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Franffurt g. M. 1394.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 275
Freitag, den 4. Oktober 1929.
192. Jahrgang
2 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadi 25 Reichspfg.
Finanz=Anzelgen 40 Neſchspfg. Rellamezelle (92 mm
breitl2 Reichsmark.Anzeſgen von auswärts 40 Reſchspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm breite
Reflame=
zeile 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmart.
(4 Dollar — 4.20 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw., erliſcht
ede Verpflſchtung auf Erfüllung der
Anzelgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtiſcher Beitreibung fällt” jeder
Rabatt weg. Banklonto Deutſche Bank und Darme
ſädter und Nationalbank.
Rſcgaageniiiiiiſtet di. Siefenaiit
Berlin, 3. Oktober.
Reichsaußenminiſter Dr. Otreſemann
iſt am Donnerstag früh kurz nach 5!/4 Uhr
plötzlich verſtorben.
* Nur 51 Jahre alt, iſt Dr. Guſtav
Streſe=
mann geſtorben. Mitten aus der Arbeit heraus
entriß ihn uns ein jäher Tod, die ſtärkſte
Per=
ſönlichkeit unſeres öffentlichen Lebens, einen
Führer, der ſich das Vertrauen der
überwälti=
genden Mehrheit unſeres Volkes in jahrelanger
unermüdlicher Arbeit erkämpft hatte.
Ein unerſetzlicher Verluſt. Auch ſeine Gegner
werden ihn empfinden.
Er war ein Staatsmann, der die Fähigkeit
beſaß, die großen Linien kommender
Entwick=
lungen zu erkennen und gleichzeitig die
nüchtern=
ſachliche Einſtellung, die ihn die Schwierigkeiten
und Gefahren des Augenblicks nicht überſehen
ließ. Ein Mann des großen, in die Zukunft
ſchauenden Wollens und ein glänzender
Tak=
tiker, der die beſtehenden Möglichkeiten und
Hem=
mungen ſtets in ſeine Rechnung einſtellte. Nicht
ein geſchäftiger Politiker, wie wir deren ſo viele
haben, ſondern ein Staatsmann, der den
Stem=
pel ſeiner Perſönlichkeit der Geſchichte ſeiner
Zeit=
aufgedrückt hat. Ein Kämpfer, der unentwegt
ſeinem Ziele zuſtrebte, allen Gegnern zum Trotz.
Aber:
„Auch manche Geiſter, die mit ihm gerungen,
Sein groß’ Verdienſt unwillig anerkannt.
Sie fühlen ſich von ſeiner Kraft durchdrungen,
In ſeinem Kreiſe willig feſtgebannt.”
Ein Deutſcher, der unerſchütterlich an die
Zu=
kunft ſeines Volkes glaubte. „Wir haben das
Recht, an Deutſchlands Zukunft zu glauben und
die Aufgabe, ſie zu ſichern.” An der Ruhr
ſtan=
den Poincarés Bataillone, am
Zuſammen=
brechen war der paſſive Widerſtand, am Rhein
erſtürmten Separatiſtenhorden unter dem Schutz
franzöſiſcher Bajonette deutſche Kreisämter, und an den
Börſen wurde der Dollar mit 2 992 500 Mark notiert, als
am 14. Auguſt 1923 Dr. Streſemann als ſoeben ernannter
Reichskanzler der Großen Koalition dieſes Bekenntnis
ablegte.
Sechs Jahre iſt es her, daß ihm das deutſche Volk die
außenpolitiſche Führung anvertraute, und ein Rückblick
auf dieſe ſechs Jahre zeigt, daß Dr. Streſemann das
Ver=
trauen ſeines Volkes gerechtfertigt hat. Die Befreiung der
deutſchen Rheinlande war das große Ziel, das er ſich
ge=
ſteckt, und es liegt eine tiefe Tragik darin, daß ihn der
Tod in dem Augenblick fortriß, in dem die erſten fremden
Truppentransporte das Rheinland verlaſſen.
Eine zielbewußte Politik vom erſten Augenblick an.
Eine perſönliche Erinnerung: Sommer 1923, einige Wochen
vor der Uebernahme des Reichskanzleramtes auf der
Kur=
terraſſe von Bad Homburg. Wir ſprachen über die
furcht=
bare Not und die Gefahren des Augenblicks, als plötzlich
Streſemann mit ſeinem ganzen Temperament auf die
Notwendigkeit einer deutſch=franzöſiſchen Annäherung zu
ſprechen kam. Es war ein politiſches Programm von
ge=
waltigen Perſpektiven, phantaſtiſch faſt für den Zuhörer
in dieſem Augenblick, in dem das Schickſal des deutſchen
Volkes nur noch am ſeidenen Faden hing. Er hat ſein
Programm durchgeführt, unendlichen Widerſtänden zum
Trotz, mit Erfolg durchgeführt, bis ihm der Tod die Zügel
aus der Hand riß. Liquidierung des Ruhrkampfes,
Stabi=
liſierung der deutſchen Währung. Internationale
Sach=
verſtändigenkonferenz, Dawes=Abkommen und Londoner
Vertrag und im Zuſammenhang damit Räumung des
Ruhrgebietes, Locarno, Genf, die abermalige Konferenz
der internationalen Finanzſachverſtändigen und das
Haa=
ger Abkommen waren die großen Etappenſtationen dieſes
Weges.
Daß es nur Etappenſtationen waren, daß das Endziel
noch nicht erreicht, niemand hat es genauer gewußt als
Streſemann ſelbſt, niemand hat auch ſo nachdrücklich wie
er vor Illuſionen gewarnt. Er überſah klaren Blickes die
europäiſchen Machtverhältniſſe, er kannte ſein deutſches
Volk mit allen ſeinen Vorzügen und Schwächen, und er
wußte daher, daß man auf dem Weg, den er führte, nur
Schritt für Schritt vorwärts kommen konnte. Seine
Geg=
ner haben oft über ſeinen Optimismus geſpöttelt. Gewiß,
Dr. Streſemann beſaß eine ſtarke Doſis Optimismus, aber
eine Art von Optimismus, wie ſie jeder wirkliche
Staats=
mann haben muß, indem er an die Zukunft
glaubte. Hätte er dieſen Optimismus nicht beſeſſen,
nie hätte er damals im Jahre 1923 ſeine gigantiſche
Auf=
gabe übernehmen können. Er glaubte an die Zukunft
ſeines Volkes, das er liebte und dem ſein Wirken galt. Er
hatte die Zeiten der Größe und der Macht des Deutſchen
Reiches miterlebt, und er ließ ſich nicht entmutigen
durch den Zuſammenbruch. Er hatte den klaren Blick für
die Notwendigkeiten einer neuen Zeit, denen er ſtets
Rech=
nung zu tragen beſtrebt war. Er verſtand ſeine Zeit und
ſein Volk, und dieſes hat auch ihn verſtehen und an ihn
glauben gelernt. So wurde er zum wahrhaften Führer,
und wenn er ſprach, fielen die Parteiſchranken.
Streſe=
mann war populär geworden, populär im beſten Sinne
des Wortes. Aber nicht nur in Deutſchland, ſondern auch
für das Ausland war er zur Verkörperung deutſchen
An=
ſehens geworden. Sein Name war ein Programm, das
die europäiſche Welt achtete. Mit ehernen Lettern iſt er
eingetragen in das Buch der Geſchichte. Was Streſemann
für ſein Volk geleiſtet, wird erſt eine ſpätere Zeit voll zu
würdigen vermögen. Die Fahnen ſinken auf Halbmaſt.
Der Tod hat ihn uns genommen.
II.
* Dr. Guſtav Skreſemann.
Sein Lebensweg.
Am 10. Mai 1878 wurde Guſtav Streſemann in der
Reichshauptſtadt geboren. Er abſolvierte das Andreas=
Gymnaſium, und wandte ſich dann dem Studium der
Staatswiſſenſchaften, der Geſchichte und der Literatur zu,
dem er an den Univerſitäten Berlin und Leipzig oblag.
Schon in ſeiner Studienzeit zeigte ſich die
außergewöhn=
liche Begabung wie auch ſein politiſches Intereſſe, das er
dadurch bekundete, daß er ſich der
Burſchenſchaftsreform=
bewegung anſchloß. Nach ſeiner Promotion trat er in die
Induſtrie ein, in der er zunächſt als Aſſiſtent des
Ver=
bandes Deutſcher Schokoladefabrikanten tätig war. Um
die gleiche Zeit, im Jahre 1903, war er Mitglied der
Nationalſozialen Partei Friedrich Naumanns und
betei=
ligte ſich ſehr lebhaft an den Kämpfen des Führers gegen
die herrſchende Wirtſchaftspolitik.
1903 verheiratete ſich Streſemann mit Käte Kleefeld, einer
Schweſter des fürſtlich Hohenlohe=Oehringenſchen
Kammer=
präſidenten Dr. Kurt von Kleefeld. Der Ehe entſproſſen
zwei Söhne Gert Wolfgang und Hans Joachim. Um
dieſelbe Zeit gründete er den Verband ſächſiſcher
Indu=
ſtrieller, als deſſen Syndikus er lange Jahre tätig war.
Dieſe Stellung, die ihn mit den Kreiſen der ſächſiſchen
Induſtrie und damit auch mit der Induſtrie des geſamten
Reiches in engſte Fühlung brachte, war für ihn der
Aus=
gangspunkt zu weiterer und intenſiverer Beſchäftigung
mit der Politik. Er trat der Nationalliberalen Partei
damals unter der Führung Baſſermanns ſtehend — bei
und kandidierte im Jahre 1907 zum erſten Male
erfolg=
reich für den Reichstag, in dem er ſich ſehr bald als
ge=
ſchickter Debatter und glänzender Redner auszeichnete,
Wie ſehr er von ſeinen Parteigenoſſen geſchätzt wurde,
zeigt ſich darin, daß man ihn — den Neuling — im
Ver=
lauf dieſer erſten Legislaturperiode in den
Zentralvor=
ſtand der Partei hineinwählte. Im Jahre 1912 verlor er
ſein Mandat gegen die Sozialdemokratie, konnte jedoch
durch Nachwahl im Wahlkreis Aurich doch noch in den
Reichstag einziehen, dem er von da an ununterbrochen
bis heute angehörte. Neben ſeiner Reichstagstätigkeit
lief ſeine induſtrielle Tätigkeit weiter. In den
Jahren 1914 bis 1923 war er geſchäftsführendes
Präſidialmitglied des Deutſch=Amerkkaniſchen
Wirtſchaftsverbandes, eine Tätigkeit, die ihn
mit den wirtſchaftlichen Verhältniſſen des großen
amerikaniſchen Volkes aufs engſte vertraut
wer=
den ließ. Als 1917 der Vorſitzende der
Natio=
nalliberalen Partei, Baſſermann, ſtarb.
wurde Streſemann zum
Vorſitzen=
den des Zentralvorſtandes gewählt
und trat als ſolcher während des Krieges häufig
an die Oeffentlichkeit.
Die Revolution ſtürzte mit dem alten
Reichs=
tag auch die alten Parteigebilde. Dr.
Streſe=
mann begründete zuſammen mit anderen
rechtsſtehenden Führern der Nationalliberalen
die Deutſche Volkspartei und erkämpfte
ſich im Wahlkreis Osnabrück—Oldenburg einen
Sitz in der Nationalverſammlung. Er ſtand
zu=
nächſt den kommenden Dingen abwartend
gegen=
über, wenn er auch von Anfang an eine ſachliche
Oppoſitionspolitik betrieb. Noch aber war er den
breiten Kreiſen des deutſchen Volkes nicht
be=
kannt. Erſt als mitten im Ruhrkampf
das Kabinett Cuno zurücktrat, wurde er mit
der Kabinettsbildung beauftragt
und brachte am 13. Auguſt 1923 ein Kabinett
zu=
ſtande, deſſen Chef er bis zum 30. November
des=
ſelben Jahres blieb. In dieſe Zeit fällt der
An=
fang der Liquidation des
Ruhrkamp=
fes und die Stabiliſierung der Mark.
Die ſchweren innerpolitiſchen Kämpfe — mit
Sachſen und Bayern — führten im Oktober zum
Austritt der Sozialdemokraten aus der von
Streſemann geſchaffenen Großen Koalition. Als
dann Marx als Nachfolger Streſemanns
er=
nannt wurde, blieb Streſemann im Kabinett als
Reichsaußenminiſter. Dieſen Poſten hat er durch
ſechs Jahre, bis zu ſeinem Tode beibehalten.
Als es im Oktober 1924 zur
Reichstagsauf=
löſung und zur Neubildung des Kabinetts, an
deſſen Spitze Dr. Luther als Reichskanzler ſtand,
kam, behielt Streſemann ſeinen Poſten bei und
leitete langſam ſeine Politik der Verſtändigung
mit Frankreich, mit dem Ziel einer endgültigen
Liquidation des Krieges ein. Der
erſte Schritt war der Vorſchlag eines
Sicher=
heitspaktes, den er im Februar 1925 an
Frank=
reich machte. In Verfolg dieſer Politik kam es im
Oktober des Jahres 1925 zum Locarno=Vertrag,
in dem Dr. Streſemann die Intereſſen des Deutſchen
Rei=
ches vertrat. Am 1. Dezember wurde der
Sicherheits=
pakt in London unterzeichnet. Am 5. Dezember
trat das Geſamtkabinett Luther zurück, wurde aber
neu=
gebildet unter Beibehaltung Dr. Streſemanns als
Außen=
miniſter. Der nächſte große Schritt zur
Rehabili=
tierung Deutſchland war der Eintritt in den
Völ=
kerbund, der am 8. September 1926 erfolgte. Am
10. Dezember wurde ihm zuſammen mit den
Außen=
miniſtern Englands und Frankreichs, Briand und
Cham=
berlain, der Friedens=Nobelpreisverliehen.
Am 25. Januar 1928 wurde ihm zuſammen mit dem
amerikaniſchen Botſchafter Jacob Gould Shurman der
Ehrendoktor der Univerſität Heidelberg
verliehen und die feierliche Promotion am 18. April
vollzogen. Kurz darauf konnte er, noch vollſtändig rüſtig,
ſeinen 50. Geburtstag feiern, zu dem ihm aus allen Teilen
des Reiches und des Auslandes eine Unmenge von
Glück=
wünſchen dargebracht wurden. Bald darauf begann ſeine
Krankheit ernſthafte Formen anzunehmen, ſo daß er den
Sommer 1928 zur Erholung verwenden mußte. Am 28 Juni
1928 wurde er im Kabinett als Außenminiſter beſtätigt
und führte als ſolcher die Verhandlungen, die zur
Unter=
zeichnung des Kellogg=Paktes in Paris führten. Am 27.
Auguſt 1928 unterzeichnete er in Paris den Kellogg=
Pakt. In den Anfang dieſes Jahres fallen dann die
Verhandlungen um die Reviſion des Dawes=
Abkommens, die zur Pariſer
Sachverſtän=
digen=Konferenz und daran anſchließend zur
Haager Konferenz führten, deren Ergebnis die
vorzeitige Räumung des Rheinlandes war.
All dieſe Verhandlungen hatten ſeinem durch ſchwere
Krankheit geſchwächten Organismus ungeheuer zugeſetzt.
Trotzdem gönnte er ſich nicht die nötige Ruhe. Als die
innenpolitiſche Lage im Verlauf der Verhandlungen um
die Arbeitsloſenverſicherung ſich immer mehr zuſpitzte, litt
es ihn nicht im Bett. Abends zwiſchen 10 und ½11 Uhr
traf ihn ein erſter Schlaganfall. Seine Pflegerin
alar=
mierte ſofort ſeine Angehörigen und rief die Aerzte herbei.
Profeſſor Dr. Kraus und Profeſſor Dr. Zondeck erſchienen
ſofort, konnten aber nur feſtſtellen, daß — auch wenn es
gelänge, dem Reichsaußenminiſter das Leben zu erhalten
er einem dauernden Siechtum verfallen ſei, Kurz nach
Mitternacht verließen die beiden Herren die Villa des
Reichsaußenminiſters, und ein anderer Arzt übernahm
den Krankendienſt am Bett des auf der ganzen rechten
Seite ſchwer Gelähmten. Streſemann lag die ganze Zeit
über bewußtlos und ſchwer röchelnd im Bett. Kurz vor
½6 Uhr hörte das Röcheln auf; wahrſcheinlich infolge
eines zweiten Schlaganfalls. Der Arzt konnte nur noch
den Tod Dr. Streſemanns feſtſtellen.
Seite 2
Freitag, den 4. Oktober 1929
Nummer 275
Mefeisaf it Miet meht.
Aber ſein Werk, dem er die lekzke Kraft ſeines Lebens
gewidmet hat, lebt weiker.
* Berlin, 3. Okt/ (Priv.=Tel.)
Wie alle öffentlichen Gebäude hat auch der Reichstag ſeine
Flaggen auf Halbmaſt geſetzt. Auch im Hauſe ſelbſt ſpürt man
doch etwas von ſchmerzlicher Benommenheit. Die Nachricht vom
Tode des Reichsaußenminiſters hat bei allen Parteien, auch bei
denen, die ihn ſonſt bekämpften, wie ein Blitz eingeſchlagen und
alles, was ſeit Tagen noch ſo wichtig ſchien — der Streit um
die Arbeitsloſenreform, die Kriſe in der Koalition, die ſo mühſam
geleimt war, die Gefahr eines Regierungsſturzes — iſt zu
neben=
ſächlicher Bedeutung zuſammengeſchrumpft. Die
Volkspar=
tei hielt um 9 Uhr eine kurze formelle Sitzung ab, die zu einer
internen Trauerfeier wird. Auch die Zentrumsſitzung,
von der man noch am Abend vorher Weiterungen befürchtete,
iſt in wenigen Minuten beendet. Was dem lebenden Streſemann
nur mit vieler Mühe gelang, das erreichte der tote in einem
Augenblick: daß die Regierungsgemeinſchaft nicht zerbricht,
ſon=
dern weitergeht!
Die Reichstagsſitzung beginnt mit einer viertelſtündigen
Verſpätung. Der Platz Dr. Streſemanns auf der Miniſterbank
iſt ſchwarz verhängt. Vor ihm liegt ein Roſenſtrauß, während
ſein Abgeordnetenplatz mit einem Kranz weißer Chryſanthemen
geſchmückt iſt. Nationalſozialiſten und Kommuniſten bleiben
der Feier fern. Dagegen ſind die Deutſchnationalen ſehr ſtark
vertreten. Auch Herr Hugenberg, der erſt am Morgen aus
Frankfurt a. M. zurückgekehrt iſt, erſchien während der Kundgebung.
Sie wurde, während das Haus und die Tribünen ſich von den
Plätzen erhoben, von dem Vizepräſidenten Eſſer eröffnet, der
über den Rahmen des ſonſt üblichen Nachrufes hinausging und
dem Verſtorbenen den Dank des deutſchen Volkes für das
aus=
ſprach, was er auf ſchwierigem Poſten bis an das Ende ſeiner
Kraft zur Befreiung Deutſchlands geleiſtet habe. Kurz und
innerlich ſchwer erſchüttert ſpricht der Reichskanzler Hermann
Müller, der an der Spitze ſämtlicher Miniſter und des
Reichs=
rates erſchienen war. Ihm merkt man ſelbſt die Spuren ſeiner
Krankheit, die knapp am Tode vorbeiführte, noch an. Man merkt
ihm aber auch an, wie nahe ihm der Tod Dr. Streſemanns
innerlich geht. Er hatte ſeine Stimme nicht ganz in der
Ge=
walt, als er dem Dank des Reichstages den Dank der
Reichs=
regierung hinzufügt und der Hoffnung Ausdruck gab, daß die
Geſchichte ihm gerecht werden möge als einem Manne, der für
ſein Land und für ſein Volk gelebt hat und geſtorben iſt. Die
Sitzung wurde dann für eine halbe Stunde unterbrochen. Sie
kann nicht ausfallen, weil der Reichstag mit Rückſicht auf den
Demokratiſchen Parteitag noch am Donnerstag in die Ferien
gehen muß.
*
Am Regierungstiſch hatte Reichskanzler Müller Platz
ge=
nommen, mit ihm die anderen Mitglieder des Reichskabinetts.
Die Kommuniſten wohnten der Sitzung nicht bei.
Bizepräſidenk Dr. Eſſer
eröffnete die Trauerſitzung mit folgenden Worten, während der
Reichstag ſich erhebt: Meine Damen und Herren! Trauer erfüllt
heute die Herzen des deutſchen Volkes. Ein treuer Hüter ſeines
Lebens= und Geltungswillens iſt in den Sielen geſtorben, unſer
Guſtav Streſemann, Reichsminiſter des Auswärtigen. Der
Deutſche Reichstag trauert um eines ſeiner hervorragendſten
Mit=
glieder. Dr. Streſemann gehörte dem Reichstag ſeit 1914 bis
zum Zuſammenbruch an, er wurde in die verfaſſungsgebende
Deutſche Nationalverſammlung gewählt und war von da ab
ununterbrochen Mitglied des Reichstages geblieben. Seine über=
ragende politiſche Befähigung und ſeine ausgezeichnete
Redner=
gabe brachten ihm auch die Führerſchaft. Schon im alten
Reichs=
tag war er Vorſitzender der nationaliberalen Fraktion, von 1920
bis 1923 leitete er die Fraktion der Deutſchen Volkspartei, die
heute den Heimgang ihres langjährigen Führers beklagt. Mit
außerordentlichem politiſchen Geſchick übernahm ſeine
hervor=
ragende Perſönlichkeit am 13. Auguſt 1923 das Reichskanzleramt
in einem Augenblick, als der Ruhrkampf abgebrochen werden
mußte. Daß Dr. Streſemann vor ſchweren Aufgaben nicht
zurück=
ſchreckte und daß er mit zäher Willenskraft den bis dahin in der
Innen= und Außenpolitik ihn Ablehnenden gegenübergeſtanden
und ſich für ſeine Politik eingeſetzt hat, bleibt ſein geſchichtliches
Verdienſt. Nach Niederlegung des Reichskanzleramtes blieb er
in der Regierung, und war Miniſter des Aeußeren bis auf den
heutigen Tag. Was er auf dieſem ſchwierigen Poſten für
Deutſch=
land geleiſtet hat, ſteht in ehernen Lettern in das Lebensbuch
unſeres Volkes und Vaterlandes eingetragen. Das deutſche Volk
dankt dem Dahingeſchiedenen, daß er bis zum Ende ſeiner
kör=
perlichen Kräfte das Werk der Befreiung Deutſchlands
weiter=
geführt und zum innerpolitiſchen Wiederaufbau unſeres
Vater=
landes ſehr viel getan hat. Der Deutſche Reichstag hat dieſem
Danke hiermit tiefbewegt Ausdruck gegeben. Darauf nimmt
das Wort, um folgendes auszuführen: Tief erſchüttert ſteht die
Reichsregierung, ſtehen die Regierungen der Länder mit dem
Reichstag an der Bahre Guſtav Streſemanns, dieſes
Staats=
mannes, der ſeine Kraft im wahrſten Sinne des Wortes für ſein
Volk und für ſein Land verzehrt hat. Es iſt ein tragiſches
Ge=
ſchick, daß er den Abſchluß des Werkes nicht erlebt, dem er die
letzten Jahre und die letzte Kraft ſeines Lebens gewidmet hat.
Es war immer ſein Ziel, die Befreiung Deutſchlands zu
er=
reichen. Gerade nach dem Abſchluß der Konferenz im Haag,
die der Regelung der Kriegsſchulden und die Räumung der
be=
ſetzten Gebiete gewidmet war, muß ein unerbittlicher Tod ihn
aus unſeren Reihen reißen. Streſemann war ein Streiter und
Kämpfer. Ihm tat der Kampf wohl. Er war ihm
Lebensbe=
dürfnis, und er hat wie alle Streiter und Kämpfer Gegner und
Feinde die Menge gehabt. Die Reichsregierung iſt der
Ueber=
zeugung, daß dereinſt die Geſchichte, die weniger beeinflußt ſein
wird vom Streite der Parteien in der ſchweren Nachkriegszeit,
ihm gerecht werden wird als einem Manne, der erfolgreich
ge=
arbeitet hat für ſein Volk, der für ſein Land und für ſein Volk
gelebt hat und geſtorben iſt. Nicht nur ſeine Gattin, nicht nur
ſeine Kinder, ſondern die weiteſten Kreiſe des deutſchen Volkes
trauern um dieſen Mann.
Vizepräſident Eſſer führte dann noch aus: Wenn wir nicht
unter ſo außergewöhnlichen Umſtänden tagten, würde ich dem
Hauſe vorſchlagen, die Sitzung zum Zeichen der Trauer
aufzu=
heben. Da wir aber ein dringend notwendiges Geſetz heute zu
verabſchieden haben, ſchlage ich Ihnen vor, die Sitzung jetzt als
Zeichen der Trauer bis 11 Uhr pünktlich auszuſetzen.
Das Haus iſt damit einverſtanden.
Während der Trauerfeier wären auch die Nationalſozialiſten
im Saale nicht anweſend.
Um ½11 Uhr wird die Sitzung unterbrochen.
Auf Anordnung der Reichsregierung haben die Behörden
aus Anlaß des Todes des Reichsaußenminiſters bis
einſchließ=
lich Sonntag Halbmaſt geflaggt. Das Reichskabinett hat am
Donnerstag nachmittag um 5 Uhr eine Trauerſitzung abgehalten.
Der Reichspräſident wird morgen in Berlin eintreffen und
ſo=
gleich den Reichskanzler zum Vortrag empfangen. Die
Vertre=
tung des verſtorbenen Reichsaußenminiſters, iſt bislang am
offenen Sarge noch nicht geklärt worden. Vorausſichtlich wird
Reichskanzler Müller dem Reichspräſidenten morgen darüber
berichten. Aus Anlaß des Ablebens des Reichsaußenminiſters
hat die Reichsregierung, die preußiſche Staatsregierung und die
Reichshquptſtadt Berlin den für Samstag und Sonntag
vor=
geſehenen Empfang des Luftſchiffes Graf Zeppelin” abgeſagt.
Die Landung des Luftſchiffes in Berlin wird unter dieſen
Um=
ſtänden unterbleiben. Profeſſor Lederer wird von der Leiche
Streſemanns die Totenmaske abnehmen. Streſemanns
Bei=
ſetzung wird auf Staatskoſten erfolgen.
Der Herr Reichspräſident, der zurzeit in der Schorfheide
weilt, hat an Frau Dr. Streſemann das nachfolgende
Beileids=
telegramm gerichtet:
„Tiefbewegt ſende ich Ihnen und den Ihren den Ausdruck
meiner herzlichen Teilnahme an dem plötzlichen Tode Ihres
Gatten, der bis zum letzten Atemzuge ſo treu für ſein
Vater=
land gearbeitet hat. (gez.) v. Hindenburg.”
Außerdem hat in perſönlichem Auftrage des Herren
Reichs=
präſidenten Staatsſekretär Dr. Meißner den Söhnen des
ver=
ſtorbenen Reichsminiſters am Donnerstag vormittag im
Trauer=
hauſe das tiefempfundene Beileid des Herrn Reichspräſidenten
an dem ſchweren Verluſt, den Frau Streſemann und ihre Söhne
ſo plötzlich erlitten haben, zum Ausdruck gebracht.
Aus Anlaß des Hinſcheidens des Reichsaußenminiſters Dr.
Streſemann trat am Donnerstag nachmittag das Reichskabinett
unter dem Vorſitz des Reichskanzlers zu einer Trauerſitzung
zuſammen. Der Reichskanzler gedachte hierbei erneut in warm
empfundenen Worten des Dahingeſchiedenen und würdigte ſein
Wirken für Reich und Volk. Staatsſekretär von Schubert gab
der tiefen Trauer Ausdruck, die das Auswärtige Amt und ſeine
Beamtenſchaft über den Verluſt ihres unvergeßlichen Chefs
er=
füllt. Im Anſchluß hieran beſchloß das Reichskabinett auf
An=
trag des Reichsinnenminiſters das Staatsbegräbnis.
Die ſterbliche Hülle Dr. Streſemanns wird heute abend im
Win=
tergarten des Trauerhauſes aufgebahrt. Die Ueberführung in
den Reichstag iſt für Samstag abend vorgeſehen. Die
Bei=
ſetzung iſt auf Sonntag 11 Uhr feſtgeſetzt worden, um möglichſt
weiten Kreiſen der Freunde des Verſtorbenen Gelegenheit zum
Abſchiednehmen zu geben.
Reichskanzler Müller hat zugleich im Namen der
Reichs=
regierung an die Gattin des verſtorbenen Reichsaußenminiſters
ein Schreiben gerichtet, in dem er ſein und der Reichsregierung
herzliches und aufrichtiges Beileid ausſpricht. Der Tod des
Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann bedeute für die
Reichs=
regierung einen ſchweren und harten Verluſt. Eine tiefe Tragik
liege darin, daß der unerbittliche Tod ſeinem Schaffen gerade
jetzt ein Ziel geſetzt habe, nachdem er in einem ſechsjährigen
Kampf um die deutſche Außenpolitik im Begriffe ſtand, die
wert=
vollſten Früchte ſeiner Arbeit zu ernten und für das deutſche
Volk die letzten Hemmniſſe aus dem Wege zu räumen und die
letzten Ueberbleibſel aus dem Kriege zu beſeitigen.
Die Reichstagsfraktion der Deutſchen Volkspartei hielt
heute mittag eine Sitzung ab.
Zu Beginn der Sitzung erhob ſich der ſtellvertretende
Frak=
tionsvorſitzende, Geheimrat Dr. Zapf, um mit bewegter Stimme
die Trauerbotſchaft von dem Hinſcheiden Streſemanns
mitzutei=
len. Stumm und erſchüttert lauſchten die Mitglieder der
Frak=
tion dem Nachruf, den Dr. Zapf dem großen Führer der Partei
und des deutſchen Volkes widmete:
„Der Tod Streſemanns iſt ein beinahe unerſetzlicher
Ver=
luſt nicht nur für die Fraktion und das Parlament, ſondern für
das ganze deutſche Volk. Streſemann hat den Acker beſtellt, er
hat geſät, die Saat gepflegt, ſie ſteht reif auf dem Felde, nur er
ſelbſt kann ſie nicht mehr einfahren. Er iſt an der Garbe
hin=
geſunken. Ein anderer muß das Werk vollenden, für welches
er ſich verzehrt hat. Ich hoffe, daß das heroiſche Leben und
Sterben unſeres Führers dazu beiträgt, die beiden großen Ziele
zu fördern, für die er gelebt, gearbeitet und gekämpft hat: Für
den Aufbau Deutſchlands und für die Verſöhnung der
Natio=
nen, der er ſo viele Opfer gebracht hat. Ais Rheinländer muß
ich der Fraktion noch beſonders ſagen, daß das Bild
Streſe=
manns nicht aus der Erinnerung des Rheinlandes und des
deutſchen Volkes verſchwinden kann, wenn es Dankbarkeit
über=
haupt noch in der Welt gibt.”
Die Fraktion ſchloß darauf die Sitzung.
*
Der Parteivorſtand der Deutſchen Volkspartei erläßt
fol=
gende Trauerkundgebung:
„An unſere Freunde im Reiche!"
Der Führer iſt von uns gegangen. Schmerzerfüllt beklagen
wir den Verluſt, den wir erleiden mußten. Guſtav Streſemann,
der Gründer und Führer der Partei, der uns Schwert und
Schild zugleich war, iſt mitten aus dem politiſchen Ringen ge=
Aus dem Leben und Schaffen des großen Genre=Malers
zu ſeinem 100. Geburtstag am 5. Oktober.
Eine liebwerte Natur war Ludwig Knaus, der Maler, deſſen
Geburstag am 5. Oktober zum 100. Male wiederkehrt.
Liebens=
wert mit in erſter Linie ob ſeiner kerndeutſchen Gemütstiefe,
die uns in all ſeinen Werken entgegentritt und die ihn zum
be=
rufenen Maler volkstümlicher Motive und deutſcher Eigenart
und Sitte gemacht hat. Wie ſelten in einem Menſchen waren
in Ludwig Knaus der Künſtler und der Menſch eins. Knaus'
Pinſel malte Geſtalten, die es Knaus, dem Menſchen, angetan
hatten, mit denen er ſich meiſtens verwandt fühlte und in denen
er Charaktere verehrte, die es wert wären, als Repräſentanten
ſeines Volkes auch in ferne Länder zu fremden Völkern zu
wandern. Eine feine Beobachtungsgabe, gepaart mit einer
un=
vergleichlichen Innigkeit und Tiefe deutſcher Erfindung machten
Ludwig Knaus zu einem der größten deutſchen Genremaler, der
je gelebt hat. Wie ſehr in dieſem echten Künſtler immer auch der
wahre Menſch lebte, mögen nur einige wenige Züge ins
Ge=
dächtnis zurückrufen. Obenan ſteht die ſeltene Herzensgüte, die
Freude, anderen helfen, anderen Gutes tun zu können. Die
edle Kameradſchaft, die nicht fragt, ob dieſer andere auch ſeine
Hilfeleiſtung vergelten kann. Die in vollendeter
Liebenswürdig=
keit gibt von dem, was ſie ſelber beſitzt. Allerhand Gutes weiß
in jener Hinſicht der Amerikaner E. T. Andrews zu berichten,
der zu Studienzwecken in Düſſeldorf weilend, den ſchon damals
berühmten Ludwig Knaus in ſeinem Landhauſe aufſuchte, gar
bald mit ihm Freund wurde, als er aber mit Knaus wegen einer
Gegenleiſtung ſeiner Dienſte verhandelte, von ihm mit einem
herzlichen Schlag auf den Rücken kuriert wurde, der ihm ein
für alle Male verbot, über das Thema einer Bezahlung zu
ſprechen. Das war derſelbe Knaus, dem Berufsneid immer
etwas fremdes war, dem es als eine edelſte Menſchen= und
Künſtlerpflicht galt, aufſtrebenden Talenten zu helfen, deſſen
Herz jauchzte, wenn er anderen die Wege ebenen durfte.
Knaus hatte, obwohl er verhältnismäßig raſch und leicht
zur Berühmtheit gelangte, ſo gar nichts von falſchem
Künſtler=
ſtolze oder gar Unnahbarkeit an ſich. Im Gegenteil. Er hatte
für alle Beſucher Zeit, er konnte ſeine eigene Arbeit an jeder
Stelle, zu jeder Zeit verlegen, um ganz Ohr für die nicht immer
allzuwichtigen Fragen des Beſuchers zu haben. Er war ein
ſeiner Menſchenkenner, beobachtete ſcharf und klug und nannte
ein wunderbares Gedächtnis ſein eigen. Was ihm jedoch wohl
am meiſten in ſeiner Künſtlerlaufbahn genutzt hat, war die
Fähigkeit, ſich als einfacher, ſchlichter Menſch zu geben. Und
dieſe Eigenſchaften vornehmlich waren es auch, die in ihm den
großen Maler bäuerlicher Typen, ländlicher Milieus und deut=
Ludwig Knaus.
ſcher Landſchaft förderten. Die ihn Werke ſchaffen ließen, die
Ewigkeitswerte tragen: den 1850 entſtandenen „Bauerntanz”,
die Goldene Hochzeit” (1859), die „Taufe” (1860), „Leichenzug
im Walde” uſw. Das oberheſſiſſe Dörfchen Willingshauſen an
der Schwalm war es, das ihm immer wieder zum Schauplatz
ſeiner Bilder diente, in dem er Weg und Steg, jeden Bewohner
kannte und in dem er Männlein und Weiblein, Bauer und
Schultheiß, Kind und Erwachſenen zu einer Sitzung vor ſeine
Staffelei lud. So entſtanden Knaus' anmutige reizvolle
Ge=
mälde „Heſſiſche Landſchaft”, „Bauernmädchen”, „Bauernſtube‟
„Heſſiſcher Bauer” u a. Und dieſe Gemälde ſind es inſonderheit,
die Ludwig Knaus und ſeine Malerei unſterblich machten. Ihre
Schönheit und Echtheit vermochten auch ſeine ſpäteren Gemälde
nicht in den Schatten zu ſtellen, als er ſich anderen Stoffen zu=
wandte und Gemälde wie „Salomoniſche Weisheit” und „Der erſte
Profit” (1878) ſchuf. — Ludwig Knaus iſt am 5. Okt. 1829 in
Wies=
baden geboren. Er machte ſeine Studien von 1845 bis 11852
in Düſſeldorf bei Karl Sohn und Schadow, ging dann nach
Paris und im Jahre 1857 nach Italien. Nach der Rückkehr im
Jahre 1858 verlegte er ſeinen Aufenthalt abermals nach Paris,
vo er bis 1860 blieb. 1861 kam er nach Berlin. Aber ſchon
1866 zog es ihn wieder nach Düſſeldorf, und hier ſchuf er die
verühmten Genrebilder, die ſeinen Ruhm begründeten, wie das
„Gänſemädchen”, „Der Dorfprinz”, „Die Geſchwiſter” u. a., die
ſich durch gute Zeichnung, prachtvolle Chrarakteriſtik und einen
ſchönen Humor auszeichneten. Im Jahre 1874 kam er an die
Zunſtakademie nach Berlin als Proſeſſor. Er wurde Mitglied
der Akademie, Ritter des Ordens Pour le Mérite. Im Jahre
1884 zog er ſich von ſeinem Lehramt zurück und widmete ſich
völlig ſeiner Kunſt. Er ſtarb im hohen Alter von 88 Jahren am
7. Dezember 1910.
Aus den Darmſtädker Lichtſpielkheakern.
Helia.
Das neue Programm der Helia bringt zunächſt einen etwas
langen Film: „Mein Leben für das Deine” der über den
ge=
wöhnlichen Durchſchnitt der Salonfilme nicht hinausragt, und
der nur durch das wie immer ausgezeichnete Spiel Fritz
Kort=
ners etwas belebter wird. Als techniſcher Mangel iſt zu
ver=
zeichnen, daß man allzuſehr die Kuliſſenhaftigkeit des
Hinter=
grundes bemerkte. — Intereſſant iſt der andere Film: „Der
Raub der Sabinerinnen‟. Nicht nur darum, weil in ihm neben
der wie immer anmutigen und luſtigen Maria Paudler
Walter Rilla und Ralph Arthur Roberts mitwirken,
ſon=
dern vor allem deshalb, weil der Inhalt des Films — dem
Luſt=
ſpiel von Paul und Franz von Schönthan entnommen — wie
eine Illuſtration Zuckmayerſcher Bühnenironie anmutet. Die
Gegenüberſtellung Wanderſchmiere (alias Strieſes
Künſtler=
theater) und moderne Revue iſt in allen Teilen ſehr gut
durch=
geführt und vor allem auch rein filmiſch ausgezeichnet
inter=
pretiert. Die ſchauſpieleriſchen Leiſtungen, die allerdings wegen
der ſtark pointierten Typiſierung nicht allzu ſchwer waren, waren
durchweg, auch in Nebenrollen, gut, manche witzige
Situations=
komik wurde vom Regiſſeur noch eingeſchmuggelt. Der Schluß:
Direktor Strieſe ſitzt nach dem glänzenden Durchfall des „Raubes
der Sabinerinnen” traurig in dem Hinterzimmer des
kleinſtädti=
ſchen Gaſthauſes, erinnert ſtark an die Worte Zuckmahers in
sch.
„Katharina Knie”: es iſt vorbei mit der Kunſt.
Nummer 275
Freitag, den 4. Oktober 1929
Seite 3
riſſen worden. Schon in jungen Jahren ein Meiſter der Politik,
hat er ſeine geniale Begabung nicht nur der Partei, ſondern dem
Vaterland gewidmet und in heroiſchem Kampf bis zum letzten
Atemzuge unvergängliches für das deutſche Volk errungen. Auch
er hat ſeinen Namen eingegraben in die Rinde der deutſchen
Eiche.
Die Zuſammenfaſſung aller Kräfte des deutſchen Volkes, der
Wiederaufſtieg der Nation — das waren die Leitſterne ſeines
Lebens. Sie müſſen in dieſen Zeiten der Zerklüftung auch
fer=
nerhin über dem deutſchen Volke ſtehen.
Erfüllen wir unſere Pflicht, ſchließen wir die Neihen und
gehen wir den Weg weiter zu den Zielen, die Guſtav
Streſe=
mann uns geſteckt hat.
Bereits in den frühen Morgenſtunden des Donnerstag haben
ſchen Miſſionen im Auslande haben telgraphiſch
Au=
flaggen.
Der Präſident des Heſſiſchen Landtages ſandte an
Reichs=
kanzler Dr. Müller folgendes Beileidstelegramm: „Dem
Reichskabinett ſpreche ich im Namen des Heſſiſchen Landtags
zu dem Ableben des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann in=
Verdienſte um das Deutſche Reich werden ihm einen
Ehren=
platz in der Geſchichte ſichern.”
Der Herr Oberbürgermeiſter hat dem Reichskabinett aus
Anlaß des Ablebens des Herrn Reichsaußenminiſters folgendes
Telegramm zugehen laſſen: „Angeſichts des ſchweren Verluſtes,
den das Vaterland durch den allzufrühen Heimgang des Herrn
Neichsaußenminiſters in kritiſcher Zeit erlitten hat, ſpreche ich,
zugleich namens der Heſſiſchen Landeshauptſtadt, dem Herrn
Reichskanzler und dem Reichskabinett herzlichſtes Beileid aus.
Delp, Bürgermeiſter.”
Beileid des beſehlen heſſiſchen Gebietes.
Der Landeskommiſſar für das beſetzte Gebiet,
Provinzial=
birektor Dr. Uſinger, hat an Frau Reichsminiſter Dr.
Streſe=
mann folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Deutſchland und
die Welt mit ihm trauern um den mächtigen Verſtand und das
große Herz des Mannes, der wie keiner dem Frieden und der
Verſöhnung den Weg gebahnt hat. Die Lande am Rhein, und
darunter das beſetzte heſſiſche Gebiet, danken dem Staatsmann,
der ihnen die Freiheit erſtritt, in tiefſtem Schmerz ob ſeines,
jähen Todes.”
zufchf en unfent. De Kaufer Weniauf
ie Geſtäle es Aunenanffelufs. der Fifel.
kag der 2.V.P. abgeſagl.
Es iſt ein ungeſchriebenes Geſetz, daß über die
Nachfolge=
ſchaft nicht geſprochen wird, ſolange der Verſtorbene noch nicht
beigeſetzt iſt. Dieſe gebotene Zurückhaltung hat ſich dem
Reichs=
außenminiſter gegenüber nicht aufrecht erhalten laſſen. Schuld
daran iſt zum Teil die Senſationsgier, zum Teil aber auch die
Erkenntnis, daß die Lücke ſolange nicht offenbleiben kann. Auch
der Kanzler iſt offenbar der Meinung, daß es für den Gang der
Verhandlungen und die Vorbereitungen der Haager
Schluß=
konferenz unbedingt einer leitenden Hand bedarf. Gerade des
halb aber ſpricht die Wahrſcheinlichkeit dafür, daß zunächſt
ein Proviſorium geſchaffen wird. Wollte man jetzt an
eine Neubeſetzung herangehen, dann würde die ganze Frage der
Koalitionspolitik überhaupt angerührt. Der Vorwärts” ſpricht
es offen aus, daß durch den Tod Dr. Streſemanus das
perſön=
liche Band zerriſſen werde, das die Linke mit der Volkspartei
verknüpfte. Das iſt wohl falſch geſehen. Richtig iſt aber
jeden=
falls, daß die Koalition ſich auch rein ſachlich in einer ſchweren
Kriſe befindet, die irgendwelche perſönlichen Belaſtungen nicht
verträgt. Der Verſuch einer Entpolitiſierung des Auswärtigen
Amtes, etwa durch die Ernennung eines Botſchafters zum
Außenminiſter, wird keine Ausſicht auf Erfolg haben. Eine
Neubeſetzung durch einen Parlamentarier aber iſt mehr als
ge=
fährlich, weil dadurch das mühſam ausbalancierte Gleichgewicht
zwiſchen den Parteien ins Gleiten kommen könnte. Es iſt ja
bekannt, daß das Zentrum ſeit langem den Ehrgeiz hat, den
Außenminiſter zu ſtellen. Auch die Sozialdemokraten glauben,
geeignete Kandidaten ſtellen zu können. Das würde bedeuten,
daß die Volkspartei durch ein anderes Miniſterium entſchädigt
werden müßte. Die Sozialdemokratie iſt an ſich auch bereit, den
Finanzminiſter zu opfern und ſogar das Arbeitsminiſterium
ab=
zugeben. Wenn man aber einmal mit ſolchen Umgruppierungen
beginnt, dann iſt das Ende nicht abzuſehen. Ein Volksparteiler
kommt aber im Augenblick nicht in Frage. Der
Reichswirtſchafts=
miniſter Dr. Curtius, der wohl der nächſte dazu wäre, iſtſchwer
krank aus Karlsbad zurückgekehrt, wird alſo geſundheitlich kaum
in der Lage ſein, die Anſtrengungen des Auswärtigen Amtes
auf ſich zu nehmen. Der Fraktionsvorſitzende der Deutſchen
Volkspartei, Dr. Scholz, iſt gerade am Donnerstag wieder in
das Krankenhaus verbracht worden und ſteht nun doch
wahr=
ſcheinlich vor der Operation. Seine Angehörigen haben es noch
nicht einmal gewagt, ihm den Tod Dr. Streſemanns mitzuteilen.
Andere Kandidaten aus der Volkspartei heraus kommen wohl
kaum in Frage. Es ſcheint uns deshalb das Klügſte, allen dieſen
Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen und ein Proviſorium
zu ſchaffen.
Dazu beſtehen zwei Möglichkeiten. Entweder übernimmt
einer der Miniſter nebenamtlich die Geſchäfte des
Außenmini=
ſters, oder einer der Botſchafter übernimmt die Leitung. Der
letztere Ausweg aber würde eine Kränkung des Staatsſekretärs
im Auswärtigen Amt Dr. v. Schubert bedeuten, die man wohl
lieber vermeiden wird. Denn es iſt doch das Ziel, daß die ruhige
Weiterarbeit des Auswärtigen Amtes nicht gefährdet, werden
darf, und Herr v. Schubert iſt, wenn ihm auch eigene Initiative
fehlt, ein fleißiger Arbeiter, der den ganzen Komplex der
Nepa=
ration beherrſcht, der alſo jetzt kaum zu entbehren iſt. Für die
proviſoriſche Verwaltung aus dem Kabinett kämen Dr. Curtius.
Dr. Wirth und ſchließlich der Kanzler ſelbſt in Frage. Sachlich
das erſtrebenswerteſte wäre es, wenn der Kanzler ſelbſt in die
Breſche ſpränge, obwohl auch bei dem Kanzler geſundheitliche
Bedenken beſtehen. Wir glauben aber doch, daß Herr Müller
dieſe Hemmungen ſchließlich überwinden wird. Er hat ſich ja
auch bereits zum Freitag beim Reichspräſidenten angeſagt, der
wieder einmal ſeinen Urlaub unterbrechen und nach Berlin
zu=
rückehren mußte, und vermutlich wird hier ſchon die
Entſchei=
dung fallen, die wir in der Nichtung ſuchen, daß die
Neu=
beſetzung des Auswärtigen Amts bis nach der
Haager Konferenz verſchoben, alſo bis zur
Neu=
orientierung unſerer Innenpolitik vertagt wird und daß bis
dahin der Kanzler die Geſchäfte des
Außenmini=
ſteriums ſelbſt führt.
Auch für die Volkspartei iſt die Neuwahl eines
Führers notwendig. Hier drängt aber die Zeit nicht ſo. Der
Parteivorſtand hat die Einberufung des Parteitages abgeſagt,
der wahrſcheinlich nun erſt nach dem Jahreswechſel
zuſammen=
treten wird, wenn ſich die Entwicklung etwas überſehen läßt,
und wo hoffentlich auch die Zeit der Erkrankungen, die gerade in
der Bolkspartei die Kräfte ſo ſehr geſchwächt, vorüber ſein wird.
Beileid der franzöſiſchen Regierung an den Kanzler
und Fiands in Krauf Aefenan.
EP. Paris, 3. Oktober.
Der plötzliche Tod Streſemanns hat hier in der geſamten
Oeffentlichkeit allgemeine Beſtürzung hervorgerufen.
Streſe=
ſämtliche ausländiſchen Diplomatenin Berlin ihrBeileid mann repräſentierte, für den Franzoſen — dies kommt in faſt delsminiſter Graham hob in beſonderem Maß
Streſe=
zum Tode Dr. Streſemanns ausgeſprochen. Die deut= allen Kommentaren der Abendblätter, zum Ausdruck — das
weiſung erhalten, bis einſchließlich Sonntag Halbmaſt zu ſiſchen Annäherung. Sein Name wird in einem Atem= am Leben geblieben wäre, durch ſeine Anſtrengungen bald in
zug mit dem Briands genannt. Man bezeichnet ihn
als intelligent und ſeine Politik als eine ſolche der Vernunft
und des geſunden Menſchenverſtandes. Er war für das
tant Deutſchlands, wie Briand der Sprecher
Frankreichs iſt.
Miniſterpräſident Briand hatte heute morgen ſofort nach
nigſtes Beileid aus. Sein großes Pflichtbewußtſein und ſeine, ſeiner Rückkehr in den Quai dOrſay den franzöſiſchen
Botſchaf=
ter in Berlin beauftragt, unverzüglich dem Reichskanzler ſein
perſönliches Beileid zum Tode Streſemanns auszudrücken. —
Außerdem ſandte Briand ein Telegramm an Frau Streſemann,
das folgenden Wortlaut hat: „Mit lebhaftem Bedauern erfahre
ich den Tod Herrn Streſemanns und ich bitte Sie an meine
ſchmerzliche Sympathie für die Trauer, die Sie ſo grauſam
Mann bewahren, der in der Verfolgung eines gemeinſamen
Ideals mir erlaubt hat, die große Höhe ſeiner Anſichten und die
Zahlreiche politiſche Perſönlichkeiten haben ſich anläßlich
des Hinſcheidens des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemanns
zur deutſchen Botſchaft begeben, um ſich in eine dort aufgelegte
Kondolenzliſte einzutragen. Darunter befinden ſich u. a.:
Innen=
miniſter Tardieu, Arbeitsminiſter Loucheur, Finanzminiſter
Chéron, Unterſtaatsſekretär Henry Pathé, der ehemalige
Mini=
ſter und Vorſitzende der franzöſiſchdeutſchen Parlamentsgruppe,
Le Trocquer, der Polizeipräſident Chiappe, der kanadiſche
Ge=
ſandte Roy, der japaniſche Botſchafter Adatſchi, der Vertreter
Kanadas im Völkerbund, Dandurand, der ſpaniſche Botſchafter
Quinones de Leon, der Präſident des Pariſer Stadtrates,
Lemarchant.
Die Pariſer Preſſe zum Tode Streſemanns.
Die Nachmittagsblätter bringem in großen Schlagzeilen
über die ganze Breite der erſtem Seite hin die Nachricht. Sie
nehmen nicht nur lediglich zu ſeinem Tode Stellung, ſondern
bringen Aeußerungen vieler Parlamentarier und politiſcher
Perſönlichkeiten. Dieſe alle, ſei es nun der ſpaniſche
Bot=
ſchafter Quinones de Leon oder der tſchechoflowakiſche
Geſandte Oſuski oder namhafte franzöſiſche Parlamentarier, wie
Loucheur, der ſozialiſtiſche elſäſſiſche Abgeordnete Grumbach, der
Radikale Lamoureux, ſprechen mit Bedauern von dem
großen Staatsmann, dem Patrioten und
Frie=
densmann, der Streſemann geweſen war.
Oſuski erklärte einem Vertreter des Intranſigegnt”
Streſe=
mann war geweſen und wird trotz ſeines Todes der große
Hand=
werker der Annäherung zwiſchen Deutſchland und alen anderen
Nationen der ganzen Welt bleiben.
Man hält es hier allgemein für ein großes Glück, daß
Streſemann noch die Verhandlungen, die mit der Annahme des
Young=Planes ihren Abſchluß fanden, zu einem guten Ende
führen konnte und für ein tragiſches Geſchick, daß er
ſo früh, mitten in ſeiner Arbeit, ohne die
Auf=
gabe, die ihm zufiel, vollenden zu können,
ſter=
ben mußte. — Der radikale Abgeordnete Lamoureux
erklärte: „Zehn Jahre zu früh verſchied
Streſe=
mann, und es wäre für Europa nützlich geweſen,
wenn er noch hätte bis zur vollſtändigen
Orgg=
niſierung des in Genf ausgearbeiteten Planes
hättelebenkönnen. — In der „Liberté” ſchreibt Jacques zig, hat ein Beileidstelegramm an Reichskanzler Müller ge=
Bainville: „Streſemann hat nicht einmal den Augenblich erleben
dürfen, hinter ſich zu ſchauen und mit einem Auge, dag das
Recht gehabt hätte, ſtolz zu ſein, den zurückgelegten Weg, die
aufſteigende Linie, zu betrachten, auf der er Deutſchland geführt
hat. Er ſtirbt als Befreier des beſetzten
Gebie=
tes. Was in Frankreich der Ruhmestitel eines Thiers, iſt ſein druck gibt.
Ruhmestitel in Deutſchland. Locarno war ſein Meiſterſtück und
es darf. Streſemann nicht vergeſſen werden, daß er den Pakt von
Locarno vorgeſchlagen hat. So werden die Deutſchen mit
Be=
dauern das Andenken Dr. Streſemanns bewahren, der ſeit
Bismarck am meiſten für das Reich gearbeitet
hat.” — Der „Temps” erklärt: „Es war ein Deutſcher, der
den Gruß verdient, den man einem Eegner ſchuldet, der ſeinen
Mut in den ſchwierigſten Fällen untek Beweis geſtellt hat.”
Die Blätter heben bei der Schilderung der Lebensgeſchichte
Streſemanns allgemein hervor, daß er, der Schüler
Bis=
das Verdienſt habe, bald erkannt zu haben, daß eine Rebanche=
Deutſchland bedeutende Vorteile herauszuholen gewußt. Bei der
„Temps” und der „Intranſigeant” ſehr beunruhigt. Der
Temps” meint, es ſei zwar noch zu früh, um alle die möglichen dem Gewiſſen.
Rückwirkungen des Todes Streſemanns zu erwägen, aber man
müſſe befürchten, daß ſein Tod große Aenderungen in Deutſch= baren deutſchen Vereinſamung, in den Togen des Ruhrkonſlikts, der
land und Europa mit ſich bringen werde.
innerem Chaupinismus und äußerer Mäßigung zu treiben. Er ſamten deutſchen Volk.
habe ſich als Patriot der fortſchreitenden Befreiung Deutſchlands
gewidmet und die Politik der Verſöhnung oder Wiederverſöh=
Er ſei der Vertreter eines friedlichen Deutſchlands geworden jäher Tod reißt eine empfindliche Lücke.
und ſein Tod erſcheine als ein internationales
Er=
eignis. Die „Information” ſchreibt: „Der größte nicht nur das ganze demokratiſche Deutſchland, ſondern die demokratiſhe
Staatsmann des gegenwärtigen Deutſchlands vom Tode Welt. Dr. Streſemann war nicht nur ein Erkeyner ſeiner Zeit, er war
mitten in der Verteidigung ſeines patriotiſchen Werkes betroffen, nüchterner Vorſtellungen betrieben, er hat ſie auch mit reinem Her=
— Streſemaun in voller Aktion von ſeinem Uebel beſiegt, das
iſt ein großes und meuſchliches Schauſpiel, das zum Nachdenken Krieg zu liguidienen, ſondern der Wille, der Volſtrecker des pazifiſti=
Anlaß gibt.
Auch England irauerk. — Der Labour=Kongreß
nſtdicf die erliefe Huefenanſk.
den. Der engliſche Außenminiſter Henderſon bezeichnete diende. Vor einem ſolchen Manne muß auch der entſchiedenſte Gegner
Streſemann in kurzen Worten als einen „Helden des Achtung haben.
Friedens”. Sein Name werde in der Geſchichte weiterleben
als der eines des großen Schöpfer der europäiſchen Solidarität
und der Verſtändigung, ſolange ſich die Menſchen an die Tage
unſerer heutigen Generation erinnern werden.
Lloyd George bezeichnete den Tod des
deut=
ſchen Außenminiſters, als ein unglück für den
Frieden Europas, während der Schatzkanzler
Snowden das Hinſcheiden Streſemanns als
einen außerordentlichen Verluſt für das
deutſche Volk und ganz Europa betrachtet.
Han=
manns Bemühungen um die Verwirklichung der europäiſchen
Symbol eines Politikers des Friedens und der deutſch=franzö= Staatenvereinigung hervor, die zweifellos, wenn Streſemann
das Gebiet der praktiſchen Politik eingetreten wäre.
Vor der Eröffnung der heutigen Sitzung des Kongreſſes
der Arbeiterpartei in Brighton würdigte der
Vor=
franzöſiſche Volk der Sprecher, der Repräſen= ſitzende Hermann Morriſon in warmen Worten die großen
Ver=
dienſte Streſemanns um den Weltfrieden und erklärte, daß
die Arbeiterpartei und ihre Freunde in allen Ländern wiſſen,
daß Streſemann in außerordentlich hohem Maß zur Befriedung
Europas nach dem Kriege beigetragen habe. Anſtelle einer
Poli=
tik des Widerſtandes habe er es vorgezogen, mit allen Ländern
zuſammenzuarbeiten, mit dem Ziel, die Anhänger eines
dauern=
den Friedens unter den Völkern der Welt zuſammenzuführen.
Auf dem Kongreß der Arbeiterpartei in Brighton nahm auch
der britiſche Außenminiſter Henderſon zu dem plötzlichen Tode
Dr. Streſemanns Stellung. Henderſon erklärte, daß das
Hin=
trifft, zu glauben, Ich werde ein bewegtes Andenken an Ihren ſcheiden Dr. Streſemanns nicht nur ein
Ver=
luſt für das deutſche Volk, ſondern für ganz
Europa und die ganze Welt bedeute. Die Arbeit,
ganze Loyalität ſeines Charakters zu ſchätzen, gez Briand, die Dr. Streſemann in den letzten Jahren für Deutſchland
ge=
leiſtet habe, ſei nicht nur eine Arbeit für
Deutſch=
land, ſondern ein Dienſt an der ganzen
Menſch=
heit geweſen. Dr. Streſemann ſei ein großer deutſcher und
ein ebenſo großer europäiſcher Staatsmann geweſen.
Alle Zeitungen würdigen eingehend die großen Fähigkeiten
Streſemanns, nicht nur als deutſcher Außenminiſter,
ſondern als Vorkämpfer für eine Politik der
Ver=
ſtändigung und des Friedens. — „Evening News”
bezeichnet Dr. Streſemann als einen außerordentlich befähigten
Staatsmann, deſſen größter Wunſch es immer geweſen ſei, mit
Deutſchlands Nachbarn auf gutem Fuße zu bleiben, und der ſie
dazu brachte, Deutſchlands Handlungen und Ziele mit Achtung
und ohne jedes Mißtrauen zu betrachten.
Der „Evening Standard” ſchreibt, daß Deutſchland
durch den Tod Dr. Streſemanns einen Staatsmann
verloren habe, den die Geſchichte als den Mann betrachten
werde, der durch ſeine kluge und vorſichtige Politik als deutſcher
Außenminiſter Deutſchland durch die gefahrvollen
Nachkriegs=
jahre geführt hat. Streſemann ſei der erſte Nachkriegsminiſter
geweſen, der den Mut hatte, eine politiſche Verſöhnung und
Verſtändigung mit den früheren Feinden Deutſchlands
anzu=
bahnen, anſtatt eine hoffnungsloſe Politik des Trotzes und
Miß=
trauens fortzuſetzen. Sein Name werde immer in Verbindung
mit dem Locarno=Vertrag genannt werden, für deſſen
Zuſtande=
kommen der Verſtorbene in der Hauptſache gearbeitet habe.
Das Beileid Oeſterreichs, Danzigs und der Schweiz.
Zum Tode des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann ſpricht
der öſterreichiſche Bundespräſident Dr. Miklas
in einer Depeſche an den Reichspräſidenten von
Hindenburg die ſtärkſte Teilnahme ganz Oeſterreichs aus.
Ebenſo ſpricht Bundeskanzler Dr. Schober in einem
Telegramm an Reichskanzler, Müller der deutſchen
Reichsregierung das tiefſte Beileid der öſterreichiſchen
Regie=
rung aus. Nach Eintreffen der Trauerbotſchaft in Wien begab
ſich Bundeskanzler Dr. Schober zum deutſchen Geſandten Graf
Lerchenfeld, um ihn als den Vertreter der Reichsregierung in
Wien auch perſönlich der ſtärkſten Teilnahme an dem Verluſt,
der ganz Deutſchland getroffen hat, zu verſichern.
Auch Dr. Sahm, der Präſident des Freiſtaates
Dan=
richtet.
Der ſchweizeriſche Bundespräſident Haab hat in den
deutſchen Geſandten Dr. Müller ein Beileidsſchreiben gerichtet,
in welchem er der Beſtürzung, mit der er die Nachricht von dem
plötzlichen Hinſcheiden Dr. Streſemanns empfing, beredten Aus=
*
Alle Wiener Blätter beröffentlichen an exponierter Stelle
Würdi=
gungen des ſo plötzlich dahingeſchiedenen deutſchen Reichsaußenminiſters
Dr. Streſſemann, wobei übereinſtimmend von den Blättern aller
Par=
teien hervorgehoben wird, daß der Tod Dr. Streſemanns nicht nur für
ſein Vaterland und das geſamte beutſche Volk, ſondern für den
euro=
päiſchen Gedanken des Friedens und der Verſtändigung einen
unſchätz=
baren, kaum erſetzbaren Verluſt bedeutet.
Die „Neue Freie Preſſe” überſchreibt ihren Leitartikel „Das deutſche
Voll beklagt einen großen Toten” und meint: Für Deutſchland und
marcks, obgleich er ſich im Grunde, nicht geändert habe, doch uns iſt dieſer Tod ohne alle innere Vorbereitung etwas, was uns wie
eine Naturkataſtrophe erſchreckt, ein Unglück, deſſen Tragweite noch
nicht völlig zu ermeſſen iſt. Denn Streſemann war eine von der
Voy=
politik keine Ausſicht auf Erfolg mehr hat. Er habe es ver= ſehung auserwählte Perſönlichkeit, eine Macht, mit der jeder rechnen
ſtanden, daß das Heil Deutſchlands darin beſteht, aus dem Ver= mußte; ſein Votum und ſein Eingreifen bedeuteten ein Ereignis. Er
trage von Verſailles das Beſtmögliche zu holen. Die Reſultate, war nicht nur ein Politiker von höchſter Gewandtheit und unerhörter
ſeien da. In weniger als fünf Jahren habe Streſemann für Sicherheit in den Zügen des Schachſpiels, er war ein Staatsmonn von
großem Ausmaß, er war beſähigt, werbend zu ſein für Deutſchland,
Vertrauen zu erwecken bei Freunden und Gegnern, Neider zu beſchwich=
Beurteilung der Zukunft zeigen ſich Rechtsblätter wie der tigen und vor allen Dingen auch den tüickſchſten Feind zu Boden eu
ſtrecken. Dieſe tückiſchen Gegner haben das Leben dieſes Mannes auf
Das „Neue Wiener Abendblatt” ſchreibt: In Zeiten der furcht=
Verelendung der deutſchen Wirtſchaft und der deutſchen Arbeiter, er=
Das „Journal des Dsbats”, ſchreibt zum Tode Streſe= wuchs in Dr. Streſemann der große Gedanke eines internationalen
Zu=
manns, er habe niemals aufgehört, das Syſtem einer Gleich= ſammenfaſſens aller Kräfte jenſeits der Standes= und
Klaſſengegen=
getvichtspolitik, aber einer ſolchen mit doppeltem Geſicht zwiſchen ſätze, erwuchs ſeine Bereitwiligkeit zur Zuſammenarbeit mit der
deut=
ſchen Sozialdemokratie, erwuchs eine große, wunderbare Liebe zum ge=
Der ſozialdemokratiſche /Abend” ſagt: Mitten in einer ſchweren
nung dazu benützt. Nach Anſicht des ſozialiſtiſchen „Soir” läßt. Kriſe bedeutet der jähe Tod Dr. Streſemanns für die in Deutſchland
regierenden Koalitionsparteien einen ſchweren Verluſt. Außen= und
der Tod Streſemanns eine große Lücke ſowohl in der innenpolitiſch war die Große Koglition, die jetzt in Deutſchland am
deutſchen Innenpolitik wie in der europäiſchen Politik offen. Nuder iſt ganz auf Streſemann eingeſtellt. Er war ein Eckpfeiler. Sein
Die demokratiſche „Stunde” ſchreibt: Um Dr. Streſemann trauert
mitten in der Erfüllung ſeiner öffentlichen Verpflichtungen und auch ein Wegbahner der Zukunft. Er hat nicht nur Politik auf Grund
zen geformt. Es war nicht nur kalte Vernunft, die ihn dazu trieb, den
ſchen Ideals der Menſcheit zu werden. Streſemann hat mit Briand,
Macdonald und Kellogg einen Uebergang gehahnt. An ſeinem
Nach=
folger liegt es nun, die bereits beſtehende Brücke von Volk eu Voll
breiter und trittſicher zu machen.
Die „Freiheit”, das Blaat der öſterreichiſchen Heimwehren, drückt
ſich wie folgt aus: Wie immer man über Styeſemamns Leben denkem
mag, er had dafür den höchſten Preis bezahlt, ſein eigenes Leben. Er
Die Nachricht vom Tode Dr. Streſemanns iſt in engliſchen hat unter dem Einſatz ſeiner Perſon eine Arbeit leiſten müiſſen, die
not=
politiſchen Kreiſen mit großer Anteilnahme aufgenommen wor= wendig war im Dienſte des Volkes, dem er angehörte und dem er
Seite 4
Freitag, den 4. Oktober 1929
Nummer 275
Genf it erſchilfert.
Die Nachricht von dem Ableben Dr. Streſemanns hat in
Genf tief erſchüttert, und diejenigen Kreiſe, die jahrelang mit ihm
in der Völkerbundspolitik aufs engſte zuſammenarbeiteten,
ſicht=
lich bewegt. Der Verluſt Dr. Streſemanns, der durch ſeine
Tätigkeit in Genf ſich perſönlich und dem Deutſchen Reich die
höchſte Achtung und das Vertrauen der internationalen Welt
er=
rungen hat, wird in Völkerbundskreiſen nicht nur als ein
ſchwerer Verluſt für Deutſchland, ſondern auch
für den Völkerbund ſelbſt betrachtet, weil mit ihm einer
der großen Männer, die die geiſtige Haltung des Völkerbundes
und ſeine Tätigkeit maßgeblich beſtimmt haben, dahinging.
Der ſtellvertretende Generalſekretär des Völkerbundes Avenol
hat an die Reichsregierung heute ein Beileidstelegramm
gerich=
tet. Auch der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert
Thomas, hat der Reichsregierung telegraphiſch ſein Beileid
aus=
geſprochen. Die Kommiſſionen für verſchiedene wirtſchaftliche
und humanitäre Fragen, die augenblicklich in Genf tagen, haben
heute vormittag kurze Trauerfeiern für Dr. Streſemann
abgehal=
ten, bei welchen vor allem der franzöſiſche
Wirtſchafts=
ſachverſtändige Seruys warme Vorte des
Ge=
denkens für den verſtorbenen deutſchen
Außen=
miniſter fand und ſeine Verdienſte gerade auf dem Gebiet
der geſamten Wirtſchaftspolitik des Völkerbundes hervorhob, für
welche Dr. Streſemann ſeit 1926 der offizielle Berichterſtatter
im Völkerbund woar.
Trauer und Beileid in Jugoſlawien und Ungarn.
Die Nachricht über den Tod Dr. Streſemanns hat in der
jugoſlawiſchen Oeffentlichkeit lebhaftes Beileid
hervorge=
rufen. Außenminiſter Marinkowitſch kam gerade zu einer Audienz
zum König, als er die Todesnachricht erhielt. Da der deutſche
Geſandte Köſter gegenwärtig in Raguſa weilt, ſprach der
Potro=
kollchef des Außenminiſters dem Geſandſchaftsſekretär das
Bei=
leid des Außenminiſters aus. Die Nachricht vom Ableben des
deutſchen Außenminiſters wurde während einer diplomatiſchen
Sitzung bekannt, die unter dem Vorſitz des päpſtlichen Nuntius
heute vormittag ſtattfand. Sofort wurde ein Delegierter
be=
auftragt, dem Vertreter des deutſchen Geſandten das Beileid
der Sitzungsteilnehmer auszudrücken.
Da von einem ernſten Befinden Dr. Streſemanns in
Buda=
peſt nichts bekannt war und die Zeitungen in den letzten Tagen
auch kein Wort von der Krankheit Streſemanns ſchrieben, kam
die Nachricht von ſeinem plötzlichen Ableben ganz überraſchend
und erregte überall das größte Beileid. Sämtliche
Mittags=
blätter würdigen in ſpaltenlangen Artikeln die Verdienſte
Streſe=
manns, wobei allgemein betont wird, daß Streſemann
zweifellos der größte Politiker der Gegenwart
war, der das Preſtige Deutſchlands als
Groß=
macht wieder herſtellte und es wieder zu einem
entſcheidenden Faktor in Europa machte. Sein
politiſcher Erfolg, der nicht nur Deutſchland, ſondern ganz
Europa betreffe, war die Liquidierung der Kriegsfolgen,
wes=
halb ſein Tod auch beſonders in den beſiegten Staaten das
auf=
richtigſte Beileid hervorrufen müßte.
Polens Ankeilnahme am Tode Dr. Skreſemanns.
Der plötzliche Tod Dr. Streſemanns hat in Warſchau ſtarben
Eindruck gemacht. Der nationaldemokratiſche „ABC” meint,
daß in der Tendenz der deutſchen Außenpolitik — wer auch immer
der Nachfolger Dr. Streſemanns ſein ſollte — eine bedeutende
Aenderung nicht zu erwarten wäre. — In der deutſchen
Ge=
ſandtſchaft erſchien im Auftrage der polniſchen Regierung Graf
Dumoulin, der Chef des Protokolls im polniſchen
Außenminiſte=
rium, um ſein Beileid zum Hinſcheiden des Reichsaußenminiſters
Dr. Streſemann auszuſprechen.
Bom Tage.
In ſeiner geſtrigen Sitzung hat das Reichskabinett die Erhöhung
der Vermahlungsquote für Inlandsweizen von 40
auf 50 Prozent für die Monate Oktober und November beſchloſſen.
In der Nacht zum Donnerstag iſt der
Regierungspräſi=
dent von Koblenz, Dr. Brand, einem Schlaganfall
erlegen. Der Verſtorbene ſtand der Deutſchen Volkspartei nahe.
Die Beratungen der Kohlenfachverſtändigen beim
Völkerbundsſekretariat in Genf, die vier Tage gedauert haben, ſind zu
Ende gegangen. Die Beſprechungen haben, wie vorauszuſehen war,
ſowohl über die Frage einer internationalen Regelung der Abſatzmärkte
und Kohlenpreiſe, als auch über die Bildung eines internationalen
Kohlenbüros zu keinem Ergebnis geführt.
Der ruſſiſche Bevollmächtigte Botſchafter Dowgalewſki und
Hender=
ſon haben das Schriftſtück, das die engliſch=ruſſiſchen Vereinbarungen
über die Wiederaufnahme der diplomatiſchen Beziehungen, über die
Propagandafrage und über die Vehandlung der noch ſchwebenden
Streit=
fragen umfaßt, unterzeichnet.
Der Botſchaftsrat der ruſſiſchen Botſchaft in Paris, Beſſedowſky,
floh geſtern aus der Sowjetbotſchaft in Paris, um einer Verhaftung
durch die Tſcheka zu entgehen.
Die Führer der Provinzorganiſationen der Liberalen
Partei in Numänien hielten eine Konferenz ab, in der der
frühere Miniſterpräſident und Führer der Partei, Vintilia
Bra=
tianu, einen heftigen Feldzug der Partei zum Sturz
der gegenwärtigen Regierung Maniu ankündigte.
Der frühere ägyptiſche Miniſterpräſident Adly Paſcha hat den
Auftrag König Fuads, ein interimiſtiſches Kabinett.
zu bilden, angenommen.
Präſident Hoover hat im Senat die zweite
Schlacht im Kampf um den amerikaniſchen
Zoll=
tarif verloren. Geſtern kam die ſogenannte Biegſamkeitsklauſel
zur Abſtimmung, für deren Einfügung in den Zolltarif ſich Hoover
beſonders eingeſetzt hatte. Sie wurde mit 47 gegen 42 Stimmen
ab=
gelehnt.
Nach einer Meldung aus Lima iſt die aus einem General und
mehreren Offizieren beſtehende deutſche Militärmiſſion in
Peru infolge der Beilegung des Tacna=Ariea=Konfliktes
entlaſ=
ſen worden.
Die Arbeitsloſen=Berſicherungsreform
erledigk.
Das Geſek mit 238 gegen 155 Skimmen bei 40
Enk=
hallungen vom Reichstag angenommen.
* Berlin, 3. Okt. (Priv.=Tel.)
Die dritte Leſung des Arbeitsloſengeſetzes iſt vom Reichstag
ſehr raſch erledigt worden. Sie bedeutete den letzten
innerpoli=
tiſchen Erfolg des verſtorbenen Reichsaußenminiſters, der ſeine
Fraktion für eine Stimmenthaltung gewonnen hatte. In
ge=
wöhnlichen Zeiten hätte es wahrſcheinlich eine große Redeſchlacht
gegeben, jetzt aber verſpürt niemand mehr Neigung, den Kampf
fortzuſetzen. Die Diskuſſion wird ſtillſchweigend vertagt, nur
die Kommuniſten reden, als ob nichts geſchehen wäre, jedoch
nirgends ein Widerhall. Der Reichsarbeitsminiſter zieht das
be=
friſtete Sondergeſetz, in dem urſprünglich die Beitragserhöhung
enthalten war, formell zurück. Die Volkspartei gibt eine kurze
Erklärung ab, worin ſie die in dem Geſetz enthaltenen Fortſchritte
anerkennt, an ihrem Grundſatz, die Reichsanſtalt finanziell auf
eigene Füße zu ſtellen, feſthält und ſich deshalb, um nicht weitere
Verhandlungen unmöglich zu machen, der Stimme enthält. Auch
die anderen Parteien begnügen ſich mit kurzen Erklärungen, und
in der Schlußabſtimmung wird das Geſetz mit 238:155 Stimmen
der Deutſchnationalen, Kommuniſten, Nationalſozialiſten und
Wirtſchaftsparteiler bei Stimmenthaltung der Volkspartei
ange=
nommen, worauf der Reichstag ſich auf unbeſtimmte Zeit,
ver=
mutlich bis Ende Oktober vertagt.
Ein ſonderbarer Borfall in der Bariſer
Sowletbokſchaft.
Der ruſſiſche Geſchäftskräger Beſſedowfki
auf der Flucht vor der Tſcheka.
EP. Paris, 3. Oktober.
Der „Matin” berichtet heute morgen von einem ſonderbaren
Vorfall, der ſich in der hieſigen ſowjetruſſiſchen Botſchaft
zuge=
tragen hat. In Abweſenheit des Botſchafters Dowgalewſki, der
ſich bekanntlich in London befindet, führte der erſte Botſchaftsrat
Beſſedowfki die Geſchäfte. Nach dem „Matin” erhielt
Beſſe=
dowfki geſtern den Beſuch eines Abgeſandten der Tſcheka namens
Roſenmann, mit dem er eine längere und ſehr ſtürmiſche
Aus=
einanderſetzung hatte, die ſich im befonderen um die
Innen=
politik Moskaus drehte. Der Abgeſandte Moskaus erklärte zum
Schluß, Beſſedowſki müſſe ſofort nach Moskau zurückehren, um
vor der Regierung über ſeine ketzeriſchen Anſichten Rechenſchaft
abzulegen. Beſſedowfki weigerte, ſich aber, nach Moskau zu
fahren und verließ das Zimmer, in dem die Unterredung
ſtatt=
fand, um ſeine Frau davon zu unterrichten. Sie beſchloſſen,
ſo=
fort die Botſchaft zu verlaſſen. An der Pforte ſtellten ſich ihnen
jedoch die beiden Pförtner mit vorgehaltenem Revolver entgegen
und erklärten ihnen, ſie würden auf Befehl Roſenmanns
vor=
läufig in der Botſchaft feſtgehalten und dürften ſie nicht
ver=
laſſen. Beſſedowfki gelang es jedoch ſchließlich, durch den Garten
der Botſchaft zu entfliehen. Er begab ſich auf das
Polizeipräſi=
dium, um die Polizei zu bitten, ſeine Frau und ſein Kind, die
er in Gefahr glaubte, aus der Botſchaft zu holen. Nach einer
längeren Auseinanderſetzung der Polizeibeamten mit einigen
Botſchaftsmitgliedern, die ſich auf die Exterritorialität beriefen,
wurde die Polizei ſchließlich in die Botſchaft eingelaſſen, und
wenige Minuten ſpäter konnte Frau Beſſedowſki und Kind das
Haus verlaſſen. Beſſedowfki erklärte einem Redakteur des „
Ma=
tin”, er werde vorerſt keine weiteren Schritte unternehmen,
Falls er ſich bedroht fühle, werde er ſich ſofort unter
polizei=
lichen Schutz ſtellen. Beſſedowfki iſt ſeit Oktober 1927 in der
hieſigen ruſſiſchen Botſchaft. Vorher war er in Tokio
Bot=
ſchaftsrat.
Beſſedowfki gab dem „Temps” eine längere Erklärung über
ſeine politiſchen Meinungsverſchiedenheiten mit den Moskauer
Gewalthabern. Er ſei der Anſicht, daß die Moskauer Politik
das Land und die Revolution zugrunde richte und Rußland in
einem Maße ſchwäche, daß ſogar China ſich ungeſtraft darüber
luſtig machen könne. Die anläßlich des 1. Auguſt in allen
Län=
dern entfaltete kommuniſtiſche Propaganda werde die
Iſolie=
rung Rußlands zur Folge haben. Er habe der Aufforderung,
ſich in Moskau wegen ſeiner Haltung zu veranworten, keine
Folge geleiſtet. Er ſei keiner von denen, die man in Kellern
erſticke. Zur Befreiung ſeiner Gattin und ſeines Kindes habe
er ſich der franzöſiſchen Polizei bedienen müſſen, weil ſie, wenn
ſie nur eine Nacht in der Botſchaft verblieben wären, ebenſo
wie er ſelbſt, von einem „Unfall” bedroht geweſen wären, der
alles geregelt haben würde.
Die Polizeipräfektur veröffentlicht eine Note in der der
Sachverhalt beſtätigt wird. Polizeidirektor Benoiſt habe, ſich
geſtern abend in Begleitung Beſſedowfkis in die Sowjetbotſchaft
begeben. Beſſedowfki habe von der Portierloge aus telephoniſch
ſeine Familie aufgefordert, mit ihm das Gebäude zu verlaſſen,
Das ſei dann auch geſchehen, ohne daß die franzöſiſche Polizei
habe einzugreifen brauchen.
Auf der Botſchaft ſelbſt zeigt man ſich äußerſt zugeknöpft.
Man weigert ſich, irgendwelche Auskunft zu geben, beſtätigt
weder, noch dementiert die bisher in der Preſſe erſchienenen
Be=
richte und beſchränkt ſich darauf, zu erklären, Botſchafter
Dow=
galewſki werde in zwei Tagen aus London zurückkehren und
dann höchſtwahrſcheinlich ein Communigus ausgeben und
ge=
wiſſe Dinge richtigſtellen.
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Nummer 225
Freitag, den 4. Oktober 1929
Seite 3
Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, 4. Oktober.
— Halbmaſt! Aus Anlaß des Ablebens des
Reichsaußen=
miniſters Dr. Streſemann haben ſeit geſtern die ſtaatlichen,
ſtädtiſchen und viele privaten Gebäude Halbmaſt geflaggt.
— Zur Erledigung kommen die Stellen der Amtsvorſtände der
Forſtämter Seligenſtadt am 1. November 1999 und
Duden=
hofen am 1. Dezember 1929. Meldeſchluß: 16. Oktober 1929.
— Heſſiſches Landestheater. „Die Dreigroſchenoper” wird
heute Freitag, 20 Uhr, im Großen Haus mit der erfolgreichen
Pre=
mierenbeſetzung wiederholt. (Miete 1.)
Mozarts „Entführung aus dem Serail” kommt heute
Freitag 20 Uhr, im Kleinen Haus zum erſten Male in dieſer Spielzeit
unter muſikaliſcher Leitung von Carl Bamberger mit Walter, Höfflin
als Gaſt (vom Stadttheater Mainz), Kuhn, Harre, Vogt, Weſtermann
zur Aufführung. (Zuſatzmiete II.)
„Intermezzo” von Richard Strauß wird morgen Samstag,
20 Uhr, im Großen Haus für die Miete I. und die Gemeinde R der
Darmſtädter Volksbühne in Szene gehen.
„Aufgang nur für Herrſchaften”, die amüſante
Geſell=
ſchaftskomödie von Siegfried Geher, wird morgen Samstag. 20 Uhr, im
Kleinen Haus anſtelle des angekündigten Schauſpiels „Der heſſiſche
Landbote” zur Darſtellung gebracht. Zuſatzmiete UII.)
Sonntags=Vorſtellung „Othello‟. Die ungewöhnlich
beliebte Verdi=Oper „Othello” gelangt zum erſten Male in dieſer
Spiel=
zeit am Sonntag, 6. Oktober, 19 Uhr, im Großen Haus in der
Inſze=
nierung Carl Eberts zur Aufführung. Muſikaliſche Leitung: Dr.
Karl Böhm. Othello: Hans Grahl, Desdemona: Annh von Stoſch,
Jago: Hans Komregg, Caſſio: Otto Stadelmaier. Die Aufführung
findet als erſte Vorſtellung der Miete II des Bühnenvolksbundes ſtatt.
Erſtes Sinfonie=Konzert des Landestheater=
Orcheſters. Am Montag, den 7. Oktober, wird eine der
berühm=
teſten Pianiſtinnen nach langer Pauſe wieder in einem Sinfoniekonzert
des Landestheater=Orcheſters mitwirken: Frieda Kwaſt=Hodapp.
Die vielen Freunde der einzigartigen Künſtlerin werden es beſonders
begrüßen, daß ſie ein Werk ſpielt, das zu den ſchönſten Klavierkonzerten
gehört, die je geſchrieben wurden: Beethovens
Klavierkon=
zert C=Dur. Gerade Frau Kwaſt=Hodapp iſt dieſem Werk von
je=
her eine beſonders hervorragende. Interpretin geweſen. — Außer
Beethovens Klavierkonzert wird Anton Bruckners Fünfte Sinfonie in
B=Dur zur Aufführung kommen.
— Von den Herſtellungsarbeiten der Stadtkirche. Wer in den
letz=
ten Tagen in den frühen Morgenſtunden an der hieſigen Stadtkirche
vorüberging, konnte bemerken, daß der über vierzig Jahre alte, äußerſt
harte Zementputz der Außenſeite der Kirche auf eine neuartige,
zeit=
gemäße Weiſe entfernt wurde. Anſtelle der ſeither üblichen
Hand=
abklopfbeile fanden hier erſtmals Preßluftwerkzeuge Verwendung. Je
nach der Härte des zuweilen fünf Zentimeter ſtarken Verputzes wurden
verſchieden breite ſpatenförmige Meißel angeſetzt, deren zweckmäßigſte
Form durch zahlreiche Vorverſuche entwickelt wurde. Hierdurch gelang
es, den Verputz, nicht wie früher an derartig hartem Material in kleinen
Stücken jetzt in größeren Platten loszulöſen. Die von der Firma
Wilhelm Klein=Darmſtadt ausgeführten Arbeiten lieferten als Ergebnis
dieſes erſten praktiſchen Verſuches eine erhebliche Vereinfachung der
Arbeitsweiſe und Arbeitszeit. Auch im Weißbindergewerbe wird ſich
die Maſchinenarbeit immer mehr einführen.
— Kindergarten in der Waldkolonie. Es war leuchtender
Sonnen=
ſchein, als am Sonntag mittag die Eltern mit ihren Kleinen und viele
andere Freunde in die Leſſingſchule kamen, um dort an der ſchlichten
Eröffnungsfeier des neuen Kindergartens teilzunehmen. Veranſtalter
des Kindergartens iſt der evangeliſche Frauenverein der
Johannes=
gemeinde, der ſich mit dieſem neuen Werk ein ganz beſonderes Verdienſt
erworben hat. Denn daß da draußen in der Waldkolonie ein
Kinder=
garten dringend nötig war, zeigt die große Zahl der Anmeldungen, die
jetzt ſchon faſt 60 beträgt. Es ſollen Kinder aller Konfeſſionen im Alter
von 3—6 Jahren Aufnahme finden. Die Arbeit wird nach der Methode
der Kindergartenerziehung von einer geprüften Kindergärtnerin, Frl.
Keth, geleitet werden, und ihr zur Seite ſteht noch eine Helferin.
Dank=
bar ſind wir vor allem auch der Stadt Darmſtadt, die uns zwei feine,
helle Räume in der Schule zu dieſem Zwecke freundlichſt zur Verfügung
geſtellt hat. Praktiſch und freundlich ſind ſie und laſſen eine vorbildliche
Arbeit an den Kindern zu. Allgemein war ſo am Sonntag das
Erſtau=
nen und die Freude über dieſen neuen, zweckmäßigen Kindergarten.
Und die Kleinen haben ſich auf ihren feinen, bequemen Stühlchen ſo
wohl gefühlt, daß ſie am liebſten gleich dageblieben wären. Bei der
Feier ſelbſt wirkte die Jugendvereinigung der Waldkolonie durch den
Vortrag von Liedern und Orcheſterſtücken freundlichſt mit, ihr ſei noch
einmal gedankt. Nach den Begrüßungsworten des Herrn Pfarrers
Marx fand Herr Schulrat Löſch freundliche Worte und Wünſche für
dieſe neue Arbeit an den Kleinen. Er wies darauf hin, wie vor allem
auch das Elternhaus gemeinſam mit der Arbeit im Kindergarten
arbei=
ten müſſe. Die Leiterin, Frl. Keth, gab einen Einblick in die ganze
Arbeit des Kindergartens. Die Kleinen wurden für ihr langes
Still=
ſitzen mit einer großen Brezel belohnt. Beſonders zu danken iſt noch
dem Männerverein der Johannesgemeinde, der einen größeren Betrag
zur Anſchaffung von Fröbelſpielſachen freundlichſt geſtiftet hat. Alles
in allem; es war eine frohe Stunde. Freude und Segen ſei der Wunſch
für dieſes ſchöne, wichtige Werk!
— Neuzeitliche Obſtverwertung. Man ſchreibt uns: In dem
reich=
geſegneten Obſtjahre iſt, die Frage der möglichſt zweckmäßigen
Ver=
wendung des vielen Obſtes beſonders brennend. Dabei wird man
be=
ſtrebt ſein, ſich die neuzeitlichen Fortſchritte der Ernährungslehre
zu=
nutze zu machen. Die Schweiz beſitzt ſeit langer Zeit muſtergültige
Einrichtungen zur Erhaltung des Obſtes auf gärungsloſem Wege Seit
einigen Jahren folgen dieſem Beiſpiel Württemberg, Baden, Bahern
uſw. Auch in Heſſen wurde im vorigen Jahre in dem Heſſiſchen
Lan=
desausſchuß für gärungsloſe Früchteverwertung eine Organiſation
ge=
ſchaffen, welche den Weg zur Gewinnung guter, naturreiner,
unver=
gorener Obſtſäfte weiſen will. Es iſt erſtaunlich und erfreulich, welchem
lebhaften Intereſſe dieſe Beſtrebungen begegnen. Um nun der
Bevöl=
kerung von Darmſtadt und Umgebung die erprobten Verfahren
darzu=
ſtellen, wird der Heſſiſche Landesausſchuß für gärungsloſe
Früchtever=
wertung bei der am 5., 6. und 7. Oktober 1999 ſtattfindenden
Jubiläums=
ausſtellung des Obſt= und Gartenbauverbandes in den Näumen der
Vereinigten Geſellſchaft mit Unterſtützung namhafter Firmen die
Süß=
moſtbereitung vorführen. Wir empfehlen die Beſichtigung der ganzen
Ausſtellung und bitten, dieſer Abteilung beſonderes Intereſſe zu widmen.
— Reichskurzſchrift. Wir machen darauf aufmerkſam, daß der
Ga=
belsberger, Stenographenverein 1861. (Ballonſchule)
ſeine neuen Anfängerkurſe am Dienstag, den 8., und Freitag,
den 11. Oktober, in ſeinen großen und hellen Unterrichtsräumen in der
Ballonſchule beginnt. Die Kurſe ſtehen unter Leitung bewährter
Steno=
grabhielehrer, und iſt für gute Ausbildung Sorge getragen. Die
Teilnehmergebühren ſind ſehr niedrig und können in Raten bezahlt
werden. Anmeldung und unverbindliche Auskunft in der
Auskunfts=
ſtelle Ballonſchule während der Unterrichtsabende und in den erſten
Stunden. Maſchinenſchreibunterricht, der jederzeit
be=
gonnen werden kann, und ebenfalls unter fachmänniſcher Leitung ſteht,
wird Ballonplatz 7 erteilt. (Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
Die Beiſetzung Profeſſor Eberles.
Geſtern wurde der ſo plötzlich verſtorbene Rektor Magnifieus
Profeſſor Dipl.=Ing. Chr. Eberle auf dem Waldfriedhof feierlich
beigeſetzt. Welcher Hochachtung und Wertſchätzung ſich der Verſtorbene
als Menſch und Wiſſenſchaftler erfreute, bewies die außerordentlich
ſtarke Beteiligung prominenter Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen
Behörden, wiſſenſchaftlicher und anderer Korporationen. Der Sarg,
der in dem Vorhof des Friedhofes aufgebahrt war, verſchwand unter
Blumen und Kränzen. Die Vertreter der Studentenſchaft hielten zu
beiden Seiten die Ehrenwache; die Korporationen waren mit
um=
florten Fahnen in Wichs erſchienen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen,
der Lehrkörper der Hochſchule, die Vertreter der ſtaatlichen und
ſtädti=
ſchen Behörden und zahlreicher Korporationen verſammelten ſich zu
der Trauerfeier, die mit einem Choral eingeleitet wurde.
Die Einſegnung
nahm Pfarrer Rückert vor, der nach einem Gebet ſeiner
Trauer=
anſprache das Evangelium Johannis 16. Kap. 22. Vers: Jeſus ſprach
zu ſeinen Jüngern: Ihr habt nur Traurigkeit, aber ich wil Euch
wiederſehen und Euer Herz ſoll ſich freuen und Eure Freude ſoll
nie=
mand von Euch nehmen”, zugrunde legte. Zwei Gedanken bewegten
heute die Trauerverſammlung an der Bahre des Entſchlafenen: Trauer
und Troſt. Jeſus gab ſeinen Jüngern, als er von ihnen ging, das
volle Recht der tiefen Trauer, die ſein Scheiden hervorrief. Er
wür=
digte den Schmerz der Seinen. Und auch heute könne man den tiefen
Schmerz verſtehen an der Bahre eines Mannes, deſſen Heimgang allen
ein großer, ſchwerer Verluſt bedeute. Die ganze Tragweite dieſes
Ver=
luſtes könne man erſt jetzt, nach ſeinem Heimgang, ermeſſen. Profeſſor
Eberle, der Führer auf dem Gebiete ſeiner Wiſſenſchaft, der ſein
Können und Wiſſen eiſerner Energie, eigenem Fleiße verdanke, ſtehe
gleich hoch als Wiſſenſchaftler wie als Menſch. Er war ein Mann,
gerade in des Wortes wahrſter Bedeutung; eine Zierde der Anſtalt,
an der er gewirkt hat und der ſeine Arbeit und ſeine Treue bis
zu=
letzt gehörten. Aber nicht nur der Gelehrte von hervorragendem Nufe,
auch das Haupt ſeines Hauſes, der treue Familienvater, werde
be=
trauert. Es ſei ein herber Verluſt für ſeine Angehörigen und für alle,
die ihm naheſtanden. Aber wie Jeſus ſagte: „Ich will Euch wiederſehen
und Euer Herz ſoll ſich freuen”, ſo mögen die Hinterbliebenen darin
einen Troſt erblicken. Wie der Meiſter das letzte höchſte Ziel im
Wie=
derſehen ſieht, ſo möge ſich auch der Menſch ſagen, daß der Tod nicht
Trennung, ſondern letzten Endes Vereinigung — Wiederſehen iſt. In
dieſem Gedanken ſoll uns der Tod nicht zum Verluſt, ſondern zum
Gewinn werden. Vor uns ſtehe das Bild eines wackeren und tapferen
Menſchen, und dieſes Bild werde nicht vergehen. Und wir verſtehen
das Wort „Euer Herz ſoll ſich freuen und Eure Freude ſoll niemand
von Euch nehmen”, und wir wollen nicht trauern wie die, die keine
Hoffnung haben, ſondern mit Ehrfurcht und Dankbarkeit zu dem
ewi=
gen Gott aufblicken, der unerforſchlich iſt, und der uns ſegnet durch
Glück und Unglück, durch Freud und Leid. Gott ſegnet uns auch mit
dem Tod, und ihm ſei Dank in aller Zeit.
Nach einem troſtreichen Gebet, in dem er den Verſtorbenen der
Obhut Gottes empfahl, ſegnete Pfarrer Rückert unter lziſen
Orgel=
klängen den Verſtorbenen mit den Worten „Der Herr behüte deine
Seele, der Herr behüte und ſegne deinen Ausgang und Eingang von
nun an bis in Ewigkeit, zu deiner ewigen Ruhe ſegne ich dich ein.
im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes.
Amen.”
Die Fahnen ſenkten ſich und tieferſchüttert ſtand die
Trauerver=
ſammlung an der Bahre.
Kranzuiederlegungen.
Der Prorektor Profeſſor Dr. Rau legte mit einem warmen
Nach=
ruf einen Kranz nieder:
Unerforſchlich ſind die Geſetze, nach denen der Tod in das Schickſal
der Menſchen eingreift und vergeblich iſt alles Angehen gegen ſeine
Macht. Wie haben wir alle, als wir von der Krankheit Profeſſor
Eberles hörten, unſer ganzes herzlichſtes Wünſchen und Hoffen auf
ſeine Geneſung geſetzt. — Es war vergebens. Er, der bis zuletzt erfüllt
war von ungebrochenem, ſtarkem Lebenswillen, iſt dem Stärkeren
er=
legen. Die Hochſchule hat den Führer verloren, den ſie eben erſt
ge=
wählt. Nie iſt ein Führer mit größerem Vertrauen gewählt worden
als Eberle zum zweitenmal innerhalb der acht Jahre ſeiner
Darm=
ſtädter Wirkſamkeit. Nie iſt eine Trauer aufrichtiger geweſen als
ge=
rade jetzt, wo wir dieſen Führer verloren haben. Eberle hat unſerer
Hochſchule ſeit 1921 angehört. Er hat an ihr in den Jahren 1889—1893
ſtudiert, und in der Spanne zwiſchen dieſen beiden Zeitpunkten liegt
ein unendlich arbeitsreiches Leben, ein Leben voller Vielſeitigkeit, voll
innerer” und äußerer Bewegtheit, das ihn zu dem Manne gemacht hat,
als den wir ihn bewundern und verehren. Zwei Jahre Affiſtentenzeit
an der Techniſchen Hochſchule in Karlsruhe, dann nach einem Jahre
Praxis vier Jahre Lehrtätigkeit an der Maſchinenbauſchule in
Duis=
burg, haben die Liebe zum Lehren in ihm geweckt, die wir hier an
unſerer Hochſchule ſo reich kennengelernt haben. Die elf Jahre Praxis,
die elf Jahre Arbeit beim Baheriſchen Rebiſionsverein in München
haben dann ſeiner wiſſenſchaftlichen Arbeit die Richtung gegeben, der
er bis heute, bis zuletzt mit ſo großem Erfolge immer treu geblieben
iſt. Und ſchließlich haben die Jahre 1910—1916, in denen er als
Gene=
raldirektor die Steinbeißſchen Unternehmungen in Bayern und in
Bos=
nien geleitet hat, ſein bewundernswertes Organiſationstalent
ent=
faltet. Als er dann noch vier Jahre der Techniſchen Hochſchule
Karls=
ruhe als Ordentlicher Honorarprofeſſor angehört hatte, von denen das
letzte Jahr ſchon der Leitung der Hauptſtelle für Wärmewirtſchaft in
Berlin galt, da haben wir dann das Glück gehabt, ihn als Ordentlichen
Profeſſor der Wärmewirtſchaft und Wärmetechnik hierher zu
bekom=
men. Dann gedachte der Prorektor der ſeltenen Eigenſchaften des
Ver=
ſtorbenen als Menſch und als Lehrer und hob, den Idealismus ſeiner
Geſinnung hervor, ein Idealismus, der ſich gerade jetzt wieder
offen=
bart habe, als er vor einiger Zeit ſchon verfügt habe, daß eine große
und hochherzige Stiftung für Stipendien von ihm gemacht wurde
zu=
gunſten von jungen Diplomingenieuren für Arbeiten im
Wärmetech=
niſchen Inſtitut. Was er bei der Gründung, bei der Entwicklung und
dem Ausbau dieſes Inſtituts für die Hochſchule geleiſtet hat, was er als
Rektor 1925/26, was er als Mitglied und Vorſitzender vieler
Kommiſ=
ſionen und Ausſchüſſe getan habe, das verdanke man nicht nur ſeiner
unendlichen Arbeitskraft und Arbeitsfreude, das verdanke man eben
auch ſeinem Idealismus, der Uneigennützigkeit, die ihn einen
Selbſt=
nutzen überhaupt nicht kennen ließ. Prof. Dr. Rau ſchloß mit den
Worten: Aus dieſer Uneigennützigkeit, aus dieſer Selbſtloſigkeit und
Sachlichkeit heraus iſt ja gerade die Atmoſphäre des unbedingten
Ver=
trauens entſtanden, die uns glauben ließ, daß wir keinen Beſſeren als
ihn wieder zum Leiter der Geſchicke der Hochſchule machen könnten.
Sein grenzenloſes Pflichtbewußtſein hat ihn veranlaßt, trotz der
un=
geheuren Arbeitslaſt, die ihm ſeine Lehrtätigkeit, ſein Inſtitut, die
Beratung vieler Stellen der Praxis auferlegte, daß er auch die
große Bürde des Rektoramtes, ohne Murren wieder auf ſich nahm.
Es iſt anders gekommen, und wir haben ihn unwiederbringlich
ver=
loren. Aber Menſchenleben wären nicht wert, gelebt zu werden, wenn
ſie nicht Dinge hinterließen, hinterlaſſen könnten, die unverlierbar ſind.
Und dieſes reiche Leben hat reichſte Früchte hinterlaſſen, die zu dieſen
unverlierbaren Dingen gehören. Es wird unſere Aufgabe ſein, dieſes
Vermächtnis unſeres lieben Kollegen Eberle zu hegen. Und in dieſem
Sinne, indem ich diefes gelobe, lege ich ihm als letzten Gruß in tiefſter
Dankbarkeit und Verehrung dieſen Kranz an ſein Grab.
Miniſter Leuſchner legte namens der Regierung einen Kranz
nieder. Der Heimgang Profeſſor Eberles, des Rektors der Hochſchule,
bedeute ein großer, unerſetzlicher Verluſt. Er. der Großes und
Gewal=
tiges in der Wärmewirtſchaft und auf wiſſenſchaftlichem Gebiet geleiſtet
habe, habe ſein umfaſſendes Wiſſen in den Dienſt der Praxis, der
All=
gemeinheit geſtellt. Er habe ſich ein unvergängliches Denkmal geſetzt,
und an der Bahre des Verſtorbenen wolle er nochmals betonen, daß
die heſſiſche Staatsregierung dem Verſtorbenen ein treues Andenken
be=
wahren werde.
Prof. Dr.=Ing. Heidebroek widmete ſeinem heimgegangenen
Kollegen einen warmen Nachruf. Er hob die Bedeutung des
Verſtor=
benen für die Wiſſenſchaft und Wirtſchaft beſonders hervor und zeiche
nete alle Komplexe ſeines umfaſſenden Wiſſens. Immer neue
Pro=
bleme habe der Verſtorbene gelöſt, und man habe klar erkannt, wie
un=
geheuer groß ſeine Arbeit war. Der Verſtorbene war mehr als
Kol=
lege, er war Vorbild. Er war ſeinen Schülern Lehrer und Freund.
Heute müſſe man Abſchied nehmen mit einem letzten Gruß und des
Verſicherung, daß Profeſſor Eberle Vorbild bleiben werde auch in
Zukunft.
Als Vertreter der geſamten Studenten der Hochſchule gab Cand.
Buchmann ſeinem tiefen Schmerz an der Bahre des verſtorbenen,
hochgeſchätzten Lehrers Ausdruck.
Se. Magnifizenz Prof. Dr. Brückmann=Gießen drückte die
Er=
ſchütterung der Landesuniverſität Gießen bei der Nachricht von dem
Hinſcheiden Prof. Eberles aus. Die Univerſität nähme tiefen Anteil
an dem Tode des Rektors der Techniſchen Hochſchule.
Namens der Stadt Darmſtadt legte mit aufrichtigen Worten der
Anteilnahme Bürgermeiſter Ritzert einen Kranz an der Bahre des
Verſtorbenen nieder, der ſtets der Stadt helfend zur Seite geſtanden
und bereitwillig ſeine ganze Kraft zur Verfügung geſtellt habe und
deſſen Name in den Blättern der Darmſtädter Geſchichte
unanslöſch=
lich eingegraben ſei.
Es folgten noch zahlreiche Kranzniederlegungen, u. a. von
Ver=
tretern der Darmſtädter Korvorationen, Burſchenſchaften, des
Darm=
ſtädter S.C. des Bayeriſchen Reviſionsverbandes und der Deutſchen
Reviſionsverbände durch Dr. Deinlein, der Deutſchen Geſellſchaft für
Techn. Phyſik des Verbandes deutſcher Hochſchullehrer durch Prof.
Kayſer, der Ernſt=Ludwig=Hochſchulgeſellſchaft durch Pvof Berl, der
Afſiſtenten und Angeſtellten durch Divl.=Ing. Holzhauer, des
Aufſichts=
rats des Werks Wölfersheim durch Generaldirektor Miniſterialrat
Windiſch, des Vereins Deutſcher Ingenieure durch Prof. Dr.
Gram=
berg=Frankfurt, der Hauptſtelle für Wärmewirtſchaft durch Dipl.=Ing.
Raiß und der Brown Boveri A.=G. Mannheim.
Noch einmal neigten ſich die Fahnen, als der Sarg unter
Choral=
klängen in das Innere der Friedhofskapelle gebracht wurde. Langſam
ſenkte ſich der Sarg und tieftraurig ſandten die Angehörigen ihrem
teuren Verſtorbenen letzte Blumengrüße.
Darmſtädter Fahrplanbuch
(Winter=Ausgabe) iſt ab
Rennte
an allen bekannten Verkaufsſiellen zum Preiſe von
80 Plenetäg
erhältlich.
— Im Städtiſchen Leihamt findet am Mittwoch, den 9., und
Don=
nerstag, den 10. Oktober 1929, vormittags 8.30—12 Uhr, Verſteigerung
verfallener Pfänder ſtatt. (Siehe heutige Anzeige.)
— Stenographie. Auf die heute abend im Unterrichtslokal der
Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”,
Hand=
werkerſchule Ecke Karl= und Nieder=Ramſtädter Straße beginnenden
neuen Kurſe in Reichskurzſchrift ſei an dieſer Stelle nochmals
hingewieſen.
— Volkshochſchule. Neben unſeren bisherigen Kurſen über
Gym=
naſtik werden wir am 21. Oktober einen ſolchen der Methode
Men=
ſendieck durchführen. Der Zweck der „Reinen Menſendieck=
Gymnaſtik” iſt die Erziehung des geſamten Körpers durch
Uebun=
gen, die aufgebaut ſind auf genaue Einſicht in den Bau, in die
Funk=
tionen der Bewegungsorgane und deren Geſetze. Durch die Uebungen
wird dieſe Geſetzmäßigkeit auf die Alltagsbewegungen angewendet.
Ihre funktionnell richtige Ausführung iſt von unſchätzbarem Wert für
die Geſundheit und die damit verbundene Schönheit des Körpers. Hat
der Körper durch ſchädliche Einflüſſe, z. B. Krankheit oder ſchlechte
Ge=
wohnheit, gelitten, dann führt die „Neine Menſendieck=Gymnaſtik”
dank ihrer zuverläſſig wiſſenſchaftlichen Grundlage zur
Wiederherſtel=
lung. Sogar gewiſſe, ins Gebiet des Krankhaften hinübüerreichende
Zuſtände werden erfahrungsgemäß günſtig durch ſie beeinflußt. Seiner
individuellen Anpaſſungsfähigkeit wegen iſt das Syſtem für jeden
geeig=
net und kennt keine Altersgrenze. Eine gründliche Atemſchulung iſt
mit dem Syſtem untrennbar verbunden.
— Der Kampf um den Ausbau der Leiſtungen der
Angeſtellten=
verſicherung hat zu lebhaften Erörterungen in der Oeffentlichkeit
ge=
führt. Der Geſetzentwurf der Reichsregierung wird noch zu
Aus=
einanderſetzungen der beteiligten Kreiſe führen, weil in dieſem Entwurf
keine Erhöhung der Renten vorgeſehen iſt. Um allen Intereſſenten
Gelegenheit zu geben, ſich über dieſe wichtige Frage zu unterrichten,
findet am Mittwoch, den 9. Oktober, im Bürgerhof eine Verſammlung
ſtatt, in der der bekannte Stadtverordnete A. Geßner, Frankfurt a. M.
zu dem Ausbau der Angeſtelltenverſicherung ſprechen wird. (Alles
Nähere wird in den noch folgenden Anzeigen bekanntgegeben.)
— Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875 — Schwimm=Abteilung. Die
Schwimmſtunden der Schwimm=Abteilung für das
Winterhalb=
jahr 1929/30 beginnen am Samstag, den 5. Oktober, um 7.30 Uhr in
der großen Halle. Wir bitten unſere Mitglieder, ſich recht zahlreich an
den Schwimmabenden einzufinden.
mnahrhattes Frühstück in 3-5 Minuten kertig
und „das Schulkind macht bessere
Fortschritte”, sagen moderne Lehrer
„Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit steigert
eine kräftige Kost am Morgen”, sagen die Aerzte.
In Quäker Rapidflocken ist ein Reichtum an
leben=
spendenden Stoffen von der Natur für Sie und
Ihre Familie bereitet. Sie sind kalorienreich,
nicht dickmachend, sehr billig und in 3—5 Minuten
tafelfertig.
Besorgen Sie sich gleich heute im nächsten
Lebensmittelgeschäft ein Paket — staubsicher, frei
von Spelzen — mit dem Gutschein für schwer=
Versilbertes Besteck.
15
für
obstsatt: Lite
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TV 12206
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Freitag, den 4 Oktober 1929
Nummer 775
Oſkaſien und der Weſten.
Unſere weſtliche Kultur iſt keine einheitliche Größe; ſie beſteht aus
ſehr verſchiedenen Quellen und Strömungen. Man pflegt meiſt drei
Hauptarme zu nennen: die Antike, das Chriſtentum und die
modern=
naturwiſſenſchaftliche und techniſche Aufſchwung. Aus dieſen drei
Komponenten iſt unſere heutige Kultur weſentlich zuſammengeſetzt.
Von den Griechen übernahmen wir Kunſt und Philoſophie, von den
Römern die Staats= und Rechtsidee und den Imperialismus. Dann
kam von ganz wo anders her das Chriſtentum und formte unſer
reli=
giöſes, moraliſches und weltanſchauliches Leben und zerriß uns in
Konfeſſionen. Auf dieſem chriſtlichen Boden und Stamm wuchs nun
ſeit dem Ende des vorigen Jahrhunderts die naturwiſſenſchaftliche
Me=
thode, und mit ihr die Technik mit ihrem menſchenmordenden wie
menſchenerhaltenden, menſchenherabwürdigenden wie
menſchenerhöhen=
den Erfolgen. Beide Wiſſenſchaften waren faſt ausſchließlich
antichriſt=
lich oder doch neutral und gleichgültig zu Religion und Glauben. Und
ſo ſtehen ſie auch heute, wenn auch im Augenblick eine leichte
meta=
phyſiſche Tendenz in ihnen zu beobachten iſt,
Mit dieſer weſtlichen Kultur traf nun ſeit einigen Jahrzehnten
die oſtaſiatiſche zuſammen. Als ſie ſich die weſtliche Schweſter anſah,
lehnte ſie ſofort das antike Erbe ab, denn Oſtaſien hat ſeine eigene
Kunſt und Philoſophie, ſeinen Staats= und Rechtsbegriff, den es nicht
auf dem Umwege über die Antike zu reformieren brauchte. Mit um
ſo offeneren Armen nahmen die Oſtaſiaten wiſſenſchaftliche und techniſche
Förderung an und verleibten ſie ſich mit oft beängſtigender Schnelle
ein. Sie empfanden ſie zunächſt als rein neutral ihren Religionen und
Weltanſchauungen gegenüber, bis ſie plötzlich ſahen, daß dieſer Import
ihren alten Glauben erſchütterte und über den Haufen warf. Denn wie
will ſich etwa moderne Naturwiſſenſchaft mit dem japaniſchen Dogma
von der Sonnengöttin als Ahnherrin des Kaiſerhauſes oder mit dem
chineſiſchen Geiſterglauben vertragen? So ſtehen jene Völker jetzt
ab=
wartend vor dem dritten Kulturgut des Weſtens, dem Chriſtentum.
Sie prüfen dieſe Religion, ob ſie etwa ein Korrektiv für die
Zerſetzun=
gen der äußeren Kulturgüter ſein und einen Erſatz für ihre als haltlos
erwieſenen religiöſen Vorſtellungen bieten könnte. Vor allem prüfen
ſie, ob ſich das Chriſtentum auch ihrem Volkstum einordnen läßt.
Hieran arbeitet jetzt die Miſſion, den in allen aſiatiſchen Ländern
beſtehenden Chriſtenkreiſen dazu zu verhelfen, daß ſie ſich ein eigenes,
bodenſtändiges Chriſtentum ſchaffen. Ein Vertreter der Deutſchen
Oſt=
aſien=Miſſion, die in dieſem Sinne arbeitet, wird am nächſten
Sonn=
tag, abends 8 Uhr, hier bei einem Miſſionsabend des Allgemeinen Ev.=
Proteſt. Miſſionsvereins im Gemeindehaus in der Kiesſtraße 17
ſpre=
chen. (Siehe Anzeige.)
— Bleichgeſichter kämpfen um Rothäute! Sarraſani, der am
Montag, den 21. Oktober, in Darmſtadt ſein Gaſtſpiel beginnen
wird, hat mit dem „Albert Ballin” eine Truppe echter,
nordameri=
kaniſcher Indianer bekommen. Die Vorgeſchichte des
Indianer=
transportes iſt ſehr intereſſant. Sarraſani hat ſeit mehr als 20
Jahren ein Indianer=Monopol; er iſt der einzige Europäer, dem
die Regierung zu Waſhington geſtattet, echte Indianer, die in den
U. S. A. als ethnographiſche Koſtbarkeiten ſorgſamſt gehütet werden,
über den Atlantiſchen Ozean nach Europa zu bringen. Allerdings
koſtet dieſes Monopol Sarraſani eine Menge Geld und eine Menge
ſchwerer Verpflichtungen. Für jeden Indianer muß Sarraſani
zunächſt eine hohe Kaution hinterlegen, ferner Hin= und
Rück=
transport bezahlen, freie Wohnung, gute Verpflegung und —
Iast not laest — gute Gage geben. Diesmal hat Sarraſani ſeine
Cowboys direkt in das Indianerterritorium von Oklahoma
ge=
ſchickt, um den hundertjährigen Hauptling „Black Corn” zu holen,
der 1926 mit ſeinen Kriegern bei Sarraſani war. Black Corn
hatte dem Präſidenten Coolidge, der ſeine Ferien im
Indianer=
gebiet verlebte, mit Stolz die Ehrengeſchenke gezeigt, die er
wäh=
rend ſeiner Sarraſani=Zeit von den Oberbürgermeiſtern von
Ber=
lin, Dresden, Frankfurt a. M. und London erhalten hat. Er
wollte gern wieder zu ſeinem Freunde Sarraſani kommen, aber
den Intrigen gewiſſer Konkurrenten gelang es Black Corn von
der Reiſe nach Europa zurückzuhalten. Sarraſanis Cowboys zogen
alſo in andere Indianerterritorien und kamen endlich nach langen,
beſchwerlichen Ritten durch Schnee und Sturm nach Süd=Dakota,
allwo im Gebiete Pine=Ridge die Jagdgründe des Häuptlings
White Buffalo” liegen, der 1914 bei Sarraſani war. White
Buffalo hat große Ländereien, eine ganz modern eingerichtete
Farm und iſt Herrſcher über 1200 Rothaute. Sogleich entſchloß
er ſich. mit einer Schar ſeiner Mannen der Einladung Sarraſanis
zu folgen. Aber auch er ſtieß bei der Verwirklichung ſeiner
Aus=
reiſe auf Widerſtände, die man Sarraſani in aller Heimlichkeit
geſponnen hatte. Im Auswanderungsamt der U. S.A. entwickelte
ſich ein ſtiller, aber äußerſt heftiger und zäher Kampf der
Bleich=
geſichter um Rothaute. Schließlich zerhieb White Buffalo nach
echter Heldenart den gordiſchen Knoten der Intrigen; er erklärte,
„wenn man ihn und ſeine Leute nicht zu Sarraſani reiſen ließe,
würde er ſeinen ganzen Grundbeſitz alle ſeine Viehherden
ver=
kaufen und Erlös reſtlos — verſaufen!‟ Dieſe kategoriſche
Er=
klärung wirkte im alkoholfreien Amerika ſenſationell und ſie hatte
die gewünſchte Wirkung: White Buffalo konnte mit ſeinen
Krie=
gern, Medizinmännern, Tänzern, Frauen und Kindern nach
Eu=
ropa ziehen. Und ſo kam Sarraſani zu ſeinen Indianern, die er
nun in allen ſeinen Vorſtellungen im Rahmen einer großen
Wild=
weſt=Pantomime auftreten läßt.
Aus den Parkeien.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Die für Montag angekündigte öffentliche Verſammlung mit
dem Thema „Die Wahrheit über den Young=Plan” findet nicht ſtatt.
An ihrer Stelle wird Anfang der nächſten Woche eine Trauerfeier für
den verſtorbenen Reichsminiſter Dr. Streſemann abgehalten werden.
— Die Mitglieder in Darmſtadt werden darauf aufmerkſam gemacht,
daß am Sonntag, 6. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im „Reichshof” zu
Darmſtadt, Rheinſtraße, eine Provinzialtagung der Partei ſtattfindet,
in der die Kandidatenliſte für die Provinzialtagswahl aufgeſtellt wird.
Zu dieſer Verſammlung hat jedes Mitglied Zutritt.
Das heſſiſche Wahlbuch.
Zu den am 17. November vorzunehmenden Wahlen der
Kommunal=
körperſchaften, wie Stadtrat, Gemeinderat, Kreis= und Provinzialtag,
aber auch Bürgermeiſter= und Beigeordneten=Wahlen erſchien
recht=
zeitig das „Heſſiſche Wahlbuch”, das als ein Führer und Ratgeber
durch die verwickelte Materie zur Vorbereitung und Durchführung der
Wahlen und zur Verhütung ſpäterer Ungültigkeit derſelben gute Dienſte
leiſtet. Das Buch, bearbeitet von einem der beſten Kenner des
heſſi=
ſchen Verwaltungsrechts, Provinzialdirektor a. D. Dr. Fey, Darmſtadt,
iſt in Form von Frage und Antwort gehalten und gibt genau anhand
des Geſetzes und der Anweiſungen dazu über alle einſchlägigen Fragen
genaue Auskunft in auch für den Laien leicht verſtändlicher Weiſe,
ſodaß man es mit Recht als ein „Volksbuch” bezeichnen kann, deſſen
Anſchaffung für alle Bevölkerungskreiſe bei der Wichtigkeit der
Kommu=
nalwahlen empfohlen werden kann. (Preis Mk. 3,60. Mainz, Verlag
J. Diemer.)
Fp. Bezirksſchöffengericht. 1. Wegen fahrläſſiger Körperverletzung
hat ſich ein Hilfsarbeiter von Semd zu verantworten. Der Unfall, der
durch ein Motorrad verurſacht wurde, ereignete ſich am 9. Juli ds. Js.
in Urberach gelegentlich eines Feſtzuges auf der Straße Offenthal—
Dieburg. Zwei Knäbchen wurden angefahren. Jemand aus dem
Pu=
blikum hatte die Hand erhoben, jedenfalls in der Abſicht, dem
heran=
nahenden Fahrer ein Warnungszeichen zu geben, das dieſer indes nicht
wahrgenommen haben will. Der Arzt ſtellte Hautabſchürfungen und
kleine Blutergüſſe feſt, erhebliche Verletzungen fanden ſich nicht vor.
Eine Gefängnisſtrafe hält der Staatsanwalt angeſichts rückſichtsloſen
Fahrens am Platze, Urteil: 1 Monat Gefängnis. — 2. Zwecks
Er=
ſtattung von Lohnſteuer beim Finanzamt aus Anlaß von
Arbeitsloſig=
keit ſoll der eine von zwei Angeklagten eine Beſcheinigung des
Arbeit=
gebers verfälſcht und der andere von der ſo hergeſtellten Urkunde beim
Finanzamt Gebrauch gemacht und gleichzeitig einen Verſuch der
Steuer=
hinterziehung begangen haben. Aus der Zahl „15” wurde ſo „45‟.
Die Beteiligten ſcheinen ſich beim Nachfahren einer angeblich
undeut=
lichen Ziffer und der Ueberſendung der Urkunde an das Amt nichts
ge=
dacht zu haben. Das Urteil ſpricht beide Angeklagte frei. Das Gericht
verneint, daß das Nachfahren der Ziffer zum Zwecke der Täuſchung
ge=
macht worden ſei und der andere Angeklagte von der Vorlage der
ge=
fälſchten Urkunde an das Amt gewußt haben. — 3. Bezüglich des
aus=
gebliebenen Karl Pültz von Heidelberg, der wegen Urkundenfälſchung
unter Anklage ſteht, ſtehr neuer Termin am 24. Oktober an. Zugleich
wird gegen Pültz Haftbefehl erlaſſen.
Täglich
trischgebr. KAllee
in anerkannt vorzüglicher Oualität
(15403a
M. W. Prassel
Schulstraße 10
— Dampfer=Expeditionen des Norddeutſchen Lloyd, Bremen Nach
New York ab Bremen=Bremerhaven: „Dresden” am 10. Oktober,
„America” am 10. 10., „Berlin” am 12. 10., „Preſ. Harding” am
14. 10., „Bremen” am 16. 10., „München” am 17. 10., „Republic” am
20. 10., „Preſ. Rooſevelt” am 24. 10., „Karlsruhe” am 26. 10., „Georg
Waſhington” am 30. 10., „Stuttgart am 31. 10., „Bremen” am 6. 11.,
„Dresden” am 7. 11., „America” am 8. 11., „Preſ. Harding” am 13. 11.,
„München” am 14. 11. — Nach New York ab Southampton:
„America” am 11. 10., „Berlin” am 13. 10., „Preſ. Harding” am 15. 10.,
„Bremen” am 17. 10., „Republic” am 21. 10., „Preſ. Rooſevelt” am
25. 10., „Georg Waſhington am 31. 10., „Stuttgart” am 1. 11. — Nach
New York via Halifax ab Bremen=Bremerhaven: Dresden” am
7. 11., „Berlin” am 21. 11. — Nach Boſton ab Bremerhaven:
„Karlsruhe” am 26. 10. — Nach Kanada (Montreal) ab
Bre=
men: „Krefeld” am 8. 10., „Köln” am 29. 10. — Nach
Philadel=
phia-Baltimore-Norfolk ab Bremen: „Weſtfalen” am
8. 10., „Hannover” am 22. 10. — Nach Nordamerikas
Weſt=
küſte ab Bremen: „Donau” am 5. 10., „Juſtin” am 26. 10., „
Schwa=
ben” am 16. 11. — Nach Hapanna—Galveſton ab Bremen=
Bremerhaven: „Yorck” am 15. 10., „Lützow” am 12. 11. — Nach Kuba=
New Orleans ab Bremen: „Minden” am 22. 10., „Ingram” am
5. 11. — Nach Mittelbraſilien und dem La Plata (
Paſſa=
gierdampfer) ab Bremerhaven: „Sierra Morena” am 7. 10., „Madrid”
am 14. 10., „Sierra Cordoba” am 28. 10., „Werra” am 4. 11. — Nach
Mittelbraſilien (Frachtdampfer) ab Bremen: „Arta” am 9. 10.,
„Nienburg” am 19. 10. — Nach dem La Plata (Frachtdampfer)
ab Bremen: „Nürnberg” am 5. 11. — Nach Nordbraſilien:
„Attika” ab Bremen am 5. 10., ab Hamburg am 9. 10., „Anatolia” ab
Bremen am 19. 11., ab Hamburg am 2. 11. — Nach Südamerika
(Weſtküſte) durch den Panamakanal ab Bremen: „Roland” am 12.
10. „Anhalt” am 26 10., durch die Magellan=Straße: „Aachen” am
29. 10. — Nach der Weſtküſte, Zentral= und
Mittel=
amerika und Mexiko: „Erlangen” am 2. 11. — Fruchtfahrt
Ka=
nariſche Inſeln ab Bremen: „Orotava” am 12. 10., „Arucas” am
26. 10., „Orotava” am 9. 11. — Nach Oſtaſien: „Berengar”, ab
Bremen am 5. 10., ab Hamburg am 9. 10., „Jſar” ab Bremen am 12.
10., ab Hamburg am 16. 10., „Augsburg” ab Bremen am 19. 10., ab
Hamburg am 23. 10., „Saarbrücken”, ab Bremen am 26. 10., ab
Ham=
burg am 30. 10., „Alſter” ab Bremen am 2. 11., ab Hamburg am 6. 11.,
„Aller” ab Bremen am 9. 11., ab Hamburg am 13. 11., „Schleſien” ab
Bremen am 16. 11., ab Hamburg am 20. 11., „Koblenz” ab Bremen
am 23. 11., ab Hamburg am 27. 11. — Nach Auſtralien ab Bremen
Lippe” am 7. 10., „Neckar” am 9 11. — Nach der Levante ab
Bremen zirka acht Abfahrten im Monat. — Nach Finnland ab
Bremen 8tägiger Dienſt nach allen Hauptſtädten. Nach Reval ab
Bremen Abfahrten alle 8—10 Tage. Nach Leningrad ab Bremen
je nach Bedarf. Nach England ab Bremen-London drei bis vier
Abfahrten in der Woche. Bremen—Middlesborough-Newcaſtle 10tägig.
Bremen—Hamburg—Frankreich: Abfahrt Montags von
Bremen, Freitags von Hamburg. — Mitgetilt von Anton Fiſcher,
Darmſtadt, Frankfurter Straße 12—14.
Alk=Darmftadk.
Bereinigung für Orisgeſchichie und Heimatkande.
Anſchließend an den vor einiger Zeit ſtattgehabten Vortrag von
Herrn Wilhelm Kaminſky veranſtaltete nunmehr „Alt=
Darm=
ſtadt” unter der ſachkundigen Führung des bekannten Kenners und
Pflegers unſerer Heimatburgen, Herun Baurat Krauß, eine
Be=
ſichtigungsfahrt nach dem Frankenſtein, die hauptſächlich der
Bau=
geſchichte der Burg galt. Bei wunderſchönem Herbſtwetter wurde der
Aufſtieg über den „Joſephsweg” gemacht, wo ſich den Wanderern ein
lohnender Fernblick nach der Rheinebene bot. Oben angekommen, fand
dann die Führung ſtatt. Die um 1240 erbaute Burg beſtand in der erſten
Zeit nur aus den, den engſten inneren Burghof umgebenden Gebäuden.
Ein Mantel von hohen ſtarken Mauern mit Zinnen und Wehrgang
umſchloß den ſchmalen länglichen Hof, in dem die Wohn= und nötigſten
Wirtſchaftsbauten (meiſt wohl aus Fachwerk errichtet) ſich an dicken
Ringmauern anlehnten. Einen Bergfried wie die benachbarten Burgen
hatte der Frankenſtein wahrſcheinlich nicht. Dafür war der Burghof viel
zu eng. Was auf alten Stichen als Turm zu ſehen und heute mit dem
ſteilen Schieferdach gekrönt iſt und die Weſtmauer überragt, war kein
eigentlicher Bergfried, wenn er auch vermutlich mit Wurfmaſchinen und
Geſchützen ſpäter armiert war. Ein Wall mit Paliſaden umgab
der=
mutlich dieſe älteſte Burganlage. Um 1400 wurde die Burg bedeutend
erweitert. Der als Vorhof dienende weite Zwinger rings um die Burg
mit einer Wehrgangmauer und dem den Eingang dazu bildenden
Tor=
turm entſtammt dieſer Zeit. Das gotiſche Kleeblattfries und die
kenn=
zeichnende Form des Schildes mit dem Frankenſteiner Wappen, ſowie
Stechhelm mit Flug darüber an dem Tor verweiſen auf dieſe Zeit. Im
15 Jahrhundert ſetzte eine dritte Bauperiode ein. Es entſtand zunächſt
die Kapelle, dann Scheunen und Stallungen nördlich des Brückenturms,
die der Sicherheit halber mit einer wehrhaften Mauer= und
Torverteidi=
gung umgeben wurden. Einer noch ſpäteren Zeit gehört der der Linde
gegenüber aus der Nordweſtmauer vorſpringende Schalenturm an, der
mit breiten, ſogenannten Maulſcharten verſehen iſt und mit Geſchützen
und Hakenbüchſen armiert war. Er dürfte wohl dem 16. Jahrhundert
angehören. Für 1517—36 werden Neubauten erwähnt, was durch
Jah=
reszahlen mit Inſchriften und Wappen auf eingemauerten Quadern
beſtätigt wird. Ein neuer Bau von Junker Philipp V. um 1550 in
der Vorburg anſtelle der heutigen Wirtſchaft bildete den Beſchluß. Die
Burgkapelle ſtammt etwa aus der Zeit um 1450. Zwei treffliche
Doppel=
pitaphien aus dem 16. Jahrhundert zieren Nord= und Südwand, ein
weiteres Standbild aus, Auerbacher Marmor die weſtliche Giebelwand.
Das letztere ſtellt den 1602 mit dem Wagen im „Kutſcherloch” (
unter=
halb der Burg) verunglückten jungen Philipp Ludwig von Frankenſtein
dar. Die Ahnenwappen ſtellen dac: Cleen=Echter von Meſpelbrunn
und Frankenſtein=Cronberg. Auf dem Epitaph der Südwand iſt knieend
der 1606 verſtorbene Ludwig von Frankenſtein und ſeine Gemahlin
Katharine von Rodenſtein. Dabei die Ahnenwappen Frankenſtein,
Flersheim, Cleen und Rodenſtein, Boineburg, Bayer von Boppard. Die
Pfeiler wurden leider bei der Neuherſtellung verwechſelt, der linke muß
rechts und der rechte muß links ſtehen. — Geht man durch den
Brücken=
torturm nach der Hauptburg und überſchreitet den jetzt verſchütteten
Graben, welcher die letztere von der Vorburg trennt, ſo gelangen wir
in den inneren Burghof; „hier iſt leider durch allerlei Flickwerk, was
nicht zu dem Gepräge und der urſprünglichen Geſtaltung der Burg
paßt, manches verunziert, und man ſollte bei Burgenrenovierungen
ſehr vorſichtig ſein und ſich nur auf das Nötigſte beſchränken. Wer ſich
ein Bild von der Burg in ihrer alten Geſtalt machen will, greife zu
den 12 Kupferſtichen von Primaveſi aus dem Jahre 1819. Auch
das Büchlein von dem Führer, Herrn Baurat Krauß, bildet einen
vorzüglichen Ueberblick über die Burg und ihre Geſchichte. Jedenfalls
war dieſe Burgenfahrt von „Alt=Darmſtadt” eine ſehr lohnende, und
bei dem gemütlichen Zuſammenſein in der Burgwirtſchaft gab der
Vor=
ſitzende Herr Philipp Weber in ſeinen Dankesworten an den Führer
dem Ausdruck. Rede und Gegenrede wechſelten; die Fahrt ſelbſt bot
einen Ausſchnitt aus unſerer Heimatgeſchichte.
—Eine beſondere Freude hat geſtern das Stadtorcheſter unter der
Leitung des Herrn Kapellmeiſters Schlupp den Inſaſſen des Städtiſchen
Krankenhauſes bereitet. Im ſüdlichen und nördlichen Hof des
An=
weſens hat die vorzüglich zuſammenwirkende Kapelle einige Muſikſtücke
von Schubert, Wagner u. a. dargeboten.
Gottesdienſt der iſrnelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße).
Neujahrsfeſt
Freitag, den 4. Okt.: Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 45 Min Pred.
Samstag, den 5. Okt.: Morgengottesoienſt 7 Uhr 45 Min. —
Pre=
digt 9 Uhr 15 Min. — Abendgotte dienſt 6 Uhr 40 Min."
Sonntag, den 6. Okt.: Morgengottesdienſt 7 Uhr 45 Min. —
Pre=
digt 9 Uhr 15 Min. — Feſtesausgang 6 Uhr 40 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen:
Morgens 6 Uhr 30 Min. — Abends 5 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 5. Okt.: Rauſch Haſchonoh 5690. Vorabend
5 Uhr 25 Min. — Morgens 5 Uhr 55 Min. — Nachm. 4 Uhr 30 Min.
Sonntag, den 6. Okt: 2. Tag Rauſch Haſchonoh. Vorabend
6 Uhr 40 Min. — Morgens 5 Uhr 55 Min. — Schofarblaſen 8 Uhr
15 Min. — Nachm. 4 Uhr 30 Min — Feſtesende 6 Uhr 40 Min.
Wochentags: Morgens 5 Uhr 15 Min. — Nachm. 5 Uhr 30 Min,
Montag, den 7. Okt.: Zaum Gedaljoh. Faſtenende 6 Uhr
32 Minuten.
Tageskalender für Freitag, den 4. Oktober 1929.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, 20 Uhr, E 3: „
Drei=
groſchenoper”. — Kleines Haus, 20 Uhr, Zuſatzmiete IV: Die
Ent=
führung aus dem Serail”. — Orpheum 20.15 Uhr: „Ohne Kleid,
tut mir leid”. — Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee Oper,
Sport=
platzkaffee, Spaniſche Bodega, Rheingauer Weinſtube. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=Theater, Helia.
AA UHMTUkeUrD!
... sagt Ihre Frau
Ain Autokauf ist eine so wichtige
Angelegen-
heit, daß Sie sie sicherlich mit Ihrer Frau
be-
sprechen werden .. Zeigen Sie Ihrer Frau den
Opel 8 PS. Die rassige Eleganz seiner
Linien-
führung und die einfache, sichere Handhabung
wird sie entzücken. Dabei ist der Opel 8 PS
der billigste 6 Zylinder-Wagen Deutschlands,
ein dauerhafter, schneller Wagen •.. Legen Sie
Ihr Geld getrost in einem Opel 8 PS an. Die
erhöhte Arbeitskraft, der Erfolg, das
An-
schen, das er Ihnen bringt, sind seine Zinsen-..
Preis abWerk, 4-fach bereift, von RM3600.-an, be-
Guem aus dem laufenden Einkommen zu zahlen.
A
KLUGE KÖPFE KAUFEN
VT232
[ ← ][ ][ → ]Rmmer 275
Frei ag, den 4. Oktober 1929
Seite
Aus Heſſen.
Landwirkſchaftliche Haushalkungsſchule
zu Michelſtadt i. Odw.
Die Landwirtſchaftskammer Darmſtadt eröffnet am 3. Januar 1930
einen weiteren fünfmonatigen Haushaltungskurſus
an ihrer Haushaltungsſchule zu Michelſtadt i. Odw. Die in herrlicher
Waldgegend des heſſiſchen Odenwaldes gelegene Haushaltungsſchule
Michelſtadt i. Odw. iſt beſonders neuzeitlich eingerichtet
und mit ausreichenden Lehrkräften beſetzt. Der praktiſche und
theoreti=
ſche Haushaltungsunterricht erſtreckt ſich auf die Anleitung im
ſelbſt=
ſtändigen Kochen mit Rückſicht auf die Bedürfniſſe des ländlichen und
bürgerlichen Tiſches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speiſen,
Molkereibetrieb, Kleintierzucht, Gartenwirtſchaft, Waſchen und Bügeln,
Reinhalten des Hauſes, Buchführung, gründlicher
Handarbeitsunter=
richt, in welchem das Stricken, Wäſche=Schnittzeichnung,
Wäſchezuſchnei=
den, Hand= und Maſchinennähen, Ausbeſſern erlernt wird. Ferner
all=
gemein bildende Fächer wie Aufſatz, Rechnen, Singen,
Geſundheits=
lehre, Säuglings= und Krankenpflege. Die Teilnahme an dem
Unter=
richt iſt nicht nur Töchtern von Landwirten, ſondern auch denen des
Mittelſtandes ſehr zu empfehlen. Gründliche Ausbildung erfolgt im
Obſt= und Gemüſebau, im Einmachen des Obſtes und der Gemüſe.
Anmeldungen zur Teilnahme an dem am 3. Januar 1930 zu
Michelſtadt beginnenden Kurſus ſind alsbald an die
Landwirt=
ſchaftskammer für Heſſen, Darmſtadt, Rheinſtr. 62, zu
richten, welche auf Verlangen ausführliche Proſpekte und
Anmelde=
bogen verſendet.
J. Griesheim, 3. Okt. Gemeinderatsbericht. Für die am
17. Nobember d. J. ſtattfindende Gemeinderats=, Kreistags= und
Pro=
vinzialtags=Wahl wurden die in Betracht kommenden Kommiſſionen
be=
ſtimmt. Antrag der K. P. D., betr. Beſchäftigung ſämtlicher
ausge=
ſteuerter Erwerbsloſer. Gemeinderat Liederbach begründete den Antrag
und beantragt, Arbeitsgelegenheit zu beſchaffen. Es ſollen die noch aus
dem Bauvoranſchlag vorhandenen und berfügbaren Mittel ſofort zu
Wegherſtellungen und Grabenausbeſſerungen ve. endet und vor allem
ausgeſteuerte Arbeitsloſe hierzu herangezogen werden. Gemeinderat
Maus regte zur Steuerung der Erwerbsloſigkeit die Errichtung eines
Schwimmbades an. Sehr wahrſcheinlich würden hierzu Mittel vom Reich
oder Staat zu einem niedrigen Zinsfuß gewährt werden. Die
Bürger=
meiſterei wurde beauftragt, die Vorarbeiten für dieſen Vorſchlag zu
er=
ledigen. Weiter regt Gemeinderat Funk 1. die Vorarbeiten größerer
Meliorationsarbeiten im Mönchbruch an, für welche Zwecke ebenfalls
ver=
billigte Gelder zu erhalten feien. Auch dieſem Vorſchlag wurde
zuge=
ſtimmt. Die Feld= und Wieſenkommiſſion wurde beauftragt, ſofort eine
Beſichtigung der in Frage kommenden Dämme und Gräben vorzunehmen.
— Es ſteht eine Anzahl größerer Wohnungen in neu erbauten Häuſern
(alſo beſchlagnahmefrei) zur Verfügung. Geſucht werden jedoch nur
kleine und billige Wohnungen. Die freien Wohnungen ſollen den
Woh=
nungsſuchenden noch einmal angeboten werden. Falls dieſe von dem
Angebot keinen Gebrauch machen, können die Wohnungsinhaber die
Woh=
nungen nach eigenem Ermeſſen vermieten. — Der Verband deutſcher
Krankenkaſſen läßt als Kampfmittel gegen die Tubevkuloſe zu Zwecken
der hygieniſchen Volksbildung ein Theaterſtück aufführen. Die Gemeinde
hat hierzu einen Zuſchuß von 135 RM. zu leiſten. Die Aufführung ſoll
am 9. Oktober d. J. ſtattfinden. Als Eintrittsgeld wurde der Betrag
von 20 Pfg. feſtgeſetzt. — Zur Generalverſammlung der Bauhütte wurden
die Gemeinderäte Norhnagel und Müller 2. beſtimmt. — Es wurde die
Frage über die Zukunft des Truppenübungsplatzes aufgeworfen. Die
Bürgermeiſterei hat bereits das Reichsvermögensamt gebeten, die
Woh=
nungen im Lager der Gemeinde Griesheim zur Vevfügung zu ſtellen.
Weiter wurde zu Verhandlungen mit den zuſtändigen Behörden eine
Kommiſſion beſtimmt, die ſich aus den Herren Beigeordneten Feldmann
und den Gemeinderäten Liederbach, Müller, Maſſing, Maus, Norhnagel
und Feuerbach zuſammenſetzt. — Herr Heinrich Ritter 3., hier,
beab=
ſichtigt, einen von der Gemeinde gepachteten Geländeſtreifen an der
Kirchenmauer käuflich zu erwerben. Der Verkauf wird bis zum Ablauf
der Pachtzeit zurückgeſtellt. — Die Lindenſamenernte in den Schulhöfen
wird dem Philipp Diefenbach 7. und diefenige am Friedhofsweg dem
Ludwig Becker 1. für je 3 RM. übertragen.
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v. Friedberg, 3. Okt. Das neue preußiſche Umgemeindungsgeſetz,
das die Umgemeindung des Induſtriegebiets betrifft, ſieht u. a. auch
kommunale Arbeitsgemeinſchaften benachbarter Gemeinden vor. In
Heſſen liegen in mehreren Fällen Verhältniſſe vor, die ebenfalls eine
Zuſammenarbeit auf kommunalem Gebiet als wünſchenswert erſcheinen
laſſen. Als dringende Notwendigkeit wird vor allem die Löſung des
Problems für die Nachbarſtädte Friedberg und Bad=Nauheim gefordert.
Lange Jahre ſtanden beide Gemeinweſen auf geſpanntem Fuße.
Zu=
letzt war es noch die Bad=Nauheimer Abwäſſerfrage, die die Gemüter
ſtark erregte. Daß die Aera der Mißverſtändniſſe und des gegenſeitigen
Argwohns nicht länger mehr andauern dürfe, ſah man auf beiden
Seiten ein. Und als das Bad=Nauheimer neue Stadtoberhaupt,
Bür=
germeiſter Dr. Ahl, unter der Parole „Wille und Weg” vor
Jahresfriſt beachtenswerte Vorſchläge zu einer Verſtändigung machte,
begegnete er auch in Friedberg dem ehrlichen Einigungswillen. In
mehreren Beſprechungen Dr. Ahls mit dem hieſigen Bürgermeiſter
Dr. Seyd konnten Richtlinien für eine Zuſammenarbeit auf dem
Gebiete der geſamten kommunalen Fragen aufgeſtellt werden, ſchon
bevor das oben erwähnte preußiſche Geſetz im Entwurf vorgelegen
hat. Ein gemeinſamer Städteausſchuß, beſtehend aus den
Bür=
germeiſtern, Beigeordneten und mehreren Stadtratsmitgliedern beider
Städte, wurde gegründet und ſeine Aufgabe und Arbeitsweiſe in
einer von beiden Stadtparlamenten einſtimmig angenommenen Satzung
feſtgelegt.
Geſtern fand im Friedberger Rathausſaal nun die
Eröffnungs=
ſitzung des „überſtädtiſchen” Parlaments ſtatt. Bürgermeiſter Dr.
Seyd, der Vorſitzende des Städteausſchuſſes für 1929, gab in ſeiner
Eröffnungsanſprache einen Ueberblick über die Geſchichte der
Einigungs=
beſtrebungen, um anſchließend grundſätzliche Ausführungen über die
bevorſtehenden Arbeiten des Ausſchuſſes zu machen, der das
verkör=
perte Organ des Verſtändigungswillens beider
Städte ſei. Wenn auch die Zeit für die Verſchmelzung von Bad=
* Weiterſtadt, 2. Okt. Gemeinderausbericht. Das
Bau=
geſuch des K. Eberhardt wird genehmigt, die Verlegung der
Waſſer=
leitung auf den Bauplatz abgelehnt, da außerhalb des Ortsbauplans.
— Dem Dr. Röder wird der Abbruch des von ihm erworbenen
Wohn=
hauſes Darmſtädter Straße 39 genehmigt. — Die Stiftung eines
Ehren=
preiſes zur Jubiläumsausſtellung des Obſt= und Gartenbauverbands wird
erneut abgelehnt. — Der zur Verbreiterung der Fangnetze notwendige
Maſchendraht wird genehmigt. — Nachdem die Bürgermeiſterei die
Dienſtvorſchrift für den Friedhofsaufſeher aufgeſtellt hat, beſchließt der
Gemeinderat, die Vergütung desſelben von 35 auf 55 Mark zu erhöhen.
Cp. Pfungſtadt, 3. Okk. Die Landw. Bezugs= und
Abſatz=
genoſſenſchaft veröffentlicht ſoeben ihre Bilanz für das
Geſchäfts=
jahr 1928. Danach betrug der Mitgliederſtand am Ende des
Geſchäfts=
jahres 208. Die Aktiva ſtellten ſich auf 63 607,21 Mk., die Paſſiva auf
61 286,70 Mk. Es war ein Reingewinn von 2320,42 Mk. zu verzeichnen.
G. Ober=Ramſtadt, 3. Okt. Im Monat September wurden beim
hieſigen Standesamt beurkundet: 5 Geburten und 5 Sterbefälle.
Ehe=
ſchließungen waren nicht zu verzeichnen. Es betrug ſonach im dritten
Vierteljahr (1. 7. bis 30. 9.) die Zahl der Geburten: 25, der
Eheſchlie=
ßungen: 12 und der Sterbefälle: 11. — In die Wählerliſte für die am
17. November ſtattfindende Gemeinderats=, Kreistags= und
Provinzial=
tagswahl ſind insgeſamt 3260 Wahlberechtigte eingetragen.
Nauheim und Friedberg zu einem einzigen Gemeinweſen noch nicht
gekommen ſei, ſo gelte es aber, dieſen Zuſammenſchluß für die ſpätere
Zukunft vorzubereiten. Von brennenden Zukunftsfragen, die beide
Städte angehen und gemeinſam von ihnen zu löſen ſeien, nannte der
Redner nur diejenigen des Schlachthauſes, der Gas= und
Waſſerver=
ſorgung, eines nach gleichen Geſichtspunkten aufgeſtellten Ortsbauplans.
Im Zeichen des Vertrauens und im Geiſt aufrichtiger Loyalität wolle
der Ausſchuß an die Arbeit gehen, im Intereſſe und zum gemeinſamen
Wohl beider Städte.
Bürgermeiſter Dr. Ahl (Bad=Nauheim) ergänzte die
Ausführun=
gen ſeines Vorredners vom Standpunkt des Verwaltungsrechtlers nach
der theoretiſchen Seite hin. Bei der engen Verbundenheit beider Städte
wolle der Ausſchuß ſich mit allen Fragen beſchäftigen, die beide Städte
gemeinſam berühre, und ſich dabei möglichſt dem heſſiſchen
Verwal=
tungsrecht anpaſſen. Die Form des Zweckverbandes ſchwebe im
allgemeinen nicht vor, was nicht ausſchließe, daß ſie für die eine oder
andere Einzelaufgabe Anwendung finde. Die von den Städten Bad=
Nauheim und Friedberg geplante Zuſammenarbeit ſei aus den freien
Entſchließungen beider Stadtoberhäupter und Stadtparlamente
hervor=
gegangen und gehe über das hinaus, was in Preußen geſchaffen wurde,
wo eine zwangsweiſe Zuſammenarbeit im Geſetz vorgeſehen iſt.
Kreisdirektor Rechthien, der als Gaſt anweſend war, begrüßte
den von beiden Städten unternommenen Schritt und freute ſich, daß es
der Aufſichtsbehörde erſpart geblieben iſt, die beiden Städte
näherzu=
bringen. Sämtliche Redner nahmen in beachtlichen Gedankengängen
zu dem wichtigen kommunalpolitiſchen Problem Stellung und ernteten
für ihre Ausführungen den einmütigen Beifall der Verſammlung. Mit
Worten des Dankes und mit dem Wunſche auf eine erſprießliche
Tätig=
keit des Städteausſchuſſes ſchloß Bürgermeiſter Dr. Seyd
die bedeutungsvolle Sitzung. In Einzelberatungen wird man ſchon
in nächſter Zeit eintreten.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 3. Okt. Am 11. Oktober I. J. feiert Frau
Chriſtian Gebhardt Witwe dahier in völliger geiſtiger und
körper=
licher Friſche ihren 70. Geburtstag. Die Frau, die ſchon längere Zeit
im Witwenſtande lebt, ſucht ſich auch heute noch ihren Lebensunterhalt
als Waſch= und Putzfrau zu verdienen. In dieſem Beruf kann ſie nun
gewiſſermaßen ein Jubiläum feiern, bedient ſie doch einen größeren
Teil ihres ſtändigen Kundenkreiſes bereits über 40 Jahre. Möge der
Frau auch weiterhin ein ſchöner, wenn auch gediegener Lebensabend
heſchieden ſein.
G. Ober=Ramſtadt, 3. Okt. Theaterabend. Am Sonntag, den
6. Oktober, abends 8 Uhr, wird im Saale „Zum Schützenhof” das
Theaterſtück „Blaue Jungen” aufgeführt. Die Aufführung erfolgt
durch eine Schauſpielertruppe im Auftrage des Reichsausſchuſſes zur
Bekämpfung der Tuberkuloſe, und ſoll in dramatiſcher Form
Aufklä=
rung über die Volkskrankheit Tuberkuloſe ſchaffen und Mittel und
Wege zu ihrer Verhütung zeigen. Der geringe Eintrittspreis von
30 Pfg. pro Perſon ermöglicht jedermann den Beſuch. Möge er ein
recht zahlreicher werden. — Die Aufforderung zur Einreichung der
Wahlvorſchläge für die am 17. November d. J. ſtattfindende
Gemeinde=
ratswahl iſt am 2. d. M. ergangen. Die Einreichungsfriſt läuft am
18. Oktober ab, während Verbindungserklärungen bis zum 26. Oktober
abgegeben werden können. — Zählbogen. Die den
Gewerbetrei=
benden dieſer Tage zugeſtellten Zählbogen über die beſchäftigten
Ar=
beiter uſw. ſind, in allen Teilen genau ausgefüllt, bis längſtens 6.
Ok=
tober wieder an die Bürgermeiſterei zurückzugeben.
Z. Bürſtadt, 3. Okt. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete
ſich bei Karl Biſcher in der Magnusſtraße. Das 3 Jahre alte Söhnchen
des in Bensheim wohnenden Hch. Hechler wurde wegen Umzugs nach
hier zu den Großeltern gebracht. In einem unbewachten Augenblick
fiel das Kind in die Pfuhlgrube und ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht
werden konnte.
— Gernsheim, 3. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
2. Oktober 0,99 Meter, am 3. Oktober —1,03 Meter.
— Hirſchhorn, 3. Okt. Waſſerſtand des Neckars am
2. Oktober 0,52 Meter, am 3. Oktober 0,48 Meter.
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2
Hie
Seite 8
Freitag, den 4. Oktober 1929
Nummer 275
Mere
Unsere Trauung findet am 5. Oktober,
nach-
mittags 3½ Uhr, in der Schloßkapelle zu
Kranichstein statt.
Marie Luise Collatz
Hans Mittmeler
Diplomingenieur und Assistent
an der Technischen Hochschule.
Dankſagung.
Für die wohltuenden Beweiſe aufrichtiger
Teil=
nahme und die zahlreichen Blumenſpenden bei dem
Heimgange unſeres lieben Entſchlafenen
Am 2. Oktober, abends 8½ Uhr, verſchied
nach längerem ſchweren Leiden unſer lieber
Vater, Schwiegervater und Großvater
werden tadellos faſ
ſoniert in der
Dodeneller Ke
ſprechen wir allen unſeren tiefgefühlten Dank aus.
Beſonderen Dank dem Bruder vom Diakonenheim
für ſeine liebevolle Pflege, dem Herrn Pfarrer Vogel
für ſeine troſtreichen Worte, und dem Kriegerverein
für den ehrenden Nachruf.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1929.
A. Wenzel
Saalbauſtraße 23
Telefon 4130. 114971a
Eigene Fabrikation
im Alter von nahezu 72 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Seibert.
Ober=Gerſprenz, den 3. Oktober 1929.
Die Beerdigung findet am 3. Oltober, nachmittags
1 Uhr, vom Trauerhauſe aus ſtatt. (15515
Ihre Vermählung geben
bekannt
Gretel Hinze
Allen Verwandten und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß heute
nach kurzem ſchweren Leiden meine
liebe,gute Frau,unſere gute Mutter
Frau Margarete
Hermine Emig
im Alter von 37 Jahren ſanft
ent=
ſchlafen iſt.
Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen:
Peter Emig nebſt Kinder.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1929.
Roßdörferſtr. 29,
Die Beerdigung findet Samstag
nachmittag 4 Uhr auf dem
Wald=
friedhof ſtatt.
Dankſagung.
Für die herzliche Anteilnahme beim Heimgang
unſeres lieben, unvergeßlichen Entſchlafenen, des Lehrers
Darmſiadt, den 4 Oktober 1929
Heidelbergerſtr. 29.
Kirchliche Trauung: Samstag, den
5. Oktober 1929, nachm. 2½ Uhr,
in der Petruskirche. (*
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme ſowie
die Blumen= und Kranzſpenden bei dem uns ſo ſchwer
betroffenen herben Verluſte unſeres lieben
Adam Neeb
in Pfungſiadt
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren herzlichſten Dank.
In tiefer Trauer:
Familie Gg. Neeb, Offenbach
„ Ph. Neeb, Hahn
J. Neeb, Darmſtadt
F. Sieger, Schönberg.
(1549
Heinrich
Georg Laun
Eliſabeth Laun
geb. Wagner
Vermählie
Darmſtadt
Paradeplatz 2
Wenckſtraße 20
Kirchl. Trauung: Samstag, den 5.Oktober
1929, nachm. 3½ Uhr, in der Schloßkirche.
ſagen wir hiermit unſeren innigſten Dank. Ferner
danken wir Herrn Pfarrer Kraemer und Herrn Lehrer
Eckſtein für die troſtreichen Worte am Grabe.
In tiefer Trauer:
Drehermeiſier Heinrich Schnellbächer I.
und Frau Kätchen, geb. Volz
nebſt Angehörigen.
Groß=Bieberau, den 3. Oktober 1929.
(15528
Statt Karten.
Heute vormlitag verſchied nach
langem Leiden meine liebe Frau,
Mutter, Couſine und
Schwieger=
tochter
K
machpfirſiche bill. zu
vk. Villenkol. E., Alte
Darmſtädterſt. 143. (*
Hit Obermeyers HedizinalWerba-Jeife
habe ich bei
Re
zeigt ſich erſt bei einem vollen Haar.
Dies iſt die Krone auf den Perlen
und dem Seidenkleid. Dazu kann
ich Ihnen ein wundervolles Mittel
nennen. KREML.-Haarwasser
macht jedes Haar reich und voll,
Statt Karten.
im Alter von 40 Jahren.
Die traueinden Hinterbliebenen:
Gg. Konrad und Sohn Willh
Bernhard Ziegler, Forbach
Joh. Kettler, Wachbach.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1929.
Stiftſtraße 35.
Die Beerdigung findet Samstag,
½12 Uhr vormittags, vom Portale
des Waldfriedhofes aus ſtatt.
Hanns Fischer
Aenne Fischer
geb. Maas
Vermählte
Köln, den 6. Oktober 1928.
(154
Lütticherstr. 42.
elnen raschen Erfolg
erzlelt. Dies bezeugt auch
Herr P. M. Lachmann in Kobylin,
in dem er schreibt: „Weil Ihre
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sowie meine Frau Ihnen besten Dank.: St. RM—,65.30f,
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Nummer 225
Freitag, den 4. Oktober 1929
Seite 1u
Sport, Spiel und Zurnen.
Der Sportk am Sonntag.
Noch einmal ein ereignisreicher Sonnkag.
Der erſte Oktoberſonntag kann ſich mit ſeinem Sportprogramm
ſehen laſſen. Er bringt ſo bedeutſame Ereigniſſe wie den Leichtathletik=
Länderkampf Deutſchland-Japan, den Bundestag des D.F.B., den
Deutſchen Turntag, die Entſcheidung in der Deutſchen Meiſterſchaft im
Mannſchaftsringen, die Deutſche Meiſterſchaft im 50=Kilometer=Gehen,
die Deutſchen Mannſchaftsmeiſterſchaften im Fechten, einen
Länder=
kampf Deutſchland-Dänemark der Amateurringer, Tennis=Turnier,
Rad= und Motorrad=Rennen, Hockey= und Rugbykämpfe, Handball= und
ſelbſtverſtändlich auch zahlreiche Fußballſpiele, die zum Teil ſogar von
entſcheidender Bedeutung ſind. Man ſagt nicht zuviel, wenn man von
einem Großkampftag des Sports ſpricht.
Der Länderkampf gegen Japan.
Die deutſche Leichtathletikſaiſon finder am Sonntag ihren Abſchluß.
An den nächſten Sonntagen gibt es zwar noch eine Serie vom
Herbſt=
waldläufen, die jedoch nicht mehr zur eigentlichen Saiſon zählen.
Wür=
digen Abſchluß einer ereignisreichen und für den deutſchen Sport trotz
allem auch erfolgreichen Saiſon bildet der Länderkampf, den unſere
Auserwählten am Samstag und Sonntag in Tokio
aus=
tragen. Die deutſche Ländermannſchaft, die bereits ſeit Anfang der
Woche vollzählig in Tokio verſammelt iſt, wurde im Lande der
auf=
gehenden Sonne mit einer bemerkenswerten Herzlichkeit aufgenommen
und gefeiert. Man erwartet aber bei den Japanern auch große
Lei=
ſtungen von ihr, und wir wollen nur hoffen, daß ſie weder uns noch
die Gaſtgeber enttäuſchen. Leicht werden es unſere Athleten nicht
haben, denn die Japaner ſind auch im Sport ein ſehr rühriges und
auf=
ſtrebendes Volk. Sie ſtellen unter den Leichtathleten vor allem gute
Springer und Werfer. Auf dieſen Gebieten wird die Entſcheidung
fallen, während in den Läufen eine Ueberlegenheit der Deutſchen zu
erwarten iſt. — An den gleichen Tagen nehmen übrigens auch einige
deutſche Athleten, nämlich Körnig, Shlößke und Kohn, an einem
Sportfeſt in Paris teil. — Berlin iſt am Sonntag der
Schau=
platz der Deutſchen Meiſterſchaft im 50=Kiloweter=
Gehen.
Zwei Tagungen.
Die beiden größten Verbände der deutſchen Leibesübungen halten
in dieſen Tagen ihre Jahresverſammlungen ab. Der Deutſche
Fuß=
ball=Bund tritt in Breslan zum Bundestag zuſammen, wo
man ſich in erſter Linie über drei Fragen unterhalten wird:
Aende=
rung des Endſpielfyſtems für die Deutſche Meiſterſchaft; Schaffung
eines Bundesparlaments; Zuſammenſchluß von D.S.B. und D.F.B. —
Intereſſante Fragen ſtehen auch auf dem 20. Deutſchen
Turn=
rag in Berlin auf der Tagesordnung. Vielleicht bringt dioſer Turntag
auch die ſchon lange gewünſchte und norwendige Klärung im
Verhält=
nis der Turner zu den Sportlern.
Großkämpfe der Schwerathleten.
Die deutſchen Schwerathleten ſind ſeit den Olympiſchen Spielen 1928
wieder etwas mehr in den Vordergrund der Beachtung gerückt. Man
bringt ihren Veranſtaltungen wieder ein weſentlich ſtärkeres Intereſſe
entgegen. Am erſten Oktoberſonntag präſentieren die Schwerathleten
zwei größere Ereigniſſe: In Ludwigshafen kommt ein
Länder=
kampf Deutſchland-Dänemark der Amatenrringer
zur Abwickelung, bei dem Deutſchland gegen die ſtarbe ſäniſche
Ver=
tretung mit der folgenden Mannſchaft antritt (vom Bantawz= bis
Schwergewicht): Brendel=Nürnberg, Meier=Dortmund, Kormeier=
Göp=
pingen, Földeak=Hamburg, Krämer=Duisburg, Müller=Kreuznach und
Gehring=Ludwigshafen. — Am Voxabend komt in Pirmaſens die
Deutſche Meiſterſchaft im Mannſchaftsringen zur
Ent=
ſcheidung. Der A.C. Pirmaſens, der den Vorkampf gegen Jugendt
kraft Zella=Mehlis bereits 13:5 gewann, gilt hier unbedingt als Favorit.
Im Fußball
weiden am 6. Oktober in allen Landesverbänden die Meiſterſchaftsſpiele
fortgeſetzt. Nur in Berlin, Bveslau und Königsberg gibt es einige
kleine Unterbrechungen. Berlin entſendet eine Mannſchaft zum
Städteſpiel Wien-Berlin, Königsberg und Breslau ſtellen
in der Hauptſache die Mannſchaften, die in Breslau anläßlich des DFB.=
Bundestages das Freundſchaftsſpiel Südoſtdeutſchland gegen
Baltenverband beſtreiten. Zwei größere Repräſentativſpiele
gibt es auch im Ausland: Ungarn-Oeſterreich in
Buda=
peſt und Tſchechoſlowakei—Schweiz in Prag. — Die
Mei=
ſterſchaftsſpiele in Suddeutſchland nähern ſich bereits
dem Abſchluß der erſten Serie. Vor der „Halbzeit” gibt es aber noch
einmal eine Anzahl hochwichtiger Spiele. Der 6. Oktober bringt u. a.
die intereſſanten Begegnungen 1. FC. Nürnberg—Sp.Vg. Fürth,
Bayern München—1860 München, Kickers—VfB. Stuttgart, SV.
Wald=
hof-VfL. Neckarau und Freiburger FC.—Phönix Karlsruhe. Im
ein=
zelnen weiſt der Terminkalender für den 6. Oktober die folgenden
Ve=
gegnungen auf: Nordbayern: 1. FC. Nürmberg—Sp.Vg. Fürth,
Sp.Vg. Hof—FV. 04 Wüirzburg, FC. Bayreuth-Bahern Hof;
Süd=
bayern; Bayern München—SV. 1860 München, DSV. München—
Wacker München, Schwaben Augsburg-Jahn Regensburg; Gruppe
Württemberg: Kickers Stuttgart—VfB. Stuttgart, FC. Pforz=
heim—FC. Birkenfeld, Germania Brötzingen —Union Böckingen, Vf.
Heilbxonn—Sportfreunde Stuttgart; Baden: Freſburger FC.—
Phönix Karlsruhe, W. Villingen-Karlsruher FV., Sp.Vg.
Schram=
berg—FV. Raſtatt; Gruppe Rhein: SV. Waldhof-VfL. Neckarau,
VfR. Mannheim-Rohrbach, Mundenheim—FC. 08 Mannheim, Sp.Vg.
Sandhofen-Phönix Ludwigshafen; Gruppe Saar: Boruſſia
Neunkirchen—FK. Pirmaſens, VfR. Pirmaſens—Sportfreunde
Saar=
brücken, Saar 05—FV. Saarbrücken, VfR. Kaiſerslautern—FC. Idar;
Gruppe Main: FC. 93 Hanau—Eintracht Frankfurt, Union
Niederrad—Germania Bieber, FSV. Frankfurt—Griesheim 02, Rot=
Weiß Frankfurt—Offenbacher Kickers; Gruppe Heſſen:
Wor=
matia Worms—Haſſia Bingen, Alemannig Worms—SW. 98 Darmſtadt,
SV. Wiesbaden—FC. Langen.
Handball.
Neben den Meiſterſchaftsſpielen, die in Süddeutſchland in
ſämt=
lichen Gruppen fortgeſetzt werden, gibt es diesmal im Handball auch
ſchon einige Repräſentativſpiele: Südoſtdeutſchland-Berlin
ſpielen in Breslau, Mitteldeutſchland-Weſtdeutſchland
in Magdeburg.
Hockey.
Unter den zahlreichen Freundſchaftsſpielen hebt ſich am 6. Oktober
ein Turnier hervor, das der THC. 99 Berlin unter Beteiligung von
verſchiedenen Mannſchaften aus dem Reich anläßlich ſeines 30jährigen
Beſtehens feiert.
Rugby.
Die Meiſterſchaftsſpiele in Süddeutſchland werdem am Sonntag mit
den folgenden Spielen weitergeführt: Mainkreis: WV. 60
Frank=
furt-Haſſia Hanau; DV. Aſchaffenburg—BC. Frankfurt; Kreis
Heidelberg: Heidelberger RC.—R.Geſ. Heidelbeng, SC.
Neuen=
heim-Heibelberger 2V. 46; Bayernkreis: DSV. München—
Bayern München.
Schwimmen.
Die Jubiläumskämpfe, die der Hamburger S.V. bon 1879
anläßlich ſeines 50jährigen Beſtehens abhält, ſehen einen großen Teil
der deutſchen Schwimmer=Elite am Start.
Radſport.
Am 6. Oktober ſchließen einige weitere Sommerbahnen ihre Pforten.
In Frankfurt a. M. beſtreiten ſechs Dauerfahrer (Bréau, Snoek,
Maronnier, Schäfer, Cap, Schindler) Steherrennen, gut beſetzt ſind auch
die letzten Rennen in Breslau. — Gleichtzeitig beginnt am Samstag
die Hallen=Saiſon mit Flieger= und Mannſchaftsrennen im Berliner
Sportpalaſt.
Pferdeſport.
In Paris ſteht am Sonntag der deutſche Galoppſport mit ſeinem
Beſten, dem Fünfjährigen Oleander vor einer ehrenvollen, aber auch
ſchwierigen Prüfung. Im Reich gibt es Galopprennen in Hamburg=
Horn, Magdeburg, Frankfurt am Main und Düſſeldorf.
Handball in der deutſchen Turnerſchaft.
Odenwaldgan.
Die Ergebniſſe vom 2. September lauten:
1. Pflichtſpiele.
Kreisklaſſe: Erbach-Leider 2:2, Groß=Umſtadt-Damm 0:5.
Meiſterklaſſe: Michelſtadt—Nd.=Klingen 4:3, Gr.=Zimmern-König 4:1.
B=Nord: Richen—Sickenhofen 3:3.
B=Süd: Momart 1—König 2 4:1, Hainſtadt-Zell 8:0.
C=Klaſſe: Momart 2—Langſtadt 2 3:2, Hergershauſen 2—Groß=
Zimmern 2 1:2.
2. Freundſchaftsſpiele:
Habitzheim—Heubach 7:0. Altheim 1—Langſtadt 1 b:3.
Michelſtadt, das wieder im Kommen begriffen ift, führte und hatte
während des ganzen Spieles kleines Uebergewicht über die Gäſte=Elf,
die mit zehn Mann angetreten war. Weniger eigenſinniges Spiel des
Klinger Rechtsaußen dürfte der Mannſchaft nur zum Vorteil gereichen.
— König fuhr mit zehn Mann nach Groß=Zimmern. Es entwickelte
ſich ein ſehr ſchnelles und faires Spiel, deſſen Stand bis weit in die
zweite Halbzeit 1:1 iſt. Da fällt König ab, Groß=Zimmern ſetzt noch
einmal mächtig ein und kann den Sieg ſicher an ſich bringen. Hiermit
hat es ſeine Vorrunde ungeſchlagen beendet. Richen—Sickenhofen
tei=
len die Punkte. König 2 hat in Momart Schußpech. Dem Spielverlauf
nach mußte das Ergebnis auf Unentſchieden lauten. Momart ſteht in
ſeiner Klaſſe ungeſchlagen da und dürfte es in der Vorrunde auch
blei=
ben. Zell ſiegt verdient. Langſtadt 2 lieferte ein ſchönes Feldſpiel,
Momart war aber im Schuß feſter. In Heubach hat ſich eine neue
Mannſchaft gebildet, die in Habitzheim zum erſten Male antrat.
Am Sonntag, den 6. Oktober ſpielen:
Kreisklaſſe: Walldorf—Erbach 1, Groß=Umſtadt—Leider.
Meiſterklaſſe: König 1—Groß=Umſtadt 2.
A=Klaſſe: Hergershauſen 1 — Höchſt, Lützelwiebelsbach—Erbach 2.
B=Nord: Klein=Umſtadt-Langſtadt 1.
B=Süd: Steinbuch-Momart 1, Mümling=Grumbach-Hainſtadt.
C=Klaſſe: Gr.=Zimmern 2—Momart 2, Langſtadt 2—Hergershauſen 2.
Segelflugſpork im Odenwald.
Jungfliegergruppe des Heffenfliegervereins für Luftfahrt e. V.,
Darm=
ſtadt. — 10. Rhön=Schulungswettbewerb, ausgetragen auf dem
Forſt=
berge, Gemarkung Ueberau bei Groß=Bieberau.
Am 29. September, dem für die Grupve letzten Wettbewerbstage,
wurden zehn Starts getätigt. Zur Beluſtigung der Zuſchauer kam
u. a. eine höchſt humoriſtiſche Landung zuſtande: Ungünſtiger Wind
ver=
anlaßte B=Pilot Röhrig, beſonders baumreiches Gelände zu überfliegen.
Durch Seitenwind ſtark abgeſchoben, landete er in der Krone eines
Birnbaumes, aus der er nicht ohne Mühe entfernt wurde. Er ſelbſt
blieb völlig unverſehrt. Das Flugzeug wies nur kleine Beſchädigungen
auf, die ſofort wieder ausgebeſſert wurden. — Da die inzwiſchen
einge=
tretene völlige Windſtille auch weiter anhielt, ging die Flugleitung zur
Ausbildung ihrer neueſten Schüler über. Ein Freiſprung von etwa zwei
Meter Höhe endigte mit reſtloſem Spannturmbruch, ſo daß der
Flug=
betrieb abgebrochen und der „Gewerberat” abmontiert werden mußte. —
Die zur „4” zugelaſſenen Flugſchüler konnten ſomit bedauerlicherweiſe
nicht zu ihrer Prüfung geſtartet werden.
Rundfunk=Progrange.
Frankfurt
Freitag, 4. Okt. 12.15: Schallplatten: Unvergängliche Walzer.
O 15.15: Dr. h. c. Engler: Die Berufsberatung der Jugend=als
ſitt=
liche Pflicht und wirtſchaftliche Aufgabe ,6 16.15: Konzert des
Funkorch. Mitw.: Margrit Vaterlaus=(Sopran). o 18.10: Aus dem
autobiographiſchen Roman „Ende und Anfange” von Hermynia zür
Mühlen. Sprecherin: Margarethe Wolf. o 18.30: Kaſſel: Dialog
aus dem Alltagsleben: „Man ſchenkt ſich . . ." 18.45: Stunde des
Südweſtdeutſchen Radioklubs. O 19.05: Stenograph.
Fortbildungs=
kurſus. O 19.25: Fortſchritte in Wiſſenſchaft und Technik. e 19.45:
Filmwochenſchau. S 19.55: Köln: „Weſtdeutſchland”. Reportage.
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Bauernhof. — Kohlenbergwerk Gelſenkirchen. — Koksbatterie
Gelſen=
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des Philharmoniſchen Orcheſters. O 22.30: Stuttgart: Milikärmuſik.
6 0.30: Nur für Kaſſel: Nachtkonzert des Funkorch. Leitung:
Kapell=
meiſter Bodart. Beethoven: Sinfonie Nr. 7, A=dur.*— Wagner;
Vorſpiel zu „Die Meiſterſinger von Nürnberg”.
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Deutſche Welle. Freitag, 4. Okt. 9.30: Stadtarzt Dr.
Franz=
meyer: Unſere Zähne und ihre Pflege. 6 10: Prof. Dr. Wildhagen:
Erlebniſſe und Beobachtungen in Japan. o 12: Berlin:
Schall=
platten. O 14.30: Kinderſtunde: Kunterbunt. O 15: Dr. Neuſtätter:
Laß dich in jedem Jahre an deinem Geburtstage ärztlich
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ſuchen, damit du noch möglichſt viele Geburtstage erlebſt. 0 15.45:
Frauenſtunde: Frieda Radel: Das junge Mädchen der Gegenwart.
6 16: Rektor Guder: Schulrecht und Elternrecht. O 16.30: Leipzig:
Walzer=Nachmittag. Ausf.: Leipz. Sinfonie=Orch. Sol.: Cläre
Ger=
hard=Schultheß. o 17.30: Dr. Panoff: Haben die Primitiven
ein feineres Muſikgefühl als wir? 18: Rechtsanwalt Heinroth:
Die ſteuerliche Belaſtung. O 18.30: Engliſch für Fortgeſchrittene.
18.55: Th. Kappſtein: Darf man Optimiſt ſein? o 19.20:
Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Aerzte. O 19.55: Köln=Langenberg:
Ueberall in Weſtdeutſchland”. Eine Fahrt durch weſtdeutſches
Arbeitsland. Es wirken mit: Erzähler, Reporter, Sänger, Orch.,
Chöre, Domuhr, Bauernhof, Kohlenſchacht, Kokerei, Hochofen,
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werke, Hammerwerk. Spinnerei, Weberei, Bahnhof und
Wein=
kelteret. Danach: Tanzmuſik. Kapelle Otto Kermbach. — Pauſe:
Bildfunk.
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Die Unbeſtändigkeit der Wetterlage, verurſacht durch die
Nordmeer=
ſtörung, iſt noch nicht beendet. Weiterhin bleibt das Wetter
veränder=
lich und Niederſchläge treten noch auf. Die Temperaturen ändern ſich
zuerſt wenig, werden aber mit dem Eindringen kühler Luftmaſſen an
der Rückſeite der Störung ſpäter zurückgehen. Dabei kommt es zum
Aufreißen der Wolkendecke, ſo daß Aufheiterung eintritt und die
Nie=
derſchlagstätigkeit mehr und mehr abnimmt und nur noch vereinzelt
Schauer auftreten.
Ausſichten für Freitag, den 4. Oktober: Weiterhin unbeſtändiges,
wechſelnd wolkiges Wetter mit zeitweiſen Niederſchlägen,
Tem=
peraturen ſchwankend, um Weſt drehende Winde.
Ausſichten für Samstag, den 5. Oktober: Nachlaſſen der Niederſchläge,
wechſelnd wolkig mit Aufheiterung, kühler.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantworttich für Pelktik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feullleten, Relch und
Audland und Seſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhimann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer: ſEr
„Die Gegenwart‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Dind
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Unter Bezugnahme auf unſere Bekanntmachungen im Deutſchen
Reichs= und Preußiſchen Staatsanzeiger vom 19. März, 19. April
und 19. Mai 1928, in der Frankfurter Zeitung vom 18. März,
19. Appil und 19. Mai 1928 und im Darmſtädter Tagblatt vom
18. März, 18. April und 18. Mai 1928 erklären wir hiermit gemäß
8 35 g der 2./5. Verordnung zur Durchführung der Verordnung
über Goldbilanzen in Verbindung mit 85 290, 219, Abſ. 2 HaB
unſere ſämtlichen noch im Verkehr befindlichen Aktien über
Rm. 120.— für kraftlos.
Die an Stelle der für kraftlos erklärten Aktien auszugebenden
neuen Aktien über Rm. 100.— werden durch uns für Nechnung
der Beteiligten an der Frankfurter Börſe verkauft werden. Der
Erlös wird abzüglich der entſtandenen Koſten für die Beteiligten
hinterlegt werden.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1929.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 275
Freitag, den 4 Oktober
Vom Holzmarkk
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Betriebe des Holzverbrauchs ſind
ſehr ſchwach beſchäftigt, und es gibt auch die ſonſtige Induſtrie, die
Holz verarbeitet, verhältnismäßig wenig Aufträge. Der Geldmangel
zwingt die Unternehmungen, die ſonſt im Herbſt ihren
Schnittholz=
bedarf für die Wintermonate eindeckten, zur größten Zurückhaltung.
Ueberall und zum Beiſpiel in der Karoſſerieinduſtrie werden
Ein=
ſchränkungen der Betriebe durchgeführt. Teilweiſe ſind die Holzläger
überfüllt, und ſelbſt bei einer leider nicht zu erwartenden Belebung
der Abſatzverhältmiſſe mit Buche, Eiche, Pappel und Kiefer auf mehrere
Monate hinaus verſehen. Am ſchlimmſten iſt von der rückgängigen
Konjunktur die Pianoforteinduſtrie betroffen, die in gußerordentlich
verlangſamtem Tempo arbeitet, mit den ſchwierigſten
Abſatzverhält=
niſſen zu rechnen hat, ihren Abſatz nach dem Ausland äußerſt
einge=
ſchränkt ſieht und infolge der ſchwachen Betriebsmittel davon Abſtand
nimmt, Inſtrumente auf Lager zu arbeiten. Betroffen wird von
die=
ſen Verhältniſſen vor allem derjenige Teil der Sägewerksinduſtrie, der
geflößte Kiefer einſchneidet und wit der geringen Aufnahmefähigkeit der
Klavierinduſtrie rechnen muß. Die Fabriken in Zeulenroda (Thüringen)
haben auf der letzten Leipziger Meſſe einige Aufträge auf Anfertigung
von furnierten Möbeln und Kleinmöbeln erhalten, indeſſen konnten ſie
inzwiſchen ihren Bedarf an Mittel= und Zopfholz zu günſtigen Preiſen
decken, ſo daß einſtweilen an die Vergebung von Aufträgen für den
mitteldeutſchen Holzmarkt kaum zu denken iſt. Geſucht waren 43=
Milli=
meter=Stammbretter mit einem hohen Prozentſatz 1. Klaſſe, für die
mittel und weſtdeutſche Holzhandlungen frei oſtdeutſche Stationen 115
bis 120 Mark zahlten.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Hauptverſammlung des Mitteldeutſchen Arbeitgeberverbandes für
das Baugewerbe. Der Mitteldeutſche Arbeitgeberverband für das
Bau=
gewerbe hielt in Frankfurt a. M. ſeine ordentliche Hauptverſammlung
ab. Nach dem Geſchäftsbericht ließ der Beſchäftigungsgrad auch im
ab=
gelaufenen Jahre zu wünſchen übrig. Die Urſachen liegen in erſter
Linie in den auf die allgemeine Kapitalnot zurückzuführenden
Finanz=
ſchwierigkeiten, die gerade dem größten Bauauftraggeber, der
öffent=
lichen Hand, bei der Durchführung geplanter Bauvorhaben ſtarke
Zu=
rückhaltung auferlegten. Nach Abwicklung der internen
Verbandsange=
legenheiten ſprach Dr. Erdmann, Geſchäftsführer der Vereinigung der
Deutſchen Arbeitgeberverbände, über „Gegenwartsfragen und
Ent=
wicklungstendenzen der deutſchen Sozialpolitik” Ausgehend von den
Verhandlungen über die Reform des Arbeitsloſenverſicherungsgeſetzes,
umriß der Redner die Grenzen und Ziele, die der deutſchen
Sozialver=
ſicherung unter Berückſichtigung unſerer wirtſchaftlichen und
weltwirt=
ſchaftlichen Lage geſteckt ſind. Dr. Erdmann zeigte die enge
Verbun=
denheit des Problems der deutſchen Sozialverſicherung mit der
Lohn=
frage und damit zugleich auch mit der Frage der Schlichtungsreform.
Bei der Beſprechung des Arbeitsſchutzgeſetzentwurfes ging der Redner
auf die beſonderen Bedürfniſſe des Baugewerbes näher ein. Im
In=
tereſſe des geſamten Baumarktes müſſe das Geſetz in der
Arbeitszeit=
frage endlich zu einer Regelung kommen, die insbeſondere das
Saiſon=
arbeiterproblem in der Arbeitsloſenverſicherung einer ſozial und
wirt=
ſchaftlich gleichvertretbaren Löſung nähcr brächte. Darüber hinaus
müßten die geſamten inneren Finanz= und Wirtſchaftsverhältniſſe
re=
formiert werden. Die Reform der Sozialpolitik ſei ein untrennbarer
Beſtandteil dieſer Geſamtreform.
Beſucherzahlen der Leipziger Herbſtmeſſe. Nach den nunmehr
ab=
geſchloſſenen Ermittlungen hatte die Leipziger Herbſtmeſſe 1929 103 000
geſchäftliche Beſucher aufzuweiſen. Es ſind etwa 3000 entgeltliche
Ab=
zeichen mehr als zur Herſtmeſſe 1928 ausgegeben worden. Unter den
geſchäftlichen Beſuchern befanden ſich 12320 Ausländer, davon entfielen
auf Europa insgeſamt 10 410, auf Ueberſee 1910 Beſucher. Die Zahl
der Ausſteller beläuft ſich auf insgeſamt 7841, davon 7158 aus dem
Deutſchen Reich und 683 aus dem Ausland. Die Ausſtellungsfläche hat
gegen die vorjährige Herbſtmeſſe um 4000 Quadratmeter zugenommen.
Das Umtauſchverhältnis Rheiniſche Kreditbank und Süddeutſche
Dis=
conto in Deutſche Bank und Disconto=Geſellſchaft. Ueber das
voraus=
ſichtliche Umtauſchverhältnis der bekanntlich gleichfalls in die Fuſion
Deutſche Bank und Disconto=Geſellſchaft einzubeziehenden beiden
Mann=
heimer Inſtitute Rheiniſche Kreditbank und Süddeutſche Disconto=
Geſell=
ſchaft wird folgendes bekannt: Auf 400 RM. nom. Rhein=Kredit
ent=
fallen 300 RM. nom. Deutſche Bank= und Disconto=Geſellſchaft=Aktien,
auf 600 RM. nom. Süddeutſche Disconto 500 RM. nom. der Deutſchen
Bank und Disconto=Geſellſchaft. Außerdem wird, da bekanntlich die
Fu=
ſion rückwirkend ab 1. Januar 1929 erfolgt, den Aktionären der beiden
Mannheimer Inſtitute für 1929 die Dividende der Deutſchen Bank und
Disconto=Geſellſchaft eingeräumt, die, den unveränderten
Dividenden=
ſatz von 1928 vorausgeſetzt, 2 Prozent höher iſt als die eigenen
Dividen=
den der Inſtitute. Zum Umtauſch ſind etwa 7 Mill. RM. Aktien der
Deutſchen Bank und Disconto=Geſellſchaft noch erſorderlich, die
bekannt=
lich aus eigenen Großaktionärkreiſen zur Verfügung geſtellt werden.
Die Regreßfrage bei der Frankfurter Allgemeinen. In der letzten
Generalverſammlung der Frankfurter Allgemeinen wurde bekanntlich
eine Reviſionskommiſſion gebildet, die ſich mit der Prüfung der Schuld=
und Regveßfrage zu beſchäftigen haben wird. Abgeſehen von der
Un=
terſuchung darüber, inwieweit die Verwaltung eigenmächtig und gegen
die Intereſſen der Geſellſchaft gehandelt hat, intereſſiert vor allem die
Frage, ob und in welchem Umfange die Aufſichtsratsmitglieder für
regreßpflichtig erklärt werden können. In dieſem Zuſammenhange
hört man von gewöhnlich gut unterrichteter Seite, daß in
unverbind=
lichen Vorbeſprechungen die Möglichkeit erörtert worden iſt, daß der
Aufſichtsrat ſich bereit erklären wolle, die für das Geſchäftsjahr 1928
ausgezahlten Dividendenbeträge (2,32 Mill. RM. von einem Geſamt=
„gewinn” von 3,1 Mill. RM.), als auch die ausgekehrten Tantiemen
(0,14 Mill. RM.) aus eigener Taſche zurückzuzahlen, um durch dieſe
freiwilligen Rückzahlungen ſich von allen Regreßforderungen
loszukau=
fen. Eine Beſtätigung für dieſe Verſionen iſt natürlich nicht zu
er=
halten, um ſo weniger, als die Reviſionskommiſſion erſt in dieſen
Tagen erſtmalig zuſammentreten will.
Verlegung von Viehmärkten. Wegen des iſraelitiſchen Feiertages
(Verſöhnungsfeſt) ſind in der Woche vom 14. bis 19. Oktober 1929 die
Viehmärkte im Städtiſchen Schlacht= und Viehhof in Frankfurt a. M.
wie folgt feſtgeſetzt: Montag, 14. Oktober, nur Schweinemarkt;
Diens=
tag, 15. Oktober, Hauptmarkt für Großvieh, Nebenmarkt für Kälber
und Schafe; Donnerstag, 17. Okkober: Hauptmarkt für Kälber und
Schafe, Nebenmarkt für Schweine. Die Fleiſchgroßmärkte finden am
Montag, Dienstag und Donnerstag, 14., 15. und 17. Oktober, ſtatt.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Vergleichsverfahren. Gießen: Fa. Gebrüder Weil,
Inh. Frau Witwe Weil und Emil Mannheimer. TerglT. 17. Okt.;
Worms: Fa. Philipp Klein, Möbelhandlung. VerglT. 18. Okt.
Aufgehobene Vergleichsverfahren. Bad. Nauheim:
Kaufmann Albert Mayer.
Produkkenberichke.
Mannheimer Produktenbericht vom 3. Oktober. Auf die
Verord=
nung hin, daß die Beimahlung von Inlandsweizen von 40 auf 50
Pro=
zent erhöht wurde, war das Angebot von Inlandsweizen äußerſt knapp
bei weſentlich erhöhten Preiſen. Auslandsweizen war ebenfalls im
Preiſe erhöht. Die Börſe verlief in ſtetiger Hältung. Im
nichtoffiziel=
len Verkehr nannte man gegen 12.30 Uhr in RM. die 100 Kilo
wag=
gonfrei Mannheim: Weizen inländiſchen mit 25,75, ausländiſchen 27
bis 33, Roggen inländiſchen 20, ausländiſchen 20, Hafer inländiſchen
18,25—19,25, ausländiſchen 20—21, Braugerſte badiſche,
württembergi=
ſche und Taubergerſte 21,50—23, pfälziſche Gerſte 23—24, Futtergerſte
18—19, Mais mit Sack 20, ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 37,75,
desgl. zweite Sorte 35,75, ſüddeutſches Weizenauszugsmehl 41,75,
ſüd=
deutſches Weizenbrotmehl 27,75, ſüddeutſches Roggenmehl 27,50—32,
Weizenkleie 11, Biertreber (mit Sack) 17,25—18,25, Leinſaat 46,50 RM.
Biehmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 3. Oktober. Aufgetrieben waren:
8 Ochſen, 171 Kälber, 10 Schafe. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber
a) 68—74, b) 61—67, 6) 54—60 Pfg. pro Pfund. Marktverlauf:
ſchlep=
pend, Ueberſtand.
Mannheimer Viehmarkt vom 3. Oktober. Dem heutigen
Kleinvieh=
markt waren zugefahren: 127 Kälber, 42 Schafe, 96 Schweine, 613
Fer=
kel und Läufer. Bezahlt wurden für Kälber 67—84, für Schafe 54
bis 58, für Schweine 89—92, für Ferkel bis vier Wochen 24—30, über
vier Wochen 32—40, für Läufer 45—60 RM. Marktverlauf: mit
Käl=
bern mittelmäßig, geräumt; mit Schweinen mittelmäßig, geräumt; mit
Ferkeln und Läufern ruhig:
Frankfurter Viehmarkt vom 3, Okt. Aufgetrieben waren: 1170
Kälber, 611 Schafe, 684 Schweine. Marktverlauf: Kälber und Schafe
ruhig, Schweine anfangs rege, zum Schluß ſtark abflauend, ausverkauft.
Leichte Schweine vernachläſſigt. Preiſe pro Zentner Lebendgewicht:
Kälber: a) —, b) 78—82, c) 74—77 d) 66—72; Schafe: a) 46—49,
—, b), c) und d) 90—92,
b) —, c) 40—45, d) 32—39: Schweine:
e) 85—90, f) und g) geſtrichen.— Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch:
1. 90—100, 2. 80—90: Bullenfleiſch 88—92: Kuhfleiſch: 1. —, 2 65—80,
3. 60—65; Kalbfleiſch: 2. 95—105, Hammelfleiſch 95—105
Schweine=
fleiſch: 1. 100—118, 2. 105—110; Gefrierfleiſch (Rindfleiſch)
Vorder=
viertel 56, Hinterviertel 65; Geſchäftsgang: rege.
Frankfurker und Berliner Effekkenberichl.
Frankfurt a. M., 3. Oktober.
Die Börſe wurde durch den Tod des Reichsaußenminiſters Dr.
Streſemann ſehr erſchüttert. Das Geſchäft war daraufhin
außerordent=
lich zurückhaltend. Der Verkaufsandrang war allerdings nicht
über=
mäßig groß, immerhin waren ziemlich Beträge aufzunehmen. Ein
Kurseinbruch, der zu befürchten war, da bei früheren Anläſſem der
Er=
krankung Streſemans ſchon die Börſe flau war, wurde lediglich durch
die Interventionen des kürzlich gebildeten Stützungsbonſortiums
ver=
hindert. Bekanntlich war im vorbörslichen Verkehr jeder
Telephon=
handel ausgeſchaltet, um Beunruhigungen möglichſt zu vermeiden.
Immerhin waren die allgemeinen Kursrüchgänge zwiſchen 2 und 4
Pro=
zent. Von Montanwerten verloren Phönix 1¾, Rheinſtahl 2,
Stahl=
verein 1, Buderus 2, Gelſenkirchen 3½ Prozent, Kaliwerte bis 5
Pro=
zent gedrückt. Der Farbenmarkt trotz der beruhigenden
Verwaltungs=
erklärung im Geſamtrahmen der Börſenbewegung 2½ Prozent
ſchwä=
cher. Am Elektromarkt waren Schuchert mit 51/ Prozent ſtärker
abge=
ſchwächt, Siemens um 2½, Rheinelektra 2½, Lieferungen 3. AEG. 1,
Gesfürel 3 Prozent niedriger. Von Zellſtoffwerten verloren Waldhof
5½, Aſchafenburger 13/ Prozent. Schiffahrtswerte etwa 1½ Prozent
niedriger. Banken gleichfalls durchſchmittlich 1 Prozent abgeſchwächt.
Von Einzelwerten verloren Daimler ½ Deutſche Linoleum 5,
Gold=
ſchmidt 2, Rürgers 3, Südd. Zucker 134 Prozent. Anleihen ohne
nennenswerten Umſatz unverändert. Der Börfenverlauf blieb weiterhin
ſehr zurückhaltend. Man beſprach naturgemäß mehr die evtl.
Nachfolge=
ſchaft Streſemanns und nannte darunter auch Geheimrat Kaſtel als
Ex=
ponenten der Großinduſtrie. Daß die Londoner Diskontrate
unver=
ändert blieb, wurde günſtig aufgenommen. Die Nachbörſe war auf
Interventionen behauptet. Farben 201½, Siemens 358, Glanzſtoff 270,
Phönix 101½. Tagesgeld 7½ Prozent. London—New York 4,8580,
Pfunde gegen Mark 20,39½, Dollar gegen Mark 4,1965.
An der Abendbörſe machte die Beruhigung und Erholung
der Stimmung weitere Fortſchritte. Das auf einigen Märkten noch
herauskommende Material wurde wieder von Bankſeite aufgenommen.
Daneben ſchritt aber auch die Spekulation zu Deckungskäufen. Die
Kurſe blieben gegen den Berliner Schluß meiſt gut behauptet. J. G.
Farben, Schuckert und Siemens konnten 1—1,5 Prozent anziehen. Das
Geſchäft war im allgemeinen nicht umfangreich. Renten lagen ruhig.
Im Verlaufe ſchritt die Beſſerung der Tendenz fort.
Berlin, 8. Oktober.
Die heutige Börſe ſtand im Zeichen der niederſchmetternden
Nach=
richt von dem plötzlichen Ableben des Reichsaußenminiſters Dr.
Streſe=
mann. Schon im Vormittagsverkehr war die Erregung in den
Bank=
büros ſehr ſtark, und es war nur richtig, daß die Banken und Makler,
um die Nervoſität nicht zu vergrößern, von dem Freiverkehr abſahen.
Auch vorbörslich war der Verluſt, den Deutſchland erlitten hatte, das
Hauptthema. Alle anderen Momente traten weit in den Hintergrund.
Umſätze fanden vorbörslich ebenfalls nicht ſtatt, und man wartete ab,
wie ſich das Interventionskonſortium heute ſeiner nicht leichten Aufgabe
entledigen werde. Man beſchloß, bei den Notierungen ſo zu verfahren,
daß bei Abſchlägen von mehr als 2 Prozent des ausmachenden Betrages
ein Kommiſſar hinzugezogen werden muß, der evtl. auch das Recht hat,
die Notiz ausfallen zu laſſen. Von dieſem Recht wurde aber kaum
Ge=
brauch gemacht. Die erſten Kurſe waren verhältnismäßig beſſer
gehal=
ten, als man erwartete, die Rückgänge betrugen nur ganz vereinzelt
mehr als 1 bis 4 Prozent. Die herauskommende Ware ſtammte kaum
von der Bankenkundſchaft, ſondern hauptſächlich von der Börſe ſelbſt.
Man wollte wiſſen, daß die Schweiz und Holland eher als Käufer,
im Gegenſatz zu geſtern, vertreten waren. Das Geſchäft war im
Ver=
laufe weiter ruhig, die unveränderte Londoner Diskontrate war trotz
der neuen Goldverluſte der Bank bon England erwartet worden. Das
Communiqué der J. G. Farben über den guten Geſchäftsgang und die
eingegangenen Freigabegelder wurde nur zur Kenntnis genommen, ohne
eine Anregung zu bieten. Die weitere Kursentwwicklung war uneinheitlich.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 3. Oktober 1929 ſtellten ſich
für Elektrolytkupfer auf 170.25 Originalhüttenaluminium 190, desgl.
194, Reinnickel 350, Antimon Regulus 65—69, Feinſilber 69.00—70.75.
Die Berliner Metalltermine vom 3. Oktober 1929 ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 147.25 (147.25), Februar 147.25 (147.50), März
147.75 (148.00), April 147.75 (148.25), Mai 148.25 (148.50), Jun: 148.25
(148.75), Juli 148.75 (148.75), Auguſt und September 148.75 (149.00),
Oktober 146.00 (147.00), November 146.50 (147.00), Dezember 147.00
(147.00). Tendenz: ſtetig. — Für Blei: Januar und Februar
46.25 (46.50), März und April 46.25 (46.75), Mai bis September 46.50
(46.75), Oktober 46.00 (47.00), November und Dezember 46.25 (46.50).
Tendenz: ſtetig. — Für Zink: Januar 47.25 (48.50), Februar und
März 47.50 (48.50), April und Mai 47.75 (48,75), Juni bis September
48.00 (49.00), Oktober 46.25 (48.00), November 46.50 (48.00), Dczember
47.00 (47.50). Tendenz: befeſtigt. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld,
die in Klammern Brief.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 3. Okt.:
Getreide. Weizen: Dez. 133, März 139½, Mai 143½: Mais:
Dez. 96½, März 100½, Mai 103½; Hafer: Dez. 53½, März
55½4, Mai 57½; Roggen: Dez. 108½, März 113½, Mai 115½,
Schmalz: Oktober 11,22½, November 11,25, Dezember 11,35,
Januar 11,80.
Fleiſch. Rippen: Oktober 11,50; Speck, loko 12; leichte
Schweine 9,75—10,45, ſchwere Schweine 9,00—10,25;
Schweine=
zufuhren: Chicago 19 000, im Weſten 59 000.
Baumwolle: Oktober 1803, Dezember 18,73.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 3. Okt.:
Getreide. Weizen: Rotwinter 139½, Hartwinter 137: Mais:
107½: Mehl: 6.00—6.40; Fracht: nach England 1,6—2,3
Schil=
ling, nach dem Kontinent 8—9 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,00; Talg, extra, loſe 8½.
Kakav. Tendenz: ſtetig; Umſätze in Lots: 88; Loko: 11;
Oktober 10.58, November 10.28, Dezember 10.08, Januar 10.09,
Februar 10.12, März 10.16, April —, Mai 10.30, Juni —, Juli
10.45, Auguſt —, September 10.60.
Kleine Wirkichaftsnachrichken.
Die Süddeutſche Zinkblechhändlervereinigung, Sitz Frankfurt a. M.,
hat ihre Preiſe mit Wirkung vom 3. Oktober um 1,25 Prozent erhöht,
nachdem am 30. September eine Ermäßigung um 2 Prozent
ſtattge=
funden hat.
Gerüchte, wonach die Deutſche Gaſolin A. G. aus der
Benzinkon=
vention ausgetreten ſei, ſind, wie wir von Verwaltungsſeite erfahren,
vollſtändig aus der Luft gegriffen. Es hat weder am vergangenen
Donnerstag in Düſſeldorf eine Konventionsſitzung überhaupt
ſtattge=
funden, noch iſt die Möglichkeit, daß die Deutſche Gaſolin A. G. aus der
Konvention austreten könne, erörtert worden.
Die Gewerkſchaften der Schuhinduſtrie haben das geltende
Lohn=
abkommen zum 1. November 1929 gekündigt und eine Erhöhung der
Tariflöhne um 20 Prozent beantragt.
Anläßlich des letzten Börſenproſpektes der Harpener Bergbau A. G.
iſt die Frage aufgeworfen worden, wie es die Geſellſchaft in dieſem
Jahre mit der Dividendenzahlung halten werde. Nach Informationen
wird vorausſichtlich die Geſellſchaft die Dividendenzahlung mit etwa 5
oder 6 Prozent wieder aufnehmen.
Am Donnerstag blieb entgegen den Befürchtungen, daß angeſichts
der letzten fortgeſetzten Goldabflüffe in London die Diskontrate der
Bank von England erhöht wird, unverändert 6,5 Prozent.
Nach einer Kabelmeldung des New York Herald verhandelt die
jugoſlawiſche Regierung mit amerikaniſchen Banken über die
Auf=
nahme einer 100 Millionen Dollar=Anleihe zum Ausbau der
Adria=
häfen und der Eiſenbahnverbindungen. Die Ingenieure beabſichtigen
vor allem den Ausbau der Häfen von Spalato und Cataro, die
hier=
durch möglicherweiſe ernſte Konkurrenten für Trieſt und Fiume
wer=
den könnten.
Berliner Kursbericht
vom 3. Oktober 1929
Deviſenmarkt
vom 3. Oktober 1929
Verl. Handels=Geſ.
Danatbank
Deutſche Bank
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Ga=
Deutſche Erdöl
266.— Miee ee
J. G. Farben. Ve
200.25 Mieee
Rütgerswerke Ve 74.— Helſingfors Währun
100 finn. M ſGel
10.53! Briefl
10.555 Schweiz Währung
100 Franten GeId
80.90 161.50 Gelſenk. Bergw. 134.— Salzdetfurth Kalt 1373.— Wien 100 Schillinel 58.92 59.04 Spanien 1100 Peſetas 62.19 161.50 Geſ. f.elektr. Untern. 184.25 Leonh. Tietz 189.25 Prag
100 Tſch. Kr 12.412 12.43. Danzig 100 Gulden 81.46 1157.— Harpener Bergbau 139.— Verein. Glanzſtoff 271.50 Budapeſt 100 Pengö 73.12 73.26 Japan 1 Yen 1.998 115.50 Hoeſch Eiſen 119.— Verein. Stahlwerke 110.— Sofia 100 Leva 3.u35 3.C4 Rio de Janeir 11 Milreis 0.427 154.— Phil. Holzmann 91.75 Weſteregeln Alkali 225.—
Holland 100 Gulden 168.31 168.6. Jugoſlawten 100 Dinar 7.383 106.50 Kali Aſchersleben 219.— Agsb.=Nrnb. Maſch. Sslo 100 Kronen 111.85 112.07 Portugal 100 Escudos 18.18 181.50 Klöcknerwerke 109.50 Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind 41.— Kopenhagen 100 Kronen 111.89 112.1 Athen 100 Drachm 5.425 89.50 Köln=Neueſſ. Bgw. 117.— 69.50 Stockholm 100 Kronen 112.41 112.6* Konſtantinopel 1 türk. 2.025 217.—
Ludw. Loewe 183.— Hirſch Kupfer
134.— London 1 .Stg. 120.368 20.408 Kairo
1ägypt. 2 20.89 213.— Mannesm. Röhr. 103.87: Hohenlohe=Wer je 95.50 Buenos=Aires 1 Pap. Pe 1.758 1.762 Lanada 1 canad. Doll, 4.158 61.50 Maſch.=Bau=Untn 47.25 Lindes Eismaſch. 153.— New York 1 Dollat 4.192 4.200
Uruguag 1 Goldpeſo 4.098 157.— Nordd. Wolle 114.50 Herm. Poege 36.25 Belgien 1100 Belga 58.375 58.49 Fsland 100 eſtl. Kr. 92.13 173.50 Oberſchleſ. Koksw. 97.50 Vogel Telegr. Draht 71.875
Italien 100 Lire 21.94 21.88 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.79 108.— Orenſtein & Koppe 75.125 Wanderer=Werke 59.50 Paris
100 Francs 116.44 16-48
Riga 100 Lats 80.67
Frankfurier Kursbericht vom 3. Oktober 1929.
6% Dtſche.
Neichs=
anl. v. 27 ....."
6% Baden
Frei=
ſtaat v. 27 ....
6% Bahern
Frei=
ſtaat v. 27 .....
8% Heſſen
Volks=
ſtaat. . . . . . v. 24
8
v. 29
6% Preuß,
Staats=
anl. v. 28 ....."
6% Sachſen
Frei=
ſtaat v. 27... .
7%Thüringer
Frei=
ſtaat v. 27 .....
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. +½½.
Ablöſungsanl.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch: (Neub.)
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe ...
8% Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24 ..
8% Darmſtadtv. 26
v. 28
700 Frlf.a. M.b.26.
8O Mainz v. 26 ..
8½ Mannh. v. 26..
8% Nürnbergv. 26.
8‟), Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr.. . .
8‟/. Heſſ. Landesbk.
Goldoblig. .. ...
4½.‟, Heſſ. 2ds.;
Hhp.=Bk.=Liquid.
Pfbr. .. . . . .
8‟. Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt.
Gold=
pfbr.. . .
82lo Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt.
Gold=
vbl. .. . . . . . . . .
87.5
74
7.5
86.25
91
91.4
78,5
53.65
9.5
4.55
88
86
86
82.5
G7
96.15
93.5
72
98
95
98‟ Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
8‟/,
KaſſelerLandes=
kredit Goldpfbr.
18‟). Naſſ. Landesbk
Goldpfbr. . . . . .
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I
* Ausl. Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)
% Berl. Hyp.=Bk.
4½/.‟ „Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp. Bk...
4:/,% „ Lig. Pfbr.
„ Pfbr. Bk...
4½/,% „ Lig. Pfrb.,
8% Mein. Hyp. Bk.
4,% „ Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
4:.‟. „Lig. Pfbr.
82I. Preuß.
Boden=
ered.=Bk.. . .
4½.0. „ Lig. Pfb
82/. Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bk. . . .
4:/.‟. „ Lig. Pfb=
8‟,Rhein. Hyp.=Bk.
4/.). „Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit. . . . .
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank. . . .
8% Württ. Hhp.=B
6% Daimler Benz
von 27.... ....
82), Dt. Linol. Werke
v. 26 ..
% Klöckner=Werke
Berlin v. 26 ..
% Mainkriv. v. 26
% Mitteld.
Stahl=
werke v. 27 ...
93.5
96
96
51.75
68
21.5
Macs
V=
77.75
3:.
75
7825
97.5
71.75
7
76.6
97
97.5
97.25
70
92.5
*
81
86.25
8‟), Salzmann u. Co.
v. 26..........
7% Ver. Stahlwerke
mit Opt. v. 26
8% VoigtckHäffner
von 26 .... .."
F. G6. Farben Bonds
v. 28 „.....
5% Bosn. L.E.B.
v. 1914 ......
4:/,% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914. . .
42 Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän.
4½%
Türk. Admin.
1. Bagdad
Bollanl
12% Ungar 1913
1914
Goldr.
4‟
Aktien
Accum.=Berlin. . .
Adlerw. (v. Kleyer).
AEG. Stamm .. .
AndregeNorisBahn
Baſt Nürnberg.. . .
Bergm. El. Werke.
Brown BoverickCie
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen ..
Eement Heidelberg
Karlſtadt
Chem. Werle Albert
Chade ...........!
Contin. Eummiw.
Daimler=Benz ....
Dt. Atl. Telegr. . . .ſ.
„ Eiſenh. Berlin.
Erdöl .......
Gold= u. Silb.=Anſtalt .
Linoleumwerk
Dhckerhoff u.
Wid=
mann ... ......"
Mafe
91.5
112.5
27.5
14.45
7.425
7:25
M
39.5
182
116
212
—
134
96
122.25
178
428.5
157.5
41
05
146
82.5
A
Elektr. Licht u. Kraft
Liefer=Geſ.
Eſchw. Bergwerk.
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas ......."
Hof .....
Geiling & Cie....
Gelſenk. Bergwerk !.
Geſ. elektr.
Unter=
nehmungen .. . .
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfingerl.
Hafenmühle Frkft., I.
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfbrl
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Kupfer ... ..
Hochtief Eſſen ....
Holzmann, Phil...
Holzverk.=Induſtrie
Jlſe Bergb. Stamm
„ Genüſſe/124
Junghaus Stamr
KaliAſchersleben
„ Salzdetfurth .."
„ Weſteregeln .."
Kammgarn ſpinn..
Karſtadt, R. ..
Klein, Schanzl. . . .
Klöcknerwerke ....
Lahmeher & Co...
Lech, Augsburg. ..
Löwenbr. Münch..
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt. 105.5
Mainz. Akt.=Br. . . .
Mannesm. Röhren
13
200.1
77
110
70
30
133
5
130.25
168
123
135
93.25
82.75
212
54
Wi3
223
140.5
110
109
1061.
273
72
212
103.75
Mansfeld Bergb.. .
MarswerkeNürnbg.
Metallgeſ. Frankf..
Miag. Mühlenbau.
Nontecatini Maild.
Motorenfb. Darmſt.
Neckarwerke Eßling.
Nicolay, Sofbr.
Oberbedarf..
Otavi Minen ..
Phön ix Bergbau
Reiniger, Gebb.,
Rh. Braunkohlen..
„ Elektr. Stamm. /141.5
Stahlwerke. . . .
Niebeck Montan
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke ..
Sachtleben A. G. ./186
Schöfferhof=Bind.,
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel. 1116
Schucker: Elektr. . . 1207.5
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtric
Siemens & Halske
Strohſtoff. Ver....
Südd. Immobilien
„ Zucker=A. G.. .1151.75
Svensta Tändſtic!
Tellus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ..
Tucher=Brauere:, .1154
Unterfr. Krs.=
Clel=
tr.=Verſ..... ...
52
124.5
130
150
75
67
100.5
Wayß & Frehtagl
Wegelin Rußfabr.
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſchaffbg..
„ Memel . . . . . .
„ Waldhof ...."
112.25
178.5
73.5
101
162.5
355
110
76.5
356
115
102
101
Beithwerke..
Ver. . Chem. Ind.
Frankf.
„ Laurahütte. . .
„ Stahlwerke
„ Ultramarin. .
„ Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin.
Poigt & Cgeffner.
59
109.5
1on
222
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ...
Comm. u. Privatbk.)
Darmſt. u. Nt.=Bk. .
Deutſche Bank...."
Eff.-u.
Wechſel=
bank
......
Diskonto=Geſellſd..
Dresdener Banz..!
Frankf. Ban
Hyp. Ban1
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. Bk.,
Mein. Hyp.=Bank
Nürnb. Vereinsbk.
Sſt. Creditanſtalt . .
Pfälz. Hyp.=Bant..
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbl.
„ Hyp.=Ban:.. ..
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiene Bankverein
A.. G. ſ. Verlehrsr
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsbahn
Vorzge
Hapag..
Nordd. Lloyd
Schantung=Eiſenb.
Südd. Ciſenb.,Ge
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung .. .
Frkft. Allg. Verf.=C
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . ."
Nannh. Verſich.
96
114
143.5
A64
74
265
161.5
120
161.5
157
101
136.5
137
128
122
150
30,775
133.5
283.5
120
148.5
150
124.5
150
85.25
15.25
106
3.50
122.5
ar
101
Brief
81.06
62.31
81.62
2.002
0.4995
7.397
1E.82
5.435
2.029
20.93
4.162
4.104
92.31
112.01
80.03
Nummer 225
Freitag, den 4. Oftober 1929
Seite 13
Urheber=Rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
7)
Nachdruck verboten
Der Coroner waltet ſeines Amtes und ſtellt feſt: „Der Tod
iſt eingetreten durch Erwürgen. Das hat bei dem alten,
kraft=
loſen Manne nicht viel Mühe bedurft. Der Schrecken kann
auch mitgewirkt haben. Es beſteht die Möglichkeit, daß ein
Herz=
ſchlag dem Leben ein Ende ſetzte, ehe der Tod durch die
Stran=
gulation eintrat.”
George hörte dieſe Worte. Sie künden ihm nichts Neues.
Dann hat die Mordkommiſſion das Wort.
Mr. Daven greift ein: „Ich übertrage die Unterſuchung des
Falles Mr. Robert George.”
George verbeugte ſich knapp und wirft dem
Polizeipräſi=
denten einen dankbaren Blick zu. „Ich werde den Mörder
ſuchen, Mr. Daven”, ſagt er verbiſſen, „und müßte ich ſelber
dabei bleiben."
Aus ſeinen ſtarken dunklen Augen bricht es wie ein Strahl
des eiſernen Willens.
Mr. Daven legt die Hand auf Georges Schulter. „Wenn
einer in der Lage iſt, das entſetzliche Verbrechen an dieſem
Sterbenden zu rächen, dann ſind Sie es”, ſagte er warm.
„Vorausgeſetzt”, ergänzte der Generalſtaatsanwalt, „daß es
nicht noch auf das Schuldkonto . . . Morgan Katerinks kommt,
der vor einer Stunde auf dem elektriſchen Stuhl ſtarb.”
George ſieht den Beamten überraſcht an. Er hat den
gleichen Gedanken.
„Das wird die Unterſuchung ergeben, Herr
Generalſtaats=
anwalt.”
*
Ganz Chicago war in Aufregung, als die Preſſe mit fetten
Ueberſchriftszeilen die furchtbaren Ereigniſſe des letzten Tages
ſchilderte.
Robert George war der Held des Tages.
Man würdigte ſeine Verdienſte in langen Artikeln.
Aber die Aufregung ſtieg noch, als bekannt wurde, daß
Robert George der Haupterbe des rieſigen Vermögens Mac
Millans war, freilich unter einer Klauſel, die nicht geeignet war,
dem Erben ein bequemes Leben zu ſichern.
Robert George ſollte mit dem Gelde Chicagos
Verbrecher=
welt ausrotten.
Man war ſehr ſkeptiſch. Denn man wußte, daß Chicagos
Verbrecherwelt wie eine vielköpfige Hydra war. Schlug man
ihr einen Kopf ab, ſo wuchſen immer zwei Köpfe nach.
Aber man hatte Reſpekt vor dem Jungen. Es imponierte,
daß er unter dieſer ſchier unerfüllbaren Klauſel das Erbe
an=
nehmen wollte.
Mit Heliane Millans hatte man tiefes Mitleid.
Die Zeitungen brachten das rührende Bild des jungen
kind=
haften Weibes. Die Frauenvereine ſandten Abordnungen zu
der Kranken und boten ihre Hilfe zur Pflege an.
Sie wurde mit einem Male berühmt.
Mr. Daven aber wurde zwei Tage nach den Ereigniſſen
ſchwer krank und legte ſich in das Krankenbett, um nicht wieder
aufzuſtehen. Die jahrelangen vergeblichen Kämpfe mit der
Ver=
brecherwelt Chicagos hatten die Kräfte des Polizeipräſidenten
aufgezehrt.
Er hinterließ eine Bitte an die Stadt Chicago, der er ein
wirklich ehrlicher und treuer Diener war: „Macht Robert George
zum Polizeipräſidenten von Chicago.”
2.
Der Griff ins Nichts.
„Jetzt biſt du alſo vielfacher Millionär!”
So ſagte Benn Tuller zu ſeinem Freunde George, mit dem
er gemeinſam eine kleine Villa am Michigan=See bewohnte.
Die Villa gehörte ihnen nicht, ſondern dem Bankier Kahn, einem
Verwandten des bekannten Neuyorker Finanzmagnaten, dem
George einſt einen großen Dienſt erwieſen hatte. Der Bankier
hatte ihm drum ſeine kleine Seevilla, die er ſonft vermietete,
auf Lebenszeit zu Wohnzwecken zur Verfügung geſtellt.
Benn Tuller war ein ſchlanker Amerikaner mit bartloſen
Zügen, ganz der Typ des Amerikaners. Ruhig und beſonnen,
aber immer bereit, auf ein Abenteuer einzugehen und George
zu unterſtützen, hatte er dem Detektiv, mit dem er durch einen
Zufall bekannt geworden, oft gute Dienſte geleiſtet.
Benn Tuller war der einzige Sohn ſeines Vaters und hatte
von ihm ein Vermögen ererbt, das ihm zwar keine großen
Sprünge erlaubte, mit dem es ſich aber behaglich leben ließ.
Benn Tuller privatiſierte alſo und fühlte ſich mit ſeinen
fünfunddreißig Jahren ſehr wohl dabei. Er war, die
perſoni=
fizierte Ruhe, das heißt, ſolange nichts vorlag. Galt es aber,
irgendeine Aufgabe durchzuführen, ſo wurde der kühle
Ameri=
kaner mit einem Male ein anderer. Die Nerven ſpannten ſich,
und alles Kühle verſchwand. Dann ging er mit einer ſchier
unglaublichen Zähigkeit daran und ruhte nicht eher, bis die
Aufgabe durchgeführt war.
Das war Benn Tuller.
Robert George ſchrak aus ſeinem Brüten auf und ſah den
Frcund an. „Ja und nein, Benn. Ich habe das Erbe angetreten
und kann mit dem Gelde arbeiten wie ich will, bin aber
gezwun=
gen, alle Einkünfte in den Dienſt der Aufgabe zu ſtellen. Du,
Benn, es iſt noch eine Idee ſchwerer, als ich es mir gedacht habe.”
„Was meinſt du damit?”
„Ich meine: Es hängt noch ſo allerhand daran, das ich im
Anfang nicht berückſichtigte.”
„Was meinſt du? Sicher die Vermögensverwaltung.”
„Das wäre das wenigſte. Nein, mein Freund. Denke an
Millans Fabriken. Sie ſollen fünfzehn Millionen Dollar wert
ſein. Möglich. Ich kann das heute noch nicht beurteilen. Aber
ſie können unter Umſtänden nur die Abruchskoſten wert ſein,
wenn . . . ja, wenn ich nicht verſtehe, ſie weiter auf der Höhe
zu halten, wie ſeinerzeit Millans. Ich verſtehe von der Sache
nicht viel.”
„Haſt du ſchon mit den Leitern Rückſprache genommen?”
„Ich habe vorläufig erſt einmal Erkundigungen eingezogen.
Ich halte es immer ſo. Die Erkunkéangen ſind nicht ſchlecht
aus=
gefallen. Der techniſche Leiter aller Fabriken ſcheint ein
ſtatt=
liches Aktivum zu ſein. Er iſt anſcheinend ehrlich, tüchtig und
von ſtärkſter Aktivität. Auch über die andern leitenden Kräfte
ver=
lautet nichts Schlechtes. Aber das mag alles ſein, wie es will,
das Unternehmen braucht einen Leiter, einen Herrn.”
„Hm!”
„Es iſt nämlich auch noch etwas anderes mit zu
berückſich=
tigen: Der Fleiſchtruſt. Du weißt, daß Mr. Millans, als vor
Jahren die großen Schweinereien in den verſchiedenen
Truſt=
fabriken waren, aus dem Fleiſchtruſt ausgetreten iſt, der ſich
krampfhaft bemühte, alles zu unterdrücken, was in die
Oeffent=
lichkeit kommen konnte. Mr. Millans ſtattliches Unternehmen
ſteht alſo iſoliert da. Schließlich konnte er es ſich leiſten, denn
es iſt neben Mr. Towler wohl eines der größten Werke.”
„Du befürchteſt nun, daß jetzt die Bemühungen des
Fleiſch=
warentruſtes einſetzen werden, die Firma Mac Millans
Nach=
folger zu ruinieren?”
„Das dürfteſt du ſchon an dem Reklamefeldzug erkennen, der
bereits am Tage nach Mr. Millans Begräbnis einſetzte. Man
nimmt an, daß wir nicht auf dem Poſten ſind. Aber ich will, daß
wir auf dem Poſten ſind. Ich will Mr. Millans Fabriken
zuſammen=
halten, will ihre Stellung behaupten, weil ich fühle, daß ich das
dem Toten ſchuldig bin. Begreifſt du mich?"
Fortſetzung folgt.
K
HerbstModen
sehen Sie bei
Riesengroß ist die Auswahl in schönen
Mänteln. Wir zeigen Ihnen in Farben
und Macharten das Neueste was die
Mode für den Herrn zum Winter bringt.
DTaodeT
Marktplatz
Darmstadt
Marktstraße
Indianer
kommen nach
DARNSTAPT
TAao.
Es kommen Mexikaner, Cowboys, Gowgirls, Argentiner, Brasilianer, Mulatten, Kreolen, Ritfkabylen, Tscherkessen, chinesische Gaukler,
mongolische Speerkämpfer, tibetanische Gladiatoren, ein japanisches Theater, Neger, Afrikaner, Aegy ter, Inder, Türken, Repräsentanten
von 37 Kulturnationen, 80 Sarrasani-Girls, auserlesene Schönheiten aus allen bereisten Ländern, 100 Sarrasani-Musiker, Deutschlands
größtes Bläserkorps.
Es kommen die 22 Sarrasani-Elefanten, berühmt auf der ganzen Erde, 200 Rosse aller Rassen, Leoparden, Bengaltiger, abessynische Löwen,
Polarbären, australische Känguruhs, Transvalzebras, das einzige dressierte Milpferd der Welt, asiatische Kamele, persische Trampeltiere,
Büffel, andalusische Stiere, brasilianische Urwaldaffen, Seelöwen usw.
(F15459
Es kommt die „Revue der Welt” die schönste Schau der Gegenwart. 200 eigene Autotransportzüge in dem gewaltigsten, schönsten
Zeltbau, der je konstruiert wurde,
insge-
samt 10 000 Sitzplätze enthaltend; 400
Künstler, 500 Tiere unter persönl. Leitung
von Hans Stosch-Sarrasani, Europas
volkstümlichsten Zirkusmanne. Kurz un=
K
gut, es kommt der einzige und echte
üdottT
Seite 14
Freitag, den 4. Oktober 1929
Nummer 275
STEGMULLERS FERTIGKLEIDUNGeSTECMULLERS FERTIGKLEIDUNGeSTECMULLERS FERTISKLEIDUNGeSTEGMULIERS FERTIGKLEIDUNG
din danssastterticn
Oatt
daß wir durch unsere riesigen, von Jahr zu Jahr steigenden Umsätze, durch
unsere glänzenden Einkautsbeziehungen, durch unsere umtangreiche
Eigen-
herstellung und eine unverhältnismäßig niedrige Spesenbelastung von jeher
gute Fertigkleidung so außerordentlich billlg liefern, ist weit über
Darmstadts Grenzen hinaus bekannt.
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die gleiche Probe bei einem Seifenpulver machen
wollten. Vielleicht würden Sie schreien und
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liche Hilfe anrufen. Aber Ihrer Wäsche muten Sie
nicht nur tlüchtige Berührung zu; nein, Sie kochen
sie sogar mit minderwertigen Waschmitteln. Nun
ja, sie kann ja nicht schreien: aber sie stirbt, geht
in Fetzen l- Wollen Sie nicht vernünftig handeln und
fortan nur noch „Naumann’s Kernseife” nehmen?
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Nummer 275
Freitag, den 1. Of ober 1929
Seite 15
Tragödie im Walde.
Neuwied. Der 28 Jahre alte Angeſtellte Fritz
Veſterling und die 18jährige Käthe Nohrberg von
hier waren ſeit Sonntag abend ſpurlos
verſchwun=
den. Auf Grund von Angaben einiger Schüler, die
morgens gegen 6 Uhr Schüſſe in einem Wald der
Umgebung des Kurorts Rengsdorf gehört hatten,
wurde der Wald abgeſtreift. Am Dienstag
nachmit=
tag fand man die Vermißten mit Schußwunden auf.
Während Veſterling tot war, war das Mädchen noch
bei vollem Bewußtſein, trotzdem es 36 Stunden an
der Seite des toten Geliebten mit einem ſchweren
Kopfſchuß in ſtarkem Regen ausgehalten hatte. Beide
hatten beſchloſſen, gemeinſam aus dem Leben zu
ſchei=
den, da die Eltern des Mädchens einer Verbindung
nicht zuſtimmen wollten. Veſterling hat zuerſt einen
Schuß auf das Mädchen abgegeben, der jedoch nicht
tödlich wirkte, und ſich dann ſelbſt den tödlichen Schuß
beigebracht. Bemerkenswert iſt, daß Schilerinnen
beim Pilzeſammeln die ſchwerverletzte Nohrberg
neben dem toten Veſterling ſitzend am Montag
nach=
mittag angetroffen hatten, aber in der Meinung, e3
handele ſich um ein harmloſes Liebespaar, keine
Meldung gemacht hatten.
Zu dem Lehrerinnenmord im Schwarzwald.
Berlin. Wie bekannt, wurden am 31. Mai
1928 auf dem Wege vom Turner nach Titiſee, auf der
Weißtannenhöhe, die beiden Lehrerinnen Ida und
Luiſe Gersbach von Mannheim ermordet. Sie ſind
mit Schußverletzungen und durchſchnittener Kehle
aufgefunden worden. Man vermutete Luſt= und
Raubmord. Von dem Täter fehlte jede Spur.
Un=
ter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben,
wurden nach und nach acht Perſonen verhaftet, die
jedoch zum größten Teil wieder freigelaſſen werden
mußten. Als dringend verdächtig wurde dann ſpäter
der am 15. 2. 01 in Albersweiler, Bezirk Bergzabern,
in der Pfalz geborene Jakob Weilacher ſteckbrieflich
verfolgt, der nunmehr verhaftet werden konnte. Die
Gendarmerieſtation Waldſaſſen, die von der
Staats=
anwaltſchaft mit den Erhebungen betraut iſt, teilt zu
ſeiner Verhaftung folgende Einzelheiten mit: Die
Perſonalien des Geſuchten ſtimmen mit dem
Ver=
hafteten überein. Weilacher wurde in Konnersreuth
wegen Bettelns feſtgenommen, nachdem er ſchon
vor=
her in Waldſaſſen geſeſſen hatte. Er befand ſich auf
der Wanderſchaft und iſt ſehr ſchlecht gebleidet und
mittellos. Der Verhaftete trug bei ſich ein
Taſchen=
meſſer mit Hornſchale und zwei Klingen, deren jeder
die Spitze abgebrochen iſt. Die eine Schalenhälfte
iſt ſchwarz=grau, die andere mehr ſchwarz=weiß. Bei
dem Morde auf der Weißtannenhöhe war damals ein
Taſchenmeſſer abhanden gekommen. Es iſt noch nicht
feſtgeſtellt, ob es ſich hier um dasſelbe Meſſer
han=
delt. Der Verhaftete, der einen verſtörten Eindruck
macht, will in der fraglichen Zeit wohl in der
Schwarzwaldgegend geweſen ſein, doch will er ſich an
vieles nicht mehr erinnern können. In der kritiſchen
Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1928 will er
in Hinterzarten am Titiſee und die Nacht vorher in
Kirchzarten in einem Gaſthauſe oder bei einem
Bauern genächtigt haben. Wo er nachträglich
ge=
nächtigt habe, könne er nicht mehr ſagen. Er gibt
an, er habe ſein Wanderbuch, das er ſich im April
1928 in Oberkirchen in Baben ausſtellen ließ, bei
einem ebangeliſchen Pfarrer in Schneeberg in
Sach=
ſen liegen laſſen. Er habe dort betteln wollen, doch
ſei er unter Hinterlaſſung ſeines Wanderbuches
ge=
flüchtet, da der Pfarrer die Polizei gerufen habe.
In dieſem Buch ſeien alle Orte angegeben, in denen
er geweſen ſei. Ob die Angaben über das
Wander=
buch der Wahrheit entſprechen, muß erſt noch
nach=
geprüft werden.
Zwanzig Leichtverletzte bei einem Straßenbahn=
Zuſammenſtoß.
Berlin. Wie die Verwaltung der Berliner
Verkehrsgeſellſchaft mitteilt, ſtießen am Montag
abend an einer Halteſtelle am Anhalter Bahnhof
zwvei Straßenbahnwagen zuſammen. Dabei trugen
zwanzig Perſonen leichte Verletzungen davon. Die
ihren Weg fortſetzen. Die beiden beſchädigten Wagen
mußten aus dem Verkehr gezogen werden.
Ein weiteres Opfer der Gruben=Kataſtrophe
von Klein=Roſſeln.
Paris. Wie aus Metz gemeldet wird, iſt am
Mittwoch früh noch einer der bei der Bergwerkskata= ein wolkenbruchartiger Negen nieder, der in kurzer
ſtorben. Damit erhöht ſich die Zahl der bei dem Fällen drang das Waſſer in die Kellerräume und
armeeführers in Berlin.
Rakekenflug Fric von Opels.
Oben: Während des Fluges.
Rechts: Fritz von Opel im Geſpräch mit dem Raketen=
Unten: Start auf dem Flugplatz Rebſtock.
ſachverſtändigen Sander.
Die erfolgreich durchgeführten Verſuche Fritz von Opels mit dem Hatry=Raketenflugzeug bedeuten einen Markſtein in der Entwicklung des
Flug=
weſens der Zukunft. Beſonders zeigten die Schwierigkeiten bei der Landung, daß es noch vieler Verbeſſerungen bedarf, um die Rakete als
Antriebs=
kraft nutzbar zu machen.
Stephenſons „Rocket”, die erſte Röhrenkeſſel=Lokomotive. — Im Kreis: Stephenſon.
Verletzten wurden in der nächſtgelegenen Rettungs= Vor hundert Jahren, vom 6. bis 12. Oktober, fand in England die erſte Wettfahrt zwiſchen den
ſtelle verbunden und konnten ſämtlich von dort aus verſchiedenen Lokomotivtypen ſtatt. Stephenſon führte ſeine berühmte Maſchine „Rocket” vor und
errang den erſten Preis.
Kommandeur Bruno Friedrich mit ſeiner Frau.
Der neue Kommandeur der deutſchen Heilsarmee
Bruno Friedrich iſt mit ſeiner Frau in Berlin
eingetroffen, um die Nachfolge der nach England
urückberufenen bisherigen Führerin Mary Booth
anzutreten.
Ueberſchwemmungen in Berlin.
Berlin. Vorgeſtern abend ging übber Berlin
ſtrophe von Klein=Roſſeln verletzten Bergleute ge= Zeit viele Straßenzüge überſchwemmte. In vielen
Unglück ums Leben gekommenen Bergarbeiter auf 26. Kabelſchächte ein. Die Feuerwehr wurde in die
höchſte Alarmſtufe geſetzt, innerhalb einer halben
Ankunff des neuen deutſchen Heils= Stunde liefen über 2 Aarmierungen bei der
Hauptfeuerwache ein. Die Panke war aus ihren
Ufern getreten und hatte die Keller der umliegenden
Häuſer unter Waſſer geſetzt.
Großes Schadenfeuer.
Morles b. Hünfeld. Das Gehöft des
Kauf=
manns Fladung geriet in Brand. Das Feuer griff
auf das Nachbaranweſen, das einem gewiſſen
Her=
bert gehört, über. Die Familie konnte mit knapper
Not ihr Leben retten. Herbert erlitt ſchwere
Brand=
verletzungen. Die Gebäude wurden in Aſche gelegt.
Zahlreiches Vieh verbrannte.
Großfeuer in Harburg=Wilhelmsburg.
Harburg=Wilhelmsburg. Die
Oel=
werke Koch, A.=G., Harburg=Wilhelmsburg ſind am
Mittwoch nachmittag von einem ſchweren
Brand=
unglück heimgeſucht worden. Im Maſchinenraum
entſtand eine Keſſelexploſion, wodurch das Gebäude
in kurzer Zeit lichterloh brannte. Nur mit vieler
Mühe gelang es der Feuerwehr, ein weiteres
Um=
ſichgreifen des Feuers zu verhindern. Nach etwa
ein=
ſtündiger Tätigkeit war die Gefahr beſeitigt. Das
Maſchinenhaus iſt zerſtört worden. Leider ſind bei
dem Unglück zwei in dem Betrieb beſchäftigte
Ar=
beiter ums Leben gekommen, die ſich im Augenblick
der Exploſion gerade im Maſchinenhaus befanden.
Die beiden Verunglückten ſind wahrſcheinlich durch
Gaſe betäubt worden und dabei verbrannt.
Verheerendes Großfeuer.
Bukareſt. In der Gemeinde Terebas bei
Satu Mare brach ein verheerender Brand aus, dem
40 Häuſer des Dorfes zum Opfer fielen. Faſt die
geſamte Einwohnerſchaft iſt obdachlos. Die
geſam=
ten Erntevorräte ſind verbrannt. Die Feuerwehr
von Satu Mare konnte erſt nach ſtundenlangen
Be=
mühungen den Brand lokaliſieren.
Feſtſitzung im Reichsgericht.
Anläßlich des 50jährigen Beſtehens des
Reichs=
gerichts fand eine große Feſtſitzung ſtatt, in der
der Reichsgerichtspräſident, Bumke, Prof, Dr.
Kahl und Staatsſekretär Weismann das Wort
ergriffen. Die Redner betonten, daß das
Reichs=
gericht die Einheit des deutſchen und hoffentlich
dereinſt auch des öſterreichiſchen Rechtes
gewähr=
leiſte.
Zuſammenſtoß in der Luft.
Bukareſt. In der Nähe von Kronſtadt ſind
zwei Militärflugzeuge dr Type Fokfer in
zuſammengeſtoßen. Die beiben Maſthineile wnirder
zertrümmert, die Inſaſſen getötet.
„Graf Zeppelius” Polarfahrk
Diplomingenieur Lehmann, dem die Führung
des „Graf Zeppelin” auf! der für den kommenden
April vorgeſehenen Nordpolfahrt übertragen worden
iſt, unterrichtete im Anſchluß an die Friedrichshafener
Konferenz der von der Internationalen Geſellſchaft
zur Erforſchung der Arktis mit Luftfahrzeugen,
Aeroarctie, eingeſetzten Gelehrtenkommiſſion den
Korreſpondenten der „D. A. 3.” über den Stand und
Ausſichten der Expedition: Mit allem Nachdruck
be=
tonte Kapitän Lehmann, irrtümlichen Auffaſſungen
gegenüber, daß die Polarfahrt des „Graf Zeppelin”
ganz und gar keinen Bezug auf Verkehrspläne der
Zeppelingeſellſchaft hat. Die Auktisfahrt des „Graf
Zeppelin” verfolgt rein wiſſenſchaftliche Aufgaben.
Ein Luftſchiffverkehr quer über das Nordpolgebiet
hinweg iſt allerdings vor Jahren von dem jetzigen
Goneralſekretär, der Aeroarctie, Hauptmann a. D.
Bruns, propagiert worden, doch iſt der Luftſchiffbau
Beppelin auf dieſe Anregung nicht eingegangen, weil
ein regelmäßiger Luftſchiffsbetrieb in der Auktis ſchon
durch den bis auf die Monate April und Mai faſt
immer währenden Nebel ausgeſchloſſen erſcheint. Auf
die Frage, ob eine Landung auf dem Eiſe
vor=
geſehen ſei, antwortete Kapitän Lehmann: „Graf
Zeppelin” wird über Tromſö und Leningrad nach
Murman fahren, wo von den Nuſſen ein Ankermaſt
errichtet wird. Von Murman aus wird er in
mehr=
tägiger ununterbrochener Fahrt längs der
grönlän=
diſch=kanadiſchen Polſeite Fairbanks in Alaska
an=
ſteuern. Von Fairbanks wird der mehrtägige
Vor=
ſtoß in das unbekannte Polgebiet unternommen und
nach abermaliger kurzer Erholungspauſe über das
Behringmeer und die ſibiriſche Seite des Pols die
Nüchfahrt angetreten. Eine Zwiſchenlandung auf dem
Treibeis iſt nicht beabſichtigt; die Polarausrüſtung,
einſchließlich der Schlittenhunde, iſt lediglich als
Ret=
tungsmaßnahme bei einem Unfall des Luftſchiffes
ge=
dacht. Gegenſtand der Friedrichshafener Konferenz
bildete hauptſächlich die Ausrüſtung des Luftſchiffes
für die beſonderen Zwecke der Polarfahrt. „Es wird
eine Heizung eingebaut”, erklärte Diplomingenieur
Lehmann. Gegen die Vereiſung der Ballonhülle gibt
es allerdings kein anderes Mittel, als der
Schlecht=
wetterzone rechtzeitig auszuweichen. Im übrigen iſt
„Graf Zeppelin” ja viel leiſtungs= und
widerſtands=
fähiger als Nobiles nur 19 000 Kubikmeter große
„Italia”, von der, nebenbei bemerkt, noch gar nicht
feſtſteht, ob ſie wirklich durch Vereiſung zugrunde
ge=
gangen iſt.
Ein wahres Stückchen.
Oberammergau. Ein Engländer, welcher
ſich zum Kuraufenthalt hier befand, machte eine Tour
auf den Kofel. Er ſtürzte ab, blieb aber
glück=
licherweiſe mit ſeiner Joppe an einem Felſen hängen.
In ſeiner Angſt hatte er das richtige Wort, um Hilfe
zu rufen, vergeſſen und ſchrie aus Leibeskräften
„Juchhe!‟. Des Weges kommende Touriſten
ant=
worteten ihrerſeits mit „Juhuhu!” Als aber das
Juchhe=Rufen kein Ende nehmen wollte, ſchaute man
doch nach dem luſtigen Bergſteiger. Dem war aber
durchaus nicht wohl zumute und er war froh, als
er aus ſeiner gefährlichen Lage befreit wurde.
Bluttaten eines Eskimos in religiöſem Wahn.
London. „Daily Mail” berichtet aus
Mon=
treal: Ein junger Eskimo aus Süd=Baffinsland, der
großen Inſel gegenüber Grönland, erſchoß in
reli=
giöſem Wahnſinn ſeinen Vater, ſeine Mutter und
einen jungen Verwandten und verſuchte auch, ſeinen
Bruder zu töten. Er erklärtg, daß er auserwvählt
worden ſei, um die „Raſſe zu reinigen”, und daß
eine himmliche Stimme ihm befohlen habe, den ganzen
Stamm zu töten. Er wurde überwältigt und den
ganzen Winter in einem Eishaus gehalten. Er
entkam zweimal, und als er zum dritten Male
ge=
fangen wurde, beſchloß man, ihn zu töten. Vor einer
Verſammlung des Stammes wurde ihm die Wahl
gelaſſen, erſchoſſen, erſtochen oder ertränkt zu
wer=
den. Er wollte jedoch nicht ſterben und proteſtierte,
aber ſeine Richter ſchlugen ein Loch ins Eis und
ſtießen ihn hindurch, ſo daß er ertrank.
Seite 16
Freitag, den 4. Oktober 1929
Nummer 275
Von
Waldemar Grühl.
So waren wir denn nach langer mühſeliger Wanderung an
der Stätte der alten Kaiſerreſidenz Kaffas angelangt! In
ver=
hältnismäßig kurzer Zeit hatten wir den Weg von Djiren nach
hier zurückgelegt. Aber ſchwere Opfer hatte der Marſch von uns
gefordert! Zwei Pferde hatten wir verloren und zwei
Maul=
tiere hatten ſo ſchwere Wunden, daß es ausgeſchloſſen war, ſie
am Leben zu erhalten. In ihren tiefen Wunden befanden ſich
fingerlange Maden, trotzdem wir ſie mit Jod und Jodoform
behandelten. Sie ſtarben denn auch nach einigen Tagen.
Bonga, 18. Mai 1929.
Heute morgen regnete es in Strömen. Ich blieb darum bis
9 Uhr im Bett. Im Lager erſchien ein alter Kaffitſcho, der noch
den letzten Kaiſer ſehr gut gekannt hatte, und führte uns zu der
Stelle, wo früher der Palaſt des Kaiſers von Kaffa geſtanden
hatte. Er lag auf einem Hügel, von welchem aus man das ganze
Tal bis nach Andaratſcha, der zweiten Hauptſtadt, überſehen
kann. Der Palaſtbezirk wurde von den Abeſſinieren nach der
Eroberung Kaffas zerſtört. Wo früher die Thronhalle „Herabi”
genannt, geſtanden hatte, iſt jetzt ein Maisfeld. Die Reſte der
Frauenhäuſer („Madſchilati”) deckt dichtes Buſchwerk, an der
Stelle der Schlafhalle grünt hohes Gras. Der Urwald bedeckt
nach und nach wieder die Plätze, die Menſchenhände ihm einſt
ab=
gerungen hatten. Der Alte erzählte uns viel aus der Zeit der
Kaiſer und von den Kämpfen mit den Abeſſinieren.
Am Nachmittag unternahmen wir einen Gang durch den
Be=
zirk Bonga, wobei uns wieder der alte Kaffitſcho begleitete. Papa
fragte ihn, warum die Kaffitſcho nicht mehr Kaffee anbauten.
Darauf antwortete er: „Das hat keinen Zweck, die Abeſſinier
würden ihn uns doch wegnehmen‟. Zuletzt kamen wir an einen
dichten Buſch, aus deſſen Blättergewirr das Dach eines größeren
Hauſes hervorſchaute. Als wir dort hingehn wollten, hielt uns
der alte Kaffitſcho zurück und ſagte: „Dort dürft ihr nicht
hin=
gehen, ſonſt müßt Ihr ſterben”. Wir gingen aber doch hin, d. h.
wir brachen uns mühſelig durch das Buſchwerk Bahn, bis wir
auf einen ſchmalen Fußweg kamen, der zu dem Haus hinführte.
Nur mit großer Scheu folgten uns der alte Kaffitſcho und andere
Leute aus Bonga. Der freie Hofraum, der es umgab, war ſehr
ſauber. Als wir an das Tor kamen, fielen die Kaffitſcho nieder
und küßten die Schwelle des Tores. Jetzt wußten wir, daß wir
einen Tempel vor uns hatten. Der Gott, der hier verehrt wird,
heißt „Heko”. Papa ſagt, daß dies derſelbe Gott iſt, den ſchon
die alten Aegypter verehrten. Die Aegypter aber nannten ihn
„Hechu‟. Da die Türen des Tempels verſchloſſen waren, fragten
wir nach dem Prieſter desſelben. Aber der Kaffitſcho wollte
uns nicht zu ihm führen. Vielleicht tut er es doch noch, wenn
er einen guten Bakſchiſch von uns bekommt.
*) Der vorſtehende Beitrag iſt ein Abſchnitt aus dem ſoeben
er=
ſchienenen Buche eines vierzehnjährigen Afrikaforſchers, des jungen
Waldemar Grühl, der das Glück hatte, ſeinen Vater im Jahre 1927 auf
einer Forſchungsexpedition durch Abeſſinien in das bisher ſtreng
ver=
ſchloſſene alte Kaiſerreich Kaffa begleiten zu dürfen. Das Buch heißt:
„Aus der Unterſekunda ins Innere Abeſſiniens” (182 Seiten in
Ganz=
leinen gebunden, mit 45 Tafelbildern und einer Karte Preis RM. 5.50)
und iſt im Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W., erſchienen.
Beſon=
ders die jugendlichen Altersgenoſſen des Verfaſſers wird die vorſtehende
Koſtprobe, wie das ganze Buch intereſſieren.
Der Kadaver des geſtern zuletzt gefallenen Pferdes iſt ſchon
verſchwunden. Die Sanitätspolizei der Wildnis, Geier und.
Hyänen, arbeitet ſehr ſchnell.
19. Mai.
Unſer Kaffitſcho=Freund brachte heute früh die Nachricht, daß
der Hekoprieſter uns ſehen will. Als wir dann hinkamen, war
er aber nicht zu Hauſe. Wir gingen darum in den Urwald, da
wir gehört hatten, daß dort ein großer Waſſerfall vorhanden ſei.
Nach etwa zweiſtündiger Wanderung, bei der wir oft auf allen
Vieren kriechen mußten, erreichten wir den Waſſerfall, einen
ſogengunten Terraſſenfall. Ueber 100 Meter ſtürzt ſein Waſſer
über einzelnen Stufen hernieder. Es war ein großartiger Anblick.
Zu Ehren unſeres treuen Karawanenchefs nannte Papa den Fall,
den bisher noch kein Weißer geſehen hatte, „Aboud=Medjied=Fall”.
In der Dunkelheit des Waldes und wegen der Unzugänglichkeit
des Falls, war es uns nicht möglich, eine gute Aufnahme dieſes
Naturſpiels zu machen. Ich mußte mich ſehr über eine Liane
wundern, die über die toſenden Waſſer von einem Ufer zum
andern hing. Wie mag ſie wohl hinüber gekommen ſein?
Im Walde fanden wir viele wilde Kaffebäume,
Kautſchuk=
lianen und Gewürze verſchiedenſter Art. An zahlreichen
Kan=
delaber=Euphorbienhecken im Walde war zu erſehen, daß früher
viel mehr Wohnſtätten von Menſchen in Bonga vorhanden waren.
Als wir von unſerer Waldtour zurückkehrten, war der Prieſter
zu Hauſe. Er iſt ein ſtiller, freundlicher Mann, der uns bis zum
Tor der Umzäunung ſeines Hauſes entgegenkam. Für Papa
war ein Ehrenſitz vorbereitet, auf dem er Platz nahm. Wir
andern ſetzten uns auf kleine Hocker. Es wurde Kaffee gereicht,
den die Frauen des Prieſters zubereitet. Bevor wir tranken,
wurde etwas von dem Getränk dem Heko geopfert. Der Kaffee
ſchmeckte ſehr gut. Er war mit Gewürzen und Butter zubereitet,
und zuletzt wurde ihm noch Honig zugeſetzt. Dazu aßen wir
Enſett=
brot. Danach erzählte der Prieſter Gametſcho aus ſeinem Leben.
Zwei ſeiner Söhne ſind von den Abeſſiniern geraubt und als
Sklaven fortgeführt worden. Er hat jetzt noch einen Sohn.
Seinen kleinen Enkel liebt er ſehr. Früher war er Nagadi
ge=
weſen. Dann kam Hekos Ruf, der ihm ſeinen jetzigen Dienſt
zeigte. Nach langer Faſtenzeit wurde er Prieſter. Er darf jetzt
nur noch Gerſte eſſen und Kaffee und Waſſer trinken. Er hat
zwei Frauen, von denen aber jede ihr eigenes Haus hat. Er
wohnt abwechſelnd in dieſen Häuſern. Wir baten ihn, ſeinen
Gott zu fragen, ob wir wieder glücklich in unſere Heimat kommen
würdenum ihn dadurch für uns zu gewinnen, und er verſprach,
morgen mit uns zum Tempel zu gehen. Dann baten wir, ihn
photographieren zu dürfen. Das wollte er aber nicht zulaſſen;
erſt müſſe er Heko fragen. Dann erzählte er vom Kaiſer von Kaffa.
Ihn durften nur einige Fürſten, die Worabi=Raſcha, ſehen und
ſprechen. Die andern Menſchen durften ſich ihm nur nahen,
wenn er hinter einem Vorhang verborgen war. Dann mußten
ſie ſich vor dem Vorhang auf die Erde werfen und dreimal die
Bruſt klatſchen, worauf ein Worabi erſchien, um ſich nach ihrem
Begehr zu erkundigen. Einmal im Jahr hielt der Kaiſer von
einer Terraſſe ſeines Hauſes aus Heerſchau über ſeine Krieger.
Er wurde wie ein Gott verehrt. Er war „Kaiſer=Gott”. Wenn
ein Kaiſer ſtarb, wurde er auf dem heiligen Schaddaberg beerdigt.
Als die Abeſſinier das Land eroberten, plünderten ſie die
Kaiſer=
gräber aus und raubten die Kaiſerkrone. Nur der Kaiſer und
die Worabi durften Goldſchmuck tragen.
Als wir wieder in das Lager zurückgekehrt waren, fanden
wir eine Frau vor, der Papa geſtern eine Medizin gegeben hatte,
eine Jod=Kali=Löſung. Sie ſollte dieſelbe je morgens und abends
ſchluckweiſe einnehmen, hatte aber die ganze Medizin mit einem
Male ausgetrunken. Jetzt war ſie mehr tot als lebendig; ſie hat
ſich aber langſam wieder erholt. Man kann den Leuten
hundert=
mal ſagen, wie ſie Medizin einnehmen ſollen, ſie machen es doch
immer wieder falſch. Einmal hat ſogar einer eine Lyſol=Löſung, mit
welcher er ſeine Wunde auswaſchen ſollte, ausgetrunken, ohne
Schaden zu nehmen. Ich glaube, daß die Magen der Menſchen
hier durch die ſcharf gepfefferten Speiſen, die ſie eſſen, gegerbt ſind.
20. Mai.
Heute nacht brüllten drei Löwen um unſer Lager. Es hörte
ſich gerade ſo an, als wenn ein Donner grollt. Wenn der Löwe,
der König der Tiere, ſeine Stimme erhebt, ſchweigen alle anderen
Tiere der Wildnis. „Ich möchte zu gern einmal auf Löwenjagd
gehen, aber Papa will es nicht erlauben.
Um 9 Uhr ſchickte der Prieſter einen Boten, wir möchten zum
Tempel kommen. Schnell wurde der Filmapparat hingeſchafft
und in einem Buſch verborgen aufgeſtellt. Dann gingen wir zum
Tempel. Bald kam auch der Prieſter mit ſeinen Frauen und
einigen Kaffitſcho. Wir betraten den Vorhof des Tempels. Die
Kaffitſcho fielen nieder und küßten den Boden. Der Prieſter
be=
trat den Tempel. Wir durften nicht hinein, weil wir
Hammel=
fleiſcheſſer ſind. Der Hammel iſt das heilige Tier Hekos. Zwei
Kaffitſcho verhüllten die Tür des Tempels mit einem Tuch.
Hin=
ter dieſes Tuch trat ein Kaffitſcho, ſo daß wir nur ſeine Füße
fahen. Nun hörten wir im Tempel den Prieſter die Worte:
„Heko, Heko!” rufen. Das dauerte wohl zehn Minuten. Die
Eingeborenen vor der Hütte riefen mit. Danach hörten wir nur
Gemurmel im Tempel. Es hörte ſich ſo an, als wenn der
Prie=
ſter mit jemand ſprechen würde. Dann vernahmen wir einen
Segensgruß, den der Mann hinter dem Tuche uns verkündete.
Er ſagte ewa folgendes: „Alles iſt gut, die Erde, die Pflanzen,
das Waſſer, die Luft. Alles wird ſchlecht durch die Menſchen.
Heko grüßt die Fremdlinge. Sie werden eine gute Reiſe haben.”
Die Eingeborenen lagen während der Verkündigung der
gött=
lichen Botſchaft mit dem Geſicht auf der Erde. Wir lüfteten
unſeren Tropenhut, denn ganz darf man ihn im Freien nicht
abnehmen, weil man ſonſt ſofort einen Sonnenſtich bekommt.
Als die Feier beendet war, opferte der Prieſter noch ein wenig
Weihrauch. Der Film hat die ganze Feier, die ſehr intereſſant
war, feſtgehalten. Danach tranken wir wieder Kaffee im Haus
des Prieſters. Bei dieſer Gelegenheit lernten wir auch ſeine
Schwiegertochter kennen. Sie iſt die ſchönſte Frau, die wir
bis=
her auf der Reiſe geſehen haben.
Rings um unſer Lager bedeckten am heutigen Abend weiße
Nebel die Täler. Es ſah gerade ſo aus, als wenn wir auf einer
Inſel im Meer wären. Wir ſprachen darum auch heute viel vom
Meer und von der Heimat. Zehn Wochen ſind es nun ſchon,
daß wir nichts aus der Heimat hörten.
Jetzt brüllen die Löwen wieder um unſer Lager.
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Geſchmack Rechnung tragen. Die Liebhaber einer Taſſe wirklich guten
Cees mögen nicht verſäumen, bei ihrem Lieferanten ausdrücklich
Nonnefeldts Tee zu verlangen, er iſt und bleibt der Beſte.
Fröhliche Geſichter ſieht man auch am Waſchtage bei
Mül=
lers, nachdem die Miele=Elektro=Waſchmaſchine die Schrecken des
Waſch=
tages gebannt hat. Alle geplagten Hausfrauen ſollen es wiſſen, daß die
Miele=Glektro=Waſchmaſchine für 20 bis 30 Pfennige die
Vierwochen=
wäſche einer fünfköpfigen Familie ohne Vor= und Nachwaſchen blendend
ſauber wäſcht. Dazu ſpart ſie viel Zeit und hinterläßt keine
ſchmerzen=
den Rücken, keine wunden Hände und keine verdrießlichen Geſichter. Der
koſtbare Wäſcheſatz behält bei der ſchonenden Behandlung durch die
Miele” lange ſeinen vollen Wert. Und dabei ein Preis für die „Miele=
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[ ← ][ ][ → ] Für das laufende Geſchäftsjahr 1929/4930, beginnend am 1. Juli
1929, gewähren wir unſeren Mitgliedern
Rückvergätung
Neue gelbſleiſch. Kartoffeln Pfd S=
Neue Zwiebeln . . . . . Pfd. 40=
Neue holländ. Vollberinge Stck. 10=
Neues Sauerkraut . . . . Pfd. 20=
Darmstadt
Warenabgabe nur an Mitglieder.
Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren
Verteilungsſtellen nach § 152 d. Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. Soweit
wir Nichtmitglieder in unſeren Verteilungsſtellen ermitteln, werden wir
dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen. 15542
Nummer 275
Freitag, den 4. Offober 1929
Geite 12
Dum Karager
Kranichſteinerſtraße 60½,.
Freitag, den 4. Okt., aus Anlaß
der Wieder=Eröffnung der
neuher=
gerichteten Lokalitäten ab 6 Uhr abds.
Konzert.
Es ladet freundlichſt ein
Hch. Raab.
Im Ausſchank Pfungſtädter Exportbler.
Reſtauration „Mohr”
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Freitag und Samstag
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zu einem Miſſionsabend am Sonntag, den
6. Oktober, 20 Uhr, im Gemeindehaus
Kiesſtraße 17. — Vorträge über:
„Aerztliche Miſſion in China”
Redner: Geheimrat Dr. Aschoff aus
Freiburg Miſſionsinſpektor Devaranne
aus Berlin. Dr. med. Happich von hier.
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Morgen abend
um 8 Uhr
des,„Cluh Pröhlichkeit 1991
im
Sie hören:
Mathildenhöhsaal
Männer-Chöre
das neugegründete
Mundharmonika - Orchester
und die Operette
„Blondmuß mein Mädel sein‟
Eintritt: 1 Mk.
Tanz
Wirtschafts-Uebernahme
und -Empfehlung. (15521
Freunde, Bekannte, ſowie meiner werten
Nachbarſchaft zur Kenntnis, daß ich ab heute
mein Lokal ſelbſt wieder übernommen habe.
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1.20
Krakauer.
1.50
Jagdwurſt
1.—
Kalbsleberwurſt . .
2.—
Th. Leberwurſt.
1.50
br. Leberwurſt
1.10
Hausmacher Leberwurſt
1.—
Zungenwurſt . 1.30. Th. Rotwurſt . . 1.50
br. Blutwurſt 1.10. Hausm. Blutwurſt 1.—
Prima Aufſchnitt von 1.30—3.20.
Veröffentlichungen der Presse
aus den einschlägigen
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bieten, wie Internationale
Po-
litik, Politik des deutschen
Reiches, der Länder und
Ge-
meinden, Parteipolitik,
Rechtspflege, Kulturpolitik,
Frauenbewegung, Handel,
Industrie, Handwerk und
Gewerbe, Bodenpolitik,
Finanzwesen, Verkehrswes.,
Zollwesen, Sozialpolitik,
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Am Dienstag, den 8. Okt.
1929, bleibt das Amt wegen der
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(st15502
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