Einzelnummer 1.5 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſebenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929.
192. Jahrgang
Am breite Zeile im Kreiſe Darmſfadi 25 Reichspfg.
kanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 mm
K12 Reichsmark. Anzeigen von auswäris 40 Reichspfg.
anz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 mm breite
Reliame=
e 3.00 Reichsmart. AllerPreiſe in Reichsmark
Doſſar — 4.20 Marfl. — Im Falle höherer
ſwalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw erliſcht
Verpflſchtung auf Erfüllung der Anzeigen=
Firäge und Teſſtung von Schadenerſatz. Bel
ſnturs oder gerichtlicher Beitreibung fällt ſeder
ſhatt weg. Bankonto Deutſche Banl und Darme
ſtädter und Nationalbank.
Der neue Reparatunsberi
Das Hert Parker Gilberk zu ſagepBeiß.
Von unſerer Berliner Redaktiy
* Herr Parker Gilbert hat ſeinen Reparationczwiſſthenbericht
zum 1. Juli nunmehr der Oeffentlichkeit überge en. Es handelt
ſich um ein umfangreiches Werk von faſt 200 Seitenwas ebenſo
ſtark iſt, wie die üblichen Jahresberichte. Der Zuſchenbericht
enthält aber nicht einmal die Berichte der Berſchichenen
Treu=
händer. Herr Parker Gilbert iſt durch ſeifke letzteF
Feſtſtellun=
gen bei uns ſehr unangenehm aufgefallgn. Er Berſucht jetzt
offenbar durch ſehr viel Worte und durch usgiebich
Betrachtun=
gen zu allen weſentlichen finanziellen und wirtſchwftspolitiſchen
Vorgängen den Nachweis zu erbringen,daß ſeine rteilsbildung
gut fundiert iſt und daß ſeine abſchließenden Betrbchtungen auf
einem ſehr ſorgfältig zuſammengetrggenen Zahle ateiral
ba=
ſieren. Man muß es ihm laſſen: gr hat auch digsmal wieder
eine ungeheure Kleinarbeit geleiſteᛋ und iſt nicht mvor zurück/
geſchreckt, ſeinen Halbjahresbericht durch ſtatiſtiſcht Angabgi
aller Art zu belaſten.
Es iſt ganz klar, daß eine (bſchließende Stellungkähnfe zu
ſeinem Bericht erſt dann möglich iſt, wenn man ihn Seite für
Seite genau durchſtudiert hat, and wenn man ſich vor allem erſt
darüber llar geworden iſt, woß er zwiſchen den Zeilen andeutet
und welche Auslegungsmöglichkeiten ſich für unſere
Reparations=
gläubiger ergeben. Darübey/brauchen wir uns aber keiner
Täu=
ſchung hinzugeben, daß mack in Paris auch jetzt ſchon wieder
ver=
ſuchen wird, Honig aus dem Bericht zu ſaugen und ihm eine
Tendenz zu geben, die der des letzten Berichtes entſpricht. Im
Januar überraſchte Herr Parker Gilbert alle Welt mit der
Feſt=
ſtellung, daß es uns ausgezeichnet gehe, und daß wir in der
Lage ſeien, die Forderungen unſerer Gläubiger zu erfüllen.
Dieſer Bericht hat die Pariſer Sachverſtändigenkonferenz
weit=
gehenb beeinflußt. Herr Gilbert ſcheint inzwiſchen eingeſehen
zu haben, daß ſein damaliges Verhalten mit ſeiner Aufgabe als
Verwalter der deutſchen Reparationsleiſtungen nicht in Einklang
ſtand. Er iſt heute weſentlich zurückhaltender geworden. Sein
Bericht iſt beinahe die Nüchternheit ſelbſt. Senſationelle
Ueber=
raſchungen irgendwelcher Art enthält er nicht.
Dennoch iſt es ſehr intereſſant, ihn durchzublättern und ſich
mit den einzelnen Abſchnitten zu beſchäftigen. Die Einleitung
iſt auffallend kurz. In ihr wird kurz auf die Pariſer
Sachver=
ſtändigenkonferenz Bezug genommen und feſtgeſtellt, daß die
Annuität im 5. Reparationsjahr auf 2,5 Milliarden Reichsmark
hinaufgegangen iſt, gegenüber 1750 Millionen im Vorjahre. Er
erinnert an die Schwierigkeiten des Reiches, die durch dieſe
Leiſtungsſteigerungen entſtanden ſind und macht auch auf die
Einflüſſe aufmerkſam die namentlich im Winter die deutſche
Kredit= und Wirtſchaftslage beherrſchten. Wie immer ſtellt er
dann im eigentlichen Bericht feſt, daß die Ausführung des
Dawesplanes auch diesmal vorſchriftsmäßig vor ſich’ gegangen
iſt. In den erſten 9 Monaten des 5. Annuitätsjahres, alſo vom
September 1928 bis 31. Mai 1929, wurden 1,8 Milliarden
Reichs=
mark gezahlt. Da der neue Zahlungsplan noch nicht in Kraft
getreten iſt, iſt es ſelbſtverſtändlich Aufgabe des
Reparations=
agenten, bereits Vorkehrungen für das 6. Reparationsjahr zu
treſ=
fen, das ebenfalls 2,5 Milliarden erfordert. Er macht aber ſchon
jetzt darauf aufmerkſam, daß eine höhere Leiſtung durch den
berichtigten Wohlſtandsindex in Kraft treten kann. Des
weite=
ren legt Herr Gilbert über die Verwaltung der eingegangenen
Zahlungen Rechenſchaft ab. Betrachtet man dieſes Kapitel,
dann muß man allerdings feſtſtellen, daß die meiſten Zahlungen
mit der ſogenannten „Wiedergutachung” gar nichts mehr zu
tun haben. Auf Reparationskonto ſind zahlreich Arbeiten
aus=
geführt worden für Plätze, die außerhalb des Kriegsgebietes
liegen. So in einem Hafen von Madagaskar, im Hafen von
St. Nazaire, in den Häfen von Marſeille, Porte de Bouc, Bor=
Deaux, Le Havre, für Kanäle, an Flüſſen und Straßenbauten.
Ueber die Tätigkeit des Transferkomitees ſagt Herr Gilbert
micht allzuviel. Er hebt nur hervor, daß die Uebertragungen in
ausländiſche Währungen ſtändig ſteigen. Die bisherigen
Leiſtun=
gen des 5. Reparationsjahres ſind zu 58,22 Prozent transferiert
worden, während 41,78 Prozent unſerer Leiſtungen für
Sachliefe=
rungen, die in Reichsmark verrechnet werden, zurückbehalten
wurden.
Ueber den deutſchen Haushalt wird Herr Gilbert dann
aus=
führlicher. Er übt in ſehr vorſichtiger und verſteckter Form an
den Etats der öffentlichen Verwaltung, der Länder und
Kom=
munen in der Weiſe Kritik, daß er Einnahmen und Ausgaben
gegenüberſtellt unter gleichzeitiger Berückſichtigung der
zuneh=
menden Verſchuldung. Beim Reichsetat hebt er hervor, daß den
ſteigenden Ausgaben auch ſteigende Einnahmen gegenüberſtehen
und daß nach Annahme des neuen Sachverſtändigenplanes ſich
ein weiterer Antrieb zur Entwicklung eines geſunden
Finanz=
programms ergebe. Nicht nur wegen der an den
Reparations=
zahlungen vorgenommenen Kürzungen, ſondern auch weil der
neue Plan die Ungewißheit über den Umfang der
Reparations=
verpflichtung aus der Welt ſchaffe. Dabei betont er, daß die
Einnahmen des Reiches trotz der Erwerbsloſigkeit und des
labi=
len Zuſtandes im Wirtſchaftsleben wieder eine frappante
Zu=
nahme aufweiſen.
Einen ſtattlichen Teil des Berichtes widmet Parker Gilbert
dem Verhältnis zwiſchen Reich, Ländern und Gemeinden. Er
weiſt nach, daß nach Ablauf des Jahres die Länder und
Gemein=
den 17,6 Milliarden an Steuerüverweiſungen erhalten haben
werden. Zu den im Finanzausgleich feſtgelegten Prozentſätzen
agt er, daß die Ergebniſſe des Jahres 1928/1929 einen
ſchlagen=
den Beweis dafür böten, wie unbedachtſam in Betreff des
Rei=
ches die beſtehenden Regelungen ſeien, weil auf Grund der
feſt=
ſtehenden Prozentſätze einige der beſten Reichseinnahmen
auto=
matiſch an die Länder und Gemeinden ohne Rückſicht auf ihre
eigenen berechtigten Bedürfniſſe und auf die Erforderniſſe des
Reichshaushaltes überführt würden. Er ſagt dann wörtlich:
„In der Tat ſcheinen in den verſchiedenen bisher abgeſchloſſenen
vorläufigem Finanzausgleichsregelungen die Bedürfniſſe der
Länder md die Faraus entſtehenden Folgen als eine
Kompro=
miß=Angglegenheß zwiſchen Reich und Aandern betrachtet
wor=
den zu ein, oh e daß man jemals b üht geweſen wäre, ſie
durch Miterſuchlagen und krtiſche Zerckiederung zu ermittelng
und ac anderen Stelle IAR „Dichſe ſteigenden
Steueripek=
weiſutgen habg offengt ein Huptoment dafür gebildk, die
Ländc und G einden zu immeß gößeren und größeeen
Ver=
ausgbungen Mzugizen und vießevon ihnen zu em
der=
artigen Verfaſtey zu verleiten iſtt der Erwartungg die Fehl= zugeben braucht.
bettge würdeF hon früher oder ſMter durch weiteg
Einnahme=
üb rweiſungen on ſeiten des Reſches, oder, wem nicht, durch
Agleiheerlöſe re Deckung finde DefizitetatXk aufzuſtellen.”
Ueber dig öffentliche Schuld ſagt Parker Bilbert, daß das
Fechnunggjahr 1928/29 durch eineF erhebliche Zu=
Kahme dek Verſchuldung des Reiges, der Län=
Pder und Gemeinden gekennzeichnet ſeig Amtliche Ziffern
per 31. Mai ſeien noch nicht vorhanden. Der Wirtſchaftsdienſt
des Transferkomitees habe aber eine Veranſchlagung aufgeſtellt,
wonach die deutſche öffentliche Geſamtſchulg am 31. März
ein=
ſchließlich der kurzfriſtigen Verſchuldung, doch ausſchließlich der
Reparationsverpflichtungen und der von Reich, Ländern und
Ge=
meinden eingegangenen Garantien einen Gefamtbetrag von 15,4
Milliarden Reichsmark betrage. Davon entfſelen 9 Milliardeck
auf das Reich. 1,9 Milliarden auf die Länder und etwa 4,7
Mk=
liarden auf die Gemeinden.
Ueber die deutſche Währung weiß Herr Gilbert Tdiglich
feſt=
zuſtellen, daß ſie allen praktiſchen Erforderniſſen der Goldwährung
genüge. Zur Ausgabe von Goldmünzen ſagt er aber, daß die
Zweckmäßigkeit der in Umlaufſetzung von Goldmünzen äußerſt
zweifelhaft zu betrachten ſei.
Zum Außenhandel weiß er nur zu ſagen, daß in den
ver=
floſſenen Monaten der Außenhandel ſich der Gleichgewichtslage
etwas angenähert habe: Davon, daß Deutſchland nur im Stande
iſt, ſeinen Reparationsverpflichtungen nachzukommen, wenn ſein
Außenhandel entſprechende Ueberſchüſſe abwirft, ſteht in dem
ganzen Bericht nichts mehr drin. Intereſſant iſt jedoch, daß er
die Baiſſe unſerer Wirtſchaftslage allein auf den vollſtändigen
Stillſtand während des ſtrengen Winters zurückführt und auf die
Zunahme der Konkurſe und Geſchäftsaufſichten aufmerkſam
macht. Ein abſchließendes Urteil lehnt Parker Gilbert im
Augen=
blick ab.
Bleiben endlich die Schlußbetrachtungen, die genau ſo kurz
wie die Einleitung ausgefallen ſind und darin gipfeln, daß der
neue Sachverſtändigenplan Deutſchland und den
Gläubigermäch=
ten die Gelegenheit zur endgültigen Regelung des
Reparations=
problems gebe und damit die erforderliche Grundlage für einen
weiteren fruchtbringenden friedlichen Aufbau ſchaffe.
Zu bemerken wäre vom deutſchen Standpunkt aus vor allem,
daß der Bericht alle günſtigen Anzeichen herausarbeitet,
aller=
dings nicht in der Form wie beim letzten Jahresbericht. Die
Feſt=
ſtellung der ungünſtigen Momente, wie ſie bei gerechter
Vertei=
lung von Licht und Schatten gefordert werden dürfte, fehlt. Wir
wollen allerdings nicht vergeſſen, daß in dem ſtatiſtiſchen Material
des Berichtes weſentlich mehr ſteckt als in ſeinem Text, und daß
dieſes Material erſt die richtigen Töne in das von Parker Gilbert
gezeichnete Bild gibt. Leider wird man ſich in Paris mit den
Kurven über unſeren Export, die Produktion, den Abſatz, den
Lohnſtand und die Arbeitsloſigkeit nicht beſchäftigen, ſondern ſich
bemühen, den Wortlaut des Berichtes ſoweit zu zergliedern, wie
es notwendig iſt, um unmittelbar vor der Reparationskonferenz
einen neuen, erfolgverſprechenden Propagandafeldzug gegen
Deutſchland einleiten zu können.
Engliſch=franzöſiſche Einigung über den Ork der
Reparakionskonferenz.
London, 20. Juli.
Reuter meldet aus Paris über die geſtrige Unterredung
zwi=
ſchen Briand und Lord Tyrell, es heiße, daß die britiſche
Regie=
rung einer Stadt auf dem Kontinent als Zuſammenkunftsort
zu=
ſtimme, jedoch unter der Bedingung, daß ſie nicht ſo weit von
London entfernt ſei wie Luzern oder Lauſanne. Die franzöſiſche
Regierung ziehe zwar immer noch eine Stadt in der Schweiz
vor, ſei aber zu einer Vereinbarung mit der britiſchen
Regie=
rung gelangt. Es werde in Paris angenommen, daß Briand und
Tyrell einen Vorſchlag vereinbart haben, der den anderen
inter=
eſſierten Mächten unterbreitet werden ſoll. Sollte dieſer
Vor=
ſchlag angenommen werden, ſo würde es möglich ſein, den
Zu=
ſammenkunftsort Anfang nächſter Woche bekanntzugeben.
Vor=
läufig wird der Name der gewählten Stadt geheim gehalten.
Wie der Vertreter der Telunion aus gut unterrichteter Quelle
erfährt, gilt Brüſſelals Tagungsort der internationalen
Regierungskonferenz nunmehr als geſichert. Nur eine
Ueber=
raſchung in letzter Minute könnte noch zu einer anderen Wahl
führen.
Rumäniſch=iſchechoflowakiſcher Grenzzwiſchenfall.
EP. Bukareſt, 20. Juli.
Die Siebenbürger Blätter berichteten heute über einen
Grenzzwiſchenfall an der rumäniſch=tſchechoſlowakiſchen Grenze
bei Marmaros. Mehrerer tſchechoflowakiſche Staatsangehörige
badeten in der Theiß. Die rumäniſche Grenzwache hielt ſie für
Schmuggler, die ſchwimmend über die Grenze gelangen wollten
und gab mehrere Schüſſe auf die Badenden ab, von denen einer
infolge des erlittenen Schreckens die Beſinnung verlor und
er=
trank. — Die Bukareſter Blätter fordern die Regierung auf,
ſich zu dem Zwiſchenfall zu äußern und die Angelegenheit zu
klären.
Sie soche.
Während in den Kungen der ganzen Erde immer wieder
die Boffnung —Ausdruck kommt, daß der ruſſiſch=chineſiſche
KonAit lich beigelegt werden kann, kommen aus der Mand=
Nachrichten, die aufs Aeußerſte beunruhigen müſſen. Sie
fſhre Zuverläſſigkeit zu prüfen, iſt naturgemäß
außerordent=
lich ſchwer, aber auch wenn wir bewußte und unbewußte
Ueber=
treiſfungen von vornherein in Rechnung ſtellen, muß man ſich
darwer klar ſein, daß die Dinge zum mindeſten auf des Meſſers
Schkeide ſtehen, auch wenn man vielleicht noch nicht jede
Hoff=
nurg auf eine friedliche Bereinigung der ſtrittigen Fragen auf=
(Weit zurück greift die Entſtehungsgeſchichte des heutigen
Afliktes. Nach der chineſiſchen Niederlage im Kriege gegen
Dan im Jahre 1896 war es der verbiſſene Feind Japans, Li
ug Tſchang, der den Ruſſen den Weg zur oſtaſiatiſchen Küſte
bchnte. Zu Odeſſa ſchloß Graf Witte mit Li Hung Tſchang
ſichen Vertrag über den Bau der großen transſibiriſchen Bahn,
e auf einer Strecke von 1500 Kilometern durch mandſchuriſches
Gebiet laufen ſollte. 36 Jahre nach Fertigſtellung der Bahn ſollte
Phina das Recht haben, dieſen Teil der Strecke zurückzukaufen,
nach 80 Jahren ſollte er bedingungslos an China zurückfallen.
FSchon nach 8 Jahren war das große Werk vollendet. 350
Millio=
nen Goldrubel hatten die direkte Verbindung Petersburgs und
Moskaus mit Wladiwoſtok hergeſtellt. Die umfaſſenden Pläne des
ruſſiſchen Imperialismus ſchienen vor ihrer Verwirklichung zu
ſtehen. Aber ſchon der ruſſiſch=japaniſche Krieg brachte die
ent=
ſcheidende Wendung. Den gewaltigen Anforderungen, die ein
großer Krieg mit ſeinen ungeheuren Truppen= und Material=
Transporten ſtellt, war die transſibiriſche Bahn nicht gewachſen,
ſo daß die Niederlage Rußlands unausbleiblich war. Im Frieden
von Portsmouth im Jahre 1905 mußte Rußland die ſüdliche
Strecke Charbin—Dairen, die Südmandſchuriſche Bahn, an Japan
lang abtreten. Der Zuſammenbruch des Zarenreichs im
Welt=
krieg ſchwächte die oſtaſiatiſche Stellung Rußlands noch mehr, und
China verlangte nunmehr die völlige Rückgabe der Bahn. Nach
anfänglich entgegenkommenden Erklärungen der Moskauer
Machthaber verſteifte ſich aber der ruſſiſche Widerſtand ſehr bald,
und Herr Joffé erklärte namens der Sowjet=Regierung, daß ſie
als Rechtsnachfolgerin der Zaren=Regierung an den beſtehenden
Verträgen nicht rütteln laſſen werde, eine um ſo verſtändlichere
Erklärung, als ja die Aufgabe der mandſchuriſchen Bahn für
Rußland nicht mehr und nicht weniger bedeuten würde als den
Verluſt Wladiwoſtoks, ſeines einzigen Hafens an der Pazifik=
Küſte. Der chineſiſche Bürgerkrieg verſtärkte dann die Stellung
der Ruſſen nicht unerheblich, und ſo kam es 1924 unter der Aegide
Tſchangtſolins ein Vertrag zuſtande, nach dem die mandſchuriſche
Bahn von Rußland und China gemeinſam verwaltet werden
ſollte und der ein Rückkaufsrecht für China erſt nach zehnjähriger
Laufzeit, alſo im Jahre 1934, vorſieht. Sehr bald aber ſchon nach
Abſchluß dieſes Vertrages begannen, die Schwierigkeiten von
neuem, da das zu nationalem Bewußtſein wiedererwachte China
das ruſſiſche Recht auf die mandſchuriſche Bahn
verſtändlicher=
weiſe als einen Pfahl im Fleiſche empfindet. Es mag
dahinge=
ſtellt bleiben, ob die Behauptung, daß die Ruſſen beabſichtigten,
ihr Recht auf die mandſchuriſche Bahn an Japan zu verkaufen,
rein formell ausreicht, um das jetzige Vorgehen Chinas zu
be=
gründen. Für Rußland ſowohl wie für China handelt es ſich
eben um Fragen von ganz außerordentlicher Bedeutung, für
Ruß=
land um die Behauptung der letzten Reſte ſeiner oſtaſiatiſchen
Stellung, für China um einen weiteren Schritt auf dem Wege
zur Freiheit. Deswegen iſt die Lage ſo außerordentlich ernſt und
die weitere Entwicklung der Dinge im Augenblick von Europa aus
kaum zu überſehen. An der Entwicklung in China iſt nicht nur
Japan, ſondern auch England und Amerika außerordentlich ſtark
intereſſiert, und ſo iſt es nicht verwunderlich, daß die Vereinigten
Staaten jetzt eine Vermittlungs=Aktion unternommen haben, bei
der die Tatſache, daß ſowohl China wie Rußland den Kellogg=
Pakt unterzeichnet haben, der amerikaniſchen Regierung „als
Hauptſchützerin des Kellogg=Paktes” die erwünſchte Gelegenheit
gab, die Initiative zu ergreifen. Ob dieſe Vermittlungs=Aktion
noch den angeſtrebten Erfolg haben kann, nachdem am Amur
be=
reits die erſten Schüſſe gefallen ſind, muß abgewartet werden.
Feſt ſteht jedenfalls, daß die diplomatiſche Lage der Nanking=
Regierung nicht beſonders günſtig iſt, inſofern, als ja nicht nur
Japan in dem chineſiſchen Vorgang gegen Rußland einen
bedenk=
lichen Präzedenz=Fall für ein etwaiges ſpäteves Vorgehen gegen
die eigene Stellung in der Mandſchurei ſieht. Der oſtaſiatiſche
Konflikt wird auf jeden Fall das Verhältnis der beteiligten
Mächte zueinander beeinfluſſen und ſo auch unter Umſtänden für
die europäiſche Politik nicht ohne Folgen bleiben, wobei man
keineswegs nur an die äußerſte Konſequenz, den tatſächlichen
Aus=
bruch eines ruſſiſch=chineſiſchen Krieges und die etwaige
Nieder=
lage eines der beiden Gegner, zu denken braucht.
Währenddem ſind wir in Europa keinen Schritt weiter
ge=
kommen. Poincaré hat ſeine dreitägige Kammerrede hinter ſich,
und gleichzeitig mit der gegenwärtigen Hitzewelle hat ſich auch der
innerpolitiſche Horizont Frankreichs etwas aufgehellt. Zwiſchen
der tropiſchen Hitze in Paris und der Beruhigung der Gemüter
in der franzöſiſchen Kammer beſteht ſogar ein unmittelbarer
Zu=
ſammenhang, inſofern, als die 35 Grad Wärme, die dieſer Tage
in der franzöſiſchen Kammer gemeſſen wurden, auf die erhitzten
Gemüter der Herren Deputierten ſehr abkühlend gewirkt haben,
indem ſie die Sehnſucht nach den kühleren Geſtaden der Normandie
erheblich förderten. Aller Vorausſicht nach wird alſo die
fran=
zöſiſche Kammer in die Ferien gehen, ohne die Regierung der
Union nationale vorher geſtürzt zu haben, und auf der
ſogenann=
ten politiſchen Konferenz im Auguſt wird Miniſterpräſident
Poin=
caré der Wortführer Frankreichs ſein. Wo allerdings dieſe
Kon=
ferenz ſtattfinden wird, weiß man bis zur Stunde noch immer
nicht, geſchweige denn, daß man ſich über das Verhandlungs=
Programm einig geworden wäre.
Während die franzöſiſche Rechtspreſſe ſich damit beſchäftigt,
jeden Tag neue „Sicherheits=Garantien” zu fordern, während
Herr Marin, der Führer der ſtärkſten franzöſiſchen
Regierungs=
partei, die Rheinland=Räumung überhaupt ablehnt, will Briand
Seite 2
Gonntag, den 21. Juli 1929
Nummer 200
die Vereinigten Staaten von Europa ſchaffen. Wären die Dinge
nicht ſo verwünſcht ernſt, könnte man über ſie vielleicht fröhlich
lachen, denn auch Herr Briand weiß natürlich ſehr genau, daß
eine wirtſchaftspolitiſche Einigung des europäiſchen Kontinents
nur auf dem Weg über eine deutſch=franzöſiſche Verſtändigung zu
erreichen iſt. Daß der dazu nötige gute Wille bei uns
vorhan=
den iſt, weiß die ganze Welt. Daß er bei den Franzoſen nicht
vorhanden iſt, möchte die franzöſiſche Preſſe durch ihr
gegenwär=
tiges Trommelfeuer offenbar der Welt beweiſen. Wir können
uns demgegenüber auf die Feſtſtellung beſchränken, daß die
bedingungsloſe Rheinland=Räumung für uns nach wie vor die
Vorausſetzung für die Annahme, des Young=Planes iſt, und
wir begrüßen es, daß jetzt auch Herr Breitſcheid ſich im Namen
der ſozialdemokratiſchen Partei klar und unzweideutig auf dieſen
Standpunkt geſtellt hat. In ſeiner Rede vor der Pariſer Kammer
hat ſelbſt Poincaré das Entgegenkommen Deutſchlands im Young=
Plan zugeben müſſen, „denn ſeine Zahlungen wurden nur unter
Rückſicht auf unſere Verpflichtungen auf eine ſo lange
Zeit=
ſpanne ausgedehnt” Wenn trotzdem die kommenden
Verhand=
lungen ſcheitern ſollten, ſo wird die ganze Welt wiſſen, das Frank=
M.
reich allein der Schuldige iſt.
Der ruſſiſch=chineſiſche Konflikk.
Briands Beſprechungen mit den
Regierungs=
verkretern Rußlands und Chinas.
Paris, 20. Juli.
Die geſtrigen Beſprechungen des franzöſiſchen
Außenmini=
ſters Briand mit dem chineſiſchen Geſandten und dem
Sowjet=
botſchafter, in denen Briand den beiden Mächten zur Mäßigung
geraten hat, ſind nach einer Mitteilung des Quai d’Orſay und
nach Meldungen aus Waſhington, auf die Initiative des
ameri=
kaniſchen Staatsſekretärs Stimſon zurückzuführen. Stimſon hatte
ſich an den franzöſiſchen Botſchafter in Waſhington, Claudel,
ge=
wandt und erklärt, da die Vereinigten Staaten mit Rußland
keine diplomatiſchen Beziehungen unterhielten, könne er nicht
direkt in dem ruſſiſch=chineſiſchen Konflikt intervenieren. Man
müſſe aber den beiden Ländern zum Bewußtſein bringen, daß
ſie den Kelloggpakt unterzeichnet hätten. Nach ſeiner Anſicht
könne am beſten Briand, der ſtets für den Frieden gekämpft
habe, und am Abſchluß des Kelloggpaktes hervorragend beteiligt
ſei, den beiden Mächten klar machen, daß ſie den Streit um die
chineſiſche Oſteiſenbahn auf friedlichem Wege beilegen müßten.
Wie verlautet, hat Briand an die Regierungen in Nanking
und Moskau Telegramme gerichtet, in denen ſie zu einer
ſchieds=
gerichtlichen Beilegung des Streitfalles aufgefordert werden.
Die Vermitklung in Nanking und Moskau.
Peking, 20. Juli.
Der amerikaniſche Geſandte Mac Murray hat am Freitag
dem chineſiſchen Außenminiſter Dr. Wang telegraßhiert, daß er
von ſeiner Regierung beauftragt ſei, mit der Nankinger Regierung
über eine amerikaniſche Vermittlung in dem Streit zwiſchen
China und der Sowjetunion zu verhandeln. Der amerikaniſche
Geſandte,bat die Nankinger Regierung, ihm mitzuteilen, ob ſie
bereit ſei, die amerikaniſche Vermittlung anzunehmen.
Kowno, 20. Juli.
Wie aus Moskau berichtet wird, hat der franzöſiſche
Botſchaf=
ter in Moskau, Jean Herbette am Spätabend des Freitag
von Außenminiſter Briand ein Telegramm erhalten, in dem er
beauftragt wird, Schritte in der Frage der amerikaniſchen
Ver=
mittlung in dem ruſſiſch=chineſiſchen Streit zu unternehmen. Jean
Herbette hat die Vermittlungswünſche Amerikas dem
Stellver=
tretenden Außenkommiſſar bereits zur Kenntnis gebracht. Wie
ſich die Sowjetregierung zu dieſen amerikaniſchen Beſtrebungen
ſtellen wird, iſt allerdings noch nicht bekannt.
England und Japan ſchließen ſich dem amerikaniſchen
Vorſchlage an.
London, 20. Juli.
Die engliſche Regierung hat die Regierungen der Vereinigten
Staaten und Frankreichs wiſſen laſſen, daß ſie ſich den
Be=
mühungen, bei dem Konflikt im Fernen Oſten eine friedliche
Regelung herbeizuführen, anſchließe. Nach Berichten aus Tokio
hat ſich auch die japaniſche Regierung in dieſem Sinne geäußert.
Vom Tage.
Nach dem vollkommenen Fehlſchlag der geſtrigen Verhandlungen
in dem Lohnſtreit der engliſchen Baumwollinduſtrie wird
die Gefahr einer Ausſperrung von 500 000 Arbeitern nach dem 29. Juli
als ſehr akut bezeichnet. Wie verlautet, wird der Handelsminiſter
Gra=
ham im Unterhaus die Einſetzung eines neuen Ausſchuſſes ankündigen,
der eine eingehende Unterſuchung der gegenwärtigen Lage in der
Baumwollinduſtrie anſtellen ſolle.
Das Staatsdepartement hat bekanntgegeben, daß Präſident Hoover
das Verbot der Verſchiffung von Waffen nach Mexiko
wieder aufgehoben hat. Das Verbot war bekanntlich aus Anlaß der
Revolte in Mexiko erlaſſen worden.
Der Geſandte der Vereinigten Staaten in Bern,
Gibſon, hat beim Völkerbundsſekretariat die am 20. April d. Js.
ab=
geſchloſſene internationale Konvention zur
Bekämp=
fung des Falſchmünzerunweſens unterzeichnet. Die
Vereinigten Staaten hatten ſeinerzeit bei Abſchluß der Beratungen ſich
gewiſſe Reſerven hinſichtlich ihres Beitritts vorbehalten.
Das ſüdafrikaniſche Parlament wurde geſtern mit einer
kurzen Rede des Earl of Athlone eröffnet.
Gegen die zwiſchen dem engliſchen Außenminiſter Henderſon
und dem ägyptiſchen Außenminiſter Mahmud Paſcha
eingeleite=
ten Verhandlungen iſt ein von 165 Senatoren und Abgeordneten
unter=
zeichneter telegraphiſcher Proteſt, des unterdrückten ägyptiſchen
Par=
laments an Henderſon abgeſandt worden.
10 000 Polizeiverordnungen aufgehoben.
Berlin, 20. Juli.
Der vom preußiſchen Innenminiſterium zu Beginn dieſes
Jahres herausgekommene Erlaß, durch den die preußiſchen
Re=
gierungsſtellen angewieſen worden ſind, die vor dem 1. Januar
1890 erlaſſenen Polizeiverordnungen außer Kraft zu ſetzen, hat,
wie die Beamtenkorreſpondenz mitteilt, zur Folge gehabt, daß bis
jetzt insgeſamt 10 000 preußiſche Polizeiverordnungen aufgehoben
worden ſind. Da in Zukunft nicht wieder, wie zurzeit, ſämtliche
zum Erlaß von Polizeiverordnungen befugten Behörden
nach=
geprüft werden können, ſo iſt in Ausſicht genommen, die Zahl
der Behörden, die zum Erlaß von Polizeiverordnungen befugt
ſind, beſchränkt werden ſoll, und zwar ſollen Ortspolizeibehörden
von Orten unter 5000 Einwohnern in Zukunft
Polizeiverordnun=
gen nicht mehr erlaſſen.
Eine polniſche Noke an Deutſchland.
TU. Warſchau, 20. Juli.
Der halbamtlichen Agentur „Pat” zufolge, hat der polniſche
Geſandte in Berlin der deutſchen Regierung eine Note in Sachen
der deutſch=polniſchen Handelsvertragsverhandlungen überreicht.
In dieſer Note habe die polniſche Regierung die deutſche Note
vom Anfang des Monats Juli dieſes Jahres beantwortet. Die
polniſche Regierung lege in ihrer Note Wert darauf, die Lage,
wie ſie durch die letzten Zollerhöhungen für landwirtſchaftliche
Erzeugniſſe entſtanden ſei, zu klären. Die Zollerhöhungen
hät=
ten nämlich die bisherige Grundlage, auf der ſich die
deutſch=
polniſchen Handelsvertragsverhandlungen begegnen, verändert.
Auch die weiteren angekündigten Maßnahmen zum Schutze der
Landwirtſchaft erforderten in bezug auf die deutſch=polniſchen
Verhandlungen eine Erörterung. Aus dieſem Grunde ſchlage die
polniſche Regierung vor, die Verhandlungen unverzüglich
auf=
zunehmen, wenn nötig, ſchon am 25. dieſes Monats in Warſchau.
Deutſchland verkritt die Inkereſſen Rußlands
und Chings.
Dr. v. Borch,
Dr. v. Dirkſen,
der deutſche Botſchafter der deutſche Botſchafter
in Peking.
in Moskau.
Die milikäriſche Lage im Bernen Oſten.
Peking, 20. Juli.
Das Oberkommando der nordmandſchuriſchen Armee
ver=
öffentlicht einen Bericht über die Lage in der Mandſchurei, in dem
es heißt, daß in den letzten 48 Stunden keine größeren
Zuſammen=
ſtöße zwiſchen der chineſiſchen Armee und kommuniſtiſchen Banden
ſtattgefunden hätten. Auf dem Fluß Sungari haben dem Bericht
zufolge vier kommuniſtiſche Motorkutter verſucht, den Hafen
Loſchagu zu beſchießen. Hierbei wurden zwei chineſiſche Matroſen
getötet. Chineſiſche Wachtſchiffe haben das Feuer der
Kommu=
niſten erwidert und die Kutter zur Flucht gezwungen. Auch am
Freitag ſind von chineſiſcher Seite mehrere Erkundigungsflüge an
der ruſſiſch=chineſiſchen Grenze unternommen worden. Das
chine=
ſiſche Oberkommando teilt ferner mit, daß die chineſiſchen Truppen
an der Eiſenbahnſtrecke Mandſchurei—Chailar mongoliſche
Ban=
den entwaffnet haben, die mit ruſſiſcher Hilfe ausgerüſtet worden
waren, um planmäßige Ueberfälle an der chineſiſchen Oſtbahn
durchzuführen. Der Zugverkehr auf der chineſiſchen Oſtbahn iſt
vorläufig wegen militäriſcher Transporte eingeſtellt worden. Der
chineſiſche Generalkonſul in Tſchita hat am Freitag von der
Sow=
jetbehörde die Erlaubnis erhalten, die ſowjetruſſiſche Grenze im
Kraftwagen paſſieren zu dürfen, um nach Mandſchuria zu
ge=
langen. Der Konſul mußte das Grenzgebiet mit verbundenen
Augen paſſieren.
Chinas Vorausſehungen.
Peking, 20. Juli.
Die Beratungen der Nankingregierung über die amerikaniſche
Vermittlung ſind noch nicht beendet. In chineſiſchen gut
unter=
richteten Kreiſen wird erklärt, daß die Nankingregierung den
amerikaniſchen Vermittlungsvorſchlag unter folgenden
Voraus=
ſetzungen annehmen werde:
1. Die Sowjetregierung muß ſich mit der Beſchlagnahme der
chineſiſchen Oſtbahn durch die Nankingregierung einverſtanden
erklären. Die Nankingregierung erklärt ſich ihrerſeits bereit,
eine gewiſſe Entſchädigung an die Sowjetregierung auszuzahlen,
2. die Sowjetregierung muß ſich verpflichten, die kommuniſtiſche
Werbung in China einzuſtellen; 3. die chineſiſche und die
Sow=
jet=Regierung müſſen nach einer Einigung ſämtliche
Kriegsmaß=
nahmen an der ruſſiſch=chineſiſchen Grenze rückgängig machen.
*
Nach einem Telegramm aus Schanghai erklärte der chineſiſche
Außenminiſter Dr. Wang, China ſei eingedenk, daß es den
Kellogg=
pakt unterzeichnet habe. Jeder Verſuch der Sowjets, Truppen in
die Mandſchurei zu entſenden, werde vom chineſiſchen Volk und
von der Regierung als kriegeriſche Handlung angeſehen.
Einmarſch chineſiſcher Truppen an der Grenze
von Turkeſtan.
Peking, 20. Juli.
Die Nankinger Regierung hat chineſiſche Truppen an die
ruſſiſch=chineſiſche Grenze, und zwar in die Gegend von Chineſiſch=
Turkeſtan, entſandt. Die Truppen ſind bereits in Kaſchgar
ein=
getroffen. Ueber die Stadt Kaſchgar in Chineſiſch=Turkeſtan iſt
der Belagerungszuſtand verhängt worden. Die chineſiſchen
Trup=
pen haben die Grenze geſperrt. Die Verbindung iſt
unter=
brochen.
Japan und die Abrüſtungsfrage.
EP. Tokio, 20. Juli.
Mit der wichtigen Frage der Herabſetzung der Rüſtungen
befaßte ſich das japaniſche Kabinett in längerer Sitzung. Nach
einem vom Außenminiſter Shidehara erſtatteten Bericht nahm
das Kabinett folgende Entſchließungen an:
1. Japan iſt gewillt, ſich an einer Abrüſtungskonferenz zu
beteiligen, wenn dieſe auf eine wirkliche Herabſetzung hinzielt,
nicht nur auf eine Beſchränkung;
2. Japan ſtimmt zu, daß die Feſtſetzung des Tagungsortes
dieſer Konferenz und die anderen vorbereitenden Einzelheiten in
den engliſch=amerikaniſchen Beſprechungen über dieſe Frage
er=
ledigt werden;
3. Japan wünſcht nicht, daß dieſe Konferenz im eigenen
Lande ſtattfindet;
4. Japan iſt bereit, alle Beſtrebungen zu unterſtützen, die
darauf hinauslaufen, den „Maßſtab zur Beſtimmung der
Kampf=
ſtärke” ſo einfach wie möglich zu geſtalten.
*Ausſtellung „Der ſchöne Menſch in der neuen Kunſt”
Darmſtadt, Makhildenhöhe.
II.
Das Thema der Ausſtellung hat ſinngemäßer Weiſe bei den
Bildhauern aller Länder das ſtärkſte Echo gefunden. In über 50
Werken deutſcher, franzöſiſcher, Schweizer, ungariſcher, ruſſiſcher,
griechiſcher Künſtler wird dem geſtellten Programm mit erleſenen
Werken in größter Vielſeitigkeit entſprochen. Die Bildhauerkunſt
iſt es, die allen Sälen das Relief gibt und den
Ausſtellungs=
gedanken am reinſten zum Ausdruck bringt. Ihr iſt die Syntheſe
von Natureindruck und Seelenausdruck am eheſten gelungen; mit
wenigen Ausnahmen wird hier in der Tat der ſchöne Menſch
aufgezeigt. Das neue Ideal des Weibes iſt in Ablehnung der
modiſchen graden Linie ein voller, geſunder, von Kraft geladener
Körper in völlig poſenloſer Haltung. Vorbild und Krone iſt
Despian’s überlebensgroßer Frauentorſo, der den erſten
Saal mit monumentaler Wucht heherrſcht, alles andere in weitem
Abſtand laſſend. Die Ausſtellung kann ſich beglückwünſchen, von
dieſem ſchwer zugänglichen Künſtler, der in Paris tonangebend
iſt, ein ſo bedeutendes Werk erhalten zu haben.
Ihm am nächſten, wiewohl kleineren Formats, ſteht
Gar=
gallo mit ſeinen Waſſerträgerinnen und dem kecken „Athleten
mit der Blume” Gimond’s robuſte Eva, Laurent’s
Archi=
tekturplaſtiken, Manolos gedrungene Arbeiten. Maillols
überragende Größe bezeugt nur eine kleine Bronze.
Von Deutſchen ſehen wir Albikers ſchon klaſſiſch
gewor=
denes Grazienrelief und die „Giulietta” von entzückender Anmut,
Lörchers „Stehende” von unerhörter Spannung und eine
ſchwungvoll liegende männliche Figur (Roſenhof), Enſelings
geſtrafften Jüngling, Ezards keuſches liegendes Mädchen, des
Offenbacher Werners geſchloſſenen männlichen Bronzeakt,
Winters ſtrengen Torſo in Granit, Karl Hubers ernſten
„Verſtoßenen”, Liebfelds nette Kinderbronzen.
Von geſunder Kraft, dem ſportlichen Ideal ſich nähernd, ſind
die beiden überlebensgroßen Akte des Genfer Max Weber,
kräftig zuſammengehalten des Spaniers Clara junge
Mädchen=
torſo in Terrakotta. Mit dem in Darmſtadt nicht unbekannten
Flmari, deſſen Relief für ein Grabdenkmal beſtimmt ſcheint,
deſſen „Stehende” in Paris ſtarke Beachtung durch Despian fand
gewinnt die Plaſtik eine kultiviertere Note, die in dem
wunder=
vollen weiblichen Torſo unſeres Darmſtädters Antes, ihre
Spitze hat. Sie zeigt ſich ferner entzückend in Parayres
Zedernholzfigur, in Elkans delikatem Marmorakt, ſehr perſön=
lich und realiſtiſch in dem „Boxer=Brandl” der Sintenis, den
farbigen Sſtatuetten von Fiori etwas geſuchter ſchon in dem
Tuneſiſchen Mädchen der Milly Steger, den archaiſtiſchen
Griechinnen von Gerhard Marcks, dem überſteigerten Torſo
von Pilartz und in der expreſſioniſtiſchen Marmorgruppe von
Archipenko. Nur noch ein Schritt von hier zu den extremen,
wenn auch höchſt intereſſanten Arbeiten von Orloff: „Junger
Amerikaner” Bellings Kubismus: „Organiſche Form”,
Beothys Karikaturen von Mann und Frau.
Nahe dem modiſchen Ideal und nicht frei von ſentimentalen
Regungen, doch handwerklich vollendet ausgereift, iſt das „
Schrei=
tende Mädchen” des Züricher Bick, Schwartzkopffs
viel=
beliebte „Waldnymphe‟, Lukſchs zwei reizvolle Gruppen in
Marmor und Alabaſter, Scheibes elegante Mädchenfigur.
Weniger glücklich gelöſt ſcheint mir Karſchs „Träumender
Jüngling”. Auch Ali Lichtenſteins „Badende” wirkt nicht
völ=
lig überzeugend. WellHabichts ſchlank aufſtrebender Akt iſt
vielleicht die beſte Arbeit, die er je gemacht, obgleich er von der
inneren, ſeeliſchen Spannung zu wenig gibt.
Der Grieche Tombros hat nur einen Kopf geſchickt, mit
dem ſeine Bedeutung nicht belegt wird. Von Moiſſy
Kogan, einem unſerer führenden Plaſtiker, iſt das entzückende
weibliche Terrakotta=Figürchen unterwegs. Von Harold
Win=
ter wurde noch ein derb=luſtiger Stukko „Haarwaſchende” und
eine Bronzeplakette in einer Vitrine ausgeſtellt.
Akt.
Die Gemäldegalerie der Stadt Wiesbaden
im Neuen Muſeum.
Ba. Die Gemälde=Galerie der Stadt Wiesbaden im Neuen
Muſeum iſt der Oeffentlichkeit ab Sonntag, den 21. Juli, wieder
zugänglich, nachdem jetzt eine Neuordnung der Bilder
ſtattgefun=
den hat. Die Umhängung der Bilder — auch einige Skulpturen
ſind umgeſtellt — hat die Fähigkeiten des neuen Galerie=Direktors
Dr. Freiherrn Schenk zu Schweinsberg zur Evidenz
dar=
getan. Einige Gemälde gelangen erſt jetzt zu ihrer vollen
Wir=
kung. Ferner ſind die Bilder nicht mehr zweireihig aufgehängt,
ſondern einreihig. Die Anzahl der Räume iſt die gleiche geblieben.”
Im Raum Nr. 1 hängen Bilder, die mit der Gründungsgeſchichte
der Galerie verknüpft ſind. So ſieht man da u. a. das Bildnis
des Gründers der Sammlung, Freiherrn von Gerning zu
Frank=
furt, von der Malerin Angelika Kauffmann (1741—1807). Raum
2, 3, 18, 19 und 21 umfaſſen die Bilder der alten Malerei. In
den Räumen 13, 14, 15, 16 und 17 ſind Bilder aus dem 19. Jahr=
hundert untergebracht. Die Bilder des Wiesbadener Genremalers
Ludwig Knaus (1829—1910) waren früher mit denen Kaſpar
Köglers zuſammen in einem Raum untergebracht, während jetzt
die Knausſchen Bilder in einem Raum für ſich hängen. Die
Bil=
der der Impreſſioniſten vom Ende des Jahrhunderts befinden
ſich in den Räumen 11 und 12. Darunter finden wir im Raum
Nr. 12 das „Bildnis eines Malers” von Corinth aus ſeinen
letzten Jahren und eine Liebermannſche Leihgabe. Die Räume 6,
9 und 10 enthalten Bilder, die ſich an die Zeit des
Impreſſionis=
mus anſchließen. Darunter Wiesbadener und ſolche Maler, die
mit Wiesbaden verbunden ſind. In den Räumen 4, 5 und 7
befinden ſich Bilder, der ruſſiſchen Maler Kandinſky, Kokoſchka
uſw. und Noldeſche Südſeeaquarelle. In den letzten Räumen 8,
26, 277, 28, 29 und 30 iſt die Kirchhoffſche Sammlung (Leihgabe),
die früher unter den Bildern der Galerie hing, untergebracht.
Sie enthält vorwiegend Bilder von Nolde, Kokoſchka uſw. Der
Galerie, die ſehr ſehenswert iſt, fehlen nur Bilder einer Zeitſpanne
von zirka 50 Jahren, von 1790—1850.
„Dakkerich” in Gießen.
Das Deutſche Seminar der Univerſität feierte mit ſeinen
Profeſſoren und Gäſten ein Sommerfeſt auf dem Schiffenberg.
Mittelpunkt des Feſtes war eine Aufführung des „Datterich”.
Die Zuſchauerplätze im Schatten der alten Kaſtanien. Die
Bühne: der Hof des alten Kloſters, umſchloſſen von feſten
Mauern, belebt durch Bäume und Geſträuch, eingeteilt in drei
Schauplätze, durch Schilder jeweils näher beſtimmt. Eine Szene
reihte ſich ſo ohne Unterbrechung an die andere — eine geſchickte
und anerkennenswerte Regieleiſtung. Die Perſonen der Komödie
faſt durchweg von echten Darmſtädtern dargeſtellt. Alle Rollen
gut erfaßt und überzeugend geſtaltet, in der Spitze ein
groß=
artiger Datterich! Die Koſtüme des Stadttheaters bunt und
luſtig. Die Zuſchauer dankten in beſter Laune für dieſe
ſommer=
liche Gabe.
H. 0.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Frankfurt a. M.: Profeſſor Dr. Otto Stern=Hamburg hat den
Ruf auf den Lehrſtuhl der phyſikaliſchen Chemie an der Univerſität als
Nachfolger von Profeſſor R. Lorenz abgelehnt.
Hannover: N. B. Jungeblut, Generaldirektor der Deutſchen
Ton= und Steinzeug=Werke A.=G., Berlin, wurde für ſeine Verdienſte
um die Förderung der Steinzeuginduſtrie von der Techniſ hen
Hoch=
ſchule zum Dr.=Ing. e. h. ernannt.
Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
Seite 3
Kriſenſtiancnung in der franzöſiſchen Kammer
Der Endkampf um die Rakifizierung.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 20. Juli.
Die Debatte in der Kammer nach der Rede Poincarés war
von den Regierungskreiſen als eine Art politiſcher Revue gedacht;
nach der Ueberwindung der augenblicklichen Kriſengefahr ſollte
den Parteien für ihre für die Innenpolitik notwendige
Demon=
ſtrationen ein wenig Zeit gelaſſen werden. Es kam anders, die
theoretiſche Auseinanderſetzung artete in gegenſeitige Vorwürfe
aus, die Parteiführer hielten einander ihre begangenen Fehler
und Verantwortlichkeiten vor, und es zeigte ſich, daß man ſowohl
rechts wie auch links ein gutes Material beſitzt. Die
Kriſen=
ſtimmung kam dabei wieder auf, obzwar man ſchon die
augen=
blickliche Kriſengefahr überwunden glaubte. Es ging ſogar eine
mehr oder weniger phantaſtiſche Liſte um mit den Namen, aus
denen das zukünftige Kabinett zuſammengeſetzt werden ſollte,
an der Spitze ſtand — und das iſt charakteriſtiſch für die
ver=
änderte Situation — der Name Briands. Die Kriſe konnte
wie=
der unterdrückt werden, es hat ſich aber herausgeſtellt, daß
Poincaré bei der gemäßigten Rechten und bei Gruppen, welche
ihn nach ihrer Färbung reſtlos unterſtützen ſollten, viel
ge=
fährlichere Feinde beſitzt, als es die Sozialiſten oder die
Radikal=
ſozialiſten ſind.
Die Rede Briands wurde in Frankreich verhältnismäßig
wenig kommentiert. Von den üblichen Angriffen einiger
Rechts=
blätter, die ebenſo heftig waren wie ſonſt, erweckte ſie faſt gar
kein Echo. Die Rede war in der Tat farblos und klang wie
im=
proviſiert. Es iſt verſtändlich, daß ſie niemanden mitreißen
konnte.
Paneuropa ſteht jetzt im Mittelpunkt der
Auseinander=
ſetzungen. Der Imperiatlismus des Dollars und die
Rückſichts=
loſigkeit der amerikaniſchen Durchdringungsmethoden ſind, zum
Tagesgeſpräch geworden. Man ſteht ſo ziemlich auf dem
laufen=
den über die Fortſchritte des amerikaniſchen Kapitals in Europa
und erblickt in der amerikaniſchen Zollpolitik und in der
Finanz=
politik der Walſtret imperaliſtiſche Vorſtöße. Europa ſoll es
un=
möglich gemacht werden, ſeine Schulden in Waren, das heißt in
Dollar zu bezahlen, was Amerika will, iſt nach franzöſiſcher
Auf=
faſſung die Diktatur über die europäiſche Wirtſchaft. Und
Pan=
europa ſoll dagegen der einzige Schutz ſein.
Es iſt intereſſant, daß jetzt auch die Meinung Vertreter
findet, daß Paneuropa nicht nur wirtſchaftlich, ſondern
gleich=
zeitig wirtſchaftlich und politiſch ausgebaut werden ſoll. Das
heißt, das Tempo, in dem die privatwirtſchaftlichen Einigungen
zuſtandekommen, wird für allzulangſam und ungewiß gehalten.
Die Nachkſihung der franzöſiſchen
Kammer.
Eine verblüffend einfache Löſung.
EP. Paris, 19. Juli.
Die Nachtſitzung der Kammer, in der die
Ratifizierungs=
debatte weitergeführt wurde verlief vor faſt leeren Bänken ohne
beſondere Ereigniſſe. Der Abgeordnete Brunet, der Führer der
an der Regierung nicht beteiligten Ungbhängigen Sozialiſten,
lehnte die Ratifizierung ab, da ſeine Gruppe, die 12
Abgeord=
nete zählt, nicht an die Stelle der wankenden
Regierungsmehr=
heit treten wolle. Er vertraue auf das demokratiſche
Deutſch=
land hinſichtlich der Durchführung des Youngplanes, deſſen
Schwächen allerdings offenſichtlich ſeien. — Der rechtsſtehende
Wilde Henri=Haye, der gleichfalls grundſätzlich gegen die
Ratifizierung iſt, ſchlug eine Löſung vor, die in ihrer
verblüf=
fenden Einfachheit an das berühmte Ei des Kolumbus erinnert
und eine heitere Note in die langweilige Atmoſphäre brachte. Da
nach Poincaré Frankreich in der Lage ſei, die am 1. Auguſt
fäl=
lige Handelsſchuld von 10 Milliarden Franken zu bezahlen, ſolle
es dieſe Zahlung an die Vereinigten Staaten leiſten, um zu
zei=
gen, daß Frankreich finanziell noch exiſtiere. Dann aber ſolle
man ſich mit Deutſchland in Verbindung ſetzen, das ja, wie der
Youngplan mit ſeinen für die Deutſchen günſtigen Bedingungen
zeige, beſſere Unterhändler habe als Frankreich. Die beiden
Länder ſollten dann gemeinſam von den Vereinigten Staaten
die vollſtändige Annullierung der Kriegsſchuld fordern. Wenn
dies erreicht ſei, könne das Rheinland geräumt werden und eine
wirtſchaftliche Entente zwiſchen den beiden Ländern abgeſchloſſen
werden.
Wakum die Hundskage Hundskage heißen.
Um es gleich vorweg zu ſagen: die Hundstage tragen ihren
Namen von einem wirklichen Hunde. Seine Geſtalt iſt zwar
in mythiſches Dunkel gehüllt, gleichwohl hat er einſt auf Erden
gelebt und gebellt. Forſchen wir alſo einmal nach, was uns die
Hundstagsgeſchichte lehrt.
In der Gegenwart bildet die Zeit der Hundstage, die mit
dem Uebertritt der Sonne in das Zeichen des Löwen am 23.
Juli anhebt und bis zum Uebertritt der Sonne in das Zeichen
der Jungfrau am 23. Auguſt währt, nur noch einen Kalender=
Begriff ohne beſondeve Bedeutung. Man redet wohl allgemein
von Hundstagswetter, Hundstagshitze, Hundstagsferien,
Hunds=
tagsreiſen und Hundstags=„Enten”, ſonſt aber unternimmt man
nichts mehr zum Gedächtnis der uralten Inſtitution, ohne Sang
und Klang ging die Hundstagszeit alljährlich ſchon ſeit
Jahr=
hunderten vorüber. Früher jedoch war das anders, da widmete
man dem Anfang der Periode ein großes Feſt; urſprünglich
ſpielte nur der Anfang eine Rolle. Darum ſprach man um 1428
noch von hundstae, während wir heute die Mehrzahl gebrauchen,
und ſchon im Mittelhochdeutſchen ſagte man huntlicher tac. Dieſer
Ausdruck iſt wiederum nur eine Ueberſetzung der lateiniſchen
Be=
zeichnung dies canjeularis, deren ſich u. a. Plinius in ſeiner
berühmten Naturgeſchichte bediente. Canicula, „Hündchen”,
da=
neben aber auch Canis, „Hund”, nannten die Römer den hellſten
aller Fixſterne, den Sirius, ebenſo das ganze um ihn
grup=
pierte Sternbild, das in den jetzigen Sternkarten den Namen
Canis major, „Großer Hund” trägt (wörtlich: „Größerer”,
zum Unterſchiede von dem benachbärten Sternbilde Canis minor,
dem kleineren, d. h. „Kleinen Hunde‟). Im
Mittelhoch=
deutſchen erſcheint daher Sirius einfach als der hunt. Den
Hauptnamen des Hundsſternes, Sirius, hatten die Römer von
den Griechen übernommen, bei denen er Seirios lautete. Doch
auch die Griechen gebrauchten daneben ſchon die Bezeichnung
Kyon, „Hund”, für dieſes Geſtirn. Der ungriechiſche Seirios war
von ihnen aus dem Arabiſchen entlehnt worden. Bei den
ſternen=
kundigen Arabern hieß der Hundsſtern nämlich el=Schira, das
ſoviel bedeutet wie „der Strahlende”; el Schirajan „die (beiden)
Strahlenden”, nannten ſie gleichzeitig die beiden Hauptſterne des
Großen und Kleinen Hundes, Sirius und Prokyon.
So groß aber auch das Anſehen war, das der Hundsſtern
bei den Römern und Griechen beſaß, es wurde doch noch weit
übertroffen durch die ihm von den Aegyptern zuteil
gewor=
dene göttliche Verehrung. Dem alten Aegypten verdankt der
ge=
ſamte Siriuskult ſeine Entſtehung, von Aegypten aus verbreitete
Gegen Schluß der Nachtſitzung kam es zu einem erregten
Zwiſchenfall zwiſchen Briand und Franklin=Bouillon.
Letzterer warf der Regierung vor, daß ſie die Demarche in
Waſhington, die ein auf ſeine Initiative zurückzuführender
Kammerbeſchluß ausgelöſt hatte, nicht mit der erforderlichen
Energie durchgeführt habe. Sie habe der Demarche ihre
Durch=
ſchlagskraft genommen, indem ſie von vornherein erklärte, daß
ein Fehlſchlag ſicher ſei. Außerdem hätte man nicht ein
Tele=
gramm, ſondern eine Delegation nach Waſhington ſchicken ſollen.
Briand proteſtierte in ſchärfſter Form gegen dieſe Ausführungen.
Er habe die Demarche loyal durchführen laſſen, trotzdem er einen
Fehlſchlag vorausgeſehen habe. Wenn man noch nicht genug
habe, möge die Kammer die unfähige Regierung vor die Tür
ſetzen und eine Delegation nach Waſhington ſchicken. Er ſei
be=
reit, einem Tüchtigeren, etwa Franklin=Bouillon ſelbſt, ſeinen
Platz einzuräumen. Es ſei ein Verbrechen, das Land in der
Stunde einer ſchweren Entſcheidung noch mit der Behauptung
zu beunruhigen, daß die Regierung ihre Pflicht nicht getan
habe. Eine neue Demarche werde er unter keinen Umſtänden
unternehmen.
Nach Beendigung dieſes Zwiſchenfalles ſchloß Franklin=
Bouillon ſeine Ausführungen mit der Erklärung, Frankreich
werde, wenn es die Ratifizierung verweigere, nicht iſoliert,
ſon=
dern es könne dann die Führung einer Proteſtgruppe
über=
nehmen.
Die Liſte der von den Kammerfraktionen beſtimmten
Red=
ner war damit erſchöpft. Es werden noch etwa 20 Abgeordnete
in ihrem eigenen Namen ſprechen.
EP. Paris, 20. Juli.
Die Kammer hat heute ihre Beratungen über die
Ratifi=
zierung der Schuldenabkommen fortgeſetzt.
In der Nachmittagsſitzung ſprach der ehemalige Vorſitzende
der Reparationskommiſſion, Dubois, der ebenfalls betonte, welche
Opfer Frankreichs im Kriege gebracht habe und der ſich gegen die
Ratifizierung ausſprach.
Der Führer der größten Rechtspartei der Kammer, Louis
Marin, folgte Dubois. Er erklärte, er werde unter keinen
Um=
ſtänden, für die Ratifizierung ſtimmen. Das Land, das im
Kriege am meiſten gelitten habe, könne heute nicht noch weitere
Opfer angeſichts des Goldimperialismus der Vereinigten
Staa=
ten bringen.
Der zur Gruppe Marin gehörende Abgeordnete De Wendel,
ein Vertreter der Schwerinduſtrie, lehnte die Ratifizierung der
Schuldenabkommen ab. Irgendwelche Gefahr für die franzöſiſche
Währung ſei bei einer Nichtratifizierung nicht zu befürchten. —
Ein Zwiſchenruf des ſozialiſtiſchen Abgeordneten Blum
veran=
laßt den Finanzminiſter Chéron zu der Erklärung, Frankreich
habe einen genügend großen Deviſenvorrat, um die fällige
ameri=
kaniſche Handelsſchuld von 10 Milliarden Franken zu bezahlen.
Frankreich werde ſich aber nach dieſer Zahlung ungünſtigeren
Be=
dingungen gegenüberſehen als vorher.
Außenminiſter Briand
beſtieg dann die Tribüne, um der Kammer unmittelbar vor der
Abſtimmung nochmals den Standpunkt der Regierung
klarzu=
legen. Der Außenminiſter wiederholte eine Reihe von
Argumen=
ten, die er zu Beginn der Debatte vorgetragen hatte. Wenn
Frankreich die Schuldenabkommen nicht ratifiziere, ſo werde das
keine Kataſtrophe zur Folge haben, aber Frankreich verliere dann
ſeine internationale Handlungsfreiheit. Die gegenwärtige
Re=
gierung werde demiſſionieren und am 1. Auguſt ſeien zehn
Mil=
liarden Franken zu bezahlen. Die Abkommen würden ungültig
und es müßten neue Abkommen verhandelt werden. Falls
Frankreich in einen neuen Konflilt hineingezogen würde, ſo
würde es im Ausland keinen Kredit finden, wenn es jetzt nicht
ſeine Unterſchrift achte. Die Regierung werde alles tun, um
eine Sicherheit zu erhalten, daß Deutſchland ſeine Zahlungen
leiſte. In dieſem Geiſte werde ſie auf die bevorſtehende
Regie=
rungskonferenz gehen.
Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung ſtellte dann zur
allgemeinen Ueberraſchung Finanzminiſter Chéron im Namen
der Regierung den Antrag, die Diskuſſion des
Ratifizierungs=
geſetzes abzubrechen und den geſtern von der Finanzkommiſſion
abgelehnten Antrag Delignes zur Beratung zu ſtellen.
Nach dieſem Antrag erklärt die Kammer feierlich, in der
Er=
wägung, daß Frankreich die zur Ausführung der
Schuldenab=
kommen nötigen Mittel nur durch eine regelmäßige Bezahlung
der Youngplanannuitäten durch Deutſchland erhalten könne, daß
ſie die Regierung in dieſem Sinne zur Ratifizierung der Schul=
denabkommen ermächtige und ſie auffordere, die regelmäßige
Ver=
wendung der deutſchen Zahlungen zur Deckung der äußeren
Schuld zu überwachen.
Briand ſtellt die Berkrauensfrage.
Dem Antrag der Regierung entſprechend, beſchloß die
Kam=
mer, in die Beratung des Antrages Deligne einzutreten.
Juſtiz=
miniſter Barthou erklärte auf Befragen, daß die Regierung
nicht durch Dekret ratifizieren wolle. Der Sozialiſt Froſſard
forderte genaue Aufklärung über die Haltung der Regierung im
Falle der Alehnung des Antrages Deligne. Briand wandte
ſich gegen die Aufnahme der Vorbehalte in den
Ratifizierungs=
text. Der Präſident der Finanzkommiſſion, Malvy, forderte die
Kammer auf, den Antrag Deligne abzulehnen, worauf Briand
für die Regierung die Vertrauensfrage ſtellte. Die Abſtimmung
hierüber ging unter ungeheurem Lärm, Tumult und wirrem
Durcheinander vor ſich. Schließlich ſtellte ſich heraus, daß ſich
in den Urnen 980 Stimmzettel befanden, während die Kammer
nur ganze 615 Abgeordnete zählt (!). Der Kammerpräſident
mußte darauf hin zur Auszählung ſchreiten, wobei ſich die
Ablehnung des Ankrages Malvy
mit 301: 275 Skimmen
ergab. Die Kammer vertagte ſich dann auf 10 Uhr zu einer
Nachkſihung.
Nach Beginn der Nachtſitzung kommt ein Antrag Herauld
zur Abſtimmung, der u. a. beſagt: In dem Augenblick, in dem vor
der Kammer das Problem auftaucht, die Abkommen von London
und Waſhington zu ratifizieren, und am Vorabend der
Inter=
nationalen Konferenz erneuert die Kammer den Ausdruck ihrer
brüderlichen Empſindungen für die Völker, die im Kriege Seite
an Seite mit Frankreich kämpften. Die Kammer iſt der
Auf=
faſſung, daß Frankreich ohne Gefahr, ſeine nationale Wirtſchaft
auf das ſchwerſte zu erſchüttern, nicht in der Lage iſt, die
not=
wendigen Mittel zur Begleichung ſeiner Verpflichtungen an
Amerika und England auf anderem Wege zu finden, als durch
Verbindung mit den deutſchen Schuldenzahlungen. Die Kammer
erklärt daher, daß alle obengenannten Verpflichtungen durch die
Summen gedeckt werden müſſen, die Deutſchland als ſeine Schuld
an Frankreich abzuführen hat.
Es wird zur Abſtimmung geſchritten, doch wird über den
letzten Teil noch nicht abgeſtimmt, da vorher noch über einen
An=
trag Coy Beſchluß gefaßt werden ſoll, der beſagt, daß die
Zah=
lungen Frankreichs an England und an die Vereinigten
Staa=
ten ausſchließlich den Leiſtungen Deutſchlands nach dem
Young=
plan entnommen werden ſollen.
Bei der Abſtimmung über den erſten Teil des Herauld=
Antrages ergab ſich
eine Mehrheit von nur 8 Skimmen
für die Regierung. Abgeordneter Deligne zieht ſeinen Antrag
zurück und fordert ſeine Freunde auf, für den Antrag Herauld
zu ſtimmen. Es kommt zu einer Unterbrechung der Sitzung
wegen der weiter anſteigenden Nervoſität der Kammer.
Darauf wird zur Abſtimmung über den Antrag Coy
ge=
ſchritten, gegen den die Regierung die Vertrauensfrage geſtellt
hat.
Um die Amneſtie für die Elſäſſer.
EP. Paris, 20. Jult.
Die Zivil=Geſetzgebungs=Kommiſſion der Kammer
beſchäf=
tigte ſich erneut mit der Amneſtievorlage für die elſäſſiſchen
Autonomiſten. Die Kommiſſion hatte bekanntlich zunächſt auf
Vorſchlag des Berichterſtatters Uhry die Amneſtie auf alle
poli=
tiſchen Verurteilten ausgedehnt, dann aber dieſen Beſchluß auf
Verlangen des Juſtizminiſters Barthou rückgängig gemacht, was
zur Demiſſion des Berichterſtatters führte. Nunmehr ſtieß die
Kommiſſion ihren letzten Beſchluß wieder um und dehnte die
Amneſtie auf alle Preſſevergehen ſowie auf alle Vergehen wegen
anti=militariſtiſcher Propaganda aus. Darauf demiſſionierte der
in der letzten Sitzung ernannte Berichterſtatter Pernot
ſeiner=
ſeits und an ſeiner Stelle wurde der alte Berichterſtatter Uhry
erneut beſtellt.
er ſich ſpäter erſt in andere Länder. Die Tempelprieſter und
Aſtronomen hatten ſchon in uralter Zeit herausgefunden, daß der
in ihren dunklen Nächten beſonders hell ſtrahlende Stern
alljähr=
lich grade zu der Zeit frühmorgens wieder vor der Sonne
ſicht=
bar wird, wenn der das Land befruchtende Nilſtrom zu ſchwellen
beginnt; von der Nilüberflutung hing ja das ganze Wohl und
Wehe, die Fruchtbarkeit Aegyptens ab. Für die Hauptſtadt
Mem=
phis fand dieſer Frühaufgang, der ſog. heliakiſche Aufgang (von
griechiſch Helios, „Sonne”), am 19. Juli ſtatt. Seiner hohen
Be=
deutung entſprechend, machte man den Vorgang zum
Jahres=
anfang und feierte an dieſem ein großes Feſt, daß
aller=
dings infolge des im Volke geltenden Wandeljahres von 365 (ſtatt
365½) Tagen nach und nach alle Jahreszeiten durchlief und erſt
nach 1460 Jahren wieder auf den urſprünglichen Zeitpunkt fiel.
Dadurch wieder enſtand das große Siriusjahr, die Sothis= oder
Hundsſternperiode, deren Beginn beſonders glänzend gefeiert
wurde. Sirius war bei den Aegyptern der gewaltigen
Univerſal=
göttin Iſis geheiligt und mit ihr eins. Unter den zahlreichen
Bei=
namen, deren ſich Iſis erfreute, war Sati, Satit oder Satis, d. h.
die „Schwellenmachende” (nämlich den Nil), von beſonderer
Wich=
tigkeit; ihm entlehnten die Griechen daher auch ihre Bezeichnung
des Sirius mit Sothis. In den Hieroglyphen=Inſchriften trägt
Sirius unzähligemal den Namen Sopdet, Sopet, d. h. „Dreieck”;
mit einem roten Dreieck wurde das Geſtirn vorwiegend
darge=
ſtellt. Iſis=Sopet bildete alſo einen Begriff. Von einem „
Hunds=
ſterne”, aber wußten die Aegypter nichts.
Die Symboliſierung des Geſtirns mit einem Hunde müſſen
wir daher anderswo ſuchen. Und da gibt uns der Himmel ſelbſt
den nötigen Aufſchluß. Aus der in ihren Anfängen bis in die
früheſte Zeit der Geſchichte zurückreichenden Sternbilder=
Ein=
teilung ſehen wir, daß dem Großen Hunde mit Sirius und dem
Kleinen Hunde mit Prokyon das impoſante Sternbild des Orion
weſtlich unmittelbar voranſchreitet. Orion aber, der identiſch mit
dem babyloniſchen Urkönig Nimrud, dem bibliſchen Nimrod,
iſt, war „ein großer Jäger vor dem Herrn”, ihm folgten die
beiden Hunde auf ſeinen Jagdſtreifzügen. Die Geſchichte der
Hundstage reicht alſo bis in eine erſtaunlich ferne Vergangenheit
A. Stentzel.
zurück.
Hitephankaſien.
Bei der großen Hitze ſoll man nicht:
Feurige Kohlen aufs Haupt ſammeln —
Ganz Feuer und Flamme ſein —
Vor Glück ſtrahlen —
Vor Wut kochen oder glühend lieben —
Dampf hintermachen oder einem Menſchen ordentlich einheizen —
Jemandem ſeine warme Zuneigung ſchenken —
Die Erregung auf den Siedepunkt gelangen laſſen —
Heißen Dank ſagen —
Einen brennenden Wunſch haben —
Bäcker.
Heiß verehren und — weggehen wie die warmen Semmeln beim
Dagegen ſoll man:
Eiſige Ruhe bewahren —
Kühl bis ans Herz hinan ſein —
Jemandem froſtig begegnen —
Vor Schreck zu Eis erſtarren —
Kalt lächeln —
Kühl abweiſen —
Die Begeiſterung auf den Gefrierpunkt ſinken laſſen, und die
Hoffnung auf den Nullpunkt —
Die Rache kalt genießen —
Die Vergeltung aufs Eis legen —
Kalt wie eine Hundeſchnauze ſein, und endlich jemandem die kalte
Schulter zeigen.
Robert Neumann: Sintflut. Stuttgart 1929, J. Engelhorns Nachf.
Kartoniert 7,50 RM., Leinen 9,75 RM., Halbleder 13 RM.
Der Weltkrieg hat ſeine Biographen gefunden. Nach Arnold
Zweig, Bring, Glaeſer und anderen haben Ludwig Renn in „Krieg=
und Erich Maria Remarque in „Im Weſten nichts Neues” lebendige
und gültige Dokumente jener Zeit geſchaffen.
Eine gleichwertige, ebenſo umfaſſende, ihrer Materie lebensnahe
und ſi.h trotzdem bereits ins Allgemeingültige erhebende Darſtellung
der Inflation hat bisher gefehlt. In dieſe Lücke tritt Robert
Neu=
manns Zeitroman „Sintflut”.
Dieſes monumentale Gemälde der Nachkriegsperiode — das
bis=
herige Hauptwerk des Dichters — iſt ein aufwühlendes Buch von
uner=
hörter Erlebniskraft und dokumentariſcher Bedeutung. Zu ſeiner
Lek=
türe gehören ſtarke Nerven, — aber es iſt gerade ein Zeichen für
Ro=
bert Neumanns große Kunſt, daß wir ſelbſt bei der Schilderung des
Grauenhafteſten den Atem tieſſter Menſchlichkeit ſpüren und durch
Ge=
ſichte dämoniſcher Gcöße gepackt werden. Der Verfaſſer der ſo raſch
berühmt gewordenen Parodien „Mit fremden Federn” hat mit diefem
Buch nicht nur bewieſen, daß er Eigenes zu geben hat, ſondern daß er
in die Reihe unſerer beſten Erzähler geſtellt werden muß.
Gutes Deutſch. Ein Führer durch Falſch und Richtig. Von Eduard
Engel. Vierte, durchgeſehene Auflage: Leipzig 1929. Heſſe u.
Becker Verlag. 375 Se ten. In Steifdeckel 3 RM., in Leinen 4 RM.
Dieſer erprobte Wegweiſer zu richtigem und gutem Deutſch iſt
ſoeben in einer neuen, durchgeſehenen Auflage erſchienen. Er iſt die
notwendige Ergänzung zu des Verfaſſers berühmtem und
weitverbrei=
tetem „Verdeutſchungsbuch”. Gibt Engel in dem „Verdeutſchungsbuch”
dem Leſer eine Fülle von deutſchen Ausdrücken für die häßlichen
Fremd=
wörter, ſo erweiſt er ſich in dem vorliegenden Buche als Berater in den
Fragen der Grammatik und des Stils. Er iſt kein Sprachbüttel und
kein Rechthaber, ſondern ein nachſichtiger, klug abwägender Führer.
Seite 4
Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
A
A
A
Diplom-Ingenieur
Wilhelm Strahringer
Em) Strahringer
geb. Hubertus
Vermählte
Darmstadt, 20. Juli 1928.
Statt Karten.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Anteilnahme an dem Ableben meines
lieben Mannes ſage ich herzlichen Dank.
Frau Eba März.
Für die überaus zahlreichen
Glück=
wünſche, Blumen und Geſchenke
an=
läßlich unſerer Si. bernen Hochzeit ſagen
wir auf dieſem Wege herzlichen Dank.
Wilh. Fiſcher und Frau
Gaſthaus zum goldenen Anker.
Nieder=Ramſtadt, Juli 1929.
Wilhelm. Fournell
Privatſchweſter
Bismarckſtr. 100
bei A. Bauer, 2. St.
Angeb. m.
Gehalts=
ung. ſchriftl. erbet.
Sprechſt. v. 3—5. (*
Statt Karten.
Georg Wolf
Gertrude Wolf
geb. Sperb
Vermählte
Darmstadt, den 20. Juli 1928.
Roßdörterstr. 33.
Todes=Anzeige.
Heute früh entſchlief ſanft nach langem, mit
großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber
Mann, unſer lieber Vater, Schwiegervater,
Groß=
vater und Urgroßvater
Wilhelm Leißler I.
Schreiner
im Alter von 74 Jahren.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Dorothea Leißler, geb. Hildebrand
8 Kinder, 24 Enkel und 1 Arenkel.
Traiſa, den 20. Juli 1929.
Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juli,
nachmittags um 3½ Uhr, vom Trauerhauſe aus ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bittet man höflichſt abſehen
zu wollen.
(11778
Fär die überaus herzliche
Anteil=
nahme, die mir, meinen Kindern und
der ganzen Familie beim Tode meines
unvergeßlichen Mannes, unſeres teueren
Vaters entgegengebracht wurde und die
hierbei bekundete große Wertſchätzung,
Liebe und Verehrung für den ſo früh
Verſchiedenen ſage ich innigen Dank.
Frau Doris Koehler
geb. Rummel
Helmut Koehler
Irmgard Koehler.
Darmſtadi, den 21. Juli 1929. ſtungs
Dankſagung.
Für die liebevolle Anteilnahme bei
dem ſchweren Verluſte, der uns betroffen
hat, dankt herzlichſt im Namen der
Hinterbliebenen
Eliſabeth Eckhard.
Ober=Ramſiadt, den 20. Juli 1929.
(11734
Für die wohltuende Teilnahme, die
uns beim Tode unſrer lieben Schweſter
in ſo reichem Maße zu teil wurde, ſagen
wir Allen herzlichen Dank. 4178‟
Anna Strecker
Friedel Strecker.
Oankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme und die vielen
Blu=
men= und Kranzſpenden bei dem
Heimgange unſeres lieben
Entſchlafe=
nen ſagen wir auf dieſem Wege
unſeren innigſten Dank. Ganz
be=
ſonders danken wir Heirn Dr. Käß für
die liebevolle Behandlung und Herrn
Pfarrer Erkmann für die troſtreichen
Worte am Grabe, ferner dem Krieger=
und Militärverein und der
Bahn=
meiſterei 8 für die Kranzniederlegung.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ph. Klein.
Wishauſen, 20. Juli 1929
(11735
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veraltete Leiden dauernd heilen.
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Rummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
Seite 5
Au. der Bandeshaupiftadt.
Darmſiadi, 21. Juli.
Aus dem Gewerbemuſeum.
Im Lichthof des Gewerbemuſeums ſind zurzeit wieder einige Arbeiten
der Zunft Jungkunſt in Pforzheim ausgeſtellt, die vor einigen
Johren von Schülevn des früheren Mitglieds der Darmſtädter
Künſtler=
kolonie Profeſſor Wende gegründet worden iſt. Es ſind diesmal nur
zvenige Arbeiten, und ſie finden in einer Vitrine Raum; ein Teeſervice in
Sülber, eine Emailſchale, zwei Abendmahlskannen, zwei Zuckerzangen und
ein Tintenzeug. Aber dieſe paar Stücke geben eine Quinteſſenz deſſen
wvas heute im handwerklichen Nachwuchs lebendig iſt. Mit Zuſtimmung
und Bedenken kann der Beſucher hier in engem Rahmen wieles finden,
was ſonſt den Reichtum größerer Ausſtellungen ausmacht. Der erſte
Ein=
druck ſollte der einer ungeteilten Bewunderung ſein. Es iſt hier
vorbild=
lich gute Arbeit geleiſtet, nicht nur in techniſchem Sinn, ſondern auch in
den Anſprüchen des Arbeiters an ſich ſelbſt, in der Konzentration auf ein
hohes Ziel. Wie bei allen Arbeiten der Wendeſchule iſt die Schönheit
des Silbers mit der größten Hingabe ausgenutzt. Strenge Formen
dienen als Rückhalt für den Reichtum des Lichts. Das Streben nach
Vereinfachung und nach abſolutem Adel gerade in den einfachen Formen
iſt underkennbar. Wem vielleicht manches Anſtößige der Formgebung
den Blick daſür trübt, der achte nur auf die Farbengebung der
Email=
ſchale. Die Abneigung gegen alles Harte und die Freude an harmoniſcher
Wirkung, die hier in die Augen fällt, läßt ſich unſchwer auch in der
Formgebung der ſilbernen Geräte wiederfinden.
Für viele Beſucher wird der Eindruck aber umgekehrt ſein. In den
Formen der Geräte empfinden ſie eine Willkür, die perſönliche Abſichten in
den Vordergrund ſtellt und ſachliche Grenzen vergißt. Alle Gefäße
ſcheinen mit Problemen überſättigt. Sie geben Rätſel auf und ſind
ſſelbſt ein Rätſel. Denn wie verträgt ſich ſoviel ſchlichte Vornehwheit und
ſoviel Eigenſinn?
In den intereſſanten Fällen iſt dieſer Eigenſinn wohl unbewußt.
Arbeiten, wie ſie das Gewerbemuſeum ausſtellt, ſind nicht im Auftrag
entſtanden. Sie ſind aus dem Ringen und Hoffen eines Schaffenden
her=
vorgegangen. Was in ihm ſteckt und zum Ausdruck drängt, iſt oft zu
viel für den kleinen Anlaß, den das Leben gönnt, und dann kommen
Gebilde zuſtande, die ſich ſelbſt zu wichtig nehmen. Aber ſolche
Aus=
wüchſe ſind doch nur die Wirkung mangelnder Aufträge. Gerade im
Bereich handwerklicher Arbeit bietet das Leben ſelbſt die beſte
Korrek=
tur aller Ideologie. Wir wollen uns darum hüten, an ſolchen Arbeiten
nur zu ſehen, was die Kritik reizen kann. Können und auch Selbſtzucht
ſind in reichem Maße vorhonden. Das Uebrige iſt eine Anklage mehr
gegen die Zeit als gegen die Künſtler.
Die Ausſtellung der graphiſchen Arbeiten von Joſua Gampp
die gleichzeitig im Vorderraum des Muſeums zu ſehen iſt, bleibt noch
bis Ende dieſes Monats geöffnet. Seine innerliche und ſtarke Kunſt
wird von einem Künſtler wie Markus Behmer aufs wärmſte
be=
wwundert. Ihr zu begegnen, iſt ein Erlebnis, von dem man Jahre lang
gehren kann. Sollte es in Darmſtadt wirklich nur ein paar Dutzend
Menſchen geben, die für ſolche ernſte Kunſt Sinn haben? Haupt.
Die 42. Landesverſammlung des Heſſiſchen
Haupk=
vereins des Evangeliſchen Bundes.
findet auf Einladung des Zweigvereins vom 10 bis 12. Auguſt 6. J. in
Beerfelden i. O. ſtatt. Die vovbereitende Feſtausſchußſitzung, an der
Vertreter des Hauptvereins, des Feſtortes und der Orte der Umgebung
teilgenommen haben, hat mit dankbar anzuerkennender Freudigkeit und
tiefem evangeliſchen Bewußtſein keine Wege geſcheut, der
Landesver=
ſammlung einen würdigen Rahmen zu geben.
Im Feſtprogramm iſt vorgeſehen: Samstag, nachmittags: Sitzung
des Evangeliſchen Beamtenvereins, Vorſtandsſitzung und
Vorverſamm=
lungen in den Predigtorten: Sonntags vormittags: Feſt= und
Jugend=
gottesdienſt im ganzen Feſtbezirk, in Beerfelden Sitzung des Vorſtands
der Dekanats=Vertrauensmänner und des Feſtausſchuſſes; Sonntags
nachmittags: Feſtzug, ebangeliſche Volksverſammlung,
Begrüßungsver=
ſammlung; Montags: Mitglieder= und Abgeordnetenverſammlung.
Alſo gewiß ein reichhaltiges Programm. Es wirken mit:
egange=
liſche Kirchengeſangvereine, Geſangvereine, Poſaunen= und Bläſerchöre.
Als Feſtprediger haben ſich Mitglieder und Führer des
Evange=
liſchen Bundes zur Verfügung geſtellt. Es ſprechen außerdem
Bundes=
direktor D. Fahrenhorſt, Berlin, und Superintendent Ober=Kirchenrat
Dr. Müller=Darmſtadt.
Alle Evangliſchen ſind an dem evangeliſchen Tag im Herzen des
heſſiſchen Odenwaldes herzlich eingeladen.
Techniſche Hochſchule Darmſtadt. Rektor und Senat der
Tech=
niſchen Hochſchule Darmſtadt haben auf einſtimmigen Antrag der 98 für Bauingenieurweſen Herrn Direktor Dipl.=Ing. Wil lm
V. Sippell in s/Gravenhage (Holland) wegen ſeiner hervor=
ägen=
den Verdienſte um die Verbreitung deutſcher techniſcher Erzeugyiſſe im
Auslande und um die Förderung der Techniſchen Hochſchule Pärmſtadt
die Würde eines „Ehrenſenators” erteilt.
Rektor und Senat der Techniſchen Hochſchule Darmſtgst haben auf
einſtimmigen Antrag der Abteilung für Bauingenieurwgfen die Würde
eines „Doktor=Ingenieurs Ehrenhalber verliehen: Hern Theodor
Becher, ſtellvertretender Direktor der M.A.N. j Guſtavsburg, in
Anerkennung ſei ter hervorragenden Verdienſte g dem Gebiete des
Waſſerbaues, insbeſondere hinſichtlich der Endbicklung der eiſernen
Walzen= und Schützenverſchlüſſe von Wehrey und Herrn Profeſſor
Dipl.=Ing. Georg Rüth in Wiesbaden=Biebkich in Anerkennung
ſei=
ner hervorragenden Verdienſte um die Eiyfährung neuzeitlicher
Siche=
rungsarbeiten an gefährdeten alten Bauperken.
Folgenden Herren wurde die venia legendi an der Techniſchen
Hoch=
ſchule Darmſtadt erteilt: Dr.=Ing. Karl Andreß für „Chemiſche
Technologie‟. Dr. Hans Jüngſt ſüt „Geologie und Palaeontologie”,
Dr. Adolf Küntzel für „Gerbereichemie und Kolloidchemie‟.
Jugendbünde der Johannesgemeinde. Es wird hiermit noch
beſon=
ders darauf hingewieſen, daß am Sonntag, dem 28. Juli, der Ausflug
unſerer Eltern nach unſerm Landheim Rimhorn ſtattfindet. Die
gemein=
ſame Abfahrt erfolgt ab Darmſtadt Hpt. 7.11 Uhr, oder ab Oſt 7.26 Uhr.
Um zu wiſſen, wie ſtark die Beteiligung iſt, wegen der Verpflegung uſw.,
ſind durch uns Einladungen mit anhängender Anmeldung verteilt worden.
Wer eine ſolche nicht erhalten hat, ober an dem Ausflug teilnehmen
will, wird gebeten, ſich in die bei Papierhandlung L. Paul,
Wendelſtadt=
ſtraße, aufliegende Teilnehmerliſte einzutragen. Auch die Mitglieder des
Frauen= und Männervereins, der Gemeindevertretung ſſowie unſere
Freunde ſind zu dieſem Beſuch herzlichſt eingeladen. Falls noch etwas
wiſſensſwert erſcheint, ſo iſt noch näheres bei dem Landheimwart H. E.,
Landwehrſtraße 11½, zu erfahren.
Die Handwerksbammer veranſtaltet in den Räumen der Städtiſchen
Gewerbeſchule in Darmſtadt einen Kurſus zur Vorbereitung auf den
fachlich=theoretiſchen Teil der Meiſterprüfung des Elektro=
Inſtallationsgewerbes im Jahre 1930. Die Erfahrungen
bei den letzten Prüfungen haben gezeigt, daß gerade für das Glektro=
Inſtallationsgewerbe kurzfriſtige Kurſe für die Teilnehmer wenig
We=
haben. Die Handwerkskammer hat ſich daher entſchloſſen, dem AnwäxteEn
für die nächſtjährige Meiſterprüfung rechtzeitig Gelegenheit z
Fründ=
lichen Vorbildung zu geben. Es kann allen Intereſſentep die ſich im
Jahre 1930 der Prüfung unterziehen wollen, nur dringend geraten
wer=
den, ſich umgehend bei der Direktion der Städtiſchen Gewerbeſchule in
Darmſtadt, Landgraf=Philipps=Anlage 6, zu melden, da nach dem
25. 8 1929 einlaufende Anmeldungen keine Berüichſichtigung mehr
fin=
den können.
Beſichtigung des Zeppelin=Luftſchiffes. Infolge Vornahme der letzten
Vorbereitungsaybeiten am Luftſchiff „Graf Zeppelin” zur Weltfahrt wird
die Beſichtigung desſelben nur noch bis einſchließlich Donnerstag,
den 25. Juli, zugelaſſen.
Päckchen. Es iſt immer noch nicht genügend bekannt, daß die
Deutſche Reichspoſt mit der Einführung der Päckchen dem Publikum die
Möglichkeit bietet, Gegenſtände, kleinere Warenmengen uſw. auf billige,
ſchnelle und einfache Weiſe zu verſenden. Für die Auflieferungg bedarf
es weder einer Paketkarte noch ſonſtiger Begleitpapiere. Es gibt zwei
Arten von Päckchen: 1. das Briefpäckchen, das 60 Rpf.
koſtet und mit der Briefpoſt, alſo auf dem ſchnellſten Wege, befördert
wird. Als Briefpäckchen ſind Sendungen bis 1 Kilogramm zugelaſſen.
Größe: 25:15:10 Zentimeter oder 30:20:5 Zentimeter, in Nollenform
30:15 Zentimeter. Die Aufſchrift muß den augenfällig
hervortreun=
den Vermerk „Briefpäckchen” tragen. 2. Sonſtige Päckchen, die
nur 40 Rpf. koſten, aber mit der Paketpoſt befördert werden. Als
ſonſtige Päckchen werden Sendungen im Gewicht bis zu 2 Kilo
zugelaſſen. Größe: 40:25:10 Zentimeter oder 50:20:10 oder 40:30:5
Zentimeter, in Rollenform 75:10 Zentimeter. Die Aufſchrift muß den
auffällig hervortretenden Vermerk „Päckchen” tragen.
— Kleinhandels=Tagespreiſe vom Darmſtädter Wochenmarkt am
Samstag (pro Pfd. bzw. Stück in Pfg.): Spargeln 1. Sorte 80—100,
2. Sorte 40—50, Kohlrabi 6—8, Gelbe Rüben 5—6, Rote Rüben 20,
Nömiſchkohl 20, Weißkraut 25, Wirſing 20—25, Stangenbohnen 25—30,
Buſchbohnen 20—25, Wachsbohnen 30—35, Erbſen 20—25, Zwiebeln 15,
Knoblauch 80, Tomaten 40, Endivienſalat 15, Kopfſalat 10—15,
Salat=
gurken 10—50, Einmachgurken 3—5, Blumenkohl 20—100, Rettich 25
bis 35, Meerrettich 120, Radieschen 7—10; Frühkartoffeln 7—8,
Spät=
kartoffeln 6—7; Erdbeeren 75—80, Pfirſiche 70—75, Aprikoſen 60—65,
Kirſchen 40—45, Johannisbeeren 23—B, Stachelbeeren 20—40,
Him=
beeren 75, Heidelbeeren 40—45, Tafelbirnen 15—25, Trauben 75,
Apfel=
ſinen 10—15, Zitronen 10—15 Bananen 50—60; Süßrahmbutter 210
bis 220, Landbutter 190—210, Weichkäſe 35, Handkäſe 5—15, Eier friſche
14—15; Hühner 140—180, Tauben 80—90: Rindfleiſch friſch 90—110,
Kalbfleiſch 120, Schweinefleiſch 110—126, Dörrfleiſch 160, Wurſt 70—160,
Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 110.
Slimmen aus dem Leſerkreiſe.
(ür die Veröffentlſchungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaltion keinertei
Der=
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des 9 21 Abſ. 2 des Preſſegeſches in vollem Amfange
der Einſender verantwortlich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückgeſandt, die Ablebnung nicht begründet werden.
— Bei der heißen Jahreszeit wäre es doch wirklich angebracht, die
verkehrsreiche Frankfurter Straße (von Bismarckſtraße bis
Fabrik Merck), die von Autos und Arbeitern am meiſten benutzt wird,
täglich mehreremale zu beſprengen. Man ſieht den
Motorſpreng=
wagen meiſtens nur da fahren, wo am wenigſten Verkehr iſt. Der
aus=
führenden Stelle wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß die
Frank=
furter Straße auch noch zur Stadt Darmſtadt zählt. Eine gerechte
Ein=
teilung der Straßen und Anweiſung der ausführenden Organe wäre
dringend erforderlich.
Die Enkwicklung der Hafraba.
Günſtige Ausſichten für die Main—Neckar=Strecke. — Ein
Nur=Autoſtraßenprojekt Frankfurt—Köln.
Frankfurt a. M., 20. Juli.
In der ſechſten Verwaltungsratsſitzung des Hafraba=Vereins gab
Geh. Oberregierungsrat Otzen=Hannover ein Bild von der
Entwick=
lung des Vereins. Die ſteigende Mitgliederzahl, beſonders auch der
Beitritt verſchiedener großer deutſcher Automobilklubs, laſſen die
wach=
ſende Notwendigkeit der Verwirklichung des Projekts erkennen. Die
bei den techniſchen Arbeiten des Vereins gefundenen neuen
motortech=
niſchen Traſſierungsgrundſätze ſollen als Grundlage neuer
Geſtaltungs=
geſetz der Linie Verwergng finden.
Oberregierungsrat rebs=Darmſtadt be hite über die Ergehé
niſſe ſeiner verkehrswrtſchaftlichen Unterſuglingeh im Main=Neger=
Wirtſchaftsgebiet; nach ſeinen Ausführungepund ie Ausſichten fys die
Nentabilität der Stzcke durchaus günſtig,— Indden techniſchee
Aus=
ſchuß des VerwAlt igsrats wurde Profeſor Kagmann=Beeuin neu
gewählt, in de/t Wrkehrswirtſchaftlichen Ausſchuf tegierunggat
Suß=
dorf von er Aaftverkehr „Deutſchlod” (Berm) und DRehorn
(Kaſſel).
In ger agſchließenden dritten Mentlichen Mitgliedgsverſammlung
des Vexeins Mafraba gedachte zunäg Vorſitzeuder Stadtkat Lingnau
der erſtorgenen tatkräftigen Förherer des afraba=Gedankens, des
Oherbürge eiſters Dr. Gläſſchg=Darnadt und des Gebuats
Mach=Mesbaden. — Der heſſhiche Staatbräſident/Dr.delung
prach ſich in einem bereits bekagnten Refergt „Reich 4pLänder” über
die Nocbendigkeit aus, daß W transkoyg nentale Fekaßenfrage,
ſie diegsHafraba betreibe, vo ebenſolche Wichtig/1 ſei wie die
faſſungsrechtliche und territocale Refor Deutſchlangs. — In
Jahwsbericht konnte dann Geh. Oberregerungsrat Oſtzen die giiefſtige
Engicklung näher darlegg. Die beſttchengen Organſſationen
ird
du th den Sonderausſchug Main=Negkr Frweitert und.
Eſtgeltfrage läßt eine im Sinne der KAutoſtraße Regelung
evarten. Die techniſche Arbeiten den durch neues rein
motor=
chniſches Traſſierung broblem des waurate dchler, des Erbauers
des Nürburg=Rings Befruchtet. D umfgagreiche Projekt einer Nur=
Autoſtraße Frankfug—Köln wirdgiugeyöhicklich in Anlehnung an das
Wafraba=Projekt Parbeitet. — Vox den Satzungsänderungen iſt der
er=
geichterte Beitr von Automobilklubs und anderer nicht auf Erwerb
Gſtellter Oniſationen zu erwähnen. Neu in den Vorſtand wurdege
gebähIng. Scholz vom Retchsverband der Automobilinduſtste
und die Oberbürgermeiſter von Mamheim und Heidelberg.
167
die wundervolle goldklare Hagmsmseife
für jedes Haar, auch aShampoon
kokgle Beranftaltungen.
Di
Pmender Roüzen Iad ausfcüehich als Himmkk ef Zen
in ſerirem Jade wgendmie als Deſprechung oder Kritk.
— Der „Stahlhelm”, Bund der Frontſoldaten, Ortsgruppe
Darmſtadt. Am kommenden Donnerstag, 25. Juli, findet in den oberen
Näumen der Reſtauration Sitte (Karlſtraße) unſere
Pflichtverſamm=
lung ſtatt. Anſchließend Vortrag.
Heute großes populäres Konzert im Saalbau=
Garten. Sonntag konzertiert der Reichsbund der ehem. Militär=
Muſiker in großer Beſetzung (Harmoniemuſik) nach einem gewählten
Pro=
gramm im Volkstone im herrlichen, kühlen Saalbaugarten. Matthias
Weber wird den Beſuchern einen angenehmen Abend bereiten. Die
abnorme Hitze wird manchen Anhänger Weberſcher Muſik nicht in die
Ferne locken, ſondern wird man ſich gerne den Abend für dieſe
Veranſtol=
tung freihalten. (Siehe Anzeige.)
— In Hotel und Reſtaurant „Zur Poſt” am
Hauptbahn=
hof findet heute in ſämtlichen Räumen Künſtlerkonzert ſtatt.
— Orangeriehaus. Heute Sonntag, den 21. Juli, abends
8 Uhr, findet im Orangeriehaus Gartenkonzert ſtatt. Eintritt frei.
(Siehe Anzeige.)
— Herrngarten (Pergola). Heute Sonntag, den 21. Juli,
konzertiert das Stadkorcheſter unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W.
Schlupp von 11—12 Uhr im Herrngarten (Pergola) nach folgendem
Programm: In Treue feſt” Marſch. Ouvertüre zur Oper „Oberon”
von Weber. Czardas a. d. Oper „Der Geiſt des Wojewoden” von
Groß=
mann. Fantaſie a. d. Oper „Lohengrin” von R. Wagner. „Geſchichten
aus dem Wiener Wald”, Walzer von Strauß. „Klar zum Gefecht”,
Marſch.
— Herrngarten=Kaffee. Heute nachmittag 4 Uhr findet
im Herrngarten=Kaffee ein Künſtlerkonzert ſtatt. Abends 8 Uhr großes
Konzert des Stadtorcheſters unter Leitung ſeines Kapellmeiſters Willy
Schlupp, verbunden mit großer Illumination und bengaliſcher
Beleuch=
tung der Pergola und der Inſel. (Siehe Anzeige.)
— Im Wiener Kronenbräu=Keller findet, wie jeden
Sonntag, Gartenkonzert bei freiem Eintritt ſtatt. Im Saal ladet eine
Jazzkapelle abends zum Tanz ein. Weiter wird uns mitgeteilt, daß
nächſten Dienstag ein großes Gartenkonzert ſtattfinden ſoll; Mathias
Weber übernimmt die Leitung.
Aus den Parkeien.
— Dienstag, den 23. Juli, abends im „Perkeo” (Alexanderſtraße)
öffentliche Verſammlung der Nat.=Soz. Deutſchen
Arbeiter=
partei. Nedner: Betriebsrat Engel=Berlin. (Näheres heutige Anz.)
Tageskalender für Sonntag, den 21. Juli 1929.
Konzerte: Schloßkaffee, Hotel Schmitz, Kaffee Oper, Sportplatz=
Reſtaurant, Kaffee Ganßmann, Hotel Prinz Heinrich, Bismarckeck,
Waldſchlößchen. Zum Schwanen. Alte Poſt. Hotel zur Poſt. —
Städt. Saalbau, abends 20 Uhr: Garten=Konzert. —
Herrn=
gartenkaffee nachm. 16 und abends 20 Uhr: Konzert. —
Brauerei Schul, 20 Uhr: Künſtler=Konzert. —
Rummel=
bräu, nachm. und abends: Garten=Konzert. — Wiener
Kro=
nenbräukeller 16 Uhr: Konzert. — Orangeriehaus
2 Uhr: Garten=Konzert. — Beſſunger Turmhalle 20 Uhr:
Garten=Konzert. — Kinovorſtellungen: Helia und Palaſt=
Lichtſpiele. — Mathildenhöhe, 10—18 Uhr: Ausſtellung „Der
ſchöne Menſch”.
Die diesjährige Ernkefinanzierung.
Die Erntefinanzierungen, wie ſie im vergangenen Jahre zum erſten
Male über die landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften und durch
Aus=
nutzung des in den Beſitz der Deutſchen Rentenbank=Kreditanſtalt und
der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe übergegangenen Scheuer=
Konzern durchgeführt wurde, ſoll auch in dieſem Jahre in erweitertem
Maße ſtattfinden. Die Art der Bevorſchuſſungl iſt die gleiche geblieben,
und zwar wird einmal auf Lieferungsverträge mit feſten Preiſen auf
die Dauer von drei Monaten ein Vorſchuß bis zu 60 Prozent des
Wa=
renwertes gegeben, ferner auf Lieferungsverträge, die ebenfalls
inner=
halb von drei Monaten abzuwickeln ſind, be: denen aber der Preis, der
endgültige Lieferungstermin und die Lieferungsart im Laufe der Friſt
noch zu vereinbaren iſt. — Wenn die Ware nicht an Scheuer für eigene
Rechnung verkauft wird, ſo beträgt die Kommiſſion ein Prozent. Die
genoſſenſchaftlichen Zentralorganiſationen haben auch in dieſem Jahre
das Recht, die zur Abdeckung des Vorſchuſſes zu liefernde Ware nach
Verſtändigung anderweit zu verkaufen, wenn dabei ein beſſerer Preis
erzielt werden kann, als ihn der Scheuer=Konzern zu dem Zeitpunkt zu
bieten vermag. Eine Erweiterung der Bevorſchuſſung iſt in dieſem
Jahre inſofern vorgeſehen, als bei den Organiſationen, deren
Anlie=
ferer durch Ausſchließlichkeitserklärung eine feſte Verpflichtung zur
Lieferung eingegangen ſind, Vorſchüſſe ſchon vor dem Schnitt des
Ge=
treides gewährt werden können, und zwar auf der Grundlage von
Be=
ſitzerakzepten mit dem Giro der Organiſation. Der Scheuer=Konzern,
der ſeine Mittel von einer Reihe großer Privatbanken erhält, gibt die
Vorſchüſſe zu einem Geſamtzinsſatz von 8,75 Prozent an die
genoſſen=
ſchaftlichen Zentralorganiſationen ab, die ſie dann an die einzelnen
An=
lieferer weitergeben.
Zum Voranſchlag der Gemeinde Eberſtadt.
F. Der Gemeinderat verabſchiedete in ſeiner letzten Sitzung den
Gemeindevoranſchlag für das Rj. 1929. Er ſchließt mit einem
Fehl=
betrgg hn 151 123,57 RM. gegenüber einem ſ hen von 145 000 RM.
Vorjahx. Das Plenum hatte ſich die Arbit in dieſem Jahre ver=
Phältnismäßt leicht gemacht, denn die Tatſache, daß der urſprüngliche
Fehlbetrag ih nur 537 RM. höher war, b=Beiſt, daß der Voranſchlag,
wie ihn der Bürgermeiſter dem Gemeinde vorlegte, faſt unverändert
angenommen urde. Man begnügte ſich An weſentlichen mit der
Feſt=
ſtellung, daß ſer Fehlbetrag gegenüber decjenigen im Vorjahre nur um
einige Tauſeiſ Mark höher ſei und dund den glücklichen Umſtand, daß
die Gewerbe pitalien der Gemeinde Einen erfreulichen Zuwachs zu
verzeichnen hätten (1928: 1859 600 RMF. 1929: 3 235 200 RM.) und
ent=
ſprechend auc der Gewerbeertrag gswachſen war (1928: 19 968 RM.,
1929: 924 23½ RM.), eine Erhöhung der Gemeindeſteuern nicht
einzu=
treten brauche. Einzelne AbſtricheDie bei den Ausgaben gemacht
wur=
den, wurdeF durch Erhöhung andcher bzw. Einſtellung neuer
Ausgabe=
poſten wieder aufgehoben. So Ptrugen die beſchloſſenen
Minderaus=
gaben 852/ RMM., denen jedoch Ine Mehrausgabe von 6883 RM. und
eine Minkereinnahme von 11/4 RM. gegenüberſteht. Bemerkenswert
iſt, daß die Ausgaben der Mbrik 22 (Allgemeine Verwaltung) eine
Steigeruckg gegen 1928 von 161,50 RM. aufweiſen. In Rubrik 34
(Straßew waren bei den b fönderen Herſtellungen für Befeſtigung des
Grieshenerwegs mit Kalt/ſphalt 3000 Mk. vorgeſehen. Dieſer Betrag
richen. Als Rate für die Neuvermeſſung des Ortes ſind
EDEik 4500 RM. bereitgeſtellt. Auch für die Stütz=
Rierdern
maugß an der Mrdaubrücke in der Heidelberger Straße finden wir im
Vorgſchlag — dieſes Jahr unter der Rubrik 41 (Flüſſe, Bäche, Gräben)
— Bieder 2300 RM ausgeworfen. An dieſe Arbeit wagt man ſcheinbar
nwt heranzugehen, denn ſchon vor drei Jahren ſollte ſie ausgeführt
gerden. Zur Ausbeſſerung der Bürgerſteige (Erneuerung des Platten=
Gelags) ſind 3600 RM. eingeſtellt. Hier wirft ſich die Frage auf, oß
man angeſichts der ſehr teueren Unterhaltung der Bürgerſteige nicht
dazu übergehen ſollte, allmählich anſtelle des Zementplattenbelags einen
dauerhaften Steinplattenbelag zu ſchaffen, wenigſtens auf den
Hauptver=
kehrsſtraßen. Die Sozialrentnerfürſorge (Rubr. 42) erfordert
Auf=
wendungen in Höhe von 51000 RM., ein Mehr gegen das Vorjahr
von 6000 RM., bedingt durch allgemeine Erhöhung der
Unterſtützungs=
ſätze. Hier muß berückſichtigt werden, daß die Koſten der
Soz'alrentner=
fürſorge der Gemeinde nur mit 25 Aozent zur Laſt fallen, während
rsfürſorgeverband trägt. Das gleiche
die übrigen 65 Prozent der
Wrerfürſorge zu, deren Aufwendungen für 1929
trifft auf die
mit 23 04M. beranſchlagt ſind. 230 000 Mk. neue Anleihen ſind
vorge=
gher hämlich: 150 000 RM. als erſte Rate für die projektierte
Kana=
ation des Ortes, 50 000 RM. für den Bau einer Turnhalle, 20000
RM. für den Bau einer Leichenhalle und 11000 für die Herſtellung
des hinteren Teils des Weinwegs. Berückſichtigt man, daß die
geſam=
ten Koſten der Kanaliſation auf rd. 600 000 RM. (ohne
Straßenher=
ſtellungskoſten) veranſchlagt ſind, ferner, daß dieſer Poſten allein das
Gemeindbudget zum Schluſſe mit einer Zinſenlaſt von jährlich
min=
deſtens 60 000 RM. belaſten wird, ſo kann man die Entwicklung der
Gemeindefinanzen nach dieſer Richtung nur mit Sorge verfolgen.
p. Mieter und ffkſprecheranlage. Nach einem in der „
Verkehrs=
rechtlichen Run u” abgedruckten Urteile des Wiener Oberſten
Ge=
richtshofes n der Betrieb ſolcher Anlage einen Kündigungsgrund
darſtell hamentlich dann, wenn die im Uebermaß gebotene Muſik die
Mi des Hauſes bei der Arbeit und in der Nachtruhe ſtört.
Aa. Eberſtadt, 20. Juli. Das Dreſchen beginnt. In der
Alten Darmſtädterſtraße iſt bereits außerhalb des Ortes die erſte
Dreſchmaſchine aufgeſtellt worden. — Die Verbreiterung der
Bickenbacher Landſtraße geht ihrer Fertigſtellung entgegen.
Die Arbeiten ſind bereits am Südausgang von Eberſtadt angelangt.
Auf der Oſtſeite der Straße wurde die Fahrbahn durch
Kopfſtein=
pflaſter beträchtlich erweitert. Außerdem iſt der Fußgängerweg
bedeu=
rend verbreitert und neu eingekieſt worden. Die Einkieſungen ſind bei
Bickenbach ebenfalls bald vollendet. Die große Kurve am Ortseingang
von Bickenbach hat eine bedeutende Verbeſſerung erfahren. — Der
Geſangverei n „Sängerluſt” hat die Vorbereitungen für ſein
am 27. bis 29. Juli ſtattfindendes 40jähriges Jubiläum abgeſchloſſen.
Die Feſtrede am Feſtſonntag hat Bezirksvorſitzender Wilhelm Denecke=
Darmſtadt übernommen. Mehrere auswärtige Vereine haben ihr
Er=
ſcheinen zugeſagt. Am Montag wird ein Kinderfeſtzug mit
anſchließen=
dem Kinder= und Volksfeſt abgehalten werden. Das allgemeine
Pro=
gramm ſieht für Samstag einen großen Feſtkommers, für Sonntag
Feſtzug und Feſtakt auf dem Feſtplatz mit Muſik, Geſangsvorträgen,
turneriſchen Darbietungen uſw. vor. Die Feſtmuſik ſtellt die
Muſik=
kapelle „Edelweiß” und die Spielmannſchaft der Fr. Turnerſchaft
Eberſtadt. — Säuglingsfürſorge. Die nächſte
Beratungs=
ſtunde der Mutter= und Säuglingsfürſorge findet am Montag
nach=
mittag um 3 Uhr in der Gutenbergſchule ſtatt. — Grasbrand. Am
Fuße des Frankenſteiner Waldes entſtand auf einer größtenteils mit
Gras und niedrigem Gebüſch bewachſenen Fläche ein kleiner Brand, der
aber bald erſtickt werden konnte. — Diebſtahl. Hier wurde von
unbekannter Hand einem Geſchäftsmann das Fahrrad geſtohlen.
Cp. Eſchollbrücken, 20. Juli. Waldbrand. Im Eſchollbrücker
Gemeindewald brach infolge der großen Hitze ein Waldbrand aus.
Da=
durch, daß der Brand im erſten Augenblick ſeines Entſtehens bemerkt
wurde, gelang es, den Flammen bald Einhalt zu bieten. Größerer
Schaden iſt wohl nicht entſtanden.
Cp. Pfungſtadt, 20. Juli. Der Waldwirtſchaftsplan für
das Wirtſchaftsjahr 1929/30 ſieht einen Holzhieb von 5470 Feſtmetern
Holz vor. Das bedeutet eine Erhöhung des Hiebſatzes um 270
Feſt=
meter. Innerhalb des Gemeindewaldes ſoll dem Vogelſchutz erhöhte
Aufmerkſamkeit gewidmet werden. — Straßenherſtellung.
Einige Straßen ſollen demnächſt mit Kolas=Kalt=Aſphalt hergeſtellt
werden. In Betracht kommen zunächſt die Linden= und Bahnhofſtraße.
Falls ſich das Verfahren bewährt, ſollen auch andere Straßen nach
die=
ſem Syſtem hergeſtellt werden. — In einer Wirtſchaft in der
Eber=
ſtädterſtraße gab es einen heftigen Wortwechſel, der ſchließlich in eine
wüſte Schlägerei ausartete. Die Polizei nahm die Unruheſtifter,
auswärtige Zigeuner, in Gewahrſam.
I. Griesheim, 19. Juk:. Abernten von Obſt in der Nähe
elektriſcher Leitungen. Die Heag hat darauf hingewieſen,
daß das Abernten von Obſt von deafenigen Väumen, welche in
un=
mittelbarer Nähe von Starkſtromleitungen ſtehen, mit der größten
Vor=
ſicht zu erfolgen hat. Jede Berührung der Leitungen, auch mit
Stan=
gen, Leitern uſw. kann einen Unfall, ſogar mit tödlichen Ausgang,
zur Folge haben. Wenn Leitungen in unmittebarer Nähe von
Obſt=
bäumen derart vorbeiführen, daß das Abernten des Obſtes nicht ohne
Gefahren vorgenommen werden kann, ſo hat ſich der Beſitzer wegen
zeit=
licher Abſchaltung mit der Heag in Verbindung zu ſetzen. — Der
evangeliſ e Frauenverein unternimmt am nächſten
Sonn=
tag einen Ausflug nach Nieder=Ramſtadt zur Beſichtigung des dortigen
Frauenheims. — Die hieſige Ortsgruppe des
Odenwald=
klubs unternimmt am nächſten Sonntag ihre 7. Wanderung nach
Lengfeld, Otzberg, Breuberg. — Der Kornſchnitt in hieſiger
Ge=
markung hat begonnen, die Dreſchmaſchine hat ihre Tätigkeit ebenfalls
bereits aufgenommen. — Am Sonntag, 21. Juli, findet im Reſtaurant
„Bürgerhof” hier ein Konzert= und Tanzabend ſtatt. Das
Konzert und auch die Tanzmuſik werden auf einer Konzert=Anlage
der Telefunken=Geſellſchaft für drahtloſe Telegraphie übertragen. —
Seite 6
Sonntag, den 21. Juli1929
Die Uinwelhang des Kalnausneabages
in Heppenheim a. d. Bergſtraße.
„Man ſichert ſich die Zukunft, wenn man die Vergangenheit ehrt!”
Die Zeit iſt ernſt, in der die alte Stadt an der Bergſtraße ſich
an=
ſchickt, den Erweiterungsbau ihres ſtattlichen Renaiſſance=Rathauſes
zu=
ſammen mit deſſen umfaſſender Renovierung zu feiern. Und es iſt
merkwürdig: Auch die Errichtung dieſer monumentalen Schöpfung des
mittelrheiniſchen Fachwerkbaues iſt eine Notzeit für Deutſchland geweſen!
1551 ward das Rathaus erbaut. 1551! Wie ſah es damals aus im
deut=
ſchen Lande? Seit Beginn des Jahrhunderts hatten innere Kriege und
Fehden das Land erſchüttert, von außen drohten Türken und Franzoſen.
Gerade eben war der ſchmalkaldiſche Krieg zu Ende gegangen, und
ſchon brauten ſich neue Kriegswolken zuſammen. Der Kurfürſt Moritz
von Sachſen, bisher des Kaiſers Freund, verſchacherte Metz, Toul und
Verdun an den Franzoſenkönig Heinrich den Zweiten und rüſtete mit
ihm und Albrecht Alcibiades von Brandenburg=Kulmbach gegen Karl
den Fünften. In der Pfalz aber, zu der Heppenheim damals gehörte,
kämpfte der neue mit dem alten Glauben und ward ſelber ſchon wieder
von den Calviniſten angegriffen, während der leichtſinnige Kurfürſt
Friedrich der Zweite und ſeine nicht minder leichtſinnige Gemahlin
Doro=
thea von Dänemark ſorglos in Saus und Braus dahinlebten.
Und in dieſen ſchweren Zeitläuften errichteten ſich die
Heppen=
heimer Bürger in ihrem Rathaus dieſes ſtolze Denkmal unbrechbaren
deutſchen Bürgerſinns und Unternehmungsgeiſtes. Das Fachwerkbau=
Nathaus iſt eine Beſonderheit des waldreichen Mittelrheingebietes, das
in Michelſtadt, in Alsfeld und Schotten neben vielen anderen
bemer=
kenswerte Denkmäler davon beſitzt.
Das Rakhaus zu Heppenheim
nimmt in dieſer ſtolzen Maſſe eine hervorragende Stellung ein. Es
iſt der erſte monumentale Fachwerkbau, der ganz in dem neuen Stil,
der Renaiſſance, errichtet iſt. Die ſtattliche, dreiſchiffige Säulenhalle
des Erdgeſchoſſes mit ihren ſchlichten Säulen, den gewaltigen
Unter=
zügen, den mit feinem Flachornament gezierten Konſolen und den
wei=
ten Rundbogenöffnungen der Fenſter und Türen auf der Faſſade und
den beiden Seiten atmet in ihrer Ruhe und Klarheit wahrhaft
klaſſi=
ſchen Geiſt. Sie iſt beſtimmend für den ganzen Aufbau. Ueber dem
zentralen Eingang mit ſeiner breiten Freitreppe, ſteigt in gleicher
Breite der beherrſchende Mittelerker empor, der als beſchieferter Turm
über den Giebel hinaus ſtolz in die Lüfte ragt. Den breiten
Rund=
bogenfenſtern der Seitenſchiffe mit ihren feinen Frührenaiſſance=
Profi=
lierungen entſpricht die Fenſterſtellung der beiden Fachwerkobergeſchoſſe.
Die Betonung der Ecken durch kräftiges Quadernmauerwerk wird durch
die übereckgeſtellten, rechteckigen Erker fortgeführt. Nur bis zum
Dach=
geſims emporgeführt, ordnen ſie ſich dem beherrſchenden Mittelerker
harmoniſch unter. Ueberaus reizvoll iſt die faſt völlige Auflöſung aller
Flächen der Faſſade in Fenſter, wodurch der Oberbau in einen feinen
Gegenſatz zu dem maſſiven Steinbau des Erdgeſchoſſes geſetzt wird.
Die reiche, farbig ſehr wirkungsvolle Fachwerkfüllung unter den
Fen=
ſtern trägt zur Unterſtreichung dieſes Gegenſatzes entſcheidend bei.
Trotzdem iſt der Oberbau nicht etwa verniedlicht. Die breiten, durch
die kräftigen Geſimſe wirkungsvoll betonten Ausladungen, die
Ver=
breiterung der Faſſade durch die Erker auf den Ecken, die ſtarke
Be=
tonung der Mitte durch die ſcharfe Vertikale des breiten Mirkelerkers
wahrt die Monumentalität des Baues aufs Glücklichſte. Zugleich aber
geſtattet der gewonnene Raumgewinn im Obergeſchoß die Ausbildung
des weiträumigen, ſtattlichen Rathausſaales, der die ganze
Marktplatz=
front einnimmt. Dieſen Saal hat der Leiter der Wiederherſtellung
und des Anbaues, Stadtbaumeiſter Winter, der aus Profeſſor
Metzendorfs berühmter Schule hervorgegangen iſt, mit ſehr feinem
Ge=
ſchmack einfach und würdig ausgeſtaltet; mit jener Liebe für das
De=
tail, die den Alten eigen war. Stuckdecke, Parkettboden, Beleuchtungs=
und Heizkörper, alles iſt auf wirkungsvolle, ſchlichte Einfachheit
abge=
ſtimmt. Wo immer angängig, iſt das Alte erhalten, ſo im
Bürger=
meiſterzimmer die ſchöne alte Stuckdecke, die fein profilierten, breiten
Türbekleidungen, die linienſchönen Türfüllungen, die reichen,
Tür=
beſchläge.
Der von den Verwaltungsbedürfniſſen geforderte Anbau iſt dieſem
alten Kern mit ſoviel Geſchick wie Geſchmack angepaßt. Seine äußere
Erſcheinung iſt der jenes angeglichen, ohne ſie ſklaviſch nachzuahme,
Schon die Höherlegung des Erdgeſchoſſes im Erweiterungsbau bringt
den Unterſchied wirkungsvoll zur Geltung, noch mehr aber tut das die
Gliederung des Fachwerks im Obergeſchoß, wo man die Motive nicht
vom alten Rathausbau nahm, ſondern von den alten Häuſern, die der
Erweiterung weichen mußten, eine Tat wirklich verſtändnis= und
ge=
ſchmackvoller Denkmalpflege. Daß die handwerkliche Durchführung des
Ganzen wie aller Einzelheiten, mit all der Gediegenheit guter alter
Handwerkstradition ausgeführt wurde, von dem Fachwerk der Wände
bis zu dem komplizierten Sparrenwerk des Daches, das ſich in dem
Anbau der Geſtaltung des Baugeländes entſprechend ſtändig nach
Süden verjüngt, von den Türen bis zu den ſchmiedeeiſernen
Fenſter=
gittern und Türbeſchlägen, iſt ſelbſtverſtändlich und ſtellt auf
Genera=
tionen hinaus den Handwerksmeiſtern, Geſellen und Arbeitern ein
rüh=
mend Zeugnis aus. Beſonders glücklich ſind auch die neuen
Eichen=
holzfenſter der alten Rathaushalle mit ihrer ſchönen Bleiverglaſung,
für die Bürgermeiſter Schiffers trotz der ſchlechten Zeiten private
Stiftungen erhalten konnte. Daß dieſe prachtvolle Wiederherſtellung,
dieſer ſchöne, ſchlichte und geſchmackvolle Erweiterungsbau möglich
waren, beweiſt, daß der Geiſt der Ahnen, der in einer ganz ähnlichen
Notzeit unſeres Vaterlandes das alte Rathaus ſchuf, auch noch in den
ſpäten Enkeln lebendig iſt, und ſtellt ihnen, ihrem tatkräftigen
Ober=
haupt und ihrem hochbegabten Stadtbaumeiſter und der Bevölkerung
Schneider.
der Stadt das beſte Zeugnnis aus.
Dem feierlichen Akt der Einweihung.
der geſtern vormittag in glühendem Sonnenbrand ſtattfand, wohnten
zahlreiche Ehrengäſte, darunter viele Vertreter ſtaatlicher und ſtädtiſcher
Behörden bei, u. a. die Herren: Miniſterialdirektor Dr. Kratz,
Staats=
rat Karcher, Miniſterialrat Dr. Wagner, Geheimrat Hofmann,
Land=
tagspräſident Delp, Regierungsrat Schäfer (Vertreter des
Provinzial=
divektors), Regierungsrat Stieh (Vertreter des Kreisdirektors),
Ober=
bürgermeiſter Rahn=Worms (Heſſiſcher Städtetag), Bürgermeiſter
An=
germeier=Bensheim, und zahlreiche Bürgermeiſter und Abgeordnete von
Gemeinden aus der näheren und weiteren Umgebung.
Die Feier begann vor dem Rathaus mit der Uebergabe des
Schlüſ=
ſels durch den Erneuerer des Rathauſes, Stadtbaurat Winter, an
Herrn Bürgermeiſter Schiffers, der den Schlüſſel mit den Worten
herz=
lichen Dankes und dem Gelübde übernahm, treuer Hüter des Rathauſes
ſein zu wollen, das von Menſchenhänden geſchaffen, mit Gottes Hilfe
und Beiſtand nun vollendet, auch für fernere Jahrhunderte das
Wahr=
zeichen der Stadt Heppenheim und ſeines Bürgerſinnes ſein ſolle,
wo=
zu er Gottes beſonderen Schutz und Segen erflehe.
Der Bürgermeiſter öffnete das neue Rathaus und lud die
Feſtver=
ſammlung zum Eintritt in die ſchöne und vor allen Dingen
angenehm=
kühle Halle. Hier fand dann der eigentliche Weiheakt ſtatt.
Bürger=
meiſter Schiffers hielt die Feſtanſprache, in der er zunächſt alle
Anweſenden herzlichſt begrüßte; mit beſonderer Freude und beſonderem
Stolz die Vertreter der Staatsregierung, der Provinzial= und
Kreis=
behörden, der Kirchenbehörden aller Konfeſſionen, der Schulen die
Kollegen von den benachbarten Gemeinden, die Vertreter des Heſſiſchen
Landtags und der Preſſe, ſchließlich aber auch ſeine Kollegen und
Mit=
arbeiter im Heppenheimer Stadtrat. Er ſprach dann im Namen der
Bürgerſchaft der Stadt Heppenheim herzlichſten Dank aus allen, die am
ſchönen Werk mitgeholfen haben, vor allem auch den Stiftern der
Fen=
ſter, Oberlichter und Beleuchtungskörper, hier beſonders erwähnend
Ortsgewerbeverein, den Verband der Granit=Induſtriellen, Bäcker=
In=
nung, Herrn Direktor Schulz von der ſtagtlichen Fachſchule in Erbach
i. O., Herrn Archttekt Metzendorf, den Fabrikanten Widmer und
Stöldt, Brauereibeſitzer Neff, Frau Apotheker Cuſtodis, endlich auch
dem Heſſiſchen Landtag. Weiter galt ſein Dank den Beigeordneten und
dem Stadtrat von Heppenheim für die Bewilligung der Mittel zum
Nathausumbau und auch dem früheren Gemeinderat, der in weiſer
Vorausſicht ſchon vor vielen Jahren durch Ankauf der anliegenden
Häuſer Raum für den Neubau geſchaffen hat. Der Redner gab dann
einen kurzen geſchichtlichen Rückblick über die Entwicklung der Stadt
Hepvenheim und beſonders des ſchönen Rathauſes, wie er weiter oben
bereits trefflich durch Regierungsrat und Stadtverordnetenmitglied
Schneider gegeben ward. Leider ſind geſchichtliche Urkunden ſo gut
wie gar nicht vorhanden, nur die Inſchrift über dem Eingang zeigt,
daß das Rathaus 1551 erbaut wurde. Vier Jahrhunderte alſo iſt es
der Mittelpunkt der Verwaltung und der bürgerlichen Gemeinſchaft der
Stadt Heppenheim geweſen. Möge es weitere Jahrhunderte in
glei=
chem Maße der Mittelpunkt der aufſtrebenden und emporblühenden
Stadt ſein. Neben dem Baumeiſter Winter, der unter Leitung des
Denkmalpflegers Geheimrat Walbe den wundervollen Bau erſtellte,
ge=
bührt allen Handwerksmeiſtern und Arbeitern, die wirklich
Hervor=
ragendes geleiſtet haben, herzlichſter Dank und größte Anerkennung,
Nedner ſchloß mit dem Wunſche, möge dieſes Rathaus für unſer
Heppenheim den Mittelpunkt des Gemeinweſens bilden möge
herr=
ſchen ein guter geſunder Geiſt bei Verwaltung und Beamtenſchaft,
Klugheit, Weitblick und unbeugſame Gerechtigkeit und ſoziale Umſicht
Das Rathaus zu Heppenheim
im Stadtrat. Möge das Haus, wie es eine Zierde nach außen iſt,
zum Segen auch nach imen für die Büvgerſchaft und immerdar ein
Schmuckſtück der Bergſtraße und des ganzen Heſſenlandes werden. Das
walte Gott.”
Im Anſchluß an die Feſtrede wurde das neue Rathaus von der
Feſtverſammlung beſichtigt. Im Sitzungsſaal des Stadtrates war das
vom Gemeinderat geſtiftete goldene Buch aufgelegt, in das die
Feſtteilnehmer ſich einzeichneten. Hier machte der Bürgermeiſter auch
Mitteilung von der Stiftung einer ſilbernen Glocke durch zwei
Stadt=
räte, die die bezeichnende Aufſchrift trägt: „Favit Lingues‟. Nach dem
Nundgang durch das Nathaus fanden ſich die Feſtteilnehmer wieder in
der Halle zuſammen, wo Lehrer Holzamer (ein Sohn des Dichters
Wilhelm Holzamer) einen von ihm verfaßten Prolog vortrug, der mit
folgenden Verſen ſchloß:
Wer kann ſie zählen all die Stunden,
Da hier ſo manches mächtig Wort gefallen.
Und wo in allen Farben, düſtern, bunten,
Das Leben zog durch deine Hallen.
Du biſt das Herz der Stadt, der Bürger Hort.
Von dir kommt Nat und Tat in allen Stunden.
Von dir kam manches ſchwere Schickſalswort.
In dir hat mancher ſchon ſein Glück gefunden.
Drum ſchmückt man dich und macht dich ſchön und groß,
Fügt zu der alten Pracht noch eine neue.
Sei dir beſchieden wie in alter Zeit, ein glücklich Los,
Und eine Bürgerſchaft, in Lieb und Treue.
Du biſt nun wie ein heller Edelſtein
In unſerer Heimatſtadt.
Du ſollſt mit Burg und Dom ein Zeichen ſein
Von all dem Schönen, was Heppenheim zu zeigen hat.
Den Reigen der Glückwunſchanſprachen
eröffnete Herr Miniſterialdirektor Dr. Kratz im Auftrage des Herrn
Staatspräſidenten, der Herven Miniſter ſowie der Bauabteilung des
Finanzminiſteriums. Die genannten Herren haben mich beauftragt,
führte der Redner aus, dem Herrn Bürgermeiſter und dem Stadtrat
für die Einladung zu der heutigen Feier verbindlichen Dank zu ſagen
und auszuſprechen, daß ſie es ſehr bedauern, teils wegen dienſtlicher
Inanſpruchnahme, teils wegen Abweſenheit in Urlaub nicht perſönlich
erſcheinen zu können. Dem Stadtvorſtand und der geſamten
Bürger=
ſchaft der Stadt Heppenheim ſpreche er zur heutigen Vollendung des
Werkes die herzlichſten Glückwünſche und die beſten Wünſche für die
glückliche Entwickelung der Stadt im Namen der genannten Herren aus.
Als Vorſitzender der Miniſterialabteilung für Bauweſen und des
Denk=
malrates ſchließe er ſich von Herzen an. In letzterer Eigenſchaft
be=
grüße er es beſonders dankbar, daß der Stadtvorſtand es durchgeſetzt
hat, die notwendig gewordene Erweiterung der Stadträume in
un=
mittelbarer Verbindung mit dem alten ehrwürdigen Rathaus zu
er=
richten und dieſen prachtvollen, nunmehr nahezu 4 Jahrhunderte alten
Fachwerkban zum Ausgangs= und Mittelpunkt des neuen Rathauſes zu
machen. Der Stadtvorſtand hat dadurch bewieſen, daß ihm die
Bau=
denkmäler der Vergangenheit, an denen die Stadt Heppenheim ja
rei=
cher iſt als manch andere Stadt, noch etwas wert ſind. Er hat
bewie=
ſen, daß er erkannt hat, welcher Wert in der Vergangenheit liegt, und
daß deren Verknupfung mit der Gegenwart ein wertvolles
Kultur=
moment darſtellt. Möge das Rathaus in ſeiner neuen Geſtalt für
Jahrhunderte der Sitz der Verwaltung eines blühenden und
aufſtreben=
den Gemeinweſens, der Sammelpunkt einer in Frieden und Eintracht
und in glücklichen Umſtändea lebenden Vürgerſchaft ſein! Dies ſei der
Wunſch der heſſiſchen Staatsregierung zum heutigen Tage.
In ähnlichem Sinne und mit gleicher Herzlichkeit hielten
Glück=
wunſchanſprachen die Herren Bürgermeiſter Delp. Präſident des
Heſ=
ſiſchen Landtags, gleichzeitig im Namen der Stadt Darmſtadt,
Regie=
rungsrat Schäfer für die Provinzialverwaltung, Oberbüugermeiſter
Rahn für den Heſſiſchen Städtetag, der u. a. auch den Wunſch
aus=
ſprach, daß der Geiſt des Reichsfreiherrn vom Stein, der einſt den
Ge=
meinden die Selbſtverwaltung gab, in dieſem Hauſe herrſchen möge,
und der unter allgemeinem Schmunzeln der Feſtverſammlung den
Wunſch hinzufügte, daß es der Stadt Heppenheim gelingen möge, ihren
Voranſchlag zu balaneieren. Bürgermeiſter Angermeier
gratu=
lierte im Namen der Stadt Bensheim, Bürgermeiſter Schäfer=
Kirſchhauſen für die Dorfgemeinden des Kreiſes, Regierungsrat Stieh
für die Kreisverwaltung.
Mit einem Dankeswort an alle Reöner ſchloß Bürgermeiſter
Schiffers den Feſtakt, dem ſich ein
gemeinſames Eſſen
im Hotel „Zum halben Mond” anſchloß.
Nummer 200
Gs ſei hierbei, und nicht etwa mit einem Wort der Kritik, ſondern
mit dem dankbarer Anerkennung für die vernünftige Einſtellung der
großen Mehrzah: der Feſtteilnehmer, die Tatſache konſtatiert, daß es
auch in Deutzſchland möglich iſt, ein Feſteſſen „in Hemdärmeln”
ein=
zunehmen, wozu die tropiſche Hitze geradezu zwang, ohne daß dadurch
die Feierlichkeit oder die Stimmung getrübt wurde. —
Im Verlaufe des Mahles erhob ſich Bürgermeiſter Schiffers
nochmals, um im Namen der Bürgerſchaft die Feſtteilnehmer herzlichſt
zu begrüßen, ansh bei dieſem leiblichen Genüſſen gewidmeten Akt.
Landtagspräſident Delp dankte hier im Namen des Landtags
noch=
mals für die Einladung und betonte den großartigen Aufſchwung, den
die Stadt Heppenheim in den letzten Jahren genommen. Er leerte
ſein Glas mit dem Wunſche, daß die Entwickelung weiterſchreiten möge.
— Regierungsrat Schneider als Mitglied des Stadtrats ſprach in
deſſen Auftrag beſenders herzliche Worte für den Schöpfer des neuen
Baues, Herrn Stadtbaumeiſter Winter und für das tatkräftige
Ober=
baupt der Stadt Heppenheim, Herrn Bürgermeiſter Schiffers, dem die
Stadt ſo außerordentlich viel zu verdanken habe. In freudigem Stolz
ſtellte er feſt, gegenüber dem obengenannten Wunſche von
Oberbürger=
meiſter Rahn, daß die Stadt Heppenheim ihr Defizit
heruntergewirt=
ſchaftet habe. (Lebhaftes Bravo!) — Miniſterialrat Wagner
er=
wähnte in ſeinem Toaſt auf vorangegangene Anregung die Vollendung
des Baues der Starkenburg, deren Einweihung im nähſten Frühjahr
ſtattfinden ſoll. Den geäußerten Wünſchen entſprechend, könne er
mit=
teilen, was von ſeiten der Bauabteilung für die Starbenburg noch
geſchehen könne, werde geſchehen, um den Wiederaufbau möglichſt zu
beſchleunigen. (Lebhafter Beifall) Der Redner verbreitete ſich des
längeren in fachmänniſchen Ausführungen über die neue Bau= und
Formgeſtaltung, für die das Heppenheimer Rathaus ein ſchöwes und
vorbildliches Veiſpiel ſei, eine Meiſterleiſtung einheimiſcher Kunſt ud
Gewerbes. Sein Wohl galt der Stadt Heppenheim.
Lehrer Holzamer ga5 in einem köſtlichen humoriſtiſchen
Vor=
trag eine Art Parodie auf eine Geweinderatsſitzung früherer Zeiten.
Landtagsabgeordneter Schül (Zentr.) ſprach im Namen der
heimat=
treuen Heppenheimer, die außerhalb wohnen und die auch bei dieſem
Rathausbau vorbildlichen Heimatsſinn bewahrt haben, Glückwünſche
aus und trank ebenfalls auf das Blühen ſeiner Vaterſtadt Heppenheim.
Gehsimrat Hofmann=Darmſtadt führte aus: In heutiger Zeit
gilt es, nicht von Dingen zu reden, ſondern zu ſchaffen. Heppenheim
darf ſich glücklich ſchätzen, einen Baumeiſter zu beſitzen, der imſtande
war, ein ſo koſtbares Werk wie das Rathaus zu ſchaffen. Wir
wün=
ſchen, daß es ihm auch in Zukunft vergönnt ſein möge, ähnliche
Bau=
ten zu ſchaffen zum Heile ſeiner Heimat und des ganzen Vaterlandes.
Stadtbaumeiſter Winter und ſeinen Mitarbeitern ein dreifaches Hoch!
Die offiziellen Reden waren damit zu Ende. Wie lange noch
in=
offiziell geſprochen wurde, konnten wir leider nicht abwarten. —
Geſtern abend wurden das Rathaus und die Starkenburg durch
An=
ſtrahlung beleuchtet, die Stadt war illuminiert. Die Beleuchtung der
Starkenburg hatte der Mandolinenverein durchgeführt. Am heutigen
Sonntag vormittag iſt Konzert. Das Rathaus wird heute zur
öffent=
lichen Beſichtigung freigegeben. Abends findet ſich die Bürgerſchaft zu
einer allgemeinen Feier bei Kärchner zuſammen.
G. Ober=Ramſtadt, 20. Juli. Gemeinderatsſitzung. Vor
Eintritt in die Tagesordnung der vorgeſtrigen Gemeinderatsſitzung gab
der Bürgermeiſter dem Gemeinderat von verſchiedenen Eingängen
Kenntnis. Die Beratung und Beſchlußfaſſung hierüber wird
zurückge=
ſtellt. Die Weißbinderarbeiten in der Gewerbeſchule ſollen dem
Weiß=
bindermeiſter Chriſtian Schulz, diejenigen in den Schulſälen im früheren
Elektrizitätswerk und im Treppenhaus des Schulhauſes Darmſtädter
Straße 60 dem Jakob Burger 3., hier, zu den Angebotspreiſen
über=
tragen werden. Die Abgabe von Baugelände an die Baugenoſſenſchaft
„Selbſthilfe”, wird nochmals ausdrücklich genehmigt. Es handelt ſich um
Gelände, das der Baugenoſſenſchaft bereits im Vorjahre überwieſen
wurde. Gegen die Verlegung der Baufluchtlinie in der Bauſtraße und
Brückengaſſe hatten die Anlieger Beſchwerde erhoben. Dieſer wurde
teilweiſe ſtattgegeben. Dagegen iſt die obere Baubehörde der
Auffaſ=
ſung, daß an der Straßenkrümmung Bauſtraße—Brückengaſſe die
Min=
deſtbreite der Straße zehn Meter betragen muß, und zwar bei den
Par=
zellen 452—454. Der Gemeinderat vertritt den gleichen Standpunkt
bzw. iſt mit dem Vorſchlage des Hochbauamts einverſtanden. Für die
Feier des diesjährigen Verfaſſungstages wird die Verwaltung
ermäch=
tigt, die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Die Koſten für eine
Muſikkapelle werden auf die Gemeindekaſſe übernommen. Bezüglich des
Baugeſuchs des Heinrich Baumunk 2. wird dieſem Befreiung von 8 4
der Ortsbauſatzung der Gemeinde Ober=Ramſtadt erteilt. Für die
Be=
teiligung an der Fremdenverkehrswerbung des Heſſiſchen
Verkehrsver=
bandes bewilligt der Gemeinderat die erforderlichen Mittel. Für die
Arbeiten bei der Holzverwertung 1929 werden den Beteiligten
entſpre=
chende Vergütungen bewilligt. In nichtöffentlicher Sitzung werden
Wohlfahrtsſachen und Stundungsgeſuche uſw. beraten.
Bz. Reinheim, 20. Juli. Aus dem Gemeinderat. Der
Nachtrag zur Baupolizeiverordnung für die Gemeinde Reinheim wird
wie vorgelegt genehmigt. Der Gemeinderatsbeſchluß vom 2. Juli 1929,
betreffs Geſuch des Karl Daab um Anbringung einer Treppenſtufe
außerhalb der Baufluchtlinie wird nach Abänderung des vorgelegten
Planes aufgehoben. Die Rechnung für eine Kanalanlage beim neuen
Pfarrhaus wird abgelehnt, weil vor Beginn der Anlage der
Gemeinde=
rat nicht gehört wurde. Die Erhöhung des Organiſtengehalts bei der
evang. Kirche wird wiederholt abgelehnt. Die Weißbinderarbeiten im
Schulhaus werden dem Georg Göbel zu ſeinem Angebot übertragen. Die
Vergütung der nicht in bezahlten Verhältniſſen der Gemeinde ſtehenden
Kommiſſionen und Abordnungen wird neu geregelt. Die
Einfrie=
digung des Ziegentummelplatzes auf der Breitwieſe ſoll, weil dieſe als
Tummelplatz doch nicht benutzt wird, niedergelegt werden. Anſchließend
fand eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt. — Die Ernte beginnt.
Ein Gang durch unſere Gemarkung belehrt uns, daß die Getreidernte
nahe herangerückt iſt. Noch wallt die ziemlich reife Frucht in goldenen
Wogen, doch bald wird ſie fallen müſſen. Ein gütiges Geſchick hat
unſere Gemarkung bis jetzt vor Unglück bewahrt. Auf höher gelegenen
Feldern hat die Ernte bereits begonnen. Hoffentlich hat der Himmel
Einſicht, damit die Ernte nicht noch durch ein größeres Unwetter
ver=
nichtet wird. Die erſten Frühkartoffeln ſind bereits geerntet und koſtet
das Pfund 8 Pfg. Sollte aber die Hitze noch weiter beſtehen bleiben,
ſo werde; die Srätkartoffeln in Quantität geringer ſein.
— Reichelsheim i. Odw., 20. Juli. Der Bund der Kämpfer für
Glaube und Wahrheit veranſtaltet am 22. Juli im Gaſthaus „Zum
Schwanen einen öffentlichen Vortragsabend. Der Redner, Herr
Land=
wirtſchaftsrat Dr. phil. Fritz Dehnert aus Rieſa i. Sa., wird ſprechen
über das Thema Die Wiedereinkörperung in Mythos, Sagen und
Mär=
chen”. Fragezettelbeantwortungen, die ſich auf das Thema beziehen,
fin=
den nach dem Vortrage ſtatt.
A. Reichelsheim, 19. Juli. Ausflug des Schülervereins
der Landwirtſchaftsſchule. Heute unternahm der
Schülerver=
ein der Landwi=tſchaftsſchule einen Ausflug über die Spreng,
Michel=
ſtadt nach Amorbach ins Maintal, an dem ſich über 100 Perſonen,
darunter auch viele Angehörigen der Schüler, beteiligten. Sowohl in
Amorbach wie Miltenberg wurden die Haustſehenswürdigkeiten, wie
Stadtbefeſtigungen, Kirchen uſw. beſichtigt. Mit dem Schönen war auch
das Nützliche verbunden, denn auch dem Gutshof Wörth am Main /
wurde ein Beſuh abgeſtattet. Auch hier war viel Lehrreiches zu ſehen
für die Junglandwirte, da der Hof nach moderner Betriebsweiſe
arbeitet. — Kurbetrieb. Da nun in den Städten die
Sommer=
ferien begonnen haben, haben hier die Gaſthäuſer meiſt vollen
Kur=
betrieb. Sehr anziehend für die meiſten Fremden wirkt das hieſige
Schwimmbad, in dem ſich bei der jetzigen Tropenhitze täglich Hunderte
von Badegäſten tummeln. Am letzten Sonntag waren mehr als 20
Autos angefahrenn, zum Teil aus weiterer Umgebung. Die
Kabinen=
anlagen ſind muſtergültig, und die Schwimmbaſſins dürften den
An=
ſprüchen auch verwöhnter Badegäſte genügen. Trotzdem ſind die
Ein=
trittspreiſe ſehr niedrig bemeſſen, ſodaß das Schwimmbad von allen
Schichten der Bevölkerung beſucht werden kann.
a. Nieder=Klingen, 20. Juli. Kirchweihfeſt. Des
Sänger=
bundesfeſtes in Darmſtadt wegen wurde unſere Kirchweihe dieſes Jahr
etwas verſchoben und findet nun morgen, Sonntag, 21. Juli, ſtatt.
Im Gemeindebackhaus herrſcht ſeit geſtern Hochbetrieb, und auch die
Gaſtwirtſchaften haben ſich zum Empfang und zur Bewirtung
auswär=
tiger Kirchweihgäſte in Küche und Keller trefflich gerüſtet. —
Begin=
nender Waſſermangel. Unſere Waſſerleitung iſt ſo ergiebig,
daß der Waſſerüberſchuß dauernd in einem munteren Bächlein
davon=
rinnt. Durch das trockene Wetter der letzten Wochen reicht ſie aber
ſeit Samstag, 13. Juli, nicht mehr aus, und der hochgelegene Teil
un=
ſeres Dörfchens iſt tagsüber zeitweiſe ohne Waſſer. Um dieſen
Miß=
ſtand zu beſeitigen, erwägt man, die Verteilung des Waſſers ſchon in
der Leitung ſo zu regeln, daß auch die Verbraucher im Oberdorfe zu
ihrem Rechte kommen.
Bw. Langſtadt, 20. Juli. Am Sonntag, 21. d. M., veranſtaltet die
landeskirchliche Gemeinſchaft von hier und Babenhauſen ein Waldfeſt
an der Ludwig=Schneiſe, zu dem jedermann herzlich eingeladen iſt. Zur
Verſchönerung desſelben hat der Poſaunenchor Aſchaffenburg=Damm
ſeine Mitwirkung zugeſagt, ſo daß einige genußreiche Stunden in
Aus=
ſicht ſtehen dürften. — Am letzten Mittwoch hat man hier mit dem
Schneiden des Roggens besounen. Obwohl die Halmbildung zu
wün=
ſchen übrig läßt, darf doch mit einem mittleren Körnerertrag
voraus=
ſichtlich gerechnet werden.
Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
Seite 2
Zum erſten Male Pferderennen in Heſſen.
Zur Eröffnung der neuen Rennbahn in Erbach.
Es iſt eigentümlich, daß ſelbſt die größeren Städte Heſſens, ſelbſt
Darmſtadt mit ſeiner ſportliebenden Bevölkerung ſowie Mainz und
Gießen nicht über eine Pferderennbahn verfügen. Schuld daran mag
vielleicht der Umſtand ſein, daß die Rennbahn in Niederrad bei
Frank=
furt und vor dem Kriege auch die in Wiesbaden eine gewiſſe „
Konkur=
renz” bilden könnten. Umſo erfreulicher und anerkennenswverter iſt es,
daß der ſchon ſeit langem ſehr rührige „Odenwälder Reiterderein” in
Erbach es als erſter in Heſſen unternommen hat, ſich eine Rennbahn
auszubauen und durch die Oberſten Rennbehörden in Berlin ein
großesöffentliches Rennen mit Totaliſatorbetrieb
für Sonntag, den 28. Juli auszuſchreiben. — Es iſt gewiß ein
Wag=
nis; denn es gehört immerhin allerhand Unternehmungsgeiſt und auch
Kapital dazu, öffentliche Geldpreisrennen, Vollblutrennen
auf=
drziehen und, wie hier, neu ins Leben zu rufen. Deshalb iſt es ganz
beſonders zu wünſchen, daß dem jungen Unternehmen ein voller Erfolg
wird.
Schon am Montag, den 22, Juli, hält derſelbe Verein gelegentlich
des bekannten Eulbacher Marktes ein ländliches Reit= und Fahrturnier
ab, um am Sonntag, den 28. Juli, zum ſogenannten „
Nach=
markt” mit dem 1. Renntage aufzuwarten. Das
hochintereſ=
iante Programm wird jeder Geſchmacksrichtung gerecht: neben
z Flachrennen — dav n eins über die Fliegerdiſtanz von 1000
Meter führt, eins üker die Meile und eins über 2000 Meter, — werden
2 Jagdrennen und 1 Hürdenrennen gelaufen. Drei Nennen
ind für Halbblutpferde und drei für Vollblüter, wovon
zwei Prüfungen von Offizieren und Herrenreitern zu reiten ſind, die
übrigen von Jockehs.
Das Nennungs=Ergebnis, das nunmehr vorliegt, iſt ein überaus
mtes; alle Rennen weiſen eine ausgezeichnete Beſetzung
auf. Ein großer Teil der ſüddeutſchen Ställe wird vertreten ſein und
durch das gute PferdeMaterial ſteht von vornherein erſtklaſſiger Sport
in Ausſicht. Genannt ſeien hier der Frankfurter Stall Paul Heil
Martell, dem Stall Weinberg entſtammend, und Frechdachs), Stall
Münch (Toscana, Ehrentraut, Bergfink), Stall Buchmüller, Landau
(Exscüſö, Nonne, Hellſeher und Hildburg), Stall Eder (Meldereiter und
Feldherr), Stall Oberſtleutnant Vignau (Landgraf und Leguſte) u. a.
Außerdem wird ein Saarländer Stall mit einigen ſehr guten
fran=
züſiſchen Pferden, vor allem mit „Roſſeau dior” in die Ereigniſſe
ein=
greifen. — An ſpannenden Momenten wird es alſo gewiß nicht fehlen!
Die ſchöne Rennbahn, unmittelbar an der Peripherie des lieblichen
Städtchens Erbach gelegen, prangt in ſommerlichem Grün. Die ſehr
große geräumige Tribüne und auch die Stehblätze bieten eine glänzende
Ueberſicht über die Bahn. Für die Jagdrennbahn ſind zwei Diagonalen
mit 2 ſchweren Hir derniſſen angelegt, darunter ſogar ein „Karlshorſter=
Sprung” (breiter Wall mit Hecke darauf und zwei feſten Querbäumen
davor)! — Uebrigens liegt vor den Tribünen innerhalb der
Pferde=
rennbahn gleichzeitig noch ein Sportſtadion mit Aſchenbahn,
Fußball=
platz uſw. für leichtathletiſche Sportarten, ſodaß Erbach alles in idealer
Weiſe auf einem Platze vereint hat.
Im Mittelpunkt des Programms ſteht der „Preis der Stadt
Er=
bach”, ein Jagdrennen über die lange Strecke von 3400 Meter, wo es
um 600 RM. geht, außerdem erhält der Reiter des ſiegenden Pferdes
einen 1n
ach. — Es ſtehen eine
An=
zahl recht wertvoller und geſchmackvoller Ehrenpreiſe zur
Ver=
fügung, die in Darmſtadt in dem Jubelier=Geſchäft Schmidt ab
Sonntag ausgeſtellt werden.
Hoffen wir, daß der Wettergott der jungen heſſiſchen Nennbahn
gutes Wetter beſchert. Dann ſind wir um dieſen Sonntag in Erbach
nicht beſorgt; denn ein derartig intereſſantes und gut beſetztes
Pro=
gramm wird ſeine Anziehungskraft nicht verfehlen!
Für gute Bahnverbindung iſt oeſorgt, ſodaß auch den Darmſtädtern
Gelegenheit zu einer intereſſanten Sonntagsfahrt geboten iſt,
Gelegenheit zu genußreichen Stunden im ſchönen Odenwaldſtädtchen
Erbach und auf dem „Grünen Raſen”, um das „Klappern des Totos”
und die Kämpfe edler Pferde mitzuerleben!
St. 1.
Aa. Hähnlein, 20. Juli. Der Hähnleiner Zuchtviehmarkt
ohm in allen Teilen einen guten Verlauf. Viel wertvolles
Zuchtmate=
iak konnte prämiert werden. Mehrere ausgeſtellte Faſeln konnten
um Verkauf gelangen. Bei dem Verlauf von Ziegenböcken war das
zſchäft nicht ſo gut. Mit dem Markt war auch wieder eine Lotterie
Verbunden. Der Hauptgewinn fiel auf Losnummer 1059, der zweite
Rreis auf Nummer 1370 und der dritte Preis auf Losnummer 338.
iſtde Zahl der Gewinne betrug annähernd hundert.
— Gernsheim, 20. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
9. Juli: 0,31 Meter; am 20. Juli: 0.25 Meter.
Ck. Groß=Gerau, 20. Juli. Steigende
Erwerbsloſen=
iFfer. Die letzten Wochen brachten der Arbeitsamtnebenſtelle Groß=
5erau eine ſtändige Aufpärtsentwicklung der Erwerbsloſenziffer, was
n dieſer Jahreszeit auf eine außerordentliche Verſchlechterung des
Ar=
eitsmarktes ſchließen läßt. In der Hauptſache iſt das Anſteigen der
ſrverbsloſenziffer allerdings auf die immer noch andauernden Ent=
=ſungen bei den Opelwerken zurückzuführen, die auch in den nächſten
Bochen noch fortgeſetzt werden ſollen. Geſtern, Freitag, ſind wiederum
rößere Entlaſſungen vorgenommen worden, die dem Arbeitsamt Mainz
und ſeiner Nebenſtelle Groß=Gerau ein neues Anwachſen der
Erwerbs=
ſenziffer bringen. In der vergangenen Woche hatte die Nebenſtelle
zroß=Gerau bereits 180 Arbeitsloſe zu unterſtützen. Dazu kommen noch
urd 80 Erwerbsloſe, die noch keinen Anſpruch auf Unterſtützung haben,
zu daß die Zahl der Arbeitsloſen beim hieſigen Arbeitsamt insgeſamt
15 beträgt. Im Winter war dieſe Zahl nicht viel höher. — Im
Waſ=
er turm des Gruppenwaſſerwerks „Gerauer Land” ſoll auf Beſchluß
ues Waſſerwerksverbandes ein Fahrſtuhl eingebaut werden. Ueber die
ſe=wendungsmöglichkeiten der Näume im Waſſerturm foll eine
dem=
lächſt ſtattfindende Sitzung des Verbandsausſchuſſes Beſchluß faſſen.
üugeregt wurde, ein Kaffee einzurichten und den Turm als Ausſichts=
Auun für die öffentliche Beſichtigung freizugeben. Die Inbetriebnahme
Waſſerturms wird vorausſichtlich Anfang Auguſt erfolgen. Bis da=
hin muß das Pumpwerk noch eingebaut werden, das in dieſen Tagen
hier angekommen iſt. Gleichfalls in Angriff genommen muß noch der
Bau der Enteiſungsanlage werden. — Die Ortsgruppe Groß=
Gerau des Verbandes der Gemeindebeamten
veran=
ſtaltete zu Ehren ſeiner in den Ruheſtand getretenen Mitglieder
Schutz=
mann Vollhardt und Schulhausmeiſter Auer einen Abſchiedsabend, auf
dem die verdienten Männer beſonders geehrt wurden. U. a. nahm auch
Bürgermeiſter Dr. Lüdecke das Wort zu einer Anſprache und überreichte
den beiden aus dem Dienſt Scheidenden im Namen der Stadt je ein
Bild vom alten Nathaus. — Sonderbaxe Nachtgäſte. Heute
nacht hatte die Kreisſtadt ſonderbare Gäſte. Zwei junge Leute vom
Niederrhein zogen mit den Zähnen einen ſchweren Möbelwagen
rück=
wärtsgehend durch die Stadt. Es handelte ſich um zwei Rekordwütige.
die auf Grund einer Wette ihr ſchweres Gefährt auf ſo ſonderbare Art
vom Niederrhein rheinaufwärts bis nach Heidelberg zogen und nun
auf die gleiche Art auf dem Rückwege ſind. Als ſie geſtern nacht gegen
12 Uhr unſere Stadt paſſierten, hatte ſich ſchnell eine große Menge
Neugieriger verſammelt, die den jungen Burſchen das Geleit gaben.
Cm. Wallerſtädten, 20. Juli. Eine Senſation brachte am
Donners=
tag die Hälfte der Bewohner Wallerſtädtens auf die Beine. Die beiden
Athleten Gebrüder Kuhlmann, die einen 60 Zentner ſchweren
Möbel=
wagen rückwärtsgehend mit den Zähnen von Walſum bei Düſſeldorf
nach Mannheim und wieder zurück ziehen, kamen durch Wallerſtädten.
Sie fuhren in Geinsheim am Mittwvoch um 11 Uhr abends ab. Die
Wegſtrecke bis Wallerſtädten beträgt 5. Km. und wurde in 6 Srunden
zurückgelegt. Trotz vieler Ruhepauſen eine mühevolle Arbeit. Die
beiden ſind jetzt 11 Wochen unterwegs. Der Beweggrund dieſes
Unter=
nehmens liegt un einer Wette, die die Gebrüder Kuhlmann mit der
Chlorodont=Zahnpaſta=Fabrik abgeſchloſſen haben. Man ſpricht von
einem Gewinn in Höhe von 80 000 Mk. bei vollſtändiger Ausführung
des Vorhabens. Um 8 Uhr abends wurde abgefahren in der Richtung
Groß=Gerau.
Reit- und Fahrkurnier in Groß-Amſtadt.
Soeben gibt der „Reit= und Fahrverein des vorderen Odenwaldes”,
die Ausſchreibungen zu ſeinem diesjährigen Turnier, welches am
Sonn=
tag, den 4. Auguſt, in Groß=Umſtadt ſtattfindet, heraus. Der rührige
Verein hat auch in dieſem Jahre keine Mühe und Koſten geſcheut und
wird mit einem ebenſo umfangreichen und vielſeitigen, wie intereſſanten
Programm aufwarten. Die Ausſchreibungen enthalten einen Wettkampf
der Reitervereine, ferner drei Geſpannprüfungen (Untergruppen nach
Naſſeneinteilung) und ein Jagdſpringen für Reitervereine. Der Schupo
und Reichswehr iſt Gelegenheit gegeben, in einer Dreſſurprüfung und
in einem Gruppenſpringen zu zweien ihr Können zu zeigen. Es ſteht
alſo in jeder Beziehung hervorragender Sport in Ausſicht. — Die
Pferdezucht= und Pferdeſportkreiſe ſeien beſonders auf den
Nennungs=
ſchluß hingewieſen, der am 25. Juli iſt. Nähere Auskünfte ſowie die
Ausſchreibungen, ſind erhältlich durch das Sekretariat des Vereins,
Fernruf Groß=Umſtadt 104.
Rheinheſſen.
* Mainz, 20. Juli. Chronik. Am Freitag nachmittag fand im
Mainzer Krematorium die Einäſcherung der irdiſchen Hülle des
Senior=
chefs der Firma Henkell u. Co., Otto Henkell ſtatt. Unter der großen
Zahl derer, die neben den Anverwandten dem Verſtorbenen die letzte
Ehre erwieſen, ſah man Miniſter Kirnberger, Oberbürgermeiſter
Dr. Külb, Oberregierungsrat Dr. Strecker, Landgerichtspräſident
Dr. Jungk, Handelskammerpräſident Fabrikant Scholz, zahlreiche
Vertreter der Induſtrie und des Handels. Die Zahl der
Kranznieder=
legungen war unüberſehbar. — Ein ſchwerer Autounfall
er=
eignete ſich Samstag früh, zwiſchen 12 und 1 Uhr, in der Nähe des
Bahnüberganges der Alzeher Strecke, zwiſchen Gonſenheim und Mainz.
Der verheiratete 39jährige Metzgermeiſter O. Mild aus der
Frauen=
lobſtraße in Mainz fuhr mit einem Perſonenauto gegen einen Baum.
M. wurde herausgeſchleudert und blieb ſchwer verletzt liegen. Das Auto
wurde vollſtändig zertrümmert. Von vorüberfahrenden Paſſanten wurde
der Verletzte in das ſtädtiſche Krankenhaus gebracht, wo neben einem
ſchweren Schädelbruch auch ſonſtige Verletzungen feſtgeſtellt wurden.
Beim Baden geriet ein neunjähriger Schüler auf der Kaſteler Rheinſeite
unter ein Floß und ertrank. Beim Baden an den Krippen,
gegen=
über von Weiſenau, erlitt der 22jährige Martin Konrad einen
Herz=
ſchlag und verſchwand in den Fluten. Seine Leiche konnte bis jetzt noch
nicht gefunden werden. — Die 23jährige Tochter eines Ingenieurs
ver=
ſuchte ſich in der elterlichen Küche mit Leuchtgas zuvergiften.
Sie wurde in bewußtloſem Zuſtande aufgefunden und in das
Kranken=
haus überführt.
Ad. Openheim, 16. Juli. Das diesjährige
Landskronturn=
feſt findet am 1. September ſtatt.
Ac. Worms, 20. Juli. Hitzſchläge. Die große Hitze, die geſtern
mittag hier das Thermometer auf über 32 Grad ſteigen ließ, hat zwei
Hitzſchlagfälle zur Folge gehabt. Ein Motorradfahrer iſt infolge
Hitz=
ſchlags vom Rad geſtürzt und hat ſich, ebenſo ſein Soziusfahrer, ſchwere
Verletzungen zugezogen. Auch iſt in der Siegfriedſtraße ein
Nadfah=
rer infolge Hitzſchlages zu Fall gekommen. Sämtliche Betroffenen
wurden in das ſtädtiſche Krankenhaus verbracht. —
Verkehrs=
unfall. Im Vororte Herrnsheim iſt geſtern mittag ein
Motorrad=
fahrer, deſſen Frau auf dem Soziausſitz ſaß, an einer unüberſichtlichen
Stelle mit einem Perſonenauto und einem gleichzeitig aus einer
ande=
ren Straße kommenden Maurerwagen zuſammengeſtoßen. Der Fahrer
blieb unverletzt. Die Frau erlitt eine Anzahl Verletzungen, die aber
nicht lebensgefährlich ſind. — Die Hand gequetſcht. In einer
hieſigen Fabrik iſt vorgeſtern mittag einer Arbeiterin beim
Arbeits=
beginn nach der Mittagspauſe durch deren eigne Unvorſichtigkeit die
Hand von einer eben eingeſtellten Maſchine zerquetſcht worden. Die
Verunglückte wurde ſofort in das ſtädtiſche Krankenhaus verbracht.
9beiheſſen.
h. Gießen, 20. Juli. Mit der Hauptverſammlung des Liebig=
Muſeums iſt nächſten Sonntag eine Ausſtellung von einigen
noch nicht veröffentlichen Liebigbriefen verbunden.
Gleichzeitig iſt das Diorama des analythiſchen Laboratoriums, das auf
der Geſolei in Düſſeldorf lebhaftes Intereſſe erregt hatte, in den
Näu=
men des Muſeums aufgeſtellt und zugänglich gemacht werden.
UUf
so sehen die mit Ata geputzten
Sachen aus. Was es auch sei-Holz,
Glas, Metall und Stein-: Ata gibt
allem die appetitliche Frische, die
jeder Hausfrau Herz erfreut.
Und wie schnell putzt dieser
vor=
zügliche Helfer, der nur 20 Pf.
kostet!
Jawohl, was Henkel heißt,
1st Qualität!
ARNAUG.
Nur in Originalpackung -niefnals lose, Hergestellt in den Persil-Werken
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Sonntag, den 21. Juli 1929
Nummer 200
ine größere Pre’sſumme ausgeſetzt für einen Flug, der, von der
Waſ=
ſerkuppe ausgehend, auf dem Flugplatz des etwa 30 Klometer
entfern=
ten Bad Kiſſingen endet.
Die weiterhin anhaltende Windſtille läßt keine weiteren Flüge mehr
erwarten, ſo daß nach den bisher durchgeführten Flügen anzunehmen
iſt, daß Kronfeld den heutigen Tagespreis errungen hat.
Fliegerlager Waſſerkuppe, 20. Juli.
Von unſerem A. K.=Sonderberichterſtatter.
* Auf der Waſſerkuppe ſtarteten geſtern bei dem Rhön=
Segel=
flugwettbewerb die Flieger Hirt und Kronfeld kurz vor
einem hereinbrechenden Gewitter. In überaus kurzer Zeit gelang
es Hirt, 1000 Meter über der Starthöhe herauszuholen und in
36 Kilometer Entfernung bei Rimbach zu landen. Sein
Rekord=
flug war aber bei Bekanntwerden ſchon überholt. Inzwiſchen war
es Kronfeld gelungen, die bisher nie erreichte Höhe von
2050 Metern über Startplatz zu erreichen und nach einem längeren
Fluge in Hermsdorf bei Jena (etwa 120—140 Kilometer
Luft=
linie) zu landen. Kronfeld hat damit einen neuen Welt=Strecken=
und Höhenrekord für Segelflüge aufgeſtellt. Näheres über die
Rekordflüge folgt in der nächſten Nummer.
Zu dem an dieſer Stelle am 18. ds. Mts. gebrachten Hinweis
auf das „Jubiläum auf der Rhön” erſcheint es, im Hinblick auf
den Umſtand, daß dieſes Jubiläum gerade für uns Darmſtädter
beſonderes Intereſſe beanſprucht, geboten, noch an folgende
Tat=
ſachen ergänzend zu erinnern:
Die Wettbewerbsveranſtaltungen verdanken ihr Entſtehen
der Initiative des Herrn Zivilingenieur Urſinus, Herausgebers
des Flugſport, ſowie der intereſſevollen Förderung und
finan=
ziellen Unterſtützung durch Herrn Generalkonſul Dr. h. c.
Kotzen=
berg und ſind zurückzuführen auf die Erfolge der bereits in den
Jahren 1911—13 mit Gleitflugverſuchen beſchäftigten
Darm=
ſtädter Flug=Sport=Vereinigung (FSV. Darmſtadt,
begründet von zwölf Oberprimanern des Ludwig=Georgs=
Gym=
naſiums, ſpäteren Studierenden der Techniſchen Hochſchule
Darm=
ſtadt). Nach langen Erkundigungsfahrten der beiden Primaner
Berthold Fiſcher und Hans Gutermuth in deutſchen
Mittel=
gebirgen wurde von ihnen die Waſſerkuppe in der Rhön als das
geeignetſte Gelände für Gleitflugverſuche ausfindig gemacht.
Während dreier Herbſtferien bei je vier bis ſechswöchentlichem
Aufenthalt auf der Waſſerkuppe wurden nun in der
Vorkriegs=
zeit über 20 von der Vereinigung ſelbſt entworfene und
eigen=
händig verfertigte Gleitflugzeuge verſchiedenſter typiſcher
Aus=
bildung auf dem für alle Windrichtungen gleich brauchbaren
Fluggelände der Waſſerkuppe erprobt. Bei dieſer Erprobung
dauernd verbeſſerter Gleitflugzeuge gelang es Hans Gutermuth
im Herbſt 1912 den bis zu jenem Zeitpunkt noch nirgends, weder
in Europa noch in Amerika erreichten Gleitflug von 838 Meter
Länge auszuführen. Die in der Folgezeit fortgeſetzten
Be=
ſtrebungen der FSV. in dieſen mit jugendlicher Begeiſterung
betriebenen und von ausgeſprochenem Erfolg begleiteten
Flug=
ſtudien fanden mit Kriegsausbruch ein jähes Ende. Sämtliche
Mitglieder der FSV. nahmen am Weltkriege teil, nur etwa die
Hälfte kehrte nach Kriegsende in die Heimat zurück. Den fünf
gefallene Kameraden ſetzten die am Leben gebliebenen im Auguſt
1921 ein Denkmal auf der Waſſerkuppe, in Form eines ſtattlichen
Baſaltblockes, der eine Bronzeplatte mit der Inſchrift der im
Kampfe um Deutſchlands Sein und Werden gefallenen Erſten
Rhön=Gleit= und Segelflieger trägt.
Die große Bedeutung, welche die ſeit einem Jahrzehnt auf
der Waſſerkuppe ſich abſpielenden Gleit= und Segel=Wettflüge
für die Erkenntnis des Flugproblems und für die
wiſſenſchaft=
liche Ausbildung der Flugzeugführer gewonnen haben, nimmt
ſomit ihren Ausgang in den zielbewußten und erfolgreichen
Be=
ſtrebungen der Darmſtädter Flugſport=Vereinigung, zu einer
Zeit, in welcher motorloſen Gleitflugverſuchen weder von
ſport=
licher noch von wiſſenſchaftlicher Seite grundlegende Bedeutung
zuerkannt wurde.
Dr.=Ing. e. h. M. F. Gutermuth.
Von unſerem A. K.=Sonderberichterſtatter.
Fliegerlager Waſſerkuppe, 18. Juli.
Am heutigen Tage wurde der 10. Rhön=Segelflug=Wettbewerb
er=
öffnet. Um 8 Uhr ertönte die Sirene und gab den Start für den
Wett=
bewerb frei. Das geſtern noch ſo ſchöne Wetter hatte ſich über Nacht
gänzlich geändert, was ſchon geſtern aus den hoch am Himmel
vorüber=
ziehenden Cirruswolken zu ſchließen war. Die frühen Morgenſtunden
brachten Regenſchauer und auch den erſehnten Wind. Ein leichter,
teil=
weiſe ſtark auffriſchender Weſtwind von 6—8 Meter/Sek. Stärke
ver=
führte zu einigen Starts am Weſthange der Waſſerkuppe, dem
Haupt=
ſegelhang. Die Sportleitung hatte für heute zwei Preiſe von je 150
Mark für die Teilnehmer des Uebungs= und Leiſtungs=Wettbewerbes
ausgeſchrieben und verlangte von den Führern des Uebungswettbewerbs
einen Flug von mindeſtens einer Viertelſtunde, von den Teilnehmern
des Leiſtungswettbewerbes eine Flugſtrecke von mindeſtens 5 Kilometer
mit Rückkehr zur Startſtelle. Die Preiſe werden den beiden beſten
Flugzeugen der beiden Klaſſen zugeſprochen. Als der Start begann,
ließ der Regen nach. Groenhoff ſtartete als Erſter auf Schleichers
„Frankfurt” und landete nach einer Flugdauer von 7 Minuten 30 Sek.
wieder auf der Waſſerkuppe. Nach einigen kleineren Flügen anderer
Piloten ſtartete Kronfeld auf „Wien”, mit der er den 100 Kilometer=
Flug durchgeführt hat, ſegelte in ſehr ſchönem Fluge 1 Stunde 30 Min.
über der Waſſerkuppe und flog dann in nördlicher Richtung, die
Milſe=
burg überfliegend, davon. Seine Landung erfolgte glatt bei Schloß
Bieberſtein in einer Entfernung von etwa 6 Kilometer von der
Start=
ſtelle. Die bald darauf einſetzende Windflaute und die trotz ſtarker
Be=
wölkung heiß herniederbrennende Sonne machte vorerſt weitere Flüge
unmöglich.
Als charakteriſtiſches Zeichen, für den Flugbetrieb, der in dieſem
Jahre zu erwarten iſt, und als Folge der im letzten Jahre
durchgeführ=
ten Flüge iſt die Tatſache anzuſehen, daß ſich die Sportleitung genötigt
geſehen hat, eine beſondere „Verkehrsordnung” für Segelflugzeuge
herauszugeben, alſo: wie auszuweichen iſt, wie überholt werden muß
uſw. Es mutet etwas komiſch an, wenn man bedenkt, daß ſelbſt die Luft
nicht mehr groß genug iſt, um einen ungehinderten Verkehr und
un=
geſtörtes Fliegen zu ermöglichen. Und doch iſt die Maßnahme noch gar
nicht ſo abſonderlich, wie ſie auf den erſten Blick erſcheinen mag; iſt
es doch im vergangenen Jahre oft genug der Fall geweſen, daß fünf,
ſeihs Maſchinen an einem kleinen Hang zur gleichen Zeit flogen, ſich
gegenſeitig überholend, ausweichend uſw. Da es natürlich in jedes
Einzelnen Intereſſe liegt, möglichſt nahe an dem Aufwind=bringenden
Hang zu bleiben, iſt die Möglichkeit eines Zuſammenſtoßes in der Luft
ganz und gar nicht von der Hand zu weiſen.
Zu der Ausſchreibung des Rhön=Segelflug=Wettbewerbes ſelbſt iſt
noch zu bemerken, daß dieſe inſofern eine Ergänzung erfahren hat, als
die Rhön=Roſſitten=Geſellſchaft, die Veranſtalterin des Wettbewerbes,
einen Hindenburg=Segelflugpreis ausgeſchrieben hat, der einen von
dem Herrn Reichspräſidenten aus Anlaß des 10. Rhön=Segelflug=
Wett=
bewerbers geſtifteten Pokal darſtellt. Die Zuerkennung dieſes wertvollen
Preiſes erfolgt an denjenigen Segelflieger, der von der Waſſerkuppe
aus eine fliegeriſche Leiſtung vollbringt, die von beſonderer Bedeutung
für die wiſſenſchaftliche und ſportliche Fortentwickelung des Segelfluges
iſt. — Außerdem hat das Staatliche Badekommiſſariat in Bad Kiſſingen
Fliegerlager Waſſerkuppe, 19. Juli.
Das anhaltend heiße Wetter herrſchte auch während des zweiten
Tages des Rhön=Segelflug=Wettbewerbs auf der Waſſerkuppe. Faſt
gänzliche Windſtille ſorgte im übrigen dafür, daß auch heute größere
Flüge nicht durchgeführt wurden, ja der Flugbetrieb faſt ganz
unter=
blieb. Für heute waren wiederum je 150 Mark für den Uebungs= und
Leiſtungs=Wettbewerb von der Sportleitung ausgeſchrieben, deren
Ausſchreibung gegenüber der geſtrigen keine Verſchiedenheit aufwies,
da die Sonderpreiſe des vergangenen Tages nur zum Teil ausgeflogen
worden waren. Kronfeld, der als Erſter ſtartete, konnte ſich nicht
länger als drei Minuten in der Luft halten, während andere Piloten
nur ganz kurze Zulaſſungsflüge durchzuführen imſtande waren.
Lei=
der hat der Roſtocker Aeroklub inſofern Pech gehabt, als die aus dem
Schulungswettbewerb des Vorjahres als Siegerin hervorgegangene
„Mecklenburg” beim Zulaſſungsfluge vom Führer überzogen wurde,
langſam in die Kurve ging und mit dem Flügel krachend zu Boden
rannte. Der Pilot ſelbſt erlitt bedeutungsloſe Hautabſchürfungen. Die
Maſchine wird jedoch, dank der Umſicht der Roſtocker, die ſich in
Vor=
ahnung evtl. Unfälle mit Erſatzflächen auf die Waſſerkuppe begeben
haben, am morgigen Tage wieder zum Start kommen können.
Eine faſt lautloſe Ruhe liegt über dem Fliegerlager, auf das die
Sonne unbarmherzig herniederglüht. Ein großer Teil der
Lagerbe=
wohner hat ſich der überflüſſigen Kleider entledigt und liegt in der
Badehoſe am Hang bei den Maſchinen, tärumt von künftigen Erfolgen
oder beobachtet das langſame Wachſen und Näherkommen der am
Hori=
zont erſcheinenden Wolken, die auf ein bald eintretendes Gewitter
ſchlie=
ßen laſſen, mit dem aber auch der erſehnte Wind kommen muß. Schlaff
hängt die blaue Flagge der RRG. am Maſt, ab und zu ein wenig von
einem feinen Windzug bewegt. Flinke Schwälblein huſchen über die
Kuppe, die ſtille Einſamkeit grüßend.
Heute iſt unter anderem auch die „Württemberg” im Fliegerlager
eingetroffen, mit der Laubenthal vor kurzem bei Stuttgart abgeſtürzt
iſt. Selbſt unverletzt dem Unfall entronnen, verunglückte er kurz
dar=
auf beim Abſturz eines Motorflugzeuges in Böblingen tödlich. Eine
leiſe Wehmut bemächtigt ſich bei dieſer Erinnerung der jungen
Segel=
flieger. Haben ſie doch faſt alle ſelbſt Laubenthal auf der Waſſerkuppe
fliegen ſehen, wenn er auf der „Margarete” der Akademiſchen
Flieger=
gruppe Darmſtadt oder auf dem „Conſul” ſeine ſteilen, frechen Kurven
flog. Nun iſt er das Opfer ſeiner Flugbegeiſterung geworden ebenſo
wie Schulz, der bald nach ihm von einem rückiſchen Schickſal
hinweg=
gerafft wurde. Und doch iſt es nicht Verzagtheit, das auf den Geſichtern
der Flieger liegt, als ſie der beiden gedenken, ſondern eher Mut, Trotz
und ein hoher Wille, weiterzuarbeiten an dem Erbe des großen
Mei=
ſters und im Sinne Paul Laubenthals, es ihnen gleichzutun und auf
dieſe Weiſe mitzuarbeiten an der Weiterentwickelung der deutſchen
Luft=
fahrt, um ſo dem deutſchen Volke wieder den Glauben an ſich, an ſeine
Weltgeltung zurückzugeben. Volare nececce est!
Kurz vor Abſchluß dieſes Berichtes kann doch gemeldet werden, daß
ein plötzlich auftretender Wind doch noch den Start ermöglicht hat.
Vier Maſchinen waren für kurze Zeit am Weſthange zu ſehen.
Groen=
hoff konnte ſich am längſten halten. Er blieb nahezu eine halbe
Stunde in der Luft. Xronfeld erreichte faſt dieſelbe Zeit, während
Hirth nach etwa 10 Minuten zur Landung ſchreiten mußte.
Nei=
ninger, der einen Probeflug auf der „Darmſtadt” unternahm,
ver=
ließ bald den Hang und landete nach einer Flugzeit von etwa 10 Min.
im Tal. — Die für heute ausgeſchriebenen Preiſe dürften demnach
Kronfeld und Groenhoff zufallen.
Moldenhauer-Prenn verlieren das Doppel
nach gutem Spiel.
Erwartungsgemäß haben die deutſchen Vertreter im Davispokal=
Juterzonenfinale gegen Amerika am Samstag auch das Doppelſpiel
verloren. Der Kampf ſteht alſo für die Amerikaner 3:0 und iſt
ent=
ſchieden, ſelbſt enn — was kaum anzunehmen iſt — die beiden letzten
Einzelſpiele verloren gehen ſollten. Die Amerikaner haben ſich für die
Herausferderungsrunde gegen den Vokalverteidiger Frankreich
qualifi=
ziert und werden in der nächſten Woche in Paris den Verſuch
unter=
nehmen, den Franzoſen den Pokal wiaber zu entreißen. Die glatte
Niedderlage gegen die Amerikaner könnte dazu verleiten, den in den
leßten Worhen viel beſprochenen deutſchen Tennisaufſchwung in
Ab=
rede zu ſtellen. Das würde aber entſchieden zu weit führen. Der
Auf=
ſchwung iſt unbeſtreitbae vorhanden, aber er reicht noch nicht dazu, um
gegen das tennisſtarke Amerika beſtehen zu können. So rapide pflegen
auch ſelten Entwick=lungen vor ſich zu gehen. Im übrigen hat gerade
die Art der Niederlage, nämlich der tabfere Widerſtand und die quiten
Leiſtungen unſerer Spitzen pieler Moldenhauer und Prenn, im Spiel
gegen die Amerikaner bewieſen, daß eine weſentliche Verbeſſerung
un=
ſerer Leute tatſächlich erfolgr iſt. Dem Doppelſpiel am Samstag
wohnte trotz der Gluthitze auf dem Not=Weiß=Platz in Berlin wieder
eine Zuſchauermenge von 3000 Köpfen bei. Wer vermutet hatie, daß
die Wimbledonſieger Alliſſonſpan Ryn gegen Moldenhauer/Prenn zu
einem leichten Siege kommen würden, der ſah ſich angenehm enttäuſcht.
Das deutſche Paar zeigte ſich von ſeiner beſten Seite und lieferte ein
Spiel, das zwar niht zum Siege lungte, aber ehrlichen Beifall ver=
Liente und berechtigte Hoffnungen gab. Nach zähem Kampf konnten
die Deutſchen den erſten Satz ſoga= 11:2 an ſich bringen, dann gewannen
aber die Amerikancs Oberhand und wit 9:11, 6:2, 6:4, 6:3 ſtellten
Alliſſon Een Ryn ihren Sieg ſicher.
Zum Spielderlauf.
1. Satz: Moldenhauer verlor ſeinen Aufſchlag und ſchnell lagen
die U.S.A.=Spieler 2:0 in Führung. Aber die deutſchen Vertreter
gaben den Kampf nicht verloren, wit guten Leiſtungen erzielten ſie bei
4:4 den Ausgleich und hatten von da ab ſogar ſtändig eine Führung.
Es ging bei heftig geführtem Kampfe über 5:4, 7:6, 8:7 weiter, bis
ſchließlich das deutſche Paar unter dem toſenden Jubel der Tauſende
mit 11:9 den Satzgewinn ſicherſtellte. — 2. Satz: Die guten
Leiſtum=
gen der Deutſchen hielken bis zu einer 2:0=Führung an. Dann machten
ſich aber bei Moldenhauer/Prenn die Anſtrengungen des ſchweren
Spieles bemerkbar und hintereinander fielen ſechs Spiele an die
Ame=
rikaner, die damit den Satz 6:2 gewannen. Hart umkämpft war moch
das achte Spiel, bei dem es zwiſchen den Parteien und dem
Schieds=
richter zu einem Zwiſchenfall kam. Ryn proteſtierte gegen eine
Entſcheidung des Scnedsrichters, worauf ſich der Schiedsrichter unter
dem lauten Widerſpruch des Publikums ſofort zugunſten der
Ameri=
kaner korrigierte. Prenn mußte als Volksredner und ehrlicher Makler
auftreten, um den Zwiſchenfall zu beſeitigen. Als Gegenleiſtung
ver=
ſchlug Alliſſon einen Ball. — 3. Satz: Der Widerſtand der Deutſchen
wurde wieder ſtärker, die Kurve des Spiels ging über 1:0 für U. S.A.
nach 1:2, für D. 2:2, 2:3 für D. und 3:3, bis ſich die Amerikaner mit
5:3 endgültig in Führung fetzten. Nach hartem Kampf gewannen
Mol=
denhauer/Prenn noch das neunte Spiel, dann gelang den Amerikanern
aber der Matchball, und mit 6:4 gehörde der Satz den Amerikanern.
— 4 Satz: Prenn verlor ſeinen Aufſchlag und Alliſſon ſtellte das
Er=
gebnis auf 2:0. Dann gewann Moldenhauer ſeinem Aufſchlag, und
nun wurde der Kampf wieder bis 4:3 für die Amerikaner
ausgeliche=
ner, van Ryn, der beſſere der beiden Amerikaner, ſtellte das Erg=bnis
auf 5:3, und ſchließlich gelang ihm auch der Matchball.
Um die Hockey=Hochſchulmeiſterſchaft.
Univerſität Bonn — Techniſche Hochſchule Darmſtadt 11:2 (5:1).
Der Deutſche Hochſchulrat hatte dieſes Spiel, das urſprünglich als
Geſellſchaftsſpiel gedacht war, als nochmaligen Entſcheidungskampf um
die Deutſche Hochſchulmeiſterſchaft angeſetzt. Die Bonner Mannſchaft
befand ſich trotz der drückenden Hitze in einer Hochform und errang
einen vollauf verdienten Sieg. Darmſtadt hatte gegen dieſen Gegner
nur ganz wenig zu beſtellen. Die Bonner Studenten führten ein
tech=
niſh und taktiſch reiferes Spiel vor und lagen bereits kei der Pauſe
mit 5:1 in Führung. Auch die zizeite Spielhälfte ſah Bonn weiteryin
ſtrk überlegen. In regelmäßigen Abſtänden wurden noch 6 Tore von
Bonn erzielt, denen Darmſtadt nur einen Torerfolg entgegenſtellen
konnte.
Sonderfahrk nach Erbach zum Pokalendſpiel
Sporkverein Darmſtadk 1898 — 1. FC. Nürnberg.
FC. Union 1913 e. V. — Worms=
Wir geben hiermit bekannt, daß obiges Spiel heute nachmittag
ausfällt, da Hochheim eine telegraphiſche Abſage geben mußte.
Geſchäftliches.
Während der diesjährigen Ferienzeit veranſtaltet die Hamburg—
Amerika=Linie verbilligte Reiſen an die Nordſee. (Hamburg—Helgoland
—Weſterland—Sylt.) Näheres bergleiche heutige Anzeige.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Gleichbleibendes Werktagsprogramm. 6.30: Gymnaſtik. Wetter,
Zeit. O 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsm., Waſſerſtand. O 12.55:
Nauener Zeit. O 15, 15.35: Zeit, Wirtſchaftsm. o 16.10: Ind.,
Handelst. (Di. u. Fr.). O 16.25: Gießener Wetter, Wirtſchaftsm.,
Währ. d. Nachm.=Konz.: Vereinsnachr. O 18.05, 19.15 oder 19.30:
Wirtſchaftsm.
Sonntag, 21. Juli. 7: Hamburg: Hafenkonzert. 8: Kaſſel:
Morgenfeier. Anſchl.: Glockengeläut der St. Peterskirche. 0 11.30:
Elternſtunde. Mittelſchullehrer Krupp: Erziehung zur
Selbſtbeherr=
ſchung. O 12: Konzert eines Orcheſters von arbeitsloſen Muſikern.
S 13: Dienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden. o 13.20:
Jugendſtunde. Aus dem deutſchen Märchenborn, vorgetr. von Hanna
Lüngen. Wunſchſtunde. S 14.20: Nürnberger Stadion:
Sportver=
anſtaltung des zweiten Arbeiter=Turn= und Sportfeſtes. Anſprachen
von Reichsinnenminiſter Severing und C. Gellert, Vorſ. des ATS.
Turneriſche Vorführungen. 15.35: Breslau: Sportſprecher
unter=
halten ſich. Zwiegeſpräch zwiſchen Dr. Laven, Frankfurt a. M., und
Dr. Wentzel, Breslau. e 16: Stadion Breslau: Leichtathletik=
Meiſterſchaften. O 18.50: Stunde des Landes. Was geht in der
Welt vor und was geht es mich an? .— Dr. Knöppler: Geſunder
Stall — geſundes Vieh. 19.50: H. Meißner: Not und
Ge=
ſundung des deutſchen Theaters. O 20.30: Konzert des Funkorch.
Goldmark: „In Italien” Ouv. — Mendelsſohn: Zwei Sätze aus
der „Italieniſchen Sinfonie‟ — Bizet: „Roma”, Suite. —
Inter=
mezzo: „Vera‟, Erzählung von Villiers de UIſle=Adam. —
Tſchai=
kowsky: Polonaiſe aus „Eugen Onegin” — Dvorak: Slawiſcher
Tanz in C=moll. — Albeniz: Tango. — Waldteufel: „Eſtudiantina”
Walzer. — Brahms: Ungariſche Tänze Nr. 5 und 6. — Glaſunoff:
Orientaliſcher Tanz. — Delibes: Marokkaniſche Tänze aus dem
Ballett „Namouna”. — Strauß: An der ſchönen blauen Donau.
Walzer. — Tſchaikowsky: Chineſiſcher Tanz aus dem Ballett. Der
Nußknacker”. — Bizet: Aegyptiſcher Tanz aus „Djamileh‟. — Liſzt;
Tarantella aus „Pilgerjahren” O Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.50:
Wetter für den Landwirt. O 6: Gymnaſtik. O 12.25: Wetter für
den Landwirt (So. 12.50). O 12.55: Nauener Zeit. 15.30: Wetter,
Börſe. O 19.55: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle. Sonntag, 21. Juli. 6: Gymnaſtik. o 6.30:
Frühkonzert des neuen Berliner Sinfonie=Blas=Orch. o 8.55:
Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche. O 9: Morgenfeier.
An=
ſprache: Paſtor Dr. Lic. Schreiner, Spandau. Mitw.:
Motetten=
chor Berliner Studenten, G. Schwarz (Orgel), Gertrud Lungershauſen
(Sopran), G. Arndt und Eva Utſch (Violine). o Anſchl.: Geläut
des Berliner Doms. o 10: Wetter für den Sonntag. O 11: Die
Viertelſtunde für den Landwirt. O 11.15: Freigeiſtige Morgenfeier.
O 12: Mandolinenorcheſter=Konzert (Vereinigte Finke’ſche
Mando=
linenchöre). o 13: Unterhaltungsmuſik der Kapelle Emil Rooſz.
O 14.20: Uebertragung der Sportveranſtaltung im Nürnberger
Stadion. O 15.30: Märchen, erzählt von Toni Tetzlaff, e 16:
Sonaten. Mitw.: G. Beerwald (Violine) und Prof. Rehberg
(Flügel). O 16.40: Uebertragung von der Rennbahn Berlin=
Grune=
wald: St. Simon=Rennen. O Anſchl.: Uebertr. des Konzertes aus
dm Lunapark, Berlin. S 18.30: Dr. Graßmann: Wisby einſt und
jetzt. o 19: Detlev von Liliencron zum 20. Todestage. Dr. Gerhard
(Einführung), Dr. Michaelis (Rezitation), Eliſabeth Ohlhoff (
Ge=
ſang), Generalmuſikdir. Knapſtein (Flügel). o 20: Gottfried Keller
(zum 110. Geburtstage) Rezitationen: Leo Reuß. O 20.30: Bunter
Abend. Mitw.: Frida Weber=Fleßberg, O. Faſſel, Senff=Georgi u. a.
O Danach: Tanzmuſik. (Geſangseinlage: Engelbert Mil”=. o Pauſe:
Bildfunk.
Da zu erwarten ſteht, daß am 28. Juli ein Teil des Anhangs ber
Handball=Ligamannſchaft des Sportvereins Darmſtadt 1898 das
Bedürf=
nis hat, die Mannſchaft zu dem Pokalendſpiel gegen den 1. F. C.
Nürn=
berg nach Eubach zu begleiten, will die Leitung des Sportvereins 1898
für bequeme Fahrgelegenheit Sorge tragen. Der vom Davmſtädder
Sauptbahnhof 7.47 Uhr vormittags (ab Oſtbahnhof 8 Uhr) abfahrende
Zug trifft ſo zeitig in Erbach ein, daß Zeit genug zur Verfügung ſteht,
um rechtzeitig vor Spielbeginn, der auf 11 Uhr feſtgeſetzt iſt, das
Sta=
dion zu erreichen. Der Sportverein Darmſtadt 1898 beabſichtigt, die
Reichsbahnleitung auf die Zahl der zu dem Spiel nach Erbach
fahren=
den Perſonen aufmerkſam zu machen, damit eine entſprechende Anzahl
Wagen dem fahrplanmäßigen Zug angehängt und reſerviert werden
können Um die ungefähre Anzahl der Mitfahrenden zu übermitreln,
iſt es notwendig, daß ſich dieſe in eine Liſte eintragen, die bei dem für
heute angeſetzten Fußballſpiel der 98er gegen Olympia Worms
un=
mittelbar hinter dem Platzeingang aufgelegt wird.
Die große Critroén=Karawane trifft morgen in Darmſtadt eim und
dürfte die Aufmerkſamkeit aller am Auto intereſſierten Kreiſe finden.
Die Karawane beſteht aus 10 Fahrzeugen und gibt einen anſchaulichen
Ueberblick über die Citroén=Modelle des Jahres 1929, die bekanntlich
bereits große Erfolge auf dem Markte verbuchen konnten. — Die
Damenwelt dürfte ſich beſonders für die entzüickenden Cabriolet=Karoſſen
intereſſieren, beim Herrenfahrer werden die eleganten Innenlenker, beim
Geſchäftsmann die hervorragend wirtſchaftlichen Lieferwagen Beachtung
finden.
Nähere Auskunft ſwird von der Citroén=Generalvertretung in
Darm=
ſtadt der Firma Willi Holzinger, Rundeturmſtraße 16, bereitwilligſt
erteilt.
Weikerbericht.
Durch das Vordringen kühlerer Ozeanluft kam es heute morgen bei
uns zu Gewitterſtörungen, die auch etwas Niederſchlag mit ſich
brach=
ten. Da von dem britiſchen Tief aus wechſelweiſe kühlere Luftmaſſen
nach dem Kontinent vorgeſchoben werden, ſo werden die Temperaturen
kleine Schwankungen erfahren, halten ſich im allgemeinen aber doch
noch ziemlich hoch. Gewitterſtörungen werden bei dem
Zuſammentref=
fen der Kalt= und Warmluft weiter zu erwarten ſein.
Ausſichten für Sonntag, den 21. Juli: Wechſelnd wolkig mit
Aufheite=
rung, Temperaturen ſchwankend, jedoch im ganzen noch warm;
wei=
terhin Gewitterſtörungen.
Ausſichten für Montag, den 22. Juli: Fortdauer des warmen Wetters
mit Gewitterneigung.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polliikk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feulſleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: J. V.: Dr. Eugen Buhlmann;
für „Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willy Kuhlé
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer. hat 20 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 200
Sonniag, den 21. Juli
Von unſerem A= Korreſpondenten.
Paris, 19. Juli.
Die „Bank für internationale Regelungen” ſteht im
Vorder=
grund des Intereſſes. Man erwartet, daß dieſes Inſtitut, der
„Motor des Youngplanes”, für das Gleichgewicht und für die
zu=
künftige Entwicklung der Wirtſchaft ſehr günſtig wirken wird.
Vor allem, was die Vereinheitlichung der europäiſchen Wirtſchaft
— man denkt hier an ein Syſtem ohne oder faſt ohne England —
betrifft. Man wünſcht alſo, daß für den Sitz der Bank nicht
Lon=
don gewählt werde, da man für dieſen Fall den überwiegenden
Einfluß des Londoner Finanzmarktes befürchtet. Es wird hier
übrigens für wahrſcheinlich gehalten, daß die Wahl auf
Amſter=
dam fallen wird.
Die Schwankungen des Pfund Sterlings wurden hier mit
gro=
ßer Aufmarkſamkeit verfolgt. Ihr Aufhören wird mit der
Enger=
geſtaltung der ſtaatsfinanziellen Zuſammenarbeit zwiſchen den
angelſächſiſchen Ländern begründet, welche ein Ergebnis der Reiſe
Montagu Normans nach New York ſein ſoll.
Die Erregung über die neuen amerikaniſchen Zolltarife hält
weiter an. Man rechnet im allgemeinen auf keine Nachgiebigkeit
Amerikas, ſelbſt von dem Proteſt der 38 von den Zollmaßnahmen
betroffenen Staaten erwartet man keinen beſonderen Erfolg. Als
die natürliche Folge der amerikaniſchen Wirtſchaftspolitik wird
hier die Engergeſtaltung der Zuſammenarbeit der europäiſchen
Wirtſchaft angeſehen.
Auf dem Rohſtoffmarkte gibt es keine großen Aenderungen.
Der Kohlenmarkt zeigt weiterhin große Feſtigkeit. Die Eiſen= und
Stahlproduktion iſt im Steigen begriffen. Statiſtiken liegen über
die erſten fünf Monate des Jahres bereits vor. Die
Eiſenproduk=
tion belief ſich für dieſen Zeitraum auf 4,3 Millionen Tonnen,
gegenüber 4,1 Millionen Tonnen im Vorjahre. Die
Stahlproduk=
tion für die gleiche Zeit machte 4,0 Millionen Tonnen aus,
gegen=
über 3.8 Millionen Tonnen im Vorjahre. Die Produktion wird
alſo aller Wahrſcheinlichkeit nach 4—5 Prozent höher ſein als in
1928. Dieſe große und andauernde Proſperitat der
Schwerindu=
ſtrie iſt mehr den inländiſchen Beſtellungen als dem Export, der
neuerlich eher zurückgeht, zuzuſchreiben.
Der Metallmarkt lag ſchwach. Auf dem Kupfermarkt gibt
e=
immer wieder Preisſchwankungen, da das Kartell verſucht, die
hohen Preiſe künſtlich aufrecht zu erhalten. Zurzeit gelingt dies
nur durch eine Einſchränkung der Produktion. Nichtsdeſtoweniger
wird eine Baiſſe der Preiſe kaum zu verhindern ſein, da die
Nach=
frage ſehr lau geworden iſt. Der Kupfermarkt fühlt nämlich
emp=
findlich den Ruckgang in der Automobilinduſtrie der Vereinigten
Staaten und neuerlich auch in Frankreich.
Die Bleipreiſe lagen ebenfalls ſchwach, obwohl in New York
vor kurzem eine erhebliche Preisreduktion ſtattgefunden hat. In
dieſem Monat wird übrigens eine Konferenz der Bleiproduzenten
tagen: Amerika wird jedoch nicht teilnehmen.
Die Zinkpreiſe ſind ebenfalls im Rückgang begriffen. In
Pa=
ris iſt man wegen der niedrigen Preiſe beſorgt und man beklagt,
daß die Produktion nicht in genügendem Maße reduziert wurde.
In der internationalen Verſammlung in Oſtende hat man
näm=
lich eine Reduzierung von 10 Prozent beſchloſſen, gegenüber den
früheren 5 Prozent. In den hieſigen Wirtſchaftskreiſen findet
man auch dieſe Reduktion ungenügend. Andererſeits iſt man in
Paris geneigt, die Ausſichten des Metallmarktes ziemlich
peſſi=
miſtiſch zu beurteilen was auch in der Entwertung der Aktien der
Metallminen zum Ausdruck kommt. Objektiv betrachtet iſt die
Zinkproduktion nicht übertrieben hoch, im Mai ſoll ſich die
ge=
ſamte Weltproduktion auf 140 319 Tonnen belaufen haben. Für
Juni liegen noch keine Ziffern vor, es iſt aber wahrſcheinlich, daß
die Produktion nicht höher geworden iſt.
Die Zinnpreiſe ſind feſt. Die Liverpooler Zinnvorräte ſollen
ſich auf 7467 Tonnen belaufen; ſie ſind um 103 Tonnen geringer
als im vorigen Monat. Die malaiiſche Zinnproduktion iſt trotz
der niedrigen Preiſe nicht zurückgegangen, wie man dies vielfach
erwartet hat. So machten die malaiiſchen Zinnlieferungen
wäh=
rend des Monats Juni 8525 Tonnen aus, gegenüber 8084 Tonnen
im Juni des Vorjahres. Das beweiſt, daß die dortigen
Unter=
nehmungen ſich in einer günſtigeren Lage befinden, als man dies
im allgemeinen annahm. Eine Verſammlung der Zinnproduzenten,
auf der 167 Geſellſchaften vertreten waren, fand in London ſtatt.
Es wurde die Bildung eines Kartells beſchloſſen unter dem Namen
„Tin Producers Aſſociation‟. Das Kartell beſchäftigt ſich
vorläu=
fig nur mit den neuen Methoden der Zinninduſtrie und mit dem
Suchen nach neuen Abſatzgebieten und neuen Anwendungen für
das Zinn. Die Rationaliſierung des Zinnmarktes wird erſt
erfol=
gen, wenn ſchon ſämtliche britiſchen Produzenten dem Kartell
bei=
getreten ſind. Man wird verſuchen, auch die ausländiſchen
Produ=
zenten für das Kartell zu gewinnen, ſo daß dieſes einen
inter=
nationalen Charakter gewinne.
Die Zukunft des Kautſchukmarktes wird wieder etwas
opti=
miſtiſcher beurteilt, doch bietet die Preislage zu dieſem
Optimis=
mus wenig Grundlage. Die Kautſchukpreiſe ſind bekanntlich ſeit
langem ſehr niedrig und erfahren verhältnismäßig geringe
Schwankungen, — man behauptet jedoch, daß die ſchwere Periode
nach der Aufgabe des Stevenſonplanes beendet iſt und die
auf=
gehauften großen Vorräte größtenteils verbraucht wurden. Die
jetzt noch vorhandenen Vorräte ſind viel zu gering, um den Markt
wirklich drücken zu können. Der malaiiſche Export zeigt eine
ſin=
kende Tendenz. Der Abſatz dagegen wächſt langſam, aber ſicher,
In Amerika hat man beim Verbrauch wieder Rekordziffern
er=
zielt. Der Kautſchukverbrauch in den anderen Ländern entwickelt
ſich noch im ſtarkeren Tempo.
Wiriſchaftliche Rundſchau.
— Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren. Bensheim: Schreinermeiſter Franz Schader 15.
von Bensheim. Af. 26. 7., GlV. und Prft. 7. 8. Gießen:
Buchdruckerei=
beſitzer Walter Kindt. Af. 29. 7., GlV. und Prft. 8. 8. Frau Otto
Kindt Wwe. Agnes geb. von Freeden. Af. 29. 7., GlV. und Prft. 8. 8.
Mainz. Firma Alois Karolus, Sektkellerei in Mainz=Kaſtel und
Nach=
laß des geweſenen Inhaber Alois Karolus. Af. 1. 8., Prft. 9. 8.
Worms. Kfm. W. Jungbecker. Af. 31. 7., Prft. 3. 8. — Beendete
Konkurſe: Alsfeld. Emilie Stoll in Alsfeld. Offenbach: Firma
Geſchwiſter Hanf, Inh. Karl Herz, Emma Herz, Julie Herrſcher Wwe.
— Aufgehobene Vergleichsverfahren: Mainz. Kfm.
Joſef Klein, Inhaber der Firma gleichen Namens,
Schuhwarenhand=
lung.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 17. Juli. Die auf den
Stichtag des 17. Juli d. Js. berechnete Großhandelsindexziffer des
Sta=
tiſtiſchen Reichsamtes hat ſich mit 138,2 gegenüber der Vorwoche (137,4)
um 0,6 v.H. erhöht. Von den Hauptgruppen iſt die Indexziffer für
Agrarſtoffe um 1,6 v.H. auf 133,3 (131,2) geſtiegen. Die Indexziffer für
Kolonialwaren lag mit 129,6 (127,3) um 1,8 v.H. höher als in der
Vor=
woche. Die Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren ſtellte
ſich auf 131,3 (131,5). Die Indexziffer für induſtrielle Fertigwaren iſt
um 0,1 v.H. auf 157,3 (157,2) geſtiegen.
Schönberger Cabinet A. G., Mainz. Der von der
Generalverſamm=
lung bereits genehmigte Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1928 liegt
nun=
mehr vor. Der Bruttogewinn wird mit 781 682 (686074) RM.
aus=
gewieſen, wovon Unkoſten 674 268 (557 134) RM. und Abſchreibungen
80 707 (102 500) RM. erforderten, ſodaß ein Reingewinn von 26 707
(26 439) RM. verbleibt. In der Bilanz erſcheinen Debitoren mit
1200 230 (1283 524) RM. und Waren mit 1515 468 (1 419800) RM.,
denen bei unverändertem A.K. von einer Million Reichsmark
Kredi=
teren mit 1 226 001 (1 348 909) RM. und Rücklagen mit 775 462 (689 723)
RM. gegenüberſtehen. Neu in der Bilanz werden Hypotheken mit
35 227 RM. aufgeführt.
Frankfurter Gasgeſellſchaft. Auf Grund eines Uebereinkommens
zwiſchen dem Aufſichtsrat der Frankfurter Gasgeſellſchaft und dem
Generaldirektor Tillmetz wird dieſer am 31. Dezember 1929 nach Ablauf
ſeines 12jährigen Dienſtvertrags unter Wahrung ſeiner
Penſionsan=
ſprüche in den Ruheſtand treten. Der Aufſichtsrat hat dieſes
Aner=
bieten angenommen und wird dem Magiſtrat der Stadt Frankfurt am
Main vorſchlagen, Tillmetz nach ſeinem Ausſcheiden aus der
Geſell=
ſchaft für die Zeit ſeiner weiteren Mitarbeit in den Aufſichtsrat der
Frankfurter Gasgeſellſchaft zuzuwählen.
Konkurs einer Konſervenfabrik. Die Rheingauer Konſervenfabrik
„Marienburg”, M. Fromen G.m.b.H., in Niederwalluff iſt in Konkurs
geraten. Die Paſſiven ſollen recht erheblich ſein. Angeblich befinden
ſich unter den Wechſeln auch Gefälligkeitsakzepte. Erſte
Gläubigerver=
ſammlung am 15. Auguſt.
Abkommen der Ruhrgas-A. G. mit der Ferngas=
Geſellſchaft Saar m. b. h.
Wie der amtliche Preußiſche Preſſedienſt jetzt mitteilt, ſind die
Ver=
handlungen, die in der letzten Zeit unter Mitwirkung des preußiſchen
Handelsminiſteriums und unter Beteiligung der heſſiſchen
Staats=
regierung zwiſchen der Ruhrgas A.=G. und den in der Ferngasgeſell.
ſchaft Saar m. b. H. zuſammengeſchloſſenen Gruppen über eine
ge=
meinſame Verſorgung Südweſtdeutſchlands mit Ferngas ſtattfinden, zu
einem vorläufigen Abſchluß gekommen. Nach der Vereinbarung werden
die Ruhrgas=A.=G. und die Ferngasgeſellſchaft Saar m. b.bH. die
Ferngas=
intereſſen in Sütdweſtdeutſchland in Zukunft gemeinſam zu fördern
ſuchen. Sie werden den Zuſammenſchluß aller Gasabnehmer in dem
gemeinſamen Verſorgungsgebiet in eine gemiſchtwirtſchaftliche
Geſell=
ſchaft anſtreben, an der die kommunalen Gasabnehmer und die
Gas=
erzeuger und möglichſt auch die Länder beteiligt ſein ſollen. Sie werden
Verträge gemeinſam ſchließen, Erfahrungen austauſchen und ſich auch
ſonſt jede Hilfe zuteil werden laſſen. Sie haben gegenſeitig Gebiete
ab=
getrennt, wobei der Ferngasgeſellſchaft Saar ein eigenes
Verſorgungs=
gebiet vorbehalten iſt, und haben ſich über die Beteiligung am Albſatz
ſchlüſſelmäßig geeinigt, wobei auf der Ruhrſeite die Intereſſen des
Aachener Reviers und auf der Saarſeite neben den Intereſſen der
Hüitten vor allem auch die des künftigen fiskaliſchen Bergbaues
wahr=
genommen worden ſind. Um die Anfangsleitungen wirtſchaftlich zu
machen, iſt beiden Geſellſchaften eine Vorauslieferung in die
nächſt=
gelegenen Abſatzgebiete zugeſtanden, nach deren Erlangung
anteil=
mäßige Beteiligung eintritt. Dabei ſind die Zuſagen, welche die
Wuhr=
gas=A.=G. der Heſſiſchen Kommunalen
Gasfernverſor=
gung machte, in vollem Umfang berückſichtigt. Schließlich iſt der Fall
behandelt, daß einer der Vertragſchließenden nicht liefern kann oder will,
und eine Aenderung der Vereinbarung wegen veränderter Umſtände
vorgeſehen, wobei ein Schiedsgericht zu entſcheiden hätte. Die Bildung
der großen gemiſchtwirtſchaftlichen Geſellſchaft, die dem Abkommen prak
tiſchen Inhalt geben ſoll, iſt in Angriff genommen. Mit der Beteiligung
des Saargebietes am deutſchen Ferngasabſatz ſiſt die Eingliederung des
Saargebietes in das deutſche Wirtſchaftsgebiet erheblich gefördert.
Die Arbeitsloſenziffern ſind der Jahreszeit entſprechend
wei=
ter zuruckgegangen. Sie liegen aber immer noch etwas höher als
im vorigen Jahre. Als günſtig iſt zu verbuchen, daß die
Kurz=
arbeit weiter eingeſchränkt worden iſt.
Die Zahl der Ruhrbergarbeiter ſteigt jetzt wieder langſam
an. Feierſchichten ſind im Ruhrbergbau nicht mehr eingelegt
worden.
Die Zahl der arbeitstäglichen Konkurſe iſt im Juni wieder
zurückgegangen, nachdem ſie im März und April einen Höchſtſtand
von faſt 36 Konkurſen am Tage erreicht hatte. Auch die Summe
der Wechſelproteſte geht in den letzten Monaten wieder zurück.
Die Sparkaſſeneinlagen ſteigen in den letzten Monaten etwas
verlangſamt, die Entwicklungsrichtung iſt aber immerhin ungefähr
die gleiche wie im Durchſchnitt des letzten Jahres.
Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkk.
Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenmarkt iſt gegenüber der Vorwoche
unverändert geblieben. In Form= und Stabeiſen erfolgten die
Spezi=
fikationen auf Abſchlüſſe in mäßigem Umfange, während ſich wenig
Neigung zu Neukäufen zeigte. Die Werke ſind durchweg gut beſchäftigt.
Ueber den äußerſt ſchlechten Eingang der Außenſtände wird durchweg
ſehr geklagt. Die Preiſe und Bedingungen des Stahlwerksverbandes
wie auch der ſüddeurſchen Händlerverbände blieben unverändert.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 20. Juli:
Getreide: Weizen, Juli 134, Sept. 137½, Dez. 144½8: Mais,
Juli 98½, Sept. 101, Dez. 95½: Hafer, Juli 46, Sept. 47½,
Dez. 50½: Roggen, Sept. 104½, Dez. 110½.
Schmalz: Juli 12,50, Sept. 12,67½, Okt. 12,80, Dez. 12,92½,
Fleiſch: Rippen, Juli 13,25, Sept. 13,65: Speck, loco 13,50;
leichte Schweine 11,75—12,35, ſchwere Schweine 11,10;
Schweine=
zufuhren Chicago 4000, im Weſten 30000.
Chicago Baumwolle: Oktober 19,34.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 20. Juli:
Getreide: Weizen, Rotwinter 1493, Hartwinter 148½: Mais
t ang. Ernte 113½: Mehl ſpr. wheat clears 7,15—7,65; Getr.
acht nach England 1,6—2 sh, nach dem Kontinent 8—9 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 13,20; Talg, extra loſe 7½.
Kakao: Geſchloſſen.
Baumwolle: Der Baumtvollmarkt zeigte heute eine nach oben
ge=
ſtete Preisbewegung. Enttäuſchende Kabelmeldungen aus Liverpool
den wenig Beachtung, und unter lebhaften Käufen ſetzten die Preiſe
her ein. Die Kaufluſt wurde vor allem durch vermehrte Klagen über
jäden durch den Kapfelkäfer ſowie durch die Nachricht von kühlerem
ter und Regenfälle im öſtlichen Anbaugebiet angeregt. Im
Ver=
fe trugen Realiſationen in einigen Sichten etwas Unſicherheit in
Markt. Da aber die Kauftätigkeit, begünſtigtz durch die
Wetter=
herſage für das weſtliche Anbaugebiet weiter anhielt, ſetzten ſich
Preisſteigerungen bis zum Schluſſe des Marktes fort.
Der deutſche Außenhandel im Juni 1929.
Nach den ſoeben veröffentlichten Ziffern über den Außenhandel im
Juni beträgt die Einfuhr im reinen Warenverkehr 1077,7 Millionen
RM., die Ausfuhr einſchließlich der Reparationsſachlieferungen 1079,4
Mill. RM. Das Statiſtiſche Reichsamt errechnet ſomit einen
Ausfuhr=
überſchuß der Handelsbilanz von nicht ganz 2 Mill. RM. im Monat
Juni. Es hat dabei aber unverſtändlicherweiſe die
Reparationsliefe=
rungen wieder als echte Ausfuhr mitgerechnet, ein Verfahren, das
er=
neut beanſtandet werden muß und das wirkliche Bild der Handelsbilanz
in ſeiner Auswirkung auf die Zahlungsbilanz verfälſcht. Die
Repara=
tionsſachlieferungen haben im Juni 63 Mill. RM. gegenüber 77 Mill.
RM. im Vormonat betragen. In Wahrheit ergibt die Handelsbilanz
demnach eine Paſſivität von 61 Mill. RM. gegenüber 34 Mill. RM.
im Mai. Gegenüber dem Vormonat ſind ſowohl die Einfuhr (um 54,8
Mill. RM.) als auch die Ausfuhr (um 96,5 Mill. RM.) zurückgegangen.
Der Rückgang der Einfuhr liegt in der Hauptſache bei Lebensmitteln
und Rohſtoffen. An dieſem Rückgang ſind insbeſondere Getreide
(—11,9 Mill.), ferner — größtenteils ſaiſonmäßig — Südfrüchte (—6,6
Mill. RM.), Obſt (—2,2), Baumwolle (—12,2), Felle und Pelzwerk
(—13,5 Mill. RM.) beteiligt. Die Einfuhr von Fertigwaren hat ſich
gegenüber dem Vormonat etwas erhöht.
Vom ſüddeutſchen Produkkenmarkk.
An den überſeeiſchen Getreidemärkten haben die Getreidepreiſe eine
ganz gewaltige Steigerung erfahren, und damt zuſammenhängend
verkehrten auch unſere deutſchen Märkte in außergewöhnlich feſter
Ten=
denz. Die Geſchäftstätigkeit nahm aber nicht im gleichen Umfange zu,
da die Käufer zu den geſtiegenen Preiſen im Einkauf zurückhielten.
Für in Mannheim disponiblen Auslandsweizen verlangt man heute
30 bis 34,50 RM. waggonfrei Mannheim. In Inlandsweizen blieb
das Angebok klein und eine Preisfeſtſetzung wurde am letzten
Mann=
heimer Börſentage nicht vorgenommen. Noggen wurde durch die
Hauſſe am Weizenmartt beeinflußt, und die Preiſe für dieſen Arbikel
ſind ebenfalls in einem Tempo erhöhr worden, wie es nur ſelten
be=
obachtet wurde. Für in Mannheim greifbaren hierländiſchen Roggen
verlangt man 23,50 bis 24 RM. und für Auslandsroggen 26 RM.
waggonfrei Mannheim. Hafer konnte durch die Hauſſe am
Brot=
getreidemarkt ebenfalls profitieren. Die Intereſſenten ſind indes im
Einkauf recht vorſichtig. Für Inlandshafer werden heute 23,25 bis 24,
Reichsmark und für Auslandshafer 22,75 bis 24 RM. waggonfrei
Mannheim gefordert. Am Gerſtenmarkt liegt das Geſchäft in
Brauware, wie immer um dieſe Jahreszeit, noch danieder. Futtergerſte
feſt bei erhöhten Forderungen von 21 bis 22 RM. Mais hatte
eben=
falls ſehr feſten Markt und die Preiſe haben ſeit letzten Momtag eine
Steigerung um 5 RM. pro Tonne erfahren. Für in Mannheim
greifbaven La=Plata=Mais werden Preiſe von 23,25 bis 23,50 RM. pro
100 Kg. einſchließlich Säcken waggonfrei Mannheim angelegt.
Mehl hatte in Uebereinſtimmung mit der Feſtigkeit am
Brot=
getreidemarkt ſehr feſten Markt, und Zwar beſonders für Weizenwehl,
das ſeit unſerem letzten Bericht eine Steigerung um 3 RM. per 100 Kg.
erfahren hat. Für ſüdd. Weizenmehl, Speziall Null, ſtellt ſich der
Großmühlenpreis heute auf 41,50 (i. V. 38,50) RM.), doch iſt die zweite
Hand unter dieſem Mühlenpreis als Abgeberin am Markte. Für ſüdd.
Roggenmehl, 60—70proz Ausmahlung, ſtellt ſich der Großmühlenpreis
auf 32,50 bis 35,50 RM. waggonfrei Mühle.
Futtermittel konnten von der Feſtigkeit am
Brotgetreide=
markt profitieren. Feine Weizenkleie keſtet 11 bis 11,25 RM.,
Bier=
treber 18 bis 19,50 und Sohaſchror 20,50 bis 21, Malzkeime 16 bis
17,50, Trockenſchnitzel 13,50 bis 14, Erdnußkuchen 21,25 bis 21,50,
Raps=
kuchen 18,50 bis 18,75. und Melaſſefutter 11,25 bis 11,75 RM.
waggon=
frei Mannheim.
Hopfen: Am Hopfmmarkt liegt die Tendenz bei kleinen
Um=
ſätzen ruhig. Am Nürnberger Hauptmarkt zahlte man zuletzt für
ge=
ringen Markthopfen 55 bis 60, für geringen Hallertauer Hopfen 75 bis
80, für mittleren Hallertauer 105 bis 110 und für prima Hallertauer
120 bis 125 RM. per Zentner.
Tabak hatte bei unveränderten Preiſen behaupteten Markt. Die
Witterungsverhältniſſe ſind für die Entwickelung der neuen Ernte recht
verteilhaft.
Mainzer Produktenbörſe. Großhandelseinſtandspreiſe per 100 Kg.
loko Mainz am Freitag, dem 19. Juli: Weizen 27,75, Roggen 22,50
bis 23, Hafer 22,75—23,50, Futtergerſte 19,50—20, ſüdd. Weizenmehl,
Spezial 0, 38,75—41,9), niederrhein. Weizenmehl, Spezial 0, 38,75 bis
41,90, Roggenmehl 01 33—34,50, Weizenkleie, fein 11,75, dto. groß 12,75,
Roggenkleie 13,59—14,50, Weizenfuttermehl 13, Plata=Mais 23—23,50,
Malzkeime mit Sack 18,50, Biertreber 18,50, Erdnußkuchen 22,25 bis
22,75, Kokoskuchen 20,75—25,75, Palmkuchen 19,75—21, Rapskuchen 19,75
bis 20, Kleeheu, loſe 10—11, dto. geb. 10,50—11,50, Wieſenheu 9,50
bis 10, Maſchinenſtroh 5,25, Drahtpreßſtroh 5,50, weiße Bohnen 37,50.
Tendenz: Behauptet.
Frankfurter Eiernotierungen vom 20. Juli. Das Geſchäft wer
ruhig bei leicht nachgebenden Preiſen. Es notierten Auslandseier ab
Grenzſtation underzollt und Inlandseier ab Station: Bulgariſche 10
bis 10,25, Holländiſche 11,25—13, Jugoſlawiſche 10,50—10,70, Polniſche
9—9,50, Nuſſiſche 11—12, Däniſche 11—13, Beigiſche 11—11,25,
Frauzö=
ſiſche 11—12, Schleſiſche 11—11,50, Bayeriſche 10,75—11, Norddeutſche 11
Eis 12, Rumäniſche 10—10,25, alles in Pfennigen pro Stück.
Berliner Produktenbericht vom 20. Juli. Am Wochenſchluß
ent=
wickelte ſich das Geſchäft an der Produktenbörſe ſei ſchwerfällig, da der
Beſuch geringer als gewöhnlich war, zudem zeigte ſich angeſichts der
ſchwachen Auslandsmeldungen ſehr wenig Unternehmungsluſt. Auf
Baſis der vom kanadiſchen Pool unveränderten und von den La Plata=
Exporteuren ſehr leicht ermäßigten Cifforderungen für Weizen kamen
Abſchlüſſe kaum zuſtande. Inlandsbrotgetreide neuer Ernte war zu
etwa 2 Mk. niedrigeren Preiſen ausreichend angeboten; das Geſchäft
hält ſich in ziemlich engen Grenzen. Roggen alter Ernte wird weiter
dringlich offeriert. Gebote lauten beträchtlich niedriger als geſtern. Am
Lieferungsmarkte ſetzte Weizen 5 Mark, die ſpäteren Sichten etwa 2,5
Mark niedriger ein. Roggen war in den Herbſtſichten ziemlich gehalten.
Roggenmehl iſt trotz erheblich ermäßigten Forderungen ſchwer
verkäuf=
lich. Hafer iſt ausreichend offeriert. Die Untergebote führen nur ſelten
zu Abſchlüſſen. Gerſte ruhig.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Zurzeit ſchweben zwiſchen einer Reihe führender europäiſcher
Warenhäuſer Verhandlungen zum Zwecke der Errichtung eines
inter=
nationalen Warenhaustruſtes. Einbezogen in die Kombination ſeien
die deutſchen Karſtadtunternehmungen, der Bon Marché in Brüſſel mit
ſeinen Untergeſellſchaften, die Nouvelle Galerie, ferner ein anderes
Warenhaus in Paris, der Mailänder Store=Konzern und die
Harrods=
gruppe in London.
Die Vereinigten Hüttenwerke Burbach=Eich=Düdelingen (Arbed),
Luxemburg, haben in der Nühe von Gent ein 200 Heltar großes
Ge=
lände ernoorben, um dort ein neues Hüttenwerk zu errichten. Wegen
der Erſchöpfung der luxemburgiſchen Minen führe die Arbet heute
be=
veits große Erzmengen aus Südamerika ein, die künftig wegen des
billigeren Waſſerwegs in Gent verhüttet werden ſollen.
Die ruſſiſche Amtorg ſoll mit der Londoner Firma Stuart, die
be=
kanntlich ſchon wiederholt zur Abgabe von Sachverſtändigengutachten
berangezogen wurde, neue Verhändlungen über die Hevanziehung der
Firma zum Abbau von Kohlenvorkommen aufgenommen haben. Die
Jiuma ſoll daneben auch die techniſche Leitung der Bauarbeiten
über=
nehmen.
Der ſoeben von der kanadiſchen Regierung veröffentliche Bericht
über die Weizenernte wird als günſtig für diejenigen Kreiſe angeſehen,
die am Steigen der Weizenpreiſe Intereſſe haben. Der Bericht beſagt,
daß infolge der Dürre und Hitze die Ernten in Manitoba, Saskatchevan
und Alberta vernichtet ſind.
Der Wert der amerikaniſchen Filmausfuhr wird für das
abgelau=
fene Jahr auf rund 70 Millionen Dollar gegenüber 75 Mill. Dollar im
Vorjahre beziffert, während der Wert des Filmmports auf 6 Mill.
Dollar gegenüber 4 Mill. Dollar im voraufgegangenen Jahre
veran=
ſchlagt wird. Teilwei” wird der Nückgang des amerikaniſchen
Film=
exports auch auf die Tonfilmherſtellung zurückgeführt.
Der Geſamtabſatz der Frnkinduſtrie der Vereinigten Staaten ſtellt
ſich in dem abgelaufenen Halbjahr auf insgeſamt 500 Mill. Dollar.
Unter anderem wurden nüh= weniger uls 60 Mill. Nadiolampen im
Werte vrn 109 Mll. Dollar verkeuft.
Seite 10
A
Wilhelminen,
straße 9
Sonntag, den 21. Juli 1929
Nummer 200
Nur noch heute und morgen:
Heute noch:
Der Landarzt
mit Rudolph Schildkraut — und
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Historischer Großtilm aus den Befreiungskämpten des Wolga-
Beginn 3 Uhr.
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Darmſtadt
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Nach dem Feſſzug: Großes Garien=Konzert
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wozu wir die Einwohnerſchaft ergebenſt einladen. (11746b
Der Vorſtand.
Sffentliche Versammlung
am Dienstag, den 23. Juli, abends 8½, Uhr, im Perkeo, Alexanderstr.
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spricht über das Thema:
Wer ist der Betrüger der
Arbeit-
nehmer in dieser Republik?
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Stunde vor Beginn (HITLERBEWEGUNG)ORISGK. DARMSTADT
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allgemeinen Teil dieſer Nummer. (11770
Mainz, den 17. Juli 1929.
Reichsbahndirehtion Mainz.
Heinrich Ostertag
[ ← ][ ][ → ]Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
Geite 11
Der Etat Wiesbadens.
Ba. Wiesbaden. In der
Stadtverordneten=
berſammlung, der letzten vor den Sommerferien,
wurde der nochmals vom Wirtſchaftsausſchuß
ge=
prüfte und abgeänderte Haushaltsplan 1929 nunmehr
gegen die Stimmen der Kommuniſten und
National=
ſozialiſten angenommen. Die Annahme war ein
Gebot der Selbſterhaltung, denn der
Regierungs=
präſident, dem der Etat zwecks Zwangsetatiſierung
zugegangen war, hätte eine weſentliche Erhöhung
der Einnahmen über den Betrag von 2 282 000 Mark
hinaus fordern müſſen. Nach den angenommenen
Vorſchlägen des Wirtſchaftsausſchuſſes beträgt die
Summe der vorgeſchlagenen Mehreinnahmen nur
1764 000 Mark. Hierzu kommen die Einſparungen
in Höhe von 837 400 Mark, womit der Etat dann
gedeckt wäre. Der Bürgerſchaft ſind erhebliche
Mehr=
laſten durch die Balancierung des Etats aufgebürdet
worden, u. a. werden die Zuſchläge zur
Gewerbe=
ſteuer auf 500 Prozent nach dem Ertrag, auf 900
Prozent nach dem Kapital feſtgeſetzt, das Waſſergeld
wird auf 30 Pfg. pro Kubikmeter, der Gaspreis auf
20 Pfg., feſtgeſetzt, auch wird beim Glektrizitätswerk
eine Meſſermiete eingeführt.
Gewitterſchäden im Schwarzwaldgebiet.
Freiburg i. B. Am Freitag nachmittag wurde
die hieſige Gegend verſchiedentlich von ſchweren
Ge=
wittern heimgeſucht. Im Elztale wurde durch
Blitz=
ſchlag ein Haus eingeäſchert, ebenſo brannte auf dem
Allmendsberg in der Gegend von Emmendingen ein
Gehöft durch Zündung des Blitzſchlages vollſtändig
nieder. Im allgemeinen haben auch Licht= und
Tele=
phonleitungen beträchtlich gelitten. An berſchiedenen
Orten ſind auch umfangreiche Flurſchäden zu
ver=
zeichnen.
Gewitterſturm am Bodenſee.
Lindau. Ueber den Bodenſee jagte am Freitag
nachmittag ein heftiger Gewitterſturm hin. Mehrere
kleine Fahrzeuge wurden vom Sturm überraſcht und
konnten nicht rechtzeitig zurückkehren. Vor dem
Lindauer Seehafen mußte die Landespolizei ein
Segelboot mit drei Inſaſſen einholen. Ein mit drei
Reichswehrſoldaten beſetztes Ruderboot kenterte
zwiſchen Schachen und Lindau. Zwei Mann retteten
ſich durch Schwimmen, der dritte Uammerte ſich an
das umgeſtürzte Boot an, bis ihm Hilfe geleiſtet
werden konnte.
Wolkenbruch im Schwarzatal.
Harzburg. Im oberen Schwarzatal ging in
den ſpäten Nachmittagsſtunden des Freitag ein
ſchwerer Wolkenbruch nieder, der in den Waldungen
in Katzhütte und Harzburg großen Schaden
an=
richtete. Auch ein Menſchenleben fiel ihm zum
Opfer. Ein Müller von der Bärentigelmühle bei
Katzhütte wurde von den Waſſern hinweggeriſſen.
Seine Leiche konnte bisher noch nicht geborgen
werden.
Schwerer Hagelſchlag im Rheinland.
Siegen. Ueber die Gemeinden des Freien
Grunds ging ein ſchwerer Hagelſchlag nieder.
Na=
mentlich in Altenſeelbach fielen eine halbe Stunde
lang walnußgroße Hagelſchloſſen, die faſt die
ge=
ſamte Ernte zerſtörten. Die Obſtgärten und
Feld=
früchte ſinb ſo gut wie ganz vernichtet. Korn und
Kartoffeln haben ſchweren Schaden genommen.
Die techniſchen Einbauten in „Do K”.
Friedrichshafen. Wie von den Dornier=
Werken mitgeteilt wird, hat der erſte Teil des
Ver=
ſuchsprogrammes mit dem Rundflug des Flugſchiffes
„Do X” nunmehr ſeinen Abſchluß gefunden. Da die
bisherigen Probeflüge zufriedenſtellend verlaufen
ſind, kann nunmehr mit dem Eimbau der noch
fehlen=
den techniſchen Ausrüſpungen in das Schiff begonnen
werden. Die Ausſtattung der Aufenthaltsräume für
die Paſſagiere wird jedoch vorerſt nicht in Angriff
genommen. Vor der Fertigſtellung der erforderlichen
techniſchen Einbauten werden keine weiteren Flüge
mehr unternommen werden. Mit weiteren
Verſuchs=
flügen iſt Mitte oder Ende nächſter Woche zu
rechnen.
Zwei Eiſenbahnarbeiter vom Schnellzug
überfahren.
UIm. Zwiſchen Niſtiſſen und Ulm wurden zwei
Eiſenbahnarbeiter vom Schnellzug Friedrichshafen—
Ulm erfaßt. Die beiden waren mit einer Alektriſchen
Maſchine beſchäftigt, und haben offenbar bei dem
Geräuſch dieſes Werkzeuges das Herannahen des
Schnellzuges überhört. Einer von beiden, der
Hilfs=
arbeiter Knödler von Laupheim, war ſofort tot,
während der andere, der Hilfsarbeiter Bauer aus
Erbach, einen ſchweren Schädelbruch erlitt. Bauer
wurde in das Ulmer Krankenhaus aufgenommen, wo
er lebensgefährlich verletzt darniederliegt.
Großfeuer in einer chemiſchen Fabrik.
Dresden. Im Betrieb der Chemiſchen Fabrik
Für Aſphalt= und Teerprodukte A. Pree in Coswig
Eam es am Samstag morgen gegen vier Uhr in dem
Deſtillierraum zu einer Exploſion, wobei ein
Ange=
ſtellter der Firma den Tod fand. Gleichzeitig brach
ein Brand aus, der an den dort lagernden
Oel=
fäſſern und Teerprodukten reiche Nahrung fand und
auch auf einen benachbarten Schuppen und einen
Eiſenbahnpachwagen übergriff. Den Feuenvehren der
Umgegend ſowie der Dresdener Feuerwehr, die mit
einem großen Brandzug und Pionierwagen
aus=
gerückt war, gelang es mit Hilfe des
Schaumlöſch=
mittels, das Feuer einzudämmen und die
benach=
barten Gebäude zu ſchützen.
Entgleiſung des D=Zuges Berlin—Inſterburg.
Königsberg. Die Preſſeſtelle der
Reichsbahn=
direktion teilt mit: Der D=Zug Berlin—Inſterburg,
der fahrplanmäßig 9,04 Uhr in Berlin abfährt,
ent=
gleiſte am Freitag mittag auf der polniſchen Strecke
Bromberg—Thorn zwiſchen Schirpitz und Thorn mit
vier Perſonenwagen aus bisher nicht geklärter
Ur=
ſache. Reiſende wurden nach Angabe des polniſchen
Bahnhofs Schirpitz nicht verletzt.
Automobilunglück in Norwegen.
Bergen. Am Nordfjord in der Nähe von
Grotli fuhr am Freitag ein Automobilomnibus mit
ſechs Inſaſſen über den Straßenrand und überſchlug
ſich. Eine ältere Dame ungariſcher Nationalität
wurde auf der Stelle getötet. Drei Perſonen, unter
ihnen ein Profeſſor Janos aus Budapeſt und eine
amerikaniſche Dame, wurden ſchwer, die übrigen
Per=
ſonen leichter verletzt. Sie ſind im Krankenhaus oder
irn Hotel untergebracht worden.
Die Beiſehung Hugo von Hofmannskhals.
Die Familie des Verſtorbenen im Trauerzuge.
Auf dem Kalksburger Friedhof bei Wien wurde Hugo von Hofmannsthal unter zahlreicher
Betei=
ligung prominenter Perſönlichkeiten beigeſetzt. So waren neben bekannten Politikern viele Freunde
des großen Dichters aus ihren Ferien nach Wien geeilt, um an der Beſtattung teilzunehmen.
Eine Warnung an Deutſchlands Jugend.
Die Berliner Fremdenlegionärs=Ausſtellung.
Der Verein ehemaliger Fremdenlegionäre hat in Berlin eine Ausſtellung eröffnet, die aufklärend
und warnend das furchtbare Leben in der franzöſiſchen Fremdenlegion ſchildern ſoll. Neben
Tro=
phäen und Uniformen zeigt die Ausſtellung erſchütternde Photos und Briefe von Fremdenlegionären.
Immer noch fallen jährlich Tauſende deutſcher Jungens den franzöſiſchen Werbern, in die Hände,
um das Opfer eines furchtbaren Geſchickes zu werden.
Flugzeuge auf Unkerſeebooken.
Das „Parnall Peto”=Waſſerflugzeug
fand auf der großen Internationalen Luftfahrtausſtellung beſonderes Intereſſe. Das Flugzeug kann
ſeine Tragdecken zuſammenfalten und in einem Unterſeeboot transportiert werden.
Wieder eine Exploſion unter dem Bürgerſteig
einer Londoner Straße.
London. In der Dover=Street im Londoner
Piccadilly=Viertel ereignete ſich am Freitag eine
Exploſion unter dem Bürgerſteig, der in kurzen
Ab=
ſtänden ſieben weitere folgten. Acht
Bürgerſteig=
platten, die die Zentralpunkte für unter den
Bür=
gerſteig laufende Kabelanlagen verdeckten, wurden in
die Höhe geſchleudert und die Kabelanlagen in einer
Ausdehnung von etwa 40 Meter zerſtört. Zwei
Per=
ſonen wurden leicht, eine ſchwerer verletzt. Der
Verkehr in der belebten Straße wurde beträchtlich
geſtört.
Verwegener Automobilraub.
NewYork. Sieben verwegene Banditen
über=
fielen im Zentrum von New Orleans ein
Panzer=
automobil der Hibernia=Bank, das 42600 Dollar
beförderte, riſſen den Führer und ſeinen Begleiter
von ihren Sitzen und entkomen mit Auto und
Inhalt unerkannt.
Der Rieſenbrand in Angora.
Konſtantinopel. Obwohl der Brand in
Angora einen rieſigen Umfang erreicht hat, iſt ihm
zum Glück keines der neuen Stadtviertel zum Opfer
gefallen, an denen bekanntlich ſeit mehreren Jahren
mit großem Eifer gebaut wird. Verbrannt iſt das
Geſchäftsviertel, das vorwiegend Schmiede und
Schlächtereien enthielt. Der Schaden iſt groß, da
faſt nichts verſichert war. Das Brandfeld ſtößt an
das neue Viertel, ſo daß der weitere Aufbau der
neuen Stadt nicht nur nicht behindert wird, ſondern
an Einheitlichkeit der Architektur gewinnen dürfte.
Im Paddelboot über den Aermelkanal.
London. Zwei deutſche Studenten aus Leipzig,
Felix Müller und Werner Muchlert, kamen am
Donnerstag abend um 10 Uhr in Dower an, nachdem
ſie den Kanal in einem fünf Meter langen
Paddel=
boot durchkreuzt hatten. Sie hatten Calais um
10 Uhr vormittags verlaſſen. Sie erreichten Dover
in völlig erſchöpftem Zuſtande.
Hunderk Jahre Schreibmaſchine.
Burths Modell von 1829.
Auch die Schreibmaſchine hat nun ſchon das
ehr=
würdige Alter von 100 Jahren erreicht Am
23 Juli 1829 erhielt William Burth aus Detroit
(U. S. A.) das amerikaniſche Patent auf eine
Taſtenſchreibmaſchine. Das Schreibpapier mußte
mit der Hand weiterbewegt werden.
Die Bergung der „Derfflinger”.
Bremen. Zur Bergung des Lloyddampfers
„Derfflinger”, der bei ſteigendem Waſſer mit eigener
Kraft freigekommen und in der Lage geweſen iſt,
ſich nahe der Hafeneinfahrt von Tſingtau unter
Be=
dingungen auf Strand zu ſetzen, die die Abdichtung
des Vorderſchiffes und deſſen Notreparatur
ermög=
lichen werden, teilt der Norddeutſche Lloyd ergänzend
mit: Von großem Wert war bei dieſer ſelbſttätigen
Bergung die echter ſeemänniſcher Ueberlieferung
ent=
ſprechende Unterſtützung, die der Chef des
oſtaſia=
tiſchen Geſchwaders der Vereinigten Staaten,
Ad=
miral ,Briſtol, dem Oloyddampfer zuteil werden
ließ. Die Befreiung von der Sorge für die
Paſſa=
giere und für die für den Deck= und Maſchinendienſt
nicht erforderlichen Mannſchaften, die von dem
ameri=
kaniſchen Zerſtörer „Paul Johne” trotz ſchweren
Wetters übernommen wurden, und die dauernde
Hillfsbereitſchaft in der Nähe bleibender Einheiten
des amerikaniſchen Geſchwaders erleichterten dem
Kapitän des Dampfers „Derfflinger” den Entſchluß,
das erforderliche Deck= und Maſchinenperſonal an
Deck zu behalten und die für die Abbringung
er=
forderlichen Manöver, die mit Erfolg zu Ende
ge=
führt werden konnten, aus eigener Verantwortung
vorzunehmen. Der Norddeutſche Lloyd hat das
Auswärtige Amt gebeten, durch die Botzſchaft in
Waſhington ſeinen Dank an das amerikaniſche
Marineamt und Admiral Briſtol zu übermitteln.
Doppelter Naubmord auf offener Straße.
Innsbruck. Auf dem Wege von Kranſach nach
Brandenburg im Unterinntal wurden am Freitag
der penſionierte Schuldirektor Wilhelm Hummel aus
Hofſtetten an der Pielach in Niedevöſterreich und
ſeine Frau, als ſie an der Straße raſteten, von einem
Unbekannten aus dem Hinterhalt niedergeſchoſſen
und vollſtändig ausgeraubt. Frau Hummel war
ſo=
fort tot. Herr Hummel verſchied, nachdem er
herbei=
geeilten Paſſanten noch Angaben über den Täter
hatte machen können. Die Schüſſe ſind aus einem
zu einem Jagdgewehr umgearbeiteten Militärgewehr
abgegeben worden. Das Ehepaar Hummel befand
ſich in Brandenberg bei Verwandten in der
Sommer=
friſche. Der Ermordete war 71, ſeine Frau 68 Jahre
alt. Der Täter ſoll ein Kaufmann namens Peter
ſein.
Das Urteil im Kaſchauer Zigeunerprozeß.
Kaſchau. Samstag vormittag ½11 Uhr wurde
im Mordprozeß der Kaſchauer Zigeuner das Urteil
gefällt. Der Schwurgerichtsſaal war von Zuhörern
dicht gefüllt, die in größter Spannung die
Ver=
kündung des Urteils erwarteten. Der Vorſitzende
des Schwurgerichts verkündete folgende Strafen:
Die beiden Führer Alexander Pilke und Paul
Ribar wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus
ver=
urteilt, Joſé Hudak erhielt 15 Jahre Zuchthaus,
Julius Cſiſzar 12 Jahre Zuchthaus, ſechs angeklagte
Zigeuner erhielten acht Jahre Zuchthaus. Eugen
Ribar vier Jahre Kerker, Barnabas Grolo vier
Jahre Gefängnis. Die wegen Hehlerei angeklagten
Zigeunerinnen Johanna und Eſter Cſimer erhielten
je zwei Jahre Zuchthaus. Vier angeklagte Zigeuner
wurden freigeſprochen.
Exploſion einer Pulverfabrik.
New Kenſington (Pennſylbanien). Bei
einer Exploſion in der Pulverfabrik Aluminiumco
von Amerika ſind vier Männer getötet und 20
ver=
letzt worden. — Zu der Erploſion wird weiter
ge=
meldet, daß ſich die Zahl der Toten auf 7 erhöht hat.
Ein „ſchwerwiegender” Eheſcheidungsgrund.
Vor dem New Yorker Oberſten Gerichtshof
er=
hielt die Frau eines Herrn Samuels, Mitgliedes der
New Yorker Börſe, eine wöchentliche Rente von 500
Mark in ihrem Gheſcheidungsprozeß zugebilligt, den
ſie gegen ihren Gatten angeſtrengt hatte. Der
Pro=
zeß war wegen „Grauſamkeit” ihres Gatten
ange=
ſtrengt, die darin beſtanden hat, daß Herr Samuels
ſich weigerte, Entfettungskuren zu machen. Das
Ge=
wicht des Herrn Samuels iſt mit 336 Pfund
aller=
dings recht beträchtlich. Wenn man den Angaben
von Frau Samuels Glauben ſchenken darf, hat
Samuels ſich trotzdem recht wohl befunden und den
Einwirkungen ſeiner Frau, die ihm zu einer
ſchlan=
ken Linie verhelfen wollte, erheblichen Widerſtand
entgegengeſetzt. Zu Hauſe bekam er Rohkoſt zum
Frühſtück, worauf er prompt auf ſeinem Geſchäftsweg
zunächſt ein Reſtaurant aufſuchte, um eine
ver=
nünftige Mahlzeit zu ſich zu nehmen. Auch auf
Hummern wollte er nicht verzichten. — Vor Gericht
hat ſich Herr Samuels auf die lakoniſche Erklärung
beſchränkt, die Klagen ſeiner Frau beruhten zum
größten Teil auf Einbildung und rührten von der
Lektüre romantiſcher Bücher her. Immerhin hat
das Gericht, wie aus dem Urteil hervorgeht,
ge=
funden, daß 336 Pfund für einen Ehemann etwas
viel iſt, und er dagegen etwas tun ſollte.
Seite 12
Conntag, den 21. Zuli 1929
Nummer 200
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(11773
[ ← ][ ][ → ]21. Juli 1929
Illuſtrierte Wochenbeilage
Nummer 29
Lieber Leſer, ſollten dieſe Seilen dich noch rechtzeitig
erreichen, ſo beherzige ſie. Verſchicke ſie gegebenenfalls an
deine Lleben, die ſich erholungſuchend in unbekannte Fernen
verloren haben, und behüte ſie vor allem Übel. Denm
mannig=
faltig ſind die Schrecken, die den harmloſen Ferienwandler
allſeits belauern!
Der Unterkunftstenfel.
Jawohl, ſo etwas gibt es, denn auf Grund welcher
Naturerſcheinungen ließen ſich ſonſt die geradezu
unwahr=
ſcheinlichen Swiſchenfälle erklären, die jedesmal, aber auch
jedesmal gerade dich heimſuchen? Als praktiſcher Menſch
hat man vier Wochen vor Beginn der Ferien ein Simmer
beſtellt. „Villa Wogenruh”, helles, geräumiges Simmer mit
Ausſicht aufs Meer. Man erhielt die freudige Suſage von
Mutter Wogenruh und die Suſicherung allen Komforts. —
Man nimmt dann bei der Ankunft aus den liebevollen
Hän=
den der Wirtin wundermild in blauer Schürze mit
Herings=
duft einen winzigen, von Sturm und ſcharfer Seeluft
be=
greiflicherweiſe verbeulten Naum in Empfang. Das
Fen=
ſterchen blinzelt auf den Hof herunter und eröffnet dem
friedlichen Beſchauer alle Freuden der Landwirtſchaft,
ein=
ſchließlich Miſthaufen und jenem Bretterhäuschen mit
herz=
förmigem Cüreinſchnitt, das das Siel der morgendlichen
Pilgerfahrten aller Hausbewohner iſt. Abends, beim
Aus=
ziehen der Stiefel, öffnet man zeckmäßigerweiſe die Cür,
nicht ohne ſich dadurch die ſittliche Entrüſtung der ſpitznaſigen
Lehrerin zuzuziehen, die das Vorderzimmer mit Seeblick in
ſäuerlicher Unzufriedenheit ob des lärmenden
Wellenrau=
ſchens bewohnt. Nur in einem Punkt hält der Kurproſpekt
durchaus, was er verſprach: Vor den Wogen hat man
Nuh, denn der Weg zum Strand beträgt 48 Miuten.
Der Strandkorbmarder.
O Freuden des Strandlebens. Ein ſomengebräunter
Eigeborener hat dir bereitwilligſt gegen Erſtattung einer
entſprechend hohen Mietſumme einen Strandkorb aufgeſtellt
— etas weit hinten, wie du feſtſtellſt, aber die vorderen
Neihen werden wohl für die Flut oder zahlungskräftigere
Kunden reſerviert. — Du haſt entdeckt, daß man zwiſchen
Korb 317 und 25 hindurch um die Ecke ein Stück des ewig
rollenden Weltmeeres erblicken kann, und haſt, zufrieden und
beſcheiden, zu der unvermeidlichen Schippe gegriffen, deren
winzige und unzweckmäßige Konſtruktion die dreifache
Kraftanſtrengung zum Aufwerſen der Wälle beanſprucht.
Aber in den Ferien iſt alles ſchön, und man ſchlendert zu
Von C. Wernecke.
wiederholten Malen zum Strand, um im kmdlicher Freude
Muſcheln zu ſammeln und mittels eines poetiſchen
Na=
mens in Muſchelſchrift ſeine Beſitzerrechte auf die Burg
zu dokumentieren. Du kommſt gerade mit drei opaliſieren=
den Schalen, einem Caſchenkrebs und etwas Seetang
de=
laden zurück und entdeckſt mit Erſtaunen: dem Korb iſt
beſetzt. „Erlauben Sie mal, das iſt mein Strandkorb, ich
bin ſchon ſeit vier Wochen hier!” erhältſt du hochnäſig zur
Antwort auf deine höfliche Neklamation. Eine Nückfrage
beim Verleiher wird achſelzuckend abgewieſen, neugierige
Gift. Du magſt zurückgezogen leben wie ein Einſiedler, damn
„haſt du was zu verbergen”, du magſt dich in einen Strudel
von Vergnügungen ſtürzen, da biſt du „auch ſo einer”. . ..
du magſt in Strohhut und hellem Anzug, m ſchwarzen
Badeſchuhen oder grasgrünem Crikot erſcheinen, du
ent=
gehſt ihr nicht. Die ſittliche Verkommenheit der Jugend
iſt doch einfach himmelſchreiend,” hörſt du gerade noch, „zu
meiner Seit wäre ja ſooo etwas nicht möglich geweſen!”
Und abends wandert das ſehr nette junge Mädel wirk=.
lich wieder am Strande auf und ab, mit dem Aſſeſſor —
ihrem Bruder.
Der Herr, der Bekanntſchaften machtl
„Verzeihung, meine Name iſt Mmmm. . ., ich glaube, ich
hatte ſchon das Vergnügen, Sie vor viereinhalb Jahren in
Hitzenquetſch kennenzulernen!‟ Du fährſt aus wohligem
Nachmittagsſchlummer im Sande auf, du ſannſt tiefgründig
der Herkunft der wechſelfarbigen Sandkörner nach. Nein,
in Hitzenquetſch warſt du noch niemals, und den Herrn kennſt
du beſtimmt nicht, was ihn nicht hindert, auf deine
Ableh=
mung hin dich eingehend zu betrachten und mit
aufleuchten-
dem Geſicht feſtzuſtellen: „Jetzt weiß ich’s, ich habe bei der
Freundm meiner Kouſine einmal eine Photographie von
Ihnen geſehen. Beſtimmt ſind Sie das. Wiſſen Sie, vom
Bockbierfeſt in Klein=Mutz, Sie haben ſon feſches, echtes
Koſtüm an!” Es iſt unerträglich, niemals gehſt du auf
Bock=
bierfeſte, am wenigſten mit Kouſinen von Herren, die
„Mmmm” heißen. Crotz deines energiſchen Proteſtes läßt
ſich der Herr nicht verblüffen, und in ſeiner ſtrahlenden
Hei=
terkeit ſtören. — Kann man wiſſen, ob man nicht doch
nochmal einen richtigen Miniſter kennen lernt, eventuell
auch nur einen zukünftigen? — „Aber eine auffallende
Ahnlichkeit. Ubrigens habe ich in der Kurliſte geſehen, Sie
ſind aus B. Kennen Sie vielleicht zufällig eine Samilie
Kickebuſch? Nicht? Schade, wiſſen Sie, da iſt mir nämlich
einmal eie ſehr komiſche Geſchichte paſſiert! Alſo ich gehe
grade . . .‟ Er hat unterdeſſen ohne deine Aufforderung ein
kariertes Cuch ausgebreitet und Platz genommen. Es bleibt
dir nichts anderes übrig, als eine Stunde vor der üblichen
Mittagszeit „zum Umziehen” ins Hotel zu flüchten. Am
nächſten Morgen vermimmſt du aus der Nachbarburg zu
deiner ausgeſprochenen Beruhigung: „Verzeihung, mein
Name iſt Mmmm. Wem ich nücht irre, haben wir uns
vor zwei Jahren m PPladdergrund ſchon geſehen...."
Der ewig Unzufriedene.
„Wirtſchaft iſt das! Bei uns i Pinne könnte
/go=
was nie paſſieren!” Nicht wahr, du kennſt ihn, den
freund=
lichen Herrn, der überall, aber auch überall mit jener
I.
Der
73
Strandkorbmarder.
DDer Herr, der Bekamtſchaften macht.
Hälſe recken ſich aus allen Burgen, mehr oder mider
be=
kleidete Geſtalten tauchen aus dem Sand auf, und du biſt
Mittelpunkt einer außerordentlich peinlichen
Ausemander=
ſetzung. „Daß die Menſchen nicht mal hier Nuhe halten
können!” Mißbilligende Blicke treffen dich. Stolz, jeder
Soll ein entthronter König, entſchwindet der
Strondkorb=
marder, nicht ohne den Eindruck ſeines — Nückens und
ſeiner Füße auf den friſch geſchaufelten Wällen
zurückzu=
laſſen. Das neckiſche Spiel wiederholt ſich alle paar Cage,
und wehe dir, Unglücklicher, wollteſt du es wagen, auf den
kurioſen Einfall zu kommen, eimmal die Abendſtimmung
über dem Meer von deinem Strandkorb aus genießen zu
wollen. Wußteſt du nicht, daß von 7 Uhr abends an alle
Strandkörbe, aber auch alle, unumſchränkt den
Strandkorb=
mardern und — Anhang zur Berfügung zu ſtehen haben?
Die Klatſchqualle.
„Unerhört, da geht die Perſon ſchon wieder mit dem
Aſſeſſor!” In der Cat, jeden Abend ſchlendert das ſehr nette
junge Mädel auf der Kurpromenade an der Seite eines
blonden Jünglings vorbei. Die Herkunft der Stimme läßt ſich
allerdings nicht feſtſtellen, denn wie die Spinne verborgen
hinter Blattwerk, ſitzt die Klatſchqualle verſteckt, aber das
Netzwerk ihrer Neugierde und ſcharfen Beobachtungsgabe
iſt wie ein Spinngewebe über den ganzen Strand ausgedehnt.
Sie iſt ein Mittelding zwiſchen Cintenfiſch und Qualle, was
ihrem Munde entquillt, iſt eine Wolke ſchwarzen Argwohns
und finſterer Behauptungen, vermiſcht mit brennendem
Die Klatſchqualle.
breiten nörgelnden Stimme, die bereits nach Ablauf des
erſten Ferientages mit hundert kleinen Widerhäkchen an
deinen Nerven zu reißen beginnt, ſeiner Unzufriedenheit
Ausdruck verleiht. „Wenn ich das gewußt hätte, daß hier
Hannnnnnnannngnnnnnnnvnanznnnangngannngsgnnnnggnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnrnnr
zuegsast
owemig los iſt, wäre ich ja niemals hergekommen. Voriges Jahr
m Klitſchenweiler, das hätten Sie mal erleben ſollen.. . Nur
eiligſte Flucht rettet dich vor der detaillierten Schilderung des
dortigen mondänen Kurbetriebes. Das iſt der Herr, dem jedes
Beefſteak zu klein, jedes Simmer zu ſchlecht iſt, dem die Berge
zu hoch ſind und das Meer zu flach, die Menſchen zu ſpießig und
überbaupt die ganze Erholung zum . . . . . „Gottverlaſſenes Neſt,
was? Und die Affenhitze! Man ſollte einfach abreiſen!” Vier
Wochen lang reiſt er täglich ab, vier Wochen lang gelingt es ihm,
mit allen Menſchen, vom Kellner bis zum letzten Gaſt, Krach zu
bekommen. „Unerhört, ſowasl Sagt mir der Kerl, ich ſoll den
Mund halten! Bitte ſehr, der Herr iſt Seuge?” Und ehe man es
ſich verſieht, iſt man als gänzlich Unbeteiligter in
Auseinander=
ſetzungen mit Hoteldirektor, Kellner und Portier verwickelt. Das
iſt der Herr der im Modebad Anſpruch auf ländliche Stille macht
und im verſchwiegenen Dörfchen die Neize des Fünf-Uhr=Cees
entbehrt, und dafür alle ahnungsloſen Mitmenſchen verantwortlich
macht, kurzum: Herr Ekel.
Die Sachlage verſchärft ſich ungemein, wenn Herr Ekel mit
Familie auftritt. Familie Ekel hat u. a. eine herzige Eigenſchaft:
ſie ſchließt ſich an! Auf dem erſten ruhevollen Ferienſpaziergang,
dem man ſich mit Herz und Lungen in tiefer Sufriedenheit
hin=
gibt, bricht Familie Ekel aus dem Gebüſch. „Wenn es Ihnen
nicht unangenehm iſt, ſchließen wir uns Ihnen an!” Unglücklicher,
haſt du einmal als ein höflicher Mitteleuropäer deine Einwilligung
gegeben, ſo biſt du verloren. Familie Ekel heftet ſich an deime
Sohlen, ſie ſchließt ſich dir an beim Aufſtieg auf den Gipfel des
Matterhorns (worauf du dich ſeit Jahren gefreut haſt), ſie
ver=
abredet mit dir die tägliche Badezeit am Strand, den
Nachmit=
tagskaffee und den abendlichen Bummel, und erfreut dich
wäh=
rend des ſtundenlangen täglichen Zuſammenſeins mit eingehenden
Schilderungen der intimſten Familienverhältniſſe und der
Ge=
ſchäftslage in Nunksdorf. Und du, der du einſtmals liebenswürdig
Anſchluß gewährteſt, wirſt das vergewaltigte Opfer menſchlichen
Geſelligkeitsdranges, denn Ort und Siel richtet ſich ſehr bald nach
Frau Ekels Wünſchen, Spaziergänge werden abgekürzt, weil
Kurtchen Ekel in neuen Sandalen nicht mehr laufen kann und
Noſi Ekel Milch trinken möchte. Verbitterten Herzens ſuchſt du
dich der Bekanntſchaft durch die Flucht zu entziehen, aber
ver=
gebens. Haſt du deinen Sandwall in angemeſſener Höhe auch
dreiviertel Stunden von der gewohnten Badeſtelle verlegt, und
dehnſt du dich wohlig in ſchwererrungener Einſamkeit und Sonne,
ſo tauchen nach genau anderthalb Stunden hutſchwenkend Herr
und Frau Ekel am blauen Horizont auf, während die Ekelſchen
Kinder in unvermeidlichen graugrünen Mützen mit neckiſchem
„Buuuuh” ſich in die Burg und auf die ſorgfältig geglätteten
Wälle werfen.
Familie Ekel gibt dir auch das Geleit an die Bahn, wenn du
nach ſchwerem Abſchied von Meer oder Bergen, von deinem
neugewonnenen Bekanntenkreis, dem ewig Unzufriedenen, der
Klatſchqualle, der Wirtin Wogenruh und dem
Strandkorbmar=
der, die Erholung abſchließt. Und nach geraumer Seit, wenn nur
noch in der Erinnerung Gipfel geſtürmt und Meerungeheuer
be=
zwungen werden, erhältſt du eine Poſtkarte: „Auf der Durchreiſe
nach D. hoffen wir in Erinnerung der herrlichen, gemeinſam
ver=
lebten Ferien einige Cage bei Ihnen verbringen zu können und
grüßen Sie herzlichſt als Ihre Samilie Ekel.”
Auf offener Strecke.
Von Julius Kreis.
Der Perſonenzug mit der Lokomotwve Amalla” fuhr in
einem verträumten, angenehmen Crab durchs Land. Mitten auf
offener Strecke kam er eine Minute lang is Bummeln, dann
tat die Lokomotive einen hyſteriſchen Schrei, als wenn ſie
unver=
ſehens auf einen kalten Froſch gefahren wäre, die Wagen ruckten
einigemal konvulſiviſch vor und zurück, dann beſann ſich die
Loko=
motwe etwas auf Haltung, Saſſung, Lebenszweck und ratterte
zwölf Cakte lang wieder vorwärts. Plötzlich fiel ein Koffer vom
Gepäcknetz, und der Herr m der hinken Ecke, der mit ſchönem
Seelengleichmaß in der Naſe bohrte, ſtach ſich mit dem Finger
unerſehens ins Auge. Der Sug hielt mit jähem Nuck, als ob
lich die Lokomotive, zu Code erſchreckt, aufbäumte, wenn man
von einer „Amalia” ſo ſagen kann. Die Fahrgäſte hatten ſanft
vor ſich hingedöſt, Eier abgeſchält, Butterpapiere
zuſammen=
geknäuelt und in Nomanſchmökern die Naturſchilderungen über=
ſchlagen — jetzt wachten alle auf und ſahen mit ihren Blauäuglein
fragend um ſich.
Ein dicker Herr mit einer Neiſemütze und einer verkoblten
Sigarre ſagte verdutzt: „Nanu!?” Und ein Jüngling ließ ein
Fenſter herabknallen und beugte ſich hinaus.
Dann beugte er ſich wieder zurück und ſagte zu ſeinem
Nach=
bar: „Der Sug hält”. Worauf von dieſer Erkenntnis
wellenför=
mig immer breitere Kreiſe erfaßt wurden. Und beruhigt darüber,
fig alles faſt ſchon wieder das Döſen an, als von weither am
Sug entlang eine Stimme polterte.
Das Fenſter knallte wieder herunter, und der wißbegierige
Jüngling von vorhin hing ſeine Ohren hinaus. Dann
kopfſchüt=
telte er ſich zurück, denn das Poltern war längſt wieder
ver=
ſtummt.
Und nun kam Bewegung in die Volksmenge. Es fiel das
Wort: „Warum?‟ Der Herr mit der grünen Weſte und der
Charivariuhrkette ſagte: „Is eahna da Schnaufa ausganga” und
lachte dröhnend über ſeinen Witz.
Das präraffaelitiſche Fräulein, das ihm gegenüber ſaß und
von vornehmer Abweiſung geradezu ein müdes Geſicht bekam,
wandte ſich, angeekelt von der plumpen Vertraulichkeit, ab. Sie
ſchüttelte ſtumm das Haupt, kniff die Lippen zuſammen und ſah
verweiſend die Fenſterſcheibe an.
Aber der Herr mit der grünen Weſte und dem guten Witz
hatte ſeine Kerbe gefunden. Er goß die Lauge ſeines Hohnes auf
den ſtehengebliebenen Sug aus und war wohlig erfüllt davon, eint
humorvoller Mann zu ſei: „Miaſſin ma eahna ſchiab’n helfa
Wart ma halt, bis uns da Wind wida weitertreibt! Steht
viel=
leicht a Kuah im Gleis?” — Und jedesmal ſah er triumphierend
um ſich und freute ſich ſeines Publikums, wenn einer aus
Gefäl=
ligkeit grinſte. Ein junges Fräulein, dem der junge Mann im
Nebenabteil, der das Fenſter ſo auf= und niederklappte, ein
freundliches Intereſſe abgewann, ſtand auf und klopfte auch
ihrer=
ſeits das Fenſter herab und zeigte allerhand Wohlgewachſenheit
dabei. Die beiden Köpfe begegneten ſich außerhalb des Wagens,
ſchielten ſich aus den Augenwinkeln in regelmäßigen Abſtänden
an. Jüngling und Jungfrau wiegten ſich in dem unerwarteten
amouröſen Abenteuer und hatten beide ein bißchen Angſt vor
ihrer Abenteurercourage, zumal der Jüngling; denn er trug eine
Brille und wußte bei allem guten Willen nie, wie man anfangen
ſollte.
Der Herr mit der grünen Weſte umſprühte indeſſen den Sug
noch immer mit ſeinem Witz und ſeiner Laune, und allmählich
ſteckte ſein Beiſpiel die ledernſten und langweiligſten Fahrgäſte
an, und jedes gab ſich rechtſchaffene Mühe, der Bahn etwas mit
attiſchem Salz zu verſetzen: „Hül — Kimmt er heut net, kimmt
er morg’n! — Immer langſam voran!” Und ſogar ganz
beſchei=
dene Naturen, wie der alte Amtsdjätar Himbſerl, freuten ſich,
einmal der Staatsautorität, von der der Sug doch ein kleines
Stück war, mit Hohn begegnen zu können. Auch er erlaubte
ſich, zu bemerken, daß man vielleicht ſchieben ſolle — hä, häl
Der Herr mit der Neiſemütze und der angekohlten Sigarre
hatte bis jetzt geſchwiegen und nur von Zeit zu Seit einen böſen
Blick zum Fenſter hinaus getan. Nun aber hielt er es an der
Seit, ſich vernehmen zu laſſen. Er ſah auf die Uhr und ſagte mit
fettigem Sorn: „Schweinerei, ſo wasl Schweinerei! Das liegt
natürlich am ganzen ſchlampigen Betrieb.” Es ſei eine
Schwei=
nerei. Die Fahrerei ſei geradezu ſkandalös, und es ſei eine
Schweinerei und nur bei uns möglich. Und der Herr in der Ecke
gab ihm melancholiſch recht und bohrte längſt wieder in der Naſe.
Das präraffaelitiſche Fräulein rutſchte nervös auf dem
Kör=
perteil, der bei anderen Leuten auch die dritte Wagenklaſſe
polſtert, hin und her und blättert in einer theoſophiſchen Seitung
„Die Wiedergeburt” und ziſchte fiebrig tztſztſztſztſztſz..
Indeſſen war ein Herr, der in Parfüms und
Coiletten=
artikeln reiſte und auch ſonſt einen ſehr ſchneidigen Eindruck
hin=
terließ, auf die Plattform getreten, hatte mit Feldherrnblick die
Situation überſchaut und ſtorchte dann den Bahndamm entlang,
Die erſte Frau meines Mannes.
Von N. Bartley.
Wir dinierten gemeinſam zu Ehren meines Gatten Bob, der
den großen Hartfordprozeß gewonnen hatte; aber gerade er war
im letzten, Augenblicke verhindert worden, an der Jubelfeier
teilzunehmen. Wir ſaßen fröhlich in Sherrys Neſtaurant
bei=
ſammen, als mein Nachbar Jack Norcliffe mir zuflüſterte:
„Peggy, dort ſitzt die erſte Frau Ihres Mames!”
Im erſten Augenblick hielt ich es für einen Scherz, aber dann
ſah ich hin, und da jah ich ſie, Mrs. Orving Chaſe Nummer
eins, ſo diſtinquiert in ſchwarzen Samt gekleidet, daß ich mir in
meiem weißen Mullkleid ganz babyhaft vorzukommen begann.
Sie war brünett, ſah ernſt drein, und ihre großen dunklen Augen
ſchienen träumend in eine unbekannte Serne gerichtet. Ich war
noch ganz damit beſchäftigt, die edlen Süge meiner Vorgängerin
zu ſtudieren, die vornehme Naſe, den weichgeſchnittenen Mund
zu bewundern, als mir Jack Norcliffe wieder zuflüſterte: „Es
gibt wirklich kein Geſetz, Peggy, das Bobs erſte Frau daran
bin=
dern kann, hier zu dinieren!”
Ich haßte Jack in dieſem Augenblick. Ich mußte mich aber
nun damit begnügen, während ich Evie Cravers, der Braut
meines Bruders, eine Schüſſel reichte, zu erwidern: „Sibt es
vielleicht ein Geſetz, das eine Frau daran hindern kann, eine
andere zu bewundern?”
„Eine Frau eine andere?” lachte Jack. „Sie meinen wohl
ein Geſetz, das ein Baby hindern kann, große Leute zu
be=
trachten?"
Mein Haß für Jack Norcliffe begann ins Ungeheure zu
ſteigen. Sum erſten Male ſeit ich mit Bob verheiratet war,
fühlte ich einen dumpfen, peinigenden Sweifel an ſeiner Liebe.
Wenn ich die Frau betrachtete, die ſeine erſte geweſen war,
konnte ich der Sukunft nur mit Schrecken entgegenſehen. Wenn
ſie wicht imſtande geweſen war, ſich ſeine Liebe zu bewahren, wie
ſollte es mir zwanzigjährigem, verwöhnten Kind gelingen? Wir
hatten zwar unſeren Sohn, aber. . . . Bob hatte niemals zu mir
über ſeine erſte Ehe geſprochen, nur am Vorabend unſerer
Hoch=
zeit hatte er ſehr ernſt geſagt: „Peggy, ſchreckt es dich wirſelich
nicht, daß ich ſo viel älter bin als du?‟
Ich hatte laut zu lachen begonnen. Was liegt denn daran?”
hatte ich erwidert. Wir haben doch ſchon darüber geſprochen,
bevor wir uns verlobten. Wir haben doch ſchon damals
aus=
gerechnet, daß ich noch mit Sand ſpielet, als du bereits dein
M
Kollegexamen machteſt, daß ich mein erſtes langes Kleid bekam,
als du dich bereits verheirateteſt. . . .
Bobs Geſicht war bei meinen Worten ganz bleich
gewor=
den und ſeine Augen blickten traurig. Dann hatte er meinen
Arm ergriffen und mich ganz leiſe gefragt: „Du weißt alſo,
daß ich ſchon einmal verheiratet war?”
„Gewiß, ich habe davon reden gehört. Aber nun denkſt du
doch in deinem Herzen nicht mehr daran, nicht wahr?”
„Nicht im mindeſten!” hatte er ſo überzeugt ausgerufen, daß
ich ihm erfreut um den Hals gefallen war. Nie wieder mehr
hatten wir dann über dieſe Sache geſprochen.
Aber nun fühlte ich zum erſten Male, daß „die erſte Frau”
kein bloßer in der Vergangenheit verſunkener Schatten, daß ſie
Fleiſch und Blut lei, nur zehn Schritte weit entfernt von mir
ſitze, daß ſie außer mir das einzige, Weib der Welt ſei, das
meines Gatten Namen trug. Der angeborene Haß, der in der
Seele jedes Weibes gegen eine Nebenbuhlerin ſchlummert, war
nun in wilden Flammen in mir ausgebrochen. Unbedingt mußte
ich nun erfahren, warum mein Gatte aufgehört hatte, ſie zu
lieben.
* *
Am nächſten Cage ging ich mit Evie Cravers Einkäufe
beſorgen. Wir traten gerade aus Hankins Laden in der Avenue,
als Evie einige Freunde traf. Sie wollten uns nicht mehr
los=
laſſen und wünſchten, daß wir zum Lunch mit ihnen kämen.
Mrs. Cwiller Neſtor ſagt: „Geſtern traf ich meine
vergöt=
terte Mrs. Margaret Chaſe. Sie hält ſich erſt ſeit kurzem
wie=
der hier auf. Du kannteſt ſie ſicher auch, nicht wahr, Evie?‟
Evie blickte mich lachend an. „Ich kenne nur eine Margaret
Chaſe” ſagte ſie.
„Die Margaret Chaſe, die ich meine,” ſagte Mrs. Neſtor,
„heiratete Nobert Chaſe, den Advokaten. Es war eine ſehr
verrückte Geſchichte! Margaret hat mir verſprochen, heute auch
zum Lunch zu mir zu kommen.”
Unentſchloſſen blickte Evie mich an. Ich wußte, daß ſie keine
Ahnung von Bobs erſter Ehe hatte. Höflich lehnte ich die
Ein=
ladung ab, aber meine Stimme klang gepreßt und undeutlich.
„Ich bedauere es wirklich,” ſagte Mrs. Neſtor, „vielleicht
kommen Sie ein andermal zu mir. Ich will dann Margaret auck
wieder einladen; ſie hat ſich eine Wohnung in Nr. 546
Niver=
ſide genommen.”
Mein Herz ſchien plötzlich ſtillzuſtehen. „Die erſte Frau”
hatte ſich alſo kaum ein paar Häuſer von uns entfernt
ein=
gemietet.
In trübſinnigſter Stimmung kam ich nach Hauſe. Als Bob
kam, fragte ich gleich, ob er Mrs. Cwiller Neſtor kenne.
Er verneinte es und da platzte ich heraus: „Aber deine erſts
Frau kennt ſie."
Bob, der gerade damit beſchäftigt war, ſeme Krawatte zu
binden, hielt in ſeimer Cätigkeit inne und ſtarrte mich an. „
Wo=
her weißt du das?” fragte er erregt.
„Evie Cravers und ich trafen Mrs. Neſtor heute, und ſie
ſprach uns von deiner Frau.”
Bob vollendete ſeine Toilette, ohne em weiteres Wort zu
ſprechen. Während des Diners unterhielten wir uns über ganz
oberflächliche Dinge, aber mir ſchien es, als ſei jeder ängſtlich
bemüht, ſeine wirklichen Gedanken vor den anderen zu verbergen.
Die Szene erinnerte mich ein wenig an Bühnendiners, wo die
handelnden Perſonen ſitzen und auf das Stichwort warten. Dann
erhob ſich mein Gatte und ſagte, daß er heute i ſeinen Klub.
gehen wolle. Ich reichte ihm die Wange zum Abſchiedskuſſe.
„Du biſt ein wenig blaß, Peggu,” ſagte Bob, „es iſt nicht
nötig, daß du aufbleibſt, bis ich komme.”
Wie du willſt”, ſagte ich ruhig, aber meine Pulſe
klopf=
ten gleich Hämmern. Mir war es, als dürfe ich ihn nicht
fort=
gehen laſſen, als ginge er direkt zu ihr.
Lange Seit ſaß ich dann im Lehnſtuhl und ſuchte mir alles
auszumalen. „Einen Mann zu heiraten,” überlegte ich, „iſt das
leichteſte Ding von der Welt, aber ihn während einer langen
Ehe ſo zu feſſeln, daß ſich in ihm wie der leiſeſte Wunſch nach
Abwechſlung regt, iſt eine andere Sache!”. Ich war m unſerer
Samilie immer das Baby geweſen, und niemand hatte es für
notwendig gefunden, mir dieſe fundamentalen Wahrheiten
mit=
zuteilen. Ich hatte Bob kennen gelernt, mich in ihn verliebt und
ihn zwiſchen einer Unmenge von ſilbernen Kandalabern, großer
Entfaltung von Pomp und Luxus, begleitet von Mutters
ge=
rührten Cränengüſſen, geheiratet. Dann war unſer Sohn
ge=
kommen und tauſend neue Quellen der Erkenntnis und
Lebens=
weisheit hatten ſich mir geöffnet. Ich hatte mir auch
ge=
ſchmeichelt, daß mein Gatte mit der Seit mehr in mir zu ſehen
gelernt habe, als eine hübſche Puppe und eine ſchöne Mutter für
ein Kind.
Aber nun begriff ich plötzlich, daß all dies nichts bedeutet
gegen die tiefe, leidenſchaftliche Liebe eines Mannes, die ſemn
ganzes Weſen beherrſcht! Nichts auf Erden iſt zwar ſo tot, als
herriſch, ganz blonde Beſtie, obwohl er ſchwärzliche Haar hatte,
die Hände in den Hoſentaſchen.
„Hör’n Sie mal, Schaffner!” rief er den Sug entlang, „das
js aba nu doch ſkandalös, wa kriechen ja den Anſchluß in
München nicht mah, wat is denn nu eijentlich los?”
Alle Fahrgäſte drängten ſich, angenehm durchſchauert vor ſo
viel kühnem Mannesmut, ans Fenſter, und die Catſache, daß er
Dublikum ſah, veranlaßte den Vertreter von Schulzes Erben, da=
Letzte an Forſchheit herzugeben. Und er ſtelzte wie ein Corero auf
die Lokomotive „Amalia” zu, die aſthmatiſch puſtend, immer
neue Dampfwolken auspluderte und am ganzen Leibe ſchwitzte.
Aber der Lokomotivführer ſchenkte dem Vertreter von Schulzes
Erben nicht einmal einen Blick und trank gleichmütig aus dem
Maßkrug. Der Heizer ſpie ihm dicht an den Schuhen
vor=
bei, und der Schaffner war nirgends zu erblicken. Da zog ſich
der Pionier der Erkenntnis wieder zurück und rief ein ums
an=
andere Mal: „Unglaublich! Suſtände hier! Nu warten ma ſchon ne
jeſchlagene Stunde!”
Der Herr mit der grünen Weſte hörte den draußen krakeelen
und war voll Feindſeligkeit, denn der Herr am Bahndamm hatte
das Publikum von den Witzen abgelenkt. Er ſagte deshalb
ver=
ächtlich grollend: „Der werd’s na glei' hab’n mit ſein
G’ſchrog=
maul! Der is uns no abganga!”
Aber nur wenige hörten auf ihn. Alles drängte an Fenſter
und Cüren und reckte die Hälſe nach der Lokomotive. Doch
„Amalia” pfiff ein= über das andere Mal auf alle Intereſſenten
und heulte aus reiner Luſt am Spektakulum auf. Keine
Menſchen=
ſeele vom Sugwärterperſonal ließ ſich blicken. Der Schaffner
ſchien irgendwo auf der Strecke verloren gegangen zu ſein, viel=
leicht war er in einen Briefkaſten gefallen oder er hatte ſich in
ſpiritiſtiſcher Sitzung mit dem Poſtſchaffner entmaterialiſiert.
Dadurch mutig gemacht, daß er nicht im Wege war, ſchrien
mit einem Male alle nach dem Schaffner, und der Herr von
Schulzes Erben, der als erſter ſozuſagen auf die Schamze gez
ſprungen, erlebte ſeine große Genugtuung. Nur der Herr mit den
grünen Weſte war ſtill geworden, weil ſich niemand mehr um ihn
kümmerte, und ſkalpierte mit der Verbitterung des Kaltgeſtellten
einen Wurſtzipfel.
Der Jüngling und die Jungfrau hatten indeſſen endlich die
Brücke zueinander geſchlagen, indem beide, heilfroh über dieſe
Möglichkeit der Verſtändigung, ſich gegenſeivig verſicherten, es
ſei ein Skandal, und ſchmiegten ſich in berechtigter Empörung
gemeinſamer Intereſſen enger aneinander, wie es ein glücklicher
Sufall bei bewegten Volksaufläufen zwanglos mit ſich bringt.
Auf eimmal hörte man in weiter Ferne von der Lokomotive
her einige kurze Nufe und Pfiffe, die Wagen ſchaukelten vor
und zurück, dann ſchien die „Amalia” noch ſentimentalen Blicks
— von einer ſchönen Ausſicht Abſchied zu nehmen — und zuckelte
dann racktack, tack rack=tack=rack wieder vorwärts, wie jemand
der nach einem kleinen Nickerchen am Weg erfriſcht wieder auf
ſein Siel lospendelt. Eile mit Weile.
Die Fahrgäſte ſanken entſpannt auf ihre Plätze zurück,
ſchäl=
ten Eier, überſchlugen im Schmöſer die Neiſebeſchreibung und
döſten wieder, lachten vor ſich hin, gewiegt vom Rhythmus der
rollenden Näder, und ſelbſt der Herr in der Ecke, der grübleriſch
i der Naſe bohrte, wird es nie ergründen, warum der Zug
märchenhaft und geheimnisvoll auf offener Strecke hielt.
Noch ſchauert mir die Haut, von angenehmer Romantik
überrieſelt, ſo oft ich an den gebeimnisvollen Zugaufenthalt
denke, deſſen myſtiſchen Schleier keine Hand heben konnte. —
Ja, es iſt zuweilen etwas unſagbar Stimmungsvolles um einen
ungeregelten Eiſenbahnverkehr.
Am Meer auf Sult.
Von FritzDroop.
Seit Stunden klettern wir durch Wanderdünen. Der letzte
Con der menſchlichen Siedlungen iſt verweht; aber die große
Stille der Landſchaft tönt ſtärker durch die Seele. Der Sand
leuchtet faſt weiß in der glutenden Sonne; es iſt das Lachen der
nordiſchen Erde. Man glaubt es zu hören, ſo dicht wird das
wellende Licht: das alte „Uthland” ſteigt ſagenumrauſcht aus den
grünen Wogen empor, als müſſe es wieder und wieder die Küſten
des fernen Seſtlandes gegen den Anprall des Meeres ſchützen,
da-
für aber ſelber ſchwere Opfer bringen. Denn manchmal peitſcht
der Sturm die See, daß ſie heult, als ſei den brandenden Wogen
ein Heer von Schakalen vorgeſpannt. Droben wird der Flugſand
von den Dünen emporgewirbelt. Die Seevögel hocken dann
ſchutz=
ſuchend in den Uferhöhlen, und ſelbſt der Schrei der Möwen iſt
verſtummt.
Mir iſt, als dürfe ich den zweiten Schöpfungstag durchmeſſen.
Wann kam ein Menſch den gleichen Weg wie wir? Da iſt kein
Anfang und kein Ende, und in den Schluchten ſtirbt ſogar das
Coſen der Brandung. Das iſt die Stelle des Ewigen; die erſten
Dinge und die letzten fließen ineinander. . . . Die Fußſpur des
Menſchen iſt hier ſchnell verweht; der Kompaß allein kann dem
Wanderer in dieſer bergigen Wüſte helfen, wenn er nicht tagelang
im Kreiſe gehen will.
Selbſt mit dem Fernglas iſt kein Menſch zu ſehen. Aber es
ſind Stunden der Einkehr, die uns höher tragen. Und muß nicht
jede Neiſe eine Entdeckerfahrt zu neuen Wundern der Natur und
zu neuen Wegen in uns ſein? Das iſt für den Einzelnen mehr
wert, als die Entdeckung des Nordpols, von dem höchſtens die
Wiſſenſchaft etwas, die Menſchheit aber gar nichts haben wird.
Wahre Sieger kann es nur im Kampf des Einzelnen mit ſich
geben; der Kampf mit der Natur iſt immer zweifelhaft, und ſelbſt
der ſchönſte Sieg iſt oft ein Pyrrhusſieg. Was kümmert es den
Mount Evereſt, wenn ein päar Menſchen wie Ameiſen an ihm
herumkrabbeln; in dir iſt heiliger Berg, der will erſtiegen ſein. . ..
Der Schrei der Möwen ſchreckt mich aus meinen
Betrach=
tungen auf. Dieſe Vögel ſtellen auf erhöhten Punkten Poſten
aus; die blaſen auf ihre Art „Alarm”, wenn ſie eien Menſchen
erſpähen. Bald iſt die ganze Möwenſchar mobil gemacht, und
ſie kommen in großen Scharen ſo nahe heran, als wollten ſie
einen Kampf mit dem Störenfried wagen. Das iſt immer der
Be=
weis, daß man ſich in nächſter Nähe ihrer Neſter befindet, die
übrigens nur ein geübtes Auge en! t. Auch die dunkelfarbigen
Eier ſind nicht leicht zu finden, und die großen Jungen muckſen
eine tote Liebe, aber vielleicht war dieſe Liebe auf ſeiten meines
Mannes gar nicht erſtorben, vielleicht war „meine erſte Frau”
diejemige geweſen, die das Band der Ehe zerſchnitten hatte.
Viel=
leicht lauerte dieſe Leidenſchaft, bis jetzt von mir unbemerkt, in
der Ciefe von Bobs Herzen.
1
Nie konnte ich mich ſpäter erinnern, wie ich das Haus
er=
reicht hatte, in dem meine Nebenbuhlerin wohnte, wie ich den
Lift beſtiegen und im ſechſten Stockwerk angekommen war. Ganz
dunkel weiß ich nur, daß ich dem Mädchen meinen Namen
ge=
mannt habe, und daß ſie mich in einen kleinen, von einer roten
Ampel beleuchteten Naum geführt hatte, der die billige
Ele=
ganz der Mietwohnung verriet. Stunden dünkte es mich, bis
„die erſte Frau” eintrat. Sie lächelte mir wohlwollend zu, und
ihre dunklen Augen blickten ein wenig erſtaunt und neugierig.
„Gibt es da nicht einen kleinen Irrtum?” fragte ſie endlich.
„Wollen Sie wirklich zu mir?” Ihre Stimme klang ſo weich, wie
ich noch nie eine andere vernommen hatte.
„Nein, ich irre mich nicht!” ſagte ich. „Ich wollte zu Ihnen!
Ich bin ſeine zweite Frau!”
Ich muß ſehr verzweifelt dreingeſehen haben, denn ich fühlte
plötzlich beruhigend meine Hände ergriffen und mich auf ein
ſchmales Sofa niedergedrückt.
„Bobs kleine Frau”, murmelte ſie, während ſie mich
inter=
eſſiert betrachtete. „Sie ſind doch das hübſche Kind, das mir
geſtern bei Sherry auffiel?‟
Schnell hob ich meinen Blick. „Sie haben recht,” ſagte ich
bitter, „ein hübſches Kind!”
Margaret Chaſe, die andere muß eine ſehr kluge Frau
ge=
weſen ſein, denn ſie begriff ſofort, daß mit mir etwas nicht in
Ordnung ſei.
„Was gibt es denn?” fragte ſie ſehr ſanft. „Sagen Sie
mir ganz vertrauensvoll, wo Sie der Schuh drückt.”
„Ich wünſche zu erfahren, warum Sie zurückgekommen ſind”,
ſagte ich mit halb erſtickter Stimme. „Ich will auch wiſſen,
warum Sie Bob verlaſſen haben! Ich muß Ihre Geſchichte
hören! Seit Jack Norcliffe Sie mir zeigte, iſt etwas in meinem
Herzen, das mich nicht zur Nuhe kommen läßt. . . . Ich glaube,
es iſt Eiferſucht! Sie ſehen, ich bin ganz aufrichtig, brutal
auf=
richtig! Ich fürchte mich vor Ihrer Schönheit, vor Ihrer
Klug=
heit, vor Ihrer Macht über Bob. Ich habe all ſeine Papiere
durchgeſtöbert und einen Settel von Ihnen gefunden. . . . O. ja,
ſich nicht, ſelbſt wenn man dicht vor ihnen ſteht. Auf den kahlen
teinigen Stellen der Dünentäler legen die Seevögel vegelrechte
Futterplätze an, die mit zerbiſſenen Muſchelſchalen, Fiſchgräten
und Neſten von Caſchenkrebſen beſät ſind. Außer wilden
Ka=
ninchen und vereinzelten Sumpfvögeln (Kiebitz und Negenpfeifer)
iſt kein lebendes Weſen hier zu finden. Erſt wenn man die
Ge=
fahrzone verlaſſen hat, läßt das dem Gebell junger Hunde micht
unähnliche Schreien der Möwen nach.
Es iſt, als Ganzes betrachtet, eine heroiſche Landſchaft;
ſie erhebt und macht uns klein zugleich. Aber der Atem der Frei=
heit ſtreicht über das einſame Land, und wenn man ins Meer
ſpringt, um ſich am Anſturm der Flut zu meſſen, ertönt kein
Warnſignal des Strandwärters, das einem eine Gefahr ſug=.
geriert. Wie befreiend und reinigend die Natur hier auf die
Be=
wohner gewirkt hat, finden wir in den alten Geſetzen der
Nord=
frieſen beſtätigt. Der äußeren Kraft des geſunden Volksſtammes
entſprach auch eine ſtolze innere Neinheit.
Stundenlang begleitet das ewig gleiche Lied der Brandung
unſeren Weg am menſchenleeren Strand. Die Flut wirft neben
ſchweren Steinen große Holzbohlen an den Strand. Wer weiß,
er war immer gut zu mir, wie man eben zu hübſchen Kindern
gut iſt. Aber ſeit ich Sie geſehen habe, ſeit ich weiß, daß Sie
in unſerer Nähe wohnen, werde ich die Qual nicht los, vergrabe
ich mich in die tollſten Verdächtigungen.”
Nun ſchwieg ich. „Meine erſte Frau” nahm meine Hand.
„Hören Sie”, ſagte ſie ernſt. „Sie bereiten ſich ſelber ſchweren
Kummer, Margarete Chaſe Nummer zwei. Sie müſſen mir jetzt
verſprechen, mir ruhig zuzuhören. Ich werde Ihnen keinen
Noman erzählen. Alles das, was Sie bedrückt, kleine Frau, iſt
nicht mehr, als was jede reine, unerfahrene Frau betrübt! Aber
es iſt nun ſchon einmal ſo: die heilige Vorſehung oder vielleicht
auch irgendeine andere hohe Macht hat die Mäner ſchon eimmal
zur Polugamie erſchaffen. Darin liegt Ihr ganzes Unglück
be=
gründet. Und nun hören Sie: Unſere Ehe, Bobs und meine Ehe,
war nichts anderes als eine Knaben= und Jungmädchenaffäre,
einige ſentimentale Spaziergänge im Mondenſchein, ein paar blaue
Schleifchen und dann die wohlgemeinte, aber unverſtändige
Intervention der erwachſenen Leute! So iſt unſere Ehe
zu=
ſtandegekommen, ſo kommen die meiſten Ehen in jungen Jahren
zuſtande. Nach unſerer Hochzeit waren wir ja kurze Seit ſehr
glücklich. Bitte zucken Sie doch wicht ſo zuſammen, das iſt ja
alles ſchon ſo lange her. Aber nach und nach, als Bob
auf=
hörte ein Knabe zu ſein und ich ein Backfiſch, da ſahen wir
ein=
ander erſtaunt mit anderen Augen an, konnten es micht begreifen,
daß wir einander einſt heimlich Briefchen zugeſteckt, daß wir im
jene Farce gewilligt hatten, die man „Hochzeit” nent. Wir
fühlten uns für Lebenszeit aneinandergekettet, zu
lebensläng=
licher Haft verurteilt. Nichts anderes war geſchehen, als daß
der roſige Schleier unſerer Jugendilluſionen gefallen war, und
daß wir nichts anderes Bindendes zwiſchen unſeren Naturen
entdecken konnten. Kinder hatten wir keine, die uns wieder
hätten zuſammenführen können, und ſo kam das Ende, mußte es
kommen. Bob und ich, wir beide waren mutig, unerſchrocken
und aufrichtig. Wir wußten, was wir zu tun hatten. . . . Für mich
war es ja ſogar noch leichter, denn da war noch etwas nun
alſo, wir trennten uns als gute Freunde. Bob konnte eben mit
dreißig Jahren die Frau nicht mehr lieben, die er als
Swanzig=
jähriger angeſchwärmt hatte, und ich, ein reifes
ſiebenundzwanzig-
jähriges Weib, blickte erſtaunt auf den Mann, den ich als
Back=
fiſch mit der Gloriole eines Helden umgeben hatte.
Und nun muß ich es Ihnen ſagen, kleine Frau, ſelbſt wenn
Sie mich dafür haſſen ſollten und glauben, ich wollte Sie nur
be=
trüben: kein Weib auf Erden beſitzt die ganze Liebe des Mannes,
dem ſie ſich gegeben hat! Sie mag feſt daran glauben, er mag es
ihr beſchwören, in der Meinung, keinen Meineid zu leiſten ....
aber es iſt nie wahr! Ganz geduckt in einem entlegenen Winkelchen
der Seele lauert das Geſpenſt einer toten Liebe, der Schatten
eines Erlebniſſes, längſt überwunden, längſt vergeſſen geglaubt.
Die „erſte Frau” drückte mir nun in herzlicher Freundſchaft die
Hand.
Nun wiſſen Sie alles”, ſagte ſie. „Ich kamn es beſchwören.
Ich bin mur in dieſe Stadt zurückgekommen, weil eine geſchäftliche
Angelegenheit mich dazu zwang. Übermorgen reiſe ich wieder ab,
für unbeſtimmbar lange Seit. Aber nun, meine Mrs. Chaſe...
um was wollten Sie mich heute eigentlich bitten? Gehört Ihnen
denn micht die Liebe eines reifen Manme, ſind Sie nicht die Mutter
leines Sohnes? Wurde Ihnen denn nicht die große Liebe Bobs
zuteil, mir hingegen nur der tolle Überſchwang eines umreifen
Jünglings?‟ ..
Ich barg meinen Kopf an ihrer Schulter, damit ſie meine
Cränen nicht ſähe. „Sie, die Sie mir alle Dinge ſo klar gemacht
haben, ſo ſchmerzlos und beruhigend, wollen Sie Bob
wieder=
ſehen?” ſtammelte ich. „Ich bereue es nicht mehr, glauben Sie
mir, ihn mit Ihnen geteilt zu haben!"
Aber „meine erſte Frau” ſchüttelte verneinend den Kopf.
„Nein,” ſagte ſie, „laſſen wir das Vergangene ſein! Und erzählen
Sie ihrem Manne auch nicht, daß wir miteinander geſprochen
haben. Mrs. Chaſe, laſſen Sie dieſe letzte Stunde das einzige
Geheimnis ſein, das Sie vor ihm haben! Glauben Sie mir, es iſt
beſſer ſo!”
„Und die „große” Liebe des Lebens... iſt die für Sie nicht
gekommen?” fragte ich leiſe. In die klaren Augen von Bobs
erſter Frau trat ein Schatten und ihre Stimme klang ganz
ver=
ändert, als ſie erwiderte: „Vielleicht doch! Es kam aber auch
geſchehen, daß man ſein Glück erkennt, ohne es feſthalten zu
kömen!”
Mit emem ſeltſamen Ausdruck blickten die dunklen Augen
in die Ferne. Meine ganze quälende, kindiſche Eiferſucht war
plötz=
lich verſchwunden, und nichts anderes als ein tiefes Verſtehen für
die Frau an meiner Seite lebte in meiner Seele. Ich erhob mich
raſch und küßte „meine erſte Frau” dreimal zum Abſchied.
Ei=
mal für Bob und mich und für all das, was ſie für mein Glück
getan hatte, einmal im Namen meines Sohnes, denn eines
Kin=
des Küſſe müſſen Segen bringen, und ein letztesmal im tiefen
Mit=
gefühl für ihre verlorene Liebe, von der ich in meinem nun
ge-
reiften Frauenherzen verſtand, daß ſie ſie unglücklich gemacht,
und daß ſie ihr ganzes Leben um ſie trauern müſſa.
wie lange ſie ſchon in der Ciefe ruhten! Swiſchen den Quallen
und Caſchenkrebſen liegen hier und da vereinzelt ganze oder
zer=
brochene Kerzen. Sie ſollen von einem Frachtdampfer ſtammen,
der vor hundert Jahren bei Wangeroog untergegangen iſt und
mit tauſend großen Kiſten Kerzen befrachtet war. Das Wachs iſt
durch das eindringende Salzwaſſer gelb geworden, aber die
kni=
ſternde Flamme gibt ein helles, rötliches Licht. . . . Wir halten eine
ſtille Totenmeſſe.
Swiſchen Liſt und Kampen, vom Klappholttal in zwanzig
Minuten zu erreichen, liegt zwiſchen windgebeugtem Buſchwerk
die berühmte Kampener Vogelkoje, die den wichtigſten Ceil des
„Sulter Naturſchutzparkes” darſtellt und nicht nur wegen der
Vorrichtungen zum Fangen wilder Enten, ſondern beſonders als
Aiſt= und Pflegeſtätte für eine Neihe ſeltener Vogelarten und
als Mutterboden charaßteriſtiſcher Heimattiere und spflanzen von
Bedeutung iſt. . . . Es iſt ſchön und menſchenwürdig, daß alles
geſchieht, um die Cier= und Pflanzenwelt der Inſel zu erhalten.
Und doch wird der Menſch die Erde eher verlaſſen, als jene
Weſen, die er ſchützt und hegt. Wir kamen als letzte auf die Welt
und werden als erſte wieder von ihr ſcheiden. Die Muſcheln leben
noch, wenn die Dörfer der Menſchen längſt verſchwunden ſind: . ..
Der Leuchtturm von Hörnum wirft ſein kreiſendes Licht über
weite Meilen den ſuchenden Schiffen zu. Sch ſtehe noch einmal auf
der großen Düne, die im Meere verſinkt. Und eine Möwe ſchreit.
Lacht ſie mich aus, den Pilgrim, den es wieder heimwärts treibt?
— Nur eine Melodie tönt durch die Nacht: das Meer. Und
oben, zwiſchen Wolken, die ſich fliehen, ein Stern, ein Licht. ein
Führer durch die Nacht. Hier waltet Ewiges, hier fühlſt du Gott,
das Urbild alles Werdens und Vergehens. Du ſelbſt erſcheinſt dir
hior noch winziger als ſonſt, und faßte nicht die Liebe deine Hand,
du ſchauderteſt vor ſolcher Einſamkeit.
Der Schuß.
Arnold hieß ein Cunge. Er lebte in einem ganz kleinen Ort,
oden in den Bergen. Der Ort war viele Monate im Jahr ganz
ſtill. Nur in den Zeiten der hohen Sonne kamen einige Menſchen,
aber man kannte ſie nicht.
Arnold hatte gelernt, mit einem Bogen Pfeile zu ſchießen.
Er hatte viele Bogen. Zuerſt waren ſie ſtärker als er, dann aber
lernte er mit ihnen ſchießen, und es dauerte nicht lange, damn
waren lie ihm zu ſchwach und er ſuchte ein neues Holz. Er lernte
langſam, die verſchiedenen Holzarten kennen. Er ſchoß auf Bäume.
Er hatte zuerſt auch Vögel ſchießen wollen, aber als er einmal
eine Bachſtelze traf ohne ſie zu verletzen, war er erſchrocken,
und er wollte nicht wieder auf Bögel ſchießen. Katzen zu ſchießen
ſchien ihm viel zu leicht, denn ſie erwarten ja nicht, daß ein Kind
ſnen etwas antut. Eines Cages ging vor ihm, ſehr weit, ein
Fromder. Arnold ſchoß, denn er glaubte ſicher, daß ſein Pfeil nicht
ſo weit getragen würde, aber der Pfeil traf den Mann in den
Nacken. — Zuerſt wollte ſich Arnold verbergen, aber er wollte
auch leinen Pfeil wieder haben, denn der war ſicher der Beſte von
alen Pfeilen. Arnold ging auf den Pfeil zu. Der ANann war
ſtehen geblieben. — „Haben Sie es gemerkt?” fragte Arnold. —
„Ja, ich habe es gemerkt, wie kannſt du Menſchen hier auf der
Straße ſchießen!” — Arnold ſagte: „Dann tut es mir leid, daß
ich Sie getroffen habe. Ich dachte nicht, daß ich ſo weit ſchießen
könnte.” — Der Mann ſchien unfreundlich zu ſein. „Jetzt mußt du
mit mir gehen”, ſagte er zu dem Jungen. Er faßte ihn bei der
Hand. Arnold wollte durchaus nicht mit einem Fremden gehen,
aber er wurde gezwungen. — Es iſt vorläufig nicht gefährlich,
dachte Arnold, und ging mit, ohne lich zu ſträuben. Sie kamen zu
einem Gaſthaus, in dem alle Fremden wohnten. Der Mann ging
mit Arnold in ſein Gimmer. — „Ich habe auch etwas zum
Schießen hier”, ſagte der Mann. Arnold war ſehr erſchrocken.
Er dachte ein bißchen daran, daß der Mann ihn erſchießen könnte,
und ſofort konnten (eine Gedanken nicht mehr weiter. Der Mann
nahm aus leinem Koffer eine Piſtole: „Hiermit kam ich viel
weiter ſchießen wie du.” — Arnold hatte ſeine Furcht für einen
Augenblick vergeſſen. „Wie machſt du das?" — „Ich ſtecke hier
eine Patrone hinein, und dann muß ich auf dieſe Seder drücken.”
— „Muß man ſehr ſtark drücken?” — „Nein, nur ganz wenig.”
— „Dann brauchſt du ja gar nichts dabei zu tun?” — „Nein, ich
brauche dabei nichts zu tun.” — „Ja, dann iſt es auch nicht ſchön,
man muß doch ſehen, was man kann. Ich ſchieße, weil ich es nicht
gut kamn.” — Der Mann wunderte ſich über dieſe Antwort.
„Soll ich dir dieſe Piſtole ſchenken?” fragte er. — „Kann man
damit Menſchen totſchießen?” — „Ja, das kamn man.” — „Nein,
ich habe gar keine Menſchen zu erſchießen.” — „Dann kann man
auch Bögel damit ſchießen, was man will.” — „Ich ſchieße auch
keine Vögel, obwohl ich es vielleicht könnte. Wozu haſt du die
Piſtole mitgebracht. Wollteſt du damit Vögel oder Menſchen
ſchießen?” — „Nein, ich weiß nicht, wozu ich ſie mitgebracht
habe, aber ich war vor einem Jahr in einem Land, da konnte man
ſie brauchen, denn es gab manchmal Hyänen und Schakale.
Seit=
dem habe ich die Piſtole immer bei mir getragen.” — „Ich könnte
auch einmal in ein ſolches Land kommen, und wem du mir die
Piſtole geben willſt, würde ich lie jetzt doch annehmen. Ich würde
warten, bis ich etwas zu ſchießen habe.” — „Ja, wie willſt du
denn im Länder kommen, die ſo weit weg ſind?” — „Wenn Sie
dort geweſen ſind, könnte ich ja auch wohl dahin kommen.
Viel=
leicht aber dauert es noch ſehr lange.” — „Du würdeſt aber mit
der Piſtole dann nicht treffen, denn man muß es lernen.” — „Du
kannſt mir gleich zeigen, wie man das macht.” — Arnold hatte
ganz vergeſſen, daß man zu fremden Menſchen Sie ſagt.
Dann fragte Arnold: „Werden Sie wieder in fremde
Län=
der fahren?” — „Nein, jetzt bin ich zum letztenmal fortgeweſen”,
erwiderte der Mann. — „Ja, dann iſt es wohl beſſer, daß ich die
Piſtole mitnehme, denn wahrſcheinlich iſt ſie lieber irgendwo, wo
lie etwas tun kann, und ich werde ſie dahin bringen. Haben Sie
mit dieſer Piſtole denn irgendetwas wirklich geſchoſſen?” —
„Ja, ich habe damit wirklich einige Naubtiere geſchoſſen.” —
„So, das konnte die Piſtole alſo gut? Ob eine Piſtole weiß, daß
ſie lo etwas getan hat? Ein Menſch würde doch ſicher ſehr ſtolz
darauf lein.” — „Nein, die Piſtole hat es ja eigentlich nicht
ge=
tan. Das Wichtige dabei iſt doch die Patrone. In der Patrone
iſt ein Pulver, das explodiert, und überall iſt eine harte Wand.
Nur dort, wo das Nohr iſt, in dem die Spitze der Patrone ſteckt,
da kann die Exploſion heraus, und deshalb fliegt die Kugel ſo
weit, daß man etwas ſchießen kann. Ja, wer hat denn eigentlich
bei einer PPiſtole geſchoſſen? Die Piſtole lelbſt iſt es nicht, denm
lie hat nur die Exploſion auszuhalten und mit ihrem Nohr den
Weg freizumachen für die Kugel. Die Kugel tut es auch nicht
ſelbſt, denn ſie wird herausexplodiert. — Wer hat denn das
Meiſte getan? — Das Zündhütchen mit Pulver? Das Pulver iſt
gxplodiert. — Ja, das Pulver iſt alſo ſelbſt geſtorben, und weil es
geſtorben iſt, iſt auch das geſtorben, was man geſchoſſen hat. So
wird es wahrſcheinlich ſein.” — „Kannſt du mir jagen, was denn
eigentlich in dieſem Pulver iſt?” — „Ich kann dir wohl die
Namen nennen von den Dingen, die darin ſind, aber was es in
Wirklichkeit iſt, das kann ich dir nicht ſagen. Aan nennt ſolche
Sachen wohl Kohle, Salpeter, Schwefel und moch anders, aber
was es iſt, das iſt eine ſchwere Frage. — Nun, es iſt auch wohl
einerlei, was es iſt, es muß irgendetwas ſein, das plötzlich ſtirbt,
es verbrennt, und dann gibt es auch irgendwo ſonſt etwas Cotes;
es iſt genau ſo, als wenn zwei Kinder zuſammenrennen und lich
beide am Kopf ſtoßen.
Arnold wußte nicht genau, ob er die Piſtole jetzt mitnehmen
könnte, aber ſonſt wußte er auch nichts mehr zu ſagen. Deshalb
meinte er: „Es wäre doch ganz gut, wenn wir jetzt gleich
ein=
mal ſchießen könnten. Wir können nach Bäumen ſchießen, das
tue ich auch immer.” — Damit war der Mann ſehr ſchnell
ein=
verſtanden, und ſie gingen hinauf zum Wald, den Arnold ſehr
gut kannte. „Jetzt muß man rufen und fragen, ob irgendwo ein
Menſch iſt”, meinte er. Dann rief er ſelbſt: „Iſt da jemand? Wir
ſchießen jetzt.” — Der Fremde zeigte genau wie das kleine
Sünd=
hütchen ausſah und die Kugel ſelbſt, die vorn ſpitz war.
„Das iſt keine Kugel”, ſagte Arnold. — „Nein, man nennt es
eine Kugel, aber es iſt keine. Eine ſolche Form wird überall
gebraucht, aber einen Namen hat ſie nicht. Man nemt es Kugel,
weil früher wirklich mit Kugeln geſchoſſen wurde.” — Und dann
ſchoß der Mann. — Arnold blickte in die Geſchoßkammer hinein,
er roch noch den ſcharfen Nauch und ſagte nachdenklich: „Ja, da
drinnen iſt nun das Sündhütchen geſtorben. Und wohin iſt die
Kugel geflogen?” — Sie gingen zu dem Baum, nach dem der
Fremde gezielt hatte. Sie konnten das Geſchoß lange nicht
fin=
den. Endlich fand es der Fremde, os ſteckte mitten im Holz,
ziom=
lich tief. — „Ich würde auch gern ſchießen,” ſagte Arnold, „aber
ich wage es nicht.” — Nein, du wirſt es nicht können,” ſagte
der Fremde, „denn es ſchlägt dich, wenn du ſchießt.” — „Ich
möchte es doch verſuchen”, ſagte der Junge. „Iſt es lehr
ſchlimm?” — „Wenn du mich ſchlägſt, iſt es nicht ſchlimm für
mich, aber wenn ich dich ſchlage, iſt os für dich ſchlimm. Du biſt
empfindlicher als ich, ſo iſt es nun mit Kindern.” — „Glaubſt du,
daß es mich kaputt ſchlägt?” fragte Arnold. — „Nein, das glaube
ich nicht, denn ich merke es wirklich gar nicht.” — „Einmal muß
ich es doch verſuchen”, ſagte Arnold. „Gib her. Wo muß man
drücken?” — Der Fremde hatte die Waffe geladen. Er gab ſie
Arnold und zeigte genau. — Die loſe, kleine Hand ließ den Lauf
der Piſtole hochſchlagen. Arnold war ein bißchen erſchrocken.
„Und wo wird die Kugel geblieben ſein?” fragte er. — „Sie iſt
ſicher über alle Bäume weggeflogen und fält irgendwo herunter”.
— „Kann da nicht irgendein Menſch ſein?” — „Nein, ſo, wie
lie herunterfällt kann ſie niemand ſehr weh tunz wir hätten auch
ſchon lange gehört, wenn jemand geſchrien hätte.” — „Sch würde es
gern noch einmal verſuchen”, ſagte Arnold. — Der Fremde lud
die Waffe. — „Iſt es ſchade, daß ſo viele kleine Zündhütchen
ſterben, ohne daß dafür irgendetwas geſchoſſen wird?” fragte er.
— „Sie koſten ein bißchen Geld, aber bedauert hat es noch
nie=
mand”, ſagte der Fremde, „ich brauche die Patronen nicht mehr.”
Der zweite Schuß war kein großer Schrecken mehr. Sehn
Patronen hatte der Fromde noch gehabt, und neun vorſchoß
Ar=
nold allein. Er konnte die Piſtole ſchon ganz ruhig halten. Die
letzte Kugel fand man auch ſchon im Baum ſitzen. Er hatte es
ganz gut verſtanden. — „Ja, jetzt ſind wir fertig, und ich will
jetzt nach Hauſe gehen”, ſagte Arnold. Er tat, als wollte er die
Piſtole dem Fremden wiedergeben. — „Nein, das iſt ſetzt deine
Piſtole,” ſagte der Mann, „und jetzt kannſt du nichts mehr
da=
mit machen, jetzt mußt, du erſt neue Patronen kaufen. Einem
Kind aber verkauft niemand Patronen. Es iſt alſo kein gutes
Geſchenk. Dann nahm Arnold ſeinen Bogen auf, und leinen
beſten Pfeil nahm er auch mit. Er ſagte zu dem Mann: „Ich
danke ſehr, und ich werde die Piſtole doch noch brauchen können,
ſch laſſe ſie nur etwas warten.” — Der Junge ging nach Haus.
Der Mann ging in ſein Gaſthaus und dachte, es iſt gut, daß ich
keine Piſtole mehr habe, denn ich hätte vielleicht einmal auf etwas
geſchoſſen, wie der Junge vorhin mit ſeinem Pfeil.
Aufgabe 40.
Nummer 320.
Prof. J. R. Neukomm in Budapeſt,
(Sonderpreis im Cheß=Amateur=Turnier 1924.)
b a *
ih
Weiß zeht und ſtzt in z wei Bigen mat.
Prüfſtellung: Weiß: Kt8 Df1 Tf3 Bd4 e5 f2 17 g5 h4 Gc)
Schwarz: Kr5 Uk4 Bd5 h5 (4.), aut.
Bei dieſer Aufgabe iſt auch die Symmetrie der Stellung
beachtens=
wert.
Aufgabe 461.
Jan Smutny in Hlohovee.
(Ungariſche Schachwelt 1917.)
Weiß: Ket De6 Le1 Bd5 es G).
Schwarz: Kg1 Th2 Bg2 h3 h5 (5).
Matt in drei Zügen.
Rätſel
danlichkeiten.
.o. — R. . . .. . — S...... — P... 2.
F.a...—M.....—T..... —G... ‟ .—H...O
9..."
An Stelle der Punkte ſind Buchſtaben zu ſetzen, ſo daß 10 ganz
verſchiedene Baulichkeiten entſtehen, die aus den untenſtehenden Silben
gebildet werden können. Die auf die ſtarken Punkte fallenden
Buch=
ſtaben nennen dann Baulichkeiten, die Kinder jetzt gern ausführen.
a, brik, de, fa, ga, ge, haus, haus, hit, land, laſt, mu. ne, pa,
pfer, ra, ratz, ſcheu, ſe, ſtall, te, the, ter, um.
Carl Deubel.
Arithmogriph.
Die Anfangsbuchſtaben
Vogel,
Frauenmame,
Gebäude,
Deutſche Umverſitätsſtadt,
Männername,
Behälter.
Figur in „Lohengrin”,
Strom der Unterwelt.
(1—8) nennen einem Freund der Reiſenden.
Carl Deubel.
an, bein, bel, eid, da e, ham, her, hol, i, i, kar, Ii, lo, mer, ve,
o, b8, re, rei, thel, ti, ton, zi.
Vorſtehende Sillben ſſchrribe mam fin die Qutabrate ber Jahrestiachl
1559, ſo daß die 12 ſenkrechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung
enchalten: 1. Oper vom Berdi, 2. ſitalligniſcher Maler, 3. Mineral,
4. Mänermamte, 5. Werkzeug, 8. Protzhet, 1 Fraumname, 8.
Natzm=
erſcheitnumig. 9. Bogel. 10. Bewohner einetr briltiſcheh Inſfel, 11.
ſpanſt=
ſchev Gelld, 12. beuuſcher Maller.
Die Anfangsbufchſtaben menmen einen 1559 beſtonbemien deutſchrm
Kurfüuſten.
Catl Deubel.
2. 3. 4
5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.
Auflöfung der Rätſel aus Nummev 28.
Frag mich was!
1. älter, 2. Laune, 3. Tunke, 4. Enkel, 5. reell.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389— 2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten,
[ ← ][ ][ → ] Hochverehrlichtes Bubbligumm! —
Alſo däß weer nu aach widder rum.
Drei, naa, vier große Däg ſin’s gewäſe,
Mit Kunſtgeniß ganz auserläſe,
Un was ſunſt dezu geheert uff’s Beſt,
Zu=me richdichgehende Sengerfeſt.
Un ſo dhut mer nix annerſter iwwrich bleiwe,
Als poſt feſtum die Sach zu beſchreiwe
For den Fall, daß ſchließlich der odder der
Net perſeenlich debei gewäſe weer,
Odder aach, weil die, wo debei gewäſe
Erſtrecht es hinnenooch wolle läſe
Wie’s war, weil der, wo dezwiſche ſtickt
Nor ſälde e richdich Bild devo krickt.
No un ſchließlich verlangt’s mei Kroniſteflicht,
Daß ich iwwer däß Feſt bericht,
Indem mer doch erſt in ſpeedere Zeide
Waaß, was mei Geſchreib ſoll bedeide,
Dann in awwermals ſexhunnerd Jahr,
Gibt’s ſicher in neigieriche Stadtarchivar,
Der läſe will, was in unſere Dage
Sich Wichdiches all hott zugedrage,
Der wärd mer, deß ſieht e jedes ei,
Mol ſpeder am allerdankbarſte ſei,
Es erleichterd die Arweit, uhne Stuß,
Dem, der ſose „Stadtgeſchicht” ſchreiwe muß.
No un ich denk, dhut mer mei Geſchribbſel läſe,
Is es jedem, als weer er debei gewäſe,
Die heidich Zeit hott uff die Art,
Geld, Zeit, Schweiß un Ribbeſtumber geſpart,
Un die ſpeeder Zeit, die ſoll’s erfahrn,
Daß mir, drotz allem, kaa Kobbhenker warn,
Sundern, der ganze Wäld zum Boſſe,
Uns niemals unnerkrieje loſſe;
Mir ſinge, — mag alles zum Deiwel geh,
Mir ſinge uns widder in die Heeh!
No, un des Weidere wärd ſich finne . .
Domit mecht ich nu’ mein Bericht beginne,
Nooch liewer Gewohnheit, indem ich ſag:
Alſo, s warn e paar herrliche Dag=
E Wädderche! — no der Summer, der krumme,
Hott ſich mei Standpauk zu Härze genumme —
Odder ſoll doch der Siegert . . .? — naa ihr Leit,
Der hatt for „Erläß” un ſo kaa Zeit,
Un waaß aach, bei=eme Sengerfeſt
Is es des beſt,
Wann die Bollezei vun ſich ſälwert nix märke leßt.
Un ſo hatt unſer hocher Bollezeirefferend.
Un diddo: Sengerbund=Bräſendend,
Frei un verfiechbar ſei ſemtliche Hend
Was em ſchließlich un offenbar
Beim Redde vun großem Nutze war . ."
Was awwer, do mach ich eich e Wett,
Weer Darmſtadt, wann’s die Feſthall net hett?
Verrode, verlorn, verbaaft un verratzt,
Wann mer aach drinn vor Hitz verblatzt,
Sie is unſer Reddung, ohne Frag,
Awwer — leer an dreihunnerdſächzig Dag ..
Am voriche Freidag dogääche, wie doll,
Do war ſe mol widder geſchwabbelt voll;
Dann Darmſtadt wollt, wie ſich’s dhut geheern,
Sein große Mitbärjer Arnold Mendelsſohn ehrn,
Groß” ſozuſage in jeder Art,
Mit Schlicht= und Beſcheidenheit gepaart.
’s war wärklich e härzerhewend Feier
Un nadierlich der Beifall ganz ungeheier,
Den mer dem Meiſter hott dargebracht
Ich hoff, es hottm aach Spaß gemacht,
Obgleich dem Alte im weiße Haar
Däß ſicher im Läwe nix Neies war. —
Dagsdruff dann am Samsdag, vun awends um ſiwwe
Hott mer die Sach uff die Spitz gedriwwe;
Iwwerall is meer eme Chor begäjend
Un Konnzärde hott’s nor bloß ſo geräjend
s hott geſunge, geklunge, do un dort,
Mer kam bald ſälwer net mehr zu Wort,
Die Harmonie war kaum noch zu banne,
Iwwerall hott merme Dirreſchent im Wähk geſtanne.
Iwwerwäldichend war däß Sengerheer,
Do war baan Blatz, kaan Saal mehr leer
UIn vum Awend bis in die Morjendſtunne
Howwe ſich immer widder welche gefunne,
UIn hawwe geſchmäddert, egal wo’s war,
Un ſchließlich ohne Dirreſchent ſogar
E Bild jedoch, mer ſah’s noch nie,
War die „Kundgäwung” in de Orrangſcherie,
Zwanzichdauſend Senger, valleicht aach mehr,
E” unermeßliches Fahneheer,
Un em Haſſinger ſei gewaldich Redd,
Mehr ſag ich net — ja, wann mer den net hett! —
Do hott mol widder, wie ſich’s geheert,
De Heinrich ſei Herzche ausgeleert
Der „Eidruck” is gornet zu beſchreiwe,
No hoffentlich dhut aach wos henke bleiwe,
Domit mer des Ziel nie dhut vergäſſe
Vor lauder perſeenliche Sonder=Indräſſe
Un dann der Feſtzug, der wunnervolle,
Do wärd doch kaaner was mäckern wolle,
Däß war ſozuſage, wie mer ſieht,
Des ſilluſtrierde deitſche Gemied,
Sowohl im Lied, wie im Geblied,
Un es Gucke däß word mer gornet mied,
Dann Grubbe vun ganz enormer Bracht,
Haſve dodebei mitgemacht. —
Im aanzlinge alles zu beſchreiwve,
Däß muß ich Eich leider ſchuldig bleiwe,
Bloß aans ſei geſagt, mir hott vun alle,
Der Erbacher ihr Grubb am beſte gefalle,
Do war vun Gekinſteltem kaa Spur,
s war alles Nadur, 8 war alles Nadur. . . .
Zwaa Stund hott faſt der Vorbeimarſch gedauert,
Doch ’8 Bubbligumm ſtand wie feſtgemauert,
Un hott’n die Sunn aach uff’s Bläß gebrennt,
Mer hott ſich vor Juwel kaum gekennt,
Hott Dicher geſchwenkt, un „Heil” gekriſche,
Dhat mit gude Sache die Senger erfriſche,
Dann bei däre Hitz, do ſin=en die Kähle
Zuſammegeſchnorrt wie die Heringsſeele.
No un ſo ging nu’ der Zug der große,
Dorch Darmſtadts brächdich geſchmickte Stroße,
Un wie mer uff de Feſtblatz is kumme,
Hott jeder ’8 nechſtbeſte Glas genumme,
Un hott ſich erſchöbbt in e Eck geſetzt
Un — — — hott aan gepetzt. .
Aaaan?! — Naa, do ſeid ihr mol awvwer ärr —
Die Gorjel, die war jo ſo rabbeldärr,
Wer wollt do die Schobbe un Schöbbcher zehle,
Die gefloſſe dorch läſche Sengerkehle! —
Sie hatte all en bildſcheene Dorſcht en große,
Un hawwe jetzt, anſtatts geſunge — geblooſe
Däß hott ſich in ſo färn gud gedroffe.
Weil mehr aus de Fäſſer erausgeloffe
Wie drinn war — jano däß weer gelacht,
Wann mer ſoooo große Fäldwäwel macht. .
Der Montag war dann „der Freude” geweiht,
Un trotz der notoriſch ſchlechte Zeit,
War ganz halb Darmſtadt uff de Baa,
Es war Eich de „Exert” faſt zu klaa,
Obgleich der wie jedes waaß gewiß,
An ſich de geborene Feſtblatz is.
Mer hott alſo noch mol beiſamme geſäſſe,
Hott allen Streit un Hader vergäſſe,
Der wo funſt die Menſche zwickt un drickt,
Un is immer mehr zuſamme gerickt,
Hott als emol gedrunke, un als emol — gekißt
Und als emol geguckt, wieviel Uhr daß es is",
s war alles a Mehl, ’s war widder klar,
Es war ſogar ein treuer Huſar
Der liebte . . .. halt naa, däß is vabei —
Doch ’s war alles a aanzich „Volks”=Baddei,
Nor aans will mer net in de Kobb enei —
Warum kann mer net immer ſo ganich ſei. ..
No jedenfalls, däß Feſt hott widder bewieſe,
Darmſtadt is doch net däs Näſt, däß mieße,
Däß wo ſo neid= un mißgunſtwvolle
Menſche als draus mache wolle —
Naa Darmſtadt hott ſchun äbbes los,
Un is aach im Feſtefeiern groß! —
Un ſo is alſo alles in allem genumme,
E' jeder uff ſei Rächnung kumme,
Kaan Mißton hott däß Feſt geſteert,
s war alles befriedicht, wie ſich’s geheert,
Un ſo kann aach ich mein Bericht jetzt ſchließe
Un ſag: Uff Wiederſehe, in Gieße!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Mei Ooſe=Pfeil hott mit ſeim
ullgiſche Bleiſtift e paar vun dene Feſtwage im Bild der
Ewich=
keid erhalte, mer find ſe in vorſtehendem Bericht ſozuſage „zwiſche
de Zeile‟. — Sunſt meecht ich mich hinnenoch zu dem Feſt
poſt=
ſchkribbdimlicherweis net gißern un in de Krimmel ſuche, ſun=
dern ich halt’s in dem Fall mit dem Sprichwort: „Wann mer
an de Hund will, hott=er Lädder gefräſſe.
Dem Heſſeverein im weſtfähliche Münſter herzliche Dank for
des freundliche Gedenke.
For’s Niebergall=Denkmal: Drei Mack vun=eme
Schlamm=
beißer. Danke ſchee.
Der zeitgemäße Haushalt.
Die Einmache=Tabelle als unerläßlicher
Hel=
ſer. Allen Anfängerinnen, die auf dem Gebiet der
Einmach=
unſt noch nicht „perfekt” ſind, kann eine ſelbſtangelegte
Ein=
nach=Tabelle von großem Nutzen ſein und die Arbeit des
Steriliſierens vereinfachen. Dazu verwende man einen
ſchreib=
äbigen, feſten Karton in einer Größe von zirka 30X40 Zentimeter
ind teile ſie in folgende Spalten ein:
1. Marmeladen: Zuckermenge pro Pfd.: Kochdauer:
v. Johannisbeeren,
Himbeeren uſw.
2. Gelee:
v. Himbeeren uſw.
3. Fruchtſäfte:
(Früchte)
Aus zuverläſſigen Kochbüchern, aus Mutters oder
Groß=
nutters Rezeptbuch, wie aus geſammelten Rezepten in
Tages=
eitungen und Zeitſchriften, notiere man nun in den einzelnen
— Ralten Mengenverhältnis und Einkochdauer und hat nun
jeder=
eit überſichtliche, zuverläſſige Tabelle, die im Küchenſchrank oder
n der Speiſekammer einen feſten Platz finden ſollte, um ſtets zur
band zu ſein.
Friſche Aprikoſen und was man aus ihnen
Vereiten kann. Die gelbfleiſchigen, ſamthäutigen Aprikoſen,
n Süddeutſchland und Oeſterreich auch Armellen oder Marillen
genannt, werden wohl in den meiſten Fällen roh und vom
Gartenbeſitzer „friſch vom Baum” verſpeiſt. Noch köſtlicher aber
mundet ein Aprikoſen=Fruchtſalat, zu dem man die
Aprikoſen feucht abwiſcht, in Spalten oder Würfel ſchneidet, mit
grobgehackten ſüßen Mandeln beſtreut, mit 1 Likörglaschen Rum
übergoſſen und mit Zucker beſtreut, einige Stunden „durchziehen”
läßt. Man kann evtl. noch Schlagſahne dazu reichen.
Gericht von Kalbsbratenreſten. 1 Teller voll
feingewiegte Reſte miſche man mit 2 harten Eigelb, 10 Gramm
enthäutetem Rindsnierenfett, 50 Gramm feingewiegtem gekochten
Schinken, 2 Eiern und 1 eingeweichten, ausgedrückten Brötchen.
Schmecke mit Salz und Pfeffer ab, fülle davon einen Rand in
eine Form und in die Mitte einen weichgekochten, unverteilten
Blumenkohl. Mit 2 in eine Taſſe Sahne und 1 Eßlöffel Mehl
verquirlten Eiern übergoſſen, backe man die Speiſe 34—1 Stunde.
Man ſerviere das pikante Gericht mit einer würzigen
Tomaten=
ſoße.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Tomatenſuppe, Rindslende mit
Burgunder=
ſoße, Aprikoſen=Salat. — Montag: Hefeklöße mit geſchmorten
Heidelbeeren. — Dienstag: Gefüllte Kohlrabi mit
Röſtkar=
toffeln. — Mittwoch: Peterſiliengemüſe mit Klößchen und
Siedewürſtchen. — Donnerstag: Makkaroni in der Form
ge=
backen mit Tomatenſoße. — Freitag: Heidelbeerkaltſchale,
Fiſchklopſe mit Sardellenſoße. — Samstag: Eierkuchen mit
geſchmorten Kirſchen.
Ne
in o r
Köchin: „Unerhört, ſolche Beleidigung! Eben ſagt der Herr zur
Gnädigen, „ſprich nicht ſo laut, die Dienſtboten könnten horchen”.”
C,Paſſing Show”.)
Das bunte Jacken=Complet, die Mode des Hochſommers.
Die bunten Seiden, die ganz
entſchieden die hochſommerliche
Mode beherrſchen, waren
urſprüng=
lich eigentlich nur für die abendliche
Kleidung beſtimmt, denn man
hätte nie und nimmer gewagt, für
den Tag in einem ſolchen Modelle
zu erſcheinen, um ſo mehr als die
großornamentierten Muſter jeden
Gedanken daran vollkommen
aus=
ſchalteten. Erſt ſpäterhin, als man
auch kleinere Oeſſins zu ſehen
be=
kam, drang die Idee durch, das
bunte Kleid auch für den
Nachmit=
tag zu verwenden, und ſeine Linie
dieſem Zwecke entſprechend zu
mo=
difizieren.
Natürlich waren es für den
Anfang noch immer die
phantaſie=
reichen Schaffungen, die hier in
Betracht gezogen wurden, alſo
ſehr exkluſive Modelle, die niemals
hätten Gemeingut werden können,
ſondern nur als Ausnahme
Gel=
tung gehabt hätten.
Nach und nach aber wurden
die bunten Seiden immer
popu=
lärer, die daraus verfertigten
Mo=
delle einfacher, blieben alſo
keines=
wegs das Privileg der „oberſten
Zehntauſend”, ſondern drangen
allgemein durch, und gelangten
letzten Endes zu einer Beliebtheit,
die wohl ihresgleichen ſuchen muß,
denn heute fehlt das bunte Kleid
in keiner Garderobe und ob es nun
aus Chinakrepp, Foulard,
Geor=
gette, Gaze oder buntgemuſtertem
Satin verfertigt ſei, gefällt es
im=
mer wieder außerordentlich gut.
Die letzte Neuheit nun beſteht
darin, daß die bunten Materialien
nicht, nur zu Kleidern, ſondern
auch zu den dazugehörigen
Um=
hüllen verarbeitet werden, wodurch
der Begriff des „Imprimé=
Com=
plets” geſchaffen erſcheint, das
ſicherlich auch über kurz oder
lang im Vordergrunde des
In=
tereſſes ſtehen dürfte.
Die Umhüllen zu den bunten
Kleidern ſind voneinander
durch=
aus verſchieden; da gibt es außer
den kurzen auch lange Jacken, wie
ſie die neue Mode vielfach zeigt,
dann wieder die intereſſanten
Dreiviertelpaletots, die viel
Beach=
tung finden und nicht zuletzt die
ganz langen Mäntel, die natürlich in ihrer kompletten
Vollſtändig=
keit vorderhand immer noch Sieger bleiben. Die Verwendbarkeit
eines ſolchen Complets iſt eine ſehr große, wobei der Vorteil
bei manchen Typen auch darin zu ſuchen iſt, daß ein ärmelloſes
Kleid mit einem Mantel vereinigt wird und als Complet für
den Nachmittag zu gebrauchen iſt, während das Kleid allein
auch für den Sommerabend oft gute Dienſte leiſtet.
Der Art, dem Schnitte und dem Verwendungszwecke des
betreffenden Complets entſprechend wird auch das Material
Man braucht drei Handtaſchen ..."
.. ſo traurig dieſe Eröffnung auch klingen mag, weil ſie
neuerdings eine Ausgabe bedeutet, iſt ſie doch nur allzu wahr,
denn der Luxus auf dieſem Gebiete ſchreitet von Tag zu Tag fort,
und man muß — nebenbei geſagt — ſogar gut zu wählen verſtehen,
wenn man die Taſchen auch wirklich für die verſchiedenen
Ge=
legenheiten reſtlos gut gebrauchen können will.
Für Trotteurzwecke ſoll eine Taſche einfach und ſchmucklos
ſein; am beſten wirken die ſchlichten, braunen Ledermodelle mit
dem mit Lederſchnüren durchzogenen Rande und einem Bügel
aus dem gleichen Material (1). Für den Nachmittag aber wählt
man gerne die Handtaſche, deren Deckſeite mit „geſchliffener
Hai=
fiſchhaut”, mit Straußenhaut oder mit der letzten Neuheit, mit
gewählt und darum findet man hier ſowohl die leichten Seiden
(wie China= und Marokko=Krepp) als auch die dünnen,
durch=
ſcheinenden Gewebe (wie Gaze und Georgette).
Um über das farbige Complet dieſer Saiſon einen
erſchöp=
fenden Ueberblick zu geben, haben wir einige intereſſante
Schaf=
fungen in unſerer Gruppe feſtgehalten:
Die einfachſte Form bringt das erſte Modell unſeres Bildes:
man hat es ſich aus einen klein=gemuſterten Chinakrepp zu
den=
ken, und zwar als Jumper mit einem gefältelten Rocke; dazu
„Seitenfiſch”, einer intereſſant=körnigen Fiſchhaut, überzogen iſt,
da dieſe Modelle neutral gefärbt ſind und ſich jeder Schattierung,
alſo jedem Kleidungsſtücke gut anzupaſſen vermögen (Mittelbild).
Die Hanbtaſche für den Abend aber wird entweder in feiner
Gobelinmanier beſtickt oder aber aus dem Materiale des
betref=
fenden Abendkleides verarbeitet; beſonders die bunten Gaze=
Taſchen (die natürlich wegen ihres dünnen Gewebes entſprechend
ſtark eingefüttert ſein müſſen, um genügend widerſtandsfähig zu
ſein) ſtellen eine aparte Neuheit dar (Shizze 3).
R. H.
Im Blockhaus.
Um für die Tage im Weekendhaus mit Garderobe verſorgt
zu ſein, bedarf es neben den notwendigſten Toilettenbehelfen,
alſo einem gut eingerichteten Neceſſaire, nur ſehr wenige Dinge,
denn es kommt bei dieſer Gelegenheit nicht darauf an, mit
Toiletten zu prunken, ſondern darauf, ganz ländlich und reſtlos
bequem gekleidet und von dem Zwange der Stadt befreit zu ſein.
nimmt ſich ein buntes
Seiden=
jäckchen mit dem gleichen bunten
Futter ſehr gut aus, das im
übri=
gen auch auf ſeiner Innenſeite zu
tragen iſt und in dieſem Falle dem
ganzen Enſemble eine durchaus
veränderte Wirkung gibt. (Bild 2.)
Wenn man nun an Stelle des
ge=
muſterten Jumpers eine einfarbige
Bluſe in der Grundſchattierung
des bunten Materiales wählt, iſt
das Complet derart zu variieren,
daß ſeine urſprüngliche Form kaum
mehr bemerkbar iſt.
Man kann aber aus den
u=
durchſichtigen Seiden keineswegs
nur Complets in der Art des eben
beſprochenen Modells, alſo
Trot=
teur=Sachen bringen, ſondern dieſes
Material auch in viel
phantaſie=
reicherer Form verarbeiten, ſodaß ſich
die Imprimes in einem ganz
an=
deren Lichte zeigen.
Als Beiſpiel führen wir ei
ſehr apartes Enſemble in unſerem
vorletzten Bilde vor Augen; das
Kleid iſt ſehr jugendlich in der
Wirkung und vereinigt einen
ſchlichten, rund ausgeſchnittenen
Oberteil mit einer glockigen
Rock=
partie. Darüber fällt ein
halb=
langer Paletot, der loſe und
dra=
viert getragen werden kann und
immer entzückend wirkt. Zu
ſol=
chen Complets trägt man
natür=
lich einen halbbreiten Hut, der fün
die hochſommerliche Mode als
th=
piſch anzuſehen iſt, meiſt nur durch
die Art ſeines Strohs wirkt und
ganz ungarniert bleibt. Schon
treten aber die Filzhüte wieder in
den Vordergrund, die ja im
Ver=
laufe des Hochſommers immer die
Strohformen ablöſen, weil ja
eigentlich ſchon nach den großen
Rennen die Stunde des
Stroh=
hutes geſchlagen hat.
Von allen bunten Complets
ſind ſicherlich die aus Gaze=
Mouſſe=
line verfertigten Schaffungen die
entzückendſten, denn ihre Grazie
und Anmut findet kaum
ihres=
gleichen und gibt jeder Frau die
denkbar beſte Folie. Solche Stücke
werden immer derart kombiniert,
daß ſie für den Nachmittag wie
auch für den Sommerabend
ver=
wendbar ſind, indem man eben das
Kleid ärmellos arbeitet. — Unſere letzte Skizze macht mit einer
Schaffung dieſer Art vertraut und bringt ein Kleid mit
bogen=
förmig angeſetzter Glockenpartie mit einem Mantel in
Verbin=
dung, der durch bogig angebrachte Flügelteile eine ganz
eigen=
artige Note erhält.
Ein zartes Wieſenblumenmuſter oder verſtreute kleine
Blütenſträuße in weichen Paſtellfarben ſehen für Complets dieſer
Art zweifellos am beſten aus.
Willy Ungar.
Am beſten entſpricht ein einfaches Kittelkleid mit breitem
Gürtel (Mittelbild). Daneben aber braucht man noch eine
Ar=
beitsdreß für den Garten; ſehr gut ſieht eine weite Pyjama=Hoſe
aus, die mit bretellenartigen Trägern gehalten und mit einer
hellen Hemdbluſe in Verbindung gebracht wird, deren Aermel
natürlich zur Arbeit aufgerollt ſein müſſen. Ein großer
Stroh=
hut ſchützt bei der Arbeit vor der heftigſten Sonnenhitze. (Skizze
rechts.)
Das Badetrikot, das wichtigſte Stück der Garderobe
während der warmen Tage, ſoll leicht wafchbar ſein, darf im
grellen Sonnenlichte nicht ausblaſſen, ſoll alſo nicht auf luxuriöſe
Wirkung eingeſtellt werden, ſondern der häufigen
Verwendbar=
keit Rechnung tragen. (In der erſten Skizze zeigen wir eines der
jetzt beliebten „Kaſakmodelle”, deren Trikotſtoff in einer dunklen
Willy Ungar.
Modefarbe gehalten iſt.)
Das Cragkleidchen über dem Spielanzug
iſt die letzte Neuheit auf dem Gebiete der Kindermode und man
muß ſagen, daß hier eine Kombination geſchaffen wurde, die
wirklich ein Columbus=Ei darſtellt. Endlich iſt nämlich die
Mög=
lichkeit gefunden, das
Wäſche=
ſtück und das Kleidchen des
Kindes zu einem Ganzen zu
vereinigen, aber auch jedes für
ſich zu verwenden. Wie man ſich
dieſe Idee verwirklicht zu denken
hat, ſieht man in unſerem Bilde.
An erſter Stelle ein „
Spielhös=
chen”, das ſowohl Wäſcheſtück als
auch ſommerliche „Garten=Auf=
2 machung” darſtellt. In der
zwei=
ten Skizze das mit einem Gürtel
verſehene und mit einer
Falten=
partie in der vorderen Mitte
garnierte Tragkleidchen, das das
Kind über die Spielhoſe zum
Ausgehen trägt. Während das
Wäſcheſtück weiß iſt, hält man
das Kleidchen, in grellen Farben,
etwa königsblau, kirſchrot,
ocker=
gelb, orange oder grün.
Nummer 200
Sonntag, den 21. Juli 1929
Seite 19
din drmean der Nagt.
58)
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.)
„Bart!” rief Dan Barry.
Aber Black Bart achtete nicht darauf. Während er geduckt
am Boden kauerte, lief ein leichtes Zittern über ſeine ſich
ſpannen=
den Muskeln, und dann ſprang er mit voller Wucht dem Rieſen
nach dem Geſicht, aber deſſen lange Arme ſchoſſen nach vorne,
packten ihn mitten im Sprung, zwei große Hände klammerten ſich
um ſeine Kehle und Black Bart fiel hilflos auf den Boden
zu=
rück. Mac Strann wurde mitgezogen, ohne daß ſeine Hände
ihre Beute losließen.
Man hörte das Trampeln eiliger Füße, die dem Schauplatz
des Kampfes zueilten. Zwanzig Stimmen brüllten um die Gruppe
her, aber Dan ſah nichts als Barts nutzloſe Verſuche, mit ſeinen
gewaltigen Zähnen Mac Siranns Handgelenke zu packen. Seine
lange rote Zunge ſchlappte ihm aus dem Maul, die Augen traten
aus den Höhlen, und alles, was Dan hörte, war das Knurren
des Wolfes und ein ſeltſames Winſeln der Wut, das ſich der
Bruſt des Tiermenſchen entrang, der mit ihm kämpfte. Und jetzt
entſchloß ſich Dan zu handeln. Seine Hände ſchoſſen pfeilſchnell
unter Mac Stranns dicke Arme, ſeine Ellbogen fuhren mit einem
Ruck nach außen und brachen Mac Stranns Griff. Im nächſten
Augenblick zog er den Hund aus dem Bereich der Gefahr.
Der Wolf ſtand augenblicklich wieder auf den Füßen und
ſetzte zu einem neuen Sprung an, aber ein ſcharfes: „Hierher!“
von Dans Lippen bremſte ihn beinah mitten in der Luft. Er
blieb zitternd neben ſeinem Heirn ſtehen. Dan Barry glitt näher
an den Rieſen heran.
„Ich ſollte Euch eher erkannt haben,” ſagte er ſo leiſe, daß
er faſt nur Stranns Ohren verſtändlich war, „Ihr ſeid Jerry
Grund dafür, Nachbar.”
Mac Stranns dicke Oberlippe hob ſich leicht, als er antwortete:
Stranns Bruder. Und wenn Bart Euch haßt, ſo hat er inen
„Er oder Ihr — Ihr und der Wolf zuſammen — oder einer
nach dem andern — 8 iſt mir gleich. Ich bie euretwegen
ge=
kommen, Barry.”
Dan ſtraffte ſich ein wenig. Seine Augen wanderten
lang=
ſam an Stranns Geſtalt herauf und herunter.
„Gehungert hab’ ich danach, um einen Mann wie Euch zu
treffen,” ſagte Dan, „richtig gehungert, Nachbar. Nördlich von
der Stadt iſt MeDuffys altes Haus. 1s liegt jetzt in Ruinen und
kein Menſch kommt hin. In iner Stunde bin ich dort, Freundchen.”
„Ich werd’ Euch erwarten”, nickte Mac Strann, und damit
kehrte er an ſeinen Tiſch zurück, als habe es ſich bei der
Unter=
brechung nur darum gehandelt, eine gleichgültige Begrüßung
auszutauſchen. Dan Barry blieb noch einen Augenblick ſtehen,
wo er ſtand, und betrachtete Mac Stranns Geſicht. Dann machte
er kehrt und ging mit ſeinem leichten, geräuſchloſen Schritt den
ſchweigenden Raum hinunter. Der Wolfshund glitt hinter ihm
her und ſah gelegentlich über die Schulter zurück nach dem Rieſen
dort hinten. Als die Tür hinter den beiden zufiel, begann an
allen Tiſchen ein Flüſtern, das raſch genug in aufgeregtes Gebrüll
überging. Pale Annie verließ den Schanktiſch und ſtützte ſich
neben Mac Strann auf den Tiſch. Selbſt in dieſer
vorgebeug=
ten Haltung war der Schankwirt mindeſtens ſo groß wie ein
gewöhnlicher Menſch. Mit einer Armbewegung hieß er die
an=
deren zurückbleiben. Dann langte er nach Mac Stranns Hand
und packte ſie mit ſeinen feuchtkalten Fingern.
„Ich habe Euch mit Dan Barry ſprechen ſehen und ich habe
Barrys Geſicht geſehen, wie er hinausging. Ihr beide wollt heute
noch irgendwo Euch treffen. Mann, ſage ich, Freundchen, werft
Euch nicht ſelbſt weg.”
Oiele Leodot
Vier wichtige Verwendungsmöglichkeiten:
Bei Sonnenbrand iſt Creme Leodor ein wundervoll kühlendes Mittel
gegen ſchmerzhaftes Brennen der Haut.
Bei Insektenstisken verhindert Creme Leodor, dick aufgeſtrichen,
ſchmerzhaftes Anſchwellen und Juckreiz.
Als Fuderänterlage leiſtet Ereme Leodor mit ihrem dezenten
Blütengeruch vorzügliche Dienſte.
Bei roten Häncen und unſchöner Haufarbe verleiht die
ſchneeig=
weiße Creme Leodor den Händen und dem Geſicht jenen matten Teint, wie
er der vornehnen Dame erwünſcht iſt.
Tube 60 Pf. und 1.— Mk., die dazugehörige Leodor=Seife Stück 50 Pf. In
allen Chlorodont=Verkaufsſtellen zu haben.
((V.1015)
Mac Strann betrachtete wortlos ſeine gewaltige Tatze
eine vielſagende Antwort, aber Pale Annie fuhr fort:
„Jawohl, Mann, Ihr ſeid ſtark, aber das genügt nicht, um
Euch vor Dan Barry zu bewahren. Wir kennen ihn hier in
Elkhead. Wißt Ihr, Mann, wenn er das Schießeiſen
heraus=
geholt hätte und vor unſern Augen Euch hier niedergeknallt
hätte — er wäre aus der Bude hier herausgekommen, ohne daß
ſich ein einziger Finger gerührt hätte, um ihn zurückzuhalten.
Jawohl, Mann, und warum? Warum ſage ich? Weil wir wiſſen,
was mit ihm los iſt, und ich kann Euch ſagen, ich würde lieber
mit bloßen Händen einen Wolf angreifen — wie Ihr —, als
Dan Barry mit dem Revolder in der Hand gegenüberzuſtehen.
Ich könnt: Euch erzählen, wie er mit Jim Silents Bande um=
geſprungen iſt, einer gegen ſechs! und ich könnt: Euch auch
ſonſt noch ine Maſſe erzählen, jawohl, Freundchen, ich werd‟
Euch was erzählen, wenn Ihr Luſt habt, zuzuhören."
Mac Strann betrachtete ihn mit ſeinen ſtumpfen Augen.
„Hab’ mir nie viel aus Reden gemacht,” bemerkte er milde,
„verſteh’ mich nicht groß aufs Reden.”
Pale Annie ſetzte noch einmal zum Sprechen an, ſtockte aber
ſofort, betrachtete Mac Strann eindringlich und eilte dann wieder
hinter ſeinen Schanktiſch zurück. Sein Geſicht war womöglich
noch ernſter als gewöhnlich, aber Geſchäft war Geſchäft und ging
für ihn allem anderen vor — und überdies müſſen Menſchen nun
einmal ſterben, wenn ihre Zeit gekommen iſt!
Haw=Haw Langley nahm den Platz gegenüber Mac Strann
ein, den Pale Annie geräumt hatte.
Er warf einen erſchrockenen Blick nach oben, wo der Regen
unausgeſetzt aufs Dach praſſelte, dann flitzten ſeine Augen
zu=
rück und kamen auf dem Geſicht ſeines Gefährten zur Ruhe. Er
mußte ſeine dünnen Lippen erſt anfeuchten, ehe er fähig war
zu reden, und ſelbſt dann gelang es ihm nur mit einer
gewalt=
ſamen Anſtregung, wie bei einem Mann, dem ein zu großer
Biſſen in der Kehle ſteckt.
„Well,” fragte Haw=Haw, „iſt’s ausgemacht?”
„s iſt ausgemacht”, ſagte Mac Strann. „Wie wär’s, wenn
Ihr die Pferde holtet, Haw=Haw? Oder kommt Ihr nicht mit?”
Ein dunkler Schatten fegte über Haw=Haws Geſicht.
„Ihr dampft ab?” ziſchte er. „Seid den ganzen langen
Weg geritten, um ſchließlich vor Barry davonzulaufen? Vor
nem Kerl, der nicht halb ſo groß iſt wie Ihr?”
„Ich reit’, um ihn zu treffen” antwortete Mac Strann.
Haw=Haw Langley ſchnellte von ſeinem Stuhl hoch, als
be=
fürchte er, daß Mac Strann ſich anders beſinnen könne, wenn der
geringſte Aufenthalt eintrat. Seine langen Finger verkrampften
ſich miteinander, als müſſe er in ſeinen knochigen Händen das
Blut zum Zirkulieren bringen.
„Ich werd’ die Gäule gleich an der Vordertür haben,” ſagte
er, „bis Ihr Euren Mantel anhabt, Mac, bin ich ſchon mit den
Pferden vor der Tür.”
Und damit ſtelzte er eilfertig aus dem Raum.
Achtunddreißigſtes Kapitel.
Das Gewitter.
Als ſie aus der Stadt ritten, platſchte die naſſe Erde unter
den Hufen ihrer Pferde und ſpritzte auf ihre Stiefel und
Män=
tel, gelegentlich ſogar in ihre Geſichter. Jeder Huftritt jagte
rechts und links eine kleine ſchmutziggelbe Fontäne auf, denn
alle Straßen von Elkhead hatten ſich in Bäche verwandelt, und
als ſie die Häuſer hinter ſich ließen, verhüllte der
herunter=
ſtürzende Regen jeden Ausblick. Hier und da ließ der Guß
ein=
mal an einer Stelle etwas nach, dann ſprang ein Berg, der
bisher unſichtbar geweſen war, plötzlich auf ſie los wie ein
leben=
diges Weſen und verſchwand ebenſo raſch wieder im
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auf Schloß Heiligenberg
aus dem Beſitz S. Durchlaucht Prinz v. H. und Anderes
Antiquitäten: Silbergegenſtände, Miniaturen, Empire=
Uhren, Barocklkulpturen, Barockwandblacker,
Barock=
ſtandleuchter, Wanduhr (M. F. Zllig in Darmſtadt),
Zinnſammlung. Große Chinaporzellan=Vaſen.
Fahencen: Bahreuth, Hanau. Närnberg, Heſſen=
Darmſtadt, Delft.
porzellane: Höchſt, Meiſen, Frankenthal (Figuren und
Geſchirre.
Gemälde: A. Burger, Böhme, Heiſch, Kobell, Roos,
Rugendas, „Selatz, A. Schleich, Schltz, Thoma=
Radierungen, Altengliſche Siſche.
Möbel: Barogkommoden, Aufſatzpitrine,
Barockſchreib=
kommode, Konſole, reich geſchnitzte Barockbeitſtelle,
Touis XV1Bankund Stühle, Biedermeler=Vitrinen,
Bücherſchränke, Schreiſbmöbel, Spleſtiſche,
Kom=
moden, 3großeBibliotherſchränke, Louis 41l Schrank,
Engliſche Ledergarnitur, Toilettentiſch nebſi
Wäſche=
kommode, Konſole mit großem Spiegel, 2 große
Kachelöfen mit Adler (1 m breit, 2.20 m hoch,
Salongarnitur 1840, (a. 10 Bledermelerſpiegel,
20 verſchledene Gardinen.
Hausrat: Gläſer, Kriſtalle, Waſchgarnituren, kleine
Waſchkommoden, Tiſche, Stühle u. vieles Ungenannte.
perſerteppiche, Brücken, Läufer, Seidemkeſchan.
Beſſchtigung:
Sonntag, den 21. u. Montag, den 22. Zuli, von 11—6 Uhr
Aufahrt bei Hotel Krone in Jugenheim,
ſowie Fußweg 40 Minuten.
Auskänfte und Aufträge durch:
Alte und Neue Kunſt Dr. Fritz Nagel
G. m. b. H., Mannheim, N. 5. 2.
Telef. Jugenheim Nr.2
Mannheim 319 u. 44
I.Nhm.11758