Darmstädter Tagblatt 1929


04. Dezember 1929

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 336
192. Jahrgang
Mittwoch, den 4. Dezember 1929.

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ikion gegen Hugenberg. Der Kampf im Parkeivorfkand. Hugenberg oder Weſtarp? Auskrik
ALambach, Hülfer, Harkwig, Klönne, Leieune=Jung und Treviranus aus der Deukſchnak. Volksparkei.

Berlin, 3. Dez.
rteivorſtand der Deutſchnationalen Volkspartei hat
mer utigen Sitzung mit 69 gegen 9 Stimmen, bei drei
wer tungen, folgenden Beſchluß gefaßt:
rren Abgeordneten Hartwig, Hülſer und Lambach
iſchluß an die Abſtimmung über den Paragraphen
eitsgeſetzes die nachfolgende öffentliche Erklärung
terzeichneten Abgeordneten haben ſich in der Ab=
m
Paragraph 4 des Volksbegehren=Geſetzes auf
Niniſters a. d. Schiele geſtellt. Sie werden ſich am
egentlich der Behandlung des Ausſchlußantrages
rſtandes gegen ihren Kollegen Treviranus in der
ng ſolidariſch an deſſen Seite ſtellen. Sie halten
litiſche Arbeit nicht für möglich, wenn freimütige
ge rivate politiſche Meinungsäußerungen unterdrückt
vorangegangenen Beſchlüſſen des Parteivorſtandes
chstagsfraktion der Deutſchnationalen Volkspartei
Par iph 4 des Freiheitsgeſetzes ſtellt dieſe Veröffent=
Sibſichtliches und bewußtes Abrücken von der Ge=
tter
; und zwar in einem Augenblick, in dem ein ſol=
Parteiorganen ausdrücklich als unangebracht und
onale Bewegung abträglich anerkannt war. Bei
ge muß in ihrem Vorgehen eine ſchwere Schädi=
ſehens
der Partei erblickt werden. Gemäß Para=
Satzungen hat deshalb der Parteivorſtand be=
n
die drei genannten Herren von Amtswegen das
ahren einzuleiten.
chritt der drei deutſchnationalen Abgeordneten
ſer und Lambach, die nach der Ablehnung des
=Geſetzes im Reichstag mit ihrer Erklärung her=
die
Kriſe innerhalb der Deutſch=
r
Partei zur vollen Entfaltung gebracht. Herr
EIy, der in dieſer Erklärung einen ſchweren Bruch
iplin ſieht, hat ſofort den Parteivorſtand einbe=
r
dieſem die Einleitung des Ausſchluß=
S gegen die Uebeltäter zu verlangen. Da der
für Hugenberg iſt, konnte man annehmen, daß
gung ſofort nachkommen würde. Tatſächlich aber
1Arraſchende Schwierigkeiten ergeben, ſo daß die Be=
e
Stunden in Anſpruch nahm, bis ſchließlich mit
iah: bei 3 Enthaltungen (der volle Parteivorſtand
klieder) eine Entſchließung angenommen wurde, in
druck gebracht wird, daß in dem Verhalten der
eten eine bewußte Abkehr von der Geſamtpartei
i. Da daraus Schaden für die nationale‟ Be=
ſen
könne, habe der Parteivorſtand beſchloſſen, das
Zihren von Amtswegen einzuleiten.
enberg hat alſo hier ſeinen Willen mit immerhin
Tehrheit durchgefetzt. Da die drei Genannten er=
ſie das Ergebnis des Ausſchlußverfahrens nicht
den, darf man mit ihrem Ausſcheiden aus der
kurzem rechnen. Es iſt aber keineswegs ſicher,
gehen. Der Kampf, der am Vormittag im
ſtand ausgefochten wurde, iſt am Nachmittag
Ttion fortgeſetzt worden, wo die Mehrheitsver=
anders
gelagert ſind und wo Graf Weſtarp noch
berſönliches Anſehen genießt. Graf Weſtarp
lärt, daß er nicht zuſehen könne, wie
geleitete Fraktion durch Ausſchluß=
Zerſchlagen würde. Von der Gegenſeite
* der Vorwurf gemacht, daß durch ſeine Führung
ingen hervorgerufen worden ſeien. Graf Weſtarp
Folgerung gezogen, daß er in der Fraktion die
Ze ſtellen wolle. Die Fraktionsſitzung hat kurz
*Konnen und wird vermutlich wieder bis in die
auern. Ueber ihr Ergebnis läßt ſich ſchlecht etwas
Gruppen, die in Oppoſition zu Hugen=
Aben ſich wieder einmal ſtark gemacht, daß ſie nicht
den. Sie ſind aber bereits zweimal umgefallen
ich bielleicht auch diesmal wieder der Gewalt
Deugen. Unterliegt Graf Weſtarp, in der Ver=
Lann wird er den Fraktionsvorſitz niederlegen,
2 lelbſt keine weiteren Folgerungen daraus ziehen,
Diich ein Teil der Minderheit feſt entſchloſſen iſt,
Okaktion auszutreten. Stellt ſich aber die Fraktion
Zeit hinter den Grafen Weſtarp, dann kann das
erden als ein unmittelbarer Vorſtoß gegen den
2genberg, ſo daß dann der ganze Konflikt erneut

Von der deutſchnationalen Reichstagsfraktion wird offiziell
mitgeteilt:
Die deutſchnationale Reichstagsfraktion trat um 6 Uhr zu
einer Fraktionsſitzung zuſammen, in der die durch den Beſchluß
des Parteivorſtandes geſchaffene Lage eingehend erörtert wurde.
Der Fraktion wurde folgender Brief des Abg. Lambach an den
Fraktionsvorſitzenden Graf Weſtarp bekanntgegeben:
Sehr geehrter Herr Graf! Die Vorgänge in der heutigen
Parteivorſtandsſitzung haben mich veranlaßt, aus der Deutſch=
nationalen
Volkspartei auszutreten. Satzungsgemäß löſt ſich
damit die Fraktionsgemeinſchaft. Indem ich Sie bitte, dieſen
Brief der Fraktion nach Erledigung der heutigen Tagesord=
nung
zur Kenntnis zu bringen, verbleibe ich mit unveränder=
ter
Verehrung und Hochachtung Ihr ſehr ergebener Walter
Lambach.
Die Abgeordneten Hartwig und Hülſer haben ſich in der
Fraktionsſitzung dem Vorgehen des Abgeordneten Lambach an=
geſchloſſen
. Die Fraktion brach darauf ihre Sitzung ab. Ueber
die Abſichten der drei Abgeordneten iſt noch nichts bekannt, ſie
werden jedoch ihr Reichstagsmandat behalten.
Soweit der offizielle Parteibericht. Tatſächlich iſt jedoch
die Situation, wie uns beſtätigt wird, für die Deutſchnatio=
nale
Volkspartei nach der heutigen Fraktionsſitzung ſehr ver=
ſchärft
worden. Man verſichert uns, daß Treviranus unter allen
Umſtänden den drei ausgeſchiedenen Abgeordneten folgen werde,
und man nimmt an, daß dann auch noch weitere Austritts=
erklärungen
kommen. Weiter hören wir, daß in der Fraktions=
ſitzung
ſehr ſcharfe Angriffe gegen die Parteileitung gerichtet wor=
den
ſind. Wann die nächſte Fraktionsſitzung der Deutſchnatio=
nalen
ſtattfindet, war in den ſpäten Abendſtunden noch nicht
zu erfahren. Auf jeden Fall wird man jetzt die Vorgänge inner=
halb
der Deutſchnationalen Volkspartei mit verdoppelter Auf=
merkſamkeit
zu verfolgen haben.
In ſpäter Abendſtunde teilt der Abgeordnete Klönne mit:
Die Abgeordneten Dr. Klönne, Dr. Lejeune=
Jung und Treviranus haben in Verfolg der heutigen
Fraktionsſitzung der Deutſchnationalen Volkspartei ihren Aus=
tritt
aus der Partei und Fraktion erklärt.

* Berlin, 3. Dezember. (Priv.=Tel.)
Der Zentralvorſtand der Deutſchen Volkspartei iſt auf den
14. Dezember nach Berlin einberufen. Als wichtigſter Punkt
ſteht auf der Tagesordnung die Neuwahl des Parteiführers. Es
war vor einiger Zeit noch zweifelhaft, ob man die entſcheidende
Sitzung nicht bis zum Januar verſchieben würde, um inzwiſchen
die völlige Geneſung des erkranckten Fraktionsvorſitzenden Dr.
Scholz abzuwarten. Der Reichsausſchuß der Partei hat am
Montag getagt und ſich dafür ausgeſprochen, den neuen Führer
möglichſt raſch zu wählen, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß er
nicht in vollem Umfange ſein Amt ſofort antreten kann. Der
Parteivorſtand will von ſich aus als künftigen Führer nur Dr.
Scholz in Vorſchlag bringen. Andere Namen werden kaum mehr
genannt, nachdem Dr. Curtius und auch Dr. Luther, der vor=
übergehend
genannt worden war, baten, von ihrer Perſon abzu=
ſehen
. Die Stimmung in den Landesverbänden läßt erkennen,
daß eine große Mehrheit für Dr. Scholz zuſammenkommen wird.
Man will der jüngeren Generation dadurch entgegenkommen,
daß die Stellung eines ſtellvertretenden Parteiführers geſchaffen
wird.

* Berlin, 3. Dezember. (Priv.=Tel.)
Unter den Mitgliedern der Länderkonferenz, die am Sams=
tag
in Berlin zuſammentreten ſollte, iſt offenbar eine Maſſen=
erkrankung
ausgebrochen. Jedenfalls ſind ſoviel Krankmeldun=
gen
eingegangen, daß ſich Herr Severing veranlaßt ſah, die
Sitzung zunächſt zu verſchieben. Ein neuer Termin iſt noch nicht
genannt. Es iſt wohl ſchon richtig, daß es nicht weniger der Ge=
ſundheitszuſtand
als die Angſt vor entſcheidenden Beſchlüſſen iſt,
die viele abgehalten hat, nach Berlin zu kommen.
Man ſoll aber nun nicht glauben, daß auf der Länderkonſe=
renz
nur bitterernſte Arbeit geleiſtet wird. Es kommt auch dort
zu recht komiſchen Situationen. So erzählt der preußiſche Ver=
treter
Miniſterialdirektor Brecht in der Voſſ. Zeitung, daß in
einer der letzten Sitzungen der bayeriſche Miniſterpräſident Held
den Preußen zugerufen habe, der ſo oft angeführte Freiherr v.
Stein iſt ja gar kein Preuße geweſen‟. Darauf erwiderte Herr
Brecht: Und Sie Herr Miniſterpräſident ſind kein Bayer, ſon=
dern
Naſſauer! Ich ſelbſt bin Lübecker, der Büngermeiſter von
Lübeck iſt Mecklenburger, der Miniſterpräſident von Mecklenburg=
Schwerin iſt Lübecker, der Staatspräſident von Heſſen iſt Bremer,
der Miniſterpräſident von Sachſen Preuße. Darauf habe ſich
der thüringiſche Miniſterpräſident erhoben und geſagt: Meine
Herren, vergeſſen Sie bitte auch mich nicht; ich bin auch Preuße!

Von
Alfred von Wegerer.
Es wurde ſeit langem als ein beſonderer Mangel empfun=
den
, daß gerade die Dokumente, die vielleicht für die Beurtei=
lung
der Frage, wie der Weltkrieg entſtanden iſt, am weſentlich=
ſten
ſind, der Wiſſenſchaft nicht zugänglich waren, während die
anderen Großmächte, dem Beiſpiel Deutſchlands folgend, ihren
diplomatiſchen Schriftwechſel ebenfalls veröffentlichten. So iſt
es für alle, denen die Erforſchung der Kriegsurſachen am Herzen
liegt, eine freudige Ueberraſchung geweſen, als ganz unerwartet
vom Oeſterreichiſchen Bundesverlag 8 Bände diplomatiſcher
Aktenſtücke des öſterreich=ungariſchen Miniſteriums des Aeußeren
herausgebracht wurden.?)
Die Dokumente umfaſſen Oeſterreich=Ungarns Außenpolitik
von der bosniſchen Kriſe bis zum Kriegsausbruch 1914. Die
Sammlung enthält 11 204 Schriftſtücke, die in ihrer überwiegen=
den
Mehrheit neu und außerordentlich aufſchlußreich ſind.
Unſere Beurteilung der Vorgeſchichte des Weltkrieges erfährt
durch die neuen Dokumente nicht nur eine erhebliche Bereiche=
rung
, ſondern ſie verſchieben auch das Urteil in der Kriegsſchuld=
frage
ſehr zugunſten der Doppelmonarchie.
Die Auffaſſung, daß das Attentat von Serajewo für Oeſter=
reich
=Ungarn ein Vorwand geweſen ſei, um aus hegemonialen
Beſtrebungen im Verein mit Deutſchland den Weltkrieg zu ent=
feſſeln
, bricht durch die neuen Dokumente vollſtändig in ſich zu=
ſammen
. Auch die bei uns und beſonders in den Vereinigten
Staaten ſehr verbreitete Anſicht, daß England in der europäiſchen
Politik eine weit friedlichere Haltung eingenommen habe als
Rußland und Frankreich, eine Auffaſſung, die ſchon durch die
Britiſchen Dokumente aufs ſtärkſte erſchüttert worden war, er=
weiſt
ſich auf Grund der neuen Akten nunmehr als völlig falſch.
England und in der Hauptfache König Eduard VII., aber auch
Sir Edward Grey, ſind für den Ausbruch des Weltkrieges in
hohem Maße verantwortlich. König Eduard hat durch eine Ein=
kreiſungspolitik
, die durchaus kein Geſpenſt war, Europa in
zwei unterſöhnliche Gruppen gefpaltet. Grey iſt durch ſeine
Haltung während der Julikriſis den kriegeriſchen Abſichten Ruß=
lands
und Frankreichs nicht entgegengetreten, ſondern es zeigt
ſich mit erſchütternder Deutlichkeit, wie auch England in den
Jahren vor dem Ausbruch der Kataſtrophe verſchiedentlich zum
Kriege gehetzt hat. Nach der Annexionskriſe werden nicht nur
die Türken in ihrem Widerſtand gegen Oeſterreich=Ungarn er=
muntert
, obgleich andererſeits König Eduard die Zwangslage‟
der Doppelmonarchie anerkannte, ſondern ſelbſt die Serben wer=
den
in ihren Aſpirationen gegenüber der Doppelmonarchie von
England beſtärkt, um nicht zu ſagen aufgehetzt. Aber darin er=
ſchöpft
ſich nicht die Einwirkung des Foreign Office auf die
europäiſche Politik, ſondern es zeigt ſich ſogar, daß England die
Caſablanca=Affäre zum Anlaß nahm, um im Hinblick auf den
akuten deutſch=franzöſiſchen Gegenſatz Frankreich den Krieg gegen
Deutſchland nahezulegen. England ging hierin ſo weit, daß
Clemenceau ſogar erwog, ſich von England zu trennen, da er
befürchtete, daß England der Entente immer mehr eine aggreſ=
ſive
Spitze gegen Deutſchland zu geben beabſichtigte.
Es wird noch eines ſehr eingehenden Studiums bedürfen,
um auf Grund des vorliegenden Aktenmaterials, das beſonders
durch die vielen Privatſchreiben der öſterreichiſchen Diplomatie
einen tieferen Einblick in die wirklichen Geſchehniſſe und An=
ſichten
der maßgebenden Staatsmänner gibt, das Urteil dem
neuen Material anzupaſſen.
Gleich im erſten Band wird der Schleier gelüftet über die
Annexionskriſe und die viel umſtrittenen Abmachungen zwiſchen
Jswolſky und dem Grafen Aehrenthal in Buchlau. Wir ſehen,
daß die Entrüſtung Iswolſkys nach erfolgter Annexion, auch ſo=
weit
der Zeitpunkt in Frage kommt, unberechtigt war und nur
als Komödie zu werten iſt, um die durch die ablehnende Haltung
Englands in bezug auf die Meerengenfrage ſtark erſchütterte
Stellung des ruſſiſchen Diplomaten vor dem Fall zu retten.
Der Friedjung=Prozeß und die Prohaska=Affäre werden in
zahlreichen Dokumenten behandelt und fördern viel intereſſante
Einzelheiten zutage. Die großen Ereigniſſe, die zwiſchen der
bosniſchen Kriſe und dem Kriegsausbruch liegen, wie der
Tripolis=Krieg, die Schaffung des Balkanbundes, der Balkan=
Krieg, die Londoner Botſchafterkonferenz und die Friedensver=
handlungen
in Bukareſt, laſſen ſich viel deutlicher erkennen als
es auf Grund des bisher über dieſe Fragen vorliegenden, oft ſehr
dürftigen Materials möglich war. Auch für die Charakteriſie=
rung
der in Frage kommenden Staatsmänner geben die teil=
weiſe
ſehr offenen und eine gute Beobachtungsgabe zeigenden
Berichte der öſterreichiſchen Diplomaten ſehr wertvolle Aeußerun=
gen
an die Hand.
Was den eigentlichen Kriegsausbruch angeht, ſo tritt mit
überragender Deutlichkeit die Tatſache hervor, daß Serbien ſeit
der Annexionskriſe unabläſſig und zielbewußt, unterſtützt und
gefördert von den der Doppelmonarchie und Deutſchland feind=
lich
geſinnten Großmächten, die Lostrennung der ſüdſlawiſchen
Provinzen aus dem öſterreichiſch=ungariſchen Staatskörper er=
ſtrebte
. Gewiß fehlte es 1914 am Ballhaus=Platz an juriſtiſch
einwandfreien Beweiſen, die die Mitwiſſerſchaft der ſerbiſchen
Regierung aufdeckten, aber wer die Mitteilungen, die im Laufe
der Jahre vor dem Kriege dem Wiener Miniſterium des Aeuße=
ren
bekannt geworden ſind, in einer Geſamtheit auf ſich wirken
läßt, wird zu, der Ueberzeugung kommen müſſen, daß die Doppel=
monarchie
auch ſchon 1914 in dem Attentat, wie es Conrad ein=

* Eine Auswahl der intereſſanteſten Dokumente ſind im Dezember=
heft
der Berliner Monatshefte‟ (Die Kriegsſchuldfrage) im Wortlaut
wiedergegeben. Das Heft kann bezogen werden von der Zentralſtelle
für Erforſchung der Kriegsurſachen, Berlin NW. 6. zum Preiſe von
150 RSM.
) Oeſterreich=Ungarns Außenpolitik. Von der bosniſchen Kriſe
1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatiſche Aktenſtücke des öſter=
reichiſch
=ungariſchen Miniſteriums des Aeußern. Oeſterreichiſcher Bun=
desverlag
für Unterricht, Wiſſenſchaft und Kunſt. Wien und Leibzig
1930. Acht Bände,

[ ][  ][ ]

Selte 2

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

mal ausgedrückt hat, die Kriegserklärung Serbiens gegen Oeſter=
reich
erblicken mußte. Die Tat war einer langen Kette letzter
Schluß.
Oeſterreich=Ungarn befand, ſich in einer Zwangslage, der
gegenüber für einen Staat, der ſich nicht ſelber aufgeben wollte,
nichts anderes übrig blieb, als zu einer energiſchen Züchtigung
eines Nachbarn zu ſchreiten, auf den in dieſem Stadium wohl
nur noch die Anwendung von Machtmitteln den erforderlichen
Eindruck machen konnte.
der Polenverkrag ſoll veröffenklicht werden.
* Berlin, 3. Dezember. (Priv.=Tel.)
Der Reichstag hat ſich am Dienstag wieder den Scherz ge=
leiſtet
, durch Beſchlußunfähigkeit ſeinen Mangel an Intereſſe für
ſachliche Beratungen zum Ausdruck zu bringen, wenn allerdings
auch nur eine Stimme an der Beſchlußfähigkeit fehlte. Da nur
240 Abgeordnete anweſend waren, konnte das Ausliefe=
rungsgeſetz
wieder nicht verabſchiedet werden.
In einer neuen Sitzung wurden dann kleinere Vorlagen be=
handelt
, die nicht ſo ſehr im Breunpunkt des politiſchen In=
treſſes
ſtehen. So wurde u. a. auch das Lichtſpielgeſetz in den
Ausſchuß geſchickt. Intereſſanter wurde es dann bei der Denk=
ſchrift
der Reichsregierung über die Ablöſung der Markanleihen.
Die Kommuniſten, die hier von Rieſenbetrügereien der Groß=
banken
flüſterten, verlangten die Einſetzung eines Unterſuchungs=
ausſchuſſes
und die Herbeirufung des Finanzminiſters. Herr
Loebe vertagte aber dann die Sitzung. Der Antrag der Deutſch=
nationalen
, am Mittwoch ihre Interpellation über den Polen=
vertrag
vorzunehmen, wurde abgelehnt. Der Reichskanzler deu=
tete
an, daß die Regierung in Warſchau die Zuſtimmung zur
Veröffentlichung des Vertrages angeregt habe, und daß mit der
Zuſtinmnung der Polen gerechnet werden könne, ſo daß endlich
das um dieſen Vertrag ſchwebende Geheimnis gelüftet werden
kann. Solange ſoll die deutſchnationale Interpellation zurück=
geſtellt
werden.
Aufwerkung der Heſſenrenke.
Der 6. Zivilſenat des Reichsgerichtes hat durch Schieds=
ſpruch
vom 30. November die Jahresrente von 708 000 Friedens=
mark
, die Preußen im Anſchluß an die Ereigniſſe von 1866 dem
früheren heſſiſchen Fürſtenhaus für den Verzicht auf Thron=
und Throngut, zugeſagt hatte, auf 85 v. H. ihres Nominal=
betrages
, d. h. auf rund 602 000 Reichsmark jährlich, aufgewertet.
Zu dieſem Betrag tritt noch ein Tilgungszuſchlag von rund
253 000 RM. jährlich. Der Schiedsſpruch tritt mit Rückwirkung
ab 1. Januar 1924 in Kraft. Es handelt ſich dabei um die
landgräflich=heſſiſche, nicht um die großherzoglich=heſſiſche Linie.
Vom Tage.
Nach einer amtlichen Mitteilung des franzöſiſchen Oberkommiffars
endgültig das Rheinland verlafſen.
Der Handelspolitiſche Ausſchuß des Reichstags behandelte geſtern
die Anträge, die für den 24. Dezember den Fünfuhrladenſchluß fordern.
Nach längerer Beratung vertagte ſich der Ausſchuß auf heute, ohne Be=
fchlüſſe
zu faſſen.
Nach Meldungen aus Moskau verurteilte das Oberſte Gericht der
Sowjetunion in Sinforopol den deutſchſtämmigen Bauern Friedrich
Stark zu vier Jahren Kerker, Verluſt des Eigentums und Verbannung
nach Sihirien.
ſeiner Regierung dem Staatsdepartemnt in Wafhington die Ratifizie=
rungsurkunde
zum Kelloggpatt. Damit haben 56 Nationen den Kel=
loggpakt
ratifiziert.
Der belgiſche Miniſterpräſident Jaspar hat den
Auftrag, die neue Regierung zu bilden, endgültig
angenommen. Er hat ſich zum König begeben, um ihm ſeinen lichem Wege beizulegen. Die amerikaniſche und die
Entſchluß mitzuteilen. Vorher hatte er erneut Unterredungen mit den
Führern der Liberalen und Katholiken, auf die ſich die neue Regierung
ſtützen wird. Miniſterpräſident Jaspar hat die Abſicht, heute dem =
nig
ſein neues Kabinett vorzuſtellen.
afrikakämpfer ſtatt, bei dem General von Lettow=Vor= kommen mögen, in der ſie die gegenwärtig ſtrittigen Fra=
beck
gefeiert wurde.
ſidenten von Mexiko iſt vom mexikaniſchen Bundeskongreß hänge in hohem Maße von der Art und Weiſe ab, in der ſie
nunmehr beſtätigt worden. Ruvio wird am 5. Februar ſein Amt ihre heiligſten Verſprechungen erfüllen werden.
antreten. Seine Amtsperiode geht im Jahre 1934 zu Ende.
Im amerikaniſchen Repräſentantenhauſe wurde
geſtern ein Geſetz=Entwurf eingebracht, in dem die Unab=
hängigteit
für die Philippinen und die Bildung einer
neuen Regierung für die Inſeln beantragt wird.
Von amerikanifcher Seite iſt jetzt ein neuer dahingehender Vor=
ſchlag
zur Kriegsverhinderung erfolgt, daß ſämtliche Induſtrielle der
Welt ſich verpflichten ſollten, kriegführenden Nationen keine Materialien daß Japan ſich nicht in gleicher Weiſe wie Großbritannien
zu liefern.

Nummer

Eingreifen der Mächte in den Maudſchurei=Konſf
Meinungsauskauſch zwiſchen den Großmächken. Amerika ſchaltek ſich in den ruſſiſch=chineſiſchen
eill. Ueberreichung engliſch=franzöſiſch=amerikaniſcher Memoranden in Nanking und Moske
Nanking ermächtigt Mukden zu Sonderverhandlungen mit der Sowjekregierung:

Die Inkervenkion der Mächke.
Die Großmächte erinnern China und Rußland an
ihre Verpflichkungen aus dem Kelloggpakk.
EP. Waſhington, 3. Dez.
Nach einer Reihe von Konferenzen mit den diplomatiſchen
Vertretern Großbritanniens, Japans, Frankreichs, Deutſchlands
und Italiens iſt geſtern vom amerikaniſchen Staatsſekre=
tär
Stimſon eine Note an China und Rußland
in der Angelegenheit des Konflikts über die Oſtchineſiſche Eiſen=
bahn
abgegangen. Eine Abſchrift der Note iſt allen 55 Unter=
zeichnern
des Kellogg=Paktes zugeſtellt worden. Eine ähnliche
Note iſt der Nanking= und Sowjetregierung auch von Paris und
London übermittelt worden, um die Aufmerkſamkeit
der beiden Mächte, auf die Beſtimmungen des
Kellogg=Paktes hinzulenken, insbeſondere auf Ar=
tikel
2, der die Regelung jedes Konfliktes auf friedlichem Wege
vorſchreibt. In der franzöſiſchen Note werde China und Ruß=
land
außerdem darauf aufmerkſam gemacht, daß ihr Kredit in
der Welt in weitem Maße von der Ausführung der von den
beiden Ländern im Kellogg=Pakt übernommenen feier=
lichen
Verpflichtungen abhänge. Die franzöſiſche Regie=
rung
hat ihre Note durch den Moskauer Botſchafter Herbette
und den Pekinger Geſandten De Martel überreichen laſſen,
während eine im gleichen Sinne gehaltene Note der amerikani=
ſchen
Regierung der Nanking=Regierung durch den amerikaniſchen
Geſandten in Peking und der Sowjetregierung durch Vermitt=
lung
des franzöſiſchen Botſchafters zugeſtellt wurde.

könne. In offiziellen Kreiſen Tokios herrſcht die Anſie
eine Vorſtellung bei der ruſſiſchen und der
Regierung im gegenwärtigen Augenblick eher geei
das Zuſtandekommen einer Verſtändigu
ſchen den beiden Ländern zu erſchweren
zu fördern. Man befürchtet anſcheinend hier, daß
vention der Mächte von ruſſiſcher und chineſiſcher Se
Sinne ausgelegt werden würde, als ob ſie im Inte
dieſer Mächte ſelbſt unternommen worden ſei, was
lich als Rückenſtärkung für ihre Haltung dienen dürf
Die MRukdener Regierung zu Berhandlungeik
EP. Mukden k
Die chineſiſche Zentralregierung hat der Mukde
rung nunmehr offiziell auf telegraphiſchem Weg ih
mung zu Verhandlungen mit Moskau über die Bei
Eiſenbahnkonflikts in der Mandſchurei gegeben u=
Hſüh=liang Verhandlungsfreiheit erteilt. Wie aus
Quelle verlautet, ſollen die bevollmächtigten Vertret=
dener
Regierung in dem ungefähr 50 Kilometer von
entfernt gelegenen ruſſiſchen Grenzort Nikolſk einget
Die Konferenz zwiſchen den chineſiſchen und ruſſiſſn,
händlern wird vorausſichtlich in Nikolſk ſtattfinden,
wie urſprüglich geplant, in Chabarowſk.
Die chineſiſchen Borſchläge zur Beilegun ei
Oſtbahnkenflikkes.
Schanghat
Wie aus Mukden gemeldet wird, hat Marſch

Das amerikaniſche Memorandum. England erklärk Hfüh=liang die chineſiſchen Vertreter bei der Kon

ſich mit Amerika ſolidariſch.
In der Note, in der die genannten Regierungen zur Be=
achtung
der im Kellogg=Pakt niedergelegten Verpflichtungen auf=
gefordert
werden, heißt es, daß die engliſche Regierung die Ver=
handlungen
im ſino=ruſſiſchen Konflikt in der Mandſchurei ſeit
für das Rheinland werden die engliſchen Truppen am 12. Dezember Juli ds. Js. mit Beſorgnis und Unruhe verfolgt habe. Im
Juli habe die amerikaniſche Regierung in vollſter
Uebereinſtimmung mit der engliſchen Regierung in Form von
Verhandlungen in Waſhington Schritte unternommen,
um die chineſiſche und die ruſſiſche Regierung
auf ihre durch Unterzeichnung des Pariſer
Friedenspaktes eingegangenen Verpflichtun=
gen
hinzuweiſen. Damals hätten Rußland und China
die Verſicherung abgegeben, daß beide unangegriffen nicht zum
Der ſchweizeriſche Geſandte überreichte geſtern im Namen Kriege ſchreiten würden. Wie im Juli ds. Js,, ſo ſtimmt die
engliſche Regierung auch dem neuen Schritte der amerikaniſchen
Regierung zu, durch den die beiden im Konflikt befindlichen
Regierungen ganz beſonders auf den Artikel des Kellogg=Paktes
hingewieſen werden, durch den ſich die Unterzeichner feierlich
verpflichtet haben, alle etwa entſtehenden Streitfragen auf fried=
engliſche
Regierung geben der Hoffnung Aus=
druck
, daß China und Rußland ſich militäriſcher
Operationen enthalten und in der nächſten Zu=
In London fand ein Feſteſſen der britiſchen Oſt= kunft zu einer Verſtändigung über die Methoden
gen auf friedlichem Weg beilegen können. Die Achtung, die man
Die Ernennung General Ortiz Rubios zum Prä= China und Rußland künftig in der Welt entgegenbringen würde,

Japan gegen die Inkergenkion Amerckas.
EP. Tokio, 3. Dezember.
Zu der amerikaniſchen Intervention im ruſſiſch=chineſiſchen
Konflitt in der Mandſchurei verlautet hier aus offizieller Quelle,
und Frankreich dem Schritt Amerikas anſchließen

Charbarowſk beauftragt, folgende Vorſchläge zu 1
1. obwohl die chineſiſche Regierung mit der Wied fae
des status quo auf der oſtchineſiſchen Bahn einve an
hält ſie es für notwendig, von der Sowjetvegierun
rantie zu erhalten, daß die Eiſenbahn
Zwecken der kommuniſtiſchen Propag
nutzt werde; 2. da der entlaſſene ruſſiſche Direk /a
ebenfalls entlaſſene ruſſiſche Unterdirektor eine ſo/
ganda leiteten, lehnt China ihre Wiederanſtellung a
iſt bereit, die Beamten, die den Konflikt herbeigefüh /Ee
entlaſſen; 4. die beiderſeitigen Gefangenen ſollen bef Ael
5. die Truppen beider Parteien ſollen bis zu einer frnd
Entfernung von der Grenze zurückgezogen werden.
Deukſchlands und Amerikas Schrifk im 91 450
Berlin, 3. Fud
Zu dem Schritt der Vereinigten Staaten im
ſiſchen Konflikt erſahren wir, daß die deutſche Re kau
Sympathie mit den amerikaniſchen Bemühungen ur ſhd
des Friedens Ausdruck gegeben und darauf hing ſe
daß ſie als Schutzmacht beider Staaten bereits 1
gleichen Geiſte gewirkt habe. Sie ſei entſchloſſen, au ſeit
alles zu tun, wodurch ſie ihrerſeits noch dazu beit
die Beachtung des Kelloggpaktes durch die ſtreitend
ſicherzuſtellen. Mit Rückſicht auf die beſondere Stell
für Deutſchland als Schutzmacht erwies, hat ſich die
gierung eine Entſchließung über die Haltung und Im
eigenen weiteren Schritte in der Angelegenheit vorl Eeſt
mal da ihre Nachrichten über unmittelbare ruſſiſch=chi Ehe
handlungen vorliegen. Sie weiß ſich mit der amerik Sel
gierung in der Erwartung einig, daß die ſtreiten
entſprechend den Verpflichtungen, die ſie als Signat
loggpaktes übernommen haben, von kriegeriſchen In0
zur Erreichung ihrer Ziele Abſtand nehmen und h E0
direkten Verhandlungen, die zur Beilegung des Kr ½d
geleitet ſind, in kurzer Zeit zum vollen Erfolg führe

ARA
Paultion Argen auerkäufsmas.
Von unſerem Y.=Korreſpondenten.
Paris, 1. Dez.
Wenn man mit einem politiſch denkenden Franzoſen über
die Zukunft ſeines Landes ſpricht, ſo wird er je nach ſeiner Ein=
ſtellung
zunächſt von der Sicherheit oder den Schulden
ſprechen. Es gibt aber doch auch eine Zukunft außerhalb der
Außen= und Finanzpolitik. Von ihr wird jedoch wenig ge=
ſprochen
, und verſucht man trotzdem, den Dingen etwas auf den
Grund zu kommen, ſo ſtößt man auf viel Unſicherheit und Skep=
ſis
. Ueberhaupt in keinem anderen Land der Welt ſteht man
wohl dem modernen Fortſchritt ſo ſkeptiſch gegenüber wie in
Frankreich. Nicht etwa, als ob es in Frankreich keine Neuerun=
gen
gäbe, als ob neue Gedanken keinen Einlaß finden könnten,
aber man ſteht dem Neuen innerlich ablehnend gegenüber.
Man redet viel über einſeitig techniſchen Fortſchritt und denkt
dabei in der Hauptſache an Amerika. Amerikanismus iſt ein
Wort, welches faſt ausſchließlich in wegwerfendem Tone ge=
braucht
wird. Amerikanismus iſt alles, was
gegen die alten Sitten und Gewohnheiten ver=
ſtößt
, iſt alles, was man geſchmacklos oder maß=
los
findet (das Wort mesune hat im franzöſiſchen ſeine be=
ſondere
Bedeutung). Dabei iſt es gleich, ob es ſich um einen
klotzigen Neubau oder um eine als unnötig empfundene Rekord=
leiſtung
handelt. Die intellektuelle Schicht lehut den Ameri=
kanismus
beſonders heftig ab, was man fälſchlicherweiſe als
eine bedingte politiſche Abneigung gegen Amerika deutet. Aber
dieſe innere Abwehr hat mit der Politik nichts zu tun, und es
kommt dabei nicht darauf an, ob die Beziehungen des Quai
d’Orſay zum auswärtigen Departement in Wafhington jeweils
gut oder ſchlecht ſind.
Das Leben des Durchſchnittsfranzoſen unterſcheidet ſich im
Grunde genommen wenig von dem des Deutſchen oder des Eng=
länders
. Aber an den wenigen Unterſchieden wird leidenſchaft=
lich
feſtgehalten. Betrittman eine franzöſiſche Woh=
nung
das fällt beſonders dem Deutſchen auf , ſoglaubt
man, daß zum mindeſten 50 Jahre ſpurlos vor=
übergegangen
ſind. An alten Zeremonien, an den alten
und im modernen Leben oft ſtörend empfundenen Formen der
Eeſelligkeit hält man ſtreng feſt. Wohl noch niemals wurde in
Frankreich ſo viel Wert auf Tradition gelegt wie gerade jetzt.
Ein guter Teil der franzöſiſchen Literatur beſteht aus Erin=
nerungen
. Aber davon abgeſehen, mutet auch ein großer Teil
der Probleme, die in der übrigen Literatur als dringend aktuell
beſprochen werden, wie eine Erinnerung an.

In der Politik klagt man über alte, brüchige Parteirahmen,
die jede Aktivität hindern, über Parteilehren, die längſt als ver=
altet
empfunden, trotzdem als unüberwindliche Hinderniſſe zwi=
ſchen
den verſchiedenen Gruppen ſtehen.
In der Architektur macht ſich das Feſthalten an der Tradi=
tion
beſonders bemerkbar, und das Neue bricht ſich nur ſchüchtern
Bahn. Man entſchließt ſich zu drolligen Kompromiſſen. Auch
in modernen Häuſern mit Zentralheizung darf der traditionelle
alte Kamin nicht fehlen. Nirgends entſchließt man ſich, das Alte
dem Neuen zu opfern. Darunter leidet wohl Paris am meiſten,
denn hier denkt man am konſervativſten; während man in Mar=
ſaille
oder in Lille neue Wege ſucht, bewahrt man in Paris
eiferſüchtig das Alte. Um keinen Preis möchte man
das Stadtbild verändern, auch wenn der Ver=
kehr
noch ſoſehr ſtockt und ſich ſtaut. Man empfindet vieles
ſehr wohl als zu klein und zu eng Börſe und Markthalle ſind
dafür klaſſiſche Beiſpiele , aber man greift nirgends durch aus
Angſt, daß man gegen den guten Geſchmack verſtoßen könnte.
Das Selbſtvertrauen fehlt; wo die Ahnen Großartiges geſchaffen
haben, fürchten die Enkel Häßliches und Unwürdiges zu ſchaf=
fen
, denn das Neue wird vielfach vielleicht mit Recht als
häßlich und jedenfalls als unfranzöſiſch empfunden. Man ver=
fällt
ſogar vielfach in den Irrtum, alles, was alt iſt, als fran=
zöſiſch
zu empfinden.
Und doch exiſtiert ein neues und modernes Frankreich, und
wie ſtark es exiſtiert, merkt man unter Umſtänden erſtaunt, wenn
man ſich mit den einzelnen Fragen etwas eingehender befaßt.
Aber der Fremde merkt nichts davon. Er beſichtigt die Schlöſſer
und hört nichts davon, daß die franzöſiſche
Schwerinduſtrie immer mehr amerikaniſche Ab=
ſatzgebiete
erobert.
In dieſem Zwieſpalt ſteckt eine tiefe Problematik. Nir=
gends
findet man einen Verſuch zur Syntheſe. Alt und Nen
ſtehen ſich feindlich gegenüber. Das iſt ja allerdings in latei=
niſchen
Ländern ſchon öfter der Fall geweſen, und man könnte
aus der Geſchichte Beiſpiele zitieren von der Schädlichkeit ſolchen
inneren Zwieſpalts. Für die heutige Situation in Frankreich iſt
es aber charakteriſtiſch, daß man eine Stockung befürchtet, einen
Stillſtand, aber keine Revolution.
Es wäre natürlich falſch, zu glauben, daß ſich in Frankreich
nichts überlebt. Ein klaſſiſches Beiſpiel dafür bieten die Nekro=
loge
über Clemenceau. Man ehrte ehrfurchtsvoll den
Toten, aber auch ſeine Freunde verſchwiegen nicht, daß ſeine
ganze politiſche Ideologie der Vergangenheit angehörte. Er
war der letzte Jakobiner in Frankreich, und alles, was er
tat und verkündete, iſt, dem heutigen Franzoſen durchaus fremd.
Die Zeit des Kulturkampfes iſt vorüber, und
das Anſehen der Kirche wächſt von Tag zu Tag.

Keinem Politiker der Gegenwart dürfte es einfallet
mit der großen Revolution zu identifizieren, keiner
es wagen, die Kolonialpolitik in Bauſch und Boger Lul
Und gerade in der Kolonialpolitik liegen die Iue
unaufhaltſamen Entwicklung, zum Guten oder zum
der nächſten großen Kolonialausſtellung erwartet m
neuen Aufſchwung, neue Attraktionen. Aber an Sk
auch in dieſer Beziehung nicht. Jeder Franzoſe
heutige Frankreich ohne Kolonien unvorſtellbar pi
Kolonialpolitik trägt auch große Gefahren in ſich, 1
ein verhältnismäßig ſo dünn bevölkertes Land.
Man denkt in Frankreich viel zu
Sicherheit nach, nicht nur in der Außenpo.
auch in jeder anderen Beziehung. Man möcht
ſtehende ewig erhalten. Zukunft aber b
Sicherheit, ſondern Unſicherheit, und die Erneueru
dann kommen, wenn man vor Unſicherheit und Pr.
mehr zurückſcheuen wird.
* Darmſtädter Ausfktellungen.
Blumen und Kunſt.
In den Ausſtellungsräumen von Blumen.!
(Inhaber Schulenburg) iſt zurzeit eine gualitatiw 1n
ſehr aute Kollektion von Gemälden und Aquarelleg
ner Malers Hans Albert Hofmann ausgeſtellt.
iſt im weſentlichen das künſtleriſche Reſultat einer in
unternommenen Reiſe des Künſtlers nach Italien u.
geſehen, eine ausgezeichnete künſtleriſche Auswirkung
gener Eindrücke. Landſchaftsbilder aus Hoch= und
Capri, St. Pietro=Roma, aus Dalmatien uſw., die
und unendlich verſchieden von Künſtlern geſehen
geſtaltet werden, hat auch Hofmann ſeiner Eigenar,
geſehen. Wie er ſie feſtgehalten in Oelbildern un
das iſt eine ganz eigene Handſchrift, eine ganz eige
der ſüdlichen Landſchaft, die oft ſonſt weich, zart f!.
farbigen Schleiern überzogen, empfunden wird. 19
ler ſehen in der italieniſchen Landſchaft nur das V=
Sonnige. Anders Hofmann. Wohl feſſelt auch ihl
das reich Farbige der Landſchaft, aber er ſieht nich
nicht nur farbiges Flimmern. Er ſieht auch des
Landſchaft. Sie offenbart ihm einen Charakter, de
der ſonnigen Heiterkeit liegt. Es wäre darum fal
Hofmanns im Kolorit etwa als hart zu kritiſierel.
die Reinheit ſeiner Farben, die hin und wieder 9a1
geſetzt werden, im erſten Anblick nur Härte gleich.
Vertiefen aber geht dem Beſchauer das auf. wo=
Hofmann wohl empfand, als er das ſonnige ſtale

ſehen wird. So tragen dieſe Bilder all irgen
Charakter, ohne allerdings, daß der Malek nich=
Sonne des Südens warm und heiter ward. Ein t=
zelheiten
aber feſſelndes Gemiſch von Herbheit 0o.
ters und ſonnigem Süden.

[ ][  ][ ]

mer 336

jäuung der amerikaniſchen Kongreſſe
Hoovers erſte Jahresbokſchaft.
Waſhington, 3. Dezember.
Häuſer des amerikaniſchen Kongreſſes begannen
ſterrp e ordentliche Tagung und ernannten eine Abordnung,
e Beißen Hauſe die Gröffnung des Parlamentes, ſowie
ſc.2 chaft zur Entgegennahme von Botſchaften mitteilen ſoll.
iner heute veröffentlichten erſten Jahresbotſchaft an
beim Beginn der ordentlichen Tagung ſtellt Präſi=
Srfeſt, daß Amerika mit der ganzen Welt nicht nur in
y be, ſondern daß durch den Kellogapakt eine neue Per=
ſit
Iffnet wurde, die die auswärtige Politik aller Natio=
mu
idend beeinfluſſe. Der Präſident kündigt den Beitritt
ſrirs zum Internationalen Gerichtshof und eine dement=
hey
Vorlage an den Senat an, wobei er betont, dieſer
ſeir= deute auch nicht im geringſten einen Schritt in Rich=
a
en Eintritt in den Völkerbund. Die hohen Ausgaben
desverteidigung bezeichnet Hoover als außerordentlich
yert. Er fordert den Kongreß auf, an der Einſchrän=
r
; Koſten mitzuarbeiten. Er hofft auf einen vollen Er=
ndoner
Seekonferenz, da anderenfalls Amerika wäh=
d
=aächſten ſechs Jahre für Neubauten allein über 1200
jorn Dollar neben erhöhten Erhaltungskoſten ausgeben
ber die Freigabe des deutſchen Eigentums ſagt Hoo=
e
eiſe Entſchluß, daß das während des Krieges beſchlag=
gte
entum an die Eigentümer zurückgegeben werden ſoll,
ur; emlicher Beſchleunigung durchgeführt. Von den be=
man
en Werten im Geſamtbetrage von 625 Millionen
Ues bis auf 111,5 Millionen zurückgegeben worden.
ſarm Teil dieſes Reſtbetrages dürfte während des näch=
erſtattet
werden. Zur allgemeinen wirtſchaftlichen
9r) kas erklärt der Präſident, daß die Börſenderoute
M ang im Verbrauch von Luxusartikeln und ſogenanm=
wendigkeiten
zur Folge hatte und eine gewiſſe Zahl
mwr ſtellungslos gemacht habe. Er habe infolgedeſſen
ige Zuſammenarbeit von Bundesregierung, Länder=
und Gemeinden mit Handel, Wirtſchaft und Arbeit=
ganiſiert
und ſei überzeugt, daß das Vertrauen in
eit des amerikaniſchen Wirtſchaftslebens zurückge=
jezüglich
der Einwanderung betont Hoover, daß er
gegen das gegenwärtig in Kraft befindliche Quoten=
Er hoffe, daß man die Frage weiterſtudiere, viel=
Richtung, daß man innerhalb der Quoten gewiſſe
juge, die nach phyſiſchen und techniſchen Geſichts=
nders
erwünſcht ſind. Hoover ſchließt ſeine Botſchaft
euten Bekenntnis zur Förderung des Weltfriedens.
inberufung des polniſchen Seims.
Warſchau, 3. Dez.
mmarſchall hat die nächſte Sitzung des polniſchen
r den 5. Dezember, 12 Uhr mittags, anberaumt, da
iber die einmonatige Vertagungsfriſt abläuft. Mit
onung, die vor allem die erſte Leſung des Haus=
Uar) für das Finanzjahr 1930/31 enthalten wird, wird
igsblock einen Mißtrauensantrag gegen Seimmar=
Da ſki einbringen, weil dieſer am 31. Oktober gelegent=
dringens
polniſcher Offiziere in die Seimvorhalle
üitztr des Seims nicht eröffnet hat. Hingegen gilt es
ſalsl ihrſcheinlich, daß die oppoſitionellen Parteien der
kurg er Linben ſchon bei der erſten Sitzung ihr vorberei=
M7 uensvotum gegen die Geſamtregierung einbringen
in nimmt allgemein an, daß dieſes Mißtrauens=
es
tach Beendigung der Generalausſprache über den
halr) o etwa im Laufe der kommenden Woche, zur De=
omu
: wird.
noch nicht feſt, welche Haltung die Regierung ein=
Geſtern hat im Generalinſpektoriat zwiſchen dem
dr nten, Marſchall Pilſudſki, Miniſterpräſidenten Swi=
n
Obmann des Regierungsblockes, Oberſt Slawek,
iz ſtattgefunden, der entſcheidende Bedeutung bei=
d
. Ueber das Ergebnis dieſer Beratungen, bei
ar die Taktik der Regierung gegenüber dem Seim
urde, iſt nichts bekanntgegeben worden.

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Seite 3

Die Bauernnot vor dem Heſſiſchen Landtag
Angenügende Preisgeſtalkung. Allzu große Berdienſtſpanne zwiſchen Produzenk und Konſument.
Kakaſtrophale Abſatzſchwierigkeiken. Mik Krediken allein iſt nicht geholfen.
Sie bürden dem Landwirk nur neue Laſten auf.
ein. Zunächſt behandelte er die Lage der heſſiſchen Landwäirtſchaft. Er
habe ſich genau informiert und feſtgeſtellt an Hand der Ernteergebniſſe,
Die Ausſprache.
daß die Landwiryſchaft ein ſchweres Jahr hinter ſich habe. Wenn auch
noch manche Schäden im Herbſt ausgeglichen worden ſeien, ſo z. B.
Der Aelkeſtenrak gegen zeitraubende Dauerreden. bei der Rübenernte, den Futteymitteln und Feldfrüchten, ſo ſeien an=
dererſeits
doch gerade bezüglich des Obſtes die Verhältniſſe für die
Produzenten ſehr ſchlecht, und zwar wemiger etwa durch eine Fehlernte
Die Nor der Landwirkſchaft von allen Parkeien as vielmehr durch die latzſtrobhale Preisgeſtaltung. In dieſem Au=
ſammenhang
wüſſe er auch von der Weinernte ſprechen. Hier ſei ein
Ausfall von 89 Millionen Mark feſtgeſtellt worden. Er habe ein=
anerkannk
.

Vor Eröffnung der geſtrigen Sitzung des Landtags tagte der
Aelteſtenrat, um über die 8Maßnahmen zur Einſchränkung zeitraubender
Dauerreden zu verhandeln. Nach Eröffnung der Sitzung um 11 Uhr
durch Landtagspräſident Delp gibt dieſer zunächſt bekannt, daß der
Aelteſtenrat die Redezeit wie folgt feſtgeſetzt habe: Zu den Anträgen
1 Stunde, für Fraktionen 34 Stunden und für nicht fraktionsſtarke
Gruppen 20 Mnuten. Dagegen erheben die Kommuniſten Proteſt.
Die Anträge der Kommuniſten v. d. Schmitt und Genoſſen auf Zu=
ſchuß
zur Errichtung einer Wafferleitung in der Gemeinde Raunheim
und in der Geueinde Mörfelden, ſowie der Kommumiſten Angermeier und
Galm zur Gewährung eines Darlehens zum Bau des Gruppenwaſſer=
werkes
im Kreiſe Dieburg werden entſppechend den Anträgen der Aus=
ſchüſſe
gegen 4 Stimmen der Kommuniſten abgelehnt, da es beſi der
jetzigen finanziellen Lage es nicht möglich iſt, neue Summen auszu=
werfen
.
Das von den Kommuniſten eingebrachte Mißtrauensvotum gegen die
heſſiſche Regierung wegen ihrer Haltung in der Arbeitsloſenverſicherung,
über das bereits in der letzten Sitzung eine Ausſprache ſtattgefunden
hatte, wurde gegen die Stimmen der Kommuniſten abgelehnt. Deutſche
Volkspartei und Deutſchnationale Volkspartei endhielten ſich der Stimme.
Der Antrag des Abg. Ritzel (Soz.) betr. Zinszuſchüſſe des Reichs
und der Länder für öffentliche Notſtandsarbeiten wird der Regierung
als Material überwieſen.
Den Antrag der Abg. Angermeier und Galm (Kom.) auf Gewäh=
vung
eines dauernden Krebits für die Landwirtſchaft hat der Finanz=
ausſchuß
abgelehnt. Abg. Leuchtgens (Bbd.) erſtattet Bericht. Er fügte
lediglich an, mit Krediten ſei der Landwirtſchaft heute nicht mehr ge=
holfen
; es müßten andeve Mittel und Wege gefunden werden.
Abg Angermeſer (om.) begründet ſeinen Antuag. Die Land=
wirtſchaft
dürfe nicht brach liegen, eher könnte die Induſtrie vorüber=
gehende
Einſchränkungen erfahren.
Abg. Galm (Kom.) verſucht den Gegenſatz zwiſchen Kommuniſten
und Landbund hevauszuarbeiten. Die Hebung der Landwirtzſchaft ſei
nötig zur Belebung der Wirtſchaft.
Abg. Dr. Müller (Bbd.) bezeichnet die vorliegenden Anträge als
Verſuch mit unzureichenden Mitteln, aber eins könne er mit Befriedi=
gung
feſtſtellen, daß die Kommuniſten einzuſehen beginnen, daß der
Bauernſtand von vitalem Intereſſe für Deutſchland ſi. Die Hilfe könne
aber nicht mit Kreditem, ſondern müſſe auf anderem Wege erfolgen.
Der kommuniſtiſche Antrag wird abgelehnt. Zu dem Antrag
der Abg. Glaſer und Genoſſen
Beſchleunigke Beranlagung der landwirtſchaftlichen
Beiriebe zur Reichs=Einkommenſtener unker beſon=
derer
Berückſichkigung der diesjährigen Trockenheit
fordert der Abg. Glaſer (Lbd.) eine umgehende Veranlagung der Reichs=
einkommenſteuer
1929. Es ſei erſchreckend, wenn man ſehe, wie ein Gut
nach dem anderen unter den Hammer komme. Der Abg, ſchildert ein=
gehend
die Aot der Landwirtſchaft und führt als Hauptgründe die
große Dürre des Jahyes 1929, ferner die völlig ungenügende Preisge=
ſtaltung
an. Dazu komme noch die kataſtrophale Abſatzſchwierigkeit bei
den einzelnen Produkten insbeſondere Gerſte, Weizen Obſt und Ge=
müſe
. Alle bisherigen Maßnahmen, die man verſucht habe, hätten nicht
geholfen. Durch die Zollpolitik hobe man die Landwirtſchaft geradezu
an das Ausland verkauft und verraten. Man wiſſe nicht, was wieder
bei dem zur Zeit in Vorbereitung befindlichen Polenbertrag heraus=
komme
, da nichts von den Verhandlungen in die Oeffentlichkeit dringe.
Abg. Lux (Soz.) erklärt, ſeine Vorredner hättem nur Kritik geübt
und keine poſitiwen Vorſchläge gemacht. Er ſchlage vor allem vor, die
Kaufkraft ganz allgemein zu ſtärken. Seiner Anſicht nach wäre es beſſer
geweſen, wenn die Zwangswirtſchaft beibehalten und beſſer ausgebaut
worden wäre. Vor allem müſſe jetzt darauf geachtet werden, daß zwiſchen
Produzent und Konſumenten nicht allzuhohe Zwiſchenverdienſte einge=
ſchaltet
und dadurch Preisephöhungen hervorgerufen würden. Am beſten
fei der weitere Ausbau der Genoſſenſchaften. Die Sozialdemokratie
unterſtütze alle vernümnftigen Maßnahmen zur Hebung der Landwirtſchaft.
Miniſter Korell über die Bekämpfung der Nok
der Landwietſchaft.
Miniſter Korekl ging in längeren Ausführungen auf die Mot der
Landwirtſchaft und die entſprechenden Maßnahmen zu deren Hebung

gehend die Frage einer Stützungsaktion, ähnlich der in Bahern, ge=
prüft
, aber dort hätten ſich erbennbare Vorteile nicht gezeigt. Mit Kre=
diten
ſei wohl wenig geholfen, denn es ſei zu befürchten, daß bei Rück=
zahlung
der Kredite der Weinhandel in noch größere Schwierigk=iten
gerate. Man werde verſuchen den Weinabſatz durch geeignete Mittel
zu fördern und zu beleben. Die Umſtellungsmaßnahmen der Landwirt=
ſchaft
halte er für notwendig, ein Peſſimismus der Führer ſei hier nicht
am Platze. Die Früichte dieſer Maßnahmen könnten ſich erſt langſam
auswirken, wenn die Standardiſierung und Sortierung ſich weitgehendſt
durchgeſetzt habe. Auch aus den Glashauskulturen könne man den Er=
folg
erſt nach einiger Zeit, wenn greifbare Reſultate vorlägen, er=
warten
. Man ſtehe doch hier überall erſt am Anfang der Enlwicklung.
Eine ſehr große Schwierigkeit bilde eben immer noch der Unverſtand
der Verbraucherſchaft. Er verſuche mit allen Mitteln, die Konſumenten
auf den richtigen Weg zu führen. Der von der Reichsregierung ge=
planten
Zollregulierung für Butter, Roggen und Vieh (Schweine) werde
Heſſen zuſtimmen. Auf jeden Fall müſſe eine Erhöhung des Brot=
preiſes
vermieden werden. Eine Zollerhöhung könne nicht ins Uferloſe
vorgenommen werden, da ſonſt die Rüchwirkungen für Deutſchland von
großem Schaden ſeien. Man müſſe der Landwirtſchaft weitgehendſten
Schutz ſichern ohne Verluſt für die Induſtrie. Ueber den Polenvertrag
könne heute noch nichts geſagt werden, jedenfalls ſei es von Vorteil,
wenn wan mit Polen zu einem günſtigen Abſchluß kommen könnte. Daß
es der Landwirtſchaft von allen Berufsgruppen am ſchlechteſten gehe,
müſſe er verneinen, auch andere Berufe hätten heute ſchwer zu leiden.
Zur Linderung der landwirtſchaftlichen Not werde in Heſſen alles ge=
tan
. Vor allem ſei aber wichtig, daß die Abſatz= und Mauktorganiſa=
tionen
weitgehendſt an der Linderung der Not der Landwirtſchaft mit=
helfen
, and daß die Führer der Landwirtſchaft ihre Leute feſt in der
Hand hätten. In Dänemark habe er es ſehr vorteilhaft empfunden,
daß den Bauern Tipps für günſtigen Abſatz ihrer Produkte von den
Führern gegeben würden. Zu den Kommuniſten gewandt, erklärt der
Miniſter, nach den Vorgängen in Rußland hätten ſie kein Recht mehr,
hier ſo zu tun, als träten ſie warm für die Bauern ein.
Abg. Weckler (Ztr.) unterſtreicht die Ausführungen des Mini=
ſters
. Die Glashausbetriebe z. B. ſeien als Lehrbetriebe anzuſehen.
Das Zentrum trete für die Belange der Landwirtſchaft ein. Die Pacht=
verhältniſſe
bedürften einer Ueberprüfung. Man müſſe ſich gegen die
Auswüchſe wenden, die durch die Zwiſchenverteuerung zwiſchen Produ=
zenten
und Konſumenten zu Preiserhöhungen führten. Auch das Sied=
lungsweſen
und die beſſere Ausbildung des bäuerlichen Nachwuchſes
müſſe gefördert werden.
Abg. Schott (D.V.P.) wendet ſich gegen die weitere Kredit= und
Zuſchußwirtſchaft bei der Landwirtſchaft. Der Ausbau der landwirt=
ſchaftlichen
Genoſſenſchaften ſei zu fördern, auch ſtaatliche Unterſtützung
könne nicht entbehrt werden. Der Staat müſſe die Landwirtſchaft
ſchützen, denn mit dieſem Schutze ſchütze er ſich am beſten ſelbſt.
Abg. Dr. Müller (Lbd.) ſtellt mit Befriedigung feſt, daß von
aller Polemik abgeſehen worden ſei und daß man einmütig die Not der
Landwirtſchaft anerkenne. Er betont, die Landwirtſchaft ſei unfähig,
zu hohe Steuern zu zahlen, ſie ſei nicht etwa ſteuerſcheu. Für das Ge=
treide
müßten autonome Zölle gefordert werden, von gleitenden Zöllen
verſpreche er ſich keinen Vorteil.
Es ſprechen noch Abg. Hammann (Komm.), Miniſter Korell,
der ſich mit dem Vorredner wegen der Bauernpolitik in Rußland, die
nunmehr das dritte Syſtem ſei, auseinanderſetzt, und Abg. Axt (Volks=
Recht=Partei).
Nach einer Geſchäftsordnungsdebatte wird der Antrag angenommen.
Ein kommuniſtiſcher Antrag gegen die Haltung der heſſiſchen Re=
gierung
in der Zollfrage wird abgelehnt.
Ein neuer Antrag des Bauernbundes, Heſſen möge ſich bei der
Reichsregierung dafür einſetzen, daß in der Zoll=, Wirtſchafts=, Handels=
und Steuerpolitik ſchleunigſt Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet
ſind, den drohenden Untergang der deutſchen Landwirtſchaft abzuwen=
den
, wird einſtimmig angenommen; der zweite Teil des Antrages, die
heſſiſche Regeirung möge ſich im Reichsrat für die Forderungen der
Führer der Grünen Front zu Gunſten der deutſchen Landwirtſchaft ein=
ſetzen
, wird mit 24:24 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommuniſten
und Demokraten abgelehnt. Nach perſönlichen Erklärungen des Abg.
Dr. Müller, des Miniſters Korell und des Abg. Heinſtadt (Ztr.) folgen

Kleine Anfragen:

Die Regierung erklärt auf die Kleine Anfrage des Abg. Dr. Werner
(wild), daß ſie dem Landtag demnächſt eine Vorlage über die Verhält=
niſſe
der heſſiſchen Kohlenfelder unterbreiten werde. Auf eine An=

Friedrich Lienhard
Von Haus Walter Wohmann.

Lienhard war ein deutſcher Dichter, nicht von dem
ichter Lienhard wollen wir ſprechen. Gewiß ſind
Literatur, die auf dem Boden des Elſaſſes ent=
zu
trennen von dem landſchaftlich begrenzten
ber gerade bei literariſchen Erzeugniſſen kann ihre
gehörigkeit nie verfälſcht werden, dieſe ſind durch
Sprachform klar und unmittelbar mit der deut=
emeinſchaft
verbunden. Lienhard ſelbſt ſtellte ein=
*e, was denn ſein Jugendland, gemeinſam habe mit
der Wartburg Kulturgütern und prägte das Wort:
kenſchheit wurde mir Heimat.
id wir nicht immer dem Fluge der Gedanken Lien=
aber
wir neigten uns vor der inneren Notwendig=
tchertums
und ſeiner ſittlichen Größe und freuten
Wahren, Guten und Schönen, mit dem ſeine Kunſt
beſchenkte. Schwere Konflikte haben den Werden=
Vaterland und Volkszugehörigkeit, ſein Weſen und
mußte er erſt ſuchen und dann ſich erkämpfen.
kiteraturgeſchichte war Lienhard bald zünftig ein=
Innt wurde ſeine ſtark lyriſche Natur, im übrigen
Mißgunſt und Gegnerſchaft, höchſtens die Belange
n Feſtſpiels wollte man ihm anvertrauen. Wir
enhard die elſäſſiſche Landſchaft, die geſchichtlichen
* abgeſchloſſenen Epoche und elſäſſiſche Charakter=
em
Maße dichteriſch feſtgehalten und geſtaltet hat,
literaturgeſchichtlichen Bedeutung nicht mehr zu
Sſiſche Ziviliſation, die dem Dichter in ſeiner Hei=
lehnte
er ab aus dem Bewußtſein alemanniſcher
kein Literat im Sinne eines Schickelé, der zum
ein poſitives und künſtleriſch wertvolles Verhält=
* Berlin kam Lienhard nie in nähere Beziehungen
zwiſchen Berlin und dem Deutſchland, wie es der
lke und erkämpfen wollte, beſtanden die denkbar
Jatze. Auf der einen Seite die Rieſenſtadt, ein
Tochwerk, auf der anderen Seite ein naturhafter
I der tief aus den Gründen der Welt ſchöpfend,
Eliſchee irgend eines Maſſengeiſtes zu faſſen war.
Des Dichters Weſen gehört auch, daß er, der ein
Dand ſeiner Heimat nahebrachte, in der rauhen
Im Vortrag im Elſaß=Lothringen=Verein,

Wirklichkeit gerade dieſem Deutſchland ſich oft verſagen mußte.
Lienhard ging ſeine eigenen Wege, Mut zu einem Bekennertum
eigener Art ſind nicht immer förderlich für die Entwicklung eines
Dichters im Deutſchland von heute und früher. Literariſch und
politiſch trug Lienhard in Blut und Weſen vom Bauerntum
her einen Konſervatismus großen Stils in ſich, der ſich mit
einem unauslöſchlichen Freiheitsdrang harmoniſch zu vermählen
trachtete.
Grundlage ſeines Weſens bleibt das lyriſche Moment und
ſeine Lyrik, bei der alles echtem und tiefem Erlebnis entſpringt,
iſt in beſtem Goetheſchen Sinne Gelegenheitsdichtung, weitge=
ſpannt
dabei der Stoffkreis. Mag Lienhard auch dem Grund=
problem
der Lyrik, der Erotik negativ gegenüber ſtehen, ſo darf
man die Liebesveredelung, die er erſtreote, doch nicht verwechſeln
mit dem Muckertum einer unkünſtleriſchen Liebesverneinung.
Und welcher Abſtand zwiſchen einem echten Dichter wie Lienhard
und den Dichterlingen neueſter Prägung, die alles und aber auch
alles nur vom Standpunkt der Erotik oder höchſtens des vollen
Magens zu betrachten vermögen! Bezeichnend für die Erkennt=
nis
Lienhards iſt doch auch, daß viele ſeiner ſchönſten Gedichte,
ſo durch Hans Pfitzner, Vertonung gefunden haben.
Als Erzähler ſetzte ſich der Dichter mit dem Oberlin durch,
jenem grandioſen Gemälde, das die Atmoſphäre des ſtillen
Steintals wie die Zuckungen der franzöſiſchen Revolution in
gleicher Meiſterſchaft eingefangen hat. Viele erzählende Werke
ſind der Feder des Dichters entfloſſen, viele von bleibendem
Wert, manche auch, wie der in Eiſenach ſpielende Burſchenſchafts=
roman
, eines ſeiner letzten Werke, merkwürdig farblos und
ſchwach. Auch im erzählenden Schaffen des Dichters laſſen
Sprache, Gedanken und Stimmungen immer wieder das lyriſche
Grundmotiv aufklingen.
Am ſchärfſten umſtritten iſt der Dramatiker Lienhard. So
ſtark auch ſein Wollen, ſo gering war hier auch ſein Erfolg.
Wenige Bühnen brachten ſeine Werke, das Harzer Bergtheater,
das viele Stücke von ihm ſpielte, iſt aus mancherlei Gründen
nicht als künſtleriſch vollwertig anzuſehen. Lienhard iſt nun ein=
mal
von den Literaturpäpſten als Nicht=Dramatiker abgeſtempelt,
er hatte es mit Berlin und den herrſchenden Kliquen verdorben,
er hatte ſich auch mit der ganzen Kraft ſeiner eigenwilligen Per=
ſönlichkeit
gegen ſo manche der Zeitſtrömungen gewehrt, auch
gegen ſolche wie Ibſen und Gerhart Hauptmann, die wir durch=
aus
nicht miſſen mögen. Bei alledem ſind Lienhards beſte
Dramen gar nicht ſo ſehr Buchdramen im reinſten Sinne des
Wortes, ſondern es liegt in ihnen ſoviel Spannung und Leiden=
ſchaft
, daß, abgeſehen ganz von der Wahl der eigenartigen und
kraftvoll geſtalteten Stoffe, es eine Ehrenpflicht der deutſchen
Bühnen ſein müßte, wenigſtens ſeine beſten Werke zu bringen.

Hier wäre für unſer Landestheater, das doch ganz Heſſen,
in dem auch ſo viele Elſaß=Lothringer eine zweite Heimat gefun=
den
haben, dienen ſoll, eine dankenswerte Aufgabe, dankbarer und
wertvoller als die Wiedergabe ſo manchen Stückes, das wir in
den letzten Jahren über uns ergehen laſſen mußten. Wir
warten".
Lienhard, der Denker hat zwei große Sammelwerke ge=
ſchrieben
, die Wege nach Weimar und Meiſter der Menſch=
heit
. Beide Werke von einer Schlichtheit des Ausdrucks und
von einer Tiefe der Empfindung und einer Fülle des Welt=
anſchaulichen
in klarer Form, daß ſich der Dichter hier allein ſchon
ein unvergängliches Denkmal geſetzt hat. Mag man daran krit=
teln
, daß Lienhard die Veränderungen, die der deutſche Geiſt
ſeit den Tagen der Klaſſik durchgemacht hat, nicht ſehen wollte,
mag man von einem gutgemeinten Anachronismus ſprechen,
wan ſoll doch anerkennen, daß Lienhard im Banne ſeines großen
Ideals, Griechentum, Chriſtentum und Germanentum harmoniſch
zu vereinen, aufrecht gekämpft hat, um das Beſte im deutſchen
Volk über den Wandel der Zeiten zu retten. So gehört Fried=
rich
Lienhard zu den hervorragendſten Geiſtern, die an einer
idealiſtiſchen Erneuerung des deutſchen Volkes mitgearbeitet
haben und er bezeugt ſeine Minderwertigkeit, der um nationaler
Feindſchaft willen die Größe des Geiſtes nicht anerkennt, der in
einem Volke wirkend doch über den Völkern ſteht. In dieſem
Sinne iſt es freudig zu begrüßen, daß, wie ich kürzlich in Straß=
burg
hörte, nun auch dort in Lienhards Heimat eine Gedenk=
feier
ſtattfinden ſoll.
Um das Weſen des Dichters noch einmal in wenigen Sätzen
auszudrücken, wüßte ich keinen beſſeren Weg, als hierher die
letzten Verſe des Elſaß=Elegie aus des Dichters Unter dem
Roſenkreuz zu ſetzen:
Wann wird endlich für immer der Bogen des Friedens vom
(Schwarzwald
Bis auf den Wasgenwaldklamm kühn überbrücken den Rhein?
Oder ſind wir für immer beſtimmt, als Opfer zu wandern
Jetzt nach Frankreich hinein, jetzt nach Deutſchland zurück?
Sind wir der Kampfplatz zweier Nationen? Sollen die Aehren,
Draus wir backen das Brot, immer ſich düngen mit Blut?
Schweige mein duldendes Herz, und ſchlummre, vielduldendes
(Elſaß!
Oft ſind in Schleier gehüllt Schönheit und Schickſal und Schmerd=

[ ][  ][ ]

Mff
ſehr billig abzug.
Donges & Wie
189986!

Seite 4

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

ſtrage des gleichen Abgeordneten wird geſagt, daß nach den von dem
Geſamtminiſterium erlaſſenen allgemein gulligen Grundſätzen zur Er=
richtung
von Beamtenwohnungen, eine größere Anzahl von Beamten
Arbeitgeberdarlehen erhalten haben, darunter auch Miniſterialbeamte,
aber nicht ſolche, die die Kapitalvergebung ſelbſt leiteten. Es ſei kein
Fall vorgekommen, daß 60 000 RM. gegeben wurden. Auf eine
demokratiſche Anfrage erklärt die Regierung, daß gegen den verantwort=
lichen
Beamten für den Bau einer Autogarage in Bad=Nauheim kein
Grund zum Einſchreiten vorliege. Wegen des Unfalles der drei Kob=
lenzer
Zahnärzte, die bei Frei=Weinheim mit ihrem Auto in den Rhein
ſtürzten und ertranken, erklärt die Regierung, daß von einer Autofalle
dort nicht geſprochen werden könne. Das Unglück erkläre ſich nach Auf=
faſſung
der Regierung in der Weiſe, daß durch den herrſchenden Nebel
die Orientierung ſehr erſchwert oder nicht möglich war. Im übrigen
ſeien die Prüfungen der zuſtändigen Behörden noch nicht abgeſchloſſen.
Auf die kommuniſtiſche Anfrage wegen der angeblichen Lagerung
von 200 000 Kubikmeter Phosgen bei den Höchſter Farbwerken, erklärt
die Regierung, daß den Farbwerken die Erlaubnis erteilt ſei, höchſtens
bis zu 55 Kubikmeter Phosgen zu Laboratoriums= und Studienzwecken
zu lagern. Nach Anſicht der zuſtändigen preußiſchen Stellen ſeien Be=
fürchtungen
der Bevölkerung nicht begründet, das Lager unterliege der
ſtändigen Kontrolle der Behörde. Auf Vorſtellungen gegen den
Polizeihauptmann Heine in Gießen ſind von der Regierung Unter=
ſuchungen
eingeleitet worden. Soweit ſich ein Grund zum Einſchreiten
ergeben habe, ſei das Erforderliche veranlaßt worden. Auf eine An=
frage
Moebus (Bbd.) erklärt Miniſter Korell, daß die durch Froſt=
ſchäden
vernichteten Weinberge jetzt endgültig feſtgeſtellt würden, daß
zum Wiederanbau durch Neureben dem Landwirtſchaftskammerausſchuß
für Rheinheſſen 2000 RM. für die entſprechenden Gewächshausanlagen
gegeben wurden. Ein Erlaß der Winzerkredite ſei bei der Reichsregie=
rung
bisher nicht zu erreichen geweſen, jedoch ſei eine weitere Stundung
ausgeſprochen worden. Wegen der beim Kreisamt Büdingen befind=
lichen
Beamten, die noch immer nicht den Treueid als Beamte geleiſtet
haben, erklärt die Regierung, daß dieſe Eidesleiſtung ſofort nachgeholt
werde.
Schluß der Beratungen gegen halb 4 Uhr. Präſident Delp be=
raumt
die nächſte Sitzung auf heute vormittags 10 Uhr an.
Staak und Landeskirche in Heffen.
Die neue Bereinbarung zwiſchen dem Skaal und der
Guggeiſien Lendeslihe.
Der Heſſiſche Miniſter für Kultus und Bildungsweſen Dr. Ade=
lung
, hat dem Landtag folgenden Entwurf einer Vereinbarung
zwiſchen dem Staate und der Evangeliſchen Landeskirche in Heſſen
unterbreitet:
Wegen der Staatsleiſtungen, die der Volksſtaat Heſſen im Kapitel 38
des Staatsvoranſchlags für die Evangeliſche Landeskirche in Heſſen
bereitgeſtellt hat, herrſchen Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen dem
Staate und der Kirche. Es beſteht folgende Sach= und Rechtslage:
1. Nach Artikel 138 der Verfaſſung des Deutſchen Reiches werden
die auf Geſetz, Vertrag oder beſonderen Rechtstiteln beruhenden Staats=
leiſtungen
an die Religionsgeſellſchaften durch die Landesgeſetzgebung
abgelöſt. Die Grundſätze hierfür ſtellt das Reich auf, und zwar durch
Reichsgeſetz (Artkel 173 der Verfaſſung des Deutſchen Reichs). Dieſes
Neichsgeſetz iſt noch nicht erlaſſen.
2. Bis zum Erlaß des vorbehaltenen Reichsgeſetzes bleiben nach
Artikel 173 der Verfaſſung des Deutſchen Reiches die bisherigen auf

Nummer

Geſetz, Vertrag, oder beſonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleiſtun=
gen
an die Religionsgeſellſchaften beſtehen.
3. Soweit ſich die Leiſtungen, die der Staat beim Inkrafttreten der
Verfaſſung des Deutſchen Reiches an Religionsgeſellſchaſten bewirkte,
als ſolche Staatsleiſtungen darſtellen, welche auf Geſetz, Vertrag oder
beſonderen Rechtstiteln beruhen, ſind ſie bis zur Ablöſung hiernach
wveiter zu bewirken.
Ob und in welchem Umfange dieſe Staatsleiſtungen vor Erlaß des
Noichsgeſetzes, das die Grundſätze für die Ablöſung auftellt, etwa durch
Uebereinkunft von Staat und Kirche abgelöſt werden könnten, iſt un=
gewiß
.
4. Der Staat glaubt, durch Leiſtung der Mittel, die er im Kapitel 38
des Staatsvoranſchlags für die Ebangeliſche Landeskirche in Heſſen
bereitgeſtellt hat, alle etwaigen Anſprüche erfüllt zu haben, welche die
Kirche im Rahmen des Artikel 173 der Verfaſſung des Deutſchen Reiches
ſtellen könnte. Die Evangeliſche Landeskirche glaubt dementgegen Mehr=
leiſtungen
beanſpruchen zu können.
5. Da die Rechtslage nicht vor Aufſtellung der Grundſätze endgültig
klargeſtellt ſein wird, die dem Reich nach der Verfaſſung des Deutſchen
Neiches vorbehalten iſt, haben Staat und Kirche den Wunſch, ſich für die
Zwiſchenzeit auf einen modus vivendi zu einigen, dem ſich zeitweilig zu
unterwerfen ſie bereit ſind.
Staat und Kirche vereinbaren hiernach, was folgt:
II.
1. Für die Zeit vom 1. April 1925 an ſoll durch Schiedsſpruch feſt=
geſetzt
werden, welche Leiſtungen der Staat alljährlich an die Evangeliſche
Landeskirche in Heſſen zu gewähren hat, während für die frühere Zeit
Anſprüche beiderſeits nicht erhoben werden.
2. Die Wirkſamkeit des Schiedsſpruchs wird in der Art zeitlich be=
grenzt
, daß ſie endigt: a) durnch Kündigung, 6) mit dem Inkrafttreten
des Reichsgeſetzes nach Artikel 138 der Verfaſſung des Deutſchen Reiches.
Zur Kündigung a) iſt jeder Teil berechtigt. Sie iſt nur für den
Beginn eines Etatsjahres zuläſſig und muß ſpäteſtens zwei Jahre zuvor
erklärt werden. Für die Zeit vor dem Etatsjahre, das mit dem 1. April
1940 beginnt, iſt eine Kündigung ausgeſchloſſen.
Endigt der Schiedsſpruch nach 0), ohne daß die Kirche für die Zeit
vom Ende ſeiner Wirkſamkeit an in den Genuß derjenigen Leiſtungen
tritt, welche ihr nach dem vorbehaltenen Reichsgeſetze über die Ablöſung
gebühren, ſo werden ſich Staat und Kinhe nötigenfalls darüber ver=
ſtändigen
, welche Leiſtungen der Kirche innerhalb einer ſolchen Zwiſchen=
zeit
gewährt werden.
3. Die Wirkſamkeit des Schiedsſpruchs wird auch ſachlich dahin be=
ſchränkt
, daß er für die Zeit nach Ablauf ſeiner Geltung (Biffer 21 eine
materielle Rechtskraft nicht begründet. An den Inhalt des Schieds=
ſpruchs
und an ſeine Gründe ſind demgemäß weder der Staat noch die
Kirche gebunden, ſoweit es ſich handelt:
um ſtaatliche Leiſtungen an die Kirche nach Ablauf der zeitlichen
Geltung des Schiedsſpruchs,
um die Ablöſung der Staatsleiſtungen nach Artikel 138 der Ver=
faſſung
des Deutſchen Reiches.
Aus dem Schiedsſpruche können nach Ablauf ſeiner Geltung alſo
weder für die Erfüllung noch für die Ablöſung ſtaatlicher Leiſtungen
nach ihrem Rechtsgrunde, nach ihrem Inhalte und nach ihrer Höhe An=
ſprüche
oder Einwendungen hergeleitet werden.
4. Der Schiedsſpruch wird von fünf Schiedsrichtern gefällt. Der
Staat und die Kirche ernennen je zwei Schiedsrichter. Ueber den Vor=
ſitzenden
werden ſich Staat und Kirche einigen.
5. Für das Verfahren vor den Schiedsrichtern gelten die Vorſchrif=
ten
der 88 1025 ff. der Zivilprozeßordnung, ſoweit ſich aus dem Inhalt
dieſer Vereinbarung nichts anderes ergibt.
Der Schiedsſpruch ſoll mit Gründen verſehen werden.

6. Der Schiedsſpruch iſt auf Grund des beſtehenden g
beſter Ueberzeugung der Schiedsrichter zu fällen. Da die 2
des Schiedsſpruchs indeſſen zeitlich begrenzt und inhaltlich ve
ſoll in ſolchen Fragen, bei deren rechtlicher Würdigung zuur
heit der Schiedsrichter einem beſtimmten Urteile zuneigt
aber ſelbſt innerhalb dieſer Mehrheit an der rechtlichen Richt
Urteils noch Zweifel übrig bleiben, eine Entſcheidung nack
nicht ausgeſchloſſen ſein. In einem ſolchen Falle müſſen.
Verhältniſſe des Staates wie die Verhältniſſe der Kirche E
Weiſe berückſichtigt werden.
7. Der Schiedsſpruch iſt endgültig. Er kann m eine
Rechtszuge nicht angefochten werden.
8. Die Koſten der Schiedsrichter werden von demienige
tragen, der ſie ernannt hat. Die Koſten des Vorſitzenden u
ſonſtige Koſten des Verfahrens tragen Staat und Kirche je.

Ausnahme=Geſetzgebung gegen deutſche St k
Aus ſtudentiſchen Kreiſen wird uns geſchrieben:
Die deutſche Oeffentlichkeit iſt von Beſchlüſſen
rechtsausſchuſſes des Reichstages überraſcht worden.
einer bisher ungekannten Einſeitigkeit eine Ausn
gebung gegen altüberlieferte Einrichtungen des deutſch,
tentums einleiten. Es iſt beabſichtigt, das ſtudenti
weſen mit mehrjährigen Gefängnisſtrafen zu belegen I
härter zu beſtrafen als gemeine Verbrechen. Damit nE
iſt als Zuſatzſtrafe vorgeſehen, daß die Betroffener
Beamtenlaufbahn für immer entfernt werden.
Es iſt mit den Grundſätzen eines Rechtsſtaates u
weite Kreiſe von Staatsbürgern unter Mißbrauch
Machtmittel nicht nur zu gemeinen Verbrechern zu
ſondern ſie durch Vernichtung ihrer bürgerlichen (
nötigen, Ueberzeugungen aufzugeben, die vielleicht ni ſ
verſtanden werden, beſtimmt aber dem ernſten Willen
und Sauberkeit entſpringen.
Wenn man auch ſoviel ſtaatsbürgerliche Einſicht
ſollte, daß die vom Rechtsausſchuß des Reichstages Jaen
Leſung gefaßten Beſchlüſſe nicht in dieſer ungeheuerl E
Geſetz werden, ſo kann andernfalls doch kein Zweiiſ
beſtehen, daß das deutſche Studententum mit aller i.
Kraft und Beharrlichkeit den äußerſten Widerſtand
Art der Geſetzgebung leiſten wird.
Dieſe Haltung iſt der ſelbſtverſtändliche Ausdruck
achtung und Rechtsgefühl, auf die jeder Deutſche ein ?
Das deutſche Studententum rechnet in dieſem ihm
genen Abwehrkampfe auf Verſtändnis und Unterſti
Volkskreiſe, die davon überzeugt ſind, daß es im
Leben bekämpfenswertere Erſcheinungen gibt als ger
gebrachte ſtudentiſche Gebräuche.

AElt MMMLOlTEMMIEIMNMAL NEIHIEI
LEANT, IST UBERRASCHT.
Sr macht aber auch alles erftaunlich billig
Der niedrige Sietz=Preis.

MOLI DIL NIEIM AOLrTA

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stadt und Prorias Hanuorar.
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Hasdelereik derLaodrietschatuns
dem Bürertam 1 Für de Werduus
ia Vordrestdentschlend ment.
beheicht.- Ergeheint geit 7 Jobren
Gpößte
Anzelgenerfolgo!

[ ][  ][ ]

mmer 336

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Seite 5

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Bei=

ſut 4

Aus der Landeshaupkftadt
Darmſtadt, 4. Dezember.
oder 5-Uhr=Ladenſchluß am Heiligen Abend?
Kandesverband des Heſſiſchen Einzelban=
Sitz Darmſtadt, wird uns geſchrieben: Herr Korell, Mini=
Arbeit und Wirtſchaft, hat vor einigen Tagen in der Preſſe
des H=Uhr=Ladenſchluſſes am Heiligen Abend Stellung ge=
Wir ſehen uns gezwungen, den dort gemachten Ausführungen
utreten, da der Herr Miniſter die Angelegenheit lediglich von
Geſichtspunkten betrachtet, die wirtſchaftlichen Bedürfniſſe
kennt, ſie zum mindeſten aber außeracht gelaſſen hat. Die
tung des Einzelhandels iſt jedenfalls nicht
worden. Mit Erſtaunen haben wir die Behauptung ge=
in
den Städten Düren, Stettin, Duisburg, Heilbronn, Hil=
Qübeck, Groß=Stuttgart, Ulm, Wilhelmshaven=Rüſtringen und
en Land Anhalt der frühere Ladenſchluß mit Erfolg durch=
f
. Dieſe Behauptung trifft nicht zu. Nicht eine einzige der
Städte hat bisher den 5=Uhr=Ladenſchluß am Heiligen
geführt. Lediglich in Stettin iſt man bereit, den 5=Uhr= Laden=
ugeſtehen
, falls ein weiterer Sonntag zum Verkauf freige=
d
. Ebenſo irrig iſt die Anſicht des Herrn Miniſters, daß
gemeinſchaft für einen früheren Ladenſchluß eintrete, weil
d9 spitzenverbänden der Induſtrie, des Großhandels und der
zankes mpfohlen habe, den Arbeitnehmern die Weihnachtsgratifi=
zorm
echtzeitig auszuzahlen, damit ſie ihre Einkäufe ohne Haſt
anen. Selbſtverſtändlich iſt der geſamte deutſche Einzelhan=
uch
der heſſiſche, der Auffaſſung, daß die Weihnachtsgeſchenke
rühzeitig und in aller Ruhe gekauft werden ſollen. Es läßt
ayn vielen Fällen gar nicht vermeiden, daß Einkäufe erſt in
tute getätigt werden. Viele, die erſt ſpät am Weihnachtstag
Heimatort eintreffen können, Verwandte und Bekannte, die
en Abend bei befreundeten Familien verbringen, Angeſtellte
te, die ihre Weihnachtsgratifikationen ſpät erhalten, alle dieſe
len oft noch Einkäufe für das Feſt beſorgen. Nimmt man
ukunft durch einen zu frühen Ladenſchluß dieſe Möglichkeit,
te ernſte wirtſchaftliche Schädigung des Publikums und der
chaft ein.
ſeihnachtszeit iſt die Hauptgeſchäftszeit im Einzelhandel. Der
el hat daher die Verpflichtung, den wirtſchaftlichen Bedürf=
zugehen
und für ausreichende Kaufgelegenheit auch an dem
(bend zu ſorgen. Die Behauptungen von außenſtehender
die Menſchen, die noch am Heiligen Abend zwiſchen 5 und
Einkäufe beſorgen, nicht zu den beſten Kunden gehören,
legt erſtandenen Waren nach Weihnachten wieder umtau=
n
, oder, daß das Geſchäft nach 5 Uhr gleich Null wäre, ſchla=
tſachen
direkt ins Geſicht und beweiſen, daß die Befürworter
n Ladenſchluſſes die wirklichen Verhältniſſe gar nicht kennen.
ns im vorigen Jahre auf Grund eingehender Erhebungen
Feſtſtellungen haben die längſt bekannte Tatſache beſtätigt,
Heiligen Abend in den beiden Stunden von 57 Uhr noch
Käufe ſowohl hinſichtlich der Warenmenge wie auch hinſicht=
alität
der Waren und der erzielten Erlöſe einen ſehr erheb=
entſatz
der ganzen Tageseinnahme ausmachen. Es liegt im
er Hausfrauen, daß dieſe beiden letzten Verkaufsſtunden
eiben, denn angeſichts der bevorſtehenden zwei Feiertage
indlich vieles vergeſſen, was am Heiligen Abend und an den
rwünſcht und notwendig iſt, ſo daß ſich dann doch in den
iden vor Geſchäftsſchluß jenes charakteriſtiſche Gedränge in
n und in den Geſchäften ergibt. Es iſt bemerkenswert, daß
ei führenden Hausfrauenorganiſationen von Hamburg die
eit des 7=Uhr=Ladenſchluſſes am Heiligen Abend anerkannt
kann nicht Aufgabe des Einzelhandels ſein, ſich den Wün=
Bedürfniſſen der Verbraucher entgegenzuſtellen und immer
Erzieher der Kundſchaft auftreten zu wollen. Was nach
ung hin geſchehen konnte, um die Verbraucherſchaft zu über=
ihr
bei frühzeitigem Einkauf beſſere Auswahl und ſorg=
dienung
zugeſichert werden kann, iſt geſchehen; keinesfalls
nan dem Einzelhandel zumuten, die Verbraucherſchaft vor
u ſtoßen und die Ladentüre zu ſchließen, wenn noch aner=
ufbedürfnis
vorhanden iſt. Die wirtſchaftliche Lage des
1s geſtattet ihm nach dieſer Richtung hin auch keine Experi=
er
iſt tatſächlich auf jeden Pfennig zwingend angewieſen,
gegenwärtig harten Ringen ſeine Exiſtenz überhaupt erhal=
nen
. Für den Ethiker, insbeſondere denjenigen, der die
Nächſten lehrt, der ſein geſichertes Einkommen bezieht, iſt
t, den 5=Uhr=Ladenſchluß am Heiligen Abend als dringendes
unſerer Zeit zu bezeichnen; er möge ſich aber einmal in
kampf hinausſtellen, dann wird ihm ſehr raſch klar werden,
Wünſche in dem erbitterten Ringen ums Daſein eben ein=
* bleiben müſſen. Woher ſoll der Geſchäftsmann das Geld
hmerz: die auf ihm liegenden enormen Laſten ſteuerlicher und
üige itur zu tragen; womit ſoll er ſein Perſonal bezahlen und
ttigen Stand erhalten, wenn ihm immer wieder zugemutet
en Annehmlichkeiten zuliebe auf einen Teil ſeiner Einnah=
z
3 ſichten? Der Einzeihandel kann ſich in die Gedankengänge
e des 5=Uhr=Ladenſchluſſes ſehr gut hineindenken, er hat
für die gefühlsmäßigen Erwägungen, die für den 5= Uhr=
an
Weihnachten ſprechen, aber er kann dieſen Wünſchen
ing tragen, weil aus realen Tatſachen heraus
glichkeit hierzu nicht gegeben iſt. Es bedeutet
ewiſſe andere Kreiſe eine große Verantwortung, wenn ſie
ber! in dieſe Angelegenheit einmiſchen zu müſſen, ohne ſelbſt
dwie betroffen zu ſein.
ſchaftlichen Kreiſe haben erkannt, daß der 7=Uhr=Ladenſchluß
Her! Abend nach wie vor eine wirtſchaftliche Notwendigkeit iſt.
die Beſtrebungen auf Einführung des 5=Uhr=Ladenſchlufſes
Ne ie Intereffen des Handels gerichtet und aus Rückſicht aaf

iſſe der Käuferſchaft entſchieden ab.
E=Ladenſchluß am Heiligen Abend. Zu dieſer Frage ſchreibt
utſchnationale Handlungsgehilfen=Verband folgendes: Vor
eits hatte ſich der D.HV. an den Einzelhandelsverband
Is der zuſtändigen Vertretung des Einzelhandels mit dem
andt, am Heiligen Abend in dieſem Jahre den 5=Uhr= Laden=
führen
. Unterm 30. November hat nunmehr die Einzel=
nigung
dieſen Antrag ohne mündliche Verhandlungen ab=
den
gleichen abwegigen Begründungen, wie in früheren
Einführung des 8= und 7=Uhr=Ladenſchluſſes bekämpft
it der Verringerung des Umſatzes. Sollten die nach dem
Stadtrats zu erwartenden Schritte des Heun Oberbürger=
ichfalls
ohne Erfolg bleiben, iſt die Entſcheidung über die
der Durchführung einer ſolchen Aenderung in die Hände
n Publikums gelegt. An das kaufende Publikum ergeht die
Einkäufe nur an Wochentagen zu tätigen, um den Nachweis
, daß ſeine Bedürfniſſe auch ohne Durchbrechung der Sonn=
den
Adbensfonntagen befriedigt werden können, und am
ir ſeine letzten Einkäufe ſo rechtzeitig vorzunehmen, daß
tsinhaber und Angeſtellte am ſchönſten Abend des Jahres
n Kreiſe ihrer Angehörigen weilen können.
innt wurden: am 23. Novzember der Gendarmeriehaupt=
auf
Probe Heinrich Stör zu Friedberg i. H. zum Gen=
ptwachtmeiſter
mit Wirkung vom 1. November 1929 ab;
ember 1929 der Polizeihauptwachtmeiſter auf Probe Emil
Neu=Iſenburg zum Polizeihauptwachtmeiſter mit Wirkung
vember 1929 ab.
Bt wurde am 26. November der Förſter Emil Oberheim
Eg in die Förſterei Lißberg des Forſtamts Konradsdorf
tar 1930 ab.

Fecht=Akademie im Städtiſchen Saalbau.
Mik Helene Mayer, unſerer großen Landsmännin, die berühmkeſten Berufs= und Amakeurſechter
Denkſchlands und Ikaliens in Darmſtadk. Eine eindrucksvolle Kundgebung: Iialiener ſalukieren die
deutſche Rakionalhymne. Ehrungen durch die Stadk Darmſtadt.

Das war eine eindrucksvolle Werbeveranſtaltung für den ritterlich=
ſten
Sport. Eindrucksvoller, als vielleicht die Veranſtalter ſelbſt in
kühnſten Träumen hofften. Der Saalbau völlig ausverkauft, und viele,
ſehr viele Platznachfragen noch mußten ablehnend heſchieden werden.
Eine Senſation und doch mehr als das. Senſation gewiß!
Es iſt ſchon von ſtarkem Intereſſe, das hübſche ſchlanke Sportgenie,
unſere Landsmännin
Helene Mayer,
die die deutſchen Farben ſiegreich der
Welt vorantrug, kennen zu lernen von
Angeſicht zu Angeſicht, und zu ſehen, was
ihre blonde Schlankheit (faſt Vollſchlank=
heit
!) und ſchlanke Schönheit ſportlich
leiſtet auf einem Sportgebiet, das ureigent=
lich
männliche Domäne iſt. Helene Mayer,
für die das verfloſſene Oberhaupt der
Reichshauptſtadt eine ſo glänzende Welt=
reklame
gemacht durch das bekannte
Auftrittsverbot.
Da war dann unſer Oberbürgermeiſter
Mueller geſtern abend denn doch lie=
benswürdiger
. Und er hat allen Beſuchern
der ſchönen Veranſtaltung wohl aus dem
Herzen geſprochen, als er der gefeierten
jungen Sport=Weltmeiſterin herzlichſt
Worte des Dankes ſagte dafür, daß ſie
uns Gelegenheit gab, ſie auch in Darm=
ſtadt
kennen zu lernen und ihre Kunſt
bewundern zu können. Und mehr noch,
als er nach überreichung eines ſichtbaren
Andenkens an ihr Darmſtädter Auftreten
in Geſtalt eines Bildes von Vale Lam=
berger
(Darmſtädter Motiv) neben all
ihrem Können als ſchönſte Tugend ihre
Beſcheidenheit rühmte. Und als
der Oberbürgermeiſter der Hoffnung Aus=
druck
gab, daß ſie in all dem Glanz, der
ſie als Sport=Weltgröße ſo oft umgab
und umgibt, ſich die Beſcheidenheit be=
wahren
möge, die ihrer blonden Schönheit ſo gut ſteht und die
ſo deutſch iſt! Der Schönheit, die uns allen aus vielen Bildern,
gleich dem nie fehlenden weißen Verband, bekannt iſt, und aus begeiſter=
ten
Schilderungen, die aber durch die Wirklichkeit weit übertroffen
wurde. Mit lebhaftem Händeklatſchen ſtimmten die Beſucher der
man darf mit Fug und Recht ſagen Feſtverſammlung zu. Auch
den weiteren Auszeichnungen, die von der Stadt verliehen wurden:
der Ehren=Preismünze für den deutſchen Meiſter Herrn Löffler
und für den Vorſitzenden des Darmſtädter F.C. Herrn Steffan!
Damit haben wir bewußt den Schluß der Veranſtaltung vorweg ge=
nommen
. Verbleibt noch in Ergänzung des Vorgeſagten zu konſtatie=
ren
, daß doch wohl ein ſehr ſtarkes, ausgeprägtes Sportintereſſe
ſo viele Darmſtädter in den Saalbau zog. Nicht nur Helene Mayer,
die Vielgefeierte. Beweis: der ſpontane Beifall, der vielfach auch an=
deren
Fechtern geſpendet wurde, oft bei offener Szene‟!
Wunſchgemäß war die Mehrzahl der Beſucher der Fechtakademie
in großer Toilette erſchienen. Es machte Eindruck. Das ganze offizielle
und zum großen Teil das geſellſchaftliche Darmſtadt war anweſend.
An der Spitze Miniſter Leuſchner. Staatspräſident Adelung
war verhindert und hatte dafür Helene Mayer und ihre Eltern am
Nachmittag zum Tee geladen, an dem auch Finanzminiſter Kirnber=
ger
und Schulrat Haſſinger teilnahmen.
Herzliche Begrüßungsworte ſprach der Vorſitzende des Darmſtädter
Fechtklubs, Herr Direktor Steffan. Gruß und Willkomm und Dank
entbot er den Beſuchern und den Fechterinnen und Fechtern. Und ſprach
die Hoffnung aus, daß der Abend die erſte derartige Vorführung
in Darmſtadt dem Sport, der nun ſtärker an die Oeffentlichkeit
trete, dafür aber wie kaum ein anderer Erziehungsmittel des ganzen
Menſchen, für Geiſt und Körper, ſei, Verſtändnis wecken und Freunde
werben möge. Dank den Sportfreunden, die ſich in den Dienſt der Wer=
bung
ſtellten, und Dank vor allem der Weltberühmtheit Helene Mayer!
Für die Fechtkunſt ſelbſt aber ſollen nicht Worte, ſoll ſie ſelbſt
werben!
Schneidige Marſchmuſik eines Gymnaſiaſtenor heſters unter der Lei=
tung
des Schülers Fitting ſpäter ſpielte das tapfere Orcheſter ſo=
gar
ohne Dirigenten leitete zu den
Fechtvorführungen
über. Das reiche Programm war geſchickt aufgebaut und brachte ſtete
Steigerung der Kunſt und Gewandtheit. Zunächſt zeigte Herrn Stef=
fans
Jüngſter Karl Heinz (9 Jahre!), wie ein zukünftiger Weltmeiſter
anfangen muß. Die Florettſchule, die ſein Fechtmeiſter Angelini
mit ſeinem jüngſten Schüler zeigte, war intereſſant und inſtruktiv. Dann
ein Florettgang zwiſchen Frl. Niebel und Frl. V. Engel. Schnei=
dig
, gewandt und elegant. Schwer zu ſagen, wer ſportlich überlegen,
wenn auch Frl. Niebel die meiſten Treffer erhielt. Schärfer war der
Gang zwiſchen den Herren Klingler, GBensheimer F.C.) und Dr.
H. Roth=Darmſtadt, ebenfalls auf Florett. Und wieder eine Steige=
rung
in dem ſcharfen Treffen, das ſich die Herren Fr. Müller= Darm=
ſtadt
und Moos=Frankfurt (der für den im Flugzeug bei Erfurt not=
gelandeten
Herrn R. Sommer einſprang) auf Degen lieferten.
Der Darmſtädter Fechter hatte einen ſchweren Stand, behauptete ſich
aber tapfer und gut.
Dieſer Gang auf Degen, der ſchwereren Waffe gegenüber dem leich=
ten
biegſamen Florett, leitete über zur ſchwerſten Fechtwaffe, die gezeigt
wurde, zum Säbel. Hier zeigte zunächſt wieder Fechtmeiſter Ange=
lini
mit Herrn L. Anton inſtruktive Schule mit Anfordern der
verſchiedenen Hiebe und Korrekturen. Der Schule folgte ein ernſter

und ſchwerer Gang auf Säbel zwiſchen Herrn W. Löffler und
Moos=Frankfurt, der vielmals im Laufe des Abends ſeine reife
Fechtkunſt gerade in dieſer Waffe bewies.
Der Schluß des erſten Teiles bildete ein prachtvolles Floxettfechten
zwiſchen den beiden italieniſchen Meiſtern Nadi=Livorno und
Angelini. Blitzartig fielen Hieb und Stich, mit der Klinge pariert

oder mit katzengleicher Gewandtheit ausgewichen. Die ſchlanke Beweglich=
keit
, das ſprühende Temperament und die von den deutſchen Fech=
tern
vermiedenen anfeuernden gegenſeitigen Zurufe bildeten ſtarke
Spannungsmomente.
Nach kurzer Pauſe, wiederum durch das Orcheſter ausgefüllt, traten
die Meiſter
an. Zunächſt wieder Florett! Frl. Lizzi Merz=Rüdesheim, eine
für den Gegner beſonders gefährliche Linksfechterin, und Frl. K.
Jordan=Darmſtadt, 2. und 4. Siegerin aus Senioren=Tournieren
des Deutſchen Fechtverbandes, lieferten ein intereſſantes und ſchneidiges
Treffen. Dann wieder Herr H. Moos, der deutſche Degenmeiſter
1929, und der Degen=Altmeiſter E. Schön=Frankfurt, einer der älte=
ſten
deutſchen Meiſter, in einem Gang auf Degen. Schön, der Ruhige,
Abwartende, Moos, der oft ſtürmiſche Angreifer; Schön aber, der
Ueberlegene, mit Finten Herausfordernde und geſchickt Blößen aus=
nutzend
, Treffer ſchlagende.
Herr Müller=Darmſtadt ſprang dann wieder für Sommer ein
nud lieferte uns ein ſehr temperamentvolles, intereſſantes Treffen mit
W. Löffler=Frankfurt, dem Altmeiſter der D.T., in dem er ſich gut
behauptete.
Dann endlich Helene Mayer!
Mit herzlichem Beifall begrüßt. Leider hatte ihr ernſterer Gegner, ihr
Lehrer Fechtmeiſter Gazzera, abgeſagt. Aber auch Fräulein Hein=
Wiesbaden, deren ſchlanke Schönheit ihr kaum nachſteht, war eine Geg=
nerin
von immerhin der Art, daß die ganz eigene Klaſſe der jungen
Weltmeiſterin ſich immerhin entfalten konnte. Mehr noch war das
allerdings in dem zweiten Treffen der Olympia=Siegerin mit dem ita=
lieniſchen
Meiſter Marey der Fall, der Helene Maher hart bedrängte,
ſie faſt ſtändig in der allerdings meiſterhaft geführten Verteidigung
hielt und ſelten zum Angriff Raum ließ. Die Eleganz der Bewegun=
gen
dieſer trainierten Körper, das Temperament der Ausfälle und Pa=
raden
, die blitzartige Schnelligkeit der Waffenführung ließen dieſe
Gänge zum äſthetiſchen Genuß anſteigen. Ließen den Sturm der
Begeiſterung verſtehen, und die
ſpontane Kundgebung,
die dieſes Auftreten auslöſte: Als Helene Maher zum ſoundſovielten
Male vor den Vorhang gerufen wurde, ihre Gegner mit erſcheinen
mußten, die Feſtverſammlung ſich erhob und das Deutſchlandlied ſang.
Mit Helene Mayer und den deutſchen Meiſtern ſalutierten auch die
Italiener die deutſche Nationalhymne. Jene mit erhobener, dieſe mit
geſenkter Waffe, alle aber ſichtlich von dem Ernſt der Minuten tief
gepackt.
Blieben noch zu erwähnen ſchöne und intereſſante Treffen, die ſich
der deutſche Säbel=Meiſter Herr Thomſon=Offenbach, mit dem
2. Sieger der Deutſchen Meiſterſchaft dieſes Jahres, Herrn Moos, auf
Säbel, die beiden Altmeiſter E. Schön und M. Steffan, ſeit
35 Jahren Fechtkameraden, auf Florett lieferten, und dann das letzte
und ſportlich bedeutendſte und intereſſanteſte Treffen der Herren Ne=
do
=Nadi=Livorno (dreifacher Weltmeiſter und Olympiaſieger) und
Hans Thomſon=Offenbach auf Säbel. Das war ſchon eine ernſte
und ſchöne Sache. Zwei Gegner von beinahe gleichem Können,
wenn auch die Ueberlegenheit des Italieners leicht erkennbar. Beide
aber von gleicher Ritterlichkeit und muſterhafter ſportlicher Gewandtheit
und Diſziplin.
Die Beſucher bereiteten, den Fechtern bis zum Schluß herzliche
Ovationen.
M. St.

Muſikverein. Der Kartenverkauf zum zweiten diesjährigen.
Konzert, Liederabend von Profeſſor Albert Fiſcher am Montag, dem
16. Dezember, im Städtiſchen Saalbau, beginnt am Montag, dem 9. De=
zember
, bei Konzert=Arnold, Eliſabethenſtraße. Die aktiven Chormit=
glieder
werden gebeten, ihre Karten zu dieſem Konzert in den nächſten
Proben in Empfang zu nehmen.

2 Oastspiele

Heute Horgen
19.30 Uhr
Davids Krone ! Der Schatz

im Großen Haus

(19075

Bielefelder Taschentücher in eleg. Geschenkpackun-
gen
. Biligste Preise!
Ein Posten Rein- u. Halbleinen-Taschen-
25%0 Unter Preis
tücher mit kleinen Schönheitsfehlern
Heinrich Bauer I5., Ludwigsplatz 1. 19040

Lokale Beranſtalkungen.

Sportplatz=Reſtaurant und Kaffee am Böl=
lenfalltor
. Beachten Sie bitte die Anzeige in der heutigen Nr.
Ueber das neuzeitliche pädagogiſche Thema Kind und Frei=
körperkultur
ſpricht am Freitag, abends 8.15 Uhr, im Feierabend=
Saal (Stiftſtraße 51) die in Darmſtadt bereits bekannte Schriftſtellerin
Frau Mülhauſe=Vogeler aus Frankfurt a. M. Jugendbewegung, Leh=
rer
, Eltern und Erzieher können nicht umhin, ſich mit dieſem Thema
auseinanderzuſetzen, wenn ſie die Grundgedanken der Erziehungsbeſtre=
bungen
unſerer Zeit verſtehen wollen.

uusſchlag, Pickel,
Ekzeme, Miteſſer uſw.
Wie man ſie beſeitigt.
Von Spezialarzt Dr. med Woltzer.
Pickeln, Puſteln, Wimmerln, Acne vulgaris,
me, die beſonders bei jüngeren Leuten beiderlei
raus häufig auftretenden Hautübel, werden von
weifelnden Opfern mit allen nur erreichbaren
Vortrefflich bewährt hat ſich nach meinen Er=
es
Verfahren: Man nehme ein Stück Zucker’s
zinal=Seife, reibe mit der Hand oder
iner naſſen Bürſte, einem naſſen Pinſel und der=
viel
dicken Schaum, läßt ihn evtl. noch einige

Zeit ſtehen, bis er ſo dick iſt wie Brei, Salbe oder Sirup und
trägt ihn dann leicht ohne zu reiben, auf die zu be=
handelnden
Hautſtellen auf. Am beſten geſchieht das Auftragen
des Abends, damit der Schaum genügend Zeit hat, auf der Haut
einzutrocknen und die Nacht über liegen bleiben kann, Morgens
erweicht man ihn mit etwas Waſſer, ſpült ihn dann leicht ab und
trocknet hierauf die Haut, ohne zu reiben oder zu frot=
tieren
, ſanft mit einem weichen Tuch. Nachher ſtets die Haut
mit Zuckooh=Creme, die ebenſo wie Zucker’s Patent=
Medizinal=Seife in jeder Apotheke. Drogerie und Par=
fümerie
zu haben iſt nachbehandeln. Dieſe Prozedur, richtig durch=
geführt
, ſchafft in Kürze reine und geſunde Haut und verjungt
um Jahre.

Man ſchreibt uns aus Paris: Die neuen Eeaur de Co=
logne
von dAmalon, Paxis, ſind die letzte Vollendung
des perſönlichen Stils der verwöhnten Frau unſerer Zeit. Den
gleichen verwirrenden, geheimnisvoll=verführeriſchen Zauber, der

den Parfüms von d’Amalon innewohnt, atmen auch dieſe neu=
geſchaffenen
Eaux de Cologne, die mit ihrem köſtlichen Duft eine
ſo wunderbar belebende Kraft verbinden. Einige Tropfen nur
und das Gefühl der Abſpannung iſt überwunden.
(TN.237

Für die berufstätige Frau
bedeutet die Pflege mit Zuckooh=Creme eine köſtliche Er=
friſchung
. Die heilſamen Beſtandteile der Zuckooh=Creme dringen
ſogleich in die Poren ein, führen, der ermatteten Haut neue Nähr=
ſtoffe
zu, machen ſie wieder ſtraff und geſchmeidig und verleihen
ihr Schönheit und Geſundheit bis ins ſpäteſte Alter. Weil Zuckooh=
Creme ſofort reſtlos in die Haut eindringt, ohne Fettſpuren zu
hinterlaſſen, eignet ſie ſich für die Schönheitspflege beſſer als fet=
tige
Cremes. Fettige Haut wirkt unäſthetiſch, fettige Hände wer=

den überall unangenehm empfunden.
das Zuckooh=Creme nicht führt.

Es gibt kein Fachgeſchäft,

[ ][  ][ ]

Seite 6

Mittwoch, den 4 Dezember 1929

Nummer 33

Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Erſtes Gaſtſpiel des
bebräiſchen Künſtlertheaters Habima (Moskau).
Heute Mittwoch bringt die berühmte hebräiſche Schauſpiel=Truppe
Habima um 19.30 Uhr im Großen Haus außer Miete die Tragödie
Davids Krone (nach Calderon) zur Aufführung. Morgen
Donnerstag findet um 19.30 Uhr das zweite Gaſtſpiel der Habima mit
der Tragiefarce Der Schatz (nach Scholem Aleichem) ſtatt. Durch
unermüdliche Kollektivarbeit und durch echte Begeiſterung für ihre be=
ſondere
künſtleriſche Miſſion konnte die Habima ihre unvergleichlichen
darſtelleriſchen Leiſtungen erreichen, die jeder echte Theaterfreund ge=
ſehen
haben muß.
Lady Fanny und die Dienſtbotenfrage eine ganz
gut mögliche Geſchichte von Jerome K. Jerome, kommt heute Mitt=
woch
um 19.30 Uhr im Kleinen Haus zur Wiederholung. Lady Fanny:
Beſſie Hoffart. In den übrigen Hauptrollen: Jürgas, Nürnberger,
Carlſen, Gothe, Maletzki, Keßler, Wigandt, Conradi, Mosbacher,
Schindler. (Zuſatzmiete II und Miete T, Gruppe 1 Nr. 150.)
La vida breve, Kurzoper von Manuel de Falla, und Die
Hochzeit in Cremona, eine Tanzpantomime mit Muſik von
Glinka, werden morgen Donnerstag um 20 Uhr im Kleinen Haus erſt=
mals
wiederholt. (Zuſatzmiete III und Miete T, Gruppe 2 Nr. 51100.)
In Abänderung des Wochenſpielplans geht Sonntag, den 8. Dez.,
im Kleinen Haus anſtelle der angekündigten Vorſtellung Der Barbier
von Sebilla Flotows Oper Martha in Szene. Dieſe Vorſtellung
iſt der Heſſenlandmiete II zugeteilt; eine Aufführung für die Zuſatz=
miete
II findet an dieſem Tage nicht ſtatt=
5. Akademie=Konzert. Meiſterdes 17. und 18. Jahr=
hunderts
betitelt ſich das 5. Akademiekonzert, das Donnerstag,
den 5. Dezember, 17 und 20 Uhr, im Großen Saale des Städtiſchen
Saalbaues ſtattfindet. In der erſten Abteilung kommen der Franzoſe
Grötry mit einer Ballett=Suite und der Italiener Marcello mit einer
Altkantate (Erſtaufführung) zu Gehör. Die zweite Abteilung iſt Joh.
Seb. Bach und ſeinen Söhnen Philipp Emanuel und Johann Chriſtian
gewidmet. Begegnet das Programm an ſich ſchon allgemeinem Inter=
eſſe
, ſo ſteht noch ein beſonderer Kunſtgenuß durch die Soliſtin des
Abends Paula Lindberg (Berlin) bevor. In den vorliegenden
Preſſeſtimmen werden die warme, äußerſt kuſtivierte Altſtimme, die
herrliche Ausſprache und die muſikaliſche Intelligenz der Künſtlerin ein=
ſtimmig
bewundert. Paula Lindberg iſt eingeladen, im März 1930 in
Genf im Rahmen der dortigen Bühnenfeſtſpiele im Ring zu gaſtieren.
Karten von 1,50 bis 6 Mk. im Sekretariat der Städtiſchen Aka=
dewie
für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36, Fernruf 3500.
Mozart=Verein. Das Jubiläums=Feſtkonzert des Mozart=
Vereins zu Ehren des Kapellmeiſters Friedrich Rehbock ſtellt
den Verein vor beſondere Aufgaben. Den Höhepunkt des Abends ſtellt
die Wiedergabe der Tageszeiten von Richard Strauß dar. Hier
malt der große Könner mit Männerchor und großem Orcheſter die Stim=
mung
, die aus vier Eichendorff=Gedichten ſpricht: Der Morgen
Mittagsruh‟, Der Abend und Die Nacht‟. Das Werk, ob ſeiner
geſteigerten Schwierigkeiten ſelten aufgeführt, hat immer ſtarken Bei=
fall
ausgelöſt, zum erſten Male in Wien bei der Aufführung des Wiener
Schubert=Bundes. Der ehemalige Dirigent des Mozart=Vereins,
Willem de Haan, wird in demſelben Konzert durch ſein Grab
im Buſento geehrt. Hinzu treten drei Geſänge für Männerchor und
großes Orcheſter von Siegmund von Hausegger: Schmied
Schmerz Schlachtgeſang Totenmarſch Auf den Soliſten, den
unvergeſſenen Heinrich Hölzlin, freuen ſich die Verehrer ſeiner
Kunſt. Näheres in den Anzeigen.
Nerother! Schon oft erfreuten uns die Nerother mit ihren
herzerfriſchenden Lichtbildervorträgen und ihren feinen Liedern. Auch
morgen Donnerstag wird Herr Karl Oelbermann über die Erlebniſſe
und Eindrücke einer Fahrt quer durch Sowjet=Rußland, die die Ne=
rother
im Jahre 1928 unternahmen, an Hand zahlreicher ſehr guter
Aufnahmen berichten. Deutſche und ruſſiſche Volkslieder, geſungen von
Teilnehmern dieſer Fahrt, werden den Abend verſchönern. Wir ver=
weiſen
auf die heutige Anzeige.
Orpheum. Abſchieds=Vorſtellung. Heute Mittwoch,
abends 8.15 Uhr, geht als letzte Aufführung der Operetten=Gaſtſpiele
die Johann Strauß=Operette Wiener Blut in Szene, worin ſich
die beliebten Darſteller Friedel Gierga, Ellen van Kaik
verabſchieden. Von Donnerstag bis einſchließlich Samstag iſt das
Orpheum wegen Vorbereitung für das Piscator=Gaſtſpiel ge=
ſchloſſen
. (Siehe Anzeige.)
Märchentheater. Das am Sonntag, 1. Dezember, bei groß
und klein mit großem Beifall aufgenommene Märchen Der Froſch=
könig
, ſowie das Weihnachtsſpiel mit dem Knecht Rupprecht
muß wegen Vorbereitungen für die Piscatorbühne heute Mittwoch, den
4. Dezember, aufgeführt werden. Die Vorſtellung beginnt diesmal um
4 Uhr, und iſt dies die letzte Aufführung. Kartenverkauf Verkehrsbüro
und de Waal. Preiſe von 40 Pfg. an. Schickt Eure Lieben in die
letzte Aufführung des Froſchkönigs‟ Es wird beſonders darauf hin=
gewieſen
, daß am Sonntagnachmittag keine Kindervorſtellung ſtatt=
findet
. Kaſſenöffnung 2 Uhr. (Siehe Anzeige.)
Petrusgemeinde (Männer=Vereinigung). Ueber das Thema
Uebergangs= oder Untergangserſcheinungen? im
Ehe= und Familienleben von heute wird Herr Pfarrer
Weiß in der nächſten Monatsverſammlung der Männer=Vereinigung
am Donnerstag, 5. Dezember, abends 8.15 Uhr, ſprechen. Brennende
Zeitfragen werden hierdurch berührt, die es wert ſind, durch eine er=
giebige
Ausſprache unter Männern geklärt zu werden. Jeder evange=
liſche
Mann ſollte bereit ſein, hierbei mitzuhelfen. Es ſeien deshalb
nicht nur die Mitglieder der M.=Vgg., ſondern alle evangeliſchen Män=
ner
herzlich zu diefer Verſammlung eingeladen.
Der Vorſtand der Vereinigung von Freunden der Techniſchen
Hochſchule ſowie der Vortragsgemeinſchaft techniſch=wiſſenſchaftlicher
Vereine zu Darmſtadt bittet ſeine Mitglieder um zahlreichen Beſuch
des heute Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8 Uhr, im Hörſaal 326
der Techniſchen Hochſchule ſtattfindenden Vortrags Rickmers über
die Alai=Pamir=Expedition. (Siehe Anzeige.)
Volkshochſchule. Am Dienstag, den 10. Dezember, ſetzt Herr
Bruno Herzberg=Herken ſeine Vorleſung über Neueinſtu=
dierungen
auf dem Gebiete der Oper am Heſſiſchen Landestheater mit
einer Beſprechung von Intermezzo und Neues vom Tage‟
fort. Bei ſeiner erſten Vorleſung über: Dreigroſchenoper hat ſich an
das Referat eine längere anregende Diskuſſion angeſchloſſen, und es
bleibt zu hoffen, daß auch der kommende Abend ein recht intereſſanter
werden wird. Wie das letztemal, wird Herr Herzberg=Herken muſika=
liſche
Proben von dem Werk geben und wird wiederum von Ilſe
Reichenbach unterſtützt.
Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Am kommenden Sonn=
tag
findet die letzte Wanderung im Jahre 1929, mit dem Endziel
Alsbach, ſtatt. Die Vorbereitungen laſſen darauf ſchließen, daß ſie
einen guten Abſchluß des Wanderjahres bildet. Das Dekorierungs=
feſt
iſt am 11. Januar in der Turnhalle am Woogsplatz. (S. Anz.)
Chriſtlicher Verein Junger Männer, Darmſtadt, e. V. Heute
abend findet in unſerem Heim, Alexanderſtraße 22, um 8.30 Uhr Bibel=
beſprechſtunde
für junge Männer ſtatt, in der das Leben Jeſu nach
den Richtlinien, die der Weltbund für die ganze Erde herausgegeben
hat, beſprochen wird. Das Thema des heutigen Abends lautet: Das
letzte Gericht (Matth. 25, Vers 3146). Nach jeder Stunde iſt
Gelegenheit zur Ausſprache gegeben. Eintritt frei.
Stenographie. Es ſei an dieſer Stelle auf die am Freitag, den
6. Dezember, im Unterrichtslokal der Stenographen=Vereinigung Ga=
belsberger
, Handwerkerſchule Ecke Karl= und Nieder= Ram=
ſtädter
Straße, beginnenden neuen Anfänger=. Rede=
ſchrift
= und Fortbildungskurſe aufmerkſam gemacht. Der
Unterricht erfolgt durch ſtaatlich geprüfte Lehrer der Stenographie.
Ratenzahlung des Unterrichtsgeldes geſtattet. Anmeldungen in der
erſten Stunde. (Siehe geſtrige Anzeige.)

Konſervierung von Fukkerkarkoffeln.

Durch die Baukoſtenzuſchüſſe, die aus Mitteln des Reichsnot=
programms
im vergangenen Frühjahr für den Bau von feſten Kar=
toffeleinſäuerungsgruben
zur Verfügung geſtellt werden konnten, hat
dieſe Form der Konſervierung von Futterkartoffeln in zahlreichen Be=
trieben
in Heſſen Eingang gefunden. Alle Landwirte, die in den
Sommermonaten eingeſäuerte Kartoffeln verfüttern konnten, lernten die
Annehmlichkeiten dieſer Fütterung kennen, und mancher faßte den Ent=
ſchluß
, ſeine Gruben zu erweitern, um möglichſt viel Kartoffeln in die=
ſer
Form konſervieren und dieſelben längere Zeit füttern zu können
Die Vorzüge der Einſäuerung beſtehen darin, daß die Kartoffeln da=
durch
in eine haltbare Dauerkonſerve übergeführt werden, die bei rich=
tiger
Durchführung und luftdichtem Abſchluß bis in den Spätſommer,
ja ſelbſt jahrelang aufbewahrt werden kann, ohne daß Verluſte durch
Keimung, Fäuln’s und dergleichen entſtehen. Ein weiterer Vorzug
liegt in der beſſeren Arbeitsverteilung, da die Kartoffeln vor der Ein=
bringung
in die Gruben jetzt in der ruhigen Winterszeit gewaſchen und
gedämpft und bei der Verfütterung ſpäter gebrauchsfertig daraus ent=
nommen
werden. Durch das fortlaufende Dämpfen größerer Kartoffel=
mengen
wird zudem an Brennſtoffen geſpart, weil ein jeweiliges neues
Anheizen des Keſſels vermieden wird.
Um alle dieſe Vorzüge möglichſt vielen Landwirten zugute kommen
zu laſſen, hat die Landwirtſchaftskammer wiederholt auf die Gewäh=
rung
der Zuſchüſſe aufmerkſam gemacht. Wie wir heute hören, wurde
durch eine erneute Eingabe an das Miniſterium auch erreicht, daß die
Friſt für die Gewährung des Zuſchuſſes, die am 1. September d. J. ab=
lief
, noch um eine kurze Zeit, und zwar bis 1. Januar 1930, verlän=
gert
wurde. Es kann daher nur allen Landwirten, die größere Kar=
toffelmengen
für die Fütterung im kommenden Frühjahr und Sommer
aufbewahren wollen, dringend geraten werden, ſich eine oder mehrere
Kartoffeleinſäuerungsgruben zu bauen und hierfür den Zuſchuß in An=
ſpruch
zu nehmen, mit dem faſt ein Drittel der Baukoſten gedeckt wer=
den
kann. Ueber Einzelheiten erteilt die Ackerbau= und Grünland=
abteilung
der Landwirtſchaftskammer, Darmſtagt, Rheinſtraße 62, bereit=
willigſt
Auskunft. Eine Bauſkizze kann vom Bauamt der Landwirt=
ſchaftskammer
bezogen werden. Es ſei aber ausdrücklich darauf hin=
gewieſen
, daß nur bei in dieſem Jahre fertiggeſtellten Gruben noch
mit einem Zuſchuß gerechnet werden kann. Dringende Eile iſt daher
geboten.

Die erſte deutſche Spitzbergen=Expedition nach dem Kriege unter
Leitung des Herrn Dr. Grotewahl=Kiel hatte die Aufgabe, das
unerforſchte Norweſt=Spitzbergen zu durchqueren. Mit Schlitten und
Faltbooten, zuletzt mit Seil und Steigeiſen, müſſen ſich die kühnen
Forſcher ihren Weg bahnen. Die höchſten Anforderungen ſtellt dieſer
Marſch über verſchneite Gletſcher und endloſe Schneefelder an die
Teilnehmer. Das Gletſchergewirr hält die Teilnehmer gefangen. Fünf=
undfünfzig
Stunden durch Schneeſturm geht es vorwärts. Doch das
Ziel, die Red= und Liefdebucht, wird erreicht. Dieſe Expedition drehte
den erſten deutſchen Polarfilm, oft unter den ſchwierigſten Verhältniſ=
ſen
. Prachtvolle Bilder zeigen die Schönheiten des hohen Nordens.
Wunder ungeahnter Schönheiten der einſamen Eis= und Gebirgswelt
ſind aufgenommen. Dieſer Film, der als erſtklaſſiger Kulturfilm an=
erkannt
iſt, wird am 5. Dezember in der Turnhalle vorgeführt. Dr.
Grotewahl, der kühne Expeditionsleiter, ſpricht. Nachmittags 17 Uhr
findet eine Schülervorſtellung ſtatt, zu der Schüler nur einen Ein=
trittspreis
von 30 Pfg. zahlen. Aber auch die Preiſe der Abendvor=
ſtellung
ſind ſehr niedrig, wie aus der heutigen Anzeige erſichtlich iſt.
Vortrag Dr. Filchner. Die Nachfrage nach Karten zu dem
Tibetbörtrag von Filchner iſt erfreulicherweiſe ſehr groß, ins=
beſondere
für die numerierten Plätze. Es dürfte ſich deshalb empfeh=
len
, möglichſt den Vorverkauf in Anſpruch zu nehmen. (S. Anz.)
Die Piscatorbühne im Orpheum. Die am Sonntag, den 8.,
Dienstag, 10., Mittwoch, 11., und Donnerstag, 12. Dezember, im Rah=
men
eines Gaſtſpieles der Piscator=Bühne Berlin ſtattfindenden Erſt=
aufführungen
des Schauſpiels § 218 kommen in den Original=
Dekorationen, die bei allen Fachleuten größte Bewunderung erweckte,
zur Aufführung. Der Entwurf der Bühnenbilder ſtammt von dem
langjährigen Mitarbeiter Piscators Traugott Müller, der ſich
einen europäiſchen Namen ſchuf durch ſeine kühnen, bahnbrechenden
Inſzenierungen zu Hoppla, wir leben, Raſputin und Der brave
Soldat Schwejk. (Siehe Anzeige.)

Aus den Parkeien.

Deutſche Volkspartei, Jugendgruppe. Heute
Mittwoch, abends 8.15 Uhr, Gruppenabend im Reſtaurant Gutenberg
(Grafenſtraße).

SO

SG.

J. Griesheim, 3. Dez. Für die am Samstag und Son=
ſtattgefundene
und vom hieſigen Kleintierzuchtverein veranſtal=

vinzial=Geflügelſchau, verbunden mit einer Provinzial=Kan;
=Kanarienſchau, ſtand unter dem Protektorat des Herrn Di
Seeger vom Landwirtſchaftsamt Darmſtadt. Am Samstag
begrüßte zunächſt der Vorſitzende des hieſigen Kleintierzug
Gaſthaus Zum grünen Laub die erſchienenen Ausſtellungsh
insbeſondere die geladenen Gäſte, wobei er die Bedeutun
ſtellung in gebührender Weiſe hervorhob. Im Anſchluß an
ßung nahm Herr Rektor Brohm aus Darmſtadt im Namen
desverbands der Geflügelzüchter das Wort. Er begrüßte
den Beſchluß des hieſigen Kleintierzuchtvereins bezüglich Ue
der Ausſtellung und ſprach ſich über Arrangierung und Au=
objekte
in überaus anerkennender Weiſe aus. Hierauf e
einer kurzen, den Zweck der Veranſtaltung hervorhebenden
die Eröffnung der Ausſtellung durch Herrn Beigeordneten
Der ebenfalls erſchienene Herr Dr. Rothert von der Lande
kammer in Darmſtadt wies dann ebenfalls noch in ſachver
Ausführungen auf die volkswirtſchaftliche Bedeutung der ar
zucht hin. Nach Beendigung der offiziellen Feier vereinigten
Ausſtellungsleitung mit den geladenen Gäſten zu einem gem
Beiſammenſein, verbunden mit Feſteſſen im Reſtaurant Zum
hof‟. Die geſamten Veranſtaltungen: Kaninchenſchau im Ka
Geflügelſchau im Grünen Laub und Kanarienſchau im
haus nahmen in jeder Weiſe einen der Bedeutung entſprechen
glänzenden Verlauf, wobei noch ein am Samstag nachmittae
im Grünen Laub von Herrn Lehrer Boller gehaltener Vortre
Jungkücken=Aufzucht und =Fütterung und =Pflege im allgemein
vorzuheben iſt.
Aa. Eberſtadt, 3. Dez. 30 Jahre Geſangverein
ſitzender. Der 1. Vorſitzende des Geſangvereins Germanio
ſtadt (Mitglied des Heſſiſchen Sängerbundes), Schreinermeiſter
rich Kölſch, kann in dieſen Tagen auf ein ſeltenes Jubiläum
blicken. Er gehört nämlich dem Verein, deſſen Mitbegründer
iſt, 35 Jahre als Mitglied an. Außerdem iſt er jetzt 30 Jah
ſitzender. Während dieſer Zeit hat es Friedrich Kölſch verſtande
erfolgreich den Verein zu leiten. Wegen ſeines leutſeligen We
freut er ſich in Verbindung mit ſeinem großen Intereſſe für die
ſache großer Beliebtheit. Wie verlautet, findet ihm zu Ehr
Samstag dieſer Woche (im Gaſthaus Zur Roſe) eine Familie
menkunft ſtatt. Vorſitzender Kölſch feiert in der nächſten Wock
55. Geburtstag.

F Eberſtadt, 3. Dez. Arbeitsvergebung. Die Arbe
die Chauſſierung im Weinweg ſollen im Submiſſionswege vergel
den. Angebotsunterlagen ſind bei den Gemeinde=Bquamt e
Die Angebote ſind bis ſpäteſtens Dienstag, den 10. Deßembe
mittags 3 Uhr, bei der Bürgermeiſterei einzureichen.

Cp. Pfungſtadt, 3. Dez. Der Frauenverein hält a
nerstag, dem 5. Dezember, und Sonntag, dem 8. Dezember, in
niſchen Hof einen Theaterabend ab. Der Unterhalt
abend des Turnvereins, der am Samstag abend im Rheiniſck
zur Abhaltung gelangte, erfreute ſich eines guten Beſuches. Tur
muſikaliſche und geſangliche Darbietungen wechſelten miteinar
Für den Humor ſorgte ein kleines Theaterſtück. Odenwal
Die hieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs unternahm am Sonr
erſte Wanderung nach dem neuen Wanderplan. Es handelte
eine Nachmittagswanderung, die durch die Malcher Tanne r
Frankenſtein führte. Der Rückweg wurde über Eberſtadt genon
Der Verkehrsverein Pfungſtadt hat, einem dringenden B.
entſprechend, eine weitere Frühfahrt nach Darmſtadt eingelee
Omnibus für dieſe Fahrt verläßt Hahn früh um 6.4 Uhr, g
Eſchollbrücken und trifft um 7.30 Uhr in Darmſtadt ein.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 3. Dez. Außerordentlich
meinderatsſitzung. Der in letzter Sitzung vertagte
Vergebung der neuerbauten Häuſer in der Hochſtraße bil=
Gegenſtand der heutigen Tagung. Gemeinſam mit der Wohnr
miſſion kam man zu dem Beſchluß, die Häuſer möglichſt ſo zu
ten, daß damit der dringendſten Wohnungsnot geſteuert wir
dieſem Geſichtspunkt aus betrachtet, iſt auch der Beſchluß zu t
daß die Gemeinde zwei von den ſechs Häuſern in eigener Reg
zur Unterbringung ſolcher Mieter, die aus begreiflichen Grün!
gut bei Privaten untergebracht werden können. Die vier zum
gelangenden Häuſer erhalten: 1. Schmidt Adam 1., 2. Hort
3. Hohlmann Karl I., 4. Weißkopf Lorenz. Zur Bedingung 4
den Verkauf geknüpft, daß hinſichtlich der zu vermietenden Wo
nur ſolche durch die Wohnungskommiſſion zugewieſene Mieter
men werden dürfen.

Feſt der Technik! Der von den hieſigen techniſch=wiſſenſchaftlichen
Vereinen im vergangenen Jahre zum erſtenmal mit großem Erfolge
veranſtaltete Geſellſchaftsabend findet in dieſem Jahre als Feſt der
Technik am Sonntag, 14. Dezember, in den Räumen des
Städtiſchen Saalbaues ſtatt. Nach den getroffenen Vorbereitungen und
dem aufgeſtellten Programm verſpricht das Feſt allen Beſuchern einen
heiteren, genußreichen Abend. Frei von der angeſtrengten Berufs= und
Kepfarbeit, gibt es Gelegenheit zum Ausruhen und zur Beſchaulichkeit,
zur gegenſeitigen Ausſprache und frohen Geſelligkeit. In einer
Reiſe um die Welt mit Graf Zeppelin wird im erſten
Teile den Teilnehmern ein lebendes Bildbuch mit Geſang und Tanz,
Laut= und Leiſeſprechern und ſonſtigem Gefunke vorgeführt und zu
einem ſchönen Erlebnis werden. Der zweite Teil des Abends iſt dem
Tanz gewidmet. In der Pauſe zwiſchen dem erſten und zweiten Teil
bietet ein kaltes Büfett Gelegenheit, ſich zu erfriſchen und zu ſtärken.
Gäſte können eingeführt werden. Die Mitglieder der techniſch= wiſſen=
ſchaftlichen
Vereine, ihre Damen und die geladenen Gäſte werden ge=
beten
, ſich der Anmeldekarte zu bedienen und dieſe alsbald an die dar=
auf
vermerkte Anſchrift einzuſenden, damit der notwendige Ueberblick
über die Zahl der Teilnehmer, die vorausſichtlich eine große ſein wird,
ermöglicht wird.
Skielub Darmſtadt=Odenwald. Zu dem Bericht über das 27.
Stiftungsfeſt in der Otto=Berndt=Halle werden wir erſucht, nachzutra=
gen
, daß nach dem offiziellen Programm Herr und Frau Glock, die
neueſten Tänze der Winterſaiſon, einen Tango, einen Diagonal=Waltz
ſowie einen Quick=Step tanzten. Alle Tänze, in ruhig=vornehmer
Weiſe getanzt, fanden den verdienten Beifall des geſamten Publikums.

Tagenskalender für Mittwoch, den 4. Dezember 1929.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 19,30 Uhr, außer Micte:
Davids Krone, Kleines Haus, 19,30 Uhr, Zuſatzmiete II: Lady
Fanny und die Dienſtbotenfrage‟, Orpheum, 16 Uhr: Der
Froſchkönig: 20,15 Uhr: Wiener Blut. Konzerte: Schloß=
kaffee
, Schloßkeller, Rheingauer Weinſtube, Sportplatz=Reſtaurant.
Muſikſaal des Saalbaues, 20 Uhr: Vortrag 15 Jahre
Frauenarbeit für den Weltfrieden. Ludwigshöhe 16 Uhr:
Konzert. Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helia,

Cd. Aus dem Lande, 3. Dez. In der vergangenen Woche
Frankfurt a. M. die diesjährige Hauptverſammlung des V
der Feuerviſitatoren Heſſens ſtatt. Der Vorſitzende, Kollege
bächer=Lindenfels, eröffnete die Verſammlung und begrüßte
ſtattlicher Zahl erſchienenen Mitglieder. Punkt 1 der Tages
betraf Rechnungsablage über das vergangene Rechnungsjahr. 2
nung wurde geprüft, in Ordnung befunden und dem Vorſtat
laſtung erteilt. Zu Punkt 2, Ergänzungswahl des Vorſtandes
da der ſeitherige Vorſitzende, Kollege Schnellbächer, infolge e
tiger Ueberlaſtung und Alter bat, von ſeiner Wiederwahl. Ab
nehmen, als 1. Vorſitzender Kollege Renker=Groß=Gerau, als
ſitzender Kollege Schäfer=Langgöns (Oberheſſen) gewählt. Bei
Feſtſetzung der Jahresbeiträge für 1929, wurde beſchloſſen,
herige Regelung bis auf weiteres beizubehalten. Auf den
ſtattfindenden einzelnen Provinzveranſtaltungen ſoll darül
näher verhandelt werden. Punkt 4: Beſtimmung des Ortex
ſten Hauptverſammlung, iſt durch die Einteilung in drei Bez
den drei Provinzen entſprechen, erledigt. Dieſe drei Be
hände, die je einen Obmann und zwei Beiſitzer an der Spitz
bilden dann zuſammen den Landesverband. Zu Punkt 5,
fragen, entſpann ſich eine ſehr rege Ausſprache, und wurde u
geſtellt, daß in ſämtlichen Kreiſen der Provinz Starkenburg di
viſitatoren die gleichen Gebühren erhalten als die Bauſcha
Brandverſicherungskammer. Nur der Kreis Erbach iſt im 9
denn dort erhalten die Feuerviſitatoren in den meiſten Ortet
40 Prozent weniger als die Bauſchätzer und ihre Kollegen in
rigen Kreiſen. Es wurde erwähnt, daß dieſe Bezahlung im
nis zur Verantwortung nicht viel mehr als ein Almoſen dar
bei den oft ſtundenlangen Wegen zu den einzelnen Ortſchaft
die entſtehenden Speſen nur ein geringer Teil übrig bleibt.
Oberheſſen ſollen noch einige Kreiſe ſein, die auch mit der 9
Gebühren im Rückſtand ſind, und es wurde beſchloſſen, ein Geſu
Heſſiſche Brandverſicherungskammer zu richten mit der 2
Brandverſicherungskammer möge die gleichmäßige Feſtſetzung
bühren durch die Kreisämter anregen. Bei Punkt 6, Ver
kam noch zur Sprache, daß in einigen Bezirken feſtbeſoldere
ſogar in gehobener Stellung, noch als Feuerviſitatoren be
ſind. In einem dieſer Bezirke ſoll, wie erwähnt wurde, ſeil
zehn Jahren keine Feuerſchau mehr ſtattgefunden haben. DM
ein Beſchluß gefaßt, nach dem die zuſtändigen Stellen auf
haltbaren Zuſtände aufmerkſam gemacht und auf Abhilfe geora.
den ſoll. Nach noch recht reger Unterhaltung, bei der noch
wurde, demnächſt eine Verſammlung in Rheinheſſen abzuha!
die dort dem Verband noch fernſtehenden einzelnen Kollegen 8
tritt zu veranlaſſen, ſchloß der Vorſitzende die intereſſant De
Verſammlung.

der Erfällung seiner Aufgaben entgegentreten zu können, 1st
gewiß ein glücklicher Zustand. Solche körperliche und geistige
Frische sichert der Gebrauch von Sanatogen.
Kennen Sie dieses bewährte Kräftigungsmittel? Wissen Sie, daß in
24000 schriftlichen Arztegutachten ein Bewels- und Empfehlungs-
material
sondergleichen für Sanatogen aufgebaut ist? Seine Wir-
kung
auf Geist und Körper setzt an der Wurzel unseres Befin-

dens ein, indem es in seinen Bestandteilen den Körperzellen und
den Nerven ihre natürlichen Aufbau- und Nährstoffe zufährt.
Ihre Gesundheit, Ihre Leistungsfähigkeit stellen das höchste
Gut Ihres Lebens dar. Bei einer geringen täglichen Ausgabe
haben Sie es in der Hand, durch Sanatogen neue Kraft, neue
Lebens- und Arbeitsfreude zu gewinnen. Beginnen Sie darum
sogleich mit dem Sanatogengebrauch!

Nähr- und Kräftigungsmittel
für Körper und Nerven.

Erhältlich in allen Apotheken und Drogerien
E Packungen verschiedener Cröße
von M 1,80 an.

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zu ner 336

Mittwoch den 4 De ember 1929

Seite 7

adwerkertagungen in Heppenheim und Michelftadt.

zenheim, 3. Dez. Die am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im
nd dahier ſtattgefundene Handwerkertagung der
ensheim=Heppenheim nahm einen ſehr anregen=
Ger Gs waren 84 Vertreter aus den örtlichen Handwerker=
lniſch
m der beiden Kreiſe anweſend. Der Vorſitzende des Ver=
Rektor Eiſenhardt=Bensheim, gedachte bei ſeiner
Lißt.m beſonders der Anweſenheit des Altmeiſters Stephan aus
er Der Vorſitzende des Heppenheimer Ortsgewerbevereins
du Verband, daß als Tagungsort Heppenheim gewählt worden
iſchte den Verhandlungen einen vollen Erfolg. Der Vor=
ze
tete alsdann zunächſt den Bericht über den Verlauf des
dstags in Alzeh, der im Oktober ſtattgefunden hatte. In=
m
Herr Direktor Schüttler von der Handwerkskammer in
ib auch Herr Dr. Kollbach, von der Nebenſtelle Damſtadt
wero lsdann wurde die Satzungsberatung vorgenommen. Der
Vor=) vorgelegte Satzungsentwurf war den örtlichen Organiſa=
6o3 im Oktober anläßlich der letzten Tagung in Bensheim
den, um etwaige Zuſatz= oder Abänderungsanträge vor=
innen
. Solche waren nur vom Ortsgewerbeverein Heppen=
3 worden. Als Ergebnis der Verhandlungen, die zu einer
mms Annahme der Satzungen führten, ſei als Weſentlichſtes
füchr4tt 1s Sitz des Verbandes gilt der jeweilige Wohnort des
Der Vorſtand ſetzt ſich aus dem Vorſitzenden, deſſen Stell=
Schriftführer und dem Rechner zuſammen; in den Vor=
miku
griffen ſind die im Bezirk wohnenden Ausſchußmitglieder
ganbu ebandes, ſowie die darin anſäſſigen Handwerkskammer=
eben
dem Vorſtand beſteht noch der Bezirksverbands= Aus=
dext
ie Vorſtandsmitglieder ſowie ſämtliche Vorſitzenden der
reine und zugehörigen Innungen angehören, er wird im
om Vorſtand zuſammengerufen. Als dritte Einrichtung
itgliederverſammlung, deren jährlich vier anzuſetzen ſind.
ſer ſtimmberechtigten Delegierten wird ſo feſtgeſetzt, daß
0 Mitglieder einen, und größere Vereine für je weitere
einen weiteren Delegierten beordern dürfen. Die Be=
itgliederverſammlung
gelten bei Stimmengleichheit als ab=
jedoch
eine nochmalige Vorlage bei der nächſten Verſamm=
ich
. Die Wahldauer des Vorſtandes beträgt 3 Jahre: die
ge hat jährlich ſtattzufinden. In geſchloſſener Einmütig=
des
ann die Wiederwahl der alten Vorſtandsmitglieder vorge=
Herrn Rektor Eiſenhardt, der als alter Kämpe in der
vegung in den beiden Kreiſen hoch geſchätzt wird, geſtal=
Wahlakt als eindrucksvolle Vertrauenskundgebung: Die
ng des Vorſtandes iſt alſo: Rektor Eiſenhardt=Bensheim
Weißbindermeiſter Kempf=Mörlenbach 2. Vorſitzender;
r Antoni=Bensheim Schriftführer, und Bäckermeiſter
eim Rechner. Im nächſten Punkt der Tagesordnung war
s Ausſchußmitgliedes zum Ausſchuß I (Wahrung und
gemeiner Intereſſen von Handwerk und Gewerbe) vorge=
orſitzende
machte den Vorſchlag, ein Mitglied des Hep=
sgewerbevereins
, dafür auserſehen zu wollen. Die Wahl
Maurermeiſter Flath in Heppenheim. Sodann erfolgte
ier Mitglieder zum Arbeitsgericht Bensheim. Dieſer
zu einer regen Ausſprache, daß für dieſen Poſten als
nur die geeignetſten Perſönlichkeiten in Frage kommen
e Intereſſen der Arbeitgeber nachhaltig vertreten zu kön=
eitsrichter
bei der Handwerkskammer beim Arbeitsgericht
ungierten bereits die Herren Bauunternehmer Max
eim, Schloſſermeiſter Sartorius=Bensheim. Schneider=
Bensheim und Schreinermeiſter Giegerich=Heppenheim;
hlt werden: Wagnermeiſter Ehmann=Rimbach ( Vorſitzen=
rinnung
) und Herr Menne=Heppenheim. Herr Dr. Koll=
daß
den Handwerkervertretern die Bedingung auferlegt
ſie alljährlich über ihre Tätigkeit in der Mitglieder=
Bericht zu erſtatten hätten. Der Vorſchlag wurde ein=
mmen
. Es werden ſodann einige Fälle vorgebracht, nach
ilen feſtgeſtellt werden konnte, daß der Vorſitzende des
beitsgerichts gerade nicht handwerkerfreundlich ſei. Direk=
ſt
der Auffaſſung, daß die Handwerkervertreter nicht im
und intenſib in die Materie eingearbeitet ſeien, um dem

Vorſitzenden entgegentreten zu können. Er macht den Vorſchlag, daß
Aufklärung über die Rechtsgrundlagen hinſichtlich des Tarif= und Lehr=
vertrages
gegeben werden foll, und zwar an den Nebenſtellen. Dieſer
Vorſchlag wird allſeits begrüßt. Herr Dr. Kollbach wünſcht, daß einmal
im Monat ſolch rechtliche Uebungen gemacht werden. Es kommt der
Antrag zuſtande, daß die Handwerkskammer ſolche Rechtsbelehrungen an
den Nebenſtellen einführen ſoll. Herr Direktor Schüttler überreichte ſo=
dann
an Herrn Altmeiſter Stephan aus Mörlenbach den Ehrenmeiſter=
brief
der Handwerkskammer. Der Vorſitzende bringt dem Jubilar im
Auftrage des Bezirks die herzlichſten Glückwünſche dar. Auf die An=
frage
des Schreinermeiſters Nolde aus Bensheim macht Herr Direktor
Schüttler längere Ausführungen über die Verwendung des Rationali=
ſierungskredits
. Als letzte berufliche Angelegenheit wurde eine Aus=
ſprache
über die Bildung der örtlichen Geſellenprüfungsausſchüſſe her=
beigeführt
. Die Anregung dazu gab Jungmeiſter Wilh. Schmitt aus
Auerbach. Auf eine Anregung des Ortsgewerbevereins Jugenheim iſt
für Freitag, den 13. Dezember, im Bahnhofshotel Bensheim eine Be=
ſprechung
ſämtlicher Gas= und Elektroinſtallateure vorgeſehen, die in den
Liefergemeinden des Gruppengaswerkes Bensheim anſäſſig ſind.
Nachdem als Tagungsort für die nächſte Verſammlung Lorſch beſtimmt
war, wurde die Verſammlung um 6 Uhr geſchloſſen.
Cd. Michelſtadt, 3. De= Am vorgeſtrigen Sonntag hielt hier in
Schmerkers Gartenſaal der Verband der Gewerbevereine und Innungen
des Kreiſes Erbach j. D. ſeine 1. Kreisverbandstagung ab. Der Beſuch
der Tagung war verhältnismäßig gut, doch hätte er, in Anbetracht des
heutigen ſchweren Kampfes, den das Handwerk und Gewerbe um die Er=
haltung
ſeiner Exiſtenz führt und bei dem ein feſter Zuſammenhalt
dringend nottut, noch beſſer ſeim dürfen. Vor Eintritt in die Tages=
ordnung
brachte der Geſangverein Liederkranz Michelſtadt den Heſſen=
gruß
und das Odenwaldlied zum Vortrag. Hierauf eröffnete der
1. Vorſitzende des Kreisverbands, Voll=Gpbach, die Tagung und begrüßte
im Namen des Verbandes die Erſchienenen: ihm folgte Enſinger= Michel=
ſtadt
für den Ortsgewerbeverein Michelſtadt. Berger=Beerfelden über=
brachte
Grüße der Handwerkskammer, Reg.=Nat Dr. Rindfuß=Erbach des=
gleichen
als Vertveter der Regierung, und Beigeordneter Künzel hieß
die Vertreter des Handwerks im Namen der Stadtwerwaltung in den
Mauern Michelſtadts willkommen. Nun ergriff der Präſiſdent des
Verbandes deutſcher Gewerbebereine und Handwerkervereinigungen,
Burkhardt mus Heidelberg, das Wort zu ſeinem Vortrag über
das Thema Lebensfragen des deutſchen Handwerks. In klaren Worten
ſprach der Redner über die ſchweren Jahre des Wiederaufbaues nach dem
Weltkriege und die verhängnisvolle Zeit der Inflation. Auch die vielum=
ſtvittene
Handwerksnobelle, das Berufsausbildungsgeſetz und das
Arbeitsſchutzgeſetz nahm der Vortragende unter die Lupe und machte
auf manche ſchwerwiegenden Abſchnitte in dieſen Geſetzen aufmerkſam.
Im weiteren ſprach der Redner noch über die ungeheure ſteuerliche und
ſoziale Belaſtung des Handwerks und forderte dringend Abhilfe. An
den Vortrag, der oft durch Zwiſchenbemerkungen und Beifallsäußerungen
aus der Mitte der Verſammlung unterbrochen wurde, ſchloß ſich dann
eine lebhafte Ausſprache an, in der ſich die folgenden Herren zum Wort
meldeten. Apotheker Dr. Kiesgen=ichelſtadt, Bürgermeiſter Grasmück=
Zell i. O., Weißbindermeiſter Koch=König, Weißbindermeiſter Horn=
Beerfelden, Onehermeiſter Eich=Grbach i. O., Geſchäftsführer Haſenzahl=
Michelſtadt, Bäckermeiſter Luſt=Zell i. O. Zu Pukt 4 der Tages=
ordnung
erſtattete der Vovſitzende Bericht über die Verbandstätigkeit.
Punkt 5 betraf die Wahlen zur Handwerkskammev, und es wurde be=
ſchloſſen
, einen Antrag an den Landesverband weiterzugeben, daß min=
deſtens
die zwek ſeitherigen Vertreter des Kreiſes bei der Handwerks=
kammer
bleiben und ebtl, noch neue hinzukommen ſollen. Pmnkt 6,
Beiträge zum Kreisverband, wurde dahingehend erledigt, daß der vor=
liegende
Antrag des Ausſchuſſes die Beitvagshöhe und die Art des Ein=
zuges
betreffend, einſtimmig angenommen ſpurde. Bei Punkt 7 An=
träge
, lagen verſchiedene Sachen vor. Der erſte Antrag betvaf die Er=
höhung
der Sätze für die Gewerbeertragsſteuer im Kreis für das Rech=
nungsjahr
1989. Die anweſenden Vertreter des Handwerks im Kreis=
tage
gaben dahingehend Aufklärung, daß nicht, wie vielfach angenommen
würde, mehr Steuern nun erhoben würden, ſondern die Erhöhung wäre
notwendig geworden, weil die feſtgeſtellten Einkommen nach denen doch
die Gewerbeertragsſteuer berechnet wird, nicht den Betrag erreicht

hätten, mit dem gewechnet worden wäre. Gine rege Debatte enwickelte
ſich, und wurde ſchließlich der Antrag, die vorgelegte Entſchließung an
das Kreisamt weiterzugeben, angenommen; 1 Stimme war dagegen.
Ein weiterer Antrag forderte ab 1. Januar 1980 den Einzug von
Geſchäftsforderungen der Mitglieder durch den Kreisverband. Es ſoll
nur Mitgliedern von Gewerbevereinen bzw. Innungen oder Einzelmit=
gliedern
das Recht zuſtehen, von dieſer Einrichtung Gebrauch zu machen.
Der Antrag wurde einſtimmig genehmigt. Der nächſte Antrag befaßte
ſich mit der Sondergebäudeſteuuer und fordert die Handwerkskammer und
den Landesverband auf, dafür Sorge zu tragen, daß dieſe Steuer ver=
ſchwindet
oder doch zum mindeſten fühlbar herabgeſetzt würde. Ebenſo
werden dieſe beiden Korporationen aufgefordert, darauf zu dringen, daß
gewerblich benutzte Gebäude von der Sonderſteuer befreit werden. Der
Antnag wurde einſtimmig angenommen Der folgende Antrag betraf
die Finanzreform bei der es zuerſt ausſah, als follte die Gewerbeſonder=
beſteuerung
etwas gemildet werden; nach neueren Berichten denkt man
jedoch nicht daran. Es wird daher dringend für das Steuerjahr 190/31
eine weſentliche Senkung der Steuerſätze gefordert, als erſter Schritt zur
gänzlichen Beſeitigung der Gewerbe= und Sonderſteuern. Dieſer Antrag
enthielt eine Entſchließung, die an das Miniſterium für Anbeit und
Wirtſchaft weitergegeben werden foll und ſich mit der außerordentlich
ſchlachten Beſchäftigung des Baugewerbes befaßt. Dieſer Zuſtand wird
noch verſchärft durch die außerordentlich ſchleppende Erledigung der An=
träge
auf Bewilligung von Bauzuſchüſſen, ſowie die ſpäte Auszahlung
dieſer Zuſchüſſe und Hypotheken. In vielen Fällen iſt es in letzter Zeit
vorgekommen, daß Handwerksleute erſt nach Monaten ihr verdientes
Geld für ihre geleiſteten und im Preis gedrückten Arbeiten belommen
haben. Abhilfe wird weiter dringend gegen die Auswüchſe im Submiſ=
ſionsweſen
verlangt. Die Behörden, die Arbeiten zu vergeben haben,
müßten die Reichsverdingungsordnung lohaler auslegen. Der An=
trag
fand einſtimmige Annahme. Zum Schluß lag noch ein Antrag
der Odenwälder Töpfereien vor, der geeignete Maßnahmen zur Feſt=
ſetzung
eines Schutzolles gegen die Einfuhr franzöſiſcher Töpferwaren
fordert. Es wurde beſchloſſen, dieſen Antrag ſofort an den Landes=
verband
weiterzugeben. Zu 8. erſtattete der Vovſitzende kurz Bericht
über die Landestagung in Alzey Unter Punkt 9, Verſchiedenes,
wurden noch einige kleinere Sachen beſprochen und danm die
Verſammlung geſchloſſen.

Aberheſſen.

v. Friedberg, 2. Dez. Ein Antrag des hieſigen Verkehrsvereins auf
finanzielle Unterſtützung des geplanten Verkehrsſonntags durch die
Stadt wurde in der jüngſten Sitzung des Stadtrats mit Mehrheit
abgelehnt.
v. Bab Nauheim, 2. Dez. Die heſſiſche Badeſtadt im
Licht. Der Silberne Sonntag bringt erſtmalig auch für unſere Stadt
ein großes Licht= und Verkehrsfeſt. Veranſtalter iſt die
Vereinigung der Einzelhändler. Die Durchführung erfolgt in anerken=
nenswerter
Weiſe unter Beteiligung der Stadt und auch der Bade= und
Kurverwaltung. Die letztere hat u. a. eine Beleuchtung der Sprudel
und des Johannisbergs vorgeſehen. Stadt und Kurverwaltung werden
außerdem an den Hauptverkehrsplätzen große Chriſtbäume aufſtellen.
Die Geſchäftswelt beteiligt ſich an einem Schaufenſterwettbewerb und ver=
anſtaltet
für die Käufer eine Prämienverteilung. Drei große Autobus=
linien
ſollen am Verkehrstage aus 40 Orten der näheren und weiteren
Umgebung das Publikum heranbringen.
Wafſerſtands=Nachrichten vom 3. Dezember. Rhein: Hünin=
ger
0,55, Kehl 1,73, Marau 3,49, Mannheim 2,12, Mainz 000 Bin=
gen
1.18; Caub 1,25; Koblenz 125: Köln 1,49 Meter. Main:
Schweinfurt 0,78; Würzburg 0,69; Lohr 107; Groß=Steinheim 231;
Frankfurt 2,29; Koſtheim Staatspegel 0,36; dito Waſſertiefe 1,66; dito
Fahrtiefe 136 Meter.
Hirſchhorn, 3. Dez. Waſſerſtand des Neckars am
2. Dezember: 0,60 Meter; am 3. Dezember: 0,65 Meter.
Gernsheim, 3. Dez. Waſſerſtand des Rheins am
2. Dezember: 103 Meter; am 3. Dezember: 0,94 Meter.

Wemahae e e e e eamhe ehene
mit Ihrem hochgeſchitzten Chlorodont und Ihrer Chlorodont= Zahn=
bürſte
pflege, ſo will ich Ihnen meine Anerkennung für Ihre Präparate
entgegenbringen, denn meine Zähne ſind ſo weiß und geſund, daß mich
meine Freunde und Bekannten darum beneiden. Gez.: Karl Stein,
(TV 1015.
ElversberglSaar.

der und Städtewanpen aller Erdteike in Gold- und Silberdruck: Die FREUDE deTKURMARK-RAUCHERS
WKla und iberzeugendbekm

SARBAT

ClGARETTE

Sek seine Heinmng über
Sen.
Bostkyen
jertlss
K
Bes
Rauchens
M
ann
UiNeKKEK
Der Taollottng
Von diesem Schreibtisch aus leitete schon mein
Grossvater die Firma./
Schwer lastef die Verantworfung auf mir und stefs
greife ich zu den Sigareiten ausgeglichener Ge-
schmackswirkung
, um die ruhige Sicherheif
meiner Geschäffsdispositionen zu finden.
So schafft den posiliven. Gennss

MazEpoNEN
ddddzuzurngur aden Miee Shetetegateteilteaitelelhelteir iltlherte eltelteterer it itergiltltereteie eiltie echelchie
ei9zenkatiggipgckuns f1: Geihenh L LdKMAFRFRaTFAcKUNg• Tohne Fraufschas)

Sie Cgarefe
der neuen
Epoche!

(V.17182

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Seite 8

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Nummer

Genügt die Ark unſerer jetzigen Milchkonkrolle zur
Berminderung von Geſundheitsſchädigungen
der Bevölkerung?
Mit dieſer Frage beſchäftigte ſich kürzlich ein wit Dr. Br. unter=
zeichneter
Artikel im Darmſtädter Tagblatt, in dem er die derzeitige
Milchverſorgung der Bevölkerung kritiſch betrachtet und verſchiedene
ſehr berechtigte Vorſchläge zur Beſſerung derſelben macht. Ob dieſe
alle in der gedachten Weiſe durchgeführt werden können, laſſe ich dahin=
geſtellt
. Er betont in ſeinen Ausführungen, daß nicht bloß auf eine
chemiſche Unterſuchung der Milch das Hauptgewicht gelegt werden dürfe.
ſondern daß vor allem durch die Kontrolle feſtgeſtellt werden müſſe, ob
die Milch von geſunden Kühen ſtammt.
Dieſer Forderung trägt der Entwurf des hoffentlich recht bald zu
erwartenden Reichsmilchgeſetzes Rechnung, in dem verlangt wird, daß
die für den Verkehr beſtimmte Milch ohne Ausnahme nicht von Kühen
ſtammen darf, deren Geſundheitszuſtand geeignet iſt, die Milch nach=
teilig
zu beeinfluſſen, und an der Betriebsſtätde des Erzeugers ſowohl
bei und nach der Gewinnung, als auf dem Wege vom Erzeuger zum
Verbraucher ſo behandelt werden muß, daß ſie, ſoweit dies durch Anwen=
dung
der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt vermeidbar iſt, weder
mittelbar oder unmittelbar einer nachteiligen Beeinfluſſung, insbeſon=
dere
durch Staub, Schmutz, Gerüche oder Krankheitserreger oder durch
die Witterung ausgeſetzt iſt. Hoffentlich führen die Beſprechungen des
Entwurfs mit den Landesregierungen und den beteiligten Wirtſchafts=
kreiſen
einſchließlich der Verbraucher zu einem baldigen Abſchluß der
Verhandlungen.
Die Bemerkung des Dr. Br., daß die bakteriologiſch=biologiſche
Unterſuchung auf Krankheitserreger viel wichtiger ſei als die rein
chemiſche, gübt der Heſſiſchen Chemiſchen Prüfungsſtation Veranlaſſung
außer anderem zu folgender Erwiderung:
Heute iſt auch jedes chemiſche Laboratorium, das wit der Nah=
rungsmittelkontrolle
betraut iſt, mit der notwendigen Einrichtung für
die bakteriologiſch=biologiſche Unterſuchung der Milch verſehen. Es iſt
daher ein Irrtum des Einſenders, daß bei der jetzigen Milchkontrolle
dieſe Art der Unterſuchung nicht ausgeübt werde. In dem Chemiſchen
Unterſuchungsamt für die Provinz Starkenburg werden jedenfalls dieſe
Unterſuchungen durch einen auf dieſem Gebiete geübten und erfahrenen
Chemiker ausgeführt. Findet ſich eine Milch, die bakteriologiſch oder
biologiſch den Anforderungen an eine geſunde Milch nicht entſpricht,
ſo wird ſofort der zuſtändige Kreistierarzt benachrichtigt, der dann
alles weitere zu veranlaſſen hat. Es iſt alſo auch jetzt ſchon dafür Sorge
getragen, daß dem Publikum keine bakteriologiſch oder biologiſch minder=
wertige
oder gar gefährliche Milch verkauft wird.

Zu dieſer Erwiderung muß ich bemerken, daß mir während meiner
ganzen Amtstätigkeit als Kveistierarzt für den Kreis Darmſtadt vom
Jahre 1920 bis 1. April 1929 nicht eine einzige derartige Benachrich=
tigung
von der Prüfungsſtation über mangelhafte oder geſundheits=
ſchädliche
Milch zugegangen iſt. Dieſe auffällige Tatſache ſteht nicht
im Einklang zu oben angeführten Ausführungen der Chemiſchen Prü=
fungsſtation
, denn es iſt nicht anzunehmen, daß in den langen Jahren
nicht ein einziges Mal Milch aus dem Kreis Darmſtadt bei einer ge=
nauen
und erſchöpfenden bakteriologiſch=biologiſchen Unterſuchung zu
beanſtanden geweſen wäre, wenn auch nur wenig Milch aus dem Kreis
ſelbſt angeliefert wird. Man denke nur an die Jahre der Inflation und
all ihre unangenehmen Nöte, auch in der Milchverſorgung. Kein Wun=
der
, daß unter ſolchen Umſtänden Zweifel über die Sicherheit unſerer
Milchkontrolle laut werden.
Eine Kritik anzuſtellen über die Zuſtändigkeit der Chemiſchen Prü=
fungsſtation
zur Vornahme bakteriologiſch=biologiſcher Unterſuchungen
iſt zwar nicht der Zweck dieſer Zeilen, aber es muß doch zum Ausdruck
gebracht werden, daß nur der ſpeziell tierärztliche Bakteviologe dazu
berufen ſein kann. Nur dieſer iſt bei poſitivem Befund in Zuſammen=
arbeit
mit dem die Stallkontrolle ausübenden Tierarzt in der Lage, die
Höhe und den Umfang der Gefahr zu ermeſſen und die Quelle ſchäd=
licher
Milch alsbald zu verſtopfen.
Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn recht bald durch Inkrafttreten
des Reichsmilchgeſetzes jeder der hier in Frage kommenden Sparten im
Intereſſe einer richtigen Kontrolle der ihr zuſtehende Aufgabenkreis
zugewieſen und zur Pflicht gemacht würde, ſoweit ſich dieſe in ihren
Grenzgebieten berühren, gegenſeitig zu unterſtützen.
Nur damit wäre dem Gedanken, geſunde Milch für die Volks=
ernährung
zu gewinnen, durchgreifend Rechnung getragen, und die in
der Ueberſchrift aufgeworfene Frage könnte bejaht werden.
Nuß, OberVet.=Rat i. R.

Die Gezeichneken.

Man ſchreibt uns:
Hüte dich vor den Gezeichneten, ſagt ein altes Sprichwort. Vor
einigen Jahren gab man im Heſſiſchen Landestheater die Oper von
Schreker Die Gezeichneten, deren Grundidee die Auswirkung dieſes
Sprichwortes iſt. Aber es hat jedes Ding zwei Seiten, und ein altes
Sprichwort iſt nicht immer wahr. Wollten wir es auf alle vom Schickſal
Gezeichneten anwenden, ſo würden wir mit unſerer Moral und
Religion in Widerſpruch geraten. Denken wir einmal an die Blinden!
Sie bedürfen wohl unſerer Teilnahme und Mithilfe am meiſten. Sehr
oft begegnen wir ihnen mit ihrer gelben Armbinde und den drei
ſchwarzen Punkten. Sie haben ſich alſo außer der Zeichnung des
Schickſals auch noch ſelbſt gezeichnet. Mögen ſich auch manche Blinden
gegen dieſe Abſtempelung gewehrt haben, der Gedanke war gut. Denn

von ſeiten der Sehenden wird den Blinden gern
dilfe
was bei dem heutigen Verkehr nicht dankbar genug aner
kann. Leider führt die Armbinde aber auch zu Mißverſtändni
man häufig dieſen Blinden Almoſen ſpendet und ſie d.
Wohl iſt ja dieſe Spende gut gemeint, aber die gelbe A.
kein Bettelabzeichen und darf zu Bettelzwecken nicht verwend
den, und man tut beſſer, die Blinden in anderer Weiſe zu mt=
Neuerdings ſind nun die Blinden noch einen Schritt weit,
Sie haben auch die von ihnen hergeſtellten Waren gezeie
lich ihre Erzeugniſſe in der Bürſtenbranche. Dieſes Zeichen o
der Arbeitsgemeinſchaft zur Förderung des deutſchen Blin
nur denjenigen Betrieben verliehen, die ſich verpflichten, in der
ſache nur von Blinden hergeſtellte Waren zu verkaufen, lein=
fahrtspreiſe
zu fordern und ſich jederzeit kontrollieren zu laſft
Zeichen mögen ſich alle Hausfrauen merken, um ſich ſelbſt von
zu bewahren und um die blinden Arbeiter in ihrem ſchwerer
ums Daſein tatkräftig zu unterſtützen. Das Zeichen ſtellt zwe
dar, die ſich dem Licht entgegenſtrecken, den Gedanken ausdrüg
für den Blinden Arbeit Licht und Freude bedeutet. Und ſo
wir wohl nicht mehr ſagen Hütet euch vor den Gezeichneten
Helft den Gezeichneten, in dieſem Falle den Blinden. 5
Blinden wollen nichts anderes, als ſich in das Wirtſchaftsleben
dern, ſich mit ihren ſchwachen Kräften am Produktionspro=, um ſich und ihren Angehörigen Leben und Unterhalt
ſchaffen. Leider hat nun in letzter Zeit, wie auf allen ander=
ten
, ſich auch der Schwindel dieſer Sache bemächtigt.
mungen tauchen auf, nennen ſich Blindenwerkſtätte, beſchäftig
oder zwei Blinde, apellieren an das Mitleid, beziehen a
größten Teil ihrer Waren von Fabriken. Dieſe Ausheut
Mitleids iſt entſchieden zu verwerfen, und ſolchen Betrieben ſt.
das Schutzzeichen für Blindenarbeit nicht erteilt. Alſo nochme
ſicht beim Einkauf von Blindenware. Wichtig iſt, daß als
arbeit nur Bürſten= und Korbwaren in Betracht kommen, kein=
Salatbeſtecke, Türſchoner, Perlendeckchen, Wäſche uſw. Solch=
werden
alle angeblich zu Gunſten der Blinden vertrieben
Verein oder Anſtalt vertreibt dieſe Sachen. Es handelt ſich hi
lich um Privatunternehmer, die das Mitleid zu ihren eigenen
ausbeuten, Blinde haben hiervon nicht den mindeſten Vortet
ſei noch eines erwähnt. Es können nämlich nicht alle Bli
ſchäftigt werden. Manche konnten infolge Alters keinen Be=
erlernen
und andere ſind krank, aber alle ſind hilfsbedürft
dieſe läuft eine behördlich genehmigte Sammlung, ebenſo
eine andere Sammlung von ſeiten der Arbeitsgemeinſchaft
ſchaffung von Führhunden für die Blinden. Beide Sammlu=
vom
Heſſiſchen Miniſterium genehmigt und werden der Mil
beſtens empfohlen. Mögen dieſe Zeilen dazu beitragen, das
über die Beſtrebungen der ehrlich ſtrebenden Blinden aufzukli
es vor Schädigung durch den Schwindel zu bewahren.

Die glückliche Geburt eines zweiten Sohnes
zeigen an
Dr. med. Franz Baier
und Frau Martha, geb. Dietrich.

Darmſtadt, den 3. Dezember 1929.
z. Zt. Klinſk Dr. Roſenthal.

Am 1 Adventſonntag wurden wir mit einem
geſunden, krättigen Mädchen beglückt.
Dies zeigen in dankbarer Freude an
Pfarrverwalter Schmidt
und Frau Gretel, geb. Reinig.
Neunkirchen i. O., 1. Dezember 1929. (19018

Lodes=Anzeige.
Goft dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen geliebten Mann, unſeren lieben
Vater, Schwiegervater, Großvater, Ur=
großvater
, Bruder und Schwager
unt ormanint I.
nach kurzem, ſchwerem Leiden im 78. Le=
bensjahr
, zu ſich in die Ewigkeit abzu=
rufen
.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Hoſmann, geb. Seeger
nebſi Kinder.
Vielbrunn, Darmſtadt, TLangendernbach,
Spachbrücken, Ober=Kinzig, den 2. Dez. 1929.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. De=
zember
, nachmittags 2 Uhr, in Vielbrunn
ſiatt.
(19021

Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
beim Heimgange unſeres lieben
Entſchlafenen
Ludwig Koch
für die Kranzſpenden und die Begleitung
auf ſeinem letzten Wege dankt herzlich
Anna Koch.
Darmſiadt, den 3. Dezember 1929
Pankratiusſtraße 21.

Heute gegen 700 Uhr abends ſtarb plötzlich und
unerwartet, nachdem ſie acht Tage vorher einem
geſunden Töchterchen das Leben geſchenkt hatte,
nach überglücklicher zweijähriger Ehe im Alter
von bald 24 Jahren meine liebe gute Frau meine
junge Mutter, unſere innigſtgeliebte Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Emmn Hartmann
geb. Borgmann.
Um ſtille Teilnahme bitten
Hermann Harkmann
und Töchkerchen Anny=Ruth
und
Familie Hermann Borgmann
Darmſtadt, Elberfeld, Trechtingshauſen,
den 2. Dezember 1929.
Die Beerdigung findet Freitag mittag in Elber=
feld
ſtatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es ge=
fallen
, meinen innigſtgeliebten
guten Sohn, unſern lieben Bruder
und Schwager
Hugo Ziegler
im Alter von 22 Jahren nachlangem
ſchweren, mit größter Geduld er=
tragenem
Leiden zu ſich in die
Ewigkeit zu nehmen.
In tiefer Trauer:
Frau Wilhelmine Ziegler
nebſt Kinder
Neckarſtr. 24,
Die Beerdigung findet heute Mitt=
woch
, 2 Uhr nachmittags, von der
Kapelle des Waldfriedhofes aus
ſtatt.

Dorfelder Billard,
vor kurz. neu über=
zogen
, wegen Platz
mangel bill. zu vk.
Anzuſehen zw. 2 u
4 Uhr nachm. Wo
ſagt d. Geſchäftsſt.

Die führenden Marken in

Strick wollen
Bportwollen
Handarbeits wollen
Hinden Siein undbertroffenerF arbenauswahlim Spezialhaus
Weit Tamaint
Kirchstraße, Ecke Schustergasse
Unterkleider, Strümpfe und Socken, Handschuhe

Fl. Geſellſch.=Kleid,/ An- und
ven. getr., bill. zu Verkauf von Brlllanten
verkaufen. Grüling, / Gold- und Silbergegenständen. 117907a
Kiesſtr. 83, I.
Kurtz-Wulff, Rheinstr. 22.

Guterhalt. Bettſtelle
mit Matratzen bill.
zu verkaufen. Lieb=
frauenſtr
. 96, I.

Schöner, Anzugſtoff
billig zu verkaufer
Näh. Geſchäftsſt. (

Spielſachen, Möbel,
Damenrad, Bilder,
Gasheizofen, Opern=
glas
, Ziergefäße ge
bill. abz. Näh. Gſch. (*

Eiſ. vollſt. Mädchen=
bett
, 1 nußb. Näh=
tiſch
, 2. Nachtſtühle
bill. zu verk. Herd=
weg
95, Gartenh. (*

Achtung Hausfrauen!
Auf vielſeitigen Wunſch 2 Tage
Probe=Waſchen
mit dem neuerfundenen, don vielen Hausfrauen=Vereinen anerkannten
Paſchapparat Waſchteufe!
am Donnerstag, den 5., und Freitag, den 6. Dezember, nachmittags
3 und 5 Uhr, im Saale des Reſtaurant Fürſtenſaal, Grafenſtraße.
In 5 Minuten ſind ca. 30 bis 40 ſchmutzige Handtücher oder andere
Wäſche blendend weiß gewaſchen.
Ein Kind wäſcht in 1 Stunde mehr als eine Waſchfrau in 1 Tag.
Gnädige Frau, laſſen Sie ſich die Gelegenheit nicht nehmen, die kleinſte
und doch leiſtungsfähigſte Waſchmaſchine der Welt, ſowie Wring=
maſchine
kennen zu lernen. Ganz aus Meſſing hergeſtellt.
Kein Reiben, kein Bürſten, kein vorheriges Kochen, Rein
ſcharfes, die Wäſche zerfreſſendes Waſchmittel nötig.
Alſo ohne jeglichen Verſchleiß der Wäſche.
Der Einführung halber werden in der Borführung Aufträge zum Vor=
Eintritt frei!
zugspreis von RM. 15. entgegengenommen.
Recht ſchmutzige Wäſche mitbringen!
Hanſe 7enrger Haa

Eine neue Zieh=
harmonika
zu vk. (*
Gutenbergſtr. 15, I

Ihr Botien
iſt es wenn Sie
Muſik=
Inſtrumente
gleich v. Geigenbauer
Mar Gerberk
kaufen!
Nur Rheinſtraße 17,
Eingang Grafenſtr.
Reparaturen werd.) Abikarienl

(B10532)

Todes=Anzeige
Am 80, November ſtarb unerw
mein lieber Mann, unſer
Vater, Schwiegervater und &
vater
Herr

Heinrich

im Alter von 51 Jahren,
Die trauernden Hinterbliebene
Katharina Fiſſel nebſt Kin
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Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Seite 11

Iſtkinſpizienk

bermuſikmeiſter Schmidt

zru Tachfolger des kürzlich verſtorbenen
zwe Luſikinſpizienten Prof. Hackenberger

ernannt.
lchtet auf eure Kinder!
Iiſchwerer Unfall eines Kindes.
ſw rt a. M. Montag mittag fiel ein
m Ilterlichen Wohnung in der Schulſtraße
gegen einen ſchadhaften Fuß des
Dabei kippte der Herd um und das
er ihn zu liegen. Das auf dem Herd
Sfiel herunter und verbrühte das Kind
jach der Einlieferung in das Kranken=
bedauernswerte
Kind den ſchweren
verlegen.
4ind vom Auto totgefahren.
uznach. Das fünfjährige Töchter=
rrenhändlers
Wallraf lief über den
geriet unter ein Liefevauto. Dabei
chm: dem einen Vorderrad der Kopf vom
g nt. Der Vater mußte das Unglück mit
ü- Schlägerei unter Italienern.
Et a. M. In der Nacht zum Diens=
hr
entſtand in der Moſelſtraße unter
ſri Italiener eine große Schlägerei, die
AE techerei und Schießerei ausartete. Es
eir) nf bis ſechs ſcharfe Schüſſe abgegeben.
ein unbeteiligter Arbeiter einen
en linken Fuß und mußte nach dem
verbracht werden. Zwei Italiener,
eine einen Meſſerſtich in den Hals,
m Bauchſchuß erhalten hatte, wurden
ſcE)t Krankenhaus zugeführt. Auch eine
ſer Schlägerei einen Meſſerſtich abbe=
000 Mark Geldſtrafe.
Elen. Im Berufungsverfahren wurden
1ger Verhandlung die ehemals bei der
Echen Zentralgenoſſenſchaft amtieren=
ſteitz
! Dr. Chelius und Pctitjean wegen
n den § 147 des Genoſſenſchaftsge=
eis
Heldſtraf von 7000 Mark verurteilt.
Opfer der Blutrache.
uerſt vor dem Hanauer Schwurgericht
dem Dortmunder Schwurgericht hatte
re alte Zigeuner Hermann Herzberg
cu) Bluttaten zu verantworten. Im gan=
n
zwölf Fällen des Mordes und Tot=
gemacht
haben. Zwei Fälle ſind in
Dortmund zur Aburteilung gekom=
FAburteilungen werden folgen. In
ſeinerzeit unter der Anklage vor dem
rm 8. Juni 1921 in Salmünſter bei
rausgegangenem Streite ſeinen eige=
ater
, den Zigeuner Roſenberg, ge=
erſchoſſen
zu haben, in Dortmund
Laſt gelegt, in Hamm nach Polizei=
eſchoſſen
und dabei ſeine eigene Mut=
haben
, die an der Schußverletzung
ür die in Hanau und Dortmund er=
iſt
in Dortmund eine Geſamtſtrafe
en Zuchthaus gebildet worden. So=
und wie zuvor in Hanau behauptete
on der Blutrache ſeiner Stammesge=
zu
werden. Im Sommer 1927 ge=
Pillkallen in Oſtpreußen nach vor=
ſchweren
Feuergefecht zu verhaften.
teilung war er nach Hanau gebracht
vor dem Sſtwurgericht ein ebenſo
e tieferſchütterndes Bild aus dem Zi=
ollte
. Nach ſeiner Angabe hat er im
Pommern den Zigeuner Bertſch im
n. Hierfür erhielt er acht Jahre
Verbüßung dieſer Strafe hielt er
d=Weſtfalen auf, und mußte bald ge=
rliß
er von dem Stamme des von ihm
uners verfolgt werde. Sein Onkel
ſich unter dieſen Zigeunern, die ihn
t. Da er nun Kenntnis gehabt habe,
Strauß und ſein Schwiegervater
inſam in Delmenhorſt (Oldenburg)
n erſchoſſen und beraubt hatten, ſei
n Zigeunern beſchloſſen worden, ihn
5 ihn eines Tages ſein Onkel Strauß
(be er ihn in der Notwehr erſchoſſen.
be ſich ſein Schwiegervater gegen ihn
einem ſpäteren Auftritt habe ſein
nach ihm geſchoſſen und dabei dei
2troffen und getötet. In der Folge=
Schwiegervater Roſenberg die Aus=
ttrache
für den erſchoſſenen Zigeuner
ihen. Nach längere: Trennung hätten
amilien wieder bei Hanau zuſam=
n
Salmünſter ſei es zwiſchen ihm
viegervater über die Erſchießung der
) und Strauß zu Auseinanderſetzun=
Für Verſöhnung und dann wieder zu
Dobei er in Notwehr ſeinen Schwie=
en
habe. Nach dieſer Tat flüchtete
rau, der Tochter des Erſchoſſenen,
iner früheren Ehe ſtammenden Toch=
in
die Waldungen des Speſ=
Jahre hindurch unter falſchem
und Weſtdeutſchland herum.

Das Geſchenk de
lierung zum 50jähr. Prieſterjubiläum des Papſtes.

Stücke aus dem ſogenannten Roten Tafelſervice‟.
Anläßlich der 50jährigen Prieſterſchaft des Papſtes ließ die deutſche Reichsregierung dem Heiligen
Vater eine Nachbildung des ſogenannten Roten Tafelſervices Friedrichs des Großen durch den
Geſandten von Bergen feierlich überreichen.

Der Wekklauf der

Der Start auf dem Montparnaß.
Alljährlich ſtarten die durch Grazie und Geſchicklichkeit berühmten
trägerinnen der Pariſer Hutgeſchäfte, zu einem Wettrennen quer

nach dem Montmartre.

Pariſer Midinettes die Aus=
durch
Paris, vom Montparnaß

Nach Genuß von Kuchen unter Vergiftungs=
erſcheinungen
erkrankt.
Ein Kind geſtorben.
Liegnitz. Nach dem Genuß ſelbſtgebackenen
Kuchens erkrankten hier die Mutter des Paſtors
Koffmane aus Neudorf, Kreis Liegnitz, ihre zu Be=
ſuch
weilenden Enkelkinder und der 12jährige Sohn
des Paſtors Hein aus Sandewalde, Kreis Guhrau,
ſo ſchwer, daß ſie in das Städtiſche Krankenhaus über=
geführt
werden mußten. Der Sohn des Paſtors Hein
iſt bereits geſtorben.
Eine Elfjährige geht in den Tod.
Die 11jährige Schülerin Gerda P. hat ſich in der
Wohnlaube ihrer Eltern in der Kolonie Albrechtshof
erhängt. Gerda B. iſt die Tochter eines Arbeiters,
der in der Kolonie am Wedding mit ſeiner Familie
in ſehr bedrückten Verhältniſſen lebt. In der letzten
Zeit war das Mädchen mehrfach nicht in die Schule
gegangen. Die Lehrerin fragte nun bei den Eltern
an, warum Gerda nicht zur Schule gekommen ſei.
Als Gerda P. am Montag nach Hauſe kam, machte
ihr die Mutter heftige Vorwürfe und ſagte, ſie
werde die Sache dem Vater erzählen. Die Eltern
waren fortgegangen. Während der Abweſenheit der
Eltern erhängte ſich das Kind am Montag abend an
einer Leiter. Als die Eltern heimbehrten war ſie
bereits tot.
Ein Doppelmörder verhaftet.
Paderborn. In Steinheim bei Höxter wurde
auf dem Rittergut Vorder=Eichholz ein dort be=
ſchäftigter
, aus Tarras in Polen ſtammender Ar=
beiter
verhaftet, der im Januar d. J. in ſeiner
Heimat zwei Mädchen ermordet haben ſoll. Der Ver=
haftete
wurde zunächſt in das Gerichtsgefängnis Pa=
derborn
eingeliefert, wo er bis zum weiteren Trans=
port
nach Polen bleiben wird.
Verkehrsgerichte.
Der Basler Nationalzeitung zufolge wurde im
Züricher Kantonsrat die Schaffung eines beſonderen
Verkehrsgerichts für die ſtändig zunehmenden Ver=
kehrsunfälle
angeregt, deren Erledigung durch die
ordentlichen Gerichte gewöhnlich ſehr langſam er=
folge
. Die Auffaſſungen über die Zweckmäßigkeit
und den Wert eines ſolchen Fachgerichts waren ge=
teilt
. Die Kantonsregierung erklärte ſich bereit, die
Angelegenheit in dem Sinne zu prüfen, daß künftig
Automobilunfälle in einem raſcheren Tempo unter=
ſucht
und erledigt werden können.
In Chicago 60 Perſonen erfroren.
NewYork. Nach Meldungen aus Chicago
nimmt die Kältewelle mit ihren verheerenden Fol=
gen
im Norden und mittleren=Weſten Amerikas an
Ausdehnung und Schärfe zu. Ueber große Gebiete
ſind ungeheure Mengen Schnee gefallen. In Chicago
ſind 60 Perſonen erfroren oder an direkten Folgen
der Kälte zugrunde gegangen.

Raubüberfall auf die Stationskaſſe Kutzow.
Swinemünde. Ein verwegener Raubüberfall
wurde im Stationsgebäude des Bahnhofs Kutzow an
der Strecke SwinemündeDucherow verüht. Gegen
21,30 Uhr erſchien im Dienſtzimmer plötzlich ein jun=
ger
Menſch, der dem dienſthabenden Beamten mit
einem ſchußbereiten Revolver entgegentrat und unter
der Drohung Hände hoch! Geld forderte. Da Hilfe
nicht zur Stelle war, blieb dem Beamten nichts wei=
ter
übrig, als dem Räuber die Stationskaſſe, die
etwa 50 Mark enthielt, auszuliefern. Darauf ent=
fernte
ſich der Räuber unter der nochmaligen Dro=
hung
, er würde den Beamten erſchien, falls er Hilfe
herbeirufe.
Furchtbare Bluttat in der ehemaligen Provinz
Poſen.
Ein furchtbarer Maſſenmord, dem ſieben Men=
ſchen
zum Opfer fielen, wurde der N.=A. zufolge
in dem Dorfe Pieruſtfütz im Kreiſe Pleſchen ver=
übt
. Die Familie des jugendlichen Bauern Czeſlaw
Koneczny widerſetzte ſich deſſen Heirat mit der
Schweſter eines deutſchen Lehrers. Der Bauer drohte
wiederholt, ſich an ſeiner Familie furchtbar rächen zu
wollen. In der Nacht zum Montag drang er erſt
in das Schlafzimmer ſeiner 48jährigen Mutter ein
und tötete ſie mit einem Axthieb. Dann erſchlug er
ſeine 24, 22 und 18 Jahre alten Brüder und zuletzt
die 18 und 7 Jahre alten Schweſtern. Nur ein
2jähriger Bruder erwachte rechtzeitig und flüchtete.
Aber auch ihn holte der Mörder ein und ſchlug ihn
nieder. Er liegt lebensgefährlich verletzt im Pleſchener
Krankenhaus und dürfte ebenfalls ſterben. Der Mör=
der
wurde feſtgenommen.
Ueberraſchende Aufklärung eines Mordes.
Wie berichtet, wurde vor einigen Tagen auf einer
Landſtraße bei Regensburg ein vollkommen ausge=
brannter
Opel=Zweiſitzer mit der völlig verkohlten
Leiche eines Mannes aufgefunden. Es wurde feſt=
geſtellt
, daß der Opelwagen dem Kaufmann Kurt
Erich Tetzner aus Leitzig gehörte. Die pobizeiliche
Unterſuchung ergab, daß Tetzner offenbar von einem
Unbekannten, den er zur Mitfahrt in ſeinem Auto
eingeladen hatte, hinterrücks ermordet worden war.
Jetzt hat der Fall, dem T. zufolge, eine ebenſo
überraſchende wie einzigartige Aufklärung gefunden.
Nämlich: Nicht Tetzner, ſondern der unbekannte Mit=
fahrer
ſoll der Ermordete ſein. Tetzner hatte vor
vier Wochen eine Lebensverſicherung zugunſten ſeiner
jungen Frau abgeſchloſſen. Um ſeine Frau in den
Beſitz dieſer Summe zu ſetzen, hat er nach der Theſe
der Polizei offenbar einen Landſtreicher zu einer
Mitfahrt eingeladen und dann ermordet und im
Auto verbrannt. Tetzner ſoll in das Ausland ge=
flüchtet
ſein.
Hauseinſturz in Südfrankreich.
Paris In einer kleinen Ortſchaft in der Nähe
von Montpellier ſtürzte in der vergangenen Nacht
ein kleines Haus ein. Unter den Trümmern wur=
den
die Beſitzer, ein betagtes Ehepaar, begraben.
Sie wurden morgens als Leichen geborgen.

Eine neue Bergkeike enkdeckk.
NewYork. Byrds Flug nach dem Südpol hat
18 Stunden gedauert, wenn man eine kurze Zwiſchen=
landung
zur Aufnahme von Benzin nicht mitrechnet.
In dieſer Zeit hat er 2500 Kilometer zurückgelegt.
Dieſe erſte Erreichung des Südpols auf dem Luft=
wege
bereitete nach den vorliegenden Schilderungen
nicht geringe Schwierigkeiten, weil das Flugzeug im
Polargebiet in heftige Stürme geviet. In dem Ge=
biet
vor dem Südpol mußte das Flugzeug bis zu
3500 Metern anſteigen, um knapp über die ausge=
dehnten
Gletſcher und die Schneefelder der Hoch=
flächen
hinwegzukommen. Beſonders ſchwierig war
die Ueberfliegung des Nanſenberges, um in
das Carmenland zu gelangen. Hierauf ließ
Byrd das Flugzeug direkt auf den Pol zuſteuern.
Gegenwind erſchwerte auch hier den Flug. Im Po=
largebiet
wurde eine neue, unbekannte Bergkette ent=
deckt
. Sie liegt zwiſchen dem von Amundſen und
Scott eingeſchlagenen Weg nach dem Südpol. Am
Südpol ſelbſt war heller Sonnenſchein, der die Meſ=
ſungen
ſowie den Rückflug unter Benutzung des Son=
nenkompaſſes
erleicherte. Nach mehrſtündigem Flug
über unabſehbare Schnee= und Eisflächen war wie=
der
der Gletſcher von Axel Heiberg erreicht. Nach
der Ueberfliegung des Nanſenberges auf dem Rück=
wege
mußte das Flugzeug an der kürzlich angelegten
Verpflegungsbaſis eine kurze Zwiſchenlandung zur
Benzinübernahme vornehmen. Die Polforſcher Byrd
und Balchen ſowie ihre Mitarbeiter haben von dieſem
Südpolflug eine reiche Ausbeute von photographiſchen
und Filmaufnahmen zurückgebracht.
Bluttat eines wahnſinnigen Italieners.
Paris. Ein furchtbares Drama ſpielte ſich am
Montag in Marſeille ab. Ein 24jähriger Italiener
namens Oscar Beſti, der bereits mehrere Male we=
gen
ſeines Geiſteszuſtandes interniert werden mußte,
ſollte ſich wegen Mißhandlung ſeiner Mutter auf
dem Polizeiamt einfinden. Mit einem Gewehr be=
waffnet
und 16 Patronen in der Taſche, begab ſich
Beſti zur Polizei. Unterwegs drang er in einen
Fruchtladen ein, warf die Früchte zu Boden und
ſchleuderte die Apfelſinen auf die anweſenden Käufer.
Im Zuſtande völliger Ueberreizung erſchien er bei
der Polizei, wo er den Polizeibeamten bedrohte und
beſpie. Dieſer merkte fofort, daß er es mit einem
Geiſteskranken zu tun hatte und verſuchte ihn zu be=
ruhigen
. Aber Beſti riß ſein Gewehr an die Schul=
ter
und ſchoß auf den Polizeibeamten, der tödlich
getroffen zu Boden ſank. Nunmehr eilte der Geiſtes=
kranke
auf die Straße. Ein zufällig auf dem Poli=
zeiamt
anweſender Sergeant nahm die Verfolgung
auf. Gerade als er den Mörder erveicht hatte, drehte
ſich dieſer um und brachte auch dem Sergeanten einen
tödlichen Schuß bei. In wilder Flucht eilte der
Mörder durch die Straßen, indem er fortwährend mit
ſeinem Gewehr auf die Verfolger feuerte, von denen
ſechs verletzt wurden. Der Verbrecher wurde ſchließ=
lich
eingeholt. Wuterfüllt ſtürzten ſich auf ihn die
Verfolger und lynchten ihn buchſtäblich. Er ſtarb auf
dem Weg ins Krankenhaus.
Heftige Regengüſſe und ſchwere Stürme
über England.
London. Am Montag ſetzte eine der tiefſten
atlantiſchen Depreſſionen, die ſeit 50 Jahren beob=
achtet
worden ſind, ein und näherte ſich der engliſchen
Küſte und dem Kanal. Der Sturm, über den ſchon
berichtet wurde, erreichte ſtellenweiſe 8090 Klm.
Stundengeſchwindigkeit. Der Schiffsverkehr mit
Frankreich über den Kanal konnte mur mit vieler
Mühe aufrecht erhalten werden. Rettungsboote ver=
ſchiedener
Stationen mußten zu Hilfeleiſtungen aus=
laufen
, ebenſo zwei Seeſchlepper aus Portsmouth.
Ein kanadiſcher Tankdampfer, dem im Sturm das
Ruder gebrochen war, und der ſteuerlos umhertrei=
bend
SOS=Rufe abgegeben hatte, konnte von zwei
holländiſchen Schleppern nach Falmouth eingebracht
werden. Die Fiſcherflotten liefen nicht aus. Be=
ſonders
der Weſten Englands hatte unter heftigen
Regengüſſen zu leiden, die die ſchon überſchwemmten
Gebiete vom letztenmal noch vergrößerten. Die Wie=
ſen
der Themſe ſtehen unter Waſſer.
Acht Schiffe in Seenot.
74 Perſonen vermißt.
St. Johns (Neufundland). Ueber das Schickſal
von acht Schonern mit einer Beſatzung von etwa 74
Mann herrſcht hier große Beſorgnis. Die Schiffe
waren in einen ſchweren Schneeſturm der letzten
Tage geraten und werden ſeit dieſer Zeit vermißt.
Mehrere Dampfer, die zur Hilfeleiſtung ausgelaufen
waren, ſind nach einer ausgedehnten Suche nach den
vermißten Schiffen unverrichteter Dinge zurückge=
kehrt
. Drei andere Schiffe ſind an der Küſte von
Neufundland geſtrandet. Es gelang jedoch in allen
drei Fällen, die Mannſchaft zu retten.
Der Dank des befreiken Rheinlandes.

Kränze der freigewordenen Städte Koblenz
und Aachen am Grabe Dr. Streſemanns.
Am Tage der endgültigen Befreiung der zweiten
Rheinlandzone wurde am Grabe des unvergeſſe=
nen
Außenminiſters Dr. Streſemann Kränze im
Auftrage der Städte Koblen; und Aachen nieder=
gelegt
. Das Rheinland hat nicht vergeſſen, daß
es vor allem die Politik Dr. Streſemanns war,
die zur endgültigen Befreiung führte.

[ ][  ][ ]

Seite 42

Mittwoch den 4. Dezember 1929

Numme

Von Fritz Löwe.

Im lappländiſchen Hochgebirge. In Schweden leben noch
zirka 7000 Lappen, dann und wann gemiſcht mit ſchwediſchem
oder finniſchem Blut. Sie nennen ſich Sameh und bewohnen
ſeit Tauſenden von Jahren die ſkandinaviſche Halbinſel. Man
unterſcheidet Gebirgs=, Wald= und Fiſcherlappen. Die Gebirgs=
lappen
ſind Nomaden. Während des Winters halten ſie ſich mit
ihren Renntierherden in den ausgedehnten Wäldern am Fuße
der Gebirge auf. Im Frühling gehen ſie hoch hinauf in die
Berge, und im Hochſommer ziehen viele über die Grenze au
norwegiſches Gebiet.
Unter den Waldlappen finden ſich vielfach Landwirie, die
feſte Wohnſtätten beſitzen und ſich mit ihrem Herden während des
ganzen Jahres in den großen Wäldern aufhalten. Im Gegen=
ſatz
zu den Berglappen ziehen ſie niemals mit ihren Herden auf
die hohen Gebirge. Sie wohnen mehr im Oſten, haben alſo
vielfach Gelegenheit, mit ſchwediſchen Anſiedlern in Berührung
zu kommen.
Die Fiſcherlappen waren früher auch Nomaden und beſaßen
Renntierherden. linglück hat ſie arm gemacht. Sie ließen ſich
an den großen Gebirgsſeen nieder und ernühren ſich von Jagd
und Fiſcherei. Oft verfügt ein Fiſcherlappe über diele Kilometer
Flußlauf und die Ausbeute des Fiſchfanges an Lachſen, Hech=
ten
, Forellen und zahlreichen anderen Fiſcharten iſt groß.
Die Zukuuft der Lappen liegt in tiefem Dunkel. Die ſchwe=
diſche
Regierung hat vor kurzem eine Neuorganiſation der Lad=
pen
=Siedlungen vorgenommen. Welche Einwirkung dieſe jedoch
auf die uralte Kultur des Lappengeſchlechtes und auf den Be=
ſtand
der ganzen Raſſe haben wird, iſt heute ſchwer zu entſchei=
den
. Die Anſichten hierüber gehen weit auseinander.
Der Streit zwiſchen den Lappen und den Anſäſſigen, zwi=
ſchen
dem Nomadenvolk und dem Kulturvolk, beſteht ſeit Hun=
derten
von Jahren. Die Lappen, die einſt weit ausgedehnte
Gebiete im nördlichen Skandinavien beherrſchten, wurden bis in
die unzugänglichſten Teile des Landes zurückgedrängt.
Eine neue Kultur kam mit Eiſenbahn und Dampfbooien,
mit Schulen und mit Nothilfe. Wohlmeinende Menſchen wollten
die Lappen teilnehmen laſſen an dieſen Segnungen. Menſchen,
die nicht wußten, daß die Kultur etwas Relatives iſt, das darin
beſteht, daß man ſich zu einem glücklichen und reichen Leben den
Verhältniſſen anpaßt, die die Natur ſelbſt bietet. Menſchen, die
glaubten, daß das Weſentlichſte der Kultur in einer Menge kon=
bentioneller
Bildung beſtehe, in einem verhältnismäßig bequemen
Leben, in allerlei äußerlicher Reinlichkeit und in Kleidern, die
der Mode folgen. Alles dies war unvereinbar mit dem Leben
der Nomaden.
In den Gegenden, die die Lappen periodenweiſe durch=
ſtreifen
, ſind ſie es im allgemeinen, die imſtande ſind, ſich die
Naturverhältniſſe beſſer zunutze zu machen, als irgend ein an=
deres
Volk. An vielen Orten, in dem ganzen in Frage kommen=
den
Gebiet, ſind die Verhältniſſe ſo, daß die feſtanſäſſige Bevöl=
kerung
ſicher überhaupt nicht exiſtieren könnte, wenn ſie nicht
teilhätte an dem Produktionsüberſchuß der Lappen.
Die Regelung der Lappenfrage iſt eine Angelegenheit von
großer Wichtigkeit.
Ein weſentliches Hindernis für die geſunde Entwicklung des
Nomadenlebens hat lange darin beſtanden, daß man den Unter=
richt
für die Lappen nach dem Muſter moderner Schulen organi=
ſiert
hat. Man hat ihnen ungefähr dieſelbe Art Bildung zuteil
werden laſſen wie anderen, wenn auch in geringeren Doſen und
auf unvollkommenere Weiſe. Es wäre beſſer, einen praktiſcheren

Unterricht einzuführen, derart, daß die Lappen ihn ſelber ſchätzen
nind Nutzen daraus ziehen können, und zu verſuchen, ihr geiſtiges
Nivean und ihr Selbſtgefühl zu heben durch Berückſichtigung
ihrer eigenen Lebensweiſe, Kultur und Geſchichte.
Früher wurde den Lappen der Unterricht in der Weiſe er=
teilt
, daß die Lehrer in die Lappenniederlaſſungen kamen, dort
den Unterricht in Religion, Schreiben, Rechnen, Leſen erteilten
und gleichzeitig die Nomaden in der Renntierzucht und Haus=
induſtrie
unterwvieſen. Nachdem die neuen Unterrichtsmethoden
eingeführt waren, hat jedoch der Lappe nicht mehr gelernt wie
früher. Beſonders gilt dies von den ſüdlicheren Lappennieder=
laſſungen
. Obwohl vortreffliche Lappenvogte ſich dort für die
Nomaden und die Aufrechterhaltung ihrer alten Kultur einſetz=
ten
, beſteht die Gefahr, daß die Lappen in dieſen Gebieten als
Nomaden ausſterben. Die vielen Verbote und Bevormundun=
gen
machen ſie unzufrieden. So kann es komnen, daß viele von
ihnen für immer den heimatlichen Bergen den Rücken wenden,
mit der Renntierzucht aufhören und ſich als einfache Bauern
niederlaſſen. Die neuartige Anordnung des Schulunterrichts iſt
eine der Haupturſachen, daß in verſchiedenen Bezirben die
Lappenkultur im Verſchwinden begriffen iſt.
Ein Volk lebt ſo lange wie ſeine Sprache lebt. Nimmt man
ihm die Sprache, ſo tötet mam ſeine Kultur. Und ſo geht die
Lappenſprache dem Untergange entgegen. Der Unterricht wird
nämlich auf ſchwediſch erteilt und oft genug von Lehrern und
Lehrerinnen, die die Lappenſprache nicht genügend beherrſchen,
ſo daß Lehrer und Kinder einander oft genug nicht verſtehen.
Es iſt auch nicht gut, wenn die Lappenkinder fern von ihren
Wäldern, Bergen und Seen in weit entferntem Kirchdorf Unter=
richt
erhalten. Das beſte wäre, ſie erhielten ihn inmitten ihres
eigenen Milieus, in feſten oder wandernden Nomadenſchulen
unter Aufſicht von Nomaden=Schulinſpektoren. Aber die Lehrer
und Lehrerinnen müßten finniſch und lappiſch ſprechen, damit
die Kinder ſie richtig verſtehen.
Man hat den Lappen nun einmal die Tore zur großen Welt
weit aufgeſperrt. Gutes und Böſes ſtrömte ins Land hinein.
Erſt kamen die Miſſionare, ihnen folgten die Händler und Aben=
teurer
. Und dann rollte die Fremdenwoge, der Touriſtenſtrom,
heran. Nun ſind vielen Lappen ſchon die von den Vätern über=
nommenen
Sitten und Gebräuche leid.
Wie praktiſch und kleidſam ſind für den hohen Norden die
ſelbſtgewebten bunten Kleider der Lappen. Gibt es etwas An=
mutigeres
als ein Lappenmädchen in ihrer farbigen Tracht, auf
Schneeſchuhen über die weißen Hänge herabſauſen zu ſehen!
Die neue Zeit hat es mit ſich gebracht, daſ die alte lappländiſche
Kleidung immer mehr verſchwindet. Oft genug iſt ſie nur noch
eine ſcheußliche Miſchung von lappländiſcher und ſchwediſcher
Tracht.
An die Stelle der Katen (Lappenzelte) ſind vielſach bereits
Schuppen und Hütten getreten.
Beſonders verhängnisvoll iſt es, daß durch den Verkehr mit
den Fremden viele Krankheiten ins Land gebracht wurden, die
die Lappen früher überhaupt nicht kannten und denen gegenüber
ſie wenig widerſtandsfähig ſind. In der Alkoholvergiftung,
Tuberkuloſe, Grippe, und den Geſchlechtskrankheiten ſind den
Lappen neue, bisher unbekannte Feinde entſtanden.
Dazu tritt bei den Fiſchlappen die ſcharfe Konkurrenz der
Anſiedler. Die ſchwediſchen und norwegiſchen Fiſcher haben
naturgemäß beſſere und modernere Fangvorrichtungen als die

Lappen. In einer Woche fangen ſie oft mehr Fiſ=
Lappe im ganzen Jahr.
Da iſt denn auch der Lappe vielſeitiger geworde
nicht mehr ausſchließlich das Nomadenleben in den
zieht umher und ſucht ſich dort Arbeit, wo ihm gut
möglichkeiten geboten werden.
Die lappländiſche Kultur verdient wirklich Int
praktiſch ſind deren Zelte, Hausgeräte und Werk
Schlitten ſind Kunſtwerke und die Art, wie die Re=
ſchirrt
werden, verdient Bewunderung. Die Laſſo
die Lappen die Renntiere fangen, ſind oft Meiſterwer
flechterei. Auch verfertigen ſie äußerſt kunſtfe
ſchnitzereien. Ihre Milchtöpfe und Käſeformen zeu
Geſchmack und Geſchick. Die Lappenfrauen verſteh
gezeichnet auf Knüpfarbeiten. Ihre Fertigkeit im Fl
Bänder iſt ganz hervorragend. Ueberhaupt verdier
induſtrie der Lappen, die ſich mit der Anfertigung
Pelzſchuhen, Kinderwiegen uſw. beſchäftigt, Beachtu
Die Touriſten fragen oft die Lappen, wieviel
beſitzen. Das iſt mach Anſicht der Lappen genau ſo
wenn man zu Hauſe einen Bekannten fragen wi
Vermögen er beſitzt. Vielfach wird darüber geklagt
ſten den Lappen gegenüber zudringlich ſind. Ruckſicht
ſie in ihre Katen und benehmen ſich aufdringlich, u
wie bei uns auch gegen die guten Sitten der Lat
Wenn die Lappen an mauchen Plätzen ihren gut
verloren haben, ſo iſt dies weſentlich die Schuld d
dringlicher Touriſten. Es wäre gut, wenn alle das
aufſuchende Touriſten ſich daran gewöhnten, in
einen gleichgeſtellten Menſchen zu ſehen und ihn ni ſar
maßendes Benehmen kränken.
Die Lappen haben ſo viele vorzügliche Eigeni
ſind gaſtfreundlich, hilfsbereit. Kommt man im Hn
eine Lappenſiedlung als Fremder, ſo wird einem
ein vorzügliches Lager aus friſchem Birkenreis
Renntierfellen angeboten. Der älteſte Lappe pflegt den
Ruhe dich aus und fühle dich in meiner Kate wi
Oft nehmen die Lappen keinerlei Bezahlung an,
Fremden, die ihnen höflich entgegentreten, als il 6
trachten. Und wenn ſie kein ſchwediſch verſtehen, ſt n=
Gaſtfreundſchaft unter tiefem Schweigen, aber nich=
lich
aus. Im wildeſten Urwald ſchläft man in d
am lodernden Feuer ſicher und geborgen.

Mit Barometergefälle bis unter 715 Millimeter liegt
weitausgedehnten Fallgebietes über Island. Bereits in
nen Nacht überquerte das Regengebiet unſeren Bezirk
erneute verbreitete Niederſchläge. Wenn mit der meh
lagerung der Störung an ihrer Südſeite eine Abflacht
läßt die Niederſchlagstätigkeit nach, aber wolkiges, vielfac
Wetter herrſcht vor, das bei dem abſteigenden Luftdruck
rung unterbrochen wird.
Ausſichten für Mittwoch, den 4. Dezember: Meiſt neblig=
übergehender
Aufheiterung, etwas kühler, nur ver
Niederſchläge.
Ausſichten für Donnerstag, den 5. November: Noch ke
Wetter.

2
5
FEI
*
Ei

Hauptſchriftlettung: Rudolf Maupe
Veranwwortſich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Fe
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eu
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andr E
Die Gegenwart: Dr. Herbert Reite; für den Inſeratenteil: Wil mit
und Verlag: L. C. Wittſch ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſſripte wird Garantſe der Rückſendung nich 1 nm
Die heutige Nummer hat 20 Gei

Schenket
und trinket:
Mittee

In dem Konkursverfahren über das
Vermögen der Firma Klingelhöffer E
Dilges, Drogen=, Material=, Kolonial=
und Farbwarengroßhandlung in Gießen
und ihres Inhabers Heinrich Dilges in
Gießen ſoll eine
Abſchlagszahlung von 20 Proz.
erfolgen. Gegenüber anerkannten nicht
bevorrechtigten Forderungen von RM.
86 145,81 ſind RM. 17 229,09 auszuſchüt=
ten
. Das Verzeichnis der zu berückſich=
tigenden
Forderungen kann auf der
Gerichtsſchreiberei des Amtsgerichts
Gießen eingeſehen werden.
(19041
Der Konkursverwalter:
Dr. jur. Ruckelshauſen, Gießen.

Bekanntmachung.
Am Mittwoch, den 11. 12. 1929, vorm.
9,00 Uhr werden im Bahnhof Griesheim
bei Da., für Bahnzwecke nicht mehr ver=
wendbare
Holzſchwellen öffentlich meiſt=
bietend
verſteigert. Die Bedingungen
werden vor der Verſteigerung an Or
und Stelle bekanntgegeben. (TV.19033
Deutſche Reichsbahn=Geſellſchaft
Bahnmeiſterei 58 Darmſtadt.
Nachlaß=
Verſteigerung.
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noden, Schrank mit Schreibgefach, =
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[ ][  ][ ]

imer 336

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Seite 13

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[ ][  ][ ]

Seite 16

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Nummer

Sport. Spiel und Turnen.
Feldſpiel war der Bensheimer Sturm durch ſein raumgreifendes Spiel
etwas beſſer. Den Bickenbacher Sieg als glücklich anzuſprechen, iſt gewiß
Handoun mörr deutſchen Tarnerſchdfte verfehlt. Der Strafwurf war ſauber verwandelt. Aber, Bensheim

Kreismeiſterklafſe:
IX. Kreis Mittelrhein, 2. Gaugruppr.
LangenArheilgen 2:3 (1:2),
GriesheimPfungſtadt ausgef.,
ObernbungAſchaffenburg 2:1 (1:0),
Erbach-Kl.=Wallſtadt 3:1 (1:0),
DammLeider 6:2 (3:1),
WalldorfGroß=Umſtadt 5:3 (4:1).
Die Würfel ſind gefallen! Arheilgen marſchiert. In 5 Jahren
von der C=Klaſſe zum Gauverbandsmeiſter. Alle Hochachtung! Trotz
der Doppelveranſtaltung in Langen hatten ſich viele Zuſchauer eingefun=
den
, von denen ein guter Teil Arheilger waren. In der 7. Minute
erhielt Loh eine Vorlage von Werner, die glatt verwandelt wurde.
Dann ging Arheilgen aus ſich heraus, und die Gegenangriffe der Ar=
heilger
Stürmer boten etwas Ueberwältigendes. Anthes ſtellte auf 1:1,
der Ball war haltbar. Drei Minuten ſpäter ſtellte Repp durch raffi=
nierten
Drehſchuß die Partie auf 2:1 zugunſten der Gäſte. So blieb
es bis zur Pauſe. Dann ging Erckmann in die Mitte und es klappte
bedeutend beſſer. Aber kein Tor fiel. Dafür verwandelte Arheilgen
einen Strafwurf auf 3:1 und verlegte ſich dam mehr auf die Vertei=
digung
. Erckmann erhielt eine Vorlage, umſpielte 2 Verteidiger und
ſchoß unhaltbar auf 2:3. Ein ſcharfer Punktekampf, den Arheilgen
wegen ſeiner überragenden Stürmerleiſtungen verdient gewonnen hat.
Der beſte Mann war Braun, der Mittelläufer Arheilgens, der, gut
unterſtützt, die Langener, ſonſt ſo gefährlichen Stürmer, dermaßen kalt=
ſtellte
, daß es bald zum Verzweifeln war, von der Langener Seite aus
geſehen. Den Löwenanteil hatte die Langener Verteidigung, ſie mußte
den Arheilger Sturm halten, und hat dieſe Aufgabe glänzend gelöſt.
Werner Philipp überragend. Auch Doll im Tor machte keine ſchlechte
Figur. Die zwei ſchwachen Bälle ſind durch ſeine Geſamtleiſtung glatt
entſchuldigt. GriesheimPfungſtadt fiel dem Regen zum Opfer. In
Obernburg erhob Aſchaffenburg Einſpruch. Erbach war ſehr überlegen
und hätte bei beſſerem Schußvermögen noch mehr Tore erzielt. Wall=
dorf
war endlich wieder einmal auf der Höhe, wobei Neumann ſehr ge=
fiel
. Bis zur Pauſe lag Walldorf klar mit 4:1 in Führung. Doch dann
kamen die Gäſte auf, ſchoſſen zwei Tore auf 4:3, und der Ausgleich lag
in der Luft. Doch er fiel nicht, ſondern Walldorf vergrößerte die Tor=
differenz
auf 5:3.
Main=Rhein=Gau.
Meiſterklaſſe:
Nauheim-Büttelborn 6:1 (2:0),
WolfskehlenWorfelden 5:3 (3:0),
Bickenbach-Bensheim 1:0 (0:0).
Auf dem Bickenbacher Sande hatte ſich ein zahlreiches und beifaus= ihre Reihen aufzunehmen.
freudiges Publikum eingefunden, ſo daß die äußere Aufmachung ſchon
der Bedeutung des Spieles entſprach Bickenbach hatte 2 Erſatzleute,
Wenn auch nur ein Tor fiel, ſo war das ganze Spiel trotzdem überaus
ſpannend, da es auf beiden Seiten etliche Lattenſchüſſe gab, ſehr ge=
fährliche
Strafwürfe vor dem Tore, und mancher ſaftige Schuß wurde
knapp daneben gejagt. Der fürchterliche Sandplatz machte den Gäſten
weit mehr zu ſchaffen. Man kämpfte viel um den am Boden liegenden
Ball und verurſachte ungewöhnlich viel Hochwürfe. Es muß beiden
Mannſchaften hoch angerechnet werden, daß jegliche Härte vermieden
wurde. Freilich wurde manchmal gehalten und in gefährlichen Augen=
blicken
regelwidrig gehandelt. Dann wurde der Strafwurf verhängt,
und die Sache war vergeſſen. Solch ein Ball wurde unmittelbar ver=
wandelt
zum einzigen Tor des Tages. Beide Hintermannſchaften mit
hervorragenden Hütern verſtanden es, jede Torgelegenheit erfolgreich
abzuwehren, und hier hörte man öfters verdienten Beifall. Dann zog
ſich Bickenbach mehr zurück, und das Spiel wickelte ſich zunächſt in ſeiner mit 4 Mann Erſatz und die Einheimiſchen mit der zur Zeit ſtärkſten
Hälfte ab. Doch jeder Bensheimer war ſcharf bewacht, die beiden be=
kannten
Stürmer ſogar doppelt, ſo daß das Durchſetzen faſt unmöglich
war. Der Bickenbacher Jährling ſtand vorne mutterſeelenallein, er=
hielt
einen Ball, umſpielte 3 Verteidiger und knallte an die Latte. Im

hatte ebenſogute Chancen, die es nicht auszunützen verſtand, und darum
der Verluſt. Man denke nur an die Fußabwehr des Bickenbacher Hüters
in größter Not.
Es iſt den Büttelbornern noch nie paſſiert, daß ihr Feick dermaßen
kaltgeſtellt wurde, daß er auch nicht ein Tor ſchoß. Die Mannſchaft
fiel daher ganz auseinander und hatte nur wenig zu beſtellen. Der
gute Halbrechte ſchoß wenigſtens den Ehrentreffer. Nauheim war in
Hochform. Schöne Kombinationszüge, aber immer wieder die Furcht,
der Büttelborner Halblinke könnte durchbrechen. Doch der ihn be=
wachende
Läufer löſte die Aufgabe, die zu bewältigen einſtmals Braun=
Arheilgen nicht imſtande war. Zuſchauer in einer Menge, wie ſie der
Nauheimer Platz noch nie geſehen hat. Wolfskehlen konnte trotz ſeiner
3 Erſatzleute noch überzeugen und in ſchönem Spiel den verdienten
Sieg erringen. Bis zur Pauſe drei einwandfreie Tore. Dann kam
auch Worfelden zu Wort und die drei Tore waren nicht minder ſchön.
Doch Wolfskehlen war um 2 Tore beſſer.
A=Klaſſe:
HeppenheimSeeheim 6:4 (3:2), ſchönes Spiel,
PfungſtadtRoßdorf 5:1 (2:0).
ErfeldenTgde. Darmſtadt. Tgde, nicht angetreten,
B=Klaſſe:
ZwingenbergAuerbach 2:1 (1:1),
BickenbachBensheim 0:4 verdient,
ReichsbahnErfelden wegen Regens abgebrochen.
C=Klaſſe:
Eſchollbrücken-Lorſch 0:5 nach 20 Min. weg. Regens abgebr.,
Arheilgen-Nieder=Ramſtadt 4:2, Arheilgen erſter Sieger.
Jugend:
Egelsbach-Langen 1:2 (0:1),
Bensheim-Pfungſtadt 1:9, die Gäſte nur 9 Mann.

faſt jeder Spieler nach ſeiner eigenen Methode kickte und
ringſten ſich auf die
ſeines Vereins beſann. Wäre,
felder Mannen ſo ei
e der junge Halblinke, dann hätt
uicht ausbleiben könne. Roßdorf ſpielte ſehr eifrig und
daran, ſeine 4:0=Niederlage im Vorſpiel wieder wettzumachen
gelang. Daß Roßdorf auch mit viel Glück und durch die
des Torwächters gewann, ſchmälert trotzdem den verdienten
Der Schiedsrichter leitet einwandfrei.
Eine internationale Tennismeiſterſchaft für Senioren übe
hat der franzöſiſche Spitzenſpieler Jean Borotra angeregt,
die Zuſtimmung des franzöſiſchen Tennisbundes noch aus.
Geſchäftliches.
Die Deutſche Bau, und Wirtſchaftsgemeinſchaft e. G.
Köln, Riehlerſtraße 31a, hat erſt anfangs dieſes Jahres mit i.
keit begonnen. Um ſo bemerkenswerter iſt ihr raſcher, Aufſt
ſchon heute in die Reihe der führenden deutſchen Bauſpank
Denn ſie zählt bereits über 5000 Bauſparer und konnte all
letzten zwei Monaten weit über 1 Million Reichsmark als B
zur Verfügung ſtellen.

Eine ſehenswerte SchaufenſterOekoration zeigt zurzeit d F
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krankheiten verhüten will, beachte die Beilage, die
der heutigen Stadtauflage beigefügt iſt.
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den bekannten Lederhandlungen Chriſtian Rohe, Alexand=
und Jakob Hugenſchütz, nur Langgaſſe 51, erhältlich.
Rundfunk=Programme.

Zehn Jahre Handball.

Der Verband Brandenburgiſcher Athletikvereine war es, der vor
zehn Jahren auf Grund der Initiative von Dr. Karl Diem den Hand=
ballſport
aufnahm, Rundenſpiele ausſchrieb und Meiſterſchaften zum
Austrag brachte. Dieſe Maßnahmen waren von entſcheidender Bedeu=
tung
für die Entwicklung der geſamten Handballbewegung im allge=
meinen
, da ſich die Deutſche Turnerſchaft, Jugendkraft, der Arbeiter=
ſport
uſw. durch die Initiative des Verbandes Brandenburgiſcher Ath=
letikvereine
ebenfalls veranlaßt ſahen, dieſe neue Spielbewegung in
In ſeiner Eigenſchaft als Pionier der Handballbewegung gedenkt
der Verband Brandenburgiſcher Athletikvereine den Geburtstag ſeines
jüngſten, aber lebensfähigen Kindes würdig zu begehen, und veran=
ſtaltet
aus dieſem Grunde am 24. und 26. Januar 1930 im Berliner
Sportpalaſt ein Handballturnier nach dem Pokalſyſtem. Am Frei=
tag
, 24. Januar, nehmen an dieſem Turnier die acht führenden Ber=
liner
Handballmannſchaften teil, während am Sonntag, den 26. Ja=
nuar
, den vier Beſten Berlins vier Spitzenmannſchaften aus dem Reiche
gegenübergeſtellt werden.
Fußball.
Sportverein LengfeldSportverein Roßdorf 2:3 (1:3).
Am letzten Sonntag hatte der Sportverein Lengfeld ſeinen Namens=
vetter
aus Roßdorf zu Gaſt. Man rechnete in Lengfeld, da Roßdorf
Mannſchaft antraten, auf einen ſicheren Sieg und nahm das Spiel
wieder einmal auf die leichte Schulter. Die wenigen Zuſchauer erlebten
daher eine große Enttäuſchung. Lengfeld ſpielte nur in den erſten
10 Minuten ſehr ſchön. Sie führten ein lahmes, luſtloſes Spiel vor, da

Frankfurt a. M.
Mittwoch, 4. Dez. 11.15: Schulfunk: Das Minneli
getragen von Studienrätin Cilla Geis, Ernſt Fleiſchha
ſang). 13.30: Schallplatten. 15.15: Jugendſtunde
Wehrhan: Von Feen und Hexen. 16: Konzert des
o 18: Mannheim: Frau Felicie Hartlaub: Die Frau a
lerin. O 18.30: Franzöſiſche Literaturproben. 18.41
zöſiſcher Sprachunterricht. 19.05: Prof. Dr. Kräuſ
am St. Lorenzſtrom. 6 19.20: Kaſſel: Dialog: Die 1
pflicht der Kinder gegenüber den Eltern. O 19.30: Strau
Ausf.: Funkorch. O 20: Stuttgart: Romantiſche Klavie s=
Mendelsſohn: Konzert in G=moll. Schumann: KrF
A=moll. Chopin: Konzert in Emoll. Ausf.: W.
Mitw.: Philharmoniſches Orcheſter.

I=

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Die Düngung der Kulturpflanzen. O 9.30: W. Auras
tionen für die Landſchulen. O 10: Lyz.=Dir. Dr.
Schuliugend in Frankreich und England. e 10.35: Mi
Verbandes der Preuß. Landgemeinden. e 12: Sche
S 14.45 Kindertheater: Goldmarie und Pechmarie. (
Anna Neumann: Weihnachtsvorbereitungen der Hausfrau
Stud.=Dir Dr. Suſanne Engelmann: Staatsbürger
ziehung der Mädchen durch Elternhaus und Schule.
Hamburg: Hei. die Pußta, Ungar. Lieder mit deutſ S
ten von Curt Siemers. 0 17.30: Dr. Rud. Felber: La
im Aberglauben der Völker. o 18: Dr. Ludwig H0
Barbuſſe bis Remarque. EEine Ueberſchau über die Kr Terg
tur des In= u. Auslandes). o 18.30: Spaniſch f. Anf.
Dr. Jahnke: Gutes Deutſch für Jedermann. o 19.20:
Reichenbach: Denken und Anſchauung. O 20: Wovon me 3
20.30: Sendeſpiel: Mordaffaire Duppler. Ein Hör
Auditor, Danach: Tanzmuſik. Kapelle Gerhard HolF.,

HI

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Mittwoch, den 4. Dez.

Neueſte

Aüuftſcher Bierſcantsstief.

on unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 1. Dezember.
mismus greift in der Wirtſchaft um ſich. Man befürchtet
jahr ſchwere wirtſchaftliche, und vor allem Induſtviekriſen.
der finanzpolitiſchen Schwierigkeiten erblickt man in der
er Deflationspolitik, deren direkte Folge iſt, daß immer
notenmengen aus dem Verkehr entzogen werden und in
wpandern. Parallel damit geht die Aufhäufung der Gold=
ſangue
de France, der Zuwachs belief ſich während dieſes
Milliarden Franken.
tſchaftspeſſimismus entgegnet die Regierung mit dem
Proſperität. Es wird neuerdings in Frankreich viel
ät geredet, allerdings vielerorts mit Skepſis. Die Steuer=
gierung
hält man noch nicht für befriedigend. Abgeſehen
ingen Herabſetzung der Luxusſteuer liegen nur wenige
euerermäßigungen vor, durch die die Lage der Induſtrie
den könnte.
des Rohſtoffmarktes iſt nach wie vor wenig gün=
Kohlenmarkte erregt der unerwartete ſchnelle Aufſchwung
Produktion manche Beſorgnis. In welchem Maße dieſe
gründet ſind, weiß man noch nicht, da die Konkurrenz=
agliſchen
Kohle infolge der hohen Herſtellungskoſten nicht
Einen ernſteren Schlag bedeutet für den Kohlenmarkt die
er Stahlquote, doch wird der dadurch entſtandene Rück=
tes
erſt in einigen Monaten fühlbar werden.
des Eiſen= und Stahlmarktes iſt nicht beſon=
Zwar iſt jede ungünſtige Wendung, die am belgiſchen
ehr an dem amerikaniſchen Markte bereits eingetreten iſt,
öſiſchen Stahlmarkte noch nicht vorhanden, aber die Ver=
um
s Exportmarktes gibt auch hier zu manchen Beſorgniſſen
Du em Innenmarkte ſind auch weniger Beſtellungen einge=
Käufer mit Preisreduktionen rechnen. Der Beſchluß des
die Quote um 10 Prozent herabzuſetzen, wurde hier ge=
eſe
Maßnahme ſoll nach der hieſigen Meinung einen
ſturz auf dem Exportmarkte verhindern.
allmarkt lag ſchwach, die Befürchtungen über eine
wenig günſtige Induſtriekonjunktur bietet ihm keine
ichten. Es mag auch ſein wie hier häufig behauptet
ie Metallpreiſe auch durch die New Yorker Börſenereig=
gedrückt
werden. Nach einer anderen Auffaſſung ſollen
Welt die Rohſtoffpreiſe zurückgehen, ſo daß ein allge=
Egang in der Wirtſchaft zu erwarten ſei.
upferpreiſen verſucht man in Amerika offiziell, ein
iveau aufrecht zu erhalten, allerdings nur zum Schein,
Srpreiſe machen ziemlich heftige Schwankungen durch und
unter dem offiziellen Preiſe. Ueber die Größe der
upfervorräte gehen die Meinungen ſehr auseinander,
laniſchen Statiſtiken ſollen ſie ſich auf etwa 310 000 Ton=
ſuß
: Davon 79 000 Tonnen raffiniertes Kupfer. Nach Lon=
hingen
dagegen ſollen die Vorräte einer einzigen ameri=
O ſchaft (Anaconda) mehr als 70 000 Tonnen ausmachen.
f dem Kupfermarkte zwiſchen London und New York,
yr Baiſſe= und der Hauſſepartei, dauert weiter an, und es
* die Amerikaner den Kürzeren ziehen werden. Das
ird die Preiſe herabſetzen müſſen, um rapide Preisſtürze
ſtwird es wahrſcheinlich zur Produktionseinſchränkung
S Produktionseinſchränkung ſoll ſich nötigenfalls bis auf
elaufen.
markt iſt ſehr deprimiert, Preisſchwankungen gibt es
meiſt im ungünſtigen Sinne. Das Zinkkartell iſt nicht
Zaiſſe aufzuhalten. Es iſt auch kein richtiges Kartell,
iert nur etwa 25 Prozent der Weltproduktion. Es gibt
broduzenten an ſehr verſchiedenen Orten, und vor allem
ſtr) die ſchwer zu organiſieren ſind. Die Preisſtürze be=
der
zten Schlag für die boliviſchen Minen, die die Renta=
Fres ngebüßt haben, während die Minen der niederländiſchen
Eren niedrigen Herſtellungskoſten ſelbſt bei niedrigeren
er eich arbeiten können. So lange die allgemeine Wirt=
iu
); ſich nicht ändert, kann man alſo auf keine Beſſerung
rechnen.
3 Amarkt lag ebenfalls ſchwach, hat ſich aber in den letz=
3 erholt. Man rechnet damit, daß, wenn das neue Ab=
z
2 kommt, die Lage des Marktes ſich beſſern wird.
es Phosphatenmarktes hat ſich in der letzten
gebeſſert. Ueberhaupt iſt die Lage des europäiſchen
ktes günſtig. Beſonders gilt dies für einige Sorten der
tte, die neuerlich ſehr geſucht ſind und deren Abſatz
2 agegen hat ſich die Geſchäftslage am chileniſchen Markte
rſchlechtert. Es wird dort beabſichtigt, die Produktion
alimarkte gibt es keine nennenswerte Aenderungen,
Ake waren im allgemeinen befriedigend.
ide ſtarke Kautſchukbaiſſe hat die hieſigen Wirt=
beunruhigt
, denn eine Reihe von Geſellſchaften find bei
eick) Preiſen unrentabel. Eine neue Baiſſe würde eine
autſchukinduſtrie bedeuten. Die Urſachen der letzten
o unerwartet wie ſenſationell kam, ſind verſchieden. An Nordd, Lloyzd
ſeul) wohl die Aufhäufung der Vorräte und der Mißerfolg / g. E. 6.
angen der Amſterdamer Finnazkreiſe für die Sanierung
nennen.
Mefallngkierungen.
* Metallnotierungen vom 3. Dezember ſtellten ſich für Deutſche Erdöl
170 RM., Original Hüttenaluminium 190 RM., des=
Reinnickel 350 RM., Antimon Regulus 6569 RM.,
68,50 RM.

merikgeiſche Kabelnachrichten.
weln nach Meldungen aus Chicago am 3. Dez.:
Leizen, Dezember 130½, März 138, Mai 1417,
Mais, Dezember 918, März 97, Mai 99, Juli
EDezember 48, März 51½, Mai 5228; Roggen, De=
März 110½, Mai 110.
Mu ez. 10,65, Jan. 10,975, März 11,225, Mai 11,40.
eck, loco 9,75; leichte Schweine 9,159,60, ſchwere 8% Heſſen Volks=
965; Schweinezufuhren in Chicago 40000, im
Jaumwolle: Dezember 17,43, Januar 17,65.
n nach Meldungen aus NewYork am 3. Dez.:
rima Weſtern 11,45; Talg, extra loſe 8.
Seizen, Rotwinter n. Ernte 148½, Hartwinter n.
Mais 105%; Mehl 5,856,25; Getr. Fracht nach
T sh, nach dem Kontinent 89 C.
Idenz feſt, Umſatz 276, Loco 9½, Dezember 9.25,
2.45, Februar 9.,61, März 9.76, Mai 10.05, Juli
jepl er 10.53.
Biehmärkte.
Sehhofmarktbericht vom 3. Dezember. Auftrieb: 15 89 Berlin v. 24 .
659 Kühe oder Färſen, 212 Kälber, 46 Ziegen, 986 8‟‟ Darmſtadt v. 26
derlauf: Großvieh ſchleppend, Ueberſtand; bei Schwei=
* dei nachgebenden Preiſen geräumt. Es wurden bei
wicht folgende Preiſe in RM. bezahlt: Ochſen: 56 bis
Eu: 4048; Kühe: 4348, 3139, 2529, 1820,
Kalber: 6678; 4865; Schweine: 7376, 7679,
Derdemarkt vom 3. Dezember. Bei dem letzten Pferde=
äyre
war ein größerer Auftrieb feſtzuſtellen; es ſtan=
* mehr zum Verkauf als anläßlich des Oktobermarktes.
De Kaufluſt nur gering und erſt im Laufe des Vor=
* ſich der Handel zufriedenſtellend. Im allgemeinen
rückgängig und insbeſondere bei Schlachtpferden,
* bis 30 RM. je 50 Kg. gehandelt wurden. Große
* has Rheinland. Etwa Zweidrittel des Geſamtauf=
er
Beſitzer gewechſelt haben. Der nächſte Pferde=
n
6. Januar 1930 angeſetzt.

Frankfurker und Berliner Effekfenbörſe.

Frankfurt a. M., 3. Dezember.
Die zuverſichtliche Stimmung, die an der geſtrigen Abendbörſe ge=
herrſcht
hatte, konnte ſich zu Beginn des offiziellen Verkehrs noch ver=
ſtärken
. Das Geſchäft war aber trotzdem ziemlich klein, nur einige
Spezialwerte traten etwas mehr hervor. Vereinzelte Auslandsorders
führten zu dieſer Bevorzugung. Die Spekulation zeigte nur wenig
Unternehmungsluſt, da Anregungen wieder faſt vollkommen fehlten.
Die New Yorker Börſe von geſtern ſchloß ſchwächer, doch machte dies
wenig Eindruck. Die Tendenz blieb freundlich. Gegenüber der geſtri=
gen
Abendbörſe traten durchweg leichte Erholungen ein. Am Elektro=
markt
beſtand lebhaftere Nachfrage für Siemens mit plus 4 Prozent,
AEG., Schuckert und Geffürel zogen bis 0,75 Prozent an. In Nach=
wirkung
der Mitteilungen über Standard Oil Co., waren J. G. Farben
ebenfalls noch etwas ſtärker bevorzugt bei einem Gewinn von 1,75 Pro=
zent
. Scheideanſtalt lagen nur eine Kleinigkeit feſter. Schiffahrtswerte
bis zu 1,25 Prozent niedriger. Am Montanmarkt ergaben ſich Erhöhun=
gen
bis zu 1/ Prozent. Auch heute waren Reichsbankanteile weiter
geſucht und gewannen erneut 5,5 Prozent. Hiervon ausgehend wurde
die Stimmung günſtig beinflußt, und das Geſchäft konnte zeitweiſe einen
etwas lebhafteren Charakter annehmen. Die übrigen Bankwerte lagen
zumeiſt gut behauptet. Renten ſtill.
Im Verlaufe waren Spezialwerte weiter etwas lebhafter gefragt.
Es traten durchweg gegenüber dem Anfang erneute Beſſerungen bis zu
1,5 Prozent ein. Im Vordergrunde ſtanden Siemens, J. G. Farben
und Reichsbankanteile. Zum Schluß der Börſe wurde es auf Realiſa=
tionen
und auf einen Baiſſevorſtoß in Kunſtſeideaktien allgemein ſchwä=
cher
. Bei Kunſtſeideaktien betrugen die Verluſte bis zu 7 Prozent.
Sonſt gingen die Einbußen bis zu 2 Prozent. Am Geldmarkt war
Tagesgeld mit 7,25 Prozent etwas leichter. Am Deviſenmarkt war die
Mark feſt, das Pfund dagegen international ſchwächer. Mark gegen
Dollar 4,1755, gegen Pfunde 20,383, London-Kabel 4,8795; Paris
123,86, Mailand 93,20), Madrid 35,05, Holland 12,08¾
Nach den Kursrückgängen am Schluſſe der Mittagsbörſe war die
Haltung im Abendverkehr zurückhaltend und luſtlos, zumal auch
uneinheitliche New Yorker Kurſe keine Anregung bieten konnten. Die
Kurſe waren meiſt etwas behauptet. Aku=Aktien konnten ſich nur ge=
ringfügig
erholen. J. G. Farben waren knapp gehalten. Die Kurs=
veränderungen
blieben allgemein minimal. Anleihen ohne Geſchäft.
Neubeſitzanleihe 8,30, Adca 117,25, Commerzbank 154,75, Danatbank
237,25, Deutſche und Diskonto 149,75, Dresdner Bank 149,75, Reichs=
bank
274, Buderus 62,5, Harpener 128,5, Aſchersleben 186, Mannes=
mann
92, Rheinſtahl 104,25, Stahlverein 103,5 Aku 120,5119,5, AEG.
159, Bemberg 176 minus 6 Prozent, Bergmann 205,5, Deutſche Lino=
leum
239, Licht und Kraft 166,5, J: G. Farben 1771777/, Felten 114,
Schuckert 188, Siemens 290,5, Glanzſtoff 160, Südd. Zucker 160,75,
Hapag 99,5.
Berlin, 3. Dezember.
Der heutige Börſenbeginn hatte auffallende Aehnlichkeit mit dem
geſtrigen. Vormittags und vorbörslich geſchäftslos und zurückhaltend,
wurde die Stimmung dann, von Spezialwerten ausgehend, freundlich.
Wieder waren es Reichsbankanteile, die im Vordergrunde des Inter=
eſſes
ſtanden, doch hat ſich heute der Kreis der gefragten Papiere ſchon
etwas vergrößert. Es iſt anzunehmen, daß es ſich bei den zur Ausfüh=
rung
kommenden Bankenkäufen um Aufträge des Auslandes bzw. des
Publikums handelt und nicht um von den Banken inſzenierte Bilanz=
käufe
; für letztere wäre es auch noch etwas früh. Ueber den unregel=
mäßigen
und ſchwächeren Verlauf der geſtrigen New Yorker Börſe ging
man hinweg, dagegen iſt an ſich von dem Bericht der Preußiſchen Han=
delskammer
und der Denkſchrift des Reichsverbandes der Deutſchen In=
duſtrie
Anregung ausgegangen. Mehr Beachtung fand auch die Darſtel=
lung
der Standard Oil Company über die Zuſammenarbeit mit den
J. G. Farben, die ſich langſam zu einer Transaktion allergrößten Aus=
maßes
zu entpuppen ſcheint. Ferner beſprach man, angeregt durch eine
Preſſenotiz, die Möglichkeiten einer Diskontſenkung in London am Don=
nerstag
und die trotz des Bedarfes des Reiches eher leichteren Geldver=
hältniſſe
. Die erſten Kurſe lagen uneinheitlich, aber überwiegend feſter.
Gleich nach den erſten Kurſen wurde es dann auf faſt allen Märkten
recht lebhaft und Gewinne von eins bis drei Prozent und bei Spezial=
werten
wie Schultheiß, Polyphon, Salzdetfurth, Siemens, uſw. bis
fünf Porzent, waren keine Seltenheit. Später ließ das Geſchäft wie=
der
nach, und die Spekulation benutzte die hohen Kurſe zu Gewinnmit=

nahmen, der Grundton blieb aber feſt.

Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 30. November hat ſich
die geſamte Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks,
Lombards und Effekten in der Ultimowoche um 596.8 Millionen
auf 2667.1 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Be=
ſtände
an Reichsſchatzwechſeln um 31.8 Millionen auf 41.8 Mil=
lionen
RM., die Beſtande an ſonſtigen Wechſeln und Schecks um
450.2 Millionen auf 2367.9 Millionen RM. und die Lombard=
beſtände
um 114.8 Millionen auf 164.7 Mill. RM. zugenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen ſind 780.5 Mil=
lionen
RM. in den Verkehr abgefloſſen, und zwar hat ſich der
Umlauf an Reichsbanknoten um 754.0 Millionen auf 4916.5 Mil=
lionen
RM., derjenige an Rentenbankſcheinen um 26.5 Millionen
auf 394.1 Millionen RM. erhöht. Dementſprechend ſind die Be=
ſtände
der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 16.2 Millionen
RM. zurückgegangen. Die fremden Gelder zeigen mit 445.4 Mil=
lionen
RM. eine Abnahme um 113.8 Millionen RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen zuſammen
haben ſich um 11.7 Millionen auf 2637,6 Millionen RM. erhöht,
und zwar haben die Goldbeſtände um 4.1 Millionen auf 2240.4
Millionen RM. und die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um
7.6 Millionen auf 397.2 Millionen RM. zugenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein betrug 45.6 Prozent
gegen 53.7 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold und
deckungsfähige Deviſen 53,6 Prozent gegen 63.1 Prozent.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Wie wir erfahren, findet die Bilanzſitzung der Vereinigten Weſt=
deutſchen
Waggonfabrik A.=G., Köln, für 1928/29 am 19. d. M. in Köln
ſtatt. Es wird eine Dividende, wie ſchon angekündigt, von wenigſtens
7 Prozent erwartet.
Nach Informationen iſt die zum 3. Dezember vorgeſchlagene Zu=
ſage
der Mühlengruppe über Abkauf der Bankenforderungen an Drey=
fuß
mit einer Quote von 10 Prozent nicht bei dem Gläubigerausſchuß
eingelaufen. Die Mühlengruppe hat ſich eine weitere Bedenkzeit bis
5. dieſes Monats ausbedungen.
Der Konkurs des alten Hofbankhauſes Max Müller in Gotha hat
die Staatsanwaltſchaft zu einer Nachprüfung der Geſchäfte veranlaßt.
Laut V.=Z. wurde der alleinige Inhaber des altangeſehenen Privat=
bankhauſes
, Major a. D. Müller, aus dem Santorium heraus verhaf=
tet
. Er ſoll Depotunterſchlagungen und Veruntreuungen von mehr als
einer Million begangen haben.
Die allgemeine Lage der Pirmaſenſer Schuhinduſtrie hat in der
Berichtswoche eine kleine Verſchlechterung erfahren. Verſchiedentlich
mußten Entlaſſungen vorgenommen werden. Im großen und ganzen
kann man jedoch mit dem augenblicklichen Geſchäftsgang zufrieden ſein.
Die Süddeutſche Zinkblechhändler=Vereinigung hat ihre Preiſe mit
Wirkung vom 3. Dezember um 1 Prozent erhöht, nachdem dieſe am
28. November um zirka 2,25 Prozent ermäßigt wurden.
Die franzöſiſche Gußeiſenproduktion ſtellte ſich für Oktober auf
894 000 Tonnen gegen 857 000 Tonnen im Oktober des Vorjahres. Die
Zahl der Hochöfen im Betriebe betrug im Oktober 157 gegen 150 im
Oktober 1928. Arbeitsbereit waren 64 Hochöfen. Die franzöſiſche Roh=
ſtahlproduktion
betrug im Oktober 846 000 Tonnen gegen 834 000 Tonnen
im entſprechenden Vorjahrsmonat.
Auf Anordnung des Polizeipräfekten von Paris wird die Pariſer
Börſe im Jahre 1930 an folgenden Tagen geſchloſſen ſein: an allen
Samstagen in den Monaten Mai bis Oktober, am 4. und 27. März und
am 18. und 19. April.
Geſtern abend nahmen Lloyd George, Sir Herbert Samuel und
Sir John Simon auf Einladung des Premierminiſters und des Köhlen=
ausſchuſſes
des Kabinetts an einer Beſprechung mit der Regierung über
die kommende Kohlengeſetzgebung teil. Es verlautet, daß infolge der
geſtrigen Konferenz der Geſetzentwurf in einigen Punkten geändert
werden wird.
Die Großhandelsfirma Thomann Arbenz u. Co. in Zürich, ein füh=
rendes
Handelshaus in Manufakturwaren, ſteht laut N. Z. Z. vor
Zahlungsſchwierigkeiten, die es veranlaſſen, ein gerichtliches Ausgleichs=
verfahren
anzuſtreben. Der Status ſchließt bei einer Bilanzſumme von
12,56 Millionen Franken mit einer Unterbilanz von 1 169 540 Fr. ab.

Berliner Kursbericht
vom 3. Oezember 1929

Drutſche Dunt

De iſenmarkt
vom 3. Dezember 1929

Berl. Handels=Geſ. Vaff Mief ee Weiee Minnt iffe Währung Ra Mee Währung! Rr7 Danatbank 237.50 J. G. Farben 178 Rütgerswerke 70,75 Helſingfors 100 finn. Mk. 10.486 10.506 Schweiz 100 Franten 81.03 Deutſche Bank u 149.50 Gelſenk. Bergw. 125- Salzbetfurth Kali 313. Wien 100 Schilling 58.73 58.85 Spanien 100 Peſetas / 57.90 Disconto=Geſ. Geſ. f.elettr. Untern. 161.75 Leonh. Tietz 151. Prag
100 Tſch. Kr. 12.376 12.39/ Danzig
100 Gulden 81.46 Dresdner Bank 148. Harpener Bergbau 30. Verein. Glanzſtoff 165. Budapeſt 100 Pengo 73.02 73.16 Japan 1 Yen 2.044
Hapag 100.50 Hoeſch Eiſen
110.75 Verein. Stahlwerke 104.50
Sofia 100 Leva 3.014 3.C20 Rio de Janetro 1 Milreis 0.490 Hanſa Dampfſch. 43.25 Phil. Holzmann 85. Weſteregeln Alkali 195. Holland 100 Gulden 168.37 168.71 Fugoſlawien 100 Dinar 7.397 98.50 Kali Aſchersleben 187.25 Agsb.=Nrnb. Maſch 73.25 Oslo 100 Kronen 111.81 112.03 Portugal 100 Escudor 18.81 161.25 Klöcknerwerke Baſalt Linz 31. Kopenhagen 100 Kronen 111.87 112.09/ Uthen 100 Drachm. 5.43 Bahr. Motorenw. 83.75 Köln=Neueſſ. Bgw. 107.875 Berl. Karlsr. Ind. 68. Stockholm 100 Kronen 112.34 112.56 Konſtantinope 1 türk. 2 1.883 J. P. Bemberg. 189. LLudw. Loewe 163. Hirſch Kupfer 1115.50 London 1 2=Stg. 20.356 0.396 Kairo
1ägypt. * 20.375 Bergmann Elektr. 206. Mannesm. Nöhr. 92.75 Hohenlohe=Werke 81. Buenos=Aires 1 Pap. Peſo 1.728 1.73. Kanada
1 canad. Doll. d. 127 Berl Paſch.=Bau 56. Maſch.=Bau=Untn 40.55 Lindes Eismaſch 152.75 New Yort 1 Dollat 4.1720 4. 1800 Uruguah 1 Goldpeſo 4.016 Conti Gummi 145.25 Nordd. Wolle 101.25 Herm. Poege 20. Belgien 1100 Belge 58.375 58.495 Jsland 100 eſtl. Kr. 92.14 Deutſche Cont. Gas 159.875 Oberſchleſ. Kofsw. 96.875 Vogel Telegr. Draht 65.50 Italien 100 Lire 21.85 21.89 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr 111.73 95.625 Orenſtein & Koppel 70. Wanderer=Werke 49. Paris
100 Franes 6.435 16.475 Riga 100 Lats 80.46

Brref
81.19
58.02
El.62
2.048
0.492
7.411
E.25
5.44
.C87
20.915
g. 135
4.02
92.32
111.25
80.62

Honaloant, Kommanontgereafchaf
Frankfurter Kursbericht vom 3. Dezember 1929.

6% Otſche. Reichs,
anl. v. 27 ......"
6% Baden Frei=
ſtaat
v. 27 .....
6% Bayern Frei=
ſtaat
v. 27
ſtaat v. 28 ...
b. 2
8%0
6% Preuß. Staats=
anl
. v. 28 .....
6% Sachſen Frei=
ſtaat
v. 27 ...."
7%Thüringer Frei=
ſtaat
v. 27 ... ..

Dtſche. Anl. Auslo
ſungsſch. = Ab=
löſungsanl
. . . .
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.
Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
...
8% Bad.=Bad. v. 26
RA
Frkf. a. M. v. 26
8% Mainz v. 26
80 Mannh. v. 26.
8% Nürnbergv. 26
8% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr..
8% Heſſ. Landesbk.
Goldoblig.
4½% Heſſ. Lds.
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr.
8% Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt. Gold=
pfbr
.
8% Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt. Gold=

87.3
73
76
89.5
91.4
75.25
50
8.55
3.4
84
82:I.
85.5
96.5
93.25
747
A
95

83 Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
8 %KaſſelerLandes=
kredit
Goldpfbr.
8% Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr.

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I
*Ausl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)
8% Berl. Hyp.=Bk.
4½%Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp. Bk..
4:/,% Lig. Pfbr.
Pfbr. Bk..
4:/.% Lia. Pfrb.
8% Mein. Hyp. Bk.
Lig. Pfbr.
41.
Pfälz. Hyp. Bk.
4½% Lig. Pfbr.
8% Preuß. Boden=
ered
.=Bank.
Lig. Pfb.
Preuß. Centrl.=
Bodener.=Bk.
Lig. Pfb.
4½
8% Rhein.Hyp.Bk.
4:/,% Lig. Pfbr.
3% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit .. . ..
8% Südd. Bod.=
Cred.=Banf..
3% Württ. Hhp.=B
6% Daimler Benz
von 27 ........
8% Dt. Linol. Werkel
v. 26
Klöchner=Werkel
Berlin v. 26 ..
Mainkrw. v,26
% Mitteld. Stahl=
werke
v. 27

94.5
96
96
AJ
18
97
96.5
75
96.5
79.65
97
76.75
78.25
97

R.
75.
97
79
96.5
97.5
e

66
R

86.5
81.

80.5

82½,Salzmannu. Co.
v. 26
7% Ver. Stahlwerke
mit Opt. v. 26 ..!
8% VoigtckHäffner
von 26 ..
J. G. Farben Bonds
v. 28..........!1
2o Bosn. L.E.B.
v. 1914
41.% Oſt. Schatz
anw. v. 1914...
4% Oſt. Goldrentel
52overeinh. Rumän.
4½%0
4% Türk. Admin.
14½ 1. Bagdad
4½ Zollanl
4½,% Ungarn 1913
4:/.%0
1914
Goldr.
Aktien
Accum=Berlin
Adlerw. (v. Kleher).
AEG. Stamm
AndreaeNoris Zahn/114
Baſt Nürnberg
Bergm. El. Werke 1206
Brown BovericCie/110.75
Brüning & So
Buderus Eiſen
Cemen: Heidelberg/118.25
Karlſtadt/164
Chem.Werke Albert/ 41
Chade
ontin. Gummiw./ 40
Daimler=Benz
Dt. Atl. Telegr. . .. 1100
Eiſenh. Berlin.
Erdöl
Gold= u. Silb.=Anſtalt /139.5
Linoleumwerk . /241.5
Dyckerhoff u. Wid=
mann"
.

14.3
7.15
241

Aene
86.75
62
/321.5
96

FElektr. Licht u. Kraft
Liefer=Geſ.
Eſchw. Bergwert
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnere
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter).
Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas.
Hof
Geiling & Cie..
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. elektr. Unter=
nehmungen

Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchine
Grün & Bilfingerl:
Dafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfbr)=
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Kupfer .....
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil..
Holzverk.=Induſtrie
Flſe Bergb. Stamml=
Genüfſel=
Junghan. Stamm
KaliAſchersleben".
Salzdetfurth.
Weſteregeln ..
Kammgarnſpinn..
Karſtadt, R. .....
Klein, Schanzl. . . .ſ.
Klöchnerwerke ....!
Lahmeyer & Co...).
Lech, Angsburg. . ./.
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br.
Mannesm Röhren 91=

Ve
198.5
30
213
177.5
64

65
16.5
123.7!
164
62
45
169.5

Mansfeld Bergb..
MarswerkeNürnbg. 47
Metallgeſ. Frankf. 113.25
Miag. Mühlenbau. 1121.5
Montecatini Maild./ b2.75) Memel.......
Motorenfb. Darmſt.
Reckarwerke Eßling. /126.5
Nicolay, Hofbr.

105.75

Oberbedarf.
Otavi Minen
Phönix Bergbau.
Reiniger, Gebb.
Rh. Braunkohlen
Elektr. Stamm.
Stahlwerke
Riebeck Montan ..
Roeder Gb. Darmſt
Rütgerswerke ..
Sachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel
Schuckert Elektr. .
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Strohſto fj. Ver...
Südd. Immobilier
Zucker=A. G..
Svenska Tändſticks
Tellus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ..
Tucher=Brauerei..
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Ver).
Beithwerie.
Ver. f. Chem. Ind.
Frankf.
Laurahütte.
Stahlwerke
Ultramarin. . .
Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner. 224

142
105.5
n0.
165
272
93
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1149
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1126.5
1118
114
140
128.5
278.5
1110.25
141
137
12.5
118

99

[ ][  ][ ]

Beite 18

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Der erste deutsche Polar-E

Epeditionsleiter Dr. Grotewahl spricht Donnerstag, den 5. Dezember, 20,6 Uhr, Turnhalle, Woogsp
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[ ][  ][ ]

mmer 336

Mittwoch, den 4. Dezember 1929

Seite 19

ur4
VOM
WolFGanc MARKEB
rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
Nachdruck verboten
Brohibitionspolizei, nahm George wieder das Wort,
ins Mark faul durch dieſes noch faulere Geſetz. Drum
= aufgelöſt werden. Eine Reihe der Beamten muß
fe dem Alkoholgenuß verfallen iſt, vorläufig in Trinker=
gr
geſchaft werden. Es werden wohl gut ein halbes
ſein.
dvar Henderſon zuviel.
rang auf wie ein Zwanzigjähriger und ſagte wütend:
eine verdammte Lüge!
ge blieb ruhig.
ert George lügt nicht! ſagte er einfach. Die Namen
iten können Sie jederzeit erfahren.
n... dann ſtecken Sie dieſe pflichtvergeſſenen Be=
c
ins Zuchthaus!
ſim! Sie ſind Opfer ihres Berufes geworden.
verſtehe Sie nicht, Mr. George.
einfach, Herr Miniſter. Sie ſind nach dem Dienſt=
verbflichtet
, in jedem Falle durch Koſtproben feſtzu=
es
wirklich Alkohol iſt, was ihnen in die Hände fällt.
aber.
n Sie einmal am Tage, ſagen wir ein Dutzendmal
er verſchiedene Sorten: Whisky, Liköre, Wein, Rum
es alles gibt, gut und ſchlecht. Mag ſein, daß man
3i etwas ausgiebig probiert hat, aber es läßt ſich nichts
der Appetit kommt beim Eſſen. Hier ſtimmt es
d zwar aufs Trinken.
er Henderſon ſchwieg verſtimmt. Er war innerlich
deil er fühlte, daß er dem jüngeren, kühleren Robert
er ihri eins voraus hatte die Erfahrung nicht
twar.
Tauerte, daß es nicht in ſeiner Machtvollkommenheit
on ſeinem Poſten abzuſetzen.
werden Sie jetzt das Geſetz ſchützen, Miſter George?
ann ſteif.
Geſetz ſchützen? lächelte der Polizeipräſident. Da
ich keinen Illuſionen hin. Das Geſetz läßt ſich nicht
Mein Apparat iſt ſo organiſiert, daß er über ganz
anmäßig iſt. Ueberall habe ich meine Beamten. Glied
ed. Was meine Beamten an Bootleggers faſſen, was
Yoholmengen konfiſzieren können, das wird geſchehen.
te Beamten ausſchicken und überall Razzien halten
mit Koſten verbunden ſind nein, Herr Miniſter,
jetrunkenen Polizei iſt nichts anzufangen.
dieße alſo eine Lockerung?"
gar eine bewußte Lockerung.
Sie, Mr. George, daß dies Ihnen den Poſten als
ident koſten kann?
wenn ſchon! ſagte George, zu Henderſons Wut ganz
alten Sie es für ein Vergnügen, in Chicago Polizei=
u
ſein? Nein, Herr Miniſter, damit können Sie mich
en. Aber hören Sie mich an. Ich will ganz offen
ſein, damit Sie meine Beweggründe erfaſſen. Ich
e kaum einen Tropfen Alkohol. Wegen mir könnte
ſein, ſo ſcharf wie es will. Aber ich muß jetzt tat=

ſächlich eine Lockerung eintreten laſſen, und zwar aus dem ein=
fachen
Grunde: Weil ich damit den Bootleggers einen tödlichen
Schlag verſetze. Vergegenwärtigen Sie ſich die Lage: Sie können
in Chicago überall Alkohol erhalten. Wer aber hat den Vorteil
dabon? Eine beſtimmte Verbrecherklaſſe: Die Bootleggers, denn
ſie können immer auf die Gefährlichkeit der Heranſchaffung
hinweiſend ſolche Preiſe für den Alkohol nehmen, daß ſie alle
reiche Leut: werden. Das bedeutet, daß das Verbrechertum
kapitalſtark wird, und daß durch die Bootleggers eine Brücke
zum Bürgertum geſchlagen wird. Ich will dieſe Brücke und will
auch das kapitalſtarke Verbrechertum zerſchlagen. Es wird nicht
lange dauern, dann denkt kein Menſch mehr daran, dieſe ſchwin=
delhaft
hohen Summen für Alkohol auszugeben. Das Geſchäft

DASTIZLEN
(Acridiniumchlorld.)

der Bootleggers wird mit einem Male eine Kriſe durchkoſten,
die es vielleicht ruiniert. Das habe ich vor, Herr Miniſter.
Henderſon konnte ſich den eindringlichen Worten nicht ver=
ſchließen
.
Er nickte mehrmals und ſagte dann: Ja! Gut, Mr. George.
Ich will Ihnen nicht verſchweigen, daß Ihre Tatkraft und Ihre
Leiſtungen im Kampfe mit der Chicagoer Verbrecherwelt die
größten Anerkennungen verdienen. Ich weiß, daß Sie Mac
Millans Erbe unter einer, eben dieſer Bedingung angetreten
haben. Gut! Sie ſollen nicht ſagen, daß Henderſon ein klein=
licher
, engherziger Burſche iſt. Ich werde Sie ein wenig unter=
ſtützen
. Ein Jahr gebe ich Ihnen Zeit. Tun Sie in dem Jahre,
was Ihnen gut erſcheint. Sie haben ſchon recht. Auf dieſe
Weiſe können Sie das Bootleggertum vielleicht ruinieren. Eine
Frage noch, Mr. George: Glauben Sie, Mac Millans Aufgabe
löſen zu können?
Das kommt darauf an, wann mich die Kugel erreicht, oder
beſſer geſagt, ob ich ihr entrinnen kann, bis ich die Chicagoer
Verbrecherwelt tatſächlich ausgerottet habe. Ich bin auf dem
beſten Wege dazu.
Mr. Towler hörte ſehr intereſſiert mit zu.
Sie ſind zweifellos auf einem guten Wege, Mr. George,
ſagte er eindringlich.
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Die ſich dann anſchließende Unterhaltung zwiſchen allen Be=
teiligten
bewegte ſich um den Boxkampf.
Der bekannte Boxunternehmer Richards war mittlerweile
gekommen und unterhandelte mit den beiden Boxern und ihren
Managern.
Ueber die Börſe ſie ſollte achthunderttauſend Dollar be=
tragen
war man ſich ſchon einig geworden. Nur um die
Kampfbedingungen und um das Datum ging es noch.
Schließlich einigte man ſich auf einen Kampf über fünfzehn
Runden mit fünf=Unzen=Handſchuhe. Datum: 15. April.

Heliane, die Hausfrau, ſaß auch mit im Rauchzimmer und
balancierte in graziöſer Weiſe ihre Zigarettenſpitze zwiſchen der
roten Lippen.
Sie erſchienen etwas zu rot, alſo geſchminkt.
Heliane beteiligte ſich hin und wieder an der Unterhaltung.
Sie ſprach kurz und abgeriſſen. Es lag eine Art Befangen=
heit
über ihrem Weſen, die George, der ſie ſtändig beobach=
tete
, nicht berſtand.
Er bemerkte auch, daß Heliane ſeinen Blicken auswich.
Benn ſah es auch. Es war gegen die ſechſte Stunde, als
ihm George zuflüſterte: Laß uns gehen. Veranlaſſe, daß ich
angeklingelt werde."
Benn erledigte das in gewiſſenhafter Weiſe.
Als er die Geſellſchaft für einen Moment verlaſſen konnte,
telephonierte er mit Bökkel und gab ihm die entſprechende Order.
Prompt eine Viertelſtunde ſpäter wurde George an den
Apparat gebeten, und als er wiederkam, ſagte er: Gnadige Frau,
ich bitte Sie, uns gütigſt zu beurlauben. Der Dienſt ruft.
Heliane ſah ihn erſchrocken an. Auch Mr. Towler war
überraſcht aufgeſtanden.
Sie wollen fort, Mr. George? fragte das junge Weib
mit bebender Stimme.
Ich muß. Ich habe dringenden Beſuch aus New York er=
halten
, zwei Kriminaliſten, die mich dringend zu ſprechen
wünſchen.
Aber Sie kommen wieder, Mr. George, bat ſie.
Vielleicht, Mrs. Millans, ſagte George kälter als er wollte,
daß ſie blaß wurde.
Mr. Towler ſchob ſich heran
Aber ſo laſſen Sie doch die Herren hierherkommen, li=ber
George.
Doch George ſchüttelte den Kopf.
Heliane begleitete die ſcheidenden Gäſte bis zur Tür.
Heiß und leidenſchaftlich ſagte ſie zu Robert George: Warum
gehſt du, Robert? Ich fühle, du haſt eine Ausrede gebraucht,
Gefällt es dir nicht hier?
Du haſt recht, Heliane, geſtand der Mann. Es gefällt
mir nicht. Ich komme bald wieder. Wenn du allein biſt, dann
komme ich einmal mit Benn. Mich ſtören die fremden Menſchen.
Nun umſchlang ſie ihn ohne Rückſicht auf Benn, der ſofort
ſeine Schritte beſchleunigte, und küßte ihn in heißer verzehrender
Leidenſchaft.
Dieſer Kuß nahm biel von dem Aerger in Roberts Seele,
und dankbar erwiderte er den Kuß.
Ein Gefühl der Freude war plötzlich wieder in ſeinem
Herzen.
Warum haſt du die Geſellſchaft verlaſſen? Haſt du einen
beſonderen Grund?
George ſchüttelte den Kopf, als Benn ſo fragte.
Nein . . . oder doch ja. Du entſinnſt dich meiner Wette
mit Mr. Towler. Es iſt jetzt ſechs Uhr. Bis um acht Uhr will.
ich ſie gewonnen haben."
Biſt du toll?
Trauſt du es mir nicht zu?
Doch, das ſchon. Aber ich derke mir, jetzt wird Mr. Towler
beſonders wachſam ſein. Er wird ahnen, was du vorhaſt. Das
ſoll er doch nicht.
Das ſoll er getroſt! Ja, gerade, das will ich. Mr. Towler
ſoll bei jedem Menſchen, der jetzt in den Kreis tritt, annehmen,
das iſt Robert George. Das hat ſeinen beſonderen Zweck. Es
iſt für mich eine Art Generalprobe, denn ich will in nächſter
Zeit nach dem unbekannten Silper ſuchen.
(Fortſetzung folgt.)

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