Darmstädter Tagblatt 1930


08. Mai 1930

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Erſcheinen vom 1. Mai
marl und 22 Pfennig.
15 Reichsmark, durch die
rei Haus. Poſibezugspreis
vonalich 2,25 Reichemarl.
ahme von Anzeigen an
chi übernommen. Nicht=
infolge
höherer Gewall
ſcht zur Kürzung des
und Abbeſtellungen durch
für uns. Poſtiſchecklonto
M. 1301.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart=, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geſtattet.
Nummer 127
Donnerstag, den 8. Mai 1930.
193. Jahrgang

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zeiſe
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(4 Dollar 420 Markl. Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strel uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der Anzelgen=
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und Leiſfung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fäll ſeder
Nabat weg. Banklonto Deuiſche Bank und Darm=
ſädter
und Natſonalbank.

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Ausſchreitungen in Indien.

er Polizei in der Nähe von Chitkagong. Skurm auf die Polizeiſtakion von Ranaghat.
Truppen in Delhi. Erfolgreiche Agikakion der Kongreßparkei in Nordindien.
Anſchlag auf die oſtindiſche Eiſenbahn.
vaal ebenfalls einen Trauertag angeordnet. Alle
Läden indiſcher Kaufleute in Transvaal ſollen an dieſem Tage
dien in Gärung.
geſchloſſen bleiben. Außerdem ſollen in den verſchiedenen Land=
bezirken
große Maſſenverſammlungen abgehalten werden.
Rilitär in ſtändiger Bereitſchaft.

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EP. London, 7. Mai.
Indien über Unruhen und ſchwere Kämpfe
Au eute iſt es in verſchiedenen Teilen Indiens
jungen gekommen, die ein recht anſchauliches
h geladenen Atmoſphäre geben.
der JaydzurN. von Chittagong kam es heute zu hef=
wiſchen
Rebellen, die an dem Ueber=
eilnahmen
, und der Polizei. Vier Re=
* und zwei gefangen genommen. Eine Zivil=
IIs erſchoſſen, mehrere andere und ein Poli=
verll
. Die Polizei mißt der Gefangennahme der
Del elen te Bedeutung bei, da ſie hofft, von ihnen den
anderen, die immer noch in Freiheit ſind, zu
Unru u ſind in dem 60 Kilometer von Kal=
genen
Ort Ranaghat ausgebrochen, wo
rdie dortige Polizeiwache ſtürm=
amte
zum Teil ſchwer verletzten. Die Inder
ere verhaftete Nationaliſtenführer gewaltſam
erſtärkungen aus anderen Stadtteilen gelang
Kampf, die Menge auseinander zu treiben.
haftet.Die Polizeiſtation befindet ſich
kſter Bewachung.
en Unruhen in Delhi iſt heute ein offizielles
eben worden, das eine recht ernſte Schilde=
ngen
gibt. Danach iſt ein ganzer Laſt=
* Polizeibeamten von Indern
men und zahlreiche Beamte dabei
en. Panzerwagen und Truppen in großer
ch längerem Kampf die Ruhe wiederherſtel=
Zerletzten ſoll ſich auf 300 belaufen. In
heute zu kleineren Zuſammenſtößen zwiſchen
nnereiarbeitern, die eine Demonſtration in
veranſtalteten. Die Polizei mußte mit dem
eine 2000köpfige Menge vorgehen, die ſie
e. Zu beſonderer Beunruhigung gibt die
Tongreßpartei in Nord=Indien

ha2 Mädfen von den Milikäebehörden
ge2 Vorſichtsmaßnahmen ergriffen
befürl ten Unruhen erfolgreich begegnen zu können.
kutta gegenüber liegenden Stadt Howrah
eun; engliſcher Truppen ſtationiert worden, um
in vo rken. Alle öffentlichen Verſammlungen ſind
i2 die an den jüngſten Unruhen beteiligt waren,
boſgſte-) Jatrouillen durchziehen ununterbrochen die
tor ir aber nicht verhindern, daß eine große Men=
hr auf der Oſtindiſchen Eiſenbahn vorüber=
Dan Iid die Zugführer und Fahrgäſte mit einem
verſel ete. Die Eiſenbahnſtrecke wird jetzt von Sol=
Alör darf bewacht. Bei den geſtrigen Unruhen in
Diel te bekannt wird, zahlreiche europäiſche Eiſen=
Pglis) verletzt worden.

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F7 aller engliſchen Baten.
Kundgebungen, die jedoch ohne Zwiſchenfall
em früheren Sprecher der Indiſchen geſetz=
rſanz
ng, Patel, heute in Bombay zuteil. Eine
cenr e brach beim Eintreffen Patels auf dem
dilden Jubel aus und geleitete Patel in
irch alle Hauptſtraßen der Stadt. Eine dichte
umte die Straßen. Patel wurde von ſeinen
D 2 Arhs rn mit Blumen und Früchten förmlich über=
Caſſenverſammlung forderte Patel die Kon=
cht
zu Gewaltmitteln zu greifen und nur das
Urchzuführen, das in den nächſten Tagen vom
Kongreſſes niedergelegt werden würde.
Dxl liew äußerte ſich Patel eingehend über das
durchblicken, daß der Kongreß den Kampf
alzgeſetze völlig fallen laſſen werde. In den
mpfes gegen die indiſche Regierung ſoll ein
r ausländiſchen, beſonders aber aller engli=
Wenn die indiſchen Kaufleute mit aller Ent=
Cott engliſcher Waren durchführten, ſo könn=
reiheit
für Indien erringen. Der Arbeits=
Ukünftige Programm hauptſächlich unter dem
haftung Gandhis feſtlegen.
Afrika ſympakhiſieren mit dem
Rutierland2.
EP. Johannesburg, 7. Mai.
Gandhis hat auch unter den weit außerhalb
Oynenden Indern große Erregung hervorge=
a
den Indern in Oſtafrika bereits
nit Prozeſſionen und Ver=
* Anlaß der Verhaftung Gandhis abgehalten
diſche Kongreßpartei in Trans=

Die engliſch=ägypkiſchen Verhandlungen.
EP. London, 7. Mai.
Die Delegierten auf der engliſch=ägyptiſchen Konferenz ver=
ſuchen
unter fieberhaften Anſtrengungen die Verhandlungen noch
heute zum Abſchluß zu bringen. Heute vormittag hat eine 5 ½ſtün=
dige
ununterbrochene Beſprechung ſtattgefunden, die in den Nach=
mittagsſtunden
fortgeſetzt wurde. Ob es in der Tat gelingt, den
Vertrag vor der Abreiſe Henderſons fertigzuſtellen, iſt noch un=
gewiß
. Die Sudanfrage iſt nach allgemeiner Anſicht endgültig
einer ſpäteren Sonderberatung vorbehalten worden. Im Un=
terhaus
erklärte der parlamentariſche Unterſekretär im Foreign
Office, Dalton, zu den Verhandlungen. Daß jeder Vertrag, der
zwiſchen Henderſon und Nahas Paſcha zuſtande käme, vor ſeiner
Ratifizierung dem Unterhaus zur Billigung unterbreitet werden
würde. Eine ausführliche Erklärung über die Verhandlungen
lehnte Dalton als nicht im öffentlichen Intereſſe liegend ab.
Die Modalitäken der Reparakionsanleihe
Ausgabe der Abligakionen 3zu 5½=Prozenk
vorausſichklich zwei Punkke unket Pari.
EP. Paris, 7. Mai.
Die Sachverſtändigen der Schatzämter haben laut Agence
Economique et Financiere geſtern beſchloſſen, daß die B. J. 3.
von allen Operationen, die ſie in ihrer Eigenſchaft als Treuhän=
der
der Regierungen vornimmt, eine Proviſion von 0 Prozent
erhalten ſoll, um daraus die Betriebskoſten der Bank zu decken.
Ferner ſeien die in Brüſſel angenommenen Emiſſionsquoten für
die verſchiedenen Länder endgültig gebilligt worden. Die Obli=
gationen
würden zu 5½ Prozent vorausſichtlich
zwei Punkte unter Pari ausgegeben werden. Der
Titel, der in 35 Jahren amortiſiert werden ſoll, ſoll halbjähr=
liche
Zinsabſchnitte erhalten. Die Sachverſtändigen ſeien
der Anſicht, daß die B. J. Z. am 15. Mai offiziell ihre Geſchäfte
aufnehmen könne. Heute ſoll noch die Frage geregelt werden, in
welcher Währung die Titel, die bekanntlich in der Währung der
beteiligten Emiſſionsländer zurückgezahlt werden, ausgeſtellt wer=
den
ſollen. Insbeſondere müſſe die Frage erwogen werden, ob
die Titel in Frankreich auf franzöſiſche Franken oder auf Gold
lauten ſollen. Vorausſichtlich würden die Sachverſtändigen heute
abend oder ſpäteſtens morgen, Donnerstag, ihre Beſprechungen
beenden.
Die Sitzung der Vertreter der Schatzämter und der Leiter
der B.J.3. dauerte bis 342 Uhr und wurde um ½5 Uhr nach=
mittags
erneut aufgenommen. In beiden Sitzungen wurden die
Modalitäten der Amortiſation der 300=Millionen=Dollaranleihe
geprüft. In der Brüſſeler Bankierkonferenz der letzten Woche
wurde eine Amortiſation ausſchließlich auf dem Wege der Aus=
loſung
angeregt. Die deutſchen Vertreter verlangen dagegen, daß
auch der Rückkauf der Anleihetitel an der Börſe vorgenommen
werden könne. Die Diskuſſion über dieſe ſehr heikle Frage iſt
heute nachmittag fortgeſetzt worden.
Bor dem Inkrafikreken des Youngplans.
Am 15. Mai ſpäteſtens, vielleicht ſogar ſchon einige Tage vor=
her
, wird der neue Reparationsplan in Kraft treten können. So=
fort
im Anſchluß an die Uebergabe der letzten Ratifikationsur=
kunden
wird der Plan ingang geſetzt, denn alle techniſchen Vor=
bereitungen
, die notwendig waren, um das rechtzeitige Funktio=
nieren
der Internationalen Zahlungsbank zu ermöglichen, ſind
bereits ſeit Wochen getroffen. Das wichtigſte Moment für den
Uebergang vom Dawesplan zum Youngplan wird die Ueber=
tragung
der Konten, die die einzelnen Gläubigermächte bis jetzt
bei der Reparationskommiſſion in Paris hatten, an die Inder=
nationale
Zahlungsbank ſein. Bis jetzt zahlte die Reichsregierung
ihre einzelnen Kriegsſchuldenraten auf das Konto des Repa=
rationsagenten
bei der Reichsbank. Auch dieſes Konto verſchwin=
det
. Die Reſtbeträge, die auf ihm noch vorhanden ſind, werden
auf das neu eröffnete Konto der Internationalen Zahlungsbank
überſchrieben werden. Am 15. Mai wird die erſte deutſche Zah=
lung
auf das neue Konto der Internationalen Zahlungsbant
ſtatt auf das Konto des Reparationsagenten erfolgen, da ja im
Haag die Zahlung in der Monatsmitte vereinbart worden iſt.
Die Gutſchrift auf das Konto der Internationalen Zahlungsbank
wird auch die erſte deutſche Zahlung in Deviſen ſein, da ja künf=
tia
Deviſenzahlung an die Stelle der Reichsmarkzahlung tritt
und die Erwerkung der für die Zahlung erforderlichen Debiſen
fetzt durch die Reichsbank, nicht mehr wie bisher durch den Repa=
rationsagenten
ſtattfindet

* Ungünftige Lage und Ausſichken
der Arbeitsloſenverſicherung.
Die Reichsanſtalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits=
loſenverſicherung
hat kürzlich ihren zweiten Jahresbericht für
die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1929 der Oeffentlichkeit
übergeben. Dieſer Bericht iſt an ſich durch die kataſtrophale Ent=
wicklung
des Arbeitsmarktes im Jahre 1930, das neben 1926 das
größte Arbeitsloſenjahr in der Nachkriegszeit Deutſchlands wer=
den
wird, überholt, aber er enthält zahlreiches ſtatiſtiſches Mate=
rial
, das für das Studium und die Beurteilung des ſchwierigen
Arbeitsloſenproblems von beſonderem Wert iſt, und die grund=
ſätzlichen
Folgerungen, die die Reichsanſtalt ſelbſt an die von ihr
und anderen amtlichen Stellen durchgeführten Unterſuchungen
knüpft, verdienen weitgehende Beachtung.
Wenn man einen tieferen Einblick in die Geſamtentwicklung
des Arbeitsmarktes gewinnen will, ſo muß man vor allem die
ſtrukturellen Veränderungen berückſichtigen, die neben den Ein=
flüſſen
des Konjunkturrückganges, der Witterung und der Sai=
ſonſchwankungen
weſentlich zu dem ungünſtigen Geſamtbild bei=
getragen
haben. Für die Struktur des Arbeitsmarktes iſt in
erſter Linie von grundlegender Bedeutung, wie ſich innerhalb
des geſamten Volkskörpers die Zahl der im erwerbsfähigen
Alter ſtehenden Perſonen und unter dieſen wieder die Zahl der
Arbeitnehmer verändert. Um hierfür Anhaltspunkte zu erhal=
ten
, iſt eine Art Bilanz zwiſchen den an der Bevölkerungsbewe=
gung
beteiligten Aktiv= und Paſſivpoſten von der Reichsanſtalt
gezogen worden. Zu den Aktivpoſten gehören vor allem die
Jugendlichen, die als jährlicher Zuwachs neu in erwerbsfähige
Alter gelangen, als Paſſivpoſten ſind die infolge Tod, Krankheit,
hohen Alters, Invalidität uſw. entſtehenden Verminderungen in
der Zahl der Erwerbsloſen zu buchen. Geht man von der Be=
rufszählung
vom 16. Juni 1925 aus, bei der 32 Millionen Er=
werbstätige
gezählt wurden, ſo ergibt ſich eine Steigerung der
Erwerbstätigen am Jahresanfang 1929 auf 33,4 Millionen. Die
Zahl der Arbeitnehmer (ohne Beamte) am Jahresanfang 1929
iſt mit rund 20,21 Millionen berechnet gegen 19,28 Millionen im
Jahre 1925. Danach würde ſich alſo ſeit der Berufszählung von
1925 bis Anfang 1930 eine Mehrung der Erwerbstätigen um
1,54 Millionen ergeben. Im Berichtsjahr 1929 würde der Zu=
wachs
an Erwerbstätigen noch 147 000 betragen haben. Der Be=
ſtand
der Arbeitnehmer (ohne Beamte) würde ſich von 1925 bis
Anfang 1930 um 1,03 Millionen Arbeitnehmer auf rund 20,3 Mill.
geſteigert haben. Das Ergebnis dieſer Vorausberechnung erfährt
jedoch eine weſentliche Korrektur, wenn man es mit den Ergeb=
niſſen
der monatlichen Statiſtik der Krankenkaſſenmitglieder ver=
gleicht
, die in der Reichsanſtalt laufend geführt wird. Nach dieſer
Statiſtik hat die Zahl der Arbeitnehmer ſeit 1925, alſo in einem
Zeitraum von 4 Jahren, um rund 2,8 Millionen (1929 um rund
170 000) zugenommen, während nach der allgemeinen Bevöl=
kerungsentwicklung
nur eine Zunahme um rund 1 Million (1929
um rund 95 000) zu erwarten geweſen wären. Hieraus geht
zweifellos hervor, daß neben der Zunahme der Geſamtbevölke=
rung
in der Nachkriegszeit (nahezu 4 Millionen Köpfe) vor allem
der veränderte Altersaufbau und die eingetretene Umordnung
der ſozialen Schichtung für die Geſtaltung der ungünſtigen Ver=
hältniſſe
am deutſchen Arbeitsmarkt verantwortlich zu machen
ſind. Es ſtehen heute 7 Millionen Menſchen mehr in erwerbs=
tätigem
Alter, und wenn in einem Zeitraum von nur 4 Jahren
ein Zuwachs der Arbeitnehmerzahl um nicht weniger als 2,8
Millionen ſich eingeſtellt hat, ſo beweiſt dies, daß im ſozialen
Klaſſenaufbau ſich große Veränderungen vollzogen haben.
Ein weiterer, weſentlicher Faktor, der zur Veränderung der
Struktur des Arbeitsmarktes beigetragen hat, wird von der
Reichsanſtalt in der Rationaliſierung geſehen. Es wird in dem
Jahresbericht hierzu u. a. bemerkt: Die Erſcheinungen, die unter
dem Begriff Rationaliſierung zuſammengefaßt werden, ſind in
den letzten Jahren in ſolcher Häufigkeit, mit ſo ſtarker Intenſi=
tät
und vielfach auch mit ſo klarer, und weitgeſpannter Ziel=
ſetzung
aufgetreten, daß es nicht mehr angängig erſcheint, ſie als
Vorgänge der normalen laufenden Verbeſſerung des volkswirt=
ſchaftlichen
Produktionsapparates aufzufaſſen. Hierzu ein Wort!
Zwiſchen Rationaliſierung, die nur zu dem Zwecke durchgeführt
wird, um Arbeitskräfte freizuſetzen, und dadurch die Unkoſten
zu vermindern, und der Rationaliſierung, die die Einſtellung
unrentabler Produknon, dafür aber Erweiterung der rentablen
durch Verwendung der eingeſparten Mitteln zum Ziele hat, be=
ſteht
ein großer Unterſchied, der leider manchem deutſchen Unter=
nehmer
nicht genügend bekannt iſt. Man kann nicht ſagen, daß
die Rationaliſierung die Hauptſchuld an der Arbeitsloſigkeit trägt,
und daß andererſeits durch eine verminderte Rationaliſierung
die Arbeitsloſigkeit geheilt werden könnte. So liegen die Dinge
nicht. Die Hauptſchuld an der ungünſtigen Lage des Arbeits=
marktes
tragen die wirtſchaftlichen Verhältniſſe, und zwar nicht
nur in Deutſchland ſelbſt, ſondern in der ganzen Welt, und durch
ſie hat die Arbeitsloſigkeit in einem Lande wie Deutſchland, das
mehr denn je auf Export angewieſen und abgeſtellt iſt, ihr der=
zeitiges
erſchreckendes Ausmaß angenommen. Für den Wert
der richtig angewandten Rationaliſierung, für ihre die geſamte
Volkswirtſchaft fördernde Wirkung gibt es zahlreiche Beiſpiele
aus der Wirtſchaftsgeſchichte der Nachkriegszeit; es ſei hier auf
die Entwicklung der Siegerländer Eiſeninduſtrie verwieſen, wo
von den Vereinigten Stahlwerken eine weitgehende Rationaliſie=
rung
und Umſtellung auf die Feinblechproduktion durchgeführt
worden iſt mit dem Erfolge, daß innerhalb 3 Jahren nicht nur
eine 50prozentige Steigerung der Belegſchaftsziffern, ſondern
gleichzeitig auch eine erhebliche Erhöhung der Löhne zu verzeich=
nen
iſt. Es lommt darauf an, daß der durch Rationaliſierungs=
maßnahmen
gewonnene Betrag an Unkoſtenerſparnis eine pro=
duktive
Verwendung findet, und dieſe Verwendung hängt eben
von den wirtſchaftlichen Verhältniſſen ab und danach entſcheidet
ſich die Wirkung auf dem Arbeitsmarkt. Wenn mit der Erſpar=
nis
eine Senkung der Preife, damit eine Erweiterung des Ab=
ſatzes
und eine Erhöhung der Erzeugung erreicht wird, ſo bekeu=
tet
dies nichts anderes als Neuſchaffung von Arbeitsplätzen und

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Arbeitsmöglichkeiten, mit anderen Worten, richtige Rationali=
ſierung
trägt zur Verminderung der Arbeitsloſigkeit bei, und es
wäre gänzlich verfehlt, wollte man an die oben erwähnten Aus=
führungen
aus dem Bericht der Reichsanſtalt für Arbeitsloſen=
verſicherung
und Arbeitsvermittlung folgern, daß die Rationali=
ſierungsbewegung
, die die Stellung der Wirtſchaft im ganzen und
im einzelnen geſtärkt hat, ſei es in techniſcher, ſei es in organi=
ſatoriſcher
Hinſicht, eingeſchränkt werden muß. Zweifellos wäre
heute die Zahl der Arbeitsloſen noch höher, wenn nicht der auf
der deutſchen Wirtſchaft liegende Druck durch erfolgreiche Ratio=
naliſierungsmaßnahmen
gemildert, und ihre ſo oft gerühmte
Widerſtandskraft auf dieſe Weiſe erhalten geblieben wäre. Eine
Wirtſchafts= und Arbeitsmarktpolitik, die darauf ausgeht, die
Wirtſchaft zu entlaſten und die durch Rationaliſierung erzielten
Erſparniſſe wieder in der Produktion anzulegen bzw. zu verwen=
den
, iſt am beſten geeignet, der Arbeitsloſigkeit entgegenzu=
wirken

Was den gegenwärtigen Stand der Dinge und die Ausſich=
ten
der Arbeitsloſenverſicherung anbelangt, ſo iſt die Entwicklung
damit am deutlichſten gekennzeichnet, daß gegenwärtig im Ver=
gleich
zum Vorjahr eine relative Verſchlechterung der Arbeits=
loſenziffer
um faſt 500 000 vorhanden iſt, die die vor zwei Mona=
den
aufgeſtellte Rechnung über den vorausſichtlichen Geldbedarf
der Reichsanſtalt aufs ernſteſte gefährdet erſcheinen läßt. Die
Reichsanſtalt kann bei ihrer derzeitigen Finanzlage bzw. aus den
ihr zufließenden Mitteln durchſchnittlich 1,17 Mill. Arbeitsloſe
verſorgen. Dagegen müßte die Zahl der Arbeitsloſen noch weiter
um etwa 690 000 ſinken, wenn die laufenden Einnahmen der
Reichsanſtalt die laufenden Ausgaben überſteigen und die An=
ſammlung
eines Stocks ermöglicht werden ſoll. Angeſichts der un=
befriedigenden
Frühjahrsentlaſtung am Arbeitsmarkt, insbeſon=
dere
am Baumarkt, iſt es aber ſehr wahrſcheinlich, daß die Grenze
einer Durchſchnittszahl von 1,2 Mill. Hauptunterſtützungs=
empfängern
im Jahre 1930 nicht eingehalten, ſondern überſchrit=
ten
werden wird. Die Auszahlung der laufenden Renten wird
aller Vorausſicht nach ſelbſt in den günſtigſten Sommermonaten
weitere Zuſchüſſe erfordern. Wenn ſich dieſe Befürchſtungen be=
ſtätigen
, ſo müßte die Verſchuldung der Reichsanſtalt beim Reich,
die am 31. März 1930 ſchon 620 Mill. RM. betragen hat, weiter
anwachſen.
Damit iſt die Frage einer Reform der Arbeitsloſenverſiche=
rung
, die geeignet iſt, zu einer dauernden Belaſtung unſerer
politiſchen und wirtſchaftlichen Verhältniſſe und darüber hinaus
zu einer ſtändigen Bedrohung der ſo mühſam errungenen Ord=
nung
der Reichsfinanzen zu führen, wieder in den Vordergrund
gerückt. Man muß nämlich davon ausgehen, daß die Reichsan=
ſtalt
trotz der auf 3½ Prozent des Lohnes erhöhten Beiträge für
das neue Etatsjahr bereits mit einem Darlehen aus der Reichs=
kaſſe
in Höhe von rund 340 Mill. RM. rechnet, daß Zuſchüſſe, die
auf Koſten der Allgemeinheit gehen, die Ausgaben der Reichs=
anſtalt
zu einem bis etwa 30 gehenden Prozentſatz decken ſollen.
Wenn der Präſident der Reichsanſtalt Syrup die Anſicht ausge=
ſprochen
hat, daß die Geſamtheit mit für die Arbeitsloſigkeit auf=
zukommen
habe, weil wichtige Umſtände allgemeiner Art die Ar=
beitsloſigkeit
auf eine ſolche Höhe geſteigert haben, ſo iſt dem ge=
wiß
zuzuſtimmen, aber nur bedingt. Es darf ſich nur um vor=
übergehende
Mittel der Allgemeinheit handeln, die in Kriſen=
zeiten
gewährt werden, aber nicht dazu beitragen, daß ſie als
Dauereinrichtung aufgefaßt werden. Die ungünſtige Lage und
die gleichfalls als ungünſtig anzuſehenden Ausſichten der Arbeits=
loſenverſicherung
, über die ſich der Präſident der Reichsanſtalt
in dieſem Sinne ausgeſprochen hat, ſollten aber erſt recht Ver=
anlaſſung
zu einer gründlichen Nachprüfung der Finanzierung
der Arbeitsloſenverſicherung ſchon für das laufende Rechnungs=
jahr
geben, umſomehr als Sparmaßnahmen in der Organiſation
der Reichsanſtalt einen ins Gewicht fallenden finanziellen Erfolg
nicht erwarten laſſen. Der Reichswirtſchaftsminiſter Dietrich hat
in einer Rede vor dem Deutſchen Induſtrie= und Handelstag
geſagt, daß ein Teil der Arbeitsloſigkeit die Folge des Syſtems
der Arbeitsloſenverſicherung ſei und daß es eine intereſſante Auf=
gabe
wäre, zu unterſuchen, welche Veränderung in der Struktur
des Arbeitsverhältniſſes unter der Geltung des jetzigen Geſetzes
eingetreten ſei. Vielleicht würde man ſo Anhaltspunkte zu einer
vernünftigen Reform finden, die dem wirklich Arbeitsloſen ſein
Recht laſſe, aber die Konſtruktion der Verſicherung ändere.
Sozialpolitik läßt ſich nur im Rahmen der vorhandenen wirt=
ſchaftlichen
Verhältniſſe betreiben, und eine Verſchlechterung der
letzteren kann ſchließlich nicht ohne jeden Einfluß auf die ſozialen
Einrichtungen bleiben. Infolgedeſſen wird man, wenn man den
Zuſammenhang zwiſchen Wirtſchaftslage und Sozialpolitik Rech=
nung
tragen will, an einer Korrektur der Verſicherungsleiſtungen
nicht vorübergehen können, womit nicht geſagt ſein ſoll, daß etwa
eine Herabſetzung der Leiſtungen der Arbeitsloſenverſicherung,
die gewiß nicht ſehr hoch ſind erſtrebt wird.

Zu ſeinem 125. Todestage (9. Mai).

Von Profeſſor Dr. phil. h. a. Karl Berger.
Die Frage nach der Bedeutung der ſchöpferiſchen Geiſter für
ihr Volk iſt zu allen Zeiten wichtig und berechtigt, ja ſie iſt eine
der höchſten Kultur= und Lebensfragen. Die Völker bedürfen
ſolcher Genien: ſie können ohne ſie zwar fort beſtehen, nicht
aber wirklich fort leben. Wir können nicht leben ohne ſie, aber
ſie auch nicht ohne uns. Denn nur der Große iſt lebendig,
den jede neue Zeit, jede neue Generation ſich neu erobert, je nach
den Bedürfniſſen und Neigungen, die mit dem Wechſel der Zeit=
geſchlechter
meiſtens ſich wandeln. Dieſen Veränderungen kommt
jede geniale Natur entgegen, kraft einer Weſenseigentümlichkeit,
die den ſchöpferiſchen Geiſt in mannigfacher Beziehung und von
verſchiedenen Seiten her zu wirken befähigt. Zur Aufnahme und
Würdigung einer eigenwilligen großen Perſönlichkeit freilich ſind
die verſchiedenen Lebensalter und Generationen nicht gleichmäßig
ausgerüſtet und bereit, aber wehe einer Zeit, die ſo tief geſunken
iſt, daß ſie der Liebe zu den geiſtigen Vätern gänzlich ermangelt: ſie
iſt um die höchſten Kulturwerte betrogen, jenes Erbe, das nur
denen zu eigen wird, die durch liebevolles Verſtändnis für die
Ewiglebendigen ihr Recht erweifen.
Es iſt eigentlich die große Perſönlichkeit eines Autors, welche
in die Kultur ſeines Volkes übergeht, dieſes Wort Goethes, in
bezug auf Schillers Nachwirken geſprochen, hat ſich in deſſen
ganzem hundertfünfundzwanzigjährigen Nachleben bewährt. Ein
charakteriſtiſcher Grundzug, der durch dieſe Geſchichte geht, läßt
ſich ſchon in dem Verhältnis der Mitwelt zu Schiller feſtſtellen!
Volk und Jugend und alle, welche ſich unbefangen den Wirkungen
des Dichters hinzugeben vermochten, waren, ihm in Verehrung
und Begeiſterung zugeneigt, während die Gegner, wie auch oft
ſpäter, ihm aus beſonderen literariſchen Gruppen und Klüngeln
erſtanden, anfangs aus der Schar der Rückſtändigen, die das gol=
dene
Zeitalter in der Vergangenheit, etwa bei Gleim, Uz, beſten=
falls
bei Klopſtock, Leſſing und Wieland, liegen ſahen und die
neue Poeſie pedantiſch mäkelnd mit überliefertem Richtmaß
maßen, ſpäter aus neuen äſthetiſchen Moderichtungen, wie der der
romantiſchen Schule, deren Wortführer Schillers Kunſt ſchon für
überholt erklärten. Je volksfremder, verſtiegener, verworrener
und ſeltſamer ſolche äſthetiſchen Beſtrebungen jeweils waren, deſto
weiter führten ſie von Schiller ab. Die Wirkung Schillers aber
erreichte jedesmal einen Gipfel, wenn das deutſche Volk in
irgendwelcher äußeren oder inneren Not ſich auf ſein beſſeres

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Vom Tage.

Im Preußiſchen Landtag hatte die Wirtſchaftspartei den Antrag
eingebracht, der Landtag möge ſich ſelbſt auflöſen, da er nach den letzten
Kommunalwahlen nicht mehr der Stimmung der Bevölkerung entſpreche.
Der Landtag hat das am Mittwoch mit 260:98 Stimmen, alſo mit den
Stimmen der Deutſchnationalen, abgelehnt.
Am Mittwoch empfing Reichäwirtſchaftsminiſter
Dietrich die Bertreter der gewerkſchaftlichen Spit=
zenorganiſationen
, die ihm ihre Aufgaben und ihre Wünſche
zur allgemeinen Lage unſerer Wirtſchaft vortrugen. Im Mittelpunkt
der Ausſprache ſtanden die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
Der Vorſtand der Arbeitsloſenverſicherungsan=
ſtalt
tritt am Donnerstag zu einer mehrtägigen Sitzung zuſammen,
um Vorſchläge für eine Reform der Anſtalt auszuarbeiten
Die albaniſchen Minderheiten in Jugoſlawien
haben ebenſo wie die kroatiſchen und bulgariſchen Minderheiten beim
Völkerbundsſekretariat Beſchwerden gegen die Behandlung
der Minderheiten eingereicht.
Der ſehr einflußreiche ſpaniſche ehemalige konſervative Abgeordnete
Offorio Gallardo hielt im Athenäum=Klub in Madrid einen Vor=
trag
über die Diktatur, den er mit der Erklärung ſchloß: Ob=
wohl
er Monarchiſt ſei und bleibe, halte er doch im gegen=
wärtigen
Augenblick die Abdankung des Königs für un=
bedingt
notwendig.
Profeſſor Unamuno, den die ſpaniſche Regierung gebeten hatte,
nach Salamanca zurückzukehren, hat ſich geweigert, dieſer Aufforderung
Folge zu leiſten.
In Flandern herrſcht große Erregung über die Ver=
urteilung
eines flämiſchen Soldaten zu 3½ Monaten
Gefängnis, der ſich geweigert hatte, Befehle in franzöſiſcher
Sprache entgegenzunehmen. In Antwerpen iſt es bereits zu
Ausſchreitungen von Flamen gekommen.
Der Geſchäftsträger der ruſſiſchen Botſchaft in
Mexiko=City Jakob Friedmann, der nach dem Abbruch
der diplomatiſchen Beziehungen eingeſetzt wurde, iſt wegen kommu=
niſtiſcher
Umtriebe verhaftet worden, d. h., daß Fried=
mann
unverzüglich aus Mexiko ausgewieſen werden wird.
Die Behörden in Aſſuncion, der Hauptſtadt von Paraguay,
ſind einem weitverzweigten kommuniſtiſchen Komplott gegen
die Regierung auf die Spur gekommen.
Die Geſetzgebende Verfammlung von Windhuk hat mit 18 gegen
7 Stimmen einen Antrag auf Ausdehnung des Wahlrechts auf euro=
päiſche
Frauen in Südweſtafrika angenommen.

Heſſiſche Polikik.

Einberufung des Landkagsplenums zum 13. Mai.
Der Präſident des Heſſiſchen Landtages hat ſoeben die Ein=
ladungen
an die Mitglieder des Heſſiſchen Landtags zur 61. Sitzung
auf Dienstag, den 13. Mai, 10 Uhr, ergehen laſſen. Auf der
Tagesordnung ſteht unter Punkt 2 das Geſetz über die Verlänge=
rung
der Wahldauer dieſes Landtages. Den letzten Punkt der
Tagesordnung bildet der Staatsvoranſchlag für 1930.
*
Der Heſſiſche Landbund bittet uns um Veröffentlichung
folgender Notiz:
Durch die Preſſe geht die Nachricht, daß Willi Seipel Fauer=
bach
bei Butzbach, der 2. Vorſitzende des Landjugendbundes (Oberheſſen),
zur Nationalſozialiſtiſchen Deutſchen Arbeiterpartei übergetreten ſei.
Wir ſtellen demgegenüber feſt, daß Herr Willi Seipel nicht ſtellvertreten=
der
Vorſitzender des Landjugendbundes iſt. Er bekleidet in dem Land=
jugendbund
keinerlei Ehrenſtelle und iſt überhaupt kein Mitglied des
Landjugendbundes.

Landwirtſchaftliche Zwangsverſteigerungen.
in Heſſen 1929.
Nach den nunmehr vorliegenden endgültigen Ziffern für das
Jahr 1929 betrugen die Zwangsverſteigerungen landwirtſchaft=
licher
Grundſtücke in Heſſen nach den Mitteilungen der Amts=
gerichte
insgeſamt 842 eröffnete Verfahren, gegenüber 1339 Ver=
fahren
1928. Damals war jedoch nur eine Fläche von 910,3 Hek=
tar
zur Zwangsverſteigerung vorgeſehen, während trotz der ver=
minderten
Zahl der Verfahren 1929 die Fläche auf 1279,1 Hektar
ſtieg. Durchgeführt wurden 1929 137 Verfahren über 143 Hektar,
1928 180 Verfahren über 145.5 Hektar.
Von der Beſahung geräumk.
Die Beſatzung hat bis jetzt die nachſtehenden Orte geräumt: Bad
Kreuznach, Kirn, Sobernheim, Birkenfeld, Ober=
ſtein
und Idar, ſowie Türkismühle. Zurückgelaſſen wurden
einige Aufſichtsorgane, ſo in Bad Kreuznach 11 Gendarmen, 5 Beamte
der Sicherheitspolizei, ein Telegraphiſt, in Kirn vier Gendarmen, in
Oberſtein vier Gerndarmen und ein Telegraphiſt und in Türkismühle
fünf Armeeangehörige, die als Bahnhofswache kommandiert ſind.

Selbſt beſann, wenn es ſich aus Druck und Unfreiheit herausſehnte
und den inneren Weg dazu zu beſchreiten willens war, wenn es
zu gewaltigen Kämpfen und Erhebungen oder zur Bewältigung
großer Aufgaben vom Schickſal gerufen ward.
Dies im einzelnen nachzuweiſen, iſt hier unmöglich; das hieße
die ganze Geſchichte des Schillerſchen Nachlebens ſchreiben. Nur

die Hauptmomente ſeien kurz hervorgehoben! Als bald nach
Schillers Tod das zuſammengebrochene deutſche Volk zum Wieder=
aufbau
und zum Befreiungswerk ſchritt, ward er ihm ein Erzieher
zu ſchickſalsüberlegenem, opferwilligem Heldentum: ſein Geiſt zog
den Freiheitskämpfern voran, die von ihm geſchaffenen poetiſchen
Geſtalten ſchienen lebendig zu werden, und Leyer und Schwert
erklangen im Schillertone des Aufſchwunges. Aber nicht bloß zu
raſchem, einmaligem Tun ließ ſich das Volk von Schiller be=
geiſtern
: er wurde auch Vorkämpfer und Erzieher zu einer neuen
Haltung gegenüber dem Vaterlande durch ſeine eigene Wendung
von ſchwärmendem Weltbürgertum zu feſter Volks= und Staats=

die Neubeſetzung der Londoner Bok
grund. Umwandlung der ſüdan
Geſandtſchaften in Borſcha

* Berlin, 7.
Ein großer Teil unſerer diplomatiſchen
ſich gegenwärtig in Berlin auf, zum Teil wo
miniſter Dr. Curtius Vortrag zu halten und di
künftigen Politik zu erörtern, zum Teil abe
großen Diplomatenſchubs, der ſich jetzt allerd
von Einzelernennungen auflöſen und erſt im
dürfte. Im Augenblick ſteht immer noch die
der Londoner Botſchaft im Vor
v. Neurath, der am Mittwoch vom Rei
fangen wurde, hat ſtarke Bedenken geg
ſetzung nach London geltend gemacht.
gewieſen, daß er in Rom eine gute Stellung
Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. M
knüpfung neuer Beziehungen zwiſchen Deute
beſitzt, während er ſich in London erſt neu eine
v. Schubert dagegen in Rom zunächſt mit e
trauen aufgenommen würde. Herr v. Neun
höchſt unangenehmen Lage, daß er ſich eine
doner Botſchaft nicht gut erlauben kann. Z
Waſhington und für Moskau hat er danker
auch jetzt wieder Nein ſagen, dann könnt
daß er zur Dispoſition geſtellt würde, zuma
noch andere Anwärter vorhanden ſind. Er w
lich gegen die Berufung nach London nich
wenn er auch kein Hehl daraus macht, daß er
ben würde.
Für den Sommer wird dann vermutli
der deutſchen Geſandtſchaften bei
kaniſchen ABC=Staaten, Argentin
Chile, zu Botſchaften erfolgen. Sie we
Amt ſchon für das vorige Jahr im Etat a rdert,
damals dem Spargriffel zum Opfer. Im ner / tat
derung erneut geſtellt, mit dem Hinweis, d
nung bei den drei großen Staaten, die wied
lung angeregt haben, ſtarke Mißſtimmung
mal, nachdem die übrigen europäiſchen Groſ ien,
und Belgien, uns vorausgegangen ſind.
rungen werden deswegen wohl kaum bedingt F en
iſt lediglich eine Geldfrage, da die Botſchaft F
wandsentſchädigung erhalten. Dafür ein pe /Seiſp
dem Gehalt für Buenos Aires iſt die Aufwe
Botſchafters auf 115 000 RM. berechnet, für
33 000 RM. und für Santiago in der gle
vergleichsweiſe der Botſchafter in Waſhingto
unſerer Diplomaten überhaupt iſt und 131
entſchädigung bekommt (ſeine diplomatiſchen
ton erhalten ſogar ein Vielfaches dieſer E
folgt die Londoner Botſchaft mit 1140/
112 000 RM. und Moskau mit reichlich 100 (
lung erfolgt je nach den Lebensbedingung
der notwendigſten Repräſentation.
Im Hintergrund ſchwebt auch immer no
unſerer Warſchauer Geſandtſche

rn Au=
ne
Lt)
Sſen
Dnlic
fr

ſchaft, für die ſich der gegenwärtige Geſ
einſetzt.
Einigung über die Oſthilfe im TAl

Das Reichskabinett ſetzte am Mittwoch
Vorſitz des Reichskanzlers Dr. Brüning un
Reichsbankpräſidenten Dr. Luther die Erör
hilfegeſetz fort. Die Beratungen führten zu
Einigung, auf Grund deren die endgültigen
der Führung des Reichsminiſteriums des
Tagen vorgelegt werden. Das Reichskabin
nächſten Mittwoch über die endgültige Ge
programms Beſchluß faſſen.

geſinnung. Dem erſten Nachkriegsgeſchlecht
Enttäuſchung herrlichſter Hoffnungen ſich
ſeinem Schickſal fügte, hatte der Tatenfreu!
tige wenig mehr zu ſagen: der Ruheſelig
Volkes und der Revolutionsfurcht der Regi
ſeſſer als Schillers weltüberwindender, au
ſtellter Idealismus und ſeine echte Tragik
ſtiſche Traumwelt dunkelſinniger Schickſa
kleinen, aufgeweckten Kreiſen wurde Schill
im geheimen gehegt, ein zärtlicher Schillert
zeit mit dem Erwachen aus hindämmernd,
tiſcher Regſamkeit mächtig anwachſen und
der anſchwellenden Bewegung zum allgepri
emporheben ſollte: als Held und Herold
Fortſchrittes wurde er zunächſt von den
Feſtes bis zu den Stürmen des tollen Jal
loſen Schillerfeſten von dem kämpfenden 2.
genommen, bis dann bei der großen Schille
die vielfach zerteilten Strömungen des deu!
zuſammenfloſſen in dem Bewußtſein und II
der Allverehrte ein unveräußerlicher Ge
Symbol und Gewähr der erſtrebten deutſo
Die Zeit der Erfüllung nationaler Wu!
anderer Art und auf ganz anderen Bähl
erwartet hatten. Die deutſche Welt verwa.
nur in den politiſchen Anſchauungen und *
rellen Zuſtänden und ihren geſellſchaftlichel
mit der immer größeren Teilnahme am w..
der in weitem Vorſprung befindlichen Vol!
betätigung und Lebensauffaſſung. Für S
dieſer neuen Zeit, die den im Leben und
Materialismus auch in der Kunſt als 90
ſchaft brachte, die Frage entſtehen, ob er
bieten habe, als man ſeither hauptſächlie
nalem Bannerträger verlangt, jetzt aber,
Erſtrebten war, weiter zu verlangen nicht
herkömmliche Verehrung des Nationalo!
Schwang, auf der Bühne erwies Schiller
Sturmkraft, aber die Wortführer der 9e
äſthetiſchen Bewegungen rückten, wie von.
auch von ihm ab. Das Wort Idealisſi.
Klang; der mißverſtandene Pathetiker, de*
der Moraltrompeter von Säckingen, ..
ſeiner Unmöglichen eingereiht, wurde !!4
für tot erklärt. Die den Naturalismus 9a
löſenden neuen äſthetiſchen Richtungen
Schillerverachtung, jenem treu. Aber jene
lebendig ſei oder wieder zu neuem Lehe‟
mit äſthetiſchen Schlagworten und modiſe
gelöſt und nicht zu löſen. Ein Guies9

[ ][  ][ ]

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Seite 3

des Wehrekats im
ashaltsausſchuß.
29 zahlreicher Skreichungsankräge
der Reichswehr bewilligk.

Berlin, 7. Ma.
atung des Haushaltsausſchuſſes des Reichs=
halt
der Reichswehr hatten die Kommuniſten
Antrag auf Streichung des ganzen Fonds.
zur Verfügung des Reichswehrminiſters
jaldr / aten einen Antrag auf Kürzung von 500 000
wide Anträge wurden gegen die Antragſteller
er Groener erwiderte ſodann auf verſchie=
vem
Ausſchuß, ſo auch auf eine Beſchwerde

mokr en Abgeordneten Biedermann über ſchlechte
anſchaften. Gegen ſchlechte Behandlung, ſo
werde in rückſichtsloſer Weiſe vorgegangen.
ivilgerichte, die das Reichswehrminiſterium
2, könne nichts anderes getan als Berufung
erden eder, der mißhandele, werde aus dem Heere
ſich Srt, den Leuten das Schwimmen auf brutale
ingerw de aufs ſchärfſte verurteilt. Der Unter=
Reichswehr keine Strafgewalt mehr. Das
enſchenwürdige, anſtändige und vornehme
en dr oldaten. Und zwar müſſen die Vorgeſetzten

Chraw), ſein und dürfen ihre eigene Unzulänglich=
rch
ſalte Behandlung der Mannſchaften verdecken.

erder! in der Reichswehr ſei durchaus zeitgemäß.
eden Fall perſönlich, in dem jemand Be=
en
ſo) Entlaſſung erhebt. Die Zahl der Soldaten=
w
84 im Jahre 1924 auf 79 im Jahre 1929
y zahlreicher Streichungsanträge der Sozial=
und muniſten wurden ſchließlich ſämtliche Kapi=
ſswer
tvilligt. Die Donnerstagsſitzung des Aus=
ſich
d dem Haushalt der Reichsmarine befaſſen.
Gel enkwurf zur Beſteuerung der
fentlichen Bekriebe.
* Berlin, 7. Mai. (Priv.=Tel.)
re faßte der Reichstag eine Entſchließung,
ſregirf g erſucht, die Frage der Beſteuerung öffent=
* zur fen. Jetzt iſt vom Reichsfinanzminiſterium
t de twurf eines Geſetzes über die Beſteuerung
mn W be zugegangen. Nach dieſem Entwurf ſind
Käil ſchaften des öffentlichen Rechtes, die Vor=
Betrrli mit eigener Perſönlichkeit des öffentlichen
ände von Unternehmungen, deren Erträg=
örperſchaften
des öffentlichen Rechtes zu=
2t, über ihre Verhältniſſe Aus=
1 7. In der Begründung wird darauf hin=
rhänger
der Beſteuerung der öffentlichen
en Steuereingängen rechnen, die es ermög=
drückende
Laſten zu ſenken. Der Reichs=
die
Schätzungen ſchwankten zwiſchen 100.
2Die Reichsregierung ſteht auf dem Stand=
ächh
e Unterlagen beſchafft werden müſſen, um
nnen.
194 ch=chineſiſche Blugverkehr.
* Berlin, 7. Mai. (Priv.=Tel.)
eſiſchen Regierung und der deutſchen Luſt=
vergangenen
Jahres ein Vertrag abge=
die
Einrichtung eines Flugver=
eutſchland
und China vorſieht. Da
Niegung ruſſiſchen Gebietes not=
des
erhandlungen mit den Ruſſen aufgenom=
dii
warteten Schwierigkeiten bis jetzt noch zu
imen ſind. Man hat zwiſchen den Betei=
ſen
ſchen Schikanen gerechnet und deshalb in
der igens noch nicht ratifiziert iſt, vorgeſehen,
endi ſiſch d ;lugverkehr alsbald einzurichten. Es wird
mRetz 4/5 Linien mit großer Ausdehnung beflogen.
berrs geſellſchaft iſt China mit zwei Drittel,
ſit e r Drittel am Kapital beteiligt. Auch die
ilen) rden entſprechend verteilt. Für den Ver=
eie= uitſches Material zu verwenden.

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en und Jüngſten Schiller belegt hatten: er
B örſ rer völligen Neuerfaſſung und Wiederbele=
YanN Erſcheinung. Schon um 1900 konnte man
üilles naiſſance ſprechen, und der hundertſte Ge=
ſchilk
) Tod, der 9. Mai 1905, ward ein das ganze
Ay erfaſſendes Feſt dieſes geläuterten und er=
2 ls erwarteten alle geiſtigen Strömungen,
ulicl und religiöſen Richtungen, alle ſittlich=kul=
* unN von ihm, dem Dichter und Denker, Hilfe
en Nöten. Mochten die Sozialdemokraten
. ariſch betonten Feiern begehen, ſo erblick=
fortführer
in dem Lebenskämpfer Schiller
des arbeitenden Volkes im Ringen um eine
Erzieher zu vollem Menſchentum. Wenn er
nmter Worte auch als Prophet ihres poli=
Der12freiungskampfes erſchien, wenn Demokra=
1nde, kra-3 Republikaner und Monarchiſten, Weltbür=
alsl
rte, Revolutionäre und Konſervative, Pazi=
Prel e, Strenggläubige und Freigeſinnte ſich für
gen 1, ihn beriefen, ſo bewieſen ſie nur, daß er
* i, ſondern dem ganzen Volke gehöre, und
die eingangs geſagt, in mannigfacher Weiſe
Seiten her bedeutſam ſein könne.
ahre verfloſſen, iſt der Weltkrieg über uns
rußerer Druck und innere Nöte im Bunde
Duch) unſer Volk tiefer als je zerklüftet, unſeren
verwandelt, unſer Leben und unſer Streben
* früheren Zeiten oft beklagte Uebergeiſtigkeit
in Ueberleiblichkeit umgekehrt. Die Klaſ=
lichhändler
beſtätigen, ſind außer Kurs, und
E5 ſcheint wieder einmal geſunken. Wird
Immende Geſchlecht ſeinen Genius neu für
wir trotz allem im Grunde das gleiche Volk,
Be3 r, und noch immer bietet uns Schiller, nach
and beim Verſinken ins Reale‟. Nicht er,
wenn wir ſie nicht ergreifen. Es iſt der
er baut, dieſer Kernſpruch des Schillerſchen
emn Geltung. Wenn alſo der Geiſt, entſprechend
die tiefſte Kraft in der Welt iſt, dann gibt
Mek 2gendes Volk nur einen Heilsweg, den
rneuerung. In S illers Perſönlichkeit und
dr lebendig und wirkſam. Oder nach einem
N9r2 Hiloſophen Ernſt Troeltſch: Eben Schiller
Der der Ideenloſigkeit und der materiellen
Anal atiſchen Blaſiertheit des heutigen Tages die
Dee. Schon in der Hinwendung zu Schiller
e zum Geiſt zu verſpüren, jener Macht, die
außeren Notwendigkeit zu durchbrechen

Loudon in Genf. Keine Neigung bei den Großmächken zu Abrüſtungsverhandlungen im Juli.
Die Einberufung des Abrüſtungs=Vorausſchuſſes auf den Spätherbſt verkagl.
Die Fragen der Landabrüſtung bleiben weiker ungeklärk.

Loudons Genfer Verhandlungen.
Grundſähliche deutſche Bedenken gegen eine neue
Verſchiebung der Abrüftungsverhandlungen.
* Genf, 7. Mai. (Priv.=Tel.)
Die Ausſichten auf Einberufung des Abrüſtungsvorausſchuſſes
für Juli, mit der man angeſichts der engliſchen Haltung in Genf
eine Zeitlang kechnen konnte, verringern ſich ſehr ſtark. Der
Vorſitzende des Abrüſtungs=Vorausſchuſſes,
Loudon, iſt in Genf eingetroffen und hat mit den Dele=
gationsführern
der Hauptmächte bei den Sicherheitsverhandlun=
gen
Fühlung genommen. Dabei hat er feſtſtellen können, daß
eine große Neigung beſteht, den Abrüſtungsvorausſchuß erſt im
kommenden Herbſt wieder einzuberufen. In ihrer Mehrheit ziehen
ſie es vor, die Einberufung des Abrüſtungsvorausſchuſſes auf
den Spätherbſt, und zwar auf Ende Oktober oder Anfang
November zu verſchieben.
Bei den meiſten Staaten ſpricht dabei natürlich die Abſicht
mit, erſt einmal eine Klärung des neuen Verhältniſſes zwiſchen
den großen Seemächten abzuwarten. Die deutſche Dele=
gation
, hat zwar grundſätzliche Bedenken gegen
eine neue Verſchiebung geltend gemacht und darauf hin=
gewieſen
, daß man unabhängig von der noch ausſtehenden
Einigung zwiſchen Frankreich und Italien zum
mindeſten die noch offenen Fragen der Landabrüſtung fördern
könnte. Sie hat aber aus ſehr verſtändlichen taktiſchen Ueber=
legungen
nicht ſtarr auf einer Einberufung des Abrüſtungsvor=
ausſchuſſes
für Juni oder Juli beſtanden.
Das Haupkgewicht der Auseinanderſehungen
über die politiſche Seite der Abrüſtung wird in den kommenden
Verhandlungen liegen, welche zwiſchen den Franzoſen einerſeits
und den Engländern und Amerikanern andererſeits geführt wer=
den
. Die beiden angelſächſiſchen Staaten haben alles Intereſſe
daran, die Abrüſtungsverhandlungen beim Völkerbund nicht ins
Stocken geraten zu laſſen, ſo bald erſt die Londoner Abmachun=
gen
von ihren Parlamenten unter Dach und Fach gebracht ſind.
Solange aber weder der amerikaniſche Senat noch das engliſche
Parlament zu dem Londoner Abkommen Stellung genommen
haben, wären den beiden Delegationen bei einer vorzeitigen Wie=
deraufnahme
der Genfer Abrüſtungsverhandlungen die Hände
gebunden. Daran hat weder Deutſchland noch die anderen
Staaten, die eine wirkliche Abrüſtung anſtreben, ein Intereſſe.
Der Vorſitzende Loudon, ſowie die franzöſiſche und die
polniſche Delegation bringen. Gründe für die Ver=
ſchiebung
vor, die ſich in erſter Linie auf die ungenügende
diplomatiſche Vorbereitung der Verhandlungen beziehen, die, wie
bei den Londoner Verhandlungen, einen Mißerfolg erwarten
ließe. Außerdem erkennt man
die Nolwendigkeit einer vorherigen Verſtändigung
zwiſchen Frankreich und Ikalien
über die Seeabrüſtung, bevor man in die letzte Tagung des
Abrüſtungsvorausſchuſſes vor der Einberufung der allgemeinen
Abrüſtungskonferenz hineingeht. Loudon wird nunmehr
von dem Ergebnis ſeiner Reiſe nach Genf allen
Staaten, die dem Abrüſtungsvorausſchuß ange=
hören
, brieflich Mitteilung machen und ſie von
der Vertagung verſtändigen. Man überläßt damit
der Völkerbundsvollverſammlung im September die Entſcheidung
über die Wiedereinberufung, deren früherer oder ſpäterer Zeit=
punkt
damit ganz von dem Verlauf der Kämpfe abhängt, die für
die Septembervollverſammlung in der Abrüſtungsfrage zu erwar=
ten
ſind.
Die Sicherheitsverhandlungen in Genf voll=
ziehen
ſich ſeit zwei Tagen im Rahmen eines Redaktionsaus=
ſchuſſes
, der bis zum Freitag die Vertragstexte für das Abkom=

men über die vorbeugenden Maßnahmen zur Kriegsverhinderung
und die finanzielle Unterſtützung angegriffener und bedrohter
Staaten fertiggeſtellt haben wird, ſo daß man für Freitag den
Abſchluß der Sicherheitsverhandlungen vorausſieht.
Henderſon auf dem Wege nach Paris.
Beſprechungen zur Klärung der franzöſiſch=
ikalieniſchen
Blokkengegenſäke.
EP. Paris, 7. Mai.
Der engliſche Außenminiſter Henderſon wird
ſich aufder Reiſenach Genf am nächſten Freitag und
Samstag in Paris aufhalten. Er wird nach einer Mittei=
lung
des Matin mehrere Unterredungen mit dem
Außenminiſter Briand haben, in erſter Linie über deſſen Frage=
bogen
, betreffend die europäiſche Staaten=Föderation, worüber
dieſer gern die Anſicht ſeines engliſchen Kollegen hören würde,
dann aber vor allem über das italieniſche Flottenbauprogramm,
das bekanntlich in Paris eine gewiſſe Beunruhigung hervorge=
rufen
hat. Außenminiſter Briand werde wohl mit Henderſon die
Frage beſprechen, unter welchen Bedingungen, wann und wo die
anläßlich der Londoner Flottenverhandlungen in Ausſicht genom=
mene
Dreier=Konferenz zwiſchen Frankreich,
England und Italien ins Auge gefaßt und ein=
berufen
werden könne. Die Frage iſt äußerſt delikat zu behan=
deln
, insbeſondere infolge der Preſſepolemik, die nach der Lon=
doner
Konferenz und nach der kürzlichen Veröffentlichung des ita=
lieniſchen
Flottenbauprogramms in beiden Ländern eingeſetzt hat
und einen Zuſtand großer Nervoſität verrät.
Eine von der amtlichen italieniſchen Agentur veröffentlichte
Statiſtik des in den beiden Ländern ausgeführten Bau=
programms
begegnet hier, was die Schlußfolgerungen be=
trifft
, ſchärfſtem Proteſt. In der hierher übermittelten Ueber=
ſetzung
dieſer Preſſenote wird nämlich der Schluß gezogen, daß
Italien gegenwärtig insgeſamt 205 870 Tonnen
und Frankreich 223 555 Tonnen beſitze. Die franzö=
ſiſche
Preſſe proteſtiert gegen eine ſolche Berechnung, indem ſie
geltend macht, dies ſeien lediglich die ausgeführten Bauten in den
letzten ſechs Jahren. In Wirklichkeit beſitze jedoch Frankreich
661000 und Italien 347 000 Tonnen. Die franzöſiſche
Preſſe klagt daher Italien an, durch ſolche Manö=
ver
die angebliche Flottengleichheit zwiſchen
den beiden Ländern in die Welt hinauszu=
ſchreien
mit dem augenſcheinlichen Zweck, Italien das Recht
auf ein gleich ſtarkes Bauprogramm, wie es Frankreich ausführt,
zu geben.
Das Journal ſchließt heute morgen ſeinen Leitartikel äußerſt
erregt, indem es ſchreibt: Ja oder Nein? Will man die Mißver=
ſtändniſſe
zwiſchen beiden Ländern noch verſchlimmern oder ſie be=
ſeitigen
? Dieſe Frage muß geſtellt werden.
Außenminiſter Briand wird am nächſten Sonntag Paris ver=
laſſen
, um ſich nach Genf zur 59. Ratstagung des Völkerbundes
zu begeben.
Eine Milliarde Dollar für das amerikaniſche
Flottenbauprogramm.
EP. New York, 7. Mai.
Der Präſident der Finanzkommiſſion des Repräſentanten=
hauſes
hat einen Antrag auf Bewilligung eines Kredits von
einer Milliarde Dollar für die Ausführung des Flottenbaupro=
gramms
der Vereinigten Staaten bis zum Jahre 1936 geſtellt.
Dieſes Bauprogramm ſei, ſo heißt es in dem Antrage, notwen=
dig
, um den Vereinigten Staaten die Flottengleichheit mit Groß=
britannien
zu ſichern. Mit dieſer einen Milliarde Dollar ſollen
gebaut werden: 73 500 Tonnen Kreuzer mit ſechszölligen Ge=
ſchützen
, 150 000 Tonnen Torpedobootszerſtörer= 52 700 Tonnen
Unterſeeboote und 69 000 Tonnen Flugzeugmutterſchiffe.

Zum 6d. Geburkskag des Malers Hans Baluſchek.

Hans Baluſchek,
der realiſtiſche Maler und Zeichner, begeht am 9. Mai ſeinen
60. Geburtstag. Baluſchek, ein geborener Breslauer, ſtudierte auf
der Berliner Akademie und entwickelte ſich zu einem der bekann=
teſten
Darſteller des Berliner Volkslebens. Beſonders bekannt
machten ihn ſeine ausgezeichneten Bilder von Maſchinen, Fabriken
und Vorſtadtlandſchaften.

Zu Schillets 125. Todeskage
ſorgen die heute überall ſtattfindenden Neueinſtudierungen von Schiller=
ſchen
Dramen dafür, daß dieſes Tages gedacht wird. Die Theaterleitun=
gen
haben heute die ungeheure Schlagkraft, die unüberbietbare Thea=
tralität
ſeiner Dramen entdeckt und was man vor 10 Jahren nicht
für möglich gehalten hätte unſer modernes Großſtadtpublikum ſtrömt
heute zu dieſen Schiller=Aufführungen, ſodaß das Münchener National=
theater
es wagen darf, in ſeinen diesjährigen Sommer=Feſtſpielplan
einen ganzen Schillerzhklus aufzunehmen, der mit den Räubern be=
ginnt
und mit dem Demetrius=Fragment und Beethovens Neunter
Symphonie endigt. Es iſt kein Zweifel, Schiller wird heute neu ent=
deckt
, nicht nur im Theater, ſondern auch in der philoſophiſch= äſtheti=
ſchen
Welt. Wie eine geiſtreiche Duvertüre zu dieſem ſich entwickeln=
den
Schauſpiele einer jüngſten Schiller=Renaiſſance wirken die verſtänd=
nisvollen
, geiſtreich=kapriziöſen Seiten Egon Friedells, die dieſer dem

Dichter im 2. Band ſeiner Kulturgeſchichte der Neuzeit gewidmet hat.
Aber der umfaſſende Führer in die Welt Schillers bleibt auch heute
noch das biographiſche Werk Karl Bergers (bei C. H. Beck in München),
das das allen Moden= und Stilwandlungen ſtandhaltende Tatſachen=
material
über Schillers Leben und Dichten in ſeinen zwei Bänden mit
größter Zuverläſſigkeit und Vollſtändigkeit bietet. Dieſes Werk iſt in
bald 100 000 Bänden erſchienen und wird auf das Verhältnis der jun=
gen
Generation zu dem Dichter von beſtimmendem Einfluß ſein.

Die Terra als Theater=Filmgeſellſchaft? Die Verſchiebungen
auch innerhalb der deutſchen Filminduſtrie haben wieder zu einem
neuen Ergebnis geführt: die J.G. Farben haben ihre Beteiligung
an der Terra=Film=Geſellſchaft (90 Proz.) abgeſtoßen und einem
Konſortium übertragen, hinter dem offenbar amerikaniſches Kapi=
val
ſteht, deſſen künſtleriſcher Leiter wohl aber Max Reinhardt iſt.
Er ſoll, wie erzählt wird, einen Tonfilm Pariſer Leben in
drei Sprachen drehen. In den Aufſichtsrat der neuen Geſellſchaft
iſt auch der Generalintendant der Berliner Staatstheater Tietjen
berufen worden. Daraus wird der Schluß gezogen, daß Preußen
auch irgendwie mit den Dingen zuſammenhängt und auch Geld
hinein zu ſtecken beabſichtige. Experimente mit dem Film ſind
aber, wie die Emelka=Erfahrungen des Reichs beweiſen, ſehr koſt=
ſpielig
. Wir halten es deshalb auch für wahrſcheinlicher, daß
lediglich beabſichtigt iſt, im Rahmen dieſes Unternehmens den
Verſuch zu machen, inwieweit ſich Opernaufführungen der
Staatstheater vertonfilmen laſſen.

Ap. Georg Reik: Die Zarten. Novellen (J G. Cottaſche
Buchhandlung, Nachf., Stuttgart). Die Leidenſchaft junger
Männer zu leichtfertigen Frauen, die ſie anlocken und hinterher
täuſchen und zu Narren machen, bildet der Inhalt der erſten
beiden Novellen Ein Mutterſöhnchen und Ein Schluck Leben,
Ein Student, der einer Kabarettdame nach Wien nachreiſt und
in ſeiner blinden Leidenſchaft verſäumt, an das Sterbebett ſeiner
Mutter zu eilen, ſieht nicht, daß ſie ihn betrügt, bis ſie kurz vor
dem ihm verheißenen Glück ſich mit einem reichen Liebhaber aus
dem Staube macht; ein Fremdenführer in Neapel, der eine ſchöne
Frau kennen lernt, ſich in ſie verliebt und in ſeiner Leidenſchaft
für ſie ſein Geld opfert und ihr nachreiſt, um zu erkennen, daß
ſie andere Liebhaber bevorzugt und ihn hintergangen hat. In
der dritten, etwas grotesk anmutenden Novelle. Der Unbelehr=
bare
erzählt ein Hofrat ſeine Erlebniſſe ſeiner Ehe mit einer
Frau die ihn betrügt und dreimal fortläuft, und die er in ſeiner
an Idiotismus grenzenden Leidenſchaft immer wieder zu ſich
nimmt, bis er ihr nach einer wüſten Schimpfſzene einen Kocher
an den Kopf wirft, der explodiert. Die bedeutendſte und trotz
der abrupten Erzählungsart ſpannendſte Novelle iſt die vierte,
Mauro und Angelina, die von der leidenſchaftlichen Liebe der
Neapolitanerin Angelina zu dem ſchönen Mauro handelt, der ihr
untreu wird, worauf ſie, nachdem ſie ihm das Geſtändnis ſeiner
ewigen Liebe abgerungen hat, ſich in das Meer ſtürzt und ihn
mit ſich in die Tiefe reißt. Leidenſchaft in gutem und ſchlimmem
Sinne iſt das in mannigfachen Variationen durchgeführte Leit=
motiv
dieſer Novellen.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Hanns= Albert

die glückliche Geburt unſeres
2 Stammhalters zeigen in

dankbarer Freude an

Dieburg.
den 4. Mai 1930
z. Zt. Darmſtadt,
Marienhoſpital.

Kreisſchulrat
Hanns Jaeger und Frau
Hildegard, geb Diehl.

Todes-Anzeige.

Statt Karten

Für erwieſene Aufmerkſamkeiten anläßlich
C unſerer Vermählung danken wir herzlichſi

Ernſt Reuter und Frau
Lieſel, geb. Merkel.

Am 6. Mai entſchlief nach
ſchwerem Leiden mein lieber
Mann, unſer Bruder, Schwager
und Onkel

Herr Georg Volleth

Die trauernden Hinter=
bliebenen
:

Margarete Bolleth
geb. Zorn.

Todes=Anzeige.

Heute entſchlief ſanft nach ſchwerem
Leiden mein lieber Mann, unſer treubeſorgter
Vater, Bruder, Schwiegervater, Schwager
und Onkel, Herr

Darmſtadt, Nürnberg,
den 7. Mai 1930.

Die Beerdigung findet am
freitag den 9. Mai, nachm. 3
lhr. auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Dankſagung.
Meinem lieben Gatten, unſerem treu beſorgten Vater iſt

ſeiner Erkrankung viel Liebe und Sorgfalt zuteil geword

Todes=Anzeige.

Am 7. Mai, morgens 5 Uhr,
entſchlieſ ſanft unſer lieber
Vater und Großvater, Herr

beſondere von den Herren Aerzten, Schweſtern und
Anläßlich ſeines Heimganges gingen uns zahlreiche
herzlichen Mitgefühles zu.
Wir können, den vielen lieben Freunden und Bekanr
auf dieſem Wege für alle Anteilnahme aufrichtig danke
Im Namen der trauernden Hinterb
Familie Philipp Hef
Darmſiadt, den 8. Mai 1930.

Eiſenbahnſchloſſer i. R.
Im Namen der
trauernden Hinterbliebenen:

Johanne. Schme!
Zugführer i. R.

Anna Demmel.

ſaden A Soc 7

Die Beerdigung findet am 9.Mai,
nachmittags 4 Uhr, auf dem

Waldfriedhof ſtatt.

(7539

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Schmidt, geb. Kurz
und Kinder.

Darmſtadt, Liebigſtr. 42, Rothenburg a. d.
Fulda, Bebra, Kaſſel, den 6. Mai 1930.

Die Beerdigung ſindet Freitag, den 9. Mai, nachmitt.
3½ Uhr, von der Kapelle des Waldtriedhofs aus ſiatt.

33.
Anzug od. Mantel
nachMaß inkl. Zu-
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iſt am 3. Mai ds. Js. in Gießen einer Lungen=
embolie
erlegen. Wir haben ſie in der Stille
beigeſetzt.
Die trauernden Hinterbliebenen.

findet Donnerstag nachmittag
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Die tiefbetrübten Geſchwiſter.
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Laura Reichelt.
Darmſtadt, Pallaswieſenſtraße 26.

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Die Beerdigung hat in der Stille ſtattgefunden.
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Arzt=, Arznei=, Operations= und Krankenhauskoſten, Zahn=
behandlung
, Heilmittel, Wochenhilfe, Sterbegeld uſw. nach Tarif.

(7516

Dankſagung.
Nur auf dieſem Wege.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme an dem
uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte ſagen wir allen
unſeren innigſten Dank. Beſonders danken wir der
Gemeindeſchweſter für die liebevolle Pflege, für die
überaus zahlreichen Blumenſpenden, dem Männer=
geſangverein
für den erhebenden Geſang, ſowie dem
Herrn Pfarrer Dr. Meiſinger für die troſtreichen Worte
am Grabe.
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen.
Ueberau,
7. Mai 1930. Gg. Schönberger.

Auskunft erteilt
(491a
Bezirksdirektion Darmſtadt. Wilhelmſtraße 53, pt.

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[ ][  ][ ]

Donnerstag, vrn 8. Mai 1930

Seite 5

der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 8. Mai.
des jrddeutſche Handballmeiſter.
Ttverein Hamburg tritt am kommenden
jachmu gs 4 Uhr, auf dem Böllenfalltor=Stadion gegen
odeutſchen Meiſter, Sportverein 1898
der Zwiſchenrunde zur Deutſchen Hand=
ſtadt
.
iſt. haft an. Ueber die ſportlichen Leiſtungen
en Ma-) aften iſt bereits im Sportteil berichtet. Wenn
Vorvesf bereits ſtark eingeſetzt hat ein Beweis für
ſemeines tereſſe an dieſem außergewöhnlichen Sport=
ſo
ſe 7. leichteren Abwicklung am Sonntag halber der
verkaufsſtellen empfohlen, wo die Eintritts=
is
gegeben werden.

sſchau 10.15. Mai 1930, Städtiſche Feſthalle
uch in früheren Jahren wird die Ausſtellungslei=
ämien
auf die Eintrittskarten unter die Beſucher
ontrolle verloſen. Die Eintrittskarten=
welche
die Prämien gefallen ſind, werden in der
außerdem die Gewinne, die an den betreffenden
en. Wir machen weiter darauf aufmerkſam, daß
einer größeren Anzahl von Gutſcheinen im Werte
ausgeſtattet ſind. Die Gutſcheine werden in jedem
das bekannte ſchwarz=weiß=blaue Jgedaſchild im
auf von Waren zum vollen Betrag in Zahlung

u
.
unde
*
he
5

ib. Es iſt geplant, die Handelsſchau am
um 16 Uhr gemeinſam zu beſichtigen. Treffpunkt
n der Feſthalle. Unſere Mitglieder erhalten die
en Preiſe von 25 Pfg.
Darmſtädter Realanſtalten. Am kommenden
ai, unternehmen wir einen Ausflug mit Kind
rſtadt. Wir treffen uns um 3 Uhr am
Heidelberger= und Beſſunger Straße, gehen
Eberſtädter Galgen und vom Bahnhof Eber=
dter
Hof. Die Wanderung findet bei jeder
in fröhliches Treiben vereint uns am Ziel.
ind erwartet, daß unſere Mitglieder ſich zahl=
Der Unterricht in deutſcher, engliſcher und in
indet künftig in der Techniſchen Hochſchule ſtatt.
den 8. Mai, beginnt Herr A. Queſſel ſeine
ikaRußland. Die Uebungen Reine
mnaſtik beginnen gleichfalls am Donnerstag,
Peſtalozziſchule, Stiftſtraße 32.
die Mitglieder der Konzertgemeinde der Volls=
tes
und letztes Konzert das Freitag, den 9. Mai,
ttfindende Roſe Landwehr=Konzert.

oßes Haus

1022.30 Uhr
Rivalen
E. 22
2 1.0010.00 Mk.

9.3022 Uhr
Rivalen
D 23
1.0010 00 Mk.

2022 Uhr
ſpiel Meyerhold
=ülle China!
1.0010.00 Mk.

8017.30 Uhr
de egende Holländer
nlandmiete 1 12
nſt. Volksb. Gr. 1-4
210010.00 Mk.
022.30 Uhr
W iener Erde und
erſten Stock
E 23
1.0010,00 Mk.

te Vorſtellung

re Vorſtellung

Kleines Haus

3022,30 Uhr
Die Pilger von Mekka
Zuſatzmiete III 10
Preiſe 1.507.50 Mk.

2022 Uhr
Konzert Roſe Landwehr
Preiſe 1.005.00 Mk.

2022.30 Uhr
Dreimal Offenbach
komiſche Operetten von
Jagues Offenbach.
R 14 (Darmſtädter Volks.
bühne) Gruppe 14.
T, Gruppe 1 u. 2.
Preiſe 1.206.00 Mk.

19.3022.00
Der Datterich
Außer Miete
Preiſe 0.502,50

Keine Vorſtellung

2022.30 Uhr
Die Kaſſette
Zuſatzmiete I
Preiſe 1.507.50 Mk.
Die Pilger von Mekka. Glucks komiſche Oper
Mekka wird heute Donnerstag, den 8. Mai,
muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler
n Arthur Maria Rabenalt und Wilhelm Rein=
ein
) zum erſten Male zur Aufführung gebracht.
Walter, Bunſel, Harre, Kuhn, Vogt, Liebel,
el des Meyerhold=Theaters im Großen Haus.
* Meherhold=Theater bringt Samstag, 10. Mai,
iakows Revolutionsſtück Brülle, China!
berühmte ruſſiſche Regiſſeur Meherhold, der
in Familie entſtammt, ſpielt in Rußland eine
ator in Deutſchland. Meherhold iſt der Reprä=
r
und revolutionären Regiewillens, der eine
traliſchen Ausdrucksmittel erſtrebt. Das Schau=
behandelt
einen typiſchen Konflikt zwiſchen der
Lolonialmacht und der um ihre Freiheit kämp=
lkerung
.
Zu ebener Erde und im erſten Stock‟. Das
it Geſang Zu ebener Erde und im
* Sonntag, den 11. Mai, im Großen Haus zum
Aufführung. Inſzenierung: Renato Mordo;
cenck von Trapp; muſikaliſche Leitung: Fritz
1S=Vorſtellung Der Datterich, Lokalpoſſe
rit den Darſtellern der Heſſiſchen Spiel=
Ueinen Haus bei ganz kleinen Preiſen (0,50 bis
Jorverkauf hat begonnen.
Roſe Landwehr. Wir machen nochmals auf das
einen Haus ſtattfindende Abſchiedskonzert auf=
holung
des Konzerts findet nicht ſtatt, ſodaß
letzte Gelegenheit iſt, Roſe Landwehr im Kon=

Gegen die geplanten Steuererhöhungen.

Von den wirtſchaftlichen Vereinigungen Darmſtadts wurde an
den Herrn Oberbürgermeiſter der Stadt Darmſtadt und die
Herren Mitglieder des Stadtrates folgendes Schreiben gerichtet:
Laut Mitteilung im Erſten Morgenblatt der Frankfurter
Zeitung vom Samstag, dem 3. Mai d. J., hat der Herr Reichs=
finanzminiſter
Dr. Moldenhauer anläßlich der erſten Leſung des
Reichsetats für 1930 die Urſachen der gegenwärtigen ſchwierigen
Wirtſchaftslage eingehend dargelegt. Die Steuerſenkung
wurde von ihm als das wichtigſte Problem unſerer künf=
tigen
Finanz= und Wirtſchaftspolitik bezeichnet. Insbeſondere
müßten diejenigen Steuern geſenkt werden, deren Auswirkungen
auf die Produktion ſich am ſchwerſten fühlbar machen, d. h. die
von Ländern und Gemeinden erhobenen Realſteuern.
Die von der Stadt Darmſtadt zum Ausgleich des Defizits im
Voranſchlag des Rechnungsjahres 1930/31 geplanten Realſteuer=
erhöhungen
) ſtehen mit dieſen die wirtſchaftlichen Verhält=
niſſe
klar erfaſſenden Ausführungen des Herrn Reichsfinanzmini=
ſters
in kraſſem Widerſpruch. Alle Maßnahmen der Reichsregie=
rung
, die auf eine zukünftige Senkung der Realſteuern hinzielen,
werden von Anfang an in ihrer Auswirkung vereitelt, wenn
ſolche Erhöhungen der Realſteuern, wie ſie in Darmſtadt geplant
ſind, vor Beginn der Senkungsmaßnahmen in die Tat umgeſetzt
werden. Die Kenner der wirtſchaftlichen Verhältniſſe ſind ſich
darüber einig, daß die Realſteuern zurzeit ſchon über das wirt=
ſchaftlich
erträgliche Maß hinaus angeſpannt ſind, daß die Sen=
kung
alſo von dem gegenwärtigen Stand aus zu er=
folgen
habe und nicht erſt von neu zu ſchaffenden erhöhten Real=
ſteuerſätzen
, die, wie nach den Plänen der Stadt Darmſtadt, z. B.
bei der Gewerbeertragsſteuer, nahezu doppelt ſo hoch liegen wie
bisher.
Bereits in ihrem Schreiben vom 17. Mai 1929 haben die
unterzeichneten geſetzlichen und freien Wirtſchaftsvertretungen zum
Voranſchlag des abgelaufenen Rechnungsjahres dargelegt, daß ein
Vergleich der in Mainz und Offenbach erhobenen Ausſchlagſätze
der Realſteuern mit den in Darmſtadt beſtehenden nicht dazu ge=
eignet
iſt, die Tragbarkeit von Realſteuererhöhungen zu beweiſen.
In dieſen Darlegungen iſt ausgeführt, daß die wirtſchaftlichen
Verhältniſſe in den Städten Mainz und Offenbach ſich vollkommen
von denjenigen in der Stadt Darmſtadt unterſcheiden. Die bei=
den
erſtgenannten Städte liegen an Waſſerläufen, die für Schiff=
fahrt
und Verkehr von hervorragender Bedeutung ſind. Eine
grundlegende Aenderung der wirtſchaftlichen Verhältniſſe im Ver=
gleich
zu der Vorkriegszeit iſt in dieſen Städten nicht eingetreten.
wenn auch die dortige Wirtſchaft unter der Schwere der gegen=
wärtigen
Wirtſchaftsverhältniſſe infolge beſonderer äußerer und
innerer Einwirkungen leidet.
Es iſt in dem vorjährigen Schreiben weiter ausgeführt, daß
ſich dagegen die Grundlagen der wirtſchaftlichen Verhältniſſe in
Darmſtadt entſcheidend geändert haben. Alle die Umſtände, die
auch von der Stadtverwaltung wiederholt für die ſchwierige Lage
der ſtädtiſchen Finanzen ins Feld geführt worden ſind, z. B. daß
Darmſtadt durch den in der Inflationszeit vernichteten Wohlſtand
der Rentnerkreiſe durch den Verluſt der hier in Garniſon liegen=
den
zahlreichen Regimenter, durch den Verluſt der Hofhaltung
des früheren Herrſcherhauſes und der damit verbundenen kauf=
kräftigen
Adelskreiſe, ſchweren Schaden erlitten habe, wirken ſich
in gleicher Weiſe für die am Platze anſäſſigen Unternehmungen
der Induſtrie, des Handels und des Handwerks aus. Es war
insbeſondere auf den ohne weiteres erkennbaren Rückgang der
Darmſtädter Möbelinduſtrie, die großen Ausfälle, die der Darm=
ſtädter
Großhandel zu verzeichnen hat, ſowie auf die Umſchichtun=
gen
, die ſich innerhalb des Einzelhandels und Handwerks zeigen,
hingewieſen worden. Es kann nunmehr noch auf die eingeleiteten
und bevorſtehenden Stillegungen weiterer für die wirtſchaftliche
Bedeutung Darmſtadts wichtiger Induſtrieunternehmungen und
die gänzliche Beſchäftigungsloſigkeit des Baugewerbes in dieſem
Jahre aufmerkſam gemacht werden. Auf die allgemein bekannte
Notlage der Landwirtſchaft beſonders hinzuweiſen, dürfte ſich er=
übrigen
.
Fernerhin waren in dem erwähnten Schreiben die Urſachen
aufgezeichnet worden, die zu der gegenwärtigen Finanzlage der
Stadt Darmſtadt geführt haben. Es ſind nicht allein die von ſei=
ten
des Reiches den Gemeinden überwieſenen neuen Aufgaben, die
ohne entſprechende finanzielle Deckung den Gemeinden zugeſchoben
wurden, dafür verantwortlich. Die gegenwärtige ſtädtiſche Finanz=
lage
iſt im weſentlichen auch darauf zurückzuführen, daß die Stadt
Darmſtadt ihren Aufgabenkreis aus eigenem Antrieb freiwillig
erweitert und ſich ſtändig neue Laſten aufgebürdet hat. Hier
bedarf es nur des Hinweiſes auf die Laſten, die die Errichtung
neuer ſtädtiſchen Betriebe und deren laufende Unterhaltung mit
ſich gebracht hat. Vor dieſen produktiven Anlagen hatten die
hieſigen Wirtſchaftskreiſe die Stadtverwaltung rechtzeitig gewarnt.

In gleicher Richtung wirkt ſich die Aufblähung des ſtädtiſchen
Verwaltungsapparates aus, die in der im Vergleich mit Reich
und Ländern weſentlich zu hohen Einſtufung der ſtädtiſchen Be=
amten
, der jahrelang geübten Uebernahme von Arbeitskräften,
deren Tätigkeit ſich nicht auf die Verwaltung im engeren Sinne
erſtreckt, in das Beamtenverhältnis, ſowie in der Gewährung von
Zulagen über das Normalgehalt hinaus zum Ausdruck kommt.
Die unterzeichneten geſetzlichen und freien Wirtſchaftsvertre=
tungen
ſind der Ueberzeugung, daß eine Geſundung der finan=
ziellen
Verhältniſſe der Stadt Darmſtadt durch die Bewilligung
neuer Steuererhöhungen nicht herbeigeführt werden kann. Dies
zeigt die Entwicklung der Jahre 1925 bis 1929. Obwohl im Laufe
dieſer Jahre die ſtädtiſchen Tarife weſentlich erhöht, u. a. neue Ge=
bühren
, wie für Straßenreinigung, Müllabfuhr und Kanal=
benutzung
, eingeführt worden ſind, waren trotzdem an Fehlbeträgen
immer wieder zu verzeichnen:
lt. Voranſchlag lt. Rechnung
960 000 RM.
für 1925
625 000 RM.
für 1926
für 1927
1280 000 RM. 1 148 500 RM.
für 1928
Für das Jahr 1929 ergibt ſich nach den Ausführungen des Herrn
Oberbürgermeiſters ein Defizit von rund 800 000 RM., d. ſ. alſo
in fünf Jahren Fehlbeträge von rund 3½ Millionen RM.
Wir ſtimmen mit dem Herrn Oberbürgermeiſter darin über=
ein
, daß mit dieſer Defizitwirtſchaft nunmehr endgültig Schluß
*) Nach den Mitteilungen des Herrn Oberbürgermeiſters kom=
men
als Deckungsmöglichkeiten in Betracht:
1. Erhöhung der Baupolizeigebühren
9000 RM.
2. Erhöhung der Straßenreinigungsgebühren von 32
auf 40 Pfg.
48 000
3. Einführung einer Hausangeſtelltenſteuer.
60 000
4. Erhöhung der Grundſteuer:
862 000
a) Gebäude von 27 auf 50 Pfg. .
b) ſonſtiger Grundbeſitz von 36 auf 60 Pfg..
47000
5. Erhöhung der Gewerbeſteuer:
369 500
a) Ertrag von 226 auf 420 Pfg.
58 500
b) Kapital von 57,4 auf 65 Pfg.
6. Erhöhung des Waſſergeldes von 30 auf 35 Pfg. 170 000

273 000 RM.
603 720 RM.
800 000 RM. 667 250 RM.

zuſammen 1 624 000 RM.
Für die Erhöhung von Grundſteuer und Waſſergeld muß beim
Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft eine Mieterhöhung er=
wirkt
werden. Die vorjährige Waſſergelderhöhung von 7 Pfg.
zuzüglich der neuen Erhöhung hat vom 1. April 1930 ab der Haus=
beſitzer
zu tragen.

gemacht werden muß. Bereits in den vorjährigen Ausführungen
war als wichtigſte und nicht länger zu vernachläſſigende Pflicht
der maßgebenden Stellen der Stadt Darmſtadt diejenige aufgezeich=
net
worden, die ſtädtiſche Verwaltung endlich auf das ſparſamſt
mögliche Maß zu beſchranken, ſich bei der Uebernahme neuer Auf=
gaben
eine weiſe Beſchränkung aufzuerlegen, die im Eigentum der
Stadt Darmſtadt ſtehenden wirtſchaftlichen Unternehmungen auf
das geringſte Maß zu reduzieren und alles zu tun, um in Zukunft
die ſtädtiſchen Finanzen vor einer weiteren Belaſtung mit ſtadt=
eigenen
Betrieben zu bewahren.
Die unterzeichneten geſetzlichen und freien Wirtſchaftsorgani=
ſationen
ſind nicht der Ueberzeugung, daß im abgelaufenen Rech=
nungsjahr
in dieſer Richtung ernſtliche und entſcheidende Schritte
ſeitens der für die Stadt Darmſtadt maßgeblichen Stellen unter=
nommen
worden ſind, ſonſt hätte es nicht dazu kommen können,
daß der Voranſchlag für das Rechnungsjahr 1930/31 ein Defizit
von rund 1,6 Millionen RM. aufweiſt. Aufgabe des neuen Stadt=
rates
muß es daher ſein, mit der bisherigen Art der Finanzwirt=
ſchaft
entſchloſſen zu brechen und eine Reform der ſtädtiſchen Ver=
waltung
herbeizuführen, die den Aufbau eines geſunden Finanz=
planes
ermöglicht. Da in dieſer Frage keine weitere koſtbare Zeit
verloren werden darf, halten die unterzeichneten Organiſationen
es für das Zweckmäßigſte, wenn der Stadtrat ſo ſchnell wie mög=
lich
zur Bildung eines beſonderen Sparausſchuſſes ſchreitet,
der unter Beauftragung unabhängiger Sachverſtändiger die ſtäd=
tiſche
Verwaltung einer eingehenden Nachprüfung nach den Grund=
ſätzen
vereinfachter und ſparſamſter Wirtſchaftsfuhrung unter=
ziehen
läßt.
Die beſchleunigte Einleitung ſolcher Maßnahmen iſt auch um
deswillen notwendig, weil in Verfolg des Finanz= und Steuer=
reformprogramms
der Reichsregierung mit einer baldigen Neu=
regelung
des Finanzausgleichs zu rechnen iſt und die Stadt Darm=
ſtadt
ein Intereſſe daran haben muß, dieſem Zeitpunkt wohlvor=
bereitet
entgegenzugehen. Insbeſondere wird hierbei zu beachten
ſein, daß die Finanzreform, was ſicher anzunehmen iſt, den Ge=
meinden
ein Zuſchlagsrecht zur Einkommenſteuer oder einen ähn=
lichen
beweglichen Einnahmenfaktor bringen wird, der es in Zu=
kunft
geſtattet, die Deckung für die ſtädtiſchen Ausgaben auf brei=
tere
Schultern als ſeither zu verteilen.
Im Hinblick auf die Neuregelung des Finanzausgleichs rechtfertigt
es ſich daher auch, das voranſchlagsmäßige ſtädtiſche Defizit ohne
Erhöhung der Realſteuern aus eigener Kraft der Stadt Darmſtadt
zu decken. Hierfür ins einzelne gehende Vorſchläge zu machen,
kann nicht Aufgabe der geſetzlichen und freien Wirtſchaftsvertre=
tungen
ſein. Die nachſtehenden Ausführungen beſchränken ſich
daher darauf, einige Hinweiſe dafür zu geben, wie eine Abdeckung
des ſtädtiſchen Defizits aus eigener Kraft der Stadt vorgenommen
werden kann.
Hierbei iſt wie im Vorjahre auf die in der Nachweiſung über
den Vermögensſtand der Stadt Darmſtadt enthaltenen Sonder=
fonds
wiederum zu verweiſen, und zwar in der Hauptſache auf
den Elektrizitätswerks=Rückkauffonds in Höhe von 444 760 RM.
ſowie auf den Selbſtverſicherungsfonds gegen Feuerſchaden uſw.
in Höhe von 665 338 RM. In Betracht zu ziehen ſind auch noch

werbeſchule (11960 RM.) und der Fonds zur Beteiligung der
Stadt an gewerblichen Unternehmungen (33 898 RM.). Aus
dieſem Teil des ſtädtiſchen Vermögens läßt ſich ein Betrag von
über 1,1 Millionen RM. freimachen, was bei der Geſamtlage der
Finanzen der Stadt Darmſtadt durchaus verantwortet werden
kann.
Der Elektrizitätswerks=Rückauffonds reicht in ſeiner gegen=
wärtigen
Höhe und in Anbetracht der Unmöglichkeit für die Stadt,
dieſen Fonds in den nächſten Jahren weiter zu dotieren, keines=
falls
aus, um das zurzeit auf gemiſchtwirtſchaftliche Art betriebene
Elektrizitätswerk der Stadt Darmſtadt im Jahre 1942 zurückzu=
erwerben
. Es liegt auch keine Urſache dafür vor dieſen Betrieb
in den alleinigen Beſitz der Stadt Darmſtadt zurückzubringen. Die
gemiſchtwirtſchaftliche Form hat ſich bei ſtädtiſchen Verſorgungs=
betrieben
durchaus bewährt. Solche Unternehmungen haben ſich
ſogar rein ſtädtiſchen Betrieben gegenüber als überlegen erwieſen.
Hinzu kommt, daß es nicht Aufgabe der heutigen Notzeit ſein
kann, Mittel für einen in ſpäteren Jahren vorzunehmenden Rück=
kauf
des Elektrizitätswerks als Vermögen anzuſammeln. Die Auf=
bringung
dieſer Mittel müßte, wenn in Zukunft wirklich einmal
ein Rückkauf ſich als notwendig erweiſen ſollte, den nachfolgenden
Generationen überlaſſen bleiben.
Ebenſo liegt für die Aufrechterhaltung und Weiterdotierung
des Selbſtverſicherungsfonds gegen Feuerſchaden uſw. kein ſtich=
haltiger
Grund vor. Es iſt von ſachverſtändiger Seite mit Recht
darauf hingewieſen worden, daß der Fonds in ſeiner gegenwär=
tigen
Höhe keinesfalls ausreicht, um im Falle einer immerhin
möglichen Kataſtrophe die Stadt verſicherungstechniſch einwandfrei
zu decken, dies um ſo weniger, weil offenbar eine ausreichende
Rückverſicherung nicht abgeſchloſſen iſt. Für die Stadt dürfte es
zweckmäßiger ſein, durch Abſchluß geeigneter Verſicherungsverträge
mit Privatgeſellſchaften eine Deckung ihres Verſicherungsriſikos zu
ſuchen, auch auf die Gefahr hin, daß die augenblicklich aufzuwen=
denden
Beträge für Prämien ſich um ein Geringes höher ſtellen
ſollten. Die eingangs dargelegte, für die Stadt beſtehende Not=
wendigkeit
, in Zukunft ihre ſtadteigenen Betriebe weſentlich zu
reduzieren und dieſes Betätigungsgebiet keinesfalls weiter aus=
zudehnen
, rechtfertigt es ohne weiteres, daß die Werkerhaltungs=
rücklagen
für die Materialverwaltung und die Buchbinderei ſowie
der Fonds zur Beteiligung der Stadt an gewerblichen Unter=
nehmungen
aufgelöſt wird. So ſollten beiſpielsweiſe die dem
Buchbindergewerbe entzogenen Aufträge dieſem wieder zugeführt
werden. Bei der gegenwärtigen Finanzlage der Stadt Darmſtadt

ſchule vorgeſehene Neubaufonds kann daher unbedenklich auf=
gegeben
werden.
Des weiteren muß einer eingehenden Prüfung die Frage
unterzogen werden, inwieweit die ſtädtiſchen Betriebe in der Lage
ſind, erhöhte Ablieferungen an die Stadt vorzunehmen. Bei einem
Unternehmen wie der ſtädtiſchen Sparkaſſe, das in der heutigen
Zeit nicht nur in der Lage iſt, ſich ein neues Dienſtgebäude zu
erwerben und daneben noch Filialen in den Außenbezirken der
Stadt zu errichten, iſt die im Voranſchlag vorgeſehene Ablieferung
an die Stadtkaſſe unzureichend. Nachdem die ſtädtiſche Sparkaſſe
über den Rahmen des eigentlichen Sparkaſſenbetriebes hinaus zur
Ausführung bankmäßiger Geſchäfte übergegangen iſt, iſt eine Aen=
derung
des Charakters des Inſtitutes eingetreten, die es recht=
fertigt
, die Sparkaſſe als werbendes Unternehmen der Stadt zu
behandeln. Hinſichtlich der übrigen wirtſchaftlichen Betriebe der
Stadt iſt zu verlangen, daß eine nach kaufmänniſchen Grundſätzen
aufgeſtellte Bilanz vorgelegt wird, die völlige Klarheit über die
Geſchäftsgebarung und das finanzielle Ergebnis jedes einzelnen
der Betriebe gewährleiſtet. Danach wird es möglich ſein, feſtzu=
ſtellen
, ob nicht weitergehende Ablieferungen an die Stadtkaſſe
den ſtädtiſchen Betrieben auferlegt werden können.

bei der ſtchMenS a pelſonelten ausaden der Sioh. owei ſe
ſchon jetzt ohne die Tätigkeit des erwähnten Sparausſchuſſes über=
hlickt
werden können. Nicht zuletzt müſſen aber auch für die
Deckung des ſtädtiſchen Defizits die Mehreinnahmen aus Ueber=

Mddr Diatelisoie
Würfel für 15 Pfg. ergibt /4 Liter vorzügliche Soße.
Nur kurze Zeit mit Wasser zu kochen.

V.698

[ ][  ][ ]

Seite 6

Donnerstag, den 8. Mai 1930

weiſungen in Rechnung geſtellt werden, die die Stadt aus der
kürzlich erfolgten Aenderung des Bierſteuergeſetzes und dem Mine=
ralwaſſerſteuergeſetz
und der Erhöhung der Umſatzſteuer zu erwar=
ten
hat. Außerdem iſt es notwendig, mit dem ſeitherigen Miet=
zuſchuß
=Syſtem in den ſtadteigenen Miethäuſern zu brechen, da es
nicht weiterhin verantwortet werden kann, daß einem kleinen
Kreis ſtädtiſcher Bürger, die in dieſen Häuſern zur Miete wohnen,
jahrlich Mietzuſchüſſe von etwa ½ Million RM. gewährt werden,
die einen weſentlichen Teil des Geſamtaufkommens der ſtädtiſchen
Einnahmen in einer auf die Dauer unerträglichen Weiſe auf=
zehren
,
Sollte durch die genannten Maßnahmen ein vollſtändiger
Ausgleich des rechnungsmäßig vorgeſehenen Defizits noch nicht
möglich ſein, ſo dürfte ſich für die Stadt Darmſtadt empfehlen, den
Weg zu gehen, den bereits in anderen deutſchen Ländern viele
Städte eingeſchlagen haben, nämlich zur Erhebung eines allge=
meinen
Verwaltungskoſtenbeitrages zu ſchreiten, deſſen Erhebung
in Verbindung mit ſtädtiſchen Gebühren verhältnismäßig einfach
wäre. Eine ſolche nach den geſetzlichen Beſtimmungen durchaus
mögliche Maßnahme, die ſo durchgeführt werden müßte, daß jeder
wahlfähige Bürger der Stadt eine jährliche Abgabe von etwa
6 RM. leiſtet, iſt um ſo mehr angebracht, als auf dieſe Weiſe den
Rechten des Stadtbürgers auch Pflichten gegenübergeſtellt werden,
mit der Wirkung, daß das allgemeine Verantwortungsgefühl ge=
ſtärkt
wird. Abgeſehen hiervon iſt zweifellos damit zu rechnen,
daß die Erhebung eines ſolchen allgemeinen Verwaltungskoſten=
beitrages
eine erhebliche Summe abwirft, die zur Deckung des
reſtlichen Defizits Verwendung finden kann.
Die vorſtehenden Ausfuhrungen. zu deren Ergänzung
die unterzeichneten Wirtſchaftsorganiſationen in einer münd=
lichen
Ausſprache dem Herrn Oberbürgermeiſter gegenüber
bereit ſind, zeigen, daß eine Erhöhung der Realſteuern
auch beim Ausgleich des Defizits für den Haushaltsplan
des Rechnungsjahres 1930/31 vermieden werden kann. Daß
die Vermeidung einer Erhöhung der Realſteuern aus wirt=
ſchaftlichen
Gründen ein dringendes Gebot iſt, wird durch die
eingangs gemachten Darlegungen erhärtet. Die in den unterzeich=
neten
Verbänden vertretene Geſamtheit der produktiven Wirt=
ſchaft
erwartet von dem neuen Stadtrat, in deſſen Hände die Füh=
rung
der ſtädtiſchen Geſchäfte nunmehr gelegt iſt, daß er den For=
derungen
des Tages ein größeres Verſtändnis entgegenbringt, als
dies bislang leider der Fall war. Seine erſte Entſcheidung über
einen Voranſchlag der Stadt Darmſtadt wird Beweis dafür ſein,
inwieweit der neue Stadtrat gewillt iſt, unſer Erwerbsleben vor
weiteren ſchweren Erſchütterungen zu bewahren, die in ihren Aus=
wirkungen
zwangsläufig auch den letzten Burger der Stadt treffen
müſſen.

Darmſtadt, den 5. Mai 1930.
Heſſiſche Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt.
Schenck, Vorſitzender.
Dr. Schäfer, Syndikus.
Heſſiſche Handwerkskammer Darmſtadt.
Nohl, Vorſitzender.
Schüttler, Direktor.
Landwirtſchaftskammer für Heſſen.
Henſel, Vorſitzender.
Darmſtädter Induſtriellen=Vereinigung.
May, Vorſitzender.
Vereinigung des Darmſtädter Großhandels.
K. Kahlert, Vorſitzender.
Vereinigung des Einzelhandels von Darmſtadt u. Umgebung e. V.
W. Kalbfuß, Vorſitzender.
Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein e. V.
J. A.: Ziegler.
Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung.
Werner, ſtellv. Vorſitzender.

* Der Starkenburger Automobil=Club veranſtaltete geſtern im
Reichshof einen Klubabend mit Damen, der außerordentlich
zahlreich beſucht war. Der Vorſitzende, Herr Oberſt Schröder, er=
öffnete
den Abend und begrüßte herzlichſt die Anweſenden, unter be=
ſonderer
Betonung der Tatſache, daß die Klubdiſziplin anfange, vor=
bildlich
zu werden, denn ſo zahlreicher Beſuch ſei lange nicht zu ver=
zeichnen
geweſen. Er erteilte dann das Wort dem Klubmitglied Herrn
Hermann Schmidt, der als Beitrag zu dem belehrenden bzw. unter=
haltenden
Teil des Klubabends einen intereſſanten Vortrag hielt über
die Anpflanzung, Ernte und weitere Bearbeitung des Kaffees, beſonders
unter Berückſichtigung des Kaffee Hag, dem bekanntlich das Coffein ent=
zogen
iſt. Der Vortrag wurde durch eine Reihe äußerſt intereſſanter
Lichtbilder, die Herr Brzoska vorführte, illuſtriert. Im Anſchluß
an den Vortrag wurden den Anweſenden Koſtproben vom Kaffee Hag
kredenzt. Herr Oberſt Schröder ſprach den beiden genannten Her=
ren
den Dank des Klubs aus. Im weiteren wurden die nächſten Sport=
veranſtaltungen
durchgeſprochen. Fröhliche Geſänge und angeregte
Unterhaltung beſchloſſen den harmoniſch verlaufenen Abend.
Evangeliſche Markusgemeinde. Der bereits kürzlich angeſagte
Vortrags= und Beſprechungsabend über Aben d=
mahlsfeiern
einſt und jetzt findet am kommenden Donners=
tag
, den 15. Mai (nicht am Montag), abends 8 Uhr, im Gemeindehaus
Kiesſtraße 17 ſtatt. Herr Stadtpfarrer Vogel hat den Mitgliedern
der Gemeindevereine und den willkommenen Gäſten aus unſerer großen
Stadtgemeinde einen Ueberblick über den geſchichtlichen und religiöſen
Urſprung des Abendmahls, die Entwicklung und Geſtaltung ſeiner
Feier bis zur Gegenwart in Ausſicht geſtellt. Die Auffaſſung über das
Abendmahl hat ſehr bedeutenden Einfluß ſowohl auf die Kirchenge=
ſchichte
wie auch mittelbar auf die politiſchen Vorgänge gerade auch bei
uns in Heſſen ausgeübt; wir erinnern nur an das Religionsgeſpräch in
Marburg unter Philipp dem Großmütigen und an neuere Zeit. Bei
der großen ſakramentalen Bedeutung und dem ſozialen Sinn der Ge=
dächtnisfeier
im Kultus der geſamten chriſtlichen Welt wird der Abend
den Laien aller Richtungen vorausſichtlich wervolle Anregung und neue
aufklärende Kenntniſſe geben.
Vogelsberger Höhen=Club, Zweigverein Darmſtadt. Wem Gott
will rechte Gunſt erweiſen, den ſchickt er in die weite Welt, dem will er
ſeine Wunder weiſen in Berg und Wald und Strom und Feld. So
konnte man ſagen, als man am 4. Mai die fünfte Wanderung
in dieſem Wanderjahre antrat. Herrliches Frühlingswetter, wie man es
ſich ſchöner nicht wünſchen konnte, verſammelte nahezu 170 Teilnehmer.
8.02 Uhr verläßt der Zug mit der frohen Wanderſchar die Halle und
brauſt hinaus in die herrliche Landſchaft. Jugenheim, der Ausgangs=
punkt
der Wanderung, iſt bald erreicht. In der Ebene und von den
unbewaldeten Höhen leuchten noch einige Obſtbäume in ihrer Blüten=
pracht
. Der Wald wird erreicht, auf ſanft anſteigenden Pfaden, die
reizende Blicke in die Ebene und auf das Silberhand des Rheins ge=
ſtatten
, kommt man nach zweiſtündigem Marſch zum Alsbacher Schloß.
Hier eine Stunde Frühſtücksraſt. Noch ſchnell einen weit umfaſſenden
Ausblick vom Turm der Ruine in die Lande und dann Weitermarſch.
Weiter gehts durch Wald mit ſeinem jungen Grün, auf gut ausgeſuch=
ten
Wegen nach dem Auerbacher Schloß. Hier nochmals kurze Raſt.
Die Führer drängen auf Weitermarſch. Auf ſteilen Pfaden, die rei=
zende
Fernblicke bieten, gleitet man hinab nach Auerbach, dem Endziele
der Wanderung. Bei Gaſtwirt Rechel wird Einkehr gehalten, und es
entwickelt ſich bei Geſang gemeinſchaftlicher Lieder eine frohe Stim=
mung
, um ſo mehr, als ſich einige Wormſer Klubfreunde eingefunden
haben. Den beiden Führern der Wanderung, den Herren Decker
und Pieh, wird durch Herrn Kratz für die vortreffliche Führung
Dank geſagt.
Der Darmſtädter Fecht=Club e. V. (gegr. 1890) hat für ſein 40 Stiftungsfeſt am Samstag, den 10. Mai, abends
8 Uhr, in den feſtlich geſchmückten Räumen der Vereinigten Geſellſchaft
ſeine Vorbereitungen bereits getroffen, die allen Beſuchern einen ge=
nußreichen
Abend gewährleiſten, Aufführungen auf fechtſportlichem und
muſikaliſchem Gebiet verſchiedenſter Art, darunter das Auftreten eines
ſpaniſchen Tänzerpaares, u. a. m., leiten den Feſtabend ein. Das Ganze
wird umrahmt von den reichen Darbietungen der vorzüglichen Darm=
ſtädter
Studentenkapelle. Eine gutbeſchickte Tombola wird den Be=
ſuchern
des Abends Gelegenheit geben, ihr Glück im Spiel zu verſuchen,
und der Ausguß einer Sonderportion rheiniſcher Frühlingsſtimmung
in feſter Form wird zum fröhlichen Tanz überleiten. Kartenverkauf
für Mitglieder und Nichtmitglieder bei M. W. Praſſel, Schulſtraße 10,
und Parfümerie Müller, Rheinſtraße 6.
Bei der Hundeausſtellung im Orangeriegarten wurde bei den
Dobermannpinſchern in der offenen Klaſſe der ſchwarz=roten Hündinnen
die mit Vorzüglich, 1. Preis, bewertete Hündin Annelieſel v. Alt=
rhein
, aus dem Zwinger des Herrn K. Kämmerer jun. ſtam=
mend
, Beſitzer Herr Weber hier, überſehen. Ferner erhielt dieſelhe
Hündin als der beſte Hund der Abteilung Darmſtadt den Ph. Schnell=
Wanderpreis zugeſprochen.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten
wird die Heidenreichſtraße zwiſchen Soder= und Heinrich Fuhr=
Straße bis zum 20. Mai für Fahrzeuge aller Art geſperrt. Aus
dem gleichen Grunde wird die
rich Fuhr=Straße zwiſchen
Heidenreich= und Beckſtra
Mai für Fahrzeuge aller Art
geſperrt.

Aupselſamitang des Landesverbanges
des Beleing fnr das Deutſchium iin Auslt

Am Sonntag, 4. Mai, fand unter ſtarker Beteiligung der Orts=
gruppenvertreter
die diesjährige Hauptverſammlung des Verbandes im
Hotel Monopol=Metropol zu Frankfurt a. M. ſtatt. Eine Beſpre=
chung
des Landesverbandsvorſtandes galt der Vorberatung der Tages=
ordnung
der Hauptverſammlung, während gleichzeitig ein Wahlausſchuß
unter dem Vorſitz von Dr. Röhm die Wahl des Vorſtandes vorbe=
reitete
. Die Hauptverſammlung ſelbſt wurde von Staatsrat Block
mit herzlichen Worten der Begrüßung eröffnet. Unter den Gäſten befand
ſich Schulrat Haſſinger als Vertreter der heſſiſchen Regierung, Dr.
Spohr von dem Geſamtvorſtand des V.D.A. in Berlin, ſowie Ver=
treter
des Guſtav=Adolf=Vereins, des Vereins für das Kath. Auslands=
deutſchtum
, des heſſ. Philologenvereins, des V.D.A. Frankfurt a. M.
u. a. mehr. Nach alter Gepflogenheit ging den eigentlichen Verhand=
lungen
ein Vortrag voraus. Es ſprach in dieſem Jahre Schulrat Haſ=
ſinger
über das zeitgemäße Thema:
Jugend will zu Volk.
Ausgehend von der Feſtſtellung, daß die heutige Jugend im gleichen
politiſchen und weltanſchaulichen Kampf ſtehe wie die Erwachſenen, ſieht
der Redner gerade in dem Kampf der Jugend um die Geſtaltung ihrer
Zukunft einen Teil ihres Glückes. Trotz aller Zerſplitterung und der
ungeheuren Zuſpitzung der Gegenſätze hat unſere Jugend etwas gemein=
ſames
: Die Sehnſucht nach einem lebendigen und lebensſtarken Volke,
Bei dieſer Neugeſtaltung des deutſchen Volkes will vor allem die organi=
fierte
, die bewegte Jugend die entſcheidenden Schritte mittun und über=
windet
in dieſem Streben alle Nöte einer ſchweren Zeit. Alles Tren=
nende
, ſo ſehr es auch in Erſcheinung tritt; bezieht ſich nach Auffaſſung
des Redners nur auf die Form, nie auf die Grundidee. Der Sinn für
Werthöhe von Staat und Volk iſt überall vorhanden. Der Weltkrieg
hat das ſcheinbar ſo feſtgefügte Weltbild der Vorkriegsjugend zerſtört
und die heutige Zerſplitterung gebracht, je nach der Einſtellung der ein=
zelnen
Gruppen zu dem Neuen, das das Kriegsende brachte, zu der
Situation, die es bloßlegte. Zwei Fronten ſind in dieſem Kampf im
weſentlichen zu unterſcheiden: die der Vertreter der Staatsformen gegen=
einander
und der Kampf der Gruppen untereinander um den Vorrang
im anerkannten Staat. Angriff und Abwehr gehen immer um Form,
Struktur und inneren Aufbau des Staates. In dieſer Situation ſteht
mit dem deutſchen Volk auch die deutſche Jugend. Miteinander ringen
um unſer Volkſein, das iſt die Loſung. Wie ſteht die Jugend
zu dem Problem Volk?. Heute gibt es ein Reich der Jugend
neben dem der Erwachſenen. Dem Volke als dem Organiſchen mißt die
Jugend einen viel höheren Wert bei denn dem Formalen, dem Staate.
Das ganze Streben der Jugend iſt ein Suchen der Wege zum Volkstum,
das man erleben muß, um zu ihm hinzufinden. Wandervogelerlebnis,
Erlebnis der Volksgemeinſchaft, der Siedlungsgemeinſchaft, der Verbun=
denheit
mit dem Boden, das ſoziale Erlebnis, all das gab es auch ſchon
vor dem Kriege. Nach ihm ſind beſonders ſtark hervorgetreten: das reli=
giöſe
Erlebnis mit ſeinem Streben nach ſeeliſcher Freiheit in der Zeit
der Mechaniſierung, die Abwehr vom rein ſtaatlichen Denken zum volk=
menſchlichen
Denken, das Front= und Führererlebnis und ſchließlich auch
das Grenzlanderlebnis, ſchon beginnend mit dem Erwachen des National=
bewußtſeins
im 19. Jahrhundert und ſich ins Gewaltige verſtärkend ſeit
dem Ende des Krieges. Welche Mittel und Wege können
dieſe Jugend nunzum Volke führen? Die Gegenſätze müſ=
ſen
ausgetragen werden, das iſt unſer deutſches Schickſal. Hinter dem
Trennenden aber ſteht das Gemeinſame. Nur die Betonung deſſen, was
uns alle erfüllt und erfüllen kann, kann das Trennende überwinden:
Deutſches Volkstum und deutſche Heimat. Beide Wirk=
lichkeiten
ſind der bewegten Jugend völlig vertraut, nicht aber der
nicht in Bewegung ſtehenden und den Alten. Drum müſſen wir helfen,
daß Liebe zum Volkstum und deutſcher Heimat Allgemeingut werde,
Freuen wir uns der Romantik der Jugend in unſerer harten Zeit! Die

A. 9. A. C. Huldigungsfahrk an den freien
deutſchen Rhein.
In einer vor einigen Tagen ſtattgefundenen Beſprechung in
Mainz wurde das Programm für die ADAC.=Huldigungsfahrt
an den freien deutſchen Rhein in großen Zügen feſtgelegt. Die
Huldigungsfahrt ſelbſt findet unter der Vorausſetzung, daß am
30. 6. das beſetzte Gebiet frei iſt, am Sonntag, den 6. Juli, ſtatt.
In vier Rheinſtädten, und zwar in Köln, Koblenz, Mainz und
Ludwigshafen, ſammeln ſich am Sonntag, dem 5. 7., die Teilneh=
mer
und finden ſich abends zu Feſtlichkeiten in dieſen Städten zu=
ſammen
. Am Sonntag ſelbſt erfolgen von dieſen Städten aus
Schleifenfahrten durch das befreite Gebiet, wobei am Nachmittag
Kundgebungen erfolgen, und zwar für die Kolonne von Köln
aus in Aachen, für die Kolonne von Koblenz aus in Trier, für
die Kolonne von Mainz aus in Kreuznach, für die Kolonne von
Ludwigshafen aus in Kaiſerslautern. Nach dieſer Kundgebung
erfolgt beliebige Rückfahrt der Teilnehmer, wobei bemerkt wer=
den
muß, daß eine Reihe von rheinländiſchen Städten für den
Sonntag Abend ihrerſeits größere Feſtlichkeiten für den ADAC.
geplant haben.
Die Ausſchreibung für die Huldigungsfahrt befindet ſich
z. Zt. in Bearbeitung und erſcheint demnächſt.

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Schadenerſahpflicht des Nokars wegen fahrläſſiger
Amkspflichtverlehung.
(Nachdruck verboten.)
js. Anläßlich eines Konkurſes verkaufte eine Frau S. ihren
Grundbeſitz in Oken für 50 000 Reichsmark an den Landwirt
E. (jetzigen Kläger). Dieſer Kaufvertrag wurde von dem Notar
Dr. X. in Bremen (Beklagten) am 25. November 1926 amtlich
beurkundet. Dabei iſt überſehen worden, der Urkunde den Ver=
merk
beizufügen: Vorgeleſen, genehmigt, unterſchrieben. Später
tat der Verkäuferin der Verkauf des Grundſtückes für die Kauf=
ſumme
von 50 000 RM. leid; ſie verweigerte deshalb die Erfüllung
und berief ſich auf die Nichtigkeit des notariellen Vertrages.
Damit hatte die Verkäuferin Erfolg. Der Kläger nimmt nunmehr
den beklagten Notar auf Schadenerſatz in Anſpruch, da ihm aus
der Nichterfüllung des Kaufvertrages ein großer Schaden er=
wachſen
ſei. Er hatte, um den Kaufpreis zahlen zu können, ſein
eigenes Grundſtück in Hamburg verkauft und dabei einen Verluſt
von 10 000 RM. erlitten. Dazu komme ein weiterer Schaden von
10 000 RM., der darauf zurückzuführen ſei, daß der verkaufte
Grundbeſitz in Oken einen um 10 000 RM. höheren Wert gehabt
habe. Weitere 2000 RM. will Kläger für Koſten aller Art auf=
gewendet
haben. Er verlangt deshalb von dem Beklagten 22000
Reichsmark als Schadenerſatz. Dieſer Klageanſpruch iſt in allen
Inſtanzen Landgericht Bremen, Oberlandesgericht Ham=
burg
und Reichsgericht dem Grunde nach für gerecht=
fertigt
erklärt worden. Aus den reichsgeſetzlichen Entſcheidungs=
gründen
geht hervor, daß der Kaufvertrag wegen des Beurkun=
dungsfehlers
des Beklagten gemäß § 313 BGB., § 177 FGG.,
§ 125 BGB. nichtig iſt. Dieſe Nichtigkeit beruht auf ſchuldhafter
(fahrläſſiger) Amtspflichtverletzung des beklagten Notars. Der
Beklagte haftet daher dem Kläger gemäß § 839 BGB. Alle hier=
gegen
erhobenen Einwände des Beklagten konnten keinen Erfolg
haben. Reichsgerichtsbriefe‟, (III 211/29. 28. 3. 1930.)

romantiſche Sehnſucht iſt ein Charakteriſtikum der
ein notwendiges Gegengewicht gegen die Laſt der Go=
Sinne iſt auch die Arbeit des V. D. A. zu begrüßen u=
namentlich
in der Volksſchule, zu wünſchen. Nöt;
Falle, daß ſich das Volk ſeiner Jugend erinnert, ih
hilft, in ihrem Ningen um die Volksgemeinſchaft
dankte dem Redner, den Staatsrat Block in herzlich=
bunden
mit dem Dank an Staatspräſident Dr
Förderung, die er dem V. D.A. angedeihen laſſe.
Verhandlungen

brachten zunächſt eine Beſprechung des gedruckt be
keitsberichtes des geſchäftsführenden Vorſitzet
Er zeigt eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung des
mehr 40 Orts=, 6 Jugend= und 75 Schulgrushen

an Volksſchulen), daneben 65 körperſchaftliche Mital
wurde im abgelaufenen Jahre geleiſtet; über die
Dr. Diemer lehrreiche mündliche Ergänzungen zu de
ebenſo wie über die Betreuungspläne für das lau
Kaſſenbericht, erſtattet von Schatzmeiſter VI
ergab ein ebenſo erfreuliches Bild wie der Tätigkeit
und Ausgaben ſchließen mit 72 594,61 RM. gb. h
1930 in Höhe von 17 666,70 RM. Bei den Ausgab=
wirtſchaftet
im Hinblick auf die mühevolle Aufbrin
die wachſenden Anforderungen aus den Betreuungs
nen Poſten der Ausgaben fanden Erläuterung. 9
Dank, den der Vorſitzende dem Geſchäftsführer u.
ſprach. Auf Antrag der Rechnungsprüfer wurden (
bericht genehmigt und dem Rechner und Vorſtand

Dr. Spohr=Berlin brachte anſchließend die Grü
ſtandes und wünſchte der Tagung beſten Verlauf.
wahl vollzog ſich nach den Vorſchlägen des Wahlg
neben der Wiederwahl der ſeitherigen Mitglieder T C
zahl ſchon ſeither um die V. D.A.=Sache verdienter Ehl
ſamt umfaßt der Geſamtvorſtand jetzt 32 Damen u ar=
9 den geſchäftsführenden Vorſtand in Darmſtadt
nungsprüfung 1930 wurde den Ortsgruppen He) rin
hauſen übertragen. Einen großen Raum nahr
naturgemäß der Arbeitsplan des laufer
Weiterausbau der Organiſation, namentlich durch (
gruppen. Schulgruppen an den Volksſchulen und
tiver Mitglieder ſoll angeſtrebt werden. Die P
auch weiterhin den alljährlichen Höhevunkt des Ver ½
Werbewoche, abwechſelnd in Rheinheſſen u Sa
heſſen, die finanzielle Schlagkraft des Verbandes E.
aus dem Betreuungsgebiet, Jugendtreffen. Bücher E
tagung bilden weitere Punkte des Arbeitsprogran E
gruppe wird die Berliner Leitung, wenn
Preisausſchreiben iſt erlaſſen, an die 10jährige A be
mungstages in Kärnten wird erinnert. Sie ſoll)
Feiern in den Schularuppen gemacht werden, ebe 47
Jubiläum des V.D.A. ſelbſt. Auf dem Heilige
wird Anfang Juli eine Ausſtellung von Frauenarl ba
ſtattfinden; der Vertreter von Birkenfeld (das i
annektiert wurde!) wirbt für Oſtpreußen und täti b
ner Not. Gegen 2 Uhr konnte Staatsrat Block E
regenden Verhandlungen mit Worten des Dank ſo
ſchließen. Ein gemeinſames Mittageſſen ſchloß d fxu
ſtarker Erfolg der V.D.A.=Arbeit in Heſſen gew Ewer
ſicher zur weiteren Aufwärtsentwicklung des Ver

Aus dem Gerichksie

Aw. Wegen Verbrechens und Ve
war am Mittwoch ein aus Offenbach ſtammer
inſpektor vom Landeseichamt Darmſtadt angekl.
Jahren 1924 bis 1929 in einer Reihe von Fällen
begangen, indem er von den heſſiſchen Eichämt
Heſſiſchen Landeseichamtes Geld anforderte und 90
die Hauptſtaatskaſſe, ſondern an ſeine Bankkont: /a0
Falle kaufte er mit dieſem Gelde ein Motorrad
daß ihm auf Vorlegen der Quittung der Betra
kaſſe noch einmal erſetzt wurde. Dieſer Fall F
ſehen; ein weiterer Fall als ſelbſtändige Unter)
ſollte als fortgeſetzte Handlung gelten. Der A
Not gehandelt. Er bezog ein Gehalt von 530
Familie und war Hausbeſitzer. Insgeſamt hat
12000 Mark auf leichtſinnige Weiſe verbraucht
Badereiſen uſw. unternahm. Er iſt in vollem 1
ſeiner Entlaſtung gibt er an, er habe nach ſeine
Verſagen ſeiner Nerven verſpürt, und er hab
ſtehenden Fällen unter einem ihm unerklärlichen
hat ſich, als ſeine Unterſchlagungen bekannt n.
Heppenheim begeben, um ſich in der dortigen
Geiſteszuſtand hin unterſuchen zu laſſen. Der
ten, der als mediziniſcher Sachverſtändiger fung!
Angeklagte geſchlechtskrank ſei und deshalb unte
leide. Paralyſe könne im Anzug ſein; Zwa:
von ihm geſchilderten, ſeien nicht ausgeſchloſſer
achten der Landes=Heil= und Pflegeanſtalt Hep.
bekundet, daß die Krankheit noch nicht ſoweit
ausgeſprochene pſychiſche Schäden begründet er

ſei voll verantwortlich für ſeine Handlungswe
der Staatsanwaltſchaft wies es zurück, mildert
laſſen und beantragte zwei Jahre Zuchthaus
bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fün
lautete auf zweiundeinhalb Jahre &
zwei Monaten Unterſuchungshaft. Es wurden
dernde Umſtände zugebilligt, da das Gericht 90
arztes nicht vollſtändig außeracht laſſen konnte.
Ein in Darmſtadt wohnender Hundehändle
Arheilgen waren der gewerbsmäßigen
klagt. Sie ſollen in den Jahren 1927 bis 192, zum Teil gemeinſchaftlich und auch fe!
rechtigt die Jagd ausgeübt haben. Der Vater
ten war zuſammen mit zwei Jägern Pächter
Wirklichkeit war er aber nur Jagdaufſeher und
mit Frettchen zu jagen. Sein Sohn, der angert
ſoll einen Rehbock geſchoſſen haben und der O.
ſam mit ihm den Bock geholt und verkauft hal
Angeklagte einen durch einen Hund aufgeſtöbe!
Die Angeklagten beſtreiten alles. Die Anzeige
akt. Das Gericht verurteilte die beiden wege
zu je zwei Wochen Gefängnis. 2
außerdem 30 Mark Geldſtrafe, da er im Beſitz
dazu keine Berechtigung hatte. Dieſe, ſowie 9
uutzten Waffen wurden eingezogen.
Skimmen aus dem Leiſt
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Leberſchrift überihl.
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des 521 Abſ. 2 98 2
der Einſender verantwortlich.) Einſendungen, die nich
zurückgeſandt, die Ablehnung nicht begrit
Rückſichtsloſe Radfahrer im 201
Es ſei mir geſtattet, auf einen Unfug au
ich beſonders in den letzten Wochen mehrmal=
Burſchen auf verbotenen Fußwegen im Walle
auf Fußgänger wenig oder gar nicht Rückſicht.
zu dreien oder vieren. Angerufen werden ſie
Beiſpiel: Kotelett=Pfad, wohlgepflegter, !
fahren verboten (mehrfach angeſchlagen). Di
und Oppermanns=Wieſenſchneiſe jagen 4 Bur)
in eine Gruppe von 1012 Spaziergängern Mi.
tagnachmittag, den 27. April.) Zur Rede e
hörigkeit, werden ſie in üblicher Weiſe frech.!"
Polizeiliche Ueberwachung ſcheint dringel.

[ ][  ][ ]

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Seite 7

und d1
dem

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ſoch gE
n, urzI
mi
annt. 1
ſrend d
der s

Journaliſten- und Schriftſteller-
Verein (E. V.)
riſchen Abend dem Gedächtnis des im
ren Elſäſſer Dichters Friedrich Lien=
Hamit zwar von der Gepflogenheit, mit diefen
gen, noch ringenden heſſiſchen Dichtern zur
gniſſe vor größerem Kreife Gelegenheit zu
trotzz3 üigte ſich die diesmalige Kundgebung vortreff=
ahmen
Vereinsveranſtaltungen ein; einmal durch die
des 2 genden, der mit dem Bruder Lienhards eng
reſen genauere Kenntnis des Dichters erwarb,
ſeſſen Hinſcheiden in regem Briefverkehr ſtand,
beſm) 3 durch das lebendige, farbenfrohe Bild, das
zilderung des auch bei uns leider noch viel zu
und Schaffens des gemütstiefen und religiö=
geiſtigen
Augen der Zuhörer entſtand. In
des erſten Vorſitzenden, Herrn Geheimrats
jißte der zweite Vorſitzende, Herr Redakteur
rmen Worten den Vortragenden und den ihn
die ſich in liebenswürdiger Bereitwilligkeit
ihrem Verein zur Verfügung geſtellt hatten.
rauf hin, daß der heutige Abend nicht eine
Daten bringen, ſondern mehr einer kritiſchen
ienhards gelten ſolle. In ganz vorzüglicher,
es der Vortragende, Herr Gerichtsreferendar
mann, dieſer Aufgabe gerecht zu werden.
jenm)) als deutſcher Dichter
nen Ausführungen voranſtellte, und trefflich
n der dichteriſchen Tätigkeit Lienhards deſſen
e herauszuſchälen. Nicht an den Boden ſeiner
r Wirken und Empfinden gebunden, ſondern
en gehöre er dem ganzen deutſchen Volke an.
ds Stellung in der Literatur beleuchtet. Vor=
en
zeigt er ſich als Idealiſt und Romantiker,
hnung, die er in dem materialiſtiſch und ſach=
geiſtigen
Berlin fand. Aber überall tut ſich
rliches Erleben und ſtilvolles, reichſtes und
Der beſtrickende Rhythmus und die klingende
einen lyriſchen Dichtungen, die beſonders in
ahnenden Stellung zur Liebe beachtenswert
rtonungen geführt (z. B. durch Hans Pfitz=
* Lienhard vorzüglich in ſeinem Meiſterwerk
eltu Als Dramatiker war er unermüdlich Neues
es ihm nicht, mit ſeinen Werken die Berufs=
wäre
vielleicht eine dankbare Aufgabe z. B.
sthec) mit einem ſeiner beſten Werke vor ein ſicher
ikun treten. Bemerkenswert ſind in dieſer Hin=
Wieland, der Schmied das Drama Gott=
ſein
monumentalſtes Werk Die Wartburg=
terdingen
, die heilige Eliſabeth und Luther
hards Humor kommt im Till Eulenſpiegel,
ort. Als Denker vertritt Lienhard in uni=
dSi
en Gedanken. Griechentum, Chriſtentum und
bom zu einer harmoniſchen Einheit verbunden.
n Wege nach Weimar und Meiſter der
die hervorragende Mitarbeit Lienhards am
Urdigt. Auch als Literarhiſtoriker kam der
in ſe! Einführung in Goethes Fauſt. Hier ſpricht
eiſter! Lienhard, dem deutſchen Elſäſſer,
ſei ngere Heimat, ſondern die geſamte Volkheit
em Beifall aufgenommenen Vortrag kam der
derr Dipl.=Ing. Rudolf Engelmann las
d ſichtlich von innigſter Liebe zu dem Dichter
deſſen Gedichten und ſchließlich die reizende
is in Goethes Garten vor und erwarb ſich
Anerkennung der Zuhörer.
eeſe ſprach dem Vortragenden und dem
wohlverdienten Dank für ihre feſſelnden Dar=
d
ſchloß ſich für die Vereinsmitglieder noch
erſammlung mit der ſatzungsmäßigen
Jahresbericht des Vorſtandes, nach dem der
gleichen Höhe ſeines Mitgliederbeſtandes in
rhr eintritt, und den Kaſſenbericht, der eine
nsvermögens aufweiſt, trug der erſte Schrift=
gsrat
Enders, vor. Die Rechnung war
Wohmann und Herrn Dr. jur. Fr. Liſt ge=
worden
. Dem Vorſtand und dem Rechner
Bei der Vorſtandswahl wurde an Stelle
anderweitiger ſtarker Inanſpruchnahme zu=
as
man nur mit Bedauern ſcheiden ſah, Herr
Das Schieds= und Ehrengericht wurde in
e beſtätigt. Schließlich gedachte man noch des
zweiten Vorſitzenden des Vereins, Herrn
olzogen, der dieſer Tage ſeinen 75. Ge=
und beſchloß, ihm nachträglich eine kleine,
rden zu laſſen.
in ſeinem neuen Geſchäftsjahre unverminder=
ter
Mitglieder und Freunde erfreuen! E.

in Darmſtadt. Der Verein der biologiſchen
2sden, veranſtaltet morgen Freitag abend im
den Hochſchule einen Filmvortrag, be=
ere
als Helfer des kranken Menſchen und
u dieſem Vortrag ein. Dieſer Film iſt ein
anderem auch ſchöne Naturaufnahmen. Wir
auf, ſich an dieſer Vorführung zu beteiligen
rzeige in der heutigen Nummer.
vierkurſus. Auf den am Freitag und Sams=
ſtattfindenden
Privat=Tafeldeck= und Servier=
ngangsformen
, wird hingewieſen. (S. Anz.)

Troſtloſe Lage des kaufmänniſchen Skellenmarkkes.
Steigender Bewerberandrang abſolut ungenügende Nachfrage.
Nach den Beobachtungen der kaufmänniſchen Stellenvermittlung des
DHV. hat der ſeit Monaten darniederliegende Stellenmarkt der Kauf=
mannsgehilfen
im April eine weitere, ganz weſentliche Verſchlechterung
erfahren. Die ganz geringfügige Belebung der Wirtſchaft durch einige
Zweige der ſaiſonbedingten Gewerbe hat auf den kaufmänniſchen
Stellenmarkt nicht den geringſten Einfluß gehabt. Der Quartalsſchluß
brachte die Maſſenentlaſſungen der großen Kündigungen, die zum Quar=
talskündigungstermin
im Februar erfolgt waren. Soweit Beſetzungs=
aufträge
überhaupt eingingen, beſchränkten ſich die Betriebe faſt aus=
ſchließlich
auf Erſatzgeſtellung für ausſcheidendes Perſonal. Aber ſelbſt
hierzu kam es häufig nicht. Bei vielen Großbetrieben beſteht ſeit Mona=
ten
Einſtellungsſperre. Der kaufmänniſche Stellenmarkt läßt das Fehlen
jeder echten Konfunktur erkennen. Ein ausgeſprochener Wirtſchaftspeſſi=
mismus
beherrſcht die Lage. Der ſteigende Bewerberzudrang bei weiter
rückläufigem Auftragseingang hatte für die kaufmänniſche Stellenver=
mittlung
des DHV. eine weitere Verſchlechterung der Andrangsziffern
(Bewerber auf je eine gemeldete offene Stelle) von 22,1 gegenüber 9.5
April 1929 und 8,8 im April 1928 zur Folge.

Aus Heſſen.
Volksgeſundheit durch Roggenbrot.
Die Aerzteſchaft und die Ernährungswiſſenſchaftler weiſen in ſteigen=
dem
Maße auf die Bedeutung eines vermehrten reinen Roggenbrotver=
brauches
für eine rationelle Ernährung und für einen im Intereſſe der
Geſundheit geordneten normalen Ablauf der Organfunktionen hin. Die
Wandlung, die ſich in der Volksernährung in den letzten Jahren ange=
bahnt
hat und die zu einer einſeitigen Bevorzugung von Weizenbrot
und Gebäck führte, wird von allen Sachverſtändigen lebhaft bedauert.
Im Intereſſe der Volksgeſundheit iſt daher der vermehrte Verzehr
reinen Roggenbrotes das Gebot der Stunde!

Die Regelung des Straßenverkehrs während der Frühjahrs=
meſſe
1930. Auf Grund des § 27 der Polizeiverordnung, die Ab=
haltung
der Frühjahrs= und Herbſtmeſſe betreffend, vom 6. Dezem=
ber
1924, wird während der Frühjahrsmeſſe vom 8. bis 21. Mai
1930 einſchließlich angeordnet: 1. Der zwiſchen Mühl= und Stifts=
ſtraße
liegende Teil der Lindenhofſtraße, der zwiſchen Soder= und
Lindenhofſtraße liegende Teil der Teichhausſtraße, der zwiſchen
Lindenhof= und Landgraf=Georg=Straße liegende Teil vor dem
Hallenſchwimmbad, die Landgraf=Georg=Straße zwiſchen Mühl=
ſtraße
und dem alten Schlachthofplatz werden für den Fuhrwerks=.
Auto= und Radfahrverkehr geſperrt. 2. Auf den das Meßgelände
angrenzenden Straßenteilen darf nur im Schritt gefahren werden.

Ueber Werke, Künſiler oder künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden Erwähnung
geſchieht. behält ſich die Redaktion ihr Arteil vor.
Der weltberühmte Don=Koſaken=Chor, welcher
unter Leitung ſeines Dirigenten Serge Jaroff heute unbeſtritten
als die künſtleriſch vollendetſte Chorvereinigung der Welt gilt, wird am
20. Mai im Städtiſchen Saalbau ein einmaliges Konzert veranſtalten.
Wer dieſe ruſſiſchen Meiſterſänger, von denen jeder Einzelne ein voll=
endeter
Künſtler iſt, jemals gehört hat, wird dieſes unvergleichliche
Kunſterlebnis niemals vergeſſen. Die urwüchſige muſikaliſche Kraft des
großen Rußlands offenbart ſich in ihren bald heiter=übermütigen, bald
wehmütig=klagenden Volksliedern und in den erſchütternd großartigen
Kirchengeſängen ſo ſtark und zwingend, daß auch diejenigen Menſchen,
die dem Muſikleben ſonſt ferner ſtehen, ſich dem Zauber dieſer vollende=
ten
Volkskunſt nicht entziehen können. Welche beiſpielloſe Popularität
der Don=Koſaken=Chor genießt, geht daraus hervor, daß er auf ſeinen
Weltreiſen in den letzten ſechs Jahren über 1500 Konzerte geben konnte,
die von faſt zwei Millionen Hörern beſucht waren. Karten bei Klavier=
Arnold, Eliſabethenſtraße 28 (Tel. 2560).
Lokale Veranſtalkungen.
Oſe hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als SHinweiſe auf Anzeigen zu beirachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritit.
Verein der Hundefreunde von Darmſtadt und
Umgegend. Freitag, den 9. Mai, abends 8.30 Uhr, Mitgliederver=
ſammlung
im Vereinslokal Zum goldenen Anker.
Deutſchorden. Am 10. Mai findet ein vaterländiſches Kon=
zert
der Kommende Eberſtadt ſtatt, zu dem alle Ordensbrüder herzlich
eingeladen werden. Da der Gottesdienſt vor dem Kapitel am 11. Mai
wegen Unabkömmlichkeit des Geiſtlichen ausfallen muß, beginnt dieſes
im Hauſe Treuenau pünktlich um 10 Uhr vormittags. An dieſem
Kapitel nehmen teil: die Ordensführung, die Ehrenkomture, die Kom=
ture
und die Ehrenmeiſter. Nachmittags um 3 Uhr beginnt dann im
Gelben Saal bei Sitte das ordentliche Ordenskapitel. Anzug zu dem
Kapitel möglichſt in Ordenstracht, ſonſt dunkler Anzug. Nach dem
Ordenskapitel ab 8 Uhr abends zwangloſes Beiſammenſein bei Sitte.

Aus den Parkeien.

Volksnationale Reichsvereinigung. Es wird
nochmals auf die heute abend 8 Uhr im Fürſtenſaal, Reſtaurant Kaiſer=
ſaal
(Grafenſtraße) ſtattfindende Verſammlung der Volksnationalen
Reichsvereinigung hingewieſen. Redner: Dr. A. Kuermann, Köln.
Freie Ausſprache. (Siehe heutige Anzeige.)
Deutſchnationale Volkspartei, Arbeitergruppe.
Die Darmſtädter Arbeitergruppe hält ihre nächſte Verſammlung am
Freitag, den 9. Mai, abends 8.15 Uhr, im Blauen Zimmer des Perkeo.
Alexanderſtraße, ab. Herr Provinzgeſchäftsführer Forſter=Offenbach
wird über aktuelle Vorgänge ſprechen. Die Parteimitglieder der Orts=
gruppe
werden hierdurch zum Beſuche dieſes Abends herzlich eingeladen.
Raucherzähne. Die Spezialkonſtruktion der Chlorodont=Zahnbürſte ermög=
licht
das Reinigen und Weißputzen der Zähne auch an den Seitenflächen. Nur echt
in blau=weiß=grüner Originalpackung in allen Chlorodont=Verkaufsſtellen.
(I. Dr. 1097)
Tageskalender für Donnerstag, den 8. Mai 1930.
Heſſiſches Landestheater, Großes Haus, 20 Uhr, R
Kleines Haus, 20 Uhr, III (10): Die Pilger
Rivalen
von Mekka, Orpheum: Keine Vorſtellung. Kon=
zerte
: Schloßkeller Hotel Schmitz, Spaniſche Bodega.
Herrngartenkaffee, 16 Uhr: Konzert. Kinovor=
ſtellungen
: Union=Theater, Helia=Lichtſpiele, Palaſt= Licht=
ſpiele
.

J. Griesheim, 6. Mai. Volksbank Griesheim. Die
hieſige Volksbank hielt im Gaſthaus Zur Traube hier ihre
ordentliche Generalverſammlung ab. Der Vorſitzende des Auf=
ſichtsrats
, Herr Zimmermeiſter Valentin Schick, eröffnete die Ver=
ſammlung
, begrüßte mit herzlichen Worten die Mitglieder und
dankte ihnen für ihr Erſcheinen. Hierauf gedachte er der im Jahre
1929 verſtorbenen Mitglieder, der Herren Bürgermeiſter Schüler,
Friedrich Göbel 1., Chriſtian Merker 1., Philipp Merker 4. und
Konrad Reinheimer 2. Zu Punkt 1 der Tagesordnung, Vorlage
und Genehmigung der Bilanz für 1929, ſprach Herr Direktor
Maus über die Schwierigkeiten am Kapitalmarkt im verfloſſenen
Geſchäftsjahr und die darauf heraufbeſchworene Angſt vor einer
neuen Inflation. Er führte die Gründe an, die eine neue Geld=
entwertung
unmöglich machen. Trotz der rückläufigen Bewegung
im Spareinlagenverkehr im Herbſt 1929 iſt eine Zunahme des
Einlagekapitals zu verzeichnen, wie überhaupt die Abwanderung
der Spareinlagen in letzter Zeit wieder zum Stillſtand kam. An=
ſchließend
erläuterte der Redner die Bilanzzahlen für das Berichts=
jahr
. Der Umſatz betrug 21 Millionen Reichsmark. Mit Befrie=
digung
konnte er darauf hinweiſen, daß trotz der ſchlechten Wirt=
ſchaftslage
der Geſamtumſatz gegenüber dem Vorjahre ſich um eine
Million erhöht habe, und daß die Volksbank mit einem Spar=
einlagekapital
von zirka 1,4 Millionen Reichsmark mit an der
Spitze der heſſiſchen Kreditgenoſſenſchaften ſteht. Der Mitglieder=
ſtand
hat ſich von 375 auf 419 mit 426 Geſchäftsanteilen erhöht.
Die Bilanzſumme beträgt 1 684 901,65 RM. Hierauf wurde die
Bilanz einſtimmig genehmigt und dem Vorſtand Entlaſtung er=
teilt
. Der Reingewinn für 1929 beträgt 15 703,69 RM. Außer
der Zuweiſung an die Reſerven und das Rückſtellungskonto ſollen
10 Prozent Dividende auf die Geſchäftsanteile zur Verteilung
kommen. Für wohltätige Zwecke wurde der Betrag von 450 RM.
zur Verfügung geſtellt. Anſchließend ſchritt man zur Wahl für die
Verwaltungsorgane. Satzungsgemäß ſcheide aus dem Vorſtand
aus Herr Heinrich Maſſing 9, aus dem Aufſichtsrat die Herren
Peter Nothnagel 2. und Philipp Mendel 4. Die Betreffenden
wurden durch Zuruf wiedergewählt. Nachdem Herr. Direktor
Maus noch einige Anregungen in bezug auf den Wechſel= und
Scheckverkehr gegehen, ſchloß der Vorſitzende die Verſammlung mit
Worten der Hoffnung für eine günſtige Weiterentwickelung der
Bank und eine Geſundung der allgemeinen Wirtſchaftslage.
Aa. Eberſtadt, 6. Mai. Muttertag. Zugunſten des Muttertages
hielt die hieſige Ortsgruppe des Bundes der Kinderreichen eine Abend=
veranſtaltung
ab. Im Mittelpunkt ſtanden zwei Anſprachen des Orts=
vorſitzenden
und des Gauvorſitzenden. Daran ſchloß ſich die Aufführung
eines Theaterſtückes So lang noch lebt dein Mütterlein! an, das von
Mitgliedern der Offenbacher Ortsgruppe zur Aufführung gelangte und
einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Motorradunfall. In
der Heidelbergerſtraße kam ein Motorradfahrer zu Fall. Er und ſein
Begleiter mußten ſich in ärztliche Behandlung begeben.
Op. Pfungſtadt, 7. Mai. Keine Mietberechtigungskar=
ten
. In ſeiner letzten Sitzung befaßte ſich der Gemeinderat erneut mit
dem Antrag auf Einführung der Mietberechtigungskarten. Im Laufe
der Diskuſſion wurde dabei bekannt, daß in Pfungſtadt noch 158 Woh=
nungsſuchende
gemeldet ſind. Nach längerer Diskuſſion wurde der An=
trag
gegen ſieben Stimmen abgelehnt. Der Gemeinderat ſtimmte da=
gegen
einem Ausſchußantrag zu, vier Stücke an der Torfgrube, die
bereits vor ungefähr zehn Jahren mit Sand aufgefüllt wurden, die aber
ſo tiefe Senkungen aufweiſen, daß die angepflanzten Weiden eingegangen
ſind, in Wieſenland umzulegen. Die Arbeiten ſollen als Notſtands=
arbeiten
, nach Möglichkeit aus Mitteln der produktiven Erwerbsloſen=
fürſorge
, ausgeführt werden. Zur Bereinigung der Grenzverhältniſſe
zwiſchen dem ehemaligen Anweſen Neff und dem benachbarten Grund=
ſtück
Riehl wurde ein Geländeſtreifen von 5 Quadratmetern abgetreten
und mit 70 Pfennig für den Quadratmeter berechnet. Die Kanaliſations=
arbeiten
in der Taunusſtraße, der Zieglerſtraße, in einem Teil der
Feldberg= und der Sandſtraße ſollen in Kürze vorgenommen werden.
Der Arbeiterjugend wurde in der Mühlberg=Siedlung ein Bauplatz zu=
geſprochen
. Um die Gemeindefagd. Auf die erneute Ausſchrei=
bung
der Gemeindejagd waren nur zwei Angebote eingegangen, die aber
als unzulänglich betrachtet wurden. Die Jagd wird daher nochmals aus=
geſchrieben
werden. Angebote haben bis zum 10. Mai zu erfolgen.
* Alsbach a. d. B., 7. Mai. Selbſtmordverſuch! Geſtern
früh fanden die Friedhofsarbeiter den Steinmetztechniker Hans Wilhelm
von Beedenkirchen in ſchwerverletztem Zuſtand beim iſraelitiſchen Fried=
hof
an der Bergſtraße. Er gab an, daß er ſich das Leben nehmen wollte
und zu dieſem Zweck ſich vor einen Zug der Main=Neckarbahn warf. Er
wurde von dem Zug zur Seite geſchleudert und im Geſicht, auf dem
Rücken und am linken Bein nicht unerheblich verletzt. Die Behörden
wurden ſofort in Kenntnis geſetzt und die Ueberführung des Verletzten
in das Kreiskrankenhaus veranlaßt. Beweggründe zur Tat ſind zer=
rüttete
Familienverhältniſſe, durch welche der im Beruf tüchtige, 30 jäh=
rige
Mann dem Alkohol und beinahe auch dem Tod in die Hände ge=
trieben
wurde.
Hirſchhorn, 7. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
6. Mai: 1,00 Meter; am 7. Mai: 0,98 Meter.
Gernsheim, 7. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
6. Mai: 1,13 Meter; am 7. Mai: 0,99 Meter.

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Seite

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Die griechiſche Inſel Naxos,
die Richard Strauß (unten links), den Komponiſten der Oper Ariadne auf Naxos, zum Ehren=
bürger
ernannte.

Der ſinkende engliſche Frachtdampfer Raven.
Bei Norderney wurde im dichten Nebel der engliſche Dampfer Raven,
von 100 Tonnen Eiern von Hamburg kam, von dem griechiſchen Dampfer
und ſank. Die Mannſchaft konnte gerettet werden.

Oskar von Miller, Ehrenbürger Münchens.
München. Auf der im Rahmen der Feſt=
tage
anläßlich des Stiftfeſtes des Studiengebäu=
des
zum Deutſchen Muſeum abgehaltenen Aus=
ſchußſitzung
des Deutſchen Muſeums gab Ober=
bürgermeiſter
Dr. Scharnagl bekannt, daß der
Stadtrat Münchens Oskar v. Miller das Ehren=
bürgerrecht
der Stadt München verliehen und
ihn damit mit der höchſten von der Stadt zu ver=
gebenden
Ehre ausgezeichnet habe."
Verleihung des Adlerſchildes an Exz. v. Miller.
Der Herr Reichspräſident hat dem Schöpfer
und Leiter des Deutſchen Muſeums, Exzellenz
Geheimrat Dr.=Ing. Oskar von Miller, München,
zu ſeinem 75. Geburtstage den Adlerſchild des
Reiches verliehen und ihm ein eigenhändiges
Schreiben zugehen laſſen.
Die 35. Hauptverſammlung der Deutſchen Bunſen=
Geſellſchaft
für angewandte phyſikaliſche Chemie, e. V., der
führenden deutſchen Geſellſchaft auf dem für Wiſ=
ſenſchaft
und Technik ſo bedeutungsvollen Gebiet
der phyſikaliſchen Chemie, findet vom 28. Mai
bis 1. Juni 1930 in Heidelberg ſtatt. Als Haupt=
verhandlungsthema
wurde gewählt: Spek=
troſkopie
und Molekelbau, Anmeldung und Un=
terbringung
durch: Ortsausſchuß der Deutſchen.
Bunſengeſellſchaft, Heidelberg, Plöck 55.
Beraubung eines Güterzuges.
Hanau. In der Diehlmühle bei Uerzell
im Kreiſe Schlüchtern hatte die Landjägerei bei
einer Durchſuchung in Sachen der bei Schlüchtern
erfolgten Beraubung eines Poſtautos 64 Paar
Damenſchuhe unter Heu verſteckt gefunden.
die von der Beraubung eines Eiſenbahngüter=
zuges
herrührten. Als Täter wurde der 27 Jahre
alte Schuhmacher Heinrich Müller, ein Mitglied
der die Diehlmühle bewohnenden Familie Mül=
ler
, ermittelt, der am Dienstag vor dem Schöf=
fengericht
Hanau ſtand und wegen ſchweren Dieb=
ſtahls
mit einem Jahr Gefängnis beſtraft wurde.
Er hatte ſich in den Abendſtunden des 1. Febr.
in der Nähe von Steinau an den Bahndamm
gelegt und auf einen ankommenden Güterzug
gewartet, der infolge des anſteigenden Geländes,
wie alle anderen Züge, langſam fahren mußte.
Auf dieſen Zug iſt er geſprungen, hat die Plombe
eines Güterwagens geöffnet, die Bahnſendungen
durchſucht und ſechs Pakete, die 72 Paar Damen=
ſchuhe
enthielten, hinausgeworfen. Darauf iſt
er wieder abgeſprungen und hat die Beute nach
Hauſe geſchleppt. Unterwegs hat er angeblich
acht Paar Schuhe verloren.
Ueberfall auf Blinde durch ein junges Mädchen.
Berlin. Die Steglitzer Kriminalpolizei
beſchäftigte ſich mit der Aufklärung eines un=
glaublichen
Vorfalles, der ſich am Dienstag nach=
mittag
in der Rothenburgſtraße abgeſpielt hat.
Zwei blinde Frauen hatten in der Schloßſtraße
einen Straßenbahnwagen verlaſſen und wollten
ſich nach der Blindenanſtalt in der Rothenburger=
ſtraße
begeben. Kurz vor dem Anſtaltsgebäude
wurden die beiden Blinden plötzlich heftig von
hinten geſtoßen, und im gleichen Augenblick wur=
den
ihnen die Handtaſchen entriſſen. Die Hilf=
loſen
konnten ſich nicht zur Wehr ſetzen und ihre
Hilferufe blieben unbeachtet, da keine Paſſan=
ten
in der Nähe waren. Es blieb daher den bei=
den
Blinden weiter nichts übrig, als die An=
ſtaltsleiterin
von dem Raubüberfall in Kenntnis
zu ſetzen. Die Leiterin nahm ihre beiden Zög=
linge
ſofort mit zu dem zuſtändigen Polizei=
revier
. Auf dem Wege dorthin wurden die drei
Frauen von einem jungen Mädchen ange=
ſprochen
, das den Ueberfall beobachtet haben
wollte. Mit dem feinen Gefühl der Blinden
hatten die beiden Beraubten aber ſogleich er=
kannt
, daß das Mädchen auch die Taſchenräu=
berin
war. Die Polizei nahm die Zeugin ſo=
fort
in Haft.
Drei Tote durch Blitzſchläge.
Berlin. Ein Gewitter richtete in der Nähe
von Obermarbach ſchweres Unheil an. Ein Blitz
ſchlug, nach Blättermeldungen aus Augsburg, in
zwei Bauernhöfe und eine induſtrielle Mühle ein.
Alle Anweſen wurden völlig eingeäſchert. Drei
Radfahrer ſahen von fern die Feuersbrunſt und
eilten zu Hilfe. Zwei von ihnen wurden von
einem anderen Blitz getötet, der dritte ziemlich
ſchwer verletzt. In der Nachbarſchaft wurde noch
ein Motorradfahrer ebenfalls vom Blitz er=
ſchlagen
.

Blick auf Malta,
dem engliſchen Flottenſtützpunkt im Mittelmeer, wo wegen der Sprachenfrage ein ſcharfer Konflikt
zwiſchen der engliſchen Verwaltung und der italieniſchen Geiſtlichkeit ausgebrochen iſt.

Der Sturm auf das Salzſchiff im Hooghly=Fluß.
Das engliſche Schiff Cogandale, das eine Ladung von 8400 Tonnen Salz an Bord führte, iſt in
dem Hooghly=Fluß in Indien, einem der am ſchwerſten zu befahrenden Ströme, auf ein Riff ge=
ſtoßen
und begann ſofort zu ſinken. In demſelben Augenblick umſchwärmten Hindus in zahlreichen
Kähnen das Wrack, um von dem Salz für ſich herauszuholen, was nur herauszuholen war. Die=
ſer
Sturm auf das engliſche Wrack beleuchtet in dem Augenblick der Verhaftung Gandhis ganz
beſonders die Stimmung der Hindus.

Der baufällige Kirchturm.
Rom. Nach Blättermeldungen aus Genua
iſt in einer kleinen Gemeinde der Umgebung der
Stadt der Glockenturm der Kirche während des
Gottesdienſtes eingeſtürzt, wobei das benach=
barte
Pfarrhaus unter den Trümmern vollſtän=
dig
begraben wurde. Ein Prieſter, der die erſten
Anzeichen der drohenden Kataſtrophe zufällig be=
merkt
hatte, ſtürzte in höchſter Aufregung in die
Kirche und veranlaßte, daß der Gottesdienſt ab=
gebrochen
und Kirche und Pfarrhaus geräumt
wurden. Kaum hatte der letzte Andächtige ſich
in Sicherheit gebracht, als der Einſturz erfolgte.

Die Waldbrände in U. S. A. gelöſcht.
New York. Die Waldbrände in der nächſten.
Umgebung von New York konnten gelöſcht wer=
den
. Nur an einzelnen Stellen flammen dann
und wann noch, vom Winde begünſtigt, neue
Brände auf. 1500 Häuſer wurden eingeäſchert,
5000 Menſchen ſind obdachlos. An den Löſchar=
beiten
haben ſich 35 000 Menſchen beteiligt. Zahl=
reiche
Farmer ſind völlig ruiniert. Der Sach=
ſchaden
geht in viele Millionen Dollar. Der
Flughafen von Lakehurſt hat unter den Flam=
men
nicht zu leiden gehabt, da zahlreiche Trup=
pen
ihren Weg ablenken konnten.

Reuter meldet aus Re
Pegu wurde bei dem E
abend unter anderem eine
ſtört. Ein Kinotheater bra
die Vorſtellung im Gang
der Leichen iſt noch im
nördlich von Pegu ſtürzt
ein, ſo daß der Zugverkek
terbrochen iſt. Daily
Rangoon: Die Stadt Pe
nach dem Erdbeben ausge
zerſtört worden. Die Zah
5090 bis 7000 Perſonen ge
gon=Pagode in Rangoon,
für buddhiſtiſche Wallfah
beſchädigt.
Neue Erdbeben

Karlsruhe. Die E
dätiſchen Inſtituts der
Karlsruhe hatte am verga
richten über regiſtrierte E=
durch
die kürzlichen Nachri
raſche Beſtätigung gefunde
gentinien wurde über ſchwe
Eine neue ſtarke Erderſch
die Inſtrumente der Erdbe
niſchen Hochſchule in Ka=
zum
Mittwoch, um 23.40
liegt bedeutend näher al=
fangs
der Woche und dürft
von 3500 Kilometern zu
der Bewegung erfolgte ge
Aufzeichnungen muß im
zerſtörenden Wirkung des
den. Zurzeit befindet ſich
Periode erhöhter ſeismiſch
ſache in der allmählich ſich
ſchen Ausgleichsbewegung
ſind.
Schwerer Wirbelſt

Dallas (Texas). D
Texas iſt am Dienstag vo
belſturm heimgeſucht word
der Kataſtrophe betroffen
her infolge der Zerſtörun
nicht feſtzuſtellen. Viele e
ſind verwüſtet worden. T
zahlreiche Todesopfer gef.
Mitternacht aus mehreren
fenen Meldungen waren
Perſonen ums Leben geko
genfrühe wurde mit weiter
gerechnet, ſo daß die Zal
über 70 erhöhen dürfte.
in einer Bahn von einem 2
über eine Strecke von went
hin und entſchwand ſchli
Meciko. Auch in anderen
durch ſchwere Stürme groß
worden. Die Zahl der
ſtrophe wächſt mit jeder e
an, ſo daß man der Anſt
Schätzungen noch überſchri
Zurzeit rechnet man mit 7
hundert Verletzten. Eine
Zahlen iſt immer noch nich
kehrsmittel durch den Stu
ſind. Da der in den Kra.
fügung ſtehende Raum nie
vathäuſer und öffentliche C
ſtationen und Nothoſpitäle
Aus den Städten der Na
aller Eile Aerzte und K
dem Kataſtrophengebiel
Kreuz hat bereits Maßne.
der Not in dem betroffen
Der kleine Ort Froſt, der
hat, hat anſcheinend am ch.
ſind 26 Perſonen getötet !

Rache rabiater 9

Rom. Auf der Inter
ſtellung in Venedig griffen.
den bekannten Kunſtkritike
Sera Oietti an, wobeie!!
ßerbrochen wurden und de
lung für ſchöne Künſte au=
der
Frieden ſtiften wolle,
das linke Auge erhielt. 2
hat nunmehr erklärt, daß
dem Beſuch der Ausſtiellt.
die ſich den Geſetzen

[ ][  ][ ]

Donnerstag, den 8. Mai 1930

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Seite 10

Heute und folgende Tage!

Donnerstag, den 8. Mai 1930.

Heute und folgende Tage!

Der beste bisher gezeigte
deutsche Ton- und Sprechfilm

Eer
u
2
Er
Eine lustige Geschichte, die tief aus dem Brunnen
deutschen Volkstums schöpft ein Lied an die ewige
Jugend des Wiener Walzers.
In den Hauptrollen
spielen, sprechen und singen:
Gretl Theimer, Irene Eisinger, Willi Forst, Walter Janssen;
Szöke Szakall, Paul Hörbiger
Kompositionen von Rob. Stolz mit den berühmten Schlagern:
Zwei Herzen im 7/4-Takt‟
(Walzer)
Auch Bu wirst mich einst be-
trügen
(Slon-Fox)
In Wien, wo der Wein und
der Walzer blüht‟ (Wiener Lied)
In Deinen Augen liegt das Herz
von Wien (Slon-Fox)
Deutschmeister-Marsch‟
mit neuem Text
Dazu das bunte und aktuelle Beiprogramm.
Beginn der Vorstellungen 3,30, 5.45, 8.15 Uhr.
Jugendliche zugelassen.

Ein hundertprozentiger Lacherfolg!
Der neueste, der lustigste, der beste Pat und Patachon-
Film dieser Saison

Pat u. Patachon
als Modekönige
Regie: Lau Lauritzen
Neue Berliner Zeitung:
Da sind sie nun, die heit’ren Knaben,
Die hundertmal belacht wir haben,
Herr Pat und auch sein Kompagnon,
Der kugelrunde Patachon.
Sie trudeln sehr vergnigt und munter,
Des Lebens Schlidderbahn herunter.
Der eine dürr, der andre fett,
Ein amüsantes Clown-Duett.
Von Problematik kaum betastet,
Von Seelentiefe unbelastet.
Und über sie
im Reich der Hode‟
Ouietscht sich das Publikum zu Tode.
Das Lachen dröhnt und gellt und rasselt.
Der Beifall in Kaskaden prasselt.
Dazu das aktuelle u. bunte Beiprogramm.
Beginn 3½ Uhr
Jngendliche zugelassen.

Heute letzter Tag!
Der große Lustspiel-Film voll entzückender Pikanterien:
APIEU. MASCOTTE
mit LILIAN HARVEV als Das Modell vom Montparnasse‟
Fröhlich ausgelassene Schilderungen aus dem ungezwungenen Leben der Pariser
Bohéme, deren Mittelpunkt das Künstlerfest Ball der vier Künste bildet.
Dazu das bunte und aktuelle Beiprogramm
V7507
Beginn 3½ Uhr

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Vorrunde zur 2.5.B.-Meiſterſchaff.
zallkampf gegen England.

chwern Eüfung fur unſere Kakionalmannſchaft.
Schüler gegen Lehrmeiſter.

n ſchom
n125Rn
ngliſe

wiſſen es: daß England die Wiege des Fußball=
Inſelreich wurde jenes Spiel geboren und entwik=
populärſte
unter den Spielen geworden iſt. In
ſich die Regeln des Spiels, führte man ſchon vor
das Berufsſpielertum ein und in England arbeitete
richtunggebend an der Verbeſſerung und Ausgeſtal=
Erſt jetzt ſpricht man wieder einmal vom neuen
nd befleißigt ſich, es nachzuahmen. Der Fußball
auf den Kontinent verpflanzt und erlebte auch hier
geahnte Entwicklung. Immer aber noch iſt Eng=
hrmeiſter
geblieben. Trotz Uruguay ſpielt man auf
noch den beſten Fußball, und darum erwartet man
ter engliſchen Nationalmannſchaft in Berlin als das
ris des Jahres; bezeichnet man es als die ſchwerſte
* Fußballs.
Kleine Chronik.
ichen Beziehungen zwiſchen England und Deutſch=
ge
vor der Gründung des Deutſchen Fußballbundes
rgen. Die hiſtoriſch denkwürdigſte internationale
Bundesgründung war zweifelsohne der durch
de vermittelte Beſuch einer repräſentativen Vertre=
Al. im Jahre 1899 in Berlin, Prag und Karlsruhe.
die Beſuche hüben und drüben. Das erſteoffi=
biel
DeutſchlandEngland fand, aber erſt im
ſtatt und wurde von England 5:1 geſonnen. Beim
urd ging das Treffen ſogar 0:9 verloren, aber zwei
itten Zuſammentreffen in Berlin, ſtellte der junge
ch zwei prächtige Tore ein Unentſchieden von 2:2
vei Jahre dazwiſchen, ehe es zum vierten Länder=
Diesmal gewannen die Briten 3:0. Alle dieſe
3. wurden aber gegen Amateur=Repräſentative des
beſtritten. Bei der bevorſtehenden Begegnung am
r Stadion zu Berlin=Grunewald tritt
erſtenmale mit ſeinen beſten Berufsſpielern
ralelf entgegen, und dieſe Tatſache gibt dem Spiel
edeutung. England hat in den vergangenen Jah=
t
nach Schluß ſeiner nationalen Saiſon immer nur
getragen: gegen Frankreich und gegen Belgien. In
eten die Engländer auf die Spiele in Paris und
dafür Spiele zu gleichen Bedingungen (Teilung
Deutſchland und Oeſterreich ab. Vom
in Berlin machen es die Engländer abhängig, ob
chaft zu einem Gegenbeſuch in England empfangen
flich, daß ſie kein Intereſſe an einem Gegenbeſuch
deutſche Mannſchaft in Berlin hoch und mit einer
Tönnen geſchlagen würde. Die Engländer ſtellen
ſtarke Mannſchaft. Eine Elf, die in der gleichen
enigen Wochen einen ſenſationellen 5:2 Sieg über
in Sieg, der gegen die ſtärkſte Mannſchaft Schott=
vährend
Deutſchland das Unentſchieden im Vor=
nur
gegen eine zweite Garnitur erkämpfte. Die
Syſtem als erſte nach der Einführung der neuen
und es in dieſer Spielweiſe bereits zu einer=
imnung
gebracht. Daß die Einzelkräfte dieſer
mtlich ganz große Könner ſind, braucht nicht be=
Il von folgender Mannſchaft beſtritten werden:

H. Hibbs
(Birmingham)

F. R. Goodall
(Huddersfield Tovn)

M. Webſter A. Strange
(Middlesborough) (Wednesday)
Jford V. Watſon. D. Jack D. Crooks
gham) (Weſth. Un.) (Arſenal) (Derby County)

Spieler darf während des Kampfes nicht einge=
cichter
iſt der Holländer Mutters.
Unſere Chancen.
3 deutſchen Fußballs auf ein ehrenvolles Abſchnei=
England ſind feit dem ſchönen Erfolg in Zürich
at unſere Nationalelf gegen die Schweiz nicht nur
rbeit und eine feine Ballbehandlung gezeigt, man
T Vorzüge, die man beim Spiel gegen Italien in
2: Schnelligkeit, Elan und Schußvermögen. Nach=
cl
af den Poſten, die in Zürich noch etwas ſchwach
ber? tworden iſt, haben wir für ihr Abſchneiden gegen
ſimi echtigtes Vertrauen. Kämpft unſere Mannſchaft
mA gem Können, der Schnelligkeit und dem ſchönen
zurio) nn dürfte die Ueberlegenheit der engliſchen Baul=
auzir
) B werden. Wir rechnen auch bei aller Anerken=
utat
-1 engliſchen Fußballs nicht mit einer glatten Nieder=
benir
! rnögen wir allerdings mit einem Sieg der deut=
r
n. Aber vielleicht beſchert uns das Fußballglück
eita entſchieden. Das wäre natürlich ein ſehr ſchöner
volle AIffen
Weit über 50 000 Menſchen
Stagnachmittag im Deutſchen Stadion Zeuge des
in das Stadion im Grunewald noch mehr Men=
rwürde
auch die Zuſchauerzahl noch größer ſein,
überſteigen bei weitem die Mengen der zur Ver=
erſpielkarten
. Wenn man die Anteilnahme, die
a- pfe der letzten Zeit gefunden haben, beobachtet,
w 4) nicht mehr davon ſprechen, daß das Sportinter=
hache
en habe. Das Gegenteil ſcheint eher der Fall

iext 5gültig beſchloſſen, ſich nicht an den Fußball= Welt=
in
2 evideo zu beteiligen.
Auwel öln wird am 11. Mai in Budapeſt den Fußball=
Unge-) Italien leiten.

Die Paarungen am 18. Mai
lauten:
in Frankfurt (Stadion): Eintracht Frankfurt VfL. Benrath;
in Nürnberg (Stadion): Spog. Fürth Tennis=Boruſſia Berlin;
in Breslau (Stadion): Sportfreunde Breslau 1. FC. Nürnberg;
in Berlin (Poſtſtadion): Hertha=BSC. Beuthen 09;
in Bochum (T.u. S.=Platz): Schalke 04 Hannover 96 od. Arminia
Hannover;
in Halle (VfL.=Platz); Dresdener SC. VfB. Königsberg;
in Hamburg (Eimsbüttel): Holſtein Kiel VfB. Leipzig;
in Stettin (SSC.=Platz): Titania Stettin Sülz 07 oder Fortung
Düſſeldorf.
1. 5. C. Union 1913, e. B.
Zum fälligen Rückſpiel fährt Union kommenden Sonntag mit zwei
Mannſchaften nach Dieburg zum neuen Kreisliga=Verein Haſſia.
Im Vorſpiel holten die Dieburger ein verdientes Unentſchieden heraus.
Es wird an der Mannſchaftsaufſtellung hängen, ob. Union in Dieburg
ſiegt. Die Mannſchaften fahren ab Hauptbahnhof: 2. Mannſchaft 11.30
Uhr; 1. Mannſchaft 1,20 Uhr. Zum Spiel der Alten= Herrenmann=
ſchaft
vom vergangenen Sonntag iſt noch nachzutragen, daß die Lacher
kaum auf ihre Koſten kamen, da die Alten=Herren ein ſehr flottes ge=
fälliges
Spiel lieferten und die zweite Mannſchaft von Weiterſtadt mit
5:2 glatt überfuhren. Sportverein Lengfeld als Gegner der zweiten
Mannſchaft trat aus unbekannten Gründen nicht an.
Bikkoria Walldorf Bikkoria Urberach.
Die beiden Spitzenreiter in der Kreisliga Starkenburg trennten ſich
bekanntlich am vergangenen Sonntag nach Verlängerung unentſchieden
1:1. Der Verband hat das Entſcheidungsſpiel für den kommenden Sonn=
tag
auf dem Platz des Polizeiſportvereins Darmſtadt angeſetzt.
Heute Schwimmt-=Mannſchaftskampf
Turngemeinde 1846 Frankfurker Turnverein 1860.
Der heute abend 8,30 Uhr im ſtädtiſchen Hallenbad ſtattfin=
dende
Mannſchaftskampf im Schwimmen zwiſchen den beiden großen Ver=
einen
des Mittelrheinkreiſes, der Turngemeinde 1846 Darmſtadt und des
Frankfurter Turnvereins 1860, verdient beſondere Aufmerkſamkeit. Die
dabei vorgeſehenen Kämpfe für Turnerinnen gehen alle über die kurze
50 Meter=Strecke, ſo daß der Verlauf derſelben ſicher ein recht lebhafter
werden wird. Die Turnerinnen ſchwimmen ſowohl eine 4mal 50 Meter=
Bruſt= als auch eine 4mal 50 Meter=Lagenſtaffel. Inwieweit ſich die
Darmſtädter Turnerinnen=Staffel in ihrer veränderten Aufſtellung be=
währt
, muß der Wettkampf ergeben. Auch Frankfurt erſcheint mit neuer
Turnerinnen=Mannſchaft. Es befindet ſich jedoch die D.T.=Meiſterin
Weinig darunter. Der Kampf der Turnerinnen wird alſo ein recht
offener ſein.
Die Turner ſchwimmen eine 6mal 50 Meter Bruſt=, 4mal 50 Meter
Lagen= und 6mal 50 Meter Freiſtilſtaffel und beenden den Kampf mit
einem Waſſerballſpiel. Da die Zuſammenſetzung der Frankfurter Mann=
ſchaft
nicht bekannt geworden iſt, in ihr ſich jedoch einige recht gute
Kräfte befinden, und auch die Mannſchaft der Turngemeinde nicht zurück=
ſtehen
wird, dieſen Mannſchaftskampf, der über das Kräfteverhältnis
der beiden Vereine Aufſchluß geben wird, ſiegreich zu geſtalten, ſo iſt
kaum im Voraus der vorausſichtliche Sieger feſtzuſtellen. Allen Freun=
den
des Schwimmens dürfte alſo ein recht intereſſanter Wettkampfabend
bevorſtehen. Die Mitglieder der Turngemeinde 1846 werden beſonders
gebeten, zahlreich zur Stelle zu ſein.
Handball der Deutſchen Turnerſchaft.
Im Odenwaldgan.
Der 4. Mai brachte folgende Ergebniſſe: König 1. Eberſtadt 1.
4:3; König Jgd. Nieder=Klingen Jgd. 4:1; Lengfeld 1. Klein= Um=
ſtadt
1. 10:1: 2. Mannſchaften 3:3; Momart 1. Groß=Bieberau 1. 3:3;
2. Mannſchaften 2:0; Kirch=Brombach 1. Habitzheim 1. 6:2; Schaaf=
heim
1. Richen 1. 2:6; 2. Mannſchaften 1:2; Hergershauſen 1. Tg.
Darmſtadt 2. 2:4; Hergershauſen 2. Tg. Darmſtadt 3. 2:3; Mümling=
Grumbach 1. Höchſt 1. 4:2; Lützel=Wiebelsbach 1. König 2. 3:2.
Königs 1. zeigt eine beſſere Form wie acht Tage vorher. Was die
Gäſte an Technik voraushaben, gleicht ſie durch größeren Eifer aus, ſo daß
der Sieg verdient iſt. Die alten Kreisklaſſenkämpfer verleihen der Leng=
felder
Mannſchaft eine Spielſtärke, die an jede Gaumannſchaft heran=
reicht
. Die Rivalen von der Pflichtſpielreihe her, Groß=Bieberau und
Momart, trennen ſich unentſchieden. Der Habitzheimer Sturm merke
ſich, daß Eigenſinnigkeit nie zum Erfolg führt, ſondern nur gutes Zu=
ſpiel
. Die Vorgänge in Schaafheim ſind einfach nicht zu verſtehen!
Das Spiel in Hergershauſen iſt ruhig und ausgeglichen, jedoch die ſtär=
kere
Wurfkraft bei den Darmſtädtern. Die zweiten Mannſchaften hätten
weniger hart zu kämpfen brauchen. Lützel=Wiebelsbach iſt körperlich
überlegen und hätte darum feiner ſpielen dürfen. Mümling=Grumbach
wendet Eifer auf, ſo daß der Erfolg nicht ausbleibt.
Am kommenden Sonntag, den 11. Mai, ſpielen: König 1.
Erlenbach a. M. 1. um 2,30 Uhr; 2. Mannſchaften 1,30 Uhr; Leng=
feld
1. Michelſtadt 1. um 3 Uhr; Lengfeld 2. König Jgd. 2 Uhr;
Richen 1. Zell 1. 3,30 Uhr: 2. Mannſchaften 2,15 Uhr; Reinheim 1.
Langſtadt 1. 3 Uhr: 2. Mannſchaften 2 Uhr; Spachbrücken 1.
Habitzheim 1. 1 Uhr; Schaafheim 2. Höchſt 2. 2.30 Uhr; Klein= Um=
ſtadt
2. Schlierbach 1. 3 Uhr; Steinbuch 1. Steinbach 1. 2 Uhr.

Ringen Deutſchland Tſchechoſlowakei.
Die deutſche Ringer=Mannſchaft für den Länderkampf gegen die
Tſchechoſlowakei, der am 17. Mai in Prag ſtattfindet, iſt fetzt in einigen
Punkten geändert worden und ſieht nunmehr wie folgt aus: Fiſcher=
Cannſtadt, Meyer=Dortmund, Sperling=Dortmund, Földeak=Hamburg,
Krämer=Duisburg, Rupp=Mannheim und Müller=Kreuznach.
Für das Europa=Wafſerballturnier liegen bis jetzt die Meldungen
von Ungarn, Schweden, England, Belgien und Deutſchland vor.
Das Turnier ſelbſt kommt in Nürnberg zur Durchführung.
Beim internationalen Fechtturnier in Paris konnte die Olympia=
ſiegerin
Helene Mayer, die belgiſche Meiſterin Jenny Adams mit
10:4 Treffern ſchlagen.

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Schießſpork.

Schießſportklub Windmühle‟ 1924.
Kommenden Sonntag nimmt das Hauptſchießen, verbunden mit
Mannſchaftsſchießen um die Wander=Ehrenfcheibe Aſchaffenburg ſeinen
Abſchluß. Den Höhepunkt des Wettſtreites wird der Mannſchaftskampf
für ſich in Anſpruch nehmen, da die Aſchaffenburger Mannſchaften be=
ſtrebt
ſein werden, die Wander=Ehrenſcheibe wieder nach Bahern zurück=
zuholen
. Gelingt der Windmühl=Mannſchaft zum dritten Male der Sieg,
ſo geht die Plakette in feſten Beſitz des Vereins über. Der Zutritt zu
dieſem Wettſtreite iſt für jedermann frei.

Geſchäfkliches.

Fritzchen muß Einkäufe beſorgen denn Mutter hat heute
wieder großes Reinemachen. Was muß ich bringen, fragt er ſich
unterwegs. Ach ja, Bohnerwachs. Er ſpringt in den Laden, und
der Kaufmann nennt ihm zweierlei Preis. Was tut der Fritz?
Mit voller Selbſtverſtändlichkeit nimmt er das Teure, denn er
ſagt ſich, das muß auch beſſer ſein. Der kleine Philoſoph hat recht,
aber ſeine Mutter ſchimpft ihn gehörig aus. Sie entdeckt aber
bald, wie ausgiebig Wichsmädel iſt. Hauchdünn aufge=
tragen
, gab es ſchon einen dauerhaften Hochglanz; deshalb reichte
es auch mehr als doppelt ſo weit, ſo daß es in Wirklichkeit billiger
iſt. Sollte Sie das Erlebnis von Fritzchens Mutter nicht auch zum
Nachdenken anregen?
Etwas Neues für die Küche bringt die Maggi= Geſell=
ſchaft
, und zwar eine fertige Bratenſoße in Würfelform. Dieſe
enthält alle nötigen Zutaten und ergibt ohne Umſtände, lediglich
durch kurzes Aufkochen mit Waſſer, eine vollmundige Soße, die
man zu Braten aller Art, Nieren, Gulaſch, Nudeln, Klößen, Kar=
toffelſpeiſen
uſw. verwenden kann. Dieſe Bratenſoße (in Würfeln
für 1 Liter) reiht ſich den altbekannten Qualitätserzeugniſſen
von Maggi würdig an.
Einen außerordentlich praktiſchen Wagen
hat Citroen=Köln ſoeben mit der Kombinations=Limouſine her=
ausgebracht
. Das Fahrzeug kann mit wenigen Handgriffen aus
einem vornehmen Perſonenauto in einen eleganten Lieferwagen
verwandelt werden und umgekehrt. Eine beſſere Ausnutzung des
Fahrzeuges als ſie hier möglich iſt, läßt ſich nicht denken, denn hier
ſind zwei Wagen in einem vereinigt, und die Koſten für einen
zweiten Wagen an Anſchaffung, Garage, Steuer, Verſicherung uſw.
können vollſtändig eingeſpart werden.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 8. Mai. 13.30: Schallplatten. o 15: Jugend=
ſtunde
. O 16: Bad Homburg; Konzert. Blankenburg: Feſtjubel.
Donizetti: Ouv. Anna Bolena. Bellini: Fantaſie aus Norma‟
Meiſel: Luſtiges Wien. Rhode: Vom Rhein zur Donau,
angereihte Stücke. Danach: Neue Tanzmuſik. O 17.50: Wander=
ratſchläge
des Taunusclubs Frankfurt am Main. O 18.05: Zeit=
fragen
. O 18.35: P. Edm. Hahn: Die Maas: Der andere Rhein.
O 19.05: Franzöſiſch. O 19.30: Konzert. Heuberger: Ouv. Der
Opernball. Eysler: Großes Potpourri aus Der Frauen=
freſſer
. Nedbal: Kavalier=Walzer aus Polenblut Straus:
Bulgaren=Marſch aus Der tapfere Soldat. 20: Aus der Lieder=
halle
Stuttgart: Zeitgenöſſiſche Muſik. Schönberg: Kammerſinfonie.
Tſcherepnin: Konzert für Orcheſter und Klavier in A=moll.
Marx: Lieder. 21: Zeitbericht: England und die Lage der
ruſſiſchen Chriſten. (Actualis.) O 21.40: Kammermuſik. Brahms:
Trio für Klavier, Violine und Cello. Kahn: Lieder. Kahn:
Aus dem Klapierzyklus Zwiſchen Sommer und Herbſt. O 23:
Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Donnerstag, 8. Mai. 9: Unterhaltung mit
einem Schaffner der Berliner Straßenbahn. O 9.30: Dr. Knott=
nerus
=Meyer: Meine Freunde die Papageien. O 10.35: Mitteil.
des Verbandes der Preuß. Landgemeinden. o 14.30; Jugend=
ſtunde
. O 15: Deutſch für Ausländer. O 15.45: Frauenſtunde.
L. Thurneiſer: Erinnerungen an Buſoni. O 16: E. Kloß: Schul=
funkerfahrungen
vor dem Mikrophon und in der Klaſſe. o 16.30:
Berlin: Konzert. O 17.30: Hans Eris Buſſe lieſt ein Kapitel
aus dem Band Das ſchlafende Feuer. O 17.55: Dr. Linde;
Neue deutſche Eindrücke aus China. o 18.20: Dr. Hagemann;
Reiſeerlebniſſe im Orient. O 18.40: Spaniſch für Fortgeſchrittene.
O 19.05: C. Janetzki=Waltdorf: Silo und deutſcher Silomais
in ihrer Bedeutung für die heimiſche Landwirtſchaft. O 19.25:
Inhalt und Perſonen zu der nachf. Uebertr. O 19.30: Krolloper,
Berlin: Der Freiſchütz. Oper von Weber. O. Anſchl.: Zeit,
Wetter. O Danach: Tanzmuſik.

Wekterbericht.

Im Bereich der Tiefdruckrinne kam es im Laufe des geſtrigen Tages
durch das Zuſammentreffen verſchieden temperierter Luftmaſſen zu Ge=
witterſtörungen
, die recht ergiebige Niederſchläge mit ſich führten. Das
ſich geſtern weithin erſtreckende Störungsgebiet hat ſich mehr zuſammen=
gezogen
, jedoch in ſeinem Kern, der heute morgen über Süddeutſchland
liegt, etwas vertieft. An der Rückſeite kommt es nun zur Zufuhr kühler
Ozeanluft, die das Wetter zunächſt etwas unfreundlich geſtaltet. Bei
wechſelnder Bewölkung werden noch vereinzelt Regenſchauer auftreten.
Mit der Zeit wird aber durch die Kaltluft das im Nordweſten liegende
Hochdruckgebiet nach dem Feſtland angeſaugt, ſo daß ſpäterhin wieder
eine Beſſerung zu erwarten iſt.
Ausſichten für Donnerstag, den 8. Mai: Kühles, wechſelnd wolkiges
Wetter, ſpäterhin wieder aufheiternd, noch vereinzelt Regenſchauer.
Ausſichten für Freitag, den 9. Mai: Teils wolkig, teils aufheiternd, tags=
über
etwas wärmer, meiſt trocken.
Hauptſchriftlettung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltlk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für; Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; fürSport:Karl=Böhmagn;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas: Bauerkfür
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette;
für 2den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle,
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
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[ ][  ][ ]

Nummer 127
Narmſtadt

Donnerste

Bautt

der Abſchluß der J.6. Zarbeninduſkrie

Opkimiſtiſche Darlegungen. Die Bedeutung des
Amerikageſchäfkes. Behaupkeke Liguidikät.
Während der Beſchluß der Aufſichtsratsſitzung, neben der Ausſchüt=
tung
von 12 Proz. Dividende durch die Sonderzuwendung von 2 Proz.
Freigabe=Bonus eine gewiſſe Senſation brachte, zeigt der vorliegende
Geſchäftsbericht, der die einzelnen Arbeitsgebiete je nach Wichtigkeit
ausführlich behandelt, kaum über das bisher bekannt gewordene hinaus
etwas bemerkenswertes Neues. Es fällt im Konto Beteiligung der um
11 Millionen erhöhte Rheinſtahlbeſitz auf; außerdem ſind die Neuerwer=
bungen
im letzten Jahre nur teilweiſe aufgeführt. Trotzdem erſcheint
bilanzmäßig die Beteiligung um rund 20 Millionen RM. niedriger,
wobei zu berückſichtigen iſt, daß eine Verſchiebung der Beteiligung zu=
gunſten
der J.G. Chemie Baſel, ſowie die Einbeziehung der amerika=
niſchen
Farben= und Oelintereſſen in die amerikaniſche J. G. Chemical
erfolgte, die wiederum bei der J.G. Chemie Baſel liegt. Eine ſub=
ſtanzmäßige
Verringerung der Beteiligung iſt nicht anzunehmen, ſon=
dern
umgekehrt das Gegenteil. Der zweite bemerkenswerte Poſten, das
um rund 90 Millionen verminderte Bankguthaben, deutet nicht etwa
auf verminderte Liquidation hin, ſondern das letztjährige große Bank=
guthaben
zeigte aus der Kapitalbeſchaffung bei der J. G. Chemie Baſel
vorhandene Mittel, die inzwiſchen für die Umſtellung des Leunawerkes
verbaut worden ſind. Da das Werk Merſeburg bilanzmäßig nicht ge=
ſendert
erſcheint, iſt eine anderweitige bilanzmäßige Darſtellung nicht
erſichtlich. Zu beachten bleibt hierbei, daß auch die Bankſchulden der
J. G. und ſonſtige Verbindlichkeiten um insgeſamt 85 Millionen zurück=
gegangen
ſind.
Die Gewinn= und Verluſtrechnung macht diesmal die Generalunkoſten
nicht geſondert erſichtlich, verzeichnet dagegen die Steuerleiſtungen mit
über 66 Mill. RM. Gegenüber einem Roherträgnis (alles in Mill.
R.M) 256,48 (257,14) verbleiben nach den Generalunkoſten von 70,1
(71,8) Mill. Abſchreibungen ein Reingewinn von 110,06 (122,88) Mill.
RM., aus dem bekanntlich wieder 12 Prozent Dividende verteilt werden.
Außerdem werden aus den 21,06 Freigabe=Eingängen 2 Prozent Bonus
gewährt. Im einzelnen berichtet die J.G. folgendes:
Die rückläufige Bewegung in der Weltwirtſchaft verſtärkte ſich in
ihrem Einfluß bei der J.G. im letzten Viertel 1929 und im erſten Vier=
tel
1930. Seitdem iſt eine Beſſerung zu verzeichnen. Der Vorjahrs=
umſatz
wurde wieder erreicht.
Das Farbengebiet wurde von der Abſchwächung der Weltkonjunktur
kaum betroffen. Eine erhebliche Anzahl neuer wertvoller Farbſtoffe
und Färberei=Hilfsprodukte wurden in den Handel gebracht. Im neuen
Jahre wird mit einem Aufleben des Verbrauchs infolge geänderter
Moderichtungen gerechnet. Das geſamte Farbengeſchäft der J.G. wird
im Spätherbſt 1930 auch räumlich im neuen Verwaltungsgebäude Frank=
furt
vereinigt ſein. In anorganiſchen Erzeugniſſen und organiſchen
Zwiſchenprodukten wurde eine erneute Umſatzſteigerung erzielt. Im
laufenden Jahre hat die ungünſtige Weltkonjunktur den Chemikalien=
abſatz
nur wenig beeinflußt. Auf dem Leichtmetallgebiet wurde der
Auslandsabſatz erhöht. Auf dem Gebiete der Pharmazeutik einſchließ=
lich
Pflanzenſchutz war die Entwicklung ſehr befriedigend. Das Geſchäft
auf dem photographiſchen Gebiet geſtaltete ſich wieder günſtig. Dagegen
iſt die Lage auf dem Kunſtſeidegebiet nach wie vor ſehr unbefriedigend.
Die Produktion an Düngeſtickſtoff wurde eingeſchränkt, um die Vor=
räte
nicht zu ſehr anwachſen zu laſſen. Der Inlandsabſatz war höher,
der Auslandsverkauf geringer.
Das Gebiet der Hydrierung führte zu der bekannten Vereinbarung
mit der Standard Oil Company, die beſonders die Verarbeitung der
ſchweren Rohöle behandelt. Der Abſatz in Leichtbenzin in ſtark geſtie=
gen
. Zu dieſer Vereinbarung trat eine ſolche für die Kohle= und Teer=
hydrierung
. Zur Auswertung wurde gemeinſam mit der Standard
Oil eine Holding Geſellſchaft, die Standard J.G., gegründet. Man
erwartet beſonders aus den Oel=Lizenzen künftig weſentliche Einnahmen.
Insgeſamt iſt die Verwaltung der J.G. für die nächſte Zukunft ovti=
miſtiſch
geſtimmt. Die Zahl der beſchäftigten Arbeiter und Angeſtell=
ten
iſt um 23000 auf 131000 wegen des Abſchluſſes des Ausbaupro=
gramms
Ende 1929 zurückgegangen.
Die Bilanz zeigt (alles in Mill. RM.): Stammkapital 799,347
(799,297), Vorzugsaktien 13,393 (13,393), Reſerve 200,0 (188,29), Wohl=
fahrtsfonds
53,0 (46,4), Teilſchuldverſchreibungen aus 1928: 249,7 (250,0),
Zinſen auf dieſe 14,98 (15,0) und Verbindlichkeiten 327,80 (412,57), dar=
unter
Bankſchulden 31,05 (82,09). Andererſeits erſcheinen: Anlagewerte
501,0 (451,91), Beteiligungen und Wertpapiere 288,63 (306,26), Vorräte
357,99 (342,126), Forderungen 485,879 (500,47), Kaſſe und Wechſel 22,62
(23,31) und vermindertes Bankguthaben 136,83 (227,77). Dividenden=
berechtigt
für 1929 iſt wieder ein Stammkapital von 799,347 Mill. RM.
Die Beteiligungen der J.G. haben befriedigend gearbeitet. Die Basler
J.G. könne 1930 aus eigenen Erträgmiſſen die Dividende beſtreiten. Die
J.G. Chemical trug für 1929 einen Reingewinn von 2,088 Mill. Doll.
vor. Die Entwicklung im laufenden Jahre iſt befriedigend. Die flüſſi=
gen
Mittel der J.G. haben eine weſentliche Erhöhung erfahren.
Generalverſammlung am 4. Juni.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe im Monatsdurchſchnitt April
1930. Im Monatsdurchſchnitt April ſtellte ſich die Großhandelsindex=
ziffer
des Statiſtiſchen Reichsamtes auf 126,7; ſie hat ſich gegenüber dem
Vormonat (126,4) um 0,2 v. H. erhöht. Die Indexziffern der Haupt=
gruppen
lauten für Agrarſtoffe 112,1 (plus 1,9 v. H.), für induſtrielle
Rohſtoffe und Halbwaren 124,8 (minus 0,6 v. H.) und für induſtrielle
Fertigwaren 151,9 (minus 0,7 v. H.).
Süddeutſche Induſtrie= und Handelsbörſe, Stuttgart. Baumwoll=
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aus 20/20 1111,3 46,6047,50; 88 Zentimeter Renforce 18/18 pr.
¼ frz. Zoll aus 30/30: 10,210,7 42,8044,10; 92 Zentimeter glatt
Kattune 19018 pr. ¼ frz. Zoll 36/42: 8,608,80 35,1037 je Zenti=
meter
. Tendenz ſchwächer. Nächſte Börſe 21. Mai.
Deutſchland an erſter Stelle als Einfuhrland Frankreichs. Nach
einer amtlichen Statiſtik über den franzöſiſchen Außenhandel in den erſten
drei Monaten dieſes Jahres iſt unter den Einfuhrländern Deutſchland
an die erſte Stelle gerückt, während es früher an dritter Stelle hinter
den Vereinigten Staaten und Großbritannien ſtand. Die Einfuhr aus
Deutſchland hat ſich von 1,33 Milliarden Franken im erſten Vierteljahr
1929 auf 1,94 Milliarden Franken vermehrt. Als Ausfuhrland Frank=
reichs
nimmt Deutſchland mit 1,13 (1,14) Milliarden Franken nach wie
vor den dritten Rang hinter Großbritannien und Belgien=Luxemburg ein.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Ein Konſortium, das der Standard Elektrizitäts=Geſellſchaft A. G.
naheſteht, har Vereinbarungen getroffen, um ſich in den Beſitz der
Aktienmaforität der C. Lorenz A.G., Berlin, zu ſetzen. Das Konſor=
tium
wird vorausſichtlich demnächſt den Aktionären der C. Lorenz ein
Angebot zum Kurſe von etwas unter 190 Prozent unterbreiten.
Die Mitglieder des belgiſchen Fenſterglasſyndikats beſchloſſen ein=
ſtimmig
die Stillegung ſämtlicher maſchinellen Fenſterglashütten mit
Wirkung ab 1. Juni 1930 auf unbeſtimmte Zeit. Von dieſem Beſchluß
ſind lediglich drei Werke ausgenommen, und zwar die S.A. des Verre=
ries
de Gilly, die S.A. des Verreries de Mariemond und die S.A. de
Verreries Mecaniques de Lodelinſar.
Die Zahl der Arbeitsloſen in Großbritannien betrug in der am
27. April beendeten Woche 1 698 400 Perſonen. Das bedeutet eine Zu=
nahme
um 38 087 gegenüber dem 14. April und um 534 592 gegenüber
derſelben Woche des Vorjahrs.
Das chineſiſch=japaniſche Zollabkommen, in dem Japan der chineſi=
ſchen
Regierung volle Zollautonomie zuerkennt, iſt nunmehr in Nanking
unterzeichnet worden. Das Abkommen, das nach langwierigen Ver=
handlungen
zuſtande kam, dürfte weſentlich zur Hebung des gegenſeiti=
gen
Handelsverkehrs Leitragen.

Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 7. Mai.
Angeregt durch den feſten Schluß der New Yorker Börſe eröffnete
die Börſe freundlicher. Im Vordergrund der Börſenbewegung ſtehen
weiter deutſche Renten, die ein ſehr lebhaftes Geſchäft zeigten, ſo ge=
wannen
Neubeſitzanleihe 0,25, Altbeſitzanleihe, die an der geſtrigen
Abendbörſe etwas vernachläſſigt waren, 0,30 Prozent. Schutzgebiets=
anleihe
mitgezogen, und gleichfalls leicht erhöht. Am Aktienmarkt liegt
das Geſchäft ziemlich klein. Die anhaltende Metallbaiſſe beeinträchtigte
die Stimmung am Markte für Kupferwerte. Der heute veröffentlichte
Geſchäftsbericht der J. G. Farben konnte anregen, da die Geſellſchaft
über ein befriedigendes Ergebnis im laufenden Jahre berichtet. Zum
amtlichen Beginn lagen Farben 1½/s Prozent feſter, gaben aber im Ver=
laufe
0,5 Prozent nach. Am Elektromarkte Siemenswerte nach den letz=
ten
Abſchwächungen wieder 2 Prozent befeſtigt. Dagegen AEG. 0,5 Pro=
zent
niedriger. Am Montanmarkte lagen Rheinſtahl im Verfolge der
Bewegung weiter ſtark erhöht um 2,5 Prozent, Buderus 0,75, Gelſen=
kirchen
1 Prozent höher. Uneinheitlich lagen Bankaktien, Commerzbank
0,5 Prozent feſter, dagegen Deutſche 0,25, Dresdner 1 Prozent niedriger.
Kaliaktien zeigten rückläufige Tendenz, Aſchersleben 1,5, Weſteregeln 2
Prozent niedriger. Auch Zellſtoffwerte niedriger. Aſchaffenburger ein
Prozent abgeſchwächt. Am Kunſtſeidemarkt Aku 1,5 Prozent befeſtigt
auf die Londoner Einführung der Aktie. Von Verkehrswerten Hapag
und Nordlloyd je 1,5 Prozent befeſtigt. Von Einzelwerten gewannen
Junghans auf die Fuſion 7/₈ Prozent. Stärker erhöht lagen Deutſche
Linol., die 1,5 Prozent gewinnen konnten. Metallgeſellſchaft 0,5 Pro=
zent
höher, dagegen Wayß u. Freytag um 1 Prozent abgeſchwächt. Im
Verlaufe der Börſe blieb das Geſchäft an den Aktienmärkten klein, die
Kurſe wurden allgemein ſchwächer. Nur deutſche Renten weiter lebhaft.
Am Geldmarkt iſt Tagesgeld geſucht bei 44,5 Prozent. Am Deviſen=
markt
nannte man RM. gegen Dollar 4,1902½, gegen Pfunde 20,36½,
LondonNew York 4,8595.
An der Abendbörſe war die Stimmung wieder freundlicher,
ohne daß jedoch das Geſchäft lebhafter geweſen wäre. Eine Anregung
boten die feſten New Yorker Anfangskurſe. Die Kuliſſe nahm ſpäter
in einzelnen Werten Deckungen vor. Gegenüber dem Berliner Schluß
waren die Kursveränderungen gering. Am Rentenmarkt war die Um=
ſatztätigkeit
weiter recht lebhaft.
Berlin, 7. Mai.
Leichtes Geld und feſtere Auslandsbörſen hatten ſchon im heutigen
Vormittagsverkehr eine freundlichere Stimmung aufkommen laſſen. Fer=
ner
beeinflußten der Geſchäftsbericht der J. G. Farben, der bei ſtark ver=
ringerter
Belegſchaft einen etwa auf Vorjahrshöhe gehaltenen Erfolg
aufweiſt und die gemeldete Schwachſtromtransaktion LorenzStandard
Electric die Tendenz in günſtigem Sinne. Gegenüber den feſteren Vor=
börſentaxen
enttäuſchten die erſten Notierungen zwar etwas, lagen aber
bei der Mehrzahl der Papiere immer noch bis zu 1 Prozent über dem
geſtrigen Schluß. Selbſt die anhaltende Geſchäftsloſigkeit und die für
die Aktienmärkte bei den Banken fehlenden Orders konnten hieran nichts
ändern. Das Hauptintereſſe konzentrierte ſich nämlich auch weiterhin
auf feſtverzinsliche Werte, und nur der Anlagemarkt hatte lebhafteres
Geſchäft aufzuweiſen. Der Verlauf brachte auch am Effektenmarkt in
einigen Spezialwerten etwas lebhafteres Geſchäft. Schiffahrtsaktien
waren im Verlaufe auf Käufe eines Privatbankhauſes bemerkenswert be=
feſtigt
.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 7. Mai;
Getreide. Weizen: Mai 100½, Juli 101½, September 1038
Dezember 108½; Mais: Maj 79½, Juli 80½, September 817
Dezember 75½; Hafer: Mai 4134, Juli 405, September 39½8,
Dezember 4238 Roggen: Maf 58, Juli 62½, September 66½,
Dezember 70½.
Schmalz: Mai 10,25, Juli 10,32½, September 10,55.
Speck, loko 14,25.
Schweine, leichte 9,7510,25, ſchwere 9,5010; Schweinezu=
fuhren
: Chicago 15 000, im Weſten 78 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 7. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 10,95; Talg, extra, loſe 6.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 118½, Hartwinter
107½, Mais 90. Mehl 5,505,65; Getreidefracht: nach England
1,6 bis 2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8 Cents.

Die Realkredikgewährung ir
Zunahme des Geſamkumlaufs um
Der Bruttozugang an Pfandbr
der Statiſtik der Bodenkreditinſtitute (einſch
inſtitute) bis zum 31. März 1930 gegenüber d
rd. Mill. RM.) mit 288 (144) verdoppelt.
mit 32 (30) wenig verändert iſt. Der Net
ſomit 256 (114). Der Hauptanteil des Zugan

Bei den Kommunalobligatione
Bruttozugang auf 38 (33), während der Al
unverändert war. Hier entfallen von dem
auf den 8prozentigen Typ.
Der Auslandsabſatz an Pfandbrie
langer Zeit zum erſten Male wieder zu verz
bei den Pfandbriefen auf 5,69, bei den Ke
auf 0,11. Andererſeits hat ſich aber auch de
ſtärkt, und zwar betrug er bei den Pfandbrief
Kommunalobligationen 2,38, ſo daß trotzdem
lande um 28 abgenommen hat.
Bei den Liquidationspfandbri
mal nur 7 (23) neu in den Verkehr gebracht
16 (24).
Der Geſamtumlauf einſchl. 2435 (
pfandbriefen hat ſich von 10 969 im Vormone
erhöht.
Beim Hypothekengeſchäft zeigen
lichen Hypotheken einen Abgang um 7 (Zug
Gegenſatz hierzu die ſtädtiſchen Hypotheken mi
dreifachten Zugang aufweiſen. Bei den land
theken im Geſamtbetrage von 2733 (2740) ſta
Mitteln der Deutſchen Rentenbank=Kreditanſt a
auf Roggen lautend bei den ſtädtiſchen s
(4461) entfallen 463 (456) auf gewerbliche Be
704 (688) auf Wohnungsneubauten.
Die Kommunaldarlehen (2723
einen ſtark erhöhten Zugang um rund 117 (=
Die aus Aufwertung entſtande
lichen Hypotheken ſind mit 535 (537) wied
ebenſo die ſtädtiſchen Hypotheken mit 1643
munaldarlehen mit 411 (409).

A

Mekallnokierungen

Die Berliner Metalltermine vom 7. Mo
Kupfer: Januar, Februar, März und A
94 (97) Juni 94.50 (95), Juli 94.75 (95), A
95.25 (95.75), Oktober und November 95.5
95.50 (96). Tendenz: ruhig. Für Blei;
März 34.25 (34.25), April 34.25 (34.50), Mc
33.50 (34.25), Juli 33.75 (34.25), Auguſt 33.7
Oktober, November und Dezember 34 (34.50.
Für Zink: Januar 33.75 (34.75), Februaz
(35.25), April 35.25 (35.50), Mai 30.50 (33,
Juli 31 (33), Auguſt 31.50 (33), September
und November 32 (34), Dezember 33 (34.25
Die erſten Zahlen bedeuten=Geld, die in Kla=

9
.
E
75
md
5
R4
m!

Prodnkkenberichke.

Frankfurter Produktenbericht vom 7. Mai.
duktenmarkt herrſchte heute ſtarke Luſtloſigkeit ur
ſo daß trotz der Regelung der Einfuhrſcheinwe=
Geſchäftes eintrat. Die Preiſe waren trotz flauer
verändert. Nur in Roggen und Futtermittelr
ziemlich. Der Weizen= und Roggenmehlabſatz
Mühlenofferten unbefriedigend. Es notierte G
übrigen Waren je 100 Kg. ab Frankfurt a. M.
182,50185, Gerſte 205207,50; Hafer 1851
43,5045,25; niederrhein. 43,2545; Roggenmeh
kleie 7,75; Roggenkleie 99,25. Tendenz: flau.

Berliner Kursbericht
vom 7. Mai 1930

M H
Danatbank

Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd

A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

Nerf
127.50
141.75
142.-
111.50
160.
112.-
169.
B5.75
135.50
185.
70.-
169.50
165.50
101.50

Mie Wee
J. G. Farben
Gelſenk. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann .
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel

V
182.50
138.50
166.50
124.
107.
101.875
226.
100.25
104.75
04.25
52.
87.
111.
82.

eee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka)
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtol
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln. Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

Vee
71.
396.
151.
146.50
97.125
230.
79.
35.
66.
122.50
75.
168.
18.25
86.
50.125

Helſingfors
Wien

Prag
Budapeſt
Sofia

Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
M

Währun
100 finn. Mk.
100 Schillin
100 Tſch. Kr.
100 Pengo
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 2=Stg.
1 Pap. Peſol
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
00 Franes

We
10.542
59.03
12.407 1
73. 165
3.036
168.42/ 1
111.99
111.98
112.31
20.341
1.619
4. 1865
8.39
21.945
6.42 11

Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
2Rio de Janen
Jugoſlawien
Portuga
Althen
Konſtantinop
Kairo
Kanada
Uruguay
Island
Tallinn (Eſtl
Riga

Frankfurter Kursbericht vom T. Mai 1930.

7% Dtſch. Reichsanl.
9 Baden.. ....
80 Bahem.. . . . .
....."
8% Heſſen v. 28
v. 21
6% Preuß. Staats=
anl
.. . . .
..
82 Sachſen ...."
72 Thüringen..

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. +
Ablöſungsanl.
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
.

8% Baden=Bader
6O Berlin
8% Darmſtadt v. 2/
v. 2
Frankf. a. M
8% Mainz.. . . ."
8% Mannheim.
8% Nürnberg..
8% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . ..
30 Goldob.
4½% Heſſ. Lds.
Hyp.=Bk.=Liquid
Pfbr. . . . . . . . .
20 Preuß. Lds.,
pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr. . . . . . . . . .
Goldobl
8% Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl
8%Kaſſeler Land.,
kredit Goldpfbr.

103.4
87
89.95
100.5
83.75
94.25
9411.
100
80.5
85.75

60.15
12.05

3.55

92
94
94
90.25
94

98.5
93

83.1

100
95.5

95
98

Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . . . . .
4½% Obl.

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+Ausl. Ser. I
Ser,II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)

%6 Berl. Hyp.=Bk.
% Liqu.=Pfbr
Frkf. Hyp.=Bk.,
20 Lig. Pfbr
Pfbr.=Bk
O Lig. Pfbr.
% Mein. Hyp.=B!
Lig. Pfbr
Pfälz. Hyp.=Bk
½% Lig. Pfbr.
% Preuß. Boden=
ered
.=Bank ..."
½%0 Lig. Pfbr. .
% Preuß. Centrl.=
Bodener.=Bank
4½% Lig. Pfbr.
Rhein. Hyp.B.
4½% Lig. Pfbr
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit.. . . .
8% Südd. Bod.,
Cred.=Bank ....
4½%0 u Lig. Pfb
8% Württ. Hyp.=B.

6 Daimler=Benz
% Dt. Linol. Werke
30 Klöckner=Wer=
Mainkraftwerke
2 Mitteld. Stahl=
werke
... .. .."
0 Salzmann u. Co
7% Ver. Stahlwerke
320 VoigtcHäffne=

100
83‟l.

58.2
74
16
100
85.5
100
85.9
100
87.8
100
100
86.25
100

99
83
100
86.5
100
00
84.5
109

76

95
90.25
90.5
90.25
91:
95.5

J. G. Farben Bonds /111.25

5% Bosn. L.E.
L.Inveſt.
/4½% Oſt. Schatz
anw.. . ......
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän
WSa
48 Türk. Abmin.
1. Bagdad
Zollanl.
/½% Ungarn 1913
1914
Weo
Goldr.
1910
42
Aktien
Hlg. Kunſtziide Unie
AEG. Stamm.
AndreaeNoris Bahn
ſBaſt Nürnberg
Bemberg. J. P....
Bergm. El.=Werke.
BrownBoverickCie.
Brüning & Sohn".
Buderus Eiſen...
WCement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Albert
Chade .........."
ſContin. Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz A. G.
Dt. Atl. Telegr. ..
Eiſenh. Berlin,
Erdöl .......
Gold= u. Silb.=Anſtalt.
Linoleumwerk
Dyckerhoff u. Wid=
mann
...

Eichbaum=Werger.
Elektr. Licht u. Kraft
Liefer=Geſ.

33.2!

17
8.075

6.
20.8
111
168.5
123.5
127

135.25
142.25
201
348
171

128
1
150.75
745

164.5

Eſchw. Bergwerk..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas ......"
Hof..

Geiling E Cie.
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr. Unter=
nehmungen
....
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchiner
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft..
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau
Henninger, Kemp
HilpertArmaturfbr.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer. . ..
Hochtief Eſſen ..
Holzmann, Phil.
Holzverk.=Induſtriel
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm

Kali Chemie.
Aſchersleben
Salzdetfurth
Weſteregeln
Kammgarnſpinn. .
Karſtadt, R.
Klein, Schanzlin
Klöcknerwerke

Lahmeyer & Co.
168
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch. 252
Lüdenſcheid Metallſ 59
Lutz Gebr. Darmſt. 8
Mainkr.=W. Höchſt 95
Mainz.Akt.=Br. . . . 175

212
210

181.75
86.5

1u0
50.25

164.5
68
De.
187.5

162
112
85
122
96.75
100.75

156
Mk
395
228.5
101
136
16.5

Mannesm.=Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſel
Nicolah, Hofbr.
Nürnberger Brauh.
Oberbedarf ...."
Otavi Minen ...
Phönix Bergbau
Reiniger, Gebb. ..
Rh. Braunkohlen
Elektr. Stamm
Stahlwerke. ..
Riebeck Montan..
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke ...."
Sachtleben A. G. ..
Salzw. Heilbronn. . 120
Schöfferhof=Bind.. /264
Schramm, Lackfabr.
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Schuckert Elektr. . . /191.5
Schwarz=Storchen.
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Siemens & Halske
Strohſtoff. Ver. . .
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Zucker=A. G.
Svenska Tändſticks
Tellus Bergbau ...
Thür. Liefer.=Geſ.=
Tucher=Brauerei..
Unterfranken .....!
Beithwerke .
Ver. f. Chem. Int
Laurahütte ..
Stahlwerke ...
Ultramarin ... .
Zellſt. Berlin..
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner.

113
144
119.75
103.5
69.25
178
80
120.5
135.5
241

160.5
108.5
103
106.75
22.
79.75

[ ][  ][ ]

end sinn Misliennn.
an von Richard Graeves.

Teton=Verlag H. D. Herzog, Berlin=Halenſee.
Nachdruck verboten.

Eiſenzahnſtraße 62.)

n.

eine Verräterin geworden, Peggy? fragte

Heren? fragte Charlie, während er ſich mit
n den Türpfoſten lehnte.
erwiderte ſie zitternd, ſie werden mich für
zu ihr umwendend.
es mir ſo grauſam ſchien, dich in dieſem
en zu halten, antwortete ſie errötend.
rund? fragte er hartnäckig weiter.
! rief ſie flehend und in einer tiefen Bewe=
rißverſtand
. Er war überzeugt, daß er ihr
atte.
daraus, Peggy, ſagte er. Ich danke dir

Komm, wir wollen den anderen zuſammen

n. S erde dich reinwaſchen.

räften erkämpften ſie ſich den Weg zum
er teil der Meuterer verſammelt war.
rraſcht und beſtürzt auf, als ſie das Paar
öne Beſcherung! rief de Mille, aber ohne
ind Sie entwiſcht, Charlie? Ich wollte Sie

=rwiderte Charlie. Meine Wächter deſer=
ine
Tür offen. Um es gleich vorwegzuneh=
en
, daß die Jacht nicht nach Boſton fährt.
ich befürchtet habe, murmelte Vanderpool.
ſerm kt nach New York, fuhr Charlie fort,
arer) ſe Worte ausgeſprochen, als eine heftige
Bs den Sprecher zu Boden warf.
ſir 1 auf dem Meeresgrunde landen, fügte er,
ufri id, hinzu.
nm 1) es nicht werden, erklärte Kapitän Perry,
ur eisl eten war. Immerhin muß ich euch alle,

n der iſt, hier unten halten, denn ich möchte
anss r Bord geſpült wird.
uuu üren, die auf Deck führten, wurden feſt ge=
die
l ſte der Jacht verſuchten, ſich im Salon die
ſberr, gut wie es ging. Es herrſchte jedoch unter
sge/ hen gedrückte Stimmung. Charlies Sar=
ſe
W ile des Aermelkanals gegenüber dem Atlan=
ten
keinem Verſtändnis.

Donnerstag, den 8. Mai 1930

Wenige der Paſſagiere fanden Schlaf in der folgenden Nacht.
Schon das Knarren der Fugen allein und das Brauſen der Sturz=
ſeen
, die ſich über das Schiff ergoſſen, hätten ſtärkere Nerven in
Aufruhr gehalten, als die Paſſagiere im Augenblick beſaßen. Das
Boot legte ſich einige Male ſo hart zur Seite, daß alle darin ſich
dem Untergang geweiht glaubten. Ein Spielball einer wüten=
den
See, kämpfte ſich jedoch das kleine Fahrzeug tapfer, unbewußt
ſeiner eigenen Schwäche durch das Ungeſtüm der Elemente. Es
waren bange Stunden für den Kapitän, der angeſchnallt an der
Brücke dem Unwetter trotzte, jeden Augenblick befürchtend, daß
eine der berghohen Sturzwellen ſein gebrechliches Boot zermal=
men
würde. Als der Sturm gegen Morgen noch zulegte, war er

Seite 13

Schuld hat das Wasser!
Unser Wasser ist kalkhaltig und hart. Und daß
solches Wasser keinen guten Kaffee geben kann, ist
unschwer einzusehen. Eins aber hilft den Kaffee
besser machen: Weber’s Carlsbader! Es macht
das Wasser zum Kochen tauglich und wertet die
Bohnen besser aus. So ein Kaffee schmeckt ganz
anders, Viel besser! Das ist Kaffee! Das merkt
man beim ersten Schluck.
(II. Dr.97
überzeugt, daß der Argonaut nicht mehr länger durchhalten und wenn ſich irgendwo Verzagtheit zeigte, griff er raſch mit einer
könne. Die Bewegungen der Jacht wurden ſchwerfälliger, ſie
ſchien entmutigt zu ſein, den hoffnungsloſen Kampf aufgeben zu
wollen. Kapitän Perry glaubte das Ende gekommen, aber erſt
gegen ſieben Uhr morgens erfolgte der gewaltige, fürchterliche
Stoß, der die Paſſagiere, zitternd vor Todesangſt, aus ihren es weiß
Betten warf. Das Sauſen der gebrochenen Schraubenwelle ſchien
das Schiff in Stücke zu reißen. Für jeden Paſſagier redete es
eine beredte Sprache, und jeder verſtand ſie. Gleich danach kamen
dem Schiffe inmitten des Brauſens der Wellen und des Windes
trat ein.
Die Menge, die ſich raſch im Salon ſammelte, war ſchreck=
erfüllt
, aber tapfer. Sie war auf das Schlimmſte gefaßt, aber
niemand zeigte Feigheit. Ein Ausſpruch Frau de Milles charak=
teriſierte
die allgemeine Stimmung.

Ich habe meine Perlen umgelegt, ſagte ſie, für die See=
nixen
. Hoffentlich werden ſie Gefallen daran finden.
In dem matten Lächeln, das dieſer Bemerkung folgte, tratz
Charlie ein.
Die ſchlimmſte Gefahr iſt vorüber, kündigte er freudig an,
Der Wind flaut ab.
Lange nachher wurde der ausgeſtandene Schrecken beſprochen.
Bei den meiſten gipfelten die daran geknüpften Bemerkungen in
Erwägungen, wie wohl die Leute daheim einen Untergang der
Jacht mit Allan an Bord aufgenommen haben würden. Einer
der Gäſte, Mr. Vallentin, erklärte, es hätte ihm am meiſten leid
getan, daß er jahrelang Prämien bezahlt habe für Verſiche=
rungen
, deren Nutznießer ſich an Bord befanden.
Der Kapitän teilte jedoch die zuverſichtliche Stimmung nicht,
die danach eintrat.
Wir ſitzen in der Patſche, Mr. Barker, ſagte er, als er mit
Charlie allein war. Eine gebrochene Schraubenwelle bei einer
noch immer ſehr hohen See iſt kein erfreulicher Zuſtand.
Keine Möglichkeit, irgendeinen Hafen mit eigener Kraft an=
zulaufen
? fragte Charlie.
Ausgeſchloſſen, erklärte der Kapitän. Wir müſſen treiben,
bis wir auf ein Schiff ſtoßen. Ein Skandal, daß die Jacht keine
Radioanlage hat, aber jetzt iſt daran nichts mehr zu ändern.
Sie ſind doch noch in Ihrem Kurs, Herr Kapitän? fragte
Charlie.
Kaum, war die kurze Antwort. Wir treiben ſchon eine
ganze Weile, und weiß Gott, wohin. Wir können nichts anderes
tun, als einfach zu warten.
Und inzwiſchen unſere Paſſagiere in Stimmung zu halten,
entgegnete Charlie. Kommen Sie, Herr Kapitän, zeigen Sie
meinen Freunden ein lächelndes Geſicht.
Tagsüber widmete ſich Charlie ausſchließlich ſeinen Gäſten,
luſtigen Geſchichte ein. Beſonders gegen Peggy Gray war er
voll Aufmerkſamkeit. Er war entſchloſſen, bevor das Schlimmſte
eintrat, ihr ſeine Liebe zu geſtehen.
Es kann nicht ſchaden, ſagte er ſich, und ich will, daß ſie
Gegen Abend war die Gefahr vorüber. Die See hatte ſich
beruhigt, und die Tür zum Salon wurde wieder geöffnet. Das
Wetter war aber noch zu ſtürmiſch, um ſich hinauszuwagen. Der
die Maſchinen zum Stillſtand. Ein ominöſes Schweigen auf nächſte Morgen brach jedoch bei klarem, ſonnenhellem Himmel an.
Als die Paſſagiere ſich auf Deck verſammelten, konnten ſie die
Verheerungen überſehen, die der Sturm hinterlaſſen hatte. Zwei
der drei Rettungsboote waren weggeſchwemmt worden, und das
dritte war gebrauchsunfähig geworden.
(Fortſetzung folgt.)

WWäsche

Demdhosen
Einsatz u. Spitze
ftel Farben
chthemden A95
kenbeue
H-Spitze hübsch
m 1.Wfag Farben"
Lchthemden
r kurzem Arm, in
laf-Anzüge e
Arm
in

125
75
E deneWläsche

Interkleider A75
Jas-Streifen, mit
garniert.
2
Interkleider
95
Achsel, in vielen

r

7

Sckhemdhose
25
oben und unten
Interkleid
n. hübsch. Bogen-
95
itzen-Garnierung
T-Wäsche

ndtücher
Streifen .. .9f
zdtücher
zeiftem Rand,
9t
ndtücher
e, mit farbiger
9
ücherd!
streiftem Rand,
ücherds
O,Gr. 100/100 cm
ücher
(r. 125/160 cn 8

eneWäsche

Damen-Trägerhemden
mit doppelt. Hohlsaum, feiner
Spitze sow, Hohlsaum-Trägern
Damen-Trägerhemden
mit Stickerei-Trägern u. breiter
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m. Handklöppel-Spitze u. feinem
Stickerei-Motiv verarbeitet.
Damen-Hemdhosen d
mit Hohlsaum und Stickerei
reich garniert .
Damen-Nachthemden
m. doppeltem Hohlsaum u. feiner
Spitze an Armen und Ansschnitt

A
95
45
75

Damen-Untertaillen
Jumperform mit Hohlsaum,
fein, Spitze son,. Hohls. Trägen SO‟
Elegante Taghenden
mit Valencienne -Bogenspitze
hübsch garniert
Elegante Unterkleider 925
mit Valencienne-Einsatz u. feiner
Spitze durchgarniert . .
Elegante Hemdhosen A75
mit Valencienne-Einsatz und
Spitze hübsch garniert
Elegante Nachthemden &
mit Kragen, reich m. Valencienne-
Einsatz und Spitze garniert

15
95

-Wäsche

Kissen-Bezüge

998.So=

gebogt, ans kräftigem Kre-
tonne
..
Kissen-Bezüg
gute Kretonne-Ware, m. hübsch.
175.,02
Klöppel-Einsatz
Kissen-Bezüge
5
mit schönen Stickerei-Ecken,
solide Verarbeitung . . . 1.95,
Parade-Kissen
95
mit Stickerei-Einsatz u. Fältchen
schön verziert . . . . . . 3.75,
Bett-Bezüge
0
Größe 130/180 cm, aus geblumten /
Damast 4.50, a. gestreift. Damast

Kolter-Tücher
aussolidem Kretonne, gebogt,4,75,
Kolter-Tücher
mit schönen Stickerei-Ecken, aus
gütem Kretonne, Größe 150/250
Bett-Tücher
aus kräftigem Hanstuch, 220 cm
lang


Bett-Tücher
Haustuch, Größe 150/225 cm,
strapazierfähige Oualität.
Bett-Tücher
Haustuch, Größe 150/225 cm, mit
Hohlsaum, schwere Qualität.

55
90
2
A45
2
25
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garniert, Länge 70 cm . . . 1.95,
Mädchen-Reformröcke
Kretonne, mit verschiedener eleganter
Spitzen-Garnierung, Länge 70, 1.95,
Mädchen-Nachthemden
mit hübscher Stickerei verarbeitet,
Länge 80
2.95,

Laffee-Becken

Mittel-Deckeng
in schönen bedruckten Mustern
Zefir-Deckeng
in schönen karierten Dessins,
Größe 130/160 2.75, Größe 100/150
Künstler-Decken
in schönen, bedruckten Mustern,
Gr. 125/150, mit kleinen Druckfehlenn A
Kunstseidene Decken
in modernen Farben und Dessins,
Größe 130/160 cm, mit kleinen
Schönheitsfehlern

9
7!

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Gläser-Tücher
rot und blau kariert, Gr.40/40 cm
Gläser-Tücher
Halbleinen, Größe 45/45 cm,kariert,
gesäumt und gebändert.
Gläser-Tücher
Reinleinen, Größe 45/45 cm,
säumt und gebändert
Gläser-Tücher
Halbleinen, Größe 60/80 cm, gute
Oualität, gesäumt und gebändert 9
Handtücher
Gerstenkorn, mit farbiger Borde Ao‟
Handtücher
Reinleinen, Gerstenkorn, weiß mit
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15
2

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ner 158

Sonntag, den 8. Juni 1930.

Seite 15

Ma6 Darlerkanz
dur Maark.
eriminalroman von Gebh. Schatzler=Peraſini.
Nachdruck verboten.
artenſpieler ſchloſſen ihre Partie. Sie mochten wohl
daß es eine nete Unterhaltung mit dem jungen Mäd=
Niſche gab.
Moſes Aron nahm ihnen im nächſten Moment dieſen
Er glitt an ihrem Tiſch vorbei und ſagte mürriſch:
jachen mit der Schickſe. Schert euch heute fort ein
chten, aber wenn der Alte ſich ablehnend verhielt, tat
nicht weiter in ihn zu dringen. Noch einen Blick
liſche, dann warf der eine, ausſehend wie ein Bürger
Einkommen und rundlichem Bäuchlein, ein größeres
ruf den Tiſch. Sorglich ließ er ſich herausgeben
gab’s bei Vater Aron nicht und ſtand auf.
ndern folgten ſeinem Beiſpiel und verließen ruhig
ſah es ohne großes Intereſſe. Es war ihr aber doch
e eine Weile mit Aron allein ſein konnte..
s Lokal bis auf das Mädchen und den Juden leer war,
wieder zum Tiſch des Mädchens.
wir ſind unter uns, ſagte er wiſpernd. Wo kommſt

Ich dachte mir, da draußen ſagen ſie, ich hätte mich gut
geführt ſie wollten ſogar für mich ſorgen, würgte ſie heraus,
und es war, als ſäße ihr eine Gräte im Hals, nur die Polizei=
aufſicht
, die konnten ſie mir vorläufig nicht abnehmen. Und das
hängt doch nun an mir wie eine Kette, die mich halb erwürgt.
Ich möchte ehrbar werden ich ſchwör es!
Verrückt! höhnte der Hehler. Wenn du weiter keinen
Wunſch haſt, weiß ich nicht .. .?"
Nehmen Sie mich bei ſich auf. Ich bin anſtellig, kenne
mancherlei. Ich kann arbeiten, könnte die Gäſte bedienen.
Moſes Aron fuhr ſich mit den hageren Fingern über das
zuſammengeſchrumpelte Kinn. Dabei wiegte er den Kopf und
ſah das Mädchen unter den halbgeſchloſſenen Augenlidern miß=
trauiſch
an.

Mückkathreiner?
zur Hälfte doppelſtarker
Kathreiner zur Häffte Miſch!
Ob heiß oder gekühk.
gleich köſtlich!

zuckte leicht zuſammen. Er nannte ſie du‟ Das
mals nicht gewagt. Ihre Augen ſagten ihm, was ſie
lte verzog den Mund und meinte höhniſch: Emp=
oorden
da draußen? Häh? Unſinn!
kte ſeitwärts aus.
lich hatte er recht. Zur Empfindlichkeit war jetzt keine
mehr.
uldigen Sie nur, Herr Aron ich Gott, ſo leicht
zn ſich nicht an den neuen Umgang.
dich raſch gewöhnen, Schätzchen lachte der Alte.
, ich hätte nicht ganz andre als dich in ſo einer Lage
nt?. Da war mal ne Gräfin ne reguläre Gräfin,
die Schultern ſinken. Dafür hatte ſie nun auch kein
was ſoll denn eigentlich? Iſt’s wegen dem blauen
rz geſagt: Ich weiß nichts von ihm. Ausgeflogen!
ichts mehr von ihm wiſſen. Der hält nicht recht bei
kte wieder.
ag’ nicht nach dem Lumpen, warf Nelly hin. Das
n Gold könnte er ſitzen, nicht anſehen tät’ ich ihn!
. .?"

Weiß ich, ob du es ehrlich meinſt? ſagte er dann. Brau=
chen
könnte ich ſchon ſo eine . . . aber ..
Er hob die eckigen Schultern.
Verſuchen Sie es mit mir, murmelte Nelly, die im Grunde
einen Widerwillen gegen den Alten hatte. Aber es war ihr ernſt,
ſie dachte nicht daran, das bißchen Lohn umſonſt einzuſtecken.
Unterkriechen wollte ſie für die erſte Zeit wenigſtens, ſich wie=
der
an Menſchen gewöhnen.
Aus der kleinen Tür hinter dem alten Büfett ſchob ſich mit
einem Krächzen der lahme Baruch, das Faktotum Arons. Ein
Menſch etwa im gleichen Alter wie ſein Herr, aber plump, mit
einem Waſſerkopf und hervorſtehenden Augen. Er hatte eine
Lederſchürze umgebunden, kam wohl aus dem Weinkeller und
ſetzte einen Flaſchenkorb klirrend hinter den Schankuſch
Still jetzt, raunte Aron dem Mädchen zu. Wir wollen die
Sache in meiner Stube beſprechen. Komm!
Er ſtand auf und ging zu Baruch, der natürlich ſchon ſah,
daß ſein Herr mit einer jungen Frauensperſon in der Niſche
ſaß. Aber er tat, als ginge ihn das gar nichts an. Am beſten
fuhr er, wenn er ſich um die Bekanntſchaften ſeines Herrn gar
nicht weiter kümmerte.
Aron gab ihm einige Aufträge; er wußte, daß er ſich auf
Baruch verlaſſen konnte, auch in der Bedienung der Gäſte, wenn
noch jemand kommen ſollte.

Baruch murmelte nur etwas Unverſtändliches und nickte.
Gleichzeitig drehte er ſich um, hantierte an einer Kiſte, die auf
dem Boden ſtand, und ließ den Alten mit Nelly, die ſich er=
hoben
hatte, ſcheinbar gleichgültig an ſich vorüber in der kleinen
Tür verſchwinden, die in der halben Dunkelheit faſt nicht zu be=
merken
war.
Nelly Rothe hatte ihren Handkoffer mitgenommen. Ihr
Weinglas blieb halbgeleert auf dem Tiſch zurück.
Der lahme Baruch ſchlürfte, das Bein nachſchleppend, zur
Niſche, nahm das halbleere Glas, hielt es gegen das Licht,
ſpuckte dann aber aus und goß den Reſt, der ihm offenbar nicht
verlockend genug erſchien, unter den Tiſch.
Dann ſtapfte er zum Schankraum zurück und ſetzte ſich auf
einen Stuhl. Das eine Ohr hielt er nach der Tür gerichtet, durch
die Aron und Nelly abgegangen waren. Aber er konnte nichts
verſtehen von dem, was die beiden in der hinteren Stube redeten.
Da goß der Lahme umſtändlich aus einer geöffneten Flaſche
einen beſſeren Tropfen ein und ließ ſich die Stärkung munden.
Die Unterredung nebenan dauerte ziemlich lange: Weitere
Gäſte ſchienen heute auch nicht zu kommen. Das Wetter war
miſerabel. Der Nebel hing wie ein dichter Mantel über des
Gaſſen.
Baruch hob den Kopf, und ſeine runden Augen verſchoben ſich.
Doktor Borngräber kam mit etwas ſteiſen Schritten die
Stufen herab, den Rockragen hoch, eine grämliche Miene zei=
gend
. Durch die Brille, die ihm anlief, muſterte er den Keller=
raum
, ehe er weiterſchritt.
Guten Abend, ſagte er kurz und huſtete.
Baruch knurrte etwas. Den Gaſt kannte er nicht, den führte
entweder der Zufall in den Keller oder
Der Doktor wunderte ſich im ſtillen, das Lokal leer zu ſinden.
Dann ging er nach der Niſche, weil ihm der Tiſch dort am ge=
eignetſten
deuchte, auch wegen der ſchlechten Beleuchtung dort,
und ließ ſich daſelbſt nieder. Von da aus konnte er übrigens
unbemerkt den Schankraum beobachten. War dieſer plumpe Ge=
ſelle
mit den feuchten Augen etwa Aron ſelber?. Aber nein! Man
hatte ihm auf dem Polizeipräſidium ein Bild des verdächtigen
Hehlers gezeigt, es war allerdings alt, ſchlecht gelungen . . ., aber
es zeigte keinerlei Aehnlichkeit mit dem vierſchrötigen Menſchen
hinter dem Schanktiſch.
Greuliches Wetter! Ein Hund ſollte nicht hinaus, krächzte
er, ſich am Tiſch niederlaſſend.
Und als Baruch zu ihm ſchlürfte, fügte er hinzu: Kann ich
ein Glas Roten bekommen?
Baruch nickte ſtumm.
Nach einigen Minuten ſtand das gefüllte Glas vor dem Dok=
tor
. Inzwiſchen hatte dieſer auch ſchon den geſamten Innenraum
der Weinkneipe inſpiziert, auch die kleine Tür hinterm Büfett
entdeckt.
Sind Sie der Wirt? fragte er, am Glas nippend.
Nein, antwortete Baruch. Wollen Sie Moſes Aron etwa
ſprechen?
Wenn’s geht, ja. Ich bin Gelehrter. Ich ſammle alte
Münzen. Man hat mir geſagt, bei Moſes Aron würde ich viel=
leicht
finden, was ich ſuche . .., ein paar fehlende Stücke aus
der Zeit Titus Andronikus
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1930.

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Nummer 23

PFINGSTEN

Ta


17.

nugnunnnanngnnnnag
naBHHAAAAEEEEHÄAAHHHAAE
AnannnnanagaanäagnnngannngEEngg

[ ][  ][ ]

Pfingſten in Athen.
Von Fritz Löwe.
Wie im Fluge trug mich das Feuerroß über den St. Sott=
hard
, durch die blühenden Gefilde Italiens.
In Neapel erwartete ich den Dampfer, der mich in die
Märchenwelt des Orients tragen ſoll. Unter meinen Fenſtern
blaut der ſchimmernde Golf. Die ewig junge Sauberin Neapel
hat ſich mit all ihrer verführeriſchen Schönheit geſchmückt. Gleich
einer frohen Braut erglüht ſie in den Farben der ſüdlichen
Sonne. Der Veſuv hat ſeine Nauchkappe aufgeſetzt. In lachen=
dem
Sonnenſchein grüßen mich wieder Caſtellamare, Sorrent,
Capri und alle die lieblichen Orte, die die ſchimmernde Bucht
in blühendem Kranze umgeben. Mit meinem Fernglas kann ich
die Einfahrt des prächtigen Ozeanrieſen genau beobachten. Ein
unvergeßlicher Anblick, wie der Dampfer auf den blauen Wogen
herangleitet.
Es gilt, an Bord zu kommen. Mein Auto jagt durch die
engen Gaſſen Neapels. Die Via Noma iſt von jubelndem Leben
erfüllt, Geſchrei und Lärm der bunten Menge tönt mir wie lieb=
liche
Muſik. Droſchken, Autos, Eſelgeſpanne winden ſich durch
die menſchenerfüllten Straßen. Vorbei am Cheater San Carlo,
über den ſonnenübergoſſenen Platz vor dem Palazzo Neale, geht
es zum Hafen. Durch eine ſchmale Pforte ſauſt das Auto durch
das Hafengitter, paſſiert Schwärme von ſchreienden, geſtikulie=
renden
Crägern, Portiers, Matroſen und Schutzleuten, hält mit
einem plötzlichen Nuck an der Schiffstreppe.
Ich ſtehe einſam am Bug. Im Glanze der untergehenden
Sonne grüßt mich noch einmal, in roſigen Farben erglühend, die
Sauberin Neapel.
Wie dem abfahrenden Dampfer zu Ehren, beginnen ringsum
die Lichter von Neapel und ſeiner Umgebung aufzuleuchten. Bis
hoch in die Berge klettern die zuckenden Flammen. Die Leucht=
türme
an der Hafeneinfahrt werfen rote und grüne Streifen
auf die zitternde Slut. Die ganze Bucht ſcheint von ſchimmern=
den
Guirlanden umkränzt. Wie zu frohem Seſte geſchmückt,
winken die hellerleuchteten Häuſer von Sorrent. Vom Veſuv
grüßt die feurige Silhouette der Bergbahn.
Ein Flottille von Booten umſchwärmt das Schiff. Geſang
und Mandolinenklänge tönen zu mir herauf. Der Augenblick der
Abfahrt iſt gekommen. Von ſchäumenden Wellenroſſen ver=
folgt
wendet das ſchlanke Schiff und eilt hinaus auf das Mit=
telmeer
. Der Mond hat ſtrahlendes Silberlicht auf die Wogen
geworfen, zaubert auf ſie eine ſchimmernde Straße. Am fernen
Horizonte blinken Leuchtfeuer auf. So zieht das lichtüberflutete,
ſchimmernde Märchenſchloß den griechiſchen Geſtaden zu.

Swiſchen Cag und Cag.
Von Alfred M. Balte.
Jürgen Altrogg ſaß mißmutig an ſeinem Schreibtiſch und
ſpielte zerſtreut mit einer Reihe von Briefen. Viele, darunter
gute Freunde, manche liebenswerte Menſchen, mit denen er
gerne zuſammen war, gleichgültige Bekannte, luden ihn zu
Pfingſttouren ein: Picknick, Kanu= und Segelfahrten, Jagd
er konnte wählen. Aber er wollte nicht wählen. Der Winter,
bis weit in das Frühjahr hinein, war von Geſelligkeit erfüllt
geweſen, jede Stunde außerhalb der Arbeit hatte die Geſell=
ſchaft
in Anſpruch genommen; gewiß, er war gern unter Men=
ſchen
; aber nun, bei dem Gedanken, eine der Einladungen anzu=
nehmen
, faßte ihn eine Angſt, eine richtige Angſt, wie er ſie
bisher noch nie geſpürt hatte: eine Scheu vor Menſchen. Ein
großes Einſamkeitsbedürfnis wurde unverſehens in ihm wach.
Waren es die Nerven? Nun ja, die Vorarbeiten für den
großen Bau, der im Sommer in Angriff genommen werden
ſollte, hatten ihm reichlich zugeſetzt. Aber deshalb Nerven?
War es nicht eher ein Seichen, daß die Jahre verrannen und
mit der nahenden letzten Reife ſich der Wunſch nach Einſamkeit
und Stille paarte? Einerlei: er fegte die Briefe mit anmutiger
Bewegung vom Schreibtiſch, hob ſie gleich darauf wieder mit
einem nachſichtigen Lächeln auf, denn er war ein ordentlicher
Menſch und ſchaffte auch ſeinen Affekten gleich Ordnung;
einerlei, ſagte er ſich, woher das Verlangen kommen mag; ich
gebe dem nach. Ich flüchte. Ich fahre ins Blaue.
Als der Feiertag mit einer ſanft verſchleierten Sonne
erſchien, packte er ein Köfferchen, ließ ſeinen fixen, kleinen
Wagen anlaufen und fuhr los. Der Motor ſummte fröhlich, die
feiertäglich menſchenleere Straße rollte unter den Nädern ab.
es kamen Chauſſeen, und erſt da wurde es Jürgen bewußt, daß
er kein Siel hatte. Ein Übermut packte ihn. Er begann laut
mit ſich zu ſchelten. Ein anſtändiger Menſch hat ein Siel zu
haben, Herr Oberingenieur mahnte er ſich mit tiefer, beſorgter
Stimme. Warum denn eigentlich? fragte er jungenhaft hel
zurück. Weil, antwortete er ſich tief weil, mein lieber

Strahlende Sonne jagt mich ſchon früh aus dem Bett. Die
träumhaft ſchöne See iſt ein einziger glitzernder Spiegel. Noſig
erglühen beim Scheine der aufgehenden Sonne die zerklüfteten
Felſenberge am Ufer. Aus der Ferne heben ſich ſchneebedeckte
Sinnen. Das funkelt und glitzert, ſoweit das entzückte Auge
ſchaut, als wären Myriaden ſchimmernder Brillanten auf die
Meereswogen, geſtreut. Der griechiſche Archipel in all ſeiner
zauberiſchen Schönheit umfängt mit warmen Liebesarmen das
ſchlanke Schiff. Immer deutlicher hebt ſich die Küſte vom roſigen
Horizont ab. Dann ſteigt plötzlich, wie ein Märchen aus Cauſend
und einer Nacht, der ſteile, von der Akropolis gekrönte Felſen
aus den blauen Fluten. Mit ſchneebedeckten Häuptern grüßen
Hymettos und Parnaß. Die Sonne wirft blitzende Feuer auf die
Fenſter der auf ſteiler Höhe ragenden Kirche von Sant Georg.
Den Hintergrund des prächtigen Panoramas
bildet der Pentelikon. Am Ufer dehnt ſich das
langgeſtreckte Phaleron. Naſſelnd geht die
Schiffstreppe herunter. Unten warten bereits
die Cender, die uns nach Phaleron bringen
ſollen. Jetzt kommt der gefürchtete Ueberfall.
Von allen Seiten umſchwärmen griechiſche
Händler auf flinken Booten die Cender,
entern mit Codesverachtung hinüber, ſtürzen
ſich unter wildem Geſchrei mit ihren Sticke=
reien
, Handtaſchen, Poſtkarten, Sigaretten,
Konfekt, Stöcken und tauſend anderen Dingen
auf die ahnungsloſen Paſſagiere. Lachend zollt
man den Cribut.
In raſender Fahrt ſauſt die lange Reihe der
Automobile auf der vorzüglichen Straße, die
von Phaleron nach Athen längs der ſchim=
mernden
Bucht führt, dahin. Der Sauber des
Orients umfängt mich.
Die Autos durchfahren die von maleriſchem Leben erfüllten
Straßen von Athen, nehmen den nach der Akropolis führenden
berganſteigenden Fahrweg und halten oberhalb der letzten ſteilen
Weſthöhe derſelben bei dem ſogenannten Beuleſchen Core. Wir
verlaſſen die Wagen und ſteigen über eine vielfach unterbrochene
Marmortreppe zu den Propuläen hinauf.
Dieſes größte profane Bauwerk Athens, das ganz aus
penteliſchem Marmor beſteht, wurde auf älteren Grundmauern
im Jahre 457 unter Leitung des Baumeiſters Mneſikles be=
gonnen
und in fünf Jahren zu Ende geführt. Im Altertum
wetteiferte der glänzende Stirnſchmuck der weithin ragenden
Felſenkrone der atheniſchen Götterburg an Berühmtheit mit
dem Parthenon. Noch heute, wo Seit und Serſtörungsluſt der
Menſchen den Bau in Crümmer gelegt haben, kann man in
ſeiner kunſtvollen Anlage die Blüte ewiger Jugend bewundern.
Vom mittleren Durchgang der Propyläen zieht ſich ein breiter
Weg, der zu ſicherem Auftreten mit Querrillen verſehen iſt,
geradeaus, in der Längsrichtung der Burg. Die Felsterraſſe
rechts trug das Heiligtum der Artemis Brauronia, deren Ver=

ehrung bei den atkiſchen Frauen und Mädchen be
liebt war.

Der Parthenon, das vollendetſte Kunſtdenkmal
tums, einſt in maleriſchem und plaſtiſchem Schmuck a
Bauten Athens überſtrahlend, ſteht auf dem höchſten
ſüdlichen Burgfläche, alles Umgebende überragend
Crümmern ein Anblick, der die Seele ausfüllt.
Nahe dem nördlichen Burgrande liegt das Ere=
der
Stelle des uralten Cempels des Erechtheus als K
die Stadtbeſchützerin Athene und die anderen Sta
errichtet. Es iſt die hochheilige Stätte, an welcher
Wettſtreit mit Poſeidon den Sieg errang.
Vom nördlichen Ende der Oſtmauer der Akro
ſich ein einzig ſchöner Blick auf das unter uns liegs
rama. Von ſchneebedeckten Bergen umſchloſſen grüßt
der Mittagsſonne Athen zu unſeren Füßen. Aus 1
Grün der Parks ragen das verwaiſte Königsſchlo
weißen Marmorbauten der Akademie, der Univerſi
Bibliothek. Vor uns erhebt ſich das Lyſikrates=De
üppiger Wieſen zieht ſich die attiſche Ebene zum
Meer. Hymettos und Pentelikon ſtreben mit weiß
ten Häuptern in die klare Luft.
Weiter nach dem Olympieion, dem Cempel des
Seus, von dem noch 15 gewaltige Säulen korinthi
aus penteliſchem Marmor auf einem noch faſt völlie
Unterbau aufragen. Dann zum Stadion, dem Scl
Panathenäiſchen Spiele.
Sum Lunch ins Grand Hotel de Bretagne.
der Autos hatte in dem dem Hotel gegenüberliegend
garten einen Volksauflauf zur Folge. Ganz Athe
den Beinen. Poliziſten verſuchten vergeblich, die das F
menden Händler zurückzutreiben. Mit Gebrüll, abe vi
dem Lächeln boten ſie ihre Blumen und Handarbeit k
Schar von Jungen will uns abſolut die Schuhe putz
Straße vor dem Hotel ein wildes Durcheinander. (
Soldaten in kleidſamen Uniformen, Bäuerinnen
Cüchern, Mönche in ſchwarzen Kutten und hohe
Kappen, ſtrömen durcheinander. An Marmortiſch ſ
Veranda ſitzend, vor uns die wogende, geſtikul ſ
ſchreiende Menge, kamen wir uns vor, wie geehrte
einer Menagerie. So ungefähr muß es wilden Ci=
zumute
ſein, wenn die Menge ſie angafft. Leichte
zogen von flott dahintrabenden Pferden, fliegen r

Mähnen ſind mit Blumen und bunten Glasketten

Die Inſaſſen der Wagen, hübſche Griechinnen

Oberingenieur, nur durch ein zielſtrebig geführtes Daſein das
Leben zu einem höheren Sweck geadelt wird. Und verfiel
plötzlich in die krähende, brüchige Stimme ſeines einſtigen Klaſ=
ſenlehrers
, fuhr ſich entrüſtet an: Uech ſöhe ſchon, wörden
das Sül dör Klaſſe wüder nücht erreichen, Altrogg lachte
laut, brüllte vor Lachen, gab Gas, daß der Wagen mit einem
Nuck vorwärts ſchoß, die Chauſſee entlang, Cempo, Cempo, und
am Steuer ſaß Jürgen Altrogg, ließ ſich die Haare vom Früh=
lingswind
zauſen, ſang laut und gröhlend luſtige Lieder, nickte
mit dem Kopfe, taktierte bald mit der rechten, bald mit der
linken Hand abwechſelnd dazu, und fuhr ins Blaue, einfach den
Straßen nach, die ihn dazu einluden. Weit hinten lag die Stadt,
weit hinten all das, was man Amt und Würde nennt, weit
hinten die Geſelligkeit mit ihren Verpflichtungen; ein kleiner,
dummer Junge ſaß am Steuer eines kleinen Autos, lachte und
tobte, war wie berauſcht, und fühlte ſich genau ſo wie damals.
vor vielen Jahren der kleine Jürgen, als er heimlich nach Ham=
burg
entflohen war, um zur See zu gehen, nach Amerika, nach
Afrika, auf die große Flucht ins Weite.
Das war damals eine große Flucht, und ſie mißglückte; man
faßte den kleinen Ausbrecher und brachte ihn zurück, ins Eltern=
haus
, auf die Schulbank. Dies jetzt war eine kleine Flucht, ein
Flüchtchen ſozuſagen, eine Ausflucht, ehrlich geſprochen, aber ſie
konnte dafür auch nicht mißglücken, denn die Nückkehr war in
der Flucht ſchon beſchloſſen. Man dachte nur nicht daran, aus
Stilgefühl, aus Genußſucht. Man ſpielte zunächſt einmal Aben=
teuer
, man machte ſich herrlich etwas vor, man war miteins
unglaublich jung, frei, ungebunden, frech und köſtlich gedankenlos.
Dann muckte der Motor, man mußte für einen Augenblick
wieder die Sedanken zuſammennehmen, anhalten, eine verrußte
Sündkerze reinigen aber das konnte man ja, Gott ſei Dank,
alles ganz automatiſch tun, das beſorgte irgendein zweiter
Menſch in einem, der gleich wieder beſcheiden zurücktrat, um
nicht ſehen zu müſſen, wie der dumme Junge mit dem leicht an=
gegrauten
Scheitel (köſtlich, daß die Chauſſee hier ſo durch einen
friſchen Wald führt) eine kleine Birke um einige Sweige plün=
derte
, ſie am Wagen anbrachte, ſich ein paar Blättchen an die
Mütze ſteckte, eines in den Mund nahm (wie würzig=herb, ſolch
ein Birkenblatt), und dann mit Vollgas weiterjagte. Klar klopfte

der Motor, wie ein fröhlich pulſendes Herz. Nu
die Sonne aus den morgendlichen Schleiern, die
warm und zärtlich, und als nun auf der ſtillen Land
Ferne ein zerzauſter älterer Vagabund erſchien, m
ſicheren und gewohnten Schritten dahintippelnd, ko
einfach nicht anders, es mußte irgend etwas geſchel
mit einem Menſchen ſprechen, um nicht zu erſticken
und Glücksgefühl. Er bremſte ſcharf, kurz vor de
den. Mitfahren? Jener nickte. Altrogg öffnete
ihn einſteigen und fuhr wieder los. Und erzählte de
den, wie herrlich dieſer Cag ſei, und jener nickte
und berichtete von dem Waldlager, wo er geſchla)
bißchen feucht iſt ja der Boden noch, aber das
dafür riecht es gut und friſch; und ſo plauderte
jeder ſprach von ſich, der Vagabund erzählte von
Cippelſchickſen, und daß man die Landſtraße ſein
nicht los werde, wenn man ſie erſt ſo richtig geſchn
Ach, dachte Altrogg, der Mann hat recht, was n..
Erfolg und Freundſchaft, frei ſollte man ſein, Oe
wußte doch genau, daß man das nicht ſein konnte
werden könnte, einfach weil man es von innen
konnte; das ſind ſo Geſetze, die wir noch nicht
einer fühlt ſie oft ſtärker als der andere, und nun 9
rogg auch, daß er, auf der Flucht vor den Aenl
ſolch ein Bedürfnis nach Ausſprache gehabt hatte,
Vagabund als Partner gerade recht kam, ſchüttel
fand ſich närriſch und widerſpruchsvoll, gab das L.
auf wo kein Siel iſt, da hat auch die Logik nic.
dachte er vergnügt, ſchenkte dem Vagabunden, 2
Sußweg ſeitlich einzuſchlagen beabſichtigte, gute ſa.
einen Caler auf den Weg, und landete nach lange
Fahren gegen abend in einem Wirtshaus an der E
kleinen, anheimelnden Häuschen. Die Haut im Oe
von Wind und Sonne, der Kopf war matt vom
ganze Menſch merkte wohlige ſüße Müdigkeit EA.
Sattheit in ſich aufſteigen. Altrogg trank zwei Oic
Milch zu drei dick mit Butter beſtrichenen Schwar?
ertappte ſich bei der letzten Schnitte, wie er I
träumt den Halbkreis, von ſeinen Sähnen in das *

[ ][  ][ ]






Auf den Puffern der elektriſchen Wagen hocken die
ihputzer. Pittoreske Bilder voll ungekünſtelter, ſon=
isfreude
rollen ſich vor uns ab.
m alten Kolonos agoraios, dem Markthügel Athens.
dieſer beſt erhaltene altgriechiſche Bau. Mögen die
s Parthenon einen weit großartigeren Bau zeigen,
ſchtheion, der Nike=Cempel in Anlage und Schmuck
rſcheinen, ſo bleibt doch die Wirkung, die der
npel ausübt, durch die Gedrungenheit ſeiner Bau=
kräftige
Leben der am Gebäude befindlichen Skulp=
oldbraune
Patina des gealterten penteliſchen Mar=
eſonders
durch den von den Stürmen zweier Jahr=
unverletzten
Suſtand eine außerordentliche.
defährten im Auto waren ein ganz famoſer Deutſch=
und ſeine ſchlanke, ſchöne Cochter, eine Vollblut=
mit
tiefbraunem Haar. Der alte Herr machte den
die anderen Autos fahren zu laſſen und in einem
am Fuße der Akropolis den Pfingſtfeiertag bei
guten griechiſchen Weines zu feiern. Bald darauf
f der ſonnenübergoſſenen Cerraſſe. Unter uns dehut
che Ebene. In der Ferne blaut das Mer, und der
gebt ſein Haupt. Aus dem Garten erklingen Man=
Guitarren. Ein Bariton ſingt Lieder voller Feuer
9t. Wir probieren die verſchiedenſten griechiſchen
Sonne ſinkt die Stimmung ſteigt. Vom ſteilen
in roſigem Licht die Akropolis. Der gute Wein hat
glückſelige Stimmung verſetzt. Vergangene Jahr=
chen
wieder auf. Wie im Craume ſehen wir die
Wagenzüge des Panathenäiſchen Feſtzuges nach
en ziehen. Mit unſerem geiſtigen Auge erblicken
on und Erechtheion in vollem Glanze ihrer Bild=
res
reichen Farbenſchmucks. Wir ſehen den Wald
die Fülle der Weihgeſchenke, hören den Jubel von
s ſchallen, wenn die großen Core der Propyläen
um den Feſtzug der Panathenäen einzulaſſen.
iſt der Vollmond aufgegangen, leuchtet mit magi=
über
der Akropolis. Das blitzt und funkelt in den
mern, als hätte die jungfräuliche Athene ihr Ge=
gebreitet
, als wären alle Goldſchätze von Mukene
lärchenbauten geſtreut. Wie in flüſſiges Gold ge=
n
ſie von der Höhe. Ein unvergeßliches Bild!
en müßte man haben, um all dieſe Schönheit in ſich
iffen wir zum Abſchied unſere Gläſer. Der alte
wegen ſeiner Weisheit, noch mit 74 Jahren durch
elt zu fahren und ſein Leben zu genießen, Sokra=
hatte
, erhob ſein Glas und ſprach weihevoll die
* Ariſtophanes: O, violenbekränzte, du glänzende
urdigſte, unſer Athen du! Schweigend, ergriffen,
ge. Bis es mir plötzlich einfiel, daß es ja die höchſte

Seit ſei, zum Schiff zurückzukehren, das noch am ſelben Abend
nach Konſtantinopel abfahren ſollte.
Schnell ins Auto. Wir fuhren zu, daß die Lappen flogen,
Hunde und Schutzleute entſetzt vor unſerem dahinſchießenden

Gefährt beiſeite ſtoben. Als wir in Phaleron an der Brücke
anlangten, ſahen wir in der Ferne den letzten Verbindungs=
dampfer
verſchwinden. Schnell hinab in einen bereitliegenden
kleinen Cender. In dem kleinen Boote rollten wir auf den
Wellen umher. Schon tönte dumpf das letzte Abfahrtsſignal,
als wir mit Halloh begrüßt an Bord kletterten. Die Auker
raſſeln empor, die Schiffstreppe wird eingezogen. Heulend ſchallt
der Abſchiedsgruß des Dampfers in der ſtillen Bucht. Wir
fahren! Bald grüßen die Lichter von Phaleron aus weiter
Serne.
Der Reiſegefährte.
Von Carry Brachvogel.
Der Reiſegefährte iſt eigentlich ein Atavismus aus der Seit
ohne Eiſenbahnen. Damals war er nicht nur ein zufällig Mit=
reiſender
, ſondern ſo etwas wie ein Kamerad, der alle Mücken
und Cücken der Wege, Vorſpannpferde und Herbergen mit dem
andern teilte, dem er auf Gedeih und Verderb in der Enge der
Poſtkutſche verbunden blieb. Für endlos ſich dehnende Stunden
war er der einzige Unterhaltungsfaktor, für mitteilſame Seelen
(die meiſten Seelen ſind mitteilſam, hauptſächlich auf Neiſen!)
die einzige Möglichkeit, ſich zu offenbaren, ſich zu entlaſten.
Mit dem erſten Schienenſtrang, den dann die Hand des
Menſchen von einem Ort zum andern zog, iſt die ganze Art des
Verkehrs eine andere geworden, des Verkehrs von Ort zu Ort,
wohlgemerkt, kaum aber die von Reiſemenſch zu Neiſemenſch,
denn man verändert wohl die äußeren Lebensbedingungen, kaum
aber je ſich ſelbſt, und darum hat der Reiſegefährte auch heute
nur wenig von ſeiner einſtigen Bedeutung verloren. Das Be=
dürfnis
, ſich mitzuteilen, waltet ungebändigt weiter, und ſelbſt
Miſanthropen werden, ſobald ſie den Fuß auf das Crittbrett
des Abteils ſetzen, geſellig und ſuchen Anſchluß!.
Die Gelegenheit hierzu iſt ſchnell gefunden. Wetter und
Cemperatur bieten leicht Anknüpfungspunkte, ebenſo die Kardi=
nalfrage
, ob man, je nachdem ob draußen Sonne glüht oder
Regen ſtrömt, das Fenſter öffnen oder ſchließen ſoll, ohne das
eben angebandelte Verhältnis zum Gegenüber zu ſtören. Und
als dritter, wichtigſter Verſtändigungsmoment erſcheint endlich
eine Station, auf der ſich Herz zu Herzen findet, in dem gemein=
ſamen
Ruf: Kellner, mir auch ein Bier!. Nicht etwa nur in
Bayern, ſondern ſoweit die deutſche Sunge klingt, finden ſich
die Stämme in tiefſinnigen Erörterungen über Bier weit ſchnel=
ler
und beſſer als im nationalen Einheitsgedanken.
Nach dem erſten genoſſenen und ſachverſtändig beſprochenen
Glas ſieht dann die Welt, das heißt, die Neiſebekanntſchaft,
ungemein erfreulich aus. Das Gegenüber oder Nebenan avan=
ciert
jetzt zum reizenden oder hochintereſſanten Menſchen,
auch wenn es ein Sadian oder Pedant iſt, um den man daheim
in großem Bogen herumgehen würde. Um ſeinem belangloſen
Gerede zu lauſchen und ſelbſt belanglos zu ſchwatzen, überſieht
man, daß draußen eine neue Gegend lockend ihre Schönheiten
ausbreitet, überhört man die Stimmen der Fremde, die werbend
und flüſternd zum Fenſter hereinſchweben. Wohl dem, deſſen
Reiſebekanntſchaft bald ausſteigt oder ſich wenigſtens, am
gleichen Siel angelangt, gleich von ihm trennt! Ihm bleibt eine
ſchöne Illuſion, die grauſam zerflattert wäre, wenn bei intimerer
Bekanntſchaft der reizende oder hochintereſſante Menſch ſich
wieder zum Fadian oder Pedanten zurückgebildet hätte.
Ein zweites, beſonders bei Familien beliebtes Genre ſind
jene Veiſebekanntſchaften, die ſich nicht während der Fahrt,
ſondern während der Sommerfriſche anbahnen. Da geht es nicht
nur um Geſpräch oder gemeinſame Ausflüge, ſondern auch um
Snobismus, der nach der Nückkehr in die Stadt die Daheim=
Bekannten verblüffen will, durch die vornehmen Leute, die man
kennengelernt hat. Haſt du, lieber Leſer, demgemäß ſchon je=
mals
gehört, daß die Familie Lehmann aus Berlin ſich in der
Sommerfriſche etwa mit einer ſimplen Jamilie Huber aus
München angefreundet hätte? Oder Spätzles aus Stuttgart mit
Müllers aus Mannheim? Nie wirſt du es vernehmen, weil es
ſolche Sommerbekanntſchaften nicht gibt! Lehmanns, Hubers,
Spätzles, Müllers lernen niemals ihresgleichen kennen, ſondern
immer nur Nangſtufen, die über ihnen ſtehen, mit Vorliebe aus=
ländiſche
. Wie ſchön iſt es dann, im Winter zu erzählen, daß
eine däniſche Diplomatenfamilie bitterlich geweint hat, als Leh=
manns
abreiſten, daß Hubers mit einem ſüdamerikaniſchen
Milliardär auf Du und Du verkehrt haben, daß Spätzles mit
einem ſpaniſchen Granden Cennis ſpielten, und Müllers gelang
es vielleicht ſogar, ſich an einen echten Lord (Ahnherr ſchon
unter Wilhelm dem Eroberer ſichtbar!) anzuſchlängeln! Es mag

anſtierte, gab ſich alſo einen Nuck, fuhr ſeinen
in den Hof, ſtieg in das angewieſene Simmer hin=
ike
ſich langſam, ſchaute aus dem Fenſter in die
* dunkle Nacht hinaus, legte ſich im Bett zurecht
rt tief eingeſchlafen.
Lachen am nächſten Morgen war ſchön. So bin ich
ingewacht, dachte Altrogg, lange nicht. Das iſt
Die als Kind am Morgen nach dem Weihnachts=
19? Was war doch geſtern Schönes? Wo ſind die
Den? Mein Schaukelpferd, mein neues Schaukel=
4* aus dem Bett geſprungen, trat zum Fenſter,
Nelles Licht vom Himmel, und kräftiger Duft ſtieg
Nüh- Altrogg machte Kniebeugen und übermütige
* mußte immer an das Schaukelpferd denken und
2 Eigener Melodie, aus dem Stegreif dichtend, von
bkochen: mein Schaukelpferd iſt mir ſo lieb und
1* brauf verkehrt, was mich nicht ſtört, juhu!
Eh, raſieren, ankleiden, wie ſchnell geht das doch,
D9ich iſt; Minuten nur, und er war unten im
en, trank einen dünnen Kaffee, der köſtlich
Abüttertem Bauernbrot mit Honig, ließ ſich mit
eine behagliche Wetterbetrachtung ein, und lief
A9igen Sprüngen, hopp der Graben, hopp der
n nahen Wald.
der Wald. Herrlich iſt ſeine Seitloſigkeit. Mat
/OLgel nach, der von Sweig zu Sweig hüpft, und
4 ſich die Welt weimal um ihre Achſe drehen.
Ncht. Der Mönch von Heiſterbach dachte Alt=
tücke
es nicht verhindern, daß ein ehrfürchtiger
üihrann. Und ging verſonnen weiter, dachte die
* Nach, wie jener Mönch, nicht begreifen könnend,
Eile Sekunde ſoviel ſein könnte wie eine Ewig=
Be im Walde ſpazieren ging, und als er zurück=
L9Sgebet, da war kein Kloſter mehr da, nur ſpär=

Dene Nuinen, fremde Menſchen wohnten in frem=
2 lle wußten nichts von einem Kloſter, und erſt
L Breis beſann ſich dunkel, in ſeiner Jugend ge=

hört zu haben, daß dort vor vielen hundert Jahren ein Kloſter
geweſen ſei. Du ſchöne Legende, dachte Altrogg, und ſchmeckte
noch einmal die herbe Klarheit dieſes Gleichniſſes.
Ein Kuckucksruf ließ ihn aufblicken. Er ſuchte den Vogel
zwiſchen den Bäumen. Er konnte ihn nicht finden, aber er ſah.
an einen Baum gelehnt, in ſich zuſammengeſunken einen Men=
ſchen
. Lange mußte dieſer Menſch ſo geſtanden haben, unbe=
weglich
, man ſah es ſeiner Haltung an.
Altrogg, den der Gang durch den Wald innerlich gelöſt,
naturnah und damit hellhörig gemacht hatte, ſpürte ein Schickſal.
Er wurde ſich auch ſpäter nie klar darüber, warum er jetzt ſo
handelte. War es Inſtinkt, Intuition oder wirklich das Walten
ſchickſalhafter Mächte Altrogg, der ſtets auf konziliante For=
men
haltende Menſch der Seſellſchaft, ging auf jenen Mann zu,
faßte deſſen leblos hängende Hand, drückte ſie, ſchaute, als jener
langſam den Kopf hob, in ein paar Augen, die ſahen und doch
nicht ſahen, und ſo blieben dieſe beiden Menſchen, fremd vor
Augenblicken zuſammengekommen, ſtehen und ſahen ſich an.
Augenblicke nur, o Mönch, dachte Altrogg. Und fühlte das
Leben dieſes anderen Menſchen langſam und bildhaft an ſich
vorüberziehen, erkannte mit aufblendender Klarheit, daß hier
Lebendes bereit war, ſich zu beenden.
Und dann ging alles ſozuſagen traumhaft weiter. Sie ſchrit=
ten
langſam durch den Wald, Altrogg hielt den Fremden unter
dem Arm, zart und ſteuernd, als führe er einen Blinden, und
fragte nicht, und dann tröpfelten plötzlich aus dem Munde des
anderen Worte, ſie kamen aus einem heißen, aufgewühlten
Imern, und ſie erſtarrten, ausgeſprochen, wie Wachs, das von
einer heißen Kerze auf kalten Steinboden träufelt. Doch dann
formten ſich die Worte zu Sätzen, blieben weich und flüſſig, Alt=
rogg
verſtärkte ein wenig den Druck ſeiner Hand, und nun
ſtürzten, bitter und heiß, Bekenntniſſe hervor, wie ſie ein Menſch
nur einmal im Leben, an der Schwelle zwiſchen hier und dort,
ſagen kann.
Und das war dann die Geſchichte eines jungen Menſchen=
lebens
, keines ungewöhnlichen, ach nein, denn es leiden heute ſo
viele junge Meuſchen in gleicher oder ähnlicher Art, aber die
meiſten wiſſen es nicht und glauben, daß alle Jugend heute ſo

kräftig, ſachlich, gefühllos und wirklichkeitsbewußt ſei. Kurz,
es war die Geſchichte des begabten jungen Menſchen unſerer
Seit, des in Einſamkeit verſunkenen, träumenden, der den An=
ſchluß
an die lärmende Gemeinſamkeit nicht finden kann, ihn
erſehnt und doch meidet, und der zart behandelt und kräftig
geführt werden muß, um aufzublühen und ſchön reiſen zu können.
Altrogg brauchte nicht zuzuhören. Er lauſchte wohl dem
Klang der Stimme, nicht den Worten. Er wußte alles. In
dieſer Stunde war er mit tiefſter Hellhörigkeit begnadet. Er
war vor den Menſchen geflüchtet, er, Altrogg, der das Leben,
und war es auch ſchwer, immer wieder zu meiſtern verſtand; hier
ſtand nun ein Menſch, der zu den Menſchen flüchten wollte, aber
den rechten Weg nicht fand und aus der Flucht in die Ausflucht
geraten war.
Und nun ſprach Altrogg. Nicht viele Worte. Worte ſind
nicht nötig. Man muß nur den Menſchen hören, der ſie ſpricht.
Der andere hörte dieſen Menſchen. Fühlte, daß ihm hier ein
Menſch entgegenkam, der klar ſah und Kraft hatte. An dieſer
Kraft wuchs ſeine eigene. Er atmete tief auf. Er hatte eine
dunkle Linie überſchritten, jene Linie, die jeder empfindende
Menſch einmal überſchreiten muß, um ſich die Kraft für das
Leben zu gewinnen. Er glaubte nun wieder an die Menſchen,
weil er einen Menſchen getroffen hatte, der ohne Worte ver=
ſtand
, und aus tiefem Gemeinſchaftsgefühl von ſeiner klaren,
männlichen Kraft dem Jüngling etwas gab, damit er die dunkle
Linie überſchreiten konnte. Bitterkeit war gelöſt, Lebenswille
neu geweckt, der Weg zu den Menſchen wieder offen.
Der Wald war zu Ende, die Straße tat ſich auf. Swei
Menſchen ſahen ſich in die Augen, und dieſe Augen leuchteten
von Dank und Suverſicht, von Lebenswillen und von tiefer
Erkenntnis.
Dann trennten ſie ſich mit einem ſtarken Druck der Hände.
Aus dem Wald, den er mit langen Sprüngen geſtürmt
hatte, ging Jürgen Altrogg langſam zurück. Nachdenklich be=
glich
er ſeine Nechnung, ließ ſeinen Wagen an und führ lang=
ſam
den Weg zurück, in die Stadt, zu den Menſchen. Und war
eigentlich doch derſelbe Menſch wie geſtern, und doch ein anderer;
fühlte das ganz ſtark, lächelte ſchmerzlich und zart und war
davon beglückt.

[ ][  ][ ]

dahingeſtellt bleiben, wie ſich hier Wahrheit und pure Dichtung
verquicken, um zu Oiplomaten, Granden und Lords avancieren
zu laſſen, was bei genauer Beſichtigung doch nur Lehmanns,
Hubers, Spätzeles und Müllers ins Ausländiſche überſetzt waren!
Die Reiſegeſellſchaft bleibt dem Sufall überlaſſen, der Reiſe=
gefährte
aber wird gewählt, und bei dieſer Wahl denkt der
Reiſende faſt nie daran, daß eine gemeinſame Reiſe faſt eben=
ſoviele
Schwierigkeiten bietet wie eine Ehe, ſondern er fragt
nur: Geht der andere mit? Und die Bejahung dieſer Frage
ſcheint ihm eine ſolche Glücksgewähr, daß er beſeligt an der
Seite eines Menſchen abdampft, mit dem er ſich ſchon am zweiten
Cage ärgern und mit dem er unabläſſig ſtreiten wird, weil ihre
Charaktere, Cemperamente, Neigungen und Geſchmacksrich=
tungen
durchaus nicht zueinander paſſen. Die gemeinſame Neiſe
enthüllt nur zu oft unangenehme Seiten des anderen, die in der
Heimat nicht auffielen die Reiſe allein würde vielleicht
manchen Wert, manche Ciefe in der eigenen Bruſt offenbaren,
wenn man nur den Mut fände, ohne Anſchluß abzufahren und
zu bleiben.
Die Pforten des Sommers ſtehen weit geöffnet. Aus ſeinen
düfteſchweren Gärten ertönen tauſend ſüße Lockungen. Vom
glitzernden Himmelsrand zeichnen ſich die grünen Kuppen der
Vorberge ab, die blutroten Leiber der Oolomiten, die weißen
Häupter der Gletſcher. Blaue Meeroswellen ſchlagen ungeduldig,
Sehnſucht weckend um die prangenden Gärten her. Geht hin,
ihr Neiſenden, verliert euch in den entzückenden Irrgängen, die
lie jedem von euch bieten! Vor allem aber, verliert den wahllos
gewählten Neiſegefährten, entſagt der oberflächlichen Abkeil=
Bekanntſchaft und bedenkt, daß ihr für dieſen ſcheinbaren Ver=
luſt
das Beſte findet, was dem Menſchen werden kann: die
Bekanntſchaft mit dem eigenen Sch.
Es gehört
nicht zum Pfingſtwunder.
Kleine Hirtengeſänge.
Von Frank Chieß.
Ich liege auf einer Wieſe, grün vom Klee, weiß vom
Wieſenſchaumkraut, gelb von Sumpfdotterblumen. Hebe ich den
Kopf ein wenig, bemerke ich die endlos blaue Seefläche, da=
hinter
nichts, darüber auch nichts, Naum.
Raum iſt relativ, ſagte Henri Poincaré, und Einſtein iſt
berühmt darüber geworden. Och bin ſo ungebildet. Es iſt mir
gleichgültig, ob relativ, ob abſolut. Sch hebe meinen Arm (wobei

Unn
ich mich freue, daß er ſchon braun iſt) und male mit vorſichtiger
Bewegung ein Undenklichkeitszeichen in den Naum. Dann ein
Integralzeichen und zum Schluß die Sahl Pi. Es hat keinen
Sweck, der Himmel bleibt blau und endlos, mögen die Phyſiker
behaupten, daß es nicht ſtimmt und er in Wahrheit farblos und
kugelförmig iſt.
Alſo laſſe ich den Arm wieder ſinken.
Und hebe zum zweitenmal meinen Kopf ein wenig und ſchaue
nach, ob mein Boot da iſt. Mein Boot und die zwei Spoore
in ihm.
Ja, beides noch da. Es ſieht hübſch aus, wie die Speere
aus dem Boot lugen. Schön war’s vorhin, mit ihnen zu werfei,
eine kleine Olympiade zu arrangieren, meinen Nekord von
geſtern zu brechen. Schön, dieſes Wieder=wild=werden. Die
kleine ziviliſatoriſche Putzſchicht. Ich mache ein paarmal Nuck=
Nuck, da liegt ſie. Abgefallen. Und was wird unter ihr licht=
bar
? Die uralte Schlange. Das Blutzeichen der Ahnen glimmt
auf. Es müſſen grobe Herrſchaften geweſen ſein, da oben in
Schweden; ich merke’s noch an meiner Luſt, wenn der Speer tief
im Boden zittert oder der Bug in die Wellen taucht. Eine
lehr nutzloſe Laſt. Unzeitgemäß, unlukrativ.
Aber, ach, ich bin verdorben. Vertauſche den Speer mit
dem Füllhalter, ſchreibe darüber für eine Seitung, fordere

Honorar, kaſſiere, bleibe mit vorzüglicher Hochachtung desſelben
Blattes ergebener. Was Ahnen, was Blutzeichen! Waſſer=
zeichen
, Cintenzeichen. Geſtorben iſt die alte Schlange. Der
dürftige Menſch blieb.
So lieg ich und bin voller Mißtrauen und voller Verdruß.
Gehöre ich hierher? Iſt das leiſe Naſcheln der jungen Erlen=
blätter
für mich da? Und die aufſchwirrende Wildente? Könnte
ich ſie mit meinen neumodiſchen gefiederten Sportpfeilen er=
legen
? Erſtens träfe ich ſie nie, und zweitens könnte ich nicht
auf ſie abdrücken. Ich ziele auf Schießſcheiben, drücke auf Bret=

ter ab. Ah, voilä! Alſo nimm deinen Füllhalter und ſchreibe
ruhig weiter. Du haſt nichts zu bereuen.
Und deine kleine Badehoſe, und daß du ſchon etwas braun
biſt, und daß du trainierſt, um in Form zu bleiben, das iſt
Narzißmus. Laß dich von den Pſychoanalytikern belehren.
Da habe ich mein Fett.
Ich ſchließe die Augen. Wenn nur nicht dieſe in den Ciefen
ſingende Frau am Amſelruf, am Kuckuck und am Rauſchen des
Windes wäre. Doch auch das läßt ſich fortanalyſieren (was
ungefähr dasſelbe iſt).

Mein Hund knurrt und wittert zu einer Weidengruppe hin.
Ich blinzle. Hinter den Gebüſchen entkleidet lich jemand,
der baden will. Es iſt..., ja, es iſt ein Knabe.
Nein, es iſt ein Mädchen.
Man kann das nicht erkennen. Ich ſehe den kurzhaarigen
Kopf und ſehe etwas von den Beinen und darüber den Mai=
himmel
und darunter die Wieſe. Es laſſen ſich nicht gültige
Schlüſſe daraus ziehen. Ubrigens, was geht es mich eigentlich en?
Nichts natürlich.
Nun alſo, warum fragſt du, ob Junge oder Mädchen?
Sch frage nur ſo.
Aha. Danach ſchließe ich endgültig die Augen und verzichte
auf das übrige. Ich höre die Lerchen, den Lockruf einer Amſel,
das Naſcheln des Erlenlaubs, das Plätſchern des Seowaſſers an
meinem Kahn. Sonſt höre ich nichts.
Jetzt . . . war das nicht ein Lachen?
Ich fahre hoch. Da hab’ ich’s. Es iſt ein Mädchen, natür=
lich
, ich hatte es gleich gewußt. Sie iſt ſchlank, trägt eine hell=
blaue
Badekappe, iſt ohne Sweifel hübſch. Wenn ich ihr zum
Beiſpiel meine Speere zeigte, würde ſie beſtimmt leidenſchaftlich
gern mit ihnen werfen. Vielleicht verſteht ſie es nicht; nun, ich
würde es ſie lehren. Ah, ſpringen kann ſie gut. Sie ſpringt aus
dem Stand, ein=, zweimal hoch. Sehr gut, ſchön geſprungen. Die
Beine ſind gut, die Feſſeln ſchlank, die Waden, nicht zu kräftig,
ſitzen hübſch im Knie. Spring noch einmall Nein, ſie ſpringt
nicht, ſondern läuft die zehn Schritt zum Ufer, tritt zaghaft ins
Waſſer, lacht und ruft
Sie ruft? Su wem ruft ſie denn? Su mir doch nicht?
Nun, ich ſehe ſehr bald zu wem. Ein junger Mann iſt’s.
Er kommt hinter den Büſchen hervor, läuft, ſpringt ebenfalls.
Nun hüpfen Sie ruhig, Jüngling, hüpfen Sie, die
jungen Lämmer tun es auch. Wo haſt du dich übrigens ausger
zogen, Menſch? Hinter einem andern Buſch vermutlich. Ich

hätte es mir gleich denken können. Ich hätte es witt
Ich bin kein Indianer.
Ich werde meine Speere ihr nicht anbieten.
Ich werde...
Nichts werde ich. Ich lege mich wieder ins Gre
Auges. Der Himmel iſt blau und tief. Dennoch möch
ben, daß ſowohl Henri Poincaré wie Albert Einſtein
und daß er relativ iſt, um es einmal laienhaft auszu
Was indeſſen den jungen Mann angeht, ſo bin in
beſten Wege, mich mit ihm zu verſöhnen. Denn erſte
hübſcher Burſche, und Schönheit kann ich nie lange imm
und zweitens mache ich aus dieſer Begegnung ein Fe!o
nicht er. Ich muß aus meiner Verdorbenheit V/
mögen meine wilden Urahnen ſonſt etwas darüber din.
Und nun ſteht Pfingſten vor der Cür. In manch ſ.
geleiteten Provinzzeitungen ſchreiben ſie jetzt üb D
gebräuche im Sauerland oder über die Maifeier am je
des Großen. Ich ſpüre ſchlichtere Gefühle, ziehe mim=
an
, verlaſſe die heidniſche Nacktheit, verlaſſe
Eiſenkugeln, Spaten, Gießkanne, mache mich auf
gelaſſen auf das hübſche neue Pfarthaus zu. Sch ſeh *
ſanften, ruhigen Geſprächen. Sch will die Probleme lvs
will mich los ſein, will in den Schoß der Kirche e
es auch nur für eine Stunde. Mein Pfarrer iſt nochk
bei der heiligen Sache, von liebenswürdiger heller
keit. Wir haben uns gern. Er ſieht in mir nicht der El
Schriftſteller, ſondern den Nachbar, den Anſiedlerf
taktvollerweiſe nicht nach meinen Büchern, ſondern
Noſen. So wird das eine ſchöne Stunde, in der ee E
Pfeifentabak duftet, und die Sonne prall in die
veranda ſcheint.
Eine ſchöne, eine linde, vorpfingſtliche Stunde.
Wie war das gleich mit den Flämmchen über d
frage ich ihn, und wie legen Sie das aus?
Die feurigen Sungen, antwortet er bedächtig,
wunder. Und alſo, er denkt es ſich ſo und ſo.
Das iſt ein rechter Paſtor. Er kommt nich Kt
kritiziſtiſchen Sack auf die Kanzel geſtiegen, er viv
die Heilstatſachen. Er löſt praktiſche Fragen in ſein
und was den Herrn Jeſu angeht, ſo wendet
Freudſche Cheorie auf ihn an, um modern zu ſeit

ihm nicht auf die Schulter und ſagt alter Freund
glaubt wieder an ihn.
Und wie ich ſo bei ihm ſitze und das ans
Schmatzen ſeiner kräftigen Lippen vernehme,
klugen Augen ſehe, da glaube ich auch, und alles
erſcheint mir natürlich und wunderbar zugleich.
feurigen Sungen angeht, ſo ſehe ich nicht ein, war
geweſen ſein ſoll. Damals gab es wohl noch eine
der ſchaffende Begeiſterung. Und es gab noch W
die man ſich bis zur Ekſtaſe entflammen konnt:
Expreſſioniſt oder Otto Klemperer zu ſein.
Uebrigens, wie iſt das doch? Heißt er eigen
Vornamen?
Ich muß es geſtehen, ich weiß es auch nicht,
Paſtor.
Warum ſoll er es auch wiſſen?
Es gehört nicht zum Pfingſtwunder.

Schach

Nummer 366.

Aufgabe 523.
R. Gevers in Antwerpen.
(Die Schwalbe, 1929.)

Wee eee
Fraäfſtelung: weß: Ehs n43 te loß :5 get d1 Bes s4 91
Schwarz: Ket Th6 Lg1 8b5 f1 Ba6 12 g5 g6 h4 (10); 24.
Partie Nr. 71.
Geſpielt im Fernturnier des Deutſchen Schachbundes
Gruppe 40 vom 29. November 1929 bis 24. Februar 1930. In
dieſer Gruppe ſiegte Flander=Darmſtadt mit 11½ Punkten aus
12 Partien.

Weiß:
Kellner (Halle)
1: 43d4
2. 65g4
3. 8b1e3
4. 8g1k3
5. 64e5

Abgelehntes Damengambit.

Schwarz:
Flander (Darmſtadt)
9g8.tg.
efe

47d5
8b847
Der Vorſtoß iſt nicht

14. Keld1
g5:L14
15. 4548
be7:48
16. D02e4+ L48
Nicht Le7, da der Läufer auf eb für
eine evtl., kommende Verwendung auf der
Diagonale a1h8 ſofort bereit ſteht.
17. De4XSks. Auf 17. g3:14

gut, da Schwarz die Möglichkeit erhalten beabſichtigte Schwarz 17. . .. Le8g4
wird, die vorgeſchobene Bauernkette mit zu ziehen.
Le8 15
Erfolg anzugreifen.
17.
(7c6
b...."
18. kd1e1 Schwarz kann nun
D48e77
6. b254
eine kleine Kombination anbringen und
Schwarz hat zu früh die Abſicht e6e5 damit überraſchend ſchnell die Entſcheidung
zu ſpielen, was ihm deshalb vereitelt were herbeiführen.

den kann.
AP
Lf8e7
7. 82g81
19. T.11e2
8. D41o2: Beſſer war 8. Le1 20. Df3XLg4
14, was 0 verhindertund dieſchwar. 39.
ze Dame verdrängt. Auf den Textzug folgte 21. Ke1t1
nun der Vorſtoß:
e6 -e5
8..
Es folgte noch:
9. 818:
8a7:5
22. D84ik4
10. Le1r4 Weiß muß von dem 23. Df4x De5
Feſſelungszug und von ſeiner Fortſetzung
24. 4324
viel erhofft haben.
25. b458
St6d7
R."
26. K11g2
847:
11. 44:8e5
27. 7h.161
12. 69e4
g5gbl
28. b5:e8
18. e4:a8
Seßk34
29. Tel:c6
Für die ſchwarze Stellung iſt es gut, daß 30. J.e 284
die Rochade von Weiß verhindert wird. 31. Weiß gab auf.

Dc7e7!
Li5841
Erzwungen.
Le54Se3t
Les 87a1

De7e5
la1s Deß
Leßes
Le8b4
I.b4:o5
Leßbs
b7ie8
00
Ta8d8

(Anmerkungen vom Führer der ſchwarzen Steine.)

Kätſel

I

Kätſel
Aus den Teilen der vorſtehenden Figur ſoll das Wort Kamin ge=

bildet werden.

Vor Gericht.
... dann geſtatten Sie wohl, daß ich mich e*,
Schlüſſelwörter: 1 2 3. 4 Gold, 5 6
12 13 Wachs, 14 15 16 Miß.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rbeinſtr. 23. Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1. 2389 2392. Alle Rechte vorbebalten. ?

Verſchlungene Pfade.


Fſ.4t. 3 u, 3w.
Vorſtehende 109 Buchſtaben ſchreibe man in die
Figur, ſo daß die waagerechten und ſenkrechten Reiche
Wörter von folgender Bedeutung enthalten: 1. Vor= un
berühmten Komponiſten, 2. Wahlſpruch, 3. dreiſtellige 2
Dichter, 5. Krankheit, 6. Pflanze, 7. deutſcher Dichter.
Auflöſung der Rätſel aus Nunn
Kreuzworträtſel.
Waggrecht: 5 Erde, 6 Ella, 8 Jlz, 9 Eli, 10.
14 Solon, 15 Dohle, 17 Jglau. 19 Man, 21 Axt. *
25 Amur. Senkrecht: 1Erz, 2 Dee, 3 Lei, 4Alie ſ.
11 Kelle, 12 Wolga, 16 Omar, 18 Auer, 20 Nil, 21 Aak. 2

[ ][  ][ ]





ten, das liebliche Feſt war gekommen, es grienten un
eld un Wald; auf Hiechel u Höhen, in Biſchen un
en ein freehlich Lied die neuermunterten Veechel; jede
ßte von Blumen in duftenden Grinden, feſtlich heider
Himmel un farwich die Erde . . ."
de alde Geethe ſei Gedicht vum Reinecke Fuchs
die Art hott=er alſo en Afang krickt. Dann nemlich
däß is als des Schwierichſte bei de ganze Schrift=
Jann mer den erſt emol hott, dann ſin noochher gleich
de zuſamme geſchmiert .
Fingſten das liebliche Feſt. No, nooch außehie
e Eidruck mache. Awwer ſunſt ſieht’s momendan in
in in unſerm große Vaderland, wie aach in unſerm
lendche; beſunners awwer in unſerm Juwiläums=
ſich
Darmſtadt ſchreibt, dorchaus net lieblich aus,
heider glenze dhuts aach net, wamn mer vun dene
vier Fahne abſehe dhut, die wo aus ärchend eme
mol ärchendwo eraushenke.
nirdeſtodrotz, pingſtele dhut’s doch iwwerall e bische.
ters in de Kebb vun Einiche, dene wo de Pfingſtgeiſt
jers aſch in’s Härnkäſtche geſtieje is. Un die maane
rleichdung, die iwwer ſe kumme is, ſo kennt’s net
r geh. s komiſche un märkwärdiche is bloß däß, daß
ſo maant ſo kann’s net mehr weider geh, glaabt,
Flicht awwer grindlich gedho, un hett ’s Vaderland
I ſo näweher un im Vabeigeh gerett; un dann leßt
laafe un is widder for=e Weil zufridde. Ganz be=
ſendiemlich
is awwer däß, daß der Spruch: alſo ſo
mehr weider geh ſozuſage Gemeingut vun ſemtliche
erufsſtend, Klaſſe un Klicke geworrn is, un däßhalb
ifel mehr meechlich, ſundern es ſteht bickelfeſt: s ping=
Uebische. Bloß: es pingſtelt jedem annerſt. Beim
m annern ganz konndreer; korzum kaam gefellt’s un
die Wäld nooch ſeim Guſto umkremmbele, ganz egal,
Mißgeburt debei erauskimmt.
was unſern hochverehrliche Stadtrat bedrifft, alſo
ts’s ganze Johr, un der brauch net äxdra zu worte,
gſtgeiſt iwwer’n fehrt, un die entſprächend Erleich=
rn
kimmt, ſundern der is immer illeminiert, ſozuſage.
kimmt’s uff unſerm Radhaus als efters vor, daß
sere Pingſt=Exſtaaſe uff de Diſch heegt un kreiſcht:
i’s net mehr weider geh‟. Wann er noochher zwaa
gleicher Erd, im ſogenannte Radskeller ſitzt, dann
ch ſtolz uff ſei Leiſtung, und dhut ſich e paar ge=
mit
es geiſtiche Gleichgewicht widder hergeſtellt wärd.
agt, unſerm Stadtrat pingſtelts uff die Art als
gääche hott’s awwer die Woch ausnahmsweis aach
Herr Owwerowwer gepingſtelt. Aſch ſogar, s war
)e Erleichdung mit Bombe un Granade. Mer
ch ziſche heern. Un unſer Herr Owwerowwer is nooch
ydung, die wo die Woch iwwern gefahrn is, wie en
eiterm Himmel, net bloß in de Radskeller enunner,
um Ausgleich e paar genehmicht; naa, er is in berech=

gedenkt hott vum Keenich vun Saxe namens Auguſt? Odder
an ſunſt aam ſei Dewieſe mit demſellwiche Vorname?
No, ſei dem, wie em will, er hott jedenfalls die Seechel ge=
ſtriche
un hott ſich landei wärts geſchlengelt. Ab un en Walzer.
Un er wärd jetzt, färn vun Maddridd, Zeit hawwe, iwwer ſei
Erleichdung die wo er in Form vun e paar ſchwerwiechende
Verfiechunge de erſtaunte Bärjerſchaft hinnerloſſe hott, noochzu=
denke
. Un valleicht kimmt jetz noch emol e Erleichdung
iwwern, wann er ſei Verfiechunge in Ruh iwwerlieſt, un er wärd
ſich ehrlicherweis ſage miſſe, daß er do net ganz konſikwend ver=
fahrn
is.
Bekanntlich hott er eo ibbſilohn verfiecht, daß erſtens, ſemtliche
ſtädtiſche Unnerhaldungsarweide ſofort eizuſtelle ſin; zweidens,
daß de Handwerker kaa Rechnunge un kaa Bevorſchuſſunge‟
mehr bezahlt wärrn, drittens, daß die freiwilliche Leiſtunge vun
de Wohlfahrtspfleg ei geſtellt wärrn, un vierdens, daß kaa Bau=
koſtevorſchiß
(ob genehmicht odder net) mehr ausbezahl wärrn.
Wann er konſikwend gewäſe weer, hett’s fimfdens haaße miſſe,
daß die ſtädtiſche Beamte vum Borjemaaſter ab=
wärts
kaan Gehalt mehr krieje. Den Paſſus hott er
ſcheints vergäſſe.
No mir wolle wenichſtens froh ſei, daß er net aach noch ver=
fiecht
hott, daß uns ſofort ’s Gas un Waſſer abgeſtellt wärd.
Alſo däß hott=er doch net iwwer’s Härz gebrocht; un dofor miſſe
mer’m eichentlich noch dankbar ſei.
Freilich, daß er ſemtliche Juwiläumsfeierlichkeide abgeſagt
hott, däß is dohärngääche widder en ſchwerer Schlag ins Konn=
dor
. Allerdings, diejeniche, die wo de Stadt zulieb ſich ſchun im
einiche Unkoſte geſtärtzt hawwe, die kenne immerhie noch rette,
was zu rette is. Awwer wie ſteht’s mit dene, die wo ſchun die
Zeit her Juwiläumsvera’ſtaldunge vera’ſtalt hawwe? Die
ſin ihr Geld los, un hawwe ſich die Arweit for die Gens gemacht.
Un wie ſtehts mit unſerm Stadtaſchiva ſeine Stadt=
geſchichte
. Gilt die als net erſchiene? Soll ſich de Dockter
Müller (mit ü) die Mieh un die Arweit for umſunſt gemacht
hawwe?
Naa, ich denk, valleicht nimmt ſich unſer Owwerowwer grad
emol ſeim Nomensvedder ſei Stadtgeſchicht vor und dhut e bische
drinn blättern. Un do wärd=em nooch ſehr korzer Zeit widderum
e nei Erleichdung kumme, nemlich die, daß aach in de friehere
Zeide un Johrhunnerde des Borjemaacherſei kaa Kinnerſpiel war,
un daß es noch jedem ſchlecht bekumme is, der wo unner alle
ſiwwenunzwanzich Umſtend mitm Kobb dorch die Wand wollt,
Däß verdreecht uff die Dauer aach de härdſte. Dickkobb net; ich
maan, däß mißt er wiſſe
Iwwrichens, däß muß ich offe ſage, vun däre Seid kenn
ichn gornet. Ganz im Gäjedaal, ich hab mir grad gedenkt bei
ſeiner Wahl, daß er der Mann is, der wo mit ſeine gradezu
ſprichwörtliche Konnſilians aach die widderſpenſtichſte Stadträt
unner aan Hut bringt. Un jetzt kimmt er ſo un rollt aus de

3 ſtandepee in Urlaub gemacht, un hott uns brißt
gezeicht. Ob er dobei net e bische an die Dewieſe

Fall, fellt aus de Roll, wollt ich ſage un ſtößt mit=ere
Fehemends ganz Darmſtadt vor de Bauch, anſtatts ſich mit Witz
un Humor aus däre Edads=Affeer zu ziehe. Un grad den Witz
un Humor, den hab ich all die Johrn her= wo mer uns ſchun
kenne, immer ſo ſehr an=em geſchätzt.
Naa, offe geſtanne, bei dene Verſiechunge hawwein net bloß

de Witz und de Humor, ſundern alle gude Geiſter im Stich geloſſe.
Ich gäb’s jo recht gärn zu, daß er nooch däxe omineſe Radsſitzung
e bische ei geſchnabbt war, un im erſte Moment net wußt, wos
er jetzt vun rechtswääche, odder meintswääche vun linkswääche,
dhu un loſſe ſoll. Awwer warum is er do net zu mir kumme,
ich hett ſchun en Auswähk gewißt. Seecht net ſchun unſer großer
Goethe: Willſt du genau erfahren was ſich ziemt, dann frage
nur bei edlen Frauen an . No, un bin ich e edel Fraa
odder bin ich’s net? Un wann ich’s bin, warum kimmt er do
net zu mer
Gud, ich geh im e ſtickwähks endgäfe, damit er ſieht, wie’s
mit meim Edelmut beſtellt is. Ich bin die Erſt, die wo m aus
de Brädullje hilft, un ich dhu hiermit heit noch zwaa Mack not=
obfern
, un ſchick ſem per Poſtuffdrag, daß Geld in die Kaß
kimmt. Dann ich ſag mir: wer ſchnell gibt, gibt dobbelt. Un
ich wär’ mer alſo ſtatts zwaa dier Mack gudſchreiwe, un
wär=ſem bei Geläjenheid an de Dreckſteier widder abziehe; ohne
Zinſe. Dodofor verlang ich awwer, daß er umgehends verfieche
dhut, daß die verfiechte Verfiechunge als net verfiecht zu be=
drachte
ſin.
Beharrt er uff ſeine verfiechte Verfiechunge, dann ſin mer
geſchiedene Leit; dann pack ich äwwenfalls mein Bindel, un
mach’s wie er, un geh emol e Weil um de haaße Brei erum,
un ſchlengel mich in e anner Gäjend, wo’s kaa Brotzkebb gibt.
Un ſag in dem Fall äwenfalls, was mer in dem Fall als ſeecht,
nemlich iwwerhaubt un ſo
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Ich will nadierlich net hetze, dann
des is mei Art nei. Zudem wärd jo äwe leider gehetzt genuch.
8 gibt ſogar Leit die bedreiwe die Hetzerei ſozuſage berufs=
meßich
. So hott mer kerzlich wääche de Miet in de ſtädtiſche
Heiſer gehetzt, un beim nehere Hiegucke war’s halb ſo wild. Be=
kanntlich
hott die Stadt in de letzte vier, fünf Johr allerhand
Wohnunge gebaut. Wer es Glick hatt, vor drei odder vier Johr
ſo e ſtädtiſch Wohnung zu krieje, der bezehlt zum Beiſpiel for
e zwaa, odder drei Zimmerwohnung die Hälft, odder doch e
Drittel wenicher, wie die, wo erſt im letzte Johr e Wohnung
krickt hawwe. So hott die Zeit her e Zwag=Zimmerwohnung
mit Loſchia un ſo, fimfundreißich Mack gekoſt. Hunnertmeter
devo koſt e nei Ah=Zimmerwohnung värzich Mack. Wann
alſo do die Mietfeſtſetzungskommiſſion e bische regguliert hott,
un es koſt jetzt e alt=nei Zwaazimmerwohnung ſoviel, wie e Ah=
Zimmerwohnung, ſo is däß for jeden verninfdiche Menſch en
ganz gerechte Ausgleich. Wie mer do vun Betrug an de Bärjer=
ſchaft
ſchwätze kann is mer e Reedſel. 18 Schlimme is bloß,
daß die Stadträt noch net emol ſälbſt wiſſe, was in de aans=
linge
Kummiſſione beſchloſſe wärd. Als wann mer net en Dorch=
ſchlag
mache kennt, un kennt ſich die Beſchliß gäächeſeidich mit=
daale
. Wann mer ſich ſchun es Maul net genne will. Odder
als wann mer ner emol dellefoniſch ſich erkunndiche kennt, eh
daß mer de Schimmel ſchei macht un feiert Schlagwörter in die
Bärjerſchaft. Awwer naa, mer muß doch ſei Wichdichkeid
nochweiſe . . .
Un wie mer zum Beiſpiel bei de Balleegaddemauer vun=ere
halwe Arweit ſchwätze kann, is mer äweſo ſchleierees. Daß mer
die Mauer net ganz ewäck mache kann, däß fiehlt e Blinder
mit=eme Stäcke. Nemlich in dem Fall hette mit die ſchennſte
Beem falle miſſe. Und grad dodewääche kembfe mer jo all die
Johrn her. Alſo beſſer die Mauer nor ſoweit, wie needich ewäck
gemacht, und dofor alle Beem erhalte, als wie umgekehrt. Däß
s mei Maanung. No un ſo is es jo gottlob aach worn, wofor
ich hiermit alle Bedeilichte mein härzlichſte Dank ausſpräche dhu.
Un domit winſch ich allerſeits: vergnichte Pingſte‟
un mach, wie owe bereits a’gekindicht, e bische Verſchwindibuß,
bis ſich die Drotz= un Brotzkebb widder einichermaße verdrage.
Wann alſo de nechſte Sunndag vun mir nix drinn ſteht, dann
ſuche ſe net lang, un denke ſe nix Schlächtes; nemme ſe in goddes=
nome
a, ich weer zu Schiff nooch Frankreich
For’s Niewergall=Denkmal: Vun=ere Dagung: Fuffzich Mack!
Vun eme eidrächdiche Damekrenzche: Fuffzeh Mack! Danke
ſchee; un nor kaa Angſt, bis zum richdiche Stadtjuwiläum
ſteht unſer Denkmal. Un es richdiche Stadtjuwiläum is jo
tet am nechſte Sunndag, ſundern erſt am 23. Juli anno
korrenndiß.

er zeitgemäße Haushalt.
aufende naſſe Band zur Abkühlung
Veiſekammer. Wohl nur wenige Hausfrauen
*T eine kühle Speiſekammer, die auch an den wärm=
Tagen die Nahrungsmittel friſch erhält. In den
en iſt ſie warm und dunſtig, ſo daß die darin auf=
Sbeiſen ſehr leicht dem Verderben ausgeſetzt ſind.
Iber die Temperatur weſentlich herabſetzen. Nach
Srfahrungen hilft das Aufhängen eines ſog. laufen=
Landes, das aus 2 an einandergenähten, kräftigen
Leſteht, maſchenartig über einer Stange hängt und
ſeren Teil in eine tiefe Schüſſel mit kaltem Waſſer
Zeit zu Zeit zieht man die Handtuchmaſche um ein
(ier, ſo daß ſie ſtets vollkommen naß bleibt. Durch
les Waſſers wird die Temperatur in der Speiſekam=
Nerabgeſetzt und hält man am Tage außerdem das
LOſen, um nur während der Nachtſtunden ausgiebig
tung von Gegenzug zu lüften, dann wird man ſelbſt
ſen Tagen über eine kühle Speiſekammer verfügen.
Oilchneidemaſchinen vordem Verroſten
* Da zumeiſt die Brotſchneidemaſchine in der
Eeſten Platz erhält, ſo iſt ſie natürlich allen Koch=
DDampfen ausgeſetzt, wodurch das Stahlmeſſer ver=
ees
zu vermeiden, gewvöhne man ſich daran, neben
aue Wurſtwaren, Schinken uſw. mit der Maſchine
2umal dieſe ja verſtellbar iſt und damit dünne
Eiwerden können. Auf dieſe Weiſe wird das Stahl=
ig
eingefettet.
Derereme (Nachtiſch). 1 Pfund rotſtenglichen
. lleine Stückchen geſchnitten, ſetze man mit wenig
Suchit er nicht anbrennt) zuſammen mit 1 Stückchen
** und Zimt zum Kochen auf. Löſche die meiſte
*Dengroß Natron und rühre dann den Rhabarber
as leb. Die gewonnene Fruchtmaſſe ſüße man nach
Lühre 2 Eier, ſowie aufgelöſte Gelatine 6 Blatt auf
I und kurz vor dem Erſtarren den ſteifen Schnee
Dcunter. In eine Schüſſel zum Erſtarren gefüllt,
D5 Rhabarberereme mit einer Vanille= oder
H.
lanne mit Kirſchen. 23 altbackene Sem=
uan
in Milch einige Stunden ein, zerrühre ſie gut,
Eſtrichenen Teelöffel Salz, 14 Pfund Zucker oder
elßſtofflöſung und ſoviel Mehl bei, daß ein gleich=
Enzſteht. Mit 1 Backpulver, ſowie 11½ Pfund
ſtirſchen vermiſcht, backe man die Maſſe in hoch=
Beletteter Auflaufform bei guter Mittelhitze. Heif
Nan dazu eine ſchaumige Vanilleſoße,

Wozu Konſervendoſen und Marmeladen=
gute
Behälter für allerlei Nudelſorten: Eiergräupchen, Faden=,
eimer noch nützlich ſein können. So ergeben z. B. die
mit dem Doſenöffner glattrandig aufgeſchnittenen Doſen ſehr
Faſſon=, Bandnudeln uſw., Kartoffelmehl, Puderzucker, Kakao,
Schokoladenpulver, getrocknete Küchenkräuter u. a. m. Größere
Marmeladeneimer dagegen ergeben vorzügliche Behälter für
Weizenmehl, klaren, und Würfelzucker, geriebene Semmel, Hafer=
flocken
, Backobſt, wie überhaupt alles, was in den vorhandenen
Vorratsbüchſen nicht mehr geborgen werden kann. Mit Etikett
verſehen, hat man jederzeit eine bequeme Ueberſicht darüber und
ſie können wohlgeordnet bei Platzmangel auf ſchmalen, über=
einander
hängenden Wandbrettern Aufſtellung finden. V.
Speiſen=Zettel.
Sonntag: Rhabarberſuppe, Kalbsgulaſch mit Gurken=
Kopfſalat, Rhabarberereme. Montag: Brennſuppe, Gurken=
gemüſe
ſauerſüß mit Speckrührei. Dienstag: Rindfleiſch
gekocht mit Meerrettichſoße und Klößen. Mittwoch: Karot=
tengemüſe
mit Kohlrabi und gek. Rinderherz. Donners=
tag
: Königsberger Klopſe mit Salzkartoffeln. Freitag:
Geſpickter Schellfiſch mit Peterſilienſoße. Samstag: Sem=
melpfanne
mit Kirſchen und Vanilleſoße.
Waſchen und Bügeln leicht gemacht. Von Kaethe Schroeder.
Kartoniert 1,80 RM. 112 Seiten mit 64 Abbildungen.
Franckh’ſche Verlagshandlung, Stuttgart.
Praktiſche Erfahrungen aus dem eigenen Haushalt und aus
Kurſen über Wäſchebehandlung, genaues Studium der techniſchen
Errungenſchaften und viel Nachdenken über die Möglichkeiten, die
Areit der Hausfrau zu erleichtern und gleichzeitig zu verbeſſern,
haben das Buch Waſchen und Bügeln leicht gemacht geſchaffen.
Es ſoll beraten, anregen und der modernen Hausfrau zeigen,
wie ſie ihre Wäſche gut, leicht und raſch beſorgen kann.
Ueber die Waſchküche, die Waſchgeräte, die verſchiedenen
Waſchmittel, über das Waſchen der verſchiedenen Stoffe ſelbſt,
Fleckenentfernung weiß Kaethe Schroeder eine Fülle von nütz=
lichen
Ratſchlägen zu geben. Ein ausführliches Kapitel iſt auch
der ſo wichtigen Frage gewidmet: Was koſtet die Wäſche? Das
Bügeln iſt viel ſchwerer aus einem Buch zu lernen als das
Waſchen, weil es ſich dabei zum großen Teil um eine ausgeſpro=
chene
Handfertigkeit handel, Und doch können die guten An=
regungen
, die das Büchlein bringt, jeder Hausfrau, auch der
erfahrenen, von Nutzen ſein.
Beſonders wertvoll machen das Büchlein auch die zahl=
reichen
Abbildungen, die jeden Vorgang und jeden Handgriff
anſchualich illuftrieren und die Hinweiſe, was man beſonders
ſeachten muß, um ein einwandfreies Reſultat zu erzielen und
die Wäſche ſelbſt zu ſchonen.

Hum or

Neugier.

Willſt du nicht lieber ſpielen gehn, Fritzchen?
Nein ich bin ſo neugierig, ob der Doktor bei dir anbeißen
wird, wie die Mama geſagt hat.
Der Großſtädter auf dem Lande. Wie alt iſt dieſe Kuh?
Zrei Jahre!
Woran ſehen Sie denn das?
An den Hörnern!
Ach ja natürlich zwei Hörner.
(Humour.)
Hernach. Sie haben ſich verheiratet, Herr Kreiſel?
Ja, das Reſtauranteſſen ſchmeckte mir nicht mehr.
Und jetzt?
Jetzt ſchmeckt es mir wieder.
(Nebelſpalter.)
Boshaft. Seit drei Jahren ſchreibe ich jeden Abend vor dem
Schlafengehen meine Gedanken auf. Dann müſſen Sie doch bald
eine Seite voll haben!
(Péle=Mele.
Das Elektrizitätswerk bringt es an den Tag. Du biſt ſo nieder=
geſchlagen
, lieber Freund. Haſt du Aerger gehabt? Ich habe
meiner Frau, die im vorigen Monat verreiſt war, erzählt, daß ich jeden
Abend zu Haus geweſen ſei. Heute kam die Lichtrechnung: 85 Pfennig!
(Tit=Bits.)
Zwölfſtimmig. In meinem achten Jahre habe ich ſchon in einem
Kinderchor mitgewirkt. Ich ſchon im erſten Jahre. Nicht mög=
(London opinion.)
lich! Wir waren zwölf Geſchwiſter!
Die drei Beſten. Ich bin in unſerer Klaſſe der Erſte im Rechnen!
Ich der Erſte in Phyſik! Und ich bin der Erſte auf der Straße,
(American Boy.)
nachdem es geläutet hat!
Ganz was Beſonderes. Ich möchte ein raſſiges Auto kaufen, etwas
Vielleicht einen Wagen auf Bar=
ganz
Außergewöhnliches!
zahlung?
(Paſſing Show.)

[ ][  ]

Das Pujama.
Es iſt eigentlich nich; allzu=
lange
her, als man ein Pyjama
noch wie eine beſonders verruchte
egenheit betrachtete und die
Tatſache, daß eine Frau gelegent=
lich
auch Beinkleider tragen ſollte,
faſt wie eine Zweideutigkeit
eine Undamenhaftigkeit wertete.
Man muß ſich auch wohl oder übel
eingeſtehen, daß wir in dieſer
Hinſicht hinter dem Auslande weit
nachhinken, da das Pyjama hier=
zulande
noch eine ziemlich verein=
zelte
Mode war, als ſich beiſpiels=
weiſe
die Amerikanerin damit
längſt befreundet hatte und den
Schlafanzug nicht nur an Stelle
eines Nachthemdes verwendete,
ſondern aus dieſem Garderobeſtück
einen Hausanzug im wahrſten
Sinne des Wortes machte, aber
nicht nur das: ſondern das Pyja=
ma
ſogar gelegentlich als nachmit=
tägliche
Aufmachung für die Muße=
ſtunden
im eigenen Heim natür=
lich
in entſprechend eleganterer
Ausführung gelten ließ.
Es iſt ja auch vollkommen rich=
tig
, daß das Pyjama eine ganze
Reihe von Vorteilen bietet.
Man denke doch nur an das
Nächſtliegende, an die Sommer=
veiſe
: gibt es da wohl etwas Appe=
titlicheres
als ein Schlafpyjama,
das den Körper wenn man im
Hotelzimmer übernachten muß
vollkommen abſchließt? Niemals
könnte man dagegen in einem
Nachthemde ſo abſolut geſchützt
ſein!
Das Gleiche gilt natürlich auch
für die Nachtfahrt im Eiſenbahn=
zuge
. Außerdem wäre ja auch
noch die Möglichkeit einer ſommer=
lichen
Schiffsreiſe ins Auge zu faſ=
ſen
, die ohne einige gute und
kleidſame Hausanzüge ganz un=
denkbar
iſt, da ſich die Sitte ein=
gebürgert
hat, die Vormittagsſtun=
den
an Bord nur im leichten Pyja=
ma
zu verbringen. Und vor
allen Dingen die Ferien an der
See oder an irgend einem Bade=
ſtrande
: . . . ſie machen ja den
Strandanzug zur unbedingten Notwendigkeit, weil ohne ein ſol=
ches
Pyjama der Weg zum und vom Strande in den ſchweren
Kleidern und wären es nur ein paar Schritte in praller
Sonnenhitze zur Qual werden würde.
Man hat aber längſt erkannt, daß ein richtiges Ferien=
vergnügen
mit einer entſprechenden Aufmachung ſteht und fällt
und daß Bequemlichkeit hier alles iſt.
Darum tut man ſicherlich gut daran, vor der Urlaubsreiſe
die Frage des Hausanzuges gründlich zu behandeln, um ſo mehr,
als ſich das Pyjama auch wenn man den Hotelgang quert
oder auf die Liegeterraſſe geht als unerläßliches Garderobe=
ſtück
erweiſt.
Natürlich ſollen Pyjamas dieſer Art nichts Gewolltes oder
gar Theatraliſches an ſich haben.
Das Crägerband am Sportkoſtüm
erweiſt ſich für Bergtouren und Weekendfahrten als außerordent=
lich
praktiſch.
Einerſeits haben nämlich dieſe Träger den Vorteil, vollkom=
men
unſichtbar zu bleiben, weil ſie ja aus dem Futtermateriale

Die Form hat prinzipiell ganz einfach zu ſein, aber allen=
falls
jenen Schick zu verraten, der unſere Mode charakteriſiert.
Die Materialien müſſen beſonders für das hochſommerliche
Pyjama ſehr gut waſchbar, die Farben natürlich unter allen
Umſtänden waſchecht ſein, da man ja gewärtig ſein muß, ein oder
das andere Stück während des Urlaubes auch von weniger
fachkundigen und weniger achtſamen Händen reinigen zu
laſſen.
Demgegenüber darf natürlich auch nicht vergeſſen werden,
daß unſere Mode auf farbenfrohe Effekte beſonderen Wert legt,
und daß nichts ſchlechter wirk;, als ein Hausanzug, der unmale=
riſch
, alltäglich, kurzum banal iſt.
Die Mode der bedruckten Gewebe bringt es mit ſich, daß man
auch das Pyjama in vielfarbiger Ausführung gerne ſieht, um
auch den Vorteil bietet, ſehr leicht waſchbar zu ſein, ein Faktor,
der natürlich bei der Garderobe des Kindes ganz außerordentlich
wichtig erſcheint.
In der Regel pflegt man ſich an klein=gemuſterte Gewebe zu
halten, die in ihren Blütenmotiven friſch ausſehen und in ihrem
Farbenreichtum dem Kinde ganz außerordentlich gefallen.
Man hat ſich die neuen Trägerkleider derart vorzuſtellen,
daß der weite, im Schluſſe eingezogene Rock zu einer weißen, am
Halſe mit einem Zug=Schnürchen zuſammengehaltenen Bauern=
bluſe
getragen wird und mit Trägern feſtgehalten iſt.
Sehr gebräuchlich ſind die offenen Bolero=Jäckchen, die an
den kleinen Mädchen entzückend ausſehen (Skizze).

der Jacke verfertigt, alſo ganz dünn und in ſehr geſchickter Weiſe
auf das Jackenfutter angearbeitet ſind, andererſeits aber bieten
ſie auch den großen Vorteil, die Jacke gelegentlich beim Wandern
um die Schultern hängen zu können, ſo daß ſie keinen Ballaſt
darſtellt und man auf dieſe Weiſe gegen Witverungsunbill vor=
geſorgt
hat, weil es ja doch ſelbſt an ſehr ſchönen Sommer=
tagen
gewagt iſt, eine Tagespartie ohne Umhülle zu unter=
nehmen
.
W. U.
Ein Crägerkleidchen
iſt nichts anderes als eine Abart der Spielſchürze und nimmt ſich
beſonders in primitivem Materiale ſehr gut aus, da es dann

Eine weiße Putzſchürze iſt zu einem ſolchen Kleidchen, das
für Haus und Garten in Frage kommt, unbedingt das Richtige,
weil ſie immer appetitlich und ſauber wirkt.
R. H.

Geſtreiftes Material

nimmt ſich für die neuen Bluſen ganz reizend aus, und zwar
verwendet man ganz abgeſehen von den verſchiedenen weißen

ſo mehr, als man dann
ſo achtſam ſein muß, w
da oder dort am Strande
chen durch Sand oder A
ſteht, weil es ſich ja in
Muſterung ohnedies verl
Allen Pyjamas iſt di
gemeinſam, daß ſich heu
ſonders weiten Beinkl
man faſt als Hamburge=
mannshoſen
, anſpreche
durchſetzen.
Es mag dies ſein
darin haben, daß dadur
wegungsfreiheit, die der
Frau von heute ganz
wichtig iſt, nicht geher
und auch die Geſtal: d
weite Hoſenformen nur
einflußt werden kann, m
Figur immer ſehr geſt
ſieht, wenn die Beinklei /i
geſchnitten ſind, alſo
Knie ziemlich eng bleibe
dann glockig aufſpringen
Außerdem haben ſo
mas den Vorteil, daß (5
die Weite eine faſt rocke
kung ergibt, ſo daß mim
Sommerfriſche ohne 1
einem derartigen S
den Ort queren kann, b=
allergeringſten
in una ſ
Sinne aufzufallen.
Wir illuſtrieren die
hochſommerlichen Pyjan F
türlich auch für das
haus gerne geſehene
ſtücke darſtellen, in unſer
Links iſt ein Strandanzi
ter Hoſe zu ſehen, die h
ſés aufgelöſt und mit ei V
ruſſiſchen Kaſak=Kittel /1
geſtellt iſt, zu dem mai
getupftes Halstuch trä=
als
Stirnband und als
Paletots (der Farbe un
des Pyjamas bringt)
Ganz einfach iſt die
zweiten Modells, eines
kurzärmeligen Over
Aarsr.4
paſtellfarbenem Shan
einem anderen gut waſc
teriale mit hellem Gi
HIII
der ſehr praktiſch iſt,
wenn er zufällig feuck
nicht gleich ſo erhärte
Sämiſchledergürtel, die man früher zum Pyjama zu
wohnt war.
Außerordentlich originell ſind die neuartigen
anzüge, die man für die Tätigkeit im Garten zu
pfleg, gelegentlich aber auch für den Strand heranz
Sie ſind in ihrem Oberteile wie eine Latzſchürze geſch
über einer einfachen, herrenhemdartigen Waſchbluf
gerollten Aermeln zu tragen) in der Taille mit eine
Gürtelbande abgebunden und gehen overallähnlich in
partie über (letztes Bild).
Man verfer igt ein ſolches Stück, das natürlich
empfindlich ſein darf, aus einem gedeckt=gemuſterten
etwa aus Kreton, buntem Leinen, Kunſt= oder Rohle

krepp u. dgl. mehr

Wil

Hemdenſeiden die bekanntlich in=ſich=gemuſtert ſihl
zweifarbig=abſchattiertes Matcrial, wobei beſonders 3
Grau=Schwarz und ähnliche Farbſtellungen bevorzug.
Daneben aber gibt es auch eine ganze Reihe
bunt geſtreiften Seiden, die kunſtgewerbliche
ergeben und durch die Verarbeitung in der verſchieden
richtung ungemein originelle Effekte ſichern.

In ſchwarz=weiß=blauem Streif hat man

ſich z1

das erſte Modell unſeres kleinen Bildes zu denteſ.
Hemdbluſe mit einer aufgeſteppten, achterförmigel.
die ein loſer Schal aus dem gleichen Streifen=Gehe.
läuft.
Die Quer=Verarbeitung geſtreiften Materille
eine große Rolle, iſt aber natürlich nur für ſchit
eignet und kommt nur bei jenen Geweben in Fkad.
fen ganz zart ſind (Bild 2).