Einzelnummer 15 Pfennige
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Franfurt a. M. 1304.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illnfkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 235
Sonntag, den 25. Auguſt 1929.
192. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strell uſw., erliſcht
ſede Verpſſchtung auf Erfüſung der Anzeigene
guſträkge und Teſtung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerſchtiſcher Beſtreibung fäſlt ſeder
Nabat weg. Bonſlonfo Deutſche Bank und
Dam=
ſädter und Naiſonalbank.
Enowoden ſchlägt ein neues Angebot aus.
brechungen über das Kohlenproblem. — Oeffnung des ikalieniſchen Kohlenmarkkes für England.
W keine Klarheit in den finanziellen Fragen. — Auch die Rheinland=Beſprechungen ins Stocken geraken. Kein Staat hat ſeinen Außenhandel ſo vollommen in der
Vertrages ergeben, zu kontrollieren, ein Recht, das bisher nicht
zur Kompetenz der Vergleichskommiſſion gehört, ſoll eine neue
Motoden veftehe aaf der GHanang Formulierung erhalten, in der nur in gemiſſen Zweifelsfälln
der Vergleichkommiſſion dieſes Unterſuchungsrecht auf Grund
der engliſchen Forderungen.
der genannten Artikel zugeſtanden werden ſoll. Von deutſcher
Seite wurde erklärt, es beſtehe eine gewiſſe Ausſicht, daß dieſe
Berabſehzung der deukſchen Kohlenlieferungen
legenheit wird weiter verhandelt.
Da in den finanziellen Fragen noch keine
glar=
an Stalien zugunſten Englands.
* Haag, 24. Aug. (Priv.=Tel.)
Sbät in der Nacht zum Samstag hat Loucheur noch die
fran=
äffyute Preſſe empfangen und ihr dabei die Mitteilung gemacht,
Eiman nunmehr Herrn Snowden, weil er immer eine
Gls Annuität für England verlange, einen
be=
ſütnuen Vorſchlag über die engliſche Annuität machen werde.
ua legt dieſe Mitreilung dahin aus, daß die vier
Gläubiger=
h04. nachdem die Kompromißbereitwilligkeit
iſchlands von England zurückgewieſen wor=
Hſt, nunmehr ihrerſeits Mittel ſuchen, um die noch fehlenden
fan 20 Millionen aufzubringen, die England zur Auffüllung
hus 22prozentigen Anteils am Geſamt=Youngplan beanſprucht.
A/Samstag vormittag bildete in den Verhandlungen der
Hag=
g onferenz nur ein Intermezzo. Es fanden wohl Beſpre=
Nüu gen ſtatt zwiſchen Englend und den übrigen
Gläubiger=
muten mit Deutſchland über eine Herabſetzung der
lſtſchen Kohlenlieferungen, die zum Ziele haben,
kangliſchen Abſatz nach Italien durch eine feſte Quote zu
er=
i. Nach Erklärungen Loucheurs iſt das italieniſch=engliſche
MAnabkommen, durch das England ein Viertel des Markt=
Auſchnitts der letzten vier Jahre für ſeinen Kohlenabſatz in
iden zugeſichert erhält, bereits zuſtandegekommen.
In der Sachlieferungsfrage ſcheint es alſo mittlerweile
ge=
tun zu ſein, einigermaßen reinen Tiſch zu machen. Die
Sach=
zndigen, die heute nachmittag noch einmal tagten, werden
ſtnorgen das Ergebnis ihrer Verhandlungen ſchriftlich
nieder=
ekn und am Sonntag noch einmal zu einer Redaktionsſitzung
Ummentreten. Falls ſich in dieſer Sitzung nicht wieder neue
Flwände ergeben, dürfte damit der dritte Punkt der
iſchen Forderungen, der ſich auf die Sachlieferun=
Avor allem auf die Oeffnung des italieniſchen
lolenmarktes, erſtreckt, fürs erſte zur Ruhe kommen
us den Verhandlungen der Politiker ausſcheiden.
Bangdens Abfage. — Neue „Anſtrengungen” der
Fernächke Muf Soſen Muens.— Aes uaß
im Bluß.
s äußere Bild der Haager Konferenz änderte ſich am
Sünziag von Stunde zu Stunde. Snowden hat im Laufe
bele Mittagsſtunden wieder einmal ein neues
Ange=
bſider vier „Opfermächte” ausgeſchlagen, und
dinuf hat man anſcheinend eine neue
An=
ſtlngung gemacht, bei einer gemeinſamen Beſprechung
abulßlich eines Frühſtücks zwiſchen Dr.
Streſe=
möa n, Briand und Snowden zu einer Klärung der
Sähtti on zu gelangen. Auf Grund der Ergebniſſe dieſer
Be=
lpictungen wurde die für heute nachmittag vorgeſehene Sitzung
deit echs einladenden Mächte sine die vertagt, und die vier
9eFrnächte” ſind heute nachmittag aufs neue
zuſammenge=
tr) um nochmals Herrn Snowden einen Vor=
(Ag zu unterbreiten, der diesmal ernſtlich auf
Ab in der Italiener gehen ſoll. Wie wir von
italie=
mſtr Seite hören, beſteht einige Ausſicht, daß die
Italie=
m halts dem geſchützten Teil ihrer Annuität weitere ſie=
MMRillionen locker machen, um ſo die von den
Eng=
lä lrn verlangten 20 Millionen zur Auffüllung des Spaanteils
in uung=Plan aufzurunden.
AAlieniſcher Widerſtand gegen neue finanzielle
ſm Haag hat am Samstag trotz fortgeſetzter Verhandlungen,
ührend des ganzen Tages hin und her gingen, noch keine
Gühdung erzielt werden können. Alles hängt nunmehr von
an men Angebot ab, das Enowden von den „Opfermächten”
Klich verlangt hat. Ueber dieſes ſchriftliche Angebot konnte
Aſich heute noch nicht einigen, da anſcheinend der
Wider=
d von der italieniſchen Seite doch größer iſt,
in an anfangs gedacht hatte. Trotzdem konzentrierte
erte alles Bemühen darauf, die Italiener zum Nachgeben
tigen. Sie ſind jedoch bis heute abend noch nicht weich
Iaten, und deshalb hat Snowden das ſchriftliche Angebot der
eir vier Gläubigermächte vorläufig noch nicht erhalten.
4 kein Abſchlaß der Rheinland=Beſprechungen.
ch die Rheinlandmächte verhandelten. Doch ſind beide
Aien zu keinem endgültigen Abſchluß gekommen und führen
nachmittag ihre Beſprechungen weiter. Unter den Rhein=
Nrchten wurde über die Kontrollkommiſſion für das
Rhein=
erhandelt. Die urſprünglich vereinbarte Faſſung, nach
die bereinigten Vergleichskommiſſionen
en Locarnoverträgen auch das Necht haben ſoll=
Berletzungen der Entmilitariſierungsvorſchriſten für das
Anlaand, wie ſie ſich aus den Artikeln 42 und 43 des Verſailler
heit zu erzielen war, ſtockten auch die politiſchen
Deutſchland. Miniſter Wirth erklärte bei Verlaſſen dieſer Be= nach China haben zum Schaden der beiden Staaten eine
plötz=
ſprechungen, daß man trotzdem darauf hoffen kann, daß Anfang
der nächſten Woche die Beſatzungsmächte beſtimmte Vorſchläge
auch in der Frage der Kontrollkommiſſion zu einem
Ueberein=
kommen gelangen werde. Allerdings hänge alles davon ab, ob die
Stand der Dinge, und weil man bis in die Abendſtunden keinen
Ausweg finden konnte, entſchloſſen, die Veratungen der
Ange=
botsmächte, an denen auch die Miniſter Dr. Curtius und
Hilfer=
ding teilnahmen, am Sonntag vormittag 10.30 Uhr fortzuſetzen,
und die drei Beſatzungsmächte und Deutſchland erſt wieder am
Dienstag zuſammentreten zu laſſen.
Nach der Beſprechung der Rheinlandmächte hatte Dr.
Streſe=
mann noch eine einſtündige Privatunterhaltung mit Briand.
Briand ſicherk ſich Rückendeckung in Paris.
Loucheur erklärte am Samstag abend vor franzöſiſchen
Ver=
tretern, die Einigung über die Frage der Sachlieferungen ſei
ſchon ſehr weit gediehen. Für den Fall eines Moratoriums
werde ein kleines Komitee zur Prüfung der deutſchen
Sachliefe=
rungen eingeſetzt werden. Für den Fall von Schwierigkeiten ſei
ein Schiedsgericht vorgeſehen, das ſehr ſchnell — innerhalb von
2 Wochen — ſeine Entſcheidung fällen muß. Ueber die engliſche
Forderung auf eine Herabſetzung der zehnjährigen Laufzeit der
Sachlieferungen würden ſich die Engländer mit den Deutſchen
noch gemeinſam auseinanderſetzen. — Loucheur teilte weiter mit,
Briand werde, wenn ſich im Haag nichts Wichtiges ereignen
werde, am Sonntag abend auf 24 Stunden nach Paris reiſen.
um dort einem Miniſterrat zu präſidieren, in dem die Mitglieder
der franzöſiſchen Völkerbundsdelegation ernannt werden ſollen.
Briand beabſichtige nicht, zu der Ratstagung zu gehen, werde
aber zur Eröffnung der Vollverſammlung des Völkerbundes am
2. September in Genf ſein. Wie aus franzöſiſchen Kreiſen
ver=
lautet, will ſich außerdem Briand im Miniſterrat die Zuſtimmung
zu gewiſſen Vereinbarungen in der Rheinlandräumung einholen,
die er heute mit Dr. Streſemann hinſichtlich des Endtermins
beſprochen hat.
Hier geht heute abend das Gerücht um. daß Macdonald am
Montag im Hagg eintreffen werde. Eine Beſtätigung aus
eng=
liſchen Kreiſen war bisher nicht zu erhalten. Immerhin ſcheint
es angeſichts der Vertagung der Hauptfragen auf Dienstag nicht
ausgeſchloſſen, daß man in den nächſten Tagen noch ſämtliche
ſührenden Miniſter zuſammenbringt.
Ausſichk auf ein Proviſorium.
* Der Draht zwiſchen dem Haag und den Berliner amtlichen
Stellen iſt — bildlich geſprochen — ſeit einigen Stunden geſtört.
Man weiß auch in Berlin nicht mehr recht, was eigentlich los iſt.
Kein Wunder, da das Bild im Haag von Stunde zu Stunde
kann. Die allgemeine Stimmung darf aber vielleicht dahin zus phantaſtiſcher Schwierigkeiten zu erhalten. Der Einfuhrterror
ſammengefaßt werden, daß gegenwärtig doch die Befürchtung
eines Abbruches geringer geworden iſt; man hofft, zu der G. P. u. und ihre Damen in ausländiſchen Kleidern
einher=
einem proviſoriſchen Abkommen zu gelangen,
das am 1. September den Youngplan in Kraft
ſetzt und die übrigen Streitfragen zunächſt
ver=
tagt. Dabei iſt daran gedacht, die Hagger Konferenz in die
Nähe von Genf zu verlegen, ſo daß die entſcheidenden Miniſter
jeweils zu den wichtigſten Sitzungen raſch herüberkommen kön= ſeine Initiative und Findigkeit durch die allgegenwärtige Macht
nen. Inwieweit ſich Dr. Streſemann daran beteiligen wird,
Haar nach Berlin zurückkehrt und Herrn von Schubert ſeine
Stellvertretung überträgt. Aber das ſteht noch nicht feſt.
Inwieweit ſich aber die Ausſicht auf ein
provi=
ſoriſches Abkommen realiſiert, bleibt natürlich bis zum
letzten Augenblick unſicher. Das wird von den einzelnen
Haupt=
delegierten abhängen, aber auch von den Opfern, die ſchließlich
Deutſchland zugemutet werden. Charakteriſtiſch für die
Un=
durchſichtigkeit im Haag iſt die Frage der Dauerkontrolle, die ja
ſeit einigen Tagen ſich wieder ſtark in den Vordergrund
geſcho=
ben hat. Hier lauten die Meldungen auch aus deutſcher Quelle von Naphtha, Kohle und anderer Naturſchätze die Lücke in der
vollkommen entgegengeſetzt. Der „Lokglanzeiger” behauptet, daß Ausfuhr auszufüllen. Auch die Ausfuhr techniſcher Kulturen
Dr. Wirth einen deutſchen Vorſchlag ausarbeite, den
Miniſterial=
direktor Gauß ablehne, während der „Vorwärts” wieder genan
das Gegenteil aus dem Haag behauptet und davon ausgeht, daß Bütter, Borſten, Därme uſw., wurde bisher unter Mißachtung
der Kompromißvorſchlag Gauß—Fromageot auch nach Auffaſſung, der Not im eigenen Lande geſteigert. Es iſt nicht anzunehmen,
der deutſchen Delegation die Möglichkeit einer Verſtändigung
enthält. Soweit woir feſtſtellen konnten, iſt es richtig, daß Herr
Dr. Wirth einen Vorſchlag ausarbeitet, der zwar nach den ungenügenden Mengen und ſchlechter Qualität zu haben ſind.
Locarnoverträgen die Ausgleichskommiſſiogen, die bisher nur 2
zwiſchen Deutſchland und Belgien und Deutſchland und
Frank=
reich beſtehen, zu einer Kommiſſion zuſammenfaßt, aber dieſer übrigen Wirtſchaftsgebarung aufs engſte verwachſen. Eine
keine dauernden Kontrollrechte in der Richtung der Inveſtiga= 9
tion zuweiſen will. Wenn ſich die Franzoſen damit zufrieden
geben, läßt ſich darüber vielleicht reden. Ein Urteil darf man ſich
allerdings erſt erlauben, wenn man den Wortlaut kennt. — werten einen ſchleichenden Charakter angegommen. Die über=
* Der Außenhandelskerror in
Sowſek=
rußland.
Von
Carlo von Kügelgen, Berlin.
Gewvalt wie die Sowjet=Union mit ihrem Außenhandelsmonopol.
Sowohl in bezug auf die Menge und die Wahl der ein= und
aus=
zuführenden Waren, wie in bezug auf die Wahl der Ein= und
Ausfuhrländer ſind die Richtlinien der Regierung maßgebend.
Natürlich ſpielt die Geſtaltung des Verhältniſſes zu den
einzelnen Austauſchländern eine bedeutende Rolle. Gegen den
Frage zu einem Einvernehmen führe. Auch über dieſe Ange= Abbruch der diplomatiſchen und wirtſchaftlichen Beziehungen,
wie er unter größter Kriegsgefahr eben zwiſchen der Union und
China ſtattfand, kann auch die Sowjetregierung nicht
aufkom=
men. Die überaus wichtige Einfuhr des chineſiſchen Tees nach
Beſprechungen zwiſchen den drei Beſatzungsmächten und Rußland und die weniger bedeutſame Ausfuhr ruſſiſcher Waren
liche Unterbrechung erfahren.
Andererſeits beweiſt das Beiſpiel Englands im Vergleich
für den Endtermin der Räumung machen würden und daß man zu Deutſchland, wie die Sowjet=Union bereit iſt,
wirtſchaft=
liche Intereſſe auszuſpielen, um politiſche Vorteile zu erringen.
Obgleich die Verhandlungen zur Wiederanbahnung der
diploma=
finanzielle Einigung zuſtande kommt. — Man hat ſich bei dieſem tiſchen Beziehungen mit der engliſchen Arbeiterregierung ſich
zer=
ſchlagen haben, hat der Handel mit England in der letzten Zeit
einen bedeutenden Aufſchwung genommen. In den
acht erſten Monaten dieſes Wirtſchaftsjahres (Oktober 1928 bis
Mai 1920) führte Rußland nach England Waren aus für 1064
Millionen Rubel gegenüber 771 Millionen Rubel in der gleichen
Zeit des Vorjahres, während England für 25,6 Millionen gegen
28,9 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres nach Rußland
verkauſte. Die ruſſiſche Ausfuhr nach Deutſchland betrug
122,6 Millionen gegen 111,9 Millionen in der gleichen Zeit des
Vorjahres. Die deutſche Einfuhr nach Rußland dagegen iſt ganz
beträchtlich gefallen, und zwar von 169,7 Millionen in der
Be=
richtszeit 1927/28 auf 121,5 Millionen im laufenden Jahr.
Wäh=
rend die Einfuhr aus dem „befreundeten‟ Deutſchland in acht
Monaten um 482 Millionen zurückging, ſo daß die Handelsbilanz
aus einer aktiven eine paſſive wurde, ging die Einfuhr aus
Eng=
land und den Vereinigten Staaten, die die Sowjet=Union nicht
anerkennen, in viel geringerem Maße zurück.
Das Außenhandelsmonopol iſt in ſeiner Einwirkung auf die
Handelsgeſtaltung mit den Handelspartnern vielfah beleuchtet
worden. Seine Hauptſpitze richtet ſich aber nicht ſo ſehr nach
außen, wie nach innen. Das Monopol ſtellt in dieſer
Be=
ziehung ein Inſtrument zur Vergewaltigung eines großen Volkes
dar, wie es die Geſchichte noch nicht gekannt hat.
Mit dem Kommunismus an ſich hat das
Außenhandels=
monopol nichts zu tun. Bei ſeiner Aufrechterhaltung handelt es
ſich für die Sowjetregierung ausſchließlich darum, auf Koſten
der Bevölkerung die finanzielle Grundlage ihrer Macht zu
er=
halten wie ſie ſich politiſch auf den blutigen Terror ſtützt.
Wie ſich dieſer Außenhandelsterror auf die
Bevöl=
kerung auswoirkt, iſt nur denen bekannt, die mit dem ruſiſchen
Volke zuſammen gelebt haben. Jedem Reiſenden fällt die
Ver=
elendung und Verlotterung des ruſſiſchen Volkes in Stadt und
Land auf. Das deutſche Proletariat — vom engliſchen,
ameri=
kaniſchen uſw. ganz zu ſchweigen — iſt im Verhältnis zum
ruſſi=
ſchen Arbeiter glänzend gekleidet und genährt. Was man in
den größtenteils leer ſtehenden Genoſſenſchaftsläden an Waren
ſieht, iſt ſo miſerabel, daß niemand es in Weſteuropa anzubieten
wagen würde. Deshalb iſt z. B. jedes importierte
Kleidungs=
ſtück ſofort zu erkennen. Wehe nun der Sowjetbürgerin, die ein paar
geſchmuggelte Strümpfe zu tragen wagt; ſie wird ſofort von
der G.P. U. gefaßt und muß beim Fehlen einer Zollquittung
ſchwere Gefängnisſtrafe erwarten. Das Außenhandelsmonopol
wird mit allen Mitteln des Terrors gegen die notleidende
Bevöl=
kerung durchgeführt. Wichtigſte Medikamente, mediziniſche
In=
ſtrumente, Bücher, tauſend Gegenſtände fehlen in
Sowjetruß=
wechſelt und auch dort offenbar ſich niemand mehr zurechtfinden land und ſind entweder überhaupt nicht, oder nach Ueberwindung
wird auch augenfällig dadurch bewieſen, daß allein die Männer
ſtolzieren und den Neid der verlumptea Menge wecken dürfen.
Zu denſelben Mitteln der Vergewaltigung hat die Regierung
gegriffen, um die verſagende Ausfuhr aufrecht zu
er=
halten. Nachdem man den Privathandel bis auf kleine Reſte
ausgemerzt hat, muß ſeine größere Beweglichkeit und Billigkeit,
der Ankaufsorganiſationen des Staatsmonopols erſetzt werden.
ſteht noch nicht feſt. Es wird vielfach erwartet, daß er aus dem Da der Apparat unmäßig teuer iſt, kann dem Bauern nur ein
Bruchteil des Wertes ſeiner Produkte gezahlt werden; dea
größ=
ten Teil ſucht man ihm auf dem Wege von Steuern und
Abga=
ben oder einfach durch ein raffiniertes Syſtem der Beſchlagnahme
herauszupreſſen. Die eigentliche Grundlage der ruſſiſchen
Aus=
fuhr, der Getreidebau, iſt durch dieſe Steuerpolitik und den
ſtaatlichen Ankauf zu geringen feſten Preiſen ſo radikal zugrunde
gerichtet, daß Moskau jetzt zum utopiſchen Mittel von
Staats=
plantagen mit Sklavenarbeit greift. Fürs erſte ſucht man durch
Raubbau in Holz und forcierte, wenn auch uarentable Förderung
und die von Nebenprodukten der Landwirtſchaft, wie Eier und
daß ein anderes Volk eine ſolche Ausfuhr geſtatten würde, wenn
lebenswichtige Produkte im Lande ſelbſt nur auf Karten in höchſt
Auch hier wiederum ein vollendetes Bild wirtſchaftlichen Terrors.
Das Außenhaadelsmonopol iſt im Laufe der Jahre mit der
Kommiſſion lediglich techniſche Bedeutung beimißt, dagegen ihr Oeffnung der Grenzen für ausländiſche Waren würde die im
Lande herrſchende Inflation zur kataſtrophalen Kriſe ſteigern.
Jetzt hat dieſe Kriſe unter dem Schutz des Zwangskurſes mit
ſtrengſter Sperrung der Grenzen gegen die Ausfuhr von Geld=
Seite 2
Sonntag, den 25. Auguſt 1929
Nummer 233
ſtarke Konkurrenz des Auslandes, das billiger und beſſer
produ=
ziert als Sowjetrußland, würde die künſtlich geſchaffene
unratio=
nelle, ja meiſt mit Verluſt axbeitende Induſtrie Sowjetrußlands
über den Haufen rennen. Dieſer Induſtrie genügen nicht einmal
hohe Schutzzölle, ſondern ſie iſt bei der Minderwertigkeit vieler
Waren auf völlige Abſperrung des Auslandes angewieſen. Kurz,
das krankhafte Gebilde des ruſſiſchen ſog. herrſchenden
Induſtrie=
groletariats würde bei der Preisgabe des Außenhandelmonopols
ſhnell zuſammenbrechen, während ſich unter deſſen Schutz der
Zerſetzungsrrozeß noch lange hinziehen kann.
Die Sowjetwirtſchaftler ſind in der verzweifelten Lage, ſich
wweit vom Ufer des privaten Wirtſchaftsſyſtems in das unſichere
Element ihrer willkürlichen ſtaatskapitaliſtiſchen Experimente
be=
geben zu haben, daß an eine Umkehr ohne Zuſammenbruch nicht
zu denken iſt. Ebenſo wenig iſt aber die Ausſicht vorhanden, auf
dem eingeſchlagenen Wege feſtes Land zu erreichen. Das einzige,
was ſie tun können, iſt, die Steuerſchraube immer feſter
anzu=
ziehen und die geduldige Bauernſchaft immer radikaler
auszu=
preſſen zur Steigerung der Ausfuhr, und andererſeits die Einfuhr
immer weiter zu beſchneiden.
Der Staatsälteſte Kalinin hat kürzlich berichtet, wie die
Re=
gierung im letzten Halbjahr die Wahl habe, entweder für 40 bis
50 Millionen Rubel Getreide einzuführen, oder aber unter Bruch
der gegebenen Verſprechungen wiederum Gewaltmaßnahmen
gegen die Bauern zu ergreifen. Man griff zum letzteren Mittel,
rationierte dem hungernden Volk die Lebensmittel und
ver=
brauchte die Getreidereſerven. Die Einfuhr in den erſten neun
Monaten des Wirtſchaftsjahres (Oktober 1928 bis Juni 1929)
wurde auf 493,9 Millionen Rubel gegenüber 576,9 Millionen in
der gleichen Zeit des Vorjahres, b. h. um 14,4 Prozent
zurück=
geſchraubt, die Ausfuhr auf 516,7 Millionen (gegen 456,5
Millio=
nen) geſteigert. Die Handelsbilanz war mit 22,8 Millionen aktiv
gegenüber einer Paſſivität in Höhe von 120,4 Millionen Rubel an
1. Juli 1928.
Mit welchen außerordentlichen Opfern dieſer relative Erfolg
erzielt worden iſt, braucht nach dieſen Darlegungen nicht erſt
geſagt zu werden. Dabei beginnt man ſchon an den weiteren
Einfuhrbeſchränkungen für das Wirtſchaftsjahr 1929/30 zu
arbei=
ten, da man an eine ins Gewicht fallende Steigerung der
Aus=
fuhr unter den jetzigen Bedingungen auch im kommenden
Wirt=
ſchaftsjahr nicht glaubt. Der Erſatz der einzuführenden Waren
durch inländiſche Produkte iſt gänzlich ausgeſchloſſen; denn die
Klagen über die Verſchlechterung der ruſſiſchen Waren ſind
all=
gemein. Die Betriebe ſetzen, um die vorgeſchriebene
Produktions=
ſteigerung und Herabſetzung der Unkoſten durchzuführen, die
Qualität herab.
Dieſe in Wirtſchaftskreiſen zugegebene höchſt bedenkliche
Er=
ſcheinung läßt die ruſſiſche Produktionsſtatiſtik in zweifelhaftem
Lichte erſcheinen. Wie ſoll man es glauben, daß der Wert der
Sowjetproduktion in den erſten neun Monaten des
Wirtſchafts=
jahres im Vergleich zur gleichen Zeit des Vorjahres um 20,9
Prozent geſtiegen iſt, nach dem ſie das Vorkriegsniveau längſt
überſchritten haben ſoll, wenn dabei der größte Warenhunger
im Land herrſcht und von Monat zu Monat zunimmt?
Zuſammenfaſſend läßt ſich ſagen, daß der Außenhandel mit
ſeinen ſtehenbleibenden oder zurückgehenden Ziffern einen
unum=
ſtößlichen Beweis für die verfahrene Wirtſchaftslage der
Sowjet=
union liefert.
iſt plötzlich, nachdem die Ausſchußberatungen begonnen haben,
er=
ſchöpft. Das iſt an ſich begreiflich, weil unſere Gedanken ſich
augen=
blicklich um die Haager Konferenz drehen. Es iſt aber auch
ſach=
lich nicht ſchlimm, denn je weniger die Unterhändler im
Kreuz=
feuer der öffentlichen Meinung ſtehen, deſto leichter iſt eine
Ver=
ſtändigungsmöglichkeit zu ſuchen. Nach der Richtung ſind bereits
allerdings erfolgloſe Verſuche gemacht worden. Die Vertreter der
Regierungsparteien haben ſich aber nur geſetzestechniſch einigen
können, daß zunächſt nur die weniger ſtrittigen Punkte der
Vor=
lage beraten werden ſollen. Dabei wird für alle Parteien
aus=
ſchlaggebend geweſen ſein, daß die kritiſchen Tage der Haager
Konferenz nicht zum Austrag dieſer Streitfragen benutzt werden
ſollen. Die Sozialdemokratie verfolgt allerdings dahinter das
Ziel, nur eine Teilreform fertigzuſtellen, die eigentlichen
Kern=
punkte der Sanierung aber zurückzuſtellen. Darauf will ſich aber
die Volkspartei nicht einlaſſen. Sie hat wiederholt erklärt, daß
ſie für die Beitragserhöhung nicht zu haben ſei und gegen das
geſamte Geſetz ſtimmen würde. Die Sozialdemokraten haben es
auch bereits erleben müſſen, daß ſich in der Frage der Meldepflicht
eine Mehrheit der bürgerlichen Parteien gegen ſie bildete,
wor=
über nicht nur ſie ſich ſchwer geärgert haben, nein, ſogar Herr
Wiſſell hat vorübergehend die Haltung verloren, weil er dieſe
Abſtimmung — mit Recht — als eine perſönliche Niederlage
empfand. Trotzdem iſt im Ausſchuß ſo etwas wie ein Burgfrieden
proklamiert worden, der freilich nur wenige Tage dauern kann.
Inzwiſchen wird aber auch im Haag eine Klärung erfolgt ſein.
Vom Tage.
Der litauiſche Miniſterpräſident Woldemaras hat
eine neue Note an den Generalſekretär des
Völker=
bundes gerichtet als Antwort auf die Gegenerklärungen der
polni=
ſchen Regierung zu der erſten litauiſchen Note vom 11. Juli, die, wie
erinnerlich, durch den Generalſekretär des Völkerbundes der polniſchen
Regierung ſeinerzeit zur Stellungnahme zugeleitet wurde.
König Fuad von Aegypten, der geſtern in Begleitung ſeines
Außenminiſters Mahmud Paſcha von ſeiner Europareiſe wieder in
Alexandria eintraf, wurde von der Bevölkerung ein glänzender
Empfang bereitet.
In Los Angeles ſind alle Vorbereitungen für den
Empfang des Luftſchiffes getroffen. Mit dem
Eintref=
fen des „Graf Zeppelin” wird für Sonntagnachmittag oder Montag
früh gerechnet.
In offiziellen Waſhingtoner Kreiſen rechnet man mit dem Beſuch
des engliſchen Premierminiſters zu ſeinen
Beſpre=
chungen mit Präſident Hoover über
Marineabrüſtungsfra=
gen für den 10. Oktober.
Angeſichts der Meldungen über einen bevorſtehenden ruſſiſchen
An=
griff auf Charbin beginnt man in chineſiſchen diplomatiſchen Kreiſen
die Notwendigkeit in Erwägung zu ziehen, Charbin durch die
Ausländer räumen zu laſſen.
Zum Oberbefehlshaber der neugebildeten
chine=
ſiſchen „Anti=Sowjetarmee” iſt auf einer von Tſchang
Hſü=
liang einberufenen Konferenz der militäriſchen Führer der Gouverneur
von Kirin, Tſchang=Tſo=hſiang, ernannt worden.
Beſtätigung des engliſchen Räumungskermine
* Haag, 24. Aug. (Priv.=Be
Der engliſche Räumungstermin für die dritte Zone
iſt=
mehr der deutſchen Delegation im Haag ſchriftlich beſtätigt
den. Der engliſche Außenmiwiſter Henderſon hat bereits
einigen Tagen einen Brief an die deutſche Delegation gert
in dem er mitteilt, daß England ſeine Truppen am 15. Sept=
aus den von ihm beſetzten Quartieren zurückzuziehen be.
Dieſer Rückzug wird, wie die engliſche Regierung betor,
keiner Weiſe abhängig gemacht vom Youngplan oder an
Forderungen. Die engliſche Regierung weiſt jedoch darau
daß ſie ungefähr drei Monate Zeit haben müſſe bis zur
München, 24. Auguſt.
General Liman von Sanders iſt in München im Alter von
4 Jahren nach längerer Krankheit verſtorben.
*
* Otto Karl Limam von Sanders iſt am 18. Februar 1855
als Sohn des Rittergutsbeſitzers Karl Liman v. Sanders in
Stolp in Pommern geboren. Wie viele der oſtelbiſchen
Grund=
beſitzerſöhne ,beſuchte er auch das Friedrich=Wilhelms=
Gymna=
ſium in Berlin. Er trat im Jahre 1874 in das Infanterie=
Regiment 115 ein, wurde im folgenden Jahre zum Leutnant
ernannt und beſuchte ſodann die Kriegsakademie. Unter anderm
ſtand er in den folgenden Jahren auch in Darmſtadt bei den
Roten Dragonern. Später wurde er in den Großen Generalſtab
berufen, avancierte 1889 zum Hauptmann, 1904 zum Oberſt.
1906 wurde er Kommandeur der 15. Kavalleriebrigade, im Jahre
1911 Generalleutnant und Kommandeur der 22. Diviſion. Am
9. Dezember 1913 wurde General Liman von Sanders als Chef
der Deutſchen Militärmiſſion in die Türkei entſandt, wo er ſich
um die Reorganiſation der dortigen Armee große Verdienſte
er=
warb. Die von ihm in Gemeinſchaft mit v. d. Goltz nach
preu=
ßiſch=deutſchem Muſter diſziplinierte Armee konnte dann unter
ſeinem Kommando ihre Feuertaufe empfangen, als die Türkei
im Jahre 1915 auf Seite der Mittelmächte in den Krieg eintrat
und die Alliierten unter Führung der Engländer verſuchten, die
Dardanellenforts zu erobern. Die Operationen der deutſch=
tür=
kiſchen Truppen auf der Halbinſel Gallipoli ſtanden unter dem
Kommando Liman von Sanders. Nachdem die Engländer in
Gallipoli abgeſchlagen worden waren, verſuchten ſie bekanntlich,
im Süden des türkiſchen Reiches, von Aegypten her, die türkiſche
Front aufzurollen. Liman von Sanders leitete daraufhin die
Unternehmungen der verbündeten Türken und Deutſchen in
Pa=
läſtina und an der Suezkanalgrenze. Nach jahrelangem, zähen
Wiederſtand gelang es ſchließlich der Uebermacht der Engländer,
die vor allem über ausgezeichnete Flugzeug= und
Panzerauto=
geſchwader verfügten, vorzudringen. General von Sanders
mußte vor ihnen zurückweichen. In Paläſtina traf ihn der
Zu=
ſammenbruch der Mittelmächte, wo er dann noch den Rückzug der
deutſchen Truppen leitete. Hierbei wurde er gefangen genommen
und im Jahre 1919 auf der Inſel Malta interniert. Seit ſeiner
Rückkehr nach Deutſchland lebte General von Sanders in
München, wo er jetzt verſtorben iſt. Wie verlautet, ſoll er in
Darmſtadt beigeſetzt werden. Näheres war noch nicht zu
erfahren.
ſtändigen Räumung des von ihr beſetzten Gebietes, und
ſie es als einverſtanden betrachtet, daß Deutſchland die zun
transport der Truppen notwendigen Hilfsmittel, vor
Eiſenbahnwaggons und andere Transportmittel, zur Verfüu
ſtelle. Von deutſcher Seite iſt bisher über den Brief noch
Mitteilung gemacht worden.
In welcher Form man auf franzöſiſcher Seit
Verſchleppung des Rückzuges aus der dritten
immer noch zu bemänteln verſucht, erhält eine neue Illuſtr
durch einen Auftrag, den der im Haag weilende General
Gu=
mat von der franzöſiſchen Delegation erhalten hat. Danack
Guillaumat einen neuen Plan über den ſchnellſten Abtrang
der Truppen ausarbeiten. Es wurde ihm jedoch zur Au
gemacht, daß er dabei außer den Anforderungen der Heereso
tiſationen, d. h. der Bildung einer künftigen Stoßarmee an
deutſch=franzöſiſchen Grenze, vor allem auch den hygieni
Anſprüchen der Truppen Rechnung tragen müſſe.
Wir haben es leider in Deutſchland nicht verſtanden,
geſchickte Preſſekampagne gegen die Beſatzung einzuleiten,
wohl wir ſchon deshalb, weil Frankreich farbige Truppen ar
Rhein brachte, gute Ausſichten gehabt hätten. Wir haben
darauf verlaſſen, daß das Recht ſich von ſelbſt durchſetzen wM,
was eine ſchwere Täuſchung war. Deshalb iſt der Wide
den wir mit unſerer Forderung gefunden haben, nicht ſo ihsag
geweſen, wie er hätte ſein müſſen, um auf die Fvanzoſen (=Tan
druck zu machen. Immerhin, die Stimmen mehren ſich auch NE; w
draußen, die deutlich die Gefahren erkennen, die für den endelt
päiſchen Frieden aus der Beſetzung entſtehen. Ein Zufall ᛋ, die
es, daß zwei Aeußerungen gleichzeitig vorliegen. Der „Lot)e
anzeiger” hat in New York den General Allen /e
früheren Kommandeur der amerikaniſc
Truppen am Rhein, um ſein Urteil gebeten. Er Aſm h
wortete kurz und deutlich, daß die Beibehaltung boi dän
militäriſchen Streitkräften am Rhein außſyrager
ordentlich provokatoriſch wirke und im höchſweigke
Grade demütigend ſei. Im „Tag” äußert ſich Aiet gen
frühere engliſche Militärattaché Brigadege Imd un
ral Watters ebenſo unverblümt unter der Ueberſch
„Räumt das Rheinland bedingungslos!” Er erzählt, daß e
einer Verſammlung in einer großen engliſchen Stadt kürt
ſeine engliſchen Zuhörer gefragt habe, was ſie wohl fühlen t
den, wenn ihr Vaterland von fremden Truppen beſetzt
wenn halbwilde Afrikaner bei ihren Frauen einquartiert wä
Ein ungeheurer Entrüſtungsſturm ſei die Antwort geweſen. Oenber
er kommt zu dem Ergebnis, daß der wahre Friede rich nicht
durch ſofortige bedingungsloſe Räumung d
Rheinlandes erreicht und geſichert werden kanzu den
Es ſpräche ſoviel für die ſofortige Räumung, daß man ſich wunim
dern müſſe, überhaupt noch ein Wort darüber verlieren Mu
müſſen. Senator William J. Borah, der Vorſitzende des A
wärtigen Senatsausſchuſſes, erklärt: „Die ganze Welt wird
atmen, wenn die Truppen aus dem Rheinland abmarſchie
Gleichheit und Gerechtigkeit wollen den Abzug. Deutſchland
ein Mitglied des Völkerbundes, der Mitunterzeichner roum
Locarno= und Kelloggpaktes. Das ſollte an ſich ſchon ausreich Ahungst
ſein.‟ Der Präſident der Columbia=Univerſität Miſholas Ma9 ud a
ray Butler gibt ebenfalls dem lebhaften Wunſch Ausdruck, MAusfuhr
die Rheinlandräumung in naher Zukunft durchgeführt wird. 2dr
For=
wohl die Erfüllung der Vertragsverpflichtungen, wie die groſchnid
Taten Deutſchlands auf allen Kulturgebieten, erfordern die 7
fortige Räumung. Sollte alſo die Haager Konferenz aufflieg fühe n
dann werden vermutlich die Franzoſen ſich am Rhein nicht la Aöuma
halten können, zumal wenn die engliſche Regierung bei Km de
Stange bleibt und ihre Truppen bedingungslos zurückzieht.
Von G. Buetz.
Die verbrecheriſchen Handlungen Jugendlicher mehren ſich;
wvir wiſſen, daß die wirtſchaftliche und ſeeliſche Not unſerer Zeit
dafür mit verantwortlich zu machen iſt. Mit einer Abnahme der
Jugendvergehen iſt wohl nicht zu rechnen, ſolange dieſe
Voraus=
ſetzungen gegeben ſind. Zugleich zwingt der Geburtenrückgang
dazu, die Jugend mit beſonderer Pfleglichkeit zu behandeln, ſie
ſo weit wie irgend möglich in den Dienſt der
Gemeinſchafts=
leiſtung zu ſtellen. Von dieſen Geſichtspunkten ausgehend, hat
man den Gedanken, daß harte Strafen ein Mittel zur Verhütung
von Straftaten Jugendlicher ſeien. längſt aufgegeben und bemüht
ſich, den ſtraffälligen Jugendlichen nach Möglichkeit vor der
rich=
derlichen Aburteilung überhaupt zu bewahren. Die
Beſtimmun=
gen des Jugendgerichtsgeſetzes vom Februar 1923 ſetzten das
Strafmündigkeitsalter herauf und an die Stelle der Verurteilung
tritt für die frühen Altersſtufen die Bewahrung, die
Fürſorge=
erziehung. Auch für den ſchon vor das Jugendgericht gehörenden
Jugendlichen ſucht man durch Strafausſetzung und Zuerkennung
der Bewährung die Folgen für ſein Tun abzuſchwächen. Man
geht dabei von dem Gedanken aus, daß der für ſeine Tat nock
nicht voll verantwortliche Jugendliche nicht in derſelben Weiſe
wie eine für ihre Handlung ſchon verantwortliche
Perſönlich=
keit herangezogen werden ſoll. Man will vermeiden, durch die
Haftſtrafe den Jugendlichen für ſein ganzes Leben zu
brand=
marken und man will ihn vor dem Zuſammenſein mit anderen
zu Vergehen neigenden Elementen hüten.
In den Strafanſtalten findet man heute nur Jugendliche,
die bereits von der Fürſorge und der ſozialen Bewahrung
be=
handelt wurden, ſich aber dennoch nicht in ſoziale Bahnen
len=
ken ließen und ſtraffällig wurden. Dieſen Jugendlichen
gegen=
über iſt es natürlich beſonders ſchwierig, den Weg zu finden, der
ſie zur Beſſerung hinführen kann. Man iſt heute der Meinung,
daß, wo nicht vererbte Verbrecherneigungen, Schwachſinn oder
Gehirncrkrankungen vorliegen, man den jugendlichen Miſſetäter
von dem Geſichtspunkte aus betrachten ſoll, daß großer Mangel
au Bildung, daß Körperſchwäche, die beſondere
Nervenreizbar=
keit auslöſt oder erhebliche Willensſchwäche bedingt, daß
Verbit=
terung durch harte Jugend und andere ſchwierige
Lebensbedin=
gungen in dem Jugendlichen die Feindſeligkeit gegen die
Geſell=
ſchaftsordnung aufkeimen ließ, die dann zur Urſache der Straf=
tat wurde. Von dieſen Vorausſetzungen ausgehend, ſieht man
in erweiterter Erziehung, vermehrter Bildungsaufnahme,
körper=
licher Ertüchtigung und Stärkung der Willens= und
Handlungs=
fähigkeit den gangbaren Weg zur Beſſerung des jugendlichen
Straffälligen. In der Strafanſtalt ſoll der Jugendliche darum
vom Erzieher, dem Fürſorger, dem Arzte und dem Seelſorger
geleitet werden, und es ſoll alles vermieden werden, was dem
Inhaftierten die eigene Verantwortung entzieht, ihn dem
Gehor=
ſam durch die Furcht vor Strafe zuführt, ſeinen Geiſt noch weiter
erſchlafft und ſeine feindſeligen Regungen noch verſtärkt.
Wäh=
rend man zunächſt meinte, in dem Stufenſyſtem, d. h. der
Ge=
währung von Vergünſtigungen bei guter Führung, dem
Auf=
rücken durch die eigene Leiſtung in der Arbeit, durch die
Lebens=
führung, die beſte Erziehungsarbeit gefunden zu haben, ſteht man
dem Stufenſyſtem heute zwar nicht ablehnend gegenüber, aber
man ſchiebt es nicht mehr in den Vordergrund. Man ſtellt ſich
mehr auf die aus eigenem Wirken und Willen herbeigeführte
und durch die Leitung erleichterte Beſſerung der Perſönlichkeit
des Jugendlichen ein. Die große Willensſchwäche, dieſer häufige
Grund für Jugendlichenvergehen, ſoll behoben werden. Der
Strafgefangene erhält gemeinſchaftlich mit den anderen
Jugend=
lichen Turnſtunden, die ſeine Willenskraft und ſeinen Körper
ſtärken. In einzelnen Strafanſtalten finden täglich Turnſtunden
ſtatt. Die Koſt iſt ſo eingeſtellt, daß der ſchwache und
vernach=
läſſigte Körper ſich kräftigen kann. Es werden Sportſpiele
ver=
anſtaltet, in denen der Jugendliche Gehorſam, Mut und
Aus=
dauer bezeigen muß. Der verbitterte Jugendliche ſoll hierbei
er=
kennenlernen, daß auch er nicht von dem Erfolg im Leben
aus=
geſchloſſen iſt, wenn er ſeine Leiſtungskraft, ſeine Energie und
ſeinen Willen einſetzt. Um den Wunſch zur freiwilligen guten
Führung zu wecken, wendet man ſich, wenn auch mit Vorſicht,
dem Gedanken der Selbſtverwaltung zu. Man tut dies etwa in
der Form, daß man Jugendlichen, die ſich gut führten, die
Auf=
ſicht und die Verantwortung für die Führung einzelner
Straf=
fälligen übergibt. Man erlaubt denen, die in die erſte Stufe
auf=
rückten, beſondere Wünſche hinſichtlich des Schulunterrichts zu
äußern, man berückſichtigt nach Möglichkeit ihre Vorſchläge und
geſteht den Tüchtigen und Beſſerungswilligen Abzeichen in der
Kleidung zu. Vorausſetzung für dieſe Art der Behandlung iſt
die genaue Kenntnis der Lebensverhältniſſe und der
Charakter=
eigenſchaften des Jugendlichen. Um dieſe zu erlangen, müſſen die
Akten über jeden eingelieferten Jugendlichen genau ſtudiert
wer=
den, auch die Akten der Fürſorgeanſtalt, in der der Jugendliche
früher war. Um den Jugendlichen beſſer leiten zu können, will
man pädagogiſch geſchulte Perſönlichkeiten als
Strafvollzugs=
beamte für ihn verwenden.
In Sachſen ſind als Fürſorger nur akademiſch vorgebilde
Fürſorger zugelaſſen, in Thüringen und in den Fürſorgeanf!
ten in Hamburg ſtellt man neben Sozicklpädagogen und Theolo?,
auch Berufs= und Volksſchullehrer als Fürſorgebeamte an. Da
will auch, um das Vertrauen der Zöglinge zu den Fürſorger
ſtärken, dazu übergehen, jüngere Kräfte heranzuziehen und
einzelnen Fürſorger durch erweiterte Einſtellung von Beanrel
entlaſten. Die Belaſtung dieſer Fürſorger iſt bisher ziem!
groß; ſo hat man in den thüringiſchen Landesſtrafanſtalten
ungefähr 800 ſtraffälligen Jugendlichen bisher nur 8 ſtaatl !
Fürſorger eingeſtellt. Neben der beruflichen Vorbildung
bei den Fürſorgern wie auch bei den Aufſichtsbeamten dar
geachtet werden, daß ſie ſich für den Umgang mit Jugendlich./
beſonders eignen; das Jugendgefängnis Hahnöferſand, die C0 I Waldheim und Bautzen legen darauf beſond
Gewicht.
Beſſere Bildung ſoll der regelmäßig erteilte Schulunterr
erbringen. Es wird angeſtrebt, den Jugendlichen ſechs Stune!
in der Woche zu unterrichten. Auch hier ſoll das Streben, 2
Wille zum eigenen Denken geweckt werden. Die Schwierigk
dieſe an Bildung, Aufnahmevermögen und Geſinnungsart
verſchiedenartigen Jugendlichen nutzbringend zu vereinigen,
natürlich ſehr groß. Auch hier iſt die beſte Hilfe die möglic
genaue Kenntnis des Jugendlichen. Zunächſt wird jeder Juger
liche in Einzelhaft gebracht; dieſe iſt ſo zu verſtehen, daß 2
Jugendliche vorerſt außer in der Freizeit und bei den Mahlzeik
geſondert lebt. Im übrigen ſtrebt man danach, den ſtraffälligs
Jugendlichen in der Gemeinſchaft der anderen Inhaftierten
halten und nur die kranken und die gefährlichen Elemente b
ihm zu ſondern; die Nachtruhe verbringt der Jugendliche in S!
Einzelzelle.
Die Erziehungsarbeit an den ſtraffälligen Jugendlichen wi?
weſentlich durch die Kürze der Inhaftierung behindert. S
Vollzugsbeamten machen immer wieder die Erfahrung, d
Jugendliche, bei denen ſich der Wille zur Beſſerung in der Stre.‟
anſtalt bemerkbar machte, in ihre alten Verfehlungen zurür”
fallen, wenn ſie zu bald entlaſſen werden. Ihre Willenskraft
dann noch zu ſchwach, iſt noch allzuſehr der Leitung bedürfta=
Wenn man nun auch längſt dazu übergegangen iſt, die Fürſor 9
auch auf die Entlaſſenen zu erſtrecken, ſo kann ſich dieſe Für= un
Vorſorge doch nur in engen Bahnen bewegen und die HauP”
laſt der beſſeren Führung fällt auf den Jugendlichen. Da E‟
weiſen ſich denn die ſozialen Bedingungen ſeines Lebens als 3‟
ſchwer für ihn und die Rückfälligkeit iſt wieder da. Viele Vonl
zugsbeamte ſind der Anſicht, daß man den Jugendlichen möglich
nmer 235
Juakige Zwiſchenfälle in Zerufalem.
Aus heg an der Klagemauer. — Zuſginmenſtöße
zwiſchen Arabern und Juden.
EP. Haifa, 24. Auguſt.
der Klagemauer von Jeruſalem iſt es zu ſchweren
Un=
zwiſchen Arabern und Juden gekommen, wobei vier
Per=
mgetötet und über 40 verwundet wurden. Unter den
Ver=
befindet ſich der Ullſteinkorreſpondent Weiſl. In
Jeruſa=
errſcht wegen dieſer neuerlichen Zwiſchenfälle eine
unge=
zmAufregung. Sämtliche Läden in der Stadt ſind geſchloſſen.
ſckhipatrouillen mit Panzerwagen durchziehen die Straßen,
ſuhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Unruhen an
ſagemauer konnten nur deshalb einen derartigen Umfang
menen, weil die Intervention der engliſchen Polizei
anſchei=
boerſpätet erfolgte.
Heigerungszuſkand über Jeruſalem. — Engliſche
Kriegsſchiffe nach Paläſtina unkerwegs.
Sonntag, den 25. Auguſt 1929
Tagungen von Bölkerbunds=Ausſchüſſen.
Als Vorläufer der großen Völkerbundsverſammlungen
Nats= und Bundesverſammlung — die am nächſten Freitag bzw.
am darauffolgenden Montag beginnen, treten Anfang nächſter
Woche einige Völkerbundsausſchüſſe zuſammen. Der eine
Aus=
ſchuß ſteht unter dem Vorſitz Graf Bernſtorffs und befaßt ſich mit
der Ausarbeitung eines Abkommensentwurfs über die Kontrolle
der geſamten Rüſtungsproduktion. Der zweite Ausſchuß ſetzt die
Seite 3
Unterſuchungen des Finanz=Komitees über die Urfachen der
Schwankungen in der Kaufkraft des Goldes und über ihre
Rück=
wirkungen auf das Weltwirtſchaftsleben fort. Die Anregung
zu dieſer, weite Wirtſchafts= und Finanzkreiſe und beſonders
die Emiſſionsbanken ſtark intereſſierenden Unterſuchung geht vom
Wirtſchaftsrat des Völkerbundes aus, der im Mai 1928 die
Sta=
biliſierung des Kredits im Intereſſe der Aufrechterhaltung der
Währungsparitäten ſowie im Intereſſe der Verhütung
anorma=
ler Schwankungen in der Kaufkraft des Goldes als
außerordent=
lich wünſchenswert bezeichnte hatte.
„Graf Zeppelin” über dem Pazifik.
das Luffſchiff paſſierk ein Skurmgebiei. — Durch dichten Aebel. — Die Dakunsgrenze überflogen.
Das Luftſchiff gerinnk dadurch einen Tag. — Ein Drittel der Fahrk zurückgelegk.
die blutigen Unruhen an der Klagemauer in Jeruſalem
dun ernſteren Charakter zu tragen, als aus den erſten
Mel=
u zu entnehmen war. Der britiſche Oberkommiſſar in
Pa=
z hat nämlich die Londoner Regierung um ſofortige
Unter=
ug erſucht, was dieſe zur umgehenden Entſendung des
hühtſchiffes „Barham” und des Kreuzers „Suſſex” von
Eng=
iach Paläſtina veranlaßte. Ferner wurde über Jeruſalem
elagerungszuſtand verhängt und Truppenkontingente aus
en nach Paläſtina beordert. Die Zahl der Opfer konnte
nmer nicht mit genügender Genauigkeit feſtgeſtellt werden.
hs heißt, ſollen 16 Angehörige der arabiſchen und neun der
ſiten Bevölkerung getötet worden ſein, während die Zahl
Ferwundeten ſich auf etwa 100 belaufen dürfte.
leſprechungen über die däniſche Biehausfuhr
nach Zeutſchland.
Berlin, 24. Auguſt.
en 22. und 23. Auguſt 1929 haben in Berlin Beſprechungen
Fan deutſchen und däniſchen Regierungsvertretern und Sach=
Fädigen ſtattgefunden, welche den bekannten vom Deutſchen
Rttag im Juni dieſes Jahres angenommenen Antrag Ham=
F=Tantzen zum Gegenſtand hatten.
6 wurde Einverſtändnis darüber erzielt, daß das Intereſſe
dutſchen und däniſchen Landwirtſchaft darauf gerichtet ſein
G die Preiſe für Schlachtrinder auf einen für die
Landwirt=
wtbeider Länder angemeſſenen Stand zu bringen. Von deut=
F Zeite wurde beſonders hervorgehoben, daß für die deutſche
iöeirtſchaft ſich der regelmäßige Preisſturz der Schlachtvieh=
Mir den Monaten Auguſt bis November als unerträglich
en hat.
49e däniſche Delegation hat während der Verhandlungen in
4Tagen, einen ſtarken Eindruck von den wirtſchaftlichen
kurigkeiten, unter denen die deutſche Landwirtſchaft zur Zeit
ait, gewonnen und wird dieſe Eindrücke der däniſchen
Re=
hug und den däniſchen landwirtſchaftlichen Organiſationen
lusdruck bringen.
üter dieſen Eindrücken wird den däniſchen Landwirten und
ſern, an dem Export intereſſierten Kreiſen der Wunſch der
en Regierung und der deutſchen landwirtſchaftlichen
Or=
ſtionen überbracht und als wünſchenswert hervorgehoben
hu, den däniſchen Viehexport nach Deutſchland im Intereſſe
Länder, ſoweit möglich, in den Monaten Auguſt bis
taber einzuſchränken, beſonders in bezug auf ſolche Tiere,
y nicht voll fett ſind.
1hr den Verhandlungen zwiſchen deutſchen und däniſchen
mntern über die Frage der däniſchen Vieheinfuhr nach
Riland während der Sommermonate erfahren wir
ergän=
on unterrichteter Seite: Ausgang der Beſprechungen war
mtrag des Reichstagsabgeordneten Hamkens, die däniſche
Amifuhr nach Deutſchland während der Sommermonate ein=
In. Dänemark war in entgegenkommendſter Weiſe zu den
uhaidlungen bereit geweſen, an denen deutſcherſeits Geheim=
Xautmann als Führer der Delegation, Vertreter des Reichs=
Zuhungsminiſteriums und die Reichstagsabgeordneten
Ham=
ons 14 nd Tantzen teilnahmen. Die däniſchen Vertreter lehnten
sdru //Asfuhrverbot oder eine Beſchränkung der Ausfuhr in
ge=
t wi nar Form aus grundſätzlichen Erwägungen heraus ab. Sie
die TFitz, jedoch volles Verſtändnis für die deutſchen Geſichtspunkte
ern Aſct ckannten an, daß eine freiwillige Beſchränkung der Vieh=
Effür nach Deutſchland während der Sommermonate, die durch
üürung in den däniſchen Intereſſentenkreiſen erfolgen ſoll,
ſch m däniſchen Intereſſe liegt, da die Preiſe während der
pimermonate regelmäßig geringer ſind.
Ein Skurangebiek ausfahren. — Heber dem einfarzſten
Teil des Stillen Ozeans.
Tokio, 24. Auguſt.
Nachdem der „Graf Zeppelin” das Sturmgebiet umfahren
hat, nimmt das Luftſchiff bei mondhellem, klarem Wetter und
einer Fluggeſchwindigkeit von nahezu 150 Stundenkilometern
ſeinen Kurs etwa 800 Kilometer ſüdlich der zuerſt geplanten
Route. Wenn ſich die Wetterlage nicht weſentlich beſſert, wird
Dr. Eckener vorausſichtlich den Kurs über den Stillen Ozean
beibehalten. Das Luftſchiff befand ſich in der Nacht zum
Sams=
tag zwiſchen der nördlichen und der ſüdlichen Dampferſtraße
über dem einſamſten Teil des Stillen Ozeans. Die Funkſtation
Ochiiſchi erhielt am Samstag vormittag 10 Uhr Tokioter Zeit (2
Uhr früh M.E.3.) einen Funkſpruch vom „Graf Zeppelin”, in
dem ſein Standort mit 161,25 Grad öſtlicher Länge und 39,20
Grad nördlicher Breite angegeben wird. Hiernach hätte das
Luftſchiff von Kaſumigaura rund 2145 Kilometer in 17 Stunden
47 Minuten zurückgelegt, was einem Durchſchnitt von 117
Kilo=
metern in der Stunde entſpricht.
In Funkverbindung mit San Brancisco.
Die Marinefunkgeſellſchaft von San Francisko teilt mit, daß
ſie mit dem „Graf Zeppelin” während ſeiner Fahrt nach Los
Angeles nunmehr ſtändig in Verbindung zu bleiben hoffe. Um
5 Uhr früh M. E. Z. befand ſich das Luftſchiff auf 40 Grad
5 Minuten nördlicher Breite und 165 Grad öſtlicher Länge. Dieſe
letzte Standortmeldung wurde von einem Amateurſtenker in
San Francisco aufgefangen, demzufolge das Luftſchiff weiter
meldete: „Wir treten in ein Tiefdruckgebiet ein, unſere
Geſchwin=
digkeit iſt nicht ſehr groß.‟ Die Funkſtation MacKay erhielt um
9 Uhr vormittags M. E. Z. eine Meldung vom „Graf Zeppelin”,
öftlicher Länge und 41 Grad 5 Minuten nördlicher Breite
an=
gibt. In der Meldung heißt es weiter: Wir machen 50 Knoten
durch dichten Nebel. Ein Funkſpruch vom „Graf Zeppelin”
mel=
det: Das Luftſchiff befindet ſich 10 Uhr vormittags M. E. 3. auf Die ſoll nun umflogen werden.
170 Grad öſtlicher Länge und 43 Grad 20 Minuten nördlicher
Breite.
Das Luftſchiff näherk ſich der inkernakionalen
Dakumsgrenze.
Nach einem in San Francisco aufgefangenen Funkſpruch
des „Graf Zeppelin” befand ſich das Luftſchiff um 7 Uhr
mor=
gens kaliforniſcher Zeit auf 43 Grad 50 Minuten nördlicher Breite
und 174 Grad 10 Minuten öſtlicher Länge. Danach hätte das
Luftſchiff ſeit ſeinem Aufſtieg etwa 1800 Meilen zurückgelegt.
Fer=
ner ergibt ſich, daß die Geſchwindigkeit der Fahrt gegenüber den ſchen Küſte in Rückenwinde umſchlagen dürften. — Nach einem
beiden Stunden vorher erheblich zugenommen hat. Der Kurs
verläuft noch nordwärts direkt über der alten Segelſchiffroute
San Francisco—Yokohama. Aus der oben angegebenen Poſition
iſt weiter zu erſehen, daß ſich das Luftſchiff immer mehr dem
180. Meridian, der internationalen Datumsgrenze in der Mitte
des Stillen Ozeans, nähert. Sobald es dieſe überfliegt, wird
es einen Tag gewinnen, ſo daß die Paſſagiere alſo Samstag nacht
zu Bett gehen und nach Verlauf der Nacht am Samstag morgen
wieder aufwachen.
Die Wekkerausſichken über dem Pazifik.
Nach einer Mitteilung des Wetterbüros von San Francisco
liegt ein großer Nebelgürtel in der Fahrtrichtung des „Graf
Zeppelin”. Auch werde das Luftſchiff bei der Fahrt nach Amerika
friſchem Wind begegnen. Weſtlich vom 170. Grad weſtlicher
Länge iſt die Windrichtung von der Behring=See mehr ſüdlich,
Oeſtlich von demſelben Meridian herrſcht Südwind. Wie das
Wetterbüro erklärt, iſt die Gegend der Aleuten ſtets ſehr neblig.
Dr. Eckener werde aber gewiß imſtande ſein, ſeinen Kurs den
lich wünſchenswert bezeichnet hatte.
Der Flug über die Lakumsgrenze.
Nach dem aufregenden erſten Teil des Pazifikfluges, durch
Gewitter und Sturm, umzuckt von Blitzen, macht das Luftſchiff
jetzt beſſere Fahrt. Dr. Eckener hat von allen Luftſtrömungen
ſolche erwiſcht, die ihm am liebſten ſind; regelmäßiger allerdings
nicht ſonderlich ſtarker Schiebewind hat eingeſetzt und verbeſſert
die Geſchwindigkeit. Aber die Zeppelinleute ſind ökonomiſch
ein=
geſtellt und daher nutzten ſie die Gunſt des Wettergottes aus,
indem ſie einen der 5 Motoren abſtellten. Dadurch ſparen ſie
Betriebsſtoff für evtl. Stunden, wo es gilt, die ganze
Motoren=
kraft auszunutzen.
Obwohl der Kurs zurzeit etwa der Dampferlinie folgt, hat
man von Bord aus noch kein Schiff geſehen; hören wohl, denn
in der Funkbude wird mit Hochdruck gearbeitet. Zurzeit ſind die
Telegramme der Paſſagiere rationiert. Das Luftſchiff hat ſchon
ſoviel des Weges zurückgelegt, daß es bald in völlig veränderte
Wetterbedingungen kommen wird und da iſt es gut, wenn ſchon
vorgeſorgt iſt. In dieſen Stunden nähert man ſich dem 180.
Längengrad, als Datumgrenze bekannt. Sie iſt natürlich nicht
auf dem Atlas ſchön ſichtbar, aber die Meßinſtrumente an Bord
werden ſchon die rechte Stelle angeben. Dann beginnt für die
Paſſagiere die hochwichtige Gelegenheit, dieſen Samstag zum
zweiten Male zu erleben. Kaum iſt die Uhr Mitternacht und man
ſollte ſich eigentlich zur Sonntagsruhe niederlegen, da geht die
Haſt des Samstag noch einmal von neuem an und verjagt alle
Faulheit. Die zahlreichen Zeitungsleute an Bord haben ja
ohne=
hin jetzt nicht ſonderlich viel zu berichten, weil zunächſt die
„Waſſerwüſte noch „unendlich” bleibt und durch die verſchiedenen
Sonnenauf= und =untergänge etwas Abwechſlung in das Bild
die den Standort des Luftſchiffes mit 168 Grad 30 Minuten kommt. „Graf Zeppelin” hat ſeinen Kurs etwas nach Norden
abgedreht, etwa in der Richtung auf die Aleuten zu. Auf der
geraden Flugſtrecke nach dem Feſtland iſt wieder einmal eine der
berüchtigten und unbeliebten Schlechtwetterzonen im Anmarſch.
Die Nebelzone überwunden. — Das Schiff macht
gute Fahrk.
Wie Aſſociated Preß aus San Franeisco meldet, ergeben die
bisher aufgefangenen Funkſprüche des „Graf Zeppelin”, daß das
Luftſchiff nach Ueberwindung der Vebelzone ſeine
Geſchwindig=
keit erhöht hat und in einer Höhe von etwa 400 Metern fliegt.
Man erwartet, daß die Geſchwindigkeit ſich noch erhöht, da die
herrſchenden Gegenwinde etwa 1000 Meilen vor der amerikani=
Funkſpruch beſand ſich „Graf Zeppelin” um Mitternacht (16 Uhr
M. E. Z.) etwa 3200 Km. öſtlich von Tokio und 800 Km. ſüdlich
des Aleuten=Archipels.
Die Landungsvorbereikungen in Los Angeles.
Auf dem Flugplatz in Los Angeles wird eine Patrouille von
zehn Flugzeugen bereitgehalten, die bei Annäherung des
Luft=
ſchiffes „Graf Zeppelin” aufſteigen wird, um ihm den Weg zum
Ankermaſt freizuhalten. Sie wird das Luftſchiff bis zu
erfolg=
ten Verankerung in einer Entfernung von 500 Metern umkreiſen
und alle anderen Flugzeuge zwei Meilen vom Luftſchiff entfernt
halten. Während der Landungsmanöver dürfen keine Flugzeuge
vom Flugfeld aufſteigen oder landen. Denjenigen, die dieſe
Vor=
ſchrift verletzen, wird Entziehung der Flugerlaubnis angedroht.
hadem Gefängnis fernhalten, ihm lieber noch einmal
Bewäh=
mguerteilen ſoll, ſtatt eine kürzere Strafe zu verfügen, aber
mſnier wieder rückfälligen Jugendlichen mit einer längeren
tügfeit zu bedenken, damit die Möglichkeit zur Erziehung zur
Eſſung innerhalb der Strafanſtalt auch gegeben iſt.
in Reich wurden von je 100 000 Perſonen der ſtrafmündigen
ſGenlichen Bevölkerung zu Gefängnis verurteilt:
im Jahre 1924: 432
im Jahre 1925: 244
ſeier zu weniger als 3 Monaten:
1924: 351
1925: 201
Nonaten bis zu einem Jahr:
1924: 73
1925: 39
Aem Jahr und mehr
1924: 8
1925: 4 Jugendliche.
genn auch bei dem bereits auf ſeine Schädlichkeit geſiebten
eal nicht mit ſehr großen Beſſerungserfolgen zu rechnen
ſind doch Erfolge da. Im Jugendgefängnis in Bautzen
Dr 1926 unter 84 Jugendlichen 20 als gebeſſert, 46 als zur
kig willig empfohlen. Von dieſen 84 in Bautzen
entlaſſe=
ugendlichen mußte man 47 wieder der Fürſorgeerziehung
Sſben, für 20 wurde die Anordnung der Fürſorgeerziehung
ſilen und der Reſt verfiel der Schutzaufſicht. In der Ham=
9 Anſtalt hielt man unter 70 Entlaſſenen 11 als der Beſ=
Fugeführt und 18 als zur Beſſerung angeregt; von 36
Dte man die nicht erfolgte Beſſerung, 5 glaubte man als
nem aſozialen Trieben befreit anſehen zu können. Von den
923 kriminaliſtiſch beſtraften 1549 (1913: 662) Jugendlichen
öcmer etwa 15 Prozent für in den Strafanſtalten der
Beſ=
zutgeführt. In der Strafanſtalt Wittlig, die als
Jugend=
mis auf eine ſechzehnjährige Tätigkeit zurückblickt, iſt man
Erkenntnis gelangt, daß nur innerhalb eines Jahres ein
after und geſchloſſener Umbildungsprozeß” des jugend=
Gefangenen möglich iſt. Der Berliner Verein zur
Beſ=
der Strafgefangenen hat innerhalb ſeiner Tätigkeit wie=
RSetont, daß 80 Prozent und mehr der entlaſſenen Jugend=
IIne Zuführung in Fürſorgeerziehung oder Schutzaufſicht
ia zu werden pflegen. Dieſen Ergebniſſen gegenüber muß
Ammer wieder betonen, daß nur diejenigen Jugendlichen
In Strafanſtalten ſind, die auf andere Weiſe nicht mehr zu
A
Aus den Darmſtädker Lichtſpielkheakern.
Union=Theater.
Harry Piel müßte einem tüchtigen Regiſſeur in die Hände
fallen, der im Stande iſt, wieder das aus ihm zu machen, was
er früher war. Was war Harry Piel doch früher köſtlicher Film!
Wie verſtand Harry Piel es, ſpannendſte Senſation zu machen! Was
iſt dieſer Harry Piel gegen früher! Was iſt ſchon dabei, wenn Harry
Piel mit dem Motorrad, wenn auch mit einem fürchterlichen Vehikel
von Motorrad, durch die Gänge eines Hotels raſt und ſchließlich
ein Treppengeländer herunterfährt, wenn er ſich dabei
über=
ſchlägt! Was iſt das gegen ſeine früheren Leiſtungen, die ihn
mit Automobilen oder Motorrädern über Dächer und Abgründe
ſauſen ließen, ohne, daß ihm etwas paſſierte. Was iſt ſchon groß
dabei, wenn ein Harry Piel gefeſſelt ins Waſſer geworfen wird,
zumal man vorher ſchon erfährt, daß dieſe Feſſeln nur noch
ſcheinbar vorhanden ſind! Da war der Harry Piel von früher
doch eine ganz andere Sache. Aber, wie geſagt, vielleicht findet
er einen tüchtigen Regiſſeur, der wieder den Gentleman=
Ver=
brecher aus Harry Piel macht oder den Gentleman=Retter aus
tauſend Nöten oder den Gentleman=Detektiv, der gegen die
dun=
kelſten Elemente der Verbrecherwelt ſiegreich bleibt. — Immerhin
es iſt ein Harry=Piel=Film, den die Ufa in „Seine ſtärkſte
Waffe” zeigt. Dieſe ſtärkſte Waffe iſt die Geiſtesgegenwart
Harry Piels, der in dieſem Film ſein eigener Regiſſeur iſt. Dieſe
Geiſtesgegenwart aber iſt eigentlich nur im Titel vorhanden.
„Zweidunkle Augen”, ein Liebesſpiel in 7 Akten,
inter=
eſſiert in erſter Linie durch die glänzende ſchauſpieleriſche
Lei=
ſtung von Joſeph Schildkraut. Es iſt dies der zweite Film
mit Joſeph Schildkraut, den wir in Darmſtadt ſehen (der erſte
war „Sein Hund”). Auch dieſer zweite Film läßt ſtaunen. Er
offenbart eine ganz eigne filmſchauſpieleriſche Begabung, wie ſie
in gleichem Maße, wie Joſeph Schildkraut ſie zeigt, in gleicher
Eigenart, bisher bei kaum einem anderen Filmſchauſpieler zu
beobachten war: Dieſes ſeltſame Gemiſch von Weichheit in den
Zügen und in dem tierhaften Blick der Augen. Eine ungemein
lebendige Charakteriſtik ſcheinbar ohne jedes Hilfsmittel, als etwa
Unterſtreichung vorhandener Geſichtszüge, oder körperlicher
Schwächen. Joſeph Schildkraut ſpielt in dieſem Film einen
Verwachſenen. Er ſpielt ihn meiſterhaft. Alles andere in dieſem
Film verblaßt unter dieſer glänzenden ſchauſpieleriſchen Leiſtung,
*.4
die mit Spannung weiteres erwarten läßt.
Von deutſchlands Hohen Schulen.
Heidelberg. An Stelle von Carl Neumann iſt der ord. Profeſſor
und Direktor des kunſthiſtoriſchen Seminars in Hamburg, Dr. Erwvin
Panoffky, als Lehrer für neuere Kunſtgeſchichte an die Univerſität
berufen worden.
Karlsruhe. Die Techniſche Hochſchule hat. Herbert Hoover, den
Präſidenten der Vereinigten Staaten, auf einſtimmigen Antrag der
Bauingenieurabteilung in Bewunderung ſeiner weitſichtigen und
erfolg=
reichen Ingenieurarbeit in allen Weltteilen zum Dr.=Ing. e. h. ernannt.
Köln. Der Privatdozent Dr. Hans André hat einen Ruf auf den
Lehrſtuhl für Biologie an der Staatlichen Akademie zu Braunsberg als
Nachfolger von Prof. Joh. Barom erhalten. — Der Ordinarius der
Pharmazologie Dr. med. et phil. Joſef Schüler hat den an ihn vor
einiger Zeit ergangenen Ruf nach Göttingen als Nachfolger von Prof.
W. Heubner abgelehnt.
* Der neueſte „Sport‟. Die ſtets zunehmende
Senſations=
lüſternheit der amerikaniſchen Studentenſchaft erreicht Ausmaße,
die mit dem „normalen miteleuropäiſchen” Verſtand nicht mehr
erfaßt werden können. Der neueſte Auswuchs dieſer
Rekord=
ſucht, oder wie man ſie ſonſt nennen mag, kommt aus Boſton.
Es handelt ſich laut amerikaniſchen Zeitungen um einen neuen
„Sportzweig”, der aber herzlich wenig mit wirklichem Sport zu
tun hat. Der Herr Studioſus und ſeine Kollegin ſtellen alſo ihre
Nerven gegenſeitig auf die Probe, indem ſie auf den —
Eiſen=
bahnſchienen gemütlich Platz nehmen, und, ein Buch in der
Hand, ſowie eine Zigarette im Mund, auf den kommenden Zug
warten. Wer nun am längſten ſitzen bleibt, geht aus dem höchſt
eigenartigen Wettbewerb als Sieger hervor. Ob gerade dies der
Weg zur Kraft und Schönheit wäre, kann man getroſt bezweifeln.
Jedenfalls amüſiert ſich die heranwachſende Generation auf dieſe
nervenaufpeitſchende und gleichzeitig nicht nur dreiſte, ſondern
auch gefährliche Weiſe. Vor kurzem ereignete ſich nämlich ein
Fall, der beinahe tödlich ausgefallen wäre. Fräulein (!) Doktor
in Spe. war ſehr ausgelaſſen und wollte auf alle Fälle den
Kolle=
gen vom ſtarken Geſchlecht beſiegen. Zum Glück merkte der junge
Student die Abſicht und ſchleifte das wagehalſige Mädchen in
zwölfter Stunde bzw. in der allerletzten Sekunde vor dem
heran=
brauſenden D=Zug weg. Ohne aber verhindern zu können, daß
die „Tapfere” ſchwere Verletzungen erlitt; ſie iſt mit dem knappen
Leben davongekommen! Daraufhin haben die Behörden im
Ein=
verſtändnis mit dem Rekortrat der Univerſität Boſton dieſen
neuartigen „Sport” ſtrengſtens verboten. Womit allerdings
gar=
nichts erreicht wurde; verbotene Früchte ſind bekanntlich ſtets
begehrt!
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BEFER-VERLAG, BEIPZIG-T.
ſammer 235
Aus der Landeshauptftadk.
Sonntag, den 25. Auguff 1929
Seite 5
Darmſiadt, 25 Auguſi.
Jahr=Feier des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums.
gtinung der Ausſtellung von Werken ehem. Lehrer und Schüler
2en Auftakt zu den Veranſtaltungen, die im Laufe der
kom=
den Woche im Rahmen der Dreihundertjahrfeier des
Ludwig=
as=Gymnaſium ſtattfinden werden, bildete die Eröffnung
zluusſtellung von Werken ehemaliger Lehrer und Schüler der
hult. Sie fand unter recht zahlreicher Beteiligung am
Sams=
nittag in der Aula des Gymnaſiums ſtatt. Nach einem
ein=
hden Muſikſtück, vorgetragen vom Schülerorcheſter unter
Lei=
von Herrn Studienrat Dr. Kayſer, begrüßte Herr Studien=
Prof. Dr. Ausfeld im Namen des Feſtausſchuſſes die
geienenen und widmete dann all denen, die ſich um das
Zu=
wekommen der Ausſtellung verdient gemacht haben, herzliche
geie des Dankes. Insbeſondere dankte er dem
Kultusmini=
ſum für die Bereitſtellung von Mitteln, ohne die die
Ausſtel=
nicht hätte zuſtande kommen können; der Fa. Trier, die die
Aufhängen der Bilder notwendigen Wände zur Verfügung
Ganz beſondever Dank aber gebühre Herrn Zeichenober=
Müller, ohne deſſen unermüdliche Tätigkeit nicht eine
e Menge von Bildern und Plaſtiken hätten ausgeſtellt werden
wen. Herrn Stadtbibliothekar Noack der durch ſeine
ein=
unde Kenntnis Darmſtädter Verhältniſſe ihn hierbei auf das
unterſtützt habe, ſeien die Veranſtalter der Ausſtellung
falls beſonders verpflichtet. Da die Ausſtellung, ſo fuhr der
ſer fort, im Rahmen einer Feier des Gymnaſiums ſtattfindet,
laubten wir es verantworten zu können, als
Ausſtellungs=
mi unſere Aula zu benutzen, wenn wir uns auch über deren
pulänglichkeit vollkommen, im klaren ſind. Indem ich die
ſiſtellung der Obhut des Gymnaſiums und ſeines Direktors
egebe, bitte ich ihn, die Ausſtellung zu eröffnen. Herr
Ober=
endirektor Lauteſchläger dankte nochmals in warmen
ten allen, die ſich um das Zuſtandekommen der ſo
reichhal=
n und wohlgelungenen Ausſtellung verdient gemacht, beſon=
auch den verſchiedenen Privaten, die aus ihrem Beſitz Bilder
ſonſtige Kunſtwerke bereitwilligſt zur Verfügung geſtellt
un. Er erklärt dann die Ausſtellung für eröffnet. — In einem
hiuließenden Rundgang konnte man ſich von der ausgezeichneten
bulität und der Reichhaltigkeit der dargebotenen Kunſtſchätze
ſut zeugen. Ueber 250 Bilder von 25 verſtorbenen und 27
leben=
e Künſtlern geben einen Querſchnitt durch das Darmſtädter
Rintleriſche Wirken und Schaffen während rund anderthalb
Forhunderten. So wird die Ausſtellung, die zu veranſtalten
uuwirklich außerordentlich glücklicher Gedanke war, nicht nur
ſialle die von Wert ſein, die der Anſtalt — tätig oder leidend‟
ingehörten, ſondern darüber hinaus wird ſie das Intereſſe
Aue kunſtverſtändigen und mit dem Kunſtleben der Heimat
ver=
tyſenen Darmſtädter in Anſpruch nehmen dürfen. W. Sch.
Eine knappe Woche trennt uns noch vom Feſt des 300jährigen
Be=
ays der Anſtalt. Das umfangreiche und vielgeſtaltige Werk der
Pobereitung, ſeit Monaten von zahlreichen Helfern eifrig und
opfer=
büg gefördert, geht ſeinem Abſchluß entgegen. Die Zahl der
Be=
ſſuger läßt ſich nunmehr einigermaßen überſehen (die Anmeldungen
aln das ſechſte Hundert überſchritten, und noch kommen täglich neue
nul), die Fragen der Unterbringung, die Platzverteilung ſind ihrer
kung nahe. Eine genaue Prüfung der Sachlage hat die erfreuliche
Aiglichkeit ergeben, einem aus Kreiſen ehemaliger Schüle, vielfach
ge=
hyerten Wunſche in folgender Weiſe entgegenzukommen:
Angehö=
e der ſechs jüngſten Jahrgänge (von 1923—1929) die
ügerne an den Veranſtaltungen des Feſtes beteiligen möchten, denen
fü die Erwerbung einer Hauptkarte zum feſtgeſetzten Preiſe zu ſchwer
erhalten auf ihren Wunſch Karten zu weſentlich
er=
nißigtem Preiſe, die zum Beſuche der verſchiedenen
Veranſtaltun=
aberechtigen. Dieſe Karten können am Montag und Dienstag dieſer
Ahe von 10—19 Uhr im Ludwig=Georgs=Gymnaſium beſtellt werden.
Ein dem im Saalbau ſtattfindenden Begrüßungsabend (
Kom=
es) nehmen, wie hiermit zur Vermeidung von Mißverſtändniſſen
ndrücklich betont ſei, nur ehemalige Schüler und die jetzigen Primaner,
Umalige und die jetzigen Lehrer der Anſtalt teil; den Damen, die
In=
uerinnen von Beikarten ſind, ſind die Galerien vorbehalten. — Die
ſuiſchen eröffnete Kunſtausſtellung im Feſtſaal des
Gym=
nums kann die ganze Woche hindurch täglich von 10—16 Uhr beſichtigt
luden (Eintritt mit Katalog 0,50 Mk.). Die Eröffnung der geplanten
Adächtnis=Ausſtellung findet vorausſichtlich Mitte dieſer
Bche ſtatt. — Weitere Mitteilungen folgen in den nächſten Tagen.
— In den Ruheſtand tritt auf Grund des Geſetzes über die
Alters=
mze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember 1923 (Reg=
At S. 509 und 511) in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1925
Ra.=Blatt S. 249) am 1. Oktober 1929 der Juſtizinſpektor beim
Amts=
eeicht Mainz Johann Heinrich Schönell.
— Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
ſurde Pfarrer Friedrich Clotz zu Wölfersheim auf ſein Nachſuchen
m Wirkung vom 1. Oktober 1929 an und Pfarrer Friedrich Schick
a L ueckborn auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. November 1929
finden Ruheſtand verſetzt.
— Reichsverband bildender Künſtler, Gau Volksſtaat Heffen. Wir
winen unſere Mitglieder vor einem Schwindler, der ſich Char=
Is Wall nennt und als Kunſtmaler Profeſſor Dr. Charles Wall
lattitt, mit ſehr gewandtem Auftreten, meiſtens in Begleitung ſeiner
ugen Frau erſcheint, mit der er angeblich zehn Wochen verheiratet iſt
rd ſich auf der Hochzeitsreiſe befände. Er verſucht, durch Vorlegung
tes Handſchreibens des Prof. Lowith=München die Kollegen ſicher zu
rchen und an Hand eines Schecks der Hypotheken= und Wechſelbank
ſer eine Dollaranweiſung entſprechende Vorſchüſſe zu erlangen, oder
i9 Kollegen zu bewegen, ihm Bilder zum Verkauf nach Amerika und
Egland zu übergeben. Der betreffende Wall oder Wahl hat den
Gau=
thand München und eine Reihe dortiger und Frankfurter Kollegen
m hohe Beträge geſchädigt. Anzeige iſt gegen denſelben bereits von
ſankfurt aus erſtattet.
3. Tagung der deutſchen Auslandslehrer.
Im Verlauf der dritten Tagung der deutſchen Auslandslehrer und
=lehrerinnen in Darmſtadt, über die wir bereits mehrfach ausführlich
berichteten, fanden am Samstag vormittag eine Reihe von Führungen
durch pädagogiſch wichtige und intereſſante Inſtitute ſtatt. Unter
Lei=
tng von Direktor Dr. Vogel wurde zunächſt das Pädagogiſche
In=
ſtitut der Techniſchen Hochſchule beſichtigt. Schulrat Denzer
erläu=
terte dann die Gartenſchule und die Ausſtellung aus dem
Werkunter=
richt verſchiedener Schulen, während Dr. Brahmersfeld über die
Tätigkeit des Pſychotechniſchen Inſtituts der Techniſchen Hochſchule
ein=
gehend referierte. Die Auslandslehrer, zu denen noch Vertreter der
deutſchen Schulen in Eski=Schehir, Haidar=Paſch, Porto, Schanghai und
Valencia hinzugekommen ſind, äußerten ſich außerordentlich befriedigt
über die verſchiedenen Einrichtungen. Es wurde u. a. zum Ausdruck
gebracht, daß gerade die Ergebniſſe der pſhchotechniſchen Unterſuchungen
für das Unterrichtsweſen von außerordentlichem Wert ſeien, daß
insbe=
ſondere der deutſche Auslandsunterricht, indem er ſich der hier
erarbei=
teten Ergebniſſe zweckentſprechendſt bediene, ſeiner Aufgabe umſo leichter
nachkommen könne. Unter Führung von Oberſchulrat Ritſert fand
am Nachmittag ein Ausflug nach dem Oberwaldhaus ſtatt, an den ſich
eine Beſichtigung des herrlich gelegenen Jagdſchloſſes Kranichſtein
an=
ſchloß.
Am Abend fand dann, als Abſchluß der diesjährigen Tagung in
Darmſtadt, die
Feſtſitzung
die aus der neuen Situation ſich für das Deutſchtum und ſeine
Aus=
landsſchulen ergeben.
Herr Dr. Gaſter verlas Telegramme und Grüße aus aller Welt.
im Städtiſchen Saalbau ſtatt. Sie wurde vom Vereinsverband deutſcher
Auslandslehrer in Gemeinſchaft mit der Lehrerſchaft ſämtlicher
Darm=
ſtädter Schulen veranſtaltet. Nach einem einleitenden Muſikſtück, das
vom Schülerorcheſter des Realgymnaſiums unter der geſchickten Leitung
von Studienrat Henk vorgetragen wurde, begrüßte Studiendirektor
Dr. Gaſter(Antwerpen)=Berlin die Gäſte, insbeſondere
Staatspraſi=
denten Dr. Adelung, und dankte ihnen für ihr Erſcheinen. In
ehren=
den Worten gedachte er der großen Verdienſte, die ſich Staatsrat Block
um die auslandsdeutſchen Lehrer erworben hat. In beredten Worten
ſchilderte er die Bedeutung des Auslandsdeutſchtums für die Geſtaltung
des großen deutſchen Kulturkreiſes. Seine von großer Begeiſterung
getragenen Ausführungen ſchloß er mit den Worten des Rütliſchwures:
Wir wollen ſein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen
und Gefahr! An die mit ſtärkſtem Beifall aufgenommene Rede ſchloß
ſich der Geſang des Liedes „Brüder reicht die Hand zum Bunde” an,
in das alle Anweſenden ſtehend einſtimmten. Darauf dankte
Studien=
direktor Dr. Gaſter all denen, die ſich um das Zuſtandekommen der
Tagung bemüht haben.
Der zweite Hauptteil des Abendprogramms brachte ein
Vortrags=
trio über die Lage des auslandsdeutſchen Schulweſens im ſchwarzen
Erdteil. Hier ſind ſtärkere deutſche Kolonien vor allem in Aegypten,
dem internat onalſten Land Afrikas, dann im äußerſten Süden, in der
Südafrikaniſchen Union, und beſonders in dem jetzt der Union
ange=
gliederten ehemaligen deutſchen Schutzgebiet Deutſch=Südweſt. Ueber
die Lage in Aegypten berichtete
Herr Metaſchk=Johannesburg
kam dann auf die beſondere Lage des Deutſchtums in Südafrika zu
ſprechen. Nach einem kurzen Ueberblick über Entſtehung und Geſchichte
der deutſchen Gemeinden und ihrer Schulen kam der Redner auf die
derzeitige Lage des ſüdafrikaniſchen Deutſchtums zu ſprechen. Er führte
etwa aus:
Das Deutſchtum in Südafrika iſt zwar in den Orten mit
vorwie=
gend engliſcher Bevölkerung während des Krieges (Luſitania) ſehr
ver=
folgt worden. Jetzt iſt es in keiner Weiſe bedrückt. Es iſt aber doch in
Gefahr, ſeine Eigenart zu verlieren. Die Deutſchen wohnen zwiſchen
zwei ſtammberwandten Völkern. Jeder Deutſche braucht neben ſeiner
Mutterſprache z wei offizielle Landesſprachen: Engliſch und Afrikaniſch
(Kapholländiſch), und es kommt zur Zeit ſehr wenig friſcher Zuzug aus
der Heimat. Es zeigen ſich unter den Deutſchen in Südafrika in den
letzten Jahren mancherlei Beſtrebungen, um das Deutſchtum zu
erhal=
ten und zu ſtützen. Ich habe deutſchen Volkstagen beigewohnt in
Kroondal und Wartburg, wo bis tauſend Landsleute
zuſammengekom=
men waren. Wir haben einen deutſchen Lehrerverein für Südafrika
gegründet. Der hat z. B. im vorigen Monat beſchloſſen, bei der
Ne=
gierung die Anſtellung eines deutſchen Schulinſpektors zu beantragen.
Vor einigen Jahren wurde in Pretoria ein deutſcher evangeliſcher
Kir=
chenbund geſchloſſen. Es beſtehen mehrere deutſche Studentenvereine.
Natürlich dienen auch die deutſchen Klubs, Geſang=, Turn= uſw.
Ver=
eine der Pflege und Erhaltung des Deutſchtums. Darum verdienen
die Deutſchen in Südafrika unſere wärmſte Anerkennung und treue
Unterſtützung.
Nach einem Violinvortrag des Herrn Lehrer Frey: Violinkonzert
in 4=Moll von Johann Sebaſtian Bach, ſprach
Frau Landtagsabgeordnete Gieſe,
indem ſie nach längeren hiſtoriſchen Darlegungen u. a. darauf hinwies,
daß der Weltkrieg das blühende deutſche Schulweſen vernichtet habe.
Im Jahre 1920/21 wurde die Arbeit in Aegypten von Borromäerinnen
wieder aufgenommen. Zum Schluß wies die Rednerin auf das
Erſtar=
ken des ägyptiſchen Nationalismus hin und auf die beſondere Aufgabe,
Herr Oberſtudiendirektor Dr. Körner=Winbhuk
über das deutſche Schulweſen in Südweſtafrika. Mit beredten Worten
ſchilderte er die Not, in die das Deutſchtum durch die
Mandatsüber=
nahme ſeitens der jungen und ſtramm nationaliſtiſchen Südafrikaner
gekommen ſei. Trotz der recht anſehnlichen Zahl der Deutſchen in dem
ſüdweſtafrikaniſchen Mandatsgebiet haben dieſe doch ſehr mit den
Be=
drückungen zu kämpfen, die in Geſtalt rigoroſer Sprachbeſtimmungen
das geiſtige und kulturelle Leben erſchwerten. Wenn ſich das
Deutſch=
tum erhalten wolle, ſo ſei es auf die warme Unterſtützung des
Heimat=
landes angewieſen.
Ein gemiſchter Chor unter Leitung von Herrn Studienrat
Born=
gäſſer ſang ſodann die Lieder „Waldesnacht” von J. Brahms und
Innsbruck, ich muß dich laſſen” von H. Jſaak. — Nach einer kurzen
Pauſe ſchloß ſich ein Unterhaltungsteil an, in deſſen Verlauf eine Reihe
von muſikaliſchen und geſanglichen Darbietungen abwechſelten. U. a.
ſangen Frl. Herber zwei Lieder von Arnold Mendelsſohn, und Herr
Dr. Stiefenhofer die Gralserzählung (Wagner) und zwei
Schu=
bertſche Lieder. Frühere Schülerinnen der Goetheſchule erfreuten durch
entzückende Volkstänze die Anweſenden und ernteten reichen Beifall,
der ebenſo Herrn Profeſſor Dr. Köſer für ſeine humoriſtiſchen
Vor=
träge in reichſtem Maße zuteil wurde. So fand die Tagung in
Darm=
ſtadt ihren fröhlich=ernſten harmoniſchen Abſchluß. — Für die
Teil=
nehmer der Tagung wird ſich ein Beſuch des Zentralinſtituts für
Aus=
landsdeutſche in Stuttgart anſchließen.
X
— Spielzeit=Eröffnung des Hefſiſchen Landestheaters. Shakeſpeares
„Maß für Maß” wird am Sonntag, den 8. Sept., als Eröffnungs=
Vorſtellung der neuen Spielzeit des Heſſiſchen Landestheaters im
Gro=
ßen Haus zur Darſtellung kommen. Inſzenierung: Renato Mordo.
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp. Die Oper beginnt mit Paul
Hindemiths. Neues vom Tage” unter muſikaliſcher Leitung von
Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm, in Szene geſetzt von Arthur
Maria Rabenalt und Wilhelm Reinking, und mit Nichard Wagners
„Der fliegende Holländer” (muſikaliſche Leitung:
General=
muſikdirektor Dr. Karl Böhm, Regie: Renato Mordo; Bühnenbild:
Lothar Schenck von Trapp). Das Kleine Haus wird mit der
Urauffüh=
rung des Büchner=Dramas „Der Heſſiſche Landbote” von
Max Gruber (Inſzenierung Günther Haenel und Wilhelm Reinking)
eröffnet. — Die Mietanmeldungen für die neue
Spiel=
zeit haben den vorjährigen Stand der Mieten vom gleichen Zeitpunkt
bereits beträchtlich überſchritten; es muß daher insbeſondere denjenigen
Mietern der vorigen Spielzeit, die bisher noch ihre Mieterneuerung
verabſäumt haben, dringendſt empfohlen werden, umgehend ihre
Miet=
beſtellung für die neue Spielzeit bei der Mietabteilung des Heſſiſchen
Landestheaters vorzunehmen. Für die Spielzeit 1939—30 ſind, wie im
Vorjahr, für die Hauptmieten B bzw. 30 Vorſtellungen im Großen
Haus, für die Zuſatzmieten 12 bzw. 14 Vorſtellungen im Kleinen Haus
vorgeſehen. Für die Hauptmieten ſind zehn Monatsraten von 490
bis 20,00 RM., für Haupt= und Zuſatzmieten von 5,40—26,00 RMM.
zahlbar. Beſtellungen nimmt die Mietabteilung des Heſſiſchen
Landes=
thegters (Sprechſtunden werktäglich von 9—13,30 Uhr) entgegen, bei
der auch das neue Werbeheft des Landestheaters koſtenlos entnommen
werden kann.
— Sinfonie=Konzerte des Hefſiſchen Landestheaters. Unter Leitung
von Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm werden in der Spielzeit
1929/30 acht Sinfonie=Konzerte veranſtaltet, von denen das
erſte am Montag, den 7. Oktober, mit Beethovens Klavier=Konzert
G=Dur und Bruckners Fünfter Sinfonie ſtattfindet. Es ſind außerdem
zwei Sonder=Konzerte mit Werken zeitgenöſſiſcher Komponiſten
vor=
geſehen. — Die Mietpreiſe für die acht Sinfonie=Konzerte
betra=
gen 16—45 RM., für alle zehn Konzerte 18—50 RM., zahlbar in zehn
Naten. Da bereits jetzt ein erhebliches Anwachſen der Konzertmiete
feſtzuſtellen iſt, muß allen Jutereſſenten empfohlen werden, ihre
Platz=
beſtellung für die Sinfonie=Konzerte baldigſt der Mietabteilung des
Heſſiſchen Landestheaters mitzuteilen.
Störung der Ruhe und Ordnung durch Muſizieren. Wiederholt
vorgebrachte Beſchwerden veranlaſſen das Polizeiamt, erneut darauf
hin=
zuweiſen, daß anhaltendes Muſizieren, insbeſondere Klavierſpielen,
Singen, Spielenlaſſen von mechaniſchen Muſikapparaten (Radio,
Gram=
mophone und dergl.) im Freien oder bei offenen Fenſtern meiſtens eine
erhebliche Beläſtigung der Nachbarſchaft bildet und häufig den
Tat=
beſtand des 8 360 Ziffer 11 R.St.G. B. (ungebührliche Erregung
ruhe=
ſtörenden Lärms oder Verübung groben Unfugs) erfüllt. Ganz
be=
ſonders als ruheſtörend wirkt ſich das Spielenlaſſen von Radioapparaten
aus.
Die Arbeitszeitfrage in der rhein=mainiſchen
Mekallinduſtrie.
Unter dem Vorſitz von Landgerichtsdirektor Greckels fanden geſtern
vormittag in Frankfurt a. M. auf Antrag des Metallinduſtriellen=
Ver=
bandes vor dem Schlichtungsausſchuß die Verhandlungen über die
ge=
kündigte Arbeitszeit im rhein=mainiſchen Wirtſchaftsgebiet ſtatt. Die
Arbeitgeber hatten den Antrag geſtellt, die jetzige Arbeitszeit von 51
auf 53 Stunden pro Woche zu erhöhen. Sie fügten ihrem Antrag einen
außergewöhnlich großen Schriftſatz zur Begründung bei. Die
Gewerk=
ſchaftsvertreter des Deutſchen und Chriſtlichen Metallarbeiterverbandes
beantragten die Herabſetzung der 51 Stundenwoche. Sie begründeten
dies mit der großen Arbeitsloſenzahl und den Entlaſſungen älterer
Arbeiter. Der Schlichtungsausſchuß fällte nach einſtündiger Beratung
folgenden Schiedsſpruch: „Die derzeitige gekündigte Arbeitszeit bleibt
beſtehen. Laufzeit bis zur letzten Lohnwoche des Monats Auguſt 1930,
kann dann erſtmals mit einer monatlichen Friſt gekündigt werden.”
In den nächſten Tagen werden die einzelnen Verwaltungen der
Metallarbeiterverbände zu dieſem Schiedsſpruche Stellung nehmen. Wie
wir erfahren, werden die Metallarbeiterverbände dieſen Schiedsſpruch
ablehnen. Unter den Schiedsſpruch fallen rund 40 000 Arbeiter der
rhein=mainiſchen Metallinduſtrie.
— Orpheum. Gaſtſpiel Guſtav Bertram=Marga Peter.
Es wird beſonders darauf hingewieſen, daß heute Sonntag, 25. Auguſt,
abends 8 Uhr, die einzige Sonntags=Aufführung des mit ſo großem
Erfolge von Publikum und Preſſe aufgenommenen Bertram=Schlagers
„Phips, laß dich nicht erwiſchen”, Operetten=Schwank in drei
Akten, Muſik von Sigwart Ehrlich, ſtattfindet. Das Gaſtſpiel Bertram
währt nur noch einige Tage. Die Aufführung iſt ein außergewöhnlicher
Publikumserfolg. Guſtav Bertram hat darin eine Bombenrolle, die
ihm und Marga Peter namentlich in der Jazzband=Parodie
Gelegen=
heit geben, alle Regiſter der Komik ſpielen zu laſſen. Der Sonntags=
Kartenverkauf finder ſtatt: Verkehrsbureau von 10—12 Uhr, Kiosk, dem
Verkehsbureau gegenüber, bis halb 2 Uhr, Orpheumskaſſe ab 3 Uhr.
— Wiederſehensfeier. Am 27. Auguſt ds. Js. ſind es 15 Jahre her,
daß das 1. Landſt.=Inf.=Batl. Darmſtadt nach dem Weſten ausrückte.
Aus dieſem Anlaß findet am 1. September, nachmittags 3 Uhr im
Reſtaurant Rummelbräu (Rheinſtraße 101) eine Wiederſehensfeier ſtatt,
zu der alle ehemaligen Angehörigen des Bataillons nebſt ihren Familien
herzlichſt eingeladen werden. Die hieſigen Kameraden werden gebeten,
ſich zum Empfang der auswärtigen Kameraden nachmittags 3 Uhr am
Hauptbahnhof einſinden zu wollen. Siehe geſtrige Anzeige.)
* „Alt=Darmſtadt”, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Am Donnerstag abend findet ſich die Vereinigung zu einem Abendgang
unter Nudolf Antons Führung zuſammen. Alles Nähere aus den
ver=
ſönlichen Einladungen evſichtlich.
ULOlAM TOOMA
fauschen unsere Vertreter und
Filialen bereitwilligst auf kairster Basis gegen den beliebten
MOlONA
[ ← ][ ][ → ] Siedene Sahrenftang dei Seinchen Mdufntte une
Handelskammer Darmſtadt am 20. Auguſt 1929.
Zunächſt wurde der Geſchäftsführungsbericht für die Zeit ſeit der
letzten Sitzung erſtattet. Aus ihm iſt eine Beſprechung über
Fahr=
plananträge hervorzuheben, die beim Landeseiſenbahnrat
mittler=
weile geſtellt worden ſind. Es handelt ſich um die Weiterverfolgung
des aus früheren Verhandlungen bekannten „Main—Oſt—Weſt=
Projektes, weiterhin um die Einführung neuer dreitlaſſiger
Tages=Schnellzugsverbindungen zwiſchen dem
Rhein=Mainiſchen Wirtſchaftsgebiet über
Würt=
temberg nach Bayern und darüber hinaus nach Oeſterreich
hinein, unter gleichzeitiger grundlegender Verbeſſerung der
Nacht=
verbindungen zwiſchen Hamburg und Bremen
einer=
ſeits, ſowie Württemberg andererſeits. Ebenſo iſt auf die
drin=
gende Notwendigkeit der endlichen Einführung des zweiten Paares
Odenwald—Neckar=Eilzüge hingewieſen worden. Schließlich
wurden noch grundlegende Verbeſſerungen im beſchleunigten
Nachbarſtädteverkehr des Nhein=Mainiſchen Wirtſchaftsgebiets
verlangt.
Einer freundlichen Einladung der Firma E. Merck zufolge hat
eine Beſichtigung der umfangreichen Fabrikanlagen
dieſer Firma durch die Mitglieder der Kammer ſtattgefunden. Die
außerordentlich zahlreiche Beteiligung war ein Beweis dafür, welch
leb=
haftes Intereſſe dieſer Beſichtigung entgegengebracht wurde. In der
Tat gab auch der unter der dankenswerten Führung der Herren Dr.
Karl Merck und Louis Merck ſtattgehabte Nundgang durch die
umfang=
reichen Anlagen des Unternehmens einen lehrreichen und wertvollen
Einblick in die Vielgeſtaltigkeit eines chemiſchen Großbetriebes, der auf
eine über 250jährige Entwicklungsgeſchichte zurückblicken kann. In warm
empfundenen Worten wurde den Inhabern der Firma der Dank für die
zahlreich vermittelten Eindrücke ausgeſprochen.
Eine Vertreterbeſprechung der Heſſiſchen Induſtrie= und
Handelskammern befaßte ſich nochmals mit der Frage der
Gasver=
orgung Heſſens. — Weiterhin wurde die Frage der Herausgabe
einer Denkſchrift über das Rhein=Mainiſche
Wirt=
ſchaftsgebiet ausführlich erörtert. — Außerdem ſtanden noch eine
Neihe anderer Fragen aus dem Tätigkeitsgebiet der Kammern zu
Ver=
handlung.
Der Mietvertrag für die derzeitigen Geſchäftsräume der
Kammer läuft demnächſt ab. Es wurde beſchloſſen, die Geſchäftsräume
künftig in einem eigenen Gebäude unterzubringen. Der Vorſtand wurde
beauftragt, entſprechende Schrirte zwecks Erwerbs eines geeigneten
Gebäu=
des in die Wege zu leiten.
Sodann erſtattete der Vorſitzende der Kammer Dr.=Ing. e. h.
E. Schenck als Vertreter Heſſens in der deutſchen Gruppe der
Inter=
nationalen Handelskammer einen ausführlichen Bericht
über deren in Amſterdam ſtattgehabte Tagung. Dieſer Kongreß war
wiederum ſehr ſtark beſucht. Es waren nahezu 1000 Teilnehmer aus
40 Ländern zugegen. Deutſchland ſtand mit 184 Delegierten wiederum
bei weitem an der Spitze. Aus dem Tätigkeitsbereich der
Internatio=
nalen Handelskammer im Laufe der letzten zwei Jahre und über das
Ergebnis des Amſterdamer Kongreſſes iſt kurz folgendes zu ſagen: Auf
dem Gebiet der Handelspolitik und Handelshemmniſſe
iſt man nicht weſentlich weiter gekommen. Die Hochſchutzpolitik hat
nicht abgenommen, ſie iſt vielmehr in verſchiedenen Ländern noch
ver=
ſtärkt worden. Die Mehrzahl der Staaten treibt weiterhin eine
Handels=
politik im Sinne des „Schutzes der nationalen Arbeit”, Beſonders
wurde allerſeits über die Vereinigten Staaten von Nordamerika geklagt.
Der Kongreß befaßte ſich auch mit der franzöſiſcherſeits zur Verhandlung
geſtellten Frage einer Union Douaniere Européenne”, was gewiß ein
durchaus geſundes Ziel darſtellt, das aber bei der derzeitigen
handels=
politiſchen Einſtellung der europäiſchen Staaten zunächſt keine Ausſicht
auf Verwirklichung beſitzen dürfte. — Hinſichtlich der Ein= und
Aus=
fuhrverbote und =Beſchränkungen wurde denjenigen
Staa=
ten, die noch mit ihrer Beitrittserklärung zu dem Uebereinkommen von
1927 bedauerlicherweiſe im Rückſtand ſind, nahegelegt, das Erforderliche
nachzuholen, damit das Inkrafttreten des Uebereinkommens nicht ver=
zögert wird. — Zur Verhandlung ſtanden auch die Fragen der „
Meiſt=
begünſtigungsklauſel” und des „Fremdenrechts”, über
die allerdings Abſchließendes noch nicht geſagt werden kann. —
Hinſicht=
lich des mittelbaren Protektionismus legte die
Inter=
nationale Handelskammer allen Regierungen nahe, von neuen
Maß=
nahmen in dieſer Richtung abzuſehen und die beſtehenden zu beſchränken
oder aufzuheben. — Der außerordentlich wichtigen Frage der
Zoll=
nomenklatur, d. h. einer Vereinheitlichung der
An=
ordnung der Zolltarife der einzelnen Länder, wendete die
Internationale Handelskammer ihre ganz beſondere Aufmerkſamkeit zu.
Die Internationale Handelskammer iſt bereit, die auf dieſem Gebiete
bereits vom Völkerbund geleiſteten Arbeiten nach beſten Kräften zu
unterſtützen. — Der Sonderausſchuß für internationalen
Zahlungs=
ausgleich hatte eine Entſchließung zum Young=Plan vorbereitet die
dann auch mit einigen Abänderungen, die den Wünſchen der deutſchen
Delegation Rechnung trugen, zur Annahme gelangte. — Weiterhin hat
ſich noch ein Ausſchuß mit der Frage der ſtaatlichen und
pri=
vaten Wirtſchaftsbetriebe” befaßt, wobei man für die
Er=
zeugung von lebensnotwendigen Produkten die
gemiſchtwirt=
ſchaftlichen Geſellſchaften als die günſtigſte Wirtſchaftsform
anſah. — Die chineſiſche Frage nahm in den Verhandlungen
einen weiten Raum in Anſpruch, wobei die Vertreter Chinas mit allem
Nachdruck eine Gleichſtellung mit den anderen freien Staaten, ſo auch
die Abſchaffung der Konſulargerichtsbarkeiten, die noch eine Anzahl
fremder Staaten in China ausüben, verlangte. — Der Unterausſchuß
für Luftrecht befaßte ſich noch mit einem ausführlichen Bericht, der
gleichzeitig einen Abkommensentwurf über die
Nationa=
lität der Luftfahrzeuge enthielt, deſſen Verfaſſer der leider
kürzlich verſtorbene Profeſſor der Rechte O. Schreiber in Königsberg
war. In pietätvoller Weiſe fand dieſe hochbedeutſame Arbeit ihre
ver=
diente Anerkennung.
Die Technik des Kongreſſes in Amſterdam war wieder ähnlich wie
bei der letzten Tagung in Stockholm. Verhandlungsſprachen waren
Engliſch, Franzöſiſch und Deutſch. Neu war dieſes Mal eine von einem
Mitglied der amerikaniſchen Gruppe zurVerfügung geſtellteEinrichtung, die
es mittels Hörapparaten ermöglichte, jedem Zuhörer die Ueberſetzung der
einzelnen Neden durch Dolmetſcher ſofort während der Rede zu
über=
mitteln. Dieſe wertvolle Neuerung fand allgemeine Anerkennung.
Selbſt=
verſtändlich waren mit dem Kongreß der Internationalen
Handels=
kammer eine Reihe von repräſentativen geſellſchaftlichen
Veranſtaltun=
gen verbunden, die ein beredtes Zeichen für die Gaſtfreundſchaft aller
holländiſchen Kreiſe ablegte. Im Nahmen dieſer Veranſtaltungen fand
auch eine Beſichtigung des Rotterdamer Hafens ſtatt,
die einen wertvollen Einblick in die hervorragende Bedeutung dieſer
Anlagen gewährte.
Der Eindruck, den der Kongreß bei der Mehrzahl der Teilnehmer
hinterließ, verdichtete ſich wiederum zu der Frage: Steht der Aufwand
an Arbeit und Zeit im Verhältnis zu dem, „was die Internationale
Handelskammer leiſtet? Das Ziel der Kammer iſt unbeſtritten und ihre
Daſeins=Notwendigkeit wird wohl von niemandem geleugnet werden
können. Es gilt ſelbſtverſtändlich, die vielen Empfindlichkeiten und
Neibungsmöglichkeiten, die zwiſchen den Völkern beſtehen, zu
über=
winden. Es kann aber ſchon jetzt feſtgeſtellt werden, daß die Tätigkeit
der Internationalen Handelskammer zweifellos einen erheblichen
Ein=
fluß auf die Arbeiten des Wirtſchaftsausſchuſſes des Völkerbundes
aus=
übt, ſo daß die Stimme dieſer internationalen Wirtſchaftsorganiſation
nicht erfolglos verhallt. Zum anderen iſt es aber auch notwendig, daß
recht viele Menſchen der einzelnen Länder einen unmittelbaren
Ein=
druck von der Arbeit der Internationalen Handelskammer empfangen
und durch den Verkehr mit Vertretern anderer Länder die
internatio=
nale Verbundenheit der Wirtſchaft ſpüren und die geiſtige Einſtellung
der anderen Nationen kennen lernen. Es ſteht zu hoffen, daß auf dieſem
Wege ein immer größeres Verſtändnis der internationalen Verflechtung
der einzelnen Wirtfchaften vorbereitet wird und daß dadurch dem
Welt=
verkehr, dem Welthandel und dem Weltfrieden gute Dienſte geleiſtet
werden.
— Die Alice=Eleonorenſchule (Alice=Verein für Frauenbildung und
Erwerb) vermittelt den Schülerinnen in den fachgewerblichen Kurſen für
Weißnähen, Weißſticken, Schneidern, Bluſenkurſus, gekürzter
Schneider=
kurſus, Stopfen, Flicken, Bügeln, Kunſthandarbeiten, Hausarbeit und
Kochen die praktiſchen Kenntniſſe und Fähigkeiten zur ſpäteren
Betäti=
gung im eigenen Heim und zur beruflichen Verwendung als
Haustoch=
ter, Stütze der Hausfrau und zur ſelbſtändigen Führung eines
Haus=
halts, ebenſo iſt den Schülerinnen Gelegenheit geboten, ſich durch den
Beſuch derſelben für den ſpäteren Beruf als Weißnäherin und
Schnei=
derin teilweiſe vorzubereiten. Die fachgewerblichen Kurſe ſind auch
Vorbereitungskurſe für das Hauswirtſchafts= und Handarbeitsſeminar.
Das Winterſemeſter beginnt am 14. Oktober. Wir verweiſen
auf die heutige Anzeige im Inſeratenteil. — Anmeldungen
wer=
den Montags und Freitags von 2—4 Uhr in den Sprechſtunden in dem
Schulhauſe Friedrichſtraße 4 entgegengenommen.
— Martinsgemeinde. Am heutigen Sonntag begeht auch unſere
Gemeinde den Landesjugendſonntag. Der
Vormittagsgottes=
dienſt wird auf die Bedeutung des Tages Bezug nehmen. Die
Mit=
glieder der Jugendvereine und die Chriſtenlehrpflichtigen der vier
Pfarrer ſammeln ſich um halb 10 Uhr im hinteren Hof der Kirche und
ziehen gemeinſam ein. Jedoch liegt die Bedeutung des Tages nicht
darin, daß die in den Vereinen organiſierte Jugend eine beſondere Feier
hält. Es kommt darauf an, daß die ganze Gemeindejugend,
ſo=
wveit ſie noch irgendwie zum Glauben und zur Kirche ſich hält, ſich
auf=
gerufen fühlt. Wir bitten alſo alle Jugendlichen, zum Gottesdienſt
zu kommen und auf den vorderen Bänken Platz zu nehmen. —
Nach=
mittags iſt ab 3 Uhr auf der Kohlplatte eine Jugendfeier für die
Gemeinde. Die drei Jugendvereine werden ihr Beſtes bieten. Auch
allerhand Humorvolles iſt vorgeſehen. So haben z. B. die Seiltänzer
vom Riegerplatz ihr Erſcheinen zugeſagt. Um 2 Uhr iſt für diejenigen,
die gemeinſam hinausgehen wollen, Abmarſch am Riegerplatz. Wir
hoffen, daß ſich auch die Erwachſenen zahlreich an der Feier ihrer
Gemeindejugend beteiligen. Bei ungünſtigem Wetter kommt Jugend
und Gemeinde um 2.30 Uhr im Gemeindehaus zuſammen.
Jahrhundertfeier der Studienanſtalt (Viktoriaſchule) vom 25. bis
27. September. An dieſer Stelle ſei auf die Anzeige in der heutigen
Nummer nochmals aufmerkſam gemacht. Diejenigen Damen, die bereits
Einladungen evhalten, ſich aber noch nicht gemeldet haben, werden um
möglichſt umgehende Anuwort gebeten. Es fehlt noch eine Reihe von
Anſchriften, die zu erlangen der Schule nicht möglich war. Es iſt der
Schule ein herzliches Bedürfnis, alle ehemaligen Schülerinnen
einzu=
laden. Um die Vorbereitungen zur Feier rechtzeitig abſchließen zu
kön=
nen, wird hier mochmals um Angabe der der Schule noch umbekannten
Anſchriften gebeten. Es ſei weiter darauf hingewieſen, daß für die hier
wohnenden Feſteilnehmer, die ſich mit Rückſicht auf die auswärtigen
Gäſte zurückgehalten haben, noch Karten zur Feſtorſtellung zu hoben
ſind. Ferner mag jetzt ſchon die vom Oberſtudienrat Dr. Bergmann
verfaßte Feſtſchrift über die Entwicklung der Schule in den 100 Jahren
ihres Beſtehens aufmerkſam gemacht ſein.
Lokale Betanſialkungen.
Die MRrunter erfürinenden Notiyen ſind ausfchllieMlich alt Hinmsife auf Anzögen zu bckadtn
m Miaem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krick.
— Zitherblub Daumſtadt=Beſſungen 1896. Die
diesjährige Tageswvanderung findet am Sonntag, den 8. September,
ſtatt. Der Vorſtand hat ſich entſchloſſen, um den Wünſchen vieler
Mit=
glieder gerecht zu werden, nach Frankfurt zu fahren. Aus dieſem Grunde
ſind wir mit der Direktion des Zoo und Palmengartens einig goworden,
daß unſere Teilnehmer nur halbe Preiſe zu zahlen brauchen. Wir
hof=
fen, daß ſich recht viele Mitglieder beteiligen werden. Die Teilnehmer
werden gebeten, ſich in die aufliegenden Liſten einzutragen. Die Liſten
liegen bei Mitglied Sieß, Landskronſtraße 63, und im Vereinslokal,
Beſſungerſtraße 6, auf.
— Herrngarten=Kaffee. Heute Sonntag, den 25. Auguſt,
finden im Herrngarten=Kaffee vorm. von 11—12.30 Uhr, nachmittags
von 4 Uhr und abends 8 Uhr Künſtlerkonzerte, ausgeführt von einem
Enſemble des Stadtorcheſters, bei freiem Eintritt ſtatt. (Siehe Anz.)
Wir verweiſen auf das Frühſchoppen=Konzerr von 11—12.30 Uhr,
aus=
geführt von einem Enſemble des Stadtorcheſters, ganz beſonders.
— Orangeriehaus (Beſſunger Herrnaarten). Heute den
gan=
gen Tag geöffnet: abends 8 Uhr Konzert des Stadtorcheſters bei freiem
Eintritt. (Siehe heutige Anzeige.)
— Tanzabend im Gotel Prinz Heinrich. Im Hotel
Prim Heinrich findet heute Sonntag Tanzabend ſtatt.
Bezirksſchöffengerichk.
v. 1. Ein polniſcher landwirtſchaftlicher Arbeiter, der in Griesheim
in Dienſten ſtand, ſteht unter der Anklage des ſchweren Diebſtahls;
mit=
telſt Stemmeiſens brach er ein Behältnis des Arbeitgebers auf, ſtahl
daraus Geld (etwa 70 Mark) und verduftete nach Köln, wo er ſich der
Polizei ſtellte. — Urteil; fünf Monate Gefängnis unter
An=
rechnung von zwe: Monaten Unterſuchungshaft.
2. Eine Schwarzfahrt, die ein hier beſchäftigter Metzgergeſelle in
einer Nacht in dieſem Frühſommer mit Freunden nach Mannheim mit
einem offenen Brennaborwagen unternahm, hatte auf dem Rückwege
zwviſchen Viernheim und Weinheim ein böſes Ende genommen. Der
berufsmäßige Chauffeur nahm eine Kurbe der an ſich ſchon kurvenreichen
Straße mit zu großer Geſchwindigkeit; der Wagen kam bei der dunklen
Nacht ins Schleudern; ein Bäckerlehrling wurde getötet und zwei
an=
dere Inſaſſen körperlich verletzt. Einer derſelben erlitt einen
Schlüſſel=
beinbruch, der andere neben Verrenkungen einen kleinen Bluterguß.
Der Tod war durch die Schädelverletzung eingetreten. — Der
Sachver=
ſtändige betont die allzu große Geſchwindigkeit und die angeſichts des
herrſchenden Regenwetters erſchwerte Sichtweite, welch letzterer
Um=
ſtand geradezu ein langſameres Fahren erforderte. — Der Staatsanwalt
beleuchtet ſcharf die üblen Schwarzfahrten ſeitens der Fahrer, die
un=
genügende Fahrkenntniſſe bezüglich des einzelnen Wagens
bekun=
den, die Eile, mit der die Fahrt gemacht werden mußte, die
Schlüpfrig=
keit der Fahrbahn. Mit unſinnigem Tempo ſei losgefahren worden,
ein Abweisſtein ſei herausgeriſſen und weggeſtoßen worden.
Angeklag=
ter ſei voll verantwortlich für das, was er angerichtet habe; ein Jahr
Gefängnis wird beantragt. Die Verteidigung verneint eine übermäßige
Geſchwindigkeit; eine völlige Klarheit über die Lichtſtärke ſei zu
ver=
miſſen, vielleicht habe auch die Steuerung nicht richtig funktioniert. Die
Grundlagen für eine Verurteilung ſeien deshalb nicht gegeben. Evtl.
ſei eine geringere Strafe angemeſſen. — Das Urteil erkennt auf neun
Monate Gefängnis.
3. Wegen Betrugs hat ſich der Landwirt Hch. Böſche von
Riet=
hagen zu verantworten; die Tat ſoll zum Nachteil eines
Viehkommiſſio=
närs verübt worden ſein. Bei Ablieferung zweier Poſten ergaben ſich
Unregelmäßigkeiten. Nur in dem einen Falle beantragt der
Staats=
anwalt wegen Unterſchlagung Beſtrafung, die aber mit Rückſicht auf
die Geſchäftsungewandtheit des Angeklagten milde ſein könne. Urteil:
20 Mark Geldſtrafe, die durch die erlittene Unterſuchungshaft
verbüßt ſind.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztlich= Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 25. Auguſt
1929, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Gammer,
Beſſunger Straße 3, Telephon 632; Dr. meb. Stern I.
Wendelſtadt=
ſtraße 5, Telephon 1260; Dr. mes. Blach, Hügelſtraße 45,
Tele=
phon 1412.
Aus ſicherheitspolizeilichen Gründen wird für die Zeit der
Um=
bauarbeiten an dem Hauſe Karlsſtraße 110 die Karlsſtraße
zwi=
ſchen Hermanns= und Wilhelmsſtraße für Kraftfahrzeuge
von mehr als 5,5 Tonnen und ſchwere Laſtfahrzeuge geſperrt.
— Zwiſchen die Puffer geraten. In der Eiſenbahnwerkſtatt 2 in
der Frankfurter Straße war man am Samstag abend mit dem
Aus=
laden von Waggons beſchäftigt. Als die Waggons verſchoben wurden,
geriet der Transportarbeiter Johann Lerch aus Pfungſtadt zwiſchen
die Puffer. Er erlitt ſchwere innere Verletzungen und Quetſchungen
der Bruſt, ſo daß er ſofort in das Stadtkrankenhaus eingeliefert
wer=
den mußte.
Tageskalender für Sonntag, den 25. Auguſt 1929.
Orpheum, 20 Uhr: „Phips, laß dich nicht erwiſchen”. —
Sommer=
frailichtbühne Dir. D. Steh, 15½ und 20½ Uhr, auf dem
Mercksplatz am Schwimmbad. — Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee
Oper, Hotel Schmitz, Sportplatz=Reſtaurant, Alte Poſt, Bismarckeck,
Hotel Prinz Heinrich, Waldſchlößchen, Kaffee Jöſt, Stadt Nürnberg,
Hotel zur Poſt, Rummelbräu. — Wiener
Kronenbräu=
keller, mittags 16 Uhr: Großes Sommerfeſt — Sportplatz=
Neſtaurant am Böllenfalltor: Rheiniſcher Abend. —
Ludwigs=
höhe, 16 Uhr: Konzert. — Herrngartenkaffee 16 und
20 Uhr: Konzert. — Brauerei Schul, 20 Uhr: Konzert. —
Orangerie=
haus, 20 Uhr: Konzert. — Kinovorſtellungen: Union=
Theater, Helia. — Mathildenhöhe, 15 bis 18 Uhr:
Ausſtel=
lung „Der ſchöne Menſch”.
Sonntag, den 25. Auguſt.
EDH. Am letzten Sonntag im Auguſt wird ſeit einigen Jahrex
den evangeliſchen Gemeinden unſeres Heſſenlandes ein kirchlicher Lan/
jugendſonntag begangen. In allen Kirchen wird über die Bedcut,
der Jugenderziehung und evangeliſch=kirchlicher Jugendarbeit gebre
werden. Aber auch die Jugend kommt zu Wort, indem ſie teils f
geſtaltend bei der Abhaltung von Jugendgottesdienſten mitwirkt
Gemeindefeiern veranſtaltet. Die heſſiſche evangeliſche Jugend iſt
der Hauptſache in 4 Verbänden organiſiert; dem Verband der et
geliſchen weiblichen Jugend für Heſſen, dem „Heſſenbund” für die mit
liche Jugend, die beide dieſelbe mittlere Linie verfolgen. Neben di
ſtehen, aus der Gemeinſchaftsbewegung kommend, der Jugendbund
entſchiedenes Chriſtentum und, auf der anderen Seite aus der Jug
bewegung kommend, der Landesverband Heſſen des „Bundes Deut;
Jugendvereine B. D.J.‟ Die beiden letzten Bünde umfaſſen gemeinſt
Buben und Mädchen. Der Sinn des Jugendſonntags iſt nun nicht
der dieſe organiſierte evangeliſche Jugend in Erſcheinung treten
laſſen, ſondern der Gemeinde zum Bewußtſein zu bringen, daß ſie
über hinaus Aufgaben hat, an der ganzen Gemeindejugend,
auch der Jugend, die ſich aus irgend welchen Gründen dieſen Vert
den nicht anſchließen mag. Es gibt heute keine größere Gemeinde mi
ohne dieſe kirchliche Zuſammenarbeit. Am Jugendſonntag aber ſoll
die Gemeinde freuen darüber, daß neben all den trüben Erſcheinut
im heutigen Jugendleben noch eine Jugend da iſt, die mit einer friſ
frohen jugendlichen Art, frohem Spiel und Wandern, Innerlick
religiöſer Wärme und ſittlicher Reinheit zu verbinden weiß.
An. Arheilgen, 23. Aug. Kirchliches. Evangeliſcher Frau
verein und evangeliſcher Männerverein beabſichtigen kommenden So
tag einen Ausflug nach Nieder=Ramſtadt zur Beſichtigung der dort;
Anſtalten, und werden beide Vereine die elektriſche Bahn bis
Böllenfalltor benutzen. Gleichzeitig plant auch der Poſaunenchor ei
Spaziergang durch den Wald nach dem gleichen Ziele und werden
die Vereine daſelbſt treffen. — Turnverein. Der vom Turnver
1876 für Sonntag in Ausſicht genommene Werbetag, verſpricht
Programm nach ſehr genußreich zu werden. Am Vormittag um
Uhr iſt Abmarſch zum Schwimmbad, woſelbſt Staffelſchwimmen, Sp
gen, Reigen und humoriſtiſche Darbietungen vorgeſehen ſind. Es 5
dann ein Waſſerballſpiel der 1. Mannſchaften Hanau — Arheilgen.
1,15 Uhr findet Sternlauf ſämtlicher Abteilungen durch die Ortsſtre
nach dem Gaſthaus „Zum goldenen Löwen” ſtatt, hieran anſchließ
Marſch nach dem Sportplatz, wo ein Turnerinnen=Handballſpiel S
ſenhauſen—Arheilgen vorgeſehen iſt. Hierauf iſt Schauturnen der D
nerinnen, Turner, Schülerinnen und Schüler, beſtehend in Gymnal
Bodenübungen und Geräteturnen. Den Schluß bildet ein Handl
werbeſpiel Aſchaffenburg—Arheilgen. Für den Abend iſt eine Nachf
in der Turnhalle beabſichtigt. — Vorgeſtern wurde hier mit dem Konf
mandenunterricht durch den Ortsgeiſtlichen, Pfarxer Grein,
gonnen. — Sängerluſt. Bei dem am letzten Sonntag vom
ſangverein Sängerluſt ausgeführten Ausflug nach Dienheim bei OpM
heim, der einen überaus herrlichen Verlauf nahm, ſang der Verein
Begrüßung des Vereins Harmonie zum erſtenmale den ihm von dem
kannten Kölner Komponiſten, Profeſſor Nichard Trunk, gewidmeten A
eins=Wahlſpruch: „Wahr in Wort, treu im Gemüt, laut preiſen wir
deutſche Lied‟. Hieran ſchloß ſich ein zwangloſes, recht humordurchwd
tes Zuſammenſein und wurde dem Verein zum Abſchied noch ein v.
gefüllter Weinkorb überreicht.
O. Erzhauſen, 24. Aug. Gemeinderatsſitzung. Die mei
Punkte der Sitzung waren durch die Finanz= und Betriebskommift
geprüft und durchberaten, — Vergebung der Arbeiten z
Fertigſteklung des Doppelwohnhauſes an die Unt
nehmer: Weißbinderarbeit an Joh. Mahr, ebenſo Anſtreicherark
Schreinerarbeit an Joh. Dilfer und G. Deuſer. Fenſterlieferung
Glaſerarbeit an Traſer=Arheilgen. Schloſſerarbeit an K. Lotz. Spel
lerarbeit an Ph. Wannemacher 4. Lieferung von Oefen nur an
Rund
Dammel=Mörfelden. Plattenarbeit an Kon. Becker 2. Sonſtige 2
ten wurden zurückgeſtellt. — Pflaſterung der Triftſtraße und Inſte
ſetzung der füdlühen Ludwigſtraße, der Voranſchlag beträgt 8700 M
Die Vergebung der Arbeiten erfolgt ſpäter, teilweiſe auf dem S
miſſionsweg. — Verpachtung von Gelände. Dom Joh.
Leiſer wird das betreffende Gelände zum alten Pachtpreis bis 9 Sutiere
belaſſen — Dem Antrag des Bezirkskonſumvereins Darmſtadt, Bef)f berr Dr
ung von den Vorſchriften der allgemeinen Bauordnung wird ſtMſoyos
gegeben. — Auf Antrag des Obſt= und Gartenbauverbandes Darmſt*
um Gewährung einer Unterſtützung zur Jubiläumsausſtellung wer
10 Mark bewilligt. — Der Waldwirtſchaftsplan für 1930 wird nach
Vorlägen genehmigt. — Ankauf von Grundſtücken wird abgelehnt.
Es wurde mitgeteilt, daß von der Brandberſicherungskammer, für
Freiw. Feuerwehr 700 Mark überwieſen worden ſind.
J. Griesheim, 24. Aug. Berufsbürgermeiſter. Durch 2
fchluß des Gemeinderats vom 12. Auguſt d. J. wurde für die hiefjedſchgt
Gemeinde die Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters beſchloſſen.
vom Gemeinderat am 15. Auguſt d. J. genehmigte, darauf bezüchl
Ortsſatzung liegt gemäß Art. 15 der Landgemeindeordnung vom M
woch, den 28. Auguſt d. J., ab eine Woche lang auf der Bürgermeiſte
(Zimmer 2) während der üblichen Dienſtſtunden zur Einſicht offen. E Fendc
wendungen können während der Offenlegungsfriſt daſelbſt ſchriftlich o
durch Erklärung zu Protokoll vorgebracht werden. — Am Sonntag 2//9M
Montag, 25. und 26. Auguſt, findet die hieſige Kirchweihe ſtatt. Un
Kirchweihfeſt hatte ſchon immer eine große Anziehungskraft für a. d MMMe
wärtige Beſucher. Da Küche und Keller unſerer Wirte mit allem, aul
zur Befriedigung der Gäſte dienen kann, überaus reichlich verſehen ſi9
94
wäre nur zu wünſchen, daß uns der Wettergott für die Kirchweihtel
gewogen bleibt, und uns für das Feſt gutes, ſonniges Wetter beſcha) jhnel
— Ihren 85. Geburtstag begeht am nächſten Montag unſere Mitbüir”
rin, Frau Witwe Apollonia Funk, geb. Nothnagel, die Wirtin der früce
ren Wirtſchaft „Zur Sonne” in der Pfungſtädterſtraße: Fran Fuß
welche noch allein ihren Haushalt führt, erfreut ſich noch einer gu
körperlichen und geiſtigen Geſundheit. Wir gratulieren Frau Funk W FM
ihrem Geburtstage mit dem Wunſche, daß ihr ein ungetrühter Lebe
abend beſchieden ſein möge. — In der Woche vom 26. bis 31. AugſtM6
d. J. finden auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich vormitte
von 5 bis 12 Uhr Scharfſchießübungen ſtatt.
F. Eberſtadt, 23. Aug. Gemeinderatsſitzung. In 10
geſtrigen Gemeinderatsſitzung ſtimmte der Gemeinderat dem Verkauf 12
Gemeindeanweſens Wieſenſtraße 4 an Wilhelm Berth zu dem von d
Finanzausſchuß vorgeſchlagenen Preis von 5000 RM. zu. Das En
Frau Käthe Schmitt für einen Neubau in der Villenkolonie vorgele
Baugeſuch wird laut Plan genehmigt. Auch erklärte ſich das Plenau
mit dem von dem Bürgermeiſter vorgeſchlagenen Abkommen mit d
Seminar „Marienhöhe” über den Preis für die Lieferung von elekt
ſcher Kraft (Licht) einverſtanden. In der ſich anſchließenden gehein
Sitzung beſchäftigte ſich der Gemeinderat in mehr als zweiſtündist
Beratung mit dem Projekt einer Gemeindeturnhalle, deren Erbaur9
ſeit längerer Zeit geplant iſt und in abſehbarer Zeit begonnen w
den ſoll. — Geſellenprüfung. Anfangs Oktober fin d
wieder eine örtliche Geſellenprüfung ſtatt, an der alle Lehrlir
teilnehmen können, deren Lehrzeit bis zum 15. Oktober 129
beendet iſt. Anmeldungen zur Prüfung ſind unter Vorlage des Leß
vertrags und eines ſelbſtgeſchriebenen Lebenslaufs an den VorſitzenS
des Prüfungsausſchuſſes des Ortsgewerbevereins, Gewerbelehrer Wi.
Schäfer, Seeheimerſtraße 22, bis ſpäteſtens 28. Auguſt 1929 einzureſcha:
Die Prüfungsgebühr beträgt 6 RM. und iſt gleichzeitig zu entrichte!
Cp. Pfungſtadt, 23. Auguſt. Die Altveteranen von 18
noch neun an der Zahl, lreßen dieſer Tage zum Andenken an T.
Schlacht bei Gravelotte an dem Kriegerdenkmal bei der Kirche ein.”
Kranz zum Andenken an ihre im ſ0er Krieg gefallenen Mitkämpf;
niederlegen. — Gartenkonzert. Der Arbeiter=Fußballverein ve‟
anſtaltet am kommenden Sonntag im Gaſthaus Lautenſchläger ein
Ge=
tenkonzert, bei dem die hieſige „Sängervereinigung” und der Muſibe
ein mitwirken werden. — Todesfall. Im Alter von 65 Jahren
die Witwe Marie Tremper geb. Brack geſtorben.
G. Ober=Ramſtadt, 24. Aug. Schweinezwiſchenzählun
Am Montag, den 2. September findet im Deutſchen Reich ei
Schweinezwiſchenzählung ſtatt. Zu dieſem Zweck iſt die Gemarkur,
Ober=Namſtadt wie bei früheren Zählungen in acht Bezirke eingetei
Die Viehhalter werden aufgefordert, durch raſche und vollſtändige A.
gabe ihrer Schweinebeſtände das Aufnahmegeſchäft nach Möglichkeit —
erleichtern. — Kirchweihe. Sonntag, den 1. und Montag, den
September, findet hier die Kirchweihe ſtatt. Aljährlich wird ſie ve.
ſehr vielen auswärtigen Gäſten beſucht, die man auch für dieſes Jan
wieder erwartet. Günſtige Autobusverbindung bietet beſonders
au=
den Bewohnern von Nieder=Ramſtadt=Traiſa und Darmſtadt die Mo
lichkeit, an der „Ober=Remſchter=Kerb” teilzunehmen. Gaſtwirte un
Saalbeſitzer tun das Nötige, um jedermann zufrieden zu ſtellen. — All
gabe von Obſtbäumen. Aus der Gemeindebaumſchule werde
ſchöne ſtarke Obſtbäume verſchiedener Sorten abgegeben.
Intereſſente=
wollen ſich bei der Bürgermeiſterei oder Feldſchütz Vetter melden.
uenmer 233
Sonntag, den 25. Auguſt 1929
Seite 7
* Dder Pfungſkädker Zuchkviehmarkk.
Gute Beſchickung. — Erſtklaſſiges Zuchtmaterial.
Aa. Pfungſtadt, 24. Auguſt.
diesjährige Pfungſtädter Zuchtviehmarkt war im Gegenſatz zu
rjährigen, an dem es regnete, vom Wetter begünſtigt. Schon in
eihen Morgenſtunden herrſchte reger Betrieb. Auswärtige Zucht=
und Züchter ſowie viele Intereſſenten aus dem nahen Ried und
wirgſtraße kamen an und bevölkerten die Straßen. Der Markt ſelbſt
uf einem geräumigen Platze an der Eſchollbrückerſtraße ſtatt.
urz nach 9 Uhr marſchierte das Marktkomitee unter Vorantritt
Huſikvereins Pfungſtadt, der übrigens während des ganzen Marktes
Mkonzertierte, nach dem Markt hinaus, wo bereits der Auftrieb
war. Insgeſamt waren 29 Faſel, 64 Kühe und Rinder, 21
ue und 250 Ziegen aufgetrieben. Das Auftriebsergebnis iſt
be=
ſend zu nennen. Die Prämiierungskommiſſionen hatten bei der
des aufgetriebenen Zuchtmaterials einen ſchweren Stand. Beim
ſieh handelte es ſich faſt nur um Tiere Simmentaler Naſſe, bei
ſhrveinen um das Deutſche Edelſchwein bzw. veredelte Landſchwein,
dei den Ziegen um ſogenannte Saanenziegen. Die Ausſteller waren
mreils aus der nächſten Nachbarſchaft. Außer Pfungſtädter
Züch=
hatten ſolche aus Hahn, Crumſtadt, Wolfskehlen, Biebesheim,
ſein, Bickenbach, Erfelden, Arheilgen, Goddelau, Reinheim uſw.,
ſtellt. Die Vorführung der einzelnen Tiere vor der
Prämiierungs=
aurſſion lockte immer viele Zuſchauer und Intereſſenten an, und
Ken=
wuuſchten mit ſachverſtändiger Miene ihre Anſichten aus. Durchweg
as aufgetriebene Vieh erſtklaſſiges Zuchtmaterial, wenn auch hier
da gegen die Vorjahre merkliche Unterſchiede zu erkennen waren.
ge lot der Landwirtſchaft macht ſich auch bei den Verhältniſſen in
lierzucht bemerkbar.
arauf ging, als man um halb 1 Uhr von der Tribüne aus zur
wverteilung ſchritt, auch der Vertreter der Landwirtſchaftskammer
deſſen, Dr. Rothert=Darmſtadt, in kurzen Worten ein, wobei er
eitig allen Anweſenden Gruß und Dank ſagte. Nach der
Preis=
glung ging es in geſchloſſenem Zuge in den „Rheiniſchen Hof”, wo
emeinſames Mittageſſen ſtattfand, das bei Rede und Gegenrede
in lebhafte Unterhaltung überging. Nachmittags fand dann noch
gerloſung ſtatt, da mit dem Markt auch eine Marktlotterie
verbun=
oar. Nicht Unerwähnt ſoll bleiben, daß auch Verkäufe
ſtatt=
mi. Die meiſten Tiere, die zum Verkauf gelangten, kamen entweder
ſe nächſte Nachbarſchaft, wo ſie vielfach von Gemeinden angekauft
gn, oder gingen ſogar bis nach Rheinheſſen und in den Odenwald.
Vernehmen nach hätte der Verkauf beſſer ſein dürfen.
m Eingang zum Markt hatten die Firmen L. Storck,
Landwirt=
kiche Maſchinen, die Korb= und Stuhlflechterei Philipp Späth und
hiedemeiſter J. Klöppinger (Wagen) eine kleine Ausſtellung
„rgiert.
Biblis, 24. Aug. Tagung des Bezirksausſchuſſes
Landwirtſchaftskammer. Die alljährlich in Bensheim
galtene Bezirksverſammlung der Vertreter der Landwirtſchaft fand
ſt Jahr auf Erſuchen des Mitgliedes der Landwirtſchaftskammer,
m Hch. Kiſſel 9. von hier, geſtern in unſerem Orte ſtatt. Am frühen
Bmittag trafen bereits die Mitglieder der Landwirtſchaftskammer, un=
Fuderen Herr Obſtbauinſpektor Pfeifer und Herr Dr. Pepler, hier
um der Sitzung beizuwohnen. Von der Warenzentrale Darmſtadt
hmi eingetroffen: Herr Iſſel aus Horchheim und Herr Direktor
midt; vom Landwirtſchaftsamt Heppenheim war Herr Dr. Schiele
wienen. Die Teilnehmer der Tagung verſammelten ſich um 8 Uhr
mieſigen Bahnhof, von wo aus unter Führung des bewährten Mit=
0 der Landwirtſchaftskammer, Herrn Hch. Kiſſel 9. von hier,
zu=
na ein Rundgang durch die hieſige Gurken=Einlegefabrik von Kölſch
Zu. gemacht wurde. Die ſehr ſchönen und vor allem neuzeitlichen
Fuchtungen der einzelnen Abteilungen des großen Betriebes
befriedig=
hn jeder Hinſicht, und man ſtaunte allgemein über die Fortſchritte
dretzten Jahre in dieſer Branche. Der Beſitzer der Fabrik übernahm
fer die Führung der kleinen Geſellſchaft, erklärte den Anweſenden in
mswürdiger Weiſe alles Wiſſenswerte und ſprach letzten Endes noch
e Anbau, Abſatz und Preisbildung der Gurke, wobei er auch
be=
t, daß der übermäßige Anbau der letzten Jahre nicht ohne
nach=
ſie Folgen bleiben konnte. Anſchließend an dieſen äußerſt
intereſ=
un Rundgang durch dieſen zu den größten Gurken=Einlegefabriken
ſchlands zählenden Betrieb, wurde die von der Obſt= und
Gemüſe=
ertungsgenoſſenſchaft Biblis neu erbaute Sicherheitswaage, eines
neueſten Syſteme, beſichtigt. Alsdann folgte die Beſichtigung der
wen Halle für die hieſige Gurkengenoſſenſchaft, und auch hier fanden
Sortiereinrichtungen uſw. allgemein Anklang. Zunächſt begrüßte
Herr Dr. Schmidt=Darmſtadt die Teilnehmer dieſes lehrreichen
Erdganges mit herzlichen Worten und hielt einen kurzen, eingehenden
Vortrag über den Werdegang der Genoſſenſchaften. Unter anderem
wies er dabei darauf hin, daß es erſte Aufgabe der Genoſſenſchaft ſein
müſſe, ihre Erzeugniſſe in größeren Mengen auf den Markt und an die
Einleger zu bringen, damit die Genoſſenſchaftsmitglieder ihre Produkte
vollkommen und vorteilhaft abſetzen können. Er wies noch darauf hin,
daß es auch unbedingt notwendig ſei, durch Anbieten erſtklaſſiger Ware
die Auslandsprodukte zu verdrängen. Anſchließend hielt Herr Iſſel=
Horchheim noch einen kleinen Vortrag über Anbau, Samenbezug,
Ab=
lieferung und Sortierung der Ware, und ſprach ſich dann noch eingehend
über die Preismache uſw. aus. Herr Dr. Pepler dankte den Herren
im Namen der Vertreter der Landwirtſchaft für die lehrreichen
Aus=
führungen. Es wurde nun noch der Betrieb der Firma Merkel und
Altberg, Leipzig, an der Eiſenbahnſtrecke Biblis—Mannheim, beſichtigt,
und auch hier konnte man mit Befriedigung feſtſtellen, daß die
Ver=
arbeitung der Gurke in den letzten Jahren große Fortſchritte gemacht
hat. Es folgte nun die Sitzung der Bezirksausſchuſſes im Gaſthaus
zum „Rheiniſchen Hof”. Nach kurzer Anſprache ging man zur
Tages=
ordnung über. Bezüglich der Förderung des genoſſenſchaftlichen
Ab=
ſatzes ergriff nun Herr Obſtbauinſpektor Pfeifer das Wort. Er
er=
läuterte im allgemeinen Anbau, Sorten, Qualitätsware und Abſatz,
und führte dann noch über den Zuſammenſchluß der Landwirte aus,
daß ſie zum größten Teil leider noch nicht zur Einſicht gekommen ſeien,
und daß die meiſten Produzenten kaum Intereſſe dafür hätten, um was
es eigentlich gehe. An der Diskuſſion beteiligten ſich die Herren
Wek=
kerle=Lampertheim, und Herr Hch. Kiſſel 9.=Biblis. Letzterer wies
ins=
beſondere darauf hin, daß es ſehr ſchwer ſein, den Bauern in Anbetracht
ſeines unverſtändlichen Mißtrauens allen Neuerungen gegenüber über
Vorteile zu überzeugen und zum Zuſammenſchluß zu bewegen. Herr
Direktor Dr. Schiele vom Landwirtſchaftsamt Heppenheim ergriff nun
das Wort und ſprach über den wichtigen Punkt des Landwirtes in ſeiner
Eigenſchaft als Arbeitgeber. Seine ſachlichen Ausführungen fanden
all=
gemeines Intereſſe und lebhaften Beifall. Ueber Punkt Verſchiedenes
wurde nun noch ſehr lebhaft diskutiert, jedoch wurden alle ſtrittigen
Fragen zu aller Zufriedenheit geklärt. Erſt am Nachmittag wurde die
Verſammlung geſchloſſen, und man hofft, wieder ein gutes Stück weiter
gekommen zu ſein bezüglich der Hebung der teilweiſe mißlichen Lage
der Landwirtſchaft.
Geſunde Kinderjahre
ſind das beſte Kapital, das Sie Ihren Kindern mitgeben können
Ver=
abreichen Sie in der Milch Dvomaltine, die natürliche aus
Malz=
extrakt, friſcher Milch und friſchen Eiern hergeſtellte Kraftnahrung.
Jedes Kind verträgt ſie und nimmt ſie gerne. — In Apotheken und
Drogerien vorrätig; 250 er Büchſe RM. 2,70, 500 gr RM. 5.—
Gratis=
probe und Druckſachen durch:
(I.6277
Dr. A. Wander G. m. b. H., Ofthofen=Rheinheſſen.
C. Viernheim, 23. Aug. Gemeinderatsbericht.
Steuer=
rückzahlungen. Bei der diesjährigen Voranſchlagsberatung ſetzte
der Gemeinderat das Umlagekapital auf 148 000 Mark feſt, aus welchem
Betrag auch die Ausſchlagsſätze errechnet wurden unter
Zugrunde=
legung der vom Kreisamt bzw. Finanzamt mitgeteilten
Steuerkapita=
lien. Nunmehr hat ſich bei Aufſtellung des Hebregiſters und Ausgabe
der Steuerzettel ergeben, daß der Ausſchlag nicht 148 000 Mark, ſondern
166 000 Mark für Gemeindeſteuern ergab. Dementſprechend erhöhte
ſich auch der Anteil des Kreiſes und der Provinz. Dieſes
Mehraufkom=
men entſtand dadurch, daß die vom Kreisamt mitgeteilten
Geſamtſteuer=
werte bedeutend geringer waren, als die wirklich vorhandenen. Der
Gemeinderat gibt ſeiner Entrüſtung über das Vorkommnis Ausdruck
und fordert Aufklärung und Rechtfertigung von der in Frage
kommen=
den Stelle. Da die Steuerzettel bereits zugeſtellt ſind, ſoll kurzer Hand
jedem Steuerzahler ein Nachlaß von 11 Prozent gewährt werden. —
Tabakpfändungen. Ein weiterer ſehr peinlicher Punkt der
Tagesordnung bildete die Pfändung von zirka 40 Tabakäckern durch den
Gemeindepfandmeiſter. Die Pfändung geſchah durch Aufſteckung eines
entſprechenden kleinen Schildes auf dem betreffenden Grundſtück. Dies
iſt natürlich für die Betroffenen ſehr peinlich und verletzend. Der
Bauernverein erhob energiſch Einſpruch und auch der Gemeinderat
for=
dert die Aufſichtsbehörde auf, Mittel zu ergreifen, die die betreffenden
Schuldner nicht kompromittieren. — Die Firma Levinger und Feibel,
die in der hieſigen Gemeinde eine Korſettfabrik betreibt, bittet um 3600
Quadratmeter Gelände mit daraufſtehendem Wald zur Anlage einer
Hühnerfarm. Der Gemeinderat lehnt eine Abholzung von Wald ab
und vertagt die Sache bis Frühjahr.
— Gernsheim, 24. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
23. Auguſt: +0,74 Meter; am 24. Auguſt: +0,62 Meter.
— Hirſchhorn. 24. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
23. Auguſt: 0,68 Meter; am 24. Auguſt: 0,66 Meter.
g. Gernsheim, 24. Aug. Ein Mädchen aus Biebesheim, das die
hieſige Schule beſucht, befand ſich innerhalb des Bahnhofsgebietes auf
einem Gleis und hatte offenbar das Herannahen einer
Rangierlokomo=
tibe überſehen. Nur der Geiſtesgegenwart des Lokomotivführers iſt
es zu verdanken, daß das Kind vor Schlimmerem bewahrt wurde. Im
letzten Augenblick gelang es dem Führer der Maſchine, dieſelbe zum
Stehen zu bringen. — Beerdigung. Unter großer Anteilnahme
der Geiſtlichkeit und der Bevölkerung wurde der Pfaruer im Ruheſtand
Georg Wilhelm Auguſt Karl Brückner, zur letzten Ruhe gebettet.
Nach dem Totenoffizium fand ein feierliches Requiem ſtatt, das Pfaruer
Blum=Gernsheim unter Aſſiſtenz der Herren Nektor Mergler=Bensheim
und Pfarrer Burkhardt=Fehlheim zelebrierte. Ein großer Leichenzug,
wvoran ſich die oberen Klaſſen der tatholiſchen Volksſchule mit ihren
Lehrkräften, die Marianiſche Jünglingsſodalität und
Jungfrauenkon=
gregation mit Fahnenabordnung, ſowvie 60 Geiſtliche, darunter auch
Herr Domkapitular Lenhart=Mainz, die Angehörigen und ſehr viele.
Leidtragende beteiligten, ſetzte ſich von der Kirche aus in Bewegung.
Nach erfolgter Einſegnung der Leiche durch Herrn Pfarrer Blum
wur=
den derſchiedene Kränze aus den Gemeinden des ſeitherigen
Wirkungs=
kreiſes des Verſtorbenen niedergelegt. Die Worte, die am Grabe
ge=
ſprochen wurden, waren voll des Dankes und der Anerkennung, ein
Beſveis, wie ſehr beliebt der Verblichene bei ſeinen Pfarrangehörigen
war. — Die Meiſteprüfung mit Erfolg legten ab die Herren
Heinrich Lenhart (Bäcker), Georg Röſchner (Spengler), Philipp.
Ditt=
miaier (Weißbinder), Georg Diehl (Maurer), Joſef Vowinkel (Schloſſer),
Johann Lenhart (Metzger) und Katharina Hoffmann, geb. Dann
(Schmneiderin).
a. Offenbach, 22. Aug. Arbeitsloſenunterſtützung und
Ruhegehalt. Man ſchreibt uns: Die Stadt gibt ihren Arbeitern,
die nicht mehr arbeitsfähig ſind oder ſonſt entlaſſen werden müſſen,
ein Nuhegehalt. Wenig bekannt war bis jetzt, daß dieſen Arbeitern im
Ruheſtand auch für ein halbes Jahr Arbeitsloſenunterſtützung zuſteht.
In größerem Umfange gelangte dieſe Beſtimmung des Geſetzes zur
An=
wendung, als im vergangenen Winter unſer Gaswerk am Frankfurt
überging und eine Anzahl Arbeiter in den Ruheſtand verſetzt wevden
mußten. Die Arbeiter nahmen natürlich ihr Recht wvahr und
beanſpruch=
ten die Unterſtützung. Sie bezogen alſo ein halbes Jahr lang die
Er=
werbsloſenunterſtützung und das Ruhegehalt nebeneinander. Die Stadt
wäre allerdings berechtigt, das Ruhegehalt ſechs Monate lang um die
Unterſtützung zu kürzen, nimnt jedoch nur die Hälfte des Betrages in
Anſpruch. Es wäre jedenfalls richtiger, daß Ruhegehalt und
Arbeits=
loſenunterſtützung nicht nebeneinander bezogen werden könnten. Es
ſetzt nämlich immer böſes Blut, wenn der Ruheſtändler auch nur einen
Teil der Arbeitsloſenunterſtützung zurückzahlen ſoll, und bis zu einem
gewiſſen Grade iſt das auch zu verſtehen. Um das Mißvergnügen gar
nicht aufkommen zu laſſen, ſollte man bei der geplanten Abänderung
des Geſetzes auch dieſe Frage zweckmäßiger regeln.
Rheinheſſen.
* Mainz, 24. Aug. Chronik. In der Rheinpromenade wurden
ungültige Fahrſcheine zur Benutzung von
Rhein=
dampfern zum Kauf angeboten. Zwei Reiſende, die von dem
Kaufangebot Gebrauch machten, wurden um 8 bzw. 5 RM. geſchädigt.
Der Täter, ein ehemaliger Matroſe eines Rheindampfers, wurde am
gleichen Abend in der Meſſe angetroffen und feſtgenommen. — In der
Auguſtinerſtraße entſtand abends ein großer Menſchenauflauf. Vier
angetrunkene Soldaten der britiſchen Beſatzungsarmee lärmten nach
Verlaſſen einer Wirtſchaft, in der ſie mit einer Frauensperſon
zuſam=
men waren, auf der Straße herum und beläſtigten die Paſſanten. Der
Bevölkerung bemächtigte ſich eine große Aufregung. Deutſche
Polizei=
beamte ſtellten ſchnell die Ordnung wieder her und nahmen die
Solda=
ten in Schutzhaft, aus der ſie von der britiſchen Gendarmerie abgeholt
wurden. — Auf der Meſſe wurden zur Nachtzeit aus einem
Verkaufs=
ſtand mehrere Schürzen geſtohlen. Der Verkaufsſtand war mit
einem Zelttuch geſchloſſen, unter dem der unbekannte Täter
hindurch=
gegriffen und die Schürzen geſtohlen hat. — Seinen 70. Geburtstag
feierte in dieſen Tagen der in weiten, Kreiſen bekannte erſte Vorſitzende
des Mitteldeutſchen Küferinnungsverbandes, Herr Jakob Kirſch=
Mainz. — In inem Nachbarort ſtürzte ein Arbeiter vom
Telegraphen=
maſt. Er wurde mit einer ſchweren Wirbelſäule=Verletzung in das
Mainzer Krankenhaus eingeliefert. — Die
Athletikſportver=
einigung Mainz 88 hat die Liga=Ringmannſchaft des
Polizei=
ſportvereins Darmſtadt zu Ringwettkämpfen herausgefordert,
welche am Sonntag um 15 Uhr in Mainz auf dem Sportplatz der
Ath=
letikſportvereinigung 88 an der Hechtsheimerſtraße beginnen. Die
Darmſtädter Mannſchaft gehört zu den beſten ſüddeutſchen Vertretern
im Ringſport. Die Meinzer werden es ſchwer haben, gegen dieſen
großen Gegner in Ehren zu beſtehen.
möchnete 1288 Geesste Bgarzenfahrik hatte aber kinen
Wontzweil man was Iporten wiinschte. Schdesstch Kand
Feinen Ulusweg Lpsautte sine Zgaszen hack Cuxtaven
ſess sie sorPaup amerifanisthe Schife vestaden und fand
Mrmehr mit Seinen„Iporten”asten Olbsatz.
En ährliches Schicknlestdhte sitee He Bgantte, He
MArelang ustert ägyrkisches Kagge segelte. List Heltten
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Ferd. Reuß
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Seite 8
z
OM
Lotte Schmidt
Auguſt Böhmann
Verlobte
Darmſtadt, den 25. Aug. 1929.
Mauerſtr. 27.
Guſtel Aßmuth
Karl Kießner
Verlobte
Darmſtadt, den 24. Auguſt 1929.
Heinheimerſtr. 42
Rhönring 13
Verlobte
Eiſe Völker
Georg Karg
Weingarten (Baden)
Bahnhofſtr. 56
Darmſtadt
Woogsſtr. 3
Heinrich Neeb
u. Frau Fränze, geb. Zeller
Vermählte
Darmſtadt, den 24. Aug 1929.
Statt Karten.
Für die anläßlich unſerer
Ver=
mählung erwieſene
Aufmerk=
ſamkeiten ſagen herzlichen Dank.
Erich Geg
und Frau Pauline
geb. Baumann
Schloßgraben 11.
Dankſagung.
Für die liebevolle Anteilnahme, die
uns bei dem Heimgang meines
lieben, unvergeßlichen Gatten,
unſe=
res treubeſorgten Vaters,
Schwieger=
vaters,Großvaters, Bruders,
Schwa=
gers und Onkels in ſo reichem Maße
entgegengebracht wurde, dankt
herz=
lichſt
Familie Heldmann.
Affolterbach, den 23. Auguſt 1929.
(18448
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei dem
Heimgang unſerer alten Mutter,
Groß=
mutter, Urgroßmutter und
Schwieger=
mutter, Frau
Kathr. Schreitz Ww.
ſagen wir allen auf dieſem Wege
unſeren herzlichſten Dank.
Fran Marie Hafner, geb. Schreitz,
nebſt Familie, Illigweg 40
Georg Schreitz nebſt Familie,
Schwanenſtraße 33
Julius Schreitz nebſt Familie
Neu=Iſenburg
Sprachyemmungen
werd, durch gewiſſenhaften Unterricht gebeſſert
(Kinder vom 3. Jahre an.
Nervenärztl. empfohlen. Beſte Erfolge.
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Rheinſtraße 17, II.
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Kirchs traße.
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Sonntag, den 25. Auguſt 1929
Nummer 235
Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach langer, ſchwerer Krankheit
meine innigſtgeliebte Frau, unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und
Tante
Frau
Marie Gottwald
geb. Kopp
im Alter von 59 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Gottwald.
Reinheim, den 24. Auguſt 1929.
Die Beerdigung findet Montag, den 26. Auguſt
1929, nachmittags 2½ Uhr ſtatt.
Geſſern abend entſchlief nach kurzem, ſchwerem,
ge=
duldigen Krankſein, im Alter von 2 Jahren, unſer
liebes herziges Bübchen
Horſt
In tiefſtem Schmerze:
Oitto Huber und Frau Maria, geb. Bandke
Darmſfadt. Witten, Böblingen, den 23. Auguſt 1929.
Kranichſteinerſtr. 22.
Die Beerdigung findet Montag, den 26. Auguſt,—
halb 3 Uhr, vom Waldfriedhof aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme beim
Heim=
gange unſeres lieben
Elfriedchen
ſagen wir allen, beſonders Herrn Pfarrer Vogel, für die
troſi=
reichen Worte am Grabe, ſowie für, die überaus zahlreichen
Blumen= und Kranzſpenden unſeren herzlichſien Dank.
Be=
ſonderen Dank für die liebevolle Pflege der Schweſtern
(Kinderſiation) des Städt. Krankenhauſes.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Paul Hinze und Frau Lotte, geb. Thier.
Dankſagung.
Für die vielen wohltuenden Beweiſe
herz=
licher Teilnahme bei dem Heimgang unſerer
teueren Entſchlafenen ſagen wir innigen
Dank. Beſonderen Dank Herrn Pfarrer
Beringer für die tröſienden Worte, ſowie
der Liedertafel für den erhebenden Geſang
und für die außerordentlich zahlreichen
Blumenſpenden und Beileidsbezeugungen.
Wilh. Deußinger
und Kinder.
Darmſtadt, den 24. Auguſi 1929. (18451
Für die liebevolle Teilnahme beim
Heim=
gang meines freuen Bruders ſage ich
nur auf dieſem Wege meinen herzlichſien
Dank.
Aug. Herbſt.
Darmſiadt, den 24. Auguſt 1929.
13443
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
bei dem uns betroffenen, ſchweren Verluſie,
ſagen wir Allen innigſten Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Franz Roth und Familie.
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Frau.
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kurz nach vollendetem 64, Lebensjahre nach langem, mit großer
Geduld ertrageyem Leiden heute in Frieden zu ſich zu nehmen.
In tiefer Trauer:
Fabrikant Hugo Müller und Frau
Marie, geb. Darmſtädter
Kaufmann Rudolf Siebörger und Frau
Thekla, geb. Darmſtädter
Studienrat Dr. Karl Beyſel und Frau
Emmi, geb. Darmſtädter
Bürodirektor Wilh. Göbel und Frau
Sophie, geb. Darmſtädter
Oberſtudienrat Wilh. Pickert u. Familie
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den 23. Auguſt 1929.
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geb. Amende
im Glauben an ihren Heiland heimgegangen.
Darmſtadt, 24. Auguſt 1929.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Bernius, geb. Reith.
Georg Bernius, Poſtmeiſter.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 27. Auguſt.
nachm. 3 Uhr, vom Portal des Friedhofs an der
Nieder=Ramſtädter Straße aus ſtatt. (13498
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Empfang der Spanier am Quai von Swinemünde.
um erſten Male ſeit Kriegsende iſt eine ſpaniſche Flotteneinheit zu einem offiziellen Beſuch in
deutſchland eingetroffen. Es handelt ſich um den Kreuzer „Sanchez Barcaiztegui”, ſowie drei
Torpedobootszerſtörer, die im Swinemünnder Hafen vor Anker gegangen ſind.
Blick in die umgebaute Halle.
Der Berliner Sportpalaſt, der ungezählten Sportarten in Deutſchland Pionierdienſte leiſtete, wurde
nach völliger Renovierung und Umgeſtaltung ſoeben mit einem groß aufgezogenen Boxabend wieder
eröffnet, deſſen Mittelpunkt die Austragung der deutſchen Weltergewichts=Meiſterſchaft (Lauer—
Seyfried) bildete.
Seite 10
Reich und Ausland.
Schweres Flugzeug -Unglück.
Frankfurt a. M. In ſtarkem Nebel ſtieß
geſtern das Flugzeug D 757, das um 7 Uhr von
Frankfurt nach Erfurt ſtartete, bei Schlüchtern gegen
ein Hindernis, den ſogenannten Diſtelraſen. Die
Maſchine wurde ſtark beſchädigt. Der Pilot Bauer,
ein Herr Joſef Groß aus Louisville (Amerika) und
der Polizeiobevwachtmeiſter Rückert aus Frankfurt
konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Die
Frau des Oberwachtmeiſters und ein Fräulein
Neu=
gebauer aus Frokfurt, wurden ſchwer verletzt
ins Krankenhaus gebracht. Profeſſor Kerſten, der mit
ſeinem Auto an die Unfallſtelle geeilt war,
veran=
laßte alles weitere.
Ueber das Flugzeugunglück bei Schlüchtern wird
ergänzend berichtet: Die Kataſtrophe ereignete ſich im
Walde zwiſchen den Orten Elm und Hutten. Hier
iſt das Flugzeug, das außerordentlich niedrig flög,
an den Baumwipfeln hängen geblieben und in den
Wald geſtürzt. Es iſt vollkommen zertrümmert
wor=
den. Ueber den Bergen der Fuldaer Gegend lag
während des ganzen Samstagvormittag dichter Nebel.
Zur üblichen Zeit, ungefähr um 10 Uhr, erſchien über.
Schlüchtern das Verkehrsflugzeug. Es fiel auf, daß
das Flugzeug dreimal über der kleinen Stadt kreuzte,
wahrſcheinlich deshalb, weil es in dem
undurchdring=
lichen Nebel die Orientierung verloren hatte.
Vom Zuge überfahren und getötet.
Frankfurt a. M. Am Freitag, gegen 16.54
Uhr, wurde auf dem unbewachten, ſchrankenloſen
Uebergang bei Kilometer 21,1 der Strecke Engers—
Altenhirchen der Fabrikarbeiter Joſef Enders aus
Groß=Hollbach vom Perſonenzug 3815 überfahren
und getötet.
Eine geheimnisvolle Betrugsaffäre in Kaſſel.
Kafſel. Eine äußerſt myſteviöſe Fälſchungs=
und Betrugsaffäre beſchäftigt ſeit einigen Tagen die
Kaſſeler Kriminalpolizei. Im Kaſſeler Arbeitsamt
ſind von unbekannter Seite 25 verſchiedene
Arbeits=
loſenquittungskarten, mit falſchen Namen verſehen,
an der Kaſſe vorgezeigt und die darauf lautenden
Beträge abgehoben worden. Die Beamten des
Ar=
beitsamtes ſtehen vor einem Rätſel. Die
Leidtragen=
den dieſer Affäre ſind arbeitsloſe Metallarbeiter, die
die eidesſtattliche Verſicherung abgegeben haben, daß
ſie die Unterſchriften nicht geleiſtet haben. Ein
Un=
bekannter, der auch an anderen Aemtern ſein
Un=
weſen zu treiben ſcheint, muß ſich in einem
unbewach=
ten Augenblick in das Arbeitsamt eingeſchlichen haben
und hat dort die betrügeriſchen Manipulationen
vor=
genommen und ſich dann ſpäter die Gelder auszahlen
laſſen. Eine eingehende Unterſuchung durch die
Kri=
minalpolizei iſt im Gange.
Bergwerksunglück im Lahngebiet.
Zwei Tote, vier Verletzte.
Limburg. In Wirbelau ereignete ſich auf der
Grube „Georg=Joſef” am Freitag abend ein ſchweres
Unglück, dem zwei Menſchenleben zum Opfer fielen.
Bei Abbquarbeiten löſten ſich plötzlich von den
Hangenden große Geſteinsmaſſen, die fünf Arbeiter
verſchütteten. Bei den ſofort vorgewommenen
Ret=
tungsarbeiten unter Führung des Steigers Kreger
ereignete ſich ein zweiter Niederbruch, durch den der
Steiger ums Leben kam. Nach verzweifelten
An=
ſtrengungen gelang es der Belegſchaft, die fünf
Ver=
ſchütteten zu bengen. Der Hauer Willi Weber, war
bereits tot, während von den übrigen zwei ſchwer und
zwei leichter verletzt waren.
Ein Kind in eine Kalkgrube geſtürzt.
Simmern. Im benachbarten Warmsroth fiel
ein Kind in eine Grube mit friſch gelöſchtem Kalk.
Mit ſchweren Brandwunden wurde es in ein
Kran=
kenhaus überführt.
Großes Schadenfeuer.
Winningen. In der Nacht zum Samstag
brannten hier zwei Wohnhäuſer nebſt
Wirtſchafts=
gebäuden und einer erſt vor zwei Jahren
neuerhau=
ten elektriſchen Mühle ab. In kurzer Zeit griffen die
Flammen auf ein weiteres Wohnhaus mit ſeinen
Oekonomiegebäuden über. Sämtliche Gebäude
brann=
ten vollſtändig nieder. Der Schaden beziffert ſich auf
50 000 Mark und iſt nicht durch Verſicherung gedeckt.
Fünf Familien wurden obdachlos.
Japaniſche Juriſten in Berlin.
Reichsanwalt Prof, Hayaſhi und Rechtsanwalt
Dr. Nagata.
Mehrere hohe japaniſche Juſtizbeamte ſind in
Berlin eingetroffen, um das deutſche Gerichts=
und Strafweſen zu ſtudieren. Prof. Hayaſhi iſt
der erſte Reichsanwalt Japans und vertrat ſein
Land kürzlich auf dem Falſchwährungskongreß
in Genf.
Die vermißte Berliner Schülerin geſehen.
Berlin. Wie die „B. Z.” berichtet, iſt die ſeit
Dienstag nachmittag vermißte 15jährige
Handels=
ſchülerin Roſemarie Otto am Freitag nachmittag
von einer Klaſſenkameradin geſehen und auch
ge=
ſprochen worden. Sie machte einen krankhaften
Ein=
druck und erzählte, daß ſie noch nicht zu Hauſe
ge=
weſen ſei. Die Freundin verſuchte, Roſemarie zu
über=
reden, mit ihr in die elterliche Wohnung zu gehen.
Das Kind folgte ober dem Rate nicht. Auch am
Samstag vormittag iſt Roſemarie wieder von einem
Freund der Familie in Halenſee geſehen worden.
Ehe er aber an das Kind herankommen konnte, war
es verſchwunden. Das Mädchen war auch hier ohne
Begleitung. Der Grund für ihr Verhalten iſt noch
ungeklärt. Am Montag war der Großvater
geſtor=
ben, der Roſemarie ſehr geliebt hatte. Sie hatte ſich
den Tod ſſehr zu Herzen genommen und war ſehr
betrübt. Roſemarie Otto galt als eine der begabteſten
Schilerinnen der Handelsſchule.
Architekt Schubert gefunden.
Berlin. Der Gartenarchitekt Schubert, der in
der Nacht zum Freitag in ſeinem Büro überfallen
und beraubt worden iſt und der plötzlich verſchwand,
als die Polizei zu ſeiner Vernehmung ſchreiten
wollte, iſt am Samstag früh in Falkenſee wieder
auf=
gefunden worden. Auf die Frage, was er in
Falken=
ſee ſuche, gab Schubert verworrene Antworten. Er
machte den Eindruck eines Menſchen, der einen
ſchweven Nervenzuſammenbruch erlitten hat. Es iſt
möglich, daß er unter der Einwirkung ſeiner
Kopf=
verletzung, die anfangs leicht ſchien, eine
vorüber=
gehende Sinnesſtörung erlitten hat.
Bienen fallen über Hühner her.
Mörz (Hunsrück). Während der Abweſenheit
eines Landwirts, der mit ſeiner Familie auf der
Kirmes war, machten ſich einige Kinder an den
Bienenkörben zu ſchaffen und ſtocherten mit den
Stöcken in ihnen herum. Die Bienen wurden
hier=
durch gereizt und ſchwärmten in Scharen aus. Sie
überfielen ſchließlich die Hühner des Landwirts, die
ſämtlich buchſtäblich totgeſtochen wurden.
Unfall in einem ungariſchen Eiſenwerk.
Budapeſt. In dem Dios=Györer Eiſenwerk
fiel ein Schmelztiegel mit einer Tonne flüſſigen
Stahls von dem Kran. Sechs Arbeiter wurden ſchwer
verletzt; einer von ihnen iſt ſeinen Brandwunden
bald erlegen.
Deutſcher Kraftwagen=Rekordverſuch
mit Raketenwagen.
Bremen. Die zu dem am 1. September auf
der Fichtenhain=Rennbahn in Holſtein (Heyde)
ſtatt=
findenden A0otorrad= u. Automobilrennen mit ihrem
Raketenwagen erſcheinenden Ingenieure Sander und
Volkhard tragen ſich mit der Abſicht, noch im Laufe
des Herbſtes ein neues Fahrzeug. zu bauen, mit dem
im kommenden Frühjahr auf der Weltrekordſtreche in
Ormond Beach (Florida) ein Angriff auf den
Welt=
ſchnelligkeitsrekord für Automobile unternommen
werden ſoll.
Drei Todesopfer eines betrunkenen
Kraft=
wagenführers.
Danzig. Ein furchtbares Autounglück
ereig=
nete ſich am Freitag abend in der großen Allee
zwi=
ſchen Danzig und Langfuhr. Der Maurermeiſter
Bruno Neumann, Sohn eines Ziegeleibeſitzers aus
Brentau, unternahm mit dem Kraftwagen ſeines
Vaters eine Vergnügungsfahrt, zu der er drei
Män=
ner und drei junge Mädchen eingeladen hatte und
auf der dem Alkohol reichlich zugeſprochen worden
war. Neumann, der ſtark betrunken war, brachte
den Wagen in der großen Allee ins Schleudern. Das
Auto kippte in raſender Fahrt um, ſo daß die Räder
des Kraftwagens nach oben zu liegen kamen. Der
Führer und die ſechs Inſaſſen wurden
herausge=
ſchleudert und flogen vor eine gerade von Langfuhr
herankommende Straßenbahn auf die Schienen.
Da=
bei wurde der 24jöhrige Bautechniker Werner Schmitt
und der 25jährige Maurerpolier Kurt Remus ſowie
ein junges, bisher noch nicht bekanntes Mädchen
ſo=
fort getötet. Die anderen Inſaſſen wurden ſchwer
verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Neumann
er=
litt nur geringfügige Handverletzungen.
Zwei Frauen von einem Eber getötet.
Bei einer Treibjagd in der Nähe des Gutes
Oſtrowice, bei Stanislau, durchbrach ein rieſiger
Eber die Treiberkette, durchſchwamm den Dnjeſtr und
tötete zwei auf dem Felde arbeitende Frauen durch
Stiche mit ſeinen Hauern. Die das Tier verfolgen=.
den Jäger konnten es kurz darauf erlegen.
Zugzuſammenſtoß in Frankreich.
Paris. Auf der Strccke Uriage—Grenoble
ſtießen zwei Züge zuſammen, wobei 15 Perſonen
ſchwer verletzt wurden.
Nummer 325
Zur Tauernbahn=Kakaſtrophe.
Mt
St lohann
Stleit6
rFNS
Faacin
FE44
Gestein
ofgsstein
Gastenl
Karte der Unglücksſtelle (),
Auf der Tauernbahn, die von Salzburg übet
Bad Gaſtein nach Trieſt führt, ſtieß der Schnell
zug Berlin—Gaſtein kurz vor dem Bahnhs
Loifarn mit einem Perſonenzug zuſammen. Däe
Kataſtrophe forderte 4 Tote, 8 Schwer= un)
27. Leichtverletzte.
Beileid der Reichsbahn zum öſterreichiſchen
Unglück.
Berlin. Anläßlich des ſchweren
Eiſenbal=
unglücks auf der öſterreichiſchen Eiſenbahnſtreck ſ0:
Salzburg—Bad Gaſtein hat Generaldirektvr D=
Dorpmüller dem Generaldivektor der Oeſterreichiſchen
Bundesbahnen, die Anteilnahme der: Deutſchef
Reichsbahngeſellſchaft ausgeſprochen.
Schweres Bootsunglück auf der Donau.
UIm. Heute vormittag gegen ½11 Uhr unte
nahmen im Auftrage des Straßen= und Flußbauama
Neu=Ulm vier Beamte an der alten Donaubrüc
Ausbeſſerungsarbeiten. Dabei mußten ſie in eine
Boot um einen Pfeiler herumfahren. Sie ließen ſi,ch
deshalb an einem Seil etwas zurück, und waren cbei
im Begriff, ſich wieder hochzuziehen, als der 19jährig‟
Baupraktikant Wilhelm Schmidt ins Waſſer fiel. Dy”
junge Mann konnte durch Schwimmen das Bou
ahe=
wieder erreichen. Durch die einſeitige Ueberbelaſturſ=
und bei der ſtarken Strömung an der Brücke ſtürzteiſt
jedoch die übrigen drei Inſaſſen ebenfalls ins Waſſen
Der verheiratete, 30jährige Bauführer Auguſt Wa/
ner wurde von den Wellen fortgetrieben, währer
der Bootsführer, der Vorarbeiter Lehle, ſich dur
Schwimmen retten konnte. Der dritte Inſaſſe, de
verheirgette 39jährige Waſſerbauarbeiter Alois
Fra=
ertrank und konnte nur als Leiche geborgen werde
Wiederbelebungsverſuche blieben ohne Erfolg. D
Leiche des Wagner konnte bisher noch nicht gefunds
werden.
Von Granatſplittern getötet.
Rigg. Während einer Schießübung der Art
lerie bei Düngburg explodierten zwei Geſchoſſe d
einem Waldrande, wo ſich etwa 40 Perſonen aufhie
ten, um Granatſplitter aufzuleſen. Zwei Fraug
wurden durch Granatſplitter getötet, zwei ſchwer
b=
letzt.
Opfer der Berge.
Paris. Wie dem „Matin” aus Grenoble Be
richtet wird, ſind bei einer Beſteigung der Aiguille
Spitze (2200 Meter) zwei franzöſiſche Alpiniſten a)
te
geſtürzt und ſchwer verletzt worden. Dem gleichs
Blatt zufolge iſt von zwei ſpaniſchen Bergſteigen.
der eine bei der Beſteigung des Schieferfelſens üb
dem Lautaret=Tunnel ausgeglitten und abgeſtürz
Der Bergſteiger war ſofort tot.
Ernſt=
Abſturz eines polniſchen Militärflugzeuges.
Marienwerder. Ein polniſches Militä: /ſty
flugzeug ſtürzte am Freitag abend über den Sie
lungen der oſtpreußiſchen Heimſtätten
Marienwerd=
ab. Bei dem Abſturz, der vermutlich infolge eingAN
Motorſchadens erfolgte, wurde nur der Propell
zerſtört. Der Führer, ein polniſcher Fliegerleiz
nant, ſprang kurz vor dem Aufſchlagen des Flu
zeuges aus dieſem und blieb mit innesen Vc)
letzungen liegen. Er wurde in das Städtiſche Kra
kenhaus Marienwerder eingeliefert.
Der Amerika=Rundflug für Frauen.
New York. Der erſte internationale Run
flug für Frauen, der in Los Angeles begar
und in Cleveland (Ohio) ſein Ende nehmel
wird, ſah nach der vierten Etappe in Fort Wor
die deutſche Fliegerin Luiſe Thaden (ehemalis
Miß Phetridge) an der Spitze. Von den
Fliegerinnen, die in Los Angeles geſtartet ſin
befinden ſich noch 12 im Wettbewerb. Auf de
Flugplatz von Fort Worth zündete ſich in der
Augenblick, als ſie landete, eine Fliegerin ein
Zigarette an. Das Flugzeug fing Feuer ur
verbrannte vollſtändig. Die Fliegerin blie
unverletzt.
Betrügereien eines hohen Beamten
in Kopenhagen.
Kopenhagen. Der Abteilungschef im Ha—
delsminiſterium Arendrup hatte vor einigen Tagc
Selbſtmord begangen. Bei der Unterſuchung ſem=
Papiere wurde feſtgeſtellt, daß er ſich Betrügereis
gegen den Staat hat zuſchulden kommen laſſen. Die
Betrügereien, die ſeit 1924 von ihm ausgeführt wu
den, belaufen ſich auf etwa 250 000 Kronen. Are
drup verwaltete im Handelsmimiſterium die im Wels
krieg errichtete Seekriegsverſicherungskaſſe.
Schwere Taifunſchäden an der chineſiſchen Küſt=
London. Durch einen Taifun wurde ne.
Hongkonger Meldungen in der Gegend von
Tſchi-
hing ſchwerer Schaden augerichtet. Während de
Taifuns brach ein Feuer aus, durch das 80
Häuſ-
zerſtört wurden. Zwei kleine chineſiſche Kanonen
boote ſind in der Nähe von Tſchinhing geſunken. B
dem Untergang von kleinen Privatfahrzeugen ſim)
mehr als 30 Chineſen ums Leben gekommen. Ex
chineſiſcher Paſſagierdampfer iſt gleichfalls geſunfen
Die Geſamtzahl der Opfer ſteht noch nicht feſt.
Naummer 235
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Rippenſpeer / Pommes frites / Endivienſalat
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Preis: einschließlich Telefunken-Röhren 194.— RM
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Nur noch heute gibts
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mit Brigitte Helm und Alfred Ab
Beginn 3 Uhr.
Herrngarten-Kaffée
Heute
Sonntag, den 25. August 1929
Künstler-Konzerte
Vorm. 11—12.30 Uhr, nachm.
4 Uhr und abends 8 Uhr.
Eintritt frei!
(st. 13493
Inh. Hans Tod
KGſwſ0 3330
Dieburgerſtr. 27
Heute Sonntag, ab 4 Uhr nachmitt.
Ar oh. Boämertest
Geſangverein Olympia
Im Garten Konzert. Eintritt frei.
Geſangsvorträge, Tombola, Tanz im
Saal. ff. Speiſen u. Getränke.
Menu Mk. 1.20: Blumenkohlſuppe,
Kalbsbraten m. verſchied. Gemüſen.
Kartoffeln und Salat, Deſſert.
Menn Mk. 1.50: Blumenkohlſuppe,
Roaſtbeef, garniert, Deſſert.
Vor anzeige:
Dienstag, 27. Auguſt: Rheiniſcher
Abend — Matthias Weber, (13477
Atelierausstellung
Profeilor Adolf Bever
Saalbaustr. 73, Gebäude im Garten.
Das Atelier ist vom 25. August bis 5.
Sep-
tember täglich von 10—1 und 3—6 Uhr
reöffne", an den Sonntagen nur vormitt
Freier Eintritt für jedermann. (*sgm
Luftkurort
Ludwigshöhe
Telephon 951
Heute nachmittag ab 4 Uhr
Großes Konzert
Große Beſetzung (13449
(Stadtorcheſter). Leitung:
Konzert=
meiſter Wagner.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten,
Diners und Soupers
Kalte und warme Speisen
zu jeder Tageszeit
Kaffee und Kuchen
Telephon Darmstadt 44.
(13476
Beinſtube Stolzenfels
Mittagstiſch:
Windſor=Suppe, gef.
Kalbs=
bruſt, Kartoffel, Endivienſal.
Gef. Kalbsbruſt, Kartoffel, 4
Endivienſalat, Deſſert. . . . 1.20
Gefüllte Tomaten,
Lenden=
braten garniert, Deſſert. . .
Einnige
Sonntags-
Aufführung
abends
8 Uhr 8
Der letzte Bertram-Schlager:
Phips, laß dich nicht erwischen
Schwank-Oper. in 3 Akten. Musik von Sigwart Ehrlich.
In den Hauptrollen: Marga Peter, Gustav Bertram
Sommerpreise: Mk. 1.00 bis 3.00
Karten: Verk.-Büro von 10—12, Kiosk, gegenüber dem
Verk.-Büro bis ½2 Uhr, Orpheumskasse ab 3 Uhr. (13484
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pro Glas 30, 40, 50, 60 und 70 Pfennig
Naturweine ¼ Liter 70 und 80 Pfennig
Franz Recke
Soderstr. 6½ Telephon 23255
Jahrhundertfeier der Studienanstalt
(Viktoriaschule)
25. bis 27. September 1929.
Es ist uns leider nicht möglich gewesen, allen trüheren
Schdlerinnen persönlich Einladungen zu schicken; wir
bitten zu berücksichtigen, daß unsere Listen nur
lücken-
hatt erhalten sind und uns auch sehr viele Einladungen
als unbestellbar (infolge Umzugs, Verheiratung usw.)
zurückgesandt wurden.
Jede ehemalige Schülerin möge sich als herzlich
ein-
geladen betrachten.
Wir bitten aber dringend alle diejenigen, die an der
Jahr-
hundertfeier teilnehmen wollen, seither jedoch sich noch
nicht gemeldet haben, dies möglichst umgehend zu tun.
Vorläufige Festfolge
(st. 13442
Mittwoch, den 25. September, nachmittags ab 3 Uhr:
Zusammenkunft der früheren Schülerinnen im Saalbau.
Abends Festvorstellung im Landestheater. / 26. Septbr.
10½ Uhr, Festakt im Landestheater. / Der Nachmittag
ist trei für Klassenzusammenküntte und Besichtigung der
Schule. / Abends 8 Uhr: Bunter Abend im Saalbau.
27. September, nachmittags: Schultest mit Turn- und
Wettspielen.
Die endgültige Festfolge geht allen Teilnehmerinnen
noch zu.
Tages=und Abendkurſe
zur Anfertigung von Kleidung und Wäſche
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Drescher, Oberstudiendirektor.
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zu verlangen.
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Samstag, 31. Aug., u. Sonntag, 1. Sek
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Darmſtadt (19.30). Fahrpr. 4.60 RA.
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burg (1 Std.). Uſingen, Bad=Nauhei.”
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Mittwoch, den 4. September: Abf. 9. Lindenfels (1 Std.),
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Michelſtadt (1 Std.), Spreng. Darn
ſtadt (19.30). Fahrpreis 7.80 RM.
Sonntag, den 8. September: Abf. 8C
nach Weinheim, Mannheim (½ Std.
Ludwigshafen, Bad Dürkheim (2 Std.
Grünſtadt (¾ Std.). Worms. Darm
ſtadt (19.30). Fahrpreis 7.80 RM.
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Sonntag, den 25. Ruguſt 1929
Geite 13
I ſeinem 9. Verbandsſpiel hst der Süddeutſche
Handballpokal=
wer die Ligamannſchaft der Offenbocher Kickers zu Gaſt. Dieſe
ſenſchaft, die, wie bereits früher erwähxt, in der letzten
Verbands=
me durch ihre raſch zunehmende Spielſtärke diel von ſich reden
wie, hat zwar in letzter Zeit weniger beſtändige Form gezeigt, iſt
i ein ſtets ernſt zu nehmender Gegner, der durch ſeinen großen
ſeine Zähigkeit und Härte im Spiel, nicht zuletzt durch ſein
über=
gienrdes Schußvermögen ſeines Sturmes manchem ſiegesgewiſſen
Geg=
geine bittere Enttäuſchung zu bereiten vermag. Auch dem
Sport=
mn 98, der wieder in der vollſtändigen Aufſtellung:
Nothenburger Reuter
Henß
Wehr
Delp Jäger
Fiedler Werner Fuchs Hennemann Freund
mitt, wird es viel Mühe koſten, den Gegner zu bezwingen. Hoffen
mnoch, daß das Spiel einen einwandfreien, wahrhaft werbenden
Ver=
ſu nehmen wird.
Weitere Spiele der Handballabteilung:
ſuerſatz — Dietzenbach 1. Mannſchaft um 13 Uhr (Stadion;
zNannſchaft — Lorſch 1. Mannſchaft in Lorſch;
1fugend SV. 98 — 1. Jugend Babenhauſen um 15 Uhr (Stadion);
gJugend SV. 98 — 1. Jugend Dietzenbach um 14 Uhr (Stadion);
iugend SV. 98 — 4. und 5. Jugend SV. 98 um 10 Uhr (Stadion);
Schüler — 1. Schüler Babenhauſen um 17 Uhr (Stadion).
1ß, V.f.R.
An die Handballiga der Rot=Weißen werden dieſes Jahr gleich zu
Fang der Runde die ſchwerſten Anforderungen geſtellt. Während die
Hnnſchaft im erſten Spiel am Böllenfalltor antreten mußte, muß ſie
enntag in Schwanheim gegen den dortigen VfR. antreten, der ſchon
ſt Jahren zur Spitzengruppe der main=heſſiſchen Bezirksliga gehört.
Svanheim hat zwar ſein erſtes Verbandsſpiel verloren, doch trat es
ki Frankfurt mit Erſatz für ſeinen repräſentativen Torhüter Bender
u für ſeinen Mittelläufer an. Die Mannſchaft wird alſo alles dran
ſietn, um am kommenden Sonntag die Punkte in Schwanheim zu
be=
fhren. Die Ausſichten für Rot=Weiß ſind jedenfalls nicht beſonders
lokſtig, zwar wird Rebelein aller Vorausſicht nach bis Sonntag wieder
fo ſein, doch wird dafür Treſſer nicht ſpielen können. Es heißt alſo
fa Kräfte zuſammenraffen, um einigermaßen günſtig abzuſchneiden.
G wäre für dieſes Spiel ein ſehr energiſcher Schiedsrichter zu
ſvün=
ſan, damit ſich nicht die unliebſamen Vorkommniſſe der vorigen
Ver=
mndsrunde wiederholen.
Not=Weiß, VfR. Ligaerſatz — Germania 03 Pfungſtadt 1.
Die Reſerven von Rot=Weiß begeben ſich zum Rückſpiel nach
Pfung=
ſtot. Auch hier wäre zu wünſchen, daß fairer gekämpft würde als im
Eypiel.
Der Spielbeginn iſt auf Sonntag vormittag 11 Uhr angeſetzt. Da
bde Mannſchaften in ihrer ſtärkſten Aufſtellung antreten, iſt wirklich
m einem ſehr intereſſanten und ſpannenden Kampf zu rechnen. Rot=
Riß Frankfurt wird verſuchen, durch den 5:1=Sieg über Schwanheim
ah der Polizei die erſten Punkte abzuhängen. Ob es gelingt, ſteht
nürlich offen. Die Poliziſten treten in ihrer alten Aufſtellung an.
Weitere Spiele:
2. Mannſchaft — Alsheim in Alsheim;
3. Mannſchaft — Union Wighauſen, 10.30 Uhr vormittags;
Damen — Damen Arheilgen, 3 Uhr nachmittags:
1. Jugend — Ballſpielklub Offenbach;
2. Jugend — Braunshardt in Braunshardt.
Turngemeinde 1846 — Tv. Pfungſtadt.
Heute nachmittag ab 3 Uhr finden auf dem Sportplatze am
Oſtbahn=
ff. Fauſtball und Handballſpiele obengenannter Vereine ſtatt.
Pfung=
ſdr erſcheint mit ſechs Fauſtballmannſchaften, und wird beſonders auf
de erſt in dieſem Jahre neu aufgeſtellten Turnerinnenmannſchaften
ingewieſen. Gerade das Fauſtballſpiel iſt für Damen ſehr geeignet,
alle Kampfmomente bei dieſem Spiele ausgeſchloſſen ſind und
da=
rch unſchöne Szenen nicht in Erſcheinung treten.
Um 4,30 Uhr treten die 1. Mannſchaften beider Vereine im Hand=
IAſpiel an. Pfungſtadt ſpielt Sonderklaſſe und erübrigt es ſich, etwas
ber dieſe als äußerſt flinke und dabei anſtändig ſpielende Mannſchaft
ſagen. Darmſtadt, mit 3 Mann Erſatz antretend, wird ſich ſchon ſehr
aſtrengen müſſen, um in Ehren beſtehen zu können.
Vorher um 2 Uhr ſpielt die 3. Mannſchaft gegen die gleiche von
ſernsheim; um 3,15 Uhr die 2. Mannſchaft gegen die 2. von Pfungſtadt.
Sporkvereinigung Arheilgen — Braunshardk.
Die Handball=Abteilung der Sportvereinigung, ganz beſonders die
ligamannſchaft, hat in der letzten Zeit wenig von ſich hören laſſen.
Vie man hört, wird eifrig trainiert, um eine ſtabile Mannſchaft für die
Sporkkalender.
Handball.
11.00 Uhr: Polizei Darmſtadt — Rot=Weiß Frankfurt.
4.00 Uhr: Sportverein 98 Darmſtadt — Kickers Offenbach.
4.30 Uhr: Turngemeinde 46 Darmſtadt — Tv. Pfungſtadt.
4.45 Uhr: Sportvereinigung Arheilgen — Braunshardt.
Fußball.
3.00 Uhr: Sportvereinigung Arheilgen — Viktoria Walldorf.
ommenden Verbandsſpiele zu haben. Dann muß Erſatz für
abgegan=
ſene Spieler, die nun in Firmenmannſchaften tätig ſind, geſchaffen
derden.
In Braunshardt hat ſich die Ligamannſchaft einen Gegner
ver=
flichtet, der nicht leicht genommen werden darf. Schnell, wieſelflink
nd dabei alle Vorteile geſchickt ausnutzend hat Braunshardt ſchon
nanchem ſchweren Gegner zu ſchaffen gemacht. — Arheilgen probiert
leitte aus der Jugend, die, abgeſehen davon, daß ſie vielleicht die nötige
koutine noch nicht beſitzen, jedenfalls doch ihren Mann ſtellen. Das
Spiel beginnt um 4.45 Uhr. Vormittags 9.30 Uhr ſpielt die Jugend
egen Braunshardt.
Der deutſche Optimismus hat recht behalten. Die deutſchen
Leicht=
ithleten konnten ihre engliſchen Konkurrenten in einem ſpannenden
Kampf vor 40 000 Zuſchauern in Stamfordbridge mit 8:4 Punkten
ſichlagen.
4 mal 100 Yards: 1. Deutſchland 37,8 Sek. (Körntg, Dr.
Wich=
mann, Eldracher, Salz), 2. England 39 Sek., 11 Yards zurück (Cohen,
Erawford, Simons, London).
4 mal 440 Yards: 1. England 3:19,2 Min. (Borland, Bird, Dunkley,
Hanlon), 2. Deutſchland 3:20 Min., 2 Meter zurück (Kiſters,
Krebs, Storz, Engelhard).
4 mal 880 Yards: 1. England 7:43,2 Min. (Ellis, Gutteridge,
Hampſon, Thomas), 2. Deutſchland 7:44,8 Min. (Engelhard,
AScher, Müller, Dr. Peltzer).
4 mal 120 Yards Hürden: 1. England 62,4 Sek. (Lord Bughley,
Fnley, Tangmere, Gaby), 2. Deutſchland 60 Yards zurüick (
Be=
ſchetznik geſtürzt, Weiß, Welſcher, Troßbach).
Drei=Meilen=Mannſchaftslaufen: 1. Deutſchland 2. England.
Einzelergebniſſe: 1. Oddie=E. 14:39 Min., 2. Diekmann= D.
14:30,2 Min., 3. Petri=D., 4. Helber=D.
Olympiſche Staffel: 1. Deutſchland 3:31,2 Min. (Dr. Peltzer,
Nörnig, Dr. Wichmann, Storz)), 2. England, 10 Yards zurück.
4 mal 1 Meile: 1. England 17:31,6 Min. (Turner, Tomlin,
Tho=
nas, Riddell), 2. Deutſchland 17:49,6 Min. (Schilgen, Walpert,
2 örher, Wichmann=Karlshorſt).
Stabhochſprung: 1. Deutſchland, 2. England. — Einzelergeb.
häſſe: 1. Wegener=D. 3,81 Meter, 2. Köchermann=D.,
Vond=
england und Ford=E. je 3,50 Meter.
Hochſprung: 1. Deutſchland geſamt 3,66 Meter, 2. England
Sſamt 3,63 Meter. — Einzelergebniſſe: Koeppke=D. 1,83 Meter,
uhn=D. 1,83 Meter, Turner=E. 1,83 Meter, Bradbrookc=E. 1,80
Meter
Weitſprung: 1. Deutſchland geſamt 14,55 Meter, 2. England
Tſamt 13,39 Meter. — Einzel: 1. Köchermann=D. 7,41 Meter,
— Dobermann=D. 7.14 Meter, 3. Sartain=E. 6,82 Meter, 4.
Li=
ingſtone=E. 6,57 Meter.
Kugelſtoßen: 1. Deutſchland geſamt 28,29 Meter, 2. England
eſamt 26,29 Meter. Einzelergebniſſe: 1. Uebler=D. 14,61 Meter,
* Schneider=D. 13,68 Meter, 3. Howland=E. 13,30 Mcter, 4. G.
BBood=E. 12,99 Meter.
Diskuswerfen: 1. Deutſchland geſamt 83,75 Meter, 2.
Eng=
and geſamt 71,89 Meter. Einzelergebniſſe: 1. Hoffmeiſter=D.
43.3 Meter, 2. HänchenD. 39,46 Meter, 3. Howland=E. 37,56
Meter, 4. Mac Gowan=E. 34,33 Meter.
Geſamtergebnis: 8:4 Punkte für Deutſchland.
Der Abſtieg der Arheilger in die Kreisliga iſt ſchmerzloſer vor ſich
gegangen, als urſprünglich viele Peſſimiſten vorausgeſagt hatten. Der
große Spielerabgang, den ſo mancher gerne geſehen hätte, iſt
unter=
blieben. Eine nach dem Stiftungsfeſt einberufene außerordentliche
Generalverſammlung bewies, daß die Sportvereinigung unter Leitung
hres rührigen Vorſtandes mit ihrem zahlreichen Spielermaterial
unver=
fagt die diesjährige Verbandsſaiſon beginnen kann.
Nun iſt es Walldorf, die Mannſchaft, die in den letztjährigen
Kreis=
ligaſpielen mit zu den Spitzenvereinen zählte, welche am kommenden
Sonntag als erſter gegen Arheilgen im Verbandsſpiel antritt. Die Leute
vom Mühlchen werden wohl mit wenig Ausnahmen alle ihre Mannen,
genau wie im letzten Jahre, zur Stelle haben. — Wünſchen wir dem
Spiel als erſtes Verbandsſpiel einen angenehmen Verlauf, dem Beſſeren
den Sieg. — Vor dem Spiel, das um 3 Uhr beginnt, ſpielen die
Liga=
erſatzmannſchaften beider Vereine. Vormittags 10.30 Uhr ſpielen die
Schüler gegen Union Darmſtadt.
Sportverein 1898 Darmſtadt (Jugend).
1. Jgd. — 1. Jgd. Aſchaffenburg, Stadion, 1 Uhr;
2. Jgd. — 1. Jgd. Rot=Weiß, VfR., dort; Treffpunkt 9.45 Uhr, dort;
3. Jgd. — 1. Jgd. Seeheim, Stadion, 3 Uhr;
. Jgd. — 1. Jgd. Weiterſtadt, Stadion, 9.30 Uhr;
5. Jgd. — 2. Jgd. Rot=Weiß, VfR., dort; Trefſpunkt 8.45 Uhr, dort;
1. Schüler — 1. Schüler Pfungſtadt, dort; Abfahrt 3 Uhr (Hauptbhf.).
Fürth 1:3 (0:0).
Das Spiel im Michelſtädter Stadion brachte für die erſchienenen
1000 Zuſchauer zwei große Enttäuſchungen. Eine angnehme: die
Darm=
ſtädter Mannſchaft, und eine etwas weniger angenehme: eine ſchlecht
disponierte Spielvereinigung. Der Deutſche Meiſter erſchien mit
Er=
ſatz für Auer 2, Rupprecht und Kraus 2. Röſchke war durch Kleinlein
vollwertig erſetzt. Dieſe Fürther Vertretung hatte ſich wohl ihre
Auf=
gabe leichter vorgeſtellt und kam, als ſie das Gegenteil vorſtellen mußte,
etwas aus dem Konzept. Dieſes Moment nutzte P. Sp.V. weidlich aus
und lieferte dem Meiſter eine ſehr gute Partie. Es iſt
ſelbſtverſtänd=
lich, daß ſich die Tätigkeit der Darmſtädter hauptſächlich auf die Abwehr
beſchränken mußte, aber die iſt ihnen, wie ſchon aus dem Reſultat
her=
vorgeht, reſtlos gelungen. Wenn dann noch feſtgeſtellt werden kann,
daß ſich be: Erzielung der Fürther Tore in zwei Fällen Darmſtädter
Spieler in liebenswürdiger Weiſe zur Verfügung ſtellten, ſo iſt damit
manches geſagt. Bei Fürth war die geſamte linke Seite der beſte
Mann=
ſchaftsteil. Neger im Tor konnte nicht überzeugen. Auf der rechten
Seite glänzte nur Hagen, der aber auch der beſte Mann der Fürther
var. Die Darmſtädter Mannſchaft ſpielte ein ganz großes Spiel und
verdient ein Geſamtlob. Nur einer verdient hier beſonders genannt zu
werden: Hüpe im Tor. Er ſtellte ſeinen Gegenüber entſchieden in den
Schatten. Das mag ihm Lob genug fein In Herrn Weſp=Frankfurt
hatte das Spiel ſeinen gegebenen Leiter gefunden.
Diesmak haben es unſere Kreisligavereine vorgezogen, noch einmal
auszuruhen. Lediglich etliche Trainingnsſpiele ſind angeſetzt, jedoch
ſpie=
len die Vereinsmannſchaften meiſtens unter ſich, um ſo die endgültige
erſte Garnitur zuſammenzuſtellen. Die Termine für die diesjährige
Verbandsſerie iſt noch nicht öffentlich bekannt; auf alle Fälle beginnen
aber die Verbandsſpiele am 1. September. Teilnehmer ſind 12 Vereine,
und zwar: Olympia Worms; Olympia Lampertheim; VfL.
Lampert=
heim; Starkenburgia Heppenheim; Olympia Lorſch; VfR. Bürſtadt;
FV. 1919 Biblis; FV. Hofheim, FV. Herrnsheim, Normannia
Pfifflig=
ſeim, Sportverein Hochheim und Sportverein Horchheim.
Zweites Gau=Jugendſchwimmen — Gauübungsſtunde.
Der heutige Sonntag bringt als letzte Wettkampſberanſtaltung
in=
nerhalb des Main=Rheingaues das zweite Gau=Jugendſchwimmen, zu
welchem als Austragungsort das herrlich gelegene Birkenau
be=
ſtimmt iſt. Zu der aus 32 Konkurrenzen beſtehenden Wettkampffolge,
umfaſſend Kämpfe für Schüler, Schülerinnen ſowie Jugend von 14—16
und 16—18 Jahren beiderlei Geſchlechts, ſind insgeſamt 120 Teilnehmer
aus 14 Gauvereinen gemeldet. Das größte Intereſſe dürften die 18
Staffelwettkämpfe auf ſich ziehen. Aus den Nennungen iſt die
Schluß=
folgerung zu ziehen, daß gut veranlagte Jugendkräfte am Start
er=
ſcheinen, die es zu ganz beachtlichen Zeiten bringen werden dürften.
Die Wettkämpfe beginnen vormittags 10.30 Uhr und werden am
Nach=
mittag um 2.30 Uhr fortgeſetzt. Das Schwimmprogramm des
Nach=
mittags wird durch einen allgemeinen Aufmarſch und geweinſames
Aufſchwimmen ſämtlicher Teilnehmer eröffnet. — Die Turner, die ihr
Wettkampfprogramm für dieſes Jahr erledigt haben, finden ſich zu einer
Gauübungsſtunde vormittags 10 Uhr in der Turnhalle des Turnereins
Noßdorf zuſammen.
Auf dem Motorrad durch fünf Länder.
Die zweite große Dauerprüfung für Motorräder, die vom 26. bis
3 1. Auguſt 1929 vor ſich gehende Internationale Sechstagefahrt, hat
eine Beſetzung erhalten, die alle Grwartungen weit übertrifft.
Ins=
geſamt 14 Nationen haben ihre Meldungen für die 1600 Kilometer
lange Fahrt abgegeben. Die Geſamtzahl der Meldungen beträgt 175
und verteilt ſich auf die einzelnen Länder wie folgt: Schweden 3,
Tſchechoſlowakei 1, Hölland 12, Frankreich 3, Island 6. Dänemarr 3,
Schweiz 12, Oeſterreich 8, Deutſchland 59, England 62,
Bel=
gien 3, Italien 1, Ungarn 1, Rumänien 1.
Von Deutſchland haben meben den bekannten Rennfahrern wie Geiß=
Pforzheim, Soenius=Köln, Hennc=München, Thumshirn=Nürnberg uſw.
auch die bewährten Dauerprüfungsfahrer wie Polſter, Seelos, Prybylſci
v. Kron, Hieronymus ihre Nennungen abgegeben.
Im Gegenſatz zu früheren Jahren, wo die Durchführung immer in
den Händen des einzelnen Landes lag, führt dieſe große Prüfungsfahrt
1929, in dem 25. Jubiläumsjahre der Fiem durch fünf Länder, und
zuuar Deutſchland, Oeſterreich,, Schweiz, Italien und Frankreich.
Cha=
rakteriſtiſch für die Six Days ſind die Mannſchaftswettbowerbe. Jedes
Land iſt berechtigt, ein nationales Team zu nennen, das aus zwei
Solo=
motorrädern und einer Beiwagenmaſchine zuſammengeſetzt iſt. Dieſes
nationale Team ſtartet um die ſogenannte „International Trophy” und
erſvirbt im Siegesfalle für ſein Land das Recht, die internationale
Sechstagefahrt im folgenden Jahre in ſeinem Heimatland durchzuführen.
Für Deutſchland wurde für dieſes Team gemeldet: Henne und Soenius
auf B.M.W. ſowie Trapp auf Victoria mit Seitenwagen. Außerdem
hat Deutſchland zum Wettbewerb um die „International Silver Vaſe‟
zwei, und im Kampf um die Goldene Medaille der Fiem weitere elf
Mannſchaften beordert.
Die Strecke ſelbſt führt, wie bereits erwähnt, über 1600 Kilometer
und beginnt in München. Von hier geht die erſte Tagesetappe über
235 Kilometer nach Garmiſch=Partenkirchen. An den folgenden fünf
Tagen ſind nachſtehende Strecken zu fahren: Garmiſch-Vaduz (258
Kilometer), Vaduz-Pallanza (304 Kilom.), Pallanza—Moutier
(308 Kilometer), Moutier—Chamonix (300 Kilometer) und
Chamo=
nix—Genf (199 Kilometer). Der letzte Abſchnitt nach Genf iſt zwar
erheblich kürzer, dafür haben die Bewerber aber auf der bekannten
Genfer Rundſtrecke, wo im Vorjahre der Große Preis von Europa
ſtattfand, noch einen Schnelligkeitswettbewerb über 100 Kilometer zu
abſolvieren. Grundlegend für die Bewertung wind die Einhaltung
einer beſtimmten Durchſchnittsgeſchwindigkeit ſein, wobei für die
Er=
reichung höherer Geſchwindigkeiten, als ſie die Ausſchreibung fordert,
Gutpunkte gegeben werden.
33. Preußiſch=Süddeukſche Klaſſenlokkerie.
14. Tag der 5. Klaſſe. Am 23. Auguſt fielen in der Vormittags=
Ziehung: 2 Gewinne zu je 10 000 Marx auf Nr. 88967, 155 682: 2
Ge=
ninne zu je 5000 Mark auf Nr. 349 556; 12 Gewinne zu je 3000 Mark
auf Nr. 10 758, 170 449, 214 846, 256 708, 258 385, 263 013; 14 Gewinne
zu je 2000 Mark auf Nr. 37 805, 47 374, 108 746, 220 528, 259 181,
262 968, 322 501; 30 Geſinne zu je 1000 Mark auf Nr. 30 143, 55 397,
167 888, 168 397, 176 500, 185377, 198 592, 239 755, 245 322, 246 604,
257 368, 319 266, 323 397, 369 279, 380 816; ferner 96 Gewinne zu je
500 Mark und 24 Gewinne zu je 300 Mark. In der Nachmittags=
Ziehung fielen: 10 Gewinne zu je 3000 Mark auf Nr. 115 899, 156 296,
299 567, 318 523, 341 389; 22 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr. 29 328,
32 720, 61070, 113707, 143 416, 259 88, 263 103, 273 908, 310 104,
315 935, 347 736; 26 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 12109, 14 808,
26 974, 48627, 62174, 108 524, 115 973, 143 701, 189 935, 274 199, 323 531,
74985, 384 634; ferner 60 Geſvinne zu je 500 Mark und 172 Gewinne
zu je 300 Mark. Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien
zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je
200 000 Mark, 2 Gewinne zu je 100 000 Mark, 4 Gewinne zu je 75 000
Mark, 4 Gewinne zu je 50 000 Mark, 4 Gewinne zu je 25000 Mark,
48 Gewinne zu je 10000 Mark, 80 Geiinne zu je 5000 Mavk, 208
Ge=
winne zu je 3000 Mark, 402 Gewinne zu je 2000 Mark, 1040 Gewinne
zu je 1000 Mark, 2566 Gewinne zu je 500 Mark, 5940 Gewinne zu je
300 Mark.
Ein erquickender Schlaf iſt ein Labſal und ein tiefes
Bedürfnis für jedermann. Je beſſer das Bett, deſto beſſer der Schlaf.
Bei Bezug von Bettfedern ſollte man ſich daher an die anerkannte und
lide Firma S. Beniſch in Prag XII, Böhmen, wenden. Man
laſſe ſich vor Ankauf von Bettfedern die reich illuſtrierte Preisliſte der
Firma gratis kommen.
Wildbad im Schwarzwald. Die im vorigen Jahr
erſt=
mals als neues Kurmittel aufgenommene Traubenkur iſt ſeit Mitte
Auguſt wieder in vollem Gang. Der ſtarke Zuſpruch ſeitens der in
großer Zahl anweſenden Kurgäſte beweiſt, daß die ſtaatliche
Badeverwal=
tung mit Einführung dieſer Kuren das Nichtige getroffen hat, und daß
die Erkenntnis von deren geſundheitlicher Wirkung in immer weitere
Kreiſe dringt.
Wo.
Frankfurt.
Gleichbleibendes Werktagsprogrami. 6.30: Gymnaſtik, Wetter,
Zeit. 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsm., Waſſerſtand. O 12.55:
Nauener Zeit. O 15, 15.35: Zeit, Wirtſchaftsm. 16.10: Ind.,
Handelst. (Di. u. Fr.), O. 16.25: Gießener Wetter, Wirtſchaftsm.,
Währ. d. Nachm.=Konz.: Vereinsnachr. O 18.05, 19.15 oder 19.30:
Wirtſchaftsm.
Sonntag, 25. Aug. 7: Hamburg: Hafenkonzert vom Dampfer
„Cap Arcona”. 8.15: Morgenfeier, veranſtaltet von der
Evan=
geliſchen Landeskirche Frankfurt a. M. Ausf.: Pfarrer Rieber,
Kirchenchor der Evang. Gemeinde Buchſchlag, Karl Frank (Bariton),
W. H. Simmermacher (Orgel). o 11: Rektor Wehrhan: Sollen
die Kinder Hausarbeit verrichten? 6 11.30: Vom Tannenberger
Nationaldenkmal in Hohenſtein (Oſtpr.): „Helden=Gedenkfeier” anl.
der Einweihung der Ehrentafeln. Begrüßung durch Herrn General
a. D. Kahns. — Anſprachen der Geiſtlichen. O 13: Der Einfluß der
Mauſer auf die Wintereierzeugung. — Der Wert einer guten
Verpackung des Obſtes. e 13.10: Schallplatten. 14.30: Stunde
des Chorgeſangs. (Geſangverein „Concordia‟) a 15.39: Berlin:
Stunde der Jugend: Aus Dr. Dolittles Tierbüchern, bearbeitet
unter Mitwirkung des Autors von Hermann Kaſack. o 16.30:
Stunde des Landes: Was geht in der Welt vor und was geht es
mich an?. Eine Betrachtung von Dr. H. Kranz. — Dr. Kahn:
Das Sorbitverfahren zur Erkennung des Verſchnittes von Wein
und Obſtwein. o 17.30: Kaſſel: Konzert des Funkorch. Muſikal.
Leitung: Kapellmeiſter Eugen Bodart. Mitw.: Woldemar
Klingel=
höfer. Rud. Buchner. o 19: Oberſtudiendir. Dr. Oehlert: Das
gegenwärtige Frankreich, ein Reiſebericht. O 20.30: Konzert des
Rundfunkorch. Schubert: Militärmarſch in Es=dur. — Roſſini:
Ouv. „Die Italienerin in Algier”. — Aus der Sinfonie in Es=dur.
— Kreisler: Zwei kleine Stücke: Alter Refrain (Wiener Lied);
„Syncopation”. — Joh. Strauß: „Kaiſer=Walzer” Intermezzo:
Zwei Humoresken von Anton Tſchechow: Das Plappermäulchen
— Der Leichenredner. — Joh. Strauß: Ouv. zur Operette „Eine
Nacht in Venedig‟”. — Tſchaikowsky: Suite aus dem Ballett
Der Nußknacker” — Chabrier: „Eſpana”, Rhapſodie. Muſikal.
Leitu.g: Kapellmeiſter Merten. Mitw.: Kundry Siewert vom
Frank=
furter Schauſpielhaus (Rez.). O. Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Weritags=Programm. 5.50:
Wetter für den Landwirt. o 6: Gymnaſtik. O 12.25: Wetter für
den Landwirt (So. 12.50), O 12.55: Nauener Zeit. O 15.30: Wetter,
Börſe. O 19.55: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle. Sonntag, 25. Aug. 6.30: Frühkonzert des
Potsdamer Tonkünſtler=Orch. o 8: Praktiſche Winke für den
Landwirt. O 8.30: Tierzuchtdir. Dr. Wilsdorf: Neuzeitliche
Schaf=
haltung. O 8.55: Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche. O 9:
Morgenfeier. Anſpr.: Pfarrer,Lic. Koch, Lichterfelde. o Anſchl.:
Geläut des Berliner Doms. 10: Sonntagswetter. o 11:
Matthias Claudius. Am Mikrophon: A. Kraußneck. o 11.30:
Elternſtunde: Wann lügen die Kinder? Zwiegeſpräch: Liſa Rietz
und Dr. Klopfer. o 12: Konzert der Kapelle Marek Weber.
e 14: Luſtiges Allerlei. Am Mikrophon: E. Rex. o 14.30:
Aus Bayern. Schallpl. 15.30: „Der Dolittle und ſeine Tiere‟,
als Hörſpiel bearbeitet von Hermann Kaſack und E. L. Schiffer.
O 16.30: Konzert. Ausf.: Elli Zimmermann (Alt). Am Flügel:
Maria Proelß. O 17: Tee=Muſik. Kapelle Eddy Walis. Flügel:
Siegfr. Erhardt. Einlagen: Plauderei von Ola Alſen. „Berlin
von oben”, Ballonaufſtieg mit A. Braun. O 18.30: Zu Goethes
180. Geburtstage: Liebesduette. Goethe von Marianne von
Wille=
mer. (Dr. Ernſt Weiß, Einf.). Kammerſängerin Prof. Lula Myſz=
Gmeiner (Geſang). Am Flügel: Generalmuſikdir. Knapſtein, Dr.
H. Michaelis (Rez.). O 19.20: L. von Kohl: Kultur der
Wikin=
gerzeit. O 20: Sonderveranſtaltung: Eine bunte Hörfolge. Mitw.:
E. Steffen (Geſang), H. Heſſe (Xylophon), Nemeth=Quartett, Fritz
Wenneis (Harmonium). Als Einlage: Reportage. o 21.30:
Unter=
haltungsmuſik der Kapelle Geza Komor. o Danach: Tanzmuſik.
Hans Schindler mit ſeinem Orch. — Pauſe: Bildfunk.
Geräte erster Fab-
Tkate, lietert bei
fach-
männischer
u
Bedienung
Darmstadt Telephon 3449
TENM Ernst-Ludwigstr. 10 (13180a
Durch die Südſeite der nördlichen Störung hält die Zufuhr
feucht=
warmer ozeaniſcher Luftmaſſen an. Sie haben fernerhin zu
Nieder=
ſchlägen geführt und in ganz Deutſchland weiteren Temperaturanſtieg
verurſacht. In ihrem Bereich dauert das wechſelhafte Wetter mit
Auf=
heiterung fort, wobei es ſtrichweiſe noch zu Schauern kommt.
Ausſichten für Sonntag, den 25. Auguſt: Wechſelnde Bewölkung mit
Aufheiterung, vereinzelte Schauern, Temperaturen ſchwankend, um
Weſt drehende Winde.
Ausſichten für Montag, den 26. Auguſt: Zeitweiſe bewölkt, ſonſt
auf=
heiternd, Temperaturen im allgemeinen etwas zurückgehend.
Haupiſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Pollttk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feulſleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
ſür den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer” ſih=
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Druck
und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
Von Eduard Butzmann, Berlin.
Die Durchführung der Rationaliſierung der deutſchen
Indu=
ſtrie hat es mit ſich gebracht, daß die einzelnen Betriebe in
er=
höhtem Maße dazu imſtande ſind, plötzlich auftretendem Bedarf
durch geſteigerte Leiſtungsfähigkeit zu begegnen. Man ſollte daher
meinen, daß die in den Jahresbilanzen der Aktiengeſelſchaften
aufgeführten Werte für vorhandene Vorräte immer weiter
zurück=
gehen müßten. Die amtliche Statiſtik beweiſt jedoch, daß dies nicht
der Fall iſt, vielmehr am Schluſſe des letzten Kalenderjahres der
Beſtand an Vorräten bedeutend größer geweſen iſt als im
Vor=
jahre. Das Statiſtiſche Reichsamt verzeichnete für
1927: 1540 Geſellſchaften mit 10 461,7 Mill. RM. Kapital und
2284,6 Mill. RM. Vorräten:
1928: 1526 Geſellſchaften mit 10 998,5 Mill. RM. Kapital und
2549,7 Mill. RM. Vorräten.
Die im letzten Jahre der Statiſtik berückſichtigten Geſellſchaften
ſind demnach an Zahl geringer dem nominellen Aktienkapital nach
aber um etwa ½ Milliarde RM. ſtärker fundiert, weiſen aber
einen um mehr als ½ Milliarde erhöhten Vorrat an Waren auf.
Daraus ergibt ſich eine recht erhebliche Zunahme des in den
Vor=
räten gebundenen Eigenkapitals der Geſellſchaften von 21,8 auf
23,2 Prozent. Man erſieht hieraus, daß die Rationaliſierung der
Vorratswirtſchaft noch nicht ſo weit gediehen iſt, daß die
Fort=
ſchritte ſtatiſtiſch erfaßt werden können.
In der Rohſtoffinduſtrie zeigt nur die Großeiſeninduſtrie eine
Abnahme der Lagervorräte während alle anderen
Induſtrie=
zweige dieſer Gattung an der Steigerung der Lagerhaltung
be=
teiligt ſind. Die relativ erheblichſte Zunahme der Vorräte iſt in
der Bauſtoffinduſtrie eingetreten. Sie erſcheint ganz beſonders
harakteriſtiſch, weil nämlich im Baugewerbe gleichzeitig eine
er=
hebliche Vorratsabnahme zu beobachten war. Die Beſchränkung der
Lagervorräte hat beim Einzelhandel ihren Ausgang genommen
und hier auch bisher die größten Fortſchritte gemacht. Daraus
reſultiert aber als nächſte Folge eine Erhöhung der Lagervorräte
beim Produzenten. Die ermittelten Vorratsmengen hatten einen
Wert von 34,9 (1927) bzw. 412 (1928) Mill. RM. in der
Bau=
ſtoffinduſtrie und von 29,2 (1927) bzw. 23,7 (1928) Mill. RM. im
Baugewerbe. Es iſt alſo nur eine Verſchiebung eingetreten, denn
das Baugewerbe zwang durch ſeine rationelle Vorratswirtſchaft
die Bauſtoffinduſtrie zu einer erhöhten Lagerhaltung. So erklärt
ſich wahrſcheinlich auch die weſentliche Erhöhung der Vorräte in
der Steinkohlen=, Braunkohlen=, der chemiſchen Großinduſtrie und
in der Paviererzeugung.
Auch die weiterverarbeitende Induſtrie iſt in das laufende
Kalenderjahr mit weſentlich erhöhten Vorräten eingetreten. Auf
mehr als 548 Millionen RM. iſt der Wert der Vorräte allein von
den chemiſchen Unternehmen, und zwar ohne Berückſichtigung der
chemiſchen Großinduſtrie, von 72 Aktiengeſellſchaften in der letzten
Bilanz beziffert. Dann folgt mit 460 Millionen RM. die
Textil=
induſtrie innerhalb welcher die Spinnereien und Webereien allein
424 Mill. RM. aufwieſen. Auch im Maſchinen=, Apparate= und
Fahrzeugbau zeigen die Bilanzen Vorräte in Höhe von 373,6 Mill.
RM. Alle dieſe Beträge liegen über den vorjährigen und legen
alſo auch für die weiterverarbeitende Induſtrie Zeugnis dafür ab,
daß es noch nicht gelungen iſt, die einen hohen Aufwand von
Ka=
pital und Arbeit erfordernde Vorratswirtſchaft zufriedenſtellend
zu rationaliſieren. Nur im Schiffbau, in der Kautſchuk= und
Aſbeſt=Induſtrie und im Bekleidungsgewerbe läßt die amtliche
Statiſtik eine Abnahme der Vorräte erkennen. Dieſe Minderungen
ſind aber viel zu geringfügiger Natur, als daß ſie am Geſamtbild
irgend etwas ändern könnten.
Die vornehmlich im Beſitze der öffentlichen Hand befindlichen
zität fallen=gleichfalls aus dem=Nahmen dieſer=Betrachtung nicht als Jahresfriſt ein deutliches Anſteigen, das durch die ungüuſtige
Kon=
heraus, denn auch bei ihnen muß von der Zunahme der aufge= junkturvelle dieſes Frühjahrs etwas unterbrochen wurde. Beim Umſatz,
Handelsgewerbe, wobei jedoch berückſichtigt werden muß, daß die dieſe ungünſüige Konjunkturwelle erſt etwas verſpätet zum Ausdruck,
ſind, während das Gewerbe ganz überwiegend von den Geſell= jahr beziehen.
ſchaften anderer Geſellſchaftsformen und von Einzelfirmen
be=
herrſcht wird. Was hier alſo für das Handelsgewerbe ſtatiſtiſch
ermittelt wurde, kann nicht verallgemeinert werden. In
Wirklich=
keit hat im Handelsgewerbe, eine Abnahme der Lagerbeſtände
2gs Bild der Wirkſchafl.
Finanzen und Geldverkehr.
Der Geldumlauf hat ſich im ganzen erſten Halbjahr 1929 ziemlich
auf der gleichen Hühe gehalten, und auch Ende Juli iſt keine
weſent=
liche Veränderung zu verzeichnen. Die Summe der neuen Wechſel iſt
von April bis Juni begchtlich zurückgegngen; für den Juli liegen
ab=
ſchließende Zahlen noch nicht vor
Die Wirtſchaf skredite der Notenbanken, die im Frühſommer eine
ſtarke Anſpannung zeigten, ſind Ende Juli merklich geringer geworden.
Einen bemerkens erten Gleichlauf weiſen der Poſtſcheckverkehr und
der Abreclmungsverkehr der Reichsbank auf. In den erſten Monaten
des Vierteljahres tritt hier unturgemäß immer ein Hochſtand ein, in den
Born ſüdzeniſchen Brsdaklennarft.
Die ſtarken Kursſchwvankungen an den überſeeiſchen Getreidemärkte /5chen
blieben auch auf den hieſigen Verkehr uicht ohne Einfl. ß. Anfangs detzt
des
Berichtswoche beſtand auf die Hauſſemeldungen hin et,pas mehr Lar=üſter deit
luſt, die aber Ende der Woche wieder ausblieb, als große Kursrücligeichein
der weiterverarbeitenden Induſtrie überall ein Anſteigen der Vor= für Agrarſtoffe auf 132,4 (132 3), für Kolonialwaren auf 129,7 (129,1),
räte erfolgte.
Dieſe wenigen Hinweiſe auf die amtliche Statiſtik beweiſen, induſtrielle Fertigwaren auf 157,5 (157,6).
daß noch ſehr viel dafür getan werden kann, der Rationaliſierung
der Wirtſchaft zu dienen. Geringere Vorratshaltung erſpart nicht
nur das darin ſteckende Kapital, ſondern auch ſeine Verzinſung,
die bei den zeitgemäßen Zinsſätzen gewaltige Summen ausmachen.
geſpart. Die Höhe der Aufwendungen hierfür iſt naturgemäß ſehr Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 645202 Tonnen gegen
ſo hohe Summen, daß es ſich überall verlohnt, der Rationaliſie= auf 73 481 Tonnen gegen 72254 Tonnen in ſechs Arbeitstagen. Die
Dann wird es vielfach möglich ſein, unrentable Betriebe rentabel 406 891 Tonnen gegen 407 025 Tonnen in der vorhergehenden Woche.
Produkkenbetichte.
— Mainzer=Prodyktenbörſe. Großhandelseinſtandspreiſe per 100
11,25, Weizenkleie grob 12. Roggenkleie 13—14, Weizenfuttermehl 13,
Drahtpreßſtroh 5—5,5, Weiße Bohnen 41. — Tendenz: ruhig.
115. Norddeutſche 11.25—13. — Tendenz: ſtetig.
haupten. Die ſpäteren Sichten konnten Preisſteigerungen bis um 1,00 dem Vorjahr weſentlich zugenommen.
Neichsmark erzielen. Das Inlandsangebot von Brotgetreide war
ziem=
zu entwickeln.
zu verzeichnen. Anf der ſoeben zu Ende gegangneen Frankfurter Häute= dern die Beratungen noch einige Zeit andauern werden.
zurtion waren die Preiſe des Vormonats durchweg gut behauptet, Schaf=
Schläßtwbebeupten, ſondern wurden eine Kleinigkeit leichter.
ſchläge von Clikago und Winniten gedrahtet wurden. In Weize
hat das Angebot in Inlandsware eine ſtarke Zunahme erfahren. Driüeguiſtlt
Käufer ſtnd allgemein zurückhaltend. Für lierländiſchen Weizen fo=uſchzudent
derte man an der geſtrigen Mannheimer Produktenbürſe 27—27,25 M, z eſtel 4
und für Auslandswveizen B 50—33,50 Mk. wrggonfzei Mannheim. —ſchun eint
Roggen lag ebenfalls ſehr ſchwach bei reichlichem Angebot in Jr)
ſchrt=
landsroggen zu 21,25—21 Mk., während für Auslands roggen kein Intem” zu S
eſſe beſtand. — Hafer iſt vollkommen vernachläſſigt. Alter
Julands=
enſalit
hafer ſtellt ſich auf 21,25—22,25 Mk. und Auslandshafer auf 21,50 bs= W.
Stn
25,50 Mk. je 100 Kilogramm. — In Gerſte zu Brauzwecken ſteh
einen großen Angebot nur geringe Nachfrage gegenüber. Kauflu f 9 6d04
zeigt ſich nur für ganz prima Qualitäten, währerd mittlere und gering, ſiotare
Sorten unbeachtet bkieben. Badiſche und württembergiſche Gerſte iſt z. ſeir falſch
22,5—23,50 und bfälziſche zu 22,59—24,50 Mk. augeboten. — Maſ
lag in Uebereinſtimmung mit den ſchwachen Anslandsmärkten reck.ſ
ruhig. La PlatMais, in Manheim greifbar, iſt zu 21— 21,25 Mars / 0ch
einſchließlich Säcken, am Markt. — Futtermittel hatten ziemlich
unveränderten Markt. Für feine Weizenkleie forderte man 10,50, grob=
1125 Mk., Trockenſchmnitzel 11,05—11.,00, Biertreher 17.50—18.50 und für o
Souaſchrot 20.25— 20,75 RM. je 100 Kilo. — Mehl hatte ſehr ruhs, die St
gen Markt. Die Mühlen haben den Preis für ſüddeutſches Weizenmeh ylitz
Spezial Null von 41.50 auf 40 NMl. herabgeſetzt, doch auch zu dem redu se Bu
zierten Preiſe iſt keine Kaufluſt vorhanden zumal von der zweiten Hanz
niedrigere Preiſe, und zwar 39 Mark, verlangt werden. SüddeutſchesM9md
Noagenmehl wurde geſtern amtlich mit 2,50—33 RM., je nach Aus.
mahlung, notiert. — In Hohfen it das Angebot in alter War= g6.
noch ſehr bedeutennd. Die Preiſe ſind gedrückt und die (rzeuger balten
zu den gegenwärtigen Preiſen mit dem Verkauf von diesſährigen
Früy=
lodfen zurück. — An den Täbakmärkten iſt die Lage under
ändert.
Schivarz:valdwerke Heinrich Lan; G. m. b. H., Mannheim. Die be
reits im Oktober 1928 in Zahlungsſchwierigkeiten geratene Geſellſchaf!
(Meratorium mit 100 Prozeut, zahlbar in 4 Raten uach 6. 9. 12 und 19
15 Monaten) hat bekanntlich am 18. Inli erneut das gerichrliche Ver= / Laget
gleichsverfahren beantragt. Die Geſellſchaft unterbreitete nunmehr ihreu. Mei de
Gläubigern einen Vergleichsvorſchlag, wvonach Kapitalförderungen vor
200 RM, oder auf dieſen Betrag ermäßigte Forderungen drei Mongte Milt .
nach Vergleichsbeſtätigung voll befriedigt worden. Die Gläubiger mit! Sie el
mehr als 200 RM. Forderungen ſollen 35 Prozeut erhalten, und zwar enn here
49—85 Mark.
Aktiengeſellſchaften zur Gewinnung von Gas, Waſſer und Elektri= beiden nächſten ein Abſinken. Im ganzen zeigen beide Kurven ſeit mehr
häuften Vorräte berichtet werden. Nicht anders iſt es auch im der aus dem Aufkommen der Umſatzſteuer berechmet werden kann, kommt
Aktiengeſellſchaften im Handelsgewerbe nur vereinzelt vertreten, wueil ſich die Umſatzſteuerzahlungen eben auf das vorhergehende Viertel=
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 21. Auguſt 1929. Die auf
des den Stichtag des 21. Auguſt berechnete Großhandelsinderziffer des
ſtati=
ſchiff= ſtiſchen Reichsamtes iſt mit 1380 gegenüber der Vorwoche (137,9)
nahe=
bei den Bahnen in Uebereinſtimmung mit zu underändert. Von den Hauptgaruppen ſtellten ſich die Inderziffern
für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren unverändert auf 131,4 und für
Die Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen
Berechnun=
gen wurden in der Zeit vom 11. bis 17. 8. im Ruhrgebiet in ſechs
Arbeitstagen 2 441 343 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 442 119 Tonnen
Außerdem wird kedoch durch Beſchränkung der Vorräte an Raum, in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
an Perſonal und an allen damit zuſammenhängenden Unkoſten Kokserzeugung ſtellte ſich in den 7 Tagen der Berichtswoche (in den
verſchieden, erreicht jedoch in jedem Induſtrie= und Handelszweig 635875 Tonnen in der vorhergehenden Woche; die Preßkohlenherſtellung
rung der Vorratswirtſchaft die größte Aufmerkſamkeit zu ſchenken arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 11.—17. 8.
zu geſtalten und durch Preisſenkungen erhöhte Umſätze zu erzielen. Die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 92 172 Tonnen (90 839) To.,
die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung auf 12247 To. (12042 To.), im Deutſchen Verkehrsbund organiſierten Hamburger Elbſchiffern abge=
Die neue Zellſtoff=Fabrik in Kexholm. Nach Mitteilung der
Ver=
waltung ſoll die neue, bekanntlich von Waldhof=Mannheim in
Finn=
land errichtete Fabrik eine Kapazität von insgeſamt 120 000 Tonnen
Kilo loko Mainz, am Freitag, den 23. Auguſt: Weizen 26 5. Roggen erhalten, doch ſollen zunächſt erſt 60 000 Tonnen hergeſtellt werden. Von Entſchädigung eine Million RM. (70 000 NM.), der Spezialreſerbe zu=
20,25—20,5, Hafer 21,5— 22,5, Braugerſte 22—22,75, Futtergerſte 19 bis der bisher größten Zellſtoff=Fabrik in Finnland, die ſich in Enſo befin=
2, Südd. Weizenmehl Spezial Null, Mühlenforderung 40. 15. zweit= det, werden jährlich 45 000 Tonnen Zelſtoff produziert. Die geſaute wieder 500 000 RM. als Hprozentige Dividende verteilt und 200 000 RM.
händig 39—39 5, Roggenmehl Null 1 29,5—30,5, Weizenkleie fein 11 bis Produktion ſoll nach Deutſchland, England und Italien abgeſetzt wer= (wie im Vorjahre) der Spezialreſerve zugewieſen.
den. Das Rohmaterial wird hauptſächlich aus Rußland bezogen werden
Plata=Mais 20,85, Cinm=Mais —, Malzkeime mit Sack 17—18, Bier= (was indeſſen von der finnländiſchen Holzveredelungsinduſtrie bezweifelt, der „Rheinmetall”, Rhein. Metallwaren= und Maſchinenfabrik in
Düſſel=
treber 17,5—18,5. Erdmußkuchen 22,25—22,25. Kokoskuchen 2035—96, wird). Die Fabrik wird Anfang 1931 in Betrieb geſetzt und zirka 800
Palmkuchen 19.75—20,75. Nabskuchen 1935—20 25, Aleeheu loſe 1175 Arbeiter beſchäftigen. Die Stromverſorgung wird durch ein eigenes
bis 12, Kleeheu geb. 12.5—13. Wieſenheu 11. Maſchinenſtroh 4,5—5, Kraftwerk erfolgen, da ſich dadurch der Strom billiger ſtellen wird, als 19 auf 20 Millionen RM. erhöhte Aktienkapital wieder eine Dididende
wenn er vom Imatra=Kraftwerk bezogen werden würde.
Die Leipziger Herbſtmeſſe. Die Leipziger Herbſtmeſſe wird heute
Frankfurker Gietmotierungen. Das Geſchäft am Frankfurter Eier= ihre Pforten öffnen. An der Meſſe ſind 8050 ausſtellende Firmen
be=
markt war in dieſer Woche etwas lebhafter, namentlich für deutſche teiligt, alſo etwa ſoviel, wie zur Herbſtmeſſe des Vorjahres. Die Bu=
Cier beſtand vermehrtes Intereſſe bei anziehenden Preiſen. Das Ange= ſammenſetzung der Ausſtellerſchaft iſt ſo, daß etwa 40 b. b. aus
Preu=
bot von Anslandseiern war reichlich, die Preiſe hierfür ziemlich unbels ßen, 10 b. H. aus Bahern und die Mehrzahl des Reſtes aus den übrigen
ändert. Es notierten in Pfg. per Stück: Italiener 11—115, Bulgariſche deutſchen Ländern kommen. Aus dem Auslande ſind 670 Ausſteller aus
2,75—10, Holländiſche 11—13, Südſlawiſche 9,5—2,75. Polniſche 825 21 Staaten erſchienen. Davon ſtehen an der Spitze wie immer die
Tſche=
bis 85, Ruſiſche 10—11, Däniſche 10,5—13, Belgiſchflandr. 1125 bis choſlowakei und Oeſterreich. Die Geſamtausſtellungsmeſſe hat ſich ver=
115, Rumäniſche 95—9,75, Schleſiſche 11,5—11,75, Bahriſche 1125 bis größert. Sie beträgt 149 500 Quadratmeter (141 500 zur letzten
Herbſt=
zmeſſe). Beſondere Ausdehnung hat die Baumeſſe erfahren. Auch die
Berliner Ppbuktenbericht vom 24. Auguſt. Die Hauſſe an den Ausſtellerzahl hat ſich dort um 10 b. H. vermehrt. Der Baumeſſe wird miniſteriums ſelbſtändige Nechtsberſönlichkeit mit eigener Satzung unter
amerikaniſchen Terminmärkten vermochte nur im Vormittagsverlehr, überhaupt beſondere Bedeutung zukommen, denn es iſt zu beachten, daß
einen ſtärkeren Eindruck auf den hieſigen Produktenmarkt zu machen, der Wohnungsbau in Deutſchland in vielen Großſtädten um mehr als
ſo daß die Preiſe für Weizen und Roggen etwa 1—2 Mark über dem 100 b. H. größer geworden iſt, als im Vorjahre. Allein in Berlin ſind
geſtrigen Börſenſchlußniveau lagen. Da Liverpool auf die feſten Ueber= im Juni d. J. für 88 Millionen Bauwerke begonnen worden. Die
ſeemeldungen verhältmsmäßig wenig reagierte, machte ſich zu Börſen= Meſſeteilnehmer von auswärts werden durch rund 450
Verwaltungs=
beginn eine Beruhigung geltend. Weizen ſetzte am Lieferungsmarkt in und Geſelſchaftsſonderzüge nach Leivzig gebracht. Die Teilnehmer aus Oslo hat den Bankerott erklären müſſen. Der Konkurs iſt einer der
den ſpäteren Sichten 0.50—100 MM. höher ein. September=Noggen dem Ausland ſind ſchon ſehr zahlreich anweſend. Namentlich aus den größten, den Norwegen je erlebt hat. Die Paſſiven belaufen ſich au
konnte ebenſo wie Sebtember=Weizen den Vortagsſtand nicht ganz be= ſkandinabiſchen Ländern und aus Oſteuropa hat der Beſuch gegenüber
Frankfurter Allgemeine Verſicherungs=A.=G. An dem Nettungswerk
lich gering und die Forderungen waren 1. 2 RM. höher. Größere Ums wird nach wie vor fieberhaft gearbeitet. Die Beſtrebungen zielen darauf= werden ſoll.
ſätze kamen jedoch micht zuſtande. Mehl liegt bei wenig veränderten hin, nicht nur die Allanz, ſondern auch andere Verſicherungs=Geſell=
Breiſen weiter ruhig. Hafer und Gerſte vermochten nur wenig Geſchäft, ſchaften zur aktiven Mitarbeit heranzuziehen. Im Laufe des geſtrigen Kongreß im kommenden Dezember ſich mit der Lage auf den Kabital=
Tages erfolgten weitere Erklärungen der Banken, in denen der Stand=
Vom Rohhäntemarkt. Am Nohhäutemarkt machte ſich auf den letz= punkt der beteiligten Finanzinſtitute nochmals genau geſchildert wurde.
ten Auktionen eine etwas feſtere Tendenz bemerkbar; der Beſuch war Es ſcheint die Abſicht zu beſtehen, auch über die Art, in welcher Weiſe
allgemein gut und die Käufer gingen etwas mehr aus ſich heraus. In die Banken ſich beteiligen, nähere Angaben zu machen. Man iſt der
der Preisbewegung waren allerdings nennenswerte Veränderungen nicht Auffaſſung, daß noch nicht ſämtliche Schwierigkeiten behoben ſind, ſon= 0
Zur Frankfurter Allgemeinen. Nach Informationen iſt die Lage zulegen, die ausſchließlich für den Ausbau der japaniſchen Induſtrie
felle zeigten keine Veränderungen, Kalbfelle waren zum Teil etwvas bei der Frankfurter Allgemeinen, was den Umfang der Verpflichtungen
höher und mittelſchwere Großviehhäute zogen um zirka 3 Prozent an. und der Verſchuldung anbelangt, noch immer ungeklärt. Soweit man
Rote Lalbfelle v. K. leichte 136—143,5, ſchwere 139—142,75, ſchwarze zurzeit überhaupt einen Ueberblick gewinnen kann, ſcheint der Status
leichte 11312—18.,75, leichte Ochſenhäute o. K. 73—75. ſchwvere 7125 bis nicht mehr ſo oytimiſtiſch wie zu Beginn angeſehen zu werden. Im private Leitung vornehmen. Sollte ein Monopol gebildet werden, ſo
N4MAPfg. pro Pfund. Dieſe Preiſe konnten ſich aber nicht bis zum übrigen iſt für nächſten Dienstag wieder ein Vollſitzung des Aufſichts= werde es wahrſcheinlich einen harten Konkurrenzkampf zwiſchen
Erich=
rats vorgeſehen.
f.
10 Prozent nach drei Monaten, 15 Prozent zzeitere drei Monate ſpäter ſrg uf
25 Prozent und 25 Prozont je neitere drei Monate ſpäter, Sofern die Jenm
Schuldnerin mit einer Nate lärger als zueti Wochen im Fückſtand ſutrbrochen
bleibt, ſoll die Geſamtforderung wieder aufleben.
Ehupben
IE8 Banfit
Vießzmärkke.
n
* Auf dem Schwrinenarkt in Weinheim a. 5 V. am Samstag, den jung nat
24. Anguſt, waren 269 Schiweine zugeführt. Verkauft wurden 224, und i „Geld
zwar Miſchſchwveine das Stück von 25—41 Mk., Läufer das Stück vom hei ho
Ameriksnicze Kabe nacheichten.
Nctu Vork, 24. Aug. (Priv.=Tel.) 4m
Am Baumvollmarkte war die Tendenz heute unregelmäßig; Käufe
des Handels uund die hölferen Kabelmeldungen gaben anfangs zu
Preis=
ſteigerungen Anlaß, jedoch= uaren auch Abgaben für Technung ſüdlicher
Firmen zu beobachten. Durch die Unſicherheit der Entwicklung des
Wetters im Südweſten wurde vorübergehend eine ſchwächere Stimmung
hervorgerufen. Die Schliſdreiſe lagen infolge von Deckungskäufer
über Vortagsniveau
Kaffee= und Zuckerbörſe heute geſchloſſen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 24. Aug.*
Getreide. Weizen: Sept. 1323, Dez. 141½, März 147½8, Mar
151½: Mais: Sept. 10238, Dez. 993 März 104½: Lafer: Sept.
463, Dez. 51, März 54½; Rosgen: Sept. 1033, Dez. 112½,
März 117½.
Schmalz: Sept. 12.10, Okt. 12,22½, Dez. 12,27½, Jan. 12,65.
Fleiſch. Rippen: Sept. 12,75. Okt. 12.90; Speck, loko 13,00;
leichte Schweine 11,25—12,00, ſchtvere Schweine 10,25—11,30;
Schweinezufuhren: Chicago 4000. jr Weſten 25 00.
Baumwolle: Oktober 18,55, Dezember 18,84.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 24. Aug.:
Getreide. Weizen: Rotwinter und Hariwinter 197½ Mais;
115: Mehl: 6.30—6,90; Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling,
nach dem Kontinent 8—9 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,45; Talg, ertra, loſe 78.
NSCLiGTer.
Der am Donnerstag abend von der Hamburger Schlichterkammer
für die Elbſchiffahrt gefällte Schiedsſpruch iſt am Freitag abend von den
lehnt worden.
In der Hauptverſammlung der Deutſchen Orientbank. A. G. wurde
beſchloſſen, aus der auf Grund des Kriegsſchädenſchlußgeſetzes erhaltenen
zuweiſen. Von dem Reingewinn von 838 964 (837 840 RM.) wurden
Die Bilanzarbeiten für das am 30. Juni abgelaufene Geſchäftsjahr
dorf, ſind noch nicht beendet. In unterrichteten Oreiſen wird aber
ſchon jetzt damit gerechnet, daß auch auf das im Nobember 1928 von
von 6 Prozent zur Verteilung kommt.
Nach Blättermeldungen hat eine Gruppe von Berliner Aktionären,
die durch den Frankfurter Verſicherungsſkandal beſonders ſchwer
ge=
ſchädigt worden iſt, ſich veranlaßt geſehen, bei der zuſtändigen
Staats=
anwaltſchaft gegen die beiden Hauptdirektoren der Frankfurter
Allge=
meinen, Philipp Becker und Dr. Kirſchbaum, Anzeige zu erſtatten.
Der 35. Deutſche Weinbaukongreß in Offenburg wurde geſtern mit
der Eröffnung der Deutſchen Weinfachausſtellung begonnen. Zahlreiche
Vertreter des Deutſchen Weinbauverbandes waren bereits anweſend, an
ihrer Spitze ihr Präſident Dr. Müller=Karlsruhe.
Die Badiſche Girozentrale hat durch Beſchluß des Badiſchen
Staats=
der neuen Bezeichnung „Badiſche Kommunal=Landesbank, Girozentrale,
öffentliche Bank und Pfandbriefanſtalt” erhalten. Die neue
Vezeich=
nung tritt mit dem 26. Auguſt 1929 in Kraft.
Der bekannte norwegiſche Schiffsreeder Chriſtoffer Wannebig in
45—50 Millionen, denen an Aktiven 6000. Kronen gegenüberſtehen.
Die Verhandlungen der Schweiz mit Belgien haben zum Abſchluß
eines Handelsvertrags geführt, der am nächſten Montag unterzeichnet
In parlamentariſchen Kreiſen verlautet, daß der amerikaniſche
und Geldmärkten eingehend befaſſen wird. Es iſt in Ausſicht
genom=
men, eine beſondere Kommiſſion mit der Veranſtaltung einer Enqueie
zu beauftragen.
Die japaniſchen Banken haben nach Verhandlungen mit der
Ne=
gierung ſich dazu bereit erklärt, Anfang des nächſten Jahres eine
An=
leihe in Höhe von 50 Millionen Yen für die japaniſche Regierung
auf=
verwertet werden foll.
Nach einer Meldung dürfte das japaniſche Verkehrsminiſterium die
Ueberleitung des Telephondienſtes, der 850 000 Abonnenten zählt, in
ſon und der International Telephone and Telegraph geben.
Nummer 233
Sonntag, den 25. Auguſf 1929
Seite 15
Roman von Bruno Winkler.
Copyright: Greiner u. Co., Berlin, Luiſenſtr. 19.
Nachdruck verboten
Hier weht internationale Luft, Edwin. Hier werden wir
beſſer unterhalten —
Sie ſaßen auf der Frühſtücksterraſſe des Hotels. Der Ober
hihte den Tee und Zeitungen. Jenny durchblätterte ſie gelang=
Plötzlich fiel ihr Blick auf eine Meldung: „Die aus der
Ahsbank geraubten Noten im Umlauf.” Sie erſchrak. Sich
üe das Blatt beugend, las ſie: „In einem Juweliergeſchäft
ſrer den Linden wurden dieſer Tage eine Anzahl
Tauſend=
mkſcheine in Zahlung gegeben, die aus den ſeit dem noch immer
wufgeklärten Einbruch in die Stahlkammer der Reichsbank
ver=
ſwundenen Notenbündeln ſtammen. Der Name des Käufers,
einen wertvollen Schmuck erſtand, iſt bekannt. Es handelt
ſium einen in letzter Zeit viel genannten Herrn der Berliner
shrt= und Lebewelt. Er hat Berlin am ſelben Tag, an dem er
w den Scheinen bezahlte, verlaſſen. Die Polizei ſoll ſeinen
ſenthaltsort bereits ermittelt haben."
Jenny war wie gelähmt. Die Polizei fahndete nach ihnen!
ych Edwin und wahrſcheinlich auch nach ihr. Sie hatte eine
ſichtbare Dummheit gemacht. Hätte ſie nicht das Geld irgendwo
wer falſchem Namen im Ausland wechſeln können? Jetzt war,
we ſie beſaß, ſo gut wie wertlos für ſie. Aber ſie wollte
wenig=
ſes noch ſo viel Vergnügen dadurch haben, als ſich erjagen ließ.
½ allem; fort von hier! Sich die Freiheit, ſolang es ging, er=
hen!
Draußen flutete der Sonnenſchein. Ein friſcher Wind pfiff
ur die Strandpromenade.
Blitzſchnell faßte ſie ihren Plan.
Sie wandte ſich Edwin zu. „Gehen wir ein wenig!” Er
ihr in die Jacke. Sie traten ins Freie,
„Das iſt eine Kälte, Edwin!” Sie ſchüttelte ſich mit
geſpiel=
ſie Erſchauern. „September iſt eigentlich zu ſpät für die Oſtſee.
öür können wir nicht bleiben.”
Du willſt doch nicht etwa ſchon wieder weiter?” fragte er
leblüfft.
„Warum nicht?” Sie rief eine Autodroſchke an. „Nach dem
ſüigplatz.”
„Was haſt du vor?” drängte er.
„Laß mir die Freude, Liebſter”, ſchmeichelte ſie.
Dagegen war er machtlos.
Bei den Gebäuden des Flughafens angekommen, bat ſie
ſſvin, am Wagen auf ſie zu warten.
Sie eilte ins Büro. Nach einer Weile ſah er ſie mit einem
bern herauskommen und nach den Hallen gehen. Sie ſprach
iſig auf ihren Begleiter ein.
Jenny kämpfte um einen Apparat, der ſie und Edwin in
un=
merbrochenem Flug an die Riviera bringen ſollte. In den
Stuppen befanden ſich mehrere Privatflugzeuge. Der Pilot
ſe Bankiers Zyzani glaubte, daß ſein Chef ihr eine ſeiner
Mſchinen zur Verfügung ſtellen werde, gegen angemeſſene Ver=
ſüung natürlich.
„Geld ſpielt keine Rolle”, lächelte Jenny.
Können Sie in
inr halben Stunde die Genehmigung des Herrn Zyzani
aſen ?"
„In fünfzehn Minuten, wenn ich ihn erreiche.”
Sie ſtanden zwiſchen den Flügeln der Rieſenvögel. „Die=
Rumpler da würde ich bekommen?” fragte Jenny, auf eine
uie wundervoll ausgeſtattete Maſchine deutend.
„Das iſt der Apparat der gnädigen Frau”, entgegnete der
Blot. „Wir würden einen der beiden Farmandoppeldecker
„Die Sache iſt ſo gut wie ſicher?”
„Ich denke.”
„Geben Sie mir ins Hotel Beſcheid. Ich komme dann ſofort
mit dem Gepäck heraus.”
Sie lief zu Edwin zurück. „Ich habe ein Flugzeug gechartert,
das uns nach Cap d’Antibes bringen ſoll.”
„Du verſteht dich auf das Europabummeln,” ſpöttelte er.
„Aber das iſt kein Bummeln mehr, das iſt ein Hetzen. Werden
wir denn dort unten länger als vierundzwanzig Stunden
bleiben?”
„Wenn es uns nicht ſchon eher weiter zieht, gewiß. Wie
9"
wäre es mit Kairo — Lukſor —
„Das ginge über unſere Abmachungen hinaus. Kairo liegt
bekanntlich nicht mehr in Europa.”
„Pedant!” Sie ſchwang ſich in den Wagen. „Fahren Sie
los, Chauffeur.”
Herr Zyzani befand ſich auf einem Flug nach Warſchau.
Nichtsdeſtoweniger war, als Jenny mit Edwin ins Hotel kam,
ſeine durch den Piloten Maſſaſcheck funkentelegraphiſch
vermit=
telte Genehmigung ſchon da. Er verlangte 5000 Zloty, die dem
Flugzeugführer vor Antritt der Reiſe auszuhändigen waren.
Aber das war ja nebenſächlich.
Jenny packte fieberhaft. Sie fühlte ſich keine Minute mehr
ſicher und atmete erſt auf, als ſie wieder im Auto ſaßen.
Der Apparat ſtand ſchon auf dem Startplatz. Maſſaſcheck
er=
hob Einwendungen gegen die ſchweren Koffer. Ein paar Scheine
ſiegten über ſeine Bedenken.
Nach kurzem Anlauf hob ſich das Flugzeug vom Boden. Es
war ein prachtvoller Septembertag. Die Sonne ſtrahlte am
vvolkenloſen Himmel. Im Norden leuchtete glitzernd das Meer.
Weit dehnte ſich die Bucht. Die Reiſenden ſahen die Türme
Danzigs und dahinter das Blitzen des Haffs.
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Jenny ſtieß einen Jubelruf aus, weniger aus Begeiſterung
über das wundervolle Bild das ſich ihnen bot, als aus einem
Gefühl der Erleichterung heraus, daß ſie den Verfolgern
glück=
lich entkommen waren. Edwin aber nahm ihn für eine Aeßerung
ihrer Hingeriſſenheit. Er zog ſie an ſich und küſte ſie lang und
innig auf den Mund.
Der Pilot hielt genau ſüdweſtlichen Kurs. Sie flogen
zwei=
hundert Stundenkilometer. Wälder, Seen, Flüſſe, grüne und
braune Felder, auf denen Leute arbeiteten, Dörfer, kleine Städte,
Straßen und Eiſenbahndämme glitten unter ihnen hin.
Bald ſchwebten ſie über deutſchem Land. Das Netz der
hel=
len und dunklen Linien ward dichter; raſcher folgten ſich die
Ort=
ſchaften. Kanäle durchſchnitten das Land. Ein breiter Strom
blieb zurück: die Oder. Am Horizont tauchte ein Gebirge auf.
Nach knapp drei Stunden erreichten ſie Dresden.
Maſſaſcheck droſſelte den Motor und ſteuerte niedrig über die
Stadt. Eingebettet in einem grünumrandeten Talkeſſel lag ſie
leuchtend da, von der ſilberglänzenden Elbe in zwei ungleiche
Teile geteilt. Ueber die Brücken flitzten die Wagen in endloſen
Neihen. Wie ein Zug ſeltſamer Inſekten floß der Strom der
Fußgänger die Gehſteige entlang.
Edwin ſah aufmerkſam in die Tiefe. Er hatte in Dresden
einige Semeſter an der Techniſchen Hochſchule ſtudiert.
„Sieh den Dom, das Schloß, den Altmarkt und dort das
Rathaus mit dem goldenen Herkules auf dem Turm.”
Schon folgten ſie der ſchmalen Pragerſtraße.
Hier muß irgendwo das Theater ſein, in dem ich einmal
auftrat”, ſagte die Diva.
Da ratterten ſie bereits über dem Schienengewirr des
Bahn=
hofs. Die Farman ſtieg. Mit neu aufbrauſender Kraft ging
es dem Erzgebirge zu.
Herrlich die Fahrt über die Bergwälder!. Aber Jenny zeigte
nicht viel Sinn für die Schönheit der Landſchaft. Sie verſpürte
Hunger und packte die Vorräte aus, die ſie beim Aufbruch noch
in aller Eile erſtanden hatte: Paſteten, Fleiſchkonſerven, Früchte,
Pumpernickel, Süßigkeiten, Wein.
Gefällig breitete ſie alles auf dem kleinen Kabinentiſch aus,
ſchenkte den Malaga in die ſilbernen Reiſebecher und ſtieß, ſich
beinah verplappernd, auf ein glückliches Gelingen an.
„Was ſoll uns gelingen?” fragte Edwin.
„Die Flucht!” lag es ihr auf den Lippen. „Der Flug!”
ſagte ſie.
„Eine Luftreiſe iſt doch heute nichts beſonderes mehr,”
ent=
gegnete er. Er ſah ſie prüfend an. Etwas wie ein Verdacht
ſtieg in ihm auf. Oder ſpürte er den unausgeſprochenen
Ge=
danken? Ihr Aufbruch in Zoppot hatte etwas Fluchtartiges
ge=
habt. Jenny war erregt geweſen. Sollte ſie einen ernſten Grund
gehabt haben? Dieſer unſinnige Flug über halb Europa!
„Warum ſind wir eigentlich ſo Hals über Kopf abgereiſt,
Jenny?” fragte er.
„Weil es mir zu kalt war.”
„Ich fand es aber gar nicht kalt.”
Sie warf ihm einen böſen Blick zu. Fing er jetzt etwa an,
ihr Schwierigkeiten zu machen? Sie waren noch nicht in
Sicher=
heit. Wenn er jetzt auf den Gedanken kam, hier irgendwo
nieder=
zugehen, wurden ſie innerhalb vierundzwanzig Stunden gefaßt.
Ihn aufklären? — Unmöglich! — Alſo: „Das hätteſt du mir ſagen
ſollen! Wenn ich gewußt hätte, daß du Wert darauf legſt, noch
dort zu bleiben, nun, ſo wären wir eben geblieben.”
Ihre Heftigkeit hatte die gewünſchte Wirkung. Edwin
be=
rührte die Frage nicht mehr. Aber er war nicht davon überzeugt,
daß der Plan dieſer Reiſe, wie er zuerſt gedacht, nur einer Laune
entſprungen war. Wieder wie früher oft vor ſeinem Unfall,
fühlte er, daß ihm dieſe Frau, ſo ſehr er ſie liebte, innerlich fremd.
war.
Sie ſchwiegen beide. Es herrſchte eine unbehagliche
Stim=
mung in dem engen Raum.
Da ſchob Jenny das Fenſter zum Führerſitz auf und bot dem
Piloten von ihren Herrlichkeiten an. „Stärken Sie ſich, Herr
Maſſaſcheck.”
Der Flieger wandte ſich um.
Sie flogen in einer Maſchine modernſter Bauart mit
ſelbſt=
tätiger Höhen= und Seitenſteuerung. Der Pilot konnte ſie ohne
Gefahr eine Weile ſich ſelbſt überlaſſen.
„Sehr liebenswürdig!” Er ſprach das „r” ſcharf und
ſchnan=
rend aus.
Ihr zutrinkend, leerte er mit einem Zuge den Becher, den
ſie ihm reichte, nahm von ihren Leckerbiſſen und begann, ſich
halb durchs Fenſter lehnend zu plaudern.
Jenny machte ſich ein Vergnügen daraus, mit ihm zu flirten.
Es lag in ihrer Natur, jeden Mann, mit dem ſie zuſammenkam,
auf die Probe zu ſtellen. In dieſem Fall aber war ihr mehr
daran gelegen, Edwin zu reizen. Er ſollte an anderes denken,
als an die mögliche Urſache dieſer Reiſe.
Ihr Verhalten hatte bald die gewünſchte Wirkung, aber mit
ihr die Folge, die nicht beabſichtigt war.
Es war natürlich, daß Edwin ihr Kokettieren mit dem Flieger
verdroß. Maſſaſcheck beherrſchte die Kunſt des Flirts nicht
weni=
ger als ſie. Ein wahres Feuerwerk an Witz und überflüſſiger
Lebenskraft ſprühte zwiſchen den beiden auf.
„Wir werden noch abſtürzen, wenn Sie nicht auf Ihre
Maſchine achten, Herr Maſſaſcheck,” grollte Stamer.
Ein breites Lachen war die Antwort. „Keine Sorge, mein
Herr! Die flieg’ ich im Schlaf.”
Edwin verzerrte das Geſicht. Unerträglich dieſer Burſchel
Unter ihnen wälzten ſich die Wogen des Waldgebirges. Sie
ſtrichen über Böhmen hin und näherten ſich der bayeriſchen
Grenze.
(Fortſetzung folgt.)
(V.1448
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Seite 16
Sonntag, den 25. Auguſt 1929
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Die Neuwahlen der Stadtratst
Zemeinderats=, Kreistags= un
Provinzialtagsmitglieder.
Die obigen Wahlen finden am 17. N4
vember 1929 ſtatt. Zur Vermeidund
ſpäterer Einwendungen liegt es im Intel
eſſe der Wahlberechtigten, deren Namdh
bei den letzten Wahlen in den Wählen
liſten nicht enthalten waren, ſich davo
zu überzeugen, ob in der Wählerkarten
ſammlung des ſtädtiſchen Wahlbüro)
Stadthaus, Rheinſtraße 16/18, Zimmd
Nr. 17, für ſie eine Wählerkarte vo
handen iſt.
Insbeſondere werden alle hier an
ſäſſigen Perſonen, die im Jahre 1920
das 20. Lebensjahr vollendeten oder no
vollenden, aufgefordert, ſich bei der Vol
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25. Auguſt 1929
Nummer 34
Schlag auf Schlag erweiſt das Luftſchiff „Graf
Seppe=
lin” die Leiſtungsfähigkeit des Suſtems, das den Namen
des genialen Grafen vom Bodenſee trägt. Und die
Leich=
tigkeit, mit der er Wind und Wetter ſpielend bezwingt,
birgt gleichzeitig ein Verſprechen in ſich; das Verſprechen
nämlich, daß die größeren, ſtärkeren Schiffe, die nunmehr
gebaut werden ſollen, wirklich imſtande ſein werden, einen
regelmäßigen Paſſagier= und Frachtenverkehr über große
Entfernungen zu beſtreiten.
Das Luftſchiff iſt gebrauchsfähig, auch im
regelmäßi=
gen Verkehr. Aber nun erwächſt ihm ein Konkurrent,
der Anſpruch darauf erhebt, noch gebrauchsfähiger zu
ſein: das Großflugzeug, wie es zum erſten Mal im
„Do X” erſtanden iſt. Sie könnten nebeneinander
be=
ſtehen, wenn ſie Gleiches leiſten und im gleichen Maße
wirtſchaftlich wären. Aber Luftſchiff und Flugzeug
be=
ruhen auf viel zu verſchiedenen Vorausſetzungen, als daß
N9
UT
trägt alſo einen Kraftausfall
von 50 Prozent. Darin aber
iſt ihr das Luftſchiff immer
noch überlegen. Denn der
„Graf, Seppelin” iſt über
Frankreich mit vur einem
von fünf Motoren geflogen
und gelandet, er vertrug alſo
einen Kraftausfall von 80
Prozent. Und er wäre ſelbſt
bei einem Ausfall von 100
Prozent nicht verloren, denn
dann hat er immer noch
Aus=
ſicht, als Freiballon irgendwo
notlanden zu können. Dieſem
Grad von Betriebsſicherheit
nähert ſich das Flugzeug mit
Der Rieſenleib des Luftſchiffes krägt verhältnismäßig
nur geringe Laſt —
aber das kleinere und billigere Slugboot verbraucht dafür dreimal ſo viel Betriebsſtoff.
ſie jemals als ebenbürtige Konkurrenten auftreten
könn-
ten. Eins von beiden wird das anderen überflügeln und
ihm die Exiſtenzberechtigung rauben. Es wäre vermeſſen,
heute ſchon zu ſagen, wer der Sieger in dieſem
Wett=
ſtreit ſein wird. Aber wir können feſtſtellen, worauf
es in dieſem Kampfe ankommt. Das iſt Sweck und Siel
der nachſtehenden Betrachtungen, die ſowohl die rein
techniſche, als auch die wirtſchaftliche Seite des
Pro=
blems behandeln.
Leichter oder ſchwerer als die Luft?
Von Dipl.=Ing. H. Klötz.
Welche Anforderungen ſtellt man an den Konſtrukteur
eines Luftfahrzeuges für weite Strecken? Sein Fahrzeug
muß ſchnell ſein. Es muß jedem Wetter gewachſen ſein.
Und es muß vor allen Dingen ſicher ſein. Safety first! ſagt
der Amerikaner . . .
Die Sicherheit eines. Luftfahrzeugs hängt von ſeiner
Leiſtungsreſerve ab. Das heißt, von ſeiner
Manövrierbar=
keit bei verminderter Kraft. Bei Ausfall eines Motors
muß ein einmotoriges Flugzeug ſofort, ein zeimotoriges
etwas ſpäter notlanden. Je größer die Sahl der Motoren
iſt, um ſo günſtiger wird die Lage. Die „Do X” zum
Bei=
ſpiel kann vier von ihren zwölf Motoren entbehren, ja, ſie
wird auch noch mit ſechs Motoren flugfähig ſein. Sie ver=
der ſteigenden Sahl ſeiner Motoren. Aber ganz aufzuholen
iſt der Vorſprung wohl niemals.
Kommt es aber ſchließlich doch zur Notlandung, dann
be=
findet ſich das Flugzeug dem Luftſchiff gegenüber in großem
Vorteil. Das Flugboot — von dem hier ja die Nede iſt —
kann auf jeder freien Waſſerfläche ohne fremde Hilfe
not=
landen, das Luftſchiff hingegen iſt zweifellos verloren, wenn
ihm nicht ein Landeplatz mit ausreichender
Landungsmann=
ſchaft zur Verfügung ſteht. Hier ſtehen die Vorzüge des
Flugzeugs ganz außer Frage. Aber man muß doch der
irrigen Meiung entgegentreten, daß ein Flugboot von der
Größe der „Do X” bereits durchaus ſeetüchtig iſt. Auch
das größte Flugboot iſt immer noch ein kleines — Schiff,
das einem hochgehenden Ozean nicht gewachſen iſt. Es iſt
vor allem außerſtande, bei hoher See wiederum zu ſtarten,
und ſeine Beſatzung kann von Glück reden, wenn ſie durch
Funkſpruch fremde Hilfe herbeizuholen vermag.
Auch in der Geſchwindigkeit iſt das Flugzeug dem
Luft=
ſchiff überlegen. Die „Do X” entwickelt 240
Stundenkilo=
meter. Dagegen wird auch
ein ſtarkes Luftſchiff 150
Kilometer nicht überſchreiten
können. Der Widerſtand
ſeines Nieſenkörpers iſt doch
zu groß. Die 200
Stunden=
kilometer die der „Graf
Seppelin” bei der letzten
Fahrt von Lakehurſt nach Friedrichshafen entwickelte, ſind
ein Ausnahmefall, da ſie durch Schiebewind bewirkt waren.
Suſammenfaſſend wäre zu ſagen: Das Luftſchiff iſt
ſicherer, das Flugzeug ſchneller. Die Entſcheidung wird
letz=
ten Endes beim Kaufmann liegen, der imſtande iſt,
Schnellig=
keit und Sicherheit in Mark und Pfennig zu bewerten.
Der Rechenſtift wird entſcheiden!
Von Dr. Karl Weinmöller.
Die grundſätzliche Frage nach der Nentabilität eines
Verkehrsmittels lautet: wie viel Kraft (Betriebsſtoff)
be=
nötigt es zum Cransport einer Conne Nußlaſt? Nach den
vorliegenden Berechnungen kommen beim Luftſchiff auf die
Conne etwa 100 PS, beim kleinen Landflugzeug etwa 600
bis 1000 PS, beim Großflugboot „Do K” etwa 300 PS.
Größere Luftſchiffe und größere Flugboote werden mit
ge=
ringeren PS=Sahlen je Conne auskommen, es iſt ſchwer,
foſtzuſtellen, ob der beträchtliche Vorſprung des Luftſchiffes
dann größer oder kleiner wird. Wir wollen alſo beim
augen-
blicklichen Stand der Cechnik haltmachen und dieſes
Ver=
hältnis als feſtſtehend annehmen: Das Luftſchiff befördert
die Conne Nutzlaſt mit einem dreimal geringeren
Kraftauf=
wand (Brennſtoffverbrauch) als das Flugboot. Die
Selbſt=
koſten des Cransports einer Conne Nutzlaſt mit dem Luft=
(Schluß Seite 3)
Vor Jahresfriſt noch viel beſtaunk — aber für Weitſtreckenflüge immer noch zu klein!
(Der Rumpf des Großflugbootes Nohrbach=Nomar.)
Die Mokorenanlage der „Do X” ermöglicht eine Wartung der Mokoren während des
Fluges. Darin war das Luftſchiff bisher den Flugzeugen überlegen.
Hannnnnnnnnnnnnnnn
Innngnannannagnnnanzannny
Baunnannnnnn!
Sparenl Sparen! Sparen! Ob ſie nun gegen den Young=
Plan wettern, die Herren Politiker und Wirtſchaftler, oder ihn
in alle Himmel heben — — ſie kommen auf jeden Fall immer
zu dem gleichen Neſultat. Es muß und ſoll auf jeden Fall
ge=
ſpart werden.
Aber die heutige Seit, dieſe Generation, die eine Inflation
erlebte, iſt des Sparens überdrüſſig. Früher gab es noch Leute,
die an Streichhölzern ſparten und genau auszurechnen wußten,
was ſie ſich dann nach zwanzig Jahren dafür leiſten konnten.
Sie ſind dünn geſät. Die Anſprüche ſind geſtiegen, trotz der
ſchlechten Seiten, und die Argumente, mit denen dieſe Steigerung
vom Einzelnen begründet wird, ſind ſchwer zu widerlegen. Wenn
es ſchon kei Huhn im Copf iſt, dann ſoll ſich der ſchwer
arbei=
tende Menſch von heute wenigſtens die Butter aufs Brot leiſten
können . . .
Nun — der Notruf Sparen! Sparen! Sparenl, der heute
er=
geht, richter ſich auch gar nicht an die kleinen, beſcheidenen
Ge=
nießer des Alltags. Das wäre auch eine falſche Spekultation.
Denn dieſer „Genießer” genießt in den meiſten Fällen doch nur
das, was unbedingt notwendig iſt, wenn die körperlichen und
ſee=
liſchen Kräfte halbwegs friſch bleiben ſollen. Wenn er unter die
Grenze dieſer Notwendigkeit geht, wird er zwar noch immer nicht
verhungern, aber ſeine Leiſtung wird geringer ſein. Und den
Nechenkünſtler möchte ich ſehen, der die verminderte
Leiſtungs=
fähigkeit eines ganzen Volkes einer Mehrausgabe für gewiſſe
Lebens= und Genußmittel vorzieht! Es kommt wirklich nicht
darauf an, den Bedarf des Durchſchnittsmenſchen — und von
(028
Immer größer wird die Einfuhr ausländiſcher Kraftfahrzeuge,
obwohl die eigene Indnſtrie leiſtungsfähig genug iſt, um den
Bedarf zu decken. Das „Vergnügen” mancher Leute,
auslän=
diſche Wagen zu fahren, gefährdet die Exiſtenz von 450 000
deutſchen Arbeitern und Angeſtellten.
dieſem, nicht von ein paar Schlemmern iſt die Nede —
einzu=
ſchränken, denn es geht ja auch gar nicht um die Lebenshaltung
und das Vermögen des einzelnen, es geht um die wirtſchaftliche
Leiſtung des ganzen Volkes, die ſich äußerlich in einer ſeit
Jah=
ren beängſtigend paſſiven Handelsbilanz ausdrückt. Das heißt,
es wird viel mehr ein= als ausgeführt; das Geld kommt nicht ins
Land, es bleibt nicht einmal darin, es ſtrömt in unzähligen
Mil=
liarden über die Grenzen ins — Ausland. Es iſt — — „zum
Fenſter hinausgeworfen”!
Darüber gibt es gar keinen Sweifel; es muß mmportiert
wer=
den! Kein Land der Welt kann ſich den Luxus erlauben, ſeine
Grenzen zu ſperren und nur das zu verbrauchen, was im eigenen
Eine
abenteuerliche Odenwaldfahrt.
Von Walter Schweter.
Ja, wenn man allein auf Abenteuer auszieht, iſt das gar keine
ſo üble Sache, auch wenn es einem einmal ein wenig übel ergehen
mag. Aber hat man faſt ein halbes Dutzend Mädel zur Seite,
auch wenn es die eigenen Cöchter ſind, und eine gleich
wald=
läufertüchtig geratene, gleich langbezopfte und zunftmäßig
ge=
kleidete Freundin, und man gerät in abenteuerliche Dinge,
dann . .
Wir flogen nur ſo dem Oſtbahnhof Darmſtadts zu, weil wir
ſpät dran waren und doch den ſchönen Morgeneilzug noch
er=
wiſchen wollten. Als wir aber glücklich eine ganze Minute vor
ſeiner Abfahrtszeit im Bahnhof waren, mußten wir hören, daß
wir dennoch faſt einen ganzen Monat zu früh gekommen ſind,
weil ſie das Süglein erſt som erſten Mai ab laufen laſſen wollten.
Ja, da ſtanden wir nun mit unſeren langen Haaren und ſahen
uns an und — lachten, denn ſie ſchienen uns doch zu ſchade, um
ausgeriſſen zu werden. Und zur Erheiterung des halbſtündigen
Wartens auf den richtigen erſten Zug führten uns die
darm=
ſtädtiſchen Herren und Frauen und Fräulein Milchhändler mit
ihrem bienenfleißigen Aus= und Einfliegen im und vom
Bahn=
hof und dem umzäunten Standplatz der ungeheuren
Milchkarren=
menge ein ſo unterhaltendes, ohrenbetäubend laut raſſelndes
Karren= und Kannenmanöver vor, daß es uns faſt leid tun
mollte, als der Odenwaldzug endlich herankam. Wie war das
doch unaufhörlich hin und her gegangen mit den Hunderten von
ädern und Karren und behoſten und beſtrumpften, fein und
So wuchs die Arbeitsloſigkeit in Deutſchland ſeit dem Jahre
1924, weil ſo und ſo viele Millionen für Omportware, alſo an
ausländiſche Arbeiter bezahlk wurden!
kaufen, was er wirklich nicht ſelbſt erzeugen kann. Es wird
keinem Bauern einfallen, die Eier beim Nachbar zu kaufen, nur
weil deſſen Hennen ſie um einen halben Sentimeter größer legen,
oder weil er es ſich auch nur einbildet, daß des Nachbars Eier
größer wären als die eigenen. Den Bauern, der das täte, würde
man für einen Sdioten halten. Aber die Volksgemeinſchaft als
Ganzes tut es wahrhaftig. Obwohl doch jeder einzelne für ſich
ſicher überraſchend klug iſt ..."
Deutſchland hat — weil wir ſchon bei den Eiern ſind — im
Jahre 1928 für ſage und ſchreibe 846 Millionen Mark Eier,
deutſche Noggen würde auchreichen, um den Inlandbedarf
Brot zu decken. Aber der deutſche Verbraucher meint, er miſ
unbedingt Weizenbrot verzehren, obwohl ihm jeder Arzt bewt
ſen kann, daß Noggenbrot bekömmlicher, geſünder, nahrhaft
iſt. Nun wird alſo der teure Weizen aus dem Ausland herbe
geſchafft, und der deutſche Noggen wird zum bedeutenden C
als — Viehfutter verwendet!
Wir geben hier eine Ueberſicht über die Einfuhr der wi
tigſten Warengruppen im Jahre 1928. Sie entſtammt, wie
anderen Angaben, der ſehr inſtruktiven Broſchüre des Dr. O
Merſtedt: „Exportförderung und Einfuhrbeſchränkung”, in
ſchwierige Wirtſchaftsprobleme in einfacher, faſt volkstümlich
Form erläutert werden.
Lebensmittel und Getränke:
Muß das ſein, meine Damen? Die Einfuhr ausländiſcher Coilette=
Arkikel nimmt gigantiſche Ausmaße an. Die wohlhabenden
Leuke von anno 1915 waren weitaus beſcheidener.
Milch, Butter und Käſe aus dem Ausland importiert. Warum?
Weil im Inland nichts oder wenig für die Steigerung der
eige=
nen Produktion getan wird oder aber, weil der Verbraucher
die ausländiſche Ware für beſſer hält als die inländiſche. Der
Verbraucher iſt von der fixen Idee beſeſſen, daß ein „däniſches
Crinkei” beſſer ſei als ein deutſches, obwohl es doch auch mr von
einer Henne gelegt wird, und obwohl der Weg von der deutſchen
Henne zum Verbraucher kürzer iſt, als der über die Grenze.
Herr Parker Gilbert, der ein guter Nechner iſt, hat
ausgerech-
net, daß Deutſchland jährlich allein an Eiern und Milchproduk=
(im Mill. RSM.)
im Jahre 1928 Weizen . .= * 501,4 Mehl, Graupen u. a. * 15,5 Küchengew. (Gemüſe) 158,9 Obſt. 225,1 Südfrüchte . 252,6 Sucker 34,5 Kaffee 310,0 Fleiſch, Speck 166,2 Butter 455,5 Käſe 102,7 Eier ... 294,5 Wein und Moſt 72,8
1668,4
grob beſchuhten, ſchlanken und nicht ſchlanken Beinen und
Bein=
chen, Vöcken und Nöckchen!. Alles flog mr ſo, Bubikopf und
Mädelzopf und . . . Ja, und dann ſaßen wir ſchon im Wagen
und fuhren ſüdwärts.
Ach, es war ein ſo ſchöner Apriltag mit hellem, beſonntem
Himmel und begrünter Erde, mit Lerchenſang und
Lenzwind=
wehen. Und wieviel war zu ſehen hinter den Fenſtern, wenn auch
der Morgenduft und Frühnebel noch die Ferne verhüllt hatten
und auch das Lichtenberger Schloß verſteckt hielten. Stand doch
der Breuberg klar genug in dem Mümlingtaleinſchnitt und der
Otzberg, trotzig wie immer, über dem aufſteigenden Gedächer
der kleinſten heſſiſchen Stadt. Aber wer kann dafür, wenn er
nicht allein in einem Eiſenbahnwagen ſitzt und ein Weibermund
das tollſte Nedezeug über einen frechen Buben ausgießt, was da
hieß: „Mein Süßes, biſt müdele, willſt e Schläfle mache!” und
noch mehr ſo Suckerkram, daß es nicht nur dem Lausbüble
ſchlecht geworden iſt, und wir froh waren, als uns König mit
Schloß und Kirche empfing. Und als ſich dann die jungen,
friſchen Mädchenaugen auch noch davon überzeugt hatten, daß
wir ſetzt zum Wandern ins ſchöne Maintal und wieder zurück
zum königlichen Bahnhof ganze elf Stunden Seit belaſſen
be=
kamen oder zu haben ſchienen, weil der allerletzte Sug erſt um
neun Uhr elf Minuten zurückgehen wollte, da war die Luſt
voll=
kommen.
So zogen wir denn friſch und fröhlich unſere Straße, ſahen
bei jeder ihrer Wendungen rückwärts und freuten uns über das
ſchöne Bild der alten Badeſtadt König, das ſo ſonntäglich ſauber
und friedlich über dem grünen Wieſentälchen des Erlenbrunnens
ſtand und auf uns zu warten verſprach.
Wir kamen zum Geſundbrunnen und waren nun ganz
geſun=
det von dem Suckerübel der den Enkelbuben verwöhnenden
Großmutter, denn hier empfing uns auch der Wald wieder mit
ſeinem Frühlingstreiben, ſeinem Meiſenruf und Droſſelgeſan
ſeiner Friſche und ſeiner Stille. Wir ſtiegen vor Kimbach 2i/
Niederholzhang hinauf und kamen vors Hainhaus und ve
ſcheuchten dem Herrn Förſter den Habicht, der ſich ſeine Hühril
wieder einmal hatte beäugen wollen. Aber er — der Hc
Jäger — war getröſtet, als ich ihm erzählte, daß es mir vi
unſerem Forſthaus daheim auch oft ſo gegangen ſei. Man A
halt nie, auch im ſchönſten Walde nicht, ſicher vor Landſtreichey/
Wir ſetzten uns dann die Jahrhunderte faſt ſpurlos überdaue"
ten feſten Steinſeſſel des Femgerichtes unter die dicken Buchl
des Hainhauſes und waren froh, nur Gericht halten zu müh)!
über den Inhalt unſerer Ruckſäcke und nur ein Codesurk!
ſprechen zu müſſen über einen guten Ceil des Butterbrotes u!
Obſtes. Wir ſahen auch einmal in die ſtille Waldkirche, wande‟
ten ein Weilchen unter dem dunklen Geäſt der ſchönen Hemlock ?
tannen hin, und ich erzählte dabei den Mädchen, wie wir O
junge Burſchen bier ſo oft geraſtet, geſungen, gerungen, gefe4‟
nen und geplant hatten in jeder Jahreszeit, auch im dickſten Wix”
ter. Und dam ſangen wir auch und ſchritten unter den hoh-*
Woldbäumen langſam zu Cal.
Jetzt waren wir am Bremhof, und ich ſah uns Bu7
ſchen wieder unter dem bunten Kranzgewinde und den groß ?
Hängelampen beim ländlichen Feſt in der niedrigen Wirtsſtu4
des Bremhofes bei frohem Canze und das Wogen der Mädcher!
röcke und das Blühen der geſunden Mädchengeſichtlein aus de
ſtadtfernen Odenwalddörfern. Dann lag das Maintal wonn!
und ſonnig unter uns, und bald gingen wir durch die FrühlingS
wieſen langſam dem ruhig dahinziehenden Fluſſe entlang der
Kloſter Engelberg und dem ſchönen Mainſtädtchen Miltem
berg zu.
Mit der großen Fähre fuhren wir zwiſchen Klein= und Groß”
Heubach über das Waſſer und wanderten die ſechshundert Sil-
Die Gruppe
Ferkigwaren
weiſt folgende, ganz oder teilweiſe entbehrliche Einfuhr auf:
(in Mill. RM.)
im Jahre 1928
Kunſtſeide . .
116,8
Garn aus Wolle".
226,0
Garn aus Baumwolle . . 255,5
Gewebe aus Seide, Kunſtſ. 58,5
Gewebe aus Wolle
94,8
Gewebe aus Baumwolle . 149,7
Kleidung und Wäſche
24,8
Schuhwaren, Lederwaren . 66,6
Kautſchukwaren
38,2
Papier, Papierwaren
29,0
Farben, Lacke
41,6
Sonſtige chem. Fabrikate 108,8
Con= und Porzellanwaren 18,4
Glas und Glaswaren
32,5
Muſikinſtrumente
7.,5
Kinderſpielzeug .
3,4
1266,9
Geſamtſumme im Jahre 1928: 3816,0 Mill. RM.
Der allergrößte Ceil dieſes Imports iſt durchaus überflüſſig.
Er ließe ſich durch Produktion im eigenen Lande erſetzen.
Mil=
liarden und wieder Milliarden könnten erſpart werden, denn
Geld, das im Lande bleibt, iſt erſpart, erſpart für die
Geſamt=
nation, erlpart aber auch für den Einzelnen, deſſen Wohlſtand
mit dem Wohlſtand des Geſamtvolkes wächſt.
Man kann dieſen überflüſſigen Import in verſchiedene
Kate=
gorien einteilen. In entbehrliche, erſetzbare und überflüſſige
Waren. Erſetzbar iſt z. B. der Weizen — eben durch den
Nog=
gen. Erſetzbar ſind Südfrüchte — durch inländiſches Obſt; er=
abe
7a9
83
MILLIONEN RM.,
betrug die Einfuhr von Spirituoſen, Wein und Bier
im Jahre 1928.
ſetzbar iſt der amerikaniſche Apfel — durch den heimiſchen
Apfel. Ueberflüſſig ſind zahlreiche Luxuswaren, Coilette-Artikel
uſw. Entbehrlich z. B. engliſche Stoffe, die in durchaus
ähn=
licher Qualität auch in Deutſchland hergeſtellt werden.
Man hat ausgerechnet, daß durch eine Wareneinfuhr im
Werte von 3000 bis 4000 RM. je ein Deutſcher arbeitslos
wird. Das iſt ein ganz ungeheuerliches Verhältnis!
1927
1928
Faſt ſechs Millionen Paar Schuhe kamen 1928 über die
Gren=
zen. Warum? Weil viele Käufer der Meinung ſind,
auslän=
diſche Ware wäre „vornehmer‟. Die deutſche Schuhinduſtrie
wurde dadurch ruiniert, der größte Ceil der Schuh=Arbeiter
brotlos gemacht!
Wie kann dem abgeholfen werden?
Sahlloſe Broſchüren, Artikel, Denkſchriften ſind über das
gleiche Chema geſchrieben; zahlloſe Perſonen, Verbände in Be=
28
846 Millionen Reichsmark wanderten 1928 für Eier und
Milch=
produkte ins Ausland, während die eigene Landwirtſchaft Not
leidet.
wegung geſetzt worden. Aber der Schlüſſel iſt immer der gleiche.
Man muß den Hebel beim Verbraucher anſetzen. Der
Ver=
braucher muß davon überzeugt werden, daß ein deutſches Ei
ebenſogut wie ein däniſches Ei, ein deutſcher Schuh ebenſogut
wie ein tſchechiſcher, ein deutſches Auto ebenſogut wie ein
ameri=
kaniſches iſt. Der Verbraucher hat es in der Hand, zu ſparen,
ohne ſich einzuſchränken, durch eine überaus einfache und klare
Ueberlegung.
Alles weitere kommt dann von ſelbſt. Denn das geſamte
Wirtſchaftsleben iſt auf dem „Dienſt am Kunden” aufgebaut.
Für den Verbraucher wird heute importiert, und für den
Ver=
braucher wird man nicht mehr importieren, wenn er es nicht
haben will. Für den Verbraucher wird man die Produktion
ſteigern, verbeſſern, neu ſchaffen, ſobald nur der Bedarf einmal
vorhanden iſt.
80 Prozent aller Einkäufe gehen durch die Hände der
deut=
ſchen Frau. Sie iſt die größte wirtſchaftliche Macht im Staate;
es liegt an ihr, Milliarden zu ſparen oder Milliarden zu
ver=
geuden. Die deutſchen Frauen ſollten es ſich bei jedem Einkauf
überlegen, ob es wirklich notwendig iſt, in dieſem oder jenem
Fall ausländiſche Ware zu kaufen. Und ſie ſollten immer dann
darauf verzichten, wenn dieſe Ware durch die ähnliche,
gleich=
wertige oder in den meiſten Fällen wohl auch beſſere deutſche
Ware erſetzt werden kann. Es gibt ſicherlich zahlreiche Dinge,
die aus dem Ausland kommen müſſen, aber ſie bilden nur einen
Bruchteil der insgeſamt importierten Ware.
Was hier auf beſchränktem Naum mit Worten nicht geſagt,
bewieſen, erläutert werden kann, das mögen unſere bildlichen
Darſtellungen tun. Sie ſind ein zwingender und einleuchtender
Appell: Kauft, fordert deutſche Waren; ihr
ſpart für euch!
aller Einkäufe gehen durch die Hände der deutſchen Frauen. An
ihnen liegt es alſo, zu verhindern, daß Milliarden aus dem
deut=
ſchen Volksvermögen zum Fenſter hinausgeworfen werden.
fen hinauf zum Kloſter und waren fromm und gläubig, wie man
es nur ſein kann, wenn man nicht einmal das Wunder des
Kornhalmes ganz zu begreifen vermag. Vor den bunten
Ver=
kaufsbuden des Kloſtereingangs gerieten wir aber in eine
über=
laute Horde lederbewaffneter Automobiliſten übelſten
Aus=
ſehens, die lärmend und alkoholbeſchwert mit dicken, roten
Ge=
ſichtern, die vom Kloſter nichts mehr ſahen und ſpäter nicht mehr
wiſſen als das, was ſie daheim im „Wirtshaus zum letzten
Groſchen” auch ſehen und erleben können.
Wir wandten unſern Blick ſchnell zum Maintal und ſahen
lange auf Fluß und Berg und Cal und in die Wolken, die immer
dunkler hinter dem Odenwald hervorkamen. Und als wir hinter
der kleinen Marjahilfkapelle auf den Creppen der andern
Berg=
ſeite nach Miltenberg hinabſtiegen, da fing es zu tröpfeln an,
und als wir im Cal waren, da peitſche uns der Sturm in
april=
mäßiger Cücke einen ſolchen Negenſchauer ins Geſicht, daß wir
mit leiſem Grauen an den fünfſtündigen Heimmarſch dachten.
Doch ſchon als wir über die Mainbrücke liefen, wurde es wieder
aprilmäßig hell, und ſchöne Cürme und Core des ſchönen
Städt=
chens und ſeine ſtattlichen Bürgerhäuſer auf dem ſchönſten
main=
ſtädtiſchen Marktplatze zeigten ſich in einem guten Lichte. Auch
das älteſte Gaſthaus Deutſchlands, das „Sum Nieſen” Wir
raſteten ein Stündchen, warteten unter dem weit vorſpringenden
Erker eines der ſchönen mittelalterlichen Häuſer den weiten
Aprilſchauer ab, und als wir wieder auf der Höhe des
Oden=
waldes waren, da lag in der Frühlingſonne der Engelberg mit
einem großen und kleinen Heubach wieder ſo ſchön und ſtill vor
uns, daß wir der Lärmgeſellſchaft und des Aprilſturmes nicht
mehr gedachten und wieder fröhlich und zuverſichtlich in den
ſinkenden Cag hineingingen.
In Nüdenau liefen wir einmal um die alte Kirche zu ihrem
romiſchen Altarbild, auf dem aber nicht mehr gar viel zu ſehen
war, und dann zur Lauseiche. Und dort, weil unſre Lore, die mit
den längſten, unterwegs am meiſten bewunderten Söpfen, ein
wenig müd geworden war, ſahen wir gleich noch einmal in die
Nuckſacktiefe und dann, kauend, zu, wie das Mädel ſo gut
ruhte. Wie im Craum hörten wir dann noch den letzten
Droſſel=
ruf und ſpürten das Kommen der Nacht. Und dann ſangen wir
wieder eins und freuten uns, daß wir nicht zu eilen brauchten
und das Neunuhrzüglein noch gute drei Stunden entfernt war.
Auf den ſchönen gelben Punkten des guten Odenwaldklubs, die
gerade noch zu erkennen waren, wanderten wir dann erfriſcht
ins kühle Weckbachtal, gingen Hand in Hand durch das
ſonn=
tagsſtille Vielbrunn und dann an den rauſchenden Brunnen und
erleuchteten Senſtern des langen Kimbachs weiter zu Cal. Die
uns entgegenkommenden Mädchen und Burſchen, trotzdem auch
ſie ſehr dicht nebeneinandergingen und ſich nicht gern trennen
mochten, ließen uns aber doch einen Durchgang, der gut reichte,
wenn wir uns noch enger und inniger zuſammentaten. Ein frohes
Grüßen, und dann gingen wir wieder allein durch die Abendſtille
des Waldes. Die Sterne leuchteten, der Bach rauſchte, und wir
ſchwiegen und wußten kaum, daß wir gingen. Auch der
Geſund=
brunnen kam wieder. Er hatte nichts mehr geſund zu machen,
weil nichts mehr krank war. Die Füße waren heil, kein Strumpf
rutſchte mehr, kein Steinchen ſprang mehr in den Schuh, alle
Müdigkeit war fort, und die Uhr zeigte noch gute Seit bis zur
Abfahrt des Suges. Immer heller wurden die Sterne über dem
dunklen Gezack der Baumwipfel, der Mond übergoß die
Erlen=
brunnenwieſen mit ſeinem Silberlicht, und wir wären gern noch
ſo viele Stunden gewandert, wenn es nötig geweſen wäre.
Es war noch eine gute Viertelſtunde vor neun Uhr, als wir
im königlichen Bahnhof ſtanden und unſre Sonntagskarten
vor=
wieſen. Und . . . „Was, nach Darmſtadt wolle Se heut
noch?” — „Ja, wo dann ſonſt hin?” — „Mit welchem Sug?" —
LOE TSCHIEF ODER FLUSZEUS?
(Schluß von Seite 1)
ſchiff über 8000 Kilometer (etwa nach Oſtaſien) betragen
durch=
ſchnittlich 8000 Mark, nämlich eine Mark pro Kilometer. In
dieſen Koſten ſind Betriebsſtoff, Craggas, Gehälter und
Verpfle=
gung der Mannſchaft eingerechnet. Das Großflugzeug würde die
Conne über die gleiche Entfernung nur mit ewa 20 000 Mark
Selbſtkoſten befördern können.
Da hätten wir alſo bisher eine große Ueberlegenheit des
Luft=
ſchiffes errechnet. Aber nun kommt die große und ſtrittige Frage
nach der Amortiſation. Ein Luftſchiff von der Größe des „Graf
Seppelin” koſtet ſechs Millionen Mark. Wenn es wirklich voll
und ganz ausgenützt wird, wenn es mindeſtens 30 Doppelfahrten
mit je 10 Connen Nutzlaſt über die 8000 Kilometer im Jahre
macht, und ſeine Geſtehungskoſten in zwei Jahren aufbringen ſoll,
dann muß es je Fahrt 50 000 Mark einbringen. Und rechnen wir
weitere 20 000 Mark für Verſicherung hinzu und weitere 50 000
Mark für den Gewinn, der die Aktionäre herbeiſchafft, dann
ſtellt ſich der Preis der Conne Nutzlaſt über 8000 Kilometer auf
rund 20 000 Mark.
Setzen wir nun als Preis für ein Großflugboot zwei Millionen
ein und rechnen wir mit der gleichen Anzahl von Fahrten über die
gleiche Strecke bei einer Nutzlaſt von 10 Connen, dann wären für
jede Jahrt 20 000 Mark Amortiſation, 7000 Mark Verſicherung
und — ſagen wir — 20000 Mark Gewinn abzuſchreiben. Das
ergäbe einen Preis von 25 000 Mark für die Conne Nutzlaſt.
Das Verhältnis hat ſich alſo bereits verſchoben, das
Luft=
ſchiff iſt nur noch um 25 Prozent wirtſchaftlicher als das
Flug=
boot.
Dieſe 25 Prozent könnten ihm allerdings das Uebergewicht
ſichern, wenn unſere Berechnung nicht einen — Fehler hätte. Wir
rechnen mit einer vollen Ausnützung des Schiffes, mit 30
Doppel=
fahrten im Jahre. Wir rechnen auch mit großen Luftſchiffhäfen,
deren Koſten nicht ebenſo wenig wie ein Ozeandampfer die Koſten
ſeines Heimathafens aufbringt. Wir rechnen mit einem
Luftſchiff-
verkehr, der bereits im Hange iſt. Wenn er aber gar nicht
exiſtiert, wenn er erſt mühſelig aufgezogen werden ſoll, wenn die
Luftſchiffe nicht dauernd auf der Strecke ſind — dann ſind ihre
Selbſtkoſten weitaus größer, weil ſie in der Halle dauernd verſorgt
werden müſſen und unproduktive Kapitalien freſſen. Hier iſt der
Apparat eines Verkehrs mit Flugzeugen, der viel leichter
auf=
zuziehen iſt, in großem Vorteil.
Und deshalb hängt die Entſcheidung gar nicht ſo ſehr vom
uftſchiff oder Flugzeug ſelbſt ab, ſondern von den Leiſtungen der
Organiſation, die ſich des einen oder des anderen annimmt.
Alfred Kerr in Bacharach.
Eine Parodie.
I.
„Fahr”, Schiffer, mich nach Bacharach, nach Bacharach am
Rhein!” So im Liede.
II.
Jetzt bin ich hier. Wollte ich eine Reiſe in das Mittelalter
machen, he, wollte ich?
Dazu muß man vierzig Jahre durch alle Welt geradelt und
gereiſt ſein, um hier das Mittelalter zu finden?
Lebe ich noch in der tempoerfüllten Seit? Hächi
Guten Cag, du mittelalterliche Stadt!
III.
Nomantiſcher Ort. Wehrtrutzige Cürme, maleriſche, ſtille
Gaſſen, leuchtende Fachwerkbauten, düſtere Stadtmauer, gotiſche
Kirchenruine, Burg Stahleck overlocking the Rhine!
Hat nicht dort der Sohn Heinrichs des Löwen einſt ſeine
Vermählung gefeiert?
Wußte ich es doch. Noch von der Geſchichte her.
IV.
Ja, ein richtiges Mittelalter.
Ringsum fröhliche Weinberg”. Und im Wirtshaus ein
feu=
riger Wein. Man muß nach hier kommen, ſich Inſpiration zu
holen, um kleiſtpreisgekrönt zu werden. Suckmayer, ſei gegrüßt!
V.
Keine Seit, von rheiniſcher Gemütlichkeit zu plaudern.
Was bleibt?
Das ſteht im Werke „Die Welt im Licht”!
VI.
Swei Cage in Bacharach. Mit aller verſunkenen Craulichkeit.
Jetzt aber fort aus dem Mittelalter. Surück in die Welt
unſerer Seit. Nach Köln. Nicht wegen des Domes.
Lebe wohl, Bacharach!
Dein Andenken ſei geſegnet!
„Ei, mit dem neun Uhr elf!” — „Ja, Ihr liewe Leut, heut geht
kein Sug mehr nach Darmſtadt. Nur einer noch nach Eberbach.
Der um neun Uhr elf fährt erſt vom erſten Mai ab.”
— —
—
—
Wir ſahen uns ſprachlos an und — ja, was ſollten wir
an=
geſichts der amtlichen Mitteilung, angeſichts der ſich ſchnell um
uns knäulenden, gute Natſchläge gebenden Menge auch tun? —
lachten, lachten wiederum wie am frühen Morgen. Lachend
ſtahlen wir uns dann aus dem Menſchenknäuel, um draußen unter
Gottes freiem Sternenhimmel zu beraten, was wir tun ſollten.
Ach, wie hätten wir aufgeatmet, wenn ſich plötzlich herausgeſtellt
hätte, daß wir „nur” vier oder fünf Stunden noch von
Darm=
ſtadt entfernt wären. Wir waren ja ſo friſch noch trotz unſrem
Achtſtundenmarſch.
Als wir ſo hin und her gingen, liefen uns zwei Mädchen in
den Weg. „Iſt hier eine Jugendherberge?” fragten wir unter
ſtarkem Herzklopfen. Und arglos antworteten ſie, denn wie
konnten ſie wiſſen, daß uns alles daran lag, in der nächſten
Stunde ein Dach über und ein Bett unter dem Kopfe zu haben:
„Da, in vierzehn Cagen können Sie ſie jehen. — Die wird fein.”
— Du lieber Gott, in vierzehn Cagen! Was mützte uns da noch
die feinſte Jugendherberge Königs!
„Ja, Kinder, was denkt Ihr denn nur?” rief ich. „Wollt
Ihr, daß wir vierzehn Cage und Nächte hier auf dieſer Straße
hin und her gehen?”
Da lachten die freundlichen Mädchen auch, aber das nicht
allein, ſie wieſen uns in eine ſo freundliche Naſtſtätte in einem
„Hofe”, der aber ſeinen Namen von einem ſchönen Berge hat,
daß wir ſelig und ſüß ohne viele Gewiſſenbiſſe wegen der daheim
auf uns wartenden beſorgten Mutter und unſerer ſehr mageren
Geldbeutel in den Montagmorgen hineinſchliefen und im
ſchön-
ſten Sonnenſchein dieſes Cages fröhlich heimwärtsfuhren.
Ruhe!
Ein Sprechfilm wird gedreht!
Hinter den Confilm=Kuliſſen in Hollywood.
Von Otto Behrens.
Für einen Unbeteiligten hält es ungemein ſchwer, Sutritt zu
einem „Sound=Studio”, einem Confilmatelier in Hollywood, zu
erhalten. Ueberall warnen Plakate, auch nur das geringſte
Ge=
räuſch zu verurſachen, wenn die Aufnahmelampen brennen.
Heu=
ſchmupfenkranken iſt das Betreten ſtreng verboten! —
Herrſchte früher, als man noch ſtumme Filme drehte in den
Ateliers ein Höllenlärm, ſo wird jetzt der Sprechfilm bei
Grabes=
ſtille hergeſtellt. Die Darſteller nehmen auf ein Klingelzeichen
Nummer 325.
Aufgabe 469.
Konrad Erlin in Wien.
Eſkilſtung Kuriren, 1930)
E
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Ka7 Dg2 Lhs Sd5 (4);
Schwarz: Ke5 Uh7 Bb5 64 43 46 h5 G), 335
Partie Nr. 69.
Geſpielt in der 4. Runde des Deutſchen Meiſterturniers zu Duisburg 1929.
Franzöſiſche Partie.
Schwarz:
Weiß:
(. etd5
c6xd5
Richter
Wagner.
7. 1f1—43
9g8—e7
1. O%—4
eines
8. 0--0
4S9
1 47-34
(7—45
9. 9b1—8
8b8—o6
eer43
3. 64848
1o. h2—h3
h7—n8
4. Sg1—13
Lf8—48
11. 72—a3
a7—a8
of-e8
5. e3—4
12. 101—e3
1d8—b8
vor der Kamera und vor dem Mikrophon Aufſtellung. Der
Regiſſeur ſitzt an einem mit Celephonen und Signalvorrichtungen
bedeckten Ciſch und dirigiert die Aufnahmen von hier aus
laut=
los. Nach den Worten: „Nuhel Aufnahmel” gilt dieſe
An=
weiſung auch für ihn. Wenn das Mikrophon eingeſchaltet iſt,
darf er nur noch mit den Händen „reden” oder Lichtſignale
geben, um ſeine Wünſche bekannt zu geben. In einer
ſchall=
dichten Kabine, hinter einer Glasſcheibe, ſteht die elektriſch
an=
getriebene Kamera, das Auge auf die Darſteller gerichtet. Die
Stars ſprechen, oder ſie tun nur ſo. Augenblicklich beſteht noch
ein großer Mangel an mikrophongeeigneten Schauſpielern.
Viele prominente Künſtlerinnen machen nur Mundbewegungen,
und hinter einem Paropant ſteht der „Double”, die
Ooppel=
gängerin, die den Cext aus einem Buch ablieſt! Winkt der
Ne=
gilſeur dann ab, ſo bekommt der „Double” oft recht unangenehme
Dinge zu hören, wenn er nicht mit dem gleichen Gefühl
ge=
ſprochen hat, wie es die Mimiſ und der Ausdruck der ſichtbaren
Darſtellerin verlangen. Bei derartigen Unterbrechungen kommt
es mitunter zu den heftigſten Meinungsverſchiedenheiten, zumal
dann, wenn zwei Regiſſeure zugleich, einer vom Film und einer
von der Bühne, mit der gemeinſamen Inſzenierung betraut
wor=
den ſind. Was der eine nicht von der Sprechtechnik verſteht,
verſteht der andere nicht von der Kameratechnik. Es gibt dann,
wie die Schauſpieler ſagen, „Film im Silm”. Häufig miſcht ſich
noch ein Dritter in den Streit, der „Moniteur”, der mittels
Kopfhörer alles Geſprochene überprüft und auf der Klaviatur
der Abhörvorrichtung die Laute auf die gewünſchte Conſtärke
abſtimmt. Haben ſich die drei ſchließlich geeinigt, dann wird das
Spiel fortgeſetzt, bis irgendein unvorhergeſehenes Geräuſch
wie=
der eine Störung herbeiführt. Confilmregiſſeure müſſen eine
Engelsgeduld haben. Inzwiſchen hat der „S=Netoucheur” alle
Hände voll zu tun, auf dem fertigen Filmſtreifen die S=Laute
zu korrigieren, die von den meiſten Menſchen geliſpelt werden.
Iſt es gar zu viel, dann müſſen verſchiedene Dialog=Szenen noch
einmal geſprochen und neu aufgenommen werden, bis das
ge=
wünſchte Neſultat erzielt iſt.
Den komplizierten Anforderungen des Mikrophons gerocht
zu werden, iſt nur wenigen gegeben. Swar bemühen ſich
unzäh=
lige Muſik=, Geſangs= und Sprachlehrer, den Filmſtars die
Confilmtöne beizubringen, doch zumeiſt verſtehen dieſe
ſogenann=
ten „Lehrkräfte” von der Sache ſo gut wie gar nichts, da lſie für
„Calkios” ja ſelbſt nicht ausgebildet ſind. Auf der anderen Seite
verdienen die von den Bühnen kommenden „Doubles” ſchweres
Geld, doch ſeiber filmen Können ſie wieberünf nichk, weil lie
zu=
meiſt zu alt ſind oder kein Filmgeſicht haben. Die ganze
Con=
fim=Hauſſe iſt ebenſo überraſchend ſchnell gekommen und hat
lich ſo raſch ausgedehnt, daß es jetzt überall an geeigneten und
geſchulten Kräften fehlt. Siemlich ratlos ſtehen die Produzenten
vor den größten Schwierigkeiten, und gar mancher von ihnen
denkt voller Wehmut an die ſchönen Seiten zurück, wo der
ſtumme Film zwar weniger von ſich reden machte, in
geſchäft=
licher Hinſicht aber eine lautere und bewußtere Sprache
ge=
ſprochen hat!
Marktgeſtalten.
Von Feanne Bailhache.
In den ſüdlichen Ländern iſt das Seilſchen eine alte
Ueber=
lieferung, und in Frankreich wie in Italien z. B. iſt das
Han=
deln an der Cagesordnung.
„Was koſtet der Fiſch?”
„50 Franken, kleine Madame.”
„50 Franken? Das iſt ja ein irrſinniger Preis!”
„Schlechte Soe... ſind heute keine Giſche angeboten
wor=
den .. Wollen Sie ihn für 45 Franken?”
„Ich zahl” Ihnen nicht mehr als 15.‟
„Schön, ſchön. Dann behalte ich lieber meine Ware.”
Energiſchen Schrittes entfernt ſich die Kundin. Aber
Händlerin ruft hinter ihr her:
die
„Schnappen Sie doch nicht gleich ein, Madame, man kann ſich
ja noch immer unterhalten. Schauen Sie mir dieſen feinen Siſch
an . . . lebfriſch, zappelt noch . . . Weil Sie’s ſind, kriegen Sie
ihn für 30. Aber keinen roten Heller weniger, verſteht ſich.”
„Nein, 15 Franken.”
„Na, hören Sie doch mal, Madame, das kann doch nicht Ihr
Ernſt ſein... Wir armen Leute wollen doch auch mal ven
Groſchen verdienen. Na, geben Sie mir wenigſtens 25 Franken.
Das iſt mein letztes Wort.”
„Da, hier ſind 20 Franken!”
„Nein, 25!”
„Hier ſind 20.”
„22, für weniger kann ich’s nicht . . . Ich kann wirklich
nicht.”
„Gut, 22 Franken.”
„Siekönnen nicht ſagen, Madamchen, daß ich Sie
übervor=
teilt habe. Sie werden beſtimmt wiederkommen.”
Wenn du allerdings in Paris die Stirn haſt, von einem
Preis etwas herunterhandeln zu wollen, ſo wird dir die
Ver=
käuferin mit einem Hagel von Grobheiten anworten, und du
wirſt für immer den Geſchmack am Feilſchen verloren haben.
Gerode die Pariſer Händlerinnen ſind das Unterhaltſamſte,
was man ſich vorſtellen kann.
Sie ſind völlig demokratiſche Weſen, vor denen alle Kunden
gleich ſind. Jeder, der ihren Laden beehrt; jeder, der ihre Bude
gück de
piaonder
d feuertel
Rich ver
witen C.
ſeiche au
Aa mit ze
Der
nedte
ſe Situ
eines Blickes würdigt, wird auf das Liebenswürdigſte angeredet;
o liebenswürdig meiſtens, daß der Fremde den Eindruck einer
faſt niederſchmetternden Sympathie hat, die ihm da
entgegen=
ſchlägt, und die ans Härtliche grenzt.
Ihre übliche Ausdrucksweiſe, mit der ſie reifere Frauen
be=
grüßen, iſt meiſtens: „Guten Cag, kleines Müttorchen!”
Im Umgang mit jüngeren Frauen und Mädchen ſind ihre
Anreden verſchieden: „Hübſche Nange”, das „niedliche
Per=
ſönchen”, meine „Süße”, „roſiges Karnickel”.
Alles iſt in ſchönſter Ordnung, ſolange das „kleine
Mütter=
chen”, die „hübſche Nange”, das „niedliche Perſönchen”, die
13. Dd1—c2
14. Se3—es
Fi..
Das iſt doch einem Spieler wie Mei= 18. d4Xe5
ſter Wagner gegenüber zu kühn und fin= 19. 143—h74
det prompt ſeine Straſe.
15. Sf3—e5 Wenn jetzt Sies 18. 21. 1048a7
d:e5 Dieß, ſo 17. Uh 74 nebſt 18. 104 22. Na1841
und Damengewinn.
W Re
f7—f6
16. 12—f4 Dieſes Figurenopſer er= 24. Se2—g8! Dieſer feine Zug
ge=
ſcheint in Anbetracht der ſtarken Stellung winnt die Partie.
von Weiß und der gelockerten Königs= 24.
Lc8—e6
ſtellung von Schwarz berechtigt.
Auf D:a3 gewinnt 25. De3+Kg8
18
168e5
26. Uh7 4 die Dame. Dieſe Wendung
17. 1485
SoßKes
hatte Nichter überſehen.
Richter erſchrickt vor ſeinem Mehr=
25. D08—fg
Taß—e8
beſitz und der Ausſicht auf lange, müh=
26. Tk1—e1 Schwarz glbt auf, da er
ſame Verteidigung und gibt den Springer keinen guten Zug mehr hat.
mit Bauerngewinn zurück. Wagner weiſt
(Partie und Anm. aus den „Deutſchen Schachblättern”.)
aber durch feinſtes Spiel nach, daß die
Stellung nicht haltbar iſt.
DA8Kes
Kg8—g
20. ke3—94
T.b8—47
Tr8Xk1*
Ta88a7
23. Ih 7—43
Ta7—a8
Vielleicht war b7—b5. noch beſſer
E
Räſel
Rätſe.
Ah che di do dra el en go in in li lip man mar ne nen recht rup
ſe ſer, ur waſ
Aus obigen Silben bilde man acht Wörter, deren erſte und vierte
Buckſtaben einen Spruch nennen, den man aber unter Umſtänden nicht
befolgen ſoll. 1. Element, 2. Geſtalt aus „Der Sohn der Wildnis”,
3. krumme Linie, 4. ſagenhaftes Tier, 5. Vorfahren, 6.
Saiteninſtpu=
ment, 7, oſtaſiatiſches Land, 8. Männername.
CarlDeubel.
Bitte um Antwort!
an an che che da deck den dert dot dro e ei en er eſt fel feu gei ger
halb ii la lah lan ma me mi mis ne ne ni no non ops ra ran ſe
ſo ſtri tri tu.
Aus obigen Silben bilde man die Antworten zu folgenden 16 Fragen:
1. Was iſt kein Ganzes2, 2. Wie heißt ein ſchädliches Inſekt?, 3. Wie
nennt ſich eine ackerbautreibende Bevölkerung in Aegypten und Arabien?
4. Wie heißt ein Sternbild des nördlichen Himmels2 5. Welche
Men=
ſchenraſſe hat eine dunkle Hautfarbe? 6. Wie heißt eine
Raubvogel=
familie? 7. Welcher Baum iſt Deutſchlands Shmbol? 8. Wie nennt
man herumziehende Völker?. 9. Wie hieß ein General im 30jährigen
Kriege?. 10. Wie heißt eine ſagenhafte Königin von Aſſprien? 11.
Wel=
ches war Puccinis letztes Werk?, 12. Welche Stadt liegt an der Bieles
13. Welche Zierpflanze grünt auch im Winter? 14. Wie heißt (in
ehe=
maliges öſterreichiſches Kronland? 15. Wie hieß der Erbauer der größ=
ten Pyramide? 16. Welche Hafenſtadt gehörte früher zu Oeſterreich?
Die Anfangs= und Endbuchſtaben nennen einen Spruch. (ch iſt
ein Buchſtabe.)
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 33:
Kreuzworträtſel.
In eigener Sache.
1 2 3 4 5 6 Songen, 7 8 9 Jlm. „Ginige Millionen Leſer”.
Kreuzworträtfel mit uagiſchen Kreuz.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H. Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] jah
und
aif
Jahn
Anf
aff
das „roſige Karnickelchen” ſich gehorſam bedienen
ohne aufzumucken.
ſer wehe der, die ſich, ohne gekauft zu haben, wieder
fort=
zuuchtn erfrecht. Plötzlich ſchlägt die Särtlichkeit der Händlerin
e Feindſeligkeit um.
Na, aber! Schau ſich doch einer dieſe Ranthippe an, wenn
t. Gegend mit ihrem Pelzmantel verſchandelt . . . Erſäufen
ſüie man ſowas.
Was, meine Ware iſt zu teuer? Hör’ ſich das einer doch mal
Sowas hat keinen blauen Schimmer vom Wert der Sachen;
s belämmert die armen Leute; ſowas bringt ſogar keine
ſeten mit zum Bezahlen — und dann hat ſowas Handſchuhe
Möchte ſich da nicht ein Hund erbarmen?”
err Niu
Menelik.
ſarles Illeneb, Direktor und Dompteur:
Es ſind jetzt zwei Jahre her, da hatte ich meine gemiſchte
r= und Löwengruppe. Das älteſte Löwenmännchen, Menelik,
uie ich ſchon vier Jahre. Während dieſer Seit war es ſchon
ammals krank geweſen, und während ſeiner Krankheit habe
jchs immer ſelbſt gepflegt, da man ſelten einen genügend
zuver=
ögen Naubtierwärter bekommen kann. Menelik war von
nur aus ſehr gutmütig, parierte während der Vorſtellung
mergültig und hatte ſich noch nie bockig oder gar heimtückiſch
wigt. An mir hing er ſehr und freute ſich immer, wenn ich
wüber einige Male an ſeinen Käfig herantrat, um ihm durch
MGitterſtäbe ſeinen zottigen Kopf zu krauen.
Eines Abends, es war gerade in der Brunſtzeit, und ich hatte
ur meinen Cigern zwei Weibchen — konnte ich die Beſtien
ſuh den Laufkäfig kaum in die Arena bringen. Ajax und
Butus, die beiden Cigermännchen, waren aus der Nähe eines
Eierweibchens nicht wegzubekommen. Bevor ich noch die Ciere
Bildung der Anfangspyramide zwingen konnte, war das
1ühlück da. In wilder Eiferſucht hatten ſich Ajax und Brutus
ee imnander verbiſſen und kämpften um das Weibchen. Vergeb=
114 jeuerte ich die Kammer meiner Schreckſchußpiſtole leer,
ver=
ſlich verſuchte ich ſie durch Surufe zu trennen. Minuten des
räten Chaos folgten, in dem ich verzweifelt mit der Nilpferd=
Iſaſche auf die beiden kämpfenden Ciger losſchlug — und Ajax
1y mit zerbiſſener Kehle in ſeinem Blut.
Der Suſchauer hatte ſich eine wilde Panik bemächtigt; alles
ſröte ſchreiend und geſtikulierend den Ausgängen zu. Ehe ich
1ſuSituation vollkommen überſchauen konnte, ſtürzte ſich der aus
nteren Wunden blutende und völlig raſend gewordene Brutus
af mich . Die Schreckſchußpiſtole mit der geleerten Kammer
hite ich weggeworfen und den ſcharf geladenen Browning
ge=
wen. Um den wild gewordenen Brutus nicht noch mehr zu
uzen, warf ich die Nilpferdpeitſche fork, ſprang einige Schritte
zück und feuerte auf Brutus drei, vier Schüſſe ab, ohne in
dn Cohu=Wabohu jedoch richtig zu treffen. Brutus duckte
h zum Sprunge, ſein elaſtiſcher Körper ſchnellte durch die Luft.
c fiel hin. Er hatte mir mit einem Prankenſchlag die Sähne
usgeſchlagen und mein Geſicht zerſchrammt. Ueber mir ſah ich
b gefletſchten Cigerzähne, der aus ſeinem Nachen kommende,
ſtarfe, heiße Geruch ſtrich über mein Geſicht; ich gab mich
ver=
ſen. Da ſtrich ein zottiger Körper über mein Geſicht, dumpf
tllend ertönte das Kampfgebrüll des Königs der Ciere, ein
ſuchtiger Prankenſchlag, und ich war von der Laſt des auf mir
ſe ein Alpdruck des Codes liegenden Brutus befreit. Mit
chmettertem Schädel lag Brutus im Sand, vor ihm Menelik,
ritend knurrend.
Die Händlerin „regt ſich ab” im Augenblick, wo eine neue
„Süße” im Hintergrund erſcheint.
*
Von allen Verkäuſerinnen ſind die Fiſchhändlerinnen am
wenigſtens auf den Mund gefallen.
Erlaube dir ja nicht, die Sriſche des angeprieſenen Siſches
anzuzweifeln!
„Wie, micht friſch iſt er? Niechen tut er auch vielleicht ſchon,
mein Siſch? Weiß Gott, er iſt friſcher als Siel Erzählen Sie
mir doch nicht, daß mein Siſch nicht friſch iſt. Kommt doch
gerade aus dem Waſſer. Glauben Sie, Sie machen mir großen
Eindruck, wenn Sie ſagen, daß mein Fiſch nicht friſch iſt? Nicht
verkaufen möchte ich ihn Ihnen, meinen Siſch..."
Menelik war mein Netter. Ich bin nicht Cierpſuchologe
genug, um behaupten zu können, Menelik habe mich aus
be=
wußtem Dankbarkeitsgefühl für meine Pflege gerettet; ich weiß
nicht, ob man bei einem Naubtier von Creue ſprechen kann, oder
ob die Rettungstat Meneliks inſtinktiv geſchah. Vielleicht würde
er für jeden anderen ebenfalls in die Breſche geſprungen ſein,
Denn ein Löwe iſt edel. Inſtinktiv edel. Er wird nie ſeine Beute
von hinten überfallen, er tötet nur, ſofern er das Fleiſch zum
Stillen ſeines Hungers braucht. Nie aus Blutdurſt oder
Mord=
gier.
Eiferſüchtige Cauben.
Anni Francé Harrar:
„Als die eiferſüchtige Frau, die ſich von ihrem Gatten nn
endgültig verlaſſen ſah, ſich vergewiſſert hatte, daß das Pärchen
aus ſeiner alten Wohnung einen Ausflug machte, drang ſie in
dieſelbe ein und zerſtörte in ihrer grenzenloſen Wut ſo ziemlich
den geſamten Hausrat, worauf ſie aus der Gegend verſchwand.”
Dieſer Bericht ſtammt nicht etwa, wie einige Leſer
ver=
muten könnten, von Moabit oder ſonſt einem Strafgericht
Deutſchlands, das derartige Gewalttätigkeiten abzuurteilen hat.
Er ſtammt überhaupt nicht aus der menſchlichen Geſellſchaft.
Nicht einmal um Säugetiere handelt es ſich, ſondern um —
Cauben.
Sch ſelber habe einige Jahre hindurch Curteltauben beſeſſen,
die überaus zahm waren, und in deren Samilien= und
Heirats=
gewohnheiten ich deshalb gut hineinſehen konnte. Es war eine
große Geſellſchaft von lauter Cöchtern, die alle von einem
ein=
zigen Pärchen ſtammten. Wie dies auch zuweilen im fernen
Oſten geſchehen ſoll, behandelte ſie der Vater als eine Art
Harem, mit dem er ſich vergnügte. Crotzdem aber führte er
außerdem noch eine Sonderehe mit ſeiner eigentlichen Gattin,
der auch eine Neihe von Rechten ein= für allemal eingeräumt
waren. So wachte der überaus tyranniſche und gewalttätige
„Hanſel” auf das ſtrengſte darüber, daß keine der Cöchter=
Ge=
liebten das Neſt der Gemahlin beſuchte. Sie wurde ſofort mit
großem Geſchrei und Flügelſchlagen hinausgeworfen. Während
ſich in dem der Jugend eingeräumten Ceil des Caubenhauſes
zu=
weilen zehn bis zwölf Weibchen mit ihren Eiern und halbflüggen
Jungen zuſamenrängten, und aus Platzmangel oft ein arges
Numoren beſtand, beſaß die alte Cäubin denſelben Naum für
ſich allein, und miemand durfte zu ihr als nur der Gatte. Dagegen
hatte dieſer nicht das mindeſte einzuwenden, wenn ſeine Frau
zu=
weilen eben doch von Eiferſucht geplagt, in den oberen Stock
hiaufſtieg und unter den Nebenbuhlerinnen, die ſich das
übri=
gens ohne großen Widerſtand gefallen ließen, ein
unbeſchreib=
liches Strafgericht begann. Sie teilte nach allen Seiten Püffe
aus, zerrte das Stroh aus dem Neſt und verſuchte, die Eier zu
zertreten. Kam ſie nach ſolchen Caten wieder zu ihrem
recht=
mäßigen Gemahl zurück, ſo empfing ſie dieſer, als ob er ſich
ſchuldbewußt fühle, mit äußerſter Sanftheit und doppelten
Lieb=
koſungen. Ich habe dieſen Vorgang ſo oft beobachtet, daß es
gar nicht notwendig iſt, ihn zu „vermenſchlichen”, um aus ihm zu
erſehen, daß Ciere ähnliche Leidenſchaften beſitzen und unter
ge=
wiſſen Umſtänden ſich auch ähnlich benehmen.
Der moraliſche Storch.
Stogen Chriſtove:
„Hier in Bulgarien ſagt man: Die Störchin baut das Neſt
auf hohen Bäumen, auf Schornſteinen oder Minaretts, damit
der eheliche Srieden micht geſtört wird.”
Als eiferſüchtigſte aller Ehehälften ſucht ſie dieſe erhöhten
Punkte auf, damit ſie, ohne das Neſt zu verlaſſen, die
Bewe=
gungen ihres Ehemannes beobachten kann, wenn er durch die
Wieſen ſtelzt, um Fröſche und Schnecken zu jagen.
Der zeitgemäße Haushalt.
Erleichtertes Umſtopfen der Betten. Dieſe
un=
agenehme Arbeit geht faſt ohne Staub ab, wenn man den
auf=
ürennten Rand des alten Bettes, bei hinuntergeſchüttelten
Fe=
i, mit der Oeffnung des neuen Inletts durch Heften mit
kräf=
gem Faden verbindet, ſo daß gleichſam ein Federbett entſteht.
uni ſchüttle man die Federn aus dem alten ins neue hinüber
ind kann dann die Oeffnung am neuen Bett mit der Hand oder
H.
ſ ſchine ſchließen.
Waſſerglas=Anſatz in Eier=Einlegtöpfen
uentfernen. Dieſe dicke, graue Kruſte ſchwindet bald, wenn
ari Salzſäure in kleinen Mengen in die Gefäße gießt. Man
hwenke das Gefäß mit der Säure, daß dieſe immer nur eine
lle deckt, ſolange, bis der Anſatz verſchwunden. Gieße dann
eue, wirkſame Säure ein und behandle ſo ſtrichweiſe weiter, bis
ſie Glaſur glatt und rein iſt. Nachwaſchen mit heißem
Soda=
doſſer und Nachſpülen mit öfters gewechſeltem kaltem Waſſer
M. HI.
nacht die Gefäße geruchfrei.
Sicherer billiger Verſchluß für
Konſerven=
lſchſen. Nachdem die Früchte mit oder ohne Zucker, einmal
ſuf gekocht wurden, fülle man ſie in die geſchwefelten, fettfreien
effäße, laſſe ſie unter reinem Leinentuch erkalten und drücke auf
n Oeffnung ein paſſendgeſchnittenes Blättchen naſſer, weißer
ekatine. Dieſe erſtarrt raſch und bildet einen ſicheren, glas=
Aeten, dabei durchſichtigen Verſchluß, der ausgezeichnete
Kon=
h lle über den Inhalt bietet, ſo daß man auch Porzellan= oder
L.
So nbüchſen verwenden kann.
Kleine Obſttörtchen. ½ Pfund ſchaumiggerührte But=
4 Pfund Zucker rühre man mit ſoviel Zimt, bis es braun
— füge 2 Eier und ſoviel Mehl bei, daß ſich der Teig ausrollen
Bt. Fingerdick ausgemangelt, mit einem Weinglas runde Plätz=
En ausgeſtochen und mit einem Teigrand verſehen, backe man
De Törtchen hellbraun. Dann fülle man ſie mit eingemachtem
Der friſchgekochtem Obſt: Stachel=, Him=, Johannisbeeren,
Kir=
en uſw., bedecke die Früchte mit geſüßtem Eiſchnee und laſſe
II.
De Törtchen nochmals im Ofen „überlaufen”
Kalte Meerrettichſoße mit Eiern. 2 hartgekochte
Eigelb verrühre man mit 3—4 Eßlöffeln Weineſſig und 1
Meſſer=
ſpitze Salz. Zuletzt füge man noch 3 Eßlöffel feingeriebenen
I.
Meerrettich bei.
Haltbaren Holunderſaft zu bereiten. Man
ſtelle die entſtielten Beeren ohne Waſſer auf ſchwaches Feuer,
laſſe ſie gar werden, durch ein Leinentuch ablaufen und fülle dieſen
Saft in kleine Flaſchen, die man verkorkt und verlackt, ſtehend
aufbewahrt. Die Beeren können nochmals mit Waſſer und etvas
Zimt aufgekocht, zu Suppe verwendet werden, die mit
Kartoffel=
mehl verdickt, gut geſüßt, mit geröſteten Semmelbröckchen, oder
eingebrocktem Zwieback oder Makronen, ausgezeichnet ſchmeckt.
Einfache, aber gute Kartoffeltorte. 1 Pfund
geriebene, gekochte Kartoffeln vom Tage zuvor, verrühre man mit
3 Eigelb, 175 Granmn Zucker, oder 100 Gramm Zucker und 2
Eß=
löffel Süßſtofflöſung, füge 2 Eßlöffel zerlaſſene Tiſchbutter, die
Schale ½ Zitrone und 3—4 geriebene, bittere Mandeln bei, ſchlage
die Maſſe 30 Minuten tüchtig, füge zuletzt den ſteifen Eiſchnee
und ½ Backpulver bei und backe die Maſſe in gefetteter Form
34—1 Stunde bei guter Mittelhitze. Man rühre ſie nicht an und
laſſe ſie lieber im Ofen erkalten, damit ſie nicht zuſammenfällt.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Johannisbeerkaltſchale, gefüllte Kalbsbruſt,
Pfirſichkompott. — Montag: Gefüllte Tomaten im Reisrand.
— Dienstag: Schwäbiſche Käſeſpätzle mit Gurken=
Stauden=
ſalat. — Mittwoch: Pflaumenknödel mit brauner Butter. —
Donnerstag: Kohlrabigemüſe mit Karotten und gebratener
Kalbsleber. — Freitag: Kartoffelſalat mit gebackenem
Gold=
barſch, Tomaten=Bohnenſalat. — Samstag: Junger Wirſing
mit gekochter Rinderbruſt.
Humor
Exotiſches Volk. „Wir ſind nämlich Frieſen” erläuterte die Dame
dem neuen Berliner Mädchen, als ſie es mit den Gewohnchciten des
Haushalts bekannt machte. „Oh, das macht nichts,” erwöderte Minna
vercitwillig, „ich habe ſchon mal bei Chineſen gedient.”
Störche ſchwärmen fürs Heiraten und Aufziehen von
Fami=
lien, und ſind geſchworene Feinde freier Liebe. Wehe dem Storch,
der das ſtrenge Moralgeſetz zu brechen wagt. Ihr Gerichtsſuſtem
iſt das ſchnellſte und ſtrengſte, das man bei Menſchen und Vogeln
kennt. Der Gerichtshof, der das Codesurteil über den
Unge=
treuen ausſpricht, führt auch das Urteil aus, und die
Hinrich=
tung findet gleich nach der Verhandlung ſtatt. Sie iſt ſehr
ein=
fach — der arme Sünder wird von den langen, ſpeergleichen
Schnäbeln der Nichter ſolange bearbeitet, bis er das Seitliche
ſegnet.
Nach Bai Milenkos Behauptung iſt der Storch ein
tür=
kiſches Cier, und er erklärt ganz logiſch den Grund dafür. Der
Storch iſt ein Cier der Sümpfe, Wieſen und Niederungen. Das
Gebirge liebt er micht. Der Cürke als Herr verjagte die
Chri=
ſten, die ſich in die Berge flüchteten, und ließ ſich ſelbſt in den
Niederungen nieder, wo das Klima milder und der Boden
er=
tragreicher iſt. Da der Storch die gleichen Regionen bewohnte,
wurde er ſein Liebling, während der Adler, der auf den höchſten
Bergſpitzen horſtet, das Cier der Chriſten wurde.
Der Aberglaube, daß es Unglück bringt, einem Storch etwas
anzutun, hat ſeinen Urſprung wahrſcheinlich in der Urſache, daß
die Chriſten oft von den Cürken abgeſtraft wurden, weil ſie
ge=
legentlich einen Storch unfreundlich behandelt hatten.
Auf meine Frage, warum Chriſten es als eine gute
Vor=
bedeutung auffaſſen, wenn Störche auf ihrem Beſitz neſten, und
warum ſie den Vogel im allgemeinen Freundlich aufnehmen,
ant=
wortete Bai Milenko:
„Bauern haben den Storch gern, weil er der Feind von
Schlangen und anderem giftigen Kriegzeug iſt. Er iſt ein guter
Vogel, zerſtört die Ernte nicht, tut niemand etwas zuleide, und
es fehlt ihm nicht an Intelligenz. Moraliſch iſt er ein Vorbild.
Die Eltern opfern ſich für die Kleinen auf. Störche ſind ſauber,
fleißig und ehrlich. Sie haben alle Tugenden, nach denen ein
Bauer ſtreben ſollte. Sie ſind die einzigen Monogamiſten im
wahrſten Sinne des Wortes. Verliert der Storch ſeinen
Lebens=
kameraden, ſo heiratet er nie wieder. Die Heirat iſt für ewig.”
Ein intereſſanter Umſtand iſt es, daß beide Eltern ſich beim
Brutgeſchäft ablöſen. Das kommt bei Vögeln höchſt ſelten vor.
Sie beſchaffen gleichfalls die Nahrung gemeinſam und teilen ſich
in der Fürſorge für die Nachkommen. Das Aufziehen der
Klei=
nen gilt alſo nicht als die ausſchließliche Angelegenheit der
Mut=
ter. Dieſer Umſtand bedingt vielleicht die Catſache, daß, obwohl
der Storch ein ſo großer Vogel iſt, das Junge ſchon nach einem
Monat beginnt, unter Anleitung der Mutter mit den Flügeln
zu ſchlagen.
Der Forſchungsreiſende.
„Sie können ſich nicht vorſtellen, was es heißt, bauernd in Furcht
vor dem Tiger zu leben!“
„Doch, ſehr gut! Hier haben wir dafür dem Steuereinnehmer!”
Liebesgeſpräch. „Liebling, dur Giſt die ſchönſte Fnmr in der Welt!”
„Ach, Egon, wie ſchnell du doch alles Gemerkſt!“
Die Ueberraſchung. „Die Mänmer ſind doch zu gemein”, ſagte die
jung verheivatete Fraur. „Meim Manm werſprach mir eine Uebgrraſchung,
wenn ich kochen lernen wvollte, uund ſo mahm ſich Urterricht.” — „Nun,
und die Ueberraſchung?” fragte die Freundi meugierſig. — „Er entließ
die Köchin.”
Eine echt Shawiſche Antwort. Einem Beſcheib, der gams dem
Stem=
pel ſſeines Geſiſtes trägt, hat Shaw der Photographiſchem Geſellſchaft
in Bradford erteilt, als dieſſe ihn im einem feſierlſichem Schreilben dazur
eimluſ, die photographſſche Ausſtellumg im Bradford perſönlch zu
er=
öffnen. Er ſchrielb auuf dieſen Einladumgsbrief, den er „urſchriftlich”,
zurückſanbte, die folgenden Worte: „Ich müißte mein ganzes. Leben
mit demn Eröffmnem vom Ausſtellluungem werbringen, weiun ich micht die
Ablehmung aller ſolchem Aufforderungen miv zum ſtvengen Geſetz
ge=
machr hätte. Albes, ſwas mötig iſt, fiſt die Türein wauufzuumachen uund das Geld
einzumehmen. Eim Dienſtmanm Farm das ebenſſo guut vun wie ich. —
G. B. S.
Der neue Herbſtmantel.
Eigentlich iſt es ein Mißverſtändnis, daß jedes
Jahr von neuem unterläuft, wenn die elegante
Frau erſt das Fortſchreiten der Saiſon abwartet,
ehe ſie ſich über die Linie, die ſie wünſcht, klar
wer=
den will. Dadurch geht nämlich der Mode jede
Eigenart verloren, denn wenn die großen
Mode=
ſalons ſich ſpäterhin in der Hochſaiſon über die
Grundzüge und Tendenzen der Linie klar
gewor=
den ſind, bringen ſie doch mehr oder weniger ein
und denſelben Stil. Ganz anders aber iſt dies in
der Vorſaiſon.
Da ſcheinen die führenden Werkſtätten doch
noch ein wenig im Dunkel zu tappen, haben ſich
untereinander noch kaum zu verſtändigen
ver=
mocht, und ſomit ſchafft jedes Haus auf ſeiner ganz
beſonderen, ureigenſten Baſis. Und darum iſt es
eigentlich gerade jetzt ſehr intereſſant, die Modelle
der einzelnen Salons Revue paſſieren zu laſſen.
Noch iſt man ſich natürlich über die Einzelheiten
der herbſtlichen Mode keineswegs im klaren und
macht nur taſtende Verſuche, die allerdings
viel=
fach ſehr Schönes zu produzieren vermögen.
Im allgemeinen aber kann man ſchon jetzt
die Theſe aufſtellen, daß die Trotteurſachen eine
ganz beſonders ſchlichte, unauffällige Note wahren
werden, während bei den nachmittäglichen
Stük=
ken ein gewiſſer Phantaſiereichtum ſogar ſehr
gerne geſehen werden dürfte.
Auch im Materiale iſt dieſer Unterſchied
feſt=
zuſtellen, denn die ſportlichen, alſo die Stücke, die
für den Strapazgebrauch beſtimmt ſind, werden
ausnahmslos aus gemuſtertem Materiale
verfer=
tigt, während das elegante Stück immer
einfar=
big iſt.
Charakteriſtiſch für die kommende Mode iſt
auch ihre ausgeſuchte Eleganz in der Auswahl der
Farben. Die Trotteurſachen werden nur in
mat=
ten, unauffälligen Zwiſchentönen zu ſehen ſein,
alſo etwa in einem warmen, nicht „kalkigen” Grau,
in einem ſchönen Beige und ähnlichen
Schat=
tierungen. Bei den nachmittäglichen Farben aber
iſt dem perſönlichen Geſchmacke der Trägerin jede Freiheit
ge=
boten; natürlich gibt es auch hier wieder bevorzugte
Schat=
tierungen, zu denen vor allen Dingen die verſchiedenen
Braun=Töne zu zählen ſind, an denen die großen Häuſer
aus=
nahmslos Gefallen gefunden haben. Man ſieht hier neben einem
feinen, hellen Haſelnuß ein grünliches Oliv=Braun, dann ein
anderes mit einem intereſſanten Meſſington, endlich auch ein
Braun, das mit einem zarten Lila=Stich etwas von der Farbe
des welkenden Flieders an ſich hat; am beliebteſten aber dürfte
wohl das mittlere Negerbraun werden, weil es ſich in der Farbe
am anſpruchloſeſten zeigt und als durchaus
ne=
tral zu werten iſt. Als Materialneuheit wi=
Samt wieder im Modenbilde erſcheinen um
für den Nachmittagsmantel, der gelegentlich qu
für den Abend herangezogen werden ſoll,
Ve=
wendung finden.
Sehr viel Bedeutung legt man der Verbr,
mung des Herbſtmantels bei, und zwar ſieht me
ſowohl Edelfelle für Trotteurumhüllen (da n
Garnierung bekanntlich für dieſen Zweck verhäg
nismäßig viel ſtrapazfähiger ſein muß) als au
Phantaſie=Imitationspelze (für den Nachmitta,
in welchem Falle es ja weniger auf Dauerhaftie
keit als vielmehr auf Wirkung ankommt.
Die reiche Garnierung mit Fell iſt eine Eigen
art der Herbſtmode und wird ſicherlich vielfa
angeſichts der großen Koſten, die hier entſteher
ein wenig ſüßſauer begrüßt werden.
Einen gewiſſen Ueberblick über die neueſte
Schaffungen der Mantelmode vermögen unſem
Bilder zu geben:
Die neuartige, zweireihig geknöpfte Prinzeß
umhülle aus einem Ton=in=Ton kariert
Materiale iſt im erſten Bilde zu ſehen; di
breiten Revers ſind für die kommende Lüue
kennzeichnend, ebenſo eigenartig iſt die Verbuüz
mung der Aermel, die man im allgemeinen au;
einem ſchönen Edelfelle, etwa aus Opoſſum, Nuträ
oder Fiſchotter vorſieht.
Eine davon grundverſchiedene Type, die abe
ebenfalls für Trotteurzwecke gedacht iſt, bringe
wir im letzten Bilde. Es iſt dies der gerade, reic
den
mit langhaarigem Fell (Fuchs, Luchs oder Dachs
verbrämte Mantel aus einem flauſchigen, ſtrapas/ h
fähigen Modeſtoffe in neutraler Farbe.
Für den Nachmittag kommt in der Haup
ſache der Samtmantel in Frage, der — als groß/
Neuheit der Saiſon — ſicherlich viel Beifall ſir
den wird. Man dürfte ihn hauptſächlich in dun
len Schattierungen zu ſehen bekommen und zwa
vornehmlich in Schwarz, Blau und Mittelbraun
Helles, langhaariges Phantaſiefell dient hier de
Verbrämung (3). Intereſſant ſind auch du ſoliti
neueſte Schaffungen mit Tunik=Effekten, wie wü. n.d
ſie in Bild 2 zeigen. Es handelt ſich hier immer um eine
geraden Grundmantel und zwei kürzere, von der Seitennaht
au=
gehende, gerade Flügelteile, die mit einem Gürtel zuſammer
gehalten werden und mit Fell beſetzt ſind. Eebenſo bringen Kre
gen und Manſchetten eine ſchöne Pelzverbrämung. W. U.,
Neue Armelformen am Herbſtkleid.
Nach der langen, ärmelloſen Zeit, die Frau Mode für dieſen
Sommer propagierte, ſcheint ſie für den Herbſt ihr Intereſſe den
Aermeln ganz beſonders zuwenden zu wollen. Konnten wir die
Tellermanſchette, rund oder zipflig gehalten, ſchon in einmaliger
Ausführung am vereinzelten, weiten, duftigen und faltenreichen
Nachmittags=Tanzkleide bewundern, ſo wird ſie vielfach zwei= bis
dreifach, verſchiedenfarbig abgetönt, am Früh=Herbſtkleid
getra=
gen. Nicht minder originell zeigt ſich eine weite, abſtehende
Fecht=
manſchette aus Litzen, hohlgenähten Schrägſtreifen oder Chenille
dachziegelartig durchbrochen hergeſtellt, und durch einen
ebenſol=
chen Kragen ergänzt, ein ſehr gefälliger, leider aber auch raſch
vergänglicher Schmuck. Einem anderen engen Aermel, knapt
und faltenlos aufliegend die Schulter umſchließend, iſt eine lange,
nach hinten ſehr ſpitz auslaufende Manſchette angeſchnitten, die
ebenfalls an manchen: Modellen durch ein oder zwei
andersfar=
bige, bleiſtiftbreit hervorlugende, feine Seidenmanſchetten ergänzt
wird. Neu iſt ferner ein Aermel von engem Schnitt, dem aus
der hinteren Naht entweder ein dichtes, feines Fächerpliſſee oder
ein dicht, mit ſchmalen Fälbelchen aus weicher Seide im Ton des
Kleides gefertigter Garniturteil entquillt. Auch kräftige, farbige
Unterfütterungen einer bis zum Ellbogen reichenden, treſſem ſleich w
beſetzten Glocke, bringen eine originelle Note in manches
Herbſüh=
modell. Streng duritaniſch mutet ein anderer Aermel in einer us, de
originellen
der an der hinteren Naht mit Druchk
knöpfen geſchloſſen, die untere Hälfte des Armes eng umſpanm ſend
und als einzigen Schmuck an der hinteren Naht eine dichte Reih
flacher, matter oder glänzender, farbig abſtechender Kugelknöpf”
zeigt. Neu iſt ferner ein großer, weiter Flügelärmel am eleganten
Abendkleid, der aber mehr einem pelerinenartigen Garniturtei M 193
dieſes Kleides gleicht, und den vollſtändig entblößten Arm nu onden
von hinten her zu umrahmen ſcheint.
S. v. St.
Neue
Wäſche für den Herbſt.
Jede Saiſon verlangt ihre eigenen, ganz
be=
ſonderen Wäſcheſtücke, und gerade während der
letzten Jahre wurde auf dieſem Gebiete viel
Neues gebracht, und die Wäſche, die urſprünglich
ein Stiefkind der Mode war, iſt jetzt unſtreitig
ein ſehr bedeutender Faktor geworden, der —
eben=
ſo wie die Kleider — jede Schwankung der Linie
mitzumachen hat.
Für den kommenden Herbſt zum Beiſpiel iſt
es wieder die etwas ſtärker garnierte Wäſche, die
geſteigertem Intereſſe begegnet, während — wie
erinnerlich — die Sommermodelle vollkommen
ein=
fach und ungeputzt waren.
Dieſe Metamorphoſe iſt inſofern auch leicht
erklärlich, als die verſchiedenen nachmittäglichen
Stücke gelegentlich auch für den Abend
Verwen=
dung finden ſollen und zum großen Abendkleide
natürlich einzig und allein das garnierte Modell
Berechtigung hat.
Vor allen Dingen iſt es Spitze, die man
für den Aufputz der Wäſche heranzieht, während
Stickerei ganz entſchieden in den Hintergrund
tritt. Man wünſcht von einem ſolchen Modelle
eine gute Wirkung, die eben durch die
Spitzen=
kanten geboten erſcheint und hält eine mühſame
und koſtſpielige Handarbeit, die eigentlich
weit=
aus weniger Efſekt macht, für unnötig.
Immer=
hin ſind aber doch noch viele Ajours= und Toledo=
Effekte zu ſehen, doch ſind ſie weniger für die
abendliche Wäſche als vielmehr für die
Strapaz=
ſtücke gebräuchlich, weil dieſe Stickereien ſehr
halt=
bar ſind und auch eine häufige Reinigung
ver=
tragen können, während Spitze bekanntlich immmer
mit äußerſter Vorſicht behandelt werden muß.
Die Faſſons der letzten Wäſche=Entwürfe
ſind inſofern neuartig, als ſie faſt
ausſchließ=
lich glockig ſind, zum Teil auch die Figur
mar=
kieren, alſo auf die engen Prinzeßſchaffungen
der großen Modeſalons Rückſicht nehmen, da ja
Tendenz feſthält, Kleid und Wäſcheſtück in de
Farbe übereinzuſtimmen, was auch inſofern nich
unrichtig iſt, als dann die Wäſche — falls ſie
zu=
fällig im Ausſchnitte des Kleides ſichtbar wirb
— nicht ſtörend wirkt.
Wir bringen in unſerem Bilde einige aparte
Modelle für den Herbſt: An erſten Stelle
ein=
elegante Rockkombination, die in glücklicher Ar
Unterkleid und Büſtenhalter vereinigt, deſſen Form 7a
in die Spitzenkante eingearbeitet und ſomit eir)M
Wäſcheſtück erſpart wird, ſo daß die
vielbegehrt=
ſchlanke Silhouette möglichſt gewahrt und jed Anchu
überflüſſige Sache vermieden wird. Dieſes Mo=ſttun
dell, das durch die zackenförmige Anordnung de— nihen
Spitze am oberen und unteren Rande außer
ordentlich wirkungsvoll erſcheint, kann man
ſo=
wohl in Paſtellfarbe als auch in Weiß oden
Schwarz verarbeiten, zieht aber in jedem
Fall=
naturfarbene, alſo gelbliche Spitze vor, da ein=
Garnierung mit der Grundfarbe des Materiales
unter allen Umſtänden kontraſtieren ſoll.
Weſentlich einfacher iſt die nächſte
Skizze=
eine ſchlichte Hoſenkombination in weißem Ma—
teriale für Strapazzwecke und Sport. Eine zarte
Toledoſtickerei oder zwei abgeſtufte Ajours
bahnen ſind als Garnierung vollkommen
aus=
reichend.
Das elegante Nachthemd, das in keine=
Wäſcheausſtattung fehlen ſoll, ſtellt Figur 3 dar
Dieſes Modell wird in ſeinem Oberteil durch der
ſchmalen, beiderſeits gebundenen Gürtel leich
gebluſt und iſt in ſeiner unteren Partie glockig
Die Spitze iſt hier in Form eines kelchförmiger
Beſatzes der Aermel, als untere Randung und
in Geſtalt eines vorne gebundenen Halstuches
unter einem enganliegenden Kleide ein weites Wäſcheſtück
ſicher=
lich ein Mißgriff wäre.
Die größte Veränderung unter den verſchiedenen
Wäſche=
typen dürften wohl die Nachthemden mitgemacht haben.
Sie bieten, ſofern ſie noch nicht durch das Pyjama verdrängt
wurden — hauskleidähnliche Formen, haben alſo nicht mehr den
ausgeſprochenen Wäſchecharakter, der ehemals als richtunggebend
angeſehen wurde. Während die Wäſche von Tag zu Tag in ihrem
Schnitt und ihrer Garnierung komplizierter wird, ſcheint ſich der
Hausanzug und der Schlafrock ſehr zu vereinfachen. Sind doch
die neueſten Pyjamas durchwegs der Herrenmode in Form und
Materialkombination entlehnt, alſo ſchlicht und anſpruchslos.
Das gleiche gilt für das Hauskleid, das ganz gerade
ge=
halten und mantelartig in ſeiner Form iſt.
Die Farbe der modernſten Wäſcheſtücke hat faſt nicht Neues
zu bieten. Man ſieht nämlich für Strapazzwecke ausſchließlich
weiße Wäſche, für die abendlichen Modelle aber vielfach
Paſtell=
farben und auch ſchwarz (!) da man in letzter Zeit an der
verwendet.
Bild 4, ein ganz gerades, mantelartig 9
ſchnittenes Hauskleid aus buntem Satinmaterialg
mit einfarbigem, dunklem Aermelbeſatz und
eben=
ſolchen Revers, wird ſicherlich viel Beifall finden
und kleidet jede Geſtalt ſehr vorteilhaft.
In der vorletzten Skizze führen wir das
ge=
häkelte, vorne überkreuzte Bettjäckchen vor Augen
das für kühle Nächte geradezu unentbehrlich iſ
Wie man ſich das allerneueſte Pyjama vorzuſtellen hat, zeige
unſere letzte Figur: es handelt ſich hier um eine einfarbige dunkle
ſehr weit geſchnittene Hoſe und um einen kleinkarierten,
doppel=
reihigen, alſo herrenſakkoartigen Oberteil mit Revers und
Man=
ſchetten in der Farbe der Hoſe.
Ein Hausanzug dieſer Art iſt weder von der Saiſon nol
auch von der Tagesmode abhängig, darum auch
außerordenl=
lich empfehlenswert.
Robert Hohenberg.