Einzelnummer 15 Pfennige
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Morgenzeitang der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit + verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 291
Sonntag, den 20. Oktober 1929.
192. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſiadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzelgen 40 Reſchspfg. Rellamezelle (92 mm
breilsReſchsmarkAnzeſgen von auswärts 40 Reſchspfg.
Finanzälnelgen 60 Reſchepſa. Bmm beliſe eſanes
zeſſe 300 Reſchemark. Alle Preiſe in Reſchemart
4 Dollar — 4.20 Markl. — Iim Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr Streitl uſw., erliſcht
ede Verpſiſchtung auf Erfüllung der Anzeſgene
aufträge und Teſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtiſcher Beltreibung fäll jeder
Rabatt weg. Bankonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Der Kampf um die Aukorikäk des Skaakes
Reichsminiſter Dr. Curkius forderk zum Schuk und zur
Fanfung des Fefengnfſhen Derles M.
Mannheim, 19. Oktober.
Reichsminiſter Dr. Curtius ſprach im Rahmen einer
Grenz=
landkundgebung der Deutſchen Volkspartei am 19.
Ok=
tober im Nibelungenſaal in Mannheim. Er widmete Dr.
Stre=
jemann einen tief empfundenen Nachruf, forderte zum
Schutz und zur Fortführung ſeines Werkes auf.
betmpfte das Volksbegehren und betonte die Notwendigkeit der
Erhalung und des Wachstums der Deutſchen Volkspartei.
Streſenanns Werk fortzuentwickeln bedinge, ſo führte er aus,
in der ßegenwart entſchloſſen in die Reihen der Kämpfer gegen
das Voksbegehren einzutreten. Es gehe in dem jetzt entfeſſelten
„Ka mpfum die Autorität des Staates als ſolchen
nach inner und außen.
Zur Kriegsſchuldfrage erinnerte Reichsminiſter Dr.
Curtius darar, daß Dr. Streſemann als Reichskanzler bereits
am 25. Oktoba 1923 in Hagen erklärt habe: „Wenn man aus
klar erkennbaten Gründen immer wieder den Verſuch macht,
Deutſchland (llein die Schuld am Weltkriege aufzubürden, ſo
weiſe ich die Kriegsſchuldlüge mit aller Entſchiedenheit zurück.”
Das Volksb gehren renne, wenn es zum Kampf gegen die
Schuld=
lüge auffordere, offene Türen ein. Es verwirre nur das Volk.
Der Pedner bekämpfte alsdann die Irreführung der
Oeffeatlichke it über weſentliche
Tatbeſtands=
merkmale des zur Abſtimmung geſtellten
Fra=
gentomplexes, indem er dabei erklärte, mit Nückſicht auf
die außenpolitiſche Lage größte Zurückhaltung üben zu müſſen.
Man drehl und deukelt an den Räumungs=
Welafingen Genff.
Indem man Zweifel an ihrer Klarheit und Wirkungskraft im
Innern errege, ſpiele man gewiſſen ausländiſchen Kreiſen in die
Karten. Die Räumungsvereinbarung vom 30. Auguſt 1929 ſtelle
feſt: „Die Räumung der 3. Zone durch die franzöſiſchen Truppen
wird unmittelbar nach der Ratifizierung des Youngplanes durch
das deutſche und franzöſiſche Parlament und der Ingangſetzung
dieſes Planes beginnen. Sie wird in jedem Falle, ſpäteſtens in
einem Zeitraum von acht Monaten, der ſich jedoch nicht über das
Ende des Monates Juni 1930 hinauserſtrecken darf, beendet
werden.”
Ingangſetzung des Youngplanes bedeutet
Natifizierung des Vertrages über den Plan
und Erlaß der gleichzeitig vom Reichstage zu
beſchließenden Geſetze. Mit keinem Wort iſt bei den
Verhandlungen von einer Kommerzialiſierung der
bedingungs=
los zahlbaren Jahresleiſtungen als Vorausſetzung der Räu=
Interpretation vollkommen aus.
plan, erſt recht aber gegenüber dem Londoner Ultimatum vom
5. Mai 1921 anlange, ſo ſei die Sachlage einfach: Im Vergleich
durchſchnittliche jährliche Erleichterung von rund einer halben
Tatbeſtand zu verwiſchen. Die
Zrreführung der öffenklichen Meinung
wurde an einer Reihe von Beiſpielen gezeigt. Hugenberg und die
Seinen müßten bei Ablehnung des Youngplanes mit einem
Weiterlaufen des Dawesplanes und ſeinen erhöhten Laſten
rechnen. Sie behaupteten, daß binnen kurzem die
Dawes=
kriſe eintrete. Da die Entſcheidung über das Inkrafttreten des
Transferſchutzes ausſchließlich bei den Reparationsinſtanzen liege
und es ſich in dieſen Jahren gezeigt habe, daß alle Argumente,
wären, nicht zum Ziele geführt hätten, beſtehe keinerlei Gewähr
dafür, wann und wie die Daweskriſe eintreten werde. Größer
Entwi cklung führen werde. Gewiß würden vor allem
Mittelſtand und Landwirtſchaft „unter der Kriſe leiden. Sie
werde aber darüber hinaus die ganze Kreditgewährung
unter=
binden und die Gefahr eines völligen wirtſchaft= Die deulſche Politik dürfe demgegenüber nicht paſſiv
lichen Zuſammenbruches heraufbeſchwören.
Die Zerſehung des polikiſchen Lebens wird durch das
Volksbegehren verhängnisvoll geförderk.
Anſtatt verantwortungsbewußte Oppoſition zu
Außenpolitik Rückſicht nehmen müſſe zwängen
die Urheber des Volksbegehrens Mitglieder
der Regierung zu öffentlicher Stellungnahme
eine große Reihe wichtigſter Einzelfragen der Löſung harre, der D.V.P. habe ſich mit aller Entſchiedenheit ſtets für eine (
Anſtatt konſervativ zu ſein, wie ſie es vorgäben, bedienten ſich ſparſame Wirtſchaftsführung eingeſetzt. Die Regie= e
die Urheber des Volksbegehrens ultrademokratiſcher Waffen, die rungsparteien, müßten ſich jetzt auf ein Sparprogramm
ſich gegen ſie ſelbſt kehren müßten, Verfaſſung oder Praxis einigen Das innerſte Weſen des Liberalismus beſtehe darin,
derjenigen Staaten, die ebenfalls Formen direkter Geſetzgebung die Zeichen der Zeit zu beachten und ihre Anſprüche zu
befrie=
mittelbar zu entſcheidenden Maßnahmne gemacht. Niemand
könne leugnen, daß es keine ungeeignetere Befragung des Vol=
kes geben könne, als dieſe. Sie überſteige das
Faſſungsvermö=
gen des Staatsbürgers, der die Zuſammenhänge nicht überſehe,
und lege ihm eine Verantwortung auf, die er nicht tragen könne.
Schwerer als dieſer Mißgriff ſei aber die Verwirrung der
werde, über außenpolitiſche Fragen von nicht zu überſehender
Tragweite abzuſtimmen. Selbſt radikalſte Demokraten würden
davor zurückſchrecken, Außenpolitik, durch Plebiſzite machen zu
laſſen und dadurch jede geordnete Regierungstätigkeit
lahmzu=
legen.
den Gipfel der Demagogie bildek der Paragtapb 4.
es Maſchegelfens.
In Wahrheit handele es ſich nicht um einen Geſetzgebungsakt,
ſondern um ein Urteil in Form eines Geſetzes gegen ganz
be=
ſtimmte Männer. Wie dieſes Vorgehen aber auf alle anſtändig
denkenden Menſchen wirke, das habe der Reichsausſchuß der
Deutſchen Volkshartei am 30. September mit den Worten
ge=
kennzeichnet: „Die Männer, die unter Einſatz ihrer ganzen Kraft
und unter Opferung ihrer Geſundheit dieſen Befreiungskampf
führen, mit dem Vorwurf des Landesverrates zu bedrohen, iſt
eine Infamie, für die auch der ſchärfſte politiſche Kampf keine
Entſchuldigung bietet.”
Solchen Mekhoden ſtellte der Reiner das
Ktaaks=
männiſche Handeln Dr. Skreſertanns gegenüber.
Er führte in dieſem Zuſammenhange zur Reparationsfrage und
Außenpolitik u. a. aus, Streſemann und mit ihm die
Reichs=
regierung hätten dem Kataſtrophenſpiel und der Kriſenmacherei,
die uuns in den letzten Jahren wiederholt gedroht hätten, die feſte
Ueberzeugung entgegengeſtellt, daß kein verelendetes und
kriſen=
durchſchütteltes Deutſchland dem Gläubiger=Gegner die Löſung
der Reparationsfrage abringen könne. „In finanziellen Kämpfen
iſt die Wirtſchaftskraft entſcheidend und gilt die Negel: „Hilf Dir
ſelbſt, ſonſt hilf Dir der andere!‟ Deshalb hätten, wir vor
Dawes=Anleihe und Dawes=Plan 1923/24 mit Aufbietung
unſe=
rer letzten Kräfte zuerſt aus eigenen Mitteln die Währung
ſtabi=
liſiert. Deswegen hätten wir in der Folgezeit alle produktiven
Kräfte angeſpannt und Deutſchland trotz aller Rückſchläge wieder
zu einem uneutbehrlichen Faktor der Weltwirtſchaft gemacht, um
dann erſt an die Aufgabe heranzugehen, aus dem Verſuch des
Dawes=Planes zu einer Löſung der Reparationsfrage zu
ge=
langen.
Wie werden auf dieſem Wege forkzuſchreiten haben.
Große Aufgaben aufwirtſchaftlichem und
finan=
ziellem Gebiet harren der Löſung. Loyale
Erfül=
lung übernommener und zu übernehmender Pflichten ſetze die
ſicht auf die Verpflichtungen die einzige Gewähr für unſeren
wei=
mung die Rede geweſen. Der Text ſelbſt ſchließt eine derartige teren Aufſtieg. Während der Hugenberg=Kreis reine
Illuſions=
politik hinſichtlich der Kriegsſchuldlüge treibt, hat Streſemann
Was die Herabſetzung der Reparationen um er= mit Nüchternheit und Klarheit der Wirklichkeit ins Auge geſchaut
hebliche Beträge durch den Youngplan gegenüber dem Dawes= und die vorhandenen Möglichkeiten real genutzt. Das hat zum
Fortſchritt und zum Ausbau der Verſtändigungspolitik geführt,
zur Belaſtung des Dawesplanes bringt der Youngplan eine Intereſſen durchzuſetzen und mit den europäiſchen
Geſamtinter=
eſſen als Friedenspolitik bekannt und ſomit zum Anwalt der nach
Milliarde; in den erſten zehn Jahren ſind die Erleichterungen er= dem Kriege durch alle Völker tief gefühlten Sehnſucht nach
Siche=
heblich größer. Dieſe Erleichterungen ſollen der deutſchen Wirt= rung des Friedens macht. Sie iſt der Ausdruck dafür, daß
ſchaft zugutekommen. Es wird nicht gelingen, dieſen einfachen Deutſchland lein höheres Intereſſe hat, als unter dem Schutze
des Friedens ſeinen inneren und äußeren Wiederaufſtieg zu vol=
Politik auch nach dem Tode Streſemanns
fort=
ſetzen wird. Die Politik des Volksbegehrens führt notwendig
zur Iſolierung und Abſperrung Deutſchland und damit
unver=
unſere politiſche Kraft im nationalen Boden wurzelt, ſo notwen= begehren zu wehren, werden dadurch, und zwar nicht nur in
deut=
gerade in einer Zeit der wirtſchaftlichen Verflechtungen der
Völ=
ker und insbeſondere der europäiſchen. Die internationalen
Zu=
die für eine Herabſetzung des Transfers geltend gemacht worden ſammenhänge werden beinahe, ſichtbar von Monat zu Monat
enger. Wer könne verkennen, wenn er auf dieſe Dinge den Blick die auch heute noch in den Kriegstributsforderungen ein
wirk=
richte, daß ſich vor allem auf wirtſchaftlichem Gebiete
Neuord=
noch ſei die Sorge, wohin die einmal entfeſſelte, nungen anbahnten, die ſich zwar im Augenblick erſt ſchattenhaft niederzuhalten. Nur langſam kommen die
Kommiſſionsverhand=
abzeichneten, die aber allem Anſchein nach die Zukunft
beherr=
ſchen würden.
bleiben.
ob es ſich um Entwicklungen innerhalb oder außerhalb des
Völ=
kerbundes handle. Wir müſſen darauf ſehen, daß die deutſche
treiben, die in der gegenwärtigen Lage vor allem auf unſere litik loyal zuſammenarbeiten mit den anderen Nationen, die glei= ſolange dieſe Oppoſition ſich in ſachlichen Grenzen hielt, d. h.
chen Willens ſeien.
ſchon in einem Stadium, wo das letzte Wort len und ſie in ſeinem Geiſte weiterzuführen und weiter zu längen die Dinge, wenn wir wirklich eine nationale Oppoſition
über den Youngplan noch nicht geſprochen ſei, entwickeln. Groß und ſchwer ſeien die Aufgaben, die der Partei hätten, eine Oppoſition alſo, für die das nationale Intereſſe
wo die internationalen Verhandlungen noch fortdauerten und geſtellt ſeien und die der Löſung harrten. Die Reichstagsfraktion, allein maßgebend iſt und die in keinem Augenblick das nationale
entwickelt hätten, hätten ſtets Ausnahmen für die vom Volk un= digen. Die Rede ſchloß mit dem Ausdruck der feſten Zuverſicht.
Schickfal zu überwinden.
Die Woche.
Man kann ſelbſtverſtändlich das Ergebnis des
Hugenberg=
ſchen Volksbegehrens nicht mit irgendwelcher Sicherheit
voraus=
ſagen, nachdem erſt 4 Tage der Einzeichnungsfriſt vorüber.
Im=
merhin kann man aber doch ſchon heute feſtſtellen, daß das
Ergeb=
nis dieſer erſten Tage den Erwartungen in keiner Weiſe
ent=
ſpricht, welche die Väter des Volksbegehrens gehegt. Auch wenn
Geiſter, die dadurch eintreten müſſe, daß das Volk aufgerufen man berückſichtigt, daß das Volksbegehren ja ſehr ſtark auf die
Landbevölkerung in Nord= und Oſtdeutſchland rechnet, und daß
über die Einzeichnungen auf dem platten Lande naturgemäß
bisher erſt ſehr unvollſtändige Meldungen vorliegen, laſſen doch
ſchon die Ergebniſſe in den großen Städten den Rückſehluß zu,
daß es keineswegs mit Sicherheit feſtſteht, daß das Hugenbergſche
Vollsbegehren die 4 Millionen Stimmen aufbringt, welche die
Vorausſetzung des Volksentſcheides ſind. Wenn in einer Stadt
wie Darmſtadt in den erſten 4 Tagen noch nicht einmal 500
Stim=
men für den Volksentſcheid abgegeben werden, ſo iſt das doch
immerhin bezeichnend. Aber ſelbſt wenn Herr Hugenberg und
ſeine Gefolgſchaft mit dem nötigen Aufwand die für den Erfolg
des Volksbegehrens notwendigen 41 Millionen Stimmen
auf=
bringen würde, ſo kann heute weniger noch wie vorher auch nur
der geringſte Zweifel beſtehen, daß es völlig ausgeſchloſſen iſt,
daß beim Volksentſcheid die 20 Millionen Stimmen
zuſammen=
kommen, die nötig wären, um dem „Freiheitsgeſetz” zum Siege
zu verhelfen.
Was aber iſt unter dieſen Umſtänden mit der ganzen Aktion
erreicht?. Man muß ſich dieſe ernſte Frage ſchon jetzt ſtellen, man
muß ſchon jetzt verſuchen, die Menſchen zu ruhiger und ſachlicher
Ueberlegung zu bringen, damit die Folgen nicht noch
verheeren=
der werden als ſie ſchon ohnehin ſind.
„Bei voller Würdigung des nationalen Widerſtandwillens,
der in den 85 1 und 2 des Volksbegehrens nach Ausdruck ringt,
ſehen wir den vorgeſchlagenen Geſetzentwurf und namentlich
ſeine 88 3 und 4 für die Führung unſerer Außenpolitik als
ſchäd=
lich an. Dieſe Paragraphen wollen Leiter der deutſchen
Außen=
politik, wer ſie in Zukunft auch ſein mögen, in ihrer
Handlungs=
freiheit durch einen Geſetzestext binden, deſſen Auslegung
ſchließ=
lich dem Strafrichter zufallen ſoll. Ein unmöglicher Zuſtand.
Das Ergebnis der Young=Verhandlungen in Paris und im
Haag befriedigt auch uns nicht, ſo ſehr wir die großen und
ehr=
lichen Bemühungen der deutſchen Unterhändler anerkennen.
Aber ein Erfolg des Volksbegehrens würde alle Beſtrebungen
auf Beſſerung der deutſchen Lage für abſehbare Zeit vereiteln.
Wir halten daher die Ablehnung des Volksbegehrens für den
richtigen Tienſt am Vaterland.”
Neben den Unterſchriften des Oberbürgermeiſters Jarres,
des früheren Reichskanzlers Dr. Luther, des Abg. v. Papen, des
früheren Reichsjuſtizminiſters Dr. Schiffer trägt dieſe Erklärung
zum Volksbegehren auch die Unterſchriften von einer ganzen
Reihe von Perſönlichkeiten, die im deutſchen Wirtſchaftsleben
Klang und Anſehen haben. Darin liegt ja gerade die
Unge=
heuerlichkeit des Hugenbergſchen Volksbegehrens, daß es,
wäh=
rend wir noch mitten in den Dingen ſtehen, die deutſche
Kampf=
front nach außen zertrümmert und dadurch dem deutſchen Volke
Anſpannung aller Kräfte voraus. Dies iſt ohne Rück= unwiederbringlichen Schaden zufügt. Daß der Young=Plan für
die deutſche Wirtſchaft eine Belaſtung bedeutet, die wir nach
An=
ſicht aller Kenner der Dinge auf die Dauer nicht werden tragen
können, iſt von keinem, der die Verhältniſſe auch nur
einiger=
maßen überſieht, jemals ernſthaft beſtritten worden. Niemand
ſah in ihm etwas anderes als eine Etappe in dem Kampf um
die deutſchen Kriegsentſchädigungen. In dieſem Augenblick verſchob
d. h. derjenigen Politik, die am Verhandlungstiſch die deutſchen das Volksbegehren des Herrn Hugenberg völlig die Situation.
Da das „Freiheitsgeſetz”, wie es ſo ſchön heißt, den Young=
Plan kurzerhand ablehnt und — wie ja ein konkreter beſſerer
Vorſchlag nicht gemacht wird und auch nicht gemacht werden
kann — der ganzen deutſchen Außenpolitik damit den Boden
entzieht, zwingt es ſelbſtverſtändlich die verantwortlichen Träger
dieſer deutſchen Politik zu energiſcher Abwehr. Ihre
Einſtel=
lenden. Es beſteht kein Zweifel, daß Deutſchland dieſe lung zum Young=Plan ſelbſt wird dadurch natürlich nicht
ge=
ändert. Es wird nach wie vor wohl keinen deutſchen Miniſter
geben, der im Young=Plan der Weisheit letzten Schluß ſieht.
Aber alle die verantwortlichen Träger der deutſchen Politik, die
meidlich zu ſeiner Verkümmerung und zum Abſterben. So gewiß jetzt gezwungen werden, ſich gegen das Hugenbergſche
Volks=
dig müſſen wir die Kräfte der Umwelt benutzen und ſie fördern, ſchen Volksverſammlungen, ſondern, was viel ſchlimmer iſt, für
das geſamte Ausland abgeſtempelt als Verteidiger des
Young=Plans. Schmunzelnd beobachten es die Pariſer
Rechts=
kreiſe, mit Behagen ſtellen es die engliſchen Wirtſchaftskreiſe feſt,
ſames Mittel ſehen, die deutſche Konkurrenz auf dem Weltmarkt
lungen im Haag vorwärts, und die Quittung für das
Hugen=
bergſche Volksbegehren wird uns bei der Haager Schlußkonferenz,
die ja noch bevorſteht, präſentiert werden. Jeder Menſch hat
das Recht der eigenen Meinung, und zwar insbeſondere auf
dem Gebiete der Politik, und er kann verlangen, daß auch der
Gegner dieſe ſeine Ueberzeugung achtet. Man hätte ſich alſo
ganz gewiß nicht darüber beſchweren dürfen, und der verſtorbene
Reichsaußenminiſter hätte ſich ganz gewiß nicht darüber beſchwert,
Auffaſſung und die legitimen deutſchen Intereſſen, voll in die wenn ſeine Außenpolitik in gewiſſen Kreiſen des deutſchen Vol=
Wagſchale fallen. Wir werden im Geiſte unſerer bisherigen Po= kes auf Widerſtand geſtoßen wäre, auf eine Oppoſition alſo —
ſolange ſich die Kritik nicht auf eine reine und generelle Ableh=
Zum Schluſſe forderte der Miniſter ſeine Freunde auf, ſich nung beſchränkte, ſondern ſelbſt für poſitive Ziele eintrat. Man
auch vor das dritte Werk Dr. Streſemanns, ſeine Partei, zu ſtel= hat viel von einer nationalen Oppoſition geſprochen. Wie anders
GemeinſchaftsgefühldemAusland gegenüber verliert. Waswir heute
erleben, hat mit einer ſolchen nationalen Oppoſition auch nicht
das geringſte mehr zu tun. Aus innerpolitiſchen Beweggründen
heraus ſchädigt man unbedenklich in einer hemmungsloſen
Hetz=
kampaane die außenpolitiſchen Intereſſen des deutſchen Volkes
auf das ſchwerſte, und man ſcheut ſich nicht vor dem Verſuch, die
daß es dem deutſchen Lebenswillen gelingep werde, Deutſchlands wirklich nationale Einſtellung weiteſter deutſcher Kreiſe dafür
einzuſpannen. Wir haben es leider in Deutſchland auch ſchon
Seite 2
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Numiner 291
früher erlebt, daß man über innerpolitiſcher Gegnerſchaft ganz
vergaß, daß über allem parteipolitiſchen Hader das
Geſamt=
intereſſe der Nation ftehen muß, daß innerpolitiſche
Auseinander=
ſetzungen niemals dazu führen dürfen, daß die gemeinſamen
Lebensintereſſen eines Volkes dem Ausland gegenüber Schaden
leiden. Wir haben das leider ſchon oft erlebt, aber im
allgemei=
nen doch nur bei den Kreiſen, die über die Nation die
inter=
nationale Utopie ſtellen möchten. Es iſt Herrn Hugenberg
vor=
behalten geblieben, zum erſten Mal zu verſuchen, die Kreiſe des
deutſchen Volkes, die bisher ſtets ein beſonders ausgeprägtes
Nationalgefühl ausgezeichnet hat, zum Kampf zu führen gegen
nationale Lebensintereſſen. Verhängnisvoll ſind möglicherweiſe
die außenpolitiſchen Folgen, verhängnisvoll werden auch die
innerpolitiſchen Folgen ſein. Einen ſchweren Schlag hat der
nationale Gedanke erhalten. Das deutſche Volk wird ihn noch
lange verſpüren.
M.
Maſſengkkion der Frankfurker Polizei
gegen die
Bisher 67 Berhafkungen.
Frankfurt a. M., 19. Okt.
Infolge der vielen politiſchen Zuſammenſtöße in den letzten
Tagen anläßlich von Verſammlungen und Kundgebungen, bei
denen es regelmäßig einige Verletzte gab, hat die Frankfurter
Polizei in den letzten vier Tagen eine umfaſſende Aktion gegen
dieſe politiſchen Auswlichſe eingeleitet, über deren vorläufiges
Ergebnis der Polizeipräſident heute vormittag in einer
Preſſe=
konferenz Mitteilung machte.
Die Frankfurter Polizei glaubte ſich zu der Annahme
berech=
tigt, daß in letzter Zeit politiſche Verſammlungen, namentlich
die der Nationalſozialiſtiſchen Partei, in überwiegendem Maße
von bewaffneten Teilnehmern beſucht wurden. Um ſich von der
Richtigkeit dieſer Annahme zu überzeugen, wurde zunächſt in
Eſchersheim eine nationalſozialiſtiſche Verſammlung durchſucht;
dieſe Unterſuchung hatte jedoch kein Ergebnis. Dagegen wurde
bei einer zweiten Durchſuchung einer NSAP.=Verſammlung in
Gräfs Garten eine umfangreiche Waffenſammlung zutage
ge=
fördert. — Eine zweite Verſammlung der Nationalſozialiſten
im Stadtteil Höchſt am Freitag abend, zu der etwa 70
National=
ſozialiſten aus Frankfurt unter Führung des Schloſſers Weitzel
erſchienen waren und in der Poſtinſpektor Sprenger=Frankfurt
ſprach, verlief zunächſt bis auf kleinere Gegendemonſtrationen
ruhig. Erſt auf dem Nachhauſeweg kam es zu größeren
Aus=
ſchreitungen. Nachdem die Nationalſozialiſten bei ihrer Abfahrt
in Höchſt die Zuſchauer mit Flaſchen bombardiert hatten, wollten
ſie vor einer Griesheimer Wirtſchaft Halt machen, die jedoch voll
beſetzt war. Nachdem hier einige Paſſanten bedroht worden
waren, ging die Fahrt zur Waldſchulſtraße. Dort wurden einige
Mitglieder einer ſozialiſtiſchen Jugendbewegung überfallen und
mißhandelt. Dabei wurde der 48 Jahre alte Johann
Watten=
dorf aus der Neufeldſtraße durch einen Stich in die
Halsſchlag=
ader ſchwer verletzt; er liegt noch bewußtlos im Krankenhaus.
Hier fielen auch von ſeiten der Nationalſozialiſten ſechs Schüſſe.
Auch ſoll der Befehl ertönt ſein: Knicke heraus!. Nach einer
kurzen Weiterfahrt kam es an der Galluswarte abermals zu
Zuſammenſtößen mit politiſch Andersdenkenden. Dabei ſollen
insbeſondere drei junge Kommuniſten den Nationalſozialiſten
Schmähungen und Beleidigungen zugerufen haben. Während
die beiden anderen flüchten konnten, wurde der dritte überfallen
und durch Stiche in den Kopf, die Naſe und in den rechten
Mundwinkel ſchwer verletzt. Nachdem er ſchon viel Blut verloren
hatte, wurde er durch die Fenſterſcheibe einer Gaſtwirtſchaft
hin=
durchgeworfen. Er liegt in bedenklichem Zuſtande im
Kranken=
haus; Lebensgefahr ſoll jedoch nicht beſtehen. —
Die inzwiſchen verſtändigte Polizei ſtellte in der Rudolfſtraße
mit einem großen Aufgebot den Laſtkraftwagen der
National=
ſozialiſten und nahm 67 Perſonen feſt. Sie wurden in das
Polizeigefängnis gebracht. Nachdem bei der erſten Unterſuchung
keine Waffen gefunden worden waren, entdeckte die Polizei dieſe
ſpäter im Laſtkraftwagen.
Von den feſtgenommenen Nationalſozialiſten iſt gegen vier
Haftbefehl erlaſſen worden, während die anderen entlaſſen
wurden.
Vom Tage.
Nach einer Meldung der Voff. Zeitung hat das Reichskabinett
im Nachtragsetat auch 10 Millionen für die
beſetz=
ten Gebiete eingeſetzt und einen Betrag für die
Unter=
bringung der Beamten und Angeſtellten der aufzulöſenden
Reichsver=
mögensverwaltung im beſetzten Gebiet.
Bis zum Samstag nachmittag hatten ſich in Wiesbaden für
das Volksbegehren 720, und in Mainz 68 Perſonen
eingezeichnet.
In der Vorunterſuchung wegen der
Sprengſtoff=
attentate ſind die gegen die Miglieder der ſogenannten Timm=
Gruppe Erich Timm, Herbert Mittelsdorf, Kurt Roßteutſcher, Heinrich
Bauder und Willi Wilske erlaſſenen Haftbefehle vom
Unter=
ſuchungsrichter aufgehoben worden. Die Unterſuchung geht
un=
abhängig davon weiter.
Der belgiſche Außenminiſter Hymans hat dem
italieniſchen Botſchafter Marceſe Durazzo das lebhafte
Bedauern der Regierung bezüglich der
italienfeind=
lichen Kundgebung vor der Botſchaft ausgedrückt. Eine
eingehende Unterſuchung iſt eingeleitet worden.
Der frühere Pariſer Botſchafter der
Sowjet=
union Nakowſki, der vor kurzem mit Trotzki ein
Wiederauf=
nahmegeſuch an Stalin richtete, iſt in Saratoſv vom der GPU. verhaftet
und nach Barnaul in Sibirien, 300 Kilometer ſüdweſtlich von
Tomſk, deportiert worden. igſe Maßnahme der ruſſiſchen
Partei=
leitung ſoll gleichzeitig die Antworr—uf Trotzkis Wiederaufnahmegeſuck
darſtellen.
Trotz der Mitteilung des Privatſekretärs Macdonalds, daß die
Ge=
rüchte über die Amtsmüdigkeit des Miniſterpräſidenten jeder Grundlage
entbehren, wird nun von Otrawa aus noch ein amtliches Dementi
aller Rücktrittsabſichten Macdonalds veröffentlicht.
Der amerikaniſche Präſident Hoover hat in einer
Preſſebeſprechung die gegen Deutſchland gerichtete
Hetz=
inſchrift an der Bibliothek der Löwener
Univerſi=
tät ſcharf verurteilt.
Das neue Republikſchutgeſeh.
* Berlin, 19. Okt. (Priv.=Tel.)
Wie bereits kurz mitgeteilt, hat das Reichskabinett am
Frei=
tag den Entwurf des neuen Republikſchutzgeſetzes verabſchiedet.
Herrn Severing iſt es alſo doch gelungen, die Schwierigkeiten)
die ihm im Reichsrat, und auch im Kabinett wegen dieſer
Vor=
lage gemacht worden waren, zu beſeitigen. Ausſchlaggebend
dürfte wohl geweſen ſein, daß er den „Sibirien”=Paragraphen
fallen gelaſſen hat, der einen Zwangsaufenthalt vorſah. Auch
ſonſt ſind eine Reihe von Beſtmmungen mit verdächtigem
Cha=
rakter ausgemerzt worden, um eine Mehrheitsbildung im
Reichs=
tag nicht von vornherein unmöglich zu machen. Das
Innen=
miniſterium ſagt dem Entwurf nach, daß durch klare juriſtiſche
Formulierungen eine Reihe von Zweifelsfragen aus der Welt
geſchafft worden ſei, und rechnet mit einem glatten Gang über
die parlamentariſche Bühne. Das muß man aber erſt noch
ab=
warten, denn die Beſtmmungen über Eingriffe in das
Verſammlungsrecht und Beſchränkungen der
Preſſefreiheit ſind nicht ganz unbedenklich und bedürfen
noch der Nachprüfung.
Regierungsumbildung in Belgien.
EP. Brüſſel, 19. Oktober.
Die ſeit einiger Zeit umlaufenden Gerüchte von einer
bevor=
ſtehenden Umbildung des belgiſchen Kabinetts haben inzwiſchen
durch die perfekt gewordene Umbildung des Kabinetts ihre
Be=
ſtätigung gefunden. Die neue Miniſterliſte hat folgendes
Ausſehen: Miniſterpräſident; Jaſpar; ohne
beſon=
deres Portefeuille, katholiſch=konſervativ; Außenminiſter:
Hymans liberal; Juſtizminiſter Janſon liberal;
Finanz=
miniſter: Baron Houtard, katholiſch=konſervativ;
Kriegs=
miniſter: de Brocqueville katholiſch=konſervativ: Schöne
Künſte: Vauthiers, liberal; Verkehrsminiſter: Lippens,
liberal; Innen= und Ackerbauminiſter: Baels, flämiſch=
konſer=
vativ: Kolonialminiſter: Tſchoffen, katholiſch=demokratiſch
Wirtſchafts=, Handels= und Poſtminiſter: Forthomme, liberal
(bisheriger belgiſcher Oberkommiſſar in Koblenz); Oeffentliche
Arbeiten: van Caneghem flämiſch=demokratiſch: Arbeits=
und Induſtrieminiſter: Heyman, flämiſch=demokratiſch.
Das neue Kabinett ſetzt ſich alſo aus fünf Liberalen und ſieben
Katholiken zuſammen. Die flämiſch=katholiſchen Konſervativen
haben davon fünf Sitze, und auch die beiden anderen Katholiſch=
Konſervativen ſtehen den flämiſchen Forderungen freundlich
gegen=
über. Einer der hervorragendſten neuen Männer iſt der
Demo=
krat Tſchoffen, deſſen Führerqualitäten längſt bekannt ſind, und
andererſeits iſt der neue Wirtſchafts= und Handelsminiſter
Fort=
homme einer der beſten Kenner der Wirtſchaftsfragen. Die
Um=
bildung des Kabinetts iſt, wie wir erfahren, deswegen erfolgt,
weil Premierminiſter Jaſpar noch vor Beginn der
Parlaments=
debatten über die Sprachenfrage ſein Kabinett durch Aufnahme
von chriſtlichen flämiſchen Demokraten ſtärken wollte.
Hugendergs „Ronlggtan.
Der Reichskanzler über das Bolksbegehren.
Der Reichskanzler ſprach am Samstag in Nürnberg auf dem
Gautag der Sozialdemokratie für Ober=, Mittel= und
Unterfran=
ken über die politiſche Lage. Er behandelte in ſeiner Rede u. a.
auch das Volksbegehren, mit dem ſeine Urheber nur
innerpoli=
tiſche Ziele verfolgten. Daß die außenpolitiſchen Forderungen
undurchführbar ſeien, müßten die Macher wiſſen. Es ſei
bedauer=
lich, daß die Haltung der nationaliſtiſchen Oppoſition die deutſche
Stellung gegen das Ausland ſchwäche, während eine vernünftige
Oppoſition, wie die engliſchen Konſervativen z. B. ſie der
Regie=
rung Macdonald machten, dem engliſchen Intereſſe dienlich ſei.
Die Auseinanderſetzungen über den Young=
Plan, die das Volksbegehren in ſoſtarkem Maße
provoziert habe, würden draußen vielfach den
falſchen Eindruck erwecken, als ob in
Deutſch=
land weite Kreiſe den Young=Plan an ſich
be=
fürworteten. Die Frage ſei vielmehr, ob der Young=Plan
gegenüber dem Dawes=Plan das kleinere Uebel ſei. Der
Young=Plan bedeute für Deutſchland, die
ſchwerſte Belaſtung. Die letzte Entſcheidung über
den Young=Plan könne erſt getroffen werden, wenn
das Ergebnis der zurzeit arbeitenden
Kom=
miſſionen vorliege. Das beſetzte Gebſet
er=
kenne die frühere Räumung dankbar als
Er=
folg an. Die Räumung ſei vielleicht die Vorausſetzung einer
dauerhaften euroräiſchen Friedenspolitik. Wenn die Haager
Schlußkonferenz nicht ein Abkommen bringe, würde nach dem
Dawes=Plan weiter gezahlt werden müſſen. Eine Dawes=Kriſe
würde allenfalls einige Großkapitaliſten geſund machen — daher
der Name „Geſundheitskriſe” während Fertiginduſtrie,
Land=
wirtſchaft, Handel und Arbeiterſchaft Leiden entgegengeführt
würden, wie wir ſie aus der Zeit der Ruhrbeſetzung noch in
Er=
innerung haben.
Die Reparationslaft ſei eine Folge des
Kriegsverluſtes und nicht des
Kriegsſchuld=
paragraphen des Verſailler Vertrages. Die
Geg=
ner des Young=Planes ließen außer Acht, daß neben der direkten
finanziellen Schuldenerleichterung auch der im Dawes=Plan
vor=
geſehene Wohlſtandsindex fallen würde. Eine
Ueber=
fremdung der Induſtrie ſei ſchon, unter dem
Dawes=Plan ſtark eingetreten. Nichts ſpreche dafür, daß ſie
ſich unter dem Young=Plan verſchärfen würde. Der
Zuchthats=
paragraph 4 des Volksbegehrens ſei lächerlich. Auf die Lüte von
dem Zwangsexport deutſcher Männer und Frauen köriten nur
geiſtig Minderwertige hineinfallen. Das Volksbegehen könne
nie zum Ziele führen, denn 21 Millionen Deutſche nürden ſich
niemals zur Teilnahme verleiten laſſen. Das Volksbgehren ſoll
der Anfang eines konſequenten Berennens der Rpublik ſein.
Der Staat ſei aber heute gefeſtigt und bereit, jeden Terror zu
begegnen. Das Volksbegehren ſei ein Hohn auf die
Idee der Volksgemeinſchaft. Es fürre nicht nur
zur weiteren Zerſetzung des Volkes ſondern
auch zur Zerreißung der bürgerlichen Parteien.
Es richte ſich vor allem aber gegen die Arbeiter
Beam=
ten und Angeſtellten, denen die ſozialpolitiſchen
Er=
rungenſchaften geraubt und die Löhne und Gehälte: gekürzt
wer=
den ſollen. In einer Zeit, in der eine Steuerrefom und eine
Verwaltungsreform durchgeführt werden ſollen, was nur auf
ganz breiter Baſis möglich ſei, iſt eine demagogiſche
Hetzpropa=
ganda, wie ſie die Volksbegehrler treiben, ein Verbrechen am
Volk. Hugenberg habe erkkärt, aus dem Olmütz des Dawes=
Vertrages müſſe ein Königgrätz gemacht werden. Bei dem O= ütz
ſtimmte die Hälfte der Deutſchnationalen mit Ja, Königgrätz
erinnere mit Recht an den „deutſchen Bruderkrieg”. In
Anbe=
tracht dieſes letzten Verſuches Hugenbergs, Hitlers und des
Stahlhelms, das kaputt zu ſchlagen, was vor zehn Jahren
ge=
rettet und ſeither aufgebaut wurde, werde man auf dem Platze
ſein und dem deutſchen Volk Ruhe, Frieden und Arbeit ſichern
helfen.
Gegen das Volksbegehren.
Frankfurt a. M., 19. Okt.
In einer hier von der deutſchen Volkspartei veranſtalteten
Kundgebung gegen das Volksbegehren ſprach der
Reichstags=
abgeordnete Dingeldey, der das Volksbegehren als die
Prokla=
mation des Kampfes aller gegen alle, als die Differenzierung
eines jeden, der ſich erlaubt, anders zu denken, bezeichnete. Zu
der Kundgebung wurde eine Entſchließung angenommen, in der
dem beſonnenen Teil des deutſchen Volkes zugerufen wird:
„Bleibt fern von dieſem Volksbegehren!“
Zer Maſttoriem is Aakarktäger.
Von Friedrich Noack.
Seit faſt einem Jahrhundert verſorgt der Muſikverein unſere
Stadt mit Aufführungen der großen Meiſterwerke des
Ora=
toriums und der großen Chorkantate, und in dieſer Zeit hat er
nicht nur Tauſenden von Hörern Stunden edelſter Erbauung und
Erhebung geſchaffen, ſondern er war in unſerer Stadt einziges
Organ für eine Gattung von Muſik, die zu den vornehmſten allen
muſikaliſchen Formen gehört, und deren Berechtigung neben
der Oper über allen Zweifel erhaben iſt. Denn durch ihre
Ge=
bundenheit an Darſtellung und die Rückſicht auf die
Bühnen=
wirkſamkeit ſind der Oper gewiſſe Beſchränkungen in der
Frei=
heit des rein Muſikaliſchen auferlegt, die nur das Genie völlig
zu überwinden imſtande iſt. Im Oratorium dagegen iſt dem
rein küſtleriſchen Wirken des Komponiſten weit weniger
Rück=
ſicht auf Aeußerliches geboten, ſo daß er ſich viel mehr als
Muſi=
zierender fühlen kann. Außerdem gibt es eine Reihe von
Stoff=
gebieten, die ſich der Oper mehr oder weniger entziehen, deren
künſtleriſche Bedeutung für die Muſik jedoch ſo groß iſt, daß man
ſie ungern für die Kompoſition unbenützt laſſen möchte. Vor
allem ſind dies die hiſtoriſchen Begebniſſe der bibliſchen Geſchichte,
die nur ſelten, und dann meiſt mit zweifelhaftem Erfolg der
Oper zugänglich gemacht wurden, und die losgelöſt von ſzeniſchem
Geſchehen im Konzertwerk weit beſſer zur Geltung kommen
können. Gerade wenn es ſich um Völkerſchickſale handelt, dann
wird die Maſſenwirkung des Chores einen ſtärkeren Eindruck
im Konzertſaale ausüben, als wenn mehr oder weniger geſchickte
Regie auf der Bühne unter Vernachläſſigung der muſikaliſchen
Wirkung ein Geſchehen andeutet, das in dieſer bloßen
Anden=
tung ſchwächlicher bleibt, als wenn die Phantaſie des Zuhörers
alle Aktion erſetzt. Gerade die wirkfamſten Oratorien eines
Händel, ſein Saul, Belſazar, Judas Maccabäus, Jsrael in
Aegypten wirken in der Abſtrahierung der konzerthaften
Auf=
führung weit ſtärker, als dies ſzeniſch möglich wäre.
Ebenſo ſind dem Oratorium idhlliſche Stoffe vorbehalten,
und Meiſterwerke wie Haydn’s Schöpfung oder Jahreszeiten,
wie Schumanns herrliches Märchen von Paradies und Peri
oder Händels Acis und Galathea haben für unſer Kunſtleben und
unſere Kultur eine ſo hohe Bedeutung erlangt, daß ihr
Vor=
handenſein und der Wunſch, ſie zum Erklingen zu bringen allein
ſchon die Notwendigkeit großer Chorvereine beweiſt. Wenn wir
dann ſchließlich noch daran erinnern, daß Werke höchſten Wertes
wie die Paſſionen Bachs, wie Beethovens Neunte Symphonie
wie die großen Meſſen Beethovens, Bachs, Bruckners, wie
Toten=
meſſen eines Berlioz, Verdi, Brahms, wie große Chorkantaten
und Chorballaden nur von ſolchen Oratorienvereinen, die als
Chor und Organiſation ſtark genug dazu ſind, zu voller Wir=
kung gebracht werden können, ſo ſcheint es uns genügend
be=
gründet zu ſein, daß ein Verein von ſolch hoher künſtleriſcher
Tradition wie unſer Muſikverein ein notwendiger Faktor im
Muſikleben unſerer Stadt iſt. Sein Fehlen oder auch nur ſeine
Schwäche würde eine empfindliche Lücke im Muſikleben unſerer
Kunſtſtadt bedeuten.
Wie kommt es nun, daß Vereine dieſer Art früher ein
ge=
ſichertes Daſein hatten, während ſie heute ganz beſonders die
Not und Ungunſt der Zeit ſpüren? Denn äußerlich betrachtet
ſind die großen Konzerte heute nicht ſchlechter beſucht als vor
dem Krieg, und auch die muſikaliſche Ausbildung in der Schule
wie auch im konſervatoriſchen wie privaten Muſikunterricht iſt
eher beſſer als ſchlechter gegen früher geworden. Andrerſeits
aber haben ſich die Ausgaben für Orcheſter und Soliſten gegen
die Vorkriegszeit derart erhöht, daß bei erträglichen
Eintritts=
preiſen Oratorienkonzerte nur noch unter ganz beſonders
gün=
ſtigen Umſtänden die Unkoſten zu decken vermögen.
Darum erſcheint es uns als Pflicht jedes für Muſik
inter=
eſſierten Mitbürgers, dem die Erhaltung deutſcher Kultur und
Kunſt nicht gleichgültig iſt, und der ſich auch nur einigermaßen
in der Lage befindet, den Verein und ſeine Arbeit ſtützen zu
können, wenigſtens inaktives Mitglied dieſes älteſten und
ver=
dienſtvollſten unſerer Darmſtädter Chorvereine zu werden.
Daneben drängt es uns aber auszuſprechen, daß ein
Mit=
wirken bei der Aufführung ſolcher Meiſterwerke, wie ſie der
Muſikverein alljährlich zu Gehör bringt, daß das ſorgfältige
Mitſtudieren imſtande iſt, das perſönliche Verhältnis zur Kunſt
durch genaue Kenntnis wichtigſter Werke ganz bedeutend zu
vertiefen. Ein Mitwirken in der Oper iſt auch für den gut
vor=
gebildeten Dilettanten nicht möglich, da die Art der Vorbereitung
auch für den Chor in der Regel Berufsſänger nötig macht. Nun
wirken ſtimmbegabte und ſangesfreudige Dilettanten in großer
Anzahl in Männerchören und Kirchenchören mit. Hier aber
werden mit wenigen Ausnahmen doch nur kleinere Formen
gepflegt. Müßte es da nicht für alle muſikaliſch beſonders
Be=
gabte ein Bedürfnis ſein, auch an der Aufführung von
Kunſt=
werken teilzunehmen, die einen ganzen Abend füllen, und die
von den Mitwirkenden eine Konzentration weit größerer Art,
ein Mitempfinden durch die verſchiedenſten Stimmungen
hin=
durch verlangen? Geht doch durch unſere ganze nenzeitliche
Muſikerziehung in allen Schulen der Grundgedanke, daß ein
Selbſtmuſizieren allein imſtande iſt, wirklich das Kunſtwerk
leben=
dig zu machen, und zum richtigen Hören zu erziehen. Mögen
es darum die Tauſende, die ſich an Grammophon oder Radio
ergötzen, doch an ſich erfahren, daß erſt eigenes Mitwirken bei
möglichſt einwandfrei aufgeführten bedeutenden Kunſtwerken
ihnen die Möglichkeit gibt, die techniſchen Wunder neuzeitlicher
Muſikübertragung voll zu würdigen und künſtleriſch
aufzu=
nehmen.
Selbſtverſtändlich kann nur jemand in einem Oratorienchor
mitſingen, der bei guter ſtimmlicher Veranlagung ſo muſikkundig
iſt, daß er mit ziemlicher Sicherheit vom Blatt ſingen kann.
Aber wie Viele beherrſchen nicht von der Schule her oder durch
Inſtrumental= oder Geſangunterricht die Noten ſo gut, daß ſie
ſich raſch in das Chorſingen hineinfinden können. Vor allem
müßte jedoch mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, als könne
mian nach ſtimmlicher Ausbildung ſich nicht dazu herablaſſen, im
Chor zu ſingen. Ein derartiger falſcher Stolz iſt ſchon darum
zu verwerfen, weil das Chorſingen weit beſſer dazu imſtande
iſt, rhythmiſche und tonliche Feſtigkeit zu verſchaffen als das
ſtändige Soloſingen. Die Vorteile für die muſikaliſche Bildung
ſind ſo groß, daß man Geſangſchülern, deren Stimme techniſch
genügend durchgebildet iſt, unbedingt das Mitwirken in Oratorien
empfehlen ſollte, und daß es auch für den ſtimmbegabten
In=
ſtrumentaliſten eine wichtige Ergänzung ſeiner einſeitigen
Tätig=
keit bedeutet.
Mögen dieſe Zeilen vielleicht doch den und jenen veranlaſſen,
ſich die Frage vorzulegen, ob er es nicht für ſeine Pflicht hält,
die Tätigkeit des Muſikvereins durch tätige oder zuhörende
Mit=
gliedſchaft zu unterſtützen. Es gilt, einen wichtigen Kulturträger
zu erhalten und zu friſcher, geſteigerter Leiſtungsfähigkeit zu
bringen. Man denke doch daran, wie viel leichter es iſt, das
Be=
ſtehende zu erhalten, als nach ſeinem Abſterben es neu in’s
Leben zu rufen.
„Hier ſchreibt Berlin.‟ Eine Anthologie von heute. Herausgegeben
von Herbert Günther. „Das Buch der 50 Autoren.” Mit
unver=
öffentlichten Arbeiten von: Heinrich Mann, Arnold Zweig,
Feucht=
wanger, Blei, Döblin, Toller, Kerr, Ringelnatz, Mynona, Zuckmayer,
Huelſenbeck, W. von Scholz, J. R. Becher, Zech, Liſſauer, W. von
Hollander, Arno Holz, Haſenclever, W. von Molo und vielen
ande=
ren. Verlag: Internationale Bibliothek G. m. b. H., Berlin.
Bro=
ſchiert 5.— RM., Ganzleinen 6.50 RM.
Wer Berlin zu kennen glaubte, wird beim Leſen dieſes Buches
ſchnell belehrt, daß er ſich täuſchte. Wer es aber noch nicht kennt, kann
es nirgends beſſer kennen lernen als hier. Berlin iſt eine Welt für
ſich. Noch nie wurde dieſe Welt von allen entſcheidenden Autoren
ge=
meinſam geſchildert, die ſie bewohnen. Denn jeder, der in Berlin
ſchreibt, ſchreibt hier, fchreibt über ſeine Stadt, wie er ſie empfängt, und
ſo ſchreibt die Stadt ſelbſt in dieſem Buche. Keine andere Stadt hat
nach dem Kriege und der Inflation einen ſo ſchnellen Aufſchwung
ge=
nommen wie Berlin: wer Europa kennt, weiß, daß ſie heute die
leben=
digſte Stadt auf unſerem Erdteil iſt, und ſelbſt Amerika kommt, ſie zu
ſehen. Von ihrer Bedeutung iſt die Rede, aber auch von den Gefahren
ihrer gewaltigen Entwicklung, vor allem jedoch von ihrem ſinnlichen
Daſein, von den Landſchaften der einzelnen Viertel, ihren Straßen,
Plätzen und Häuſern, die alle ihre beſondere Farbe haben, ihre eigenen
Geſetze der Arbeit, Sprache, Kleidung und Vergnügung, vom Tag und
der Nacht und dem Himmel in einer ſolchen Stadt, von der Unraſt und
vom Zuhauſe, vom Leben der Männer, Frauen und Kinder, von großem
Glanz und großer Trauer. Das Buch iſt keine Verherrlichung Berlins,
es iſt eine Darſtellung durch jene, die am innerlichſten teilnehmen an
allem Geſchehen: die Dichter.
Nummer 291
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Seite 3
Die sklarek-Affäre vor demskaaksanwalk
Einleikung eines Skrafverfahrens gegen den
enf=
laſſenen Bürgermeiſter Schneider.
* Berlin, 19. Oktober. (Priv.=Tel.)
Die Staatsanwaltſchaft Berlin hat ein eigenes Dezernat für
ven Sklarek=Skadal und die damit zuſammenhängenden Fälle
einrichten müſſen, von denen eine ganze Reihe noch gründlicher
Unterſuchung bedarf. Am Freitag wurde der Bürgermeiſter
Schneider zum erſtenmal vernommen, der im
Ver=
dacht der paſſiven Beſtechung und des Mißbrauches der
Amts=
gewalt ſteht. Die mehrſtündige Vernehmung hatte keinen
poſi=
tiven Ausgang, obwohl Bürgermeiſter Schneider auf alle
vor=
gelegten Fragen antwortete, aber ſein Gedächtnis ließ ihn in
bemerkenswerter Weiſe im Stich, ſo daß der Staatsanwalt ihm
aufgegeben hat, zu Hauſe in aller Ruhe einmal gründlich
nach=
zudenken und eine Aufſtellung zu machen, wie ſich die
verſchie=
denen Eintragungen in den Büchern der Sklareks und ſeine
eige=
nen Konten und die ſeiner Frau erklären. Nach ſeiner eigenen
Angabe bereitet Bürgermeiſter Schneider eine ausführliche
Ge=
genſchrift vor. — Auch der kommuniſtiſche Stadtrat
Gäbel erlebte am Samstag eine Ueberraſchung, denn in aller
Frühe beſtellte der Staatsanwalt den Stadtrat zu ſich, dem
eben=
falls paſſive Beſtechung vorgeworfen wird. Zu klären wird noch
ſein, ob er ſeine Amtsſtellung mißbraucht hat.
Im einzelnen verlautet zur Vernehmung Schneiders: Gegen
den Bürgermeiſter des Bezirksamtes Berlin=Mitte, Schneider, iſt
nunmehr das offizielle Strafverfahren eingeleitet worden. Alle
diſziplinariſchen Unterſuchungsmaßnahmen ruhen bis zur
Be=
endigung der ſtaatsanwaltlichen Ermittlungen, deren Dauer auf
mindeſtens ein halbes Jahr berechnet wird, da es ſich um zum
Teil ſehr komplizierte Tatbeſtände handelt. Schneider iſt heute
vormittag abermals in Moabit erſchienen und hat die Aufſtellung
ſeiner Barkonten ſowie die Quittungen der an ihn von den
Sklareks gelieferten Anzüge vorgelegt. Im einzelnen hat laut
„Voſſ. Zeitg.” Schneider zugegeben, daß er eine goldene
Damen=
armbanduhr zur Geburt ſeines Kindes von dem Inhaber eines
großen Warenhausunternehmens erhalten hat, daß er bei den
Sklareks Anzüge bezogen hat, daß ſein Verhältnis zu den
Skla=
reks tatſächlich ſo innig war, daß er mit ihnen Duzfreundſchaft
ſchloß, daß er zu Feſteſſen und Gelagen geladen war, er ſich aber
auch revanchiert habe. Um die Richtigkeit der Angaben
Schnei=
ders zu prüfen, werden die Buchhalter, die für die Sklareks
Schneiders Konten bearbeiteten, ſowie die Buchhalter ſeiner
Bank vernommen werden, ferner eine Reihe von Reſtaurateuren
und Chauffeuren, die ihn zu den Geſelligkeiten gefahren haben.
Es handelt ſich um insgeſamt etwa 40 Zeugen.
Die Vernehmung der Berliner Stadlbankdirekkoren.
Bei den Vernehmungen der Stadtbankdirektoren Schmitt
und Hoffmann am Freitag ſtellte ſich heraus, daß die Sklareks
ihre Fälſchungen bei der Berechnung mit der Stadtbank
eigent=
lich in ſehr plumper Weiſe durchgeführt haben, daß aber
merk=
würdiger Weiſe der mit den Ermittlungen beauftragte Direktor
Schröder in den Sklarekſchen Geſchäftsbüchern, die Täuſchung
nicht entdeckt hat. Nachdem die Kontrolle plötzlich aufgehört hatte,
mußten die Sklareks, um keinen Verdacht aufkommen zu laſſen,
der Stadtbank ſelbſt die Summen überweiſen, die ſie ſelbſt von
den Bezirksämtern zu erhalten hatten. Das haben ſie in der
Weiſe getan, daß ſie mit Hilfe der blauen Schecks des
Poſtſcheck=
amtes der Stadtbank Beträge von 30000 bis 150 000 Mark
über=
wieſen, als Abſender aber nicht ihre eigene Firma, ſondern das
Bezirksamt angaben, auf das die Rechnungen, die bei der
Stadt=
bank lagen, lauteten. Eines Tages fand ein untergeordneter
Reviſor in der Stadtbank die hohen Beträge der Ueberweiſungen.
Der Reviſor meldete es der Direktion der Stadtbank. Direktor
Schmitt vermutete unreelle Handlungen. Er beauftragte nachher
Direktor Schröder, der von amtswegen die Bücher der Sk. KVG.
ſtändig zu prüfen hatte, ſofort in die Kaſſenbücher der Sklareks
Einſicht zu nehmen. Schröder behauptete jedoch, daß alles in
Ordnung ſei. Sklarek und der Buchhalter Lehmann hätten
er=
klärt, daß bei dieſer Ueberweiſung im Bezirksamt Prenzlauer
Berg ein Verſehen vorgelegen habe.. Direktor Schmitt hat darauf
Max Sklarek kommen laſſen, der ihm feierlichſt verſicherte, daß es
ſich um einen Irrtum gehandelt habe.
Die neue Grenze.
Bis zum 30. November iſt die zweite Zone geräumt.
* Koblenz, 19. Okt. ((Priv.=Tel.)
Am 30. November muß die zweite Zone von den
Beſatzungs=
truppen geräumt ſein. Die Zurückziehung der Mannſchaften hat
ja auch bereits begonnen. Inzwiſchen iſt in Beſprechungen
zwiſchen der Rheinlandkommiſſion und dem Reichskommiſſar für
die beſetzten Gebiete die genaue Grenze der zweiten Zone, die
im Verſailler Vertrag nur durch einige Richtpunkte angedeutet
war, genau feſtgelegt. Daß die rechtsrheiniſchen Brückenköpfe
von Koblenz und Mainz geräumt werden, iſt ja bekannt.
Links=
rheiniſch iſt die zweite Zone ein weiter Streifen, der an der
bel=
giſchen Grenze mit Jülich und Düren im Norden und mit Aachen
im Süden beginnt und in ſüdöſtlicher Richtung auf den Rhein
zugeht, ſich aber an der ſüdlichen Grenze ſackartig erweitert, ſo
daß der ganze Unterlauf der Moſel einſchließlich Cochem frei
wird. Die Grenze der dritten Zone erreicht über Simmern und
Bacharach den Rhein, ſo daß alſo dann nordwärts von Bacharach
kein feindlicher Soldat mehr ſteht. Die dritte Zone ſoll bis zum
30. Juni 1930 geräumt ſein. Wir wolleln aber immer noch hoffen,
daß bei vernünftigem Verlauf der Verhandlungen über den
Young=Plan die Siegerſtaaten dieſe Friſt nicht bis zum letzten
Tage ausnutzen werden.
Keine Grenzberichkigung im Saargebiet.
* Saarbrücken, 19. Oktober. (Priv.=Tel.)
Die Debatte in der franzöſiſchen Preſſe, daß eine
Rück=
gabe des Saargebietes von territorialen
Zu=
geſtändniſſen Deutſchlands abhängig gemacht
werden müßte, hat — was nicht verwunderlich iſt — im Weſten
unter der Bevölkerung eine große Beunruhigung hervorgerufen.
Die verſchiedenſten Gerüchte über Abtretung bald dieſes, bald
jenes Gebietes werden kolportiert. In den letzten Tagen iſt die
Behauptung aufgetaucht, daß im Zuſammenhang mit der
Rück=
gabe der Saargruben eine Grenzberichtigung
vorgenom=
men und das ſogenannte Sauertal mit 7 Dörfern zu Frankreich
geſchlagen werden ſoll. Davon kann natürlich gar keine Rede
ſein. Die Grenzberichtigungen im Weſten ſind im vorigen Jahre
endgültig abgeſchloſſen worden. Neue Veränderungen kommen
nicht mehr in Frage. Was nun das Saargebiet ſelbſt anlangt,
ſo haben ſich die Franzoſen wiederholt für eine Loslöſung des
Warndt=Gebietes eingeſetzt. Offiziell iſt aber der Reichsregierung
niemals von derartigen Wünſchen des franzöſiſchen Kabinettes
Mitteilung gemacht worden. Bisher hat lediglich die
franzö=
ſiſche Propaganda mit derartigen Forderungen gearbeitet. Die
jüngſten Kundgebungen zur Löſung der Saarfrage heben
übri=
gens noch einmal als den unabänderlichen Standpunkt der
Reichsregierung hervor, daß nur eine Rückgabe des
Saar=
gebietes ohne jedes territoriale Zugeſtändnis
in Frage kommt.
Die Ausſichken der Schlußkonferenz.
* Berlin, 19. Oktober. (Priv.=Tel.)
In Reichstagskreiſen wird kaum mehr. damit gerechnet, daß
der Reichstag vor der letzten Novemberwoche einberufen wird und
für ſeine Arbeiten dann höchſtens den Nachtragsetat in Höhe von
etwa 400 Millionen vorfindet. Bei dem ſchleppenden Gang der
Beratungen der Organiſationsausſchüſſe iſt leider die Hoffnung,
daß die Ratifikation des Young=Planes überhaupt noch in dieſem
Jahre ſpruchreif wird, ſehr gering geworden. Beſtenfalls wird die
Haager Konferenz am 15. November zuſammentreten können. Sie
wird mehr als eine reine Formalität ſein und vermutlich an die
Nachprüfung der einzelnen Geſetzentwürfe herangehen, worüber
wieder einige Wochen vergehen werden. Je mehr ſich der Beginn
in den Dezember hinein verſchiebt, deſto größer wird die Gefahr.
daß die Konferenz vor Weihnachten überhaupt nicht mehr fertig
wird und dann der parlamentariſche Kampf um die Ratifikation
im Reichstag erſt anfangs des nächſten Jahres ausgefochten
wer=
den kann. Der Reichstag würde alſo gleichzeitig mit dem Young=
Plan, dem Etat und der Finanzreform belaſtet. Inzwiſchen
ge=
raten wir in eine Uebergangskriſe hinein, deren Gefahren für die
Wirtſchaft und für die Finanzpolitik — wie die Entwicklung an
der Börſe gezeigt hat — nicht unterſchätzt werden dürfen.
Ver=
ſtändlich genug alſo, wenn die deutſche Regierung auf
diploma=
tiſchem Wege auf eine Beſchleunigung der Kommiſſionsarbeiten
drückt, aber es macht bisher nicht den Eindruck, als wenn ſie damit
viel erreichen wird.
Frankreich und die Seeabrüftung.
Die Frage der Flokkenparikäf mit Italien.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 19. Oktober.
Es ſcheint, daß die Auffaſſungen über die
Seeabrüſtungs=
konferenz neuerdings einander ſtark widerſprechen. Man
ver=
nimmt ſehr widerſprechend lautende Gerüchte. Die rechte Hälfte
der Regierungsmehrheit war durch die unerwartet plötzlich
ge=
kommene Ueberreichung der franzöſiſchen Antwortnote ſehr
un=
angenehm berührt. Man hat feſt darauf gerechnet, daß ſich noch
ein Miniſterrat mit dem Text der Antwortnote befaſſen würde.
Jetzt beklagt die Rechte, daß ſie von Briand vor ein kait
accompli geſtellt wurde. Sie will im voraus die Verantwortung
für die Konferenz von ſich abwenden. Offiziös verlautet
übri=
gens, daß Frankreich durch die unerwartet ſchnellen italieniſchen
und japaniſchen Antworten gezwungen war, ſo ſchnell zu handeln.
Es war ein Mißgeſchick für Frankreich, daß Italien und Japan
ſo ſchnell antworteten. Aber jede Hoffnung hat man ſcheinbar
noch nicht aufgegeben, ſich über gewiſſe Punkte mit Italien zu
einigen. Die Haltung Italiens läßt aber nicht ſehr viel
Hoff=
nung, denn die Italiener erwarten anſcheinend viel zu viel von
einem ſolchen Kompromiß. Zumal in der Frage der Parität. In
dieſem Punkte wird Frankreich niemals nachgeben können.
Neben der Frage der Parität mit Italien und der Beſchränkung,
beziehungsweiſe Abſchaffung der kleineren Einheiten und
Unter=
ſeeboote beſteht für die franzöſiſche Politik noch eine andere
Ge=
fahr, nämlich die, daß die Seeabrüſtung von der Landabrüſtung
vollkommen getrennt wird. Ueberhaupt wird Briand ein ſchweres
Spiel haben; es wird ihm nicht leicht werden, Erfolge zu
er=
zielen, umſomehr, da er mit ſtarken inneren Widerſtänden zu
rechnen hat.
Die Beziehungen zu Rußland
ſind auf eine recht eigentümliche Weiſe wieder in den
Vorder=
grund getreten. Die abenteuerliche Flucht des ruſſiſchen
Bot=
ſchaftsrates Beſſedowſki — eigentlich Botſchafters während der
Abweſenheit Dowgalewſkis — aus der Botſchaft ſchien zuerſt
nur eine Tragikomödie zu ſein. Die franzöſiſche Polizei hat den
unglücklichen Diplomaten vor der Bedrohung der Tſcheka=Agenten
befreit. Wäre es dabei geblieben, ſo hätte man vielleicht die
Dinge von der humoriſtiſchen Seite aufgenommen. Aber die
Dinge entwickeln ſich gar nicht mehr nach der humoriſtiſchen
Seite. Trotz des Rats des Moskauer franzöſiſchen Botſchafters
Herbette machen die Sowjets Miene, die Auslieferung
Beſſe=
dowſkis zu fordern. Und gleichzeitig betätigt ſich die Tſcheka
in Paris aktiv, und zwar in einer ganz unglaublichen Weiſe.
Die tollſten Nachrichten gehen durch die Preſſe von geheimen
Hinrichtungen im Botſchaftspalaſt; Leichen= und
Gefangenen=
transporten nach Rußland, verſuchten Entführungen und ſo
weiter. Man hat aber heutzutage kein Verſtändnis mehr für
dieſe Art der Romantik; die Oeffentlichkeit fängt an, ſich zu
be=
ruhigen, und fordert, daß die Tſcheka aufhöre, in Frankreich zu
operieren. Das iſt durchaus verſtändlich. Aber es bleibt nicht
bei dieſer Forderung allein; es gab ja in Frankreich immer viele,
die nichts von diplomatiſchen Relationen mit Rußland wiſſen
wollten. Für dieſe Leute ſcheint jetzt eine gute Gelegenheit
ge=
kommen zu ſein, die ruſſiſche Botſchaft los zu werden. Und wenn
man in Moskau noch einige ähnliche Ungeſchicklichkeiten begeht,
ſo wird man die Möglichkeit des Aufhörens der diplomatiſchen
Relationen nach engliſchem Muſter ins Auge faſſen.
Die ruſſiſche Säuberungsakkion in Paris.
EP. Paris, 19. Oktober.
Wie die in Paris erſcheinende ruſſiſche Zeitung „Dernieres
Nouvelles” meldet, iſt der Vizedirektor der hieſigen Filiale der
Taß=Agentur, Lukjanow, nach Moskau beordert worden.
Luk=
janow hat ſich jedoch geweigert, dieſer Aufforderung Folge zu
leiſten und bereits ſeit geſtern nicht mehr in der Redaktion der
Taß=Agentur erſchienen. Das gleiche Blatt hat in Erfahrung
gebracht, daß geſtern in den Amtsräumen der Pariſer
Sowjet=
handelsvertretung die angekündigte Konferenz der europäiſchen
Tſchekiſten ſtattgefunden habe. Vier in Paris völlig unbekannte
Perſönlichkeiten, wahrſcheinlich leitende Beamte der GPU. aus
London, Berlin und Moskau hätten daran teilgenommen. Die
Sitzung habe annähernd zwei Stunden gedauert und geſtern
abend ſei ein ſehr langes Telegramm nach Moskau abgegangen.
Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. — Samstag, den 19. Oktober.
Der Waffenſchmied.
Komiſche Oper von A. Lortzing.
Eine flotte Aufführung, belebt durch zwei neue gute
Lei=
ſtungen. Karl Stralendorf konnte als Graf von Liebenau
ſich zum erſten Male in einer ſein eigentliches Fach
kennzeichnen=
den Rolle zeigen und erfüllte ſtarke auf ihn geſetzte Erwartungen
vollauf. Schöne, hochgewachſene Erſcheinung, vornehmes
Auf=
treten, gewandtes, freies Spiel nehmen für ihn ein. Ein
gut=
ſitzender, gepflegter Bariton von edler, weicher Klangfarbe iſt ſein
Material. Die kultivierte, ſympatiſche Perſönlichkeit ergänzt
unſer Enſemble ſehr glücklich.
Das Gaſtſpiel Ilſe Schulz=Eiſenlohrs aus Prag
— offenbar nicht ohne Abſicht auf Anſtellung — mußte unter
unſerer Inſzenierung, die beſonders in den erſten Bildern die
Sänger beläſtigt, ſtark leiden. In langem Rock, den Leuchter in
der Hand auf enger Wendeltreppe auf= und abzuſteigen, dabei
Rolle ſingen, auf Kapellmeiſter und Souffleur zu achten — das
ſind zu harte Zumutungen des Regiſſeurs für einen ohne Probe
eingeſprungenen Gaſt. Die in naiver Anmut niedlich ausſehende
Künſtlerin hat in Stimme und Spiel echte Soubrettenart. Die
Darſtellung iſt noch konventionell und unperſönlich. Ob ſie
Tem=
perament und ſpritzigen Humor beſitzt, konnte die Rolle kaum
erweiſen. Die Stimme klang beengt und wurde zaghaft
behan=
delt, ſcheint aber hellfarbig und fein geſchliffen zu ſein. Ihr
Auf=
treten iſt ſympatiſch, ihre heutige Leiſtung ſicher und reizvoll.
Ein endgültiges Urteil kann jedoch noch nicht gegeben werden.
Theo Herrmanns Stadinger iſt eine bekannte,
vortreff=
liche Darbietung von Humor, Friſche und ſtimmlichem Wohllaut.
Der Ritter von Schwaben bleibt eine jener Bufforollen, in deren
draſtiſcher und muſikaliſch prägnanter Art Heinrich Kuhn
ein Meiſter iſt. Martha Liebel, Eugen Vogt, Hans
Ney bewährten ſich vorzüglich als Irmentraut, Georg und
Brenner. Die Chöre klangen flott. Karl Bamberger
v. II.
war ein umſichtiger muſikaliſcher Leiter.
* Frankfurker Muſikbrief.
Die Neueinſtudierung des Auberſchen „Fra Diavolo”, der
entzückenden franzöſiſchen Luſtſpieloper, zeigte den Verſuch des
neu engagierten Regiſſeurs R. Scheel, die Szene und die
Hand=
lung in unſere Zeit zu projizieren. Alſo Jonny=ſpielt=auf”=
Milieu, Fra Diavolo kommt im Auto an, Zerline punktrollert
vor dem Schlafengehen, der engliſche Lord boxt uſw. Bereits vor
Schluß der Ouverture hebt ſich der Vorhang, blutrünſtige
Bilder=
chen im Format a la Schweijk huſchen vorüber, um den Charakter
dieſer „modernen” Inſzenierung von vornherein feſtzulegen. Die
Umſtellung auf unſere Zeit gibt dann ſchließlich die Möglichkeit,
im Zwiegeſpräch der beiden Banditen Anſpielungen auf aktuelle
Dinge vorzubringen. — An ſich iſt im gegebenen Falle nichts
da=
gegen einzuwenden, ältere Kunſtwerke in moderne Gewänder zu
hüllen. Ein derartiges Experiment ſetzt aber ſtets ein ſicheres
Stilgefühl des Experimentierenden voraus und weiter, daß eine
Art innerer Notwendigkeit für eine ſolche Metamorphoſe
vorhan=
den iſt, daß ſie alſo nicht nur aus Publikumsgründen erfolgt.
Rein gefühlsmäßig ſpricht aber „im Falle Fra Diavolo” alles
gegen einen derartigen Verſuch, gegen den insbeſondere der
Charakter der Muſik, die nicht Ausdruck einer Zeit der Technik iſt,
ſpricht. Dazu aber hatte man das quälende Gefühl, daß dieſe
Revue=Inſzenierung nicht aus ſachlichen Gründen, ſondern um
ihrer ſelbſt willen für richtig gehalten wurde. Dies iſt um ſo
be=
dauerlicher, als unſere Generation ſich ſehr wohl die richtige
Ein=
ſtellung zu dem Romantiſchen dieſer Oper bewahrt hat und daß
es einen ſicher empfindenden Regiſſeur hätte reizen können, dieſer
geſunden Einſtellung entſprechend zu arbeiten. — So blieben
nur die ſoliſtiſchen Leiſtungen, von denen der ſtimmgewaltige
Fra Diavolo F. Völbers, die zierliche Zerline der C. Ebers, das
prachtvolle Banditenpaar H. Schramm und E. Weill, das ebenſo
komiſche Engländerpaar B. Ziegler und B. Mergler, der
ge=
wandte Lorenzo M. Vetra und der „Hotelier” E. Staudenmeyer
zu nennen ſind. — Die muſikaliſche Leitung E. Lindemanns
ent=
ſprach nicht allen Forderungen. — Das moderne Publikum löſte
ſein ſtiliſtiſches Empfinden in Händeklatſchen auf. Dr. W. Kn.
* Frankfurker Schauſpielhaus.
„Der 14. Juli”
Revolutionsdrama von Romain Rolland.
Der 15. Oktober wurde zum Grabe des 14. Juli.
Wir ſchätzen Romain Rolland: den Dichter des „Jean
Chriſtoph”, den Biographen von Beethoven, Michelangelo und
Tolſtoi. Wir verehren Rolland: den Künder der Menſchlichkeit
und der Liebe. Aber als Dramatiker kann Rolland nicht
aner=
kannt werden
Um die Jahrhundertwende wollte Rolland eine „Flias
desfranzöſiſchen Volkes” in zehn Dramen dichten. Nach
vier Werken — „Der 14. Juli” „Danton”, „Der Triumph der
Vernunft” „Die Wölfe” — gab er den Kampf auf. Das erſte
Werk wurde 1902 erfolgles in Paris aufgeführt.
27 Jahre ſpäter bereitete, das Frankfurter
Schau=
ſpielhaus ihm die deutſche Uraufführung. Eine Ehrung der
Perſönlichkeit des Dichters, aber heute noch viel weniger als
damals ein dramatiſcher Erfolg!
Der Held iſt das Volk. Eugen Felber, von Saarbrücken
als Spielleiter nach Frankfurt berufen, drängte die weitſchweifige
Dichtung zuſammen. Doch das Volk herrſchte immer noch faſt
drei Stunden auf der Bühne. Im erſten Teil die Vorbereitung
des Baſtille=Sturms, im zweiten Teil der Sturm und das
Auf=
leuchten der Freiheit für die ganze Menſchheit.
Der lyriſche Ueberſchwang einer edlen Geſinnung, aber kein
Drama! Kein Kampf der Perſönlichkeiten, kein Kampf der Ideen!
Begeiſterte Worte, denen das Volk begeiſtert zujubelt! Oft faſt
eine unfreiwillige Verſpottung der Wankelmütigkeit des Volkes,
das — wie ein haltloſes Rohr — bald der einen, bald der
ent=
gegengeſetzten Anſicht zujubelt, wenn ſie nur ſchwungvoll
vor=
getragen wird. Bisweilen von entwaffnender Kindlichkeit, ſo,
wenn ein kleines Mädchen das Stichwort zum Sturm gibt und
dann als Göttin der Freiheit gefeiert wird.
So zahlreich die Mitwirkenden waren, ſo wenig traten die
einzelnen hervor. Ehemalige Darmſtädter können in vorderer
Linie genannt werden: Heinrich Heilinger, ein nervenhaft
bewegter Marat, Franz Schneider, der kavalierhafte
Be=
fehlshaber der Baſtille, Walter Klam als jugendlicher
Des=
moulin; daneben Ellen Daub, Impekoven, Verhoeven.
II.
„Frau Vidal hat einen Geliebten”.
Luſtſpiel von Louis Verneuil.
Man ſoll Verneuil nicht in demſelben Atemzug wie Rolland
nennen! Doch die Premieren folgten einander. Soweit Rollands
Perſönlichkeit und Lebenswerk Verneuil überlegen ſind, ſo ſehr
übertrifft der Letztere in der Technik der Bühne Rolland.
Der jüngſte Verneuil iſt ſcharmant. Ein Spiel aus einem Gußl
In einem Fluß! Hat die junge Frau Vidal einen Geliebten? Um die
Eiferſucht ihres Mannes zu wecken, möchte ſie einen Geliebten
haben — der aber nicht ihr Geliebter ſein ſoll! In einer
mär=
chenhaft blauen Nacht am Mittelmeer es vielleicht doch wird?
War? Oder war es ein Traum? Mag es ein Traum geweſen
ſein, als der glückliche Gatte wiederkehrt!
In reizender Leichtigkeit huſcht das Spiel vorüber; der
elegante Salon in Paris, die duftige Halle am Mittelmeer.
Die junge Frau im Wirbel aller Stimmungen: entzückend
Dorothea Wieck, als Gaſtgeſchenk von Kronacher aus
Leip=
zig nach Frankfurt mitgebracht. Die amerikaniſche Freundin:
Kundry Siewert, feſch wie immer. Die Herren: das
ge=
pflegte Alter Georg Lengbach und Robert Taube, der Geliebte
wider Willen Kal Stepanck.
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Schreibkommode, 4 Biedermeierſtühle,
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Sonntag, den 20. Oktober 1929
Seite 5
Aus drr Lanragkasrktädt.
Darmſtadt, 20. Oktober.
Oefſenkliche Bauſparkaſſen.
Für die Finanzierung des Baues von Wohnhäuſern geht man in
Deutſchland den Weg des kollektiven Bauſparens.
Wer je zu einem eigenen Haus kommen will, muß wenigſtens einen
Teil der dazu erforderlichen Mittel ſſelbſt aufbringen und dieſe meiſt
im Laufe von Jahren anſparen. Veranſchlagt er zum Beiſpiel, daß er
6000 Mark eigenes Geld zum Bauen braucht, und kann er im Jahre
600 Mark dafür zurücklegen, ſo müßte er — wenn man von Zinſen und
Zinſeszinſen abſieht — zehn Jahre warten, bis er das Eigenkapital
zu=
ſammen hätte. Schließen ſich aber zehn derartige Bauſparer
zuſam=
men, ſo fließen jedes Jahr zehnmal 600 Mark, alſo 6000 Mark, in ihre
gemeinſame Kaſſe, und ſchon nach einem Jahr kann der Erſte bauen,
nach dem zweiten der Zweite uſw., und nur einer braucht zehn Jahre
zu warten. Jeder Bauſparer, der auf dieſe Weiſe vor Ablauf der zehn
Jahre aus der gemeinſamen Kaſſe die Summe von 6000 Mark erhält,
bekommt damit ſeine eigenen Erſparniſſe zurück und den übrigen Teil
der Summe als Darlehen aus den Einzahlungen der noch nicht zum
Zuge gekommenen Bauſparer. Dieſes Darlehen iſt nunmehr durch
Ab=
zahlungen zu tilgen, damit auch die anderen Bauſparer ihr Baugeld
erhalten können.
Von dieſem Grundgedanken des kollekziven Bauſparens ausgehend,
werden jetzt auf Veranlaſſung des Deutſchen Sparkaſſen= und
Girover=
bandes in Deutſ=hland gemeinnützige öffentliche Bauſparkaſſen errichtet.
In Heſſen ſind ſie der Heſſiſihen Gicozentrale in Darmſtadt angegliedert.
Dieſe öffentlichen Bankanſtalten haften (neben der hypothekariſchen
Sicherheit für die ausgegebenen Darlehen) mit ihrem eigenen
Ver=
mögen und mit demjenigen der hinter ihnen ſtehenden
Gewährsver=
bände, ſo daß dem Bauſparer die höchſtmögliche Sicherheit
gewähr=
leiſtet iſt
Den Unterbau bilden die örtlichen öffentlichen Sparkaſſen. Dieſe
geben Auskunft, nehmen Anträge auf Abſchluß von Bauſparverträgen
entgegen, und durch ſie geht der ganze Zahlungsverkehr.
Bei den öffentlichen Bauſparkaſſen können Verträge mit einer
Ge=
ſamtvertragsdauer von 6, 9, 12, 15 oder 18 Jahren abgeſchloſſen
wer=
den. Die eingezahlten Gelder werden mehrmals im Jahre unter die
Bauſparer verteilt. Durch Sonderzahlungen kann der Bauſpaver aber
ſeine Verkragszeit abkürzen.
Bei der Auszahlung der ganzen Vertragsſumme wird für den noch
nicht gezahlten Teil (Darlehen) eine unkündbare Tilgungshypothek auf
ſein neues Haus eingetragen, die bis 80 Prozent des Bau= und
Boden=
wertes gehen darf. Die Darlehen werden für Wohnbauten gegeben,
außerdem aber auch für Mietwohnungen; Nebengebäude dürfen zu den
Wohnbauten gehören.
Jeder Bauſparer iſt durch die Bauſparkaſſe auf den Todesfall
ver=
ſichert. Die Verſicherungsprämie und alle Beiträge zu den
Verwal=
tungsunkoſten der Bauſparkaſſe ſind in den tariflichen Einzahlungen
und Abzahlungen bereits entholten.
Heuke nachmitkag 3 Uhr
iſt der ſportlich intereſſierte Darmſtädter
im Skadion am Böllenfallkor.
— Techniſche Hochſchule Darmſtadt. Der ordentliche Profeſſor
der Mathematik an der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt, Herr
Dr. Alwin Walther, hat einen ehrenvollen Ruf an die
chine=
ſiſche Univerſität Tſchöngtu (800 000 Einwohner, Provinz
Szet=
ſchwan, Zentralaſien) abgelehnt, bleibt alſo erfreulicherweiſe
unſerer Hochſchule erhalten.
— Erlebigt iſt: Die Lehrerſtelle für einen ebangeliſchen Lehrer an
der Volksſchule in Maulbach, Kreis Alsfeld; geräumige
Dienſt=
wohnung ſofort beziehbar.
.— Heſſiſches Landestheater. „Der fliegende Holländer”
von Wagner kommt heute Sonntag, 19 Uhr, im Großen Haus unter
muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm mit den Kräften der
erfolg=
reichen Neueinſtudierung (Komregg, Varena, Herrmann, Grahl, Liebel,
Stadelmaier) zur Aufführung. (Darmſtädter Volksbühne G, Gruppe 1
bis 4).
„Die verborgene Aehnlichkeit”, ein Volksſtück in
heſſi=
ſcher Mundart von Rudolf Winzer und Peter Wagner, wird heute
Sonntag, 20 Uhr, im Kleinen Haus außer Wiete als Veranſtaltung der
Heſſiſchen Spielgemeinſchaft in Szene gehen Preiſe 1, 2, 3 Mark).
Die „Dreigroſchenoper” von Brecht und Weill wird auf
Grund des außergewöhnlich ſtarken Publikumsintereſſes in der
kommen=
den Woche dreimal außer Miete zur Darſtellung gebracht. Dieſe
Auf=
führungen finden am Dienstag, dem 22. Oktober, am Samstag, dem
26. Oktober, und am Sonntag, dem 27. Okrober, jeweils um 20 Uhr,
im Kleinen Haus ſtatt.
In Abänderung des Spielplans gelangt Montag, den 21.
Ok=
tober, abends 20 Uhr, an Stelle der angekündigten Vorſtellung „
Amphy=
trion” Siegfried Geyers Komödie „Aufgang nur für
Herr=
ſchaften” zur Aufführung. (Darmſtädter Volksbühne , Gruppe 1
bis 4).
Erſtes Sonderkonzert im Landestheater. Das
erſte der beiden im Rahmen der dieswinterlichen Sinfoniekonzerte
vor=
geſehenen Sonderkonzerte mit Werken zeitgenöſſiſcher Tondichter bringt
am Montag, dem 21. Oktober, zwei Erſtaufführungen und eine
Uraufführung. Obwohl Wien und Verlin ſich um die
Urauffüh=
rung der Nordland=Rhapſodie von Marx bemühten, hat der
Kompo=
niſt Herrn Generalmuſikdirektor Dr. Böhm damit betraut und ſein
Er=
ſcheinen zum Konzert zugeſagt. Hindemiths kleine Spielmuſit
Opus 43 I, ein Werk für Streicher, Fiöten und Oboen, und die
außer=
ordentlich erfolgreiche Hary Janos=Suite von dem Ungarn Zoltan
Ko=
daly vervollſtändigen die Vortragsfolge des erſten Sonderkonzerts.
Diejenigen Konzertmieter, die auf die beiden Sonderkonzerte bisher nicht
abonniert ſind, können noch bis Mittwoch, den 23. Oktober, bei der
Mietabteilung des Heſſiſchen Landesiheaters ihre Mietbeſtellung für
die Sonderkonzerte nachholen.
— Modenſchau. Am Samstag, den 26. Oktober, veranſtaltet die
Firma Carl Schürmann u. Co., Haus für feine Damenmoden,
eine Modenſchau, die von beſonderem Intereſſe ſein dürfte, da die ſtark
ansgeprägte Abweichung von der ſeitherigen Modelinie eine neue,
charakteriſtiſche Note in die diesjährige Moderichtung bringt. Die
Firmen Johanna Becker: Hüte, A. Hufnagel: Lederwaren,
K. Jordan: Schirme, Speiers Schuhwarenhaus (Inhaber P.
Wildau) ergänzen das modiſche Bild mit den neueſten Modellen. Die
Veranſtaltung findet nachmittags 4 Uhr und abends 8,30 Uhr im Hotel
„Zur Traube” ſtatt. Karten ſind im Vorverkauf dort erhältlich. (S.
heutige Anzeige.)
Orpheum. Heute Sonntag, 20. Oktober, letztes Auftreten von
Vella Siris, der gefeiertſten Frau Schwedens, in ihren
berühm=
ten Tanzſchöpfungen. Im erſten Teil iſt außer dem perſönlichen
Demon=
ſtrationsvortrag über das Geheimnis und die Löſung des Rätſels der
modernen Körperpflege noch ein hochintereſſanter Varietéteil, u. a. die
drei Fernandis, Spitzenleiſtung der Parterreakrobatik, zwei Latures
(parodiſtiſche Marionettenſpiele), zwei Jons, ſowie Emil Koritzky (
Mu=
ſikal=Akte) verbunden. Der Anfang der heutigen Abſchiedsvorſtellung iſt
auf 8 Uhr feſtgeſetzt. Die Preiſe beivegen ſich zwiſchen 1 bis 3 Mark.
Der Kartenverkauf findet ſtatt: Verkehrsbüro von 10—12 Uhr,
Or=
pheumskaſſe ab 3 Uhr. Vom Montag, 21., bis einſchließlich 31. Oktober
finden anläßlich des Zirkusgaſtſpieles „Sarraſani” keine Vorſtellungen
ſtatt.
Grenzgang 1929.
Ielehamlesnserbengärmmdsrerwaiu
* Ohne Poeſie war der geſtrige Grenzgang, d. h., er blieb ohne den
ſonſt gewohnten Genuß lokaldichteriſcher Poeſie. Dazu ſpendete der
Himmel, den von der Landwirtſchaft ſeit Wochen heiß erſehnten
Regen, ausgerechnet zum Grenzgang, in einer Fülle, die wirklich nichts
zu wünſchen übrig ließ. So zwar, daß die Klügeren der
Grenzgang=
teilnehmer es vorzogen, ihn da zu beginnen, wo die weniger Klugen,
aber Pflichttreuen, ihn beſchloſſen: beim Hirfcheſſen. Dennoch war der
geſtrige Grenzgang für die, ſo den Wald liebhaben und ihn als
köſt=
lichſtes Gut ſchützen, das die Natur dem Stadtmenſchen gibt, nicht nur
genußreich, ſondern höchſt intereſſant. Er gab eine Fülle von
theo=
retiſchen Aufſchlüſſen, die durch praktiſche Beſichtigungen demonſtriert
werden konnten und die den Teilnehmern eine Menge Neues und
Intereſſantes brachten, daß der vielfach ſpontan geſpendete Beifall für
den neuen Schutzherrn unſerer Stadtwaldungen, Oberforſtmeiſter Prof.
Dr. Bader, wirklich aus dem Herzen kam und nicht etwa ſeine
Spontanität erſt dem zum Wurſtweck geſpendeten Alkohol verdankte,
der in dieſem Fall Notwendigkeit und Wirkung einer Medizin hatte.
Wir erfuhren zunächſt Grundſätzliches. Bei der Wiedergabe dieſes,
iſt vorauszuſchicken, daß Mangel an Raum und einzugeſtehendes
Laien=
tum unſererſeits uns nur ermöglichen, in großen Zügen auszugsweiſe
das wiederzugeben, was Prof. Dr. Bader in glänzendem Vortraa in
ſechs verſchiedenen Etappen wirkſamſt erklärte. Wir haben in
Darm=
ſtadt einen der älteſten, ſicher aber einen der ſchönſten, wenn nicht
den ſchönſten Buchenwald in Deutſchland. Das ſolte eigentlich allen
Darmſtädtern bekannt ſein, iſt es aber wohl ſchwerlich. Vom
natür=
lichen Untergang bedroht iſt das Stück Buchenwald ganz in der Nähe
ton der Halteſtelle Faſanerie, der ſchönſte Teil, der Stolz unſerer
ge=
ſamten Waldungen. Bei der Beſichtigung erfuhren die Laien aus
be=
rufenen Munde, daß die Buche der empfindlichſte Baum in
Deutſch=
lands Wäldern iſt, der Baum, der den Forſtmännern die ſchwierigſten
Rätſel aufgibt, die zu löſen, noch nicht reſtlos gelingen. Der
Buchen=
beſtand Deutſchlands geht ſtändig zurück. Will man den wundervoll
gotiſchen Dom des Buchenwaldes nicht nur der lebenden, ſondern auch
der kommenden Generation erhalten, iſt eine ganz programmäßige,
auf wiſſenſchaftlicher Grundlage beruhende Behandlung erforderlich.
Die Buche wird beſtenfalls 200 Jahre alt, mit 150 Jahren fängt ſie an
zu überaltern. Die Beſtände unſeres Buchenwaldes ſind zwiſchen
160—170 Jahre alt. Sie wurden nach dem ſiebenjährigen Kriege
an=
gepflanzt. Obwohl in der Mehrzahl noch erfreulich geſund, iſt die
Gefahr der Ueberalterung ſehr bedrohlich geworden. Man hat
unter=
laſſen — womit niemand ein Vorwurf gemacht werden ſoll —
recht=
zeitig und planmäßig für Verjüngung zu ſorgen. Fehler, die überall
zu konſtatieren ſind, die aber in erſter Linie wohl in der übergroßen
Empfindlichkeit der Buche gründen. Die Buchen beginnen in den
Kronen das Laub zu verlieren, die Rinden werden riſſig, es tritt
Weißfäulnis ein, und der Wind findet dann leichtes Opfer. Vielfach
ſind unſere Buchenbeſtände ſchon ſtark gelichtet, aber es hat auch bereits
an verſchiedenen Stellen programmäßige Bodenbearbeitung eingeſetzt,
um dem Nachwuchs gute Lebensbedingungen zu ſchaffen. Vorſichtiges
Ausholzen muß dem Nachwuchs Luft, Platz und Licht geben.
An mehreren Stellen im weiteren Verlauf der Waldwanderung
erwies Prof. Bader durch praktiſche Beiſpiele die Richtigkeit ſeiner
forſtwiſſenſchaftlichen Theſen. Wir erfuhren dann weiter, daß für
unſere Waldungen, für unſere Gegend, wie überhaupt für die klimatiſch
ähnlichen Gegenden Deutſchlands, der Miſchwald die günſtigſte
Wald=
anlage iſt. Die Natur ſelbſt lehrt uns das. An einer Senkung
wur=
den vor Jahren Eichen angepflanzt. Sie ſind heute noch verkümmert,
ſeil die jungen Triebe ſtets wieder erfrieren (die Senkung iſt
beſon=
ders wärmearm). Jetzt ſehen wir, daß die Natur ſelbſt Birkenſamen in
dieſe Eichenpflanzungen hineingeworfen hat. Die Birken — die
an=
ſpruchsloſeſten Bäume unſerer Wälder — wachſen und gedeihen und
geben dem jungen Eichennachwuchs Schutz.
An anderer Stelle wurde gezeigt, wie eine junge Buchenpflanzung,
der nicht rechtzeitig durch Entfernung des Unterholzes Luft und Licht
gegeben wurde, verkümmert aufwuchs. Pflanzt man Eichen dazu,
wächſt ein ſich gegenſeitig ſchützend und ſtützender Miſchwald.
Wir müſſen darauf verzichten, wiederzugeben, wie praktiſche
Forſt=
wirtſchaft die Zahl der Feſtmeter Nutzholz, von den und den
Baum=
ſorten berechnet. Auch das war hochintereſſant. Was aber Prof. Bäder
von den Darmſtädter Kiefern ſagte, ſoll noch kurz erwähnt ſein. Die
Darmſtädter Kiefer hat einen ſchlechten Ruf. Das iſt aber nur zum
Teil begründet. Sie iſt außerordentlich ertragreich, aber ſie gedeiht
eben nur in unſerer Gegend, wie überhaupt für die Baumzucht Klima
Samstag, den 26. Oktober 1929,
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— Sonatenabend Edmund Weyns. Wir verweiſen hiermit auf den
Sonatenabend, den Edmund Weyns im „Verein mit der Pianiſtin
Jeanne Jaſpar im Kleinen Haus des Landestheaters am Montag, dem
21. Oktober, veranſtaltet. Das Programm umfaßt Sonaten von L. van
Beethoven, Joh. Brahms und Ceſar Frank. Anfang 20 Uhr.
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und Bodenbeſchaffenheit ausſchlaggebend ſind. Die Kiefer wächſt und
gedeiht von den Geſtaden des Mittelmeeres bis hoch in die Eisregionen
nordiſcher Gefilde. Die Verſchiedenartigkeit der klimatiſchen
Verhält=
niſſe bedingt natürlich verſchiedene Ausbildung von Raſſenmerkmalen.
Die Gebirgskiefer gedeiht nicht in der Ebene und umgekehrt. Eine der
ſchlimmſten Krankheiten der Kiefer iſt die ſogenannte Schüttkrankheit,
ſie hat ihren Namen von der Tatſache, daß die von dieſer Krankheit
befallenen Kiefern rot werden und ihre Nadeln abſchütteln. — Die
Darmſtädter Kiefer iſt beſonders empfindlich für dieſe Krankheit,
hin=
gegen iſt ihre Holzausnutzung ſehr ertragreich.
Ohne erſchöpfend ſein zu können, waren das wohl die Grundzüge
der Vorträge von Profeſſor Bader. Sie waren nur am Bernhards=
Brünnchen unterbrochen durch das traditionelle Wurſtweck=Frühſtück.
Gegen 3 Uhr war der Regenſpaziergang durch den Wald beendet.
Er fand ſeinen Abſchluß im Oberwaldhaus bei dem ebenſo
traditio=
nellen Hirſcheſſen.
Oberbürgermeiſter Mueller nahm während des Males
Gelegen=
heit, den Teilnehmern am Grenzgang einen herzlichen, wenn auch
feuch=
ten Herbſtgruß im Namen der Stadt zu entbieten. Sein Gruß galt
beſonders den Gäſten, in erſter Linie Herrn Miniſter Leuſchner und
ſeiner Gemahlin, die der Stadtverwaltung ja ſchon lange Jahre aus
der Wohlfahrtspflege her bekannt ſei, ferner den Herren
Reichsbank=
direktor Müller, Dr. Walther, Direktor Brink, Th.
Stem=
mer ſen., den Herren vom Vermeſſungsweſen, von der Polizei und der
Preſſe. Sein Gruß galt beſonders auch den Herren, die zum erſtenmal
am Grenzgang teilnahmen, wie Präſident Neumann und Kuhl.
Beſonderen Dank ſpreche er aus Herrn Prof. Bader, von dem die
Stadt Darmſtadt mit Recht hofft, den rechten Verwalter ihres ſchönen
Waldes, ihres herrlichſten Beſitzes, gefunden zu haben. Endlich begrüße
er den Stadtrat und die Beamten der Stadtverwaltung, mit beſonderer
Herzlichkeit aber den neben ihm ſitzenden Herrn Prof. de Marney=
Baruch aus New York, der vorübergehend in Darmſtadt weilt, um
in der übernächſten Woche der deutſchen Uraufführung ſeines Judith=
Schauſpiels „Opfer” im Landestheater beizuwohnen. Bekanntlich hat
Prof. de Marney=Baruch in der ſchlimmſten Zeit nach dem Krieg für
Deutſchland und Oeſterreich eine ſegensreiche Hilfstätigkeit in die Wege
geleitet. Der Oberbürgermeiſter ſprach dann in der von ihm
gewohn=
ten liebenswürdigen und poetiſchen Weiſe kurz von der Geſchichte des
Grenzganges, der ja ſchon ſeit langem kein Grenzgang mehr wäre,
ſondern eine Huldigung an unſeren wundervollen Wald. Dazu komme
die Gelegenheit für die Mitglieder des Stadtrates und der Verwaltung,
ſich einmal menſchlich näher zu kommen und auszuſprechen, unbeirrt
und unbehindert vom Parteihader. Das komme ſelbſtverſtändlich der
Verwaltung unſerer Stadt reichlich zugute. Der Redner ſchloß mit
einem dreifachen Hoch auf unſere ſchöne und geliebte Stadt Darmſtadt.
Den Dank der Gäſte ſprach Miniſter Leuſchner in herzlicher
Rede aus. Er grüße gern bei dieſer feſtlichen Gelegenheit die Herren
Stadträte, mit denen er zu einer Zeit, da man Stadtverordneter und
nicht Stadtrat war, neun Jahre lang gern zuſammengearbeitet habe.
Der Gründe ſind es viele, die Veranlaſſung geben, gerne am
Grenz=
gang teilzunehmen. Einmal iſt es gut und ratſam, wenn ſich die
Ver=
treter der Behörden und Stadtverwaltung zuſammenfinden, dann iſt
eine ſtarke Zugkraft die Schönheit des Darmſtädter Waldes und endlich
auch die ſchöne Geſelligkeit, die ſich an dieſen Grenzgang knüpft. Daß
er perſönlich ſtärkſtes Intereſſe am Wohlergehen der Stadt Darmſckdt
nehme, führte Miniſter Leuſchner aus, ſei ſelbſtverſtändlich, und der
hoffe gern, daß die bei der Geſelligkeit ſich bietende Gelegenheit
gegen=
ſeitiger Ausſprache zu einem Ausgleich führe zwiſchen dem Ernſt des
Lebens und dem rein Menſchlichen, und daß damit ein gedeihliches
Zu=
ſammenwirken gewährleiſtet wird. Es könnte die Möglichkeit geſchaffen
werden, die Zahl der Stadtverordneten, jetzt Stadträte, zu erhöhen,
wenn man ſich entſchließen würde, die Einwohnerzahl Darmſtadts nach
dem Vorbild vieler preußiſcher Städte, kürzlich nach dem Vorbild von
Mainz, durch Eingemeindung (!) zu vermehren. Es könnte für
kommende Zeiten wichtig für Darmſtadt ſein, als Großſtadt mitſprechen
zu können, bei Dingen, die für ſeine Zukunft wertvoll ſind. Man ſollte
ſehr bald danach ſtreben, ſo lange es Zwee, hat, ſich damit intereſſant
zu machen. (Beifall.) Der Redner ſchle” mit einem Hoch auf die Stadt
Darmſtadt und deren glücklicher Zukunft.
Berufspflichten zwangen un, die ſchönen Stunden zu beſchließen.
Es mag nach Exfahrung früherer Jahre noch manche Rede; und
Gegen=
rede geſtiegen ſein. Jedenfalls aber iſt auch von dieſem Grenzgang zu
konſtatieren, daß er, trotz des Regenwetters, ſchön und intereſſant war,
und daß er ſeinen Zweck, die Teilnehmer menſchlich näher zu bringen,
M. St.
reich erfüllt hat.
Guke und zweckmäßige Haushaltbeleuchkung.
die Forderung der Zeit.
Die Küche iſt das Reich der Hausfrau. In ihr bringt die
Haus=
frau die größte Zeit ihres Lebens zu. Hier ſchafft ſie unermüdlich für
das Wohl ihrer Familie. Deshalb legt die Hausfrau auch Wert auf
eine ſchöne Küche, ſchön in bezug auf den Anſtrich der Decke und
Wände, in bezug auf die Möbel, den Herd, den hellen freundlichen
Charakter. Die Frau iſt ja nun einmal ihrer natürlichen Veranlagung
nach mehr auf das Gefühlsmäßige eingeſtellt.
Sie will ihr Heim immer im beſten Licht zeigen und verlangt danach,
ihre Wohnung immer ſchöner zu geſtalten.
Alle Schönheit aber Eann ſich nur im Licht präſentieren. Nun iſt
ja die Küche bei Tage meiſt gut beleuchtet. Wie ſteht es aber mit der
abendlichen Beleuchtung? Da ſieht man im ſchwachen Licht der 25
Watt=
glühlampe von all der Schönheit nichts mehr und das außerdem zu
einer Zeit wo die Hausfrauen in der Küche noch ſtark beſchäftigt ſind.
Die Arbeit könnte bei reichlicher Beleuchtung viel ſchneller getan
werden. Der Bruch am Spültiſch würde vermieden, die Sauberkeit des
Porzellans ließe ſich beſſer feſtſtellen, man würde am anderen Tage
keine unſauberen Gabeln auf den Tiſch bringen, es würde Aerger und
Zeit erſpart und die Arbeitsluſt wäre größer.
Die Gattin könnte ſich früher dem heimgekehrten Gatten ungeſtört
widmen. Gutes Licht gehört zum Haushalt.
Warum nicht der Hausfran die Erfüllung ihrer oft ſchweren
Pflich=
ten durch Förderung der Arbeitsfreudigkeit erleichtern?
Das können wir durch gute Beleuchtung der Küche auch am Abend
und es koſtet gar nicht viel.
Der erhöhte Stromverbrauch durch Verbeſſerung der
Küchenbe=
leuchtung beträgt je nach dem Kilowattſpundenpreis nach 5—10 Stunden
ſo viel wie der Wert einer Zigarette.
Wer verzichtet nicht gern auf 10 Bigaretten, um ſeiner Frau das
Daſein zu verſchönern?
„Gute und zweckmäßige Beleuchtung im Haushalt,
die Forderung der Zeit”
iſt das Thema eines Vortrages, welcher am Dienstag, den 22. Oktober,
abends 8 Uhr, bei freiem Eintritt im Städtiſchen Saalbau von Herrn
Ingenieur Wild aus Berlin gehalten wird. Es dürfte jede Hausfrau
intereſſieren, wie ſie ihre Wohnräume gut beleuchten kann, ohne daß
die Ausführung koſtſpielig wäre; durch den praktiſchen Nutzen macht
ſich eine gute Beleuchtung bezahlt. Ein Beſuch des Vortrages dürfte
ſich daher ſehr empfehlen, auf die weiteren Weröffentlichungen bitten wwir
zu achten. Mit dem Vortrag iſt noch eine Verloſung moderner
Küchen=
leuchten verbunden.
Aktzeichnen. Es iſt beabſichtigt, wie im Vorjahre, Aktzeichnen
im Ernſt=Ludwigs=Haus (Künſtlerkolonie) einzurichten. Dienstags von
4—6 Uhr — mit und ohne Korrektur. Korrektur von Anna
Borne=
mann. Bei genügender Beteiligung Beginn am 5. November.
An=
meldungen möglichſt bald bei Anna Bornemann, Ohlyſtraße 71.
Seite 6
Sonntag, den 20. Okfober 1929
Nummer 294
Der Fall Stogkov vor dem Schwurgericht.
v. In der Beweisaufnahme wird fortgefahren.
Die Vermieterin in der Gervinusſtraße ſchildert den St. als
ruhi=
gen, ordentlichen Mieter; in der Nacht vom 18./19. Dezember hat ſie
nichts von ſeinem Nachhauſekommen gemerkt.
Der früher in Neckarau tätige Pfarrer betont die in der Familie
St. herrſchende Not; er hält die Kinder St. für fleißig und begabt."
Der Staatsanwalt hat einen Zeugen, den Schriftführer der „
Turn=
gemeinde 1846”, geladen, der bekundet, der Verein habe dem Wirt in
der Turnhalle nahegelegt, St. zu entlaſſen, da für den Verein
einwand=
frei feſtgeſtellt worden ſei, daß St. an Mädchen unſittliche Anträge
ge=
ſtellt habe. Im Anſchluß hieran wird der Wirt in der Turnhalle am
Woogsplatz vernommen. Dieſer Arbeitgeber war mit ihm durchaus
zu=
frieden.
Ein Zeuge bekundet, daß während längerer Zeit Frau Kraft dem
ſtark angetrunkenen St. ſchwere Vorwürfe an dem bewußten. Abend
wegen der mit ihrem Ehemann gemachten Bierreiſe gemacht habe und
unter Unterbrechungen immer wieder mit ſolchen angefangen habe; ſie
habe u. a. geäußert: „Ich dachte, Du wäreſt geſcheiter wie mein
Mann.” Sicher ſcheint zu ſein, daß St. an jenem Abend Frau Kraft
mit Blicken verfolgt und nicht ſo recht beim Kartenſpiel war; auch ſeine
Geſichtszüige erſchienen, namentlich, als er hin und wieder vom Schlaf
übermannt wurde, verzerrt.
Angemerkt darf werden, daß im Sportcafé das Hauptgeſchäft erſt
des Abends einſetzte, inſoweit der Betrieb durch Fran Kraft in Frage
ſteht; ſo pflegte z. B. das Servierfräulein, ein jetzt 22jähriges
Mäd=
chen, zum Dienſt erſt um 8 Uhr abends anzutreten, der dann bis zur
Polizeiſtunde in der Frühe währte.
In der Zeit nach Mitternacht verkehrten varwiegend Kellner dort.
Die in Köln verheiratete Schweſter des St. fand ihn während des
dortigen Aufenthalts (September 1928) ſeeliſch bedrückt, der Bruder
hatte weltſchmerzliche Anwandlungen, ſprach dabei auch von „dem
Freund, den er im Koffer habe”. St.s Verlöbnis mit der Revuedame
wurde in ſeiner Familie nicht gern geſehen.
Ein Polizeihauptwachtmeiſter berichtet über die gehörten Schläge
(Schüiſſe), den Hilferuf des Kellners: „Polizei, Frau Kraft iſt ermordet
worden.” Mit Kollegen betrat er das Lolal, fand die Wirtin tot und
den St. ſtöhnend und ſchver verletzt; der Revolver lag am Boden.
Zu einem Unterſuchungsgefangenen in der Gefängniszelle des
hieſi=
gen Arreſthauſes äußerte St. einmal im Januar d. J., „er habe der
Frau Kraft drei Schiſſe gegeben”.
Nach der Mittagspauſe kommen zunächſt einige Briefe zur
Ver=
leſung.
Alsdann wird zur Abhör der Sachverſtändigen geſchritten.
Amtsarzt Dr. Schlapp berichtet über die Kopfverletzung St.s, der
am 9. Januar d. J. ins Unterſuchungsgefängnis kam. Nach Art der
Verletzung iſt das Schwinden des Gedächtniſſes in der Zeit kurz vor
der Tat ſehr wohl möglich, eine Vernehmungsfähigkeit im
Kranken=
haufe ſtand außer Zweifel. Im übrigen hemmt Alkohol wohl die
Ueber=
legung und ſteigert die Reizbarkeit. Erinnerungsloſigkeit iſt nach
Trun=
kenheit öfters anzutreffen. Daß die Tat in einem Anfall von Malaria
verübt ſei, erſcheint ſehr unwahrſcheinlich.
Die pſychiatriſche Unterſuchung im Landgraf=Philipps=Hoſpital fand
vom 2. Mai bis 13. Juni d. J. ſtatt. Si. iſt ſozial brauchbar, ein
zuver=
läſſiger Arbeiter; in intellektueller Beziehung iſt nichts Krankhaftes zu
ernnnen, das zeigt ſein Eingehen auf Einzelheiten in der
Verhand=
lnag. St. leidet noch an den Folgen der Schädelverletzung. Die
Ver=
letzung ſelbſt iſt geheilt. Die Malaria ruft für gewöhnlich keine
geiſti=
gen Störungen hervor. Amneſien (Erinnerungsloſigkeiten) kommen
bei Hirnverletzungen durch Schüſſe vor. Bei der Tat hatte Stoykov
reichliche Mengen Alkohol, ohne etwas ober doch genügend zu eſſen, zu
ſich genommen. Von einem pathologiſchen Rauſch iſt nichts
wahrnehm=
bar und nichts nachweisbar. Unter der Wirkung des Alkohols ſtand St.
in einer Affektlage; er glaubte ſich einerſeits verlaſſen von ſeiner Braut
Führung durch den Sarraſani=Stall.
In den Pfer eſtällen der Sarraſani=Schau wird das Gerücht
widerlegt: das Zirkuspferd ſei ausgeſtorben. Mehr als 200 edle Pferde
nennt Sarraſani ſein eigen Beſonders bemerkenswert; ein
Schim=
elzug von ſeltener Reinheit; eine Gruppe argentiniſcher Pferde,
die drüben in Sarraſanis Auftrag unmittelbar von den Pampas weg
eingekauft wurde; in beſonderen Boxen die Schulpferde, Luxustiere
von unſchätzbarem Wert. Ueber jedem Pferde, wie überhaupt über
jedem Tiere, iſt ein Schild mit Namen, Abſtammung, Alter
ange=
bracyt.
Neben den Pferden Zebras, darunter die koſtbaren Grays mit
den tiefſchwarzen Streifen; eine beſondere Kurioſität iſt das Zebroid,
braunſchwarz geſtreift, eine Kreuzung von Zebra und Pferd. Bei
den Kamelen iſt immer der Futterzuſtand leicht zu erkennen, an den
Höckern nämlich; wenn ſie aufrecht ſtehen, hat das Kamel den nötigen
Fettbeſtand. Man ſehe ſich daraufhin Sarrafanis Kamelherde an!
Den Kamelen gegenüber ſtehen mächtige Bullen, europäiſche und
ſüd=
amerikaniſche; ſie werden in einer Quadrille geritten. Alle Tiere in
Sarraſanis Ställen ſind dreſſiert, ſind Künſtler. Es gibt da keine
Menagerietiere, die lediglich Schauzwecken dienen. Außer den beiden
Schweinen! Dieſe werden als Glückstiere gehalten, weil Direktor
Sarraſani als Clown mit dreſſierten Schweinen debütiert hatte. Der
Ziegenbock dagegen ſoll nach einem alten Glauben der Zirkusleute die
Seuchen von den Viehſtällen abwehren. Dann laufen da noch ein
paar Gänſe herum. Sie wurden in Montevidco, der Hauptſtadt
Uru=
quahs, der Direktion geſchenkt. Da der Zirkusmenſch nie ein Tier
tötet, blieben auch die Gänſe am Leben, und wandern mit der
Sarra=
ſani=Schau weiter, wie alle die hekdenloſen Hunde und Katzen, die der
tierliebende Artiſt aus den Händen derer, die ihnen den Tod zugedacht
hatten, befreite. Jetzt bietet ſich dem Beſucher der Sarraſani=Ställe
ein monumentaler Anblick, wie ihn kein Zoologiſcher Garten der Welt
bieten kann: 22 indiſche Elefanten in einer Reihe! Es ſind durchweg
weibliche Elefanten, daher ohne Stoßzähne. Man hat die männlichen
ausrangiert, nachdem ſie ihren Direktor Sarraſani währende einer
Probe in Dresden 1922 überfielen und derart zugerichtet hatten, daß
er von ſeiner Frau und ſeinem Sohne als tot aus der Manege
ge=
riſſen wurde. Bei dieſer Gelegenheit ſei angemerkt, daß faſt alle
gro=
ßen Elefanten=Dompteure zuletzt Opfer ihrer Tiere geworden ſind.
„Mein Tod wird einſt Roſa ſein”, pflegt Sarraſani zuweilen zu ſagen,
und er meint damit jene Roſa — den zweiten Elefanten von rechts —
die vor einigen Jahren ihren Wärter Philadelphia tötete, der ſie
länger als zwanzig Jahre betreut hatte. Die Erzieherin unartiger
Elefanten iſt „Jenny”, die im Bedarfsfalle wuchtige Rüſſelſchläge
aus=
teilt. Die zwölf größten Elefanten führt Direktor Sarraſani in jeder
Vorſtellung perſönlich vor, wie er auch das überaus ſchwierige
Ver=
laden der Elefanten ſelber vornimmt. Elefanten, Pferde. Kamele,
Bullen und Zebras ſind die einzigen Tiere der Sarraſani=Schau, die
mit der Bahn befördert werden. Ein junger Elefant koſtet im „
Roh=
zuſtand” 500 engliſche Pfund; der Wert einer dreſſierten Elefantenherde
von 22 Stück iſt demnach nur noch mit Logarithmentafel zu berechnen!
— Anthropoſophiſche Geſellſchaft. In dem erſten der neulich
be=
kannt gegebenen Vorträge hat der Redner, Herr von Gleich, verſucht,
die keimhafte Veranlagung der höheren Erkenntniskräfte im Menſchen
aufzuzeigen und deren Entfaltung in Imagination, Inſpiration und
Intuition beſchrieben. Nach dieſer grundlegenden Erörterung wird
nunmehr am nächſten Dienstag die Betrachtung ſich dem eigentlichen
Thema zuwenden. Was Anthropoſophie über das moraliſche
Schick=
ſalsoeſen des Menſchen und ſein Verhältnis zur Geiſtes= und
Sinnen=
welt zu ſagen hat, wird den Inhalt der kommenden Vorträge bilden,
die ſich, worauf nochmals hingewieſen ſei, in zweiwöchigem Abſtande
folgen. Siehe heutige Anzeige.
Kreisausſchuß. Am Montag, den 21. Oktober, nachmittags 3.30
Uhr, findet eine öffentliche Sitzung des Kreisausſchuſſes des Kreiſes
Darmſtadt ſtatt mit folgender Tagesordnung: Klage des Wilh
Noth=
nagel 6., des Georg Maſſing 2. und Genoſſen, alle zu Griesheim,
gegen die Beſchlüſſe des Gemeinderats der Gemeinde Griesheim vom
12. und 16. Auguſt 1929, die Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters und
den Erlaß einer Ortsſatzung dazu betreffend.
— Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den
20. Oktober, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr.
med. Bernet, Jahnſtraße 34 (Tel. 2175); Dr. med. Nauheim,
Landwehrſtraße 14 (Tel. 4200); Dr. med. Rühl, Saalbauſtraße 38
(Tel. 4300).
und jetzt auch verlaſſen von Frau Kraft. Undurchſichtig bleibt das
Ver=
hältnis zu Frau Kraft, der gegenüber St. ſich in quälender
Ungewiß=
heit befand. St. iſt ein offener Menſch und ſehr wenig zu
ſchauſpieleri=
ſchen Leiſtungen veranlagt.
Der Staatsanwalt betont, daß aus nichtiger Urſache ein
Menſchen=
leben vernichtet wurde. Die Verhandlungen hätten ein anſchauliches
Bild von den Vortagen der Tat an bis zu den Schüſſen nach der
Bier=
reiſe gegeben. Kraft und St. ſeien wohl beide reichlich angetrunken,
der Empfang ſeitens der Wirtin kein freundlicher geweſen. St. habe
ein Einlenken verſucht und Abeveiſung erfahren. In ſtarker Erregung
habe er das Lokal verlaſſen, ſein Heim aufgeſucht und den Revolver
mitgenommen. Die Abſicht, wieder ins Lokal zurückzukehren, habe er
unzweifelhaft und nach eigener Angabe gehabt. Die Piſtole habe er
aus dem Futteral herausgenommen; er ſei bewußt nach Hauſe gegangen,
um ſie zu holen. Als der Kellner den Rücken gewendet, habe er
ge=
ſchoſſen, habe er ſo planmäßig den Moment abgewartet, um
Nach=
ſchüſſe abzugeben. Die Ueberlegung der Tat ſei
ver=
wirklicht worden. Der Frau ſelbſt habe man nichts nachſagen
können. Von verſchmähter Liebe könne keine Nede ſein, ſo eng ſei das
Verhältnis nicht geweſen. Mit Vorſatz, bewußt und gewollt, habe der
Täter gehandelt, auch alle Ueberlegungen, die ſein Handeln erforderte,
anſtellen können. Der Sachverſtändige betone aber die Wirkung des
Alkohols, völlig ausgeſchloſſen ſei nach ihm nicht, daß Angeklagter aus
Affekt gehandelt habe. Deshalb trägt der Staatsanwalt nur auf
Beſtrafung wegen Totſchlags an. Im ſlawiſchen Bluteinſchlag habe der
Angeklagte der Erregung die Zügel ſchießen laſſen, er habe den
Ent=
ſchluß, ſich zu rächen, gefaßt. Milderungsgründe allgemeiner Art nach
8 213 St. G.B. ſeien zu verneinen. Das Volksbewußtſein fordere ſtrenge
Sühne ſolcher Tat. Die Trunkenheit, in der Angeklagter ſich befand,
ſei eine ſelbſtverſchuldete geweſen; eine angemeſſene Zuchthausſtrafe ſei
am Platze
Der Verteidiger appelliert an die Nichter aus dem Volke, die nur
nach dem zu urteilen hätten, was in der Verhandlung an
Er=
kenntnisquellen vorgetragen worden ſei. Wegen Mordes ſei die
An=
klage erhoben. Aber ſie hätte nicht erhoben werden dürfen, da das
Gutachten des Med.=Rats Dr. Illert bereits vorgelegen habe. Nach
dieſem Gutachten könne das Moment der Ueberlegung gar „nicht in
Frage kommen. Nicht die Tat als ſolche, ſondern der Täter in erſter
Linie ſei zu betrachten und danach die Tat zu bewerten. Das ſei der
Standpunkt der modernen Strafrechtswiſſenſchaft. Ueber die Tat als
ſolche ſei kein Zweifel. Aber wie ſei dieſe Tat zu beurteilen? Der
Sachverſtändige habe dem Angeklagten eine große Gemütstiefe bezengt,
er ſei ein weicher, kein gewalttätiger Menſch, für den es bedauerlich
geweſſen ſei, in das Milieu Kraft zu kommen. Die Wirtſchaft mit
Nachtbetrieb ſei docll eine Animierwirtſchaft geweſen, gewiſſe Gäſte
hätten hier viel Geld gelaſſen. Der Ehemann Kraft ſei nur der
an=
getraute Mann geweſen. Die Eheleute hätten eine gewiſſe Schwäche
für St. gehabt, der, der Frau eine Stütze geworden ſei.
An jenem unſeligen Abend habe Frau Kraft den St. ſchlecht
be=
handelt, ſtatt ſich an ihren Ehemann wegen der Bierreiſe zu halten.
St. habe die Frau zu verſöhnen geſucht. Zu kühler Ueberlegung ſei ei
bei ſeiner Verfaſſung nicht gekommen. Ja, es ſcheine auch möglich,
daß er ſich vo: den Augen der Frau habe erſchießen, daß er habe Schluß
machen wollen. Undenkhar ſei es, dem St. mildernde Umſtände zu
ver=
ſagen.
Der Staatsanwalt repliziert kurz und widerlegt die Vorwürfe der
Verteidigung.
Das Urteil, das kurz vor 8 Uhr abends verkündet wird, erkennt
wegen Totſchlags unter Annahme mildernder Umſtände auf eine
Ge=
fängnisſtrafe von 5 Jahren. Waffe und Munition werden eingezogen;
6 Monate der Unterſuchungshaft werden angerechnet. Die Frage nach
mildernden Umſtänden war zu bejahen. St. war von der Getöteten
gereizt worden; er hat ſich ſchwer beleidigt gefühlt und hat unter dem
Einfluß der Beleidigung gehandelt.
In reicher-Auswahl sind alle neuis
Jandarbelteh
eingetroffen, zu den billigsten Preisen.
Ebenso alle Arten Stick- und
Strick-
wollen, Seiden- und Bwollgerne, in nur
besten Oualitäten.
Rat und Anweisung wird gerne erteilt.
Zeichnungen werden nach Wunsch
an-
gefertigt.
LOUlSE BLUM
Wilhelrninenstraße 171, (16078b
— Wo wohnen die Sarraſanier? Die meiſten Angeſtellten — etwa
fünfhundert — ſuchen ſich in jeder Gaſtſpielſtadr Privatquartier, was
ſchon eine bedeutende Belebung der anſäſſigen Geſchäftswelt bedeutet,
zumal ſich alle dieſe Angeſtellten Sarraſanis auch ſelber verpflegen.
Im Bereiche der Schau wohnen lediglich die Dompteure und Wärter,
die immer in der Nähe ihrer Tiere ſein müſſen; ferner
Betriebsinſpek=
toren, Stallmeiſter, die Indianer mit ihren Cowboys, Marokkaner und
ein paar chineſiſche Familien, ſowie gruſiniſche Reiter. Der
Rechtsan=
walt hat ſich in ſeinen Bureauwagen ein Wohnzimmer einbauen laſſen,
das einer Schiffskabine erſter Klaſſe gleicht. In den neueſten Autos
ſind die Führerſitze zu Schlafräumen für die Chauffeure ausgebaut
(Bett, Waſchtoilette, Schrank, Tiſch).
E Während der Spielzeit des Zirkus Sarraſani auf dem Meßplatz
wird die Lindenhofſtraße zwiſchen Teichhaus= und Stiftſtraße
bis einſchließlich 27. Oktober für Fahrzeuge aller Art
ge=
ſperrt.
Elektr. Aaztounan, Gafnn
für kühle Tage, von 15.— Mk. an
Ernst-Ludwigstraße 10
Telephon 3449 16464b MaMiaiatie
Bp. 150 Lebensretter in Heſſen. Im Laufe der nächſten Woche dürfte
die ſchon ſeit längerer Zeit erwartete erſtmalige Verleihung der
Rettungs=
medaille durch Veröffentlichung der Namen der Empfänger erfolgen. Wie
wir hören, liegen beim Innenminiſterium etwa 150 Anträge vor. Es
dürften aber nur in 50 Fällen die Erforderniſſe für die Verleihung der
Medaille erfüllt ſein, denn die Beſtimmungen beſagen ausdrücklich, daß
die Gefahr für den Retter beſonders groß geweſen ſein muß. Die
übrigen Anträge dürften, ſoweit ſie nicht überhaupt abgelehnt wetden
müſſen, zur Auszeichnung mit der Geldprämie führen.
Herta Offenbächer
Kunstgeverblerin
erteilt Unterricht in allen kunstgewerblich. Handarbeiten
Roßdörferstraße 89
Lekele Beranftaltungen.
Die Meruntek orſchdinerden Reſiyen ſind ausſchfießtich als Hinwoife auf Anzelsen m betrachten
in teisem Falle iegendwie als Beſrechung oder Krſik.
— Heute Sonntag Konzert im Hotel Poſt. Im Ausſchank
ſüßer Traubenmoſt.
Tageskalender für Sonntag, den 20. Oktober 1929.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, 19 Uhr. G 2: „Der
fliegende Holländer”. — Kleines Haus. 20 Uhr: „Die verborgene
Aehnlichkeit”. — Orpheum, 20 Uhr: Tanzgaſtſpiel Bella Siris.
— Konzerte: Schloßkaffee, Rheinaauer Weinſtube, Reichshof,
Reſtaurationsbetrieb Boßler, Spaniſche Bodega, Sportplatzreſtaurant,
Alte Poſt, Bismarckeck, Darmſtädter Hof, Hotel Prinz Heinrich,
Reichskrone, Waldſchlößchen, Kaffee Jöſt, Bürgerhof, Haferkaſten,
Stadt Malaga, Hotel Prinz Karl, Zum Schwanen, Stadt
Nürn=
berg, Frankfurter Hof, Zur Kanone, Hotel=Reſtaurant zur Poſt,
Hanſa=Reſtaurant. — Pauluskirche, 20 Uhr: Geiſtliche
Abend=
muſik der Muſikantengilde. — Ludwigshöhe, 16 Uhr: Konzert.
—Rummelbräu, 16 und 20 Uhr: Konzert. — Freunde der
Darmſtädter Realanſtalten, 10 Uhr: Beſuch des
Schloß=
muſeums. — Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helig.
Aus Heſſen.
Skarkenburg
An. Arheilgen, 18. Okk. Wie man hört, beabſichtigt Herr Lehrei
Herget, der vor etwa 4 Jahren in den Ruheſtand trat, aber noch die
Rechnerſtelle bei der hieſigen Spar= und Darlehnskaſſe verſah, in Kürze
auch dieſes Amt wegen vorgerückten Alters niederzulegen. Nahezu vier
Jahrzehnte verſah er dieſes verantwortungsvolle Amt, und zwar zur
vollſten Zufriedenheit des Vorſtandes und zum Wohle unſerer ganzen
Gemeinde. Vorausſichtlich wird der Bankbeamte i. R. Herr Geore
Hatzenberger ſein Nachfolger werden. — Reformationsfeſt. Am
27. d. M., dem Reformationsfeſte, findet im hieſigen Gemeindehauſe von
ſeiten des Poſaunenchors eine beſondere Feier ſtatt, bei der durch
Mit=
glieder des Chores die „Bauern” von Walter Flex zur Aufführung
ge=
bracht werden. Der Reinertrag ſoll zum Beſten des Chores Verwendung
finden. — Das Beerdigungsinſtitut „Pietät”, das hier durch
die Schreinerei Gebrüder Wagenknecht vertreten wird, übernimmt von
jetzt an auch Ueberführungen von und nach auswärts mittels
Leichen=
autos. — Wie in anderen Orten, ſo wäre es auch hier zeitgemäß, wenn
von Zeit zu Zeit, vielleicht monatlich einmal, einige Wagen durch die
Ortsſtraßen fahren, um altes Geſchirr zu ſammeln und nach einer
Ab=
ladeſtelle abzufahren. Es würde ſicherlich an verſchiedenen
Ortseingän=
gen nicht ſo viel Gerümpel lagern, das doch einen ſchlechten Eindruck
macht. In Nachbarorten, wie z. B. Ober=Ramſtadt, hat man ſchon
mehrfach geſammelt, und wurden jedesmal recht anſehnliche Mengen
zu=
ſammengebracht. Auswärtige Intereſſenten haben ſogar an der
Ablade=
ſtelle eine Ausleſe vorgenommen, um noch brauchbares Material zu
ver=
werten.
J. Griesheim, 19. Okt. Gemeinderatsbericht. Das
Kreis=
amt Darmſtadt hat den Erlaß einer Polizeiverordnung betr.
Bekämp=
fung von Obſtbaumſchädlingen angeregt. Die Angelegenheit wurde mit
Rückſicht darauf, daß vom Kreisamt Groß=Gerau, dem wir als beſetzte
Gemeinde ebenfalls unterſtehen, bereits für den ganzen Kreis eine ſolche
Polizeiverordnung erlaſſen worden iſt, zurückgeſtellt. — Der
Uhrmacher=
meiſter Kurt Lindner hier hat um Genehmigung zur Anbringung einer
öffentlichen Straßenuhr an ſeinem Hauſe, Beſſungerſtraße 28, hier
nach=
geſucht. Die Genehmigung wurde erteilt. Die Uhr darf bis zu 1 Meter
vom Hauſe ab in die Straßenflucht hinausragen. — Dem Heinrich
Funk 1. hier wurde auf Widerruf geſtattet, die von ihm zu errichtende
Waſchküche auf die vor der Baufluchtlinie ſtehende Einfriedigungsmauer
aufzubauen. — Für das Geſuch des Hugo. Löblein um Erteilung der
Konzeſſion für Wein= und Likör=Ausſchank in ſeinem Hauſe
Obern=
dorferſtraße 23, hier, wurde die Bedürfnisfrage bejaht. — Der Heſſiſchen
Landesbank wurde der Vorrang vor den der Gemeinde grundbuchmäßig
gewahrten Nechte gegenüber der Wilhelm Hofmann 2. Witwe hier
ein=
geräumt. — Nachdem die Baudarlehen des Heinrich Engelhardt,
Bern=
hard Schnaars und Robert Dickerhof zurückbezahlt worden ſind, wurde
den Löſchungen zugeſtimmt. Das Geſuch des Wilhelm Horn in
Milten=
berg, um Zuweiſung einer Wohnung im Hauſe des Heinrich Funk 8.
hier wurde abgelehnt. Dem p. Horn wird anheimgeſtellt, ſich hier eine
beſchlagnahmefreie Wohnung zu beſchaffen. — Dem Heinrich Ritter 3.
hier wurde das Gemeindegrundſtück Flur XVl. Nr. 1165 zum Preis von
1,50 Mark pro Quadratmeter unter Belaſtung mit ſämtlichen
entſtehen=
den Koſten überwieſen. — Als Miete für die Freibank, die zurzeit im
Hauſe des Peter Bock 4., Löffelgaſſe 12 hier, untergebracht iſt, wurden
70 Mark pro Jahr feſtgeſetzt. — Die Gemeinde lehnt eine allgemeine
Verſicherung der hieſigen Schulkinder gegen Unfall auf Gemeindekoſten
ab, da den einzelnen Eltern die Verſicherung ihrer Kinder gegen eine
geringe Prämienzahlung möglich iſt. — Der Arbeiter=Samariter=Kolonne
hier wurde auf ihr Erſuchen ein Zimmer im Gemeindehaus,
Jahn=
ſtraße 8 hier, zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung geſtellt. —
Die den Heinrich Bentz und Karl Mönch 2. hier für die nicht ſenkrecht
eingeführten Anſchlußleitungen zum Waſſerleitungsnetz entſtandenen
Mehrkoſten wurden erlaſſen. Das Geſuch des Peter Traſer um Erlaß
von Reparaturkoſten für ſeinen aufgefrorenen Waſſermeſſer wurde
ab=
gelehnt. — Dem Heinrich Kraft 2. hier wurde für längeres Leerſtehen
ſeiner beſchlagnahmt geweſenen Mietwohnung eine Entſchädigung von
360 Mark aus der Gemeindekaſſe bewilligt. — Zur Wahrnehmung des
am 21. Oktober d. J. vor dem Kreisausſchuß anſtehenden Termins betr.
Klage gegen die Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters wurden die
Ge=
meinderäte König und Müller 2. beſtimmt. — Dem Gemeinderat wurde
die Verfügung des Kreisamtes Darmſtadt, wonach das Kreisamt,
ſo=
lange das Verwaltungsſtreitverfahren über die Anfechtung der
Ge=
meinderatsbeſchlüſſe betr. Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters nicht
abgeſchloſſen iſt, nicht in der Lage iſt, die Entſchließung des Herrn
Miniſters des Innern über Genehmigung der Ortsſatzung einzuholen,
zur Kenntnis gebracht. — Dem Gemeinderat wurde Kenntnis gegeben,
daß in der Prozeßſache gegen die Heag am 28. Oktober d. J., vor dem
Landgericht Darmſtadt Termin anſteht. — Einigen Geſuchen um Erlaß
von Wertzuwachsſteuer wurde ſtattgegeben.
F. Eberſtadt, 18. Okt. Wahlvorſchlag zur
Gemeinde=
ratswahl. Die Ortsgruppe Eberſtadt der Deutſchen Demokratiſchen
Partei hat für die am 17. November 1929 ſtattfindende
Gemeinderats=
wahl folgende Kandidaten aufgeſtellt: 1. Peter Heißt, Oberſteuerſekretär;
2. Peter Becker, Rektor; 3. Georg Wilhelm Fiſcher, Kaufmann; 4.
Hein=
rich Krauth, Polizeioberleutnant. — Gemeinderatsſitzung. Die
auf geſtern abend anberaumt geweſene Gemeinderatsſitzung iſt
ausge=
fallen und auf Dienstag, den 22. Oktober, verſchoben worden. —
Stenographie= und Schreibmaſchinen=Unterricht.
Der hieſige Stenographenverein „Gabelsberger”, nimmt am Montag,
den 21. Oktober, ſeinen Unterricht in ſeinen Unterrichtsräumen der
Eleonorenſchule wieder auf.
F Eberſtadt, 19 Okt. Bedarf an Deckreiſig. Anmeldungen
auf Lieferung von Deckreiſig werden bis Samstag, den 26. Oktober 1929,
auf Zimmer 5. der Bürgermeiſterei entgegengenommen. Das Gebund
frei Haus geliefert koſtet 70 Rpf. Nachträgliche Anmeldungen können
nicht berückſichtigt werden. — Hauptkörungen. Die diesjährige
Hauptkörung für die Orte Eberſtadt, Nieder=Beerbach, Nieder=Namſtadt
und Waſchenbach findet am 23. Oktober 1929 ſtatt, worauf Intereſſenten
hingewieſen werden. — Das Einſperren der Tauben zur
Saatzeit. Da die Ausſaat noch nicht beendet iſt, wird die
Einhalte=
friſt der Tauben um 14 Tage (bis 8. November 1929) verlängert.
Kirchliches. Pfarrer Weißgerber, der Nachfolger Pauls, wird
ſich im Vormittagsgottesdienſt am Sonntag der Gemeinde vorſtellen.
Aus dieſem Anlaß wird der Gottesdienſt durch den Poſaunenchor und
Kirchengeſangverein würdig ausgeſtaltet werden. Eine Einführung des
neuen Pfarrers kommt erſt bei der definitiven Beſetzung der hieſigen
Pfarrſtelle in Betracht.
Cp. Pfungſtadt, 19. Okt. Ferienverlängerung wegen
Scharlach. Infolge des heftigen Auftretens der Scharlachkrankheit
in der hieſigen Gemeinde — es ſind leider bereits drei Todesfälle zu
verzeichnen — bleiben auf ärztlichen Rat die Volksſchulen und die
Klein=
kinderſchule auf weitere acht Tage geſchloſſen. Für die
Fortbildungs=
ſchulen finden dieſe Maßnahmen keine Anwendung. — Es wird
ausdrück=
lich darauf hingewieſen, daß es im Intereſſe der Eltern und Kinder
liegt, wenn alle Vorſichtsmaßregeln gewiſſenhaft befolgt werden. In
Sonderheit laſſe man Kinder nicht in Scharen zuſammenſpielen. Der
Beſuch kranker Kinder iſt unbedingt zu vermeiden, damit eine
Verſchlep=
pung der Krankheit nicht ſtattfinden kann. — Radler=
Schnitzel=
jagden finden am Sonntag ſowohl ſeitens des „Radfahrervereins
1898” als auch des Arb.=Radfahrervereins ſtatt. — Der Verein der
Hundefreunde hält am Sonntag eine Schutz= und Polizeihunde=
Prüfung ab.
Cp. Pfungſtabt, 19. Okt. Hauptkörung 1929. Die
Haupt=
körung 1929 des Faſelviehs findet am Samstag, den 26. Oktober, von
vormittags 9 Uhr ab im Faſelſtall ſtatt.
— Traiſa, 18. Okt. In einer Verſammlung der organiſierten
Arbeiterſchaft iſt für die bevorſtehende Gemeinderatswahl
fol=
gende Liſte zuſammengeſtellt und eingereicht worden: 1. Friedr. Fiſcher,
Vorarbeiter; 2. Heinr. Fiſcher, Lackierer; 3. Jean Krämer,
Bauunter=
nehmer; 4. Konrad Vonhof, Schloſſer; 5. Fritz Nindfrey,
Magazinarbei=
ter; 6. Heinr. Bock, Dreher; 7. Valentin Mahr, Fabrikarb., 8. Heinr.
Maſer, Vorſchloſſer; 9. Fritz Wegt, Weißbinder; 10. Philipp Becker,
Eiſenbahner; 11. Wilh. Hauck, Schreiner: 12. Gg. Plößer, Eiſenbahner.
— Vom Gewerbeverein zuſammen mit dem Bauernbund
iſt folgende Liſte eingereicht worden: 1. Friedr. Kilian, Buchhalter; 2.
Gg. Spieß 2., Schreinermeiſter; 3. Joh. Ophoven, Landwirt; 4. Gg.
Spieß 3., Drogiſt; 5. Wilh. Schimpf, Schneidermſtr.; 6. Heinr. Old,
Landwirt; 7. Peter Rodemich, Elektromſtr.; 8. Wilh. Hofmann,
Schrei=
nermſtr.; 9. Adam Krichbaum, Landwirt; 10. Jakob v. d. Heyden,
Spengler; 11. Leonhard Klingler, Milchhändler; 12. Friedr. Walter 3.,
Kaufmann.
Gegen üblen Mundgeruch. Ich will nicht verſäumen, Ihnen
Mitteilung zu machen, daß ich ſeit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaſta
Chlorodont” nicht nur reine weiße Zähne beſitze, ſondern auch
den bei mir ſonſt üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde
Ihr „Chlorodont” aufs beſte empfehlen.‟ Gez. E. G., Mainz.
Ueberzeugen Sie ſich zuerſt durch Kauf, einer Tube zu 60 Pf.,
große Tube 1 Mk. Chlorodont=Zahnbürſten 1,25 Mk., für Kinder
70 Pf. Chlorodont=Mundwaſſer 1.25 Mk. Zu haben in allen
(TF.1015
Chlorodont=Verkaufsſtellen.
Nummer 291
Sonntag, den 20. Oftober 1929
Seite 2
Bergſträßer Winzerfeſt.
* Ein häßliches Wetter zur Eröffnung des Bergſträßer Winzerfeſtes
in Bensheim. Es regnet Bindfäden auf all die Girlanden, die vielen
Fahnen, die die Straße vom Bahnhof nach dem Rathaus=flankieren, auf
das ſchöne, mit Tannengrün und rotweißen Schleifen umwundene, von
den Reichs= und Landesfahnen umwehte Eingangstor, das als
Ehren=
pforte die Gäſte grüßt. Es regnet auf all die vielen Buden und
Ka=
ruſſells. Es iſt ſchade, daß das erſte Bergſträßer Winzerfeſt, das den
Auftakt zu vielen kommenden bilden ſoll, ſo ſchlechtes Wetter getroffen
hat. Und doch wäre es verfehlt, eine trüb=graue Bergſträßer Elegie zu
ſchreiben. Denn das war das Schöne an dieſem erſten Tag des
Winzer=
feſtes, daß das ſchlechte Wetter es nicht vermochte, die freudige und
ge=
hobene Stimmung all der vielen offiziellen und inoffiziellen Teilnehmer
irgendwie zu beeinträchtigen. Und dann war vor allem von der Stadt
Bensheim und dem Verkehrsverein in kluger Vorausſicht Sorge getragen
auch für den Fall des ſchlechten Wetters. Im geräumigen, beraan
lie=
genden Rathaushof war ein großes Podium aufgeſchlagen, das nicht nur
der Muſikkapelle hinreichend Platz bot, ſondern auf dem auch die
ge=
ladenen Gäſte Unterkunft finden konnten. Und rings um den Hof iſt
ein wohlgelungenes Winzerdorf aufgeſchlagen, eine große Anzahl
loggienartiger, miteinander verbundener Hallen, in denen von den
ver=
ſchiedenen Wirten der Bensheimer und Bergſträßer Wein ausgeſchenkt
wird. Hier verſammelten ſich während und vor allem nach der
offiziel=
len Begrüßungsfeier die Gäſte.
Nach einem einleitenden Muſikſtück „Die Ehre Gottes” von Beethoven
begrüßte der 1. Vorſitzende des Verkehrsvereins Bensheim, Herr
Gewerbelehrer Stoll,
die zahlreich erſchienenen Gäſte, insbeſondere Herrn Staatsrat Balſer
als Vertreter der Miniſterien, die Vertreter der Heſſiſchen Landesbank.
und der Kommunalen Landesbank, der Induſtrie= und Handelskammer,
der Handwerkskammer, die Kreisdirektoren von Darmſtadt, Bensheim,
Heppenheim und Weinheim ſowie deren Vertreter, die Vertreter der
Bürgermeiſtereien vieler Städte und Landgemeinden der näheren und
weiteren Umgebung Bensheims ſowie alle übrigen Vertreter von
Be=
hörden, Organiſationen und Verbänden. Das Winzerfeſt, das in dieſem
Jahre zum erſtenmal gefeiert werde, ſei nicht — wie man etwa meinen
möge — ein Feſt lärmenden Trubels und ausgelaſſenen Frohſinns. Es
ſei vielmehr ein Feſt der Arbeitſamkeit, ein Beweis dafür, daß die
Bens=
heimer Bevölkerung und mit ihr die ganze Umgebung an der ſchönen
Vergſtraße gewillt ſei, ihre Gegend mit all ihren Schönheiten, vor allem
auch mit den Erzeugniſſen des landwirtſchaftlichen und gewerblichen
Fleißes, weiteren Kreiſen zugänglich zu machen. Es ſei nicht nur ein
Winzerfeſt, wie man es programmatiſch genannt habe, ſondern ein
Herbſtfeſt im allgemeinen Sinne, und wie der Herbſt Früchte aller Art
darbiete, ſo habe man es ſich zur Aufgabe geſetzt, alle Früchte, die die
teiche und fruchtbare Heimatgegend hervorbringe, im Rahmen dieſes
Bergſträßer Winzerfeſtes, das ja in dieſem Jahr erſtmalig und daher
noch unfertig vor die Oeffentlichkeit trete, auszuſtellen. In dieſem
Win=
zerfeſt, das von nun an alljährlich abgehalten werden ſolle, drücke ſich
die Energie der Bevölkerung aus, die trotz oder vielleicht gerade wegen
der ſchweren wirtſchaftlichen Notlage beſtreht ſei, mit allen Mitteln der
Werbung den wirtſchaftlichen Stand der Bergſtraße, ihrer Städte und
Dörfer, ihrer geſamten Bevölkerung zu heben. Herr Lehrer Stoll
ver=
kas ſodann eine Urkunde, die der Verkehrsverein abgefaßt hatte und
in der die Grundgedanken des Winzerfeſtes programmatiſch feſtgelegt
ſind. Zum Schluß ſeiner mit lebhaftem Beifall aufgenommenen
Begrü=
ßungsanſprache bat der Redner die Stadt Bensheim, der er im Namen
des Verkehrsbereins die Urkunde übergab, mit ihr zugleich auch den
Schutz über das diesjährige und über alle kommenden Winzerfeſte zu
übernehmen.
Namens der Stadt Bensheim dankte dem Redner Herr
Bürgermeiſter Dr. Angermeier,
der den Schutz der Stadt für das Winzerfeſt übernahm, zugleich mit der
Urkunde, die dem Städtiſchen Archiv einverleibt werden ſoll. Des
wei=
teren begrüßte er ebenfalls namens der Stadt die erſchienenen Gäſte
und bieß ſie auf das herzlichſte willkommen. Er führte dann u. a. aus:
Wir haben gewiß auch in Bensheim keine Veranlaſſung lärmende
Feſte zut feiern, wo ſo viel wirtſchaftliche und ſoziale und auch kulturelle
Not uns umgibt, wvo uns ein harter Winter beborſteht. Wir ſind uns
unſerer ſchwierigen Lage auch in Bensheim voll beſpußt. Das
Winzer=
feſt ſoll ſein ein Stück Heimatkultur, es ſoll der Bevölkerung von
Bens=
heim und der näheren und weiteren Umgebung eine Erinnerung an
Vensheims und der Bergſtraße Vergangenheit ſein, es ſoll uns ins Ge=
dächtnis zurückrufen, daß unſere Bergſtraße ſeit vielen Jahrhunderten
ein Weinbaugebiet von immer noch beachtlichem Ausmaß darſtellt, wenn
auch die Weinanbaufläche im Laufe der Jahrhunderte durch die
Erwei=
terung der Anſiedlungsgebiete immer mehr auf die ſonnigen Abhänge
unſerer Hügel an der Bergſtraße zurückgedrängt worden iſt. Die
Be=
völkerung der Bergſtraße will ihren Gäſten zeigen, daß ſie auf dem
Ge=
biete des Weinbaues und der Weinhandlung mit den Fortſchritten der
Zeit mitgegangen iſt, ſie will den Ruf der Bergſträßer Weine in weiteſte
Kreiſe hinaustragen. Möchten Sie alle den Ruf unſeres Weines mit
hinaustragen helfen in alle Welt.
Unſer Winzerfeſt hat aber auch noch eine andere Aufgabe. Es ſtellt
eine Generaleinladung an das uns umgehende Wirtſchaftsgebiet dar, in
dieſen Tagen hereinzuſtrömen in unſere Stadt. Unſere Berufsſtände in
Bensheim, ohne Ausnahme, wollen ihnen zeigen, daß das Prinzip, dem
Konſumenten nur gute Waren zu angemeſſenem Preiſe zu bieten, in
Bensheim dominiert. Die Geſchäftswelt von Bensheim würde den
ſchön=
ſten Dank für ihre Opfer erblicken, daß ſie zufriedengeſtellte Kunden in
immer ſtärkerem Maße aus ihrer näheren und weiteren Umgebung
hin=
zuerwirbt.
Zum Schluſſe habe ich namens der Stadtverwaltung und
Stadtver=
tretung, ja als Vertreter der geſamten Bevölkerung der Stadt
Bens=
heim, die ehrenvolle Pflicht, von Herzen Dank, zu ſagen für all die
Mühen und Arbeit, die erheblichen Opfer an Geld und Zeit, die
die=
jenigen aufgebracht haben, die zu dem Gelingen nach beſten Kräften
bei=
getragen haben. Nicht nur dem rührigen Verkehrsverein, nicht nur all
den Wirtſchaftskreiſen, die hinter ihm ſtehen, ſondern der geſamten
Be=
völkerung. Möge das erſte Bergſträßer Winzerfeſt ein glücklicher
Auf=
takt für eine Dauereinrichtung ſein, möge Handel, Wandel und
Ver=
kehr in unſerer Stadt und an der ganzen Bergſtraße blühen und
ge=
deihen!
Namens der heſſiſchen Staatsregierung, namens aller Miniſterien
und der geſamten Verwaltung dankte Herr
Staatsrat Balfer
für die herzlichen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen
Begrüßungs=
worte Bürgermeiſter Dr. Angermeiers. Er entſchuldigte die Miniſter,
die leider nicht in der Lage geweſen ſeien, dem Feſt, das ſie mit
herz=
lichen Wünſchen für glückliches Gelingen begleiteten, perſönlich
beizu=
wvohnen. Das Winzerfeſt ſei, ſo fuhr der Nedner dann fort, nicht nur
ein Feſt des Verſtandes, der rechnenden Sinne, ſondern auch ein Feſt
des Gemütes, an dem alles, was gerade die Bergſtraße in ſo reichem
Maße zu geben habe, lebendig werde: die Geſchichte und Tradition auf
der einen, die ſchöne Landſchaft auf der anderen Seite. Und doch
er=
ſchöpfe ſich der Wert dieſer Veranſtaltung nicht darin; es ſei ihr weſentlicher
Zweck, in der Hebung der wirtſchaftlichen Leiſtungsfähigkeit der
Bergſträ=
ßer Bevölkerung ihr Ziel zu erblicken. Drei Dinge vor allem werde man
erſtreben und habe auf dieſem Wege ſchon vieles erreicht: zunächſt die
Hebung des Verkehrs, für den ſchon vieles geſchehen ſei, wenn auch noch
vieles zu tun übrig bleibe. Durch die Verkehrshebung werde aber
zu=
gleich der handel= und gewerbetreibenden Bevölkerung in den Städten
der Bergſtraße geholfen, die für die ländliche Bevölkerung mehr und
mehr ein Zentrum des Kaufs und Verkaufs werde. Dieſe ländliche
Be=
völkerung ihrerſeits, und das ſei das dritte Ziel, müſſe auf das kräftigſte
unterſtützt werden. Man kenne, die wirtſchaftliche Notlage der
Landwirtſchaft infolge der Preisſchere zwiſchen Induſtrie= und
Agrarprodukten, aber die Regierung ſei unabläſſig bemüht, hier helfend
einzugreifen. Beſonders müſſe man dieſe Hilfe dem ſchwer
be=
drohten Weinbau angedeihen laſſen, dem Weinbau, der außer
unter der wirtſchaftlichen Lage auch unter natürlichen Schädlingen, wie
der Reblaus, zu leiden habe. Die Einrichtung des Rebmuttergartens in
Heppenheim beweiſe, daß die Regierung bemüht ſei, hier mit allen
Kräf=
ten zu helfen. Auch für die heſſiſche Weinbaudomäne, die in engſter
Zu=
ſammenarbeit mit der Stadt Bensheim, ſchon manches habe erreichen
können, gelte das. Abſchließend wünſchte der Redner nochmals den
Ver=
anſtaltern namens der Regierung Glück und Erfolg. Herzlicher Beifall
dankte ihm. Nach einem Muſikſtück und nachdem ein Film von den
an=
weſenden Ehrengäſten aufgenommen, worden war, wurden von der
Schüilerinnenabteilung des D. T. Bensheim reizende Winzertänze
auf=
geführt, die lebhaften Anklang fanden. Beſonders die Darbietungen der
Kleinſten, die von Frau Ulenberg ſorgfältig einſtudiert waren, ernteten
reichen Beifall. Damit war die trotz des ſchlechten Wetters in allen
Teilen wohlgelungene Eröffnungsfeier beendet und es ſchloß ſich ein
lebhaftes Treiben in den verſchiedenen Winzerſtuben an.
W. Heppenheim a. d. B., 19. Okt. Kreisausſchußſitzung.
Die nächſte öffentliche Sitzung des Kreisausſchuſſes findet am
kommen=
den Dienstag, den 22. Oktober, vormittags 8,30 Uhr, im hieſigen
Kreis=
amtsgebäude ſtatt. — Deutſche Jugendkraft. Die 2. J,K.
Hep=
penheim hält am Sonntag, den 27. Oktober, ihr Abturnen ab. Hierbei
wird auch die Schülerabteilung ihr Können zeigen. —
Stenogra=
phenverein. Die nächſte Verſammlung des hieſigen
Stenoaraphen=
vereins, „Gabelsberger” findet am kommenden Samstag (19. Oktober)
ſtat. — Dienſtiubiläum. Nachdem kürzlich Herr, Schutzmann
Bund auf ſeine 25jährige Dienſtzeit bei der Stadt Heppenheim
zurück=
blicken konnte, feierte in den letzten Tagen auch Herr Feldſchütz Mai ſein
25jähriges Dienſtjubiläum. Aus dieſem Anlaß überreichte Herr
Bürger=
meiſter Schiffers den beiden Jubilaren im Beiſein einer Beamten=
Depu=
tation als Anerkennung eine Radierung, das Rathaus darſtellend, und
ſprach ihnen den Dank der Stadtverwaltung für treu geleiſtete Dienſte
aus. — Am letzten Sonntag konnte der hieſige Herr Prälat Monſignore
Miſchler im Kreiſe ſeiner Pfarrgemeinde ſeinen 84. Geburtstag begehen.
Bb. Bensheim, 19. Okt. Das Bankhaus Fiebig hierſelbſt ſah ſich
gezwungen, ſeine Zahlungen einzuſtellen, und ſollen kleinere Sbarer
und Geſchätsleute durch die Zahlungseinſtellung hart betroffen
wor=
den ſein.
— Gernsheim, 19. Okt.” Waſſerſtand des Rheins am
18. Oktober —1,36 Meter, am 19. Oktober —1,37 Meter.
42. Langen, 19. Okt. Der Alice=Frauenverein Langen
kann Mitte kommenden Monats auf ein 15jähriges Beſtehen
zurück=
blicken. Das Jubiläum wird in Geſtalt einer
Wohltätigkeitsveranſtal=
tung gefeiert werden.
Br. Egelsbach, 19. Okt. Kanalifation. Die Geſamtkoſten der
vorgeſehenen Kanaliſation betragen nach dem Voranſchlag ungefähr
130 000 Mark. Hiervon ſollte die Gemeinde 70 000 Mark ſelbſt
auf=
bringen, 45000 Mark würde ſie als ein verbilligtes Reichsdarlehen zu
4 Prozent und 15000 Mark als nicht rückzahlbarer Zuſchuß aus der
Ar=
beitsloſenfürſorge erhalten. Da jetzt aber infolge Geldknappheit kein
Reichsdarlehen gewährt werden kann, ſo will das Arbeitsamt nunmehr
18 000 Mark als Zuſchuß gewähren mit der Bedingung, daß
Erwerbs=
loſe bei den Kanaliſationsarbeiten verwendet werden ſollen. Nach den
geltenden Beſtimmungen kommen dieſe aber erſt in zweiter Linie in
Be=
tracht, und deshalb blieben vorausſichtlich die Erwerbsloſen zu Laſten
der Gemeinde. Es iſt alfo noch fraglich, ob die Gemeinde den Zuſchuß
in Anſpruch nimmt. Zur Gewährung des geſamten Baukapitals hat
ſich ein Geldinſtitut bereit gefunden, bei einem Auszahlſatz von 89,5
Prozent und gegen 8,5 Prozent Zinſen auf fünf Jahre das Geld zu
ſtellen. Herr Bürgermeiſter Anthes iſt deshalb beauftragt,
Verhand=
lungen bezüglich der Anleihen weiterzuführen.
(I.15518
Zur Auffriſchung
werden vielfach Reizmittel genommen, die zwar ſchnell wirken, aber
dann das Uebe verſchlimmern. Ebenſo ſchnell aber nachhaltiger wirke
in wenigen Minuten die aus Malzertrakt, Milch und Eiern hergeſtellte
Kraftnahrung Obomaltine. Sie wirkt aber nicht aufpeitſchend, ſondern
ſtärkend. Obomaltine iſt in Apotheken und Drogerien vorräig: 250 gr
Büchſe 2.70 RM., 500 gr5 — RM. Gratisprobe und Druckſachen durch:
Dr. A. Wander, G m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen.
Der Tierſchubverein fit Heſten. Darmftadl, Becl.5
ſchreibt uns: Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Kaninchen müſſen
vor dem Blutentziehen betäubt werden, damit ihnen die Qual des
Schlachtens erſpart bleibt. Es iſt grauſam, Tiere ohne vorherige
Be=
täubung zu ſchlachten. Ein Schwein, das nach dem Kopfſchlag noch
ſchreit, hat noch Bewußtſein und war nicht genügend betäubt. Kinder
dürfen beim Schlachten nicht zugegen ſein.
Rheinheſſen.
* Mainz, 19. Okt. Chronik. Zwiſchen Harxheim und
Mommen=
heim ſtieß Freitag gegen 19 Uhr ein Motorrad mit Beiwagen von hinten
auf ein unbeleuchtetes Bauernfuhrwerk in voller Fahrt auf. Der Lenker
des Motorrades, der 31jährige Pferdemetzger Hubert Eicker von hier,
blieb mit einem ſchweren Schädelbruch bewußtlos liegen. Sein Begleiter
flog in hohem Bogen aus dem Beiwagen ins Feld, kam aber mit
leich=
teren Verletzungen davon. Das Sanitätsauto der Freiwilligen
Sanitäts=
kolonne brachte die Verletzten nach Mainz ins Städtiſche Krankenhaus.
Dort konnte der Begleiter nach Anlegen von Notverbänden wieder
ent=
laſſen werden. Eicker iſt Samstag früh infolge ſeiner ſchweren
Ver=
letzungen geſtorben. — Auf der Landſtraße zwiſchen Mainz=Koſtheim und
Hochheim rannte ein Motorradfahrer gegen ein landwirtſchaftliches
Fuhrwerk. Durch den Anprall wurde er vom Rade geſchleudert und
er=
litt am Kopfe und an den Händen erhebliche Verletzungen. — Auf der
Albanſtraße erfolgte ein Zuſammenſtoß zwiſchen einem Motorradfahrer
und einem Perſonenkraftwagen. Der Motorradfahrer erlitt anſcheinend
innere Verletzungen und fand Aufnahme im Städtiſchen Krankenhaus
—Waſſerſtand des Rheins bei Kaub am 18. Oktober 0,88
Meter, am 19. Oktober 0,86 Meter.
h. Friedberg, 19. Okt. Keine Wohnungsbaudarlehen
mehr. Infolge der angeſpannten finanziellen Lage der Stadt können
keine Baukredite mehr gewährt werden, nachdem die Stadt für 1929
be=
reits 269 000 Mark vorgelegt und für 1,5 Millionen Mark Bürgſchaften
übernommen hat. Aus dieſem Grunde wurde auch das teure Projekt
eines Familienfreibades an der Bergkaſerne abgelehnt.
WSN. Gießen, 19. Okt. Ausdem Gießener Stadtrat. Der
Stadtrat der Stadt Gießen beſchloß in ſeiner geſtrigen Sitzung, zur
Sicherſtellung der Waſſerverſorgung Gießens einen weiteren großen
Waſſerbehälter an der Provinzialſtraße Gießen-Grünberg erbauen zu
laſſen. Die Errichtung dieſes Bauwerks hat ſeinen Grund in den
Er=
fahrungen des letzten heißen und trockenen Sommers, bei dem die
Waſſer=
verſorgung der Stadt mehrmals außerordentlich geſpannt war, obwohl
die Waſſerwerkspumpen ſelbſt genügend Waſſer herbeiſchafften.
h. Gießen, 18. Okt. Der Gießener Bahnhofsumbau,
ein Millionenprojekt. Ein Schmerzenskind der
Neichsbahn=
verwaltung iſt der Gießener Bahnhof und ganz beſonders die
unzuläng=
lichen Raumperhältniſſe im Güterbahnhof. Gegenwärtig iſt der innere
Umbau des Empfangsgebäudes im Gang. Die Umladehalle der
Güter=
abfertigung iſt bedeutend erweitert worden. Durch Verlegung des
Eiſen=
bahnbetriebswerkes nebſt Lokomotivſchuppen aus dem Güterbahnhof und
die Neuerrichtung dieſes Werkes bei Klein=Linden will man ein größeres
Gelände gewinnen, das dem Verſchiebebahnhof nutzbar gemacht werden
ſoll. Die Koſten für dieſes Projekt werden allein auf 5 bis 6 Millionen
Mark geſchätzt. Ferner beſteht ſeit mehreren Jahren der großzügige
Plan, die beiden oberheſſiſchen Linien Gießen—Fulda und Gießen—
Geln=
hauſen, die bekanntlich durch die Stadt führen und hier ein großes
Ver=
kehrshindernis bilden, hinaus zu verlegen und von Nichtung Klein=
Lin=
den aus in den Bahnhof einzuführen. Eine Kommiſſion, beſtehend aus
Herren der Direktion Frankfurt und der oberſten Bahnbehörde in
Ber=
lin, weilte dieſer Tage zur Beſichtigung und Begutachtung der
Umbau=
projekte am hieſigen Bahnhof.
h. Lauterbach, 19. Okt. Ein aufſtrebender
Induſtvie=
zweig iſt die noch junge Damenhutfabrik. Obwohl ſie erſt
wenige Jahre vor dem Weltkriege von dem jetzigen Direktor Feick ins
Leben gerufen wurde, beſchäftigt ſie heute ſchon über hundert Perſonen,
einſchließlich der Heimarbeiter. In verſchiedenen Großſtädten
Deutſch=
lands beſitzt die Fabrik Filialen, z. B. Stutgart, Frankfurt, Köln und
Hannover. In der Hochſaiſon werden täglich über hundert Dutzend
Damenhüte hergeſtellt. Das Fabrikgebäude wurbe 1913 erbaut und 1925
erweitert.
h. Aus Oberhefſen, 19. Okt. Einmütige Gemeinden. Zu
den bevorſtehenden Gemeinderatswahlen reichten die Bewohner von
Sichenhauſen und Kirchgöns nur je einen Wahlvorſchlag ein,
wodurch den Gemeinden Koſten und Aufregung erſpart bleiben. Auch
die Gemeinde Geiß=Nidda reichte nur einen Wahlvorſchlag für die
bevorſtehende Bürgermeiſterwahl ein, ſo daß der ſeitherige
Bürger=
meiſter Lind wiedergewählt iſt. — Dagegen wollen in dem Dorfe
Nie=
der=Ohmen die meiſten Bürger in das Ortsparlament einziehen. Es
liegen 7 Wahlvorſchläge mit 84 Gemeinderatskandidaten vor. Das Dorf
hat nur etwa 800 Wahlberechtigte.
m. Aus dem Lande, 16. Okt. Landwirtſchaftliches. Die
Landwirtſchaftskammer hat wieder eine Anzahl Auszeichnungen
ver=
liehen für Dienſtboten, die eine gewiſſe Zeit bei derſelben
Dienſtherr=
ſchaft verbracht haben. Die Ehrenurkunde für l0jährige
ununter=
brochene Dienſtzeit, erhielten drei weibliche und zwölf männliche, die
Bronze=Medaille für 25jährige ununterbrochene Dienſtzeit ſechs
männ=
liche und vier weibliche Perſonen, die ſilberne Medaille für 40jährige
ununterbrochene Dienſtzeit ein Mann, die ſilberne Broſche für 40jährige
ununterbrochene Dienſtzeit eine Frau; zu den Medaillen und Broſchen
wurde weiter eine Anerkennungsurkunde für treue Dienſte verliehen.
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Darmſiadt, den 19. Oktober 1929.
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gefunden.
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nach langen, ſchweren, im Felde zugezogenen Leiden für immer
von uns gegangen.
In tiefem Schmerz:
Lina Geisler, geb. Seibel
Hans Geisler
Käte Geisler.
Darmſtadt, den 19. Oktober 1929.
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Die Beerdigung findet Montag, den 21. ds Mts., nachmittags
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nach ſchwerem Leiden, verſehen mit den Tröſtungen der
hl. Kirche, zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
In tiefem Schmerz:
Die trauernden Hinterbliebenen.
(16493
Darmſiadt, den 18. Oktober 1929.
Die Beiſetzung findet Montag, den 21. Oktober 1929,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
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Willy Raiß, Dipl.=Ing., Darmſtadt
Käthe Kreyſcher, geb. Raiß
Gretel Diepen, geb. Raiß
Katharine Raiß Wwe.
Karl Kreyſcher, Prediger
Reinhard Diepen, Oberpoſtſekretär,
Babenhauſen
und 4 Enkel.
Michelſtadt, den 19. Oktober 1929.
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Die Beerdigung findet Montag, den 21. Oktober 1929,
nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhauſe Schulſtraße
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Herzlichen Dank Allen, die bei dem Heimgang
unſrer lieben Entſchlafenen ihre aufrichtige
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Schweſtern der Petrusgemeinde für ihre
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tröſienden Worte.
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Sonntag, den 20 Oktober
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Rüickgang der Einfuhr um 34 Mill. Mk. — Zunahme
der Ausfuhr um 14 Mill. Mk. — Der
Ausfuhrüber=
ſchuß gegenüber Auguſt um 48 Mill. Mk. geſtiegen.
Im September 1929 beträgt die Einfuhr im reinen Warenverkehr
1038 Mill. RM., die Ausfuhr einſchließlich der
Reparationsſachlieferun=
gen 1204 Mill. RM. Die Handelsbilanz ergibt ſomit im September
einen Ausfuhrüberſchuß von 166 Mill. RM., der den Ausfuhrüberſchuß
im Auguſt (118 Mill. RM.) um 48 Mill. RM. überſteigt. Die
Repa=
rationsſachlieferungen belaufen ſich wie im Vormonat auf 67 Mill. RM.
Die Einfuhr iſt gegenüber dem Auguſt um 34 Mill. RMM. zurückgegangen.
Abgenommen hat die Einfuhr von Lebensmitteln um 10 Mill. RMM.,
die Einfuhr von Nohſtoffen um 28 Mill. MM. Die Einfuhr von
Fertig=
waren iſt gegenüber dem Vormonat unweſentlich geſtiegen. Eine
Ab=
nahme der Einfuhr von Lebensmitteln iſt insbeſondere bei der Einfuhr
von Kaffee, Weizen, Küchengewächſen und Reis (insgeſamt um 32 Mill.
Reichsmark) zu verzeichnen. Dieſem Rückgang ſteht eine erhebliche
Zu=
nahme der Einfuhr von Gerſte (um 24,5 Mill. RM.) gegenüber. Der
Rückgang der Einfuhr von Rohſtoffen und halbfertigen Waren beruht
im weſentlichen auf einer Abnahme der Einfuhr von Wolle, Bau= und
Nutzholz, ſowie Eiſenerzen. Die Ausfuhr iſt gegenüber dem Vormonat
um 14 Mill. RM. geſtiegen Zugenommen hat infolge einer ſtärkeren
Getreideausfuhr (plus 14,8 Mill. RM.) die Ausfuhr der Gruppe
Lebens=
mittel (um 18,3 Mill. RM.). Die Ausfuhr von Rohſtoffen und
halb=
fertigen Waren ſowie diejenige von Fertigwaren iſt gegenüber dem
Auguſt leicht zurückgegangen. Unter den Fertigwaren haben zwar
ein=
gelne Textilerzeugniſſe, Kinderſpielzeug, Pelzwaren und eine größere
Anzahl anderer Fertigwaren eine Ausfuhrſteigerung zu verzeichnen.
Dieſe Steigerung kommt jedoch im Geſamtergebnis der
Fertigwarenaus=
fuhr nicht zum Ausdruck, da eine größere Abnahme der Ausfuhr
an=
derer Waren, insbeſondere von Waſſerfahrzeugen (um 14,2 Mill. MM.)
und Maſchinen (um 9,5 Mill. NMM.), gegenüberſteht. Von den
wich=
tigſten Reparationsſachlieferungen im September 1929 gehören zu der
Gruppe Rohſtoffe und halbfertige Waren: Steinkohlen mit 16,7 Mill.
Akeichsmark, Koks mit 5,6 Mill. RM., ſchwefelſaures Ammoniak mit 3,1
Mill. RM.; zu der Grupe Fertigwaren: Walzwerkzeuge und ſonſtige
Eiſenwaren mit 11,1 Mill. RM., Maſchinen (ohne elektriſche Maſchinen)
mit 8,8 Mill. RM., chemiſche Erzeugniſſe mit 3,1 Mill. RM.
In der Außenhandelsbilanz für September, die jetzt vorliegt,
fin=
den ſich unter den ausgeführten Fertigwaren keine Exportgüter, mit
deren Herſtellung im allgemeinen große Arbeiterhecre beſchäftigt zu
ſein pflegen. Im großen Ganzen vermag dieſe Statiſtik keine
freund=
liche Stimmung auszulöſen. Sie iſt ein getreues Spiegelbild unſerer
wirtſchaftlichen Notlage. Auf der einen Seite haben wir ein
verlang=
ſamtes Arbeitstempo in unſerer Induſtrie bei gleichzeitigen ſtarken
Ar=
beiterentlaſſungen, auf der anderen Seite ſchrumpft die Kaufkraft
un=
ſerer Nation zuſammen. Die Einfuhr muß alſo abgedroſſelt werden, und
zwar ſo ſtark, daß ſie ganz erheblich hinter der Ausfuhr zurückbleibt.
Wir haben Einfuhrdroſſelung wiederholt gefordert, doch bezog ſich
unſer Wunſch darauf, ſie auf jene Waren zu beſchränken, die im eigenen
Lande mit deutſcher Arbeitskraft hergeſtellt werden oder hergeſtellt
werden können. Unter dieſem Geſichtswinkel kann der
Einfuhrrück=
gang auf keinen Fall betrachtet werden. Die Außenhandelsbilanz für
September iſt nichts anderes als ein Markſtein auf dem Leidenswege
unſerer Wirtſchaft. Der Ausfuhrüberſchuß würde allerdings dann
Ver=
anlaſſung geben, von einem wirtſchaftlichen Wiederaufſchwung zu reden,
ſvenn die Million Erwerbsloſe, die heute Unterſtützungen beziehen, in
den Fabriken arbeiten könnten. Dann hätten wir unzweifelhaft auch
eine Steigerung der Ausfuhr von Fertigfabrikaden zu verzeichnen,
hätten es alſo mit einem echten Ueberſchuß unſerer Produktion zu tun,
die im Ausland abgeſetzt wird. Angeſichts der Septemberzahlen haben
wir keinen Anlaß, allzu optimiſtiſch in die Zukunft zu blicken.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Motorenfabrik Darmſtadt A.=G. In der am 17. Oktober
ſtattgefun=
denen Aufſichtsrats=Bilanzſitzung wurde der Antrag des Vorſtandes, der
Ende November ſtattfindenden Generalverſammlung die Verteilung
einer Dividende von 5 Prozent auf die Stammaktien (im Vorjahre
4 Prozent) vorzuſchlagen, einſtimmig genehmigt. Wie berichtet wird, iſt
die Beſchäftigung im ganzen Geſchäftsjahre 1928/29 ſowie in den erſten
drei Monaten des neuen Jahres befriedigend geweſen.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 16. Oktober 1929. Die auf
den Stichtag des 16. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des
Statiſtiſchen Reichsamtes iſt gegenüber der Vorwoche (137,8) um 0,4
v. H. auf 137,3 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen iſt die
Index=
ziffer für Agrarſtoffe um 0,5 v. H. auf 132,2 (132,8) und diejenige für
induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren um 0,3 v. H. auf 130,6 (131,0)
ge=
ſunken. Gleichzeitig hat die Indexziffer für induſtrielle Fertigwaren
auf 156,5 (156,7) nachgegeben.
Ankauf der Emelka=Aktien durch die Commerzbank. Die Meldung
der „Frankfurter Zeitung” über den Ankauf des Emelka=Aktienpaketes
durch die Commerz= und Privatbank iſt, wie wir von zuſtändiger Stelle
hören, im weſentlichen zutreffend. Das Reich hat ſich das
Options=
recht auf das Aktienpaket für ein Jahr vorbehalten. Das Reichskabinett
wollte mit dieſer Maßnahme aus politiſchen Gründen verhindern, daß
noch ſelbſtändige Fimunternehmungen in den Beſitz der Ufa übergehen.
* Von amtlicher Stelle wird jetzt zugegeben, daß hinter dem
Käu=
fer eines Mehrheitspaketes der Filmgeſellſchaft Emelka das Reich ſtehe.
Eine merkwürdige Geſchichte. Aus der berüchtigten Lohmann=Erbſchaft
hatte das Reich bereits 10 Prozent dieſes Filmunternehmens, das nach
der Ufa der größte deutſche Konzern iſt. Damals wurde ſchon der
Verſuch gemacht, die Aktienmehrheit für das Reich zu erwerben. Das
Geſchäft mußte aber aufgegeben werden, als der Haushaltsausſchuß
des Reichstages ſeine Zuſtimmung verweigerte. Trotzdem hat das
Reichskabinett jetzt einſtimmig beſchloſſen, 51 Prozent der Aktien, die
ihm angeboten waren, noch zuzukaufen, nicht unmittelbar, ſondern
auf dem Umwege über die Commerz= und Privatbank. Die auf eigenes
Konto das Paket gekauft hat, während das Reich, das nur ein
Options=
recht beſitzt, allerdings die Bank entſchädigen muß, falls es von dieſer
Option keinen Gebrauch macht. Als Preis werden etwa 3 Millionen
genannt; ein Betrag, der bei dem Börſenkurs der Aktien als ſtarker
Ueberpreis bezeichnet werden muß. Das Unternehmen kann auch ſonſt
für das Reich ſehr koſtſpielig werden, da es ja mit dem Ankauf der
Aktien nicht getan iſt, ſondern vermutlich noch Produktionskredite in
Höhe von etlichen Millionen erforderlich ſind. Die Regierung gibt zu,
daß für ihren Entſchluß politiſche Gründe maßgebend geweſen ſind.
Man wollte verhindern, daß die Emelka an die Ufg überging. Wäre
es aber nicht klüger geweſen, die Entwicklung überhaupt nicht ſoweit
zu treiben, ſondern rechtzeitig durch Abbau der Luxusſteuer dafür zu
ſorgen, daß die Filmunternehmungen nicht durch die Steuerlaſt
er=
droſſelt wurden, Nun hat ſich das Reich auf eines der riskanteſten
Geſchäfte eingelaſſen, und wird aller Wahrſcheinlichkeit nach dabei ſehr
viel Geld zuſetzen, das es beſſer auf anderen Wegen zur Unterſtützung
der Wirtſchaft benutzen würde.
Maßnahmen des Berliner Börſenvorſtandes gegen weiteren
Kurs=
verfall. Der Börſenvorſtand hat ſich eingehend mit der Börſenlage und
den ſtarken Kurseinbrüchen der letzten Tage beſchäftigt. Hierbei herrſchte
Uebereinſtimmung darüber, daß es nicht geduldet werden kann, wenn
einzelne Börſenbeſucher vorübergehende börſentechniſch bedingte
Si=
tuationen zur Herbeiführung von Kursausſchreibungen ausnützen und
hiermit die Beſtrebungen zur Beruhigung der Börſe gefährden.
In=
ſoweit ſich ſolche Fälle ereignen, iſt es Pflicht aller Börſenkreiſe, die
Tatbeſtände unverzüglich dem Börſenvorſtand mitzuteilen, der ſie ohne
Anſehen der Perſon unterſuchen wird. Der Börſenvorſtand hat die
Börſenkommiſſare mit den der Lage entſprechenden Weiſungen verſehen.
Außerdem hat er beſchloſſen, die Nachbörſe auf die Zeit von 15 Minuten
zu beſchränken.
Produkkenberichke.
Mainzer Produktenbericht vom 18. Oktober. Großhandelseinſtands=
Preiſe per 100 Kilo loko Mainz: Weizen 26, Roggen 19, Hafer 18,50
bis 18,75, Braugerſte 9,50—21, Futtergerſte 17—17,50, ſüdd.
Weizen=
mehl, Spezial Null 38,25—38,90, Roggenmehl 01 28—28,50, Weizenkleie,
fein 10,75, dto. grob 11,50, Roggenkleie 10,50—11,50, Plata=Mais 19,75,
Erdnußkuchen 22,25—23,25, Koboskuchen 2,25—24,75, Palmkuchen 19,75
bis 20,25, Rapskuchen 19,50—20,50, Kleeheu, loſe 12,50—13, dto. geb.
13,50—14, Wieſenheu 11,50—12, Maſchinenſtroh 5—5,50, Drahtpreßſtr.h
5,75—6, weiß= Bohnen 58,50. Tendenz: Bei ſchleppendem Geſchäft ruhig.
Frankfurker und Berliner Efſekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 19. Oktober.
Die Mißſtimmung und die immer mehr um ſich greifende Nervoſität,
die geſtern an der Abendbörſe zu ganz enormen Rückſchlägen geführt
hatte, wurde heute zu Beginn der Wochenſchlußbörſe durch eine
freund=
lichere Stimmung abgelöſt. Die Banken ſchritten weiter zu
Interven=
tionen, ſo daß die Beſſerung, die ſchon gegen Schluß der geſtrigen
Abend=
börſe eingeſetzt hatte, weitere Fortſchritte machen konnte. Die
Be=
ruhigung konnte weiter an Boden gewinnen, wodurch die Spekulation
eine Anregung erhielt und auf einzelnen Marktgebieten zu beträchtlichen
Rückdeckungen ſchritt, ſo daß erneute Erhöhungen zu verzeichnen waren.
Sonſtige Anregungen lagen nicht vor. Die ſchwache New Yorker Börſe
von geſtern machte gar keinen Eindruck. Das Geſchäft war nur in
einigen Spezialwerten lebhafter, da Auslandsorders kaum vorgelegen
haben dürften. An der Spitze ſtanden Kaliwerte, nachdem das hier
kur=
ſierende Gerücht dementiert wurde. Salzdetfurth gewannen 12 Prozent,
Aſchersleben 9 Prozent und Weſteregeln 7 Prozent. Auch Elektrowerte
konnten ſich merklich beſſern. Licht und Kraft zogen 9 Prozent, A. E. G.
6½ Prozent, Siemens 8 Prozent „Schuckert 6½ Prozent und Gesfürel
5½ Prozent an. Von Chemiewerten gewannen J. G. Farben 3¾
Pro=
zent und Rütgerswerke 5 Prozent. Etwas mehr in den Vordergrund
traten noch von Montanaktien Rhein. Braunkohlen mit plus 6 Prozent
und Rheinſtahl mit plus 5¾ Prozent. Banken leicht erhöht. Deutſche
Linoleum lagen 10 Prozent, Glanzſtoff und Bemberg je 9 Prozent,
Kar=
ſtadt 6½ Prozent und Hapag 5 Prozent feſter. Von internationalen
Werten waren Chadeaktien, und zwar auf die neuerliche Verflauung
des ſpaniſchen Währungskurſes, wieder ſtärker angeboten und zur erſten
Notiz 9 Mark ſchwächer. Renten ebenfalls gebeſſert. — Am Geldmarkt
war Tagesgeld mit 6½ Prozent unverändert. Am Deviſenmarkt lag
der Dollar weiter im Angebot und ſchwach. Mark gegen Dollar 4,1852½
Mark gegen Pfunde 20,39¾. London=Kabel 4,67½, Paris 123,88,
Mai=
and 93,07, Madrid mit 34,40 ſchwach, Holland 12,10.
Berlin, 19. Oktober.
Nach den wilden Schwankungen vom Freitag abend iſt heute die
Tendenz weſentlich beruhigter. Das Uebereinkommen der
intereſſier=
en Kreiſe, vorläufig außerbörslich nicht zu handeln, hat hierzu
weſent=
lich beigetragen und brachte vor allem die Kursentwicklung mehr unter
Kontrolle des Stützungskonſortiums. Dieſes hatte heute vormittag
eine Sitzung abgehalten. Seine Maßnahmen waren ſchon zu den erſten
Kurſen zu ſpüren. Die herauskommende Ware, die teilweiſe wohl
auch aus Exekutionen herrühren dürfte, und über deren Umfang man
widerſprechende Angaben bekam, fand ſchlank Aufnahme, zumal das
niedrige Kursniveau von guter Seite zu Käufen benutzt wurde. Die
Kursentwicklung war zwar noch keine einheitliche, und Abweichungen
bis 3 Prozent nach beiden Seiten feſtzuſtellen, man konnte aber, und
das war die Hauptſache, den energiſchen Willen der Banken ſpüren,
mit ganzer Kraft einen weiterem Kursverfall entgegenzutreten. Mit
ein Schritt auf dieſem Wege dürfte hierbei ihr Beſchluß ſein, bei
Termingeſchäften den Einſchuß nicht auf 10 Prozent zu ermäßigen, um
ſchwache Poſitionen ihrer Kundſchaft vor weiteren Exekutionen zu
ſchützen. Ferner hat der Börſenvorſtand verfügt, daß die Nachbörſe um
eine Viertelſtunde verkürzt wird, d. h. daß jeder Handel in
Wert=
papieren in den Börſenräumen wochentags nach 2,15 Uhr und
Sams=
tags nach 1,15 Uhr verboten iſt. Es wird dadurch erreicht, daß der
Handel außerbörslich, d. h. außerhalb des offiziellen Verkehrs, weiter
eingeſchränkt iſt und mehr unter Aufſicht der Banken bleibt, die im
Bedarfsfalle eingreifen können. Im Verlaufe machte die Beruhigung
Fortſchritte. Die Kurſe behaupteten ſich meiſt auf dem erreichten
Niveau.
Amerikaniſche Kabelnachrichken
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. Okt.:
Getreide: Weizen, Dez. 127½, März 134½, Mai 138½: Mais,
Dez. 90½, März 96½, Mai 98½; Hafer, Dez. 4934, März 52½,
Mai 53½; Roggen, Dez. 104½, März 109½, Mai 111.
Schmalz: Okt. 10,85, Nov. 10,90, Dez. 11,05, Jan. 1930 11,52½.
Fleiſch: Rippen, Okt. 11,25: Speck, loco 11,25; leichte Schweine
9,50—10, ſchwere Schweine 9,25—9,95; Schweinezufuhren
Chi=
cago 7000, im Weſten 32 000.
Baumwolle: Dez. 17,92.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 19. Okt.:
Getreide: Weizen, Rotwinter 137½, Hartwinter 133½; Mais
103½: Mehl 5,90—6,25: Getr. Fracht nach England 1,6—2,3 sh,
nach dem Kontinent 8—9 C.
Neue Konkurſe und Zahlungseinſtellungen.
Konkurs eines Koburger Bankhauſes.
Das Banbhaus Haeßler u. Hülbig in Koburg iſt geſtern mittag ai
Anordnung der Staatsanwaltſchaft geſchloſſen und der Konkurs ver
hängt worden. Der Inhaber, der Selbſtanzeige erſtattet hat, wurd
wegen Depotunterſchlagung verhaftet.
Konkurs eines Kieler Bankunternehmens.
Die Kredit=A. G. in Kiel, die früher den Namen Holſtein=Bank z
Kiel A.G. führte und von einem Tiſchler namens Tilſen gegrunde
worden war, hat am Samstag morgen Konkurs angemeldet. Die Ban
deren Aktienkapital mit 250 000 RM. angegeben war und die im letzte
Jahre 10 Prozent Dividende verteilt hatte, befand ſich ſchon ſeit lär
gerer Zeit in Zahlungsſchwierigkeiten und hat ſeit Dienstag keine Zak
lungen mehr geleiſtet. Sie beſatz nicht die Berechtigung zur Depoſiten.
annahme, hat aber auf Grund eines beſonderen Syſtems Spareinlage.
entgegengenommen. Die Aktien des Unternehmens befanden ſich i
Händen des Direktors Tilſen und eines gewiſſen Berner in Inſterburg
Tilſen war Vorſitzender des Aufſichtsrats. Seine beiden Söhne ware=
Vorſtandsmitglieder. Es ſteht feſt, daß die Spareinlagen von den Til
ſen verbraucht worden ſind. Die Bank unterhielt in verſchiedener
ſchleswig=holſteiniſchen Städten Zweigſtellen. Die Sparer, bei dener
es ſich um mehrere tauſend handeln ſoll, fanden am Samstag früh di
Bank geſchloſſen. Ein Schild kündigte an, daß die Bankräume weger
Zahlungseinſtellung geſchloſſen bleiben würden.
Zahlungseinſtellung der Elite=Digmantwerke. A. G.
Die Elite=Diamantwerke A.G., Siegmar in Sachſen und Brand
Erbisdorf (Kapital 6 Mill. RM.), haben ihre Zahlungen eingeſtellt
Die Zahlungseinſtellung dürfte vermutlich darauf zurückzuführen ſein
daß die Adam Opel A.G. im Einvernehmen mit der General Motors
Sorporation beſchloſſen haben ſoll, ſich an der Produktion der Elite
werke, deren Aktienmajoritä: im vorigen Jahre auf die Opelwerke
über=
gegangen war, nicht mehr zu beteiligen.
Biehmärkke.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. waren am Samstag.
den 19. d. M., 275 Schweine zugeführt worden. Verkauft wurden 222
und zwar Milchſchreine das Stück von 22—30 Mk., Läufer das Stüd
von 35—60 Mr.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenmarkt hat in der Berichtswoche
keine Aenderung erfahren. Nach wie vor mangelt es an Aufträgen der
verarbeitenden Induſtrie, deren Beſchäftigung ſich weiter verſchlechtert
hat. Der Spezifikationseingang in Form= und Stabeiſen auf
be=
ſtehende Abſchlüſſe läßt ſehr zu wünſchen übrig. Die Neukäufe hielten
ſich in ſehr engen Grenzen. Am Baumarkt iſt es ſtill geworden.
Die Süddeutſche Zinkblechhändlervereinigung, Sitz Frankfurt a.M.,
hat ihre Preiſe mit Wirkung vom 19. Oktober um weitere 2 Prozent
ermäßigt, nachdem dieſe am 11. Okt. um 1½ % ermäßigt worden waren.
In einer Preſſebeſprechung trat der Finanzdezernent der Stadt
Kaſſel, Bürgermeiſter Lahmeyer, den umlaufenden Gerüchten entgegen,
wonach die Städtiſche Sparkaſſe der Kaſſeler Omnibus=Gefellſchaft
über=
mäßige Kredite eingeräumt habe.
Die Spareinlagen bei den rheiniſchen Sparkaſſen erfuhren im
September eine Zunahme von 17,9 Mill. RM. und betragen nunmehr
1352,6 Mill. RM.; die Giroeinlagen verminderten ſich um 0,6 Mill.
RM., von 261,7 Mill. RM. auf 261,1 Mill. RM., ſo daß die
Ge=
amteinlagen am Monatsende 1613,7 Mill. RM. betragen. Die
Durch=
ſchnittshöhe der Sparkonten beträgt 775,63 RMM.
Die deutſche Kupferhütteproduktion ſtellte ſich, wie der
Geſamr=
ausſchuß zur Wahrung der Intereſſen-der deutſchen Metallwirtſchaft.
Berlin, auf Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen Büros der
Metall=
geſellſchaft, A.=G. Frankfurt a. M., mitteilt, im September 1929 auf
4 745 To. gegenüber 5 030 To. im Auguſt. Die deutſche Kupfer=
Raffi=
nadeproduktion (Raffinade= und Elekrolytkupfer) betrug im September
10957 To. gegen 10 214 To. im Auguſt.
Die Lage in der Baubeſchlagsinduſtrie hat ſich gegenüber dem
Vormonat wenig geändert. — Es treffen zwar Beſtellungen in
ziem=
licher Anzahl ein, doch handelt es ſich durchweg um kleinere Aufträge,
die alle ſehr eilig ſind. Die Kundſchaft beſtellt mit wenigen
Aus=
nahmen nur das, was umgehend für eine Kommiſſion gebraucht wird.
Durch die anſcheinend im ganzen Reich gut ausgefallene Ernte erwartet
man eine Belebung des Geſchäftes. Sehr viel wird auch davon
ab=
hängen, ob die Behörden rechtzeitig Mittel zur Verfügung ſtellen.
Berliner Kursbericht
vom 19. Oktober 1929
Deviſenmarkt
vom 19. Oftober 1929
R
Danatbank
Deutſche Ban!
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyb
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
*
Frankfurter Kursbericht vom 19. Oktober 1929.
68 Diſche, Reichs,
anl. v. 27 ......
6% Baden
Frei=
ſtaat v. 27 .....
69 Bahern
Frei=
ſtaat v. 27 ...."
% Heſſen
Volks=
ſtaat. . . . . . v. 28
v. 29
8‟/.
6% Preuß.
Staats=
anl. v. 28 ......"
6% Sachſen
Frei=
ſtaat v. 27 .....
7% Thüringer
Frei=
ſtaat v. 27 ...."
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. + ½=
Ablöſungsanl. .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe ...
8% Bad.=Bad. v. 26
60 Berlin v. 24 ..
8% Darmſtadtv. 26
v. 28
70 Frrf. a. M.v. 26,
80 Mainz v. 26.
8½% Mannh. v. 26.
8% Nürnbergv. 26.
8‟). Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr.
82/, Heſſ. Landesbk.
Goldoblig.
47,J. Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr. .. .. ... ."
8‟l. Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt.
Gold=
pfbr.,
8I. Preuß. Lbs.=
Pfbr.=Anſt.
Gold=
sbl.
87.1
76.5
86
90
91.4
78.5
50
9.10
86
86
82
84.5
87
96.9
93.5
8‟ Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
8‟/,
KaſſelerLandes=
kredit Goldpfbr.
82/. Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . . . . . .
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I
+ Ausl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)
30 Berl. Hyp.=Bk.
4:/.¾ „Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.Bk..
4½,% — Lia. Pfbr.
8% „ Pfbr.Bk..
4:/,% „ Lig. Pfrb.
8% Mein. Hyp. Bk.
4:/,%0 „ Lig. Pfbr.
20 Pfälz. Hyp.Bk.
41/,7. „ Lig. Pfbr.
8‟), Preuß.
Boden=
cred.-Bk..
4‟/.0- „ Lig. Pfl
82). Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bk. ...
1½/.%. „ Lig. Pſbr.
82/,Rhein. Hyp.=Bk.
41/.), Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit.. . .
8% Südd. Bob.
Cred.=Bank. . . .
8% Württ. Hyp.=B
90
96
96
29.5
97
6% Daimler Benz
von 27 ......."
821, Dt. Linol. Werke
v. 26
8% Klöckner=Werke
Berlin v. 26 ...
25 Mainkrw. v. 26
7%0 Mitteld.
Stahl=
werke v. 27
DN.K
M
76.5
72.75
75.25
72.5
97.5
mn
76.25
96.5
97.5
97.25
69
92.5
89
81
82), Salzmann u. Co.
v. 26........."
7% Ver. Stahlwerke
mit Opt. v. 26
8% VoigtckHäffner
von 26 .... ..
3.G. Farben Bonds
v. 28 .....
5% Bosn. L.E.B.
v. 1914 ......
4½/,%0 Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914. . .
42 Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän.
4½% „
4
40 Türk. Admin.
4% „ 1. Bagdad
„Bollan!
2% Ungarn 1913
1914
12%
Goldr.
Aktien
Rccum.=Berlin..
Adlerw. (v. Kleher).
AEG. Stamm .
AndregeNoris Bahr
Baſt Nürberg..
Bergm. El. Werke
Brown BoverickCi
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen ..
Eement Heidelber,
Karlſtadt
Chem. Werle Albert
Chade ...........
Contin. Eummiw.
Daimler=Benz.."
Dt. Atl. Telegr. ..
Eiſenh. Berlin.
„Erdöl ..
Eold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerk.
Dyckerhoff u.
Wid=
mann".
84
80.5
90.5
106
26.5
31
14.02
15
7.50
171.5
115
194
133
96
62
123
383
102
136
249
Eleftr. Licht u. Kraft/164
Liefer=Geſ.
Tſchw. Berowerk
Eßlinger Maſchinen/ 34
Ettlinger Spinnerei/212
J. G. Farbeninduſtrl180
Feinmech. (Jetter). / 74
Felt. & Guillegum.
Frkſt. Gas . . . .. . . /112
. Hof ..... . ./ 69
Geiling & Cie....
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. eleftr.
Unter=
nehmungen .. . . 1164.5
Goldſchmidt Th. ../ 65
Gritzner Maſchinen/ 45.75
Grün & Bilfingerl165
Hafenmühle Frkft.. 1128
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf. /165
Hilpert Armaturfbr/121.5
Hinderichs=Aufferml 87
Hirſch Kupfer. . . . . 150
87
Hochtief Eſſen ..
Holzmann, Phil... / 87.5
Holzvert.=Induſtrie
Jlie Bergb. Stamml206
Genüſſel1uz
Junohaus Stamn,
KaliAſchersleben.
Salzbetfurth ./319.71
Veſteregeln . . /211
Kammgarn ſeinn ../213.5
Karſtadt, R.
Klein, Schanzl. .. /112.5
Klöcknerwerte.
Lahmeher & Cv.. /164.5
Lech, Augsburg. . .1103
Löwenbr. Münch.. 274
Lüdenſcheid Metoll
Lutz Eebr. Darmſt. 13
Mainkr.-W. Höchſt. /110
Mainz. Aft.=Br. . . 1205.25
Wannesm Röbren 97
Mansfeld Bergb..
MarswerieNürnbg.
Metallgeſ. Frankf.
Miag. Mühlenbau
Montecatini Maild.
Motorenfb. Darmſt.
Reckarwerke Eßling.
Nicolay, Hofbr.
Oberbedarf. ..
Otavi Minen
Phönix Bergba
Reiniger. Gebb.. .
Rh. Braunkohlen.
„ Elektr. Stamm.
Stahlwerke. . ..
Riebeck Montan ..
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerte
Sachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
Schucker: Clektr. ..
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtrie
Siemens & Halste
Strohſtoff. Ver.. ..
Sudd. Immobilien
Zucker=A. G...
Svensta Tändſtic sl355
Tellus Bergkau
Thür. Lieſer.=Geſ.
Tucher=Braucte!
Unterfr. Hrs.=
Elei=
tr.=Verſ..
Veithwerte.
Ver. f. Chem. Ind.
Frank;
Laurahütte..
Starlierke
Ultramarin. . .
„ Zellſt. Berlin
Vogtländ. Maſchin.
Boigt & Tgeffner.
50
115
123
52.75
5i
127.5
101
103
139
100
106
106
70.9
213
275
102.5
115
180.5
61
Wayß & Frehtag
Wegelin Rußfabr.
Eichsaum=Werger
Brauereien ......"
Zellſtoff. Aſchaffbg..
Memel.
Waldho
315
240
145
Allg. Dt. Creditauſ=
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ..
Comm. u. Privatk!
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank...."
Eff.-u. Wechſel
bank . . . . .. . .
Diskonto=Geſellſd
Dresdener Bay.
Frantſ. Ban!
Syp. Ban!
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B1
Mein. Hyp.=Bank.
Nürnb. Vereinsbk. .
Sſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hyp.=Bank".
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditb:
Hyp.=Bank....
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Nummer 291
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Seite 11
11
voN
jUrrtcr
WolFCANG MARKER
mrheber=Rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
22)
Nachdruck verboten
„Die Gefahr beſteht ja für Sie weiter. Vielleicht iſt es gut,
wenn Sie unſere Gaſtfreundſchaft noch ein wenig in Anſpruch
mehmen.”
„Nicht nötig, Herr Präſident. Ich möchte lieber dieſer netten
Stadt Valet ſagen. Es iſt beſſer. Meine Sachen ſind ſchon auf
dem Wege nach Detroit.”
In dieſem Augenblick klingelte das Telephon.
Die Zentrale des Polizeipräſidiums meldete ſich: „Herr Prä=
Rdeut. Mr. Grave weilt bei Ihnen? Direktor Leſſer von der
Tribüne bittet um die Erlaubnis, mit Mr. Grave ſprechen
zu drüfen.”
„Verbinden Sie!” ſagte George.
Direktor Leſſer meldete ſich. „Was wünſchen Sie, Herr
Direktor?”
„Ich will Mr. Grade engagieren. Er ſoll heute in meinem
Varieté die Geſchichte mit Miß Hooge wahrheitsgetreu erzählen.
Gibt eine kleine Sentſation.”
„Ja, verehrter Herr Direktor, ich werde das wohl nicht
erlauben dürfen. Sie wiſſen doch, daß ſich Mr. Grave bei mir
in Schutzhaft befindet.”
„Weiß ich! Herr Präſident, ich weiß doch genau — Sie
haben mal im Hampton=Club darüber geſprochen — daß Sie
gegen das feminine Amerika ſind.”
„Das iſt richtig!
„Ich bin’s genau ſo! Die Frauenorganiſationen
terrori=
ſieren das öffentliche Leben in einem Maße, daß es langſam
unerträglich wird, und ich möchte ihnen einmal durch Henry
Graves Schilderung einen Hieb verſetzen.”
George überlegte.
„Ich will Ihnen was ſagen, Direktor. Ich hebe die
Schutz=
haft auf, und Mr. Grave mag tun, was er will. Ich ſende ihn
mit dem Auto zu Ihnen. Einigen Sie ſich mit ihm oder auch
nicht. Mich geht die ganze Geſchichte nichts an.”
Nach wenigen Minuten verließ Grave das Präſidium und
fuhr nach der Skala.
Das war am Vormittag.
Vier Stunden ſpäter wußte ganz Chicago, daß Henry Grave
in der Skala ſprechen wollte.
Eine weitere Stunde ſpäter war Mr. Hooge, der
Leder=
ſchieber und Großſpekulant, bei dem Polizeipräſidenten.
„Ich verlange, daß Sie das Auftreten Henry Graves
unter=
binden!” erklärte er kategoriſch.
George aber ſchüttelte den Kopf.
„Nein, ich denke nicht daran, mich da hineinzumengen. Die
Polizei iſt nicht dazu da, ſich um jeden Kleinkram zu kümmern.”
„Kleinkram! Herr Herr . Präſident! Der gute Ruf
meiner Tochter iſt Kleinkram? Das iſt doch ein ſtarkes Stück.
Ich werde Mr. Towler fragen, ob er auch Ihrer Meinung iſt.”
Zum Schufz
gegen
Halsenkzündung
und Erkältung
„Das ſteht in Ihrem Ermeſſen, Mr. Hooge”, entgegnete
George ſehr kühl. „Was den guten Ruf Ihrer Tochter betrifft,
ſo mußte Miß Hooge ſelbſt an ihn denken, als ſie ſo freigiebig
immer die Reitpeitſche ſchwang, als ſie die Maſſe der hyſteriſchen
Weiber auf Henry Grave hetzte. Sie hat die Geſchichte ja im
Verein mit ihrer Erzieherin in ganz Chicago publik gemacht.
Man hat verſucht, Henry Grave vielleicht totzuſchlagen. Und
jetzt wollen Sie dem Manne nicht einmal das Recht gönnen,
ſich zu verteidigen? Der Mann wird nichts tun, als den
Tat=
beſtand erzählen; denn dieſer Mann hat auch einen guten Ruf.
Das wollen Sie nicht vergeſſen.”
„Dieſer arme Teufel, der von meiner Gnade abhing? Er
wird verhungern ohne mich!”
„Dieſer arme Teufel”, ſagte George weiter ſcharf, „iſt mir
mehr wert als ein gewiſſer Mr. Hooge, der auf den Geldſack
ſchlägt und ſagt: Was braucht der arme Teufel einen guten
Ruf?. Den braucht ein Mann wie Sie nicht, Mr. Hooge. Sie
ſind bekannt als Spekulant, und jeder weiß, wer Sie ſind und
wie Sie hochkamen. Bei Ihnen ſtört eine kleine Exkurſion in
ein nicht ganz einwandfreies Gebiet nicht, aber bei einem armen
Teufel wie bei Henry Grave ſtört ſie bedenklich.”
Mr. Hooge bekam vor Wut einen Erſtickungsanfall. Er
war, an ſich durch ſeine Korpulenz ſchon etwas aſthmatiſch
veranlagt.
Schließlich konnte er wieder reden und ſagte wütend: „Das
wird Sie teuer zu ſtehen kommen, Mr. George.”
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„Mich nicht. Die Steuerbehörde weiß, daß ich mein
Ver=
mögen genau verſteuere. Sie auch, Mr. Hooge? Ich könnte
der Behörde ſo manches erzählen, was Ihnen ſicher nicht
an=
genehm iſt. Halten Sie es drum etwas mehr mit mir. Es iſt
nicht Ihr Schaden.”
Kaltſchnauzig ſagte es George.
Er wußte gar nichts oder, beſſer geſagt, nicht mehr als alle
anderen.
Aber Mr. Hooge glaubte doch, daß der Präſident Poſitives
wußte. Er hatte gerade in Punkto Steuerſachen ein ſchlechtes
Gewiſſen.
Die Ruhe, mit der George ſprach, wirkte doppelt.
Und Mr. Hooge empfahl ſich auffallend raſch.
*
George ſprach mit Benn, erzählte ihm den Fall Grave
und ſagte ihm auch, daß er erfahren habe, daß zwei der
exkluſiv=
ſten Frauenvereine Chicagos beſchloſſen hätten, das Auftreten
Henry Graves auf alle Fälle zu ſtören. Es wäre gut, wenn
man für ein Gegengewicht ſorge.
Benn verſtand und verſprach, für das Gegengewicht zu
ſorgen.
Suſanne Lindquiſt wunderte ſich, daß ſie plötzlich zu Benn
Tuller befohlen wurde.
Er war ſehr freundlich zu ihr, fragte ſie nach verſchiedenen
geſchäftlichen Dingen und kam dann auf den Fall Henry Grave
zu ſprechen.
Suſanne wußte natürlich davon. Ganz Chicago ſprach an
jenem Tag ja von nichts anderem. Alle Arbeiterinnen im
Be=
triebe ſtanden auf der Seite Graves, der den Mut gehabt hatte,
die rabiate Millionärstochter zur Raiſon zu bringen.
Benn hörte es bald aus ihren Antworten heraus.
Suſanne aber verſtand ſehr bald, was Benn meinte, und
ſie verſprach ihm, in dem gewünſchten Sinne zu handeln.
Um ſechs Uhr zogen fünftauſend Mädchen und Frauen aus
den Schlachthäuſern und Fleiſchwarenfabriken direkt nach der
Skala, die auf dem Steuben=Platze lag.
Sie beſetzten die Skala.
Anfangs glaubten die Chicagoer, daß ſie die Vorſtellung
mit dem Auftreten Henry Graves hindern wollten, aber bald
ſprach es ſich herum, daß ſie das Gegenteil bezweckten, die
Vor=
ſtellung zu ſchützen.
Die Skala war ſelbſtverſtändlich ausverkauft.
Die fünftauſend Mädchen und Frauen hielten unter
Su=
ſannes Führung muſtergültig Ordnung, ließen jeden paſſieren.
Aber als die beiden Frauenvereine anrückten, um in die
Skala einzudringen, ſtießen dieſe auf einen unüberwindlichen
Wall von fünftauſend Frauen und Mädchen.
Sie erkannten, daß es nicht möglich war, den gefaßten Plan
auszuführen; denn ſie waren in der Minderheit.
Der Direktor der Skala aber ließ die draußen Harrenden
auch auf ihre Koſten kommen.
Die beiden Rieſenlautſprecher der Skala gaben klar und
für alle verſtändlich wieder, was auf der Bühne geſprochen wurde.
Eine Nummer nach der anderen rollte ab.
Es wurde draußen unbehaglich und kalt, aber die Maſſe
wartete mit kalten Füßen und heißem Herzen.
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Mord oder Totſchlag?
Innsbruck, 19. Oktober.
Am Schluß der Freitagsverhandlung im
Hals=
mann=Prozeß beſchloß der Gerichtshof eine
Haupt=
frage zu ſtellen, und zwar auf Mord, ferner eine
Eventualfrage auf Totſchlag, die damit begründer
wird, daß die Fakultätsgutachten die Möglichkeit einer
Affekthandlung ins Auge gefaßt hätten.
Das Plädoyer des Skaaksanwalls
im Halsmann-=Prozeß.
Am Samstag früh 10 Uhr begannen die
Plä=
doyers im Halsmann=Prozeß.
Staatsanwalt Dr. Hoheleitner hielt den
Ge=
ſchworenen vor Augen, daß zwei Fragen, eine auf
Mord und eine auf Totzſchlag, zur Entſcheidung
ſtünden, daß aber eigentlich nur zu entſcheiden ſei,
ob der Angeklagte ſchuldhaft die Hand gegen ſeinen
Vater erhoben habe. Die Freunde und Verwandten
des Angeklagten hätten bielleicht etwas zu wenig
Schattenſtriche in ihre glänzenden Zeugniſſe gebracht,
die ſie dem Angeklagten ausſtellten. Zu den
Beob=
achtungen derjenigen Zeugen, die als erſte am
Tat=
ork waren, ſagte der Staatsanwalt, wenn nicht der
Zeuge Eder ſeinen Hund mitgenommen hätte, der
die Blutſpuren am Wege aufſcharrte, ſo wäre die
Leiche vielleicht in aller Ruhe begraben worden. Es
gebe keine andere Erklärung als die, daß Halsmann
am Wege erſchlagen und zum Bach herunterezerrt
worden ſei. Die Verteidigung gebe heute ſelbſt zu,
daß Halsmann einem Mord zum Opfer gefallen ſei.
Die Verteidigung komme dadurch, daß ſie den Mord
zugebe, der Staatsanwaltſchaft auf halbem Wege
entgegen. Wenn ſie konſequent wäre, müßte ſie auch
die andere Hälfte des Weges mit der Anklagebehörde
gehen. Die Verteidigung verſuche, mit einem
kom=
plizierten Syſtem von Erinnerungstäuſchungen und
Erinnerungslücken üüber die Schuld des Angeklagten
hinwegzutäuſchen. Viel natürlicher aber ſei die
Er=
klärung, daß der Angeklagte ſelbſt der Täter ſei und
ſeinen Vater mit dem aufgefundenen Stein erſchlagen
habe. Der Staatsanwalt ſchloß ſeine Rede mit
fol=
gendem Appell an die Geſchworenen:
Und nun lege ich vertrauensvoll das Schickſal des
Angeklagten in Ihre Hände. Bei Ihnen liegt nun das
Schwert der Gerechtigkeit. Gebrauchen Sie es weiſe
ohne Schaden, und beweiſen Sie der Welt, daß es
hier in Tirol noch Volksrichter gibt, die
unbeug=
kam den Weg der Pflicht und den Weg des Rechtes
zu gehen wiſſen. Im Namen des Staates, den zu
vertreten ich die Ehre habe, bitte ich Sie, die
Schuld=
frage zu bejahen.
Das Plädoyer des Verteidigers.
Rechtsanwalt Dr. Päßler erinnerte in ſeinem
Plädoyer an die alte Gewohnheit in Venedig, wo
vor der Fällung eines Urteils ein Geſandter des
Staates im Verhandlungsſaale erſchien und den
Richtern die Worte zurief: „Denkt an den armen
Bäckergeſellen!‟ Die Venezianer hatten nämlich
ein=
mal einen Bäckergeſellen unſchuldig hinrichten laſſen
und ſeitdem war dieſe Einrichtung geſchaffen.
Die=
ſelben Worte müſſe man auch den Geſchworenen im
Falle Halsmann zurufen. Der Verteidiger fuhr dann”
fort: Das Benehmen Halsmanns bei der
Urteilsver=
kündung nach der erſten Verhandlung hat nicht von
ſeiner Unſchuld überzeugt. Durch die Verurteilung
wurde er ſeines Lebens überdrüſſig und beging einen
Selbſtmordverſuch. Er wandte ſich an die höchſte
Inſtanz, an unſeren Schöpfer. Ich kann als
Ka=
tholik dieſen Weg nicht billigen, aber ich finde ihn
begreiflich. Als ich den Akt übernahm, war ich
ent=
ſetzt, was ſeit der erſten Verhandlung alles nicht
vor=
gebracht wurde, was für Halsmann ſprach. Der
Un=
terſuchungsrichter hat weder den blutigen Stein auf
Fingerabdrücke unterſuchen laſſen, noch unterſuchte
er die Schillingnoten nach Fingerabdrücken. Wohl
aber ließ er zur ſelben Zeit Halsmanns Liebesbriefe
beſchlagnahmen. Eine große Rolle im Halsmann=
Prozeß ſpielt ſicher eine gewiſſe Maſſenſuggeſtion,
dazu kommt, daß die Perſönlichckeit des Angeklagten
für die Richter fremd und unverſtändlich iſt.
Juſtiz=
irrtümer werden in der Regel an Ausländern
be=
gangen, weil man die Pſyche des Fremden nicht
ver=
ſteht, und wir leben heute in einem Zeitalter der
Juſtizirrtümer. Ich hoffe aber, daß die Tiroler
Ge=
ſchworenen nicht nach Sympathie oder Antipathie
urteilen, ſondern nur auf ihren Verſtand hören
werden.
Das Schlußwork des Angeklagken.
Der Angeklagte Halsmann erhielt hierauf das
Schlußwort und hielt folgende Anſprache an die
Geſchworenen: „Ich möchte bloß eins ſagen, daß
im ganzen Prozeß von niemandem beſtritten wurde,
daß ich meinen Vater wirklich ehrlich lieb hatte, und
daß auch er mich ſehr liebte. Können Sie, meine
Herren Geſchworenen, ſich vorſtellen, daß ein
an=
derer, als vielleicht ein ſchlechter, roher oder
ver=
letzter Menſch an ſo etwas glauben kann, als man
mir zur Laſt legt? Ich verſichere Sie, ich weiß nicht,
was hinter meinem Rücken am Hügel nach
Breit=
lahner geſchehen iſt. Ich weiß nur, daß ich
un=
ſchuldig bin, und daß man mich ein Jahr lang
feſt=
gehalten für etwas, was ich nicht getan habe. Ich
bitte Sie hier um eine Slbſtverſtändlichkeit, wenn ich
Sie erſuche, einen Menſchen, der nichts Schlechtes
getan hat, freizuſprechen.”
Die Verhandlung wurde dann auf den Nachmittag
vertagt.
Halsmann zu vier Jahren ſchweren
Kerkers verurkeill.
Nach zweiſtündigen Beratungen verkündeten
die Geſchworenen um 21 Uhr den Wahrſpruch.
Die Hauptfrage auf Mord wurde mit 7:5
Stim=
men verneint, die Zuſatzfrage auf Totſchlag mit
8:4 Stimmen bejaht. Halsmann bezeichnete
dieſen Wahrſpruch als Juſtizverbrechen und
er=
klärte, das Urteil nicht anzunehmen. Da er
ent=
rüſtet dagegen proteſtierte, wurde er abgeführt.
Der Verteidiger verzichtete auf das Wort zur
Straffrage und erklärte, daß er vor dieſem
Ge=
richt nicht mehr ſprechen wolle. Nach längerer
Beratung wurde Halsmann zu vier Jahren
ſchweren Kerkers, verſchärft durch einen
monat=
lichen Faſttag, verurteilt, unter Anerkennung
ſehr vieler mildernder Umſtände.
Rummer 291
Reich und Ausland.
Die Verſteigerung im Palais Schaumburg.
Bonn. Am Freitag kamen im Konkurs
Sub=
koff wertvolle Kommoden, Truhen, Käſten und
Schrankmöbel zur Verſteigerung. Es war ſehr
kauf=
kräftiges Publikum anweſend, das die Preiſe über
den wirklichen Wert der Gegenſtände hinaustrieb.
So erzielten zwei kleine Schränke im Stile Louis KV.
200 Mark, ein einfaches Bücherregal brachte es auf
650 Mark, für eine Kölner Intarſientruhe wurden
5500 Mark, für einen franzöſiſchen Rognon=Tiſch mit
reichen Beſchlägen in Goldbronze 5650 Mark bezahlt.
Der Geſamtumſatz betrug am Vormittag 75 000 Mk.
Am Nachmittag kamen Käſten, Spiegel und
Wand=
ſchirme zur Verſteigerung. Die Preiſe wurden noch
höher getrieben, als am Vormittag. Einen
Kohlen=
eimer aus Holz und einen Kohlenkaſten mit Schaufel
trug ein Bieter ſtolz für 80 Mark nach Hauſe.
Auch am Samstag war der Andrang ſehr ſtark.
Aus den Verkäufen ergibt ſich, daß dieſesmal ein
viel ſachlicher und geſchäftlicher denkendes Publikum
anweſend war. Zum Ausgebot ſtanden Gemälde
alter und neuzeitlicher Meiſter. Alle Stücke fanden
ihre Abnahme, doch die Preiſe, beſonders für die
Kunſtwerke, waren durchaus angemeſſen, wenn ſie
auch im Rahmen des Liebhaber=Preiſes blieben. Ein
Bildnis des Kurfürſten Clemens Auguſt von Köln
wurde mit 280 Mark bezahlt. Das Bildnis eines
vörnehmen Knaben von Benjamin Bolomey wurde
mit 3200 Mark bezahlt, ein kleiner Flügelaltar mit
Szenen aus der Paſſionsgeſchichte erzielte 350 Mark.
Ein großer gemalter Wandſchirm von einem
deut=
ſchen Meiſter wurde nur mit 950 Mauk bezahlt. Eine
Senſation war ein Oelbild von John Conſtable, eine
bergiſche Landſchaft mit Waldſtück, für die 4500 Mark
bezahlt wurden. Damit wurde der höchſte Preis
er=
reicht. Außerdem wurde noch für ein
überlebens=
großes Bild des Königs Friedrich Wilhelm III.
4000 Mark bezahlt.
Brand im Karlsruher Elektrizitätswerk.
Karlsruhe. Während eines ſchweren
Ge=
witters, das am Freitag abend über die Stadt zog,
ſchlug gegen 23 Uhr der Blitz in einen Oelſchalter
des Schalthauſes im Städtiſchen Elektrizitätswerk am
Rheinhafen. Die Berufsfeuerwehr hatte 2½ Stunden
zu tun, um den entſtandenen Brand einzudämmen.
Der Schaden beträgt etwa 50000 RM. Bei den
Löſcharbeiten zog ſich der Brandinſpektor Eſſers eine
Rauchvergiftung zu und mußte ins ſtädtiſche
Kran=
kenhaus eingeliefert werden.
Großfeuer in Weſtfalen.
Herten (Weſtfalen). In dem Anweſen des
Land=
wirts Overbeck brach ein Feuer aus, das ſich bei dem
herrſchenden Winde in Eurzer Zeit auf ſämtliche
Ne=
bengebäude ausdehnte. Die Wanne=Eickeler und die
Hertener Feuerwehr und Löſchzüge der Zeche
Gene=
ral Blumenthal konnten nicht verhindern, daß eines
der Gebäude vollkommen niederbrannte. Die Ernte
und wervvolle landwirtſchaftliche Maſchinen
verbrann=
ten. Der Geſamtſchaden dürfte ſich auf über 60000
Mark belaufen.
Ein Rieſenwechſelbetrug in Berlin aufgebeckt.
Berlin. Beamte des Betrugsdezernates der
Berliner Kriminglpolizei haben in der Nacht zum
Samstag mehrere Verhaftungen im Zuſammenhang
mit einer aufſehenerregenden Betrugsaffäre
vorge=
nommen. Im Mittelpunkt dieſer Affäre ſteht das
Weißenſeer Fuhrunternehmen Georg Schulz, das
in der Hauptſache für Behörden, in großem Maße
für den Berliner Magiſtrat, tätig iſt. In
kauf=
männiſchen Kreiſen ſind in den letzten Wochen
zahl=
reiche Wechſel auf den Namen dieſer Firma
ange=
boten worden, die ſich ſpäter als gefälſcht erwieſen
haben. Die Betrügereien eines bisher noch nicht
vollzählig ermittelten Konſortiums erſtrecken ſich auf
Beträge von etwa einer halben Million Mark.
Der Raubmörder Hopp zu lebenslänglichem
Zuchthaus begnadigt.
Bremen. Der am 25. Februar d. J. vom
Schwurgericht Verden (Aller) zum Tode berurteilte
Raubmörder Emil Hopp iſt zu lebenslänglichem
Zuchthaus begnadigt und von Verden bereits einer
Strafanſtalt zugeführt worden. Der vielfach
vorbe=
ſtrafte Hopp hatte bekanntlich im Herbſt vorigen
Jahres in einem Nachteilzug Hamburg-Bremen in
einem Abteil 2. Klaſſe den Fabrikdirektor Nordmann
aus Delmenhorſt erſchoſſen und beraubt und die
Leiche aus dem fahrenden Zuge geworfen.
Blutige Verbrecherjagd in Krakau.
Warſchau. Wie aus Krakau gemeldet wird,
wollte dort am Freitag abend ein Schutzmann einen
ſeit längerer Zeit geſuchten Verbrecher verhaften, den
er auf der Straße erkannt hatte. Der Verbrecher
giff jedoch ſofort zur Waffe und ſtreckte den
Be=
amten durch einen Schuß nieder. Ein anderer
Poli=
ziſt nahm die Verfolgung des Banditen auf und es
entwickelte ſich eine Straßenſchießerei, bei der ein
zufällig vorübergehender Arbeiter verletzt wurde.
Dem Verbrecher gelang es, zu entkommen.
Eiſenbahn mit Propellerankrieb.
Ein Reichsbahn=Triebwagen mit Propellerantrieb
und Rohölmotoren
wurde dem Reichsverkehrsausſchuß auf der
Strecke bei Großburgwedel vorgeführt. Die
Ver=
ſuche, die vielleicht eine Umwälzung für den
Eiſenbahnbetrieb mit ſich bringen können, werden
unter ſtrengſtem Ausſchluß der Oeffentlichkeit
unternommen.
Sonntag, den 20. Oftober 1929
Schwere Exploſion bei Paris.
Fünf Schwerverletzte.
Paris. In einer chemiſchen Fabrik in einem
Pariſer Vorort explodierten am Freitag mehrere
große Benzinbehältniſſe, die das ganze Gebäude in
Flammen ſetzten. Die Feuerwehr ſah ſich gezwungen,
das ganze Gebäude unter Waſſer zu ſetzen. Obgleich
die Arbeiter im Augenblick der Exploſion im Begriff
waren, das Grundſtück zu verlaſſen, wurden fünf
von ihnen von den Flammen erfaßt und erlitten
ſchwere Brandwunden. Bei den Löſcharbeiten, die
ſich äußerſt ſchwierig geſtalteten, erlitten außerdem
acht Feuerwehrleute durch aufſteigende Giftdämpfe
Gasvergiftungen.
Anſchlag auf einen Pariſer Schnellzug.
Paris. Einem ſchweren Eiſenbahnfrebel, der
beſtimmt vielen Menſchen das Leben gekoſtet hätte,
kam man am Freitag abend auf der Strecke Paris—
Soifſons auf die Spur. Eine Bahnwärtersfrau
ent=
deckte auf dem Heimwege auf dem
Hauptſchienen=
ſtrang einen Eifenträger von 6 Metern Länge.
Wenige Minuten ſpäter mußte der Pariſer Schnell=
zug die Stelle paſſieren. Als es ihr nicht gelang, trotz
aller Anſtrengungen den Träger zu entfernen, rannte
ſie bis zum nächſten Wärterhaus, wo ſie einige
an=
weſende Streckenarbeiter alarmierte. Noch im letzten
Augenblick gelang es dieſen, das Hindernis zu
be=
ſeitigen. Die Polizei hat ſofort die notwendigen
Unterſuchungen eingeleitet.
Ueberfall auf einen Eiſenbahnzug.
London. Daily Mail berichtet aus Lahore:
Banditen machten in der Nacht zum Freitag einen
verzweifelten Verſuch, einen Eiſenbahnzug 100
Mei=
len ſüdlich von Lahore zu plündern. 12 Mann
er=
öffneten das Feuer auf den Zug mit Revolvern und
Gewehren. Zahlreiche Kugeln trafen die Lokomotiwe
und den Tender. Die erſchrecktn Paſſagiere warfen
ſich auf den Wagenboden. Die Schreie der Frauen
übertönten das Feuer. Der Lokomotivführer und der
Heizer brachen getroffen zuſammen. Als der Zug
zum Stehen gebracht worden war, durchſuchten einige
der Banditen die Abteile und befahlen den
Paſſa=
gieren, ihre Sitze nicht zu verlaſſen. Während des
Verſuchs, den Geldſch. ank zu öffnen, näherte ſich ein
anderer Zug und die Banditen ergriffen die Flucht.
Der Mann, der die größt
8, geftorben.
Carl Marfels, der Beſitzer der bedeutendſten Uhrenſammlung der Welt,
ſtarb mit 74 Jahren in Neckargemünd. Marfels, von Beruf Uhrmacher, brachte im Laufe von nur
drei Jahrzehnten eine hiſtoriſch einzigartige Sammlung alter, wertvoller Uhren zuſammen, die er
1908 an John Pierpont Morgan, den amerikaniſchen Großbankier, verkaufte. Schon in wenigen
Jahren beſaß er wieder eine kleine, aber erleſene Sammlung.
Der Verein Berliner Kaufleuke und Induſtrieller feierk ſein 5ojähriges Jubiläum
Neuer Feldzug gegen Amerikas Alkoholſchmuggel.
Ein gekapertes Schiff mit einer Ladung Alkohol im Werte von 30 000 Dollar an Bord.
Mitglieder des amerikaniſchen Küſtenwachdienſtes und der Spezial=Prohibitions=Polizei vereinten
ſich dieſer Tage zu der größten Schmuggler=Razzia ſeit Beginn der Prohibition in U. S. A. Auf
dem Ravitan=Fluß fand eine regelrechte Schlacht ſtatt, die mit der Kaperung eines der
Schmuggler=
boote endete, an deſſen Bord für 30 000 Dollar Alkohol gefunden wurde.
Alexander Flinſch,
der Vorſitzende des jubilierenden
Vereins.
Aus der Jubiläums=Ausſtellung im Märkiſchen Muſeum:
Urväterliche Niſche der Weinfirma Gebr. Habel aus dem Jahre
1810. Links: Holzkannen zum Umfüllen des Weins, rechts in
der Ecke die Leckbütte.
Seite &
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Nummer 291
Zußball.
1. 5. C. Union — Germanig Oberroden.
Zu dieſem Spiel tritt Union in folgender Aufſtellung an:
Aßmuth
Rückert
Frey
Seelbach
Darmſtädter
Noller I.
Beck
Noller II.
Bopp
Schröder
Boos
Beachtung verdient der rechte Flügel, in dem Beck erſtmalig als
Stürmer wirkt. Beck und Noller II die beiden Jüngſten ſind
eminent ſchnell und ſollten damit das Spiel weſentlich beeinfluſſen.
Von den übrigen, die ja hinreichend bekannt ſind, erwartet man
ebenfalls Höchſtleiſtungen. — Obwohl das Spigl der 1.
Mann=
ſchaften erſt 3.,30 Uhr beginnt, treffen ſich die Reſerven um 1 Uhr.
Polizei=Sporkverein Darmſtadk-Germania Pfungſtadt
Der heutige Sonntag bringt auf dem Polizeiſportplatz das
Kreisligatreffen Germania Pfungſtadt gegen den Platzinhaber.
Germania Pfungſtadt hat ſich in dieſem Jahre wieder auf ſich
ſelbſt beſonnen und beſitzt zurzeit eine Spielſtärke, die dieſes alten
Vereins würdig iſt. Da auch der Polizei=Sportverein eben in
ſeinen Leiſtungen unbedingt Verbeſſerungen aufweiſt, ſind damit
zwei Bedingungen für einen intereſſanten Kampf gegeben. Möge
dem Spiel, das nachmittags 2 Uhr beginnt, ein guter
Schieds=
richter vorſtehen, damit diejenigen, die den Weg nach dem
Polizei=
ſportplatz trotz des großen Handballtreffens im Stadion finden,
be=
friedigt den Platz verlaſſen können.
Zußball im Kreis Starkenburg.
Starker Spielbetrieb am 20. Oktober 1929.
Kreisliga:
Rotweiß Darmſtadt-Viktoria Walldorf (1 Uhr),
Polizei Darmſtadt—Germania Pfungſtadt (2 Uhr),
Union Darmſtadt—Germania Oberroden (3,30 Uhr),
FV. Sprendlingen—Viktoria Urberach,
FC. 03 Egelsbach—Sportverein Münſter,
Sportverein Mörfelden-Viktoria Griesheim.
Von den ſonntäglichen Treffen der Kreisliga finden nicht weniger
denn drei in Darmſtadt ſtatt. Zweifellos iſt das ein arger
Schönheits=
fehler der Terminliſte, der vermieden hätte werden können. Der
zeit=
lich verſchieden gelegte Beginn der Spiele wird hier kaum einen
Aus=
gleich ſchaffen können. Bei den einzelnen Treffen halten wir folgende
Spielausgänge für möglich: Walldorf wird in Darmſtadt ſeine Laſt
haben. Nicht die 1:0=Niederlage in Griesheim, iſt es, die uns zu dieſer
Annahme verführt, ſondern die von Walldorf in G. gezeigte
Spiel=
weiſe. Ein knapper Sieg Walldorfs iſt immerhin das nächſtliegende.
Das Treffen auf dem Polizeiplatz erſcheint uns völlig offen im
Aus=
gang, verſpricht aber ſehr ſpannend zu werden. Union Darmſtadt
müßte über die Gäſte aus Oberroden knapp Sieger bleiben, allerdings
bedarf es größter Anſtrengung der Beſſunger. Das Treffen
Sprend=
lingen—Urberach findet wegen der Sprendlinger Platzſperre in
Urbe=
rach ſtatt. Ausgang offen. Dies gilt auch für das Spiel in Egelsbach.
Der Platzherr hat zwar die beſſeren Chancen, aber wir halten Münſter
für ſtark genug, ein Unentſchieden zu halten. In Mörfelden ſind die
Einhcimiſchen mit ziemlicher Sicherheit in Front zu erwarten.
Die Spiele der unteren Klaſſen:
A=Klafſe Gruppe Bergſtraße=Rieb. SV. Groß=Gerau—SV.
Weiter=
ſtadt, Germania Eberſtadt—Boruſſia Dornheim, SV. Geinsheim—
Ein=
tracht Darmſtadt, FSV. Seeheim-Chattia Wolfskehlen. — Groß=
Gerau, Eberſtadt, Geinsheim und Wolfskehlen ſind in Front zu
er=
warten.
A=Klafſe Gruppe Dreieich. SV. 1911 Neu=Iſenburg —
Sportge=
meinde Sprendlingen, Union Wixhauſen—SC. Dietzenbach, T. u. SV.
Meſſel—FV. Eppertshauſen, SV. Offenthal—FC. 02 Dreieichenhain. —
Man kann hier Neu=Iſenburg und Eppertshauſen als Sieger erwarten,
dagegen iſt der Ausgang der Spiele in Wixhauſen und Offenthal offen.
A=Klaſſe Gruppe Odenwald. Haſſia Dieburg—FSV. Gr.=Zimmern,
VfL. Michelſtadt—VfR. Erbach, Sportverein Höchſt—Sportverein
Roß=
dorf, Sportverein Lengfeld—VfR. Beerfelden. — Haſſia Dieburg und
Lengfeld müßten ihre Spiele beſtimmt gewinnen, und auch Michelſtadt
hat gegen Erbach die beſſeren Chancen. Allerdings könnte es gerade
hier eine Ueberraſchung geben. Der Kampf in Höchſt iſt offen.
B=Klafſe. SC. Ober=Ramſtadt-Kickers Hergershauſen, Spielvgg.
Groß=Umſtadt-Viktoria Schaafheim, SV. Kleeſtadt—Olympia Hahn.
Hier wird ſich vor allem Ober=Ramſtadt beide Punkte nicht entgehen
laſſen. Auch Groß=Umſtadt ſollte beide Punkte behalten, und ebenſo
hat Olympia Hahn in Kleeſtadt die beſſeren Ausſichten.
Kreisliga Südheſſen.
Dem ſenſationsreichen fünften Spielſonntag folgt ein nicht weniger
intereſſautes Programm für den heutigen Sonntag. Diesmal treffen
ſich ſo ziemlich die Erſten der Tabelle, und ſo hat man Gelegenheit,
die tatſächliche Spielſtärke der Spitzenvereine feſtzuſtellen. Es treffen ſich:
Olympia Worms—Olympia Lampertheim,
Olympia Lorſch—VfR. Bürſtadt,
Starkenburgia Heppenheim-Norm. Pfiffligheim,
VfL. Lampertheim—Spv. Horchheim,
Spv. Herrnsheim—FV. Biblis,
Spp. Hochheim—FV. Hofheim.
Wir haben in unſerem Kreiſe alſo auch diesmal wieder Vollbetrieb,
doch ſind die Paarungen weit intereſſanter als am letzten Sonntag. Da
iſt vor allem die Begegnung des Kreismeiſters mit dem „ewigen”
Meiſterſchaftsanwärter Olympia Lampertheim. Man kann mit einem
Prachtkampf rechnen, vorausgeſetzt, daß man die Sache diesmal ernſter
nimmt. Am letzten Sonntag hatten beide Mannſchaften ſozuſagen glatt
verſagt, aber man weiß ja zur Genüge, wie man ſich aufrappelt, wenn
es um die ſogenannte „Wurſt” geht. Beſſere Chancen zum Gewinn
hat ohne Zweifel die Wormſer Mannſchaft. Nach dem Schützenfeſt
gegen Heppenheim weiß man nun natürlich mit den Lorſchern nicht
mehr ſo recht, wo man hält. Auf alle Fälle, die Leiſtungen des „
Ex=
meiſters” ſollen erſtklaſſig geweſen ſein; die Ausſichten für die
Bür=
ſtädter ſind alles andere, nur nicht roſig. Gewiß, eine Niederlage wird
auch von den VfR.=Leuten nicht abzuwenden ſein, doch wird ſie wohl
kaum höher als mit zwei Toren Unterſchied, als normale Sache, am
Sonntag in den Reihen ſtehen. Der Tabellenletzte wird ſich auf
eige=
nem Platze kaum zwei Punkte nehmen laſſen, denn die Mannſchaft iſt
weit beſſer, als ihr Tabellenplatz und die Lorſcher „Packung” beſagen.
Natürlich heißt es jetzt endlich ſich zuſammengerafft; die Pfiffligheimer
Normannen ſind nicht von Pappe. VfL. Lampertheim wird
voraus=
ſichtlich auch diesmal Sieger, und damit weiterhin Tabellenzweiter
bleiben. Immerhin, gerade die Horchheimer haben in dieſer Runde
ſchon für etliche Senſatiönchen geſorgt — man nehme die Sache nicht
zu leicht. Die Bibliſer müiſſen am Sonntag nach Herrnsheim, ſomit
„der Löſe aus ſeiner Höhle‟. Der linksrheiniſche Neuling hat am
letz=
ten Sonntag imponiert! Die Riedleute ſind zwar flott in Fahrt,
aber — —. Für Hofheim wird es auch in Hochheim kaum etwas zu holen
geben. Das ſpieleriſche Können der beiden Mannſchaften dünfte ſich
wohl ziemlich ausgleichen, aber der eigene Platz und die größere
Rou=
tine der Wormſer Vorſtädter dürfte letzten Endes doch zu ſchwer ins
Gewicht fallen und ſo einen knappen Sieg bringen.
Der Berliner Hochſchul=Achter wurde bei ſeiner 6. Austragung am
Samstag zum vierten Male von der Univerſität dor der Techniſchen
Hochſchule gewonnen.
Die Boxer Hein Müller und Hein Domgörgen haben mit dem
Dampfer „Bremen” die Reiſe nach Newv York angetreten.
Der Tennis=Länderkampf Japan—Frankreich endete im
Geſamt=
ergebnis mit einem 5:3=Siege der Japaner.
Darmſtädker Sporkkalender.
Sonntag, den 20. Oktober.
Fußball.
1,00 Uhr: Rot=Weiß V.f.R. Darmſtadt — Viktoria Walldorf.
2,00 Uhr: Pol. Sp.V. Darmſtadt — Germania Pfungſtadt.
3.30 Uhr: Union Darmſtadt — Germania Oberroden.
Handball.
1100 Uhr: Rot=Weiß V.f.R. — Sp.Vgg. Arheilgen (Rheinallee).
11,00 Uhr: Tgde. Beſſungen — Tgſ. 75 Darmſtadt.
3,00 Uhr: Sportverein 98 — Polizeiſporiverein (Stadion).
Sporkverein Darmſtadt 1898 — Polizei=Sporkverein
Darmſtadk.
Der guten Worte ſind genug gewechſelt. Jetzt haben die Spieler
dafür zu ſorgen, daß die Hoffnungen, die die ſportlich intereſſierte
Oeffentlichkeit hegt, in Erfüllung gehen. Iſt es wirklich ſo ſchwer,
nicht nur techniſch gute Leiſtungen, ſondern auch ein ſportlich
ein=
wandfreies Benehmen zu zeigen? Auch andere Faktoren müſſen
zu dem erſehnten reibungsloſen Verlauf beitragen: Publikum und
Schiedsrichter. Und wenn die zweimal 30 Minuten Spielzeit
ab=
gelaufen ſind, dann möge der Sieger von ſich ſagen können, daß
er in Ehren gewonnen, der Beſiegte, daß er wohl das Spiel,
nicht jedoch ſeine ſportliche Würde verloren habe.
Die Sportvereins=Elf tritt in der gewohnten Aufſtellung an,
alſo mit folgenden Spielern:
Henß
Rothenburger
Reuter
Pabſt
Delp
Jäger
Fiedler Werner Fuchs Hennemann Freund
Die Leitung des Sportvereins 1898 bittet darum, daß die
Be=
ſucher des Spieles ſich nicht erſt in letzter Minute einfinden, da
dadurch die reibungsloſe Abwicklung an der Kaſſe gefährdet wird.
Die Wartezeit wird ja durch das um 2 Uhr beginnende Spiel der
Liga=Reſerven gegen Germania Pfungſtadt abgekürzt. Das
Haupt=
ſpiel beginnt um 3 Uhr.
Die Liga=Mannſchaft tritt auf dem Stadion gegen
Sport=
verein 98 an
2. Mannſchaft Polizei — Arheilgen 2. Mannſch. in Arheilgen.
1. Jugend Polizei — 1. Jugend Braunshardt, 11 Uhr.
9. Kreis Mitkelrhein, 2. Gaugruppe.
Kreismeiſterklaſſe: Obernburg — Pfungſtadt, Kl.=Wallſtadt —
Walldorf. Erbach — Groß=Umſtadt. Nur drei Hängepartien der
Vorrunde. In Obernburg geht es um den Tabellenſchwanz.
Wall=
dorf wird ſich nunmehr zuſammennehmen, und in Erbach gibt es
ein ſehr intereſſantes Treffen. Der Bezwinger Walldorfs kommt!
Main=Rhein=Gau, Meiſterklaſſe: Büttelborn — Tgde.
Darm=
ſtadt. Nauheim — Groß=Gerau, Worfelden — Wolfskehlen,
Bicken=
bach — Eberſtadt Beſſungen — Tgſ. Darmſtadt, Sprendlingen —
Bensheim. Die Rückrunde beginnt! Wie wichtig die Spiele ſind
— teils wegen der Führung, teils wegen des Abſtieges —,
veran=
ſchaulicht am beſten nachſtehende Tabelle:
Gruppe Weſt.
Spiele
Tgmd. Darmſtadt
Büttelborn
Nauheim
Wolfskehlen
Worfelden
Groß=Gerau
gew.
unent.
verl.
Punkte
Tore
30:21
25:20
13:11
23:22
12:16
12:25
Gruppe Süd.
Spiele gew. unent. verl. Punkte Tore
Bickenbach
23:17
Sprendlingen
21:10
Beſſungen
23:11
Bensheim
19:19
Eberſtadt
10:14
Tgſ. Darmſtadt 5
9:34
A=Klaſſe: Hähnlein — Egelsbach, Seeheim — Roßdorf,
Pfung=
ſtadt — Heppenheim, Gernsheim — Griesheim, Ober=Ramſtadt —
Wallerſtadten. Für die drei erſten Spiele wird der eventuelle Sieg
von ausſchlaggebender Bedeutung ſein, da kein Verein noch klar
in Führung liegt. Ober=Ramſtadt wird es wohl leichter haben als
Gernsheim, wenn der Platzverein ſiegreich bleiben ſoll,
B=Klaſſe: Auerbach — Bensheim, Bickenbach — Heppenheim,
Zwingenberg — Neu=Iſenburg, Tgde. Darmſtadt — Urberach.
C=Klaſſe: Beſſungen — Reichsbahn, Tgſ. Darmſtadt —
Wall=
dorf, Auerbach — Pfungſtadt, Zell — Lorſch, Crumſtadt —
Büttel=
born, Biebesheim — Hahn, Lorſch — Eſchollbrücken, Sprendlingen
—Nieder=Ramſtadt Arheilgen — Egelsbach, Langen — Erzhauſen.
Schüler= und Jugendſpiele beſchließen das reichhaltige
Pro=
gramm.
Turngemeinde Beſſungen 1865.
Zum heutigen Pflichtſpiel empfängt die Turngemeinde
Beſ=
ſungen, 1. Mannſchaft, die gleiche der Turngeſellſchaft 1875. Iſt
auch das Vorſpiel für die Turngeſellſchaft verhältnismäßig ſehr
hoch verloren gegangen, ſo mogen die Turnbrüder aus dem
Nor=
den der Stadt nicht verzagen, die Punkte müſſen erſt erkämpft
werden und dazu gehört neben dem Können auch Glück, und das
fehlte das erſtemal. Beſſungens Spielſtärke iſt bekannt; beim
nötigen Eifer wird ihnen der Sieg wohl kaum zu nehmen ſein.
Das Spiel beginnt um 11 Uhr auf dem Sportplatz an der
Heidel=
berger Straße. Vorher ſpielt die 2. Mannſchaft gegen die gleiche
der Reichsbahn um 8,30 Uhr und die Jugend um 9,45 Uhr gegen
Eberſtadt.
Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt.
Die 1. Mannſchaft begibt ſich heute vormittag 11 Uhr nach
Beſſungen und trägt dort ihr erſtes Rückrunden=Spiel gegen Tgd.
Beſſungen aus. Die 2. Mannſchaft ſpielt nachmittags 3 Uhr auf
dem Sportplatz an der Kranichſteiner Straße gegen Walldorf. Die
Jugend fährt nach Langen und ſpielt gegen die gleiche um 3,30 Uhr.
Turngemeinde 1846 — Tv. Urberach 1.
Heute nachmittag 1,45 Uhr treffen ſich obige Mannſchaften
der B=Klaſſe zum Pflichtſpiel auf dem Platze am Oſtbahnhof.
Büttelborn — Tgd. Darmſtadt 1846.
Heute nachmittag begibt ſich die 1. Mannſchaft der 1846er
zum fälligen Verbandsrückſpiel nach Büttelborn.
Außerdem ſpielt die 3. Mannſchaft nachmittags 1,.45 Uhr auf
dem Sportplatze am Oſtbahnhof gegen die 1. Mannſchaft des
Turn=
vereins Urberach.
Die Jugend=Mannſchaft begibt ſich nach Griesheim, um ihre
Kräfte mit der dortigen Jugend zu meſſen.
Im Odenwald=Gau.
Die Ergebniſſe vom 13. Oktober 1929 ſind: 1. bei den
Pflichtſpielen; Kreis=Klaſſe; Kl.=Wallſtadt Erbach 2:0,
Groß=Umſtadt — Walldorf 2:1. Meiſterklaſſe: Michelſtadt-König
0:5, Nieder=Klingen — Groß=Umſtadt 2. 6:1. A=Klaſſe: Erbach 2.
Klein=Brombach 2:2 Wald=Amorbach Hergershauſen 1:3.
B=Nord: Langſtadt — Groß=Bieberau 2:2. B=Süd: Zell —
Müm=
ling=Grumbach 5:1. C=Klaſſe: Altheim — Groß=Zimmern 2. 3:3.
2. Freundſchaftsſpiele: Zell 2. — Momart 2./ 0:4,
Groß=Umſtadt — Habitzheim 1. 0:0.
So erfreulich es iſt, daß das Handballſpiel in unſerem Gau
beim Publikum allmählich viel Freunde gewinnt, ſo verſtimmend
wirken einige Vorkommniſſe am letzten und vorletzten
Spielſonn=
tag, die zeigen, daß der Schutz des Schiedsrichters vor
Beleidigun=
gen noch recht unvollkommen von den Vereinen durchgeführt wird.
Heſtaltet ſich das Spiel ungünſtig, dann wiſſen mancherorts
Spie=
ler und Publikum keinen anderen Grund für die Niederlage, als
die angeblichen Fehlentſcheidungen des Schiedsrichters. Dabei
muß man beobachten, daß den Hauptſchreiern Regeln und
Spiel=
ordnung recht oberflächlich bekannt ſind. Man glaube doch nicht,
daß vom Ueberſehen eines Fußes oder eines Doppelfangs uſw.
er Ausgang des Spieles abhangig ſei. — In der Meiſterklaſſe
lieferten ſich Michelſtadt — König ein ſehr hartes Spiel, das
König durch größere Durchſchlagskraft und beſſeres
Zuſammen=
ſpiel zu ſeinen Gunſten entſchied. Groß=Umſtadt 2. trat mit zehn
Mann an: Nieder=Klingen war jederzeit überlegen. — Wald=
Amorbach — Hergershauſen führten ein ſehr anſtändiges Spiel
vor, das Hergershauſen wegen größerer Ausdauer im Endſpurt
gewann. Hart wurde um den Sieg in Erbach gerungen, doch lag
das Spiel feſt in der Hand des Schiedsrichters, und das war gut
ſo. — Mümling=Grumbach fuhr nach Zell und hatte in Gedanken
die zwei Punkte ſchon in der Taſche. Als die Partie anders
ver=
lief, zeigte ſich die Mannſchaft von ſehr unturneriſcher Seite. —
Groß=Bieberau — Langſtadt waren ſich gleichwertig. Altheim war
techniſch Groß=Zimmern überlegen, doch beſaß dieſes die größere
Durchſchlagskraft. Das Ergebnis der Freundſchaftsſpiele entſprach
ganz deren Verlauf.
Tabelle der C=Klaſſe nach Schluß der Vorrunde:
Spiele gew. unent. verl. Punkte
Tore
Groß=Zimmern 2.
18:4
Hergershauſen 2.
8:‟
Altheim 1
14:6
Momart 2
4:2‟
Langſtadt 2.
4
0
2:11
Am heutigen Sonntag ſpielen: Kreisklaſſe: Erbach — Groß=
Imſtadt 1. Meiſterklaſſe: Groß=Umſtadt 2. — Michelſtadt. A=Kl.:
Hochſt — Wald=Amorbach, Klein=Brombach — Lützelwiebelsbach.
B=Süd: König 2. — Steinbuch.
Am Sonntag hielt der Deutſche Kanuverband Oberrhein=Mainkreis
ſeine Jahreshauptverſammlung im Südbahnhof zu Frankfurt a. M. ab.
Die Kanubewegung iſt im Oberrhein=Mainkreis wieder erheblich
ge=
wachſen. Dieſer umfaßt jetzt 60 Vereine mit 2664 Vereinsmitgliedern
und 620 Einzelpaddler. Die größte der im verfloſſenen Geſchäftsjahr
liegenden Veranſtaltungen war die Pfingſtfahrt auf dem Neckar, die mit
ihren über 1200 Teilnehmern eine wertvolle Propaganda für die
Kanu=
bewegung war. Auch die vom Verband veranſtalteten Regatten haben
eine bedeutende Zunahme zu verzeichnen. Verbeſſertes Bootsmaterial
und die ſtarke Zunahme neuer Rennſportabteilungen haben ſich auch im
orfloſſenen Jahre als wertvolle Propaganda für den Verband gezeigt.
Die Beſtrebung, durch Erwerb von Ufergelände die wirtſchaftliche Macht
zu ſtärken, iſt beſonders gefördert worden durch Ankauf des 7000
Quadratmeter umfaſſenden Bodenſee=Lagers. Die neue
Kampfſport=
bewegung im D.K.V., das Polo=Spiel, habe eine Förderung dadurch
er=
fahren, daß im Kreisgebiet jetzt 6 Mannſchaften ſich zu Gegenſpielen
treffen. Auch die Pflege um den Nachwuchs, der dem D.K.V. immer
am Herzen gelegen hat, iſt erfreulich vorwärts gegangen. 270
Jugend=
mitglieder zählt heute das Kreisgebjet, und im Sommer dieſes Jahres
ſurde bereits die erſte eigene Jugend=Regatta ausgetragen.
Größtes Intereſſe wurde dem Wanderſportprogramm
entgegenge=
bracht, das für das Jahr 1930 feſtgelegt wurde. Die große Pfingſtfahrt
ſoll im kommenden Jahre auf der Lahn ſtattfinden. Man rechnet auch
bei dieſer Fahrt mit einer Beteiligung von wenigſtens 1200—1500
Boo=
ten. Im Rennſport wurde die Meiſterſchaft auf der kurzen Strecke zum
6. Juli nach Mainz anberaumt, während die lange Strecke am 3. Auguſt
in Frankfurt a. M. ausgefahren werden ſoll. Die große Herbſtregatta
des Kreiſes findet im September ſtatt, während im Mai und im Juni
Vereinsregatten in Freiburg, Mannheim und Karlsruhe ausgefahren
werden ſollen. Der alle zwei Jahre ſtattfindende Kanutag, vom
geſam=
ten deutſchen Kanuſport veranſtaltet, ſoll auf Mitte Juli verlegt werden.
Eine Beratung über die neu vorliegenden Satzungen, mit denen eine
Erhöhung der Einzelpaddler=Beiträgee verbunden war, beſchloß die
Tagung.
Die deutſchen Leichkathleken in Mukden.
Vom ſiegreich beendeten Länderkampf in Tokio aus haben ſich.
unſere Leichtathleten über die Etappen Oſaka und Korea, wo ſie
ebenfalls ſchöne Erfolge erzielten, nach Mukden, der
mandſchu=
riſchen Hauptſtadt, begeben. Auch hier iſt es den deutſchen Athleten
gelungen, mit prächtigen Leiſtungen für das Anſehen des
Deutſch=
tums im Fernen Oſten zu werben. Gelegentlich der Eröffnung
des neuen Univerſitätsſtadions in Mukden kam
dort ein zweitägiges Sportfeſt zur Abwicklung, an dem neben den
im Mittelpunkt ſtehenden Deutſchen auch japaniſche und chineſiſche
Studenten teilnahmen. 15 000 Zuſchauer bereiteten den Deutſchen
am erſten Tage bei ihrem Erſcheinen einen ſtürmiſchen Empfang,
und auch während der Kämpfe zeigten ſich die Zuſchauer, unter
denen ſich auch Marſchall Changh Saio Lian befand, ſehr
beifalls=
freudig. Der erſte Tag der Wettkämpfe brachte nur fünf
Kon=
kurrenten, von denen die Deutſchen drei für ſich entſchieden. Dr.
Wichmann ſiegte im 200=Meter=Laufen in der guten Zeit von
21,6 Sek. vor dem Chineſen Liu und dem Berliner Kurt Weiß.
Ueber die 800 Meter gelang es Dr. Peltzer, einen
vielbeiubel=
ten Sieg in 2:04,1 Minuten vor Böcher zu erzielen. Im
Kugel=
ſtoßen war natürlich Hirſchfeld wieder ohne Gegner. Der
Allenſteiner ſiegte mit einer Leiſtung von 15,16 Meter vor dem
vielſeitigen Wegner, der es immerhin noch auf 13,56 Meter
brachte. Die 5000 Meter brachte der Japaner Kitamota in
15:56,6 Min. knapp vor dem Hannoveraner Diekmann an ſich, im
Hochſprung ſiegte Kimura mit 1,85 Meter.
Abänderung der Schwimmprüfung erwünſcht.
Die Prüfung I für das Deutſche Turn= und Sportabzeichen
verlangt bekanntlich ein 300=Meter=Schwimmen in neun Minuten.
Verſchiedentlich wurden bei Abnahme dieſer Prüfung aber
Feſt=
ſtellungen gemacht, daß von einer ernſthaften 300=Meter=
Schwimm=
prüfung kaum noch die Rede ſein kann, ſo wenn z. B. in einem
15=Meter=Baſſin mit zwanzigmaliger Unterbrechung wie
Aufſteh=
wende uſw. die 300 Meter erledigt werden. In den Kreiſen des
Deutſchen Schwimmverbandes wird nun eine ſofortige
Abände=
rung der Prüfungsbeſtimmungen verlangt. Das 300=Meter=
Schwimmen ſoll durch eine Freiſchwimmprüfung von 20 Minuten
Dauer in tiefem Waſſer, wo Feſthalten und Unterbrechung nicht
möglich ſind, erſetzt werden.
Der erweiterte Kreisrat des 9. Kreiſes im Arbeiter=
Turn=
d Sportbund hat in ſeiner letzten Sitzung in Frankfurt a. M.
ſchloſſen, das nächſtjährige Kreisfeſt am 19. und 20. Juli 1930
dauptfeſttage) in Darmſtadt abzuhalten. Eine Woche vorher, am
Juli, findet ebenfalls in Darmſtadt das Kreis=
Kinder=
effen ſtatt.
Den Bemühungen der Freien Turngemeinde Darmſtadt, e V.,
d mit ihr den Vereinen Arheilgen, Eberſtadt und Griesheim
es alſo gelungen, anläßlich der 600=Jahr=Feier der Stadt
Darm=
dt das Kreisfeſt der Arbeiterſportler nach hier zu bringen. Als
ſtplatzgelände iſt der Exerzierplatz mit Feſthalle vorgeſehen. Das
ſt ſelbſt wird große Ausmaße haben, da der 9. Kreis zirka 350
reine zählt. Darmſtadt ſtehen alſo auch im nächſten Jahre einige
öne und frohe Feſttage bevor.
Nummer 291
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Seite 15
Die deutſchen Volkskurnmeiſterſchaften.
1930 in Königsberg.
Um die Austragung der deutſchen Volksturnmeiſterſchaften.
hatten ſich für das kommende Jahr Dresden, Beuthen und
Konigs=
berg beworben. Wie nun bekannt wird, hat ſich die Deutſche
Turnerſchaft für Königsberg entſchieden, und zwar die Meiſter=
ſchen Geräte=Meiſterſchaften, um die Vereine wegen der Kreisfeſte
und der Deutſchen Kampfſpiele nicht allzu ſehr zu belaſten, erſt
1931 auszutragen.
Geſchäftliches.
Eberhard’s Weltdetektiv=Inſtitut Darmſtadt Karlsſtraße 60, legt
unſerer heutigen Stadtauflage einen Proſpekt bei. Die Firma ſichert
zuverläfſige und prompte Erledigung aller in Betracht kommenden
An=
gelegenheiten zu. Streng vertrauliche Behandlung jedes Einzelfalles iſt
ſelbſtverſtändlich.
(16485
Der Zigarettenraucher ſtrebt von jeher danach, eine ausgeſprochen
milde Zigarette zu finden, die den Geſchmack nicht ermüdet, jedoch
Aroma beſitzt, und ihn immer wieder anregt.
Die durch ihre hervorragenden Erzeugniſſe in der ganzen Welt
be=
kannte Zigarettenfabrik für türkiſche Zigaretten Abdulla u. Co.
hat dieſen Wunſch der Raucher erkannt und verwertet. Die neue
Schöpfung Abdulla Standard zu 5 Pfg. iſt die Zigarette, die
der deutſche Raucher ſucht. Dieſer angenehmen und aromatiſchen
Zi=
garette aus ausgeſucht milden mazedoniſchen Gewächſen bleibt jeder
Raucher treu, der ſie einmal verſucht hat.
Ziehungsliſte der 34. Preuß.Südd. Klaſſenlokkerie.
1. Tag, 1. Klaſſe: In der Vormittags=Ziehung wurden
gezogen: 2 Gewinne zu je 100 000 Mark auf Nr. 148 479; 2 Gewinne
zu je 3000 Mark auf Nr. B4 015: 2 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr.
185 880; 4 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 254 544 373 550; 8
Ge=
winne zu je 800 Mark auf Nr. 25 835 225 761 242 409 255 679; 24
Ge=
winne zu je 500 Mark auf Nr. 39000 66 159 101 773 129 688 149 146
158 743 227 270 261 110 262979 267 528 273 845 389 458; ferner 84
Ge=
winne zu je 200 Mark und 278 Gewinne zu je 120 Mark. — Die in der
heutigen Vormittagsziehung gezogenen beiden Hauptgewinne von je
100 000 Mark fielen auf Nr. 148 479 in Abteilung I nach Mannheim, in
Abteilung II nach Frankfurt a. M. — In der Nachmittags=
Ziehung wurden gezogen: 2 Gewinne zu je 10000 Mark auf Nr.
99 798: 2 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr. 328 531; 4 Gewinne zu je
1000 Mark auf Nr. 36 348 250 253; 8 Gewinne zu je 800 Mark auf Nr.
N 725 181 342 272 663 349 138; 28 Gewinne zu je 500 Mark auf Nr.
5152 13 412 112790 208 490 260 788 24 485 321 073 325 853 334 496
347 993 359 815 363 481 369 339 377 G73; ferner 94 Gewinne zu je 200
Mark und 254 Gewinne zu je 120 Mark.
Weiterbericht.
Die Südſeite der nördlichen Störung hat unter Barometerfall
ihren Einfluß bis über die Alpen ausgedehnt. Da durch die
Sto=
rung eine weitere Zufuhr ozeaniſcher Luftmaſſen bedingt wird, ſo
iſt noch kein beſtändiges Wetter zu erwarten. Wenn auch
vorüber=
gehende Aufheiterung eintritt, ſo muß neben auftretender
Bewöl=
kung auch mit vereinzelten Niederſchlägen gerechnet werden.
Ausſichten für Sonntag, den 20. Oktober: Wechſelnde Bewölkung,
vorübergehend auch aufheiternd, kühl. vereinzelte Schauer.
Ausſichten für Montag, den 21. Oktober: Temperaturen mehr
ſchwankend, vielfach wolkig mit Neigung zu Niederſchlägen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt
Gleichbleibendes Werktagsprogramm. 6.30: Wetter, Zeit.
Gym=
naſtik. 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsmeld., Waſſerſtand. o 12.55:
Nauener Zeit. o 15, 15,35: Zeit, Wirtſchaftsm. o 16.10: Ind.,
Handelsk. (Di. u. Fr.). O 16.25: Gießener Wetter, Wirtſchaftsm.,
Während des Nachm.=Konzerts: Vereinsnachr. 6 18.05, 19.15 oder
19.30: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 20. Okt. Hamburger Hafenkonzert. 7: Die Glocken
vom Großen Michel”, dem Wahrzeichen der deutſchen Seefahrer.
7.05: Hamburger Morgenruf. O Anſchl.: Hafenkonzert von
dem Dampfer „St. Louis”. 6 7.55: Flaggen=Parade an Bord
des Linienſchiffes „Heſſen” im Kieler Hafen. 8.15:
Morgen=
feier der Evangeliſchen Landeskirche. Ausf.: Miſſionar Lauk (
An=
ſprache), Chor der pädagog. Akademie, Lic. R. Wallau und Emma
Wurſt=Lindloff (Violine), L. Theis (Orgel). o 11: Kaſſel:
Ober=
ſchulrat Dr. Deiters. O 11.30: Elternſtunde Rektor Wehrhan: Das
anſtellige Kind. 12: Kaſſel: Blaskonzert. Funk=Blasorcheſter.
O 13: Landwirtſchaftskammer Wiesbaden: Welche
Bodenbearbei=
tungsmaßnahmen tragen dazu bei, Auswinterungsſchäden
vorzu=
beugen? — Welche Vorbereitungen muß der Winzer für die
Wein=
leſe treffen? — Was ſoll man beachten, wenn man einen Baum
pflanzen will? o 13.10: Oberſpielleiter Dr. Graf: Das
Frank=
furter Opernhaus vom 20. bis 26. Oktober. o 14: Oberſtudiendir.
Dr. Oehlert: Was will die Deutſch=Franzöſiſche Geſellſchaft? 6 14.30:
Jugendſtunde: Aus dem deutſchen Märchenborn: Wunſchſtunde.
O 15.30: Dr. Horny: Die Praxis des genoſſenſchaftlichen Obſt=
und Gemüſeverkaufs bei unſeren Bauern und Gärtnern. — Dr.
Kranz: Was geht in der Welt vor, und was geht es mich an?
16.30: Stuttgart: Konzert des Funkorch. Mitw.: Margarete
Wetter (Sopran), H. Lingor (Tenor), Flügel: Hahn. O 18:
Mainz=Kaſtel: Stunde des Chorgeſangs: Konzert der
Arbeits=
gemeinſchaft Joſt’ſcher Chöre. o 19: Dr. Leſer: Leben, Liebe
und Arbeit eines Südſeevolkes. 19.30: Leipzig: Richard=Strauß=
Abend. Vorſpiel zu Guntram”. — Don Juan” Tondichtung.
— Orcheſterſuite aus der Muſik zum Bürger als Edelmann” des
Moliére. — „Till Eulenſpiegels luſtige Streiche” (in Rondoform) für
großes Orch. Leitung: Der Komponiſt. 21: Quer durch’s
Wellen=
band (am Fernempfänger). O 22.45: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus=
Langer.
Königswuſterhauſen
Deutſche Welle (1635).
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.55:
Wetter für den Landwirt O 7: Gymnaſtik. 12.25: Wetter für den
Landwirt (So. 12.50) O 12.55: Nauener Zeit. 14: Betlin:
Schall=
latten. O 15.30: Wetter. Börſe.
Deutſche Welle. Sonntag. 20. Okt. 7: Gymnaſtik. O 8: Mitteil.
für den Landwirt. O 8.15: Marktlage. 6 8.30: Dr. phil.
Feuer=
ſänger: Leiſtungsprüfungen in der landwirtſchaftlichen Tierzucht.
6 8.55: Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche. o 9:
Morgen=
feter. Anſpr.: Pfarrer Pfeiffer, Tempelhof. o 10: Sonntagswetter.
11.20: Victor Holländer dirigiert (Bildfunk). o 11.30:
Eltern=
ſtunde: K. Wehrhan: Schulbegabung und Lebensbegabung. 6 12:
Konzert. Artur Guttmann mit dem Terra=Tonfilm=Orch. o 14:
Munkepunke lieſt „Neue Lachlichkeit” o 14.30: Alte Muſit. Lotte
Theile (Sopran) Tinette Paſch (Violine), Flügel: Th. Mackeben.
O 15.20: Jugendſtunde (Märchen). Am Mikrophon: Liſa Tetzner,
0 15.40: Wiener Tänze und Wiener Lieder. W. Simlinger (
Bari=
ton, Flügel: L Kuckartz. o 17: Aktuelle Abteilung: Kleines
Theater (Berlin). Dir. Fritz Friedmann=Frederich. Aus dem
Sende=
raum der Funk=Stunde). Alt=Berlin‟ Drei Bilder nach Adolf
Glaßbrenner O 18: Stunde des Alters (Margarete Schwendar).
O 18.25: Dir. Dr. Zylmann: Knochen und Scherben im Acker.
19: Preuß. Innenminiſter Grzeſinski ſpricht über das
Volks=
begehren. O 19.30: Richard Strauß=Konzert. Dirigent: Der
Kom=
poniſt. Vorſpiel zu „Guntram” — Don Juan. — Sutte „Bürger
als Edelmann”. — Till Eulenſpiegel. Leipziger Sinfonie=Orch.
und das Leipziger Funkorch. 21: Heitere Grotesken von Karl
Kinndt Geleſen vom Verfaſſer. o 21.20: Iriſche Volkslieder.
Seen Neeſon (Bariton). Flügel: M. Nahrath. O 21.40: Gitarren=
Vorträge Sor: Andante Largo. — Fortea: Etude. — Chypin:
Nocturne Nr. 2. — Godard: Berceuſe. Luiſe Walker. O Anſchl.:
Bildfunk
Tan=
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Bedienung
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Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantworflich für Polttik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmannz
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; ſcr
„Die Gegenwart‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuble; Druc
und Verlag: L. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten.
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Nummer 42
2o. Oktober 1929
Die Sabrik im Garten.
„Ihe factory in a garden.”
Von Caxl Otto Windecker.
Ich habe vor einiger Seit an dieſer Stelle von der
eng=
liſchen Arbeiterſiedlung Bournville bei Birmingham
er=
zählen können, die mir in ihrer Geſamtheit und in ihrem
tieferen Sinn ein wenig von dem vermittelte, was uns
Mit=
teleuropäern engliſch, und damit fremd iſt. Aber nicht nur
dieſe Siedlung geht auf die menſchliche Klugheit des
eng=
liſchen Induſtriellen und Quäkers George Cadbury
zu=
rück, ſondern auch ein zweites, nicht minder großes Werk,
„The factory in a garden” — die Fabrik im Garten, die
Werke der Cadbury Brothers Ltd., die über 40 Prozent
der Einwohnerſchaft Bournpilles Arbeit und Brot g”z.
Auch ſie iſt, man kann wohl ſagen: die Verwirkli hung
eines ſchönen Gedankens. Seiner Erkenntnis getreu: daß
die ſittlichen und geiſtigen Lebensbedingungen der
arbeiten=
den Bevölkerung von den Wohnbedingungen abhängen.
übertrug er gleichzeitig auf das Werk, das ſeinen
Ange=
ſtellten und Arbeitern Arbeit gab. Von dem Gedanken
geleitet, daß es möglich ſein müſſe, Induſtrien in naturſchönen
Umgebungen zu erſtellen, ohne daß dadurch die Umgebung
an Schönheit und Friſche verliere, baute er die
umfang=
reichen und ſehr ausgedehnten Fabrikanlagen ſeiner
Schoko=
ladenfabrik inmitten der Bournville=Siedlung, — und man
kann wohl ſagen, daß er ſein Siel erreichte.
Es kam Cadbury — und das ich wichtig — weniger
dar=
auf an, einen neuen Bauſtil zu kreieren, der vielleicht der
Beſonderheit der dortigen Gegend angepaßt wäre, — er
erkannte vielmehr als Notwendigkeit, die geiſtige und
ſeeli=
ſche Erfriſchung, die der Anblick von Naturſchönheiten
bietet, auch innerhalb der Fabrik für ſeine Arbeiter und
Angeſtellten zu erhalten, ihnen während der Arbeitszeit
dieſe Erfriſchung und Erholung zu geben, ſie von der
nieder=
drückenden Eintönigkeit, die ſonſt im Gefolge von
Fabrik=
bauten iſt, zu entlaſten.
So entſtand die „factory in a garden”, wie Cadburys
Fabrik mit vollem Necht genannt werden kann.
Für die Bedeutung dieſes Werkes mag gelten, daß die
Fabrikleitung allein dreißig adrett uniformierte junge
Füh=
rerinnen angeſtellt hat, deren alleinige Aufgabe es iſt, den
täglichen Strom intereſſierter Beſucher durch die
weitläufi=
gen, großartigen Anlagen zu führen. Große Omnibuſſe
ſtehen den Beſuchern für eine Nundfahrt durch Bournville
zur Verfügung, — nicht vergeſſen ſei auch der entzückend
eingerichtete beſondere Ceeraum, in dem jeder Beſucher
für eine Stunde der gaſtfreundlich bewirtete Gaſt der
Direk=
tion iſt. —
Es wirkt geradezu wie eine Offenbarung, wenn man
ſieht, daß Blumengärten, Naſenflächen, künſtleriſch
aus=
geſtaltete kleine Anlagen mit Ceichen und Springbrunnen
die Höfe der vielen hohen Fabrikgebäude ſind. Ringsum
weite Parks, ſogen. Reereation-grounds, weite gepflegte
Sportplätze, um die mancher deutſche Sportklub die
An=
geſtellten Cadburus beneiden würde, denen ſie koſtenfrei und
jederzeit zur Verfügung ſtehen.
Geht man dann durch die peinlich ſauberen Arbeitsſäle
— man bewundert nicht nur die ausgezeichnete Organiſation
und die techniſchen Anlagen. Sieht man durch die hohen,
breiten Fenſter, dann möchte der Anblick glauben machen,
daß man aus dem Salon eines engliſchen vornehmen
Land=
hauſes blickt. Blumen. Immer wieder Blumen. Selbſt
in den Arbeitsräumen, in dem großen hellen Kontor der
kaufmänniſchen Abteilung ſtehen Blumen und Palmen in
hohen Kübeln.
Man iſt nicht erſtaunt, daß dieſe Arbeiter und alle die
kleinen Mädchen in ſauberen weißen Uebermänteln und
Kopfhauben, die vor den großen Schüſſeln mit
Schokolade=
brei ſitzen und ſchnell und fingerfertig Pralinés formen und
mit Ueberguß verzieren, alle ſo heiter und freundlich ſind.
Nichts von der Verbiſenheit überarbeiteter Menſchen, keine
wütenden Blicke nach den neugierigen Beſuchern hin, keine
ſpöttiſchen, lauten Bemerkungen, wie man das bei
Fabrik=
beſichtigungen ſo vielfach erleben kann. — Liebenswürdig
bietet die Abteilungsleiterin jedes neuen Saales neue
Scho=
koladenproben an — bis man ſelbſt nicht mehr kann.
Größere Pauſen in der Arbeitszeit unterſtützen die
Ab=
ſicht des verſtorbenen Gründers. In einem der Häuſerblocks
befindet ſich ein großes Hallenſchwimmbad, das eigens für
die jungen Mädchen der Fabrik geſchaffen wurde, wo ſie
alle ſchwimmen lernen und allwöchentlich völlig koſtenfrei
baden. Ein Bad für die männlichen Angeſtellten befindet
ſich in einem anderen Hauſe.
Ueberraſchend der große Block des „Dinning=Houſe‟.
Hier ſind Aerzte und Sahnärzte untergebracht, die die
An=
geſtellten bis zu einem gewiſſen Alter völlig koſtenfrei
be=
handeln; hier iſt aber auch der große Vergnügungsſaal,
ganz in Eiche gehalten — man kann in der dortigen Gegend
ganz gut mit Eichenholz verſchwenderiſch umgehen —, der
ür Konzerte und Cheatervorſtellungen für die Angeſtellten
der Fabrik gebaut wurde. Ich hatte Gelegenheit, die in
den Saal eingebaute Orgel zu hören, — auch hierin gibt
man den Angeſtellten Beſtes.
Und verläßt man dann das Haus, ſo ſieht man ſich
wie=
derum in einem Garten voll blühender Pracht und
gepfleg=
ter Schönheit.
Der Einwand, daß das hier verarbeitete Material bei
der Wertung in Betracht gezogen werden muß, iſt nicht voll
berechtigt, obwohl es zweifellos nicht möglich ſein wird,
Palmen in den Keſſelraum einer Chemiſchen Fabrik aufzus
ſtellen. Aber die Cadbury=Fabrik beſchränkt ſich auch nicht
allein auf dieſe in ihrem Wert durchaus nicht zu
unter=
ſchätzenden „Aeußerlichkeiten”
Ich bin in Verſuchung, einen Vergleich zu ziehen:
täg-
lich habe ich Gelegenheit, in deutſchen Induſtrieſtädten die
Arbeiter auf dem Nachhäuſeweg, auf der Straße, in der
„Straßenbahn, in den Abteilen der Eiſenbahn zu ſehen. Sie
ſind ſtumpf, müde, überarbeitet. Mit ſchleppendem Gang,
mit lebloſen, verbitterten Geſichtern, mit hängenden Armen.
Ich habe auch dort die Arbeiter geſehen, die eine Viertel=,
eine halbe Stunde nach Arbeitsſchluß auf dem Sportplatz
erſcheinen, im friſchen weißen Hemd, mit friſch gebügelten
weißen Hoſen, den Cennisſchläger, den Hockeyſtock unter
dem Arm. Die einen ſpielen Cennis, die anderen rudern,
ſpielen Nugby, tanzen alte Volkstänze, deren Pflege ſich
ein Arbeiterverein zur Aufgabe gemacht hat. Auf Plätzen,
die ihnen die Fabrik anlegt und zur Verfügung hält. Andere
bilden ſich in Werkſtätten fort, die Eigentum des Werkes
ſind, und ebenſo frei zur Benutzung ſind.
Und — und das iſt wichtig — es ſind nicht einzelne
junge Menſchen, die ſich hier vergnügen oder weiterbilden,
es ſind alle. Und iſt glaube, daß damit die Nichtigkeit der
Cheorie Cadburys erwieſen iſt.
Die übrigen ſozialen Einrichtungen des Werkes paſſen
ſich nur in dieſen Rahmen ein. Daß ſie ohne den Druck
einer entſprechenden Geſetzgebung getroffen wurden, iſt ihr
größerer Wert. Viele von ihnen, von den Werkleuten
mit viel Stolz genannt, ſind für uns Deutſche ſchon lange
Selbſtverſtändlichkeiten — für England aber nur einmalig,
oder doch ſelten.
Es beſtehen Arbeiterräte aus Männern und Frauen,
Gruppen und Abteilungsausſchüſſe, durch deren
Vermitt=
lung die Arbeiter ſelbſt an der Leitung des Werks
teil=
nehmen können.
In Diſziplinargerichten, die ſich mit Verſtößen gegen die
Fabrikordnung befaſſen, ſind auch die Angeſtellten vertreten.
Jugendliche beſchließen über die Vergehen Jugendlicher.
Man hat Penſions=, Witwen= und Krankenkaſſen,
Unter=
ſtützungs= und Sparkaſſen eingerichtet. Durch
Einzahlun=
gen in eine beſondere Kaſſe — die Fabrik zahlt einen
Be=
trag in gleicher Höhe ein — werden Männer mit ſechzig,
Frauen ſchon mit fünfundfünfzig Jahren penſionsberechtigt.
Auch das, in ſeinem effektiven Wert allerdings
anzu=
zweifelnde Syſtem der Gewinnbeteiligung iſt eingeführt.
Eine Summe, die der der Dividenden von einigen
Stamm-
aktien gleicht, wird alljährlich nach einem gewiſſen Schlüſſel
unter die Angeſtellten verteilt. Die Aktien ſelbſt befinden
ſich ſelbſtverſtändlich nicht im Beſitz der Angeſtellten. Der
moraliſche Gewinn für die Fabrik iſt bei dieſem Syſtem
einleuchtend.
Wohldurchdacht und mit großer Klugheit hat George
Cadbury mit dieſer „Fabrik im Garten” das mit der
Bourn=
ville=Siedlung begonnene Werk fortgeſetzt und
durchge=
führt. Indem er allen ſozialen Forderungen durch kluge
ſoziale Einrichtungen zuvorkam, überbrückte er geſchickt die
unter Umſtänden gefährliche Spannung zwiſchen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer. Er machte aus ſeinen Angeſtellten ſeine
Mitarbeiter, die über ihr Haus, die Stiftungen des Werks
und den Gewinnanteil ſelbſt ein eifriges Intereſſe an dieſem
Unternehmen bekamen. Von knapp 80 Arbeitern zu
Be=
ginn hat ſich die Angeſtelltenzahl in wenigen Jahren auf
über 10 000 geſteigert. Ohne George Cadburys
überzeu=
gende Klugheit und menſchliche Politik wäre dieſe enorme
Steigerung eines Induſtrieunternehmens ohne beſondere
Konjunkturmöglichkeiten wohl kaum denkbar.
Man ſollte aus der Klugheit dieſes Engländers lernen.
anznnnnnnnnnnnnn
Hnnnannnnnnnnannnn
HHAHHAR
HAI
Aaaa4
[ ← ][ ][ → ] Was ſoll ein geſunder Körper
leiſten?
Von Sportarzt Dr. Heinz Franzmeyer.
Auf dem Gebiet der ſportlichen
Durchſchnikts=
leiſtung führend zu ſein, iſt ein Siel, das für jede
Nation zu dem erſtrebeuswerteſten gehören ſollte. Der
Sportarzt gibt hier wertvolle Anhaltspunkte dafür,
was jeder geſunde Menſch zu leiſten imſtande ſein
müßte.
Daß das Wachstum einer Pflanze völlig davon abbängig iſt,
welche Beſchaffenheit der Boden beſitzt, ob ſie hinreichend
Feuch=
tigkeit, Sonnenſchein und Sonnenwärme hat, iſt eine Weisheit,
die ſich jeder von uns an den Schuhſohlen abgelaufen hat, auch
So groß iſt der Einfluß des Sports auf den Körperwuchs!
Die in obiger Gegenüberſtellung (Sportler — Nichtſportler)
wiedergegebenen Sahlen ſind die Ergebniſſe von mehr als 70000
Meſſungen, die die Schweiz kürzlich vornehmen ließ.
wenn er ſich ſonſt nicht für Botanik intereſſiert. Merkwürdig
aber iſt, daß es lange Seit genug gedauert hat, bis man dazu
überging, auch die Entwicklung des Menſchen in entſprechender
Weiſe ſuſtematiſch zu unterſuchen und alle notwendigen
Folge=
rungen daraus zu ziehen.
Jedes Körperorgan bedarf zu ſeiner Ausbildung, Förderung
und Erhaltung einer regelmäßigen Betätigung. Unterbleibt ſie,
ſo muß es verkümmern. Dieſes biologiſche Geſetz beweiſt
hin=
reichend, wie notwendig regelmäßige Körperübungen ſind,
be=
ſonders für die Jugend, bei der der Bewegungstrieb, der jedem
Menſchen innewohnt, am lebhafteſten Befriedigung fordert.
Dar=
über hinaus aber erfüllt der Sport heutzutage noch einen
ande-
ren, faſt ebenſo wichtigen Sweck, nämlich die Schäden
auszu=
gleichen, die eine meiſt zwangsläufig ungeſunde Lebensweiſe dem
Körper zu bereiten droht. Die angeführten Geſichtspunkte ſind
von ſo weittragender Bedeutung für die Allgemeinheit, daß der
Sport längſt nicht mehr als perſönliche Angelegenheit des
Ein=
zelnen betrachtet wird, ſondern als Sache des ganzen Volkes.
Es iſt daher beſonders erfreulich, daß die Sahl der
Sporttreiben=
den von Jahr zu Jahr ſtark im Steigen begriffen iſt.
Dieſer Maſſenzuſtrom zum Sport hat aber auch gewiſſe
Be=
denken ausgelöſt, die ſich gegen eine Ueberſchätzung der „Bizeps=
kultur” richten. So wurde bereits die Befürchtung laut, daß
dieſe allgemeine Begeiſterung für Körperkultur der Geiſteskultur
abträglich ſein könnte. Solche Beſorgniſſe dürften doch reichlich
übertrieben ſein. Gewiß gibt es heutzutage Kreiſe, die im
be=
gründeten Verdacht ſtehen, daß ihnen Schmelings Fauſt mehr gilt
als Goethes „Fauſt”. Nichts vergeht aber in der Negel ſchneller
als ſolcher Ueberſchwang, und ſomit iſt nicht daran zu zweifeln,
daß auch auf dieſem Gebiete die Seit bald die
not=
wendige Korrektur ſchaffen wird.
Weſentlich ernſter ſind die Bedenken, die ſich
gegen andere Begleiterſcheinungen des Sports
richten, nämlich gegen die Ueberſchätzung
von Höchſtleiſtungen, und des im
Wett=
kampf errungenen Erfolges. Es iſt
ſelbſtverſtänd=
lich, daß mit der Freude an ſportlicher Betätigung
auch der Wunſch nach Wachſen der Leiſtungen
ver=
bunden iſt. Das führt zu einem Vergleich der
Lei=
ſtungen, zum ſportlichen Wettkampf. Urſprünglich
führte man ſolche Wettkämpfe nur um ihrer ſelbſt
willen durch. Damals freute man ſich zwar auch
über den Sieg, aber man verſtand es zugleich, in
Ehren zu unterliegen. Heute iſt die reine,
unbe=
kümmerte Freude am rein ſportlichen Creiben leider
ſtark im Schwinden begriffen. Der Schrei nach
Erfolg beherrſcht den Sportplatz. Sieg um jeden
Preisl lautet die Parole. Nur der Erfolg wird
gewertet. Man züchtet „Kanonen” man ,
er=
ſchafft” ſich Mannſchaften, man verläßt die
erlaub=
ten Wege des Sports und bemüht ſich, auf
unrechtmäßige Weiſe Vorteile zu erringen. (Die
neuerdings ſo viel angewandten Worte Doping
und Profitum ſind für dieſe Vorgänge bezeichnend.) Und warum
das alles? Nur um des äußeren Erfolges willen. Geldliche Su=
beſonders kraſſe Fälle an das Cageslicht, und auch dann mr meiſt
andeutungsweiſe, wie in dem Falle der amerikaniſchen Läufer
Barbutti und Paddock, die kürzlich in höchſt erbaulicher Werſe
aus der Schule plauderten. Seitdem ſich aber auch Banken und
Induſtrieunternehmungen aller Art zur Aufgabe und zur Pflicht
gemacht haben, den Sport in den Reihen ihrer Angeſtellten zu
pflegen und eigene Sportmannſchaften aufgeſtellt haben, iſt es
Viel wichtiger als Rekordjagd iſt die Erhöhung der
Durchſchnittsleiſtungen.
wendungen und Vorteile im Berufsleben ſind die Mittel, deren
man ſich zu bedienen beginnt, um eine Sportgröße an eine
be=
ſtimmte Stadt oder an einen beſtimmten Verein zu feſſeln, und
dieſe „Größen” haben es bereits ausgezeichnet gelernt, aus ihrem
Können ein erträgliches Geſchäft zu machen. Wer hinter die
Kuliſſen geblickt hat, wird ſich über den häufigen Vereinswechſel
ſolcher „Könner” nicht mehr im geringſten wundern.
Solche Sportler wiſſen, wie geſagt, ſehr gnau, was ſie wert
ſind. Für ihre Ceilnahme an einem Sportfeſt laſſen ſie ſich nicht
nur die entſtandenen Ausgaben erſetzen — darüber ließe ſich noch
reden — nein, ſie verlangen oft auch Entgelte in einer Höhe, daß
den Veranſtaltern die Augen übergehen. Crotzdem werden ſolche
Forderungen meiſt bewilligt, da die Ceilnahme unbekannter
Sportler für den Kaſſenerfolg ausſchlaggebend iſt.
Solche. Dinge pflegen gewöhnlich vor einer größeren
Oeffent=
lichkeit nicht beſprochen zu werden. Nur gelegentlich kommen
Größte Rückſicht auf das Alter iſt ſtets erforderlich.
Das Schema zeigt ſehr anſchaulich, daß eine Uebung, die für den
im körperlich leiſtungsfähigſten Alter Stehenden (18—28 Jahre)
nur nützlich wirkt, um ſo größeren Schaden anrichtet, je jünger
bzw. älter der Ausübende iſt.
ein offenes Geheimnis, daß beſondere Leiſtungen auf ſportlichem
Gebiete die Erlangung einer gut bezahlten Stellung in einem
derartigen Betriebe außerordentlich erleichtern. Auch ſollen
ſo=
gar ſchon Leute in ſtaatlichen Unternehmungen auf dieſe Weiſe
untergekommen ſein, die ſonſt wohl kaum Berückſichtigung
ge=
funden hätten. Solche Entwicklung des ſportlichen Lebens im
Sinne einer Kommerzialiſierung iſt freilich höchſt bedauerlich.
Und es iſt zunächſt noch nicht zu überſehen, wie hiergegen
wirk=
ſam eingeſchritten werden könnte.
Für alle aber, die abſeits ſolcher Probleme ſtehen, iſt es
in=
tereſſant zu wiſſen, wo eigentlich die Grenze ſportlicher
Leiſtung für den Normalmenſchen liegt und welches
Maß von Können auf dem Gebiet der Leibesübungen von jedem
geſunden Menſchen verlangt werden darf.
Ehe wir hier ins einzelne gehen, muß zunächſt darauf
hin=
gewieſen werden, daß dieſe Frage eigentlich nur zu beantworten
iſt, wenn man zugleich auf Alter, Geſchlecht, körperliche
Aus=
bildung, vorhandene Uebung Rückſicht nimmt. Unter gewiſſen
Umſtänden können nämlich Körperübungen auch von Schaden
ſein. Die gleichen Uebungen, die für einen Menſchen im beſten
Alter keineswegs ſchädlich, ſondern im Gegenteil nur nützlich
ſind, können für ältere oder für jüngere Menſchen eine
unzuläſ=
ſige Beanſpruchung bedeuten. Dies muß ſteis bedacht werden
und darum tut entſprechende Doſierung not.
Betrachten wir zunächſt einmal das Laufen. Auf dieſem
Gebiete ſcheint man faſt an der Grenze der Leiſtungsfähigkeit
angelangt zu ſein. ODenn die jetzt geltenden Nekordzeiten
ver=
mochten nur infolge höchſter techniſcher Vervollkommnung der
Bahnen und dank beſonderer Crainingsmethoden erzielt zu
wer=
den. Die Hundertmeterſtrecke iſt ſchon mehrfach in 10/4
Sekun=
den durchlaufen worden. Aber ſelbſt die geringfügigſte
Verbeſſe=
rung dieſes Nekords iſt ſchon ſeit Jahren nicht mehr möglich
geweſen. Inhaber dieſes Nekords iſt zurzeit der Amerikaner
Paddock. Dieſer ſchuf auch die Beſtleiſtung über 200 Meter
mit 20.8 Sekunden. Von den Mittelſtrecken hat für 400 Meter
der Amerikaner Meredith im Jahre 1916 47.4 Sekunden
benötigt, und erſt in dieſem Jahre iſt es dem deutſchen Meiſter
Engelhardt gelungen, ſich mit 47.6 Sekunden dieſer Seit
zu nähern. Der 800=Meter=Nekord, der ſeit 1926 dem Deutſchen
Dr. Peltzer mit 1 Min. 51.2 Sek. gehörte, iſt im vergangenen
Jahre an den Franzoſen Sera Martin übergegangen, der
Monſieur Pognon Pere und
Monſieur Pognon Sils.
Von Adolf Siegler=Darmſtadt.
Monſieur Pognon Pere war ein Großinduſtrieller von
Mar=
ſeille. Er hatte Warenhäuſer, Elektrizitätswerke,
Marmor=
brüche uſw., vor allem aber viel Geld. Aber er hatte auch einen
Sohn, und dieſer Sohn hatte noble Paſſionen. Monſieur Pognon
Sils beſaß Autos, Nennwagen, ſchöne Freundinnen, Vollblüter
s und einen Nennſtall. Monſieur Pognon /Pere war ſtolz auf
ſeinen eleganten Silius. Wenn ihm jemand Bemerkungen über
die ſelbſt für ſeine außerordentlichen Einkünfte empfindlichen
Verſchwendungen ſeines Sohnes machte, dann pflegte Monſieur
Pognon Pére zu ſagen: „Ich und mein Sohn rennen um die
WWette! Ich verdiene das Geld und er bringt es unter die Leutel
ein beſſerer Reiter als mein Sohn!” Innerlich war Monſieur
ein beſſerer Reiter als mein Sohn! Innerlich war Monſieur
Pognon Pere aber keineswegs ſo zuverſichtlich und zufrieden mit
ſeinem Stammhalter, wie er ſich den Anſchein gab. Der junge
Lebemann bekümmerte, ſich nämlich nicht nur nicht um die
väter=
lichen Unternehmungen, ſondern er bereitete auch ſeinem Vater
durch allerhand Corheiten, unvernünftige Anliegen und
eigen=
ſinnige, folgenſchwere Maßnahmen als „Sohn des gewichtigen
Monſieur Pognon Pére” viel Sorgen und Verdruß.
So hatte Monſieur Pognon Fils eines Cages mit einigen
Klubfreunden beſchloſſen, in einem großen Gut ſeines Vaters eine
großartige Nennbahn für junge Vollblüter einzurichten und gleich
mit mehreren Nennſtallbeſitzern einen bindenden Vertrag vor dem
Notar abgeſchloſſen, ohne ſeinen Vater vorher irgendwie zu
be=
nachrichtigen oder zu befragen. Monſieur Pognon Pére, der im
Grunde ſeines Herzens ſtolz war, daß ſein Sohn mit dem
Gra=
fen X., dem Baron A. und dem reichen Bankier S. in ſo enge
Beziehung und Intereſſengemeinſchaft kommen ſollte, hätte auch
ſeine Suſtimmung gegeben, obwohl er im voraus wußte, daß die
Finanzierung dieſer koſtſpieligen Sache ſchließlich doch ihm
über=
laſſen bleiben würde. Das Ganze hatte aber einen Haken. Das
Gut war für zehn Jahre feſt verpachtet und der Pachtvertrag
konnte nur gelöſt werden im Falle, daß Monſieur Pognon Pére
ſein Gut verkaufen würde. Das war eine der Klauſeln des
Ver=
trages.
Monſieur Pognon Pére bahnte ſofort Verhandlungen mit
dem Pächter an, um ihn zum Nücktritt von ſeinem Vertrag zu
bewegen. Der Pächter, der mancherlei Einrichtungen auf dem
Gut vorgenommen hatte, wollte es aber für die Vertragszeit
behalten.
Da verfiel Monſieur Pognon Pére auf eine Liſt. Er ließ
erklären, daß er zu alt ſei, um ſeine vielſeitigen Unternehmungen
fernerhin allein zu leiten. Einen Ceil davon müſſe er ſeinem Sohn
übertragen, darunter auch das Gut. Der Sohn hatte ſchon
ver=
ſchiedene Beſitztümer, deren Urkunden auf ſeinen Namen
laute=
ten, und beſaß auch Bankwerte und Konten, ſo daß ſich die
Cransaktion auch geſetzlich rechtfertigen ließ. Monſieur Pognon
Dere ließ nun durch notariellen Kaufvertrag das Gut und noch
einige andere Sachen auf ſeinen Sohn übergehen.
Der Pächter war durch dieſe Maßnahme zuerſt ſehr beſtürzt,
faßte ſich aber dann und hoffte, daß es ihm vielleicht doch
gelin=
gen würde, einen rettenden Ausweg für den drohenden Prozeß
zu finden. Er wußte, daß Monſieur Pognon Pere gern
plau=
derte, beſonders über ſeine Geſchäfte und Unternehmungen, denn
der Großinduſtrielle war ein vortrefflicher Menſchenkenner. Er
wußte, daß er mit ſeiner leutſeligen Art allerhand von den
Men=
ſchen erfahren konnte, was ihm für ſeine verſchiedenen Pläne
ſchon ſehr oft nützlich geweſen war. Er wußte ſtets, was um ihn
her vorging. So elegant Monſieur Pognon Sils auftrat, ſo
ein=
fach war Monſieur Pognon Pére, und die Leute ſagten von
ihm: „Ein braver Mann, der alte Monſieur Pognon! Er iſt
nicht ſtolz, er meint es gut mit den Leuten!‟ Er verfügte auch
über eine außergewöhnliche Lebensklugheit und erreichte damit in
den meiſten Fällen das, was ſtrenge Verordnungen kaum zuwege
gebracht hätten. Ein Fall mag als Beiſpiel dienen: Er hatte
von einem ſeiner Elektrizitätswerke eine etwa zehn Kilometer
lange Leitung durch eine Anzahl Dörfer und Ortſchaften, die er
mit Licht und Kraft ſpeiſte, nach der Stadt gelegt. Die großen
weißen Porzellan=Sſolatoren der langen Linie waren aber bald
die Sielſcheiben der Steine werfenden oder ſchleudernden Jugend.
und die Leute von Monſieur Pognon Pere mußten fortwährend
unterwegs ſein, um die abgeworfenen Oſolatoren zu erſetzen. Da
ließ Monſieur Pognon Pére jedesmal, wenn er nach ſeinem
Elektrizitätswerk fuhr, dort, wo er ein paar Dorfjungen ſah,
ſeinen Chauffeur halten, rief die Jungen herbei und verteilte
große Souſtücke unter ſie. Er verſprach ihnen weitere Souſtücke
für das nächſte Mal, wenn keine Oſolatoren entzwei ſeien . . .."
Das wirkte Wunder, und tatſächlich blieben die Oſolatoren
fer=
nerhin verſchont.
Dem bedrängten Pächter war nun bekannt, daß an jenem
Elektrizitätswerk gerade größere Arbeiten ausgeführt wurden.
Ein Ort ſollte eine elektriſche Bahn nach der Stadt erhalten.
Monſieur Pognon Pere kontrollierte häufig perſönlich dieſe
Arbeiten. Der Pächter hatte ſchon zweimal Gerichtsvollzieher
mit dem Auftrag dorthin geſchickt, ſie möchten irgend etwas für
ſeinen Prozeß Günſtiges zu Protokoll bringen. Beide waren
aber mit nichtsſagenden Feſtſtellungen zurückgekommen.
Da ſchickte der Pächter zwei Cage vor dem Prozeßtermin
noch einmal zwei junge, in der Gegend noch unbekannte
Gerichts=
vollzieher nach dem Werk. Er hatte ihnen vorher erklärt, um
was es ſich handele und auch geſagt, daß Monſieur Pognon
Dere ein ſehr kluger Mann ſei, weshalb ſie beſonders ſchlau
vor=
gehen müßten.
Der eine dieſer beiden Gerichtsvollzieher war ein eifriger
Sportsmann und leidenſchaftlicher Motorfahrer. Er zog ſeine
Leinenkombination an, ſetzte ſeine Schutzbrille auf und fuhr nach
dem Elektrizitätswerk. Ausgerechnet dort hatte er eine Panne.
Er bat den Mechaniker des Werkes, die kleine Neparatur
vor=
zunehmen. Während der Arbeit unterhielt er ſich mit dieſem
und bezahlte ihn großzügig. Man ſprach von der Gegend, dann
von dem ſchönen Werk, und der „Touriſt” fragte, wem es
ge=
höre. Er erfuhr, daß es das Eigentum von Monſieur Pognon
Pere ſei. „Hat der nicht auch einen Nennſtall?” fragte er weiter.
„Nein! das iſt der Sohn, der bekümmert ſich nicht um das Werk,
der hat andere Sorgen!” ſchloß lachend der Mechaniker. „Ja,
aber der Vater muß doch ſchon alt ſein?” „Der beerdigt mich
und Siel Heute iſt er gerade auf der Strecke an der neuen Bahn,
da können Sie ſich den „Alten” einmal betrachten!” Der
Motor=
fahrer” ſaß auf und fuhr davon. Hier hatte er genug erfahren.
Er hielt an der ihm bezeichneten Strecke und traf auch
Mon=
ſieur Pognon Pére bei ſeinen Arbeiten an. Dort ſtieg der
„Couriſt” vom Nad, grüßte Monſieur Pognon Pére und ſagte:
„Ich möchte nicht weiter fahren, ohne mich dafür zu bedanken,
daß mir Ihr Mechaniker einen kleinen Motordefekt beſeitigt haf.
Ohne deſſen Hilfe wäre ich wahrſcheinlich auf der Landſtraße
liegen geblieben, und ich muß heute noch nach Grenoble. Alein
unfreiwilliger Aufenthalt verſchaffte mir auch die Gelegenheit,
Ihr wirklich ſchönes Elektrizitätswerk zu bewundern, ſowie die
großartige Anlage der Strecke. Aber Sie ſehen auch überall
ſelbſt nach dem Rechten. Ich kenne übrigens Ihren Sohn. Ich
war auch in Maiſon Lafitte, als er auf „Stoile Silante” den
zweiten Preis gewann. Ihr Sohn wird Ihnen übrigens manche
Sorge abnehmen?‟ Da lachte Monſieur Pognon Pere und
er=
widerte: „Das iſt nicht ſeine Sache. Ich verdiene das Geld, er
gibt es aus!. Wir rennen zuſammen um die Wette; er wird mich
aber nie einholen! Auf dieſer Bahn bin ich ein beſſerer Reiter
als er! Heute iſt er zum Beiſpiel auf der Saujagd. „Sie ſollten
ihm einen Ceil Ihrer Arbeitslaſt übertragen!” „Später
viel=
leicht, ſo lange ich mich elaſtiſch fühle wie heute, nicht! Ich
brauche die Arbeit, den großen Betrieb. Ge mehr, je lieber!”
Auch hier wußte der verkappte Gerichtsvollzieher, was er zu
erfahren nicht zu hoffen gewagt hatte. Er bedankte ſich
noch=
mals, grüßte Monſieur Pognon Pére, gab Vollgas und fuhr
davon.
Da kam ein junger Viehtreiber” des Weges. Er wiſchte
ſich den Schweiß und grüßte Monſieur Pognon Pere, der ihn
fragte, woher er komme, wohin er gehe. „Nach dem Markt
von 8.‟ Ein Wort gab das andere. Bei der Unterhaltung
er=
fuhr auch der zweite Gerichtsvollzieher” (denn das war der
Viehtreiber) aus dem Munde von Monſieur Pognon Pére, daß
er noch überaus rüſtig, durchaus nicht arbeitsmüde ſei, daß er
ſeine Unternehmungen ſelbſt leite, daß ſein Sohn das Geld aus=
hur 1 Min. 50,6 Sek. benötigte. Den Weltrelord für 1000
Meter hält Dr. Peltzer mit 2 Min. 25.8 Sek.; ebenſo den
für 1500 Meter mit 3 Min. 51 Sek. Die längſte Wettlaufſtrecke,
der Marathonlauf, der über 42,2 Kilometer geht, iſt 1920 in
Antwerpen von dem Sinnen H. Kohlemainen in 2
Stun=
den 32 Minuten 35.8 Sekunden zurückgelegt worden. Nurmi,
das finniſche Laufwunder, hat die 5000=Meter=Strecke in
14. Minuten 31.2 Sekunden und die 10 000=Meter=Strecke in
50 Minuten 25.2 Sekunden geſchafft.
Welcher Seiten wird wohl ein geſunder Durchſchnittsmenſch
für die genanten Strecken benötigen? Eine Antwort darauf
finden wir beiſpielsweiſe in den Bedingungen für das deutſche
Curn= und Sportabzeichen. Für Männer wird da gefordert:
100 Meter in 13.4 Sek., 400 Meter in 68 Sek., 1500 Meter in
5 Min. 20 Sek. Im allgemeinen kann man ſagen, daß jeder
geſunde Menſch imſtande ſein müßte, die genannten Strecken in
eier Zeit zurückzulegen, die um ein Drittel die Weltrekordzeiten
überſteigen. Für die Jugend, deren Herz noch im Wachſen
be=
griffen iſt, kommen allerdings nur die 100 und 200 Meter in
Frage, und da auch nur in Seiten, die um ſo länger ſein müſſen,
je jünger die Betreffenden ſind.”
Beim Hochſprung liegt die erreichte Grenze für
Män=
ner bei 2 Meter, für Frauen bei 1,50 Meter. Geht man auch
hier um ein Drittel herunter, ſo wird man ungefähr auf die
Durchſchnittszahl kommen, die für jeden Geltung haben ſollte.
Die Weitſprungsrekorde liegen zwiſchen 7,50 und
8,00 Meter. Die entſprechende Durchſchnittsleiſtung wird man
mit 4—5 Meter beziffern können. Im Stabhochſprung
iſt die Viermetergrenze erreicht worden. Die Hälfte davon ſollte
jeder geſunde Menſch zu ſchaffen vermögen.
Die vom Rekordinhaber Hirſchfeld 16 Meter weit
ge=
ſtoßene Kugel müßten wir wenigſtens 8—10 Meter weit
zu ſchleudern vermögen; den Speer zwar nicht 70 Meter, aber
wenigſtens 35 Meter; den Diskus nicht 50, wohl aber
25 Meter.
Beim Schwimmen, das vom geſundheitlichen Standpunkt
aus wohl als die empfehlenswerteſte Leibesübung zu betrachten
iſt, ſollte nicht allzuſehr auf die Erreichung einer beſtimmten
Schnelligkeitsleiſtung geſehen werden. Die Kurzſtrecke von 100
Metern iſt von Weißmüller=Amerika in weniger als 1 Minute
durchſchwommen worden. Wer ſie in drei Minuten bewältigt,
leiſtet ſchon immerhin etwas Anſehnliches. Weit höher als die
Schnelligkeit iſt aber die Schwimmdauer zu bewerten. Jeder
Menſch ſollte wenigſtens imſtande ſein, ſich 20 Minuten im
Waſ=
ſer zu halten.
das Unglück kam, bis eines Cages die Näuber kamen,
inter=
nationales Geſindel aus der Goldgräbergegend. Alles haben ſie
damals geraubt, die weißen Hunde; auf alle Wigwams haben ſie
den roten Hahn geſetzt; Kinder, Männer und Squaws haben ſie
roh erſchoſſen; Lamona, ſein Weib, war unter den Coten. Dann
iſt Nupito weit gewandert, tagelang, Ebenen und Gebirge
hin=
durch, von Quellwaſſer und Früchten lebend, wilde Qualen hat
ſeine Seele damals gelitten, ſchwere Strapazen hat ſein
ausge=
zehrter Leib erduldet, — bis ſie ihn eines Cages fingen, wie ſonſt
wilde Ciere gefangen werden; nach Los Angeles wurde er
ge=
ſchleppt, weiter transportiert ans Meer, nach Europa
verfrach=
tet, einem Sirkus verkauft. Nupito hat ſich nicht geweigert;
nachdem die ſingende Stimme Lamonas nicht mehr in ſeine Ohren
drang, hatte er für ſein Schickſal nur Gleichgültigkeit, und ſein
Mund ſagte zu allem ja.
Nun hat Nupito plötzlich die Heimat wieder geſehen, die
Stätte ſeines zertrümmerten Glücks. Er hatte ſich beſtimmt nicht
geirrt. Sein Auge, ſein Gedächtnis und ſein Herz haben ſie
wie=
der erkannt, und das Heimweh iſt in die Seele des Indianers
geſchoſſen wie eine Exploſion. Das Cal Yukatture kann man
nicht verwechſeln; ſeine Schönheit iſt von ſeltſamer Art; Edgar
Allan Poe wäre der einzige geweſen, der es poetiſch genug bes.
ſchreiben hätte können. Er hat es genau wieder erkannt, Nupitoz
eine ſolche ſchlangenhafte Windungslinie hat nur der Nio
Ca=
tento, wenn er ins Cal Aukatture einſtrömt, und jenen
Felsvor=
ſprung, der eine täuſchende Aehnlichkeit mit einem Bärenkopf
beſitzt, gibt es nicht, zum zweiten Male in den amerikaniſchen
Bergen.
Nun hat es ihn erfaßt. Jahrelang hatte es keine Gewalt
über ihn, die erſtaunlichen Eindrücke Europas halfen ihm, die
alten Wunden zu vergeſſen, nur im Craume rührte es ihn
manch=
mal leiſe an, das Heimweh. Nun aber hat es ihn erfaßt, er=
R E
L ElSTUNG:
1G.4 Fek. 4+,4 Rk Tca. doMin. ea. 2 Tz. 0 . DURCHSCHNITTS — L ElSTUNG: 13,4 Hk-BoMim-
68 Jek= H,30 v. 8- 1G. Geite 10Um
O
„earner
100m. Kolltodm Sauk
Rekorde ſind ein guter Maßſtab für die zu erſtrebenden Durchſchnittsleiſtungen.
Hier wird durch zwei Sahlenreihen dargeſtellt, welche Nekorde auf einigen Sportgebieten erreicht wurden und zu welchen
(Durchſchnittsleiſtungen jeder Geſunde wenigſtens annähernd befähigt ſein ſollte.
Nupito.
Von Hermann Linden.
Der Indianer Nupito hat das Kino verlaſſen. Langſam, mit
Gliedern, die dem Körper nicht mehr recht zu gehorchen ſcheinen,
geht der große Menſch vorwärts, kreuz und quer, ohne Siel. Er
iſt dazu geeignet, Aufſehen zu erregen. Noch mehr als anderswo
iſt ein Indianer gerade in Kopenhagen eine große Senſation. Ein
wunderbar heller Herbſttag, der es verdient, Epilog des
Som=
mers genannt zu werden, leuchtet über der flaggenfreudigen
Dänenſtadt. Nupito geht über die Oſtergarde, Kopenhagens
Promenierſtraße. Er geht wie ein Somnambule; innere Geſichte
verdecken die äußeren. Elegante Frauen ſehen ihn mit flüchtiger
Neugierde an, viele der unzähligen Nadfahrer, die Kopenhagen
durchflitzen, ſteigen von ihren Nädern und ſtarren dem
ungewöhn=
lichen Paſſanten nach. Er iſt ein großer Menſch, der Indianer
Nupito, lang und ſtärk wie ein gewaltiger Urwaldbaum. Er
trägt eine rotlederne Hoſe, ein gelbleinenes, mit Cierfiguren
be=
ſticktes Hemd. Intereſſant iſt der Kopf, hager, meſſerſcharf im
(Profil, eine gewichtige Stirne, düſtere Augen; in dem etwas
blauglänzenden lackglatten Haar ſteckt eine rieſige Adlerfeder.
Nupito hat ſich — in der Kleidung — den europäiſchen Sitten
nicht angepaßt; er hat es nicht nötig, er iſt ja kein Siviliſt, er iſt
ein Artiſt, ein Sirkusindianer; man kann ihn hoch zu Pferd auf
allen Plakaten ſehen, und wenn die Einwohner der Stadt etwas
beſſer über die Vorgänge in ihren eigenen Mauern orientiert
wären, würden ſie ihm wohl nicht mit ſolcher Verwunderung
nachſtarren, obſchon er eine originelle, ſehenswerte Erſcheinung iſt.
Nupito geht weiter und weiter, langſam und ohne Intereſſe
für die Umwelt, über Straßen und Plätze; er wirft keinen Blick
auf die vielen Schlöſſer der Stadt, ſogar, an den königlichen
Wachen auf dem ſtillen Neſidenzplatz Amalienborg geht er
acht=
los vorüber, obwohl die Soldaten große Bärenfellmützen auf den
Köpfen tragen — zu einer anderen Stunde hätte er ſie ſicher
ebenſo angeglotzt, wie ſie ihn.
Mit Nupito aber iſt etwas geſchehen. Einer jener Vorfälle
iſt eingetreten, die ebenſo wunderbar als möglich ſind. Er war
im Kino, er hat einen Indianerfilm geſehen, und er hat in dieſem
Indianerfilm ſeine kleine Heimat wieder geſehen. Der Film
wurde zum größten Ceil im Aukatture=Cal aufgenommen. Dort
hat Nupito gelebt, ein friedlicher Schafſchurer, bis eines Cages
HImf
gebe, das er verdiene, daß ſie zuſammen um die Wette liefen, daß
ihn ſein Sohn aber nicht einholel uſw.
Als am übernächſten Cage der Nechtsanwalt von Monſieur
Pognon Pere das Gericht aufforderte, den Pächter des Gutes zur
Näumung zu verurteilen, weil Monſieur Pognon Pere in
An=
betracht ſeines Alters einen Ceil ſeiner Unternehmungen und
Beſitzungen auf ſeinen Sohn, Monſieur Pognon Sils, hätte
übertragen müſſen, darunter auch das Gut, wodurch der
Pacht=
vertrag laut ausdrücklicher Vereinbarung gelöſt ſei, ſtand der
Gegenanwalt auf und verlas die beiden Protokolle der zwei
Ge=
richtsvollzieher, denen Monſieur Pognon Pére den Cext quaſi
ſelbſt diktiert habe, wie der Gegenanwalt ironiſch bemerkte,
in=
dem er ſich an Monſieur Pognon Pere wandte, der ſelbſt
er=
ſchienen war ..."
Dieſer machte ein ſehr langes Geſicht und ſagte nur: „In der
Cat, das iſt wirklich ſtark!”
Der Gerichtshof, obwohl an manche Ueberraſchung und gar
manchen Cheatercoup gewöhnt, brach in große Heiterkeit aus.
Der Verkauf des Gutes an Monſieur Pognon Sils wurde aber
auf Grund der Unterhaltung des „Motorfahrers” und des „
Vieh=
treibers” mit Monſieur Pognon Pere als ein Scheinverkauf für
ungültig erklärt. Der Dächter konnte weiter auf dem Gute
blei=
ben. Monſieur Pognon Pere verlor ſeinen Prozeß,
koſten=
fällig.
Jakob ſchreibt an Urſula.
Von Fiete Fiſcher.
Der Doktor fragte, hinter der Seitung hervor und in die
Sonne blinzelnd:
Von deinem Verlobten?”
Urſula nickte: „Ja, Papa — von Jakob.”
Es war wunderſchön im Freien vor dem kleinen,
geſchmack=
vollen weißen Landhaus mit der breiten Cerraſſe nach dem
Gar=
ten. Duft von Cannen, von Waldmeiſter, von beſonnten Gräſern
.. . und oben der lichtblaue Himmel, der wie ein Craum das
untenliegende Grün berührte. Die ſchlanke, gefleckte
Angora=
katze ſpielte mit ihren Sprößlingen. Urſula las.
Mit gewohnter Langſamkeit faltete der Doktor das
Sei=
tungsblatt zuſammen, und in dem trockenen Cone, den er
anzu=
ſchlagen liebte, wenn er erregt war, fragte er weiter:
„Was Neues?”
„Nichts”, lächelte Urſula, ohne aufzuſehen.
„Geht alles gut?”
Sie nickte und fuhr fort zu leſen und zu lächeln.
Endlich, eben als ſie den umfänglichen Brief zu Ende geleſen
hatte und in den Umſchlag zurückgleiten ließ, erhob ſich der
Dok=
tor, öffnete die Cür, die in das Innere des Hauſes nach Diele
und Speiſekammer führte, ſchloß ſie wieder umſtändlich und mit
allem Nachdruck, zog ſich einen Seſſel heran und hatte plötzlich
einen faſt feierlichen Ernſt im Geſicht. Dann begann er mit leiſer
Stimme, aber eindringlich zu ſprechen.
„Urſula, du wirſt, ſo Gott will, in ein paar Wochen
verhei=
ratet ſein. Die jungen Mädchen von heute huldigen im
allge=
meinen der bequemen Anſicht, daß es genügt, reich, hübſch und
— laſt not leaſt — gut angezogen zu ſein, um in der Ehe glücklich
zu werden. Das iſt ein Irrtum. Du weißt, Urſel, es iſt nie meine
Art geweſen, wie ſo viele von uns Aelteren, keine noch ſo
belang=
loſe Meinung zu äußern, ohne ſie mit einem komiſch wichtig
vorgebrachten „Zu meiner Seit . . ." einzuleiten. Meine Seit
war wie alle Seiten: wie eh und je fand eins das andere — die
einen wurden glücklich, und andere hatten das Nachſehen.
Ent=
ſchuldige — du hörſt dergleichen heute das erſte= und letztemal
von mir .."
„Aber Papa, ich bin ja ganz deiner Meinung und feſt
ent=
ſchloſſen, in allem ſo zu handeln, wie du es für mich wünſcheſt.
Das wird mir um ſo leichter fallen, als ich ja immer dein und
Mamas Beiſpiel vor Augen hatte und haben werde.”
„Das hatte ich erwartet.‟ Der Doktor ſeußzte. „Urſula —
wenn unſere Ehe immer den Eindruck eines friedlichen, glücklichen
Miteinanders nach außen erweckte — es war leider Gottes nicht
mehr als eben nur: der Eindruck. Deie Mutter und ich, wir
haben uns ſelten ganz verſtanden. Ich glaube, ja ich weiß es und
bin felſenfeſt davon überzeugt, daß ſie mir jederzeit eine treue
Frau geweſen iſt, die vom geraden Wege nie abwich. Aber
Mama war eigenſinnig, Urſula, und herrſchſüchtig, und iſt es
noch heute. Sie hatte — verzeih, daß ich es rund heraus und
unbemäntelt ſage — ſtatt meiner . . . die Hoſen an!”
Er hielt inne, ſtarrte ſekundenlang ins Leere und fuhr dann
in ſeiner leicht dozierenden Art fort:
„Gewiſſe Leute verkünden heute und ſchon immer gleiches
Recht für beide Ceile, Mann und Frau, in der Ehe. Cheoretiſch
mag das wundervoll und einfach unangreifbar erſcheinen. In der
Praxis iſt es ein Nonſens. Praktiſch iſt, ganz von ſelbſt, eins
Herr im Hauſe, und das iſt gerechtermaßen der Mann —
natürlich unter der Vorausſetzung, daß er das nötige Feingefühl
mitbekommen hat. Mama hat nie in ihrem Leben gelernt, was
es heißt und wie wichtig es oft iſt, Konzeſſionen zu machen. Ich
könnte dir Dutzende von Beiſpielen aufzählen — es wäre
zweck=
los und überdies ſchmerzlich für dich und mich. Vielleicht haſt du
ohnedies ein Gefühl für das Peinliche, das ſolche Geſtändniſſe
eines Vaters an die erwachſene Cochter in ſich tragen und
ver=
ſtehſt, wie niederdrückend es iſt, am Eingang des letzten
Lebens=
abſchnittes ſich ſagen zu müſſen: etwas hat nicht geſtimmt bei
uns. Seit meines Lebens war ich armer Ceufel ängſtlich bemüht.
dir und der Welt die hundert täglichen kleinen Attacken auf mein
Selbſtbewußtſein zu verbergen. Aber dann, eines Cages droht
einen das alles zu erdrücken. Das Waſſer ſteht einem an der
Kehle. Alles drängt zur Entladung, irgendwie muß man ſich Luft
ſchaffen, Urſula".
Er ſchluchzte plötzlich, den Kopf in den Händen vergraben.
Man hörte, wie oben im Hauſe die Doktorin mit ihrer hübſchen
Stimme einen Schlager vor ſich hin trällerte. Auch Urſula hatte
Cränen in den Augen.
„Ich verſtehe alles, Papa!”
Der Doktor richtete ſich auf, kämpfte ſeine Erregung nieder
und fuhr haſtig fort:
„Du ſollſt alles wiſſen! Vorgeſtern war es, du warſt in
Frankfurt — und dein Verlobter unterdeſſen bei uns, wie du ja
weißt. Nach Ciſch waren wir beide, Jakob und ich, in eine
ernſt=
hafte Unterhaltung über dies und jenes vertieft, als Mama
ein=
trat. Sofort fällt ſie mit etwas ganz Nebenſächlichem mitten in
die Debatte. Ich gebe ihr zu verſtehen, daß wir ungeſtört bleiben
wollen — umſonſt. Ich ſage ihr, daß wir ein andermal und zu
gelegener Seit auf ihr Anliegen zurückkommen werden —
ver=
gebens, ſie ſetzt hartnäckig von neuem an. Ich gerate in Hitze
und flehe ſie förmlich an, doch endlich aufzuhören —: ſie denkt
nicht daran und wankt und weicht nicht. Da — ih bin weiß
Gott all mein Lebtag ſanft und geduldig und alles andere als
eine Neronatur geweſen —, aber da übermannt mich der Sorn.
Eine entſetzliche Verfaſſung, außerſtande zu ſein, auch nur ein
Wort, ein kräftiges, befreiendes, von ſich zu geben! Es iſt, als
hätte man einen Kloß in der Kehle. Ich kenne mich ſelbſt nicht
mehr, ſpringe auf und . . . verabreiche ihr die ſaftigſte,
eindrucks-
vollſte Ohrfeige, die je einer Frau beigebracht wurde! Die
Wirkung war überraſchend und zeigte deutlich, daß ich hier wohl
das erſte und einzige Mal in unſerer Ehe inſtinktiv richtig und
der Situation gemäß gehandelt hatte. Wortlos und faſt ergeben,
als ſei es ihr vom unergründlichen Schickſal ſo beſtimmt geweſen,
als etwas Unabwendbares, auf das ſie zu warten hatte dreiund=,
zwanzig Jahre lang .. .," ſo nahm ſie das Unerhörte hin und
verließ uns. Wenige Minuten ſpäter hörten wir ſie in der Küche
rumoren wie immer. Aber was haſt du, Mädel? Urſel, biſt du
toll?! Du tuſt dir Schaden, Kind, ſo ſag doch endlich, was mit
dem Brief los iſt—
Er war ratlos. Laut weinend, zitternd und tobend
malträ=
tierte ſie den unſchuldigen Brief ihres Verlobten, der ihr vor
kaum einer halben Stunde noch das zärtlichſte Lächeln entlockt
hatte. Dem Doktor gelang es endlich, ihn an ſich zu nehmen,
und zufällig, indes ſie ſtill vor ſich hinweinte, fiel ſein Blick zuerſt
auf die von liebevoller Sorgfalt unterſtrichenen Schlußzeilen:
„.. und wenn ſe, was Gott verhüten wolle — aber wer,
Urſel, vermag in den Sternen zu leſen! — zwiſchen uns beiden
etwas nicht ſo iſt, wie es unter guten Eheleuten ſein ſollte,
Lann, Liebſte, ſoll mir als letzter und ſchönſter Ausweg zum
guten Ende immer das gute Beiſpiel deines von mir 19
ſehr verehrten Vaters vor Augen ſtehen!
Von Herzen Jakob.”
Aufgabe 477
Heinz Flander in Darmſtadt.
(Urdruck.)
Ve
Prüſelung: Beiß. ade Net 3b3 et es k. s Gz
Schwatz: Kb8 Ba2 a5 45 h2(5), 34.
Aufgabe 478.
B. Albert.
(Good Companion, 1916.)
Weiß: Kg6 Te8 b6 Ub8 45 Sez e7 Bk2 g49):
Schwarz: Tk4 Ta7 g1 Le5 Be7 g5 (6).
Matt in zwei Zügen.
Briefkaſten: F. B. Aufgabe 4/4. 1. D94, Kd8!
Schach ID IIe In
Kätſel
Kreuzwort.: Silenrätſel.
Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1. italieniſche Stadt,
3. Spaßmacher im Puppentheater, 5. Warenraum, 6. Waldſchnepfe,
7. Singſpiel, 9. Flaſchenverſchluß, 10. Nennwert, 11. Gleichwort
für Wäſchemangel, 12. bibliſche Frauengeſtalt, 15. weiblicher
Vor=
name, 18. einflußreiche Hofpartei, 21. bedeutendſter Dichter Indiens,
23. abgeriſſenes Stück Tuch, 24. Färbemittel, 25. nikotinhaltiges
Ge=
nußmittel, 28. Gegner, 31. niedere indiſche Kaſte, 33. Kurort an der
Riviera, 35. jüdiſcher Hoheprieſter, 36. Naturerſcheinung, 37.
Wild=
ſchwein, 38. Endrechnungsbetrag, 40. bibliſcher König, 41. Barbier,
42. Zeitabſchnitt, 43. Rachegöttin — Von oben nach unten: 1.
Raub=
tier, 2. Negerrepublik, 3. Kochtopf, 4. männlicher Vorname, 5.
Bett=
tuch, 8. Kleinod, 9. Inſel im Mittelmeer, 13. Kurort in der Schweiz,
14. Gleichwort für „unfruchtbar, keimfrei”, 16. Stoßwaffe, 17. Salz,
19. Sißwein. 2. Teil des Geſchitzes, Z. Gelobtes Land :. B. in der
Tonkunſt: Wiederholung, 25. Nomadenvolk, 26. Gemüſe, 27.
Papa=
geienart, 29. Auszeichnung, 30. Monat, 31. Pfahlbefeſtigung, 32. Früh=
lingsblume, 34. Paßvermerk, 37. Nebenfluß der Fulda, 39. Tierchen,
40. Grundſeite des Dreiecks.
Streichholz=Rätſel.
Durch Umlegung von 4 Hölzchen entſteht ein Geſchoß.
Carl Deubel.
Kreuzwort=Rätſel.
Wagerecht: 1 Landſtrich, 3 Fürwort, 5 Fluß in Spanien, 7 nicht
wenig, 9 Mineral, 11 Element, 13 Flüſſigkeit 14 Metall 15
Männer=
name, 18 lobenswerte Eigenſchaft, 21 Muſikinſtrument. B Singſtimme,
B Obſt. B Vogel A Frauenname. 3 Tanzfigur, 2 Farbe, 30
gbrig=
keitliche Verordnung 32 Sakrament.
Senkrecht: 1 bibliſcher Name, 2 Schweizer Kanton, 3 feierliche
Handlung, 4 Befeſtigungsmittel. 5Einſiedler, 6 Dichtungsart, 7
Adels=
prädikat,. 8 Loch 9 feſte Bettſtelle auf Schiffen 10 Kälteerſcheinung,
11 Waldtier, 12 launiſche Dame, 16 Vogel, 17 Teil der ſüdlichen
Oſt=
alben, 19 Märchengeſtalt, D miltäriſche Abteilung, A Lohfe, B fran
zöſiſcher Artikel, 24 Ankerplatz, 25 Baum, 31 Fürwort.
Carl Deubel.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten,
ander, bunt und rauchend, die Welt löſt ſich in ſeinem
Bewußt=
ſein auf, ſein Kopf verliert die Sicherheit, ſeine Füße den Halt,
er ſtürzt, die Füße des Pferdes tanzen ihm herum auf Kopf und
Bruſt.
Nupito hat keine Zeit mehr. ein Wort zu ſagen. Er iſt auf
der Stelle tot. Das „Canzende Feuer” hatte ihn auf die
Schlä=
fen getreten.
Nun hat der Sirkus keinen Indianer mehr, ſelbſt wenn er
wieder einen bekommen ſollte, wird er wohl kaum dem Nupito
gleichen, der jeden Abend mit ſeinem funkelnd geölten Körper wie
ein leibhaftiger Halbgott durch den Sirkus ritt, bis er eines
Cages unglückelicherweiſe in ein Kino gelangte, in dem er ſeine
Heimat wiederſah und ihn das Heimweh derartig ergriff, daß ſich
ſeine Sinne vollkommen verwirrten.
Das Ende der PPariſer Straßenſänger.
Von Karl Veber=Paris.
Vor einhundert Jahren ſchrieb Heinrich Heine: „Ohne die
Straßenſänger wäre Paris nicht Paris”.
Was wird alſo jetzt mit Paris geſchehen? Das
Polizeipräſi=
dium hat den Verkauf von Liedern auf öffentlichen Straßen und
Plätzen verboten. Angeblich wird durch das Stehenbleiben der
Suhörer der Verkehr geſtört. Und ſo muß eine der ſchönſten
und älteſten Craditionen von Paris, die noch von den
Crouba=
dours herſtammt, dem modernen Verkehr Platz machen.
Man darf die Straßenlänger nicht mit den Hofmuſikanten
verwechſeln, die es in jedem Lande gibt. Der Hofmuſikant ſpielt
irgendein altes oder neues Stück und geht dann abſammeln. Der
Straßenlänger arbeitete ganz anders. Kaum hat irgendein Lied
oder Couplet auf den Boulepardsbühnen Erfolg gehabt,
bemäch=
tigten ſich ſeiner die Straßenſänger. Manche unter ihnen haben
ein außerordentliches Calent, den Melodien einen populären, oft
auf aktuelle politiſche Ereigniſſe anſpielenden Cext unterzulegen.
Das ſo neu hergerichtete Lied ließen ſie auf eigene Koſten drucken
und langen es auf belebten Straßen und Plätzen, um die Seit,
wann Midinetten, Arbeiter und Angeſtellte aus den Werkſtätten,
Geſchäften und Büros ſtrömten und ſich der größte Verkehr
ab=
ſpielte. Die Pariſer ſind ſtets zum Gaffen und Herumſtehen
geneigt, und raſch bildete ſich ein Kreis um den Sänger, der
das Lied einigemale hintereinander ſang und ſpielte. Dann
ver=
teilte er den Cext an ſeine Suhörer und forderte ſie auf,
mitzu=
ſingen. Sum Schluß kauften natürlich alle das Lied, und bald
lang ganz Paris den gleichen Nefrain, bis wieder etwas Neues
auftauchte.
Vor dem Krieg nährte das Gewerbe des Straßenſängers
reichlich ſeinen Allann. Er verkaufte jedes Lied für 10 Centimes.
Das Drucken koſtete ihn 15 bis 20 Fr. pro Cauſend. Ein
ge=
ſchickter Sänger verkaufte leicht tauſend Blätter in der Stunde.
Die Straßenſänger hatten ihren „Generalſtab” in einem kleinen
Wirtshaus in der „Nue Notre Dame de Nazareth‟. Dort
ver=
ſammelten ſie ſich regelmäßig, hielten ihre Beſprechungen ab
und teilten Paris in Sektoren auf, um ſich nicht gegenſeitig ins
Gehege zu kommen.
Doch ſchon vor ihrer endgültigen Abſchaffung erlitten die
Straßenſänger einen ſchweren Schlag. Die Muſikvorleger
bo=
ſchloſſen eines Cages, die von den Straßenmuſikanten gedichteten
Cexte nicht mehr zu vorlegen. Die Sänger waren alſo
gezwun=
gen, ihr Material/beim Verleger teuer zu kaufen, dementſpre=
chend auch wieder teuer zu
verkaufen, zu einem Preis,
den ihr übliches Publikum
nicht bezahlen konnte. Die
Anzahl der Straßenſänger
nahm ab, und die Verleger
ſahen ein, das ſie nicht das
erreicht hatten, was ſie
eigentlich wollten. Da
ver=
ſuchten ſie, billige Lieder
durch Kolporteure auf den
Straßen zu vertreiben. Doch
das Pariſer Volk iſt
kon=
ſervativ und kaufte dieſe
„ſtummen” Lieder nicht.
In=
folgedeſſen fand man die
wahren Straßenſänger nur
mehr vereinzelt vor,
haupt=
ſächlich auf Volksfeſten und
auf den Märkten der
Vor=
orte von Paris.
Doch gab es unter den
Straßenſängern einige, die
mit Leib und Seele an ihrer
Arbeit und an ihrem
Publi=
kum hingen, und ſich dem
Geſetz der Verlegr nicht
unterwerfen wollten. Da die
Verleger nicht erlaubten, daß
man auf ihre Muſik einen
neuen Cext mache, ſo beſchloſſen die treuen Sänger, ſich ihre
Muſik ſelbſt zu machen. In zwei winzigen Kaffoehäuſern der
rue Vert-Bois, in der Bar Volta und im „Petit chex so1”,
ver=
ſammelten ſie ſich. Der Beſitzer dieſer beiden Lokale und Meiſter
dieſes ſonderbaren „Konſervatoriums” war ein alter Auvergnate.
Ihm ſpielten die Muſikanten jeden Abend ihre „Werke” vor,
und er beſtimmte, was gut und was ſchlecht war. „Ich kenne den
Geſchmack dos Publikums und irre mich nie,” pflegte er zu ſagen.
Gefiel ihm ein Lied, ließ er es drucken, vorteilte es an ſeine
Cruppen, die damit in Paris, in den Provinzſtädten und ſogar
in Belgien herumzogen.
Manche Cypen unter den Straßenſängern ſind charakteriſtiſche
Geſtalten von Paris geworden, und man erzählt ſich von ihnen
die ſonderbarſten Geſchichten. So iſt der kleine bucklige Sänger
Lagardere im Volle beſannt, der durch ſeine „Suſammenſtöße‟
mit der Polizei populär geworden war. Faſt täglich ſpielte ſich
die gleiche Szene ab: Wegen irgend eines geringfügigen
Ver=
gehens ſchritt ein. Poliziſt auf ihn zu. Lagadere ſchlüpfte ſofort
hinter ſeine rieſige Gitarre, die ihn ganz verdeckte. Doch ſah er,
daß es der Feind ornſt meint, ſchwenkte er drohend ſein
Inſtru=
ment und ſchrie: „Komm mir nicht zu nahe, ſonſt geſchieht eiu
Unglücke!‟. Doch der Poliziſt pflegte kurzen Prozeß zu machen,
nahm den Zwerg einfach unter den Arm und ſchleifte ihn ſo,
unter dem Gejohl der Menge, in die nächſte Wachſtube.
Eine andere bekannte Geſtalt unter den Straßenläugern war
Philogene, berühmt durch ſeine ſonderharen Einfälle. Er erfand
zum Beiſpiel ein geniales Suſtem, ſich Geld zu erſparen. Kam er
abends nach Hauſe, warf er allo Münzen, die er tagsüber
ver=
dient hatte, in die Luft und ließ ſie zu Boden fallen. Die Münzen,
die in der Mitte des Simmers liegen blieben, hob er wieder auf,
die aber unter die Möbel gerollt waren, ließ er ruhig dort liegen,
ſie bildeten ſeine Erſparniſſe. War er in Geldnot, begann er
ſeine Stube gründlich auszukehren. Sogar der Cod von
Philo=
gene ging nicht auf normale Weiſe vor ſich. Eines Abends hatte
er die Odee, ſo zu tun wie Chriſtus und auf den Wellen zu
wan=
deln. Nuhig ſtieg er ins Waſſer und ſank natürlich ſofort unter.
Swei Cage nachher wurde ſeine Leiche aus der Seine gezogen.
So ging langſam eines der älteſten und poetiſchſten Gewerbe
von Paris zugrunde, bis ihm die Polizei vor einigen Cagen
end=
gültig den Codesſtoß verſetzt hat.
barmungslos und quälend; es war ihm, als griffe eine
Naubtier=
pranke an ſein Herz; es wird ihm klar, wie ungeheuer weit er
entfernt iſt, wie hoffnungslos dieſes Heimweh iſt, daß man Cote
nicht mehr erwecken kann, und ſein Schritt wird immer
lang=
ſamer, ſeine Haltung gebeugter. Er ſieht mechaniſch auf eine
Uhr. Noch eine Stunde hat er Seit. Er ſteigt eine der Creppen
hinab, die in den Binnenhafen führen, mietet ſich ein Motorboot
und läßt ſich hinaus aufs große Meer fahren, in die Einſamkeit
des Waſſers, wobei er dem Schiffer mit leiſer Stimme bedeutet,
daß er in einer Stunde im Sirkus auftreten müſſe.
Die hunderttauſend Lampen der lichterreichen Stadt brennen;
über dem Civoli, einem der größten Vergnügungsparks der
Welt, rollen und tanzen die elektriſchen Veklamefiguren. Auch
der deutſch=ſpaniſche Sirkus Müller=Gomez=Guz, der am Nande
der Stadt ſeine rieſige Seltſtadt aufgebaut hat, rüſtet ſich zum
Beginn der Abendvorſtellung.
„Nupito, der ſtattliche Indianer, von dem der Impreſario dem
Publikum ſagt, er ſei der letzte echte Nachkomme Montezumas,
bereitet ſich vor.
Nachdom die ſämtlichen Naubtiere ihren unveränderten
Ge=
horſam vor den Augen und der Peitſche des Dompteurs bewieſen
haben, betritt Nupito die Manege. Er hat nur eine Hoſe an.
Sein Oberkörper iſt unbekleidet, eingeölt; wie eine dunkelglühende
Bronze ſteht der Indianer in der Mitte des Raumes. Noch nicht
einmal die Feder in ſeinem Haar zittert. Nun hebt er die Hand,
ſteckt zwei Finger in den Mund: Ein langer, gellender Pfiff.
Die Stalltüren ſchlagen auseinander. Ein Pferd kommt auf die
Bühne, leicht, getänzelt, raſſig; mit einem eleganten Satz ſpringt
Nupito auf das Pferd, richtet ſich auf, ſteht auf dem Rücken des
Cieres, kerzengerade, und das „Canzende Feuer”, ein echter
Sa=
vannenmuſtang, produziert die allabendliche Senſation; es tanzt
mit hohen Spründen einen Fandango. Und Nupito ſteht
uner=
ſchütterlich auf ſeinem Pferd.
Das heißt, bis heute abend ſtand er unerſchütterlich auf
ſeinem Pferd. Feurig tanzt das Pferd wie jeden Abend. Aber
ſein Neiter iſt nicht mehr ſein Neiter von geſtern. Nupitos Augen
beginnen ſich zu trüben. Er ſieht nicht nur mit den Augen des
Geſichtes, er ſieht auch mit den Augen des Heimwehs. Die
wirk=
lichen Bilder verwiſchen ſich, aus den tauſend aneinandergereihten
Köpfen des Publikums ſteigt plötzlich, rieſenhaft vorgrößert, das
bärtige, grinſende Näubergeſicht, das blumenweiche Profil La=
monas — ſeine Freunde ſieht er,, wie ſie erſchoſſen von ihren
ſpferden fallen; der blutgerötete Rio Catento fließt durch den
gelben Manegenſand, den Bärenkopffelſen lieht er beim
Vorbei=
reiten hinter der Stalltür in etlichen lebendigen Cierköpfen
mannigfach wieder; es wird immer toller, alles ſtürzt durchein=
18 Erſte, was ich die Woch gemacht hab, war däß: ich bin hie
un hab mer e Fläſchje blaßroſa Dinde gekaaft, un diddo e Lag
blaßroſa Schreibbabier
Wann awwer aans denkt, es hett bei mir eigeſchlage, vun
wääche der Lübe un ſo, dann is däßjeniche welche ſchief gewickelt;
die Zeide ſin bei mir leider Goddes goddſeidank vabei, wo mer in
ganer Dur himmelhochjauchzend zu Dode bedriebt war; un
wann wir heit noch emol es Härzje bobbert, dann is es bloß,
wann der freundliche Mann vum Finanzamt kimmt, däß is de
aanziche, vor dem ich mei Gefiehle net verbärſche kann, un
ſcham=
violädd wärr, wie in meine beſte Juchendjohrn; äwwenfalls, weil
ichm jedesmol en Korb gäwwe muß; awwer er letzt ſich die Mieh
net verdrieße, un kimmt immer widder, s gradezu riehrend,
wann mer dra waggeld.
Alſo ergo, un wie geſagt, däß blaßroſa Schreibbabier, un die
diddo blaßroſa Dinde hott mit der ſogenannten Lübe net s
Ge=
ringſte was zu dhu, ſundern ganz im Gäächedaal, ich hab mer
nemlich ſage loſſe, däß Schreibwerk dhet beſembfdichend wirke,
uff’s Gemied un ſo, wann=mer wit druff ſchreibt.
No un do will ich emol die Brob mache, un will emol mit
blaßroſa Dinde uff blaßroſa Babier ſchreiwe, un zwar will ich
emol ſtill un harmlos, un verſuchsweis mit dem Klima affange,
däß wo gäächewärdich bei uns Mode is.
Alſo offe geſtanne, mir macht’s de Eidruck, daß bei dem
Klima, däß wo gäächewärdich widder mol bei uns Mode is,
nadierlich nix Geſcheides waxe kann, un daß mer ſich net wunnern
därf, iwwer die ſunnerbare Koſtgenger, die wo heidichen Dags
in unſerm Herrgott ſeim Diergadde erumlaafe. Awwer net nor,
daß nix Geſcheides waxe dhut, bei dem Klima, ſogar däß
be=
ſcheidene Blenzche „Weisheit” kimmt mehr un mehr in Verluſt,
un es wer eichentlich heechſte Zeit, daß der Verein for
Nadur=
ſchutzpark ei’ſchreide dhut, um damit net vollends alles verlorn
geht. Aach der „Verſtand” is e zimmlich rares Nahrungsmiddel
geworrn, wie=mer ſo heern un läſe dhut
E' Glick, daß mir Deitſche wenichſtens noch a groß Dalend
hawwe, nemlich unſer Organiſatzionsdalend, däß hott
uns, wann Nod an Mann war, Weisheit un Verſtand erſetzt.
Im Organiſiern ſin mir groß, un ich wett mein Kobb un e
Mil=
lion Saibohne — wann emol die Wäld unnergeht, dann
organi=
ſiern mer ſchnell vorher noch de Wäldunnergang. — Wonn zwaa,
drei Deitſche zuſammekumme, dann organifiern ſe en Verein, un
ſowie der groß genug is, organiſiern ſe e Obboſitzion in dem
Verein, un iwwerhaubt ſin mir ganz ungeheier dichdich im
Orga=
niſiern vun de Zwiedracht, während herngääche unſer
Organi=
ſatzionsdalend in Beziehung uff die Eindracht un Aanichkeid
märkwärdicherweis genzlich verſage dhut. Dann im große
allgemeine hawwe zwaa Deitſche drei Aſichte, vier Maanunge,
fimf Wäldaſchauunge, ſex Brinnziebie, die wo ſe gäächeſeidich
verfächte miſſe, un ſie hawwe infolchedäſſe hunnerddauſend Grind
enanner ſchbinnefeind zu ſei. Un ſo organiſiern mer in aller
Geſchwindichkeid un mit ungeheierer Grindlichkeid widder mol
de Kambf un Streit aller gääche alle; dann nadierlich, Ordnung
muß ſei.
Unſer Organiſatzionsdalend is unſtärblich, un ſtark un
mäch=
dich, un gäächewärdich erfinderiſcher als je. Un ſo organiſiern
mer zurzeit widder mol e Organiſatzion der inneren Zwiedracht
un der gäächeſeidiche Bekembfung, die wo ihresgleichen ſucht, un
wo ſo großordich uffgebaut is, daß mer ruhich hoffe därf, daß
mer ſo bald aus de eichene Hennel net widder rauskumme.
Un wääche Mangel an Vernunft un Weisheit wärd
nadier=
lich bei däre Organiſadiererei mit Schlagwörter, odder vielmehr
mit ganze Schlagſätz erum gewärtſchaft, un mit Zahle obberiert,
vun dene ſich kaa Menſch aach nor en leiſe Begriff mache kann.
Des Unglaablichſte wärd geglaabt, des Unſinnichſte wärd behaubt,
un de Deiwel wärd in alle Spielarde an die Wand gemalt. Nor
aans wärd net, nemlich des deitſche Aſähe gehowe, ſundern
ganz im Gäächedaal, Deitſchland ſoll widder uff den Punkt
ge=
bracht wärrn, wo’s for zehe Johr geſtanne hott, verloſſe un
ge=
haaßt vun aller Wäld.
Un ausgerächent vun dene, die wo däß Wort „deitſch” bei
all un jeder Geläächenheit ſo uffdringlich im Mund fiehrn . . .
Ich mecht ſage, ich bab vun dem Wort „deitſch” e bische en
annere Begriff, als wie die Härrſchafte. Vor allem is es emol
net „deitſch”, wann mer däß Wort bloß for ſich in Aſpruch
nimmt, un alle annern, die net mit aam in a Horrn bloße, als
Lumbe erklärt. Schun de Bismack hott emol geſagt, daß mer
im Gäächner vor allem den Deitſche ſehe ſoll, un im zweider
Linnje erſt den Baddeimenſch. Deitſchſei geheert alſo net nor
ſins bollidiſche Gebiet, ſundern es is de Begriff vun Ehrlichkeid,
Zuverläſſichkeid, Treue, un davun, daß mer ſich ins Ganze
ſchicke kann. Deitſche Eichenſchafte ſin: Grindlichkeid un
Pinkt=
lichkeid, un die hawwe unſere Inſchennieer un Tächnicker widder
zu hohem, ja heechſtem Aſähe im Ausland gebracht.
Schlag=
wörder un großſpuriche Sprich hawwe dohärngääche unſer
A=
ſähe ſchun immer geſchädicht, un mehr als ſichs mancher in ſeine
kindliche Unſchuld draame leßt. Ich krick ſo manchen
Schreiwe=
brief ausm färne Ausland, wo mer däß beſtädicht wärd.
Alſo ich denk mir des wahre Deitſchſei net im Haß gääche
Baddeie, net im Wiede gääche ufferlegte Laſte, un aach net im
Wortbruch gäächeniwwer unſere ehemaliche Feinde, ſundern im
Worthalte un wanns noch ſe ſchwer fellt. Un im iwwriche
haaßt’s for mich: die deitſche Freiheit uff deitſche Art zu
er=
ringe
Mir ſcheint, däre Aſicht ſin aach die Menner, die den „
Uff=
ruff gääche des Volksbegehrn” unnerzeichnet hawwe. Name
vun gudem Klang. Menner, dene wo ihr Deitſchtum mindeſtens
ſoviel währd is, wie jedem annern ſeins. Menner, die wo ihr
Vaderland mindeſtens ſo lieb hawwe, wie jeder annere. Un was
mich bedrifft, ſo hab ich zu dene mehr Zudraue, als wie zu
dene Wanderredner, die wo im Land erumfahrn, mit=eme
Hugen=
bärchiche Leitfadem in de Hand, wo all die Sprichelcher un Zahle
genau vorgeſchriwwe ſin, die ſe herſage ſolle (damit net emol
ganer was annerſter ſeckt, wie der anner!). —
Im ſiwwriche kumm ich awwer aach mit meiner Neehmaſchien
im Städtche zu allerhand Leit, un däß ſin aach net die Dimmſte;
un wann’s aach kaa Baddeibonze ſin, ſo kenne ſe ſich doch aus am
Worſchtkeſſel un wiſſe was geſpielt wärd; valleicht beſſer wie die
Baddeiherrgödder.
Un grad mit dene Menner, die färn aller enghärziche
Baddeibolledick, awwer feſt im Läwe drinn ſteh, un die ich als
ehrliche un grade Karrackter ſchätze dhu, hab ich mich eigehend
un ernſthaft unnerhalte. Un bin ſo zu der Iwwerzeichung
kumme: ich zeichen mich net ei!!=
Un jetzt macht was=derr wollt, for mich is die Sach erledigt.
Punkdumm ſtreih Sand drum erum.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Alſo manchmol is wärklich kaan
Staat mitn zu mache, mit meine verehrliche
Geſchlächtsgenoſ=
ſinne; beſunners net, wann=en was gääche n Strich geht, do ſin
ſe endwädder nußkebbich, un wolle’s net begreife odder ſie ſin
ſo agenehm beſchrenkt, daß ſes net begreife, un wann ſe noch ſo
„korze Hoorn” hawwe . .
Nadierlich hawwe ſich aus dem Grund aach widder
Verſchie=
dene iwwer mein letzte Schrieb gemobbſt; aa devo ſogar ſo
grind=
lich, daß ich ſe ſtack im Verdacht hab, daß ſe Hoorn hott, ſo lang
wie die „Anna Cylack”
E' anner is mit meine Ausfiehrunge ſoweit ganz ei verſtanne,
bloß, ſchreibt=ſe, hett ich e wichdich Auslandserzeichnis vergäſſe
uffzufiehrn, nemlich — de Duwack un ſie maant, daß ich
wääche meine Freundſchaft mitm Rowert Schneider do net ganz
konnſigwend gewäſe weer, un e bische Ehme gehatt hett, in’s
Fäddnäbbche zu dräde; dann, maant ſe, daß ich vor dem Radau
der geſamte Mennerwäld Stebbel gehatt hett, wer net a zunemme,
indem ich dene doch ſchun ganz annern Sache vor die Blatt
ge=
ſagt hett. Korzum, ſie maant, ſogut mer die Kadoffel in
Deitſch=
land ageblanzt hett, kennt mer aach de Duwack ablanze,
däß=
halb braichde die Mannsbilder noch lang kaa Buchelaab zu raache.
Dodezu mecht ich ſage, daß bereits Duwack in Deitſchland
ge=
blanzt wärd, de ſogenannte „Siwwe=Menner=Duwack”: Marke
Kaiſer Friedrich „Lerne leiden ohne zu klagen”
Dann mecht ich färner druff bemärke, daß ich vum Duwack
mit Fleiß nix geſagt hab. Net vun wääche meine Freundſchaft
mit dem bewußte Rowert Schneider, ſundern a fach däßwääche,
weil dann die Mannsbilder widder herkemte un dhete uns
Weibsleit — de Kaffe, un de Tee verbiede. — Märkſte was,
Liewesche? —
No, awver im große ganze war mer mit meine Ausfiehrunge
vum letztemol doch ei verſtanne, wie ich ſo erum geheert hab,
dann es hott ſich jo in de Haubtſach bloß drum gedreht, daß mer
iwwer unſer langmailich Geluſte net de heimatliche
Bod=
dem vergäſſe, dann was der hervorbringt, brauch ſich hinnerm
annern noch lang net zu verſteckele.
Aach net, wann ſich’s um unſer geiſtich Nahrung hannelt.
So hott mer dieſer Dage aach mit Stolz em Alfred Bock,
un=
ſerm Owwerheſſiſche Dichter, ſeim ſibbzichſte Geburtsdag begeh
kenne, un die Verehrung, die em do endgääche gebracht is worrn,
mag m gezeicht hawwe, daß mer, drotz all der ſeichte „
Auslands=
waar” noch lang net de Geſchmack verlorn hott, for=e gud Stick
Bauernbrod aus de engere Heimat. — Härzliche Glickwunſch,
Alfred Bock!
—Un weil ich grad an de Sibbzichjähriche bin, mecht ich noch
en Gießener erwehne, der wo ſei Juchend in Darmſtadt verbracht
hott, un drotz, daß er heit e beriehmter Gelehrter is, ſei
Darm=
ſtadt im Härz behalde hott, nemlich der große Forſcher un
Anna=
dom Friedrich Maurer in Jena, der wo dieſer Dag
äwen=
falls ſein ſibbzichſte Geburtsdag begeh konnt, in alter Friſche un
Schaffenskraft. — Awenfalls, härzlichſte Glickwinſch!
Oia, unſer Heſſelendche hott ſchun Menner hervorgebracht,
uff die s ſtolz ſei kann, wann ſe aach, in altheſſiſcher
Beſcheiden=
heit vun ihre Elleboge kaan Gebrauch mache .. . .
*
For’s Niebergall=Denkmal; vunsere luſtiche
Hochzeidsgeſell=
ſchaft, de Erlees vun de Verſteicherung vum Brautſchuh:
zwan=
zich Mack, dorch Fraa Menzer. Heißen Dank!
Un im iwwriche: heit awend gibt’s im Klaane Haus „Die
verborge A’hnlichkeit” — däß ſcheeite heſſiſche Volksſtick
Mir ſähe uns
vum Rudi Winzer un Peter Wagner
doch, will ich hoffe.
Der zeitgemäße Haushalt.
Das „Etagenkochen” hilft Gas ſparen! Welche
Hausfrau hätte nicht ſchon beim Eingang der Gasrechnung über
die Höhe derſelben geſeufzt und ſich vorgenommen, von nun an
ſparſamer mit dieſem Heizſtoff umzugehen? Freilich, zwiſchen
Vorſatz und Ausführung iſt eine trennende Kluft, zu deren
Ueberbrückung größte Ueberwindung und Selbſtzucht
erforder=
lich iſt.
Nur bewußtes Kochen führt zur Herabminderung des
Gasverbrauchs und dieſes iſt durch das ſogenannte „
Etagen=
kochen” zu erreichen. Diejenigen Hausfrauen nun, deren
Haus=
haltskaſſe die Anſchaffung der verſchiednen praktiſchen,
gas=
ſparenden Etagenkocher nicht erlaubt, können ſich ihrer im
Haus=
halt vorhandenen Töpfe bedienen. Dieſe werden, gleichviel aus
welchem Material ſie beſtehen, derart übereinandergeſetzt,
daß man auf den unterſten Fleiſchtopf, anſtatt des Deckels, mit
einem ſogenannten Kochring aus Aluminium, einen zweiten
Topf mit dem Gemüſe und auf dieſen, ebenfalls auf Kochring
ſtehend, einen dritten mit Kartoffeln und zuletzt den vierten mit
Suppe ſtellt. Bei dieſem Etagenſyſtem wird der aus den Töpfen
aufſteigende Dampf „gefangen” und wirkt als indirekte
Heiz=
quelle. Ja ſelbſt die Kartoffeln im dritten Topf, kalt angeſetzt,
kommen bis vor das Kochen und man hat es dann nur nötig,
mit den Töpfen zu wechſeln, d. h. den Kartoffeltopf nach unten
zu ſtellen und den Fleiſchtopf mit dem inzwiſchen gargewordenen
Inhalt nach oben zu placieven.
K. F.
Fettflecke aus empfindlichen Seidenſtoffen
ohne „Randbildung” zu entfernen. Da bei
Benzin=
anwendung ſehr leicht „Ränder” entſtehen, jedoch andere chemiſche
Mittel ihrer evtl. ſchädigender Einflüſſe wegen bei Seidengeweben
nicht in Frage kommen, ſo iſt es empfehlenswert, die Fettflecke
gleich nach ihrem Entſtehen nur mit einem weichen, in heißem
Waſſer mehrmals ausgedrückten Läppchen auszureiben und mit
einem trockenen Tuche ſofort nachzureiben. Bei dem
nachfolgen=
den Plätten mit nicht zu heißem Eiſen, iſt der betr. Fleck nicht
mehr zu ſehen.
M. . . a.
Honigunterſuchung, die die Haufrau ſelbſt
ausführen kann. Dazu miſche man in einem Fläſchchen
1 Eßlöffel Honig mit 3 Eßlöffel Weingeiſt und ſchüttle das Ganze
einige Zeit recht kräftig. Es zeigt ſich dann, ob ſich Bodenſatz
bildet, oder ob die Miſchung gleichmäßig durchſichtig bleibt. In
erſterem Falle iſt der Honig mit Glykoſe gefälſcht. L. A.
Rheiniſches Apfelkraut von Aepfeln und
Birnen. Die Herſtellung dieſes wohlfeilen Brotaufſtriches iſt
allen jenen Hausfrauen zu empfehlen, die über einen eigenen
Garten und ſomit über ein größeren Ernte=Ertag von Aepfeln
und Birnen verfügen. Namentlich die minderen Sorten, die nicht
als Tafelobſt in Frage kommen, ſollte ſie zu Apfelkraut
verkochen. Dazu werden die Birnen und Aepfel zu gleichen
Teilen ungeſchält zerſchnitten, mit wenig Waſſer weichgekocht,
der Saft ausgepreßt und ohne Zucker, zu einer ſteifen Marmelade
gekocht. In ſauberen, fettfreien Steintöpfen hält ſich das
Apfel=
kraut ausgezeichnet.
Bozener Senffrüchte (Pikantes Kompott für Herren).
Auf meiner Ferienreiſe in Südtirol lernte ich das dort beſonders
geſchätzte Kompott: Senffrüchte kennen. Die dortigen
Hans=
frauen verwenden dazu Birnen, Quitten, Pflaumen, Aprikoſen,
Kürbis und Hagebutten. Quitten und Birnen werden geachtelt
und angekocht, und dann mit den übrigen Zutaten in einer
Eſſig=Zuckerlöſung, auf 2⁄s Liter Eſſig 34 Pfund
Zuk=
ker gerechnet, einige Male aufwallen gelaſſen. Dann miſche man
2 Eßlöffel guten Tafelſenf darunter, jedoch ſo, daß man die
Früchte nicht zerrührt und fülle das Ganze in eine Steinkruke
oder Gläſer. Obenauf lege man ein kleines Beutelchen mit
Senfkörnern, um ein Schimmeln zu verhüten. Dieſe
Senf=
früchte ſind namentlich zu fetten Braten, wie auch zu Roaſtbeef
ind Hammelbraten eine pikante Beilage.
H.
Preißelbeer=Schaum mit Waffeln. Man quirle
die Preißelbeeren mit Waſſer knapp bedeckt, tüchtig ab, gieße den
Humor
A
E
II
Unter Freundinnen. „Sie bringt ihre ganze Zeit vor dem Spiegel
zu. Eitelkeit, michts als Eitelkeit!“ — „Nein, Liebſte, nicht Eitelkeit
Einbildungskraft!“
Verſuchskaninchen. Junge Frau: „Da ſind aber eine Menge Fehler
in dieſem Kochbuch.” — Der Gatte: „Ach ja, das habe ich gemerkt.”
Zarter Wink. Freundliche alte Dame: „Kann denn dein bleiner
Bruder ſchon ſprechen?” — Kleiner Junge: „Ja, er kann ſchon „Danke‟
ſagen, wenn man ihm einen Groſchen gibt.”
Beneidenswert. Der Pfarrer hatte eine herrliche Predigt über die
Schönheiten und Freuden des Ehelebens gehalten. Nach Schluß des
Gottesdienſtes gingen zwei ältere Herren langſam und nachdenklich fort.
„Es war eine ſchöne Predigt, die uns der Herr Pfarrer da gehalten hat”,
dicken Fruchtſaft von ihnen ab. Schlage von drei Eiweiß ſteifen
Schnee und nach und nach den Preißelbeerſaft darunter, den man
zuletzt mit Schlagfahne gut vermiſcht und bergartig aufgehäuft,
mit Waffeln kranzartig beſteckt, recht kalt ſerviert.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Mocturtleſuppe, Kalsſchlegel mit. Miſchgemüſe,
Birnenſpeiſe. — Montag: Weiße Bohnen mit Möhren,
Brat=
wurſt. — Dienstag: Gefüllte Tomaten. — Mittwoch:
Kar=
toffelklöße mit Backobſt. — Donnerstag: Ireſh Stew.
Freitag: Geb. Goldbarſch mit Kapernſoße. — Samstag:
Spinat mit Rührei.
ſagte der eine. — „Das wwar ſie in der Tat,” ſagte der andere, „und ich
tpünſchte, ich wüßte ebenſowenig von der Sache wie er.
Ein Held. Zwei bleine Jungen kommen zum Zahnarzt. Der eine
ſagt, als ſie in ſein Arbeitszimmer geführt wurden: „Es ſoll ein Zahn
gezogen werden, und ich möchte keine Betäubung, weil wir es ſehr
eilig haben.” — „Das iſt aber mal ein tapferer bleiner Junge,” ſagte
der Zahnarzt, „welcher Zahn iſt es denn?” — „Mach deinen Mund auf,
Albert, und zeig ihm den kranken Zahn”, ſagte der beine Held.
Relativität. „Ihre Frau iſt doch blond, nicht wahr?” fragt ein
Bekannter den andern. „Das kann man nicht ſo ſicher ſagen,”
er=
widert dieſer bedächtig. Sie iſt gerade im Schönheitsſalon.”
Pech. „Spielt Ihre Frau Karten um Geld?” — „Nein, aber ihre
Mitſpieler.
Das Kreuz. „Mit meiner Frau iſt es wirklich ſchwierig.” — „Wieſo
denn?” — „Wenn ich abends ausgehe, ſpielt ſie die beleidigte Gattin,
Wenn ich zu Hauſe bleibe, ſpielt ſie Klavier.”
Raketen! Raketen!
Die Mode von Morgen.
(Zu Fritz von Opels
Raketen=
flugzeug=Verſuchen und Prof.
Oberths Mondraketenprojekt.)
Die Nachbarin: „Halloh, Frau
Meyer, kommen Sie doch auf
ein Raketchen zum Kaffee
herüber!“
Die moderne Frau trägt
den Hausanzug
denn er iſt in gewiſſer Hinſicht viel bequemer als
ein Schlafrock, hemmt die Bewegungsfreiheit nicht,
ſieht auch bedeutend beſſer aus und hat den
Vor=
teil, Schlafanzug und Hauskleidung zugleich zu
ſein und gelegentlich für Weekendtouren und
Rei=
ſen herangezogen werden zu können, bei welcher
Gelegenheit ein Schlafrock veraltet und entſchieden
fehlangebracht wäre.
Natürlich iſt der Schlafanzug für die kalte
Jahreszeit aus einem Materiale zu verfertigen,
das zwei Bedingungen erfüllt: vor allen Dingen
reſtlos warm häl, und außerdem gut waſchbar iſt.
Am beſten ſind natürlich die verſchiedenen
flauſchigen Gewebe, alſo ſowohl Waſch= als auch
Wollſtoff, die ſich ſehr angenehm tragen und in
den verſchiedenſten Farben zu haben ſind. Ein
ſolches Pyjama iſt dann natürlich nur für die
Morgenſtunden beſtimmt, kommt aber auch als
Bett=Anzug in Frage und erſetzt in dieſer Form
das Nachthemd.
Man pflegt Hausanzügen, die dieſe Type
ver=
treten, eine ſehr ſchlichte Form zu geben, und
be=
ſonders die Overalls ſind es, die ſich hier
durch=
ſetzen konnten, denn ſie ſind praktiſch, kleidſam
und leicht waſchbar. Oft aber teilt man den
Over=
all in eine obere Partie und Hoſe und knöpft
beide mit dem Gürtel zuſammen, ſo daß ſie
neuer=
lich in der Geſamtwirkung ein Ganzes bilden
und doch bedeutend beſſer zu reinigen ſind, als der
urſprüngliche Overall. Wir zeigen ein Modell
dieſer Art in unſerem zweiten Bilde, bei dem die
beſonders weite Hoſe und der Schalkragen am
Oberteil erwähnenswert wären. Die Aermel
ſind im Handgelenk mit Gummi zuſammengezogen
und wirken breit und bauſchig. Paſtellfarbener
Flanell iſt das Material, das ſich für einen Schl
anzug dieſer Art am beſten eignet.
A
Ausgezeichnet ſind jene Pyjamas.=
Herrenmode nachempfunden ſind. Sie
gewöhnlich zweigeteilt, ſo zwar, dar
Oberteil, der die Form eines S
die der
ſteppten Sakkos mit dunklen. Ae erſcheinen
den ſicherlich am beſten.
.ß die Hoſe dunkler iſt als das
drittes Bild vor Augen
Jausrockes haben ſoll. Die
ge=
der ſo vollkommen iſt,
Aufſchlägen und Manſchetten
klei=
den Mahlzeiten trage
FEines dieſer Modelle führen wir als
und verweiſen damit auf einen Anzug,
Haß ihn die Hausfrau gelegentlich auch zu
en kann. Vielfach gibt es auch Pyjamas, die
cher, jäckchenartiger, mit einem glockigen Schöſf
abſchließender Oberteil aus geblumtem Samt
ſehen, der mit einer ſchwarzen Seidenhoſe kor
biniert wird und außerordentlich originell und el
gant wirkt.
Natürlich wird in letzter Zeit auch die Paleto
Idee für die Hauskleidung oftmals ausgewerte
und zwar in der Form, daß man ein Pyjam
mit einer dazugehörigen halblangen Umhülle kon
biniert und damit ganz neue Wirkungen ſchaff
Als Beiſpiel zeigen wir im erſten Bilde ei
Modell, das ſich aus einer weiten, ſchwarzen Sei
denhoſe und einem hellen, bluſenartigen Ober
teil zuſammenſetzt und durch einen ſchwarzen Sei
denpaletot mit kleinem Fellkragen zu einem ele
gant=einfachen Pyjama=Complet ergänzt wird.
Auch hier dringt — wie man aus unſeren
Bilde erſehen kann — die enganliegende
Prinzeß=
form durch, denn die Bluſe iſt zur Mitte zu ſtar!
gezogen und betont ſomit die Figur.
Aber nicht nur in dieſer komplizierten
Zu=
ſammenſtellung bekommt man den Paletot zu
ſehen, denn auch zu ganz einfachen Schlafanzügen
nimmt er ſich gut aus und iſt ſogar
außerordent=
lich praktiſch, weil er für die Morgenſtunden —
wenn die Räume noch kühl ſind — während der
Winterſaiſon einen vortrefflichen Schutz bietet.
Im vorletzten Bilde (am Sofa) zeigen wir
einen einfachen, geraden Flanellpaletot über dem
gleichartigen Schlaft
pflegt man — u. /pyjama. Eine ſolche Umhülle
8Ztr=Bdr Bom den Charakter des Hausklei=
Die kurze Pelzjacke
n Garderobeſtück, das man viele, viele Jahre ſchon nicht
ge=
ſehen hat, ſcheint nun wieder Mode zu werden. Zuerſt war es
der halblange Paletot der ſich langſam aber mit Beſtimmtheit
in die Mode Eingang verſchaffen konnte, dann die halblange
Jacke, ſo daß der Uebergang eigentlich kaum empfunden wurde.
Es gibt kurze Pelzjacken mit ſportlichem Gepräge und ſolche
Schwarz=Weiß
iſt keineswegs immer beliebt geweſen, denn
wie=
wohl die meiſten Frauen unſtreitig eine gewiſſe
Neigung für dieſe immer vornehme und reſtlos
elegante Farbkompoſition haben, gibt es doch viele
Linien, die die Zuſammenſtellung dieſer zwei
Far=
ben einfach nicht vertragen würden, weil dann
das betreffende Garderobeſtück zu „hart” wirken
könnte. Die neue Linie aber eignet ſich in jeder
Art für Schwarz=Weiß=Schaffungen, denn ſie
be=
ſitzt jene vornehme und ſchlichte Eleganz, der ſich
dieſe Farben in ganz unvergleichlicher Art
anzu=
paſſen vermögen. Abgeſehen davon iſt ja Schwarz
heuer die große Mode; da man aber düſtere
Wir=
kungen unter allen Umſtänden zu vermeiden
wünſcht, iſt die Garnierung mit Weiß der
aller=
beſte Ausweg.
Darum erſtreckt ſich auch die Schwarz=Weiß=
Mode auf alle Arten von Garderobeſtücken:
Das einfache, ſchwarze Kleid mit der
reizen=
den, weißen Garnierung, ſpielt ſchon für die
Gebrauchsmode eine nicht unweſentliche Rolle: ſo
zum Beiſpiel iſt Schwarz=Weiß für die beruflich
tätige Frau eine ſehr empfehlenswerte Mode und
wird auch für die Strapazkleidung viel Beifall
finden. Natürlich ſteht die Promenadeaufmachung
in noch erhöhtem Maße unter dem Einfluſſe dieſer
Farbkombination und bei der nachmittäglichen
Mode vermag ſich natürlich die
Zuſammenſtel=
lung dieſer beiden Farben am beſtimmteſten ihren
Weg zu bahnen. Selbſt manche abendliche
Schaf=
fungen bedienen ſich der Schwarz=Weiß=Effekte
und die betreffenden Stücke ſehen keineswegs
— wie man etwa anzunehmen geneigt iſt — geſetzt
und „damenhaft” aus, ſondern können einen ganz
jugendlichen, ſchicken Charakter und ein durchaus
flottes Gepräge haben.
Die Schwarz=Weiß=Wirkungen laſſen ſich in
den verſchiedenartigſten Geweben zum Ausdrucke
bringen; wie ſchon früher erwähnt, arbeitet man
Demsidt
ſehr viele Trotteurſachen in dieſen Farben und
wird dann natürlich ausſchließlich zu Stoff
greifen, wobei die poröſen aber doch weichen
Modegewebe der Saiſon den Vorzug genießen. Bei den
Sei=
den kommen faſt alle Arten in Frage, und zwar ſowohl die
Standard=Materialien, wie Georgette, China= und Marokko=
Krepp, ſowie Mongol und die verſchiedenen Glanzſeiden, auch
die Moirés und letzten Endes die zahlreichen Woll= und
Seidenſamte.
Aber nicht nur aus den Geweben laſſen ſich ſehr gute
Kon=
traſte holen, ſondern auch aus verſchiedenen, bisher wenig
ge=
bräuchlich geweſenen Garnierungen; ſo zum Beiſpiel nehmen
phantaſiereichere Formen haben, alſo nicht als Schlafanzüge
ge=
dacht ſind, ſondern ausgeſprochene Hauskleidungsſtücke
darſtel=
len ſollen. In dieſem Falle verwendet man gerne
Waſch=
ſamte oder Glanzſeiden, die ſehr effektvoll ſind und die Figur
gut zur Geltung bringen. Natürlich werden auch viele geblumte
oder ſtiliſiert=deſſinierte Gewebe, wie „Velourſchiffon=Imprimé‟
oder gemuſterter Atlas verarbeitet. Im letzten Bilde iſt ein
ſol=
mit ausgeſprochen nachmittäglichem Charakter. Der Unterſchied
reſultiert natürlich ſowohl aus dem Schnitt wie aus der Art des
Fells, denn während man für Trotteurzwecke nur Fohlen,
brau=
nes, geſchorenes Lammfell, Pluſhy, Susliky, Pechaniky,
Pilch=
mäuſe uſw. verwendet, kommt für den Nachmittag in der
Haupt=
ſache ſchön gezeichnetes, ſchwarzes „Breitſchwanz=Fohlen” in
Frage.
Abgeſehen davon ſind die ſportlichen Stücke gerade ge=
ſich auf ſchwarzen Modellen helle Stickereien ſehr gut aus,
an=
dererſeits gibt es viele weiße Beſuchskleider unter dunklen
Mänteln (die Wintermode liebt nämlich das weiße Kleid als
beſonders modiſche Feinſchmeckerei), die mit ſchwarzen Beſätzen
geputzt werden (ſo zum Beiſpiel ſind ſchwarze Borten und Litzen
auf weißem Grunde ganz unvergleichlich apart!).
Abgeſehen davon ergeben auch verſchiedene Felle
vortreff=
liche Kontraſte. Eine helle Garnierung auf ſchwarzem Grunde
iſt mondän und ſicherlich ſehr elegant, womit etwa an Hermelin
dungsſtückes zu wahren — mit einer
Schlafrock=
ſchnur zuſammenzuhalten, deren Enden mit
Qucſten beſchwert werden.
Wichtig iſt natürlich die Frage der Beſchuhung
zu den verſchiedenen Pyjamas, wobei die
Haus=
ſchuhe die Farbe des betreffenden Stückes haben
ſollen oder aber entſprechend abgetönt werden.
Im übrigen begegnet man größtenteils den
ſpan=
genloſen Pumps, oft aber auch den reizenden,
ferſenfreien Pantöffelchen. Neueſtens ſind es die
verſchiedenen Sandalen mit halbhohem Abſatze,
die ſich eines großen Beifalls erfreuen und
unge=
mein originell und apart wirken. Letzten Endes
ſei auch noch erwähnt, daß ſich zu jedem Pyjama eine
kunſt=
gewerblich=bunte Halskette ſehr gut ausnimmt und der ganzen
Aufmachung jenen friſchen Akzent gibt, die ihr unbedingt
not=
tut, um ſo mehr als ja bei der Hauskleidung Individualität in
der Farbkompoſition und geſchmackvolle Buntheit ſehr geſchätzt
wird.
Willy Ungar.
ſchnitten, während die Jacken, die für Beſuche und ähnliche
Ge=
legenheiten beſtimmt ſind, den prinzeßartig geſchweiften
Glok=
kentypen der letzten Mode folgen. Solche Jäckchen werden mit
fremden Fell am Kragen und an den Manſchetten verbrämt.
Allenfalls haben ſie den Vorteil, weſentlich billiger zu ſein,
als ein ganzer Mantel, ſo daß nun manche Frauen, deren Traum
die Pelumhülle war, wenigſtens ein flottes Felljäckchen zu er=
W. U.
werben imſtande ſein werden.
und ſeine — im übrigen heuer ganz
ausgezeich=
neten — Nachahmungen gedacht ſei. Andererſeits
gibt es aber auch eine große Anzahl weiß=ſchwarzer
Felle, die an und für ſich der neuen Mode
Rech=
nung tragen: etwa Silberfuchs oder ſchwarz
ge=
färbter und weiß „geſpitzer” Polarfuchs, der dem
Silberfuchs in der Wirkung ſehr ähnlich, aber
be=
deutend wohlfeiler iſt. Dem ſchwarz=weißen
Affen=
haar wird übrigens ein großer Erfolg für
abend=
liche Umhüllen vorausgeſagt.
Einen intereſſanten Ueberblick über die letzten
Schaffungen der Schwarz=Weiß=Mode geben wir
in unſerer Gruppe:
Links ein ganz entzückendes Prinzeßkleid, das
ebenſogut in Stoff wie in ſchwarzer Seide zu
ver=
fertigen iſt, beſonders für ſchlanke Figuren in
Frage kommt und mit einer tuchartigen weißen
Kragenpartie und gebundenen Manſchetten
gar=
niert twird.
Eine neue Faſſon, die ein Kompromiß zwiſchen
dem Jumper und dem ganzen Kleide ſchließt,
in=
dem die Jumperidee noch ein wenig nachklingt,
bringen wir als zweite Skizze. Auch dieſes Modell
kann aus Seide oder aus Stoff hergeſtellt ſein
zeigt einen Kaſak=Oberteil und eine daran
an=
ſchließende Pliſſé=Partie und wird im übrigen
vollkommen mantelkleidartig geſchnitten. Die
breiten Revers und die hohen Ritterſtulpen hat
man ſich in Weiß zu denken, die Gürtelſchließe
aus Perlmutter.
Außerordentlich apart nimmt ſich Schwarz=
Weiß für die neuen Promenadekoſtüme aus, und
beſonders in Samt ſind hier ſehr reizvolle
Wir=
kungen zu ſehen: unſere letzte Figur führt ein
eigenartiges Koſtüm vor Augen, und zwar den
glockigen Rock und die halblange Jacke aus
ſchwar=
zem Samt, die mit ſchwarzem Fell verbrämt wird,
während die Bluſe, die in der Mitte gezogen, mit
einer Maſche garniert und mit ſchmalen Revers
verſehen iſt, in Weiß am beſten ausſieht.
Die Abendmode erhält von den Schwarz=
Weiß=Wirkungen vielfach ganz neue Anregungen,
und vornehmlich die allerletzten Schaffungen aus
dem groben „Bienenwabentüll” oder aus dem
durch eine Wachsſchicht mattierten, ſogenanuten
„Ciré=Tüll” finden begeiſterten Beifall. Eine ungemein wir=
kungsvolle Toilette zeigen wir als vorletztes Bild. Der gezogene,
lange Oberteil iſt aus weißem Tüll gedacht, während die weite,
in der vorderen und rückwärtigen Mitte verlängerte und zackig
anſetzende Rockpartie aus ſchwarzem Tüll verfertigt wird. Die
ſchwarz=weiße Blume in der Taille ſieht immer reſtlos
vor=
nehm aus.
Zu all dieſen Abendkleidern trägt man ſchmuckloſe, ſchwarze
M U.
Pumps als elegant=anſpruchsloſe Fußbekleidung.
Nummer 291
Sonntag, den 20. Oktober 1929
Seite 23
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Hausfrauenbund e. V.
Oeffentlicher
Vortrag
Über:
Deutsche Teigwaren mit
Lichtbildern
und Warenproben
gehalten von Frau Alexandersen,
Hamburg, am Dienstag, 22.Oktober
im Fürstensaale. (16491
Eintritt frei.
Anfang 8 Uhr.
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16505
2. Vortrag von Herrn S. v. Gleich, Eſſen
Dienstag, 22. Oktober
Aller Seelen Geiſtesleben zwiſchen Tod und neuer Geburt.
Die folgenden Vorträge jeweils Dienstag, 5. und 19 Novembr.,
3, und 17. Dezember. — Feſtſaal desLudwig=Georg=Gymnaſiums,
Karlſtr. 2, abends 8½4 Uhr. — Eintritt frei.
(Unkoſtenbeitrag von möglichſt 1.—ℳ für den Vortrag erbeten)
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„Gute und zweckmäßige Haushaltbeleuchtung, die Forderung der Zeit‟
Eintriet treil Die Elektro-Gemeinschaft Darmstadt.
Verlosung von Küchenkeuchten.