Einzelnummer 10 Pfennige
Bezugspreis:
Del wöchentlich Tmallgem Erſchelnen vom 1. Juſt
bis 31. Juli 2.18 Reichsmark und 22 Pfennig.
Abtragegebühr, abgeholt 2.25 Reichsmar” durch die
Agenturen 2.46 Reichsmark ſrei Haus. Poffbezugspreis
im Juli ohne Beſtellgeld monatlich 2.75 Reichsmari.
Verantwortlichkeitt für Aufnahme von Anzeigen an
beſtimmten Tagen wird nicht Übernommen. Nichte
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf obne Verbindlichkeit für uns. Poſiſcheckonto
Franffurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſeheuen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 187
Dienstag, den 8. Juli 1930.
193. Jahrgang
Anzeigenpreis:
2 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſiadt 25 Reichepig
Finanz=Anzelgen 40 Reichspfg. Reſiamezelle (92 mm
breit)/2 Reichsmark.Anzeigen von auswäris 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm breite
Rellame=
zelle 3.00 Reichsmart. Alle Preiſe in Neichsmart
(1 Dollar — 420 Markl. — Im Falle böberer
Gewalt wie Krieg, Aufruhr Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpſlſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturs oder gerichtlicher Beltreibung ſällt jeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Naiſonalban.
Das Saldfa dei Saut.
Frankreich ſtellk zu hohe Forderungen. — Eiue Bekeiligung der Franzoſen an den Saargruben kommt für
Deutſchland nichk in Frage. — Die Berhandlungen bis Okkober verkagk.
Unkerbrechung der Saarverhandlungen.
Wiederaufnahme für Okkober in Ausſichk genommen.
Paris, 7. Juli.
Von der franzöſiſchen und der deutſchen Abordnung für die
Saarverhandlungen wurde heute mittag folgende gemeinſame
amtliche Mitteilung vexöffentlicht:
„Im Laufe der Beſprechungen, die in den letzten Tagen
zwi=
ſchen den Führern der deutſchen und der franzöſiſchen Delegation
für die Saarverhandlungen, Staatsſekretär z. D. v. Simſon und
Miniſter der öffentlichen Arbeiten Pernot, ſtattgefunden hat, iſt
feſtgeſtellt worden, daß über gewiſſe Fragen, die von
beiden Regierungen als weſentlich angeſehen
werden, nach wie vor ſehr ernſte
Meinungsver=
ſchiedenheiten beſtehen. Mit Rückſicht hierauf iſt
im beiderſeitigen Einvernehmen in Ausſicht
genommen, die Verhandlungen demnächſt zu
ſuspendieren.
Beide Regierungen werden die Pauſe benützen, um die
Lage, wie ſie ſich nach den Arbeiten der beiden erſten
Unterkom=
miſſionen (Gruben= und Zollkommiſſion) darſtellt, zu prüfen und
um zu klären, ob auf Grund dieſer Prüfung eine
erfolgver=
ſprechende Wiederaufnahme der Verhandlungen,
die für Oktober in Ausſicht genommen iſt, möglich
ſein wird.”
* Der Ausklang der Saarverhandlungen in Paris hat in
Berliner politiſchen Kreiſen keine ſonderliche Ueberraſchung
aus=
gelöſt. Man war ſchon ſeit langem darüber im klaren, daß
ange=
ſichts der Haltung der Franzoſen eine Einigung ein Ding der
Unmöglichkeit ſei. Tatſächlich iſt es auch ſo gekommen, wie man
befürchtet hat. Die Franzoſen haben ſich allen deutſchen
Argu=
menten gegenüber unzugänglich gezeigt und daran feſtgehalten,
daß die Saargruben in eine deutſch=franzöſiſche Geſellſchaft
hin=
eingenommen werden ſollen, daß alſo Frankreich auf deutſchem
Boden eine mächtige Poſition erhält. Auf deutſcher Seite iſt
im=
mer wieder verſucht worden, durch ein ſtarkes Entgegenkommen
die Franzoſen von dieſem Punkte abzubringen. Das iſt furchtlos
geblieben. Infolgedeſſen mußte man ſich überlegen, ob es denn
überhaupt noch einen Zweck hätte, weiterzuverhandeln und nicht
aneinander vorbeizureden. Paris und Berlin ſind
übereinge=
kommen, wie das aus dem Communiqué hervorgeht, eine Pauſe
einzulegen. Der Eindruck, daß die Verhandlungen geſcheitert
ſind, ſoll dadurch verwiſcht werden, daß man verſuchen will, eine
neue Baſis für künftige Verhandlungen, die im Oktober ſteigen
ſollen, zu finden. Wer ſich die Geſchichte des Saarproblems vor
Augen hält, der wird allerdings tut daran tun, auch die
künfti=
gen Verhandlungen nicht allzu hoffnungsvoll zu begrüßen, eben
weil die Franzoſen gezeigt haben, daß ſie unerſchütterlich daran
feſthalten, maßgebenden Einfluß auf die Saargruben zu nehmen
und nach wie vor im Saargebiet eine Rolle zu ſpielen.
Bas ſoll jetzt geſchehen!
vor dem vertraglich feſtgeſetzten Termin erfolgende Rückgabe
des Saargebietes an Deutſchland. Für die franzöſiſche
Delega=
tion fiel ins Gewicht, daß die Regierung Tardieu angeſichts der
gegenwärtigen innerpolitiſchen Schwierigkeiten einen
Preſtige=
verluſt nicht auf ſich nehmen kann.
Für die Vereinbarung, im Oktober wieder
zuſammenzutref=
fen, iſt auf deutſcher Seite die Hoffnung maßgebend geweſen, daß
die franzöſiſche Regierung bis dahin ihren Standpunkt ändern
werde. Denn die deutſche Poſition wird unter allen
Umſtänden beibehalten werden.
Sollten ſich bis zum Herbſt die Grundlagen der Verhandlung
nicht geändert haben, ſo dürfte ſich eine Wiederaufnahme der
Beſprechungen als zwecklos herausſtellen, und es wäre mit einer
neuerlichen Vertagung zu rechnen.
Franzöfiſcher Schrikt in Berlin.
Anerwünſchke Einmiſchung in deutſche
Angelegen=
heiten. — Franzöſiſche Bedenken gegen die
Befreiungsfeiern und Hindenburgs Rheinlandreiſe.
* Berlin, 7. Juli. (Priv.=Tel.)
Die von unſerer Linkspreſſe ſo überſchwenglich gefeierte
Periode einer neuen deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung, wie ſie
durch den Abzug der Beſatzung eingeleitet worden ſein ſoll, hat
keinen geradezu verheißungsvollen. Anfang genommen. Noch
wenige Tage vor dem Abmarſch der fremden Truppen ſind im
beſetzten Gebiet zahlreiche Zerſtörungen vorgekommen. Es gab
auch noch einmal eine geharniſchte Beſchwerde der Franzoſen
beim deutſchen Reichskommiſſar. Nicht genug damit, auch die
Pariſer Regierung hielt es für angebracht, den deutſchen
Bot=
ſchafter von Hoeſch zu ſich zu bitten und das Thema der
Befrei=
ungsfeiern anzuſchneiden. Es iſt allerdings in vorſichtiger Form
dem Wunſch Ausdruck verliehen worden, daß man von
feindſeli=
gen Reden bei den Befreiungsfeiern Abſtand nehmen ſolle. Der
Eindruck läßt ſich aber doch nicht verwiſchen, daß die
Fran=
zoſen ihre berühmte Einmiſchungspolitik auch
nach dem Abzug der Truppen fortzuſetzen
ge=
denken und ſogar die Abſicht hatten, uns womöglich den
In=
halt der bei den Befreiungsfeiern zu haltenden Reden
vorzuſchrei=
ben. Es iſt ſogar auf die Reiſe des Reichspräſidenten durch das
Rheinland Bezug genommen worden, und zwar in einer
Unter=
haltung, die der franzöſiſche Botſchafter Margerie im deutſchen
Auswärtigen Amt hielt. Herr Margerie beeilte ſich aber,
hinzu=
zufügen, daß ſeine Worte nicht als einen Proteſt gegen die Reiſe
ſelbſt aufzufaſſen ſeien, er wünſche eben lediglich, daß es nicht zu
Kundgebungen komme, die das deutſch=franzöſiſche Verhältnis
trüben könnten. Auch hier haben wir es mit einer
Einmi=
ſchung in deutſche Angelegenheiten zu tun.
Schließ=
lich iſt es ja unſere Sache, ob der Reichspräſident eine Reiſe durch
die befreiten Gebiete unternimmt und ob dabei der traurigen
Vergangenheit unter der franzöſiſchen Beſatzung gedacht wird.
Franzöſiſcher Proieß gegen die Separgkiſten=
Berfolgungen.
Zu dem offiziellen Communiqué über die Vertagung der
Saarverhandlungen iſt zu bemerken, daß es ſich bei den Fragen,
ber die keine Einigung erzielt werden konnte, in erſter
inie um die franzöſiſche Beteiligung an den
aargruben handelt. In allen anderen Punkten, ſo auch
über die Rückkaufspreiſe der Saargruben, hätte nach Anſicht der
ſeutſchen Unterhändler unter dem Eindruck der Notwendigkeit
ine Verſtändigung herbeigeführt werden können. Nur das
ähe Feſthalten der franzöſiſchen Delegation
in der Forderung nach einer Beteiligung an den
hruben iſt für das Stocken der Verhandlungen
erantwortlich zu machen.
Die Franzoſen erklärten ſich zwar damit einverſtanden, daß
as Eigentumsrecht an den Gruben wieder auf die früheren
Be=
ſer, alſo auf den preußiſchen und den bayeriſchen Staat,
über=
ſehen ſollte, verlangten aber gleichzeitig die Gründung von
Be=
riebsgeſellſchaften unter Beteiligung von franzöſiſchem Kapital.
ür dieſe Forderungen waren nicht wirtſchaftliche Erwägungen
d Notwendigkeiten, ſondern Preſtigegründe maßgebend, und
ſerade deswegen konnten die deutſchen Unterhändler in dieſem
ſunkte keine Zugeſtändniſſe machen. Die Deutſchen waren
durch=
us bereit, den Franzoſen auf vertraglichem Wege die von ihnen
erlangten Sicherheiten gegen Diskriminierung bei den
künfti=
ſen Kohlenlieferungen zu geben. Den weitergehenden
franzöſi=
chen Wünſchen konnten ſie nicht entgegenkommen, weil einmal
je Saarbevölkerung ſelbſt eine Beteiligung des privaten
Kapi=
als im allgemeinen, und erſt recht des franzöſiſchen Kapitals,
n den ſeit über 150 Jahren in ſtaatlichem Beſitz befindlichen
ruben entſchieden ablehnt und weil andererſeits die
Fran=
ſen, die ihre Hoffnungen, die bei
Friedens=
chuß mißlungene Annektion des Saargebietes
och noch auf dem Wege über die 15jährige
Völ=
erbundsverwaltung und über die
Volksab=
immung zu erreichen, ſchwinden ſehen, in ihrer
haltung durch den Wunſch beſtimmt wurden, bei der Rückgabe
es Saargebietes wenigſtens das Wichtigſte, den Mitbeſitz der
bruben, für ſich zu retten. Dann aber erſchien auch die von
rankreich verlangte Beteiligung, die etwi ein Drittel des
ge=
amten Grubenbeſitzes ausgemacht haben würde, den deutſchen
delegierten als eine viel zu hohe Gegengabe für eine vier Jahre
Inzwiſchen hat nun an verſchiedenen Stellen des befreiten
Ge=
bietes ein Volksgericht gegen die Separatiſten
ein=
geſetzt. Die deutſche Linkspreſſe hat die Abrechnung mit den
Separatiſten zum Anlaß genommen, um einen heftigen
Hetze=
feldzug gegen diejenigen in die Wege zu leiten, die die Leiden der
Vergangenheit nicht vergeſſen haben, und die die Schuldigen,
ſo=
weit ſie Separatiſten ſind, jetzt zur Rechenſchaft zu ziehen ſuchen.
Die franzöſiſche Preſſe hat in die gleiche Kerbe gehauen. Damit
war für die franzöſiſche Regierung das Signal gegeben, nun
ſchleu=
nigſt ihren Botſchafter in Berlin ins Auswärtige Amt zu ſchicken
und die Aufmerkſamkeit der Reichsregierung auf die Vorgänge
im Rheinland zu lenken. Herr Marguerie war auch tatſächlich
am Montag abend beim Außenminiſter und hat mit ihm eine
längere Unterhaltung gehabt. Da die amtlichen Stellen bis in
die ſpäten Abendſtunden abſolutes Stillſchweigen über dieſe
Aus=
ſprache bewahren, war nur zu vermuten, daß Marguerie wohl an
das Amneſtieabkommen erinnert hat. In der franzöſiſchen Preſſe
wird, ja ſchon dauernd darauf hingewieſen, daß die
Verein=
barung durch die Verfolgung der Separatiſten verletzt wird.
Briand ſoll ja ſogar den franzöſiſchen Konſulaten Anweiſung
gegeben haben, ihm alle Vorgänge, die ſich auf
Ausſchrei=
tungen gegen Separatiſten beziehen, unverzüglich mitzuteilen.
Demgegenüber muß aber erneut nachdrücklichſt darauf aufmerkſam
gemacht werden, daß die Sicherheitsbehörden alles getan haben,
um die Separatiſten, ſoweit ſie im Rheinland geblieben ſind,
vor der Wut der Volksmenge zu ſchützen. Wenn die Polizei nicht
an allen Stellen zugleich ſein konnte, dann iſt das nicht ihre
Schuld. Hier liegt wohl eher die Schuld auf der Seite
Frank=
reichs, das in der Polizeiabmachung mit dem Deutſchen Reich
durchgeſetzt hat, daß nur eine kleine Anzahl von Polizeibeamten
im linksrheiniſchen Gebiet Dienſt tun darf. Infolgedeſſen
ver=
fügt die Behörde nur über eine kleine Sicherheitstruppe, die aber
Ausſchreitungen in großem Umfange kaum verhindern kann. Dem
Reich läßt ſich jedenfalls nicht der Vorwurf machen, daß die
Amneſtievereinbarungen über die Separatiſten
durch die Behörden verletzt worden wären. In
Paris ſucht man fortgeſetzt nach Reibungsflächen mit Deutſchland,
und das, obwohl man uns vor kurzem in feierlicher Form den
Vorſchlag gemacht hat, die paneuropäiſchen Ideale Briands
ver=
wirklichen zu helfen.
Kriſenliquidierung
durch Wiederherfkellung des Verkrauens
— Der Halbjahresbericht der Reichskreditgeſellſchaft A.=G.
über Deutſchlands wirtſchaftliche Entwicklung verdient angeſichts
der beſtehenden Wirtſchaftskriſe und der Unſicherheit der
zukünf=
tigen Entwicklung in der Oeffentlichkeit weiteſte Beachtung. An
Hand reichen ſtatiſtiſchen Materials, welches die Gründlichkeit der
durchgeführten Unterſuchungen beweiſt, werden die Urſachen der
gegenwärtigen deutſchen Wirtſchaftsdepreſſion aufgezeigt und die
Zuſammenhänge mit der weltwirtſchaftlichen Entwicklung
geſchil=
dert, ohne daß dabei die Beſonderheit der deutſchen
Wirtſchafts=
kriſe außer acht gelaſſen wird. Dem Bericht kommt deswegen
eine beſondere Bedeutung zu, weil ſich aus ihm die
Voraus=
ſetzungen erkennen laſſen, die für einen Wiederaufſtieg notwendig
ſind, und weil ſich damit zugleich die Ausſichten der weiteren
deutſchen Wirtſchaftsentwicklung ergeben.
Die Formel der Reichskreditgeſellſchaft für die Gründe
un=
ſerer gegenwärtigen Depreſſionslage iſt in der mit
bemerkens=
werter Offenheit vertretenen Anſicht zu ſehen, daß es ſich bei
der gegenwärtigen Kriſe im weſentlichen um
eine Vertrauenskriſe handelt. Jede wirtſchaftliche
Zuſammenarbeit beruht auf Vertrauen in die Aufrechterhaltung
oder Verbeſſerung der beſtehenden Austauſchmöglichkeiten, auf
Vertrauen daher in die Beſtändigkeit der Werte. Sie beruht
zugleich auf tauſendfältiger Kreditverflechtung, die ihrerſeits auf
Vertrauen in die Sicherheit und rechtzeitige Wiederbeſchaffung
der ausgeliehenen Werte aufgebaut iſt. Jede Erſchütterng des
Vertrauens, ſei es in die Stabilität der Wertverhältniſſe, ſei es
in die Stabilität der Kreditverhältniſſe, führt aber zu einer
Stö=
rung der Zuſammenarbeit. Bald ſind veränderte Produktions=
und Abſatzverhältniſſe, bald Mißtrauen gegenüber der politiſchen
Entwicklung, bald Angſt vor Erhöhung der öffentlichen Laſten
der Grund für ſolche Vertauenserſchütterungen. Da
Befürch=
tungen ebenſo wie Hoffnungen leicht zu Maſſenſuggeſtionen
füh=
ren, ſind Uebertreibungen regelmäßige Begleiterſcheinungen der
Konjunkturſchwanku gen.
Infolge einer Häufung derartiger Erſchütterungen wird die
deutſche Wirtſchaft zur Zeit nach Anſicht der
Reichskreditgeſell=
ſchaft von einer beſonders ſchweren Störung der Zuſammenarbeit
heimgeſucht. Sie begann in der zweiten Hälfte 1928 mit
Befürch=
tungen eines für Deutſchland ungünſtigen Verlaufes der
Re=
parationsverhandlungen, verſtärkte ſich während der langwierigen
Dauer der Verhandlungen und führte zu einer
Kapitalabwan=
derung aus Deutſchland und einer Lähmung der
Unternehmungs=
luſt. Einige zum Teil angeſehene Unternehmungen erwieſen ſich
als unſolide geführt, ihr Sturz zog eine weitere
Vertrauens=
minderung nach ſich. Zu gleicher Zeit trat die ungünſtige
Ent=
wicklung der Haushalte vieler öffentlicher Körperſchaften zu Tage,
weckte Beſorgnis vor dem Anwachſen der
öffent=
lichen Laſten und vor den Schwierigkeiten des Ausgleiches.
Damit verlor die deutſche Wirtſchaft die in früheren Zeiten des
Konjunkturrückganges wichtige Stütze, die ihr die Unverſehrtheit
des öffentlichen Anſehens und des öffentlichen Kredites gewährt
hatte. Zu dieſen der beſonderen Lage Deutſchlands
entſpringen=
den Belaſtungen traten die weltwirtſchaftlichen Erſchütterungen
hinzu. Letztere beruhten, wie beſonders hervorgehoben wird,
hauptſächlich auf veränderten Produktionsverhältniſſen, die zu
einer Aenderung auch der Wertverhältniſſe im weltwirtſchaftlichen
Verkehr und im Austauſch innerhalb der einzelnen
Volkswirt=
ſchaften führen mußten. Auch in der Vorkriegszeit ſind oftmals
mehrere Störungsurſachen inländiſchen oder ausländiſchen
Ur=
ſprunges zuſammengetroffen. Wegen der Verſchiedenheit der
Urſachen und ihrer Häufung, die in der Regel auch von einer
verſchiedenartigen Entſchloſſenheit und Fähigkeit zum Widerſtand
gegen ſie begleitet war, waren die Konjunkturabſchwächungen
in ihrem Beginn verſchieden ſtark und in ihrer Dauer verſchieden
groß. Die Dauer der gegenwärtigen Abſchwächung in der
deut=
ſchen Konjunktur läßt ſich nicht vorausſagen. Sie hängt in
Deutſchland zu einem erheblichen Teil von der
Entſchloſſen=
heit ab, das Vertrauen wiederherzuſtellen, das
im Verlaufe und im Verfolg der Neparationsverhandlungen
und Auseinanderſetzungen über die öffentlichen Finanzen
ge=
litten hat.
Auch der Hauptteil der Ausführungen des Berichtes über
Produktion, Verkehr, Arbeitsmarkt, Außenhandel,
Kapital=
bewegung, Effekten und Kreditmärkte iſt ebenfalls auf die
Ver=
trauensformel abgeſtellt, und die Vorgänge auf den einzelnen
Wirtſchaftsgebieten werden grundſätzlich unter dem Geſichtspunkt
der Vertrauenskriſe dargeſtellt. Aus der Fülle des Materials
ſeien zwei wichtige Abſchnitte herausgehoben, nämlich die Kapitel
über den Abſatz und über die Preisentwickkung. Die
Vermin=
derung des Einkommens und die Unſicherheit der Beſchäftigung
führt zur Zurückhaltung im Maſſenverbrauch, doch ſind, den
im=
mer nur langſam ſich vollziehenden Aenderungen der
Verbrauchs=
gewohnheiten entſprechend, die Abſchwächungen bisher gering.
Bedeutungsvoller iſt das Streben, die Vorräte zu verringern, zu
dem das Sinken der Preiſe führt, und die Verminderung der
Inveſtitionen jedr Art. Die induſtrielle Produktion geht
ſchnel=
ler zurück als der Lebenshaltungsaufwand. Der Ausfall an
Kaufkraft, der hierdurch entſteht, hat, ſoweit er nicht durch
Vor=
ratsverringerung wettgemacht wird, zur Folge, daß entſprechend
weniger dauerhafte, durch Generationen zu nutzende Güter
her=
geſtellt werden können, wie z. B. Häuſer oder Verkehrsanlagen.
Wenn ſich durch Produktionsverminderungen ſo einſchneidender
Art wie die gegenwärtigen die Kaufkraft des Volkes in ihrer
Ge=
ſamtheit verringert, dann erhält die Wichtigkeit der Bedürfniſſe,
die mit der verminderten Kaufkraft noch befriedigt werden können,
eine andere Bedeutung. Das auf die Dauer wichtigere
Bedürf=
nis muß dem minder wichtigen (heiſpielsweiſe der Bedarf an
Wohnungen gegenüber dem Bedarf an Gütern des verfeinerten
Lebensgenuſſes) vorgezogen werden. Den Verbrauch an
Entbehr=
lichem einſchränken und das freiwerdende Einkommen der
Befrie=
diaung notwendigen Bedarfs an dauerhaften Gütern zuwenden,
bedeutet nicht Verminderung, ſondern Erhaltung der Kaufkraft.
Was für Deutſchland ailt, trifft auch für die anderen Länder in
der Welt zu, denn, wie ausdrücklich in dem Bericht feſtgeſtellt
Dienstag, den 8. Juli 1930
Nummer 187
Seite 2
wird, bahnt ſich überall ein Rückgang der Inveſtitionstätigkeit
an, überall hat die Unternehmungsluſt nachgelaſſen, und kaum ein
Land konnte ſich von dem wirtſchaftlichen Rückſchlag freihalten.
Daraus wird bei aller Anerkennung der Fortſchritte in der
Wett=
bewerbsfähigkeit der deutſchen Waren für den deutſchen Export
gefolgert, daß gegenüber dem ſich über die ganze Welt
erſtrecken=
den Abfatzrückgang der deutſche Abſatz im Auslande in voller
Höhe nicht aufrechterhalten werden kann. Es iſt alſo notwendig,
ſich von der oft einſchneidenden Veränderung der wirtſchaftlichen
Lage in vielen Ländern Rechenſchaft abzulegen, wobei man
zu=
gleich erkennen ſollte, wie groß die
Schickſalsverbunden=
heit in wirtſchaftlicher Hinſicht iſt.
Was die Preiſe anbelangt, ſo ſieht bei der gegenwärtigen
Lage der deutſchen Wirtſchaft, die durch eine Verminderung der
Unternehmungsluſt gekennzeichnet iſt, die Reichskreditgeſellſchaft
in der Preisſenkung, und zwar nicht nur für Waren, ſondern
auch für Ausleihungen und jede andere Art von Leiſtungen, eins
der wichtigſten Mittel, um neue Anregungen zu geben. Es
be=
dürfe vor allem der Erleichterung für Inveſtitionen auf den
Ge=
bieten, in denen ſich die Anlagen als zu klein erweiſen oder der
Wahrſcheinlichkeit nach bald als ungenügend erweiſen müſſen,
wie z. B. auf dem Gebiete der Wohnungen, der Straßen, mancher
Kraftwerke und dergl.
In dem den Bericht abſchließenden Ausblick, der im übrigen
ſehr vorſichtig gehalten iſt und anſcheinend Prophezeiungen
ab=
ſichtlich vermeidet, wird betont, daß der Konjunkturrückgang in
der Weltwirtſchaft zugleich Vorteile für die Länder mit großem
Kapitaleinfuhrbedarf für wirtſchaftliche Zwecke bürgt. Denn er
eröffnet denjenigen Ländern, die bedeutende
Inveſtitions=
verſäumniſſe nachzuholen haben, Möglichkeiten, ihre
aufgeſcho=
benen Inveſtitionen in einer Zeit leichterer und billigerer
Kapital=
verſorgung durchzuführen. Die Kapitalbedürftige Wirtſchaft
ver=
mag dieſe Möglichkeiten aber nur auszunutzen, wenn ſie das
Ver=
trauen der Kapitalbeſitzer beſitzt. Von der Erfüllung dieſer
Vor=
ausſetzung hängt für die deutſche Volkswirtſchaft die Dauer des
Rückganges der induſtriellen Beſchäftigung in entſcheidendem
Maße ab.
Vertrauen kann aber nicht künſtlich geſchaffen werden. Es
beruht auf der Fähigkeit und Entſchloſſenheit des Schuldners,
ſeinen Verpflichtungen in jedem Falle nachzukommen.
Geord=
nete Finanzen, öffentliche wie private, ſind die
beſten Vertrauenswerber. Auch Anpaſſungsfähigkeit,
Bereitſchaft zur Leiſtungsſteigerung und Koſtenverminderung bei
Abſatzſchwierigkeiten wecken Vertrauen. Die Beſſerung, die
Deutſchlands Stellung in der Welt im Laufe der letzten 5 Jahre
erfahren hat und die gerade jetzt in der endgültigen
Aufhe=
bung der Beſetzung des Rheinlandes Ausdruck
ge=
funden hat, ſind der Anlage fremden Kapitals in der deutſchen
Wirtſchaft günſtig.
An der Ordnung der öffentlichen Finanzen arbeitet
gegen=
wärtig die Regierung, und dieſe Arbeit ſtellt ſich als ein
mühe=
volles Werk dar, weil es gilt, die ſchweren Fehler einer langen
Periode der wirtſchaftlichen und finanzpolitiſchen Unvernunft
wieder gutzumachen. Daß dies nicht ohne Opfer der
Allgemein=
heit abgehen kann, iſt ſelbſtverſtändlich, und dies ſollten ſich gerade
diejenigen Kreiſe ſelbſt vor Augen halten, die durch mangelnde
Anteilnahme an den politiſchen Ereigniſſen der letzten Jahre mit
verſchuldet haben, daß dieſe ſchweren Fehler überhaupt gemacht
werden konnten. Die Regierung ſollte es ſich vornehmlich
an=
gelegen ſein laſſen, bei ihren finanzpolitiſchen Aktionen zur
Sanierung der öffentlichen Haushaltung und der Wirtſchaft die
pſychologiſche Seite ſtärker in den Vordergrund zu ſtellen. Denn
die Wiederherſtellung des Vertrauens zur Staatsführung und
Regierung hängt weſentlich von der Stärke der Ueberzeugung
ab, die die Regierung ihren bevorſtehenden Reformvorſchlägen
zu geben in der Lage iſt. Alle künſtlichen Ankurbelungsverſuche
können nur dann zu einem vollen Erfolge führen, wenn das
Vertrauen wiederhergeſtellt iſt und ſich neue Unternehmungsluſt
einſtellt. Der Weg dazu führt aber über die echte Sanierung
der öffentlichen Finanzwirtſchaft, die ſo ſchnell wie möglich
durch=
geführt werden muß, ſchon um eine Verſchärfung der
gegenwär=
tigen Wirtſchaftskriſe zu verhindern.
Italiens Ankwork guf Briands
Paneuropa=Blan.
„Nicht das Syſtem der Sicherheit ſei enkſcheidend,
ſondern das der algemeinen Abrüſtung”.
Rom, 7. Juli.
Montag mittag wurde Italiens Antwort auf die Paneuropa=
Denſchrift Briands bekanntgegeben. Italien erklärt ſeine
Bereitwilligkeit zur Teilnahme an der
Aus=
ſprache über die Paneuropa=Frage, es widerſpricht
Vom Tage.
Das Reichskabinett iſt am Montag abend wieder
zuſammen=
getreten, um zur Pan=Europafrage Briands Stellung zu
nehmen.
Im Reichstage wurde am Montag das vorläufige
Han=
delsabkommen mit Rumänien endgültig
angenom=
men.
In einem Vorort Wiesbadens ereigneten ſich weitere
Angriffe auf die Anweſen von Separatiſten.
In Kehl fand am Sonntag eine Befreiungsfeier ſtatt, auf
der Reichsminiſter Dr. Wirth eine Rede hielt.
Der öſterreichiſche Bundeskanzler Dr. Schober traf
am Montag abend in Budapeſt ein und wurde dort herzlich
emp=
fangen.
Ein neuer Vertrag zwiſchen dem Frak und der engliſchen Regierung
iſt in London unterzeichnet worden. In dem neuen Vertrag wird dem
Jrak nach ſeinem Eintritt in den Völkerbund volle innen= und
außen=
politiſche Unabhängigkeit von England zugeſtanden.
Die Türkei hat in einer energiſch gehaltenen Note an die perſiſche
Regierung die unverzügliche Durchführung energiſcher Maßnahmen
ver=
langt, um zu verhindern, daß weitere kurdiſche Banden die türkiſche
Grenze überſchreiten. Bekanntlich haben dieſer Tage in der Gegend des
Arrarat außerordentlich erbitterte Kämpfe zwiſchen türkiſchem Militär
und Kurden ſtattgefunden.
Die Allindiſche Mohammedaniſche Konferenz in Simla hat eine
Entſchließung angenommen, in der es heißt: Der Bericht der Simon=
Kommiffſion als Ganzes iſt unannehmbar für die Mohammedaner, da er
die mohammedaniſchen Forderungen nicht erfüllt und in mancher
Hin=
ſicht rückſtändig und reaktionär iſt.
Unruhen ernſter Art haben ſich während des vergangenen
Wochenendes in Puna ereignet, wo die Kongreßanhänger verſucht
haben, vor dem Gefängnis eine Kundgebung für Gandhi zu veranſtalten.
Anläßlich der Wahlen zum mexikaniſchen
Kon=
greß kam es in Mexiko zu ſchweren Ausſchreitungen.
Die Polizei mußte mehrmals eingreifen und die feindlichen Parteien
trennen. Es gab zahlreiche Tote und 50 Verletzte.
Ein Tank, der ſich mit einer Geſchwindigkeit von 16,5
Stundenkilo=
metern im Waſſer, 24,75 Stundenkilometern auf ſchlechtem Gelände und
115 Stundenkilometern auf gutem Gelände fortbewegen kann,, wird
gegenwärtig von der amerikaniſchen Regierung gebaut. Die fahrende
Feſtung ſoll gegen Bomben= und Gasangriffe ſicher ſein und 12 Tonnen
Ladung befördern können. Die Baukoſten betragen 152 000 Mark.
jedoch dem Vorſchlag Briands, die Mitgliedſchaft
der europäiſchen Union auf die europäiſchen
Mitglieder des Völkerbundes zu beſchränken=
Da die Europäiſche Union die Zerſtückelung der Kräfte und die
wirtſchaftliche Zerſplitterung, die durch die Friedensverträge
ver=
mehrt worden ſei, beſeitigen wolle, ſei es erforderlich oder
zumindeſt wünſchenswert, daßalle Staaten Europas an
der Union teilnähmen. Italien ſchlage daher die
Ein=
ladung Rußlands und der Türkei zu den
Vorbe=
ſprechungen über die Paneuropafrage anläßlich der
Genfer Völkerbundstagung vor. Eine Ueberſpitzung der
kon=
tinentalen Zuſammenfaſſung würde die Bildung anderer
Konti=
nentaler Gruppierungen zur Folge haben und dadurch die
Ein=
heit des Völkerbundes bedrohen.
Im Rat der Europäiſchen Union, der das einzige beratende
und vollziehende Organ der Union ſei, ſoll jeder Mitgliedsſtaat
einen Vertreter haben. Dadurch ſei im Gegenſatz zum
Völker=
bund, in deſſen Rat nur die großen Mächte ſäßen, auch im
klei=
nen eine gleiche Vertretung geſichert. Die franzöſiſche
Denkſchrift ſtrebe augenſcheinlich eine Verknüpfung
der Sicherheitsfrage, der Paneuropafrage und
der wirtſchaftlichen Solidarität an, wobei das
Eine auf das Andere in obiger Reihenfolge folgen ſolle.”
Ita=
lien ſähe die Vorauſetzungen für Paneuropa
anders. Es ſei zwar wahr, daß die Frage der wirtſchaftlichen
Solidarität im weſentlichen politiſche Vorausſetzungen habe. Es
ſei aber ebenſo wahr, daß, wenn die Europäiſche Union
in das Syſtem des Völkerbundes eingefügt
wer=
den müſſe dieſe politiſchen Vorausſetzungen
die gleichen ſein müßten, wie ſie in den Völkerbundsſatzungen
enthalten ſeien. Die Völkerbundsſatzungen enthielten alle
wichtigen Elemente zur Aufrechterhaltung des Friedens:
Rü=
ſtungsbeſchränkung, Garantie gegen Angriffe und friedliche
Rege=
lung internationaler Streitfragen. Von der harmoniſchen
Ent=
wicklung dieſer Elemente hängen die Grundbedingungen für
jed=
wede Europäiſche Union ab. Die fasciſtiſche Regierung ſei der
Anſicht, daß dieſe Entwicklung nicht darin beſtehen könne, daß
das Syſtem der Sicherheit in den Vordergrund
geſchoben werde, während die
Abrüſtungsverpflich=
tngen unerfüllt blieben und das mühſam aufgebaute
Syſtem der Sicherheit bedrohten. Die Italieniſche Antwort
unter=
ſtreicht zum Schluß, daß der Ausgangspunkt für die
Bildung der Europäiſchen Union die allgemeine
Herabſetzung der Rüſtungen ſein müſſe. Das ſei in
der franzöſiſchen Denkſchrift nicht klar genug formuliert.
Finnlands Kampf
gegeil den Aommämsmas.
Zuſpikung der Lage. — Marſch der Bauern
nach Helſingfors.
Helſingfors, 7. Juli
Die Lage in Finnland ſpitzt ſich mehr und mehr zu. Die Lappo=
Bewegung hält ihre Forderungen auf völlige
Unter=
drückung des Kommunismus gegenüber der neuen
Re=
gierung voll aufrecht. Die Lage der Regierung iſt
außerordent=
lich unſicher, da hinter der Lappo=Bewegung das Schutzkorps und
wahrſcheinlich auch das finnländiſche Heer ſtehen. Am Sonntag
hat der Aufmarſch zu der großen Lappo=Demonſtration bereits
be=
gonnen.
20 000 Bauern „erobern” Helſingfors.
In den Abendſtunden des Sonntags zogen von allen Seiten
nicht endenwollende Automobilkolonnen der Lappoleute in
Hel=
ſingfors ein. Stark bedeckt, mit finniſchen Fahnen und
Tannen=
reis geſchmückt, fuhren die Kraftwagenkolonnen, von
Motorrad=
fahrern geführt, in die Stadt. Einzelne Kolonnen hatten bis
über 700 Kilometer zurückgelegt. Bauern im Sonntagsrock, zum
Teil in hohen Stiefeln, viele mit deutſchen Tourniſtern, als
ein=
ziges Zeichen die blau=ſchwarze Lappobinde um, durchzogen in
großen Kolonnen und kleinen Gruppen die Straßen.
Sonder=
patrouillen ſorgten für Ordnung. Am Sonntag ſind 1000
Auto=
mobile angekommen. Am Montag werden noch 500 eintreffen.
Der Reſt der Lappoleute kommt in Sonderzügen an.
Seit Sonntag abend hat man das ſtarke Empfinden, daß
neben der offiziellen Regierung eine Lappo=
Regierung beſteht, in deren Händen die
tatſäch=
liche Macht liegt. Irgendwelche Zwiſchenfälle haben ſich
nicht ereignet, doch iſt die Erregung zweifellos ſehr groß. Von
mancher Seite werden Zweifel ausgedrückt, ob die Lappoleute
nicht auch nach Beendigung der vorgeſehenen Feiern in
Helſing=
fors bleiben. In den frühen Morgenſtunden des Montag trafen
drei weitere Etrazüge und noch weitere ſechs Automobilkolonnen
ein. Zurzeit dürften ſich 20 000 Lappoleute in
Hel=
ſingfors befinden.
Die Regierung warnk vor Gewaltkätigkeiten.
Die Regierung erläßt heute einen Aufruf, in dem feſtgeſtellt
wird, daß die gegenwärtige Lage Finnlands ihren äußeren
Aus=
druck in dem Zuge der Tauſende nach Helſingfors findet. Die
außerordentliche Zeit erfordere große Mittel.
Nur mit gemeinſamen Bemühungen aller
vater=
ländiſch denkenden Kreiſe könne die große
Ge=
fahr gebannt werden. Die Regierung werde
alles tun, den Kommunismus zu unterdrücken.
Sie fordere aber alle vaterländiſch denkenden Bürger auf,
von allen Gewaltmitteln und
Eigenmächtig=
keiten, wie ſie ſich in letzter Zeit ereignet hätten, abzuſehen
und mit geſetzlichen Mitteln gemeinſam mit der Regierung den
vaterländiſchen Kampf aufzunehmen.
Ruhiger Verlauf der Lappo=Kundgebung.
Die Bevölkerung von Helſingfors nahm den Einzug der
Lappoleute gelaſſen auf. Der große Umzug der Lappo=
Demon=
ſtranten vollzog ſich in voller Ordnung. Die Mitglieder der
Ne=
gierung hatten auf der Treppe der Nikolaikirche auf dem
Senats=
platz Aufſtellung genommen und wohnten dort dem Aufmarſch
bei, an dem etwa 20 000 Perſonen teilnahmen. Präſident
Man=
nerheim wurde ſtürmiſch begrüßt, als ſich die Demonſtranten auf
dem Senatsplatz verſammelten. Der Lappo=Führer Koſola hielt
eine Rede, in deren Verlauf er erklärte, die Regierung habe die
Vernichtung des Kommunismus beſchloſſen, und die anweſenden
10 000 Demonſtranten bürgten dafür, daß dieſer Beſchluß
durch=
geführt werde. Präſident Mannerheim antwortete ſowohl auf
finniſch, wie auf ſchwediſch und ſagte u. a., die Lappo=Bewegung
ſtrebe weder nach einer Aenderung der Verfaſſung, noch nach der
Diktatur. In dem Kampf gegen den Kommunismus müſſe das
ganze Volk einig ſein. Der Abmarſch der Demonſtranten vollzog
ſich völlig geordnet und unter ungeheurem Jubel. Die ganze
Kundgebung hat insbeſondere wegen der hervorragenden
Diſzi=
plin und ihres ſtark religiöſen Charakters und der Beachtung der
Sprachenparität ſtarken Eindruck auf die Bevölkerung gemacht.
Heute abend um 9 Uhr ſoll der Abtransport der Demonſtranten
beginnen.
Von Kaſimir Edſchmid.
Die Leute in Südafrika haben nur etwa drei Orte und nur
etwas mehr Hotels, wenn ſie einmal ausſpannen wollen. Das
eine Hotel liegt in Portugieſiſch Oſtafrika, in Laurenzo Marques.
Das andere Hotel liegt an den Viktoriafällen des Zambeſi in der
engliſchen Kolonie Rhodeſia in der Nähe der Kongomündung.
Und der dritte Ort iſt ſchließlich Durban in Natal, alſo in der
ſüdafrikaniſchen Union, am Indiſchen Ozean.
Wenn man dieſe Weekendmöglichkeiten der Weißen in
Süd=
afriha anſieht, ſo wird man ſich ſofort darüber klar, daß Diſtanzen
überhaupt keine Rolle ſpielen. Zeit ſpielt wohl eine ungeheure
Rolle bei der Arbeit, aber nicht für das Weekend. Ein wenig
müſſen die anderthalb Millionen Weiße, die wunderbare
Groß=
ſtädte und ſehr viel Geld beſitzen, doch auch für ihr Leben tun=
Um von Kapſtadt nach Johannesburg zu kommen, fahren
ſie ſo weit wie von Köln nach Rom. Und dann haben ſie noch
drei Nächte bis zu den Viktoriafällen. Die Viktoriafälle liegen
in Rhodeſien, und Rhodeſien liegt nördlich von den früheren
Burenrepubliken Transvaal und Oranje. Nordrhodeſien iſt
zwei=
mal ſo groß wie Deutſchland und hat nur viertauſend weiße
Ein=
ſvohner. Die Hauptſtadt heißt Livingſtone und beſteht aus etwa
vier richtigen Häuſern und einigen zerſtreuten Villen. Livingſtone
hat etwa zweihundert Einwohner, aber einen Golf=, einen
Motor=
boot= und einen Tennisklub. Dieſe Hauptſtadt kann man von
den Viktoriafällen aus erreichen in etwa zwei Stunden Fahrt
über den Fluß, in dem viele Krokodile und Flußpferde ſchwimmen.
Viele Leute alſo fahren drei Nächte und kommen aus dem
Norden Afrikas von Eliſabethville im Kongoſtaat oder von Beira
von der portugieſiſchen Oſtküſte oder von Salisbury, der
fünf=
tauſend Kopf ſtarken Hauptſtadt von Süd=Rhodeſia, um zwei
Tage Weekend in dem ſchicken Hotel an den „Fällen” zu machen.
Sie legen mit Kindern und Frauen zwei= bis dreitauſend
Kilo=
meter und mehr zurück, um nach drei Tagen wieder
zurückzu=
fahren. Und ſie finden abſolut nichts dabei. Sie kennen es nicht
anders. Sie durchqueren dabei Wildreſervate und tagelange
Steppen und Urwälder, wo es keine Menſchen gibt, und landen
ſihließlich in einem Hotel, das ſie bezaubert.
Es iſt auch ſehr ſchön hier. Morgens in der Frühe kommen
aus den Regenwäldern des Zambeſi Pavianherden an das Hotel
herauf und klettern in den Bäumen des kleinen Parks herum.
Man kann ſich, während man ſich raſiert oder im Bad ſitzt,
pan=
tomimiſch mit ihnen verſtändigen. Dann gehr man ſpazieren.
Man trägt die übliche Tracht der Kolonialengländer. Sehr weite,
über dem Knie abgeſchnittene Khakihoſen, freie nackte Knie,
Sportſtrümpfe, gewendete Rindlederſchuhe, die goldſamten wie
Wildleder ausſehen, und irgendeine Golfjacke mit vielen
Klub=
abzeichen darauf. Auf den erſten Blick ſcheint der
Zambeſiur=
wald von einer Anzahl liebenswürdiger Gamsjäger bevölkert
zu ſein.
Mittags nimmt man im Hotel ſeinen Lunch. Dann geht man
wieder an dem zwei Kilometer breiten Zambeſifall ſpazieren.
Da die Gegend ein Urwald iſt, und da das Zambeſiwaſſer etwa
140 Meter tief herunterjagt, ſo brauſt der Waſſerdampf von unten
wie eine Kaskade wieder in den Himmel hinauf, Hunderte von
Metern hoch, und kommt als ein dünner Regen wieder auf den
Urwald zurück. Dieſes Schauſpiel iſt eines der merkwürdigſten
und großartigſten der Welt. Es iſt unbeſchreiblich. Denn durch
das Sonnenlicht entſtehen in dieſem Waſſerdunſt Regenbogen, die
dreißig Kilometer weit zu ſehen ſind. Sie ſtehen Hunderte von
Metern hoch wie aus Stahl geſpannt in den Himmel und werden
von Hunderten kleiner Regenbogen wieder überkreuzt. Jede
Palme, jede Liane hat ihren eigenen kleinen Privatregenbogen.
Und dazu donnern die zwei Kilometer breiten Fälle (die
eigent=
lich zweihundert einzelne, durch traumhafte Riffe und tropiſche
Inſeln unterbrochene Einzelfälle ſind) in den Spalt hinab —
und auch der Waſſerdampf ſteht in einer breiten Wolke wie eine
hochgereckte Hand mit fünf Fingern über dem Urwald hoch, zart
gefärbt vom Morgen= oder Abendlicht.
Als der Forſcher Livingſtone 1855 nach Jahren der
Entbeh=
rung hierher kam, als erſter Weißer, nannten die Neger dieſe
Fälle „Mosi oa tunva” — Rauch mit Donner. Die arabiſchen
Sklavenjäger nannten ſie „Musa i nunva” — Am Ende der Welt.
In der Tat, die Weekend=Macher aus Südafrika ſind hier, ſo
angenehm ſie auch ſpazieren gehen, an der Barrikade der
Zivili=
ſation angelangt — trotz dem ſchönen Hotel, das wie ein
eng=
liſches Herrenhaus ausſieht. Wohl gehen ja Bahnen quer
über=
all durch Afrika — aber ſchon ein Kilometer abſeits liegt der
alte Urwald — und manchmal witſchen morgens auch kleine
Leoparden durch den Buſch am Regenwald. Und wenn eines der
hübſchen Motorkanus aus Livingſtone kentert, ich raſch ein
Kro=
kodil bei der Hand, zuzubeißen. Und von den Viktoriafällen
ins Land hinein gibt es nur einen einzigen Weg — mit den
Ein=
geborenenkanus den Zambeſi hinauf. Nicht mit dem Auto, nicht
mit dem Ochſenwagen ſogar iſt weiter zu kommen. Und wenn
ein Flußpferd, ohne es zu wollen, beim Spielen mit ſeinem
breiten Rücken eins der ſchmalen Barotſe=Kanus umwirft, ergibt
ſich wieder die Folgerung aus dem Ueberfluß an Krokodilen.
Des weiteren wird man Acht auf Schlangen geben und nach
der Dämmerung zu gewiſſen Zeiten das Hotel nicht verlaſſen
wegen der Anofeles=Moskrtes, die die Malaria in den Körper
ſpritzen. Deshalb ſteht auch das ganze Hotel, von außen
un=
ſichtbar, wie ein Märchenhaus, in einem einzigen großen
Draht=
netz. Das Hotel iſt von oben bis unten fadendünn zu. Wohl
ſtehen alle Türen und Fenſter auf. Aber nichts kann hinein,
nicht ein einziger Moskito, und man geht aus und ein durch
eine einzige Drahttür.
Für einen Europäer iſt das ein Weekend mit viel
Kompli=
kation. Aber die ſportlichen und gut ausſehenden Rhodeſier
und Südafrikaner, die mit ihren eleganten Frauen hierher
kom=
men, kümmern ſich nicht darum. Sie ſind es nicht anders
ge=
wöhnt. Sie gehen zwei Tage ſpazieren, betrachten ſich nachts
ſo=
gar den Mondregenbogen am Oſt=Katarakt, freuen ſich über die
ziviliſatoriſche Tat dieſes Hotels, ziehen ſich abends um und ſitzen
bis zehn Uhr ohne Muſik in der Halle, trinken zur Not einen
Whisky, ſtrecken die Beine aus und freuen ſich auf ihr Bett.
Gut ausſehende Männer und gepflegte Frauen. Alle vier Jahre
fahren ſie nach Europa — vier Wochen auf dem Schiff. Was
beſagen da zwei Nächte oder drei Eiſenbahnfahrt, um es
ein=
mal zwei Tage gut zu haben? Sie ſind äußerſt zufrieden mit
ihrem Weekend.
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Dr. Hochs Konſervatorium hat Emma Holl vom
Frank=
furter Opernhaus als Lehrerin für Dramatik an die
Overn=
ſchule berufen. Emma Holl wird dieſem Ruf ab September Folge
leiſten. Auch wird die Künſtlerin ihre Tätigkeit als
Geſangs=
meiſterin an der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt in
Darm=
ſtadt beibehalten.
— Conan Doyle †. Der Schriftſteller Conan Doyle iſt in
ſei=
nem Landhauſe Crowborough in der Grafſchaft Suſſex, 71 Jahre
alt einem Herzleiden erlegen. Conan Doyle iſt der Schöpfer der
bekannten Sherlock=Holmes=Romane, die in der ganzen Welt einen
ungeheueren Erfolg errungen und den Detektivromanen zu ihrer
beiſpielloſen Popularität verholfen haben. Conan Doyle war
ur=
ſprünglich Arzt; den erſten der Sherlock=Holmes=Romane hat er
Anfang der 90er Jahre erſcheinen laſſen. Dieſer Roman fand
alsdann in zahlreichen Serien ſeine Fortſetzung. Außerdem hat
Conan Doyle auch hiſtoriſche Romane geſchrieben. Im Jahre 1925
wurde Conan Doyle zum Ehrenpräſidenten des in Paris tagenden
Internationalen Spiritiſten=Kongreſſes ernannt.
— Julius Hart †. Julius Hart, der aus dem Kreiſe um
Gerhart Hauptmann und Arno Holz bekannte Dichter und
Kri=
tiker, iſt geſtern morgen kurz nach 3 Uhr in ſeinem Zehlendorfer
Heim an den Folgen einer Grippeerkrankung im Alter von
71 Jahren geſtorben.
Nummer 187
Dienstag, den 8. Juli 1930
Seite 3
Der Reichsfingnzminiſter enkwickelt den Abgeordneken ſein künftiges Programm: Ordnung der
Gemeinde=
oder Gemeinde-Gekränke=Stener und Beſteuerung der öffenklichen Bekriebe. —
Stener=
ung und Klärung der Hauszinsſteuerfrage. — Beſeikigung der Gewerbeſtener.
* Berlin, 7. Juli. (Priv.=Tel.)
Im Reichstag entwickelte Finanzminiſter Dr.
Diet=
rich ſein Finanzprogramm und leitete damit die erſte
Be=
ratung der Steuergeſetze ein. Herr Dietrich ließ es ſich
nicht nehmen, ſeinem Vorgänger Dank und Anerkennung für
ſeine geleiſtete Arbeit zu ſagen. Er ging dann ſofort an die
Finanzſchwierigkeiten heran, trug dem Haus im weſentlichen
aber das gleiche vor, was er ſchon im Reichsrat geſagt hatte.
Dann wandte er ſich gegen die Verquickungder
Reichs=
finanzen mit den Finanzen der
Verſicherungs=
träger. Er verlange hier eine allmähliche Loslöſung. Er
for=
derte weiter einen Beweglichkeitsfaktor für das
Reich in Form eines Betriebsmittelfonds.
Spar=
maßnahmen, die über die 100 Millionengrenze hinausgehen, hielt
er nicht für möglich, jedenfalls keine dieſer Maßnahmen mit
ſo=
fortiger Wirkung. Auffallend war, daß er die
Finanz=
lage der Reichsbahn recht zuverſichtlich
beur=
teilte und damit ſcharf von den Angaben der
Reichsbahngeſellſchaft über ihre Ausgaben und
das zu erwartende Defizit abrückte. Als
Kernproblem der künftigen Aufgaben
bezeichnete er die Ordnung der Gemeindefinanzen.
Er machte hier eine Reihe von Vorſchlägen, ſo die Real= und
Einkommenſteuer dann die Einführung eines
Verwaltungsklaſſenbeitrages in Form einer
Bürgerabgabe oder Kopfſteuer und ſchließlich die
Er=
hebung einer Gemeindegetränkeſteuer. Die
Kopf=
ſteuer hielt er nicht für ſonderlich ertragsreich. Anders dagegen
waren ſeine Anſichten über die Getränkeſteuer, die erhebliche
Be=
träge aufbringen könnte. Aber das ſind Vorſchläge, die erſt für
den Herbſt gelten. Zunächſt gilt es, dieſen Etat auf eine geſunde
Baſis zu bringen. Das war das Weſentliche ſeiner
Ausführun=
gen. Er machte dann nochmals darauf aufmerkſam, daß eine
Ablehnung der Deckungsvorſchläge gleichzeitig
die Gefährdung der Arbeitsloſenverſicherung
und des Oſtprogramms bedeute.
Dann begann die Reihe der Redner aufzumarſchieren. Sie
war nur ſehr kurz. Es ſprach zunächſt der Sozialdemokrat
Hertz, der eine ziemlich allgemein gehaltene Oppoſitionsrede
hielt. Dann kam der Deutſchnationale Oberfohren,
der im Namen ſeine Fraktion die Steuergeſetze ablehnte.
Damit war die Rednerreihe ſchon abgeſchloſſen. Alle anderen
Fraktionen verzichteten vernünftigerweiſe darauf, die erſte Leſung
mit langatmigen Debatten zu belaſten und dadurch womöglich die
Aktionstätigkeit ihrer Fraktionsführer bei den bevorſtehenden
Kompromißverhandlungen zu beeinträchtigen. Außerdem gibt es
ja im Steuerausſchuß, in dem die Deckungsvorlagen jetzt
zur Beratung ſtehen, Anlaß genug, um in einzelnen ſeine
Beden=
ken und Wünſche vorzubringen und auch womöglich
durchzu=
drücken. Zieht man
die Bilanz des erſten Tages der Skeuerkämpfe
demokraten im Grunde genommen nicht abgeneigt
ſein, dem Finanzminiſter bei der Durchbringung
ſeiner Steuergeſetze aktive Unterſtützung zu
ge=
währen, wenn ihnen die Zuſicherung gegeben wird, daß
ihr Antrag auf Errichtung einer
Penſionshöchſt=
grenze auch die entſprechende Unterſtützung
bei den Regierungsparteien findet. Mit einer Unterſtützung
der Sozialdemokraten wird aber erſt zu rechnen ſein, wenn ſich
endgültig herausgeſtellt hat, daß die Deutſchnationalen nicht
mit=
machen wollen.
Diekrichs Ausführungen.
Im einzelnen führte Reichsfinanzminiſter Dr. Dietrich nach
einem kurzen Ueberblick über die Entwickelung der
Reichsfinan=
zen in der letzten Zeit und nach einem Hinweis auf den
unge=
deckten Fehlbetrag des Haushalts in Höhe von 485 Millionen
Mark zu ſeinen Deckungsvorſchlägen u. a. aus: Was die von der
Regierung beabſichtigte Einſparung von 100 Millionen an den
Haushaltsausgaben angehe, ſo werde es unter den Reſſorts noch
einen harten Kampf geben. Er habe aber die tatſächliche
Ein=
ſparung dieſer 100 Millionen zur Vorausſetzung ſeines
Verblei=
bens im Amte gemacht. Nicht zugeben könne er, daß im
gegen=
wärtigen Moment weitere ſofort wirkende Erſparnismöglichkeiten
beſtänden. Der Miniſter ſetzt ſich dann im einzelnen mit den
Sparvorſchlägen des Hanſabundes auseinander. Die vom
Hanſa=
bund geforderte Streichung des Reichsbeitrages an die
Invaliden=
verſicherung und die Ueberweiſungen aus der ſogenannten. Lex
Brüning ſeien nicht zu verantworten. Ueber den Vorſchlag des
Bundes, bei den Renten der Kriegsbeſchädigten 135 Millionen
einzuſparen, müſſe er das Urteil der Oeffentlichkeit überlaſſen.
Notwendig ſei aber, daß die Bewilligung neuer Renten
abge=
ſtoppt wird, und daß der Reichstag noch vor den Ferien den
ent=
ſprechenden Geſetzentwurf annimmt. Auch für eine weitere
Kür=
zung der Tilgungsbeträge für die Rentenbankſcheine könne er
nicht eintreten, wenn er auch nicht glaube, daß eine ſolche
Maß=
nahme das Vertrauen in die deutſche Währung, die beſſer als je
ſei, erſchüttern könnte. Ebenſo komme eine Verſchiebung der
Schuldentilgung auf Grund der Lex Schacht nicht in Frage. Alles
in allem könne man ſagen, daß von den Vorſchlägen des
Hanſa=
bundes ſchließlich noch 100 Millionen wirkliche Erſparniſſe übrig
blieben, die ja auch die Reichsregierung zu machen entſchloſſen ſei.
Auch im Reichsrat habe niemand poſitive Anregungen zu weiteren
Erſparniſſen zu geben vermocht. Aber auch nach der Annahme der
Deckungsvorlagen der Regierung wäre es verwegen, zu ſagen, daß
wir damit über dem Berge wären. Was den bei der Reichsbahn
zu erwartenden Fehlbetrag angehe, ſo ſei nicht nur ein
erheb=
licher Vortrag bei der Reichsbahn und außerdem ſtarke
Re=
ſerven vorhanden, ſondern das Reich ſei auch ſeinerſeits in der
Lage, in einem beſcheidenen Umfange zu helfen, ohne ſelbſt ſeine
Finanzen damit zu belaſten.
Die Lage der Gemeinden ſei durchaus ſchlechl.
Die Haupturſache der finanziellen Notlage der Gemeinden, die
Arbeitsloſigkeit, bilde auch eine ſtete Gefahr für die Finanzen des Jahre. Die jetzigen Steuervorſchläge ſeien kein geeigneter An=
Reiches. Mit den vorgeſehenen Ausgaben für die
Arbeitsloſen=
verſicherung werde man nur auskommen, wenn das
Arbeitsbeſchäf=
tigungsprogramm durchgeführt werde. Bei der Neuregelung der
öffentlichen Finanzen komme der Ordnung der
Gemeinde=
finanzen die größte Bedeutung zu. Es werde nicht möglich
ſein, dieſe Ordnung etwa in der Form herbeizuführen, daß das
Reich neue Mittel aufbringt und ſie den Gemeinden zuwendet. Es
komme vielmehr darauf an, ſie ſelbſt für die Verausgabung und
für die Bewilligung der Steuern verantwortlich zu machen. Im
Vordergrunde ſtänden da der Verwaltungskoſtenbeitrag oder
Bür=
gerſteuer, die Gemeindegetränkeſteuer und die Frage der Be= man dabei nicht zurückſchrecken dürfen. Es müſſe unter allen
Um=
ſteuerung der öffentlichen Betriebe. Der Miniſter bittet das
Haus, das ihm vorliegende Geſetz über die Beſteuerung der
Betriebe der öffentlichen Hand noch vor der
Sommerpauſe zu verabſchieden. Im übrigen ſeien
Geſetz=
entwürfe, die neue Einnahmequellen für die Gemeinden ſchaffen,
bereits vorbereitet. Der Miniſter befaßt ſich dann mit dem
im Zeichen des Dietrichſchen Programms, dann läßt ſich eigentlich
nur feſtſtellen, daß aus dem Verhalten der
Frakti=
onen, gleichgültig, ob ſie nun ihren Redner vorgeſchickt haben
oder nicht, hervorgeht, wiewenig ſie ſich im
gegen=
wärtigen Augenblick exponieren möchten. Daß
die Deutſchnationalen ſchon jetzt ihre Ablehnung plakatieren,
nimt man im Reichstag kaum ernſt. Man glaubt vielmehr,
daß auch ſie im entſcheidenden Augenblick bereit ſein werden,
mitzuarbeiten, eben weil auch die Oſthilfe auf dem
Spiele ſteht. Soweit man gehört hat, ſollen die Sozial=
Ambau des Skeuerweſens des Reiches
und erklärt, daß hier die Senkung der Realſteuern und der
Ein=
kommenſteuer das erſte Ziel ſein müßte, wobei er wiederum die
Realſteuerfrage für die vordringlichſte halte. In welchem
Zeit=
punkt dieſe Senkungen aber bewerkſtelligt werden könnten, ſei
heute noch nicht zu ſagen, da die Auswirkung der ſchwebenden
Finanzmaßnahmen noch nicht zu überſehen ſei. Was die Frage der
Verteilung von Steuerquellen und Steueraufkommen zwiſchen
Reich, Ländern und Gemeinden angehe, ſo ſei dazu
Voraus=
ſetzung die Verabſchiedung des Steuerverein=
heitlichungsgeſetzes und die Klärung der
Haus=
zinsſteuerfrage. In dem Augenblick, in dem wir die
Hauszinsſteuer ganz oder teilweiſe nicht mehr für den
Woh=
nungsbau brauchen, werde die Auseinanderſetzung zwiſchen Reich,
Ländern und Gemeinden ungeheuer erleichtert, weil in dieſem
Augenblick eine Entlaſtung der Realſteuern im ganzen oder eine
Umgeſtaltung möglich ſein werde. Dieſe Umgeſtaltung ſei
be=
ſonders vordringlich bei der Gewerbeſteuer, die der
Mi=
niſter als die unge rechteſte Steuer bezeichnete, deren
Ver=
ſchwinden ihm beſonders erwünſcht wäre. Alle dieſe Fragen
würden die Grundideen der Arbeit abgeben, die im
Laufe der nächſten drei Monate in Angriff genommen
werden müßte. Der Miniſter wendet ſich dann dem Haushalt für
1931 zu, deſſen Vorarbeiten in wenigen Wochen begonnen
wür=
den. Bei der Aufſtellung dieſes Haushalts werde
ſelbſtverſtänd=
lich wieder die Frage von entſcheidender Bedeutung ſein, ob man
die wirtſchaftliche Entwicklung als noch weiter abſteigend
an=
ſehen muß oder nicht. Auf die Dauer könne das Volk neben den
enormen inneren und äußeren Kriegslaſten nicht noch 1½
Mil=
liarden oder mehr für die Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit ohne
Gegenleiſtung tragen.
Zum Schluß weiſt der Miniſter auf die Bedeutung der
Ver=
abſchiedung der vorliegenden Geſetzentwürfe hin. Mit dieſen
Vorlagen ſtehe und falle nicht nur die Reform der
Arbeitsloſen=
verſicherung, ſondern auch die Beitragserhöhung. Wenn dieſe
bei=
den Dinge nicht erledigt würden, ſo ſehe er keinen Weg, die
hier=
durch zu erwartenden Mittel in Höhe von rund 300 Millionen
aufzubringen, die die Arbeitsloſenverſicherung erfordere. Aber
auch die bedeutſame Reform der Krankenverſicherung und das
Geſetz, welches die Bewilligung weiterer Kriegsinvalidenrenten
im weſentlichen aufheben ſoll, könne dann ſchwerlich eine
parla=
mentariſche Erledigung finden. Es würden nicht nur die
ſozia=
len Reformen, ſondern auch die Grundlagen für das Oſtprogramm
entfallen.
Die Sozialdemokraken machen ihre Zuſlinmung von
Abg. Dr. Hertz Soz.) fürchtet, daß durch die jetzt von der
Re=
gierung vorgeſchlagenen Maßnahmen die Geſundung der Reichsfinanzen
nicht erreicht wird. Die Finanzen können wir nur ſanieren, wenn wir
die Laſten über das hinaus ſteigern, was die Deckungsvorlage bringt.
Wir halten 200 Millionen am Etat für einſparbar. Eine Ermächtigung
an die Neg erung, die Einſparungen nach ihrer eigenen Entſcheidung
vorzunehmen lehnen wir ab. Obwvohl die Neichswehr erſt 10 oder 11
Jahre beſteht, hat ſie ſchon eine Penſionslaſt von 72 Millionen zu tragen.
(Hört, hört!) Den Hauptanteil an dieſen Penſionen haben die Offiziere,
darunter 171 Oberſten und 148 Oberſtleutnants. (Hört, hört!) Geſpart
werden könnte auch durch die Aufhebung der Subventionen an die
Län=
der, die ſich auf den 8 35 des Finanzausgleichs ſtützen, und auf die
Son=
derabfindung, für die Bierſteuer. Weſentliche Einſparungen könnten
er=
reicht werden durch die Annahme unſeres Geſetzentwurfes zur
Penſions=
kürzung. Wir verlangen die Verabſchiedung unſerer Vorlage noch vor
der Sommerpauſe und werden vom Schickſal dieſer Vorlage unſere
Hal=
tung zu anderen Geſetzen abhängig machen. Die wirkſamſte und
gerech=
teſte Deckungsmethobe iſt der allgemeine Zuſchlag zur Einkommenſtener.
Die Deukſchnakionalen lehnen die deckungs=
Woiſcen N.
Abg. Dr. Oberfohren (Dntl.) gab eine Erklärung ab,
in der die Kataſtrophe der Reichsfinanzen als der Beginn der
Aufbringungskriſe des Young=Planes bezeichnet wurde.
Anderer=
ſeits ſei die Urſache die unter ſozialdemokratiſchem Einfluß
ge=
führte verhängnisvolle Wirtſchafts= und Finanzpolitik der letzten
fang der Durchführung des von der Regierung verkündeten
Ge=
ſamtprogramms einer Senkung der Produktionskoſten und Preiſe.
Angeſichts der letzten Erfahrungen könnten auch die Erklärungen
der Regierung keine Sicherheit dafür bieten, daß der
vorüber=
gehende Charakter der vorgeſchlagenen Steuern gewahrt bleibe,
Die Steuergeſetze ſeien um ſo weniger gerechtfertigt, als der
Kata=
ſtrophe des Reichsdefizits mit anderen Mitteln begegnet werden
könne. Insbeſondere ſeien die Einſparungsmöglichkeiten im Etat
erheblich größer. Vor der Aenderung beſtehender Geſetze werde
ſtänden erſtrebt werden, das diesmalige Defizit durch Senkung
der Ausgaben zu beſeitigen. Darüber hinaus ſei eine Senkung
der Realſteuern und der Einkommenſteuer möglich, wenn man
die von den Deutſchnationalen vorgeſchlagenen neuen
Einnahme=
quellen ſchaffe. Hierzu gehöre der Gedanke eines
Verwaltungs=
koſtenbeitrages und die Beſteuerung der öffentlichen Betriebe.
Vorausſetzung für die Sanierung ſei überhaupt eine grundſätzliche
Aenderung der Tribut=, Handels=, Wirtſchafts= und Finanzpolitik.
Da die Regierungsvorſchläge die notwendigen Garantien für dieſe
grundſätzliche Umkehr nicht enthielten, ſei die
deutſchnatio=
nale Fraktion nicht in der Lage, für dieſe
Ent=
würfe die Mitverantwortung zu übernehmen.
Da weitere Wortmeldungen nicht vorlagen, ſchloß Vizepräſident
Eſſer die erſte Beratung der Deckungsvorlagen. Die Vorlagen
wurden dem Steuerausſchuß überwieſen. Das Haus vertagte ſich
dann auf Dienstag, 15 Uhr: Haushalt des
Reichsfinanz=
miniſteriums.
Feſfſitzung der Gießener Hochſchulgeſellſchaft.
h. Gießen, 6. Juli. Im großen Hörſaal der Univerſität
ver=
ſammelten ſich geſtern nachmittag zahlreiche Damen und Herren
aus den Kreiſen der Bürgerſchaft und der Univerſität zur
Feſt=
ſitzung. Provinzialdirektor Graef betonte in ſeiner
Begrußungs=
anſprache, daß die Hochſchulgeſellſchaft aus der Jubiläumsſpende
1928 von 15 000 Mark zwei ſehr wichtige Sammlungen
von Papyrus erworben, die zum Teil aus den erſten
chriſt=
lichen Jahrhunderten ſtammten und von höchſter Bedeutung für
die Univerſität ſeien.
Das Collegium muſicum der Univerſität eröffnete unter
Lei=
tung von Univerſitäts=Muſikdirektor Temesvary die Tagung mit
einem Cher von Joſef Haydn. Im Mittelpunkt ſtand der Vortrag
von Profeſſor Dr. Kalbfleiſch über „Papyrusfunde‟
mit Lichtbildern. Die Papyruskunde iſt der jüngſte Zweig der
Wiſſenſchaft des griechiſchen und römiſchen Altertums, ſie iſt erſt
150 Jahre alt, hat ſich aber ſo gewaltig entwickelt, daß ſie heute
ein wertvolles Stück Anſchauung darſtellt. Gießen iſt eine der
venigen deutſchen Univerſitäten, die über gute
Papyrusſammlun=
gen verfügen, eine beſitzt die Univerſitätsbibliothek, eine das
klaſſiſch=philologiſche Seminar, eine das Muſeum. Ueber 1300
wertvolle Stücke liegen unter Glas, unverglaſte Stücke ſind noch
zahlreich da. Breslau hat leihweiſe Papyrus vom Oberheſſiſchen
Muſeum: Marburg beſitzt im Staatsarchiv auf dem Schloß nur
Teile von Papyrus, darunter allerdings eine wichtige päpſtliche
Urkunde. Die wertvollen Schätze verdankt Gießen neben dem
Weitblick der Hochſchulgeſellſchaft dem heſſiſchen Staat, der für
Konſervierung, für Unterbringung in Schränken uſw. ſorgte,
fer=
ner den Stiftern Kommerzienrat Gail und Fabrikant Ludwig
Rinn, den Verlegern R. Lange=Gießen und H. und P. Kyriem=
Worms. Die Konſervierung geſchah durch einen bedeutenden
Berliner Techniker, der in beſonders ſchweren Fällen ſelbſt ins
Ausland berufen wird. Auf ſeinen Rat ſammelte die Kurie die
päpſtlichen Bullen aus ſpaniſchen Klöſtern; ſo wurden dieſe
wert=
vollen Papyrus vor dem Untergang gerettet. 1752 war es, als
man auf eine elegant ausgeſtattete Villa des verſchütteten
Pom=
peji und Herkulanum ſtieß. Man fand darin auch halbverkohlte
Rollen Papyrus, es waren wertvolle Buchrollen, ein
unſchätz=
barer Fund. Unſer Schiller beſingt damals die Funde;
Brun=
nen habe man geſucht und eine Stadt mit Theater. Hallen, Gaſſen,
Papyrus, Griffel, Urkunden habe man entdeckt. Für die
Wiſſen=
chaft waren dieſe Funde von höchſter Bedeutung. Bei den
jetzi=
gen Ausgrabungen von Herkulanum ſind weitere Ueberraſchungen
zu erwarten. Doch das Bedeutendſte von Papyrus kam aus dem
Iſten, aus Aegypten, wo ſich in dem trockenen heißen Sand die
Papyrus aufs beſte hielten. Der erſte Papyrusfund wurde 1784
gemacht, er wurde an europäiſche Händler verkauft: 1788 wurde
eine Rolle herausgegeben, welche ein Verzeichnis von
Fronarbei=
ten eines Städtchens enthielt. Ueberall fand man in Aegeypten
Urkundenrollen: in Gräbern. Sarkophagen Kehrichthaufen,
Schutt=
haufen. Man entdeckte die Werke griechiſcher und römiſcher
Dich=
ter Gelehrten und Redner, die für die alte Literatur von
un=
ſchätzbarem Werte geworden ſind. Zahlreiche Papyrus gaben auch
einen Einblick in Volkswirtſchaft Steuerweſen uſw. aus
alt=
ägyptiſcher Zeit. Nach dieſen einleitenden Erläuterungen zeigte
der Redner zahlreiche Lichtbilder von Papyrus. Fundſtellen,
Schreibgerätſchaften, Wachstafeln, Holztafeln, Griffeln.
Tinten=
fäſſern, Pinſeln und dergleichen mehr. Unter den Papyrus und
Pergamenten befanden ſich Soldatenbriefe eines jungen Mannes
aus Aegypten, der im römiſchen Heere Dienſt genommen, Briefe
aus der Zeit der Chriſtenverfolgung um 250 n. Chr., byzantiniſche
Urkunden, Verzeichniſſe von Soldaten uſw. Redner erwähnte noch
die Scherbenfunde in Aegypten; ſolche beſchriebenen Scherben
gibt es viele Tauſende, die ganze Wirtſchaftsgeſchichte Aegyptens
iſt auf Scherben zuſammengeſtellt worden. Das Ordnen der
Gie=
ßener Sammlung hat begonnen, einige Bücher ſind ſchon vollendet,
die Geſamtarbeit wird noch einige Jahre erfordern.
Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Profeſſors
Dr. Kalbfleiſch. — Der Jahresbericht zeigt eine Mitgliederzahl
von 700. In den Vorſtand wurden die bisherigen Herren mit
Provinzialdirektor Graef an der Spitze wiedergewählt: neu
kom=
men hinzu: Landgerichtspräſident Jungk=Mainz, Direktor
Mohr=
henn=Hirzenhain. Dekan Vogel aus Bruchenbrücken und ein
Ver=
treter der Stahlwerke Buderus=Röchling in Wetzlar.
Den Abſchluß der Sitzung bildete ein Konzertſtück des
Colle=
gium muſicum.
Hingende Menſchenfreſſer lachen Dich an!
Alle Achtung vor der Leiſtung des Monſieur André=Paul
Antoine! Solche Tonfilmreportagen, wie ſein
anderthalbſtün=
diger Streifen „Abenteuer unter Kannibalen” ſieht
man weiß Gott nicht alle Tage. Man ſtelle ſich das einmal vor:
Der Bühnenſchriftſteller Antoine und der Filmoperateur Robert
Lugeon verlaſſen am 17. Januar 1928 auf einem kleinen
Segel=
ſchiff die ſüdlichen Hebriden, um der Inſel Malekula, dem
wildeſten und größten Eiland des Archipels ihren Beſuch
ab=
zuſtatten. Nachdem ein fürchterlicher Wirbelſturm den Rückweg
der Expedition abſchneidet, nimmt man eben zwangsweiſe „
Füh=
lung” mit den Inſelbewohnern, mit den Herren —
Kanni=
balen, die zunächſt mit Bogen und Totſchlägern bewaffnet
erſcheinen, den weißen Fremden aber zuguterletzt ihren Schutz
gewähren. Die Menſchenfreſſer, die dieſem grauſamen Kult
übri=
gens nur bei feierlichen Anläſſen huldigen, ſchildert Antoine als
geſittete, liebenswürdige und gaſtfreundliche Genoſſen. Ihr
Häuptling, Meltetali genannt, iſt ein umſichtiger und kluger
Ge=
meindevorſteher. Man ſieht die Wilden bei ihrer Tagesarbeit,
bei ihren Spielen, und beim Angriff auf einen fremden Stamm,
ſowie beim anſchließenden Siegesfeſt. Allmählich geraten die
Feiernden in einen Zuſtand der Verzückung, und die ſchreckliche
Zeremonie des Meuſchenepfers dürfte bald beginnen Soweit
gelang es Antoine, die Vorzänge durch ſeine elektriſch betriebene
Kamera feſtzuhalten. Da mußten die Weißen, die den heiligen
Schauplatz durch ihre Anweſenheit entweihten, Hals über Kopf
flüchten. Dank dem freundlich geſinnten Maltetali konnten die
Waghalſigen ihr über alle Maßen wertvolles Material retten,
die Küſte erneichen, und in einem Einbaum aufs Meer
hinaus=
ſteuern; von einem Schiffe aufgefangen kehrten die längſt
Tot=
geglaubten nach der Heimat zurück, um der ziviliſierten Welt
dieſes eindrucksvolle Dokument jetzt vorzulegen. Die wertvolle
und überaus intereſſante, famos zuſammengeſchnittene und
wir=
kungsvolle Tonfilmreportage, deren kultureller Wert durch die
Wiedergabe der kanakiſchen Lieder noch erhöht wird, iſt
ſehens=
wert, und dürfte großen Erfolg haben. Singende
Menſchen=
freſſer lachen uns Mitteleuropäer in der Tat nicht alle Tage an!
A. v. K.
* Hans Fleſch: „Die Amazone‟. Ein Revolutionsroman. (Propyläen=
Verlag, Berlin.)
Das iſt der Roman der Anne=Joſephe Théroigne de Méricourt,
die 1762 in einem belgiſchen Dorf ganz niederen Ranges geboren wurde,
zur Jungfrau erwachſen, mitten in das Geſchehen der großen
franzöſi=
ſchen Revolution hineingeworfen wurde, als „grande Cocotte”, von
Baronen und Grafen verhätſchelt wurde, Freundin des Orleans war,
als Amazone in den vorderſten Reihen der Baſtilleſtürmer ſtand und
focht, die oft und vielſeitig in geheimer Miſſion gebraucht wurde, in
England, Italien und Oeſterreich und in Frankreich auf des Daſeins
Höhen glänzte und durch den Schmutz ſeiner tiefſten Tiefen watete.
— Ein hiſtoriſcher Roman, den Hans Fleſch mit Feuergeiſt und
Tem=
perament in ſeiner erſten Hälfte ſchrieb, in der zweiten aber ſich in
er=
müdenden Wiederholungen ergeht und ſich dadurch um Ruhm und
Er=
folg brachte, ein Buch von ganz ſtarkem Niveau geſchrieben zu haben.
Aus dem Kunſtwerk wurde Reportage, wenn auch ſehr unterhaltende.
*
* Max Brand: „Die Drei in der Nacht” — „Die Unbezähmbaren”
— „Der ſiebente Mann”. (Th. Knauer Nachflg., Berlin W50.)
Drei Romane oder auch drei Bände eines Romans. Denn ſie
ſind eins, wenngleich jedes dieſer 3 prachtvollen Bücher in ſich
ab=
geſchloſſen. Der erſte Band iſt ſeinerzeit in dieſem Blatte zum
Ab=
druck gelangt. Max Brand’s glühende und blühende Phantaſie
führt mit Dan Barry, ſeinem Rappen und ſeinem ſchwarzen
Wolfs=
hund hinein in eine wilde Natur, die andere Menſchen erzeugt als
die Ziviliſation. Menſchen, die es verſtehen, mit beiden Beinen
feſt auf dem Boden zu ſtehen, den ſie ſich irgendwie erkämpft haben,
dieſe Cowboys und Farmer und Goldſucher und Vagabunden und
Scherifs! Phantaſie und dramatiſche Geſtaltungskraft gehört dazu,
Menſchen und Tier zu zeichnen wie dieſe drei und ſie in bewegte
Handlungen in wilder Natur und heroiſcher Landſchaft zu ſtellen
als Mittel= und Kulminationspunkt. Dieſes Erleben all der
wil=
den Ereigniſſe iſt ein Stück andersgearteter Romantik als bisher
gewohnt in Romanen. Max Brand verſteht es, Spannungen zu
ſchaffen, die in Bann ſchlagen und die drei Bände hindurch
an=
halten, bis der wilde ſchöne Dan ſeinem eigenen Selbſt erliegen
mu
Seite 4
Dienstag, den 8. Juſi 1930
Nummer 185
Goldene Uhr
in Lederarmbd. vor
etwa 10 Tagen
ver=
loren. Abzugeben
gegen gute Belohn.
Haupt, Nied.=
Ram=
ſtadt, Haus 35 (bei
Kurh. Trautheim).*
O
WEIBLICH
Perf. Stenotypiſtin
(200 S.), an ſelbſt.
Arbeit. gew., ſucht
Stellung. Angeb. u.
W. 86 an Gſchſt. (*
Tücht. fl. Mädchen
ſucht Laufſtelle. (*
Gefl. Angeb. unter
W. 113 Geſchſt.
Mädchen ſucht St.
b. n. d. Spül.
Lieb=
frauenſtr. 77, II.
Mädchen ſucht noch
einige Plätze zum
Waſchen u. Putzen.
Angebote u. W. 87
an die Geſchſtelle. (*
MAANLIcR
Junger
Herren Friſeur
mit allen vork.
Ar=
beiten vertr., ſ. Stell,
zum 1. 8. Angebote
u. W 106 Geſchſt. (*
A
WEIBLICH
Gebildetes junges
Mädchen von
Hoch=
ſchulprofeſſor als
Sekrekärin
tägl. einige
Stun=
den geſucht.
An=
gebote u. W. 40 an
die Geſchſt. (10653
Wäſche= u. Bettfed.=
Fabrik ſucht noch
2 Damen u. Herren
z. Beſuch v. Privkd.
b. vorauszahlb. hoh.
Prov. u. feſt. Bez.
Hamburg 3
Schließfach 2003.
(TV10774)
Solid., groß,, kräft.
Mädchen
für d. Zimmerdienſt
ſofort o. z. 15. Juli
geſucht.
Jotel Darmſtädter Hof
Grafenſtr. (10759b
Weg. Erkrankung d.
bisher. Mädchens f.
ſofort brav. geſund.
Mäöchen
geſ. Nicht u. 20 J.
Gute, mindeſt,
ein=
jähr. Zeugn. Bedg.
Vorzuſpr. zw. 3—5
Uhr nachm. (10776
Viktoriaplatz 9, pt.
Gutempfohl. ſolides
Mädchen, nicht unt.
20 J., das in beſſ.
Häuſern tätig war.
zu 2 Perſonen geſ.
Off. mit
Zeugnis=
abſchr. u. W. 89 an
die Geſchſtelle.
Laufmädchen
vorm. 3 Stund geſ
Zu erfr. Geſchſt.
Ehrliches fleißi
ges Mädchen, evgl.,
nicht unter 17 J.,
ſof. Eintritt geſ. (*
Diakoniſſenhaus
Eliſabethenſtift.
Sauberes ehrliches
Mädchen
bis n. d. Spül. geſ.
Ackermann.
Arheilgerſtr. 82, (.
Tücht. ord. Mädchen
für tagsüber geſ.
Debus. Nieder=
Ramſtädterſtr. 57a.
SchulfreiesMädchen
geſucht.
Näh. Geſchäftsſt.
Brao
ehrliches Mädchen
aus guter Fam., nicht
üb. 20F., zu 2 Kindern
bis 15 Juli geſucht.”
Herrmann, Mathlldenpl.s
Sohannisberen werden teuer!
Kaufen Sie heute noch
(10806
Hraclydas Zreeſe
Taunusſtr. 39, Schuſtergaſſe 15
1.30
10 Pfd. Johannisbeeren".
1.40
10 Pfd. Johannisbeeren.
0.65
10 Pfd. Kartoffeln
0.90
2 Pfd. Pfirſich
0.40
1 Pfd. Bananen (1. Sorte)
0.25
4 Stück Zitronen.
100
4 Stück Salat=Gurken
Lieferung frei Haus. Telephon 4380
PAdeesest
Den.
Wet Orrz
Onser 2r Tota!
Als gestern pünktlich um /a9 Uhr das Zeichen zum Start
ge-
geben wurde, begann der Ansturm. Ständig strömten
Käufer-
mengen in unser Haus! — Wir waren davon überzeugt, daß
der niedrige Tiet-Preis für die guten Tiet-Qualitäten
nicht zu übertreffen ist. — Im gleichen Tempo geht es weiter,
denn alle Sommerware muß unbedingt heraus. Doch kommen
Sie bald, noch sind die Vorräte groß.
10783
tung
SMöbelkaufer!
Wollen Sie außerordentlich billig und
gut kaufen, dann kommen Sie zu mir.
Sie ſind überraſcht über die
niedrigen Preiſe
Habe im gefl. Auftrage
Schlaf=,
Speiſe=
u. Herrenzimmer
Küchen und Einzelmöbel
in großer Auswahl (10782
StändigGelegenheitskäufe
in neuen und gebrauchten Möbeln
( Auktionator
JohannesKrummeu und Taxator
1e Bleichſtraße 1e Telefon 4133
Annahme vonVerſteigerungen und Taxationen
Wegen Umſtellung unſeres Betriebes
iſt in unſerem Geſchäftshauſe Ecke
Er=
hacher Straße ein
Hoßer Lauen, 100 milt.,
mit 5 großen Schaufenſtern
ganz oder geteilt zu vermieten.
Arnold & Sohn,
Mühlſtraße 12.
3 große Zimmer
mit Zubehör
für Büro= oder Wohnraum zu vermieten.
Monatl. 100 RM. Näh Geſchäftsſtelte (*ic
ER
übernimmt für die Bezirke Darmſtadt,
Worms u. Umgebung eine ſehr lukr.
General=Vertretung iw Betrag von ca.
Mk. 500.—. 2 Sehr ſchöner, praktiſcher
u. patentamtl. geſchützter
Küchenbedarfs=
artikel. Dauer=Exiſtenz. Off. unter
F. P. 1. 9376 an die Geſchäſtsſt. d8. Bl.
Auf ein Landgut
Nähe Frankfurt wird
1. Alleinmädchen!
mit gut Zeugniſſen,
das perfekt kocht und
alle häuslichen
At=
beiten übernimmt,
auf 15, Juli geſus t.
Lohn 4) Mk.
An=
geb; Frau Schumacher,
Sprendlingen,Kr. O,
Kreuzmühle.
Fa Mädch. vom Land
kann ſich imHaushalt,
Kinderpflege u
allge=
mein weit, bilden als
Haustochter
ohne gegenſ. Vergüt.
inAkad.=Fam.
Darm=
ſtadrs Dienſtmädchen
vorhand. Eintritt
als=
bald. Zuſchriften unt.
W 107 Geſchſt.
Generalvertreter
für konkurrenzloſe Sache geſucht. Kein
Privatbeſuch. Nur Geſchäftsleute u.
Hand=
werker Jetzt Hochkonjunktur. Bi zu 50ℳ
Tagesverdienſt nachweisbar Grundreelle
von Verbänden u. Innungen empfohlene
Sache. Einar ei ung erfolgt. — Näheres
pünktlich Dienstag abend um 6 Uhr bei
Sommerfeld, Karlsſtraße 28, 2. St.
Suchen Sie V
Verdienststeigerung? Wir bietenIhnen
Bezirks -Alleinvertri b patent.
Ge-
brauc sapparate (z. T. Massenartikel)
f.industrie, ehörd., Sportter
Gewerbe=
treibende u. Private. Prima
Behörden-
usw.Gutachten Für energ. u organi-
a-
tionsbelähigte Herren Dauertätigkeit.
Vorüber ehend für Lager M. 2000 —
notwendig Bewerbungen unter 4198
an Dr. Walter Setzefand, Ann.-Exp.
G.m.b.H., Berlin SW. 48. (TV.10773
II. Mhm.
Vertreter geſucht uonso
Prov. Starkenburg für hervorrag.
Er=
findg (D R P.) des Werkzeugmarktes
Gute Proviſion. Angebote unter O. 25
in Ala Haaſen ein & Vogler Mannbeim
Friedrich Wilhelm
Lebensverſicherungs=Aktiengeſellſchaft
Errichtet 1866
Monatlich über 20 000 Neuversicherte!
Wir bauen unſere Außenorganiſ. weiter
aus u. ſtellen noch für verſchied. Gebiete
einige fleißige u. geſchickte reiſegewandte
Werbekräfte
per ſof. ein. Wir zahl. auch Nichtfachlent.
v. Anfang an feſten Zuſchuß. Perſönl.
Vorſtellg. m. Original=Zeugniſſ. od. ſonſt.
Belegen über bisherige Tätigkeit am
Mittwoch, den o. Juſi 1930, vormittags
10—11 Uhr, im Bahnhof=Hotel in Darmſtadt.
WV.149
Inſelſtr. 15, II, gut
mbl. Z. m.
Schreib=
tiſch zu verm. (gim
Hügelſtraße 4, II
gut möbl. 3. m. el.
2 zu vm. (10443a
Schwanenſtr. 63,III.
mbl. Zim. an ber.. Frl. zu vm. (*
Heidelbergerſtr. 9,
2. St. mbl. Zimmer
ſofort zu verm.
Friedrichſtr. 26 pt.
Beſſ. mbl. Zimmer
ſofort zu verm. E
Liebfrauenſtr. 75 pt.
gut möbl. Zimmer
mit el. L.. ev.
Pen=
ſion, a.
Unterſtell=
raum f. Motorrad.
per 1. 8. zu vm. (*
Rheinſtraße 75
möbl. Zimmer
mi=
v. Penſion. (10781b
Frdl., ſch. möbl. 3.
mit el. Licht für 30
Mark zu vermieten.
Näh. Bäckerei Heiß
Alexanderſtr. 19. (*
Friedrich tr. 16, I.
1—2 möbl. Zimmer
an Ehep. o K., Herrn
od. Dame ſof, z. v.
Für unſere konkurrenzloſe chem.=
kos=
metiſche Präparate ſuchen wir tüchtigen
Vertreter.
Hervorragende Reklameunterſtützung. —
Höchſte Verdienſtmöglichkeit. — Angebote
u. W 83 an die Geſchäftsſt. ds. Bl.
Leeres Zimmer
m. Küchenbenutzg.
ſofort zu verm.
Inſelſtraße 60. H. I.
Vornehm möblierte
Zimmer
of. beziehb. (10379a
Hügelſtr. 15, Laden
Eliſabethenſtr. 52, I
Wohn= u. Schlafz.
nit 2 Betten z. vm.
(9852a)
MENNLIcR
Schlafſtelle geſ. Pr.=
Ang. u. W. 101 an
die Geſchſtelle.
Vorzüglich eingeführter
(10798b
Unabhängige Exiſtenz!
Bedeutendes Unternehmen Mitteldeutſchlands beabſichtigt den
Alleinder=
kauf ſeiner geſ. geſch. ſenſationellen autotechniſchen Neuheit für
den Bezirt Darmſtadt zu vergeben.
(TV.10772
Der Artikel ſtellt eine Umwälzung alles Bisherigen auf dieſem
Ge=
biete dar und wird von der Fachpreſſe glänzend begutachtet. Da der
Ar=
tikel von jedem Autobeſitzer dringend benötigt gekauft und nachbeſtellt
wird, bietet ſich rührigen Herren hohe, ſofort beginnende Einnahme.
Branchekenntniſſe nicht erforderlich. Zur Duchführung des Betriebes und
für Warenlager ſind einige tauſend Mark Barkapital erforderlich. —
An=
gebote unter U. O. 436 an Invalidendank Leipzig.
REISENDER
der Konsumbranche, erfolgreicher Verkäufer,
mit erstklassigen Referenzen, sucht sich
baldigst zu verändern — Gefl. Angebote
unter W 117 an die Geschäftsstelle ds. Bl.
Wilh.=Gläſſingſtr. 5
part. möbl. Zim. (
Nieder=Ramſtädter= Frankfurterſtr. 16½
ſtr. 75, 1. St. ſchön. II. gr. möbl. Zim.,
groß. mbl. Zimmer ſchön gel., a.
berufs=
mit el. L. zu vm. (* ſtät. Hrn. z. vm.
Beſchlagnahmefreie
3im Wohnung
renoviert, in guter
Stadtlage, an nur
gute Mieter ohne
Kinder ſof. zu verm.
Mietpreis 135 Mk.
Alles weitere bei
Friedrich Kraft
Wohnungs=Büro
Karlſtraße 3
Große
3 - Zim.-Wohg.
parterre, in herrl.
gelegen. Villa, mit
Küche, Keller, groß.
Balkon, elektr. Licht
alsbald zu vermiet.
Näheres Geſchſt. (*
beſchlagnahmefr.
3-Zim.-Wohng.
m. Küche zu verm.
Griesheim b. D.,
Hofmannſtr. 88. (
Leeres Zim. z. vm.
Grafenſtr. 41 pt. (*
Großes leeres Zim.
per 1. Aug. zu vm.
Näheres Geſchſt. (7
Roßdörferſtr. 89,
Ecke Heidenreichſtr.
(Frau Berz) 2 ſch.
unmbl. 3. m. kl. K.
u. Balk. zu vm. ab
1. Aug. Fr. Lage.(*
3-Zim.-Wohng.
mit Küche, Garten,
Veranda u. all.
Zu=
behör, im Neubau
an der Elektr. Bahn
in Griesheim für
70 ℳ p. Monat zu
vermieten. Näheres
daſelbſt,
Beſſunger=
ſtraße 43. (10635b
Kleiner Laden
f. Zigarrengeſchäft
zu mieten geſucht.
Preisangeb. unter
W. 105 a. Gſchſt.
Ha de2
Größe 24 gm, mit 2
hinteren Räumen, ca.
52am Größe mit elekt.
Licht, Gas,Waſierleit.
u Kloſett per ſofort zu
vermieten Anfragen:
Alexanderſtraße 19,
Bäckerei Heiß.
Giffer Käden
mit viel. Nebengelaß
bei ſehr gerng Miete
per i. 8. z. verm. Ang.
u. W 104 Geſchſtr. *
Darmſtraße Nr. 10
kleine Werkſtatt
zu vermieten.
Werkſtatt
(60 qm) mit Büro,
Einfahrt, Kraft.
Waſſer zu vm.
Eſchollbrückerſtr. 12.
Rep.=Werkſt Joh=
Viertel, nebſt 3. 3.
u. Küche, Halle im
Erdgeſchoß, ſof
bil=
lig zu verm. Angeb.
unt. W. 116 Gſchſt.
(10794b)
Garage
Eliſabetbenſtr. 35.
Nummer 187
Dienstag, den 8. Juli 1930
Seite 5
Darmſtadt, den 8. Juli.
Die Darmſtädter Wetkkämpfe — die bedeukendſte
Olympiade, die es bisher gab.
Italieniſche Vorbereitungen.
Dr. Saini, der Leiter des Sportbüros der G.U.F. des
fas=
ciſtiſchen Studentenverbandes, hat jetzt in einem Interview ſeine
Meinung über die kommenden Darmſtädter Kämpfe geäußert und
gleichzeitg über den Stand der italieniſchen Vorbereitungen
ge=
prochen: Die 4. Olympiade wird um vieles bedeutender und in
ihrem Ausbau weit überlegener ſein als alle anderen früheren
Veranſtaltungen in Warſchau, Rom und Paris. Schon die Zahl
der Meld
Hiäd hädecied ee Fiſcherftäf äuf geäfen in
man doch auf einen ehrenvollen Poſten werde hoffen können.
Im Schwimmen glaubt Saini, Italien werde auf den guten
Plätzen England und Fraakreich als Konkurrenten haben,
wäh=
rend der Sieg zwiſchen Deutſchland und Ungarn liege. Dagegen
rechnet Italien im Fechten auf die Siegespalme, wenn Saini auch
nicht die Gegnerſchaft Frankreichs unterſchätzt, die einen ſehr
har=
ten Kampf erwarten läßt: aber auch die Deutſchen und Belgier
ſeien nicht zu unterſchätzen. Im Tennis fürchtet man für ein
italieniſches oder franzöſiſches Primat, die Deutſchen mit Prenn
und die Amerikaner mit Coen, dem Lieblingsſchüler Tildens.
Ob die Studenten=Fußballer ſo gut abſchneiden werden wie die
italieniſche Nationalmannſchaft hält Saini bei der Konkurrenz
von 10 Nationalmannſchaften für fraglich. Ueberhaupt iſt er der
Anſicht, die Italiener dürften trotz der gewachſenen Qualität der
italieniſchen Sportſtudenten nicht auf ſo günſtige und leichte Siege
rechnen wie in Rom und Paris.
Die italieniſche Vorbereitung freilich, ſteht in keiner Weiſe
hinter der anderer Länder zurück; ſie wurde — ſo erzählte Saini
— auf den Erfahrungen der früheren Olympiaden aufgebaut und
bis an die Grenzen des
2e f . Den Gneſtaltäfef Wuerderſer dertet, üſchiſie
Fußballelf (18 Sportler mit Erſatzleuten) wird den Juli
hin=
durch aus dem italieniſchen Sport herausgezogen und in Brunate
trainiert. An neuen Leuten befinden ſich in der Elf Martin 3.,
Gadaldi, die Römer Faſanelli und Chini und der Bologneſer
Martelli. Die zwanzig italieniſchen Fechter werden am 10. Juli
in Brunate zuſammengezogen. Bekannt geworden ſind bisher die
Siegernamen Agoſtoni, Adragna. Bandini, Bertolaia, Gabrielli,
Girace, Minoli, Molea, Piutti, G. Ratſelli, Roca, Santoſtefano,
Verratti, Volponi, Zammichelli. Die Schwimmer dagegen werden
in Bologna in dem neuen Stadion del Littorio von dem Ungarn
Domonkos trainiert. Es befinden ſich in dem Dutzend der
Studen=
tenſchwimmer die beſten italieniſchen Kräfte des Schwimmſports
überhaupt: Coſtoli, Gambi, Bacigalupo, Banchelli, Manzoni und
Malan.
Die Tennismannſchaft iſt ſoeben, durch zwei ausgezeichnete
Spieler, die gegenwärtig in der Armee dienen, verſtärkt worden:
Del Bono und de Stefani werden zuſammen mit Bocciardo
Ser=
torio und wahrſcheinlich auch James de Martino auf den Plätzen
von Parioli trainiert
Intereſſant iſt, was Saini über die Darmſtädter
Vor=
bereitung ſagt. Er iſt ſchon jetzt des Ruhmes voll und verteilt
der deutſchen Organiſation Vorſchußlorbeeren. Die „
bewunderns=
werte Verteilung, die große Umſicht, mit der die Veranſtalter die
Organiſation vornähmen, ſei nur in Deutſchland möglich. Sie ſei
bis ins Kleinſte ſchlechtweg vollkommen, und Darmſtadt, das
ſeine Einwohnerzahl während der Olympiade
nahezu verdoppele, habe ſich auf das glücklichſte
und bewundernswerteſte auf das große Ereignis
eingeſtellt.” Saini äußerke, er beabſichtige, eine möglichſt
große Zahl von „Schlachtenbummlern” mit nach Darmſtadt zu
führen, damit ſich die italieniſche Mannſchaft nicht iſoliert,
ſon=
dern von Sympathie umgeben fühle. So habe er bereits eine
verbilligte Reiſe von 300 Studikern vorbereitet, die zehn Tage
in Darmſtadt bleiben ſollen. Aber außerdem ſolle noch eine
Ka=
rawanenreiſe zu einem etwas höheren Preiſe organiſiert werden,
die wahrſcheinlich eine noch höhere Teilnehmerzahl haben dürfte.
— Jubiläum. Man ſchreibt uns: Am 7. Juli 1930 beging die
bekannte Penſion Gaule, Heinrichſtraße 55, ihr 25jähriges
Jubi=
läum. Das Fremdenheim wurde von den Geſchwiſtern Gaule im
Jahre 1905 gegründet und hatte ſeinen Sitz in der
Weyprecht=
ſtraße. 1907 wurde es in die Heinrichſtraße 62 verlegt. Die
Pen=
ſion nahm einen derartigen Aufſchwung, daß die Damen im Jahre
1913 ein eigenes, ſelbſterbautes Haus in der Heinrichſtraße 55
be=
ziehen konnten, wo ſich die Penſion heute noch befindet. Die
Schweſtern Gaule erfreuen ſich der größten Beliebtheit.
p. Die rechtliche Seite des Waſſermangels. Lebhafte Klage
wird auch ſeitens der Kleingartenbeſitzer geführt, die infolge der
unzureichenden oder gänzlich ins Stocken geratenen Waſſerzufuhr
den Verluſt und Verderb von Erzeugniſſen zu beklagen haben.
Es wird auch die Frage einer Haftbarmachung der
Stadtverwal=
tung aufgeworfen. Dazu wäre folgendes zu ſagen: Für die
ver=
trägliche Waſſerlieferung ſind die am 1. April 1922 in Kraft
ge=
tretenen Bedingungen maßgebend. Hier kommt der grundlegende
8 1 derſelben in Betracht, deſſen Abſätze 3 und 4 lauten: „Die
Waſſerlieferung erfolgt in der Regel Tag und Nacht ohne
Unter=
brechung in ausreichender Menge, ſoweit das vorhandene
Leitungs=
netz, der Waſſervorrat und die Betriebsmittel es zulaſſen.”
Unter=
brechungen der Lieferung infolge notwendiger
Betriebsarbei=
ten oder ungewöhnlicher, vom Waſſerwerk nicht verſchuldeter
Zu=
fälligkeiten wie auch Verminderung der Waſſerzufuhr, des Druckes
oder der Güte des Waſſers geben dem Abnehmer keinerlei
An=
ſpruch auf Entſchädigung.” Hiernach dürften
Entſchädigungs=
anſprüche der Kleingartenbeſitzer wohl erfolglos ſein.
Neue Verbindung nach Erfelden. Wie uns die Heag mitteilt,
wird, um den Wünſchen aller Waſſerſportler und Altrheinbeſucher
nachzukommen, an Samstagen und Sonntagen eine neue
Verbin=
dung nach Erfelden aufgenommen. Die Verbindung ermöglicht,
in kaum einer halben Stunde von Darmſtadt an den Altrhein zu
gelangen. Vorerſt werden nur einzelne Wagen den Betrieb
auf=
nehmen, ſollte jedoch eine größere Nachfrage nach dieſer Linie
er=
folgen, wird es der Heag möglich ſein, noch einige Wagen für die
Verbindung einſetzen zu können. Abfahrtszeiten für Samstag
und Sonntag ſind aus der Anzeige erſichtlich.
Die Forelle als Eiſenbahnpaſſagier.
5000 lebende Forellen fahren wöchenklich durch Darmſtadk.
Durch Zufall kam ich auf die Sache. Eine Lokomotive holte
ſich auf dem Bahnhof einen fremd ausſehenden Wagen, der eben
von einem Zuge abgehängt worden war; und beim Anprall der
Lokomotive ſpritzte Waſſer aus den kleinen Fenſteröffnungen des
Güterwagens. Ich ging neugierig näher (Journaliſten haben
derartige Anwandlungen öfter!) und erkannte einen däniſchen
Wagen mit der Aufſchrift: „Dieſer Wagen befordert lebende
Fiſche”, und außerdem war als Ziel Baſel angegeben. Fiſche alſo
aus Dänemark für die Schweiz
Im Wagen ſah ich einen Mann, der offenbar den Transport
begleitete, ſprach ein paar Worte mit ihm, der mit dem Deutſch
nicht gerade auf Du und Du ſtand, und eine Minute ſpäter war
ich im Wageninnern. Ich traute meinen Augen nicht, denn das
hatte ich nicht erwartet: einige große Waſſerbehälter aus. Zink
(wie ich annehme), in ihnen fünftauſend Forellen
ſchwimmend, auf dem Waſſer übrigens ein dicker Schaum
vom ewigen Schaukeln des Wagens, außerdem eine Anzahl großer,
dicker Stahlflaſchen voller Sauerſtoff und zahlreiche Zuleitungen
zu den Waſſerbehältern und dazu noch mancherlei andere
Merk=
würdigkeiten. Als ich den Schaum ein wenig auf die Seite drückte,
ſah ich dann tatſächlich eine Unmenge von Fiſchrücken im Waſſer
wimmeln — lauter ſchön gepunktete Forellenrücken, wie ich ſie in
ſolch fabelhaften Mengen nur ein einziges Mal vorher in meinem
Leben beiſammen geſehen hatte, nämlich in Donaueſchingen in
einem der beiden Quellflüſſe der Donau.
Dieſer Wagen alſo, fährt jede Woche einmal aus Jütland.
und zwar aus früher deutſchem, heute däniſchem Gebiet durch
das Deutſche Reich nach Baſel und braucht etwas länger als zwei
Tage, da er nicht mit Schnellzügen befördert werden kann und
auch immer einmal irgendwo einige Stunden ſtillſtehen muß.
Viermal wird jetzt im Sommer das Waſſer unterwegs völlig
er=
neuert, d. h. es kann einfach unten abgelaſſen und aus den
Bahn=
hofswaſſerleitungen, die ja auch den großen Waſſerbedarf der
Lokomotiven zu decken haben, neu aufgefüllt werden. Trotzdem
gibt es unterwegs immer eine Anzahl Toter in den
Fiſch=
behaltern.
Man könnte ſagen, daß die Forelle, dieſer ganz beſonders
leckere und — leider — auch ganz beſonders teure Fiſch doch in
den Schweizer Gebirgsbächen und =flüſſen ſo reichlich vorhanden
iſt, daß die Schweizer ihren Bedarf im eigenen Lande decken
könn=
ten; aber dem iſt nicht ſo. Beſonders im Sommer iſt der
Fremden=
verkehr in der immerhin kleinen Schweiz derart ſtark und die Nach=
2.
der Bereinigung
e. V.
Am 5 Juli 1930 fand die 2. Jahresverſammlung der
Ver=
einigung Liebig=Haus e. V. in der hieſigen Techniſchen Hochſchule
ſtatt. Nach der Eröffnung der Verſammlung durch den
Vorſitzen=
den der Vereinigung, Herrn Geh. Rat Dr. v. Weinberg,
ſprach der Prorektor der Techniſchen Hochſchule, Herr Profeſſor
Hans Rau, herzliche Begrüßungsworte. Er führte aus, wie
wichtig es gerade heute ſei, in der Jugend geſchichtlichen Sinn zu
wecken. Auch in der Wiſſenſchaft gehe der Fortſchritt von
einzel=
nen genialen Geiſtern aus. Niemals könne die Organiſation der
Forſchung die Leiſtung der Führer erſetzen. Dieſe wertvolle
Er=
kenntnis dem wiſſenſchaftlichen Nachwuchs vor Augen zu führen,
ſei das Ziel der Vereinigung Liebig=Haus. Die Hochſchule
wür=
dige die Arbeit der Vereinigung und fühle ſich verpflichtet, ſie
jederzeit; zu unterſtützen. Darauf legte der Vorſitzende den
Jahresbericht ab. U. a. teilte er mit, daß zwei große chemiſche
Geſellſchaften Frankreichs ſich der Vereinigung angeſchloſſen
hätten. Die Jahresrechnung ſtellte Herr Fabrikant Dr. Karl
Marcke. Nach kurzen geſchäftlichen Verhandlungen ergriff Herr
Profeſſor Dr. Ernſt Berl das Wort zu einem Vortrag über
ſeine neueſten Funde zur Geſchichte der von J. Liebig gegründeten
Salzſäure= und Bitterſalzfabrik in Salzhauſen. Die Akten
wur=
den der Forſchung durch Herrn Staatsrat Balſer erſchloſſen.
Profeſſor Berl, der 1928 bereits wertvolle Liebigbriefe
heraus=
gab und den man wohl die Seele der Vereinigung Liebig=Haus
nennen darf, ließ das Bild einer chemiſchen Fabrik aus den
Jah=
ren 1828/30 vor ſeinen Hörern erſtehen. Er zeigte die
Schwierig=
keiten, die ſich Liebig entgegenſtellten, techniſche Schwierigkeiten
und Schwierigkeiten der Organiſation, die aus der mangelnden
Beweglichkeit des Staatsbetriebes floſſen; zumal der
Salinen=
direktor Reuß machte dem Forſcher viel zu ſchaffen. Hoffentlich
geht der Wunſch des Vorſitzenden in Erfüllung, daß Herr Prof.
Berl auch ſeine neuen Forſchungen veröffentlicht. Ein
gemein=
ſames Mittageſſen vereinigte die Teilnehmer im Hotel Traube.
Am Nachmittag wurde das Schloßmuſeum, insbeſondere die ſchöne
Kelſterbacher Porzellanſammlung und die Holbeinſche Madonna,
beſichtigt. Herr Graf Hardenberg und Herr. Dr. Röder
gaben in liebenswürdiger Weiſe die nötigen Erklärungen. Den
Abſchluß der Tagung bildete ein Beſuch des Landesmuſeums. Die
Herren Oberbergrat Prof. Dr. Steuer, Kuſtos Prof. Dr.
Haupt und Direktor Dr. Spiegel führten die intereſſanten
paläontologiſchen Funde aus der Grube Meſſel vor. Da durch
die Einführung moderner Maſchinen weitere Funde ausgeſchloſſen
ſind, regte Herr Geh. Rat Prof. Dr. Anſchütz an, einen Teil
Dr.—r.
des Fundgebietes für die Forſchung zu retten.
AUSSteTTUng Mathildenhöhe und Kunsthalle
200 Jahre Darmstädter Kunst
(10525a
Täglich 10 — 18 Uhr.
— Aus der Geſangsſchule Maria Franke wurden. Annelies
Koerig als erſte lyriſche Sängerin für klaſſiſche Operette an das
Stadttheater Halberſtadt, Felicia Guttmann als erſte
Sou=
brette an das Stadttheater Döbeln und Arthur Seidler als
Baſſiſt für ſeriöſe und Buffo=Partien an das Stadttheater
Sten=
dal verpflichtet. — Margarete Albrecht hatte als Trägerin der
Hauptrolle in der anläßlich des Königsberger Muſikfeſtes zur
Ur=
aufführung gelangten Oper „Der Fächer” von Ernſt Toch bei
Feſt=
publikum und Preſſe einen ganz beſonderen Erfolg.
— Alt=Darmſtadt” Verein für Ortsgeſchichte und
Heimat=
kunde. Nächſte Veranſtaltung Donnerstag abend 8.30 Uhr
Ein=
trachtſaal, Eliſabethenſtraße 12 (im Rahmen des 600.
Geburts=
tages unſerer Vaterſtadt) Vortrag von Herrn Rudolf Anton
über: „Alte Darmſtädter Gärten.
frage nach dieſer Delikateſſe ſo groß, daß der Maſſenverſand von
Dänemark her, der ſo ausgezeichnet organiſiert iſt und ſchon von
deutſchen Züchtern vor dem Kriege in kleinerem Maße eingeleitet
wurde, ſehr lohnend geworden iſt. Die däniſchen Forellen, die in
Bächen und Teichen gezüchtet werden, können mit billiger
Nah=
rung aus andern Fiſchen gemäſtet werden und ſind dann nicht nur
billiger, ſondern auch fleiſchiger als die Schweizer Forellen, die
ihre Nahrung mühſam erjagen.
Nun ſind allerdings die Koſten eines ſolchen Transports
ge=
waltig groß. Die Fracht, der Zoll, Waſſerverſorgung, Sauerſtoff
und Stellung eines Begleiters machen ſchon hohe Betrage aus,
aber ſie ſind es noch nicht allein, die in dieſem Fall hohe Speſen
erzeugen. Es muß nämlich ſtändig ein deutſcher
Zollbe=
amter von der däniſchen bis zur Schweizer Grenze
mitfah=
ren, denn die Fiſche müſſen in ihrer vollen Zahl von Dänemark
in die Schweiz hineinfahren. Eigentlich müßte der Wagen unter
Zollverſchluß fahren, doch iſt das in dieſem Fall nicht möglich, denn
dem Begleitmann muß für den Fall eines Unglücks die
Möglich=
keit bleiben. aus dem Wagen herauszukommen. Daher ſtehen er
und ſeine Forellenherrlichkeit dauernd unter der Aufſicht des
Zoll=
beamten, der während der Fahrt in einem Perſonenwagen ſitzt, ſich
aber bei jedem Aufenthalt um den Wagen mit den Forellen
küm=
mert. Während der Fiſchbegleiter ein immerhin annehmbares
Nachtlager in ſeinem Wagen, findet, hat es der Zollbeamte in
ſeinem Abteil nachts nicht ganz ſo bequem. Er meint übrigens,
daß man auch ſonſt mit der Zeit dieſes Fahren ſatt bekomme,
ob=
gleich er immerhin einmal Zeit finde, ſich in der Schweiz
irgend=
eine ſchöne Gegend ſchnell zwiſchendurch anzuſehen. Daher wird
ziemlich oft gewechſelt. „Die Firma muß jedesmal 150 Mark für
meine Begleitung zahlen”, ſagt der Mann mit der grünen
Uni=
form, „aber am Zollbetrag gemeſſen, iſt das nicht viel!”
Eine Forelle ſpringt gerade in die Höhe und ſchlägt klatſchend
ins Waſſer zurück. Vielleicht iſt ſie ſo übermütig, weil ſie friſches
Waſſer bekommen hat. Aber es mag ſein, daß ſie gerade jetzt, wenn
in der Zeitung von ihr zu leſen iſt, im Hotel Rigi=Firſt ein reicher
Amerikaner zu Mittag verzehrt, um ſpäter in der Union zu
er=
zählen, daß das Beſte in Europa doch die Schweizer Forellen
geweſen ſeien.
Ganz regelmäßig paſſiert dieſer Transport auch Darmſtadt.
Mancher mag den daniſchen Wagen ſchon geſehen haben, ohne von
ſeiner ſeltſamen lebenden Fracht etwas zu ahnen. Fünftauſend
Forellen jedesmal, das will ſchon etwas heißen!
M. P.
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Die Berufung, die ein 29jähriger Angeklagter gegen eine
Strafe von zwei Monaten Gefängnis wegen Diebſtahls vor der Kleinen
Strafkammer eingelegt hat, richtete ſich lediglich gegen die Strafhöhe.
Er war 1928 arbeitslos geworden und hatte einen Freund gebeten, ihm
durch ein Darlehen aus der Not zu helfen. Die Frau des Freundes
ſchrieb ihm zurück, daß ſie ihm kein Darlehen geben könnten, wohl aber
könnte er acht bis zehn Tage bei ihnen wohnen und während dieſer
Zeit Arbeit ſuchen. Der Angeklagte hat nun die gebotene
Gaſtfreund=
ſchaft mißbraucht und zweieinhalb bis drei Monate bei ſeinem Freund
gewohnt. Da er ſeinen Wohnſitz inzwiſchen nach Berlin verlegt hat,
iſt er vom Erſcheinen entbunden. In ſeinen ſchriftlichen Ausſagen macht
er ſeinem Freunde den Vorwurf, homoſexuell zu ſein, er habe ihm
dauernd Anträge gemacht, ſein Freund zu werden. Als der Freund
merkte, daß er keinerlei Anſtalten machte, ſich Arbeit zu ſuchen, wies er
ihm die Tür. Kaum war er weg, ſtellte der Freund feſt, daß aus einer
Kaſſette, die unverſchloſſen im Schlafzimmer ſtand, 270 Mark fehlten.
Außerdem fehlten von dem Wirtſchaftsgeld der Ehefrau 30 Mark. Der
Freund beſtreitet unter Eid, dem Angeklagten homoſexuelle Anträge
gemacht zu haben. Gleichwohl hätte er keine Anklage erhoben, um nicht
den Werdegang des Angeklagten zu vernichten, wenn nicht ein Brief, den
er an einen Bekannten des Angeklagten ſchrieb, um ſeine Adreſſe
aus=
findig zu machen, von der Kriminalpolizei in Berlin angehalten worden
wäre. Die Kleine Strafkammer verwarf die Berufung des Angeklagten.
der geſtändig war, die 300 Mark geſtohlen zu haben, die er für geleiſtete.
Arbeit (er habe mitgeholfen, dekorieren) in Anſpruch nahm.
Ebenfalls gegen die Höhe der Strafen richtete ſich die Berufung
dreier Angeklagter, die am 28. April wegen körperlicher Mißhandlung
und Beleidigung zu vier Monaten, ſechs Monaten zwei Wochen und
vier Monaten verurteilt worden waren. Sie waren in der Nacht vom
11. auf 12. Januar 1930 einem jungen Mann, der ein Mädchen von
einem Tanzvergnügen im Saalbau nach Hauſe brachte, gefolgt, hatten
ihn ohne Präliminarien angegriffen und verprügelt. Sie waren alle
drei betrunken. Der zweite Angeklagte hatte ſpäter noch einen Mann
mißhandelt. Die Kleine Strafkammer verwarf die Berufung des erſten
und dritten Angeklagten und ſetzte die Strafe des zweiten Angeklagten
auf fünf Monate drei Wochen herab.
Unfall. Auf der Blockſtelle Bergſchneiſe entgleiſten, am
6. Juli von Güterzug 8135 drei Wagen, wodurch vier
Haupt=
geleiſe von 2 20—4,32 geſperrt waren. Die Reiſenden des
Per=
ſonenzuges 2713 aus Richtung Mannheim wurden von Griesheim
nach Darmſtadt mit Privatautos befördert.
Lokale Beranſtalkungen.
Die dlerunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten
in keinem Falle irgendwſe als Beſprechung oder Kritit.
— Zweites Vereinskonzert des Reichsbundes
ehem. Militärmuſiker. Der bisherige Vorverkauf für das
zweite Vereinskonzert des Reichsbundes ehemaliger
Militärmuſt=
ker läßt die Annahme zu, daß die allen Wünſchen Rechnung
tra=
gende Spielfolge und der herrliche Saalbaugarten bei den
Be=
ſuchern die Hoffnung auslöſen, einen gemütlichen Abend im Freien
bei angenehmſter muſikaliſcher Unterhaltung verbringen zu können.
Da wieder ein ſehr ſtarker Beſuch zu erwarten iſt, wird es ſich
empfehlen, ſich rechtzeitig im Vorverkauf mit Karten zu verſehen.
— Im Wiener Kronenbräukeller konzertiert heute
abend die ganze Kapelle des Harmonie=Orcheſters unter Leitung
ſeines Dirigenten Louis Kümmel bei freiem Eintritt. (Siehe
Anzeige.)
Tageskalender für Dienstag, den 8. Juli 1930.
Heſſ. Landestheater: Geſchloſſen. — Orpheum:
Ge=
ſchloſſen. — Konzerte: Schloßkeller Kaffee Oper, Hotel
Schmitz, Herrngartenkaffee, Sportplatz=Reſtaurant. — Städt.
Saalbau, 20 Uhr: Großes Gartenkonzert. — Wiener
Kronenbräukeller, 20 Uhr: Großes Konzert. —
Kino=
vorſtellungen: Union=Theater, Palaſt=Lichtſpiele, Helia=
Lichtſpiele.
Dienstag, den 8. Juli 1930
Nummer 187
Seite 6
Aus Heſſen.
die heuſgreckenpiage.
J. Griesheim bei Darmſtadt, 6. Juli. Das Auftreten der
Heuſchrecken=
ſchwärme hat geradezu einen erſchreckenden Umfang angenommen.
Wäh=
rend ſich das Hauptniederlaſſungsgebiet der jüngeren Schwärme noch im
Bereich des Schießplatzgeländes befindet, ergießen ſich die älteren
Schwärme gleich einem unaufhörlichen Strom unaufhaltſam in
weſt=
licher Richtung gegen die Wieſengründe zu, wobei die geſamten
Kreszen=
zen der völligen Vernichtung verfallen. Dem Zuſchauer zeigt ſich bei
dieſer Gelegenheit ein erſchütterndes Schauſpiel; es wurden
Wahrneh=
mungen gemacht, daß eine einzige Kartoffelſtaude gleichzeitig von
meh=
reren Hundert Heuſchrecken befallen worden iſt. Es handelt ſich bei den
Schwärmen um Milliarden und Abermilliarden von Schädlingen, ſo daß
die unabweisbare Befürchtung beſteht, daß die beſtellten Fluren des
ge=
ſamten oberen Feldes in ſehr kurzer Zeit völlig kahl geſtellt werden,
wenn nicht ſofort die energiſchſten Radikalmaßnahmen ergriffen würden.
Die verſuchsweiſen Beſtäubungen der Felder mit Phoriſtit haben ſich
ohne ſchädliche Nachwirkungen für die Kreſzenzen ganz vorzüglich bewährt.
Es handelt ſich bei dem Phoriſtit um ein ätzendes Mittel, das bei
Be=
rührung innerhalb einer Stunde eine vollſtändige Lähmung und den
Tod der Heuſchrecken herbeiführt, ſo daß in verhältnismäßig kurzer Zeit
insbeſondere die Grenzfurchen der Grundſtücke mit den vernichteten
Schädlingen haufenweiſe angefüllt ſind. Das Auftreten der
Heuſchrecken=
ſchwärme in dem erwähnten Ausmaß hat begreiflicherweiſe das
In=
tereſſe ſämtlicher zuſtändigen Behörden und Stellen geweckt. Es waren
insbeſondere Vertreter des Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft, des
Landwirtſchaftsamts und der Schädlingsbekämpfungsſtelle der
Landes=
univerſität Gießen anweſend. Die Bekämpfung der Schwärme ſoll nun
in der Weiſe erfolgen, daß je ein Schutzſtreifen von 20 Meter Breite
längs des Schießplatzgeländes, des Pfungſtädterweges und rechts und
links der Eſchollbrücker Straße mittels eines Motorbeſtäubers mit
Pho=
riſtit beſtäubt wird, um der Weiterwanderung der Schwärme Einhalt
zu gebieten. Diefenigen Schwärme, die die beſtäubten Schutzſtreifen
paſſieren, fallen dem Beſtäubungsmittel unweigerlich zum Opfer. Bei
den Beſtäubungsverſuchen wurde übrigens die überraſchende
Wahrneh=
mung gemacht, daß diejenigen Schwärme, die die Gefahr wittern, in
unmittelbarer Nähe der abgeätzten Stellen umkehren und wieder
zurück=
wandern. Die Durchführung der Bekämpfungsmaßnahmen wurde der
Firma E. Merck in Darmſtadt übertragen. Dieſe Durchführung iſt für
die Firma Merck inſofern von beſonderer Wichtigkeit, da ihr hierbei
Gelegenheit geboten iſt, ſich von der Wirkſamkeit ihres eigenen
Erzeug=
niſſes ſelbſt zu überzeugen, zumal dasſelbe Präparat zur Anwendung
kommt, das die Firma zu einer ähnlichen Bekämpfung nach Aegypten
verſandt hat. Selbſtverſtändlich ſind auch die einzelnen Grundbeſitzer
ebenfalls verpflichtet, ſelbſt Hand anzulegen. Die Bekämpfungsapparate
werden denſelben von der Gemeinde leihweiſe überlaſſen, während ihnen
die Bekämpfungsmittel von der Gemeinde zum Selbſtkoſtenpreis zur
Ver=
fügung geſtellt werden. Ueber die Durchführung der
Bekämpfungsmaß=
nahmen innerhalb des Schießplatzgeländes werden noch Verhandlungen
geführt. Da es ſich im vorliegenden Falle um Maßnahmen von
außer=
ordentlicher Bedeutung handelt, die mit hohen Koſten verbunden ſind, wird
wohl kaum ein Zweifel darüber beſtehen, daß die erforderlichen
Geld=
mittel vom Land oder Reich zur Verfügung geſtellt werden. Es iſt dies
um ſo notwendiger, da ſich die eigentliche Brutſtätte innerhalb des
reichs=
eigenen Geländes des Truppenübungsplatzes befindet, und das
unge=
wöhnlich ſtarke Auftreten der Heuſchreckenſchwärme auf die ſeitherige
ungenügende Benutzung des Schießplatzgeländes zweifellos
zurückzufüh=
ren iſt und eine ungenügende Durchführung der
Bekämpfungsmaßnah=
men eine außerordentlich große Gefahr, für die nächſten Jahre bilden
würde.
— Weiterſtadt, 7. Juli. Hohes Alter. Am 8. Juli feiert im
Kreiſe ſeiner Kinder Enkel und Urenkel in voller Rüſtigkeit und
gei=
ſtiger Friſche der Maurerpolier Johannes Heß 5., hier, Darmſtädter
Straße 87, ſeinen 84. Geburtstag.
Aa. Eberſtadt, 6. Juli. Standesamtliche Nachrichten.
Nach den Aufzeichnungen des Standesamtsregiſters betrug im Juni die
Zahl der Geburten 10; es kamen 7 Knaben und drei Mädchen zur Welt.
Die Zahl der Sterbefälle betrug 4. Ferner waren 4 Eheſchließungen
zu verzeichnen. — Die Fr. Turnerſchaft führt in den Tagen vom 22. bis
25. Juli unter Lehrer Schneider ihre erſte Ferienwanderung durch, die
in den Odenwald geht. — Die diesjährigen 50=Jährigen haben beſchloſſen,
nach altem Brauche eine gemeinſame Geburtstagsfeier abzuhalten.
T. Spachbrücken, 7. Juli. Die in letzter Zeit anhaltende tropiſche
Hitze hat zur Folge, daß ſich hier ein ſtarker Waſſermangel bemerkbar
macht. Die hieſige Waſſerleitung verfügt nur noch über einen geringen
Waſſerbeſtand, und kommt es mitunter vor, daß derſelbe gänzlich
er=
ſchöpft iſt. Eine Bekanntmachung der hieſigen Ortsbehörde fordert daher
die Einwohner zu einem ſparſamen Waſſerverbrauch auf.
er. Brandau, 7. Juli. Bezirksfeſt Reinheim—
Reichels=
heim der Haſſia. Ein bunter Flaggenſchmuck des Ortes und
herz=
liches Willkommen begrüßte die auswärtigen Vereine. Nach Empfang
der Vereine erſchallte um 2 Uhr nachmittags das Signal zur
Aufſtel=
lung des Feſtzuges, der ein buntes Bild zeigte. Die Spitze bildete eine
Gruppe von neun Reitern, der Führer und je zwei weiße Dragoner,
rote Dragoner, blaue Huſaren und Küraſſiere. Dann folgte ein
Ge=
ſchütz mit Beſpannung und Mannſchaft, und der Wagen der
Germania”, Begleitet von drei Muſikkapellen, marſchierte der mit
Fahnen geſchmückte Feſtzug durch die Ortsſtraßen dem Feſtplatze zu, wo
am Kriegerdenkmal der im Weltkriege gefallenen Kameraden gedacht
wurde, indem die Kapelle Kohlbacher=Werſau zwei Verſe von „Ich hatt”
einen Kameraden” ſpielte. Auf dem Feſtplatze begrüßte Kamerad Röder=
Brandau in herzlichen Worten die Feſtverſammlung und dankte ganz
beſonders den Kameraden Lehrer Ihrig=Darmſtadt, Lehrer Barth=
Brensbach und Studiendirektor Kiſſinger=Darmſtadt für ihren Beſuch,
und ſchloß mit einem dreifachen Hoch auf das deutſche Vaterland, worauf
in gewaltigen Akkorden das Deutſchlandlied erklang. Kamerad Ihrig,
welcher die Glückwünſche der Haſſia übermittelte, ſprach dem Verein für
ſeine rührige Tätigkeit den Dank aus. Außerdem verlieh er den
Kame=
raden P. Röder, Gg. Helfrich, J. Baltz, Gg. Späth und Fr. Seibert das
Haſſia=Ehrenkreuz für langjährige Mitarbeit in dem Verein. Er ſchloß
mit einem dreifachen Hoch auf den Verein. Kamerad Barth=Brensbach
überbrachte den Glückwunſch des Bezirksvorſtandes und überreichte im
Auftrage der Haſſia dem Verein Brandau eine Ehrentafel für ſeine 50 Mitgliedſchaft bei der Haſſia, und einen ſilbernen Fahnennagel
für treue Kameradſchaft und Mithilfe im Bezirk Reinheim—
Reichels=
heim. Nach dem Chor des Geſangvereins Brandau „Der freie deutſihe
Rhein” ergriff Kamerad Kiſſinger=Darmſtadt das Wort. Er hielt eine
feurige, kernige Anſprache und hob, unter anderem die Leiſtungen und
Strapazen unſeres Heeres im Kriege hervor. Er kennzeichnete die Pflege
der Kameradſchaft in dieſen Jahren und ſprach den Wunſch aus, daß
dieſe treue Kameradſchaft in unſerer Jugend ſich erhalten möge, zu
Ge=
deih und Aufbau des deutſchen Vaterlandes. Der Vorſitzende des
Krie=
gervereins Ober=Ramſtadt überreichte dem Jubelverein im Auftrage
ſeines Vereins einen Fahnennagel. Das Feſt wird jedem Feſtteilnehmer
in angenehmer Erinnerung bleiben.
Reinheim, 6. Juli. Zu unſerer Meldung über die Erkrankung der
Familie Franz Bauer wird uns mitgeteilt, daß Herr Bauer an einer
Grippe erkrankt war, während ſeine Tochter und ſein Schwager ſich
beſter Geſundheit erfreuen.
Cd. Michelſtadt, 6. Juni. Nachdem man heute nun die durch
das Unwetter vom Samstag angerichteten Verwüſtungen beſſer
überblicken kann, ſieht man, daß die Schäden doch größer ſind, als
zuerſt allgemein angenommen wurde. Allein im Schloßpark zu
Fürſtenau ſind zirka 25 ſtarke Bäume, in der Hauptſache Fichten
und Linden, teils mit den Wurzeln herausgeriſſen, teils über dem
Boden abgeriſſen. Auch eine zirka 25 Meter hohe Fichte, zirka 150
Jahre alt, die mit einem Durchmeſſer von zirka 1.20 Metern einer
der ſtärkſten der dort ſtehenden Bäume iſt, wurde mit dem ganzen
Wurzelwerk umgeriſſen. — Von den gegenüber dem Bahnhof
Michelſtadt an der ſogenannten Seewieſe ſtehenden Pappeln ſind
ebenfalls 8 Stück umgeriſſen und haben dieſe dadurch, daß ſie beim
Fall die Telephonleitungen durcheinanderjagten, auch der Poſt
Arbeitsgelegenbeit verſchafft. Auf den Feldern die dieſer
Wirbel=
ſturm berührte, ſieht es auch traurig aus, die Frucht liegt wie
ge=
walzt, an einzelnen Stellen wurden die Kartoffelſtöcke
heraus=
geriſſen. — Trotzdem muß immer noch als ein Glück bezeichnet
werden, da ſich dieſer Sturm auf dem Felde und nicht innerhalb
der Orte austobte, die Folgen wären fürchterlich geweſen. So
iſt an Häuſern, außer einigen defekten Ziegeln und zerbrochenen
Fenſterſcheiben, kein weiteres Unheil angerichtet worden.
Heute ſetzte dann eine wahre Völkerwanderung nach dem übel
zugerichteten Schloßparke ein, ein großer Teil der Bevölkerung
kann das noch gr nicht ſo recht begreifen, weil man eben im
Hauptteil Michelſtadt außer einem kurzen Gewitter mit einigen
Regentropfen von der ganzen Sache nichts merkte.
* Breitenbrunn. 7. Julf. Einen ſchlechten Abſchluß hatte der
Kirch=
weihſonntag. Ein junger Mann aus Höchſt ſtürzte ſo unglücklich vom
Nade in einen Graben, daß der Tod ſogleich eintrat.
Die Huldigungsfahrt des O. T. C.
* * Auch der Deutſche Touring=Club hatte für letzten Sonntag
ſeine Mitglieder aus allen Gauen Deutſchlands zu einer
Huldi=
gungsfahrt an den befreiten Rhein aufgerufen.
Die Darmſtädter Ortsgruppe nahm in überraſchend großer
Anzahl von Wagen und Perſonen an dieſer Huldigungsfahrt teil.
Die Ausſchreibung teilte die deutſchen Fahrer in zwei große
Ko=
lonnen. Norddeutſchland und Süddeutſchland. Für beide waren
geſonderte Fahrtſtrecken ausgearbeitet worden, die wohl mehrfach
die Teilnehmer zuſammenführte, vor allem natürlich in den großen
rheiniſchen befreiten Städten, die aber doch ſo ausgearbeitet
waren, daß die Fahrtteilnehmer ſich nicht gegenſeitig behinderten.
So waren in den letzten Tagen Tauſende von Automobilen und
Motorrädern in den Straßen Deutſchlands unterwegs, alle mit
dem Ziel an den Rhein und die Moſel. Wenn man ſich vorſtellen
könnte, daß eine bewegliche Karte aus der Vogelperſpektive die
ganz Deutſchland umfaßt hätte hergeſtellt werden können, ſo hätte
es ein intereſſantes Bild geben müſſen, wie die Tauſende von
Automobilen aller Art und Größe und die Tauſende von
Motor=
rädern ſich alle ſtrahlenförmig dem Rhein und der Moſel zu auf
beſtimmte Städte bewegen.
Die Darmſtädter Ortsgruppe des D.T.C. hatte ſich teilweiſe
für die norddeutſche, teilweiſe für die ſüddeutſche
Kolonnenfahrt=
ſtrecke entſchloſſen. Ich fahre auf Grund freundlicher Einladung
des Herrn Alfred Schmitz die Route der norddeutſchen Kolonne.
Für Freitag, ſpäteſtens 7 Uhr abends, war das Eintreffen der
Teilnehmer in Koblenz vorgeſchrieben, wo am Samstag früh der
Start zu der eigentlichen Huldigungsfahrt erfolgen ſollte.
Bei wundervollem Wetter, eine wundervolle Fahrt. So oft
ſchon geſehen und immer wieder neu, immer wieder überwältigend
ſchön! Nie aber ſo ſchön wie jetzt, da kein feindlicher Soldat mehr
den heiligen Boden der Rheinufer verunziert, da überall wieder
deutſche Fahnen wehen anſtatt der verhaßten Trikolore, an die ſich
ſo viel Furchtbares und Unheilvolles für die Bewohner der
beſetz=
ten Gebiete knüpft. Nie rauſchten die Wellen des Rheins ſo
mun=
ter und freudig in den letzten Jahrzehnten, nie gab die
Bevölke=
rung der rheiniſchen Städte und Orte ſich ſo ungetrübt, ſo
inner=
lich froh der Freude an der Freiheit hin, nie, ſelbſt vielleicht nicht
in den erſten Kriegstagen, ſchmetterte ſo oft das Deutſchlandlied
über des Rheines und der Moſel Wellen geſpielt und geſungen
und immer wieder geſungen. Es war ja ſo lange verboten „
Deutſch=
land über alles”
Dazu der Blick auf die wundervolle Fruchtbarkeit und in
üppi=
gem Farbenſpiel ſtrahlenden und leuchtenden, gottgeſegneten
Rheinufer! Trotz Beherzigung des Grundſatzes, im Auto zu reiſen
ohne zu raſen, verliefen die Stunden der Fahrt viel zu ſchnell, um
die Schönheit des Rheins und ſeiner Ufer, um das Freudegefühl
und das Mitfühlen der wiedererlangten Freiheit ſeiner Anwohner
ganz und reſtlos auf ſich wirken zu laſſen.
In Koblenz wurden abends die Fahrtteilnehmer in üblicher
Weiſe feſtlich begrüßt. Es war eine ſchöne, beſcheidene Feier, eine
Feier, in der die Hauptſache nicht eben das „Feiern” war, gleich
aber auch in den anderen Städten, ſondern das Herausklingen
freudigen Jauchzens über die wiedererlangte
wieder betonte Treuegelöbnis der rheiniſchen
Freiheit, das immer
Bevölkerung, das in
den furchtbaren zurückliegenden Jahren eine Feuerprobe
tragiſch=
ſter Art beſtanden, das leiſe Durchzittern aber auch der Wehmut
des Schmerzes über die wirtſchaftlichen Nöte des Vaterlandes, die
die Bevölkerung des beſetzten Gebietes ja jetzt beſonders zu ſpüren
bekommt, und der Schmerz darüber, daß auch die zurückliegenden
Jahre der Bedrängnis nicht vermochten, Uneinigkeit und
Zwie=
tracht aus den deutſchen Stämmen herauszubannen, die doch alle
ſo heiße Liebe zum großen deutſchen Vaterland im Grunde
genom=
mein eint. Das war ſo in Koblenz, das war ſo in Trier, wenn
auch mit geringen Variierungen, die im rein Menſchlichen
grün=
den, und war ſo in Mainz, dem Ziel der Fahrt und dem Ort des
Höhepunktes der Befreiungsfeier.
Der zweite Tag dann entrollte nach den heroiſchen Bildern
der Rheinlandſchaft mit ihren dunklen Bergen, ſtolzen Burgen und
alten Ruinen die ungleich mildere und lieblichere Schönheit des
Moſeltales. Ueber Brodenbach. Treis, ging die Fahrt nach
Cochem. nach kurzer Raſt dann über Bullay, Zell. Traben, Uerzig,
Berncaſtel, Lieſer, Oſann, Hetzerath, Ehrang nach Trier. Nicht
ohne Grund führe ich dieſe hauptſächlichſten Namen der Fahrt auf.
In rieſigen Schildern leuchteten ſie und ungezählte andere dazu an
beiden Ufern der Moſel aus rieſigen gepflegten Weinbergen
her=
aus, die ſich bis in die ſteilſten Bergwipfel hinausziehen, und auf
den Weinkarten der erſten Orte kehren die gleichen Namen und
gleich viel andere noch wieder und verraten dem Durſtigen die
köſtlichen Lagen des ſpritzigen, charaktervollen Moſelweines.
In Trier wiederum eine Befreiungsfeier, an der die Behörden
teilnahmen und in der künſtleriſche Genüſſe aller Art geboten
wur=
den. In Trier beſonders war es ein Vertreter der Stadt — Name
tut nichts zur Sache —, der in ſo köſtlichen kernhaften und
ſchlich=
ten Worten der wahren Stimmung der befreiten Bevölkerung
Ausdruck gab, dem Bedauern inſonderheit darüber, daß die
deut=
ſchen Stämme immer noch in Parteibildungen ſich gegenſeitig
ſchmähen, anſtatt gemeinſam und geeint Deutſchlands und des
deutſchen Volkes Not zu tragen und den Wiederaufſtieg zu
er=
arbeiten. In Trier auch waren die Kunſtgenüſſe beſonderer Art.
Franz Muſil u. a. ſang wundervoll in Stimme und Ausdruck
Moſelland= und Deutſchlandlieder. Dank ihm! Und ſpäter dann
Beleuchtung der Moſelufer, Illumination, Anſtrahlung der
Haupt=
gebäude, in erſter Linie des weit über 1000 Jahre alten
Wahr=
zeichen Triers, der wundervollen Porta Nigra, dem alten
römi=
ſchen Eingangstor zu der Stadt, die von ſich ſagen kann:
„Ante Romam Trewiris stetit annis mille trecentis”
(Vor Rom ſtand Trier dreizehnhundert Jahre).
Es waren herrliche Stunden und ein ausgezeichneter Auftakt zur
Fahrt nach Mainz und zur dortigen Feier.
Von Trier fuhren wir durch den Hunsrück. Wiederum eine
ganz anders geartete Landſchaft. Herb in ihrer Schönheit, heroiſch
auch, wo aber der Blick frei über weite Täler ſchweifen kann auch
von lieblicher, anmutiger Schönheit. Hermeskeil, Thalfang, Idar,
Oberſtein, Kirn, Martinſtein, Gemünden, Mengerſcheid, Kreuznach.
Gau=Algesheim, Nieder=Ingelheim nach Mainz.
So war die Fahrtroute vorgeſchrieben, ſo wurde ſie in
ſport=
licher Diſziplin innegehalten. Nieder=Ingelheim ſchon ſah eine
große Anzahl der Teilnehmer beider Gruppen mit ebenſovielen
der A.D.A.C.=Fahrt vereint, und in immer größer werdenden
Kolonnen zogen die Kraftfahrer ein in das fahnen= und
flaggen=
geſchmückte goldene Mainz!
Hier war die eigentliche Feier in der dichtbeſetzten großen
Stadthalle.
Zahlreicher als vor zwei Jahren, da der Touringklub zum
erſten Male eine Reichstourenfahrt nach Mainz unternahm, war
die Beteiligung. Es mögen weit über 500 Touringfahrzeuge
ge=
weſen ſein, die nach Mainz kamen. Das Programm des Abends
wurde durch ſtimmungsvolle Konzertſtücke der Muſikkapelle Geyer
eingeleitet. Der 1. Vorſitzende der Landes= und Ortsgruppe
Mainz des Deutſchen Touringklubs, Rechtsanwalt Dr. Reen=
Mainz, begrüßte die Erſchienenen im goldenen, nunmehr wieder
freien Mainz. Er erinnerte an die vor zwei Jahren
ſtattgefun=
dene Sternfahrt des T.C. nach Mainz, die nunmehr nach der mit
allſeitiger Freude aufgenommenen Befreiung in einer
Huldigungs=
fahrt in das befreite Gebiet ihre Wiederholung fand. Er
ge=
dachte dann weiter der noch nicht befreiten, noch unter fremder
Herrſchaft ſtehenden Bevölkerung der Saar, der er von Herzen
eine baldige Freiheit und Rückkehr ins deutſche Mutterland
wünſchte. Der Vertreter der Stadt Mainz,
Oberbürgermeiſter Dr. Külb,
richtete folgende Anſprache an die Feſtverſammlung:
„Es iſt mir eine freudige Genugtuung, heute den Deutſchen
Touring=Club am freien deutſchen Rhein herzlich willkommen
heißen zu dürfen, in der alten, ſchickſalsreichen Stadt, die erſt vor
wenigen Tagen nach zwölfjähriger Knechtſchaft
wie=
der frei geworden iſt. Vor zwei Jahren, als der Deutſche
Tou=
ring=Club nach Mainz kam, um in einer eindrucksvollen
Kund=
gebung vaterländiſchen Denkens und Empfindens ein
Treu=
bekenntnis für den ſchwergeprüften Weſten abzulegen, da wagte
kaum noch jemand zu hoffen, daß er ſobald das Feſt der
wieder=
gewonnenen Freiheit mit uns würde begehen können. Damals
galt ſein Gruß der unter fremder Beſetzung leidenden Weſtmark,
und heute iſt er Zeuge der Freude ob der
Befrei=
ung des Rheinlandes.
Deutſcher Verſtändigungs= und Verſöhnungspolitik iſt es zu
verdanken, daß unſer heißes Sehnen nach Freiheit geſtillt wurde.
Die zahlreichen Beweiſe treuen Gedenkens in dieſen Tagen aus
allen Gauen Deutſchlands ſind ein Beweis dafür, wie ſich immer
mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen hat, daß
das Schickſal unſeres Vaterlandes untrennbar verknüpft iſt
mit dem des deutſchen Rheines.
Wir ſind dankbar für dieſe Zeichen innerlicher Verbundenheit,
und wir ſind beſonders dankbar den deutſchen Männern und
Frauen, die hierher geeilt ſind, um uns in der Stunde der
Be=
freiung Grüße aus allen Teilen unſeres Vaterlandes zu
über=
bringen.
Zwölf lange, harte Jahre ſeeliſcher Not und Bedrängnis
hatte das Volk am Rhein unter dem Druck der Beſetzung zu
er=
tragen, und oft ſchien es, als ſollte Gewalt den Sieg über Recht
und Gerechtigkeit davontragen. Dennoch hat es nie verzagt und
iſt keinen Augenblick wankend geworden in ſeinem Denken und
Fühlen, in ſeiner Treue zum deutſchen Vaterlande. Dieſe
Hal=
tung der Rheinländer war wohl die feſteſte Stütze für die
deut=
ſchen Staatsmänner, deren Aufgabe es war, in unſäglich
mühe=
vollen und oft undankbaren Verhandlungen unſere ehemaligen
Gegner davon zu überzeugen, daß
ein unfreies Deutſchland keine Sicherung für einen
dauerhaften Frieden
ſein kann. Wir wiſſen alle, daß die Befreiung unſerer Heimat
erſt durch Uebernahme ſchwerer finanzieller Laſten möglich war,
wir wiſſen aber auch, daß die Freiheit unſeres deutſchen
Vater=
landes Vorausſetzung jeder geſunden Aufwärtsentwicklung iſt.
Sehen wir deshalb vertrauensvoll in die Zukunft! Was unſer
rheiniſches Volk in Jahren bitterſter Not vollbracht, möge der
Leitſtern für Deutſchlands Zukunftsaufgaben ſein. Nur durch
Einigkeit und Zuſammenfaſſung aller Kräfte wird es gelingen,
unſerem deutſchen Heimatland ſeine alte Weltgeltung wieder zu
erringen. Darum laſſen Sie uns zuſammenſtehen und über alle
Zwietracht und allen Parteihader hinweg die Hände reichen zur
Erneuerung des alten Rütliſchwures, einig zu ſein und einig zu
bleiben zu Nutz und Frommen unſeres ſchönen deutſchen
Vater=
landes.
Die Rede klang aus in ein begeiſtert aufgenommenes Hoch
auf das deutſche Vaterland, dem dann das Deutſchlandlied ſich
anſchloß.
Kommerzienrat Edenkofer, der Vizepräſident des T.C.,
dankte für die freundliche überaus gaſtliche Aufnahme in Mainz
in beredten Worten und ſkizzierte noch einmal Zweck und
Bedeu=
tung der zweiten großen Reichstourenfahrt des T.C. an den
Rhein, den deutſchen Brüdern den Dank auszuſprechen für ihr
mannhaftes Ausharren in ſchwerer Zeit. Anſchließend wurden
eine Reihe von Auszeichnungen, Ueberreichung von ſilbernen
Bechern und ſilbernen Ehrennadeln vorgenommen. Den ſilbernen
Becher erhielten u. a. Oberbürgermeiſter Dr. Külb,
Land=
gerichtspräſident Dr. Jungk, Dr. Reen und Direktor Kölſch
als Sportleute. Die ſilberne Ehrennadel erhielten eine Reihe
verdienter Funktionäre. Den Teilnehmern an der Fahrt
über=
reichte man eine künſtleriſch ausgeſtattete Erinnerungsplakette.
Für den anſchließenden unterhaltenden Teil des Abends war
ein erſtklaſſiges, ſehr abwechſlungsreiches Programm vorgeſehen,
das den Mainzer Humor und die Mainzer Gemütlichkeit auf
ihrer alten Höhe zeigte. Ein Sketch „Im Gaſthaus zum
Kilometerfreſſer”, das aus der Feder des bekannten
Mainzer Lokaldichters Franz Herz ſtammte, ſchlug zündend ein.
Die Handlung ſpielte zur Zeit der Reichstourenfahrt.
Mitwir=
kende waren bekannte Mainzer Vortragskünſtler, wie Ernſt
Hartmann, der Rheinliederſänger Karl Hermann Hauth,
Frau Greiner die Tanzſchule Willius=Senzer u. a.
Gemein=
ſame Lieder, Muſikdarbietungen trugen ihr Teil dazu bei, um die
Stimmung zu animieren und eindrucksvoll verlaufen zu laſſen.
Mit einer Beſichtigung der Mainzer Sektkellerei Kupferberg und
einer Rheinfahrt, ſowie einem Abſchiedstrunk auf den
Stadt=
halleterraſſen fand die Fahrt des Deutſchen Touring=Clubs am
Montag ihr Ende.
In dem Lehrbekrieb der Landwirtſchaftskammer
zu Gonſenheim b. Mainz
findet am Mittwoch, den 23. Juli, bis einſchließlich Freitag, den 25. Juli,
ein Dreitageskurſus ſtatt.
Der Kurſus umfaßt Treib= und Freilandgemüſebau und iſt für
alle Teilnehmer gebührenfrei. Teilnehmern aus Heſſen werden
außer=
dem die Reiſekoſten 3. Klaſſe ganz oder zum Teil vergütet, je nach der
Entfernung.
Anmeldungen ſind an das Muſter= und Verſuchsgut der
Landwirt=
ſchaftskammer für Gemüſe=, Obſt= und Weinbau zu Groß=Umſtadt zu
richten, und zwar ſpäteſtens 8 Tage vor Beginn eines Kurſus. Die am
Gemüſebau intereſſierten Kreiſe ſeien auf dieſen Kurſus nachdrücklichſt
hingewieſen, da hier reiche Gelegenheit zu zeitgemäßer Weiterbildung
gegeben wird.
Bn. Hirſchhorn, 7. Juli. Vom Neckarkanal. Zurzeit werden
auf Veranlaſſung der Neckarbauverwaltung Bohrlochgrabungen in Alt=
Ersheim vorgenommen. Dieſelben laſſen erkennen, daß man es in der
Hauptſache mit von Jahrtauſenden angeſchwemmtem Sand= und
Kies=
grund zu tun hat. Geſchichtlich ſehr intereſſant ſind einige gefundene
alte Hafenanlagen, welche vielleicht ſchon vor mehreren Jahrhunderten,
als die Stadt Hirſchhorn noch ganz auf dem jenſeitigen Ersheimer Ufer
lag, als Hafen gedient haben mögen.
Goldfäden, Seidenfäden, ungezählt!
Schön ſind die Haare, wenn Helivon gewählt! Dieſes milde
Kopf=
waſchpulver, welches blonde und dunkle Haare ganz wunderbar
ver=
ſchönert, hat den Vorteil, daß die „Bubikopf”=Packung ſtets 3 abgeteilte
Waſchungen, oder die Packung „Für langes Haar” ſtets 2 abgeteilte
Vollwaſchungen für nur 30 Pfg. enthält. Beim Einkauf ausdrücklich
Helivon verlangen, es iſt halt doch das Günſtigſte für Ihre Haare.
dem Sie den Vorzug geben.
U1V 6186
Unglücksfall oder Mord?
b. Erbach, 7. Juli. In der letzten Nacht nach 2 Uhr wurde
die hieſige Gendarmerieſtation an die Stätte einer grauenvollen
Begebenheit gerufen. Im ſogenannten Blechgraben in der
un=
mittelbaren Nähe der Allee, die von Erbach nach Michelſtadt
führt, wurde von Paſſanten die Leiche der 29 Jahre alten Dina
Flechſenhaar aus Michelſtadt gefunden. In der Nähe ſaß der
Bräutigam der Flechſenhaar, der 21 Jahre alte Georg Konrad
aus Erbach, der der Polizei unter Weinen erklärte, ſeine Braut
ſei von den Scheinwerfern eines Autos geblendet, über die Brücke
m das Waſſer gefallen und tödlich verunglückt. Er ſelbſt ſei
dann nachgeſprungen. Wie wir erfahren, zeigte die Leiche
Würge=
merkmale am Hals und verſchiedene Meſſerſtiche, ſo daß der K.
unter Mordverdacht verhaftet wurde. Er leugnet vorläufig jede
Schuld am Tode ſeiner Braut. Die Leiche wurde zur Feſtſtellung
der Todesurſache nach dem Kreiskrankenhaus in Erbach gebracht.
D. Biblis, 7. Juli. Unfälle. Auf der Landſtraße Bensheim—
Schwanheim verunglückte ein hieſiger Motorradfahrer, der an der Kurve
bei der Bachbrücke die Herrſchaft über ſein Rad verlor und in den Bach
ſtürzte. Trotz des ſchweren Sturzes kam er mit geringfügigen
Ver=
letzungen davon. — Ebenfalls an einer Kurve geſtürzt ſind zwei hieſige
verheiratete Motorradfahrer, und zwar auf der Landſtraße
Jägers=
burg—Groß=Rohrheim. Beide, der Sägewerksbeſitzer Aloys Marſch und
der Landwirt Mich. Seib, erlitten erhebliche Verletzungen. — In der
Hauptſtraße, an der gefährlichen Kurve beim alten Kriegerdenkmal, kam
ein hieſiger Motorradfahrer vom Fahrdamm ab, wobei er das
Töchter=
chen des Schmiedemeiſters Joſ. Lehmann umfuhr. Das Kind erlitt
ſchwere Verletzungen. — Die 17jährige Tochter des Gemeinderats Valt.
Dörr wurde in Worms von einem Auto angefahren und erlitt dabei
am linken Fuß einen komplizierten Knöchelbruch.
— Hirſchhorn, 7. Juli. Wafſerſtand des Neckars am
6. Juli 0,73 Meter, am 7. Juli 0,62 Meter.
Naummer 187
Dienshg, der 8. Zu4930
Bundesfeſides HeſſiſchenSchützenbundesund 25jährige
Suuelfeiel der Schudengefeaſchaftfsen Sver kauſiaer
Seite 7
G. Ober=Ramſtadt, 7. Juli 1930.
Wohl iſt heute nicht die rechte Zeit, um Feſte zu feiern, denn wie
ein ſchwerer Alpdruck laſtet die allgemeine Wirtſchaftsnot auf unſerem
Volk. Aber gerade dieſe Notzeit verlangt gebieteriſch ab und zu auch
frohe Stunden, die die Sorgen des Alltags vorübergehend einmal
ver=
geſſen laſſen. So hat ſich denn die Schützengeſellſchaft „Tell” Ober=
Ram=
ſtadt zur Uebernahme des diesjährigen Bundesfeſtes des Heſſiſchen
Schützenbundes entſchloſſen und damit ihre 25jährige Jubelfeier
verbun=
den. Dieſes Feſt iſt in der Tat zu einem gemeinſamen der ganzen
Ein=
wohnerſchaft Ober=Ramſtadts geworden. Das bewies nicht nur die
reiche: Schmückung und Beflaggung der Häuſer, ſondern auch der nicht
endenwollende Lampionzug am Samstag abend, an dem ſich nach alter
Gewohnheit alle hieſigen Vereine beteiligten. Beim Feſtkommers auf
dem geräumigen Feſtplatz bei der Raumühle ergriff zunächſt der
Vor=
ſitzende des Jubelvereins, Herr Rindfrey, das Wort zur Begrüßung.
Er ſchilderte den Werdegang des Vereins bis zum heutigen Tage in
markanten Worten und gab ſeiner Freude darüber Ausdruck, daß man
dem Schützenfeſt eine ſo große Teilnahme aus allen Kreiſen der
Bevöl=
kerung angedeihen laſſe. Sein dreifaches „Gut Ziel” galt dem weiteren
Aufſtieg des ſchönen Schießſports. Im Namen des Heſſ. Schützenbundes
ſprach ſodann deſſen Vorſitzender, Herr Reuter=Darmſtadt, dem Verein
die herzlichſten Glückwünſche zu ſeiner heutigen Jubelfeier aus. Selten
habe er ein Schützenfeſt von ſolchem Ausmaße geſehen, und die überaus
große Teilnahme beweiſe, daß ſich gerade in Ober=Ramſtadt unter
rüh=
riger Führung der Tell” der ſchöne Schnießſport außerordentlicher
Be=
liebtheit erfreue. Möge ihm auch dieſe Veranſtaltung wieder neue
An=
hänger bringen und die Schützengeſellſchaft „Tell”, die heute ſchon zu
den beſten Vereinen im Bunde zu zählen ſei, weiter blühen und gedeihen.
Auch er brachte ein dreifaches „Gut Ziel” auf den ſchönen Fortgang
des Feſtes und eine weitere günſtige Entwicklung des Auge und Körper
ſtählenden ſchönen Schießſportes aus, in das begeiſtert eingeſtimmt
wurde. Die drückende Schwüle brachte nun in den Bierzelten und
ſon=
ſtigen Erfriſchungshallen regen Betrieb, und bald ſetzte frohe
Feſtſtim=
mung ein. Bei Geſangsvorträgen, Konzert und ausgezeichneten, mit
rei=
chem Beifall belohnten Darbietungen des Arbeiter=Kraftſporwereins
und der Turnerinnen des Tv. 1877 blieben die ſehr zahlreichen
Teil=
nehmer noch bis in die ſpäten Abendſtunden froh zuſammen. Beſonders
hervorgehoben zu werden verdienen die von den Turnerinnen des
Turn=
vereins 1877 unter Leitung von Turner Moter geſtellten wunderbaren
Gruppenbilder, die die volle Anerkennung aller Zuſchauer fanden.
Mit dem üblichen Weckruf und beſonderer Ehrung verdienter
Ver=
einsmitglieder durch Darbringen von „Ständchen” am Sonntag morgen
wurde der Hauptfeſttag eingeleitet. Um 7 Uhr begann auf dem
Turn=
platz des Turnvereins das Klaſſen=, Gruppen= und Werbeſchießen. Dank
der umfaſſenden Vorarbeiten, der ſehr zahlreichen und zweckmäßig
einge=
richteten Schießſtände und einer ausgezeichneten Organiſation wickelte
ſich dies ſehr glatt ab. Wie am Vorabend, wurden auch am
Feſttags=
morgen die zahlreichen auswärtigen Feſtteilnehmer bei ihrer Ankunft
mit Böllerſchüſſen begrüßt und mit Muſik in ihre Quartiere geleitet.
Alsdann beteiligte ſich der feſtgebende Verein nach vorausgegangener
würdiger Totenehrung am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof geſchloſſen
am Gottesdienſt.
Nachmittags 2 Uhr gruppierte ſich an den Eichenmannsmühlen ein
impoſanter Feſtzug, an dem ſich neben den Bundes= auch alle Ortsvereine
beteiligten. Dieſen eröffnete der Reiterverein mit einer
Ehrenreiter=
gruppe. Er enthielt ferner, auf den Namen des Vereins anſpielend, eine
ſich verwandelnde Gruppe aus Schillers „Tell” und den Tellſchuß in der
„Hohlen Gaſſe”, die ſich ſehr wirkungsvoll ausnahm. Nachdem unter
den Klängen der Kapelle Sauerwein=Roßdorf der Zug nach dem
Feſt=
platz geleitet war, ergriff dort der 1. Vorſitzende des Vereins, Herr
Mindfreyz, das Wort zur Begrüßung und gedachte dabei gleichzeitig der fünf
ins Ausland abgewanderten Mitglieder. Hierauf hielt Herr Pfarrer
Nürnberger die Feſtrede. In ausgezeichneter Weiſe ging Redner auf
die Bedeutung eines B5jährigen Jubelfeſtes und insbeſondere in An=
ſehung der hinter uns liegenden ſchweren zwei Jahrzehnte ein. Ein
Verein, der, wie die Schützengeſellſchaft „Tell”, dieſe ſchwere Notzeit
glücklich überwunden, habe ſeine Lebensfähigkeit bewieſen. In dieſem
Zuſammenhang ſei es angebracht, der in dieſen Tagen erfolgten
Befrei=
ung des Nheinlandes von fremder Beſatzung zu gedenken und all der
Nor und Leiden, die die langen Beſatzungsjahre unſeren rheiniſchen
Volksgenoſſen gebracht. Daß ſie nun die lange erſehnte und zäh
er=
kämpfte Freiheit wieder erhalten, freue ſich das ganze deutſche Volk.
Den Toten des Weltkrieges, insbeſondere aus den Reihen der Schützen
und der Befreiung der Rheinlande galt ein ſtilles Gedenken. Vorwärts
mit Gott zur Arbeit an Volk und Vaterland und dem Jubelverein ein
dreifaches „Gut Ziel‟! Die Kapelle intonierte das Deutſchlandlied, in
das die Anweſenden begeiſtert einſtimmten. Herr Bundesvorſitzender
Reuter=Darmſtadt überbrachte die Grüße des Bundes und dankte allen,
die zum guten Gelingen der heutigen Veranſtaltung beigetragen haben.
Sein beſonderer Gruß und Dank galt dem Herrn Feſtredner, dem
Bür=
germeiſter und der geſamten Einwohnerſchaft für die außerordentlich
große Beteiligung am Schützenfeſt und die gaſtfreundliche Aufnahme der
Feſtteilnehmer in Ober=Ramſtadt. Auf die Rheinbefreiung, die
Schützen=
geſellſchaft „Tell” und den Heſſ. Schützenbund brachte auch er ein
drei=
faches „Gut Ziel” aus. Nachdem Frl. Ackermann einen ſinnigen Prolog
geſprochen, nahm der 1. Vorſitzende die Ehrung des noch einzigen
Mit=
begründers, Rebſcher, vor, der dem Verein nun 25 Jahre, auch in aller
Notzeit, die Treue gehalten, und überreichte ihm als äußeres Zeichen der
Anerkennung und des Dankes eine Gedenkmünze. Während des ganzen
Nachmittags herrſchte nun auf dem Feſtplatz und beſonders in den
Er=
friſchungszelten trotz — oder gerade wegen der Tropenhitze reger
Be=
trieb. Nachmittags 6 Uhr kam die Preisverteilung, über deren Ergebnis
an anderer Stelle noch berichtet wird. Gutbeſuchte Feſtbälle in zwei
Sälen und buntes Treiben auf dem Feſtplatz am Abend beſchloſſen den
Hauptfeſttag.
Am Montag morgen traf man ſich zu dem üblichen Frühſchoppen
auf dem Feſtplatz. Nachmittags 3 Uhr ſtellte ſich am Bahnhof nochmals
ein Feſtzug auf, der ſich durch mehrere Ortsſtraßen nach dem Feſtplatz
bewegte. Volksbeluſtigung mannigfachſter Art füllte die
Nachmittags=
ſtunden aus, während für den Abend ſportliche Darbietungen, Tanz und
ein ſchönes Feuerwerk vorgeſehen waren. Das öffentliche Schießen nahm
am Montag ſeinen Fortgang. Alles in allem kann geſagt werden, daß
das Bundesſchützen= und Jubiläumsfeſt der Schützengeſellſchaft „Tell”
in jeder Hinſicht recht ſchön und gemütlich verlief.
bergs, 1561 wurde in der Schiffenberger Kapelle der letzte
katho=
liſche Gottesdienſt in Heſſen abgehalten; damit hatte Philipp
der Großmütige den Deutſchen Orden ſäkulariſiert. Der
Dreißig=
jährige Krieg ging ziemlich gnädig vorüber. 1809 hob Napoleon
den Deutſchen Orden auch in Heſſen auf, und Schiffenburg wurde
heſſiſche Domäne und ging 1919 in den Beſitz des heſſiſchen
Staa=
tes über.
Die Jubiläumsfeier wurde geſtern abend eingeleitet durch
die Einweihung der Gedenktafel für den
Kunſt=
hiſtoriker Wilhelm Heinrich Riehl. Dieſer hat 1843
in Gießen ſtudiert und wohnte auf dem Schiffenberg, wo er enge
Fühlung mit dem alten Kulturboden nahm. Die Weiherede hielt
Univerſitäts=Bibliothekar Dr. Wallbrach=Gießen, der die
Bedeu=
tung des Reiches würdigte. Die Gedenktafel trägt die Inſchrift:
Wilhelm Heinrich Riehl, der unſeres Volkes Art nach ihrem
Werden gedenkend beſchrieben hat und der als Gießener
Stu=
dent im Sommerſemeſter 1843 und 1844 auf dem Schiffenberg
gewohnt hat.” Anſchließend ſprachen Forſtrat Nikolaus, der
Vor=
ſitzende der Heimatvereinigung Schiffenberg, der zugleich die
Tafel enthüllte, und Univerſitätsprofeſſor Dr. Rauch. Der
an=
ſchließende Kommers wurde leider durch Gewitterbildung
ge=
ſtört, indem gegen 11 Uhr die elektriſche Beleuchtung verſagte. —
Wohl 5000 Menſchen trafen heute zur Hauptfeier ein,
große Poſtomnibuſſe und Privatwagen brachten von Mittag
un=
unterbrochen die Gäſte aus Gießen und den Nachbarorten herauf,
ſo daß der große Kloſterhof ein großes Menſchengewimmel
bil=
dete. Inmitten war eine geräumige Naturbühne unter den alten
Kaſtanienbäumen eingerichtet. Die Feier wurde durch den
Maſ=
ſenchor der Gießener Geſangvereine „Wo gen Himmel Eichen
ragen”,
* 800jährige Jubiläumsfeier des ehemaligen
Klofters Schiffenberg.
h. Gießen, 6. Juli. Unſere Muſenſtadt ſtand heute voll und
ganz unter dem Zeichen des 800jährigen Jubiläums
des Schiffenberges, der bekanntlich einer der beliebteſten
Ausflugsorte der hieſigen Einwohnerſchaft und der Studenten
iſt. Im Jahre 1129 war es als Klementine von Gleiberg auf
der bewaldeten Höhe ſüdöſtlich Gießen das Kloſter Schiffenberg
gründete und dem Auguſtinerorden übergab. Es gehörten etwa
20 Huben, das ſind rund 600 Morgen Wald dazu, deſſen
Ro=
dung die Mönche vornahmen. Im Juli 1129 weihte der
Erz=
biſchof von Trier die Stiftung nebſt dem erſten Kloſterkirchlein.
Es entſtanden bald die Nachbarorte Garbenteich, Watzenborn
und ſpäter Hauſen. Im 13. Jahrhundert herrſchte großer
Wohl=
ſtand, das Kloſter ſtand in Blüte und hatte reiche auswärtige
Beſitzungen bis in die Wetterau und das Lahntal. Später
be=
gann der Niedergang des Kloſters, es entſtand am Fuße des
Schiffenberges ein Nonnenkloſter Zelle, das 1241 erſtmals
ur=
kundlich erwähnt wird. Der Deutſche Orden übernahm beide
Klöſter um 1340. Die Reformation entſchied das Geſchick Schiffen=
Weſtain Heee elei ue enetengeite
Darmſtadt, den Provinzialdirektor Graef, den Univerſitätsrektor
Prof. Dr. Bruggemann, Bürgermeiſter Dr. Hamm, die
Studen=
tenſchaft, die Landbürgermeiſter und die Mitwirkenden aus der
geſamten Umgebung. Landesforſtmeiſter Heſſe überbrachte zum
800. Jubelfeſte die Glückwünſche der Staatsregierung und der
Landesforſtabteilung, der die Domäne Schiffenberg unterſteht.
Er gedachte der Geſchichte des Schiffenberges und wies auf die
Pflege der Heimatliebe hin. Dann gedachte er der deutſchen
Hei=
mattreue und Vaterlandsliebe der Rheinländer in
ſchwung=
vollen, begeiſterten Worten. Bürgermeiſter Dr. Hamm entbot die
Glückwünſche Gießens und würdigte die enge
Zuſammengehörig=
keit Gießens mit dem Schiffenberg. Nachdem der Maſſenchor
Wer hat
Nere Ser Stut ſthſce engſe e etiie
zeigten die Entwicklung der Kultur rings um den Schiffenberg,
dargeſtellt vom Gießener Turn= und Sportverein, ein
Germa=
niſches Opferfeſt, Einbruch der Römer unter Druſus,
Völkerwan=
derung, Verkündigung des Chriſtentums durch Bonifazius,
Stif=
tungsakt des Kloſters Schiffenberg 1129. Aufhebung des Kloſters
durch Balduin von Trier 1323, Einzug des Deutſchordens,
Ernte=
zug als Symbol, der blühenden Ordenskommende, dargeſtellt
durch Trachtengruppen aus Garbenteich. — Der zweite Teil
um=
faßte die neue Zeit, verfaßt von dem Heimat= und
Mundart=
dichter Georg Heß aus Leihgeſtern, mit einem Vortrag von
Inge=
borg Scherer, vom Stadttheater Gießen. Trachtengruppen aus
Kleinlinden Leihgeſtern Annerod, Grüningen, Watzenborn=
Steinberg ſangen Spinnſtubenlieder, führten Reigen und
Volks=
tänze auf, ebenſo die Schulklaſſen aus Watzenborn und Leihgeſtern
und eine Jugendwandergruppe aus Gießen. Nicht unerwähnt ſei
die rege Mitwirkung der Geſangvereine aus den Nachbarorten
und des Turnvereins Hauſen.
Eine tauſendköpfige Menſchenmenge folgte mit großem
In=
tereſſe den wohlgelungenen Darbietungen, deren muſikaliſchen
Teil die Kapelle Weller=Gießen ausfüllte. Mehrere Lautſprecher
waren im Kloſterhof aufgeſtellt, ſo daß ſelbſt in der entfernteſten
Ecke alles gut hörbar war.
Nach Aufführung des Feſtſpiels begann bei Tanz,
Volkslie=
dergeſang, Preisſchießen uſw. ein reges Volksfeſt, dem um 10 Uhr
der Zapfenſtreich folgte.
Attt
Inh. Hans Tod. Dieburgerſtr. 97
Telefon 4348
Heute Dienstag, abends 8 Uhr
Großes
Konzert
ausgeführt vom geſamten
Harmonie=Orcheſter.
Leitung: Kammervirtuoſe
(107.3
Louis Kümmel.
Eintritt frei. Eintritt frei.
KURHOTEL
AUGUSTE VIKTORIA
Tel. N. 11 Pension Mk. 6.—
Gr. Café und Terrassen-Restaurant
entzuckendeßernsicht.
Das Ziel der Touristen u. Automobilisten
Lindenfels, Perle des Odenwaldes, 400 m
Schweizerkäſe
mit kleinem
Transport=
gsPſo.
ſchaden, ½ Pfund ..
empfiehlt ſolange Vorrat
Friedrich Clan, Molkerei=Erzeugnifſe,
Ludwigſtr, 18. — Telephon 4397.
Wochenendhrauf
Ein entzückender Film voll
Liebe,Pikanterie u. sprübendem
Humor, in welchem in äußerst
witziger Satire, aktnellste
Gegenwart in den Mittelpunkt
einer heiter. v. Pointe zu Pointe
eilendenHandlung gestellt wird.
Regie Georg Jacoby
In den Hauptrollen:
Elga Brink, Werner Fuetterer,
Paul Hörbiger,
Kurt Vespermann.
Im Beiprogramm:
Der Herr des Hauses
Walzerkonig
Regie: Man fred Noa
In den Hauptrollen:
Glaire Rommer, Hans Stüwe,
Fred Luis Lerch, Viktor Janson,
Ida Wüst u. a.
Wiener Leben!
Wiener Walzer!
Wiener Fasching!
Dazu im Tonälmbeiprogramm
Die Ouvertüre zur Oper
„Tannhäuser‟"
v. Richard Wagner
gespielt vom New Torker
Phil-
barmonischen Orchester, unter
Leitung von Henry Hadley
Siemer-Reisen 1930
von unseren über 200 billigen
Sommer-Reisen
Ein Großlustspiel voll Prunk
und herzhafter Lustigkeit
Küße,die man
nie vergi
Ein nettes, frisches Spiel von
Liebe, Frähling u. Theaterleben
aus dem alten Wien.
Regie: Georg Jacoby
Hanptdarsteller:
Maria Paudler,
Werner Fuetterer, Hans
Junkermann, Lydia Potechina,
Kurt Vespermann.
Im Beiprogramm:
Der Piepmatz
2 lustige Akte
Beginn 3½ Uhr
Außerdem in jeder Vorstellung
Der Weltmeisterschaftskampf
Schmeling-Sharkeg
V.10779
Als Ton- und Sprechfilm in deutscher Sprache
Darch diesen Film wurde Sharkeys Tiefschlag einwandfrei nachgewiesen. D O Beginn 3½ Uhr
bieten wir als besonders preiswert an:
16. bis 20. Jn11
5 Tage
Donaufahrt nach Wien
Ru 99.-
2b Närnbers
15. bis 27. Juli
13 Tage
Ferienfahrt an d. Gardasee
Ru 167.-
(Riva) ab München
20. bis 27. Jult
8 Tage
Triest — Venedig — Gardasee
über Tauernbahn-Triest-Schiff nach
Vene-
dis Gardasee Brenner — ab Münehen RM 130--
Adria - Venedig — Südtirol
über Triest-Abbazia Venedig-
Gardasee-
ab Mänchen RM 216.-
Brenner
MORosEE-EANRTEK
13 Tage
21. Juli bis 2. August
Wilhelmshaven mit Besuch von
Hamburg und Bremen ab Frankfurt RM 1XZ.*
Nordsee-Ostsee
Kopenhagen
ab Frankturt RM 302.-
Euxhaven mit
Be-
such von Hamburg-
Bremen ab
Frankfurt, RM 300.-
Zur Befreiung der Rheinlande
Sonderfahrt an den Rhein
9. bis 15. August
ab Frankturd.
nu 123.-
Vom 9. bis 15, August
Dauer 8 Tagé
B Kriegsgräber- u. Schlachtfelder-
Reisen
mit Abstecher nach
Paris
A. 20
110.-
Klavier-Arnold
Elisabethenstr. 28
Papiet=
Serviekken
1000 St. v.ℳ 2,20 an
Papiergroßhandlg.
Skurnik,
Bleich=
ſtraße 46. (10719
Telephon 1791.
Friſch gebrochene
Sauerkirſchen, Pfd.
20 J. Stachelbeeren
Pfd. 15 J.
Heinheimerſtraße 59
(Laden).
Städt. Saalbaugarten
Zweites großes
Vorelns Konder!
(Militär-Musik)
Dienstag, den 8. Juli 1930, 8 Uhr abends
durch 60 Mitglieder des Reichsbundes
ehemaliger Militärmusiker.
Leitung:
Vereinsdirigent G. Greilich und
Obermusikmeister a. D. M. Weber
— Reichhaltige Spielfolge —
Karten im Vorverkaut 50 Ptg.
Abendkasse 75 Pfg. 10496b
Auto-Oel
Abfall
koslenlos abzugeben.
Rheinstr. 39
heine Heiſe
ohne
Lohmann
Koffer.
Alleinverkauf
nur (10010a
Koffer=Kolb
Schuchardſtraße 15,
Eliſabethenſtraße 1.
2.—19. Aug. O 16. Aug.—2.Sept. O 13.—30 Sept.
3 außerordentlich preiswerte
MITTELMEER-REISEN
Adria-Rhodos-Kleinasien-Griechenland
Ablahrt Triest. Ende Venedig ab RM 380.-
Bahn- u. Schitfahrten hin u. zurdck, Wohnung,
volle Verpflegung, Trinkgelder Taxen, alles
ein geschlossen! Anmeldeschluß laut Prospekt.
Soweit noch Plätze vorhanden sind, auch
I noch nach dem dord genannten Termin
Reise-Ausführung:
Siemer & Go., Verkehrsgesellschaft m. b. H.
München am Karlstor
Prospekte,Auskünfte, Anmeldungen: Lotterieeinnahme
L. F. Ohnacker, Darmstadt, Schulstr. 15, Tel. 84.
Bankgeschäft Friedrich Zaun, Darmstadt,
Luisen-
platz 1, Tel. 1308.
(II.Mch. 10777
AAD SALZHAUSEN
Kurpension Villa Victoria bestes u. ruhigstes Haus. Bekannt
durch die gute Kdche. Nahe der Bäder. Verl. Prosp. 10618b
Brotrian=Steinweg
Klavier
wie neu, kaum
ge=
ſpielt, weit unt. Preis
Verkauf bei dem
Allein=Vertreter
A. W. Zimmermann
Grafenſtraße 21
(nächſt Rheinſtr.)
(r7045b
Adam Dietz,
Elfenbeinſchnitzerei,
Studenten=
Dedikationsartikel.
früh. Eliſab.=Str. 30
jetzt Kaſinoſtr. 17.
Vereins=Abzeichen,
Medaill., Plaketten
aller Sportarten.
Reparatur. billigſt.
(8865a)
Alte Kartoffeln
zu kaufen geſucht.
Angebote u. W. 97
an die Geſchſt.
Hofgut liefert Ia
Vollmiſch frei Haus
zu 31 5 pro Liter.
Flaſchmilchquglität.
Offert. unt W. 81
an die Geſchſtelle. (*
Seite 8
Dienstag, den 8. Juli 1930
Nummer 187
Die Einweihung des erſken denkmals eines lebenden Papftes.
Die feierliche Einweihung des Denkmals für Papſt Pius XI. in ſeiner Geburtsſtadt Deſio in der
Lombardei, die in Gegenwart von Kardinalſtaatsſekretär Pacelli erfolgte.
der Rieſen=Waldbrand in Anhalt.
Feuerwehr und Bevölkerung ziehen bei dem großen Waldbrand bei Deſſau, der 450 Morgen Wald
zerſtörte, breite Gräben rings um das bedrohte Gebiet, um die Ausbreitung des Feuers zu verhüten.
Anwetterkataſtrophen in Europa.
Hagelſchläge vernichken große Teile der Ernke. — Ueberſchwemmungen in
Skädken und Dörfern. — Unüberſehbare Schäden.
Reich und Ausland.
Die Ruſſiſche Sonderausſtellung auf der 18.
Deut=
ſchen Oſtmeſſe.
Die Handelsvertretung der U.d. S. S.R.
ver=
anſtaltet auf der 18. Deutſchen Oſtmeſſe (17. bis
20. Auguſt) eine Ausſtellung ruſſiſcher
Export=
waren, die dadurch ein beſonderes Gepräge
er=
hält, daß das neugegründete Kommiſſariac der
Landwirtſchaft für die geſamte Sowjet=Union
darin mit einer Sonderſchau vertreten ſein wird.
Zur Ausſtellung gelangen die wichtigſten
Export=
waren der U.d. S. S.R., wie Nahrungs= und
Ge=
nußmittel, tieriſche Rohſtoffe, Textilrohſtoffe,
chemiſche Produkte ſowie einige Fertigwaren und
Erzeugniſſe der Heimkunſt.
Hundert Jahre Eiſenbahnbillett.
Die Eiſenbahn=Fahrkarte konnte in dieſem
Jahre ihr hundertjähriges Jubiläum feiern. Im
Mai 1830 hat der Engländer Edmundſon auf
der Stockton=Darlington=Bahn, die fünf Jahre
vorher eröffnet worden war, dieſes kleine
vier=
eckige Pappſtückchen eingeführt, nachdem in der
erſten Zeit des Eiſenbahnbetriebs als
Quit=
tungen Zettelbillette üblich waren. Die neue
Eiſenbahnfahrkarte bedeutete trotz ihrer
Un=
ſcheinbarkeit eine große Umwälzung und
Er=
leichterung im Verkehr und fand ſehr ſchnell bei
den anderen Eiſenbahnen Nachahmung, da die
Karten viel ſtabiler waren, eine ſchnellere
Ab=
fertigung am Fahrkartenſchalter und eine beſſere
Prüfung durch die Schaffner ermöglichten. Heute
wird die Fahrkarte, die bis vor kurzem noch in
ungeheuren Mengen vorgedruckt und in
beſon=
deren Schränken bereitgehalten wurde, wegen
der gewaltigen Ausdehnung des Verkehrs und
der Mannigfaltigkeit der Reiſeziele von den
Be=
amten an den Schaltern je nach Bedarf durch
beſondere Drucker hergeſtellt.
Tod durch vergiftete Erdbeeren.
Rüdesheim. In der Gemeindewaldung
von Aulhauſen erkrankte ein junges Mädchen
nach dem Genuß von Walderdbeeren und
ver=
ſtarb unter ſchweren Vergiftungserſcheinungen
einige Tage ſpäter im hieſigen Krankenhaus.
Die Erdbeeren waren, wie die Unterſuchung
er=
gab, mit Kupfervitriol beſpritzt worden. Mehrere
andere Mädchen, die auch von den Beeren
ge=
geſſen hatten, kamen mit leichteren Störungen
der Verdauungsorgane davon.
Furchtbares Motorradunglück.
Winnweiler (Pfalz). Sonntag abend,
gegen 20 Uhr, ereignete ſich auf der Landſtraße
Neunkirchen—Mehlingen ein entſetzliches
Ver=
kehrsunglück. Ein Motorrad mit zwei Männern
aus Winnweiler rannte — wohl infolge
Ver=
ſagens der Bremſen — auf ein Perſonenauto
mit ſolcher Wucht auf, daß der Benzintank des
Motorrades explodierte. Beide Motorradfahrer
waren im Augenblick in Flammen gehüllt.
Wäh=
rend der Lenker des Rades unter furchtbaren
Schmerzen alsbald ſtarb, wurde ſein Begleiter
in hoffnungsloſem Zuſtand dem Krankenhaus
zugeführt.
Motorboot=Unglück bei Sakrow.
Berlin. Am Sonntag nachmittag geriet
auf der Havel, unweit Sakrow, der Vergaſer
eines Motorbootes in Brand und verurſachte
eine Exploſion des Benzinbehälters. Die beiden
Inſaſſen, ein Kaufmann Jahn aus
Charlotten=
burg und deſſen Schwager, erlitten ſchwere
Ver=
letzungen. Da Jahns Kleider zu brennen
an=
fingen, ſprang er in der Verzweiflung ins
Waſ=
ſer und ertrank, da er des Schwimmens
unkun=
dig war.
Der Maſſenmörder Kürten wird auf ſeinen
Geiſteszuſtand unterſucht.
Berlin. Wie die Düſſeldorfer
Juſtizpreſſe=
ſtelle mitteilt, ſoll ſich die Vernehmung des
Düſ=
ſeldorfer Maſſenmörders ſchwieriger geſtalten,
als die Polizei zunächſt angenommen hat. Bei
den Verſuchen, über die einzelnen Taten, über
die Kürten ein Geſtändnis abgelegt hatte, eine
nähere Aufklärung zu erlangen, verwickelte ſich
Kürten in derartige Widerſprüche, daß ſich weder
die Polizei noch der Vernehmungsrichter in den
Ausſagen noch auskannte. Kürten wechſelt
ſtän=
dig ſeine Geſtändniſſe, einen Teil davon hat er
bereits widerrufen, daher ſoll Kürten jetzt
zu=
nächſt einer Beobachtung ſeines Geiſteszuſtandes
unterworfen werden. Die Unterſuchung wird
längere Zeit in Anſpruch nehmen, wodurch das
gegen Kürten eingeleitete Verfahren
naturge=
mäß ins Stocken geraten muß. Die Sachlage iſt
zurzeit derart verworren, daß mit einer
Eröff=
nung des Hauptverfahrens für die nächſten
Mo=
nate nicht gerechnet werden kann, da noch nicht
einmal die Vorunterſuchung abgeſchloſſen iſt.
Anſchlag auf einen Güterzug.
Unkel. Kürzlich, früh zwiſchen 2 und 3 Uhr,
wurde auf der Eiſenbahnſtrecke zwiſchen Unkel
und Rheinbreitbach ein rheinaufwärtsfahrender
Güterzug zum Stillſtand gebracht, in der
Ab=
ſicht, ihn zu berauben. Die Täter verknebelten
den Zugdraht zum Signal, ſo daß dieſes nicht
auf „Freie Fahrt” geſtellt werden konnte.
Wäh=
rend des Aufenthaltes des Zuges wurden an
zwei Wagen die Bleiplomben entfernt. Da ſich
jedoch in den beiden Wagen nur Eiſenteile
be=
fanden, kam es nicht zu einem Diebſtahl. Die
am Freitag morgen vorgenommenen
Ermitt=
lungen ergaben, daß die Täter vom Rhein aus
ihren Weg durch die Felder zum Eiſenbahndamm
genommen und ſich in deſſen unmittelbarer Nähe
in einem Gebüſch aufgehalten hatten; nachdem
ihr Vorhaben fehlgeſchlagen, entkamen ſie auf
dem gleichen Weg zum Rhein.
Zugentgleiſung.
Wülfratb. Die Preſſeſtelle der
Reichs=
bahndirektion Elberfeld teilt mit: Geſtern
mor=
gen gegen 8.50 Uhr ſind auf dem Oſtende des
Bahnhofs Wülfrath die Lokomotive und der
Packwagen eines Uebergabezuges entgleiſt. Der
Zugverkehr auf der Strecke Ratingen—Wülfrath
iſt nicht geſtört. Auf den Strecken Nelberg—
Wülfrath und Aprath—Wülfratb wird der
Ver=
kehr durch Umſteigen aufrecht erhalten. Die
Dauer der Sperre iſt noch nicht bekannt. Die
Interſuchung iſt im Gange.
Furchtbarer Hagel im Ruwertal . . . .
Trier. Nach den erſten
Schadensfeſtſtel=
lungen hat ein ſchweres Hagelwetter, das am
Samstag nachmittag das Ruwertal heimſuchte,
große Verwüſtungen angerichtet. Auf der
ſtaat=
lichen Domäne Avelsberg und in dem Weinorte
Caſel wird mit einer völligen Vernichtung der
Ernteausſichten gerechnet. In den Nachbarorten
ſollen etwa 25 bis 30 Prozent der Ernte
ver=
nichtet ſein. In Caſel wurden vom Hagelſchlag
zahlreiche Dächer beſchädigt und Fenſterſcheiben
zertrümmert. Die zu Tal ſchießenden
Waſſermaſ=
en riſſen in den Weinbergen derart viel Geröll
mit, daß in den Tälern der Boden davon bedeckt
war. In den Weingärten ſieht man Furchen
von einem halben Meter Tiefe, und zahlreiche
Reben wurden mit den Pfählen aus dem Boden
geſpült.
.... im ſüdlichen Schwarzwald und im
Kanton Genf.
Freiburg i. Br. Im Oberrheintal, im
ſüdöſtlichen Schwarzwald und im Bodenſeegebiet
gingen am Sonntag nachmittag ſtarke
Wolken=
brüche mit Hagelſchlag nieder. Sie richteten in
Feld und Flur, ſowie in den Ortſchaften
um=
fangreichen Schaden an. Der Telephonverkehr
erlitt erhebliche Unterbrechungen durch
Sturm=
ſchäden. In der Donau=Eſchinger Gegend
ſchwol=
len die nach dem Rhein zu fließenden Bäche ſtark
an und ſetzten in dem kleinen Ort Fützen den
größten Teil der Häuſer unter Waſſer. Gleiches
geſchah im Hegau, beſonders in Engen. In
Ueber=
lingen, am Bodenſee, entwurzelte der Sturm
zahlreiche Bäume, darunter eine Jahrhunderte
alte Libanonzeder. Verſchiedentlich wurden
Dächer abgedeckt. Der Schaden, beſonders auch
der an Gebäuden, iſt ſehr groß. Das Unwetter
war das ſchwerſte, das bisher in dieſem Jahre
über Oberbaden und das Bodenſeegebiet
nieder=
gegangen iſt.
Bern. Das Gewitter, das am Sonntag
nachmittag und abend über der Schweiz
nieder=
ging, hatte auch im Kanton Genf große
Verhee=
rungen angerichtet. Der Sturm nahm über dem
Kanton die Form eines Zyklons an, entwurzelte
Bäume, unterbrach die Telegraphen= und
Tele=
phonleitungen und trug verſchiedentlich Dächer
hinweg. Große Hagelſchloßen richteten in den
Weinbergen und ſonſtigen Kulturen
Verhee=
rungen an. Faſt überall kam es zu
Ueberſchwem=
mungen
Schweres Unwetter über Frankreich
und über dem Peleponnes.
Paris. Ein außergewöhnlich ſchweres
Ge=
witter ging am Sonntag nachmittag über Lyon
hinweg und richtete große Zerſtörungen an,
be=
ſonders auf dem Flugplatz Bron, wo ein
Schup=
pen von 90 Meter Länge und 30 Meter Breite
fortgeriſſen wurde. Sechs darin befindliche
Flug=
zeuge und ein Kraftwagen wurden zerſtört. Der
Schaden beläuft ſich auf eine Million Franken.
— Die Indre, ein Nebenfluß der Loire, iſt
in=
folge ſintflutartiger Regengüſſe über die Ufer
getreten. Das Städtchen La Chätre wurde
über=
ſchwemmt. Stellenweiſe ſteht das Waſſer in den
Straßen zwei Meter hoch. — Ueber das
Städt=
chen Bourges, im Departement Cher, ging eine
Waſſerhoſe hinweg, die bedeutenden Schaden
an=
richtete. — Im Departement Loire Inférieure
wurden mehrere Meiereien, durch Blitzſchläge
eingeäſchert. Der Blitz ſchlug auch wiederholt in
die Elektrizitätszentrale der Werft von St.
Na=
zaire. Ein Arbeiter wurde getötet.
Athen. Ein furchtbarer Hagelſturm
ver=
wüſtete mehrere Ortſchaften des Peleponnes.
Dreißig Perſonen wurden durch die
ungewöhn=
lich großen Hagelkörner verletzt. Die Ernte iſt
vollſtändig vernichtet. Zahlreiches Vieh wurde
getötet oder verletzt. Einige Häuſer wurden
beſchädigt. Der Sturm legte auch zahlreiche
Tele=
graphenmaſten um, ſo daß der
Telegraphenver=
kehr an mehreren Stellen unterbrochen iſt.
Erdbeben in Spanien.
Madrid. Das Erdbeben, das in der Nacht
zum Sonntag in Madrid und der Provinz
An=
daluſien wahrgenommen wurde, hat, wie jetzt
erſt bekannt wird, in Montilla mehrere Häuſer
zum Einſturz gebracht, wobei drei Einwohner
getötet wurden. In Sevilla, Malaga und
Gra=
nada waren die Erdſtöße ſo ſtark, daß zahlreiche
Perſonen aus den Betten geworfen wurden.
Viele flüchteten, von Panik ergriffen, aus den
Häuſern ins Freie, wo ſie den Reſt der Nacht
verbrachten.
Paris. Nach einer Meldung des „Matin”
ſind am Sonntag in Savoyen zwei Erdbeben
ver=
ſpürt worden, und zwar das erſte um 10.05 Uhr,
das zweite um 10.10 Uhr. In Modane war das
Beben von einem dumpfen unterirdiſchen
Ge=
räuſch begleitet.
Ein jugoflawiſcher
Paſſagier=
dampfer gerammk.
Acht Toke.
Belgrad, 7. Juni.
Eine ſchwere Schiffskataſtrophe hat ſich in der
Nacht zum Sonntag in den adriatiſchen
Gewäſ=
ſern Dalmatiens ereignet. Der im
dalmatini=
ſchen Küſtenſchiffahrtsdienſt ſtehende bekannte
Luxusdampfer „Karagyorgye” der jugoſlawiſchen
Schiffahrtsgeſellſchaft Jadranſka Plovijda wurde
um 2 Uhr nachts von dem italieniſchen Dampfer
„Francesco Moreſini” gerammt. Der italieniſche
Dampfer fuhr mit ſeinem Bug mit ſolcher
Ge=
walt in die Backbordſeite des Hecks des „
Karagy=
orgye”, daß er dem letzteren ein gewaltiges Leck
beibrachte, das von der Höhe der erſten Klaſſe
bis unter die Waſſerlinie reichte. Der „
Karagy=
orgye”, der größte Dampfer der genannten
Schiffahrtsgeſellſchaft, war mit 600 Reiſenden,
zum größten Teil jugoſlawiſchen und polniſchen
Sokoliſten, beſetzt, die im Anſchluß an die Sokol=
Feierlichkeiten in Belgrad eine
Vergnügungs=
reiſe durch Dalmatien machten. Der
Zuſammen=
ſtoß hat zahlreiche ſchwere Opfer gefordert. Acht
Reiſende des gerammten Vergnügungsdampfers
wurden auf der Stelle getötet, ſieben andere
wurden ſchwer verletzt, während zwanzig
Paſſa=
giere leichtere Verletzungen erlitten. — Auf dem
„Karagyorgye” entſtand ſofort nach dem
Zu=
ſammenſtoß eine ungeheure Panik, da das
Schiff unterzugehen drohte. Der „Francesco
Moreſini” ſtoppte ſofort und übernahm alle
Paſ=
ſagiere, einen Teil der Schiffsmannſchaft, ſowie
die Verwundeten und Getöteten und fuhr mit
ihnen nach Zara weiter, wo er ſie ausſchiffte.
Die Toten und Verletzten wurden ins
Kranken=
ſaus gebracht; die übrigen Schiffbrüchigen
wer=
den auf zwei Erſatzſchiffen weiter befördert. Der
Zuſammenſtoß erfolgte auf der Höhe von
Bio=
grad, zwiſchen Spalato und Zara. — Der „
Ka=
ragyorgye” war von Spalata ausgefahren. Das
Unglück ſcheint auf die Unachtſamkeit des
italie=
niſchen Dampfers zurückzuführen zu ſein, da die
Nacht hell und ohne Nebel war. Der ſchwer
be=
ſchädigte „Karagyorgye” wurde von ſeinem
Ka=
pitän auf eine Sandbank geſteuert und auf
Grund geſetzt. Es gelang, das Leck ſoweit
auszu=
beſſern, daß ein Sinken des Schiffes verhütet
werden konnte.
53 Todesopfer in Lübeck.
Lübeck. Die Zahl der Todesopfer bei den
mit dem Tuberkuloſe=Präparat gefütterten
Säuglingen hat ſich, wie das Lübecker
Geſund=
heitsamt bekannt gibt, von Samstag bis
Mon=
tag um drei weitere Todesfälle auf 53 erhöht.
Krank ſind 66, gebeſſert 73, geſund 59 Kinder.
Der Fall Meußdörfer vor dem Bayreuther
Schwurgericht.
Bayreuth. Vor dem Bayreuther
Schwur=
gericht begann geſtern der Prozeß gegen die
Ar=
beiter Friedrich Schubert und Hans Popp, die
beſchuldigt werden, die Frau des
Kommerzien=
rats Meußdörfer in Kulmbach beraubt und durch
die dabei verübte Gewaltseinwirkung ihren Tod
verſchuldet zu haben. Im Eröffnungsbeſchluß
heißt es: Am 4. November 1929 drangen die
Angeſchuldigten, nachdem ſie vorher den
Raub=
plan in allen Einzelheiten durchgeſprochen
hat=
ten, in die Villa des Kommerzienrats
Meußdör=
fer in Kulmbach ein, um Geld und Wertſachen
zu ſtehlen und Meußdörfer zu verſchleppen,
den ſie gegen ein hohes Löſegeld dann wieder
freilaſſen wollten. Sie ſtiegen mit Gasmasken,
Knebeln, Taſchenlampe und Schnur verſehen am
Blitzableiter zum Balkon. Die Balkontür ſchloß
Schubert mit dem bei einem früheren Einbruch
geſtohlenen Schlüſſel auf. Dann warteten die
beiden, bis die Hausbewohner zu Bett gegangen
waren. Während Frau Meußdörfer noch im
Badezimmer war, ſchlichen ſie ins Schlafzimmer
und verſteckten ſich. Nachdem ſich Frau
Meuß=
dörfer zu Bett begeben hatte, überfielen ſie die
Liegende, die erwachte und laut um Hilfe rief.
Popp würgte ſie am Halſe und Schubert
ver=
ſuchte, ihr einen Knebel in den Mund zu ſtecken.
Das gelang, ihm aber nicht. Daher drückte er
ihr eine Deike aufs Geſicht und drohte, ſie
um=
zubringen. Dann feſſelten ſie die Wehrloſe und
durchſuchten das Zimmer nach Geld. Sie fanden
aber nichts und verließen das Haus wieder am
Blitzableiter. Frau Meußdörfer iſt kurze Zeit
darauf geſtorben.
„Graf Zeppelin” wieder in Friedrichshafen.
Friedrichshafen. Das Luftſchiff „Graf
Zeppelin” iſt kurz nach Mitternacht auf dem
Werftgelände glatt gelandet. Obwohl größte
Dunkelheit herrſchte, konnte die Landung ohne
Benutzung von Halteſeilen vor ſich gehen. Auf
ſeinem Rückfluge erreichte das Luftſchiff gegen
9 Uhr abends Karlsruhe, gegen 9.30 Uhr
Offen=
burg und überflog gegen 10.30 Uhr den
Kaiſer=
ſtuhl.
„D 2000” in Düſſeldorf.
Düſſeldorf. Das Junkers=Großflugzeug
„D 2000” ſtartete am Montag, um 11.25 Uhr, in
Köln und landete gegen 11.45 Uhr im Flughafen
Düſſeldorf=Lohauſen.
Beim Start zum Ozeanflug abgeſtürzt.
London. Der engliſche Staffelführer Wyne
Eyton iſt beim Start zu ſeinem Atlantikflug
nach Irland in Neufundland, kurz nachdem er
aufgeſtiegen war, abgeſtürzt. Das Flugzeug
oer=
brannte. Der Flieger wurde mit ſchweren
Ver=
letzungen im Geſicht ins Krankenhaus gebracht.
Automobilunglück bei Großwardein.
Bukareſt. In der Nähe des Felixbades
bei Großwardein fuhr ein großes Automobil
gegen einen Telegraphenmaſt und ſtürzte um.
Dabei wurden 8 Perſonen ſchwer verletzt und
vier getötet.
DERL VELRRAOAE RROrT LLNT
als 125 Sklaven notwendig wären, wenn die Bevölkerung lichkeit ſcheitern.
der Vereinigten Staaten heutzutage die für ihre
gegen=
wärtigen Bedürfniſſe erforderliche Energie ſich in der
gleichen Weiſe beſchaffen wollte, wie dies die Völker im
Altertum gemacht haben.
Dr. Axel F. Enſtröm, Stockholm.
liefern. Prof. Sir A. S. Eddington, Cambridge.
Lügen, und Selbſtkoſten.
Dr.=Ing. K. Rummel, Düſſeldorf.
Dieſe drei Sätze ſeien herausgegriffen aus der Fülle kluger
Ausſprüche, die im Verlauf der 10 tägigen Zweiten
Weltkraſt=
konferenz in Berlin gemacht worden ſind. Sie ſtammen aus
ren Fülle des behandelten Stoffes aus 100 verſchiedenen Gebie= Energien ſtattfindet. Innerhalb eines ſo großen Gebietes werden
ten Wahres und Beſtreitbares, Neues und Altes, herausgreifen
können. Dieſe Rieſenfülle im Rahmen eines
zuſammenfaſſen=
den Berichtes zu bewältigen, iſt unmöglich. Schon allein die
ver=
ſchiedenen Formen der Energiegewinnung, die ſämtlich immer
wieder auf der Konferenz der 3800 Fachleute aus aller Welt be= Belaſtung ergibt als beim einzelnen Werk, das der Verſorgung
keiten ihrer Verwendung und Verteilung und, was damit
zu=
ſammenhängt, ihrer wirtſchaftlichen Ausnutzung und
Verbilli=
gung. — Aufgaben, die das eigentliche Thema der Zweiten
Welt=
kraftkonferenz ausmachten.
Energle-Beschaffung und -Spelcherung.
Ein Mangel an Energie wird in abſehbarer Zeit in der Welt
nicht herrſchen. Noch iſt es nicht nötig, auf die im Atom
ruhen=
den ungeheuren Kräfte zurückzugreifen, von denen wir nicht
wiſſen, ob wir ſie jmals beherrſchen werden. Noch wird der
Bedarf an Weltkraft durch die lebendige Kraft des Waſſers,
durch die in der Nähe der Erdoberfläche vorhandenen Felder
von Kohle Erdöl und Naturgas gedeckt, oder durch die „
auf=
bereitete‟ Roh=Energie, alſo durch Strom, Gas, Dampf,
Ben=
zin. Ob die vorhandene Kraft roh oder aufbereitet verwendet
werden ſoll, ob die Beleuchtung durch Ferngas, durch Gas der
kommunalen Gaswerke oder durch Kokereigas geſchieht, ob unter
Tage der Betrieb durch Preßluft. Strom oder Waſſerdruck
wirt=
ſchaftlicher iſt, das ſind Einzel=Fragen, die allgemein kaum
ge=
löſt werden können, Frogen, wie ſie in großer Zahl auf der
Kon=
ferenz aufgetaucht und beantwortet oder diskutiert worden ſind.
In erſter Linie wird jedes Land die innerhalb ſeiner
Gren=
zen vorhandenen Energiemengen verwerten, bevor es ſich zur
Einfuhr fremder Energie, etwa in Form von elektriſchem Strom
oder Erdöl entſchließt. Unter den zur Verfügung ſtehenden
Energiemengen wiederum werden jene aus wirtſchaftlichen
Gründen zuerſt verbraucht werden, die ſich dauernd ſelbſt
er=
neuern, wie die Waſſerkraft, und erſt in zweiter Linie Kraftſtoffe,
Kohle und das Erdöl. Natürlich iſt auch das keine
General=
des, daß die Energie ſtets augenblicklich zur Verfügung ſteht, doch
in vielen Fällen ihnen den Wettbewerb mit den
Dampfkraft=
werken ſchwer.
wendige Energie zur Verfügung ſtehen. Das macht deren
Speiche=
rung notwendig, die eigentlich immer unrentabel iſt; denn ſie
iſt ſtets mit Verluſten verbunden, gleichgültig, ob es ſich um
Pumpſpeicherung, alſo um das Hinaufpumpen gerade nicht in
wozu andererſeits dort, wo Oel billig und Kohle teuer iſt, ein
Dieſelmotor dienen kann. Die Gasſpeicherung iſt allerdings be= Bereithaltung vieler Kraſtreſerven erübrigt.
ſonders unwirtſchaftlich, während andererſeits gerade ſie die
weil faſt überall in der Welt beide Arten der Energiegewin= auf der Weltkraſtkonferenz Gegenſtand eingehender Beratungen
nung in, einer Hand vereinigt ſind oder von der gleichen
Be=
wertung.
ten Grondformen vorhanden, und nicht immer hat ein Land die
das aus Birkenholz gewonnen wird, oder ruſſiſche Ingenieure
die Windkraft, einen recht unſicheren Kantoniſten, in das Syſtem kung der feſten Koſten je Kilowattſtunde bedeuten.
der Energiegewinnung einzuſbannen. Da iſt auch wieder ein
franzöſiſches Projekt aufgetaucht, die Temperaturdifferenz zwiſchen
arktiſchem Meereswaſſer unter der 5 Meter dicken Eisſchicht und
ſtellen, wofür 2 Projekte beſtehen, ein kleines für Verſuchszwecke Konferenzteilnehmern günſtig beurteilt, von anderen abgelehnt
ſtunden Strom erzeugen will, wobei die Kilowattſtunde im 1100, als auch die Gasſachleute optimiſtiſch, was die Eroberung neuer
ſoll. Da verſuchen ſchließlich erdölarme Länder, wie Italien, (
Ein amerikaniſcher Statiſtiker berechnete vor einigen andere Projekte haben vielleicht eine Zukunft, andere werden an macht immer noch die Zuführung des Stromes Schwierigkeiten,
Jahren, daß auf den Kopf der Bevölkerung nicht weniger, ihrer techniſchen Undurchführbarkeit oder an ihrer Unwirtſchaft= weil die Zuführungskabel lang und elaſtiſch ſein müſſen, und
Internatlonaler Energie-Austausch und
Groß-Versorgungsgebiete.
Plan, der von Dr.=Ing e. h. Oliven auf der Konferenz vorge=
Die in einem Waſſertropfen enthaltene inner=atomare trogen iſt, ein Energieverſorgungsplan von wirklich gigantiſchem ſten Gruppe von Betrieben, haben die Kraftwerke naturgemäß das
Energie genügt, um ein ganzes Jahr lang 20 P8 zu Ausmaß. Oliven geht davon aus, daß die Belaſtung der Elektri= größte Intereſſe. Eine große Schwierigkeit beſteht auf dieſem
Es gibt drei Arten von Lügen: grobe Lügen, feine liegt die Benutzungsdauer der Höchſtlaſt zwiſchen 2000 und 3000 genieure ſich ſchwer verſtehen. Das techniſche Verſtändnis der
liche Verſchiedenheit der Belaſtung auszugleichen, will Oliven und bemühen ſich auch gewöhnlich nicht, obgleich es im Intereſſe
einen großen Teil der europäiſchen Kraftwerke durch Großkraft= der Werbung liegt, ſich dieſem großen Kundenkreis verſtändlich
linien verbinden, wodurch gleichzeitig auch ein Austauſch der in auszudrücken. Eine engliſche Diskuſſionsrednerin trat ſehr ener=
3 verſchiedenen Gebieten, aber man hätte auch bei der ungeheu= den verſchiedenen Ländern mit verſchiedenen Mitteln erzeugten giſch für eine intenſivere Zuſammenarbeit von Hausfrauen und
der Tageszeiten und durch die Verſchiedenartigkeit der
Abneh=
ganze Jahr verteilt, ſo daß ſich eine viel beſſere durchſchnittliche
ſprochen worden ſind ſind ebenſo mannigfaltig, wie die Möglich= eines kleinen Bezirkes dient. Ausgeſchloſſen ſind aus dieſem Antrag nicht begeiſtert gegenüber, weil ja für den Ingenieur
Generalplan vorläufig hauptſächlich Groß=Britannien wegen der
Schwierigkeit der Kanal=Ueberbrückung und Rußland wegen
ſei=
ner großen Entfernungen. Das europäiſche Großkraftliniennetz dieſem Zuſammenhang erwähnt ſei, weil ſie heute ſchon für die
ſoll die Kraftneſervoire Skandinaviens, Oeſterreichs und der
Schweiz mit denen der Donau und der adriatiſchen Küſte
ver=
binden, mit den franzöſiſch=belgiſchen und deutſch=polniſchen
Kohlengebieten, den rumäniſchen, galiziſchen und kaukaſiſchen
Oelvorkommen. Im ganzen ſollen 3 nord=ſüdliche und 2
oſt=
weſtliche 400 000 Volt=Kraftlinien die Grundlage der europäiſchen
Kraftverſopgung bilden. Die kleineren Kraftwerke bleiben vor= maſchinen, Staubſauger, Haartrockner) und von
Hochfrequenz=
läufig als Spitzenwerke beſtehen. Durch dieſen gigantiſchen
Plan werden Millionen von Kilowatt, die von den
Verbraucher=
zentren viel zu abgelegen ſind, nutzbar gemacht für die Wirtſchaft
Europas. Die beſtehenden Kraftanlagen können ganz anders
aus=
in den Dienſt des Großverſorgungs=Gebietes geſtellt und auch
ab=
gelegene Gebiete mit Strom verſorgt werden. Techniſch erſcheint den müßten. Ein beſſeres Schutzmittel iſt allerdings die Stärkung
der Bau eines 400 000 Volt=Netzes von insgeſamt 10 000 Km.
Länge nicht ausgeſchloſſen. Oliven ſchätzt die Geſamtbaukoſten nicht das Recht, einſchneidende Aenderungen ihrer Anlagen von
Kilowattſtunden aber nur etwa 1,1 Pfennig.
führbar als ein weſentlich kleineres, nämlich das der Stromaus= ges, weil ſich die Wellenbänder der Störungen und der
Ueber=
fuhr von Norwegen nach Deutſchland, das ebenfalls eifrig auf tragungen zum Teil überdecken. Beſonders ſchwer auszumerzen
nur mehr oder weniger intereſſierte deutſche Kreiſe aus, ſondern
auch Skandinavier, die von der vertraglichen Feſtlegung eines
großen Teils ihrer Waſſerkraft auf Jahrzehnte hinaus Gefahren
die im wahren Sinne des Wortes „abgebaut” werden, wie die für das eigene Land befünchteten. Die Schwierigkeit des Planes
dürſte hauptſächlich darin liegen, daß er ſich auf den Verbrauch
löſung der Ernergieverſorgungs=Frage; deun die hohen Anlage= nur eines Landes, Deutſchlands, ſtützt, das ſich zur Aufnahme, gasförmigen, die natürlich gewonnen und künſtlich erzeugten, iſt
koſten der Waſſerkraftwerke machen trotz ihrer verhältnismäßig von jährlich 5 Milliarden Kilowattſtunden fremden Stromes, ſelbſtverſtändlich auf der Konferenz viel geſprochen worden. Die
niedrigen laufenden Koſten und trotz des weſentlichen Umſtan= verpflichten müßte, während es bisher im Ganzen nur 30 Milli= Verſchiedenartigkeit der Energie=Ausnutzung wird recht intereſſant
billigen Waſſerkraft Norwegens und dem gegenüber Deutſchland, dem Boden entſtrömt, gibt, während 30 Kilometer von Buenos
Wie aber auch die Art der Krafterzeugung ſein mag, ſtets niedrigen Zinsfuß. Techniſch geht das Projekt dahin, eine 1000. Aires entfernt große Mengen von Naturgas dem Boden
ent=
muß für ſämtliche Abnehmergruppen für Strom, Gas uſw. die not= Kilometer lange 380 k0=Freileitung von Norwegen über Däne= weichen, deren Fortleitung wegen techniſcher Schwierigkeiten
750 00 Kilowatt.
gieverſorgungs=Gebiete, entſtanden teils durch Kuppelung großer in Frage ſtellen können. Beim Transport feſter Körper erſcheinen
den Turbinen gebrauchter Waſſermengen in hochgelegene Stau= Elektrizitätswerke, teils durch Zuſammenarbeit verſchiedener Ar= die Trausportkoſten greifbar und leichter berechenbar, wie z. B.
becken für ſpätere Verwendung handelt, oder um die Dampf= ten der Elektrizitäts=Erzeugung. Im Südoſten der Vereinigten, bei der Kohle. Der Kohlentransport verbilligt ſich, wenn man
ſpeicherung in Ruthsſpeichern oder die elektriſche Speicherung Staaten iſt ein derartiges geſchloſſenes Stromverſorgungsgebiet, die Kohle vorher von der Aſche befreit; natürlich erhöht ſich der
in Akkumulatoren oder die Speicherung des Gaſes in Behältern, von 400 000 Quadratkilometer vorhanden, alſo faſt ſo groß wie Preis der veredelten Kohle nicht unbeträchtlich, aber der Ver=
Das Gas kann etwa in Gasmaſchinen verbrannt werden, um die das ganze Deutſche Reich. Durch ſolche Kombinationen können braucher hat, neben geringeren Frachtkoſten, den Vorteil, für
Belaſtungsſpitze, die plötzlich, z. B. bei Arbeitsbeginn oder Dun= leicht die etwva infolge von Schneeſchmelzen, Trockenheit, Streik, dieſelbe Emrgiemenze eine kleinere Feuerungsanlage zu
ver=
kelwerden, ſtarke Anforderungen an die Werke ſtellt, zu decken, entſtehenden Schwächen und Stärken der verſchiedenen Werke im wenden; er ſpart alſo Kapital. Die Schwierigkeiten der
An=
ſelben Verſorgungsgebiet ausgeglichen werden, während ſich die ſammlung von Schlacken und deren Abtransport fallen zum Teil
Daß eine weitgehende Zuſamenfaſſung der Elektrizitätswirt= der Flugaſche. Die Normung der Kohle, eine internationale Auf=
Möglichkeit zur Zuſammenarbeit von Gas= und Elektrizitäts= ſchaft und überhaupt der Energieverſorgung die Frage der gabe, beginnt ſich allmählich durchzuſetzen, alſo eine Feſtlegung
werken liefert, die ja auch ſonſt vielfach gegeben iſt, beſonders, Stromtarife vereinfacht, liegt auf der Hand. Die Tarife ſind, der Unterſuchungsverfahren und der Sortenbezeichnung,
geweſen. Sie dienen ja ſchließlich nicht nur dazu, wie der Laie Normung der flüſſigen Betriebsſtoffe, die ſchon auf der letzten
hörde verwaltet werden. Der trotzdem gerade in Deutſchland unter Umſtänden geneigt iſt anzunehmen, für die Werke einen Teilkonferenz in London eingehend erörtert worden iſt, nicht
beſtehende Kampf zwiſchen dieſen beiden Gruppen um Abneh= möglichſt großen Gewinn abzuwerfen, ſondern ſie ſollen durch wieder beſprochen worden, trotz ihrer Dringlichkeit, abgeſehen von
mergebiete, deren Aufteilung eigentlich nach dem Stande der Grundgebühr, Staffelung und andere Mittel die feſten und un= 2 Vorſchlägen aus Amerika und Japan, die ſich mit der Nor=
Technik nicht ſchwer ſein dürfte, iſt unfruchtbar und liegt durch= veränderlichen Koſten der Energie=Erzeugung decken. Intereſſant mung von Dieſelölen befaſſen. Im übrigen ſind die flüſſigen
aus nicht im Sinne einer möglichſt verluſtloſen Energiever= ſind in dieſem Zuſammenhang die ja viel erörterten Ausführun= Betriebsſtoffe zuf der Weltkraftkonferenz zuſammen mit den
Nicht immer iſt allerdings genügende Energie in den genann= lonferenz, der dagegen proteſtierte, daß in vielen amerikaniſchen, geſehen von den ortsfeſten Vergaſer=, Glühkopf= und Dieſel=
Belieferungszentren der Strom zum 15—20fachen der Erzeul= motoren laufen doch heute etwa 30 Millionen Kraftwagen mit
Mittel zur Enengiebeſchaffung aus dem Auslande, ohne Rückſicht gungskoſten verkauft wird. Woher dieſer ungeheure Gewvinn zirka 600 Millionen PS. Noch erſcheinen die Oelquellen
un=
auf die Koſten der Beförderung. Da muß, zum Beiſpiel in Län= kommen ſoll, iſt ſchwer verſtändlich, man kann nur anuehmen, erſchöpflich, aber der hohe Preis der Delkalorie hat bereits zur
dern mit ausgedehnter Eiſen= und Kolerei=Iſnduſtrie das Ben= daß Sackett lediglich an die feſten Koſten der Stromerzeugung weitgehenden Entwicklung der Erzeugung von künſtlichen
Treib=
zin mit Benzol vermiſcht werden, oder, in Agrarländern, oder gedacht hat, nicht an die beränderlichen Die Tarfe ſolen, und ſtoffen geführt, beſonders in erdölarmen Ländern. Ein
unga=
ſolchen mit großer Zelluloſe=sinduſtrie, mit Spiritus. Da ver= das iſt ihre zweite Aufgabe, aber auch gewiſſe Abzehmergruppen, riſcher Diskuſſionsredner erklärte, daß die Hydrierung von 7
Pro=
ſuchen finniſche Ingenieure Laſtraftwagen mit Gas zu betreiben, durch Begüuſtigung zum Lrafbezug reizen, vor alen in der zent des ungariſchen Kohlevorkonmens ausreichen würde, um den
Zeit der Belaſtungstäler (Beiſpiel: Nachtſtrom). Die Gleich= augenblicklichen Bedarf ſeines Landes an flüſſigen Treibſtoffen
machen ähnliche Verſuche mit Kas, das Strohbrilketis eniſtammt, mäſigkeit der Enerzientnahne vom Werk und ihre Höhe er, zu befriedigen. Der Dieſelmotor hat ſch bis heute im Weſent=
Da verſucht man immer wieder, wie augenblicklich in Rußland, lauben wiederum eine Senkung der Tarfe, weil ſie eine Sen= lichen im Kraffahrzeugbzrieb noch nicht gegen den Vergaſer=
Haug- und Landwirtschaft.
der kalten Polarluft zur Gewinnung von Kraft auszunutzen, oberung vieler neuer Induſtrien, Gewerbe oder Haushaltungen des Dieſelbetriebes auf Kraftfahrzeugen den Preis für
Schwer=
die in den Erzbergwerken des Polargebietes nutzbar gemacht durch Strom oder Gas ab. Das elektriſche Kochen iſt deshalb öle ſteigern müßte und damit den Hauptanreiz des
Dieſel=
werden ſoll. Da verſucht man, wie augenblicklich an zwei Stel= heute in den meiſten Fällen noch viel zu teuer; ebenfalls das betriebes, ſeine Wirtſchaftlichkeit, illuſoriſch machen könnte. Der
len in Norwegen, einen großen Fluß umzuleiten, um an ſeinen, elektriſche Heizen, es ſei denn in der Uebergangszeit oder als Vergaſermotor ſcheint annähernd am Ende ſeiner Entwicklung
üfern Kraftwerke bauen zu können. Und da verſucht ſchließlich Zuſatzerwärmung an beſonders kalten Tagen gewiſſermaßen angelangt zu ſein. Eine Steigerung ſeiner Leiſtung iſt haupt=
Angentinien, das keine Kohle und wenig Erdöl beſitzt, die Gezei= eine Art Spitzendecklung). Andere ſtrittige Gebiete ſind die elek= ſächlich nur durch das Mittel der Hochverdichtung möglich, die
ten, Ebbe und Flut, in den Dienſt der Energiegewinnung zu triſche Molkerei und die elektriſche Silierung, die von manchen allerdings die Verwendung klopffeſter Brennſtoffe vorausſetzt.
und ein ganz gewaltiges, mit dem man 10 Millionen Kilowatt= worden ſind. Im Ganzen genommen, ſind ſowol die Elektriker ſtark in den Vordergrund. Die Ausnutzbarkeit einer Lokomotive,
Kilometer entfernten Buenos Aires etwas über 1 Pfennig koſten. Abſatzgebiete betrifft. Für die Elektrizität gibt es viele ſolcher Wirtſchaftlichkeit des Bahnbetriebes. Es ſcheint, als weun die
Gebiete in der Landwirtſchaft, wie neuerdings die elekriſche Er= Dampflokomotive heute am Ende ihrer Entwicllung angelangt iſt.
Japan und Eſtland, auch den noch ſo geringen Gehalt bitumi= wärmung von Beeten und Freigelände, oder in England das. Vielleicht wird ſie in abſehbarer Zeit abgelöſt durch die
Hochdruck=
nöſer Geſteine an Erdöl zu gewinnen. — Mancher dieſer und elektriſche Trocknen von Hopfen. Beim elektriſchen Pfligen lokomotive, die mit Keſſeldrücken von 60—80 gt. und einen
Steckdoſen natürlich auf den Feldern nicht vorhanden ſind; auch
Akkumulatoren= oder gar eine drahtloſe Verſorgung kommt nicht
in Frage. Als Kurioſum ſei erwähnt, daß man in Italien,
an=
klingend an Kriegserinnerungen, tatſächlich Kabel zur Strom=
Wie groß wirkt gegenüber dieſen Einzelprojekten der große zufuhr für Traktoren oder Pflüge an Luftballons aufgehängt hat.
An der Eroberung der Haushaltungen, der zahlenmäßig
ſtärk=
zitätswerke in Europa ſehr ungleichmäßig iſt. Durchſchnittlich Gebiet darin, daß letzten Endes die Hausfrauen und die In=
Stunden im Jahr, oft auch viel höher, etwa bei über 5000 Stun= Hausfrauen iſt im Durchſchnitt gering — in der nächſten
Gene=
den, wie bei der größten europäiſchen Ueberlandzentrale, dem ration wird es vermutlich ſchon größer ſein —, die Ingenieure
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Elektrizitätswerk. um dieſe unwirtſchaft= ſprechen meiſtens eine Sprache, die die Hausfrauen nicht verſtehen
Ingenieuren ein. In dieſem Zuſammenhang ſei auch eine
An=
die Belaſtungsſpitzen dann dunch Unterſchiede des Klimas und regung der Sektion „Normung” der Weltkraftkonferenz erwähnt,
den Ausdruck Kilowattſtunde, alſo die gebräuchlichſte Einheit für
mergruppen gleichmäßig über den ganzen Tag und über das geleiſtete elektriſche Arbeit, durch einen anderen Ausdruck zu
erſetzen, weil Kilowattſtunde und Kilowatt immer von den Laien
verwechſelt werden. Allerdings ſtand die Verſammlung dieſem
beide Bezeichnungen vollkommen klar und einwandfrei ſind.
Eine andere auf der Konferenz beſprochene Frage, die in
meiſten Familien von großem Intereſſe iſt, iſt die der
Stör=
befreiung von Rundfunkgeräten, an der 2 große
Induſtriegrup=
pen, nämlich die Rundfunkinduſtrie und ihre ältere Schweſter,
die Elektro=Induſtrie, intereſſiert ſind. Die Rundfunk=Induſtrie
ſteht auf dem Standpunkt, daß die Herſteller und Benutzer aller
Arten Elektromotoren (z. B. Straßenbahn, Fahrſtühle,
Kälte=
geräten (Heilgeräten) für die Anbringung von Schutzapparaten
zu ſorgen hätten, die die Störungen ausſieben. Die Ausgabe
wäre verhältnismäßig gering, und die Technik wäre weit genug
fordeeſchritten für den Bau ſolcher Apparate. Dagegen iſt die
genutzt werden; bisher noch nicht erſchloſſene Kraftquellen können Starkſtrominduſtrie der Anſicht, daß die Empfangsgeräte derartige
Schutzapparate haben oder daß ſie unempfindlicher gemacht
wer=
der Sender=Energie. Selbſt die Millionen von Hörern hätten
auf 2 Milliarden Mark, die durchſchnittlichen Transportkoſten je der viel älteren Elektro=Induſtrie zu erwarten. Richtig iſt, daß
an ein Ausſieben der Störungen auf der Empfangsſeite gar nicht
Dieſes große Projekt erſcheint wirtſchaftlich leichter durch= zu denken iſt, wenigſteus nicht ohne Beeinträchtigung des
Klan=
der Konferenz diskutiert worden iſt. Dagegen ſprachen ſich nicht ſind die von den großen Ueberlandleitungen ausgehenden
Störungen. Jedenfalls iſt eine geſetzliche Regelung dieſes
gan=
zen Komplexes außerordentlich ſchwierig.
Brennstoffe, Maschinen, Kessel.
Ueber die eigentlichen Brennſtoffe, die feſten, flüſſigen und
arden Kilowattſtunden verbraucht. An dieſem Zwang zur Ab= dadurch beleuchtet, daß es in den Vereinigten Staaten
be=
nahme großer Strommengen dürfte der Plan ſcheitern, trotz der reits 88000 Kilometer Fernleitungen nur für Naturgas, das
mark nach Hamburg zu legen, und zwar für eine Leiſtung von nicht möglich geweſen iſt. Auch die Fergasverſorgung iſt ja, wie
die Starkſtrom=Ueberlandleitung letzten Endes auch, eine Trans=
Uebrigens gibt es ſchon eine Reihe großer, geſchloſſener Ener= portfrage, deren Koſten unter Umſtänden die Wirtſchaftlichkeit
weg, ebenfalls die wirtſchaftlichen Nachteile der Aſche=Abfuhr und
Dagegen iſt auf der Zweiten Weltkraftkonferenz die Frage der
gen des amerikaniſchen Botſchafters Sackett auf der Weltkraſt= Kraftfahrzeugmotoren eingehend behandelt worden. Ganz
ab=
motor durchſetzen können. Recht bedeutungsvoll iſt der Gedanke
eines engliſchen Berichterſtatters, der den Ingenieuren der
Welt=
kraftkonferenz den Rot gibt. Motoren zu ſchaffen zur Ver=
Von der Höhe der Tarife hängt ja die Möglichkeit der Er= arbeitung der Erdölrückſtände, weil eine weitgehende Einführung
Auf dem Gebiete des Eiſenbahnweſens tritt der Kapitaldienſt
kilometriſche Leiſtung, kann entſcheidend ſein für die
illzuſehr in Anlehnung an die alte Lokomotive entwickelte, an= chen Ländern aufgeſtellt worden ſind oder demnächſt aufgeſtellt
ſtatt neue Wege zu gehen. Neben einer Erhöhung der Ausnutz= werden. Es gibt natürlich Länder, in denen die
Energiewirt=
eine Normung der Einzelteile geeignet, die Koſten des Lokomotiv= dere, in denen die ſtaatliche Einflußnahme ſehr groß iſt, wie
twa beim Kraftwagen, ausgeſchloſſen erſcheint, da das Gewicht ſpielt zwiſchen der Schweiz und Oeſterreich einerſeits,
Deutſch=
heit. Die Elektrifizierung der Bahnanlagen ſchreitet nur lang= beſchloſſen, der nächſten Völkerrechts=Konferenz eine Entſchlie=
Bahnbetriebes an die Landesverſorgung erſcheint nach den langen eines von ihnen ſich über die Einſetzung gemiſchter, tech=
Aeußerungen der Fachleute in den meiſten Fällen nicht
zweck=
mäßig. Allmählich Fortſchritte macht der Oelmotor=Antrieb von
Lokomotiven, wenn es auch bisher erſt 4 ſchwere Dieſel=
Lokomo=
tiven (bis 1300 PS) gibt, von denen 3 in Deutſchland gebaut
worden ſind, 14 mittelgroße (bis 1000 PS) und 70 leichte (bis
300 PS). Bei höheren Leiſtungen iſt die Kohlenſtaub=Lokomotive
den normalen Roſtfeuerungs=Lokomotiven überlegen, auch wegen
des Vorteils der einfacheren Bedienung, vor allem aber, weil
die Brennſtoffkoſten durch die Verbrennung weniger hochwertiger
Kraftſtoffe in Staubform verringert werden.
Das Gebiet der Dampfkeſſel und Feuerungen ſcheint auf
der Konferenz beträchtlich gefördert worden zu ſein. Die ſtarke einigen Monaten zum erſten Male durchgeführt worden, und zwar
Erhöhung der Keſſelleiſtung durch Druck= und Temperatur=Stei= vom Reichsbahn=Zentralamt Berlin. Der Stahlkonſtruktion
ge=
gerung ſoll den Kapitaldienſt verringern. Gleichlaufend mit hört auf dem Gebiet des Brückenbaus vorläufig die Zukunft;
ſtoffe herausgebildet, meiſt durch
Chrom und Molybdän veredelte
Stähle. Der Keſſelbetrieb wird
immer mehr automatiſiert. Die
Wirtſchaftlichkeit der Feuerungen
wird durch Bauarten geſteigert,
die die Verfeuerung
verſchieden=
urtigſter Brennſtoffe zulaſſen,
lſo Staub oder Gas;
anderer=
ſeits können in beſonderen
Fäl=
len und natürlich auch
beſonde=
ren Feuerungen minderwertige
Brennſtoffe, wie Sägeſpäne oder
Torf, noch wirtſchaftlich
ver=
brannt werden. Im Gegenſatz
zu techniſch ſo gut wie
abge=
ſchloſſenen Gebieten, wie dem
Lokomotiv= oder Vergaſer=
Motor=
bau, iſt das Gebiet der
Feuerun=
gen und Keſſel techniſch noch
außerordentlich rückſtändig.
Bis=
her fehlten z. B. ſo gut wie
voll=
ſtändig Koſtenangaben je Tonne
Dampf, und zum erſten Mal
gaben 2 deutſche Berichte zur
Zweiten Weltkraftkonferenz
der=
urtige Zahlen. Ueber den
Dampf=
keſſelbau hat der Schwede Dr.
Enſtröm auf der
Weltkraftkonfe=
renz geſagt, der jetzige
Dampf=
keſſel ſein ein Ungeheuer, der als
ein Hohn der rationellen
In=
genieurkunſt gegenüberſtehe. Es
fehle heute noch durchaus der
Chemie und die Phyſik beherrſche.
Hierher gehört die moderne Reinigung der Induſtrie=Abgaſe. Belaſtung berückſichtigt; allmählich iſt man aber immer mehr zu
vor allem der der Großkraftwerke durch Elektro=Filter. Oftmals
iſt die Anloge von Großkraftwerken in der Nähe großer Städte
erſt durch eine derartige Maßnahme möglich. Dadurch ergeben
ſich geringere Fernübertragungs=Verluſte des elektriſchen
Stro=
ſten Fällen aufgewogen wird. In London hat man verſucht, zufällig mit der Eigenſchwingung der Konſtruktion oder eines
die in den Rauchgaſen enthaltene ſchweflige Säure auszuwaſchen,
während man in Deutſchland ſogar plant, Rauchgaſe zur
Dün=
gung von Frühgemüſe auszunutzen.
Für die Grundbelaſtung des Elektro=Kraftwerkes kommt aus Soldaten, von denen viele bei dieſer Kataſtrophe
umgekom=
wirtſchaftlichen Gründen als Erzeugungsmaſchine meiſt nur die men ſind.
Turbine in Frage, die ja mit außerordentlich hohem
Wirkungs=
grad arbeitet, alſo je nach der zur Verfügung ſtehenden Grund=
Energie, die Dampf= oder Waſſerturbine. Eine Behinderung letzten Zeit eingehender praktiſch durchgeführt worden,
haupt=
für die Betriebsbereitſchaft größerer Kraftwerke iſt die
verhältnis=
der Welt iſt eine 208000 Kilowatt=Turbine in Chicago; zur In= Maſchine verwendet, die künſtliche Erſchütterungen erzeugt, und
betriebſetzung braucht ſie 32 Stunden. Und ſelbſt die Turbinen
des Kraftwerkes Berlin=Klingenberg brauchen ein paar Stunden
Anfahrzeit. Die Gasturbine, ein außerordentlich ſchwvieriges tech= ſchütterungsmaſchine”, dieſer Nachahmung des über die Brücke
niſches Probelm, ſcheint neuerdings wieder in ein etwas
aus=
ſichtsreicheres Stadium gerückt zu ſein. Erwähnenswert iſt als
Verſuch ein neues Zweiſtoff=Verfahren zur Krafterzeugung, bei und veränderlicher Stellung zueinander (vgl. Bild). Mit Hilfe
dem Ammoniak=Dampf und Waſſer=Dampf als Arbeitsmedien dieſer, durch einen Elektromotor in Umdrehung verſetzten
verwendet werden. Dies Verfahren ſoll eine 30prozentige Brenn= Schwungmaſſen können beſtimmte, periodiſch wirkende Kräfte
ſtoff=Erſparnis bringen. Ferner ſei eine 2000=Kilowatt=Verſuchs= verſchiedener Größe und Schwingungszahl (Frequenz) erzeugt
maſchine erwähnt, eine Kombination von Gas=Turbine, Dampf= werden, deren als ein Schwingungsausſchlag, eine Durchbiegung
Turbine, Luft=Kompreſſor und Strom=Erzeuger, bei der je nach
Hauptrolle bei der Strom=Erzeugung ſpielt.
Nicht nur im Zuſammenhang mit der Bekämpfung der
Rund=
funkſtörungen iſt die geſetzliche oder behördliche Einflußnahme auf ſchoben und auf den Gleiſen verankert wurde, worauf die
Meſ=
die Energiewirtſchaft auf der Konferenz erörtert worden. Im
Allgemeinen ſind die Ingenieure und Wirtſchaftler keine Freunde
von Geſetzen und Vorſchriften, die leicht die techniſche Entwick= arbeiten mit ziemlicher Genauigkeit, ſo daß z. B. die gefährliche
lung ſchon in kurzer Zeit hemmen können. Dieſe Skepſis gegen= Eigenſchwingungszahl einer Konſtruktion bis auf /₁o Hertz
über behördlichen Vorſchriften kam z. B. auch in der Beſprechung
der Talſperren und Staumauern zum Ausdruck, eines Gebietes,
das noch in ſtarker Entwicklung begriffen iſt, ſo daß die erwähnte
Gefahr beſonders groß iſt. Bei der Behandlung dieſes für die
Kraftwirtſchaft außerordentlich wichtigen techniſchen Gebietes
wurde ſehr darüber geklagt, daß die beim Bau gemachten
Er=
fahrungen in den meiſten Fällen nicht zum Nutzen auch anderer
Völker veröffentlicht werden. Betont wurde, daß im
Talſperren=
bau die Sicherheit ſtets wichtiger iſt als die Wirtſchaftlichkeit,
wegen der ungeheuren Gefahren, die mit einem Talſperrenbruch
verbunden ſind. In den Vereinigten Staaten, die im
Talſperren=
bau den Rekord halten, gibt es einen Staudamm von 220 Meter
Höhe, in den Alpen ſind ſolche von 150—160 Meter Höhe
vor=
ſeſehen. Die Diskuſſionsredner warnten ſehr vor der
Ueber=
ſchätzung der Laboratoriums= und Modellverſuche. Die
Ausfüh=
rung ſei wichtiger als der Entwurf, weil die Bauſtoffe,
Bau=
berfahren, Baumaſchinen und die ſich während des Baus
erge=
henden praktiſchen Erfahrungen unter Umſtänden den Bau ſehr
rigentlich nur Erdbeben und Nachgeben des Untergrundes.
Im Allgemeinen iſt die geſetzgeberiſche Tätigkeit und die Schweißen geſchieht. Von der Art der Verbindung hängt
näm=
behördliche Einſlußnahme auf dem Gebiet der Energieverſorgung
leberhitzung von über 400 Grad C. arbeitet. Ein Diskuſſions= in den letzten Jahren überall eingeſchränkt worden, wenn auch
edner bedauerte allerdings, daß die Hochdruck=Lokomotive ſich Generalpläne für die Energieverſorgung eines Landes in
man=
barkeit der Lokomotive erſcheint zur Zeit eigentlich nur noch ſchaft vollkommen in der Hand des Staates (Rußland) iſt,
an=
betriebes herabzeſetzen; demgegenüber iſt die Frage der Kohle= England, oder in denen die Kommunen weſentlichen Einfluß
Erſparnis ſekundär. Wichtig iſt auch die Bauſtoff=Frage, wobei auf die Energiefizierung haben, wie Deutſchland. Abgeſehen
allerdings eine Entwicklung im Hinblick auf den Leichtbau, wie vom Export elektriſcher Energien der z. B. eine große Rolle
der Lokomotive wegen des Haftens auf den Schienen nicht herab= land andererſeits, ſind Energiewirtſchafts=Fragen ſo gut wie
geſetzt werden darf. Verkümmert iſt bei dieſem hochgezüchteten niemals Aufgaben zwiſchenſtaatlicher Regelung geworden; nur
Erzeugnis der Technik eigentlich nur das „Auge”: die Sicht iſt in Fragen des Waſſerrechtes iſt man in manchen Fällen auf
auf elektriſchen Lokomotiven weſentlich günſtiger als auf Dampf= internationale Vereinbarungen angewieſen. In dieſem Sinne
Lokomotiven, und das iſt bedeutſam für die Frage der Sicher= hat die Sektion „Waſſerrechtliche Fragen” der Weltkraftkonferenz
ſam fort, wahrſcheinlich wegen der damit verbundenen ſtarken ßung des Inhalts zuzuleiten, daß es im Geiſte wiſſenſchaftlicher
Erhöhung des Anlagekapitals. Der Anſchluß des elektriſchen Solidarität begrüßt werden würde, wenn Nachbarſtaaten auf Ver=
4Bie
Erschütterungs=
maschine.
Von
Dipl.-Ing. A. Leister, Halle.
Intereſſante Verſuche an eiſernen Eiſenbahnbrücken ſind vor
dieſer Entwicklung hat ſich eine Reihe hochwertiger Keſſelbau= das Studium des Verhaltens größerer Eiſenkonſtruktionen in
neue Typ von Forſchern und Ingenieuren, der gleichzeitig die geſchloſſenen Verbänden bei verſchiedenen Belaſtungen iſt alſo
von größter praktiſcher Bedeutung. Bei derartigen Unterſuchun=
Die Rauchbekämpfung iſt eine wichtige ſanitäre Maßnahme, gen wurde früher meiſt nur die unbewegliche, ſogenannte ſtatiſche
der Erkenntnis gekommen, daß die wechſelnde, bewegliche, die
ſogenannte dynamiſche Belaſtung von mindeſtens ebenſo großer
Bedeutung für das Verhalten der einzelnen Konſtruktionsteile,
für deren Bemeſſungen, deren Verſchleiß iſt; denn jede wechſelnde
mes, wodurch die Erhöhung der Koſten durch die Abgasreini= Belaſtung, alſo etwa ein über die Brücke fahrender
Eiſenbahn=
gungs=Anloge von etwas mehr als 5 Prozent wohl in den mei= zug, verurſacht Schwingungen in der Konſtruktion, die, wenn ſie
Konſtruktionsteils übereinſtimmen — man ſpricht von Reſonanz,
genau wie bei Klangerſcheinungen — für das Bauwerk
gefähr=
lich werden können. Bekannt iſt ja der Zuſammenſturz einer
Brücke vor Jahrzehnten durch den Gleichſchritt eines Regiments
Die Unterſuchung dieſer dynamiſchen Beanſpruchungen iſt
mit großen Schwierigkeiten verbunden geweſen und erſt in der
ſächlich von Reichsbahnrat Dr.=Ing. Bernhard und Profeſſor
mäßig lange Anfahrzeit von Dampfturbinen. Die größte Turbine / Dr.=Ing. Kulka. Dabei wurde eine von Dr. Späth entworfene
zwar periodiſch anſteigende und abfallende, „ſinusförmig”, wie
reine Tonſchwingungen. Das weſentlichſte Element dieſer „
Er=
rollenden Eiſenbahnzuges, ſind zwei exzentriſch gelagerte
Schei=
ben mit veränderlicher Exzentrizität, veränderlichem Drehſinn
der verſchiedenen Bauteile ſich äußernde Wirkung meßbar iſt, vor
der Wärmeverteilung die Gas= oder die Dampf=Turbine die allem im gefährlichen Reſonanz=Bereich. Man braucht alſo
einer=
ſeits ein Tachometer zur Aufzeichnung der Umlauſszeiten der
Schei=
ben, andrerſeits Meßgeräte zur Aufzeichnung der Durchbiegungen
Gesetzliche und behördliche Einflußnahme. oder Spannungen in beliebigen Punkten der Brückenkonſtruktion.
Bei den erwähnten Verſuchen war die Maſchine in einen kleinen,
vierrädrigen Wagen eingebaut, der einfach auf die Brücke
ge=
ſungen ſofort beginnen konnten. Die Meßinſtrumente ſind recht
einfach und unempfindlich gegenüber äußeren Einflüſſen und
½) Schwingung je Sekunde) Genauigkeit beſtimmt werden
kann. Aus dieſer kritiſchen Zahl laſſen ſich auf Grund theoretiſcher
Uinterſuchungen alle anderen dynamiſchen Eigenſchaften und
Be=
ziehungen des Bauwerks berechnen. Beim praktiſchen Verſuch
wird nach dem Einſchalten des Stromes die Tourenzahl
allmäh=
lich erhöht und gleichzeitig die allmählich ſich verſtärkende und
nach dem kritiſchen Punkt wieder abnehmende Durchbiegung
gemeſſen.
Die erſten Unterſuchungen mit dieſer eigenartigen Maſchine,
die an zwei, je 284 Meter langen, auf gemeinſamen Pfeilern
ebeneinander ruhenden, eingleiſigen eiſernen Eiſenbahnbrücken
mit vier, je 71 Meter langen Tragwerken ausgeführt worden
ſind, haben manche intereſſante Erkenntnis erbracht, wenn auch
Verallgemeinerungen auf Eiſenbrücken überhaupt, oder
ſinn=
gemäß auf Brückenkonſtruktionen ganz allgemein, erſt nach
Durch=
führung weiterer Verſuche möglich ſein dürften. Hierbei ſpielt
wahrſcheinlich auch die Art der Verbindung der einzelnen
Bau=
ſtark beeinſluſſen. Wirkliche Gefahren des Talſperrenbaus ſeien teile in den Knotenpunkten eine wichtige Rolle, ob nämlich die
Zuſammenfügung der Einzelteile durch Nieten oder, wie
neuer=
dings vielfach, durch das, viel ſtarrere Verbindungen ergebende,
lich, nach dem Verſuchsbericht, die Größe der Dämpfung der
Nummer 6
niſcher, internationaler Kommiſſionen zum Studium der völligen
Ausnutzung ſolcher Ströme und Flüſſe einigen würden, deren
Gewäſſer der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden können, oder
wenn ſich hieraus eine Notwendigkeit ergeben ſollte.
All dieſe erwähnten Fragen, Aufgaben und Richtlinien aus
dem Gebiet der Energiewirtſchaft bilden nur einen Teil des
großen Komplexes, der im Anſchluß an die 400 aus der ganzen
Welt eingereichten umfangreichen Berichte auf der Zweiten
Welt=
kraftkonferenz erörtert worden ſind. Viele Fragen ſind ungelöſt
geblieben, andere ſind in gemeinſamer Zuſammenarbeit der
In=
genieure, Wirtſchaftler und Wiſſenſchaftler aus allen 5 Erdteilen
ihrer Löſung nähergebracht worden. Dieſe Konferenz hat
jeden=
falls gezeigt, daß eine gut organiſierte Zuſammenkunft von
Fach=
leuten aus der ganzen Welt von großem Nutzen ſein kann; denn
von Jahr zu Jahr wird die Aufgabe der Energie=Verſorgung
der Welt ein Problem, das wegen ſeiner Kompliziertheit
einer=
ſeits, und ſeiner doch in vielen Ländern gleichen Vorausſetzungen
andererſeits, am beſten von allen Völkern der Welt gemeinſam
Dipl.=Jng. A. Lion, Berlin.
bearbeitet wird.
Schwingungen innerhalb der Konſtruktion ab: je ſtarrer die
Ver=
bindung, deſto geringer die Dämpfung.
Die Verſuchsergebniſſe waren bei den beiden Brücken
ver=
ſchieden, da die eine aus dem Jahre 1909, die andere aus dem
Jahre 1927 ſtammte, Bauſtoff, Arbeitsweiſe und Betriebszeit
alſo ſehr verſchieden waren. Jedenfalls erlaubte die
Erſchüt=
terungsmaſchine bei jedem der 8 Tragwerke die genaue
Beſtim=
mung der kritiſchen Schwingungszahl, der Dämpfungszahl und
einer Reihe anderer, für das „dynamiſche” Verhalten der Brücke
wichtiger Werte. Es zeigte ſich auch, daß im Reſonanz=Bereich
eines der Tragwerke das dahinter liegende mitſchwang, nicht
dagegen das danebenliegende — man ſpricht in ſolchen Fällen von
„Kopplung”, wie bei elektriſchen und akuſtiſchen Schwingungs=
Erſcheinungen. Ohne weiteres konnte man ein ſo ſonderbares
Verhalten der verſchiedenen Tragwerke nicht aus theoretiſchen
Erörterungen ſchließen; denn die nebeneinanderliegenden Brücken=
Ueberbauten ruhten ja ebenſo auf gemeinſamen Pfeilern, wie die
hintereinanderliegenden. Erſt der Verſuch brachte dies Ergebnis,
das zeigt, wie ſehr man derartig komplizierte Konſtruktionen als
Organismen betrachten muß, die mit einfachen Geſetzen und
For=
meln nicht immer zu erfaſſen ſind, und bei denen
zweckmäßiger=
weiſe oftmals die praktiſche Unterſuchung mit Hilfe ſinnreicher
Apparaturen den Laboratoriumsverſuch und die theoretiſche
Ueberlegung ergänzt oder erſetzt.
KURZE MITTEILUNGEN
* Der Verband Deutſcher Architekten= und Ingenieur=Vereine e. V.
veranſtaltet vom 3.—8. September d. J. in Dresden den erſten „Deutſchen
Bautag”. An der Veranſtaltung nehmen außerdem noch der Bund
Deut=
ſcher Architekten, die Freie Deutſche Akademie des Städtebaues, die
Vereinigung der Techniſchen Oberbeamten Deutſcher Städte und die
Ver=
einigung der Techniſchen Höheren Baupolizeibeamten teil.
Der V.D.A.J. wird ſich bei dieſer Gelegenheit über einen neuen
Satzungsentwurf ſchlüſſig zu machen haben, der vorſieht, daß der
Ver=
band in Zukunft den Namen „Deutſche Geſellſchaft für Bauweſen” trägt.
Weitere weſentliche Aenderungen in der Organiſation des Verbandes
ſind vorgeſehen. Jedoch bleiben die Bezirksvereine wie ſeither unter
Bei=
behaltung ihres Namens beſtehen, ſie müſſen jedoch den Zuſatz „In der
D.G.f.B.” führen. Durch die Umänderung foll auch eine erleichterte
Mitgliedſchaft für Jung= und Altmitglieder, ſowie für korreſpondierende
Mitglieder geſchaffen werden.
* Erdöl wurde im Elſaß im Jahre 1929 in einer Menge von rund
74000 To. gefördert. Im gleichen Jahre betrug die Förderung des
hannoverſchen Erdölfeldes etwa 104 000 To. Damit iſt die vor dem
Krieg geförderte Menge wieder erreicht worden. Sie ſteht natürlich
weit zurück hinter der amerikaniſchen Förderung. Welche Mengen dort
gefördert werden, erhellt daraus, daß die Leitungen allein in den
Ver=
einigten Staaten zur Beförderung von Erdöl gegenwärtig eine Länge
von 160 000 Klm. haben. Auch in Baku iſt im Februar, dieſes Jahres
eine Petroleumleitung nach dem Ausfuhrhafen Batum gebaut worden,
die allein in der Lage iſt, 1,6 Millionen To, jährlich zu fördern.
* Eine Schöpfwerkspumpe von außergewöhnlich großer Leiſtung iſt
ſeit Oktober 1929 an dem Schöpfwerk Ottendorf a. d. Elbe im Betrieb.
Die Pumpe fördert 16 bis 24 ebmlsec, bei einer Förderhöhe von 3 bis
1,6 Meter. Es iſt eine Kreiſelpumpe mit liegender Welle und axialer
Waſſerführung. Die Pumpe iſt hochwaſſerfrei aufgeſtellt und wird über
ein Stirnrad getrieben durch einen Dieſelmotor von 800 PS angetrieben.
Die Pumpe fördert bei aufgehobener Vorflut das Waſſer aus einem
Einzugsgebiet von 21 000 Hektar. Die Medem, die bei normalem
Waſſer=
ſtand das Land Hadeln mit einem ſehr guten Marſchboden entwäſſert
führte oft und zu jeder Jahreszeit zu Ueberſchwemmungen, wodurch
jede intenſive Landwirtſchaft unmöglich gemacht war. Durch das neue
Schöpfwerk iſt dieſer Mißſtand behoben und ein großes Stück deutſchen
Bodens im Ertrag bedeutend geſteigert worden.
* Eine Hochdruck=Dampfkraftanlage in Mannheim, unſerer
Nachbar=
ſtadt, die mit einem Dampfdruck von 100 Atmoſphären arbeitet, hat bis
Ende März 1930 etwa 400 000 Tonnen Dampf von etwa 470 Grad
er=
zeugt. Anlagen mit derartig hohen Drucken ſind bis jetzt nur ganz
ver=
einzelt gebaut worden. Dieſe Anlage des Großkraftwerks Mannheim
begegnet deswegen in Fachkreiſen allergrößtem Intereſſe. Der gewonnene
Dampf wird größtenteils in den Vorſchaltturbinen ausgenutzt. In
Gemeinſchaft mit den nachgeſchalteten Kondenſationsturbinen, die mit
20 Atmoſphären Druck arbeiten, ſind bis zu dem oben angegebenen
Zeitpunkt etwa 90 Mill. Kilowattſtunden erzeugt worden.
NEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIFTRN
Zeitſchrift des Vereins Deutſcher Ingenieure, Bd. 74 von 1930, Heft 21
und 24.
Das einundzwanzigſte Heft des diesjährigen Jahrganges hat der
V.D.J. dem Lloyd=Dampfer „Bremen” gewidmet. In zwei Aufſätzen
wird Bau und Einrichtung des Schiffes ſowie die Maſchinen= und
Keſſel=
anlage eingehend geſchildert. An Hand vorzüglicher Zeichnungen und
verſchiedener farbiger Bildblätter gewinnt man einen vollkommenen
Ein=
blick in alle Einzelheiten der ſtolzen Leiſtung deutſcher Technik. Die
„Bremen” hat nicht nur durch ihre große Geſchwindigkeit nach 21 Jahren
das „Blaue Band des Ozeans” zurückerobert, ſie ſtellt auch techniſch und
künſtleriſch — bei ihrer Innenausſtattung — eine ganz hervorragende
Leiſtung deutſcher Schiffsbaukunſt dar.
Anläßlich der zweiten Weltkraftkonferenz in Berlin hat
der V.D.J. ein weiteres Sonderheft herausgegeben. Oskar von Miller
leitet dieſes Heft mit einer zuſammengedrängten Darſtellung der
Ener=
giewirtſchaft im letzten Jahrhundert ein. Weitere Aufſätze von den
erſten deutſchen Autoritäten der einzelnen Sondergebiete behandeln die
verſchiedenen Gebiete der Krafterzeugung und =Verteilung.
Krupp’ſche Monatshefte herausgegeben von der Friedrich Krupp A.=G.,
Eſſen, 11. Jahrgang. Juni 1930.
Anläßlich des 75jährigen Beſtehens des Gruſon=Werkes in
Magde=
burg haben die Kruppſchen Monatshefte ein Sonderheft herausgegeben.
In einem einleitenden Aufſatz ſchildert Berdrow in gedrängter Form,
wie Krupp der Stahlfachmann und Gruſon der Meiſter des Hartguſſes
nach langem Nebeneinanderarbeiten ſchließlich doch zu einer Einheit
zu=
ſammenkamen. Es nimmt nicht Wunder, daß zwei derartige „
Eiſen=
ſchädel” ſich nur langſam mit einander „verſchmelzen” konnten. Der
weitere Inhalt des Heftes bietet einen wertvollen Ueberblick über die
Einricht ngen und Er==uniſſe des Gruſon=Werkes.
BERBONLICHES AUS DER TECHAIK
Prof. Dr. Ing. Prandtl=Göttingen, wurde die Daniel=
Guggen=
heim=Medaille, die im vergangenen Jahr zum erſten Male an Orville
Wright verliehen wurde, zuerkannt.
Baurat Dr. Ing. e. h. Neuhaus, der Vorſitzende des Deutſchen
Normen=Ausſchuſſes, hat ſein Amt als Generaldirektor der Firma A.
Borſig G. m. b. H., Berlin=Tegel, niedergelegt.
Geheimrat Dr. h. c. Conrad von Borſig wurde zum
Vorſitzen=
den des Verbandes der Deutſchen Berufsgenoſſenſchaft gewählt.
Geh. Hofrat Dr. Ing. Max Förſter, Ordinarius für
Eiſenbeton=
bau an der Techniſchen Hochſchule in Dresden, iſt kürzlich geſtorben.
Nummer 187
Dienstag, den 8. Juli 1930
Seite 11
Spot Epier und Tarnen.
Abſchluß in Wimbledon. — Alliſon -van Rhin bleiben
Welkmeiſter.
Die Allengland=Tennismeiſterſchaften auf Grasplätzen in Wimbledon
erreichten am Montag mit der Entſcheidung im Herren=Doppel ihren
Abſchluß. Die Teilnehmer am Finale waren die Titelverteidiger
Alliſonſpan Rhin und ihre jungen Landsleute Lott/Doeg. Das beſſere
Zuſammenſpiel der vorjährigen Sieger ſicherte ihnen zum zweiten Male
den wertvollen Titel. Alliſonſpan Rhin ſiegten in drei glatten Sätzen
6:3, 6:3, 6:2. — Somit ſind ſämtliche Tennis=Weltmeiſterſchaften des
Jahres 1930 an Amerika gefallen. Lediglich im Gemiſchten Doppel iſt
in Crawford ein Nichtamerikaner mit vertreten. Sieger von Wimbledon
blieben: Herren=Einzel: Tilden; Damen=Einzel: Helen
Wills=Moody; Herren=Doppel: Alliſonſpan Rhin; Damen=
Doppel: Wills/Ryan; Gemiſchtes Doppel: Ryan/Crawford.
Fran von Reznicek ſpielt wieder. — Erſte Entſcheidung bei den
Zehlendorfer „Weſpen”.
Am Montag fiel beim Tennisturnier der Zehlendorfer „Weſpen” die
erſte Entſcheidung. Beim Endſpiel des Damen=Einzels zeigte die
vorjährige Deutſche Meiſterin Frau von Reznicek, daß ſie durch ihre
lange Erkrankung von ihrer Spielſtärke nichts eingebüßt hat. Frau
Weppach wurde glatt 6:4, 6:1 geſchlagen.
Dreiländerkampf Deutſchland—Auſtralien—Japan. — In Berlin . . .
Mannheim kommt um den Länderkampf.
Die Verhandlungen des Deutſchen Tennis=Bundes mit den
Davis=
pokalmannſchaften von Auſtralien und Japan haben jetzt zu dem
Ergeb=
mis geführt, daß an Stelle der geplanten zwei geſonderten Länderkämpfe
in Berlin und Mannheim eine gemeinſame Veranſtaltung in der Form
eines Dreiländerkampfes ausgetragen wird. Dieſer Dreiländerkampf
Deutſchland-Japan—Auſtralien ſoll Ende Juli oder Anfang Auguſt,
alſo kurz vor den Internationalen Deutſchen Tennismeiſterſchaften,
durchgeführt werden. Als Austragungsort ſind die Plätze von Rot=
Weiß Berlin vorgeſehen.
Vom Turner=Tennis.
Mit dem Freundſchaftsabkommen des Deutſchen Tennis=Bundes und
ger Deutſchen Turnerſchaft vom Februar ds. Js. wurde die Tatſache
bekannt und anerkannt, daß es ſeit einigen Jahren ein Turner=Tennis
gibt.
Vom 22. April bis 3. Mai d8. Js. fand der erſte Tennis=Lehrgang
der D.T. in der Deutſchen Turnſchule in Berlin auf den Plätzen des
Sportforums ſtatt. Der Zweck des Lehrganges war die Ausbildung
von Führern der einzelnen Turnkreiſe. Es nahmen vom 9. Kreis
(Mittelrhein) einige namhafte Spielerinnen und Spieler teil. Mit ihrer
Hilfe wurde vom Kreistennisausſchuß unter Führung des
Kreisſpiel=
warts Reitz, Frankfurt a. M., ein Kreis=Tennislehrgang vorbereitet.
Derſelbe fand vom 5.—6. Juli auf der vorbildlichen Tennisanlage des
Turnvereins 1860 Frankfurt a. M. ſtatt. Als Uebungsleiter hatten ſich
Frau Ulenberg, Bensheim, Willi Reitz, Frankfurt a. M., und Fritz
Schildt, Darmſtadt, zur Verfügung geſtellt. Es kam mehr darauf an,
die 5 Damen und 11 Herren aus allen Gauen des 9. Kreiſes mit
organi=
ſatoriſchem Wiſſen, als mit ſpieltechniſchem Können auszurüſten. Der
Stundenplan war mit Vorleſungen, Ausſprachen, wraktiſchen Uebungen
und Uebungsſpielen ausgefüllt. Insbeſondere wurde gelehrt, wie man
die Anfänger in die Geheimniſſe der Tennistechnik einführt. Erfreulich
war die Feſtſtellung, daß die Verbreitung des Tennis im 9. Kreis der
D.T. raſch vor ſich geht. Zählt doch der Kreis jetzt ſchon etwa 18
dennis=
ſpielende Turnvereine, darunter Tennisabteilungen mit 100 bis 200
Mitgliedern. Zu den Vorſpielen um die Kreismeiſterſchaft waren weit
über 100 Meldungen abgegeben. Es zeigen ſich alſo heute ſchon die
Früchte der planmäßig vorbereiteten Breitenarbeit der Deutſchen
Tur=
nerſchaft im Tennis.
Hochſchnlſpork.
Am Dienstag, den 8. Juli, abends 7 Uhr, findet auf dem
Hochſchul=
ſtadion eine Gymnaſtikvorführung durch däniſche Studenten ſtatt. Es
handelt ſich um Studenten des ſtaatlichen Gymnaſtik=Inſtituts der
Uni=
verſität Kopenhagen, die im Rahmen ihrer Studienreiſe in den
verſchie=
denen Städten gymnaſtiſche und turneriſche Vorführungen veranſtalten.
— Mittwoch, den 9. Juli, nachmittags 5 Uhr, finden ebenfalls im
Hoch=
ſchulſtadion die internen Meiſterſchaften im Schwimmen ſtatt.
Nakionales Leichkathlekikfeſt in Offenbach.
Der rührige Ballſpielclub 1899 Offenbach veranſtaltete am
Sonntag ein nationales Leichtathletikfeſt, deſſen Organiſation
ausgezeichnet klappte. Hervorzuheben iſt der Hochſprung von
Waldmann mit 1,73 Metern und der Weitſprung des jungen
Haſ=
ſinger mit 7.03 Metern.
Ergebniſſe:
100 Meter: 1. Eſſer=Preußen Krefeld 11,3. — 400 Meter:
. Jonas=J. G. Frankfurt 51,9 — 800 Meter: 1. Leunig=Eintracht
Frankfurt 2:03,6. — 3000 Meter: 1. Habich=S.V. 98
Darm=
ſtadt 9:27,7, 2. Wöll=Fechenheim 9:35. — Hochſprung: 1.
Wald=
mann=Eckartshauſen 1,73 Meter, 2. Stille=B. S.C. Offenbach 1,68
Meter, 3. Bolland=A.S.C. Darmſtadt 1,66 Meter. —
Kugel=
ſtoßen: 1. Gies=B.S.C. Offenbach 11,97 Meter. — Diskuswerfen:
1. Enders=Eintracht 34,70 Meter. — Speerwerfen: 1. Neff=
A. S. C. Darmſtadt 48,35 Meter. — Dreikampf: 1. Gies=B.S.C.
Offenbach. — 4X100 Meter: 1. Preußen Krefeld 442 — 4X400
Meter: 1. B. S. C. Offenbach 3:35,9. — Leiſtungsklaſſe II, 200 Meter:
„ Kurz=B.S.C. Offenbach 22,6. 1500 Meter: 1. Stepp=A. S. C.
Darmſtadt 4:19,3. Weitſprung: 1. Haſſinger=Eintracht Frankfurt
7.03 Meter 2 Eſſer=Preußen Krefeld 6.95 Meter, 3. Rauch=
Preu=
ßen Krefeld 6,79 Meter.
Leiſtungsklaſſe III, 800 Meter:
Krauth=Sp.V. 98 2:07: Kugelſtoßen: 2. Leuchs=A.S. C.
Darmſtadt 11.29 Meter: Alte Herren, 100 Meter: 1. Pfeil=98
Darmſtadt 12 Sek.: Dreikampf (200 Meter, Weitſprung,
Kugel=
ſtoßen): 1. Pfeil=98 Darmſtadt. — Damen: 100 Meter: 1.
Lo=
renz=Eintracht Frankf. 13.1, 2. Haux=Eintracht 13,3. —
Diskus=
werfen: 1. Fleiſcher=Eintracht Frankf. 35,13 Meter.
Frauen=Rekordleiſtungen in H. S.X.
Bei den amerikaniſchen Leichtathletik=Meiſterſchaften der
Frauen in Dallas (Texas) wurden zwei neue Weltrekorde
auf=
geſtellt. Stella Walſh (Cleveland) überſchritt im Weitſprung
erſtmals die 6=Meter=Grenze und verbeſſerte den von der
Japa=
nerin Hitomi gehaltenen Weltrekord von 5,98 Meter auf 6,02
Meter. Auch dem in deutſcher Hand befindlichen
Speerwurf=
rekord, den Frl. Kurze in Hamburg vor einiger Zeit mit 39,01
Meter aufſtellte, wurde das Lebenslicht ausgeblaſen. Frl.
Did=
rickſon ſtellte mit 40,66 Meter die deutſche Leiſtung weit in den
Schatten.
Frankreichs Leichtathletik=Meiſterſchaften.
Im Olympiſchen Stadion Colombes zu Paris fielen am Sonntag die
letzten Entſcheidungen der franzöſiſchen Leichtathletik=Meiſterſchaften, die
folgende Ergebniſſe hatten:
400 Meter: 1. Féger 49,4; 2. Moulines 50,4. 400 Meter Hürden:
1. Adelheim 56,4. 1500 Meter: 1. Ladoumégue 3:58,4: 2. Leducg 4:04,2.
3000 Meter: 1. Cougnet 9:40,8. 4 mal 100 Meter: 1. Stade Frangais
43,2: 2. C. A. S. G. 43,4. Kugelſtoßen: 1. Noel 13,83 Meter. Hochſprung:
1. Philippon 1,85 Meter.
Kanuſpork.
11. Kreisregatta des Oberrhein= und Mainkreiſes in Mainz
(Befreiungsrennen).
Bei den Befreiungsrennen in Mainz konnte die Paddelabteilung des
Darmſtädter Schwimmelubs Jungdeutſchland einen zweiten und einen
dritten Sieg erringen. Im Zweier=Kajak für Anfänger wurde die
Mannſchaft P. Fasler) L. Müller knapp von Wiking=Colonia, Köln,
geſchlagen. Die Entſcheidung fiel erſt auf den letzten Metern. Im
Zweier=Kajak für Junioren wurden die Darmſtädter nur dritter Sieger,
da das vorherige Rennen die Mannſchaft ſichtlich angegriffen hatte. In
dieſem Rennen wurde Köln vor Maxau und Darmſtadt Sieger. Die
Rennen führten über 1100 Meter. Die Organiſation der Regatta war
gut und verbürgte einen einwandfreien Verlauf.
Die Ergebniſſe: Zweier=Kajak —
Herausforderungs=
preis (offen für Anfänger): KC. Wiking=Colonia, Köln, 3:56,8; 2.
Pad=
delabteilung des Darmſtädter Schwimmelubs Jungdeutſchland, 3:58,3;
3. KC. Rheinbrüder, Karlsruhe, 4:01,5; 4. Kanu=Geſ. Neckarau, 4:03,3;
5., Frankfurter KC.; 6. KC. Mannheim. Zweier=Kajak (offen für
Junioren): 1. KC. Wiking=Colonia, Köln, 4:03,1; 2. W. Sp.V. Maxau,
4:07; 3. Jungdeutſchland Darmſtadt, 4:09,9; 4. Mainzer RV. 1920,
4:10,4; 5. Kanu=Freunde Mainz.
Main=Rhein=Gauturnfeſt in Groß=Geran.
Zu unſerem geſtrigen Bericht iſt noch nachzutragen, daß bei der
Siegerverkündung Schulrat Haſſinger von der Zentralſtelle für
Volksbildung und Jugendpflege die Glückwünſche des verhinderten
Staatspräſidenten Dr. Adelung zum Ausdruck brachte und den Siegern
warme Worte der Anerbennung für die gezeigten Leiſtungen ausſprach.
Geſchäftliches.
Preiswerte Sommerreiſen! Die bekannte
Ver=
kehrsgeſellſchaft Siemer u. Co., München, veranſtaltet in dieſem
Sommer ſehr preiswerte Geſellſchaftsfahrten mit den
verſchie=
denſten Reiſezielen. Proſpekte, Auskünfte Anmeldungen:
Lotte=
rieeinnahme L. F. Ohnacker, Darmſtadt Schulſtraße 15, Tel. 84;
— Bankgeſchäft Friedrich Zaun, Darmſtadt, Luiſenplatz 1,
Tele=
phon 1308.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 8. Juli.
15.00: Hausfrauen=Nachmittag des Frankfurter Hausfrauen=Vereins:
Von der Kochtante: Wunſchnachmittag.
16.00: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters:
Be=
rühmte Tanzweiſen.
16.45: Sudetendeutſche Stunde.
18.35: Stuttgart: Dr. Herm. Rüdiger: Student des
Auslands=
deutſchtums.
19.00: Mannheim: Dr. Kayſer: Kritiſches zur Aſtrologie.
19.30: Stuttgart: Richard Wagner=Konzert.
20.30: Stuttgart: Gaunerſtreiche. Ein bunter Abend, geleitet von
Cart Struve.
22.45: Unterhaltungskonzert.
0.30: Kurzwellenſender Berlin: Nachtkonzert. Werke von Felfz
Mendelsſohn=Bartholdy.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Dienstag 8. Juli.
15.00: Margarete Wallmann: Tanzturnen für Kinder.
16.00: Dr. Leidenfroſt: Wie wird das Kind geſetzlich geſchützt?
16.30: Leipzig: „Nachmittagskonzert.
17.30: Ing. O. Kappelmayer: Wie macht man ſeinen Empfänger
für die Reiſe zurecht?
18.00: Prof. Dr. Krauſe: Die Pflanzenwelt unſerer Gebirge.
18.30: Prof. Dr. Sprengel: Sprechgeſtalt und Sinngehalt der
Dichtung.
19.00: Geh. San.=Rat Prof. Dr. Strauß: Magen= und
Darm=
ſtörungen in der heißen Jahreszeit.
19.25: Dr. Kirchhoff: Deutſchland im Völkerbund.
20.00: Konzert.
20.15: München: Die Zugſpitzbahn wird eingeweiht.
21.00: Opernarien und Ballettmuſiken.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuiſleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Willv Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unperiangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Geiten
„Ich litt ſeit 3 Jahren
furchtbarem
Durch ein halbes Stück „Zucker’s Patent=Medizinal=
Seife” habe ich das Uebel völlig beſeitigt. H. S., Pol.=
Sergt.” 4 Stck. 60 Pfg. (15%ig), Mk. 1.— (25%ig) und
Mk. 1.50 (35%ig, ſtärkſte Form). Dazu „,Zuckooh=Creme‟
(4 35,50, 75 u. 100 Pfg.) In allen Apotheken, Drogerien
und Parfümerien erhältlich.
FTV 2020
Die seit 30 Jahren bewährten
englischen Schönheitspräparate
— 1 2 — RR
sind erhältlich in der
Parfümerie THEODOR FRANK
Elisabethenstr. 9
Durchgaſung
Sachgemäße
Be=
kämpfung von
Un=
geziefer aller Art.
Ibel & Lotz
Eliſabethenſtraße 31
Fernruf 461. (8989a
1 Zim. u. Küche
zum 1. 8. zu mieten
geſucht. Angeb. u.
W. 119 Gſch. (10803
Jgs Ehepaar ſucht
beſchlagnahmefreie
1—2 Zimmer
m. Küche ev Küch.. Angb. u.
W. 93 an Geſchſt. (*
Anko=Garage
Nähe Ludwigsplatz
geſucht. Angeb. unt.
W. 99 Gſchſt. (*idg
Vier „Anſchläger
ſuchen f. etwa eine
Woche ab heute
Dienstag abend (*
Schlafſtelle.
Angebote m. Preis
angabe ſofort an d.
Hausmeiſt. d.
Lan=
desverſicherungsan
ſtalt (Ecke
Wilhel=
minen= und Anna=
(10775
ſtraße).
Auf alle regulären Waren
ausgenommen Kurzwaren und
Markenartikel
Besonders billige Restpostenin
Srumplnaren und Trilolagen
Badeartikel und Strickwaren
Beachten Sie bitte die Schaufenster
Fracfersäiger
Rheinstraßße 1
107.0)
OOn H
ſchlagnahmefrei, von
kdlſ. Ehep. bald. zu
miet. geſ. Ang. unt.
W. 85 a. Geſchſt. (*
Beitfedern-Reinigung
Matratzen
Inlett-Bettfedern.Daunen
Drelle-Patent-Matratzen
Autarbeiten und Neuantertigung
von Matratzen und Polstermöbel
aller Art 15784
Tapeziermeister
M Masdalenenstr. 11 Tel. 1084
Kinderloſes Ehep.
ſucht 1—2=Z.=Whg.,
ev. Manſarde..
Zu=
ſchriften u. W. 110
a. d. Geſchäftsſt. (
Suche per 15. 8. od.
1. 9. 30 ſchöne be
ſchlagnahmefr. 1—2.
Zimmer=Wohng. m.
Küche (Neub.).
An=
gebote unt. W. 98
a. d. Geſchſtelle. (*
groß. 3. m. Küche
zu mieten geſucht.
Angebote u. W. 84
an die Geſchſtelle. (*
Fg. Herr ſucht mbl.
Zimmer z. 1. Aug.
Angebote u. W. 102
a. d. Geſchſtelle. (*
Zimmer geſ.! Saub.
möbl. 3. b. 1. Aug.
(Dauerm.).
Preis=
off. b. 30 ℳ einſchl.
Bettw. u. Kaffee u.
W. 95 an Gſchſt. (
2= ev. 1=Zim.=Whg.
von Beamten für
ſofort od. ſpäter in
Darmſtadt zu miet.
geſucht. Angb unt.
W. 108 Geſchſt. (*
Obſthaus Johannesviertel
Liebigſtraße 4 (10805, Telephon 4270 k
Eröfffklung: Heute Dienstag
1a Johannisbeeren 10 Pfund 1.40
Tomaten . Pfd. 20 ₰, 3 Pfd. 55 =
Reue gelbe Kartoffeln 10 Pfd. 65
Pfund 10=
Zwiebeln".
Rieſengurken . St. 35 9, 3 St. 1.0
leeres Zimmer
ſucht junges,
kinder=
loſes Ehepaar ab 15.
Juli oder 1. Auguſt.
Zuerfr. Geſchäftsſt. /
Jg. Akademiter,
be=
ruftstätig ſucht
nettes Zimmer
elektr. Licht, ſepar.,
im Zentr. der Stadt
per 1. Aug. Angeb.
unter W 109 Geſch.
Waſſerhandlg.
ſucht kühlen
Keller=
raum, mögl. mit 3 4=Zimm.=
Woh=
nung gegen Tauſch.
Offerten u. W. 112
an die Geſchſt.
4—5=Zim.=Wohng.
zu mieten geſucht.
Angeb. unt. W. 8‟
an die Geſchſt. (
Gefahr!
Die ständige
II. Bln. 7658)
Stechmücken und Schnaken vermindern durch
Belästigung bei Tag und Nacht Ihre
Arbeits-
fähigkeit und nehmen Ihnen viel von Ihrer
Behaglichkeit. Vernichten Sie die lästigen
In-
sekten, zerstäuben Sie Flit!
Flit tötet Fliegen, Mücken, Schnaken, Motten,
Flöhe, Bettwanzen, Küchenschaben, Ameisen
samf Brut. Flit-Zerstäubung ist unschädlich
für den Menschen und fleckt nicht.
Verwechseln Sie Flit nicht mit anderen
In-
sektenvertilgungsmitteln. Nur echt in der
gelben Packung mit schwarzem Band.
kötet-schneller
[ ← ][ ][ → ]Nummer 187
Dienstag, den 8. Jnli
Haakenſktand im Reich Anfang Juli.
Die vorherrſchende Trockenheit und hochſommerliche Hitze im Juni
hat die Weiterentwicklung der Feldfrüchte vielfach ungünſtig beeinflußt.
Beim Getreide iſt die Blüte noch durchweg gut verlaufen. Beim
Winter=
getreide zeigen ſich aber auf leichteren Böden, namentlich in Oſt= und
Norddeutſchland, bereits Dürreſchäden. In den ſüd= Und weſtdeutſchen
Gebieten, wo zeitweilig Niederſchläge erfolgten, wird der Stand des
Wintergetreides im allgemeinen günſtig beurteilt. Das Sommergetreide
hat dagegen infolge unzureichender Niederſchläge verſchiedentlich gelitten.
Im Oſten des Reiches iſt mehrfach Notreife eingetreten. Die Hackfrüchte
ſind durchweg gut aufgelaufen; ihre Weiterentwicklung wird aber durch
die allzu große Trockenheit aufgehalten. In Frühkartoffeln iſt eine
bal=
dige Ernte zu erwarten. Auf den Kleeäckern und Wieſen iſt der erſte
Schnitt größtenteils beendet. Der Ertrag iſt der Beſchaffenheit nach
durchweg gut, der Menge nach zufriedenſtellend. Der Nachwuchs iſt bei
Futterpflanzen und Wieſen noch ſpärlich. Unter Zugrundelegung der
Zahlennoten 2 — gut, 3 — mittel, 4 — gering ergibt ſich im
Reichsdurch=
ſchnitt folgende Begutachtung: Winterroggen 2,6 (Vormonat 2,2),
Win=
terweizen 2,4 (2,3), Winterſpelz 2,3 (2,3), Wintergerſte 2,5 (2,5),
Som=
merroggen 3,0 (2.7), Sommerweizen 2,7 (2,5), Sommergerſte 2,8 (2,5),
Hafer 3,0 (2,6), Frühkartoffeln 2,9 (2,7), Spätkartoffeln 2,9 (2,8), Klee
2,7 (2,4), Luzerne 2,4 (2,3), Bewäſſerungswieſen 2,3 (2,2), andere Wieſen
27 (25).
Vom Holzmarkk
Unſer Mitarbeiter ſchreibt uns: Die peſſimiſtiſche Stimmung hält
an. Man glaubt in Fachkreiſen nicht mehr recht an die Möglichkeit einer
Belebung des Baumarktes, die allein für die Holzwirtſchaft, namentlich
für die Sägewerksinduſtrie, einen geſchäftlichen Auftrieb bedeuten könnte.
Die Schnittholzpreiſe haben eine weitere kleine Senkung erfahren, die
ſich neuerdings auch auf den Stammbrettermarkt erſtreckte. Große
Kreiſe des Zwiſchenhandels in Weſtdeutſchland, die noch im vorigen
Jahre Abnehmer erheblicher Mengen von öſtlicher Stammkiefer waren,
ſind vollkommen ausgeſchieden. Die am thüringiſchen und ſächſiſchen
Holzmarkt tätigen Platzholzhändler haben teilweiſe überhaupt keine
Einkäufe in gutem Tiſchlerholz getätigt. Darauf iſt es hauptſächlich
zurückzuführen, daß ſo bedeutende Mengen von Stammware zurzeit
un=
verkauft ſind. Es iſt eine ſonderbare Erſcheinung, daß die Verbilligung
des Geldes ſich am Holzmarkt in keiner Weiſe auswirkt. Selbſt die
Banken berechnen heute bei der Diskontierung von Holzwechſeln noch
immer 6½ v. H. Zinſen, während ſie ihren Kunden in der
Holzwirt=
ſchaft für die Hergabe von Depoſitengeldern nur 1½ v. H. vergüten.
Schlimm ſind die Verhältniſſe am Bauholzmarkt. Die Sägewerksbeſitzer
ſind ratlos, was ſie aus dem geringwertigen Rohholz herſtellen ſollen.
Am Eichenmarkt waren ſelbſt hochwertige Qualitäten nur ſchwer
ab=
zuſetzen.
Die Spareinlagenbewegung im Deutſchen Reich. Nach der amtlichen
Ueberſicht betrugen die Spareinlagen bei den Sparkaſſen des Deutſchen
Reichs bis Ende Mai 9835 gegen 9726 Mill. Mk. am Ende des
Vor=
monats. Durch Aufwertung ſind 1,2 und durch Zinszahlung 12,5 Mill.
Mark hinzugekommen. Die Einzahlungen betrugen 602 und die
Aus=
zahlungen 493 Millionen RM. Die Zahl iſt um ſo beachtlicher, als im
Mai 1929 faſt 100 Mill. RM. weniger eingezahlt wurden, nämlich 509
Mill. RM.; im gleichen Monat wurden ausgezahlt 469 Mill. RM. Der
Stand der Depoſiten= und Giroeinlagen war Ende Mai 1507 (1459)
Mill. NM.
p. Konkurs Nauheim. Einen breiten Raum in den
Erörte=
rungen nahmen im geſtrigen Termin die Lombardierungen von
Wertpapieren an Banken (Bleichröder und andere) ein. Die
Vor=
unterſuchung gegen Guthmann iſt noch im Gange; nach Eingang
der Anklageſchrift wird in abſehbarer Zeit die Hauptverhandlung
vor dem Bezirksſchöffengericht ſtattfinden können, wohl noch in der
jetzt begonnenen zweiten Hälfte dieſes Jahres. Die Gläubiger
haben nun ein dringendes Intereſſe daran, bald eine
Abſchlags=
dividende zu erhalten. — Wefter wurde die Behandlung der
Liquidationspfandbriefe beſprochen, die von Nauheim u. Cie. auf
Stückekonto den Kunden gutgeſchrieben wurden. Eigentum wurde
an den Goldmarkobligationen (Pfandbriefen) durch Nauheim u.
Cie unmittelbar für den einzelnen Kunden erworben.
Schwierig=
keiten bereiten aber die Fälle, in denen die Stücke an der Börſe
exekutiert wurden. Dieſe Fälle dürften die Mehrzahl bilden. Es
wird vorgeſchlagen, einen Termin zu beſtimmen mit der
Tages=
ordnung: Abſchluß eines Vergleichs mit den Pfandbriefgläubigern.
Dieſer Termin ſteht, um Verhandlungen zwiſchenzeitlich Raum
zu laſſen, am 22. September, vormittags 9,30 Uhr. an.
a) 59—63, b) 54—58, c) 50—53, Kälber a) geſtrichen, b) 70—74, c) 65—69,
d) 55—64. Schweine a) geſtrichen, b) 60—64, c) 66—68, d) 66—68 und
e) 62—65. Fleiſchgroßhandelspreiſe 1) 95—103, do. 2) 80—90,
Bullen=
fleiſch 88—93, Kuhfleiſch 2) 70—80, do. 3) 60—70, Kalbfleiſch 2) 100—110,
Schweinefleiſch 1) 85—92. Aus hieſiger Schlachtung waren 58
Vorder=
viertel und 65 Hinterviertel. Geſchäftsgang langſam.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 7. Juli.
Zu Beginn der neuen Woche fehlte der Börſe jede Anregung.
Auf=
träge waren wieder kaum eingetroffen, ſo daß auch heute das Geſchäft
nur kleinſten Umfang annahm. Die New Yorker Börſe war am
Sams=
tag geſchkoſſen. Verſtimmend wirkte der weitere Rückgang der Miag=
Aktien aus den bekannten Gründen, die gegenüber des
Abendbörſen=
kurſes vom Freitag erneut 7½ Prozent einbüßten. Material kam ſonſt
in größerem Umfange nicht an den Markt, doch ergaben ſich bei der
herrſchenden Aufnahmeunluſt und der ſchwächeren Tendenz teilweiſe
Kursverluſte bis zu 2 Prozent. Am Chemiemarkt eröffneten J. G.
Farben 1 Prozent ſchwächer, Holzverkohlungen waren dagegen behauptet.
Am Elektromarkt hatten Siemens ſtärker unter Kursdruck zu leiden
(minus 3 Prozent). A.E.G. lagen gehalten, Schuckert nur
gering=
fügig niedriger. Am Kunſtſeidemarkt konnten ſich Aku erneut um 1½
Prozent erholen. Es ſollen wied Läufe holländiſcher Seite
vor=
genommen worden ſein. Der Bauunternehmungsmarkt lag
uneinheit=
lich; Hoch= und Tiefbau gewannen 1 Prozent, während Wayß u. Frentag
1 Prozent nachgaben. Schiffahrtsaktien waren erneut gedrückt und bis
je 2 Prozent abgeſchwächt. Auch der Montanmarkt hatte heute kaum
Umſätze zu verzeichnen; die Verluſte gingen bis zu 1½ Prozent. Phönig
eröffneten gut behauptet. Von Kaliaktien konnten Aſchersleben leicht
anziehen. Banken bis zu 1½ Prozent abgeſchwächt. Am Nentenmarkt
waren deutſche Anleihen ſchwächer.
Im Verlaufe kam weiter Material in geringem Umfange an den
Markt, und es ergaben ſich gegen Anfang bei kleinſtem Geſchäft
noch=
malige Abſchläge bis zu ca. 1 Prozent. Gegen Schluß der Börſe konnte
ſich das Kursniveau auf Rückdeckungen der Kuliſſe, veranlaßt durch
Interventionen einiger Großbanken, bis zu 2 Prozent erholen. Am
Geldmarkt war Tagesgeld mit 3 Prozent weiter leichter. Am
Deviſen=
markt nannte man Mark gegen Dollar 4,1930, gegen Pfunde 20,40.
London=Kabel 4,8650, Paris 123,71½, Mailand 92,88, Madrid 41,40,
Schweiz 25,06½, Holland 12,09¼,
An der Abendbörſe waren die Kurſe meiſt behauptet, ohne daß
eine Belebung des Geſchäftes eintreten konnte. Die Kursveränderungen
gegen den Berliner Schluß blieben meiſt gering. Miag waren auf dem
leicht erholten Schlußniveau des Mittagsverkehrs knapp gehalten. Einige
Nachfrage beſtand am Anleihemarkt für Schutzgebietsanleihe, die etwa
¼ Prozent anziehen konnten auf die Mitteilung, daß ein Geſetzentwurf
in Vorbereitung ſei, nach dem die Inhaber von Schutzgebietsanleihen
ebenſo geſtellt werden ſollen wie die Inhaber von alten Reichsanleihen.
Schutzgebietsanleihe 3,40, Adca 111½, Barmer Bank 122, Danatbank
21, Deutſche u. Disconto 130, Dresdner Bank 131, Gelſenkirchen 125½,
Salzdetfurth 355, Mannesmann 92¼, Rhein. Braunkohlen 220,
Rhein=
ſtahl 100½, Stahlverein 85, Aku 97½, A.E.G. 149½, Daimler 31½,
Deutſche Linoleum 198, Licht u. Kraft 142½, Felten 108, J. G. Farben
157, Goldſchmidt 58, Holzmann 87, Metallgeſellſchaft 113. Miag 97—98,
Zellſtoff Waldhof 141.
Berlin, 7. Juli.
Im heutigen Vormittagsverkehr konnte ſich nach der zweitägigen
Unterbrechung des Börſenverkehrs noch kein Geſchäft entwickeln.
Vor=
börslich wurden nur knapp behauptete Freitagsſchlußkurſe genannt, da
Anregungen auf keinem Gebiete vorlagen. Zu Beginn des offiziellen
Verkehrs waren dann faſt durchweg Kursrückgänge zu beobachten. Die
geringere Kaliabladung im Juni, die wenig günſtige Lage bei der
Reichs=
bahn, die unbefriedigende Situation in Oberſchleſien, der Rückgang des
Younganleihekurſes in New York und die ſinkenden Warenhausumſätze
im Mai waren verſtimmende Momente. Auch die heute beginnende
Be=
ratung der Deckungsvorlagen im Reichstag löſte ſtärkere Zurückhaltung
aus. Demgegenüber vermochten die wenigen günſtigen Momente, wie
der ſteigende Eiſen= und Stahlexport, die unveränderte Dividende bei
Maximilianshütte, die vorausſichtliche Diskontſenkung in der Schweiz
kaum Einfluß auf die Tendenz zu nehmen. Die Verluſte betrugen im
allgemeinen bis zu 2 Prozent. Im Verlaufe hielt die ſchwächere
Stim=
mung an, die Spekulation nahm Abgaben vor, und das Kursniveau
ſenkte ſich um ca. 2 Prozent. Die Tendenz mußte als ſchwach bezeichnet
werden. Von Anleihen waren Neubeſitzanleihe ſchwächer.
Haupkverſammlungskalender.
8. Juli: Berlin: A.=G. Johannes Jeſerich; A.=G. für
Bauausfüh=
rungen; Naphtha=Induſtrie= und Tankanlagen A.=G. „Nitag”;
Spinn=
faſer=A.=G., Elſterberg. Frankfurt: Deutſche Gold= und Silber=
Scheide=
anſtalt vorm. Noeßler; Holzverkohlungs=Induſtrie A.=G., Konſtanz.
9. Juli: Berlin: F. G. Dittmann, A.=G., Berlin=Wittenau. Köln:
Leonhard Tietz A.=G. Osnabrück: F. H. Hammerſen A.=G.
10. Juli: Berlin: Handelsgeſellſchaft Raiffeiſenſcher Genoſſenſchaften
A.=G. i. L. Frankfurt a. M.: Süddeutſche Immobilien=Geſellſchaft
A.=G. Vierſen: Pongs u. Zahn Textilwerke A.=G.
11. Juli: Berlin: Adolf Pitſch A.=G., Nowawes. Köln: Rheiniſche
Waſſerwerks=Geſellſchaft. Dresden: Emil Uhlmann A.=G., Chemnitz.
Düſſeldorf: Düſſeldorfer Baubank. Köln: Houben=Werke A.=G., Aachen.
Ludwigshafen: Pfalzwerke A.=G. Nürnberg: Triumph Werke
Nürn=
berg A.=G. Berlin: Bekleidungsgeſellſchaft für deutſche Beamte A.=G.
Metallnokierungen.
Die Berliner Metalltermine vom 7. Juli ſtellten ſich für
Kupfer: Juli 95.50 (98.50), Auguſt 95.50 (97), September 96
(96.25), Oktober und November 95.75 (96.25) Dezember 96
(96.25), Januar 95.50 (96.25) Februar 95.50 (96) März 95.50
(95.75), April 95 (95.75), Mai und Juni 95 (96). Tendenz:
ſtetig. — Für Blei: Juli 35 (36), Auguſt und September 35
(35.50), Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März,
April und Mai 35 (35.25), Juni 35 (35.50). Tendenz: ſtetig. —
Für Zink: Juli 31.50 (31.75), Auguſt 32 (32.50) September
32.50 (33.50), Oktober 32.75 (34) November 33 (34.50) Dezember
33.75 (34.50), Januar 34 (35), Februar 34.50 (35), März 34.75
(35.50), April 35 (35.50), Mai und Juni 35.25 (35.75). Tendenz:
ſtill. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
Brief.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
In der Berichtswoche ging der Kalkabſatz bei allen
Verbraucher=
gruppen ſtark zurück. Schon der Mai brachte ein langſames Rachlaſſen
des Bedarfs an Kalk jeder Art; die in jenem Monat verſandten Mengen
erreichten nicht mehr die des Vorjahres. Im Juni ging die Nachfrage
noch ſtärker zurück, der Abſatz liegt beträchtlich unter dem des
Vor=
jahres, ſo daß weitere Betriebseinſchränkungen notwendig wurden und
einzelne Werke den Betrieb ganz einſtellen mußten.
Die Verhandlungen zwiſchen der Direktion der Mannſtgedt=Werke,
die dem Klöckner=Konzern angehören und außerhalb des Gebietes der
Nordweſtgruppe liegen, und Vertretern der Gewerkſchaften über
Lohn=
abbau ſind dem „B.T.” zufolge geſcheitert. Die geſamte Belegſchaft iſt
geſtern früh zum Zeichen des Proteſtes in den Ausſtand getreten. Es
handelt ſich um 2200 Arbeiter.
Da die Reklame für landwirtſchaftliche Produkte vielfach einen
Auf=
wand erforderte, der mit ſeinen Ergebniſſen micht in Einklang ſtand,
hat ſich in Berlin ein „Arbeitsausſchuß für Agrarpropaganda” gebildet,
der die Vorausſetzungen für eine erfolgreiche Werbung für
Landwirt=
ſchaft, ihre Erzeugniſſe und Maßnahmen ſchaffen will.
Auch im Jahre 1930 werden vom Reich und von Preußen wieder
Beihilfen zur Anlage von Gemüſe=Treibhäuſern gewährt. Vom Reich
werden 250 000 RM. und vom preußiſchen Staat 500 000 RM. für dieſen
Zweck bereitgeſtellt. Die Mittel werden als rückzahlbare Darlehen mit
5prozentiger Zinsverbilligung für die Dauer von fünf Jahren
her=
gegeben.
Der Aufſichtsrat der Hochfrequenz=Maſchinen A.=G. für drahtloſe
Telegraphie, Berlin, beſchloß, der zum 25. Juli einberufenen
General=
verſammlung die Verteilung einer Dividende von 12 (11) Prozent
vor=
zuſchlagen.
Nach den Berechnungen der Metallgeſellſchaft A.=G., Frankfurt a. M.,
ſtellte ſich die Blei=Hüttenproduktion der Welt im Mai 1930 auf 141 710
Tonnen gegen 140 321 Tonnen im April ds. Js. und 145 796 Tonnen im
Monatsdurchſchnitt 1929.
In Aix=les=Bains hielt die Internationale Vereinigung der
Seiden=
veredelungsinduſtrie F. J.M. J. S. ihre erſte ordentliche
Generalverſamm=
lung ab in Anweſenheit von 80 Vertretern der Seidenfärbereien von
Deutſchland, Frankreich, Italien, Oeſterreich, der Schweiz und Spanien.
U. a. wurde die Einführung einer international geſchützten Marke für
Seidengewebe beſprochen.
Berliner Kursbericht
vom 7. Juli 1930
Mannheimer Produktenbericht vom 7. Juli. Bei
unverän=
derten Forderungen des Auslandes verkehrte der Getreidemarkt
in ruhiger Haltung, während Futtermittel feſt lagen. Im
Vor=
börſenverkehr hörte man folgende Kurſe in Reichsmark per 100
Kilo waggonfrei Mannheim: Weizen inl. 30.75, ausl. (je nach
Qualität und Herkunft) 31,25—34, Roggen inl. 17. Hafer inl.
16.25—17, Futtergerſte 17—18, ſüdd. Weizenmehl Spezial Nüll
44½, ſüdd. Weizenauszugsmehl 48.25, ſüdd. Weizenbrotmehl 30.25,
ſüdd. Roggenmehl (60—70proz. Ausmahlung) 25.25—28.50.
Fraukfurter Produktenbericht vom 7. Juli. Mangels jeder
An=
regung verlief die Getreidebörſe ziemlich ruhig. Getreide und Mehl
lagen faſt unverändert, dagegen waren Futtermittel ſehr feft. Im
ein=
zelnen notierten: Weizen 78 Kg. Hektolitergewicht, gut geſund und
trocken, 305, Roggen 72 Kg. Hektolitergewicht, gut, geſund und trocken,
165—166, Hafer inländiſch 167,50—170, Weizenmehl ſüdd. Spez. 43,75
bis 44,50, Weizenmehl niederr. 3,50—4,25, Roggenmehl 25—25,50.
Wei=
zenkleie 8,25—8,50, Roggenkleie 8,25—8,50, Erbſen je nach Qualität 28
bis 35, Linſen 38—80, Heu neuer Ernte 5—5,50, Weizen= und
Roggen=
ſtroh, drahtgepr. 4.—, Treber getrocknet 10,25—11,25.
Amerikaniſche Kabelngchrichken
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 7. Juli:
Getreide. Weizen: Juli 87½, September 91½, Dezember 97;
Mais: Juli 74.50, September 73. Dezember 67: Hafer: Juli 33½,
September 35½, Dezember 38½; Roggen: Juli 47, September
50.50. Dezember 56.50.
Schmalz: Juli 9.40, September 9,47½, Dezember 9,47½.
Speck, loko 13,75.
Schweine: leichte 9,75—10,00, ſchwere 9.30—9,60;
Schweine=
zufuhren: Chicago 38 000, im Weſten 122 000.
Baumwolle: Juli 13,85. Oktober 12,93.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 7. Juli:
Schmalz: Prima Weſtern 10,15; Talg, extra, loſe 5.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 105½, Hartwinter
94½, Mais 80.50, Mehl 470—510; Getreidefracht: nach England
1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 7—9 Cents.
Kakao. Tendenz: kaum ſtetig; Umſätze: 72; Loko: 8%; März
8,48, Mai 8,64, Juli 8,10, Sept. 8,23, Okt. 8,29, Dez. 8,26.
Diebmärkke.
Mannheimer Viehmarkt vom 7. Juli. Dem heutigen
Groß=
viehmarkt waren zugefahren und wurden folgende Preiſe genannt:
198 Ochſen, 42—60, 220 Bullen, 44—53. 239 Kühe 18—48, 421
Färſen 44—61, 872 Kälber, 52—75, 23 Schafe, 48—50. 2569
Schweine, 52—67, 8 Ziegen, 12—24. Marktverlauf: Mit
Groß=
vieh ruhig, Ueberſtand; mit Kälbern ruhig, kein Ueberſtand;
mit Fettſchweinen ruhig. Fleiſchſchweine geſucht. ausverauft.
Frankfurter Viehmarkt vom 7. Juli. Aufgetrieben waren 1237
Rin=
der, darunter 319 Ochſen, 117 Bullen, 494 Kühe, 312 Färſen, ferner
481 Kälber, 37 Schafe und 3628 Schweine. Mauktverlauf: Rinder rege,
Ueberſtand; Kälber und Scafe ruhig, ausverkauft; Schweine anfangs
lebhaft, ſpäter abflauer
kauft. Fettſchweine ſchlecht verkäuflich.
a2) 54—57. b1) 42—53, Bullen a)
Bezahlt wurden:
43—45. c) 36—11, d) 90—35, Färſen
52—50, b) 13—51, Kühe a)
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank
Deutſche Bant u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenn
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Ga=
Deutſche Erdöl
156.50
A—
130.—
131.—
98.—
129.50
98.50
149.—
69.—
94.875
175.—
56.*0
157.75
146.25
85.125
Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern. 144.—
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bg.
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kolsw.
Orenſtein & Koppt=
155.378
124.50
119.625
94.25
85.—
201.50
95.50
92.125
93.—
44.50
76.75
92.875
66.75
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwer
Weſteregeln. Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe-Werte
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
55.3ns
353.50
147.
120.—
85.—
201.50
77.50
66.—
132.—
67.—
161.25
17.—
84.—
42.25
Helſingfo "
*
Wien
*
Prag
Budapei
Sofia.
Holland
Lslo
Kopenhagen
Stodkholm
London
Buenos=Aires
New Yort
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch.Kr
00 Pengo
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
00 Kronen
L=Stg.
1 Pap. Pe
1 Dollar
00 Belgo
100 Lire
100 Francs
eldBrieſſ
10.547
59.18
12.43
73.31
3.037
168.46
12.18
112.24
112.53
20.378
1.498
4 189
58.51
21.94
0.567
59.30
12.45
73.45
3.04
168.30
112.4(
112.4
112.7
20.418
1.50
4197
58.63
1.98
16.465/ 16.505!
Schweiz
Spanien
Danzig
apan
Portuga.
Athen
Iſtambu
Kairo
Kanada
Urnguay
Jsland
Tallinn Feſu.
Riga
Malbane, Aomkmanongefrafche
Frankfurter Kursbericht vom 7. Juli 1930.
7% Dtſch. Reichsanl. /104.1
68 Baden.
80 Bahern
6
88 Eeſſen v. 281 9221,
80
v. 29
4% Preuß.
Staats=
anl. . . . . . . . .. ..
8% Sachſen ..."
6% Sachſen ...."
7% Thüringen.
Dt che. Anl. Auslo
ſungsſch. +‟/.
Ab=
löſungsanl. . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ungsſch. (Neub.)
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe .. ."
v Baden=Baden.
(% Berlin ....."
7% Frankfurt a. M.
80 Mainz...
8½ Mannheim ..
8% Nürnberg
% Beſſ. Landesbk.
Goldpfbr. ... ..
8%
Goldoblig.
4½% Heſſ. Lds.-
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr. . . . . . . . ."
% Preuß. Lds..=Anſt. Gold
Pfbr. . . . . . . ...
Goldobl
Darmſt. Komm.
andesbk. Goldobl.
Haſſeler Land.
uedit Boldpfbr..
Goldpfbr. . .... 87.5 100.25 83.15 4½% „ OI 85.75 101.25 84. Dt. Komm. Sam= 96.25 mel=Ablöſ.-Anl. *Ausl. Ser. I 95 *Ausl. Ger. 1I 73 100.5 Dt. Komm. Samm. 83.25 Abl. (Neubeſiß) 15.5 85 Berl. Hhp.=Bf. 101.5 „Liqu.-Pfbr. 88 % Frtf. Syp.=Bt. 107.5 59.75 32% Lig. Pfbr 87.8 „ Pfbr.:B 101.5 8‟. „Lig. Pfrb. 80-, Mein. Hyp.=B 101.5 %- Lia. Pfbr. 89.4 Pfälz. Hyp.=Bf. 101 2.2 % „ Lig.Pfbr.
% Preuß. Boden- 89.5 cred.=Ban! .... 100.5 93.5 4½% „Lig. Pfbr. 91 82 v Preuß. Centrl. 93.25 Bodencr.=Bank 10. ½% — Lig.Pfbr 86. 55 88.75 8% Rhein. Hyp. B 101.5 91.9 ½% „Lia. Pfbr.
Rhein.=Weſtf.= 90.. 94 Bd.=Credit . . . .
3½ Südd. Bod.: Cred.=Bant .... 102 5 4½% „Lig. Pfbl 88!. 99.5 18% Bürtt. Hhp.=B 101.5 % Daimler=Ben; 75 S7: % Dt. Linol. Werle Klöchner=Werle 93 1o1 Mainkrw. v. 26. 88.5 97 2 Mitteld. Stahl= werke ......." 91 Salzmann u. Co 89 sVer. Stahlwerl 93 S8.5 18% Boigtc Häffner 96.5
F. G. Farben Bonds/101.5
5%0 Bosn. L.E.B.
L. Inveſt.
4½% Oſt.
Schatz=
anw. . . . . ....
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän
½%
420 Türk. Admin.
„ 1. Bagdad
„ Zollant.
%0 Ungarn 1913
191.
Goldr.
1910
Aitie
Rlg.Kunſtziide Unie
NEG. Stamm..
AndreaeNoris Zahn
Baſt Nürnberg .. .
Bemberg J. P.
Bergm. Cl.=Werfe.
BrovnBoveric Cie.
Brüning & Sohn
Buderus Eiſen..
Cemen; Seidelbergl
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werle Alber
Chode ........
Contin Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz
Dt. Atl. Telegr.
Eiſenh. Berlin
Erdöl
Gold= u. Silb.
cheide=Anſtalt.
Linoleumwerk
Dückerhoff u.
Wid=
mann ..
Eichbaum=Werger
Eleltr. Licht u. Kraft
„ Liefer-Geſ.
31
47.25
26‟=
16
3.9
4.9
20.5
24.5
23.025
19.5
148
183
116
72
108.25
183
49
157
202
108.5
59.75
86
Ae 75
198.5
Eſchw. Bergwerk. .
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Gnilleaum
Frift. Gas ..
Hof
Geiling & Cie.
Gelſenk. Bergweri
Gef. eleftr.
Unter=
nehmungen ..."
Goldſchmidt Th. .
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Dafenmühle Frift.
Hammerſen (Lsn.)
Karpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfbr.
Hinderichis-Aufferm
Hirſch Kupfer..
Sochtief Eſſen
Holzmann, Phil.
Holzveri.=Induſtru
Zlſe Bergb. Stamr
Genüſſe
Junghans Stamm
Kal=Chemie..
Aſchersleben
Salzdetfurth.
Weſteregeln.
Kammgarnipinn. .
Karſtadt, R...
Klein, Schanzlin.
Klödnernerte
Lahmeher & Co.
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt
Rainkr..W. Köchſt
Mainz. Aft.-Br. .. .
213
44
157.5
70
108
110
123.75
144
S6.75
170
125
80
131
6:
86
24
238
119
37.5
141
200
395
202
201
104
Mene Re
Mansfeld Bergb.
Metallgef. Frankf..
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Tberurſe
Ricolay, Hofbr.
Nürnberger Brauh.
Oberbedar
Ltavi Minen
Phönix Bergbau.
Reiniger, Gebb. ..
Rh. Braunkohlen".
Elektr. Stamm.
„Stahlwerfe. .
Riebeck Montan..
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerle
Sachtleben A. G.
Salzw. Heilbronn.
Schöfſerhof=Bind..
Schramm, Lackfab
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elehr.
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halste
Strohſtoff. Ver.
Südd. Immobilien
Zuder-A. G.-
Svenska Tändſtids
Zeilus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ.
Tucher=Brauerei.
Unteriranien
Beithwerle
Ver. ſ. Chem. Ind.
„ Laurabütte
„ Stahlwerle
Ultramarin ...
Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin
Voigt & Saeſiner.
93
112.5
94
50
68
118.25
42.26
86
113
100
105
57.5
154
210
2
114.25
16
141
207
a1
155.
102
100.5
Ze.5
85
147
Wayß & Freytag.
Wegelin Rußfabri
Zellſtoff Aſchaffbg.
Memel ..
„ Waldhof..
Allg. Dt. Creditanſ.
Badiſche Bank. ..
Br. f. Brauinduſtr..
Barmer Banlverein
Berl. Handelsgeſ.
Sypothelbk
Comm. u. Privat!
Darmſt. u. Nt.=Bk
Dt. Banl und Disc.
Deutſche Efſeiten
und Wechſelban
Dresdener Bant ..
Franff. Bant... .
„ Hhp.=Ban!
Pfdbr.=Bf.....
Gotha. Grundir. B.
Mein. Hyp. Bank..
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Lyp. Ban!
Reichsbant.....
Rhein. Kyp.=Ban
Südd. Bod.=Cr. B
Wiener Banlverein
Württb. Notenkan?
A.-G. . Vertehrsw.
Allg. Lolalb. Kraftn
7% Dt. Reick,sbahr
Vorzge.
Hapag. ..
Nordd. Llond.
Schantung=Ciſenb.
Sübd Ciſenb.-Ge
Allianz. n. Stung
Berſicherung
„Verein Verſ.
Frift. Alla. Ver).
Mückverſich.
Fronſono Rüc- u.
Mitv.
Mannh. Verſich.
Deviſenmarkt
vom 1. Juli 1930
zrie
81.47
49.20 49.30
81.63
2.077
0.466
7.437
8.84
5.43
20.9s
z. 144
2.574
92.:4
111.60
80.97
75.25
101
102.5
108
158.25
111.5
148
135
T22
224
138
200
129.5
110
129
100
151
151.25
120
145
27.8
139
152.5
137.5
184.5
86.5
148
EK
92.5
98.5
75
105
215
199
Nummer 187
Dienstag, den 8. Juli 1930
Seite 13
Mehrere geſpielte
Klit Heree
darunter 1 Lipp,
1 Irmler, 1 Lenz.
wie neu erhalten,
Heidelbergerſtr. 88.
Telef. 126. (B10613
Fabrikneue
Aukodecken
U. S Royal=Cord,
820X120, z.
Spott=
preis Stück 50.— ℳ.
L. Baumert,
Mühlſtraße 1.
Eine große Anzabl
(Ford. Chevrolet
uſw.), wie neu
her=
ger., ſehr billig
ab=
zugeben. (10768b
Donges & Wieſt,
Darmſtadt — Erfelden (Altrhein)
Während der Sommerzeit an Samstagen und Sonntagen,
beginnend mit dem 12. und 13. Juli ds. Js., werden wir
verſuchsweiſe eine Autoverbindung vom Schloß (Jagdhaus)
nach Erfelden aufnehmen. Die je nach der Beteiligung loſen
Fahrzeiten ſind etwa folgende:
Samstag nachm. : ab Schloß 3.00 Uhr, ab Erfelden 3.35 Uhr
7.40
8.15
Sonntag vorm.: „
6.00
6.35
Heinrichſtraße 52.
Nicht nur
schnellere
Transporte und kürzere
Wartezeiten helfen Ihnen
Geld verdienen, .-
Lieferwagen, 4/16.
ſehr gut erhalten,
zu verkaufen.
Baumert,
Mühlſtraße Nr. 1.
Wanderer=Wagen,
4=Sitzer in
aller=
beſt. Zuſt., zu verkf.
Gutes Motorrad w.
in Zahlung gen (*
sondern auch die niedrig
gehaltene
Reparatur-
guote und ein Minimum
an Störungspausen
schützen Ihr Kapital und
vermehren es.
8.55
Sonntag nachm. : „
49
7.00
7.35
8.15
8.50
9.30
Der Fahrpreis beträgt für die einfache Fahrt Mk. 1.10.
10802)
Heſſiſche Eiſenbahn A.=G.
Ludw. Adrian, Darmſtadt, Eliſabethenſtr. 30I.
(Zugelaſſen zu verſchiedenen Privatkrankenkaſſen.)
Behandlung von inneren und äußeren Erkrankungen
auch veraltete Fälle nach der geſamten Naturheilweiſe.
Spezialmethoden: für offene Beine, Geſchwüre,
Krampfadern, naſſe und trockene Flechten, Hautjucken,
Hämorhoiden.
(10788a
Sprechzeit: Werktags von 8—12 und 1—5 Uhr.
Koſtenloſe Beratung jeden Donnerstag von 8— 12 Uhr
Viele Dankſchreiben von geheilten Patienten.
ſowie Zwergkröpfer
Wählen Sie darum
Büssing, den Wagen, von
Guglität und Ruf!
billig zu verkaufen.
Schlitt,
Kiesſtraße Nr. 34.
Te
Einige Glucken mit
14 T. a. Kücken u.
1jährige Hühner zu
verkaufen. Erbacher
Str. 117. hinter d.
Gärtn. Schulz.
Sei=
tenw. z. Kohlenl. (*
und Liebhaber
Wo kauft der Kunſikenner ſeine Bilder u.
EEinrahmungen. — Nur in der Kunſthandlung (10367a
Julius Hergt Schützenſtraße 4—3
1. allen Farben.
Offerten u. W. 111
a. Geſchſt. (10786
gegen monatliche
Rückzahlung zu
lei=
hen geſucht.
Ange=
bote unt W. 82 an
die Geſchäftsſt. (*
AUTOMOBILWERKE H.BÜSSING • A. G. BRAUNSCHWEIG
Motorwagen-Verkaufsgesellschaft m. b. H., Frankfurt a. Main, Mainzerlandstraße 341
Tel. Adr.: Motor Frankfurt/M — Telefon: Maingau 73041 und 73042. (I.Mgd.75
wie neu, ſofort ab=
Donges & Wieſt.
Alte Dame, wenn
auch etwas
hilfsbe=
dürftig, findet
Geflügelfarm
an d. Peripherie Darmſtadts mit 2 ſtöchig,
Wohnhaus zu verk. Anzahlg. 7000 Mk.
Näheres nur durch P. Hellmund,
Immo=
bilien, Waldſtraße 3. Telephon 538.
Haarausfall
Methode ſicher
be=
eitigt.
Wirkun=
überraſchend. Preis
1.90 ℳ. — Friſeur
Karl Steinmetz,
Ludwigſtr. 8. (8466a
FRadere Reint
heim mit großem
Obſtgarten. Angeb.
u. W. 103 a. Geſchſt
hee nean mn Mitglieden
(10767)
Cextilwaren
„ Stück Mk. 2.00, 1.50, 1.35
Frottierhandtücher
. . Größe 100/150 Stück Mk. 5,50
Badetücher.
. . . Größe 125/160 Stück Mk. 6.50
Badetücher.
Badetücher . . . . . . . . . . Größe 145/180 Stück Mk. 7.50
Herrenſocken in modernen Muſtern Paar Mk. 1.75 bis 2,90
Damenſtrümpfe, Waſchſeide . . . . . . . . Paar Mk. 2,20
Damenſtrümpfe, Ia Seidenflor . . . . . . Paar Mk. 1,65
. . Mk. 1,10 bis 2.40
Macco=Schlupfhoſen .
. . Mk. 3.20 und 2.00
Damenhemden . . . . .
Kiſſenbezüge mit Einſatz oder beſtickt . . Mk. 3.81 und 2,50
Kretonne, la Qualität — Taſchentücher — Bettfedern
Hoſenträger — Sockenhalter — blaue Schloſſeranzüge
Schuhriemen, Nähgarn, Sternſeide, Stopfgarn,
Druck=
knöpfe, Nadeln, Gummiband, Wäſcheknöpfe, Feſton
aus der Weberei der Großeinkaufsgeſellſchaft deutſcher Konſum=
(10799
vereine Leupoldsgrün.
Scheuertücher, la, weiß, Größe 55/70 . . . Stück Mk. 0.60
Stück Mk. 0.70
Scheuertücher, la, weiß, Größe 66/80 .
Einträge in das Handelsregiſter Ab=
Orlemann Witwe Marie Eliſabethe geb.
tärin, 3. Karl Orlemann und 4. Auguſt
Orlemann, geb. 19. 1. 1912, alle in
Darmſtadt, in Erbengemeinſchaft. —
Am 1. Juli 1930 hinſichtlich der Firma
J. Glückert, Darmſtadt: Die Prokura
des Rudolf Lyncker iſt erloſchen — Am
Juli 1930 hinſichtlich der Firmen;
1. J. Glückert, Darmſtadt: Die Prokura
des Direktors Chriſtian Tordrup und
des Buchhalters Karl Platz, beide zu
Darmſtadt, iſt erloſchen. — 2.
Darm=
ſtädter Lebensmittelgroßhandlung Otto
Darmſtädter, Darmſtadt: Die Firma iſt
geändert in: Otto Darmſtädter
Motor=
fahrzeuge. — Am 4. Juli 1930
hinſicht=
lich der Firma; „Kunſtgewerbliche
Polſtermöbel=Werkſtätten Weiß & Co.,
Darmſtadt: Frau Clara Benſeler geb.
Blank zu Darmſtadt iſt Einzelprokura
erteilt. — Der perſönlich haftende
Ge=
ſellſchafter Julius Weiß iſt mit dem
5. April 1930 aus der Geſellſchaft
aus=
geſchieden. Die Geſellſchaft wird mit
nusdrücklicher Einwilligung des
ausge=
ſchiedenen Geſellſchafters von den
Geſell=
ſchaftern Georg Ottomar Felix Voigt
und Heinrich Kayſer unter der bisheri=
teilung A: Am 1. Juli 1930 hinſichtlich
Nachf., Darmſtadt: Geſchaft ſamt Firma
URC
PFALZISCHE RUNDSCHAU
LUDWIGSHAFEN A. RH.
GROSSTE UND BEDRUTENDSTE ZEITUNS DER RFAZ
Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſiellen nach
8 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. — Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
unſeren Verteilungsſiellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.
2
Hiettä 99
HuS-BEEBt
A
Ford, 8 28 P5.Vorführungslimou=
ſine, Modell 1930
zu verkauf. (10795
Donges & Wieſt,
zugeben. (10796 Grafenſtraße 43. 2/10 PS. Hanomag
innerlich u. äußerl.
in erſtklaſſ. Zuſtand.
aus Privath. ſ. bill. / 9
abzug. Gefl. Anfr.1h
u. W. 115 Gſchſt. (* b Id eee
Hypoth., Baugelder, Kaufgelder,
Darlehen, der wende ſich perſönlich an
Wilheim Mahlow, Darmstadt,
Eliſabethenſtraße 55, I.
10797a
— Sprechſtunde ab 9. d. M.)—— 6% Darlehen, inkl
Abtragung in 25 J.
für Bauluſtige, und
Hypoth., Ablöſung.
Ausk. Jacobi Karl=
ſtraße 26. Big=Geſch.
(10264b) Gründlichen (1088a
Klavier=Unterricht
für Anfänger und
Fortgeſchritt. erteilt
L. Indorf,
Schwanenſtraße 72. Geſ. v. Selbſtgeber
Mk. 250 gegen hohe
Zinſen auf 4 Woch.
Angebote u. W. 91
a. d. Geſchſtelle. (* Abikur=
Kandidaken
erhalten währ der
Ferien fachm. Nach=
hilfe bei mäßigem
Honorar, Ang. unt.
A. B. 720 a. d Gſchſt.
(10641a) Hhth der Firma: Auguſt Orlemann Gg. Dehn
iſt übergegangen auf: Auguſt Heinrich
Kahlbach und Kinder: 1. Elſe Orle= mann, 2. Anni Orlemann, Privatſekre= [ ← ][ ][ → ]
Seite 14
Dienstag, den 8. Inli 1930
Nummer 187
Studienrat Bernhard Stumm
und Frau Marie, geb. Jungmann
geben die glückliche Geburt eines Sohnes
bekannt.
Homberg (Niederrhein)
z. Zt. Städt. Krankenhaus.
Statt Karten.
Allen, welche uns anläßlich unſerer
Vermäblung durch Glückwünſche,
Blumen und Geſchenke erfreut haben,
ſprechen wir hiermit unſeren herzlichſten
Dank aus.
Adam Michel und Frau
geb. Bert.
Darmſtadt, Mathildenplatz 17.
Schillerſtraße 121
Von der Reiſe
zuräck:
Sanitätsrat
dr. Raug
Facharzt für Haut=
und Harnleiden.
Sprechſtunden:
10—1. 2½—5 Uhr,
Samstag nur vorm.
8—1 Uhr. 10586b
Todes=Anzeige.
Allen Verwandten und Bekannten die traurige
Nachricht, daß heute früh 97/. Uhr meine liebe, gute
Mutter, Schwiegermutter, Pflegmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
geb. Schönig
im Alter von 71 Jahren nach langem ſchweren
Leiden plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit
abgerufen wurde.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Adam Rauch und Frau.
Darmſtadt, den 7. Juli 1930.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. Juli,
15½ Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſtatt.
Mein lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwieger=
vater und Großvater
Heir Sryunnesgrep
Fabrikdirektor
iſi am 5. Juli 1930 im 70. Lebensjahre nach
ſchwerem Leiden heimgegangen.
Margarethe Preß, geb. Harwardt
Hans Preß, Pfarrer
Hertha Preß
Lotte Schlick, geb. Preß
Clara Preß, geb. Geiſert
Or. ſur. Fritz Schlick
Gerhard Schlick.
Darmſtadt, Aliceſtraße 21.
Die Beiſetzung ſindet in der Stille ſtatt.
Dankſagung.
Für die vieſen Beweiſe herzlicher Teilnahme
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden
beim Hinſcheiden unſerer lieben Entſchlafenen
geb. Georg
ſagen wir allen Freunden und Bekannten,
ganz beſonders Herrn Pfarrer Goethe für die
troſtreichen Worte,Herrn Dr. Berthold Stern II.
und den beiden Schweſtern der
Johannes=
gemeinde für ihre liebevolle Pfiege herzlichen
Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Debus
und Kinder.
Meine innigſigeliebte Frau, Mutter,
Großmutter, Schweſter u. Schwägerin
Frau
3da Haas
geb. Kahn
iſt heute nach längerem Leiden ſanft
verſchieden. Im Namen
der trauernden Hinterbllebenen:
Louis Haas
Berthold Selig u. Frau
Siegfried Haas.
Groß=Bieberau,
Mainz=
den 6. Inli 1930.
Die Beerdigung ſindet Dienstag,
den 8. Juli, 15 Uhr, ſtatt.
Dankſagung.
(Nur auf dieſem Wege.)
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem uns ſo ſchwer
betroffenen Verluſte ſagen wir Allen
unſeren innigſten Dank. Beſonders
danken wir Herrn Dr. Goldmann
und der Gemeindeſchweſter für die
liebevolle Pflege, für die überaus
zahlreichen Blumenſpenden, für die
Kranzſpende des Ortsgerichts und
des Rinderzuchtvereins, ſowie Herrn
Pfarrer Dr. Meiſinger für die
troſt=
reichen Worte am Grabe.
Im Namen
der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Emma Bauer, geb. Schönberger
und Dora Bauer.
Ueberau, den 7. Juli 1930. (10766
Dankſagung.
(Statt Karten.)
Allen, welche uns beim
Heim=
gang unſerer geliebien
Eni=
ſchlafenen ihre Teilnahme
be=
zeugten, ſprechen wir
hier=
durch unſeren aufrichtigſien
Dank aus.
Joh. Gottwald u. Familie
Sophie Gottwald.
Victoria=Motorrad
mit Seitenwagen
u verkaufen.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Am 5. Juli iſt meine liebe Gattin, unſere liebe Tochter und Schweſter
Frau eut Sredenforder
geb. Vollbrecht
nach langem Leiden ſanft entſchlafen.
Die Beiſetzung hat in der Stille ſtattgefunden.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Heinrich Bredenförder
Kaufmann
Dr. Hans Vollbrecht
Obergeneralarzt a. D.
Spenge i. W. und Darmſtadt.
Darmſiadt, Pallaswieſenſtr. 28
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Mannes
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Müller
für die troſtreiche Grabrede, der Freiwilligen
Feuerwehr und dem Bürgerverein Beſſungen
für die Kranzniederlegung, herzlichſien Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau M. Geher Witwe
Herrngartenſtr. 23.
Gag Salgschlifen.
U
Ve
*
Die Eheleute Kaufmann Hermann
Privat=Schneider=Anterricht
Yoos. Holzſiraße, begehen heute
laustrunkkut.
am 8. Juli das Feſt der (*
Silbernen Hochzeit.
1 guterh. 3tl.
See=
grasmatr. mit Keil
billig zu verkf. (*
Aliceſtraße 1½ II
2 Tennisſchläger, 3
weiße Flanellhoſen
billig zu verkf.
Kahlertſtraße 47, II.
Gründliche Ausbildung
an eigener Garderobe
Zuſchneiden, Kleider=, Mäntel=, Wäſchenähen
Meiſterin, Eliſabethen=
Sont Hanau ſtraße 70, I. Telephon 4243
ZZee
*
Ihr Arzt wird Ihnen beſtätigen, daß ſich bei Stein= und
Stoffwechſelleiden eine Haustrinkkur mit dem auch in
hart=
näckigſten Fällen bewährten Salzſchlirfer Bonifazius=Brunnen
ganz beſonders empfiehlt. Es gehören dazu 80 Flaſchen, (täglich
Fl.) Erhältlich in allen Apotheken, Drogerien und in der
Nineralwaſſergroßhandlung Friedrich Schaefer.
(V.7402
Ludwigsplatz 7. Telephon 45/46.
Proſpekte über ermäßigte Pauſchal=Badekuren vom 1. Mai
bis 30. September verſendet die Badeverwaltung Bad Salzſchlirf.
Faſt neues
Damen=
rad u. guterh. wß.
Klappſportwg. bill.
zu verk.
Dieburger=
ſtr. 49 (Weſp). C
Friſche große Salatgurken
10807)
3 Stück uu?
holl. Art
Runde feſte Tomaten Pfund 35 8
Neue Salzgurken . . . 3 Stück 203
Telephon 700.
Faßbender Lieferung frei Haus.
Trauergarderoben
werden in einigen Stunden ſchwarz gefärbt
Reingold
Kranichſteinerſtr. 28
Eliſabethenſtr 4
(Huthaus Titze)
Telephon 738
Telephon 738
Marktpaſſage
307u
Bitte genau auf Firma und Straße zu achten
Woog, 7. Juli 1930
Waſſerhöhe 3,75 I
Luftwärme 20‟ C
Waſſerwärme
vor=
mittags 7 Uhr 260 0
Woogs=Polizei=Wache
Ab heute fällt bis
auf weiteres meine
Vormittags=
Sprechſtunde
(10778
T H. Behell,
Arzt,
Hölgesſtraße 16.
Wer leiht „
Bull=
dogg” zum Antrieb
einer Dreſchmaſch. ?
Dauer ca. 6 Woch.
Angeb. m. Preis
W. 118 a. d. Gſchſt.*
Basthd
Teicht, Eleidsam, regenfes
Dürerhaus, Darmstadt
Elisabethenstraße 25½. (6855a
KRAGEN-WÄSCHEREI
Waldstraße 20
KORBUS Fernspr.942 94ta
Neu eingertoffen:
Schallplatten
Rheinlandräumung
„Frei iſt der Rhein”
„Frei iſt Mainz”,
Electrzia-läger
Georgenstr. 11 (1080
Kummer 187
Daß Parlaukann
dar Naant.
Kriminalroman von Gebh. Schatzler=Peraſini.
34
Nachdruck verboten.
„Das iſt gut” nickte der Doktor nachdenklich. „Aber beruhigen
Sie ſich. Ich glaube fürs erſte nicht an ein Verbrechen . . .
wenigſtens nicht an ein ſolches, dem das Leben des Schloßherrn
zum Opſer ſiel.”
„Wenn Sie dieſe furchtbare Angſt von mir nehmen
könn=
ten . . rief Eva hoffend.
„Laſſen Sie mir etwas Zeit. Ich übernehme die Sache.
Aber unter einer Bedingung: Schweigen gegen jedermann im
Schloſſe, auch gegen die Dienerſchaft. Weiß man, daß Sie zu
wir gegangen ſind?”
„Nein, ich fuhr nach dem Präſidium, und zwar direkt in dem
Schloßauto. Von dort nach einem kleinen Hotel, wo das Auto
wartet. Den Weg hierher — auch ſchon nachmittags — machte
ich mit Hilfe der Elektriſchen. Die letzte Strecke ging ich zu
Fuß.”
„Das iſt gut. Sie waren ſchon nachmittags einmal hier?”
„Ja, aber Frau Walter ſagte mir, ich müßte ziemlich ſpät
wiederkommen, wenn ich Sie unbedingt ſprechen müſſe. So habe
ich es denn gewagt.
„Eine Frage noch: Wer hat Sie auf der Autofahrt begleitet?”
„Außer dem Chauffeur, einem durchaus verläßlichen
Men=
ſchen, niemand.”
„Der Mann wartet im Hotel?”
„Ja ..
Der Doktor nickte. „Wollen Sie jetzt, bitte, ruhig nach dem
Schloß zurückkehren und alles Weitere mir überlaſſen”, ſagte er.
„Wundern Sie ſich über nichts, wenn Sie in den nächſten Tagen
irgend etwas Sonderbares erleben oder beobachten, auch nicht,
daß Sie nicht ſofort von mir eine Nachricht erhalten. Wenn
Graf Egon überhaupt noch unter den Lebenden weilt — und
das hoffe ich beſtimmt —, dann ſchaffe ich Ihnen den Mann!”
Er ſtand im Begriff, der jungen, ihm äußerſt ſympathiſchen
Dame die Hand zu reichen. Da ſah er, daß ihre Augen einen
Dienstag, den 8. Juli 1930
ſtarren, entſetzten Ausdruck annahmen. Wie gelähmt ſaß Eva
auf dem Stuhl.
„Was — haben Sie? — ſtieß er leiſe hervor.
„Dort — das Fenſter — die Nacht — eine weiße Hand —‟
flog es über Evas blutleere Lippen.
Der Doktor zuckte leicht zuſammen. Aber er wendete ſich
nicht dem Fenſter zu, im Gegenteil.
„Keine verräteriſche Bewegung”, ſtieß er flüſternd hervor.
„Zwingen Sie ſich zu einem Lächeln, neigen Sie ſich mir zu —ſo
— Ihr Geſicht iſt jetzt beſchattet — und nun erſchrecken Sie nicht,
wenn es jetzt aufblitzt —!"
rauesaurenichtffärben!
Kutrrpal, geu. 9ec-, des Deit Jahren berährte biol- 7
girche Hrerstürkrgene führt de geushwichte n
Hrarwurzeln die verbrauchten Pimmete (Frdstoffe) m. u
sodaß grane Haer und Nachwchs auf natürliche n
Weise die shemalige Farbe wiedererhalten, daher
Fchl-
farben auegeschlossen. Kopfschuppen verschwrinden n
nach kurzem Gebranch. Anwendung einfach. Garantiert T
wichidlich. Originel-Flrche M. 4,80, Prospokt kostenias P
Sie verſtand ihn nicht, Froſtſchauer rannen über ihre
Ge=
ſtalt. Aber ſie tat, was er verlangte, es war ihr überhaupt nicht
möglich, den Blick nach dem dunklen Fenſter zu richten, auf dem
ſich undeutlich eine weiße Hand abzeichnete, die an dem Glas
taſtete.
Der Doktor zog unauffällig den kleinen Spiegel, zu ſich
heran. Er drehte ihn ebenſo unbemerkt dem Fenſter zu.
Und nun ſah auch er dieſe Hand — ſchwach — aber doch
er=
kennbar. Und über der Hand erſchien ein Geſicht — noch
un=
deutlicher — zwei Augen, die durch das dunkle Fenſterglas in den
Raum ſtarrten.
Um den Mund des Doktors zuckte ein ſeltſames Lächeln.
Er faßte eine auf dem Tiſch liegende Piſtole — das Ding ſah
etwas plump aus — blickte noch einmal in den Spiegel — hob
die plumpe Waffe, im Spiegel die Richtung korrigierend, über
ſeine Schulter — und plötzlich knallte es.
Eine weiße Flame ſchoß auf — erhellte blitzartig den
gan=
zen Innenraum und auch das Fenſter mit weißem Licht.
Zugleich war die Erſcheinung am Fenſter verſchwunden.
Aber auch der Doktor ſchnellte von ſeinem Sitz in die Höhe.
Seite 15
Er hörte einen Aufſchrei von den Lippen Evas, ſah, wie die
junge Dame ohnmächtig zuſammenknickte, und ſtürzte nach der
Tür. „Hallo — Frau Walter!” rief er laut.
Schon ſtand die würdige Dame neben ihm.
„Beſchäftigen Sie ſich, bitte, mit der jungen Dame!” befahl
er haſtig. „Eine kleine Ohnmacht. Hat nichts zu bedeuten. Aber
fragen Sie nicht weiter. Ich komme bald zurück!”
Schon war er hinausgeſtürzt, flog durch den Korridor und
ließ die Tür hinter ſich zufallen.
Frau Walter beeilte ſich, der jungen Dame beizuſpringen.
Ins Zimmer tretend, zog ſie die Naſe hoch.
„Der Doktor hat wieder mal Blitzlicht abgebrannt”, entfuhr
es ihr. „Was wollte er denn photographieren?” Aber ſchließlich
ging ſie das nichts an. Sie mußte jetzt der armen jungen Dame
beiſtehen.
Inzwiſchen hatte der Doktor das Freie erreicht. Es war
ſtock=
dunkel. Das wußte er ſchon vorher, aber da er ſich in ſeinem
Garten genau auskannte, ſtand er nach wenigen Sprüngen
unter=
halb des Fenſters, an dem ſich die Erſcheinung gezeigt hatte.
Er horchte. Kein Lait ließ ſich hören, nirgends das Knacken
eines dürren Zweiges oder Knirſchen von Sand auf den Wegen.
„Zu ſpät gekommen!” murmelte der Doktor ärgerlich. In
ſeiner Hand blitzte nun das Licht einer kleinen elektriſchen
Taſchenlaterne auf. Er beleuchte die Hauswand genau.
Das Fenſter lag etwa mannshoch, der Zweig einer alten
Birke bedeckte es von oben teilweiſe. Die Wand aber war mit
zähen Ranken bewachſen, die ein Emporklettern nicht beſonders
ſchwierig machten. Der Doktor hätte dieſes Hilfsmittel leich
ent=
fernen können, er tat es abſichtlich nicht. Einmal mußte ſich ja
doch irgendeiner der dunklen Burſchen dabei fangen laſſen, die
hinter das Geheimnis des Doktors Borngräber kommen und ihn
beobachten wollten.
Der erſte Efolg war da.
Doktor Borngräber unterſuchte eingehend die Wand, die
Ranken, den Boden, das Gebüſch ringsum. Er fand Fußtritte,
aber ſo ſchwach, daß damit wenig anzufangen war. Außerdem
ſchien der Menſch, der an das Fenſter kletterte — in Strümpfen
gegangen zu ſein. Das war auffällig genug. Was wollte er?
Doch nur die Baroneſſe beobachten. Vielleicht auch ihn, den
Doktor. Ein Glück, daß er ſich als alter Gelehrter maskiert hatte.
Fortſetzung folgt.
E
Löwer- Apolbeke
Darmstadt
Ballonplatz 11
„alloh!
Von der großen
Dame, ſchw. Kleid.
blond. Bubikopf, a.
letzt. Sonntagabend
zw. 5 und 6 Uhr i.
Hauptbahnhof. w.
u. W. 90 an die
Geſchſt. ein
Lebens=
zeichen gewünſcht. (*
Ehevermittlung
ſtreng reell durch
Elsbeth Wegner,
Stettin 39,
Mönchen=
ſtraße 9. Bei
Nicht=
erfolg gebührenfrei.
IIBln10664)
1 2-türig.
Kleider=
ſchrank, 1 Glasſchr.
Küchenſchr., Waſch
ſchrank, Bertiko,
Tiſe „Stühle,Spiegel
uſw. billig zu verkf.
Vernhard Kröh
Langgaſſe 10
Möbel An= und
Verkauf.
Schlafzimmer,
Eiche lackiertes
Bürotiſch. Stühle u.
Gasherd zu verkauf.
Bleichſtraße 11. C
Schlafzimmer
Eiche gebeizt,
Schrank 180 breit,
mit Innenſpiegel,
prima Arbeit, zu
ℳ 580 und ℳ 600
abzugeben
Uhland,Schreinerei,
Karlſtraße 54.
Gr. Kaſſenſchr., mah.
Rollſchreibtiſch, vol.
2tür. Kleiderſchrank.
1. u. 2tür lackierte
Schränke, Diwan 38
ℳ, Tiſche 6 u. 8 ℳ.
2 kirſchb. Hocker (
Bie=
derm.) , Roßh.=Matr.
4 Stühle 18ℳ,
Ein=
nachſchränke,
Waſch=
om., O mah. Tiſch.
30 Rehgeweihe,
Bet=
ten, Spiegel,
Liege=
ſeſſel (verſtellb.) 9.ℳ
zu verk.
Mathilden=
platz 1. (10.
91
II. z. vk.: Kl. mod.
eſſinglüſt. u.
Vor=
itzlampe (elektr.),
nige Spiegel,
ei=
ge Bügel= u.
Ar=
brett., 44er
Klei=
büſte, 2
Blumen=
en, 1 Bücherreg.,
irvorlage, Einm., feſte
Hänge=
te, Waſchkorbe.*
inkf.=Str. 86, pt.
Nuß=
baum=Bettſielle
mit Patentrahmen zu
20 ℳℳ, Gartenbank zu
7 ℳ, Wandbecken (*
zu 3ℳ zu vr.
Kies=
ſtraße 25, Werkſtätte.
Einmachgläſer,
Regal, Blumen
u. and. zu verkaufen
Friedrichſtr. 16, I.
Oleander.
Granat,
Lorbeer und
Hortenſien
in Kübeln zu verkf.
Hermannſtr. 13, pt.
(B.10789)
unk zu verk.
raße 12.
euer Kaſten=
(20 Ztr.
Trag=
zu verkaufen.
rich,
Nieder=
ch. (e
Beginn:
Dienstag, den 8. Juli
MeT0
Mitten
Naß kisliger rsmigaich!
Heide und
Baumwortnären
auf alle regulären Waren
mit Ausnahme einiger
Marken- und Netto-Artikel
Extra-Rabatt
Damen-Wäsche
Hohlsaum
Diam Praite
Tin baauten
Wauckstelte
Damen-Hemden
Trägerform, aus gutem
Kretonne
1.95, 1.50, 0.95, 0.00
D.-Prinzeßröcke
mit hübscher Stickerei und
K reton ne
schöne, starkfädige Ware
0.75, 0.58, 0.48 G.e0
Bett-Damaste
130 cm breit, Bandstreifen
und Blumenmuster
1.95, 1.25, 0.95 U.10
Bett-Damaste
160 cm br., häbsche
Strei-
fen-und Blumenmuster
2,75, 1.95, 1.75 Icu
Bett-Kattun
solide Qualitäten, neue
Ausmusterung
095. 0.78, 058 0.40
3.50, 2.95, 1.95, 100
D.-Nachthemden
Kretonne, verschiedene
Ausführungen
450, 3.75, 2.50, H1u
Dam.-Schlüpfer
Kunstseide, großes Farb-
sortiment
2.50, 1.95, 1.50
Dam.-Schlüpfer
in allen Farben und
Größen
1.50, 0.95, 0.75,
in grau und weiß, mit und
ohne Rand
0.75, 0.55, 0.35, 025 0.10
Handtücher
Kissen-Bezüge
glatt, aus gutem Kretonne
1.50, 0.95, 0.75 0.00
Bett-Bezüge
1½ schläfrig, gute
Ver-
arbeitung 5.50, 4.90, 3.90 a.uu
Bettücher
Haustuch, volle Größe
4.50, 3.50, 2.90 Luu
nur neue diesjährige
Muster
0.75, 0.68, 0.48, 0.20
Wasch-Mussline
Woll-Mussline
in aparter Ausmusterung
3.25, 2.75, 1.95 I2u
Wasch-K’seide
reizende Dessins, solide
Qualitäten
125, 0.95, 0,68, 058 0.40
Japon-Seide
reine Seide, 95 cm breit
entzückende Nenheiten
4.90, 3.90, 2.75 Lu0
Beiderwand
Kunstseide und Baumwolle,
in vielen neuen Streifen
0.98, 0,78
Zefir
einfarbig und gestreift,
waschechte Qualitäten
0.95, 0.68, 0.48, 0.35 G.au
delegenheitsposten!
Frott. - Handtücher
gute Onalit. in weiß m. häbschen,
bunten Borden
Post. I Post. II Post. III Post. I
0.32 0.48 0.68 0.95
LUDWIGSTRASSE 9—M
DARMSTADT
LUDMIESTRASSE 9—11
Schiedmayer=
Madier
faſt neu
äußerſt preiswert
zu verkaufen. *
Klavier-
ARNOLD
Eliſabethenſtr. 28.
Transmiſſionswelle
40 mm Drchm., 5 m
lang. m. Hangelag.
für Ringſchmierung,
Bügelſäge f. Eiſen,
Kraftantr., bill. zu
verkaufen. Ang. u.
W. 114 a. d. Gſchſt.*
Weg. Aufgabe
mei=
ner Landwirtſchaft
ſteht zum Verkauf:
1 Kuhwagen.
eiſerner Pflug.
hölzerner Pflug,
Egge.
Häckſelmaſchine,
Wurzelmühle,
1 Buttermaſchine.
Georg Heß,
Haſſenroth,
Poſt Hochſt Land.
(10747b)
neues Damenrad
58 ℳ, 1 neu. Herr.=
Rad 63 ℳ. 1 Dam.=
Rad 33 ℳ zu verk.
Mathildenplatz 1.
Wer dort?
Hier V. Schaz
Komme ſof. u. kaufe
getragene Herren=
Kleider, Federbetten,
Schuhe, Wäſche uſw.
V. Schatz
Darmſtadt. (286a
Tel. 1924 Schloßg 23.
Haare
ausgekämmte u.
ab=
geſchnittene, kauft
laufend G. Kanzler,
Friſeur Schulſtr. 12.
(298a)
Bade=Ofen,
Bade=Wanne
in nur gutem
Zu=
ſtande zu kaufen
ge=
ſucht. Angeb. unter
W. 100 a. Geſchſt. (*
Guterhaltene
Feder=Rolle
m. Palenkachſe
40—50 Ztr.
Trag=
kraft, zu kaufen
ge=
ſucht. Angeb. unter
W. 92 Gſchſt. erb. (*
Kau
ankike Silber-
Kaffee= u.
Teeſer=
vices, auch einz. T.,
wie Tabl., Kannen,
Schüſſeln, Platten.
Die Stücke müſſen
mind. 100 Jahre alt
ſein. Off. u. F.P.B.
930 durch Rudolf
Moſſe, Frankfurt a.
Main.
(110770
Neues Heu
— 3 Fuhren, zu
kauf. geſucht. Angb.
W. 94 Geſchſ.
Fahrrad,
gut erhalt., zu kauf.
ucht Kahlertſtr.
Tel. 1780. (*
Dienstag, den 8. Juki 1930
ddleleI Sekblatelier!
Ein Bosten Dekorations-Kunstseide
moderne Dessins, 65 cm breit . . Meter
Ein Posten
acguard-Ripsflammé
in schönen, abgetönten Farben, 120 cm
breit . . . . . . . Meter 3.75, 2.95,
Ein Poster Ti s ch-Decken
140X160 cm, aus Kunstseiden- und
Fantasiegeweben . . . . Stück 5.90,
Ein Pester D i Van-Decken
modern gemusterte Fantasie-Gewebe
Stück 9.75, 8.75,
Sehr billige Plüsch-Tischdecken
in verschiedenen Farbstellungen
Stück 17.75, 15.75,
Ein Sortiment Woile-Dekorationen
mit Volants-Garnierung aus Fantasie-
und bunten Voiles, dreiteilig.
Bsanders dimige Mockett-Divandecken d
in Perser- und modernen Dessins
A.Mfl. 4
Kroße Eoste Landhaus-Gardinen
ca. 60 cm breit . . . . . . . 0.25,
Ein Eosten T üll-Spannstoffe
moderne Dessins, 130 cm breit
Meter 1.45, 0.95
Ein Eester Stores, weiß und ecru
mit Handflet-Motir . . . . . . Stück
Schweizer Fantasie-Voiles
150 cm breit 1.95, 112 cm breit
Gitter-Tü1I
300 cm breit 2.75
180 cm breit 1.65 150 cm breit
Oittertüll-Stores v. Stück
mit Derchzag und Seidenfransen,
200 cm hoch . . . . . . 3.95, 2.95,
Handfilet-Stores
auf festen Grundstoffen, mit 70 cm
hoben Filet-Sockel . . Stück 7,75, 6.90,
Teppiche
Bouclé-Läufer.
in aparten Clubstreifen, ca. 70 cm breit
Ueter 3.95,
Tapestry-Läufer
in schönen Streifen-Dessins, 65 cm breit
Meter 2.95,
Tacguard-Haargarnläufer
ca. 70 cm breit . . . . . . . . . . Meter 6.90, 4.90,
ca. 70 cm breit
Meter 3.95,
Ein Posten
Hochwertige Halbmond-Teppiche
200/300 cm
Gr. ca. 250/350 cm
98.— 69.—
128.— 98.—
mur moderne Auczer
250/350 cm
128.—
Gr. ca. 200/300 cm
Ein Posten
Haarbrüssel-Teppiche, Serie III
schwere Onalitäten, aparte Farbstellungen
Gr. aa. 300/400 cm 250/350 cm 200/300 cm 130/200 cm
59.— 29.75
125.— 89.—
10% Rabatt
auf alle regulären
Preise
Netto-u. Marken-Artikel
ausgenommen!
Beachten Sie unsere Spezialfenster in der Marktpassage!
ARMSTADT—-MARKT UND „ERNST-LUDMGS—PT ATZ
10785
ASpezialiſt für BI
Bettfedern=Reinigung!
Eine Wohltat für Herren
Nach dem Haarschneiden eine
Kopfwäsche mit allen Schikanen
Btlllgo Berschnung 9385
Bedlenung von Spezial-Herven-Friseuren
Friseursalon für Damen und Herren
Mühlstrabe 7
Philipp Gaydoul, fol. 4467
jetzt Alexanderstraße 10
Billige Bilder, billige Einrahmungen
6084a
Entwickeln, (10019a
Vergrößern,Zubehör
Fotohaus Perabo
Schuchardſtr. 14. Tel. 1545
Neueſte und modernſte Anlage am Platze
Barchente und Inletts in allen
Farben-—Bettfedern und Daunen
Matratzen — Metallbetten
in einer Stunde
billig und gut.
in beſtem Sohlenleder!
Prima Eichenlohleder, beſte Gerbung.
Damenſohlen von 65. 9.
(1358a
Herrenſohlen „ 95 3 ſowie
Arbeiterſtiefel ſtaunend billig,
Gr. 40—47 von Mk. 5.75 an.
— Alle Schuhmacherzutaten zu billigen Preiſen.—
Nur bei J. Rubin, Kirchſtraße 10
(gegenüber d. Stadtkirche) Samstag geſchloſſen.
Aufpolieren und
Umbeizen von
Möben
fachmän=
niſch und reell. (*
nur Bleichſtraße 9.
Tel. 1912. (7952a
Erig, Tich, Eigen brodt
R
frischer Schlachtung
empfehle:
Prlma Hammelflelsch
Hammel-Leber . . . . . Ptd. 1.20
Hammel-Köpfe . . . . . Ptd. 0.25
Hammel-Lunge u.-Herx Ptfd. 0.30
Metzgerei Reuter
Ecke Wald- und Saalbaustraße
Teleton 373.
Achtung
Radio-Hörer
Zur Weinbereitung!
Korbilaschen und Ballons
wie bekannt billigſt bei
V.a10017
Anton Eischer
Frankfurterſtraße 12—14, Telephon 186.
In 3 Tagen
Nichtraucher.
Auskunft koſtenlos!
Sanitas=Depot,
Halle a. S. 410 G.
(I. Mgd. 9210)
Sauerkirſchen
zu haben bei Stein,
Marienhöhe.
Fernſpr. 4793. (10763
Weißbinder=Arbeit.
erſtklaſſige und
billige Ausführg.
Anzüge
Angebote u. W. 96
a. d. Geſchſtelle. C
reinigt
Färberei
BRAUBACHEEISCHER
Wilhelminenstrasse 19
Telephon 1494. (lV.10541
Welche b. d. vielen
Anodenbatterien.
Nur „Vika‟
die Anode m. d. lang
Lebensdauer!
Warum?
PIQual., d. teuerſt.
9Batterie
ebenbür=
tig.
Zwiſchenhan=
ddel ausgeſchaltet,
Verkauf direkt an
Private, zu Orig.
Fabrikpreiſen
100 Bolt:
RM. 6.50
Alleinverkauf für
Bd. prov. Starkenburg
dnurin Darmſtadt:
* Wilhelm Schnell,
Odarmſtadt, Or
Bach=
gcſſe B, Lad. Gnfeh).
(1796a)
Meiner werten Kundſchaft zur gefälligen Kenntnis,
(10764
daß ich meine
von Kirſchenallee 89 nach der
Moderne
Schuhreparatur
Prima Kernleder. — Erſtklaſſige
Arbeit. — Ago=Klebverfahren. —
Schuhfärberei.
Wilhelm Zipfel
Darmſtadt, Frankfurterſtr. 24.
Eliſabethenſtratze 49 früher Donges & Wieſt
Syſtem Keſſko. Herſteller:
Wilhelm Mitze
Bäckerel und Kondis -D
Darmſtadt Hügelftr. 19.
—Wiederverkänfer geſucht. —
rstrttttt
verlegt habe. — Ich bitte, mir das ſeitherige
Ver=
trauen auch weiterhin bewahren zu wollen.
Telephon
1175. Ph. Schellhaas
Gleichzeitig empfehle ich die dort übernommenen Tankſtellen Aral und Olex
Ein Posten Ein Aa3 33 EinPosten Ein Eesten Ein Posten Serie ! Haargarn -Teppiche, Gr. ca. 200/300 cm 170/240 cm 130/200 cm 130/160 cm 29.75 19.75 14.75 9.75