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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
193. Jahrgang
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(4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil sſw., erliſcht
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerichtlicher Beltreibung fäll”, jeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Banl und Darme
ſtädter und Nationalbank.
Kabinettsſitzung über den Haag.
Die deutſche Zelegakion iſt gerüſtel. — Aufs neue Ringen um die Reparakionen. — Franzöſiſche „
Löſungs=
vorſchläge” bezüglich der Mobiliſierung der deutſchen Schulden und des Termins der Schuldenzahlungen.
Deulſche Vorſtelungen in Paris gegen die geplanken Sanklionen im Falle deutſcher Zahlungsunfähigkeil.
Abreiſe der deutſchen Delegakion
nach dem Haag.
Der Kampf kann beginnen.
* Berlin, 2. Januar. (Priv.=Tel.)
Die deutſche Delegation hat am Donnerstag abend Berlin
verlaſſen und trifſt am Freitag vormittag im Haag ein. Am
Nachmittag wird dann die erſte Vollverſammlung der Zweiten
Haager Konferenz ſtattfinden. Vor der Abreiſe hat das
Reichs=
kabinett noch eine ausgedehnte Sitzung abgehakten, in der eine
ganze Reihe dringender Arbeiten erledigt wurde. So unterhielt
man ſich u. a. über den Nachtragsetat 1929 und über den neuen
Haushaltsplan. Hier iſt die Situation für den neuen
Reichs=
finanzminiſter Prof. Dr. Moldenhauer ähnlich wie ſeinerzeit
nach dem Ausſcheiden von Dr. Reinhold, der durch Dr. Köhler
abgelöſt wurde. Dr. Köhler mußte einen Etat übernehmen, an
dem er wegen der Kürze der Zeit nichts mehr ändern konnte.
Dr. Moldenhauer hat dem Kabinett über die Arbeiten ſeines
Vorgängers Dr. Hilferding Vortrag gehalten. Immerhin beſteht
diesmal noch die leiſe Möglichkeit, daß nach dem Vorliegen der
Ergebniſſe der Haager Schlußkonferenz Prof. Moldenhauer in
dem einen oder anderen Punkt den neuen Etat abändern kann.
Das Kabinett hat ſich in ſeiner Sitzung dann noch ſehr
ein=
gehend — bis in die Abendſtunden hinein — über die 2. Haager
Konferenz unterhalten. Es war hier die letzte Möglichkeit
ge=
geben, vor der Abreiſe der Delegation eine
Schlußaus=
ſprache zwiſchen den in Berlin bleibenden Miniſtern und den
nach dem Haag fahrenden Kabinettsmitgliedern herbeizuführen.
Es wurden auch die letzten bisher noch offenen Fragen geklärt.
Die Delegation iſt gerüſtet, der Kampf kann
be=
ginnen.
Frankreichs Abſichten im Haag. — Drohungen
gegen Deutſchland.
EP. Paris, 2. Januar.
Die franzöſiſche Delegation für die Haager Konferenz ſcheint
vor ihrer Abreiſe noch ſchnell die Preſſetrommel, mit der ſie
be=
kanntlich meiſterhaft umzugehen verſteht, in heftige Bewegung
verſetzt zu haben, denn mehrere Blätter bringen heute über die
bevorſtehenden Arbeiten Artikel, die dunkle und nicht recht
ver=
ſtändliche Drohungen gegen Deutſchland enthalten.
Die ganzen Verhandlungen im Haag, ſo ſchreibt z. B. der
„Erxzelſior” ließen ſich in den wichtigen Punkt zuſammenfaſſen:
Die tatſächliche und endgültige Kommerzialiſierung
der deutſchen Schuld. Dieſe Kommerzialiſierung ſei
die einzige Exiſtenzberechtigung und
Rechtfer=
tigung des Young=Planes, der, falls er loyal
durch=
geführt werde, Deutſchland die Befreiung des Rheines und eine
beträchtliche Erleichterung ſeiner Budgetlaſten bringe. Falls
jedoch die deutſchen Delegierten verſuchen ſollten, auf die eine
oder andere Art die Mobiliſierung des ungeſchützten Teiles der
deutſchen Annuitäten zu verhindern, zu verzögern oder ungewiß
zu geſtalten, werde die franzöſiſche Regierung die damit
gegen=
ſtandslos gewordenen Verhandlungen ſicherlich nicht fortſetzen.
Nach einem zarten Wink mit etwaigen „ſubſtanziellen Vorteilen”.
die man Deutſchland noch gewähren könne, wenn es ſeinen guten
Willen beweiſe, heißt es weiter: die deutſche Delegation
im Haag dürfte wiſſen, daß ſie, falls ſie die
Kommerzialiſie=
rungsbeſtimmungen des Young=Planes in Frage ſtellen würde,
die ganze Verantwortung für ein Fehlſchlagen
der Konferenz auf ſich nehme, das die Rückkehr zu den
Daweszahlungen und die Aufrechterhaltung der
Rheinland=
beſatzung nach ſich ziehen würde.
* Daß Deutſchland im Haag eine ſehr ernſte Konſtellation
vorfinden wird, geht aus den Andeutungen der ausländiſchen
Preſſe hervor. Namentlich die franzöſiſchen Blätter
haben ſich der ſogenannten offenen Fragen bemächtigt und
ver=
ſuchen nun, durch allerlei „Löſungsvorſchläge”, die aber
— was unverkennbar iſt — von einer zentralen Stelle ausgehen,
von vornherein die Haager Beratungen auf ein beſtimmtes
Gleis abzubiegen. Es iſt überflüſſig, auf alle dieſe
Einzel=
probleme jetzt einzugehen, ſolange nicht feſtſteht, wie die
Forde=
rungen der Gegenſeite formuliert ſind. Auf einen Punkt muß
man aber doch eingehen: das iſt die Sanktionsfrage.
Dieſe Frage iſt in den letzten Tagen auch Gegenſtand der
diplo=
matiſchen Ausſprache zwiſchen Berlin und Paris
geweſen und hat die franzöſiſche Oeffentlichkeit in eine ſtarke
Die politiſchen Mitarbeiter:
Staatsſekretär Pünder. Staatsſekretär v. Schubert.
Erregung verſetzt. In Paris hatte man offenbar den Wunſch,
in den Young=Plan das Sanktionsrecht hineinzubauen. Der
engliſche Außenminiſter Henderſon, der damit nicht einverſtanden
iſt, hat nicht zuletzt aus dieſem Grnued ſeinen Schatzkanzler
Snowden allein nach dem Haag fahren laſſen. Er will
poli=
tiſchen Fragen aus dem Wege gehen und damit gleichzeitig zum
Ausdruck bringen, daß die 2. Haager Konferenz eine
reine Reparationskonferenz iſt. Die Pariſer
Verhandlungen des Botſchafters v. Hoeſch
ſchei=
nen nun ergeben zu haben, daß die Franzoſen ſich mit der
all=
gemeinen Schiedsgerichtsbarkeit abfinden wollen. Volle
Klar=
heit wird man darüber aber erſt im Haag gewinnen. Feſt ſteht,
daß von Sanktionen in Zukunft keine Rede mehr ſein darf, weil
die ewige Drohung mit allen möglichen
Wie=
derbeſetzungen deutſchen Gebietes, alſo mit der
Störung der deutſchen Produktion und der unerwarteten
In=
anſpruchnahme der deutſchen Finanzkraft das
Funktionie=
ren des Young=Planes in Frage ſtellt. Das werden
auch die Franzoſen ſelbſt einſehen müſſen, die plötzlich ſo
großes Gewicht auf die Mobiliſierung der
deut=
ſchen Schuldverſchreibungen legen und den
Ein=
druck zu erwecken ſuchen, als wenn wir im Begriff wären, dieſe
Mobiliſierung zu erſchweren oder gar unmöglich zu machen.
Deutſchland hat mit der Mobiliſierung ſeiner Obligationen nichts
zu tun, denn das iſt Sache der Bank für Internationale
Zah=
lungen. Dieſe Bank kann ihre Aufgabe aber nur erfüllen, wenn
das ganze Reparationsproblem auf ein rein
wirtſchaftlich=
finanzielles Gebiet beſchränkt bleibt, und wenn die Franzoſen
darauf verzichten, neue Schwierigkeiten zu machen oder uns gar
noch weiter finanziell zu belaſten. Anſätze dafür ſind auch ſchon
wieder vorhanden. Es iſt bekannt, daß zu denoffenen
Fra=
gen die Feſtſetzung des Termins der deutſchen
Schuldenzahlungen gehört. Einig iſt man ſich
ledig=
lich darüber geworden, daß die 660 Millionen, die von der
Reichsbank zu zahlen ſind, ſtets zu Anfang des Monats
raten=
weiſe fällig werden. Im Privatrecht iſt es aber üblich, daß
Schulden erſt am Ende des Monats fällig werden.
Infolge=
deſſen ſteht Deutſchland auf dem Standpunkt, daß es ſeinen
Ver=
pflichtungen jeweils erſt zu Ultimo nachzukommen hat. Die
Franzoſen denken aber an eine Vorverlegung des
Zahlungster=
mins zu Anfang des Monats, was ihnen pro Jahr 100
Mil=
lionen urd etwas mehr einbringen würde.
Ikaliens Forderungen auf der
Flokkenkonferenz.
Von
Benito Muſſolini,
italieniſchem Miniſterpräſidenten.
Copyright by United Preß.
Nachdruck, auch im Auszug, verboten.
Die Konferenz über die Marinebeſchränkungen, die am 21.
Januar zuſammentreten ſoll, wird den umfaſſendſten Plan für
eine Herabſetzung der Seeſtreitkräfte erörtern, der je in neuerer
Zeit vorgeſchlagen worden iſt. Die Waſhingtoner Konferenz von
1921 beſchränkte ſich auf die Schlachtſchiffe, während bei der
be=
vorſtehenden Konferenz die Herabſetzung von allen Klaſſen der
Seeſtreitkräfte auf das Tapet kommen wird.
Daneben wird viel über andere Fragen geſprochen, die mit
den maritimen Machtmitteln im Zuſammenhang ſtehen. Dazu
gehört die Abſchaffung der Unterſeeboote, die Abfaſſung eines
neuen Seerechts, die Diskuſſion über die Freiheit der Meere die
Unverletzlichkeit der Lebensmittelſchiffe und die Rechte der
Neu=
tralen. Da indeſſen der Staat, von dem die Einladungen
aus=
gehen, das Verhandlungsprogramm noch nicht veröffentlicht hat,
würde eine vorzeitige Erörterung der verſchiedenen Themen, die
in allen Teilen der Welt zur Sprache gekommen ſind, nur einen
rein theoretiſchen Wert haben. Was wir aber bereits wiſſen, iſt,
daß man über die Beſchränkung der Seeſtreitkräfte von Groß=
Britannien, den Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und
Italien beraten wird.
Aus der Tatſache, daß dieſe fünf Seemächte
zuſammenkom=
men, kann man bereits ziemlich ſicher den Schluß ziehen, daß wir
auf der Konferenz zwei Gruppen vor uns ſehen werden, die
großen Seemächte und die kleinen Seemächte. Groß=Britannien
und die Vereinigten Staaten gehören ſicherlich zu der erſten
Gruppe, Japan ſteht zwiſchen beiden Gruppen, während Italien
und Frankreich ohne Zweifel zu den kleinen Seemächten gehören.
Dieſe Gruppen haben ſicherlich verſchiedene Geſichtspunkte und
Bedürfniſſe.
Die italieniſche Delegation zu der Konferenz wird
grund=
ſätzlich bereit ſein, ſich mit den geringſten Ziffern zufrieden zu
geben, vorausgeſetzt, daß keine andere Macht des europäiſchen
Feſtlandes eine höhere Quote erhält. Die Konferenz wird in
einem großzügigen Geiſte eröffnet werden. Von dem gleichen
Geiſte ſind auch wir erfüllt und wollen uns daran beteiligen, eine
wirkliche Rüſtungsbeſchränkung durchzuführen. Es iſt eine
er=
mutigende Tatſache, daß alle beteiligten Mächte ihre Bereitſchaft
bekannt gegeben haben, an den Beratungen teilzunehmen und
da=
mit an der Herabſetzung der Flottenausgaben mitzuwirken,
Schon ein oberflächlicher Bick in den Atlas genügt zu der
Feſtſtellung, daß nur wenige Länder dem Meere ſo innig
ver=
mählt ſind wie Italien. Die italieniſche Halbinſel erinnert mit
ihren beiden Inſeln Sizilien und Sardinien an eine Zugbrücke,
die von Europa nach Afrika über das Meer gelegt worden iſt.
Wenigſtens ein Viertel der Bevölkerung Italiens lebt an
der Küſte. Dort liegen auch die größten italieniſchen Städte,
Rom, Genua, Livorno, Neapel, Palermo, Meſſina, Catania, Bari,
Ancona, Venedig, Trieſt und Fiume. Dazu kommen zahlreiche
kleinere Städte, deren Namen in uns glorreiche Erinnerungen
an Seefahrerruhm in naher und ferner Zeit erwecken.
Solche Gebäuche, die ſich durch Jahrtauſende bis auf den
heutigen Tag erhalten haben, beſitzen unabänderliche Gründe, die
auch heute noch beſtehen und die lebenswichtig ſind für die
Exi=
ſtenz des modernen Italiens, obwohl alle übrigen Verhältniſſe
ſich geändert haben mögen. Das Meer bedeutet für uns keinen
Luxus, ſondern eine unabänderliche Exiſtenzbedingung.
Die Aufgabe der Seeſtreitkräfte liegt in der Verteidigung der
Seewege. Größe und Beſchaffenheit hängt jeweils von dem
Bedürfnis ab, die Bahnen frei zu halten, durch die ein Land
ſeine Nahrung erhält, und durch die ſein Handel gehen muß.
Wenn man die Flotte überhaupt verwenden will, ſo liegt darin
zu Kriegszeiten ihre erſte Aufgabe. Für eine kleine Seemacht iſt
die Frage der Marinerüſtung ein Verteidigungsproblem.
Für Italien handelt es ſich ganz beſonders um den Schutz
ſeiner Küſten vor Angriffen und um die Aufrechterhaltung der
Verbindung mit ſeinen Kolonien. Unſere adriatiſche Küſte iſt
Angriffen aus dem Oſten ausgeſetzt, während unſere Inſelküſten
von Sizilien und Sardinien uns weitere überaus ſchwerwiegende
Verteidigungsprobleme auferlegen. Dazu kommt, daß Italien
in gewiſſem Umfange von der Einfuhr von Lebensmitteln
ab=
hängt, um ſeine Bevölkerung zu ernähren. Das Flottenproblem
verdient daher, wie man ſieht, unſere genaueſte Aufmerkſamkeit.
Es zeigt ſich auch, daß die Frage für uns anders liegt als
für Groß=Britannien oder für die Vereinigten Staaten. Eine
Herabſetzung der Anzahl unſerer Schlachtſchiffe, der Kreuzer oder
der Flugzeugmutterſchiffe würde die Frage der italieniſchen
See=
verteidigung nicht löſen. Tatſächlich braucht Italien eine ganz
andere Flotte als Gnoß=Britannien oder die Vereinigten
Staa=
ten, ſo daß eine einfache Herabſetzung nach verſchiedenen
Schiffs=
klaſſen für Italien keine befriedigende Löſung bedeuten würde.
Gewiß beſitzen wir kein weit ausgedehntes Reich, das uns Schätze
bietet, und das unſeren Ueberſchuß an Arbeitskraft und Gütern
aufnehmen könnte. Unſere wenigen Kolonien ſind an der
Nord=
küſte von Afrika, dem öſtlichen Mittelmeer und bis an die Küſte
des Indiſchen Ozeans verſtreut. Noch wichtiger iſt die Tatſache,
daß die große Lebenskraft unſerer Raſſe unſere Landsleute nach
allen Himmelsrichtungen in die Welt hinaustreibt, womit uns
die Pflicht zufällt, uns im Stand zu halten, ſie zu ſchützen. Wir
können es uns nicht leiſten, eine große Anzahl von
Schlacht=
ſchiffen für die damit verbundene weit verſtreute Betätigung zu
unterhalten. Statt einer beſchränkten Anzahl von großen
Schif=
fen iſt es für uns vorteilhafter, ſo viel kleine Kampfeinheiten
auf See zu unterhalten wie nur wöglich. Wir haben deshalb
an Schlachtſchiffen ein verhältnie
ia weit geringeres.
Inter=
eſſe als Groß=Britannien und die Vereinigten Staaten. Selbſt
das Recht, zwei neue Schlachtſchiffe zu bauen, das uns durch die
Waſhingtoner Konferenz zugebilligt worden war, um unſere
Die deukſche Delegakion auf dem Wege nach dem Haag.
Dr. Curtius,
Reichsaußenminiſter.
(Delegationsführer.)
Sachverſtändiger:
Dr. Wirth.
Profeſſor Moldenhauer. Dr. Robert Schmidt,
Reichsfinanzminiſter. Reichswirtſchaftsminiſter. Miniſter für die beſetzten. Bankier Dr. Melchior.
Gebiete.
Seite 2
Freitag, den 3. Januar 1930.
Nummer 3
Tonnage auf einhundertfünfundſiebzigtauſend Tonnen zu
brin=
gen, haben wir nicht einmal ausgenützt.
Sowohl für die Vereinigten Staaten wie für Groß=
Britan=
nien läßt ſich eine befriedigende Beſchränkung ihrer Seerüſtungen
dadurch erzielen, daß Begrenzungen für die einzelnen Kategorien
feſtgeſetzt werden. Ihre Flotten ſind ſo groß, daß ſie noch immer,
ganz gleichgültig, welche Kategorien ſie herabſetzen würden, eine
einheitliche, wohlausgeglichene und für alle Fälle kampffähige
Flotte beſitzen würden. Wenn England zwanzig Schlachtſchiffe
als das von ihr benötigte Höchſtmaß anſehen ſollte, ſo wäre dieſe
Anzahl noch immer groß genug, um eine Reihe davon im aktiven
Dienſt zu halten, eine zweite Gruppe könnte als Reſerve dienen
und eine dritte Gruppe könnte zeitweilig außer Gefecht ſein und
im Trockendock aufgelegt werden.
Italien beſitzt nicht ein einziges modernes Schlachtſchiff. Das
letzte italieniſche Schlachtſchiff wurde im Jahre 1912 gebaut.
Wenn man uns auch eine gewiſſe Tonnage an Schlachtſchiffen
zugeſtanden hat, was nützt uns das? Wir können uns den Luxus
eines Schlachtſchiffes nicht erlauben. Nach Anſicht der
Sachver=
ſtändigen beſitzt ein einziges Schlachtſchiff keinen tatſächlichen
Wert; auch zwei würden nicht genug ſein, da ſtets mit der
Mög=
lichkeit gerechnet werden muß, daß eines zeitweilig aufgelegt iſt.
Wenn wir drei Schlachtſchiffe beſäßen, ſo würde uns das gerade
die Möglichkeit geben, eines davon ſtändig im aktiven Dienſt zu
haben. Die Sachverſtändigen verſichern uns, daß ein
Schlacht=
ſchiff unter dieſen Umſtänden uns im Verhältnis zu den
Bau=
koſten keinen angemeſſenen Nutzen bieten würde. Die Tatſache
daß Italien während der letzten ſiebzehn Jahre kein einziges
Schlachtſchiff gebaut hat, iſt ſicherlich bemerkenswert, weil ſie
zeigt, wie wir uns vor den großen Koſten für Bau und
Unter=
halt und noch mehr vor den Schwierigkeiten ſcheuen, die mit der
Erzielung der Höchſtleiſtung eines Schlachtſchiffes verbunden
ſind; denn ſie müſſen, zu dieſem Zwecke von Schiffen anderer
Kate=
gorien begleitet ſein und gleichzeitig müſſen auch noch weitere
Schlachtſchiffe vorhanden ſein, die an ihre Stelle treten können,
wenn ſie aus dem aktiven Dienſte herausgezogen werden.
Wenn man einer der kleineren Seemächte eine gewiſſe
be=
ſchränkte Tonnenzahl an Schlachtſchiffen zugeſteht, ſo bedeutet das
eine Erlaubnis, von der ſie kaum Gebrauch machen kann, denn
wahrſcheinlich wird ſie überhaupt nicht daran denken,
Schlacht=
ſchiffe zu bauen. Warum ſoll alſo ein Teil ihrer Tonnage auf
Schlachtſchiffe verrechnet werden?
Die 100 000 Tonnen, die wir an Schlachtſchiffen zur Zeit
des Waſhingtoner Vertrages beſaßen, ſind inzwiſchen geſunken,
und ein Neubau iſt bisher nicht einmal in Erwägung gezogen
worden. Bis jetzt hat Italien den Bau dieſes Schiffstyps nicht
geplant und wird es auch weiterhin nicht tun, wenn es nicht
durch ähnliche Bauten von Seiten anderer Staaten dazu
gezwun=
gen werden ſollte.
Von den fünf Schiffsklaſſen, die gewöhnlich im
Zuſammen=
hang mit der Abrüſtung zur See genannt werden, iſt Italien
bisher nur an drei Schiffskategorien, den Kreuzern, den
Zer=
ſtörern und den Unterſeebooten, intereſſiert geweſen. An der
fünften Kategorie, den Flugzeugmutterſchiffen, haben wir bis
jetzt kein Intereſſe gehabt, weil unſere Bedürfniſſe anders liegen;
denn wir brauchen vor allem Schiffe von mittlerem
Tonnen=
gehalt.
Für eine geringere Seemacht ſollte bei der Feſtſetzung einer
Höchſtgrenze ſtets der geſamte Tonnengehalt der Flotte in
Be=
tracht gezogen werden. Die Tonnage, die man ihr zubilligen
will, ſollte, mit anderen Worten, die Geſamttonnage ihrer Flotte
ſein, ſo daß ſie in dieſem Rahmen den Schiffstypus bauen kann,
der ihren beſonderen Bedürfniſſen entſpricht. Die
Beſchränkun=
gen, die man für uns feſtſetzt, ſollten elaſtiſch genug ſein, uns
die Auswahl des Schiffstyps zu geſtatten, den wir bauen wollen.
Der einzige Verbindungsweg Italiens mit der Welt führt
die Straße von Gibraltar, weil Gibraltar, am Atlantiſchen
Ozean liegt, der für Italien beſonders wegen der Zufuhr von
Rohmaterial und wegen der Tatſache, daß von den zehn
Mil=
lionen Italienern, die im Auslande leben, ſieben Millionen ſich
in den amerikanifchen Kontinenten befinden, unentbehrlich iſt.
Die Straße von Gibraltar iſt knapp fünfzehn Kilometer breit.
Sie kann durch eine geringe Streitmacht blockiert werden. Mit
dem Tage, an dem das geſchehen ſollte, würde die Exiſtenz des
italieniſchen Volkes, die Exiſtenz eines Zweiundvierzig=
Millio=
nen=Volkes, auf dem Spiele ſtehen. Dieſe Erwägungen ſchaffen
für Italien die Notwendigkeit, eine Flotte zu unterhalten, die
ihr das unentbehrliche Minimum von Bewegungsfreiheit zur
See ſichert.
Wer wird Berliner Oberbürgermeiſter?
* Berlin, 2. Januar. (Priv.=Tel.)
Schon ſeit geraumer Zeit unterhielt man ſich darüber, wer
die Nachfolge des Oberbürgermeiſters Dr. Böß antreten ſoll.
Es herrſcht allgemein die Auffaſſung vor, daß Herr Böß ſeinen
Poſten nicht wieder antritt. Er ſelbſt hat aber erſt kürzlich
er=
klärt, daß er nicht daran denke, ſein Amt niederzulegen, daß er
vielmehr bis zum Ablauf ſeiner Amtszeit, alſo bis 1932, Ober=
Vom Tage.
Der franzöſiſche Royaliſtenführer Léon Daudet,
der vom Präſidenten der Republik zu Neujahr begnadigt worden
iſt, kehrte geſtern mit Gattin von Brüſſel nach Paris zurück.
Das neue ägyptiſche Kabinett iſt gebildet. Dem
Wahl=
ergebnis entſprechend beſteht es ausſchließlich aus Anhängern der
Wafd=Partei. Nahas Paſcha hat neben dem Amt des
Premiermini=
ſters gleichzeitig das Portefeuille des Innenminiſteriums übernommen.
Der bisherige Pariſer Sowjet=Botſchafter
Dowga=
lewſky, der gegenwärtig beurlaubt iſt, wird nicht mehr nach
Paris zurückkehren. Er ſoll durch den ehemaligen
Volkskom=
miſſar für Kunſt und Bildung, Lunatſcharſky, erſetzt werden.
Nach einer Meldung des ſowjetruſſiſchen Konſulats in Charbin ſind
ſämtliche von den chineſiſchen Behörden während des Konfliktes wegen
der Oſtch nabahn verhafteten Sowjetbürger freigelaffen worden. Gemäß
dem Chabarowſker Protokoll haben die Sowjetbehörden die Weiſung
er=
teilt, alle verhafteten chineſiſchen Bürger ſowie die internierten
chineſi=
ſchen Soldaten und Offiziere ſofort auf freien Fuß zu ſetzen.
Der ſowjetruſſiſche Direktor der Oſtchinabahn Rudy und ſein
Stell=
vertreter Denifſoff haben ihre Amtstätigkeit in Charbin aufgenommen.
In der erſten Verwaltungsſitzung wurden die ſowjetrufſiſchen Leiter und
ſtellvertretenden Leiter der verſchiebenen Eiſenbahndienſte wieder in ihre
Aemter eingeſetzt.
bürgermeiſter bleiben wird. Er muß natürlich zurücktreten, wenn
das gegen ihn eingeleitete Diſziplinarverfahren für ihn ungünſtig
verläuft. Mit dem Abſchluß dieſes Verfahrens iſt aber vor
März nicht zu rechnen. Bis dahin hat es auch eigentlich keinen
Zweck, ſich über ſeinen Nachfolger zu unterhalten. Immerhin
iſt intereſſant, daß bis vor kurzem die Kandidatur des
Düſſel=
dorfer Oberbürgermeiſters Dr. Jarres ſtark im Vordergrund
ſtand. Die Deutſche Volkspartei hat mit dem Gedanken geſpielt,
ihn aufzuſtellen, und hat auch bei Sozialdemokraten und
Deutſch=
nationalen ſondiert. Beide Parteien waren auch nicht abgeneigt,
ihre Stimmen für Dr. Jarres abzugeben. Dr. Jarres hat aber
von ſich aus erklärt, daß er nicht daran denke, ſeinen bisherigen
Wirkungskreis zu verlaſſen.
Diſziplinarverfahren gegen Staaksanwaltſchaftsrak
Dr. Wasmundk.
* Berlin, 2. Januar. (Priv.=Tel.)
Aehnlich wie ſeinerzeit im Falle des
Staatsanwaltſchafts=
rates Jacoby hat ſich nun auch im Falle der Gebr. Sklarek eine
gleichgelagerte Affäre ergeben. Erfreulicherweiſe hat die
Juſtiz=
behörde aber ſofort zugegriffen, als die erſten Meldungen
auf=
tauchten. Gegem den Staatsanwaltſchaftsrat Dr. Willi
Was=
mundt iſt ein Diſziplinarverfahren eingeleitet worden, in dem
ſeine Beziehungen zu den Gebr. Sklarek einer Nachprüfung
unterzogen werden ſollen. Nachdem er zunächſt in dem
Ver=
fahren gegen die Sklareks beſchäftigt war, iſt er ſofort vom
Amt ſuspendiert worden. Wasmundt, der ſich lebhaft für
Pferde=
rennen intereſſierte, hat auf dem Grünem Raſen die Gebr.
Skla=
rek kennengelernt, wurde ſpäter gut Freund mit ihnen und hat
ſie auch juriſtiſch beraten in Dingen, die aus ihrer
Rennſtall=
betätigung erwuchſen. Er ſoll auch bei der
Kleidervertriebs=
geſellſchaft guter Kunde geweſen und von Max Sklarek ein
Dar=
lehen erhalten haben, das er aber verrechnet haben will. Auch
ein vor ſeiner Verheiratung gegebenes Junggeſelleneſſen im
Hotel Adlon ſoll Max Sklarek bezahlt haben, da ſich der
Bräuti=
gam vor Schluß des Eſſens nach Magdeburg begab. Auch hier
ſoll eine Verrechnung erfolgt ſein.
Ein unbrauchbarer Skandorksbefehl.
Unmittelbar nach dem Tode des erſten Reichspräſidenten
Friedrich Ebert hat der damalige Reichswehrminiſter unter
Gegenzeichnung des damaligen ſtellvertreienden
Reichspräſiden=
ten Dr. Simons einen Standortsbefehl erlaſſen, wonach die
Reichswehr zu militäriſchen Ehrenbezeugungen vor dem
Reichs=
präſidenten als dem Oberſten Befehlshaber, dem
Reichswehr=
miniſter, den Generalen und den Flaggoffizieren, ſowie
außer=
dem den diplomatiſchen Vertretern der fremden Mächte in ihrer
Eigenſchaft als Vertreter des fremden Staatsoberhauptes
ver=
pflichtet iſt. Dieſe Dienſworſchrift iſt noch immer in Kraft und
führte daher am 1. Januar dazu, daß die Ehrenwache vor dem
Reichspräſidentenpalais beim Neujahrsempfang bei allen
Per=
ſönlichkeiten, die Uniform trugen, ins Gewehr trat, nicht jedoch
beim Reichskanzler Hermann Müller. Im vorigen Jahr war
auch ihm die Ehrenbezeugung erwieſen worden, es handelte ſich
aber um einen „Irrtum” des wachhabenden Offiziers. Es iſt
aber doch ein Ding der Unmöglichkeit, daß der Reichskanzler als
Chef der Regierung ſchlechter geſtellt wird als ein Wehrminiſter.
Unter dieſen Umſtänden wäre es angebracht, dieſe
Dienſtvor=
ſchrift zu ändern.
Polniſches Vordringen im
deulſchen sften.
Landverkäufe an Polen.
* Berlin, 2. Januar. (Priv.=Tel.)
Die Polen treiben ſeit Jahren in den deutſchen Oſtprovinzen
eine zielbewußte Siedlungspolitik. Warſchauer Banken laſſen
durch vorgeſchobene Strohmänner von der notleidenden deutſchen
Bauernſchaft möglichſt viel Land aufkaufen, um es Polen zu
Siedlungszwecken zur Verfügung zu ſtellen. Auf Grund der
ge=
ſetzlichen Beſtimmungen dürfen landwirtſchaftliche Nutzflächen
nur mit Zuſtimmung des Kreisrates an Ausländer verkauft
wer=
den, und ſoweit es möglich war, hat Preußen derartige
Land=
verkäufe verhindert. Es war aber nicht immer möglich, ſolche
Verkäufe zu verhindern, wenn die Polen ſehr viel höhere
Ge=
bote machten. Jetzt kommt aus dem Kreiſe Bomſt, wo die Polen
äußerſt rührig ſind, und mit deutſcher Unterſtützung polniſche
Schulen einrichten, die Nachricht, daß der Prinz Wilhelm zu
Lippe einen Teil ſeines Rittergutes Woynowo an polniſche
Bauern verkauft hat. Er iſt ſchon früher als Landverkäufer an
Polen aufgefallen und hat ſich auch nicht geſcheut, trotz der großen
Erregung in der deutſchen Bevölkerung, ſeine Ländereien
pol=
niſchen Aufkäufern abzutreten. Wir bedauern es außerordentlich,
daß hier dem Polentum eine neue Gelegenheit zum Einbruch in
deutſches Siedlungsgebiet gegeben worden iſt.
Der Landbund ſagk ſich vom Reichsausſchuß 1os.
Das Präſidium des Reichslandbundes hat dem
Reichs=
ausſchuß für das Volksbegehren einen Brief geſchrieben, der
praktiſch die Auflöſung des Reichsausſchuſſes einleitet. In dem
Brief wird geſagt, daß nach Auffaſſung des Reichslandbundes
der Reichsausſchuß eine für die beſondere Aufgabe des
Volks=
entſcheides geſchaffene Einrichtung geweſen ſei, die nach
Erledi=
gung dieſer Aufgabe aufgehört habe, zu beſtehen. Gleichzeitig
ſtellt aber der Reichslandbund ſich weiter für den Kampf um die
deutſche Zukunft zur Verfügung, für den allerdings nach ſeiner
Anſicht eine breitere Front gebildet werden müſſe. Da das
Land=
volk die ſtärkſte Stütze des Reichsausſchuſſes war, dürfte ihm
nun nichts mehr anderes übrig bleiben, als ſeine Auflöſung
zu beſchließen.
Die Deutſchnationalen haben an dem Ausſchuß keine allzu
große Freude gehabt. Die Nationalſozialiſten haben im
Aus=
ſchuß dafür geſorgt, daß der berüchtigte Artikel 4 hineinkam, der
innerhalb der deutſchnationalen Kreiſe zu lebhaften Kämpfen
führte. Gleichzeitig fühlte ſich auch der Landbund vor den Kopf
geſtoßen, der mit Recht in dem Artikel 4 einen Angriff auf den
Reichspräſidenten ſah.
Auffällig iſt, daß ſich das Präſidium des Reichslandbundes
im übrigen veranlaßt geſehen hat, ſchriftlich die
Zuſammen=
arbeit aufzukündigen. Die Präſidenten des Reichslandbundes
hatten gehofft, ſich in aller Stille zurückziehen zu können. Sie
ſind jedoch — namentlich vom Zentrum her — unter Druck
ge=
nommen worden; das aus dem Grunde, weil das Zentrum und
mit ihm die übrigen Parteien mit Recht den Standpunkt
ver=
traten, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ſei, mit dem
Reichs=
landbund in der Grünen Front Schulter an Schulter zu
kämp=
fen, wenn der Reichslandbund auf der einen Seite ein Geſetz
unterſtützte, das einen Zuchthausparagraphen für den
Reichs=
präſidenten und die Reichsminiſter enthielt, auf der anderen
aber von dieſer ſelben Regierung Hilfsmaßnahmen verlangte,
So ſah ſich das Präſidium des Reichslandbundes gezwungen,
ſich pffiziell von dem Reichsausſchuß loszuſagen.
Die Berliner Polizei muß ſparen.
Die Sparaktion des preußiſchen Finanzminiſters und des
Polizeipräſidenten von Berlin, die ſeinerzeit zum Teil ſchon
ſtar=
ken Widerſtand der Oeffentlichkeit auslöſte, iſt jetzt durch einen
neuen Erlaß des Polizeipräſidenten von neuem verſchärft
wor=
den. Für einen großen Teil der Polizeibeamten Groß=Berlins
bleibt nichts anderes übrig, als zur Ausführung ihrer
Dienſt=
geſchäfte auch die Straßenbahn zu benutzen, namentlich wenn
es ſich um die Verfolgung von Geſetzesübertretern oder ſchweren
Verbrechern handelt. Heute vormittag herrſchte in den
einzel=
nen Dezernaten große Ueberraſchung, denn der Polizeipräſident
hatte mehr als die Hälfte der bisherigen Abonnementskarten
für die Beamten geſtrichen und den Beamten anheimgeſtellt, zu
Fuß zu gehen. Im Raubdezernat verblieben nur 2 Karten, im
Einbruchsdezernat von 83 nur noch 16 Monatskarten. Auch ein
Teil der Kraftfahrzeuge ſteht ſtill, weil der erforderliche
Be=
triebsſtoff aus „Sparſamkeit” nicht bewilligt wird. Das
Ber=
liner Verbrechertum wird für dieſe Sparſamkeit am falſchen
Ort jedenfalls „ſehr dankbar” ſein.
Das Erwachen des Künſtlers in
Aus ſeinem „ſelbſterzählten Leben”.
Ernſt Barlach vereint in ſeiner Künſtlerperſönlichkeit die
Kraft des großen Plaſtikers mit der Gabe des Dichters wie
ſel=
ten in der Kunſtgeſchichte. Aus dieſer genialen Fähigkeit des
Geſtaltens mit Worten heraus hat er uns in ſeinem bei Paul
Caſſierer in Berlin erſchienenen Buch „Ein ſelbſterzähltes Leben”
die Schilderung einer künſtleriſchen Entwickelung mit ganz
einzig=
artiger Eindringlichkeit vorgeführt. Wie in dem Knaben ſich
ſchwer und langſam die viſionäre Schau entfaltete, wie ſich
dumpf der Schaffenstrieb regte und erſt ſehr viel ſpäter zum
bewußten Wirken wurde, das tritt uns aus dieſen Erinnerungen
entgegen, aus denen uns erſt die tiefſte Erkenntnis des Weſens
ſeiner Kunſt erſchloſſen wird. „Ich wurde am 2. Januar 1870
geboren” erzählt er. „Die Welt, die ich anzuſchauen bekam, ließ
es ſich von meinem guten Platz aus gefallen, dem Eckhaus am
Markt, wo ich vom Balkon herab einen Leichenzug mit herzlichem
Hurra begrüßte, da ich den Unterſchied von einem Schütze
i=
ausmarſch noch nicht wahrnahm. Knöpfe, die man mir zum
Spie=
len reichte, fraß ich auf, desgleichen Zigarrenſtummel, die mein
Vater wegwarf, und vom Miſtberg mußte man mich
gelegent=
lig wegbeſorgen, weil ich mir da etwas an Ueblem zugute tat.
Ich nahm eben die Welt in der Weiſe in mich auf, die ich am
ſchnellſten begriff. Mein Bruder Hans half mir bei dieſer
Auf=
gabe, ſo gut er konnte; wir ſchmarotzten am Friſchen ſo gut wie
am Faulen, ſpürten aber um uns herum manches Bedenkliche,
auf das acht zu geben nötig wurde. Dinge, die man nicht ſehen
und nicht hören konnte und die doch gewiß wirklich waren. „Es”
kann kommen oder auch nicht, machten wir aus, wenn wir am
taghellen Sommerabend im Bett lagen: „Sieh du nach der
Stuben=
ſeite, ich will die Wand bewachen”, denn wir wußten bald, daß
„Es” auch durch die Wände kam.‟ Dieſe Myſtik, die ſich hier im
dumpfen Ahnen des Kleinkindes regt und die ſpäter in Barlachs
Werk ſo großartig ſich entfalten ſollte, wird in dem
heranwach=
ſenden Knaben immer ſtärker. Einmal hatte er im Walde ein
großes Erlebnis, „die erſte von ähnlichen Ueberwältigungen in
dieſer Zeit meines neunten bis zwölften Jahres, das
Bewußt=
werden eines Dinges, eines Wirklichen ohne Darſtellbarkeit”,
Dieſe Erſchütterungen wiederholen ſich dann.
An einem Sommerabend, als er in der Veranda des leeren
Elternhauſes von einem Buch nach dem verlaſſenen Garten auf=
ſah, überfiel ihn wieder eine ſolche ſein ganzes Weſen
durch=
dringende Erſcheinung. „Ein anderes Mal”, erzählt er, „ſtand
ich am großen See hinter dem Gymnaſium bei einem ganz artig
heranfahrenden Winde und erlebte im Augenblick das Zerfließen
einer Welle, ein ähnlich übermächtiges Gefaßtwerden . . . In
einer Nacht ſah ich erwachend einen Kopf in der Höhe des mei=
1PW
Ernſt Barlach (Selbſtporträt)
nigen mit einem Paar gutmütiger, faſt trauriger Augen. In
die=
ſer Nacht regulierte ich, bei wütendem Herzſchlagen, jeder
Se=
kunde Mühſeligkeit erliegend, meine Atemzüge, bis ich es nicht
mehr ertrug, mich ſchlafend zu ſtellen, und die Augen wieder
auf=
ſchlug. Es war inzwiſchen heller geworden, und jem and ſtand
am Fenſter, hatte den Vorhang beiſeite gezogen, ſo daß ein
matter Schein auf ſein Geſicht fiel, das er dennoch zu mir
zurück=
gewendet hielt, als ſei er vom Vorſatz, hinauszuſteigen, durch
das leiſe Regen meiner Glieder abgelenkt.” Aus ſolchen
Viſio=
nen erwuchs ſeine Erzählergabe, mit der er ſeine Geſchwiſter
des Abends im Kinderzimmer unterhielt und die ſchon etwas
von jener mythiſchen Urwüchſigkeit gehabt haben muß, die
ſeine Dramen auszeichnet. „Ich erzählte die Geſchichte vom
ſchwein’ſchen Indianer, kurz und bündig, und leiſtete abſichtslos
eine Satire auf die epidemiſche Indianertümelei. Dann erwuchs
mir weiter das Epos „Kuhgeſicht” — Kuhgeſicht war der
Bei=
name eines unſerer Lehrer, den die Schüler für alle Zeit dafür
brandmarkten, daß er ſich in einer verhängnisvollen Sekunde
hatte hinreißen laſſen, einen Schüler „Du Kuhgeſicht” zu
ſchimp=
fen — Kuhgeſicht in den peinlichſten Lagen zu zeigen, machte den
Inhalt meines Epos aus.” Im Hauſe des Vaters, eines
Land=
arztes, und auf den Fahrten, auf denen er ihn begleitete, traten
ihm Krankheit und Tod früh in erſchütternder Form entgegen.
Es kam auch die Zeit des Schmökerns, in der er neben
Leder=
ſtrumpf und Siegismund Rüſtig Shakeſpeare entdeckte, und
merk=
würdige Erfahrungen machte er mit dem Kaſperle=Theater, einem
Weihnachtsgeſchenk, das ihn enttäuſchte, aber wenn er doch
ein=
mal die Puppen zur Hand nahm, „ſo fuhr etwas von ihnen in
mich, ſo daß das Ding einen ſelbſttätigen Verlauf einſchlug, daß
die hölzernen Köpfe von Kaſper, Tod und Teufel durch meinen
Mund ihre Sprache rappelten, und daß da überhaupt Vorfälle
ſich ſchoben und miteinander tanzten, deren Anſtifter zu ſein ich
mir nicht bewußt war.” Später hat er in ſeiner Kunſt ſolche
Holzpuppen zu einem unheimlich drängenden Leben erweckt,
zu=
nächſt aber hatte er mit dem Zeichnen Mühe, bis er durch Zufall
die Bildkraft ſeiner Hände entdeckte. Die Frau Schuldirektor
wünſchte für ein Brettſpiel ein Dutzend Vögelchen zu haben. Da
nahm er „ein Klümpchen Ton in die Hand, um als Anfang einen
Kiebitz zu formieren. Es wurde einer, und das andere Geflügel
folgte, bis das Dutzend voll war Einem Stück oder mehreren
Scheiten Buchenholz verhalfen meine Finger mit zufriedenem
Getue zur Form eines Tieres oder Blattes und bewahrten ſie
vor dem Ofen. In der Werkſtatt des Steinmetzen Buſch uns
gegenüber boten ſich Bruchſtücke von Grabſteinen zu allerlei
ſchnurrigen und kindlichen Geſtaltungsverſuchen an.” Aber all
dies waren nur dumpfe Regungen, und auch, als er im 18. Jahr
nach Beendigung der Schule ſich einen Beruf wählen ſollte,
kam ihm nicht von ferne der Gedanke an Künſtlertum, und nur
ein ſiegreicher Zufall brachte es mit ſich, daß er auf die
Hambur=
ger Gewerbeſchule kam, um dort das Zeichnen zu lernen. Nun
erſt begann das Suchen in mancher Schule und bei manchem
Lehrer, bis er dann auf ſeiner Reiſe nach Rußland „freie Bahn
fand” und das wahre Reich ſeiner Kunſt entdeckte,
Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
Seite 3
Aufmmtt dur zwenen Hanger Konfereng.
21 Staaken, darunker 17 europäiſche, auf der Konferenz verkreken. — Erſte Sihung der Konferenz am
Freikag nachmikkag. — Noch 30 Punkke harren ihrer Erledigung. — Programm der Konferenz und
Verhandlungsmodus den Delegierken überlaſſen.
Die Verhandlungsakmoſphäre.
Es liegt viel Zündſtoff in der Lufk.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 2. Januar.
Nicht ohne Aufregung hat man in Paris die letzten
Vor=
bereitungen zur Haager Konferenz verfolgt. Für Frankreich iſt
dieſe Konferenz nicht nur außenpolitiſch, ſondern auch
innen=
politiſch von ungeheurer Wichtigkeit. Das bedeutet, daß auf
Details und Preſtigefragen ein größeres Gewicht gelegt wird, als
dies unter anderen Verhältniſſen unbedingt nötig geweſen wäre.
Das ſoll man ſich bei der Beurteilung der Lage vor Augen
halten.
Die franzöſiſche Regierung hat aus verſchiedenen Gründen,
wobei auch die große Empfindlichkeit und Reizbarkeit der
fran=
zöſiſchen öffentlichen Meinung gerade in dieſer Hinſicht eine
be=
fondere Rolle mitſpielt, ſehr viel auf die gründliche
Vorberei=
tung der Konferenz gehalten. Um Frankreichs Wunſch zu
ent=
ſprechen, müßte die Konferenz ſehr ſchnell und ſehr glatt
ver=
laufen. Hätten die vorbereitenden diplomatiſchen
Verhandlun=
gen ſich immer ſo entwickelt, wie man es jetzt hier wünſcht, ſo
wurde die jetzige Konferenz im Haag nur eine Formalität
be=
deuten. Davon iſt man aber weit entfernt.
Es war auch im voraus unmöglich, zu einem ſolchen
Ergeb=
nis zu gelangen. Die Fragen, die im Haag aufgerollt werden,
ſind unendlich kompliziert und heikel. Es laſſen ſich unmöglich
alle Einzelheiten vorausſehen. An und für ſich können wenig
wichtige Fragen doch unter Umſtänden dabei eine große Rolle
ſpielen. Von franzöſiſcher Seite wird man mit einer aufs
pein=
lichſte genau vorbereiteten Materie auf den Kampfplatz treten;
die franzöſiſche Delegation hat im voraus eine ſehr große
Ar=
beit geleiſtet.
Die Verhandlungsatmoſphäre iſt aber leider mit reichlich
Exploſivſtoff geladen; die größten Gefahren liegen vielleicht nicht
einmal in den ſachlichen Fragen, ſondern in der Atmoſphäre.
Das iſt die direkte Folge der engliſchen Außenpolitik während
und ſeit der letzten Konferenz im Haag. Und nicht zuletzt eine
Folge der perſönlichen Politik Snowdens.
Trotz allem beurteilt man die Lage in Pariſer politiſchen
Kreiſen optimiſtiſch. Man zweifelt nicht an einem Erfolg der
Kouferenz.
Wenn man die Ereigniſſe von einer höheren Warte
betrach=
tet, ſo iſt es freilich ſchwer, dieſen Optimismus reſtlos zu
tei=
len. Denn auch die zweite Konferenz im Haag wird in klarer
Form zeigen, wie weit man von der Formel der Prüfung der
deutſchen Zahlungsfähigkeit ſich entfernt hat. Der Youngplan
bedeutet im Verhältnis zu ſeinen Vorgängern — das iſt das
ſymtathiſche an ihm — einen Schritt weiter zu einer nüchternen
Beurteilung der Lage. Weitere Schritte werden in
der Zukunft unbedingt folgen müſſen. Darüber
müſſen ſich alle Delegationen innerlich Rechenſchaft geben. Aber
dieſe innere Einſicht wird ſie kaum daran hindern, mit allen
ihren Kräften für die Erſchwerung jedes weiteren Fortſchritts
zu arbeiten . . .
Einkreffen der delegakionen im Haag.
Die Haager Konferenz gibt die erſten Lebenszeichen. Im
Laufe des Tages ſind bereits eine Reihe der Delegierten
eingetroffen, darunter um 6 Uhr die diesmal ſehr ſtarke
franzöſiſche Delegation mit Tardieu, Briand,
Lou=
cheur und Chéron an der Spitze. Im gleichen Zuge mit ihnen
kamen um 6 Uhr die belgiſchen Delegierten Jaſpar,
Hymans, Francqui und Gutt, die in Brüſſel zu den Franzoſen
zugeſtiegen waren und mit ihnen unterwegs noch Beſprechungen
hatten. Die deutſche Delegation wird am Freitag
morgen um 10 Uhr im Haag erwartet. Die übrigen
Delegatio=
nen, darunter auch die engliſche und die italieniſche, dürften
eben=
falls im Laufe des Freitag vormittags eintreffen.
Die erſte Sitzung der Konferenz wird Freitag
nachmittag 3 Uhr im Sitzungsſaale der Zweiten Kammer
in Form einer Vorbeſprechung der Delegierten ſtattfinden. Bis
zur Stunde ſteht noch micht feſt, ob dieſer Vorbeſprechung, wie es
bis jetzt von dem Büro der Konferenz gedacht iſt, um 5 Uhr
nach=
mittags eine öffentliche Eröffnungs=Sitzung folgen wird. Das
Büro, das unter Sir Maurice Hankey in gleicher
Zuſammen=
ſetzung wie im Auguſt arbeitet, hat bis jetzt auch noch kein
Programm oder eine Tagesordnung, für die
Konferenz aufgeſetzt. Es wird wahrſcheinlich den
Dele=
gierten ſelbſt überlaſſen bleiben, aus den 30
Punk=
ten, welche in den Juriſtenbeſprechungen noch
offen geblieben ſind, eine Art Programm zu
bilden und den Verhandlungsmodus für ihre
Erledigung feſtzulegen.
Der techniſche Apparat der Konferenz ſteht funktionsfähig
bereit. Die Vorarbeiten für die Unterbringung und die
Ver=
kehrsmöglichkeiten der Delegationen ſowie, der internationalen
Preſſe mit ihren Ländern ſind beendet. Auch die
Sitzungs=
räume ſind inſtand gebracht. Im großen Saale der Zweiten
Kammer iſt ein offenes Viereck aus ſchmalen Tiſchen aufgebaut,
um das herum 48 Delegierte in der Reihenfolge der Länder nach
dem franzöſiſchen Alphabet, beginnend mit Afrika, Deutſchland
uſw., Platz finden werden. Neu werden am Tiſch die
Delegationen Ungarns, Bulgariens,
Oeſter=
reichs und Kanadas ſein. Auch der amerikaniſche
Beob=
achter Wilſon wird offiziell an der Verhandlungstafel Platz
neh=
men, während er im Auguſt den Sitzungen rein inoffiziell
bei=
gewohnt hat.
Die Vertreter der Schweiz, Generaldirektor
Bach=
mann und Profeſſor Burckhardt, ſowie die Delegierten
Danzigs gehören nicht von vornherein zu dem Kreis der
Verhandlungsmächte, ſondern werden zu den ſie betreffenden
Spezialfragen vorausſichtlich hinzugezogen werden. Mit den
engliſchen Dominions, der Schweiz und Danzig wird die
Kon=
ferenz die Vertreter von 21 Staaten, darunter 17 europäiſchen,
umfaſſen.
Oben: Briand und Tardieu,
die Führer der franzöſiſchen Delegation.
Unten: Snowden, Englands Verhandlungsführer, und
Jaspar, belgiſcher Delegationsführer, Vorſitzender der
zweiten Haager Konferenz.
Wie der Turm von Piſa ſchief wurde.
Der ſchiefe Turm von Piſa, dieſe größte Sehenswürdigkeit
der alten toskaniſchen Stadt, hat die Oeffentlichkeit in den
letz=
ten Jahren immer wieder beſchäftigt. Dieſes den Geſetzen des
Gleichgewichts ſcheinbar, ſo hohnſprechende Gebäude ſollte ſich
in der Gefahr des Einſturzes befinden, und immer neue
Kom=
miſſionen wurden zur Unterſuchung des berühmten Campanile
ernannt. Nun haben wir beruhigende Nachrichten erhalten.
Die Gefahr des Zuſammenſturzes war nie ſehr groß, und durch
die jetzt vorgenommenen Wiederherſtellungsarbeiten wird, der
Turm feſter ſtehen denn je, und ſeine ſieben Glocken, die Jahre
hindurch geſchwiegen haben, weil man durch ihre heftigen
Schwingungen unliebſame Erſchütterungen fürchtete, werden
bald wieder ihre harmoniſchen Klänge unter dem blauen
Him=
mel Toskanas erſchallen laſſen. Ueber die Neigung des Turmes,
die ihn ſo auffällig von anderen Bauten unterſcheidet, ſind viele
Legenden verbreitet worden. Aber die Geſchichte dieſes
Bau=
werkes zeigt, daß keine bewußten Beweggründe ſeine Schiefheit
veranlaßt haben, ſondern der Zufall. Das Geburtszeugnis des
Turmes, das in der Inſchrift an dem Marmor der Außenmauer
rechts von der Eingangstür noch zu leſen iſt, gibt als Beginn
des Baues den Augnſt 1174 an. Der Glockenturm wurde etwas
über ein Jahrhundert vor dem berühmten Campo Santo und
nach der Kathedrale und dem Baptiſterium errichtet, aber wie
die beiden letzteren Gebäude war auch er dazu beſtimmt, das
An=
denken des großen Sieges zu verherrlichen, den die Piſaner
zu=
ſammen mit den Normannen 1063 in Sizilien über die Mauren
errungen hatten. Die ungeheure Beute, die ſie von Palermo
heimführten, machte die Stadt reich und ließ die herrlichen
Kunſt=
werke erſtehen, die wir noch heute auf der Piazza dei Miracoli
bewundern. Der Grundſtein der Kathedrale wurde 1064 gelegt,
und 1118 war ſie vollendet. Der Bau des Baptiſteriums, der
35 Jahre ſpäter begann, mußte wegen Geldmangels unterbrochen
werden, wurde aber dann durch eine Umlage bei den reichen
Bürgern fortgeführt. So kam man denn 1174 auch zu dem Bau
des Glockenturms, deſſen erſter Architekt ein gewiſſer Bonanno
Piſano war, der als Mitarbeiter oder Nachfolger einen
Deut=
ſchen hatte, Wilhelm von Innsbruck. Dieſer, der ein
Buckliger war, ſoll den Turm „nach ſeinem Bilde”, alſo
eben=
fall bucklig oder vielmehr nicht geradeſtehend, geſchaffen haben.
So will es die Legende. In Wahrheit ſollte der Bau ſich
natür=
lich ganz ſenkrecht erheben, aber de: Grund war ſumpfig; er
mußte ausgepumpt und mit Steinen trocken gelegt werden, und
durch das Pumpen entſtanden nun in dem aus Kieſel und Mei=
gel gebildeten Boden Löcher, die die Neigung nach der einen
Seite hervorriefen.
Die Baugeſchichte des Turmes erſtreckte ſich über eine lange
Zeit; in den Akten der Stadt wird er nach dem Beginn erſt 60
Jahre ſpäter erwähnt, dann um 1270, und ſchließlich erfahren
wir, daß in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Tomaſo
di A: drea das achte und letzte Stockwerk aufſetzte und das Werk
vollendete. Jedenfalls war damals die Neigung des Turmes
ſchon lange eingetreten. Es erwies ſich bald, daß die
Funda=
mente, die nicht tief genug in den Boden eingeſenkt waren
— weniger als drei Meter bei einem Turm von einer Höhe von
mehr als 50 Metern — das Gewicht nicht tragen konnten. Die
erſten Baumeiſter hatten alſo entweder einen großen Irrtum
bei der Anlage der Fundamente begangen oder ihre
Auftrag=
geber getäuſcht, indem ſie an den Koſten zu ihrem Vorteil
ſpar=
ten, was damals wie heute vorkam. Eines Tages, als der Bau
zu der Höhe zwiſchen dem zweiten und dritten Stockwerk
empor=
gediehen war, gab der Boden an den Stellen, die den Löchern
entſprachen, nach, und der ganze Bau ſenkte ſich nach der Seite
der Löcher und wurde dadurch ſchief. Natürlich entſtand eine
große Beunruhigung, und die Arbeit wurde für viele Jahre
unterbrochen, bis man den Eindruck gewann, daß der Turm auch
in ſeiner geneigten Stellung feſt genug ſtehe, um weitere
Stock=
werke darauf zu ſetzen. Man ſuchte den beängſtigenden Eindruck
des ſchieſen Turmes zu beſeitigen und die Schwergewichtslage
wiederherzuſtellen, indem man die neuen Aufbauten in
ſenkrech=
ter Lage errichtete, ſo daß der Turm tatſächlich ſich nur bis zum
dritten Stockwerk nach Süden neigt, während die höheren
Stock=
werke wieder nach der entgegengeſetzten Richtung drängen. Dieſe
geringere Neigung der oberen fünf Stockwerke iſt beſonders
deut=
lich bei dem letzten zu ſehen, das die Glocken trägt und im
Durchſchnitt kleiner iſt. Infolge dieſer Art des Bauens iſt die
Höhe des Turmes 54,/42 Meker an der Südſeite und 55,22 Meter
an der Nordſeite. Bis ins 19. Jahrhundert ſtand ſo der ſchiefe
Turm als Wahrzeichen der Stadt, ohne daß man ſich weiter
darum kümmerte, ob er noch ſchiefer wurde. Aber 1817 wurde
eine wiſſenſchaftliche Unterſuchung des Turmes vorgenommen,
und aus den damaligen Feſtſtellungen kann man erſehen, daß
die Neigung in einem Jahrhundert mehr und mehr zugenommen
hat. Dieſes Schieferwerden war 1907 ſo deutlich, daß die erſten
Augſtrufe erſchollen, die bald außerordentlich übertrieben
wur=
den. Die italieniſche Regierung ſetzte eine Kommiſſion von
Tech=
nikern ein, die ſehr langſam zu Werke ging und 1912 feftſtellte,
daß die Neigung beträchtlich zugenommen habe und infolge der
Tätigkeit des Waſſers in den Fundamenten fortſchreite. Im
Krieg hatte man andere Sorgen als die Gefährdung des ſchiefen
Kellogg=Sankkionen?
Eine Akkion Tardieus zur Ergänzung des
Kellogg-Pakkes.
EP. Paris, 2. Januar.
Eine Ergänzung des Kelloggpaktes wird einer
aufſehenerregenden Waſhingtoner Meldung des „New York=
Herald” zufolge der franzöſiſche Miniſterpräſident Tardieu
ge=
legentlich ſeiner Londoner Zuſammenkunft mit dem
amerikani=
ſchen Staatsſekretär Stimſon vorſchlagen. Das Ziel dieſer
Er=
gänzung ſei, im Falle einer Kriegsgefahr
gemein=
ſame Aktionen der Signatarmächte, alſo
Sank=
tionen gegen den Angreifer, auszulöſen. Bekanntlich
haben ſich die Vereinigten Staaten bisher ſtets
gegen derartige Sanktionen ausgeſprochen. Senator
Borah, der um ſeine Anſicht zu dem franzöſiſchen Vorſchlag
be=
fragt wurde, erklärte, es beſtehe keine Möglichkeit, eine
gemein=
ſame Aktion der Völker gegen einen Angreifer in den Pakt
auf=
zunehmen. Auch andere Senatoren haben ſich gegen jede
Aende=
rung des Kelloggpaktes ausgeſprochen.
Inkernakionales Schiedsgericht ſtatt Sankkionen.
EP. London, 2. Januar.
Zu der bevorſtehenden Eröffnung der zweiten Haager
Kon=
ferenz teilt der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily
Tele=
graph” mit, daß die Frage von „Sanktionen” für den Fall
der Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsverweigerung
Deutſch=
lands als Sicherheit für die Durchführung des Youngplanes
auf der Konferenz vorausſichtlich nicht aufgerollt werde. Nach
Informationen des Korreſpondenten ſeien die auf der Konferenz
vertretenen Mächte zu einem Abkommen darüber gelangt,
was bei Zahlungsunfähigkeit Deutſchlands
geſchehen ſoll. Die Frage der Sanktionen iſt nach
Mittei=
lungen des Korreſpondenten dadurch umgangen worden, daß die
Differenzen, die ſich zwiſchen Deutſchland und einer
Gläubigermacht infolge von Zahlungsunfähigkeit
Deutſchlands einſtellen könnten, der
ſchieds=
richterlichen Entſcheidung eines
unpartei=
iſchen internationalen Gerichtshofes
unter=
worfen werden ſollen. Die Zuſammenſetzung und die
Befugniſſe eines ſolchen Gerichtshofes ſeien in den
Verhandlun=
gen zwiſchen den Juriſten der „Gläubigermächte und denen
Deutſchlands bereits in den Grundzügen umriſſen worden.
Der Abſchluß des allindiſchen Kongreſſes.
EP. Lahore, 2. Januar.
Der Allindiſche Kongreß in Lahore iſt geſtern zu Ende
ge=
gangen. Kurz nach Abhaltung der letzten Vollverſammlung iſt
es anläßlich der Wahl eines neuen Arbeitsausſchuſſes für den
Kongreß von 1931 zu einer ernſthaften Spaltung unter den
An=
hängern der Kongreß=Partei gekommen. Dreißig Delegierte, die
der gemäßigten Richtung angehören, haben als
Proteſtmaß=
nahme gegen die Nichtberückſichtigung ihre Wünſche die
Aus=
ſchußſitzung verlaſſen. Die dreißig rebellierenden Delegierten
hielten ſchließlich eine Verſammlung ab, in der ſie die
Grün=
dung einer neuen indiſchen Partei, der
Demo=
kratiſchen Kongreß=Partei, beſchloſſen. Eine Konferenz
der neuen Partei wird nach den Erklärungen ihres Führers
Aiyerngar anfangs Februar in Kalkutta ſtattfinden. Die Politik
der neuen Partei läuft auf die Durchführung des Kongreß=
Pro=
gramms im Prinzip hinaus.
Von den auf dem allindiſchen Kongreß gefaßten Beſchlüſſen
ſoll der geplante Boykott der Zentral= und
Provinzialregierun=
gen Indiens ſofort in die Tat umgeſetzt werden. Der neue
Ar=
beitsausſchuß des Kongreſſes, der nach einer ſehr bewegten
Sitzung gewählt wurde, hat beſchloſſen, dem Präſidenten des
Kongreſſes, Pandit Nehru, die Ermächtigung zu erteilen, alle
Anhänger der Kongreßpartei, die ſich in
Re=
gierungsſtellen befinden, zum ſofortigen
Rück=
tritt aufzufordern. Ferner wurde der 26. Januar für die
Ab=
haltung von Kundgebungen in ganz Indien zur Unterſtützung
der neuen Politik des Kongreſſes beſtimmt. Eine Gruppe von
Ausſchußmitgliedern, ſoll im kommenden Monat eine
Propa=
gandareiſe durch das Land unternehmen, um neue Anhänger zu
werben. Zu welchem Zeitpunkt die Maſſen zur paſſiven
Re=
ſiſtenz mit Einſchluß der Nichtzahlung von
Steuern aufgefordert werden ſollen, iſt noch nicht entſchieden.
Wie es heißt, ſollen etwaige Gegenmaßnahmen der Regierung
zum Anlaß genommen werden, um die Maſſenbewegung
einzu=
leiten. Wie weit dieſe Beſchlüſſe durchgeführt werden, ſteht noch
nicht feſt, und es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß nur die radikaleren
Elemente alle Konſequenzen zu verwirklichen verſuchen werden.
Turmes, und ſo wurde erſt 1927 eine neue Kommiſſion
einge=
ſetzt, die in verſchiedene Unterkommiſſionen, eine geologiſche, eine
geodätiſche, eine hydrauliſche und eine ſtatiſche, zerfiel. Nach den
Vorſchlägen dieſer Kommiſſionen wird nun das Fundament
da=
durch geſichert, daß es waſſerdicht gemacht und zementiert wird.
So wird alſo der ſchiefe Turm noch viele Jahrhunderte in ſeiner
berühmten Schiefheit das Staunen der Beſucher erregen. C. K.
Ap. Wladimir von Hartlieb, das Antlitz der Provence. Reiſe durch
Südfrankreich. Verlag Georg Müller, München. Preis in Leinen
7,50 Mk.
Die Zahl der neu erſcheinenden Reiſebücher iſt nicht gering, und ſie
finden immer wieder ein dankbares Leſepublikum. Verfaſſer dieſes
Buches, der ſchon ein Reiſebuch über Italien herausgegeben hat, gibt
ſeine Eindrücke von einer Reiſe durch die Städte Südfrankreichs wieder.
Was er dort geſchaut und erlebt hat, ſpiegelt ſich in dieſen ſtark
per=
perſönlich gefärbten Schilderungen wider. Wir begleiten ihn durch die
Spielſäle von Monte Carlo und genießen mit ihm die Schönheit der
Landſchaft, wandern durch die Promenade und die Hauptſtraße von
Nizza mit ihrem bunten, bewegten Leben und Treiben. In Toulon
entzückt das Neue und Ungewohnte in tauſend kleinen Einzelheiten,
von der Stadt Marſaille, ihrem Straßenleben, ihrem Völkergemiſch,
und ihren Laſterſtätten wird eine eingehende Schilderung gegeben. Der
weitere Beſuch gilt den Städten, Arles, das reich an geſchichtlichen
Er=
innerungen iſt, Nimes, Avignon, dem „babyloniſchen Exil” der Päpſte,
die hier einſt in der Papſtburg reſidierten, und ſeiner paradieſiſchen
Landſchaft, Orange, der alten römiſchen Kolonie Aranſio, Grenoble
und Chambery, worauf die Reiſe in Genf, der Stadt Calvins, ihren
Abſchluß fand. Der Anblick des großen Hotelpalaſtes, des Sitzes des
Völkerbundes, gibt dem Verfaſſer Veranlaſſung zu einer peſſimiſtiſchen
politiſchen Betrachtung. Einen großen Teil des Buches nehmen die
geſchichtlichen Rückblicke ein, die mit den Erſcheinungen und Eindrücken
in den beſuchten Städten verknupft werden.
* Wilhelm Vershofen: „Rhein und Hudſon”. Elf Grotesken. (Verlag
Walter Gericke, Wiesbaden=Leipzig.)
Deutſchland und Amerika in ihrer nie zu überbrückenden
Gegenſätz=
lichkeit auf vielen Gebieten des menſchlichen, materiellen und geiſtigen
Lebens, werden hier in 11 grotesken Erzählungen und Skizzen
humori=
ſtiſch=ſatiriſch gezeichnet. Schilderungen weſenvollen Inhalts, die
aus=
gezeichnet beobachtet ſind und die Lebens= und Geſchäftsauffaſſungen
beſſer charakteriſieren als manche Bände tiefſtphiloſophiſchen Inhalts.
* Suſan Glaspell „Narziſſa”, Roman. (Verlag E. P. Tal u. Co.,
Wien VII. Lindengaſſe 4.)
Es ſind merkwürdige, aber tief angelegte Probleme, die in dieſem
Roman aufgerollt werden, der ein Liebesroman in weiteſtem Sinne des
Begriffes iſt. Jagd nach Liebe und Flucht vor der Liebe!
Leidenſchaf=
ten, die ſchickſalhafte Geſchehniſſe in das Leben der Mutter und der
Tochter hinübertreiben. Gut und ſtark geſtaltet ſind die Konflikte dieſes
neuen jungen amerikaniſchen Realismus in der Dichtung. —
Seite 4
Freitag, den 3. Januar 1930.
Nummer 3
K
OM
Die Geburt eines Mädchens
zeigen hocherfreut an
Albert Storper
und Frau Jetti
geb. Roſenſtock
z. Zt. Klinik Dr. Paul Wolff u. Dr
Hoff=
mann.
I
WEIB LICH
Jüngere, perf.
Sienokmpifin,
welche m. all.
Büro=
arbeit. vertraut iſt.
ſucht per bald paſſ.
Stellung. Angeb. u.
. 91 a. d. Geſch.(*
Friſeuſe.
erſte Kraft, bew. in
allen vorkommend.
Arbeiten, ſucht für
ſof. od. ſpät. Stellg.
Ang. u. F. 81 Gſch.*
Alwin Georg Fritz.
Die Geburt eines kräftigen
Stamm-
halters zeigen in dankbarer Freude
an
Heinz Adolf vom Baur
u. FrauCarlaMWarig, geb. Rott
Bensheim, Stadtgut Stubenwald, 1. Jan. 1930
z. Zt. Privatklinik von Dr. Hofmann und Dr. Wolf,
Riedeselstraße.
Ich ſuche ſofort jüngeren, perfekten
BiodersMisriin)
wenn möglich aus der Elektrobranche,
Angebote mit Lichtbild, Gehaltsanſpr
und Eintrittstermin unter F 118 an die
Geſchäftsſtelle.
(501
Suche per ſofort oder ſpäter
tüchtige Stütze
welche in der feineren Küche
perfekt iſt. Angebote mit
Ge=
haltsanſprüchen unter F 109
an die Geſchäftsſtelle. (493
(Anfänger.)
Fraulein für Büro
4. Lager einer
Groß=
handlg. geſ. Angeb
unt F105 Geſchſt (*
Suche f. m. Haush.
u. leichte Büxoarb.
(Schreibm. u. Sten.
tagsüber Hilfe, evtl.
b. Fam.=Anſchl.
Ge=
legenh. z. Erlern. d.
Kochens gegeben. —
Näh. Geſchäftsſt.
Gott schenkte uns wieder einen
ge-
sunden Sohn.
Era-Marie Freifrau Heyl zu Herrusheim
geb. I. der Marwitz-Friedersdarf
Ludwig Cornelius Freiherr Hepl au Herrnsheim.
Worms a. Rh. Majorshof,
Neujahr 1930.
(473
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Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, den 3. Januar.
Lehrgänge über Auslandsdeutſchkum und Schule.
Mitte Januar veranſtaltet das Zentralinſtitut für Erziehung und
Unterricht in Berlin zuſammen mit dem Heſſiſchen Kultusminiſterium
in den Städten Darmſtadt, Mainz und Gießen Lehrgänge von je
zwei=
tägiger Dauer über „Auslandsdeutſchtum und Schule‟. Dieſe Vorträge
werden von namhaften Schulmännern gehalten, die alle im
Auslands=
dienſt tätig waren und z. T. auch in den Reichsminiſterien und im
Aus=
wärtigen Amt führende Aemter inne haben. Durch praktiſche
Lehr=
proben vertieft, ſollen ſie der Fortbildung der Lehrer in den drei Städten
dienen und insbeſondere dem Unterricht in Deutſch, Geſchichte,
Staats=
bürgerkunde und Geographie zugute kommen. Der Lehrgang wird
un=
entgeltlich ſein, die Teilnahme der Lehrkräfte aller Schulgattungen an
allen Veranſtaltungen, Vorträgen und Lehrproben iſt verbindlich. Um
dies zu ermöglichen, wird am erſten Tag des Lehrgangs jeweils der
Unterricht ausfallen.
Mit dem Lehrgang iſt ein Vortragsabend für alle Teilnehmer
ver=
bunden, zu dem auch die Bürgerſchaft unentgeltlich Zutritt hat, und es
ſreht zu erwarten, daß weite Kreiſe der Bevölkerung von dieſer
Mög=
lichkeit Gebrauch machen werden, ſich über die gerade in unſerer Zeit
wichtigen Fragen des Auslandsdeutſchtums zu unterrichten.
— Ernannt wurde, am 20. Dezember der Lehrer Oskar Bauer
zu Büttelborn im Kreiſe Groß=Gerau zum Lehrer an der Volksſchule
zu Altenſchlirf (Kreis Lauterbach) mit Wirkung vom Tage des
Dienſt=
antritts ab.
— Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Verdis „Othello”
ge=
langt heute Freitag um 19 Uhr im Großen Haus unter muſikaliſcher
Leitung von Dr. Karl Böhm mit Grahl, Stoſch, Stadelmaier,
Kom=
regg, Jacobs in den Hauptrollen zur Aufführung. (Miete D.)
„Der Datterich”, Niebergalls berühmte Lokalpoſſe, wird heute
Freitag um 19.30 Uhr im Kleinen Haus außer Miete zur Darſtellung
gebracht.
„Peterchens Mondfahrt”, das ungewöhnlich zuskräftige
Weihnachtsmärchen, wird morgen Samstag im Großen Haus bei
her=
abgeſetzten Preiſen (0,50—2,00 Mark) wiederholt.
Roſſinis „Angelina” wird morgen Samstag um 20 Uhr im
Kleinen Haus unter muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler in
Szene gehen. Angelina: Käthe Walter. In den übrigen Hauptrollen
Stadelmaier, Stralendorf, Kuhn, Harre, Kienzl, Overlack. (Miete I.
und Darmſtädter Volksbühne, Gemeinde M, Gruppe 1—4.)
Die nächſte Aufführung der erfolgreichen Geſangspoſſe „Ich
tanze um die Welt mit Dir” von Marcellus Schiffer (Muſik
von Friedrich Hollaender) findet morgen Samstag um 20 Uhr im
Kleinen Haus mit Beſſie Hoffart, Werner Hinz, Lilli Kann a. G.,
Günter Haenel und den übricen Kräften der Uraufführung ſtatt. —
(Darmſtädter Volksbühne, Gemeinde S, Gruppe 1 bis 4.)
Sonntag, den 5. Januar, werden die beiden erfolgreichen Silveſter=
Premieren des Landestheaters erſtmals wiederholt. „Eine Nacht
in Venedig” von Johann Strauß wird um 19.30 Uhr im Großen
Haus (Miete E), „Der Raub der Sabinerinnen” um 19.30
Uhr im Kleinen Haus (Zuſatzmiete II) in Szene gehen.
— Viertes Sinfonie=Konzert. Im vierten Sinfonie=Konzert am
Montag, den 6. Januar, gelangen unter Leitung von
Generalmuſik=
direktor Dr. Karl Böhm zwei Sinfonien zur Wiederaufführung, die
ſeit langem zum beſten Beſtand aller Konzertprogramme gehören:
Haydns Sinfonie Nr. 12 in B=Dur und Brahms 4. Sinfonie in
E=Moll, das letzte der ſinfoniſchen Werke des großen Hamburger
Mei=
ſters. — Als Soliſtin tritt zum erſten Male die jugendlich=dramatiſche
Sängerin des Hamburger Stadttheaters, Maria Huſſa, vor das
Darmſtädter Publikum.
— Waiſenſchutz=Weihnachtsfeier. Der Heſſiſche Fechtverein
Waiſen=
ſchutz, Zweigverein Darmſtadt, beging am 1. Januar ſeine diesjährige
Weihnachtsfeier. Schon lange vor Beginn war der große Saal des
Städtiſchen Saalbaues überfüllt, ſo daß mancher Spätkommende wieder
abziehen mußte. Sämtliche Beſucher des Feſtes kamen aber auch voll
und ganz auf ihre Rechnung, denn der Leiter der Veranſtaltung, Herr
Ernſt Thomas, hatte wieder ein abwechſlungsreiches Programm auf
die Beine gebracht, das dem Verein alle Ehre machte. Eingeleitet
wurde die Feier durch zwei gutgeſpielte Konzertſtücke des
Zither=
kranzes Darmſtadt 1920 unter Leitung des Dirigenten Herrn Georg
Knörzer, worauf Frl. Mozek einen von Herrn Ernſt Thomas
verfaßten Prolog fein, zu Gehör brachte. Frl. Friedel Köppler
brachte mit ihrer gutgeſchulten Stimme zwei Lieder für Sopran zu
Gehör, womit ſie reichen Beifall erntete. Die Turnerinnen=Abteilung
der Turngeſellſchaft Darmſtadt unter Leitung ihres Turnwarts Herrn
L. Schwarz brachte Bodenturnen, Keulenſchwingen ſowie einen
allerliebſt getanzten „Rheinländer” zur Aufführung, womit ſie großen
Beifall fand. Die Duett, betitelt „Bei der Heiratsvermittlerin”
brachte den Vortragenden, Frl. Wagner und Mozek, reichen
Bei=
fall. Herr Bingenheimer löſte mit ſeinen humoriſtiſchen
Vor=
trägen wahre Lachſalven aus. Nach der „Fauſt=Fantaſie”, geſpielt von
dem Zitherkranz”=Darmſtadt, brachte die erſte Turnerriege der
Turn=
geſellſchaft Darmſtadt 1875 unter Leitung ihres Turnwarts Herrn
W. Niebel Turnen am Hochreck zur Schau. Auch hierfür fehlte es
nicht an Beifall. Den Vogel des Abends ſchoſſen natürlich die
Mit=
wirkenden der Poſſe „Die Brieftaſche” ab, die unter Spielleitung von
Herrn Adam Rieſinger von den Damen Frau Keil, Frl. E.
Buchheimer, ſowie von den Herren A. Rieſinger, F. Stein,
H. Brück und J. Eller zur Aufführung gelangte. Eine reiche
Tombola brachte manchem Glücklichen einen ſchönen Geſinn. Ein
Tanz, zu dem das Stadtorcheſter unter perſönlicher Leitung von Herun
Kapellmeiſter Willi Schlupp die Muſik ſtellte, hielt die Anweſenden
noch lange in gemütlicher Stimmung beiſammen. Alles in allem: es
war ein ſchönes Familienfeſt, das dem „Waiſenſchutz” manche
neue Freunde bringen wird.
— Volksbühne. Zu der Samstag, den 4. Januar, im Großen
Haus ſtattfindenden Vorſtellung „Peterchens, Mondfahrt
erhalten die Mitglieder der Volksbühne Karten zu bedeutend
ermäßig=
ten Preiſen in der Geſchäftsſtelle der Volksbühne. — Die Mitglieder
der Konzertgemeinde beſuchen als 4. Konzert den von der Volksbühne
am 10. Januar im Kleinen Haus veranſtalteten „Wiener Abend”
Zu dieſem Abend, an dem Fräulein Kienzl und die Herren Tibaldi
und Bamberger mitwirken, erhalten die Mitglieder der Volksbühne
ebenfalls Karten zu Vorzugspreiſen von 0,80, 1,50 und 2,00 Mark in
der Geſchäftsſtelle, Eliſabethenſtraße 34 (Haus Alter), in der
Geſchäfts=
ſtelle der Volkshochſchule und im Gewerkſchaftskartell.
— Muſikverein. Die nächſte Probe zur Meſſe von Peterſen
findet Montag, den 5. Januar, im Vereinshaus ſtatt. Damen um
8 Uhr, Herren um 9 Uhr. (S. Anzeige.)
— Skiklub Darmſtadt—Odenwald. Wie wir von der Darmſtädter
Ski= und Wanderhütte hören, ſind die Schneeverhältniſſe ſeit einigen
Tacen im Hüittengebiet wieder durchaus günſrig. Fahrbare
Schnee=
grenze bei etwa 700 Meter. Ab 4. Januar wird unſer Mitglied Sport=
und Spiellehrer Fritz Barkmann auf der Hütte ſein und ſteht zur
Aus=
bildung von Fortgeſchrittenen und Arfängern auch für Einzelkurſe zur
Verfügung.
— Treue Mieter. Am 28. November waren es fünfzig Jahre,
daß Familie Neiter im Hauſe Schloßgartenſtraße 15 bei
Zim=
merermeiſter Krickſer wohnt. Gewiß ein ſchönes Zeichen von friedlichem
Zuſammonwohnen bei gegenſeitiger Wertſchätzung und Hochachtung.
Kurſus für Richter und Staaksanwälke
zur Einführung in den ſtädtiſchen Straßenbahnbetrieb.
Auf Anregung der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=
Geſellſchaft und mit ihrer dankenswerten Unterſtützung wurde
im Laufe des Dezember von dem Juſtizminiſterium ein Kurſus
ver=
anſtaltet, um Richter und Staatsanwälte mit dem techniſchen Betrieb
der Städtiſchen Straßenbahn bekannt zu machen und ihnen die
Möglich=
keit zu geben, aus eigener Anſchauung die Art der Bedienung eines
Straßenbahnwagens ſowie die techniſchen Vorrichtungen zur Verhütung
von Zuſammenſtößen bei plötzlich auftretenden Verkehrshinderniſſen
kennen zu lernen. Zur Leitung des Kurſus hatte ſich in
liebenswür=
diger Weiſe Direktor Bohnenberger zur Verfügung geſtellt.
In einem einleitenden Vortrag gab er zunächſt an Hand von
Licht=
bildern und Zeichnungen einen orientierenden Ueberblick über die
Entſtehung und das Weſen der Straßenbahn. Daran ſchloß ſich eine
Beſichtigung des Pſychotechniſchen Inſtituts, in dem die
Wagenführer mit Hilfe äußerſt ſinnreich erdachter Apparate auf ihre
pſychiſchen Fähigkeiten, namentlich was Geſichts= und Gehörſinn und
das Reagieren auf Schreckeinwirkungen anlangt, geprüft werden. Die
Mannigfaltigkeit der Prüfung zeigt, mit welch außerordentlicher
Sorg=
falt die Ausbildung und Auswahl zuverläſſiger Wagenführer
gehand=
habt wird. An zwei weiteren Tagen wurde die geräumige, mit den
modernſten Maſchinen und allen hygieniſchen Einrichtungen
ausge=
ſtattete Werkſtätte am Böllenfallvor beſichtigt. Dabei
er=
gab ſich Gelegenheit, einen Straßenbahnwagen in allen ſeinen
Beſtand=
teilen, namentlich die verſchiedenen Bremsvorrichtungen — ein jeder
Wagen verfügt über deren vier — in Augenſchein zu nehmen und
deren Bedienung kennen zu lernen. Den Schluß des Kurſus bildeten
äußerſt lehrreiche Vorführungsfahrten mit Bremsverſuchen bei
voller Fahrgeſchwindigkeit. Sie lieferten den Beweis für das
tadel=
loſe Funktionieren der Bremsvorrichtungen und gaben wertvollen
Aufſchluß über die Bremsſtrecke, innerhalb deren der Wagen auf dem
kürzeſten Wege zum Stehen gebracht werden kann. Die Verſuche
er=
gaben, daß bei einer Stundengeſchwindigkeit von 24 Kilometern, wie
ſie ein Wagen auf einer Strecke 1. Klaſſe (z. B. Rheinſtraße) entfalten
darf, die Bremsſtrecke zwiſchen 14 und 15 Meter liegt. Das beweiſt
zugleich, wie außerordentlich gefahrvoll für Kraftwagen,
insbeſon=
dere Laſtkraftwagen mit Anhänger, es iſt, wenn ſie, aus einer
Seiten=
ſtraße kommend, plötzlich mit einem Straßenbahnwagen
zuſammen=
treffen und nun verſuchen, noch vor dem Straßenbahnwagen die
Straße zu kreuzen.
Der Zweck des Kurſus darf als voll erreicht bezeichnet werden.
Das große Intereſſe, das ihm von der Beamtenſchaft entgegengebracht
wurde, zeigte ſich in der zahlreichen Beteiligung der Richter,
Staats=
anwälte, Aſſeſſoren und Referendare. Allſeits wurde anerkannt, daß
der Kurſus einen wertvollen Einblick in die techniſche Seite des
Stra=
ßenbahnbetriebs gewährt habe. Das fand auch Ausdruck in dem
herz=
lichen Dank, der Herrn Direktor Bohnenberger ſowohl aus dem Kreis
der Teilnehmer als auch von ſeiten des Juſtizminiſteriums
ausgeſpro=
chen wurde.
Versäumen Sie nicht
morgen
Umperte Urbane
zu hören.
Karten: Christian Arnold, am weißen Turm. (483
— Der Männergeſangverein „Liederkranz‟, Darmſtadt hatte zu
ſeiner Weihnachtsfeier in den Städt. Saalbau eingeladen. Der 2.
Vor=
ſitzende, Herr Adam Hildebrand, hieß alle herzlich willkommen. Die
Chöre (L. v. Beethoven, Leiendecker, Strauß und Wohlgemuth), unter
der vorzüglichen Stabführung ihres Dirigenten Kapellmeiſter Friedel
Fiſcher (Lehrer an der Städt. Akademie für Tonkunſt) waren wieder
Beweiſe, mit welcher Liebe und Pflichterfüllung in dieſem Verein
ge=
arbeitet wird. Ein Violinſolo, Ballade und Polonaiſe” von Vieuxtemps,
geſpielt von Herrn Heinrich Größmann, Lehrer an der Städt. Akademie
für Tonkunſt (am Flügel Kapellmeiſter Friedel Fiſcher), war für beide
eine Spitzenleiſtung. Herr Willi Hönig (aus der Schule Braun=Jäger)
ſang „Selig ſind, die Verfolgung leiden” aus dem Evangelimann von
Kienzl, und „Murmelndes Lüftchen” von Jenſen. Mit dieſem Vortrag
gewann Herr Hönig die Herzen der Anweſenden. Ein Duett „
Lebens=
anfang und Lebensende”, vorgetragen von Frl. Geßner und Herrn Fritz
Kling, am Flügel Herr Kling jr., war eine prächtige Nummer. Das
Weihnachtsſpiel „Das ſchönſte Weihnachtsgeſchenk” konnte nicht beſſer
gewählt werden. Das Spiel ſelbſt (Regie Herr L. Tilly), gut einſtudiert,
war flott, packend und ſprach ſehr deutlich. Frau Anni Hildebrand
ſowie die Herren Adam Hildebrand, Georg Willemann, E. Ettling, L.
Krumb, K. Krämer und G. Rudolf gaben ihr Beſtes. Beifall, Blumen
und beſondere Worte des Dankes gaben Anerkennung für die
Glanz=
leiſtung. Zu erwähnen iſt für den ſehr gut geſprochenen Vorſpruch Frl.
Stein, für die Mitarbeit im Souffleurkaſten Frl. Wegerich und für die
echt wirkenden Masken jedes einzelnen Spielers Herr Friſeur Karl
Wegerich.
Schuhe färbt
garantiert haltbar für Mark 2.00
Rudolf Wagner, Alezanderſtr. 11. (
— Der Polizei=Schießſportklub Darmſtadt veranſtaltete im
Konkor=
diaſaale ſeine Weihnachtsfeier. Der 1. Vorſitzende, Herr Kriminal=
Poli=
zeimeiſter Hummel, begrüßte die zahlreich erſchienenen Klubmitglieder
und Gäſte, ganz beſonders aber die Vertreter des Herrn Miniſters des
Innern, Herrn Oberregierungsrat van Baſtuiſen, Herrn Polizeirat
Stürmer, gleichfalls den Vorſtand des Polizeiamts, Herrn
Polizeidirek=
tor Dr. Uſinger, und die Herren Regierungsrat Dr. Kayſer,
Regierungs=
rat Bach, Polizeimajor Freyer und Herrn Regierungsaſſeſſor Köhler.
Die Tochter Tilly des Polizeibeamten Stricker trug einen ſinnigen
Pro=
log vor. Die Geſangsabteilung der Polizeibeamten brachte unter der
bewährten Leitung des Herrn Obermuſiklehrers Lambert mehrere Chöre
zu Gehör, Herr Kammermuſiker Hardt (Violine) vom Heſſiſchen
Landes=
theater ſpielte wundervoll die Ballettſzene von Bériot. Herr Fritz
Kugler ſang mit gewohnter Meiſterſchaft Weylas Geſang,
Ratten=
fänger von Hugo Wolf und Zueignung von Richard Strauß. Herr
Gutkäſe brachte mit humorvollen Darbietungen die Lachmuskeln in
Be=
wegung und Heinz Heberer ſang einige Rheinlieder. Herr
Polizei=
ſekretär Etzold war allen ein feinſinniger Begleiter auf dem Flügel.
Der inſtrumentale Teil wurde von der Muſikabteilung der
Polizei=
beamten ausgeführt. Eine reich ausgeſtattete Tombola und ein flotter
Tanz gaben der Feier einen ſchönen Abſchluß. Am Nachmittag hatte
der Polizei=Schießſportklub 138 Kindern von Polizeibeamten eine
Weih=
nachtsfeier bereitet. Es war eine Freude, den Kleinſten mitzuzuhören,
wie ſie dem erſchienenen Nikolaus mit Zittern und Bangen ihre
Ge=
dichte vortrugen. Jedes Kind wurde reich beſchenkt, uend konnte man
es ihren ſtrahlenden Augen anſehen, daß der Nikolaus ſich gut
ange=
laſſen hatte.
* Autounfall. Auf der neugepflaſterten Verkehrsſtrecke Geinsheim—
Leeheim ereignete ſich ein Autounfall. Ein Lieferauto der Firma Ph.
Bender=Pfungſtadt ſackte mit den beiden rechten Rädern ein.
Trotz=
dem alle Bierfäſſer abgeladen wurden, konnte das Auto nicht
loskom=
men, und es war Gefahr vorhanden, den Abhang hinunterzugleiten.
Die Antovermietung Friedrich in Leeheim mußte verſtändigt werden
und griff helfend ein.
* Ans dem Gerichtsſaal.
Zur Verhandlung ſtanden geſtern vor dem Amtsgericht II (
Darm=
ſtadt Land) zunächſt die Strafanzeigen der Krankenkaſſe Eberſtadt
gegen drei Arbeitgeber, denen zur Laſt gelegt war, die vom
Ar=
deitslohn ihrer Angeſtellten zurückbehaltenen
Krankenkaſſen= und
Arbeitsloſenverſicherungs=
beiträge nicht an die Kaſſe abgeführt zu haben. Nach
mehrfachen Mahnungen und fruchtloſen Pfändungen hatte ſich die
Krankenkaſſe an das Gericht als letzte Inſtanz gewandt. Die
Beweis=
aufnahme ergab indes, daß man in die Irre geht, wenn man heute
den Begriff „Arbeitgeber” ohne weiteres mit „kapitalkräftig” identiſch
ſetzt. Die erſte Angeklagte, Karuſſellbeſitzerin, Mutter von acht
Kin=
dern, die nichts verdienen, Frau eines kranken Mannes, hatte einen
Gehilfen engagiert, der bei ihr lediglich gegen Koſt, Wohnung und
gelegentliche Trinkgelder tätig war. Ob dieſe Art des
Vertragsab=
ſchluſſes dazu dienen ſollte, die Krankenkaſſen=Beiträge zu ſparen, ſteht
dahin. Zu weitergehenden geldlichen Zuwendungen an ihren Gehilfen
war die Arbeitgeberin offenbar nicht in der Lage. Und da ihr nicht
nachzuweiſen war, daß ſie von einem feſten Wochenlohn Abzüge gemacht
hatte, die für die Kaſſe beſtimmt waren, mußte ſie freigeſppochen
werden.
Denſelben Verlauf nahm die Verhandlung gegen einen
Dreſch=
maſchinenbeſitzer, der einen Arbeiter gegen 20 Mark Wochenlohn
ver=
pflichtet, ihn auch vorſchriftsmäßig angemeldet, aber keine
Verſiche=
rungsbeiträge bei der Kaſſe für ihn erlegt hatte. Der Arbeiter als
Zeuge gab an, daß er den Wochenlohn nur deshalb in ſolch niedrigem
Betrag angenommen habe, weil er als ſelbſtverſtändlich vorausſetzte,
daß der Arbeitgeber die vorgeſchriebenen Beiträge für ihn bezahle.
Da aber auch in dieſem Falle keinerlei Vereinbarungen über
entſpre=
chende Abzüge nachweisbar waren, kam das Gericht auch hier zu einem
Freiſpruch, obwohl der Angeklagte auch früher ſchon öfters
Schwierigkeiten mit der Kaſſe hatte und gelegentlich äußerte: „Die
Krankenkaſſe mag ſehen, wie ſie zu den Beiträgen kommt‟. Die beiden
Freigeſprochenen erklärten ſich im übrigen auf Ermahnung des
Rich=
ters bereit, die rückſtändigen Beträge an die Krankenkaſſe zu bezahlen.
Der dritte Fall betraf einen Unternehmer, der, ſolange ſein
Ge=
ſchäft gut ging, die Beiträge für 12 bis 15 Arbeiter entrichtete. Als
er in Schwierigkeiten kam und ſelbſt ſeinen Arbeitern nur noch a conto=
Zahlungen leiſten konnte, ſtellte er die Beitragszahlung an die
Kran=
kenkaſſe ein, die nun einen Betrag von 835 Mark von ihm fordert. Er
beſtreitet die Höhe dieſer Forderung und ſtellt den Antrag auf Ladung
eines Zeugen, der die Belege für erfolgte Zahlungen beibringen könne,
ſo daß ſich die Schuldſumme auf höchſtens 200 Mark verringere. Das
Gericht beſchließt demgemäß.
Auch in zwei Anklagefällen wegen Ruheſtörung kam das
Gericht zu einem Freiſpruch. Einer derſelben iſt um deswillen
nicht unintereſſant, weil in ihm über die Daſeinsberechtigung und
Tätigkeit des heute weitverbreiteten Radio=Apparates ein Urteil
ge=
fällt wurde. Ein Einwohner von Wixhauſen hat einen derartigen
Apparat, den er auch in vorgerückter Stunde öfters anſtellte. Die
Mitbewohner des Hauſes, das in beſonderem Maße dünnwandig
ge=
baut iſt, fühlten ſich durch das Geräuſch geſtört und veranlaßten, als
ſich der Inhaber in einer Auguſt=Nacht zu beſonders früher Stunde
betätigte, ein polizeiliches Strafmandat über 5 Mark. Dagegen erhob
der Radiobeſitzer vor Gericht Einſpruch. Da aus der übrigen
Nach=
barſchaft keinerlei Klagen über den Lärm des Apparates laut
gewor=
den ſind, und ein Schutzmanns=Wachtmeiſter, der ſich zur Prüfung
der Verhältniſſe in das Haus begab, das Geräuſch als keineswegs
unerträglich bezeichnete, ſprach das Gericht den Radio=Inhaber frei.
Doch wurde er ermahnt, ſeinen Radio=Enthuſiasmus mit Maß zu
peka.
betätigen.
— Sektion Darmſtadt des D. und Oeſterr. Alpenvereins. Herr
Dr. Gretſchmann, der von früher hier in Darmſtadt wohlbekannt
iſt, wird am Dienstag, den 7. Januar, abends 8.15 Uhr, im Feſtſaal
des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums über ſeine letztjährigen Touren und
Beſteigungen im Gebiet von Zermatt und Chamonix ſprechen. Die
Mit=
glieder der Sektion Starkenburg und eingeführte Gäſte ſind höfl.
ein=
geladen.
Verwaltungsgerichtshof, Zeughausſtraße 2. Oeffentliche Sitzung
am Samstag, den 4. Januar 1930, 9,15 Uhr: Vorentſcheidung gegen
den Oberbürgermeiſter Mueller in Darmſtadt gemäß Art. 77 AG.
z. BGB.
— Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg—Amerika=Linie. Nach
New York: „Cleveland” am 2. 1. ab Hamburs, am 3. 1. ab
Cux=
haven, „Thuringia” am 9. 1. ab Hambura. „St. Louis” am 16. 1. ab
Hamburg, am 17. 1. ab Cuxhaven, „Milwaukee” am 23. 1. ab Hamburg,
am 24. 1. ab Cuxhaven, „Weſtphalia” am 30. 1. ab Hamburg, „
Cleve=
land” am 6. 2. ab Hamburg, am 7. 2. ab Cuxhaven, „Hamburg” am
13. 2. ab Hamburg, am 14. 2. ab Cuxhaven, „St. Louis” am 20. 2, ab
Hamburg, am 21. 2. ab Cuxhaven. — Nach Philadelphia, New
York (ab Hamburg): „Friesland” am 14. 1., „Hagen” am B8. 1.,
„Leverkuſen” am 11. 2. — Nach Boſton, Baltimore,
Nor=
folk (ab Hamburg): „Harburg” am 8. 1., „Liguria” am 22. 1., „
Alt=
mark” am 5. 2. — Nach der Weſtküſte Nordamerikas (ab
Hamburg): „Oakland” am 18. 1., „San Francisco” am 1. 2., „Seattle‟
am 22. 2. — Nach Kanada (ab Hamburg): „Emden” am 7. 1.,
„Thuringia” am 9. 1., „Kent County” am W. 1., „Labelle County”
am 30. 1. — Nach Weſtindien, Weſtküſte Zentral=
Ameri=
kas (ab Hamburg): „Feodoſia” am 4. 1., „Rugia” am 11. 1., „Mimi
Horn” am 18. 1., „Magdalena” am 25. 1., „Grandon” am 1. 2., „
Teu=
tonia” am 8. 2. — Nach den Weſtindiſchen Inſeln (ab
Hamburg): „Marie Horn” am 14. 1., „Cuba” am 28. 1. — Nach
Kuba (ab Hamburg): „Palatia” am 3. 1., „Artemiſia” am 1. 2.,
Eupatoria” am 1. 3. — Nach Mexiko (ab Hamburg): „Nord=
Schleswig” am 4. 1., „Phoenicia” am 16. 1., „Rio Panuco” am 28. 1.,
„Nord=Friesland” am 8. 2., „Patricia” am 21. 2. — Nach der
Oſt=
küſte Südamerikas (ab Hamburg): „Seſoſtris” am 8. 1., „Eifel”
am 8. 1., General Belgrano” am 11. 1., „Niederwald” am 18. 1.,
„General Oſorio” am 22. 1., ein Dampfer zirka 25. 1., „Württemberg”
am 1. 2. — Nach der Weſtküſte Südamerikas (ab
Ham=
burg): Spreewald” am 1. 1., „Wido” am 8. 1., „Sachſen” am 11. 1.,
„Emil Kirdorf am 15. 1., „Itauri” am 22. 1., „Rapot” am 25. 1. —
Nach Niederländiſch=Indien (ab. Rotterdam): „Dortmund”
am 7. 1., (ab Hamburg): „Heidelberg” am 15. 1., ein Dampfer am
am 29. 1., „Halle” am 4. 2. (ab Rotterdam), „Rendsburg” am 12. 2.
(ab Hamburg). — Nach Auſtralien (ab Hamburg): „Oder” am
8. 1., „Aſphalion” am 18. 1., „Leuna” am 29. 1. — Nach
Süd=
afrika (ab Hamburg): „Altona” am 18. 1., „Hannover” am 15. 2.
— Nach Oſtaſien (ab Hamburg): „Ramſes” am 4. 1., „
Münſter=
land” am 11. 1., „Duisburg” am 18. 1., „Ludendorff” am 25. 1.,
„Sauerland” am 1. 2., „Rheinland” am 8. 2., „Kulmerland” am 15. 2.,
„Oliva” am 22. 2. — Mitgeteilt durch die hieſige Vertretung:
Bank=
geſchäft Friedrich Zaun, Luiſenplatz 1. Tel. 1308/09.
Kunſknotizen.
Uſeder Werfe, Künſſter oder Hünftleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden Ur
geſchlebt, behält ſich die Redaktlon ibr Urteil vor.
— Union=Theater. Der Leitung des Union=Theaters iſt es
gelungen, den bekannten Neger=Bariton Francis Mores vom Negro=
Art. Theater in New York zu einem kurzen Gaſtſpiel zu verpflichten.
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Seite 6
Freitag, den 3. Januar 1930.
Nummer 3
Eine Freifahrt mit dem Zeppelin kann ſich die
Angeſtellkenjugend erringen.
Man ſchreibt uns: „Wir dürfen nicht vergeſſen, daß wir uns wieder
hinaufarbeiten müſſen — hinaufſpielen können wir uns nicht.”
Kein anderer wie Dr. Eckener ſchrieb dieſen Satz, als ihn der
Ge=
werkſchaftsbund der Angeſtellten (GDA.) bat, dem Ehrenausſchuß für
den Reichsberufsvettkampf des GDA. beizutreten. Eine Freifahrt mit
dem Zeppelin hat er für eine Beſtleiſtung außerdem zugeſagt. Prof.
Dr.=Ing. Hugo Junkers hat ebenfalls den Berufswettkampf aufs
herz=
lichſte begrüßt und ſtiftete eine Freifahrt mit einem Junker=Flugzeug.
Reichsbankpräſident Dr. Hialmar Schacht ſtiftete eine Schreibmaſchine,
daneben hat der preußiſche Handelsminiſter Dr. Schreiber eine
Stu=
dienfahrt nach Wien geſtiftet, eine weitere Studienfahrt von 10 Tagen
nach England wurde ebenfalls zugeſagt.
Was iſt nun Berufswettkampf?
Der Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten (GDA.) erläßt an die
ge=
ſamte Angeſtelltenjugend einen Aufruf, ſich an dem Berufswettkampf
für die Angeſtelltenjugend zu beteiligen. Bedingungen entſtehen für
den einzelnen überhaupt nicht. Beteiligen kann ſich jeder Angeſtellte,
ob männlich oder weiblich, ebenſo auch diejenigen Schüler und
Schüle=
rinnen, die jetzt an Oſtern als Lehrlinge in den Angeſtelltenberuf
ein=
treten. Die Aufgaben werden den einzelnen Jahrgängen beſonders
an=
gepaßt, ſo daß die verſchiedenen Jahrgänge beſonders gewertet werden,
Der Zweck dieſes Berufswettkampfes iſt es, die Jugend in ihrem
Berufe anzueifern, ſich weiter fortzubilden. Deshalb wird auch keinerlei
Bedingung an die Teilnahme geknüpft, ſo daß ſich alſo jeder beteiligen
kann. Auch hier in Heſſen wird der Berufswettkampf durchgeführt.
Der Herr Staatspräſident von Heſſen und Kultusminiſter, Dr. Adelung,
hat den Ehrenvorſitz für Heſſen übernommen und hat für den Verlauf
die beſten Wünſche überſandt.
In Darmſtadt ſelbſt iſt es der Herr Oberbürgermeiſter R. Mueller,
der Herr Direktor Dr. Zeiger und Herr Regierungsrat Direktor Jöckel,
die den Ehrenausſchuß bilden.
Die Ortsgruppe Darmſtadt des GDA. hat eine größere Zahl von
Preiſen geſtiftet, ſo daß nicht nur die allererſten Arbeiten ausgezeichnet
werden können, ſondern daneben noch die guten Arbeiten, die zeigen,
daß der einzelne Teilnehmer in ſeinem Berufe etwas Gutes leiſtet.
Damit ſoll bezweckt werden, daß recht viele ſich beteiligen, außerdem
das allgemeine Gute anerkannt wird. Denn nur, wenn die
Allgemein=
bildung gehoben wird, kann Deutſchland vorwärts kommen.
Es handelt ſich nicht etwa um eine Prüfung mit all ſeinem drumm
und dran, ſondern um einen richtigen Kampf, bei dem dem Einzelnen
in weiteſtem Maße Gelegenheit geboten wird, zu zeigen, was er kann.
Die Jugend, die ja den Kampf liebt, wird deshalb dieſen
Berufswett=
kampf beſonders freudig begrüßen.
Der Welfenfonds vor dem Reichsgerichk.
(Nachdruck verboten.)
is. Der 7. Zivilſenat des Reichsgerichts verhandelte am 6.
Dezem=
ber 1929 als Reviſionsinſtanz über die Aufwertung des Welfenfonds.
Bekanntlich hat ſich das Reichsgericht bereits im Jahre 1925 mit der
Sache beſchäftigt. Damals handelte es ſich aber nur um die von dem
beklagten Preußiſchen Staat erhobene Einrede der Unzuläſſigkeit des
Rechtsweges, die Einrede iſt vom Reichsgericht zurückgewieſen, der
Rechtsweg für zuläſſig erklärt worden. In der jetzt zur Verhandlung
ſtehenden Sache handelt es ſich um die Aufwertung des 40
Millionen Mark betragenden Welfenfonds, der auf
Grund eines Vertrages vom 29. Dezember 1867 zwiſchen dem König
Georg von Hannover und dem Preußiſchen Staat als Entſchädigung
für aufgegebene Vermögenswerte (Domänen, Schlöſſer, Gärten uſw.)
feſtgelegt wurde. Die Auszahlung des Kapitals war nach dem
Ver=
trage an den ausdrücklichen Verzicht König Georgs auf Krone und
Land gebunden. König Georg verzichtete aber nicht, ſo daß das
Kapital in Preußiſchen Konſols angelegt und nur jeweils die Zinſen
ausgezahlt wurden. Gemäß eines im Jahre 1892 mit dem Herzog
von Cumberland (der ſeinem Vater, dem König Georg, auf dem
Sterbebette verſprochen hatte, ebenfalls auf Krone und Land nicht zu
verzichten) abgeſchloſſenen Nachtrages zum Vertrage vom Jahre 1867,
wurde der geſamte Ausgleichfond in eine preußiſche Buchſchuld
um=
gewandelt mit der Beſtimmung, daß die Maſſe ein Beſtandteil des
Braunſchweig=Lüneburgiſchen Geſamthauſes bilde, daß aber die
Ver=
waltung dem preußiſchen Finanzminiſter unterſtehe.
Die Zinſen floſſen nach wie vor an das Geſamthaus Braunſchweig=
Vüneburg. Jetzt wollen die Kläger — Geſamthaus Braunſchweig=Lüneburg
— mit einer nach dem Anleiheablöſungsgeſetz in Frage kommenden
Auf=
wertung des Kapitals von 8% ſich nicht zufrieden geben, ſondern
ver=
langen mit der Klage gemäß § 242 BGB. — da eine Auszahlung
des Kapitals auch heute noch nicht erfolgen kann — die Feſtſtellung, daß
der Preußiſche Staat verpflichtet iſt, auf einen Teilbetrag von 50 000
Mark der Ausgleichsſumme 50 000 Goldmark bereit zu halten. Das
bedeutet eine 100 prozentige Aufwertung des Welfenfonds, von dem
zwar zunächſt nicht das Kapital, wohl aber die entſprechenden Zinſen
zu zahlen ſein würden.
Landgericht und Kammergericht zu Berlin wieſen die
Aufwer=
tungsklage ab, ſie erkannten im Sinne des Preußiſchen Staates, daß
die Kläger als Inhaber preußiſcher Staatsanleihe nur Anſpruch auf
die beſchränkte Aufwertung des AnlAblGeſ, haben. Im weſentlichen
iſt die Entſcheidung auf die Ergänzung geſtützt, daß bereits vor der
In=
flation ein Uebergang des Vermögens an die Kläger ſtattgefunden
habe, mit der Wirkung, daß der Preußiſche Staat den Fond nur noch
im Gewahrſam habe. — Gegen dieſes Urteil legten die Kläger mit der
Begründung Reviſion beim Reichsgericht ein, daß ein
Vermö=
gensübergang nicht erfolgt ſei, weil ſie keine Verfügungsberechtigung
gehabt hätten. Der 7. Zivilſenat des Reichsgerichts machte ſich dahin
ſchlüſſig, daß er den Parteien einen Vergleichsvorſchlag machen wird.
Für den Fall der Ablehnung wird Verkündung einer Entſcheidung
auf den 28. Januar 1930 feſtgeſetzt. „Reichsgerichtsbriefe‟ (VII 207/29,
— 6. Dezember 1929.)
Lofdle Verenſtallangen.
ide Dch mftieidh u Aircke 2
m leieem Talie karndwie ais Driprudhuns oder Ariw.
— Die Körperform als Spiegelbild des geiſtigen
Menſchen. Richard Glaſer, der bekannte Charakterologe aus
Frankfurt a. M., ſpricht im Feierabend (Stiftsſtraße 51 am Meßplatz)
heute abend über Charakterologie. Dieſe Wiſſenſchaft iſt für den
Um=
gang mit Menſchen wie für Berufsberatung gleich wichtig. Um
Ein=
blick und Uebung zu bekommen, genügt aber nicht ein einmaliger
Vor=
trag, ſondern man muß ſich mit dieſer Materie immer und immer
wieder beſchäftigen. Wer die früheren Vorträge Glaſers gehört hat,
wird am heutigen Abend eine neue Feſtigung= und Erweiterung ſeines
Wiſſens über dieſe Materie gewinnen. Der Vortrag iſt für jedermann
frei, doch iſt ein Beitrag zur Deckung der Unkoſten erwünſcht.
— Verein ehem. Jäger zu Pferde Nr. 3 Darmſtadt
hält am 5. Januar im Vereinslokal ſeine Weihnachtsfeier ab.
— Deutſchnationaler Arbeiterbund. Der
Stahl=
helm hält am Samstag, 4. Januar, abends eine Neujahrsfeier mit
Kinderbeſcherung im Saale des „Perkeo” ab. Der Arbeiterbund hat
hierzu eine Einladung erhalten. Wir bitten daher unſere Kollegen,
recht zahlreich dieſe Veranſtaltung zu beſuchen.
Tageskalender für Freitag, den 3. Januar 1930.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus 19 Uhr, D 11: „Othello”.
— Kleines Haus, 19,30 Uhr außer Miete: „Der Datterich”
Orpheum, 20,15 Uhr: Gaſtſpiel Herm. Job „Schiebung” —
Konzerte: Schloßkaffee, Schloßkeller, — Vereinigung der
Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums Feſtſaal
des Gymnaſiums, Karlsſtr. 2. 20 Uhr: Vortrag Dr. Pinder. —
Feierabend, 20 Uhr: „Orplid”. Vortrag Rich. Glaſer=
Frank=
furt a. M. — Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helia,
Palaſt=Lichtſpiele.
Gotte8dienſt der iſrgelitiſchen Religionsgemeinde.
Ha=ptſynagoge (Friedrichſtraße).
Freitag, den 3, Januar: Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min
Samstag, den 4. Januar: Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min.
— Sabbatausgang 5 Uhr 30 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen:
Morgens 7 Uhr 30 Min. — Abends 6 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 4. Jan.: Vorabend 4 Uhr 15 Min — Morgens
8 Uhr. — Nachm. 4 Uhr. — Sabbatausgang 5 Uhr 30 Min.
Wochentags: Morgens 7 Uhr 15 Min. — Nachm. 4 Uhr 15 Min,
Freitag; den 10. Januar: Faſttag Aſſoroh Betewes.
Aus Heſſen.
Skarkenburg
An. Arheilgen, 2. Jan. Fluchtlinienänderung. Nachdem
die Fluchtlinienänderung an der Provinzialſtraße Darmſtadt—
Frank=
furt zwiſchen Hammelstrift und Weinbergſtraße miniſteriell genehmigt
iſt, liegt gemäß Art. 7 der allgemeinen Bauordnung der Ortsbauplan
bei der hieſigen Bürgermeiſterei offen. — Auf vielſeitigen Wunſch,
ver=
anſtaltet der Geſangverein „Frohſinn” im Gaſthaus „Zum Löwen”
am 19. d. M. eine nochmalige Aufführung des Dramas „Hedwig” von
Theodor Körner. Des weiteren ſind von demſelben Vereine für
die=
ſen Winter vorgeſehen am 1. Februar: Vereinsball; am 1. März:
Maskenball; am 15. April: Bunter Abend, und am 11. Mai: Konzert.
— Gleichfalls am 19. Januar plant der Männergeſangverein „
Ein=
tracht” im Gaſthaus „Zum weißen Schwanen” eine Wiederholung
der Lokalpoſſe in Darmſtädter Mundart „Mann iſt Mann” von Robert
Schneider und L. Büchner.
g. Büttelborn, 2. Jan. Auf dem hieſigen Standesamt wurden im
vergangenen Jahre eingetragen: 40 Geburten, 22 Sterbefälle und 15
Eheſchließungen. — In die Schule werden dieſes Jahr aufgenommen:
20 Mädchen und 20 Knaben. — Die neuerbaute Martin=Schule iſt im
Rohbau ſoweit fertiggeſtellt; die Innenarbeiten werden im Frühjahre
begonnen. — Die Ehefrau des Schreiners Peter Bopp ſtürzte von einer
Leiter und trug eine erhebliche Verletzung am Bein davon. — Ein
kleiner Brand entſtand am Neujahrstage in der Hofreite des Landwirts
Wilhelm Petry, der aber ſofort gelöſcht werden konnte. Das
ſieben=
jährige Söhnchen hatte einen Feuerwerkskörper fortgeſchleudert, der
un=
glücklicherweiſe auf einen Heuſchuppen flog. Schaden iſt nicht entſtanden.
F. Eberſtadt, 2. Jan. Neujahrsfeier des
Geſangver=
eins „Frohſinn” (1842). Der Bunte Abend ſtand unter einem
günſtigen Stern. Zur Begrüßung ſang der Chor zwei uns von
frühe=
ren Veranſtaltungen des Vereins her vertraut klingende Lieder,
näm=
lich „Heilige Heimat” von K. Grim und das luſtige Liedlein, dem als
Melodie eine alte Volksweiſe zugrunde liegt. Der ſtimmlich und
zah=
lenmäßig gut fundierte Chor legte erneur Zeugnis davon ab, daß er
ſich unter der vortrefflichen Leitung ſeines tatenfrohen Dirigenten,
Lehrer Born=Darmſtadt, weiter günſtig entwickelt hat. Auf den
Brettern brachte der Verein das Singſpiel „Die ſchlaue Lieſel” und das
humoriſtiſche Geſamtſpiel „Der zerquetſchte Geburtstagskuchen” zur
Aufführung. Da wie dort zeigten ſich die Mitwirkenden ihrer
beſon=
ders im erſten Stück nicht gerade leichten Aufgabe gewachſen. Das
Publikum folgte den beiden Stücken mit großer Aufmerkſamkeit und
ſteigender Freude. Die geſanglichen und theatraliſchen
Programm=
nummern wurden durch Muſikvorträge des Muſikvereins „Edelweiß”
würdig eingerahmt. Mit einer großen Tombolaverloſung und einem
ſchönen gemütlichen Tänzchen endete die Feier.
Cp. Pfungſtadt, 2. Jan. Auszeichnung. Dem Landwirt Adam
Leichtweiß 3. im Nachbarorte Hahn wurde in Anerkennung ſeiner
Ver=
dienſte um die Förderung der heſſiſchen Viehzucht von der
Landwirt=
ſchaftskammer in Darmſtadt eine Ehrenurkunde verliehen. —
Sänger=
ehrung. Wegen 25jähriger Mitgliedſchaft wurde Otto Hofmann
vom „Männerquartett” in beſonderer Weiſe geehrt. Der
Vereinsvor=
ſitzende überreichte dem Jubilar eine Ehrenurkunde und einen
Wert=
gegenſtand. — Ehe, Geburt und Tod. Nach den Eintragungen
in das hieſige Standesamtsregiſter wurden im Jahr 1929 insgeſamt 82
Eheſchließungen (gegen 81 im Vorjahre) vorgenommen. Die Zahl der
Geburten betrug wie im Jahre 1928 126, unter denen ſich allerdings 22
uneheliche Geburten befinden. Die Zahl der Sterbefälle iſt 1929 um 20
größer als im Vorjahre und beträgt 96. Auswärts in Krankenhäuſern
uſw. ſind 34 Perſonen geſtorben. — Die 1. Holzverſteigerung
aus dem Pfungſtädter Stadtwald fand noch vor Ablauf des alten
Jahres ſtatt. Insgeſamt gelangten aus dem Klingsackertanne=Diſtrikt
138,9 Feſtmeter Stammholz zum Ausgebot. Es wurde ein
durchſchnitt=
licher Feſtmeterpreis von 42.92 Mark erzielt. Der Geſamterlös ſtellt ſich
auf 5927 Mark. Die Verſteigerung iſt bereits genehmigt. Die
Abfuhr=
ſcheine können gegen Bürgſchaft oder Barzahlung bei der
Bürger=
meiſterei in Empfang genommen werden. Die zweite
Stammholz=
verſteigerung dieſes Winters findet am Montag, den 6. Januar (
vor=
mittags 9.30 Uhr beginnend) ſtatt. Es gelangen in fünf verſchiedenen
Klaſſen 127 Kiefernſtämme, insgeſamt 100,59 Feſtmeter, aus dem
Kahl=
hieb (Abteilung 11a) des Diſtriktes Malchertanne des Gemeindewaldes
zur Verſteigerung, und zwar an Ort und Stelle. Es handelt ſich
durch=
weg um ſchönes Schnittholz eines alten Waldbeſtandes. Gegen
Bürg=
ſchaft wird Zahlungsfriſt bis Martini gewährt.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. Jan. Freiwillige
Sanitäts=
kolonne vom Roten Kreuz. Am Montag, den 6. Januar 1930,
beginnt im Schulhaus (Bahnhofſtraße) ein neuer Unterrichtskurſus über
„erſte Hilfe bei Unglücksfällen‟. Zu dieſem Kurſus iſt jedermann
ein=
geladen. Dieſe Gelegenheit ſollte eigentlich niemand verſäumen, da
man ſich hierbei unentgeltlich Kenntniſſe im Anlegen von
Notverbän=
den, Anſtellen von Wiederbelebungsverſuchen und auf anderen
wich=
tigen Gebieten erwerben kann. In dieſem Zuſammenhang ſei übrigens
darauf hingewieſen, daß der Tätigkeit der Freiw, Sanitätskolonne weit
mehr. Intereſſe entgegengebracht werden ſollte, als dies bisher der
Fall war. Die Allgemeinheit ſollte dazu beitragen, daß der Kolonne
immer mehr Helfer und Helferinnen beitreten. Wie oft ſchon mußte
die Kolonne bei Unglücks= und Krankheitsfällen helfend eingreifen.
Da=
her iſt es nur zu begrüßen, daß die Führerſchaft der hieſigen Kolonne
durch Abhalten neuer Kurſe für eine gute Ausbildung ihrer Leute
ſorgt.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. Jan. Statiſtiſches. Während des
Jahres 1929 wurden in den hieſigen Standesregiſtern regiſtiert (die in
Klammer angegebenen Zahlen bedeuten diejenigen des Vorjahres):
Ge=
burten 50 (40), darunter weiblich 28 (21), männlich 22 (19);
Ehe=
ſchließungen 25 (27); Sterbefälle 30 (35); darunter aus den Nieder=
Ramſtädter Anſtalten 14 (10), und tragiſche Ableben 1 (2). — Nach dem
Auszug aus dem Hunderegiſter kommen am 1. Januar 1930 zur
Ver=
ſteuerung 146 Hunde.
G. Ober=Ramſtabt, 2. Jan. Turnverein 1877 D.T. Anläßlich
des 10jährigen Beſtehens der Turnerinnenabteilung veranſtaltet der
Turnverein 1877 Ober=Ramſtadt am Sonntag, den 12. Januar d. J.
einen Tanz= und Gymnaſtikabend der Turnerinnen und Schülerinnen.
Die letzte ähnliche Veranſtaltung fand im Jahre 1924 ſtatt und fand
derartigen Anklang, daß zwei Wiederholungen gegeben werden mußten.
Le. Groß=Umſtadt, 2. Jan. Lehrkurſus. In dem
Früh=
gemüſebaubetrieb der Heſſiſchen Landwirtſchaftskammer zu Groß=
Um=
ſtadt wird am Dienstag, den 14. Januar 1930, ein Lehrkurſus im
Früh=
gemüſebau abgehalten. Derſelbe iſt für Teilnehmer aus Heſſen
honorar=
frei. Nichtheſſen zahlen 5 Mark. Weitere eintägige Kurſe finden am
11. Februar und am 11. März ſtatt. Dreitägige Kurſe werden am
Dienstag, den 28., Mittwoch, den 29., und Donnerstag, den 30. Januar,
ſowie vom 25. bis 27. Februar, und vom 26. bis 28. März 1930,
abge=
halten. Hierfür beträgt das Honorar für Heſſen 5 Mark, für
Nicht=
heſſen 10 Mark. Beſondere Ausbildung im Packen während der
Drei=
tageskurſe finden ſtatt am 30. Januar, 27. Februar und 27. März.
An=
meldungen zu dieſen Kurſen müſſen ſpäteſtens am 6. Tage vor Beginn
eines ſolchen bei der Landwirtſchaftskammer in Darmſtadt, Rheinſtr. 62,
eingegangen ſein. Ohne Ausweis ſeitens der Kammer iſt eine
Beteili=
gung am Kurſus nicht geſtattet. Die gleichen Kurſe werden auch in
Gonſenheim, aber zu anderen Zeiten, abgehalten. — Landwirt Johann
Philipp Sorg zu Groß=Umſtadt wurde als Mitglied des
Wieſenvor=
ſtandes für die Gemarkung Groß=Umſtadt eidlich verpflichtet. —
Aus=
zeichnung. Dem Geſchäftsführer der hieſigen Molkereigenoſſenſchaft,
Herrn Friedrich Zoller, wurde von dem Heſſiſchen Miniſterium für
Arbeit und Wirtſchaft eine beſondere Ehrung zuteil, indem ihm mit
entſprechender Widmung das wiſſenſchaftliche Werk: Bakteriologie für
den Molkereipraktiker von Profeſſor Dr. Henneberg, Direktor des
Bak=
teriologiſchen Inſtituts an der Univerſität zu Kiel überreicht wurde.
Bw. Langſtadt, 2. Jan. Die älteſte Einwohnerin unſeres Dorfes
iſt Frl. Eliſabetha Diehl. Sie iſt am 17. November 1840 geboren und
hat ſomit ihr 90. Lebensjahr begonnen. Sie iſt taubſtumm. Trotz
ihres hohen Alters verrichtet ſie noch leichtere Arbeiten. Ihre
Lieb=
lingsbeſchäftigung, das Spinnen, welches ſchon längſt der
Vergangen=
heit angehört, betreibt ſie noch mit großer Vorliebe. Außer dieſer
Hochbetagten hat unſere Gemeinde noch drei weitere Altersveteranen,
welche ſämtlich das 80. Lebensjahr überſchritten haben, zu verzeichnen.
Auch ſie dürfen ſich bis jetzt voller geiſtiger und körperlicher Friſche
er=
freuen, ſo daß es ihnen möglich iſt, Tag für Tag ihren gewohnten
Arbeiten nachgehen zu können.
Az. Neuſtadt i. O. mit Burg Breuberg, 2. Jan. Der
Männer=
geſangverein Neuſtadt i. O. hatte ſich am 1.
Weihnachtsfeier=
tage, einer alten Sitte folgend, in liebenswürdiger Weife zur
Aus=
geſtaltung des Gottesdienſtes zur Verfügung geſtellt. Um auch ſeinen
Mitgliedern und Freunden Gelegenheit zur Geſelligkeit geben zu
kön=
nen, veranſtaltete er am letzten Sonntag im Gaſthaus „Zum Ochſen”
eine Chriſtbaumverloſung. Nach herzlichen Begrüßungsworten des
Vorſitzenden Rodenhauſen wurde der Familienabend mit dem ewig
ſchönen Liede „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre” unter der
ſicheren Leitung des Chormeiſters Knöll eröffnet. Bei ſtrahlendem
Chriſtbaum, reichlich geſchmückt, bei frohen Liedern und gemütlicher
Unterhaltung, ging die Verloſung vor ſich. Wo immer der Chriſtbaum
zur richtigen Zeit in ſeiner geſchichtlichen Bedeutung erſcheint, da gibt
es frohen Klang und Sang.
* Zell i. O., 2. Jan. Einbruch. In der Silveſternacht wurde
ein dreiſter Einbruch verübt. Der Dieb zertrümmerte ein Fenſter und
verſchaffte ſich Zugang zu der Wohnung. Geld fand er nicht, das hatte
der Eigentümer bei ſich. Einige Wertſachen hieß er mitgehen. Den
ſofortigen Ermittlungen der Gendarmerie gelang es, den Einbrecher in
der Perſon eines Dienſtknechtes in Gronau feſtzuſtellen.
Cl. Beerfelden, 2. Jan. Vom Immobilienmarkt. Bei der
hier ſtattgefundenen Verſteigerung der Grundſtücke durch die
Stadtver=
waltung wurden für die erſten 50 Morgen Gelände (Aecker und Wieſen
in verſchiedenen Gemarkungen) ca. 35000 Mark gelöſt, wodurch der
Gemeinde eine ſchöne Summe zur weiteren Verwendung zur
Ver=
fügung ſteht.
W. Heppenheim, 2. Jan. Heſſiſches Künſtlertheater.
Am kommenden Donnerstag, den 9. Januar, veranſtaltet das Heſſiſche
Künſtlertheater im Saalbau Kärchner dahier ſeit langer Zeit wieder
einen Theaterabend. Zur Aufführung gelangt „Der Schwarzkünſtler”,
ein Luſtſpiel von Gött. — Hundehaltung im Kreiſe
Hep=
penheim. Im Kreiſe Heppenheim iſt in den letzten Jahren ein ſehr
ſtarker Rückgang in der Hundehaltung zu verzeichnen, ſo daß nunmehr
der Kreis die geringſte Hundehaltung von ſämtlichen Kreiſen
Starken=
burgs aufweiſt. Nach der Statiſtik der Staatshundeſteuer betrug die
Zahl der Hunde innerhalb des Kreiſes im Jahre 1928 2822 und im
Jahre 1929 nur noch 2630, ſo daß auf 1000 Einwohner 51 Hunde
kom=
men. An Gemeindehundeſteuer erhoben in dieſem Jahre 19 Gemeinden
für einen Hund vier und fünf Mark, 39 Gemeinden 6 Mark, 7
Gemein=
den 8 Mark und 4 Gemeinden 10 und 12 Mark, ſo daß in 69
Kreis=
gemarkungen Gemeindehundeſteuer erhoben wurde, während nur eine
Gemeinde keine Hundeſteuer eingeführt hatte.
g. Gernsheim, 2. Jan. Familienabend. Wie zu erwarten
war, verfügte der katholiſche Kirchenchor Cäcilia mit ſeinem
Familien=
abend im Saalbau Haas über ein vollbeſetztes Haus. Als Prominente
auf dem Gebiete des Geſangs war Frau Horn=Stoll, Darmſtadt, und
auf dem Gebiet der Muſik Herr Obermuſikmeiſter M. Weber,
Darm=
ſtadt, nebſt ſehr gut geſchulten Kräften gewonnen worden. Frau
Horn=Stoll ſang zu Bewunderung der Zuhörer nur fein ausgewählte
Lieder wie „Weihnachtslied” mit Violin= und Klavierbegleitung von
W. Berger, „Weihnacht” von H. Durra, „Der Zeiſig” von M. v. Wittich,
3 Kinderlieder mit Viplin= und Klavierbegleitung von Reinecke, und
einen Geſangswalzer „Dorfſchwalben aus Oeſterreich” von J. Strauß
mit Muſikbegleitung. Gerade dieſer Vortrag war es, der das
Publi=
kum zu ſtürmiſchen Beifallsrufen hinriß. Aber auch in muſikaliſcher
Hinſicht ſtand der Abend auf der Hrhe. Herr Obermuſikmeiſter Weber
mit ſeinen erſtklaſſigen Kräften bot mit dem Vortrag von „Frohes
Chriſtfeſt” von Th. Kruſe, „Herzen und Blumen”, Charakterſtück, von
A. Czibulka, der Ouvertüre: „Im Reiche des Indra” von P. Linke,
Meditation von B. Gounod und Themen aus dem „Don Juan” von
W. A. Mozart, wirklich gute Muſik. Der Vereinschor ſelbſt trug unter
der ſtraffen Stabführung ſeines Chormeiſters, Herrn Lehrer Joſef
Treffert, verſchiedene Chöre vor, und zwar: „Es iſt ein Ros”
ent=
ſprungen, „Ewig liebe Heimat” von S. Breu, „Elslein von Caub”
von M. Filke, und „Rheingruß” von H. Bungert vor. Den Schluß
des erſten Teils bildete ein Luſtſpiel betitelt. Der luſtige Onkel”, das
große Heiterkeit ebenfalls hervorrief. Anſchließend fand noch eine
Tombolaverloſung und Ball ſtatt.
a. Offenbach, 2. Jan. Ausſchußbildung durch
Verhält=
niswahl? Der neue Stadtrat trat geſtern in ſeine Rechte. Die
Beratungen über die Bildung und Zuſammenſetzung der einzelnen
Ausſchüſſe ſind bereits auf den 6. Januar feſtgeſetzt. Der Umſtand,
daß 11 Mitglieder des Stadtrates Parteien angehören, die nicht oder
kaum Fraktionsſtärke (drei Stimmen) erreichen, erſchwert naturgemäß
diesmal die Bildung der Ausſchüſſe ungemein. Ein Ausweg aus der
Zerſplitterung wäre zweifellos die Anwendung des
Verhältniswahl=
rechtes auch bei der Wahl der Ausſchüſſe, die ja ein Spiegelbild des
Stadtrates ſein ſollen. Es erhielten dann in jedem Ausſchuß die
Sozialdemokraten vier, die Kommuniſten drei, das Zentrum und die
Bürgerliche Arbeitsgemeinſchaft je einen Sitz. Die Kommuniſten (
Rich=
tung Moskau, die Wirtſchaftspartei, die Sozialiſten und das Zentrum
hätten dann um den 10. bis 12. Ausſchußſitz zu loſen.
Liſtenverbin=
dungen, einfache und engere, müßten natürlich zuläſſig ſein und
könn=
ten das Bild in dem einen oder anderen Falle etwas anders geſtalten.
Es iſt zweifellos nicht folgerichtig, daß man zwar den Stadtrat
nach den Grundſätzen des Verhältniswahlrechtes zufammenſetzt, die
Ausſchußwahlen aber nach den Grundſätzen der Mehrheitswahl. die
früher üblich war, vornehmen läßt. Die Beſtimmung der
Ausſchuß=
mitglieder durch Verhältniswahl läßt jede Gruppe nach ihrer Stärke zu
ihrem Rechte kommen, ſchließt Begünſtigungen und Zurückſetzungen
aus, überläßt jeder Gruppe, wen ſie in einen Ausſchuß entſenden will,
und zwingt kleine oder kleinſte Grüppchen zum Anſchluß oder
Zuſam=
menſchluß. Es iſt auch ein Uebelſtand, der endlich einmal vermieden
werden müßte, daß eine Partei im Falle der Verhinderung ihres
Ver=
trauensmannes keinen vollberechtigten Erſatzmann oder auch Fachmann
in einen Ausſchuß ſchicken darf, der Austauſch der Ausſchußmitglieder
alſo ausgeſchloſſen iſt. Man ſollte ſich in dieſer Beziehung an die
Ge=
ſchäftsordnung des Landtages anlehnen, die vollwertige
Stellvertretun=
gen zuläßt.
Rheinheſſen.
Mordanſchlag in der Silvefternacht.
— Bingen, 2. Jan. Als in der Silveſternacht der etwa 60 Jahre
alte Arbeiter Schweinhardt von hier von einer Feier kurz nach
Mitter=
nacht heimkehrte, verſetzte ihm ein Mann, der ihm ſcheinbar aufgelauert
hatte und ihm nachgeſchlichen war, in einer ruhigen menſchenleeren
Straße von rückwärts einen Stich in die Seite, ohne daß eine
Ausein=
anderſetzung vorausgegangen wäre. Der Täter nahm ſofort Reißaus.
Schweinhardt will jedoch in ihm den Arbeiter Ludwig Landvogt aus
Bingen erkannt haben. In dem Binger Krankenhaus, wohin man den
Verletzten alsbald verbrachte, wurde bei Schweinhardt eine ſchwere
Stichwunde, durch die innere Organe verletzt ſind, feſtgeſtellt. Der als
Täter in Frage kommende Arbeiter Landvogt wurde von der Polizei
feſtgenommen; er beſtreitet jedoch die Tat. Das Motiv zur Tat dürfte
darin zu ſuchen ſein, daß Schweinhardt Landvogt wegen Meineides zur
Anzeige gebracht hatte und dieſer zu einer Gefängnisſtrafe von neun
Monaten verurteilt worden war. Die Strafe ſollte Landvogt in den
erſten Tagen des Januar antreten.
Ab. Eich (Rheinh.), 2. Jan. Sagenhafte
Millionenerb=
ſchaft. Das ganze Dörfchen Eich befindet ſich in großer Aufregung.
Vor etwa 150 Jahren zog ein Bürger namens Becker über den großen
Teich und ſtarb dort als Millionär. Sein Beſitztum verkaufte er der
Stadt Philadelphia unter der Bedingung, daß die Verwandten das
Geld nach 100 Jahren ausbezahlt bekommen. Nachdem vor etwa 25
Jahren ein Prozeß abgewieſen wurde, weil die Friſt noch nicht erfüllt
ſei, beabſichtigen jetzt die Verwandten, nochmals die Sache ins Nollen
zu bringen. Etwa drei Generationen ſind an der Erbſchaft, die ſich
auf 20 Millionen Mark belaufen ſoll, beteiligt, und faſt das ganze Dorf
iſt irgendwie mit dem verſtorbenen Dollar=Onkel verwandt. Einer ſoll
ſogar ſeine Kartoffelklöß und Birnenſchnitzel zum Fenſter
hinausgewor=
fen und ſich Koteletts backen laſſen haben, da ihm das bisherige Eſſen
zu gering ſei.
Ah. Gimbsheim (Rhh.), 2. Jan. Die Däter, die auf der Straße
nach Guntersblum Draht ſpannten, wodurch der Arbeiter Gilbert mit
ſeinem Rad ſtürzte und ſchwere Verletzungen erlitt, wurden feſtgeſtellt.
Es handelt ſich um drei Burſchen aus Gimbsheim.
Ah. Nackenheim a. Rh., 2. Jan. Die Fahrt über den
Bahnkörper. Ein Autoführer raſte mit ſeinem Wagen nachts an
dem Bahnübergang zwiſchen Nackenheim=Nierſtein auf einer Strecke von
60 Metern glatt über den Bahnkörper. Glücklicherweiſe bemerkte der
Bahnwärter den Fahrer noch rechtzeitig. Er brachte den fälligen D=
Zug noch zum Stehen und konnte ſo ein größeres Unglück verhüten.
Oberheſſen.
— Grünberg (Oberheſſen), 2. Jan. Gefängnis für eine
Milchpanſcherin. Das hieſige Amtsgericht verurteilte die
Land=
wirtsfrau Marie Appel aus Geilshauſen wegen Milchpanſcherei zu zwei
Wochen Gefängnis und 50 Mark Geldſtrafe. Die Verurteilte hatte der
Vollmilch vorſätzlich 17 Prozent Waſſer zugeſetzt.
— Wafſerſtands=Nachrichten vom 2. Januar. Rhein: Hüningen
1,18, Kehl 2,58, Maxau 4,48, Mannheim 3,48, Mainz 1,D, Bingen
2,26, Caub 2,50; Köln 3,35 Meter. — Main: Schweinfurt 1,63;
Würz=
burg 1,67; Lohr 1,98; Groß=Steinheim 2,45; Frankfurt 2,51, Koſtheim
Staatspegel 0,85, dito Waſſertiefe 2,82, dito Fahrtiefe 2,30 Meter.
— Gernsheim, 2. Jan. Waſſerſtand des Rheins am
31. Dezember: 0,75 Meter, am 1. Januar: 0,73 Meter.
— Hirſchhorn, 2. Jan. Waſſerſtand des Neckaus z
1. Jui: 133 Meter; am 2. Juni: 134 Meter.
Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
Seite 7
„Hellſeher=Fiasko”
Feſtſtellungen, die zu denken geben. — Prophezeiungen, die nicht in Erfüllung gegangen ſind, — aber
die Polizei warket noch immer.
N. Iſerlohn i. W., 2. Januar.
Der in Leitmeritz in der Tſchechoſlowakei laufende Prozeß
gegen den „Hellſeher” Hanuſſen hat wieder einmal die
bemer=
kenswerte Feſtſtellung gebracht, daß auch Hanuſſen eine Anzahl
Gutgläubige mit ſeinen „Prophezeiungen” gründlich hereingelegt
hat. So hatte er einem Müllermeiſter, der ihn gefragt, ob er
Getreide einkaufen ſolle oder nicht, zum Kaufe geraten.
Darauf=
hin kaufte der Müller ſtatt wie ſonſt nicht einen halben, ſondern
zwei Waggons Getreide. Hatte doch Hanuſſen erklärt, die
Ge=
treidepreiſe würden ſteigen. Statt deſſen fielen ſie aber, und
der biedere Müller hatte einen Schaden von 4000 Kronen zu
beklagen.
Und ſo iſt es faſt überall, wo man das „Hellſehen” etwas
näher beſieht. Es iſt daher gar nicht recht verſtändlich, weshalb
zwar der preußiſche Miniſter des Innern den Polizeibeamten
die Vornahme von Hellſeherexperimenten zwecks Aufhellung von
Verbrechen verboten, andererſeits aber den Beamten zur Pflicht
gemacht hat, den Angaben von „Hellſehern” nachzugehen, wenn
von privater Seite Hellſehverſuche zur Aufdeckung von
Verbre=
chen gemacht würden.
Daß das ſogen. Hellſehen praktiſch nicht den allermindeſten
Wert beſitzt, geht doch zur Genüge aus der Düſſeldorfer
Mörderſuche hervor. Wenn es möglich wäre, durch „
Hell=
ſehen” Verbrechen aufzuklären bzw. Mörder zu ermitteln, ſo
wäre das gerade im Düſſeldorfer Falle ſchon längſt geſchehen.
Zumal doch 15 000 Mark Belohnung ausgeſetzt ſind! Oder ſollte
z. B. Frau Gerber=Wieghardt, die Düſſeldorfer „Hellſeherin”, die
vor einiger Zeit ſo viel von ſich reden gemacht und die ſich doch
ſo gern manchen „Lappen” vermöge ihrer „Fähigkeit” nebenbei
verdient, keine Verwendung für dieſe hohe Summe haben? Das
iſt wohl kaum anzu nehmen, denn ſie lebt immer noch in
beſchei=
denen Verhältniſſen, zumal ihr „Ruhm” anſcheinend in der
letz=
ten Zeit ziemlich verblaßt iſt. Hier hätte ſie doch die allerbeſte
Gelegenheit, zu zeigen, was ſie kann, beſonders, wo außer dem
klingenden Lohn auch noch ein hoher Ruhm winkt. Aber ſie hat
den oder die Düſſeldorfer Mörder bis heute nicht anzugeben
vermocht.
Frau Gerber=Wieghardt hat aber auch verſagt, als ſie im
vorigen Jahre von einer Düſſeldorfer Zeitung veranlaßt wurde,
in Sachen des Höſeler Mordes, begangen an der Kontoriſtin
Maria Lappe, ſich Hellſehexperimenten am Tatort zu
unter=
ziehen. Auch hier hatte ſie es vermieden, die Initiative zu
ergrei=
fen und der Polizei mitzuteilen, wer und wo der Mörder ſei,
obwohl auch hier eine anſehnliche Belohnung ausgeſetzt war.
Sie bemühte ſich nicht einmal darum! Erſt als die betreffende
Zeitung an ſie herantrat, mußte ſie wohl oder übel ſich der
un=
dankbaren Aufgabe des „Hellſehens” unterziehen. Das Ergebnis
war natürlich auch hier gleich Null.
Ein beſonders klägliches Fiasko hatte Frau Gerber=
Wieg=
hardt hier in Iſerlohn zu verzeichnen. Auch hier hatte eine
Zeitung ſie im Vorjahre herangezogen, um mit ihrer Hilfe einen
18 Jahre zurückliegenden Mordfall aufzuklären. Es handelte ſich
um das ſpurloſe Verſchwinden eines 20jährigen Mädchens, das
eines Samstags abends im Herbſt 1911 die elterliche Wohnung
mit der Angabe verlaſſen hatte, mit dem Bräutigam zu einem
Vergnügen zu gehen. Von dieſem Gange iſt das Mädchen nicht
mehr zurückgekehrt. Der Liebhaber des Mädchens beſtritt, mit
ihm an jenem Abend zuſammengeweſen zu ſein. Trotzdem
wurde er in Unterſuchungshaft genommen und erſt nach neun
Monaten entlaſſen. Da dieſer Fall von Zeit zu Zeit immer
wie=
der die Oeffentlichkeit beſchäftigt und nicht zur Ruhe kommen
will, wandte ſich die erwähnte Iſerlohner Zeitung erſt an den
als Sachverſtändigen in Hellſehprozeſſen bekannt gewordenen
Bonner Univerſitätsprofeſſor Verwehen, der ihr Frau Gerber=
Wieghardt als beſtes Hellſehmedium empfahl.
Frau G. und ihr Mann, der die Experimente regelmäßig
leitet, erſchienen prompt in Iſerlohn, und unter Teilnahme der
hieſigen Kriminalpolizei ging die Geſchichte vor ſich. Das
Re=
ſultat? Frau G. erklärte u. a. kategoriſch, daß der frühere
Lieb=
haber das verſchwundenen Mädchens dieſes erwürgt und in
einem Flutbett mitten im Walde verſenkt habe. Das Mädchen
ſei von ihm in anderen Umſtänden geweſen und er habe ſich
auf dieſe Weiſe ſeiner entledigt. In Jahresfriſt, „wenn die
Blätter von den Bäumen fallen”, werde der Fall dadurch ſeine
Aufklärung erfahren, daß der Täter bzw. der ehemalige
Lieb=
haber ſeine Arbeitsſtelle wechſeln und auf ſeiner neuen Stelle
verunglücken werde. Infolge der Verletzungen werde er im
Krankenhaus den Mord geſtehen und die Iſerlohner
Krimial=
polizei werde davon ſofort Kenntnis erhalten und ſchleunigſt
herbeieilen, um das Geſtändnis zu Protokoll zu nehmen.
Die Preſſeberichte über die Iſerlohner Hellſehverſuche mit
Frau G. gingen ſozuſagen durch ganz Deutſchland, und eine
ganze Anzahl Polizeipräſidenten, Regierungspräſidenten, ja ſelbſt
der Miniſter des Innern, als oberſter Polizeichef forderte von
der Iſerlohner Polizei, die mit dabei geweſen, einen
ausführ=
lichen Bericht ein. Auch die Dortmunder Landeskriminalpolizei
erſchien mit ihrem Leiter in Iſerlohn, um nicht ohne Neid ſich
von den Iſerlohner Kollegen ſagen zu laſſen, wie heutzutage
die Aufhellung von Kapitalverbrechen mit Hilfe von Hellſehern
auf einfachſte Weiſe zu bewerkſtelligen ſei. Eine große
Münche=
ner Zeitung wandte ſich an das betreffende Iſerlohner Blatt
und erklärte ſich bereit, jeden Betrag zu zahlen, wenn Frau
G. W. veranlaßt werden könnte, auch nach Bayern zu kommen,
um dort im Auftrage dieſer Zeitung einen komplizierten
Mord=
fall aufzuhellen. Aber Frau G. hatte keine Luſt mehr, die ihr
anſcheinend durch die allzu ſorgfältig vorgenommene
Nachprü=
fung ihrer Angaben durch die Landeskriminalpolizei vergangen
war. Denn etwas wirklich Nachprüfbares hatte ſie ſchon
da=
mals nicht anzugeben vermocht. Aber ſchließlich vertröſteten ſich
die Leichtgläubigen auf den Herbſt dieſes Jahres. Nun ſind die
Blätter ſchon längſt von den Bäumen gefallen, aber weder hat
der frühere Liebhaber des verſchwundenen Mädchens ſeinen
Wohnſitz noch ſeine Arbeitsſtelle gewechſelt, er iſt weder
verun=
glückt noch ins Krankenhaus gekommen, am allerwenigſten aber
hat er ein Geſtändnis abgelegt! Die Iſerlohner Kriminalpolizei
aber, die im Vorjahre den Experimenten beiwohnte und von
dieſen anſcheinend außerordentlich beeindruckt wurde, wartet
noch immer darauf in der ſtillen Hoffnung, daß alle dieſe
Voraus=
ſagen der Frau Gerber=Wieghardt auch eintreten könnten,
nach=
dem die Blätter bereits gefallen und geraume Zeit ſeitdem ver=
ſtrichen ſei. Wir wollen ihr dieſe Hoffnung nicht mutwillig
rauben! Es müßte ihr aber doch zu denken geben, daß Frau G.
in Düſſeldorf auf alle Anfragen, wie es ſich denn nun mit ihrer
im Vorjahre gemachten Prophezeiung bezüglich der Entdeckung
des Mörders verhalte, trotz reichhaltigen Rückportos nicht
ant=
wortet. Und das läßt doch, um mit Sabor zu ſprechen, tief
blicken
Berückſichtigt man weiter, daß auch die oſtpreußiſche „
Hell=
ſeherin”, Frau Günther=Geffers in dem Iſerlohner Fall glatt
daneben geraten und auch ſonſt in allen anderen Fällen ſo gut
wie verſagt hat, ſo kann man nur feſtſtellen:
Hellſeher=
fiasko auf der ganzen Linie. Die Behörden werden
gut tun, möglichſt bald daraus ihre Konſequenzen zu ziehen! —
Dr. Viktor G=
Die Ruhrſtädte nach der Umgemeindung.
DiE STäDTE
AN DER RUHR NACH DER UMGEMEINDUNG
BEVÖLKERUNGSDICHTE DES
RHEINERUHRGEBIETES.
10kn Rodius 1150000 20 kn Radius 2570 000 30 hm Radlus 4 230 000 Enwohner
Die Rieſengroßſtadt um Eſſen.
Nirgends liegen die Städte ſo eng zuſammen wie an der Ruhr,
dem gewaltigen Induſtriezentrum Weſtdeutſchlands. 4,23
Mil=
lionen Menſchen wohnen in einem Umkreis von 30 Kilometern
zuſammen. Den Mittelpunkt bildet die Stadt Eſſen, die nach der
jüngſten Eingemeindung 650 000 Einwohner zählt.
Hauptſchriftlettung: Rudelf Maupe
Verantwortlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feulſleion, Reich und
Austand und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Schlußbienſf: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Wills Kubls
Druck und Verlag: C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Geiten
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Freitag, den 3. Januar 1930.
Nummer 3
Blutige Ausſchreitungen in der Silveſternacht.
Eſſen. In der Silveſternacht kam es in
ver=
fchiedenen Stadtteilen zu Schlägereien, wobei
fünf=
zehn Perſonen, und zwar zwei durch Schüſſe, drei
durch Schlagwerkzeuge und zehn durch Meſſerſtiche.
ſchwer verletzt wurden. Fünf der Verletzten konnten
ſich nach Anlegung eines Nowerbandes nach Hauſe
begeben, während die übrigen. den Krankenhäuſern
zugiführt werden mußten. Bei vier Perſonen beſteht
Lebensgefahr. Noch im Laufe der Nacht gelang es
der Polizei, fünf Täter zu verhaften.
Hamborn. Eine Reihe blutiger Schlägereien,
bei denen auch ein Menſchenleben zu beklagen iſt,
hat ſich in der Silveſternacht ereignet. Der 31 Jahre
alte Bergmann Franz Schwarz, ſein Bruder und
ſein Schwager gerieten mit anderen Perſonen in
Streit, wobei Franz Schwarz mehrere Meſſerſtiche in
den linken Arm und die linke Bruſtſeite erhielt. Er
ſtavb auf dem Transport zum Krankenhaus. Unter
dem Verdacht der Täterſchaft wurden drei Arbeiter
verhaftet.
Bernkaſtel. In der Silveſternacht ſangen
vier junge Leute auf dem Marktplatz. Zwiſchen ihnen
und dem hinzukommenden Nachtwächter entſtand ein
Wortwechſel, in deſſen Verlauf der Wächter einem
jungen Mann in den Kopf ſchoß. Der Getroffene
ſtarb bald darauf.
Den Vater nach der Silveſterfeier erſtochen.
Merſeburg. Nach der Rückkehr von einer
Silveſterfeier kam am Neujahrstag vormittag der
ledige 21 Jahre alte Hugo Engelhardt aus Neuſchau
in einen Wortwechſel mit ſeinem Vater. Im
Ver=
lauf des Streites brachte der junge Engelhardt
ſei=
nem Vater einen ſchweren Stich in den Unterleib bei,
Der Verletzte wurde ſofort ins Krankenhaus nach
Merſeburg gebracht, wo er gleich nach der
Einliefe=
rung ſtarb. Der Sohn wurde dem Gerichtsgefängnis
zugeführt.
Flucht aus dem Zuchthaus.
Dortmund. Aus dem Zuchthaus Werl ſind
zwei Gefangene während der Freiſtunde
ausge=
brochen. Einer von ihnen wurde von einem
ver=
folgenden Beamten geſtellt; da er ſich wehrte, gab
der Beamte mit ſeinem Revolver mehrere Schüſſe ab,
von denen einer tödlich traf. Der zweite Flüchtling
konnte bisher nicht ergriffen werden.
Großfeuer in einer Papierfabrik.
Alfeld (Leine). Im Betrieb der Hannoverſchen
Papierfabriken Alfeld=Gronau A.=G. brach in der
Silveſternacht im Magazin Feuer aus, das mit
ra=
ſender Schnelligkeit um ſich griff. Kurz nach 22 Uhr
ſtand das ganze Gebäude in hellen Flammen. Die
beiden Papiermaſchinen ſind außer Betrieb geſetzt.
Durch den Verluſt großer Farbvorräte und anderer
wertvoller Materialien iſt der Schaden ziemlich
be=
trächtlich.
Thereſe Malten geſtorben.
Dresden. Die frühere königlich=ſächſiſche
Kam=
merſängerin Thereſe Malten iſt am Donnerstag
vor=
mittag, 74 Jahre alt, geſtorben. Sie war
Ehrenmit=
glied des Sächſiſchen Staatstheaters.
Die Hand im Dunkeln.
Berlin. Wit einem Todesſturz aus dem
vier=
ten Stockwerk in den Hof endete ein ſeltſamer
Vor=
gang, der ſich in der Silveſternacht in einem Haus
der Wilhelm=Stolze=Straße abſpielte. Eine Dame,
die einen Silbveſterbeſuch die Treppe hinunterbegleitet
hatte und in ihre Wohnung zurückkehren wollte,
ſpürte, als ſie im Dunkeln nach dem Lichtſchalter des
Treppenhauſes griff, wie ihre Hand plötzlich
feſt=
gehalten wurde. Sie ſetzte ſich zur Wehr und
alar=
mierte mit ihren Hilferufen die Hausbewohner. Es
entſpann ſich eine wilde Jagd nach dem Urheber des
Ueberfalls, einen im Hauſe unbekannten jüngeren
Mann, der ſich ſchließlich in den vierten Stock des
Hintergebäudes flüchtete, dort zum Fenſter
heraus=
kletterte und auf einem ſchmalen Sims an der
Außen=
wand des Hauſes Zuflucht ſuchte. Er mußte ſich
dabei mit der Hand an dem Fenſter feſthalten. Als
die Verfolger nunmehr ſich ſeiner Hand zu
bemäch=
tigen ſuchten, ließ er los und ſtürzte auf den Hof
hinunter. Was ihn zu ſeinem merkwürdigen
Ver=
halten bewogen hat, iſt nicht geklärt. Ausweispapiere
wurden bei ihm nicht gefunden.
Kraftwagenexploſion auf der Landſtraße.
Grabow (Mecklenburg). Ein Hamburger
Vier=
tonnenlaſtkraftwagen geriet zwiſchen Barſtädt und
Grabow in der Nähe der Ortſchaft Warnow in
Brand. Den beiden Inſaſſen gelang es gerade noch,
den Kraftwagen, der mit wertvollen Fellen und drei
Fäſſern Oel beladen war, zum Halten zu bringen
und auf die Felder zu flüchten, bevor das Oel
ex=
plodierte, den Wagen auseinanderriß und in einen
Trümmerhaufen verwandelte.
Der Siemens=Ring für Prof. Junkers.
Profeſſor Dr. h.c. Junkers
erhielt von der Siemens=Ring=Stiftung für ſeine
Verdienſte um die Wärme= und Flugzeugtechnik
den Werner=Siemens=Ring überreicht. Vor
Jun=
kers wurde der Siemens=Ring bisher Karl Linde,
Auer v. Welsbach, Karl Boſch und Oskar v. Miller
verliehen.
Links:
Auffahrt der Diplomaten. — Rechts: Der franzöſiſche Botſchafter de Marguerie, der diesmal die Glückwünſche
des diplomatiſchen Korps ausſprach.
m für Chicago.
Ein 3
16 Jahre, nachdem Profeſſor O. v. Miller, der Schöpfer des Deutſchen Muſeums in München, das
erſte Zeiß=Planetarium in Jena beſtellte, erhält auch die Stadt Chicago als Geſchenk ihres
Mit=
bürgers Max Adler eines dieſer Meiſterwerke deutſcher Optik. — Unſer Bild zeigt von links nach
rechts den Direktor des Planetariums Profeſſor Ph. Fox, den Stifter Max Adler und Dr. von
Miller, den Schöpfer des Deutſchen Muſeums, vor dem neuen Planetarium.
Einführung drahkloſen Rangierdienſtes bei der Reichsbahn.
Rangierlokomotive mit Rahmenantenne.
Nachdem die Verſuche zur indirekten Zugbeeinfluſſung auf drahtloſem Wege beim Rangierdienſt gute
Erfolge gezeitigt haben, beabſichtigt die Reichsbahn, jetzt allgemein den drahtloſen Rangierdienſt
ein=
zuführen. Zu dieſem Zweck werden an den Lokomotiven Rahmenantennen angebracht, die die
Morſezeichen aufnehmen, die von den parallel zu den Gleiſen liegenden Leitungen ausgehen.
Großfeuer in einer Konſervenfabrik.
Brüſſel. In einer Konſervenfabrik brach am
Mittwoch abend ein Brand aus, der auf eine
benach=
barte Gerberei und ein Wohnhaus übergriff. Die drei
Gebäude wurden vollſtändig zerſtört. Sämtliche
Feuerwehren von Brüſſel und den Vorſtädten
ar=
beiteten drei Stunden lang, um den Brand auf
ſeinen Herd zu beſchränken. Der Schaden beläuft ſich
auf mehrere Millionen Franken.
Peſtepidemie in Tunis.
Paris. Havas berichtet aus Tunis, daß im
Eingeborenenviertel vor einigen Tagen eine
Peſt=
epedemie ausgebrochen iſt, von der jedoch nur
An=
gehörige eines Stammes befallen worden ſeien. Die
Zahl der Erkrankten ſoll beſchränkt ſein. Die
be=
troffenen Häuſer des Eingeborenenviertels wurden
geräumt und die Bewohner in Baracken’azarette
zwecks Iſolierung übergeführt. Zur Verhütung einer
Ausbreitung der Epidemie ſind mehrere Impfſtellen
eingerichtet worden.
Explodierendes Paket.
New York. Die Bewohner eines Hauſes in
Seat Pleaſant (Maryland) erhielten am
Neujahrs=
tage ein Paket, das ſie für ein verſpätedes
Weih=
nachtsgeſchenk hielten. Das Paket epplodierte aber,
wodurch eine Frau getötet und ihre beiden Kinder
ſowie fünf andere Perſonen verletzt wurden. Das
Haus wurde ſchwer beſchädigt. *
Ein Polizeiinſpektor von Verbrechern
niedergeſchoſſen.
Detroit. Eine Gruppe von Männern fuhr
vorgeſtern in einem Automobil an das
Auto=
mobil des Polizeiinſpektors Henry Garvin
heran und gab zwölf Revolverſchüſſe auf
Gar=
vin ab, der von vier Kugeln getroffen und ſchwer
verletzt wurde. Eine verirrte Kugel traf ein
elfjähriges Mädchen, das kaum mit dem Leben
davonkommen dürfte. Man wußte ſeit langem,
daß Inſpektor Garvin ſeit der Organiſierung der
von ihm geleiteten beſonderen
Kriminalabtei=
lung der Polizei ein von den Verbrechern „
ge=
zeichneter Mann” war.
Der Phyſiker Prof. Albert A. Michelſon,
der 1907 den Nobelpreis für Phyſik erhielt iſt
im Alter von 77 Jahren geſtorben. Michelſon,
ein gebürtiger Deutſcher, war faſt 40 Jahre lang
Profeſſor der Phyſik an der Univerſität in
Chi=
cago. Michelſon beſtimmte die
Lichtgeſchwindig=
keit, die etwa 300 000 Kilometer in der Sekunde
beträgt, in immer neuen Verſuchen. Seine
theo=
retiſchen Arbeiten bildeten den Ausgangspunkt
für die Einſteinſche Relativitätstheorie.
Deukſchruſſen in Hammerſkein
Ueber 40 Kinder geſtorben.
Hammerſtein, 2. Januar.
Die Epidemie unter den Kindern der
deutſch=ruſſiſchen Flüchtlinge im Lager
Hammer=
ſtein hat ſich, wie der Reichskommiſſar für die
Deutſchruſſenhilfe mitteilt, weiter
ausge=
breitet. Es handelt ſich nicht um reine
Maſernerkrankungen, ſondern um eine
eigen=
artige Fieberkrankheit, die in den
meiſten Fällen in wenigen Stunden zum
Tode führt. Man kennt bisher kein
Mit=
tel zur Bekämpfung dieſer Krankheit wodurch
die verhältnismäßig hohe Zahl der Todesfälle
zu erklären iſt. Der Reichskommiſſar hat ſofort
weitere Lazarettbaracken in Hammerſtein
auf=
ſtellen laſſen und eine Anzahl weiterer
Aerzte hinzugezogen. Bisher ſind über 40
Kinder der Seuche erlegen. 50
Kin=
der liegen noch krank darnieder. Daneben
waren mehrere hundert Kinder an Maſern
er=
krankt, ſind jedoch größtenteils bereits wieder
geſundet. Das Lager wird ſtreng bewacht. Das
Betreten des Lagers iſt verboten, ebenſo dürfen
ſich die Flüchtlinge in den einzelnen Baracken
nicht gegenſeitig beſuchen, damit die Krankheit
nicht verſchleppt wird. In Hammerſtein ſind
zur=
zeit 3200 Perſonen untergebracht. Die
Flücht=
linge erkennen an, daß von deutſcher. Seite alles
für ſie getan wird, was irgend für ſie getan
wer=
den kann. Es iſt jedoch in einer Anzahl von
Fällen vorgekommen, daß die Mütter ihre
kranken Kinder verſteckt haben, weil ſie
ſich nicht von ihnen trennen wollten. Die ſehr
religiöſen Mennoniten verſuchen, den
Gewohn=
heiten ihrer früheren Heimat gemäß die
Kin=
der geſund zu beten. Bei Unterſuchungen
des Lagers nach erkrankten Kindern wurden von
den Müttern dieſe Kinder mit aller erdenklicher
Liſt den unterſuchenden Aerzten entzogen. Es
mußten daher ſämtliche Barackenausgänge
be=
wacht und dann eine energiſche Unterſuchung
der Baracken vorgenommen werden. Sämtliche
erkrankten Kinder ſind in Einzellräumen iſoliert
worden.
Im Flüchtlingslager Prenzlau iſt eine
Anzahl von Kindern an Maſern erkrankt. Es
ſtehen Aerzte und mehrere Kraukenſchweſtern
ausſchließlich für dieſe Kinder zur Verfügung.
Ein Uebergreifen der Erkrankung auf die
Be=
völkerung iſt durch die geſchaffenen
Vorſichts=
maßnahmen in keinem Falle zu befürchten. Der
Geſundheitszuſtand der Kinder im Lager
Molln (Holſtein) iſt gut.
Zugunfall in Frankreich.
Zwölf Reiſende verletzt.
Paris. Zwiſchen Paris und Chantilly wurden
beim Zuſammenſtoß eines Perſonenzuges mit einem
Güterzug zwölf Reiſende verletzt, zwei von ihnen
ſchwer.
Nobelpreiskräger Michelſon F.
Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
Seite 9
Der
Das glitzernde Heer der Sterne iſt zu keiner anderen
Jahreszeit ſo ſchön ſichtbar wie in den kommenden
Wochen. Beſonders der nach Süden gelegene
Himmels=
abſchnitt bietet in klarer Nacht mit ſeinen
verſchieden=
farbig und verſchieden hell funkelnden Geſtirnen ein
Bild erhabener Schönheit. Beim Anblick der
leuchten=
den Sterne taucht manche Frage in uns auf, nach ihrem
Woher und Wohin, dem Wie und Warum, und ein
Gefühl für die Größe des Weltalls wird in uns
leben=
dig. Die Freude an den Sternen erfüllt uns. und
wenn unſere Gedanken zu weit ſchweifen und ſich in
der Unendlichkeit, die ſich vor uns auftut, verlieren
wollen, dann ſollen Goethes Worte uns ein Troſt ſein:
„Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut ſich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heit’ren Nacht.”
Welche Sternbilder finden wir nun im Januar am
Himmel? Im Süden ſteht der Orion, ein
auffallen=
des Sternbild, deſſen Namen gleich denen ſo vieler
anderer Bilder unſeres Sternenhimmels ſeinen
Ur=
ſprung in der älteſten griechiſchen Mythologie hat, in
der Orion als ein gewaltiger Krieger und Jäger
ge=
ſchildert wird. Die Sternkarten zeigen den Orion
zu=
meiſt als kraftvolle Geſtalt, die in der rechten Hand
eine Keule, in der linken einen Schild trägt und mit
Gürtel und Schwert ausgeſtattet iſt. Die hellen Sterne
Beteigeuze und Bellatrix ſtehen in den Schultern,
Rigel im Fuße des Orion. Die drei gleichmäßig in
ge=
rader Linie ſtehenden Sterne kennzeichnen den Gürtel,
die vielen kleineren Sterne unterhalb des Gürtels
ſtel=
len das Schwert dar.
Dem ſtreitbaren Jäger folgen zwei Hunde, der
Große Hund mit dem Hauptſtern Sirius und der
Kleine Hund mit Prokyon als Jagdgehilfen. Der
Orion ſelbſt wendet ſich mit erhobener Keule gegen den
Grernhinmer vin Zandut!
Stier, deſſen Auge von dem roten Stern Aldebaran
gebildet wird. Im Stier zieht der Wandelſtern
Ju=
piter ſeine ſchleifenförmige Bahn. Er iſt das hellſte
Geſtirn am ganzen Himmel und an ſeinem ruhigen
Licht als Planet erkennbar. Gegen 9 Uhr abends zeigt
er ziemlich genau die Südrichtung an. Nicht weit von
ihm ſteht das Häuflein der Plejaden, in dem das
un=
bewaffnete Auge ſechs Sterne unterſcheiden kann.
Be=
ſonders gute Augen erkennen noch einen weiteren
Stern, ſo daß der Name „Siebengeſtirn”, für dieſe
Sterngruppe von ſcharfen Beobachtern gewählt ſein
muß. Ein guter Feldſtecher verzehnfacht etwa die Zahl
der ſichtbaren Sterne, und große Fernrohe laſſen
zwi=
ſchen 400 und 500 Sterne erkennen, von denen etwa die
Hälfte in gleicher Richtung und mit gleicher
Geſchwin=
digkeit den Raum durcheilen. Die helleren
Plejaden=
ſterne übertreffen unſere Sonne bei weitem an
Tempe=
ratur und Helligkeit. Ihre Entfernung von der Sonne
beträgt etwa 400 Lichtjahre.
Der Kranz der Winterſternbilder wird durch den
Fuhrmann und die Zwillinge geſchloſſen.
Ka=
pella bzw. Kaſtor und Pollux ſind die hellſten Sterne
dieſer Bilder, durch die ſich mattſchimmernd die
Milch=
ſtraße zieht.
Auch die Namen der anderen ſichtbaren Sternbilder
mit ihren Hauptſternen ſind aus unſerer Karte zu
er=
kennen, die die Stellung der Sterne am 1. Januar,
10 Uhr abends, und am 15. Januar, 9 Uhr, und am
31. Januar. 8 Uhr, wiedergibt.
Der Mond durchläuft, ſeine Stellung von Tag zu
Tag verändernd, die Tierkreisbilder, von denen auf
der Karte die Fiſche, Widder, Stier, Zwillinge und
Löwe verzeichnet ſind, und zeigt dabei ſeine
wechſeln=
den Lichtgeſtalten. Erſtes Viertel iſt am 8. Januar,
Vollmond am 14., letztes Viertel am 21. und Neumond
am 29. Januar.
Spoln Sher und Tarnen.
Der Spork des Sonnkags.
Der erſte Sonntag des Jahres bringt kein allzu umfangreiches
Sportprogramm. Die Zahl der Hallenveranſtaltungen iſt bei der
un=
ſicheren wirtſchaftlichen Lage ſehr beſchränkt, und im Winterſport geht
es erſt allmählich der Hochſaiſon entgegen. So nehmen die
Raſen=
ſports wieder den größten Teil des Sportprogramms ein. Das
Haupt=
intereſſe beanſpruchen die Endſpiele um die Fußball=Meiſterſchaft der
Landesverbände, die u. a. in Süddeutſchland bereits ihren Anfang
genommen haben.
Fußball.
Die Endſpiele in Süddeutſchland
ſehen am 5. Januar ſchon faſt alle Kandidaten im Kampf. In der
Runde der Meiſter werden die drei Spiele: SpVgg. Fürth—
VfB. Stuttgart, Freiburger FC.—Eintracht Frankfurt und FK.
Pir=
maſens-Bayern München wertvolle Aufſchlüſſe über das
Stärkever=
hältnis der Endſpielteilnehmer geben. — Die Droſtrunden
brin=
gen ebenfalls einige recht intereſſante Spiele. Es ſpielen in der Gruppe
Südoſt: München 1860—1. FC. Nürnberg, Phönix Karlsruhe—Union
Böckingen, VfR. Heilbronn-Karlsruher FV., ASV. Nürnberg—Jahn
Regensburg; Gruppe Nordoſt: Sportfreunde Saarbrücken—Rot=Weiß
Frankfurt, SV. Wiesbaden-Phönix Ludwigshafen, VfL. Neu=
Iſen=
burg—FV. Saarbrücken. Beſondere Aufmerkſamkeit beanſpruchen auch
einige Geſellſchaftsſpiele. Hungaria Budapeſt trägt zwei
weitere Spiele in Süddeutſchland aus: Die Ungarn treten am 5. Jan.
gegen den VfR. Mannheim und am Tage darauf gegen die
Stuttgar=
ter Kickers an. Der Fußballſportverein Frankfurt hat ſich Sparta
Prag verſchrieben. — Berlins Städtemannſchaft langt auf ihrer
Rund=
reiſe zum Städtekampf in Paris an.
Handball.
Auch im Handball ſind jetzt in den meiſten Gruppen
Süddeutſch=
lands die Meiſter ermittelt; die Spiele ſtehen dicht vor dem Abſchluß.
Für den 5. Januar ſind noch einmal die folgenden Kämpfe angeſetzt:
Nordbayern: FC. Bayreuth—Pfeil Schweinau, Bar Kochba Nürnberg
gegen 1. FC. Nürnberg, Bamberg—Franken Nürnberg, ASV.
Nürn=
berg—SpVgg. Fürth; — Württemberg: SpVgg. 03 Tübingen—
Stutt=
garter Kickers, KSV. Zuffenhauſen—Sportfreunde Tübingen; Bezirk
Main/Heſſen: „Abteilung 4: Polizeiſportverein Darmſtadt—SV. 98
Darmſtadt, SpVgg. Arheilgen—Rot=Weiß Darmſtadt, Kickers
Offen=
bach—Schwanheim 08; Abteilung B: Pol.SV. Worms-Pol. SV.
Wies=
baden, Hakoah Wiesbaden—Alemannia Worms. SV. Wiesbaden—
Reichsbahn Wiesbaden.
Hockey.
Die unſichere, durchweg ſchlechte Witterungslage hemmt die
Unter=
nehmungsluſt der Vereine. Man findet daher ſowohl im Hockey wie
auch im Rugby für den 5. Januar keine nennenswerten
Veranſtaltun=
gen verzeichnet.
Boxſport
In der Dortmunder Weſtfalenhalle gibt es am Sonntag nach
län=
gerer Pauſe wieder einmal Boxkämpfe. Im Hauptkampfe trifft der
Schwergewichtler Röſemann=Hannover auf den portugieſiſchen Meiſter,
den Rieſen Joſé Santa. Weiterhin ſtehen noch der Braſilianer
Se=
baſtiao, der Bochumer Skibinski und deſſen Landsmann Wieſer, der
ſein Debut als Berufsboxer gibt, mit guten Kräften im Ringe.
Rabſport.
In der Kölner Rheinlandhalle sibt es Sonntag ein
internationales Mannſchaftsrennen „Zehn deutſche Meilen”, zu dem
namhafte Mannſchaften des In= und Auslandes verpflichtet wurden.
— In Paris nimmt an den Dauerrennen der Winterbahn auch
wieder der Deutſche Erich Möller teil.
Tenni s.
An der Riviera haben die Tennis=Turniere bereits begonnen. Zur
Zeit läuft ein Turnier des Metropol LTC. Cannes, an dem aber
deutſche Spieler noch nicht beteiligt ſind. — Im Hallentennis kommt es
in der Eſſener Tennishalle zu einem Kampf „Rheinland gegen
Blau=Weiß Berlin‟. Die Rheinländer ſtellen wieder ihre
bekannte Mannſchaft, die ſich langſam, aber ſicher zu einem
beachtens=
werten Gegner entwickelt. Für Berlin ſpielen u. a. Lorenz, Uhl und
Wolf.
Winterſport.
Im Winterſport gibt es zwar für den 5. Januar eine Reihe von
Veranſtaltungen, jedoch iſt die Bedeutung dieſer Kämpfe nicht
über=
ragend. Die Eisläufer ſind bei dem Schnellaufen in Hamburg und
bei den Oeſterreichiſchen Kunſtlaufmeiſterſchaften in Wien beſchäftigt;
der Skiklub Sauerland hält in Neuaſtenberg einen Geländelauf und
einen Ski=Jugendtag ab, der Harzer Skiverband führt ſeinen Jugend=
Skitag in Altenau durch; auf der Natur= und Kunſtbahn in Hahnklee
finden die Rodelmeiſterſchaften des Bezirks Nordweſtdeutſchland
ſtatt, und endlich hat der Schwäbiſche Schnellauf=Bund nach dem
Alb=
gebiet einen Jugend=Skitag ausgeſchrieben. Stärkere Beachtung
ver=
dient der Beginn der Akademiſchen Welt=Winterſpiele
in Davos.
Eishocke y.
Von den verſchiedenen Eishockeyſpielen des Sonntags verdient die
Begegnung zwiſchen SC. Rieſſerſee und „Preußen”Berlin beſondere
Erwähnung
Verſchiedene 3.
Das 18. Hallenſportfeſt des Verbandes Brandenburgiſcher
Atbletik=Vereine, das am Sonntag im Berliner Sportpalaſt durchge=
führt wird, hat in faſt allen Wettbewerben eine ganz ausgezeichnete
Beſetzung gefunden. Die leichtathletiſchen Wettbewerbe werden von
Vorführungen der Fußball=, Handball= und Hockeyſpieler, Radfahrer
und Boxer umrahmt.
* Zußball im Kreis Starkenburg.
Ein bedeutſamer Sonntag für die Spitzengruppe.
Der erſte Januar=Sonntag bringt für die Starkenburger Kreisliga
eine Reihe von Treffen, deren Ausgang für die Geſtaltung der
Spitzen=
gruppe von großem Einfluß ſein kann. Stoßen doch die Spitzenreiter
mit Gegnern zuſammen, die mehr oder weniger ſich ebenfalls noch
Hoffnungen auf den Meiſtertitel machen. Der Ausgang der Spiele
wird alſo entweder eine klare Führung der beiden Spitzenreiter
Urbe=
rach und Walldorf bringen, indem dieſe durch Siege ihre Widerſacher
abſchütteln können, oder wir erleben Erfolge der Gegner und ſehen
dadurch eine Zuſammenballung der Vereine an der Spitze eintreten.
Folgende ſechs Treffen finden ſtatt:
Viktoria Urberach—Sportvereinigung 04 Arheilgen;
Viktoria Wälldorf—Germania Oberroden;
Sportverein Münſter—Rotweiß VfR. Darmſtadt;
Polizei Darmſtadt—Sportverein Mörfelden (11 Uhr);
Union Darmſtadt—Fußballverein Sprendlingen;
Viktoria Griesheim—FC. 03 Egelsbach.
Bei dieſen Spielen liegt die Bedeutung nicht nur in der bereits
oben erwähnten Auswirkung, ſondern auch darin, daß einzelne
Ver=
eine ſich für nicht gerade normale Niederlagen der Vorſpiele zu
revan=
chieren gedenken. So verlor der Tabellenführer Urberach das
Vor=
ſpiel in Arheilgen unter nicht gerade glücklichen Umſtänden mit 1:7;
Grund genug, ſich zu rehabilitieren. Ein knapper Sieg Urberachs liegt
auch am nächſten, allerdings könnte gerade dieſes Treffen eine
Ueber=
raſchung bringen. Walldorf-Oberroden ſpielten im Vorſpiel 1:1;
diesmal ſollte ein Sieg der Walldörfer herauskommen. In Münſter
iſt wohl mit einem Erfolg der Einheimiſchen zu rechnen, die bereits
das Vorſpiel mit 5:0 für ſich entſchieden hatten. Das Ergebnis müßte
aber weſentlich knapper ausfallen. Die nächſten zwei Spiele ſind für
die Mittelgruppe von Bedeutung. Union Darmſtadt unterlag ſeiner
Zeit in Sprendlingen mit 1:6. Wenn auch nicht gerade an eine
Um=
kehrung des Ergebniſſes zu denken iſt, ſo liegt aber ein Darmſtädter
knapper Erfolg nahe. Die Begegnung Polizei-Mörfelden erfolgt
erſtmalig im Rahmen der diesjährigen Verbandsſpiele. Der Ausgang
erſcheint offen, da der Polizckei immer noch zwei geſperrte Leute
feh=
len. In Griesheim erwartet man den FC. Egelsbach. Eine Revanche
der Einheimiſchen für ihre 0:2=Niederlage in Egelsbach ſcheint
mög=
lich, aber ein Unentſchieden würde nicht überraſchen.
Angeſetzte Spiele der A= und B=Klaſſe.
Gruppe Bergſtraße—Ried. Boruſſia Dornheim—Germania Eberſtadt;
SV. Weiterſtadt—SV. Groß=Gerau; Chattia Wolfskehlen—FSV.
Seeheim; Eintracht Darmſtadt—Sportverein Geinsheim. —
Ger=
mania Eberſtadt tritt bereits als Meiſter in Dornheim an, da das letzte
Spiel gegen Geinsheim den Germanen bereits den Titel brachte. Ob
der Meiſter ungeſchlagen davonkommt? Sonſt iſt noch Wolfskehlen
als Sieger zu erwarten, während die beiden anderen Spiele offen im
Ausgang erſcheinen.
Gruppe Dreieich. SV. 1911 Neu=Iſenburg—Sportklub. Dietzenbach;
Union Wixhauſen—FC. 02 Dreieichenhain; FV. Eppertshauſen—
—SV. Offenthal; T.u. SV. Meſſel—Sportgemeinde Sprendlingen.
Außer in Meſſel, wo der Ausgang zweifelhaft iſt, iſt durchweg mit
Siegen der Platzvereine zu rechnen.
Gruppe Odenwald. Haſſia Dieburg—Sportverein Lengfeld; VfL.
Michelſtadt—Sportverein Höchſt: Sportverein Roßdorf—VfR.
Er=
bach; VfR. Beerfelden—FSV. Groß=Zimmern. — Auch hier darf
man den Platzvereinen die beſſeren Ausſichten zubilligen.
B=Klafſe. SC. Ober=Ramſtadt—Olympia Hahn; Viktoria Kleeſtadt—
Germania Eſchollbrücken; FV. Schaafheim—Spiel=Vgg. Groß=
Umſtadt. — Der letzte offizielle Sonntag der Terminliſte. Ober=
Ramſtadt ſollte gewinnen, während Eſchollbrücken kampflos zu den
Punkten kommen dürfte.
Handball.
W. Bickenbach—TV. Nauheim.
Am kommenden Sonntag, den 5. Januar, hat der Turnverein
Bickenbach 1897 einen großen Tag. Hat ſich ſeine erſte
Handballmann=
ſchaft im Laufe der Verbandsſpiele 1929 doch bis zum Gruppenmeiſter
des Südbezirks durchgearbeitet, und hat die Mannſchaft am Sonntag
in dem Kampf um den Gaumeiſter anzutreten. Als Gegner wird
der Gruppenmeiſter des Oſtbezirks, die Mannſchaft des Turnvereins
Nauheim, erwartet. Das Vorſpiel hat bereits auf dem gegneriſchen
Platz mit einer Niederlage für Bickenbach geendet. Die heimiſche
Mann=
ſchaft wird alles daranſetzen, um den Verluſt wieder auszugleichen.
Nauheim wird dagegen mit aller Kraft verſuchen, ein nochmaliges
Spiel (Ausſcheidungsſpiel) zu vermeiden und den Sieg an ſich zu
reißen. Nach allem, was zu erwarten iſt, dürfte die Bergſtraße am
Sonntag einen großen Tag im Handballſpiel der Deutſchen
Turner=
ſchaft erleben. Es iſt zu hoffen, daß dieſes ſehr wichtige und
jeden=
falls ſehr ſpannende und entſcheidende Spiel in Bickenbach und
Um=
gegend das nötige Intereſſe findet. Niemand dürfte verſäumen, ſich
dieſes ſportlich jedenfalls ſehr ſeltene Spiel anzuſehen.
Das Brüfſeler Sechstagerennen endete mit einem Sieg des
deutſch=
holländiſchen Paares Buſchenhagen van Kempen vor Wauters=
Ver=
mandel und Rielens van Plockhoven,
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Freitag, 3. Jan. 12.15: Schallplatten. 15.15:
Jugend=
ſtunde. o 16: Konzert des Funkorch. 18.05: Dr. Köbener:
Rückbliak und Ausblick auf die Wirtſchaftslage Deutſchlands beim
Jahreswechſel. O 18.35: Stuttgart: Obertelegr.=Sekr. Müller: Der
deutſche Bordfunk=Offnier. O 19.05: Mannheim: Dr. Kern: Marie
Curie=Slodowsia, die Radium=Entdeckerin. O 19.30: Stuttgart:
Ein Abend m Paris. Hörfolge von Fr. Bayha und H. W. A.
Schoeller. O 21: Internationaler Programm=Austauſch. Kölner
Programm: Londoner Sinfonie von Haydn. Funkorch. —
Lon=
voner Programm: Akt aus Purcell’s „Fairy Queen” —
Belgi=
ſches Programm: Gretry: Ouv. de UEpreuve villageoiſe; Air du
jugement de Midas. 0.30: Kaſſel: Nachtkonzert. Ausf.: Dr.
Weymar, Funk=Streichorch.
Königswuſterbauſen.
Deutſche Welle, Freitag, 3. Jan. 9: Landw.=Rat Pachaly:
Das Ausfrieren, Ausſauern, Ausfaulen und Erfrieren der Saat.
10: Dora Lux=Falk: Märchenerzählungen. O 14.30:
Kinder=
ſtunde. Gertrud van Eyſeren: Kunterbunt. o 15: „Die
Jung=
mädchenſtunde‟. (Zwiegeſpräch zwiſchen Dr. Ilſe Reiche und Elli
Heuß=Knapp). 15 40: Stud.=Rat Thiel: Uhr und Kalender.
O 16: Oberſchulrat Dr. W. Hübner: Das höhere Unterrichtsweſen
in U. S.A. O 16.30: Leipzig: Konzert. O 17.30: Prof. Dr.
Mersmann: Geſpräche über Muſik. 18: M. Müller=Jabuſch:
Das Finanzjahr 1929. O 18.30: Engliſch für Fortgeſchr. O 18.55:
Ge Reg.=Rat Prof. Gürtler: Weberei. O 19.20: Vortrag für
Aerzte. — 20: Programm der Aktuellen Abteilung. O 20.30:
Unter=
haltungsmuſik. Kapelle Leo Bermann. o 21: H. Kaſack: Zehn
Minuten. O 21.10: „König David” Sinfoniſcher Pſalm nach
dem Drama von Rene Morax. Muſik von Honegger. Margarete
Olden (Alt), Ingrid Brebeck (Sopran), H. Appels (Tenor), Chor
und Orch. der Funk=Stunde Berlin. O Anſchl.: Zeit, Wetter.
O Danach: Dr. Pfeil: Trocken=Ski=Uebungen. O Anſchl.: Sport.
D 22.30: Unterhaltungsmuſik. Romanoff’s Original Ruſſiſche
Tanzkapelle.
Wetkerberichl.
Ausſichten für Freitag, den 3. Januar 1930: Unbeſtändiges Wetter mit
Bewölkung und Aufheiterung wechſelnd, etwas kühler, Regenſchauer.
Ausſichten für Samstag, den 4. Januar 1930: Noch kein beſtändiges
Wetter.
Amtliche Winterſportnachrichten
herausgegeben von der
Heſſ. Offentl. Wetterdienſtſtelle am Landwirtſch. Inſtitut der
Univerſität Gießen.
der
Schneedecke Sport-
möglichkeit heute morgen
em heute Vogelsberg:
Hoherodskopf
(367 m) Nebel 0 4-5 Verweht keine Herchenhainerhöhe
Gß 50 Odenwald:
Tromm
Aſ 50 Regen Pappſchnee keine Neunkirchen
6513 m) Taunus:
Kl. Feldberg
Gſf. 50 Rhön:
Waſſerkuppe
Aſf 50 Schwarzwald:
Feldberg
(1497 m) bewölkt 55 6-1 Pulverſchnee Shi und
Rodel gut Hornisgrinde
(1160 m) Ruheſtein
1930 m) Graupel -C 25 A.
15 Firnſchnee Nur Sii
möglich Furtwangen
B 50 Regen Pappſchnee Skt u. Model
mäßig Alpen:
Garmiſch= Parten=
kirchen (718m) bewölkt 10 Pulverſchnee Ski u. Rodel
ſehr gut Bad Tölz Harz:
Schierke
(620 Schnee=
regen Pappſchnee Ski u. Rodel
mäßig Thuringer Wald;
Oberhof
(810 m) leichter
Schneefall —1 5 6 10 Ski u. Rode
gekörnt
gut [ ← ][ ][ → ]
Nammer 3
DarmſtädterCagblate
Freitag, den 3. Januar
Franzöſiſcher Wirkſchaftsbrief.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 1. Januar 1930.
Die Entwicklung der franzöſiſchen Geldpolitik ſteht vor einer
Wendung, die für die ganze Wirtſchaft von Bedeutung iſt. Das Geld
iſt wieder billiger geworden, dies fand ſeine halboffizielle Beſtätigung
in der Zinsherabſetzung der Döfenſe=Bons von 4 Prozent auf 3½
Pro=
zent, ferner in der ſtarken Hauſſe der Staatsrenten. Es wird auch
viel=
fach eine Herabſetzung der ſonſt ſchon mäßigen Diskonttaxe von 3½
Pro=
zent erwartet. Frankreich legt Wert darauf, daß die Diskonttaxe hier
bedeutend billiger ſei als in jedem anderen Lande, und daß eine
Geld=
flüſſigkeit herrſche, wie ſie übrigens tatſächlich für den
Dezemberverfall=
tag auch erreicht wurde. Man hofft, daß dieſe Maßnahmen günſtig
auf das geſamte Wirtſchaftsleben wirken, ebenſo wie die angekündigte
Ergänzung der „nationalen Ausrüſtung”, die neben der elektrotechniſchen
und Schwerinduſtrie auch die Bautätigkeit begünſtigen wird.
In den Handelskreiſen klagt man über Lauheit der Geſchäfte, doch
bezieht ſich dieſe Klage mehr auf den Innenmarkt, während der Export
nach mehreren Ländern, insbeſondere nach den Vereinigten Staaten,
einen Aufſchwung erfahren hat. Beachtet man die dortige Zollpolitik,
ſo muß dies überraſchend wirken.
Die Lage des Rohſtoffmarktes läßt noch manches zu
wün=
ſchen übrig, obwohl eine geringe Beſſerung nicht zu leugnen iſt.
Auf dem Kohlenmarkte konſtatiert man einen mäßigen
Rück=
gang des Abſatzes. Man behauptet, daß von dieſem Abſatzrückgang mehr
die ausländiſchen als die inländiſchen Lieferungen betroffen ſind. Eine
weitere Sorge für die Kohleninduſtrie bildet die Erhöhung der
Kohlen=
ſteuer von 2,50 auf 3,65 Prozent, die am 1. Januar in Kraft treten ſoll.
Man hofft aber noch, bei der Kammer die Vermeidung dieſer
Steuer=
erhöhung zu erwirken, da eine ſo ſchwere Kohlenſteuer die Teuerung
noch erheblich ſteigern würde. Ueber die vorausſichtliche Geſtaltung der
Preiſe während der erſten Monate von 1930 verlautet noch nichts. Die
letzten Statiſtiken zeigen ein Anwachſen der Produktion, die ſich im
Ok=
tober auf 4 971000 Tonnen belief und mehr als 500 000 Tonnen höher
war als die Produktion des Vormonats. Ferner wurden 408000 Tonnen
Koks hergeſtellt, eine Rekordziffer.
Die Lage des Eiſen= und Stahlmarktes iſt etwas beſſer
geworden. Die Düſſeldorfer Beſchlüſſe des Kartells wurden hier mit
Zufriedenheit aufgenommen. Man glaubt, daß die geplanten
Verkaufs=
organiſationen bald verwirklicht werden können, und daß ſie gut
funk=
tionieren werden.
Der Kupfermarkt iſt deprimiert, trotz der hohen Preiſe, die
ſcheinbar fiktiu ſind und von dem Kartell nur mit den größten
Schwie=
rigkeiten aufrechterhalten werden. Die Einſchränkung der Produktion,
obwohl ſie ſehr ſtark iſt (während November 8000 Tonnen), iſt nicht
wirk=
ſam, da die Kupferraffinerien über ſehr große Vorräte verfügen. Dieſe
Vorräte ſollen ſich auf 127000 Tonnen belaufen, eine Ziffer, die ſeit
1925 nicht erreicht worden iſt. Dazu konnte man noch einen ſtarken
Rückgang des Abſatzes feſtſtellen, der im November von 106 000 Tonnen
auf 69 000 Tonnen fiel, während der Export nach Europa um 15 000
Tonnen zurückging und nur 38 000 Tonnen ausmachte. Eine Baiſſe der
Preiſe wird alſo unvermeidlich ſein, man befürchtet, daß ſie längere
Zeit anhalten könnte und verſucht darum, die Preiſe ſo lange wie nur
möglich zu halten.
Die Zinnpreiſe erfuhren viele Schwankungen, die von großem
Ausmaße waren. Dieſe Preisſchwankungen deuten auf das
Wiederauf=
leben der Spekulation, die den Zinnmarkt — das vergangene Jahr
aus=
genommen — immer beherrſcht hat. Der Einſchränkungsplan des
Kar=
tells liegt nun ausgearbeitet vor, und er wurde von den meiſten
Pro=
duzenten ſehr günſtig aufgenommen. Die Frage iſt nur, ob er auch
ge=
wiſſenhaft durchgeführt wird, denn dadurch wäre die Zukunft des
Mark=
tes geſichert.
Die Lage des Zinkmarktes gibt zu Beſorgniſſen Anlaß. Die
Preiſe erreichten einen Rekordtiefſtand ſeit 1908. Die Algeriſchen Minen
arbeiten ſchon mit Verkuſt, und mehrere Betriebe wurden teilweiſe
ein=
geſtellt. Im Januar wird eine neue Zink=Konferenz zuſammentreten,
die einen Einſchränkungsplan ausarbeiten ſoll. Das würde dem Markte
ſehr not tun, denn die Vorräte belaufen ſich ſchon auf mehr als 100 000
Tonnen, eine Ziffer, die allgemein als „eine Inflationsziffer”
darge=
ſtellt wird.
Die Bleipreiſe ſind ebenfalls ſehr niedrig. Sie ſtellen kaum
60 Prozent der Preiſe dar, die vor vier Jahren galten. Doch iſt die
Lage des Bleimarktes noch immer verhältnismäßig beſſer als diejenige
des Zinkmarktes, denn die Bleivorräte ſind nicht ſo übermäßig groß.
In den letzten Tagen nahm der Abſatz in England einen unerwarteten
Aufſchwung, während die mexikaniſchen Lieferungen zurückgegangen ſind.
Der Phosphatenmarkt war einige Tage lang ſchwach, hat
ſich aber wieder befeſtigt. Die Baiſſe auf dem Kunſtdüngermarkte war
für den Phosphatenmarkt weniger gefährlich als für den Nitratenmarkt.
Mehrere Sorten von Nitraten erfuhren einen Preisſturz.
Der Kalimarkt liegt ruhig. In den letzten Wochen iſt der
in=
ländiſche Kaliverbrauch etwas zurückgegangen, während der Export nach
dem Auslande, insbeſondere nach Amerika, ziemlich ſtabil iſt.
Der Kautſchukmarkt lag ſchwach. Die Zukunft des
Kautſchuk=
marktes beunruhigt viel die franzöſiſchen Wirtſchaftskreiſe, da die
Pro=
ſperität Indochinas von ihr abhängt. Die Plantagen ſind meiſt wenig
oder gar nicht rentabel und man möchte mit ſtaatlichen Anleihen zu Hilfe
kommen. Bei den internationalen Produzenten ſind Beſtrebungen zur
Einſchränkung der Produktion und der Reorganiſierung des Marktes
vorhanden. Inzwiſchen wachſen die Vorräte an, ſie ſollen in London
und Liverpool bereits mehr als 72 000 Tonnen ausmachen. Man ſtellt
ſchon Statiſtiken auf, die den Kautſchukabſatz der ganzen Welt für 1930
darſtellen und die einen um 40 Prozent höheren Abſatz als im
Vor=
jahre vorſehen.
Mannheimer Produktenbericht vom 2. Januar. Sowohl für
Aus=
lands= als auch für Inlandsweizen werden erhöhte Preiſe verlangt. Die
Tendenz iſt noch unausgeſprochen, da der erhöhte neue Zoll noch nicht
zur Geltung kommt. Man nannte im nichtoffiziellen Verkehr gegen 12½
Uhr in Reichsmark per 100 Kilo waggonfrei Mannheim: Weizen inländ.
mit 27,50—27,75, ausländiſchen mit 29,50—33, Roggen inl. mit 19,75,
ausl. —, Hafer inl. 17—17,75, Braugerſte mit 20—22, Futtergerſte mit
16,75—17,75, Mais mit Sack mit 18,25—18,50, Weizenmehl Spezial Null
40, ſüdd. Weizenauszugsmehl 44, ſüdd.Weizenbrotmehl 30, Roggenmehl
70—60prozentige Ausmahlung 28,50—33, feine Weizenkleie mit 9,50,
Biertreber mit Sack 14,50—15 RM.
Berliner Produktenbericht vom 2. Januar. Der Produktenmarkt
eröffnete das neue Jahr bei nur geringer Geſchäftstätigkeit in guter
ſtetiger Haltung. Das Angebot von Brotgetreide aus dem Inlande
war weiterhin nur recht gering zu nennen, für Weizen wurden höhere
Preiſe gefordert, vereinzelt kamen auch auf etwa eine Mark höherem
Preisniveau Umſätze zuſtande, dagegen blieb Roggen vernachläſſigt.
Diebmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 2. Januar. Aufgetrieben waren:
12 Ochſen, 84 Kälber, 2 Schafe. Die Preife ſtellten ſich für Kälber:
a) 82—88, b) 75—81; c) 68—74 Pfg. pro Pfund. Marktverlauf:
ge=
räumt.
Mannheimer Viehmarkt vom 2. Januar. Dem heutigen
Klein=
viehmärkte waren, zugefahren: 88 Kälber, 11 Schafe, 298 Schweine, 451
Ferkel und Läufer. Bezahlt wurden für Kälber 68—85, für Schafe 45
bis 46, für Schweine 80—85, für Ferkel bis vier Wochen 25—32, über
vier Wochen 34—44, für Läufer 48—56. Marktverlauf mit Kälbern und
Schweinen mittelmäßig, geräumt, mit Ferkeln und Läufern mittelmäßig.
Frankfurter Viehmarkt vom 2. Januar. Aufgetrieben waren: 80
Rinder, 441 Kälber, 206 Schafe, 235 Schweine. Marktverlauf: Kälber
und Schafe mäßig rege, ausverkauft, beſte Kälber über Notiz, Schweine
wegen des geringen Auftriebes nicht notiert. Kälber: a—b) 86—88,
c)82—85; d) 72—81; Schafe: a) 47—49; b) —: c) 40—45: d) 32—39.
Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1. 90—95, 2. 80—90, Bullenfleiſch
88—92, Kuhfleiſch 2. 65—73; 3. 50—60. Kalbfleiſch 2. 115—120;
Schweine=
fleiſch 1. 112—115, 2. 100—110. Gefrierfleiſch (Rindfleiſch) Vorderviertel
56, Hinterviertel 65, Geſchäftsgang rege.
Die Frankfurter Pferdemärkte wurden für das Jahr 1930 wie folgt
feſtgeſetzt: 6. Januar, 3. Februar, 3. März, 7. April, 12. Mai, 16. Juni,
14. Juli, 18. Auguſt, 6. Oktober und 1. Dezember. Bei der Feſtſetzung
der Termine iſt den Wünſchen der Intereſſenten, die Frankfurter
Pferde=
märkte vor den Märkten in den ſüddeutſchen Staaten abzuhalten,
Rech=
nung getragen worden.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 2. Januar.
Die erſte Börſe im neuen Jahre eröffnete mit ſehr ruhigem
Ge=
ſchäft und freundlicherer Grundſtimmung. Man ſieht mit etwas mehr
Zuverſicht den bevorſtehenden Ereigniſſen der Haager Konferenz
ent=
gegen und glaubt vor allem, daß nach der relativ ſehr guten
Ueberwin=
dung des Jahresultimo von der Geldſeite her für die Börſe eine
grö=
ßere Förderung anwachſe. Auch die wirtſchaftliche Entwicklung ſieht
man etwas optimiſtiſcher an, da das Jahr 1929 als Kriſenjahr eine
ſtär=
kere Bereinigung fauler Wirtſchaftskörper brachte. Gegenüber den
ge=
drückten Jahresſchlußkurſen war die Stimmung und die Kursentwicklung
beſonders im Verlaufe der Börſe freundlicher. Zunächſt zwar wurden
überwiegend noch Kursrückgänge feſtgeſtellt. So ſetzten Farbeninduſtrie
unverändert, Rheinſtahl 0,5 Prozent ſchwächer ein. Am Elektromarkt
eröffneten Siemens um 2, AEG. 0,5, die übrigen Werte etwa 0,5
Pro=
zent ſchwächer. Montanwerte bröckelten leicht ab. Gelſenkirchen um
0,75 Prozent. Kaliwerte außerordentlich ſtill und gut gehalten.
Bank=
aktien zeigten ſchwächere Kurſe. Großbanken durchweg 1 Prozent
nied=
riger. Die übrigen Märkte lagen außerordentlich ruhig und zeigten
nur geringe Kursveränderungen. Der Börſenverlauf blieb am
Aktien=
markt freundlich und wurde lebhafter. Die Anfangsverluſte waren faſt
ausgeglichen und es wurden noch mäßige Kursgewinne erzielt.
Sie=
mens 272 nach 269, Aku 112 nach 110, Schiffahrtswerte gleichfalls 1
Pro=
zent freundlicher. Am Rentenmarkt iſt das Geſchäft ſehr ſtill.
Leb=
hafter lag der Pfandbriefmarkt, beſonders aber Liquidationspfandbriefe,
die eine ſtärkere Steigerung aufwieſen. Tagesgeld 6,5 Prozent. RM.
gegen Pfunde 20,43½, Dollar 4,1870, London—New York 4,88.
An der Abendbörſe war die Stimmung unter dem Einfluß
feſterer New Yorker Kurſe freundlich, und die Kurſe blieben meiſt gut
behauptet bzw. konnten etwas anziehen. Da aber neue Orders kaum
vorlagen, war die Umſatztätigkeit minimal. J.G. Farben, Licht und
Kraft und Siemens lagen bis 1,25 Prozent höher. Sonſt blieben die
Kursveränderungen gering. Schutzgebietsanleihe mit 3,80 weiter etwas
gefragt. Commerzbank 146,5, Deutſche und Diskonto 142, Dresdener
Bank 142,5, Reichsbank 276,5, Buderus 65, Harpener 141, Aſchersleben
186, Salzdetfurth 314, Weſteregeln 194, Mannesmann 92,5, Phönig
102,75, Rheinſtahl 105, Stahlverein 105, AKU. 115, AEG. 158, Chade
321,5, Zement Heidelberg 113, Daimler 34,75, Scheideanſtalt 148/8
Deutſche Linoleum 234,5, Licht u. Kraft 144,5, J.G. Farben 171,75,
Holzmann 85, Karſtadt 126,5, Rütgerswerke 68,75, Siemens 273,75,
Svenska 315, Norddeutſcher Lloyd 96,5.
Berlin, 2. Januar.
Der Anfang des neuen Jahres zeigte vormittags dieſelbe
Geſchäfts=
loſigkeit, durch die ſich ſchon ſeit geraumer Zeit der Frühverkehr
aus=
zeichnet. Während man zurzeit eine Tendenz noch nicht erkennen
konnte, machte ſich an der Vorbörſe eine gewiſſe Unſicherheit geltend,
die wohl in erſter Linie auf den bevorſtehenden Beginn der Haager
Konferenz zurückzuführen war. Andererſeits ließen leichtere Geldſätze
im Auslande und die belgiſche Diskortermäßigung von 4,5 auf 3,5
Prozent, die eine Londoner Diskontermäßigung wahrſcheinlicher machte,
die Hoffnung wieder aufleben, daß auch hier die Reichsbank noch im
Laufe des Januar eine Diskontſenkung eintreten laſſen werde, nachdem
auch der Privatdiskontſatz eine Ermäßigung erfahren hätte. Die erſten
Kurſe lagen nicht einheitlich, aber doch eher etwas ſchwächer, da noch
immer kleine Provinzverkäufe vorlagen. Im allgemeinen hielten ſich die
Verluſte im Rahmen von 1 bis 2 Prozent. Nach den erſten Kurſen
ſtagnierte das Geſchäft zunächſt faſt vollkommen. Unter dem Druck
der auf der Börſe laſtenden Geſchäftsloſigkeit waren überwiegend kleine
Kursabbröckelungen feſtzuſtellen.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metall=Termine vom 2. Januar ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 130,50 (132), Februar 131 (182), März 131,25
(132,50), April 132,50 (133), Mai 133,25 (133,75), Juni 133,50 (133,75),
Juli 133,75 (134), Auguſt 134 (134), September 134 (134,50), Oktober,
November, Dezember 134 (134,50). Tendenz feſt. Für Blei: Januar
41,25 (42,50), Februar 41,75 (42,25), März, April 42 (43), Mai 42,25
(43), Juni 42,50 (43), Juli 42,75 (43,25), Auguſt September 43 (43,50),
Oktober 43,25 (43,50), November 43,50 (43,50), Dezember 43,50 (43,75).
Tendenz: ruhig. Für Zink: Januar 38 (40), Februar 39,50 (42),
März 39,50, Mai, Juni 39 (43), Juli, Auguſt 40,50 (43), September 41
(43), Oktober 42 (43), November 42 (42,75), Dezember 42 (43). Tendenz:
ſtill. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten
Brief.
Berliner Kursbericht
vom 2. Januar 1930
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank 1141.—
Kapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
d. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr. 1203.75
Berl. Maſch.=Bau / 58.75
Conti Gummt
Deutſche Cont. Gas/145.25
Deutſche Erdöl 92.—
Die Arbeitsmartnage im heich.
Der Bericht der Reichsanſtalt für die Zeit vom 16. bis 28.
Dezem=
ber 1929 wird ſoeben veröffentlicht. In den beiden Wochen vor dem
Weihnachtsfeſt hat der Arbeitsmarkt eine ſcharfe Steigerung der
Ar=
beitsloſigkeit, die heftigſte Zunahme im Jahre 1929, erlitten. Der
gleiche Zeitraum brachte auch im Vorjahre das ſtärkſte Anſteigen der
winterlichen Arbeitsloſigkeit. Sie ſtieg alsdann bis Ende Februar
wei=
ter an, jedoch von Woche zu Woche in verlangſamtem Tempo. Die
weſentliche Urſache dürfte in dem Einſetzen einer, wenn auch kurzen,
Froſtperiode liegen; ſie hat weithin die Außenarbeit ſtillgelegt. Hinzu
kam der Abſchluß der Hauptbetriebszeiten in mehreren
Verbrauchs=
güterinduſtrien: Zuckerinduſtrie und Konſervenherſtellung gaben ihre
Saiſonkräfte frei. Die Wirtſchaftszweige, die eine allerdings nur
ſchwache Belebung durch das Weihnachtsgeſchäft erfahren hatten,
ent=
ließen die Aushilfskräfte. Verſchärft wurde der Beſchäftigungsrückgang
dadurch, daß wichtige Induſtriebetriebe über Weihnachten und Neujahr
Entlaſſungen für einige Wochen ausgeſprochen haben, um in dieſer
Zeit, in der ſich die Arbeitsruhetage ſowieſo häufen, ganz ſtillzulegen,
und alsdann Reparaturen, Keſſelreinigung, Inventurmaßnahmen und
andere einmalige Jahresarbeiten vorzunehmen. Die Form kurzfriſtiger
Entlaſſungen tritt bei ſchwachem Geſchäftsgang anſcheinend immer mehr
an die Stelle des früher üblichen tageweiſen Ausſetzens der Arbeit.
Dieſen Entlaſſungen ſtanden außerdem kaum Neueinſtellungen
gegen=
über. Auch der normale Arbeitswechſel ſetzte faſt völlig aus. Eine
ſolche Zurückhaltung der Wirtſchaft iſt in den Wochen mit mehreren
Feiertagen eine übliche Erſcheinung.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
An der Berliner Donnerstags=Börſe wurde der Privatdiskont für
beide Sichten von bisher 7 v. H. auf 67/s v. H. ermäßigt.
Nach Mitteilung des Statiſtiſchen Reichsamtes wurden im Dezember
1929 durch den Reichsanzeiger 881 neue Konkurſe, ohne die wegen
Maſſenmangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung, und 459
eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entſprechenden
Zah=
len im November ſtellten ſich auf 813 bzw. 394.
Im November 1929 betrug die geſamte Einfuhr von Lederſchuhwerk
nach Deutſchland 81 001 Paare, die Ausfuhr 267 159 Paare. Die
Aus=
fuhr übertraf ſomit die Einfuhr um 186 158 Paare. Einem
Ausfuhr=
wert für Lederſchuhwerk von 2 818 000 RM. im November 1929 ſteht ein
Einfuhrwert von 962 000 RM. gegenüber.
Das Geſchäftsjahr 1928/29 (30. September) der Vogel Draht= und
Kabelwerke A.=G., Berlin, hat dem Vernehmen nach ein
zufriedenſtellen=
des Ergebnis gebracht. Der Bilanzſitzung Ende Januar wird ein
un=
veränderter Dividendenvorſchlag von 6 Prozent unterbreitet.
Die vier Bergarbeiter=Verbände des Ruhr=Bergbaues haben die ſeit
dem Jahre 1921 in kraft befindliche Normalarbeitsordnung für den
Ruhrbergbau zum 31. März 1930 gekündigt.
Bei der Allgemeinen Spar= und Vorſchuß=Kaſſe e. G. m. b. H. in
Kaſſel, die ihre Zahlungen eingeſtellt hat, betragen die Verbindlichkeiten
393 063 RM., denen 158 396 RM. Vermögenswerte gegenüberſtehen, ſo
daß der Fehlbetrag 235 494 RM. beträgt.
Die Bergarbeiterverbände haben die Normalarbeitsordnung für
den Ruhrbergbau zum 31. März 1930 gekündigt mit der Begründung,
daß manche Beſtimmungen infolge der neuen arbeitsrechtlichen Geſetze
überholt wären. Die bisherige Arbeitsordnung war ſeit dem Jahre
1921 in Kraft.
Die Zulaſſung der 14 Mill. RM. 4,75prozentigen Liquidations=
Kommunal=Schuldverſchreibungen vom Jahre 1929 der Preußiſchen
Zentrall=Boden=Kredit=Aktiengeſellſchaft zur Notierung in Frankfurt
a. M. wurde genehmigt.
Dr. Kurt Hirſchfeld, bisher Prokuriſt im Hauſe J. Drehfuß u. Co.,
Frankfurt a. M.=Berlin, hat mit Wirkung vom 1. Januar 1930 die
Leitung der Frankfurter Geſchäftsſtelle der Deutſchen Waren=Treuhand=
A.=G., Hamburg=Berlin, übernommen.
Die Ziffern des franzöſiſchen Außenhandels in den erſten elf
Mo=
naten des Jahres 1929 ſtellen ſich gegenüber dem gleichen Zeitraum 1928
wie folgt: Einfuhr: 52 155 691 Tonnen zu 53 257 869 000 Franes; vder
9347 067 Tonnen zu 5 140 815000 Fr. mehr wie im Jahre 1928;
Aus=
fuhr: 36 465 123 Tonnen zu 45 675 864 000 Francs, oder 1349 529
Ton=
nen zu 907 710 000 Franes weniger wie im Jahre 1928.
Deviſenmarkt
vom 2. Januar 1930
Brief
81.39
56.03
81.76
2.059
0.461
1.422
18.25
5.445
1.992
20.965
g. 143
3.934
2.39
112.08
80.89
222.25 Mieie Hee
F. G. Farben
Gelſenk. Bergw. Vee
169.50 Maenee
Rütgerswerke Ve
68.50 Helſingfors 100 finn. Mk. Währung GeldBrief
10.51 10.53 Schweiz Währung
100 Franten Rre
81.23 141— 130.— Salzbetfurth Kau 1314.— Wien 100 Schilling 58.88 59.00 Spanien 100 Peſetas 55.91 Geſ.f.elettr. Unter. 11 Leonh. Tietz 1 5 Prag 100 Tſ. Kr./ .397/Danzig 1ro0 Gul Harpener Bergbau 139.50 Verein. Glanzſtoff 146.— Budapeſt 100 Pengö 73. 215 73.3! Fapan 1 Den 2.05 96.375 Hoeſch Eiſen 109.— Verein. Stahlwerke 103.75 Sofia 100 Leva 3.024 3.C3( Rio de Janeirr Milreis 0.459 Phil. Holzmann 83.50 Weſteregeln Alkali 190.50 Holland 100 Gulden 168.7‟ 169.07 Jugoſlawien 100 Dinar 7.418 9c.50 Kali Aſchersleben 182.25 Agsb.=Nrnb. Maſch. 71.125 Oslo 100 Kronen 112.1 112.33/Portugal 100 Eseudot 18.81 156.12! Klöcknerwerte 91.12 Baſalt Linz 28.— Kopenhagen 100 Kronen 112.1 112.: Athen 100 Drachm 5.43. 78.— Köln=Neueſſ. Bow. 105.87 Berl. Karlsr. Ind 68.75 Stockholm 100 Kronen 112.5 112.7 Konſtantinope 1 türk. 2 1.988 134.— Ludw. Loewe 144.25 Hirſch Kupfer 123.— London 1 s.Stg 20.412 20.452/Kairo 1ägypt. 4 20.925 Mannesm. Röhr. 91.— Hohenlohe=Werk 80.— Buenos=Aires 1 Pap. Peſt 1.708 1.712 Kanada 1 canad. Doll. 4.125 Maſch.=Bau=Untn. 38.50 Lindes Eismaſch. 150.— New Yort 1 Dollar 4. 183 a. 191 Uruguay 1 Goldpeſo 3.926 143.50 Nordd. Wolle 90.— Herm. Poege 25.— Belgien 100 Belgo 58.515 58.635 Fsland 100 eſtl. Kr. 92.21 Oberſchleſ. Kofsw. 92.— Vogel Telegr. Draht 67.75 Italien 1100 Lire 21.8951 21.935 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.84 Orenſtein & Koppe 69.— Wanderer=Werke 51.—
Paris 100 Franes 16.48 16.52 Riga 100 Lats 80.73
„ondtbant, Koumänengefeafcha
Frankfurter Kursbericht vom 2. Januar 1930.
6% Dtſche.
Reichs=
anl. v. 27 ....."
C% Baden
Frei=
ſtaat v. 27 ...."
6% Bahern
Frei=
ſtaat v. 27 ..."
8% Heſſen
Volks=
ſtaat v. 24...."
8%
v. 2‟
6% Preuß.
Staats=
anl. v. 28...."
E% Sachſen Frei
ſtaat v. 27.. ...
7% Thüringer
Frei=
ſtaatv. 27 ...."
—
Dtſche. An I.
Auslo=
ſungsſch. +:/.
Ab=
öſungsanl.. . . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ungsſch. (Neub.
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe ..."
6% Bad.=Bad. v. 2
6% Berlin v. 24.
8% Darmſtadt v. 26
3%
v. 28
%o Frkf. a. M. v. 26.
8O Mainz v. 26 ..
8% Mannh. v. 26.
8% Nürnbergv. 26
8% Heſſ. Landesb!
Goldpfbr..
8%Heſſ. Landesbl.
Goldoblig.
4½% Heſſ. Lds.,
Pyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr. .
8% Preuß. Lds.,
Pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr.:
880 Preuß. Lbs.
pfbr.=Anſt.
Gold=
vbl.. . . . . ...
1.4
82.5
88.25
96.5
93.25
8% Darmſt. Komm
Landesbk. Goldobl.
8
%KaſſelerLandes=
kredit Goldpfbr.
8% Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr. .
—
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.-Anl.
+ Ausl. Ser. I
*Ausl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
8% Berl. Hhp.=Bk.
4½%„Ligu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp. Bk..
Lig. Pfbr.
41/,%0
% „ Pfbr. Bk...
% — Lia. Pfrb.
% Mein. Hyp.Bk.,
Lig. Pfbr.
411.
8% Pfälz. Hyp.Bk.
4½% Lig. Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
cred.=Bank.
4½% „ Lig.Pfb.
8% Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bk. ..
4½
Lig. Pfk.
8% Rhein. Hyp. Bk.
4:/,% „ Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bb.=Credit.. . ..
8% Südd. Bod.=
Cred.=Ban 1. . . .
8% Württ. Hyp.=B.
—
6% Daimler Benzl
von 27 ... ....."
8% Dt. Linol. Werke
v. 28.
8% Klöckner=Werkel
Berlin v. 26 ..
70 Mainkrw. v,26
7% Mitteld.
Stahl=
werke v. R....
18.5
7.n5
97.*
7.n5
97
80.5
95
97.5
97.25
65
82/,Salzmann u. Co.
v. 26 .........."
7% Ver. Stahlwerke
mit Opt. v. 26 ..
8% VoigtckHäffner
von 26 ....."
J. G. Farben Bonds
v. 28. ......."
5% Bosn. L.E.B.
„
v. 1914
4:/.%0 Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914..
4% Oſt. Goldrent
5‟J.vereinh. Rumän.
4½%
4%
4%0 Türk. Admin.
1. Bagdad
14%
14% „ Zollanl
41/,2%6 ungarn 1913
141/.%0
1914
42
„ Gold=
Aktien
Accum=Berlin
Adlerw. (v. Kleher).
AEG. Stamm
AndreaeNoris Bahn
Baſt Nürnberg ..."
Bergm. El. Werke.
Brown BoverickCie
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen ..
Eemen Heidelber/
Karlſtadt
Chem. Werke Albert
Chade ......."
Contin. Gummiw
Daimler=Benz.
Dt. Atl. Telegr. . ..
„Eiſenh. Berlin.
Erdöl ........"
Gold= n. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerk
Dyckerhoff u.
Wid=
manz ......"
35.5
23.5
6.80
155.25
112
43.5
318
143
34.75
95
Rie
Aa
""
70
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208
32
220
170.25
70
120
63
26
1275
62
46.75
165
135
162.5
70
117
75.5
82.5
85
218.25
127
45.25
182
191
22.5
88.75
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34.5
113
127
53.25
52
126.5
51.5
100.5
107
139
104
2n0
68
47.25
98
138
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Deutſche Ban1 und)
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Deutſche Effekten
und Wechſelbank/1z2.75
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Rhein. Creditbi. „105. 25
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Südd. Bob.=Cr. B1 /160
Wiener Bankvereinl 12:),
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Mitv. . . . . . . . . .1148
Mannh.Berſich. ..
128
[ ← ][ ][ → ]Nummer 3
Freitag, den 3. Januar 1930.
Seite 11
Urheber=Rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
87)
Nachdruck verboten
Der Arzt iſt gekommen.
Keine Rettung. Der Schuß iſt in die Lunge gedrungen, der
Tod tritt durch Verblutung ein.
„Nur noch wenige Minuten!“
Er kauert an ihrem Totenlager.
Sie legt ihre Hände in die ſeinen und ſtreichelt ſie
unauf=
hörlich.
„Sage mir den . . . der dich ins Unglück gebracht hat, Heli!
Ich will dich rächen!” keucht er dann. „Du weißt, wer er iſt!
Du weißt es!“
Ihre Augen ſind ſchreckhaft geweitet, dann nickt ſie
krampf=
haft.
Ihre Lippen formen ein Wort.
Er beugt ſich zu ihr und fragt: „Sage mir: Wer iſt dieſer
Satan . . . Silver, der auch dich gemordet hat!”
Er hört den Namen.
Kein unbekannter Name iſt es.
Nach wenigen Minuten bäumt ſich der Körper der
Sterben=
den noch einmal auf, mit letzter Kraft umſchlingt ſie ihn, und
ihre erkaltenden Lippen berühren die ſeinen.
Dann iſt Heliane tot.
George erhebt ſich ſtumm und drückt ihr die Augen zu.
Dann wechſelt er einen Blick mit dem Arzt. Er ſieht, daß
in des Arztes Augen eine Frage iſt.
Er nickt ſtumm und apathiſch, befreit ſich von ſeiner Maske
und ſagt tonlos: „Ich ... bin . . . Robert George!”
Der Arzt und die Dienerſchaft erſchrecken ob dieſer Worte.
„Heliane” fährt George fort, „hat ſich ſelbſt gerichtet.
Fra=
gen Sie mich jetzt nicht um Zuſammenhänge.”
Seine Miene iſt wieder ſtreng und hart.
Er wendet ſich der Dienerſchaft zu.
„Die Dienerſchaft hat ſich in das Geſindezimmer zu begeben
und verläßt es nicht, bis ich neue Order gegeben habe.”
Er geht zum Fenſter, öffnet es und pfeift.
Wenige Augenblicke darauf treten fünf Kriminalbeamte in
Zivil in das Haus und übernehmen die Ueberwachung des
Per=
ſonals.
George hatte ſtreng darauf geachtet, daß keiner der
Diener=
ſchaft an das Telephon gekommen iſt.
George iſt nach dem Präſidium gefahren.
Bebberley erwartet ihn mit Spannung und fährt zuſammen,
als er hört: „Mrs. Millans hat ſich erſchoſſen. Es darf aber
noch nicht publik werden, denn heute wollen wir Silver faſſen.”
Dann beſtellt er die Inſpektoren zu ſich.
Er gibt ihnen umfaſſende Order, als Halewys natürlich.
Die Beamten bekommen Reſpekt vor ihm.
Dann ſetzt er ſich mit Mr. Woodland in Verbindung und
erbittet ſich die Mithilfe der Truppen von Chicago zu einer
Razzia großen Stils.
Es iſt mittlerweile abends ſieben Uhr geworden.
Prakſy weilt ſchon lange im Coloſſeum und bereitet ſich auf
den Boxkampf vor.
Er hat vor Helianes Tod den Palaſt verlaſſen.
George weiß es.
Dann ſchickt er Bebberley aus, zu verkünden, daß der Kampf
nicht ſtattfindet.
Er ſelbſt fährt mit zwölf ſeiner zuverläſſigſten Beamten nach
Bulldog=Houſe, um es auszuräuchern.
Die Aktion geht raſch und ohne Opfer vor ſich.
Es iſt nur ein Mann im Hauſe, den George nicht kennt. Er
wird verhaftet, und das ganze Haus wird ausgeräumt.
Drei Autos mit Material raſen nach dem Polizeipräſidium.
Es iſt der Inhalt der erbrochenen Geldſchränke, der Bibliothek
uſw.
Das geſchieht alles zu einer Zeit, da im Coloſſeum, dem
proviſoriſchen Rieſenbau, unzählige Menſchen dichtgedrängt ſitzen
und auf den großen Kampf warten.
Die Atmoſphäre iſt mit Spannung geladen.
Eifrig wird diskutiert und gewettet.
Die beiden Manager ſind um ihre Schützlinge beſchäftigt,
maſſieren ſie und geben ihnen gute Ratſchläge.
Plötzlich erſcheint der Inſpektor Bebberley bei der
Box=
kommiſſion, die mit den Boxern und deren Managern zuſammen
iſt. Er iſt ſehr ernſt.
Man kennt Bebberley, der ein begeiſterter Sportsmann iſt,
und ſchätzt ihn. Der Veranſtalter Richards ſchüttelt ihm die
Hand.
„Richards,” ſagt Bebberley, „ich bedaure, daß ich Ihnen
heute eine unangenehme Nachricht übermitteln muß. Der Herr
Polizeipräſident hat den Kampf Prakſy — Dubois verboten.”
Die Nachricht ſchlägt wie eine Bombe ein.
Sie ſtarren einander entſetzt an.
Richards ſtottert: „Aber lieber Inſpektor . . . das . . . das
iſt doch unmöglich, ihn abzuſagen! Das Haus iſt ausverkauft
... das Publikum . . . ſchlägt alles kurz und klein.”
Bebberley zuckt die Achſeln.
„Ich bedaure. Laſſen Sie getroſt erſt die Rahmenkämpfe
durchführen. Der Präſident . . . Mr. George, kommt in einer
halben Stunde perſönlich. Er wird noch mit Ihnen ſprechen.
Jetzt muß ich Sie bitten, es dem Publikum zu welden.”
Robert George!
Der Name hat eingeſchlagen wie ein Blitz aus heiterem
Himmel.
„Der Präſident! Ja ... iſt er denn wieder geſund?”
„Kerngeſund! Sie werden ihn ſehen.”
Towler tritt ein. Richards ſtürzt zu ihm und ſagt: „Mr.
Towler, was ſagen Sie dazu ... der Präſident der Polizei.
Mr. George verbietet den Weltmeiſterſchaftskampf.”
Towler erſchrickt ſichtlich.
„Der Präſident?” Towler ſieht Bebberley an. „Sie meinen
Halewys?”
„Nein ... Mr. George.”
„George!” ſchreit Towler. „Ich denke, er liegt todkrank!“
„Der Präſident iſt kerngeſund!” ſagt Bebberley ruhig.
Einen Augenblick erſcheint Towler faſſungslos.
„Das iſt ja ... ja, das verſtehe ich nicht. Wie kommt der
Präſident dazu?”
„Ganz einfach!” entgegnete Bebberley. „Es iſt ein unfairer
Kampf.”
Sie zucken zuſammen bei dieſen Worten.
„Ich bitte Sie! Unfairer Kampf! Das iſt ja Unſinn!“
„Doch, Mr. Towler! Mr. Dubois wird in den erſten
Run=
den k. o. geſchlagen, das wiſſen wir alle, denn man hat ihn hier
in Chicago ſyſtematiſch zugrunde gerichtet.”
Sie ſchweigen.
Der Manager Dubois hat die Worte gehört‟ Er drängt
ſich heran und klopft Bebberley auf die Schulter. „Iſt ſo ..."
mon dieu . . es iſt ſo! Dubois iſt fertig. Er braucht Monate,
ehe er wieder in Form iſt. Man hat ihn ruiniert hier, und mich
mit! Jawohl, Mr. Inſpektor, Sie haben recht: Unfgir . . .
unfair!“
Schwach verſuchte der Franzoſe aufzubegehren.
Doch Bebberley ſchneidet ihm das Wort ab.
„Mr. George kommt in einer halben Stunde”, ſagt er
be=
ſtimmt. „Er mag endgültig entſcheiden.”
Das Publikum raſt vor Empörung, als es hört, daß der
Weltmeiſterſchaftskampf nicht ſtattfinden ſoll.
Richards wird unterbrochen. Es dauert lange, ehe er zu
Ende reden kann.
Als das Publikum hört, daß George kommt, beruhigt es ſich
ſichtlich. George . . . ah . .. braver Junge ... wieder geſund!
Hat die Preſſe wieder einmal gelogen!
George wird es ſchon noch geſtatten, ſo hofft das Publikum.
Und es iſt Ruhe, als der erſte Rahmenkampf zwiſchen zwei
gutem Leichtgewichten beginnt.
Man wartet voll Spannung auf Robert George.
Endlich kommt er!
Richards ſtürzt ſofort auf ihn zu und ſagt: „Sie wollen
den Kampf verbieten, Mr. George?”
Robert George fühlt aller Augen voll Spannung auf ſich
gerichtet.
„Ja!” ſagt er feſt.
„Das Publikum wird es ſich nicht bieten laſſen, Herr
Präſident”
„Ich werde ſelbſt mit dem Publikum reden.”
Nun fällt Towler ein:
„Sie haben kein Recht zu dieſem Verbot!”
„Ich habe ein Recht, Mr. Towler!” entgegnete George kurz.
„Ich habe Beweiſe dafür in den Händen, daß man Dubois
ſyſte=
matiſch zugrunde gerichtet hat. Der normale Dubois im Vollbeſitz
ſeiner Kräfte iſt nie von Mr. Prakſy zu ſchlagen. Aber heute
wird er in wenigen Runden k. o. ſein. Ich weiß, daß viele
Mil=
lionen auf Prakſy in Wetten angelegt ſind, das ganze iſt nichts
als eine üble Wettaffäre. Ich verbiete den Kampf. Aber ...
wenn es Ihnen, Mr. Richards, recht iſt, dann werde ich Ihnen
einen anderen ebenbürtigen Gegner ſtellen, der mit Mr. Prakſy
kämpſen ſoll.”
Richards wirft Prakſy einen fragenden Blick zu.
Prakſy nickt und ſagt: „Ich akzeptiere jeden Gegner meiner
Gewichtsklaſſe.”
„Und wer . ." . ſoll der Gegner ſein, Mr. George?” fragte
der Veranſtalter.
„Das ſollen Sie gleich höven. Bitte, kommen Sie jetzt mit.
Ich will mit dem Publikum reden.”
Als George zuſammen mit Richards in den Ring tritt,
be=
grüßt ihn das Publikum enthuſiaſtiſch.
Minutenlang tobt der Begrüßungsbeifall durch die Halle.
Endlich wird Ruhe.
George beginnt zu ſprechen. Alle im Rauwe hören es, denn
rund zwanzig Lautſprecher bringen es an den verſchiedenſten
Standorten zu Gehör.
(Fortſetzung folgt.)
Milch=Lieferung.
Geehrter Einwohnerſchaft von Darm
ſtadt hiermit zur Kenntnis, daß ich ab
Januar prima Vollmilch von meinen
eigenen Kühen nach Darmſtadt ſende
per Liter 32 0 frei Haus
Um Beſtellung bittet höflichſt (mdt
Karl Aug- Mahr II., Landwirt
Traisa b. D. Telephon 2011
Rechnungsergebnis der Kaſſe
der Maſchinenbau- u.
Gewerbe=
ſchule für 1927.
Das obige Rechnungsergebnis nebſt
Urkunden liegen während einer Friſt
von einer Woche in den Räumen der
Stadtkaſſe zur Einſicht offen. Während
dieſer Zeit kann jeder Beteiligte von
dem Rechnungsergebnis Einſicht nehmen
und ſchriftliche Bemerkungen dazu
ein=
reichen.
(St.471
Darmſtadt, den 30. Dezember 1929.
Der Oberbürgermeiſter.
Nuh= und
Brennholz=
verſteigerung Nr. 3.
Donnerstag, den 9. Januar 1930,
vor=
mittags 9½ Uhr, werden in der
Keller=
ſchen Gaſtwirtſchaft zu Wembach aus den
Domanialwalddiſtrikten Dörnbach 1. 2b.
5a, 6, 8a und b. Seckenhain 1a und 2a
der Förſterei Koloniewald verſteigert:
a) Nutzholz.
Stämme: Eiche N. Kl. 3 5 St.
— 0.66 Fm.;
3 65 Fm.:
Eſche N. Kl. 1 4 St. — 0.37 Fm.
Hainbuche N. Kl. 3 1 St. — 0.66
0,11
gm.: Fichte N. Kl. 1b 1
Fm. Derbſtangen: Eſche 2. Kl. 11 St.,
. Kl. 3 St. Fichte: 1. Kl. 4 St.,
2. Kl. 17 St., 3. Kl. 23 St. Lärche
Kl. 80 St., 2. Kl. 120 St., 3. Kl
Reisſtangen: Fichte: 4. Kl.
7 St., 5. Kl. 80 St, 6. Kl. 213 St.
7. Kl. 255 St.
b) Brennholz.
Scheiter: Rm: 209 Buche, 21 Eiche,
119 Kiefer, 9 Verſchiedene Knüppel:
Rm.: 89 Buche, 5 Eſche, 14 Eiche. 4 Erle,
58 Kiefer, 21 Lärche, 8 Verſchiedene.
Reiſerholz 2. Kl. (Stammreiſig) 100 W.:
3.25 Buche, 2.,20 Eſche, 27,50 Eiche.
Reiſerholz 3. Kl. (Aſtreiſig) 100 W.:
22,95 Buche, 1,00 Eiche, 15.45 Kiefer,
1,25 Lärche.
Die Stammwellen lagern in
Dörn=
bach 8a und b.
Nähere Auskunft durch das
unterzeich=
nete Forſtamt und Herrn Förſter Schnei=
der zu Rohrbach.
(467
Ober=Ramſtadt, den 2. Januar 1930.
Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt.
Wir wünschen unseren verehrten Kunden ein
gutes, neues Jahr!
Unlseltokiofmr Miaess
in Mavonnaise,
Heringsalat
1 rra. 259
spanische
Velsaraunen
2 Dogen 989
Bismarckheringe / in 1 Liter-
Rollmops
Dosen 90=
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Schweinskopf
Pra. 33=
20 Fett-
Limburger Häse sehalzrea 682
Elamer Häse... . Pfa. 86
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EFNSeh m. Karotten /,Doss 68 9
Gemischtes Gemilse
Konsnm-Mlischung 1tDose 669
Karolen in Wärkeln 4.Dose 48 9
HApfelmas .... /.Doc 559
PIlaumen mit Stein, ½. Dose 729
Mirabellen ....½. Dose 1.15
(480
Holl. Voll-Heringe . . yo stuck 65A
solange Vorrat
Frisch von der Seel
im Ganzen
im Aufschnitt
Kabliau ohne Kopt Pfund 32A
Pfund 3S
Lrisch eingetratten Bücking Pi 48A
AoZ
der Taut
5% Rückvergütung
Woher kommen Ihre Kopfschmerzen?
In der Mehrzahl aller Fälle liegt die Ursache zu
Kopfschmerzen in mangelhafter Verdeuung, in
un-
regelmäßigem Stuhlgang und in Festsetzung
auf-
gespeicherter Kotmassen in den Därmen. Diese
trägen Massen vergiften Ihr But, bringen Ihr
gan-
zes inneres Spstem in Unordnung, und die Folge ist:
Benommenheit und heftige
Kopfschmerzen,
die Ihnen Ihre gute Stimmung und Ihre ganze
Leistungsfähfgkeit nehmen, die Sie abgespannt, müde
und matt machen, so daß Sie sich am liebsten am
bellen Tage zu einer Zeit, wo Sie normalerweise
kein Ruhebedürfnis verspüren, auc das Sofa oder
ins Bett legen möchten, weil Ihnen Ihr Dasein
ver-
leidet ist und Sie für nichts zu haben sind.
Und dabei ist es zumeist eine Kleinigkeit, eine
Spielerei, solchen Zuständen vorzubeugen und sie so gut
wie völlig auezuschalten bzw. unmöglich zu machen.
Halten Sie Ihre Därme, Ihr
Ver-
dauungseystem in Ordnung!
Kruschen bilft Ihnen und Ihrem Inneren. Kruscben
vorgt für regelmäßigen Stuhlgang in mwilder, nicht
reizender Form. Kruschen ist das ideale Abführ-
und Darmreinigungsmittel, dabei völlig harmlos in
seiner Wirkung, es durchdringt die Lebenszellen,
entgiftet die Säfte, entsäuert und verjüngt Ihr
inneres System Beginnen Sie noch beute mit
NEO
aschient
SALZ
Sie werden begeistert sein. Kruschen ist in der
ganzen Welt als das typische Stoffwechsel-Salz seit
Jahrzehnten bekannt und eingeführt. 1 Originalglas
kostet Mark 3.— in Apotheken und Drogerien und
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Achten Se auf den Namen „Nec-Kruschen-Salz” und
die gelb schwarze Packung, Kruschen ist angenehm
zu nehmen, da ohne jedeu Beigesohmack.
Seite 12
Freitag, den 3. Januar 1930.
Nummer 3
Heute
und folgende Tage
Ein gamz
großer Elfola!
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die taszinierende weltbekannte
Chinesin in dem Eichberg-
Großfilm
Grodstadl-
Schmelterling
(Ballade einer Liebe)
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TTänulsmeres
der Helden-Barilon Vom
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HeW-Vork.
in jeder Votstellung.
Trotz erheblicher Mehrkosten
keine erhöhten Preise.
Beginn 3½ Uhr.
Heute
und folgende Tage
Anny ondra
in ihrem besten Lustspielschlager
Heute letzter Tag!"
Ein Film voll Spannung
und Tempo
Wilhelm Backhaus
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Beetheven
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Sündig und Süß
Ein Film der dauernden
Lach-
stürme. Regie: Karl Lamac.
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Herm. Picha, Hans Junkermann,
Julius Falkenstein, Paul Morgan,
Adolt Engers.
Dazu:
Böser Rubenball
2lustige Akte. Beginn 3½ Uhr
Müttltf
PuloT
Ein Südseeabenteuer in 7 Akten.
Seeräuberromantik,
Kriminal-
sensationen, Untergehende
Schifte, Dynamitexplosionen,
Robinsonaden, chinesisch.
Spiel-
höllen, Boxkämpte, sowie eine
Fülle sonstiger abenteuerlicher
Geschehnisse.
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