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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 129
Sonntag, den 30. Juni 1929.
192. Jahrgang
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Hewalt,
jepſiſchung. An e. Se Anelcgene
auf Erfün
ſede Ve
aufträge und
liſtung von
ſchadenerſatz. Be
Konlurs oder gerſchtiſcher
Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankonto Deutſche Bani und
Darm=
ſtädter und Nationalbantk.
Amerikas Abſage an Poincare.
Zahlungskermin am 1. Auguft oder
Rakifikakion des Schuldenabkommens.
Ein Communiaué Poincarés.
EP. Paris, 29. Juni.
Nach Beendigung der Sitzung der Finanz= und
außenpoliti=
ſchen Kommiſſion der Kammer gab. Miniſterpräſident Poincarg
im Namen der Regierung folgende Erklärung an die Preſſe: Der
franzöſiſche Botſchafter in Waſhington hat geſtern beim
amerika=
niſchen Staatsſekretär den Schritt unternommen, der ihm von
der Regierung aufgetragen worden iſt. Kraftvoll legte er
die in dem Telegramm der franzöſiſchen Regierung ausgeführten
Gründe dar und forderte, daß der Fälligkeitstermin
für die franzöſiſch=amerikaniſche Handelsſchuld vom 1. Auguſt
auf ſpäter verſchoben werde. Staatsſekretär Stimſon
er=
widerte ſichtlich bewegt: Als alter Freund Frankreichs, in deſſen
Adern ſogar franzöſiſches Blut kreiſe, habe er drei Jahre lang
daran gearbeitet, um ſein Land zum Eintritt in den Weltkrieg
zu bewegen. Mit 50 Jahren noch habe er ſich anwerben laſſen
und habe den ganzen Krieg mitgemacht. Die von der
franzö=
ſiſchen Regierung aufgerollte Frage ſei vom amerikaniſchen
Ka=
binett ſchon auf Grund der in den Zeitungen veröffentlichten
Be=
richte über die Sitzungen der franzöſiſchen Kammer geprüft
wor=
den. Die amerikaniſche Verfaſſung gebe jedoch dem
Präſidenten nicht die Vollmacht, den
Fälligkeitster=
min einer Schuld zu verſchieben. Selbſt wenn der Präſident
dieſe Befugnis gehabt hätte, wäre ſie ihm durch den
Kon=
greßbeſchluß vom 19. Juni entzogen worden. Eine
Ein=
berufung des Kongreſſes ſei nicht möglich, da die
Sena=
toren und die Mitglieder der Repräſentantenhauſes über das
ganze Land zerſtreut ſeien, oder gar, wie z. B. der Präſident des
Repräſentantenhauſes, im Auslande weilten. Außerdem ließen
die Schwierigkeiten, die kürzlich bei der Abſtimmung über den
bedingten Zahlungsaufſchub aufgetreten ſeien, vorausſehen,
daß das Abſtimmungsergebnis nicht den
Wün=
ſchen Frankreichs entſprechen würde. Er lege ſich mit
tiefem Bedauern Rechnung davon ab, daß die franzöſiſche
Oef=
fentlichkeit ſehr erregt ſei. Die amerikaniſche öffentliche
Mei=
nung ſei aber nicht weniger beunruhigt, denn die Amerikaner
ſeien der Anſicht, daß die Vereinigten Staaten ſich
Frankreich gegenüber als Freund gezeigt hätten,
weil ſie durch das Abkommen vom Jahre 1926 tatſächlich auf die
von Frankreich während des Krieges gegenüber dem
amerika=
niſchen Schatzamt eingegangene Schuld verzichtet und ihre
For=
derung auf die Nachkriegsſchuld beſchränkt hätten. — In den
Wandelgängen der Kammer erklärten die
Kommiſſionsmitglie=
der, daß die amerikaniſche Antwort in keiner Weiſe überraſchend
ſei. Nach der ablehnenden Antwort der amerikaniſchen Regierung
auf das franzöſiſche Geſuch um Aufſchub der Handelsſchuld an
Amerika haben der Vorſitzende der Finanzkommiſſion, Malvy,
und der Vorſitzende der außenpolitiſchen Kommiſſion, Paul=
Boncour, übereinſtimmend erklärt, daß ſie ſich jeder weiteren
Debatte über die Schuldenabkommen widerſetzen würden, ſolange
die Kommiſſion ihren Bericht nicht vor der Kammer eingebracht
habe. Malvy fügte dem noch hinzu: Falls ein Abgeordneter
den=
noch irgendeinen Antrag über die Schuldenfrage in der Kammer
einbringen wolle, ſo werde er ſich grundſätzlich dagegen
aus=
ſprechen.
Am nächſten Dienstag nehmen die beiden Kommiſſionen ihre
Beratungen wieder auf, und man glaubt, daß am 9. Juli die
große Schuldendebatte in der Kammer beginnen kann.
Poincaré wird von der Kammer Vor= und Nachmittagsſitzungen
verlangen, um möglichſt raſch zu Ende zu kommen.
* Die plötzliche Reaktion der franzöſiſchen Kammer gegen
die Ratifizierung iſt nur aus der franzöſiſchen Innenpolitik
her=
aus zu verſtehen. In der Praxis gibt es für die Frage der
inter=
alliierten Schulden nur eine Löſung, die Ratifizierung.
Rati=
fiziert muß werden. Und ſelbſt diejenigen, die ſich am heftigſten
gegen die Ratifizierung in Frankreich wandten, wollten nur eine
Verſchiebung erreichen. Es handelt ſich da um die in Frankreich
ſo volkstümliche Argumentierung; zuerſt ſoll der Young=Plan
von den anderen Intereſſenten ratifiziert werden, nachher von
Frankreich und erſt dann dürfte die Ratifizierung der
Schulden=
abkommen erfolgen. Dieſe franzöſiſche Denkweiſe iſt
einleuch=
tend, aber doch falſch. Nichtsdeſtoweniger muß mit ihr gerechnet
werden.
Die franzöſiſche Kammer hatte die Regierung aufgefordert,
von Amerika einen Aufſchub der am 1. Auguſt fällig werdenden
Zahlungen für die Stocks zu bitten. Denn es iſt klar, bis zum
1. Auguſt können die erwähnten Vorbedingungen für die
Rati=
fizierung der interalliierten Schulden nicht erfüllt werden.
Es beſtand von vornherein wenig Wahrſcheinlichkeit dafür,
daß Amerika dem franzöſiſchen Verlangen nachgab. In diskreter
Form hatte man bereits das Terrgin ſondiert und eine
ableh=
nende Antwort erhalten, die jetzt auch offiziell vorliegt. Die
Tatſache, daß es für Frankreich um die Herbeiführung einer
Verkoppelung des Young=Planes mit den interalliierten
Schul=
den, alſo um die Erreichung der „clause de sauvegarde” auf
einem Umwege handelte, machte das franzöſiſche Geſuch in
Ame=
rika keineswegs ſympathiſcher.
In einer Nachtſitzung wurde die franzöſiſche Regie—w bei=
Niert,
nahe geſtürzt und beinahe hat die Kammer
welche die ſchwerſten Folgen nach ſich gezogen hätten. Ohne die
Kaltblütigkeit des Kammerpräſidenten und ohne den feſten
Wil=
len der Regierung, die Führung zu behalten, hätte die
Inter=
vention Franklin Bouillons ſehr weitgehende Folgen nach ſich
gezogen.
Die franzöſiſche Regierung hat der Kammer nachgegeben
Lage wurde durch den neuerlichen franzöſiſchen Verſuch, von
Amerika einen Aufſchub für die Stocks zu erreichen, weſentlich
kompliziert. Das Kablogramm Poincarés an den Waſhingtoner
Botſchafter Frankreichs findet eine eigenartige Parallele in der
Reiſe, Montagu Normans, des Gouverneurs der Bank von
England, nach Amerika.
Poincaré über die Regierungskonferenz.
EP. Paris, 29. Juni.
Ueber das vorausſichtliche Datum des Zuſammentritts der
Regierungskonferenz machte Poincaré vor der außenpolitiſchen
Kommiſſion einige intereſſante Mitteilungen. Auf die Frage des
elſäſſiſchen Abgeordneten Grumbach, wann die
Regierungskon=
ferenz zuſammentreten werde, antwortete er, daß dies nicht vor
dem 15. Auguſt möglich ſei, nicht nur weil die Vorbereitungen
der anderen Regierungen kaum vor dieſem Datum abgeſchloſſen
ſein würden, ſondern auch weil die techniſche Kommiſſion zur
Ausarbeitung des Statutes der internationalen Reparationsbank
ihre Arbeiten vorher nicht beendet haben würde. Auf die Frage,
ob die Regierung beabſichtige, ſofort nach dem Abſchluß der
Kon=
ferenz die Kammer zur Ratifizierung des Youngplanes
zuſam=
menzuberufen, erwiderte Poincaré, daß dieſe Konferenz
voraus=
ſichtlich nur eine erſte ſei und daß ihr im September eine
zweite folgen werde, ſo daß die Kammer vor Anfang Oktober,
d. h. der ordentlichen Herbſtſeſſion ſich mit der Ratifizierung des
Youngplanes nicht zu beſchäftigen brauche.
*
Frankreich gegen London.
Die franzöſiſche Regierung hat den Kampf gegen London
als Tagungsort jetzt offiziell aufgenommen, ein Beweis, in welch
hohem Maße ſich Poincaré, vor der politiſchen Atmoſphäre in
London fürchtet. Macdonald hat eine zunächſt inoffizielle
Ein=
ladung ergehen laſſen, die auch von Berlin, Rom und Brüſſel
angenommen iſt. Frankreich dagegen kämpft immer noch um die
neutrale Stadt, worunter in erſter Linie Lauſanne oder Luzern
verſtanden wird. Wir haben keine Veranlaſſung, uns in den
Familienſtreit zwiſchen Paris und London einzumiſchen. Bei der
nötigen Zähigkeit wird es wohl Macdonald durchſetzen, daß die
Konferenz in London ſtattfindet. — Bei dem jetzigen Tempo der
Vorverhandlungen iſt kaum mehr damit zu rechnen, daß die
Tagung Mitte Juli zuſammentreten kann. Es wird vielmehr
wohl Monatswechſel Juli/Auguſt werden, bis die Diplomaten
ihre Arbeit aufnehmen. Wie wir bereits ſagten, wird die deutſche
Delegation von dem Reichskanzler geführt werden, wenn es ſeine
Geſundheit erlaubt. Außerdem werden der Reichsaußenminiſter,
der in Verhinderung des Kanzlers die Delegationsführung
über=
nehmen würde, und der Reichsfinanzminiſter bei der Konferenz
anweſend ſein. Wenn es notwendig ſein wird, könnten ſogar
der Reichswirtſchaftsminiſter und der Miniſter für die beſetzten
Gebiete, wenn auch nur vorübergehend, der deutſchen Delegation
angehören.
Der Deuſche Induſtrie= und Handelskag
zur Reparakionsfrage.
München, 29. Juni.
Der Hauptausſchuß des Deutſchen Induſtrie= und
Handels=
tages, der hier unter dem Vorſitz ſeines Präſidenten Franz v.
Mendelsſohn zuſammengetreten iſt, hat auf Grund eines
um=
faſſenden Berichtes über die Reparationsfragen, den das erſte
Geſchäftsführende Präſidialmitglied, Reichsminiſter a. D. Dr.
Hamm erſtattete, einſtimmig eine Entſchließung gefaßt, die die
folgenden Geſichtspunkte betont: Die Deutſchland auferlegten
Summen überſchreiten erheblich das Maß deſſen, was die
deut=
ſche Volkswirtſchaft unbedingt aus eigener Kraft leiſten kann.
Die Maßnahmen, die nach dem Plan von der deutſchen
Volks=
wirtſchaft die Gefahren fernhalten ſollen, die die Uebertragung
von Zahlungen ins Ausland mit ſich bringt, können ihr Ziel
nur dann erreichen, wenn ſtets beachtet wird, daß
Reparations=
leiſtungen und Uebertragungen nur aus Wirtſchaftsüberſchüſſen
durch deutſche Ausfuhr möglich ſind, alſo auch eine geſteigerte
Bereitwilligkeit der Gläubigerländer vorausſetzen, deutſche Ware
abzunehmen. Für die Würdigung des Planes im ganzen iſt es
von höchſter Bedeutung, ob mit ihm die abſchließende
Geſamt=
liquidierung des Krieges verbunden und erreicht werden wird.
Eine ſolche Geſamtliquidierung verlangt insbeſondere, daß die
Politik der Diskriminierung, der Pfänder und Kontrollen
end=
gültig verlaſſen wird, d. h. vorbehaltloſe Räumung des
Rhein=
landes, Rückgabe des Saargebietes, Einſtellung bzw.
Rückgängig=
machung aller Maßnahmen zur Beſchlagnahme und Liquidation
deutſcher Güter. Die Entſchließung weiſt dann darauf hin, daß
die Lage von allen wirtſchaftstätigen Bevölkerungsſchichten
be=
ſondere Anſtrengungen und Opfer und pflichtbewußte
Zuſam=
menarbeit im Sinne einer ſparſamen Wirtſchaftsführung
ver=
langt. Damit ſei auch die entſcheidende Stunde gekommen, die
ſtaatliche Wirtſchafts=, Finanz= und Sozialpolitik einheitlich und
folgerichtig auf die Steigerung der Produktivität unſerer
Geſamt=
wirtſchaft hinzuwenden. Als Forderungen in dieſem Sinne
wer=
den aufgeſtellt: Förderung der Kapitalanſammlung, Staats= und
Verwaltungsreform mit dem Ziele der Steigerung der
Lei=
getgebarung der öffentlichen Körperſchaften und Reform des
öffentlichen Steuerſyſtems.
Die Woche.
„Die alliierten und aſſoziierten Regierungen erklären und
Deutſchland erkennt an, daß Deutſchland und ſeine Verbündeten
als Urheber für alle Verluſte und Schäden verantwortlich ſind,
die die alliierten und aſſoziierten Regierungen und ihre
Staats=
angehörigen infolge desKrieges, der ihnen durch
denAngriffDeutſch=
lands und ſeinerVerbündeten aufgezwungen wurde,erlitten haben.”
Erläutert wird dieſerArt. 231 des VerſaillerFriedensdiktats durch die
berühmte Mantelnote vom 16. Juni 1919. „Während langer
und deshalb wurde die Kriſe vermieden. Die außenpolitiſche Jahre haben die Regierenden Deutſchlands, getreu der
preußi=
ſchen Tradition, die Vorherrſchaft in Europa angeſtrebt.‟ . .
„Sie haben getrachtet, ſich dazu fähig zu machen, ein unterjochtes
Europa zu beherrſchen und zu tyranniſieren‟ . . . „Sie ſind
be=
ſtrebt geweſen, zwiſchen den Nationen an Stelle der Freundſchaft
Feindſchaft und Argwohn zu ſäen. Sie haben ein Syſtem der
Spionage und der Intrigen entwickelt, welches es ihnen geſtattet
hat, auf dem Gebiete ihrer Nachbarn Unruhen und innere
Revol=
ten zu erregen‟ . . . „Sie haben durch Gewaltandrohungen
Europa in einem Zuſtand der Gärung erhalten, und als ſie
feſtgeſtellt hatten, daß ihre Nachbarn entſchloſſen waren, ihren
anmaßenden Plänen Widerſtand zu leiſten, da haben ſie
be=
ſchloſſen, ihre Vorherrſchaft mit Gewalt zu begründen. Sobald
ihre Vorbereitungen vollendet waren, haben ſie einen in
Ab=
hängigkeit gehaltenen Bundesgenoſſen dazu ermuntert, Serbien
innerhalb 48 Stunden den Krieg zu erklären.” . . . „Um dieſen
allgemeinen Krieg doppelt ſicher zu machen, haben ſie ſich jedem
Verſuch der Verſöhnung und der Beratung entzogen, bis es zu
ſpät war; und der Weltkrieg iſt unvermeidlich geworden, jener
Weltkrieg, den ſie angezettelt hatten und für den Deutſchland
allein unter den Nationen vollſtändig gerüſtet und vorbereitet
war.” Mit dreiſterer Stirn iſt wohl niemals in der Geſchichte
der Völker eine gleich ungeheuerliche Lüge in die Welt geſetzt
worden. Aber wenn man damals in Paris im Siegesrauſch
geglaubt hat, nicht nur ein zuſammengebrochenes Volk, ſondern
auch die Wahrheit vergewaltigen zu können, ſo hat man ſich
geirrt. Die Oeffnung der ruſſiſchen und deutſchen Archive im
Zuſammenhang mit den bekannten belgiſchen Dokumenten hat
für jeden Unbefangenen mit aller nur wünſchenswerten Klarheit
feſtgeſtellt, nicht nur daß die Behauptung des Verſailler Diktates,
Deutſchkand ſei allein ſchuldig am Ausbruch des Weltkrieges, die
Tatfachen einfach auf den Kopf ſtellt, ſondern darüber hinaus,
daß die Urheber dieſes größten aller Kriege nicht in Berlin,
ſon=
dern in Paris, Petersburg und London geſeſſen haben, und daß
im Gegenſatz dazu das deutſche Reich 2 Jahrzehnte hindurch auf
jede Weiſe bemüht war, Europa den Frieden zu erhalten. Es iſt
heute nicht einmal mehr nötig, dieſe Theſe im einzelnen zu
er=
örtern und zu belegen. Eine gründliche Geſchichtsforſchung nicht
nur im deutſchen Reich, ſondern auch im Ausland hat das bereits
ſo gründlich getan, daß auch in den Ländern unſerer Kriegsgegner
wohl niemand, der ihre Ergebniſſe kennt, an der Kriegsſchuldlüge
des Verſailler Diktates ernſthaft feſthält. Abgeſehen natürlich von
denjenigen, die aus begreiflichen Gründen die Wahrheit nicht
aufkommen laſſen möchten.
Seit Jahren kämpft das deutſche Volk gegen die
Kriegsſchuld=
lüge von Verſailles, und es iſt ſehr verſtändlich, daß der 10.
Jah=
restag der erzwungenen Unterzeichnung jenes ungeheuerlichen
Dokumentes dazu benutzt wurde, um in gewaltigen
Demon=
ſtrationen für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Darüber, daß
der Art. 231 des Verſailler Vertrages der Wahrheit geradezu ins
Geſicht ſchlägt, iſt ſich das ganze deutſche Volk einig. Umſo
be=
dauerlicher iſt es, daß auch bei dieſer Gelegenheit wieder der
deutſche Parteihader einen verhängnisvollen Triumph gefeiert
und gemeinſame Kundgebungen verhindert hat.
Daß der 10. Jahrestag der Unterzeichnung des Verſailler
Diktates auch die Unverbeſſerlichen wieder auf den Plan gerufen
hat, kann kaum noch erſtaunen. Erſtaunlich wird die Sache nur,
wenn man diesmal ſo bemerkenswert offenherzig wird wie der
ſozialdemokratiſche Reichstagsabgeordnete Ströbel in einem
län=
geren Aufſatz, der dieſer Tage durch die ſozialiſtiſche Preſſe ging,
„Die Revolution hatte nur ein geſchichtliches und moraliſches
Recht dazu, die Monarchie und den alten Militär= und
Obrigkeits=
ſtaat zu entthronen, wenn ſie ein gerechtes Strafgericht war. War
Wilhelm II. nur das Opfer der „Einkreiſung” der Verſchwörung
des „Feindbundes”, waren Poincaré, Jswolſki, Grey die
eigent=
lichen Anſtifter des Krieges, ſo iſt Wilhelm ſchnödes Unrecht
ge=
ſchehen, als man ihn des Thrones verluſtig erklärte. War er
unſchuldig, und waren die anderen die Schuldigen, ſo war er ja
wirklich der „Märtyrer”, als den ihn die Nationaliſten hinſtellen.
Dann iſt die Sehnſucht aller braven Untertanen nach ihm und
ſeiner Rückkehr berechtigt und begreiflich. Dann iſt ſeinen Helfern
ebenfalls bitteres Unrecht geſchehen. Denn ſie haben dann ja nur
als die Vertreter des deutſchen Heldengeiſtes das „überfallene‟
Deutſchland gegen eine „Welt neidiſcher Feinde” verteidigt! Und
das deutſche Volk war abſcheulich undankbar, als es Wilhelm
davonjagte und eine Republik an die Stelle der Monarchie ſetzte.
So argumentieren unſere Nationaliſten. Und in der Tat:
alles das ergibt ſich logiſch und gefühlsmäßig,
wenn die Reinwaſcher Wilhelms und ſeiner
Helfer recht hätten!“ Das darf aber natürlich nicht
ge=
ſchehen und deswegen ſträubt man ſich mit Händen und Füßen
gegen die geſchichtliche Wahrheit, um an der das ganze deutſche
Volk entehrenden Kriegsſchuldlüge unſerer Feinde feſthalten zu
können, und leiſtet ſo denen Vorſchub, die im Ausland an ihr
feſthalten, um damit eine Gewaltpolitik gegen das deutſche Volk
zu rechtfertigen. Aus innerpolitiſchen Gründen leiſtet man
außenpolitiſchen Gegnern zum Schaden des ganzen deutſchen
Volkes Vorſchub! Dabei iſt die Sorge dieſer Leute wirklich ganz
unbegründet. Um Recht oder Unrecht derRevolution ſtreitet man ſich
heute nicht mehr. Daß die deutſche Revolution vom November 1918
ſelbſt jedesScheins von „Recht”entbehrt, ſteht für die überwältigende
Mehrheit des deutſchen Volkes ſchon längſt feſt. Etwas ganz
anderes iſt es jedoch natürlich, ob dieſe Erkenntnis den Beſtand
unſerer gegenwärtigen Staatsform gefährdet. Das aber tut ſie
ſtungsfähigkeit bei gleichzeitiger Verbilligung, Reform der Bud= ganz beſtimmt nicht, und ſie würde es noch viel weniger tun,
wenn nicht gerade Leute wie Herr Ströbel immer wieder
ver=
ſuchen würden, ſie dazu zu mißbrauchen anders Denkende zu
Geite 2
Conntag, den 30 Juni 1929
Nummer 179
vergewaltigen. Ganz gleich, ob man „überzeugter” oder „
Ver=
nunft”=Republikaner iſt, darüber, daß wir unſere Staatsform
nicht ohne allerſchwerſte Gefährdung unſeres Staates überhaupt
wechſeln können, dürfte ſich die überwältigende Mehrheit des
deutſchen Volkes ebenfalls ſchon ſeit Jahren einig ſein.
Auch auf der anderen Seite haben bei der Veranſtaltung der
Kundgebungen gegen die Kriegsſchuldlüge parteipolitiſche
Er=
wägungen leider eine erhebliche Rolle geſpielt. Daß die Lüge
von Verſailles das ganze deutſche Volk in allen Kreiſen und
Schichten aufs tiefſte erregt, weiß man ſehr gut, und ſo möchte
man dieſe politiſche Erregung zu einem Angriff gegen die
gegen=
wärtige deutſche Außenpolitik auswerten. Richtig iſt ja, daß das
Verſailler Diktat mit der Kriegsſchuldlüge die ungeheuerlichen
Kriegsentſchädigungsforderungen begründet. Es entbehrt alſo
rein äußerlich nicht einer gewiſſen Logik, wenn man jetzt
gleich=
zeitg gegen Kriegsſchuldlüge und Young=Plan zu Felde ziehen
möchte. Tatſächlich liegen ja aber doch die Dinge weſentlich
anders. Auch in der Frage der Kriegsentſchädigung geht Macht
vor Recht, und wir müſſen Kriegsentſchädigungen zahlen, nicht
weil wir angeblich die Urheber des Weltkrieges waren, ſondern
weil wir dieſen Weltkriegverlorenhaben. Das weiß
natürlich auch Herr Hugenberg ſehr genau, und ſo liegt in der
neuerlichen Verkuppelung beider Fragen eine gewiſſe politiſche
Unaufrichtigkeit.
Daß ſich nicht das geſamte deutſche Volk am 28. Juni 1929
zu einer gewaltigen einheitlichen Kundgebung gegen die Lüge
von Verſailles zuſammenfinden konnte, iſt auf das tiefſte zu
beklagen. Aber neben den Parteien trifft eine gewiſſe Schuld auch
die Reichsregierung, die ſich in dieſem Fall wieder einmal die
Initiative aus der Hand nehmen ließ. Es iſt ohne weiteres
zu=
zugeben, daß bei der gegenwärtigen außenpolitiſchen Lage,
wäh=
rend man in Paris, London und Berlin über die Zukunft Europas
verhandelt, große offizielle Kundgebungen unter Führung der
Reichsregierung inſofern vielleicht nicht ganz unbedenklich
gewe=
ſen wären, als in dieſem Fall etwaige lokale Entgleiſungen unter
Umſtänden außenpolitiſche Schwierigkeiten geſchaffen hätten. Dem
aber hätte zweifellos vorgebeugt werden können, — wenn man
gewollt hätte. Dieſer Wille aber war offenbar bei den
ſozial=
demokratiſchen Mitgliedern des Reichskabinetts nicht vorhanden.
Imer wieder, ſeitdem das gegenwärtige Kabinett der Großen
Koalition im Amte iſt, ergeben ſich für die praktiſche Arbeit ſehr
erhebliche ſachliche Schwierigkeiten aus der Einſtellung der
Sozial=
demokratiſchen Partei, und wir halten es für einen durchaus
un=
begründeten Optimismus, wenn hie und da die Anſicht geäußert
wird, daß die Hauptſchwierigkeiten nunmehr überwunden ſeien.
Um der notleidenden Landwirtſchaft zu helfen, hat der
Reichs=
tag dieſer Tage erhebliche Zollerhöhungen für verſchiedene
land=
wirtſchaftliche Produkte beſchloſſen. Selbſtverſtändlich gegen den
ſchärfſten Widerſpruch der Sozialdemokratiſchen Partei. Auch wir
ſind der Meinung, daß derartige Zollerhöhungen für die
Land=
wirtſchaft ein Dangergeſchenk bedeuten. Entſprechende Zölle
ge=
währleiſten dem Landwirt zwar beſſere Preiſe für ſeine
Produk=
tion. Aber gleichzeitig entſteht damit die Gefahr, daß durch eine
Verteuerung der ſtädtiſchen Lebenshaltung dem Landwirt all die
Dinge verteuert werden, die er in der Stadt kaufen muß.
Weit=
mehr wie eine Preiserhöhung für landwirtſchaftliche Produktion
dürfte unſerer Landwirtſchaft zweifellos eine fühlbare
Sen=
kung ihrer Geſtehungskoſten helfen. Dagegen aber
(Senkung der öffentlichen Ausgaben, Senkung der Steuern uſw.)
Füßen. Inwieweit ſie allerdings auf dieſem ſonderbaren Stand= holm, in dem es u. a. heißt:
punkt beharren werden, muß abgewartet werden, und davon wird
der Beſtand unſerer gegenwärtigen Regierungskoalition ab= Auslandsſchuld hat, die beim Zuſtandekommen des Dawesplans
hängen.
Währenddem nehmen die außenpolitiſchen Verhandlungen teils für Deutſchlands eigenen Kapitalbedarf aufgenommen
ihren Fortgang, woran auch die Angriffe der Deutſchnationalen
Partei gegen den Reichsaußenminiſter nichts ändern. Jedenfalls
iſt die Lage derart, daß wir die Entwicklung der Dinge in
Ruhe abwarten können. Anders liegt es bei den Franzoſen, denen
jetzt das Feuer etwas auf den Nägeln brennt, da ſie zum
min=
deſten gleichzeitig mit dem Young=Plan die Schulden=Abkommen
mit Amerika und England unterzeichnen müſſen. Wie ſtark des= Dawesplan gegenüber keine Erleichterung. Da es nunmehr
feſt=
wegen die Nerpoſität in Paris iſt, zeigt der Beſchluß, den die
franzöſiſche Kammer in der Nacht vom Donnerstag auf
Frei=
tag faßte, und durch den die franzöſiſche Regierung erſucht wird,
nochmals wegen Verlängerung der Friſt bei den Amerikanern
zoſen ſelbſt. Ausſichtslos ſchon deswegen, weil der amerikaniſche
Kongreß, der allein eine weitere Stundung franzöſiſcher Zah=
Man appelliert an das Weltgewiſſen, (ſo nennt es die franzöſiſche
räumung eventuell noch ein beſſeres Geſchäft machen zu können. nur eine untergeordnete techniſche Bedeutung haben. Auch wenn
Letzten Endes aber wird die ganze gegenwärtige Aktion nichts
anderes, als einen weiteren Zeitverluſt für die franzöſiſche revidiert werden müſſen, nicht auf Grund eines deutſchen Wider=
Diplomatie bedeuten. Denn, das wiſſen wir aus eigenſter
bitter=
ſter Erfahrung: die Welt hat ein ſehr weites Gewiſſen. A. Realitäten nicht in Einklang zu bringen iſt.
Vom Tage.
Der Reichsminiſter des Innern hat angeordnet, daß gemäß den
Beſchlüſſen des Reichstags das Reichskommiſſariat für
öffentliche Ordnung aufgelöſt wird. Die politiſchen Be=
Commiſſariats ſind zur Dispoſition geſtellt worden.
Der Straßburger Stadtrat hat die ſeit dem Waffenſtillſtand für
die Feier des Nationalfeſtes am 14. Juli vorgeſehenen Kredite
ge=
ſtrichen, ſo daß der franzöſiſche Nationalfeiertag in
dieſem Jahre in Straßburg nicht gefeiert werden wird.
Miniſters des Aeußern Trygger mit Gefolge im Sonderzuge in Riga
eingetroffen, um dem Staatspräſidenten einen Beſuch abzuſtatten. Sein
Aufenthalt iſt auf zwe: Tage berechnet.
Im japaniſchen Kabinett iſt es, wie Reuter aus Tokio
meldet, zu einem Konflikt zwiſchen dem Kriegsminiſter und ſeinen
Kollegen gekommen, der zu einer Kabinettskriſe zu führen ſcheint.
Im Tennisturnier von Wimbledon unterlag vorgeſtern
nach=
wittag im Gemiſchten Doppel das Paar Prenn/Auſſem gegen die
Favoviten Cochet/Bennet mit 6:1, 7:5 und das Paar
Wetzel/Fried=
leben gegen Hillyard/Satterthwaite mit 6:4, 7:5.
Vor dem Prager Diviſionsgericht begann der Spionageprozeß
gegen den Kapitän Jaroslaw Falout. Auf Antrag des Staatsanwalts
wurde die ganze Verhandlung für geheim erklärt, da eine Reihe von
Angelegenheiten zur Sprahe käme, die für die Landesverteidigung von
Bedeutung ſeien. Nach faſt 13ſtündiger Dauer wurde die
Verhand=
lung auf Montag vertagt.
Bei einer Grubenexploſion in Chile wurden 8 Bergleute
ge=
tötet und 17 verletzt.
Die Attentäter im Berliner franzöſiſchen Konſulat, das Ehepaar
Marakow, wurden zu je 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
Schweres Flugzeug=Anglück bei Lindan. — 5 Toke,
2 Schwerverletzte.
Lindau, 29. Juni.
Ein ſchweres Flugzeug=Unglück ereignete ſich hier zwiſchen 17
1620”, eine neue
und 18 Uhr am Bodenſee. Das Flugzeug „
Maſchine, die vor ganz kurzer Zeit in den Dienſt des Bodenſee=
Aero=Lloydes geſtellt worden war, wollte eben nach einem
Rück=
flug mit fünf Pgſſagieren, dem Flugleiter und dem Piloten an
Bord auf das Waſſer niedergehen, als ſich das Flugzeug nach
einem ſcharfen Knall, wie von einer Exploſion herrührend wenige
Meter über dem Waſſer überſchlug und nach wenigen Minuten
im See verſank. Raſch herbeigeeilte Hilfe konnte zwei Perſonen,
den Apotheker Joh. Firley aus Friedberg (Heſſen) und
den Kaufmann Hermann Wüſter aus Barmen, ſchwer verletzt
retten. Etwas ſpäter wurde der Rumpf des Flugzeuges
aufge=
ſchlagen, und die Leichen des Flugleiters Lindau, Eduard Hagge
des Oberbaurates Haag aus Friedberg und der beiden
Frauen der Geretteten konnten geborgen werden. Der Vorderteil
des Flugzeuges mit dem Motor liegt noch im See. Vermutlich
befindet ſich darin die Leiche des Piloten Zinsmeiſter. Der
Rumpf mußte von mehreren Trajektbooten an Land geſchleppt
werden, wo er von einem Kran hochgehoben werden konnte. Die
Urſache des Unglücks konnte noch nicht ermittelt werden.
Profeſſor Caſſel über den Young=Plan.
Berlin, 29. Juni.
Der Juli=Wirtſchaftsbericht der Commerz= und Privatbank,
ſträuben ſich die Sozialdemokraten bekanntlich mit Händen und A.=G., bringt einen Aufſatz von Profeſſor Guſtav Caſſel=Stock=
Es muß beachtet werden, daß Deutſchland eine ſehr große
nicht vorhanden war und die teils für Reparationszahlungen,
wurde. Dieſe Schuld erfordert für ihre Verzinſung eine ſehr
große Jahresſumme. Addiert man dieſe zur Annuität des
Young=Planes hinzu, ſo kommt man zu einer Jahreszahlung, die
die urſprüngliche DawesForderung übertrifft und noch weiter
übertreffen wird. Bezüglich der Geſamtanſprüche an Deutſchlands
auswärtige Zahlungsfähigkeit bedeutet alſo der Young=Plan dem
ſteht, daß die Forderung des Dawesplanes weit über die
wirk=
liche Leiſtungsfähigkeit Deutſchlands ging, iſt es ſchwer zu
über=
ſehen, wie es möglich ſein ſoll, den Young=Plan aufrecht zu
er=
halten. Der Young=Plan hat überhaupt mehr den Charakter
vorſtellig zu werden. Daß das ausſichtslos iſt, wiſſen die Fran= eines politiſchen Kompromiſſes als eines Gutachtens von
Sach=
verſtändigen über die rein wirtſchaftliche Frage, welche
Zahlun=
gen von Deutſchland an die Empfangsmächte möglich ſind und
lungen beſchließen könnte, ſich auf abſehbare Zeit vertagt hat, unter welchen Bedingungen ſie möglich ſind. Der Plan vermeidet
es, die wirklichen Zentralſchwierigkeiten des Problems offen zu
Preſſe) — weil man Zeit gewinnen will, um mit der Rheinland= diskutieren und ſtellt Fragen in den Vordergrund, die ſchließlich
der Young=Plan angenommen wird, wird er vorausſichtlich bald
ſtandes, ſondern einfach deshalb, weil er mit den wirtſchaftlichen
Die Forderungen der Plamen.
* Brüſſel, 29. Juni. (Priv.=Tel.)
Die Löſung der Sprachenfrage bereitet der belgiſchen
Regie=
rung zurzeit die größten Schwierigkeiten. Vor den Wahlen,
die betanntlich am 26. Mai ſtattfanden, hatte die Regierung den
Entſchluß gefaßt, das Problem der Sprachenfrage durch einen
Sonderausſchuß prüſen zu laſſen. Nunmehr hat ſich der
katho=
liſche Flamenverband, welcher 40 Vertreter in der Kammer zahlt,
Der König von Schweden iſt in Begleitung des ſchwediſchen gegen die Einſetzung eines Sonderausſchuſſes ausgeſprochen und
verlangt, daß die Regierung ſelber die Forderungen der Flamen
ſo ſchnell als möglich bewilligen möge. Vor allem wird die
völ=
lige Flamſierung der Staatshochſchule in Gent, die
Ein=
richtung flämiſcher und walloniſcher Regimenter, die
Aner=
kennung der flämiſchen Sprache als Kommandoſprache und die
Errichtung einer flamiſchen Kriegsſchule gefordert.
Dar=
über hinaus haben die flamiſchen Nationaliſten, die mit 12.
Ab=
geordneten in der Kammer vertreten ſind, die Abſicht bekannt
ge=
geben, einen Geſetzentwurf einzubringen, der auf Umwandlung
der belgiſchen Verfaſſung in ein föderaliſtiſches Syſtem nach
Schweizer Muſter hinzielt.
Ohne Zweifel haben die Wahlerfolg der flämiſchen
Natio=
naliſten die Regierung der Ueberzeugung näher gebracht, daß die
Löſung des Sprachenproblems unmöglich weiter auf die lange
Bank, wie es ſeit 1830 der Fall iſt, geſchoben werden kann.
Wie das Wahlergebnis lehrt, iſt die autonomiſtiſche Bewegung
in Belgien weiter im Wachſen begriffen. Die Regierung hofft
nun, durch ein Entgegenkommen gegenüber den flämiſchen
For=
derungen dieſe Bewegung unterdrücken zu können. Auch die
belgiſchen Blätter, welche bisher gegen die Flamen hetzten,
ſchla=
gen vermutlich aus denſelben Erwägungen plötzlich einen
an=
deren Ton an. Unter demſelben Geſichtspunkt iſt auch der
Ent=
ſchluß der ſozialdemokratiſchen und chriſtlich=demokratiſchen
Par=
tei, von denen die letzteren mit zwei Miniſtern in der
Regie=
rung vertreten iſt, zu werten, eine Dezentraliſierung des
ſtädti=
ſchen Verwaltungsſyſtems herbeizuführen und den Flamen und
Wallonen die kulturelle Autonomie zu gewähren.
Bei all dieſen Erwägungen iſt es jedoch die Frage, ob es
dem Miniſterpräſidenten Jaspar gelingen wird, den Widerſtand
ſeiner flamenfeindlichen Miniſterkollegen zu brechen. Wie man
hört, ſoll ſich der Miniſterpräſident für die Flamiſierung der
Hochſchule in Gent einſetzen. Die Flamen rechnen ziemlich
be=
ſtimmt mit der Durchſetzung ihrer Forderungen. Es iſt nicht
ausgeſchloſſen, daß die Auseinanderſetzungen über die
Sprachen=
frage in nächſter Zeit innenpolitiſche Verwicklungen und ſelbſt
eine Regierungskriſe zur Folge haben können.
Zengyuhſiang ſoll ins Ausland geſchickk werden.
W. Paris, 29. Juni.
Die Agentur Indo Pacifique meldet aus Peking: In einem
Interview erklärte Präſident Dſchiangkaiſchek, daß Fenyuhſiang
von den kommuniſtiſchen Elementen, die ſich wieder gegen die
Nankingregierung organiſiert hätten, getäuſcht worden ſei. Da
Fengyuhſiang ſeinen Irrtum eingeſehen habe, werde die
Natio=
nalregierung die gegen ihn angeordnete Strafexpedition nicht
unternehmen. Sie werde ihn jedoch als chineſiſchen
Ober=
kommiſſar zum Studium der europäiſchen und amerikaniſchen
Induſtrie ins Ausland entſenden. Indeſſen iſt Fengyuhſiang
noch nicht auf die Angebote der Regierung eingegangen, während
Jenhſiſchang, trotz des nachdrücklichſten Proteſtes der amtlichen
Stellen, auf ſeinem Entſchluß, China zu verlaſſen, beſteht.
Sasciſtiſche Angrifſe auf die Schweiz.
EP. Mailand, 29. Junt.
In den letzten Tagen häufen ſich die Angriffe der fasciſtiſchen
Preſſe auf die Schweizer Regierung, weil dieſe angeblich eine zu
nachſichtige Haltung gegenüber den antifasciſtiſchen Elementen
in der Schweiz einnehme. Bei den Erklärungen der italieniſchen
Blätter kommt zum Ausdruck, daß hauptſächlich im Teſſin
Fasciſten wegen des Tragens fasciſtiſcher Abzeichen, wie des
Liktorenbündels, beläſtigt wurden, und daß von einem
fasciſti=
ſchen Lokal in Bellinzona während der Nacht ein Schild
abge=
riſſen wurde.
Nachdem ſich bereits die offiziöſe „Tribuna” mit der
nach=
ſichtigen Haltung der Schweizer Polizei gegenüber den
Anti=
fasciſten beſchäftigt hatte, ſchreibt nunmehr auch der „Popolo
d’Italia” unter der Ueberſchrift „Die Konföderation der
Unord=
nung” einen geharniſchten Artikel gegen die antifasciſtiſche Front
in Europa. Dieſe habe ſich zu ihrer Baſis ausgerechnet den
Boden der befreundeten und benachbarten Schweiz ausgeſucht.
Es ſei endlich an der Zeit, daß ſich die Schweizer Behörden mit
der Beſchimpfung von italieniſchen Bürgern und den Angriffen
auf fasciſtiſche Organiſationen und Konſulate in der Schweiz
be=
ſchäftigen.
Der ſchöne Menſch in der neuen Kunſt.
Ausſtellung Mathildenhöhe Darmſtadt 1929.
I.
Wenn dieſer Titel offenbar einen Kompromiß darſtellt, weil
begeiflicherweiſe ein Sinn und Zweck deckendes Wort ſchwer zu
finden war, ſo iſt in ihm gleichwohl ein Thema angeſchlagen,
das in der heutigen Zeit in ſtärkſtem Maße Ziel und Abſicht der
bildenden Kunſt ausmacht. Der ſchöne nackte Menſch — ſo ſollte
die Ueberſchrift lauten — muß das Problem einer Zeit ſein,
deren Weſen ſich auf dem grünen Raſen, am Waſſerſtrand, in der
Mode ſcharf ſpiegelt. Es zu erkennen, kann nur der leugnen, der
ſein Auge der lebendigen Gegenwart verſchließt. Es iſt der
Ruhm der kleinen Darmſtädter Künſtler=Intereſſengemeinſchaft,
dieſen Augenblick mit wachem Geiſt erfaßt zu haben. Eine große
Zahl ausländiſcher Künſtler von Namen und Format wurde für
ihre Sache gewonnen, der ſich die modernen Deutſchen aller
Kunſtzentren mit Begeiſterung anſchloſſen. So iſt im Gegenſatz
zur Wiener und Prager Ausſtellung des Vorjahres, die bei allzu
ſüß geſichtetem Material nur lokales Intereſſe finden konnte, eine
Plattform gefunden worden, von der mit weithin ſchallendem
Echo eine breite Wirkung mit Sicherheit ausſtrahlen wird. Wie
ſeit Jahrzehnten nicht mehr, ſteht oben auf der Mathildenhöhe
eine Ausſtellung, die die Kunſtwelt aufhorchen macht und den
Namen der Stadt weithin leuchten läßt. Sie iſt repräſentativ
glänzend aufgemacht. Die vielen Einbauten und Zwiſchenwände,
die lange Jahre hindurch die Säle verunzierten, ſind entfernt;
die urſprüngliche Architektur Olbrichs wirkt mit ihren
abgewoge=
nen, herrlichen Maßen. Etwa 150 Bilder und 50 Bildhauerwerke
füllen die lichtüberfluteten Räume in lockerer, wohldurchdachter
Ordnung. Wenn aus Paris 55 Werke eingetroffen ſind, ſo
be=
deutet dies, daß junge deutſche, franzöſiſche, ſpaniſche, ruſſiſche
Künſtler, Schweizer, Rumänen, Griechen, Ungarn, Japaner und
Chineſen vertreten ſind. Von engliſchen Malern lebt kein
ein=
ziger in Paris. Das meiſte übrige kam dann von Berlin.
Mün=
chen hat verſagt, Frankfurt iſt gut vertreten, Darmſtadt hält ſich
beſcheiden zurück.
Die Ausſtellung wird alle die enttäuſchen, die nicht mit der
Kunſtbewegung der letzten Jahre in engſter Fühlung geblieben
ſind. Unſere Jugend verſteht ſie, und alle jungen oder jung
ge=
bliebenen Künſtler wird ſie begeiſtern. Denn ſoviel Freiheit
künſt=
leriſcher Betätigung iſt wohl noch nirgends geboten worden. Da
hält kein Schlagwort ſtand. Mit Jsmen iſt kein Staat zu machen,
Formulierungen bleiben geiſtreiches Geplauder. Von Richtungen
zu ſprechen, führt irre, das intellektuelle Moment gegen das
maleriſche auszuſpielen, geht nicht an. Mit wenigen Ausnahmen
im letzten Saal z. B. — überwiegt der geiſtige Gehalt. Elida=
Schönheiten, Modepüppchen, Modellpoſen und erotiſche
Sinnen=
reizer, wie ſie der Gourmé ſucht und von dem im letzten Saal
noch ein Modergeruch haften blieb, ſind fehl am Platz. Vielleicht
wird ſich zeigen, daß ihr Siunn einen aufbauenden Zweck hat.
Darmſtadt in der Kunſt voran!
Ich glaube nicht, daß es ein Zufall iſt, wenn der ſchöne
Menſch das ſchöne Weib geworden iſt. In allen klaſſiſchen
Zei=
ten war es der Mann mit dem unſtreitig ſchöneren Körper, der
iſt das das erfreulichſte, reinigende Ergebnis dieſer im Grunde
urgeſunden Schau. So betrachtet, ergibt ſich in der Tat ein
erzieheriſcher Wert, und der Reichskunſtwart hat Recht, wenn er
ſagt, alle anderen Kunſtausſtellungen dieſes Jahres brauchten
ſchließlich auch nicht zu ſein, dieſe aber habe einen Sinn. Es
der Lunß die Norm eniedergehender Kultur. Aber ſoweit
wir noch nicht. Hinaus ihr Künſtler, aus euren dumpfen B
liers, aus Cafés und Dachſtuben! Hinaus auf
Spor!
Neus Große 4 grünen Naſen, die Waſſerkanten, die Gebirt
Nummer 129
Reichsernährungsminiſter Diekrich
über ſein landwirlſchaftliches Programm
Berlin, 29. Juni.
Vor einem Kreis von Preſſevertretern äußerte ſich
Reichs=
ernährungsminiſter Dr. Dietrich abſchließend über das
Land=
wirtſchaftsprogramm der Regierung nach dem Stande der letzten
Reichstagsbeſchlüſſe. Im Intereſſe der Regulierung der
Getreide=
preiſe ſei es gelungen, durch Aufhebung der Zwiſchenzölle, die
am 10. Juli in Kraft treten ſollen, die Zollſätze für Roggen von
fünf auf ſechs Mark für die Vertragsländer und auf ſieben Mark
für die Nichtvertragsländer zu heben, Weizen von 5 auf 6½ Mk.,
bzw. 7½ Mk. Der Mehlzoll wird von 11.50 auf 12.50 erhöht, der
autonome Zoll bis 18.75 Mk. Durch die Kündigung des
Handels=
vertrages mit Schweden zum 15. Februar 1930 iſt zunächſt der
Weg frei geworden für das Inkrafttreten der autonomen
Ge=
treidezölle. Hinzu kommt die Aufhebung der Mehlzollbindung in
dem Vertrage mit Frankreich. Es gibt ein Ermächtigungsgeſetz
zur vorläufigen Inkraftſetzung der neuen Vereinbarung mit
Frankreich, beſchloſſen zur neuen autonomen
Zwiſchenzollrege=
lung für Mehl (unter Aufrechterhaltung des bisherigen
Verhält=
niſſes des Vertragsſatzes zwiſchen Getreide und Mehl) auf der
Grundlage von 14.50 Mark, gegenüber bisher 11.50 Mark.
Wichtig iſt, daß der Zermahlungszwang eingeführt worden
iſt, wobei der Reichsernährungsminiſter ermächtigt iſt,
nötigen=
falls von ſich aus den Beimahlungszwang einzuführen. Für den
Zermahlungszwang ſind die Mühlen zum Zermahlen
innerdeut=
ſchen Getreides nach beſtimmten Richtlinien, der
Beimahlungs=
zwang würde einen Zwang zur Beimahlung von innerdeutſchem
Getreide zu ausländiſchem Getreide bedeuten — ein Zwang, der
natürlich einen ausreichenden Kontrollaparat benötigen würde.
Der Miniſter hofft, daß es ohne den Beimahlungszwang wird
abgehen können, er iſt aber bereit, jederzeit und ohne große
An=
kündigung auch zum Beimahlungszwang zu ſchreiten, wobei auch
der Kontrollapparat ſofort einſetzen würde. Der Miniſter hält
aber ein gutes Einvernehmen mit den großen Mühlen für
mög=
lich und ausſichtsreich. Die Großmühlen im Rheinland haben
ihm zugeſagt, 300 000 Tonnen mehr Weizen vermahlen zu könner
als bisher. Die geſetzliche Beſtimmung geht dahin, daß die
deut=
ſchen Mühlen gezwungen werden, mindeſtens 30 v. H. deutſchen
Weizen zu vermahlen. Außerdem iſt der Ernährungsminiſter
ermächtigt, wenn dieſer Zwang nicht ausreicht, anzuordnen, daß
das zum Verkauf gelangende Weizenmehl mindeſtens zu 30 v. H.
aus deutſchem Weizen hergeſtellt ſein muß.
Im Intereſſe der rechtzeitigen Mobiliſierung der Ernte iſt
ferner, für das reſtliche Haushaltjahr 1929/30 ein Betrag von
3½ Millionen RM. zur Verfügung geſtellt. Für den gleichen
Zweck ſollen im Haushalt des Miniſteriums für das
Haushalts=
jahr 1930/31 7,5 Millionen RM. bereitſtehen. Der Grundgedanke
des Landwirtſchaftsprogramms der Reichsregierung iſt der, der
deutſchen Landwirtſchaft eine durchgreifende Umſtellung in der
Erzeugung zu ermöglichen und für die Zeit dieſer Umſtellung
Schutzmaßnahmen zu ſichern. Die Frage der
Erzeugungsumſtel=
lung iſt nach Anſicht des Reichsernährungsminiſters mindeſtens
ebenſo wichtig, wie Zoll= und andere Maßnahmen.
Nicht zuletzt unter dieſem Geſichtswinkel ſind auch die
Zoll=
forderungen der Reichsregierung zu ſehen. Die Zölle für Butter
und Molkereiprodukte betrugen für Butter 27,50 Mk. im
Ver=
trag — und 30 Mk. im autonomen Satz — für Rahm 26 Mk.
Hierzu ſoll ein Zollſatz von 50 Mark in Handelsverträgen bis
zum 31. Dezember 1933 nicht unterſchritten werden. Bis zum
31. Dezember 1935 ſoll der Mindeſtzoll 40 Reichsmark betragen
und von da ab nicht unter 30 Reichsmark ermäßigt werden
Der Zoll für Rahm ſoll Zweidrittel des Satzes für Butter
be=
tragen. Einſchneidend im Intereſſe der deutſchen
Kartoffelwirt=
ſchaft ſind die Zollerhöhungen für Kartoffeln im autonomen Satz
in der Zeit vom 1. Auguſt—14. Februar von 1 auf 2 Mark. Zum
Schutz des deutſchen Frühkartoffelbaues wird der höhere Zoll
für Frühkartoffeln um einen Monat verlängert, der
Herbſtkar=
toffelzoll, der handelsverträglich nicht gebunden iſt, wird alſo
verdoppelt. Die Novelle zum Zuckerzollgeſetz beſtimmt, daß ſich
der Richtpreis von 21 Reichsmark für die Monate Januar bis
September einſchließlich um 15 Pfg. je Monat (zur Deckung von
Unkoſten) erhöht. Der Futterzucker bleibt fteuerfrei. Dieſe
Maß=
nahme dürfte wirkungsvoller ſein, als eine Zollerhöhung, von
der der Miniſter wegen der ſtarken ausländiſchen
Unterbietungs=
möglichkeit doch nichts erwartet hätte. Die Neuregelung der
Zölle für Vieh und Fleiſch mußte bis zur Herbſttagung des
Reichstags zurückgeſtellt werden, weil die Koglitionsparteien
ſich darüber einig waren, daß eine ſofortige Regelung mit
Rück=
ſicht auf beſtehende handelspolitiſche Bindungen nicht möglich ſei
Der Beſchluß aber, wonach mit Dänemark über die Einſtellung
der Einfuhr von Rindvieh in den Monaten Auguſt bis
Novem=
ber verhandelt werden ſoll, bietet die Möglichkeit, hier die
deutſche Erzeugung und den deutſchen Abfatz im Inlande wir=
Sonntag, den 30. Juni 1929
kungsvoll zu ſchützen. Das bisherige zollfreie Kontingent von
Gefrierfleiſch von 50 000 Tonnen" ſoll auch ferner beibehalten
werden. Dieſe Frage ſcheint aber im Hinblick auf das
Geſamt=
programm nicht ſo bedeutungsvoll, da das
Gefrierfleiſchkontin=
gent im Verhältnis zum geſamten Fleiſchverbrauch in
Deutſch=
land nicht ganz zwei vom Hundert ausmacht. Die Reichsregie
rung kann ferner über die Errichtung von
Seegrenzſchlachthäu=
ſern, deren Betrieb und über das bei der Vieheinfuhr zu
beob=
achtende Verfahren ſowie über den Verſand von Fleiſch aus
See=
grenzſchlachthauſern Beſtimmungen treffen, die u. a. auch
ver=
hindern, daß die Seegrenzſchlachthäuſer zahlenmäßig ins
Unend=
liche wachſen und ſich in der Gebührenwirtſchaft Konkurrrenz
machen.
Nach Anſicht des Reichsernährungsminiſters ſind die jetz
durchgeſetzten Maßnahmen durchaus in der Lage, im Rahmen
eines großzügigen Programms der ſchwer darniederliegenden
deutſchen Landwirtſchaft aufzuhelfen, ſofern nicht im Augenblid
vertragsmäßige Bindungen dem entgegenſtehen. Die neuen
Be=
ſtimmungen für Kartoffeln werden eine Einfuhr nahezu
unmög=
lich machen. Die Frage des Getreidemonopols iſt nach Anſicht des
Miniſters nicht parteipolitiſch, ſondern an der inneren
Unmöglich=
keit eines ſolchen Monopols und der praktiſchen
Undurchführbar=
keit trotz beſter Theorien zu ihren Ungunſten entſchieden. Im
übrigen ſei es in allen Maßnahmen vor allem darauf
angekom=
men, einen im Intereſſe der deutſchen Ernährungswirtſchaft
not=
wendigen Mittelweg einzuſchlagen, wobei ſelbſtverſtändlich auch
zu berückſichtigen geweſen wäre, daß dreiviertel der deutſchen
Be=
völkerung aus Verbrauchern beſtehen.
Ausbau der Leiſtungen in der Invalidenverſicherung
Berlin, 29. Juni.
Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichstag hat am 27. Juni
ein Geſetz über den Ausbau der Leiſtungen in der
Invaliden=
verſicherung beſchloſſen. Danach werden die
Rentenſteigerungs=
beträge für die vor dem 1. Oktober 1921 geleiſteten Beträge um
durchſchnittlich 15 v. H. erhöht. Auch können Hinterbliebenen
ſolcher Verſicherten, die bereits vor dem 1. Januar 1912
geſtor=
ben oder die ſeit dieſem Zeitpunkt dauernd Invalide ſind,
nun=
mehr Hinterbliebenenfürſorge durch die Invalidenverſicherung
beanſpruchen. Das Geſetztrittam 1. Oktober 1929 in
Kraft. Durch ein Aenderungsgeſetz zur ſogenannten Lex Brü
ning wurden gleichzeitig der Invalidenverſicherung
Lohnſteuer=
überſchüſſe für ihren Ausbau und die Erhaltung ihrer
Leiſtungs=
fähigkeit in Ausſicht geſtellt. Auch die knappſchaftliche Penſions
verſicherung erhält Lohnſteuerüberſchüſſe zur Erleichterung und
Erhaltung ihrer Leiſtungsfähigkeit.
Die neuen Beſlimmungen über Kriſenunkerſtützung.
Berlin, 29. Juni.
Wie bereits angekündigt, hat der Reichsarbeitsminiſter
nun=
mehr durch Erlaß vom 29. Juni 1929 die Kriſenunterſtützung ner
geregelt. In Anlehnung an die Regelung, die vor dem Feruar=
Erlaß galt, zählt der neue Erlaß wieder die Berufe einzeln auf
deren Angehörige grundſätzlich oder durch Verfügungen der
Lan=
desarbeitsämter Kriſenunterſtützung erhalten können. Im großen
und ganzen iſt bezüglich der zugelaſſenen Berufe keine Aenderung
eingetreten. „Die Unterſtützungshöchſtdauer beträgt
aber wie vor der Winterregelung wieder 39 Wochen, für
Ar=
beitsloſe über 40 Jahre 52 Wochen. Arbeitsloſe unter 21 Jahren
ſind bis auf weiteres grundſätzlich von der Kriſenunterſtützung
ausgeſchloſſen.
Reviremenk im Reichsinnenminiſterium.
Berlin, 29. Juni.
Nach der Erledigung des Etats im Reichstag werden in allen
Aemtern einige weſentliche Perſonalveränderungen eintreten. Im
Reichsinnenminiſterium iſt das Reichskommiſſariat für
Ueberwachung der öffentlichen Ordnung
aufge=
löſt. Der Reichskommiſſar ſelbſt und ſeine Beamten ſind zur
Dispoſition geſtellt. Zum Leiter der politiſchen Abteilung iſt mit
dem Titel eines Miniſterialdirigenten Miniſterialrat
Haent=
ſchel ernannt worden. Die Oberregierungsräte Schulz,
Löwen=
thal und Seeger werden zu Miniſterialräten, die Regierungsräte
Erbe, Konrad und Lichter zu Oberregierungsräten ernannt. Der
ſächſiſche Oberregierungsrat Schmidt=Leonhard, der bisher im
Reichsinnenminiſterium kommiſſariſch tätig war, iſt endgültig in
den Dienſt des Reiches übernommen worden.
Seite 3
* Tränen um das Schukgeſek.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Daß am 23. Juli das Republikſchutzgeſetz ſein Ende finden
ſoll, das will den ſogenannten „verfaſſungstreuen” Parteien gar
nicht recht in den Kopf. Sie tröſten ſich auch nur ſchwer, daß
Herr Severing einen Erſatz für die nächſte Reichstagsſeſſion
an=
gekündigt hat. Das hätten ſie billiger haben können. Sogar das
Schutzgeſetz war, wenn auch nur als Torſo, noch zu retten, ſobald
die Sozialdemokraten Vernunft annahmen: In dem Augenblick,
wo die Wirtſchaftspartei aus kindlichen Gründen abſprang, als
feſtſtand, daß die verfaſſungsmäßig notwendige Mehrheit nicht
zu erreichen war, ſetzten Bemühungen ein, diejenigen
Beſtim=
mungen aus der Vorlage herauszubringen, die eine
Verfaſſungs=
änderung enthielten, weil dann eine einfache Mehrheit zur
An=
nahme des Geſetzes genügte, die unſchwer zu erreichen war. Das
waren eigentlich nur zwei Beſtimmungen: die Einſchränkung des
Vereins= und Verſammlungsrechtes und der ſogenannte
Kaiſer=
paragraph. Dieſer ſogenannte Kaiſerparagraph hat ja eigentlich
nur mehr dekorativen Wert, da der Kaiſer oft genug erklärt hat,
daß er nicht daran denke, Holland zu verlaſſen. Der Paragraph
konnte alſo ohne jeden Schaden verſchwinden. Die
Sozialdemo=
kraten waren auch bereit, auf ihn zu verzichten. Aber da ſetzte
die Tragödie im Kleinen ein: ſie wollten einem Antrag der
Re=
gierungsparteien auf Streichung dieſes Paragraphen wohl
zu=
ſtimmen, wollten den Antrag aber ſelbſt nicht unterſchreiben,
weil ſie die Angriffe fürchteten, die dann von den Kommuniſten
gegen die „monarchiſtiſchen” Sozialdemokraten unausbleiblich
waren. Die bürgerlichen Parteien aber hatten wieder kein
In=
tereſſe daran, den Sozialdemokraten eine ſolche Politik des
dop=
pelten Bodens zu geſtatten und verzichteten deshalb auf die
Ein=
bringung eines Abänderungsantrags. Wenn die
Sozialdemo=
kraten gewollt hätten, war alſo das Geſetz mit dieſer Aenderung
zu retten. Die Schuld an dieſem Mißerfolg trägt alſo nicht die
Wirtſchaftspartei, ſondern die Sozialdemokratie, die Angſt vor
ihrer eigenen Kourage bekam. Wir weinen dem Geſetz keine
Träne nach, das doch nur eine Exiſtenzberechtigung in den
ſchlimmſten Tagen der Nachrevolution hatte. Vielleicht wäre es
auch das Vernünftigſte, wenn man gar nicht mehr den Verſuch
machte, es in irgendeiner Form wieder aufleben zu laſſen. Herr
Severing hat ja ſelbſt nachdrücklich erklärt, daß die Regierung
im Reich und in den Ländern ausreichend Machtmittel in den
Händen hätte. Er hat damit ſelbſt die Ueberflüſſigkeit des
Repu=
blikſchutzgeſetzes ſchlagend nachgewieſen.
der Schiedsſpruch für die ſchleſiſche Texkilinenfkrie
abgelehnk.
Neues Schlichtungsverfahren eingeleitet.
Berlin, 29. Juni.
Der Reichsarbeitsminiſter hat heute die
Verbindlichkeits=
erklärung des im Lohnſtreit in der ſchleſiſchen Textilinduſtrie er
gangenen Schiedsſpruches vom 15. Juni 19
abgelehnt und im
öffentlichen Intereſſe ſogleich ein neues Schlichtungsverfahren
ein=
geleitet.
Die Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung iſt wie folgt
begründet
Wie die wiederholten Nachverhandlungen ergeben
haben, beſtehen zwiſchen den Parteien wichtige
Meinungsverſchie=
denheiten über die rechtliche Bedeutung der im Schiedsſpruch
vor=
geſchlagenen Beſtimmung über die Akkordfrage. Der Schiedsſprud
iſt wegen dieſer Zweifelsfrage nicht geeignet, eine endgültige
Befriedung in der ſchleſiſchen Textilinduſtrie herbeizuführen. Aus
dieſem Grunde mußte die Verbindlichkeitserklärung des
Schieds=
ſpruches abgelehnt werden, ohne daß es der Stellungnahme zu
ſeinem übrigen Inhalt bedurfte.
Jur:
„MMruck zug Reiche!” — Gewaltige Kundgebungen
im Sgargebief.
Saarbrücken, 29. Juni.
Unter der Parole „Zurück zum Reiche” veranſtalteten die
politiſchen Parteien des Saargebiets zwei große Kundgebungen.
an denen ſich viele tauſend Menſchen beteiligten. Die
Veran=
ſtaltungen legten beredtes Zeugnis dafür ab, daß ſich die
Saar=
bevölkerung mehr denn je mit dem übrigen Reiche verbunden
fühlt. In den verſchiedenen Reden wurde die baldige
Wieder=
vereinigung des ganzen Saargebiets mit Deutſchland ohne
Kom=
promiſſe irgendwelcher Art gefordert. Zum Schluß wurde eine
Kundgebung verleſen, in der es heißt: Die hier verſammelten,
nach Tauſenden zählenden Männer und Frauen richten im Namen
der ganzen Saarbevölkerung an die Welt den einmütigen Appell
der Saarbevölkerung endlich nationale Gerechtigkeit widerfahren
zu laſſen. Sie fordern die Völker und Staatsmänner der Welt
eindringlich und ernſt auf, baldigſt dem Saargebiet die politiſche
und wirtſchaftliche Wiedervereinigung mit dem Deutſchen Reich
ohne jeden Vorbehalt zu ermöglichen. Rheinlandräumung muß
zugleich Rückgliederung des Saargebietes werden. Gerechtigkeit
und Völkerfrieden verlangen das.
hütten! Zu lange llebtet ihr an Pariſer an Wiener
Gewohn=
heiten. Die Jugend, unſere wandernde Jugend, die ſoeben die
Fahne zu entrollen beginnt, wächſt euch über den Kopf.
Vor=
wärts mitten unter die Schwimmer, Läufer, Segler, Flieger und
Wanderer!
Freilich iſt der ſchöne Menſch, der gezeigt wird, mit nichten
der, den die heutige Welt ſucht und gefliſſentlich in Konkurrenzen
nach Kanons und Tabellen zu erklügeln ſich bemüht, ſondern
anders wie in früheren Zeiten, als der Schönheitsbegriff eine
faſt religiös feſt umriſſene Form bildete, ſchafft der heutige
Künſt=
ler ſein Bildideal aus freieſter, kühnſter Phantaſie, unter
ſtreng=
ſter Diſziplin einer faſt mathematiſchen Syſtematik. Der
Künſt=
ler kümmert ſich den Teufel um Normen, Maßtafel und
Zenti=
meter, die der ſenſationell aufgezogene Katalog unerhört
viel=
ſeitig ausdeutet. Er kümmert ſich auch nicht um die
Kunſt=
geſchichte, die in einer unglaublich geſchickt zuſammengeſtellten
Sammlung von 100 Photos aus allen Zeiten, Ländern und
Völ=
kern vor Augen geführt wird. Nach dem Eindruck der zwei
erſten Säle, deren internationale Haltung und kühne Miſchung
extremſter Auffaſſungen ſtark anregt, bilden dieſe letzten Sälchen
einen Ort der inneren Sammlung bildenſter Art, um den
ver=
wirrten Sinnen aus der Geſchichte Urteilsmaßſtäbe an die Hand
zu geben. Dieſe Sammlung iſt wert, zufammengehalten und als
Ganzes von einem öffentlichen Bildungsinſtitut erworben zu
werden. Unbelaſtet von alledem ſchafft der Künſtler aus ſeiner
perſönlichſten Intuition, die erwächſt aus ſeinem raſſigen
Erb=
gut, dem Einfluß der Umwelt, dem Eindruck der Landſchaft, in
der er lebt — ſofern er ein Kerl iſt, der etwas Eigenes zu ſagen
hat. Mitläufer verflachen die Großen. Starkes reizt zum
Wider=
ſpruch. Dafür und dagegen gibts hinreichend in dieſer
Aus=
ſtellung, deren Einzelheiten weiteren Beſprechungen vorbehalten
Akt.
bleiben, zu berichten.
Auszeichnungen der Preußiſchen Akademie der Künſte
Die Preußiſche Akademie der Künſte erkannte den Malern
Ernſt Ludwig Kirchner aus Frauenkirch bei Davos und Xaver
Fuhr aus Mannheim, ſowie den Bildhauern Erich Geiſeler=Berlin
und Richard Martin Werner=Offenbach, die in der
Früh=
jahrs=Ausſtellung der Akademie mit hervorragenden Werken
ver=
treten ſind. Preiſe in Höhe von je 1000 RM. zu.
75. Geburtstag eines hochverdienten Gelehrten. Am geſtrigen
29. Juni konnte der frühere langjährige Direktor der Gießener
Univerſitäts=Bibliothek, Geh. Hofrat Prof. Dr. Haupt, ſeinen
75. Geburtstag begehen. Der Gelehrte war der erſte fachmänniſche
Direktor der Gießener Univerſitäts=Bibliothek, die er in 36 Jahre
langer Wirkſamkeit in großzügigſter Weiſe ausbaute und wofür
ihm die Univerſität durch die Ernennung zum Ehrenſenator
dankte. Weit über das Heſſenland hinausragende Verdienſte hat
ich Geheimrat Haupt durch ſeine Forſchungen in der
burſchen=
ſchaftlichen Geſchichte und als Gründer des Archivs der
Deut=
ſchen Burſchenſchaft und der Geſellſchaft für burſchenſchaftliche
Geſchichtsforſchung erworben. Er iſt der Herausgeber der
„Quellen und Darſtellungen zur Geſchichte der Burſchenſchaft und
der deutſchen Einheitsbewegung” und des burſchenſchaftlichen
Handbuchs. In der Gelehrtenwelt nimmt er eine beſonders
her=
vorragende Stellung ein.
Am. Die kommuniſtiſche Werkfragen= und Gewerkſchaftspolitik
Von Kapitän zur See a. D. von Puſtau. Antira=
Verlags=
geſellſchaft m. b. H. Berlin 1929. 140 Seiten
Die vorliegende Broſchüre ſtellt das erſte Heft einer ganzen
chriftenreihe dar, die als „Antira=Bibliothek das geiſtige Rüſt
ug für die Bekämpfung des Kommunismus bereitſtellen will
orläufig iſt die Herausgabe von 15 Broſchüren geplant, welche
je Ziele und das Aktionsprogramm der Kommuniſten nach
kom=
nuniſtiſchen Quellen wiedergeben und im einzelnen kritiſch
er=
utern.
Vier Teile mit zahlreichen ſchlagwortartig unterteilten Kapi
In zergliedern das Heft 1, ein umfangreiches Sachverzeichnis und
rägnante Stichworte, welche die verſchiedenen Abſchnitte am
and in hervorgehobenem Druck begleiten, erleichtern die
Ueber=
ht ungemein.
In den Vorbemerkungen wird geſagt, daß die deutſchen Kom
uniſten Volksgenoſſen ſind, die ſich infolge der Nöte des
Welt=
tieges und der Nachkriegszeit für ein auf Gewalt und Terror auf
bautes Syſtem haben einfangen laſſen, das im Zerſchlagen von
Zeſtehendem Ungeheures geleiſtet hat, aber im Laufe von zehr
ahren nichts Beſſeres an die Stelle des Zerſtörten zu ſetzen ver
ſochte. Dieſe Ueberzeugung muß jeder gewinnen, der die Schrift
eſen hat und Stellung zu den Schlußfolgerungen des Verfaſſers
immt.
Die „Antira”=Bücher ſind für den Gebrauch von Angehörigen
ller ſtaatserhaltenden Parteien und der verſchiedenſten ſozialen
hichten beſtimmt, dementſprechend iſt auch der Kreis der
Mit=
rbeiter zuſammengeſetzt. Schon ein kurzer Streifzug durch das
ſerk läßt erkennen, ein wie reiches Material zur Beurteilung der
inſchlägigen Fragen in weiteſtem Sinne in der Schrift enthalten
Verſchiedene Kapitel ſind nach den Geſichtspunkten „
Angeb=
he Errungenſchaften” „Material zur Beurteilung der
tatſach=
hen Verhältniſſe” und „Generalargumente” aufgebaut, ſo daß
er in beſonders wirkſamer Weiſe Theorie und Praxis im
Kom=
unismus einander gegenüber geſtellt werden.
Im übrigen kann man, das ſei mit aller Deutlichkeit geſagt
jie kommuniſtiſchen Methoden und Ziele nicht ernſt genug nehmen
hre Wege und Umwege kennzeichnet der Verfaſſer, von mancher
Wahrheit”, die in den Köpfen urteilsloſer Enthuſiaſten zunächſt
beſtechend klingen mag, reißt er den trügeriſchen Schleier herab.
Daß der Kommunismus, nicht zuletzt infolge der inneren und
äußeren Schwierigkeiten, weit von der Erreichung ſeiner Ziele
entfernt iſt, daß es ihm z. B. nicht gelungen iſt, eine Führerſchaft
heranzubilden oder die Lage der Arbeiterſchaft in Rußland der
weitaus beſſeren Lage der Arbeiterſchaft in den vorgeſchrittenen
Induſtrieländern anzugleichen, das alles darf uns nicht davon
abhalten, die zerſetzenden und nivellierenden Tendenzen des
Bol=
ſchewismus kennen und bekämpfen zu lernen. Und hierzu bildet
die Broſchüre 1 der Antira”=Bibliothek weiteſten Kreiſen
wirk=
ſames und ausgedehntes Material.
*Am. Priſonnier Halm, die Geſchichte eines Gefangenen.
Karl Wilke. Verlag Koehler & Amelang in Leipzig.
297 Seiten.
Von
1929.
Wir müſſen eben über uns eine Hochflut an
Kriegsliteratu=
ergehen laſſen eine Hochflut, die neben einigen wertvollen, er
ſchütternden Werken auch in vielen mittelmäßigen und
tenden=
ziöſen Schriften das Welterlebnis des Großen Krieges in
klingen=
des Geld umzumünzen verſucht. Eine Lücke, wenn man ſo ſagen
will, füllt hier das Buch von Karl Wilke aus. Der Verfaſſer tritt
hinter ſeinem Werk, tritt hinter ſeinen Erlebniſſen zuruck und
nennt ſein Buch ganz unperſönlich „Priſonnier Halm” damit das
Buch von dem „unbekannten” Gefangenen ſchaffend und dem
deutſchen Kriegsgefangenen, jenem Vertreter eines ſtillen, von
der Heimat halb vergeſſenen Heldentums ein Ehrenmal ſetzend
Mag es unſeren Kriegsgefangenen in England und in
Ame=
rika nicht immer ſo ſchlecht gegangen ſein, mag in Rußland neben
roher Gutmütigkeit in der Behandlung der einzelne Gefangene
ſich oft verhältnismäßig großer Bewegungsfreiheit erfreut haben.
in Frankreich war das Los der Gefangenen, von verſchwindenden
Ausnahmen abgeſehen, unmenſchlich hart, und es iſt nur zu
be=
greiflich, daß derjenige, der dort Jahre hinter dem Stacheldraht
zubringen mußte, dieſe Eindrücke ſein Leben lang nicht vergeſſen
kann. Und wer, wie der Verfaſſer, in dem „Vergeltungs”=, in dem
Hunger= und Ruhrlager Candor eingeſperrt war, wo bei den
jammervollſten ſanitären Zuſtänden die Gefangenen täglich
hin=
wegſtarben, der kann erſt recht nicht vergeſſen. Daß aus dem Buch
und aus dem, was zwiſchen den Zeilen zu leſen iſt, ſich eine
unge=
heure Anklage gegen die mittelalterlichen Methoden Frankreichs
in der Gefangenenbehandlung herauskriſtalliſiert, dafür iſt der
Verfaſſer nicht verantwortlich zu machen.
Das Buch von Wilke iſt ſpannend geſchrieben und entbehrt an
vielen Stellen nicht des dichteriſchen Schwungs. In den
einlei=
tenden Abſchnitten erleben wir die letzten Rückzugskämpfe, in
denen oft eine Handvoll Tapferer mit einem Maſchinengewehr den
vorſichtig mit Maſſen nachrückenden Feind aufhält, dann die
Ge=
fangennahme und ſchließlich die Leidenszeit im Lager Candor,
Nach dem Waffenſtillſtand wurde zwar allmählich das Los der
Gefangenen erträglicher, aber das endloſe Warten bis zur
Heim=
beförderung Aufang 1920 zermürbte ſeeliſch, und wie viele konnten
mit ihrem durch Entbehrungen, Hunger und harte Fron
erſchöpf=
ten Körper dieſe martervolle Wartezeit nicht mehr überſtehen
Die gewaltſame Zurückhaltung der Kriegsgefangenen über
Kriegs=
ende hinaus, noch dazu ohne Gegenſeitigkeit, ſetzte der
ſchmach=
vollen Behandlung der Kriegsgefangenen die Krone auf.
Seite 4
30. Juni 1929
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Csnntag, den 30. Juni 1929
Nummer 129
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Darmſiadt, 30. Juni.
Zum 2. Heſſiſchen Sängerbundesfeſt.
Zu einer eindrucksvollen Darbietung wird ſich am Sonntag, den
14. Juli, die Vaterländiſche Kundgebung des Heſſiſchen Sängerbundes
geſtalten. Den ſtimmungswirkenden Schauplatz für dieſes Bekenntnis
zu Volk und Vaterland gibt der in Sommerpracht grüßende Orangerie=
Garten. Unter der hinreißenden Stabführung des Bundeschormeiſters
Otto Naumann aus Mainz ſingen 20000 Sänger Chöre zu
Deutſch=
lands Preis, die in herzbezwingender Tonfülle die Verbundenheit der
deutſchen Brüder rechts und links des Rheins zum Ausdruck bringen.
Außer den Deutſchlandsliedern von Keldorfer und Heinrichs erklingt
ein altes Volkslied, Schenkenbachs Reiterlied. Die Weihe dieſes
Sonn=
tagsmorgens erhöhen die Anſprache des Bundesvorſitzenden
Miniſterial=
rat Dr. Siegert und die Feſtrede des Ehrenvorſtandsmitglieds Schulrat
Hnſſinger. Während des Aufmarſches der Sänger ſpielen friſchfrohe
Weiſen das Stadtorcheſter und der Reichsbund ehemaliger
Militär=
muſiker.
— Den 1. Preis für eine Kunſtmedaille erhält Frau Weſtermann=
Pfgehler. In dem Wetébsverb, den das Kultusminrſterium des
heſſi=
ſchen Staates für den Entwurf einer Medaille für Kunſt ausgeſchrieben
hat, erhielt die Darmſtädter Bildhauerin Eliſabeth
Weſter=
mann=Pfgehler den 1. Preis und damit die Ausführung
Auf der Ausſtellung „Der ſchöne Menſch in der modernen Kunſt” kommt
die Medaille zur erſten. Verteilung.
— 40=Jahrfeier des Evangeliſchen Bundes. Wie bereits durch die
Preſſe bekannt gegeben, wird am 18. Auguſt der Zweigverein
Darm=
ſtadt des Evangeliſchen Bundes die Feier ſeines 40jährigen
Beſtehen=
durch eine evangeliſche Volksfeier im Orangeriegarten
be=
gehen. Im Garten ſelbſt wird eine große Bühne erſtehen, auf der die
Feſtbilder der Speherer Proteſtarion gezeigt werden. Zu den Bildern
werden noch etloa 60—70 Herren jeden Altzers, namentlich auch ältere,
gebraucht. Umſtändliche Proben ſind nicht erforderluh. Evangeliſche
Männer unſerer Stadt werden herzlichſt gebeten, ſich zur Mitwirkung
zur Verfirgung zu ſtellen und in die bei der Buchhandlung Waitz,
Eli=
jabethenſtraße, und Druckerei Bender, Beſſunger Straße, aufliegende
Liſte einzuzeichen oder bei Herrn Oberkirchenrat Enders, Heidelberger
Straße 1. zu melden
— Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Erſtaufführung
„Jutermezzo”. Heute Sonntag, 19,30 Uhr, findet im Großen
Haus die Erſtaufführung der Oper „Jutermezzo” von Richard
Strauß in der Inſzenierung Nenato Mordos (Bühnenbilder: Lothar
Schenck von Trapp) unter muſikaliſcher Leitung von Max Rudolf ſtatt
Mitwirkende: Roſe Landvehr, Reginn Harre, Martha Liebel und die
Herren Hans Komregg, Guſtav Deharde, Rudi Wünzer, Eugen Vogt,
Hans Ney, Theo Herrmann und Carl Gbert=Beyer. (Miete E.)
Im Kleinen Haus wird heute Sonntag, 20 Uhr, letztmalig die
er=
folgreiche Komödie „Aufgang nur für Herrſchaften” mit
Hanna Rüggold, Beſſie Hoffart, Werner Hinz und Walter Klam in
den Hauptrollen in Szene gehen. (Zuſatzmiete VI
„Broadway”, das ungewöhnlich zugkräftige amerikaniſche
Sen=
ſationsſtück, wird morgen Montag, 19,30 Uhr, im Großen Haus mit
der gefeierten Premierenbeſetzung wiederholt. (Miete C.)
Dieletzten Opernvorſtellungen der Spſielzeit. Die
laufende Spielzeit wird am Sonntag, dem 7. Juli, im Großen Haus mit
Richard Wagners Oper „Die Meiſterſinger von Nürnberg
zum Abſchluß kommen. Die letzte Aufführung von „Intermezzo”
findet am Dienstag, dem 2. Juli, von „Othello” am Mittwoch, dem
3. Juli, von „Manon Lescaut” am Freitg, dem 5. Juli, ſtatt,
Die Operette „Die Fledermaus” wird letztmalig am Samstag,
dem 6. Juli, in Szene gehen. Als letzte Schauſpielvorſtellung dieſer
Spielzeit kommt das amerikanzſihe Zeitbild „Broadway” am
Don=
nerstag, dem 4. Juli, im Großen Haus zur Aufführung. Es wird
dringend hingewieſen, daß die noch ausſtehenden Tauſchkarten im Laufe
dieſer Woche einzulöſen ſind. Für die „Fledermaus” (Samstag,
den 6. Juli) und „Meiſterſinger” (Sonutag, den 7. Juli) gelten
nur ſolche Tauſchkarten, die für eine Opern=Sonntags=Vorſtellung
um=
getauſcht worden ſind.
Es wird letztmalig auf den Montag, den 1. Juli, im Kleinen Haus
ſtattfindenden „Letzten Heiteren Abend Paula Kapper—Guſtav Deharde
hingewieſen. Das Programm bringt u. a. Einzelvorträge und Duette
auns „Bruder Straubinger”, „Der liebe Anguſtin”, „Zarewitſch”, „
Ma=
dame Pompadour” uſw. Am Flügel: Kapellmeiſter Hans Simon.
Ausflugsfahrten mit Poſtkraftwagen. Die Deutſche Reichspoſt
ſetzt ihre Ausflugsfahrten fort. „Sie werden mit einem neuzeitlichen
offenen Ausflugswagen ausgeführt, der jederzeit in einen geſchloſſenen,
heizbaren Wagen umgewandelt werden kann. Die Fahrten können
da=
her bei jeder Witterung ausgeführt werden. Die Nachmittagsfahrt am
Mittwoch, dem 3. Juli, führt durch den Odenwald über König,
Viel=
brunn nach Erbach, dann heimwärts über Spreng, Vierſtöck,
Gerſprenz=
tal. Die Tagesfahrt am Sonntag, dem 7. Juli, führt die Teilnehmer
über Wiesbaden nach dem Taunus und dem Rheingau, über
Main=
nach Darmſtadt zurück. Berührt werden die Bäder Langenſchwalbach
und Schlangenbad, wo Aufenthalt iſt. Für Mittwoch, den 10. Juli, iſt
eine Nachmittagsfahrt durch das Balkhauſertal nach der Kuralpe über
Beedenkirchen nach Lindenfels, dann heimwärts durch das
Gerſprenz=
tal über Lichtenberg vorgeſehen. Ein Aufenthalt von 1½ Stunden
in Kuralpe ermöglicht, das Felſenmeer zu beſuchen. Sämtliche Fahrten
zeigen den Reiſenden die herrlichſten Landſchaftsbilder und bieten —
je=
doch in ihrer Art — einen unvergleichlichen Genuß. Wir können die
Tcilnahme ſehr empfehlen. Kartenverkauf beim Poſtamt 1,
Rheim=
ſtraße 11/13, am Schalter 4. (Näheres geht aus der heutigen Anzeige
hervor.
— Orpheum — Abſchiedsvorſtellung. Die luſtige Rolf=Röder=
Revue „Schlag auf Schlag”, die ſich in Tarmſtadt 14 Tage lang mit
ungemindertem Zuſpruch halten konnte, wobei ſie mauchem ein paar
un=
vergeßlich; heitere Stunden vermittelt hat, gibt heute Sonntag,
abends 8,10 Uhr, ihre Abſchiedsvorſtellung. All die bisher
Säuwigen, die ſich den Beſuch der Revue vielleicht vorgenommen haben,
aber aus Mangel an Zeit oder ſonſtigen Gründen ferngeblieben ſind,
haben heute letztmalig Gelegenheit, einen äußerſt angeregten und
vergnügten Abend im Orpheum zu verbringen. Drum auf in die
Ab=
ſchiedsvorſtellung der Röder=Rsvue. (Siehe Anzeige.
— Herrngarten=Café. Heute Sonntag, den 30. Juni, nachwittags
4 Uhr und abends 8 Uhr, finden im Herrngarten=Café Künſtlerbonzerte,
ausgeführt von inem Enſemble des Stadtorcheſters, ſtatt. (S. Anz.)
*Am. Ueberall in dieſen Tagen, in denen ſich die Wiederkehr des
ſchwärzeſten Dages deutſcher Geſchſichte, des Tages des Schmachfriedens
von Verſailles, zum 10. Mal= jährt, finden machtvolle Kundgebungen
gegen die Kriegsſchuldlüge in allen deutſchen Landen ſtatt. Sie richten
ſich gegen jene Lüge, die zum Fundameut des Verſailler „Vertrages”
wurde und in den letzten Jahren dank zäher Aufklärungs= und
wiſſen=
ſchaftlicher Arbeit erſchüttert worden iſt. Mögen auch ofſizielle Stellen
ſich aus außenpolitiſichen Gründen von dieſen Kundgebungen fernhalten
müſſen, ſo geht doch heute durch das ganze deutſche Volk, ſoweit es
deutſch empfindet, eine Welle des Zornes und zugleich der kraftvollſten
Bewegung, die hoffentlich in abſehbarer Zeit die Lüge von der deutſchen
Alleinſchuld am Weltkrieg reſtlos hinwegſchwewmen wird.
Einen intereſſanten Auftakt hierzu bildete am Freitag abend die
große akademiſche Kundgebung im Saalbau. Am geſtrigen Samstag
abend hatten ſich um 9 Uhr an bedeu ungsvoller Stätde, am Bis,
marckturm, die Deutſchen Verbände Darmſtadts
ver=
ſammelt, um feierlichen Proteſt einzulegen gegen die Lüge von der
deutſehen Alleinſchuld am Weltkrieg und gegen die Beſetzung deutſchen
Landes. Mochte auch manche: vielleicht, der die ſo derſchiedenartigen
vielen Verbände, Vereine umd Gruppen aufmarſchieren ſah, Trquer
hierbei empfinden über die alte Uneinigkeit und Zerſplitterungsſucht,
das Erdübel der Deutſchen — das mit der Zeit auch einmal verſchtvinden
wird und muß —, ſo empfand man doh in ſtolzer und ernſter, ruhigen
Zuverſiecht, wieviel deutſche Frauen und MNädchen, Männer und
Jüng=
linge den Weg zum Wahrzeichen, das für den Gründer des Deutſchen
Reiches errichtet worden iſt, und in den freien deutſchen Wald ange
treten hatten. Und in dem, was dieſe alle an dieſer Stelle und an
die=
ſem Abend zuſammenführte, waren ſie alle einig.
Es war ein unvergeßlicher, pachender Amblick, wie an dieſem Platze,
an dem erſt vor wenigen Tagen bei der Sonnwendfeier der
abademi=
ſchen Jugend die Fackeln gen Himmel geloht und die Lieder
empor=
geſtiegen waren, nun an 2000 Menſchen in weitem Rund zuſammene
kamen und von den Becken auf den Seiten und auf dem Turm wie
vom Holzſtoß inmitten die leuchtenden Funken wiederum aufſtiegen,
während über all: dem der tiefblaue Abenöhimmel wie ein Fanal 1
Hoffnung ſtand. Das Stadtorcheſter unter Kapellmeiſter W.
Schlupp ſtimmte den Friederieus Nex an, dan hielt die
Be=
grüßungsanſprache Herr Oberſtleutnant a. D. Barth, der im Namen
des Ausſchuſſes der Deutſchen Verbände alle herzlich willkommen hieß
die zum Bismarckturm geeilt waren, um laut und deutlich gegen die
verleunrderiſche Kriegsſchuldlüge, gegen die widerrechtliche Beſetzung
und gegen die ſchmähliche Drangſalierung unſerer Brüder Einſpruch
zu erheben. Der Redner führte weiterhin etwa aus: „Gar manchmal
hört man leider: Man ſolle inener daran denken, aber nie davon reden!
Verderblich iſt ſolches Gerede, und noch verderblicher iſt es, danach zu
handeln. Dieſer Spruch wird uns nur darum vorgeſagt, auf daß das
deutſche Velk ganz einſchläft und vergißt, was man ihm angetan hat
und ſich mit der Knochtſchaft abfindet. Man weiſt auf Frankreich hin,
das es nach 1871 ebenſo gemacht habe. Das iſt niht richtig, denn die
Franzoſen haben imner davon geſppochen und ob ihrer Niederlage
Re=
vanche verlangt. Ich erinnere nur an die großen Feiern an dem ſtets
umflorten Denkmal Elſaß=Lothringens und an alle die aufhetzenden
und unwahren Schilderungen in den Schmlbüchern über deutſſthe
Grau=
ſamkeiten. Wie verhält ſich Ungam? Es proteſtiert durch Regierung
und Volk gegen das ihm aufgezwungene Diktat. Auf allen Fahrſcheinen
ſteht „Niemals!”, d. h. nienals erkennen wir das Diktat als endgültig
an. Und wir? Sollen wir weiter ſchſveigen und uns verächtlich machen
laſſen? Nein, und abermals nein! Laut wollen wir immer wieder
un=
ſeren Widerſpruch den anderen in das Geſicht ſchleudern und Poincare
und die anderen Lügen ſtrafen. Aufrütteln wollen wir aber auch durch
dieſe Kundgebung alle unſere deutſchen Brüder und Schweſtern, die
tielleicht durch des Tages Laſt und Not ſtumpf geworden ſind und an
die Völkerverfühnung glauben, ein Wort, das im Munde unſerer Gegner
wie Hohn klingt, und die die Mißachtung, mit der man unſeren Ver
tretern im Völkeubund zu begegnen wagr, nicht mehr empfinden.
Kräf=
tig möge unſer Weckruf wirken, damit es baldl überall im Lande heißt
Wir ſind ein einig Volk von Brüdern! Etwas beginnt ja ſchon in
deut=
ſchen Landen zu tagen, wie Ihr zahlreiches Erſcheinen zeigt. Viel bleibt
noch zu tun übrig. Wir alle haben die Pflicht, mitzuarbeiten, jeder
an ſeiner Stelle. Für jeden von uns muß oberſter Leitſpruch ſein: Sick.
einſetzen für das Vaterland: Wir ſind ein Volk, und einig wollen wir
handeln! Trotz allem, was geſ.hah, glauben wir an Deutſchlands
Zu=
kunft. Wir vertrauen auf Gott, daß er uns hilft, denn ewig wahr
bleibt der Ausſpruch unſeres großen Freiheitsdichters Ernſt Moritz
Arndt: Der Gott, der Eiſen wachſen ließ, der wollte keine Knechte
Die Muſik ſpielte die Weiſe, in die die Menge begeiſtert einſtimmte
Dann nahm Herr Dr. Klein=Buchſchlag das Wort: „Der 28. Juni
iſt der Trauertag des deutſchen Volkes, unſer Schickſalstag. Am ihm
erfolgte der vorbereitete Mord von Serajewo, der einen Kriegsgrund
ſckaffen ſollte, an denn Oeſterreich nicht vorbeigehen konnte. Am 28. Juni
vor 10 Jahren wurde die Wahrheit erwordet und die Schuldlüge er=
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preßt. Der Verſailler Vertrag iſt ein Buch der Verſklabung, mit dem
man uns alles nehmen wollte. Deutſ he Arbeiter ſellten nicht
hochkom=
men und die Friclſte ihrer Arbeit niht genießen können. Man wollte
das Deutſche Reich zerſchligen, ſeine Kräfte lähmen und die deutſche
Wirt’aft zerſtören. Man wollte und will heute noch uns eine Schuld
aufbürden, die nicht zu tragen iſt. Da3 Diktat von Verſailles iſt ein
Geſaltfrieden ſchlimuſter Art, der aufgebaut iſt auf der Lüge von der
Schuld Deutſehlands am Weltkrieg. Die, welche den Weltkrieg
ent=
feſſelt haben, Poincaré und die anderen, haben Angſt vor der
Wahr=
heit und darum veranlaßt, daß die Lüg= von der Kriegsſihuld
Deutſch=
lands in den Vertrag von Verſailles hineinkam. Dieſer Gewaltfrieden
iſt nihts anderes als die Fortſetzung des Krieges mit anderen Mitteln.
Man hat verſucht, einen Teil des deu=ſchen Velkes zu bewegen, ſich
ſelbſt zu bezickrigen, und uns dann wildere Friedensbedingungen in
Ausſicht geſtellt! Man hat uns noch 7½ Monate lang nach dem Ende
des Krieges mit der Aushungerung verfolgt. Wir brauchen heute keine
Widerlegung der Kriegsſchuldlüge mehr, unſere Gegner haben bewußt
den Krieg herbeigeführt, insbeſondere auch die ruſſiſchen und die
eng=
liſchen wie die franzöſiſchen Diplomaten. Von einer Mitſchuld
Deutſch=
lands, das ahnungslos war, kaun keine Rede ſein. Wiſſenſchaftler und
Hiſtoriker in aller Welt bezeugen dies nun. Wie Rußland 1914 auf den
Krieg rüſtete, wiſſen wir jetzt alle, und nach der ruſſiſchen
Mobil=
machung, die nach ruſſiſchen Methoden zugleich den Krieg bedeutete,
ließen wir aus Friedensliebe noch zwei koftbare Tage verſtreichen, bis
dann unſere Mobilmachung erfolgte. Mit der Behauptung von der
Kriegsſchuldlüge verbindet Frankreich ſeine „Sicherheitspolitik”
und
ſeine Forderung nach einer Kontrolle im beſetzten Gebiet auf ewig. Von
dieſer „Verföhnungskommiſſion”, wie ſie genannt wird, wollen toir
nichts wiſſen, wir verlangen unſer Recht. Unſeren Proteſt gegen die
Kriegsſchuldlüge müſſen wir laut verkünden und in alle Welt
hinaus=
ſendn. Mit aller Kraft weiſt das deutſche Volk die Kriegsſchuldlüge
zurück und kämpft für ſeine Ehre. Was würde ein anderes Volk an
unſerer Stelle tun? Es würde ein Tcommelfeuer eröffnen und nicht
ruhen, bis die ganze Welt von dem ihm angetanen Unrecht überzeugt
wäre. An dem Nationalgefühl der Franzoſen können wir uns nuu eim
Beiſpiel nehmen. Die Volksbeuvegung gegen die Kriegsſchuldlüge muß
wahſen und allgemein werden. Wir verlangen Genugtuung und
e=
heben flammenden Proteſt gegen das Verſailler Diktat. Der Artikel 231
des Friedensvertrages, in dem die Büge von der deutſchen Kriegsſchuld
feſtgelegt iſt, muß verſchinden. Immer wieder wüiſſen wir unſere
Stimme erheben, bis wir zum Ziele gelangt ſind. Wir kämpfen für
die Freiheir und die Wiederaufrichtung eiwes einigen drutſchen
Vater=
landes.”
„Deutſchland hoch in Ehren” ſchallte, von der Muſik und Tauſenden
von Stimmen getragen, über die Höhe, dann ſprach Exzellenz v. Oidt
man als 1. Präſident der Haſſia im Namen von 50 000 alten heſſiſchen
Kriegern und 3 Millionen im Kyffhäuſerbund zuſammengeſchloſſenen
Kameraden. „Wir ſind es dem Andenken unſerer für ihr Vaterland
gefallenen Kameraden und wir ſind es der Ehre unſeres ganzen deut
ſchen Volkes ſchuldig, mit aller Gewalt Widerſpruch zu erheben gegen
die infame Lüge von der deutſchen Kriegsſchuld. Was können wir und
was ſollen wir aus dieſem Lügenparagraphen lernen? In Schillers
Wallenſtein heißt es: Es gibt im Menſchenleben Augenblicke, wo man
dem Weltgeiſt nähe iſt als ſonſt und eine Frage frei hat an das
Schick=
ſal. Dieſer Augenblick iſt jetzt für das deutſche Volk gekommen, aus
einer Theſe, die uns zum Verderben gereichen ſollte, kann uns Rettung
werden, wenn wir wollen. Kein anderer Paragraph iſt ſo geeignet,
das deutſche Volk unter einem Banner zu einigen, nämlich im Kampf
gegen die Schuldlüge. Wir wollen als freie deutſche Männer auf freiem
deutſchen Boden ſtehen. Das können wir nur erreichen, wenn wir einig
ſind und das Vaterland über die Partei ſtellen. Am deutſchen Weſen
ſoll die Welt geneſen, das iſt ein ſtolzer Spruch, der aber nur wahr zu
machen iſt, wenn wir ſelber geneſen. Wenn uns dazu der Paragraph
von der Kriegsſchuldlüge hilft, dann iſt er für uns ein Segen geweſen.”
Der Redner brachte nun folgende Entſchließung zur
Ver=
leſung, die von den Verſammelten mit lautem, einſtimmigem „Ja”
an=
genommen wurde.
An dem Tage, an dem ſich das dem deutſchem Volke aufgezwungene
Friedensdiktat von Verſailles zum zehnten Male jährt, haben ſich
tau=
ſende ihr deutſches Vaterland treu liebende Einwohner von Darmſtadt
und Umgebung am Fuß= des Bismarckturms zuſammengefunden und
erklären, daß ſie feierlichſt Einſpruch erheben gegen den Paragraphen
des Diktats, welcher dem deutſ hen Volke die Schuld am
völkermorden=
den Weltkriege aufbürden will. Weder die deutſche Regierung noch das
deutſche Volk haben dieſen Krieg gewollt, noch hm Vorſchub geleiſtet.
In 43 arbeitsreichen Frisdensjahren hat das deutſihe Volk ſeinen Platz
unter ker Sonne behauptet. Neid und Haß haben ihm dieſen Platz
nicht gegönnt. Eingekreiſt, faſt von der ganzen Welt, mußte es nach
vierjährigem heldenhaften Ningen, überall mit ſeinen Heeren im Fein.
desland ſtehend, durch Hunger bezwungen, die Waffen ſtrecken. Es
wurde ihm ein Friede aufgezwungen, wie ihn die Weltgeſchichte noch
nicht kannte. Alles wurde ihm geuommen und der Wohlſtand des
Vol=
kes auf Generationen hinaus vernichtet. Nun will man ihm auch ſein
letztes — die Ehre — rauben. Wir ſollen die Alleinſchuldigen an dem
Völkermorden geweſen ſein.
Gegen dieſe ungehenre Lüge erheben wir feierlichſt Einſpruch. Das
ſind wir uns, unſeren Nacbkommen und allen Völkern ſchuldig, die
wäh=
rend und nach dem Kriege den Glauben an die Lauterkeit des deutſchen
Volkes nicht verloren haben. Wir folgen dem Worte eines unſerer
größten und volkstümli ſſten Dichter, Friebrich Schiller:
„Nichtswürdig iſt die Nation, die nicht
ihr alles freudig ſetzt in ihre Ehre
und fordern, daß der Kriegsſchuldparograph aus dem Diktat von
Ver=
ſgilles entfernt wird.
Nach der Annahme der Entſchließung erklang, gemeinſam geſungen.
die dritte Strophe des Niederländiſchen Dankgebetes und gewaltig und
eindringlich erſcholl der Ruf: Herr, mach uns frei! Herr
Oberſtleut=
nant a. D. Barth brachte dann das Hoch auf das deutſche Vaterland aus,
und das Deutſchlandlied ſchloß die ganze Kundgebung, machtvoll über
die Wipfel brauſend, ab. Während die Tauſende den Heimweg
an=
traten, erloſchen langſam die lodernden Flammen auf der Höhe des
Turmes. Was die Worte der Redner in die Herzen der Verſammelten
gebrannt haben, den Kampf um unſere Ehre gegen die Lüge, dieſes
möge nicht ermatten bis zum Sieg der Wahrheit.
H. W. W.
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Seite 6
Sonntag, den 30. Zuni 1929
Nummer 129
Das Finanzamt als Oetektiv.
Die Ergebniſſe des Buch- und Bekriebsprüfungsdienſtes im Bezirk des Landesfinanzamts Darmſtadk.
Das Reichsfinanzminiſterium hat am 12. 6. dem Reichstage eine
Ueberſicht über die Ergebniſſe der im Jahre 1928 vorgenommenen Buch=
und Betriebsprüfungen zugeleitet. Dieſe Buch= und
Betriebsprüfun=
gen, die durch Beamte der Finanzbehörden vorgenommen werden, haben
den Zweck, Steuerhinterziehungen und Fehlbewertungen z. B. bei Höhe
der Abſchreibungsſätze pp. feſtzuſtellen und — falls ſolche gefunden
wer=
den — die entſprechenden Mehrſteuern zu beſtimmen bzw. bei
offen=
ſichtlichen Steuerhinterziehungen Geldſtrafen zu verhängen. Dieſe
Detektivarbeit der (Landes=)Finanzämter hat ein beachtliches Ergebnis
gezeitigt. Im Jahre 1928 wurden in 51 687 Fällen (1927: 57 612)
ins=
geſamt rund 145 Millionen RM. (1927 rund 126 Mill. RM.) an
Mehr=
ſteuern bzw. Geldſtrafen feſtgeſetzt oder verhängt. Dieſes bedeutet
hin=
ſichtlich Höhe der feſtgeſetzten Mehrſteuern gegenüber dem
Rechnungs=
jahre 1927 eine Steigerung von zirka 16 Prozent (gegenüber den
Er=
gebniſſen 1926: zirka 26 Prozent). Es erſcheint die Tatſache
beachtens=
wert, daß trotz dieſer Steigerung die Höhe der geſamten feſtgeſetzten
Geldſtrafen von rund 4,7 (1927) auf rund 2,9 Mill. RM. (1928)
ge=
ſunken iſt.
Die Ergebniſſe der Buch= und Betriebsprüfungen kleinerer Betriebe
ſind auch in dieſem Jahre nicht mitangegeben. Das
Reichsfinanzmini=
ſterium hat im Intereſſe der Vereinfachung der Arbeit hiervon Abſtand
nehmen laſſen. Weiterhin lag dem Miniſterium daran, erneut zum
Ausdruck zu bringen, daß es weniger darauf ankommt, kleine und
kleinſte Fälle zu prüfen, als dort einzugreifen, wo ſich die Verhältniſſe
wirklich kompliziert darſtellen.
Im übrigen handelt es ſich bei den Zahlen nur um Ergebniſſe, die
rechtskräftig geworden ſind.
Im Bezirk des Landesfinanzamts Darmſtadt wurden im
Rechnungs=
jahre 1928 insgeſamt 508 Prüfungen vorgenommen (1927: 609). Mit
der Zahl der Fälle ſteht das Landesfinanzamt Darmſtadt, das unter
en geſamten 26 Landesfinanzämtern Deutſchlands hinſichtlich Zahl der
Wohnbevölkerung, die ihm angeſchloſſen iſt, das 22. größte
Landes=
finanzamt iſt, an 23. Stelle (1927 auch an 23. Stelle). Beachtenswert
erſcheint — wie noch näher erörtert werden wird — die Tatſache, daß
das Landesfinanzamt Darmſtadt hinſichtlich Höhe der insgeſamt
feſt=
geſetzten Mehrſteuern bereits an 8. Stelle ſteht, während es 1927 erſt
die 23. Stelle einnahm.
Bei der Einkommenſteuer wurden 1 131 088 RM. (1927 780 079
RM.) an „Mehrſteuern” feſtgeſetzt, während ſich die verhängten
Geld=
ſtrafen in dieſem Jahre auf 22 500 RM. (1927 12 770 RM.) beziffern.
Dies bedeutet gegenüber 1927 eine Steigerung in der Höhe der
feſtge=
ſetzten „Mehrſteuern” und in der Höhe der verhängten Geldſtrafen. Mit
dieſen Ergebniſſen ſteht der Bezirk Darmſtadt unter den geſamten 2
Landesfinanzämtern bereits an 19. bzw. 18. Stelle (1927 an 23. bzw.
auch an 23. Stelle).
Die bei der Körperſchaftsſteuer feſtgeſetzten Mehrſteuern weiſen im
Jahre 1928 mit 2969 838 RM. (1927 314 033 RM.) auch weſentlich
höhere Zahlen als 1927 auf. Das Landesfinanzamt Darmſtadt ſteht
mit dieſem Ergebnis im Jahre 1928 unter den geſamten 26
Landes=
finanzämtern bereits an 2. (1) Stelle (1927 an 22. Stelle). Geldſtrafen
wurden nicht (1927 5000 RM.) verhängt.
Hinſichtlich der Umſatzſteuer iſt die Höhe der feſtgeſetzten
Mehr=
ſteuern, die 263 185 RM. (1927 109 588 RM.) beträgt, angewachſen,
wäh=
rend die Höhe der verhängten Geldſtrafen, die ſich auf 2306 RM. (1927
5330 RM.) beziffert, zurückgegangen iſt. Der Bezirk Darmſtadt ſteht
an 19. bzw. 24. Stelle (1927 an 25. bzw. auch 25. Stelle).
Bei der Vermögensſteuer wurden im Jahre 1928: 206 133 RM.
(1927: nur 13 018 RM.) an Mehrſteuern feſtgeſetzt. Geldſtrafen wurden
in beiden Jahren nicht verhängt. Der Bezirk Darmſtadt ſteht mit der
Höhe der feſtgeſetzten Mehrſteuern im Jahre 1928 bereits an 7. Stelle
(1927: erſt an 26. Stelle).
Bei den ſonſtigen Reichsſteuern wurden 451 694 RM. (1927 343 226
hängt. (Im Jahre 1927 wurden keine Geldſtrafen verhängt.)
Mit der Geſamtſumme der feſtgeſetzten Mehrſteuern (an
Neichs=
ſteuern) in Höhe von 5 021 938 RM. (1927 nur 1 559 944 RM.) ſteht
Deutſchlands unter den geſamten 26 Landesfinanzämtern bereits an 8.
Stelle (1927 erſt an 23. Stelle).
und ſonſtigen Steuern ein Mehr von 135070 RM. (1927 84 368 RM.)
feſtgeſetzt.
Mit der Höhe der insgefamt feſtgeſetzten Geldſtrafen, die ſich auf
24836 RM. (1927 23 100 RM.) beziffern, ſteht das Landesfinanzamt
Darmſtadt an 22. Stelle (1927 auch an 22. Stelle).
Zur Vervollkommnung des Einblicks in die Verhältniſſe im
Be=
zirk des Landesfinanzamts Darmſtadt gibt die nachfolgende
Zahlen=
überſicht, aus der die Geſamtſummen der 265 Landesfinanzämter für die
Jahre 1927 und 1928 erſichtlich ſind, einen allgemeinen Ueberblick.
Ins=
beſondere iſt hieraus auch erſichtlich, wie ſich die Steigerung der Mehr=
1927 — wie oben bereits angedeutet wurde — auf die einzelnen
Steuer=
arten verteilt. (4 — feſtgeſetzte Mehrſteuern; b)— feſtgeſetzte Geldſtrafen.)
5168 1927:
57 612 Einkommenſteuer 56 445 289 RM. 51 255 693 RM. M.
1911 695 R9 2 673 142 RM. Körperſchaftsſteuer 2) 34 460 838 R 30 675 745 RM. 113986 RM. 200 658 RM. Umſatzſteuer 12881 508 RM. 13 453 262 RM. 712637 RM. 1461 742 RM. Vermögensſteuer 5 285 337 RM. 4 192301 RM. 68 088 RM. 149 491 RM. Sonſt. Reichsſteuern 3 12 204 583 RM. 7387 908 RM. b) 84 300 RM. 213 840 RM. Geſamtſumme an Reichsſteuern 121 277 555 RM. 106 964 909 RM. Geſamtſumme an Landes=, Kirchen=
ſonſtigen Steuern und 20 899 354 RM. 14 960 410 RM. Geſamtſumme an Geldſtrafen 2891 526 RM. 4 698 873 RM.
Die Zuſammenſtellung ergibt, daß im Bezirk Darmſtadt die Zahlen
über die Höhe der verhängten Geldſtrafen im Jahre 1928 gegenüber den
Ergebniſſen 1927 ungefähr gleichgeblieben ſind, während ſich die Höhe
der feſtgeſetzten Mehrſteuern ungefähr verdreifacht hat. Dies iſt enorm,
wenn man berückſichtigt, daß die durchſchnittliche Steigerung der übrigen
Landesfinanzämter
wie bereits angedeutet wurde — nur zirka 16
Prozent beträgt.
Es mag ſein, daß die Buch= und Betriebsprüfungen eine
notwen=
dige Einrichtung ſind. Es kann aber andererſeits nicht genug gefordert
werden, daß die zahlreichen Klagen der Steuerzahler hinſichtlich eines
immer noch zu geringen Entgegenkommens der Finanzämter allmählich
zu verſchwinden und die Finanzämter in ihrer Arbeit ſich in noch
er=
höhterem Umfange wie bisher der ſchwierigen Wirtſchaftslage
anzupaſ=
ſen haben. Die Steuerzahler ſtehen in ihrer Mehrzahl in ſchwerſtem
Kampfe um ihre Exiſtenz. Zur Aufrechterhaltung ihrer
Arbeitsfreudig=
keit hat ſeitens aller Behörden alles zu geſchehen, was nur irgendwie
möglich iſt. Mögen die Detektive der Finanzämter in ihrer Arbeit im
neuen Rechnungsjahre 1929/30 hiervon durchdrungen ſein.
p. 1. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes Bensheim gegen die auf
Grund des Art. 12 Abſ. 2 des Heſſ. Ausf.=Geſ. zur
Reichsfürſorgever=
ordnung ergangene Entſcheidung des Miniſters für Arbeit und
Wirt=
ſchaft vom 17. April 1929, betr. Uebernahme von Pflegekoſten für den
Hilfsbedürftigen Ludwig Böck.
Es handelt ſich um einen Landeshilfsbedürftigen. Der
Bezirksfür=
ſorgeverband Darmſtadt=Stadt, der den gen. Böck unterſtützt hat, betont,
daß die Hilfsbedürftigkeit des Böck bereits in Bensheim
hervor=
getreten ſei, bevor er in Darmſtadt wegen Furunkuloſe im
Kranken=
hauſe Aufnahme fand. Bensheim behauptet, dieſe Hilfsbedürftigkeit ſei
in Bensheim nicht für den Fürſorgeverband Bensheim erkennbar
her=
vorgetreten. Tatſächlich hat Böck beim Armenarzt in Bensheim
vor=
geſprochen; damals befand er ſich auf der Wanderſchaft. Es handelt ſich
darum, ob der Armenarzt in Bensheim als Fürſorgeorgan zu
betrach=
ten iſt, was Bensheim verneint, während es die mit Klage angefochtene
Entſcheidung bejaht. Beſtritten iſt, ob der in Rede ſtehende Arzt als
Armenarzt beſtellt iſt, was Bensheim beſtreitet. Die ganze Frage
hat für Darmſtadt grundſätzliche Bedeutung, wie näher ausgeführt wird.
Der Klage wird ſtattgegeben und die miniſterielle Entſcheidung
auf=
gehoben.
2. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes Frankfurt a. M. gegen den
Bezirksfürſorgeverband Dieburg wegen Anerkennung der endgültigen
Fürſorge= und Koſtenerſatzpflicht für Hildegard Krah.
Hildegard Krah wurde vom Bezirksfürſorgeverband Frankfurt am
Main, weil ſie an epileptiſchen Anfällen leidet, in einer Pflegeſtelle
untergebracht und dann im ſtädtiſchen Kinderheim unterſtützt. Es wird
Abſchiebung ſeitens Dieburgs behauptet. Dieburg beſtreitet, daß das
Kind hilfsbedürftig geworden ſei. Der geforderte feſtgeſtellte Betrag
iſt 912,40 Mk. — Das Urteil ergeht nach Klageantrag.
3. Antrag des Kreisamts Heppenheim vom 24. Mai 1929 auf
Ent=
ziehung des dem Leonhard Florig zu Birkenau erteilten
Kraftfahrzeug=
führerſcheins.
Leonhard Florig ſoll nach dem Antrage der Schein auf eine gewiſſe
Zeit entzogen werden. Am 7. Juni 1928 (Fronleichnam) wurde durch
einen Zuſammenſtoß zweier Motorräder der Dentiſt Goß aus Fürth
verletzt. Florig wurde zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, die aber
vom Juſtizminiſterium in 200 Mark Geldſtrafe umgewandelt wurden.
Nach den Gerichtsakten liegt der Fall hinſichtlich der Schuldfrage nicht
ganz klar. Florig iſt im Baugeſchäft des Vaters tätig und benötigt
deshalb das Motorrad. Er wird von der Gendarmerie als vorſichtiger
Fahrer geſchildert und wird betont, der Verletzte ſei auf der falſchen
Straßenſeite gefahren. — Der Antrag des Kreisamts wird abgewieſen.
4. Berufung des Joſef Diſſer 2. zu Zellhauſen gegen das Urteil
des Kreisausſchuſſes des Kreiſes Offenbach vom 13. März 1929 wegen
Nichterteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft mit
Branntweinausſchank im Hauſe Bahnhofſtraße 101 in Zellhauſen.
Der Kreisausſchuß hat das Geſuch abgelehnt mit Rückſicht auf die
Aeußerung des Hochbauamtes, da man nach dem Umbau des Hauſes
von der Straße her zur Wirtſchaft hinabſteigen müßte. Der
Gemeinde=
rat hat die Bedürfnisfrage einſtimmig bejaht. Die veränderten
Bau=
pläne ſehen nun vor, daß die Beanſtandungen des Hochbauamtes
ent=
ſprechend berückſichtigt ſind. Die Decke ſoll gehoben werden. Zellhauſen
hat zurzeit 6 Wirtſchaften und 1475 Einwohner. Diſſer iſt
Kriegs=
beſchädigter (50 Prozent) und bezieht Rente. — Die Konzeſſion wird
erteilt unter Auflage beſtimmter Bauvorſchriften.
5. Geſuch des Ludwig Stock zu Bensheim um Erteilung der
Er=
laubnis zum Betriebe einer Schankwirtſchaft mit Branntweinausſchank
im Hauſe Rodenſteinſtraße 56.
Der Stadtrat in Bensheim und das Kreisamt Bensheim verneinen
das Bedürfnis. Der Geſuchſteller betont, ein Café, beſonders in Nähe
der Lichtſpieltheater, werde in dieſer Gegend der Stadt vermißt. Stock
iſt zu 100 Prozent Schwerkriegsbeſchädigter. Die Wirteorganiſation
bekämpft das Geſuch und fügt an, Bensheim habe 62 Wirtſchaften bei
10 200 Einwohnern. Der Bürgermeiſter legt dar, daß in Bensheim 47
Ausſchankwirtſchaften, 12 Gaſtwirtſchaften und 5 Cafés vorhanden ſind
deshalb verneine die Mehrheit des Stadtrats ein Bedürfnis. Mit
Rück=
ſicht auf Wohlfahrtspflege und Wohnungsweſen müſſe weiteren
Wirt=
ſchaften Einhalt geboten werden. — Der Vertreter des Geſuchſtellers
führt aus, die Rodenſteinſtraße ſei eine Hauptverkehrsſtraße, ſie komme
auch für den Ausflugsverkehr in Betracht. In Bensheim gebe es
Lokale, die den Namen Wirtſchaften nicht verdienten. Dieſer Umſtand
bilde keinen Grund, nun gerade ein neu zu errichtendes Café
abzuleh=
nen. Gerade in der heutigen Zeit würden nicht ſchlapp machende
Ge=
tränke vor alkoholiſchen bevorzugt, Stock wolle in erſter Linie einen
Café=
betrieb den Ausflugsgäſten bieten. — Das Geſuch wird abgewieſen.
6. Geſuch der Anna Scheib zu Darmſtadt um Erteilung der
Er=
laubnis zum Betriebe einer Gaſtwirtſchaft im Hauſe Schloßgaſſe 12.
Die gehörten Organe verneinen ein Bedürfnis. Dem letzten
In=
haber wurde die Konzeſſion entzogen, und zwar wegen ſeiner
perſön=
lichen Unzuverläſſigkeit. Das Geſuch wird abgewieſen.
7. Klage der Friedrich Böhm Erben zu Heppenheim gegen den
Polizeibefehl des Bürgermeiſters der Stadt Heppenheim vom 19.
März 1922
Eine ſechsköpfige obdachloſe Familie wurde in eine Wohnung im
Hauſe der Kläger eingewieſen. Die Klage beſtreitet die rechtliche
Zu=
läſſigkeit des Polizeibefehls; in die Rechtsſphäre von Privatperſonen
dürfe ein Polizeibefehl nicht eingreifen. Schadenserſatzanſprüche wegen
Amtspflichtverletzung behalten ſich die Kläger zu erheben vor.
In=
zwiſchen iſt die Wohnung geräumt und der Familie eine andere
Woh=
nung zugewieſen worden. Das Mieteinigungsamt hatte den Abſchluß
eines Zwangsmietvertrages mit der genannten Familie abgelehnt, und
die Stadt Heppenheim hat gegen dieſen Beſchluß Rechtsbeſchwerde nicht
verfolgt. — Das Urteil legt die Koſten der Stadt Heppenheim auf und
erklärt die Hauptſache für erledigt.
Aecztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärzt=
liche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufem. Wenn
dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 30. Juni 1929,
folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Bönning,
Erbacherſtraße 8, Telephon 2020; Dr. med. Leydhecker,
Heinrich=
ſtraße 23, Telephon 1975; Dc. med. Vidal, Stiftsſtraße 25, Tel. 1110.
— Chriſtlicher Verein junger Männer Darmſtadt E. V. Die für
heute abend ungeſetzte Mitgliederverſammlung fällt aus. Wir bitten
unſere Mitglieder, au dem Vortrag des Herm Paſtors D. Traugott
Hahn „Der neue Himmel und die neue Erde”, abends 8,30 Uhr in der
Martinskirche, teilzunehmen.
p. Ein junger Darmſtädter als Lebensretter. Der in Fachkreiſen
bekannte Theaterleiter der Ufa, Willy Bucher in Berlin, ein Sohn
des Amtsobergehilfen Bucher hier, rettete kürzlich eine junge Frau,
die ſich zu weit in die Havel gewagt hatte und vor Erſchöpfung
weit=
ab vom Ufer unterging. Bucher gelang es, die Frau an die
Ober=
fläche zu bringen und ſchwimmend ans Ufer zu ſchaffen. Sofort
ange=
ſtellte Wiederbelebungsverſuche hatten nach wenigen Minuten Erfolg.
Lokale Beranftalkungen.
Die hierunter erſcheinendes Notinen ſind ausſchließlich alt Hinwatfe auf Anzgen m Dcimachten.
in lemem Falle ngendwie als Beſprechung oder Krikf.
— Ehem. Jäger zu Pfarde Nr. 3, Colmar i. Elſ. Die
Mitglieder werden jetzt ſchon auf die am 6. und 7. Juli ſtattfindende
Denkmalseinweihung in Breiſach aufmerkſam gemacht. Abfahrt 6,47 Uhr
Hauptbahnhof Darmſtadt am Samstag. Näheres bei Kamerad Stein
hier, Pankratiusſtraße 1.
— Münchener Hofbväuhausfeſt. Im Wiener
Kronen=
bräukeller, iſt am heutigen Sonntag ein Feſt im „Münchener
Hoſbräu=
haus” vorgeſehen. Baheriſche Lindler und Schuhplattler werden nicht
fehlen. Der große Saal iſt für Tanz bei freiem Eintritt vorgeſehen.
(al. Anzeige.)
(.8e75
Friſch in den Urlaub!
Gehen Sie nicht matt und müde in den Urlaub, ſondern mit Kraft
und Energie geladen und kommen. Sie noch krä tiger zurück.
Ovo=
maltine iſt Energie in Blechdoſen. Sie iſt eine konzentrierte
Kraft=
nahrung, die den Magen, nicht belaſtet und überall leicht zubereitet
werden kann. Vor dem Urlaube und während des Urlaubes ſollten
Sie Ovomaltine nehmen. In Apotheken und Drogerien vorrätig; 250 gr
Büchſe RM. 2.70, 500 gr RM. 5.—. Gratisproben u. Druckſachen durch:
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen.
Tageskalender für Sonntag, den 30. Juni 1929.
Landestheater, Großes Haus, Anf. 19.30 Uhr Ende 22 Uhr, E 29:
„Intermezzo‟. — Kleines Haus Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr
Zuſatzmiete Vl: „Aufgang mur für Hernſchaften”. — Orpheum
abends 20 Uhr: Revue „Schlag auf Schlat
— Konzerte=
Schloßkaffee, Reichshof, Hotel Schmitz, Bockshaut, Sportplatz=
Reſtau=
rant, Kaffe Ganßmann, Alte Poſt, Darmſtädter Hof, Waldſchlößchen
Hotel Prinz Heinrich, Stadt Malaga, Bismarcheck. Kaffee Jöſt, Neues
Schießhaus, Hotel zur Poſt, Spaniſche Bodega, Neckartor. Zum
Kaplan, Odeon, Frankfurter Hof, Roſengarten, Neckartor. —
Lud=
wigshöhe machm. 16 Uhr: Konzert. — Herrngartenkaffee,
nachm. 16 Uhr und abends 20 Uhr: Künſtlevkonzert. —
Rum=
melbräu, nacm. 16 und ab nds 20 Uhr: Gartenkonzert.
Orangeriehaus, abends 20 Uhr: Rheiniſcher Abend. —
Aus=
ſtellung „Der ſchöne Menſch”, Mathilldenhöhe, 10—18 Uhr
— Kinovorſtellungen: Anſon=Theater, Palaſt=Lichtſwpiele.
Skarkenburg.
F.Eberſtadt, 29. Juni. Gemeinderatsſitzung. In der
geſt=
rigen Gemeinderatsſitzung, die von Bürgermeiſter Dr. Uecker geleitet
6 wurde, ſtand die Beratung des Gemeindevoranſchlags und des Voran=
RM.) an Mehrſteuern feſtgeſetzt und nur 30 RM. an Geldſtrafen ver= ſchlags des Gemeinde=Waſſerwerks für das Rechnungsjahr 1929 zur
Be=
ratung, nachdem ſich vorher in mehreren Sitzungen der Finanzausſchuß
ſchon eingehend damit beſchäftigt hatte. Die von dem Ausſchuß zu dem
Voranſchlag der Gemeinde gefaßten Beſchlüſſe bildeten verſchiedentlich
das Landesfinanzamt Darmſtadt als das 22. größte Landesfinanzamt Gegenſtand eingehender Ausſprache, bei der es vorübergehend auch zu
recht heftigen Auseinanderſetzungen über grundſätzliche Fragen einer
geordneten und geſunden Finanzpolitik in der Gemeinde Veranlaſſung
Hierüber hinaus wurde im Jahre 1928 bei den Landes=, Kirchen= gab. Die Beſchlüſſe wurden angenommen. Nur ein im Ausſchuß
ab=
gelehnter Antrag des Gemeinderats Gärtner, nämlich den unter
Nubrik 27 (Armenpflege) eingeſtellten Ausgabepoſten von 3000 RM. für
Winterbeihilfe an Hilfsbedürftige auf 5000 RM. zu erhöhen, wurde im
Plenum mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen. Dieſe Mehrausgabe
wurde durch einen Antrag des Gemeinderats Dächert, den unter
Nubrik 56 (Reſervefonds) vorgeſehenen Betrag von 10 000 RM. auf
8000 RM. herabzuſetzen, dem das Plenum mit Mehrheit zuſtimmte
wieder ausgeglichen. Der Voranſchlag fand ſchließlich bei der
Schluß=
abſtimmung Annahme. Die Abteilung 1: Für den Betrieb, weiſt in
Ausgabe einen Betrag von 511 641,81 RM., in Einnahme einen Betra
von 360 518,81 RM. aus, ſo daß ſich ein Fehlbetrag von 151 123 RM.
ſteuern und die Senkung der Steuerſtrafen im Jahre 1928 gegenüber ergibt, der durch Gemeindeſteuern aufzubringen iſt. Die von der
Ver=
waltung vorgeſchlagenen Ausſchlagſätze werden unverändert
angenom=
men und ſtellen ſich wie folgt: a) 30 Pf. von 100 RM. Steuerwert der
Gebäude und Bauplätze; b) 57,5 Pf. von 100 RM. Steuerwert des lan.
und forſtwirtſchaftlich genutzten Grundbeſitzes; () 55 Pf. von 100 RM.
Steuerwert des gewerblichen Anlage= und Betriebskapitals: 4) 1,80 RM.
von je 100 RM. Gewerbeertrag; e) 36/43 Pf. von je 1 RM.
Sonder=
gebäudeſteuerſoll des Staates. Anſchließend wurde der Voranſchlag des
Gemeinde=Waſſerwerks, der in Einnahme und Ausgabe mit 76 90.
RM. ſchließt, einſtimmig angenommen, d. h. ohne Abänderung
verab=
ſchiedet. Der Waſſerpreis bleibt wie bisher — 28 Pf. pro Kubikmeter —
beſtehen. Die planmäßige Anſtellung des bei der Gemeindekaſſe
be=
ſchäftigten Afſiſtenten Hoffmann, deſſen Probezeit am 15. Juni beendet
war, wird beſchloſſen. Das Baugeſuch des Hermann Bickelhaupt für
Errichtung einer Autogarage wird genehmigt, ebenſo ein ſolches des
Friedrich Carl, der in der Waldſtraße ein Wohnhaus erſtellen will.
Bezüglich der Bauvorhaben wird beſchloſſen, daß in dieſem Jahre die
Gemeinde — wie im Vorjahre — für die Baudarlehen als
Zwiſchen=
kredit bis zu ihrer hypothekariſchen Sicherung im Grundbuch die
Bürg=
ſchaft übernimmt. Nachdem der Einſpruch der Witwe Eller im
Bau=
landumlegungsverfahren zwiſchen der Neuen und Alten Darmſtädter
Straße auch durch den Provinzialausſchuß abgewieſen wurde, beſchließt
der Gemeinderat, daß das Verfahren ſeinen Fortgang nehmen ſoll. Das
Konzeſſionsgeſuch des Franz Frohnert, der im Hauſe Alte Darmſtädter
Straße 148 eine Wirtſchaft errichten will, findet bei der heute
wieder=
holten Abſtimmung eine Mehrheit von 13 Stimmen. Auch das
Kon=
zeſſionsgeſuch des Herrn Kaufmann, der in ſeinem Hauſe in der Alten
Darmſtädter Straße ein Kaffee errichten will, wird mit derſelben Stime
menzahl befürwortet. Eine Einladung der Turngeſellſchaft zur
Teil=
nahme an dem Gauturnfeſt, das am 6., 7. und 8. Juli hierorts
ſtatt=
findet, wird zur Kenntnis genommen. Hierauf geheime Sitzung.
Aa. Eberſtadt, 29. Juni. Impfung der Erſtimpflinge.
Die Impfung der Erſtimpflinge, alſo der im Jahre 1928 geborenen
Kinder, findet am kommenden Dienstag, nachmittags 3 Uhr, in der
Georgenſchule in einem Schulſaal ſtatt. Die Nachſchau wird acht Tage
ſpäter, am Dienstag, den 9. Juli, ebenfalls um 3 Uhr, in der
Georgen=
ſchule vorgenommen. — Baulandumlegung. Nach amtlicher
Mitteilung iſt die „Baulandumlegung Darmſtädter Straße” beſchloſſen.
Während der Dauer des Umlegungsverfahrens iſt die Errichtung von
baulichen Anlagen jeder Art ſowie der Uebergang zu einer
Bewirtſchaf=
tung des Grundſtücks, die von der bisherigen oder gewöhnlichen Art der
Bewirtſchaftung erheblich abweicht und geeignet iſt, das
Umlegungsver=
fahren zu verhindern, zu erſchweren oder zu verzögern, in dem
Um=
legungsgebiet unterſagt. Im Widerſpruch mit dem Verbot errichtete
Bauten oder wirtſchaftliche Umänderungen bleiben im
Umlegungsver=
fahren unberückſichtigt. — Offenlegung des
Gemeindevor=
anſchlags. Der vom Gemeinderat in der vergangenen Woche
geneh=
migte Voranſchlag der Gemeinde Eberſtadt ſowie des
Gemeindewaſſer=
werks für das Rechnungsjahr 1929 liegt von Montag ab auf die Dauer
einer Woche auf der Bürgermeiſterei zur allgemeinen Einſicht offen. —
Im Kurhotel „Schweizerhaus” iſt ein neuer Billardſaal entſtanden. —
Die Lämmchesberg=Siedlung zwiſchen Main=Neckarbahnhof
und dem weſtlichen Ortsteil umfaßt bereits drei Straßenzüge mit über
40 Wohnhäuſern, die ſämtlich erſt in den letzten Jahren entſtanden ſind.
Gegenwärtig ſind in der Siedlung drei neue Wohnhäuſer im Bau
be=
griffen.
Cp. Pfungſtadt, 29. Juni. Beglaubigung von
Renten=
quittungen. Nachdem ein Teil der Rentenquittungen bereits
be=
glaubigt iſt, können weitere Beglaubigungen noch am kommenden
Mon=
tag vormittag (8 bis 10 Uhr) erfolgen. — Anfang Juli finden hier, in
Hahn und Eſchollbrücken Beſichtigungen von Verſuchen
der Landwirtſchaftskammer ſtatt. Die Beſichtigungen in
Pfungſtadt und Hahn ſind an einem Tage (Dienstag, 2. Juli); die
Be=
ſichtigung in Eſchollbrücken iſt für den 5. Juli vorgeſehen. Die erſteren
werden von Ackerbautechniker Hammel=Darmſtadt und die Eſchollbrücker
Beſichtigung wird von Ackerbautechniker Schäfer=Darmſtadt geleitet.
Cp. Pfungſtadt, 29. Juni. Die Heugrasverſteigerung von
hundert Morgen Gemeindewieſen erbrachte bei einem Erlös von 30—80
Mark je nach Güte eine Geſamteinnahme von 4887 Mark. — Hohes
Alter. Die Witwe Marie Riehl in der Niedergaſſe konnte heute
Samstag ihren 86. Geburtstag begehen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 29. Juni. Außerordentliche
Gemeinde=
ratsſitzung. Der Bericht über die Verhandlungen mit dem
Wirt=
ſchaftsminiſterium über die Gewährung verbilligter Baudarlehen wird
zur Kenntnis genommen, ebenſo derjenige über den Stand der bis jetzt
geleiſteten Anzahlungen auf die neu erbauten Häuſer in der Hochſtraße.
Es wird beſchloſſen, für dieſes Jahr zunächſt nur noch vier weitere
Ein=
familienhäuſer in der Hochſtraße zu errichten, wofür verbilligte
Bau=
darlehen bereits in Ausſicht geſtellt ſind. Des weiteren ſollen zur
Be=
hebung der dringendſten Wohnungsnot zwei Flachbauten mit je einer
Zweizimmer= und Dreizimmerwohnung errichtet werden, die
hauptſäch=
lich für ſolche Wohnungsſuchende gedacht ſind, die anderwärts keine
Un=
terkunft finden können. Ueber die Platzfrage hinſichtlich der Flachbauten
wurde die Beſchlußfaſſung ausgeſetzt. Die Baukommiſſion wird
beauf=
tragt, geeignete Vorſchläge zu machen. — Der beabſichtigte
Wohnhaus=
neubau der Geſchwiſter Leißler auf ihrem eigenen Gelände im Gewann
„Hach” macht eine Fluchtlinienänderung notwendig dahingehend, daß
die vor dem projektierten Hauſe Leißler gelegene Straße 8 beſtehen bleibt,
aber nicht, wie projektiert, bis zur Salbendgaſſe durchgeführt wird,
ſon=
dern bei der verlängerten Bahnhofſtraße endigt. Dagegen ſoll parallel
zur Straße 8 eine Querſtraße, an der Salbendgaſſe bei Parzelle 248
be=
ginnend, bis zur Hochſtraße durchgfeührt werden. Im übrigen findet
das Baugeſuch nach den vorgeſchlagenen Aenderungen die Genehmigung.
G. Ober=Ramſtadt, 29. Juni. Rentenzahlung. Für die am
Montag, den 1. Juli, ſtattfindende Nentenzahlung (Invaliden=, Witwen=,
Waiſen= Unfall=Renten) iſt diesmal wieder die Beglaubigung der
Quit=
tungen durch die Bürgermeiſterei erforderlich.
r. Babenhauſen, 29. Juni. Die von den Höheren Bürgerſchule om
Freitag vommittag ve
mſtaltete Gedemkſtunde an den ſchmachvollen
Verſailler Friedensb
trag mahm einen eindrucksvollen Verlauf. Die im
Mitellpumkt ſtehende, in amſchaulich=ſchlichter Form gehaltene Anſprache
des Herrn Studienvats Weiß war umpahmt von paſſenden Liedern
und Gedichtvorträgen.
Al. Höchſt i. Odw., 29. Juni. Vom Gewerbeverein. Der
Gewerbeverein Höchſt hielt geſtern abend im Gaſthaus „Zum
Schützen=
hof” eine erfreulicherweiſe ſehr gut beſuchte Verſammlung ab, ein
ſchöner Beweis für das Intereſſe, das dem Verein und ſeinen
Beſtre=
bungen entgegengebracht wird. Die Hauptpunkte der Tagesordnung
bildeten die im September d. J. ſtattfindende Landwirtſchaftliche und
Gewerbliche Ausſtellung und die Beratung der neuen Statuten, mit
dem Zweck der Eintragung des Vereins in das Vereinsregiſter.
An=
läßlich der Ausſtellung iſt eine Freiloslotterie geplant, deren Loſe bei
einem Einkauf von 3.— RM. gratis verabfolgt werden ſollen und eine
große Anzahl ſchöner Gewinne vorſieht. Der Ziehungstermin iſt auf
den 15. Oktober feſtgeſetzt. Die Beratung der neuen Satzungen wurde
für eine außerordentliche Generalverſammlung zurückgeſtellt. Weiter
ſoll die Verlängerung der Fernſppech=Dienſtſtunden beim hieſigen
Poſt=
amt angeſtrebt werden, für die ſich alle anweſenden Fernſprechteilnehmer
ausſprachen. Nach einer Berechnung des Poſtamtes erfordert dieſe
un=
bedingt nötige Neuerung nur den geringen Gebühren=Mehraufwand
von monatlich 85 Pfennig pro Anſchluß. Im Intereſſe der
Allgemein=
heit wäre es ſehr zu begrüßen, wenn ſich die erforderliche
Zweidrittel=
mehrheit der Fernſprechteilnehmer des hieſigen Poſtamtes in der zur
Zeit zirkulierenden Liſte einzeichnen würden, zumal Nachbargemeinden
ſchon längſt dieſen Vorreil genießen. Ein reger Gedankenaustauſch
bildete den Schluß der Verſammlung.
Nummer 129
Heſſenfahrt des Deutſchen Grünlandbundes.
Vorige Woche fand auf Einladung der Landwirtſchaftskammer für
Heſſen und des Vereins zur Förderung der Grünlandwirtſchaft in Heſſen
und Nachbargebieten e. V. eine große Rundfahrt führender Landwirte
aus ganz Deutſchland durch unſer Heſſenland ſtatt, über die wir im
einzelnen aus den beſuchten Städten und Ortſchaften bereits berichtet
haben. Außer dem Odenwald (Michelſtadt uſw.) erhielt auch das in der
Gemarkung Ulrichſtein gelegene Verſuchs= und Muſtergut der
Landwirt=
ſchaftskammer mit einer großen Autokolonne den Beſuch zahlreicher
Landwirte aus ganz Deutſchland, die anläßlich der Heſſenfahrt des
Deutſchen Grünlandbundes den oberen Vogelsberg aufſuchten. Vor der
Führung hier hatten ſie in Oberheſſen bereits das Hofgut Engelthal
und die Jungviehweide der Gemeinde Gedern geſehen, in
Hartmanns=
hain zu Mittag gegeſſen und auch der Jungviehweide in Engelrod einen
Beſuch abgeſtattet. Auf dem Selgenhof zeigte der Generaldirektor der
Landwirtſchaftskammer, Herr Oekonomierat Dr. Hamann, der hierbei
durch Herrn Generalſekretär Dr. Wagner=Gießen und einige weitere
Beamten der Landwirtſchaftskammer unterſtützt wurde, vor allem die
zahlreichen Grünlandverſuche, die dort ſeit Jahren durchgeführt werden
und außerordentlich wertvolle Erfahrungen für die Umſtellung der
Landwirtſchaft im oberen Vogelsberg zeitigten. Auf dem Selgenhof iſt
hiermit wertvolle Vorarbeit zur Löſung der Fragen eingeleitet, die
durch die Regierungsvorlage und Landtagsverhandlungen über die
För=
derung der Landwirtſchaft im oberen Vogelsberg jetzt lebhafteres
In=
tereſſe der Oeffentlichkeit finden.
Neben den Grünlandverſuchen fand auch die Rotviehzucht
lebhaf=
teſtes Intereſſe, iſt doch ſeit Uebernahme des Hofes durch die
Landwirt=
ſchaftskammer in planmäßiger Züchterarbeit dort aus der
bodenſtän=
digen Vogelsberger Rindviehraſſe eine Herde entſtanden, die weit über
Heſſens Grenzen hinaus Bewunderung erregt und zeigt, daß im
Vogels=
berg eine blühende Rindviehzucht aufgebaut werden kann, wenn nur ein
klargeſtecktes Ziel feſt ins Auge gefaßt wird.
Nach einem ausführlichen Rundgang wurde im Freien kurz eine
kleine Erfriſchung eingenommen und weiter ging dann die Fahrt über
Unter=Seibertenrod, wo der dortige Rinderzuchtverein noch eine ſchöne
Sammlung ſeiner Rotviehzucht zeigte, nach Gießen, wo am nächſten
Tage die Verſuchsfelder der Univerſitätsinſtitute und das
Univerſitäts=
verſuchsgut beſichtigt wurden.
b. Erbach i. O., 29. Juni. Künſtlererfolg. Das Heſſiſche
Kul=
tusminiſterium hatte vor einiger Zeit die hefſiſche Künſtlerſchaft zur
Ab=
gabe von Entwürfen zur Einführung einer Medaille aufgefordert, die
in Zukunft vom Staatspräſidenten als Staatspreis zur Auszeichnung
von Kunſtwerken und Ausſtellungen verliehen werden ſoll. Für die
beſten Entwürfe waren insgeſamt drei Preiſe ausgeſetzt. Die Herren
Fachlehrer Straub und Frölich der hieſigen Fachſchule für
Elfenbein=
ſchnitzerei und verwandte Gewerbe, die ſich an der Konkurrenz
gemein=
ſam beteiligten, konnten den 2. und 3. Preis erringen. —
Männer=
geſangverein Liederkranz‟. Der Verein unternimmt am
Sonntag, den 30. d. M., einen Ausflug nach Ober=Moſſau anläßlich der
Fahnenweihe des dortigen Bundesvereins. Abmarſch 12 Uhr am Gaſt=
— Eulbacher Markt. Die
Vorbe=
haus „Zur ſchönen Ausſicht
reitungen zur Feier des diesjährigen großen Volksfeſtes ſind in vollem
Gange. Verkaufs= und Schaubuden ſowie Karuſſells und andere
Ge=
ſchäfte haben ſich bereits in großer Zahl gemeldet. —
Heidelbeer=
ernte. Mit der Heidelbeerernte wird — wenn man die großen
Schä=
den an den vielen noch unreifen Früchten berückſichtigt — leider noch
allzu früh, allenthaltben begonnen. Die Händler zahlen pro Pfund
etwa 30 Pfg., ein Preis, der nicht allzu hoch, wohl nicht gehalten
wer=
den kann. — Kirchenſteuer. Die dieſer Tage in die Häuſer „
ge=
flatterten” Kirchenſteuerbeſcheide brachten, wie dies bei derartigen Sachen
immer der Fall, viel Verdruß. Der evangel. Kirchenvorſtand hat zur
Entgegennahme von Anträgen auf Erlaß und Ermäßigung (ſoweit nicht
die Beſchwerde an das Kreisamt geboten iſt) Sprechſtunden im
Ge=
meindehaus Erbach eingerichtet, die am 2., 3., 4. und 5. Juli,
nachmit=
tags von 4—7 Uhr, ſtattfinden. Nur bis 12. Juli eingelaufene
Rekla=
mationen finden Berückſichtigung.
m. Beerfelden, 29 Juwi. Ein alter Feuerwehrmann †.
Belegentlich des 50jährigen Vereinsjubiläums der hieſigen Feuerwehr
Herr Adam Eifert
am letzten Sonntag konnte mitgeteilt werden, daß
für 50jährige Zugehövigkeit eine vom Miniſteviuum erteilte Ghrenurkunde
erhielt, und daß er zu den Gründern der Wehr gehörte. Dieſe Freude
eit, demn geſtem wunde er bereits zu Grabe
ge=
überlebte er nur Eu
ze
tragen. Die Feuerwehrkapelle widmete ühm auf dem Weg zum Grabe
mierte die
ud dort einige Weiſſen, der Geſangverein Sängerkranz in
Trauerchöre, Herr Pfarver Colin würdigte den Entſchllafenen als Menſch
Chriſt, der Präſident der Wehr, Herr Lenz, bei der
Kvonznieder=
un
leguung als treuen Vereins= und Wehrmann, uund eine Gruppe des
Krie=
gevvereins gab die Ehnenſalve über ſein Grab hin ab. — Aus der dieſer
Tage ſtattgehabten Hauptverſammlung der hieſigem Ortsgwuppe des
Odenwaldklubs iſt enwähmenswert, daß ihr überaus eifriger
Vor=
ſitzemder, Herr Kauzfmann Willenbücher, einſtimmig wiedengewählt wurde,
Herr Poſtmeiſter Sola wurde in Anerkenmung ſeiner Verdienſte zum
zweiten Vorſitzenden ebenfalls eimſtimnmig gewählt, Herr Rendant
Hof=
mann wieder zum Schriftführer, Herr H. Schäfer neu zum Rechmer. Es
wurde bekanntgegeben, daß am 15. September hier eim Treffen ſämtlicher
Outsgmuppen des Mümlingtales vorgeſehen iſt, ferner die Waldſecanlage
im oberen Gammelsbacher Tal, am ſogenannten Gänsbrunnen hier, bald
ührt wird. Kommendem Sonntag beſucht die Ortsgrppe die
ausgefü
Hauptverſammlung in Buchen, und wm 3. und 4. Auguſt d. J. wird die
Zweitagestour Rhein=Nage ausgeführt werden.
* Wald=Michelbach, 28. Juni. Selbſtmord eines 82jähr.
Mannes. Eim 82jähr. penſionierter Briefträger von hier hat ſich
geſtern un ſſeiner Scheuer erhängt. Der alte Mann hatta erſt vor lurzem
ſſem Anweſſen an einen Bächevmetſter für 11000 Mark verkauſt. Die
Urſache dürfte im Kranßheit zu ſuchen ſein.
Ca. Klein=Hauſen, 29. Juni. Die erſten Kartoffeln eigner Züchtung
hat der Landwirt Lorenz Scheller dahier auf ſeinem Grundſtück
ge=
erntet. Es handelt ſich um „Odenwälder Blaue”. In einem Stock von
1.10 Meter Höhe fanden ſich 42 Kartoffeln vor.
By. Langen, 28. Juni. Aus dem Gemeinderat. Das
Ge=
ſuch des Fabrikbeſitzers Frick, welcher zu dem Fabrikneubau das Waſſer
zu einem eumäßigtem Preiſe beziehen möchte wird abgelehnt. — Die
Bewohner der Fahrgaſſe, in der der Hauptdurchgangsberkehr zwiſchen
Darmſtadt und Fromkfurt ſtattfindet, hatten gebeten, dieſe Straße als
Gimbahnſtraße zu erkläven. Dies Geſuch wuurde aus Gründen der
Bweck=
mäßigkeit abgelehnt. — Der Reichsbuud der Kriegsbeſchädigten,
Orts=
gruppe Langen, hat die Abſicht, eimen Gedenkſtein für die Gefallenen
am Meſſeler Weg zu errichten uund bittet den Gemeinderat um
Stellung=
mahme zu dem Projekt. Die Mehrheit desſelbem iſt jedoch für eine
Er=
richtung des Gedenkſteines auf dem Friedhof. — Die Reichspoſt möchte
an dem neuen Poſtgebäude im der Bahnſtraße eine dicke Gartemmauer
auf dem Gelände der Gemeinde errichten. Der Gemeinderat beſchließt,
michts dagegen zu haben, wemn die Mauer bei einer Stävke vom 12—15
— Nach dem
Zemtimeter zur Hälfte auf die Grenze zu ſtehen kommt.
ſter 4500
Feſt=
vom Forſtamt aufgeſtelltem Plan ſind im kommenden 2
meter Holz zur Fällung vongeſehen; was genehmigt wird.
Cp. Dietzenbach, 29 Juni 90. Geburtstag. Die älteſte
Ein=
wohnerin des Ortes, Witwe Friederike Weilmünſter, konnte dieſer
Tage ihren 90. Geburtstag begehen. Ihr wurden viele Ehrungen zuteil.
Cm. Wallerſtädten, 29. Juni. Verkehrsunfall. Herr J. aus
Geinsheim kam mit ſeinem Motorrad von Groß=Gerau in ſchnellem
Tempo. Am Ortseingang ſtieß er mit einem Radfahrer zuſammen.
Beide Fahrer ſtürzten. Der Radfahrer erlitt eine Armverletzung und
mußte ſein Rad wegen ſtarker Beſchädigung unterſtellen. —
Poſt=
agentur. Die hieſige Poſtagentur, die wahrſcheinlich nächſter Tage
eröffnet wird, wird von dem Kriegsbeſchädigten, Schuhmachermeiſter
Flach, verwaltet werden.
Sonntag, den 3 0. Juni 1929
Geite 7
Berit auer vie wieiſchaftt, suge des Hanoiderts ii Mondt Janl=
RH. Vom Reichsverband des deuutſchen Handwerks wird uns
ge=
ſchrieben: Bei Beunteillung der wirtſchaftlichem Lage des Handwerks im
Monat Juni iſt feſtzuſtellen, das ſowohl örtlich, als auich beruflich
außerordentlich ſtarke Unterſchiede vorhanden ſind uund infolgedeſſen ein
einheitliches Bild nicht gegeben werden kann. Ueberwiegend läßt ſich
allerdings wohl ſagen, daß die in den Vormonaten gemeldete Beſſerung
des Geſchäftsganges ſich hat halten können, bzw. langſam vorwärts
ge=
ſchritten iſt. Eine wirklich fühlbare Belebung erfolgte im der
Haupt=
ſache jedoch nur in Gpoßſtädten. Zufriedenſtellende Preiſe konnten auch
bei geſteigertem Auſtragseingang nur weig erzielt werden. In
Ge=
genden, in denen es gelungen war, die Schwierigkeiten im der
Fimanzie=
rung der Bauvorhaben zu überwinden, hat ſich die Bautätigkeit lebhaft
entfaltet. Ueberwiegend wurde jeboch die Hoffnung, die das
Bauhaupt=
gewerbe auf die diesjährige Saiſon geſetzt hatte, micht erfüllt. Die
Bau=
tätigkeit blieb im allgemeinen infolge der Schwierigkeiten, T
zu tnagbarin Zinſen zu beſchaffen, geringer als im Vorjahr. Di
je
Bau=
nebengewerbe hatten infolge der Zunahme des Innemausbaues in den
ſetzten Wochen eine Belebung aufzuweiſen. Nachteilig wirkten für die
Geſtaltung der Geſchäftslage der Betviebe die zahlreichen
Lohn=
ſteigerungen.
Von den übrigen Handwerksberufen waven vor allem
Handwerks=
zweige gut beſchäftigt, die durch die Reiſezeit beeinflußt waren. So war
beiſpielsweiſe im Sattlerhandwerk das Verkaufsgeſchäft durch den Abſatz
von Koffern und ſonſtüigen Reiſeartibeln weſentlich lebhafter als im den
Vormonaten. Auch die Bekleidungshandwerbe hatten in der
Berichts=
zeit einen überraſchend guten Geſchäftsgang aufzuweiſen. Ungünſtiger
lagen die Verhältniſſe in den Hondwerksberufen, für die keine Belebung
aus Saiſongvünden im Frage kam. So ließ beiſpielsweiſe die Beſchäf=
Böttcher= uſw.
vigurng im Tiſchberhandwerk, Buchdrucker=, Buchbinder=,
Handwerk ſehr zu wünſchen übrig. In den Nahrungsmittelhandwerken
erſuhren die Abſatzverhältniſſe, wie ſtets im der wawmen Jahreszeit,
einen Mückgang.
Von weittragender Bedeutung war in der Berichtszeit die Erhöhung
des Reichsbanddiskonts, ſowie die von der Reichsbank vorgenommenen
Kreditreſtriktionen, die vor allem zu einer Bedrohung der Bauwürtſchaft
führten. Dieſe Kredſitreſtriktionen haben, wie mehrere Kammern
be=
richten, micht wenige Sparkaffen vevanlaßt, für eine Reihe von
Bauvor=
haben die Gewährung von Sparkaſſenhypotheken abzulehnen, ſo daß
zahlreiche private Beuvorhaben nicht in Angriff genommen werden
konmten. Dia Klagen über ſchlechten Zahlungseingang ſind im
Berichts=
monat beſonders lebhaft geworden. — Der Arbeſitsmarkt hat ſich
wei=
terhin in den gut beſchäftigten Handwerksberufen gebeſſert. Jedoch
reichten die Beſchäftigungsmöglichkeiten nur in ſeltenen Fällen aus um
ſämtliche zur Verfügung ſtehenden Geſellen einzuſtellen. Die
Lohn=
besegung iſt noch micht zum Stillſtand gekommen. In mehreren
Hand=
werksberufen mußten bereits erhöhte Löhne zugeſtanden werden.
Schwierigkeiten in der Beſchaffung der Rohſtoffe werdem kaum
ga=
meldet. Die Höhe der Rohſtoffpreiſſe blieb übewwiegend umwerändert.
— Hirſchhorn, 29. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
28. Juni 0,70 Meter, am 29. Juni 0,70 Meter, morgens 5 Uhr.
— Gernsheim, 29. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
28. Juni 1,10 Meter, am 29. Juni 1,00 Meter, morgens 5 Uhr.
ie magern ab
an welcher Körperstelle Sie wollen. Ohne
Körper-
bewegung, ohne Diät, ohne Chemikalien zu nehmen, ohne
Bäder, Rein äußerlicher Gebrauch. Sichtbares
Re-
sultat bereits am 6. Tage. — Schreiben Sie an Frau
Schweitzer Wiesbaden, Goebenstraße 19, welche
Ihnen gern und kostentrei das eintache und wirksame
Mittel angibt, welches Sie selbst mit großem Erfolg
angewendet hat.
(TV. 9665
Vermögen des Vereins beträgt nach dem vorgetragenen
Rechnungs=
bericht Ende 1928 2691,57 Mark. Die Neuwahlen ſahen als erſten
Vor=
ſitzenden den ſeitherigen Schriftführer Fritz Feldmann. In der
Aus=
ſprache behandelte man Verkehrswerbung, Verſchönerung des
Rhein=
ufers uſw.
Oberheſſen.
Ck. Groß=Gerau, 29. Juni. Wohnbaracken für Exmitierte.
In Groß=Gerau liegen neuerdings wieder mehrere vollſtreckbare Urteile
gegen Mieter vor, die auf die Straße geſetzt werden. Als Notbehelfe
wird die Stadt bei der Neumühle durch Wohnbaracken acht Wohnungen
erſtellen. Nach dem Bauplan von Regierungsrat Diefenbach koſten vier
Wohnungen zehntauſend Mark. Eine Wohnung enthält eine
Wohn=
küche und zwei Schlafräume. — Außerdem plant die Stadt die
Er=
richtung eines Vierfamilienwohnhauſes für
Fi=
nanzbeamte und eines gleichen Baues für Staatsbeamte
Die Miete ſoll 120 Prozent der Friedensmiete betragen. Der
Reichs=
arbeitsminiſter hat den Finanzierungsplan bereits genehmigt und die
Ausſchreibung der Arbeiten wurde beſchloſſen. Der heſſiſche Staat
ge=
währt für jede Wohnung ein Arbeitgeberdarlehen in Höhe von 6000
Mark, zu 3 Prozent verzinslich und 0,5 Prozent Tilgung, außerdem
ein verbilligtes Darlehen aus der Sonderſteuer in Höhe von 3000 Mark
pro Wohnung, ſo daß die Stadt pro Wohnung insgeſamt 9000 Mark
erhält. Zwei andere Vierfamilienhäuſer werden in der
Weingartenſtraße errichtet. Hierfür wurden die Arbeiten bereits
ver=
geben. — Ein weiterer Neubau bzw. Umbau wird in der
Darm=
ſtädter Straße am Marktplatz demnächſt in Angriff genommen werden.
Es handelt ſich um den Bau der Bezirksſparkaſſe für den Kreis
Groß=Gerau. Beabſichtigt iſt ein Vorbau, der ſich vom zweiten
Stock=
werk an über den Bürgerſteig erſtreckt und von Säulen geſtützt wird.
Das neben dem jetzigen Sparkaſſengebäude liegende alte Fachwerkhaus
wird abgebrochen und das neue Gebäude nach dieſer Nichtung hin
ver=
breitert, ſo daß die Kreisſtadt hier ſicherlich einen recht impoſanten Bau
gewinnen dürfte. — Die Einquartie rung der franzöſiſchen
Be=
ſatzungstruppen iſt heute im Laufe des Vormittags erfolgt. Die
Offi=
ziere wurden ſämtlich in Privatquartieren untergebracht. Auch die
um=
liegenden Ortſchaften, wie Büttelborn, Klein=Gerau und Mörfelden,
haben Einquartierung erhalten. Eventuell verurſachte Schäden müſſen
ſofort nach Abzug der Truppen auf den Bürgermeiſtereien gemeldet
werden. — Der Waſſerturm des Waſſerwerks Gerauer Land geht
nunmehr ſeiner Vollendung entgegen. Auch der Waſſerbehälter wurde
jetzt fertiggeſtellt. Vorausſichtlich wird am 1. Auguſt mit der
Waſſer=
verſorgung der Verbandsgemeinden des Gruppenwaſſerwerks begonnen.
P. Rüſſelsheim, 29. Juni. Im Dreieichwalde wurden innerhalb
der letzten Woche drei Wildſchweine erlegt. Es handelt ſich
um junge Tiere, die von Wildſchweinen ſtammen, welche vor 2 Jahren
durch den verſturbenen Jagdpächter Heinrich von Opel in den Mönch=
— Im
be=
bruchwaldungen in freier Wildbahn ausgeſetzt wurden.
nachbarten Aſtheim wurden nachts einem Lehrer aus dem Garten
ſämtliche Erdbeeren geſtohlen.
Ah. Nierſtein (Rhein), 29. Juni. Vereinzur Wahrung der
Intereſſen Nierſteins. Der Verein zur Wahrung der
Inter=
eſſen Nierſteins hatte jetzt eine mäßig beſuchte Generalverſammlung, in
der man zunächſt durch den Tod ausgeſchiedenen Mitgliedern gedachte.
Anſchließend berichtete der Vorſitzende in eingehender Weiſe über die
vielſeitige Tätigkeit des Vereins und die Arbeit des Vorſtandes im
be=
ſonderen. Die Beſtrebungen des Vereins müſſen, ſo führte der
Vor=
ſitzende aus, in der breiten Oeffentlichkeit mehr Intereſſe finden. Das
* Friedberg, 28. Sumi. Goldene Hochzeit feiern am Sonntat
das Ehepaar Max Kahn zu Friedberg und Handelsmann Heinrich
Schneider IV. zu Bad=Nauheim.
WSN. Gießen, 29. Juni. Der Matthias=Tempel in
Oberheſſen. Einer Anregung des Staatsrats Dr. Weber folgend,
hat die Provinz Oberheſſen — wie ſchon kurz gemeldet — zur
Erin=
nerung an ihren allzu früh verſtorbenen Provinzialdirektor Matthias,
unter deſſen Amtsführung die Vollendung des Lißberger
Waſſerkraft=
werks fiel, ein E=innerungszeichen errichten laſſen, das ſich oberhalb des
Stauweihers im Hillersbachtal zwiſchen Hirzenhain und Lißberg auf
wal=
diger Anhöhe erhebt. Ein maſſiver bollwerkartiger Unterbau von 5
Metern Durchmeſſer, aus dem an Ort und Stelle gewachſenen Baſalt
aufgebaut, bildet eine Plattform, die von einem Schutz= und
Ausſichts=
tempel gekrönt wird, deſſen Holzwerk aus den ſtaatlichen Waldungen
der Oberförſterei Konradsdorf ſtammt. Abgeſehen von dem mächtigen,
½ Meter ſtarken Mittelpfoſten, der achtkantig behauen iſt, ſind alle
an=
deren Konſtruktionsteile aus Naturrundholz gezimmert. Als
Dachdek=
kung wurde die einheimiſche Holzſchindelung gewählt. Von der vor
dem Bollwerk angelegten Terraſſe führen beiderſeits maſſive
Stein=
treppen zur Tempelplattform. Der Bildſchmuck auf der eingelaſſenen
Steinplatte in der Vorderwand des Underbaues iſt von Künſtlerhand
geſchaffen und bringt zum Ausdruck, wie aus der Waſſerkraft die
elek=
triſche Kraft gewonnen wird. Eine ebenfalls künſtleriſch ausgeführte
kleine Bronzetafel auf der Rückſeite des eichenen Mittelpfoſten
ent=
hält die Widmung der Provinz. Die Arbeiten wurden nach dem
Ent=
wurf des Hochbauamtes Büdingen unter deſſen Leitung ausgeführt.
Die Zufahrtsſtraße und die Zugangswege wurden von dem Forſtamt
Konradsdorf hergerichtet und mit Ruheplatz und Kochgelegenheit für
alte und junge Wanderer verbunden. Von dem Tempel genießt man
eine ſchöne Ausſicht durch den Buchenwald auf den Weiher. Die
feier=
liche Uebergabe des Erinnerungsmals findet am 7. Juli ſtatt.
— Gießen, 29. Juni. Die Aufführung des Gleiberg=
Feſtſpiels brachte dem Stadttheater ein vollbeſetztes Haus. De
Feſtfpiel ſpielt in der Zeit des Kaiſers Heinrich IV., der Verfaſſer iſt
Rudolf Schmehling aus Hagen i. Weſtfalen. Er gibt uns einen Blick
in die überreiche Geſchichte des Gleibergs, die er mit viel Geſchick
wir=
kungsvoll geſtaltet. Die Leitung des Feſtſpiels hat Paul Gehre vom
Stadttheater übernommen, die Bühnenbilder des Karl Löffler
gabe=
ein getreues Bild des Gleibergs. Die beiden Grafen vom Gleiber
wurden von Schauſpielern Teleky und Knur, das reizende Burgfräulein
von Luiſe Becker dargeſtellt. Die geſamte Aufführung fand eine
dank=
bare Zuhörerſchaft, die zum Schluß den Dichter und die Schauſpieler
mit ſtürmiſchem Beifall feierten.
— Lauterbach, 29. Juni. Der Kreistag des Kreiſes
Lau=
terbach tagte unter dem Vorſitz von Kreisdirektor Dr. Michel. Das
abgelaufene Rechnungsjahr zeigte einen Kaſſenreſt von 20 802,65 Mk.,
das Aktivvermögen beträgt 91 126 Mk. Der Voranſchlag für 1929 wurde
in Höhe von 246 029 Mk. in Einnahme und Ausgabe angenommen.
Den größten Teil der Ausgaben bilden die Wohlfahrtspflege,
Geſund=
heitpflege, Erwerbsloſen= und Wohnungsfürſorge, nämlich 137 237
Mark. Die Kreisſteuer wurde mit 82 000 Mk. feſtgeſetzt.
m. Aus dem Lande, 28. Jum. Landwirtſchaftliches. Die
Landwſrtzſchaftskammer weubindet in ihren Belehnungem bei dem
Land=
wirten von Jahr zu Jahr in ſteigendem Maße mit der Theorie auuch die
Pnaxis und ſtellt entweder ſelbſt Verſuche am oder unterſtützt und fördert
die Verſuche von Landwirten die auf dieſem Gebict ihren
Berufs=
kollegen vovauseilen. Hauuptſächlich in dem erſten Julitagen ſollen nun
Beſichtigungen der Verſuche der Landwirtzſchaftskammer ſtattfim
aſter
zwar uunter der Leitung von Ackerbautechniblern der Landwirtſch
mer; es iſt zumächſt der Beſuch von 28 Orten, verteilt auf die dwei
Pro=
wimzen des Landes, vongeſehen. — Parallel zu dieſſer Tätigbeit der
Lond=
wirtſchaftsbammer laufen die Gemarkungsrundgänge der Landwirtſchafts=
ämter. So hat das Landwiurtſchaſtsamt Dapmſtadt Rundgänge an
heim
Orten, das Landwirtſchaftsamt Groß=Umſtadt am 12 Orten, Heppemh
an 6 Orten, Miſtelſtadt gur 18, Büdimgen au 7. Butzbach an 18, Lich an 3,
Sprendlingen (Rheinheſſen) an 17 Ouen angeſetzt. Zu dieſſem
Rund=
der
Fort=
gängen werden auch jmmer die londwirtſchaftlichen Klaſſen
Die
Land=
bildungsſchulen in dem betueffenden Bezirken eingeladen. —
wirtſchaftskammer hat für langjährige treue Dienſte an
landwirtſchaft=
m. und zwar:
liche Dienſtboten eine Reihe von Auszeichnungen verlie
eine Ehrenurbunde für 10jährige umnderbrochene Diemſtzeit un meun
männliche und drei weibliche; die Bronze=Mebgille für 25jährige
uunumter=
bnochene Dienſtzeit an drei männliche; die Bronze=Broſche für Bjährie
zumumuerbrochene Dienſtzeit an eine weſbliche: die ſilbeme Broſche für
40jährige umumterbrochene Diemnſtzeit an zwei weibliche; die mit
Me=
daillen uund Broſchen Ausgezeichneten erhalten auch eine Ehrenurkunde
für treute Dienſte verliehen.
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HI5412
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
Nummer 129
So ntag, den 30 Juni 1929
HHHT
N n
Die Geburt
eines Stammhalters
zeigen hocherfreut an
Diez a. d. Lahn
27. Jun/ 1922.
Direktor Dipl-Ing.
Erich Schaefer
und Frau Else,
geb Auracher.
Ihre Verlobung beehren ſich anzuzeigen
Anna Müller
Peter Hofmann
Reichelsheim
Bockenrod
30. Juni 1929.
(10771
Ihre Vermählung beehren ſich anzuzeigen
Pfarrverwalter
Hans Schilling
Julia Schilling
geb. Schäfer
Neu=Iſenburg
Darmſtadt
Erzhauſen
Weinet nicht an meinem Grabe,
Gönnet mir die ewige Ruh’.
Denkt, was ich gelitten habe,
Bis ich ſchloß die Augen zu.
Todes=Anzeige.
Heute mittag 12½) Uhr entſchlief nach langem
ſchwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden
meine liebe Frau, unſere unvergeßliche Mutter,
Großmutter und Urgroßmutter
Katharine Nieder
geb. Bauer
im faſt vollendeten 80. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Karl Nieder, Drehermeiſier,
und Hinterbliebenen.
Groß=Bieberau, den 28. Juni 1929. (10809
Die Beerdigung findet Montag, den 1. Juli,
nach=
mittags 1½, Uhr, vom Trauerhauſe aus ſtatt.
Ver-
mie.
AulOe I Nappel
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Ihre Verlobung beehren ſich
anzuzeigen
Eliſabeth Kraus
Auguſt Schaub
Darmſtadt, den 30. Juni 1929.
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Käichen Speier
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ſamkeiten danken wir herzlich.
Hartmann Stein und Frau
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Eiſabeth Hof
geb. Löſch
von ihrem mit großer Geduld
er=
tragenen Leiden erlöſt worden.
In tiefem Schmerz:
Adam Hof.
Eliſabeth Hof.
Darmſtadt, 29. Juni 1929.
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Nummer 129
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* Die Fluchk ins Ausland.
Von Eduard Butzmann, Berlin.
Die Verflechtung der deutſchen mit der ausländiſchen Induſtrie
das Schwergewicht des einzelnen Unternehmens ins Ausland zu
verlegen. In beſonders hervorſtechender Form tritt dieſes
Be=
ſtreben bei der neueſten internationalen Induſtrieverflechtung in
die Erſcheinung, die die Verſchmelzung der Vereinigten Glanzſtoff=
Fabriken A.=G. in Elberfeld, mit der holländiſchen Enka zum
Gegenſtande hat. Wenn man auch nicht außer Betracht laſſen will
daß die Enka in der internationalen Kunſtſeiden=Induſtrie eine
machtvolle Stellung einnimmt, die vielleicht in der Hohe ihres
Aktienkapitals nicht ihren wirklichen Ausdruck findet, ſo trifft dies
für die Vereinigten Glanzſtoff=Fabriken in noch erheblich höherem
Maße zu. Es kann alſo weder hierin noch aber in der Abneigung
der holländiſchen Aktionäre gegen die deutſche Währung der Grund
dafür gefunden werden, daß
ſchaft in der holländiſchen auf
deklarierte Kapital durch Ak
ſetzt wird.
in holländiſcher Währung er=
Der maßgebliche Grund muß vielmehr in den ungleich
gerin=
geren Steuerlaſten erblickt werden, die einer holländiſchen
Geſell=
ſchaft im Gegenſatz zu einer deutſchen erwachſen. Iſt es doch in
den letzten Jahren ſchon immer mehr aufgefallen, in welchem
Um=
fange internationale Neugründungen von deutſcher Seite in
Hol=
land ins Leben gerufen werden. Es wäre außerordentlich
er=
wünſcht, wenn dieſe unleugbaren Tatſachen an den maßgebenden
Stellen mehr Beachtung finden würden. Was auf dieſem Wege
dem deutſchen Fiskus an direkten Einnahmen verloren geht, iſt
ganz gewiß ſehr beachtenswert. Sehr viel bedeutender ſind aber
die daraus indirekt dem deutſchen Volksvermögen verloren
gehen=
den Werte, die der fremden Volkswirtſchaft zuwachſen.
In welchem Umfange unſere Finanzbehörden ſich mit der
Steuerflucht beſchäftigen, kann der Außenſtehende auch nicht im
entfernteſten erkennen oder auch nur ahnen. Man bekommt in
dieſe Verhältniſſe nur dann und wann einen tieferen Einblick,
wenn der Reichsfinanzhof wieder einmal eine grundſätzliche
Ent=
ſcheidung in derartigen Fragen gefällt hat, oder wenn bei einer
beſonderen Gelegenheit ſeitens des Reichsfinanzminiſteriums
Er=
klarungen abgegeben werden, die die ſteuerflüchtigen Tendenzen
der Wirtſchaft beklagen. Da bei allen diesbezüglich
vorkommen=
den Streitfällen immer der Wortlaut der in Betracht kommenden
Finanzgeſetze die ausſchlaggebende Rolle ſpielt, ſo haben ſich
naturgemäß ſchon richtige Theorien des internationalen
Steuer=
rechts entwickelt, an deren Ausbau auf beiden Seiten mit größter
Intenſität gearbeitet wird. Dabei iſt es ſchwer zu unterſcheiden,
ob es den deutſchen Finanzbehörden mit mehr Glück gelungen iſt,
ſteuerlicher Entlaſtung mit beſſerem Erfolge durchzuſetzen
ver=
mochten. In jedem derartigen Falle handelt es ſich, von der
fis=
kaliſchen Seite geſehen, immer um außerordentlich große
Aufwen=
dungen an Arbeit und Perſonal, die darum nutzlos vertan zu ſein
pflegen, weil die Induſtrie im unterliegenden Falle ſtets neue
Wege ſuchen wird, um das geſetzte Ziel der Befreiung von einem
als unerträglich empfundenen ſteuerlichen Druck ſchließlich doch zu
erreichen.
Immer wieder kann man die Feſtſtellung machen, daß alles
geſchieht, um dem Kapital zu Leibe zu rücken und dem Prinzip
zum Durchbruch zu verhelfen, gleichviel mit welchen Opfern dies
verknüpft iſt. Die einfache und naheliegende Erkenntnis, daß die
Erleichterung und Förderung aller Kapitaltransaktionen dem
Fiskus die unſägliche Arbeit und Mühe und vor allem die
un=
überſehbaren Aufwendungen erſparen würde, die heute im Kampfe
mit der Kapitalflucht aufzuwenden ſind, muß der grundſätzlichen
Kapitalfeindſchaft geopfert werden. Mit den daraus
reſultieren=
den hohen Selbſtkoſten der Finanzverwaltung geht ein
ununter=
brochenes Anſteigen der Verluſte Hand in Hand, die daraus
reſul=
tieren, daß immer mehr und vor allem daß alle größeren
inter=
nationalen Kapitaltransaktionen außerhalb der deutſchen
Gren=
zen durchgeführt werden. Was wir an dem eingangs angeführten
Beiſpiel aus der Kunſtſeideninduſtrie in völlig unverhüllter Form
ſchaftsverfaſſung, das hat ſich ſchon früher auch auf anderen
Gebie=
ten vollzogen, nur in einer verhüllteren und für die Oeffentlichkeit
ſchwer erkennbaren Form. Es ſei diesbezüglich nur auf die von
der J. G. Farben vollzogene Gründung je einer ſchweizeriſchen
und amer
kaniſchen Holdinggeſellſchaft hingewieſen. Es iſt im
Rahmen eines Zeitungsaufſatzes nicht möglich, die
internatio=
nalen Kapitaltransaktionen der J. G. Farben eingehender zu
be=
leuchten, aber darüber dürfte wohl an keiner Stelle Zweifel
be=
ſtehen, daß die fremdländiſchen Gründungen nicht zuletzt aus
Gründen erfolgten, die in den kapitalfeindlichen deutſchen
Steuer=
geſetzen ihre letzten Urſachen haben. So nimmt die Verarmung
der deutſchen Wirtſchaft zwangsläufig ihren Fortgang und könnte
doch ſo leicht vermieden werden.
Der Impork von Fleiſch.
Während die Einfuhr von lebendem Vieh in den letzten Jahren
geſtiegen iſt (die Ginfuhr betrug 1925 122 Mill. MM., 1926 120 Mill.
RM., 1927 177 Gill. RM., 1928 145 MEill. RM.), iſt umgebehrt die
Einfuhr von Fleiſch, und zwar von friſſchem, gekühllem und gefrorenem
oder zubereitetem Fleiſch) geſunken. Das zeigt das folgende Schaubild
über den Aſu ßenhandel mitt Fleſiſch, Cfaſchlſießllich Speck uund Fleiſchwürrſten.
Der Außenhandel m. Heisch
S½
Einfuhr
uueentese Ausfuhr
1926
1927
1920
-Lf-44½.1-1.
—
*W
*
*
29
„4½4
24 256
Die Einfuhr von Flciſch, die in den Wintermonaten feweills am
größten iſt, weiſt ſeit einigen Jahren unverkennbar eine ſinkende
Ten=
denz auf. Die deutſche Ausfuhr von Fleiſch und Fleiſchwaren iſt
gegen=
über der Einfuhr durchaus geringfügig und bedeutungslos.
Produkkenberichke.
Mainzer Produktenbericht vom 28. Juni.
Großhandelseinſtands=
preie Per 100 Kilo lcko Mainz am Freitag, dem 28. Juni 1929: Waizen
23,50, Roggen 22, Hafer 22—23, Braugerſte —, Futtergerſte —, ſüdd.
Weizenmehl, Spezial Null, 33,25, niederrhein. Weizenmehl., Spezial
Null, —, Roggenmehl 0 1 29,50—31, Weizenkleie, fein 10,25—10,50, grob
11,25—11,50, Noggenkleie 12,50, Weizenfurtermehl —, Plata=Mais 20,50
bis 20,75, Cina.=Mais —, Malzkeime mit Sack 18—18,50, Biertreber
17,25—18,50, Erdnußkuhen 21—21,50, Kokoskuchen 19,75—24,75, Palm
kuchen 19—19,50, Rapskuchen —, Kleeheu, loſe, alte Ernte 14,50—15,
neue Ernte 9—10, geb., alte Ernte 15—15,50, neue Ernte 9—10,
Wieſen=
heu, alte Ernte 14—14,50, Maſchinenſtroh 5,25, Drahtpreßſtroh 5,50,
weißte Vohnen, neue Ernte 37—38. Tendenz: abwartend.
Frankfurter Eiermarkt vom 29. Juni. Das Geſchäft am
Frank=
furter Eiermarkt war gegen Monatsende ruhiger. Bei ſtetiger
Ten=
denz notierten in Pfennigen: bulgariſche Eier 9,6—9,8, holländiſche 9,7
bis 12,5, jugoſlawiſche 9,75—10, polniſche 7,8—8,5, ruſſiſche 9—10.
däniſche 10—12,75, belgiſche 10,3—10,8, franzöſiſche 10,4—11,2, ſchleſiſche
10,25—10,50, baheriſche 10—10,25, norddeutſche 10,25—11, rumäniſche
9,5—9,7. Auslandseier unverzoll: ab Grenzſtation, deutſche ab Station.)
Berliner Produktenbericht vom 29. Juni. Dem Eindruck der Hauſſe
an den überſeeiſchen Terminmärkten, die mit unbefriedigenden Ernte=
ausſichten, namentlich in Kanada, begründet wurde, vermochte ſich
weder der Liverpooler Markt noch die hieſige Produktenbörſe zu
ent=
ziehen. In handelsrechtlichem Lieferungsgeſchäft erfolgten ſowohl für
Weizen als auch für Roggen lebhafte Deckungskäufe. Juli=Weizen war
zwar angeſichts des bevorſtehenden Liefermonats weniger ſtark geſteigert
als September=Weizen, immerhin ergaben ſich Preisgewinne von 3½
bis 4¾ Mark. Roggen ſetzte in beiden Sichten 3 Mark feſter ein. Das
Inlandsangebot von Brotgetreide war heute minimal zu nennen,
Ge=
ſchäfte kamen infolgedeſſen auch auf dem um etwa 3 Mark höheren
Preisniveau kam zuſtande. Gerſte ruhig.
Frankfurker und Berliner Efſektenbörſe.
Frankfurt a. M., 29. Juni.
Das Börſengeſchäft ſtagniert auch weiterhin. Für die
Wochen=
ſchlußbörſe lag keine beſondere Anregung vor. Aufträge fehlten faſ
vollkommen. Während die Anfangskurſe durchweg noch gut behauptet
waren, die in der letzten Zeit ſtark gedrückten Warenhausaktien ſogar eine
geringe Erholung aufwieſen, ging im Verlaufe die Spekulation zu
Baiſſeangriffen über, die bei allerdings ruhigem Geſchäft überwiegend
eine ſtärkere Kursabſchwächung herbeiführten. Bankenaktien bröckelten
etwa ½ Prozent ab. Montanwerte im Gegenſatz zu den übrigen
Märkten gut gehalten und zu Beginn etwas feſter, Gelſenkirchen um ½
Mannesmann und Phönix je ¼, Stahlverein ¼ Prozent. Die
Farbenaktie ſetzte unverändert ein. Auch der Elektromarkt zeigte kaum
Kursverſchiebungen. Zellſtoffwerte bereits zu Beginn leicht
abge=
ſchwächt, desgleichen Maſchinen=, Bau= und Automobilaktien.
Schif=
fahrtswerte etwa gehalten. Im Verlaufe trat ein beierkenswerter
Kursrückgang in Glanzſtoff ein um ca. 10 Prozent. Am variablen
Markt ſetzten Frankfurter Maſchinen ihren Rückgang erneut um 2
Pro=
zent fort und erreichten einen ſeit langem nicht vorhandenen Tiefſtkurs.
Peters Union 2 Prozent niedriger. Am Rentenmarkt waren
Maze=
donier weiter gefragt, Tagesgeld zum Zahltag geſucht und 8½ Prozent.
Pfunde — Mark 20.34½, Dollar — Mark 4.1957, London — New York
4.8492.
Berlin, 29. Juni.
Der offizielle Beginn der heutigen letzten Samstagsbörſe vor der
zweimonatigen Unterbrechung zeigte das erwartete ruhige Bild. Die
Kursgeſtaltung bei den erſten Notierungen wird als uneinheitlich
be=
zeichnet. Im allgemeinen waren die Veränderungen gegen die geſtrigen
Schlußkurſe recht klein. Nur Mix u. Geneſt, Karſtadt und Tietz,
Bude=
rus, Stolberger Zink, Schuhert u. Salzer und Rütgerswerke waren
etwas gebeſſert. Glanzſtoff, Polyphon, Ilſe, Kanada, Lahmeyer,
Kali=
werte, Krauß u. Co. uſw. eröffneten dagegen ſchwächer. Auch im
Ver=
laufe lagen die meiſten Märkte ohne Bewegung. Die Geſchäftsſtille und
ein Baiſſevorſtoß, der heute beſonders den Polyphonmarkt traf,
ver=
ſtimmten aber und führten allgemein zu Kursrückgängen. Auch
Tietz=
aktien büßten ihren Anfangsgewinn wieder ein, Kunſtſeide= und
Kali=
werte verloren ebenfalls 2 bis 4 Prozent. Bei Polyphon ſelbſt betrug
der Kursverluſt etwa 6 Prozent. Anleihen lagen behauptet, Ausländer
geſchäftslos. Mazedonier feſter. Der Pfandbriefmarkt war
uneinheit=
lich, nur vereinzelt betrugen aber die Veränderungen bis zu ½ Prozent.
Deviſen eher wieder angeboten, das Pfund nicht ganz behauptet,
da=
gegen Paris feſt. Zu Beginn der zweiten Börſenſtunde wieſen
Poly=
phonaktien zwar gegen ihren niedrigſten Stand leichte Erholungen auf,
dafür hatten aber Glanzſtoff unter ſtärkeren Abgaben, angeblich für
Amſterdamer Rechnung, zu leiden, die zu einem 7prozentigen
Kurs=
rückgang führten.
132. — 132. 48. — Hohenlohe Werke .. 92 Ao Kahla P.
an 2-
9P. zo Kali Aſch 24628 23
* 11.50 Salzbetfurthe)
44 94 58. 5‟ In 2). 2. Lindes Eismaſch. .. 75. L. Loewe & Co.... .
Hur 2 17 9.75 ingel (
...... 51.- Mannesmann Röhre 21. 162.5 Niederlauſitzer Kohl 42.— 0.50 Nordd. Llohd ...... 113.2 n. 17.75 Orenſtein .. . . . . . . ." 90. Z27. 418. 88. — — 105. 15 . 5.— erke. 7.— 85* 128.75 128.75 51. — 51.
A. E. G........"
Augsb.=Nürnb. Maſch.) 96.-
Baſalt .. .........
Bergmann.. . . .. 2. / 216.50 12
Berl. Ka
ruhe Ind..
rl. Hand.=Geſ. .
Fraunkohl. Briketts
emer=Wolle .. . . . ./ 179.50
Danatban!
Deutſche Bank. .. . .
Diskontogeſellſchaft.
resdner Bank.
Maſchinenb.=Untern
Deutſche Erdöl ..."
Bolyphon ........"
61.
1.62
eutſche Petroleum
Rütgerswerke .....
17.50
2.
ynamit Nobel. ..
achſenwerke ... . ."
57.
Elektr. Lieferung. .
Ne
Siemens Glas.....
7.. G. Farben... . . ..
*
r. Glar
Zelſenk. Berg... . . .
140-
St.
Vei
) I=
Geſ. f. elektr. Unte
33.
edter Porzellaf
44.—
Han. Maſch.=Egeſt. .
K
Wanderer Werke.!.
Hanſa Dampfſch. . .
Wiſſner Metall".
21.25 1121-
Hapag ..........."
Wittener Gußſtahl .."
144.5
Harpener ...... . . . / 145.—
1269.—
Hemoor Zement ..
*) Tie 3 Kalin erte verſtehen ſich exkl. Bezugsrecht.
Deviſenmarkk.
Helſingfors..
Wien ......"
Prag .... .. .."
Budapeſt ...
Sofia ......"
Holland ...."
Oslo .......
enhagen.
ckholm. . .
London ...
Buenos Aires
New York...
Belgien... . . ."
28. 6.
29. 6.
Geld Brief! Geld/Brie
10.533 10.553110.533/10.55
18.94 59.
„439
2.41
23
3.09 7
S.
3.027
111.69 111.9
20.332 20.37
1.758/ 1.762
1.1925 4. 2005
58.235 58.355
06 158.89 (59.01
12.412/12. 43.
73.10 ſ73.24
3.027/ 3.03
68.29 168. 63/168. 28/168.62
111.72111.94/111.68/111.
hit.s6/111. 8t
112.38 112.60/1 12.32/112.5.
120.325
1.758 1.
4.192
58.23
20.36‟
4.2
58.35
Italien ......
Paris .......
Schweiz ...."
Spanien ...."
Danzig ....."
Japan . . . . .
Rio de Janeir
Jugoſlawien.
Portugal. . . .
Athen .......
Konſtantinope
Kanada .... ..
Uruguay .. . . .
Wirtſchaftliche Rundſchan.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten im Juni 1929.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten (Ernährung,
Woh=
nung, Heizung, Veleuchtung, Bekleidung und „ſonſtiger Bedarf”) iſt
nach den Feſtſtellungen des Statiſtiſchen Reichsamts für den Durchſchnitt
des Monats Juni mit 153,4 gegenüber 153,5 im Vormonat nahezu
un=
verändert geblieben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen
be=
tragen (1913/14 gleich 100): Für Ernährung 154,0, für Wohnung 126,0,
ür Heizung und Beleuchtung 148,9, für Bekleidung 172,4, für den „
ſon=
ſtägen Bedarf” einſchließlich Verkehr 191,8.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 26. Juni 1929. Die auf
den Stichtag des 26. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des
Sta=
tiſtiſchen Reichsamts hat ſich mit 135,9 gegenüber der Vorwoche (135,2)
um 0,5 v. H. erhöht. Von den Hauptgruppen iſt die Indexziffer für
Agrarſtoffe um 1,4 v. H. auf 125,7 (125,0) geſtiegen. Die Indexziffer
für Kolonialwaren ſtellte ſich auf 123,9 (123,6). Die Indexziffer für
indu=
ſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren lag mit 131,7 (131,4) um 0,2 v.
höher als in der Vorwoche, während diejenige für induſtrielle
Fertig=
waren um 0,2 v. H. auf 157,3 (157,6) zurückgegangen iſt.
3 Millionen Dollar=Kredit der Ruhrchemie A.=G. Die Ruhrchemie
A.=G. hat, wie aus New York gefunkt wird, die Verhandlungen über die
Aufnahme eines ſechsjährigen Kredites von 3 Millionen Dollar zu
8 Prozent mit dem Neiv Yorker Bankhaus Dillon Read u. Co.
ab=
geſchloſſen, das hierbei mit einem deutſchen Bankenkonſortium
zuſam=
menarbeitete, das ſich aus dem A. Schaffhauſenſchen Bankverein, der
Deutſchen Bank, Simon Hirſchland und A. Levy zuſammenſetzt. Unter
Einrechnung des dieſer Tage abgeſhloſſenen Reichskredits von 210
Mil=
lionen Mark wachſen die insgeſamt von Dillon Read u. Co. an
Deutſch=
land gewährten Anleihen und Kredite damit auf über 306 Millionen
Dollar an. Die Ruhrchemie A.=G., die bekanntlich von 28 der
be=
deutendſten Eiſen= und Kohlen=Unternehmungen des Ruhrbezirks unter
Führung der Vereinigten Stahlwerke A.=G., der Harpener Bergbau
A.=G., der Friedrich Grupp A.=G. uſw. zwecks Gewinnung von Stickſtoff
aus Koksofengas gegründet wurde, hatte bereits im Mai vorigen Jahres
eine 4 Millionen Dollar=Anleihe bei Dillon Read aufgenommen. Mit
Hilfe des neuen Kredits ſoll die Kapazität der Anlagen auf 50 000
Ton=
nen Stickſtoffprodukte oder mehr als das Doppelte der jetzigen
Leiſtungs=
fähigkeit gebracht werden, und man hofft, dieſe Menge bereits im
näch=
ſten Jahr herzuſtellen.
Kohlenförderung im Nuhrgebiet. Nah vorläufigen Berechnungen
wurden vom 16. bis 22. Juni im Ruhrgebiet in 6 Arbeitstagen 2444 937
Tonnen Kohle gefördert gegen 2 439 098 To in der vorhergehenden
Woche bei ebenfalls 6 Arbeitstagen. Die Kokserzeugung ſtellte ſich in
den 7 Tagen der Berichtswoche auf 630 223 To. gegen 694 078 To. in
der Vorwoce, die Preßkohlenherſtellung auf 66 148 To. gegen 69 889
Tonnen in 6 Arbeitstagen.
Frankfurter Börſe. Nachdem die Zulaſſungsſtelle ihre Zulaſſung
zurückgenommen hat, wird die Notiz für 4proz. Kafſeler Landeskredit=
Schuldverſchreibungen, S. 21—29, 4proz. Ungar. Lokaleiſenbahnen=
Schuldverſchreibungen und für die Aktien der Ludwig Weſſel
Porzellan=
fabrik vom 1. Juli ab eingeſtellt. — Nach Abtrennung der Dividenden,
ſcheine werden die nicht zuſammengelegten Aktien der Deutſch=Aſiatiſchen
Bank bis zum Ablauf der Friſt ohne Dividendenſcheinbogen gehandelt.
Hermann Wronker A.=G., Frankfurt a. M. Die
Generalverſamm=
lung genehmigte den ſoeben mitgeteilten Abſchluß für 1928 mit wieder
8 Prozent Dividende und eine Bilanz für den Monat Januar 1929
mit einem Reingeſvinn von 17 569 RM., ſowie eine Reihe von
for=
malen Satzungsänderungen. Neu in den Aufſichtsrat wurde Direktor
Hans Jeidels, Dresdner Bank, Frankfurt a. M., gewählt. Im
laufen=
den Jahre ſei trotz der wochenlangen Kälte bisher gegen die gleiche
Vorjahreszeit eine Umſatzerhöhung von etwa 10 Prozent zu verzeichnen,
jährend die Speſen etwas zurückgegangen ſind. Man könne auch für
929/30 wieder eine angemeſſene Dividende erwarten. Vertreten waren
13 Aktionäre mit 5,46 von insgeſamt 6 Mill. RM. Aktienkapital.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Bad Nauheim: Fa. Krauſch u. Mank.
Geſell=
ſchafter: Heinrich Krauſch und Karl Mank. Anmeldefriſt 29. 6.,
Gläu=
bigerverſammlung und Prüfungstermin 10. 7.; Gießen: Fa.
Ober=
heſſiſche Auto= und Fahrrad=Induſtrie Otto Göbel. Anmeldefriſt 4. 7.,
Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 11. 7.; Ortenberg: Fa.
S. u. E. Strauß in Gedern. Anmeldefriſt 5. 8., Prüfungstermin 16. 8.;
Bensheim: Kleinrentnerin Anna Maria Bauer von Unter=Hambach.
Anmeldefriſt 4. 7., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 17. 7.;
Alsfeld: Handelsmann Juda Stern in Angenrod. Anmeldefriſt 6. 7.,
Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 13. 7.: Offenbach a. M.:
Nachlaß des Arnold Singer, Inh. der Fa. Gebrüder Fiſchel,
Leder=
warenfabrik. Anmeldefriſt 18. 7., Prüfungstermin 21. 8.; Alsfeld:
Land=
wirt und Kolonialwarenhändler Andreas Hamel 1. in Rainrod.
An=
meldefriſt 17. 7., Prüfungstermin 24. 7. Beendete Konkurſe:
Herbſtein: Maurer Friedrich Johannes Zier und Eehefrau Margarete,
geb. Eiffert, in Roxfeld. Neue Vergleichsverfahren: Mainz:
Kaufmann Joſef Brühl in Fa. Kaufhaus Brühl. Vergleichstermin 11. 7.
Aufgehobene Vergleichsverfahren: Gießen: Fa.
Rauten=
berg u. Graf, Inh. Robert Rautenberg und Heinrich Graf; Offenbach:
Fa. G. Löffler u. Co., Kom.=Geſ.; Bingen: Fa. Gebrüder Duleius,
Inh. J. V. Dulcius; Gießen: Fa. S. Roſenau.
Dividendenerhöhung bei der Konſervenfabrik Joh. Braun A.G.
Pfeddersheim bei Worms. Der A.R. beſchloß, der G.V. am 22. Juli
vorzuſchlagen, für 1928/29 (30. April) aus dem nach Vornahme der
Ab=
ſchreibungen (i. V. 37 422) und vorſichtiger Bewertung der
Warenvov=
räte unter Einſchluß des Vortrages aus dem Jahre 1927/28
ausgalvieſe=
nen Reingewinn von 196 245 (164 519) RM. 8 (6) Prozent Dividende zu
verteilen und 44 645 (50 819) RMM. auf neue Rechnung vorzutragen.
Vom Nohhäutemarkt. Am Rohhäutemarkt war die Kaufſtimmung
auf den letzten Verſteigerungen wiederum gut. Die Preiſe zogen wie
auf den voraufgegangenen Verſteigerungen weiter an. Großviehhäute
er=
zielten 5—10 Prozent, Kalbfelle um die 10 Prozent höhere Preiſe als
auf der Vorguktion. Schaffelle zogen teils 5 Prozent an, erzielten teils
letzte Preiſe.
1
Gnatbane, Kocmanongeferſche
Frankfurter Kursbericht vom 29. Juni 1929.
6 % Dtſche.
Reichs=
anl. v. 27....
6% Baden
Frei=
ſtaat v. 27..
6% Bahern Frei
ſtaat v. 27 ..
Heſſen
Volks=
ſtaat v. 28...
%0 Preuß.
Staats=
anl. v. 28....
6% Sachſen
Frei=
ſtaat v. 27...
7%6 ThüringerFrei
ſtaat v. 27.....
Dtſche. Anl. Auslo
jungsſch. +
Ablöſungsanl. . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ungsſch. (Neub.)
Dtſche. Schutzge
vietsanleihe. . ..
* % Bad.=Bad. v. 26
4% Berlin v. 24.
8% Darmſtadt v. 26
28
7% Frkf. a. M. v. 20
ainz v. 26..
annh. v. 26.
8% Nürnberg v. 2
Ti. Komm.
Sam=
el=Ablöſ.-Anl
* Ausl. Ser.
Ser. I.
% Beil. Shp.=Bk.
8% Frkf. Hhp. B
4½½, Lig. Pfbr.
PfbrBk..
4½ X-- Lia. Pfbr.
Au
74.5
77
87.*
80
50.8
10
84.5
—
95
49.6
64.5
Ma
97.5
75.5
8
78.25
8‟ Heſſ. Landesbk.
4½½ Heſſ. 2ds.6
Bk.=Ligid. Pfl
Kom. Lander
bank Darmſtadt
83 Mein. Syp.Bk
Lig. Pfb.
Pfätz. Hyp.B
Preuß. Ztr.=
Stadtſchaft. .
3% Rhein.Hyp.=B
„ Lig. Pfbr.
3 Rhein.=Weſtf
Bd.=Credit ... ..
8% Südd. Bod
Cred.=Bank ..."
3% Württ. Hyp.=B
6% Daimler Ben;
von 27......"
8% Klöckner=Werle
Berlin v. 26..
7% Mainirw.v.
v Ver. Stahlwl
mit Opt. v. 26.
8%
VoigtckHäffne=
von 2
J. G. Farben Bonds
28
.......!
Bosn. L. E. B.
v. 1914 .......
Oſt. Schatz=
*
w. v. 1914 ..
4% Oſt. Goldrente
41/,2 Rum. Gol
on 1913 .....
4% Türk. Admin.
1.Badgal
4½
Zollanl.
41, Xüngar 1913
RJ
Au
94
82.:
97.5
97.5
97.5
97.75
79e.
97.5
98.5
97.n5
41/,% Ungarn 1914 —
4%
Goldr..). —
72.5
89
91
133
33
35.2-
29.5
37
Altien.
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank".
Eff.=u.
Wechſel=
bank
Vereins
Diskonto=Geſeliſch.
Dresdener Bank ..
Frankf. Bank. . . . .
p.=Br. ...."
Pfdbr.=Bk. ..
Hotha. Grundkr.
tein. Hyp.=Bank.
Mitteld. Creditb
Nürnb. Vereinsbk:
Oſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Bank,
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbk. ..
„ Hyp.=Bank ..
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Banlerein
A..G. f. Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ.
Dt. Reichsbahn
Vorzge. ......"
Hapag ..........
Nordd. Lloyd ..
Schantung=Eiſen
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Accum. Berlin...
Adlerw. (v. Kleyer)
6% AEG. Borzug
57
127
172
184.5
276
169.25
126.5
400
.5
162
104
139.75
1417.
A4
59
30.35
137
323
16.
13
12J.2:
112.5
125
53 25
34I.
AEG. Stamm. . .
Baſt Nürnberg
ergm. El. Werke
Brown BroverickCie
Brüning & Sohn../100
Buderus Eiſen ..
Cement Heidelbere
Karlſtad
Chem. WerkeAlber
Chade ..........."
Daimler=Benz....
Dt. Atl.=Telegr.. . .
„ Eiſenh. Berlin.
Erdöl ...."
Gold= u. Silb.=Anſtalt.
„ Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Licht u. Kraft!.-Ge
Eſchw. Bergwerk
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinner
F. G. Farbenindſtr. /237.2:
Feinmech. (Fetter),
Felt. & Guilleaum.
Frift. Gae ......."
„Hof ........./ 71.25
Geiling & Cie
Gelſenk. Bergweri/139
Geſ. f. elektr. Un
ternehmungen.
Goldſchmidt Th.
Britzner Maſchinen
Grün & Bufinger .
dafenmühle Friſt.
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.!/ 93
Hirch Kupfer ....""
190
138
75
137.5
180
64.5
427
57.5
118
115.25
160
314
30
217
A
215
26.45
9e
74.1
77
173.5
130
16)
95.25
131
Hochtief Eſſen ....
Holzmann, Phil. .
Holzverk.=Induſtrie
Zlſe Bergb. Stamm
Benüſ
Junghans Stam
Kali Aſchers leben".
„ Salzdetfurth.
Weſteregeln.
Kammgarnſpinn
Karſtadt, R... . . . .
Klein, Schanzl. . . .
Klöcknerwerke .. ."
Kraftw. Alt=Württ.
Lahmeyer & Co.../168
Lech, Augsburg ...
Löwenbr. Münch)..
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br.. . . 1232
Mannesm. Röh
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werſe ...."
Metallgeſ. Frandft.
Miag. Mühlenbau.
KontecatiniMailo.
Motoren fb. Darmſt
Reckarſ. Fahrzeug..
Nicolay, Hofbr. ..
Oberbedari .. . . .."
Oſterr. Alpine Mo.
Otavi Minen ...."
Beters Union Frkf. /123
Phönir Bergbau.
Reiniger, Gebb...
R). Braunkohlen .1291
Elektr. Stamm
Stahlwerke . . .
96
90
210
As
239.5
112
96.5
84
285
Ae
105
150
115.5
Rütgerswerke ... .
Sachtleben A. G..
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfak
Schriftg. Stempel".
Schuckert Elektr..
Schwarz Storchen.
Siem Glasinduſtr.
Siemens & Halste.
Strohſtoff. Ver.. ..
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Svenska Tändſticks
Tellus Bergbau..
Thür. Lief.=Geſ..
Tucher=Brauerei.
Anterfr. Krs.=
Elef=
tr.=Verſ. ....."
Beithwerte ...."
Ver. f. Chem. In
„ Gummifabril
Berlin=Frank
„ Laurahutte
Stahlwerfe.
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Vogtländ. Maſchir
Voigt & Haefiner.
Wayß & Freytag..
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Memel. . . .."
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Frkft Aüig Veri.
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Mitv. . . . . .
Mann h.Beenck
87
191.
303
102
z.5
165
392
211
143
412.5
1025
102
17‟
79.5
50
12.5
).5
8(
220
103
116
Ar
181.5
15C
287
2st
899
615
„Ha8
Nummer 129
Sonntag, den 30. Juni 1929
Seite 11
Vom füddeukſchen Produkkenmarkk.
Die Tendenz der internationalen Getreidemärkte baſierte in der ver
gangenen Woche in der Hauptſache auf Wetternachrichten und
Ernte=
einſchätzungen in den Hauptweizenproduktionsländern, die die
Notie=
rungen nach oben und unten beeinflußten, je wie die Meldungen
laug=
teten. Da dieſe Meldungen, wie ſtets um dieſe Jahreszeit, ſehr
wechſel=
voll ausfielen, ſchwankten die Kurſe der Terminbörſen im Laufe dieſer
Woche des öfteren hin und her. Bei Ablauf der Woche war jedoch das
dieswöclnige Kursniveau gegenüber dem der Vorwoche ſtark befeſtigt,
und die Preiſe für Brotgetreide, die nach Europa gekabelt wurden,
zeig=
ten wiederum Erhöhungen. An den ſüddeutſchen Produktenmärkten
lehnte ſich die Stimmung der jeweiligen Tendenz des Auslandes an
Das Hauptgewicht des Intereſſes an den Marktvorgängen konzentrierte
ſich jedoch weniger auf die Auslandsmärkte, als vielmehr auf
Inlands=
weizen und die ſchwebende Zollerhöhung. Es entwickelte ſich im Laufe
der Woche an mehreren Tagen lebhafteres Geſchäft in Auslandsweizen
ſolcher Poſitionen, die noch vor der Zollerhöhung die Zollgrenze paſſiert
haben werden. Auf Abladung zeigte man ſich etwas zurückhaltender.
Im Verlaufe der Donnerstagsbörſe in Mannheim wurde bekannt, daß
die geplante Zollerhöhung endgültig am 10. Juli d. J. in Kraft tritt.
Roggen lag international ebenfalls eine Kleinigkeit feſter, während am
Ende der Woche nach, Bekanntwerden der Zollerhöhung die Forderung
für deutſche Provenienzen ſtärker erhöht wurde. Die Umſätze hierin
hielten ſich jedoch in kleineren Grenzen, da die in Frage bommenden
Mühlen ſich ſehr zurückhaltend zeigten. Am Mehlwarkt wurde
entſpre=
chend den ſteigenben Auslandsweizenpreiſen die offizielle
Mühlenforde=
rung der ſüddeutſchen Großmühlen um ½ Mark erhöht. Im
Anbe=
tracht dieſer nochmaligen ſtarken Erhöhung und des vorhergegangenen
lebhaften Geſchäfts der Voroche zeigten die Käufer wenig Neigung
Neueindeckungen und verhielten ſich abwartend. Ueber die weitere
Preisentwickelung iſt man ſich im Klaren, ebenſo wie auch über die
Ab=
wickelung noch laufender Schlüſſe noch vor dem 10. Juli d. J.
Roggen=
mehl hatte ruhiges Geſchäft bei nur leicht erhöhten Preiſen. Weizen
ausl. 25—27,75, inl. 24,50 nom., Roygen ausl. 23—23,25, inl. ſüdd. 22,75
bis 25, nordd. 1 Mark billiger. Weizenmehl Speß. Null 33,50,
Roggen=
mehl ſüdd, je nach Ausmahlung 31—32, nordd. 28—29.
Vom Gerſtenmarkt iſt ſowohl in Braugerſte wie auch in Futtergerſte
nichts von Belang zu berichten. Der Hafermarkt indes lag in dieſer
Voche teils ſtetig, teils etwas feſter ſowohl für Inlands= wie auch für
Auslandsware, was durch die geplante Zollerhöhung zu erklären iſt.
Die Umſätze gingen jedoch nicht über ein Bemerkenswertes hinaus. Mais
hatte dagegen feſten Maukt und die Forderungen ſind im Laufe der Woche
ſukzeſſive geſtiegen. Futtergerſte 20—21, Hafer inl. 22,75—B, ausl.
21—21,75, Mais mit Sack 21—21,25.
Am Futtermittelmarkt iſt die Stimmng im Laufe dieſer Woche
erheblih beſſer getorden, da man die bisherigen Preiſe als ſehr billig
anſah, und in Verbindung wit den feſten Auslandsgetreidemärkten
konnten die Preiſe, beſonders für Mühlenppodukte und ölhaltige
Futter=
nittel, etwas anziehen. Das Geſchäft für prompte Ware blieb
aller=
dings nur in kleinerem Rahmen, dagegen entwickelte ſich auf Termine
größeres Geſchäft. Weizenfuttermehl 11—12,50, Weizenkleie fein 9,80
bis 10, grob 10,80—11, Roggenkleie 12,50, Erdnußkuchen je nach
Ter=
zn 19,50—21, Rapskuchen 18. Soyaſchrot 19,25—19,60, Biertreber 16,75
bis 18, Malzkeime 14,50—15,50 RM.
Wie wir nach Abfaſſung des Berichts erfahren, ſollen die
ſüd=
deutſchen Großmühlen, ihre Preiſe nunmehr auf 34,50 RM. erhöhr
haben.
Viehmärkke.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am 29. d. M. waren
198 Schwoine zugeführt. Verkauft wurden 154 Stück, und zwar
Milch=
ſchweine das Stück von 30—40 Mark, Läufer das Stück von 50—65 Mk.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
* Chieago, 29. Juni. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Der Baumwollmarkt entbehrte am Wochenende jeder
Lebhaftigkeit. Die Preiſe gaben nach, da im ſüdlichen Texas
Nieder=
ſchläge erfolgt ſind und die Wetterwarte allgemein günſtiges Wetter
an=
kündigt. Verſtimmend wirkte ein niedrigeres Oiverpool. Neben
Glatt=
ſtellungen zum Wochenende waren Abgaben für ausländiſche Rechnung
ſeitens der Arbitragefirmen zu. bemerken.
Weizen: Aus dem Nordweſten der Vereinigten Sraaten lagen
Mel=
dungen über Trockenheit vor, während aus dem Frühjahrsweizengebtet
Berichte über das Auftreten des ſchwarzen Roſtes eintrafen. Die
Stim=
mung des Weizenmarktes war daraufhin feſt, zumal auch aus Lioerpool
höhere Kurſe gemeldet wurden.” Auch im weiteren Verlaufe änderte ſich
an der zuverſichtlichen Haltung des Marktes nichts, weil die
Ankündi=
gung, daß mit einem um 225 Millionen Buſhels niedrigeren
Ernte=
ertrag in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorjahre zu rechnen
ſein dürfte, die Kaufluſt erhielt.
Mais: Im Einklang mit der Bewegung am Weizenmarkte ſtellten
ſich auch die Maispreiſe höher. Der Bericht des Landwirtſchaftlichen
Büros des Staates Jowa, der ungünſtig lautete, unterſtüitzte die nach
oben gerichtete Preisbeivegung. Schließlich gingen die Notierungen auf
Gewinnſicherungen eswas zurück.
Roggen: Am Roggenmarkt wirkte eine private Schätzung anregend,
nach der der Stand des Rogggens in dem Vereinigten Staaten mit 76,9
Prozent angegeben wird und der Ernteertrag wit 41 400 000 gegen
83,6 bzw. 44 Millionen Bufhels amtliche Schätzung am 1. Juni d. J.
Späterhin kam es auf Nealiſierungen zu einer leichten Abſchwächung.
Hafer: Die Haferpreiſe waren nur wenig verändert, aber auch für
dieſen Artikel war die Stimmung überwiegend feſt, weil eie pravate
Schätzung den Durchſhnittsſtand mit 81,0 Prozent gegen 82,0 Prozent
amtliche Schätzung am 1. Juni angibt und den Ernteertrag mit 1240
Millionen Buſhels errehnet. Auch die gute Veranlagung des
Hafer=
marktes in Winnipeg blieb nicht ohne Einfluß. Gegen Schluß gab ſich
in Uebereinſtimmung mit der Bewegung am Maismarkt eine leichte
Abſchwächung zu erkennen.
Fettbericht: Schmalz lag feſt auf die zute Veranlagung der Getreide=
und Schweinemärkte in Liverpool.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 29. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 115½, Sept. 120½, Dez. 126½: Mais:
Juli 9234, Sept. 94½, Dez. 92½; Hafer: Juſi 43½, Sept. 44,
Dez. 47; Roggen: Juli 88½, Sept. 93½, Dez. 98½.
Schmalz: Juli 11,87½, Sept. 12,22½, Okt. 12,35, Dezemb.
12/42½.
Fleiſch. Rippen: Juli 13,55, Sept. 13,92½; Speck. loko 13,75;
leichte Schweine 10,65—11,35, ſchwere Schweine 10,50—11,00;
Schweinezufuhren: Chicago 6000, im Weſten 40000.
Baumwolle: Oktober 18,57.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 29. Junä:
Getreide. Weizen: Rotwinter 141½, Hartwinter 127½;
Mais, neu angek. Ernte 104½; Mehl, ſpring wheat clears 5,60
bis 5,90; Fracht: nach England 1,6 bis 2,0 Schilling, nach dem
Konrinent 10 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,60; Talg, extra, loſe 7½.
Kakao. Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Verhandlungen im Gehaltstarifſtreit der Angeſtellten der
rhei=
niſch=weſtfäliſchen Eiſen= und Stahlinduſtrie führten zu einer Verein
barung. Die Gehälter werden erhöht. Der Tarif läuft vom 1. Juni
1929 bis 30. September 1930 und iſt von dieſem Tage an mit
Monats=
friſt kündbar.
Nach längeren Verhandlungen iſt ſoeben durch die Fuſion der
Fir=
men F. A. Rauner A.=G., F. A. Böhm A.=G., C. A. Seidel Söhne
o. H. G., Carl Eßbach und E. O. Friedel gebildeten „Nauner=Seidel=
Böhm=A.=G.” mit Sitz in Klingenthal konſtituiert worden.
Wie wir erfahren, beabſichtigt die Philipps=Werke A.=G. ihre
Fa=
brikation von Frankfurt nach Aſchaffenburg zu verlegen. Gleichzeitig
damit ſoll eine Beſchränkung ihres Betriebes auf die Pianofabrikation
vorgenommen werden. Die Fabrikation ſoll in die Räune der Firma
Arnold in Aſchaffenburg verlegt werden. Die Fabrikgebäude der
Philipps A.=G. werden an die holländiſche Radio=Philipps übergehen,
Die Vogtländiſche Baumwollſpinnerei und Weberei hat die
Mecha=
niſche Weberei Zſchweigert käuflich erworben. Die Uebereignung des
Betriebes hat in der Weiſe ſtattgefunden, daß die Vogtländiſche
Spin=
nerei und Weberei als Hauptgeſellſchaft in die als
Kommanditgeſell=
ſchaft betriebene Firma Zſchweigert eingetreten iſt. Ueber die näheren
Bedingungen des Verkaufs iſt nichts bekannt.
Die Bank von England hat große Goldbeſtände abgegeben. Der
Geſamtgoldverkauf beläuft ſich auf 2804 564 Lſtr., wovon, wie verlautet,
der größte Teil wiederum nach Deutſchland geht.
Die Sowjetregierung beabſichtigt, mit der polniſchen Regierung
unter Vermittlung Deweys Verhandlangen über die Gewährung
pol=
niſcher Kredite an die Sowjetunion aufzunehmen. Es ſollen Kredite
in Höhe von 50 Mill. Dollar gewährt werden, und zwar nach dem
Muſter der deutſch=ruſſiſchen Kreditaktion,
Das polniſche Finanzminiſterium hat auf Anſuchen des
Handels=
miniſteriums beſchloſſen, dem Kebinettsrat einen Antrag auf
Bewil=
ligung eines weiteren Kredites in der Höhe von 8,5 Mill. Zloty für den
Ausbau des Gdinger Hafens zu ſtellen.
Die Compagnie Genérale Cinématograph in Zürich erklärt zu den
Meldungen, daß die Münchener Lichtſpielkunſt A.=G. ſämtliche
ſchweize=
riſchen Kinos der Cinéma gepachtet habe, daß einſtweilen mit der
Münchener Geſellſchaft nur Verhandlungen über einen Betriebsvertrag
ſchweben. Dieſe Verhandlungen hätten jedoch bis jetzt noch in keiner
Weiſe zu einem Abſchluß geführt. Die Cinéma ſtehe übrigens auch mit
verſchiedenen anderen Intereſſenten in Verhandlungen.
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Bank und der Deutschen Vereinsbank
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folge wird die
Deutsche Vereinsbank Filiale Darmstadt
mit Wirkung vom 1. Juli ds. Us. ab die bei ihr
ge-
führten Konten und Depots auf die
Deutsche Bank Filiale Darmstadt
übertragen.
Wir bitten daher höflich, sich wegen
Er-
ledigung aller Angelegenheiten, weiche die
bisher bei der Deutschen Vereinsbank Filiale
Darmstadt unterhaltenen Konten und Depots
betreffen, von genanntem Tage ab an die
Boulscho bann finale Barmsradt
Luisenplatz 7
zu wenden.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Deutsche Bank
Filiale Darmstadt.
Deutsche Vereinsbank
Komm. Ges. a. Akt.
Filiale Darmstadt.
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Der Kirchenvorſtand
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Seite 12
Conntag, den 30. Juni 1929
Nummer 179
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75
Darmstadt
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 179
Sonntag, den 30. Juni 1929
Seite 13
Familiendrama in Frankfurt a. M.
Frankfurt a. M. Der Arbeiter Joſef Grün
aus der Gneifenauſtraße, der bei ſeinen
Schwieger=
eltem mit Frau und Kind wohnte, erſtach in der
Nacht zum Samstag nach einem vorausgegangenen
Streit ſeine Frau mit einem Küſchenmeſſer und
verletzte ſein achtjähriges Töchterchen. Er ſtellte ſich
danm ſſellbſt der Polizei.
Mord an einer Gaſtwirtsfrau.
Fürth. In der Macht zum Samstag wurde
in eiem Hauſe der Erlanger Straße die 30jährige
Reſtaurateurswitzwe Stärker von einem bisher
un=
bekanten Täter ermordet. Die Dat wurde geſtern
entdeckt, als das außer dem Hauſe wohnende
Dienſt=
mädchen Ginlaß in die Wohnuung begehrte. Die
Er=
wordete lag blutüberſtrömt in ihrem Bett. Allem
Anſchein mach handelt es ſich um einen Maubmord.
Tödlicher Unglücksfall.
Wetterau. Der Zimmermann Fiſcher aus
Tiefenthal, verheiratet und Vater von einem Kind,
iſt in der Zementfabrik Wetterau bei einer
Dach=
reparatur abgeſtürzt. Fiſcher wurde mit ſchweren
Verletzungen nach Würzburg in das Krankemhaus
übergeführt. Auf dem Transport dorthim iſt der
Berunglückte verſtorben, ohne das Bewußtſein
wie=
der erlangt zu haben.
Rückſichtsloſer Autofahrer.
Altenkirchen. In der Nähe vom Gieleroth
überfuhr ein Auto einen Taubſtummen und ſetzte
ſeine Fahrt im naſendem Tempo fort, ohno ſich um
den Verletzten zu kümmern. Mit einem Schenkelbruch
wurde der Verletzte von Vorübergehenden in das
bieſige Kvonkenhaus eingeliefert.
Die Zeit des Bergſteigens iſt da.
Hochgebirgspracht im Mont=Blanc=Gebiet.
Nur im Sommer ſind die in ewigem Schnee und Eis liegenden Gipfel des Mont=Blanc=Gebietes dem kühnen Bergſteiger erreichbar. Mit Eispickel
und Seil muß er ſich über ſteile Grade und breite Gletſcherſpalten wagen, bis ihm der ſportliche Triumph der Bezwingung eines Gipfels zuteil wird.
G
Aushebung von Schwarzbrennereien.
Koblenz. In den letzten Tagen ſind in
Koblenz und in verſchiedenen Orten on der Moſel
umfangreiche Verhaftungen vorgenommen worden.
Es handelt ſich um Brennereibeſitzer, die der
Schwarzbrennerei verdächtig ſind, und um
Kauf=
leute, die den in der Schwarzbrennerei hergeſtellten
Schnaps umſetzten und ſich ſo der Hehlerei ſchuldig
gemacht haben.
Tod durch Boxkampf.
Münſter. Hier hatte der Schauſteller
Berg=
mann, wie das „Tempo” meldet, eine Sport= und
Kraftſchaubude aufgebaut. Trotz des beſtehenden
Verbotes wief der Schquſteller zum Boxkampf auf,
zu dem ſich ein Einwohner aus Münſter meldete.
Er erhielt im Laufe des Boxkompfes einen
un=
glücklichen Stoß in die Lebergegend und ſtarb an
dieſer Verletzung.
Eiſenbahnunfall.
Bielefelb. Von dem um 13.57 Uhr
Biele=
feld verlaſſenden Perſonenzug entgleiſten vorgeſtern
mittag um 14 Uhr nuf dem Bahnhof Oſt dvei Wagen
und legten ſich auf die Seite. Dem Umſtand, daß
der Zug ſehr langſam fuhr, iſt es zu verdanken, daß
nur drei Perſonen leicht verletzt wurden. Um
16 Uhr war die Strecke beveits wieder fahrbereit.
W
Naubmord in Weißenſee.
Berlin. In der Schönſtraße zu Weißenſee
wurde geſtem mongen um 9 Uhr die frühere
Buch=
halterin und Korreſpondentin und jetzige
Obſthänd=
lerin Johanna Sänger in der hinter dem Laden
liegenden Wohnküche ermordet und beraubt aufge=
funden.
Schweres Unwetter in Bulgarien.
Sofia. In ganz Bulgarien herrſchte im
Laufe des Donnerstag ein ſurchtbares Unwelter.
Hagelſchläge richteten im einzelnen Landesteilen
großen Schaden an. Beſonders kataſtrophalen
Cha=
vakter hatte das Unwetter in Kazalik, dem Zentrum
der Roſenkulwren. Hier ſielen Eisſtücke bis zum
Gewicht von 1 Kilogramm (2) vieder, wodurch
zahl=
neiche Menſchen getötet worden ſein ſollen. Nach
wehrſtündigem Hagelſchlag waren die Felder bis
1 Meter hoch mit Eis bebecht. Der Schaden geht in
die Millionen.
Neue Erdſtöße in Neuſeeland.
London. Wie aus Wellington berichtet wird,
wurden am Freitag im weſtlichen Teill von
Neuſee=
land neue Erderſchütterungen verſpürt. Drei
Erd=
ſtöße während der vorvengangenen Nacht in
Weſt=
port waren beſonders ſtark. Auch aus Greymouth
werden neue Erderſchütterungen berichtet.
Bokſchafter Dawes — Ehrendokkor von
Orford.
Der neue Ehrendoktor (rechts) nach der Promotion
Dem neuen amerikaniſchen Botſchafter in
Lon=
don, General Dawes, ſind ganz beſondere Ehren
bereitet worden. So verlieh ihm die Univerſität
ford zuſammen mit dem ſpaniſchen Botſchafter
Merry del Val den Titel eines Ehrendoktors.
Zur Tagung des Lukheriſchen Welkkonvenks in Kopenhagen.
Eröffnung des Lutheriſchen Weltkonvents.
In Kopenhagen wurde die Tagung des Lutheriſchen Weltkonvents eröffnet, an der viele prominente
Führer der Lutheriſchen Kirchen teilnahmen. Unſer Bild zeigt die Eröffnungsſitzung, in der Mitte
König Chriſtian von Dänemark.
Die bärkigen Indianer von Bolivien.
* Madrid. (Eig. Meld.) Die Madrider
Zei=
tung „La Voz” veröffemtlicht das Evgebnis der
letz=
ten Foyſchungen im Inmern Boliviens, aus
Gegen=
den, wohin bisher noch kein Weißer gedrungen iſt.
Beſonders indereſſant iſt die Gntdeckung von
ver=
ſchiedenen Stämmen von bärtigen Indiawern, die
in vollen Wildheit dahinleben, die von keimer
Hul=
tur berührt ſind. Es gelang den Forſchem, durch
ſchier undurchdringlichen Urwald in das Gebiet der
Sinionen vorzudringen. Auf einer Fläche, die
drei=
oder viermal größer als das Deutſche Meich iſt, leben
dieſe Stämme unberührt dahin. Bevor man in ihr
Gbiet gelangte, mußte man 5000 Meter hohe
Gip=
fel der Anden überſteigen und das Land der wilden
Aimeras und Quinchuas durchqueren. Die dort
lebenden Stämme ſind ſchmutzig und abſtoßend. Die
Eingeborenen nähren ſich von Früchten und
Wur=
zeln, auch von Fiſchen, ſelten aber von Fleiſch.
All=
mählich ſchwindet der mongoliſche Indianertypus.
Die Sprachen ändern ſich und muan ſtößt auf die
bär=
tigen Jndüaner, die wahre Rieſen ſind. Ihre Haut
iſt dunkel, ihre Erſcheinung flößt Furcht ein. Als
Waffe dient ihnen ein rieſiger Bogen von 2 bis 3
Meter Länge. Sie ſind ausgezeichnete Schützen.
Da=
bei ſtützen ſie das eine Ende des Bogens zwiſchen
der großen und zweiten Zehe des linken Fußes und
faſſen den Pfeil mit der rechten Hond, die ſie an die
rechte Hüſte halten. Außer dem Bogen tragen ſie
als Waffen ſchwere Keulen aus Eiſenholz und
Lan=
zim mit vergifteten Spitzen. Die Sirioner wiſſen
nicht, was Gewebe iſt, und tragen folglich keinerlei
Bekleidung. Ihr koſtbarſter Schmuck iſt eine Sckmur
von Menſchen= und Tierzähnen. Auf dem Kopfe
trä=
gen ſie Federn. Feuer machen ſie, indem ſie zwei
Holzſtücke aneinander reiben, aber gewöhnlich
ver=
ſchlingen ſie ihre Nahrung roh. Das erlegte Wild
zerfleiſchen ſie ſofort und verſchlingen es. Sie haben
keine ausgeſprochene Neligion, aber ſie weinen, daß
jeder belebte oder unbelebte Gegenſtand von einem
guten oder böſen Geiſt bewohnt wird. Wenn ſie z.
B. glouben, daß das Tier, das ſie getötet haben,
von einem gunon Geiſt beſeſſen war, ſo ſuchen ſie
ihm eine weue Behauſung, d. h. ſie weihen ihm
ent=
weder eine Fder oder ein Stück Holz oder ſonſt
irgend einen Gegenſtand. Einne Zeitrechnung kennen
ſie nicht. Jede Art von Eheſchließung iſt ihnen
fremd. Um ihre Toten zu begraben, legen ſie ſie
in tine Art von Korb und laſſen ſie ſtehen, bis die
Leiche ſich zerſetzt hat. Dann reinigen ſie die Knochen
und hängen das Skelett an langen Liomen als
Schmck vor ihren Häuſern auf. Bisher lebten die
Sirionen im offener Feinſchaft mit den benachbarten
Indianerſtämmen; dieſſer Haß ſcheimt ſich im der
letz=
ten Zeit gelegt zu haben, da wenigſtens in den
Grenzgebieten die Bewohner fremder Stämme
zu=
gelaſſen werden, ohne daß ma ſie, wie das bisher
der Fall war, aus dein Hinterhalt evmordet. — Die
katholiſchen Miſſionare, die bis zu den Wohnorten
der bärtigen Indianer vorzuduingen verſuchten,
er=
reichten nichts. Nur die wenigſten von ihnen
behr=
den lebend zurück. Man wirft den Sirionen vor,
daß ſie Kopfjäger ſind, aber ein wiſſenſchaftlicher
Beweis hat ſich dafür nicht erbrigen laſſen. Die
Ergebniſſe der Forſchungen erbringen ferner den
Be=
weis, daß alle dieſe bäntigen Stämme nicht mit den
Indianern des Nordems ſtammverwandt ſein können.
Ihre Schädelbildung, die Lautzuſammenſetzung der
Sprache uſw. weiſen deutlich darauf hin, daß ihre
Urvorfahren von den polyneſiſchen Inſeln
herüber=
gekommen ſind. Die Forſcher haben femer in der
düſteren Wildmis Spuren von einer uralten Kultur
gefunden, über die der heutigen Wiſſenſchaft noch
nichts bekannt iſt.
Verwegener Raubüberfall.
New York. Ein ſelbſt für amerikaniſche
Ver=
hältniſſe verwegener Raubüberfall wird aus Topeka
(Kanſas) gemeldet. In Kanſas=City überfiel ein
junges Mädchen einen Automobilbeſitzer auf offener
Straße und zwang ihn mit vorgehaltenem
Revol=
ver, nach der 75 Meilen entfevnten Stadt Topeka
zu fahren. Dork ließ ſie den Wagen vor dem
Kaſ=
ſenrqum einer Verſicherungsgeſellſchaft halten,
drang in den Raum ein und raubte, indem ſie dem
Kaſſierer mit dem Revolver bedrohte, 14 000 Dollar
Lohngelder. Als ſie das Gebäude verließ, hatte der
Automobilbeſitzer das Weite geſucht. Das Mädchen
flüchtete in ein in der Nähe gelegenes Haus und
entkam. Die ſofort herbeigeeilte Polizei fand in dem
Haus lediglich eine Maske, einen Hut umnd einen
Mevolver.
Die Suche nach dem Schulſchiff „Kopenhagen”.
Buenos Aires. Uebr das Schickſal des
däniſchen Schulſchiffes „Kopenhagen” treffen erneut
rätſelhafte Meldungen ein. Kapitän Samuels von
dem Dampfer „Heliſios” erklärte bei ſeiner
An=
lunft in Buenos Aires, daß Eingeboreng der Inſel
Triſtan dAeunha am 1. Januar das Wrack eines
Vier= oder Fünfmaſters in der Nähe der Juſel
trei=
bend geſichtet hätten. Nach einem Bericht des
Miſ=
ſionars der Inſel dürfte die „Kopenhagen” auf den
ſüdlichem Strand der Inſel aufgelaufen ſein.
Ret=
tungsmaßuahmen ſeien deshalb unterblieben, weil
eine Verbindung mit dieſem Teil der Inſel nicht
möglich ſei.
Achkeinhalb Tage auf dem Ozean
kreibend.
London. Die ſpawiſchen Ozeanflieger Major
Framco und ſeine Begleiter ſind lebend
aufge=
funden worden. Bei der britiſchen Wdmirglität iſt
am Samstag vormittag von dem
Flugzeugmutter=
ſchiff „Gagle”, das ſich ſeit mehreren Tagen on der
Suche nach den Vermißten beteiligte, folgender
Funkſpruch eingegangen: „Das Dornier=Wal=
Flug=
zeug der ſpaniſchen Flieger iſt in einer Lage 36,98
Grad nördlicher Länge und 2,14 Grad weſtlicher
Breite von der „Eagle” geſichtet worden. Das
Flugzeug iſt gur ſehr wenig beſchädigt. Die
Be=
mannung befindet ſich wohl.” — Major Franco war
mit ſeinen Begleitem am Freitag vor acht Tagen
von Cartagena aus zum Fluge nach Naw York über
die Azoren aufgeſtiegen.
Einer Meldung der britiſchen Admivalität
zu=
folge, hat das britiſche Flugzeugmutterſchiff „Eagle‟
das vermißte ſpaniſche Ozeanflugzeug an Bord
ge=
nommen. Die Beſatzung iſt geſund und
wohlbehal=
ten. Den „Eagle” iſt nach Gibraltar unterwegs. Die
Beſatzung des Flugzeugs beſteht aus Major Franoo,
Kapſtän Ruiz de Alda, Major Gallarza und dem
Mechaniker Madaraiga.
Ein Erfolg des deutſchen
Flugbook=
baues.
Die Rettung MMajor Francos mit ſeinem
Dor=
nierwal verdient beſonders in Deutſchland mit
Ge=
mugtuung aufgenommen zu werden. Nie zuvor hat
bisher ein Flugboot eine ſolche Belaſtumgsprobe
aushalten können. Der von den Spowiern benutzte
Dormierwal trug ſeine Beſatzung mehr als eine
Woche lang durch die Wellen des Atlantiſchen
Ozeans, bis Rettung kom. Es muß daran
erin=
nert weuden, daß vor einigen Tagen gerade in der
Nähe der Azoren heftige Stürme wüteten, ſo
daß man in Kreiſen der Sachverſtändigen die
Hoff=
wung auf die Retung der Flieger bereits
aufgege=
ben hatte. — Früher war es ſchon einmal dem
Ita=
liener Locatelli nach ſeinem mißglückten
Grönland=
flug gelungen, ſich dvei Tage in einem Dornier=Wal
über Waſſer halten zu können. Aber die
achteinhalb=
tägige „Seereiſe” des Dornier=Wals Francos iſt doch
ein Rekord in der Seetüchtigkeit von Flugzeugen.
Man erfährt, daß es den Fliegern nicht mehr
mög=
lich war, vor dem Niedergehen einen Fumkſpwuch zu
geben, weil ihnen eine Reſerveantmiabskraft für den
Gnerator nicht mehr zur Verfügung ſtand.
Der Goldſchak auf dem Meeresgrunde
* Paris. Kürzlich liefen in den franzöſiſchen
Kriegshafen Breſt zwei unanſehnliche
Bergungs=
dampfer von italiemiſcher Nationalität ein und
war=
fen in der großen Bucht Anker. Bald aber wurde
bekannt, daß dieſe kleinen, unſcheinbaren Schiffe
ſich ein Rieſenprojekt zur Aufgabe geſtellt haben,
nämlich den im Jahre 1920 in der Nähe von Breſt
geſunkenen Ozeanrieſen „Egypt” wieder zu heben,
der einen ungeheuven Schatz an geprägtem Gold,
ſowie Gold= und Silberbarren mit in die Tiefe
ge=
nommen haben ſoll. An und für ſich bedeutet ein
derartiges Unternehmen keine außergewöhnliche
Maßnahme, doch in dieſem Falle handelt es ſich um
etwas noch mie Dageweſſenes, weil das Schiff im
einer Tiefe von 124 Metern liegt und dort ein
ge=
waltiger Strom von 5 bis 7 Seemeillen im der Stunde
läuft. Die italiemiſchen Bergungsſchiffe ſiud mit den
neueſten bechniſchen Hilfsmitteln und einer
Tiefſee=
taucherglocke ausgerüſtet und werden durch die
fran=
zöſiſchen Behörden mit allen Angaben zur
Auffi=
dung des Wrackes unterſtützt. Sobald das Wetter
es geſtattet, werden die Schiffe arbeiten. Sie haben
bereits Bojen gelegt und kürzlich das Glück gehabt,
beim Wbſuchen des Meeresbodens vermittels eines
Drahtſeiles auf ein Wrack zu ſtoßen. Jedoch konnte
noch nicht mit Sicherheit feſtgeſtellt werden, ob es
tatſächlich die „Eghpt” iſt. Dieſer Tage erſchien eim
italieniſcher Mönch auf der Bildfläche, begab ſich an
Bord des einen Dampfers und ließ ſich an die
Fund=
ſtelle fahren. Ueber der Stelle, wo angeblich das
Wrack liegen ſoll, holte er eine Wünſchelrute in
Form eines Eſchenzweiges hervor und ſtellte
prophe=
tiſch feſt, daß dort unten das Wrack eines großen
Dampfers läge. Die Frage, ob es auch Metall
oder Gold enthalte, beantwortete der Seher mit
Ja, und die Zuſchauer konnten ein kräftiges Zittem
des Zweiges in ſeiner Hand gewahr werden. Wird
ſich die Wünſchelmte als Baubemmittel bewähren?
Seite 14
Sonntag, den 30. Juni 1929
Nummer 129
Der kommende Sonntag bringt wiederum ein ſportliches
Pro=
gramm, wie man es ſich nicht umfangreicher und
vielverſprechen=
der vorſtellen kann. Das meiſte Intereſſe konzentriert ſich auch
diesmal wieder auf den
Fußball.
Um die deutſche Fußballmeiſterſchaft
geht hier der Kampf, der Tauſende und Abertauſende in ſeinen
Bann zieht. Es kämpfen:
in Breslau: Breslauer S.C. 08 — Bayern München und
in Dortmund. Schalke 04 — Hertha/B.S.C. Berlin.
Der 1. F.C. Nürnberg iſt der erklärte Favorit für die diesjährige
Meiſterſchaft. Er befindet ſich in einer ausgezeichneten Form, die
ihn keinen Gegner fürchten läßt und gegen die Tennis/Boruſſia
Berlin in Fürth vergebens kämpfen wird. — Auch der
Spiel=
vereinigung Fürth, dem zweiten Vertreter der ſüddeutſchen
Fuß=
ballhochburg, ſollte
Altona ein Sieg gelingen.
Selbſtver=
ſtändlich iſt der H. S.V. ein äußerſt ſpielſtarker Gegner, doch nicht
ſo ſtark, daß ihn Fürth nicht ſchlagen könnte. — Einen
verhaltnis=
mäßig leichten Gegner hat Bayern München in der Meiſterſchafts=
Zwiſchenrunde gefunden. Selbſt der Umſtand, daß das Treffen
gegen den Breslauer S.C. 08 in Breslau ſtattfindet, wird für
die Bayern kein Hindernis ſein, ſich durch einen glatten Sieg die
Zerechtigung für die Teilnahme an der Vorſchlußrunde zu ſichern.
Völlig offen iſt der Ausgang des letzten Spiels um die
Meiſter=
chaft, das in Dortmund ſtattfindet. Hier beſteht die
Moglich=
keit, daß ſich Schalke 04 gegen den Berliner Meiſter durchſetzt, daß
aber auf der anderen Seite auch manches für einen Sieg von
Hertha, B. S.C. ſpricht. Vielleicht ſpielt in dieſer Begegnung das
Fußballglück eine beſondere Rolle.
In Süddeutſchland
ſind dann weiter die Aufſtiegsſpiele zu erwähnen, deren
Zahl ſich von Sonntag zu Sonntag verringert. Es ſpielen in der
Gruppe Saar B.V. Zweibrücken gegen V. f. R.
Kaiſerslau=
tern, S.V. Völklingen — V. f. B. Dillingen und in der Gruppe
Baden Sportfreunde Freiburg — Sp.Vg. Schramberg. Doch iſt
es ſehr wahrſcheinlich, daß dieſe Spiele auf den Samstag
verleg=
oder auf einen ſpäteren Termin verſchoben werden, da infolge des
allgemeinen Jugendtages, der am nächſten Sonntag ſtattfindet
Spielverbot herrſcht. Aus dieſem Grunde werden auch die
ver=
ſchiedenen Geſellſchaftsſpiele bereits am Samstag
aus=
getragen, ſo die intereſſante Begegnung zwiſchen Eintracht
Frankfurt und Arſenal Kairo, F.S.V. Frankfurt und
dem weſtdeutſchen Zweiten, dem Meidericher Sp.V., und das
Lokal=
derby in Stuttgart zwiſchen V. f. B. Stuttgart und den
Stutt=
garter Kickers. Ferner beſtreitet noch der Bezirksneuling F.V.
Ulm 94 in Bregenz ein Spiel gegen den F.C. Bregenz.
Einen größeren Rahmen im ſüddeutſchen Programm nehmen auch
esmal die Städteſpiele ein. In Oberhauſen tritt die
Stadtmannſchaft von Saarbrücken ebenfalls am Samstag ſchon
gegen die dortige Städte=Elf an, um dann am Sonntag noch ein
Spiel in Nordhorn austragen zu können. Ein weiteres
Städteſpiel ſteigt in Augsburg zwiſchen der Stadtvertretung
von Augsburg und Ulm.
Im Reich
iſt das Spiel zwiſchen einer Wiener und einer Berliner
Jugend=
elf hervorzuheben, das in Berlin aus Anlaß des D.F.B.=
Jugend=
tages ſtattfindet. Weiter iſt das 25jährige Jubiläum des Bezirks
Niederlauſitz im Südoſtdeutſchen Fußballverband zu
erwäh=
nen. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wird eine
Ber=
liner Jugendmannſchaft gegen die Niederlauſitzer Jugend ſpielen
anſchließend tritt dann eine Bezirksmannſchaft der Niederlauſitz
gegen D.F.C. Prag an.
Im Ausland weilt eine
weſt=
deutſche Elf, die in Arnheim das traditionelle Spiel gegen
Oſtholland austrägt.
Handball.
Deutſchland — Oeſterreich.
zü
Nach dem Fußball=Länderſpiel gegen Schweden warten nun
am kommenden Sonntag auch die deutſchen Handballſpieler mit
einem Länderſpiel auf. Den Gegner ſtellt Oeſterreich, mit dem
Deutſchland ſchon verſchiedentlich ſeine Kräfte gemeſſen hat.
Leichtathlet ik.
Die ſüddeutſchen Meiſterſchaften.
Der kommende Sonntag ruft die geſamten deutſchen
Leicht=
athleten auf den Plan. Suddeutſchland tragt ſeine Titelkämpfe
auf der ſtädtiſchen Kampfbahn in Mannheim aus. Dort
wer=
den in faſt allen Konkurrenzen harte Kämpfe ſich abſpielen, denn
in faſt keiner Diſziplin iſt ein ausgeſprochener Favorit
vorhan=
den. Das Meldeergebnis, iſt recht gut ausgefallen, insgeſamt
wurden von 228 Teilnehmern 353 Nennungen abgegeben, ſo daß
zahlreiche Vorkämpfe notwendig ſind. — Außerdem kommen die
norddeutſchen Meiſterſchaften im Stadion zu Hannover,
die ſüdoſtdeutſchen im Breslauer Stadion zum
Aus=
trag. Mitteldeutſchland hat eine Zweiteilung
vorgenom=
men: die Männer kämpfen in Halle, die Frauen in
Nord=
auſen um die Titel. Aehnlich bringt Weſtdeutſchland
ſeine Meiſterſchaften zum Austrag. Die Einzelmeiſterſchaften der
Männer finden am kommenden Sonntag im Stadion zu Duis
burg, die der Frauen in Lennep ſtatt, wahrend die
Staffel=
kämpfe und der Zehnkampf erſt acht Tage ſpäter in
Duſſel=
dorf entſchieden werden. Die Balten=Meiſterſchaften
fallen infolge finanzieller Schwierigkeiten aus, dagegen gelangen
die Pommern=Meiſterſchaften erſt am 7. Juli in
Stertin zum Austrag. — Von den weiteren Veranſtaltungen
verdient das Alt=Herren=Sportfeſt des S.V. 98
Darm=
ſtadt in Darmſtadt ein beſonderes Intereſſe.
Schwimmen.
Der Kampf um die Deutſche Waſſerball=
Meiſter=
chaft iſt ſoweit gediehen, daß der nächſte Sonntag in
Darm=
ſtadt den ſüddeutſchen Meiſter Jung=Deutſchland Darmſtadt
gegen Poſeidon Köln im erſten Vorrundenſpiel ſieht. Die
Darm=
ſtädter haben ſich in ihren letzten Spielen in einer derart
aus=
gezeichneten Form gezeigt, daß man ihnen den Sieg gegen die
Kölner wohl zutrauen kann. — Nicht ohne Intereſſe ſind die
Er=
gebniſſe, die die Württembergiſchen Schwimm=
Meiſterſchaften in Göppingen bringen werden. — Scharfe
Kämpfe verſprechen beſonders die Staffeln wie auch die
Einzel=
kämpfe in dem Wettſchwimmen „Quer durch Berlin”, an
denen ſich auch ausländiſche Schwimmer beteiligen werden.
Rudern.
A3
Die ſüddeutſchen Ruderer haben für den kommenden
Sonn=
tag die Frankfurter Regatta auf ihrem Programm
ſtehen. Wenn das Meldeergebnis wider alles Erwarten nicht ſo
ſtark wie im vergangenen Jahre ausgefallen iſt, ſo verſpricht
dennoch die Beſetzung der einzelnen Rennen manche ſpannenden
Kämpfe. — Von den weiteren Regatten im Reich iſt auch die
Potsdamer Regatta von ſüddeutſchen Vereinen beſchickt.
Außerdem gibt es noch Regatten in Bernburg Hannover
und in Eſſen, wo die Hügel=Regatta zur Durchführung gelangt.
Ferner wird noch die Schleſiſche Regatta abgehalten, in
der der Oſtmarken=Achter zur Entſcheidung gelangt.
Turnen.
Einen Kunſtturnkampf gibt es in Baden (Schweiz), in dem
die Turner von der Schweiz, von Baden und von der Pfalz ihr
Konnen meſſen. Einen weiteren Großkampftag hat Münche
zu verzeichnen, das das 50jährige Beſtehen des MTV. München 79
feſtlich begeht. Dieſe Veranſtaltung erhält durch den Start des
urner=Sprinters Lammers=Oldenburg eine beſondere Bedeutung.
Weiter dient der kommende Sonntag der Ermittlung der
Kreismeiſter im Volksturnen von Nordoſten in
El=
ing von Brandenburg in Berlin=Zehlendorf, vom
Rheinland in Barmen und von Thüringen in Weimar.
Tennis.
Der Tennisſport befindet ſich mitten in der Hochſaiſon. Ueberall
gibt es Turniere von mehr oder minder großer Bedeutung.
S=
hat das Turnier in Karlsruhe eine beſonders gute Beſetzung
erhalten, da es im Herren=Einzel die Meiſterſchaft von
Süd=
deutſchland zur Entſcheidung bringt, während im Damen=Einzel
es um die Meiſterſchaft von Baden geht. Auch das
Meldeergeb=
nis, das das Turnier in Bad Ems gefunden hat, verſpricht
intereſſante Begegnungen. Mit einem Tennisturnier wartet am
kommenden Sonntag auch die alte bayeriſche Reſidenzſtadt
Würz=
burg auf, das ſich über drei Tage erſtreckt. Doch all dieſe
Ver=
anſtaltungen werden von dem all=engliſchen Turnier in
Wim=
ledon in den Schatten geſtellt, das faſt alle Tennisſpieler von
Weltruf vereinigt hat und deſſen Spiele denen um die
Welt=
meiſterſchaft gleich zu achten ſind.
Radſport.
Beginnt man bei dieſer Sportart bei den Bahnrennen,
ſo iſt hier zunächſt das Rennen um das „Goldene Rad von
Ber=
lin” zu erwähnen, das auf der Olympiabahn in Berlin
aus=
gefahren wird. Zum erſten Male wird dabei der neue franzöſiſche
Stehermeiſter Paillard auf einer deutſchen Bahn ſtarten. Auck
„hemnitz wartet mit einem Bahnrennen auf. Bei dem „Großen
Preis von Kopenhagen” in Kopenhagen, der für
Berufs=
flieger und Amateure ausgeſchrieben iſt, werden diesmal einige
deutſche Fahrer in Wettbewerb treten. Ebenſo werden deutſche
Fahrer in Krakau gegen die beſten Kurzſtreckenfahrer Polens
antreten wie ſich auch Deutſche an dem Sechs=Stunden=
Mann=
ſchaftsfahren beteiligen werden, das in Lodz ſtattfindet. Die
dtraßenveranſtaltungen ſtehen im Zeichen der Gau=
Meiſterſchaften im Einer=Fahren, die in allen Gauen durchgeführt
werden. Der V.D.R.V. bringt den Großen Opel=Preis von
Sach=
ſen” zur Durchführung, der über 294,5 Kilometer führt. Die
Con=
rordia veranſtaltet das Rennen um den „Großen Kometpreis” der
in Roſenheim ausgetragen wird. Von den ausländiſchen
Rennen iſt vor allem die Rundfahrt durch Frankreich zu
erwäh=
nen, die an Fahrer und Material die größten Anſprüche ſtellt.
Motorſport.
Die diesjährige Reichs=Tourenfahrt des D.T.C. findet
am kommenden Sonntag in Dresden ihr Ende
hemnitz
veranſtaltet eine Fichtelberg=Prüfungsfahrt. Die
Tſchecho=
lowakei bringt einen Großen Preis der Motorräder zur
Durchführung, ferner wird auf der Sarthe=Rundſtrecke der Grand
Prix de France entſchieden werden. Ein weiteres motorſportliches
Ereignis gibt es am 30. Juni auf dem Flugplatz Eſſen=
Mül=
heim, auf dem die Deutſche Kunſtflug=Meiſterſchaft
ausgetragen wird. Elf Meldungen ſind, dazu abgegeben worden,
unter denen ſich neben Fieſeler und Udet, Schonger und Stör=
München, Spengler=Würzburg, Kern=Duisburg, Seelbach=Münſter
Pechke=Düſſeldorf. Dr. Gullmann=Leipzig, Graf Schaumburg=Kaſſel
und der Schweizer Glardon befinden.
Pferdeſport.
Den Reigen dieſes ſonntäglichen Programms beſchließt der
Pferdeſport, der ſeinen großen Tag in Hamburg=Horn hat.
Dort kommt das berühmte Deutſche Derby zur Entſcheidung,
an dem ſich vorausſichtlich 11 Pferde beteiligen werden, nachdem
man jetzt „Walzertraum” der in letzter Zeit verſagte,
heraus=
genommen hat. „Um das blaue Band” iſt eine Loſung, die viele
Freunde des Pferdeſports in Hamburg vereinigen wird. Die
wei=
teren Galopprennen, die gelaufen werden, ſpielen dieſem
Ereig=
nis gegenüber nur eine untergeordnete Rolle. Dazu gehören die
Rennen in Leipzig, Dortmund und in Stuttgart=Weil. Vom
Ausland wird für den heutigen Sonntag nur ein
Galopp=
rennen in Paris gemeldet.
Poſeidon Köln gegen Jung=Deutſchland.
Sonntag vormittag 11½Uhr.
Wer wird dieſen Kampf gewinnen und ſich dadurch für die
Zwiſchen=
runde der deutſchen Waſſerballw=iſterſchaft die Teilnahmeberechüigung
erkämpfen? Das iſt ſeir Tagen die Frage der ſportintereſſierten
Bevöl=
kerung Darmſtadts.
Man weiß, daß ſich am kommenden Sonntag vormittag auf der
idealen Kampfſtätte des Großen Woogs in Poſeidon Köln und Jung=
Deutſchland Darmſtadt zwei kampferprobte Mannſchaften
gegenüber=
treten werden, über deſſen Ausgang vollkommene Ungewißheit herrſcht.
Poſeidon Köln, der erklärte Favorit für die diesjährige weſtdeutſche
Meiſrerſchaft, wird in der Aufſtellung:
Rütt
Klein
Winand
Lambertz
Treiß
Fokken
Haas
den Darmſtädtern einen Gegner abgeben, der ſehr ſchwer zu ſchlagen ſein
wird. Einen beſonders ſtarken Eindruck macht der überaus ſchmelle
Sturm mit ſo bekannten Leuten wie Treiß und Haas, der der
Darm=
ſtädter Hintermannſchaft ſehr zu ſchaffen machen wird. Auch Lambertz
als Verbindungsmann iſt ein talentierter Waſſerballſpieler und hat
daher den Weſten ſchon öfters repräſentativ vertreten. Die
Hintermann=
ſchaft iſt nicht ſo bekannt, doch nach den letzten Ergebniſſen von Poſeidon
zu urteilen, muß ſie über eine beachtliche Sjärke verfügen. Jung=
Deutſcl=
land wird den Kampf mit derſelben Mannſchaft wie gegen Budndeſt
be=
ſtreiten, alſo mit:
Müller
Richter
Förſter
Orlemanm
Berges
Kloſtermann
Shwartz.
Spielt die Mannſchaft ſo wie gegen die Ungarn, ſo darf, man ihr
ein gutes Abſchneiden zutrauen, was im Intereſſe des ſüddeutſchen
Waſſerballſports ſehr zu begrüßen wäre.
Geleitet wird das Spiel von dem bekannten Kreisſchwimmwart des
Kreiſe V (Süddeutſchland), Herrn Berkſch, Frankfurt
Wir verweiſen nochmals auf den Vorverkauf bei L. B. Müller,
Schulſtraße 14, und können jedem empfehlen, dieſen Kampf bei niedrigen
Eintrit’spreiſen zu beſuchen.
Main=Rhein=Gau — Deutſche Turnerſchaft.
Wie der verfloſſene Monat Juli durch eine Reihe von Wettkämpfen
belebt war, ſo ſteh: auh wieder der kommende Monat Juli im Zeichen
größerer turneriſcher Veranſtaltungen des Main=Rheingaues. Waren
es im letzten Monat die Frauen, Voltsturner und Sommerſpieler, die im
gegenſeitigen Wettkampfe ihre Kräfte maßen, ſo ſind es kommenden
Monat zunächſt die Turnerſchwimmer, die am 7. Juli auf den
Wett=
kampfplan treten, gelegentlich des 5. Gauſtromſchwimmens im Rhein
bei Gernsheim. Keine andere Gauveranſtaltung iſt ſo
boden=
ſtändig geworden, wie das Gauſtromſchwimmen, das immer als
Aus=
tragungsort Gernsheim beſtimmt, für den Ort ſelbſt ſchon zur
alther=
kömmlichen Einrichtung und zur ganz beſonderen Zugkraft geworden
iſt. Nicht nur die Turnerſchwimmer wollen ſich an dieſem Tage dort ein
Stelldichein geben, ſondern auch ein in der deutſchen Turverſchaft neu
aufgenommener Zweig der Leibesübungen, der Padbelſport, ſoll hier
den Beweis erbringen, daß er eine gute Pflegeſtätte in der D.T.
ge=
funden hat. Eine Ausſchreibung von Wettkämpfin der Bootfahrer
er=
nänzen an dieſem Tage die Wettkampfkonkurrenzen des Waſſerſportes.
Die letzten Vorbereitungen zum diesjährigen Gauturnfeſt treffen die
Turner in der in Darmſtadt am 7. Juli, vormittags 9.30 Uhr, in
der Turnhalle der Turngemeinde (Woogsplatz) ſtattfindenden
Gau=
übungsſtunde. Die Pflichtſpielreihe im Tennisnſpiel innerhalb des
Mittelrheinkreiſes, ſieht in der erſten Turnierklaſſe (Frauen=Einzel) je
ſechs Belverber und Bewerberinnen der Tamde. 1846, am 7. Juli au
dem Platze hinter dem großen Woog, im Kampfe gegen namhafte Gegner
aus dem Kreisgebiet. Am gleichen Tage begeht der Turn=Sportverein
Nieder=Modau das Feſt ſeiner Fahnenweihe. Zum 48. Male kommen oie
Main=Rheingauturner, diesmal in Bensheim a. d. B., am 21.
Jul=
zuiſammen, um ihr Gaufeſt zu feiern. Ueber 600 Wetturner werden zum
Kampfe um den ſchlichten Eichenk anz antreten. An den Endſpielen im
Tennis am 21. Juli, deren Durchführung her Tamde. 1846 Darmſtadt
übertragen, iſt dieſelbe mit eine; größeren Anzahl Spielern und
Spielerinnen in der erſten Turnierklaſſe (Damen=Doppeit) und
Gemiſch=
tem Spiel) beteiligt. Für das ehemalige Gebiet des Odenald=
Jahn=
gaues, jetzt mit dem Main=Rheingau vereinigt, iſt ein
Volksturmwett=
kampf zum 28. Juli in Weiher im Odenwald angeſetzt, mit dem
gleichzeitig der dortige Turnverein das Feſt ſeines 30jährigen Beſtehens
eiern wird. Vom Wandern, das in den Vereinen des Main=
Rhein=
aues eifrig betrieben wird, iſt eine Vereinswanderung der
Turnegeſell=
ſchaft Darmſtadt, die am 7. Juli nach Höchſt—Hummetroth—
Eberhardts=
brunnen-Lengfeld führen ſoll, bekannt geworden.
Epw.
Sporkverein 98 Darmſtadk nimmt am Endſpiel um
die ſüddeutſche Pokal=Meiſterſchaft keil.
Sp. V. Darmſtadt 1898— V. f. R. Mannheim 11:8 (5:4).
Das war kein Heldenſtück, Herr Gieſemann vom 1. FC. Nürn
berg. Wir müſſen ihn leider vorwegnehmen, den Herrn
Schieds=
richter, da er zweifellos die ſtärkſte Hand im Spiel hatte und außerdem
eine Pfeife, die manchmal ſogar anſcheinend gegen ſeinen Willen — wir
nehmens zum mindeſten zu ſeinen Gunſten an — in das Spiel eingriff
zu Luſt und Leide der Parteien und des pp. Publikums, das in einen
Stärke von 1200 Perſonen trotz des Werktags und des verlockend ſchönen
Wetters ſich eingefunden hatte.
Zuvor nur noch eine Feſtſtellung: Der Sieger aus dieſem Spiel
tritt zum Endſpiel um die Süddeutſche Pokalmeiſterſchaft gegen den
Sieger aus dem noch auszutragenden Spiel 1. FC. Nürnberg —
V. f. B. Stuttgart an.
Es war ein aufregender, harter Kampf, kein Spaziergang, wie
man vielfach angenommen zu haben ſchien. Die
Sportvereinsmann=
ſchaft hatte zweifellos das Pech, in der erſten Halbzeit gegen die Sonne
ſpielen zu müſſen. Das entſchuldigt aber keineswegs die 4
Ueber=
raſchungstore, die Mannheim innerhalb weniger Minuten erzielen
konnte, nachdem der Sportverein gleich in dee erſten Minute in
Füh=
rung gegangen war. Unverzeihliche Deckungsfehler Darmſtadts nützte
der gewandte und placiert werfende kleine Mittelſtürmer Mannheims
geſchickt, aus, um den verdutzt dreinguckenden, feſtgewurzelten Herrn
Henß wachzurütteln. Der Vorſprung war da und mußte nun
auf=
geholt werden. Mannheim verlegte ſich aufs Mauern, ohre jedoch
da=
mit, wenn auch zunächſt, Erfolg zu haben. Ein 13=Meter=Wurf für
Darmſtadt verringert das Verhältnis auf 4:2 für Mannheim. Bis zur
Halbzeit gelingt es aber dann doch dem Sportvereinsſturm, die
Füh=
rung an ſich zu reißen. Mit 5:4 Toren geht man in die Halbzeit.
In der Pauſe tritt die Jugend Darmſtadts auf und führt nach einer
An=
ſprache von Herrn Schulrat Haſſinger und einem gut klappenden dreifachen
„Hipp, Hipp, Hurra” Freiübungen unter der Leitung von Herrn
Sport=
lehrer Wehr ver.
In der Pauſe hatte ſich Mannheim, das gegen Schluß der erſten
Halbzeit dem von ihm ſelbſt gewählten Tempo doch nicht mehr gewachſen
war, gut erholt und machte den zerfahren ſpielenden Darmſtädtern viel.
zu ſchaffen. Trotzdem konnte der Sp.V. 98 auf 6:4 erhöhen, um dann
bis zum Stand von 8:7 die Führung zu behalten. Mannheim, deſſen
Eifer und Gewandheit anzuerkennen iſt, kann 5 Minuten vor Schluß
gleichziehen. In einem überragenden Endſpurt ſtellt der Sportverein
das Endergebnis und damit den Sieg feſt.
Das Spiel war eins der ſchlechteſten, die wir in letzter Zeit vom
Sp. V. 98 zu ſehen bekamen. Der Sturm kann, wenn er will. Er iſt
noch immer der wurfkräftigſte. Wenn Mannheims Torwächter auch
verſagt hätte, wäre eine noch höhere Torziffer herausgekommen.
Auf=
fallend war geſtern wieder die Eigenſinnigkeit einzelner Stürmer. Wir
brauchen wohl kaum Namen zu nennen. Die linke Sturmſeite ſtand
meiſt frei, und doch bekam ſie die wenigſten Bälle. Die Läuferreihe
ſcheint torhungrig geworden zu ſein, eine Eigenſchaft, die den Sieg,
unter Umſtänden die Meiſterſchaft koſten kann. Sie hat gewiß die
Auf=
gabe, den Sturm zu unterſtützen, aber nicht in der geſtern beliebten Form.
Sie ſoll vor allem den Angriff des Gegners mit unterbinden. Und da
haperte es geſtern ſehr. Delp entwickelte ſich nachgerade zum 6.
Stür=
mer. Im Aufbau des Spiels und in der Verteidigung gefiel er uns
rüher beſſer. Reuter war, wie immer in ſchweren Spielen, ſehr gut, ſein
Mitſpieler machte namentlich in der erſten Halbzeit böſe Schnitzer. Ueber
den Darmſtädter Tormann wollen wir ſchweigen.
Mannheim gefiel überaus gut. Ein Spieler verdarb allerdings
dieſen Eindruck durch ſein übermäßig gewaltſames Spiel. Der
Schieds=
richter hatte mehrmals Gelegenheit, ihn herauszuſtellen, ohne jedoch die
dazu notwendig! Entſchlußkraft aufzubringen. Es muß allerdings
zugegeben werden, daß ſchließlich auch von Darmſtadt infolgedeſſen
manchmal über Gebühr rauh geſpielt wurde. Es blieb ja auch nichts
underes übrig. Der Mannheimer Sturm war überaus wendig, flink und
ballſicher. Sein Wurf iſt nicht übermäßig ſtark, aber wohlüberlegt und
placiert. Der Sturm half ebenſo wie die Läuferreihe auch in der
Ver=
eidigung aus. Der Torwächter war ſehr gut.
Der Sportverein 98 Darmſtadt hat ſich durch dieſes Spiel zum End=
FC.
Nürn=
ſpiel um die Süddeutſche Pokalmeiſterſchaft durchgerungen.
berg oder V.f.B. Stuttgart wird der Gegner heißen. Wir kommen
darauf zu gegebener Zeit zurück. Jedenfalls wünſchen wir ſchon heute
für das Endſpiel einen gerechten und ſicheren Leiter. Dann wird ſich
auch der frühere Süddeutſche Handballmeiſter in ſeinem ganz großen
Können zeigen. Geſtern ſpielte er unter Form.
Darmſtadt — Frankfurk 10 :2.
Vierter Tag: Leichtathletik.
(Fortſetzung.)
Frankfurt Sieger. Punktzahl 6:2 für Darmſtadt.
Die 4mal 100 Meter=Staffel geivinnt Frankfurt in der Zeit von
43,8 Sekunden gegenüber der Zeit von 46,8 Sekunden, die die
Darm=
ſtädter Mannſchaft lief.
Den Sieg in der 25mal½=Rundenſtaffel erringt ebenfalls
Frank=
furt in der Zeit von 9:47,2, während Darmſtadt 200 Meter zurück liegt
und nach einer Zeit von 10:10,5 Sekunden erſt durehs Ziel läuft.
Im Dreikampf, beſtehend aus Weitfprung, Speerwerfen und 100=
Meter=Lauf, bleibt Frankfurt ebeufalls Sieger.
Somit iſt Frankfurt für dieſen Tag Sieger und erringt 2 Siegpunkte.
Fünfter Tag: Handball.
Darmſtadt ſiegt mit 7:5 Toxen.
Punktzahl 8:2.
Das mit Spannung erwartete Treffen ſtand ſpieleriſch auf hoher
Stufe. Beide Mannſchaften ſpielten mit ungeheurem Tempo. Das Spicl
wogte dauernd auf und ab, was aus den hohen Torzahlen zu erſehen
iſt. Es war ein Propagandaſpiel im wahrſten Sinne des Wortes.
Frankfurt ſchießt das erſte Tor. Es folgt der Ausgleich durch
Darm=
ſtadt. Wiederum geht der Frangfurter Sturm vor, der ſeinen Angriff
weit offener und dadurch gefährlicher geſtaltet, und es gelingt ihm, das
Führungstor zu ſchießen. Auch dieſes Tor wird bald darauf ausgeglichen.
Bei Halbzeit iſt das Reſultat 2:2.
Gleich zu Beginn der zueiten Spielhälfte ſchießt Darmſtadt ſein
drittes Tor. Die Frankfurter Mannſhaft kommt zunächſt nicht auf und
es folgt das vierte Tor für Darmſtadt. Jetzt geht Frankſurt ſchärfer vor.
Ein gut gelungener Durchbruch bringt ihnen ihr drittes Tor und bold
darauf das ausgleichende vierte To=. Bemerkenswert iſt die Leiſtung
der beiden Tormänner, die wi=derholt gefährliche Bälle glänzend
meiſter=
ten. Trotzdem gelingt es dem am Schluß beſſer werdenden Darmſtädter
Sturm, ihr fünftes Tor einzubringen. Wiederum erfolgt der Ausgleich
(5:5). Jetzt konmt Darmſtadt wieder an die Reihe, und in den letzten
zehn Minuten gelingt e3 der Mannſchaft, zwei weitere Tore zu buchen.
Letzter Tag der Sportwoche: Hockey.
Darmſtadt ſiegt mit 5:1 (2:1) Toren.
Ergebnis der Sportwoche: 10 :2 für Darmſtadt.
Aus der hohen Torzahl erſieht man die Ueberlegenheit der
Darmſtädter Mannſchaft. Frankfurt konnte nur durch einen
Eck=
ball das Ehrentor retten.
Mit dieſem Spiel endet der Hochſchulwettkampf, der mit
großem Erfolg von der Darmſtädter Hochſchule geführt wurde,
Am kommenden Dienstag, den 2. Juli, 18 Uhr, findet
auf dem Hochſchulplatz ein Fußballtreffen zwiſchen
Polizeiſport=
ſerein und der Hochſchul=Mannſchaft ſtatt. Letztere werden
ver=
ſuchen, ihre zweimalige Niederlage wieder gut zu machen.
Die Tenniswettkämpfe in Wimbledon. Bei gutem Wetter wurden
am Samstag die Tenniswettkämpfe fortgeſetzt. Der Holländer Timmer
ſchlug den Engländer Sharpe 6:1, 3:6, 6:0, 11:9 und qualifizierte ſich
damit für die Vorſchlußrunde im Einzelſpiel, in der nur die acht beſten
Spieler zuſammentreffen. Fräulein Auſſem unterlag der
Eng=
länderin Fräulein Ridley 8:6, 6:1. Ein ähnliches Schickſal ereilte den
Tſchechoſlowaken Kozeluh, der von dem Amerikaner Lott eine 6:4, 6:1,
6:4=Niederlage hinnehmen mußte.
Nummer 129
Sonntag, den 30. Juni 1929
Seite 15
Helig=Pokalrunde des 3.C. Union 1913 e. V.
Darmſtadk.
Polizeiſportverein gegen F.C. Eintracht 6:0.
Zum 1. Vorrundenſpiel der Pokalrunde trafen ſich die beiden
vor=
genannten Vereine auf dem Sportplatze an der Heidelbergerſtraße. Unter
der Leitung des Herrn Ruckelshauſen vom Sp.V. 98, Darmſtadt,
ent=
wickelte ſich ſofort ein flottes Spiel. Die beiderſeitigen Spieler gaben
ihr Beſtes ber, um einen fairen und intereſſauten Kampf den
erſchiene=
nen Fußballanhängern zu zeigen. Im Feidſpiel waren die Gegner ſich
ebenbürvig, nur verſtand es der Polizeiſturm, die herausgearbeiteten
Tormöglihkeiten zu verwerten, während der Eintrachtſturm das niche
konnte. Der Sieg der Polizei iſt verdient, aber etwas zu hoch
ausge=
fallen. Einen Teil der Schuld an der Niederlage der Eintracht triff
auch den Torwächter. Der Polizeiſportverein hat ſich durch dieſen Sieg
bereits die Teilnahme an dem Endſpiel um den Pokal geſichert. Am
nächſten Donnerstag haben nunmehr die beiden weiteren Teilnehmer
Rot=Weiß V.f.R. und Union unter ſich den weiteren Teilnehmer für die
Endrunde zu ermitteln. Der bei dieſem Spiele unterlegene Verein ſtellt
lsdann den Gegner für F. C.=Eintracht, denn hier findet ebenfalls am
20. Juli, genan wie das End=Entſcheidungsſpiel, ein Wettſpiel um den
3. und 4. Platz ſtatt. Anſchließend an die beiden Endſpiele am 20. Juli
findet abends ein Feſtball ſtatt.
Am kommenden Sonntag begibt ſich Union mit der Ligamannſchaft
naih Dieburg, begleitet von der 1. Jugend. Beide Mannſthaften treten
einer kombinierten Elf aus dem Kreis Dieburg entgegen. Unions
Liga=
mannſchaft wüßte mit einem Siege die Heimreiſe antreten, umſomehr.
als die Spieler es verſtanden, ſeit dem Beginn des neuen Vereinsjahres
nur gute Reſultate ſich zu verſchaffen. So ſpielte die Ligaelf am 5. Jun
in Bensheim gegen 07 und gewann mit 7:1 Toren, am 9. Juni in
Eber=
ſtadt gegen Germania errang ſie einen 3:0=Sieg, am 12. Juni in
Darm=
ſtadt gegen 07 Bensheim 9:2, gegen die Techniſche Hochſchule Darmſtadt
2:2, gegen die Ligamannſchaft von Mainz=Koſtheim 4:4 in Koſtheim
Die Jumiorenmannſchaft ſpielte gegen die Techniſche Hochſchule 2.
Mann=
ſchaft und ver or mit 2:5 Toren, die Ligaveſerveelf ſpielte in Groß=
Zimmern und verlor mit 2:4 Toren. Nimmt man nunmehr das erzielte
Torreſultat bei den ſeitens der Ligamannſchaft abſolvierten 5
Privat=
ſpielen zur Hand, ſo muß man zugeben, daß ein Torreſultat von 25:‟
immerhin von einer gelviſſen Stärke ſpricht.
Unions Schüler beteiligen ſich an der Veranſtaltung auf dem Stadion
anläßlich des Jugend =Sportwerberages, ebenſo haben auch einige Spieler
von Unions Schülerelf Aufſtellung in der Stadt=Schülermannſchaft
gefunden.
Das neue Vereinsjahr ſteht im Zeichen der Aufwärts=Entwicklung
und hoffen wir daher, daß es dem Vereine vergönnt iſt, weiterhin an
Spielſtärke zuzunehmen, um in den kommenden Spiclen den Einwohnern
Darmſtadts zu zeigen, daß auch im ſüdlichen Teile von Darmſtadt, der
ehemaligen Gemeinde Beſſungen, ein echter und guter Sport ſeine
Heimat hat.
Jugendverſicherung.
Für alle deutſchen Vereine Anſchlußmöglichkeit an die preußiſche
Verſicherung.
Das preußiſche Miniſterium für Volkswohlfehrt, Verlin, ſchloß
zwecks Förderung der Jugendpflege zugunſten der Jugendlichen,
Jugend=
pfleger uſw. einen Vertrag ab, der alle genannten Perſonen umfaßt,
ſoweit ſie einem Verdir oder Verband angehören, der den ſtaatlicherſeits
angeregten Organiſationen für Jugendpflege angegliedert iſt. Die
Ver=
ſicherung tritt in Kraft, ſobald ein Unfall bei Ausübung vom Turn=,
Spiel= und Sportübungen einſchließlich Wanderungen eintrat.
Folgende Entſchädigungsſummen wurden feſtgeſetzt: für Jugendliche
und Jugendleiter (=innen):
1000 Mk. für den Todesfal
5000 Mk. für den Invaliditätsfall,
1,50 Mk. tägliche En=ſchädigung bei vorübergehenden
Unfall=
folgen oder auf Antrag 90pcozentiger Erſatz der notwvendigen Arzt= und
Apothekerkoſten bis zum Betrage von 450 Mark für jeden
Verſicherungs=
fall. Die Prämie wird von den Bezirksausſchüſſen für Jugendpflege an
die Geſellſchaft unmittelbar entrihtet. Sie beträgt für jeden Jugenblichen
und auf das Jahr 0,39½ Mk. plus 5 Prozent Reichsſtempel.
Den in der Jugendpflege tätigen Vereinigungen und Vevbänden,
die in Preußen ſich den ſtaatsrechtläherſeits angeregten Organiſationen
für Jugendpflege angegliedet haben, kann auch, wie die Deutſche
Sport=
behörde für Leichtathletik erfährt, für ihre außerhalb Preußens
wirken=
den Vereine und Organe die gleiche Vergünſtigung gewährt werden.
Es muß lediglich ein entſprechender Antrag geſtellt werden, der durch das
Preußiſche Miniſterium für Volkswohlfahrt vermittelt wird.
Hein Müller hat ſich beim Kampf gegen den Italiener Bonaglia
eine ſchwere Nierenverletzung zugezogen. Der Richterſpruch dürfte
von der JBU. annulliert werden.
Geſchäftliches.
Der Umbau in dem bebanten Hervenbekleiduungshaus Whilipp
Heß, G. m. b. H., Schillerplatz, ſchreitet rüſtig vorwärts. Die große
Aungangstreppe mußte infolge der Veränderung abgeriſſen werden,
und erfolgt jetzt der Aufgang zum 1. Stock durch das Privat=Treppen
haus. Es wird darauf hingewieſen, daß der Verkauf durch dieſe
bau=
liche Veränderung in keiner Weiſe beeinträchtigt iſt und die verehrlich
Kundſchaft in Anbetracht der ſſo günſtigen Kaufgelegenheit reichlich
emt=
ſchädig
wird. Wir empfehlen eimem jeden einzelnen den Beſuch dieſes
altbe ſammten und reellen Geſchäfts!
Rundfunk=Programme.
Königswuſierbauſen.
Deutſche Welle. Sonntag, 30. Juni. 6: Berlin: Gymnaſtik.
O 6.30: Blasorch.=Konzert. Dirigent: W. Rohde. O 8.55:
Glocken=
ſpiel der Potsdamer Garniſonkirche. O
Morgenfeier. Anſpr.
Pfarrer Dr. Ewald=Berlin. O Anſchl.: Glockengeläut des Doms.
2 10: Wettervorherſage für Sonntag. O 11: Mitteilungen und
praftiſche Winke für den Landwirt. O 11.30: Direktor Dr.
Mat=
ſchenz Potsdam: Moderne Ernte=Methoden. o 12: Mittagskonzert.
Orch. Daios Béla. o 14: Kamera, Unter den Linden:
Unter=
haltungskonzert auf der Wurlitzer Orgel. Ausf.: Franziska Schotter,
15: Schallplattenkonzert: Ein Vöglein ſang im Lindenbaum.
O 15.30: Kinderſtunde. Mitw.: Anni Bögel. O 16.20: Hamburg=
Horn: Deutſches Derby. Mikrophon: Chefredakteur Lüdecke.
17
Uebertr. der Tee=Muſik der Kapelle Geza Komor. o 18.30: Axel
Schmidt: Dr. Paul Rohrbach zum 60. Geburtstag. o 18.50;
Joachim Ringelnatz lieſt aus eigenen Werken. O 19.15: Dr. Eiler=
Die Jagd in der deutſchen Literatur. O 20: Hamburg: Strandfeſt
an der Oſtſee. Heitere Bilder aus der Sommerfriſche. Eine
Hör=
ſzenenfolge mit Mr
Geſang und Tanz. O. Anſchl.: Berlin;
Preſſenachrichten. O Danach: Tanzmuſik. Fred Bird=Tanz=Orch.
— Pauſe: Bildfunk.
Frankfurt.
Sonntag, 30. Juni. Hamburg: Hafenkonzert. O 8: Morgen
feier, veranſtaltet von der evangel. Landeskirche. o 11: Friedrich
Koepp: Jugend und Volksbildung. O 11.30: Konradine Kahl:
Religiöſe Eindrücke aus der Jugendzeit großer Männer. O 12:
Kon=
zertübertragung der Kapelle Humm=Melchior. Mitw.: Anne
Lön=
holdt (Sopran). 13: Beſuch des Landwirtſchaftsberaters
Land=
wirtſchaftsrat Wittgen, Wiesbaden, bei dem Bauern W. E. Noll,
Igſtadt. o 14: Jugendtheater: „Die natürliche Nachtigall”, ein
heiteres Spiei von Margarethe Cordes. o 15: Von der
Frank=
furter Ruderregatta Funkreportage vom Start, Rennverlauf und
Ziel. Sprecher Dr. Laven. O 16: Günther Birkenfeld. Vorleſung
aus eigenen Werken. O 16.30: Stunde des Landes. Schulrat
Kreuz=
berg, Boppard: Der Aufſtieg der Begabten auf dem Lande.
Dr. Heuckmann: Die Maſchinen im Weinbaubetrieb. o 17.30
Frankfurter Opernhaus: Abſchieds=Abend Clemens Krauß: „Die
Meiſterſinger von Nürnberg” in drei Aufzügen von Rich. Wagner.
Perſonen: Meiſterſinger: Hans Sachs, Schuſter: R. vom Scheidt;
Vei. Pogner, Goldſchmied: H. Erl; Kunz Vogelſang, Kürſchner:
Brandt: Konrad Nachtigall, Spengler: R. Breitenfeld: Sixtus
Beckmeſſer, Stadtſchreiber: B. Ziegler; Fritz Kothner, Bäcker: Jean
Stern: Balthaſar Zorn, Zinngießer: O. Köhler; Ullrich Eißlinger,
Würzkrämer: O. Weindel; Auguſtin Moſer, Schneider: O.
Wittaz=
ſchek; Hermann Ortel, Seifenſieder: E. Staudenmeyer; Hans Schwarz,
Strumpfwirker: E. Weill; Hans Foltz, Kupferſchmied: J. Gareis;
Walter von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken: F. Völker;
David, Sachſens Lehrbube: H. Schramm; Eva, Pogners Tochters
V. Urſuleae; Magdalena, Evas Amme: B. Mergler; Nachtwächter;
Bürger und Frauen aller Zünfte; Geſellen; Lehrbuben; Mädchen;
Volk. Schauplatz der Handlung: Nürnberg um die Mitte des
16. Jahrhunderts. Muſikal. Leitung: Prof. Krauß. O Anſchl.:
Berlin: Tanzmuſik.
Welterbericht.
Der vom nordweſtlichen Hochdruckgebiet vorgeſtoßene Hochdruckkeil,
der ſich bis über die Alpen erſtreckt, beherrſcht zurzeit die Wetierlaga
Seim Einfluß ſcheint wieder dem Ende zuzugehen, denn im Südweſten
über Frankreich dringt eine neue Druchtörung vor. Sie dürfte auch in
unſerem Gebiet zu erneuter Bewölkung führen, wobei gelegentlich
Ge=
witterſtörungen nicht ausgeſaleſſen ſind. Die Temperaturen, die
an=
fänglich wenig Aenderung erfahren, dürften für ſpäter wieder fallende
Tendenz zeigen.
Ausſichten für Sonntag, den 30. Juni: Wieder Uebergang zu
wolki=
gem Wetter, warm, Neigung zu Bzwitterſtörungen und Niederſchlägen.
Ausſichten für Montag, den 1. Juli: Wechſelnde Bewölkung, leichte
Abküihlung, ſtrichweiſe noch leichte Niederſchläge, teilweiſe gewitterhafter
Art, wahrſcheinlich.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feulſleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Strt
Guhlmann
ei Nr Sport. Dr. Cugen Buhlmann;
ir den Handel: Dr
ßdienſt: J. V.: Dr. E
ſür „Die Gegenwar”s. S. Quetiſch, ſir den
Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nich t übernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten.
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Nummer 26
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Ueberlegen Sie ſich, ob Sie Ihr Koffergrammophon
zum Vergnügen anderer mitnehmen wollen — denn darauf
kommt es heraus, wem Sie die wenigen Platten, die Sie
mitnehmen können, nach drei Cagen ſatt haben. Ueberlegen
Sie ſich, ob Sie an Ort und Stelle nicht einen Stock für
anderthalb Mark kaufen können und dafür das zehnmal ſo
wertvolle Vergnügen haben wollen, ohne Stock zu reiſen.
Ueberlegen Sie ſich bei jedem Gegenſtand dreimal, ob
Sie ihn nicht doch lieber zu Hauſe laſſen ſollen.
Laſſen Sie auf jeden Fall die Standuhr, das
Konver=
ſationslexikon, die Wärmeflaſche dort, wo ſie gerade ſtehen.
Unterlaſſen Sie die Behauptung, daß Sie ſich von dieſem
oder ſenem Gegenſtand „nicht trennen kömnen”. Nehmen
Sie nichts mit, was Sie an Arbeit, an tägliche Sorgen
er=
innern könnte. Nichts, was Familienbeziehungen auch an
der Oſtſee erhärtet. Auch das geſtickte Kiſſen von Cante
Emma nicht ...!
Erholung heißt — Flucht aus dem Alltag. Laſſen Sie
den Alltag in jeder Form zu Hauſe!
Und wenn dann alles geſiebt, geordnet und das Nötigſte
für wirklich unumgänglich nötig befunden worden iſt —
dann halten Sie Heerſchau über das Vorhandene und
be=
ginnen mit dem Packen.
Unterlaſſen Sie es gefälligſt, dabei ein Syſtem zu
er=
finden, nach dem man die angeblich wichtigſten Dinge
„gleich bei der Hand hat”. Sie ſollen ja überhaupt nur
wichtige Dinge mitnehmen und bei der Hand haben Sie
nichts, weil im Koffer einen Cag nach der Ankunft ein
G
Packen, die große Sorge.
Ein kleiner Wegweiſer für Ferienreiſende.
Von Kurt Wolfram.
Die einen haben es im Handgelenk, die anderen lernen’s
nie. Die letzteren ſind in der Ueberzahl.. Man muß zum
Packen offenbar obenſo, geboren ſein wie zum
Saxophon=
blaſen. Aber während das Saxophonblaſen nicht zu den
unbedingten Notwendigkeiten des Daſeins gehört, iſt jeder
Sterbliche heute oder morgen zum Packen verurteilt. Mit
der geringfügigen Ausnahme jener, bei denen es der
Kam=
merdiener zu beſorgen hat . .."
Unter den beklagenswerten Untalenten der Pack=Kunſt
ſind wiederum die Männer in der Mehrzahl. Manch einer
iſt ein wunderbarer Organiſator, der in zwei Minuten ein
Großunternehmen aus der Erde ſtampft. Aber Packen —
Packen kann er nicht. Die Frauen ſind eher dazu
prä=
deſtmniert. Sie ſind von Natur aus ſparſam und berechnend
das wirkt ſich beim Packen aus.
Nehmen wir an, 100 Perſonen, die durchaus die
glei=
chen Anſprüche ans Leben ſtellen, wählen Neiſeziele, die
einander gleichwertig ſind und ſie haben alle die Abſicht,
drei Wochen lang zu bleiben. Man ſollte meinen, daß ſie
alſo auch gleich viel Neiſegepäck mit ſich nehmen. Weit
gefehlt! Der eine muß zwei Nieſenkoffer aufgeben, der
andere ſieht wie ein wandelnder Gaukler aus, ſchwenkt in
jeder Hand eine große Caſche, hat drei Plairollen unter
die Arme geklemmt, einen Behälter mit Schirmen und
Stöcken, ein Stativ, mehrere Schachteln und Pakete,
viel=
leicht auch noch einen Vogelbauer. Und es ſind wiederum
ſolche da, die ſich mit einem flachen Koffer begnügen.
Woher kommt das? Umgibt ſich der Mann mit dem
Vogelbauer mit dem Luxus eines Maharadſchas? Und
denkt der andere nicht daran, während dreier Wochen ſeine
Wäſche zu wechſeln. . .? Durchaus nicht! Der eine kann
nur eben packen, der andere nicht. Und daraus ergibt ſich
auch, daß gut gepackt ſchon halb gereiſt iſt. Denn es iſt
amehmlicher, mit einem einzigen Gepäckeſtück zu fahren,
denn mit fünfundzwanzig.
Ein guter Packer bringt in einem Koffer von gleicher
Größe dreimal ſo viel unter wie ein ſchlechter Packer.
Aber die techniſche Seite allein tut es noch nicht. „In der
Beſchränkung zeigt ſich erſt der Meiſter!‟ Es gilt nicht nur,
viel im kleinen, ſondern wenig im kleinſten Naum
unter=
zubringen. Auch der beſtverpackte Vogelbauer iſt ein Unding!
Man laſſe ſich niemals von guten Freunden, die es
wiſſen wollen, einreden, daß man auf Neiſen alles brauchen
könne. „Nimm nur ruhig den Smoking (Cut, Bratenrock,
nichtgewünſchtes durchſtreichen), mit, vielleicht kommſt du
irgendwohin — dann tut es dir leid, daß du ihn nicht haſt!”
lagt Onkel Cheobald ...
Und nun bedenken Sie: In drei Wochen Ihres
Ferien=
aufenthalts kann ſich — vielleicht (!) — der Fall ereignen,
daß Sie abends ein Lokal beſuchen, in dem Sie —
viel=
leicht (0 — den Smoking anziehen könnten — obwohl es
Ihr dunkler Anzug auch tut. Vergleichen Sie die
An=
nehmlichkeit, die Sie — vielleicht (0) — genießen, wenn Sie
nun tatſächlich einen Smoking bei der Hand haben, mit dem
Aerger, der ſich daraus ergibt, daß Sie den Smoking
ein=
packen, im Hotel aufbügeln laſſen und viel koſtbaren
Koffer=
rum dafür hergeben müſſen. Stellen Sie die gleiche
Nech=
nung an beim dritten Anzug, den Sie mitnehmen wollen,
beim zweiten Mantel, beim dritten Paar Schuhe, beim
zweiten Hut, überlegen Sie ſich auch, ob es nicht beſſer iſt,
ſich von drei Garnituren Wäſche jemals eine waſchen zu
laſſen, als wenn Sie acht Garnituren mit ſich herumſchleppen
völliges Cohuwabohu herrſcht. Die Dinge erhalten ihren
Platz nur nach Maßgabe des Gewichts und der
Empfind=
lichkeit.
Su unterſt kommen die Schuhe. Wenn ſie nicht gar zu
wertvoll ſind, dann läßt man die ſchweren Spanner daheim
und erſetzt ſie durch Strümpfe, die dann auch gleich ihren
Platz haben. Neben die Schuhe kommt der Photoapparat,
wenn er ſchon mit muß, und was an Ferienlektüre
vor=
handen iſt. Ueber dieſes Idull breitet ſich gnädig der
Bade=
mantel. Und nun kommt — ganz entgegen den ſonſt
herr=
ſchenden Anſichten — die Wäſche. Wenn
ſie ordentlich hingelegt iſt und nicht
hin= und herrutſcht, kann ihr nichts
paſſieren, ſie braucht durchaus nicht oben zu
K
liegen. Und über der Wäſche verſtauen Sie
Ihren Kleinkram, Toilettenſachen und ſo
Sn weiter, bedechken ſie mit Handtüchern und
legen zu oberſt den empfindlichen Anzug oder
wenn es ſich um eine Dame handelt, die
duftigen Sommerkleider, die am wenigſten
Druck vertragen. Das Ganze bedeckt man
wiederum mit einem Cuch, denn nicht alle
Koffer ſind ſtaubdicht.
Hüten Sie ſich aber dieſe Arbeit auf
die letzte Minute zu verſchieben. Dann ſind Sie nervös und
Ihr Koffer verträgt nu einmal keine Nervoſität. Er wird
dann unter Ihren Händen zuſehends kleiner. Er ſtreikt.
Er nimmt mit Ach und Krach die Hälfte von dem auf, was
er ſonſt gutwillig aufnehmen würde.
Viele Leute behaupten, ſie müßten im letzten Augenblick
packen, damit die Sachen „nicht ſo lange im Koffer liegen”.
Merken Sie ſich: „Sachen”, die mit aller
Gemüts=
ruhe ſorgfältig verpackt wurden, liegen gut und gerne
tage-
lang im Koffer. Aber wenn Sie in Haſt und Eile packen
und zuguterletzt auf den Koffer kriechen, damit Sie ihn
überhaupt ſchließen können, dann ſieht der Inhalt auch nach
einer Stunde ſo aus, als ob er irrtümlich unter die Hufe
einer Ninderherde geraten wäre. Es iſt auch zweckdienlich,
mit Slüſſigkeiten vorſichtig umzugehen, gleichgültig, ob es
ſich um Kölniſchwaſſer oder Fleckmittel handelt. Auch das
beſte Kölniſchwaſſer verträgt lich nicht mit dem Leder Ihrer
Schuhe und ein Viertelliter Fleckwaſſer kommt Ihrer Hoſe
durchaus nicht zugute.
Sie müſſen es auch vermeiden, ſich von Cante Eulalia
ſechs verſchiedene Cüten mit Eßwaren mitgeben zu laſſen.
Sechs Cüten mit Comaten, ſauren Gurken, Kirſchen und
Cortenſchnitten gebärden ſich auf der Neiſe viel
umſtänd=
licher als ein ſolider Schrankkoffer und Sie wollten ja ſo
bequem wie möglich reiſen. Es iſt alſo ſchon beſſer — Sie
verſtauen Ihren Neiſeproviant in ein kleines Köfferchen
und wählen ihn ſo, daß er manche Strapazen aushält. Die
Menge bleibt freilich Ihrem eigenen Ermeſſen überlaſſen.
Und — beſorgen Sie das alles bitte nicht in der letzten
Minute. Es iſt ein wunderſchönes Gefühl, 20 Minuten vor
Abgang des Zuges vor ſeinem Abteil zu ſtehen mit dem
ruhigen Gewiſſen eines Mannes, der ſeine Sache gemacht
hat, und die Reiſenden zu beobachten, die mit viel zu vielen
ſchlecht gepackten Koffern viel zu ſpät, ſchwitzend und
auf=
geregt daherkeuchen —
nnnnnnnunnnennnnnnnnnnnnnnnnnnannnnnnnnnnnnnnnnnnnn
HaEdnEHEAEERnnnnnnnnnnnnnnknnnnnTaEnEnnn
Zanananannnng
[ ← ][ ][ → ]Bilder aus dem rheiniſch=weſtfäliſchen Induſtriebezirk.
Von Fritz Kixch.
1. Das alte und das neue Dortmund.
Reiſe im das Nuhrgebiet, ins Land der
Hördertürme und der Schlote: man ſcheint von
Duisburg bis Dortmund durch eine einzige,
rieſige Stadt zu fahren, ſo greifen die
in=
duſtriellen Werksanlagen ineinander über, ſo
bleibt der Horizont der gleiche mit der
charak=
teriſtiſchen Form der Fördertürme und der
Hochöfen.
Sur Nachtzeit glaubt man durch ein
bren=
nendes Land zu fahren, ſo ſchlagen weithin
leuchtend aus den Hochöfen die Flammen
em=
por. Es iſt das Land der nimmermüden, nie
raſtenden Arbeit, das Land, das allein mit dem
engeren Nuhrbezirk 4½ Millionen Menſchen
— 7½4 Prozent der Einwohner des Deutſchen
Neiches, und im geſamten rheiniſch=weſtfäliſchen M
Induſtriegebiet 10 Millionen Menſchen — 16
Prozent des Reiches umfaßt. Hier im
rheiniſch=
weſtfäliſchen Induſtriegebiet leben über 20
Prozent der Verſicherungspflichtigen Deutſch=
lands, konzentireren ſich 76 Prozent der Stoin= LE
kohlenförderung, 94,9 Prozont der Noheiſen=
N=
erzeugung, 82 Prozent der Nohſtahlerzeugung
und 81,5 Prozent der Walzwerksleiſtung.
Kf
Es iſt das Land, in dem eine Großſtadt ſich
an die andere reiht: Dortmund mit 455 556
Einwohnern, dem Flächeninhalt von 19059
Hektar nach Deutſchlands drittgrößte Stadt,
dann Bochum mit 211 249 Einwohnern, Eſſen
mit 470 524, Duisburg mit 272 498 und
Düſſel=
dorf mit 432 633 Emnwohnern. Daneben und das
zwiſchen noch Gelſenkirchen=Buer, ſeit
Jahres=
friſt zu einem Gemeinweſen vereint, Mülheim=
Nuhr und Oberhauſen — eine Welt der
Schwerinduſtrie, eine einzige große, ewig pochende, ewig
häm=
mernde, ewig dröhnende Werkſtatt. . .
Eine Großſtadt drängt ſich neben die andere, und doch hat
jede ihr eigenes Geſicht, ihr charakteriſtiſches Gepräge und ihre
beſonderen Aufgaben.
Die öſtlichſte der großen Nuhrſtädte iſt Dortmund, das
Ein= und Ausfaltor für den Nuhrbezirk, eine Stadt mit alter
Cradition. Ihre Geſchichte reicht zurück bis in die Cage Karls
des Großen, der auf dem Hellweg den Sachſen
entgegen=
zo und ſie bei Hohenſyburg zum erſten Male
entſchei=
den ſchlug. Dortmund, an der Kreuzung der Nord=Süd=
und Oſt=Weſt=Verkehrsſtraßen gelegen, ließ er
als Königshof militäriſch befeſtigen.
Crut=
manni oder Therotmanni lautete der Name
der Stadt im Mittelalter; oft nahmen deutſche
Kaiſer hier ihren Aufenthalt und 1005
hielt Kaiſer Heinrich II. im Dortmund eine
Sy=
node, 1016 einen Reichstag ab. 1220 wurde
Dortmund zur freien Neichsſtadt erhoben und trat
bald darauf dem Hanſabunde bei. Groß war ihre
Bedeutung als Handelsſtadt, nicht zuletzt dank
der Sollfreiheit, die ſie genoß, groß das Anſehen
und der Reichtum ſeiner Kaufleute, denen König
Eduard III. von England zweimal die engliſche
Krone zum Pfand geben mußte.
Als vom 14. Jahrhundert an in Weſtfalen
eine beſondere Gerichtsbarkeit Geltung erlangte,
die „heilige Feme”, das weſtfäliſche, nur auf
Noter Erde auszuübende Gericht, wurde in
Dort=
mund ein Freiſtuhl von weitreichendem Einfluß
er=
richtet vor dem 1803 das letzte Femgericht
ab=
gehalten wurde. Jahrhundertelang hatten im
Mittelalter Dortmunds Kaufleute den Namen
und Puhm der Stadt in alle bedeutenden
Handels=
plätze getragen, und der untere Saal des
Nat=
hauſes, der heute als Leſeraum dient, ſah damals
in ſeiner Eigenſchaft als Cuchhalle Herren aus
aller Welt, die hier ihre Geſchäfte tätigten.
Mancherlei Kämpfe und Wirren des
Dreißig=
jährigen Kreiges nahmen der Stadt ihren
Wohl=
ſtand. Sie ſank zu einem unbedeutenden
Acker=
ſtädtchen herab, das um das Jahr 1800 etwa
4000 Einwohner zählte und 1802 ſeine Neichsfreiheit verlor.
Die Nolle des alten Dortmund war ausgeſpielt, aber die um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts einſetzende
Induſtrieali=
ſierung unſeres Vaterlandes verhalf der Stadt zu neuem,
glanz=
vollem Aufſtieg.
Drei Hauptinduſtriezweige geben der Stadt ihr Gepräge und
ihre Weltgeltung: die Eiſeninduſtrie, die Kohlenförderung und
die Brauinduſtrie.
Nings um die Stadt entſtanden eine Neihe größerer
Eiſen=
werke, die ſich einen guten Nuf zu ſchaffen und zu verteidigen
wußten: die Sirmen Klönne, Jucho, Schüchtermann und Kremer=
Baum A.-G., das Eiſen= und Stahlwerk Hoeſch
und die Dortmunder Union, letztere, wie auch
der Hörder Verein, zum größten europäiſchen
Montankonzern, den Vereinigten Stahlwerken
gehörend. Die Werkanlagen der Dortmunder
Union verfügen über fünf neuzeitliche Hochöfen,
denen der zum Erſchmelzen erforderliche Koks
durch eine ſechs Kilometer lange unterirdiſch
geführte Seilbahn von verſchiedenen Sechen aus
zugeführt wird. Von den gewaltigen Anlagen
dieſes Unternehmens iſt die Brückenbauanſtalt
beſonders impoſant, deren Haupthalle die
ſtatt-
liche Länge von 360 Metern und eine Breite
von 60 Metern aufweiſt und eine Grundfläche
von 21 000 Quadratmetern bedeckt. Die
Süd=
brücke über den Rhein bei Köln, die
Vampen=
brücke über den Kaiſer=Wilhelm=Kanal bei
Hochdonn, die Bahnhofshalle des Kölner
Hauptbahnhofs, die doppeletagige Straßen=
Off
und Eiſenbahndrehbrücke über den Pregel bei
A. Königsberg, das Siemens=Hochhaus in Berlin
und die Königinbrücke in Notterdam ſind einige
ihrer bekannteſten Erzeugniſſe.
Neben der Eiſeninduſtrie entwickelte ſich der
Kohlenbergbau. Sahlreiche Sechen entſtanden,
in die Ciefe ſenkte ſich Schacht um Schacht, und
drunten unter der Erde wuchs eine neue Welt,
in der König Kohle Herrſcher iſt. Ein eigenes
Straßennetz mit vielgleiſigen Bahnkörpern zieht
ſich keilometerweit unter der Oberfläche hin und
unaufhörlich bringen die Fördertürme die
ſchwarzen Diamanten, die in einigen hundert
Metern Ciefe der Erde abgerungen werden ans
Cageslicht, und in langen Güterzügen rollen ſie
durch deutſche Lande, unentbehrlich für
deut=
ſches Wirtſchaftsleben und auch auf dem Weltmarkt geſchätzt
und gefragt.
Feſt begründet iſt der Ruf Dortmunds als Bierſtadt.
Die größte der ſieben namhaften Brauereien iſt die
Dort=
munder Union=Brauerei, deren helle und dunkle
Biere in vorbildlich modernen Einrichtungen zubereitet, gekühlt
und aufbewahrt werden. Der Verſand erfolgt in beſonders
zweckmäßigen Waggons nicht nur nach faſt ſämtlichen größeren
Orten unſeres Vaterlandes, ſondern auch ms
Aus=
land, ſo daß ein bekömmliches Glas Dortmunder überall in
der gleichen Güte wie am Herſtellungsort
ver=
zapft wird.
Kohle, Eiſen und Bier ſind die drei Faktoren,
die Dortmund ſeinen Nang geſchaffen haben; eine
weitblickende und großzügig arbeitende
Stadt=
verwaltung leitet die Geſchicke der Stadt und
trägt allen Anforderungen der Neuzeit in
ge=
bührendem Maße Vechnung. Kühne
Straßen=
durchbrüche ſchaffen die Vorausſetzungen für
eine reibungsloſe Abwicklung des ſtetig
anwach=
ſenden Verkehrs, ein Flughafen ſtellt ſchnetzſte
Verbindungen mit allen großen Plätzen des In=
und benachbarten Auslandes her und der
Dort=
mund—Ems=Kanal als bedeutſamer Waſſerweg
nimmt im Wirtſchaftsleben der Stadt einen
be=
ſonderen Platz ein. Die größte Sporthalle
Deutſchlands, die „Weſtfalenhalle”, ein prächtiges
Stadion, die Kampfbahn „Note Erde” ſowie
zahlreiche weitere Spielplätze bieten willkommene
und gern benutzte Gelegenheit zur Ausübung der
verſchiedenſten Sportarten.
Kernig iſt der Merkſpruch der Stadt, der ihr
Ehrentitel wurde vor langen Jahrhunderten, als
ſie in oft erbitterten Fehden ihre echt weſtfäliſche
Hähigkeit bewies, und dem ſie heute in ihrer
neuen Blütezeit ebenſo treu bleibt wie in der
Glanzperiode des Mittelalters, ihrem Merkſpruch,
der lautet:
„So faſt as Düörpm!”
Leben!
VVon Hans Franck.
Als General P., der Präſident einer ſüdamerikaniſchen
Ne=
publik, wieder einmal ſein Land durchraſte, um eine aufſtändiſche
Provinz zu züchtigen, was immer damit endete, daß Hunderte
von Menſchen durch Gewehrſchüſſe und Meſſerſtiche, mittels
Strang und Beil kurzerhand aus dem Diesſeit ins Jenſeit
be=
fördert wurden, ſah er ſich in einem Dorf, welches
irrtümlicher=
weiſe für noch präſidententreu gehalten wurde, plötzlich von
vier gleichgekleideten Männern umringt. Ehe ſein atembedrängt
zurückgebliebens Gefolge es hindern konnte, ſtak ihm ein Dolch
bis zum Heft im Nücken. Die vier Aufrührer wurden verhaftet und
einige Monate ſpäter vom Staatsgericht zum Code verurteilt.
Des andern Cages brachte man dem Präſidenten die Urteile
zur Beſtätigung ans Krankenbott. Aber der General, der nicht
dadurch erfahren hatte, was es um: Codl und was es um: Leben!
lei, daß er Jahr für Jahr faſt täglich mit einem Federſtrich Leben
endete, ſondern erſt dadurch, daß er ſeinem Cod ins augenloſe
Antlitz blickte — der General entſchied: „Nicht alle vier! Nur
einer! Der, welcher den Codesſtoß geführt hat!”
Codesſtoß? Er ſei doch bald wieder geſundl. Noch viele
Jahre hindurch werde er zum Segen des aufgewühlten
Vater=
landes regieren.
Nein! — Aber gleichviel. Geſundwerden liege nicht in ſeiner
Macht. Doch bei ihm liege es, Schickſal der vier Verſchwörer
zu ſein. Nur einer lolle ſterben. Der, welcher zugſtoßen hätte.
Die andern drei nach der Erſchießung des einen unbehelligt gehen
laſſen! Ins Leben zurück! Ins Lebenll
Man bedeutete dem General P., daß es unmöglich ſei, dieſen
Befehl auszuführen. Die vier Aufrührer ſtänden mit Einſatz
des letzten einer für den andern. Alle Verſuche,
herauszubekom=
men, wer die Mordwaffe geführt habe, wären vergeblich
ge=
weſen.
K
„Nur einer!” ſchrie der Kranke. „Der, welcher den Stoß
getan hat. Ich werde weder alle vier erſchießen, noch alle vier
laufen laſſen. Einer!! Binnen vierundzwanzig Stunden den
Codeskandidaten melden!. Wenn ſie nicht imſtande ſind,
heraus=
zubekommen, wer zuſtieß, werde ich die Nichter aufkenüpfen
laſſen!”
Aber nach vierundzwanzig Stunden mußte man trotz dieſer
Drohung dem Präſidenten eingeſtehen: Man kenne den
Schul=
digſten der Schuldigen nicht.
„Herbringen” befahl der Kranke.
„Die Nichter —2” vergewiſſerte ſich der Angeſchriene.
Die vier!”
So ſtanden bald darauf die zum Code verurteilten vier
Ver=
ſchwörer, von denen nur einer ſterben ſollte, dem Bett des
an=
gefallenen Präſidenten gegenüber. In Neih und Glied. Dem
Alter nach geordnet. Wieder gleichgekleidet. Aber nun in jener
Cracht, die man hinter Gefängnismauern für Kleidung ausgibt.
Lange ſah der Präſident die verwegenen Burſchen an.
Im=
mer wieder alle vier. Immer wieder jeden einzelnen. Mit
Blick=
fammen, die verſchloſſener Cüren mächtig werden wollten.
Plötzlich rief der Kranke, ſo wie er tauſendfach — der
Ge=
wißheit, daß unüberſehbare Menſchenſcharen im nächſten Nu
ſeinem Wort gehorchen, ſich wenden, laufen, ſtehen, ſich
hin=
werfen, aufſpringen würden — vom Noß heruntergerufen hatte
plötzlich befahl General P.: „Der Schuldige, der, welcher
zu=
ſtieß, zwei Schritt — vor!”
Der Aelteſte ſchoß wie ein Nekrut aus der Reihe. Keinen
Herzſchlag ſpäter ſprang der Jüngſte nach vorn und war mit ihm
im ſelben Augenblick auf dem neuen Standort. Obwohl die
bei=
den mittleren, gleichfalls vorſchießend, ſoviel ſpäter dort
an=
langten, daß ein General — im Gegenſatz zu nichtuniformierten
Sterblichen — feſtſtellen konnte: Su ſpätt — auch ſie ſtanden in
der gleichen Sekunde mit ihren Kameraden Schulter an Schulter.
„Wer nicht zugeſtoßen hat, mit dem Ruf „Nein!” einen
Schritt — zurück!” befahl General PP.
„Nein!” kam es gleichzeitig aus den vier Kehlen der
gleich=
zeitig einen Schritt zurückſpringenden Burſchen.
„Nicht zugleich! Nacheinander!! Nur der, den ich frage!
Haſt du den Stoß getan?‟ Die Hand des Generals zeigte auf den
Jüngſten.
„Nein!” gab der zur Antwort und ſprang noch einen Schritt
zurück. Aber im ſelben Augenblick riefen auch die andern drei:
„Nein!” und ſprangen mit dem Jüngſten zugleich, als ob jeder
von ihnen des Glaubens wäre, der Finger des Präſidenten habe
auf ihn gezeigt, einen Schritt rückwärts. Alſo ſtanden ſie
wie=
der auf derſelben Stelle, wo man ſie beim Betreten des
Kran=
kenzimmers ausgerichtet hatte.
Eine Stunde lang mühte ſich General P., durch Befehlen
und Belauern, durch Gewaltandrohen und Gnadeverheißen, durch
Lärm und Liſt herauszubekommen, wer den Dolch in ſeinen
Nücken geſtoßen habe. Doch alles Mühen ſcheiterte an dem
Gemeinſamkeitswillen der vier verſchlagenen Burſchen.
„Abtreten!” ſchrie der Erſchöpfte ſchließlich und bekundete,
ſobald das Simmer geräumt war, dies als ſeinen unwoigerlich
zu befolgenden Willen: Nicht alle vier follten den Dolchſtoß mit
dem Code ſühnen. Nur einer!. Wer, müſſe nun das Los
ent=
ſcheiden. Er werde auf drei Blätter mit eigener Hand „Leben!”
ſchreiben, auf ein viertes „Cod””, werde die gefalteten Blätter
in eine Urne werfen und die Urne mit dem Staatsſiegel
ver=
ſchließen. Am andern Mittag, nach Prüfung des Siegels, ſolle
man auf dem Markt vor verſammeltem Volk die Urne öffnen.
Die vier Verſchwörer — den älteſten zuerſt, den jüngſten zuletzt
heranführen!. Nacheinander ziehen laſſen!. Und tun, was das
Los beſtimme: Einen auf der Stelle erſchießen! Die andern drei
unbeheligt gehen laſſen. Ins Leben zurück! Ins Lebenl! Auch
dann lei unabänderlich ſo zu handeln, wenn er ſelber bis zum
Mittag des nächſten Cages dieſem einen auf ſeinem Wege
voran=
gegangen ſei. Auf dem Weg in den Codl
Während der Nacht — ſeine Cochter Daraja war, den
Schlaf des Vaters zu hüten, als einzige im Simmer — beſchried
Einen Tag lang Sportstudentin.
120 Sportſtudentinnen anf der Hochſchule für Leibesübungen. — Vor allen Dingen trainieren. — Auch die Wiſſenſchaft kommt zu Wort.
ſondere Arbeit zu leiſten hat, zum erſtenmal wird
einem klar gemacht, daß die Wirbelſäule eine Neihe
einzelner beweglicher Knochen iſt, und dann hat
man das Gefühl, als würden einem zunächſt einmal
alle Knochen gebrochen und alle Muskeln gezerrt.
Dabei iſt alles ganz natürlich, ungeübte Muskeln
ſind tot, und wenn der Menſch ſich nicht im
Rhön=
rad vorwärtsbewegen kann, einem Inſtrument, das
man für einen Crainingsapparat eines
Schlangen=
menſchen hält, ſo lebt man nur halb, nach Anſicht
der Sportmädels.
Das erſte Semeſter iſt vielleicht das ſchwerſte
Semeſter, aber die Freude am Schaffen läßt alle
Muskelſchmerzen und Bänderzerrungen ſchnell
vergeſſen.
Nach einer Stunde Gymnaſtik, die im der
Gleichmäßigkeit der Bewegung beinahe etwas
Kulthaftes hat, gibt es eine Viertelſtunde Pauſe.
Dann folgen zwei Stunden Wahlſport, d. h., jede
Studenti kann ſich nun dem Sport widmen, der
ihr am meiſten liegt.
Leichtathletik iſt am beliebteſten, aber auch
Hockey, Handball oder Nudern. Das Bootshaus
liegt eine Viertelſtunde weit entfernt. Die Studen=
R
tinnen rudern meiſt im Nenneiner, einem ganz
Aaitden
A
leichten Boot, das die allerfeinſte. Nudertechnik
verlangt, weil es ſehr leicht umkippt. (Schwimmen
wird bei den Studentinnen als ſelbſtverſtändlich
vorausgeſetzt, es gibt nur beſondere Ausbildung
in Crawlen und beſonderes Craining für
Strecken=
ſchwimmen.) Im Winter werden Crockenkurſe in
der Halle abgehalten.
Mittags eſſen die Studentinnen zum größten
Der Wecher ſchrillt. Ich bin wütend, aber es hilft nichts, ich Ceil in dem „Annaheim”, ſie können dort ſelbſt
muß aufſtehen, obgleich es erſt ſechs Uhr iſt, eine Seit, die ich kochen, haben Geſellſchafts= und Leſeräume mit
lonſt als „kurz nach Mitternacht” zu bezeichnen pflege. Die einer ausgezeichneten Bibliothek. Auch Näh=
Toilette geht heute ſchnell: Ein ſchwarzweißkarierter Nock, eine maſchinen ſind in genügender Anzahl vorhanden,
ſo daß die männliche Note der Ausbildung
ausge=
einfache weiße Bluſe, eine glatte ſchwarze Jacke: der
vorge=
ſchriebene Straßenanzug der Sportſtudentin, der in ſeiner ſach= glichen werden kann.
Nach dem Mittageſſen — es gibt viel Gemüſe
lichen Form ſich von keiner Modelaune trüben läßt.
Puderdoſe und Lippenſtift bleiben zu Hauſe, denn die Sport= und Obſt — geht es wieder auf den Crainingsplatz.
ſtudentinnen, die Schülerinnen der Hochſchule für Leibesübungen. Man hat das Gefühl, als ob dieſe Mädels nie müde
brauchen kein künſtliches Rot aufzulegen. Die Sonne hat dieſe würden. Wenn man ſchüchtern eine Einwendung
Mädels braungebrannt, hat Kopf, Numpf und Gliedern eine ge= macht, daß man ſich doch nun wohl einmal ausruhen
ſunde Farbe verliehen, die durch keine künſtlichen Mittel imn
glei=
cher Qualität zu erzielen iſt. Alle dieſe 120 Mädels, die im
deutſchen Sportforum in dreijährigem Lehrgang ihre Ausbildung zur
Sport=
lehrerin erfahren, haben irgendwie etwas Gleiches, ob ſie nun blond, braun
oder rothaarig ſind, der Stil hat ſie normiert, der gemeinſame Wille zur
Arbeit, zum gemeinſamen Siel.
Berlin ſchläft zum größten Ceile noch, wenn man morgens um 6,30 Uhr
zum Stadion hinausfährt. Um ſieben Uhr beginnt im Sommerſemeſter der
Unterricht, aber auch im Winter wird an drei Cagen der Woche um
lieben Uhr angefangen.
Der Stundenplan letzt ſich aus drei bis vier Stunden praktiſcher und
drei Stunden theoretiſcher Arbeit zuſammen. Die übrige Seit ſteht frei
für Craining. Die Unterrichtsart baut ſich auf den Prinzipien der Hoch=
ſchule auf, es iſt deshalb jeder Studierenden freigeſtellt, ſich die
Unterrichts=
fächer ſelbſt zu wählen, ſie muß deshalb ſelbſt beurteilen können, was zu
ihrem Spezialfach paßt. Verlangt wird zum Studium das Abitur, ſeit
kurzem gibt es auch Lehrgänge mit Abſchlußexamen, wo die Lyzeumsreife
genügt, allerdings dauert dann die Ausbildung ein Jahr länger. Es wird
verlangt, daß jede Studentin auf allen Gebieten der Leibesübungen
min=
deſtens ein Semeſter lang praktiſch tätig geweſen ſein muß, für die
Haupt=
gebiete, wie Gymnaſtik, Leichtathletik, Schwimmen, Curnſpiele, wird eine
Abſchlußprüfung verlangt, die die höchſten Anforderungen an die
Stu=
dierenden ſtellt. Außerdem verlangt der Lehrplan, daß jede Studentin ſich
ein Hauptgebiet, das ſogenannte Sonderfach, auswählt, um hierin etwas
ganz beſonders gutes zu leiſten.
Wenn man morgens um ſieben Uhr auf dem Sportplatz ankommt, ſo
ſtehen Studenten und Studentinnen imn Gruppen zuſammen, nur bekleidet
mit einem Bade= bzw. Crainingsanzug. Beim praktiſchen Unterricht ſind
Studenten und Studentinnen getrennt, nur die theoretiſchen Fächer werden
Paitte!
gemeinſam gehört.
R
In den erſten Morgenſtunden wird Gymnaſtik geübt unter der Leitung
einer ſtaatlich geprüften Sportlehrerin und unter Aufſicht einer Aerztin. Sum
erſtenmal in ſeinem Leben erfährt der Laie, daß ſein Körper aus Muskeln
beſteht, zum erſtenmal begreift man hier, daß jede dieſer Muskeln eine be=
könnte, trifft man auf völlige Verſtändnisloſigkeit: Müdeſein?
Glieder=
ſchmerzen? Quatſch! Immer feſte trainieren, dann vergeht ſowas alles!
Die theoretiſchen Fächer ſind meiſt auf die Abendſtunden gelegt, um am
Cage nach Möglichkeit draußen ſein zu können. Die hauptſächlichen
wiſſen=
ſchaftlichen Fächer ſind Anatomie und Phyſiologie, aber ebenfalls werden
die Grundbegriffe der Philoſophie, Pädagogik und Pſuchologie gelehrt.
Auch ſtaatswiſſenſchaftliche Kollegs werden geleſen, aber die Hauptſache ſind
doch die praktiſchen Uebungen.
120 Mädels ſind auf der Hochſchule für Leibesübungen immatrikoliert,
die Curn= und Sportlehrerinnen werden wollen. Noch iſt dieſer Beruf nicht
überfüllt, denn die meiſten deutſchen Univerſitäten beſitzen überhaupt noch
keine Sportlehrerinnen.
Wenn man als ſportlicher Laie am Abend eines Cages, den man als
Sportſtudentin verbracht hat, ſehr müde, ſehr zerſchlagen, aber eigentlich
doch ſehr froh und mit dem Gefühl, daß das Leben da draußen im Stadion
herrlich geſund iſt, nach Hauſe kommt, dann wird man ein klein wenig
neidiſch auf die Mädels, die da in Sonne und Wind herumturnen können,
während man ſelber zwiſchen Büroräumen, Autobuſſen und ſonnenloſen
Wohnungen ſeine Cage verbringen muß...
K
Hammfmmmmmmmmmmammnmffmfnmfänm
Ke
General P. die Schickſalsblätter, faltete ſie, warf ſie in die Urne.
Gegen Morgen verſiegelte er die Urne. Nachdem er ſich ſorgſam
vergewiſſert hatte: „Vier!”
Eine Stunde ſpäter riß den Präſidenten der Schrei: „Einen
erſchießen! Hört doch: einen!. Nur einen!!” aus dem Schlaf. Er
ſtützte ſich hoch. Griff nach ſeinem Herzen. Sank hintenüber.
Als die Aerzte auf Darajas Nufen aus dem Vorzimmer ans
Bett gelaufen kamen, konnten ſie zum Beginn und zum Beſchluß
ihrer in ſämtliche Windrichtungen auseinanderſtiebenden Neden
alle nur das gleiche Wort ſagen: Cot —
Nicht am Mittag dieſes Cages, wie General P. beſtimmt
hatte, wohl aber eine Woche ſpäter, fand die Ausloſung des
einen Verſchwörers ſtatt, der den tödlichen Dolchſtoß durch den
Verluſt ſeines Lebens büßen ſollte. Vor der Wand des
Gerichts=
gebäudes war eine Cribüne errichtet, welthe Soldaten von dem
Volk abtrennten, das vielhundertköpfig auf dem Marktplatz
wogte.
Nach Verkündigung der letztwilligen Verfügung des einen
fluchwürdigen Verbrochen zum Opfer gefallenen Präſidenten trat
der älteſte der Verſchwörer an die Urne heran, deren
Staats=
liegel vor der Oeffnung von ſämtlichen Amtsperſonen auf der
Cribüne untadelig befunden wurde, zog ſein Los, gab das Blatt
dem oberſten der Nichter; der entfaltete es und rief über den
Markt hin: „Leben!‟. Der Sweitälteſte zog — — —: „Leben!”
—: „Leben!” So war das Urteil gefallen.
Der Dritte —
Für den Jüngſten der vier lautete es: „Cod!”. Man bedeutete
ihm, daß er zu der Urne gehe und ſich von dem letzten darin
befindlichen Blatt beſtätigen laſſe, was er, was jeder ſeiner
Richter, was das Volk wiſſe: Cod! Carriazzo — ſo hieß der
ſüngſte der Verſchwörer — blieb ſtehen, ſchüttelte den Kopf:
Wozu noch leſen, was er gleich allen wußte? Und damit lein
unabänderliches Schickſal ſich ſchnell erfülle, winkte er den
Sol=
daten, daß ſie zur Cribüne heraufkämen und an ihm volbrächten,
was man ihnen befehle.
Aber im ſelben Augenblick, da er freien Willens zur Wand
ſchreiten wollte, vor der es galt, als letztes den Satz „Es lebe
die Freiheit!” zu ſeinem Munde ausgehen zu laſſen, rief aus der
Monge herauf eine Frauenſtimme: „Siehn!!” Und während dieſe
Frauenſtimme — ſilberumſchäumt wie ſonnbeglänzte Möwen-.
flügel — ſich aufſchwang, höher, immer höher ſtieg, im Blau
verſchwand, in die Himmelshelle einging, rief in Carriazzo, dem
Codgewillten, jede Fiber: „Leben!!” Obwohl es unſinnig war —
denn: Codl nur noch: Codl enthielt ſie für ihn — ging er doch
auf die Urne zu, griff hinein, riß das letzte Blatt heraus,
ent=
faltete es und zur ſelben Sekunde jauchzte ſein Mund: „Leben!!”
Er lief mit dem Blatt zum oberſten der Nichter. Der mußte
beſtätigen: Leben! Die andern Nichter ſtellten feſt: Lebenl Alle
auf der Cribüne, zuletzt die drei Mitverſchwörer, ſtellten feſt:
Leben!. Man prüfte die Urne — leer! Man prüfte die Blätter
der andern drei Verſchwörer — Leben! Von der Hand des toten
Präſidenten geſchrieben: Leben
Alſo hatte General /P. in der Codesnacht ſeinen Willen
ge=
ändert und als letztes Wort aus ſeinem Sterbezimmer das
Gnadenwort Leben! hervorgehen laſſen. Aber wann je hatte
General P. ſeinen Willen verworfen! Mithin blieb nur die
Er=
klärung: Betrug?. Aber das Staatsſiegel war — Dutzende von
Augen hatten es feſtgeſtellt — unverletzt geweſenl. Da erinnerte
man ſich, daß es in der Menge, als der Jüngſte ſich weigerte, an
die Urne zu treten, „ziehn!”” gerufen hatte. Aus weſſen Mund
kam dieſe Stimme? Die Ruferin — denn aus einem
Frauen=
mund war ſie hervorgegangen — konnte das Nätſel löſen. Sie
allein. Wer hatte „ziehn!!” gerufen? Wer?. Wer??
So ſtand bald hernach neben dem Jüngſten der Verſchwörer
Angeklagte und Verteidigerin zugleich — Daraja auf der
Cribüne und bekannte: Während des Schreibens habe ihr Vater
ſie plötzlich gefragt, wieviel Blätter ſchon in der Urne lägen.
Drei wären es geweſen. Sie habe jedoch „Zweil” antworten
müſſen. Vor einer Woche hätte ſie nicht gewußt, warum ſie
gegen ihren Willen handle. Seit ihrem Schrei über die Köpfe
der Menge hin aber wiſſe ſie um den geheimen Sinn ihres Cuns.
Nicht: Cod’ ſei der Sinn des Lebens, ſondern: Leben! Leben!!
Als ihr Vater — wie ſie nun erkenne: vor Erſchöpfung, nicht,
wie ſie in der Nacht geglaubt habe: vor Aüdigkeit —
einge=
ſchlafen ſei, habe ſie eines der fünf Blätter, das, auf welchem
„Cod!” geſtanden hätte, aus der Urne genommen und vernichtet.
Der Himmel ſei mit ihr im Bunde geweſen. Am Morgen vor
der Verſiegelung habe der Vater nur gezählt: Vierl Ohne die
Blätter zu entfalten. Darum habe ſie, als der Jüngſte unter den
Vieren gezaudert hätte, ſein Los aus der Urne zunehmen, rufen
müſſen: „Ziehnl!‟ Oenn ſie glaubte und alle dort unten — hoffe
ſie — würden mit ihr glauben: Nicht auf eigenes Geheiß, nicht
aus Vermeſſenheit habe ſie gehandelt, ſondern als gehorſame
Dienerin ewigen Willens.
Crotz dieſes Anrufes bezeigten die Nichter nicht übel Luſt,
nun, da der Wille des ermordeten Präſidenten, das Verdrechen
an ihm durch den Cod zu ſühnen, nicht in der beſtimmten Form
ausgeführt werden konnte, zur Durchführung der einwandfrei
angeordneten Sache alle vier Verſchwörer an die Wand zu
ſtellen und niederknallen zu laſſen. Doch ſobald das Volk
auf=
ſchäumte wie ſturmgepeitſchtes Meer und ſie gewahrten, daß mit
den Verſchwörern ſie ſelber verloren ſeien, beſtätigten ſie den
Spruch der Urne: Alle vier durch handſchriftliche Anerkemntmnis
des verewigten PPräſidenten P. begnadigt.
Als dieſe Worte vom Jubel des Volkes zerfetzt waren, ging
Carriazzo auf Daraja zu, nahm ſie bei der Hand und ſchritt mit
ihr durch die Menge hin. Die tat lich vor ihnen auf, die ſchloß
ſich hinter ihnen, wie ſie ſich überall vor, hinter ungemeinem
Geſchick geöffnet und geſchloſſen hat.
Da man, einen Monat ſpäter, in gedachter ſüdamerikaniſcher
Nepublike die Vorbereitung der Wahl des neuen Präſidenten
begann, riefen viele: „Carriazzo!” Aber alles Nufen war
um=
ſonſt! Carriazzo wußte nicht mehr um Präſident und Nepublik,
um Verrottung und Verwaltung, um öffentliches und
nichtöffent=
liches Wohl um Unterdrückung und Aufſtand, um Unrecht und
Selbſthilfe. Sein Leben hatte nur noch einen Sinn: Lebenl
Die Sehenswürdigkeit.
Von Walter Haſenclever.
Die Sehenswürdigkeit iſt genau ſo eine Maſſenſuggeſtion wie
die Mode oder ein Senſationsprozeß. Kurze oder lange Kleider,
politiſche oder ſexuelle Verbrechen wechſeln in der Bevorzugung
des Publikums wie gotiſche oder romaniſche Kunſt. „Das muß
man geſehen haben” gilt nicht nur für die neueſte Nevue (ich
ſchenke den Citel meinem Freunde Erik Charell), ſondern auch
für die belangloſeſte Sehenswürdigkeit, wofern ſie der
herrſchen=
den Meinung entſpricht.
Du fährſt in ſanftem Cempo durch eine liebliche Landſchaft
und paſſierſt eine kleine Stadt. Dein Freund, der im Hintergrund
des Wagens die ſchönſte Ausſicht verſchlafen hat, wird plötzlich
wach und holt zum Sprung aus. Mit funkelnden Augen und
zitternder Stimme fällt er dich an. Seine Fauſt umklammert ein
blaues Buch. Die Sigarre iſt ihm vor Erregung ausgegangen.
„Hier iſt eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert”, ſagt er
drohend.
Du ſtoppſt. Es iſt ſpät. Der Abend bricht herein. Die Seit,
die verlorengeht, mußt du durch beſchleunigtes Cempo einholen.
Vergeblich wendeſt du ein, du ſeiſt zehn Stunden gefahren, hätteſt
Hunger, könnteſt vor Müdigkeit nichts mehr aufnehmen. Umſonſt.
Die Kirche muß beſichtigt werden.
Abſtellen. Ausſteigen, Abſchließen. Es beginnt leiſe zu
regnen. Du kriechſt durch enge Gaſſen, ſtolperſt über Mülleimer,
verirrſt dich, fängſt wieder von vorne an. Du ſiehſt friedliche
Menſchen an gedeckten Ciſchen ſitzen und denkſt: Wie gut ſie es
haben!
Dein Freund hat ſich inzwiſchen kunſthiſtoriſch orientiert.
„Weißt du, wo du dich befindeſt?” fragt er mit pädagogiſcher
Strenge. Du ſagſt, du wüßteſt es nicht und es ſei dir auch ganz
egal. Er ſchüttelt den Kopf, betroffen von ſoviel Unwiſſenheit.
Da ſteht die Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Ceils iſt
lie reſtauriert, teils auch ſonſt ſcheußlich.
„Fabelhaft”, murmelſt du und denkſt dabei: Ob ich den
Seit=
verluſt trotz des Negens noch einhole?
„Gehen wir hiein,” befiehlt der Freund. Die Kirche iſt
ge=
ſchloſſen. Wo iſt der Pförtner? Suchen wir ihn.
Schüchtern erklärſt du, eine halbe Stunde ſei verloren, du
konnteſt den Weg nicht, und bei einer Panne läßen wir im
Dunkeln mitten auf der Landſtraße.
„Wer weiß, ob wir jemals wieder in dieſe Stadt kommen.
Wir müſſen die Kirche ſehen.”
Der Pförtner iſt nicht zu finden. Alſo ſuchen wir Leute, die
ihn ſuchen helfen. Endlich finden wir ihn. Er iſt gerade beim
Abendeſſen, was ſein gutes Necht iſt. Der Freund verſpricht ihm
ein hohes Crinkgeld. Er ißt in aller Nuhe zu Ende. Dann holt
er die Schlüſſel und kommt mit.
Du ſtehſt im Imern der Kirche. Sie iſt von troſtloſer
Lang=
woiligkeit. Kalt und öde. Außerdem iſt es finſter. Der Pförtner
ſtochert imn den Hähnen herum. Der Freund ſchnüffelt in allen
Echen.
„Weißt du, weſſen Grabmal das iſt?” ruft er triumphierend.
Jetzt wird es dir zu dumm. „Nein,” brüllſt du wütend, „ich
will es nicht wiſſen. Eins ſage ich dir: wenn du nicht ſofort
mit-
kommſt, kannſt du dich auch hier begraben laſſen.”
Wir beſteigen das Auto in tödlicher Feindſchaft. Kein Wort
fällt mehr. Swiſchen uns ſteht die Kirche aus dem 12.
Jahr=
hundert.
Der Freund ſitzt böſe im Hintergrund. Um dich zu ärgern,
zieht er ſein Buch und macht Notizen. Höhniſch ſagſt du,
wäh=
rend dein linkes Auge die Oelpreſſion, dein rechtes die Kilorleter=
A
zahl beobachtet: „Sollte es die falſche Kirche geweſen ſein?”
Du bekommſt keine Antwort. Erſt ſpät in der Nacht, wenn
du am Siel die letzten Neſte eines abgeſtandenen Eſſens
ver=
tülgſt, ſagt er mit leiſer Crauer: „Schade, daß du ſo
unge=
bildet biſt.”
Der ſchlaue Sternenwirt.
Humoreske von Hans Karl Abel.
In dem wemberühmten Städtlein. Reichenweier im Elſaß
lebte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein wegen ſeiner
Späßchen allgemein beliebter Gaſtwirt, der Herr Preiß im
„Sternen”. Er hatte die Gewohnheit, ſich zu ſeinen Häſten zu
ſetzen und an ihrer Unterhaltung teilzunehmen, und ſo kam es, daß
er oft ſehr ſpät ins Bett ging. Darum ſchlief er auch gern in
den Cag hinein.
Auf einmal wurde ihm dieſe angenehme Lebenswoiſe
gründ=
lich verdorben. Sein Nachbar hatte einen jungen Knecht, den
blonden Johann, in ſeinen Dienſt genommen, der nun jeden
Morgen in aller Herrgottsfrühe den guten Sternenwirt
lautem Peitſchenknallen aus dem beſten Schlaf riß.
mit
Was war da zu machen?
Ein anderer hätte ihn wohl darum geſcholten und durch ſein
Aufbegehren vielleicht gerade das Gegenteil von dem erreicht,
was er wollte; unſer Herr Proiß im „Sternen” aber war ein
kluger Mann und faßte die Sache folgendermaßen an:
„Johann,” ſagte er zu dem jungen Burſchen, „du glaubſt gar
Re—.
ins Kapellele” — das war eine kleine Mauerniſche in der
Haus=
ecke, in welcher früher einmal eine kleine Muttergottes
ge=
ſtanden hatte. „Da findeſt du dann immer, wenn du vorbeifährſt,
m der Frühe eine Belohnung für dem freudiges Rnallen. Ich
hör’s, wie geſagt, gar zu gern!”
Geſagt, getan.
Der Burſche fand ſein Schnäpschen an jedem Morgen, wo es
der gute, alte Mann hinzuſtellen pflegte, und aus lauter
Dank=
barkeit knallte er ihm zehnmal mehr, als er es ſonſt getan hätte.
Das ging ſo einige Wochen lang.
Auf einmal fehlte das Gläschen in dem „Kapellele‟.
Der ſohann denkt: „Das hat der alte Herr diesmal
ver=
geſſen.” Aber er knalt ihm doch ſemen Morgengruß, er kann
auch einmal einem Mitmenſchen einen Gefallen ganz umſonſt tun.
Als aber am nächſten und übernächſten Cage die kleine Niſche
wiederum leer ſtand, ſagte der Johann ärgerlich vor ſich hin:
„Wenn du ſo vergeßlich biſt, du alter Kauz, und ſo ſchlecht Wort
hältſt, dann ſuch dir einen andern, der dir knallt! Sch bin nicht ſo
dumm!” und fuhr vorüber, ohne ſeine Peitſche anzurühren.
So kam es, daß der Johann dem Sternenwirt nicht ein
ein=
zigesmal mehr geknallt hat.
Schönheit aus der Schublade.
Von Margret Halm.
Man könnte auch „Landluft im Kaſten” ſagen. Aber es iſt
nicht Landluft, nichts von dem bäuriſch=geſunden Braunrot, das
man im Winter mehr oder weniger natürlich mit aus St. Moritz
bringt. Sagen wir aus der Winterſonne. Wir tun’s auch
bil=
liger. Die Schönheit, der auch die kleinſte Pariſerin, die eben
aus der Schule kam, eine Schreibtiſch=Schublade reſerviert hält,
iſt zart und fein und ſtrebt mit immer größerer Fertigkeit nach
möglichſt natürlich jungendfriſchem Con. Dick bemalt iſt nur die
Stümperin oder — die Fremde.
Das war mal eine Welle von Uebertriebenheit, die gegen den
Anſtrich des Geſichts eine Flut feindlicher Abwehr ausgelöſt.
Als die, die es kopierten, im unglückeſeligſten, im ungeeignetſten
Moment das Döschen aus der Caſche zogen, Puder und
Lippen=
ſtift gerade dann zu benutzen, wenn es tatſächlich nicht am Platze
war. Effelt? — Man ging wieder nackt.
Wie aber kommt es, daß ſelbſt die kleinſte Franzöſin von
denkbar beſcheidenem Geiſt doch immer noch ſo viel Inſtinkt
bo=
ſitzt, ſtets den richtigen Moment zu erwiſchen und zu erfaſſen, in
dem ſie fir mit ein paar kurzen, gewandten Strichen lich „
auf=
friſcht”? War eine Seit, da es zum Sprichwort geworden war,
daß an den Parfümerieſtänden der großen Warenhäuſer die
ent=
zückendſten Pariſer Mädels zu finden ſeien. Das Rätſel iſt
gelöſt. Sie ſaßen an der Quelle. Wo immer man heute ein
Pariſer Geſchäftshaus betritt, Geſchäft, Büro und Atelier
du triffſt nicht eine einzige mehr, die ihr Geſichtchen nicht
be=
handelt hätte. Ein zartes Not liegt auf den Wangen, überkleidet
von einem Puderflaum, und friſch getönte Lippen. Da iſt nichts
verwiſcht und nichts vergangen, nichts Ungleichmäßiges legt von
haſtigem, unſorgſamem Auftragen Seugnis ab, ſondern man
ſieht, es iſt hier, wenngleich mit flinkem Strich, doch überlegt
eine wohlgeübte Hand am Werk geweſen. Gerade eben noch.
Vor ein paar kurzen Minuten. Und das rar im Zweifel auch
der Fall, denn jene Schublade im Schreibtiſch, jenes Fach, in dem
die Puderquaſte in einer offenen Schachtel griffbereit liegt, das
Crockenrouge, der Lippenſtift, der kleine Spiegel, iſt ſtets
ge=
öffnet. Der mechaniſche Griff nach dem Caſchenſpiegel iſt ihr
in jeder kleinen Arbeitspauſe ſo ſelbſtverſtändlich geworden, daß
ſie lich deſſen gar nicht mehr bewußt iſt. Ueberfülig zu ſagen,
daß ſie zum Vorgeſetzten gerufen oder ſonſt zu einer
Be=
ſprechung oder nach Geſchäftsſchluß ihren Platz und den Naum
nicht verläßt, ohne ſich mit der Quaſte über das Geſicht zu
fahren, mit dem Stift die Lippen nachgezogen zu haben. Etwa im
gleichen Gefühl, mit dem der Mann die Krawatte zurechtrückt,
die Knöpfe ſeines Sakkos ſchließt, um nicht ſalopp zu ſein.
Und hat ſie nicht recht, die kleine Franzöſin, daß ſie ſich ſo
ſchön macht, als es ihr irgend nur gelingt? Sie ſagt nicht: „So
bin ich” — ſie ſagt: „So lehe ich aus, ſo will ich auf euch
wir=
ken.” Sie ſieht nicht ein, warum ſie in unſerer faſt aufdringlichen
Ehrlichkeit jedes Fältchen, jede Linie, die die Natur ihr in die
Süge eingrub, preisgeben ſoll. Man möchte eine Linie ziehen von
der Frau des Orients, die unter der Strenge der Sitte ihr
Go=
ſicht verhüllt, über unſere Frauen, die ſtolz erhobenen Hauptes
ihr Antlitz zeigen, wie Gott es geſchaffen, zu jenem Frauentyp
im Weſten, der ſo viel weiter geht, daß er nicht unter einem
Swang, ſondern nach eigenem Gutdünken und Wollen eine
Maske gleichmäßiger Freundlichkeit anlegt, die nichts verrät
von ihren Stimmungen, ihrem Alter, von ihrem Wohlbefinden
urd Erleben. Ein Geſichtspunkt, unter dem ein geſchmackvolles
Hervorzaubern eines ſtets gleich anmutig=liebenswürdigen
Aus=
drucks nicht gar ſo weit von der Hand zu weiſen iſt.
Der feſte Caſchenpuder im Döschen der Franzöſin iſt immer
gerade faſt aufgebraucht — ...
lea
Endſpielſtudie 34.
Fr. Lazard in Panis.
(2.—3. Preis im 2. iunternation. Turnier der Italia Segechiſtiea, 1923.)
b
Weiß zieht und macht unentſchieden.
Weiß: Kg5 Tg4 Ub5 Ba7 h8 G5);
Schwarz: Ka8 Tg1 Lb7 Bg3 (4); ſchlicht
Löſung der Endſpielſtudie 33.
A. Trotzkh. 500 Endſpielſtudien. (Kg3 8e3 Be6: Kh8 Sg6 Bd3; Weiß zieht
und gewinn ) 1. Se3—t5l d3—d2 2. 06—o7 9g6—e71 8 S:e7 Bd1 D4 Be8
Dt Kg7 5. Dg84 Kf6 8. 8d5+ Keß 7. Dg7+ Ke6 (46) 8. De7 (auch e7*
u. gew.; 2. . . . 42—41 D 3. Be8 Dr Kh7 4. De7 GMt 8e7 5. D:e7+ Kg6
g. 9h4t Eh6 7. bf9tz u. gew. 1.o6—e77 ſcheitert an 1. 8e72. Kaß gosl
Die feine Gewinnweiſe verrät den Meiſter der Endſpielkompoſition.
Anfvagen Beſträge, Löſungen uſw. nur an die Schriftleitung des
Darmſtädter Tagblatts mit der Aufſchnft „Schach”.
Ie
Kätſel
ID
Krenzworträtfel.
Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1 Nebenfluß der Donau,
3 Haustier, 6 Heilige Schüſſel, 7 Schriftzeichen, 9 Tonſtufe. 11 Partikel,
12 Kunſtgeſang, 14 Europäer, 16 Was dem Geber geziemt, 19
Verbin=
dungspartikel. 2 Gemüſe. 2 Behauſung des Fuchſes, B Raubvogel,
25 Pflichtenkreis, R Temperatur des Waſſers im Sommer, B
Weib=
licher Vorname.
(Koſeform), 30 Artikel, 32 Nebenfluß des Neckars,
35 Männlicher Vorname, 37 Baum, 40 Bergwieſe, 42 Weiblicher
Vor=
name 44 Gleichwort für „Fels”, 45 Gott der Liebe, 46 Monat
48 Kielwaſſer, 50 Schmarotzertier, 51 Kleiner Behälter, 52 Wild,
53 Japaniſche Münze.
Von oben nach unten: 1 Geldſchrank, 2 Türbiſcher Beiname,
4 Schweizer Kanton, 5 Haustier, 6 Geſponnener Faden, 8 Weiblicher
Vormame, 10 Engliſche Anrede, 11 Viehfutter, 12 Präpoſition, 13
Weib=
licher Vorname, 15 Teil des Wagens, 17 Kloſtervorſteher, 18
Geſund=
heitliche Maßnahme, 20 Blumengewinde, 21 Silbermünze, 24 Getränk,
26 Engliſche Inſel im Iriſchen Meer, 29 Knäuel, 30 Gebäude. 31
Ab=
ſchiedsgruß, 33 Herrſchertitel, 34 Deutſche Stadt. 36 Männlicher
Vor=
name, 38 Bibliſcher Hoheprieſter, 39 Kälteprodukt, 41 Eiſenbahnwagen,
4 Fluß in Aſien, 45 Männlicher Vorname, 47 Gottheit, 49 Gedicht.
Frag mich was!
(
Ein b, acht e ein f. zwei i, zwei I, zwei m. drei n, ein t.
Obige 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die 20 Punkte, ſo die
Ant=
worten auf folgende Fragen herauskommen: 1—2 welche
Naturerſchei=
nung kann geſährlich werden? 2—3 Wie heißt ein Nebenkluß der Allers
3—4 Was ſind kleine, neckiſche Weſen? 4—5 Wie nenm man ein Los
ohne Gewinſt?, 5—1 Weſſen Fluſſes Tal iſt durch ſeinen Käſe berühmt?
Die Mittelbuckſtaben, richtig geleſen, beantworten die Frage: „Wo
fängt das Firmament an?”
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel ans Nummer 25.
Silbenrätſel.
1 Wiſent, 2 Eduard, 3 Scheherezade, 4 Libius, 5 Ornament, 6
Ban=
derilla, 7 Smaragd, 8 Pagode, 9 Raſpel, 10 Uhland, 11 Chieti, 12
Der=
wiſch, 18 Flluſtration 14 Cherubini, 15 Nachtiſch, 16 Internat, 17
Che=
viot, 18 Tunika, 19 Allahabad. 20 Dominante. 21 Eulenſpiegel, 22
La=
zarett. Der Spruch lautet: Wes Lobſpruch dich nicht adelt, des Tadel
dich nicht tadelt.
Beſuchskarten=Rätſel.
„Nadioamateur”.
Druck. Verlag u. Kliſchees L. C. Wittichſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr 23. — Nerantmartl für die Redaktion, Dr.H Nette Darmſtadt Fernſpr 1 2389 2392. Alle Rechte vorbehalten Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] In unſere Kinnerjohrn hawwe mer unner annerm aach als
e Spiel geſpielt, däß hott gehaaße „Verwexelt eure Blätze”, un
däß war ſo: alſo s hott ſich jedes en Eckſtaa, en Hackklotz, en
Dräckkaſte odder e Hausdierſchwell erausgeſucht, wo’s en
einicher=
maße erheehte Standpunkt ei genumme hott; dann hott’s gehaaße:
„Verwexelt eure Blätze”, un do mußt jedes erunner ſpringe, un
mußt ſich en annern Standpunkt ſuche. Un weil immer aan
Standpunkt wenicher do war, wie Mitſpieler, ſo mußt immer
aans leer ausgeh un is ausgelacht worrn; als Newa’ſch hott
dann noochher däßjeniche widder ruffe därfe „Verwexelt eure
Blätze‟.
An däß Kinnerſpiel aus unſere golderne Jugendzeit muß ich
als heit noch öfters denke, dann wann mer ſichs richdich
iwwer=
legt, ſtickt aach dadrinn en kolleſahl diefer Sinn, for den, der’s
richdich bedabbelt. Mer brauch ſich nor emol ſo des Spiel in de
große un klaane Bolledick azugucke, un beſunners diejeniche
welche, wo ſo im effentliche Läwe uff=eme Eckſtaa, odder uff=eme
Hackklotz, wollt ſage, uff=eme gewiſſe Standpunkt ſteh, als
godderſprich: „Hier ſteh ich, un ſo —‟ Dann eh, daß mer ſich’s
verguckt, kreiſcht’s aus=ere Eck: „Verwexelt eure Blätze”, un ſchun
nimmt jeder widder en annern Standpunkt ei’, odder er find
in de Geſchwindichkeid kaan, un ſteht dann zuletzt do, mit ſeim
korze Hemdche, un muß ſich auslache keſſe.
Un wie’s nu bei dene prinzibinäue Standpinkter prinzibinäll
de Fall is, mer hott ſe ſcheints bloß däßwääche, daß mer ſe im
gegäwene Aageblick wexele kann; was mer jederzeit, un bei
jeder Geläächenheit, un meiſtens im ungeſchickdeſte Aageblick bei
emtliche Standpunktſtradege wunnervoll beobachte kann.
Un ſo bin ich dehinner kumme, daß es ganz verkehrt is, wann
mer im effentliche Läwe eicheſinnich un konnſtand uff ſeim
Stand=
punkt verharrn dhut, ſundern daß es gut is, wann mer ſein
Standpunkt öfters wexelt, weil mer dann widder en ganz annern
Eidruck vun äbbes krickt, wie hoche un höchſte Exembel zeiche,
indem daß es beiſpielsmeßich offenbarlich geworde is, daß mer
zum Beiſpiel vum Standpunkt eines Owerbirchermaaſters alles
ganz annerſter aguckt, als wie vum Standpunkt eines
obboſitzio=
nällen Steierrickſtendlers ...
Wo ich awwer enaus will, däß is eichentlich was ganz
anner=
ſter, un es muß ſchun ganer en zimmliche Merks, un allerhand
Gribbs hawwe, wann er erausbringe will, wie däß zu dem
kimmt. Awwer ſchließlich bin ich net dezu do, daß ich immer
alles uffim Särwierbrädd abiede dhu, odder dhu mei geiſtiche
Schlagſahne mitm Subbeleffel verabreiche; ſundern ich ſag, mer
muß de Leit aach als e bische äbbes zum denke gäwwe, indem
heit jo aach s Denke un es Filleſofiern zum Sport geworrn is...
Ich iwwerloß es alſo jedem, ſein Denkabberad unner Druck
zu ſetze, un bin emol geſpannt, was bei däre Denkſportuffgab
erauskimmt, un was mer ſich unner dem Kinnerſpiel „Verwaxelt
euer Blätze” in Bezugnahm uff die verſchiedene „Standpinkter”
— beiſpielsmeßich in däre Darmſtädter Milchhof=A” alles denkt. Als Preis ſetz ich en große
dorchene Handkees aus, mit Quaſte un Franze; wer ſich aus
Handkees nix macht, der kann den Preis unner Brodäſt
zurück=
weiſe, odder meintswääche in de Elektriſch lieje loſſe, däß is mir
perſeenlich ganz egal.
Allerdings gewunnert hab ich mich doch, wie mer bei däre
Milchhofa geläächenheit uff aamol ſo raſch die Blätz, odder die
Standpinkter gewexelt hott. Nemlich im voriche Herbſt, do hott
unſer jetzicher Owwerowwer, a gäblich wääche unſere koſtbare
Geſundheit, ſozuſage Kobb un Krage rißgiert wääche=eme
Milch=
hof; wohärngääche die Milchhennler, näbſt ere Azahl ſtadträd=
licher Standpunktſtradege, den brojäckdierte ſtädtiſche
Milch=
hof, unner giedicher Mitwirkung vun einiche infizierde
Sachver=
ſtendiche, bis uffs Meſſer bekembft hawwe, un hawwe den
Stand=
punkt verdräde, ein ſolchener Milchhof weer enausgeworfe Geld,
unſer Milch weer einwanzfrei, un es paſtoriſiern gradezu
Staatsverbräche an unſere Geſundheit. Der gude Rudie Mueller
is bekanntlich domols mit ſeim Standpunkt uffm Rodhaus
mit Pauke un Drumpeede dorchgeraſſelt.
Un jetzt, wo uff aamol die Milchhennler ganz ſeiner Maanung
ſin, un ſin in ſich gange, un ſin haamlich, ſtill un leiſe ſein
Standpunkt beigedrate, un hawwe en Milchhof ganz for ſie
allaans in s Szehne geſetzt — jetzt glenzt de Herr Muelle.
bei de Eiweihung dorch genzliche Abwäſendheit; grad als wie
wann=em jetzt, wo er Owwerowwer is, nix mehr an unſer koſt
bare Geſundheit leije dhet, odder als wie wann=er in Bezugnahm
bedräffs vun dem Milchhof widder en annern Standpunkt
eiinemme dhet. Dann wann er aach, wääche däre
Eiweihun=
net ſein Urlaub unnerbräche hett wolle, do hett er jo ſein
techniſche Kolleech, dem Kall Ritzert, ſage kenne: geh du hie, un
ſpräch a’ſtandshalwer e paar baſſende Wörder. Awwer es hot
ſich net aaner vun de ſtädtiſche Spitze blicke loſſe. No ſchließlich
es is jo zur Not aach ſo gange, die Milchhofhennler nebſt ihre
Standpunktſtradege hawwe’s net weiders krumm genumme, un
hawwe den „Milchhof” im „Hanauer Hof” endſprächend naß
ge=
macht, wobei ſe aach e Hoch uff den geiſtiche Milchhofsvadder,
äwe uff de Rudie Mueller, ausgebracht hawwe ſolle, wie mer
geſagt is worrn; ob’s wohr is kann ich net ſage, dann die Leit
ſchwätze viel, wann de Dag lang is. —
Geſpannt bin ich annererſeits emol, wie ſich die Sach mit
unſerm Balleegadde noch weider endwiggelt, dann was ſich
do die verſchiedene Standpunktſtradege all ſchun geleiſt hawwe,
däß geht uff kaa Kuhhaut. Erſt ſollt e Hodäll druff, dann e
Birrohaus, dann e Mackthall, un dann e Warenhaus; ohne all
die nnern Bleen, die mer ſchun ausgebrieht hott. Bald wärd de
Standpunkt verdräde, mir hette „Lungefliechel” genug, bald
haaßt’s widder, mir mißte unſern Ruf als „Gaddeſtadt” wahrn.
Wie geſagt: heit Hei, un morje Stroh. Vun dene Standpinkter
wääche däre hiſtoriſche Mauer will ich ſchun gornet redde;
wäh=
rend mein Standpunkt, nooch wie vor, der is, daß wer in de
Stadt jeden Baum, un erſt recht die im Balleegadde, erhalde
ſoll; un daß, wann ſchun, am allerwenichſte e Warenhaus dorthie
baſſe dhut; un daß, wann abſelut noch e Warenhaus hier fehlt,
an annern Stelle Blatz un Geläächenheit genuch is, dem
Mangel an Warenhaiſer abzuhelfe, mer brauch ſich bloß noch e
halb Johr zu gedulde, mehr ſag ich net .. .."
Daß unſer neu molweiſe Stadtverwaldung uff dem (vornehm
ausgedrickt) „wahnwitziche” Standpunkt ſteht, ſie kennt ihr Finanze
dodorch uffpulvern, daß ſe die Badebreiſe am Große Woog
erheeht, däß is nor zu nadierlich. Sie wärd äwe ſo nadierlich,
am Schluß vun de Badeſaiſohn uff dem Standpunkt ſteh, daß ſich
die Einnahme, infolche Erheehung der Badebreiſe, gebeſſert,
un infolche des ſchlechten Beſuchs, verringert hawwe un
wärd demgemäß der Aſicht ſei, daß dodro ’s Wädder ſchuld is,
Mer kann aach ſo ſage. — —
Freilich, aach der Summer, den mer mit ſo großem Uffwand
emfange hott, der verleichent bis jetzt nooch Kräfte ſein uff Hit
un Sunneſchei feierlichſt ei geſchworene Standpunkt, un ſpielt ſich
gradezu als Speedherbſt uff, ſo daß mer ſei ei gepäfferte Winder=
ſache noch emol erauskrame muß, un muß e Flemmiche im Owe
mache, damit mer net ſchnaddert wie e jung Gensche, wann mer
in de kalde Stubb ſitzt. No, iwwrichens, in bezug un bedräffs
vun de Johreszeide, do ſteh ich ſchun lang uff dem Standpunkt,
daß die ſich äwenfalls die Zeit mit dem ſcheene Spiel „Verwexelt
eure Blätze” verdreiwe, dann mer waaß nie ſo recht, wer
eichent=
lich an de Reih is.
Fudäſſe, mit der Hoffnung is es wie mit de Lübe, ſie heeret
or nemmehl uff, un ſo hoffe mer alſo vum Summer inbrinſtich,
daß er dene fragwärdiche Standpunktſtradege kaa Konggurenz
nacht, ſundern dhut, was ſeines Amtes is; mir wolle jo gärn
chwitze, wann nor die Frucht gereed, un de Wei”, un ſo . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Iwwrichens hawwe aach die Woch
widder unſer ratsherrliche Standpunktſtradeche ihr ſemtliche
Lich=
er leichte loſſe un hawwe den wäſſeriche Standpunkt verdräde,
daß es mit unſere braune Brieh, genannt „Eſchollbricker
Kreenche” net mehr ſo weider geh kann. Wie mit de Milch, ſo
is mer aach mit dem Waſſer aſch embfindlich worrn. Vorm
Krieg hatt mer ſcheints annern Sorje, dann es is mer net
be=
kannt, daß mer ſich groß driwwer uffgereecht hett, wann emol uff
e paar Stund es Waſſer e bische drieb war. Mer hott alſo am
Dunnersdag beinoh a ſtimmich die „Enteiſenungsallag”
be=
ſchloſſe. Awwer wie bei alle Beſchliß uff unſerm Rodhaus, ſo
is gach do widder des dicke End hinnenooch kumme, nemlich
wie ſichs drum gedreht hott, wer den Kidd bezahle ſoll.
Wanns nemlich dodrum geht, do haaßts jedesmal: „In
Ermang=
lung vun Drigoh erſcheint de Bojatz in de Unnerhoſe” — odder:
„Hannemann, geh du voran, du hoßt die greeßte Stiebeln an”.
—Jetzt was mich bedrifft, ſo ſteh ich ganz uff dem Standpunkt
vum Herr Walbe, mir zwaa hedde alſo kaa „Enteiſenungsalag”
gebraucht. Un wie däß mit=em Waſſer wärd, ſo wolle mer
emol vorerſt abworde un Tee drinke, wie’s ſchmeckt, wann’s
„enteiſent” is; do wärd mer ſei blau Wunner erläwe, dann grad
den gude Geſchmack vun unſerm Waſſer, den hawwe die
Fremde immer ſo gelobt; un der is dann futſch. Mer wolle mol
ſähe wer Recht hott, odder vielmehr, wer Recht behelt; ich un
de Herr Walbe, odder die annern.
Wann awwer erſt unſer großziechich Stadtverwaldung die
Sportplatza geläächenheid mit de Gewärweſteiererhehung
vermimmbele un vermammbele will, do ſteht ſe do uff=eme
Standpunkt, der wo ſeines gleichen ſucht, un do kann ich mit
meim beſcheidene Begriffsvermeeche net mehr mit, vun meim
annern „Vermeeche” odder „Unvermeeche” gornet zu redde.
Jedenfalls hawwe unſer ratsherrliche Standpunktſtradeche
uff de letzte Ratsſitzung widder mol glenzend bewieſe, daß esen
nor um ihr Baddei=Standpinkter zu dhu is, die wo leider
mit dem Wohl vun unſerm liewe Städtche nix, awwer aach
gor=
nix zu dhu hawwe. —
Dohärngääche mecht ich ganz offizinäll Abſchied nemme vun
zwaa liewe Menſche, die wo ſehr um unſer „Wohl” beſorcht
warn, un hawwe uns, wie oft, Herz un Seel erfreit dorch e froh
Stund, die wo uns doch ſo biddernot dhut, wie ’8 liewe Brot.
Ja, ich därf ruhich ſage, ſie hawwe uns widder lache lärne, die
Paula Kapper un de Guſtav Deharde. Am Mondag
awend haaßt’s nu: „Abſchied nemwe” vun dene zwaa, vun dene
zwaa ganz allga .. . ." un do wärd wohl ’s Klaane Haus unner
Waſſer ſteh . . . . No mer ſeecht jo: „Wenn Menſchen
ausein=
andergehn, dann ſagen ſie: „Auf Wiederſehn!” — In dieſem
Sinne: „Hals= un Baabruch!” uff de färnere Läwenswähk, lieb
Paulache un liewer Guſtav — un uff Widderſähe . ....
Der zeitgemäße Haushalt.
Motten gründlich aus Fellvorlagen zu
ver=
treiben. Entdeckt die Hausfrau dieſe gefährlichen Nager in
einem Fell, dann ſollte ſie ſofort ein Radikalmittel anwenden,
das gleichzeitig den Vorzug hat, alle niedergetretenen, verfilzten
Haare wieder aufzulockern. Sie bereite ſich eine laue
Waſch=
brühe aus 3 Eimern Waſſer, 3 Eßlöffeln Imipulver und ebenſoviel
Salmiakgeiſt. In dieſer, das Haar nach unten, möglichſt in langer
Waſchwanne eingeweicht, laſſe ſie es über Nacht ziehen, dann füge
ſie am nächſten Morgen etwas heißes Waſſer bei, ſodaß die
Miſchung wieder lauwarm wird und drücke und ſtampfe nun das
Fell tüchtig mit den Händen, beſſer noch mit einem Luftwäſcher
darin durch. In kaltem Waſſer geſpült, bis es klar abläuft, laſſe
es über feſter Stange, das Haar nach außen ablaufen, kämme es
mit alten Kamm noch raß immer wieder durch und du erhältſt nach
dem Trocknen ein zwar etwas ſteifes, aber völlig mottenſicheres
L. H.
und =freies und dazu prachtvoll lockeres Fell.
Praktiſche Schuhkiſfen. Aus den geſtopften
Füß=
lingen ſtarker wollener Herrenſocken, nähe man durch Einfüllen
anderer alter Wolläppchen lange ſchmale Kiſſen, indem man die
offenen Ränder einſchlägt und überwendlich vernäht. Sie ſind
zum Auftragen von Creme, wie zum Blankreiben der geeremten
Schuhe leichter zu handhaben, wie ein Poliertuch, das man erſt
E.
zuſammenballen muß.
Was man aus Kirſchen bereiten kann. Während
der nur kurzen Kirſchſaiſon ſollte die Hausfrau nicht nur zum
Rohgenuß als Nachtiſch, oder Butterbrot, recht viel Kirſchen auf
den Tiſch bringen, ſondern auch möglichſt oft Mittags= und
Abend=
gerichte aus ihnen bereiten. Neben der ſaftigen Kirſchpfanne,
kalt auch zum Kaffee ausgezeichnet, ſei an Kirſchknödel, mit
Va=
nille= oder Mandelſoße gereicht, an Kirſchſtrudel, =flammeries, von
Grieß, Reis oder Maismehl bereitet, an Kirſchaufläufe, =Kuchen,
=Torten, =Suppen und Kaltſchalen, ſchließlich auch an Kirſchwein,
ſchnaps und =likör erinnert. Zwieback kann bei allen
Kirſch=
ſpeiſen ſehr gut durch billigere Semmeln, Zucker, durch die
wohl=
feile Süßſtofflöſung ganz oder zum Teil und Mandeln, durch
einige Löffel voll aufgeſchlagene in Milch ausgekochte Kirſchkerne
erſetzt werden. Zum ausgezeichneten Kirſchſtrudel bereite man
einen Teig aus 2 Eiern, ½ Taſſe Waſſer, wenig Salz und ſoviel
Mehl, daß er ſich dünn ausmangeln läßt und beſtreiche ihn mit
zerlaſſener Butter. Beſtreue ihn mit geriebenem Zwieback,
be=
decke ihn mit ausgeſteinten Kirſchen, die man, gut geſüßt, einige
Stunden durchziehen ließ. Wickle ihn zu einer Rolle, lege dieſe
ſchneckenartig in eine gefettete Form, übergieße ſie mit 1—2
Taſ=
ſen geſüßter Milch und laß den Strudel bei Mittelhitze 1 Stunde
M. O.
backen.
Rhabarber auf einfachſte Weiſe einzumachen.
Der geſchälte, aber nicht gewaſchene Rhabarber wird in kleine
Stücke geſchnitten, in ſaubere geſchwefelte Flaſchen gefüllt, recht
dicht geſchichtet und mit gebrühten Korken verſchloſſen und
ſorg=
ſam verlackt. Bei Gebrauch wird der Rhabarber gewaſchen und
H.
wie friſcher bereitet.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Kirſchkaltſchale, Wickelbraten mit Karotten= und
Schotengemüſe, Stachelbeerſpeiſe. — Montag: Kirſchpfanne
mit Mandelſoße. — Dienstag: Gefüllte Kohlrabi. —
Mitt=
woch: Gefüllte grüne Gurke. — Donnerstag: Hammel=
Ragout mit Kopfſalat. — Freitag: Gekochter Seelachs mit
Dillſoße. — Samstag: Kirſcheierkuchen.
Der ruhende Pol in der Erſcheinungen Flucht.
Unerwarteter Ausgang eines Boxkampfes!
(Dublin=Opinion, Dublin.)
Sein Trick. Es war im Hochbetrieb der Ausverkäufe, und der junge
Student ſah ſich im Gedränge außerſtande raſch ſeine Einkäufe zu
machen. Da kam ihm ein erleuchtender Gedanke. Er hielt einen der
Aufſichtsherren feſt und ſagte in gehrochenem Deutſch: „Sprekt man
Frangais?” Sofort holte der Angeredete voll Stolz eine franzöſiſch
ſprechende Verkäuferin herbei, und nun konnte der Schlaue mit größter
Bequemlichkeit einbaufen.
Sein letzter Wille. Dichter ſind auf Kritiker von altersher nicht gut
zu ſprechen, und berühmt geworden iſt der Fluch des jungen Goethe:
„Schlagt ihn tot, den Hund, er iſt ein Rezenſent!” Nicht minder grimmig
war der Haß der franzöſiſchen Dichters Scarron gegen die berufsmäßigen
Beurteiler ſeiner Werke. Als er ſtarb, fand man in ſeinem Nachlaß ein
altes Goldſtück, das ſorgfältig in Papier gewickelt in einem Fach ſeines
Schreibtiſches lag. Auf das Papier hatte er folgendes geſchrieben:
„Dieſes Goldſtück habe ich ſeit 20 Jahren aufbewahrt, um mir dafür
ein Fenſter auf dem Greve=Platz zu mieten, wenn einmal ein Mezenſenk
gehängt wird.*
Pelzwerk für den Sommer.
Die gegenwärtige Mode iſt — ſo intereſſant
1
und apart ſie auch erſcheint — als durchaus
pa=
radox zu bezeichnen denn ſie übergeht die verſchie=
denen Saiſons und nimmt eigentlich auf die
je=
weiligen Schwankungen der klimatiſchen
Verhält=
niſſe keinerlei Rückſicht (bringt alſo etwa dünne,
durchſichtige Seiden für den Winter=Abend,
dage=
gen aber viel Fell für den Sommer).
Für den erſten Augenblick wirkt dies alles
ſicherlich befremdend, wenn man aber näher auf
die Abſichten der neuen Mode eingeht, ſo wird
man erkennen, daß ſie eigentlich nicht von der
Hand zu weiſen iſt.
*
Ein Pelzſtück zum Beiſpiel ſieht, ſoweit es ſich
als Schleife, als kleine Stola oder dergleichen
präſentiert, immer vorzüglich aus, ergänzt die
elegante Promenade=Aufmachung in ganz
unver=
gleichlicher Weiſe und ſtellt die denkbar beſte
Um=
rahmung des Geſichtes dar.
Man verwendet heuer bekanntlich vorwiegend
braun=ſchattiertes Pelzwerk für dieſen Zweck (
al=
ſo Marder ſowie Iltis) für kleine Gelegenheiten,
4
etwa zum Mantel oder zur Reiſeaufmachung und
auch für die Wochenendfahrt; zum
Seiden=
koſtüm für die nachmittägliche Promenade
2
aber kommt vor allen Dingen der Fuchs in
Frage. Auch hier wieder iſt die braune Tö=
41
nung ſehr geſchätzt, wodurch die große Beliebt=
W
heit des Blaufuchſes erklärlich wird. Ihm
gegenüber treten nämlich die anderen Farben und
R
Arten — als Einzelſtücke — ſtark in den
Hinter=
grund, werden aber gelegentlich für verſchiedene (0/X)
Verbrämungszwecke verwendet.
Die paradoxe Note der neuen Mode liegt
aber darin, daß ſie nicht nur kleine Fellſtücke,
ſondern ganze Pelzmäntel für den Sommer
vor=
ſchreibt; natürlich ſind dieſe Modelle keineswegs ſo ſchwer, wie die
Sachen, die man bisher zu ſehen gewohnt war, ſondern ſtellen
ſowohl was das Fell als auch was die Ausarbeitung anbelangt,
leichte, ſchmiegſame Modelle dar, die an ſich ſchon ſozuſagen
„ſommerlich” wirken.
Natürlich darf man niemals an die Verarbeitung
langhaari=
ger Felle denken (die ausſchließlich Verbrämungszwecken
vor=
behalten bleiben), ſondern muß ſich an die flachen Sorten
hal=
ten, die anſchmiegſam und eben darum außerordentlich elegant
ſind.
Der „Sommerpelz” ein Wort, das über kurz oder lang
keines=
wegs mehr fremd klingen, ſondern ſich dem modiſchen
Sprach=
ſchatze als Selbſtverſtändlichkeit einfügen wird, iſt ſogar ungemein
praktiſch; ſtellt er doch die beſte Aufmachung für die
Sommer=
reiſe, aber auch für eine Urlaubsfahrt am Schiffe dar, iſt für
Wochenend=Touren vortrefflich zu verwenden und erweiſt ſich auch
in der Stadt als wertvolles Garderobeſtück, ganz abgeſehen da=
von, daß er der ideale Uebergangsmantel für den kommenden
Herbſt iſt. Man unterſcheidet „Sommerpelze” die ausſchließlich
für die Strapaz in Frage kommen, doch bringt die neue Mode
daneben auch Stücke, die außer für die Promenade auch noch für
den Sommerabend verwendbar ſind. Die Auswahl unter den
Modefellen iſt eine ſehr bedeutende und ihre Verwertung
aus=
nahmslos ungemein ſchick, da das Pelzwerk oft in verſchiedenen
Richtungen verarbeitet wird, ſodaß die einzelnen Fellchen ein
vortreffliches Muſter ergeben, das immer originell ausſieht.
Kragen und Manſchetten ſind bei jenen Modellen,
die man auch für den Abend heranzuziehen
wünſcht, aus dem gleichen Felle verarbeitet,
während bei ſportlichen Somerpelzen die
Verbrä=
mung — als Kontraſt zum kurzen Felle des
Man=
tels — aus langhaarigem Pelzwerk beſorgt
wird.
So zum Beiſpiel ſtellt unſere erſte Skizze einen
weichen, ſchmiegſamen Fohlenmantel in
Paletotform dar, der mit gefärbtem amerikaniſchem
Opoſſum (das effektvoll und dabei nicht koſtſpielig
iſt), mit belgiſchen Kaninchen oder anderem
lang=
haarigem Felle ( in Form eines Schalkragens und
runder Manſchetten) verbrämt wird.
Fohlen gibt es in den verſchiedenſten
Schat=
tierungen: in Braun, Beige, Sand, dann auch in
einem ſchönen Mittelton, der als „eſelgrau”
be=
zeichnet wird und jene Schwebung zwiſchen beige
und grau bringt, die zu jeder Farbe, alſo auch zu
jedem Kleidungsſtücke paßt. Eine ſolche Umhülle
wirkt in ihrer ganzen Idee durchaus ſportlich,
kommt alſo unter keinen Umſtänden für den Abend
E in Frage.
Wer einen Sommerpelz wünſcht, der
neutra=
ler, alſo ſowohl für den Tagesgebrauch als auch
für abendliche Gelegenheiten zu verwenden iſt,
wird zu Gazellen greifen, die in ihrer intereſſanten
Streifenverarbeitung ungemein dekorativ
erſchei=
nen (Bild 2). Allerdings iſt Gazelle ein Fell, das
*
zwar nicht koſtſpielig iſt, ſich aber auch nicht ſehr
gut ſtrapaziert, ſondern mit großer Vorſicht
getra=
gen werden muß, um die Haare an den
Schnitt=
kanten nicht abzuſtoßen.
Von den Edelfellen werden in ähnlich=orna=
Mefe
mentaler Art noch die intereſſanten „Pilchmäuſe‟
(Mioglis) verarbeitet, die ſehr dauerhaft und apart
ſind. Als Verbrämung des dünnen, ſommerlichen Complets, vor
allen Dingen der Umhülle verwendet man heuer vielfach auch
Pelz und zwar gelegentlich für Kragen und Manſchetten,
vorzugs=
weiſe aber für den Beſatz des unteren Randes. Man kann in
dieſem Falle auf jeden anderen Aufputz durchaus verzichten und
erreicht eine Wirkung von vollendeter Eleganz.
In unſerem dritten Bilde zeigen wir einen Paletot aus
Geor=
getie, der in geradem Schnitte, mit einem flotten Schal anſtelle des
Kragens und leicht geſchweiften, kelchförmig erweiterten Aermeln
gearbeitet iſt. Der untere Rand wird mit einem — womöglich
langhaarigen — breiten Pelzbeſatz, den man ja häufig
unverwen=
det im Hauſe hat, verbrämt.
Im Vordergrunde bemerkt man links die kleine
Marder=
ſchleife, rechts den Fuchs, der den Kopf in ganz ausgezeichneter
Weiſe umrahmt und die Folie jeder eleganten Aufmachung
darſtellt,
Willy Ungar.
Der Paletot und die
hochſommerliche Mode.
Wer genau zu beobachten verſteht wird
mer=
ken, daß die Mode in einem Umſchwunge und
einer allgemeinen Umſtellung begriffen iſt, was
auch nicht wundernehmen kann, wenn man bedenkt
wie lange eigentlich die gegenwärtige Linie ſich
ſchon im Vordergrunde erhält.
Natürlich ſind die Wandlungen der Mode
keine auffälligen und ins Auge ſpringenden, denn
niemals ändert ſich eine Linie brüsk, ſondern nach
und nach, für das große Publikum eigentlich faſt
unmerklich.
Die verſchiedenen Veränderungen machen ſich
übrigens keineswegs in einer beſtimmten Richtung
geltend, ſondern ſcheinen die Mode im allgemeinen
zu ergreifen.
So zum Beiſpiel iſt die ſtreng=ſportliche Note,
die jahrelang nicht nur die Gebrauchskleidung
beſtimmt hatte, ſondern auch auf die
nachmittäg=
liche Garderobe übergriff und ihr den Stempel
aufdrückte, offenbar im Abflauen begriffen, weil
anmutigeven Faſſons der Vorzug gegeben wird
Dies hängt keineswegs mit dem immer
wieder=
kehrenden, weicheren Charakter der
hochſommer=
lichen Mode zuſammen, ſondern mit einer neuen
Strömung, die die großen Modeſalons ergriffen
hat. Man hat alſo in Hinkunft nicht mehr
aus=
ſchließlich mit dem ganz geraden in ſportlicher Art
durch einen Gürtel verſchloſſenen Mantel zu
rech=
nen, ſondern wird vielfach wieder den lange Zeit
vervönt geweſenen Knopfverſchlüſſen begegnen.
Auch die geſchweiften Umhüllen, die nicht ſelten
ganz im Prinzeßſtil gehalten ſind, begegnen
leb=
haftem Intereſſe.
Was eben über die Mäntel geſagt wurde, gilt
auch für die Kleider; auch ſie ſind nämlich in ihren Formen
phan=
taſiereicher als bisher und voll lebhafter Abwechſlung.
Dasſelbe wäre auch von den Farben anzuführen; es gibt
im übrigen keine beſtimmte Modeſchattierung, ſondern man trägt,
was einen kleidet. Einfarbiges, Buntes, Klein= und Groß=
Orna=
mentiertes, kurzum: dem Geſchmacke und der perſönlichen Mode=
Auffaſſung ſind keinerlei Schranken geſetzt.
Mit der allgeneinen 1inwälzung auf modiſchem Gebiete
hängt auch die Zieberkehr der Pajetots zuſammen. Lange Zeit
hindurch war es ja geradezu unmöglich einen Mantel zu tragen,
der das Kleid ſehen ließ ſodaß ſein Squm unter dem Mantel=
rande hervorkam. Die Abendmode machte hier den Anfang und
war in dieſer Beziehung auch ganz entſchieden bahnbrechend, denn
ſchon die Schaffungen der Vorſaiſon mit ihren Zipfeln, Wimpeln
und dergleichen fahen faſt ausnahmslos unter dem Mantel
her=
vor. — Nun aber ſcheint ſich dieſe Tendenz auch für die
Tages=
mode geltend zu machen, natürlich in bedeutend ſtiliſierterer,
ge=
mäßigterer Form, aber immerhin: ein Auftakt!
Abgeſehen von der Neuartigkeit der Paletot=Linie, die ein
Zwiſchending zwiſchen Mantel und Koſtümjacke darſtellt, fällt
auch ihre Kleidſamkeit in die Wagſchale, denn die Unterbrechung
der Längslinie, die ſich hier ergibt, macht entſchieden einen
ju=
gendlichen Eindruck und Jugend iſt — wie man weiß — das
erſte und letzte Gebet des Modebreviers. Nicht
ſel=
ten wird der Paletot auch durch ein halblanges
Cape erſetzt, das für den Hochſommerabend wie
geſchaffen, aber natürlich nur für ſchlanke Geſtalten
gedacht iſt.
Als Illuſtrationen der Idee der kurzen
Um=
hülle ſind unſere drei Skizzen aufzufaſſen, die den
Paletot in ſeinen verſchiedenen Möglichkeiten vor
Augen führen.
Für Reiſe und Sport ſowie für
Trotteurzwek=
ke iſt der gerade, halblange Mantel am
vorteilhafte=
ſten; er bringt in letzter Zeit meiſt einen
Knopf=
verſchluß oder die Gürtelſpange, die von einer der
aufgeſteppten Taſchen zu der anderen führt; der
komplette Gürtel aber wird — wie ſchon früher
er=
wähnt — immer ſeltener. Der einzige Aufputz
ei=
nes ſolchen Paletots beſteht aus Blenden des
glei=
chen Materiales, die alle Kanten einfaſſen, und
be=
ſonders dem Herrenfaſſonkragen eine flott=ſportliche
Note geben.
Auch am Nachmittag ſieht ein kurzer Mankel
Uf=
unter dem das Kleid hervorkommt, ausgezeichnet
aus. In der Regel arbeitet man ihn mit glockigen
Volants, die womöglich mit der Form des Kleides
W
übereinſtimmen. Unſer Mittelbild zum Beiſpiel
bringt ein Modell mit zwei Stufen, ſodaß der dritte
Volant des Kleides unter dem Mantel
hervor=
ſieht. Die Aermel ſind kelchförmig erweitert, ein
breiter, angearbeiteter Schal erſetzt die Kragen=
GeE
at Pertie.
Wie das kurze Cape für den Abend wirkt, zeigt
die letzte Skizze; man arbeitet es zu einem
einfar=
bigen Abendkleide — entweder aus Brokat oder aus
gemuſterter Seide und verſieht es oben mit einem
Schalarrangement, das immer außerordentlich
kleid=
ſam iſt.
Auch die Mode der bunten Seiden wird mit
dem Paletot=Gedanken gerne in Verbindung
ge=
gebracht und zeitigt wirklich intereſſante Schaffungen; man
denke etwa an ein buntes Imprimskleid aus Chinakrepp
oder Muſſelin, das mit einem entſprechenden Paletot
ver=
einigt wird, der — von einer ſchicken Frau apart=drapiert
ge=
tragen — ſeine Wirkung nicht verfehlt.
Willy Ungan
din denuan der Naut.
39)
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.)
„Jetzt iſt das Mädel rein hin”, ſagte Haw=Haw Langley.
„Seht nur, Mann!” Und er ſtieß das widerliche Lachen aus, das
ihm ſeinen Spitznamen eingetragen hatte, weil es dem lärmenden
Schrei eines Eſels glich. Aber ſebſt unter dem Lachen blieben
ſeine Augen gierig auf die Szene gerichtet, er ließ ſich keine der
traurigen Einzelheiten entgehen und mäſtete ſich daran. Kate
Cumberland hatte ihr Geſicht in den Armen vergraben. Bug
Daniels, der Dan Barry hatte nachſtürzen wollen, war von
Dok=
tor Byrne und einem anderen Mann abgefangen worden. Sie
ſchleppten ihn zurück, während er, wild um ſich ſchlagend, ſich
aus ihrer Umarmung zu befreien ſuchte.
Aus dem Hexenkeſſel heraus drang ein ſcharfer, kurzer
Pfiff, und aus dem wirbelnden Rauch und den aufſtiebenden
Fun=
ken kam das Wiehern, das Antwort gab. Eine Menſchenſtimme hätte
nicht deutlicher und verſtändlicher ſagen können: „Ich warte und
vertraue!”
In der kleinen Gruppe in der Nähe der Tür wurde es ſtill.
Es ließ ſich nichts tun. Der Wind war wenigſtens nicht ſcharf
genug, um das Feuer auf die übrigen Gebäude übergreifen zu
laſſen. Es blieb nur übrig, dem Fortgang des Brandes untätig
zuzuſehen
Jetzt ließ ſich Mac Stranns tiefe heiſere Stimme vernehmen:
„Haw=Haw, Mann, ſprich ein Gebet, daß das Pferd den
Barry nicht zu Tode ſtampft, wenn er bis zu ihm gelangt. Sprich
ein Gebet, Mann, daß Dan Barry verſchont bleibt, damit ich ihm
den Garaus machen kann. Aber ’8 iſt nicht möglich”, fügte er
hinzu. „Ich bin auch ſchon in brennenden Häuſern geweſen.
Bar=
ry wird’s nicht überleben. Und ſelbſt, wenn ihn die Glut
ver=
ſchont, wird ihm der Gaul den Garaus machen. Es iſt nicht
mög=
lich, daß er lebend wieder herauskommt.
Das halbe Dach ſtand ſchon in Flammen, jetzt ſtieg am Ende
des Schuppens eine neue Flammengarbe hoch. Sie hörten dumpfe
Stöße und ein Krachen.
„Hoi!” kreiſchte Haw=Haw. „Barry iſt bei dem Rappen, und
der Gaul trampelt ihn in Grund und Boden.”
„Du Narr!” antwortete Mac Strann gelaſſen. „Barry hat
einen Balken oder ſonſt irgend etwas erwiſcht und rammt
da=
mit die brennende Wand zwiſchen dem Stall und Satans Box
ein. Das iſt das Ganze! Maun, hör' doch bloß hin!“
Wieder hörten ſie den Rappen wiehern, ein Schrei des
Triumphes, der ſich hoch über die wirbelnden Flammen zu
er=
heben ſchien.
„Ihr habt recht”, ſtöhnte Haw=Haw niedergeſchlagen. „Er
hat’s
erreicht.”
„Aber er wird nicht mehr lebend herauskommen”, entgegnete
Mac Strann. „Die Wand auf dieſer Seite wird jeden Augenblick
einſtürzen.”
Sonntag, den 30. Juni 1929
Tatſächlich fing die Außenwand des Schuppens in der Nähe
der Tür zu beben an und neigte ſich langſam nach innen. Jr
der nächſten Sekunde mußte ſie zuſammenbrechen und Dan Barrt
den Rückweg durch einen praſſelnden Trümmerhaufen verſperren.
Jetzt ſahen die beiden hinter dem Hügel, wie ſich in der Gruppe
an der Brandſtätte ein Kampf entſpann. Drei Männer rangen
mit Buck Daniels, der gleich darauf ſeine Arme frei machte, zwei
Rie
1S
Ee e
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Probedose und Broschdre „Ratschläge einee Arztes” durch:
DEUTSCHE A.-G. FUR NESTLE ERZEUGNISSE. BERLINWS7
Ve
Je
ete
TV.229
Männer, die ihm im Weg ſtanden, mit einem ſauſenden
Fauſt=
ſchlag zu Boden ſtreckte und mit einem Satz in dem wirbelnden
Rauch verſchwunden war.
„Der iſt übergeſchnappt, genau wie ein Gaul, wenn er Feuer
ſieht” bemerkte Mac Strann gelaſſen.
Aber Haw=Haw Langley war wild erregt: „Der iſt nicht
ver=
rückt! Der nicht! Der ſtemmt ſich gegen die Wand, um Barry
den Weg freizuhalten. Gott verdamm’ den Kerl!”
Und tatſächlich wurde die wankende Wand, die ſich erſt in
einem leichten Winkel nach inren geſenkt hatte, von irgendeiner
Kraft im Innern des Gebäudes in ihre ſenkrechte Lage
zurück=
gedrückt und feſtgehalten. Freilich ſchwankte ſie von Zeit zu
Zeit, als verſagten die Kräfte deſſen, der ſie hielt, unter der
übermenſchlichen Anſtrengung.
Ein fürchterliches Krachen lenkte jetzt die Aufmerkſamkeit der
Zuſchauer nach dem anderen Ende des Schuppens. Hier war der
Kinderwagen aller Art, nur im Spezialgeschäft 5
1. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25½
größte Teil des Daches eingeſtürzt. Eine gewaltige
Funken=
garbe ſchoß zum Himmel auf und beleuchtet die ganze Umgebung
ſelbſt die fernen Berge ſchienen plötzlich nähergerückt, als wollten
ſie Zeuge der Vorgänge dieſer furchtbaren Nacht ſein.
„Jetzt iſt alles zu Ende”, ſagte Mac Strann. „Haw=Haw,
in deinem Gebet war keine Kraft.”
„Ich bin keiner, der wo 18 Beten von berufswegen verſteht,
verteidigte ſich Haw=Haw, „aber ich habe mein Beſtes getan.
Wenn ..."
Er wurde unterbrochen. Die Leute an der Brandſtätte
ſchrien laut auf. Im Feuer und dem Rauch, die die Stalltür
aus=
ſpie, erſchien Satans rieſige Silhouette. Auf ſeinem ſattelloſer
Rücken hing, zuſammengeduckt, Dan Barry, in den Armen hielt
er den lebloſen Körper des Hundes.
Ceite 23
Und beinah im ſelben Augenblick wankte, in dichten Rauch
gehüllt, noch eine andere Geſtalt aus der Tür. Seine Hände
waren weit ausgeſtreckt, als ſei er von Blindheit geſchlagen und
müſſe ſtrauchelnd und taſtend ſeinen Weg in der Finſternis
fin=
den. Es war Buck Daniels. Er hatte kaum die Schwelle
über=
ſchritten, als der Teil der wankenden Wand, den er bisher
ge=
ſtützt hatte, um für die drei den Weg offen zu halten, erbebte, in
ſich zuſammenſackte und dann donnernd zu Boden ſtürzte. Der
ganze Schuppen war nichts mehr als eine praſſelnde
Trümmer=
ſtätte.
Dan Barry glitt, den verwundeten Hund in den Armen,
vom Rücken ſeines Pferdes, legte das Tier auf den Boden und
kniete neben ſeinem lebloſen Körper nieder,
„8 iſt noch nicht vorbei”, brummte Mac Strann. „Der Gaul
wird ins Feuer zurückſpringen, s liegt nicht in ihrer Natur. Sie
müſſen verrückt werden, wenn ſie Feuer ſehen.”
Statt deſſen wirbelte der Rappen herum, warf den Kopf
hoch, und mit wehender Mähne und peitſchendem Schweif
ſchmetz=
terte er den Flammen ein Wiehern des Trotzes und der
Heraus=
forderung entgegen. Es war, als habe er Mac Strann eine
Ant=
wort gegeben. Und dann kehrte er dem Feuer den Rücken und
rieb ſeine Schnauze liebkoſend an der Schulter ſeines Herrn, der
mit flinken Händen ſich um Black Bart bemühte.
„Wenigſtens”, knirſchte Haw=Haw Langley, „iſt der verdammte
Wolf tot.”
„Ich weiß nicht”, ſagte Mac Strann. „8 kann ſein, 8 kann
auch nicht. Man weiß ſo manches nicht.”
„Mann,” drängte Haw=Haw, „wenn Ihr Euch den Gaul
vom Hals ſchaffen wollt, dann iſt’s jetzt Zeit. raus mit dem
Schießeiſen und ihm eins aufs Fell gebrannt. Bevor die Kerle
hinter uns her ſind, ſind wir ſchon meilenweit weg. Hier iſt
kein einziger geſattelter Gaul zu ſehen. Ihr wollt nicht, Mac?
Na ſchön, dann will ich’s.
Aber Mac Strann ſtreckte die Hand aus und drückte Haw=
Haws Revolerverlauf nach unten.
„Wir haben hier alles ausgerichtet, was wir zu tun hatten.”
Er warf ſein Pferd herum und, wenn auch widerſtrebend,
ſchloß Haw=Haw ſich an. Aber während ſie in langſamem Trak
die Brandſtätte hinter ſich ließen, blieb ſein Kopf nach rückwärts
gewandt, bis ein letztes donnerndes Krachen und eine letzte
mäch=
tige Glutwolke, die hoch zum Himmel aufſchoß, anzeigten, daß der
Schuppen aufgehört hatte zu exiſtieren. Da erſt wandte Haw=
Haw ſeinem Gefährten das Geſicht zu.
„Und jetzt?” fragte er.
„Wir gehen nach Elkhead und warten”, antwortete Mac
Strann. „Wenn der Hund wieder auf die Beine kommt, ſo wird
er Barry von ſelbſt zu uns führen. Und dann brauch’ ich weiter
nichts mehr zu tun. Dann wird’s Notwehr ſein.
Haw=Haw Langley verzerrte ſonderbar ſein Geſicht und
lachte ſchweigend zu dem in Glut getauchten Himmel empor.
(Fortſetzung folgt.)
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