerrn Fluzleiters Schwarz von der Luft-Hansa.
(V.462
Dieser Film der anläßlich seiner Berliner Uranfführung bei über 25 000 Besuchern begeisterte Anfnahme fand, ist eine filmtechnische Großtat, die wie ein Märchen anmutet u, kaum zu überbieten ist.
Volkstümliche Preige.
Vorverkauf nn der Tageskngse.
Ingendliche haben Zutritt.
hreib=
echen
echen=
u. alle anderen
Durd=
maſchinen
liefert neu und
ge=
braucht, repariert
und reinigt
Aunfdfäung
Darmſt., Ecke
Rhein=
u Grafenſtr. (307a
I
oder größ. Bäckerei
und Konditorei
er=
öffnet ein, tüchtig.
Geſchäftsfrau eine
Filiale, womögl. m.
2.=Zim.=Wohn.3 Off.
u. O. 128 Geſchſt
Fahrſchule
Willy Neuroth.
Darmſtadt.
Artille=
rieſtr. 15, Tel. 1060 *
Nur noch 3 Tage
Trude Berliner und Andre Pilot
in dem deutschen Ton- u. Sprechfilm
Heute und folgende Tage
DER AROSSE EEFole!
Ein neuer Richard Tauber-Tonfilm
der für jedermann zu einem Erlebnis wird.
Ein Film für Herz u. Gemüt, ein Film der eine solche Fälle
klang-
schöner Musik aufweist daß sich viemand dessen Reiz entziehen kann.
wn
der
Su
Reeperbahn
(Menschen im Sturm)
Regie: Karl Anton
Die Geschichte einer Ehe, die durch
einen Augrogel der Liebe fast
zerrissen wurde.
In weiteren Hauptrollen:
Oisa Tschechowa, Adaib. v. Schlettow
Im Ton-Beiprogramm:
Flip als Detektiv
Beginn: Samstag 3.30, 5.45, 8.10 Uhr
Sonntag 2.00, 4.05, 6.10.8.10
Conäiore
e
empfehlt als Spezialität: Baumkuchen, Torten u. Feingebäek
Heute und morgen nachts geöffnet
Franz Lehärs Welterfolgs-Operette.
Es ist ein Lied von der Liebe, getragen von herrlichem
Melodien-
reichtum, erfüllt von der schönsten Tenorstimme. — Die Realität
Taubers, die Realität seines Gesanges faszinieren. Der Schmelz
seiner Stimme, die weite Skala seiner gesanglichen Mittel, nichts
geht verloren und alles lanscht andächtig bei den bekannten Weisen:
„Immer nur lächeln‟
„Von Apkelbläten einen Kranz‟
„Dein ist mein ganzes Herz‟
„Nlemand liebt Dich so wie lch‟
Im tönenden Beiprogramm: Flock auf hoher See
Beginn: Samstag 3.30, 5.45, 8.10 Uhr
Sonntag 2,00, 405, 6.10, 8.10 Uhr
Jugendliche haben Zutritt.
Alle Vergünstigungen aufgehoben
Mauß zum GIen Luf.
Große Bachgafſe 18.
Heute abend 7 Uhr
mit Berloſung
NL und Konzert.
Nio
Es ladet freundl. ein Wilh. Hofferberth.
keStauratton Lum gotuenen stern
Samstag u. Sonntag
Schlachtfest.
Inh. A. Rausch, Mällerstr. 19.
Stammhaus der Kronen=Brauerei
Dur aldenen Kane.
Inh. W. Brauer
Schuſtergaſſe 18
Telefon 1637
Ab heute
jeden Samstag und Sonntag
KONZERT
in den oberen Räumen
Im Ausſchank die beliebten Kronenbiere
485
Erſtklaſſige Kuche
Die Schönheit der Mode 154
zeigtſich erſt bei einem vollen Haar.
Dies iſt die Krone auf den Berlen
und dem Seidenkleid. Dazu kann
ich Ihnen ein wundervolles Mittel
nennen; Kreml Haarwaſſer macht
jedes Haar reich und voll. Flaſche
zu RM. 2.40 u RM. 4.20 zu haben
bei: Ernſt Köhler, Damenfriſeur,
Ernſt Ludwigſtr. 22, in Durmſtadt.
mmer am billigſten
und in allergrößter
Auswahl nur bei
B. Orlo
Karlſtraße Nr. 14n6
(1147041
Chenft
bäume
zu Feuerungszweck.
kauff
Großes Haus
Hessisches
Landestheater
Samstag
3. Januar 1931
KleinesHaus
d i
B 13
T (r. 5 u. 6
I5 DIS geSI7
fHessenl.-Miete
I.3 III, 5
Zus-M.1, 6—
T Gr. 7 u. 8
20—22. 30 Uhr
Das Glöckchen des Eremiten
Preise 1—10 Mk
Der Iau, deu Een Genien jieh
Preise 1—5 Mk
Ie Verte in rid mdt Mdkich?
Preise 1.50 —7.50 Mk.
Biauftscher Kaiskeller
Mittag- und Abendessen von Mk. 1.30 an
Samstag u. Sonntag Spezialtät: Hasim Topf
Prima Ausschank-Weine zu 30 9 40 Au. 50 ₰.;
Hügelſtr. 71. Laden
(Telefon 3436).
Nur noch
Autfährungen
3000.— Mk.
2199
Chriſtl. Ehen beid.
Konfeſ. Keine
Miſchehen d.
Ehe=
hilfsſtelle „Veritasr
Mainz, Parkusſtr. 3.
Leiterin:
FrauWerh=
mann, Samstags in
Darmſtadt zu ſprech.
UN 416099
Tauſche gr. 5=Zim.=
Wohn. i. gut. Lage
geg. 2—3=Zimmer=
Wohnung. Ang. u.
O. 154 a. d. Geſch.*
Wer tauſcht jetzt od.
ſpäter 3=3.=Wohng.
gegen ſchöne große
2=3.=Wohng.? Elek.
Licht und Gas
vor=
handen. Angeb. unt.
O. 165 an die
Ge=
ſchäftsſtelle.
bis einschl. 4. Januar
Die Tanzgräfin
Faschings-Operette in 3 Akten
von R.
Stol=
a. G. Henny Walden.
Preise 1—3 Uk. Karten:
Ver-
kehrs-Büro, Hugo de Waal,
Telephon 389.
(aar
Reichshof
Jeden Sonntag
Konzert
Prima Doppelbock
Erstklassige Küche
248a
erſparter Ladenmiete kommen meiner
Kundſchaft jährl. zugute. Wollen auch
Siel=
dieſen Vorteil genießen, ſo kommen Sie
bitte zu mir, ehe Sie ein Bild kaufen oder!:
einrahmen laſſen. In meinen Ausſtellungs=
Räumen finden Sie alles, vom einfachſten!s
Farbendruck bis zum beſten Oelgemälde,
ganz beſ. preiswerte Wohn= und
Schlaf=
zimmerbilder. Konkurrenzlos im Preis
Mder Küng. Aeranderſr. 10
Relle
Haſen, Reh. Hirſch, Ziegen u. ſ. w.
ſowie Füchſe, Marder, Fltis uſw.
kauft zu den höchſten Preiſen.
Lippmann May
Ankaufsſtelle: Kleine Ochſengaſſe 14, am
Schlachthausplatz. — Telephon 157 u. 158
nachgefüllt, 50%
(468b
Mop-Oel biliger.
Seifenkaus am Schillerplatz.
Nur noch heute und morgen
Laura Ia Plante
die charmantestelarstellerin Amerikas
u. Johin Boles der Caruso d. Tonfilms
Der Bapitän der Garde
(Das Lied der Freiheit)
Regie: John 8. Robertson
Ein tönender Film mit Gesang, voll
nnerhörter Spannungmomente und
grandiosen Massenszenen.
Im Beiprogramm:
Oswald als Stierkämpfer
Beginn: Samstag 3.30, 5.45, 8.10 Uhr
Sonnta 2.00, 4 05, 6.16. 8.10.
3 Zimmer=Wohnung
gut möbl, mit Küche, per ſofort oder zu vermieten.
ſpäter an ruhige Familie zu vermieten
Einfache Mittagskoſt gegen Vergütung burg) möb. 3. ſof.*
von Vermieter erwünſcht. Einzuſehen
zwiſchen 9—15 Uhr Stiftſtr. 103, II. (
Herrſchaftliche
öim - Woh.
Geſetzliche Miete.
Anfr. unt. O. 15 (n
die Geſchſt. (19841a
3 Z. m. Gas. el. L.
eig Vorpl., tlw. möb.
1 1z. v. Aliceſtr 23, pt.
Iks. 10—3 U. (ms
Sportplatz- Restaurant u. Caté
Böllenfalltor
Heute
449
Kaffee- u. Kuchentag
1 Kännchen Kattee, 2 Sthck
Torte n. Auswahl, Mk. 1.—
Jeden
Mlitwoch, Samstag u. Sonntag
Nachmittags
Abends
Konzert /Tanz
Café Honovol
heute ab 8 Uhr
Stimmungs=Konzert
Bis 3 Uhr geöffnet.
(476b)
Schöne 3=3.=Wohn.
m. Küche nebſt Zub.
(beſchlagnahmefrei)
40 ℳ zu vermieten.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Ke
(ſchöne freie Lage)
2 leere Zimmer
evt. auch gut möbl.,
ſofort zu vermiet. *
1 od. 2 ſchöne große
Zim,, leer od. möb.
m. Zub. i. gut ruh.
Haus zu vm. Anfr.
unt. O. 170 Gſchſt.
Luiſenſtraße 32/34
trockener
Parterre=
raum, 150 gm, für
alle Zwecke geeign.
ſofort z. vermieten.
Heinrich Funk.
Wilhelmſtraße 40.
(967 g).
Rüro, Lag. Kell.
Kirchſtraße 1. (*sid
Zu erfrag, 2. Stock.
Laden m. Wohnung
ſofort zu vermieten.
Feldmann.
Karlſtr. 73. (183990
Der Laden
Wilhelminenſtr. 11
Iw. am 1. Apr frei.
Näh. dort 1 Stock=),
Rheinstraße 12, gegenüber der Hauptpost
Täglich abends ½9 Uhr bis zum Karneval:
Kaffeshaus-Konzert
Jeden Mittwoch u. Samstaa Gesellschaftsabend
Samstags bis 5 Uhr Sonntags bis 3 Uhr geöffnet
Mittwochs bis 3 Uhr
Heute Samstag 1. Gesellschaftsabend 18952b
tututtgtgtntnttutgtaft
Laden mit
Wohn=
raum zu verm. auch
als Büro od.
Werk=
ſtätte. Orangerie=
Alle 17 1. Nadig.
Garage und
Lager=
raum z. vm. (300a
Hermannſtraße 39.
Lagerräume
60 am groß, zu
ver=
mieten.
L. u. M. Engel.
Schuchardſtraße 8.
Werkſtäkke
per ſof. zu vermiet.
Mietpr. 25 4 pro
Monat. — Näheres
Konditorei Wolff.
Mathildenplatz 6. *
Pankratiusſtraße 38. I
möbl. Zim.3,5 (18850b
(Ludwig) gut möb.
Schlafz. m. 2 Bett.,
(318a)
fach möb. Zim. mit
voll. Penſ. bill. z. vm.
(18009b)
Heinrichſtraße 82, I.
in ruhig Hauſe gut
möbl. Wohn= und
berufst. Hrn. z. vm
(13169a)
Aliceſtraße 21, II.
gut möbl. Zim. m.
o. ohne Penſ. z. vm.
(343 a).
Landwehrſtraße 2
(Frankf. Hof) 2 gut
möbl. Zim. m. voll.
Penſion ſehr
preis=
wert ſof. zu verm.
(346a)
Kaſinoſtr. 17, I. r.
möbl. 3. z. vm. *ids
Wittmannſtr. 25, II.
2—3 möbl. Zim.
m. Küchenben. z. vm.
(18885b)
Bismarckſtraße 3
möbl. Zim zu vm.
(189086)
Liebigſtr 8. I, ſchön
möb. Zim. z. v. *idf
Rheinſtr. 14 (Eing.
Grafenſtr.) III. lks.
gr., g. möbl. Zim.
el. Licht. zu verm.:
Geschäftsräume
ca. 60—70 am, mit Heizung, in ganz
vorzügl. Geſchäftslage mit 20 %
Miet=
nachlaß per ſofort oder ſpäter zu
ver=
mieten. Näh. in der Geſchäftsſt. (TV 478
Großer Lagerraum!
auch getrennt, mit Gleisanſchluß und
Kontor, innerhalb der Stadt, per
1 April zu vermieten. 401=
Carl Manck Nachf, Telefon 163.
Liebigſtr. 8, I., gut
möbl. W.= u. Schlz.,
el. L. u. Tel. (*idf
Penſion
Inkernationale
Darmſt,
Saalbau=
ſtraße 72, Tel. 2499.
Behagliches,
gutge=
führtes Haus für
alleinſteh. od.
berufs=
tät. Herren u. Dam.
(ev. mit eig. Möb.)
gegen mäßig.
Mo=
natspreis.
Zentral=
heizg., Bäder
vor=
zügl. Küche. Beſitz.:
Lu.M.Conzelmann.
(293a)
Eliſabethenſtr. 62,p.
Amöbl. Zim. z. vm.
Emdf).
Eckhardtſtr. 21, I.
Zim. mit od. ohne
Penſ. zu vm. mdf
Soderſtraße 4, II.
(Kapellplatz)
ſchön möbl. Zi., el.
L. Schreibt. z. v.
Sehr gut (*sgi
möbl. Zimmer
zu vermiet. (Telef.),
Wilhelminenſt. 31,I.
Schleierm.=Str.18,I.
möb. Zim. ſof. z.v.*
Alexanderſtr. 10
gut möbl. 3. m. gt.
Penſ. f. 70 ℳ 3. n.*
Liebfr.=Str.27IIIr.
ſchön möb. Zim. m.
el. Licht zu verm.*
Soderſtraße 93, I.
gut möbl. Zimmer
Schloßgaſſe 12 (Kil=
Wenckſtr 4. I., frdl.
m. 3., el. L., z. vm.
(som)
Mühlſtr. 37, einf.
ſep. Zim. z. vm. (*
Mühlſtr. 37,
ſchön=
ſep. Z. m. 2 B. z.v.*
Lauteſchlägerſtr. 17,
1. (Schob) gt. möb.
Zimmer zu verm. *
* Luiſenſtr. 6, I. möb
Zim. i. Zentr. 3.v
Ohne Mietzahl. od.
and. Vexpflicht. iſt
frdl. kl. Zim. b. ält.
Dame abz. a. achtb.
berufst. Ww. o.Frl.
Off. u. O. 140 Gſch*
Behaglich möbl.
Zimmer in ſchöner
freier Lage a. Hrn.
od. Dame ſofort zu
vermieten.
Holzhof=Alle 44.
Dreibrunnenſtr. 3,I.
gut möbl. Zim. (el.
/L., gt. Heiz. Bad,
Neckarſtraße 16. Fernſpr. vorh.) ſof.
zu vermieten. (ksi
ev. Wohnz. u. Klav.= W.=Gläſſing=Str. 26
Ben., ſof. zu verm. möbl. Zim. ſof. z.v.
(*so)
Heinrichſtr. 69, ein= Riedeſelſtr. 74, III.
Schlafſtelle z. vm.*
Riedeſelſtr, 74, III.
möbl. Zim. z. vm.*
Gut möbl., großes
Wohn= u. Schlafzi.
Schlafz m el. Licht f. einz. Herrn, evtl.
p ſof. od. ſpäter an mit Küche für
Ehe=
paar zu vermieten.
Näh. Geſchäftsſt.
N.=Ramſt. Str. 67, I
gt. möbl. Zim. an
anſt. Hrn. z. vm.
Eliſabethenſtr.50pt.
(Eing. Saalbauſtr.)
1 gut möb. Zim. an
ſolid. Hrn. zu vm. *
Vornehm möblierte
Zimmer
ſof. beziehbar. (473a
Hügelſtr. 15, Laden.
Pankratiusſtr. 33, I.
möbl. Zim.z. v. (18850
Aliceſtraße 8, I.
möb. 3. m. Penſ.
Lagerhausſtr. 16, I.
einf. möb od. unm.
Manſ. a. ſaub. Frau
billig zu verm.
Frankf.=Str. 16½,II.
hübſch möbl. Zim.,
ſchön geleg. Zentr., zu verm.
Riedeſelſtr. 70, II.
gt.möbl. 3.m. Penſ.*
Stiftſtr. 23, II., gut
möbl.3, el. L.,z. vm *
Saalbauſtr. 16, III.
frdl.ſep. möb. 34 u.*
Grafenſtr. 37a, I.
gut möb. Zim., el.
Licht, ſof zu verm”
Hoffmannſtr. 18, II.
mb Wohn=u. Schlafz
auch einz. zu vm.
Theaterplatz 2, II.
gut möb. Zim. mit
el Licht a. ſol, Hrn.
ſofort zu verm.