Darmstädter Tagblatt 1930


14. Januar 1930

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Ginzelnummer 10 Meunige

Co.

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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 14
Dienstag, den 14. Januar 1930.
193. Jahrgang

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aufträge
und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturs oder
ichtlicher Beſtreibung fällt ſed
Nabat weg. Banſio
onto Deutſche Bani und Darm=
ſtädter
und Natonalbank.

Ein Porſtoß Dr. Schachts im Haag.
Reichsbankpräſidenk Dr. Schacht verlangk vom Gläubigerkribungl Annahme des unverfälſchken Youngplans.
Keine Bekeiligung der Reichsbank an der Inkernakionalen Zahlungsbank. Die Funkkion der Reichsbank
übernimmk eine deutſche Bankengruppe. Einigung über die reparakionspolikiſchen Fragen.
der deutſchen Delegation weiter zur Verfügung
Au die Iniernarionale Zahlungsbänt. zu ſtehen. Er wird aber wahrſcheinlich an den Ausſchuß=
ſitzungen
nicht teilnehmen.
Franzöſiſche Pläne. Dr. Schacht greift ein.

* Haag, 13. Januar. (Priv.=Tel.)
Reichspräſident Dr. Schacht iſt am Montag vormittag hier
eingetroffen.
Mit Dr. Schacht ſind nun ſämtliche Mitglieder des Komitees
für die Internationale Zahlungsbank im Haag verſammelt, um
über das Statut der Treuhandverträge und das Grundgeſetz
der Bank, die ganz weſentlich von dem Ausgang der Verhand=
lungen
über die Sanktionen und von der endgültigen Erledi=
gung
der übrigen Fragen abhängig ſind, zu beraten.
Einen Schwerpunkt in den Beratungen des Bankkomitees
werden die Perſonalfragen bilden. Von der Ernennung des
Präſidenten der Bank hängt der ganze Geiſt ab, der künftig
dieſes neue internationale Inſtitut beherrſchen wird. Von den
Alliierten wird der Verſuch gemacht, dem wahrſcheinlich ameri=
kaniſchen
Präſidenten als Bankperſonal Teile des jetzigen Per=
ſonals
der vollkommen politiſch arbeitenden Reparationskommiſ=
ſon
und der Parker Gilbertſchen Kontrollorgane anzuhängen.
um mindeſten verſucht man, die künftigen Reparationsabtei=
lungen
der Bank ſo weit wie möglich mit derartigen Kräften
zut beſetzen. Es iſt jedoch zu erwarten, daß der Präſident aus
der ganzen amerikaniſchen Auffaſſung heraus ſicher verſuchen
weird, der Bank ein rein kaufmänniſches Geſicht zu geben und
ſih gegen ſolche Beſtrebungen zur Wehr ſetzen dürfte. Auch fürch=
ten
die Franzoſen zu ſehr das Erſcheinen Dr. Schachts, von dem
ſe ganz ſcharfe Vorſtöße gegen ihre Pläne erwarten.
Der erwartete Vorſtoß des Reichsbankpräſidenten Dr.
Schacht iſt am Montag erfolgt Dr. Schacht hat dem Führer der
amnerikaniſchen Gruppe, Reynolds, ein Schreiben übermittelt,
in dem er erklärt, daß er eine Erklärnug über die endgültige
Stellungnahme des Reichsbankdirektoriums
in bezug auf die Beteiligung der Reichsbank an
der Internationalen Zahlungsbank nicht ab=
geben
könne.
Dieſer Brief wurde von Rehnolds in der für heute einbe=
utfenen
Sitzung des Organiſationskomitees für die J.3.B. mit=
geteilt
, und das Komitee hat daraufhin ſeine Sitzung abge=
prochen
.
Schachts Brief an Reynold.
Ueber den Inhalt des Schachts=Briefes erfahren wir von
guut unterrichteter franzöſiſcher Seite, daß dieſer Brief das Datum
des 30. Dezembers 1929 trägt und die Antwort Schachts
auf die Rundfrage Reynolds an ſämtliche Noten=
banken
darſtellt, in der ſie um ihre Stellungnahme zu
der Beteiligungan der BJZ gebeten werden. Schacht
erhebt in dieſem Brief die Forderungen, daß der
Youngplan unverändert angenommen werden müſſe
daß unter keinen Umſtänden die militäriſchen und
politiſchen Sanktionen, wie ſie im Verſailler Vertrag
vorgeſehen ſind, aufrecht erhalten werden und daß die Rechte
der deutſchen Privateigentümer bei dem eng=
liſchen
Sequeſter gewahrt werden müßten. Wichtig iſt,
daß der Brief auch die Forderung enthält, daß moraliſche und
politiſche Garantien dafür gegeben werden müßten, daß bei
Annahme des Youngplanes die politiſche In=
feriorität
Deutſchlands gegenüber den Alliier=
ten
ihr Ende finden müſſe.
*
Ueber das weitere Verfahren im Organi=
ationsausſchuß
beſtehen Meinungsverſchiedenheiten. Das
Vorgehen Dr. Schachts ſtützt ſich auf das in Baden=Baden ver=
einbarte
Statut für die BJZ, in deſſen Artikel 28 ausgeführt
wird, daß ſich der Verwaltungsrat aus dem jeweiligen Präſi=
denten
der Zentralbanken Belgiens, Frankreichs, Deutſchlands
oder den betreffenden von ihnen Ernannten zuſammenſetzt, falls
einer der benannten Präſidenten davon Abſtand nehmen oder
ſich außerſtande ſehen ſollte, dieſes Amt zu übernehmen. Der
franzöſiſchen Preſſe wird am Montag abend mitgeteilt, daß Dr.
Schacht ſein auf Grund des neuen Baden=Badener Statuts
ür die BJZ erhobene Veto auf Intervention Dr.
Curtius zurückgezogen habe. Nunmehr würde der
Veg zu Verhandkungen mit anderen deutſchen Banken frei. Die
deutſche Delegation werde in den nächſten Tagen, vielleicht ſchon
morgen, den Namen derjenigen deutſchen Bank mitteilen, die
ei der Bildung der BFZ anſtelle der Reichsbank treten ſolle.
Auu
69 Po
8½. neichskreditanſtalt und die Preuß. Seehandlung
anfelie der Feſchehaf.
Die Führer der deutſchen Delegation, Dr. Curtius und Dr.
(oldenhauer, haben ſich darauf ſofort mit den übrigen Dele=
gierten
der ſechs einladenden Mächte zu einer Sitzung vereinigt,
in der die Frage beſprochen wird, ob anſtelle der Reichs=
bank
eine andere deutſche Bankengruppe an der
J.3.B. teilnehmen kann, welcher Eventualfall im Young=
plan
vorgeſehen iſt.
Bei der deutſchen Delegation wird mitgeteilt, daß die in
Frage kommenden Banken, die anſtelle der Reichsbank
im Ausſchuß teilnehmen werden, die Reichskreditan=
ſtalt
und die Preußiſche Seehandlung ſeien. Dr.
Schacht hat ſich bereit erklärt, als Sachverſtändiger

Eine Erklärung der deutſchen Delegalion.
Die Verhandlungen gehen weiter.
Die deutſche Delegation, die die Lage heute abend
als ſehr ernſt beurteilte, hat über den heutigen Zwiſchenfall ſo=
fort
mit den Berliner Amtsſtellen und dem
Reichskanzler Fühlung genommen. Der Staats=
ſekretär
im Reichsfinanzminiſterium Dr. Schäffer, der die
letzten Tage im Haag weilte, iſt kurz darauf nach Berlin ab=
gereiſt
. Er wird mündlich Bericht erſtatten und ſich außerdem
in Berlin bemühen, die Bankengruppe, die anſtelle der Reichs=
bank
an den Verhandlungen teilnehmen ſoll, zuſammenzubrin=
gen
. Von maßgebender Seite der Delegation erklärt man uns,
daß man trotz dem Zwiſchenfalle glaube, die Kon=
ferenz
zu Ende führen zu können. Das in Berlin
in den Abendſtunden befürchtete Auffliegen der Konferenz ſei be=
ſchworen
. Die Konferenz könne bis Ende der Woche, ſpäteſtens
bis Sonntag, trotz dem Vorfall beendet ſein. Präſident
Jaſpar hat das Organiſationskomitee für die
B.J.3. aufgefordert, ſeine Arbeiten alsbald
fortzuſetzen. Auch die Arbeiten an den Verein=
barungen
, die bisher zwiſchen den Gläubigermäch=
ten
und Deutſchland, verhandelt worden ſind, werden
fortgeſetzt und im das Schlußprotokoll eingefügt. Die Weiter=
beratung
der noch nicht abgeſchloſſenen Mobiliſierung= und
Sanktionsfragen erfolgt am Mittwoch vormittag 11,4 Uhr. Tar=
dieu
, der am Montag den Haag verläßt, um in Paris an einem
Miniſterrat teilzunehmen, kehrt Mittwoch 11,30 Uhr aus Paris
zurück. Tardieu und Dr. Curtius haben vereinbart, die Sank=
tionsformel
geheimzuhalten. Der Text wird erſt am
Mittwoch veröffentlicht werden.
Der Eindruck des Schachk’iſchen Borſtoßes bei den
delegalionen.
Das Vorgehen Dr. Schachts hat im Haag wie eine Bombe
gewirkt. Im Preſſehaus gab es eine Stunde lang einen Groß=
angriff
auf Telegraph und Telephon, Blitzfunk und Blitztele=
gramm
, um die Senſation in alle Welt zu jagen. Tardieu,
der in den letzten Tagen mehrfach behauptet hat, ohne die Zu=
ſtimmung
Dr. Schachts zur Teilnahme an der B. J.3. nicht ver=
handeln
zu können, ſprach ſich heute abend ſehr ſcharf gegen
den Vorſtoß Dr. Schachts aus. Er erklärte, Schacht habe
verlangt, daß die 5 Gläubigermächte ihre finanziellen und poli=
tiſchen
Forderungen, die den Rahmen des Youngplanes über=
ſtiegen
, zurücknehmen ſollten, bevor er ſeine Zuſtimmung zur
Teilnahme der Reichsbank an der B.J.3. geben könne, was
Tardieu mit der Bemerkung verſah, daß es unmöglich angehe,
daß 20 Regierungen, die ſeit 2 Wochen im Haag den Weg zum
Frieden ſuchten, abwarten ſollten, bis es Herrn Schacht gefällig
ſei, ſeine Zuſtimmung zu geben.
Von den im Haag weilenden amerikaniſchen Krei=
ſen
wird der Vorſtoß Dr. Schachts mitauffallender
Ruhe beurteilt. Man ſpricht ihm jeden ſenſationellen
Charakter ab und erklärt vielmehr, daß Dr. Schacht nicht
als Politiker, aber als Geſchäftsman n gewiſſe
Forderungen aufgeſtellt habe, denen man nicht
alle Berechtigung abſprechen könne.
Bei den Engländern erklärte man, daß es nicht
angehe, daß der Reichsbankpräſident im Ausſchuß
für die B.J.3. politiſche Forderungen erhebe, wie
dies hier in ſeinem Brief geſchehen ſei.
Reiſe Tardieus und Loucheurs nach Paris.
Jaſpars nach Brüſſel.
Gleichzeitig mit dem Miniſterpräſidenten Tardieu fährt auch
der franzöſiſche Handelsminiſter Loucheur heute abend nach Paris,
um dort an dem auf morgen vormittag angeſetzten Miniſterrat
und ferner an der Kammerſitzung teilzunehmen, in der der Kam=
merpräſident
neu gewählt wird. Auch der belgiſche Miniſterpräſi=
dent
Jaſpar begibt ſich morgen früh für kurze Zeit nach Brüſſel.
um einen Miniſterrat zu präſidieren. Er beabſichtigt jedoch, noch
morgen abend, ſpäteſtens am Mittwoch früh, wieder im Haag
zu ſein.
Streichung der Danziger Reparakionen.
Die Reparationsfrage Danzigs iſt geregelt.
Die Gläubigermächte haben ſich bereit erklärt, der Freien
Stadt Danzig die Rechtsſchuldausden Reparations=
titeln
, ſoweit Danzig nicht bereits Zahlungen darauf geleiſtet
hat, und die Schuld des Hafenausſchaſſes zu ſtrei=
chen
. Dieſe Löſung iſt am Montag vormittag in einer Sitzung
der Gläubigermächte angenommen worden und wird als Anhang
zum Youngplan in einer Erklärung der Gläubigermächte ver=
öffentlicht
.

* Ikalieniſche Jahresſchau.
Von unſerem =Korreſpondenten.
Rom, im Januar 1930.
Zunächſt ein: Wenn es bei uns in Deutſchland nicht ſchön
ausſieht, wir haben wenigſtens einen Troſt. In Italien ſieht
es noch viel häßlicher aus. In Deutſchland hat man in allem
Elend doch den einen Troſt, daß das Jahr 1929 deutſches Land
von der Beſetzung befreit hat, in Italien aber hat das einzig
Gute, was dieſes üble vergangene Jahr zu ſeinem Beginn hoff=
nungsfroh
beſcherte, die Verſöhnung zwiſchen dem Vatikan und
dem Staate Italien, keine erfreuliche Entwicklung genommen.
Der Frieden vom Lateran iſt nur ein Scheinfrieden, an die
Stelle der römiſchen Frage iſt die erweiterte italieniſche Frage‟
getreten. Der Kulturkampf macht alle Verſöhnung zunichte.
Dieſer Staat Italien unter der fasciſtiſchen Fuchtel läßt mehr
noch wie früher unter der demokratiſch=parlamentariſchen Regie=
rungsform
die Hauptkrankheit des Italienertums erkennen, die
Neuraſthenie. Man nimmt einen kühnen Anlauf, erklimmt mit
erſtaunlicher Kraft und Gewandtheit einen ſteilen Hügel und ſinkt
raſch erſchlafft und niedergebrochen zu untätiger Lethargie zu=
ſammen
. So hat Italien zu Jahresbeginn ſeinen Frieden mit
dem Vatikan in raſchem Anlauf gemacht. Alle Welt jubelte über
die Verſöhnung. Muſſolini war der große Mann des inneren
und religiöſen Friedens. Nur üble Skeptiker, die den italieniſchen
Seelenzuſtand und den Geiſt dieſes Duce zu kennen vermeinen,
wagten inmitten der allgemeinen journaliſtiſchen und diploma=
tiſchen
Begeiſterung ihre ungläubige Stimme zu erheben und den
ganzen Betrieb rings um die Ausſöhnung zwiſchen Kirche und
Staat des Fascismus als recht zweideutig zu erklären. Sie
haben recht behalten. Denn auf den Aufſchwung folgte bald die
Reaktion der italieniſchen Neuraſtheniker, die zwar Verträge
unterſchreiben, aber höchſt ungern dann ihre Verpflichtungen er=
füllen
. Die Folge iſt, daß beide Teile, Kirche und Staat, ſich
betrogen fühlen. Nur darf man mit vollem Recht zugeben, daß
für dieſen Vorwurf die Kirche wirklich Grund hat, während der
Staat nur mit höchſt merkwürdigen Auslegungskünſten den Buch=
ſtaben
und den Sinn der Verträge in der von ihm gewünſchten
Rihtung umdeutet. Statt Friede herrſcht Kulturkampf=
Das einzig Gute von 1929 iſt alſo beim Schluß des
Jahres ſchon zu einem Uebel geworden. Alles was es ſonſt in
Politik und Wirtſchaft gibt, war von vornherein nicht gut und iſt
nur ſchlechter geworden. Es iſt ſo erbärmlich, daß ſogar echt
fasciſtiſche Blätter, wie der Popolo d’Italia unter Muſfolinis
Bruder, in ſehr gewundener Sprache von den unerfreulichen Ver=
hältniſſen
am Ende des Jahres ſprechen müſſen. Was alſo ein
mißtrauiſcher Beobachter dieſes fasciſtiſchen Italiens, oft
unter ſchweren Sorgen, wenn ringsherum enthuſigſtiſche Fremde
die neue Zeit in Italien lobten, ſeit Jahr und Tag immer
wieder betont hat, das hat ſich als wahr erwieſen. Der Staat
iſt faul. Noch übler aber iſt die Leitung dieſes Staates. Sie
erſtickt in einer Cliquenwirtſchaft, entfremdet ſich von Tag zu
Tag mehr die breite Maſſe des Volkes und baſiert nur auf den
Bajonetten ihrer Leibgärde. Aber auch hier herrſcht nicht mehr
eitel Freude und Wohlgefallen. Denn die Zeiten ſind ſo ſchlecht,
daß der Aerger und das Murren der Bürger, die Verwünſchun=
gen
in den Familien auch auf dieſe Milizleute abfärben, die
ſchließlich doch auch nur Glieder ihrer Familien ſind. Satt und
zuſrieden ſind nur noch die Männer, die in irgendeiner leidlich
bezahlten Stelle der fasciſtiſchen Hierarchie ſitzen. Dafür gibt
es aber mindeſtens ebenſo viel alte Fasciſten, die dieſe Stellen
den anderen neiden und die ihrerſeits ſich zurückgeſetzt fühlen.
Das iſt der unzufriedene Teil im Fascismus, zu dem eine Reihe
bekannter und energiſcher Leute gehören. Es ſind immer die=
jenigen
, die nicht genügend zu freſſen bekommen haben, oder
die zu den ſeltenen Ausnahmen gehören, die nicht freſſen
wollen, obwohl ſie es könnten. Auf alle Fälle: Schön ſind die
Zuſtände in Italien an der Jahreswende nicht.
In der Außenpolitik hat Muſſolini keinerlei Erfolge auf=
weiſen
können. Seine Stellung in Genf bedeutet heute ſo wenig
wie früher. Seine Verhandlungen mit Paris ſind noch nicht zu
einem Ergebnis gelangt, das einen bindenden oder auch nur aus=
ſichtsreichen
Wert für die italieniſche Stellung im Mittelmeer
und den anliegenden Streitgebieten haben könnte. Dabei ſteht
die Londoner Konferenz vor der Tür. Mit Jugoſlawien ſpielt
man wie ſeit Jahr und Tag Katze und Maus. Die Türkei ver=
ſöhnt
ſich mit Griechenland, aber ohne Rückſicht auf Italien.
Denn in Athen regiert Venizelos die Stunde, der alte Kreter,
der auf Frankreich ſchwört. Italiens Verhältnis zu England
iſt ohne Akzente, ſeine Beziehungen zu Deutſchland ſind freund=
ſchaftlich
normal, ohne daß der deutſche Fascismus, trotz einiger
komiſcher deutſcher Beſuche in Italien zu irgendeiner beſonderen
Stellungnahme der deutſchen Politik geführt hat. Dafür hat
Muſſolini eine ſehr ſchwere Schlappe in den Vereinigten Staaten
einſtecken müſſen. Er hat die berüchtigten Fasci alleſtero, die
italienſchen fasciſtiſchen Verbände im Ausland, in Nordamerika
auflöſen müſſen. Die Amerikaner haben ſich die Spktuage in
Politik und Wirtſchaft und die italieniſche Sonderbündelei im
eigenen Lande nicht mehr gefallen laſſen. Hätte Muſſolini nicht
auf die Forderung aus Wafhington hin aufgelöſt, ſo hätte Italien
keinen einzigen Dollar mehr bekommen. Aber, auch Länder, die
keine Dollar verpumpen können, wie z. B. Deutſchland, ſollten
aus dieſem Vorgehen lernen und ſich energiſch gegen dieſe Spio=
nageneſter
und Fremdkörper zur Wehr ſetzen. Wenn man den
Italienern etwas deutlich kommt, ſo haben ſie auch heute noch
Sinn für die Gefühle von Karfreit.
Außenpolitiſch hat dieſes Jahr alſo keinen Nutzen gebracht.
Man kann ſogar ſagen, daß die Außenpolitik gelitten hat, denn
an Stelle des immerhin leitenden Muſſolini, mit dem als Außen=
miniſter
ein Botſchafter direkt über außenpolitiſche Fragen ſpre=
chen
kennte, iſt der kleine Dino Grandi getreten. Und der junge
Mann im Geſchäft iſt eben nicht der Herr Generaldirektor.
Wenn der fremde Geſandte mit Grandi eine Sache erörtert, ſo
wird ſie bran aktenmäßig behandelt werden, aber als der Ge=
ſandte
noch obne UImweg mit dem Duce verhandelte, kamen neben
den 77ien außenolitiſchen Dingen doch auch andere allge=
meine
Fragen zur Beſdrechung. Manches konnte ſo verhindert,

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Dienstag, den 14. Januar 1930

Nummer 14

manches gebeſſert werden, wenn ein kluger Unterhändler direkt
mit Muſſolini ſprach. Heute ſitzt der Duce nun noch iſolierter
hinter ſeinem Schreibtiſch, ausſchließlich auf die Berichte ſeiner
Kreaturen angewieſen. Die Außenpolitik muß darunter noch
mehr ſtagnieven als bisher.
Aber auch Wirtſchaft und Finanzen ſind krank. Daß in
einem Jahr tiefſter Konjunktur auch in Italien die Geſchäfte
nicht gehen, iſt keine Schande. Daß die Finanzen ſchlecht ſind,
iſt auch bei andern Leuten heute ſelbſtverſtändlich. Aber in
Italien macht ſich jetzt der Umſtand ſehr drückend geltend, daß
man ungeheure Arbeiten in ſozialer, ſportlicher und auch künſt=
leriſcher
Hinſicht begonnen hat, für die man zur Fortſetzung
nun nur noch ſchwer die nötigen Gelder aufbringen kann. Man
verbirgt die erhöhte Arbeitsloſigkeit unter verkleideten Arbeits=
einſchränkungen
, indem man nur noch wenige Tage in der Woche
arbeiten läßt, dafür auch nur weniger Lohn zahlt, aber dieſe
Minderarbeit als Vollbeſchäftigung in den Statiſtiken aufzählt.
Man läßt eine Winterbeſchränkung der Außenarbeit fällt
ja im größten Teil Italiens weg bei den öffentlichen Bauten,
für die jetzt die Gelder mangeln, auch nur Kurzarbeit leiſten,
rechnet dieſe Taglöhner mit kärglichſtem Lohn aber auch nicht zu
den Arbeitsloſen. Man ſchweigt von den Arbeiterumzügen in
Mailand, Genua und Turin, die gegen die Wirtſchaftslage und
die hohen Steuern demonſtrieren, ohne daß man gegen ſie ein=
zuſchreiten
wagte, aber man kann nicht verhindern, daß rings=
herum
das Volk murrt.
Muſſolini wird jetzt nach den Feſten für die Hochzeit des
Kronprinzen ſchon die Stunde feſtſetzen, in der mit all dieſen
Unzufriedenen abgerechnet wird, aber er läßt vorher die Partei
von allen unſicheren Elementen reinigen, um derb und ſicher
durchgreifen zu können. Noch iſt die fasciſtiſche Macht unge=
brochen
, aber der italieniſche Staatskörper iſt ausgemergelt, ihm
fehlt das geſunde Blut, das auch ernſte Krankheiten ertragen
läßt.
Das Jahr 1929 hat Italien keine Vorteile gebracht. Es hat den
Fascismus nicht geſtärkt. Aber es hat manchem im Auslande und
ungemein vielen im Inlande die Augen darüber geöffnet, daß
dieſer Fascismus nicht produktiv, nicht ſtaatsſchöperiſch iſt, ſon=
dern
nur ein Parteivergnügen, das den Staatsſäckel ſehr teuer
zu ſtehen kommt. Man kann heute ſagen, daß außer den an der
Krippe ſitzenden Fasciſten nur noch die Fasciſtenfreunde im Aus=
land
, die ſich von der Faſſade täuſchen ließen, treu zur Schöpfung
Muſſolinis halten. Eines Tages wird man ſehen, daß zwar im
Auslande überzeugte Fasciſten Hurra ſchreien, in Italien aber
die Leute ſich bereits zu einer anderen Mode bekehrt aben. Am
Schluſſe des Jahres 1929 waren wenigſtens ſchon viele Leute in
Rom auf der Suche.

Die Sanktionsformel.
Die Juriſten haben ſich geeinigt.
* Haag, 13. Januar. (Priv.=Tel.)
In der Sanktionsfrage haben die Juriſten am Montag eine
Formel zuſtande gebracht. Wie verlautet, wird die Sanktionen=
frage
mit einem Notenwechſel zwiſchen der deutſchen und fran=
zöſiſchen
Delegation beendet werden. Die Formel, die man ge=
funden
hat, geht darauf hinaus, daß bei Eintreten des Cas
extreme der Youngplan als nicht mehr beſtehend und erloſchen
betrachtet wird, und daß dann wieder der Rechtszuſtand ein=
tritt
, wie er durch das internationale Vertragsſyſtem, d. h.
durch die Annahme des Verſailler Vertrages, des Völherbunds=
paktes
, der Locarnoverträge und des Kelloggpaktes geſchaffen iſt.
Dieſe Formulierung würde jede ausdrückliche Bezugnahme auf
die Sanktionsrechte Frankreichs aus dem Verſailler Vertrag ver=
meiden
und die franzöſiſche Abſicht ausſchalten, daß im Falle des
nicht mehr Beſtehens des Youngplanes einzig und allein der
völkerrechtliche Weg zu Artikel 430 des Verſailler Vertrages
offen bleibt. Bei dieſer Formulierung beſteht vielmehr auch die
Möglichkeit, nach dem rein theoretiſchen Cas extreme, die
Einigungsmittel in Anſpruch zu nehmen, wie ſie ſich aus dem
Kelloggpakt, und beſonders aus dem Artikel 11 des Völkerbunds=
paktes
ergeben, nach welchem jede Frage, die den Frieden und
das geſamte Einvernehmen unter den Völkern bedrohen kann
dem allgemeinen Vermittlungsverfahren des Völkerbundesrates
unterworfen iſt. Es iſt in der Formulierung auch vorgeſehen,
daß die Feſtſtellung des Cas extreme dem Internatio=
nalen
Gerichtshof im Haag überlaſſen wird und daß
evtl. auch im Wortlaut der franzöſiſchen Note der Paſſus ein=
gefügt
wird, daß Deutſchland in der Anrufung dieſer Verträge
nach der vollkommenen Aufgabe des Youngplanes keinen un=
freundlichen
Akt erblicken kann.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident Tardieu hat ſich mit dieſer
Formel einverſtanden erklärt und betont, daß die ganzen Ver=
handlungen
im Haag über die Sanktionsfrage für ihn nur unter
dem Geſichtspunkte geſtanden hätten, daß Fankreichs Vertrauen
in die jetzt beſtehenden völkerrechtlichen Verhältniſſe durch eine

* Kunſthalle am Rheinkor.
Kolleklivausſtellung Profeſſor Adolf Beyer.
Der Kunſtverein für Heſſen veranſtaltet in der Kunſthalle am
Rheintor anläßlich des 60. Geburtstages von Profeſſor Adolf
Beyer, Darmſtadt, eine ausſchließlich dieſem Künſtler gewidmete
Jubiläumsausſtellung. Schon im vorigen Jahr, kurz nach dem
Geburtstag, war eine Ausſtellung im Atelier des Künſtlers ver=
anſtaltet
, die ſtarkes Intereſſe erregte, im weſentlichen aber nur
Werke neueren Datums brachte. Die derzeitige Ausſtellung in
der Kunſthalle am Rheintor, die ſämtliche Räume füllt, bietet
eine faſt lückenloſe Ueberſicht über das Schaffen des Künſtlers.
Lückenlos ſelbſtverſtändlich nicht in der Zahl der Werke, wohl
aber in der Ueberſicht über die einzelnen Schaffensphaſen ſeiner
künſtleriſchen Entwicklung.
Der Kreis der Freunde der Kunſt Profeſſor Adolf Beyers iſt
groß. Selten war die Kunſthalle am Rheintor bei einer Aus=
ſtellungseröffnung
, ſo beſucht wie am Sonntag. Selten auch
herrſchte über die Ausſtellung ein ſo einmütig awerkennendes Ur=
teil
. Immer wieder konnte man im Gedankenaustauſch hören
daß es doch noch Kunſt iſt, doch geſunde Kunſt. Damit wohl
ſollte gemeint ſein, und trifft auch das Rechte, die Tatſache, daß
Profeſſor A. Beyer einer der erſten Künſtler, der ſich vom aka=
demiſchen
Schaffen der impreſſioniſtiſchen Malerei zuwendet und
in dieſer Beziehung ſowohl techniſch, wi= in der künſtleriſchen
Auffaſſung der Dinge immer jugendlich und friſch blieb, ſich ſtark
ablehnend gegen die vielen im Krieg und der Nachkriegszeit auf=
ommenden
Ismen ſtellte. In dieſer Richtung, in dem abſolut
Modernſeinwollen vor allem, auch auf Koſten des künſtleriſchen
Ausdrucks, dem abſichtlichen Zerſchlagen aller Form und Form=
gebilde
, kannte Profeſſor Adolf Beyer keine Konzeſſion. Er ſieht die
Natur, er ſieht die Dinge, ſieht vor allem die Schönheit der Welt,
die Farbigkeit der Dinge, mit dem geſunden Auge des Menſchen
und verarbeitet ſie, geſtaltet ſie zu Kunſtwerken mit ernſtem ſiche=
rem
, aber farbenfrohem, an der Farbenfreude ſich ſtändig ver=
üngendem
Auge des Künſtlers.
Profeſſor Beyer bringt ſeiner, nun über 4 Jahrzehnte aus=
geübten
, und zwar ungewöhnlich fruchtbar ausgeübten Kunſt ein
techniſches Können entgegen, das ihn befähigt, alle Arten künſt=
leriſchen
Schaffens, ſoweit es Pinſel, Palette, Stift und Nadel
entſtammt, zu meiſtern. Er iſt ein ebenſo glänzender Porträt=
maler
, wie er es verſteht, die Landſchaft künſtleriſch zu erfaſſen
in allem, was ſie zu geben hat, und wie er den Duft der Blumen
farbig feſthalten kann, ſo daß ſie zu leben ſcheinen. Seine

Vom Tage.
In einer geheimen Sitzung hat der Völkerbundsrat bebattelos auf
Antrag des italieniſchen Berichterſtatters die Amtsdauer der
Saarregierungskommiſſion, die am 31. März abläuft,
tuf ein Jahr verlängert. Wie bereits betont, bedeutet dies
keine Vorwegnahme irgendeiner Entſcheidung, die Deutſchland und
Frankreich für die Zukunft des Saargebiets treffen könnten.
Im Völkerbundsrat wurde auch die Teilung des Knapp=
ſchaftsvermögens
in Oberſchleſien behandelt. Die Ueber=
tragung
der Verſicherungsfonds für die Bergarbeiter in Polniſch= Ober=
ſchleſien
wurde nach dem Bericht der damals eingeſetzten Kommiſſion
erledigt.
In Genf hat zwiſchen Staatsſekretär von Schubert und
dem polniſchen Außenminiſter Zaleſki die erſte Beſprechung
über das deutſch=polniſche Liquidationsabkommen
ſtattgefunden.
Im Strafrechtsausſchuß des Reichstages wurde
das Republikſchutzgeſetz in erſter Leſung ohne weſent=
liche
Aenderungen nach der Regierungsvorlage angenommen. Die
zweite Leſung im Ausſchuß erfolgt in ungefähr 14 Tagen.
In einem Wiener Sanatorium iſt der jugoſlawiſche Mini=
ter
für öffentliche Arbeiten, Stephan Sapkowitſch, im
Alter von 43 Jahren geſtorben.
Die britiſche Regierung hat eine Antwortnote auf das
letzte franzöſiſche Memorandum in der Flottenfrage
überreicht, in der ſie den franzöſiſchen Forderungen in vielen
Punkten entgegenkommt.
Der ſpaniſche Botſchafter in London hat der britiſchen Regierung
mitgeteilt, daß Spanien ſich an den Beſprechungen übet
ein Mittelmeer=Abkommen in der Flottenfrage be=
teiligen
wolle.
Der Amtsantritt des Kardinals Pacelli als
neuer Kardinalſtaatsſekretär wird für die näch
ſten Tage erwartet. Er hatte bereits mit dem Papſt und Kar=
dinal
Gaſparri Beſprechungen über die laufenden Angelegenheiten.
Der Großmeiſter des Maltheſer=Ordens, der über
80 Jahre alte Fürſt von Thun=Hohenſtein, iſt ſeit einigen Tagen
ſchwer erkrankt.
Nach 18monatiger Diktatur iſt am Samstag das neu=
gewählte
ägyptiſche Parlament wieder eröffnet
worden.
In der Republik Uruguay iſt nach Meldungen aus Montevideo
eine Revolution ausgebrochen. Das Zentrum der aufſtän=
diſchen
Bewegung ſoll in der Provinz Rivera liegen. Zur Nioderwer=
fung
des Aufſtandes ſoll die Regierung von Uruguay einen Teil des
Heeres mobiliſiert haben. Eine Beſtätigung dieſer Meldung von offi=
zieller
Seite liegt bis jetzt noch nicht vor.

klare und loyale Erklärung gefeſtigt würde, mit der ſich ein über=
legtes
Vertrauen einverſtanden erklären könne. Die jetzige Formel
gebe die moraliſche und materielle Sicherheit, daß die im Haag
und in Genf eingeleitete internationale Politik auch durch den
Youngplan verſtärkt werde. Andere Reſerven habe weder er noch
die franzöſiſche Politik im Haag vorbringen wollen, und es habe
ihm auch vollſtändig ferngelegen, Forderungen an Deutſchland
zu ſtellen, die über den Youngplan hinausgingen.
von einem Deutichen vei ger Bejahung
denunzierk.
Aufklärung der Verhafkungen bei den Reichs=
vermögensämkern
in Mainz und Koblenz.
Mainz, 13. Januar.
Wie erinnerlich, wurden im November 1928 mehrere Beamte
und Arbeiter der Reichsvermögensämter Mainz und Koblenz
unter Spionageverdacht von den Franzoſen verhaftet. Zwei der
Verhafteten, darunter der Hauswart Heinrich Schilling aus
Mainz, wurden nach kurzer Zeit wieder aus der Haft entlaſſen.
Die anderen neun Verhafteten wurden nahezu ſieben Monate in
Unterſuchungshaft gehalten. Sämtliche Verhafteten beſtritten,
ſich irgendwie der Spionage, ſchuldig gemacht zu haben, und
ſchließlich mußten ſie, da keine Beweiſe gegen ſie gefunden wer=
den
konnten, aus der Haft entlaſſen werden. Die Rheinland=
kommiſſion
ließ aber den Wunſch durchblicken, daß man die Ent=
lafſenen
im unbeſetzten Gebiet beſchäftige; dem wurde, auch ent=
ſprochen
. Kurz nach ſeiner Entlaſſung begab ſich der obenge=
nannte
Schilling ins unbeſetzte Gebiet, um angeblich einer neuen
Verhaftung durch die Franzoſen aus dem Wege zu gehen. Er
wurde von deutſchen Behörden in Cannſtadt bei Stuttgart be=
ſchäftigt
. Nunmehr wurde feſtgeſtellt, daß Schilling derjenige war,
der die anderen Perſonen den Franzoſen gegen Bezahlung als
Spione denunziert hatte. Seine damalige Verhaftung durch die
Franzoſen geſchah auf eigenen Wunſch, damit jeder Verdacht von
ihm genommen werde. Schilling wurde nun in Stuttgart ver=
haftet
.

Schaffensgebiete ſind damit nicht erſchöpft. Er zeichnet und
radiert. Er verſucht ſich auch im humoriſtiſchen Ausdruck und
in Satire. Ueberall beweiſt er den ſtarken Künſtler und Meiſter.
Die, wie erwähnt, ungemein reichhaltige Ausſtellung zeigt
Werke aus der allerfrüheſten Jugend Adolf Beyers. Neben
ſchüchternen Zeichen= und Malverſuchen, die aber durchweg ſchon
die reiche und vielſeitige Begabung zeigen, iſt ſein erſtes Porträt,
ein Damenporträt, ausgeſtellt, und groß iſt dann die Zahl
der Perſönlichkeiten, von denen er Bildniſſe in Oel und Paſtell
malte. Tritt in den früheſten Bildniſſen ein Streben zutage, in
Licht= und Schattenverteilung, faſt rembrandtiſch zu wirken, oder
auch wie Franz Hals, ſo löſt ſich dieſes Nachſchaffen der Jugend
ſehr bald in eigner künſtleriſcher und vor allem farbiger Auf=
faſſung
von Porträt und Landſchaft. Immer mehr ſieht Adolf
Beyer die Farbe, immer mehr feſſelt ihn die Aufgabe, Kompo=
ſition
und Farbe zu einem geſchloſſenen Kunſtwerk eigenen Aus=
drucks
zu geſtalten. Wie friſch dabei ſeine Malweiſe, wie jugend=
lich
temperamentvoll ſein Auge blieb, das beweiſen zahlreiche
Bilder, ſowohl Landſchaften wie Porträts aus der allerjüngſten
Zeit.
Die große Zahl, der aus Privatbeſitz zu dieſer Ausſtellung
zur Verfügung geſtellten Werke beweiſt, daß Profeſſor Beyers
Kunſt tief Eingang gefunden hat in der Bevölkerung Darmſtadts
und weit darüber hinaus. Daß ſeine Kunſt auch die offizielle
Anerkennung ſehr oft fand, davon ſprechen Werke, die aus ſtaat=
lichen
und ſtädtiſchen Muſeen zur Verfügung geſtellt wurden.
An dieſer Stelle iſt im Laufe der letzten 3 Jahrzehnte ſo oft
von Adolf Beyer und ſeiner Kunſt geſprochen worden, und wohl
ohne Ausnahme immer in anerkennendem Sinne, daß wir uns
heute darauf beſchränken können, der Genugtuung Ausdruck zu
geben und der Freude darüber, daß Profeſſor Adolf Beyer einer
der Unſeren iſt, und daran die Hoffnung knüpfen, daß ihm noch
viele Jahre ebenſo fruchtbaren, jugendfriſchen Schaffens vergönnt
ſein mögen. Die Ausſtellung aber empfehlen wir gerne ſtärkſter
**
Beachtung.

Berkvolle Goethe=Zunde in Genf.
Gibt es noch Neues von Goethe? Mancher wird dieſe Frage zu=
nächſt
verneinen, in der Annahme, daß die zahlloſen fleißigen Goethe=
Biographien jeden kleinſten Atemzug, jeden Seufzer, jedes Lachen und
jedes Wort des Meiſters getreulich konſerviert haben. Bis vor kurzem
hatten die Zweifler recht, die Frage zu verneinen. Aber ein kleiner
Kreis von Kenner wußte, daß ein Schweizer namens Frédéric Soret,
exakter Naturwiſſenſchaftler, der in Goetbes letzten zehn Jahren z
ſeinen beſten Hausfreunden gehörte, wichtige Aufzeichnungen von ihm
über Goethe hinterlaſſen batte. Dieſe bedeutſamen Mitteilungen galten

Reparakionspolikiſche Einigung.
Zahlungskermin, Pfänderfrage, Morakorium geregelt.
OP1
Die Mobiliſierungsfrage noch offen.
In den reparationspolitiſchen Verhandlungen zwiſchen dem
ſechs einladenden Mächten am Montag nachmittag ſind alle
Fragen bis auf die Vereinbarungen über die
Mobiliſierung der erſten Reparations=Tranche:
geregelt worden.
Grundſätzlich entſchieden ſind: 1. Zahlungstermine,
2. Aktivierung der indirekten Pfänder, 3. Mora=
torium
. Die Regelung dieſer Fragen ſoll in der Weiſe ge=
ſchehen
ſein, wie ſie ſich in den Verhandlungen der letzten Tage
abzeichnete. Deutſchland leiſtet die Monatsraten
des Youngplanes aus dem Haushalt am 15. jeden
Monats, die Zahlungen der Reichsbahn am 30.
jeden Monats. Die Forderung auf die Aktivie=
rung
des indirekten Pfandes der Gläubiger=
mächte
an die Reichsbahngeſellſchaft wird dagegen
fallen gelaſſen, ebenſo bleiben die beſtehenden
Pfänder, wie ſie im Youngplan vorgeſehen ſind, lediglich als
indirekte Pfänder beſtehen. In der Frage des
Moratoriums werden die dahingehenden Beſtimmun=
gen
des Yomngplanes unverändert aufrecht erhal=
ten
, es wird lediglich eine nähere juriſtiſche Formulierung dieſer
Beſtimmung vorgenommen. Offen bleibt ſomit nur noch die
Frage der Mobiliſierung der erſten Tranche der
Zahlungen.
Dieſe Frage wird vorausſichtlich erſt am
Mittwoch nach Rückkehr des franzöſiſchen Miniſterpräſidenten
entſchieden werden.
In der Sanktionsfrage iſt die Baſis für eine
Verſtändigung mit der franzöſiſchen Delegation gefunden
worden. Die Entſcheidung darüber wird am Mitt=
woch
in einer neuen Sitzung der ſechs Mächte erfolgen.
Die Kleine Enkenke will Deutſchland haftbar machen.
Während das Problem der deutſchen Reparationen für die
Delegierten des Reiches auf der Haager Konferenz im weſent=
lichen
gut durchſtanden ſein dürfte, ergeben ſich plötzlich von einer
anderen Seite her neue Schwierigkeiten, und zwar ſtehen dieſe
neuen Reibungen mit dem Oſtreparationenproblem in Verbin=
dung
. Hier iſt eine Gemeinſchaftskaſſe für die Entſchädigung der
ungariſchen Optanten vorgeſehen, in welche Ungarn 250 Millio=
nen
, Italien 30 Millionen und Frankreich 10 Millionen Gold=
franken
einbezahlen ſollen. Die Verhandlungen über dieſe Re=
gelung
mit Ungarn ſind jedoch im Laufe des Montags noch nicht
weiter gekommen, weil die Kleine Entente prinzipiell auf dem
Junktim zwiſchen den Reparationem Bulgariens, Oeſterreichs
und Ungarns beſteht und auch auf die Regelung der öſterreichi=
ſchen
und bulgariſchen Reparationsfrage, die verhältnismäßig
leicht zu erledigen war, nicht eingehen will, ſolange die ungariſche
Frage nicht klar liegt. Da die Ungarn vorläufig auf dem Stand=
punkt
ſtehen, daß die Kleine Entente mindeſtens in demſelben
Maße wie ſie ſelbſt Opfer für die Gemeinſchaftskaſſe bringen
mütſſe, verſuchen nunmehr die Staaten der Kleinen
Entente dieſem Druck dadurch auszuweichen, daß ſie ihrer=
ſeits
wieder in ihren Liquidationsforderungen Deutſchland haft=
bar
zu machen ſuchem. Ihr Vorgehen ſtützt ſich dabei auf eine
Beſtimmung des Verſailler Vertrages, nach der Deutſchland
verpflichtet iſt, die Geſamtſchuldnerſchaft für ſämtliche Repara=
tionen
, auch für die der unterzeichneten Bundesgenoſſen, auf ſich
zu nehmen.
Es wird wahrſcheinlich in dieſem Punkt noch einmak zu einem
neuen Kampf kommen, der jedoch auf den Abſchluß der Young=
plan
=Verhandlungen und die Unterzeichnung des Younaplanes
im Haag ohne Einfluß bleibew dürfte, weil nämlich im Fall der
Unterzeichnungsweigerung durch die Kleine Entente der Young=
plan
zwiſchen den ſechs einladenden Mächten abgeſchloſſen wird
und für die kleinen Mächte erſt Gültigkeit erlangt, wenn ſie ihre
Unterſchrift deponieren.
Das Schlußprokokoll iſt ſoweik ferkig.
Das Schlußprotokoll iſt vollkommen fertig. Es enthält 25
Paragraphen und wird ſowohl die Protokolle der erſten Haager
Konferenz als auch ſämtliche Spezialabmachungen über Reichs=
bahn
, Reichsbank, Verhaftung der deutſchen Einnahmen und die
drei Abkommen über die J.Z.B. als Annexe erhalten. Insge=
ſamt
ſind dieſem Schlußprotokoll 14 Anlagen beigegeben. In
einem der 25 Paragraphen iſt die Angleichung des Youngplanes
an das deutſch=amerikaniſche Abkommen vom 28. Dezember 1929
in der Form vorgenommen, daß betont wird, daß die Rechte und
Verpflichtungen Deutſchlands, die ſich aus dem paraphierten
Vertrage ergeben, durch die Beſtimmungen des Schlußprotokolls
nicht vermindert werden.

ſeit langem als verſchollen. Sie zu finden, mußte alſo eine Aufgabe
höchſten Reizes für den Literarhiſtoriker ſein. Dr. H. H. Houben, dem
wir ſchon manche wichtige Entdeckung verdanken, iſt es gelungen, jene
Dokumente in Genf aufzufinden. So kann Houben im Verlag Brock=
haus
jetzt einen auf jeden Literaturfreund geradezu ſenſationell wir=
kenden
Buchbericht darüber vorlegen.
Soret, ein guter Republikaner, war Erzieher des Erbgroßherzogs
Karl Alexander. Seine geiſtlichen Briefe und Denkwürdigkeiten zeigen
das politiſche, ſoziale und kulturelle Leben der kleinen Reſidenz, den
feſtlichen Trubel bei Hofe im Spiegel eines aufrechten Charakters, in
dem ſich Ernſt und Liebe, Witz und Satire paart. Dieſe ſpäte, unver=
hoffte
Auferſtehung erweckt im Leſer die widerſprechenden Gefühle
eines Menſchen, der ſich mit der Zeitmaſchine Jules Vernes plötzlich in
längſt vergangene Zeiten zurückverſetzt. Dennoch entdeckt er manche
Weſenszüge an Soret, die den Jahren, in denen wir leben, nahe ver=
wandt
ſind. Soret ſieht das Schauſpiel des reſidenzlichen Allla
an, hat in Genf und Paris ſtudiert, intereſſiert ſich lebhaft für Politik,
für ſoziale Fragen, Wiſſenſchaft, Induſtrie, Technik, öffentliches Leben,
Statiſtik, Organiſationsweſen. Eine beſonders ſtarke Herzensneigung
hat ihn der Naturwiſſenſchaft in die Arme geführt. Als exakter Ge=
lehrter
auf dieſem Gebiete leiſtet er Goethe bedeutſame Dienſte. Er
aſſiſtiert ihm bei ſeinen mineralogiſchen Unterſuchungen, ordnet und
vereichert ſeine naturwiſſenſchaftlichen Sammlungen. Selbſt ein ſchar=
fer
Denker, ſteht er im Anfang dem Naturwiſſenſchaftler Goethe ſkeptiſch
gegenüber, um ſpäter ein um ſo regerer Bundesgenoſſe im Kampf des
Dichters um ſeine wiſſenſchaf
geltung zu werden. Um dieſe
icht der Meiſter wahrhaft erbittert und ingrimmig, iſt ſie doch nicht ſo
feſt gegründet wie ſeine Stellung in der Literatur. Soret beeinflußt
ſogar Goethes naturwiſſenſchaftliche Arbeiten ſtark und überſetzt ſchließ=
lich
die revidierte Metamorphoſe der Pflanzen ins Franzöſiſche. Dar=
über
hinaus vermittelt er die von Goethe erſehnte Bekanntſchaft mit
den wiſſenſchaftlichen Größen Frankreichs und der Schweiz. So ſind
die tiefſten Probleme der Welterkenntnis der Tenor der gemeinſamen
Arbeit Goethes und Sorets. Die grundlegenden Fragen der Natur=
wiſſenſchaft
und die Stellung ihrer Führer, Cuvier, Geoffroy S
Hilaire, Analyſe und E nt Metamorphoſe oder Symmetrie, die
Tendenzen der Zeit, Sozialphiloſophen wie Bentham und ſein Apoſtel
Etienne Doumont, der Mitarbeiter Mirabeaus, die St. Simoniſten,
die Julirevolution und die ruſſiſchen Dekrabiſten, Honoré de Balzac,
Viktor Hugo, die Politiker Guizot und Villemain: das ſind einige
hauptſächliche Motive und Namen, von denen das ungewöhnliche
Denkmal des jungen Soret für den alten Goethe widerklingt. In
dieſen Rahmen ſind noch weitere literariſche Schätze gebannt, wie Neues
über Rudolf Töpffer, Briefe von und an Ottilie von Goethe, Ecket
mann, Maria Pawlowna, Karl Alexander, Friedrich von Müller u. a.
Ein biographiſch=kritiſches Nachwort des glücklichen Finders und eine
grüindliche Unterſu hung über die Zuverläſſigkeit der Goetheberichte
Sorets beſchließen die ungemein wichtige Veröffentlichung. Houben=
Sorets Zehn Jahre bei Goetbe als das bedeutendſte Erinnerungs=
verk
an den Menſchen, den Dichter und vor allem den Naturwiſſen=
ſchaftler
Goethe zu bezeichnen, iſt kein Superlativ.
gr.

*) Fredérie Soret, Zehn Jahre bei Goethe. Erinnerungen an
Weimars klaſſiſche Zeit. Mit 38 Abbildungen und Fackſimiles. Ge=
heftet
15., in Leinen gehunden 20. Mk

[ ][  ][ ]

Nummer 14

Dienstag, den 14. Januar 1930

Seite 3

Streſemann=Ehrung im Völkerbundsrat.

Die 58. Rakskagung beginnk.

für Streſemann.

* Genf, 13. Jan. (Priv.=Tel.)
Noch keine Völkerbundsveranſtaltung iſt unter ähnlich ſtren=
gen
Kontroll= und Sicherheitsmaßnahmen eröffnet worden, wie
die heute begonnene 58 Ratstagung. Die Wandelhallen, die ſich
nur langſam füllten, boten bei Beginn der vertraulichen Eröff=
nungsſitzung
das übliche bewegte Bild, das man von früheren
Gelegenheiten her kennt, jedoch fehlt das bei den Eröffnungs=
ſitzungen
ſonſt immer ſtark vertretene Publikum faſt vollſtändig.
Die öffentliche Sitzung wurde mit einer eindrucksvollen Ge=
denkrede
für das verſtorbene deutſche Ratsmitglied Dr. Streſe=
mann
eingeleitet. Sichtlich bewegt, erhob ſich der neue Rats=
präſident
, der polniſche Außenminiſter Zaleſki, um ſeinem ver=
ſtorbenen
Ratskollegen einen warm empfundenen Nachruf zu
widmen, in dem er auf die ſtarke Perſönlichkeit Dr.
Streſemanns und ſeine raſtloſe Arbeitskraft
hinwies, die er in den Dienſt einer Reihe hervorragender und
edelmütiger Unternehmungen ſtellte. Die Perſönlichkeit Guſtav
Streſemanns iſt ſo führte er aus, gekennzeichnet durch die
pſychologiſche Entwicklung, die die Menſchheit nach dem Kriege
durchgemacht hat. Dieſer große deutſche Vaterlands=
freund
, der in ſeiner langen politiſchen Laufbahn unermüdlich
das Wohl ſeines Landes im Auge hatte, hat dank ſeiner tiefen
Einſicht und ſeines bedeutenden politiſchen Verſtandes erkannt,
daß das Wohl ſeines Landes auf der Solidarität und auf dem
Wohlergehen der Geſamtheit der Völker beruhen muß. Vor
ſeinem Tode hatte er die Genugtuungs bei verſchiedenen Gelegen=
heiten
die Politik der Verſtändigung und der
internationalen Zuſammenarbeit beſtätigt zu
ſehen, für die er als einer der überzeugteſten Vor=
Xämpfer eingetreten iſt. Sein Name wird in der Ge=
ſchichte
weiterleben Zaleſki umriß dann die große inter=
nationale
Rolle Dr. Streſemanns, der Deutſch=
land
in den Völkerbund einführte und durch die
Hamit gegebene Verbreiterung ſeiner Baſis
ſowohl dem Völkerbund als ſeinem Vaterlande
einen gewaltigen Dienſt leiſtete. Zum Schluß wür=
digte
Zaleſki in ſeiner Eigenſchaft als Vertreter Polens die Be=
beutung
des verſtorbenen deutſchen Staatsmannes, mit dem ihn
bas Gefühl der Notwendigkeit guten deutſch=polniſchen Einver=
nehmens
zur Gewährleiſtung des Friedens in Europa verbunden
habe. Zum Schluß bat Präſident Zaleſki den deutſchen Rats=
belegierten
, Staatsſekretär v. Schubert, das Beileid des Völker=
bundsrates
der deutſchen Regierung und der Familie Dr. Streſe=
manns
auszuſprechen.
Skaaksſekrekär v. Schuberk ankworkel.
Darauf erhob ſich Herr v. Schubert und dankte in längerer
Rede für die warmen Worte, die der Ratspräſident dem Ge=
wächtnis
Streſemanns gewidmet habe. Er bedauerte aufrichtig,
Daß Reichsaußenminiſter Dr. Curtius ſeinen Wunſch, dieſer
Tagung perſönlich beizuwohnen, infolge dringender Pflichten in
letzter Stunde aufgeben mußte und daher auch dieſer Kund=
gebung
des Völkerbundsrates nicht beiwohnen könnte. Des=
halb
danke er dem Präſidenten für die Worte, mit denen er ſo=
eben
das Andenken Streſemanns geehrt habe. Ich darf Ihnen
die Verſicherung geben, ſagte v. Schubert, daß die hohe An=
erkennung
, die der Perſönlichkeit Dr. Streſemanns, dem Men=
ſchen
, dem Staatsmann, dem Friedensfreund, in dieſem Kreiſe
geworden iſt, in der ganzen öffentlichen Meinung Deutſchlands
ein dankbares Echo finden wird. Die Jahre, in welchen
Streſemann die deutſche Außenpolitik leitete,
waren die Jahre der ſchwerſten Wiederaufbau=
arbeit
für ſein Vaterland. Er erkannte, daß dieſe
Wiederaufbauarbeit nur dann Erfolg haben würde, wenn die
Kluft, die der Krieg zwiſchen den Völkern aufgerichtet hat, durch
ine Politik der Verſtändigung und des gerechten Ausgleichs
überbrückt werden könnte. Er erkannte frühzeitig, daß der Völ=
erbund
in erſter Linie dazu berufen iſt, eine ſolche Politik des
Ausgleichs zu fördern. Dieſe Erkenntnis führte zum Eintritt
Deutſchlands in den Völkerbund. Aber nicht ſie allein, denn
niemand war, wenn auch gegenwärtige Unvollkommenheiten ihn
immer wieder zu ſtärkerer Kritik herausfordern mußten, tiefer
uberzeugt von dem idealen Gehalt des Völkerbundsgedankens
und der Notwendigkeit einer zwiſchenſtaatlichen Organiſation,

die den Frieden und die Gerechtigkeit in den Beziehungen der
Völker ſichert. So iſt Streſemann ſtets für eine Po=
litik
der Verſtändigung und ſtets für eine Po=
litik
der fortſchreitenden Verwirklichung des
Völkerbundsgedankens eingetreten, wobei er
ſich nicht ſcheute, oft und mit Beſtimmtheit auf
die Hinderniſſe hinzuweiſen, die dieſer Poli=
tik
entgegenſtehen. Er war der Anſicht, daß nur
eine ganz freimütige und klare Darlegung der
wirklichen Tatſachen dem Frieden dienen könne.
Dem Gedächtnis des Verſtorbenen kann kein beſſerer Gedenk=
ſtein
geſetzt werden und ich ſpreche auch im Sinne des ab=
weſenden
deutſchen Außenminiſters als dadurch, daß auch er
hier äußere Arbeit mit demſelben Freimut fortführen wird, um
die Hoffnungen und Erwartungen zu erfüllen, die Streſemann
und ſo viele andere hervorragende Staatsmänner aller Nationen
an den Völkerbund knüpfen.
Mandaksfragen vor dem Rak.
Die ganze Nachmittagsſitzung war ausſchließlich Mandatsfragen ge=
widmet
, für die der finniſche Außenminiſter Prokopé zwei große Be=
richte
erſtattete. Der erſte behandelte die viel erörterte Souveränitäts=
frage
anläßlich des ſeinerzeitigen Einſpruchs der ſüdafrikaniſchen Ne=
gierung
, die ſich der Feſtſtellung des Rates widerſetzt hatte, wonach die
Souveränität für die Mandatsgebiete in traditionellem Sinne des Wor=
tes
nicht bei der Mandatsmacht liege. Nachdem die ſüdafrikaniſche Re=
gierung
aber darauf verzichtet hatte, ſich bei der heutigen Beratung
vertreten zu laſſen, hat der Rat auf Antrag ſeines Berichterſtatters
dieſe ſeine frühere Auffaſſung beſtätigt. Der zweite Bericht Prokopés
behandelt die 10. Tagung der Mandats=Kommiſſion im November.
Zu der von der Mandats=Kommiſſion im November behandelten
Frage der Klagemauer in Jeruſalem hatte die engliſche Regierung
geſtern den Ratsmitgliedern einen neu formulierten Antrag zugehen
laſſen, wonach ſie den Rat erſucht, die in Artikel 14 des Paläſtina=
Mandats vorgeſehene Kommiſſion für die Heiligen Stätten jetzt nur
für die erwähnde Klagemauer bilden zu dürfen. Es liegen aber, wie
bekannt geworden iſt, Einſprüche beſonders ſeitens Italiens und Frank=
reichs
gegen einen derartigen Schritt vor, ſo daß der Berichterſtatter im
Einverſtändnis mit dem engliſchen Außenminiſter Henderſon die Ver=
tagung
der ganzen Frage auf eine ſpätere Sitzung vorſchlg4, was der
Rat genehmigte.
Deukſchland forderk erneuke Prüfung des Mandaks=
problems
durch den Völkerbund.
Der Bericht Prokopés über das ſüdafrikaniſche Staatsangehörig=
keitsgeſetz
, ſoweit es ſich auf Südweſtafrika bezieht, veranlaßte Staats=
ſekretär
v. Schubert zu einer längeren Intervention, in der er feſtſtellte,
daß der Rat bereits 1923 ſich dahin ausgeſprochen habe, daß die Ein=
wohner
eines Mandatsgebietes auf Grund freiwilliger Entſchließung
die Staatsangehörigkeit der Mandatsmacht durch Naturaliſation er=
werben
können. Im Jahre 1924 habe die ſüdafrikaniſche Regierung
eine Verordnung erlaſſen, auf Grund deren die ganze deutſche Bevöl=
kerung
von Südweſtafrika die britiſche Staatsangehörigkeit erwarb.
Nur ein Zehntel habe von dem Recht Gebrauch gemacht, auf den Er=
werb
der britiſchen Staatsangehörigkeit zu verzichten. Der deutſche
Delegierte machte darauf aufmerkſam, daß durch die Art des Vorgehens
der Unterſchied zwiſchen Mandatsgebiet und Mandatsmacht faſt ganz
verwiſcht wird, und daß die Frage alſo von grundſätzlicher Bedeutung
iſt. Die Mandats=Kommiſſion ſelbſt habe ſchon erwähnt, daß dieſes
Problem, das die Grundfrage des Mandatsſyſtems berühre, dem In=
ternationalen
Gerichtshof unterbreitet werden könne; jedenfalls ſei das
Mandatsproblem weder politiſch noch praktiſch genug geklärt, um ſchon
jetzt von feiten des Rates die Beſchreitung des rein juriſtiſchen Weges
ins Auge zu fafſen. Die ganze Frage ſei alſo nicht endgültig zu löſen,
und er möchte nur betonen, daß ſie für eine erneute Prüfung durch die
zuſtändigen Organe des Völkerbundes offen bleibe.
Weiter erwähnt der Bericht die Mitteilung der engliſchen Regie=
rung
, wonach ſie die Abſicht habe, im Jahre 1932 das jetzt unter Man=
dat
ſtehende Königreich Frak, zur Aufnahme in den Völkerbund zu
empfehlen, da zu dieſem Zeitpunkt das Mandat ein Ende gefunden
haben wird. Noch ſchärfer machte Staatsſekretär v. Schubert
darauf aufmerkſam, daß der Fall Irak der erſte Fall ſei, wo ein
Völkerbundsmandat vom Rat als beenbet erklärt werden würde, und
er betonte, daß die zuſtändigen Organe des Völkerbundes dieſes Pro=
belm
der Beendigung eines Mandats gründlich ſtudieren ſollten. Zu=
vor
hatte der engliſche Außenminiſter Henderſon bemerkt, daß die Ver=
ſammlung
des Völkerbundes und nicht die Mandatskommiſſion die Be=
dingungen
feſtzuſtellen habe, unter denen der Irak in den Völkerbund
aufgenommen wird, ebenſo auch die Garantien, die der Irak für die
Aufrechterhaltung der wirtſchaftlichen Gleichberechtigung zu geben hätte.
Der Rat beſchloß infolge dieſer Erklärungen, die Mandatskommiſ=
ſion
aufzufordern, ſie ſolle ihm im Juni die Anregungen für die künf=
tige
Entſcheidung über das Schickſal des Irak unterbreiten.
Die große Reihe weiterer Mandatsfragen, die Samoa Tanganjika
und die Petitionen betrafen, wurden entſprechend den Anträgen der
Berichterſtatter debattelos erledigt.
Die nächſte Sitzung des Rates findet Dienstag, vormittags 10 Uhr,
ſiatt.

Staaksmänner im Haag.
Curkius und Moldenhauer, die Männer ohne Nerven.
Haag, 13. Januar. (Priv.=Tel.)
Die deutſche Delegation ſteht ſeit Beginn
der Konferenz unter einem wahren Trommel=
feuer
. Im Auguſt wurde ihre Geduld auf eine harte Probe
geſtellt, jetzt ihre Nerven und Leiſtungsfähigkeit. Bis zum Augen=
blick
hat ſie gut durchgeſtanden. Man iſt faſt verſucht, bei jedem
Teilgefecht dieſes papiernen Notenkampfes, der zwiſchen dem
Hotel des Indes dem Wittebrug und dem Central ſich
abſpielt, wie während des Krieges zu melden: Die Poſition iſt
gehalten. Moral der Truppen gut!
Der Führer der deutſchen Delegation, Dr. Curtius, iſt jeden=
falls
noch nicht im geringſten abgekämpft. Man hat ihn weder
im Auguſt noch im Januar anders als ruhig, beherrſcht, ſehr
überlegt und faſt kühl geſehen. Wenn er aus den Verhandlungen
im Binnenhof kommt und die Halle im Central betritt, hat er
ein paar Worte der Erklärung, der ſachlichen Information für
die Preſſe, und deren Fragenſturm, der dann auf ihn hernieder=
praſſelt
, bringt ihn nie aus der Faſſung. Auch abends, wo er
meiſt zwiſchen zwei Konferenzen, Delegation und Journaliſten
in einem kleinen, engen Sälchen des Hotels um ſich ſammelt, um
ein Expoſé über den Verlauf des Tages zu geben, doziert er mit
der gleichmäßigen Sachlichkeit eines Lehrers im Kolleg, als
wenn alle die wirklichen Aufregungen des Tages nur Theorie
ſeien. Seine Art, mit der Preſſe umzugehen, unterſcheidet ſich
weſentlich von der Streſemanns. Streſemann übte Kritik, wäh=
rend
Dr. Curtius Inſtruktionen erteilt. Dabei iſt
der ganze Mann, davon überzeugt ein Blick auf ſeine ſchmalen,
feinen Hände, in höchſtem Grade ſenſitiv, ein Glück
übrigens, denn das hat ihn von Anfang an zu einer Kapazität
in dieſer ſonderbaren Konferenzluft der halben Worte und halben
Andeutungen gemacht.
A
der Konſerenznenling ..."
Dr. Moldenhauer, dem neben Dr. Curtius die Haupt=
laſt
der Vrehandlungen aufgebürdet iſt, wird der Snowden
der zweiten Haager Konferenz genannt. Er iſt ge=
nau
ſo zäh, ſo gründlich, ſo hart wie der eng=
liſche
Schatzkanzler im Auguſt. Man wirft ihm das
bei den Alliierten oft vor. Aber das ſtört ihn nicht im mindeſten,
im nächſten Augenblick fängt er ſchon wieder an Nein zu
ſagen. Nur tut er es zum Unterſchied von Snowden mit mehr
Geſchick, und dabei ſteht nicht die Macht Old Englands hinter
ihm, ſondern nur ſeine eigene Unbefangenheit und eine an=
ſechinend
grenzenloſe Reſpektloſigkeit vor dieſen
internationalen Größen.
Dr. Molbenhauer iſt Kölner. Ein typiſches Geſicht vom
Niederrhein. Schnell mit dem Wort, ſchlagfertig und immer bei
gutem Humor. Aber auch einer von jener Sorte luſtiger Rhein=
länder
, deren ſpritziges Blut die lederne Zähigkeit gar nicht
vermuten läßt, mit welcher die Rheinländer während der Be=
ſatzungs
= und Separatiſtenzeit bei allen großen Gelegenheiten die
Welt in Erſtaunen ſetzten. Für die Alliierten iſt Dr.
Moldenhauer, mit dem man als Konferenzneu=
ling
leicht fertig zu werden hoffte, eine unan=
genehme
Verſtärkung der deutſchen Delegation.
Er hat ſich mit dem Fleiße eines Muſterſchülers, der er immer
geweſen ſein ſoll, ſo in ſeine neue Youngplan=Aufgabe hinein=
gekniet
, daß er nun der im Haag verſammelten Gegenſeite manche
erſtaunliche Lektion erteilt. Grotesk iſt es, daß ihm ausgerechnet
Snowden immer Unverſöhnlichkeit und Unnachgiebigkeit vorwirft.
Zwiſchen Brukalikäk und Brukalikäk bleibt anch
in der Polikik ein Unkerſchied.
Snowden macht diesmal wenig Gebrauch von
ſeinem Yorkſhirer Hartſchädel, den er im Auguſt
ſo lebhaft rühmte. Er gibt ſich, als bliebe er am liebſten un=
geſtört
draußen in ſeinem Hotelzimmer in Wittebrug, mitwegs
zwiſchen dem Haag und Scheveningen und ſchaute dem fein=
rieſelnden
Regen zwiſchen den kahl gewordenen Bäumen geruh=
ſam
von ſeinem Fenſter aus zu. Sein energiſchſter Akt im Haag
war bis jetzt die Vertreibung der Photographen. Snowden hat
ſtrengſtens verboten, ihn zu knipſen, und das mit Recht.
Es iſt ein jammervoller Anblick, mit anſehen zu
müſſen, wie dieſer arme Menſch, der einmal durch einen ſchweren
Radunfall des Gebrauchs beider Beine beraubt wurde, ſich müh=
ſam
an zwei Stöcken vom Auto bis zur Tür der Zweiten Kam=
mer
im Binnenhof ſchleppt. Er braucht mindeſtens für dieſes
Stückchen Weg von ſechs Metern zehn Minuten. Es iſt ein
Wunder, daß ſolch ein Krüppel überhaupt noch Energie auf=

Der Begründer der opkiſchen Welk=
induſtrie
Deutſchlands.
Zum 25. Todestage von Ernſt Karl Abbe am 14. Januar.
(Vom Arbeiterſohn zum Univerſitätsprofeſſor und Großindu=
ſtriellen
. Wie Abbe die überragende Stellung der deutſchen
Der erſte Sozialpolitiker
pptiſchen Induſtrie begründete.
großen Stils.)
i. Die deutſche optiſche Induſtrie hat in den letzten 50 Jahren
in der ganzen Welt eine überragende Stellung gewonnen, die noch
heute von keinem anderen Land übertroffen worden iſt. Beſon=
ders
für wiſſenſchaftliche Zwecke ſind die deutſchen Glaswaren und
die aus ihnen hergeſtellten Mikroſkope, Spektrometer, Refrakto=
meter
uſw. führend. Das Verdienſt, dieſe Weltinduſtrie in Deutſch=
land
begründet und die wiſſenſchaftlichen Grundlagen dafür ge=
ſchaffen
zu haben, gebührt dem großen Forſcher Ernſt Karl Abbe,
der am 23. Januar 1840 in Eiſenach geboren iſt und am 14. Ja=
nuar
1905 ſtarb. Der Lebensgang Abbes mutet wahrhaft ameri=
kaniſch
an. Er war der Sohn eines Spinners namens Georg
Adam Abbe. Sein Vater ließ es ſich trotz ſeiner Armut angelegen
ſein, den Jungen, der bald Zeichen einer großen Begabung
zeigte, Schulen und Univerſität beſuchen zu laſſen. Er ſtudierte
in Jena und Göttingen, wurde bereits im Alter von 21 Jahren
Doktor der Philoſophie und Aſſiſtent der Sternwarte in Göt=
tingen
und ſchon ein Jahr ſpäter Privatdozent an der Univerſität
in Jena. Hier lebte ein unbedeutender Mechaniker namens Karl
Zeiß, der ſich im Jahr 1846 eine optiſche Werkſtätte errichtet
hatte. Abbe brauchte für ſeine Vorleſungen beſonders feine op=
tiſche
Inſtrumente und ſetzte ſich zu dieſem Zwecke mit Zeiß in
Verbindung, und auf dieſe Weiſe entſtand ein ungewöhnliches
unid erfolgreiches Zuſammenwirken von Wiſſenſchaft und Praxis,
auus dem ſich eine ungewöhnlich große Induſtrie entwichelte. Das
Jahr 1866 war für dieſe Entwicklung der deutſchen Glasinduſtrie
entſcheidend. Die bisherige Art der Herſtellung von Mikroſkopen
erſchien Zeiß als unfruchtbar, da ſie ſich nur auf den Zufall auf=
baute
. Er ſchuf darum völlig neue Wege zur Herſtellung von
exakten Linſen, indem er wiſſenſchaftliche Methoden zur experi=
mentellen
Beſtimmung der Brennweite der Linſen entdeckte. So
erutſtanden bei Karl Zeiß in Jena aſtronomiſche Linſen, Mikroſkop=
Linſen, Spektrometer und andere Apparate, die ſich durch ihre
hervorragende und bisher unbekannte Feinheit auszeichneten.
Bald erka inten die Wiſſenſchaftler der ganzen Welt, daß hier in
Deutſchland für ſie Forſchungsinſtrumente von größter Exaktheit

geſchaffen wurden und die Induſtriewerke von Karl Zeiß nahmen
einen ungeahnten Aufſchwung. Im Jahr 1875 wurde Abbe, der
ſchon im Jahr 1870 zum Profeſſor ernannt worden war, Mit=
nachdem
er im Jahr 1881 bereits alleiniger Inhaber geworden
war, mit den Glaswerken von O. Schott in Jena zur Gründung
des glastechniſchen Laboratoriums, und nun konnte er in größtem
Maßſtabe auf wiſſenſchaftlicher Grundlage arbeiten. Nach dem
Tode von Karl Zeiß im Jahre 1888, gründete er im Jahre 1889

Ernſt Abbe,
die Karl Zeiß Stiftung, der er im Jahre 1891 das ganze Unter=
nehmen
übertrug. Im gleichen Jahre ließ er ſich von ſeinen
Lehrpflichten entbinden. Er arbeitete auch weiter an der Ver=
vollkommnung
der optiſchen Inſtrumente und fand Glasſorten,
die für die Herſtellung von Linſen viel beſſer geignet waren, als
die bisherigen. Er blieb jetzt nur noch als Mitglied der Ver=
waltung
der Karl Zeiß Stiftung, die nunmehr auch Mitinhaberin
der Glaswerke von Schott wurde, tätig. Er zeigte ſich nunmehr
als ein Sozialpolitiker größten Stils. Er führte den Achtſtunden=
tag
ein und ſuchte auf jede Weiſe die wirtſchaftliche Lage der
Arbeiterſchaft durch Gewinnbeteiligung, durch Beſtimmungen
über niedrigſte Löhne uſw. zu heben. Er gründete Krankenkaſſen,
Penſionskaſſen für Witwen und Waiſen richtete regelmäßige

Ferien für die Arbeiter ein, während deren das Gehalt weiter=
inhaber
der Firma Karl Zeiß. Im Jahr 1884 verband er ſich,
gezahlt wurde. Er beteiligte ſogar einen Ausſchuß der Arbeiter
an der Verwaltung der Fabriken, die inzwiſchen einen ungeheuren
Umfang angenommen hatten und mehrere tauſend Arbeiter be=
ſchertigten
. Er führte eine Produktionsſtatiſtik ein, um feſtzu=
ſtellen
, wie ſich ſeine ſozialen Maßnahmen bewährten. Er fand,
daß er auf dem richtigen Wege ſei und ſetzte dies in einem be=
rühmt
gewordenen Vortrag im Verein deutſcher Ingenieure aus=
einander
. Für ſeine Familie ſorgte er pflichtgemäß, aber ſein
Hauptlebenswerk war dem Unternehmen überlaſſen worden, das
er zu den erſten der Welt gemacht hatte. Ein ungewöhnlicher
Mann! Ein ungewöhnliches Leben und ein ungewöhnliches
Lebenswerk!
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Leipzig. Im Alter von 89 Jahren verſchied der außerordentliche
Profeſſor der Augenheilkunde Dr. Paul Schroeter. In der Medizi=
niſchen
Fakultät iſt der Privatdozent für Anatomie Dr. Hermann Voß
zum nichtplanmäßigen außerordentlichen Profeſſor ernannt worden.
Halle a. S.: Zum Direktor des Bakteriologiſchen Inſtituts der
Landwirtſchaftskammer für die Provinz Sachſen iſt als Nachfolger von
Profeſſor Dr. H, Raebiger Dr. Hugo Rautmann berufen worden.
Breslau: Ernannt wurde der ordentliche Profeſſor Dr. Arnold
Eucken von der Techniſchen Hochſchule zum ordentlichen Profeſſor
der phyſikaliſchen Chemie in Göttingen als Nachfolger G. Tammanns=

Panoptikum, Geſtalten und Kuliſſen, von Joſeph Roth. (Knorr u.
Hirth, G. m. b. H., München.)
Das iſt eine intereſſante Sammlung von Eſſahs über Menſchen und
durch dieſe geſchaffene Zuſtände unſerer Zeit. Scharf geſchliffen ſind
dieſe Zeitſchilderungen. Mit der Lupe geſehen, klug verſtanden und
kritiſch ſatiriſch geſtaltet zu Bildern, die jedem Sehenden etwas ſagen,
In 28 Nummern führt Roth ſein Panoptikum vor: Kellner und Zim=
mermädchen
, Bürger und Beamte, Künſtler und Literaten, Landſchaften,
Städte, Straßen und Bauten. Lebendig und beſeelt erſtehen die Fi=
guren
und Kuliſſen.
Ap. Sigismund v. Radecki, Der eiſerne Schraubendampfer Hurrieane,
Verlag Jahoda u. Siegel, Wien. Preis broſch. 3 60 Mk.
Menſchen, Pflanzen, Schiffe, Tiere, ein Montagmorgen oder der
Tag der Revolution alles wird dieſem ſcharfſinnigen und fein poin=
tierenden
Schriftſteller zum Erlebnis. Jedes dieſer 46 Proſaſtücke nach
deren erſten das Buch betitelt iſt, iſt ein Kunſtwerk. Er hat die feinſte
Witterung von allem, was vorgeht, alles hat bei ihm eine Beziehung
zu ihm ſelbſt und ſeiner Umgebung, ſelbſt eine ganz gewöhnliche
Petroleumlampe, es gibt für ihn kein Eynui, er weiß über jedes etwas
beſonderes zu erzählen und ſpürt die feinſten Zuſammenhänge auf.
Das Buch zu leſen, iſt ein Genuß.

[ ][  ][ ]

Nummer

Dienstag, den 14. Januar 1930

gerichteten ungariſchen Geſandtſchaft im Haag und i
on
einem franzöſiſchen Nationaliſten darauf aufmerkſan
daß der Vertrag von Trianon keine Beſtimmung ent

Ungarn nach dem Jahre 1943 nichts mehr zu zahle
te.
Bethlen, von dem man ſich erzählt, daß er etwas öffe
ſcheu ſei, zuckte zweimal kurz mit den Wimpern, ſteckte
die eine Hand in die Hoſentaſche und ſagte kurz und
n:
Im Trianonvertrag ſteht aber auch nicht, daß Ungarn
in
weiterzahlen muß!

haltung franzöſiſch geführt wurde, ironiſch ſtichelte, er habe
erſt jetzt feſtgeſtellt, wie eng die Verwandtſchaft zwiſchen der
tſchechifchen und der franzöſiſchen Sprache ſei, denn Dr. Be=
neſch
habe die ganze Zeit tſchechiſch mit ihm
geredet. Franzöſiſch könne die Sprache, die Be=
neſch
gebraucht habe, unmöglich ſein.

bringt, ſich zu bewegen, und noch viel wunderbarer iſt es, daß
er ſogar noch große Politik macht.
Snowden iſt als Politiker ein brutaler Geg=
ner
. Trotzdem kann man ihm nicht alle Sympathie abſprechen,
denn menſchlich bleibt er eine tragiſche Figur. Zwiſchen
Brutalität und Brutalität bleibt auch in der
Politik ein Unterſchied. Man muß Snowden neben
den Neuling auf dieſer Konferenz ſtellen, den fran=
zöſiſchen
Miniſterpräſident Tardieu. Es wird kaum jemand lange
zweifeln, wem er den Vorzug geben ſoll. Tardieu iſt

Dafür hat Dr. Beneſch eine andere Genugtuung erhalten.
Als er bei dem öſterreichiſchen Bundeskanzler Schober, der ſehr
beſcheiden in dem kleinen Hotel Bellevue, nahe am Bahnhof der
Hollandſch=Spoor wohnt, Beſuch machte, entdeckte er in Herrn
Schober den Herrn, der während des Weltkrieges, als der jetzige
tſchechiſche Außenminiſter noch ein kleiner Agitator in der
Schweiz war, deſſen Frau in Wien unter Spionageverdacht hatte
verhaften laſſen. Trotzdem ſollen ſich Bundeskanzler Schober
und Dr. Beneſch recht gut verſtanden haben, nicht nur politiſch,
ſondern auch auf deutſch, denn die ganze Schar der
Nachfolgeſtaaten ſpricht bei ihren Verhand=
lungen
im Haag die alte k. und k. Amtsſprache,

Mainz, 13. Januar.
Schon wieder wird ein nächtlicher Ueberfall durch Beſatzungs=
ſoldaten
auf einen Deutſchen bekannt. In der Nacht zum
Januar wurde der bei dem franzöſiſchen Proviantamt in Mainz
beſchäftigte 26jährige Arbeiter Philipp Hofmann, als er
ſich nachts um 1 Uhr auf dem Heimwege nach Gonſenheim be=
fand
, in der Nähe der Mombacher Waggonfabrik vo
vier franzöſiſchen Soldaten überfallen. Die Sol=
daten
gingen mitten auf der Straße und ließen den Deutſcher
nicht vorbei. Einer ſchlug ihm mit der Fauſt ins Geſicht und b
ſchimpfte ihn Sal Boche‟. Das gleiche tat ein zweiter Solda
Als der Deutſche bemerkte, er werde ſich bei dem Offizie
Proviantamtes beſchweren, fielen alle vier Soldaten über
her, warfen ihn zu Boden, ſchlugen weiter auf ihn ein
traten ihn mit den Füßen in den Leib und auf der
Dem Deutſchen gelang es ſchließlich, ſich vom Boden
zuarbeiten und zu flüchten. Hofmann erlitt blutende
den und Beulen und mußte ſich in ärztliche Behandlung be
geben. Die deutſchen Behörden haben bei dem franzöſiſc
Diviſionskommandeur in Mainz Vorſtellungen erhob

und dazu noch das Muſter jener Sorte von Franzoſen, die den
Uebermenſchen Nietzſches falſch verſtehen und auf dieſer falſch
verſtandenen Theorie ein Lebensmaxime aufbauen. Wenn er
ſpricht, hat ſeine Stimme jenen affektiert engliſchen Akzent, mit
dem gewiſſe Franzoſen ihre ſtille Sehnſucht nach jener kalt=
ſchnäuzigen
, blaſiert tuenden Energie andeuten, mit der ſie die
Engländer behaftet glauben. Sein Geſicht läßt ein Charakter=
konglomerat
von wenig ſympathiſchen Eigenſchaften ableſen.
Zyniſche, genußſüchtige Lippen, grobes, brutales Kinn, gewalt=
tätiger
Nacken, ſchmale, liſtige Fuchsaugen, ſpitze, ſtreitſüchtige
Naſe und in jeder Gebärde das Kennzeichen größter Eitelkeit.
Ob er wirklich der ſtarke Mann iſt, für den ihn
ſeine Freunde halten, wird ſich noch erweiſen müſſen. Im Haag
hat er ſich jedenfalls ſchon einige Male ziemlich heftig in die
Neſſeln geſetzt, und zwar nicht nur bei ſeinen Anpöbelungen
gegen die Deutſchen. Er hat ſich auch die Antipathie einiger
Freunde Frankreichs zugezogen. Dr. Beneſch, der ſehr ſtolz auf
ſein Franzöſiſch iſt, iſt ſeit Beginn der Sitzung ſehr verſtimmt
gegen Tardieu, weil ihm hinterbracht worden iſt, daß Tardieu
nach einem Beſuch Dr. Beneſchs bei ihm, wobei die Unter=

Mit einem anderen Mann verträgt ſich Beneſch entſchieden
weniger, mit dem ungariſchen Miniſterpräſidenten, Grafen Beth=
len
. Bethlen iſt überraſchenderweiſe abſolut
kein ausgeſprochen ungariſcher Typ, wie man ſich
ihn gewöhnlich vorſtellt. Seine Familie ſtammt aus Sieben=
bürgen
, und man nennt in Budapeſt die Landsleute aus Sie=
bnebürgen
die ungariſchen Schottländer. Das erklärt
vieles an Bethlens Natur. Er hat nichts von dem bezaubernden
und gefälligen Charme, der ſonſt die Ungarn auszeichnet. Dafür
treten bei ihm Willensſtärke, Witz und Zäahigkeit ſchärfer hervor.
Neulich empfing er die ausländiſche Preſſe in der reizend ein=

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[ ][  ][ ]

Nummer 14

Dienstag, den 14. Januar 1930

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 14. Januar.

Ernannt wurde am 8. Jan. der Lehrer Joſeph Schumacher
zu Mörlenbach (Kreis Heppenheim) zum Lehrer an der Volksſchule zu
Ober=Erlenbach (Kreis Friedberg) mit Wirkung vom 1. Februar ab.
Ruheſtandsverſetzungen. Auf Grund des 8 1 des Geſetzes über
die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 19B3 bzw. 19. Dezbr.
1932 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1925 (Reg.=Bl. Seite
249) treten am 1. Jebruar 1930 in den Nuheſtand: der Nektor Johs.
Müller an der Volksſchule zu Groß=Karben (Kreis Friedberg), die
Lehrer Johann Eckert an der Volksſchule zu Worms und Nikolaus
Pfeiffer an der Volksſchule zu Darmſtadt.
In den dauernden Ruheſtand verſetzt wurden am 3. Januar
die Lehrerinnen im einſtweiligen Ruheſtand Katharina Hotz zu Offen=
bach
und Marie Fiſcher zu Darmſtadt beide auf ihr Nachſuchen
mit Wirkung vom 1. Februar 1930 ab.
Heſiſches Landestheater Darmſtadt. Heute Dienstag gelangt
Verdis Oper Othello mit Hans Grahl in der Titelrolle und Anng
von Stoſch, Hans Komregg und Anna Jacobs in den übrigen Haupt=
rollen
unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm zur Auffüh=
rung
. Die Vorſtellung wird vom Südweſtdeutſchen Rundfunk über=
tragen
und beginnt um 19.30 Uhr. (Miete K, Bühnenvolksbund.)
Heute Dienstag findet um 2 Uhr im Kleinen Haus der vom Ver=
ein
, der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters veranſtaltete Vortrag
Zeittheater, des bekannten Berliner Kritikers Herbert Ihe=
ing
ſtatt. Herbert Ihering darf als der zugleich befähigtſte und
lebendigſte Vertreter der jungen deutſchen Kritikergeneration angeſpro=
gen
werden. Sein Vortrag wird geeignet ſein, wertvollen Einblicke in
die viel umkämpften Beſtrebungen des zeitgenöſſiſchen Theaters zu
geben.
n der morgigen Aufführung der Noſſiniſchen Oper Angelina
ſingt Kammerſängerin Fritzi Jockel vom Nationaltheater München,
as frühere beliebte Mitglied unſerer Bühne, an Stelle des erkrankten
Fräulein Walter die Rolle der Angelina. In den übrigen Haupt=
rollen
die Damen Harre, Kienzl., und die Herren Stralendorf, Kuhn
und Overlack. Muſikaliſche Leitung: Karl Maria Zwißler. Die Auf=
führung
beginnt um 20 Uhr und iſt der Miete B zugeteilt.
Infolge plötzlicher Erkrankung des Herrn Hinz muß die für mor=
gen
angeſetzte Vorſtellung Ich tanze um die Welt mit dir
entfallen. Das Kleine Haus bleibt morgen geſchloſſen.
Florian Geyer von Gerhart Hauptmann geht, von Carl
Ebert neu inſzeniert, mit Fritz Valk in der Titelrolle, Donnerstag, den
16. Januar, im Großen Haus um 19 Uhr in Szene. Miete C.)
Das Orcheſter des Heſſiſchen Landestheaters abſolvierte geſtern
unter Leitung von Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm ein Konzert
in Offenbach am Main und brachte Werke von Schubert, Wagner und
Mozart zur Aufführung.

Darmſtädter Künſtler auswärts. Der junge Opernkabellmeiſter
Auguſt Vogt, der von ſeinem ſeitherigen Tätigkeitsfeld in Hagen
lit dieſer Spielzeit nach Remſcheid übergeſiedelt iſt, hat ſich dort bei
Publikum und Preſſe vorzüglich eingeführt. Beſonderen Eindruck
machte die von ihm komponierte Muſik zu Hofmannsthals Jeder=
nann
, die bei der Gedenkfeier für den Dichter zum erſten Male er=
klang
. Wir entnehmen dem Bergiſchen Abendblatt folgende Cha=
rakteriſtik
:
Und Reſpekt vor der Muſik von Auguſt Vogt! Wer iſt
Auguſt Vogt, der mit ſolcher Charakteriſtik und mit ſolch überraſchen=
dem
Können ſo zu ſprechen und zu ſchildern weiß? Gleich der An=
fang
, die Todesmahnung, ließ aufhorchen. War dieſe Muſik auch nicht
neuerungsſüchtig um jeden Preis, ſo war ſie um ſo ſtärker, weil ſie
durchaus eigene Gedanken und Wege zeigte. Die groß angelegte Fuge
verſtärkte dieſen Eindruck, der im ganzen Sbiel nicht verloren ging,
ſchon zu Beginn. Auch die Chöre, ſo wenig ſie techniſch gelingen woll=
ten
, zeigten die ſtarke, an alten Madrigalen geſchulte Linienführung, ſo
daß man von dieſer Muſik und ihrem Komponiſten einen überzeugen=
den
und hoffnungsvollen Eindruck gewann. Der Komponiſt arbeitet
mit großer Oekonomie der Mittel, die aber, wie bei der Erſcheinung
des Todes, ihre Wirkung nicht verfehlen. Auch das Nachſpiel, das die
Handlung gedanklich fortführt und auslaufen läßt, war ein Beweis
künſtleriſcher Tüchtigkeit, umſomehr, als hier der Schritt vom Erhabenen
zum Lächerlichen außerordentlich klein war. Solches Nachſpiel kann
aus ſolchem Inhalt nur ſchreiben, wer ſeiner ſelbſt und ſeiner Wirkung
ſicher iſt.
Gelegentlich einer Aufführung von Künneckes Vetter
aus Dingsda urteilt der Remſcheider Generalanzeiger: Die Muſik iſt
ſolide, ſchmiſſig und gut. Der Kapellmeiſter Auguſt Vogt hat noch
mehr daraus gemacht, als in ihr enthalten iſt.

Skiklub DarmſtadtOdenwalb. Auf den vom 18.25. Januar
auf der Darmſtädter Hütte ſtattfindenden Skikurſus für
Anfänger und Fortgeſchrittene ſei nochmals hingewieſen. Ebenſo auf
die Vorbeſprechung am 15. Januar im Reſtaurant Sitte.
Gymnaſtik=Kurfus. Der Klub beabſichtigt, in der Zeit vom
16. bis 27. Januar, Donnerstags abends, von 8.3010 Uhr, in der
Turnhalle der Biktoriaſchule (Eingang Hochſtraße) einen Gymnaſtik=
Kurſus durchzuführen, deſſen Leitung in den bewährten Händen des
Sportſtudenten Herrn Jürgen Bethke liegen wird, welcher auch
die gymnaſtiſchen Uebungen eines der letzten Trockenſkiſurſe durch=
führte
. Der Kurſus beginnt am Donnerstag, den 16. Januar.

Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutſche über See, Abtei=
lung
Darmſtadt. Am Sonntag, dem 19. Januar, um 6.30 Uhr abends,
findet in der Otto=Berndt=Halle ein Feſtabend zum Beſten der 600 in
Independencia im Staate Paraguay lebenden Deutſchen ſtatt. Die mei=
ſten
dieſer Landsleute ſind Deutſche, die von den Engländern aus unſe=
en
Kolonien vertrieben worden ſind und denen die deutſche Heimat
keinen Naum bieten konnte. In der Mitte Südamerikas haben ſie ſich
nun eine Heimat neu gegründet, in einem Lande, das die Engländer
einſt als unkult vierbar aufgegeben haben. In zähem, raſtloſem Fleiß,
unter den größten Entbehrungen kämpfen dort unſere tapferen Lands=
leute
mit dem Urwald und dem ſubtropiſchen Klima. Alles das, was
der deutſche Bauer und Arbeiter in der Heimat als ganz ſelbſtverſtänd=
lich
an Wohltaten und Unterſtützungen hinnimmt, fehlt dieſen tapferen
Menſchen. Es gibt weder Arzt noch Apotheke noch Krankenſchweſtern.
Trotz aller dieſer in der Heimat ganz unbekannten Schwierigkeiten haben
unſere Landsleute den Mut nicht ſinken laſſen, denn ſie haben in 9 jähri=
ger
ſchwverer Arbeit erkannt, daß es deutſcher Arbeitskraft und Zähig=
keit
doch gelingen wird, aus dem von den Engländern aufgegebenen
Lande ein ertragreiches Gebiet zu machen, welches in der Zukunft reiche
Frucht tragen wird. Dazu gehört in erſter Linie aber eine geſunde Be=
völkerung
. Dieſe zu erhalten hat ſich der Landesverband Heſſen zur
Aufgabe gemacht. Die Koſten ſind natürlich erheblich. Bis jetzt iſt eine
erfahrene Kolonialſchweſter dort angeſtellt, welche die Kranken und
Wöchnerinnen unter den ſchwierigſten Verhältniſſen betreut. Dann ſoll
ſtatt der als einzigſtes Krankenhaus dienenden Lehmbaracke ein geeig=
netes
Farmerhaus erwoeben werden. Das ſind die nächſtliegenden
Aufgaben des Vereins. Zur Aufbringung der erforderlichen Mittel ſoll
der im Anzeigenteil angekündigte Feſtabend beitragen. Es gilt hier
deutſche und beſonders heſſiſche Arbeit zu leiſten. Möge der Erfolg
ein dem guten Zweck entſprechender ſein!

Der D.H.V. im Jahre 1929. Als erſte der großen Arbeitnehmer=
organiſationen
hat der Deutſchnationale Handlungsgehilfen=Verband
einen Bericht über ſeine Entwicklung im Jahre 1929 herausgegeben. Er
hat im Jahre 1929 33000 Mitglieder zugenommen, ſo daß er am
Jahresſchluß 379 590 Mitglieder zählte. Er wird demnächſt 187 berufs=
amtliche
Geſchäftsſtellen im In= und Auslande unterhalten. Der
Rechtsſchutz des Verbandes hat im Jahre 1929 etwa 3 Millionen RM.
vorenthaltene Gehälter erſtritten und nicht weniger als 5500 Prozeſſe
mit 13 000 Terminen vor den Arbeitsgerichten geführt. 13 116 offene
Stellen wurden durch ſtellungsſuchende Verbandsmitglieder beſetzt. Der
Verband iſt an 963 beſtehenden Tarifverträgen beteiligt. Die Bildungs=
arbeit
hat eine bedeutungsvolle Ausdehnung erfahren. Die Beſucher=
zahl
ſeiner Lehrgänge hat ſich wiederum beträchtlich erhöht. Neue
Kaufmannsſchulen wurden neben London und New York in Paris und
Barelona errichtet. In 22 Städten konnten bis jetzt ſeit Juni 1988
verbandseigene Heime errichtet werden; weitere 30 werden zurzeit ein=
gerichtet
. Die wirtſchaftliche Entwicklung mag durch folgende Zahlen
gezeigt ſein: Der Sparkaſſenbeſtand erhöhte ſich von 27 auf 38 Millio=
nen
RM., die Zahl der Sparkonten auf 60 000. Der Deutſche Ning
erhöhte ſein Aktienkapital auf 8.1 Millionen RM., während die Reſer=
ven
15 Millionen betragen dürften.

Die Berechnung der
nach Erhöhung der
Vom Deutſchen Werkmeiſter=Bund wird uns geſchrieben:
Nach 8 75 des Einkommenſteuergeſetzes können bekanntlich durch die
Finanzbehörden die im 8 70 des Einkommenſteuergeſetzes angeführten
ſteuerfreien Lohn= und Gehaltsteile auf Antrag des Arbeitnehmers er=
höht
werden, wenn die Werbungskoſten und Sonderleiſtungen im
Einne der 88 15, 17 des Einkommerſteuergeſetzes zuſammen monatlich
den Betrag von 40. RM. überſteigen oder wenn beſondere wirtſchaft=
liche
Verhältniſſe des Arbeitnehmers eine Heraufſetzung der Familien=
ermäßigung
gerechtfertigt erſcheinen laſſen.
Unter Zugrundelegung der Runderlaſſe des Reichsfinanzminiſters
vom 12. 12. 1925, Nr. III e 7150, vom 9. 12. 1926, Nr. III e 9500,
vom 30. 7. 1997 Nr. IIl e 3600, und vom 3. 12. 1928. Nr. III e 5555,
wurde von den Finanzbehörden in Fällen der Heraufſetzung der ſteuer=
freien
Lohn= und Gehaltsbeträge die Höhe der Steuerabzugsbeträge
in der Weiſe berechnet, daß zunächſt von dem Bruttoarbeitsverdienſte
die erhöhten ſteuerfreien Lohn= und Gehaltsteile abgezogen wurden, daß
von dem verbleibenden Differenzbetrage die prozentualen Familien=
ermäßigungen
des 8 70 des Einkommenſteuergeſetzes in Abzug gebracht
wurden und daß von dem verbleibenden Reſte der 1oprozentige Steuer=
abzug
erhoben wurde. Durch eine Entſcheidung des Reichsfinanzhofes
vom 15. 5. 1929, Nr. U 4 56129, die in der Tages= und Fachbreſſe viel
verbreitet wurde, war ſtrittig geworden, ob. dieſes Verfahren der
Finanzbehörden mit den geſetzlichen Beſimmungen in Einklang ſtand.
Der Reichsfinanzhof hatte nämlich in der vorerwähnten Entſcheidung
vom 15. 5. 1929 den Standpunkt eingenommen, daß von dem Brutto=
verdienſte
zunächſt nur die allgemeinen ſteuerfreien Beträge in Abzug
gebracht werden dürften, daß von dem ſo ermittelten Differenz=
betrage
die prozentualen Familienermäßigungen zu berechnen ſeien und
daß dann erſt von dem Reſtbetrage die erhöhten ſteuerfreien Beträge
abgerechnet werden dürften. Nach dieſer Entſcheidung des Reichs=
finanzhofes
ergab ſich zugunſien der Arbeitnehmer für den Regelfall
ein geringerer Stenerabzugsbetrag als nach der bisherigen Berech=
nungsmethode
der Finanzbehörden.
Wir hatten dieſe Entſcheidung des Reichsfinanzhofes vom 15. 5.
1929, Nr. VI 4 56/99, vorerſt nicht zur Veröffentlichung gebracht, weil
wir mit Rückſicht auf den Wortlaut der 88 70 und 75 des Einkommen=
ſteuergeſetzes
befürchteten, daß der Reichsfinanzhof den in der Ent=
ſcheidung
vom 15 5. 199 eingenommenen Standpunkt gegenüber der
entgegengeſetzten Auffaſſung des Reichsfinanzminiſteriums, nicht auf=
rechterhalten
würde, daß es vielmehr dem Reichsfinanzminiſter gelingen
werde, in einer neuen Streitſache den Reichsfinanzhof zur Aufgabe ſeines
in der Entſcheidung vom 15. 5. 1929 eingenommenen Standpunktes zu
bewegen. Wenn es auch durchaus wünſchenswert geweſen wäre, wenn
der Standpunkt des Urteiles des Reichsfinanzhofes vom 15. 5. 1929,
Nr. IV 4. 56/29, ſich im Intereſſe der Arbeitnehmer durchgeſetzt haben
würde, ſo wollten wir doch nicht vor endgültiger Klärung dieſer Streit=

Steuerabzugsbeträge
ſteuerfreien Beträge.
ſache unſere Leſer zur Stellung ausſichtsloſer Erſtattungsanträge ver=
anlaſſen
.
Inzwiſchen hat dann auch der Reichsfinanzhof in einer neuen Ent=
ſcheidung
vom 13. 11. 1929. Nr. Nl 1854/29, in eingehender Begründung
den im Urteil vom 15. 5. 1929, Nr. IN 4. 56/29, eingenommenen Stand=
punkt
als rechtsirrig bzw. mit den geſetzlichen Beſtimmungen unverein=
bar
aufgegeben und ſich dem von den Reichsfinanzbehörden in ſtändiger
Praxis angewandten Standpunkte angeſchloſſen. Bis zu einer etwaigen
geſetzlichen Aenderung der 88 70 und 75 des Einkommenſteuergeſetzes
bleibt es alſo bei der Berechnungsmethode, wie ſie in den vorzitierten
Erlaſſen des Reichsfinanzminiſters, insbeſondere in dem Runderlaß
des Reichsfinanzminiſters vom 3. 12. 1928, Nr. III e 5525, erläutert iſt.
Ein ne
er Runderlaß des Reichsfinanzminiſters vom 30. 11. 1929,
Nr. 8 2.
26 4 4800 IIk, beſagt hierüber folgendes:
Bisher wurde, in der Praxis allgemein die Anſicht vertreten, daß
bei Steuerpflichtigen, für die die Familienermäßigungen nach dem pro=
zentualen
Shſtem zu berechnen ſind, in Fällen der Erhöhung der ſteuer=
freien
Beträge nach 8 75 EStG. die Familienermäßigungen vom
Bruttoarbeitslohn nach dem Abzug der erhöhten Freibeträge zu be=
rechnen
ſeien. Hiervon ausgehend hatte ich im Runderlaß vom 3. 12.
1929 III e 5555 ausgeführt, daß bei Erhöhung der ſteuerfreien
Beträge nach 8 75 EStG. die Steuer aus den amtlichen Steuerabzugs=
tabellen
in der Weiſe abgeleſen werden könne, daß vom Bruttoarbeits=
lohn
der Betrag, um den die ſteuerfreien Beträge erhöht worden ſind,
abgezogen wird und für den ſo verminderten Lohnbetrag die Steuer
aus der Tabelle ermittelt wird. Der Reichsfinanzhof war dieſer Auf=
faſſung
in einem Urteile vom 15. Mai 1929 W 4 56/99 nur
inſoweit beigetreten, als es ſich um Erhöhung, nach 8 75 Nr. 2 EStG.
(wegen höherer Werbungskoſten und Sonderleiſtungen) handelt, hatte
aber für die Fälle der Erhöhung nach 8 75 Nr. 1 EStG. (wegen beſon=
derer
wirtſchaftlicher Verhältniſſe) die Auffaſſung vertreten, daß hier die
prozentualen Familienermäßigungen vom Bruttoarbeitslohn nach Ab=
zug
der allgemeinen (nicht der erhöhten) ſteuerfreien Beträge zu be=
rechnen
ſeien (vgl. den nur den Präſidenten der Landes
esfinanzämter
mitgeteilten Runderlaß vom 4. September 1929 S. 2323992 III.
Ich hatts darauf veranlaßt, daß nohmals ein Rechtsmittel
telverfahren in
der Frage beim Reichsfinanzhof anhängig gemacht wurde. Der Reichs=
finanzhof
hat nunmehr in einem Urteil vom 13. November 1999
U 4 1854/29 unter eingehender Begründung entſchieden, daß die
prozentualen Familienermäßigungen in allen Fällen des 8 75 GStG.,
alſo entgegen der im Urteil vom 15. Mai 1929 geäußerten Anſicht
auch bei einer Erhöhung nach 8 75 Nr. 1 (8 56) EStG. vom Brutto=
arbeitslohn
nach Abzug der erhöhten ſteuerfreien Beträge zu berechnen
ſeien. Die Ausführungen in meinem Nunderlaß vom 3. Dezember 1998
III 5555 über die Berechnung der Steuer in dieſen Fällen behalten
alſo in vollem Umfange ihre Geltung. Das Urteil vom 13. November
1929 wird demnächſt im Reichsſteuerblatt abgedruckt.

Die oſtern ins Leben kreken ..."
Man ſchreibt uns:
Die Zeit der Berufswahl iſt da, für den fungen Menſchen wichtiger
denn je. Unſere Zeit, die Zeit der Eile, und unſer Volk, das arm ge=
worden
iſt, brauchen tüchtige Menſchen Drum ſoll ſich früh krümmen,
was ein Häkchen werden will‟ Die Bedeutung dieſes alten Sprich=
wortes
veranlaßt den Jugendbund im Gewerkſchaftsbund der Angeſtell=
ten
(GDA.), alle die Mädel und Jungen, die Oſtern die Schule ver=
laſſen
, um in den kaufmänniſchen Beruf einzutreten, zu einem Wett=
kampf
, der um die beſte Leiſtung im Sicher=Rechnen und Richtig= Schrei=
ben
geht, aufzurufen. Dieſer Wettkampf findet am Sonntag, dem 26.
Januar 1930, vormittags um 11 Uhr, ſtatt und wird meiſtens in Schul=
räumen
oder in Jugendheimen unter Leitung des GDA. durchgeführt.
Wir alle wiſſen, wie notwendig es gerade für den kaufmänniſchen An=
geſtellten
iſt, ſicher und flott rechnen zu können und ſauber und ſchnell
zu ſchreiben. Dieſe Fertigkeiten ſind ja ſein Handwerkszeug und von der
Beherrſchung dieſes Handwerkszeugs wird ſein Erfolg abhängen. Noch
mehr aber, von der beruflichen Tüchtigkeit aller, Volksſchichten und
Berufsſtände wird der Erfolg Deutſchlands im wirtſchaftlichen Wett=
kampf
der Völker abhängen. Darum ſoll heller Berufseifer unter der
Angeſtelltenjugend entfacht werden, und auch die Oſtern als neugebackene
Lehrlinge in dieſen Beruf eintreten, ſollen jetzt ſchon für Leiſtung und
üchtigkeit begeiſtert werden.
Dr. Hugo Eckener ſchrieb dieſer Angeſtelltenjugend, und ſeine Worte
follen auch von den Oſtern eintretenden Lehrlingen beherz gt werden:

Wir dürfen nicht vergeſſen, daß wir us wieder hinauf=
arbeiten
müſſen, hinauf ſpielen können wir uns nicht.

Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellerverein, e. V. Unſere
Mitglieder ſind zu dem Vortrag Zeittheater des Herrn Herbert
Ihering am Dienstag, den 14. Januar 1930, abends 8 Uhr, im Kleinen
Haus von dem Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters
. V.) eingeladen. Karten zu 1 2 und 3. RM. ſind an der
Kaſſe des Kleinen Hauſes erhältlich.
Ortsgruppe Darmſtadt der D.B.S. (Deutſche Bau= und Sied=
lungsgemeinſchaft
), älteſte und größte Bauſparkaſſe Deutſchlands auf
zinsfreier Grundlage. Wir bitten unſere Mitglieder und Freunde, die
Anzeige in dieſer Nummer zu beachten.
Orpheum. Heute findet die letzte Aufführung von Muß
Liebe ſchön ſein und Der möblierte Herr ſtatt. Ab
morgen Mittwoch der Paradeſchlager des Job=Enſembles: Hermann,
wat bis de gemein. (S. Anzeige.)
Die moderne Friſur im Wafſer gewellt, wird von der Fach= und
Modekommiſſion der Friſeur= und Perückenmacher=Zwangsinnung
Darmſtadt den geehrten Damen am Mittwoch, 15. Januar, abends
8 Uhr, im Konkordiaſaal praktiſch an lebenden Modellen gezeigt. (S.
heutige Anzeige.)
Veloeiped=Club Darmſtadt 1899 e. V. Am Samstag fand die
feierliche Ueberreichung der im vergangenen Jahre errun=
genen
Sportpreiſe, ſowie der ſonſt verdienten Auszeichnun=
gen
ſtatt. Die Mitglieder, Vertreter der Brudervereine und Gäſte
waren in großer Zahl erſchienen. Der erſte Vorſitzende Herr Frah=
nert
ſprach Worte, die von echtem, geſundem Sportgeiſte zeugten.
Für den Motor=Renn= und Wanderſport konnte eine große Anzahl,
zum Teil wertvoller Preiſe verteilt werden. Bei den verſchiedenen
Sportarten ſtehen die Herren Hch. Funk, W. Dauth, H. Franke
und S. Guttmann an erſter Stelle. Es iſt erſtaunlich, was ge=
leiſtet
wurde. Viele Kameraden wurden für regen Beſuch der Klub=
abende
und für langjährige verdienſtvolle Mitgliedſchaft ausgezeichnet.
Die von dem Soliſten Herrn Willy Eichel und dem Quartettverein
Darmſtadt zu Gehör gebrachten Lieder und Chöre ernteten wohlver=
dienten
Beifall. Ein von mehreren Herren des Klubs aufgeführtes,
äußerſt humorvolles Theaterſtück löſte Lachſalven aus. Die von edlen
Gönnern zur Verfügung geſtellten ſchönen Tombola=Preiſe wurden
frendeſtrahtend von den glücklichen Gewinnern in Empfang genommen.
Die Auszahlung der laufenden Zuſatzrenten für nicht im Er=
werbsleben
ſtehende Schverkriegsbeſchädigte, Kriegerhinterbliebene,
Altrentner und Altrentnerinnen erfolgt am Mittwoch, den 15.
Januar, vormittags von 812 Uhr durch die Stadtkaſſe.

Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit verhandelte das Schöffen=
gericht
am Montag gegen eine Angeklagte aus Alsbach, deren Sünden=
regiſter
auf den erſten Bſick recht beträchtlich erſchien. Sie ſtand nich=
nur
wegen vollendeter Abtreibung und Abtreibungsverſuch, ſondern
auch wegen ſchwerer Urkundenfälſchung, einfachen Diebſtahls und ver=
botenen
Waffentragens unter Anklage. Die Angeklagte, die verheiratet
iſt, hatte ein Verhältnis mit einem jungen Mann. Nachdem er ſie
nach ihrer Ausſage zu den Abtreibungsverſuchen und der Abtrei=
bung
veranlaßt und ihr dabei Hilfe geſeiſtet hatte, löſte er das Ver=
hältnis
und wandte ſich einer anderen Frau zu. Die Angeklagte ſann
auf Vergeltung, eignete ſich im Amtsgericht Zwingenberg einige For=
mulare
an und überſandte ihm eines, ausgefüllt, um in ihm die An=
ſicht
zu erwecklen, es handele ſich um eine amtliche Vorladung. Bei dieſer
Gelegenheit hoffte ſie mit ihm zuſammenzutreffen und wollte ihn, wie
ſie angibt. erſchießen. Zn dieſem Bweck hatte ſie ſich einen Revolver
angeſchafft. Der Plan gelang nicht, und die Folge war die Anklage.
Das Gericht ſah den ganzen Vorfall in mildem Lichte an hielt der
Angeklagten zugut, daß ſie ſtark nerbös und von mannigfachen Schick=
ſalsſchlägen
heimgeſucht worden ſei und verurteilte ſie zu einer Ge=
ſamtgefängnisſtrafe
von drei Monaten; außerdem wegen ver=
botenen
Waffentragens zu 20 Mark Geldbuße. Bei Einreichung eines
Gnadengeſuchs ſagt das Gericht Befürwortung zu.
Die Anklage gegen einen Wormſer Arzt und einen fungen Mann
als Alsbach wegen fahrläſſiger Tötung erweiſt ſich als der
alltägliche Automobilunfall. Auf Antrag des Verteidigers, dem ſich
der Sachverſtändige anſchließt, beſchließt das Gericht, eine Beſichtigung
des Tatorts in Alsbach vorzunehmen. In Alsbach ſoll die Verhand=
lung
dann unmittelbar anſchließend zu Ende geführt werden.

Zu den Störungen in der Stromlieferung ſchreibt uns die
Heag: Geſtern abend hatten wir um 5.40 und 6 Uhr in dem Dreh=
ſtromnetz
einige kurzzeitige Spannungsſenkungen, welche zur Folge
hatten, daß die Drehſtrom=Gleichſtromumformer auf unſerem Werk
Schuchardſtraße ſich automatiſch abſchalteten und bis zur Inbetrieb=
ſetzung
der Umformer eine Unterbrechung in der Stromlieferung im
Gleichſtromnetz von zirka fünf Minuten eintrat. Dieſe Störungen ſind
auf Vorkommniſſe zurückzuführen, deren Verhinderung nicht ohne wei=
teres
in unſerer Macht liegt. Durch die letzten Stürme ſind an den
Hochſpannungsleitungen Beſchädigungen entſtanden, die ſich nachträg=
lich
noch auswirken und zu ſolchen Störungen Veranlaſſung geben. Es
ſſt anzunehmen, daß durch weitere Verbeſſerungen auch dieſe Störun=
gen
, wie auch ſchon in der letzten Zeit, immer ſeltener werden.
Wanderabteilung der Turngemeinde Darmſtadt 1846. Am Sonn=
tag
fand die Kreiswinterwanderung, des Mittelrheinkreiſes
ſtatt. Das Ziel war nicht, wie in den vorhergehenden Jahren, der
Feldberg im Taunus, ſondern das Nationaldenkmal auf dem Nieder=
wald
. Tiefe Nacht lag noch über der Stadt, als man ſich zur Kreis=
winterwanderung
anſchickte. Aber als man nach Mainz und Wies=
baden
kam, begann der Tag zu grauen. Auf dem rechten Rheinufer
entlang ging es bis nach Aßmannshauſen. Hier wurde zunächſt in
dem Boppeſtübchen eine kurze Frühſtücksraſt gehalten. Alsdann begann
der Auftieg auf den Niederwald. An dem Jagdſchloß vorbei, wo friſch
gefallener Schnee lag, ging es hinüber zur Roſſel. Hier hatte man
einen ſchönen Blick auf den Rhein, nach Bingen, auf das Nabetal und
auf das gefürchtete Binger Loch, vor welchem gerade einige Schleppe
auf die Durchfahrt warteten. Nun ging es nach dem Nationaldenkmal,
wo ſich die Mittelrheiner zur gemeinſamen Feier trafen. Leider konnte
der Kreiswanderwart Vater Bender wegen Krankheit hieran nicht
teilnehmen. Um 12 Uhr eröffnete deshalb der ſtellvertretende Kreis=
wanderwart
H. Müller die Feierſtunde und forderte zum gemeinſamen
Geſang des Turnerliedes Ein Ruf iſt erklungen auf. Nun hielt der
erſte Kreisvertreter, Turner Pfeiffer=Wetzlar, eine zu Herzen gehende
Anſprache und ermahnte die Turnerinnen und Turner, auch im neuen
Jahre der Turnſache treu zu bleiben und mitzuarbeiten zum Wohle der
D. T. und des deutſchen Vaterlandes. Anſchließend wurden die drei
ophen des Deutſchlandliedes geſungen. Hiermit war die Feier an
dem Nationaldenkmal bendet. Im geſchloſſenen Zuge ging es nun
hinab nach Rüdesheim und über die Hindenburgbrücke nach Bingen in
die Feſthalle. Hier entwickelte ſich ſehr bald ein buntes Leben. Nach
herzlichen Begrüßungsworten des Vorſitzenden des Turnvereins Bin=
gen
zeigten einzelne Vereine Vorführungen, wie Volkstänze, Boden=
übungen
und dergleichen. Gemeinſame Lieder und Tänze wechſelten
in bunter Reihenfolge. Die Zeit verging hier ſehr ſchnell und bald
ſchlug die Abſchiedsſtunde. Man trennte ſich mit dem freudigen Ge=
fühl
, wieder einen ſchönen Wandertag mit den mittelrheiniſchen Turn=
ſchweſtern
und Turnbrüdern erlebt zu haben.
Vereinigte Kriegervereine Darmſtadt und Kriegerkameradſchaft
Haſſia veranſtalten am Samstag, den 18. Januar, 7.30 Uhr abends,
in der Turnhalle am Woogsplatz einen Vaterländiſchen
Abend. (S. Anz.)

machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend
schmeckenden Cblorodont-Zahnpaste erzielen Sie einen wundervollen Elfenbeinglanz der Zähne, auch an
MOINO LolIIe den Seitenflächen, bei gleichzeltiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodant-Zahnbürste
mit gezahntem Borstenschnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen
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Ve
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[ ][  ][ ]

Seite 6

Dienstag, den 14. Januar 1930

Nummer 14

Aus Heſſen.
Generalverſammlung
des Verbandes der Warmblukzüchker Heſſens.
Im Rummelbräu fand die Generalverſammlung des Verbandes der
Warmblutzüchter Heſſens ſtatt. Man bemerkte unter den Erſchienenen
u. a. Herrn Landſtallmeiſter Hertel, Herrn Landſtallmeiſter a. D.
Schörke, den Präſidenten der Landwirtſchaftskammer, Herrn Oekonomie=
rat
Henſel, den Präſidenten des Landespferdezuchtvereins, Herrn Oeko=
nomierat
Fritſch, und viele bekannte Köpfe aus der heſſiſchen Pferdezucht.
Nach Begrüßung der Erſchienenen durch den 1. Vorſitzenden, Erbgraf
A. zu Erbach, erſtattete dieſer Bericht über die Finanzlage des Ver=
bandes
, es erfolgte Rechnungsablage und Entlaſtung, alsdann gab der
Vorſitzende einen ausführlichen Jahresbericht zur Kenntnis. Dieſem
war zu entnehmen, daß im Jahre 1929 der bereits 5 Jahre beſtehende
Verband der Warmblutzüchter einen erfreulichen Aufſchwung genom=
men
hat und daß die Zahl der Mitglieder ſtändig im Wachſen begriffen
iſt. Gewiß ein Zeichen des regen Intereſſes, das die Pferdezüchter
Heſſens dem Warmblutpferd entgegen bringen. Im Jahre 1929 vergab
der Verband in den 3 heſſiſchen Provinzen bei Prämiierungen von
Warmblutpferden 3 ſilberne Becher, 21 ſilberne Medaillen und 34 bron=
zene
Medaillen. An zahlreichen Sitzungen der Landwirtſchaftskammer
und des Landespferdezuchtvereins nahm der Verband durch ſeinen Vor=
ſitzenden
ſtets teil und konnte ſomit manches Erſprießliche für ſeine
Jutereſſen leiſten. Mit größter Entrüſtung nahm die Verſammlung
davon Kenntnis, daß die heſſiſche Regierung beabſichtige, das Heſſiſche
Landgeſtüt aufzulöſen! Man war ſich vollſtändig einig darin, daß dieſes
unglaubliche Anſinnen an die Züchter bzw. Landwirte unter allen Um=
ſtänden
abgelehnt und aufs äußerſte bekämpft werden müſſe. Die Land=
wirtſchaft
iſt ſowieſo am Ende ihrer Kraft, und es iſt mehr als unver=
ſtändlich
, wie eine heſſiſche Regierung auf Koſten der ſchwer leidenden
Landwirtſchaft derartige Eingriffe in altbewährte Einrichtungen der
heſſiſchen Landespferdezucht vorzunehmen wagt. Es wurde daher eine
Entſchließung angenommen, die die reſtloſe Ablehnung dieſes für die
Landwirtſchaft äußerſt ſchädlichen Anſinnens vertritt. Weiter wurde
aus der Verſammlung heraus die dringende Notwendigkeit der ſofor=
tigen
Beſchaffung weiterer neuer Warmbluthengſte Oldenburger Ab=
ſtammung
für das Heſſiſche Landesgeſtüt gefordert. Eine dementſpre=
chende
Entſchließung wurde ebenfalls einſtimmig angenommen unb der
Vorſtand mit der Weiterleitung der beiden Entſchließungen beauftragt.
Nach verſchiedener Ausſprache über wichtige Fragen der Warmblutzucht
wurde die Verſammlung um 2.30 Uhr vom Vorſitzenden geſchloſſen.

r. Babenhauſen, 13. Jan. Der Geſangverein Eintracht hielt
am Samstag abend ſeinen Jahresball im Saalbau Deutſcher
Hof ab. Unter der bewährten Leitung des Herrn Chormeiſters Wend.
m=Jügesheim gelangten 8 Chöre von Mozart, Beethoven, Hegar,
Skurm u. a. zum Vortrag und ernteten verdienten großen Beifall. Die
Kapelle Lautz, deren Konzertſtücke im erſten Teil ebenfalls gut gefielen,
ſpielte zum Tanz auf, an dem ſich die Ballteilnehmer in froher Feſt=
ſtimmung
bis zum frühen Morgen beteiligten.
w. Klein=Umſtadt, 13. Jan. Generalverſammlung des
Turnvereins. Der erſte Vorſitzende begrüßt gegen vier Uhr die
zahlreich erſchienenen Mitglieder. Vor Eintritt in die Tagesordnung
werden zwei neue Mitglieder aufgenommen. Punkt 1 der Tagesord=
nung
, Entlaſtung des Vorſtandes, iſt ſchnell erledigt, da die Rechnung
durch eine Kommiſſion bereits einige Tage vorher geprüft wurde. Zu
Punkt 2: die beiden Vorſitzenden, ſowie die geſamten Vorſtandsmitglie=
der
bleiben im Amte. Zu 3: Als Spielführer der 1. Handballmann=
ſchaft
wird Turner Hch. Jungermann gewählt. Spielwart und zweiter
Spielführer bleiben. Zu 4: Die ſeitherigen Turnwarte, Jungermann
und Heil, haben ihr Amt niedergelegt. Eine Neuwahl findet vorerſt
nicht ſtatt; der erſte Vorſitzende leitet die Turnſtunden und bildet ſich
Vorturner aus. Aus deren Mitte ſollen ſpäter Turnwarte gewählt
werden. Jugendturnwart wird Turner Roth; Vereinsdiener Georg
Heil. Verſchiedenes: Der Theaterabend iſt auf 2. Februar feſtgeſetzt.
Zur Aufführung ſoll gelangen: Der rote Wolf, ein Volksſtück in
fünf Aufzügen.
Bz. Reinheim, 13. Jan. Aus dem Gemeinderat. Die neu=
gewählten
Gemeinderatsmitglieder werden von Herrn Bürgermeiſter
Buxmann durch Handſchlag verpflichtet und die anderen Herren auf
ihren Dienſteid aufmerkſam gemacht. Das Geſuch des Finanzamtes
Reinheim um Niederſchlagung des Waſſerverbrauchs bei Erbauung der
Dienſtwohnungsgebäude, wird abgelehnt. Das Geſuch der Süddeutſchen
Eiſenbahngeſellſchaft um Aufnahme von Abwäſſern der Kläranlage
Hindenburgſtraße 38 in den Gemeindekanal, wird vertagt. Die Mittel
zur Schulkinderſpeiſung 1929/30 werden bewilligt. Als Eichlokal für
die Nacheichung 1930 wird der Tanzſaal Philipp Spörl (Zum kühlen
Grund) zu den gleichen Bedingungen wie in den Vorjahren beſtimmt.
Hohes Alter. Am 15. Januar 1930 feiert der Küfermeiſter
Georg Daniel Becher, den 89. Geburtstag. Becker erfreut ſich noch vol=
ler
Rüſtigkeit und Geſundheit. Am frühen Morgen geht er noch in die
Werkſtatt und verläßt dieſe erſt wieder abends.
er. Reinheim, 13. Jan. Feuerwehrführer= Inſtruk=
tionskurſus
der Heſſiſchen Brandverſicherungs=
kammer
Darmſtadt. (Zweiter Vortragskurſus.) Nach Feſtſtel=
lung
der Anweſenheitsliſte eröffnete Herr Regierungsrat Walter= Die=
burg
den Kurſus und begrüßte die Referenten die Herren Branddirek=
tor
Stahl=Wiesbaden, Branddirektor Winver=Darmſtadt und Kreis=
feuerwehrinſpektor
Rödler=Dieburg. Herr Stahl ſprach über Anwen=
dung
und Nutzen der Rauchſchutzapparate und Handfeuerlöſcher bei
Bränden. Herr Branddirektor Winter referierte über Ablöſchen von
Flüſſigkeitsbränden und Behandlung von Starkſtromleitungen im
Brandfalle. Herr Inſpektor Rödler beſchloß den Vormittag mit dem
Vortrag über Behandlung des Schlauchmaterials und Anweiſung für
Zeugwarte. Nach gemeinſchaftlichem Mittageſſen fand am Nachmittag
eine Muſterübung an den Geräten der Freiwilligen Feuerwehren Rein=
heim
und Ueberau ſtatt. Anſchließend begann die groß ausgedachte
Brandangriffsübung der beiden Wehren unter Leitung des Herrn
Branddirektors Stahl=Wiesbaden. Nach der Kritik, aus welcher jeder
Führer etwas fand, was er in ſeiner Wehr bisher nicht beachtete, er=
mahnte
Herr Regierungsrat Walter dringend, das Gehörte aus den
Vorträgen und den Uebungen in den beiden Vortragstagen in den
Wehren nutzbar zu machen.
Georgenhaufen, 13. Jan. Geflügelſchau. Auf ſeine zweite
Lokalausſtellung kann der hieſige Geflügelzuchtverein nun mit Stolz
zurückſchauen. Wenn auch die Nummernzahl nicht ganz ſo hoch war
als im vorigen Jahre, ſo dürfte dies doch durch eine beſſere Qualität
ausgeglichen worden ſein, denn man konnte bei faſt allen Raſſen eine
Verbeſſerung feſtſtellen. Beſonders zu erwähnen ſind die Ehrenpreiſe,
die in dieſem Jahre ausgegeben wurden, im ganzen 18 Stück, und ſei
den Stiftern derſelben an dieſer Stelle beſonderer Dank ausgeſprochen.
Sehr bedauerlich iſt es, daß in Georgenhauſen noch viele der Geflügel=
zucht
fremd ſind.
Bg. Fränkiſch=Crumbach, 13. Jan. Einführung des neuen
Gemeinderates. Herr Bürgermeiſter Hotz nahm vor Eintritt in
die Tagesordnung Gelegenheit, dem ſcheidenden Gemeinderat für ſeine
Tätigkeit zu danken. Den nun in Wirkung tretenden Gemeinderat bat
er, ebenfalls der Gemeindeverwaltung Vertrauen zu ſchenken und tat=
kräftig
für das Wohl der Gemeinde mitzuarbeiten. Hierauf verlas der
Bürgermeiſter ein Schreiben des Kreisamtes Dieburg, gegen das die
Gemeindevertretung keine Einwendung zu machen hat. Es wurde ſo=
dann
die Verpflichtung durch Handſchlag vorgenommen. Hierauf er=
folgte
die Wahl des Protokollführers (Herr Wilhelm Zörgiebel), dann
die Wahl des Kontrolleurs, und der einzelnen Kommiſſionen. Gleich=
zeitig
ſchritt man zur Wahl des Schulvorſtandes.
Ct. Heubach i. O., 13. Jan. Die am Samstag und Sonntag hier
ſtattgefundene, vom hieſigen Geflügelzuchtverein veranſtaltete Geflügel=
ſchau
nahm in jeder Beziehung einen der Bedeutung entſprechenden
ſchönen Verlauf. Die Schau zeigte, welche wirtſchaftliche Bedeutung der
Geflügelzucht beizumeſſen iſt. Der Beſuch der Ausſtellung war ein recht
zufriedenſtellender. Die damit verbundene Verloſung brachte vielen
Beſuchern einen recht hübſchen Gewinn, worunter
ch auch lebendes
Geflügel befand. Jedenfalls kann der emſige Verein befriedigt auf
ſeine diesjährige wohlgelungene Ausſtellung zurückblicken, die die Züch=
ter
erneut zum gegenſeitigen Wetteifer anſpornt.

Pflanzenſchutz im Januar.
Mitteilnng ans der Heſſiſchen Hauptſtelle für Pflanzenſchutz.

Es iſt ei te Zeit gekommen, in der, wenigſtens draußen auf dem
Felde, die Pflanzenſchädlinge ſich weniger ſtark bemerkbar machen.
Das ſollte dem Landwirt aber nicht Veranlaſſung geben, die Schäd=
lingsbekämpfung
in dieſer Zeit einzuſtellen. Jetzt iſt dort, wo eine
direkte Bekämpfung nicht möglich, der Kampf gegen die Pflanzenfeinde
vorzubereiten.
Eine unſerer wichtigſten Aufgaben iſt es, unſer Möglichſtes zu tun,
daß die Vogelwelt, ſoweit ſie bei uns aushält, gut durch den Winter
kommt. Wir haben in unſeren kleinen Singvögeln und einer Reihe
größerer Vögel (z. B. Eulen, Spechte) unſchätzbare Helfer bei der Be=
kämbfung
von tieriſchen Schädlingen. Ungehenre Mengen von Inſekten,
Larben und Inſekteneiern werden von den kleinen Vertretern unſerer
Vogelwelt vertilgt. Auch die Winterszeit wird gründlich ausgenutzt.
Solange es die Witterung erlaubt, kann man z. B. die Meiſen auf der
Suchen nach überwinternden Eiern, Maben und Inſekten emſig auf den
Bäumen herumklettern ſehen. Wir ſollten darum beſorgt ſein, daß die
Tierchen auch nicht in Zeiten des Nahrungsmangels, wenn die Bäume
vereiſt oder verſchneit ſind, dem Hunger preisgegeben ſind. Es ſei hier
darauf aufmerkſam gemacht, daß man auch die fleiſchfreſſenden Vögel
bei der Winterfütterung nicht vergeſſen darf. Gerade ſie ſind es ja, die
uns im Kampfe gegen das Ungeziefer ſo unermüdlich unterſtützen. Neben
der Körnerfütterung, die am einfachſten und bequemſten durchzuführen
ſt, dürfen wir die Verabreichung von Fleiſchreſten nicht unterlaſſen.
Wenn der Weihnachtsbaum ſeinem eigentlichen Zweck gedient hat, ſollte
man ihn immer zum Wohle unſerer gefiederten Freunde aufſtellen. Die
in den meiſten Samenhandlungen käuflichen Futterſteine, die eine aus
mannigfaltigen Beſtandteilen zuſammengeſetzte Futtermiſchung mit
einer Grundmaſſe aus Talg darſtellen, werden durch Erhitzen verflüſſigt
und über die Zweige des Baumes gegoſſen, der irgendwo im Freien
aufgeſtellt wird. Das bekannte Heſſiſche Futterhaus, das gleichzeitig
das Futter vor Witterungsunbilden und die nahrungſuchenden Vögel
vor Raubvögeln ſchützt, ſei empfohlen. Man vergeſſe auch bei Froſt
nicht die Aufſtellung von Gefäßen mit Trinkwaſſer. Niſthöhlen ſollten
ſchon im Herbſt aufgehängt worden ſein. Doch kann dies auch im Früh=
jahr
noch nachgeholt werden. Zu gegebener Zeit ſoll an dieſer Stelle
auf die Schaffung von Niſtgelegenheiten noch näher eingegangen werden.
Jeder hat es ſelbſt in der Hand, durch liebevolle Pflege, beſonders
im Winter, die Vogelwelt an beſtimmte Plätze zu gewöhnen und zu
eſſeln, wo ſie ihren Dank durch emſige Tätigkeit in der Schädlings=
vertilgung
abſtatten.
Stark umſtritten iſt die Frage, ob man die Krähen als ſchädliche
oder nützliche Vögel anzuſehen hat. Es iſt wohl einwandfrei feſtgeſtellt
worden, daß ſämtliche bei uns vorkommenden Krähenarten (Naben=,
Saat= und Nebelkrähe) durch Vertilgung von im Boden lebenden Schäd=
lingen
nützen! Bei der jedoch immer zunehmenden Vermehrung der
Krähen richten ſie beſonders in letzter Zeit oft durch Schädigung der
jungen Saaten empfindlichen Schaden an. In Gegenden, die im Früh=
jahr
oder im Herbſt von großen Schwärmen auf ihren Wanderflügen
heimgeſucht werden, oder wo Scatkrähen in Maſſen auf Bäumen niſten,
iſt ihre Bekämpfung am Platze. Eine weit verbreitete, erfolgreiche Be=
kämpfungsmaßnahme
iſt das Ausheben der Neſter mit der jungen Brut.
Die geeignetſte Zeit iſt der Monat Mai und die Zeit etwa drei Monate
ſpäter, wenn die Jungen gerade Federn bekommen haben. Der Erfolg
dieſes Vorgehens iſt im allgemeinen, daß die Krähen die betreffende
Begend ganz verlaſſe.t. Zu empfehlen iſt bei großen Anſiedlungen auch
das Abſchießen im Neſt zur Brutzeit. Durch Abſchießen bekämpfe man
überhaupt die Krähen bei jeder Gelegenheit, auch im Winter auf dem
Felde. Bei ſtarker Vermehrung ſind auch Abſchußprämien am Platze.
Gute Erfolge hat man auch mit dem Aufhängen der geſchoſſenen Tiere
an beſonders heimgeſuchten Plätzen als Abſchreckmittel. Vor allem das
Auslegen von in Stücke geriſſenen Krähen ſoll ſich bewährt haben. Es
ſei auch kurz erwähnt, daß erlegte junge Krähen vielerorts als Lecker=
biſſen
angeſehen werden. Jedenfalls aber können die geſchoſſenen Tiere
zu Fütterungszwecken verwandt werden. Auch durch Vergiften geht
man den Krähen zuleibe. Schlachthausabfälle, vor allem Rindsblut
oder Heringe, werden mit Phosphorlatwerge verſetzt und im Winter
ausgelegt. Es ſei hier darauf hingewieſen, daß mit Rückſicht auf die

Eigenſchaft der Krähen, auch ſchädliche Inſekten und andere kleine
Schädlinge zu vertilgen, ihre völlige Ausrottung nicht anzuſtreben iſt,
beſondere Bekämpfungsmaßnahmen nur bei ſtarkem Ueberhandnehmen
zu treffen ſind.
Für die Bekämpfung unferer ſchädlichen Nagetiere iſt der Ausgang
des Winters oder das zeitige Frühjahr die geeignetſte Zeit. Nahrungs=
mangel
und Witterungsunbilden haben die Tiere dann mehr oder weni=
ger
geſchwächt, und ſie fallen den getroffenen Vernichtungsmaßnahmen
am ſicherſten zum Opfer. Beſonders für das Giftlegen iſt die Zeit der
Nahrungsknappheit am Ende des Winters geeignet, da dann aus=
gelegte
Köder am eheſten angenommen werden. Zu empfehlen iſt das
Auslegen von Zeliokörnern oder von Strychningetreide, d, h. ſtrochnin=
getränktem
Roggen, Weizen oder geſchältem Hafer. Man tut aber gut,
verſchiedene Getreidearten nebeneinander auszulegen, da dann am
ſicheriten etwas von dem Gifte aufgenommen wird. Auch Kartoffelbrei,
der mit Typhusbazillen verſetzt iſt, hat gute Wirkung (Bezugsquellen
und Gebrauchsanweiſung gibt die Hauptſtelle für Pflanzenſchutz,
Gießen, an). Auch die Anwendung gasförmiger Mittel iſt in dieſer
Zeit möglich und beſonders zur Behandlung von Grabenböſchungen,
Wegrändern und anderen höher gelegenen, trockenen Plätzen, un denen
die Mäuſe gar überwintern, zu empfehlen. Man bedient ſich dazu der
Das wirkungsvollſte
bekannten Räucherapparate Hora oder Lepit
Verfahren beruht in einer Verbindung von Giftfliegen, Anwendung
von Typhusbazillen und Räuchern. Es kommt immer wieder vor, daß
unter dem Einfluß beſtimmter Verhältniſſe das eine oder andere Ver=
fahren
verſagt. Durch Verbindung mehrerer Bekämpfungsmethoden
wird alſo die Sicherheit der Wirkung erhöht. Man geht dabei vorteil=
haft
in der Weiſe vor, daß man immer abwechfelnd einen Streifen ver=
gaſt
, mit Giftgetreide oder dem Typhusköder belegt.
Der gleiche Grundſatz des kombinierten Verfahrens iſt auch bei der
Bekämpfung der Wühlmäuſe vorteilhaft zu befolgen. Nur iſt beſonders
vorſichtig zu verfahren, denn die Wühlmaus zeichnet ſich durch außer=
ordentliches
Mißtrauen allen ungewohnten Gegenſtänden gegenüber
aus. Am einfachſten geſtaltet ſich wohl die Bekämpfung durch Vergaſen.
Dazu verwendet man dieſelben Apparate wie bei der Mäuſebekämpfung.
Infolge der großen Ausdehnung der Wühlmausröhren dauert es ſehr
lange, bis das Gas überall hingedrungen iſt. Mit Rückſicht darauf hat
man den Horaapparat mit einem Anſchluß für eine Luftpumpe ver=
ſehen
, wodurch es ermöglicht wird, das Gas mit ſtärkerem Druck und
raſcher in die Baue einzuleiten.
Iſt die gleichzeitige Vornahme der Vertilgungsmaßnahmen auf
größerer Fläche ſchon bei der Feldmausbekämpfung von großer Bedeu=
tung
, ſo gilt das hier im Hinblick auf die Länge der Baue erſt recht.
Benachbazte Gartenbeſitzer ſollten ſich zu gemeinſamem Vorgehen in
möglichſt großer Zahl zuſammentun.
Neben der Vergaſung der Baue hat ſich die Bekämpfung der Wühl=
mäuſe
mit Giftköder bewährt. Als beſonders geeignet hat ſich die Zelio=
Paſte der J. G. Farbeninduſtrie A.=G. erwieſen. Gern genommene,
unterirdiſche Pflanzenteile, z. B. Mohrrüben, für den Gebrauch im
Haushalt ungeeignete kleine Sellerieknollen, Peterſilie= oder Löwen=
zahnwurzeln
werden durchgeſchnitten, etwas ausgehöhlt und in der
Aushöhlung mit Zeliopaſte angefüllt. Die beiden Hälften ſteckt man
mit Hölzchen wieder zuſammen. Auf jedes Köderſtück gibt man noch
einen Tropfen Baldrian. Die ſo behandelten Lockmittel ſteckt man, das
Wurzelende nach unten, an verſchiedenen Stellen in die Wühlmaus=
baue
hinein. Unbedingt zu beachten iſt dabei, daß der Köder keinerlei
menſchliche Witterung annehmen darf, da er ſonſt, wie die Praxis
immer wieder zeigt, von den Tieren nicht genommen wird. Man muß
bei all den vorbeſchriebenen Arbeiten ein Paar Handſchuhe anziehen,
die man gründlich mit Erde einreibt. Natürlich wird man möglichſt
nur die bewohnten Baue behandeln. Um feſtzuſtellen, ob ein Bau be=
fahren
iſt oder nicht, hebt man eine Röhre an einer Stelle aus. Bei
bewohnten Bauen iſt die Oeffnung am nächſten Tage wieder ver=
ſchloſſen
. Von den Bauen, die offen bleiben, kann man mit Sicherheit
annehmen, daß ſie unbewohnt ſind, ſie können alſo von den Bekämp=
fungsmaßnahmen
ausgeſchloſſen werden.
Dr. Reichwein.

Das Gruppenwaſſerwerk Gerauer Land.
Ck. Groß=Gerau, 13. Jan. Das Gruppenwaſſerwerk Ge=
rauer
Land, Sitz Groß=Gerau, dem die Gemeinden Groß=
Gerau, Berkach, Büttelborn, Dornberg, Klein= Ge=
rau
, Nauheim, Wallerſtädten und Worfelden ange=
ſchloſſen
ſind, hat nunmehr nach Erlaß der Waſſerbezugsordnungen für
die angeſchloſſenen Gemeinden ſeine Tätigkeit in vollem Umfange auf=
genommen
. Wer aus der Verbandswaſſerleitung Waſſer beziehen will,
muß ſich in den von den Bürgermeiſtereien aufgelegten Anmeldebogen
eintragen. Der Anmeldende verpflichtet ſich durch die Eintragung zum
Waſſerbezug auf die Dauer von zehn Jahren. Zur Feſtſtellung des
Verbrauchs können die Gemeinden in jede Zuleitung einen Waſſer=
meſſer
einbauen laſſen. Der Waſſermeſſer bleibt Eigentum der betref=
fenden
Gemeinde und wird von dieſer unterhalten. Für die Benutzung
der Waſſermeſſer erheben die Gemeinden einen vom Gemeinderat feſt=
zuſetzenden
Mietzins, der monatlich mit dem Waſſergeld erhoben wird.
Die Gemeinden liefern ihren Waſſerabnehmern das Waſſer in der
Menge und Güte, wie es nach den natürlichen Vorausſetzungen und
den techniſchen Anlagen möglich iſt. Die Abnehmer können keine An=
ſprüche
an die Gemeinde ſtellen, wenn die Waſſerleitung infolge höherer
Gewalt oder von Betriebsſtörungen beeinträchtigt oder unterbrochen
wird. Bei beſtehendem oder zu erwartenden Waſſermangel können die
Gemeinden die Waſſerlieferung auf beſtimmte Stunden beſchränken, den
Höchſtverbrauch auf jedes verſorgte Grundſtück feſtſetzen, verlangen, daß
alle nicht dem unbedingt notwendigen Verbrauch dienenden Zapfſtellen
geſchloſſen bleiben, den Verbrauch für nicht lebensnotwendige Zwecke,
zuerſt für Luxus, dann für gewerbliche Zwecke und zum Gartengießen
einſchränken oder verbieten, ſowie Abſperrhähne oder Zapfſtellen ſchlie=
ßen
und plombieren. Den Gemeinden ſteht jederzeit das Recht zu, zu
überwachen, ob dieſen Anordnungen Folge geleiſtet wird. Das Waſſer=
geld
wird nach dem mutmaßlichen Verbrauch berechnet. Es bemißt ſich
nach einheitlichen Grundbeträgen, die in feder Gemeinde vom Gemeinde=
rat
beſtimmt werden. In der Regel ſollen die Grundbeträge feſtgeſetzt
werden für Haushaltungen. Haushaltungsmitglieder, Badeeinrichtun=
gen
, Spülaborte, Gärten, Groß= und Kleinvieh nach der Stückzahl,
und für gewerbliche Betriebe und Anlagen. Läßt ſich das Waſſergeld
nicht aus dieſen Grundbeträgen errechnen, ſo wird es vom Gemeinde=
rat
nach dem einzelnen Fall beſonders feſtgeſetzt. Zur Feſtſtellung der
zur Berechnung des Waſſergeldes maßgebenden Verhältniſſe können, die
Bürgermeiſtereien entſprechend Erhebungen anſtellen. Wenn ein Waſ=
ſermeſſer
vorhanden iſt, ſo wird das Waſſergeld grundſätzlich nach der
von dieſen als verbraucht angezeigten Kubikmeterzahl berechnet. Das
Waſſergeld iſt in den von den Gemeindevertretungen zu beſtimmenden
Friſten an die Gemeindekaſſen zu entrichten. Der Preis für 1 Kubik=
neter
Waſſer wird ebenfalls von den Gemeindevertretungen feſtgeſetzt.
Jeder Abnehmer iſt verpflichtet, ſeine Privatleitung in ordnungsge=
mäßem
Zuſtand zu erhalten. Beim Ausbruch eines Brandes ſind in
den Privatleitungen alle Hähne, mit Ausnahme der zum Speiſen von
Dampfkeſſeln uſw. beſtimmten, zu ſchließen. Jeder Abnehmer iſt ver=
bflichtet
, ſeine Leitung zu Feuerlöſchzwecken zur Verfügung zu ſtellen.
Die entgeltliche oder unentgeltliche Waſſerabgabe an dritte Perſonen iſt
unterſagt. Die Vertreter oder Beauftragten der Gemeinden und des
Gruppenwaſſerwerksverbandes haben das Recht des jederzeitigen Zu=
gangs
zu ſämtlichen Räumen, in denen die Waſſerleitung liegt. Die
Waſſerbezugsordnungen für die angeſchloſſenen Gemeinden ſind am
12. Januar 1930 in Kraft getreten. Hausbeſitzern und Grundſtücks=
eigentümern
, die bisher an die Waſſerleitung noch nicht angeſchloſſen
ſind, werden auf Koſten des Gruppenwaſſerwerksverbandes die Haus=
anſchlußleitungen
koſtenlos verlegt, wenn die Anmeldungen innerhalb
14 Tagen, alſo bis ſpäteſtens Samstag, den 25. Januar 1930, bei den
Bürgermeiſtereien der Verbandsgemeinden ſchriftlich erfolgt. Dies iſt
nunmehr der letzte Termin.

Jagd im Januar in Heſſen.
(Mitgeteilt vom Hefſiſchen Jagdklub E. V., Darmſtadt.)
Jagdzeit für Schwarzwild, Edel= und Damwild, Raubzeug, wilde Ka=
ninchen
, Dachſe, Faſanenhähne und =hennen, Waldſchnepfen, Sumpf=
ſchnepfen
; für Haſen bis zum 15. Januar einſchließlich.
Hegezeit für Rehwild und Rebhühner. Jeder Abſchuß von Haſelhähnen
und =hennen, von Auer= und Birkhennen und von Muffelwild bleibt
bis auf weiteres verboten.
Sauen haben Rauſchzeit, die Füchſe ranzen. Das Haar=Raubwild
trägt jetzt ſeinen beſten Balg. In der Ebene bietet der Strich auf
Gänſe und Enten mancherlei Freude. Reichliche und regelmäßige Füt=
terung
des Wildes iſt dringend notwendig. Nicht zu vergeſſen, jetzt
genügend Salzpfannenſteine auszulegen, die von der Geſchäftsſtelle des
Heſſiſchen Jagdklubs, Darmſtadt, Heinrichſtraße 80, I. zu 4 Mark pro
Zentner einſchließlich Verpackung ab hier bezogen werden können,
Wer jetzt nicht ſät, wird im kommenden Jahre nichts ernten.

A. Seidenbuch, 13. Jan. Holzverſteigerung. Auch bei der
letzten Holzverſteigerung im Staatswald am Donnerstag, bei der 300
Raummeter Buchenſcheit= und 45 Raummeter Buchenknüppelholz und
mehrere Hundert Buchenwellen zum Ausgebot kamen, wurden wieder
ziemlich hohe Preiſe erzielt, da viele Steigerer, auch aus weiterer Ent=
fernung
, erſchienen waren. Die Meterpreiſe betrugen zwiſchen 1518
Mark, ſo daß mancher Steigerungsbeſucher unverrichteter Dinge heim=
ging
und ſein Glück bei der demnächſt ſtattfindenden letzten Verſteige=
rung
probieren will.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 13. Jan. Schnee. Der vorgeſtern
bis nach Mitternacht niederrieſelnde Regen verwandelte ſich noch im
Laufe der Nacht in Schnee, ſo daß am Sonntag morgen unſere Höhen
in blendendem Weiß prangten. Der Schnee liegt etwa 58 Zentimeter
tief und hielt ſich tagsüber, wenn auch nicht in ganzer Menge. Gegen
abend gefror es, vielleicht iſt nun das Bett bereitet für die weiteren
Gaben von Frau Holle. So hat der Winter nun zum zweitenmale
ſeine Viſitenkarte abgegeben.
Wafferſtands=Nachrichten vom 13. Januar. Rhein: Hüningen
0,80, Kehl 1,99, Maxau 3,87, Mannheim 2,66, Mainz 0,57, Bingen
1,66:; Caub 1,82; Köln 2,37 Meter. Main: Schweinfurt 1,13, Würz=
burg
1,12, Lohr 1,55; Groß=Steinheim 2,45; Frankfurt 2,42 Koſtheim
Staatspegel 0,20; dito Waſſertiefe 2,10; dito Fahrtiefe 1,88 Meter.
Hirſchhorn, 13. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
11. Januar: 0,98 Meter; am 12. Januar: 0,95 Meter; am 13. Januar:
0,91 Meter.
Gernsheim, 13. Jan. Wafſerſtand des Rheins am
11. Januar: 0,20 Meter; am 12. Januar: 0,28 Meter.
Oberheſſen.
Gießen, 13. Jan. Schwerer Unglücksfall in einer
Braunkohlengrube. In der Braunkohlengrube der Gewerk=
ſchaft
Friedrich in Trais=Horloff wurde der Bergarbeiter. Wilhelm
Eichenauer beim Abſchleppen eines beladenen Kohlenwagens durch die
Grubenlokomotive infolge plötzlichen Zerreißens des über eine eiſerne
Rolle laufenden Seiles von der losgeſchleuderten Rolle ſo ſchwer an
dem einen Unterſchenkel verletzt, daß ihm das Bein in ſehr komplizier=
ter
Weiſe gebrochen wurde. Der Verunglückte mußte der Chirurgiſchen
Klinik in Gießen zugeführt werden. Tödlicher Unfakl im
Bahndienſt. Am Sonntag mittag geriet der 40jährige Rangierer
Heinrich Baumann aus Allendorf an der Lahn im Bahnhof Gießen
bei Rangierarbeiten zwiſchen zwei Puffer und wurde erdrückt. Bau=
mann
war verheiratet und hinterläßt drei Kinder.

MAGGF Suppen

MAGGV Würze in Fiaschen
für Suppen, Soßen, Gemüse, Selate.
in Flaschen von 20 Pfg. an.

28 verschiedene Sorten.
Würfel für 2 Teller Suppe 13 Pfg.

MAGGF Fleischbrühe
zum Kochen von Gemüsen us:
1 Würfel für gut ¼4 Liter 4 Pfg.

[ ][  ][ ]

Nummer 14

Dienstag, den 14. Januar 1930

Seite 7

Aablatiosdeutfaſtattt und Tafdte.

Lehrgang für die Geſamklehrerſchaft
Darmſtadts in der Okto=Berndk=Halle.
Die wachſende Erkenntnis von der Bedeutung der Volkstumsfragen
findet ihren Ausdruck in der ſteigenden Berückſichtigung, die die Be=
handlung
des weiten Stoffgebietes des Auslandsdeutſchtums gerade in
den letzven Jahren in den Schulen aller Art ſindet. Der Volksſtaat
Heſſen, dies darf mit Genugtuung feſtgeſtellt werden, marſchiert auf
dieſem Gebiete an der Spitze; ſeine führende Stellung wird auch außer=
halb
der vot=weißen Grenzpfähle anerkannt. Dieſe Tatſachen ſind Er=
folg
und Verdienſt der Jahrzehnte dauernden unermüdlichen Arbeit
von Staatsrat Block und des von ihm geleiteten Landesverbandes
Heſſen des Vereins für das Deutſchtum im Ausland. Um dieſe Volks=
tumsarbeit
, die durchaus unpolitiſch iſt und über die Staatengrenzen
hinaus lediglich die kulturellen Einheiten zuſammenfaſſen will, in der
Schule zu föudern, veranſtaltet das Zentralinſtitut für Erziehung und
Unterricht zu Berlin in Verbindung mit dem heſſiſchen Kultusminiſte=
rium
einen Lehrgang über Volkstumsfragen. Daß dieſer Lehrgang zu=
erſtein
Heſſen, und zwar in Darmſtadt, Mainz und Gießen, ſtattfindet,
beweiſt, daß man in Berlin die beachtliche Höhe der Volkstumsarbeit
in unſerem Lande anerkennt.
Der Saal der Otto=Berndt=Halle war bis zum letzten Plätzchen ge=
füllt
, als um 8,30 Uhr die Eröffnung des Lehrgangs durch das Kultus=
miniſterium
ſtattfand. Das Kultusminiſterium mit Staatspräſident
Dr. Adelung an der Spitze war vollzählig erſchienen, die geſamte
Lehrerſchaft aller Schulen der Unterricht fiel aus war anweſend.
Skaakspräfidenk und Kulkusminiſter Dr. Adelung
eröffnete die Tagung mit folgender Anſprache:
Herzlichen Dank habe ich zu ſagen dem Zentralinſtitut für Er=
ziehung
und Unterricht, vor allem dem Direktor der Auslandsabteilung,
Herrn Schulrat Niemann, daß der Lehrgang Auslandsdeutſchtum
und Schule zunächſt in Heſſen, und gleich in drei Städten in Darm=
ſtadt
, Mainz und Gießen , abgehalten wird. Dank darf ich auch den
Verwaltungen der drei Städte zum Ausdruck bringen für ihre Bereit=
willigkeit
, die das Zuſtandekommen der Lehrgänge weſentlich mit ermög=
licht
hat. Vor allem aber ſage ich herzlichen Dank den Vortragenden,
den Männern der Wiſſenſchaft und der Wirtſchaft, der Theorie und der
Praxis, alle bewährt im Auslandsſchulweſen und in der Arbeit am Aus=
landsdeutſchtum
, die uns Gelegenheit bieten, aus dem Born ihrer Kennt=
niſſe
und Erfahrungen zu ſchöpfen. Sie alle wollen das Verſtändnis
für die Bedeutung des Auslandsdeutſchtums für die
neue deutſche Schule, für die Schule im neuen Deutſch=
land
wecken und ſtärken für die Aufgaben, die dem deutſchen Volke
in ſeinem eigenen Lebensgebiet und im Kreis der Völkerfamilien zu=
fallen
. Reiche Anregung, reiche Belehrung werden die Lehrer aller
Schulgattungen aus dem Lehrgang mitnehmen und nutzbar verwenden
können in der Schulſtube, im Unterricht in der Deutſchtunde, in Erd=
kunde
, Geſchichte und namentlich in der Staatsbürgerkunde,
die in der Schule der Gegenwart, in der Schule des Volksſtaates
von ganz beſonderer Bedeutung iſt.
Deshalb hat auch das Kultusminiſterium gerne alles getan, was
zur Durchführung und Ausgeſtaltung des Lehrgangs nötig war, und es
erhofft fruchtbringende und ſegensreiche Ergebniſſe für das heſſiſche
Bildungsweſen.
Gegenwart und nächſte Zukunft legen ungeheuer ſchwere Aufgaben
auf die Schultern unſeres Volkes. Dieſe Aufgaben können nur gelöſt
werden im Kreiſe der Völkerfamilien, die uns umgeben, und im fried=
lichen
Wettkampf mit ihnen. Necht mit Mitteln der Gewalt, ſondern
mit der inneren Kraft, die im Volkstum ruht. Zu unſerem Volkstum
zählen aber nicht nur die 62 Millionen innerhalb der Staatsgrenzen,
ſondern auch die 30 bis 40 Millionen Deutſcher im Ausland. Dieſes
100Millionen Volk bildet eine Kulturgemeinſchaft, ohne Ueberhebung
gegenüber anderen Völkern, aber unter Betonung der wertvollen Güter
und ſittlichen Kräfte, die unſer Sondergut darſtellen. Der Zuſammen=
ſchluß
aller kultuvellen Kräfte des deutſchen Volkes, wo immer in der
Welt es lebt, iſt notwendig zur Sicherung ſeiner eigenen Zukunft,
aber auch zum Segen anderer Völker. Und ſo werden die Fragen des
Auslandsdeutſchtums, die im alten Reich keine große Beachtung fanden,
heute zu Schickſalsfragen unſeres Volkes. Der verlorene Krieg hat uns
als wertvollen Gewinn Beſinnung auf Volk und Volkstum gebracht.
Kenntnis des Auslandsdeutſchtums und Wirken für das Auslandsdeutſch=
tum
iſt, um mit Staatsminiſter Dr. Boelitz zu reden, heute ſtagtspoli=
tiſche
Aufgabe jedes Deutſchen geworden.
Und deshalb freuen wir uns des Lehrgangs, der das Verſtändnis
dafür ſtärben und den Wunſch zur Mitarbeit bei der heranwachſenden
Jugend wecken foll. Gs ſoll ihr ein hohes Ideal zeigen, das ſie über
Partei und Konfeſſion und über die Nöte des Tages hinaus eint.
Möge dieſe Wirkung, die wir von der Veranſtaltung erhoffen, auch
zum Segen unſeres Landes eintreten.
Mit dieſem Wunſche entbiete ich Ihnen allen Gruß und Willkomm.
Reicher Beifall folgte den Worten des Herrn Kultusminiſters, der
den Fragen des Volkstums ſtets eine warme Anteilnahme entgegen=
bringt
. Als erſter Redner des Lehrgangs ſprach dann Profeffor Dr.
König=Gießen über:
F‟
Staal und voh .
Er ſtellte die Hörer ſofort hinein in die ganze, durch den Weltkrieg auf=
gezeigte
Problematik unſerer Tage. Das Deutſche Reich, das vom hl.
röm. Reich über die Staaten zum Bismarcks=Reich mit der kleindeutſchen
Löſung geworden war, ſchien Endſtufe einer Entwickelung zu ſein. Und
nun war es zuſammengebrochen was ſollte an ſeine Stelle treten? Es
zeigte ſich wieder, wie ſchon 1648 und 1806, daß nicht nur der Staat die
Subſtanz des Lebens eines Volkes iſt, ſondern auch das Volk. Deutſch=
land
war 1918 wieder einmal ſtaatslos geworden, es brach ſich die Er=
kenntnis
durch, daß nicht mehr die Begriffe Staat und Volk gleichzuſetzen
ſind, ſondern daß über allen geſchichtlich gewordenen Staatengebilden
als höchſte, gewiſſermaßen von Gott gegebene Einheit die Kulturgemein=
ſchaft
des Volkes in Sprache, Sitte, Literatur und den verſchiedenſten
geiſtigen und ſeeliſchen Aeußerungen ſteht. So konnte die kleindeutſche
Löſung der deutſchen Frage, die uns zwar einen Staat brachte, mit
dem wir in die Reihe der Weltwirtſchaftsmächte eintreten konnten, nur
eine Etappe der Entwickelung bleiben. Wir ſind uns jetzt, und das
iſt ein Erfolg bes verlorenen Weltkrieges, unſerer Volkheit wieder be=
wußt
geworden. Die Gleichſetzung von Volksbürgertum und Staats=
bürgertum
, die von vornherein auf ein Drittel unſeres Volkstumsbeſtan=
des
verzichtete, muß fallen. Unſer Weg muß nunmehr führen vom
Staat über das Volk zum Reich, zu einem Reich, das die geiſtig= ſeeli=
ſchen
Ordnungsprinzipien für Europa findet, Prinzipien, die Europa
finden muß, wenn es ſich nicht zerſetzen will. Dazu muß es volklich den=
ken
lernen, denn die Völker Europas leben nicht klar und reinlich ge=
ſchieden
nebeneinander; leben doch z. B. allein über 20 Millionen
Deutſche in 20 verſchiedenen europäiſchen Staaten! Die Löſung des
Nationalſtaates, theoretiſch ſicher die beſte, iſt in den allermeiſten Fällen,
in der Praxis des hiſtoriſch Gewordenen nicht zu verwirklichen. Die
Achtung vor dem Volkstum der Minderheiten, unbeſchadet von deren
Treue dem Gaſtſtaat gegenüber, iſt allein das neue Ordnungsprinzip
der Zukunft. Dieſe Gedankengänge ſind keine Utopie und undurchführ=
bare
Ideologie. Sie haben ihre Parallele im Kampf um die religiöſe
Toleranz. So wie im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts der Grund=
ſatz
eujus regio, eius religio überwunden wurde, ſo wird es auch mit
dem übrigens erſt ſeit Mitte des 19. Jahrhunderts ſchroff ausgeprägten
Prinzip aujus regio, eius natio gehen. Treue zur eigenen Volkheit und Hunderttauſenden der im Ausland lebenden Deutſchen. Es iſt begreif=
Treue zur gewordenen Staatlichkeit ſind keine Widerſprüche, denn lich, daß der deutſche Auslandsſiedler, dem ſeine Scholle, ſein Eigen=
Vokstum iſt etwas Geiſtig =Seeliſches, ſeine Vergewaltigung iſt eine
Unterdrückung wichtigſten Naturrechts. Wo der Staat ſeinen Bürgern
das Recht auf ihre Volkheit zuerkennt, wird er in ihnen immer lohale, ſtrich genommen wurde, da war ihm das vielfach unfaßbar. Da ward
mittätige Träger ſeiner Staatlichkeit haben. Das Beiſpiel eines Natio=
nalitätenſtaates
iſt die Schweiz. Eine weiſe Beachtung der Volktums= tungswille erſtand in Rumänien, in Ungarn und anderswo. Eine
fragen in neueſter Zeit gibt uns Eſtland, wo die Balten ein Kultur=
autonomiegeſetz
erreicht haben. Dort wird ein Nationalkataſter der
Deutſchen (ebenſo wie der anderen Minderheiten) geführt, ein Kultur=
rat
mit einem Kulturpräſidenten mit eigenem Steuerrecht vertritt kultureller Faktor im Fremdvolk behaupten muß, muß eigene politiſche
unter Aufſicht des Staates die deutſchen Kulturbelange, die mit den Vertretung haben, um als gleichberechtigter Faktor im Kulturaustauſch
rein politiſchen Belangen des Staates nichts zu tun haben dürfen. Bei
den Volkstumsfragen handelt es ſich nicht um karitative Schutzarbeit, die 800 000 Deutſchen nach dem Zuſammenbruch als politiſch am reich=
ſondern
um das Auffinden des rechten Verhältniſſes zu dem Problem ſien und ſtärkſten erwieſen. Vielfach fehlt allerdings eine gebildete
Volk und Staat‟. Das, was vom deutſchen Volkstum gilt, iſt nicht

wie die zuſammenfaſſenden Tagungen anderer Volkstumsgruppen ( zu=
letzt
der Polen) zur Stützung der Wirtſchaftsbelange ihrer Auslands=
angehörigen
beweiſen. Die Gemeinſchaftsfreiheit muß neben die In=
dividualfreiheit
treten. Die Volksſplitter in den Gaſtſtaaten werden
dann die verbindenden Glieder zwiſchen ihrem Staatsvolk und dem
Muttervoll werden. Das 90. Jahrhundert muß in dieſem Sinne der
Dunchbruch der volklichen Freiheit in Europa werden. Der wird der
beſte Abendländer ſein, der der beſte Volksgenoſſe ſeinem Volke gegen=
über
iſt. Wir ſind Volk unter Völkern, und wenn wir wollen, daß
unſer Volkstum reſpektiert wird, dann müſſen wir auch fremdes Volls=
tum
bei uns veſpektieren.
Reicher Beifall dankte den überzeugenden Ausführungen des treff=
lichen
Redners.
Schulrat Niemann, der Leiter der Auslandsabteilung des Zen=
tralinſtituts
, hielt ſodann
drei Lehrproben
zunächſt mit einer Klaſſe der Ballonſchule. Es gelang ihm, mit der
Methode des Arbeitsunterrichts die kleinen Heiner in die praktiſchen
Fragen von Volk und Staat einzuführen. Als Beiſpiel diente ihm
die Beſiedelung des Banats durch die Schwaben. Ihre harte Koloniſten,
arbeit und der Kampf um ihr Volkstum gegen Magyaren und Rumänen
traten plaſtiſch hervor, ebenſo wie das Zuſammenfinden der Banater
Schwaben mit den deutſchen Soldaten im Weltkrieg.
Mit einer Klaſſe der Eleonorenſchule wurde die Frage der
Minderheitenſchulen behandelt, ausgehend vom Erlaß der preußiſchen
Regierung über dieſe Frage. Es ergab ſich die moraliſche Verpflichtung,
daß wir das Recht auf Selbſtändigkeit des kulturellen Gigenlebens, das
wir für unſere Volksſplitter verlangen, auch den fremden Volksſplittern
bei uns zugeſtehen müſſen.
Als dvitte Lehrprobe wurde mit einer Klaſſe der Berufsſchule
die Bedeutung des Problems der Wolgarepublik im Zuſammenhang
mit den Fragen des Volkstums behandelt.
Alle Lehrproben zeigten die erfahrene Sachkenntnis eines wit den
neueſten Methoden des Unterrichts vertrauten Pädagogen und waren
für die zuhörenden Fachleute durchaus lehrreich und intereſſant.
Der Nachmittag des erſten Tags brachte zwei bedeutſame Vorträge.
Zunächſt ſprach der Sachbearbeiter, für Auslandsſachen im Reichs=
miniſterium
des Innern, Miniſterialrat Dr Löffler, über:
folk.
die auslandsdeutiche Schule in auer wen".
Ziel aller deutſchen Schulen im Auslande iſt Erhaltung der deut=
ſchen
Sprache, deutſchen Volkstums und deutſcher Kultur. Auslands=
ſchulen
ſind alle Schulen, die außerhalb des Deutſchen Reiches liegen,
aber nicht die in ſolchen Gebieten, in dem die Deutſchen ihr Volkstum
ſtaatlich entwickelt haben. Es folgte dann ein Rundgang durch alle
deutſchen Schulen auf der Welt und eine Betrachtung ihres gegenwär=
tigen
Standes. Dabei wurden zwei Gruppen von Auslandsſchulen
unterſchieden: Solche mit deutſcher Unterrichtsſprache, die einem frem=

den Schulweſen organiſatoriſch eingegliedert und ſeiner Aufſicht unter=
geordnet
ſind (bodenſtändige Schulen), und ſolche, die ſich bewußt ab=
heben
von den fremden Schulen und reichsdeutſche Lehrpläne haben
(Gaſtſchulen). In Europa ſelbſt ſchließen ſich ringförmig um die Grenz=
landſchulen
(inderheitenſchulen), die meiſt bodenſtändig ſind, die
ebenfalls größtenteils bodenſtändigen Schulen im Oſten Europas. Der
dritte Kreis iſt von ganz anderer Art: Er umfaßt Gaſtſchulen in Städ=
ten
fremder Staaten. Ihre Beſucher ſind teils Reichs=, teils Auslands=
deutſche
: dieſe Schulen gliedern ſich in Kindergärten, in Volks= und
höhere Schulen. Beſondere Betrachtung fand unſer Schulweſen in Süid=
amerika
, wo in Braſilien allein 1200 deutſche Schulen mit 50 000 Schü=
lern
beſtehen. Die Lehrer dafür werden in eigenen Lehrerſeminarien
ausgebildet. Weſen, Eigenart und Probleme der deutſchen Auslands=
ſchulen
fanden anſchließend ausführliche Würdigung, und zum Schluß
wurde die Bedeutung der Auslandsſchulen für die einzelnen Auslands=
deutſchen
, für ihre Gemeinſchaft und für das deutſche Muttervolk er=
örtert
. Erhaltung, Durchdringung und Werbung, letztere für Abſatz
deutſcher Produkte, ſtellen die Hauptpunkte dar im Ganzen ergibt
ſich, daß die deutſche Schule im Ausland für ihre Schüler eine unver=
gleichlich
größere Bedeutung hat als die Inlandsſchule für die ihrigen.
Staatsminiſter a. D. Dr. Boelitz ſprach ſodann über
1ON
Das deulſchtum in Hüdameina .
Südamerika ſteht im Brennpunkt des Weltintereſſes. Dort ſpielt ſich
ein Kampf um den Handelsmarkt ab, ein Kampf um die Produkte die=
ſer
reichen Länder und den Abſatz für die reichen Produkte anderer
Länder mit älterer Kultur. Denn Südamerika iſt heute noch angewie=
ſen
auf Menſchen und Maſchinen aus anderen Ländern. Darin liegt
die Bedeutung für uns. Wir brauchen den Reichtum der ABC=Staaten
an Brotfrucht. Häuten und anderen Produkten, und haben in dieſen
Ländern Rieſengebiete für Anſiedlung unſeres überſchüſſigen Men=
ſchenmaterials
. Eine ſtarke Stütze werden die Einwanderer immer an
den ſchon dort wohnenden Deutſchen finden, die im Gegenſatz zu den
Landsleuten in Nordamerika an ihrem Volkstum zähe und unentwegt
feſthalten. Die deutſchen Kolonien in Südamerika werden durch ihre
Nolle als Träger des Handels und der Wirtſchaft ihres Landes die
beſten Mittler für die heimiſche Induſtrie und den Abſatz des deutſchen
Handels werden. Die meiſten Deutſchen in Südamerika ſind dabei
lohale Bürger des Gaſtſtaates durch Geburt, aber ſie bekennen ſich freu=
dig
zur deutſchen Kultur, weil ſie die Qualitäten, die ſie zu Spitzen=
leiſtungen
in ihrer neuen Heimat befähigten, richtig und hoch ein=
ſchätzen
. Deshalb gilt es für uns, die Deutſchen Südamerikas zu
ſtützen in dem ſchweren Kampf, den ſie gegen andere Völker im Wett=
kampf
zur Zeit zu führen haben. Dieſe Unterſtützung, die ein Abglei=
ten
in fremdes Volkstum verhindern ſoll, braucht nicht zu erfolgen
durch Geld, ſondern durch Lieferung hochwertiger Waren und Men=
ſchen
und einen ſtarken Idealismus. Die Ausſichten auf Erhalrung
des Deutſchtums in Südamerika ſind gut, wenn wir unſer lebendiges
Intereſſe in dieſen Kontinent mit ſeinen unerſchöpflichen Möglichkeiten
hineinwerfen.
Reicher Beifall dankte beiden Rednern; ein Dank, dem Staatsratz
Block beſonderen Ausdruck verlieh.
Dr. Götz.

Der Auslandsdeutſche Abend

geſtaltete ſich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die Otto=Berndt=
Halle war dicht beſetzt. Staat und Stadt waren vertreten. Die
Begrüßungsanſprache hielt
Oberbürgermeiſter Mneller:
Meine ſehr geehrten Damen und Herren! Ich überbringe Ihnen
die Grüße und die beſten Wünſche der heſſiſchen Landeshauptſtadt, der
Geburtsſtätte des Bundes der deutſchen Auslandslehrer, die auch das
Glück hat, den Begründer dieſes Bundes, den um die V. D.A.=Arbeit
hochverdienten Staatsrat Block, zu den Ihren zählen zu dürfen. Wenn
ich hinzufüge, daß die deutſche Auslandsarbeit in Darmſtadt überhaupt
man darf wohl ſagen vorbildlich opganiſiert iſt, ſo mögen Sie
daraus entnehmen, daß gerade hier ein volles Verſtändnis für die Lehr=
gänge
vorhanden iſt, die dankenswerterweiſe von dem Zentralinſtitut
für Erziehung und Unterricht und dem Heſſiſchen Miniſterium für
Kultus und Bildungsweſen eingerichtet worden ſind. Insbeſondere
wird es intereſſieren, daß am heutigen, der breiteſten Oeffentlichkeit
zugänglichen Abend die deutſche Auslandsarbeit von ſachverſtändigſter
Seite nach Geſichtspunkten behandelt werden wird, die eine ganz all=
gemeine
Bedeutung beanſpruchen dürfen. Eine zielbewußt und ſyſte=
matiſch
vorzuſehende Belebung dieſer Arbeit iſt lebhaft zu begrüßen.
Die ſtark entwickelte deutſche Anpaſſungsfähigkeit in Verbindung mit
unſerem vielfach nicht ſehr widerſtandsfähigen Nationalgefühl haben
uns im Laufe der Jahrhunderte ein gewaltiges Menſchenkapital ver=
lieren
laſſen. Es iſt von den Wirtsvölkern reſtlos aufgeſogen worden.
Iſt es abſurd, zu hoffen, daß es uns in einem Zeitalter größter außen=
politiſcher
Schwäche gelingen wird, uns dieſes Kapital künftig beſſer
zu erhalten? Es iſt ſicher nicht abſurd. Denn gerade durch dieſen, an
ſich beklagenswerten Zuſtand ſind uns alle Kräfte frei geworden für die
Pflege unſeres deutſchen Volkstums, wo immer es verwurzelt iſt. Die
in aller Welt verſtreuten deutſchen Volksteile erheben keine politiſchen
Anſprüche in ihren Wirtsländern, aber ſie wollen und ſollen ihre
Weſens= und Stammeseigenart nicht verlieren. Das iſt jedoch nur
dann möglich, wenn ſie dauernd mit der Heimat in Fühlung bleiben,
wenn ſie immer wieder eine geiſtige und kulturelle Blutzufuhr aus
der Heimar erhalten, wenn ſie ſtändig und beglückt ſpüren, daß die
ſtarken Schwingen des Mutterlandes über ſie gebreitet ſind. Es ge=
hört
ohne Zweifel zu den wichtigſten Aufgaben unſeres vor ganz neue
Probleme geſtellten Volkes, die geiſtige Nabelſchnur nicht zu zerreißen,
die das deutſche Mutterland mit den deutſchen Volksgenoſſen im Aus=
lande
verbindet. Und wenn dieſ= Tagung die allgemeine Ueberzeu=
gung
von dieſer bedeutungsvollen Wahrheit befeſtigen kann, dann hat
ſie ihren Zweck erfüllt. Meine beſten Wünſche begleiten ſie.
Die völkerverbindende Bedeukung des Auslands=
deutſchkums

war das Thema, über das als der Berufenſten einer der Leiter des
deutſchen Kulturamtes in Groß=Rumänien, Profeſſor Dr. Cſari,
ſprach. Der Referent dankte herzlichſt für die Begrüßung durch Stadt
und Staat und nahm Gelegenheit, auch dem V.DA. Heſſen und be=
ſonders
Darmſtadt Dank zu ſagen für ſeine ausgezeichnete Pionier=
arbeit
, die er in ſeiner Betreuung der Dobrudſcha und Bukowina
leiſtet. Das Auslandsdeutſchtum, von dem er zu ſprechen habe, lebe
auf rein bäuerlicher Grundlage in der Minderheit ſeines Wirtsſtaates,
in einer Schickſalsminderheit, der es wohl nie vergönnt ſein
kann, mit dem Mutterlande irgendwie vereinigt zu werden. Das ſind
die wirklichen Auslandsdeutſchen, von denen am ſchwerſten zu ver=
ſtehen
iſt, wie ihr Volkstum inmitten eines eine andere Sprache reden=
den
fremden Volkes zuſtande kommt und erhalten wird. Vor dem
Kriege ging das Bewußtſein dieſes Volkstums kaum oder nicht über
die Dorfgrenze hinaus. Siebenbürgen vielleicht und das Baltikum
ausgenommen. Seit dem Zuſammenbruch erſt beſteht der Begriff
Auslandsdeutſchtum als Volksbewußtſein unter den vielen
beſitz, eine neue Heimat ward. Und als nach dem Kriege ihm dieſer
Grundbeſitz ſeit acht Jahrhunderten behauptet mit einem Feder=
aus
der Seelennot das Voltsbewußtſein geboren. Der Selbſtbehaup=
politiſche
Zuſammenfaſſung allerdings iſt nicht gegeben, und ſo
tritt das Auslandsdeutſchtum als Geſchloſſenheit nicht in Erſcheinung.
Das aber muß noch kommen. Das Auslandsdeutſchtum, das ſich als
wirkſam in die Erſcheinung zu treten. In Rumänien ſelbſt haben ſich
Oberſchicht. Völkerverhindend aber wirkt ganz einfach
nur eine Erſcheinung deutſchen Volkztums, ſondern gilt für alle Völker, die Art und Arbeit des dentſchen Bauern=Siedlers

aus ſich ſelbſt heraus. Serben und Rumänen gleichen ſich dem
deutſchen Siedler an. Die eigene (deutſche) Leiſtung hängt allerdings
immer von der Bildung durch Schule, Kirche, Kunſt ab. Es iſt alſo
die Erhaltung der deutſchen Schulen und Bildungs=
ſtätten
eine kulturelle Notwendigkeit. Und immer wie=
der
erregt dieſe Erhaltung, oft unter größten Opfern, die Bewunde=
rung
der Ausländer, unter denen wir leben. Das iſt etwas, das an=
dere
Nationen nicht erreichen, trotzdem ſie die äußere Macht haben
und entfalten können.
Völkerverbindend tätig ſein heißt alſo für den Auslands=
deutſchen
kaum mehr, als gewiſſermaßen vorbildlich leben und Re=
ſpekt
vor dem Mutterlande zu ſchaffen, auch wenn
man kleinſte Minderheit im fremden Volke iſt. Dar=
über
hinaus ſind die Auslandsdeutſchen=MMinderheiten wirtſchaftlich und
kulturell berufen, Träger der freundſchaftlichen Bezieh=
ungen
zwiſchen dem Staat, in dem ſie leben, und dem Mutterland,
an dem der auslandsdeutſche Bauer mit heißer Liebe hängt, herzuſtel=
len
und zu pflegen. (Lebhafter Beifall.)
Ueber das Auslandsdeukſchkum und der
deuiſche Arbeiker
ſprach Gewerkſchaftsſekretär Furtwängler=Berlin. Er legte ſeinen
Ausführungen die Frage zugrunde, wie es vor dem Kriege war und
wie es heute iſt. Vor dem Kriege konnte der deutſche Arbeiter in
Frankveich ohne Paß und unangemeldet leben. Er wurde gern ange=
ſtellt
und wurde auch von ſeinen franzöſiſchen (auch engliſchen uſw.)
Arbeitskollegen nicht gehaßt, ſondern gern geſehen, weil er gewerkſchaft=
lich
organiſiert war und den Gewerkſchaftsgedanken im Auslande pro=
pagierte
. Der deutſche Arbeiter ſchloß ſich landsmannſchaftlichen Ver=
einen
an, hielt aber enge Freundſchaft mit ſeinen ausländiſchen Arbeits=
kollegen
. Dieſe Entwicklung hätte, fortſchreitend, zu einem geſunden,
völkerverbindenden Internationalismus führen müſſen. Den Krieg aber
konnte dieſe Bewegung nicht verhindern. Dazu war ſie wohl noch zu
jung. Man hätte aber annehmen müſſen, daß die Bewegung alsbald
nach dem Kriege fortſchreiten werde. Die Sieger von Verſailles aber
wußten es anders zu geſtalten. Wir erleben, was bisher nur aus der
Kolonialgeſchichte bekannt iſt, daß ein Volk von anderen ausgeſaugt,
verſklavt wird. Deutſchland wurde nach amerikaniſchem Vorbild ( In=
dianer
=Reſervate!) zu einem Reſervat gemacht, ganze Volksteile will=
kürlich
verſchenkt, die Auswanderung ſtärkſt beſchränkt uſw. Groß=
mannsſucht
zeitigte eine politiſche und kulturelle Unduldſamkeit ohne=
gleichen
. Das alles ſtellt uns heute dem Ausland gegenüber vor ganz
andere Aufgaben, als ſie vor dem Krieg waren. Jeder einzelne Aus=
wanderer
iſt heute Träger der Verſtändigung. In Amerika ſind die
Deutſchen die zweitſtärkſte Nation des Landes. Was könnten ſie für
das Deutſchtum tun, wären ſie ſich ihrer Miſſion voll bewußt! Der
politiſchen Miſſion! Es ſoll keine Anklage darin liegen, feſtzu=
ſtellen
, daß ſie das nicht ſind. Vor dem Kriege hatten wir das nicht
nötig. Heute aber ſollten wir es lernen!. Dazu iſt un=
erläßlich
die Erhaltung der Kultur= und Bildungsſtätten, ſind unerläß=
lich
die Brücken geiſtiger und auch wirtſchaftlicher Art, die das Mutter=
land
mit den auslandsdeutſchen Minderheiten verbinden ſollen. Daran
hat auch, und zwar ſehr überwiegend, der deutſche Arbeiter, der deutſche
Gewerkſchaftler, ſtarkes Intereſſe, wenn es für ihn wieder ſo werden
ſoll, wie es vor dem Kriege war. Die Volksſchulfrage im Ausland iſt
ſehr weſentlich eine Arbeiterfrage. Seiner Schulbildung verdankt der
deutſche Arbeiter ſeine gewerkſchaftliche Organiſation und dieſer die
verhältnismäßig beſſeren Arbeitsbedingungen. Darum der Kampf gegen
die deutſchen Volksſchulen im Ausland.
Die Minderheitenbewegung iſt alſo durchaus
keine deutſche nationaliſtiſche Erfindung. Sie iſt
Naturnotwendigkeit gerade auch für den deutſchen Arbeiter. Die dau=
ernde
Vergewaltigung der Minderheiten muß zum neuen Kriege führen.
Gerade wer vom Völkerbund etwas hält, der muß darnach ſtreben,
daß das Minderheitenproblem zu ſeinen wertvollſten Arbeiten und
Aufgaben wird. Naturgemäß und ſchickſalsgemäß fällt den Deutſchen
die Führung in der Minderheitenbewegung zu. Das Mutterland darf
ſie nicht verlaſſen. Wenn wir in Deutſchland eine ſoziale Geſetzgebung
haben, müſſen wir ſie auf die Brüder im Ausland auszudehnen ſuchen,
ſonſt fällt ſie eines Tages auch bei uns. Ich bin weit davon entfernt,
nationaliſtiſch zu empfinden, aber die Arbeiterſchaft muß lernen, natio=
nal
zu fühlen. Klaſſenkampf hat nur Geltung, wo es der Kampf der
ſchwächſten Klaſſe um beſſere Lebensbedingungen iſt. Ueberall hört
man den Ruf Hände weg von Sowjetrußland, dem einzigen Arbeiter=
ſtaat
der Welt. Wo aber bleibt der Ruf: Hände wea von Tribut=
Deutſchland, das in ſeiner ſchwerſten Notzeit eine vorhilbliche ſo=iale
Arbeitsgeſetzgebung ſchaffen konnte, das aber mit überſpannten Trihut=
forderungen
zugrunde gerichtet wird und dann die Arbeiterſchaft der
ganzen Welt mit in den Abgrund zieht. (Lebh. Beifall.)
Mit herzlichen Dankesworten ſchloß Oberbürgermeiſter Mueller
den Abend.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Dienstag, den 14. Januar 1930

Nummer 12

Reich und Ausland.
An der Papageienkrankheit geſtorben.
Frankfurt a. M. Der am 8. Januar in das
Städtiſche Krankenhaus eingelieferte Kranke, bei dem
der kliniſche Verlauf durchaus für Papageienkrankheit
ſpricht, iſt in der Nacht vom Sonntag auf Montag
verſtorben. Weitere Aufnahmen verdächtiger Fälle
ſind bisher nicht erfolgt.
Kinderſpiel als Brandurſache.
Aſchaffenburg. Die Ermittlungen nach der
Urſache des Brandes der St. Joſephskirche haben er=
geben
, daß ſich ein 15jähriger Rcalſchüler und ein
13jähriger Volksſchüler in die Kirche ſchlichen und
Beichten ſpielten. Veim Weggehen knipſten ſie
zwar das Licht aus, vergaßen aber die elektriſche
Heizung auszuſchalten. Durch Selbſtentzündung ent=
ſtand
dann das Feuer, das leicht die ganze Kirche
hätte einäſchern können.
Merkwürdige Funde in einem alten
Feſtungsturm.
Koblenz. In einem entlegenen baufälligen
Feſtungsturm in der Karthauſe fanden Freitag zwei
junge Leute einen Damenpelz, einen Pullover, ein
Damen=Tenniskleid ſowie einige Damenwäſcheſtücke,
die offenbar aus einem Diebſtahl herrühren und von
den Dieben dort verſteckt worden waren. Als ſich die
jungen Leute in dem Turm weiter umſahen, entdeckten
ſie eine Anzahl Handgranaten, die wahrſcheinlich von
der Beſatzung zurückgelaſſen worden waren. Einer
der jungen Leute hantierte mit einer der Granaten,
die plötzlich explodierte und den jungen Mann am
Arm und Oberkörper ſchwere Verletzungen beibrachte.
Der Schwevverletzte wurde dem Krankenhaus zuge=
führt
, der andere kam mit geringfügigen Verletzungen
an den Beinen davon.
Feueralarm im Leſſingtheater.
Berlin. Bei der Aufführung des Schauſpiels
Die Affäre Dreyfuß im Leſſingtheater brach am
Samstag abend Feuer aus. Auf der Bühne war an
einer vom Zuſchauerrgum aus unſichtbaren Stelle
während des 2. Aktes eine elektriſche Leitung in
Brand geraten. Mitten während des Spiels ſpritzte
plötzlich glühendes Metall auf die Bühne. Im Publi=
kum
entſtand, wie der M. berichtet, begreiflicher=
weiſe
große Aufregung. Einige Theaterbeſucher
ſprangen erregt von ihren Sitzen. Das Feuer war
aber bereits von der im Theater befindlichen Brand=
wache
bemerkt worden. Der Schauſpieler Heinrich
George, der gerade auf der Bühne ſtand, richtete
beruhigende Worte an das Publikum. Gleich darauf
erſchien dann auch der Wachhabende der Feuevwehr
und erklärte, daß der Brand bereits gelöſcht ſei und
das Spiel ſeinen Fortgang nehmen könne. Die Vor=
ſtellung
wurde dann auch ohne weiteren Zwiſchenfall
zu Ende geführt.
Verbrecher=Schlupfwinkel im Berliner
Abrißviertel.
12 Perſonen verhaftet.
Berlin. Wie der M. meldet, iſt in der letz=
ten
Nacht eine große Polizeiſtreife durch Bauſchächte
der Untergrundbahn und Abrißhäuſer im Norden
und Oſten Berlins durchgeführt worden. Die Be=
amten
ſtießen auf allerlei lichtſcheues Geſindel, das
beim Herannahen der Polizei die Flucht ergriff. Es
war mit großen Schwierigkeiten verbunden, in dem
Labyrint von Gräben, Höhlen und Löchern die Ver=
folgung
aufzunehmen. Insgeſamt wurden zwölf Per=
ſonen
feſtgenommen. Diebesgut wurde beſchlagnahmt.
Unter den Feſtgenommenen befinden ſich fünf lang=
geſuchte
Automaten= und Metalldiebe.
Raubüberfall Unter den Linden.
Montag mittag kurz vor 13 Uhr iſt an der Ecke
Unter den Linden und Oberwallſtraße in dem dort
befindlichen Torbogen auf einen Kaſſenboten von der
Zentralbank A. G. ein verwegener Raubüberfall ver=
übt
worden. Der Kaſſenbote, der in ſeiner Akten=
taſche
einen Betrag von etwa 1000 Mark mit ſich
führte, wurde plötzlich von einem Mann überfallen,
der ihn mit einem Schlagring auf die Hand, in der
er die Taſche trug, ſchlug, und ihm das Geld zu ent=
reißen
ſuchte. Der Kaſſenbote ſetzte ſich zur Wehr.
Publikum und ein Polizeipoſten eilten hinzu. Der
Mann lief auf einen Privatwagen zu, der in der
Nähe hielt, und an deſſen Steuer eine Frau ſaß.
Der Wagen, der die Nummer TA 18 472 trug, fuhr
mit dem Räuber in raſender Fahrt davon.
Helbſtimord des Abenkeurers und
Goldſuchers Redziewfki.

Von der Barlach=Ausfkellung der Preußiſchen Akademie.

Gerhard v. Redziewſki,
der die Oeffentlichkeit mehrfach durch ſeine An=

er Selbſtmord verübt hat, weil er zweimal mit
leeren Tänden von ſeinen Sibirienreiſen zurück=
kam
und ſeine Geldgeber ihm nun mit dem
S.aatsanwalt drohten.

Mann im Block
Blick in die Ausſtellung.
ein Meiſterwerk des Künſtlers.
Anläßlich des 60. Geburtstages des bekannten Holzbildhauers Ernſt Barlach hat die Preußiſche
Akademie der Künſte eine Ausſtellung eröffnet, die die Hauptwerke des Künſtlers vereinigt.
Mitkelholzer überfliegt den Kilimandſcharo.

Der Kilimandſcharo, Afrikas höchſter Berg.
Links: Der Schweizer Pilot Mittelholzer, dem auf ſeiner Flugzeug=Jagdexpedition mit Baron
L. v. Rothſchild die erſte Ueberfliegung des über 6000 Meter hohen Kilimandſcharo gelang.

Die Gebrüder Saß entlaſſen.
Berlin. Die Gebrüder Saß ſind nunmehr von
der Kriminalpolizei entlaſſen worden. Der Bau des
Unterſtandes iſt als eine ſtrafloſe vorbereitende Hand=
lung
anzuſehen. Ob Zuſammenhänge zwiſchen die=
ſer
Sache und dem Eindringen in die Disconto=Bank
beſtehen, iſt nach wie vor Gegenſtand eingehender
Unterſuchung.
Von Wilddieben erſchoſſen.
Leipzig. Sonntag abend wurde der 25 Jahre
alte Majoratsherr von Eythra, Rittergutsbeſitzer
Anger=Coith, in ſeinem Walde erſchoffen aufgefunden.
Vermutlich iſt die Tat von Wilddieben verübt wor=
den
. Rittergutsbeſitzer Anger=Coith, der erſt hürz=
lich
geheiratet hat, entfernte ſich nachmittags um
4 Uhr zu einem Kontrollgang durch ſein Revier.
Als er abends um 8 Uhr noch nicht zurückgekehrt
war, ſchickte die Ehefrau Leute zur Suche aus, die
in der Nähe des Elſterwehres die Leiche auffanden.
Eiſenbahnunfall infolge Keſſelexploſion.
Trier. Wie die Reichsbahndirektion Trier mit=
teilt
, entgleiſte Samstag abend vor dem Bahnhof
Reinsfeld (Auf dem Hochwald) infolge Keſſelexploſion
die Lokomotive und der Poſtwagen des Perſonen=
zuges
Trier-Türkismühle. Der Heizer wurde leicht
verletzt. Durch einen umgeriſſenen und mitgeſchleiften
Lichtmaſt wurde außerdem die Frau des Bahnwärters
beim Heraustreten aus dem Bahnwärterhäuschen
getroffen, ihr wurden beide Beine gebrochen. Durch
die Gewalt der Exploſion ſind zahlreiche kleine Be=
ſchädigungen
an Häuſern des in der Nähe gelegenen
Dorfes herbeigeführt worden. Reiſende wurden nicht
verletzt. Die Lokomotive war noch im Dezember einer
Unterſuchung unterzogen worden. Der Betrieb der
eingleiſigen Strecke wurde durch Umſteigen aufrecht=
erhalten
.
Der Berliner Schnellzug überrennt ein
Fuhrwerk.
Goslar. Auf der Station Juliushütte fuhr am
Sonntag mittag der Aachen-Berliner Schnellzug an
einem Uebergang, der wegen Schrankenreparatur
nicht geſchloſſen war, in voller Fahrt auf einen ſchwer
beladenen Laſtwagen, der völlig zertrümmert wurde.
Der Kutſcher konnte ſich durch Abſpringen rechtzeitig
in Sicherheit bringen. Die D=Zugmaſchine wurde
jedoch derart beſchädigt, daß ſie in Goslar ausge=
wechſelt
werden mußte.
Kreuzer Emden zur dritten Reiſe ausgelaufen.
Wilhelmshaven. Am Montag mittag iſt
der Schulkreuzer Emden zum dritten Male zu
einer Auslandsreife ausgelaufen, die, wie berichtet,
nur vier Wochen dauern wird und nach den weſt=
indiſchen
Inſeln Nordamerikas führen wird.

Flugzeugabſturz in Fuhlsbüttel.
Hamburg. Ein ſchweres Flugzeugunglück er=
eignete
ſich Sonntag nachmittag im Hamburger Flug=
hafen
. Bei ſtark böigem Südweſtwind ſtartete der
Pilot Jonas mit einem neuen, erſt kurz vor Weih=
nachten
herausgebrachten Sportflugzeug der Bäumer=
Aero. Der zierliche Doppeldecker mit etwa 350 Kg.
Leergewicht wurde in etwa 6080 Meter Höhe von
einer Böe erfaßt. Die Maſchine ſürzte ab und wurde
vollſtändig zertrümmert. Der Pilot erlitt ſo ſchwere
Verletzungen, daß er nach ſeiner Einlieferung in das
Barmbecker Krankenhaus verſchied. Der Tod des
25jährigen Piloten findet in Hamburger Fliegerkreiſen
große Teilnahme. Er galt als tiichtiger Pilot und
Fluglehrer.
Flieger=Abſturz.
Riode Janeirv. Der bekannte Flieger Vasco
Cinquini iſt in der Nähe von Santo infolge Flügel=
bruches
ſeines Apparates ins Meer geſtürzt. Er
war ſofort tot. Urſprünglich Italiener, hatte Cin=
quini
als Mechaniker an dem abenteuerlichen Ozean=
fluge
des Piloten di Barros teilgenommen.
Der Düſſeldorfer Mörder in Wien?
Wien. In den letzten Tagen wurden in
Wien zwei Frauenmorde verübt, an die ſich der
Verdacht knüpft, daß der Täter der Düſſeldorfer
Mörder ſein könnte. Am vergangenen Freitag
wurde in ihrem Laden eine Papierhändlerin er=
ſchlagen
und beraubt, und am Sonntag fand
man an der Peripherie der Stadt die Leiche
eines 31jährigen ſchwachſinnigen Mädchens, das
durch zahlreiche Meſſerſtiche ermordet worden
war. In der Geſellſchaft der Ermordeten war
kurz vor der Tat ein etwa 28jähriger Mann
geſehen worden, deſſen Perſonalbeſchreibung mit
einem des Mordes an der Papierhändlerin Ver=
dächtigen
eine auffallende Aehnlichkeit zeigt. Ein
Gaſtwirt in der Nähe der Mordſtelle, in deſſen
Wirtſchaft das Paar am Sonntag eingekehrt
war, gab nun an, daß der Mann reichsdeutſchen
Dialekt geſprochen habe. Darauf verbreitete ſich
hier das Gerücht, daß ſich der Düſſeldorfer Maſ=
ſenmörder
in Wien aufhalte und vielleicht die
beiden Morde begangen hat.
Ein Geiſtesgeſtörter im Völkerbundsgebäude
verhaftet.
Genf. Kurz vor Beginn der Montag=Ratsſitzung
um 11 Uhr wurde am Eingang des Völkerbunds=
ſekretariats
ein junger Schweizer verhaftet, der ohne
Legitimationspapiere ſich Eintritt in das Völker=
bundsgebäude
verſchaffen wollte. Er trug einer Re=
volver
und 100 leere Patronenhülſen bei ſich und
gab bei der Vernehmung an, er wollte in der Rats=
ſitzung
blinde Schüſſe abgehen, um die Aufmerkſam=
keit
des Rates auf das Studium der Krebskrankheit
zu lenken, weil ſein Vater ſchwer darunter leide.
Man nimmt an, daß der junge Mann geiſtesgeſtört iſt.

4 Rieſenflugzenge.
1000 PS. 8 Motore. 225 Paſſagtere.
Zentralheizung. Telephon.
* Die Baupläne für vier Rieſenfluzeuge, von
denen jedes 225 Paſſagiere befördern ſoll, und
deren Baukoſten auf insgeſamt rund 8 Millionen
Dollar berechnet werden, ſind von der amerika=
niſchen
Luftfahrbehörde genehmigt worden. Die
Unterkunftsraume der Luftkreuzer befinden ſich
in zwei Stockwerken und ſind eingeteilt in meh=
rere
40 Sitzplätze umfaſſende große Räume,
Ruhe= und Rauchzimmer. Eine elektriſche Küche
liefert den Paſſagieren dauernd warmes Waſſer
und auch Zentralheizung. Beſondere Räume ſind
für Gepäck, Poſt und Frachtgut vorgeſehen. Elek=
triſche
Aufzüge ſollen möglichſt raſches Be= und
Entladen gewährleiſten. Eine Telephonanlage
wird alle Räume der Luftkreuzer verbinden. Die
acht Motoren werden zuſammen eine Leiſtung
von 1000 PS entwickeln, während für den Not=
fall
allerhöchſtens vier intakte Motoren genügen.
Flug ParisBrüſſel in 55 Minuten.
Paris. Dem franzöſiſchen Flieger Detroyſt ge=
lang
es, Sonntag die Strecke Paris-Brüſſel in
55 Minuten zurückzulegen, was einer Stundenge=
ſchwindigkeit
von 300 Kilometer gleichkommt. De=
troyſt
war um 11,13 Uhr von Le Bourget abgeflogen
und landete 12,08 in Brüſſel.
Deutſche Segelflieger unterrichten in England.
London. Laut Sunday Times werden deutzſche
Segelflugſachverſtändige in einigen Wochen nach Eng=
land
kommen, um die Mitglieder des unter dem Vor=
ſitz
des Lufwizemarſchalls Sir Sefton Brancker neu
gebildeten britiſchen Segelflugvevbandes im Segel=
flug
zu unterrichten. Auch mehrere Segelflugzeuge
werden demnächſt aus Deutſchland eintreffen.
Der engliſche Schleppdampfer Saint Jenny
geſunken.
20 Mann der Beſatzung ertrunken.
London. Die Admiralität gibt bekamt. Der
Schleppdampfer Saint Jenny, der dem Schießdienſt
der Atlantik=Flotte beigegeben iſt, iſt am Samstag
abend um 8,20 Uhr Greenwicher Zeit während eines
heftigen Orkans etwa 32 Meilen nordweſtlich von
Uſhant geſunken. Zwanzig Mann der Beſatzung ſind
ertrunken. Ein Unteroffizier und vier Mann konnten
gerettet werden. Der geſunkene Schleppdampfer iſt
nach der Flottenliſte im April vorigen Jahres nach
gründlicher Ueberholung wieder in den Dienſt geſtellt
worden. Zuletzt war das Schiff als Tender dem
Schlachtſchiff Repulſe beigegeben.
Das Hotel Reina Maria Chriſtina in
Algeciras abgebrannt.
Paris. Das Hotel Reina Maria Chriſtina
in Algeciras, das im Jahre 1906 die Marokko= Kon=
ferenz
und in jüngſter Zeit die ſpaniſch=franzöſiſche
Militärkonferenz beherbergte, iſt am Sonntag durch
einen rieſigen Brand in einen rauchenden Trümmer=
haufen
verwandelt worden. Der Schaden beläuft ſich
auf etwa 15 Millionen Peſ.
Zigeuner trinken aus Verſehen Rattengift.
Madrib. Eine verhängnisvolle Verwechfelung
paſſierte Zigeunern in Semora bei Saragoſſa. Sie
tranken irrtümlich eine Flaſche mit einem Gemiſch
von Honig und arſenhaltigem Rattengift aus. Drei
der Bigeunerinnen ſind geſtorben, drei andere ſchwe=
ben
ins Lebensgefahr.
Schwere Stürme über England und dem Kanal.
London. Ein Sturm von ungewöhnlicher
Stärke, der die Rekordgeſchwindigkeit von ungefähr
180 Stundenkilometer erreichte, hat am Sonntag den
Kanal und das ganze engliſche Inſelreich heimgeſucht.
Der Sturm hat in ganz England beträchtliche Sach=
ſchäden
angerichtet. Zahlreiche Dächer wurden ab=
gedeckt
, ein Kirchturm umgeweht. Der Verkehr auf
den Landſtraßen wurde durch den Sturm ſehr beein=
trächtigt
. Eine ganze Anzahl von Perſonen wurde
durch umſtürzende Bäume oder durch herabfallende
Ziegelſteine verletzt. In Ramsgate wurde ein Knabe,
der auf einem Landungsſteg ſtand, vom Sturm ins
Meer geriſſen, wvo er ertrank. Der Kanalverkehr
erlitt infolge des Sturmes ebenfalls große Verſpä=
tungen
. Eine Anzahl von Schiffen hat dringende
Hilferufe ausgeſchickt.
Von der Großſtadtbühne zur Stargage.

Der Berliner Groteskkomiker Erich Carow
(rechts ohne Maske),
der bereits jahrzehntelang in ſeiner Lachbühne‟
im Nordoſten Berlins auftrat und nunmehr,
durch die Kritik entdeckt, von einem Berliner
Großvarieté für eine Monatsgage von 46 000
Mark verpflichtet wurde.

[ ][  ][ ]

Die Verlobung unserer Tochter
Kätchen
mit Herrn
Leonhard Deguis, Bäcker / beehre ich mich ergebenst anzuzeigen
beehren wir uns hiermit ergebenst
anzuzeigen
Peter Heist III., Bäckermeister
und Frau Kath., geb. Tritsch.
Fränk. Crumbach
14. Januar 1930

Meine Verlobung mit Fräulein
Kätchen Heist
Leonhard Deauis
Bäcker.
(*
Pfaffen-Beerfurth

Uhre Vermählung
beehren sich anzuzeigen
Postmeister Karl Ermel
U. Frau Anita, geb. Bach

Darmstadt, 14. Januar 1930
Im Kaisersaal.

Kinderloſ. Ehepaar!
nimmt Kind i. gute
Pflege aufs Land.
Ang. u. K. 23 Geſch.

Teppiche
liefert
ohne Anzahlung
ausw. Spezialhaus.
zahlbar in (1.1074
12 Monatsraten.
Erbitt. Sie unverb.
Vertreterbeſuch unt.
K. 78 a. d. Geſchſt.

Paßhilder
Stunde
billia und gut.
Thiele Nachſ.
nur Bleichſtraße 9.
Teleph. 1912. (319a
3040 Zentner
Gelberüben
zu verkaufen. (1092
Griesheim b. D.,
Gellgaſſe 14.

Einbinden
v. Büch., Noten etc.
Horn,
Alexanderſtr 4 I.*

Statt beſonderer Anzeige.
Nach einem arbeitsreichen Teben und längerem Leiden
verſchied geſtern abend plötzlich unſer lieber Vater,
Schwiegervater, Großpater, Bruder und Onkel

111.

im 69. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Georg Schellhaas und Frau,
geb. Müller, und Kinder.
Fritz Lautenſchläger und Fran
Eliſabeth, geb. Schellhaas.
Lichtenberg, den 13. Januar 1930.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. Januar,
nachmittags 31/ Uhr, vom Sterbehauſe aus ſtatt
(1098

Beiladung nach
Frankf., Friedberg,
Nidda u. zur. nimmt
an Joh. Kugler,
Liebfrauenſtraße 33,
Telephon 10tt.

Die Dame mit dem
blauen Hut, welche
am Sonntag abend
(12. 1.) im Palaſt=
Kino die Adreſſe v.
dem Herrn erhalten
hat, wird um Ant=
wort
gebeten.

Fräulein. 25 J., ev.
große Erſchein,, mit
vollſtd. Ausſteuer,
wünſcht mit Herrn
in gut. Stellung be=
kannt
zu werd. zw.
ſpäterer Heirat.
Vermittl. verbeten.
Angeb unter K. 58
a. d. Geſchäftsſt. (.

Heute Nacht ½3 Uhr durfte unſere liebe Mutter, Groß=
mutter
und Schweſter
Frau Pfarer Eliſe Blaul
geb. König
in ihrem 77. Lebensjahre nach langem, ſchwerem Leiden
heimgehen.
In tiefem Leide:
Eliſe Hickel, geb. Blaul, Darmſiadt
Gottfried Blaul, Oggersheim, Pf.
Hermann Blaul. (Elbisheimerhof
Marie Blaul, Neubabelsberg
Heinrich Blanl, Neubreslau (Braſilien)
Hannah Blaul, Diakoniſſe, Darmſiadt
Pfarrer Theodor Hickel, Darmſiadt
Liesbeth Blaul, geb Wenzel, Oggersheim
Greta Blaul, geb. Migeot; Elbisheimerhof
Anna Blaul, geb. Rodenbach, z. Zt. Eberſtadt
Anna Wenzel. geb. König, Gonſenheim b. Mainz
mit 12 Enkelkindern.

Statt Karten.
Für die wohltuenden Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Heimgange unſereslieben
Entſchlafenen ſagt innigſten Dank
Im Namen aller Verwandten:
Chriftine Hunn, geb. Kiel.
Ober=Gerſprenz i. O., den 11. Januar 1930.

(1075

Darmſtadt, den 13. Januar 1930.
Die Beerdigung ſindet in der Stille ſtatt.

ugg

Todes=Anzeige.
Geſtern nachmittag verſchied nach
kurzem Leiden
Herr Heinrich Friedrich
im Alter von 64 Jahren.
Familie Huſek.
Darmſtadt, den 18. Januar 1930.
Neugaſſe 11.
Die Beerdigung findet am Mitt=
woch
, nachmittags 3u Uhr, auf
dem Walofriedhof ſtatt.

Trauergarderoben
werden in einigen Stunden ſchwarz gefärb
e
O
R
H.2 eifgbethenſtr.
Kranichſteinerſtr. 28
(Huthaus Titze
Telephon 736
Telephon 736
Marktpaſſage
307a
Bitte genau auf Firma und Straße zu achten.

no
Offene Beine ſind heilbar?
Auch in veralteten Fällen. Verlangen
Sie koſtenlos u. unverbindl. autklärende
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ſprechen wir auf dieſem Wege unſeren
herzlichſien Dank aus. Ganz beſonders danken
wir Herrn Friedrich Barfels und Frau für die
innige Teilnahme und aufrichtigen Troſi. Auch
der Beamten= und Belegſchaft der Fa. Friedrich
Barfels ſei hiermit herzlichſt gedankt, nicht
zuletzt den Barmherzigen Schweſtern für ihre
aufopfernde, nie ermüdende Pfiege.
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Beſſungerſtr. 52, dert. Der nach §§ 35 und 35a der
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VII.
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Schwanenſtr. 66,
Bandfäge und s
28. Marz 1924 in der Faſſung der fünf=
9. Wohlfahrtsamt, Mornewegſtr. 1,
ten Verordnung zur Durchführung de
herkenjahrrad 1o. Fernſprechzentrale, Rheinſtr. 1618, Verordnung über Goldhilanzen vom 23.
geſucht. Preisangeb. /11. Stadthaus, Rheinſtr. 1618,
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Nummer 14

Dienstag, den 14. Januar 1930

Seite 11

Sport, Spiel und Turnen.

Hauprausſchapfthang ver 9.9.B.
Der Hauptausſchuß der D. S.B. trat am Samstag mit dem Vorſtand
in Berlin zur fälligen Jahreshauptverſammlung zuſammen, die dies=
mal
eine ganz beſondere Bedeutung hatte, weil gleichzeitig auch die Be=
ratungen
über die in Ausſicht genommene Zuſammenarbeit mit der
D. T. auf der Tagesordnung ſtanden. Eine ganze Reihe von Verhand=
lungspunkten
mußte zurückgeſtellt werden, da es ſich zum Teil um Be=
ratungen
mit der D.T. oder aber um ſolche Fälle handelte, die den
eutſchen Fußball=Bund gleichzeitig berühren und ebenfalls bei der für
dieſe Tagung vorgeſehenen Beſprechung mit dem Deutſchen Fußball=
Bundes=Vorſtand geklärt werden ſollen. Zunächſt wurden die Berichte
genehmigt und die Meiſterſchaften und Länderkämpfe vergeben. Die
Waldlaufmeiſterſchaft wird am 27. April in Erfurt ſtattfinden, die
Frauenmeiſterſchaften kommen am 2. und 3. Auguſt in Remſcheid
zur Durchführung. Für die Männermeiſterſchaften, die ebenfalls am
2. und 3. Auguſt ausgetragen werden, hatte ſich Kaſſel beworben, je=
doch
ſollen ſie nach Berlin verlegt werden, falls Kaſſel die geforderten
finanziellen Garantien nicht geben kann. Am 15. Oktober geht in
Duisburg die 50=Kilometer=Gehermeiſterſchaft vor ſich. Die Länder=
kämpfe
mit der Schweiz und Frankreich werden, wie früher, an einem
Tage, und zwar am 31. Auguſt, ausgetragen. Deutſchland Schweiz
iſt für Freiburg i. Br. angeſetzt. Dagegen haben ſich um Deutſchland
Frankreich München und Dresden beworben. Die Entſcheidung hier=
über
wird erſt nach den Verhandlungen mit den beiden in Frage kom=
menden
Landesverbänden durch den Vorſtand gefällt. Es iſt anzuſtreben,
daß bei allen Länderkämpfen und Meiſterſchaften nach Möglichkeit ein
Propaganda=Handballſpiel zum Austrag kommt. Auf Antrag des
Leichtathletik=Ausſchuſſes werden die Startkarten abgeſchafft, und zwar
aus dem Grunde, weil in Zukunft die Leiſtungsklaſſen einge=
führt
werden. Die Startkarte wird demnach durch die Leiſtungsklaſſen
karte erſetzt.
Ferner änderte die Deutſche Sportbehörde ihren bisherigen Namen
wie folgt ab: Deutſche Sportbehörde (für Leichtathletik, Handball und
Sommerſpiele). Weiter wurde die Aufnahme des Sportwartes in den
D. S. B.=Vorſtand beſchloſſen.
Mit Rückſicht auf die gedrückten Finanzen der Sportbehörde wird
von der Abhaltung einer Vollverſammlung in dieſem Jahre Abſtand
genommen. Es ſei denn, daß ein Teil der Verhandlungen mit der
Deutſchen Turnerſchaft die Neuanſetzung einer ſolchen Tagung not=
wendig
macht.
Der Antrag des Athletik=Ausſchuſſes, die Altersgrenze der
Zugendlichen auf 17 Jahre herabzuſetzen und als
Stichtag den 1. Auguſt zu beſtimmen, fand Annahme. Für die Leicht=
athletik
wurde hier das Zugeſtändnis gemacht, daß die Jugendlichen
bis zum Ende des Jahres ſtarten dürfen, wenn ſie ihr 17. Lebensjahr
vollendet haben."
In der Schlußſitzung des Hauptausſchuſſes der Deutſchen Sport=
behörde
wurde am Sonntag nachmittag der mit der D.T. vereinbarte
Beſchluß zur Kenntnis gegeben und genehmigt. Es kam dann zur
Beſprechung des Haushaltsplanes für 1930. Es wurde be=
t
daß in dieſer Notzeit auch für die Sportverbände die größte Spar=
ſamkeit
am Platze ſei. Der Etat der D.S.B. mußte ſich einige Abſtriche
fefallen laſſen. Dafür wurden dann die Beiträge der Landesverbände
etwas herabgeſetzt.
Winkerſpork.
Deuiſche Winkerkampfſpiele.
Sturm im Rieſengebirge diktiert Ruhe am Montag.
Das gefürchtete Geſpenſt des Tauwetters blieb den Deutſchen
Winterkampfſpielen in Krummhübel bislang fern, dafür ſtellte ſich
tber ein anderer, unerwarteter Störenfried ein; der Sturm. Am
Montag ſollten die deutſchen Eisſchnellauf=Meiſterſchaften mit den
Rennen über 500 und 5000 Meter in Angriff genommen werden.
Es wütete aber ein derart ſtarker Sturm, daß man ſich zu einer
Verlegung auf Dienstag vormittag entſchließen mußte.

Die Einigung im deutſchen Spork.
9. T., 9.5.B. und 2.5. B. für Zuſammenſchluß.
Die erſte, am Sonntag in Berlin abgehaltene unverbindliche
Beſprechung zwiſchen den Vertretern der Deutſchen Turnerſchaft,
der Deutſchen Sportbehörde für Leichtathletik und des Deutſchen
Fußballbundes hat das erfreuliche Ergebnis gezeitigt, daß man
bei Prüfung der verſchiedenen Möglichkeiten für eine engere Zu=
ſammenarbeit
mit dem Ziel eines ſpäteren Zuſammneſchluſſes
bei allen Parteien Uebereinſtimmung erzielte. Der Sitzung
wohnten bei: von der D.T. der erſte Vorſitzende Dominieus,
Steding, Braungardt und Schmidt, von der D.S.B. Lang, Hae=
dicke
, Jerſch, Kloſe und v. Halt, vom D.F.B. Linnemann, Car=
tini
und Schmidt=Hannoper.
Die von den drei Vorſitzenden der beratenden Verbände ver=
öffentlichte
Erklärung hat nachſtehenden Wortlaut:
Zwiſchen den Vertretern der Deutſchen Turnerſchaft einer=
ſeits
und den Vertretern der Deutſchen Sportbehörde für Leicht=
athletik
und des Deutſchen Fußballbundes andererſeits fand in
Berlin am 12. Januar 1930 eine erſte Beſprechung ſtatt, die den
Zweck hatte, zu prüfen, welche Möglichkeiten zum Ziel eines
ſpäteren Zuſammenſchluſſes vorhanden ſind. Das Ergebnis war
die Feſtſtellung einer weitgehenden Uebereinſtimmung der Ver=
treter
der drei Verbände in den grundſätzlichen Anſchauungen.
Die drei Verbände ſind darin einig, daß die engſte Zuſammen=
arbeit
der deutſchen Turn= und Sportverbände ſobald als mög=
lich
bewirkt werden muß. Die praktiſche Löſung einer ſo hohen
Aufgabe verlangt naturgemäß eine gründliche Durchberatung des
umfangreichen Stoffes nach allen Richtungen. Eine ſolche Arbeit
war in einer einzigen Sitzung nicht zu erledigen. Infolgedeſſen
haben die Verbandsvertreter heute ſchon verabredet, am 15. und
16. März 1930 zu einer Fortſetzung der Beratung zuſammenzu=
kommen
, um in dieſer Sitzung möglichſt zu einem endgültigen
Beſchluß zu gelangen.
Fußball.
Polizeiſportverein Techniſche Hochſchule.
Am Mittwoch treffen ſich die 1. Mannſchaften des Polizei=
ſportvereins
und der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt zu einem
Fußballwettſpiel auf dem Sportplatz des Polizeiſportvereins. Das
Spiel beginnt um 14.15 Uhr.
Schießſporkklub Windmühle 1924.
Am Samstag, den 11. Januar, hielt der Schießſport=Klub
Windmühle ſeine Hauptverſammlung ab und hatte ſich dieſe
eines guten Beſuches zu erfreuen. Die Jahresberichte des Vor=
ſitzenden
, Schriftführers ſowie Kaſſenwarts wieſen nach, daß es
im Jahre 1929 keinen Stillſtand gab und der Verein vorwärts
kam. Auch der Bericht der ſportlichen Errungenſchaften wies
nach, daß ſich das abgelaufene Jahr würdig an die vorange=
gangenen
anſchließt. Wir haben über die Anerkennung ver=
dienenden
Erfolge unſeren Leſern früher vielfach berichtet, ſo daß
eine nochmalige Aufführung ſich heute erübrigen dürfte.
Die Neuwahl des Vorſtandes nahmb einen reibungsloſen
Verlauf, da der alte Vorſtand das Vertrauen ſämtlicher Mit=
glieder
beſitzt und in ſeiner Geſamtheit wieder gewählt wurde.
Bevor der 1. Vorſitzende die Verſammlung ſchloß, ermahnte er
noch ſämtliche Mitglieder, das Training wieder fleißig aufzu=
nehmen
, damit bei dem diesjährigen Deutſchen Bundesſchießen
in Köln a. Rh. die Farben des Vereins ſowie unſere Heimat=
ſtadt
aufs beſte vertreten werden.

Geſchäftliches.

Wenn’s draußen ſtürmt und wettert, iſt eine Taſſe guter Fleiſchbrühe,
die zugleich wärmt und anregt, eine Wohltat. Man kann ſich ſolche im
Nu und jederzeit bereiten durch Auflöſen eines Maggi=Fleiſchbrühwürfels
in ¼ Liter kochendem Waſſer. Es iſt deshalb empfehlenswert, dieſe prak=
tiſchen
Würfel ſtets vorrätig zu haben. Achten Sie beim Einkauf darauf,
daß die Banderole vot=gelb iſt und den Namen Maggi trägt. Dieſe Kenn=
zeichen
bürgen für Qualität.
Ein gewagter Verſuch,
wird jeder Laie denken, für den Wiſſenden aber kein Wagnis: Ein Medi=
ziner
ein Notar wurde hinzugezogen ſtellte feſt, daß nach vierzehn=
tägigem
Gebrauch das Haarwaſſer Silvikrin=Fluid (bei kurzgeſchorenem
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Moritz: Erſtes Kilometer=Lancée=Rennen für Skiläufer. o 15.15:
Jugendſtunde. Tierleben der Heimat. 16: Konzert des Funkorch.
O 18.05: Wo uns der Schuh drückt: Artiſten. Frager: H. Ramm.
18.35: Stuttgart: Paſtor Schleuſſing: Aus dem Leben der
Deutſchen in Sowjetrußland. o 19.05: Stuttgart: Keil, M.d.R.:
Ffarrer Blumhardt=Boll. o 19.30: Landestheater Darmſtadt:
Othello. Oper von Verdi. o 23.05: Schach.
Königswuſterbauſen.
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Berlin. O 10: Prof. F. Jöde: Werkſtatt der Muſik. o 19
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Jugendſtunde. W. Apel: Futtergeräte und Niſtkäſtchen für Vögel.
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Künſtleriſche Handarbeiten O 16.30: Leipzig: Bläſermuſik. Ausf.:
Oeſſauer Bläſer=Quintett. O 17.30: Dichterſtunde. Paula Ludwig:
Ludwig Hardt. o 18: Prof. Dr. Mersmann: Kleine Formen
der Klaviermuſik. o 18.30: Franzöſiſch für Fortgeſchr. O 18.55:
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Wallace: Ouv. Lorelen
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aus Fürſt Jgor Peterſon=Berger: Irmelin Roſe, Lied.
Nevin: RoſenkranzLied. Grieg: Peer Gynt Suite Nr. 1.
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Lincke: Potp. aus Grigri. Lehar: Eva=Walzer. Eyſoldt:
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Ansſichten für Dienstag, den 14. Januar: Weiter unbeſtändiges Wetter
mit zeitweiſer Aufheiterung, Temperaturen ſchwankend, jedoch wie=
der
milder, einzelne Schauer.
Ausſichten für Mittwoch, den 15. Januar: Noch kein beſtändiges Wetter.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für
Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr.
j. Quetſch; für d
hlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und T
Vort Dr. Herbert Rette;
für den Inſeratenteil und geſchäftiiche Mittellungen: Willy Kuble;
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Fär unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückfendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten

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Die Gemeinde Gräfenhauſen hat einen
zur Zucht untauglichen Faſelochs auf
dem Submiſſionswege zu vergeben.
Diesbezügliche Angebote ſind auf pro
Pfund Lebendgewicht bis Donnerstag,
den 16. Januar 1930, vormittags 11 Uhr,
bei der unterzeichneten Stelle abzugeben.
Gräfenhauſen, den 11. Januar 1930.
Heſſ. Bürgermeiſterei Gräfenhauſen.
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Verſteigerung.
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präzis 10 Uhr anfangend
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Knüppel: Kieſer 70 Rm.
Reiſig (Wellen): 1600 Kiefer, 1000 Fichten
Stöcke: Fichten 40 Rm.
Zuſammenkunft der Steigerer im
Diſtrikt Struth bei Fichtenſtamm Nr. 1
Die Fichtenſtämme kommen zuerſt
zum Ausgebot.
Niedernhauſen, 12. Januar 1930.
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[ ][  ][ ]

Nummer 14

DarmſtädterCagblat,

Dienstag, den 14. Januar

BeſſNeueſte Nachrichten

Ermaßigung des Reichsbantoistontes.

Die Begründung der Reichsbankdiskont=Ermäßigung.
In der geſtrigen Sitzung des Zentralausſchuſſes der Reichsbank be=
gründete
der Vorſitzende die vom Reichsbankdirektorium mit Wirkung
vom 14. Januar 1930 beſchloſſene Herabſetzung des Reichsbankdiskontes
von 7 auf 6½ Prozent und des Lombardfatzes von 8 auf 7½ Prozent
wie folgt: Die Beſſerung des Status hatte es der Reichsbank an
2. November vorigen Jahres ermöglicht, ihren Diskontſatz von 7½
auf 7 Prozent herabzuſetzen. Trotz fortſchreitender Erleichterung an
den internationalen Geldmärkten ließen die beſonderen Verhältniſſe des
deutſchen Kreditmarktes, namentlich der zum Jahresſchluß zu erwar=
tende
Mehrbedarf und die fortdauernde Ueberbeanſpruchung des Mark
tes durch die öffentliche Hand eine weitere Senkung des Diskontes zu=
nächſt
nicht zu.
In der Zwiſchenzeit haben ſich die Rückflüſſe zur Reichsbank nach
Ueberwindung des Jahresultimos durchaus befriedigend geſtaltet. Die
geſamte Kapitalanlage der Reichsbank, d. h. die Beſtände an Wechſeln
einſchließlich Reichsſchatzwechſeln, an Lombardforderungen und an Effek=
ten
, die am 7. November vorigen Jahres zurzeit der letzten Diskont=
ermäßigung
2 494 Mill. RM. betragen hatte und am 31. Dezember
v. J. auf 3191 Mill. RM., angewachſen war, hat ſich bis zum 7. Januar
auf 2538 Mill. RM. und bis zum 11. Januar weiter auf 2280 Mill.
RM. ermäßigt. Einen entſprechenden Rückgang zeigt auch der Noten=
umlauf
der Reichsbank wie der geſamte Zahlungsmittelumlauf über=
haupt
; der Notenumlauf hat ſich von 4550 Mill. RM. (7. November
1929) auf 5044 Mill. RM. am 31. Dezember v. J. erhöht, um dann
wieder auf 4605 Mill. RM. am 7. Januar d. J. und auf 4375 Millioner
RM. am 11. Jahuar zu fallen. Der geſamte Zahlungsmittelumlauf
ſtellte ſich auf 6093 Millionen RM. am 7. November v. J., auf 6622
Millionen RM. am 31. Dezember v. J., auf 6125 Millionen RM. am
8. Januar d. J. und auf 5887 Millionen RM. am 11. Januar. Der
ſeſtand an Gold und deckungsfähigen Deviſen hat ſich in der Zeit vom
27. November v. J. bis 7. Januar d. J. um annähernd 100 Millionen
RM., nämlich von 2596 Millionen auf 2688 Millionen RM. erhöht,
ſo daß ſich die Deckung der Noten durch Gold und Deviſen von 57,0 au
58,4 Prozent beſſerte; inzwiſchen iſt ſie weiter auf etwas über 60
Prozent geſtiegen.
Das allgemeine Zinsniveau in den anderen wichtigeren Ländern
zeigte im meuen Jahre weiter ſinkende Tendenz. Die Zinsſpanne
gegenüber dem Auslande bleibt daher auch nach Ermäßigung des
Reichsbankdiskontes noch groß genug, um bei normaler Weiterentwick=
lung
des internationalen Geldmarktes Abflüſſe von Geldern aus Zins=
gründen
zu hindern.
Es kann kein Zweifel beſtehen, daß die Diskontermäßigung für die
in der Deppeſſion ſchwer kämpfende deutſche Wirtſchaft eine dringend
erwünſchte Erleichterung bedeutet. Gegenüber dieſem Intereſſe der
Wirtſchaft ſchien es angezeigt und vertretbar, die Bedenken, die ſich
heute noch aus der allgemeinen Lage ergeben, zurückzuſtellen und den
Verſuch einer Diskontermäßigung im vorgeſehenen Ausmaße ſofort zu
wagen.

* Die Ermäßigung des Reichsbankdiskontes wird von der Wirt=
ſchaft
mit einem merklichen Aufatmen begrüßt werden. Iſt es doch eine
ihrer ſchwerſten Sorgen, möglichſt billiges Geld, zu bekommen. Eine
Verbilligung wird jetzt eintveten. Sie geht natürlich noch nicht ſo weit,
wie man das im Intereſſe unſerer kapitalentblößten Wirtſchaft wün=
ſchen
muß. Von dem niedrigſten Satz von 5 Prozent, der ſchon einmal
Anfang des Jahres 1927 erreicht war, ſind wir noch weit entfernt, viel
weiter aber noch von den Diskontſätzen in Amerika und Frankreich.
Während die Amerikaner mit 4,5 Prozent arbeiten, iſt in Frankreich
ein Satz von 3,5 Prozent ſchon ſeit langem in Geltung. Die Herab=
ſetzung
iſt vom Reichsbankpräſidenten Ende des Jahres in Ausſicht ge=
ſtellt
worden, als er in die Reichsfinanzgebarung und die Anleihe=
politik
eingriff. Bisher hatte die Reichsbank mit ihren Diskontſenkun=
gen
nicht allzu viel Glück. Stets machten beſondere Umſtände wieder
eine Auslöſchung der Erleichterungen notwendig. Das war anfangs
des vorigen Jahres, als die Löſung des Reparationsproblems in An=
griff
genommen wurde, da ſetzte Frankreich zu einem ſchweren Vorſtoß
gegen unſere Währung ein, ſo daß der Diskontſatz wieder feſter ange=
zogen
werden mußte.

Mekallnokierungen.

Die Berliner Metall=Termine vom 13. Januar ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 136 (138,50), Februar 135 (136,50), März 134,75
(135), April, Mai 134,50 (135), Juni 134,50 (134,75), Juli 134,50 (134,50),
Auguſt, September 134 134,50), Oktober 134,2 (134.,50), November 133,7
(134), Dezember 133,50 (134). Tendenz: ſchwach. Für Blei: Januar
41,50 (42,50), Februar 41,75 (42), März, April 41,75 (42,50), Mai, Juni
42 (42,75), Juli, Auguſt, September 42,25 (43), Oktober 42,50 (43,25),
November, Dezember 42,75 (43,25). Tendenz; ruhig. Für Zink:
nuar 36,50 (38,50), Februar 37 (37,50), März 37 (38), April 37,25 (
Mai, Juni 38 (39), Juli 38,50 (39,50), Auguſt 38,50 (40), September
39 (40), Oktober, November 39,50 (40,50), Dezember 39,75 (40,50). Ten=
denz
: abgeſchwächt. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klam=
mern
beigefügten Brief

Produkkenberichte.

Mannheimer Produktenbericht vom 13. Januar. Die amerikaniſchen
Forderungen ſind underändert, dagegen hat Argentinien ſeine Forde=
rungen
etwas ermäßigt. Das Angebot in Inlandsware bewegte ſid
in beſcheidenen Grenzen. Die Allgemeinſtimmung iſt ſtetig. Im nicht=
offiziellen
Verkehr gegen halb. 1 Uhr nannte man in RMM. pro 100
Kilogramm waggonfrei Mannheim: Weizen inländ. 27,50, ausländ.
,5033, Roggen inländ. 19,2519,50, Hafer inländ. 16,7517,50,
Braugerſte, je nach Qualität und Erzeugungsgebiet, 2022, Futter=
gerſte
16,7517,75, Mais mit Sack 17,75, ſüdd. Weizenmehl Spezia
Null 39,75, ſüdd. Weizenauszugsmehl 43,75, ſüdd. Weizenbrotmehl
29,75, ſüdd. Roggenmehl 2731, Weizenkleie feine 9,25, Biertreber
14,2514,75.
Frankfurter Produktenbericht vom 13. Januar. Der Frankfurter
Produktenmarkt eröffnete die neue Woche wieder in ſchwacher Haltung.
Die flauen Auslandsmeldungen verurſachten eine allgemeine ſtarke Zu=
rückhaltung
, ſo daß ſich das Geſchäft in ſehr engen Grenzen bewegte.
Beſonders ſchwach lag nur der Futtermittelmarkt. Brotgetreide be=
hauptet
. Hülſenfrüchte, Rauhfuttermittel und Kartoffel gut behauptet.
Weizen 26,5026,75, Roggen 18,50, Gerſte 2, Hafer 17,5017,75, Mais
17,2517,50, Weizenmehl ſüdd. und niedrrhein. 39,2540, Roggenmehl
26,5027,75, Weizenkleie 8,758,90, Roggenkleie 9,259,50, Erbſen 31
bis 44, Linſen 55100, Heu 10,50, Weizen= und Roggenſtroh draht=
gepreßt
und gebündelt 5,505,80, Treber 14,2514,50, Kartoffel 3,30.

Diehmärkke.

Mannheimer Großviehmarkt vom 13. Januar. Dem Großvieh=
markt
waren zugefahren: 221 Ochſen, 185 Bullen, 295 Kühe, 375 Färſen,
765 Kälber, 97 Schafe, 3216 Schweine, 128 Arbeitspferde, 105 Schlacht=
pferde
, 4 Ziegen. Bezahlt wurden für Ochſen 3659, für Kälber 60-
86, für Schweine 6285, für Bullen 4354, für Kühe 1647, für Fär=
ſen
4460, Arbeitspferde 8001800, Schlachtpferde 40120, Ziegen 12
bis 24. Marktverlauf: Mit Großvieh ruhig, Ueberſtand; mit Kälbern
ruhig, langſam geräumt; mit Schweinen mittelmäßig, geräumt; mit
Arbeits= und Schlachtpferden mittelmäßig.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. Januar. Der Auftrieb des heutigen
Hauptmarktes beſtand aus 1656 Rindern, darunter 336 Ochſen, 110 Bul=
len
, 667 Kühen, 470 Färſen, ferner 612 Kälbern, 258 Schafen und 4811
Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Hauptmarktes der ver=
gangenen
Woche waren 231 Rinder und 90 Schafe mehr angetrieben,
während 16 Kälber und 36 Schweine weniger zum Verkauf ſtanden
Marktverlauf: Rinder langſam, Ueberſtand. Schweine ſchleppend, ge=
ringer
Ueberſtand. Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Bezahlt
wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen al) 5658, a2) 5054, b1)
1549, Bullen a) 5456, b) 5053, Kühe a) 4447, b) 4043, c) 3539
) 2834, Färſen a) 5759, b) 5356, c) 4852, Kälber b) 7882
c) 7477, d) 6673, Schafe al) 4851, b) 4047, Schweine a) 8284,
b) 8385, C) 8486, d) 8385, e) 8083. Im Vergleich mit den No
tiorungen des letzten Hauptmarktes waren Rinder und Schweme un=
verändert
, während Kälber bis zu 5 Mark nachgaben. Fleiſchgroß=
markt
: Ochſenfleiſch 1) 9098, 2) 8090, Bullenfleiſch 8690, Kuh=
fleiſch
2) 6570) 3) 5065, Kalbfleiſch 2) 100110, Hammelfleiſch 9010-
Schweinefleiſch inl. 106112, ausl. 103108, Gefrierfleiſch, Rindfleiſch
Borderviertel zollfrei 56 und Kinterviertel. 65.

Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.

Frankfurt a. M., 13. Januar.
Zu Beginn der neuen Woche war die Tendenz wieder ausgeſprochen
feſt. Vor allem ſtimulierte die internationale Geldmarkterleichterung
und in erſter Linie die Ermäßigung des Reichsbankdiskontſatzes um
0,5 Prozent auf 6,5 Prozent. Aber auch der Stand der Haager Kon=
ferenz
wurde weiter günſtig beurteilt, obwohl die Verhandlungen lang=
ſamer
fortſchreiten und ſich vereinzelte Streitpunkte gebildet haben.
Ferner trug der günſtige Wirtſchaftsbericht der Allgemeinen Deutſchen
Creditanſtalt (ADCA.) zur Befeſtigung bei. Der nun ſchon über eine
Woche anhaltende Optimismus verſtärkte ſich immer mehr und die auch
zu dieſem Zeitpunkt eingetretene Hauſſebewegung hielt weiter an. Das
Geſchäft war, da ſich der Auftragseingang immer mehr vergrößert, zu=
riedenſtellend
. Auch die Spekulation ſchritt wieder zu Meinungs=
käufen
, ſo daß ſich gegenüber den Schlußkurſen vom Samstag in
Spezialwerten ganz erhebliche Beſſerungen ergaben. Die zum Schluß
ſchwächer gewordene New Yorber Börſe vom Samstag konnte keinen
Druck ausüben. Im Vordergrunde des Intereſſes ſtanden Bankaktien.
Berliner Handelsgeſellſchaft eröffneten 5,5 Prozent, Commerzbank
6 Prozent und Reichsbank 4 Prozent feſter. Lebhafter gehandelt wur=
den
noch Deutſche Linoleum mit plus 5 Prozent, Karſtadt mit plus
4 Prozent, Holzmann mit plus 4,5 Prozent, Wayß u. Freytag mit plus
4,5 Prozent und Kaliwerte, die auf angeblich franzöſiſche Käufe bis zu
6 Prozent anziehen konnten. Das Geſchäft war heute überhaupt au
der ganzen Linie recht lebhaft; der Nachfrage konnte in manchen Fäl=
len
nicht genügt werden. Am Elektromarkt ergaben ſich namentlich au
amerikaniſche Käufe Gewinne bis zu 4 Prozent. Am Chemiemarkt
traten Erhöhungen bis zu 3,5 Prozent ein. Montanwerte ſtanden wie=
der
etwas im Hintergrunde, die eingelegten Feierſchichten im Ruhr=
bergbau
veranlaßten zur Zurückhaltung, aber deſſen ungeachtet traten
auch hier Beſſerungen bis zu 2 Prozent ein. Hapag und Nordd.
Lloyd zogen bis zu 2 Prozent und A.=G. für Verkehrsweſen 3 Prozent
an. Renten fveundlich.
Im Verlaufe traten auf Gewinnmitnahmen vereinzelt Schwankun=
gen
ein, doch wurden erneute Käufe vorgenommen, ſo daß die Kurſe
gegen Anfang bis zu 1 Prozent höher lagen. Am Geldmarkt war
Tagesgeld mit 6 Prozent wieder leichter. Am Deviſenmarkt war Spa=
nien
weiter etwas feſter, die Mark dagegen ſchwächer. Mark gegen
Dollar 4,1900, gegen Pfunde 20,404, London-Kabel 4,869, Paris
123,91, Mailand 93,06, Madrid 36,30; Schweiz 25,15; Holland 12,10.
An der Abendbörſe blieb die Stimmung freundlich, wenn auch nur
auf einigen Marktgebieten die Kurſe weiter etwas anziehen konnten
Die Ausſichten der Haager Verhandlungen beurteilte man weiter op
timiſtiſch. Das Geſchäft war in manchen Werten ziemlich rege. In
tereſſe beſtand für J. G. Farben, Deutſche Linoleum, Südd. Zucker und
A. G. für Verkehrsweſen bei neuen Kursbeſſerungen bis etwa 1½ Proz.
Svenska konnten 2½ RM. anziehen. Nachfrage machte ſich bei Bau=
unternehmungen
bemerkbar; Hoch= und Tiefbau gewannen 2 Prozent.
AEG. und Siemens blieben nur knapp behauptet. Kali Aſchersleben
verloren 1½ Prozent. Renten vernachläſſigt. Chadeaktien waren au
die weitere Befeſtigung der ſpaniſchen Valuta ſtark geſucht und 9 Mark
höher.
Berlin, 13. Januar.
Schon bormittags und an der Vorbörſe wurden die Kurſe auf die
ſicher erwartete und dann auch eingetretene Diskontermäßigung der
Reichsbank ſtärker heraufgeſprochen. Zwar wurde dieſe Maßnahme
ſchon ſeit langem erwartet, aber in dieſem Augenblick, d. h. vor Schluf
der Haager Verhandlungen, überraſchte das ſelbſtändige Vorgehen des
deutſchen Noteninſtitutes doch ein wenig. Die heute wieder günſtiger
l(autenden Meldungen aus dem Haag boten der feſten Grundſtimmung
eine weitere Stütze. Zu den erſten Kurſen machten ſich dann zirka
2prozentige Beſſerungen geltend, doch enttäuſchte die Eröffnung gegen=
über
den hohen vorbörslichen Erwartungen etwas. Die Börſe ſelbſt
neigte eher zu Glattſtellungen und auch das Publikum wollte die ſeit
langem wieder einmal mitzunehmenden Gewinne realiſieren. Eine An=
zahl
Papiere hatte Sonderbewegungen zu verzeichnen. Nach den erſten
Kurſen war es vorübergehend etwas ſchwächer, bald jedoch ſetzten am
Elektromarkt Schweizer Käufe und am Kalimarkt angeblich franzöſiſche
Käufe ein, wodurch ſich Beſſerungen bis zu 2 Prozent ergaben. Als die
Tätigkeit wieder etwas nachließ, wurde die Tendenz etwas ſchwankend,
das Niveau lag etwa 1 Prozent über Anfang.

Ermäßigung der Zinkblechpreiſe. Die ſüddeutſche Zinkblechvereini=
gung
, Sitz Frankfurt a. M., hat ab heute ihre Preiſe um rd. 1 Proz.
rmäßigt, nachdem ſie am 3. d. M. um 2 Prozent ermäßigt waren.

Auch Heſſen bekeiligk ſich an der Preag.

Nachdem vor einigen Monaten anläßlich des Abkommens
Frankfurts mit der Preag Frankfurt ſeinen 50 prozentigen Beſitz
an der Hefrag an die Preag abgeſtoßen hat, und ſich dagegen an
der Preag beteiligte, hat nunmehr auch der Freiſtaat Heſſen au
Grund eines Vorabkommens ſich ſoeben an der Preag beteiligt
und gleichfalls ſeinen 50 prozentigen Beſitz der Hefrag, ſowie ſeine
Anteile an oberheſſiſchen Gruben an die Preag abgetreten. Der
heſſiſche Landtag wird dieſes Abkommen zu genehmigen haben.

Amerikaniſche Kabelnachrichken.

Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Jan.
Getreide: Weizen, März 125½, Mai 129, Juli 123½: Mais,
März 93, Mai 95½, Juli 97½; Hafer, März 47½, Mai 48¾,
Juli 47½; Roggen, März 102½, Mai 99½, Juli 96½.
Schmalz: Jan. 10,25, März 10,425, Mai 10,60
Fleiſch: Speck, loco 12; leichte Schweine 9,469,75, ſchwere
Schweine 99,50; Schweinezufuhren in Chicago 80000, im
Weſten 164 000.
Chicagver Baumwolle: Januar 17,20, März 17,54.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 13. Jan.7
Schmalz: Prima Weſtern 11; Talg, extra loſe 778.
Getreide: Weizen, Rotwinter n. Ernte 139½, Hartwinter n.
Ernte 132½; Mais 99½4; Mehl 5,756,25; Getreidefracht nach
England 1,62 sh, nach dem Kontinent 810 C.
Kakav: Tendenz ſtetig, Umſätze 28, loco 9½, Januar 9.06,
Februar 9.19, Märj 9.46, Mai 9.78, Juni 9.88, Juli 9.99, Sep=
tember
10.20.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.

Der Privatdiskont iſt für beide Sichten um je ½s Prozent auf
6½ Prozent ermäßigt worden.
Die Golddiskontbank hat im Anſchluß an die Senkung des
Reichsbankdiskontes ihren Diskontſatz ebenfalls um ½ Prozent
nämlich von 6 auf 5½ Prozent, mit Wirkung vom 14. Januar 1930
ab ermäßigt.
Die Generalverſammlung der Schöfferhof=Binding= Bürger=
bräu
A.G., Frankfurt a. M., genehmigte ohne Erörterung den Ab=
ſchluß
mit wieder 20 Prozent Dividende auf die Stammaktien.
Eine Erſatzwahl für das verſtorbene Aufſichtsratsmitglied Her=
mann
J. Müller=Würzburg wurde nicht vorgenommen. Vertreten
waren durch 19 Aktionäre 4,55 Mill. RM. Stamm= und 60 000
Reichsmark Vorzugsaktien.
Die Buderusſchen Eiſenwerke in Hirzenhain (Oberheſſen)
mußten infolge der ungünſtigen Wirtſchaftslage jetzt gewiſſe Be=
triebseinſchränkungen
vornehmen. Die auf Zeitarbeit eingeſtellten
Leute ſind nunmehr wieder entlaſſen worden, wobei es ſich um
etwa 50 Arbeiter handelt. In einer Abteilung des Werkes wurde
Kurzarbeit eingeführt. In den übrigen Abteilungen wird voll
gearbeitet.
Ueber die Baufirma Friedrich Zucker, offene Handelsgeſell=
ſchaft
in Worms und Filiale in Mainz, wurde das Vergleichsver=
fahren
zur Abwendung des Konkurſes vom Amtsgericht Worms
eröffnet. Rechtsanwalt Dr. Deppiſch wurde zur Vertrauensperſon
ernannnt.
Ueber das Vermögen des Weinhändlers Johann Bäder in

noch bis zum 7. Februar beim Amtsgericht Wöllſtein eingereicht
werden können.
Die Gewerbe= und Landwirtſchaftsbank. e. G.m.b.H., Weilheim
(Bayern) ſah ſich infolge überſtürzter Abhebungen veranlaßt, die
Zahlungen zum Schutze der Geſamtgläubiger einzuſtellen. Ein
gerichtliches Vergleichsverfahren wird eingeleitet in der Abſicht,
eine ruhige Abwicklung zu ermöglichen.
Die belgiſchen Tafelglashütten beſchäftigten ſich in zahlreichen
Verſammlungen mit der Neuorganiſation des Fourcault=Kontors,
die mit bedeutenden Abänderungen verknüpft ſein ſoll. Der Auf=
tragsmangel
am Tafelglasmarkt hält an; deshalb werden in zu
nehmendem Maße Feierſchichten eingelegt, um die Produktion ein=
zuſchränken
.

Berliner Kursbericht
vom 13. Januar 1930

Deviſenmarkt
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Frankfurter Kursbericht vom 13. Januar 1930.

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ſtaat v. 27.. .
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. . .
Dtſche. Anl. Abl
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Darmſtadt v. 2
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O7 Mainz v. 26
8 Mannh. v. 26.
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Goldpfbr.. .
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Goldoblig. ..
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Preuß. Ods.
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110

20
55

[ ][  ][ ]

Nummer 14

Dienstag, den 14. Januar 1930

Seite 13

Din Waan dar
Unſassinge Tamtt
Roman von P. Wild.
Copyright by Marie Brügmann, München 19.
5)
Nachdruck verboten.
Irma, Liebling er umſchlang ſie plötzlich zärtlich
immer habe ich deine Bitten erfüllt, wenn ſie oft auch unſinnig
waren. Jedes Opfer habe ich für dich gebracht, größere vielleicht
als du ahnſt. Ich entſinne mich nicht, dich je um etwas gebeten
zu haben. Meine erſte Bitte aber weiſt du ab, ſetzt ihr ein ſchrof=
fes
Nein entgegen, und es geht doch um unſer aller Wohl.
Vater, armer Vater, ich verſtehe deine Erregung. Sieh, ich
möchte dir ja ſo gerne helfen. Aber was du verlangſt, das kann
ich nicht erfüllen. Ich verkaufe mich nicht ... . und wenn ich die
Seligkeit der ganzen Welt dafür eintauſchen würde.
Da ließ er ſie los.
Du willſt nicht! Jagſt deine Eltern ins Elend, in den Tod!
Vater, Vater, ich kann doch nicht! Begreifſt du das nicht?
Ich begreife lachte er. Laß das Gewimmere nur. Ekel=
hafte
Komödie. Sei ſtill! Oder willſt du vielleicht den Leuten
ein Schauſpiel bieten?
Sag’ mir, was ſoll ich tun?
Ich verlange eine klare Antwort, ohne Umſchreibung! Ich
denke, du haſt mich verſtanden, kennſt die Tragweite deines Ent=
ſchluſſes
. Es geht um Sein oder Nichtſein unſerer Exiſtenz.
Willſt du Wanners Antrag annehmen ja oder nein?
Nein!
Mit ſonderbarem Ausdruck, in deſſen Hintergrund Entſetzen
lauerte, fah er ſie an.
Das Nein wirſt du bald bereuen.
Trotzig hob ſie den Kopf hoch.
Ueberlaß das ruhig mir. Ich werde es nicht bereuen, nie!
Andere Gäſte traten ein.
Eine lachende Männerſtimme fragte:
Wir ſtören? Ein".
Mit meiner Tochter lachte er ebenſo friſch zurück. Kom=
men
Sie, ich habe noch eine Extrahavanna! Er legte ſeinen
Arm in den des Gaſtes, und ſie verließen beiden den Raum.
Irma ſah mit zuckenden Lippen vor ſich hin.
Was war geſchehen? Ihr Vater verlangte, ſie ſolle an
einen Blinden verkaufen, um des Geldes willen.

Herwart zu ihm! Er mußte alles erfahren; ſie mußte
das Mißverſtändnis aufklären. Er hielt ſie ſcheinbar für ver=
lobt
mit Horſt. Hatte ihr Vater in der Ausdeutung ihrer Be=
ziehungen
recht? Doch Herwart kannte Horſt Wanner gar nicht
Gleichviel, ſie mußte ihm alles erklären. Er ſollte ihr raten,
helfen.
Von der Dienerſchaft erfuhr ſie, daß Doktor Elmar das Haus
verlaſſen hatte.
Sie mußte alſo bis zum nächſten Tag warten.
Bis zum grauenden Morgen tanzte ſie ohne Aufhören wild
um ſich zu betäuben, in Verzweiflung und Trotz.
Die letzten Gäſte hatten das Haus verlaſſen. Frau Bäumer
gab Anweiſung zum Aufräumen.
Da klang aus dem Zimmer des Hausherrn ein dumpf rollen=
der
Schuß.
In ſtarrer Lebloſigkeit, mit ſteifen Gliedern, außerſtande zu
irgendeiner Bewegung, ſtand Irma vor dem toten Vater, aus
deſſen Schläfen langſam, in ſchweren Tropfen, der rote Lebens=
ſtrom
verſickerte. Ihre bleichen Lippen formten bebend, zuckend
immer einen Satz: Du wirſt dein Nein bald bereuen!
Vater! Ein verzweifelter Aufſchrei. Beſinnungslos ſtürzte
ſie neben der Leiche nieder.
Der Selbſtmord, Friedrich Auguſt Bäumers erregte unge=
heures
Aufſehen. Er war der Auftakt eines weiteren Ereig=
niſſes
: die Firma Friedrich Auguſt Bäumer war bankerott.
*
Der Tote ruhte im Frieden des Vergeſſens. Um die Leben=
den
aber warf das Leid dunkle Schatten. Wie Sturmwüten war
das Schickſal über ſie hingebrauſt, hatte unbewußtes Glück zer=
ſtört
, das Innere erſchüttert, das Gleichgewicht der Seelen
zerſtört.
Unendliche Bitterkeit verſtärkte Luiſe Bäumers Schmerz im
Bewußtſein der Fernen, die zwiſchen ihr und dem Gatten ge=
weſen
waren.
Sie hatten aneinander vorbeigelebt. Eine Ehe wie tauſend
andere, im Getriebe des Alltags veräußerlicht, verflacht. Beide
hatten entbehrt. Das wußte ſie jetzt, wo es zu ſpät war. Unſag=
bar
ſchmerzlich war ihr der Gedanke, daß der Gatte ſeine Not vor
ihr verſchloſſen hatte im Zweifel an ihrem Willen, Anteil zu
haben auch an dunklen Stunden. Luiſe Bäumer wußte, ein Wort
hätte genügt. Klaglos hätte ſie Entbehrung, Einſchränkung, Ar=
mut
mit ihm ertragen, weil ſie auf ſein Leid das gleiche Recht
hatte wie auf ſein Glück. Ungeſprochene Worte wurden zum
Verhängnis. Die Gleichgültigkeit eleganten Luxuslebens ver
äußerlichte, hatte das große, tiefe Gefühl, den Glauben an den
Menſchen, mit dem man zuſammenlebte, verſchüttet.

Seltſam nun der Lebensgefährte geſtorben war, erwachte
die alte Liebe wieder. Liebe ſtrömte von der Lebenden zu dem
Toten, und ſtille Weihe war ihr Troſt an der Gruft.
Mutter und Tochter ſaßen ſich im kleinen, elegant=behaglichen
Damenzimmer einander gegenüber. In ſinnendem Ernſt betrach=
tete
Irma das durch Leid eingefallene Geſicht der Mutter, ſah
erſtaunt den neuen Ausdruck dieſer Züge. Leid adelt, beſeelt.
In der Mutter ſelbſt war alles unklar, verworren. Zu plötz=
lich
, zu viel war auf einmal auf ſie eingeſtürmt. Die Ereigniſſe
hatten ſich überſtürzt, ineinander verwirrt. Noch fand ſie keine
Klarheit
Nur dumpf ahnte ſie, was das Leben jetzt von ihr verlangte.
Der Weg vor ihr war voll Pflicht und Arbeit. Stufe auf Stufe
mußte ſie aufwärts ſchreiten, wenn ſie wieder zur Höhe wollte.
Verantwortlich für ihre Kinder, ein Begriff, den ſie in dieſem
Sinne bis heute kaum gekannt hatte, laſtete ſchwer auf ihr.
Wenige Stunden hatten ihr Leben umgewandelt.
Mit ſchlafwandelnder Sicherheit ſah ſie ein neues Ziel vor
ſich: Arbeit, Pflicht, Verantwortung.
Irma, haſt du Erich geſagt, daß wir ihn erwarten? Es iſt
ſchon eine halbe Stunde über die feſtgeſetzte Zeit, unterbrach
Frau Bäumer ihren Gedankengang
Sie ſah auf ihre Armbanduhr.
Erich wird ſchon kommen. Er hatte ſicherlich eine Ab=
haltung
.
Frau Bäumer ſeufzte leicht auf
Wie ſchrecklich alles iſt, Irma, wie hilflos wir Frauen ſind!
Was ſoll nur werden? Gut, daß Erich da iſt; er muß uns
helfen.
Erich?" Zweifel durchbebten Irmas Stimme. Er hat
ſoviel mit ſich ſelbſt zu tun, Mutter.
Das wird ſchon anders werden; er iſt doch mein Sohn.
Die Tür öffnete ſich. Erich trat ein, beugte ſich über die
Hand der Mutter.
Wie geht’s, Mutter? fragte er ein wenig nachläſſig.
Du kommſt recht ſpät?. Wir warten ſchon lange. Ein leiſer
Vorwurf lag in der Stimme der Mutter
Wie ärgerlich. Der Friſeur ließ mich warten. Unglaublich.
Das hat er ſonſt nie getan. Scheinbar iſt wohl ſchon allerlei
durchgeſickert; die Bande iſt merkwürdig hellhörig in der Be=
ziehung
. Heute früh erhielt ich ſchon ſeine Rechnung.
Bezahle Sie gleich! bat Frau Bäumer.
Bezahlen? Das wird ſich finden! Zudringlichkeiten laſſe
ich mir nicht gefallen. Es gibt noch mehr Friſeure, Mutter. Ich
finde ſchon einen anderen, der die Kopfmaſſage ſo vornimmt, wie
ich es gern habe.
Fortſetzung folgt.

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