Einzelnummer 1.5 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Franffurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iluſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 214
Sonntag, den 4. Auguſt 1929.
192. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadi 25 Reſchspfg.
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breit/2 Reichsmark. Anzelgen von auswärte 40 Reichopfg.
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(1 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil uſw., erliſcht
ſede Verpfliſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufräge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerichtlſcher Beſtrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Banſionto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Natſonalbank.
Der Mampf uin die Thennane lngmang.
* Der Kaufpreis.
Die Feſtſtellungs= und „Verſöhnungs”-Kommiſſion.
Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß es in den
wiplomatiſchen Verhandlungen, die der Einberufung der Haager
Konferenz vorausgingen, auch die von Frankreich ſchon auf der
Senfer Ratstagung vom vorigen Herbſt in den Vordergrund
ge=
ſchobene ſogenannte Feſtſtellungs= und Verſöhnungskommiſſion
eine gewiſſe Rolle geſpielt hat. Schließlich
twird ja auch von der Löſung dieſes Pro=
Hlems die Räumung des Rheinlandes ab=
Hängig ſein, ſo daß alſo tatſächlich für die
Diplomaten in Paris und Berlin eine
Fwingende Notwendigkeit beſtand, ſich
einmal zu überlegen, wie dieſe
Kommiſ=
fion ausſehen ſoll bzw. welche Gründe
man mit gutem Erfolg gegen dieſe Ein=
Eichtung ins Feld führen kann. Wir
rwiſſen nicht, ob die Franzoſen feſte Pläne
lüber die Organiſation, den Aufbau, das
Arbeitsgebiet und die Beſetzung dieſer
Kontrollkommiſſion mit nach dem Haag
bringen werden, oder ob ſie ſich erſt dort
auf Grund der ſich ergebenden
Situatio=
rien zur Ausarbeitung beſtimmter
Vor=
ſchläge entſchließen werden. Soviel ſcheint
Streſemann.
aber bereits feſtzuſtehen, daß man am
Sugi d’Orſay nicht an eine Kommiſion
Henkt, die vielleicht in Koblenz oder Mainz
ſehren Sitz hat und an anderen Städten
Ses Rheinlands Filialen unterhalten ſoll.
Das geht aus Andeutungen in der Pariſer
Preſſe hervor. Es wäre jedoch verfrüht,
ichon jetzt annehmen zu wollen, daß im
Falle des Sieges der franzöſiſchen Theſe
Sie Kontrollkommiſſion ihr Quartier
außerhalb der deutſchen Grenzpfähle
auf=
ſ chlägt und nur von Zeit zu Zeit deutſchen
Boden betreten wird. Herr Briand hat
war den Poſten Poincarés übernommen,
ſer beſitzt aber durchaus nicht die Selb=
Etändigkeit dieſes Mannes, wird vielmehr
Sauernd nach Paris blicken müſſen und
unzweifelhaft auch ſtändig von den RGts=
in den Schoß legt, ſondern ſich in unliebſamer Weiſe bemerkbar
macht und durch alle möglichen Manöver zu einer
neuerlichen Bergiftung des deutſch=franzöſiſchen
Berhältniſſes
führt, ohne deswegen auch nur ein einziges Mal Material
dar=
über herbeibringen zu können, daß im Rheinland irgend etwas
geſchieht, wodurch ſich Frankreich bedroht fühlen könnte. Man
Die Teilnehmer der deutſchen delegakion.
Curtius.
Wirth.
Hilferding.
Staatsſekretär Pünder. Reichspreſſechef Dr. Zechlin. Staatsſekretär Schubert.
t arteien der Kammer unter Druck genommen werden, falls dieſe
Grund zu der Annahme zu haben glauben, daß er ſich nachgiebig
zeigt und ſeinen Verſprechungen nicht treu bleibt. Unter dieſen
Umſtänden iſt es ſehr leicht möglich, daß ſich der franzöſiſche
Miniſterpräſident wegen der Feſtſtellungskommiſſion noch viel
ſchärfer ins Zeug legen wird, als das zunächſt den Anſchein hat,
und ſogar mit feſtumriſſenen Vorſchlägen kommt, die bielleicht doch
tanz anders geartet ſind, als man das aus den Bemerkungen
zäniger Pariſer Zeitungen entnehmen kann. Wir haben
wieder=
olt feſtgeſtellt, daß dieſe Feſtſtellungs= und
Verſöhnungskom=
rriſſion
eine vollſtändig überflüſſige Einrichkung
Ft. Der Verſailler Vertrag, der uns jede Aufrüſtung verbietet
und unſeren Rüſtungsſtand genau vorſchreibt, bleibt nach wie vor
beſtehen. Der Völkerbundsrat beſitzt weitgehende
Unterſuchungs=
befugnis, und außerdem iſt beim Abſchluß der Locarnoverträge
eine Kommiſſion gebildet worden, die man getroſt als
Kontroll=
lSmmiſſion bezeichnen kann. Für die Franzoſen beſteht ſomit
eäne ganze Reihe von Möglichkeiten, Unterſuchungen in die Wege
zui leiten. Es iſt alſo wirklich nicht nötig, noch ein neues
Inveſti=
hationsorgan zu ſchaffen. In dieſem Zuſammenhang darf aber
wohl daran exinnert werden, daß die Haager Konferenz eine
Liquidation des Weltkrieges bringen ſoll und daß mit allen
eſten und Schlacken, die aus der Verſailler Zeit übrig geblieben
ſud und in Widerſpruch zu den Hoheitsrechten des Deutſchen
Reiches ſtehen, aufzuräumen iſt. Wenn nun aber eine Kommiſſion
ſeis Leben gerufen wird, gleichgültig, ob ſie für kurze oder lange
Beit von Beſtand ſein ſoll, um an die Gepflogenheiten der
Inter=
alliierten Kontrollkommiſſion anzuknüpfen, dann kann man
wirk=
lEch nicht von einer Geſamtliquidation des Krieges ſprechen, muß
ſich vielmehr mit dem Gedanken vertraut machen, daß
dieſe Konferenz nur neue Konflikke auslöft
und ſchließlich wieder die Mächte an den Beratungstiſch zwingt,
um auch dieſen letzten Reſt der Zeiten des Unfriedens und der
gegenſeitigen Anfeindungen auszulöſchen. Nehmen wir einmal
u, die Franzoſen würden es durchſetzen, daß im Rheinland eine
Kommiſſion ſich niederläßt, die under ihrer Führung ſteht und in
der Hauptſache durch Franzoſen beſetzt wird, dann kaun ſie doch
ur arbeiten, wenn ſie Grund zu irgendwelchen Beanſtandungen
ſendet. Gründe fliegen ihr ſicher zu. Sie wird alſo wieder wie
in den Zeiten von 1920 bis 1927 Agenten ausſenden müſſen, die
die deutſche Induſtrie, die Polizei, die Behörden und die
Bevöl=
lerung ausſpionieren, nur um Material zuſammenzutragen,
da=
mit die Kommiſſion Beſchäftigung findet und den Nachweis ihrer
Exiſtenzberechtigung erbringen kann. Wir glauben nicht, daß
z— B. die Engländer ein Intereſſe an dem Wiederaufleben einer
Kontrollkommiſſion haben, wie ſie viele Jahre zum Schaden der
gegenſeitigen Beziehungen der Mächte beſtand. Wird nun aber
eiine Kommiſſion gebildet, die vielleicht in Paris ihren Sitz hat,
d=ann müſſen wir doch auch damit rechnen, daß ſie nicht die Hände
mag die Dinge drehen und wenden wie man will, die
Kon=
trollkommiſſion iſt ein höchſt überflüſſiger
Gegenſtand und nur geeignet, neue
Verſtim=
mungen hervorzurufen und zu ſchaffen und
neue Konflikte heraufzubeſchwören. Herr Briand
täte am beſten, über die Feſtſtellungskommiſſion ſelbſt mit
Still=
ſchweigen hinwegzugehen, weil ſie einmal eine veraltete
Einrich=
tung iſt, vor deren Wiederbelebung auch vernünftige Franzoſen
zurückſchrecken und weil ſie zum anderen die Empörung des
gan=
zen deutſchen Volkes hervorufen muß, das reſtlos abgerüſtet und
alle Entwaffnungsbedingungen erfüllt hat, und in dieſer
Kom=
miſſion nur den Ausdruck franzöſiſcher Feindſeligkeit und
Ueber=
heblichkeit des franzöſiſchen Siegers ſehen würde.
Die Haager Konferenz. — „Nur keine IAaſionen”.
EP. Paris, 3. Auguſt.
Der „Temps”, das Sprachrohr der franzöſiſchen Regierung,
widmet ſeinen heutigen Leitartikel der nächſte Woche beginnenden
Regierungskonferenz und unterſucht vor allem die Frage, ob die
Bezeichnung „Liquidation des Krieges” auch wirklich die richtige
ſei. Denn die erſte Bedingung für den Erfolg eines ſolchen
Unternehmens ſei eine genaue politiſche und techniſche
Vorberei=
tung. Wenn man ein ſicheres und fruchtbares Werk ſchaffen
wolle, dann müſſe man mit Vorſicht vorwärts ſchreiten, indem
man alle Vorbeugungsmaßnahmen gegen etwaige ſchmerzliche
Ueberraſchungen ergreife. Die Regierungskonferenz habe ein
genau vorgezeichnetes Programm; ſie habe genau definierte
Fragen zu löſen. Daher dürfe man ſich über den Wert dieſer
Be=
zeichnung „Liquidation des Krieges” keine
Illu=
ſionen machen. Das Programm der Konferenz ſei in der
Genfer Entſchließung vom 18. September 1928 feſtgelegt: „
An=
nahme und Ausführung eines vollftändigen und definitiven
Re=
parationsplans, Prüfung des deutſchen Verlangens einer
frühe=
ren Räumung des Rheinlandes; Schaffung einer
Feſt=
ſtellungs= und Verſöhnungskommiſſion, die
den Charakter einer ſtändigen
Sicherheitskom=
miſſionhaben müſſe.” Unter keinem Vorwand dürfe man
zulaſſen, daß die Notwendigkeit, den Krieg zu „liquidieren” dazu
führen könne, daß man verſuche, andere als die vorgeſehenen
Fragen auf der Konferenz zu erörtern. Es ſei nicht unnütz, dies
ſcharf zu betonen, ſchließt der „Temps”, angeſichts der in Berlin
bekundeten Abſichten betreffend die Räumung des Saargebiets.
Die ikalieniſche Delegalion für die Haager Konferenz.
EP. Rom, 3. Auguſt.
Die italieniſche Delegation für die Haager Konferenz iſt von
Muſſolini endgültig feſtgeſetzt worden. Sie beſteht aus
Finanz=
miniſter Mosconi als Delegationsführer, Unterſtaatsſekretär
Grandi, Alberlo Pirelli und dem Botſchafter Marcheſe Durazzo,
wozu noch 10 Sachverſtändige aus dem Auswärtigen Amt und
Finanzminiſterium, ein Generalſekretär und viele Sekretäre
kommen.
Verſpäkete Einſicht.
Von
Profeſſor Dr. Max J. Wolff.
Wenn man die Finanzpolitik, die in den letzten Jahren nach dem
Kriege von Erzberger bis Hilferding in Deutſchland getrieben
wor=
den iſt, unter einem Schlagwort zuſammenfaſſen will, ſo kann man
ſie nur als einen Kampf gegen die Wirtſchaft bezeichnen.
Erzber=
ger machte ſich ja ein beſonderes Verdienſt daraus — und es iſt
noch unvergeſſen —, daß er es ſeiner Steuerreform zum höchſten
Ruhm anrechnete, daß ſie den Beſitz jeder Art auf das ſchwerſte
belaſtete. Nach der Stabiliſierung gingen ſeine Nachfolger,
wel=
cher Richtung ſie angehörten, noch über ihn hinaus. Ihr
Be=
ſtreben war, möglichſt viel Geld aus der Wirtſchaft
herauszu=
ſchlagen. Wir hatten zeitweilig wie in den beſten Tagen
alt=
preußiſcher Vergangenheit „heidenmäßig viel Geld”, und nach
dieſem auf Koſten der erwerbenden Stände gewaltſam
geſchaffe=
nen Ueberfluß wurden die Ausgaben bemeſſen. In Reich,
Ländern und Gemeinden frönte man einer
hem=
mungsloſen Bewilligungsfreudigkeit.
Man vergaß, daß auch die Wirtſchaft durch Krieg und
In=
flation ſchwer gelitten hatte und dringend einer Schonung
be=
durfte. Steigende Steuern und Löhne ſowie die
rapid wachſenden Soziallaſten machten jede
Kapitalbildung unmöglich. Die Folgen dieſer
Kurz=
ſichtigkeit wurden zeitweilig durch den Zuſtrom fremder
Leih=
gelder verſchleiert, aber ſobald dieſer Zuſtrom ſich verlangſamte.
machte ſich der Mangel an eigenem Kapital in empfindlichſter
Weiſe fühlbar. Es fehlte an Geld, um die Betriebe voll
aus=
zunutzen, und es fehlte vor allem an Geld, um die nach
Hundert=
tauſenden zählenden Arbeitsloſen in produktiver Weiſe zu
be=
ſchäftigen. Mit dem Willen zur Arbeit und mit der kräftigen
Fauſt iſt es allein nicht getan, ſondern es ſind auch 6—7000 Mark
auf den Kopf erforderlich, um die menſchliche Arbeitskraft
wirt=
ſchaftlich zu verwenden. Dieſe Summen ſind nicht vorhanden.
Die Erwerbsloſigkeit, iſt zum großen Teil
durch den Kapitalmangel verurſacht. Will man ſie
bekämpfen, ſo muß man die Kapitalbildung erleichtern, man muß
dem Unternehmer zunächſt die Mittel ſchaffen, damit er Hände,
die jetzt zum Nichstun verurteilt ſind, beſchäftigen kann. Dieſer
Zuſammenhang, zwiſchen Kapital und Arbeit
liegt auf der Hand, aber ſo klar er ſein mag, ſo energiſch haben
ſich die Gewerkſchaften bisher ſeiner Erkenntnis verſchloſſen. Sie
glaubten, ungeſtraft gegen den Beſitz wüten und ihn zugunſten
der Arbeiter ausſchlachten zu dürfen. Die ſchwere Kriſis, die ſie
durch ihre angeblich ſoziale Politik heraufbeſchworen haben,
ſcheint endlich eine beſſere Einſicht unter den
Arbeiterführern und ein Verſtändnis für die
Notwendigkeit des Kapitals und ſeine
volks=
wirtſchaftlichen Funktionen hervorzurufen.
Der ſozialiſtiſche Finanzminiſter Dr. Hilferding gab kürzlich
in einer Reichstagsſitzung bei Beſprechung des Etats zu, daß die
Verringerung des für produktive Zwecke zur Verfügung ſtehenden
Kapitals die Arbeiterſchaft empfindlich treffe. Die verlangſamte
Kapitalakkumulation ſei gleichbedeutend mit einer verlangſamten
Erweiterung der Produktion und die verlangſamte Anlage neuer
Produktionsmittel mit einer verlangſamten Fähigkeit unſerer
Wirtſchaft, Arbeitsloſe zu beſchäſtigen. Auch Stegerwald
be=
kannte ſich zu der Anſicht, daß die Kapitaldecke Deutſchlands zu
ſchmal und die Steuerlaſt zu groß ſei, und ſelbſt der Vorkämpfer
der Wirtſchaftsdemokratie, Naphtali, bezeichnete in einem
Vor=
trag zu Frankfurt Lohnerhöhungen als ſchädlich, wenn durch ſie
eine Knappheit und Verteuerung des Kapitals hervorgerufen
würden, die wieder eine Reproduktion und Moderniſierung des
Produktionsapparates verhinderten und damit die
Beſchäfti=
gungsmöglichkeiten der Arbeiter verringerten.
Die Aeußerungen ſtimmen ungefähr mit dem überein, was
von den Unternehmern ſeit Jahr und Tag behauptet und
ge=
fordert worden iſt. Man ſieht, die Gegenſätze zwiſchen der
wirtſchaftlichen Auffaſſung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer
ſind durchaus nicht ſo groß, wie es manchmal ſcheint, ſondern ſie
verſchwinden, ſobald die letzteren nicht fernliegenden Utopien
nachjagen, ſondern ſich rein praktiſch die Frage vorlegen, was
muß jetzt, was muß in der Gegenwart geſchehen, um unſerer
not=
leidenden Wirtſchaft aufzuhelfen. Dann lautet die Antwort von
der einen wie von der anderen Seite: es muß auf den Beſitz
mehr Rückſicht genommen werden, man darf die Bildung
von produktivem Kapital nicht, wie bisher,
un=
möglich machen, ſondern muß ſie erleichtern.
Die Hnlferding, Naphtali und Stegerwald, zu denen noch der
eine oder andere Gleichgeſinnte genannt werden könnte, ſpielen
in der ſozialdemokratiſchen Partei bzw. in der
Gewerkſchafts=
bewegung eine führende Rolle, aber man darf ihre Bedeutung
und damit die ihrer oben zitierten Aeußerungen auch nicht
über=
ſchätzen. Es ſind einſtweilen nur vereinzelte
Stimmen in der Wüſte, Anſchauungen von
Theo=
retikern, die auf die Maſſe ihrer
Parteigenoſ=
ſen und auf deren praktiſche Betätigung noch
keinen Einfluß gewonnenhaben. Man denke nur an
die Behandlung der Erwerbsloſenverſicherung. Daß ſie dringend
reformbedürftig iſt, wird allſeitig zugegeben. Niemand beſtreitet,
daß der ſoziale Gedanke überſpannt iſt und daß dieſe
Ueber=
ſpannung ſowohl mit den landläufigen Begriffen von Recht und
Moral wie mit der Finanzlage des Reiches unvereinbar iſt. Auch
die Sozialdemokraten ſehen ein, daß es nicht ſo weiter geht, aber
wenn ſie ſich ſchon zu einer Entlaſtung der Reichskaſſe bereit
erklären, ſo doch nur in einer Form, die auf eine entſprechende
Belaſtung der Wirtſchaft hinausläuft. Die Erhaltung einer
ſozialen Einrichtung mit allen ihren Fehlern und Mängeln wird
zu einer Prinzipienfrage aufgebauſcht, hinter der alle anderen
Rückſichten zurücktreten müſſen. Sozialpolitik ſoll getrieben
wer=
den, koſte es, was es wolle, und ob über dieſer Art von
Sozial=
politik nicht die Wirtſchaft, die Grundlage aller Sozialpolitik, zu=
Geite 2
Nummer 214
gunde geht, das iſt eine Frage, deren Entſcheidung wie die ſo
mancher anderer, einem freundlichen Schickſal bedenkenlos
über=
laſſen bleibt.
Auch bei den Gewerkſchaften liegt noch nicht
das leiſeſte Anzeichen vor daß, die verſpätete
Einſicht der Führer auf ihre Beſtrebungen einen
Einfluß ausübte. Wenn ihr amtliches Organ, die
Gewerk=
ſchaftszeitung, triumphierend verkündet, daß im zweiten Halbjahr
1928 auch nicht die geringſte Lohnkürzung in Deutſchland
vor=
gekommen ſei, ſo beweiſt ſie dadurch nur, daß ſie der von ihr ſelbſt
nicht beſtrittenen abſinkenden Konjunktur und der ſich aus ihr
ergebenden wirtſchaftlichen Forderungen völlig verſtändnislos
gegenüberſteht. Die Lohnſchraube wird immer weiter angezogen,
obgleich man weiß, daß die Wirtſchaft keine neue Belaſtung
tragen kann. Die Koſten der letzten Lohnerhöhung im
Ruhr=
bergbau mußten ſchon auf die Allgemeinheit der Steuerzahler
abgewälzt werden, und dasſelbe wird mit den Zulagen der Fall
ſein, die den Eiſenbahnern kürzlich durch Schiedsſpruch und
Ver=
bindlichkeitserklärung zugebilligt ſind. Da die Betriebe bis zur
Grenze ihrer Leiſtungsfähigkeit ausgepumpt ſind, muß das Reich
die ſonſt unaufbringbaren Lohnſummen übernehmen.
Die Arbeiterführer werden es ſchwer haben,
ihre beſſere Einſicht zur Geltung zu bringen.
Jahrzehnte hindurch haben ſie ihren Anhängern gepredigt, daß
das Kapital in der Wirtſchaft nur eine Paraſitenrolle ſpiele und
ſich widerrechtlich die durch den Schweiß der Arbeiter ſauer
er=
worbenen Früchte aneigne. Auf einmal lieſt man es anders, auf
einmal bricht unter dem Druck der Not die Erkenntnis von der
Unentbehrlichkeit des Kapitals durch, und auf einmal ſieht man
ein, daß die Bildung von neuem Kapital die Vorausſetzung für
jede Erweiterung der Produktion iſt. Wird man die neue
Leſeart auch den Maſſen begreiflich machen
kön=
nen, nachdem man ihnen bisher das Gegenteil
geſagthat, den Maſſen, die durch die Macht des Stimmzettels
zum Schluß das Schickſal der deutſchen Wirtſchaft in der Hand
haben?
Der „Vorwärts” ſchrieb noch kürzlich, daß die
Wirtſchaftlich=
keit eines Unternehmens nicht von ſeiner Rentabilität, ſondern
von der Höhe der gezahlten Löhne abhänge. Damit hat er die
der Arbeiterſchaft eingeprägte Anſicht richtig wiedergegeben.
Wenn die Führer jetzt von dieſer Auffaſſung abrücken, ſo wollen
wir das als ein gutes Zeichen dankbar zur Kenntnis nehmen,
aber ſie werden ſchwere Widerſtände zu überwinden
haben, ehe ſie ihre Anhänger zu ihrer eigenen verſpäteten beſſeren
Einſicht bekehren. Es wird bedauerlicher Weiſe noch lange
dauern, ehe es in Deutſchland möglich ſein wird, mit
Zuſtim=
mung der Gewerkſchaften eine Finanz=, Sozial= und Lohnpolitik
zu treiben, die auch die Rechte des Kapitals achtet und ihm den
zur Erhaltung der Wirtſchaft notwendigen Ertrag zukommen
läßt.
Der Vierkeljahresbericht der Regierangskomwiſſion
des Sgargebiels.
EP. Genf, 3. Auguſt.
Der Vierteljahresbericht der Regierungskommiſſion des
Saargebiets über das zweite Quartal 1929, der ſoeben dem
Generalſekretär des Völkerbundes zugeſtellt wordenn iſt,
be=
handelt eingehend die Regelung der Aufwertung der Hypotheken
und ſonſtigen Realforderungen, deren Beſtimmngen unter
Be=
rückſichtigung der beſonderen Lage des Saargebiets den deutſchen
Aufwertungsbeſtimmungen angepaßt ſeien. Das Kapitel über
die Finanzlage erwähnt ferner die Ermächtigung des
Zweckver=
bandes des Saargebiets, Verhandlungen über die Begebung von
Anleihen zur Durchführung öffentlicher Arbeiten aufzunehmen
zur Verbeſſerung und Erweiterung des Straßennetzes und der
Verkehrsmöglichkeiten. Der Geſamtbetrag der von den
Gemein=
den dafür aufzunehmenden Laſten darf 187 Millionen Franken
nicht überſteigen. — Der Abſchnitt über das Wirtſchafts= und
ſoziale Leben verzeichnet die Entſpannung des Arbeitsmarktes
und die Aufbeſſerung der Bergarbeiterlöhne um 5 Prozent. Die
Zahl der Erwerbsloſen iſt von Ende März bis Ende Mai von
9920 auf 3471 zurückgegangen.
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Vom Tage.
Am Samstag nachmittag traten zwölf maßgebliche Vertreter
des Reichsverbandes der Deutſchen Pxeſſe von
Stet=
tin aus auf dem Dampfer „Riga” eine achnttägige Studienreiſe nach
Lettland an.
Der Staatsanwalt Malkowſki, der die Anklage im
Ulitz=Prozeß vertrat, iſt zum Vizeſtaatsanwalt beim
Höch=
ſten Appellationsgerichtshof in Warſchau ernannt
worden. Die Gerüchte über ein Diſziplinarverfahren gegen Malkowſte
haben ſich alſo nicht beſtätigt.
Die franzöſiſche Delegation auf der Haager
Re=
gierungskonferenz wird 56 Mitglieder umfaſſen. Außerdem
werden die Delegation drei Ueberſetzer begleiten.
In der Gegend des Mont Cenis überflogen mehrere
ita=
lieniſche Militärflugzeuge das franzöſiſche
Ge=
biet in einer Ausdehnung von 10 Kilometern. Erſt nach längerer
Zeit kehrten die Flieger nach Italien zurück.
Von der mandſchuriſchen Grenze werden neue
Grenz=
zwiſchenfälle gemeldet.
In Meldungen aus Peking wird darauf hingewieſen, daß in den
chineſiſch=ruſſiſchen Beſprechungen der Beſchluß gefaßt worden ſei, den
internationalen Verkehr auf der transſibiriſchen und chineſiſchen
Oſt=
ciſenbahn bereits in den nächſten Tagen wieder in Gang zu bringen.
Die Verhandlungen über die Abrüſtung zur See.
EP. London, 3. Auguſt.
Zu der von engliſcher Seite in die Preſſe lancierten Meldung
von einem zwiſchen dem Premierminiſter Macdonald und Genera4
Dawes erzielten vorläufigen Abkommen über eine
Abrüſtung zur See verlautet hier, daß dieſes Stadium in
den Verhandlungen zwiſchen Macdonald und General Dawes noch
nicht erreicht worden iſt. Die Unterredungen zwiſchen dem
eng=
liſchen Miniſterpräſidenten und General Dawes werden
wahr=
ſcheinlich nach der Rückkehr Macdonalds von ſeinem Geburtsort in
Schottland nach London wieder aufgenowmen werden. Obwohl
die Meldung von einem bereits erreichten detaillierten Abkommen
in offiziellen Kreiſen nicht beſtätigt wird, erweckt es doch den
An=
ſchein, alsob die engliſche Regierung zu den
all=
gemeinen Hauptpunkten des engliſch=
amerika=
niſchen Abkommens eine wohlwollende Stellung
einnimmt. Eine Erklärung Macdonalds in Genf über die
Marineabrüſtungsfrage wird als ſehr wahrſcheinlich angeſehen.
Berſtärkung der engliſchen Aklankikflokke durch
vier Schlachtfchiffe.
Die britiſche Mittelmeerflotte wird Anfang November durch
Zu=
rückziehung von pier Schlachtſchiffen der Queen Elizabeth=Hlaſſe
ver=
mindert werden. Vier Schiffe werden der Atlandikflotte zugeteilt.
Als Scllachtſchiff wird in Zukunft das einzige im Mittelmeer
verblei=
bende Schiff dieſer Klaſſe, die „Warſpite” dienen. Die Admiralität
kündigt für Sonntag eine amtliche Erläuterung dieſes Beſchluſſes an.
Inzwiſchen wird halbamtlich erklärt, daß er keinerlei politiſche
Bedeu=
tung habe und im weſentlichen aus folgenden Gründen notwendig
wurde: 1. Um den Beſatzungen mehr Heiuatdienſt zu geſben, 2. die
Ueberfüllung des Flottenſtützpunktes von Malta zu beſeitigen und
3. dem Zuſtand völlig unzureichender Erholungsmöglichkeiten für die
Mannſchaften der Mittelmeerflotte in Malta ein Ende zu mochen.
Dem ſpeht entgegen, daß die Admiralität erſt im Herbſt 1927
an=
kündigte, der Hauptteil der Schlachtſchiffe werde im Mittelmeer
zu=
fammengezogen, und zuar 8 bis 10 Schiffe der Oucen Elizabeth= und
der nächſtſtärkeren Klaſſe. Beide Schiffsklaſſen ſind mit 15 Zoll=
Geſchützen ausgerüſtet und ſtellen die mächtigſte Kampfeinheit der
britiſchen Flotte dar. Im Mittelmeer verbleiben nunmehr nur ein
Schiff der Elizabeth= und vier Schiffe der Rohal Sovereign=Klaſſe. Die
Atlandik=Flotte ſteigt auf der anderen Seite zu dem weitaus
bedeutend=
ſten und mächtigſten Geſchwader auf, das u. a. auch die beiden
modern=
ſten Großkampfſchiffe der Welt, „Nelſon” und „Rodney” umfaßt.
Macdonald über die allgemeine Abräſtung.
Miniſterpräſident Macdonald ſprach ſich dem Vertreter der
„Evening Poſt” in Philadelphia gegenüber nachdrücklich für die
allgemeine Abrüſtung aus. Ein wahrer Abrüſtungsvertrag, ſo
ſagte Macdonald, müſſe das Perſonal aller Rüſtungstruppen,
ein=
ſchließlich der ausgebildeten Reſerven weſentlich vermindern. Die
Zahl der Dienſtpflichtigen, die Jahr für Jahr zu den Waffen
ge=
rufen oder in gewiſſen Zeitabſchnitten neu ausgebildet würden,
müſſe erheblich beſchränkt werden. Daneben ſei es notwendig,
auch die Vorräte an Waffen und Munition erheblich zu
vermin=
dern. Das gleiche gelte hinſichtlich der ſchweren Geſchütze, der
Tanks, der Kriegsflugzeuge, der Kriegsſchiffe und der chemiſchen
Kriegsmittel. Ein wirklicher Abrüſtungsvertrag müſſe eine
inter=
nationale Ueberwachung für die Durchführung aller dieſer
Ein=
ſchränkungen vorſehen, entweder durch den Völkerbund oder durch
eine andere Organiſation. In den bisherigen
Abrüſtungsverhand=
lungen ſeien erhebliche Fehler gemacht worden, die es zu beſeitigen
gelte, wenn der Friede endgültig geſichert werden ſolle.
Dei poimiſcheintdatſche Henmer der vein
Bonerbande.
Eine likauiſche Beſchwerde über Polen.
EP. Genf, 3. Auguſt.
Der litauiſche Miniſterpräſident Woldemaras hatte ſich
be=
kanntlich vor einigen Wochen in einer Note an den
General=
ſekretär des Völkerbundes gewandt, um im Zuſammenhang mit
dem in dieſem Jahr auf ihn verübten Attentat, deſſen Urheber
polniſche Staatsangehörige waren, Beſchwerde zu führen. In
der Beſchwerde kam auch der Wunſch zum Ausdruck, der
Völker=
bund möge eine Unterſuchungskommiſſion an die litauiſch=
pol=
niſche Grenze entſenden, um die dortigen Verhältniſſe zu prüfen.
Dieſe Möglichkeit hatte der Völkerbund bereits in ſeiner
berühm=
ten Entſchließung vom 10. Dezember 1927 über die Aufhebung
des Kriegszuſtandes zwiſchen Polen und Litauen einer Prüfung
unterzogen. Geſtern ſind nun die Gegenäußerungen der
polni=
ſchen Regierung auf den litquiſchen Proteſt in Genf eingetroffen
Polen weiſt darin, wie verlautet und nicht anders zu erwarten
war, die litauiſche Beſchwerde zurück. Die polniſche Antwort
wurde noch geſtern an den derzeitigen Ratspräſidenten, den
japa=
niſchen Botſchafter in Paris, Grafen Adatſchi, weitergeleitet und
bildete bereits heute den Gegenſtand einer Beſprechung zwiſchen
dem Ratspräſidenten und dem Berichterſtatter, dem ſpaniſchen
Ratsmitglied Quinones de Leon. Bei der vorgenommenen
Prü=
fung der beiden Schriftſtücke ergab ſich, wie aus einer Mitteilung
des Völkerbundsſekretariates zu entnehmen iſt, daß aller Grund
beſteht zur Hoffnung, daß die beiden Parteien ſich an die vor
dem Völkerbundsrat im Dezember 1927 feierlichſt übernommenen
Verpflichtungen halten werden.” Beide Schriftſtücke und die
Stellungnahme der polniſchen Regierung ſollen den anderen
Ratsmitgliedern, bzw. der litauiſchen Regierung zur Kenntnis
gebracht werden.
Die feierlichen Verpflichtungen der beiden Parteien ſind,
wie man ſich erinnert, in der bereits erwähnten Entſchließung
des Völkerbundes vom 10. Dezember 1927 enthalten und beſagen,
daß die beiden Parteien ſich bemühen wollen, direkte
Verhand=
lungen zur Wiederherſtellung normaler Beziehungen
aufzuneh=
men, insbeſondere Litauen ſich zur Wiedereröffnung des Poſt=,
Perſonen= und Güterverkehrs bereit erklärt. Vertreter beider
Parteien ſind zwar ſeither wiederholt in Königsberg, Berlin und
Warſchau zuſammengekommen; praktiſche Ergebniſſe haben aber
dieſe Verhandlungen bis heute noch nicht gezeitigt. In der
er=
wähnten Entſchließung verpflichten ſich aber beide Parteien
wei=
ter, bei Grenzzwiſchenfällen der Entſendung eines
Unter=
ſuchungsausſchuſſes des Völkerbundes zuzuſtimmen und die
Arbeiten dieſes Ausſchuſſes an Ort und Stelle jederzeit zu
er=
leichtern.
Der Völkerbundsrat wird nunmehr im kommenden
Septem=
ber entſcheiden müſſen, ob zur Prüfung der litauiſchen
Be=
ſchwverde ein, Unterſuchungsausſchuß abgeſandt werden ſoll,
nach=
dem bekanntlich Polen in der erwähnten Entſchließung
feier=
lichſt die politiſche Unabhängigkeit und territoriale Integrität
Litauens anerkannt und zugeſagt hat, ſie in vollem Umfange zu
reſpektieren.
Die ſüdflawiſch =bulgariſche Spannung.
EP. Sofia, 3. Auguft.
Die Spannung zwiſchen Jugoſlawien und Bulgarien dauert
fort. Die jugoſlawiſche Negierung hatte in einer Note an Sofia
gegen die Amneſtierung des ehemaligen Miniſterpräſidenten
Ra=
doſlawow proteſtiert. Dieſer war auf Grund des
Friedensver=
trages von Neuilly verurteilt worden, weil er angeblich für
Greueltaten verantwortlich ſei, die während des Krieges in
Süd=
ſlawien perübt wurden. — In ihrer Antwort an Belgrad
be=
tont die Sofioter Regierung, daß das bulgariſche Amneſtiegeſetz
nicht gegen den Friedensvertrag von Neuilly verſtoße. Das
Ge=
ſetz ſei aus den ſouveränen Rechten des bulgariſchen Staates
ent=
ſtanden. Die bulgariſche Regierung bedauert ſchließlich, daß
Jugoſlawien eine ſolche Note überreicht habe, die durch das
Ver=
halten Bulgariens nicht gerechtfertigt und nicht geeignet ſei, die
beiderſeits gewünſchte Beſſerung der Beziehungen zu fördern.
* Knul Hamſun.
(Zur Vollendung ſeines 70. Lebensjahres.)
Von Frank Thieß,
Präſidialmitglied der Geſellſchaft für Deutſches Schrifttum.
Man iſt in Deutſchland nicht prüde mit Geburtstagsfeiern.
Vom 50, Jahr an darf jeder, der in der Oeffentlichkeit ſteht, ſich
in den rhythmiſchen Abſtänden der Dekade preiſen laſſen. So
iſt es anzunehmen, daß der deutſche Leſer garnicht mehr das Ohr
für die Feier eines Geburtstages hat, daran die ganze gebildete
Welt teilnehmen ſollte, keines Deutſchen zwar, doch eines
Man=
nes, deſſen Werke aus unſerer Literatur nicht fortzudenken ſind,
des größten lebenden Dichters, Knut Hamſun.
Ich ſage das ſehr diktatoriſch und man wird mich ſogleich
ver=
beſſern und einfügen: „Ihrer Meinung nach des größten
lebenden Dichters”, Nein! Nicht nur meiner Meinung nach,
ſondern nach „objektivem Tatſachenbefund” trotz Bernard Shaw,
trotz Gerhart Hauptmann (deſſen 70. Jahresfeier 1932 ſtattfinden
wird, man macht jetzt ſchon in Breslau das Programm!) Es
iſt dagegen nichts vorzubringen, denn nicht Auflagenzahl und
Beliebtheit entſcheiden, ſondern eine geſchichtliche Tatſache, die
niemand überſpringen kann: kein Dichter unſerer Zeit hat dieſen
Einfluß auf den literariſchen Stil Europas ausgeübt wie
Ham=
ſun, und, um ein Uebriges hinzuzufügen: es gibt keinen, von
dem ſämtliche Weike, einſchließlich der älteſten, die vor vierzig
Jahren und mehr geſchrieben wurden, nicht eine Spur von
Alterserſcheinungen aufweiſen. Man leſe die „Viktoria”, den
„Hunger” die „Myſterien” ſie ſind zeitlos, erregen heute ſo ſtark
wie einſt; was ſich in ihnen begibt, begibt ſich ſtündlich in unſerer
ſcheinbar vollkommen veränderten Welt, was da geſchrieben ſteht,
ſind die ewigen Runen der Liebe, des Hungers, der Einſamkeit,
Doch ſprechen wir zuerſt über ſeinen Einfluß. Worin iſt
zu ſehen? Worin liegt er? In der höchſten Vollendung d
Stils der Fortlaſſungen, ja in Erfindung dieſes Stils, der
vor ihm wußte niemand in der Weltliteratur, daß Wichtig
am einprägſamſten damit ausgedrückt wird, daß man es for
läßt. Was iſt nun das für ein Unſinn? Wie kann das Wichti
durch das Nichtige, das Nichtige aber durch beſondere Wichti
machung ausgedrückt werden? Ja, wie kann es! Hamſun h.
das Rätſel durch ein unglaublich einfaches Mittel gelöſt, das n
ihm Hunderte von internationalen Schriftſtellern, Feuilletoniſt
Publiziſten eifrig nachfabriziert haben, durch eine leichte Uebe
tönung der Gegenſatzpaare. Wenn er alſo die innere Bede
tungsloſigkeit eines Vorgangs anzeigen will, übertönt er ihn
einige Grade, gibt ihm ein wenig Ballaſt der Würde mit, ein
kleinen motoriſchen Druck, nicht viel, manchmal nur ein Läche
eine winzige Wendung übertriebener Zuſtimmung. Und wenn
er etwas ganz Starkes geben will, eine tiefe Liebeserregung,
ein furchtbares Schweigen, eine Angſt, ein verſtummendes Leid,
kappt er alle Worte, alle Epitheta, alles, was die Bedeutung der
Szene unterſtreichen könnte, einfach weg. Er nimmt ihr jede
Belaſtung, jede Spur von Pathos und Pointe und Akzentuierung,
er nimmt ihr alle Fülle und Breite und läßt ſie frei ſchweben in
einem ſeltſam überlächelten Schweigen. Und der Leſer fühlt
alles, was nicht geſagt wurde, was nicht geſagt werden könnte,
fühlt mehr, als er ſelbſt wüßte und ſagen könnte.
Die große Meiſterſchaft dieſes Stils hat man, wie erwähnt,
bis in die Zeitungsfeuilletons nachzuahmen unternommen,
über=
all wurde nun überſchwiegen, ironiſiert, gelächelt, wichtig getau.
Aber merkwürdig, es blieb Kopie. Schlechte Kopie, beſſere Kopie.
So wie die vielen Maler, welche ſeit Jahrhunderten vor der
Venus von Giorgone ſitzen und den Hauch dieſes Schlummers,
den Atem dieſes unſterblich ſüßen Schlafes mit Pinſel und
Farbe einzufangen bemüht ſind. Nicht anders haben wir alle vor
Hamſuns Bildern geſeſſen, erregten Herzens, voll erlaubten
Neides auf dieſe königliche Beherrſchung des Wortes, und haben
ſchließlich ein bißchen nachzupinſeln verſucht und unſer Machwerk
betrachtet, den Kopf geſchüttelt und wieder die Lupe vors Auge
genommen und — am Ende hat man müd die Arme fallen laſſen
und, der eigenen Dürftigkeit bewußt, nur noch geſchaut, nur noch
bewundert, ein ewig liebender Schüler dieſes Großen,
Das wäre etwas über den Charakter ſeines Stils, aber ich
füge gleich hinzu, daß es nichts iſt, was ich da ſagte. Man kann
nicht erklären, worin der Reiz ſeines rhythmiſchen Zeilenfalls,
ſeiner Laune, ſeiner unbeſchreiblich einprägſamen Szenen liegt.
Natürlich iſt das nicht allein „Stil”, Sondern Stil als Ausdruck
des Hamſunſchen Weltſehens und Welterlebens umfaßt zugleich
mit unverwechſelbarem Wortklang die Abfolge ſeiner Bilder, die
unbeſtrittene Meiſterſchaft der Kompoſition, darin tatſächlich im
Verlauf wenige Belangloſigkeiten das Belangvolle und
Schickſal=
hafte jedes Lebens mit einer Suggeſtivität ohnegleichen
vor=
gebracht wird. So die drei größten ſeiner ſpäten Romane:
„Segen der Erde‟ „Die Weiber am Brunnen” „Landſtreicher”.
Man könnte vielleicht ſagen, daß nicht im Geſchehen, in dem,
was da berichtet iſt, die Bedeutung der Werke läge. Aber das
wäre falſch und würde den Akzent vom Was auf das Wie
ver=
legen. Nein, Hamſun iſt kein Artiſt verbaler Luftakrobatik,
ſon=
dern Realiſt, dem es ſehr darauf ankommt, daß man die Geſchicke
ſeiner Menſchen genau ſo wichtig nimmt, wie ſie von ihnen
er=
lebt werden. Uebrigens kann man es garnicht anders, denn nach
wenigen Seiten iſt man mitten in die Welt der Fiſcher, Bauern,
Handwerker, kleinen und großen Kaufleute hineingeriſſen und nach
abermals irenigen Seiten iſt das ſchon unſre Welt geworden
und am Ende iſt alles ſeltſam durchbuchtet, denn was um dich
her geſchieht, erkennſt du als das, was ewig um dich und in dir
geſchieht, und du ahnſt die Zuſammenhänge am Grunde aller
Verſchiedenheiten und die großen Geſetze, unter denen auch dein
Leben ſteht, die der Liebe, des Wanderns, der Erdſehnſucht, der
Gemeinſchaft.
Ach, Hamſun! Da ſchwatzt man vollen Herzens etwas hin,
um zu ſagen, wie groß er iſt, dieſer Sohn Norwegens, dieſer
Europäer, dieſer mächtige Dichter der Weltliteratur. Man
ſchwatzt hin und fühlt im Geſtammel der Bewunderung und
Liebe die Unzulänglichkeit des Dankes. Aber das tut nichts,,
wan freut ſich doch dieſes Tags. Es iſt ſchön zu wiſſen, daß
Hunderttauſende in der ganzen Welt ihm heute für ſeine Werke
danken, hier in Deutſchland und drüben in Amerika, wo er Tramp
geweſen und wo man ihn noch eifriger lieſt als in
Deutſch=
land, das ſich nicht rühmen darf, ihn weltberühmt gemacht zu
haben*). Es iſt ſchön, das zu denken und zu wiſſen, daß man
dabei ſein darf, ſozuſagen ein Zeitgenoſſe und ein braver Jünger.
Aber das Schönſte iſt zu wiſſen, daß er lebt, heute, im Jahre 1929,
ſtark, groß, einſam, ein Feind der Interwiewer und Biographen,
ein Freund ſeiner Herden und Aecker. Ja, er lebt, er iſt keine
Mythe, man kann an ihn eine Poſtkarte ſchreiben oder es auch
bleiben laſſen, aber man weiß, daß er mitten in unſerer Zeit
ſteht, dieſer weſentliche, weiſe und wiſſende Mann. Eine Inſel
der Ruhe mitten im Karuſſell der raketenſprühenden Ziviliſation.
Ein großes Herz im Durcheinander hupender Sachlichkeiten. Ein
Stern über den ſtaubigen Bezirken.
*) Obwohl Albert Langen einer ſeiner erſten Verleger und
Ent=
decker iſt und ſeine geſammelten Werke ſehr ſorgfältig überſetzt
her=
ausgebracht hat.
* Ausſtellung der ſchöne menſch in der negen Kunſt.
Darmſtadt, Mathildenhöhe 1929.
III.
Viel weniger geſchloſſen, als die Plaſtik, erſcheint die Malerei
auf dem Plan. Größer an Zahl, ſind hier die Künſtler noch
viel=
ſeitiger, ja zerriſſener in ihrer Veranlagung, ihrer
Anſchauungs=
weiſe der Naturf ihrer geiſtigen Einſtellung zum Thema, in ihrer
techniſchen Ausdrucksart. Man gewinnt einen ſehr
uneinheit=
lichen Eindruck; die Wege laufen oft diametral auseinander, zu
Zielen, die wiederum für Viele nicht die gleichen ſind.
Weltauf=
faſſungen prallen aufeinander, die urſprünglich raſſiſch bedingt
ſind, ſich aber je nach Umwelt, Landſchaft, Erziehung in viele
Varietäten teilen. Die Einflüſſe greifen aufeinander über, hier
hemmend, dort beſchwingend; ſelten nur wird die von Allen
er=
ſtrebte Synteſe erreicht. Paris ſpielt die beherrſchende Rolle,
oft unerhört befruchtend, oft allzuſtark aſſimilierend, weniges
Nummer 214
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Seite 3
Die Halkung Englands in der
Zteigaoe Zuge.
Als in England die Arbeiterregierung ans Ruder kam, war
Die deutſche Oeffentlichkeit weit davon entfernt, an eine grund=
Tegende Aenderung der britiſchen Außenpolitik zu glauben, wenn
auch natürlich nicht abgeleugnet werden ſoll, daß beſonders in
Sen Kreiſen der deutſchen Sozialdemokratie gewiſſe Hoffnungen
En dieſer Hinſicht gehegt wurden. Die wenigen Wochen, die ſeit=
Her verſtrichen ſind, haben aber die deutſche Oeffentlichkeit
erken=
rien laſſen, daß die britiſche Regierung gerade in verſchiedenen
Deutſchland berührenden Fragen das alte Fahrwaſſer der Cham=
Serlainſchen Politik nicht zu verlaſſen gewillt iſt. Da iſt zunächſt
die bekannte engliſche Erklärung über die Ausſchaltung der
Saarfrage aus dem Konferenzprogramm, die ſich mit einer
voll=
ſtändigen Bereinigung der aus dem Kriege noch übrig
geblie=
benen Fragen nicht vereinbaren läßt. Auch in der Kontrollfrage
Hat man in Deutſchland mit Befremden eine ſchrittweiſe
An=
näherung Londons an die franzöſiſche Theſe feſtſtellen müſſen.
Daß jedoch England nunmehr auch in der Freigabefrage eine in=
Tranſigente Haltung einnehmen würde, hatte man eigentlich
etzt, wenige Wochen vor Beginn der „
Kriegsliquidationskon=
ſ erenz” in Deutſchland nicht erwartet.
Abſchnitt 9 des Pariſer Sachverſtändigen=Gutachtens, der
won der Liquidierung der Vergangenheit handelt, ſtellt feſt, daß
gur Gewährleiſtung des für das erfolgreiche Funktionieren des
Doungplanes notwendigen Vertrauens die Regierungen vom
Tage der Annahme des Youngplanes ab von ihrem Rechte,
Süter, Rechte und Intereſſen deutſcher Staatsangehöriger zu
iquidieren, nicht mehr Gebrauch machen ſollen, ſofern die Liqui=
Sierungen nicht bereits erfolgt ſind. Alle diesbezüglichen Fragen
ſtollen nach den Empfehlungen der Sachverſtändigen innerhalb
ines Jahres in direkten Verhandlungen mit Deutſchland geregelt
werden.
Mit Erſtaunen hat man nun dieſer Tage in Berliner
poli=
tiſchen Kreiſen von den Erklärungen des britiſchen
Handels=
riiniſters im Unterhauſe Kenntnis genommen, der betonte, er
ſehe bis zur endgültigen Annahme des Youngplanes keinen
Grund, die Liquidierungen einzuſtellen, deren überſchüſſige
Ver=
laufserlöſe übrigens nach Befriedigung aller engliſchen For=
Ferungen Deutſchland auf Reparationskonto gutgeſchrieben
wer=
den ſollen. Man iſt in maßgebenden Berliner Kreiſen der
Auf=
faſſung, daß die Erklärungen des Miniſters, wenn nicht im
Wortlaut, ſo doch mindeſtens dem Geiſte des Youngplanes
widerſprechen, der eine „Regelung im Geiſte allſeitigen
Ent=
gegenkommens” fordert. Wenn der engliſche Handelsminiſter
allenfalls noch vom rein formellen Standpunkt aus die
Weiter=
ſührung der Liquidationen bis zur Annahme des Youngplanes
techtfertigen könnte, ſo wird in Deutſchland diejenige
Interpre=
tation ſür abſolut abwegig angeſehen, die die überſchüſſigen
Verkaufserlöſe in Höhe von etwa 250—300 Millionen Mark von
der Rückgabe ausſchließen will, da nach dem Wortlaut des
Youngplanes dieſe Frage zweifellos zu den Fragen gehört, die
Sonderverhandlungen vorbehalten bleiben. Der engliſche
Mini=
ſer hat zur Rechtfertigung der Haltung Englands auf das
Bei=
ſpiel Belgiens verwieſen, das angeblich für die Einſtellung der
Liquidationen vom 7. Juni ab erhebliche Kompenſationen
er=
halten habe. Ganz abgeſehen davon, daß bei den deutſch=
bel=
geſchen Markverhandlungen eine ſcharfe Trennung zwiſchen
Mark=
ſrage und Liquidationsfrage beobachtet worden iſt, laſſen dieſe
erklärungen des engliſchen Miniſters den Schluß zu, daß
Eng=
lund ſich offenbar bei den bevorſtehenden
Konferenzverhandlun=
gen, bei denen auch die Liquidationsfrage angeſchnitten werden
Airfte, Sondervorteile zu ſichern beabſichtigt. Der Standpunkt
2 eutſchlands geht dahin, daß die Nichtauszahlung der
Verkaufs=
erlöſe jetzt, nachdem, wie der Miniſter zugab, alle engliſchen
2 rivatforderungen befriedigt ſind, jedes Rechtsmittels entbehrt.
England ſteht in der Freigabefrage mit Ausnahme Polens
Tgnnz allein, da ſämtliche anderen Staaten nach und nach auf die
it uen im Verſailler Vertrag zugeſtandenen Ligidationsrechte ver=
Wzichtet haben, teilweiſe bald nach Abſchluß dieſes Vertrages. Ein=
/z lne von ihnen, ſo u. a. Japan, haben einen erheblichen Teil
Wdes Erlöſes an die deutſchen Eigentümer zurückgezahlt, ſo Japan benutzt, möglichſt viele und genaue Wetterberichte zu erhalten,
150—70 Prozent, die Südafrikaniſche Union 11 Prozent und die
1Aereinigten Staaten den geſamten überſchüſſigen Verkaufserlös
Selbſtändigen lediglich die Routine liefernd. Immerhin breitet
ſich vor dem erſtaunten Beſchauer eine Fülle von Geſichten aus,
ſeie Vielgeſtaltigkeit im Kunſtſchaffen, wie ſie kein Zeitalter je
Wakannt hat. Und das gibt grade dieſer Ausſtellung die ſtarke
An=
füregungskraft, die von ihr ausgeht.
Offenbar iſt das Ausſtellungsprogramm — dem Bildhauer
Ials ſeine eigenſte Domäne längſt vertraut — dem Maler, der bis
1geſtern in der Landſchaft, im Stilleben, im Portraitkopf ſeine
Hauptaufgabe ſah, noch zu problematiſch, als daß er heute bereits
(ſeiner Herr wäre. Das neue Ideal des menſchlichen Körpers,
du—s die Bildhauerkunſt ſchon ziemlich klar hinzuſtellen im Stande
hiſ- hat in der Malerei noch keine allgemein anerkannte Geſtalt
Vgcwonnen. Noch zieht es den Maler nicht ſo ſehr zum ſchönen,
alss zum charakteriſtiſchen, intereſſanten Menſchen. Weder das
UIſuortliche, noch das modiſche Schönheitsideal wird einheitlich
Tanfgenommen. Dieſe Akte ſind mit wenigen Ausnahmen die
Körper von Dämchen und Mädels, die ſcheinbar nur liegen,
Fſchlafen oder baden. Kaum eine Figur eines werktätigen Men=
Fſchen, kaum ein in Sport und Spiel geſtählter Körper — wie ſie
die Plaſtik mehrfach zeigt — noch viel weniger die Hoheit der
ehlen Frau. Wo haben unſere Maler ihre Sinne, da ihnen die
Straße, der Raſen, die Stadions, die Bäder, das neue weibliche
Ideal täglich vor Augen führen, da dort der männliche Körper,
dem ſie wiederzuentdecken ſich noch keine Mühe gaben, in oft
klaſ=
ſiſcher Vollendung fertig vor ihnen ſteht? Der Maler hat den
heuttigen Lebensrhythmus noch nicht erfaßt. Das Kunſtwerk
ent=
teht aus unzeitgemäßem Milieu und wird zu ſtark mit geiſtigen
Elementen belaſtet. Das Abſtrakte iſt mit dem Konkreten noch
nicht verſchmolzen.
Eine Etappe indes ſcheint wenigſtens erreicht zu ſein. Die
Frotik iſt überwunden; wenige Ausnahmen, die hätten
ausge=
ſchieden werden ſollen, beſtätigen die Regel. Der Künſtler löſt
ſich kühleren Sinnes vom Modell, ob durch Verſachlichung, ob
eu rch Vergeiſtigung, und hat die Sphäre ſchwüler Sinnlichkeit
verlaſſen. Er iſt ehrlich geworden. Wer in dieſer Ausſtellung
Liſternheit ſucht, wird leer ausgehen.
Im erſten Saal ſind die bezeichnendſten Vertreter aller
St römungen zuſammengeſtellt. Welch’ eine ſcharfe Antitheſe: der
IMailänder Klaſſiziſt Oppi mit ſeinen tizianiſch blühenden
Frauenkörpern, Caubinés kultivierter Rückenakt, des Polen
Iſisling veriſtiſch ſchimmerndes Bild, des Spaniers Togores
(ühle Schönheiten, Schwalbachs warme Geſtalten, Tozzis
Ungreifende Frau in Gedanken — und daneben die konſtruktive
Straffheit der Bauhauskünſtler Schlemmer, Baumeiſter,
der denen ebenſo wie bei dem feinnervigen Frankfurter Keil die
fühlung mit der ſportlichen Gegenwart zu Tage tritt; auch
Gott=
fried Diehls ſymboliſierendes Talent gehört hierher —
dane=
beni die amüſante, ſehr flotte Malgraphik Ozenfants und
unter Einbehalt von 20 Prozent als Sicherheit. Sogar Frankreich
hat zugeſagt, die Ueberſchüſſe freigeben zu wollen.
Deutſchland erblickt in dem Youngplan den Schlüſſel zur
totalen Kriegsliquidation, die nach den Aeußerungen des
briti=
ſchen Außenminiſters Henderſon auch die engliſche Regierung
erſtrebt. Im Widerſpruch dazu ſteht aber die Beibehaltung
die=
ſer Kriegsmaßnahme durch England. Es ſteht zu hoffen, daß die
engliſche Arbeiterregierung, deren Mitglieder in der Oppoſition
ſcharfe Kritik an der Haltung der konſervativen Regierung in
der Freigabefrage geübt haben, auf der bevorſtehenden
Regie=
rungskonferenz einen verſöhnlicheren Standpunkt einnehmen
wird, zumal es ſich bei der Angelegenheit um eine Deutſchland
und England allein berührende Frage handelt, in der England
keine Rückſicht auf Bündnisintereſſen zu nehmen braucht, wie das
beiſpielsweiſe in der Räumungs= und Kontrollfrage der Fall iſt.
Andererſeits dürfte es auch der engliſchen Regierung nicht
unbe=
kannt ſein, daß faſt alle anderen Staaten in der Freigabe
weſent=
lich weitherziger berfahren ſind.
Neues engliſch=ägypkiſches Abkommen.
London, 3. Auguſt.
Wie der Amtliche Britiſche Funkdienſt meldet, hatte
Staats=
ſekretär Henderſon heute vormittag eine abſchließende Beſprechung
mit dem ägyptiſchen Miniſterpräſidenten, in der er ihm mitteilte,
daß der Unterausſchuß des Kabinetts die Prüfung der
Vor=
ſchläge über eine dauernde und ehrenhafte
Regelung der engliſch=ägyptiſchen Frage beendet
habe. Der Wortlaut der Vorſchläge ſoll in den nächſten Tagen
veröffentlicht werden. Die einzelnen Punkte des vorläufigen
Uebereinkommens ſtimmten weitgehend mit den
Veröffentlichun=
gen überein, die ein ägyptiſches Blatt Ende Juli über einen
neuen engliſch=ägyptiſchen Vertragsentwurf machte. Der neue
Vertrag werde danach ſicherlich folgende Punkte enthalten:
1. Engliſche Unterſtützung für einen ägyptiſchen Antrag auf
Auf=
nahme in den Völkerbund. 2. Feſtſetzung des Völkerbundes oder
des Haager Gerichtshofes als Auslegungsſtelle für alle ſich aus
dem neuen Vertrag ergebenden Streitfragen. 3. Zurückziehung
der britiſchen Beſatzungstruppen in Aegypten in die
Suez=
kanal=Zone. 4. Verzicht Großbritanniens auf ſein Recht des
Schutzes der Minderheiten in Aegypten. 5. Rückkehr zu dem
eng=
liſch=ägyptiſchen Abkommen von 1899 hinſichtlich des Sudan.
6. Aufgabe der engliſchen Konſulargerichte in Aegypten und
Er=
ſetzung durch gemiſchte Gerichtshöfe, in denen britiſche
Staats=
angehörige vertreten ſind. 7. Abſchluß eines engliſch=ägyptiſchen
Defenſivvertrages mit Einſchluß gegenſeitiger Unterſtützung im
Kriegsfalle. 8. Gegenſeitige Ernennung von Botſchaftern.
Unklar bleibe danach, ob Großbritannien die Verpflichtung
eingehen wolle, auf ſeine Kapitulationsrechte fiskaliſcher und
anderer Art endgültig zu verzichten. Ebenſowenig ſei klar, ob
die Zurückziehung der britiſchen Truppen und Luftſtreitkräfte
nach der Kanalzone endgültig und vollſtändig ſein ſolle.
Der amerikaniſchen Küſte entgegen
„Graf Zeppelin” macht guke Bahrk.
Ueber dem Aklankik von einem deutſchen Schiff
geſichkek. — Mit geradem Kurs auf New York.
Hamburg, 3. Auguſt.
Das Motorſchiff der Hamburg=Amerika=Linie „St. Louis”,
meldet durch Funkſpruch, daß es das Luftſchiff „Graf Zeppelin”
am Freitag abend 10 Uhr Greenwicher Zeit paſſierte. Das
Luft=
ſchiff befand ſich zu dieſer Zeit über Santa Maria (Azoren). Das
Wetter war gut, die See klar. Später traf aus Horta auf den
Azoren die Nachricht ein, daß ſich „Graf Zeppelin” am Samstag
gegen 7.00 Uhr morgens M. E.3. 35 Grad weſtlich von Greenwich
auf dem 35. nördlichen Breitengrad befand. Das Luftſchiff hat
weiter gute Fahrt und macht 90 Kilometer in der Stunde. Nach
der letzten Standortmeldung von Bord des „Graf Zeppelin”
haben ſich die Witterungsverhältniſſe für den Weiterflug über
den Atlantik gebeſſert. Dr. Eckener beabſichtigt, einen Kurs
ein=
zuſchlagen, der etwa 200 Meilen nördlich an den Bermudainſeln
vorbeiführt. Wahrſcheinlich wird das Luftſchiff am Sonntag
nachmittag über New York eintreffen. Lakehurſt ſoll erſt nach
der Ueberfliegung weiterer amerikaniſcher Städte, darunter auch
Waſhington, angeſteuert werden. Berichten der Radiogeſellſchaft
zufolge befindet ſich „Graf Zeppelin” ſtändig in Verbindung mit
amerikaniſchen Stationen. Das Schiff hat aber ſeinen Standort
nicht mitgeteilt. Das Marinedepartement ſteht nicht in direkter
Verbindung mit dem Luftſchiff. Nach verſchiedenen vergeblichen
Verſuchen, mit dem Schiff in Verbindung zu treten, hat das
Marinedepartement ſchließlich am Samstag früh den
Wetter=
bericht gefunkt in der Hoffnung, daß „Graf Zeppelin” ihn wird
aufnehmen können. Es wurden ſchwache Signale gehört; es iſt
aber nicht ſicher, ob ſie vom Zeppelin kommen.
An Bord alles wohl.
Die letzten beim Marinedepartement in Waſhington
einge=
gangenen Nachrichten über „Graf Zeppelin” beſagen, daß er ſich
in guter Fahrt zwiſchen den Azoren und den Bermudas befindet.
Wie die Nachricht hinzufügt, herrſcht leichter Gegenwind. An
Bord ſei alles wohl. Dem Umſtand, daß ſeit der letzten vom
Luftſchiff eingetroffenen Nachricht mehrere Stunden vergangen
ſind, mißt man hier keine beſondere Bedeutung bei. Man iſt
vielmehr der Anſicht, daß Dr. Eckener ſeine Funkſtation mehr dazu
als fortgeſetzt Standortsmeldungen und Geſundheitsbulletins
der Paſſagier= in die Welt zu funken. — Nach den letzten vom
Survages, der Archaismus Campiglis, die extreme
Origi=
nalität Beckmanns: bei ſo tiefen Gegenſätzen kommt keine
Einheit zuſtande.
Als Monumentalwerke von mehr ſachlicher Einſtellung
be=
herrſchen Kars=Paris „Badende” und Kohler=Ascona „
Kar=
ton für ein Fresko” die Mitten der Wände, fügen ſich zwei ältere
Werke Karl Hofers, ein guter Menſe, ein großgeſehener
Pechſtein, ein eigenwilliger Ende=Hamburg ein. Die große
Tafel Reinhold Ewalds gibt den in Farben ſchwelgenden
Gegenſatz. Die delikateſten Bilder dieſes erſten Saales, den wir
ſoeben durchſchritten haben, ſind zweifellos die drei von
Souverbie. Eine eigentümliche Märchenſtimmung ergreift
uns. Aber es iſt keine verlogene Romantik, die ſie erzeugt. In
nehmſter Farbenwahl tritt uns eine Fabelwelt antiker Seelen= Witterung nach dem 100jährigen Kalender und reichlich Raum
ſtimmung entgegen, die in der Tat au dessus de la melée zu ſein
ſcheint. Ein Aktbildchen Derains, ein Kleinod aus des
Mei=
ſters beſten Jahren, iſt eine Seltenheit, da man von ihm meiſt
nur Landſchaftliches zu ſehen bekommt.
So ſtrebt alles auseinander, und jeder will ſich einzeln
Gel=
tung erkämpfen. Aber das iſt ja das Merkmal aller
Ausſtel=
lungen von Gegenwartskunſt, daß ſie den Kampf der
Tempera=
mente und Kräfte aufzeigen. Sie ſollen grade die Gegenſätze
widerſpiegeln die in allen Jahrhunderten allen Völkern und
Ländern zwiſchen der alten und jungen Generation in der Kunſt der Meſſen und Märkte in Heſſen, Portotarife, Verzeichnis der
von je ſich erneuern. Denn die Kunſt iſt nichts Feſtſtehendes,
Beharrendes, ſondern ein ſtets ſich Wandelndes, neu ſich
Ge=
bärendes. Viele Beſucher machen den Fehler, daß ſie in
Ausſtellun=
einen falſchen Maßſtab an. Hier hängen die Meiſterwerke, die dem
Wechſel ſtandgehalten, oder ihm den charakteriſtiſchen Ausdruck
verliehen (und auch bei dieſen muß von Zeit zu Zeit ausgeſiebt
werden): die Vergangenheit. Unſere Ausſtellungen dagegen
führen mitten hinein in den gegenwärtigen Streit der Geiſter,
der ausgefochten werden muß, will die Kunſt nicht ſtehen bleiben,
der nie abſchließt, ſondern von Problem zu Problem ſtufenweiſe
ler diktiert. Das Publikum wird aufgerüttelt und muß Stellung
Akt.
nehmen.
Der Dorfkalender 1930.
Im gewohnten kleidſamen Gewand ſtellt ſich diesmal noch am Echten und Geſunden werde.
zeitiger der vierte Jahrgang des Dorfkalenders,
heraus=
gegeben vom Verband der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſ=
ſenſchaften in Darmſtadt, ein. In dem Geleitwort betont
Ver=
bandsdirektor Berg mit Recht, daß ſich der Kalender nach den
Zerſten Jahrgängen ſein Heimatrecht bei einer treuen Leſergemeinde
erworben hat; er darf für ſich beanſpruchen, dieſes Mal durch ungünſtig gelegen.
meteorologiſchen Büro ausgegebenen Nachrichten wird das
Luft=
ſchiff im großen und ganzen günſtige Witterungsverhältniſſe an
der amerikaniſchen Küſte antreffen. Es herrſcht ein leichter
Weſt=
wind, d. h. alſo ein Gegenwind für das Luftſchiff. Immerhin
ſei aber dieſer Wind aber nicht ſo ſtark, und man glaubt hier
nicht, daß Dr. Eckener deshalb ſeine Fahrtroute werde ändern
müſſen.
Die letzken Skandork=Meldungen.
Ein am Samstag nachmittag beim Luftſchiffbau Zeppelin in
Friedrichshafen eingegangenes Radiotelegramm von Bord des
„Graf Zeppelin” gibt folgenden Standort an: 9 Uhr mittlerer
Greenwicher Zeit 36 Grad 20 Minuten nördlicher Breite und
37 Grad 20 Minuten weſtlicher Länge. Später ging bei der
Hamburg—Amerika=Linie ein Telegramm ein, wonach ſich das
Luftſchiff um 13 Uhr mitteleuropäiſcher Zeit auf 36,08 nördlicher
Breite und 42,15 weſtlicher Länge befand. Alles in beſter
Ord=
nung. Der Dampfer „Amerika” ſteht mit dem Luftſchiff „Graf
Zeppelin” in dauernder Verbindung. Er übermittelte dem
Luft=
ſchiff ſeine eigene Poſition ſowie Wetterberichte. Der Dampfer
berichtet: Wir gaben dem „Graf Zeppelin” um 13 Uhr M.E.3.
unſere Poſition mit 42 Breite und 45 Länge an. Der
Radio=
kompaß zeigte an, daß „Graf Zeppelin” ungefähr 100 Meilen
ſüdlich von uns flog. Wetter und Sicht ſind gut. Danach
be=
fand ſich das Luftſchiff um 13 Uhr M.E.3. 1525 Meilen von
New York. Es benutzt die Dampferlinie. Wie „Aſſociated
Preß” aus Philadelphia berichtet, gibt die Reading Comp.
be=
kannt, daß ſie heute 14 Uhr 42 oſtamerikaniſcher Zeit (20 Uhr
42 Minuten Berliner Zeit) folgenden Funkſpruch von Bord des
„Graf Zeppelin” aufgefangen hat: Wir trafen auf
Gegen=
wind aus Südweſten. Der Himmel iſt bedeckt.
Po=
ſition 47,20 weſtlicher Länge 35,20 nördlicher Breite. Alles wohl.
Empfangsſtimmung in Lakehurſt.
Die bevorſtehende Ankunft des Luftſchiffes „Graf Zeppelin”
in Lakehurſt bildet das Tagesgeſpräch Amerikas. Die Zeitungen
geben Extrablätter heraus und die Hotels in Lakehurſt ſind
über=
füllt. Man nimmt an, daß etwa 100 000 Menſchen ſich auf dem
Flugfelde verſammeln werden. In Lakehurſt ſind die letzten
Vor=
bereitungen getroffen worden. Auch der Ankermaſt iſt
inſtand=
geſetzt worden, damit das Luftſchiff nötigenfalls daran befeſtigt
werden kann. Bei ſchönem Wetter wird es in die Halle gebracht
werden. Obwohl das Luftſchiff keinesfalls vor Sonntag
nach=
mittag zu erwarten iſt, ſtrömen ſchon jetzt bei Beginn des
Wochenendes unüberſehbare Scharen hinaus, und eine rieſige
Kraftwagenſchlange bedeckt die Straßen nach Lakehurſt.
Zahl=
reiche Wochenendler haben ſich vorgenommen, in Erwartung des
Zeppelins draußen zu übernachten. Alles iſt in feſtlicher
Will=
kommensſtimmung.
weſentlich erweiterten Umfang mit noch zahlreicheren
Abbildun=
gen, belehrenden und unterhaltenden Beiträgen für den geringen
Preis von 75 Pfennig brauchbare und anerkennenswerte Koſt
ge=
liefert zu haben.
Der Kalender ſteht, getreu dem Wahrſpruch der
Genoſſen=
ſchaften: „Einigkeit macht ſtark” unter der Deviſe:
Stell dich in Reih’ und Glied,
Das Ganze zu verſtärken.
Mag auch, wer’s Ganze ſieht,
Dich nicht darin bemerken.
Das Ganze wirkt, und du
Biſt drin mit deinen Werken.
Das Kalendarium ſieht für jeden Monat zwei Seiten mit
ſtrenger Konzentration der architektoniſchen Zeichnung und vor= Arbeitskalender für Haus und Feld, Angaben der mutmaßlichen
für Notizen vor. Waren in den drei Vorgängern die heſſiſchen
Maler Eimer, Lippmann, Beyer mit Abbildungen ihrer
Schöp=
fungen vertreten, ſo bringt der Jahrgang 1930 acht, meiſt
ganz=
ſeitige Abbildungen aus dem reichen Schaffen Richard
Hoel=
ſchers=Darmſtadt: „Heſſenkind”, „Der Batzenzähler” „Am
Guckfenſter” „Waſſerholendes Mädchen” „Kranzbinden‟.
Dorf=
gaſſe im Abendlicht”, „Der Erzähler” und „Der Melibokus”.
Von den vielen Beiträgen, die der Dorfkalender zuſammen
mit zahlreichew landwirtſchaftlichem Tabellen, dem Verzeichnis
oberſten Reichsbehörden enthält, ſeien im folgenden
herausge=
hoben: Alte heſſiſche Rathäuſer (Feigel=Darmſtadt); die
Wald=
wirtſchaft im Odenwald (Becker=Dieburg); der
Eiſenerzberg=
gen dasſelbe ſuchen, das ſie in Gemäldegalerien finden. Sie legen bau im Vogelsberg (Hundt=Darmſtadt); die drei Kirſchbäume
(Bechtolsheimer=Gießen); Volksfamilienkunde (Schäfer=
Darmſtadt); Alte Hausſprüche (Noack=Darmſtadt); Vormund
und Mündel (Scharmann=Darmſtadt); vom alten zum neuen
Obſtbau (Pfeiffer=Darmſtadt); der Landrat und’s Löbche
Maiduft (Gros=Gießen); das Dachseſſen (Eimer=
Darm=
ſtadt); die Karte des Herrn Savolta (Bock=Gießen).
Schon dieſe Aufſätze beweiſen, daß ſich der Kalender nicht
hinab und hinauf in wachſendem Tempo ſich abſpielt. Der Künſt= nur am die Mitglieder der Genoſſenſchaftsbewegung wendet,
ſon=
dern darüber hinaus an jeden treuen Freund unſerer heſſiſchen
Heimat in Stadt und Land. Möge den Kalendermann reicher
Beifall ſür die aufgewandte Mühe lohnen, damit er, auch dank einer
vorteilhaften drucktechniſchen Ausführung durch die L. C.
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Die rheiniſche Dichtertagung verſchoben. Die diesjährige
Tagung rheiniſcher Dichter, die vom 22. bis 25. Auguſt in
Ander=
nach ſtattfinden ſollte, iſt auf unbeſtimmte Zeit verſchoben
wor=
den. Der feſtgeſetzte Zeitpunkt war für die meiſten Geladenen
Seite 4
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Nummer 214
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Nummer 214
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, 4 Auguſi.
Oeſterreichs Handballmeiſter
M Barmtſtavt.
Oeſterreichs Handballmeiſter, der Florisdorfer Athletikklub,
weilt ſeit geſtern in Darmſtadts Mauern. Er iſt dem Rufe des
Sportvereins 1898 gefolgt, weil er weiß, daß er hier bei uns auf
einen ebenbürtigen Gegner trifft. Die Darmſtädter
Sport=
gemeinde hat ſchon oft dem Namen Darmſtadt als Handball=Hoch=,
burg Ehre gemacht, und dadurch viele bedeutſame Spiele ſehen
dürfen. Den Höhepunkt dürfte jedoch das Spiel heute
nach=
mittag um5 Uhr im Stadion bilden. Wir erwarten das
ſpannendſte Sipel, das je in Darmſtadt ausgetragen wurde, da
der fünffache Meiſter von Oeſterreich über eine Spielſtärke
ver=
fügt, die die Sportvereinsmannſchaft zwingt, ihr ganz großes
Können zu zeigen. Wer möchte da nicht mit dabei ſein?
— Orpheum: Gaſtſpiel Guſtav Bertram=Marga Peter. Der
Sonn=
tagskarten=Verkauf findet ſtatt: Verkehrsbureau von 10—12 Uhr, Kiosk
gegenüber dem Verkehrsbureau bis halb 2 Uhr, Orpheumskaſſe ab 3 Uhr
nachmittags. Der Anfang für die heutige Vorſtellung iſt auf 8 Uhr
feſtgeſetzt. (Siehe Anz.)
— Promenaden=Konzert. Das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapellmeiſters W. Schlupp veranſtaltet ſein dieswöchentliches
Pro=
menadenkonzert heute von 11—12 Uhr im Herrngarten
ticch folgendem Programm: „In Treue feſt” Marſc von Teike;
Duvertüre zur Oper „Die diebiſche Elſter” von Roſſini; Eſtudiantina=
Walzer von Waldteufel; Introduktion a. d. Oper „Der Schwur” von
Mercadante; Fantaſie a. d. Oper „Nigoletto” von Verdi;
Regiments=
marſch Nr. 161.
— Männervereinigung Petrusgemeinde. Wir laden unſere
Mit=
glieder zur Teilnahme an der Verbandstagung der Evangeliſchen
Män=
nervereinigungen Heſſens, die am 11. Auguſt in Bingen ſtattfindet,
berzlich ein. In anbetracht der wichtigen Tagung und des herrlichen
Plätzchens am ſchönen Rhein rechnen wir mit recht zahlreicher
Betei=
ligung. Anmeldungen an den Vorſitzenden der Männervereinigung.
— Vogelsberger Höhen=Club, Zweigverein Darmſtadt. Am
Sonn=
teg, den 11. Auguſt, findet die Wanderung nach Bad
Kreuz=
nach ſtatt. Dieſelbe verſpricht für die V.H.C.er viel Neues wie zum
Beiſpiel Beſichtigung des Kurparks, der Brückenhäuſer, Wanderung
über den Schloßberg, Ruine Kauzenburg, Aſchoffblick, Recumhütte,
Ro=
tenfels, Baſtei, Bad Münſter, Ruine Ebernburg, Rheingrafenſtein
Vad Kreuznach. Es ſind dies recht intereſſante Punkte, und ferner bei
hellem, klarem Wetter ſind prächtige Fernblicke geboten. (Näheres ſiehe
Anzeige.)
Damenſchwimmhalle im Städt. Hallenſchwimmbad. Die Direktion
der ſtädtiſchen Betriebe Darmſtadt weiſt darauf hin, daß der
Bade=
betrieb für Damen nach Beendigung der Inſtandſetzungsarbeilen
in der Damenſchwimmhalle des Städtiſchen Hallenſch’vimmbades mit
Wirkung vom 5. Auguſt d. Js ab wie üblich wiederaufgenommen
wird.
— Deutſcher Seeverein, Ortsgruppe Darmſtadt. In
außerordent=
licher Hauptverſammlung iſt Zahnarzt Dr. Stroh, Sandſtraße 20,
zum Vorſitzenden gewählt worden.
— Der Verein der Württemberger, Darmſtadt, begeht am Sonntag,
den 11. Auguſt, im Nummelbräu, ſein 30jähriges Stiftungsfeſt mit
Fahnenweihe. Der Verein, der ſich die Pflege der Landsmannſchaft
und es GHeimatgedankens zur Aufgabe gemacht hat, ladet alle hier
anſäſſigen Landsleute ſowie Freunde und Gönner herzlich ein. Es muß
Ehrenſachs eines jeden innerhalb der ſchwarz=roten Grenzpfähle
Ge=
borenen ſein, auch wenn er dem Verein nicht angehören will, an dieſem
Feſte teilzunehmen, daß man ſagen kann: Wohnen ſoviele
Württem=
berger in Darmſtadt und Umgebung? Die Muſik wird ausgeführt vom
Harmonie=Orcheſter, unter Leitung des Herrn Louis Kümmel.
— Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
279. Veranſtaltung. Der Abend galt, wie der Vorſitzende Herr =Phil.
Weber in ſeiner Begrüßung betonte, nach all den arbeitsreichen
Monaten, in denen die jeweiligen Veranſtaltungen der Heimatkunde
und der Ortsgeſchichte gewidmet waren, diesmal der leichtgeſchurzten
Muſe, der frohen und zwangloſen Unterhaltung, wobei nach des
Tages Laſten und Mühen im trauten Kreiſe der großen Alt=Darmſtadt=
Familie die Freude und die Geſelligkeit und vor allem aber auch die
gute alte Darmſtädter Gemütlichkeit Raum haben ſollte. Nicht die
Fülle, ſondern die Güte und der Gehalt der Darbietungen führen zur
Höhe, und das darf bei all den ernſten und heiteren Weiſen, die durch
den Eintrachtſaal erklangen, geſagt werden, daß ſie eine Höhenlage
boten, und daß beſonders bei den muſikaliſchen Darbietungen Fran
Muſika glänzend in Ehren beſtehen konnte. Eingeleitet wurde der
Abend durch einen Eröffnungsmarſch des Herrn Haas am Klavier,
Herrn Hallſtein (Cello) und Herrn Carli Volz (Violine), die
Herren, die im Verlauf des Abends unter anderem die Fledermaus
Ouvertüre und das Dreimäderlhaus=Potpourri zu Gehör brachten,
waren nicht nur gut aufeinander eingeſpielt, ſondern verſtanden vor
allem auch die muſikaliſchen Feinheiten den Zuhöhrern ins Ohr und
Herz zu zaubern, ſo daß ſie den reichen Beifall der Verſammlung
fan=
den, und immer wieder zu neuen Zugaben herausgerufen wurden. Das
gleiche gilt von den muſikaliſchen Darbietungen der Herren Adam Roth
(Radioroth), Violine, Kammermuſiker Storch am Flügel, und Fritz
Kugler als Tenor. Es war ein edles Wetteifern der Künſtler, die
ihre Seele in ihre Muſik zu legen verſtanden; es wurden von dieſen
Herren zum Vortrag gebracht: „Heimweh” von Hugo Wolf, „Mainacht”
von Brahms, Pan” von Trunk, „Morgen” von Rich. Strauß, „
Spiel=
mann” von Hildach, „Rattenfänger” von Hugo Wolf, wobei neben der
meiſterhaften Begleitung die gute, alte, klangvolle Stimme von Fritz
Kügler immer wieder die Zuhörer entzüickte. Dazwiſchen kam
Wil=
helm Kaminſky als Mundart= und Heimatdichter zu Wort, und
als gute alte Darmſtädter Geſtalten waren der Herr Knipelius und
Herr Dummbach erſchienen, dargeſtellt von den Herren H. Stieſi
und Ph. Weber, die als Welt= und Ortspolitiker nicht nur in der
alten, ſondern auch in der neuen Zeit recht gut Beſcheid wußten und
mit ihren Einfällen ſtürmiſche Heiterkeit entfeſſelten. Mit einer
Romanze aus Sriny, Sonate in C=Moll und einer Andante Martini=
Kreislers, dargeboten von den Herren Roth und Storch, die an
muſialiſcher Feinheit und Vollendung nichts zu wünſchen übrig ließ,
und mit allerlei heiteren muſikaliſchen Weiſen vorgetragen von den
Herren Haas, Hallſtein und Volz, die immer wieder zu neuem Beifall
reizten, fand der Abend ſeinen würdigen Abſchluß, der ein Volksabend
im beſten Sinne war. Nächſte Veranſtaltung am 15. Auguſt. Vortrag
von Herrn Philipp Weber, über: „Stadtmauern, Türme, Stadttors
und Gaſſen im alten Darmſtadt” (mit Lichtbildern).
— Heſſiſcher Städtetag in Gießen. Der Heſſiſche Städtetag hielt
geſtern in Gießen unter der Leitung ſeines Vorſitzenden,
Oberbürger=
meiſter Dr. Keller=Gießen, eine Sitzung ab, in der er ſich mit einer
Reihe von wichtigen Kommunalfragen befaßte. Ueber die Einzelheiten
der Verhandlungen war bis zur Stunde noch nichts Näheres zu
er=
fahren.
— Siebzigſter Geburtstag. Die ehemalige Hadarbeitslehrerin Frl.
Anna Graf, Nieder=Ramſtädter Straße 57, feiert am Montag, den
5. Auguſt, in voller Geſundheit ihren 70. Geburtstag.
Dienſtjubiläum. Herr Kriminalſekretär Karl Zulauf, am
3. Auguſt 1904 bei der hieſigen Schutzmannſchaft eingetreten, hat am
3. d. M. eine 25jährige Dienſtzeit bei der Polizei zurückgelegt. Herr
Zulauf, der im 51. Lebensjahre ſteht, wurde nach einer fünfjährigen
Militärdienſtzeit bei ſeiner Einſtellung in die Heſſiſche Polizei dem
zwei=
ten Polizeibezirk zur Dienſtleiſtung zugeteilt. Zulauf befindet ſich zur
Zeit bei der Nahrungsmittelprüfungsſtelle. Herr Zulauf iſt ein
pflicht=
eifriger und gegen jedermann zuvorkommender Beamter. Er genießt
ſbwohl unter dem Publikum als auch bei ſeinen Vorgeſetzten und
Ka=
meraden große Achtung, die ihm zum Jubiläum gratulieren und
fer=
dieres Wohlergehen wünſchen.
Wiedereröffnung der Stadtbücherei. Nach Beendigung der
Nevi=
ſionsarbeiten nimmt die Stadtblicherei ab Montag, den 5. Auguſ:,
in vollem Umfange ihren öffentlichen Dienſt wieder auf. Die
Aus=
leihe iſt — und zwar unentgeltlich — für jedermann zugänglich:
Montags und Donnerstags von 11—12.30 Uhr und von 17—20 Uhr.
Dienstags und Freitags durchgehend von 11—18 Uhr. Mittwochs und
Samstags von 11—12.30 Uhr. Die Zeitungs= und
Zeitſchriftenleſe=
räume (mit 200 führenden Zeitungen und Zeitſchriften) ſind
unentgelt=
lich jeden Tag von 10—21 Uhr ununterbrochen geöffnet.
Aerztlicher Sonntagsdienſt: Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 4. Auguſt
1929 folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Holzmann,
Schwanenſtraße 73, Telefon 22, Dr. med. Wehell, Hölgesſtraße 16,
Tele=
fon 253, Frl. Dr. med. Vaubel, Heinrichſtraße 100, Telefon 1645.
Die Tagung des Beutſcen Bereins
für Vermeſſungsweſen.
Darmſtadt, 2. Auguſt 1929.
Mit dem heutigen Tage haben die vereinsamtlichen Arbeiten des
Deutſchen Vereins für Vermeſſungsweſen ihren Anfang genommen.
Bereits am Donnerstag waren über hundert auswärtige Teilnehmer
und Vertreter von Landesvereinen eingetroffen.
Am 2. Auguſt fand die Sitzung des geſchäftsführenden Ausſchuſſes
ſtatt, um ſatzungsgemäß über alle Punkte der Tagesordnung zu beraten.
Der engere geſchäftsführende Ausſchuß wird gebildet aus:
1. Regierungs= und Steuerrat Lotz=Potsdam, als Vorſitzender;
2. Stadtvermeſſungsrat Dr. Klempau=Berlin=Pankow,
ſtellvertre=
tender Vorſitzender und Kaſſenwart;
3. Profeſſor Dr. Eggert=Berlin und Landesvermeſſungsrat Dr.
Borgſtätt=Bernburg, Schriftleiter, und
4. Landmeſſer Mauve=Berlin, Geſchäftsleiter des D.V.W. ſowie
von den Vertretern der Landesvereine.
An die Tagung des geſchäftsführenden Ausſchuſſes ſchloß ſich um
12 Uhr auf Einladung des Herrn Oberbürgermeiſters der Stadt
Darm=
ſtadt zur Beſichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt eine Rundfahrt
an. Die Teilnehmer an der Rundfahrt ſowie die Mitglieder des
Ehren=
ausſchuſſes — dem angehören: Der Herr Finanzminiſter, der Herr
Oberbürgermeiſter Mueller, der Rektor der Techniſchen Hochſchule,
Pro=
feſſor Dr. Rau —, ferner der Direktor des Heſſ.
Landesvermeſſungs=
amtes, Miniſterialrat Dr. Müller, und der Vorſitzende der Darmſtädter
Ortsgruppe des V. d. heſſ. höh. Vermeſſungsbeamten, Vermeſſungsrat Hehl,
folgten ſodann einer Einladung der Stadt Darmſtadt zu einem
Früh=
ſtück im Hotel zur Traube. Neben weiteren Vertretern der
Stadtver=
waltung nahmen hieran auch noch Stadträte teil. Herr Bürgermeiſter
Buxbaum überbrachte in warmen Worten die Grüße der Stadt
Darmſtadt an den Verein und wünſchte der Veranſtaltung einen guten
Verlauf und ſeinen Mitgliedern volle Befriedigung von den
Sehens=
würdigkeiten der Stadt Darmſtadt. — Der Vorſitzende, Herr
Regie=
rungs= und Steuerrat Lotz, dankte Herrn Bürgermeiſter Buxbaum für
die freundlichen Worte der Begrüßung. Er betonte, daß den
Teilneh=
mern die herzliche Aufnahme durch die Stadtverwaltung zweifelsohne
gut gefallen werde, und daß ſie die Tagung in Darmſtadt wie im Jahre
1898 ſo auch heute in gutem Gedenken behalten werden. Ein fröhliches
Mahl vereinigte die Vertreter der Stadt und ihre Gäſte für einige den
Teilnehmern unvergeßliche Stunden.
Soweit die Teilnehmer nicht zu den bereits mitgeteilten Tagungen
verpflichtet waren, wurde der Freitag vielfach durch Beſichtigung der
Sehenswürdigkeiten Darmſtadts im einzelnen und auch unter Führungen
ſowie durch Ausflüge in die Umgebung ausgefüllt.
Heute vormittags 9 Uhr fand im Hörſaal 326 der Techniſchen
Hoch=
ſchule die zahlreich beſuchte Mitgliederverſammlung ſtatt.
— Hierbei darf erwähnt werden, daß als Vorſitzender des Vereins
nun=
mehr Herr Oberregierungsrat Kracke aus Berlin und als
ſtellver=
tretender Vorſitzender und Kaſſenwart Herr Vermeſſungsdirektor Rom
aus Köln vorgeſchlagen nurden. Zum Geſchäftsleiter des D.V.W.
wurde Herr Oberregierungsrat Böttcher in Ausſicht genommen.
Um halb 12 Uhr fand in den Räumen der Techniſchen Hochſchule die
Eröffnung der gevdätiſchen Ausſtellung
ſtatt. Die Ausſtellung iſt ein Werk der Ortsgruppe Darmſtadt des
Landesvereins der Höheren Vermeſſungsbeamten von Heſſen. Die
Er=
öffnung wurde von dem Direktor des Heſſiſchen Landesvermeſſungsamts,
Miniſterialrat Dr. Müller, mit einer Anſprache eingeleitet. Er
betonte, daß die Ausſtellung den Zweck haben ſolle, weiteren Kreiſen
einen Ueberblick über den Umfang, die Vielſeitigkeit und die Bedeutung
des Vermeſſungsweſens zu geben. Die Fachgenoſſen aber ſoll ſie an=,
regen zum Vorwärtsſtreben im beruflichen Intereſſe. Die
Nachkriegs=
zeit habe auch dem Vermeſſungsweſen neue Ziele gezeigt, und es ſei
erfreulich, daß überall in der Kollegenſchaft ein beachtenswertes Streben
bemerkbar geweſen ſei, das Vermeſſungsweſen ſo auszubauen, daß es
den kulturellen und wirtſchaftlichen Anforderungen genüge, wozu
viel=
fach auch eine beſſere Ausbildung nötig geſpeſen ſei. Insbeſondere ſei
zu erwähnen das Streben nach Vereinheitlichung in den
Meſſungs=
methoden, im Aufbau der Organiſation, der Herſtellung von
Inſtru=
menten und Meßwerkzeugen. Die Ausſtellung zeige, daß auch bereits
früher die beſſiſche Feinmechanik binſichtlich der Herſtellung von
In=
ſtrumenten für die Vermeſſungstechnik in hoher Blüte geſtanden habe.
* Orpheum.
Gaſtſpiel Marga Peter — Guſtaw Bertram.
Guſtav Bertram und Marga Peter feierten nach längerer
Abweſenheit ein Wiederſehen mit den Darmſtädtern, das ſich im
Laufe des geſtrigen Premiere=Abends zu herzlichen Ovationen
geſtaltete. Die Anziehungskraft der beiden Namen war ſo groß,
daß das Orpheum ausverkauft war.
Das „lachende Berlin”, die große Poſſenrevue, mit der das
Künſtlerpaar mit eigenem Berliner Enſemble aufwartete, iſt eine
ganz tolle ausgelaſſene Sache, die, wenn auch in erſter Linie für
Berlin zugeſchnitten, doch ſoviel warmen Humor und luſtige
Pikanterien brachte, daß das Publikum aus dem Lachen nicht
herauskam. Wir kommen auf die Vorſtellung zurück.
Fettanſatz im Sommer
iſt beſonders läſtig. Nehmen Sie dreimal täglich 2-3 Toluba=Kerne,
die unſchädliche, dabei wirkſame, den Fettanſatz reduzierende Stoffe
ent=
halten. Sie erhalten die echten Toluba=Kerne in Apotheken, (1V.10779
Die wirkſchaftliche Lage des Handwerks im Juli 1929.
R.H. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns
ge=
ſchrieben:
Für einen großen Teil der Gewerbezweige war die Berichtszeit
ge=
kennzeichnet durch den Höhepunkt der Reiſezeit, der mit dem Beginn der
Ferien im Juli einzutreten pflegt. Für einen Teil der Betriebe bringt
dieſe Reiſezeit durch die damit zuſammenhängenden Reiſevorbereitungen
und Anſchaffungen lebhaftere Beſchäftigung, während ſie für den
weit=
aus größeren Teil des Handwerks die geſchäftsſtille Zeit bedeutet.
Günſtig beeinflußt wurde beiſpielsweiſe durch die Reiſezeit der Abſatz
des Sattlerhandwerks. Auch den Bekleidungshandwerken brachte die
Reiſezeit inſofern vermehrten Auftragseingang, als vorher zahlreiche
Aufträge für Reiſekleidung erteilt wurden. Mit dem Einſetzen des
ſtär=
keren Reiſeverkehrs trat jedoch dann eine ſtärkere rückläufige Bewegung
ein, ſo daß eine große Anzahl Betriebe mit verkürzter Arbeitszeit
ar=
beitem mußten bzw. für längere Zeit überhaupt geſchloſſen wurden. In
einigen Handwerksberufen hat ſich die große Hitze der letzten Wochen
auf den Auftragseingang günſtig ausgewirkt. So berichtet
beiſpiels=
weiſe das Wagenbauer= und Schmiedehandwerk, daß unter den
Auswir=
kungen des trockenen Wetters der Auftragseingang an
Reparaturarbei=
ten vor allem auf dem Lande ſich beträchtlich vergrößert hat. In den
Städten war die Beſchäftigung dieſer Handwerkszweige ſchlechter. Die
Abſatzverhältniſſe der Nahrungsmittelgewerbe erfuhren durch die
Reiſe=
zeit ſowie den geſteigerten Obſtkonſum und den Verbrauch an jungem
Gemüſe den bekannten ſaiſonmäßigen Rückgang. Im Baugewerbe, für
das der Monat Juli mit der Hauptgeſchäftsmonat iſt, war die Lage
un=
einheitlich. Wohl berichten eine Anzahl Kammern, daß, zumal in den
großen Städten, ſich die Bautätigkeit auf einer beachtlichen Höhe
gehal=
ten hat, überwiegend wird jedoch betont, daß das Baugewerbe infolge
der Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Bauten nur mäßig
be=
ſchäftigt war. Aus dem Baunebengewerbe liegen etwas beſſere Berichte
vor als aus dem Bauhauptgewerbe. Das Tiſchlerhandwerk hatte unter
den Folgen des Arbeitskampfes, der wegen der Einbeziehung der
Lehr=
linge in den Tarifvertrag in Nordweſtdeutſchland ſowie Rheinland=
Weſtfalen ausgebrochen iſt, zu leiden.
Die Kapitalknappheit hat ſich in der Handwerkswirtſchaft während
der Berichtszeit zum Teil noch verſchlechtert, da die Folgen der
Kredit=
reſtriktion noch ſpürbar ſind und auch die Erhöhung des
Reichsbank=
diskonts erſchwerend für die Kreditinanſpruchnahme wirkt. Auch die
Zahlungsweiſe der Kundſchaft hat ſich leider nicht gebeſſert.
Schwierig=
keiten in der Materialbeſchaffung werden nicht gemeldet. Wie nicht
anders zu erwarten war, ſind jedoch Preiserhöhungen im
Zuſammen=
hang mit den neuen Zöllen für Mehl eingetreten. Der Arbeitsmarkt
hat ſich für einzelne Berufe gebeſſert, für andere verſchlechtert,
Die Ausſtellung gebe ferner einen Ueberblick über den Stand der
Tri=
angulierungen und Feineinwägungen, in beſonders reichlichem Maße
aber über den Aufbau und die Entſtehung der Liegenſchaftskataſter.
Hier müſſe auch das Endziel in dem Beſtreben der Vermeſſungsbeamten
das deutſche Einheitskataſter ſein. Ganz beſonders erfreulich ſei die
Teilnahme der öſterreichiſchen Kollegen an der Ausſtellung, wobei
her=
vorzuheben ſei, daß Oeſterreich auf dem Gebiete der Kataſtertechnik und
der Luftbildaufnahme Großartiges leiſte.
Für die Grundkarte 1:5000 des Deutſchen Reiches müſſen die
Ka=
taſterpläne als Grundlage dienen, wie dies Heſſen in der Ausſtellung
ſeiner Kataſter im Bilde zeige.
Einen beſonders umfangreichen Teil der Ausſtellung nehme die
Dar=
ſtellung der Feldbereinigungen und Meliorationen ein. Hier werde der
Nutzen der Feldbereinigung in den ausgeſtellten Plänen ſichtbar, in
denen der Parzellenſtand einer Gemarkung vor und nach der
Feldberei=
nigung gezeigt werde.
Das kommunale Liegenſchaftsweſen zeigt uns in der Ausſiellung in
den Plänen das Wachstum der Städte und die Aufgaben der
kommu=
nalen Vermeſſungsämter, wobei beſonders die Baulandumlegungen zu
erwähnen ſein dürften. In der Abteilung für angewandte Karten
wer=
den Entfernungskarten, Verkehrskarten, Wanderkarten, geologiſche
Kar=
ten uſw. gezeigt. Für die Geſchichts= und Heimatforſchung kann das
Vermeſſungsweſen nicht entbehrt werden, beſitzen doch die Kartenwerke
in ihren Flurnamen große Schätze, die für den Heimat= und
Geſchichts=
forſcher eine wahre Fundgrube bilden. Von nicht zu unterſchätzender
Bedeutung ſind auch die Plan= und Kartenwerke für die Schule und
den heimatkundlichen Unterricht, wie dies in der Ausſtellung in
reich=
haltiger Weiſe gezeigt wird.
Einen neuen Abſchnitt in der Vermeſſungskunde bildet die
Luftbild=
meſſung, die zweifellos noch große Möglichkeiten in ihrer
Weiterentwick=
lung beſitzt. Dier werden Aufnahme= und Auswertegeräte gezeigt.
Flie=
gerbilder und Luftbildkarten geben einen Ueberblick über den Stand
der Vermeſſung aus der Luft. Zu erwähnen ſind auch hier noch die
Fortſchritte in der Herſtellung neuer Inſtrumente zum
Entfernungs=
meſſen, die ſogen. optiſchen Entfernungsmeſſer. Ueber den Stand der
Vervielfältigungsmethoden im Dienſte des Vermeſſungsweſens gibt
gleichfalls eine umfangreiche Abteilung Aufſchluß.
Der Redner ſpricht ſodann der Techniſchen Hochſchule den ganz
beſonderen Dank dafür aus, daß ſie in liebenswürdiger Weiſe für die
Ausſtellung ſowohl, als auch für die Beratungen die entſprechenden
Näume zur Verfügung geſtellt habe. Dank gebührt aber auch allen
Ausſtellern, aus der Kollegenſchaft ſowohl, als auch der Induſtrie, die
wveder Zeit noch Koſten geſcheut haben, hier in Darmſtadt bei der
dies=
jährigen Tagung etwas Nützliches zu zeigen und zu leiſten. Ganz
be=
ſonderer Dank müſſe aber auch Herrn Vermeſſungsrat Treuſch
aus=
geſprochen werden, der mit Herrn Vermeſſungsrat Blaß und ſeinen
ſonſtigen Mitarbeitern die viele Arbeit, die die Ausſtellung mit ſich
brachte, geleiſtet hat und in großzügiger Weiſe in der kurzen ihm zur
Verfügung geſtandenen Zeit ſein Organiſationstalent gezeigt habe.
An der Ausſtellung haben ſich 56 Behörden, Vermeſſungsbeamte
und Firmen beteiligt.
Von 20 Uhr an fand im Feſtſaale des Saalbaues der
Begrüßungs=
abend ſtatt. Nach der Jubelouvertüre von Carl Maria v. Weber, die
in temperamentvoller Weiſe von dem Stadtorcheſter unter der
vortreff=
lichen Leitung ihres Kapellmeiſters Herrn Willi Schlupp geſpielt
trurde, begrüßte der Vorſitzende der Ortsgruppe Darmſtadt des Vereins
der höheren Vermeſſungsbeamten, Vermeſſungsrat Heyl, die
erſchie=
venen Teilnehmer. Seine Begrüßungslvorte galten insbeſondere den
Ehrengäſten, dem geſchäftsführenden Ausſchuß, den Kollegen aus
Oeſter=
reich und der Schweiz, ſowie den Kollegen aus dem beſetzten Gebiet.
Er ſchloß mit einem begeiſtert aufgenommenen Hoch auf das deutſche
Vaterland. Sehr verdient um das Gelingen des ganzenk Abends machte
ſich Herr Robert Schneider — der Darmſtädter Mundartdichter
der mit ſeinen packenden humorvollen Auslaſſungen ſtürmiſchen Beifall
hervorrief. Mit mehreren hübſchen Liedern erfreute die Anweſenden
Fräulein Tilli Amelung unter ganz vorzüglicher Begleitung am
Flügel durch Herrn Siegfried May. Die Damen von Mitgliedern der
Ortsgruppe tanzten einen von Frau Rehr muſtergültig eingeſchulten
Walzer — Geſchichten aus dem Wiener Wald —, während die
Damen=
riege der Turngemeinde Darmſtadt 1846 mehrere Grotesk=Tänze ſehr
ausgezeichnet vorführte.
42. Landesverſammlung des Evangeliſchen Bundes,
hauptverein heſſen, in beerfeiden.
Zu der bereits veröffentlichten Feſtordnung iſt noch folgendes
nach=
zutragen. In Beerfelden wird in der Vorverſammlung am Samstag
abend der Schriftführer des Heſſiſchen Hauptvereins, Pfarrer Bergér=
Darmſtadt, ſprechen, und zwar über das Thema: „Warum brauchen wir
gerade heute einen Evangeliſchen Bund?” In dem Feſtgottesdienſt am
Sonntag vormittag wird Pfarrer Weber=Langen predigen, in dem
an=
ſchließenden Jugendgottesdienſt: Landesjugendpfarrer Lic. von der Au=
Darmſtadt.
Die Anſprache in der Evangeliſchen Volksverſammlung auf dem
Marktplatz am Sonntag nachmittag hält der Vorſitzende des Heſſiſchen
Hauptvereins, Pfarrer Berck=Roßdorf, Thema: „Proteſtanten einſt —
Proteſtanten heute‟.
Der Hauptgegenſtand der Beratungen für die
Abgeordneten=
verſammlung am Montag vormittag iſt „Evangeliſche Politik” Unter
dem Eindruck der Konkordatserfahrungen in Preußen iſt die Forderung
nach einer Evangeliſchen Politik immev dringender geworden. Bei den
im Herbſt d. J. ſtattfindenden Kommunalwahlen werden erſtmalig die
evangeliſchen Belange nachhaltiger vertreten werden müſſen. Die
Ab=
geordnetenverſammlung wird dazu die nötigen Maßnahmen treffen. Es
iſt zu erwarten, daß dieſe Verhandlungen weiteres Intereſſe
hervor=
rufen. Auch der Evangeliſche Beamtenverein wird im Anſchluß an die
Landesverſammlung tagen und wichtige Entſchlüſſe zu faſſen haben.
Mitglieder des Darmſtädter Zweigvereins melden ſich zur
gemein=
ſamen Fahrt bis Freitag mittag 12 Uhr bei Pfarrer Bergér,
Lieb=
frauenſtraße 6.
Ausflugsſonderzug in die Eifel zur Abkei Maria Laach.
„Das Auge der Eifel” heißt der majeſtätiſche See, der weſtlich von
Andernach auf der Höhe den Krater erloſchener Vulkane ausfüllt, an
deſſen Ufern noch heute Kohlenſäurequellen von den unterirdiſchen
Mächten erzählen. Beherrſcht wird See und Landſchaft durch die
mäch=
tige Kirche und Abtei Maria Laach, wo heute die ehrwürdigen Mönche
des älteſten Ordens der Benediktiner ihren Wahlſpruch: „Bete und
arbeite” verwirklichen. Die Kirche iſt ein Kunſtjuwel anmutigſter
Pracht, in deſſen Innerem edelſte Einfachheit herrſcht. Prächtig iſt
der romaniſche, aus Sandſtein und Marmor unter reichlicher
Verwen=
dung von Bronze verfertigte Hochaltar. Dorthin fährt die
Reichs=
bahndirektion Mainz am Sonntag, den 11. Auguſt d. J., einen
Sonder=
zug. Die Teilnehmer werden den Vormittag benutzen, ſich das
Eifel=
ſtädtchen Niedermendig mit ſeinen Schätzen anzuſehen und das
Mittag=
eſſen hier einnehmen. Nach dem Mittageſſen wird empfohlen zum See
zu gehen (in gut einer Stunde) oder in bequemen Autos zu weſentlich
ermäßigten Preiſen dorthin zu fahren (15 Minuten). In Maria Laach
kann um 14,30 Uhr an der liturgiſchen Veſper teilgenommen, eine Fahrt
auf dem See oder ein Rundgang um den See gemacht werden. Alles
weitere beſagen die Anzeigen und die Plakate an den Bahnhöfen.
Fahrkarten ſind zu ermäßigten Preiſen auf dem Verkehrsbureau zu
haben. Rechtzeitige Beſtellung iſt nötig, da dieſer Zug im vorigen
Jahre ſehr ſchnell beſetzt war.
Tageskalender für Sonntag, den 4. Auguſt 1929.
Orpheum, 20 Uhr: „Das lachende Berlin”. — Konzerte:
Schloß=
kaffee, Hotel Schmitz, Kaffee Oper, Alte Poſt, Sportplatz=Neſtaurank,
Kaffee Ganßmann, Bismarckeck, Hotel Prinz Heinrich,
Wald=
ſchtößchen Reichshof, Neckartor, Hotel zur Poſt. —
Herrngar=
tenkaffee, 16 und 20 Uhr: Konzert. — Wiener
Kronen=
bräukeller 16 Uhr: Sommerfeſt des Marine=Vereins. —
Brauerei Schul 20 Uhr: Konzert — Ludwigshöbe,
16 Uhr: Konzert. — Nummelbräu, 16 Uhr: Sommerfeſt des
Schmetterlingsklub 05. — Hanauer Hof, 16 Uhr: Stiftungsfeſt
der Geſellſchaft „Alemannia”, — Kinovorſtellungen: Helia
und Palaſt=Lichtſpiele. — Mathildenhöhe, 10—18 Uhr:
Aus=
ſtellung „Der ſchöne Menſch”.
Seite 6
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Nummer 214
Neuerwerhungen der Stadtbücherei
(außer Romanen):
Wilhelm Kuhnert: Im Lande meiner Modelle. Mit
Abbildun=
gen. 1 Cf 197. Walter Schück: Braſilien. Volk und Land. Mir
Abbildungen. 1928. 165 Cz 130. Wladimir von Hartlieb: Italien.
Alte und neue Werte. Reiſetagebuch. 1927. 115 Cz 48. Fritz Stahl:
Nom. Das Geſicht der ewigen Stadt. 1929. 115 Cz 140. Rud. Lothar=
Die Seele Spaniens. Mit Abbildungen. 1923. 130 Cz 83. Riccarda
Huch: Im alten Reich, 2. Band. Neue Städtebilder. 5 Cd 81. Carl
Schoynn: Skouluk=Andaras. Berichte aus Lappland 1923. 70 Ce 260.
Die deutſche Glocke. Das Volksbuch der deutſchen Heimat.
Her=
ausgegeben von Hans Rehhling, 4 Bände. 1 Ke 44/47. Paul
Zau=
nert: HeſſenNaſſauiſche Sagen. Mit Abbildungen. 1929. 1 H. Hans
Bumann:Kriegstagebuch der Stadt Alzeh. 45 Bk 25. Briefe der
Kaiſerin Friedrich. Herausgegeben von Frederick Poſonby.
1929. 5 L 8007. Ppilippine Wolff=Arndt: Wir Frauen von einſt.
Erin=
verungen einer Malerin. 5 L 8007. Angela Langer:
Stromauf=
wärts. Aus einem Frauenleben. 5 L 4890. Emmy Veiel=
Rap=
pard: Mutter. Bilder aus dem Leben von Dora Rappard=Gobat.
1527. 5 L 3315. Max Reger: Briefe eines deutſchen Meiſters. 5L
5965. Friedrich Gundolf: Shakeſpeare. Sein Weſen und ſein Werk.
2 Bände. 1928. 50 Kl 3042. Ernſt Benkard: Das Silbſtbildnis
vom 15. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Mit Abbildungen.
1927. 70 Kg 5. Cornelius Gurlitt: Die deutſche Kunſt ſeit 1800.
Ihre Ziele und Taten. 1924. 45 Kg 145. Hans Müller=Hickler:
Die Jagd im Wandel der Zeiten. 1928, 35 Ks 170. Hugo Eckener:
Die Amerikafahrt des „Grafen Zeppelin” Mit Abbildungen. Ef 130.
Hilde Jende=Radomski: Akademiſche Frauenberufe. 1929. 1Pb
45. Karl Bühler: Die geiſtige Entwicklung des Kindes. Mit
Ab=
bildungen 1929. 10 Ps 23.
Jenſeils von Soll und Haben.
Reform des Offenbarungseides.
Von Amtsgerichtsrat Dr. Dr. Dr. Karl=Ludwig Schimmelbuſch.
Ein Problem erſten Ranges für unſer Wirtſchaftsleben! Kam dieſem
Rechtsgebiet ſchon bisher an Unvolkstümlichkeit kaum ein anderes gleich
im weiten Umkreis unſeres Alltagsrechts, ſo bbeginnt unter dem Druck
der Zeitlage die Ueberzeugung von der weiteren Untragbarkeit ſeiner
Mängel mehr und mehr Allgemeingut zu werden. Die Vorſchläge gehen
haupiſächlich in der Richtung verſtärkten Gläubigerſchutzes; doch wird
die Reform auch wahrhaft ſoziale Geſichtspunkte ſtärker ins Licht zu
rücken haben. Weit häufiger als früher iſt unverſchuldete Not der
An=
laß, und es iſt nicht nur die Bemachteiligung der Schuldner durch
ſchlechte Verſteigerungserlöſe in Kriſenzeiten beſonders groß; durch
wirtſchaftliche Lahmlegung gerade der unverſchuldet in Schwievigkeit
ge=
ratenen Schuldner worden die Gläubiger auch ſelbſt
ge=
ſchädigt.
Die Reforwvorſchläge lauten beſonders dahin: dem Gläubiger ſoll im
Schwurtermin ein Fragerecht eingeräumt und es ſoll die Friſt, un der
mach Leiſtung des Eides kein neuer Eid erzwungenwerden kann, von fünf
Jahren auf ein halbes Jahr verkürzt werden. Nach geltendem Recht
ge=
nügt die Beeidigung des Vermögensverzeichniſſes dohin, daß der
Schuldner es „nach beſtem Wiſſen ſo vollſtändig angegeben habe als
er dazu imſtande” ſei. Vorher übertragene Vermögensſtücke entzie hen
ſich dem Zugriff. Der Gläubiger bedarf daher der Möglichkeit, dem
Schuldner Fragen über die in der Zeit vorher vorgenommenen und
möglicherweiſe der Anfechtung unterliegenden Rechtsgeſchäfte (
Veräuße=
rungen, Schenbungen, Sicherungsübereignungen) vorzulegen, wie auch
übe Rechtsverhältniſſe, aus denen ſpäter Forderungen des Schuldners
entſtehen (z. Gehalt, Tantieme, Erfinder= oder Urheberrechte), damit der
Gläubiger auch hieraus Befriedigung ſuchen kann.
Ueber dieſe Forderungen hinaus ſind aber noch andere Refovmen
umumgänglich. Das dringendſte Gebot iſt wohl die Herabſetzung der
Zeit, für die die Haftkoſten vorauszuzahlen ſind, auf eine Woche. Wie
die Erfahrung zeigt, verweigert von den wenigen Schuldnern, die es
überhaupt zur Verhaftung kommen laſſen, kaum einer dem Eid auf
Tage hinaus, während der Monatsvorſchuß — meiſt 60 RM. — auf
die Gläubiger abſchreckend wirkt: mancher hat ſchon keine Neigung, ihn
zu leiſten, andere halten ihn von vornherein für verloren, und ſo bietet
er ein mittelbares Inſtrument unberechtigten Schuldnerſchutzes.
Beachtenswert iſt ferner die Forderung weiter Wirtſchaftskreiſe, dem
Verhafteten und ebenſo dem im Eidestermin nicht erſchienenen, aber vor
der Verhaftung ſich zum Eide enbietenden Schuldner nicht ſogleich den
Eid abzunehmen ſondern nahen Termin zu beſtimmen, damit der
Gläu=
biger Gelegenheit hat, bei der Eidesleiſtung zugegem oder vertreten zu
ſein. Dadurch würde der mißliche Zuſtand beſeitigt werden, daß der
Schuldner ein Zuſammentreffen mit dem Gläubiger vermeiden und ſich
überdies noch die Zeit zur Gidesleiſtung ausſuchen kann. Naheliegend
iſt auch der Gedanke, auf Antrag des Gläubigers einen
Vollſtreckungs=
beamten zum Termin zuzuziehen. Das würde dem Gläubiger
ermög=
lichen, unmittelbar im Anſchluß an den Schwurtermin auf Grund der
Feſtſtellungen erneut zu pfänden.
Eile tut not. Warum ſollte nicht eine Teilreform beſſer ſein, als
gar keine?. Man kann unſerer Geſetzgebungsmaſchine ja auch ſonſt
Un=
tätigkeit nicht vorwevfen. Selbſt einzelne techniſche Aenderungen zur
Er=
füllung der dringendſten Wünſche der Wirtſchaftskreiſe würden
ge=
mügen, bis eine durchgreifende Neuſchöpfung reſtlos das Ziel erreicht:
Klarlegung der Vermögensverhältniſſe des Schuldners zum Zwecke eines
wahrhaft raſchen und wirkfamen Rechtsſchutzes.
— Wochenmarkt zu Darmſtadt. Kleinhandels=Tagespreiſe von
Samstag (pro Pfund bzw. Stück in Pfg.); Gemüſe: Kohlrabi 6—
Gelbe Ruben 10—12, Rote Rüben 10—12, Spinat 35, Römiſchkohl 15
bis 20, Rotkraut 40, Weißkraut 20—25, Wirſing 20—25, Stangenbohnen
10—45, Buſchbohnen 25—30, Wachsbohnen 25—45, Erbſen 35, Zwiebeln
15—18, Knoblauch 80, Tomaten 25—35, Endivienſalat 10—15, Kopfſala
10—12, Salatgurken 25—45, Einmachgurken 2—3, Blumenkohl 80—120
Rettich 15—25, Meerrettich 120, Radieschen 6—10. Frühkartoffeln 7—8.
Obſt: Pfirſiche 50—65, Aprikoſen 50—70, Kirſchen 40, Johannisbeerel
25, Stachelbeeren 30—35, Himbeeren 50, Heidelbeeren 35—40,
Mirabel=
len 40—45, Reineclauden 50, Tafeläpfel 20——30, Wirtſchaftsäpfel 15.
Falläpfel 5—10, Tafelbirnen 25—35, Wirtſchaftsbirnen 15—20, Pflau
men 25, Trauben 85, Zitronen 10—20, Bananen 50—60. Eßwaren:
Süßrahmbutter 220—230, Landbutter 190—210, Weichkäſe 35, Handkäſ
5—15, Eier, friſche 14—15. Wild und Geflügel: Hühner 14
bis 180, Tauben 80—90. Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch
friſch 90—110, Kalbfleiſch 120, Schweinefleiſch 110—126, Dörrfleiſch 160.
Wurſt 70—160, Wurſtfett 60, Schmalz ausgelaſſen 110.
— Nach dem ſchönen Süden, dem Paradies Lugano, geht der billige
Sonderzug, der am Samstag, 17. Auguſt, Darmſtadt verläßt und
die Reiſenden in ſchneller Fahrt, ohne die ſonſtigen Unbequemlichkeite,
des Umſteigens und der Anſchlüſſe, in die Schweiz bringt. Ueber Lu
zern und an den Ufern des Vierwaldſtätter=Sees entlang geht die Reiſe
mitten durch die großartigſte Alvenlandſchaft. Der St. Gotthard wirt
durchfahren, und dann ſpannt ſich über den Teilnehmern der immer
lochende Himmel Italiens, grüßen die Bäume und Blumen des Südens
in ihrer üppigen Farbenpracht. Bellinzona kommt in Sicht und an
Abend wird, Lugano erreicht, das mit ſeinem See einen märchenhaf
ſchönen Anblick bietet und alljährlich Hunderttauſende von
ſchönheits=
hungrigen Menſchen aus allen Gegenden der Welt anzieht. 6 Tage
wandeln wir hier unter Palmen und Goldorangen, baden im Lido un
geben uns der köſtlichen Natur hin. Eine Dampferfahrt auf dem
herr=
lichen Comer=See führt uns zur Villa Charlottta — die dort
gewon=
nenen Eindrücke von der berückenden Schönheit des Südens wird ni
mand jemals wieder vergeſſen. Wer mit will, muß ſich ſofort eine Kart,
durch Poſtkarte beſtellen oder löſen im Verkehrsverein
Darm=
ſtadt.
Lekale Beranſtciangen.
Die Mieruniter urſcheinendes Notiyen ſind ansſchiießſich als Hinweife auf Hrsdigen zu bekred
in ſeinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Krik.
— Herrngarten=Kaffee. Heute Sonntag, den 4. Angu
finden im Herrngarten=Kaffee nachmittags 4—7 Uhr und abends 8
Uhr Künſtler=Konzerte, ausgeführt von einem Enſemble ds Stal
orcheſters, bei freiem Eintritt ſtatt. (Siehe Anz.)
— Im Hotel=Reſtaurant „Poſt” — links am Hauptba
hof — heute Künſtlerkonzert. Spezialausſchank des beliebten Diſching
Export hell und dunkel.
— Im Wiener Kronenbräu=Keller findet heute vo
Marineverein Darmſtadt großes Sommerfeſt ſtatt. Weiter wird
mitgeteilt, daß Dienstag, den 6. Auguſt, Matth. Weber konzertiert. D
Konzert iſt die Bezeichnung „Ein Heiner=Abend am Großen We
beigelegt. In bunter Reihenfolge kommen nur gern gehörte We
älterer und neuerer Meiſter zu Gehör. (S. Anz)
— Konzert mit Tanz im Hotel Prinz Heinri
Im Hotel Prinz Heinrich findet heute Sonntagabend Konzert mit T.
ſtatt. Der Beſuch wird beſtens empfohlen.
Die Bevemlang dei beſſtſchen Heininechann
für das Vermeſſungsweſen.
Von Dr.=Ing. H. Müller.
Wer Gäſte empfängt, wird ſich bemühen, ihnen den Aufenthalt ſo
angenehm wie möglich zu geſtalten. Beſonders dann, wenn man weiß,
daß der mit Opfern verbundene mehrtägige Beſuch in erſter Linie der
Erweiterung des fachlichen Wiſſens gilt, wird man doppelt alles tun,
um einen größtmöglichſten Erfolg zu ſichern.
Hierzu verpflichtet fühlen wir uns den mächtig aufſtrebenden
höhe=
ren deutſchen Vermeſſungsbeamten gegenüber, die in dieſen Tagen in
großer Zahl aus allen Teilen Deutſchlands und Oeſterreichs in
Darm=
ſtadts Mauern weilen. Durch mehrere wiſſenſchaftliche Vorträge und
eine umfangreiche geodätiſche Ausſtellung in der Techniſchen Hochſchule
iſt für reiche Weiterbildungsmöglichkeit geſorgt. Aber darüber hinaus
gilt es, unſeren Gäſten auch einen Einblick in die geſchichtliche
Entwick=
lung der mit dem Berufe eng verbundenen Gebiete zu geben, um ihnen
ſo ein Stück der vielleicht in Jahrhunderten entwickelten Kultur dieſer
Sondergebiete nahe zu bringen.
Für die Entwickelung des Vermeſſungsweſens ſind in allen Zeiren
die Leiſtungen der Feinmechanik bedeutſam geweſen. Die Wiſſenſchaft
war für die Praxis unfruchtbar, wenn die Künſtler fehlten, die die
Gedanken durch ſinnreiche mechaniſche Hilfsmittel verwirklichten. Die
Verhältniſſe in Heſſen im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
darauf=
hin zu prüfen, veranlaßte mich, das Landesmuſeum und ſonſtige
Samm=
lungen nach geodätiſchen Inſtrumenten heſſiſchen Urſprungs
durchzu=
ſehen. Es iſt erfreulich, durch Belegſtücke und Lehrbücher in der
Aus=
ſtellung nachweiſen zu können, daß die Feinmechanik, insbeſondere der
Bau geodätiſcher und aſtronomiſcher Inſtrumente, in Heſſen eine
be=
ſondere Pflegeſtätte hatte und ihre Leiſtungen nicht nur auf voller Höhe
ſtanden, ſondern ſogar bahnbrechend waren. Beachtenswert ſind neben
kleinen Meßgeräten aus dem 17. und 18. Jahrhundert die geodätiſchen
Inſtrumente, beſonders der große Theodolit (Winkelmeßinſtrument) des
in den Dienſten des Kriegsrats Merck ſtehenden nachmaligen
fürſt=
lichen Hofmechanikus Alexander Fräſer, der etwa von 1790 bis 1808 in
Darmſtadt lebte. Er hat dem Begründer der heſſiſchen
Landesver=
meſſung, Geheimrat Chr. Ph. L. Eckhardt, ſchätzbare Dienſte geleiſtet,
bis auf Veranlaſſung von dieſem und dem Oberbaudirektor
Schleier=
macher der 1779 zu Darmſtadt geborene Gießener Univerſitätsmechanikus
Hektor Rößler, ein Schüler von Fräſer, 1806 als Hofmechanikus hierher
überſiedelte. Seine Vermeſſungsinſtrumente, für deren Bau er von
Eckhardt grundlegende Anregungen erhielt, entwickelten ſich zu immer
größerer Vollkommenheit und waren deshalb in ganz Deutſchland
ge=
ſchätzt.
Mit der Ernennung Rößlers zum Münzrat, ging der Bau der
geodätiſchen Inſtrumente mehr und mehr an den Mechaniker Siener
in Darmſtadt über, deſſen Werkſtätte, ganz auf der Höhe der Zeit
ſtehend, im Inſtrumentenbau ebenfalls Hervorragendes leiſtete.
Zahl=
loſe Theodolite ſind, bedingt durch die in Heſſen ſehr frühzeitig
ein=
geführte polygonale Meßmethode, aus den Werkſtätten von Rößler
und Siener hervorgegangen und vereinzelt auch heute noch in Gebrauch.
Mit den feinmechaniſchen Werkſtätten von Schäffer und Hermes höt
dann im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts der Bau geodätiſcher
Inſtrumente in Darmſtadt nahezu aufgehört. Es bleibt bedauerlich,
daß dieſer edle Zweig der Feinmechanik in Heſſen nun faſt keine
Pflegeſtätte mehr hat.
Mit ganz beſonderer Freude erfüllt es uns, unſeren Gäſten noch
zwei Glanzleiſtungen heſſiſcher Feinmechanik aus dem 18. Jahrhundert
in der geodätiſchen Ausſtellung zeigen zu können. Es ſind 2 alte, dem
Heſſiſchen Landesmuſeum gehörigen Rechenmaſchinen, die nur in je
einem Originalſtück vorhanden ſind. Beide ſind in Gießen erfunden
worden, und zwar die eine 1735 von Chr. L. Gerſten und die andere
1783 von Johann Helferich Müller.
Gerſten, 1701 in Gießen geboren, war dort von 1733 bis 1744
Profeſſor der Mathematik. Seine nunmehr nahezu 200 Jahre alte
Additions= und Subtraktionsmaſchine iſt neben der Maſchine von
Leib=
niz die älteſte deutſche Rechenmaſchine und wohl die drittälteſte der
Welt.
Müller, 1746 zu Cleve geboren, iſt 1830 zu Darmſtadt geſtorben.
Seine Univerſalrechenmaſchine, die in Darmſtadt ausgeführt wurde, iſt
ein Meiſterwerk der Feinmechanik. Schon allein ihretwegen lohnt ſich
ein Beſuch der geodätiſchen Ausſtellung in der Techniſchen Hochſchule,
die vom 5. bis 6. Auguſt jedermann zugängig iſt. Voll Bewunderung
ſtehen wir vor den Erzeugniſſen der mit höchſtem Scharfſinn gepaarten
Kunſt heſſiſcher Feinmechaniker und ſtellen befriedigt feſt, daß auch das
heſſiſche Handwerk vergangener Jahrhunderte eine Kultur erreicht hatte,
die kaum anderswo übertroffen wurde.
Aus Hefſen.
J. Griesheim, 3. Aug. In der Woche vom 5. bis 10, Auguſt d. J.
finden auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich vormittags von
5 bis 12 Uhr Scharfſchießübngen ſtatt.
Aa. Eberſtadt, 3. Aug. Die Sommerferien haben ihr Ende
gefunden. Der Unterricht wird am Montag wieder aufgenommen. Am
kommenden Samstag findet für die Schulen eine beſondere
Verfaſſungs=
feier ſtatt. — Vereine auswärts. Am morgigen Sonntag
be=
teiligt ſich die hieſige Soldatenkameradſchaft” an dem 50.
Stiftungs=
feſt des Krieger= und Militärvereins Bickenbach. Die Fr. Turnerſchaft
nimmt an dem Bezirkskinderfeſt in Dornheim bei Groß=Gerau teil. —
Todesfall. Einer der älteſten hieſigen Einwohner, Landwirt Georg
Müller 5., iſt im Alter von faſt 83 Jahren geſtorben. Müller war bis
zuletzt Ortsgerichtsmann. — Die nächſte Beratungsſtunde der
Mutter= und Säuglingsfürſorge findet am Montag, den 5. Auguſt,
nachmittags in der Gutenbergſchule ſtatt. — In der Seeheimerſtraße
wurde ein Radfahrer von einem Auto angefahren. Während ſein Rad
zertrümmert wurde, kam er ſelbſt mit dem Schrecken davon. —
Leb=
hafte Beſchwerden werden gegenwärtig in der Einwohnerſchaft
gegen die vom Gemeinderat beſchloſſene Sperrung des Weges an der
Eſchollmühle (Verlängerung der Ludwigsſtraße) für den Fahrradverkehr
laut. In Radfahrerkreiſen weiſt man darauf hin, daß die Sperrung des
genannten Weges die Radfahrer zwinge, die Hauptdurchgangsſtraße, die
Heidelbergerſtraße zu benutzen, was nur den dort ſchon ſowieſo ſtarken
Verkehr noch vergrößere. Die ſchmale Heidelbergerſtraße bedeute infolge
des ſtarken Autoverkehrs eine Gefahr für jeden Radfahrer. Die
Sper=
rung des betreffenden Weges wird daher in Radfahrerkreiſen für eine
Unverſtändlichkeit gehalten.
G. Ober=Ramſtadt, 3. Aug. Schwimmfeſt. Auf das am heutigen
Sonntag nachmittags 3 Uhr im hieſigen Schwimmbad ſtattfindende
Schwimmfeſt mit Austragung des Wanderpreiſes der
Schwimmbadgeſell=
ſchaft (4mal 50 Meter Stafette) ſei an dieſer Stelle nochmals
aufmerk=
ſam gemacht. — Feuerwehrübung. Am Dienstag, den 6. Auguſt,
abends 8½ Uhr, findet eine Uebung der Freiwilligen und
Pflichtfeuer=
wehr ſtatt, zu der die Mannſchaften vollzählig am Rathaus anzutreten
haben. — Steuerfälligkeit. Die zweite Rate der Hundeſteuer iſt
bei Meidung der Beitreibung bis zum 15. Auguſt an die
Untererhebe=
ſtelle zu zahlen. Ebenſo iſt das erſte Ziel der Kirchenſteuer alsbald, das
zweite bis 15. Auguſt zur Zahlung fällig.
Sie magern aß
an welcher Körperstelle Sle wollen. Ohne
Körper-
bewegung, ohne Diät, ohne Chemikalien zu nehmen, ohne
Bäder, Rein äußerlicher Gebrauch. Sichtbares
Re-
sultat bereits am 6. Tage. — Schreiben Sie an Frau
Schweitzer Wiesbaden, Goebenstraße 19, welche
Ihnen gern und kostentrei das einfache und wirksame
Mittel angibt, welches Sie selbst mit großem Erfolg
angewendet hat.
(V. 2665
A. Rimbach, 3. Aug. Diebſtahl. Von der Viehweide, die der
Landwirtſchaftskammer gehört, ſind einige Stück Vieh abhanden
gekom=
men. Wie man hört, beſteht Verdacht, daß das Vieh geſtohlen und
heimlich abgeſchlachtet worden iſt. Die Gendarmerie hat bereits die erſten
Ermittlungen vorgenommen.
* Steinbach, 3. Aug. Anläßlich des Beginns der zweiten
Amts=
periode unſeres Herrn Bürgermeiſters Stein, der ſechs Jahre unſerer
Gemeinde in ſegensreicher Tätigkeit vorſtand und, ohne daß eine
Neu=
wahl ſtattzufinden brauchte, weitere neun Jahre die Leitung unſerer
Gemeinde in ſeinen bewährten Händen behalten wird, bewegte ſich
abends mit einbrechender Dunkelheit unter den Klängen des hier ſehr
beliebten Spielchors der Freien Turnerſchaft ein impoſanter Fackelzug
durch die Hauptſtraße unſeres Ortes, an dem ſich ſämtliche Vereine und
auch die übrige Einwohnerſchaft beteiligten. Das Ziel war das
neu=
erbaute Heim des Bürgermeiſters Stein inmitten des Ortes, das als
eine Zierde für Steinbach angeſprochen werden darf. Nachdem ein
flotter Marſch verklungen war, eröffnete die Sängervereinigung
Stein=
bach die Ovation mit dem Liede „O Schutzgeiſt alles Schönen”, nach
einem weiteren, vom Geſangverein, Sängerkranz” vorgetragenen Liede,
hielt Herr Georg Adam Frank eine Anſprache, worin er Herrn
Bürger=
meiſter Stein dankte für all das, was er in ſeiner verfloſſenen
Amts=
periode für die Gemeinde geleiſtet habe. Die Rede gipfelte in dem
Wunſche, es möge Herrn Bürgermeiſter Stein auch in ſeiner weiteren
Amtszeit gelingen, das Schifflein der Gemeinde Steinbach durch alle
Klippen hindurch weiter zu ſteuern. Mit einem dreifachen Hoch auf den
Bürgermeiſter und die Gemeinde Steinbach in das alle Teilnehmer
be=
geiſtert einſtimmten, ſchloß er. Herr Bürgermeiſter Stein ſprach ſodann
ſeinen Dank aus und verſprach, auch weiter im Sinne ſeines Vorredners
für das Wohl der Gemeinde Steinbach wirken zu wollen. Nachdem die
beiden Geſangvereine noch zwei weitere wohlgelungene Liedervorträge
dargebracht hatten und die Freiw. Feuerwehr noch zeigte, wie ſie heute,
dank der auf Anregung des Bürgermeiſters angeſchafften Motorſpritze
in der Lage iſt, auch den größten Brand zu löſchen, trennte man ſich.
Nicht unerwähnt ſoll bleiben, daß Herrn Bürgermeiſter Stein anläßlich
ſeiner Wiederwahl 1929 von dem Vorſtand eines hieſigen Vereins eine
künſtleriſch ausgeführte ſilberne Plakette in Rahmen mit entſprechender
Widmung überreicht wurde.
b. Erbach i. O., 3. Aug. Kreisſatzung. Durch Beſchluß des
Kreistages des Kreiſes Erbach wurde der 8 2 der Kreisſatzung vom
15. März 1928 wie folgt geändert: „Fürſorgeaufwand für die
Anſtalts=
pflege von Geiſteskranken, Epileptiſchen Siechen, Taubſtummen und
minderjährigen Blinden: Der Bezirksfürſorgeverband trägt ein Drittel
und die Gemeinde zwei Drittel. Die Aenderung tritt mit Wirkung vom
1. April 1929 in Kraft.‟ Seither waren die Koſten hälftig geteilt, ſo daß
alſo die Gemeindekaſſen des Kreiſes mit dieſen Ausgaben für die Folge
höher belaſtet werden. — Geflügelzucht. Am Sonntag, den
4. Auguſt 1929, nachmittags, findet im Gaſthaus „Zum Hirſch” in Erbach
eine Verſammlung ſtatt, in der Herr Direktor Hillemann=Darmſtadt
(Heſſiſche Eierzentrale Frankfurt) über die künftige Geſtaltung des Eier=
abſatzes ſprechen wird. Bei dem großen Intereſſe, das heute allgemein
der Hebung der Geflügelzucht und damit der Eierproduktion
entgegen=
gebracht wird, iſt mit einem ſehr guten Beſuch, insbeſondere aus den
Reihen unſerer Landwirtſchaft zu rechnen.
— Lampertheim, 3. Aug. Die Polizeidirektion Nürnberg teilt mit:
Heute gegen 23,30 Uhr kam es an der Lorenz=Kirche zwiſchen drei
Mannsperſonen, die Fahrräder neben ſich herſchoben, und
National=
ſozialiſten zu einem Wortwechſel. Ein ſchwarzrotgoldener Wimpel an
dem Fahrrade einer der Mannsperſonen mag die Urſache hierzu
ge=
weſen ſein. Von unbekannter Seite wurden dann plötzlich mehrere
Schüſſe abgefeuert, wodurch die KaufmannsgattinKatharina
Grünewald aus Lampertheim (Heſſen) auf der Stelle
getötet wurde. Der 19jährige Schloſſer Fritz Mausner wurde
durch zwei Schüſſe verletzt, die jedoch nicht lebensgefährlich ſind. Trotz
aller Bemühungen der Polizei iſt es noch nicht gelungen, den
Täter feſtzuſtellen.
— Gernsheim, 3. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
2. Auguſt: 0,12 Meter; am 3. Auguſt: 0,08 Meter.
W. Heppenheim a. d. B., 3. Aug. Tabakbau. Das hieſige
Land=
wirtſchaftsamt führt in dieſen Tagen für den heſſiſchen
Tabakbauver=
band in den einzelnen heſſiſchen tabakbautreibenden Gemeinden Spritz=
und Beſtäubungsverſuche mit verſchiedenen Mitteln durch. Auch in
die=
ſem Jahre hat ſich am Tabak wieder die Wildfeuerkrankheit gezeigt,
und man befürchtet, durch Eintreten geeigneter Witterung, daß dieſelbe
weiter um ſich greift. Da gerade dieſe Krankheit den heſſiſchen
Tabak=
bau ſehr gefährdet, iſt eine Bekämpfung derſelben eine Notwendigkeit
geworden. — Der Verein ehemaliger Schüler der Landwirtſchaftsſchule
zu Heppenheim in Mörlenbach hält daſelbſt am Sonntag ſeine
diesjäh=
rige Hauptverſammlung in der Gaſtwirtſchaft „Zur Krone” ab. Auf
der Tagesordnung ſtehen 6 Punkte, in Sonderheit Organiſations= und
Werbefragen.
A. Nieder=Liebersbach, 3. Aug. Ein hieſiger Jagdliebhaber hatte
ſeine Jagdfreunde zu einem Reheſſen geladen. Zu dieſem Zweck mußte
ein Rehbock ſein Leben laſſen. Der ausgenommene Rehbock, der in einem
Schuppen aufgehängt war, war aber plötzlich verſchwunden. In der
Nähe der Kirche fand man den Rehbock, der aber ganz zerfetzt war.
Ob ihn Hunde abgeriſſen, und hierhergeſchleift hatten, oder Diebe den
Braten entwenden wollten und dabei geſtört wurden, ſteht noch in
Zweifel.
— Hirſchhorn, 3. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
2. Auguſt: 0,63 Meter; am 4. Auguſt: 0,64 Meter.
Ck. Groß=Gerau, 3. Aug. Ein Heimatfilm. Der
Verkehrs=
verein für Groß=Gerau und Umgebung ließ einen Heimatfilm für Groß=
Gerau drehen, der vor zahlreich erſchienenen Einwohnern im Kino am
Sandböhl zur Vorführung gebracht wurde. Der Film darf als äußerſt
gelungen bezeichnet werden. Sein verkehrswerbender Wert iſt duchaus
nicht zu verkennen. Der Film zeigt in erſter Linie die in der letzten
Zeit in Groß=Gerau ſtattgefundenen größeren Veranſtaltungen. So die
Einweihung des neuen Spritzenhauſes und die Inſpektion der
Feuer=
wehr. Beſonderes Intereſſe erweckt die Einweihung des renovierten
alten Rathauſes, an der bekanntlich Staatspräſident Dr. h. c.
Ade=
lung teilnahm, und die tags darauf erfolgte Einweihung der Groß=
Gerauer Ehrenhalle. Weiter bringt der Film auch ſchöne Ortsbilder
aus Groß=Gerau, die ihren guten Eindruck nicht verfehlen. Beſchloſſen
wird die bunte Reihe der Bilder mit Bildern aus den einheimiſchen
Ge=
werbetrieben. U. a. ſieht man die Konſervenfabrik Helvetia, die
Hut=
fabrik Schick und Baumann und die Käſefabrik Petermann im Film.
Der Verkehrsverein hat mit dieſem Film ſeinem Namen alle Ehre
ge=
macht. Wünſchenswert wäre es, wenn der Film bei größeren
Veran=
ſtaltungen in Groß=Gerau, bei denen viele auswärtige Gäſte in der
Stadt weilen, noch einige Male gezeigt werden könnte, damit er auch
ſeinem Zweck dienen kann. — Wildſchweinſchäden. In der
letzten Zeit mehren ſich die Meldungen von Wildſchweinſchäden in der
Umgebung. Beſonders die nördlich von Groß=Gerau gelegenen
Ge=
markungen, wie Mörfelden, Walldorf und Kelſterbach, klagen über die
Zerſtörungswut der Schwarzkittel. Man will beſonders viel Jungtiere
beobachtet haben.
Rheinheffen.
* Mainz, 3. Aug. Chronik. Vom Laſtwagen
tot=
gefahren. Ein ſchwerer Unglücksfall, ereignete ſich am Samstag
vermittag auf der Chauſſee zuiſchen Finthen und Ingelheim. Eine
Nadfahrerin aus Klein=Winternheim kam beim Ueberholen durch einen
Mainzer Laſtkraftwvagen zu Fall und geriet unter den Anhänger, deſſen
Hinterrad ihr über den Kopf ging. Der Tod trat auf der Stelle ein.
— Seinen ſchweren Verletzungen erlegen. Der am
31. Juli auf der Straßenbrücke von einem Auto angefahrene und
ſchwer=
verletzte 31jährige J. Müller aus Mainz iſt im Mainzer
Krankeu=
haus an dem hierbei erlittenen ſchweren Schädelbruch geſtorben. —
Freiwillige Sanitätshauptkolonne. Die Zahl der
Krankentransvorte mit dem Kraftwagen betrug im Menat Juli 1929
328. Erſte Hilfe wurde in 29 Fällen geleiſtet. — Schwerer
Un=
glücksfall. Der Weinbergsbeſitzer Scheuermann aus
Oppen=
heim fuhr mit ſeinem Wagen und ſeinem Dienſtperſonal aufs Feld, als
plötzlich das Pferd ſcheute und im Galopp die Straße hinunter raſte.
Alle auf dem Wagen ſitzenden Perſonen bis auf einen Knecht konnten ſich
durch Abſpringen rechtzeitig in Sicherheit bringen. Beim Umſtürzen
des Wagens zog ſich der Knecht ſchwere Verletzungen zu, die ſeine
Ueber=
führung in das Mainzer Krankenhaus notwendig machten. — Bei dem
im Oſtſeebad Henkenhagen das Opfer, eines Verbrechens gewordenen
Kapellmeiſters Siegling handelt es ſich um den 22jährigen Sohn des
Waſſerwerkmeiſters P. Siegling aus Bodenheim (Rheinheſſen). — St.
Mariä Empfſingniskirche. Gerhard Finſharwalder,
Regierungsbaumeiſter in Wieshaden, der beim Wettbewerb, um den
Neubau der St. Mavjä Empfängniskirche in Mainz den erſten Pre.s
erhielt, iſt nunmehr nach nochwaliger eingehender Prüfung aller
preis=
gekrönten Entwürfe mit der Ausführung ſeines Projektes durch den
Kirchenvorſtand der neuen Kirche beauftragt worden.
U. Nieder=Ingelheim, 3. Aug. Ein 27jähriger unverheirateter Mann
machte ſeinem Leben an einer geſchichtlichen Stätte ein Ende. Er
er=
tränkte ſich in dem unter ſeinem Wohnhauſe liegenden Bade Kaiſer
Karls des Großen, zu dem ſein Vater den Schlüſſel hat. — Eine ältere
Frau, die mit ihrem Sohne Frucht abmachte, wurde dabei von dieſem
mit der Senſe ſo verletzt, daß ſie mit Fuhrwerk ins Krankenhaus
ge=
bracht werden mußte. Die Senſe war ſo feſt ins Bein gefahren, daß ſie
nur mit Gewalt herausgezogen werden konnte.
Nummer 214
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Seite 2
Gewerbeſchau in Griesheim.
Obſt- und Gemüſe-Ausfkellung.
J. Griesheim, 3. Auguſt.
Die heute erfolgte Eröffnung der Gewerbeſchau aus Anlaß des 50 Beſtehens der hieſigen Gewerbe= und Handwerker=Vereinigung
und daran anſchließend die Ausſtellung des Obſt= und Gartenbauvereins
aus Anlaß des 40jährigen Beſtehens war ein Ereignis und Erlebnis
erſten Ranges. Schon die äußerliche Anfmachung der Veranſtaltungen,
zu denen eine ganze Neihe von Ehrengäſten geladen und erſchienen
waren, ließ etwas Großes vermuten. Indeſſen wurden, wie aus den
nachſtehenden Ausführungen entnommen werden möge, die allerkühnſten
Erwartungen weit übertroffen.
Die Eröffnungsfeier hat ſich folgendermaßen abgeſpielt.
Offizielle Beier in der Zriedrich=Eberk=Schule.
Um 11 Uhr vormittags begrüßte der erſte Vorſitzende der Gewerbe=
und Handwerker=Vereinigung. Herr Zimmermeiſter Schick, die zahlreich
erſchienenen Ehrengäſte und Mitglieder ſowie Ausſchüſſe der beiden
Ver=
eine mit warmen Worten und wies in kurzen Darlegungen auf Zweck
und Ziele der Veranſtaltungen hin. Herr Miniſter Korell vom Arbeits=
und Wirtſchafts=Miniſterium betonte die Bedeutung des Handwerks und
des Obſt= und Gemüſebaues als Hauptfaktoren im geſamten
Wirtſchafts=
leben. Er wies unter anderem darauf hin, daß in der Negel
Miniſter=
beſuche nur bei größeren Gewerbeſchauen und Ausſtellungen in den
Städten üblich ſeien, und daß zu ländlichen Veranſtaltungen in der
Hauptſache Beamte der zuſtändigen Miniſterien delegiert würden; daß
er aber in Erwartung der großen Bedeutung der hieſigen Veranſtaltung
er als eine große Freude empfinde, derſelben perſönlich beizuwohnen.
Nach einer kurzen Anſprache des Vorſitzenden der Handwerkskammer
Herrn Nohl=Darmſtadt, erfolgte ein Rundgang durch die einzelnen
Aus=
ſtellungsräume. Von der faſt übermäßigen Reichhaltigkeit der
Ausſtel=
lung und dem Gebotenen war jeder Anweſende ſichtlich überraſcht und
entzückt. Das geſamte einheimiſche Handwerk und Gewerbe iſt auf ihr
vertreten. Sämtliche Näume der Friedrich=Ebert=Schule, die geräumige
Turnhalle und der Schulhof, ſind in Anſpruch genommen. Die
Aus=
ſtelluing umfaßt außer den Erzeugniſſen des Handwerks
landwirtſchaft=
liche Maſchinen und Geräte jeder Art, Manufaktur= und Textilwaren,
Wäſcheartikel, Bettwaren, Haus= und Küchengerätſchaften Möbel in
allen Stilarten, Küchen= und Zimmer=Einrichtungen,
Haushaltungs=
artikel. Schuhwaren, Kolonialwaren, Weine, Liköre, alle Lebensmittel,
Beleuchtungsartikel für Gas= und Elektrizitat, Elektromotoren, Kochherde
in Emaille für Kohlenfeuerung und Gasheizung, Gasherde,
Badeeinrich=
tungen, Eiſenwaren. Nähmaſchinen Motorfahrzeuge, Fahrräder,
Schreibmaſchinen, Muſikwerke. Uhren, Gold= und Silberwaren, Tapeten,
Linoleum, Linkruſta, Glas=, Porzellan= und Spielwaren, Photoaraphiſche
Aufnahmen und Apparate. Papier= und Schreibwaren, Schloſſer=,
Spengler= und Inſtallations=Arbeiten, Kupferſchmiede=Arbeiten,
Schrei=
ner= und Glaſerarbeiten, Dreherarbeiten, Back= und Konditoreiparen,
Bildhauerarbeiten, Sattler= und TapezierArbeiten, Sämereien,
Küfer=
naren, Molkereiprodukte. Mit Kollektiv=Ausſtellungen ſind vertreten:
die Frifeur=Innung, die Schuhmacher=Innung, die Schneider=Innung.
die Gaſtwirte=Vereinigung, ebenſo ſind vertreten die Damenſchneiderei,
Hüte und Mützen, in Holz eingelegte Arbeiten (Intarſien), das
Bau=
gewerbe iſt mit Zimmerarbeiten, Modellen und Modellbauten für
neu=
zeitlich eingerichtete Stallungen vertreten, kurzum, es fehlt kein Gewerbe
auf der Ausſtellung, das nicht darauf bedacht iſt, dem Publikum ſeine
volle Leiſtungsfähigkeit zu zeigen. Beſonderes Intereſſe erweckte ein von
der Firma Gebr. Müller hier zur Schau geſtelltes Flugzeug. In einem
beſonderen Saale ſind die Arbeiten der gewerblichen Fortbildungsſchule
uutergebracht. Es ſind ſehr beachtenswerte Arbeiten, die hier
ausge=
ſtellt ſind und Zeugnis geben von der verſtändnisvollen Arbeit des Herrn
Gewerbelehrers Engel, einen für die heutigen Belange des Handwerks
tüchtigen Nachwuchs heranzubilden, aber auch von dem Eifer und dem
Fleiß der Schüler. Die Arbeitsſtücke einiger Schüler ſind muſtergültig
in ihrer Art, und zeugen von einer nicht gewöhnlichen Begabung.
Offizielle Beier im „Rheingauer Hof”.
Hier begrüßte der erſte Vorſitzende des Obſt= und Gartenbauvereins,
Herr Georg Lautenſchläger, die ſämtlichen Gäſte mit einer Mahnung
an die Produzenten zu einer den heutigen Zeitverhältniſſen
entſprechen=
den Produktionsumſtellung. In dieſem Ausſtellungslokal wurde den
Beſchnuern ebenfalls manche Sehenswürdigkeit geboten. Nicht allein,
daß die Ausſtellung Zeugnis gibt von dem hohen Stand unſerer
heuti=
gen Frühgemüſſe=Kultur, ſie zeigt uns auch die Kunſt unſerer
Berufs=
gärtner in der Anzucht von Topfpflanzen, Bindereien und Dekorationen.
Außerdem befinden ſich in der Ausſtellung die vor einiger Zeit an die
erſte Knaben= und Mädchenklaſſe zur Aufzucht gegebenen Blumen= und
Tomatenſetzlinge, um den Sinn für die Blumen= und Pflanzenkultur
in unſerer Jugend ſchon frühzeitig zu wecken.
Feſteſſen und Anſprachen.
Den beiden erwähnten Feiern ſchloß ſich nun im Gaſthaus „Zum
Darmſtädter Hof” ein gemeinſames Feſteſſen an, an dem ſich zirka 70
Perſonen beteiligten. Während dieſes Feſteſſens ergriff der erſte
Vor=
ſitzende der Gewerbe= und Handwerkervereinigung, Herr Zimmermeiſter
Schick, das Wort zu einer wiederholten Begrüßung der erſchienenen
Teil=
nehmer und Ehrengäſte. Er zollte allen denen, die an dem
Zuſtande=
kommen und dem guten Gelingen der Veranſtaltungen, insbeſondere
den Vorſtandsmitgliedern, Herren Metzger und Ritter, für ihre
auf=
opfernde Tätigkeit den wärmſten Dank. Hierauf begrüßte Herr
Bei=
geordneter Feldmann die Erſchienenen im Namen der Gemeinde. Er
betonte unter anderem, daß es ſich hier um eine Propaganda= und
Neklame=Ausſtellung von hervorragenden Ausmaßen handele, und
ſpünſchte den Veranſtaltungen den beſten Verlauf. Herr. Miniſter
Korell verbreitete ſich dann in längeren Ausführungen über die
Bedeutung des Handwerks im Wirtſchaftsleben und die Notwendigkeit
einer gründlichen Aus= und Durchbildung des Handwerkerſtandes. Er
betonte mit humorvollen Ausführungen, daß man ſich, wenn man von
Griesheim ſpricht, deren Einwohner als Arbeiter, Tannenzapfenbrecher
und Marktleute vorſtellt. Das heute Geſehene dränge aber jedem die
Ueberzeugung auf, daß am hieſigen Orte vor den Toren der Stadt doch
auch ein geſundes und fortſchrittlich= geſinntes, und in jeder Hinſicht
leiſtungsfähiges Handwerk und Gewerbe bodenſtändig iſt. Er ſagte
allen vertretenen Beſtrebungen uneingeſchränkte Unterſtützung und
För=
derung zu. Herr Nohl von der Handwerkskammer drückte ebenfalls
ſeine volle Befriedigung über das Gebotene aus, das alle Erwartungen
übertroffen habe. Er empfahl in ſeinen weiteren Ausführungen den
Handwerkern und Geverbetreibenden, mehr kaufmänniſche Einſtellung
und die Buchführung, insbeſondere dem Finanzamt gegenüber.
Herr Kollbach vom Bezirksverband und der Handwerkskammer=
Nebenſtelle verwies in ſeinen Ausführugnen insbeſondere auf die
ſegens=
reichen Wirkungen der Handwerkerſchule und auf eine lückenloſe
Aus=
bildung der Junghandwerker.
Herr Gartenbau=Inſpektor Dr. Derner von der
Landwirtſchafts=
kammer, ſprach insbeſondere der Standardiſierung der Produktion und
des Abſatzes der Gemüſe=Erzeugniſſe das Wort und rügte den noch
man=
gelnden Zuſammenſchluß der Gemüſeproduzenten. — Herr
Haffen=
zahl vom Ortsgewerbeverein Pfungſtadt rühmte ebenfalls das
über=
aus reichlich Gebotene und erkannte den fortſchrittlichen Geiſt der
hieſi=
gen Vereinigung unumwunden an. — Herr Direktor Maus von der
hieſigen Volksbank überreichte der Frau Gemahlin des Herrn Miniſters
Korell als Anerkennung für ihr an der Handwerkerſache bekundetes
In=
tereſſe ein hübſches Blumenbukett. — Herr Donath=Goddelau ſprach
für den Bezirksverband von Handwerk und Gewerbe des Kreiſes Groß=
Gergu über die beiderſeitigen Beziehungen, und gab ebenfalls
beherzi=
genswerte Winke. — Herr Hauptſehrer Brohn ſprach für den Kreis=
Obſt= und Gartenbauverband des Kreiſes Darmſtadt in Vertretung des
Herrn Regierungsrats Schäfer, würdigte insbeſondere die intenſive
Tätigkeit der Griesheimer Frauen, denen im Gemüſebau das
Haupt=
verdienſt zufalle. Herr Lehrer Mall als Vertreter des
Schulvorſtan=
des und der Schulleitung, verwies auf die guten Beziehungen zwiſchen
W Hondlerket, und Geuer erfall.
daß die Schule das Fundament für das ſpätere Fortkommen der Jugend
darſtelle. Nachdem Herr Direktor Maus von der Volksbank noch die
Verdienſte des erſten Vorſitzenden der Gewerbe= und Handwerker=
Ver=
einigung. Herrn Zimmermeiſter Schick, für die Vereinigung in
gebüh=
render Weiſe hervorgehoben hatte, wurde die offizielle Feier geſchloſſen.
Im Anſchluß hieran fand dann die Eröffnung der beiden Ausſtellungen
für den allgemeinen Zutritt durch Herrn Beigeordneten Feldmann ſtatt.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Gleichbleibendes Werktagsprogramm. 6.30: Gymnaſtik, Wetter,
Zeit. o 12: Zeit, Wetter. Wirtſchaftsm., Waſſerſtand. 12.55:
Nauener Zeit. O 15, 15.35: Zeit, Wirtſchaftsm. o 16.10: Ind.,
Handelsk. (Di. u. Fr.). o 16.25: Gießener Wetter, Wixtſchaftsm.,
Währ. d. Nachm.=Konz.: Vereinsnachr. 6 18,05, 19.15 oder 19.30:
Wirtſchaftsm.
Sonntag, 4. Aug. 7: Hamburg: Hafenkonzert vom Dampfer
„Alber, Ballin”. o 7: Die Glocken vom „Großen Michel” o 705:
Hamburger Morgenruf. o Anſchl.: Konzert. o 8.15: Morgenfeier
der Evangeliſchen Landeskirche Frankfurt a. M. Anſprache: Pfarrer
Marhold. Mitw.: Kirchenchor der Johannisgemeinde, Frau Maria
Simons=Wirth Geſang). 0 Anſchl.: Glockengeläut der St.
Peters=
firche. 6 11: Oberinſp. Walter: Jugend und ſoziale Arbeit”. o 11.30:
Elternſtunde: Frau Henm Prack: Die Großmutter als Erzieherin
ihrer Enkel. o 12: Rezitationsſtunde von Max Koninski. o 13:
Landwirtſchaftskammer Wiesbaden: Die Bedeutung der Nachreife
für die Qualität der Getreidekörner. — Die Bedeutung des
Waſſer=
haushaltes im Weinbergsboden. — Die praktiſche Ausführung der
Obſtbaumdüngung. O 15: Jugendſtunde: Kaſperlſtunde der
Kaſperl=
tante Frau Lieſel Simon: Das verlorene Lachen. o 16: Dir. R.
Pleimes: Muß ich mich als Bauer für Familienforſchung
intereſ=
ſieren? — Landw.=Rat Dr. Röming: Durch welche Maßnahmen
läßt ſich die ländliche Hühnerhaltung rentabler geſtalten? o 17:
Kaſſel: Konzert des Funkorch. 6 18.30: A. Auerbach: Die
deut=
ſchen Mundarten (mit Schallplatten=Beiſpielen). O 20:
Sportnach=
richten. O 20.30: Konzert des Funkorch. Weber: Qup. zu „Der
Freiſchütz‟ — Gegen 20.40: Intermezo: „Auf dem Abend=
An=
ſtand”: „Jagd=Revortage”, Sprecher: Dr. Laven. — Mendelsſohn:
Qup. zu „Ein Sommernachtstraum” — Beethoven: Paſtorale=
Sinfonie in F=dur. 8 22: Kaſſel: Uebertragung des Volksfeſtes
„Kaſſeler Ziſſel”. o Anſchl.: Aus Baden=Baden: Tanzmuſik der
Alexander=Band.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.50:
Wetter für den Landwirt, 6: Gymnaſtik. O 12.25: Wetter für
den Landwirt (So. 12.50). O 12.55: Nauener Zeit. O.:15.39: Wetter,
Börſe. 8 19,55: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle. Sonntag, 4. Aug. 6: Gymnaſtik. 6.30=
Frühkonzert. Konzertorcheſter Löſer. 0 8: Beſuch des
Wirtſchafts=
beraters auf einem Bauernhof. Zwiegeſpräch zwiſchen Dipl.=
Land=
wirt Deichmann und Dipl.=Landwirt Tröſcher, o 8.30: Dipl.=
Land=
wirt Maſer: Gründüngung. o 8,55: Glockenſpiel der Potsdamer
Garniſonkirche. o 9: Morgenfeier, Anſprache: Prediger K. Kreutzer.
S Anſchl.: Geläut des Berliner Doms. O 10: Wetter für Sonntag.
S 11: Unterhaltungsmuſik auf der Wurlitzer Orgel. (Franeis
Schotter.) o 11.30: Elternſtunde. Einführendes Zwiegeſpräch zwiſchen
Dr. Klopfer und Dr. Fleſch. O 12: Mittagskonzert. Von deutſcher
Jugend und frohem Wandern, Adolf Becker=Orcheſter. o 18.30:
Hugh Lofting plaudert mit Herm. Kaſack und E. L. Schiffer über
Dolittle=Bücher. 15: Sonaten. Otto Urack Cello) und Theo
Mackeben (Flügel. o 15.30: Märchen. o 16: Schallplatten.
17: Unterhaltungsmuſik. Kapelle Emil Rooßz. e 18.30: Prof.
Dr. Weege: Ausgrabungen und Entdeckerfreuden einſt und heute.
19.20: J. Schaffner: Knut Hamſun zum 70. Geburtstage. 6 20:
Caruſo ſingt. Schallplatten.! O 20.45: Konzert des Funkorch=
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Sonntag, den 4. Auguſf 1929
Nummer 214
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vollendeten 64. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
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Dipl.=Ing. Heinrich Weiler u. Frau Adele, geb. Wirtz
Paul Lang, Stadtoberbaurat, Reg.=Baumeiſter a. D.
und Frau Elly, geb. Weiler
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den 31. Juli 1929,
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geb. Freund.
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Dankſagung.
Für die wohltuenden Beweiſe
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bei dem Hinſcheiden unſeres
lieben Entſchlafenen ſagen wir
Allen auf dieſem Wege unſeren
herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
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Weiterſiadt und Gräfenhauſen,
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danken herzlichſt.
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Nummer 214
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Seite 10
Sonntag, den 4 Auguſf 1929
Nummer 214
ub
Zerl.
PWorschau
Breslau
ABudapest
Szegedin
lailend
Belgrod"
Schwere Bluttat in der Pfalz.
Donſieders (Pfalz). Donnerstag abend
er=
gignete ſich hier eine ſchwere Bluttat. Der
Fabrik=
grbeiter Peter Klein wurde von den Fabrikarbeitern
Johann und Emil Buſch ſowie deren Vater, ſämtlich
aus Clauſen, überfallen und niedergeſtochen. Die
drei letztgenannten lauerten dem Klein vor dem
Dorfe auf. Sie waren mit eiſernen Röhren und einer
Feile bewaffnet. Als Klein das Verſteck der drei
paſſierte, ſtürzten ſie ſich auf ihn und traktierten ihn
mit Eiſenſtücken. Klein, der unbewaffnet und allein
war, ergriff die Flucht. Der alte Buſch gab ſodann
einem ſeiner Söhne einen Dolch, womit dieſer den
Klein verfolgte und ihn niederſtach. Klein erhielt
einen ſchweren Stich in den linken Oberarm, wodurch
die Schlagader verletzt wurde, einen Stich in das
Genick und einen dritten Stich in den linken
Ober=
arm. Klein brach ſofort ohnmächtig zuſammen und
hätte ſich zweifellos verblutet, wenn nicht bald ein
Arzt zur Stelle geweſen wäre. Die ſchlagfertige
Familie wird ſich nun vor Gericht zu verantworten
haben.
Auf den Schienen tot aufgefunden.
St. Goarshauſen. In den Morgenſtunden
des Freitags wurde in der Nähe des Loreley=
Tunnels auf dem Eiſenbahngelände eine männliche
Leiche gefunden. Ob ein Unfall vorliegt oder ob der
30jährige Mann freiwillig in den Tod gegangen iſt,
konnte noch nicht feſtgeſtellt werden. Die größere
Wahrſcheinlichkeit ſpricht dafür, daß Selbſtmord
vor=
liegt. Eine Gewichtskommiſſion von St.
Goars=
hauſen begab ſich ſofort nach Bekanntwerden des
Leichenfundes an Ort und Stelle.
Kampf zwiſchen Juſtizwachtmeiſtern und
Unter=
welt im Moabiter Kriminalgericht.
Berlin. Das Alte Kriminalgericht war der
Schauplatz ſo ſtürmiſcher Auftritte, wie man ſie dort
bisher kaum erlebt hatte. Vor dem erweiterten
Schöfſengericht Berlin=Mitte ſtand nach der
Mittags=
pauſe eine Verhandlung an gegen die
Güterräuber=
bande Schulz und Genoſſen. Als der dienſttuende
Juſtizwachtmeiſter die Türen zum Zuhörerraum
öff=
nete, wurde er zur Seite geſtoßen, und eine nahezu
hundertköpfige Menſchenmenge, unter der ſich im
überwiegenden Teile der recht verwegen ausſehende
Anhang der Angeklagten befand, ſtürmte den Saal.
Ein zweiter Juſtizwachtmeiſter wurde ebenfalls
zu=
rückgedrängt und beiſeite geſtoßen. Die Maſſen
machten ſogar Anſtalten, in den Sitzungsſaal
ein=
zudringen. Auf die Alarmſignale ſtürzten von allen
Seiten Juſtizwachtmeiſter herbei. Es entſpann ſich
ein erbitterter Kampf mit der Menge, unter der
auch einige junge Burſchen Revolver in den Händen
gehabt haben ſollen. Schließlich gelang es den
Be=
amten, denen noch zwei anweſende
Reichswehrſol=
daten zu Hilfe kamen, unter Benutzung ihrer
Gum=
miknüppel die tobende Menge aus dem Gerichtsſaal
und von der Treppe zu drängen. Nachdem
Beruhi=
gung eingetreten war, konnte das Gericht in die
Verhandlung eintreten. Dieſe nahm dann einen
ganz ruhigen Verlauf.
Stiftungsfeier der Univerſität Berlin.
Berlin. Die Friedrich=Wilhelm=Univerſität zu
Berlin beging wie alljährlich am 2. Auguſt die Feier
zum Gedächtnis ihres Stifters König Friedrich
Wil=
hilm III., und zwar in der kleinen alten Aula.
Be=
merkenswert war, daß die ſtudentiſchen
Korpora=
tionen, die ſonſt mit ihren Bannern und in vollem
Wichs den akademiſchen Feiern ein beſonderes
Ge=
präge gaben, nicht erſchienen waren, auch unter den
Teilnehmern ſah man nur recht ſvenig Studierende.
Nachdem die Profeſſorenſchaft mit dem Rektor der
Univerſität, Profeſſor Dr. His, an der Spitze unter
den Klängen der „Feierlichen Intrada” in den Saal
eingezogen war und vor dem Rednerpult Platz
ge=
nommen hatte, hielt Geheimer Konſiſtorialrat
Pro=
feſſor D. Adolf Deißmann die Feſtrede. Der Redner
hatte ſich die Auswirkungen des Weltkrieges auf die
Kirche zum Thema genommen. Nach der
Preisver=
teilung und der Verkündung der neuen
Preisauf=
gaben durch den Rektor und nach gemeinſamem
Ab=
ſingen des Deutſchlandsliedes fand die Feier mit
dem Auszug der Profeſſorenſchaft ihren Abſchluß.
Vom Bären erdrückt.
Wandsbeck. Ein Unglücksfall mit tödlichem
Ausgang ereignete ſich am Freitag nachmittag in
einm hier im Aufbau befindlichen Wanderzirkus.
Ein vom Zirkus mitgeführter Tanzbär war bei dem
Aufbau ſo mangelhaft untergebracht, daß ein dort
ſpielendes Kind in die unmittelbare Nähe des Bären
gelangen konnte. Der Bär zog das Kind zu ſich
heran und verletzte es ſo ſchwer, daß es dem
Krankenhaus zugeführt werden mußte, wo es an den
Folgen der erlittenen Verletzungen ſtarb.
Die Wirkung des Attentats.
Neueſte Aufnahme des Dichters.
Oben: Hamſun mit ſeiner Familie.
Unten: Hamſuns Haus in Nörholmen (Norwegen).
Zu Knut Hamſuns 70. Geburkskag.
Deutſche Teilnehmer am Europaflug
in Paris.
Paris, 3. Auguſt.
Auf dem Flugplatz Orly bei Paris werden eifvig
die Vorbereitungen für den am 7. Auguſt
beginnen=
den internationalen Rundflug betrieben, zu dem
Deutſchland, Italien, die Tſchechoſlowakei, die
Schweiz und Frankreich bereits 82 Teilnehmer
ge=
meldet haben. Am ſtärkſten iſt Deutſchland
ver=
treten mit 34 Flugzeugen; die Schweiz hat zwei
Flugzeuge gemeldet. Am 4. und 5. Auguſt werden
die vorbereitenden Prüfungen, wie Ab= und
Auf=
montieren, Start und Landung, Verbrauchsprüfung
uſw. ſtattfinden. Am 7. Auguſt wird dann der Start
zum Rundflug erfolgen, bei dem 6280 Kilometer
zurückzulegen ſind. Zwiſchenlandungen ſind in Genf.
Zagreb, Belgrad, Bukareſt, Budapeſt, Wien,
Bres=
lau, Berlin, Hamburg, Amſterdam und Brüſſel
vor=
geſehen. Der Flug wird am 20. Auguſt in Orly
enden. Es ſind Preiſe von insgeſamt 300 000
Fran=
ken ausgeſetzt. Der erſte Preis beträgt 100 000, der
zweite 50 000 Franken. Außerdem hat die
italie=
niſche Regierung für den Sieger ein Flugzeug
ge=
ſtiftet. Von den zur Teilnahme am Internationalen
Europa=Rundflug gemeldeten Apparaten ſind
bis=
her 51 Kleinflugzeuge in Orly eingetroffen, darunter
22 deutſche, 11 italieniſche, 7 franzöſiſche, 3
tſchecho=
ſlowakiſche, 3 engliſche, 2 ſchweizeriſche, 2 belgiſche
und 1 ſüdſlawiſches. Man rechnet damit, daß zim
Laufe des Nachmittags noch mehr Teilnehmer an
dem Rundflug ankommen werden. Unter den bis
jetzt in Paris eingetroffenen Deutſchen Fliegern
be=
finden ſich auch die Darmſtädter Nehring und
Hoffmann, die ſich gleichfalls an dem
inter=
nationalen Wettbewerb beteiligen werden. Das
„Journal” ſchreibt hierzu, daß die deutſchen
Ap=
parate ein Beweis für die rieſige Entwicklung des
Kleinflugzeugs in Deutſchland ſeien, behauptet aber,
daß dieſe Apparate ebenſo gut als Jagdflugzeuge
Verwendung finden könnten, da ſie trotz ihrer
kleinen Motoren von nur 90 Pferdeſtärken
Geſchwin=
digkeiten von über 200 Kilometer entwickeln.
Anſchlag auf einen Sonderzug der Hochſchule
für Leibesübungen.
Altenburg. Am Samstag um 3,20 Uhr
wurde auf der Strecke zwiſchen Crimmitſchau und
Werdau durch Auſlegen von Schwellen auf die
Schie=
nen des Gleiſes Leipzig—Hof von unbekannten
Tätern ein Anſchlag auf den Sonderzug der
Hoch=
ſchule für Leibesübungen verübt. Der Zug ſchob die
Schwellen vor ſich her und konnte nach kurzem
Aufenthalt die Fahrt fortſetzen. Die
Reichsbahn=
direktion Dresden hat auf die Ermittlung der Täter
eine Belohnung bis zu 3000 RM. ausgeſetzt.
Schweres Eiſenbahnunglück auf der Strecke
Tarvis—Udine.
Mailand. Wie aus Udine gemeldet wird,
er=
eignete ſich auf der Eiſenbahnſtrecke Tarvis—Udine
ein ſchweres Eiſenbahnunglück. Ein Güterzug fuhr
in der Nähe der Station Reſiutta in eine
Stein=
lawine, die in den frühen Morgenſtunden auf die
Strecke niedergegangen war. Die Lokomotive ſtürzte
um und rollte eine tiefe Böſchung hinunter, ſechs
Wagen mit ſich reißend. Aus den Trümmern wurden
der Zugführer tot und vier Mann des Zugperſonals
ſchwer verletzt geborgen.
Wahnſinnstat eines Eiſenbahnarbeiters.
NewYork. In einem plötzlichen
Wahnſinns=
anfall erſchlug in Atlanta ein Eiſenbahnangeſtellter
vier ſeiner Kollegen, die beim Frühſtück ſaßen, mit
einer Axt und verletzte einen fünften ſchwer. Hierauf
kehrte der Mörder zu ſeiner Beſchäftigung zurück.
Als die Polizei erſchien, um ihn zu verhaften, gab
er ſeines Verwunderung darüber Ausdruck, daß die
von ihm ermordeten Kollegen noch nicht zur Arbeit
erſchienen ſeien. Als man ihm ſeine Tat vorhielt,
geriet er in höchſte Erregung und wehrte ſich
ver=
zweifelt gegen die Feſtnahme.
Die Strecke des Europa=Rundflugs.
Am 7. Auguſt beginnt nach Erledigung der techniſchen Leiſtungsprüfungen der internationale
Europarundflug 1929 Bis zum 20. Auguſt müſſen 6000 Kilometer durchflogen werden, darunter zum
Teil navigatoriſch ſehr ſchwierige Strecken. Start und Ziel ſind auf dem Flugplatz von Orly bei
Paris. Aus zehn Nationen ſind 84 Meldungen abgegeben worden.
Taifun in Indo=China. — über 70 Toke.
Paris, 3. Auguſt.
Ueber den Taifun, der am letzten Dienstag
einen Teil der franzöſiſchen Kolonie Indo=China
heimſuchte, berichtet die Agentur Indo=
Paci=
fique die Geſamtzahl der Toten betrage bis zur
Stunde über 70. Aus der Gegend von Niah=
Dinh ſei ein Gebiet von etwa 50
Quadratkilo=
metern vollſtändig dem Erdboden gleichgemacht.
Die Hauptſtadt der Provinz Tai=Dinh ſei
beſon=
ders ſchwer heimgeſucht worden. Man zählt
dort acht Tote. Die Telegraphen= und
Telephon=
verbindungen ſeien zum größten Teil zerſtört,
ſo daß die Nachrichten nur ſehr ſpärlich
nach Hanoi gelangten. In der Provinz Nam=
Dinh wurden 10 Perſonen getötet. Der Rote
Fluß habe 10 Leichen angeſchwemmt, deren
Identität noch nicht feſtgeſtellt werden konnte.
In mehreren Städten ſei kein Haus ganz
geklie=
ben. Die Eingeborenen übernachteten im Freien.
Die Pflege der Verwundeten ſei infolge
Man=
gels an Verbandsmaterial höchſt unvollſtändig.
Dadurch, daß die Telephonverbindungen im
In=
nern des Landes faſt vollſtändig zerſtört ſind,
habe man noch kein klares Bild über die Schwere
der Verwüſtungen gewinnen können. Man
be=
fürchtet aber, daß der Taifun noch weit mehr
Opfer gefordert hat.
Miniſterialdirektor Kühne in den Alpen
tödlich verunglückt.
Lauſanne. Der „Tribune de Lauſanne” wird
aus Chamonix gemeldet: Miniſterialdirektor Kühne
aus Berlin, der ſich in Chamonix in den Ferien
auf=
hielt, unternahm am Donnerstag mit Fremden und
Bekannten eine Fußwanderung ins Gebirge. Auf
dem Abſtieg benutzten Direktor Kühne und ein
Freund einen ihnen unbekannten Weg, der ſie nach
der ſogenannten „Falle” Sous Le Pranion in der
Gemeinde Houches führte. Plötzlich gab der Boden
unter ihren Füßen nach. Direktor Kühne rutſchte
aus. Es gelang ihm zwar, ſich an hervorſtehenden
Aeſten feſtzuklammern und er blieb auch während
der ganzen Nacht hängen. Bei Tagesanbruch jedoch
ließen die Kräfte nach und Direktor Kühne ſtürzte
200 Meter tief in einen Abgrund. Die
Rettungs=
kolonne konnte nur noch ſeine Leiche bergen. Sein
Freund kam mit dem Leben davon.
Beim Baden ertrunken.
Grabenſtätt. Am Freitag mittag ertrank
beim Baden im Chiemſee in der Hirſchauer Bucht
der Fabrikbeſitzer Leo Simſon aus Suhl in
Thürin=
gen, der an der Waffenfabrik beteiligt iſt. Der
52jährige Großinduſtrielle hatte ſich zu weit über
die abgegrenzte Fläche in den See hinausgewagt,
trotzdem er des Schwimmens nicht kundig war. Die
Leiche wurde geborgen.
Heilung der Tuberkuloſe durch Diäk.
Dr. Gerſon,
ein Bielefelder Arzt, hat ſchon Jahre hindurch
mit einfacher Diätbehandlung verblüffende
Heil=
erfolge ſelbſt bei ſchwerſten Tuberkel=
Erkrankun=
gen erzielt. Dr. Gerſons Methode iſt von
Ge=
heimrat Sauerbruch aufgenommen worden und
hat ſich in ſeinen Kliniken beſtens bewährt.
Nummer 214
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
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bis zum Einbruch der Dunkelheit, an Sonntagen
nur vormittags von früh 7 bis 1 Uhr.
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und des Schwimmbades
Monatskarte (nicht übertragbar) . . . . . . 8 ℳ
Zehnerkarte (am Platzeingang erhältlich) . . 6.ℳ
für den Beſuch der Tennisplätze (es ſtehen
6 Plätze zur Verfügung)
Monatskarte (nicht übertragbar) . . . . . . 5 ℳ
(Inhaber einer Monatskarte oder Zehnerkarte kann nur
derjenige werden, welcher das 16. Lebensjahr
über=
ſchritten hat. Kinder unter 6 Jahren haben in
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 214
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Beutſche Scalier Meiſterſchaften.
Ueberraſchungen am zweiten Tag.
Breslau, 3. Auguſt. (Drahtbericht.)
Vor ſtarr befetzten Tribünen wurden im Breslauer Schwimm=
Stadion am Samstag die Kämpfe um die Deutſchen Meiſterſchaften
fort=
geſetzt. Diesmal ging es nicht ohne Ueberraſchungen ab. Am
uner=
wartetſten kam das völlige Verſagen von Derichs=Köln und Schubert=
Breslqu in der 200 Meter Freiſtilmeiſterſchaft, die Balk=Göppingen ſicher
an ſich brachte. Derichs und Schubert hatten ſchon nach etwa 100 Meter
des Guten gemug und fielen weit zurück. In der 200 Meter Bruſt=
Ent=
ſcheidung mußte Budig=Köln nach 150 Meter beigeben und dem ſtändig
drängenden Sietas=Hamburg den Sieg überlaſſen. Budig fiel ſchließlich
noch auf den fünften Platz zurück. Das Rückenſchwimmen ließ ſich
Europameiſter Küppers=Vierſen nicht entgehen. Er ſiegte in 1.12,5 Min.
vor Schumburg=Magdeburg. Im Kunſtſpringen zeigten die Bewerber
beſonders in den Pflicht=Prüfungen recht mäßige Leiſtungen. Plumans=
Köln behauptete ſich ſchließlich vor dem Europameiſter Riebſchläger=
Zeitz. Die 4 mal 200 Meter Freiſtilſtaffel holte ſich Poſeidon=Leipzig
durchweg führend gegen die Magdeburger Hellenen.
Bei den Damen dominierte Reni Erkens=Oberhauſem im 100 Meter
Freiſtilſchwimmen. Mixe=Charlottenburg fügte dem Erfolg vom Vortage
einen neuen in der 3 mal 200 Meter Bruſtſtaffel hinzu.
Die Ergebniſſe des zweiten Tages.
Herren: 20 Meter Freiſtil: 1. Balk=Göppingen 2.27,2 Min.
2. Gebert=Magdeburg 2.9 Min. 3. Schrader=Hildesheim 2.29,1 Min.
4. Derichs=Köln 2.34 Min. 5. LambertzKöln 2.37,2 Min. 6. Schubert=
Breslau 2.39 Min. — 20 Meter Bruſt: 1. Sietas=Hamburg 2.56
Mdin. 2. Schwarz=Göppingen 2.58 Min. 3. Schnilz=Annaberg 3.00,5 Min.
4. Rückevoldt=Hamburg 3.02,8 Min. 5. Budig=Köln 3.03,1 Min. 6. Heinz=
Magdeburg 3.08,2 Min. — 100 Meter Rücken: 1. Ernſt Küppers=
Vierſen 1.12.5 Min. 2. Schumburg=Magdeburg 1.15,2 Min. 3. Schulz=
Nürnberg 1.16 Min. 4. Ohlwein=Eſſen 1.16,8 Min. —
Kunſtſprin=
gen: 1. Plumans=Köln Platzziffer 6 153,04 Punkte. 2. Riebſchläger=
Zeitz Platzziffer 9 150,14 Punkte. 3. Neumann=Spandau Platzziffer 17
137,54 Punkte. 4. Hefter=Osnabrück Platzziffer 26 126,10 Punkte. —
Heinrich, Eckſtein, Schilge) 10.15,4 Min. 2. Hellas=Magdeburg 10.35,5
4 mal 200 Meter Freiſtiel: 1. Poſeidon=Leipzig (Wichmann,
Min. 3. Poſeidon=Berlin 10.44,2 Min. — 4 mal 100 Meter
Frei=
ſtil für Vereine ohne Winterbad: 1. Elbe=Schönebeck 4.56
Min. 2. Neptun=Danzig 5.11,8 Min. 3. S.V. Neuſalz 5,35 Min.
Damen: 3 mal 200 Meter Bruſt: 1. Nixe=Gharlottenburg
10.26 Min. 2. Bille=Hamburg 10.51,6 Min. — 100 Meter Freiſtil:
1. Reni Erkens=Oberhauſen 1.13,9 Min. 2. Wunder=Leipzig 1.19 Min.
3. Palm=Berlin 1.20 Min.
25 Jahre Hellas=Magdeburg.
Der weit über Deutſchlands Grenzen hinaus bekannte deutſche
Meiſterklub Hellas=Magdeburg blickt auf ein 25jähriges Beſtehen zurück.
Am 3. Auguſt vor 25 Jahren wurde „Hellas” aus der Taufe gehoben
und ſeit dieſer Zeit ſind von den Mitgliedern des Klubs rund 3100
Siege, darunter 81 deutſche und ausländiſche Meiſterſchaften erkämpft
worden. Die größten Erfolge waren der Sieg Bieberſteins in der
Welt=
meiſterſchaft im Rückenſchwimmen 1908 in London und die Waſſerball=
Weltmeiſterſchaft in Amſterdam, an der fünf Hellenen beteiligt waren.
Durch ſeine drei größten Schwimmer, Biebenſtein, Brotting und Erich
Rademacher bat „Hellas” Weltruf erlangt.
Dem Mittelſtürmer Franz der Sp.Vgg. Fürth wurde eine Medaille
üiberreicht, die für den fairſten Spieler Nardbayerns beſtimmt wurde
Ferner wurden die Fürther Spieler Neger, Kraus 1 und Kraus 2,
Röſchte, Aner 2, Rupprecht und Frank mit der Ehrennadel des S.F.
und L.V. ausgezeichnet.
Kiſſinger, der frühere Halblinke der Frankfurter Eintracht, iſt nach
Bochum übergeſiedelt und der Germania Bochum beigetreten.
Hunesan.
Sporkverein 98 — Blorisdorfer Athlekikklub.
Wir machen nochmals auf das ſportliche Ereignis des
heu=
tigen Tages, das Spiel zwiſchen dem ſüddeutſchen Pokalmeiſter
und dem fünffachen öſterreichiſchen Meiſter aufmerkſam. Das
Spiel beginnt heute nachmittag um 5 Uhr im Stadion.
Auf die ſportliche Bedeutung haben wir ſchon wiederholt
hingewieſen. Wir nehmen es als ſelbſtverſtändlich an, daß ſich
kein Sportsmann die Gelegenheit entgehen laſſen wird, wieder
einmal Handball, wie er geſpielt werden ſoll, zu ſehen.
Polizeiſportverein Darmſtadt.
Heute Sonntag, den 4. Auguſt, ſpielt die Liga der Polizei gegen
Offenbacher Kickers in Offenbach. Kickers iſt in letzter Zeit ſehr
ſpiel=
ſtark geworden, und die Poliziſten werden ſich anſtrengen müſſen, um
nicht enttäuſcht zu ſein.
Damen. Die Damenabteilung ſpielt in Urberach anläßlich des 20 en Jubiläums gegen Arheilgen.
F. C. Einkracht — Bikkoria Griesheim.
Heute vormittag 10 Uhr ſpielt Eintrachts 1. Handballmannſchaft
gegen die von Sportklub Viktoria Griesheim. Es wird für Griesheim
nicht leicht werden, auf dem neuen Sportplatz des F. C. Eintracht — am
ehemaligen Kavallerie=Exerzierplatz — zu gewinnen. Wir erhoffen ein
ſchönes und für den Handballſport werbendes Spiel.
Rennen zu Hoppegarken.
Geheimerat=Rennen; 3300 Mark, 1800 Meter: 1. M. Sklareks
Cumä (Varga), 2. Tramontana, 3. Sigmar. Ferner liefen: Severus,
Geniſtra, Ordensregel. Tot. 322, Pl. 61, 13:10. 2—1 Lg.
Ermunterungsrennen der Stuten; 3300 Mk., 1200 Meter: 1.
Haupt=
geſtüt Altefelds Vergangenheit (Huguenin), 2. Ute, 3. Doralide. F.:
Advaita, Gaby, Molly, Europa, Friedrike, Königstochter, Riviera und
Maiennacht. Tot. 18, Pl. 15, 26, 24:10. 1½—2 Lg.
Quirl=Rennen; 3900 Mark, 2400 Meter: 1. L. E. Liebrechts
Theo=
krit (Böhlke), 2. Otis, 3. Pergola. Ferner: Fürſtenbrauch, Carobube,
Meton, Faulpelz. Tot. 92, Pl. 20, 26, 14:10. 1½—¾ Lg.
Laubfroſch=Rennen; 2800 Mark, 1600 Meter: 1. Ch. Holländers
Tannenberg II (Zehmiſch), 2. Hulda, 3. Habicht. Ferner: Gerald,
Strug, Schelmerei, Pedrillo, Rheinſonne. Tot. 24, Pl. 11, 16, 14:10.
2—½ Lg.
Hohenlohe=Oehringen=Rennen; 10 400 Mark, 2200 Meter: 1. M.
J. Oppenheimer Atalante (Narr), 2. Melkart, 3. Metrodorus.
Fer=
ner: Fockenbach, Tintoretto, Farn, Jwo. Tot. 29, Pl. 13, 12, 17:10.
1—1½ Lg.
Ermunterungsrennen der Hengſte: 3300 Mark, 1200 Meter: 1. A.
und C. v. Weinbergs Aulos (O. Schmidt), 2. Everone, 3. Mißgriff,
Ferner: Flavius. Tot. 13, Pl. 11, 13:10. 1½—2 Lg.
Leichtfuß=Rennen; 3300 Mark, 1800 Meter: 1. G. Hackebeils Opar
(Grabſch), 2. Remus,ſſ 3. Nutria. Ferner: Smaragd, Hellſeherin,
Le=
don, Canio, Funker, Rotbart, Norge, Morgenrot, Königskind, Hako,
Boruſſia. Tot. 80, Pl. 25, 34, 29:10. Kopf—1 Lg.
Die Radweltmeiſterſchaften 1930 werden vorausſichtlich in Belgien
asugetragen werden.
Die Europameiſterſchaften im Eishockey finden vom 27. Januar
bis 2. Februar 1930 auf der Eisbahn von Chamonix ſtatt.
Hanban.
SV. Darmſtadk 1898 — Rok=Weiß Darmſtadt 5:0 (3:0)
Es war wirklich ein gut gelungenes Abendſpiel, bei dem man
bei=
derſeits gute Leiſtungen zeigte. Ganz beſonders iſt die unbedingt
an=
ſtändige Spielweiſe ſämtlicher Spieler hervorzuheben. Zuerſt iſt Rot=
Weiß leicht überlegen, bis ſich die Stürmer der 98er zuſammengefunden
haben. Gegen Ende der Halbzeit kommen die Platzbeſitzer klar in Front
und ſchießen in kurzer Zeit drei ſchöne Tore durch Eßlinger und Frey.
Die zweite Hälfte iſt zuerſt ausgeglichen, bis wiederum gegen Ende
die 98er das Spiel in die Hand nehmen, gute Tormöglichkeiten
hen=
ausarbeiten und zwei weitere Tore erzielen.
Die VDRV.=Meiſterſchaft im Zweier= und Dreier=Radballſpiel
er=
rang in Köln die Mannſchaft von Leipzig=Weſt.
Der Kölner Paul Krewer konnte bei den Dauerrennen in
Amſter=
dam den zweiten Platz hinter Maronnier belegen. Dritter wurde der
franzöſiſche Meiſter Paillard vor Linart=Belgien und den Holländern
Leddy und Schlebaum.
Mit einer Niederlage, der deutſchen Fahrer Steffes, Engel und
Wette endeten die Radrennen in Kopenhagen um den Großen Preis
von Kopenhagen.
Der Belgier Benoit verwies im Leipziger Abendrennen
Thollem=
beek, Lewanow, Bréau, Hille und Möller im Großen Sommerpreis auf
die Plätze.
Geſchäftliches.
Schlankheit — Elaſtizität — Jugendfriſche, dieſes Streben der bem
tigen Zeit hat ſeine Berechtigung — nicht um der Mode willen — ſon)
dern aus geſundheitlichen Gründen, denn es iſt nicht zu leugnen, daß
ſchlanke Menſchen mehr Lebensfreude empfinden, ſich friſcher und froher
fühlen und bewveglicher und leiſtungsfähiger ſind, als korpulente. Das
ſoll aber kein Anlaß ſein, gefährliche, gifthaltige und ſchädliche Eng.
fettungsmittel anzuwenden, um eine Gewichtsabnahme zu erzwingen
Man kann auch auf bequeme, geſunde Weiſe ſchlank werden, wenn mac
den bekannten Dr. Ernſt Richters Frühſtückskräutertee trinkt, das
an=
genehme, wohlſchmeckende Getränk, das ärztlich erprobt und empfohlen
und überall verbreitet iſt. Ausführliche Broſchüren und Proben erhalten
Sie koſtenlos von der Fabrik „Hermes”, München SW. 7, Güllſtr. 7.
Wir berweiſen unſere Leſer auf die heutige Anzeige des
Knaben=
inſtitutes Lucius, Forſthaus bei Echzell, und teilen gleichzeitig mit,
daß der Schulbeginn am 12. September 1929 iſt.
Wekterberichl.
Infolge der Verlagerung des hohen Druckes nach dem Kontinent
hin iſt heute morgen in Deutſchland allenthalben Aufheiterung
einge=
treten. Jedoch wird das ſchöne Wetter nicht von allzu langer Dauer
ſein, denn vom Atlantik her greift eine neue intenſive Störung an und
hat mit ihrer feuchten Warmluft an der Vorderſeite den ganzen
briti=
ſchen Inſeln ſchon Regen gebracht. Da das Tief ſchnell heranrückt, ſo
dürfte es auch bei uns unter Barometerfall und Zurückdrehen der
Winde nach Süden hin, bald wieder Bewölkung aufkommen laſſen und
geringen Temperaturanſtieg und Regenfälle verurſachen.
Ausſichten für Sonntag, den 4. Auguſt: Wieder aufkommende
Bewöl=
kung, etwas wärmer und ſpäterhin auch Regenfälle.
Ausſichten für Montag, den 5. Auguſt: Meiſt wolkiges und regneriſches
Wetter.
Hauptſchriftleltung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Pollilk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feulſleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſk: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuhle; Drue
und Verlag: L. C. Wlitſch — ſämtlich in Darmſfadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen,
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B.02 Uhr, Niedermendig an 11.10 Uhr,
Miedermendig ab 18.54 Uhr und Mainz
Bbf. an 21.50 Uhr. Fahrpreis ab
Darm=
ſſtadt Hbf. für Hin= und Rückfahrt 8.40
Meichsmark. Näheres iſt aus den
Aus=
hängen auf den Bahnhöfen zu erſehen
wder durch die Fahrkartenausgaben und
Seiſebüros zu erfragen. Siehe auch Ab=
Bandlung im allgemeinen Teil dieſer
Nummer.
(12437
Mainz, den 1. Auguſt 1929.
Reichsbahndirektion Mainz.
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Nummer 214
Eonntag, den 4. Auguſt
BeFleusfte Nachrichten
Die Rheinregulierung zwiſchen Skraß
Burg und Stein.
Der Reichsrat wird ſich in einer ſeiner Sitzungen Ende Auguſt oder
Anfang September mit dem deurſch=ſchweizeriſchen Vertrag über die
Regulierung des Rheines zwiſchen Straßburg, Kehl—Iſtein zu
be=
ſchäftigen haben, der ihm in Form eines Geſetzentwurfes vom
Auswär=
tigen Amt zugeleitet worden iſt. Der Vertrag ſelbſt ſtammt vom 28. 3.
1929. Im Geſetzentwurf wird die Reichsregierung ermächtigt, die mit
der Ausführung der Regulierung und insbeſondere der techniſchen und
adminiſtrativen Mithilfe Frankreichs im Zuſammenhang ſtehenden
Fra=
gen zu regeln und bei der Einfuhr von Bauſtoffen, die bei der
Durchführung der Regulierung benötigt werden, Abgabenfreiheit zu
ge=
währen. Nach dem Vertrag werden die Baukoſten auf 50 Millionen
Reichsmark veranſchlagt. Deutſchland übernimmt 40 und die Schweiz
60 vom Hundert. Die Bauzeit ſoll etwa 11 Jahre betragen. Ueber
die Höhe der Jahresraten für den Bau iſt ein Verteilungsſchlüſſel von
40 zu 60 vereinbart worden. Deutſchland übernimmt die Koſten für die
Unterhaltung der regulierten Strecke auf ſeinem Staatsgebiet. Weiter
ſind ſich beide Regierungen darüber einig geworden, daß im
Zuſammen=
hang mit der Regulierung des Rheins von Straßburg bis Iſtein die
Ausfühwing des Großſchiffahrtsweges von Baden bis zum Bodenſee zu
erſtreben iſt. Sie kommen überein, daß, ſobald die wirtſchaftlichen
Ver=
hältniſſe die Ausführung des Unternehmens möglich erſcheinen laſſen,
der ſchweizeriſche Bundesrat mit der badiſchen Regierung einen
Ver=
trag gbſchließen wird, durch den insbeſondere eine angemeſſene
Koſten=
beteiligung der Schweiz, die Friſten der Ausführung des Unternehmens
und ſeine teehniſche und adminiſtrative Förderung feſtgeſetzt werden. Der
Schweizer Bundesrat hat zugeſagt, die Verhandlungen über die
Er=
teilung neuer Konzeſſionen für Kraftwerke zwiſchen Baden und dem
Bodenſee nach den bisherigen Grundſätzen gemeinſam mit der badiſchen
Regierung zu führen und zu beſchleunigen. Im Intereſſe der
Groß=
ſchiffahrt ſollen die bisher üblich gewordenen Auflagen auch bei
Ertei=
lung neuer Konzeſſionen im Einvernehmen mit der badiſchen Regierung
erlaſſen werden. Schließlich iſt die Ausführung der Kraftwerke zu
er=
leichtern, insbeſondere auch die Bewilligung der Ausfuhr für
ſchweize=
riſche Kraftanteile, die außerhalb der Schweiz eine günſtigere
Verwen=
dung finden können.
Dem Geſetzentwurf iſt ein hiſtoriſcher Ueberblick über die Entwicklung
der Oberrheinfrage beigegeben, es werden die Verhältniſſe vor dem
Kriege geſchildert, dann die Veränderungen, die durch den Verſailler
Vertrag eingetreten ſind, wonach Frankreich unter gewiſſen Bedingungen
das Recht erhalten hat, Waſſer dem Rhein zur Speiſung von
Schiff=
fahrts= und Bewäſſerungskanälen zu entnehmen. Auf Grund dieſes
Rechtes legte die franzöſiſche Regierung im Jahre 1921 zunächſt den
Entwurf eines erſten Teiles für einen Kraft= und Schiffahrtskanal von
Baſel bis Straßburg auf elſäſſiſchem Gebiet, das ſogenannte Kembſer
Teilſtück der Zentralkommiſſion für die Rheinſchiffahrt zur Genehmigung
vor. Zur gleichen Zeit brachte auch die Schweiz für die Strecke Baſel—
Straßburg den Entwurf einer Regulierung des Rheins bei der
Kom=
miſſion in Vorlage. Die Kommiſſion hat am 10. Mai 1922 aneraknnt,
daß der franzöſiſche Plan unter gewiſſen Vorausſetzungen dem
Ver=
ſailler Bertrag entſpricht, ſie hat gleichzeitig ihre grundſätzliche
Zuſtim=
mung zu der von der Schweiz beantragten Regulierung gegeben. Auf
Erſuchen der Schweiz und mit Zuſtimmung des Reichsverkehrsminiſters
hat die badiſche Waſſer= und Straßenbaudirektion in den nächſten Jahren
ausführliche Entwürfe für die Rheinregukierung oberhalb Straßburgs
aufgeſtellt, die den Beweis erbrachten, daß auch auf dieſer Strecke eine
Großſchiffahrtsſtraße bis zum Kembſer Berg hinau, durch den Ausbau
des Stromes mit den techniſch verhältnismäßig einfachen Mitteln einer
Regulierung zur erreichen iſt. 1924 legte Frankreich einen neuen
Ent=
wurf über den Seitenkanal Baſel—Straßenburg vor, zu gleicher Zeit
brachte die Schweiz die Ausführungsentwürfe für die Regulierung in
Vorlage. Die Zentralkommiſſion erteilte beiden Entwürfen ihre
Zu=
ſtimmung. Es wurde aber berlangt, daß Deutſchland und die Schweiz
ſich bei der Rheinreguljerung durch ein Abkommen verpflichten: a) die
nötigen Maßnahmen zu egreifen, damit die Schiffahrt während der
Ausführung der Regulierungsarbeiten durch dieſe keine nennenswerte
Behinderung erfährt, und b) auf eigene Koſten alle ſchädlichen Folgen,
die für den bereits regulierten Teil der Waſſerſtraße unterhalb
Straß=
burgs durch die Ausführung und das Beſtehen der Regulierungsarbeiten
vberhalb Straßburgs enrſtehen könnten, zu beheben. Da die
Regu=
lierung Flußarbeiten auf beiden Ufern des Stromes erfordert, war auch
die Mitwirkung Frankreichs notwendig. Frankreich erklärte ſich bereit,
ſich zur Verfüigung zu ſtellen. Bei der Abſtimmung über den Beſchluß
hatte ſich die deutſche Delegation der Stimme enthalten, da ſich dieſer
Beſchluß nicht nur auf die Regulierung, ſondern auch auf den
Seiten=
kanal bezog. Nachdem die Zentralkommiſſion ihre Zuſtimmung gegeben
hatte, fanden im März 1927 die erſten Beſprechungen zwiſchen deutſchen
und ſchweizeriſchen Delegierten ſtatt, um zu einem Vertrag über die
Ausführung der Regulierungen zu gelangen und um die Grundlage
für die ſpäteren Verhandlungen mit Frankreich über deſſen ſpätere
techniſche und behördliche Mithilfe bei Durchführung der
Regulierungs=
arbeiten vorzubereiten. 1928 wurden die Beratungen fortgeſetzt und im
Frühjahr 1929 zum Abſchluß gebracht. Deutſchland und die Schweiz
haben ſich bei Abſchluß des Vertrages über die Vorſchläge verſtändigt,
welche die Grundlagen, für die bevorſtehenden Verhandlungen mit
Frankreich bilden ſollen, insbeſondere bezüglich des Bauprogramms, der
Bauleitung, des Umfanges der Bauarbeiten, ſowbie der mit der
tech=
niſchen und 8dminiſtratiben Organiſation zuſammenhängenden Fragen.
Auf Grund des vereinbarten Vorſchläge ſind nunmehr Verhandlungen
mit Frankreich in die Wege zu leiten.
Ueber den Inhalt des Vertrages wird noch im Einzelnen geſagt,
daß wegen des Ausbaues der Strecke Baſel—Bodenſee friſtmäßige
Bin=
dungen nicht eingegangen werden konnten, weil die Schaffung der
Schiffahrtsaknlagen weſentlich von der Herſtellung und Finanzierung
der Waſſerkraftanlagen abhängt und deren Ausbau wieder von den
wirtſchaftlichen Fragen des Energiebedarfs und der Energieverſorgung
abhängig iſt. Intereffant iſt noch, was zur Beurteilung und
Begrün=
dung des Vertragswerkes geſagt wird. Nachdem die Schwei= bei ihren
Schiffahrtsbeſtrebungen unterhalb Baſels für den freien Rhein und
deſſen Ausbau durch die Regulierung eintrat und jeden Vorſchlag einer
Verbauung des Fluſſes durch eine Kanaliſierung als ihren Intereſſen
zuwiderlaufend betrachtete, nachdem weiterhin durch die von der
badi=
ſchen Waſſer= und Straßenbaudirektion aufgeſtellten Entwürfe die
Mög=
lichkeit erwieſen war, den Rhein zwiſchen Straßburg und Baſel durch
Regulierung im Gegenſatz zu den günſtigenfalls Jahrzehnte
be=
anſpruchenden Bau eines Seitenkanals ſchon in wenigen Jahren in
eine leiſtungsfähige Großſchiffahrtsſtraße zu verwandeln, konnte
Deutſch=
land den ſchweizeriſchen Plänen der Regulierung unrer der
Voraus=
ſetzung gewiſſer Garantien für die Ausnutzung der Waſſerkräfte
ober=
halb Baſels und die Fortſetzung der Schiffahrtsſtraße bis zum
Boden=
ſee ſeine Zuſtimmung nicht verſagen und unterſtützte die Schweiz in
den entſcheidenden Verhandlungen der Zentralkommiſſion. Eine
Mil=
derung der Wirkungen des Verſailler Vertrages — Artikel 358 — konnte
nur durch ein aktives Zuſammengehen mit der Schweiz in der
Regulie=
rungsfrage erreicht werden. Da Frankreich feſt entſchloſſen war und iſt,
den linksrheiniſchen Seitenkanal zu bauen und Waſſer aus dem Rhein
abzuleiten, mußte Deutſchlands Streben darauf gerichtet ſein, ſich die
notwendigen Waſſerkräfte oberhalb Baſels zu ſichern. Die deutſche
Dele=
gation konnte ſich bei ihrer Unterſtützung des Regulierungsplanes auf
die Stellungnahme der an der Rheinſchiffahrt vornehmlich intereſſierten
Kreiſe ſtützen, die in dringenden Erſuchen die Forderung ſtellten, für
die Rheinregulierung einzutreten und den Seitenkanal abzulehnen.
Weiterhin waren neben der Unmöglichkeit, das rechte deutſche
Rhein=
ufer für Umſchlagszwecke nutzbar zu machen, maßgebend für die
Ab=
lehnung des Rhein=Seitenkanals die Gefahren, die den Kulturen der
Rheinebene durch die Ableitung eines großen Teiles des Rheinwaſſers
aus feinem natürlichen Bett in einen Seitenkanal entſtehen können. (Es
wir darauf hingewieſen, daß die Fruchtbarkeit des Bodens der
Rhein=
ebene vom Feuchtigkeitsgehalt des Untergrundes abhängig iſt und daß
das Wachstum der Kulturen einen hohen Grundwaſſerſtand erfordert,
der ſich ſtark ſenkt, wenn das Waſſer durch den Seitenkanal abgelenkt
wird. Man rechnet damit, daß ſchon innerhalb von fünf bis ſechs Jahren
eine weſentliche Verbeſſerung der jetzigen Schiffahrtsverhältniſſe durch
die Regulierung erreicht ſein wird. Der Schweiz gegenüber war von
deutſcher Seite ſtets die Auffaſſung vertreten, daß die Rheinſtrecke
ober=
halb Straßburgs bis zum Bodenſee als ein unteilbares Ganzes zu
be=
trachten ſei, deren Schiffbarmachung, wenn auch in einzelnen
Abſchnit=
zen, das oberſte Ziel der gemeinſamen Beſtrebungen ſein müßte. Die
Feſtlegung dieſes Ziels und deſſen Anerkennung durch die Schweiz war
ſomit die Vorausſetzung für eine finanzielle Beteiligung Deutſchlands
an den Regulierungsarbeiten auf der Strecke Straßburg—Bcſel.
Deutſchland hat zwar ſchon heute ein geſiſſes Intereſſe am
Zuſtande=
kommen eines brauchbaren Schiffahrtsweges zwiſchen den deutſchen und
ſchweizeriſch=italieniſchen Wirtſchaftsgebieten über Baſel. Es muß aber
auch die Gewähr haben, daß künftighin die Schiffahrtsſtraße nicht in
Baſel endet, ſondern auch die deutſchen Häfen am Bodenſee erreichen
wird. Erſt dadurch wird die Strecke Straßburg-Baſel für
Deutſch=
lend verkehrspolitiſch und verkehrswirtfchaftlich größeren Wert
erlan=
gen, der über das Maß des der Rheinſchiffahrt von jeder Verbeſſerung
der Waſſerſtraße erwachſenden allgemeinen Vorteile hinausgeht.
Die Bedeutung des Vertragswerks ober die Rheinregulierung läßt
ſich dahin zuſammenfaſſen: „Die Abmachungen der Schweiz und
Deutſchlands ſollen die Regulierung des Rheins zwiſchen Straßburg
und Baſel ſicherſtellen, um die ſchwere Schädigung, die durch den
Rhein=
ſeitenkagal herbeigeführt wird, wenn nicht zu beſeitigen, ſo doch zu
mildern, Baden als Rheinuferſtaat und den Rhein ſeibſt auf dieſer
Strecke als Schiffahrtsſtraße zu erhalten, zugleich aber Sicherheit dafür
zu ſchaffen, daß die Schiffahrtsſtraße des Rheins bergwärts ausgedehnt
wird bis zum Bodenſee und auf der Strecke Baſel-Bodenſee die an
anderer Stelle verlorene Kraft wiedergewonnen wird.”
Dem Geſetzentwurf liegen folgende Anlagen bei: Vereinbarung
zwiſchen der deutſchen, franzöſiſchen und ſchweizeriſchen Delegation vom
10. Mai 1922, Protokoll der am 10. Mai 1922 abgehaltenen
Zuſammen=
kunft dieſer drei Delegationen, Beſchluß der Zentralkommiſſion für die
Rheinſchiffahrt vom 10. Mai 1922, Beſchluß der Zentralkommiſſion
vom 10. Dezember 1921, Zuſatzbeſchluß der Zentralkommiſſion vom 10.
Mai 1922, dann eine Denkſchrift über die Entſtehungsgeſchichte des
Ver=
trages und des Beſchluſſes vom 10. Ma: 1922, ſowie der Wortlaut des
Artikels 358 des Verſailler Vertrages, und ſchließlich noch der Beſchluß
der Zentralkommiſſion für die Rheinſchiffahrt vom 29. Mai 1925 über
den Ausbau des Rheins zwiſchen Baſel und Straßburg.
Wirkſchaftliche Rundſchar.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 31. Juli 1929. Die auf
den Stichtag des 31. Juli berechnete Großhandelsindexziffer des
Stati=
ſtiſchen Reichsamtes hat ſich mit 138,4 gegenüber der Vorwoche (137,6)
um 5,6 v. H. erhöht. Von den Hauptgruppen iſt die Indexziffer für
Agrarſtoffe um 1,7 v. H. auf 133,7 (131,5) geſtiegen. Die Indexziffern
für Kolonialwaren (129,1) und für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren
(131,5) ſind unverändert geblieben, während die Indexziffer für
indu=
ſtrielle Fertigwaren um 0,1 v. H. auf 157,5 (157,3) leicht angezogen hat.
Die Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen
Berechnun=
gen wurden in der Zeit vom 21. bis 27. Jul: 1929 im Nuhrgebiet in
ſechs Arbeitstagen 2 429 610 To. Kohle gefördert gegen 2397 967 To.
in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
Kokserzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche (in den
Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 638224 Tonnen gegen
636 424 To. in der vorheugehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung
auf 72883 To. gegen 74 148 To. in ſechs Arbeitstagen. Die
arbeitstäg=
liche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 21. bis 27. Juli 404 935
To. gegen 399 661 To. in der vorhergehenden Woche. Die tägliche
Koks=
erzeugung ſtellte ſich auf 91175 To. (90 918 To.), die arbeitstägliche
Preßkohlenherſtellung auf 12147 To. (12358 To.).
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren. Bad=Nauheim: Kfm. Julius Fromen. Af.
10. 8., GlV. und Prft. 14. 8. Gießen: Albert Schindler, Inhaber eines
Zimmergeſchäfts und Sägewerks in Steinbach. Af. 7. 8., GlV. und
Prft. 14. 8. — Beendete Konkurſe. Altenſtadt: Landwirt K.
Maximilian May in Staden. Vilbel: Gutspächter Georg Dietz 2. und
Ehefrau Katharina Anna geb. Wentzell aus Nieder=Erlenbach. — Neue
Vergleichsverfahren. Bingen: Fa. J. P. Roll, Geſellſchafter:
Adolf und Fritz Roll. VerglT. 22. 8. Darmſtadt: Fa. Otto Nietſchmann
Nachf., e.G.m.b.H. VerglT. 20. 8. Kfm. Heinrich Kahn, Inhaber der
Firma Spezialhaus für Betten und Bettwaren. VerglT. 16. 8.
Offen=
bach: Deutſcher Heimſtättenbildungsverein c. G.m.b. G. VerglT. 28. 8.
Die Heſſiſche gemeinnützige Aktiengeſellſchaft für kleine
Woh=
nungen, Darmſtadt, legt für das erſte Jahr der Tätigkeit ihren
Geſchäftsbericht vor. Die Gründung der Geſellſchaft erfolgte im
September 1927, wobei das geſamte Aktienkapital von 150 000
RM. von den Gründern (öffentliche und gemeinnützige
Körper=
ſchaften, Wohnungsfürſorge=Geſellſchaft, Handwerk. Induſtrie und
Banken) übernommen wurde. (Die Generalverſammlung hat
in=
zwiſchen eine Erhöhung des Aktienkapitals bis zu 2 Millionen
RM. beſchloſſen.) Da die Zuſagen für die verbilligten
Bau=
darlehen für das Jahr 1928 ſehr lange auf ſich warten ließen,
konnte mit der Bautätigkeit erſt in der zweiten Hälfte des Jahres
begonnen werden. Es wurden in fünf Städten Heſſens größere
Bauvorhaben in Angriff genommen, ſo in Darmſtadt 32
Woh=
nungen, in Gießen 45 Wohnungen= in Worms 20 Wohnungen, in
Neu=Iſenburg 36 Wohnungen und in Ober=Ramſtadt 18
Wohnun=
gen. Bis zur Baureife geklärt wurden außer den oben
angeführ=
ten: in Mainz 30, in Vilbel 9 und in Gernsheim 6 Wohnungen.
Nachdem es im Jahre 1928 gelungen iſt, ein Bauprogramm von
rund 200 Wohnungen zuſtande zu bringen, glaubt die Geſellſchaft
im laufenden Jahr ein etwa doppelt ſo großes Programm
durch=
führen zu können. Die techniſche Ausführung der Neubauten, die
ebenſo wie die finanzielle Betreuung in den Händen der
Woh=
nungsfürſorge=Geſellſchaft für Heſſen liegt, iſt in Zuſammenarbeit
mit örtlichen Architekten und Handwerk nach neuzeitlichen
Ge=
ſichtspunkten durchgeführt. Die Grundſtücke, auf denen die
Neu=
bauten errichtet werden, wurden durchweg von der Geſellſchaft
käuflich erworben. Die Durchſchnittsmieten betragen auf dem
Lande für Zweizimmerwohnungen ca. 45 RM., für
Dreizimmer=
wohnungen ca. 65 RM.: in den Städten ſchwanken die Mietſätze
zwiſchen 65 RM. und 95 RM. Die „Hegemag” glaubt zu Recht
feſtſtellen zu können, daß der Zweck ihrer Gründung erreicht iſt:
Zuſammenfaſſung aller in Betracht kommenden produktiven Kräfte
zwecks Schaffung geſunder Kleinwohnungen auf möglichſt
wirt=
ſchaftlicher Grundlage mit dem Ziele, auch ihrerſeits an der
Ueber=
windung der Wohnungsnot mitzuhelfen
Fortbeſtand der Getreide=Einkaufs=A. G., Mainz. Der in
Ver=
bindung mit dem Zuſammenbruch der Getreide=Kreditbank=A. G.
Mainz Getreide=Einkaufs=A. G., Mainz, entſtandene Verluſt
iſt durch freiwillige Nachſchüſſe einiger Aktionäre inſoweit
ausge=
glichen, daß die Zahlungsfähigkeit und der Fortbeſtand der Firma
Getreide=Einkaufs=A. G., Mainz, gewährleiſtet iſt.
Viehmärkke.
Auf dem Schweinemarkte in Weinheim a. d. B. am Samstag, den
3. Auguſt, waren 443 Schweine zugeführi. Verkauft wurden 375 Stlick,
und zwar Milchſchweine von 19 bis 22 Mark, Läufer von 45 bis 78 Mk.
das Stüick.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Im allgemeinen iſt das Geſchäft in der Iſerlohner Induſtrie im
Monat Juli weiter zurückgegangen. In der Eiſeninduſtrie war die
Lage uneinheitlich. Die Gießereien waren noch befriedigend beſchäftigt.
In der Maſchinenfabrikation trat infolge der Preiserhöhung des
Gie=
ßereiverbandes eine kleine Stockung ein. Die Kaltwalzwerke klagen
über geringen Auftragseingang und ſehr gedrückte Preiſe. Die
Draht=
ziehereien mußten zu Arbeitsſtreckungen übergehen. Schlechter war die
Lage in der metallverarbeitenden Induſtrie.
Wie wir hören, hat die Vereinigung Deutſcher Eiſenofenfabrikanten,
der zirka 40 führende Firmen angehören, beſchlo’ſen, mit ſofortiger
Wir=
kung die Verkaufspreiſe für eiſerne Zimmeröfen um 3 Prozent zu
er=
höhen.
Der Beſtand der Spareinlagen in den öffentlichen Sparkaſſen
Preu=
ßens betrug Ende Juni 1929: 5017,1 Millionen RM.; die
Einzahlun=
gen betrugen 346,6 Mill. RM., die Auszahlungen 299 Mill. RM., der
Zuwachs im Juni demnach 47,6 Mill. RM. Der Stand der Giro= uſw.
Einlagen betrug Ende Juni 857,7 Mill. RM., d. h. 51,9 Mill. RM.
weiger als am Ende des Vormonats.
Das internationale Röhrenkartell hat ein Abkommen mit den
eng=
liſchen Erzeugern getroffen, auf Grung deſſen in Kürze
Verhandlun=
gen über den Beitritt Englands zum Kartell geführt werden ſollen. Zur
Zeit gehören dem Kartell Deutſchland, Frankreich, Belgien, die
Tſchecho=
ſlowakei, Polen, Ungarn und Oeſterreich an.
Die Stadt Stockholm hat am Freitag einen internationalen
Wett=
bewerb für Konſtrukrionsvo=ſchläge zum Bau einer großen Brüe
zwiſchen Norder= und Süderſtadt ausgeſchrieben. Bauvorſchläge müſſen
bis zum 1. Februar 1930 eingereicht werden. Für Preiſe und Ankauf
von Entwürfen ſind 50 000 Kr. zur Verfügung geſtellt worden.
Hoit jasbealſchen Probärienindern
Mannheim, 2. Auguſt.
Die Ernteausſichten in Kanada und den Vereinigten Staaten
Nord=
amerikas haben ſich empfindlich verſchlechtert und die überſeeiſchen
Getreidebörſen verkehrten infolgedeſſen vorwiegend in feſter Haltung,
bei anziehenden Preiſen. Trotz dieſer u la Hauſſe lautenden Meldungen
blieb der Verkehr am hieſigen Platze klein, zumal die hieſigen Mühlen
infolge des ſchlechten Mehlgeſchäfts und Mehlabrufs ſich veranlaßt ſahen,
ihre Betriebe zum Teil ſtillzulegen. Deutſcher Weizen neuer Ernte
wird per Auguſt—September=Abladung aus den verſchiedenſten
Gegen=
den zu 28.50 RM. franko Mannheim offeriert, doch will man einen
Preis von über 28.00—28.10 RM. nicht bewilligen. Bis jetzt hat ſich noch
kein reguläres Geſchäft entwickeln können: ,Hierländiſcher Weizen iſt zu
28.25—28.50 RM. und Auslandsweizen zu 29.75—34.00 MM.
waggon=
frei Mannheim angeboten. Roggen hatte a hieſigen Platz ebewfalls
rwhigen Markt. Für hierländiſchen Roggen verlangte man am geſtrigen
Börſentage 22.75—23.00 und für Auslandsroggen 26.50 MMM. frei
Wag=
gon Mannheim. Auch Hafer verkehrte in ruhiger Haltung.
Inlands=
hafer nannte man zuletzt mit 23.00—24.00, Auslandshafer mit 22.75
bis 24.00 MM. waggonfrei Mannheim. Der Gerſtemmarkt liegt in
Brau=
ware noch vollkommen darnieder. Nach den bis jetzt gezeigten Muſtern
iſt die qualitatwe Beſchaffenheit der neuen Gerſte geringer als im
vorigen Jahre, und man trifft viele Ware an, die mir Notreifkörnern
zurchſetzt iſt. Eine Preisbaſis hat ſich noch nicht gebildet. Futtergerſte
iſt zu 20.50—22.00 RM. angebboten. Mais liegt weiter ruhig. In
Mann=
heim greifbarer La=Plata=Mais ſtellt ſich auf 22.50 (M. je 100 Kilogr.,
einſchließlich Säcken, waggonfrei Mannheim. Der Mehlmarkt liegt, wie
bereits eingangs geſagt, ſehr ruhig. Der Großmühlenpreis für
ſüd=
deutſches Weizenmehl, Spezial Null, wurde auf 42.25 MM., frei Waggon
Mühle erhöhr, doch ſind hierzu keine Käufer zu finden, zumal ſſeitens
der zweiten Hand wefentlich billigere Angebote herauskommen.
Süd=
deutſches Roggenmehl wird ſeitens der Mühlen, je nach Ausmahlung
und Fabrikat zu 32.00—34.00 RM. offeriert. Raps aus neuer Ernte war
zu 39.00—40.00 RM. franko Mannheim erhältlich. Futtermittel lagen
bei kleinerer Nachfrage ruhig. Feine Weizenkleie ſtellte ſich auf 11, grobe
zuf 12, Biertreber auf 18.00—19.25, Trockenſchnitzel auf 13 und
Soha=
ſchrot auf 21.25 RMM. waggonfrei Mannheim.
Hopfen. Der Verkehr am Nürnberger Hauptmarkte war auch in
dieſer Woche klein. Zufuhren und Umſätze hielten ſich in engen Grenzen.
Für wittleren und Ia Württemberger Hopfen wurden zuletzt 90—105
und für mittleren Gallertauer Hopfen 90—95 RM. per Zentner bezahlt.
Die Berichte über die Entwicklung der Hopfenpflanzen lauten günſtig,
und in der Tettnanger Gegend hofft man, in euva 14 Tagen mit
der Pflücka des Frühhopfens beginnen zu können.
Tabak. Bei unveränderten Preiſen iſt die Marktlage als gur
be=
haupter zu bezeichnen. — Die Berichte über die kommende Tabakernte
lauten wunmehr, nachdem kühleres und regneriſches Wetter eingeſetzt hat,
günſtig.
— Mainzer Produktenbörſe e. V. Großhandelseinſtandspreiſe per
100 Kilo loko Mainz am Freitag den 2. Auguſt 1929: Roggen
21,75—22,25, Hafer 22,50—23, Südd. Weizenmehl Sps. 0 39,40,
Müh=
lenforderung 42,65, Roggenmehl 0 1 32,50, Weizenkleie ſein 11,50,
Weizenkleie grob 12,50, Roggenkleie 13,50—14,50, Weizenfuttermehl 13,
Plata=Mais 23. Malzkeime mit Sack 18—18,50, Biertreber 18,50—19,
Erdnußkuchen B,75—33,25, Kokoskuchen 2—26, Palmkuchen 20—21,
Napskuchen 20—2,25, Kleeheu loſe 10,50—11,50, Kleeheu geb. 11—12,
Wieſenheu 10—10,50, Maſchinenſtvoh 5,25, Drahtpreßſtroh 5,50, weiße
Bohnen 44. Tendenz: zurückhaltend.
Frankfurter Eierpreiſe vom 3. Auguſt. Am Frankfurter Eiermarkt
wvaren die Preiſe bei lebhafterem Geſchäft anziehend. Die Preiſe
ver=
ſtehen ſich unverzollt ab Station bzw. Grenzſtation und in Pfennigen
und per Stück. Bulgariſche 10—10,25, holländiſche 11,25—13,25,
jugo=
ſlawviſche 10—10,25, polniſche 8,75—9,25, ruſſiſche 10—11, däniſche 11,50
bis 13,50, belgiſche 11,50—12, franzöſiſche 10,50—11,50, ſchleſiſche 11 bis
11,50, baheriſche 10,75—11, norddeutſche 11—12, rumäniſche 10—10,3.
Berliner Produktenbericht vom 3. Auguſt. Die
Produkten=
börſe bot am Wochenſchluß das gewohnte ruhige Bild, zumal aus
Liverpool Anregungen fehlten. Der Rückgang der Weizenpreiſe
an den überſeeiſchen Terminmärkten vermochte bisher ſich nicht
auszuwirken. Am Lieferungsmarkt ſetzte Winterweizen wenig
verändert ein. Die Oktoberſicht ſtellte ſich 1½ ℳ niedriger.
Rog=
gen war in ſofortiger Ware ſtärker gedrückt und hatte
Preis=
einbußen von 2½ bzw. 3½ ℳ zu verzeichnen. Das
Inlandsange=
bot von Weizen neuer Ernte war ausreichend. Infolge zu hoher
Forderungen der Provinz entwickelte ſich nur ſehr ſchwer Geſchäft.
Die Gebote lauteten etwa 2 ℳ niedriger. Inlandsroggen zur
Waggon= und Grenzverladung ſtand reichlicher als in den letzten
Tagen zur Verfügung. Die Gebote waren um 3 ℳ ermäßigt. Für
Septemberlieferung an der Küſte zeigten ſich die Abgeber wenig
zu Preiskonzeſſionen bereit. Auslandsweizen wurde auf Baſis der
ermäßigten Cifofferten kaum umgeſetzt. Mehl lag bei wenig
ver=
änderten Preiſen ruhig. Auch in Hafer und Gerſte kam es kaum
zu Umſätzen.
Amerikaniſche Kabelngchrichten.
* New York, 3. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Am Baumſvollmarkt war die Stimmung heute ruhig,
doch zogen die Preiſe in allen Sichten an, da aus dem Südweſten hohe
Temperaturen gemeldet wurden und der Handel Kaufintereſſe bekundete.
Es erfolgten auch einige Wochenenddeckungen. Vorherſage von
Regen=
ſchauern und küihlerer Witterung für Weſttexas brachte zeitweiſe eine
Verſtimmung in den Markt und die Preiſe ſchwächten ſich verübergehend
ab, da New Orlegnſer Häuſer zu Abgaben ſchritten und ſich
Linui=
dationen einſtellten. Da aber das Angebot in mäßigen Grenzen blieb,
konnte ſich der Markt zum Schluß neuerlich befeſtigen.
* Chieago, 3. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Fett: Im Einklang mit den Getreidemärkten verkehrte auch der
Fettwarenmarkt in ſchwaiher Haltung.
Weizen: In Weizen erfelgten heute weitere ſpekulative Abgaben,
die das Preisniveau ſo weit ermäßigten, daß in ſtärkerem Ausmaße
Stoploßorders zur Ausführung gelangten. Die Zufuhren der letzten
Woche erreichten insgeſamt einen Umfang von 7 105 000 Buſhels
gegen=
über 2 825 000 Buſhels in der Vorwoche. Der Rückgang der Maispreiſe
übte auch am Weizenmarkte ungünſtigen Einfluß aus. Bei weichenden
Preiſen wurden zwar einige Käufe der Kommiſſionsfirmen ausgeführt,
die jedoch keine befeſtigende Wirkung auf den Markt auszuüben
ver=
mochten.
Mais: Für Mois beſtand heute wiederum ſtärkere Ausgabeneigung
im Zuſammenhang mit Meldungen über wohltuende Niederſchläge im
ganzen Anbaugebiek.
Roggen: Der Roggenmarkt verkehrte auch heute wieder in ſchwacher
Haltung. Die geringere Exportnachfrage und ebenſo die ſchwächere
Ver=
anlagung der Lokomärkte waren in der Hauptſache für das ſtärkere
An=
gebot maßgebend. Von verſtimmendem Einfluß waren ferner die
Wet=
tervorausſage und die niedrigeren Notierungen der nordweſtlichen
Märkte. Im Einklang mit den anderen Märkten trat gegen Schluß
eine Erholung ein.
Hafer: Am Hafermarkte übten Liquidationen der
Kommiſſions=
häuſer per Seprember und Dezember einen Druck auf das Preisniveau
aus. Die Ankündigung von Regenſchauern und die im Novdweſten
herrſchenden niedrigeren Temperaturen, ebenſo auch die Schwäche der
Lokomärkte löſten weitere Preisrückgänge aus. Einige Deckungskäufe
führten zum Schluß eine leichte Erholung herbei.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 3. Auguſt:
Getreide: Weizen, Sept. 141½, Dez. 14938, März 155, Mai
156½; Mais, Sept. 101, Dez. 98, März 100½: Hafer, Sept. 498,
März 57: Roggen, Sept. 111½, Dez. 117½, März 122.
Schmalz: Sept. 12,05, Okt. 12,20, Dez. 12,30; Speck, loco 13,25.
Leichte Schweine 11,25, ſchwere Schweine 10.40—11,30;
Schweinezufuhren Chicago 5000, im Weſten 30000.
Chicago Baumwolle: Oktober 18,90, Dezember 19,09—19,10.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 8. Auguſt:
Getreide: Weizen, Rotwinter 148½, Hartwinter 149½: Mais
ieu ang. Ernte 113; Mehl ſpr. wheat clears 6,70—7,30; Getr.
Fracht nach England 1,6—2 sh, nach dem Kontinent 8—9 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,70; Talg, extrg loſe 734.
Kakav: Geſchloſſen.
Nummer 214
Moter ann Linkn.
Roman von Bruno Winkler.
Copyright: Greiner u. Co., Berlin, Luiſenſtr. 19.
Nachdruck verboten
Das Bild eines Maisfeldes ſtieg vor ihm auf, eines
zer=
rampelten Platzes, eines Mannes vor ihm am Boden, den Dolch
n der Bruſt. Das war ehrlicher Zweikampf geweſen, um eines
Weibes willen. Er war geflohen. Nach den Nordſtaaten und
Hann nach Europa. Jetzt würde er abermals eines Weibes
rvegen".
Die Schläge der Uhr hallten durch die Nacht. Er zählte. Mit
Hellem Klang fiel die Glocke der Fabrikuhr ein. Wie zwei Stim=
Enen, die ſich einander antworten, tönte es durch die Stille.
Der Wachtmann vor der Halle wurde mit einem Mal
un=
ruhig. Fühlte er den Menſchen wenige Meter von ſich? Empfand
er die Gefahr? Er machte einige Schritte gegen den verborgen
am Dunkel Lehnenden.
Der Amerikaner bebte und zählte. Jenny ſtand vor ſeinen
Sugen und lächelte ihn höhniſch an. Die tiefere Glocke tat wie
wrohend den zehnten Schlag. Etwas Furchtbares ſchwebte zwi=
Ichen den beiden Männern, die ſich nicht ſahen.
Jetzt glitt der Schatten des Poſtens in den Geſichtskreis des
Dauernden.
Ein Stöhnen war in der ſekundenlangen Stille zwiſchen den
„Glockenſchlägen.
Der Wachtmann ſtutzte und zog die Waffe.
Da ſprang Juan vor.
Es geſchah alles wie von ſelbſt. Juan Colomba war der
„Schnellere.
Ehe der Poſten auf den Andringenden einen Schuß abgeben
Xonnte, ſank er, vom Stahl getroffen, nieder. —
Die Tür der Halle, in der ſich die Rennwagen befanden, war
ſchnell geöffnet. Colomba ſchlüpfte hindurch und verſchloß ſie
ſorgfältig hinter ſich.
Nach einiger Zeit erſchien er wieder. Er ging, wie er ge=
Fommen war. —
Man fand den Ermordeten um ein Uhr, als die Wachen ſich
rablöſten. Teves, der in der Fabrik ſeine Wohnung hatte und
ge=
ade von der Geſellſchaft bei Stamers heimgekommen war,
be=
machrichtigte die Polizei und ließ die Wagen unterſuchen. Es
wurde nichts Verdächtiges entdeckt. Der Ingenieur war nicht
überzeugt und überprüfte alle Teile der drei Rennwagen ſelbſt
noch einmal. Aber auch er konnte nichts finden.
Sonntag, den 4. Auguſt 1929
Die Sportbehörde hatte für das Training den folgenden Tag
beſtimmt. Auf den nächſten war dann das Rennen ſelbſt
feſtge=
ſetzt. Das Stamerſche Werk ſtellte drei Wagen: einen ſollte
Ed=
win ſteuern, den zweiten Thea Ritterholm, den dritten der
Renn=
fahrer Klein. Am Abend wurden die Wagen nach der Avus
ge=
bracht.
Teves wachte die Nacht im Schuppen, in einem der Renner
ſitzend. Er befürchtete ein drittes Attentat.
Da man an den Wagen keine Spur eines Eingriffs und
auch ſonſt nichts gefunden hatte, was ein Licht auf das dunkle
Geſchehnis warf, war nur die Erklärung geblieben, daß der
Ver=
brecher, nachdem er den Wächter getötet, durch irgendeinen
Um=
ſtand gehindert wordem war, ſein Vorhaben auszuführen.
Was für ein Umſtand das geweſen ſein mochte, konnte ſich
Deves allerdings nicht denken. Wie ein Alpdruck lag die
Vorſtel=
lung auf ihm, daß an den Fahrzeugen vielleicht doch etwas vor=
Kinderwagen aller Art, nur im Spezialgeschäft 5
J. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25½
genommen worden ſei. Immer wieder erhob er ſich und ſah in
dem erhellten Schuppen dieſes und jenes nach. Es war alles in
Ordnung.
Edwin erſchien als erſter zum Training. Er ſchüttelte Teves,
ihm für die Nacht dankend, die Hand. Dann donnerte er mit
ſeinem Wagen los.
Der Ingenieur wartete mit Spannung auf ſein
Wieder=
erſcheinen nach der erſten Runde. Da heulte er ſchon heran, flitzte
um die Kurve, raſte weiter. Teves atmete auf: der Wagen war,
wie er ſein ſollte.
„Morgen, Teves!” ſagte eine Stimme hinter ihm. „Edwin
iſt ſchon an der Arbeit?”
Es war die Baronin Ritterholm.
Er half ihr in die Rennjacke und kurbelte ihr die Maſchine
an. Sie ſchoß davon.
Ehe ſie wieder erſchien, flirrte auch Klein über die Bahn.
Die Stamermannſchaft übte bis gegen Mittag. Teves maß
die Zeiten. Sie waren die beſten, die am dieſem Morgen gefahren
wurden. Nur die Lichtenbergwagen erreichten ſie. —
TV.
Ein Heereszug wälzte ſich durch die weſtlichen Straßen
Ber=
lins. Renntag auf der Apus! Die von der Arbeit der Woche
be=
freiten Sinne lechzten nach Ereigniſſen.
Der Himmel ſpannte ſich in faſt ſüdlicher Bläue. Die Sonne
tanzte über das bunte Gewimmel. Wie Spiegel warfen die von
Seite 15
zahlloſen Rädern blankgeſcheuerten Aſphaltdämme die Strahlen
zurück.
Schon füllten ſich die Tribünen. Vor den Schuppen und an
den Wagenſtänden wurden die letzten Vorbereitungen getroffen.
Teves war voller Zuverſicht. Die glänzenden Ergebniſſe des
Trainings hatten alle Beſorgnis von ihm genommen.
Das Rennen ſollte über ſechshundert Kilometer gehen, ohne
Mannſchaftswechſel. Großkampftag der Induſtrie und der Fahrer!
Frau Stamer ſaß mit Doritt in der vorderſten Reihe. Sie
war aufgeregt. Das Verbrechen in der Fabrik war bekannt
ge=
woden. Teves hatte ſich um Geheimhaltung bemüht. Aber man
hatte es doch in die Preſſe gebracht.
Im Publikum ſchwirrten die mildeſten Gerüchte. Niemals
war der Name Stamer ſoviel genannt worden. Dieſer Tag mußte
der Firma einen Rieſenerfolg oder eine furchtbare Niederlage
bringem.
Edwin lehnte bereits in ſeinem Renner. Die erſten Wagen
rollten zum Start. Auf den Tribünen erhob ſich alles. Geſchloſſen
fauchten die Ungetüme davon.
Gruppe um Gruppe lief ab. Lichtenbergs Hauptfahrer ſchien!
nervös zu ſein.
Endlich: die Stamerwagen! Gleich Raketen ſauſten ſie über
die Bahn. In Teves zuckte es wie ein Vorgefühl des Siegs.
Juan Colomba ſtand an der Brüſtung, die Stoppuhr in der
Hand.
Schon flirrten die erſten der knatternden Höllenwagen die
Gerade heran. Eine Welle der Erregung zitterte durch die Menge.
Juan blickte gleichgültig auf das wie ein Geſpenſt
vorüber=
huſchende Fahrzeug. Nummer vier. Er ſah nicht einmal im
Pro=
gramm nach, wer es war. Er war nur wegen einer Maſchine
hier, der roten Maſchine Edwin Stamers, die die Zahl 15 trug.
Edwin legte die erſte Runde in unglaublich kurzer Zeit
zu=
rück. Teves ſtellte feſt, daß er der ſchnellſte des ganzen Rennens
war. Thea Ritterholm und Klein blieben etwas hinter ſeiner
Leiſtung. Aber auch ihre Zeiten waren beſſer als die aller
an=
deren. Die Stamerwagen lagen in der Front!
Runde um Runde wurde abgeſpult, ohne Zwiſchenfalk. Der
Lautſprecher gab jedesmal die beſten Zeiten bekannt. Die
Stamer=
wagen führten.
Der erſte Sturz! Ein Wagen fällt aus, an der Kurve aus
der Bahn getragen.
Die Strecke glänzt, als ſei ſie von Metall. Es iſt faſt
un=
wahrſcheinlich, daß auf dieſer glattgeſchliffenen Fläche die Räder,
ohne zu rutſchen, haften können.
(Fortſetzung folgt.)
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Nummer 31
Hamlets Schloß am Sund.
Eine nordiſche Neiſeſkizze von Kurt Siemers.
Wo Kattegat und Oreſund ineinander ſtrömen, ſchwebt
zwiſchen der leuchtenden Unendlichkeit von Himmel und Erde
Schloß Kronborg. Auf einer dreieckigen Landſpitze vor der
luſtigen alten Sundſtadt Helſingör in die ſilberne See
hin=
ausgeſchoben, ſchwimmt Kronborg wie eine Fata Morgana
über den glitzernden Fluten des Sundes.
Mehr als ein volles Jahrzehnt — bis 1585 — hat König
Friedrich II. darauf verwandt, dieſen goldenen Schlüſſel zu
ſchmieden, der allen anderen Nationen die Durchfahrt von
der Oſtſee zu den anderen Meeren der Welt nach ſeinem
Belieben freigab oder ſchloß. Dort, wo vorher der
beſchei=
denere Bau des Orekro geſtanden hatte, ließ der König aus
norwegiſchen und gotländiſchen Steinquadern ſein
wehrhaf=
teſtes Schloß nach den beſten Vorbildern holländiſcher
Ne=
naiſſance durch den niederländiſchen Meiſter Anthonis van
Opbergen aufrichten, der danach Stadtbaumeiſter von Danzig
geworden iſt. Seſtungsernſt und panzerſchwer ſchließt ſich das
Geſamtbild des Baues mit tiefen Portalen um einen
ver=
hältnismäßig engen Hof. Kronborg bleibt bewußt mehr
Feſtung als Schloß, mehr kriegeriſcher Sweckbau als Ort.
geſelliger Freuden. Es iſt eine beſondere, eine germaniſche
Nenaiſſance, trotz der deutlichen Verwendung florentiniſcher
Architekturmotive im Hofe. Auch die durchaus germaniſche
Kunſt der Gotik iſt noch unvergeſſen, und die fratzenhaften
Baſilisken, die waſſerſpeienden Drachenungeheuer der
Dach=
rinnen wurzeln in einer gotiſchen Phantaſie, die unter den
heiteren Strahlen der Nenaiſſance erſt langſam zu weichen
begann.
Auch über den Corbögen ſitzen fanatiſche Schmuckfiguren:
ein Seichen dafür, daß der Norden ſich von überlieferten
Stilelementen der Gotik ſpäter und widerwilliger trennte
als der Süden, unter deſſen Sonne die Saat des Ninaſcimento
üppiger aufgegangen war.
Kronborg liegt an der Stelle, wo ſich die däniſche Küſte
bis auf 4500 Meter an Schweden heranſchiebt. Im
Eis=
winter geht man in 45 Minuten bequem über den Sund von
Seeland nach Schonen.
Ueber 500 Jahre lang haben die Könige von den
durch=
fahrenden Schiffen aller Nationen der Welt ihren Zoll
erhoben. Den Bosporus des Nordens paſſierken im Jahr
oft mehr als 20000 Schiffe, die vor dem „Zollhaus am
Meer” im Oreſund vollwichtige Kronen und Reichstaler
erlegen mußten; das Wort Oreſund hat alſo mit der
däni=
ſchen Kleinmünze Ore nichts zu tun. Über 500 Jahre lang
haben Dänemarks Könige von den durch fahrenden Schiffen
ihren Cribut erhoben. So hat Schloß Kronborg dem König
und dem Lande auch keinen Ore gekoſtet, ſondern die
Bau=
koſten ſind ganz und gar aus Sollabgaben gedeckt worden.
Erſt 1857 iſt dieſe Goldquelle der däniſchen Könige ver=
ſiegt, als die ſeefahrenden Nationen Europas ſich
zuſammen=
taten und eine einmalige Ablöſung des Sundzolles für ewige
Seiten im Werte von 70 Millionen Mark bei der däniſchen
Negierung durchſetzten.
Von der Plattform des ſpitzenloſen Curmes aus kann
man im Dunſt der Ferne die Cürme von Kopenhagen zählen.
Wieviel näher und greifbarer ſteigt aber Südſchwedens
Selſenküſte mit der Stadt Helſingborg aus Sonnenlicht und
Seel Und dann das Gewimmel der großen und kleinen Segler,
die im Sund kreuzen. Vollſchiffe und Schoner aus Schweden
oder Finnland entfalten ihre Naaſegel wie funkelnde
Möwen=
fittiche. Engliſche oder deutſche Dampfer kommen
qual=
mend über der Kimmung auf oder verblaſſen im ſilbernen
Flimmerdunſt des Horizonts. Holländiſche Sweimaſtbarken,
linienfein geſtrichelt, ſchwimmen mit weinroten Segeln unter
dem Mittagslichte näher. Ewig das Gleiche, und doch ein
ſtetig wechſelndes Bild, hundertfach gemalt und geſchildert,
aber in ſeiner geruhigen Schönheit niemals auszuſchöpfen.
Heute grüßen jährlich 40 000 Schiffe den Danebrog unter
Kronborgs Cürmen.
Auf der Baſtion, hinter der Flaggenbatterie, ſpaziert der
Wachtpoſten mit blinkendem Faſchinemmeſſer friedlich auf
und ab, mit einem gelegentlichen, langen Seitenblick nach
Schweden hinüber, wo man die einzelnen Spaziergänger
am Strand zählen kann.
Die Schildwacht dient heute mehr einem dekorativen,
als einem praktiſchen Sweck. Freilich iſt es verboten, an die
Swölfpfünder der Flaggenbatterie heranzutreten; gefährlich
ſind dieſe ehrwürdig patinierten Schießröhren heute freilich
höchſtens demjenigen, der es wagen würde, ſie abzufeuern.
Von Kronborgs raſenübergrünten Feſtungswällen iſt
mancher Schuß nach hanſiſchen Koggen hinübergeblitzt, und
die eiſernen Münder der Orlogſchiffe von Lübeck oder
Wis=
mar haben wacker gegen die dicken grauen Mauern des
Sundſchloſſes gebrüllt. Aber ſie haben Kronborg und ſeiner
Beſatzung niemals Schaden getan, denn in den Kaſematten,
mit ihren 6 Meter dicken Mauern unter dem Sundſpiegel,
konnten ganze Dänenheere ſicher und trocken ſitzen.
1658 haben ſich freilich die Schweden, dazumal Dänemarks
„Erbfeinde” hier feſtgeſetzt, und „der Löwe von
Mitter=
nacht”, König Karl XII., feuerte hier aus dem größten
Ge=
ſchütz Kronborgs auf die holländiſche Armada, die in Stärke
von 35 Schiffen den Dänen zu Hilfe kommen wollte.
1801 fuhr die engliſche Slotte unter Lord Nelſon an den
Kanonenmündungen von Kronborg ungehindert vorüber, um
Kopenhagen zu bombardieren. Das Cor zur Inſelhauptſtadt
war diesmal nicht rechtzeitig geſchloſſen worden; in
Hel=
ſingör behauptet man, die Engländer hätten ſich ganz nahe
an der ſchwediſchen Küſte gehalten, wo die Kanonen von
Helſingborg in falſcher Neutralität wider die Abrede
ſtill=
ſchwiegen. In Helſingborg hört mans jedoch etwas anders:
danach ſollen die Artilleriſten von Kronborg ſo
gotts=
ſämmerlich ſchlecht geſchoſſen haben, daß die engliſchen
Matroſen jeden Geſchoßeinſchlag im Waſſer mit Hohnlachen
quittiert hätten. —
Wie es ſich tatſächlich verhält, weiß ich nicht. Auf jeden
Fall hat damals aber Holger Danſke, der Schutzgeiſt
Däne=
marks, die Seit verſchlafen. Holger Danſke, der, ein
däni=
ſcher Barbaroſſa, in den unterſten Gewölben des Schloſſes
ſitzt, ſchlummert vor einem ſteineren Ciſch, durch den ſein
wallender Bart gewachſen iſt. Wenn ſeinem Lande Gefahr
droht, ſpringt er auf, zertrümmert den Ciſch und kommt mit
dem Schwerte ſeinem Lande zu Hilfe.
In den feuchten und ſtockfinſteren Kaſemattengängen
habe ich nach dem verzauberten Necken geſucht — jedoch
umſonſt, denn vor dem Suchenden ſinkt Holger Danſke immer
tiefer mitſamt dem ſteinernen Ciſch unter Waſſer und Erde
himunter.
Die Schloßkapelle gilt als ſchönſte Nenaiſſancekirche
Skandinaviens. Chriſtian IV. hat das Innere von deutſchen
Künſtlern koſtbar ausſchmücken laſſen, und in treuherzigem
Deutſch klingen auch manche der frommen Spruchinſchriften.
Die Weite des Blickes über den Sund mit ſeinen
Schif=
fen, die vielgeſtaltige Gliederung der Baumaſſen in aller Kraft
und Mannigfaltigkeit der Nenaiſſance, das alles muß auf den
Germanen Shakeſpeare bei ſeinem Aufenthalt in Helſingör
nachhaltig eingewirkt haben. Auch er ließ ſich als
Noman=
tiker, der er im Grunde war, von dem durchaus diesſeitigen
Lebensgefühl des neuen Seitalters tragen, und er empfand
ſicher die blutmäßige Verwandtſchaft mit dom Geiſt, der in
heiterfrohem Schönheitsdrang dies kanonengeſchmückte
Schloß am Meer geſchaffen hatte. Mit ſeinen Kameraden
war er ja nach Helſingör herübergekommen, und im Schloſſe
ſpielte er mit ihnen vor König Friedrich.
Ofter mag er nach abendlichem Umtrunk über die
Sug=
brücke des Kronwerks, über den ſtillen Feſtungsgraben mit
ſeinem dicken, grünen Waſſer zum Haupteingang des
Schloſſes geſchritten ſein, um in die Lichter des anderen
Königreiches ſeine Bilder und ſeine Sehnſüchte
hineinzu-
träumen.
Hier, auf der Schloßterraſſe von Kronborg, iſt ihm der
Geiſt Hamlets zuerſt begegnet, von dem er in lärmvoller
Cafelrunde zu Helſingör die ſagenhaften Begebenheiten hören
konnte, die uns Saxo Grammaticus bereits im 12.
Jahrhun=
dert zu erzählen weiß. Ein Landsmann des engliſchen
Dich=
ters hatte aus dieſem Stoffe bereits eine Cragödie
ge=
formt. Aber die alte däniſche Fabel gewann angeſichts des
Renaiſſanceſchloſſes eine neue, verfeinerte Stimmung in
an=
derem Sinne, in vergeiſtigter Umdeutung. Im Jahre 1590
hatten in Kronborg prunkende Feſte zu Ehren König Jakobs
von Schottland und ſeiner Königin Anna ſtattgefunden, die
eine Schweſter Chriſtians IV war. An dieſe Begebenheiten
hat Shakeſpeare ſpäter in ſeinem Hamlet=Drama
ange=
nüpft. Die Geſtalt ſeines Helden ſah der Dichter hier
unter dem Monde lange Schatten über den Wall werfen.
Hamlet, der grübleriſche Dänenprinz, ſtieg ihm als eine
ſchweigſame, helle Geſtalt aus den unterirdiſchen Gängen des
Schloſſes herauf über die Schloßterraſſe. Unbeweglich
ver=
harrte der Spuk neben der Flaggenbatterie und ſah hinüber in
Waſſer, Sterne und dunkle Unendlichkeit.
Im Dunkel ſah der junge Dichter dieſen
phantaſie=
beſchworenen Schatten immer deutlicher werden und unter den
Mauern auf= und abwandeln. Eine Geiſterſtimme hauchte ihm
Ophelias ſüßen Namen zu. . . .
Ohne Laut verſinken unſere Schritte neben den
Seſtungs=
gräben im feuchten Laub. Wo ſind die Kinder hin, die am
Schloßeingang noch eben ſpielten und tollten? Hinter
rauſchen=
den Bäumen verſchwindet ein Infanteriſt mit einem hellen,
ſchlanken Mädchen am Arm. Ungeheuer drohen die ſtarren
Feſtungsmauern im ungewiſſen grauen Licht.
Drüben in Schweden ſieht man die Lichter der Autos längs
der Küſte gleiten. Drüben in Helſingborg blitzen, vom Strahl des
ſcheidenden Cages getroffen, Fenſter hell auf, die vor dem
Sonnenuntergang unſichtbar waren. Auch von den Höhen drüben
im anderen Königreich des Nordens blinken frühe Lichter nach
Kronborg hinüber.
An Back und Heck der Segler im Sund blinzeln eben
geſetzte Laternen. Weltverlorene Stille, nur ein Kuttermotor
püllt langſam näher. Graublaue Wolken ſpiegeln ſich in den
himberroſa aufſchäumenden Waſſern, die veilchenblau,
zitronen-
gelb und endlich reſedagrün ineinanderrinnen oder gegen die
großen runden Steine am Ufer ſchlagen. Ewig plätſchern die
Wellen dagegen; das Ohr hört es gar nicht mehr, ſobald es die
Unabläſſigkeit dieſes Geräuſches gewohnt worden iſt. . .
Königin Karoline Mathilde, die auf Wunſch ihres Bruders
— es war Georg II. von England — ſiebzehnjährig ihren
ſchwachſinnigen und tückiſchen königlichen Vetter von Dänemark
heiraten mußte, hat im Januar 1772 von der Plattform des
einen Curmes nach den engliſchen Schiffen ausgelugt, die ſie aus
der Haft in dem achteckigen Curm des nördlichen Schloßflügels
erlöſen ſollten. Die „ſchönſte Frau des däniſchen Hofes” war
mit ihrem heimlichen Geliebten, dem allmächtigen Struenſee, einer
Palaſtrevolution zum Opfer gefallen. Man ſperrte die
unglück=
liche junge Königin hier ein. Im Verhör geſtand ſie trotzig, daß
Struenſee der Vater ihres ſechs Monate alten Cöchterchens ſei.
Am Cage ihrer Befreiung ſtand ſie reglos drei Stunden auf der
Cage iher Befreiung ſtand ſie reglos drei Stunden auf der
Baſtion. Mit rührender Särtlichkeit nahm ſie Abſchied von dem
Kinde ihrer Liebe. Die Kanonen Kronborgs donnerten ihr zum
letzten Male den Königsſalut; dann fuhr ſie auf einem engliſchen
Kriegsſchiff in die Verbannung nach Celle, wo ſie ſchon mit
24 Jahren ſtarb..
Am Abend beginnen alle alten Mauern und Näume zu
reden, und die Kaſtanien hinter mir ſind voll Windgeflüſter.
Heda, Wachtpoſten, heißt du nicht Franzisco, und biſt du
nicht von eines Dichters Genius an dieſen Platz geſtellt? Sag,
iſt dir nicht ein Geiſt begegnet? Sprich!—
Der Wachtpoſten wandert zu ſeinem Nokoko=
Wacht=
häuschen mit den wappengekrönten Schnörkelbuchſtaben, in dem
ſein roter Mantel hängt. Auf Ablöſung wartend, gähnt er
herz=
haft und verſtohlen — und das auf Hamlets Cerraſſe.
Unter einem dunkeldichten Kaſtanienbaum, neben Hamlets
Cerraſſe, ſitze ich auf einer Bank und höre den Atem der
Ewig=
keit, ſpüre Blutlauf und Herzſchlag eines Menſchen neben mir.
O Höllenqual des Sweifels, o Schauer der Ewigkeit: „Sein oder
Nachtſein, das iſt hier die Frage
Kupfergrüne Curmdächer ſchwimmen unter dem
ſommer=
hellen Nachthimmel.
Die Soldaten aus der Feſtungskaſerne räkeln ſich in einem
Curnſaal und erzählen Geſchichten von daheim, von Laaland oder
Läſö. Einer von ihnen ſpielt leicht und wiegend halbvergeſſene
Melodien aus dem „Walzextraum”. Seine Kameraden hämmern
mit den Stiefeln den Cakt zu den Wiener Walzerklängen in
Hamlets Schloß.
Und hinten ſtreut die Nacht leiſe Sterne über den Sund und
Schwedens Küſte.
Kind und Kino.
Von L. v. Seuffert.
Haben Sie ſchon einmal eine Jugendvorſtellung m
Licht=
ſpielhaus erlebt? Haben Sie — nicht wur ſelbſt gefeſſelt vom
Spannungsreiz des Spieles auf der weißen Wand — mit offenem
Aug” und Ohr beobachtet, was um Sie vorging, wie ſich die
Wunderwelt des Wandelbildes in dem Miterleben Ihrer
fugend=
lichen Nachbarn abſpielte? — Sie werden dann vielleicht um
mehr als eine köſtliche Erfahrung reicher nach Hauſe gegangen
ſein. Sie werden beſtimmt Gelegenheit gehabt haben, Einblicke
in das Seelenleben der heranwachſenden Generation zu dun, wie
ſie in ſolcher Urſprünglichkeit nicht häufig zu erreichen ſind. Sie
konnten die tröſtliche, wenn auch oft beſtrittene Gewißheit
rneuern, daß der noch nicht durch die Härten des Lebens
gegangene Menſch „gut” iſt, und Sie werden in dem ſeltſamen
Doppelerlebnis des Spiels auf und vor der Silberwand erkannt
haben, daß alle Ideale, die von je das Herz des Menſchen
be=
wegten, auch in der vielgeſchmähten heutigen Jugend ſo lebendig
ſind wie je!
Echt, unverfälſcht und ſchrankenlos iſt die unbewußte
Neak=
tion der im Banne des Spieles gefangenen Seele, echt und wahr
die Begeiſterung, mit der ſtets der Sieg des Guten über den
Böſen aufgenommen wird, echt die Bewunderung für Mut,
Creue, Nitterlichkeit, Freundſchaft, und auch das Verſtändnis
für die weniger primitiven Cugenden der Selbſtüberwindung, des
opfermutigen Entſagens oder edelmütigen Verzeihens wird oft
in dem kindlichen Gemüt durch die Leichtfaßlichkeit der
Hand=
lung geweckt.
Einhellig iſt die Ablehnung alles Niedrigen, Schlechten und
Gemeinen, und die meiſt wenig differenzierte
Charakterzeich=
nung durch den Film, der nicht nur äußerlich, ſondern gleichſam
auch ſeeliſch ein Schwarz=Weiß=Bild des Menſchen gibt,
er=
öffnet den Sympathien und Antipathien ein unerſchöpfliches
Seld.
Sind nun die Geſchehniſſe gar noch mit Humor gewürzt, für
den Kinder ganz außerordentlich empfänglich ſind, ſo ſteigt die
Begeiſterung ins Ungemeſſenel Unvergeßlich bleibt mir aus der
Kindervorſtellung eines öſterreichiſchen Städtchens der
Wonne=
ſturm, der ſich erhob, als die wilden Inſulaner, die den tapferen,
kleinen Jackie Coogan bedrängten, urplötzlich von den Bäumen
herab durch kokosnußwerfende Affen außer Gefecht geſetzt
wurden. So etwas von hemmungsloſem Jubel, Lachen, Klatſchen,
Nufen iſt nur bei einem „miterlebenden” Auditorium möglich,
und dieſes vollſtändige Aufgehen in fremdem Erleben iſt eines
der ſchönſten Vorrechte der Jugend!
Auch die „Heldenverehrung” ſpielt bereits für die
Kinder=
ſeele eine wichtige, wenn nicht die wichtigſte Nolle. Intereſſant iſt
dabei jedoch, daß es heute mehr wie früher die Meiſter
kör=
perlicher Gewandtheit ſind, die unſeren Jungen als
leuch-
tende Vorbilder vorſchweben. Es wäre aber falſch, daraus etwa
Nückſchlüſſe auf das Überhandnehmen einer allzu
materialiſti=
ſchen Lebensauffaſſung zu ziehen. Im Gegenteil! Das Kind
emp=
findet unbewußt: in einem ſchönen Körper müſſe auch eine ſchöne
Seele wohnen, und tatſächlich ſind ja auch die Neiter, Sportler,
Fechter uſw., die ihre Feinde durch Überlegenheit in der
Beherr=
ſchung ihrer körperlichen Mittel beſiegen, ſtets mit allen edlen
Eigenſchaften im Überfluß ausgeſtattet. Com Mix, der ritterliche
Cowboy, Douglas Fairbanks, der unübertreffliche Fechter und
Springer, Harry Piel, der in allen Sätteln gerechte Beſchützer
der Guten, ſind die Sdealgeſtalten der heutigen Generation, die
Gegenwartsnähe und Gegenwartsſchilderung braucht, um ſich
zu entflammen.
Eine bezeichnende, kleine Anekdote für den
Perſönlich-
keitskult der Jugendlichen iſt diejenige, in welcher der Lehrer
fragt, ob die Kinder die berühmten Männer kennen, die auf den
neuen Reichsbriefmarken abgebildet ſind, wobei bei der
Sehn=
pfennigmarke eifrig der Nuf ertönt, dies ſei „Otto Gebühr” (der
populäre Darſteller des „alten Fritz” aus mehreren bekannten
Filmen).
Man glaube aber ja nicht, daß das Kind dem Film
kritik=
los gegenüberſteht und nur durch die Handlung an ſich
beein=
druckt wird. Es hat im Gegenteil ein äußerſt feines Empfinden,
ſowohl für die Qualität der Darſtellung, wie für logiſche Fehler
und Unzulänglichkeiten im Ablauf der Handlung, und ſogar auch
oft für die äſthetiſche Wirkung des Filmbildes an ſich.
So erzählte z. B. ein Mädchen von einer gut geſpielten
Szene: „Der Mann hat furchtbar geſchimpft und der Frau
häßliche Worte geſagt.” Erſt als man fragte, was er denn geſagt
habe, kam ihr zum Bewußtſein, daß ſie gar nichts gehört habe.
Der optiſche Eindruck hatte hier den akuſtiſchen reſtlos erſetzt!
— Und ein halbwüchſiger Backfiſch machte über einen
Purzel=
baum Eliſabeth Bergners die von ſcharfer Beobachtung
zeu=
gende, begeiſterte Bemerkung: „Weißt du, die macht den
Purzelbaum gar nicht wie eine Schauſpielerin, ſondern genau ſo,
wie wir ihn auch machen würden.”
Als man in Berlin bei einer größeren Anzahl von Schülern
verſchiedener Schulen mehrere Fragen über einen gemeinſchaftlich
geſehenen Jackie=Coogan=Film anſtellte, die ſchriftlich beantwortet
werden mußten, wurde bei der Srage „was fandeſt du an dem
Silm auszuſetzen?” faſt einſtimmig auf eine und dieſelbe
Unwahr-
ſcheinlichkeit hingewieſen, die einem Erwachſenen überhaupt kaum
mehr aufgefallen wäre, weil dieſer ſich längſt daran gewöhnt hat,
daß im Silm oft „das Unwahrſchemliche Ereignis wird.”
Auch das kleine Mädelchen, das in den dramatiſchen
Schluß=
ſzenen des „Siegfried”=Films (in denen die von ihrem Lager
aufgeſchreckte Kriemhild den toten Gatten findet, ihrem Schmerz
Ausdruck gibt, ſeinem Mörder flucht uſw.) plötzlich in die Worte
ausbricht: . . . „und alles noch im Nachthemd!” (womit das
weite, wallende Gewand Kriemhilds gemeint war), übte damit
zwar eine überrealiſtiſche, aber nicht ganz unberechtigte Kritikl
Beſonders erfreulich iſt für den Jugendfreund die
Beobach=
tung, wie ſtark die Schönheit der durch die Kamera eingefangenen
lebendigen Natur oft auf das unverbildete kindliche Gemüt
wirkt! Die in Winterpracht ſchwelgenden, wundervollen
Hoch=
gebirgsfilme etwa löſten ſtets ſpontane Entzückensäußerungen
bei den Kindern aus, und wenn man nachher fragte, was denn
nun am beſten gefallen habe, hatte oft weder die eigentliche
Handlung, noch das Spiel der Darſteller, noch die ſportliche
Senſation ſolchen Eindruck gemacht, wie etwa ein von
Schnee-
laſt überzuckerter, ſonnenbeglänzter Baum, oder ein von
male=
riſchen Skifurchen durchpflügtes Schneefeld!
Gewiß bietet der Silm auch eine Neihe von
Gefährdungs=
möglichkeiten für den unreifen Menſchen, ebenſo wie Seitung,
Bild, Buch, Bühne und jede andere, die Offentlichkeit
beherr=
ſchende Außerungsform, die geeignet iſt, die Phantaſie in
un=
kontrollierbare Bohnen zu lenken. Und gerade die
Scheinwirk=
lichkeit des Films wirkt durch ihre weite Verbreitung natürlich
beſonders ſtark! — Es iſt deshalb unerläßlich, eine ſorgfältige
Auswahl zu treffen (wie es ja durch die Reichszenſur geſchieht!),
welche Werke Jugendlichen unbedenklich gezeigt werden können,
ohne etwa der Abenteurerluſt, oder dem Nachahmungstrieb,
oder gar aſozialen Neigungen unerwünſchten Anreiz zu geben!—
Aber es wäre auch verkehrt, das Kind mit dem Bade
aus=
zuſchütten und deshalb, weil manchmal jugendliche Caugenichtſe
ſich auf den Silm als Vorbild berufen (was oft nur eine bequeme
Ausrede zur Erzielung „mildernder Umſtände” iſt, die näherer
Prüfung nicht ſtandhält), nun auch die zweifellos pädagogiſchen
Werte des guten und künſtleriſchen Films zu negieren, die
ge=
eignet ſind, die Gefühlswelt des Kindes zu bereichern und zu
verſchönern, ſofern verſtändnisvolle Erzieher ſich mit der nötigen
Feinfühligkeit ihrer bedienen.
Das Suchslein.
Von Walter Schweter.
Wir ſprachen von Gedankenübertragung und anderen
See=
lenvorgängen. Als ich dabei lachte, weil mir gerade ein
beſon=
derer Vorfall wieder ins Gedächtnis gekommen war, ſprach
unſere alte Freundin erregt:
„Glauben Sie denn wirht daran?”
„Doch, doch!” erwiderte ich. „Ich habe aber erſt geſtern
eine luſtige Gedankenübertragung ſelbſt erlebt, und daran dachte
ich eben wieder.
Einer meiner Freunde und ich unterhielten uns über ein
Buch, das wir beide kurz zuvor geleſen hatten, konnten aber
beide trotz aller Gedankenarbeit nicht auf den Namen des
Ver=
faſſers kommen. Da ſagte ich, übermorgen werde ich ihn mir
nennen laſſen. Da komme ich zu einem Buchhändler meiner
Hei=
matſtadt, der ein alter Freund von mir ſei und ihn gewiß kenne.
Aber, wie es immer ging, wenn ich heimfuhr, ich dachte nicht
mehr an die Stadtgeſchichten und trat ohne an das Buch zu
denken in den Laden des Jugendfreundes. Und er, der ſonſt
freudig überraſcht mir entgegenſprang, wenn ich nach langem
Fernſein wieder einmal zu ihm kam, ruft, meinen Gruß
abſchnei=
dend und obne auch nur „Guten Cag!” zu ſagen, über den
Laden=
tiſch:
„Du, das Buch vom — na ſagen wir einmal „Klabau
mann”, das der „Falkenhorſt” geſchrieben hat, kennſt du
ſicher auch. Was hältſt du davon?”
Da hatte ich den ſo lange vergeblich geſuchten Verfa
Mein Gedanke hatte ſich alſo auf den fernen Freund u
tragen."
„Nun hören Sie, wie es mir mit einer lieben Freundin
ge=
gangen iſt!” ſprach unſer Gaſt ernſt.
„Nie anders wie: „Füchslein” oder gar „Note Hex” haben
ſie das feine, kluge Mädchen gerufen. Ich nicht, weil ſich es lieb
hatte, trotz ſeiner brandroten Haare und dem ſtarkknochigen,
ſommerſproſſigen, unſchönen Geſichtlein, und weil es ſich, je mehr
es die anderen quälten, um ſo enger zu mir hielt. Wir waren ſo
viel zuſammen, und durch meine Zuneigung ſchien meine liebe
Grete das Necken und Höhnen — es waren nicht nur Kinder, die
ſo Unvernünftiges taten — nicht ſonderlich zu kränken. Gehörte
doch mein Vater zu den angeſehenſten Bürgern des
Heimat=
dorfes und der ihre zu den ärmſten und am wenigſten geachteten,
und ſie war, wie dummerweiſe ſo viele andere auch, ſtolz auf die
Freundſchaft mit einer, deren Beachtetſein hauptläcblich den
Vorzügen des Vaters, oder anderer Verwandten zu danken iſt.
Auch ihr Vater, der ein rauher Geſelle war und gern lange im
Wirtshauſe ſaß, war nicht gut zu dem immer ſcheuer werdenden
Mädchen, das nur laut und fröhlich und glücklich war, wenn
wir beide zuſammen unter den Obſtbäumen und zwiſchen den
Haſelnußſträuchern im Walde herumliefen, miteinander ins
Nach=
bardorf oder zur Kirche gingen, uns in den ſchiefen Wieſen die
Hänge hinabkollern ließen und in verſtaubten. Winkeln über ein
Märchenbuch gebeugt ſaßen. Gretes Mutter war früh geſtorben,
und ſo mußte die Freundin ſchon als Kind alle Hausarbeit allein
tun, weil ſie die Alteſte und auch das einzige Mädchen im Hauſe
war. Da blieb natürlich nicht viel Seit zum Herumtollen. Um ſo
fröhlicher aber war ſie dann, wenn ſie etwas im Dorfe beſorgen
mußte und mich abholen konnte.
Bald nach unſerer Konfirmation kam ich in die einige
Bahnſtunden entfernte Stadt zu weiterer Ausbildung und wurde
dadurch lange getrennt von der Geſpielin. Aber ſchon am erſten
Serientage ſteckten wir wieder zuſammen.
Jahre gingen dahin. Ich heiratete, kam immer weiter fort
von der Heimat, meine Beſuche in unſerem Dörflein wurden
ſeltener und ſeltener und hörten bald ganz auf. Und ſo hörte
ich auch immer ſeltener etwas von meiner lieben Grete.
Da träumte mir einmal nachts, ich gehe am Garten ihres
Elternhauſes vorüber und ſähe ſie drinnen arbeiten. Ich rief ſie
an. Aber ſie hörte nicht. Da neckte ich ſie, ihr zufrufend, ſi4
ſolle doch ihren Stolz laſſen und ihre alte Freundin nicht
ver=
leugnen. Da ſagte plötzlich eine Stimme hinter mir: „Das
Füchslein iſt ja taub!‟ Da erſchrak ich ſo, daß ich wach wurde
und war in einer ſolchen Unruhe, daß ich mitten in der Nacht
Licht anzündete, einen Brief an die Freundin ſchrieb, ein gutes
Buch dazupackte und alles am frühen Morgen zur Poſt trug.
Und, denken Sie nur, wenige Cage darauf kommt als Antwork
von der armen Grete die betrübende Nachricht, daß das, was
ich geträumt, Wirklichkeit ſei. Faſt zr gleichen Stunde, da ich
von ihr träumte, hatte ſie das Gehör verloren.
Wieder vergingen Jahre, ohne daß ich von Grete etwas
hörte. In der Arbeitsfülle, die ein kinderreiches Haus ja immer
hat, im Sorgen und Mühen verging die Seit wie im Fluge, und
ich war überraſcht, eines Cages von den noch im Heimatdorfe
wohnenden Schulkameraden eine Einladung zur Feier der
fünf=
zigjährigen Konfirmanden zu bekommen. Die wollte ich mir nicht
entgegen laſſen, glaubte ich doch, dabei auch meine liebe Grete
wiederzuſehen. Doch wie ich freudig bewegt zu den anderen
komme und nach der Freundin frage, da heißt es: „Ach, die iſt
ja längſt in einer Irrenanſtalt!”
Da war mir die ganze Freude verdorben. Ich hielt mich
nicht lange mehr bei dem kleinen Feſte auf. Noch am gleichen
Cage fuhr ich dorthin, wo ſie Grete hingetan hatten — wer weiß,
nach welchen Quälereien!
Dreieichenham.
Von Carl Otto Windecker.
Ein wenig abſeits vom Sug der Hauptverkehrsſtraße, in die
ſanften Ausläufer des Odenwaldes gebettet, liegt
Dreieichen=
hain, auch heute noch ganz von dem romantiſchen Souber eines
nittelalterlichen Städtchens umhüllt. Aber trotz gelegentlicher
Schloßbeleuchtungen mit entſprechender Plakatierung in der
näheren und weiteren Umgebung hat Dreieichenhain nie die
An=
ziehungskraft wie andere, ähnliche Städtchen gehabt. Vielleicht
fehlt die Großartigkeit, vielleicht liegt es daran, daß hier weder
Hotels noch große Neſtaurants zu finden ſind, weder
Cenmis=
pätze, noch five oielock-daneing. Und das iſt gut ſo. So iſt es
iſ timer, inniger, und die Wenigen, die den Neiz Dreieichenhains
e nmal wirklich empfunden haben, ſie kommen immer wieder.
Es iſt ſchön, an einem ſonnigen Cag im Naſen des
Burg=
hofs der alten Dreieichenhainer Burgruine zu liegen. Aber
ungleich ſtärker iſt der Eindruck bei Abend, wenn das Mondlicht
üver dem zackigen, erfreulicherweiſe nur wenig renovierten Ge=
An=uer liegt. Sich im Schloßteich ſpiegelt, deſſen Waſſer
voll=
kommen von den grünen Blättern einer Waſſerpflanze über=
Anrichert iſt. Dann flüſtern und rauſchen die Blätter der hohen
Swlunderbüſche am Kerkerturm im Abendwind, vom Städtchen
Ɨher klingt das Singen der Mädchen herauf, die untergefaßt, in
breiter Neihe über das holprige Pflaſter ſpazieren gehen,
hin=
lans in die Felder, wo die Burſchen warten. Manchmal brüllt
eie Kuh oder ein Hund kläfft — hin und wieder einmal donnert
ei Motorrad durch den Corweg, oder ein Auto hupt. Über
allem liegt die ruhige ländliche Atmoſphäre, der leiſe Duft von
gatem, kräftigem Miſt, von Blumen und Heu. —
Es iſt herrlich, ſich auf das Mäuerchen zu ſetzen, hoch über
dem grünſchimmernden Ceich, die Beine über dem Abgrund
baumeln laſſen. Dann erſt wird der romantiſche Neiz zum
Er=
lobnis. Ich vergeſſe nie, wie ich einmal mit Freunden nach einem
ſihr vergnügten und ausgedehnten Abend nach Dreieichenhain
nanderte — es war gegen vier Uhr in der Frühe — und wir
ſwweigend auf alten Steinblöcken und Mauerreſten ſaßen und
andächtig zuſahen, wie die graue Morgendämmerung über das
ate Gemäuer ſchlich.
Immer wieder mal zieht es mich hin. Und immer zu einer
Seit, wenn keine Touriſten butterbrotverſpeiſend umherſtehen
Ich war begierig auf das Wiederſehen und daher ſehr
be=
troffen, als die Leiterin der Abteilung, in der Grete untergebracht
war, zu mir ſagte, daß die Kranke wohl kaum dazu zu bewegen
ſer, ins Beſuchszimmer zu kommen, denn als vor einigen Cagen
chre Geſchwiſter dageweſen ſeien, hätte man ſie nicht dazu bringen
kannen, mitzugehen. Ein Beſüch bei ihr habe dann auch keinen
Sveck. Auf meine Bitten hin verſuchte es aber die Schweſter,
ſie herzuhofch; doch nach einer Viertelſtunde kam ſie ohne Grete
und ſagte, oaß alle Überredungskunſt vergeblich ſei. Sie weigere
ſich hartnäckig, jemand zu ſehen oder zu kommen. Da bat ich
die Oberin, ſie möge doch der Kranken einmal meinen
Mädchen-
namen ins Ohr ſagen. Und, denken Sie nur, ſie kam!
Wie aber ſah die Armſte aus! Hätte ſie nicht noch ihr rotes
Haar gehabt, ich hätte ſie nicht wiedererkannt. Ihr ſchon ſonſt
immer hager geweſenes Geſicht war eingeſunken und gelb wie
bei einer Coten, und die Augen waren ſtarr ins Leere gerichtet.
Auuch als die Wärterin ſie ſanft auf die Bank neben mich ſetzte,
ve ränderte ſich nicht ihr Blick und ihr lebloſes Weſen. Auf
ein=
mal aber war es, als ſähe ſie in weiter Ferne etwas, das ſie
felſele. Sie bog den dünnen Hals vor und ſprach leiſe,
unver=
ſtEndliche Worte vor ſich hin.
„Sie hört ferne Stimmen!” ſprach der Arzt, der
dazu=
gekommen war. Er rief ihr dann etwas ins Ohr. Sie aber
artwortete nicht und wiegte nur leicht den armen knochigen
Kopf hin und her.
„Verſuchen Sie es einmal mit ihr!” ſagte er dann zu mir.
Ganz verzweifelt über den troſtloſen Anblick und mit den
Cränen kämpfend, nahm ich ihre herabhängende Hand in die
meine und dachte nur immer wieder, wie fängſt du es nur an, dich
ihr bemerkbar zu machen? Ich legte meinen Arm um ihre
magere Schulter und ſagte leiſe:
„Grete, liebe Grete, kennſt du mich dem gar nicht mehr?”
und ihre Initialen in Baumrinden und Balken ſchnitzen. Abends
iſt meine Seit, wenn oft ſchon das Cor zur Nuine geſchloſſen
iſt und man ob des hinterliſtigen Stacheldrahtes ein Paar Hoſen
riskieren muß.
Uralt iſt das Städtchen. Viel älter aber noch die Burg, die
man auf den Überreſten eines altrömiſchen Kaſtells errichtete.
Lange Seit diente ſie als Jagdſchloß Karls des Großen. Die
Legende will wiſſen, daß ſeine Cochter hierher verbannt wurde,
als ſie ſich in den väterlichen Schreiber Eginhard verliebte.
Erwieſen iſt das micht. Aber es iſt doch recht reizvoll, ſich
vorzu=
ſtellen, wie das arme Mädchen dort oben auf den Sinnen
ge=
ſeſſen hat und nach ihrem fernen Oeliebten Ausſchau hielt.
Sur Burg ausgebaut wurde das Jagdſchloß erſt von ſpäteren
Geſchlechtern. Seitlich damit mag die Befeſtigung des Städtchens
zuſammenfallen, das die Geſchichtsſchreiber des Dreißigfährigen
Krieges eine tüchtige und tapfere Seſtung nennen. Heute noch
ſtehen die alten Stadtmauern und Core, als Seugen einer
längſt=
verfloſſenen Seit, und als brave Verkehrshinderniſſe erſter
Ordnung.
Wer Seit hat und gründlich iſt, wird nicht verſäumen, dem
kleinen „Heimat=Muſeum” Dreieichenhains einen kurzen Beſuch
abzuſtatten. Vielleicht wird er nicht ſehr an Wiſſen bereichert
das kleine alte Häuschen verlaſſen, das als Muſeum dient, aber
er wird doch das Bewußtſein mitnehmen, daß man ſich fleißig
und eifrig bemüht hat, einige intereſſante Stücke auszuſtellen und
zuſammenzutragen. Daß die beſſeren und wertvolleren Stücke
der gelegentlich hier vorgenommenen Ausgrabungen in die großen
Muſeen der Städte wandern, iſt ſelbſtverſtändlich.
Noch im vergangenen Jahr ſtellte man Ausgrabungen im
größeren Burghof an, der deswegen lange Seit dem Publikum
nicht zugänglich war. Durch die Funde erhielt man die
Beſtä=
tigung, daß Dreieichenhain ſchon zur Römerzeit beſtanden hatte,
daß die Burg auf den Neſten eines zerſtörten Kaſtells aufgebaut
wurde. Außer einem Maſſengrab römiſcher Legionäre fand man
eine große Anzahl Gegenſtände von unzweifelhaft altrömiſcher
Herkunft und einen großen Grabſtein eines römiſchen
Haupt=
manns, der, wie die Inſchrift beſagt, hier mit ſeiner Gattim
begraben lag.
Ein breiter, unterirdiſcher Gang von anſehnlicher Länge
führte früher vom inneren Burghof unter dem Burgteich durch.
Als einmal, vor Jahren, zwei junge Burſchen verſuchten, mit
Fackeln dem unheimlichen Gang nachzuforſchen, verunglückten
ſie. Offenbar waren die Luftzufuhranlagen ſchon lange zuge=
ſchüttet oder zerſtört. Um eie Wiederholung zu vermeiden, hat
man den Gang dann ſpäter zugemauert, nur ein Stück blieb
offen, düſter, feucht, grauſig. Die Luft iſt ſchlecht und ſtickig
und macht das Umkehren angenebm.
Auf dem Marktplatz, knapp hundert Schritte von dem
alten Stadttor entfernt, ſtehen die drei alten, hohen Eichen, das
Wahrzeichen Dreieichenhains. Das heißt: eigentlich ſind es
immer nur zwei. Als vor einigen Jahren der eine der alten,
breiten Bäume durch einen Blitzſchlag gefällt wurde, pflanzte
man ſofort ein neues Eichbäumchen an. Aber es verdorrte,
ſelt=
ſamerweiſe, wie noch manches ſeiner Nachfolger. Wie es
augen=
blicklich mit dieſem ſchwierigen Wahrzeichen ſteht, weiß ich nicht.
Ich vergaß, nachzuſehen. Aber möglich iſt es immerhin, daß man
ſich auch in dieſem Jahre die Mühe nicht verdrießen ließ, und
ein neues Bäumchen pklanzte. Möge es gedeihen!
Alljährlich ein= oder auch mehreremal veranſtaltet man in
Dreieichenhain Burgbeleuchtung. Mit roten, blauen, gelben
Naketen, Seuerrädern uſw. Denke ich mir. Geſehen habe ich
es noch nie. Warum auch? Mir genügt Dreieichenhain, ſo, wie
es iſt. Sonne und Mond ſcheinen mir die beſten und richtigſten
Beleuchtungseffekte hervorzubringen — das graue Licht des
werdenden Morgens iſt ſo ſchön, wie die weiche, ſatte
Dämme=
rung eines Sommerabends. Vielleicht plant man auch wieder
einmal, die Burg zu renovieren, die Cürme zu reſtaurieren, die
alten, zackigen Mauern wieder zu glätten und aufzubauen? Ich
würde es ſehr bedauern. Warum auch dieſe alte Nuine zum
Anſchauungsunterricht gebrauchen? Iſt ſie ſo nicht viel ſchöner
— ein wundervoller Ausruheplatz für die gehetzten Nerven des
Alltags?
Vielleicht habe ich vergeſſen in dieſem kleinen Aufſatz
wich=
tige geſchichtliche Daten anzugeben. Man ſei mir deswegen
nicht böſe und nehme ein Konverſationslexikon zur Hand. Oder
ein Seſchichtsbuch. Meine Unterlaſſung mag daher kommen, daß
ich noch nie mit einem Baedecker bewaffnet durch die alten,
holprigen Straßen gegangen bin — abends, wenn das Pflaſter
ſauber abgekehrt iſt und die Männer mit ihren Pfeifen zwiſchen
den Hähnen auf den kleinen Bänken vor dem Haus ſitzen und
ſchwätzen — wenn Kinder und Hühner von der Straße
ver=
ſchwunden ſind, wenn aus den Wirtshäuſern ein wenig Lärm
und irgendwoher aus dem Schalltrichier eines alten
Grammo=
phons die letzte, mondäne Schlagerplatte dröhnt — in dieſer
guten und erlöſenden Seierabendſtimmung, die die Großſtadt nicht
mehr kennt.
Doch ſie bewegte nur die Lippen und ſtarrte ins Leere.
„Gretel, ſag, weißt du noch, wie wir beim Philipp immer
die Frühbirnen geholt haben? Weißt du noch, wie wir im
Haſel=
buſch das Vogelneſt geſehen mit den Jungen? Gretel, denkſt
du noch ans Mühltal und an den närriſchen Müller, der uns
immer den Kopf zwiſchen die Ohren ſtecken wollte, wenn er uns
noch einmal bei ſeinen Goldreinetten erwiſche? — Alles, was
mir nur einfallen wollte, rief ich ihr jetzt ins Ohr, meine
Um=
gebung ganz vergeſſend und immer wieder in ihr Geſicht
ſchauend, ob ſich in ihm nicht ein Erinnern rege.
Da, plötzlich, geſchah das Wunder. Langſam drehte Grete
den Kopf mir zu, ohne mir aber in die Augen zu ſehen, löſte
ſanft ihre Hand aus der meinen und ſtrich mir über das Haar,
wie ſie es früher ſo gern getan. Dann ſprach ſie, leiſe und ruhig
beginnend und dann immer lauter und erregter, ſo, als löſten die
Kindheitserinnerungen und die Wärme unſerer Mädchenliebe
langſam alle Starre des Irrſinns. Ein Jugenderlebnis nach dem
anderen, gemeinſame Erlebniſſe, die ich längſt vergeſſen hatte und
nun hinter den Worten der Erwachſenen ſtanden wie
Para=
dieſesblumen, über denen Engel ſelig und ſüß die Lieder unſerer
Jugendezit ſangen, kamen aus dem Munde meiner Grete. An
meiner Erregung ſahen die Schweſtern, die Wärterin und der
Arzt, daß die Arme die Wahrheit ſprach, und lauſchten tief
ergriffen dem ſeltſamen Jubel, der von den Lippen der Kranken
brach, der wie ein vom Eiſe befreiter Bergſtrom dahinſtürzte.
Dann ward ſie wieder ſtill, wandte ſich von mir ab und ließ
ſich ruhig hinausführen.
Von dieſer Stunde an wurde es langſam beſſer mit ihr, und
ſie konnte bald aus der Anſtalt entlaſſen werden.
„Und jetzt?” riefen wir.
„Jetzt iſt ſie wieder in ihrer Heimat und wartet ſehnſüchtig
darauf, daß ich ſie zu mir holen werde, fort von dem Mägde=
dienſt bei Verwandten, die ſie nicht verſtehen. Und das werde
ich tun, ſobald es durch den Auszug meiner verheirateten
Alteſten und der Sweiten, die als Kindergärtnerin eine Stelle
fern der Heimat antreten wird, Platz für ſie gibt im Hauſe.” —
Und leiſe und zögernd fuhr unſere Freundin fort:
„Wie hatte ſie doch unſere ſchöne Jugendzeit wieder
be=
glückend hervorgerufen und wie mich beſchämt mit ihrem Cun,
als ſie vor den Augen der im Wartezimmer Verſammelten
immer und immer wieder rief, ja hinausſchrie, daß auch den
Fremden die Cränen aus den Augen ſtürzten:
„Ja, ja, Maria, ſo gut warſt du. Du haſt dich nicht von mir
gewandt, auch wenn ich nicht ein ſo feines Nöckchen an hatte
wie du. Und wie waret ihr reich, und wir ſo arm! Und immer
durft’ ich zu dir, und immer neben dir gehen. Und was hatteſt
du doch für ſchönes, braunes Haar und ich ſo häßliches, und du
für ein feines Geſicht und ich ſo ein ekliges! Und dann nahm ſie
wieder meinen grauen Kopf in ihre ſchmalen Hände und rief:
„Ach Maria, wie ſchön iſt dein Haar, ſo weich und ſo ſchön
braun, und wieder ſitzt du da und ſchämſt dich meiner nicht! Und
weißt du auch noch, Maria, wie du das viele Geld in deinem
Schulranzen hatteſt, das du für den Vater zur Poſt tragen ſollteſt
und das über dem Birnenholen vergeſſen hatteſt, und wie du mir
dann unter der Schulbank, mir, die noch keinen Hunderter geſehen
bat, die vielen Cauſender=Scheine gezeigt haſt? Und weißt du
noch, wie wir auf euren Heuwagen heimgefahren ſind, und daß ihr
immer ſiebzig Wagen in die Scheune bringen konntet? So reich
waret ihr, und du haſt mich nicht verachtet!”
Ja, ſo war das mit dem „Füchslein”. Durch unſere
Freund=
ſchaft wurde ihr die ſonſt ſo harte Jugendzeit zu einer goldenen,
und durch die Erinnerung an dieſe ihr Geiſt wieder leidlich
geſund.
In einer kleinen Konditorei.
Von Walter Anatole Perſich.
(Nachdruck verboten.)
Eine verträumte Seitenſtraße trägt in dem ſauberen Geſicht
ihrer Häuſer ein buntes, freundlich=leuchtendes Fleckchen. Swei
helle Schaufenſter bilden das Entzücken aller Damen und ſonſtiger
Liebhaber zartkmuſperigen Gebäcks. Eine grüne Cür tritt hin
und wieder mit verbindlicher Geſte in den Nahmen zurück, über
ihr vergoldete Buchſtaben eines anheimelnden Wortes:
„Konditorei”
Es iſt alſo kein Kaffee, das hier die Vorübergehenden lockt,
ſondern die kleine, behagliche Konditorei, der Sufluchtsort aller
ganz Weiſen, aller ganz Kindlichen. Kaffee — das iſt immer ein
rieſiger, abweiſender Naum, voll herriſchen Prunks, mit hundert
hungrigen Marmortiſchen und ſteifen, grämlichen „Obern”. Hier
aber, das weiß man ſchon vor dem Eintreten, gibt es keine
Jazzband, keine unfreundlichen Mienen, keine haſtenden
Men=
ſchen. Hier ruht man aus, hier iſt man freier Menſch.
Der Cürgriff ſchmiegt ſich in die Hand:. „Guten Cag, alter
Freund! Sieht man dich auch mal wieder?” man ſchiebt einen
weichen Vorhang zur Seite, und drei nette Mädchen ſagen aus
ihren weißgeſtärkten Schürzen heraus recht luſtig „Guten Cag!”
Sie möchten auch alter Freund ſagen, aber das ſchickt ſich nicbt.
Der Meiſter würde ſchön mit ihnen umſpringen.
Gleich an der Cür ſteht das Küchenbüfett. Alle
Herrlich=
keiten des Kinderdaſeins werden in einem verführeriſchen Duft
wach, und ein ſchwerer innerer Kampf hebt an: eigentlich wollte
man nur auf eine Caſſe Kaffee hereinſpringen und nun ſucht man
ſich doch Gebäck aus. Wer vermöchte dieſen tauſendfachen
Reizen zu widerſtehen? Da locken zartſchmelzende Nahmtörtchen,
die ſanft über den Gaumen ſtreichen, Crüffeln, die bedächtig auf
der Sunge zergehen, braunglänzendes „Kopenhagener Gebäck‟,
mit prächtiger Obſtfüllung, Sandtorten aus mildeſtem Ceig,
Kirſchkuchen in karminhafter Nöte, Ceegebäck und
Sahne-
ſchnitten, „Berliner Pfannkuchen” mit Silveſterduft und
man=
nigfache Corten, Kunſtwerke aus Schaum, Aprikoſen, Erdbeeren
und Ananas. Schweigend, der Wirkung der Auslage bewußt,
ſteht die niedliche Verkäuferin vor dem kundigen Gaſt. Nichts
Menſchliches blieb ihr fremd, ſie unterſcheidet alle Charaktere
mühelos nach dem Gebäck, das ſie wählen, beobachtet das Ningen
zwiſchen dem Wunſch, zu genießen, und der Pflicht, ſich zu
be=
ſchränken, und kennt die Schwäche aller Menſchen vor der ſüßen
Verſuchung des Kuchens.
Schließlich iſt das Cellerchen bepackt, das Fräulein folgt
ſchon mit der Caſſe herrlich duftenden Kaffees, während man
unſchlüſſig nach dem beſten Platz ſpäht. Der Platz iſt nämlich
ungemein wichtig, im Kaffee mag man ſich ſetzen, wie es gerade
trifft, doch die weihevolle Stunde in der kleinen Konditorei will
voll ausgekoſtet ſein, die Minuten ſollen wie edler Wein
ge=
ſchlürft werden...."
Nahe einem mouſſelin=behangenen Fenſterchen mit Ausblick
auf Krokus und Neſeda im Hintergarten findet ſich ein Ciſch.
Das Fräulein hat Kaffee und Gebäck abgeſetzt und geht. Stille
lagert wie eine Andacht, bedachtſam rührt man den Sucker in
das Getränk, freut ſich an der goldgelben Sahne, greift zum
erſten Kuchen — die Welt verſinkt, der Menſch hat alles Übel
hinter ſich gelaſſen, alle Sorgen, alle Sehden ſeines herriſchen
Cages. Vergangenheit und Sukunft gibt es nicht, nur eme
lieb=
reiche Gegenwart beſteht.
Suweilen geht die Cür auf. Schüchterne junge Männer
führen ihr junges Glück auf eine halbe Stunde hierher. Sie ſind
ſo froh, daß ſie keine drei Worte ſagen, Worte klingen im
Naum und ſtören das Glück. Auch wenn das Glück vielleicht
ganz anderer Anſicht iſt und immer nur luſtige Abenteuer hören
möchte. Wenn ein Mädchenlachen an der Decke entlang flattert,
verbrämt die Sonne es mit fließendem Gold.
Die jungen Männer möchten dann „Hurra” ſchreien oder
weinen — aber ſie raffen ſich auf, zahlen und gehen. Fürſorglich
nehmen ſie ihr junges Glück mit hinaus.
Man ſollte ſo wichtige Perſonen nicht irgendwo vergeſſen
— die wenigſten Menſchen ſind ehrliche Finder.
Altliche Matronen frönen dem Sahnelaſter, der
Weltver=
achter düſteres Geſicht erhellt ſich ob des dampfenden Mokkas,
und eine ſilbergraue Katze blinzelt von der beſonnten Fenſterbank
in die Feierlichkeit der Umgebung. Sie läßt ſich gern ſtreicheln
und ſchnurrt dann erfreut.
Aber ich glaube, das iſt Oronie: ſie durchſchaut uns alle.
Der Superlativ.
Von Anita.
(Copyright by Ernſt Angel Verlag, Berlin=Charl. 9.)
Es gibt Augenblicke, in denen ſich eine ſchlechte Angewohnheit
bitter rächt.
Was ſoll man ſagen, wenn man auf einer heuduftenden Wieſe
ſitzt, Cannen ringsum, der fröhlichſte Himmel über einem und
ein Vögelorcheſter ohne Saxophon dazu?
Wenn ein kleines nacktes Kind dabei vor Seligkeit jauchzt
und ſein Körperchen ſich ſichtbarſt ſtündlich roſiger färbt?
Wenn ein ganz großes Gefühl einen übermannt und ungeahnte
Suſammenhänge ſich offenbaren?
Man kann gar nichts ſagen.
Herrlich — das äußerte man ſchon mittags beim Comatenſalat.
Wunderbar — erſchien ſchon der Geruch der neuen Seife.
Entzückend — das Pliſſee am blauen Nock.
Fabelhaft — die Figur des dünnen Manneguins.
Bildſchön — der roſa gefärbte Kaninchenkraget
Großartig — jener „drive” beim letzten Cennisturnier.
Und nun ſitzt man da und ſucht nach Worten, weil dies nun
einmal Bedürfmis iſt. Ja, was iſt das auch für eine jämmerlich
armſelige Sprache, die keiner ganz großen Bewunderung
Aus=
druck zu leihen vermag!
Es geht einem wie dem wehleidigen Kranken, der alles
Mit=
leid ſeiner Umgebung beim Schnupfen verbraucht hat und nun bei
der Gallenkolik ſeinen Anſpruch auf Mitgefühl geſchmälert
fin=
den muß.
Fluch dem Superlativ!
Und doch — wir brauchen zur Steigerung unſeres Alltags die
Illuſion der großen Begeiſterung. Die Worte: gut und ſchön in
ihrer einfachen Klarheit ſagen uns nicht genug. Da kommt der
Superlativ und läßt ein erbauliches Feuerwerk von kleinen
Emo=
tionen aufſteigen.
Wenn dann einmal die große, die ſtarke Empfindung da iſt,
ſo fühlt man ſich auf einmal ganz hilflos und ſtumm. Und ſucht
vergeblich nach dem Wort, das dem andern — dem
unentbehr=
lichen andern! — ein Echo des großen Gefühls übermitteln ſoll.
Denn der Superlativ würde ja nur ein Diminutiv bedeuten.
War Ihr Urteil richtig?
Das Teſtament des Selbſtmörders.
In der letztwilligen Verfügung iſt das Kalenderjahr nicht
angegeben. In ſolchen Fällen iſt das Ceſtament nur gültig, wenn
ſich das Jahr ſeiner Errichtung aus dem Inhalt der Urkunde
ergibt. Das iſt nach der Anſchauung des Neichsgerichts hier nicht
der Fall: „Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß der Erblaſſer den
Selbſtmord bereits in einem früheren Seitpunkt geplant, damals
aber nicht zur Ausführung gebracht hat. Es beſteht darnach
keine Möglichkeit, aus dem Inhalt der letztwilligen Verfügung
das Jahr der Errichtung feſtzuſtellen.‟ Das Ceſtament iſt
un=
gültig. (Juriſtiſche Wochenſchrift, 52. Jahrgang, S. 604.)
Die Braut und das Schlafzimmer.
Nach dem Geſetz iſt der Vater rechtlich verpflichtet, der
Cochter „im Falle ihrer Verheiratung” eine angemeſſene
Aus=
ſteuer zu gewähren. Der Anſpruch der Cochter entſteht alſo erſt,
wenn ſie heiratet, d. h. mit Abſchluß der Ehe. Vorher iſt der
Vater zu Sahlung nicht verpflichtet.
Frauen als Geſchworene.
Der Geſetzgeber hat, als er die Frauen zum Amt der
Ge=
ſchworenen zugelaſſen hat, keine Unterſcheidung gemacht, welche
Anklagen vor ihnen verhandelt werden. Der Angeklagte kann
ſein Ablehnungsgeſuch nicht darauf ſtützen, die weiblichen
Ge=
ſchworenen ſeien von vornherein gefühlsmäßig gegen ihn
ein=
genommen. Ob ſich die Frauen bei der Art des Verbrechens als
unparteiiſche Nichterinnen fühlen, müſſen ſie nach pflichtmäßiger
Selbſtprüfung entſcheiden. Durch ihre Erklärung iſt jeder
berech=
tigte Sweifel beſeitigt, daß ſie zur Ausübung des Nichteramts
fähig ſind. (Deutſche Nichterzeitung, 19. Jahrgang,
Nechts=
ſprecbung Seite 59.)
Der Lausbub.
In der Nechtſprechung iſt anerkannt, daß auch Kinder
be=
leidigt werden können; ſie ſind, wie der Juriſt ſich ausdrückt, ein
taugliches Objekt der Beleidigung. — Anders ſind die Fälle zu
beurteilen, wenn man aus Arger oder Unwillen über ungezogene
und boshafte Kinder ſeinen Gefühlen durch ein volkstumliches
Schimpfwort (z. B. frecher Lausbub) Luft macht. „Solche Worte
ſind in allen Schichten des Volkes die häufigſten und gangbarſten
Ausdrücke für böſe, mutwillige und ungezogene Kinder. Man
würde ſich mit dem im Volke herrſchenden Nechtsempfinden in
Widerſpruch ſetzen, wollte man in ſolchen Ausdrücken eine
Her=
abſetzung der dem Kinde innewohnenden allgemeinen menſchlichen
Ehre erblicken.” (Entſcheidung des baueriſchen Oberſten
Lan=
desgerichts in Strafſachen, Band 12, Seite 187.)
Der Hausmeiſter wird den Beleidigungsprozeß verlieren.
Auf Sahlung einer Buße braucht ſich der Herr im Erdgeſchoß
nicht einzulaſſen.
Die krauke Kuh.
Bernhard Mauer hat zu den Verſicherungen ſeines Bruders
geſchwiegen und ihm nicht widerſprochen. Darin liegt eine
ſtill=
ſchweigende Beſtätigung der unwahren Angaben des Alois
Mayer. Beide Brüder haben nach Anſicht des Reichsgerichts
die unwahre Catſache vorgeſpiegelt, die Kuh ſei geſund. Auch
Bernhard. Mayer wird wegen Betrugs verurteilt werden,
Entſcheidungen des Reichsgerichts in Strafſachen, Band 28,
Seite 189.)
Scha
ch
Aufgabe 464.
Nummer 322.
Walther Freiherr von Holzhauſen in Magdeburg.
(Deutſches Wochenſchach 1913.)
c
Weiß zieht und ſetzt in vier Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Ka8 Thu h3 a7 (4);
Schwarz: Kc2 Ta2 Ba3 (3); 4X.
Aufgabe 465.
Dr. Zdenek Mach in Prag.
(Bohemia, 1900.)
Weiß: Ke8 Dd1 Tg5 Se6 Bb5 d2e5 f3 (8
Schwarz: Kd5 Ld8 Sh3 Bb6 c4 (5)
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 453—457.
453. F. Buchth. Urdruck. (Ka1 De1 Tf2 Lc5 Sd3 e3 Bc3e2g3h2; Ke4 Dh7
Th8 Lc6 c7 Sa2 f6 Ba5 g2: 4F.) 1. Dei-g1! droht D:g2F: 1. .. . D: h2
2. Db1! Sc1 3. S: c1+ 4. DI5F: 2. . . . S:c3 (auch Td8 Lb5 oder La4)
3. T15:2. . . . Dh8, h5, h7 (oder Th5, Ld7) 3. Sf4+ 4. Sc4F; 1. . . . Dh3
. TI5 (nicht 2. T: k6 wegen D: g3) L: g3 3. Sf2+ 4. DbIF; 2. . . . D:f5
3. D:g2-+; 2. . . . Sg4 3. Db1. Nicht 1. Tf5 wegen D:15!; 1. Ld42 S:c3!
Eine gefällige Aufgabe.
454. Tr. von Burſtin. Urdruck. (Ke3 Dcl Tg7 Lg4h8 Sb8; Ke5 Td8 La8 Sc6
d7 Bc2 g5; 2.) 1. Dc1—d2. Eine einfache Aufgabe mit direkter Batterie.
455. G. Hume. Fata Morgana 1922. (Ke4 Lb6 g4 Se8 h8 Ba5 d3 f3; Ke6
Le8 Sf5 Ba6 b7 d4d6dTerg5g6: 2. SF.)1. Lb6—c5! Drei überraſchende
Bauern=Entfeſſelungen.
456. G. Guidelli u. E. E. Weſtbury. 1. Preis, Good Companion 1916. (Ke7 Da5
Td7 Lc4h8 Sd6 Bc5 f2 f3f4; Kd4 Dh7 Te2 g4 La7 c2 Se5g7 Be6 d3
15 g6h5; 2+,) 1. Da5—b4! Durch die 2 weißen und 2 ſchwarzen Batterieſtellungen
ſind die verſchiedenſten Kreuzſchach möglich.
457. W. Frhr. v. Holzhauſen. Deutſches Wochenſchach 1910. (Kc7 Tcl Bb5; Ka8
Lh7 Ba7; 3½.) 1. Tcl —g11 Lg6 2. T: g6 3. Ta6F; 1. ... B bel. 2. Ta1
3. T: BX. Die „Probeſpiele” (ideegemäßen Verführungen) Ta1 und k1 zeigen,
daß der Turm den Läuferraub auf der 6. Linie ausführen muß.
D Kätſel
a
Zerleg=Aufgabe.
Aus den mit Ziffern verſehenen Teilen des vorſtehenden Rechteckes
ſoll das Wort „Golf” gebildet werden.
Carl Deubel.
Buchſtaben=Rätſel.
Ob ihrem ſchönen W beneidet
Wird manche Dame dann und wann;
Mit F und L des Jägers Beute,
Mit ſ geht’s dich jetzt, Leſer, and . Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel aus Nummer 30.
Goldfiſch, Saibling, Hecht, Karpfen, Sprotte, Hering, Barbe, Schill,
Makrele, Lamprete.
„Die Fovelle‟
Ein Teil des Sommers.
„Hundstage‟
Magiſches Quadrat mit „Frag mich was!”
1. 2. 3. 4. 5.
1. JV O S B R
2. O L I V E
3. S G B I.
4. B VE RI.
5. F BLI R
Waaß der Guggug, mer kennt ſich werklich faſt ne mehr aus,
unner all dene viele Kongräſſe, die wo in unſerm ſcheene
Darm=
ſtadt abgehalte wärrn, un die Herrn Miniſter un de Herr
Owwer=
owwer un ſei annern drei Colleeche, die kumme aus de
Begrie=
ßungsredde gor nemmehr raus, un taum ſin ſe mit ganer Aſprach
ferdich, do luhrt ſchun widder e annerer Verein uff e herzliches
„Gun Dag aach!” un „no wie geht’s, wie ſteht’s” un „hoffendlich
geſellt’s Ihne hier” un „gäwwe ſe uns bald widder die Ehr”
un ſo.
So warn in de letzte paar Woche unner annerm die deitſche
Glaſermaaſter, die deitſche Abbedheker, die deitſche
Landkranke=
käßler, de Bauchdruckerverband, die Bollezeimenſche, die
Licht=
un Waſſerfachmenner, die deitſche Berufsfeierwehrleit, die
Grün=
landlendler, die bodaniſche Kuldußbrieder, die heſſiſche
Senger=
bundbindler, un was waaß ich, wer all noch all do, un ich hab
mir gedenkt in meim Sinn, alſo s is nor gut, un e wahr Glick,
daß ich kaa ſo Begrießungsredde halde muß, indem daß ich alles
dorchenanner worſchtele dhet, un temt in’s greeßte Lawwerendo,
un weer valleicht ſo verdaddert, daß ich in meine Angſt, zu de
Herrn Glaſermaaſter däß geſagt hett, was ich valleicht erſt vier
Woche denooch zu de bodaniſche Kulldußbrieder hett ſage ſolle,
un an die Landkrankekäßler, dhet ich am End in Gedanke die
Redd halte, die wo ich an de Sengerbundbindler ſchwätze hett ſolle,
un an die deitſche Vermeſſungsbeamte dhet ich in de
Verzweif=
lung ſchun die Aſprach losloſſe, die wo ich eichendlich erſt vier
Woche ſpeeder de Auslandslehrer halte ſoll; korz un gut, ich dhet
mit meim verſchiedene Begrießungsgeſchwätzt vermudlich die ganz
Innung blamiern, un däßhalb is es gud, wann ich in dene Fäll
e bische im Hinnergrund gehalde wärr.
Freilich, bei dene verſchiedene Begrießungseſſe, un
Begrie=
bungs=Friehſticker, un Begrießungs=Nachtfeſtmähler, do dhet ich
ſchun mein Mann ſtelle, un dhet ei haage im Indräſſe vun
un=
ſerm Aſähe, un gingt in Bezugnahme uffs Fuddern unſerm
jeweiliche Beſuch mit gudem Beiſpiel vora; dann mer waaß,
wie däß is, ſo Leit ſchenniern ſich, wann ſe zu Beſuch ſin, un
greife net richdich zu; 8 geht aam jo ſällwert ſo, wann mer wo
eigelade is, un mer muß ſich aſtandshalwer immer e bische
neediche loſſe, wie zum Beiſpiel: „bidde, nemme ſe nor noch e Stick,
ſie hawwe jo erſt ſiwwe — No un ſchließlich ſag ich mir,
mer bezehlt doch aach ſei Steiern, un do kennt aam die Stadt,
hie un do, bei ſo feſtliche Aläß aach als emol ſo=e beleecht Breedche
un e Schebbche Wei gunne.
Awwer wann ich mer’s widder richdich iwwerleech, ſo muß
ich annererſeits aach widder zugäwwe, daß die Stadt elend ſparn
muß, un net mehr ſo eneifahrn därf, wie ſeither, wo bei ſo
ge=
wiſſe Veralaſſunge Kredie un Bledie mitgefuddert hott. Un es
is däßhalb net mehr, wie recht un billich, daß dene die Stadt in
letzterer Zeit de Brotkorb heecher gehenkt hott, un dhut ſtrickte
bloß noch die Auswärdiche eilade. No un die, wo ſeither immer
geglagbt hawwe, 8 gingt net, wann ſie net debei weern, die
fähe däß jo aach ſo langſam ei, freilich ungärn, awwer ſie miſſe
doch zugäwwe, daß die Stadt ganz recht hott, wann ſe ſich in
dem Fall als Magſtern in der Beſchrenkung zeigt. .
Alſo, wie geſagt, unſer ſchee Städtche is gäächewärdich de
Renndezwutzplatz vun allerhand Vereinichunge, un mir
Darm=
ſtädter kenne uns äbbes druff eibilde, daß mer im Ausland, däß
Der zeitgemäße Haushalt.
Die Sitzfläche an Knabenhoſen faſt
unzerreiß=
bar zumachen. Um an dieſer Stelle die ſo auffälligen und
von ihren Trägern gefürchteten Flicken zu verhüten, ſollte man
jede neus Hoſe ganz dicht, kreuzweiſe mit kräftigem Hanſzwirn
von links durchziehen. Die Fäden ziehe man dabei möglichſt im,
nicht auf dem Stoff ein, ſo daß ſie vor jeder Reibung und
da=
durch Abnützung bewahrt bleiben. Nutzt ſich nun irgendwo das
Gewebe ab, ſo iſt leicht mit paſſender Cordonettſeide oder
aus=
gezogenen Stoffäden der Hoſe auf dem vorhandenem
Zwirnfäden=
gitter nachzuziehen und zu ſtopfen, ohne daß die Stelle nach dem
Bügeln auf naſſem Tuche ſichtbar wird.
M.
Keſſelſtein aus Waſſerkeſſeln zu entfernen.
Man fülle ſie bis zum Rande voll Waſſer, füge pro Liter 3
Eß=
löffel Salzſäure bei und laſſe ſie mit dieſer Miſchung ½ Stunde
langſam kochen. Dann fülle man ſie nochmals zur Hälfte mit
rohen Kartoffelſchalen und bis zum Rand mit friſchem Waſſer
wiederhole das Auskochen damit und wird danach den Keſſel
vollſtändig ſauber finden. Neuerdings gibt es auch in
Wirtſchafts=
magazinen zum Verhüten dieſes Anſatzes, eine runde,
ſcheiben=
artige Bürſte mit Porzellanmittelſtück, die zuverläſſig jeden
Kalk=
anſatz verhütet, wie bei halbjährigem Gebrauch eines neuen
Aluminium=Waſſerkeſſels erprobt wurde.
Grüne Bohneninverſchiedener Zubereitung.
Die landesübliche Zubereitung von grünen Bohnen iſt diejenige
m Verbindung mit Hammelfleiſch oder =ſteaks und Salzkartoffeln
oder mit dieſen zuſammen als Eintopfgericht gekocht. Man kann
ſie aber auch noch in anderer, appetitreizender Weiſe auf den
Liſch bringen. So z. B.:
Auf Schweizer Art, wozu man die grünen Bohnen
abgefädelt, ungebrochen in Salzwaſſer mit Bohnenkraut kocht,
dann auf eine heiße, flache Schüſſel häuft, mit brauner Butter
Abergießt und mit geriebenem Schweizer= oder Parmeſankäſe
überſtreut. Weiter als
Grüne Bohnen mit Peterſilie (engliſches Rezept).
Dazu werden die grünen Bohnen ebenfalls weichgekocht, mit
reich=
leh zerlaſſener Butter übergoſſen und mit gewiegter Peterſilie
gemiſcht. Pikant ſind auch
Grüne Bohnen mit Mayonnaiſe. Dazu werden
die gekochten grünen Bohnen, ungebrochen in Salzwaſſer
weich=
gekocht und mit Mayonnaiſe untermiſcht, auf einer Schüſſel
auf=
gehäuft, rechlich mit Schnittlauch beſtreut. Sehr würzig ſind
ferner
Grüne Bohnen mit Tomatenereme. (Italieniſches
Nezept.) Dazu werden die grünen Bohnen zerbrochen in
Salz=
waſſer weichgekocht, mit dickem Tomatenereme untermiſcht, mit
brauner Butter übergoſſen und mit geriebenem Schweizerkäſe
A
überſtreut.
Stachelbeergrütze mit Vanilleſoße. 1 Pfund
gereinigte, grüne Stachelbeeren ſetze man mit Waſſer bedeckt zum
Kochen auf, binde die Säure mit erbſengroß doppeltkohlenſaurem
haaßt, alſo hinner de rot=weiße Grenzfähl, aach langſam märkt,
daß ſich’s hier ſchee läwe leßt. Däß wiſſe freilich die
Reige=
ſchmuckelte ſchun lang, un ſie fiehle ſich, trotz „Schmierkees un
Gequellte” ganz wohl bei uns, un grad deßwääche, weilſen ſo
gut bei uns gefellt, ſchimbfe ſe als emol iwwer Darmſtadt, awwer
bloß, daß ihr Landsleit net uff den Gedanke zu kumme, ihne
noochzumache, un aach nooch Darmſtadt zu kumme. Däß is
freilich net menſchefreundlich, awwer ſo ſin die eichenitzige Menſche
nu emol, un ich mecht wiſſe, weers in de gleiche Lag net äweſo
mache dhet —
Awwer net bloß vum Ausland kumme ſe, ſundern ſogar vun
de ganze Welt. Zum Beiſpiel vun England, vun Frankreich,
vun Amerigg un vun Bullgarien warn Leit in de letzte Woche
bei uns uff Beſuch un hawwe, ſich bei uns wohlgefiehlt un
lowend iwwer uns ausgeſproche, un wärrn, wann ſe
haam=
kumme, Reglame for uns mache.
Ja, un wer de Blick defor hott, dem ſin valleicht in de letzte
Dag widder allerhand fremdardiche Geſtalte mit=ere braune
Haut=
fabb uffgefalle. Awwer däß ſin kag Indianer, odder gar
Schin=
neeſer, wie valleicht mancher in ſeiner Afallt glaawe kennt.
ſun=
dern däß ſin kohmiſcherweis die verſammelte heechere
Ver=
meſſungsbeamte vun Deitſchland, Oeſtreich un de Schweiz,
die wo ſich hier zu=eme große Renndezwutz zuſamme gefunne
hawwe, un wo bloß däßhalb ſo brau ſin, weil ſe ſozuſage, wie
die Ziſcheuner, ihr Gewerwe im Umherziehe bedreiwe.
No, un ich muß ſage, wann mer ſchun in de letzte Zeit
aller=
hand fremde Berufsvölkerſtemm hier kenne gelärnt hott, ſo is
es ſehr indräſſant, aach emol zu ſähe, wie ſo en heecherer
Ver=
meſſungsbeamter in Wärklichkeit eichendlich ausſieht, dann
do=
devo hott mer ſich ſeidher doch nie e richdich Bild mache kenne,
ganz abgeſähe devo, daß mer noch net emol richdich gewißt hott,
was ſo en heecherer Vermeſſungsbeamter an ſich eichentlich is.
Ich hab mer ſage loſſe, die Leit hett mer uff gud heſſiſch frieher
„Scheomeder” gehaaße. No dodrunner kann mer ſich ſchun eher
äbbes vorſtelle wann aach nir Richdiches. Gott ja, es ſin mir
verſeenlich aach ſchun Leit uffgefalle, die wo mit allerhand
ull=
giſche Inſtrumende in Wald un Feld un im iwwriche Gelende
erum geſtiwwelt ſin, un hawwe Zendimeder bei ſich, vun gud
eme Meder drei odder vier, un gucke dorch Färnröhrcher, wo mer
die Wält ganz iwwerzwerch drinn ſieht, un wo alles uffim
Kobb ſteht, ſo daß mer, wann mer dra” verbei geht, ſich immer
die Röck feſthalte muß, aus lauder Schinnandrie. .
Un wann ich dene als bei ihre Arweit mit zugeguckt hab,
do hab ich mir als ſo gedenkt: Die wiſſe ſcheints aach net, wie
ſe die Zeit dodſchlage ſolle.
Jetzt, dodorch daß äwe die ſogenannte heechere
Vermeſſungs=
begmte, uff deitſch: „Scheomeder” — hier e Dagung hawwe, un
außerdem e Ausſtellung in de Däſchnich Hochſchul, do is
mer erſt emol e Stalladärn uffgange, was däß for=en Menſche=
Natron und ſtreiche ſie durch ein Haarſieb. Dann wieder aufs
Feuer geſetzt und mit 1 Eßlöffel Kartoffelmehl oder Reispuder
ſämig ausgequollen, ſchmecke man das Fruchtmus nun, um an
Zucker zu ſparen, zur Hälfte mit aufgelöſtem Süßſtoff ab. In
Formen gefüllt, ſtürze man dieſe nach dem Erkalten und ſerviere
die Stachelbeergrütze mit Kekſen umlegt, mit einer ſchaumigen
Vanilleſoße.
I.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Ochſenſchwanzſuppe. gefüllte Kalbsröllchen mit
dickem Reis, Stachelbeergritze mit Vanilleſoße. — Montag:
Karottengemüſe mit Peterſilie und gebackenes Kalbshirn.
Dienstag: Fleiſchgefüllte Tomaten mit Kartoffelmus. —
Mittwoch: Zwiebel=Hammelfleiſch mit Semmelklößchen. —
Donnerstag: Gurkengemiſe mit Bratwurſt. — Freitag:
Fiſchauflauf mit Tomatenſoße, Gurkenſalat. — Samstag:
Hefeplinſen mit geſchmorten Sauerkirſchen.
ſchlag eichentlich is, un was dhene unſer Herrgott for=e
Wirk=
ſamkeid zugewiſſe hott; nemlich do hatt ich ſeither kaan blaſſe
Dunſt devo. Dieſe heechere Vermeſſungsbeamte, däß ſin alſo
nis mehr un nix wenicher, als wie die Landkordemächer un
Grenz=
ſtaauffſteller, alſo korzum die, die wo erſt e bißche Ordnung uff
dem ganze Erdball geſchaffe hawwe, un hawwein eigedaalt, in
lauder Quadrädcher, ſo daß ſich aach de Dimmſte druff zurecht
finne dhut. Däß ſin alſo die Vermeſſungsbeamte. Un ohne die
weern mer glatt uffgeſchmiſſe. Täſchnik un Verkehr, Handel un
Wandel, un vor allem unſer unglickſeelich Steierverwaldung dhet
im Dunkele dabbe, wann ſe die „Geodäte” net hette, dann ſie
ſin eichentlich ſozuſage die Schenneralſtäbler vun de Weltordnung.
Nadierlich, unſergans heert un ſieht im allgemeine nir vun
dene ihre Wirkſamkeid, weil ſe ſich net vornehie drenge, obgleich
ſe allen Grund dezu hette; viel mehr, wie die Aſchidäckte, die,
weil ſe ihr Arweit an die Stroß ſtelle kenne, glaawe, ſie hedde
die Geſcheidheid mit Leffel gefräſſe, un ſpiele ſich demgemäß uff,
beinoh als wann’s — Juriſte weern.
Wer ſich alſo emol e richdich Bild vun de Wirkſamkeit
vun dene ſcheomedriſche Vermeſſungsbeamte mache will, der ſoll
ſich emol die Ausſtellung in de Däſchniſche Hochſchul agucke,
morje un iwwermorie koſt de Eidritt nir. Mer is den Beſuch
ſchun ſeine Bildung ſchuldich, dann ich glaab, es gibt net viel
Darm=
ſtädter richdiche Darmſtädter, die auswennich wiſſe, warum
mer hier e Schleiermacher=, e Eckardt= un e Rößler=Stroß hawwe,
un die glaawe valleicht, s dhet ſich in dem Fall um ſo e paar
ſagenhafte Stadträt oder Beigeordnete, odder gar Borjemaaſter
hannele. Nag, es hannelt ſich in dem Fall um viel mehr,
nem=
lich es hannelt ſich in dem Fall um beriehmte Darmſtädter
Men=
ner, die wo dorch ihrn Schaffinn ſich in de ganze Welten Nome
gemacht hawwe. Jawoll, die ganze alde Heſſe, un die alde
Darm=
ſtädter, däß worn ſchun Mordskerl, un mir därfe ſchun ſtolz
ſei uff Darmſtadts Vergangenheit, wann’s aach ſo e gewiß Sort
pun Schriftſteller net Wort hawwe will un maant, Darmſtadt
hett erſt druff worte miſſe, bis ſie’ s endecke.
Gott, ja, ich gäbs unumwunde zu, die Scheomedrie war in
de Schul jo aach mei ſchwach Seit, un ausm Biddagoräiſche
Lehr=
ſatz hab ich mer Zeit meines Läwens nie ſo recht was gemacht.
Awwer in däre Ausſtellung in de Däſchnich Hochſchul, do hab ich
doch erſt en richdiche Reſchbäckt krickt for däre verzwickte
Wiſſen=
ſchaft, vun däre mer em Richdiche nooch mehr wiſſe ſollt, als mer
waaß, aach wann mer ſich den Hunnerddauſend=Mack=Preis vum
Karl Wolfskehl net erringe will, vun wääche dem „Fermatſche
Satz”; in dem Fall guck ich halt dann doch ſchun liewer in mein
Kaffeeſatz, dann do bin ich hinnenooch grad ſo geſcheid. . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Ganz poſtſchkribbdimmlicherweis
mecht ich bemerke, daß die heechere Vermeſſungsbeamte ſich als
Sundervorſtellung de „Datterich” gewinſcht hawwe, der en
die Hefſiſch Spielgemeinſchaft vorſpiele ſoll. Sie beweiſe domit,
daß die Scheomeder net bloß däſchnich mit=em Heimadboddem
in Beriehrung ſteh, ſundern aach ideäll, indem ſe Herz un
Gemied for alles Bodenſtendiche, un for die heimadverworzelt
Kunſt hawwe. Däß is en beſunners ſcheener Zug in de heidiche
Zeit, wo mer ſo gärn allem Fremdlendiſche noochlaafe dhut. Un
wann ich jetzt aus de Schul, odder in dem Fall, aus em „
Gummi=
naſium” ſchwätze wollt, kennt ich in Bezugnahme uffe Juwiläum,
däß wo demnechſt hier gefeiert werrn ſoll, en aſch beeſe Verglich
ziehe. Awwer ich will mer’s vorerſt ſchenke. . . . Gott, ja, de
Niewergall war doch „bloß” en — Lokaldichter. ..
Zwwrichens, wer ſich den ſcheene Genuß vun unſerm ewich
junge „Datterich” ſchenke will, alſo es is mer geſagt worrn,
es ſtend e klag Azahl vun Kadde forse Mack s Stick, un for alle
Blätz, zur Verfiechung, wer kumme will, is herzlich eigelade,
de Mondag awend im Klaane Haus, däß wo alſo diß Johr
mitem. Datterich” eigeweiht wärd. s gibt widder e Darmſtädter
Familliefeſt! —
Jchne
FN8T
Wenn es alle wie die Dichter und Künſiſer machten: Auf
(Söndagsniſſe=Strix.)
Inſpiration warten.
„Das Brett hier ſteht zu weit vor, da muß ich ein Stück abſägen!“
(Kaſper”.)
Der Muſterknabe. Zwei Herven, die in der Bahn
zuſammen=
ſahren, umterhalten ſich über die Erziehung ihrer Söhne. „Habem Sie
Söhne?” „Ja, einen.” „Raucht ar?‟ Aber nein!‟ Er hat nie eine
Ziganette angerührt.” „Trinſt erd” Spielt er Karten, geht er ims
Kaffee?. Kommt er ſpät nach Haufe?” „Nigmals.” „Dann haben Sie
ja einen wahren Muyſterkngben. Wie alt iſt er ben?” „Zwei Monate
und neun Dage.”
In der Religionsſtunde. „Was lernen wir aus dem Gleichnis von
bem ſieben klugen und den ſieben törichten Jumgfrauen?” „Daß wir
ſtündlich auf den Bräutigam warten ſollen.”
Die Hausuhr. „Ich brauche keine Uhr im Schlafzimmer ” erzählt
Frau Müller aus ihrem Gheleben. „Wenn mein Mann heim kommt,
weiß ich immer, was die Stunde geſchlagen hat. Macht er viel Lärm,
bonm iſt es noch frühz iſt er ſehr freundlich, damn iſt es ſchon ziemlich
ſpät; zieht er aben vorm Zimmer die Stiefel aus und geht ohne Licht
zu Bett, damn iſt es ſchon lange nach Mittemacht.”
Der Vorſichtige. Meſer war amgellagt, Schwanz der
Fundhinter=
ziehung beſchuldigt zu haben. Vor dem Richter erklärte er, jede
Be=
leidigung habe ihm fern gellegen „Ich habe mur geſagt: „Wenn
Schwarz mir nicht geholfen hätte beim Suchen, hätte ich meine
Brief=
taſche vielleicht wiedergeſunden.”
Der ungetreue. Plötzlich ſenkte ſich ein Schatten über die eben noch
ſo ſtrahlenden. Züge der Braut, und ſie ſeufzte ſchwer, während der Zug
weiter durch die romantiſche Landſchaft ſauſte. Ein Schluchzen
durch=
zitterte ihre zarten Glieder. Entſetzt beugte er ſich zu ihr: „Was iſt
denn los, mein Liebling?” — „Du liebſt mich nicht mehr!” ſtieß ſie
heraus. — „Aber wie kommſt du nur auf dieſen Gedanken?‟ —
Ver=
zweifelt ſah ſie ihn an. „Ja”, ſagte ſie dumpf: „Du haſt ſchon zweimal
zum Fenſter hinausgeſehen.”
Eine tüchtige Einkäuferin. Frau Scharf ſuchte ſich ein Stück Seide
aus, um ihren alten Jumper auszubeſſern, und wählte ſchließlich einen
halben Meter. „Wenn ich das Stück abſchneide” ſagte der Verkäufer,
„dann bleibt noch ein Reſt von 34 Meter. Möchten Sie nicht das
Ganze nehmen?” — „Und wieviel laſſen Sie dann herunter?” — „Von
dem Reſt zwei Mark.” — „Mun gut, dann wehme ich den Reſt, und den
andern halben Meter können Sie behalten.”
Aufgeklärt. „Und warum nahm Noah zwei Tiere von jeder Art
mit in ſeine Arche?” fragt der Lehrer in der dritten Klaſſe. Allgemeines
Schweigen. Dann meldet ſich eifrig die ſchlaue Elſe: „Weil er nicht an
die Geſchichte mit dem Storch glaubte!
Lruck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt, Fer. r. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ] DerHausanzug
noch vor wenigen Jahren ein
Gar=
derobeſtück, das ſich nur die
exzen=
triſcheſten Frauen leiſteten, iſt
heute ſo populär geworden, daß er
in keiner Ausſtattung fehlt. Sehr
begreiflich; denn er entſpricht ganz
den Erforderniſſen unſerer Zeit,
die ſich in jeder Hinſich an
ſport=
liche, praktiſche, bequeme Typen hält
und jeden Zwang vermeidet, ſich
alſo durch die Mode nicht
verſkla=
ven läßt.
Der Hausanzug erſetzt das
Hauskleid von Anno dazumal, das
ſich wirklich nicht mehr in den
Rahmen der heutigen Zeit fügen
würde. Mit ſeinen: Rüſchen,
Spitzen, Garnierungen, mit ſeinem
Formenreichtum hat es nämlich
eine ganz überholte Note, die von
der modernen Frau unter allen
Umſtänden abgelehnt wird.
Das Pyjama ſtellt denn auch
gerade das Gegenteil davon dar:
es iſt praktiſch, leicht waſchbar,
ſchlicht in der Form und erhält nur
durch das zu ſeiner Herſtellung
ver=
wendete Material und durch die
originelle Einfachheit ſeiner
Ver=
arbeitung jenen flotten Charakter,
der für die neuen Schaffungen
be=
zeichnend iſt.
Gerne bringt man einen
Haus=
anzug mit einer entſprechenden
Umhülle in Verbindung, da ſich
auch auf dieſem Gebiete der
Com=
plet=Gedanke durchzuſetzen beginnt.
Das Pyjama iſt im übrigen
keineswegs nur als Haus=Anzug
anzuſehen, denn man trägt es auch
gerne im Garten, im
Wochenend=
haus und vor allen Dingen am
Strande. Hier leiſtet es
ausgezeich=
nete Dienſte, wird in verſchiedenen
Seebädern auch für den Weg zum
und vom Strande verwendet, wie
man auch ſehr häufig die
Mahl=
zeiten im Strandpyjama
einzuneh=
men pflegt.
Tatſächlich aber gibt es noch
immer viele, die dem Strandanzug
den Vorwurf machen, daß er
weni=
ger äſthetiſch ſei, als der
Bade=
mantel oder der Schlafrock: gerade
das Gegenteil iſt der Fall! Denn
während eine Frau, die über dem
Badekoſtüm den Mantel trägt, ſehr unvollſtändig bekleidet wirkt,
iſt ein Pyjama eine durchaus vollkommene Aufmachung, die
nirgends Anſtoß erregen kann. In den verſchiedenen
Bade=
orten beſteht ſogar die Sitte, mit dem Strandanzuge (unter dem
man das Schwimmtrikot trägt) durch die Stadt zu gehen, ohne
dadurch das geringſte Aufſehen zu erregen. Der allerneueſten
Mode folgend pflegt man das Badepyjama derart zu
verein=
fachen, daß man es mit dem Schwimmanzuge kombiniert.
Wir zeigen dieſe Idee in unſerer erſten Skizze: man ſieht hier
den Oberteil des bunt=abgekanteten Trikotbadeanzuges, der
mit einer karierten Frottierpyjamahoſe vereinigt wird, die mit
einem Gürtel zuſammengehalten erſcheint. Ein einfarbiges
Badetuch in der Farbe des
Schwimmtrikots genügt für den
Strand vollkommen. Der breite,
an den Rändern geſranſte Badehut
iſt immer ſehr ſchick. Eine
Zuſam=
menſtellung dieſer Art wäre darum
für eine ſchlanke Geſtalt ſehr
empfehlenswert.
Aus Seidenleinen, Shantung
oder Waſchſeide ſind die
reizend=
ſten Hausanzüge herzuſtellen und
erhalten oft durch gut angebrachte
Stickereien einen ganz
unvergleich=
lichen Schick. Unſere dritte Skizze
macht mit der beliebten
Jumper=
type vertraut, die derart zu
ver=
ſtehen iſt, daß eine einfarbige,
un=
ten aufgeſchlagene Hoſe mit einem
Jumper in der gleichen Farbe
ver=
ſehen wird, der entweder oval
oder viereckig ausgeſchnitten oder
aber mit einem Bubenkragen
ver=
ſehen iſt, der mit einer flott=
gemu=
ſterten Binde zuſammengehalten
werden kann. Hier zum Beiſpiel
wird ſie mit großen Tupfen
gar=
niert, die ſogar handgeſtickt ſein
können, da dieſe Arbeit (man
ver=
wendet hier nur waſchechtes Garn
oder Wolle) ſehr leicht von der
Hand geht. Zu dem ärmelloſen
Jumperpyjama nimmt ſich ein
halblanger Paletot aus gleichem
Materiale mit geſticktem oder
(lichtecht) gemaltem Tupfenmuſter
vortrefflich aus. Daß die
Im=
primé=Mode für die Hausanzüge
eine wichtige Rolle ſpielt, iſt mehr
als ſelbſtverſtändlich, denn ſie hat
bekanntlich alle Modezweige erfaßt
und bietet hier die Möglichkeit,
mit geringen Mitteln ausgezeichnete
Wirkungen zu erzielen. Unſer
letztes Bild zeigt eine breite dunkle
Hoſe (die weite Form der
Ham=
burger Zimmermannshoſe iſt heuer
beſonders geſchätzt), dazu einen
ärmelloſen Impriméjumper, der
mit einem ſeitlich geknoteten Gürtel
aus dem Materiale der Hoſe
gar=
niert wird. Ebenſo erſcheinen alle
Kanten des Jumpers dunkel
ge=
randet.
Neben dieſen einfachen
Pyja=
mas ſind auch jene Modelle, die im
Detail ſehr ſorgfältig und
liebe=
voll ausgeführt ſind, ſehr geſucht.
Sie ſind natürlich nicht für den
Strand beſtimmt, bieten aber die
Möglichkeit einer ſchönen Handarbeit. Figur 2 bringt ein
derar=
tiges Modell in Form einer hellen, japaniſch beſtickten, ſeitlich
geſchlitzten Kaſak mit kleinem Leiſtchenkragen, zu dunklen
Bein=
kleidern. Ein Modell dieſer Art iſt nicht nur für den Sommer
verwendbar, ſondern wird auch für die Uebergangszeit und für
die Winterſaiſon als Hauspyjama ſehr gute Dienſte leiſten.
Das „Pluſhu=Jäckchen”
iſt ein ganz neuer modiſcher Begriff und ſo flott und apart, daß
man es ſicherlich in jeder Garderobe gerne ſehen wird, um ſo mehr
als ſeine Herſtellungskoſten keine hohen ſind, alſo jedermann ſich
ein Jäckchen dieſer Art leiſten kann.
Für den Tennisplatz, für die Promenade in der
Sommer=
friſche und für den Strand iſt ein „Pluſhy=Jäckchen” geradezu
ideal. Es iſt in ſeiner Form zwar im hergebrachten Stile gehalten,
(alſo gerade, mit eingeſchnittenen Taſchen gearbeitet und aus
einem ſommerlichen, waſchbaren und lichtechten Samt verfertigt:
daher auch die aus Amerika ſtammende Bezeichnung „Pluſhy”).
Die Farben ſind ſehr lebhaft: alſo ebereſchenrot,
leuchtend=
blau, zitronengelb uſw. Das Futter iſt in der Regel weiß und
derart gearbeitet, daß man das Jäckchen auch mit der Innenſeite
nach außen tragen kann, um auf dieſe Weiſe auch eine helle Um=
Fülle zu gewinnen.
In unſerem Mittelbilde zeigen wir die Pluſhy=Jacke zu einem
hellen Tenniskleide, doch kann man ſie nicht nur in Verbindung
mit den geraden Faltenröcken ſondern auch mit den glockig
ge=
ſchnittenen Modellen tragen, wie wir eines in der erſten Figur
feſtgehalten haben, ihier iſt übrigens der tiefe Rückenausſchnitt
— „the sunlight-neck” wie ihn die Amerikanerin für ihr
hoch=
ſommerliches Sportkleid hat — zu ſehen, der den Vorteil he ie
Einwirkung der Sonnenſtrahlen auf die Haut zu begür/
Natürlich ſieht ein „Pluſhy”=Jäckchen auch zu dem ſportlichen
Strick=Kleide, das wir im letzten Bilde feſtgehalten haben,
vortrefflich aus und iſt in dieſer Kombination ſicherlich als
gerade=
zu ideal zu bezeichnen.
R. H.
Für einen Sommeraufenthalt in den Bergen
pflegt man möglichſt wenige Garderobeſtücke mitzunehmen; was
man aber wählt, ſoll richtig und zweckentſprechend ſein und das
Gepäck nicht unnötig belaſten, um ſo mehr als man neben den
Sachen, die für die Berge beſtimmt ſind, auch noch andere Stücke
braucht, wenn man etwa einen Teil des Urlaubs am Waſſer
oder im Kurorte verbringt.
Wichtig iſt vor allen Dingen ein gutes Sportkoſtüm aus einem
ſtrapazierfähigen Stoffe; am empfehlenswerteſten ſind die glatten,
imprägnierten Materialien, wie Burberry und dergleichen, die
in feinen Mittelfarben (Oliv und Erdbraun), die beſten Dienſte
leiſten. Man ſtellt gewöhnlich einen Faltenrock mit einem
halb=
langen Paletot zuſammen, der heuer moderner iſt als die ganze
kurze Jacke und auch immer kompletter wirkt; dazu wäre eine
Waſchbluſe oder geſtrickter Jumper zu tragen (letzte Skizze).
Für den kurzen Spaziergang, für die Ruheſtunden auf der
Terraſſe und für Sonnentage im Grünen ſieht ein bunter Jumper
immer am beſten aus. Er kann aus buntem Modemateriale
ver=
fertigt oder auch handgeſtickt ſein; vor allen Dingen aber ſind die
geſtrickten ärmelloſen Modelle außerordentlich praktiſch und
finden ungeteilten Beifall; in Verbindung mit den ſtrickpliſſierten
Röcken ergeben ſie überdies ein ganz vortreffliches Jumperkleid,
für das man vielfach Verwendung hat (vorletztes Bild).
Ein buntes Jumperkleid aus Waſchſeide oder dergleichen, mit
einfarbigen Blenden abgekantet, iſt gerade in ſeiner Einfachheit
von vollendetem Schick (Figur 2).
Für den Abend genügt ein einfaches Georgette oder Gaze=
Modell, das im Gepäck leicht unterzubringen iſt und über alle
Verlegenheiten hinwegzuhelfen vermag (Modell 1). R. H.
Das Schultertuch
das cape=artig geſchnitten und vorne überkreuzt wird, iſt anſtatt
des Bettjäckchens, das man eigentlich nur für kalte Nächte braucht,
ſehr beliebt, beanſprucht nur wenig Material und erfüllt ſeinen
Zweck tollkommen, ſieht außerdem ganz reizend aus und wird
darum über dem Nachthemde vielfach getragen.
Man verwendet für dieſen Zweck einen Reſt bunter Seide
und arbeitet daraus nebſtbei oft auch noch einen kleinen
Pol=
ſter, der gerade in der Zuſammenſtellung ganz allerliebſt wirkt.
Dieſe Ide iſt auch für die Reiſe ungemein ſchick, praktiſch
W. U.
und ganz neuartig.