Darmstädter Tagblatt 1929


16. Juni 1929

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Ginzelnummer 15 Pfennige

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Nummer 165
Sonntag, den 16. Juni 1929.
192. Jahrgang

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Rabatt weg. Banklonio Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbant.

Volksentſcheid.

Widerruf der Kriegsſchuldlüge.
* Berlin, 15. Juni. (Priv.=Tel.)
Der Parteivorſtand der Deutſchnationalen, der am Sams=
tag
zuſammentrat, urſprünglich um den Einfluß des Par=
teiführers
Hugenberg gegenüber der Reichs=
tagsfraktion
zu verſtärken darüber iſt eine Einigung
erzielt worden, die auch die Zuſtimmung von Graf Weſtarp ge=
funden
hat , hat eine überraſchende Offenſive gegen
den kommenen Youngplan eingeſetzt. Er hat angekün=
digt
, daß die Deutſchnationalen im Falle der Annahme des
Planes auf Grund des Artikels 72 der Reichsverfaſſung den
Antrag ſtellen würden, die Verkündigung des Geſetzes um zwei
Monate hinauszuſchieben, um dadurch den Weg für ein Volks=
begehren
freizumachen, ſo daß das deutſche Volk die Frage nach
Annahme des Planes ſelbſt mit Ja oder Nein zu beantworten
hätte. Darüber hinaus wollen die Deutſchnationalen ein
Volksbegehren einbringen, das den Widerruf der
Kriegsſchuldlüge geſetzlich vorſchreibt. Alſo ein Doppel=
programm
, deſſen erſter Teil an beſtimmte techniſche Voraus=
ſetzungen
gebunden iſt.
Der Artikel 72 der Reichsverfaſſung ſieht vor, daß die Ver=
kündigung
eines Reichsgeſetzes um zwei Monate auszuſetzen iſt,
wenn ein Drittel des Reichstages, und zwar der anweſenden
Mitglieder, dies verlangt. Geſetze, die Reichstag und Reichsrat
für dringlich erklären, können trotzdem vom Reichspräſidenten
verkündet werden. Die Entſcheidung liegt alſo dann in der Hand
des Reichspräſidenten. Wird dagegen die Dringlichkeit
nicht beſchloſſen, ſo iſt das Geſetz dem Volks=
entſcheid
zu unterbreiten; wenn ein Zwanzig=
ſtel
der Stimmberechtigten es beantragt. Da
wir rund 41 Millionen Wahlberechtigte gegenwärtig haben,
wären dazu reichlich 2 Millionen Stimmen notwendig. Die
Vorausſetzung für dieſe Aktion wäre alſo, daß die Deutſch=
nationalen
im Reichstag ein Drittel der Stimmen für ihren
Antrag zuſammenbringen. Das wird nicht ganz leicht ſein. Viel=
leicht
wird allerdings das Problem noch verſchoben, wenn die
Juriſten geſprochen haben, ob die Annahme des Planes als
Ganzes oder in einzelnen Teilen eine Verfaſſungsänderung ent=
hält
. Dann wäre ohnehin eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Die Kräfteverteilung im Reichstag iſt augenblicklich ſo, daß bei
491 Mitgliedern die Zweidrittelmehrheit 328 Stimmen beträgt.
Es müßten alſo bei vollbeſetztem Haus 164 Abgeordnete gegen
den Youngplan oder für den Deutſchnationalen Antrag ſtimmen.
Die Deutſchnationalen ſelbſt haben 78 Stimmen. Sie werden
vermutlich auf die Stimmen der 54 Kommuniſten rechnen
können. Das wären dann 132 Stimmen. Dazu die Ehriſtlichen
Bauern mit 9 Stimmen. Aber auch dann kommen ſie erſt auf
141 Stimmen, und es fehlen noch 23 Stimmen, die nur zu er=
reichen
wären, wenn innerhalb der Volkspartei und des Zen=
trums
größere Abſplitterungen ihren eigenen Weg gingen. In=
wieweit
ein ſolcher Fall eintreten kann, iſt noch nicht zu über=
ſehen
, weil der Ausgang maßgeblich beeinflußt werden wird
von der politiſchen Konferenz. Für viele Abgeordnete wird die
Haltung zum Youngplan von der gleichzeitigen Räumung des
beſetzten Gebietes abhängig ſein, wie überhaupt der Ausgang
des parlamentariſchen Kampfes ſich gegenwärtig noch nicht über=
ſehen
läßt. Jedenfalls wäre bei ſtarken politiſchen Konzeſſionen
damit zu rechnen, daß ein, wenn auch vielleicht nur kleiner
Flügel der Deutſchnationalen die Ablehnung des ganzen Young=
planes
vielleicht nicht wird verantworten wollen.
Der zweite Teil des deutſchnationalen Antrags würde erſt
akut werden, wenn dieſe Aktion nicht gelingt. Dieſer Antrag
auf Widerruf der Kriegsſchuldlüge dürfte auch auf Unterſtützung
außerhalb des Kreiſes deutſchnationaler Wähler rechnen. Er
wird den natürlichen Weg gehen, daß ein Zehntel der Stimm=
berechtigten
, alſo reichlich vier Millionen, das Volksbegehren
nach Vorlage eines entſprechenden Geſetzes im Reichstag ver=
langt
. Erſt wenn der Reichstag dieſes Geſetz ablehnen würde,
käme es zum Volksentſcheid.

Die Konferenz der Polikiker.

Streiemann beſucht Briand auf der Rückreiſe in Paris.
Sonderverkrag Amerikas mit Deutſchland

an Stelle des Young=Plans.

* Berlin, 15. Juni. (Priv.=Tel.)

Es ſcheint, als ob die Entſcheidung über Zeit und Ort der
bolitiſchen Konferenz in Madrid nicht fallen wird, offenbar, weil
Briand erſt noch Poincaré vorher ſprechen will. In politiſchen
Kreiſen wird erzählt, daß Briand unmittelbar nach der Been=
digung
der Ratstagung nach Paris abfährt und ſofort einem
außerordentlichen Miniſterrat beiwohnen wird, der ſich mit dem
Young=Plan und der Rheinlandräumung beſchäftigen wird. Dr.
Streſemann, der Madrid etwas ſpäter verläßt, würde in Paris
Station machen und dann mit Herrn Briand die letzten Ab=
machungen
über die politiſche Konferenz treffen.
Ein merkwürdiges Zwiſchenſpiel wird aus Amerika berichtet.
Darnach ſoll Herr Hoover den Gedanken hegen, vielleicht doch auch
die Unterſchrift Amerikas unter den Young=Plan zu ſetzen. Daran
hat bisher wohl niemand gedacht. Formell beſteht dazu natürlich
die Möglichkeit, weil ja die amerikaniſchen Beſatzungskoſten eine
Rolle ſpielen. Nach der bisherigen Taktik der Amerikaner iſt dies
aber ziemlich unwahrſcheinlich, daß ſie ſich ſo eng an den Young=
Plan feſſeln werden, ſchon um gegenüber ihren früheren Bundes=
genoſſen
freie Hand zu behalten. Auch an amtlichen deutſchen
Stellen wird vorläufig angenommen, daß die Vereinigten
Staaten es vorziehen werden, einen Sondervertrag

mit Deutſchland zu ſchließen, der unabhängig von dem
eigentlichen Young=Plan iſt, wenn er ſich in der Liquidation der
Kriegsreſte auch eng an dieſen Plan halten wird.

Mitteilungen von franzöſiſcher Seite laſſen es möglich er=
ſcheinen
, daß in Paris am Mittwoch eine Beſprechung wegen der
Feſtſetzung des Datums, des Ortes ſowie des Programms der
Regierungskonferenz über die Rheinlandräumung ſtattfinden
werde. Von engliſcher Seite erklärt man, daß Macdonald den
dringenden Wunſch habe, die Konferenz möge Ende Juli vor
ſeiner Reiſe nach Amerika unter ſeinem Vorſitz ſtattfinden.

Frankreich in der Klemme: Rakifizieren oderzahlen!
Die franzöſiſchen Oppoſitionsparteien und die auswärtigen
Ausſchüſſe der franzöſiſchen Kammer und des Senats kamen
zu der Auffaſſung, daß zwiſchen den Schuldenabkommen und
dem Sachverſtändigenbericht eine enge Verbindung beſtehe, ſo
daß die erſten nicht ratifiziert werden könnten, ohne die Gewiß=
heit
, daß auch der neue Zahlungsplan von allen Mächten ange=
nommen
werde.
Wie der Matin berichtet, hat Poincaré geſtern abend die
Hoffnung derer zerſtört, die annahmen, daß die franzöſiſche Re=
gierung
eine Hinausſchiebung des Zahlungstermins für die
am 1. Auguſt fällig werdenen 400 Millionen Dollar, die Frank=
reich
für die nach dem Kriege angekauften amerikaniſchen Hee=
resbeſtände
zu bezahlen hat, zugebilligt erhalten könnte. Poin=
caré
erklärte, das amerikaniſche Schatzamt ſei in dieſer Angele=
genheit
durch ein Geſetz gebunden, und es ſei daher beſſer, wenn
die franzöſiſche Kammer die Regierung ermächtige, durch Dekret
im geeigneten Augenblick die Schuldenabkommen zu ratifizieren,
als ſelbſt zu einem beſtimmten Zeitpunkt darüber abzuſtimmen.
Wenn das Parlament der Regierung dieſe Vollmacht gebe, dann
würden die Vereinigten Staaten das als eine vorläufige Ratifi=
zierung
betrachten können. Da das Dekret erſt nach Abſchluß der
Beſprechungen über den Sachverſtändigenbericht unterzeichnet
werden könnte, könne Frankreich der Verpflichtung, die 400 Mil=
lionen
Dollar am 1. 8. zu zahlen, nur auf dieſe Weiſe aus dem
Wege gehen.
Der geſtrige Beſchluß der außenpolitiſchen Senatskommiſſion,
für die Ratifizierung der Schuldenabkommen und die Inkraft=
ſetzung
des Young=Planes eine Geſetzesvorlage im Parlament
zu fordern, hat in der Pariſer Preſſe das Reparations= und
Schuldenproblem wieder in den Mittelpunkt des Intereſſes ge=
rückt
, umſomehr, als dieſes Problem ſchon ſeit Tagen den Haupt=
geſprächsſtoff
in den Wandelgängen des Parlaments und inner=
halb
der Fraktionen bildet. Die Blätter glauben zu wiſſen,
daß Poincaré ſich entſchieden habe, die Vertrauensfrage hin=
ſichtlich
der Ratifizierungsprozedur nicht zu ſtellen. Dadurch
werde allen Manövern der Boden entzogen, und die ſozialiſtiſche
und radikale Oppoſition, die in ihrer Mehrheit für die Ratifizie=
rung
ſei, beſchränke ſich lediglich darauf, eine gleichzeitige Rati=
fizierung
der Schuldenabkommen und des Young=Planes zu
verlangen, was zu längeren Verhandlungen führen dürfte. Eine
Schwierigkeit bildet nur die Tatſache, daß am 1. Auguſt die
Handelsſchuld an Amerika in Höhe von 10 Milliarden Franken
fällig werde, und daß auf einen Zahlungsaufſchub nicht zu
rechnen ſei, falls Frankreich das Mellon=Bérenger=Abkommen
nicht ratifiziere. Aus Auslaſſungen des Miniſterpräſidenten
Poincaré, der geſtern in den Wandelgängen der Kammer die
Abgeordneten bearbeitete, glaubt man ſchließen zu dürfen,
daß die Regierung unter dieſen Umſtänden vom Parlament doch
noch die Ermächtigung verlangen werde, die Schuldenabkommen
durch Dekret zu ratifizieren, jedoch unter der ausdrücklichen Be=
dingung
, daß die Unterzeichnung des Dekrets erſt nach dem In=
krafttreten
der neuen Reparationsregelung erfolgt. Poincaré
wird am Dienstag oder Mittwoch nächſter Woche den außen=
politiſchen
Finanzkommiſſionen beider Kammern ausführliche
Mitteilungen über das Geſamtproblem machen. Dieſe Mitteilun=
gen
werden vorausſichtlich mehrere Sitzungen ausfüllen, wahr=
ſcheinlich
werden auch Außenminiſter Briand und Finanzminiſter
Chéron vor den Kommiſſionen erſcheinen. Die Debatte in den
Kommiſſionen und im Parlamentsplenum dürften ſomit bis
Ende Juli dauern.

Die engliſch=amerikaniſchen Beziehungen
Der neue amerikaniſche Bokſchafter Dawes überreicht
ſein Beglaubigungsſchreiben.
EP. London, 15. Juni.
General Dawes überreichte heute morgen dem engliſchen
König im Schloſſe Windſor ſein Beglaubigungsſchreiben als
amerikaniſcher Botſchafter in London. Am Sonntag wird er
in offizieller Eigenſchaft mit dem neuen Premiemriniſter eine Zu=
ſammenkunft
haben. General Dawes wurde von Außenminiſter
Henderſon nach Windſor begleitet.
Kurz nach der Ankunft des Generals Dawes gab Churchill
intereſſante Erklärungen über ſeine Anſichten zu den engliſch=
amerikaniſchen
Beziehungen ab. Die Ausführungen Churchills
ſcheinen die Meinung der konſervativen Kreiſe wiederzugeben.
Churchill erklärte, er werde ſeine Freunde zum Widerſtand gegen
Vereinbarungen mit Amerika auffordern, die lediglich eine zahlen=
mäßige
Herabſetzung der Flottenſtärke vorſehen. Wenn die Frage
der Gleichheit der Flottenſtärken zur genaueren Unterſuchung
eines jeden Schiffes, jeder Kanone und jeder Panzerplatte führen
werde, ſo ſei es beſſer, überhaupt kein Abkommen abzuſchließen.
Beide Länder ſollten dann lieber ihre eigenen Wege gehen und
in freundſchaftlichem Geiſte frei und unbehindert mit Bezug auf
die Flottenfrage handeln.

Die Woche.
Daß man auf der Madrider Tagung des Völkerbundsrates
in der Minderheitenfrage keinerlei poſitives Ergebnis erzielen
würde, war von vornherein anzunehmen, umſomehr, als der
Regierungswechſel in England, der die engliſche Vertretung
naturgemäß zu einer gewiſſen Zurückhaltung nötigte, eine ab=
ſchließende
Behandlung gerade den Verfechtern der Minder=
heitenrechte
nicht ratſam erſcheinen laſſen konnte. Man hat zu
Madrid mehr oder weniger ſchöne Reden gehalten der deutſche
Außenminiſter hielt eine ſehr geſchickte Rede in dem Bewußt=
ſein
, daß man der Löſung dieſes durch die Friedensſchlüſſe des
Jahres 1919 in den Vordergrund gerückten europäiſchen Pro=
blemes
auf der diesmaligen Ratstagung kaum näher kommen
würde. So ſehr wir gewiß in Deutſchland an der Minderheiten=
frage
intereſſiert ſind, wichtiger als ihre Behandlung vor dem
Forum des Völkerbundsrates war zweifellos die diesmalige
Begegnung Streſemanns mit Briand, die beiden Staatsmännern
Gelegenheit gegeben haben dürfte zu lehrreicher Unterhaltung
über die neue europäiſche Lage. Daß der Bericht der Sachver=
ſtändigen
die Zuſtimmung der beteiligten Regierungen finden
wird, iſt wohl kaum zu bezweifeln. Und wenn auch Poincaré noch
während der Pariſer Konferenz mehrfach betonte, daß das Schick=
ſal
der Reparationsfrage nicht durch den Sachverſtändigenbericht,
ſondern durch die Regierungen entſchieden würde, ſo ſtand
doch von vornherein feſt, daß kaum eine Regierung in der Lage
ſein würde, einem einſtimmig gefaßten Sachverſtändigen=
bericht
zu widerſtehen. Schon während der Verhandlungen war
ein ſtarker amerikaniſcher Druck unverkennbar. Er macht ſich
jetzt nicht weniger bemerkbar, ſondern von Waſhington aus
werden die Regierungen zur Annahme des Young=Planes förm=
lich
gedrängt. Die Reparationsfrage kann ſomit als formell gelöſt
angeſehen werden, und die Frage der Rheinlandräumung
tritt in den Vordergrund. Bemerkenswert, daß die Pariſer Rechts=
preſſe
mit beſonderem Nachdruck immer wieder betonte, daß man
in Madrid über die Rheinlandfrage wegen des Fehlens der Eng=
länder
richt verhandeln könne. Dieſe zarte Rückſichtnahme
auf die neue engliſche Regierung erſcheint nicht ganz logiſch, da
man ja in Paris die Einſtellung des neuen engliſchen Außen=
miniſters
kennt. Trotzdem hat die franzöſiſche Preſſe rein formell
natürlich Recht. Offiziell verhandeln wird man über die
Rheinlandräumung vorausſichtlich erft im Laufe des Sommers.
Wichtiger aber vielleicht als dieſe offiziellen Verhandlungen kön=
nen
die Madrider Beſprechungen der beiden Hauptbeteiligten für
die zukünftige Entwicklung der Dinge werden.
Inzwiſchen ſind unſere innerpolitiſchen Notwendigkeiten
außerordentlich ſtark in den Vordergrund getreten. Von der mit
allen möglichen Vorzügen ausgeſtatteten 500 Millionen=Anleihe
des Reichs hatte man in Anbetracht des ungünſtigen Zeitpunktes
von vornherein nur 300 Millionen zur Zeichnung aufgelegt, und
von dieſen 300 Millionen ſind nur rund 180 Millionen tatſächlich
gezeichnet worden. Beſſer und deutlicher kann die Lage auf dem
deutſchen Kapitalmarkt nicht gekennzeichnet werden. Unſere wirt=
ſchaft
= und finanzpolitiſchen Sünden beginnen ſich bitter zu
rächen! Krieg und Inflation haben das Betriebskapital der
deutſchen Wirtſchaft aufgezehrt. Die bedenklichen Folgen waren
jedem Einſichtigen von vornherein klar und in tauſend Verſamm=
lungen
konnte man zu Beginn des Jahres 1924, als man die Aus=
maße
der Kataſtrophe einigermaßen überſah, hören, daß nunmehr
ein planmäßiger Wiederaufbau der deutſchen Wirtſchaft bei gleich=
zeitiger
äußerſter Beſchränkung der öffentlichen Ausgaben ein=
ſetzen
müſſe. In der Praxis aber ſahen die Dinge anders aus.
Um rund 4 Milliarden pro Jahr, d. h. annähernd
70 Prozent, ſind unſere öffentlichen Ausgaben
in dieſen wenigen Jahren geſtiegen, immer neue
Laſten hat man der Wirtſchaft aufgepackt. Hand in Hand damit
ging eine ſtändige Steigung unſerer ſozialen Ausgaben, und bei
annähernd ſtabilen Weltmarktpreiſen eine ſtändige Steigung der
Produktionskoſten der deutſchen Wirtſchaft. Was Wunder, daß
ſie nur unter ſtändigem Zufluß ausländiſchen Leihkapitals auf=
recht
erhalten werden konnte, und daß wir heute ſchließlich ſoweit
ſind, daß jede ſtarke Konjunkturſchwankung uns an den Rand
der Kataſtrophe bringt. Eine Lohnpolitik, ſo führt der frühere
Reichsminiſter Dr. Gothein, dem man doch gewiß keine reaktio=
näre
Geſinnung unterſtellen kann, in einer dieſer Tage erſcheinen=
den
Schrift *) aus, die bei Ablauf jedes Tarifvertrages die
Löhne erhöht ohne Rückſicht auf die wirtſchaftliche Lage, ohne
Rückſicht darauf, ob ſie von der Induſtrie ohne Gefährdung ihrer
Rentabilität und der notwendigen Kapitalbildung getragen wer=
den
kann, muß mit Naturnotwendigkeit zur Verteuerung der
Preiſe, zur Verſchuldung der Unternehmungen, und mangels
Kapitalbildung zu fortſchreitender Erhöhung des Zinsniveaus
führen. Die Preisſteigerung bringt ſelbſt die im Lohn Aufge=
beſſerten
um den größten Teil der ihnen zu Teil gewordenen
Lohnerhöhung, und indem ſie den Verbrauch der Teile der Be=
völkerung
einſchränkt, die ihr Einkommen nicht zu erhöhen in
der Lage ſind, und die Wettbewerbsfähigkeit gegen das Ausland
vermindert, verringert ſie den geſamten Abſatz, erhöht durch Nicht=
ausnutzung
der Produktionskapazität die Selbſtkoſten, führt zu
Kurzarbeit und Arbeitsloſigkeit.
Man muß, wenn man objektiv die Dinge beurteilen will, zu=
geben
, daß an dieſer Entwicklung der Dinge auch die deutſche
Arbeitgeberſchaft inſofern nicht ganz unſchuldig iſt, als ſie von
vornherein mit dem Wort untragbar einigen Mißbrauch ge=
trieben
hat und daß man ihr dann ſpäter dieſes untragbar
nicht mehr glaubte, als die Lohnerhöhungen durch die Schlich=
tungspraxis
tatſächlich untragbar wurden. Es hat ſich bei
uns zum üblen Brauch entwickelt, daß faſt alle Gewerkſchaften
bei Ablauf eines Tarifvertrages grundſätzlich höhere Lohnfor=
derungen
ſtellen, und daß dann die geforderte Erhöhung vom
Schlichter in der Regel ungefähr halbiert wird. Erſt jetzt wieder
hat man ja die Löhne der Reichshahnarbeiter durch vom Reichs=
arbeitsminiſter
für verbindlich erklärten Schiedsſpruch erhöht.
Ohne jede Rückſicht darauf, daß die Reichsbahngeſellſchaft die

ohnpolitik.
2 Der Irtum der

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Ceite 2

Sonntag, den 16. Juni 1929

Nummer 165

dadurch entſtehenden Mehrausgaben nicht zu tragen in der Lage
iſt ohne Tariferhöhung, und daß eine Tariferhöhung in Anbe=
tracht
unſerer wirtſchaftlichen Lage nicht in Frage kommen kann.
Es iſt gewiß richtig, daß bei der Lohnbemeſſung auch ſoziale
Erwägungen eine Rolle zu ſpielen haben, aber dieſe ſozialen Er=
wägungen
werden unſozial, wenn ſie die Wirtſchaft ruinieren, von
der ja auch der Lohnempfänger lebt. Es gibt bei uns offenbar
noch immer Menſchen, die dieſe Dinge nicht nüchtern anſehen kön=
nen
oder wollen. Der augenblickliche Kampf um die von allen
Seiten als notwendig anerkannte Reform unſerr Arbeits=
loſenverſicherung
iſt dafür ein ſehr lehrreiches Beiſpiel.
Die Tatſache, daß man beim Erlaß des beſtehenden Geſetzes, wie
der Reichsfinanzminiſter Dr. Hilferding letzthin in Berlin er=
klärte
noch nicht über die nötigen Erfahrungen verfügte, hat
das Reich bis jetzt rund 400 Millionen Mark gekoſtet, die ſie der
Reichsverſicherungsanſtalt leihen mußte, da dieſe nicht in der
Lage war, den an ſie geſtellten Anforderungen zu genügen.
Gerade dieſe 400 Millionen Mark haben die ſchon an ſich ſchlechte
Kaſſenlage des Reiches ſo verſchärft, daß die Auflegung der 500
Millionen=Anleihe nötig wurde, deren Zeichnungsergebnis, wie
ſchon erwähnt, am beſten beweiſt, daß unſere Wirtſchaft wirklich
nichts mehr zum Zuſetzen hat. Trotzdem wehrt ſich die ſozial=
demokratiſche
Partei mit aller Energie gegen jede wirkliche Reform,
und Herr Wiſſell, des deutſchen Reiches Arbeitsminiſter, ſchlägt
kurzerhand eine Beitragserhöhung der Arbeitgeber vor. Es iſt
das alte Lied: Die Ausgaben dürfen um Gottes Willen nicht
eingeſchränkt werden, und wenn die Einnahmen nicht reichen,
werden ſie eben erhöht. Darüber aber, daß dieſe Erhöhung der
Arbeitgeberbeiträge um 1 Proz. die deutſche Wirtſchaft als Ganzes
rund 300 Millionen Mark koſten würde, macht man ſich offen=
bar
weiter gar keine Gedanken. Ausgenommen vielleicht Herr
Dr. Hilferding, der vor den leeren Kaſſen des Reiches ſitzt.
Es iſt die höchſte Zeit zu grundſätzlicher Umkehr, wenn wir
nicht ſehenden Auges einer Wirtſchaftskataſtrophe zutreiben wol=
len
. Der Kampf um die Reform der Arbeitsloſenverſicherung
könnte zum Prüfſtein werden, ob wir die innere Kraft zu dieſer
U.
Umkehr noch beſitzen.
Der rufſiſch=chineſiſche Konflikk.
Die Nanking=Regierung ſchweigk.
EP. Schanghai, 15. Juni.
Ueber den Einfall ruſſiſcher Truppen in der Mongolei iſt
bisher keine zuverläſſige Beſtätigung eingegangen. Die Nanking=
regierung
verſchweigt Einzelheiten trotz der Tatſache, daß ſie ſelbſt
die in den letzten Tagen zwiſchen ihr und Sowjetrußland ein=
getretene
Spannung als äußerſt ſcharf bezeichnete.
Der Diktator der Mandſchurei Tſchang=Hſü=liang teilte der
Nankingregierung in einem Telegramm mit, daß ſich drei ruſſiſche
Diviſionen von einem Poſten zwiſchen Irkutſk und Urga in der
Richtung auf die Streikräfte des Generals Feng=Yu=ſiang zu be=
wegten
, um ſich mit dieſem zu verbinden. Nachrichten aus Char=
bin
beſagten, daß ſich ruſſiſche Truppen tatſächlich in der Mand=
ſchurei
, und zwar in der Gegend von Hailar aufhielten. Sie
ſollen ohne Benutzung der Eiſenbahn auf dem Landwege ein=
marſchiert
ſein, um die chineſiſche Garde zu überrumpeln. Nach
Mukdener Berichten werden weitere Truppenmaſſen nordöſtlich
der chineſiſchen Eiſenbahn beobachtet. Man vermutet, daß die
Sowjetunion die Chineſen zwiſchen Mandſchurija und Agun von
ihren Haupttruppen abſchneiden wollen.
Die Sowjekunion demenkierk den Einfall in die
Mongolei.
Die Telegraphenagentur der Sowjetunion teilt mit: Die aus
Peking verbreiteten Meldungen über einen angeblichen Einfall
von Sowjettruppen in die Mongolei als Gegenmaßnahme gegen
die Durchſuchung eines Sowjetkonſulats in China, ſowie über an=
gebliche
Abſperrungen chineſiſcher Konſulate in der Sowjetunion
durch ruſſiſche Truppen ſind reine Erfindung, die jeglicher Grund=
lage
entbehren. Wie informierte Kreiſe betonen, wird dieſe Er=
findung
aus gewiſſen Quellen zu provokatoriſchen Zwecken ver=
breitet
und iſt die Auswirkung einer ſolchen Verleumdungskam=
pagne
gegen die Sowjetunion, die in der letzten Zeit im Fernen
Oſten von intereſſierten antiſowjetiſtiſchen Kreiſen energiſch be=
trieben
wird.
Die ungariſch=rumäniſche Opkankenkonferenz.
Zwiſchen der ungariſchen und der rumäniſchen Delegation
fanden geſtern den ganzen Tag über Beſprechungen in der
Optantenfrage ſtatt, in denen eingehend die einzelnen Fragen er=
örtert
wurden. Die Verhandlungen dehnten ſich bis in die
ſpäten Abendſtunden hinein aus und werden heute vormittag
fortgeſetzt.

Vom Tage.
Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann hatte am
Samstag vormittag mit Gemahlin eine etwa einſtündige Privat=
audienz
beim ſpaniſchen König.
Im Reichsverkehrsminiſterium fand am Frcitag die
feierliche Uebernahme der von dem Deutſchen Klub in Chi=
cago
geſtifteten beiden Büſten der Ozeanflieger Hermann
Köhl und Freiherr v. Hünefeld ſtatt.
Die Preußiſche Synode iſt nunmehr endgültig auf den
22. Juni zu einer außerordentlichen Tagung nach Berlin einberu=
fen
worden, um zu der durch die Unterzeichnung des Konkovdats neu
geſchaffenen Lage Stellung zu nehuen.
Neben den Engländern wollen auch, wie jetzt bekannt wird, die
Franzoſen im Herbſt neue große Manöver im Rheinland abhalten.
Die Verhandlung gegen den Elſäſſer Benott,
der vor einigen Moaten den ehemaligen Kolmarer Generalſtaats=
aruwalt
Fochot durch mehrere Revolverſchüſſe ſchwer verletzte, wird in
der erſten Hälfte des Juli vor dem Schwurgericht des Seine=
departements
beginnen.
Aus der Cyrenaika wird die überraſchende Unterwerfung
der einflußreichſten Rebellenführer gemeldet.
Der Vizekönig von Indien hat am Freitag den indi=
ſchen
Staatsrat und die geſetzgebende Verſamm=
lung
aufgelöſt. Wahrſcheinlich wird er beide Häuſer im Sep=
tember
wieder einberufen.
Nach den bisher gezählten Stimmen iſt der Stand der Parteien in
Südafrika wie folgt: Nationaliſten 76, Südafrikaniſche Partei 61, Ar=
beiter
(Gruppe Creswell) 5, Arbeiter (Gruppe Madeley) 3, Ungbhän=
gige
1. Drei Reſultate ſtehen noch aus.
Owen Young iſt am Freitag in New York eingetrof=
fen
. Er wurde von Präſident Hoover für Anfang der nächſten
Woche zu einer Konferenz ins Weiße Haus gebeten.
Präſident Hoover teilt mit, daß das am 30. Juni ablaufende ame=
rikaniſche
Haushaltungsjahr mit einem Ueberſchuß
von 100110 Millionen Dollar abſchließen werde.
Der Leiter der japaniſchen Luftſtreitkräfte, Korvettenkapitän
Naofhire Fufihoſhi, iſt geſtern in Berlin eingetroffen. Er wird ſich in
der kommenden Woche nach Fviedrichshafen begeben und Ende Juli
die Weltfahrt des Graf Zeppelin mit unternehmen. Auf
dem Flugrlatz Kaſumigaura bei Tokio iſt hereits alles für die Ankunft
des deutſchen Luftſ=hiffes vorbereitet.

Englands neuer Außenminiſter.

Henderſon entſtammt dem Arbeiterſtand und iſt ſeit 1903
Unterhausmitglied. 1915 wurde er Unterrichtsminiſter und war
in Lloyd Georges Kriegskabinett Miniſter ohne Portefeuille. Dem
erſten Kabinett Macdonald gehörte er als Innenminiſter an.

Heatnds in Madtid.
Deutſch=polniſche Einigung über die Liguidation
deutſchen Beſihkums.
Die Schlußſitzung des Völkerbundsrates am Samstag vor=
mittag
hatte außer einer zweiten ruſſiſchen Minderheitenpetition
aus Litauen und einem Vorſchlag des engliſchen Vertreters Gra=
ham
für eine frühere Einberufung der Spezialkonferenz zur
Reform des Statuts des Internationalen Gerichtshofes im Haag,
die auf den 10. September d. J. einberufen iſt, nur die Behand=
lung
des Dringlichkeitsantrages Dr. Streſemanns wegen der
Liquidation deutſchen Beſitztums in Polen zum Gegenſtand.
Zwiſchen den polniſchen und den deutſchen Delegierten waren
ſchon ſeit den früheren Morgenſtunden bis unmittelbar vor Be=
ginn
der Sitzung über die Regelung der Frage eingehende Be=
ſprechungen
geführt worden. Die Beſprechungen über die
Liquidationsangelegenheit wurden auch noch im Senatsgebäude
ſtundenlang mit höchſter Eindringlichkeit fortgeſetzt, wobei der
japaniſche Unterſtaatsſekretär Sugimura die Verbindung zwiſchen
der in verſchiedenen Räumen tagenden deutſchen und polniſchen
Delegation und dem Ratspräſidenten Adatſchi aufrecht erhielt.
Schließlich um 1,40 Uhr wurde die Einigungsformel für
die Aufnahme direkter Verhandlungen zwiſchen
Deutſchland und Polen gefunden, und um 1,45 Uhr
konnte die Sitzung endlich nach dreiſtündiger Verſpätung begin=
nen
. Das zahlreiche Publikum hatte geduldig während dieſer
Zeit gewartet. Adatſchi, als Berichterſtatter, beglückwünſchte die
beiden Regierungen zu der direkten Einigung. Die direkten Ver=
handlungen
, die demnächſt aufgenommen werden ſollen, finden
unter dem Vorſitz Adatſchis ſtatt. In dem Falle, wo die Beſitzer
polniſche Staatsangehörigkeit erworben haben oder erwerben
können, wird die polniſche Regierung das Verfahren ausſetzen.
In den übrigen Fällen, in denen eine Wiedereinſetzung des Be=
ſitzers
nicht erfolgen kann, ſoll eine entſprechende Entſchädigung
vorgenommen werden. Ueber die Entwicklung der Angelegenheit
wird Adatſchi dem Rat im September Bericht erſtatten.
Dr. Streſemann, der dieſe Löſung begrüßte, ging in ſeiner
Erklärung auf die geſtrigen Ausfälle Zaleſkis wegen der Op=
pelner
Zwiſchenfälle ein und erklärte, die deutſche Regierung
laſſe ſich aus ihrem Verhalten bei dieſen Vorfällen keinerlei
Vorwürfe machen. Die Zwiſchenfälle ſeien im Intereſſe der
Beziehungen zwiſchen den beiden Ländern bedauerlich, aber noch
bedauerlicher für das Verhältnis der beiden benachbarten Staa=
ten
ſei die propagandiſtiſche und agitatoriſche Ausnutzung, die
die Angelegenheit von polniſcher Seite erfahre, obwohl die
deutſche Regierung alles getan habe, um ſofort durch Entlaſſung
der ſchuldigen Beamten volle Genugtuung zu geben. Es ſei
ihm nicht möglich, den Weg zu beſchreiten, den Zaleſki geſtern
eingeſchlagen habe, beſonders hier nicht im gaſtfreundlichen
Spanien. Außerdem könne man auch nicht in ein ſchwebendes
Verfahren eingreifen. Die Angelegenheit ſchwebe vor dem Ratz,
und es werde im September Gelegenheit ſein, ſich darüber aus=
zuſprechen
.
Um 2.45 Uhr wurde die 55. Ratstagung geſchloſſen.
Der Skreik um das ikalieniſche Mandak auf der
Inkernakionalen Arbeitskonferenz.
Genf, 15. Juni.
Wie ſeit mehreren Jahren, kam es in der heutigen Sitzung
der Internationalen Arbeitskonferenz zu einer bewegten Debatte
über die Gültigkeitserklärung der Vollmachten des fasciſtiſchen
Arbeiterdelegierten Razza, des Präſidenten des fasciſtiſchen
Bauernbundes. Im Namen der Mehrheit der Vollmachten=
prüfungskommiſſion
empfahl der chineſiſche Delegierte Tſchu die
Gültigkeitserklärung. Im Namen der Minderheit der Kom=
miſſion
beantragte der franzöſiſche Arbeiterdelegierte Léon
Jouhaux Ablehnung. Er führte zur Begründung ſeines Ab=
lehnungsantrages
, wie in früheren Jahren, an, daß die fasciſti=
ſchen
Korporationen keine unabhängigen freien Organiſationen
darſtellten.
Hierauf erklärte der italieniſche Regierungsvertreter, die Re=
gierung
habe Razza zum Arbeiterdelegierten ernannt, weil er
entſprechend den Vorſchriften des Friedensvertrages die mäch=
tigſte
und reträſentativſte Arbeiterorganiſation vertrete. Unter
der Aufmerkſamkeit der Verſammlung ergriff dann Razza ſelbft
das Wort. Er betonte, daß er die ſozialiſtiſche Kritik gegenüber
Italien und dem Fascismus ablehnen müſſe. Als die ſozialiſti=
ſchen
Verbände Italiens die Vorherrſchaft hatten, hätten ſie die
andersdenkenden Arbeiter zu ſehr terroriſiert, als daß ſie jetzt
das Recht hätten, ſich über irgendwelche Unterdrückung zu be=
ſchweren
. In namentlicher Abſtimmung wurde das Mandat
Razzas mit 84 gegen 27 Stimmen für gültig erklärt. Die
Arbeitervertreter ſtimmten, wie in früheren Jahren, geſchloſſen
gegen die Gültigkeitserklärung.

wohnyochgaufer Gärrenftadte.
(Eine lebensnotwendige Utopie.)
Von Dr.=Ing. Gellhorn, Berlin.
Im Zuſammenhang mit den Reichsrichtlinien
für den Wohnungsbau, die jetzt dem Reichstag
zur Beratung vorliegen, dürften die folgenden
Zeilen von Intereſſe ſein.
Die Red.
Die großangelegte techniſche Tagung der Reichsforſchungs=
geſellſchaft
gab einen Begriff von den Bemühungen, die veralte=
ten
Baumethoden auf die Höhe der ſonſtigen Technik unſerer
Zeit zu bringen, nachdem die vorläufig üblichen Ausführungs=
arten
mit ihrer Minderleiſtung ſich immer verhängnisvoller für
die Schaffenskraft des Volkes auswirken. Das Ergebnis der
Berichte und Erörterungen kann man dahin zuſammenfaſſen, daß
ſich bei allen Bauſtoffen eine gleichgerichtete Entwicklungsmöglich=
keit
dartut, die zum Montagebau führt. Unter dieſer Bezeich=
nung
verſteht man alle diejenigen Methoden, bei denen unter
weitgehender Vermeidung von Waſſerzuführung Werkſtücke ver=
baut
werden, die möglichſt vollkommen bereits in Werkſtätten
fertiggeſtellt ſind. Man kürzt damit die Trockenzeit, erſetzt die
Zufälligkeit des Handwerksbetriebes durch exakter zu kalkulierende
Montage, ſchafft Arbeitsgelegenheit zur vorbereitenden Serien=
fabrikation
auch während des Winters, macht das Bauen vom
Wetter unabhängig und bekämpft mit all dem diejenigen
Momente, die durch Leerlauf, Vermehrung der Bauzinſen, Riſiko=
zuſchläge
bisher zum Schaden der Verbraucher und nicht zum
Nutzen der Lieferer das Bauen verteuerten. Die klaſſiſche Form
des Montagebaues iſt nach heutigen Begriffen die Stahlſkelett=
bauweiſe
, d. h. die Aufführung von Tragkonſtruktionen, die ſämt=
liche
Laſten uſw. aufnehmen, und die dann durch Wandfüllungen
umſchloſſen werden, denen nur die nichttragenden Funktionen des
Umhüllens, des Wetter= und Wärmeſchutzes zufallen. Dieſen
Anforderungen entſprechen die verſchiedenſten Kombinationen
von Bauſtoffen mit iſolierender Eigenſchaft. Dieſe ſind erſt
verwendbar geworden, ſeitdem ihnen keine größere Tragfeſtig=
keit
zugemutet werden brauchte.
Schon für normale Wohnhäuſer von etwa vier Geſchoſſen
treten weſentliche Einſparungen an Mauerwerk und Funda=
menten
ein. Der wahre Sinn dieſer neuen Technik aber wird
erſt erfüllt werden, wenn man ihre Möglichkeiten voll auswer=

tet, d. h. die vom konſtruktiven Standpunkt aus wirtſchaftlichſten
Gebäudeformen wählt. Dieſe liegen nach amerikaniſchen Erfah=
rungen
bei 20 Stockwerken, bei uns in Deutſchland dürften ſie
ſchätzungsweiſe bei 12 Stockwerken liegen. Wie ja ſtets die
Ereigniſſe nicht für ſich allein auftreten, ſondern aus dem ganzen
Entwicklungszuſtand einer ganzen Zeit ſich ableiten, ſo trifft es
ſich nun bezeichnender Weiſe und keineswegs zufällig, daß gleich=
zeitig
auch von mehreren anderen Seiten und aus den verſchie=
denartigſten
Erkenntniſſen für die Auswertung der neuen Stahl=
ſkelettbaumöglichkeiten
Aufgaben beigebracht wurden. In der=
ſelben
Weiſe wie der Pariſer Architekt le Corbuſier in ſeinen
ſtädtebaulichen Studien für die Burequhäuſer der City, ſo pro=
jektiert
jetzt der Amerikaner Raimand Hood Wohnhausbauten von
20 Stockwerken, die bei gleicher Grund= und Bodenfläche die
Wohnungselendviertel des öſtlichen New Yorks in Gartenſtädte
mit Wohnhochhäuſern verwandeln ſollen. So hat Prof. Cropius
für unſere deutſchen Verhältniſſe anläßlich der Tagung der
Reichsforſchungsgeſellſchaft Wohnhochhäuſer mit großen Gelände=
ſreiflächen
in exakter Rechnung und Zeichnung vorgelegt und nach=
gewieſen
, daß bei gleicher Grundfläche und gleicher Wohnfläche,
die er nach der Zahl der unterzubringenden Betten berechnet,
die Belichtung günſtiger wird, je weniger alſo entſprechende
höhere Baukörper in der heute allgemein als Beſtform erkann=
ten
Weiſe von parallelen Reihen bei in ſich gleichen Abſtänden er=
richtet
werden. Er beweiſt ſchlagend, daß der Nutzeffekt ſchon
rein wohnungshygieniſch mit dem Uebergang zu ſolchen Hoch=
bauten
wächſt, ebenſo wie die Bauwirtſchaft das gleiche hinſicht=
lich
der Bauherſtellung erkannt hat. In Anbetracht dieſer Er=
kenntniſſe
führender Architekten erſcheint es uns um ſo erſtaun=
licher
, als in den ſogenannten Reichsrichtlinien für das Woh=
nungsweſen
, die zurzeit dem Reichstag zur Beratung vorlie=
gen
, wiederum der Verſuch gemacht wird, das Problem der auf=
gelockerten
Unterbringung der ſtädtiſchen Maſſen mit der ſoge=
nannten
Herabzonung alſo der Begrenzung der Geſchoßzahl
ſür mittlere Städte auf höchſtens drei, in größeren Städten auf
höchſtens vier Wohngeſchoſſe zu löſen. Auch vom volkshygieni=
ſchen
und volkswirtſchaftlichen Standpunkt aus nimmt die Vor=
kämpferin
dieſer Probleme, Frau Dr. Lüders, Mitglied des
Reichstages, in einem kürzlich erſchienenen Aufſatz für den
Reihen= und Zeilenbau vielgeſchoſſiger Wohnhäuſer Stellung.
Es iſt klar, daß ſolche neuen Ideen von allen denen als
Utopien hingeſtellt werden müſſen, die nicht beweglich genug ſind,
um zu begreifen, oder die ſich auf beſtimmte Dorrinen feſtgelegt

haben. Niemand wird Einwände etwa der geringeren Feuer=
ſicherheit
ernſt nehmen, niemand die verteuernde Wirkung oder
Bedenken wegen gelegentlicher Betriebsſtörung der Fahrſtühle
zugeben können, der weiß, daß all das längſt bei den amerika=
niſchen
Wolkenkratzern gelöſt iſt, die nicht nur durch und durch
maſſiv errichtet ſind, ſondern die auch Waſſerbehälter über dem
oberſten Stockwerk tragen, alſo weniger Lebensgefahr bedeuten,
als unſere normalen Bauten. Auch die Vermehrung der Fahr=
ſtühle
nimmt gelegentlicher Stillegung des einen oder anderen
jede beeinträchtigende Wirkung.
Es iſt auch durchaus abwegig, gegen Wohnhochhäuſer das
Einfamilienhaus auszuſpielen. Nicht dieſe Wohnart, die ja leider
nur immer einem Teil der Großſtadtbevölkerung zugeführt und
nicht auch von allen gewünſcht wird, wäre durch Hochbauten
irgendwie eingeſchränkt, ſondern die vieretagigen Miethäuſer, die
ſich in kilometerlangen Straßen durch unſere Großſtädte hin=
ziehen
, ſollen erſetzt werden. Es iſt ganz gleich, ob man etwas
länger im Fahrſtuhl ſitzt und jedenfalls viel angenehmer, als drei
bis vier Treppen zu Fuß zu gehen. Unendlich viel wertvoller
aber iſt es, dafür in ganz anderem Maße Freiflächen zu gewin=
nen
, von denen man noch wirklich etwas hat, im Gegenſatz zu
den Höfen von Häuſern, ſoviel ſich heute in dieſer Hinſicht
gegen die trübe Vergangenheit ſchon gebeſſert hat. Es tritt auch
eine Raumeinſparung hinzu, nämlich die, daß man Parkanlagen
neben den Wohnvierteln weiterhin nicht braucht, weil eben die
Freiflächen ſo großen Maßſtabes bereits den Zweck öffentlicher
Anlagen erfüllen. Bei den jüngeren weſtamerikaniſchen Städten
z. B. empfindet man die geſamte Stadtanlage nicht mehr als
Steinwüſte, ſondern unter Befolgung dieſer Grundſätze als
ſchattige Oaſen inmitten eines ſonnenverbrannten Landes.
Je höher der Menſch wohnt, deſto freier iſt er von ſeinem
Nachbarn. Daß außerdem ein größerer Wohnkomplex in der gan=
zen
techniſchen Ausſtattung viel mehr bieten kann, weil ſich die
Anlagekoſten auf eine größere Zahl von Teilnehmern umlegen=
laſſen
z. B. zentrale Heizanlagen, zentrale Waſchanſtalt, ſogar
zentrale Küchenanlagen, iſt ein nicht zu gering ſchätzender Vor=
zug
, denn je intenſiver ein Wohnungsſyſtem mit techniſchen Ein=
richtungen
durchgebildet iſt, deſto leichter vollzieht ſich die Haus=
haltführung
und deſto mehr Kraft und Zeit behält der Menſch
für ſein eigenes Leben.
Aber die Hauptſache bleibt doch dies: man denke nur einmal
an die Oede der endloſen Straßenviertel im Norden und Oſten
Berlins, wo die Maſſe der minderbemittelten Bevölkerung wohnen

[ ][  ][ ]

Nummer 165

Sonntag, den 16. Juni 1929

Seite 3

De Tenteint dor vei kachning.

Gröners Abrechnung
mit dent Aoraftängsgegnern.
Der Widerſpruch zwiſchen den Verſprechungen des
Friedensverkrages und den Meihoden der Sieger=
ſtaaken
.
* Berlin, 15. Juni. (Priv.=Tel.)
Im Reichstag iſt am Samstag leider vor recht leeren
Bänken noch hohe Politik gemacht worden. Allerdings nicht
von einem Abgeordneten, ſondern von Herrn Groener, der ge=
ſchickt
die zweite Leſung ſeines Etats ausnutzte zu einer öffent=
lichen
Abrechnung mit den Abrüſtungsgegnern. Es
iſt ja auch ein einzig daſtehender Fall, daß ein parlamentariſcher
Miniſter in ſeinem eigenen Gebiet als Theoretiker und als Prak=
tiker
eine unanfechtbare Autorität iſt. Deshalb hat das, was er
ſagt, Klang, auch wenn es in ſtark akademiſcher Form gebracht
wird. Dies offenbar aber, weil der Zweck nicht zuletzt für das
Ausland berechnet iſt und der Miniſter alles vermeiden wollte,
was als Aeußerlichkeit oder Nebenſächlichkeit den Kern beein=
trächtigen
könnte. Anhand eines beweiskräftigen Zahlenmaterials
ſetzte ſich Dr. Groener mit dem Problem der Abrüſtung
und der ſogenannten Sicherheit auseinander, wobei
beſonders eindrucksvoll der Nachweis war von dem ſchreien=
den
Widerſpruch, der zwiſchen den Verſprechun=
gen
des Friedensvertrages und den Methoden
der Siegerſtaaten beſteht. Logiſch der Schluß, daß unter
ſolchen Umſtänden von einer allgemeinen Abrüſtung, oder auch
nur von einer Rüſtungseinſchränkung keine Rede ſein kann, daß
aber auch nur ein einziger Staat das Recht hat, ſich
in ſeiner Sicherheit bedroht zu fühlen: Deutſchland.
Um dieſe unbeſtreitbare Tatſache aus der Welt zu ſchaffen, haben
die Franzoſen das Märchen von dem angriffskräftigen deutſchen
Heere erſonnen. Auch dem geht Herr Groener zu Leibe und iſt
ehrlich genug anzuerkennen, daß nach ſeiner Ueberzeugung dem
auf der reſtloſen Ausnutzung aller materiellen und menſchlichen
Verteidigungskräfte aufgebauten Wehrſyſtem Frankreichs ein noch
ſo gut ausgebildetes Berufsheer von 100 000 Mann, wie man es
Deutſchland zugeſtanden hat, weit unterlegen iſt, woraus ſich die
Unzulänglichkeit der deutſchen Wehrkraft von ſelbſt ergibt, aber
auch die Notwendigkeit, in den uns geſtatteten Grenzen die Reichs=
wehr
nach beſter Kraft auszubauen, weil ſie trotz ihrer Kleinheit
immer noch ein militäriſcher Faktor iſt und wenigſtens kleine
Nachbarn daran hindern kann, ungeſtraft Spaziergänge über die
deutſchen Grenzen anzutveten.
Im allgemeinen befaßte ſich Reichswehrminiſter Gröner mit der
Frage, wie ſich die Vertreter eines idealen Völkenbundes die Löſung
des Wehrproblems gedacht haben. Von einer Abrüſtung oder auch nur
von einer Rüſtungsbeſchränkung bei dem Siegermächten könne aber
keime Rede ſein. Alls Grund für die Aufrechterhaltung der Rüſtungen
werde von unſeren Nachbarn immer die Sicherheit bezeichnet. Wer
brauche aber die Sicherheit? Wir wit unſeren 10 Diviſionen, oder die
Länder um uns herum mit ihren 76 Diviſionen? (Hört, hört!) Es
wäre ein Armutszeugnis für die Offiziere der anderen Mächte, wenn
ſie in dem kleinen deutſchen Berufsheer eine Gefahr erblicken müßten.
Man hat ſogar behauptet, die Stoßkraft des deutſchen Heeres gehe weit
hinaus über das was ſeiner zahlenmäßigen Stärke entſpricht. Dieſe
Behauptung wird ſchon allein dadurch widerlegt, daß uns alle wirk=
ſamen
modernen Großkampfmittel fehlen. In den Nachbarſtaaden wer=
den
gewaltige Reſervearmeen ausgebildet, die uns fehlen. Man ſpricht
auch davon, daß wir ein Führerheer hätten. Dabei wird aber ver=
ſchwiegen
, daß eim Führerheer ohne große Reſerven und ohne gute
Waffen nichts machen kann. Die Militärfliegerei fehlt uns ganz, und
Deurſchland iſt gegen Luftangriffe ſchutzlos. Da man Deutſchlands Ent=
waffnung
nicht mehr leugnen kann, hilft man ſich wir dem Wort von
Deutſchlands Potentiel de guerre, d. h. der möglichen Kriegsſtärke.
Es wird auf die große Menſchenzahl und auf die leiſtungsfähige In=
duſtrie
hingewieſen, die Deutſchland ſchnell für den Krieg mobiliſieren
könnte. Tatſächlich würde aber eine ſolche Umſtellung der Induſtvie und
der Menſchen auf den Kricg bei uns viele Mowate in Anſpruch mehmen,
während die Siegerſtaaten neben den militäriſch ausgebildeten Re=
ſerven
über eine ſtets auf den Krieg vorbereitete Rüſtungsinduſtrie ver=
fügen
. Wir können uns nicht auf den Potendiel de guerre verlaſſen,
ſondern ſtützen uns auf den Potentiel de paix, auf unſer vertvagliches
Necht auf allgemeine Abrüſtung. Ich bin nicht von der Theſe überzeugt,
daß ein kleines modernes Berufsheer die alleinige Wehrorganiſation
der Zukunft ſein werde. Der franzöſiſche Sozialiſt Pal Boneour hat
meines Erachtens das Problem richtiger erkanmt. Als alter Soldat und
Forſcher auf dem Gebiete der Kriegskunſt hann ich der franzöſiſchen
Organiſation der Landesverteidigung meine Bewunderung nicht ver=
ſagen
, ohne damit ſagen zu wollen, daß dieſe Orgamiſation auch für
jedes andere Land geeignet iſt. Für uns ſind das nur theoretiſche Er=
wägungen
, denn der Umfang unſerer Wehrmacht iſt ja durch den Ver=

ſailler Vertrag beſtimmt. Es wird nun die Frage aufgeworfen, warum
unterhalten wir überhaupt dieſe kleine, im Kampf gegen die großen
Militärmächte doch micht brauchbare Reichswehr?. Dieſe kleine Armee
venhindert wenigſtens, daß freundliche Nachbarn in unſeren Grenz=
gebieten
nach Gefallen ſchalten und walten und daß kriegführende
Nachbarn über unſere Neutralität ohne weiteres zur Tagesordnung
übengehen. Ueber die Veywendungsmöglichkeit der Kavallere iſt das
letzte Wort noch nicht geſprochen. Ich gebe zu, ſo fuhr der Miniſter fort,
daß man in unſerer Lage über die Zweckmäßigkeit von Panzerſchiffen
geteilter Meinung ſein kann. Mit allem Nachdruck muß ich betonen,
daß die Erhaltung der Marine im Rahmen des Verſailler Vertrages
unbedingt notwendig iſt, weil ſie einen erheblichen Kräftezuwachs für
die Landesverteidigung bedeutet. Was die Einſtellung der Reichswehr
angehe, ſo ſei ſie rein ſtaatlich eingeſtellt und müſſe immer ein zuver=
läſſiges
Inſtrument in der Hand der verfaſſungsmäßigen Gewalt blei=
ben
. (Beifall.) Es ſei die Aufgabe des Reichspräſidenten und des
Reichswehrminiſters, der Reichswehr ihre Stellung über den Parteien
zum Dienſt am Vaterland zu erhalten. Dank wiſſe er der Reichswehr
für das, was ſie in treuer Pflichterfüllung bisher geleiſtet habe. ( Bei=
fall
.) Es ſei daher eine Staatsnotwendigkeit, die dem Reiche geblie=
benen
Verteidigungsmöglichkeiten zu erhalten und Spavmaßnahmen
ſeien ſchlecht am Platze. (Beifall.)
Selten wohl hat der Reichstag das Gefühl der Ohnmacht,
wie es im Verſailler Vertrag uns aufgezwungen worden iſt, ſo
deutlich empfunden wie bei dieſer auf tiefer Sachkenntnis be=
ruhenden
Darſtellung. Doppelt bedauerlich, daß nicht wenig=
ſtens
diesmal das Echo aus dem Hauſe die Reſonanz nach außen
verſtärkte. Es war zum mindeſten nicht notwendig, daß der
Deutſchnationale Lettow=Vorbeck, der Verteidiger von Oſtafrika,
vielleicht durch die lärmenden Zwiſchenrufe der Sozialdemo=
kraten
etwas aus ſeiner Reſerve herausgelockt, dem Reichs=
wehrminiſter
ein gewiſſes Abrutſchen nach links unterſtellte. Be=
freidlich
dagegen hörte es ſich an, daß die Sozialdemokraten
durch Herrn Schöpflin eine verkappte Kriegserklärung gegen den
Reichswehrminiſter verkünden ließen, nur weil er in ſeiner Rede
das Wort Republik nicht erwähnt hatte. Das iſt natürlich nur
ein Vorwand, tatſächlich ſcheint Herr Groener bei den Sozial=
demokraten
in Ungnade gefallen zu ſein, weil er auf den Panzer=
kreuzer
nicht verzichten wollte, bei dem nun in der kommenden
Woche die Sozialdemokraten Farbe bekennen müſſen.
Geheimral Kahls 80. Geburtskag.

M. d. R. Geheimrat Prof. Dr. Kahl
feiert am 17. Juni ſeinen 80. Geburtstag. Er iſt einer der größten
Juriſten Deutſchlands, der in unermüdlicher Arbeit das deutſche
Rechtsweſen zu verbeſſern ſucht. Er ſtammt aus Klein=Heubach
in Unterfranken, wurde 1879 Dozent in München und kam nach
erfolgreicher Lehrtätigkeit in Roſtock, Erlangen und Bonn 1895
nach Berlin. wo er 19089 Rektor der Univerſität wurde. Wegen
ſeiner hervorragenden Verdienſte für das geſamte Geiſtesleben
Deutſchlands wurde ihm der Ehrendoktortitel der theologiſchen,
der mediziniſchen und der philoſophiſchen Fakultät verliehen. 1919
wurde er in die Nationalverſammlung gewählt, ſeit 1920 gehört
er dem Reichstag an, wo er ſich beſonders den Arbeiten der Straf=
rechtsreform
widmet.

Innenminiſter Leuſchner über die Berlängerung
der Legislakurperiode.
Der heſſiſche Innenminiſter Leuſchner nimmt heute im Regie=
rungsblatt
das Wort zur Frage der Verlängerung der Legis=
laturperiode
des Heſſiſchen Landtages. Ein Stück Reichsreform
im Kleinen nennt der Miniſter dieſe Beſtrebungen. Er ſchreibt
u. a.: Die Entſcheidung iſt noch nicht gefallen. Während Zen=
trum
, Demokraten und Sozialdemokratie ſich für dieſe Neurege=
lung
ausgeſprochen haben, iſt die Stimmung auf der Rechten noch
ungewiß, ſo daß zu befürchten ſteht, auch dieſer Landtag werde
genau ſo wie der vorhergehende in dieſer Frage zu keinem poſi=
tiven
Beſchluß kommen. Die Frage hat nämlich ſchon einmal auf
der Tagesordnung geſtanden. Vor bald zwei Jahren wurde ein
demokratiſcher Initiativgeſetzentwurf am 25. September 1927 ab=
gelehnt
, da bei 35 Ja=Stimmen und 21 Ablehnungen die ver=
faſſungsmäßig
notwendige Zwei=Drittel=Mehrheit von 38 Stim=
men
nicht erreicht war. Während damals aber die geſamte Rechte
für die Verlängerung eintrat, hat ſich das jetzt ins Gegenteil ver=
ſchoben
. Der Miniſter geht dann auf die Gründe der Not=
wendigkeit
dieſer Lebensdauer des Landtages ein, der ja haupt=
ſächlich
Verwaltungsarbeit zu leiſten habe, und fährt dann fort:
Dieſer Landtag hat die Pflicht der Angleichung der heſſiſchen
Legislaturperiode an die normale Tagungsdauer der wichtigſten
deutſchen Länder. Es heißt zwar, daß die Parteien der Rechten
auch bereit wären, die Verlängerung der Lebensdauer zwar nicht
für dieſen, aber doch für den nächſten Landtag zu genehmigen.
Geſetzt den Fall, das träfe zu: Wo bleibt da die Logik? Warum
noch einmal um einen Landtag aufſchieben, was heute ſchon im
Prinzip als richtig erkannt wird? Im Intereſſe des Landtages
wäre ein ſolcher Ausgang zu bedauern. Denn es handelt ſich hier,
ſtreng genommen, um ein Stück Reichsreform im Kleinen, deſſen
Vollzug jedem deutſchen Länderparlament nur zur höchſten Ehre
gereichen kann.
Das Spargukachten für Heſſen.
In dieſen Tagen iſt der Reichsſparkommiſſar Saemiſch in
Darmſtadt geweſen, und hat ſich mit der Regierung über ſein
Spargutachten unterhalten. Einige ſeiner Referenten ſind hier
geblieben, um mit den Sachbearbeitern der heſſiſchen Regierung
Ergänzungen uſw. an dem Gutachten vorzunehmen. In gewiſſen
politiſchen Kreiſen wird mit als Grund für die Verzögerung der
Fertigſtellung des Gutachtens angegeben, daß der Sparkommiſſar
mit einigen Feſtſtellungen und Folgerungen ſeiner Referenten ſich
nicht identiſch erklären wollte.
Beginn der Nordiſch=Deutſchen Woche in Kiel.
Kiel, 15. Juni.
Die Nordiſch=Deutſche Woche für Kunſt und Wiſſenſchaft, die
vom 15. bis 23. Juni in Kiel ſtattfindet, hat heute begonnen.
Zahlreiche prominente Perſönlichkeiten ſind bereits eingetroffen,
um dieſer für den geiſtigen Austauſch zwiſchen den nordiſchen
Ländern und Deutſchland bedeutſamen Veranſtaltung beizu=
wohnen
. Vier nordiſche Staaten, Dänemark, Schweden, Nor=
wegen
und Finnland, ſind durch ihre Berliner Geſandten ver=
treten
, außerdem durch große Abordnungen von Profeſſoren und
Studenten. Von deutſcher Seite ſind Vertreter der Miniſterien
des Reiches und der Länder, ſowie faſt ſämtlicher deutſcher
Univerſitäten erſchienen. Den Auftakt der Woche bildeten ſport=
liche
Veranſtaltungen, die geſtern abend mit Vorführungen
isländiſcher Studenten und einer durch die Mitwirkung der
deutſchen Olympiaſiegerin und Weltmeiſterin Helene Mayer=
Offenbach beſonders intereſſanten Fechtakademie begannen. Am
Mittag wurden die Ausſtellungen für nordiſche Volkskunſt und
nordiſche Architektur ſowie für die nordiſche bildende Kunſt
eröffnet. Die nordiſchen Muſeen, Künſtler und Architekten
haben dazu ihre beſten Stücke, zum großen Teil Stücke ſeltener
Schönheit, geſandt, ſo daß die Ausſtellung einen glänzenden
Einblick in das nordiſche Schaffen gewährt.
Die Wahlen in Südafrika. Koalition Herhog-
Creßwell?
EP. Kapſtadt, 15. Juni.
Der Stand der Parteien nach den ſüdafrikaniſchen Wahlen iſt
zurzeit folgender: Nationaliſten (General Hertzog 71, ſüdafrika=
niſche
Partei (General Smuts) 61, Arbeiter (Gruppe Oberſt Creß=
well
) 5, Arbeiter (Gruppe Madeley) 3.
Obgleich Hertzog eine, wenn auch nur geringe Majorität über
alle Parteien erhalten wird, ſo dürfte er vorausſichtlich dennoch
wieder mit der Creßwell=Gruppe der Arbeiterpartei einen Pakt
ſchließen und zum mindeſten den Oberſten Creßwell mit einem
Regierungspoſten betrauen.

muß, und die durch armſelige,verſtaubte Straßenbäume und durch
verkehrsumtoſte Grundflächen nur um ſo trübſeliger wirken. So
wie hier, iſt es in allen größeren Städten der Welt. Der Menſch
beginnt erſt zu leben, wenn er ohne lange Wege einfach am
Hauſe die grüne Natur hat, und zwar weite Raſenflächen, ſchat=
tige
Sitzplätze und ausreichenden Spielauslauf für die Kinder.
Wenn man, um die Parks der Großſtädte zu erreichen, erſt durch
ſtaubige, verkehrsumtoſte Straßen muß, ſo iſt das alles nur eine
Gelegenheitserholung, noch dazu mit fraglicher Wirkung, aber es
iſt kein Dauerzuſtand, der allein einen wirklichen Wert für die
Geſundheit der Bevölkerung beſitzt.
Der Volksmaſſe in der gekennzeichneten Weiſe die gleiche
glückliche Lebensweiſe zu geben, die bisher nur der Beſitzer eines
eigenen Hauſes mit Garten hat, und zwar ohne Erhöhung der
Miete und ohne höhere behördliche Zuwendungen, das iſt der
Gedanke, der nachdem ihm die Technik durch die Entwicklung
zum mehrgeſchoſſigen Stahlſkelettbau der Verwirklichung näher=
gebracht
hat nicht nur utopiſch iſt, ſondern der ſogar unter
allen Umſtänden zur baldigen Durchführung gelangen muß.

Hochſommer Reiſezeit Ferienzeik!
Eine Fülle von Möglichkeiten winkt Ihnen, verehrie gnädige Frau,
ſich hübſch, preiswert und geſchnackvoll anzuziehen. Freilich bleibt dabei
auch manche Enttäuſchung nicht aus, wenn ſie es verſäumen, einen erſt=
klaſſigen
Berater bei der Wahl Ihres Anzuges zu Nate zu ziehen. Das
Juniheft der Frauen=Mode, das Blatt der beſtangezogenen Dame der
Geſellſchaft, immer bedacht auf gediegene Eleganz, frei von verſtiegenen
Modetorheiten, bringt eine Fülle entzückender Modelle aus den inter=
nationalen
Werkſtätten der Mode.

Ulrich Bahrs: Unter dem Siebenſtern (Preis geb. 3,50 Mark
ralwanderer (Preis kart. 3 Mark). Verlag von Adolf Klein in
Leipzig S. 3.
Ueber den Hügeln fern die blaue Sonne webt. Droben der
ilberſtern in Roſenhimmeln ſchwebt. Was da hernieden getaut
1s meine Seele geſchaut euch hab’ ichs dargebracht vor kommen=
Nacht‟. Dieſe Verſe hat der Verfaſſer dem erſten Buche als Vor=
ng
vorausgeſchickt. Betitelt iſt es nach dem erſten der 25 Stücke,
dem ein Weihnachtsbrauch geſchildert wird, bei dem lampenhohe Leuch=
mit
ſieben Kerzen getragen werden. Die unter den Ueberſchriften:
be. Heimat, Von Mannes Art, Von Weibes Sinn, Sonne ſingt,
erzeleid klagt, Wo iſt Gott? der Heiland, Wie das Ende iſt? zuſam=
ngefaßten
Stücke ſind Erzählungen, Phantaſien und Märchen, teils
Proſa, teils in Verſen, geſchrieben in einer wundervoll poetiſchen

Sprache. Zeitlos oder in ferne Vergangenheit verſetzend, führen ſie
den Leſer teils in das Reich der Phantaſie, teils in das wirkliche Leben
in poetiſcher Verklärung. Von Myſtik, in die ſich die Schönheit der
Sprache einſpinnt, nicht frei, geben ſie dem Leſer allerdings mancherlei
Rätſel auf. Herrlich iſt das Märchen von der Sternenſeele Stella und
ihrer Weltenwanderung, von hehrer Poeſie erfüllt die Phantaſie Grü=
belei
Legende‟ Singende Seele Vorüber uſw. In die reale
Welt führt Rowilts Hain, das Glück und Leid eines liebenden Paa=
res
. Die Gedichte ſind echte Poeſie. Außer den kleineren, in fließen=
den
Rhythmen und klangſchöner Sprache geſchriebenen ſeien die beiden
größeren religiöſen Inhalts, Die Leiber und das in Diſtichen ver=
faßte
Himmel und Hölle beſonders erwähnt.

Durch Schönheit der Sprache zeichnet ſich auch das zweite, tiefreli=
giöſe
Buch Gralwanderer aus. Es ſind ,Zwiegeſpräche, die geſchrie=
ben
ſind, damit junge, nach der Religion ernſtlich fragende Menſchen
ſie leſen können. Verfaſſer möchte der Jugend helfen und verſuchen,
ihr Steine aus dem Wege zum innerſten Heiligtum hinwegzuräumen,
an denen ſich eben viele Füße unnötig wundſtoßen, in eigenem und gott=
geſegnetem
Erkennen bis in das Allerheiligſte zu gelangen, um daſelbſt
Ruhe zu finden für unſere Seelen. Es ſind im ganzen zwölf Zwie=
geſpräche
, in denen der Verfaſſer ernſt auf Wanderung nach dem heili=
gen
Gral geht. Das erſte will die Frage beantworten Was iſt Gott?
während in dem zweiten Der Schöpfer, das Verhältnis der bibliſchen
Schöpfungsgeſchichte zur naturwiſſenſchaftlichen Forſchung erörtert
wird. In tiefſinniger Weiſe wird die Frage beantwortet: Was iſt der
Menſch? Er ſoll zwiſchen Tier und Gott ſtehen mit der Fähigkeit der
Entwicklung nach rechts und links. Freiheit und Verantwortlichkeit
ſind ihm höchſter Adel und Gefahr des Sturzes. Eine tiefernſte Frage,
die viele beſchäftigt hat, wird in dem Zwiegeſpräch zweier Studenten
Die Geſchichte behandelt: Wie konnve Gott zu Unrecht leiden laſſen
und zulaſſen, daß Deutſchland zu Unrecht geſchlagen wurde; warum hat
er den Weltkrieg und den Schandfrieden nicht verhindert? Mit dem
Makkabäerbrief 6, 12, wird darauf geantwortet: Ich muß den Leſer
vermahnen, daß er ſich nicht ärgere über den Jammer, ſondern gedenke,
daß ihnen die Strafe nicht zum Verderben, ſondern zur Mahnung
widerfahren ſei. Und ob uns Gott mit einem Unglück gezüchtigt hat,
hat er dennoch ſein Volk nicht ganz vergeſſen. Weitere Zwiegeſpräche
behandeln die Frage. Wer iſt Chriſtus? und die Bedeutung des Kreu=
zes
Chriſti für unſere Zeit. Den Abhandlungen über die Taufe und
das Abendmahl ſchließt ſich eine ſolche über Tod und Leben an, in
der die Frage nach der Fortentwicklung nach dem Tode erörtert wird.
Die Möglichkeit eines Wachſens nach dem Tode iſt einfach eine Forde=
rung
des Gerechtigkeitsgefühls, das uns gewiß nicht täuſchen wird. Dies
letzte Zwiegeſpräch handelt von der Kirche und ihrer Miſſion in heuti=
ger
Zeit, namentlich der ſehr individualiſtiſch gerichteten gegenwärtigen
Jugend gegenüber. Einzelne Gedichte ſind in den Text eingefügt. Das
Buch, das nach dem Wunſch des Verfaſſers langſam und wiederholt
geleſen werden möge, und das ſich frei hält von aller Einſeitigkeit und
Gebundenheit, wird ernſten und religiös empfindenden Menſchen eine
Quelle wahrer Erbauung ſein.

Die Heſſen im Welikriege.
Der im Heſſenlande und weit darüber hinaus bekannte Major a. D.
Deiß, im Kriege Bataillonsführer im Infanterie=Regiment Nr. 168,
der ſchon im Jahre 1926 die militäriſchen Kreiſe durch ſein groß ange=
legts
Werk Das deutſche Soldatenbuch‟, Deutſhlands Wehr und Waffen
im Wandel der Zeiten von den Germanen bis zur Neuzeit erfreut hat,
und der wohl als einer der beſten Kenne: des deutſchen Uniform= und
Waffenweſens bezeihnet werden kann, hat im Verlag von Dr. Wilhelm
Glaß u. Co., Berlin=Charlottenburg, ein neues Prachtwerk heraus=
gegeben
: Die Heſſen im Weltkrieg‟ Es handelt ſich hier
nicht um ein kriegswiſſenſchaftliches Werk, es ſoll kein Konkurrenzunter=
nehmen
gegen das vomReichsarchid herausgegebene Werk Der Welttrieg
1914 bis 1218 oder die von der gleichen Stelle veröffentlichten Einzel=
ſchriften
Die Schlackten des Weltkriegs ſein, ſondern ein Volksbuch
im eigentlichen Sinne des Wortes. Deiß hat in überſichtlicher und klarer
Werfe auf Grund eines ungeheuren Matenfa/3, das vielfach nur muh=
ſam
zu beſchaffen war, einmal eine Ueberſicht über ſämtliche Truppen
und B=hörden in den Kriegsfor nationen im Bereiche der früheren Groß=
herzöglich
Heſtiſchen 25. Diviſion geg ben es wurden nicht weuiger
wie 405 verſchiedene Formationen in dieſem Diviſionsbereich aufgeſtellt
und ferner vr; 27 Kriegsformationen eingehende Darſtellungen über
Etſtehuing, Zuſammenſetzung, ferner eine Flille von Berichten über ein=
zelne
Kriegshand ungen und Kriegserlebniſſe gebraht, die niciſt nuc von
Offizieren aller Grade, ſondern auch oon Mannſchaften ge!eert wurden
und oft in dramatiſcher und erſchiitiernder Weiſe die gewaltigen Taten
wiberſpiegeln, die unſere Heſſen im Weitkrieg vellbratt haben. Hier
iſt ein Buc) geſchaffen worden, das in bisher wohl einzig daſtehender
Weiſe eine Zufammenfaſſung alles deſſen gibt, was en de ſcher Volks=
ſtamm
an Taehl der Truppen und an Leiſtungen im Felde vollbraiht hat.
Es handelt ſich hier nicht um ein Buch voll trockener Zahlen und Dar=
ſtellungen
ven Gefechtshandlungen, ſondern um ein Gedächtnis=
und Erinn rungsbuch, das voller Leben iſt und mit dem
Herzeu geidriken wurde, das man immer wieder zur Hand nehmen
kann, ohne e3 jemals voll auszuſchöpfe.:. Neben der Fülle von Tat=
ſachen
und Erlebniſſen aber bringt das Werk eine Fülle vorzüglicher
Photegrapkien und mehrere Kunſtdruckblätter, die ſo ſinnig ausgewählt
ſind, daß ſie das Leben des Feldſoldaten im Graben, Gefecht, in der
Ruhe und im Quartier wiedergeben. Mancher Kriegsteilnehmer wirs
ſich ſelbſt yder Kameraden, mit denen er zuſammen war, wieder erken=
nen
, oder Orte finden, an die ſich für ihn Erinnerungen ernſter oder
heiterer Art knüpfen. Dieſes wundervolle Buch ſollte eigentlich in keiner
Volks= oder Vereinsbibliothek, ja in keinem Haus fehlen, in dem ſi=h
ein Kriegsteilnehmer des Heſſenlandes befindet, zumal auch die vorbild=
liche
Ausſtattung, die der Verlag dem Werke, angedeihen ließ, es zu
einem Schmuckſtück jeder Bücherei macht.
Wie wir höreu, hat der Antor in hohherziger Weife auf ſein Hono=
rar
verzichtet, das der Heſſiſchen Hanptfürſorgeſtelle der Kriegsbeſchä=
digten
= und Hinterbliebemenfürſorge zufließen wird.

[ ][  ][ ]

Seite 4
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[ ][  ][ ]

Nummer 163

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, 16. Juni.
Heſſiſches Landestheater. Heute: Die ſchöne Galathee‟
Franz von Suppés Operette Die ſchöne Galathee kommt in neuer
Textbearbeitung von Edwin Orr Denby heute Sonntag, 19.30 Uhr, im
Kleinen Haus erſtmalig zur Aufführung. Mitwirkende: die Damen
Käthe Walter, Ellen Philips, Sonja Karzau und die Herren Deharde,
Hinz, Jürgas, Maletzki; eine mit der Handlung der Schönen Gala=
thee
verbundene Modenſchau, findet die freundliche Unterſtützung der
Firmen Carl Schürmann (Damenmoden), Willy Schwab ( Herrenklei=
dung
), Eichbergs Nachf. (Wäſche), Marie Babel (Geſellſchaftskleid von
Käthe Walter), Robert Bergmann (Krawatten), Joſeph Trier (Möbel),
L. Adelmann (Sportgeräte), Heinrich Lautz (Bureaueinrichtungen), Guſt.
Geil (Lichtreklame). Außer der Schönen Galathee wird heute die
burleske Operette Schwergewicht von Krenek mit den Damen
Walter und Harre und den Herren Kuhn, Vogt, Ebert=Beyer, Deharde,
ſowie das Ballett Parade von Satie, ausgeführt von der Tanz=
gruppe
des Landestheaters, erſtmalig aufgeführt. Inſzenierung: Arth.
Maria Rabenalt und Walther Reinking; muſikaliſche Leitung: Max
Nudolf; Choreographie: Cläre Eckſtein. (Zuſatzmiete VII.) Der Auf=
führung
wohnen die auswärtigen Teilnehmer an der Eröffnung der
Ausſtellung Der ſchöne Menſch als Gäſte bei.
Goethes Egmont wird heute Sonntag, 19 Uhr, im Großen
Haus in teilweiſe neuer Beſetzung in Szene gehen. Egmont: Carl
Ebert, Alba: Fritz Reiff (Stadttheater Düſſeldorf) als Gaſt.
Kulturfilmbühne im Kleinen Haus. Pori, ein
Großfilm aus dem afrikaniſchen Buſch, der von Montag, den 17., bis
einſchließlich Donnerstag, den 20. Juni, im Kleinen Haus vorgeführt
wird, hatte bei der Berliner Erſtaufführung einen ſenſationellen Er=
folg
, über den die Pxeſſe mit einmütiger Begeiſterung berichtete. Kine=
matograph‟
: Ein hinreißend temperierter, im Abenteuerlichen ſtarker
Film aus Afrika konnte einen Beifall erringen, wie man ihn lange nicht
im Kino hörte. Berliner Lokalanzeiger‟: Dieſer Film iſt wirklich
ein Erlebnis. Berliner Börſenkurier; Herrliche, lichterfüllte, armo=
ſphäriſche
Bilder. Deutſche Tageszeitung: Keine Beſchreibung
reicht hier an das Bild heran, man muß den Film geſehen haben.
Volksvorſtellung Mamſell Nitouche. Mamſell
Nitouche gelargt, vielen Wünſchen des Publikums entſprechend Mitt=
woch
, den 19 Jani, einmalig als Volksvorſtellung zu halben Preiſen
zur Wiederholung.
Das dritte (letzte) Volkskonzert findet Donnerstag, den
20. Juni, unter Leitung von Dr. Karl Böhm ſtatt. Neben Beethovens
Eroica gelangt ein Fagottkonzert von Weber und die Duvertüre
Meeresſtille und glückliche Fahrt von Mendelsſohn=Bartholdy zur
Aufführung.
Als letzte Overn=Premiere des Großen Hauſes wird Rich. Strauß'
Intermezzo vorbereitet. Das Werk gelangt am Sonntag, den
30. Juni, zum erſten Male zur Aufführung. Muſikaliſche Leitung:
Max Rudolf; Inſzenierung: Renato Mordo; Bühnenbilder: Lothar
Schenck von Trapp.
Die letzren Opernvorſtellungen der Spielzeit.
Zur Orientierung des Publikums wird mitgeteilt, daß in dieſer Spiel=
zeit
die letzten Aufführungen von Sly am Dienstag, den 18. Juni,
Fidelio Samstag, 22. Juni, Aïda Sonntag, 23. Juni, ſtatt=
finden
. Arßerdem gelangt Orhello in dieſer Spielzeit noch zwei=
mal
zur Aufführung. In der am 5 Juli angeſetzten Vorſtellung
Manon Lescaut treten Adolf Jaeger und Carl Ebert=Beyer
zum letzten Male auf. In der für Samstag, den 6. Juli, vorgeſehenen
letzten Vorſtellung Die Fledermaus verabſchieden ſich Paula
Kapper und Guſtav Deharde vom Darmſtädter Publikum. Als Schluß=
vorſtellung
der Soielzeit gehen Sonntag, den 7. Juli, Die Meiſter=
ſinger
von Nürnberg in Szene. Diejenigen Mieter, die
noch im Beſitze vin Tauſchkarten find, werden höflichſt aufgefordert,
von ihrem Anſpruch rechtzeitig Gebrauch zu machen.
Orpheum Sommerſpielzeit Direktor Adalbert Steffter. Heute
Sonntag ſind zwei Vorſtellungen: nachmittags 4 Uhr iſt eine
einmalige Aufführung des beliebten Kindermärchens Hänſel und
Gretel zu ganz kleinen Preiſen von 30 Pfg. an. Abends 8 Uhr
die letzte Wiederholung der Operette Eine einzige Nacht von
Nobert Stolz, wobei ſich die Opernſängerin Paula Kapper und
Fritz Geiger verabſchieden. Morgen Montag, 8.15 Uhr, beginnt
das Gaſtſpiel der Rolf Röder=Revue Schlag auf Schlag
in 22 Bildern mit fortlaufender Handlung. Rolf Röder iſt in Darm=
ſtadt
durch ſein außergewöhnlich erfolgreiches Revue=Gaſtſpiel Dies
und Das vergangenen November noch in beſter Erinnerung. Die
neue Revue Schlag auf Schlag bringt in jeder Beziehung außer=
ordentlich
Intereſſantes und wird allen geſtellten Anſprüchen und Er=
wartungen
genügen. Unter den etwa 30 Mitwirkenden müſſen neben
den Soliſten Lya Tänzer, Rolf Röder, Willy Oeſterheld, Lya
Meriola, Hugo Nilius, Konſtantin Jaroki, beſonders die
Varieté=Attraktionen Titze und Taraſſow vom Folies Ber=
gere
, Paris, und die urkomiſchen The Spyras hervorgehoben
werden. Die muſikaliſche Leitung liegt in Händen von Profeſſor Th.
Pallos. Die Eintrittspreiſe ſind nicht erhöht, jedoch ſind Ver=
günſtigungen
aufgehoben. (S. Anz.)
Zweites Heffiſches Sängerbundesfeſt in Darmſtadt vom 12. bis
15 Juli 1929. Das bildgeſchmückte 2ſtbuch, das in den nächſten Tagen
erſcheint, bringt die Feſtgruße des Staatspräſidenten Dr. Adelung, des
Oberbürgermeſſters Mueller und des Bundesvorſitzenden Miniſterialrat
Dr. Siegert. Ueber Sinn und Zweck des Männerchorweſens und die
Aufgaben des Bundes verbreiten ſich Schulrat Haſſinger und Profeſſor
Dr. Köſer. Neben Bildniſſen, führender Perſönlichkeiten enthält der
muſtergültig hergeſtellte Führer lockende Anſichten der Feſtſtadt. Alle
Programme und Liedertexte ſind in dem ſtattlichen Buch zuſammen=
geſtellt
, deſſen Titelblatt geſchmückt iſt wit der originellen Zeichnung
Pauſers Drei Minneſänger, von der Entwürfe zu den offiziellen Feſt=
poſtkarten
ſtammen, zwei. Hochzeitsturm und Süngerchor im Walde‟
von Hermann Pfeifer, der dritte Feſthalle von Hans Vielmetter.
Alldeutſcher Verband. Das Reichskabinett hat beſchloſſen, das
bereits ſieben Jahre beſtehende Republikſchutzgeſetz auf weitere
drei Jahre zu verlängern. Auch der Reichsrat hat bereits mit 62 gegen
4 Stimmen der Verlängerung dieſes Ausnahmegeſetzes zugeſtimmt.
Ueber die Ausſichten der notwendigen Zweidrittelmehrheit im gegen=
wärtigen
Neichstag, über die auf Grund des Geſetzes bisher erfolgten
Verurteilungen und andere damit verbundene Fragen wird auf unſerer
nächſten Monatsverſammlung geſprochen werden, die am
Dienstag, den 18. Juni, abends 8 Uhr, im Grünen Zimmer bei Chriſt
(Grafenſtraße 20) ſtattfindet. Freunde und Gäſte ſind herzlich will=
kommen
. (Siehe Anzeige.)

Sonntag, den 16. Juni 1929

Seite 3

Das 25 jährige Jubiläum der Heſſiſchen
Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft.

Die 25. ordentliche Generalverſammlung der
H. 3. G. fand am 13. Juni ſtatt. Die intereſſanten Berichte der Ver=
waltungsorgane
ſind nicht nur für die der Genoſſenſchaft naheſtehenden
Kreiſe, ſondern darüber hinaus für die Allgemeinheit von großem
Wert. Man ſchreibt uns von gutunterrichteter Seite:
An 1. Juni waren es 25 Jahre, daß die von der Handwerkskammer
mit ſtaatlicher Hilfe gegründete Heſſiſche Handwerker= Zentralgenoſſen=
ſchaft
, gemeinnützige A. G., mit dem Sitz in Darmſtadt, ihren Geſchäfts=
betrieb
zur Förderung der wirtſchaftlichen Verhältniſſe der Handwerker
eröffnet hat. Als Aufgabe war der Genoſſenſchaft geſtellt, Kapital zu
bilden oder zu beſchaffen und dieſes durch geeignete wirtſchaftliche Orga=
niſation
nach Erfordernis der jeweiligen Wirtſchaftslage möglichſt nutz=
bringend
im Handwerk arbeiten zu laſſen, und zwar ſollten die Ein=
richtungen
der Genoſſenſchaft ſämtlichen Handwerkern innerhalb Heſſens
zugute kommen. Dieſe Aufgabe wurde in den vergangenen 25 Jahren
durch zähe Arbeit unter den ſchwierigſten Zeitverhältniſſen Krieg
und Inflation nicht nur erfüllt, ſondern die erzielten Erfolge über=
treffen
bei weitem die bei der Gründung gehegten Erwartungen.
Unter den beſcheidenſten Verhältniſſen wurde die erſte Arbeit ge=
leiſtet
. In einem Zimmer der Handwerkskammer, mit nur einem
Schreibtiſch, Stuhl und einer Schreibmaſchine ausgeſtattet, wurde mit
dem anfänglich zur Verfügung ſtehenden Kapital von 50 000 Mk. durch
den Geſchäftsführer und einen kaufmänniſchen Aſſiſtenten an die Ver=
wirklichung
der geſteckten Ziele herangegangen. Nachſtehende Angaben
ſollen dazu dienen, die jetzige Größe der Genoſſenſchaft zu ſkizzieren.
Die Genoſſenſchaft beſitzt heute ein in beſter Geſchäftslage 1500 Qm.
umfaſſendes Anweſen, in dem die Bureaus und Ausſtellungsräume
untergebracht ſind; ferner nennt ſie Lager=Räume und =Gelände mit
Gleisanſchluß von 5060 Qm ihr Eigentum. Ein Autopark von drei
Laſtwagen mit Anhängern und fünf Perſonenwagen ſind zur Zeit er=
forderlich
, um, dem Tempo der Zeit entſprechend, die Verſorgung des
Handwerks mit Maſchinen, Rohſtoffen uſw. ſchnellſtens zu beſorgen.
Das eigene Vermögen beträgt heute über 600 000 RM., die Debitoren
aus den Warenabteilungen faſt 1 Million RM. und die durch die Bank=
abteilung
gewährten Kredite etwa 5,8 Millionen RM.
Bei einem Rückblick durch die vergangenen Jahre erſcheint vor dem
geiſtigen Auge vor allem die fieberhafte Tätigkeit während der Kriegs=
und Inflationszeit. Bis zum Ausbruch des Krieges beſchränkte ſich die
Tätigkeit der Genoſſenſchaft auf die Verſorgung des Handwerks mit
Maſchinen, Benzin, und hierzu kam für das Bäckerhandwerk die Be=
lieferung
mit den damals noch nötigen Saarkohlen. Es gelang der
Genoſſenſchaft, ſchon vor dem Kriege einen ganz weſentlichen Teil des
Maſchinenbedarfs dem Handwerk zu liefern. Der Krieg ſtellte neue,
große Anforderungen an die Genoſſenſchaft. Gleich nach der Mobil=
machung
wurde nach den verſchiedenſten militäriſchen Stellen Fühlung
genommen, und es gelang, Millionenaufträge nach und nach von der
Heeresverwaltung für das heſſiſche Handwerk hereinzubekommen. Zu
dieſen Heereslieferungen gehörten: Uniformen, Stiefel, Proviantwagen,
Sielengeſchirre, Torniſter, Trinkeimer, einzelne Geſchirrteile, Sättel,
Seitengewehr=, Patronen= und Piſtolentaſchen, Leibriemen, Munitions=
kiſten
, Geſchoßkörbe, Schrappnellkugeln, Schurzholzrahmen, Zünderteile,
Seilerwaren und noch viele Einzelartikel im Geſamtbetrage von über
20 Mill. Mk. Nach dem im Laufe des Krieges herausgebildeten Ver=
teilungsſchlüſſel
hätten auf das heſſiſche Handwerk höchſtens 10 Mill.
Mark Aufträge entfallen dürfen. In Wirklichkeit aber brachte die
Genoſſenſchaft für über 20 Millionen Mark Aufträge herein. Dies iſt
ein Beweis dafür, daß das heſſiſche Handwerk in der H.3. G. eine ſchlag=
fertige
Organifation beſeſſen hatte, und es wird nachfolgende noch ge=
zeigt
werden, daß es heute erſt recht eine ſolche in der H.3.G. beſitzt.
Durch die Heeresaufträge war die Genoſſenſchaft in die Lage ge=
kommen
, eine ganze Reihe Handwerkszweige, zum größten Teil für
die Dauer des Krieges, mit reichlicher und für ihre Verhältniſſe gut
bezahlter Arbeit zu verſorgen. Etwa 2000 Meiſter und 8000 Arbeiter
waren mit dieſen Arbeiten beſchäftigt geweſen. Insbeſondere wurden
dem notleidenden Schuhmacher= und Schneiderhandwerk unſchätzbare
Dienſte geleiſtet. Für den Betrieb ſelbſt war es erforderlich, eine rich=
tige
Schuhfabrik und eine maſchinelle Zuſchneiderei unter Aufwendung
hoher Koſten ein=urichten. Als von der Heeresverwaltung Ende 1917
wegen Mangels an Rohſtoffen und zwecks rationellſter Wirtſchaft die
Lederzuſchneideſtellen ins Leben gerufen wurden, da war es die H. 3.G.,
die als amtliche Stelle der Handwerkskammerbezirke Darmſtadt, Wies=
baden
=Frankfurt, Kaſſel und Waldeck erwählt wurde.
Wenn auch die Bewältigung der Kriegsaufträge alle Kräfte in An=
ſpruch
nahm, ſo erſchöpfte ſich die Tätigkeit der Genoſſenſchaft noch nicht
hierin, denn daneben wurde auch weiterhin die Friedenswirtſchaft
gepflegr, wenn ſie auch nicht den Vorkriegsumſatz annahm, was durch
die ſchlechte Abſatzmöglichkeit für Maſchinen während der Kriegszeit
bedingt war.

Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Nächſter Vereinsabend Donnerstag, abends 8½ Uhr, im Eintrachtſaal,
Eliſabethenſtraße 12. Es gibt eine Wanderung durch unſere Gemarkung.
Herr Hugo Stieſi, der jüngere, ſpricht über die Flurnamen in der
Gemarkung Darmſtadt und Umgebung.

wenn ihnen die Frau oder das Mädchen kurz vorm Weggehen
Stärkewäſche darreichen und wegen allerlei Kleinigkeiten das
Anziehen nicht klappt. Gar oft liegt es am Kragen, wenn er
in der Wäſche oder beim Bügeln nicht ſachgemäß genug be=
handelt
worden iſt. Eine erſtklaſſige Behandlung der Kragen,
blütenweißes Ausſehen, guten Sitz und leichtes Anziehen beim
Stehumlegkragen leichtes Durchziehen des Selbſtbinders) finden
Sie immer, wenn Sie Ihre Stärkewäſche nur bei der altbekannten
Wäſcherei und Bügelanſtalt. Ludwig Hering, Jahnſtraße 4,
Telephon 3949, waſchen und bügeln laſſen. Annahmeſtellen in
allen Siadtteilen; nach auswärts prompter Verſand. (5689a

Noch ſchwerere Aufgaben als während der Kriegszeit wurden der
Genoſſenſchaft nach Beendigung des Krieges geſtellt. Viel Nervenkraft
erforderte die Abwickelung der alten Kriegsaufträge, die Einziehung
der in die Hunderttauſende gehenden Ausſtände aus dieſen Geſchäften,
und vor allen Dingen die Sicherung und Verwertung der Heeresbe=
ſtände
im beſetzten Gebiet. Auf die romantiſchſte Art wurden die da=
mals
noch überaus wertvollen Rohſtoffe, wie Leder und Stoffe, gebor=
gen
. Bei der Verwertung dieſer Güter wurde ein doppelter Zweck er=
reicht
, denn einmal konnten an Minderbemittelte Kleider und Schuhe
geliefert werden, andererſeits erhielt das Handwerk erneut Arbeit zu=
geführt
. Dem Schneiderhandwerk konnte ſie ſich in der Zeit insbeſon=
dere
dadurch nützlich erweiſen, indem ſie einen größeren Auftrag zur
Herſtellung von Entlaſſungsanzügen hereinbekam. Den Kriegslieferun=
gen
folgten die Reparationslieferungen. Diesmal war es das Schreiner=
handwerk
, dem ſie größere Aufträge zur Lieferung von Möbeln für
die Beſatzung und Holzhäuſer für Serbien vermitteln konnte.
In jener Zeit (1819) wurde aber das Hauptaugenmerk wieder auf
die Friedensarbeit gerichtet und die geſamte Rohſtoffverſorgung gan=
zer
Handwerkszweige in Angriff genommen. Da die Zwangswirtſchaft
in der Brotverſorgung gelockert und ſchließlich aufgehoben wurde, ſab
ſich die Genoſſenſchaft gezwungen, ſich dem Mehlgeſchäft zuzuwenden,
um die Mehlbelieferung und damit die Verſorgung des Publikums mit
Brot ſicherzuſtellen. Mit großen Opfern gelang es ihr, während der
wüſten Inflationszeit die Warenlieferungen hochzuhalten und damit
dem heſſiſchen Handwerk wertvolle Dienſte zu leiſten. Als dann Ende
1923 die Stabiliſierung kam, mußte auch ſie ſehen, daß ihr Vermögen
dahin war. Aber mit ungebrochenem Mut ging es wieder an den Wie=
deraufbau
. Lag die Schwierigkeit während der Inflationszeit darin,
Rohſtoffe zu beſchaffen, ſo war es in der nachfolgenden Zeit ebenſo,
vielleicht noch ſchwerer, Kapital aufzutreiben. Dieſe Geldknappheit
machte ſich auch bei dem heſſiſchen Handwerk in einem bedrohlichen
Maße bemerkbar. Die Genoſſenſchaft hatte immer einen Weg gefunden,
dem heſſiſchen Handwerk zu helfen, und auch diesmal gelang es ihr,
Hilfe zu bringen. Die ſchon beſtandenen freundlichen Beziehungen zur
Preußenkaſſe gaben ihr die Gelegenheit, von dieſem Inſtitut gegen
Bürgſchaft der Handwerkskammer und Landesbank einen Kredit von
zunächſt 1 Million Rentenmark zu erhalten. Nach und nach brachte es
die Genoſſenſchaft fertig, auch noch von anderen Inſtituten wobei
die Mithilfe der Handwerkskammer nicht hoch genug eingeſchitzt werden
kann zuſammen faſt 8 Millionen Reichsmark aufzubringen.
Das Tät gkeitsgebiet der H.3.G. iſt alſo ein ſehr vielſeitiges; in ihr
vereinigen ſich zur Zeit Maſchinen=, Sperrholz=, Schuhmacherabteilung
mit Schäftemacherei, Bäcker=, Kohlen=, Transport= und Bankabteilung.
in allen Abteilungen werden durchweg gute Umſätze erzielt. So beträgt
z. B. der Umſatz in Maſchinen im abgelaufenen Geſchäftsjahr 512811
gegen 91768 RM. in 1905. Die Genoſſenſchaft war zu allen Zeiten
eine ſegensreiche Einrichtung für das heſſiſche Handwerk geweſen und
iſt heute ſchlechtweg nicht mehr wegzudenken.
Der Aufſtieg der Genoſſenſchaft wurde zunächſt ermöglicht durch ihre
alten guten Geſchäftsprinzipien wie kaufmänniſch=techniſche, nur im
Intereſſe des Handwerkers gegebene Beratung, einwandfreie Lieferun=
gen
bei günſtigen Preſen, großzügige Zahlungsziele und vor allen
Dingen ihr großes Verſtändnis für die Nöte des Handwerks. Aber
auch die Erkenntnis der Handwerkskammer, daß für die wirtſchaftliche
Hebung des Handwerkers die genoſſenſchaftliche Organiſation von größ=
ter
Bedeutung iſt und dieſe ihre Erkenntnis in die Tat umſetzte, in=
dem
ſie ſtets mit Rat und Tat der H.3.G. zur Seite ſtand, trug nicht
wenig dazu bei, s Inſtitut auf der derzeitigen Höhe zu ſehen. Wei=
terhin
war es das Verſtändnis des heſſiſchen Staates, das er der Ge=
noſſenſchaft
zeigte. Die Regierung hat, indem ſie die Genoſſenſchaft
unterſtützte, dem Handwerk große Dienſte geleiſtet. Ferner war es die
harmoniſche Zuſammenarbeit zwiſchen Vorſtand und Aufſichtsrat ge=
weſen
, die Erſprießliches leiſtete. Die Genoſſenſchaft hätte aber, trotz
ſehr günſtiger Veeinfluſſung von den verſchiedenſten Seiten, nie eine
derartige grandioſe Entwicklung genommen, wenn nicht im Vorſtande
der Genoſſenſchaft Männer wären, die mit weitſchauendem Blick, großer
Klugheit, lohalem Weſen und mit einer faſt übermenſchlichen Tatkraft
es verſtanden, die durch die jeweiligen Zeiwverhältniſſe erwachſenen
Aufgaben mit den Intereſſen des Handwerks zu verquicken. Mit dem
Jubiläum der Genoſſenſchaft konnten zwei Männer des Vorſtandes,
die Herren Direktoren Otto Paech und Ernſt Neuſel, auf eine
25jährige Tätigkeit zurückſchauen. Die vielen Anerkennungen und
Glückwünſche, mit denen die Jubilare überhäuft wurden, legen Zeugnis
davon ab, welch große Verdienſte ſie ſich um die Förderung des heſſi=
ſchen
Handwerks erworben haben. Möge es den Männern des Vor=
ſtandes
vergönnt ſein, noch recht lange bei beſter Geſundheit zum Segen
des Handwerks zu wirken.
Kr.

Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 16. Juni
1929, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Berger,
Wilhelminenſtr. 5, Telephon 187; Dr. med. J. Stern Wendelſtadt=
ſtraße
5, Telephon 1260; Dr. med. Th. Schmidt, Heinrichſtr. 38,
Telephon 3882.
Die Päckchen während des Sommers. Die Poſt klagt darüber,
daß jetzt häufig Päckchen mit Gegenſtänden aufgeliefert werden, die
unter dem Einfluß der Wärme leicht verderben oder Flüſſigkeiten ab=
ſetzen
, wodurch andere Sendungen beſchmutzt werden. Für die Ab=
ſender
köninen daraus leicht Weiterungen und Erſatzverbindlich eiten
entſtehen. Die Poſt iſt auch berechtigt, derartige Sendungen von der
Beförderung auszuſchließen. Es empfiehlt ſich daher, ſolche Gegen=
ſtände
, wie Früchte, Beeren, Butter und andere leicht ſchmelzende Fette
in der heißen Jahreszeit nicht zu verſenden. Auch zu anderer Zeit iſt
es ratſam, eine Verpackung anzuwenden, bei der der Inhalt ſo geſichert
iſt, daß eine Beſchädigung anderer Sendungen nicht vorkommen kann.
Eine Reiſe in die Schweiz veranſtaltet die Hamburg=Amerika=
Linie am 1. Juli mit einem verbilligten Sonderzug an den herrlichen
Vierwaldſtätterſee und in das Jungfrauengebiet. (Vgl. Anzeige.)

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[ ][  ][ ]

Nummer 165
Gonntag, den 16. Juni 1929
Seite 6

* Sieuer- und Wiriſchaftskalender
für die Zeit vom 16. bis 30. Juni 1929.
Aufbewahren!
Ausſchneiden!
20. Juni: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 1. bis
15. Juni 1929 erfolgten Lohnzahlungen im Markenverfah=
ren
und im Ueberweiſungsverfahren; im letzteren jedoch nur
dann, wenn die in der erſten Hälfte des Kalendermonats
einbehaltenen Lohnſteuerbeträge für ſämtliche in einem Be=
trieb
beſchäftigten Arbeitnehmer den Betrag von 200 RM.
überſtiegen haben. Keine Schonfriſt.
25. Junj: Zweite Vorauszahlung (ſtaatliches Ziel) laut Vorauszah=
lungsbeſcheid
über heſſiſche Staatsſteuern für das Rechnungs=
jahr
1929. (Grundſteuer, Sondergebäudeſteuer, Gewerbe=
ſteuer
.) Schonfriſt bis 5. Juli 1929.
Kirchenſteuer 1929/30.
In dem Bezirk des Finanzamts Darmſtadt=Stadt ſind die Beſcheide
den Steuerpflichtigen nunmehr zugegangen oder gehen ihnen in dieſen
Tagen zu. Das urſprünglich am 15. Mai 1929 fällig geweſene erſte
Ziel iſt 14 Tage nach Erhalt des Steuerbeſcheides zu zahlen.
Müllabfuhr=, Straßenreinigungs= und Kanalbenutzungsgebühr
in der Stadt Darmſtadt für 1929.
Die Anforderungszettel ſind nunmehr zugegangen. Die Zahlung
an die Stadtkaſſe hat alsbald zu erfolgen.
Endgültige Gewerbeſteuer 1928, gemeindlicher Anteil. 1. ( ge=
meindliches
) Ziel der Gemeinde=, Kreis= und Provinzialumlagen
für das Rechnungsjahr 1929. 1. Ziel der Filialſteuer für
1929. Beiträge zur Handwerkskammer für 1929. 1. Ziel.
Bei allen vorgenannten Steuern bzw. Abgaben können die endgül=
tigen
Fälligkeitstermine noch nicht angegeben werden. Es wird auf den
nächſten, am 1. Ili erſcheinenden Steuerkalender verwieſen.
H. W. Wohmann.

Eine Flaſche Waffer. Man ſchreibt uns: Dieſe kurz gefaßte
Bezeichnung Eine Flaſche Waſſer iſt ſeit langer Zeit zur Volkstüm=
lichkeit
geworden, ſo daß man heute daran nichts Auffallendes findet,
wenn man in irgend einem Reſtaurant dieſe Bezeichnung hört, mit der
eigentlich eine Flaſche guten Mineralbrunnens oder Mineralwaſſer
gemeint iſt. Auch das Wort Mineralwaſſer iſt bereits zur Volks=
tümlichkeit
geworden, ſo daß dieſe beiden Bezeichnungen vielfach zu
irreführenden Meinungen, oft ſogar zu Mißbräuchlichkeiten führen. Vor
allem iſt es die große Maſſe, die am Sonntag hinauswandert in die
Natur, um dort Erholung und Vergnügen zu finden. In den Gaſt=
ſtätten
vor der Stadt finden ſie ſich meiſt wieder, um bei einem kühlen
Trunke Erfriſchung zu finden und den Durſt zu ſtillen. Während die
Aelteren geene ein gutes Glas Bier oder Wein lieben, finden Frauen
und hauptſächlich Kinder einen größeren Genuß an einem Glaſe Mine=
ralwaſſer
, welches für letztere entſchieden wertvoller iſt und auch den
Durſt der Kleinen leichter bewältigt als irgendein anderes Getränk.
Doch manche Sonntagsfreuden ſind ſchon durch Unachtſamkeit getrübt
worden. Nicht allein bei Kindern, auch bei erwachſenen Leuten. Der
Tag war heiß und der Durſt groß, nun wird den Limonaden und Mine=
ralwäſſern
in übergroßem Eifer zugeſprochen, und der Durſt ſcheint
nimmer ein Ende nehmen zu wollen. Und woran iſt dies gelegen? Den
Limonaden und Wäſſern wird die Schuld gegeben, und oft mit Recht.
Doch noch wo anders liegt der Fehler; ſelbſt wenn dieſe Limonaden uſw.
einwandfrei hergeſtellt ſind, müſſen ſie mit Beachtung getrunken wer=
den
. Zu raſcher und übermäßiger Genuß, was ſpeziell bei Kindern
leicht vorkommt, iſt dem Körper ſchädlich und verurſacht die ſchmerz=
hafteſten
Magenbeſchwerden. Wer alſo wirklich ſolche Getränke unbe=
dingt
bevorzugt, dem mag zumindeſt zur Beachtſamkeit geraten ſein.
Doch wer Wert auf wirkliche Erfriſchung, körperliches Wohlbefinden
und edlen Genuß legt, der ſei daran erinnert, daß unter der Bezeich=
nung
Mineralwaſſer uſw. gar viele künſtliche Erzeugniſſe in den Handel
kommen, die nicht immer allen hygieniſchen und geſundheitlichen An=
forderungen
Rechnung tragen. Es gibt eine große Anzahl von Mine=
ralwäſſern
, die unter irgend einem wohlklingenden Namen alſo ſo und
ſo Sprudel, meiſt unter Beifügung eines bekannten Kurnamens, in den
Handel kommen und den Anſchein erwecken, ein vorzügliches Tafel=
getränk
zu ſein. Es dürfte daher im Intereſſe des Publikums gelegen
ſein, bei Beſtellung wie bei Erhalt eines ſolchen Mineralwaſſers zu
prüfen, ob das betreffende auch als ein einwandfreies Getränk angeſehen
werden kann. Gar oft ſind auch die Etiketts den natürlichen Brunnen
täuſchend ähnlich nachgemacht, ſo daß es dem Publikum nur ſchwer
möglich ſein dürfte, immer richtig über das jeweilige Mineralwaſſer zu
entſcheiden. Wie wichtig es aber iſt über dieſe Frage unterrichtet zu
ſein, haben die angeführten Gründe gezeigt. Wer ein bekömmli hes
natürliches Mineralwaſſer begehrt, der verlange nicht nur eine Flaſche
Waſſer, ſondern betone immer ausdrücklich, daß er ein natürliches Mine=
ralwaſſer
wünſche, und überzeuge ſich ſelbſt am beſten an den Etikerten
von der Echtheit desſelben. Im eigenſten Intereſſe des Publikums
dürfte es daher gelegen ſein, wenn es ſelbſt dazu beiträgt, den Begriff
Mineralwaſſer in dem Sinne zu verbreiten, wie es dem guten Glau=
ben
und den Anforderungen an ein bekömmliches Getränk entſpricht.
Brieftaubenflug. Flug Pafſau in Bayern, 380 Kilometer.
An dieſem Flug beteiligte ſich der B.Z.V. Klub 0380 mit 63 Tauben
innerhalb der Reiſevereinigung Südmain=Sprendlingen. Obwohl nach
der am Heimatsort herrſchenden ſchlechten Wetterlage mit einem Auf=
laſſen
der Tauben nicht gerechnet wurde, erfolgte der Auflaß der Tauben
um 8,25 Uhr, woraus zu entnehmen war, daß am Auflaßort beſſeres
Wetter war. Auch am Heimatsort klärte ſich gegen mittag die Wetter=
lage
, und man rechnete doch mit einem guten Flug. Dies hat ſich leider
nicht beſtätigt. Wenn auch, ſo bedauerlich es iſt, ein ſchlechter Flug feſt=
zuſtellen
iſt, wäre es falſch, dieſe Tatſache zu verſchweigen. Jeder Sport
hat verlorenes Spiel, ſo auch der Brieftaubenſport. Die Brieftauben=
ziſchter
rechnen aber auf weite Entfernungen immer mit einem ſchlechten
Flug: denn was ſich auf einer Entfernung von 400 und mehr Kilo=
metern
ereignet, kann niemand vorausſehen. Die Urſache des ſchlechten
Fluges aufzuklären, iſt natürlich ſehr ſchwer. Die erſte Taube wurde
in Sprendlingen 3,50 Uhr und in Darmſtadt durch Sportkollege K. Iſen=
biel
4,16 Uhr gemeldet; letztere Taube hat eine Fluggeſchwindigkeit von
808,53 Meter in der Minute erreicht. Von 5 Uhr ab folgten weitere
Tauben ſehr vereinzelt nach, jedoch konnten die Vereinspreiſe in der
hierfür feſtgeſetzten Zeit nicht voll ausgeflogen werden. Der nächſte
Flug ab Linz, 450 Kilometer, findet am 23. Juni ſtatt.
Kleinhandels=Tagespreiſe vom Darmſtädter Wochenmarkt (pro
Pfd. bzw. Srück in Pfg.): Gemüſe: Spargeln 1. Sorte 8090, desgl.
2. Sorte 5060, Kohlrabi 1215, Karotten 1215, Spinat 40, Römiſch=
kohl
30, Wirſing 30, Stangenbohnen 50100, Erbſen 30, Zwiebeln 15
bis 18, Knoblauch 80, Rhabarber 1520, Tomaten 70100, Kopfſalat
1015, Salatgurken 6080, Blumenkohl 60120, Rettich 1520, Vieer=
vettich
150, Radieschen 68; Kartoffeln neue 2025, Spätkartoffeln 6
bis 8; Obſt: Erdbeeren 8090, Kirſchen 3550, Tafeläpfel 3060,
Wirtſchaftsäpfel 2030, Apfelſinen 515, Zitronen 810, Bananen
6070; Eßwaren: Süßrahmbutter 200210, Landbutter 794200,
Weichkäſe 35, Handkäſe 515, Eier, friſche 1215, Hühner 140:80,
Tauben 8090; Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch, friſch
80110, Kalbfleiſch 12, Hammelfleiſch 100, Schweinefleiſch 96124,
Dörrfleiſch 160, Ziegenfleiſch 80, Wurſt 70160, Wurſtfetr 60, Schmalz,
ausgelaſſen 110.

Dienſtjubiläum. Sein 25jähr. Jubiläum bei dem Ortsgericht Darm=
ſtadt
feiert Herr Buchdruckereibeſitzer Karl Friedris, Bender, hier,
Beſſungerſtraße 47. Durch Entſchließung des Heſſ. Miniſteriums der
Juſtiz am 16. Juni 1904 wurde Herr Bender zum Gerichtsmann er=
nannt
und durch das Amtsgericht Darmſtadt 1 als ſolcher verpflichtet.
Bis zum Jahre 1920 gehörte er dem Ortsgericht Beſſungen an, um dann
bei Auflöſung bzw. Vereinigung desſelben mit dem Ortsgericht Darm=
ſtadt
, zu dieſem überzutreten. Herr Bender, der bereits im 80. Lebens=
jahr
ſteht, ſich trotz ſeines hohen Alters beſter Geſundheit und geiſtiger
Friſche erfreut, kann ſomit am Sonntag, den 16. Juni d. J., auf
eine 25jährige ununterbrochene verdienſtvolle Tätigkeit bei dem Orts=
gericht
zurückblicken. Er gehört ſeit nahezu 30 Jahren dem Vorſtand
der Beſſunger Petrusgemeinde an und iſt Mitglied zahlreicher, insbe=
ſondere
Beſſunger Vereine. An reichen Ehrungen dürfte es dem Jubi=
lar
an dieſem Tage nicht fehlen.

Probedose und Broschüre Ratschläge eines Arztes durch: 2
DEUTSCHE A.-G. FUR NESTLE ERZEUGNISSE, BERLINWST 2

Der Evangeliſche Kirchengeſangverein Befſungen (Petrusgemeinde)
feiert am Sonntag, den 23. Juni, das Feſt ſeines 50jährigen Beſtehens
mit einem Feſtgottesdienſt um 10 Uhr in der Beſſunger Kirche, einer
Feſtfeier um 11½ Uhr im Gemeindehauſe, und einem Feſtkonzert um
8 Uhr abends im Gotteshauſe der Gemeinde. Beim Feſtgottesdienſt
wird der feiernde Verein mehrere Geſänge vortragen. Zu dem Feſt=
konzert
, bei dem u. a. unter Mitwirkung namhafter Soliſten, die
Kantaten zu Himmelfahrt Pfingſten und Trinitatis aus den Feſt=
zeiten
von Löwe zur Aufführung kommen, werden von Montag, den
17. d. M. ab bei Kirchendiener Kropp im Gemeindehauſe und in der
Papierhandlung Bender, Beſſungerſtraße 47 Eintrittskarten zum Preiſe
von 50 Pfg. abgegeben. Zu der Feier iſt eine Feſtſchrift erſchienen, die
ebenfalls bei den genannten Stellen für 50 Pfg. zu haben iſt.
Paulusgemeinde. Auf die heute abend im Gemeindeſaal ſtatt=
findende
Lichtbildervorführung unſerer Jugendvereinigung
ſei noch einmal beſonders hingewieſen. Sie will vor allem von der
großen Pfingſttagung der deutſch=evangeliſchen Jungmännervereine
in Stuttgart berichten, aber auch von der fröhlichen Pfingſtfahrt unſrer
Jugend ſelbſt. Alle Freunde der Jugend ſind herzlichſt eingeladen,
Bei
Demträgheif
NUR
APOTHEKER
RICH BRANDrS ALlABelzerslar
Volkshochſchule. Unſere Mitglieder erhalten zur Vorſtellung
Mamſell Nitouche am Mittwoch im Großen Haus des Lan=
destheaters
ermäßigte Karten in unſerer Geſchäftsſtelle, und zu
dem Film Pori gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte an der Kaſſe
des Kleinen Hauſes die übliche Ermäßigung.
Konzert auf elektriſchem Wege. Am Donnerstag fand im Herrn=
gartenkaffee
ein Konzert ſtatt, welches unter Benutzung eines gewöhn=
lichen
Schallplattenapparates vermittels einer neuzeitlichen Verſtärker=
anlage
und Lautſprecher im Garten vorgeführt wurde. Vereinzelte
Partien von Soloſtimmen und Soloinſtrumenten kamen ebenſo voll zur
Geltung, wie die zu Gehör gebrachten Orcheſterpartien. Das Konzert
wurde von der Fa. Werner Pfeil, Radio, Frankfurt a. M. vorgeführt, der
es gelungen iſt, eine Anlage zuſammenzuſtellen, welche genügte, um den
im Freien ungünſtigen Verhältniſſen gerecht zu werden. Durch Mikro=
phonbeſprechung
wurde jeweils der Titel der zu ſpielenden Platte be=
kanntgegeben
.

Neue ſeltene Vögel. Ein reicher Transport ſchöner und ſeltener
Vögel iſt dieſer Tage im Zoo angelangt, darunter Arten, die vorher nur
ganz ausnahmsweiſe oder noch gar nicht lebend zu uns gebracht wunden.
Vor allem verdienen die zwei Keas oder Neſtor=Papageien
von Neuſeeland Beachtung. Ein ſonderbarer Geſelle iſt der ſudameri=
kaniſche
Kahnſchnabel, ein Nachtreiher mit einem ganz ungewöhn=
lich
verbreirerten Schmabel. Farbenprächtiger noch als unſere einheimiſche
Blaurake iſt die ſüd= und oſtafrikaniſche Gabelrake mit dem wunder=
baren
Rotviolett im Gefieder. Aus Abeſſinien trafen einige weitere
prachtvolle Arten ein: ſchimmernd lilablaue, unter gewiſſer Beleuchtung
aber purpurrot erſcheinende Schuppen= oder Amethyſt= Glanz=
ſtare
leuchtend grüne Somali=Helmvögel, deren purpurne
Flügelfedern ihr Badewaſſer rot färben, und zwei beſcheidener, aber doch
ſehr ſchmuck befiederte Verwandte: Masken= und Weißbauch=
Lärmvögel beide Arten für die zoologiſchen Gärten Neuheiten und
für Frankfurt beſonders bemerkenswert, weil beide ſeinerzeit von dem
hieſigen Zoologen Eduard Rüpell entdeckt und zuerſt beſchrieben und
abgebildet worden
sHeiße Hähne: Uhlorodont

p. Biſamratten. Die Einfuhr und Durchfuhr lebender Biſamratten,
dieſer für Fiſcherei und Uferbauten ſchädlichen, zur Familie der Wühl=
mäuſe
gehörigen Nagetiere, iſt auf Grund des Vereinszollgeſetzes bis
auf weiteres verboten worden. Auch der ſchweizeriſche Bundesrat hat
ein ſolches Verbot erlaſſen. Am Vierwaldſtätter See wurden die vier
erſten Ratten in Hechtreuſen gefangen. Man vermutet, daß die Tiere
einer am Fuße des Rigi inſtallierten Pelztierfarm entſtammen. Nach
in Bayern gemachten Beobachtungen kann ein einziges Pärchen eine
jährliche Nachkommenſchaft von 3040 Tieren zur Welt bringen.

* Leiſtungen und Lieferungen auf Grund des Reichs=
verſorgungsgeſekzes
.
Ab 1. April 1929 gilt: An Körpererſatzſtücken, orthopädiſchen und
anderen Hilfsmitteln liefert das Reich; künſtliche Glieder mit Zubehör,
Geſichtserſatzſtücke, künſtliche Zähne, Gebiſſe, Zahnbrücken, Gaumen=
platten
, Kiefererſatzſtücke und Kieferſchienen, Perücken, künſtliche Finger,
Stützapparate, orthopädiſches Schuhwerk, Bruchbänder, Suſpenſorien,
Urinale, Plattfußeinlagen, Krampfaderbinden, Gummiſtrümpfe, Krük=
ken
, Krankenſtöcke und erforderliche Gummikapſeln, Krankenfahrſtühle,
Selbſtfahrer, Brillen, Fernrohrbrillen, Lupen, Hörapparate, Abzeichen
für Schwerhörige, Blindenuhren, Blindenabzeichen, Stumpfſtrümpfe,
Trikotſchlauchbinden, wollene Handſchuhe gefütterte Lederhandſchuhe für ver=
ſtümmelte
oder gelähmte Hände, Arbeitshandſchuhe für verſtümmelte
Hände, Protheſenhandſchuhe, Kofſchutzkappen, Narbenſchützer.
Bei anerkannter Notwendigkeit werden gewährt: Winterhandſchuhe
für Blinde mit Führerhunden, für Träger von 2 Krücken oder 2 Stök=
ken
und für Inhaber von Selbſtfahrern; Resyäntel für Blinde, für
Inhabe von Krankenfahrſtühlen und Selbſtfahren und für ſolche Be=
ſchädigte
, die wegen Art und Schwere ihres Leidens nicht nur vorüber=
gehend
außerſtande ſind, einen Regenſchirm zu handhaben; Schlüpfſchuhe
für Armloſe und dieſen im hilfloſen Zuſtande gleichzuachtende Perſonen;
Waſſer= und Luftkiſſen, Polſterkiſſen für Hüft= und Geſäßverletzte; Er=
ſatz
der Koſten für unweſentliche durch die Beſchädigung bedingte Ab=
änderungen
von Liegeſtühlen, Sitzſtühlen, Fahrrädern und ähnlichen
Gegenſtänden.
Künſtliche Glieder mit doppelter Bandage und dazu gehörigen Hand=
ſchuhen
, Stützapparate, künſtliche Augen und orthopädiſche Schuhe werden
das erſtemal in doppelter, alle anderen Hilfsmittel in der Regel in ein=
facher
Anzahl geliefert. Auf Antrag kann ſtatt eines Kunſtbeines ein
Stelzbein geliefert werden. Bei der erſten Ausſtättung wird zu jedem
Kunſtbein ein Paar Schuhe mitgeliefert. Solche Kunſtbeinſchuhe zäh=
len
nicht zum orthopädiſchen Schuhwerk.
Künſtliche Finger werden gewährt, wenn hierdurch die Greiffähigkeit
der Hand gehoben wird; außerdem aus Schönheitsgründen, wenn mehr
als ein Finger fehlt.
Die Hilfsmittel, die koſtenfrei vom Reiche geliefert werden, werden in
dauerhafter, den Bedürfniſſen des Beſchädigten angepaßter Ausführung
und Ausſtattung gewährt. Für ſelbſtbeſchaffte Hilfsmittel werden die
Koſten nur in beſonderen Fällen und nur bis zur Höhe des Betrages
erſtattet, der bei Lieferung durch das Reich entſtanden wäre. Die In=
ſtandſetzung
oder Erſetzung erfolgt nur bei Schadhaftwerden oder Un=
brauchbarwerden
infolge natürlicher Abnutzung. Hat der Beſchädigte
durch Mißbrauch, Vorſatz oder grober Fahrläſſigkeit die Beſchädigung
oder Unbrauchbarkeit herbeigeführt, ſo verliert er für die gewöhnliche
Gebrauchszeit den Anſpruch auf Inſtandſetzung oder Erſatz; auch kann er
für den Schaden haftbar gemacht werden.
Bei orthopädiſchem Schuhwerk werden die Koſten der durch die ge=
wöhnliche
Abnutzung verurſachten Beſohlung nicht erſetzt.
Statt Sachlieferung können Pauſchbeträge zur Anſchaffung der
Hilfsmittel gezahlt werden, wenn es beantragt wird und Gewähr da=
für
geboten iſt, daß der Beſchädigte die Hilfsmittel ſachgemäß beſchafft
und inſtandhält.
Vorſtehendes gilt auch für Gewährung, Beſchaffung und Erſatz von
Führerhunden und Hundegeſchirr und des letzteren Inſtandſetz=
ung
. Bei grobem Mißbrauch, grober Vernachläſſigung und grober
Mißhandlung kann der Hund entzogen werden. Die Hunde ſind mit
Geſchirr zurückzugeben, wenn ſie für ihre Zwecke dauernd unbrauchbar
wurden oder der Beſchädigte ſtirbt. Beim Tode des Hundes erfolgt
Rückgabe des Geſchirrs. War der Beſchädigte beim Ableben im Beſitz
eines Hundes, ſo kann der Hund ohne Geſchirr den Angehörigen be=
laſſen
werden.
Verſicherungskoſten, Gebühren, Steuern oder ſonſtige Unkoſten für
Halten des Hundes werden nicht erſtattet. Koſten für Arznei, Verbands=
mittel
und tierärztliche Behandlung werden in angemeſſenem Umfang
erfetzt. Den Nachweis entſtandener Unkoſten hat der Beſchädigte zu
führen.

Das Pflücken und Aufkaufen von Kiefern= und Fichtenzapfen.
Es wird auf die Verordnung des Geſamtminiſteriums vom 8. Mai 1929
hingewieſen, wonach für die jeweilige Erntezeit das Pflücken und Auf=
kaufen
von Kiefern=Zapfen vor dem 15. Dezember und von Fichtenzapfen
vor dem 1. Oktober verboten iſt. Die Zuwiderhandlung iſt unter Strafe
geſtellt, auch können gebrauchte Werkzeuge uſw. ſowie verbotswidrig ge=
ſammelte
Zapfen eingezogen werden.
Drei Sonderfahrten nach England zu günſtigen Bedingungen
ſind von dem M.E.R. Frankfurt a. M. am 14. Juli, 4. Auguſt und
1. September geplant. (Vgl. Anzeige.)
Herrngarten=Kaffee. Sonntag, den 16. Juni, nachm. 4 Uhr und
abends 8 Uhr, finden im Herrngarten=Kaffee wiederum Künſtler=
Konzerte ſtatt. (Siehe Anzeige.)
Orangeriehaus. Es wird an dieſer Stelle nochmals auf das
Konzert des Stadt=Orcheſters Ein Abend Wiener Muſik hin=
gewieſen
. Das Orcheſter leitet Herr Kapellmeiſter W. Schlupp und
kommen Werke von Strauß, Millöcker, Ziehrer und andere zur Auf=
führung
. (Siehe Inſerat.)
Lokale Beranſtaltungen.
Die Mertr erſcheinenden Notizen ſind aueſchließlich als Hinweſſe auf Anzeigen m befradtn.
in leinem Jalle irgendwie als Beſprechung oder Kritk.
Konzert findet im Hotel Poſt am Hauptbahnhof ſtatt.
Aus den Parkeien.
Deutſchnationaler Frauen=Ausſchuß. Wir wol=
len
uns in dieſem Monat Juni wie auch früher ſchon in den Som=
mermonaten
am nächſten Mittwoch, den 19. Juni, um 4 Uhr nach=
mittags
, geſellig auf dem Oberwaldhaus zuſammenfinden und bitten
alle unſere Mitglieder und Freunde, vollzählig zu kommen.

Tageskalender für Sonntag, den 16. Juni 1929.
Heſf Landestheater, Großes Haus, Anfang 19 Uhr, Ende
22 Uhr, L 27. P 6: Egmont. Kleines Haus, Anfang 19½ Uhr,
Ende 22 Uhr: Schwergewicht, Pavade‟. Die ſchöne Galathee‟.
Orpheum abends 20 Uhr: Eine einzige Nacht; nachmittags
16 Uhr: Hänſel und Gretel. Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee
Rheingold, Hotel Schmitz, Sportplatz=Reſtaurant, Kaffee Ganßmann,
Reichshof, Alte Poſt, Darmſtädter Hof, Stadt Malaga, Hotel Prinz
Heinrich, Waldſchlößchen, Bockshaut, Bismarckeck, Kaffee Jöſt. Neues
Schießhaus, Spaniſche Bodega, Schwaneck, Roſengarten, Roſenau,
Zum Schwanen, Neckartor, Hotel zur Poſt. Wiener Kronen=
bräukeller
, Dieburger Straße 97, machm. 4 Uhr: Großes
Konzert. Rummelbräu nachm. und abends: Gartenkonzert.
Orangeriehaus: Ein Abend Wiener Muſik. Lud=
wigshöhe
, nachm. 16 Uhr: Konzert. Vereinigte Ge=
ſellſchaft
, Rheinſtraße, abends 20 Uhr: Gartenkonzert.
Mathildenhöhe, 14 bis 18 Uhr: Ausſtellung Der ſchöne
Menſch. Kinvorſtellungen: Umon=Theater, Palaſt= Licht=
ſpiele
.

[ ][  ][ ]

Nummer 165

Sonntag, den 16. Juni 1929

Seite 7

Aus Heſſen.
* Aus Griesheim.
ſchreibt man uns: In der Zeit vom 1. April 1928 bis 31. März 1929
waren aus Anlaß der Schießübungen der Beſatzungstruppen in den
einzelnen in Betracht kommenden Gemarkungen folgende Gelände=
flächen
abgeſperrt:
I, Für. Infanterieſchießen:
Ackerland Wieſengelände Wald
Qm.
Qm. Qm.
) Griesheim
3 648 211 2 730 337 1941 186
b) Goddelau".
536 853 511492
c) Wolfskehlen
1036 513 628 361
II. Für Artillerieſchießen:
a) Griesheim
351 593
463 153
b) Goddelau
2380 617 585 097
c) Eſchollbrücken
108992 1002 255
d) Crumſtadt .
2894 843 158 027

I) Pfungſtadt

1826 857 466 061 510 335 14161734 6544 783 1941 188

Die Zahl der Infanterieſchießtage betrug 189, die der Artillerieſchieß=
tage
betrug 5. Auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 30. April
1929 hat die ſachverſtändig zuſammengeſetzte Feſtſtellungsbehörde in
Mainz folgende Entſchädigungsſätze als angemeſſen feſtgeſetzt:
1. Griesheim
für Infanterieſchießen".
für Artillerieſchießen
2. Goddelau
für Infanterieſchießen".
für Artillerieſchießen
3. Wolfskehlen
für Infanterieſchießen
1,2 Pf.
2,0 Pf.
für Artillerieſchießen".
0,8 Pf. 0,5 Pf.
4. Eſchollbrücken
0,8 Pf. 0,5 Pf.
für Artillerieſchießen
5. Crumſtadt
0,8 Pf. 0,5 Pf.
für Artillerieſchießen
6. Pfungſtadt
für Artillerieſchießen . . . . 0,8Pf. 0,5 Pf.
Die Vergütungen für Beſitzſtörung berechnen ſich hiernach folgender=
maßen
:
1. Gemeinde Griesheim.

0,9 Pf. 04Pf. Ackerland Wieſen. Wald
pro Qm. pro Qm. pro Qm.
2,5 Pf. 12Pf. 02Pf. 2,0 Pf. 12 Pf.
0,8 Pf. 0,5 Pf.

Artillerieſchießen:

Wieſen.
Wald
Ackerland
Wieſen

2. Gemeinde Goddelau.
Infanterieſchießen: Ackerland 636
Wieſen
511
Artillerieſchießen: Ackerland 2 380 6
Wieſen 585

3. Gemeinde Wolfskehlen.
Infanterieſchießen: Ackerland 1036 513 Qm.
Wieſen 628 361 Qm.
Artillerieſchießen: Ackerland 1826 857 Qm.
Wieſen 466 061 Qm.

4. Gemeinde Eſchollbrücken.

Wit

5. Gemeinde Crumſtadt.
Artillerieſchießen: Ackerland 2 824 843
Wieſen 158 027
6. Gemeinde Pfungſtadt.
Artillerieſchießen: Ackerland 510 335

2,5 Pf. 31 203 28 Mk. * 12 Pf. 32 764,04 Mk. .X 02Pf. 3882,374 Mk. X 0,9 Pf. 3 164,36 Mk. A 04Pf. 1852,619 Mk. Sa.: 132868,668 Mk. 2,0 Pf. 12 737,06 Mk. A. 1,2 Pf. 6 137,90 Mk. A 0,8 Pf. 19 044,94 Mk. * 0,5 Pf. 2925,49 Mk. Sa. 4845,39 Mk. Z 2.0 Pf. 2 20 730,26 Mk. R. 12 Pf. 7540,33 Mk. A 0,8 Pf. 1461485 Mk. 8 0,5 Pf. 2330,31 M.k Sa.: 4215,76 Mk. X 0,8 Pf. 8 367,38 Mk. n. X O5Pf. 5011,28 Mk. ei 1337865 zMk. A. O8Pf. 2598,74 Mk. R 0,5 Pf. 790,143 Mk. Sa.: Rffe zMk. . 0,8 Pf. 4082,68 Mk. Sa.: 4082,68 Mk.

Wenn man nun die Entſchädigung der Gemeinde Griesheim für
Induſtrie= und Artillerie=Schießübungen für 194 Tage mit insgeſamt
132 868,66 Mark mit den Entſchädigungen der Gemeinden Eſchollbrücken,
Crumſtadt und Pfungſtadt mit 13 378,66 Mk., 23 388,88 Mk. und 4082,68
Mark, deren Gelände nur für fünf Artillerieſchießtage, nicht aber für
Infanterieſchießen in Anſpruch genommen war, ſo muß man unwill=
kürlich
zu der Anſicht kommen, daß entweder die Entſchädigung der
Gemeinde Griesheim eine viel zu niedrige, oder aber diejenige der
Gemeinden Eſchollbrücken, Crumſtadt und Pfungſtadt eine übermäßig
hohe iſt. Aufgabe der hieſigen Gemeindeverwaltung wird es deshalb
ſein müſſen, in dieſer Hinſicht für die Folgezeit einen gerechteren Aus=
gleich
anzuſtreben.
J. Griesheim, 15. Juni. Gemeinderatsbericht. Dem
zweiten Nachtrag zur Ortsbauſatzung für das Bauquartier Poſch wurde
in der vom Hochbauamt Darmſtadt vorgeſchlagenen Form zugeſtimmt.
Die im Ueberſichtsplan vol Juli 1926 auf dem Grundſtück Flur XXXV
Nr. 475 eingetragene Straße ſoll auf den Einſpruch mehrerer Grund=
beſitzer
ſo gelegt werden, daß die eine Straßenhälfte auf die Grundſtücke
der Beſchwerdeführer und die andere Hälfte auf das Grundſtück Flur
XXXI Nr. 466 zu liegen kommt. Der vom Heſſ. Hochbauamt Darm=
ſtadt
aufgeſtellte Ortsbauplan für die Poſch wurde unter folgenden Ab=
änderungsvorſchlägen
im Prinzip gufgeheißen: a) Die Parallelſtraße
(Sackgaſſe) zum Grenzweg ſoll bis zur nächſten Querſtraße durchgeführt
werden, 5) die Straßengrenze öſtlich des Saxe’ſchen Grundſtücks ſoll
mit der Eigentumsgrenze zuſammenfallen. Die vorgeſehene Straßen=
breite
ſoll beſtehen bleiben. Für die Umwandlung der vorläufigen
Gewerbeſteuer für das Rechnungsjahr 1928 in eine endgültige Gewerbe=
ſteuer
werden im Verhältnis 1:1 folgende Ausſchlagsſätze feſtgeſetzt auf
je 100 RM. Gewerbekapital 0,60 RM., auf je 100 RM. Gewerbeertrag
2,50 RM. Für die hieſige Epangeliſche Kirchengemeinde wurde die
Bürgſchaft gegenüber der Heſſ. Landesbank in Darmſtadt in Höhe von
7000 RM., übernommen. Desgleihen wurde die Bürgſchaft für Friedrich
Wilhelm Krämer gegenüber der Heſſ. Landesbank in Darmſtadt in Hölze
von 4300 RM. übernommen. Kräner hat der Gemeinde eine entſpre=

chende Rückſicherung zu bieten. Die Gebühren für die Benutzung des
Gemeindefeſtplatzes im Dürren Kopf wurden wie folgt feſtgeſetzt: Für
ein eintägiges Feſt 10 Mark, für ein zweitägiges Feſt 20 Mark, für ein
dreitägiges Feſt 30 Mark uſw. Dem Geſuch des Ferdinand Kirſtein
hier um Freigabe des von ihm erworbenen Wohnhauſes Neue Darm=
ſtädterſtraße
14 aus der Zwangsbewirtſchaftung wurde ſtattgegeben, da
das Haus als Lagerraum für ſeinen G=ſchäftsbetrieb Verwendung finden
ſoll. Gegen die Verteilung der ſtaatlichen Baudarlehen haben einige
Intereſſenten beim Kreisamt Beſchverde verfolgt, die dem Gemeinderat
zur Kenntnis gebracht wurden. Der Gemeinderat hält jedoch an ſeiner
urſprlinglichen Verteilung feſt
Wixhauſen, 15 Juni. Eine Miſch=Abſatz=Genoſſenſchaft für Darm=
ſtadt
und Umgegend wurde hier gegründet. (Siehe Anzeige.)
Heppenheim a. d. B., 15. Juni. Wie erſt jetzt bekannt wird, wurde
mit Genehmigung des Heſſiſchen Oberverſicherungsamts Darmſtadt Herr
Oberſekretär Ph. Knapp zum ſtellvertretenden Geſchäftsführer der
Allgemeinen Ortskrankenkaſſe für den Kreis Heppenheim ernannt.

4, Offenbach, 1. Junf. Mieterbaugenofſenſchafts=
prozeß
. Nach achttägiger Verhandlung vor dem erweiterten Schöffen=
gericht
wurde vorgeſtern in dem Strafprozeß gegen die Offenbacher
Mieterbaugenoſſenſchaft das Urteil geſprochen. Es wurden 8 Angeklagte
von 9 Nechtsanwälten von hier und Frankfurt verteidigt. Das Ver=
fahren
gegen den Kaufmann Vonrhein, Schriftführer der Genoſſen=
ſchaft
, und zwei weitere Angeklagte mußte abgetrennt werden, da
Vonrhein erkrankt iſt. Es wird gegen ſie ſpäter verhandelt werden. Es
wurden vorgeſtern vier Angeklagte freigeſtrochen. Der Vorſitzende der
Genoſſeuſchaft, der Erheber Hermann Knaus, geb. zu Sceinheim, Kreis
Gießen, wurde wegen Betrugsverſuchs, Untreue und Vergehens gegen
das Genoſſnſchrftsgeſetz zu drei Monaten Gefängnis und dreihun=
dert
Mark Geldſtrafe verurteilt.

Die Bekämpfung der Ermüdung
durch Reizmittel iſt auf die Dauer nicht richtig. Sie tun gut, ſie durch
eine Kraftnahrung zu beheben. Ovomaltine, dieſes ausgezeichnete
Nähr= und Kräftigungsmittel, aus Malzextrakt, Milch und Eiern, ver=
ſchafft
Ihnen in kurzer Zeit eine geiſtige Friſche und ein körperliches
Wohlbehagen, wie in Ihren beſten Tagen. In Apotheken und
Drogerien vorrätig; 250=gr=Büchſe RM. 2,70, 500 gr RM. 5. Gratis=
probe
und Druckſachen durch:
(1/6277
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen.

Aa. Eberſtadt, 15. Juni. Die Kirſchenernte iſt auch in der
hieſigen Gemarkung bereits in vollem Gange. Mit dem Ertrag iſt man
im allgemeinen zufrieden. Die meiſten Kirſchen werden nach Darm=
ſtadt
auf den Markt gebracht. Die Preiſe ſind in den letzten Tagen ſtark
geſunken. Unfall. Ein hieſiger Arbeiter, der gegenwärtig in
Crumſtadt bei den Waſſerleitungsarbeiten beſchäftigt iſt, wurde an der
Hand von einem herabfallenden Stein ſo unglicklich getroffen, daß der
kleine Finger der einen Hand glatt abgeſchlagen wurde.
Aa. Pfungſtadt, 15. Juni. 85. Geburtstag. Rektor Wilhelm
Jckes, Lehrer i. R. und Ehrenmitglied des Heſſiſchen Landeslehrer=
tereins
, konnte am Samstag in körperlicher und geiſtiger Rüſtigkeit
ſeinen 85. Geburtstag begehen. Dem verehrten Lehrer, wurden diele
Chrungen zuteil. Am Dienstag komender Woche kann die Witwe
Katharina Crößmenn in der Lindenſtraße ihren 87. Geburtstag begehen.
4a. Eſchollbrücken, 15. Juni. Amtseinführung. Der neuie
Gemeinderechner von Eſchollbrücken, Heinrich Roth 11., iſt dieſer Tage
in ſein Amt eingeführt worden. Außerdem wurde der neue Sparkaſſen=
rechner
Adam Delp verpflichtet. Die Einführung und Verpflichtuug des
neuen Vürgermeiſters Kiſtinger erfolgt zu Beginn der nächſten Woche
durch, Oberregierungsrat Haberkorn vom Kreisamt Darmſtadt.
Groß=Zimmern, 15. Juni. Werbeveranſtaltung der
Heag. Es dürfte von großem Intereſſe ſein, daß die Heag am 17.
und 18. Juni im Gaſthaus zur Linde einen Vortrag bzw. eine elektriſche
Sprechſtunde abhält, die ſicherlich wie überall zahlreiche Beſucher finden
dürfte. Am Montag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, findet ein Vortrag
über das Thema Der elektriſche Haushalt ſtatt, verbunden mit einer
Anzahl praktiſcher Vorführungen. Der Redner iſt Herr A. Heß von der
Werbeabteilung der Heag. Der Eintritt zum Vortrag iſt frei. Es wer=
den
Filme gezeigt in Verbindung mit Schallplattenkonzert. Die zube=
reiteten
Speiſen werden an die Anweſenden verteilt. Entgegenkommen=
derweiſe
wird die Heag außerdem Freiloſe an die Beſucher abgeben, die
die glücklichen Gewinner, in den koſtenloſen Beſitz eines praktiſchen
elektriſchen Gegenſtandes ſetzen werden. Am Dienstag, den 18. Juni, nach=
mittags
von 36 Uhr, findet elektriſche Sprechſtunde ſtatt. (Vgl. auch
Anzeige.)

IV.553

Rheinheſſen.

Ac. Worms, 14. Juni. Meſſerſtecherei. Nach einer Verſamm=
lung
der Nat.=Soz. Arbeiterpartei im Feſtſpielhaus entſtand zwiſchen
den Teilnehmern an der Verſammlung und politiſchen Gegnern in der
Bahnhofſtraße vor dem Poſtamt eine Stecherei, bei der ein National=
ſozialiſt
aus Oſthofen mehrere Stiche in den Rüchen und ein hieſiger
Arbeiter einen Stich in die Hand erhielt. Ueber die Schuldfrage ſchwebt
eine Unterſuchung. Verkehrsunfall. In der Siegfriedſtraße
iſt abends gegen 9 Uhr ein Perſonenauto mit einem Motorradfahrer
zuſammengeſtoßen, der dabei von ſeinem Rade geſchleudert wurde und
ein Bein gebrochen hat, Bildhauerkunſt. An dem Schlöß=
chen
des Freiherrn Cornelius von Hehl wurde ein in Pfälzer Sand=
ſtein
ausgehauenes künſtleriſches Familienwappen angebracht, das die
Wappenzeichen der Familie Heyl und der von Yſenburg=Büdingen zeigt.
Die ausgezeichwete Arbeit ſtammt von Bildhauer Joſef Hippler, Worms.
Ah. Bingen, 14. Juni. Ein falſcher Erzherzog als
mittellloſer Wanderer im Rheinland. Der an=
gebliche
Erzherzog Franz Joſef II. von Oeſterreich glich ſeinem Vor=
gänger
, dem falſchen Hohenzollernprinzen Harry Domela, nicht. Er zoa
als Wanderer durch das Rheinland und gab an, nach dem Internatio=
ualen
Schiedsgerichtshof im Haag zu wollen, um dort ſeine Rechte auf
eine Millionenerbſchaft geltend zu machen, die ihm zu Unrecht entzogen
worden ſei. Nach ſeiner Angaße war er der Sohn des in Schloß Mayer=
ling
umgekommenen Erzherzogs Nudolf und der Baroneſſe Vetſera
und will turz vor deren Tod das Licht ter Welt erblickt haben. Der
angebliche Erzherzog übernachtete an Oſtern in Bingen a. Rh. Sein
Weg führte ihn ins Nahetal und nicht viel ſpäter vernahm man, daß er
nichzt weit von Bingen, in Stromberg, eingetruffen war. Um die Pfingſt=
tage
weilte er in Koblenz un dam 23. Mai jraf er in Trier ein.
Er meldete ſich hier wie überall obdachlos, doch ſeinen Angaben wurde
nicht Glauben geſchenkt und es wurden umfangreiche Ermittlungen von
ſeiten der Trierer Polizei angeſtellt. Dieſe ergaben, daß es ſich bei dem
angeblichen Erzherzog um einen mehrmals wegen Diebſtahls vorbeſtraf=
ten
Zuchthäusler handelt. Der Schvindler wird ſich nun demnächſt
wvegen Urkundenfälſchung und Führung eines falſchen Namens vur Ge=
richt
zu verantworfen haben.

Oberheſſen.

A. Mörlenbach, 15. Juni. Dreiſte Diebe brachen hier in das
Kolonialwaren= und Kurzwarengeſchäft Rüdenauer machts ein. Jeden=
falls
waren ſie mit der Dertlichkeit bekannt, denn ſie enbrachen auf der
Rückſeite des Verkaufsladens ein Fenſter und drangen in dieſen unbe=
helligt
ein. Hier ſuchten ſie ſich ihre Beute unter den Woll=, Strumpf=
und Wirkwaren, von denen ſie für etliche hundert Mark Wert entwen=
deten
. Die Gendarmerie von Birkenau wurde nach Bekanntwerden der
Tat ſofort in Kenntnis geſetzt. Ihre Bemühungen, mit einem Polizei=
hund
irgendwie der Täter habhaft zu werden, waren bis jetzt, wie man
hört, erfolglos, da dieſe ſehr vorſichtig zu Werk gingen. Man mutmaßt,
daß es ſich um dieſelben Täter handelt, die vor eimiger Zeit in das
hieſige Konſumgeſchäft einbrachen; damals aber nur einen kleineren
Warenbetrag auf die Seite ſchaffen konnten.
1. Aus dem Birkenauer Tal, 15. Juni. Mit einem Geſellſchaftsauto
aus Bonn beſuchten 25 Holländer das Birkenauer Tal, und hielten
Einkehr in der Fuchs’ſchen Mühle. Ein junger Holländer, der trotz
ausdrücklichen Verbotes eine Falſenpartie unterhalb der V. S. C.= Wachen=
burg
erkletterte, ſtürzte dabei ab und zog ſich Verletzungen an Kopf,
Schulter und Bein zu. Ein mit der Geſellſchaft fahrender Arzt leiſtete
die erſte Hilfe. Der ſchwerverletzte junge Mann wurde mittels Sani=
tätswagens
ins Krankenhaus überführt,
Gernsheim, 15. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
14. Juni 1,83 Meter, am 15. Juni 1,79 Meter.
Hirſchhoen, 15. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
14. Juni 1,06 Meter, am 15. Juni 1,13 Meter.

h. Gießen, 14. Juni. Den Auftakt zum Gleiberg=Jubiläum bildet
am Sonntag die Gleiberg=Gedächtnis=Ausſtellung des
Oberheſſiſchen Kunſtvereins zu Gießen im Turmhaus am Brand. Die
Ausſtellung umfaßt Gemälde und Bilder aus Gleibergs alter und neuer
Zeit, ſowie eine beſondere Abteilung des berühmten Kupferſtechers Wille
von der oberen Mühle an der Bieber unweit Gleiberg. Das hiſtoriſche
Feſtſpiel. Gleiberg wird erſtmals am 27. Juni im Stadttheater Gie=
ßen
aufgeführt. Es ſoll je nach Bedarf wiederholt werden. Die beiden
Hauptfeſttage, 29. und 30. Juni, werden auf der Burg begangen. Glanz=
punkte
werden ſein: Feſtakt im Ritterſaal, Hiſtoriſcher Feſtzug, Heimat=
und Volksfeſt und abends die Burgbeleuchtung. Immer noch
beträchtliche Wohnungsnot. In der Mieterverſammlung
führte Stadtverordneter Mann aus, daß Gießen 8 111 Haushaltungen
zähle, jede achte Familie ſei ohne eigne Wohnung; es werde noch eine
Reihe von Jahren vergehen, bis die Wohnungsnot endgültig beſeitigt
ſei. In der Nachkriegszeit ſind 884 Wohnungen erſtellt worden. Hin=
ſichtlich
der Wohnungen für kinderreiche Familien ſteht Gießen in Heſ=
ſen
an letzter Stelle. Infolge der Wohnungsnot ſind zahlreiche junge
Leute vorhanden, die noch keinen Familienſtand gründen konnten.
Ein ſchwerer Motorradunfall ereignete ſich geſtern abend
um 6 Uhr an der Unterführung Frankfurterſtraße und Mainweſerbahn,
direkt am Ortseingang Kleinlinden. Ein Kraftfahrer kam in ſcharfem
Tempo von Gießen. An der Unterführung konnte er die Kurve nicht
nehmen und rannte gegen einen Pfeiler der Brücke. Der Fahrer blieb
mit erheblichen Verletzungen liegen; man trug ihn in die Wirtſchaft
Nangierkopf und verbrachte ihn mit einem Auto nach Hauſe.
h. Gießen, 14. Juni. Die viertägige Heſſenfahrt des Deutſchen
Grünlandbundes nimmt nächſten Sonntag ihren Anfang. Auf der Rund=
fahrt
werden die Grünlandgebiete Heſſens einer eingehenden Beſichti=
gung
unterzogen. Der Gedanke des neuzeitlichen Futterbaues wird ſeit
einigen Jahren im Heſſenland von der Landwirtſchaftskammer und dem
Verein für Grünlandwirtſchaft eifrig gepflegt. Die Heſſenfahrt findet
anläßlich der 8. Tagung des Deutſchen Grünlandbundes ſtatt, Landwirte
aus allen Gauen Deutſchlands werden die oberheſſiſchen Grünland=
gebiete
, beſonders im Vogelsberg, beſichtigen. Die Grünlandgebiete=
in
Oberheſſa betragen im Kreiſe Lauterbach 14 G51 Hektar, im Kreiſe
Schotten 13 143 Hektar, im Kreiſe Alsfeld 12100 Hektar, im Kreiſe
Büdingen 8110 Hektar.
h. Schotten, 14. Juni. Mit der Errichtung eines Gefalle=
nen
=Denkmals beſchäftigte ſich im nahen Eichelsdorf eine Bürger=
verſammlung
, die von Bürgermeiſter Knodt geleitet wurde. Als Stand=
ort
des Ehrenmals iſt die Landzunge zwiſchen Nidda und Eichel ins
Auge gefaßt. Der Bau des Denkmals iſt mit 5000 RM. veranſchlagt.
h. Alsfeld, 14. Juni. Feuer brach in der Hofreite des Landwirts
Karl Mull im nahen Amsheim aus und äſcherte in kurzer Zeit die
Scheune nebſt Stallungen ein. Die Ortsfeuerwehr und mehrere Wehren
der Nachbardörfer konnten nach mühevoller Arbeit ein Verbreiten des
Feuers verhindern und dasſelbe auf ſeinen Herd beſchränken.
h. Vom Hoherodskopf. 14. Juni. Ein Jagdhütteneinbruch
wurde im benachbarten Buſenborn verübt. Die Diebe drangen in das
erſt vor kurzem neu hergerichtete Jagdhäuschen ein und nahmen alles
Begehrenswerte mit. Einem Schäfer zu Kaulſtoß wurden aus ſeinem
Schlafwagen ein Mantel, Bettzeug und eine Steppdecke geſtohlen.
m. Aus dem Lande, 15. Jum. Landwirtſchaftliches. Die
Landwirtſchaftsämter entfalten in bezug auf Gemarkungsrundgänge eine
äußerſt rege Tätigkelt. Das Landwirtſchaftsamt Alzey hat Rundgänge
vorgeſehen für 27 Orte; Mainz für 7 Orte; Lich für 3 Orte; Michelſtadt
für 9 Orte; Büdingen für 1 Ort; Darmſtadt für 2 Orte; außerdem iſt
(in Vortrag der Handwirtſchaftskammer an einem Ort. Dieſe Rundgänge
zeigen neben der Theorie auch die Praxis, dabei kann man erkennen, wie
ſich die Neuerungen auswirken, ohne daß man ſelbſt jede ausprobiert;
der ehrliche Berufskollege wird nicht nur die Erfolge zeigen, ſondern
auch das, was ſich vielleicht weniger bewährt hat.

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Seite 8

Gonntag, den 16. Juni 1929

Nummer 165

Beginn: Montag

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Neue Träger der Unfallverſicherung.

p. Soweit nicht Körperſchaften, Stiftungen oder Anſtalten des
öffentlichen Rechts Verſicherungsträger ſind, iſt die Unfallverſicherung
nach dem Reichsgeſetz vom 20. Dezember 1928, wie folgt, geregelt. Es
wird eine Berufsgenoſſenſchaft für Geſundheitsdienſt und Wohlfahrts=
pflege
errichtet, der angehören:
a) Krankenhäuſer, Heil= und Pflegeanſtalten, Entbindungsheime und
ſonſtige Anſtalten, die Perſonen zur Kur oder Pflege aufnehmen;
ferner Einrichtungen und Tätigkeiten in der öffentlichen und freien
Wohlfahrtspflege und im Geſundheitsdienſt.
b) die Laboratorien für mediziniſche Unterſuchungen und Verſuche,
e) die Laboratorien für naturwiſſenſchaftliche Unterſuchungen und Ver=
ſuche
die für Zwecke des Geſundheitsdienſtes arbeiten,
4) die Betriebe, die Röntgeneinrichtungen im Geſundheitsdienſte ver=
wenden
.
Die Verſicherung von Apotheken bleibt unberührt, ſoweit ſie nicht
Beſtandteile eines anderen Betriebes ſind und dieſer Betrieb zu den in
a genannten Betrieben gehört. Laboratorien und Röntgenbetriebe an=
derer
als der in b bis d bezeichneten Arten ſind bei den Berufsgenoſſen=
ſchaften
verſichert, deren Betrieben ſie vorwiegend dienen. Dienen ſie
nicht vorwiegend beſtimmten Gewerbezweigen, ſo iſt die Berufsgenoſſen=
ſchaft
der chemiſchen Induſtrie zuſtändig.
Schauſpielunternehmungen und die Betriebe zur Bewachung von
Betriebs= und Wohnſtätten ſind bei der auf Grund des 8 629 Abſ. 2
NVO. errichteten Verſicherungsgenoſſenſchaft verſichert.
Verſicherungsträger für Rundfunkgeſellſchaften, die im Beſitz einer
Verleihung der Reichspoſt ſind und eine Nundfunkſendeanlage derſelben
benutzen, iſt das Reich.
Verſicherungsträger für die Lichtſpielbetriebe iſt: 1. ſoweit es ſich
um den Vertrieb von Lichtſpielſtreifen handelt, die Großhandels= und
Lagerei=Berufsgenoſſenſchaft; 2. im übrigen die Berufsgenoſſenſchaft der
Feinmechanik und Elektrotechnik.
Das Bedienen der Gäſte in Schank= und Gaſtwirtſchaften iſt bei der
Berufsgenoſſenſchaft für den Einzelhandel verſichert, wenn der Betrieb
zur Behandlung und Handhabung der Ware bei dieſer Berufsgenoſſen=
ſchaft
verſichert iſt; ſonſt iſt die Nahrungsmittel=Induſtrie= Berufsgenoſ=
ſenſchaft
für die Verſicherung des Bedienens zuſtändig.

Werden für Zwecke eines vorwiegend auf die Beköſtigung der Gäſte
gerichteten Unternehmens, bei dem das Bedienen der Gäſte verſichert iſt,
auch Darbietungen von Schauſpielunternehmungen uſw. gewährt, ſo
unterliegen ſie der Verſicherung bei dem für das Bedienen der Gäſte zu=
ſtändigen
Verſicherungsträger.
Bei der Berufsgenoſſenſchaft für Geſundheitsdienſt und Wohlfahrts=
pflege
werden Abteilungen errichtet für: 1. Die Unternehmer, die Mit=
glieder
der in der deutſchen Liga der freien Wohlfahrtspflege vereinig=
ten
Verbände ſind; 2. die bei der Berufsgenoſſenſchaft verſicherten Trä=
ger
der ſozialen Verſicherung und Erſatzkaſſen der Kranken= und Ange=
ſtelltenverſicherung
, ſowie der Hauptausſchuß für Arbeiterwohlfahrt und
die ihm angehörenden Unternehmer; 3. die Aerzte ſowie die ärztlich ge=
leiteten
Anſtalten und Einrichtungen, ſoweit ſie nicht in die 1. oder 2.
Abteilung gehörten; 4. die Zahnärzte; 5. die Dentiſten; 6. die Hebammen,
7. die übrigen Unternehmer.
Die Vorſchriften der Gewerbeunfallverſicherung über die Sektionen
der Berufsgenoſſenſchaften gelten entſprechend. Für die Rentenlaſt aus
Unfällen nach dem 30. Juni 1928 iſt der Kapitalwert nach näherer Be=
ſtimmung
des Reichsverſicherungsamts aufzubringen. Die Abteilung
bringt die erforderlichen Mittel durch jährliche Beiträge der Unter=
nehmer
auf; die Beiträge werden nach der Kopfzahl der Verſicherten
berechnet, die regelmäßig in den verſicherten Betrieben und Tätigkeiten
tätig ſind.
Bei der Verſicherungsgenoſſenſchaft wird je eine Abteilung für die
Neittier= und Fahrzeughaltungen, für die bei dieſer Genoſſenſchaft ver=
ſicherten
Betriebe der Schauſpielunternehmungen und für die Betriebe
zur Bewachung von Betriebs= und Wohnſtätten errichtet. Die Vor=
ſchriften
der Gewerbeunfallverſicherung über die Sektionen der Berufs=
genoſſenſchaften
gelten entſprechend. Bei der für Geſundheitsdienſt und
Wohlfahrtspflege errichteten Berufsgenoſſenſchaft und bei den Abteilun=
gen
der Verſicherungsgenoſſenſchaft für Schauſpielunternehmungen uſw.
und Bewachungsbetriebe gilt als erſtes Geſchäftsjahr die Zeit vom
1. Juli 1928 bis 31. Dezember 1929.
Die Vorſtände der Genoſſenſchaften können beſchließen, daß bei der
Umlage für das Jahr 1928 die durch das Geſetz vom 20. Dezember 1928
der Verſicherung neu unterſtellten Perſonen nicht zu berückſichtigen ſind.

Knochenmarkenkzündung als Folge eines Hundebiſſes.
Schadenerſatzpflicht des Hundebeſitzers.
(Nachdruck verboten.)
1s. Im Oktober 1923 wurde der damals 7 Jahre alte Kläger.
als er die Haustür zur Wohnung des Beklagten, öffnen wollte,
von einem Hunde des Beklagten in den rechten Unterſchenkel ge=
biſſen
. Durch rechtskräftiges Urteil wurde der Beklagte zum Erſatz
der Kurkoſten verurteilt. Am 23. Okt. 1926 erhob der Kläger eine
neue Klage, mit der er Erſtattung weiterer Koſten und Zahlung
einer monatlichen Rente von 30 Mark verlangt. Und zwar be=
hauptet
er, daß eine ſpäter eingetretene Knochenmarkentzündung
des linken Oberſchenkels eine Folge des Hundebiſſes ſei und
einen neuen ſelbſtändigen Schaden bilde. Der neue Klageanſpruch
iſt in ſämtlichen Inſtanzen Landgericht und Oberlandesgericht
Darmſtadt und Reichsgericht dem Grunde nach für
gerechtfertigt erklärt worden. Aus den reichsgerichtlichen
Entſcheidungsgründen: Der Kläger iſt von dem biſſigen Hunde
des Beklagten gebiſſen worden, ohne daß er einen Anlaß dazu ge=
boten
hatte. Mit Rückſicht auf die Bösartigkeit des Tieres hätte
es der Beklagte mit ganz beſonderer Sorgfalt beaufſichtigen
müſſen. Dieſe Sorgfalt iſt dadurch außer acht gelaſſen, daß der
Hund nicht angebunden war, während das Hoftor unverſchloſſen
war und jedermann Zutritt zum Hofe hatte. Allerdings iſt feſt=
geſtellt
, daß der an ſich leichte Hundebiß am rechten Unterſchenkel
wohl ausgeheilt ſein würde, wenn nicht eine Infektion hinzu=
gekommen
wäre. Dieſe ſpätere Erſcheinung ſchließt aber die nach=
trägliche
Geltendmachung des Schadens nicht aus. Von Verjäh=
rung
kann hier keine Rede ſein. Reichsgerichtsbriefe‟. (/1 353/28.
25. Februar 1929.)

Briefkaſten.

Jeder Anfrage iſt die ſetzte Bezugsquſitung beizufügen. Anonyme Anfragen werden".
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechteverbindlichkeit.
K. S. Abends bis 10 Uhr. Gegen übermäßige Beläſtigung durch
derartige Anlagen und Inſtrumente wäre das Polizeiamt anzugehen.
Eine Neuregelung der Materie auf dem Wege einer Polizeiverordnung
wird ſich nicht umgehen laſſen.
B. i. 3. Wenden Sie ſich an den Heſſ. Fechtverein Waiſenſchutz.

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Nummer 165

Sonntag, den 16. Juni 1929

Seite 9

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Statt Korten.

Für die vielen Glückwünſche und Aufmerkſamkeiten, welche
mir anläßlich meines 25jährigen Dienſtjubiläums zuteil wurden,
danke ich herzlichſf.
Beſonders danke ich der Stadtverwaltung, der Direltion der
Städtiſchen Betriebe, den Herren Tierärzten des Schlachthofes,
den Beamten, Angeſiellten und Arbeitern der Städt. Betriebe
und des Schlachthofes, den Kollegen der Kaſſe und Buchhal=
tung
, der Metzger=Innung Darmſtadt, ſowie der Gewerkſchaft
heſſiſcher Gemeindebeamten.
(10066

Franz Ruppert
Verwaltungs=Oberſekretär Schlachthofkaſſier.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute Nacht verſchied nach kurzer, ſchwerer Krankheit
infolge eines Herzleidens meine liebe, unvergeßliche Frau,
unſere herzensgute, treubeſorgte Mutter, Schweſier,
Schwägerin unb Tante
Klara Muſch, geb. Scheck
im Alter von 41 Jahren.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Muſch, Gendarmeriemeiſter
nebſt Kindern.
Hirſchhorn am Neckar, den 15. Juni 1929. (10025
Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Juni 1929,
nachm. 3 Uhr, vom Trauerhauſe in Hirſchhorn aus ſtatt.

Am 13. Juni verſchied nach langem, ſchwerem Leiden
meine innigſigeliebte Frau, unſere treubeſorgte Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Frau Marie Trautmann, geb. Heinlein
im Alter von 45 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Jakob Trautmann nebſt Kindern.
Kolonie Grohberg 9d
Die Beerdigung findet Montag, 17. Juni, nachmittags
3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſiatt.

Herr Georg Darmſtädter und ſeine
Ehefrau Maria, geb. Beker in
Weiterſtadt feiern Sonntag, 16. Juni,
das Feſt der Silbernen Hochzeit.
(1007
Glück auf zur Goldenen!

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Mutter, Großmutter und Schweſter im 67. Lebensjahre
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Wilhelm Merck
Karoline Reinhold, geb. Merck
Adelheid Gräfin von Kalckreuth, geb. Merck
Kurt Wolff
Dr. Peier Reinhold
Graf Johannes von Kalckreuth
und T Enkelkinder.
München, Darmſtadt, Dresden,
Berlin, Koburg, 15. Juni 1929.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.

ſchöpft aus dem nie verſagenden Jungbrunnen der
harmoniſchen Verbundenheit von Leib und Seele.
Sie weiß auch und fühlt es inſtinktiv, daß eine
kebensſriſche und reizvolle Individualität in hohem
Maße von einer vollendeten perſönlichen Hygiene
abhängt. Nur dadurch bleiben ihr alle körperlichen
Beſchwerden und tiefen ſeeliſchen Verſtimmungen
erſpart, nicht zuletzt auch die peinliche Unſicherheit,
zumal bei duftiger Kleidung.
In kurzer Zeit hat die Reform=Damenbinde
Camelia Millionen von Damen von den ver=
alteten
unhygieni=
ſchen
und unäſthe= Hygienisch sein

tiſchen Methoden mit Camelia allein!
befreit. Bindenwaſchen und die ſonſtigen Nachteile,

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weg. Die Reform=Damenbinde Camelia‟
verleiht größere perſönliche Reinheit und neue
Freiheit. Sie iſt weicher flaumiger und auf=
ſaugefähiger
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* lem auch geruchaufſau=
Panue
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in Seener modernster Fabrik unter / Schachtel 108c, 71 W. C.). Abgerundete
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ſchmiegbarkeit
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Befestigung der Binde und Re. / Schachtelinsst)m. un ſächlich in Verbindung
mit dem neuen
Camelia‟-Gürtel.

Warnung!

vor minderwertigen
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[ ][  ][ ]

Sonntag, den 16. Juni

Nummer 165

Preußenkaſſe und Bereinheitlichung
des tanonchen wenofienſchafisbefens.
Der Präſident der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe,
Rechtsanwalt Klepper, hatte die Vertreter der Preſſe zu einer Be=
ſprechung
geladen, in der er zu der Frage der Vereinheitlichung
des ländlichen Genoſſenſchaftsweſens vom Standpunkt der Preußen=
kaſſe
aus Stellung nahm. Er ging davon aus, daß im Grundſatz
die Meinungen über dieſe Frage übereinſtimmen und daß die
ſachliche Behandlung der Vereinheitlichung das weſentliche
Arbeitsgebiet der Preußenkaſſe ſei. Dabei ſind es zwei Fragen,
die dem Weſen des Genoſſenſchaftsweſens eigentlich zuwider lau=
fen
nämlich die untrennbare Verbundenheit der Vereinheitlichung
mit finanzieller Bereitſchaft der öffentlichen Hand, weil ſie ohne
dieſe Mittel nicht durchzuführen und daher kein Produkt der ge=
noſſenſchaftlichen
Selbſtverantwortung und Selbſthilfe iſt ferner
die ſachliche Führung bei der Vereinheitlichung durch das Zentral=
kreditinſtitut
und nicht durch Selbſthilfeorganiſationen. Dieſe bei=
den
Punkte erklären ſich aus der Entwicklung, die das Genoſſen=
ſchaftsweſen
, beſonders unter der Wirkung der großen Kredit=
bewegungen
der Jahre 1924/25. genommen hat, und zwar zu ſei=
nem
erheblichen Schaden. Da Mittel der Genoſſenſchaften nicht
vorhanden ſind, muß man ſich damit abfinden, daß die öffentliche
Hand bei der Vereinheitlichung des ländlichen Genoſſenſchafts=
weſens
mitwirkt, und das Hervortreten der Preußenkaſſe als ſol=
che
: iſt darauf zurückzuführen, daß ſie als zentrale Ausgleichsſtelle
des geſamten Genoſſenſchaftsweſens, mit der jede Zentralkaſſe der
Genoſſenſchaften arbeitet, die finanzielle Funktion in erſter Linie
auszufüllen hat, weil ſie eben die Geldverbindungen beſitzt. Man
muß ſich nach Anſicht Kleppers daher von dogmatiſchen Geſichts=
punkten
, die an und für ſich dem Genoſſenſchaftsweſen entſprechen,
trennen.
Nach dieſen allgemeinen Ausführungen behandelte der Präſi=
dent
der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe dann zunächſt die
ſachliche Seite der Zuſammenlegung. Er ſchilderte in einem Ueber=
blick
die jetzige organiſatoriſche Struktur des Genoſſenſchaftsweſens
ſowie ſeine Unterbauten nach den verſchiedenen Arten der heute
beſtehenden Genoſſenſchaften und ſtellte feſt, daß auf Grund dieſes
Ueberblicks zwei ſyſtematiſche Korrekturen vorgenommen werden
müſſen: 1. die Entſpannung des in der Nachkriegszeit überſpann=
ten
Haftſummenſyſtems, 2. die Beſeitigung des Gegen= und Durch=
einanders
der verſchiedenen Stellen bzw. Arten des Genoſſen=
ſchaftsweſens
in den einzelnen Bezirken. Neben der Entſpannung
des Haftſummenſyſtems muß die Verflechtung aufgelöſt werden
mit dem Endergebnis, daß das geſamte Haftſummenſyſtem in
ſeiner Spannung und Verflechtung nach Möglichkeit vereinfacht

noſſenſchaften verſchiedener Art vorhanden ſind, iſt keine Erhöhung
der Leiſtungsfähigkeit eingetreten, ſondern durch dieſen Kampf hat
ſich ſchließlich der Zuſammenbruch eingeſtellt (Oſtpreußen). Das
Prinzip muß nach Anſicht Kleppers der Grundſatz ſein, in einem
Wirtſchaftsgebiet jeweils nur eine genoſſenſchaftliche Stelle arbei=
ten
zu laſſen. Nach Behandlung des wirtſchaftlichen Aufbaues
wandte ſich dann Klepper dem verbandlich genoſſenſchaftlichen Auf=
bau
im Zuge der Vereinheitlichung zu, wobei er feſtſtellte, daß
der Schwerpunkt nicht in der Frage der Schaffung des Einheits=
verbandes
, ſondern in der Rationaliſierung des Geſchäftsappa=
rates
liege. Letztere und die Vereinheitlichung der Verbandsorga=
niſation
ſeien bedingte Probleme; würde man die Frage der
Rationaliſierung des landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsweſens bei
der Zuſammenlegung der Verbände erfaſſen, ſo würde nach Anſicht
Kleppers die ſo notwendige Rationaliſierung, beſonders in wirt=
ſchaftlicher
Hinſicht, nicht gewährleiſtet ſein. Durch die Erfaſſung
der Vereinheitlichung der geſchäftlichen Organiſation komme man,
unter Berückſichtigung der geſchilderten Bedingtheit, ſchneller zum
Ziele als nach den Richtlinien der Reichsregierung, die nur den
(eſichtspunkt des Einheitsverbandes in den Vordergrund ſtellt.
Die Preußenkaſſe hat daher die geſchäftliche Zuſammenlegung
durchgeführt.
Zu der Frage, des Einheitsverbandes äußerte ſich Klepper
dahingehend, daß die Rationaliſierung des Geſchaftsapparates not=
wendigerweiſe
zur Vereinheitlichung der Verbandsorganiſation
führen müſſe weil Hand in Hand mit der Zuſammenlegung im
Mittelbau (Rationaliſierung des Geſchäftsapparates) eine ſolche
der Verbände in den einzelnen Provinzen und Ländern gehe ſo
daß ſich dann ſpäter der Einheitsverband bilden laſſe. Die Schaf=
fung
des großen Einheitsverbandes d. h. des Zuſammenſchluſſes
der zentralen Verbände der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
in einen einzigen Spitzenverband, iſt nach Anſicht Kleppers nicht
ſofort nötig, weil es zudem auch kein unbedingtes Erfordernis der
gegenwartigen Lage iſt, eine Löſung der Einheitsverbandsfrage
herbeizuführen. Der Rationaliſierungsprozeß iſt im Gange und
ſchreitet fort, und Klepper glaubt, daß ſich ſo am beſten auch eine
Löſung der Organiſationsfrage einſtellen wird. Andererſeits iſt
Rechtsanwalt Klepper der Meinung, daß der neu zu ſchaffende
Einheitsverband gleichzeitig Reviſionsſtelle für alle angeſchloſſenen
Genoſſenſchaften ſein muß neben der repräſentativen Funktion, die
er auszufüllen hat. In dem Bewußtſein, daß ein ſolcher Einheits=
verband
und Preußenkaſſe in grundſätzlichen Fragen aufeinander
angewieſen ſind, will die Preußenkaſſe trotz ihrer abwartenden
Haltung in der Frage der Schaffung dieſes Einheitsverbandes die
Verſchmelzung der Spitzenverbände des ländlichen Genoſſenſchafts=
weſens
mit allen Mitteln fördern. Zur Perſonenfrage des Ein=
heitsverbandes
machte Klepper keine genaueren Ausführungen, er
erklärte nur, daß man ſich ſpäter auch über die Perſonenfrage
werde einigen können und daß es in erſter Linie auf die Errich=
tung
einer ſachlich qualifizierten Einheitsorganiſation ankomme.
Seinen Mitteilungen über den Stand des von der Preußen=
kaſſe
durchgeführten wirtſchaftlichen Rationaliſierungsprozeſſes in
den einzelnen Ländern und Provinzen war zu entnehmen, daß
dieſer Prozeß erhebliche Fortſchritte aufzuweiſen hat. Rechtsan=
walt
Klepper rechnet damit daß bis zum 1. Oktober 1929 die
provinziellen Einheitsverbande durch Fuſion der jeweils vorhan=
denen
Organiſationen errichtet ſein werden, mit anderen Worten,
daß bis zu dieſem Termin die provinzielle und landesteilige Ein=
heitsorganiſation
des Genoſſenſchaftsweſens, als Ergebnis des
wirtſchaftlichen Rationaliſierungsprozeſſes zur Durchführung ge=
kommen
ſein wird.
Vom ſüddeutſchen Produkkenmarkk.
Die abgelaufene Berichtswoche brachte wild erregte Auslandsbörſea,
je nach der politiſchen Lage über das in Waſhington umkämpfte Farmer=
Hilfsgeſetz. Auch bei uns waren die Kurſe mehrfachen Schwankungen
unterworfen. Im Vergleich zur Vorwoche ergeben ſich Preisrückgänge,
zumal auch die Witterungsverhältniſſe für die Entwickelung der Halm=
früchte
günſtig ſind. Auslandsweizen ſtellte ſich heute auf 2426,50 Mk.
Noggen lag in Einklang mit Weizen ruhig, bei kleinen Umſätzen.
Hierländiſcher Noggen wurde an der hieſigen Börſe mit 22,75 Mark
notiert, ohne Käufer zu finden, da bayeriſcher Roggen zu 21,75 Mk.
käuflich iſt. Auslandsroggen ſtellte ſich auf 22,5022,75 Mk. Hafer
lag ruhig. Inlandshafer 22.5023, Auslandshafer 20,7521,50 RM.
Gerſte weiter ſtill. Braugerſte ohne Notiz, Futtergerſte mit 19,50 bis
20,50 MM. bewertet. Mais war mehrfachen Schwankungen unterwor=
fen
. Der Preis frei Mannheim iſt im Vergleich zur Vorwoche ermäßigt
und wurde heute mit 20,25 NM. inkl. Säcken genannt. In Futter=
mitteln
liegen reichliche Angebote vor, wogegen die Nachfrage, wie
immer um dieſe Jahveszeit, klein iſt. Die Preiſe haben eine weitere
Senkung erfahren; ſeine Weizenkleie 10,7511, grobe 11,7512, Malz=
keime
1617,50, Biertreber 16.5018,50, Trockenſchnitzel 12,7513,
Rapskuchen 1818,25 MM, alles per 100 Kg. waggonfrei Mannheim.
Am Mehlmarkte hereſchte Ruhe. Die Umſätze beſchränkten ſich
auf den notwendigſten Bedarf. Die Mühlen haben die Großmühlen=
Preiſe am geſtrigen Donnerstag für ſüddeutſches Weizenmehl, Spezial
Null, auf 32,50 und für Roggenmehl auf 28,7532,50 RM. frei Waggon
Mühle ermäßie, Hopfen hatten ruhigen Verkehr bei kleinen Zu=
fuhren
und kleinen Umſätzen. Die Preiſe ſind gegenüber den vorwöchi=
gen
unverändert. Tabak. Der Geſchäftsverkehr erfuhr in den letzten
acht Tagen keine Belebung. Helle Tabake ſind geſucht bei ſchwachem An=
gebot
. Für gute helle Tabake weoden 90100, für ſchwvere, geringere
Ware 7075, für Sandblätter 95125 und für Sandgrumpen 6575
RM. per Zentner angelegt. Rippen unverändert.

Frankfurker und Berliner Efſekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 15. Juni.
Auch zum Wochenſchluß blieb die Umſatztätigkeit eng begrenzt. An=
regungen
lagen nicht vor, ſo daß die Spekulation entmutigt hiervon
wieder zu Abgaben ſchritt. Die weiter beſtehende Orderloſigkeit wurde
deprimierend empfunden. Es herrſchte große Luſtloſigkeit, doch blieben
bei nur geringem Abgabebedürfnis die Rückgänge klein. Der ange=
ſpanntere
Geldmarkt im Zuſammenhang mit den Halbjahresultimovor=
bereitungen
wirkte ebenfalls geſchäftshemmend. Auf allen Marktge=
bieten
waren nennenswerte Umſätze nicht zu verzeichnen. Gegenüber der
geſtrigen Abendbörſe traten Kurseinbußen bis zu 2 Prozent ein. Am
Elektromarkt blieben A. E.G. gut behauptet. Bergmann verloren 1½
Prozent und Siemens 1 Prozent. J. G. Farben eröffneten 1 Prozent
niedriger. Kaliwerte lagen nur geringfügig abgeſchwächt. Am Montan=
markt
war die Kursgeſtaltung uneinheitlich. Bei etwas lebhafterer Nach=
frage
konnten Harpener 1 Prozent und Mansfelder ¾ Prozent gewin=
nen
. Klöckner und Rheinſtahl dagegen bis zu 1 Prozent niedriger. Leb=
hafter
geſucht waren Ver. Glanzſtoff, die bis zu 6 Prozent gewinnen
konnten. Auch Aſchaffenburger Zellſtoff waren auf das Angebot der Me=
meler
Zellſtoff an dieſe Firma etwas bevorzugter. Banken ſtill. Reichs=
bank
gut behauptet, Commerzbank konnte eine Kleinigkeit gewinnen.
Renten geſchäftslos. Nur für Schutzgebiete trat etwas Intereſſe zutage.
Auf Wochenſchlußdeckungen wurde im Verlaufe die Stimmung et=
was
freundlicher. Die Umſatztätigkeit beſchränkte ſich jedoch nur auf
einzelne Werte. Beſonderes Intereſſe wandte ſich Dt. Linoleum mit
plus 33 Prozent und Harpener mit plus 2½ Prozent zu. Siemens
gewannen 2 Prozent. Die übrigen Werte lagen daraufhin bis zu 1½
Prozent feſter. Auch Glanzſtoffwerte konnten weiter eine Beſſerung er=
fahren
. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Prozent unverändert.
Am Deviſenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1942½, gegen
Pfunde 20,337/g. London=Kabel 4,8477½, Paris 124,03, Mailand 92,67,
Madrid 33,90, Holland 12,077/s.
Berlin, 15. Juni.
Nach völlig umſatzloſem Vormittagsverkehr und einer ebenſolchen
Vorbörſe war das Geſchäft an der heutigen Börſe auch für einen Sams=
tag
ganz außerordentlich gering. Die Spekulation nahm verſchiedentlich
Glattſtellungen vor, die zwar keinen großen Umfang hatten, aber das
Kursniveau zum Teil doch um 12 Prozent ſenkten. Es lagen heute
eher wieder günſtigere Momente vor, die jedoch bei der herrſchenden
Luſtloſigkeit keine Wirkung ausüben konnten. New York war unter
Schwankungen feſt, die Kreditausſichten werden dort günſtiger beurteilt
und auch Tagesgeld iſt etwas leichter. Die Reichsregierung ſteht einer
Tariferhöhung der Reichsbahn jetzt ablehnend gegenüber. Im allge=
meinen
waren 13prozentige Beſſerungen zu verzeichnen. Kaliwerte,
Montane und einige andere Spezialpapiere gewannen zirka 44½ Pro=
zent
. Verſionen und Verhandlungen der Biemens Brothers mit der
General Electrie, die natürlich auch für die deutſche Siemensgeſellſchaft
von Bedeutung wären, boten im Verlaufe eine Anregung. Am Geld=
markt
zeigte ſich heute, zum 15. ds. Mts., natürlich ſtärkere Nachfrage,

A. E. G....
Baſalt .. . . ... .."
Bergmann. .
Berl. Karlsruhe Ind
Berl. Hand.=Geſ
Bremer=Wolle.
Danatbank.
Deutſche Bank.
Dresdner Bank
112.25 1112. Orenſtein...
Deutſche Erdöl
Polyphon ....
Deutſche Petroleum:/ 60.
117.50 1119.75 Nütgerswerke.
Dynamit Nobel.
Eleftr. Lieferung. . . . / 160. 1159.75 Sachſenwerke .. .
256. 1255.25 Siemens Glas.. . .
J. G. Farben. ..
135.50 1136.25 Ver. Glanzſtoff
Gelſenk. Berg.
Ver. Stahlwerke
Geſ. f. elektr. Untern./ 223. 1222.
45. 44. Volkſtedter Porzelle
Han. Maſch.=Egeſt
Hanſa Dampfſch. . . / 148.50 1149. Wanderer Werke
Wiſſner Metall
117.75 1118
Hapag ......
142. 1145.25 Wittener Gußſtahl
Harpener
Hemoor Zement.
*) Die 3 Kalinerte verſtehen ſich exkl. Bezugsrecht.

Eelſingfors...!
Wien ........!
Prag .... ..."
Budapeſt ..."
Sofia ...."
Holland ..
Oslo ...."
Kopenhagen
Stockholm.
London..
Buenos Aires
New York...
Belgien... ..

14. 6.

Geld !
10.52
12.401
73 05
3.029
168.21
111.64
4.1910

Brief
10.549
58.855 58.975158.84
12.421112.398
73.19
3.03
168.5
111.86
111.63/111.85
112.09/112.3 1/112.13/
20.316/20.356
1.753/ 1.757 1.752

3.16 68.28

Geld
0.529
73.01
3.02
168.18
11.62
111.6
20,313
4.1980/4.190 14.198
58.14

Brief
0.549
8.96
12.418
3.15
8.035
168.52
11.84
111.84
12 35
20.353
1.726
58.26

Italien ......
Paris ....."
Schweiz ...."
Spanien ...."
Danzig ....."
Japan .. . . . ."
Rio de Janeir=
Jugoſlawien.
Portugal. . . .
Athen .......
Konſtantinopel
Kanada . . . . . .
Uruguay .. . .

4. 6.
Geld /Brie
16.37 116.4
20.59 180.75
59.91 (60.03
81. 18 81.34
1.841/ 1.84:
.496 0-498
7.360/ 7.37
.73 118.77
5.435 5.445
2018 2.024
4.156/ 4.16
4.036/ 4.044

21.915121.955ſe1.92 121.96

Biehmärkke.

* Die Verſchuldung der Privatwirkſchaft.
Einen Ueberblick über den Stand der Verſchuldung der privaten
Wirtſchaft jeweils am Ende ber letzten vier Jahre gibt das folgende
Schaubild auf Grund der letzten Veröffentlichung des Inſtituts für
Konjunkturforſchung.

14. 6. 15 6. 14. 6. 15. 6. 190- 191.75 Hirſch aupfer. 129. 1281), Augsb.=Nürnb. Maſch.) 85.50 84. / Höſch Eiſen 125.50 127. 491), 48. 1 Hohenlohe Werke 95.50 97.75 221. 1221.50 Kahla Porzellan 86.50 86.50 59. 52.50 ) Kali Aſchersleb 242. 240. 223.50 1222.50 H Salzdetfurth?). 409.50 408.50 Braunkohl. Brikettsl 156. 1156.50 Weſteregeln 248.50 2a8.50 180. 182. 1 Lindes Eismaſch 169.75 168. 278.50 1278.50 L. Loewe & Co. 20S. 206. 172. 1171.50 / Lingel Schuh.. 54.50 54.75 Diskontogeſellſchaft. / 156.50 156. MannesmannR 116. 25 116.25 162. 1163. Niederlauſitzer Kol 146.75 145. Deutſche Maſchinen .T 50.50 50.25 Nordd. Lloyzd 110:1. 11(.50 33. 91.50 445. 446.50 2. 93. 105.25 105.25 125. 125. 453. 462. 98.*0 98.50 38 38. 90. 85. 129.50 129. 51.50 51.50

Stand Ende Dezember

1 1925
1926

Anleihen Städtische Landwintzch. Hiauszinsst.
klypotkeken Hypotheken Hypothek.
Unter den Verſchuldungsformen iſt die wichtigſte die von ſtädti=
ſchen
Hypotheken. Hauszinsſteuerhypotheken und landwirtſchaftliche
Hypotheken bewegen ſich ungefähr in derſelben Größenordnung. Die
Anleiheverſchuldung iſt verhältnismäßig am niedrigſten.

Preußiſche Pfandbriefbank-Preußiſche Hypotheken=Aktienbank. Die
Aufſichtsräte der beiden Geſellſchaften beſchloſſen mit Rückwirkung tom
1. Januar 1929 die Fuſion. Den Aktionären der Preußiſchen Hypo=
theken
=Aktienbank werden gegen 4 Aktien 3 Aktien der Preußiſchen
Pfandbriefbank geboten. Das Kapital der Preußiſchen Pfandbriefbank
wird nur um 4 Mill. RM. auf 25 Mill. RM. erhöht, da von befreun=
deter
Großaktionärsſeite 5 Mill. RM. Pfandbriefbankaktien zur Ver=
fügung
geſtellt werden.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 12. Juni. Die auf den
Stichtag des 12. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen
Reichsamtes hat mit 134,9 gegenüber der Vorwoche um 0,3 v.H. ange=
zogen
. Von den Hauptgruppen lag die Indexziffer für Agrarſtoffe
mit 124,4 (122,9) um 12 v.H. höher als in der Vorwoche. Die Index=
ziffer
für Kolonialwaren ſtellte ſich auf 123,4 (123,2). Die Indexziffer
für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren iſt um 0,2 v.H. auf 131,2
(131,4) zurückgegangen, während diejenige für induſtrielle Fertigwaren
mit 157,6 keine Veränderung aufweiſt.
Die Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Be=
rechnungen
wurden in der Zeit vom 2. bis 8. Juni im Ruhr=
gebiet
in ſechs Arbeitstagen 2 429970 Tonnen Kohle gefördert,
gegen 2 285 173 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei 5¾/
Arbeitstagen. Die Kokserzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen
der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gear=
beitet
) auf 614 432 Tonnen, gegen 606 207 Tonnen in der vorher=
gehenden
Woche, die Preßkohlenherſtellung auf 69 416 Tonnen,
gegen 58 713 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei 52/
Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der
Zeit vom 2. bis 8. Juni 404 995 Tonnen, gegen 425 128 Tonnen
in der vorhergehenden Woche, die tägliche Kokserzeugung ſtellte
ſich auf 87 776 (86 601) Tonnen, die arbeitstägliche Preßkohlen=
herſtellung
auf 11 569 (10 923) Tonnen.
Ludwig Gans A. G., Mainz. Die G.V. genehmigte den bereits
mitgeteilten Abſchluß mit 10 Proz. Dividende auf die alten und 5 Proz.
auf die jungen Aktien. Der Umſatz im Jahre 1928 habe den von 1927
um rund 400 000 RM. überſtiegen. Dem Anwachſen der Verbindlich=
keiten
ſtehen in viel höherem Umfange ein Anwachſen der Aktippoſten,
namentlich des Warenlagers, gegenüber.
Frankfurter Armaturenfabrik A.G., Frankfurt a. M. Der Auf=
ſichtsrat
beſchloß für 1928 auf 400 000 RM. A.K. die Dividendenzahlung
mit 5 Proz. wieder aufzunehmen. Die Gefellſchaft ſteht bekanntlich ſeit
dem Vorjahre der Gruppe Wolf, Netter u. Jacobi (Berlin=Frankfurt
a. M.) nahe.

15. 6.
Geld /Brief
16.375 16.415
80.57 (s0.73
59.79 59.91
1.19 81.35
1.841/ 1.845
1.496 10.498
7.360/ 7.374
8.73 18.77
5.4151 5.425
2.0181 2.022
4.154/ 4.162
4.036/ 4.044

Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am Samstag
waren 243 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 202 Stück, und zwar
Milchſchweine das Stück von 3037 Mk., Läufer das Stück von 40 bis
70 Mark.
Ke

Frankfurter Eiermarkt vom 15. Juni. Das Geſchäft war wieder
ziemlich rege. Die allgemeine Tendenz erfuhr eine weitere Befeſtigung.
Die Preiſe gelten ab Station und ohne Zoll. Es notierten: Bulgariſche
9,509,75, holländiſch 9,5012,50, jugoſlawiſche 9,509,75, polniſche
7,508,00, ruſſiſche 8,759,75, däniſche 1012,50, flandriſche 10,8012,
franzöſiſche 10,5011,50, ſchleſiſche 9,7510,50, baheriſche 9,7510,00,
norddeutſche 9,7510,50, rumäniſche 8,759,00.
Berliner Produktenbericht vom 15. Juni Infolge des ſchwachen
Beſuches bot die Produktenbörſe zum Wochenſchluß ein ſehr ruhiges
Bild. Die Annahme der Farmerbill durch das Repräſentantenhaus
und den Senat der US.A., die auf die überſeeiſchen Terminbörſen eine
Anregung ausübte, blieb hier ziemlich ohne Eindruck. Die Cif=Offerten
für Aus andsweizen waren nur unweſentlich verändert, und auch für
Inlandsbrorgetreide hörte man geſtrige Preiſe, ſoweit Angebot über=
haupt
vorlag. Umſätze hielten ſich allgemein in engen Grenzen. Am
Lieferungsmarkt eröffnete Weizen 0,50 Mark höher, für Roggen er=
gaben
ſich kaum Preisveränderungen. Am Mehlmarkt hält die Ge=
ſchäftsſtille
an. Umſätze beſchränken ſich auf kleine Bedarfskäufe zu un=
beränderten
Preiſen. Hafer iſt zwar ausreichend angeboten, die Eigner
halten jedoch auf Preiſe. Gerſte weiterhin ſehr ruhig.

vonnsvant, Komcanenge
hu
Frankfurter Kursbericht vom 15. Juni 1929

6% Dtſche. Reichs=
anl
. v. 27....."
% Baden Frei=
ſtaat
v. 27.....
6% Bayern Frei=
ſtaat
v. 27.....
% Heſſen Volks=
ſtaat
v. 28.....
6% Preuß. Staats=
anl
. v. 28.... ..
6% Sachſen Frei
ſtaat v. 27.....
7% ThüringerFrei=
ſtaat
v. 27....

Diche. Anl. Auslo=
jungsſch
. + 1=
Ablöſungsan!.
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.)
Diſche. Schutzge=
bietsanleihe
. . ..
*% Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24..
8½ Darmſtadt v. 26
v. 28
2o Frtl. a. M. v. 26
8% Mainz v. 26..
8% Mannh. v. 26.
8% Nürnber / 1. 26
T1. Komm. Sam=
mel
=Ablö ſ.-Anl.
* Ausl. Ser. 1
* Ser,I.
8% Ber .Hhp.=Bk.
8% Frkf. Hhp.Bk.
4 ½%, Lia. Pfbr.
4% PfbrBk.
8½%- Lig.Pfbr.

87.3
75.9

77
8775

80

50.95
10.65

88
83.5
*9

50.1
64
97.5
97.5
74.6
98
77.7

% Heſſ. Landesbk.
4½½ Heſſ. 863.6p
Bk.=Ligid. Pfbr.
8% Kom. Landes=
bank
Darmſtadt.
8% Mein. Hyp.Bk.
4½
Lig. Pfbr.
3% Pfälz. Hyp.Bk
8% Preuß. Ztr.=
Stadtſchaft.
8% Rhein. Hyp.=Bk
4½% Lig.Pfbr.
3% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Cred 1.....
8% Südd. Bod.
Cred.=Ban 1....
8% Württ. Hyp.=B
6% Daimler Benz
von 27..
8% Klöckner=Werkel
Berlin v. 26..
% Mainkrw. v. 26.
7% Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26.
8% VoigtckHäffner
von 26 ... . . .."

J. G. Farben Bonds
28..........

5% Bosn. L. E. B.
v. 1914 ..

*I-0 Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914 ...
4% Oſt. Goldrente
4/,% Rum. Gold
von 1913 ... . .."
4% Türk. Admin. .
4½ 1.Badgad
4 Bollanl.
4½,Bürgam 1913

Ma5
84.5
741.
33.
97.5
97.5
97.5
97.75
78.5
97.5
98.5
97.n5

52.5
88.75
81
R. w
91
135.5
35

8.25
22.75

4/,% Ungarn 19141 2*
Goldr., 23.5

Aktien.
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ...!
Eff.-u. Wechſel=
bank
.. . . . . . ..
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſellſch.
Dresdener Bank ..
Frankf. Bank. . . .
Hyp.=Bk. .....
Pfdbr.=Br.. ...
GGotha. Grundkr. B
Mein. Hyp.=Bank.
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsbr:
Oſt. Creditanſtalt. .
Pfälz. Hyp.=Ban1.
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbr. ..
Hyp.=Bank ...
Südd. Bod. r. B!
Wiener Banlverein

A.=G. ſ. Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ..
7% Dt. Reichsbahn
Vorzge
Hapag.
Nordd. Llohd ....
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

Accum. Berlin. . .
Adlerw. (v. Kleher)
6% AEG. Borzug
52

128.5
169
221.75
186
278
71.75
126.5
100
156
161
103.5
139.75
140.75
132
131
150
3o.75
138.5
323
122
151.5
165
13
157
160
88
18.75
110
124

51.5
R
93

AEG. Stamm.. ..
Baſt Nürnberg
Bergm. E. Werk
BrownBroverickCie
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen ..
Cement Heidelberg
Karlſtadt
Them. Wer leAlbert.
Chade ... . . . ....."
Daimler=Benz .. . .! 59:/.
Dt. Atl.=Telegr.. . .
Eiſenh. Berlin.
Erdöl .......
Gold=u. Silb.=Anſtalt.
Linoleumwerk. /352
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Lich u. Kraftl
Liefer.=Geſ.
Eſchw. Bergwer!".
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnere
J. G. Farbenindſtr.
Feinmech. (Jetter)
Fel 1. & Guilleaum
Frkft. Gas ..
Hof...."
Geiling & Cie ....
Gelſen 1. Bergwer!
Geſ. elektr. Un=
ternehmungen
.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen 176
Grün & Bilfinger.
dafenmühle Frkf1. 1130
Hammerſen (O8n.
Harpener Bergbau/445
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch Kupfer ..."

191.5

138
101
137
177
64
438
115
111.5
163
30
218

40
215
255.75
63.5
125
76.5
135.75
32.2
169.75
169
93.5
93
129

Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil. . .
Holzverk.=Induſtrie
Flſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm
Kali Aſchers leben.
Salzdetfurth.
Weſteregeln
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. ..
Klein, Schanzl.
Klöcknerwerke
Kraftw. Alt=Württ.
Lahmeyer & Co..
Lech, Augsburg ..
Löwenbr. Münch..
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br.. . .
Mannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werke .....
Metallgeſ. Frantft.
Miag. Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren fb. Darmſt.
Reckar). Fahrzeug..
Nicolay, Hofbr...
berbedarf .. . . ..
Oſterr. Alpine Mo.
Otavi Minen ...."
Beters Union Fr. 3.
Phönis Bergbau.
Reiniger, Gebb.. ..
Rh..Braunkohlen
Elektr. Stamm
Stahlwerke . .
Riebeck Montan .."
Roeder Gb. Darmſt

11.5
90.25

121

40.5
403

171

103
85
168.25
106
287.75
87
106:/,
228
116
131.5
83
128
123
54.5

127.2.
92.75
104.25
160.5
98.75
115.5

Rütgerswerke ... .! 91.1
Sachtleben A. G. ..
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr
Schriftg. Stempe
Schucker: Eleftr.. . 1240
Schwarz Storchen. 165
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske.
Strohſtof f. Ver.. . .
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Svenska Tändſticks
Tellu =Bergbau...
Thür. Lie ..Geſ.. .1102.5
Tucher=Brauerei..
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Ver .

Beithwerke
Ver. 1. Chem. Ind.
Gummifabri
Berlin=Fran
Laurahütte
Stahlwerte.
Ultramarin . .
Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner..
Wahß & Freytag.
Wegelin, Rußfabril
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſcha fibg.
Memel. . . . . .
Waldho

Allianz u. Stuttg.
Verſicherung ..
Frkft. Allg. Verſ.=E
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . ..
Mann h. Berſich. . .

191
358
200
122.75
398.5
217
81
144.75
118

102
80.5
71.25
98.75
119.8
111
70
222
101.5
119
201
195
148.5
255

290
1961

[ ][  ][ ]

Nummer 165

Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkk.
Der ſüddeutſche Eiſenmarkt ſtand in der vergangenen Woche unter
dem Zeichen eines unveränderten lebhaften Geſchäftes. Wiederum ver=
urſachte
die lebhafte Bautätigkeit eine geſteigerte Nachfrage nach Trä=
gern
und Miniereiſen. Der Bedarf der Maſchineninduſtrie iſt zwar im
Hinblick auf die allgemeinen Abſatzverhältniſſe gut zu nennen, aber er
bleibt hinter denjenigen des Vorjahres weit zurück. Ebenſo iſt der Be=
ſchäftigungsſtand
der Konſtruktionswerke nicht gerade erfreulich, ſo daß
die wenigen größeren Objekte, die von dieſer Seite an den Markt kamen,
ſtark umworben waren. Recht flott wurden von der Händlerkundſchaft
ſpezifiziert, wobei vorwiegend Stabeiſenſpezifikati gegeben wurden.
Trotz guter Beſchäftigung der Werke bewegten ſich die Liefertermine in
normalen Grenzen. Formeiſen iſt vielfach aus Vorrat zu erhalten, wäh=
rend
man für Stabeiſen Termine bis zu 6 Wochen nannte. In Blechen
war etwas größere Nachfrage feſtzuſtellen. Dagegen konnten die Umſätze
in Bandeiſen keineswegs befriedigen. Zu Neuabſchlüſſen fehlt vielfach
die Neigung, da man ſich im Hinblick auf die undurchſichtige Wirt=
ſchaftslage
nicht auf lange Sicht binden will. Das Lagergeſchäft
verlief anſprechend. Man bevorzugte hauptſächlich den Ladungsbezug;
dagegen ließ der Verkauf kleinerer Quantitäten zu wünſchen übrig. Die
Preiſe ſind auf der ganzen Linie unverändert geblieben, und es dürften,
ſollten nicht unerwartete Ereigniſſe eintreten, die auf die Preisbewegung
von nachteiligem Einfluß ſind, Aenderungen nach oben oder unten nicht
zu erwarten ſein. Als Folge des Abſchluſſes der Pariſer Verhandlungen
dürfte auch eine Entſpannung des Geldmarktes und damit eine flottere
Zahlungsweiſe der Abnehmer eintreten, was im Intereſſe eines guten
Inlandsgeſchäftes ſehr erwünſcht wäre.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
* New York, 15. Juni. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Der Markt für Baumwolle verlief zum Wochenſchluß
ruhig. Bei Beginn waren die Preiſe behauptet, im Zuſammenhang
mit Meldungen über Regenſchauer in den öſtlichen und zentralen Ge=
bieten
. Weiterhin lagen auch beſſere Kabelberichte vor, ſo daß der Han=
del
und die Lokohäuſer einige wenige Anſchaffungen machten. Spärer
erfolgten vereinzelt lokale Glattſtellungen, ſo daß die Preiſe etwas her=
abgedrückt
wurden.
* Chikago, 15. Juni. (Priv.=Tel.)
Fette: Der Rückgang der Schweinepreiſe und die Ankündigung
ziemlich ſtarker Schweinezufuhren für die nächſten Tage wirkten am
Schmalzmarkte abſchwächend.

Sonntag, den 16. Juni 1929

Geite 11

Weizen: Die Weizenpreiſe zogen zunächſt etwas an, im Zuſammen=
hang
mit der Annahme, daß der Präſident Hoover heute die Farmrelief=
bill
unterzeichnen wird, und auf Berichte, daß 200 Millionen Dollar
zur ſoforrigen Unterſtützung der Landwirtſchaft verfügbar wären.
Außerdem lagen aus Kanada ungünſtige Wetterberichte vor, und in dem
Winterweizengebiet der Union ſind Niederſchläge erfolgt, die nicht vor=
teilhaft
für den Felderſtand ſind. Gegen Schluß ſtellte ſich eine Ab=
ſchwächung
ein, die auf Abgaben der Kommiſſionsfirmen zurückzuführen
waren.
Mais gab auf umfangreiche Ablieferungen nach.
Roggen: Berichte aus einigen Bezirken im Nordweſten der Union
über nur mäßige Erntebewegung verhalfen den Preiſen am Roggen=
markt
zunächſt zu einer Befeſtigung. Später gaben die Notierungen
im Einklang mit der Bewegung am Weizenmarkt nach.
Hafer: Die ſchlechtere Stimmung am Hafermarkt war eine Folge
des guten Wetters und ſtand im Zuſammenhange mit dem Rückgange
der Maispreiſe.
Kaffee= und Zuckerbörſe geſchlofſen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 15. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 108, Sept. 112½, Dez. 117½: Mais:
Juli und Sept. 91½, Dez. 86½; Hafer: Juli 44½, Sept. 43½,
Dez. 45½; Roggen: Juli 83½, Sept. 86½, Dez. 9034.
Schmalz: Juli 11,87½, Sept. 12,20, Okt. 12,35, Dez. 12,32½.
Fleiſch. Rippen: Juli 13,25, Sept. 13,55; Speck, loko 13,50;
leichte Schweine 10,50 bis 11,20, ſchwere Schweine 10,40 bis 10,95;
Schweinezufuhren: Chicago 11 000, im Weſten 30000.
Baumwolle: Juli 18,67, Oktober 18,66.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 15. Juni:
Getreide. Weizen: Rotwinter 128½, Hartwinter 119½;
Mais, neu angek. Ernte 103; Mehl, ſpring wheat clears 5,40
bis 5,65; Getreidefracht: nach England 1,6 bis 2,0 Schilling,
nach dem Kontinent 10 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,60; Talg, extra, loſe 7½4.
Kakav. Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Auf dem in Karlsruhe abgehaltenen deutſchen Kohlenhandelstag,
der Hauptverſammlung des Zentralverbandes der Kohlenhändler
Deutſchlands, wurde die Ludwig Wieſinger=Denkmünze an folgende Per=
ſonen
verliehen: Herrn H. Hanſen=Frankfurt a. M., Max Steinberg=
Köln, Handelsgerichtsrat Guſtav Langendorf=Düſſeldorf und Geheimrat
Stutz, Reichskommiſſar für die Kohlenverteilung in Berlin.

Wie die Reichsfachgruppe Verſicherungen des D.H.V. mitteilt, iſt
ſeute in dem Tarifſtreit des Verſicherungsgewerbes unter dem Vorſitz
des Reichsarbeitsgerichtsrates Dr. Königsberger ein Schiedsſpruch ge=
fällt
worden, der eine Erhöhung der Gehälter um 3 Prozent vorſieht.
Die Erklärungsfriſt iſt bis zum 20. Juni 1929 feſtgeſetzt. Der Schieds=
ſpruch
gilt mit Wirkung ab 1. April 1929.
In der Aufſichtsratsſitzung der Leonhard Tietz A.=G., Köln, wurde
der Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1928/29 vorgelegt. Es wurde be=
ſchloſſen
, der auf den 9. Juli einzuberufenden G.=V. nach reichlichen
Abſchreibungen die Verteilung einer Dividende von wieder 10 Prozent
vorzuſchlagen.
Das gerichtliche Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurſes
der Maſchinenfabrik Badenia wurde nunmehr am 12. Juni eröffnet.
Termin über den Vergleichsvorſchlag der Firma iſt auf 9. Juli ange=
ſetzt
. Generalkonſul a. D. Reiſer in Heidelberg iſt als Vertrauensperſon
beſtellt.
In franzöſiſchen parlamentariſchen Kreiſen rechnet man mit der
Wahrſcheinlichkeit, daß nach Erhöhung der Zölle auf Weizen und Mehl
nunmehr auch der Einfuhrzoll für Zucker erhöht werden wird.
In Brüſſel wurde ein belgiſches Glaskartell für weißes und fertig=
geblaſenes
Glas gegründet. Das neue Kartell wird ſich hauptſächlich
mit der Vereinheitlichung der Preiſe befaſſen.
Die Lage auf dem belgiſchen Eiſenmarkt iſt ſehr befriedigend, zumal
da weitere Beſtellungen in Roheiſen, Halbprodukten, Grobblechen und
Trägern eingehen. In Stabeiſen läßt das Geſchäft dagegen nach, da ſeit
einigen Wochen die beſten ausländiſchen Käufer, Japan und China,
dem Markte fernbleiben.
Von einer in dieſer Woche in London eingetroffenen ſüdafrikani=
ſchen
Goldſendung von 900 000 Pfund Sterling ſind von einem unbe=
kannten
Käufer 500 000 Pfund erworben worden. Nach Anſicht der
City iſt diesmal der unbekannte Käufer weder in New York, noch in
Deutſchland, ſondern möglicherweiſe in einer anderen Zentralbank Euro=
pas
zu ſuchen.
Nach den vorläufigen Angaben über den engliſchen Außenhandel
in Mai beläuft ſich die Paſſivität der Handelsbilanz auf 25,5 Mill.
Lſtrl. gegen 29 Mill. Lſtrl. im Vergleichsmonat des Vorjahres. Die
Einfuhr iſt auf 103,5 Mill. Lſtrl. geſtiegen und liegt damit erheblich über
der im Mai 1928 und April 1929. Die Ausfuhrzahlen ſind noch nicht
bekannt.
Ein Schweizer Bankenkonſortium, beſtehend aus der Schweizeriſchen
Kreditanſtalt, dem Schweizeriſchen Bankverein, der Eidgenöſſiſchen Bank
der Baſeler Handelsbank und dem Bankhaus Ed. Greutert u. Co., hat
es übernommen, die Stammaktien der Internationalen Geſellſchaft für
chemiſche Unternehmungen A.=G., Baſel (J. G. Chemie, Baſel) an den
Börſen von Baſel und Zürich einzuführen.

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Nummer 165

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Nummer 165

Gonntag den 16. Jun 1929

Seite 13

Reich und

Vier Tote bei Kanaliſationsarbeiten.
Marktheidenfeld a. M. Am Samstag
abend ſtürzte bei Konaliſationsarbeiten am Orts=
ausgang
in einem drei Meter diefen Graben eine
Wand des Sandbodens ein und begrub mehrere Ar=
beiter
unter ſich. Trotz fieberhafter Ausgrabungs=
arbeiten
konnten vier junge Arbeiter nur als Leichen
geborgen werden. Einen Schwerverletzten hofft man
am Leben erhalten zu können.

Tod aus Freude.
Mannheim. Der kaufmänniſche Angeſtellte
beim Städtiſchen Arbeitsamt Wilhelm Bellmann,
verſtarb unter tragiſchen Umſtänden. Er hatte ſich
um einen Poſten an einem auswärtigen badiſchen
Arbeitsamt beworben und bekam nun die Nachricht,
daß die Wahl unter den Bewerbern für dieſe Stelle
auf ihn gefallen ſei. Nach Entgegennahme dieſer er=
freulichen
Mitteilung verfärbte er ſich plötzlich, ſtam=
melte
noch etwas über Kopfſchmerzen, fiel mitten
im Zimmer um und war ſofort tot. Anſcheinend
hatte ein Herzſchlag ſeinem Leben ein Ende gemacht.
Er war 36 Jahre alt und erfreute ſich allgemeiner
Beliebtheit.

Schwerer Autounfall.
Eßlingen. In der Nacht zum Samstag über=
ſchlug
ſich kurz vor 12 Uhr bei der Baumwollſpin=
nerei
Brühl aus bis jetzt unbekannten Gründen
ein auf der Fahrt von Stuttgart nach Eßlingen be=
findlicher
Perſonenkraftwagen. Während der Führer
des Wagens und eine neben ihm ſitzende Begleiterin
mit dem Schrecken davonkamen, wurden die übrigen
Inſaſſen, zwei Frauen aus Stuttgart, ſo ſchwer
verletzt, daß ſie bald nach dem Unfall verſtarben.

Ber zoelde Bosel W spunien geinnoer.
Ein blinder Paſſagier an Bord des Flugzeuges.

Vom Propeller den Arm abgeſchlagen.
München. Auf dem Flugplatz Schleißheim
ereignete ſich am Freitag abend ein ſchwerer Unfall.
Dem Flugzeugführer Krüger wurde vom Propeller
eines rollenden Flugzeuges der rechte Arm mit
ſolcher Wucht abgeſchlagen, daß der abgeſchlagene
Arm 10 Meter weit wegflog. Der Schwerverletzte
wurde nach München ins Krankenhaus gebracht.
Nächtliche Mefſerſtechereien in Berlin.
Berlin. In der vergangenen Nacht, kurz nach
drei Uhr kam es im Norden Berlins, an der Ecke
Straßmann= und Wilhelm=Stolze=Straße, zu einer
Schlägerei, bei der fünf Perſonen durch Meſſerſtiche
ſchwer verletzt wurden. Zwei in der Gegend als
Raufbolde bekannte Brüder namens Steppuhn hat=
ten
, wie es heißt, ohne jede Veranlaſſung einen des
Weges kommenden 23jährigen Arbeiter angegriffen
und mit Meſſern bearbeitet. Drei Paſſanten, die dem
Ueberfallenen zu Hilfe eilten, wurden von den bei=
den
Meſſerſtechern gleichfalls durch Stiche in Bruſt
und Rücken übel zugerichtet. Die beiden Täter, von
denen der eine ebenfalls bei der Schlägerei verletzt
worden war, flüchteten auf den Boden eines nahe
gelegenen Hauſes, wo ſie von Polizeibeamten feſtge=
nommen
wurden. Der eine wurde in das Stadt=
krankenhaus
, der andere in das Polizeipräſidium
gebracht. Die vier Opfer der beiden Meſſerhelden
wurden in ein Krankenhaus übergeführt, wo einer
von ihnen, der Arbeiter Werner Klaus, in bedenk=
lichem
Zuſtand darniederliegt.
Zwei Teilnehmer an den Wechſelfälſchungen
im Bankhaus Löwenberg in Rio de Janeiro
ermittelt.
Berlin. Durch Funkſpruch wird dem Ber=
liner
Polizeipräſidium mitgeteilt, daß in Rio de
Janeiro der Bankier Dr. Iſaac Lewin und der Pro=
kuriſt
Leonhardt Rappaport, die im Zuſammenhang
mit den Wechſelfälſchungen im Bankhaus Löwenberg
ſteckbrieflich geſucht wurden, dort ermittelt und feſt=
genommen
worden ſind. Die Bilder der Feſtge=
nommenen
werden funkentelegraphiſch nach Süd=
amerika
übermittelt werden, um die beiden voll=
ſtändig
zu identifizieren, denn ſie leugnen, die Ge=
ſuchten
zu ſein.
Gefährlicher Brand in Hamburg.
Hamburg. Geſtern vormittag kam in einem
Geſchäftshaus der Bankſtraße, in dem ſich Lager=
räume
für Lacke und Oele befinden, ein Feuer zum
Ausbruch. Die Bekämpfung des Brandes geſtaltete
ſich ſchwierig, da fortwährend Exploſionen wit
Stichflammen, erfolgten, durch die mehrere Feuer=
wehrleute
verletzt wurden. Auch Branddirektor Dr.
Sander erlitt Verletzungen, konnte jedoch nach An=
legung
eines Verbandes wieder aus dem Kranken=
haus
entlaſſen werden. Nach mehrſtündigen Löſch=
arbeiten
, gelang es der Feuerwehr, des Brandes
Herr zu werden.
Die Bevölkerungsbewegung in den deutſchen
Großſtädten im April.
Im April 1929 waren in den deutſchen Groß=
ſtädten
, auf 1000 Einwohner und ein volles Jahr
berechnet, 9,0 Eheſchließungen, 14,0 Lebendgeburten
und 11,9 Sterbefälle zu verzeichnen. Die Zahl der
Eheſchließungen war um etwa 10 v. H. niedriger
als im gleichen Monat des Vorjahres (9,9). Da=
durch
iſt die im Märzbericht feſtgeſtellte Anhäufung
von Eheſchließungen (Oſterwoche) mehr als ausge=
glichen
. Im ganzen genommen hat die Heirats=
häufigkeit
im Jahre 1929 ihre vorjährige Höhe bis
jetzt noch nicht wieder erreicht. Die Zahl der Le=
bendgeborenen
war mit 14,0 auf 1000 Einwohner
ebenſo hoch wie im April 1928. Die Zahl der
Sterbrfälle betrug 11,9 auf 1000 Einwohner, gegen=
über
11,7 im gleichen Monat des Vorjahres. Die
geringe Erhöhung war ausſchließlich durch eine Zu=
nahme
der Zahl der Todesfälle an Herzkrankheiten,
Lungenentzündung und ſonſtigen Krankheiten der
Atmungsorgane ſowie an Altersſchwäche bedingt.
Im übrigen war die Sterblichkeit durchweg gün=
ſtiger
als im Vorjahr, insbeſondere war die Grippe=
epidemie
im April vollſtändig erloſchen. Infolge=
deſſen
hatte die Geſamtheit der deutſchen Groß=
ſtädte
in dieſem Monat wieder einen Geburtenüber=
ſchuß
von 2,1 auf 1000 Einwohner aufzuweiſen. Die
Säuglingsſterblichkeit war mit 9,7 Sterbefällen von
unter 1 Jahr alten Kindern auf 100 Lebendgeborene
der Berichtszeit etwas höher als im April 1928
(9,5).
Verhaftung einer polniſchen Paßfälſcherbande.
Warſchau. Der Warſchauer Polizei iſt es ge=
lungen
, eine Bande von Paßfälſchern dingfeſt zu
machen, die in der Hauptſache Deſerteuren zur Flucht
verholfen hat. In die Angelegenheit ſind mehrere
Unterbeamte der Eiſenbahnpolizei der Grenzſtation
Tczew verwickelt. Sie ſind ebenfalls verhaftet und
den Gerichtsbehörden übergeben worden.

Der franzöſiſche Bernard=Eindecker Gelber Vogel und ſeine Beſatzung (von links nach rechts);
Armeno Lotti, Jean Aſſolant und René Lefevre.

Das Flugzeug Kanarienvogel iſt am Freitag
abend gegen 8 Uhr auf dem Stronde von Comillas,
45 Kilometer weſtlich von Santander, wohlbehalten
gelandet. Die Funkſtation von Santander teilte im
Verlaufe der Nacht dem Flughafen von Le Bourget
mit, daß die Flieger Aſſolant, Lefévre und Lotty
(nicht Lotz) ihren Flug Samstag vormittag fortzu=
ſetzen
beabſichtigen. Die Flieger haben in Santan=
der
telephoniſch 500 Liter Benzin angefordert.
Der Flug des Kanarienvogel ſtellt die ſiebte
derartige Ueberquerung des Atlantiſchen Ozeans in
weſt=öſtlicher Richtung dar. Die Flieger dürften
etwa 5300 Kilometer in rund 29 Stunden, bei ſehr
ungünſtiger Witterung und wit einer Durchſchnitts=
ſtundengeſchwindigkeit
von rund 180 Kilometern zu=
rückgelegt
haben.
Nach Meldungen aus Santander beſtätigt es ſich,
daß ein blinder Paſſagier, der 18jährige Arthur
Schreiber, den Transozeanflug an Bord des Kava=
rienvogels
mitgemacht hat. Aſſolant teilte nach der
Landung mit, er habe ſofort nach dem Aufſtieg in
Orchard eine geringe Menge Benzin ablaſſen müſſen,
um das Gewicht des blinden Paſſagiers auszugleichen.
Auf dem Flugplatz von Le Bourget hätte ſich om
Freitag abend eine Menge von etwa 20 000 Naugie=
rigen
eingefunden, um die Ozeanflieger zu erwarten.
Nachdem ſie bis nach Mitternacht geduldig ausge=
ſarrt
hatte, zerſtreute ſie ſich ebenſo ruhig, als die
Meldung von der Landung des Kanarienvogels in
Spanien eintraf.

Die Landung des Gelben Vogels
in Santander.
Die Landung des Flugzeugs Gelber Vogel
erfolgte, wie bereits gemeldet, um 20 Uhr auf dem
Strande von Oyambra, 4 Kilometer von Comillas
entfernt. Sie ging glatt vonſtatten. Die Flieger er=
klärten
, daß ſie gelandet ſeien in der Annahme, daß
ſie ſich an der franzöſiſchen Küſte befänden. Sie
haben in Santander telegvaphiſch 500 Liter Benzin
angefordert, um den Flug nach Le Bourget fortzu=
ſetzen
. Das Flugzeug wird von Karabinieri bewacht.
Es beſtätigt ſich, daß ſich an Bord des Apparates
ein blinder Paſſagier befündet, und zwar ein Ameri=
kaner
namens Artur Schreiber. An Bord war ferner
als Fetiſch ein 25 Zentimeter langes lebendes Kro=
kodil
. Die Entfernung Old OrchardSantander be=
trägt
etwa 5300 Kilometer. Die Flieger, die nach
Pariſer Zeit am Donnerstag um 15 Uhr geſtartet
ſind und am Freitag um 20 Uhr in Santander ein=
trafen
, ſind alſo 29 Stunden uterwegs geweſen und
haben ine durchſchnittliche Geſchwindigkeit von über
180 Kilometer erreicht. Es iſt dies, zeitlich geſehen,
die ſchnellſte Ueberquerung des Ozeans, die je er=
zielt
wurde.
Bei den Fliegern Aſſolant und Lefevre handelt
es ſich um junge Fliegeroffiziere. Aſſolant iſt 24 Jahre
alt und ſeit ſechs Jahren Flieger. Lefévre, der erſt
einige Monate vor ſeinem Flug das Pilotenexamen
abgelegt hat, iſt 26 Jahre alt. Der Commanditär des
Flugzeugs, Lotty, iſt der Sohn eines Pariſer Hotel=
beſitzers
und beſitzt ebenfalls ein Pilotzenzeugnis.

Die Neuverkeilung der deutſchen Senderwellen.

Die neuen Wellenlängen.

inf. Die Verteilung der neuen Wellenlängen auf
einzelnen deutſchen Sender iſt durch die im Prag
ſchloſſene Neuordnung auf der internationa en
onfevenz notwendig gewerden. Deutſchland
ſielt eine Anzahl von Wellenlängen zugewie=
die
das Reichspoſtminiſterium nunmehr verteilt
at. Mit Ausnahme weniger Sender, wie Berlin O,
tettin und Magdeburg, die die bisherige Welle 283
halten haben, iſt faſt durchweg eine Neuordnung er=
gt
. Königswuſterhauſen, das bisher die Welle 1649
tt, wird in Zukunft, und zwar vom 30. Juni ab,
o die Neuordnung in Kraft tritt, auf Welle 1635
den. Der Berliner Sender Witzleben erhält an=
tt
der bisherigen Welle 475,4 die Welle 418 Meter,
daß zwiſchen dem Sender O und Sender Witzleben
e ſtarke Annäherung erfolgt iſt. Im übrigen ſind
n 572 bis 218 Meter folgende 22 Neuordnungen
verzeichnen: Freiburg erhält die neue Wellen=
inge
von 572. Ihm folgt Hannover mit 560,
ünchen erhält die Wellenlänge 533, Langenberg
3, Aachen (Danzig) 453. Es folgt nunmehr, wie
en erwähnt, Berlin mit einer Wellenlänge von
3. Frankfurt hat die neue Wellenlänge 390, Ham=
urg
372, Stuttgart 360, Bremen 339, Gleiwitz 325,
resden 319; Berlin O, Stettin und Magdeburg
lgen nunmehr, wie mitgeteilt, wit der alten Wel=
tlänge
283. Königsberg in Oſtpreußen wird auf
ellenlänge 276 ſenden. Kaiſerslautern erhält die
ſellenlänge 270, Leipzig 259, Breslau 253, Kiel
aſſel 246, Nürnberg 239, Münſter 234, Köln 227

und Flensburg 218. Die Praxis wird ergeben, in=
wieweit
die Hoffnungen berechtigt ſind, die ſich an
dieſe neue Verteilung der Wellen knüpfen und ob
dadurch eine Verbeſſerung des Fernempfangs möglich
wird. Die Neuordnung erfolgte nach umfangreichen
Verſuchen, die dazu dienten, die günſtigſte Verteilung
der Wellenlängen auf die einzelnen Sender nach den
wiſſenſchaftlichen Grundſätzen und den bisher gemach=
ten
Erfahrungen feſtzuſtellen. Der gewaltigen Aus=
breitung
des Rundfunks, die vorausſichtlich noch nicht
abgeſchloſſen iſt, wurde die Ueberlaſtung des Aethers
immer größer und es mußte nach einem Mittel ge=
ſonnen
werden, um die Benachteiligungen abzuſtellen,
die ſich daraus ergaben. Früher war die Verteilung
der Wellen auf die Sender der einzelnen Länder
ziemlich ſyſtemlos, und es beſtand geradezu ein Wel=
lenchaos
, das eine Zuſammendrängung der Wellen
zum Zwecke einer Vermehrung nicht zuließ. Es war
das Verdienſt der Arbeiten der verſchiedenen Rund=
funkkonzerne
, hierin einen Wandel geſchaffen zu
haben. Alle Mißſtände werden natürlich auf dieſe
Weiſe nicht beſeitigt werden können, da es ſich ſtets
nur um Notmaßnahmen handeln kann, die in der
ſtarken Ueberlaſtung des Aethers begründet ſind. Im=
merhin
darf man aber hoffen, daß die ſyſtematiſche
Verteilung der Wellenlängen nicht nur in Deutſch=
land
, ſondern in ganz Europa in Verbindung wit
der Verbeſſerung der Empfangsapparate dazu bei=
tragen
wird, den Rundfunkempfang ſoweit zu ver=
beſſern
, wie es in Anbetracht der ſchwierigen Ver=
hältniſſe
und der techniſchen Mittel möglich iſt.

Zum 120. Geburkskag des Berfaſſers
des Struwwelpekers

Ein Struwwelpeter=Brunnen in Frankfurt a. M.
Zum Gedenken Heinrich Hoffmanns, des Ver=
faſſers
des unſterblichen Kinderbuchs Struwwel=
peter
, wurde in Frankfurt a. M. ein Struwwel=
peter
=Brunnen errichtet. Heinrich Hoffmann iſt
vor 120 Jahren am 13. Juni 1809 geboren und
war Irrenarzt in Frankfurt a. M.
Um die Juwelen des öſterreichiſchen Kaiſer=
hauſes
.
Paris. Eine komplizierte Angelegenheit, die
mit der Veräußerung der Juwelen des öſterreichi=
ſchen
Kaiſerhauſes zuſammenhängt, beſchäftigt gegen=
wärtig
wieder die Pariſer Gerichte. Kaiſer Karl und
ſeine Gemahlin Zitta hatten nach ihrer Flucht in die
Schweiz dem Haushofmeiſter Baron Steiner Schmuck=
ſachen
zum Verkauf übergeben. Dieſer veräußerte
den größten Teil in Paris. Später erhob das frühere
Kaiſerpaar Klage gegen Steiner, da es mit dem Er=
lös
nicht zufrieden war. Steiner wurde von der
Schweiz nach Paris ausgeliefert, aber freigeſprochen.
Bei der Abreiſe aus der Schweiz übergab Steiner
ſeiner Tochter Wertpapiere im Betvag von einer Mil=
lion
Franken zur Aufbewahrung. Als er zurückkehrte,
hatte ſeine Tochter dieſe Wertpapiere bis auf einen
Reſt von knapp 100 000 Franken in Monte Carlo ver=
ſpielt
, und zwar in Geſellſchaft der Gräfin Batthiany.
Steiner verklagte nunmehr die Gräfin wegen Bei=
hilfe
, die zu 6 Monaten verurteilt wurde, gegen die=
ſes
Urteil jedoch Berufung einlegte, über die noch
nicht entſchieden iſt. In der Zwiſchenzeit leitete Stei=
ner
gegen den Grafen Batthiany eine Klage ein, in
der er die Rückgabe von 90 000 Franken forderte, die
er dem Grafen angeblich zum Ankauf von Kunſt=
gegenſtänden
übergeben haben ſoll. Die 10. Straf=
kammer
ſprach nunmehr den Grafen Batthiany frei.
Schadenfeuer in einer Zelluloidfabrik.
Zwei Todesopfer.
Wien. Eine folgenſchwere Eploſion ereignete
ſich in der Zelluloidfabrik Gottesmann in Böſendorf,
der zwei Menſchen zum Opfer fielen. Aus bisher
noch nicht bekannter Urſache gerieten eiwige Film=
rollen
plötzlich in Brand. Innerhalb weniger Augen=
blicke
ſtand alles in Flammen. Eine ungeheure Ex=
ploſion
erſchütterte das ganze Fabriktervain; in an=
deren
Teilen der Fabrik beſchäftigte Arbeiter konn=
ten
ſich noch rechtzeitig ins Freie retten. Sie wur=
den
aber durch den ſtarken Luftdruck zu Boden ge=
ſchleudert
und mehrfach verletzt. Die 41jährige Hilfs=
arbeiterin
Barbara Kovar wurde von einer Tür ins
Freie geſchleudert. Ihre Kleider hatten aber bereits
vorher Feuer gefangen, ſo daß die Bedauemswerte
bewußtlos mit brennenden Kleidern biegen blieb. Der
Arbeiter Weinlich war in einem brennenden Raum
eingeſchloſſen worden. Alle Verſuche, ihn zu retten,
ſcheiterten an den fortwährend erfolgenden kleineren
Exploſionen. Weinlich iſt bei lebendigem Leib ver=
brannt
. Seine Leiche wurde vollkommen verkohlt
aus den rauchenden Trümmern hervorgeholt. Auch
die Hilfsarbeiterin Kovar hatte ſo ſchwere Brand=
verletzungen
erlitten, daß ſie kurz nach ihrer Einlie=
ferung
ins Krankenhaus verſchied.
Gasexploſion vor dem Londoner Parlaments=
gebäude
.
London. Eine heftige Exploſion erfolgte
geſtern am frühen Morgen in einer Gasleitung in
der Nähe des Parlamentsgebäudes. Die Straße
wurde eben wegen Bauarbeiten aufgeriſſen. Die
Flammen, die bis zu 10 Meter Höhe emporloder=
ten
, erhellten die ganze Umgegend. Die Bemühungen
der Feuerwehr, das Feuer zu löſchen, waren zuerſt
erfolglos; erſt nachdem die Gasleitung abgeſchnit=
ten
worden war, konnte der Brand erſtickt werden.
Die Nachforſchungen nach der verſchollenen
Aleſſandri=Gruppe.
Wie der Corviere della Sera berichtet, hat
die Expedition Albertini auf ihrem Marſch an der
Nordküſte von Spitzbergen die Inſel Scoresby er=
reicht
. Der Marſch von dem Walfiſchfänger bis zu
dieſer Inſel über das Packeis geſtaltete ſich infolge
des dichten Nebels und eines Schneeſturmes ſehr
ſchwierig. Das Packeis iſt oft von Kanälen durch=
zogen
, die umgangen werden mußten. An vielen
anderen Stellen drohte das Eis ſich zu ſpalten, ſo
daß der Marſch ſehr gefährlich war. Inzwiſchen
hat der Walfiſchfänger Heimen bei der Inſel
Walder Zuflucht nehmen müſſen, weil ſtarker Nord=
weſtwind
das Treibeis vor der Inſel ſtaute und das
Schiff zu erdrücken ſuchte.
Einſturzgefahr der älteſten Kirche Neapels.
Neapel. Die älteſte Kirche Neapels, die Mo=
numental
=Baſilika Sant’Anjello in Capo Napoli,
droht einzuſtürzen. Der Bau ſtammt aus dem ſech=
ſten
Jahrhundert und iſt ſchon vor einiger Zeit ge=
ſchloſſen
worden, weil Riſſe bemerkt wurden. Neapel
droht, ſo eines ſeiner älteſten Kuſtdenkmäler zu
verlieren.
Rekordhitze in New York.
New York. Das Thermometer erreichte hier
am Freitag den höchſten Stand ſeit 37 Jahren. Fünf
Perſonen ſind infolge der Hitze geſtorben.

[ ][  ][ ]

Seife 14

Sonntag, den 16. Juni 1919

Nummer 165

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Nr. 69, Hth. pt. (*

[ ][  ][ ]

Nummer 165

Seite 15

Sin sorsin der Nant.

26)

Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.)

Jawohl, es geht um ne Wette, Mann, um die höchſte Wette,
die ich je in meinem Leben geſehen habe. Das könnt Ihr auch
den Leuten ſagen, die die Pferde ſtellen ſollen. Habt Ihr für den
Anfang ein ordentliches Stück Pferdefleiſch bei der Hand?
Ich habe ine rote Stute. Fürs Herdenreiten taugt ſie nichts,
aber für ſo ine ſchnelle Spritztour iſt ſie das Richtige. Flink wie
ein geölter Blitz, Mann.
Dann raus damit! Den Sattel drauf und los! Er zog
einen Bleiſtiftſtummel und einen Fetzen Papier aus der Taſche.
Gebt mir noch die Namen von den Plätzen, wo Ihr halt machen
werdet. Hier iſt das Geld. Ein Zwanziger werd’ ich zurück=
behalten
für den Notfall.

Und jede Sekunde, ſagte Buck Daniels, als ſie ſich trennten,
die Ihr ſparen könntet, erſpart Ihr mir, denn es könnte ſein,
wenn Ihr nach Elkhead hineinkommt, bin ich Euch ſchon dicht auf
den Ferſen.
Gary Peters zog die Augenbrauen hoch und ſteckte die leere
Pfeife wieder in den Mund. Er ſprach durch die Zähne: Alles
hat ſeine Grenzen, auch was ein Gaul zuwege bringt, bemerkte
er. Gegen wen reitet Ihr eigentlich?
Mein Gegner iſt juſt ne Kreuzung zwiſchen einer Kugel
und inem Nordweſtſturm, Gary. Ich geh’ wieder zu OBrien
hinüber und trink auf Euer Wohl.
Und Buck Daniels erfüllte ſein Verſprechen. Er brauchte
etwas, was ihn aufdeitſchte und ihm Kraft gab. Er trank noch,
als er auf der Straße das Praſſeln galoppierender Hufe hörte,
und gleich darauf kam jemand herein und erzählte, Gary Peters
ſei auf ſeinem roten Fuchs losgeritten, um ein Wettrennen gegen
den Teufel zu gewinnen.
Danach begab ſich Buck auf die Suche nach Dan Barry. Sa=
tan
und Bart fand er in der Einzäunung hinter dem Haus noch
vor, aber ihr Herr war weit und breit nicht zu ſehen. Daniels
betrachtete düſteren Blicks das Pferd, deſſen ganzer Bau von
unbegrenzter Schnelligkeit zeugte, und hatte einen Einfall. Wenn
ich ihn bloß eine halbe Minute aufhalten kann, murmelte er,
juſt eine halbe Minute Vorſprung, dann iſt immer noch wenig=
ſtens
eine ſchwache Chance, daß ich die Nacht überlebe.
An der Tür des erſten Schuppens hing eine ſchwere Kette mit
einem Vorhängeſchloß, in dem der Schlüſſel ſteckte. Daniels

Sonniag, den 16. Juni 1929

eignete ſie ſich an und ſchlang ſie ſorgfältig um den Pfoſten am
Eingang zu dem Gehege, in das Satan eingeſperrt war. Es war
jetzt unmöglich, die Tür zu öffnen. Daniels ließ das Vorhänge=
ſchloß
einſchnappen, drehte den Schlüſſel herum und warf ihn
weg. Dann trat er einen Schritt zurück und warf einen zufrie=
denen
Blick auf ſeiner Hände Werk. Es war keine leichte Arbeit,
die dicke Kette durchzufeilen oder die ſchweren Balken zu entfer=
nen
, aus denen die Einzäunung gezimmert war. Mit einem
zufriedenen Lächeln rückte er ſeinen Revolvergurt zurecht, drückte
ſich den Sombrero tiefer ins Geſicht und machte ſich auf die Su=
che
nach Dan Barry.
Er hate es jetzt eilig, denn die Sonne ſenkte ſich gegen das
Gebirge im Weſten und die Schatten wurden merklich länger. Als
er auf die Straße trat, ſah er, wie langſam, aber ſtetig die Ein=
wohnerſchaft
von Brownsville ſich am Eingang zu O=Briens Lo=
kal
verſammelte. Sie kamen einzeln oder zu zweit, ſtanden =
ßig
vor dem Hauſe herum oder ſpähten intereſſiert durch den
Lurpalt und tauſchten dann flüſternd ihre Bemerkungen aus. Juſt ein Ding hab’ ich dir noch zu ſagen, Mac. Tu, was du willſt,
Buck ſprach einen an, der in der Nähe der Tür ſtand, und fragte,
was los ſei.

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Er iſt da drin, erklärte der Gefragte mit einem breiten und
aufgeregten Grinſen. Er ſitzt da drin und wartet.
Buck ſtieß die Tür auf. Am äußerſten Ende des völlig men=
ſchenleeren
Schankzimmers ſaß Dan Barry an einem Tiſch und
flocht einen ſchmalen Riemen aus Pferdehaar. Er hatte den
ken zu. Anſcheinend hatte er keine Ahnung davon, daß die geſamte
Einwohnerſchaſt draußen in atemloſer Spannung auf ſeine Ver=
nichtung
wartete. Hinter dem Schanktiſch ſtand O=Brien, un=
raſiert
und bleich. Seine Augen vermochten ſich anſcheinend nicht
einmal auf einen Augenblick von der zierlichen Geſtalt loszu=
reißen
, die allein ſein Schankzimmer bevölkerte. Aber als er
Buck erblickte, rief er ihm mit ungewohnter Heftigkeit zu: Im=
mer
herein, Fremder! Trinkt einen auf meine Koſten 18 iſt ſo
verdammt totenſtill hier im Haus, daß es mir auf die Nerven
geht.
Buck Daniels kam der Einladung nach, ohne ſich zu beſinnen,
und hinter ihm wagte ſich ein kleiner Bruchteil der Brownsviller
Einwohner mit leiſen Schritten in den Raum. Die meiſten gingen
auf den Zehenſpitzen und hielten die Hüte in der Hand. Sie
reihten ſich an dem langen Schanktiſch auf. Kein Wort wurde ge=
ſprochen
. Alle Köpfe waren zu dem gelaſſenen Gaſt am äußerſten
Ende des Raumes hingewandt.

Sechzehntes Kapitel.
Wenn die Nacht hereinbricht.
Die Abenddämmerung war noch nicht völlig hereingebrochen.
Die fernen Berge warfen ihre Schatten auf die Ebene, und am
Weſthimmel hing noch der letzte Abendſchein, aber in Jerry
Stranns weit offenen Augen herrſchte tiefſte Mitternacht. Ohne
einen Schrei, ohne Kampf, ohne den Kopf zu heben, war er hin=
übergegangen
. Seine Augen hatten ſich für einen kurzen Augen=
blick
geſchloſſen, und in dieſem Augenblick ſah er wirklich wie ein
Toter aus. Aber in der nächſten Sekunde ſchon hatten ſich die
Lider wieder geöffnet, er lächelte, der Wind ſpielte mit ſeinem
blonden Haar. Niemals hatte er ſo glücklich und ſo lebendig
ausgeſehen, wie in ſeinem letzten Augenblick. Fatty Matthews
nahm einen Spiegel, hielt ihn vor die leichtgeöffneten Lippen,
warf einen Blick darauf und zog ſich langſam nach der Tür zu=
rück
, die Augen feſt auf Mac Strann geheftet.
Mac, ſagte er, 8 iſt gekommen, wie es kommen mußte.
aber bleib innerhalb von Recht und Ordnung.
Und damit glitt er durch die Tür und war verſchwunden.
Mac Strann hob nicht den Kopf, warf ihm keinen Blick nach,
er ſaß neben dem Bett und ſpielte mit Jerry Stranns ſchlaffen
Fingern. Seine Augen wanderten abweſend zum Fenſter hinaus,
über die Dächer der Siedlung hin.
Ein Pferd klapperte durch die Gaſſe, der Reiter rief einem
Bekannten ein Scherzwort zu. Der Staub trieb langſam durchs
Fenſter herein. In weiter Ferne weinte ein Kind, die Mutter
tröſtete es. Es klang wie das Gackern einer Henne. Das war alles!
Und doch hätte Heulen und Zähneklappern, Weinen und
Hut weit aus der Stirne geſchoben. Der Tür drehte er den Rük= Beten ſein ſollen, denn Jerry Strann, der ſchöne Jerry, war ge=
ſtorben
. Aber niemand weinte um ihn. Niemand dachte daran,
ſeinen Tod durch ehrfürchtige Stille zu ehren. In einer Küche in
der Nachbarſchaft raſſelte jemand mit den Töpfen und trieb dann
fluchend einen Hund vom Hausgang fort. Keines dieſer Ge=
räuſche
war beſonders laut. Die Geräuſche des Lebens ſind ſel=
ten
laut, aber ſie rinnen in einen nie endenwollenden Strom, und
hier und da durchbricht ein abſcheulicher Lärm die Eintönigkeit,
um zu bezeugen, daß noch immer die Menſchen ſchlafen und wa=
chen
, hungern und eſſen.
Haw=Haw Langleys lange dürre Geſtalt tauchte hinter dem
Bette auf. Er ging auf den Fußſpitzen, warf einen Blick auf das
Geſicht des Toten und grinſte. Ein anhaltender nervöſer Schauer
lief über ihn hin, und ſein Adamsapfel ſtieg und fiel. Dann
ſchob er ſich vorſichtig, Zoll um Zoll, zur Seite, ſo lange, bis es
ihm gelang, Mac Strann ins Geſicht zu ſehen. Es war aus=
druckslos
wie ein Kindergeſicht. Und wenn ein Ausdruck darin zu
leſen war, ſo war es der des tiefſten Erſtaunens. (Fortſ. folgt.)

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[ ][  ][ ]

Seite 16

Sonntag, den 16. Juni 1929

Nummer 165

Spotl Shier und Tarnen.
Sporkprogramm zu den Jubiläumsveranſtalkungen
Baſſeronnt.

M. T.K. Budapeſt - Jung=deutſchland.
Montag abend 19½ Uhr.
Auf der idealen Kampfbahn des Großen Woog wird Darmſtadts
ſportintereſſiertes Publikum am Montag abend ein ſportliches Ereignis
erleben, wie lange nicht. Ungarns Waſſerballmeiſter, den 3. Bezirk=
M. T. K. Budapeſt, im Kampf mit dem ſüddeutſchen Meiſter, Jung=
Deutſchland Darmſtadt, zu ſehen, dürfte wohl kein alltägliches Ereignis
ſein. Heute ſind wir nun in der Lage, die beiderſeitigen Mannſchafts=
aufſtellungen
anzugeben. Budapeſt wird antreten mit folgender
Mannſchaft:
Bartha oder Brody
Rona Sarkany
Maſitz
Kakaſſy Cele Suſtrovitz
Dieſer Mannſchaft tritt Darmſtadt gegenüber mit:
Müller
Förſter
Richter
Orlemann
Kloſtermann Berges
Schwartz.
Bei Betrachtung der ungariſchen Mannſchaft fällt beſonders auf,
daß ihr die beiden hervorragenden internationalen Torwächter der un=
gariſchen
Ländermannſchaft angehören. Wer nun auch von beiden das
Tor hiiten wird, das eine ſteht feſt, daß ſie von den Darmſtädtern nur
ſehr ſchwer zu ſchlagen ſein werden. In der Verteidigung dürfte der
bekannte Internationale Sarkany die Hauptkraft ſein, aber auch Maſitz
als Verbindungsmann hat Ungarn in der B=Ländermannſchaft ſchon des
öfteren vertreten. Der Sturm wird geführt von dem ſchnellen Inter=
nationalen
. Cele, der hauptſächlich im Zuſammenſpiel mit dem ebenfalls
repräſentativ ſpielenden Suſtrovitz dem Darmſtädter Tor öfters gefähr=
lich
werden wird. Man kann alſo von dieſer Mannſchaft erwarten,
daß ſie einen erſtklaſſigen Waſſerball vorführen wird. Zu einer hervor=
ragenden
Technik kommen noch Schnelligkeit und Körperkraft hinzu,
und da es an der notwendigen Taktik nicht fehlen wird, ſo ſind alle
Bedingungen gegeben, um ein glänzendes Spiel zu zeigen.
Daß Jung=Deutſchland gegen dieſe Mannſchaft einen ſehr ſchweren
Stand haben wird, iſt wohl klar. Trotzdem braucht die Mannſchaft in
der verſtärkten Aufſtellung den Gegner nicht zu fürchten und ſollte end=
lich
einmal wieder beweiſen, daß ſie in großen Spielen ebenfalls Großes
leiſten kann, wie ſie das ja ſchon oft bewieſen hat.
Als Schiedsrichter wurde der dem Darmſtädter Publikum wohl=
bekannte
Herr Blank=Mannheim verpflichtet, der für eine gute Leitung
bürgt.
Seinen Grundſätzen gemäß hat Jung=Deutſchland die Eintrittspreiſe
ſo niedrig wie nur möglich gehalten, um jedem den Beſuch des Spieles
zu ermöglichen. Wir verweiſen nochmals auf die bei L. B. Müller,
Schulſtraße 14, errichtete Vorverkaufsſtelle.
Rok=Weiß, V. f. R. Frankfurker 5.b. 2:2!
Rot=Weiß muß’e ſich bei dem geſtrigen als Verbands=Waſſerballſpiel
angeſetzten Treffen gegen den Frankfurter Schwimmverein durch Leichr=
ſinn
der Hintermannſchaft und durch ſchlechte Stürmerleiſtungen ein
Unentſchieden gefallen laſſen. Lediglich Gimbel konnte überzeugen, der
ſich in der letzten Zeit zuſehends beſſerte und auch die beiden Tore ſchoß.
Die Darmſtädter, die ohne Merz antreten mußten, bewieſen wieder
einmal, daß ſie eine ausgeſprochene Hallenbadmannſchaft ſind. Gegen
dieſelbe Frankfurter Mannſchaft konnte im Hallenbad ſelbſt die zweite
Mannſchaft der Rot=Weißen einen glatten Sieg buchen. Jedoch das
entſchuldigt nicht das geſtrige ſchlechte Spiel im freien Waſſer. Da
kein Schiedsrichter anweſend war bzw. nicht beſtellt worden ſein ſoll
(wann hört endlich dieſe Schiedsrichterkalamität im Schwimmverband
auf??), wurde das Treffen als Freundſchaftsſpiel unter der Leitung
von Herrn Wenzel (Rot=Weiß) ausgetragen, der ſchon beſſere Tage
hatte. Die Darmſtädter haben alſo nochmals Gelegenheit, gegen den
Frankfurter Schwimmverein anzutreten und dann ev. zu gewinnen.
Vorrundenſpiel um die Kreis=Meiſterſchaft des
9. Kreiſes (Mikkelrhein) 9. T.
Turnverein Frankfurt 1860 Turngemeinde Darmſtadt 1846 0:1.
Die erſte Mannſchaft der Tgde. 1846 ſpielte geſtern abend auf der
Kampfbahn des Frankfurter Stadions gegen Tv. Frankfurt 1860, den
mehrjährigen Kreismeiſter. Das Spiel war von Anfang an ſehr ſchnell
und das ſcharfe Tempo hielt auch bis zum Schluſſe an. Die Darm=
ſtädter
wußten, daß ſie einen ſchweren Kampf zu beſtehen hatten.
Durch überraſchenden Durchbruch konnte Darmſtadt ſchon in der
zweiten Minute zum erſten und einzigen Tor einſchießen.
Mit dieſem Ergebnis ging es bei wechſelnden Tormöglichkeiten in die
Pauſe.
Die zweite Halbzeit ſah Frankfurt etwas im Vorteil, jedoch konnte
die Darmſtädter Verteidigung alle Angriffe unterbinden, während ſie
eigene Chancen nicht ausnutzen konnte, ſo daß, wie bereits oben gemel=
det
, das Spiel beim Stande von 1:0 für Darmſtadt zu Ende ging.
Die Mannſchaft der Tgde. 1846 muß ſich noch durch eifriges Trainie=
ren
im Schwimmen die notwendige Ausdauer und Schnelligkeit an=
eignen
, um die noch ausſtehenden Kämpfe für ſich zu entſcheiden. Der
Schiedsrichter, Turnbruder Wächtershäuſer=Bad Homburg, war dem
Spiel ein gerechter Leiter. Die Mannſchaft ſpielte in folgender Auf=
ſtellung
:
Schmitt
Luley
Schneider 2.
Reiß
Braun Finck Volk.
Turngeſellſchaft Darmſtadt - Turngemeinde Hanau.
Am Sonntagvormittag um 11 Uhr trägt die Tgſ. D. 1875 ihr
zweites Verbandsſpiel im Waſſerball gegen die Hanauer Turngemeinde
aus. Beide Vereine ſind der neuen Kreis=Sonderklaſſe zugeteilt worden
und haben bis jetzt noch nicht gegeneinander geſpielt. Man iſt auf den
Ausgang des Spieles geſpannt, zudem die Darmſtädter jetzt komplett
antreten werden. Wir empfehlen den Waſſerballfreunden den Beſuch
dieſes Spieles im Woog.
Deukſches Turn= und Sporkabzeichen.
Die erſte diesjährige Prüfung zur Erlangung des deutſchen Turn=
und Sportabzeichens in Gruppe V, Radfahren, 20 Kilometer auf der
Landſtraße, wird am Sonntag, den 23. Juni, vormittags 7.30 Uhr, auf
der Strecke Kranichſtein ausgefahren. Anmeldungen ſind zu richten an
den Gaurennfahrwart des Gaues 70 B.D.R., Herrn Georg Hahn
(Fahrradhaus Gg. Hahn u. Co., Große Ochſengaſſe 12, oder Schwanen=
ſtraße
20,II. r., Ecke Schloßgartenplatz).

der Sporkvereinigung 04 E. B. Arheilgen.
Die Sportvereinigung Arheilgen kann in dieſem
Jahre mit Stolz auf ihr 25. Vereinsjahr zurückblicken. Gegründet
wurden im Jahre 1904 der Fußballklub Olympia und im Jahre 1906
der Fußballklub Germania. Aus dieſen beiden Vereinen iſt im Jahce
1921 die heutige Sportvereinigung hervorgegangen. Der Verein kat
jederzeit fördernd und bahnbrechend für den Sport gewirkt. Dank der
großen Mitgliederzahl war es der Sportvereinigung jederzeit möglich,
für alle neu aufkommenden Sportarten eine Abteilung zu gründen. Seit
dem Beſtehen mußte der Sportplatz fünfmal gewechſelt werden; daß
alle neuerſtandenen Plätze nur von Mitgliedern in ſpielfähigen Zuſtend
geſetzt wurden, zeugr von dem Tatendrang, welcher dem Verein inne=
wohnt
. Es wüirde zu weit führen, an dieſer Stelle die Chronik des
Vereins zu erörtern. Die Sportvereinigung hat anläßlich ihres 25 jäh=
rigen
Stiftungsfeſtes eine Sportwoche vorgeſehen. Dieſe findet
in der Zeit vom 23.30 Juni ſtatt. Zumeiſt ſind es Fußball= und
Handball=Wettkämpfe, die ausgetragen werden. Der 23. Juni wird
wohl die meiſte Anziehungskraft haben. An dieſem Tage iſt es der
Sportverein 98 Darmſtadt, der nachmittags 3 Uhr mit ſeiner Demen=
Handballmannſchaft, dann mit ſeiner Liga=Fußballmannſchaft und an=
ſchließend
die Liga=Handballmannſchaft gegen die Arheilger auftritt.
Dieſen Spielen werden vormittags Klubkämpfe etlicher Vereine der
Umgebung vorausgehen. Die Sportvereinigung, die mit allen Ver=
einen
immer gute ſportliche ſowohl als auch geſellſchaftliche Beziehungen
hat, hofft auf ein gutes Gelingen ihres Inbelfeſtes und auf die Unter=
ſtützung
aller Sportvereine der näheren Umgebung.
Wir bringen hier das Sportprogramm, das man ſich aufheben möge.
Sonntag, den 23. Juni:
2. S hüler (Fußball) gegen Sportverein Darmſtadt 98 10.00 Uhr.
3.00 Uhr.
Damenmannſchaften gegen Sp.V. D. 98
4.00 Uhr.
Fußball=Liga gegen Sp.V. D. 98
4.30 Uhr.
Handball=Liga gegen Sp.V. D. 98
Montag, den 24. Juni:
1. Fußball=Schüler gegen Sp.V. D. 98
6.30 Uhr.
Dienstag, den 25. Juni:
6.30 Uhr.
2. Fußball=Jugend gegen Sp.V. D. 98
Mittwoch, den 26. Juni:
6.00 Uhr.
1. Handball=Jugend gegen Sp.V. D. 98
7.00 Uhr.
1. Fußball=Jugend gegen Sp.V. D. 98 . .
Donnerstag, den 27. Juni:
6.30 Uhr.
3. Fußball=Jugend gegen Sp.V. D. 98 .
Freitag, den 28. Juni:
5.45 Uhr.
Handball=Jugend (komb.) gegen Sp.V. D. 98 .
6.30 Uhr.
Fußball=Reſerve gegen Sp.V. D. 98
Samstag, den 29. Juni:
5.00 Uhr.
Handball=Reſerve gegen Sp.V. D. 98
6.00 Uhr.
Alte Herren (Fußball) gegen Sp.V. D. 98 . . .
Sonntag, den 30. Juni:
2.00 Uhr.
Damenmannſchaften gegen Polizei Darmſtadt .
3.00 Uhr.
Fußball=Jugend gegen Polizei Darmſtadt
4.00 Uhr.
Handball=Liga gegen Polizei Darmſtadt
5.00 Uhr.
Handball=Jugend gegen Polizei Darmſtadt

Zwanzig Jahre Höhenflug.
Neuenhofens 12,739 Meter=Rekord anerkannt.
Die großartige Leiſtung des Junkerspiloten Willi Neuenhofen, der
am 28. Mai in Deſſau mit einem Junkers=Apparat W 34 (Briſtol
Jupiter Motor 420 PS) den Weltrekord im Höhenflug mit 12 738
Metern nach Deutſchland entführte, iſt jetzt vom internationalen Ver=
band
offiziell als Welthöchſtleiſtung beſtätigt worden. Bald 20 Jahre
iſt es her, daß die erſte Rekordleiſtung im Höhenflug im Auguſt 1909
regiſtriert wurde. Damals kam der Franzoſe Latham auf die für dama=
lige
Verhältniſſe ungeheure Höhe von 155 Metern. Und heute? Deut=
licher
läßt ſich die Entwicklung der Aviatik in den verfloſſenen beiden
Dezennien nicht veranſchaulichen. Unzählige Verſuche wurden ſeither
unternommen, den begehrteſten aller Rekorde zu erhalten, aber nur
neunundzwanzig Namen verzeichnet die Tabelle. Nur 29 Fliegern war
es vergönnt, ſich in das Goldene Buch der Aviatik eintragen zu kön=
nen
. Von dieſen waren ſechs zwei= und mehrmals erfolgreich. Willi
Neuenhofen iſt nun der erſte Deutſche, denn bisher war das Ringen um
die Flughöhe zumeiſt eine Angelegenheit der Franzoſen und Amerikaner,
von denen die Franzoſen 22mal, die Amerikaner 14mal in der Liſte zu
finden ſind. Dazwiſchen ſtehen einmal ein Italiener (1916) und ein
Engländer (1919). Nicht immer wurde zur Erreichung des heiß begehr=
ten
Zieles mit ehrlichen Waffen gekämpft. Erinnert ſei nur an die be=
trügeriſchen
Machenſchaften des Franzoſen Callizo, der vor zwei Jahren
durch ſeine angeblichen Rekordflüge, von ſich reden machte, beim
dritten Male aber endlich dabei ertappt wurde, daß er die Barogrgphen
gefälſcht hatte.
Fußhall.
Sportverein 1898 (Jugend).
Spiele am 16. Juni 1929:
Junioren2. Ober=Namſtadt, 1,30 Uhr, Stadion.
1. Jugend1. Jod. S.V. Münſter, dort, Abfahrt 11,30 Uhr Hbhf
2. Jugend2. Jugend Neu=Iſenburg, hier, 10 Uhr.
3. Jugend2. Jugend F. V. 04 Würzburg, dort, Abfahrt Samstag
2.30 Uhr.
4. Jugendl. Schüler Weiterſtadt, hier, 11,30 Uhr.
1a Schüler1 Sckuler Meſſel, hier, 1.15 Uhr.
1b Schifler1. Schüler Wixhauſen, hier, 11 Uhr.
2. Schüler1. Schuiler S. V. Münſter, dort, Abfahrt 11,30 Uhr Hbhf.

Der 20. Deutſche Turntag findet am 4. und 5. Oktober in Berlin
ſtatt. Vor dem Deutſchen Turntag findet eine Hauptausſchußſitzung
ſtatt, die unter anderem die Erteilung von Ehrenurkunden entſcheiden
wird.
Der Tennis=Länderkampf AmerikaEngland begann am Freitag
in Eaſtbourne. Nach den beiden Einzelſpielen des erſten Tages lagen
die USA.=Vertreter bereits mit 2:0 in Führung.

33. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lokkerie.
1. Tag der 3. Klaſſe. In der Vormittagsziehung vom
14. Juni fielen: 2 Gewinne zu 100 000 k. auf Nr. 255 406; 2 Ge=
winne
zu 5000 Mk. auf Nr. 311 294; 2 Gewinne zu 3000 Mk. auf Nr.
27 041; 4 Gewinne zu 2000 Mk. auf Nr. 38 050, 354 968; 4 Gewinne
zu 1000 Mk. auf Nr. 9204, 132364; 12 Gewinne zu 800 Mk. auf Nr.
18 516, 30 484, 126 110, 225 031, 276 340, 292 586; 32 Gewinne zu
500 Mk. auf Nr. 13 470, 26 729, 37 270, 52141, 57 886, 69 469,
126 279, 164 480, 171 743, 183380, 186 690, 197 782, 207 959, 304 348,
315 391, 315 732; ferner wurden gezogen 108 Gewinne zu 400 Mark
und 258 Gewinne zu 240 Mark. In der Nachmittagsziehung
fielen: 2 Gewinne zu 50 000 Mk. auf Nr. 282946; 2 Gewinne zu
3000 Mk. auf Nr. 211 067; 2 Gewinne zu 2000 Mk. auf Nr. 336 711;
8 Gewinne zu 1000 Mk. auf Nr. 46 325, 231633, 262395, 333 130;
8 Gewinne zu 800 Mk. auf Nr. 28 161, 35 21, 110 350, 376 296;
26 Gewinne zu je 500 Mk. auf Nr. 90 856, 136 353, 156 300, 203 470,
238 102, 260 669, 297 006, 336 416, 361 913, 363 463, 365 681, 385 020,
399 623; ferner wurden gezogen: 102 Gewinne zu 400 Mark und

230 Gelwinne zu 240 Mark. Die in der heutigen Vormittagsziehung
gezogenen beiden Hauptgewinne von je 100 000 Mk. fielen auf
ing II nach Berlin.
Nr. 255 406 in Abteilung I nach Berlin, m Abtei
(Ohne Gewähr.)
Geſchäftliches.
Einiges über die Weberei der Halbmond= Tep=
piche
. Die Firma Gebr. Rothſchild, G. m. b. H., veranſtaltet eine
Sonderausſtellung unter der Deviſe: Das ſchottiſche Bergſchaf gibt
uns die beſte Teppichwolle‟. In fünf Paſſage=Fenſtern wird in deut=
lichſter
Weiſe der Werdegang der Halbmond=Teppiche gezeigt. Das Ur=
produkt
iſt die langhaarige Wolle des ſchottiſchen Bergſchafes (black faced),
die ſo hart und widerſtandsfähig iſt, daß ſie ſich am beſten zur Her=
ſtellung
von Wollplüſch=Teppichen eignet. Roh gelangt die Wolle in die
Spinnerei, wo ſie gewaſchen, gekämmt und zum verarbeitungsfähigen
Kammgarn verſponnen wird. In dieſem Zuſtand bezieht die Halbmond=
Teppichfabrik ihr Teppich=Kammgarn aus England. In der eigenen
Färberei wird die Wolle nochmals gewaſchen und darauf in zarte oder
feurige, dunkle und helle Töne möglichſt echtfarbig eingefärbt und ge=
langt
durch die Trockenmaſchine zur Spulerei, von wo ſie der Weber
auf Spulen zum Verweben empfängt. Auf neuzeitlich eingerichteten
Maſchinen wird dieſe Wolle dann zum Fertigfabrikat verarbeitet, das
nun ſeinen Weg zur Eiſenbahn, zum Ozeandampfer, ins Reich oder in
die weite Welt nimmt.
Es kommt auf jeden Pfennig an. Es gibt wohl kaum
einen Artikel in der Volkswirtſchaft, bei dem der Käufer ſo mit dem
Pfennig rechnet, wie bei der Zigarette. Dies hat auch ſeinen guten
Grund. Wenn man einen gleich guten oder gar einen beſſeren Tabak
billiger haben kann, als es ſonſt allgemein möglich iſt, ſchädigt man ſich,
wenn man die teurere Marke raucht. Um jedoch eine ſolche beſſere, aber
billigere Marke auf den Markt zu bringen, bedarf es ſchon ganz beſon=
ders
erfolgreicher Fabrikationsmethoden und geſchickter Geſchäftspolitik.
Dieſe günſtigen Faktoren führten bei der Bulgaria=Zigarettenfabrik
Dresden in hervorragender Weiſe zu einer Rationaliſierung, die es ge=
ſtattete
, für die jetzt bei uns neu erſcheinende 5 Pfg.=Zigarette, Bulgaria=
Krone, ſo hochwertige, bulgariſche Edel=Tabake zu verwerten, wie ſie
ſonſt nur in 8 Pfg.=Zigaretten verarbeitet werden.

Guter Rat! Guter Rat iſt Goldes wert! Dieſes Sprichwort
trifft vor allem für Laien zu, die im Begriffe ſind, ſich ein Motorrad
zu kaufen und nun vor lauter Superlativen in den Proſpekten und der
Reklame ſowie vor lauter Preisunterbietungen letzten Endes überhaupt
nicht mehr wiſſen, woran ſie eigentlich ſind. Darum ſei hier verraten,
daß der Anſchaffungspreis keine ausſchlaggebende Rolle ſpielen darf,
wenn man auf die Dauer vor Enttäuſchungen bewahrt bleiben will, die
ſtets weit teurer zu ſtehen kommen, als der anfänglich kaum nennens=
werte
Mehrpreis für ein wirkliches Qualitätserzeugnis, wie dies die
Original=Standard=Qualitäts=Motorräder von 350, 500, 600 und 750 ccm
in ihren verſchiedenen Touren= und Sportmodellen ſind. Vertreter: Otto
Darmſtädter, Heinheimerſtraße 86.

Rundfunk-Programme.

Frankfurt.
Sonntag, 16. Juni. 8: Morgenfeier des Wartburgvereins. 6 An=
ſchließend
: Geläut von der St. Peterskirche. O 11: Jugendbewe=
gung
: W. Obländer: Lagerleben deutſcher Jugend. O 11.30: Eltern=
ſtunde
: Lehrer Köhler: Wie können die Eltern ihren Kindern bei
den Hausaufgaben in der Rechtſchreibung helfen? o 12: Feſthalle
rankfurt: Vom Ballon=Verfolgungsrennen. Sprecher: Dr. Laven.
O 13: Beſuch des Wirtſchaftsberaters Landw.=Rat Wittgen bei
dem Bauern W. E. Noll, Igſtadt, landwirtſchaftl. Zwiegeſpräch.
O 15: Jugendſtunde. Hanna Lüngen: Wunſchſtunde aus Grimms
Marchen. 6 16: Stunde des Landes. e 17: Konzert des Funkorch.
Mitw.: Eliſabeth Marc (Sopran). O 18.30: Stunde des Rhein=
Mainiſchen Verb. für Volksbildung. O 19: Sportnachr. e 19.30:
Dr. Wilh. Heinitz: Die Muſik der Zigeuner (mit Schallplatten=
beiſpielen
). O 20.30: Konzert. Mitw.: Edith Lorand (Violine),
Kammerſänger Gläſer (Tenor). O Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Sonntag. 16. Juni. 6.30: Frühkonzert. 8.55:
Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche. 9: Morgenfeier.
O unſchl.: Glockengeläut des Berliner Doms. o 12: Konzert der
Kapelle Maret Weber. O 14: Schach. 14.30: Mitteilungen und
praktiſche Winke für den Landwirt. o 14.45: Marktlage und
Wetter. O 15: Forſtmeiſter Seitz: Der Wert der Forſtausſtel=
lungen
für die deutſche Forſtwirtſchaft. O 15.30: Märchen. O 16:
Max Grühl: Die heutigen Menſchen am Nil. O 16.30: Deutſches
raber=Derby. Uebertr. von der Rennbahn Berlin=Nuhleben. Am
Mikrophon: Chefred. Georg Lüdecke. O. Anſchl.: Unterhaltungs=
muſi
. der Kapelle Loewenthal. O 18.30: Juſtizrat Dr. Magnus:
Geh. Ra. Prof. Dr. Wilhelm Kahl zum 80. Geburtstage. 0 19:
Dr. Linden: Goethe als Naturforſcher. O 20: Sendeſpiel: Der
Orlow . Operette in 3 Teilen von Bruno Granichſtaedten. O. Da=
nach
: Tanzmuſik der Kapelle Gerh. Hoffmann. Pauſe: Bildfunk.

Wetterbericht.

Nachdem in den geſtrigen Abendſtunden unter dem Einfluß der
Warmluft bei fallendem Luftdruck in unſerem Bezirk vielfach Gewit=
terſtörungen
auftraten, ſetzt jetzt im Bereich ozeaniſcher Luftmaſſen
wieder Druckanſtieg ein. Unter dem Einfluß hohen Druckes herrſcht
zunächſt wieder meiſt heiteres Wetter und Niederſchläge treten kaum
auf. Die Beſſerung iſt ebenfalls wieder nur vorübergehend, denn über
Frland dringt erneute Warmluft vor und Niederſchläge treten dert
auf. Der Witterungscharakter bleibt ferner den Schwankungen wie
ſeither unterworfen.
Ausſichten für Sonntag den 16. Juni: Vielfach heiter, ſpäter wechſelnd
wolkig, warm, meiſt trocken.
Ausſichten für Montag, den 17. Juni: Wolkig mit erneuter Aufheite=
rung
und leichter Abkühlung wahrſcheinlich.

Feld=
berg

Taunue Waſſ.=
Kuppe Feld=
berg

Schwarz
wald Zug=
ſpitze
Kahler
Aſten Fich=
telberg
Schnee=
koppe
Wetter Nebel Nebel wolkig wolkig ſwvolkig wolkig Temperatur (7C) 9 11 6 14 12 10 Wind WSW. SW. SSW. sswiwsw NW. Niederſchlag mm 8 0,3 Schneedecke (cm)

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortſich für Polltiſk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feullleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
ſür den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart Dr. Herberi Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuble: Drus
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garanttie der Rückſendung nipt übernommen.

Die heutige Nummer hat 24 Geiten

Gegen Wanzen
Tod und Teufel
Wanzenfiuid Martial tötet jede Wanze
auf der Stelle und zerſtört die Brutnelter
reſtlos. Nicht fieckend, überall anwendbar.
Flaſche Mk. .85, Mk. 1.50 und Mk. 2.40
Beſtimmi zu haben bei:
A. Fiſcher, Adler=Drogerte, Frankfurter=
ſtraße
12/14, Chriſi. Schwinn, Medizinal=
Drog., Rheinſtiraße. Gebrüder Vierheller.
Drog., Schuſtergaſſe 14, AdolfZachmann,
Merkur=Drog., Bleichſtraße. In Eber=
ſtadt
: Ph. Eyſenbach, Hirſch=Drogerie
In Griesheim: Ph. Engel, Zentral=
Drogerie.
(V8674

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[ ][  ][ ]

1*
Ft4
Kt

agesſpegel in Bild innd *
NALA

16. Juni 1929

Illuſtrierte Wochenbeilage

Nummer 24

A

UNDER

Von C. H. Bernecke.

1. Der Ponte Vecchio in Slorenz.

Das Kind, mit Holz und Steinen ſpielend, gerät mit
ſeinen Kameraden in Streit über die Art, in welcher Weiſe
man das kleine Ninnfal auf der Straße überbrücken könne,
der zukünftige Ingenieur, der ſich mit den Geſetzen der
Statik und des Hochbaus beſchäftigt, erkennt an der
Mannigfaltigkeit der in der ganzen Welt geſchaffenen
Brücken die ungezählten Möglichkeiten, die menſchlicher
Geiſt und Cechnik zur Ueberwindung der trennenden und
grenzenbildenden Waſſerſtraßen fanden. Von der Lianen=
brücke
im Urwald bis zu den Wundern der modernen Nie=
ſenbrücken
ſprechen dieſe Bauten in ihrer oft eigenartigen
und primitiven, und andererſeits überragend fortſchreitenden
Cechnik und der unterſchiedlichen künſtleriſchen Auffaſſung
von der Kultur und Geſchichte der Völker.
Die primitivſte Form des Brückenbaues iſt die Hänge=
brücke
, wie ſie auch heute noch bei den wliden Stämmen des
Urwalds üblich iſt, das Vorbild der über den Bach gelegte
Baumſtamm, ſpäter das ſchwankende Geſchlinge aus elaſti=
ſchen
Pflanzen. Daß dieſe Art des Brückenbaus noch heut=
zutage
gebräuchlich iſt, zeigt unſere Abbildung Nr. 5, die
eine indiſche Hängebrücke darſtellt. Sie iſt aus einer Art
von Weidenzweigen erbaut und überbrückt einen tief in den
Felſen eingeſchnittenen Bergſtrom. Der Verſuch eines ſelbſt=
mörderiſchen
Sprunges von dieſer ſchwindelnden, ſchwanken-
den
Brückenröhre dürfte erfolglos ſein. Die Cechnik der
ſpäteren Jahrhunderte übernahm den primitivſten Gedanken
und ſtellte die Mehrzahl aller Straßen= und Flußbrücken
als Hängebrücken in Eiſen und Stahl her. Die Cragfähig=
keit
dieſer ſtabilen Hängebrücken beruht auf ihrer Konſtruk=
tion
durch Ketten oder Drahtſeilkabel. Das intereſſanteſte
Beiſpiel einer derartigen Brücke aus moderner Seit iſt die
rieſenhafte Brooklun=Brücke in New York.

den ſie naſ
In und gleich
chenden Tönung
andersfar.

2. Brücke in der Nähe von Nizza.
Einen Schritt vorwärts in der Cechnik bedeutet der Bau
von Balkenbrücken, gerade Verbindungen der gegenüber=
liegenden
Ufer, häufig durch Unterſtützung von Pfeilern.
Sur Errichtung der Bogenbrücken gehört ſchon ein gut
Ceil mathematiſcher und ſtatiſcher Kenntniſſe, daher finden
wir ſie bei wilden und primitiven Völkern verhältnismäßig
ſelten. Eine dieſer ſeltenen alten Brücken zeigt unſere Ab=
bildung
4, eine gedeckte hölzerne Bogenbrücke in Süd=
amerika
. Ganz phantaſtiſche Sormen ergeben die Bogen=

brücken in China. Auf Abbildung 5 ſehen wir eine alt-
chineſiſche
, ſteinerne Bogenbrücke, die noch heute im Park
des kaiſerlichen Sommerpalaſtes in Peking ſteht und mit
ihren, an den Höcker eines Kamels erinnernden Nücken von
einem der kaiſerlichen Vorfahren erbaut wurde. Die
größte moderne Bogenbrücke wurde von Pariſer Archi=
tekten
über den Douro bei Oporto gebaut. Sieben eiſerne
Pfeiler als Cräger einer Bogenkonſtruktion ergeben die
Baſis der Brücke. Eine intereſſante Bogenbrücke iſt
ferner der weltberühmte Ponte Vecchio über dem Arno bei
Slorenz. Die drei maleriſchen Bögen enthalten eine gänze
Kaufſtraße mit anſchließenden Wohnräumen, nur der mit=
telſte
Bogen läßt einen Durchblick auf das farbenprächtige
Fluß= und Stadtbild frei. (Abbildung j.)
Der wachſende Fortſchritt der Cechnik erzwang neue
Wege des Brückenbaus: die zunehmende Größe der Schiffe

Ra

für den Verkehr, ſpeziell der Stadt Edinbourgh mit dem
Norden des Landes, bilden. Die gewaltigſte der Flußmün=
dungen
, der Firth of Forth, wurde durch eine eiſerne Eiſen=
bahnbrücke
überſpannt. Bereits in den ſiebziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts wurde eine Brücke über den
ſchmaleren Firth of Cau gebaut, die aber unglücklicherweiſe
derart ſchwere Konſtruktionsfehler enthielt, daß der Mittel=
bogen
während eines Orkans im Dezember des Jahres 1879,
gerade als ein Sug darüberfuhr, zuſammenſtürzte. Der
Dichter=Ingenieur Max Euth hat dieſer Kataſtrophe ſeine
feſſelnde Erzählung Berufstragik gewidmet. Die tragiſche
Kataſtrophe veranlaßte eine mehrjährige Unterbrechung der
Nieſen=Brückenbau=Projekte. Erſt in den Jahren 1883
bis 1890 entſtand die große, obenerwähnte Brücke über den
Sirth of Forth, baſierend auf einem neuartigen, kühnen kon=
ſtruktiven
Gedanken. Die Mittelſtücke ſind im Gegenſatz zu
den beiden großen Seitenbogen ſchwach konſtruiert und er=
wecken
ſomit den Anſchein, als könne die Brücke keinerlei
Belaſtung vertragen. Eine geniale Verteilung der Kräfte
bewirkt aber, daß die ſonſt überbelaſteten Mittelſtücke in
dieſem Falle nur ihre Eigenſchaft zu tragen haben.

5. Alte ſteinerne Bogenbrücke im kaiſerl. Park zu Peking.
verlangte Klapp= und Kranbrücken über den Flüſſen und
Kanälen, die anfänglich gebräuchlichen Drehbrücken erwieſen
ſich ſehr bald als unzweckmäßig und wurden wenig gebaut.
Der menſchliche Geiſt ſchuf auch auf dem Gebiete des
Brückenbaues Ausmaße und Nieſenzahlen, deren Anblick uns
immer wieder in Bewunderung und Erſtaunen verſetzt.
Deutſchlands längſter Brückenbau iſt die Anlage, die die
Eiſenbahn bei Müngſten über die Wupper führt. Das Cal
des Fluſſes ſchneidet hier derart tief ein, daß die Kaiſer=
Wilhelm=Brücke nicht weniger als 107 Meter über dem
Meeresſpiegel liegt. Die Spann=
weite
des Mittelbogens beträgt
170 Mtr., die ganze Brücke hat
eine Länge von 500 Mtr.. Der
höchſte Brückenbau Deutſch=
lands
iſt die großzügige Anlage,
die den Eiſenbahnverkehr in
Holſtein über den Nord=Oſtſee=
Kanal führt. Schon von ferne
ſieht man über der weiten,
flachen Ebene der holſteiniſchen
Marſchen den monumentalen
Brückenbogen aufſteigen, der
Sug fährt ſanft anſteigend bis
zum höchſten Punkt oberhalb
des Kanals, und ein Herunter=
blicken
auf den Waſſerſpiegel
zeigt die ſchwindelnde Höhe.
Eine der gewaltigſten Eiſen=
bauten
der Erde birgt die Oſt=
küſte
Schottlands, die von Fluß=
mündungen
zerriſſen iſt, die tief
ins Land einſchneiden und in

4. Alte ſüdamerikaniſche Bogenbrücke.

Ein ebenbürtiges Nieſenwerk der Brückenbaukunſt iſt
die ſchon erwähnte Brooklun=Brücke über den Eaſt Niver
in New York, ſie liegt 41 Meter über dem Waſſerſpiegel
und hat eine Länge von 1850 Meter. Vier koloſſale Stahl=
troſſen
halten den Brückenbau, in die Seile wurden 25000
Kilometer Draht eingeflochten. Noch bis vor einigen Jahren
konnten die Ozeandampfer den ſanftgeſchwungenen Brücken-
bogen
paſſieren, erſt der Bau der neuen Ueberſee=Nieſen,
die den Waſſerſpiegel um 50 und mehr Meter Höhe über=
ragen
, machen eine Einfahrt unmöglich.
Die höchſten Steinſtrebepfeiler der Welt tragen die
Waſhington=Brücke in New York, die eine Spannweite von
156 Metern aufweiſt; die Pfeiler überragen die Spitze des
Ulmer Münſters noch um 12 Meter.
Geſtaltung, Form und künſtleriſche Auffaſſung wechſelt je
nach dem Grade der Kultur, der geiſtigen Nichtung und dem
Stande der Cechnik eines Landes oder Volkes. Aber die
phantaſtiſchen Schöpfungen moderner Architekten, die kunſt-
vollen
Konſtruktionen neuzeitlicher Brückentechnik ſind in
gleichem Maße wie die primitiven Bauten wilder Stämme
und die urſprünglichen Spiele der Kinder, die mit Holz=
klötzchen
die Ninnſteine überbrücken, Ausdruck des dem
Menſchen als Inſtinkt eingeborenen Wunſches: Hinderniſſe
zu überwinden, um jenſeits der Grenzen die Geheimniſſe und
Schönheiten der Welt und des Daſeins zu ergründen.

ihrer Breite ſchwere Hinderniſſe

5. Indiſche Hängebrücke aus

nnnaganngnnnnnnnng

HHEA
IHZ
A
IHEnEpaEpannnnnEnnEnnnannnnnnnnnnn
IHHAAHHHHEN

[ ][  ][ ]

Ore Munt

Die Bewerbung. Kandidaken des Leben

Herein tritt ein junger Mann, der den beſten Eindruck
machen möchte, um engagiert zu werden.
Man vergegenwärtige ſich, was das bedeutet: den beſten
Eindruck. Das ſagt ſich ſo leicht hin, aber dieſe zwei Worte
ſchließen die härteſte Probe, die ſtärkſte Beanſpruchung, die
größte ſeeliſche Umwälzung in ſich.
Natürlich hat er ſeinen Sonntagsanzug an. Natürlich ſchlägt,
ehe er den Finger krümmt, um an die Cür des Chefs zu klopfen,
ſein Herz bis an den Hals. Und jetzt geſchieht’s, er verliert ſeine
natürliche Haltung, ſeine Unbefangenheit, ſich ſelbſt.
In der Anſpannung dieſer Sekunde verſinkt das Vertrauen
zu ſich ſelbſt. Die Panik vor der Entſcheidung verzehrt die letzte
Sicherheit; in dem vernichtenden Gefühl des eigenen Ungenügens
wird ſchnell ein neuer, künſtlicher Menſch, ein Homunkulus er=
zeugt
, ein Krampfgebilde, extra geſchaffen, den beſten Eindruck zu
machen. Man präſentiert ſtatt ſeiner einen anderen. Man ſtellt
ſich vor, indem man einen anderen vorſtellt, hinter dem man ſich
verſteckt.
Da ſind die Perfekten, die alles können; beſchlagen und
firm; hundertprozentige Kammerſtenographen; poluglott in Wort
und Schrift; mit einem Bildungsgang wie ein Univerſitäts=
profeſſor
.
Auch im Spaniſchen bin ich perfekt, Herr Direktor! Viel=
leicht
ſagt er auch: des Spaniſchen bin ich in Wort und Schrift
mächtig. Wie ſüß iſt das für die Ohnmacht, einer Sache mächtig
zu ſein. Welcher normale Menſch in normaler Lebenslage (zu
der eine Bewerbung und perſönliche Vorſtellung allerdings nicht
gehören) iſt einer Sache ſo mächtig, wie einer, der alle Urſache
hat, daran zu zweifeln!
Da kommt ein Geſchäftsfreund zum Chef, friſch und munter.
Pardon, ich ſtöre? ..
Aber im Gegenteil; der Chef iſt ſehr erfreut, es trifft ſich
vorzüglich. Denn der eintretende Geſchäftsfreund lebt in Bar=
celona
, und hier der Anwärter auf unſeren Korreſpondenten-
poſten
iſt perfekt in Spaniſch da können ſich die Herren ja
gleich in ihrer zweiten Mutterſprache unterhalten.
In ſtrahlender Heiterkeit, völlig arglos, ſtürzt ſich der Geſchäfts=

freund aus Barcelona, ſpaniſch plaudernd, auf den Mann, der
den beſten Eindruck machen wollte.
Das einzige ſpaniſche Wort, das dem Bewerber einfällt, iſt
Don Carlos. Es iſt unanbringbar.
Der junge Mann wurde nicht engagiert.
Es iſt gar nicht ſo einfach, ſchlechtweg das zu ſein, was man
iſt. Daran ſcheitert ſo manche perſönliche Vorſtellung. Der

ſt. Eindruck zu
Der menſchenkundige Chef. Nepräſentable Erſcheinungen.
Von Hans Natonek.
ſchlechte Eindruck entſteht oft aus dem guten Eindruck, den
einer machen möchte.
Schwer, das rechte Maß zu finden, das zwiſchen Beſcheiden=
heit
und Selbſterhöhung liegt. Die Situation verführt, je nach

Charakteranlage, zur Hoch= oder Ciefſtapelei, zu einem Verſuch,
oder zu einem Verzicht, zu glänzen. Beides iſt mißlich. Das
Licht, das man präſentiert, leuchtet nicht, und das Licht, das
man unter den Scheffel ſtellt, qualmt und riecht ſchlecht.
Ein menſchenkundiger Chef wird mit ein paar Worten raſch
dieſen Nebel zerſchneiden und zum Kern vordringen. Er wird
durch die Verzerrungen der Situation hindurch Wert und Un=
wert
erkennen. Nicht nur der Bewerber, auch der Umworbene
beſteht eine Probe. Er ſoll nicht vor ſeinem Schreibtiſch thronen
wie ein Götze, der die Serknirſchten muſtert und über Leben und
Cod entſcheidet. Er wird vielmehr ganz heimlich einen Platz=
wechſel
vornehmen und ſich auf jenen Stuhl verſetzen, auf dem
unfrei und gepreßt ein Anwärter hin und her rutſcht.
Es gab einen Leipziger Großinduſtriellen, der machte es ſo:
Er ließ den Bewerber nicht vor den Nichterſtuhl zitieren, ſon=
dern
erſchien eines Cages unerwartet in deſſen Behauſung. Da
ſah er ſich ein bißchen um, plauderte ein wenig, ganz zwanglos,
und dann wurde engagiert oder nicht.
So machte es einer vom alten Schlag, der die Firma hoch=
gebracht
hatte. Er hatte noch die Seit, den Bewerber um einen
nur halbwegs beträchtlichen Poſten in ſeinem Suhauſe, in ſeiner
Ungeniertheit aufzuſuchen. Er ließ ſich die kleine Mühe nicht
verdrießen. Er drang durch die Vorſtellungskomödie bis zum
Kern vor. Und er iſt gut dabei gefahren.
Schon die Söhne machen es ganz anders. Sie ſpielen mit
dem dicken Bleiſtift, wenn ſich ein Kandidat vorſtellt, ſie thronen
wie Examinatoren und laſſen ihn ſchwindeln, ohne ihn zu durch=
ſchauen
, oder durchfallen, ohne ſeinen heimlichen Wert zu er=
kennen
.
Einen Mann, der berufsmäßig Eindruck macht und ſich be=
ſtändig
vorſtellt, nennt man eine repräſentative Erſcheinung.
Dieſer Mann mit der repräſentativen Erſcheinung findet in
vielen Branchen Verwendung, überall dort, wo es gilt, durch
ein blendendes, ſicheres Auftreten zu wirken. Seine gewinnen=

machen.

Mit Sylinder und weißen Handſchuhen

den Manieren, verbunden mit einem ſieghaften Exterieur, ſtei=
gern
den Abſatz. So leicht widerſteht ihm kein Herz des Chefs
und kein Gemüt des Kunden. Auch wenn im übrigen nichts da-
hinterſteckt
. Es ſieht aus wie eine Kreuzung von Heldentenor
und Gardeleutnant, alſo das Impoſanteſte, was man hat. Man
könnte ſagen: Knorke mit Kniff.
Unter allen Bewerbern, die darauf angewieſen ſind, einen
guten Eindruck zu machen, hat der Bräutigam den ſchwerſten,
häufig den lächerlichſten Stand. Dieſer Herr, der mit Sylinder,
weißen Handſchuhen und im Beſuchsanzug in den Frieden eines
bürgerlichen Sonntagsvormittags Beſuchszeit nach Knigge
zwiſchen 12 und 1 einbricht, iſt als Sigur in die Witzblätter
eingegangen alſo verblichen. In der Cat, was in den Flie=
genden
iſt, exiſtiert nicht mehr. Ich bitte um die Hand Ihres
Fräulein Cochter. Wer ſtammelte das noch? Wo kommt das
noch vor außer in Familienromanen älteren Stils? Worauf der
Vater, den Kandidaten mit hochgezogenen Brauen muſternd,
erwidert: Mein Herr, Ihr Antrag ehrt uns, und werde ich
ſelbigen mit meiner Frau beſprechen. Bis dahin wahren Sie
Diſtanz. So war es früher unter beſſeren Leuten. Der nächſte
Cag führte zur Auskunftei Schimmelpfennig. Das tut er auch
heute noch, das Siel iſt geblieben drum prüfe, wer ſich ewig
bindet , aber die jungen Mädchen von heute ſind vernünftig
genug, das hochnotpeinliche Zeremoniell der Bewerbung dem
Verlobungskandidaten abzunehmen und ſo nebenher, zwiſchen
Deſſert und Kaffee, den Eltern mitzuteilen, daß ſie ſich demnächſt
mit Herrn X. zu verloben gedenken. Fertig. Schimmelpfennig
verſteht ſich von ſelbſt; das ſowieſo. Aber im übrigen haben ſich
die Eltern mit Herrn R. abzufinden, den ſie bei irgendeiner Ge=
legenheit
flüchtig kennengelernt haben. Jedenfalls findet eine
ffizielle Bräutigamsſchau höchſtens noch in entlegenen Klein=
ſtädten
ſtatt, in die die legeren Sitten noch keinen Eingang ge=.
funden haben.
Ewige Kandidaten des Lebens, die wir ſind . . . Auch der
Feuerfreſſer muß, obwohl er gar keinen Appetit hat, dem
Variétéagenten eine Koſtprobe ſeines Könnens vorführen. Der
Angeſtellte, der Schauſpieler, das Dienſtmädchen, der Bräuti=

gam, der Prokuriſt, der Miniſterkandidat vor ſeiner Partei, der
künftige Abgeordnete vor ſeinem Volke ſie alle, die ſich vor=
ſtellen
, müſſen Eindruck machen. Wer auf dem Markt ſteht, muß
ein bißchen gaukeln hartes Geſchäft, deſſen Geſetz ſich keiner
entzieht, ſolange er mitmacht. Wohl dem, der rechts unten in
die Ecke ſchreiben kann: p. p. e. Um Abſchied zu nehmen.

Mondtochter Barm.
Ruſſiſche Erzählung.
Von Edith Mikeleitis=Winkelmann.
Ein König hatte einmal drei Söhne. Sie waren ſchön wie die
Sonne, mild wie der Mond und ſtark wie die Bären. Es kam
nun die Seit heran, daß ſie ſich verheiraten ſollten. Da nahm
der Vater drei Vögel aus dem Käfig, gab den größten dem
älteſten Sohn, den mittleren Vogel dem mittleren, den kleinſten
dem jüngſten Sohn und ſprach:
Geht hinaus in die Welt, meine Söhne, und bringt jeder
eine Frau mit zurück. Den Weg aber, den euch euer Vogel
zeigen wird, den müßt ihr gehen. Wer die beſte und ſchönſte
Frau nach Hauſe bringt, der bekommt nach mir das Sarenreich!
Danach umarmte er ſeine drei Söhne und ſegnete ſie. Bis
z2 dem Kreuzweg gingen ſie zuſammen, dort ließ jeder ſeinen
Vogel los und folgte ihm.
Der Aelteſte ging auf einer ſauberen Landſtraße immer weiter
und weiter, bis er in ein Königreich kam, das dem Cürken ge=
hörte
. Der Cürke aber hatte eine wunderſchöne Cochter. Der
Vogel flog an ihr Fenſter und pickte ſolange daran, bis ihm die
Königstochter aufmachte. Er ſetzte ſich auf ihre Schulter und
ſang ihr ins Ohr. Ach, ihr Heiligen, was er da ſang, muß wohl
ſchön geweſen ſein, denn er zwitſcherte von ſeinem Königsſohn;
Stark iſt er wie ein Bär, mild wie der Mond und ſchön wie
die Sonne!"
Als die Cürkentochter das hörte, bat ſie den Vogel, ſie doch
zu dem Helden zu führen. Sie nahm ihre Perlen und ihr Ge=
ſchmeide
mit ſich, tat einen dichten Schleier ums Haupt und

etfloh heimlich aus dem Palaſt. Der Vogel führte ſie in die
Herberge, wo der Königsſohn wartete. Als er die wunderſchöne
Prinzeſſin ſah, wurde er froher als ein Pfingſttag, kaufte einen
herrlichen Wagen und fuhr zu ſeinem Vater zurück.
Dem alten König gefiel die Cürkentochter wohl, aber er
ſprach: Wir wollen ſehen, was deine Brüder nach Hauſe
bringen!
Der zweite Sohn ließ am Kreuzweg ſeinen Vogel fliegen und
folgte ihm über eine holprige Landſtraße, weiter, immer weiter
bis er in einen herrlichen Wald kam. Durch den Wald mußte
er gehen, bis er vor Müdigkeit beinahe umfiel, zuletzt aber kam
er an einen Palaſt, aus Edelſteinen war er gebaut, aus Gold
das Dach, die Cüren aus Silber. In dieſem Schloß wohnte der
mächtige Sauberer Silberzahn. Die ganze Welt diente ihm und
fürchtete ihn, und jeden Cag kamen tauſend Laſtwagen aus allen
Ländern und brachten ihm ihren Cribut. Silberzahn aber war ein
furchtbarer Kerl, grauſam und hart wie ein Stein. Nur ſeine
Tochter Perlenzahn liebte er wie ſeine Augen und tat ihr allen
Willen. Perlenzahn war denn auch übermütig und hoffärtig und
hatte ſchon tauſend Sreier abgewieſen. Der Vogel flog an
ihr Fenſter, pickte ſolange daran, bis ſie öffnete, ſetzte ſich auf
ihre Schulter und ſang ihr ins Ohr:
Sark iſt er wie ein Bär, mild wie der Mond und ſchön wie
die Sonne!
Noch viel mehr ſang er von ſeinem Königsſohn. Perlenzahn
aber küßte ihn danach auf den Kopf und bat ihn, den Helden zu
ihr zu führen. Der Vogel holte ihn ſogleich; Derlenzahn nahm
ihn an der Hand, führte ihn zu dem Zauberer Silberzahn, ihrem
Vater, fiel auf die Knie und ſprach:
Seht hier, Vater, meinen erwählten Bräutigam. Eher will
ſich ſterben, als von ihm laſſen.

Weil der Held ein Königsſohn und ein ſchöner Jüngling war,
ließ der Sauberer hunderttauſend Wagen mit Schätzen beladen,
richtete eine Hochzeit aus, von der alle Länder ſprachen, ließ
das Paar in einem goldenen Wagen mit allen Schätzen in das
Königreich ziehen und ſprach leiſe zu ſeiner Cochter:
Daß du mir aber ja Königin wirſt! Sonſt will ich den Schimpf
ſchon rächen!
Der alte König empfing ſeinen Sohn mit Freuden, Perlenzahn
gefiel ihm wohl, aber er ſprach:
Wir wollen ſeheſerwas dein jüngſter Bruder nach Hauſe
9: C. C. a
bringt!
ipte wird Ga.

Der dritte Sohr

fliegen und folgte ih
ige Nummer
Schelm! Ueber Sto.

zuzweg ſeinen kleinen Vogel
eute, wohin führte ihn der
2in, über Feld und Wieſe ohne

Weg und Steg, immer dem Mond nach! Der Jüngling ging jedoch
unverdroſſen weiter, lachte über ſein wildes Vögelchen, pfiff ein
Lied und machte ſich keine Sorgen.
Da kamen ſie endlich in das Mitternachtsland. Kein grüner
Baum wuchs dort, und keine Blume blühte. Alles lag tot und
erſtarrt da. Große Eisberge glänzten und blitzten im Mondlicht,
und überall lag Schnee und Schnee und nichts als Schnee.
Ei, du Schelm, rief der Jüngling zu ſeinem Vögelchen, da
haſt du mich ja in eine ſchöne Wildnis geführt!
Aber der Vogel flog und flog, bis ſie in das Nachmitter=
nachtsland
kamen. Dort ſchien nicht einmal mehr der Mond, nur
ein fremdes, großes und feuerrotes Licht brannte am Himmel.
Hier hielt der Vogel vor einer dunklen Höhle an, ſetzte ſich einer
weißen Bärin auf die Schulter, rieb ſein Köpfchen in ihrem
Fell und ſang:
Stark iſt er wie ein Bär, mild wie der Mond, aber ſchönen
und fröhlicher als die Sonne ſelbſt!

[ ][  ][ ]

Anſpruchsvolle
und beſcheidene Frauen.
Von Fritz Hocke.
Die Schrift als Spiegelbild des Charakters eines Menſchen
muß uns natürlich auch Aufſchluß über den Grad ſeiner Eitelkeit
geben, und da dieſe vornehmilch ein Epitheton des weiblichen
Oeſchlechtes darſtellt, wollen wir uns in nachfolgenden Seilen ein
wenig mit dem Vorhandenſein, beziehungsweiſe mit der Abweſen=
heit
dieſer Eigenſchaft wie ſie die Schriftzüge verraten
auseinanderſetzen.
Für dieſe Beurteilung iſt vor allem die Größe einer Hand=
ſchrift
ſowie ihre Verſchnörkelung, in weiterer Hinſicht ihre Enge

wiſſen Milieus bedürfen, in dem ſich ihre Perſönlichkeit ent=
falten
kann, ſie benötigen ſteter Anregungen, neuer Eindrücke,
werden geſellſchaftlich zu repräſentieren verſtehen, von Selbſt=
bewußtſein
erfüllt ſein und auf die Form achten, welch letzterer
Umſtand auch in einem breiten, linken Schriftrande zum Aus=
drucke
gelangt. Sie werden ſelbſtredend auch auf das Aeußere
Wert legen, vor allem in der Kleidung, wenngleich ſie in dieſem
Belange alles Schreiende und Auffallende vermeiden und ſtets
guten Geſchmack bekunden werden; Kunſtſinn und äſthetiſches
Empfinden werden ihnen neben Großzügigkeit und Unabhängig-
keitsſinn
eignen. Anders verhält es ſich in ſenen Fällen, da die
Schrift keine Eigenart, vielmehr banale, plumpe Formen auf=
weiſt
, und durch mehr oder minder geſchmackloſe Schnörkel ver=
ziert
erſcheint. Hier haben wir die tupiſch eitel=einfältige Frau
vor uns, die ohne Bildung und Geſchmack dennoch ſtets im

C-a

9a4444

Ms 9 M

Wken
Anlsn MMasfeef kr7
Die Schrift der
ß. zeigt eigenartige Sormbildung und iſt eher weit als eng.
bite lesen Re.
Heeta odd
. Lann, dcKun Tk. wer.
Aatent-
Anmaßun,
eſchmackloſe Eitelkeit verraten ſich in
buchſtaben un
füſſi
g eigenartigen Schrift.
R4-)
Co Aal Ai 1
Ge. 1
Tee
Kef KLofass-
*
V
Die Eigenart der Schrift in Verbindung mit betonten Großbuchſtak
ſen auf Großzügigkeit und ein berechti
elbſtbewußtſein ſchließen.

10MrMMM) Nift Jemt ar Mfü
d Unterlänge
Schleifenbildung gleichzeitig Empfindlichkeit anzeigt.
harbee Hle, aech Aks
64
A. G-
Oens

das Außere, die Form.
Große Schrift mit arkad
M!
N
Aerd
Ane
A
ruchsvolle, genügſame Weſe.
Die kleine, einfache, uverſchnörkelte Schrift verrät das beſchei

oder Weite maßgebend. Die Frau, welche gewohnt iſt, im Leben
eine Nolle zu ſpielen, die Dame von Welt, wird immer eine
große Schrift aufweiſen, wobei in dieſer, falls das Willensmäßige
vorherrſchend iſt, ſtets Druckbetonung und Eckenbildung wahr=
zunehmen
ſein wird, häufig auch hochgeſtellte t=Querſtriche, viel=
fach
über dem Buchſtaben ſchwebend, während bei überwiegendem
Gefühlseinſchlag Nundungen an der Baſis der Buchſtaben auf=
ſcheinen
werden, wie überhaupt das ganze Schriftbild einen wei=
chen
Duktus zeigen wird. Kommt die Eitelkeit vornehmlich in
geiſtiger Beziehung zum Ausdruck, ſo wird die Schrift eine eigen-
artige
Formung der Buchſtaben, geſchmackvolle Vereinfachungen,
Ueberwiegen der Oberlängen gegenüber den Unterlängen. als
Seichen geiſtiger, immaterieller Aſpirationen aufweiſen. Solche
Srauen werden ſtets eines entſprechenden Nahmens, eines ge=

Die weiße Bärin hielt dem Königsſohn ihre Catze hin und
ſagte freundlich mit rauher Stimme:
Nimm mich mit in dein Land!
Na, ſagte der gute Jüngling, wenn ich ſchon anſtatt einer
Frau eine Bärin nach Hauſe bringen ſoll, ſo ſoll es geſchehen!
Ich mache mir wenig daraus!
Er ſetzte ſich auf den Rücken der weißen Bärin, das Vögel=
chen
flog voran und führte ſie durch das Nachmitternachtsland,
durch das Mitternachtsland, über Feld und Wieſe, Stock und
Stein, ohne Weg und Steg in das Königreiben
Der alte König empfing ſeinen n ſie nach =Freuden, als er
aber keine Frau bei ihm ſah, frc(n und gleichme
Nun mein Sohn, dir allechenden Tönung engen, eine Srau
pd andersfarbi=
zu
finden?
Nein, Vater, ſprach der Jüngling, zaber 9X eunderſchöne
Bärin habe ich aus dem Nachmitternachtslande mitgebracht!
Der Alte war zufrieden, verſammelte ſeine Söhne und ſprach
Drei Cage nach dieſem Cag ſollt ihr jeder mitbringen, was
ihr gewonnen habt. Wir wollen es vor die Nichter ſtellen, und
ſie ſollen entſcheiden, wer das Königreich nach mir erben ſoll!
Die beiden älteſten Söhne frohlockten in ihrem Herzen, denn
jeder dachte, er habe die ſchönſte und beſte Frau. Der dritte
Sohn aber war traurig, ging in ſein Haus, legte ſeinen Kopf in
das weiße Sell der Bärin und ſprach:
In drei Cagen werden meine Brüder über mich frohlocken!
Ach, ſagte die Bärin, das wollen wir ſehen!. Nimm dein
Vögelchen und laß dich heut um Mitternacht zu dem Mondkönig
Silberſtrahl führen und bitte ihn um das Herz aus Eis und
Mondſtrahlen, danach ſollſt du ſehen, daß du wohlgetan haſt!
Der Jüngling ritt um Mitternacht über Stock und Stein
hinter ſeinem Vogelchen her auf die ſilberne Wieſe zum Mond=

Mittelpunkte des allgemeinen Intereſſes ſtehen will, und hierbei
in der Wahl ihrer Mittel mehr oder minder ſkrupellos iſt, durch
einen reichen Aufwand an Coiletten und Schmuck ſich Geltung
ſchaffen und durch inhaltsloſe Geſprächigkeit erſetzen will, was
ihr an Geiſt und Bildung abgeht. Weiſt eine ſolche Schrift über-
dies
einen teigigen, verſchmierten‟ Duktus auf, damn haben wir
das ſinnliche, genuß= und vergnügungsſüchtige Weib vor uns,
das ſich ſtets betäuben muß, ſteter Senſationen bedarf, um ihre
innere Leere auszufüllen.
Im übrigen ſpielt aber noch das Verhältnis der großen Buch=
ſtaben
zu den kleinen bei derartigen Beurteilungen eine beſondere
Nolle. Bei einer eigenartigen Schrift mit betonten Großbuch=
ſtaben
dürfen wir auf ein berechtigtes Selbſtbewußtſein ſchließen,
wogegen wir bei einer ſchulmäßigen Handſchrift mit überflüſſigen

könig. Er ſagte ihm ſein Begehr. Der gute Mondkönig freute
ſich über die Maßen, denn die weiße Bärin war ſeine verzauberte
Cochter, gab dem Jüngling das Herz von Eis und Mondſtrahlen
und ſprach:
Lege es der Bärin auf die Bruſt. Davon wird ſie ſterben.
Danach küſſe ſie dreimal auf den Mund, ſo wird ſie erlöſt ſein,
denn nur ein unſchuldiger Jüngling kann ſie erlöſen!
Der junge Held war froh wie eine Lerche, ritt zurück, legte
der Bärin das Herz aus Eis und Mondſtrahlen auf die Bruſt,
umarmte ſie und küßte ſie dreimal. Da wurde es dunkel um ihn,
er konnte weder ſehen, noch hören, noch ein Glied bewegen, lag
und ſchlief mit der Bärin drei Nächte und zwei Cage.
Am dritten Cage kamen des Königs Diener. Sie wollten ihn
zu dem Feſt holen, das der König gab, weil er ſich einen Nach=
folger
wählen wollte. Die Diener rüttelten an der Cür. Davon
erwachte der Jüngling, rieb ſich die Augen und konnte doch nicht
klug werden. Denn neben ihm lag die ſchönſte Jungfrau, die auf
der Erde geatmet hatte: aus Mondſtrahlen ihr Leib, aus feinem
Silber die Haare, die Augen aber leuchteten heller als die Sonne,
Mond und alle Sterne.
Am allerſchönſten war ihr Geſicht, wenn ſie lachte, denn jedem
Menſchen kamen die Cränen vor Freude über ihr mildes, gutes
und herrliches Lächeln.
Der Jüngling wollte ſie gar nicht anfaſſen, weil ſie ſo glänzte,
aber die Mondſcheinprinzeſſin nahm ihn an der Hand und ging
mit ihm in den Palaſt.
Dort warteten ſchon der König und die Brüder mit ihren
ſchönen, geſchmückten Frauen. Auch der Sauberer Silberzahn
war unter den Gäſten. Als ſich die Cür auftat und der dritte
Sohn hereinkam, fingen die Brüder und ihre Frauen an zu

Sieraten und Schnörkeln auf Geltungsbedürfnis diagnoſtizieren
müſſen, dies inbeſonders dann, wenn die Ober= und Unterlängen
der Langbuchſtaben im Verhältnis zu den Kleinbuchſtaben ſtark
entwickelt ſind, zu dieſen in einem Mißverhältnis ſtehen, was auf
eine Diskrepanz zwiſchen Wollen und Können, auf ein Ueber=
ſich
=hinaus=Wollen deutet. Es handelt ſich hierbei um Frauen,
die ſich der Grenzen ihres Könnens nicht bewußt werden wollen
und, ſtatt ſich mit der ihnen von Natur aus vorgeſchriebenen Stel=
lung
in Haus und Samilie zu begnügen, ihren Wirkungskreis
nach außen verlegen und aus einem uneingeſtandenen Ainder=
wertigkeitsgefühl
eine Stellung, eine Vorherrſchaft in der Welt
oder Geſellſchaft anſtreben, welche der Veranlagung nach nicht
gerechtfertigt erſcheint und lediglich in einem krankhaft geſteiger=
ten
Bedeutungsbedürfnis ſeine tiefere Erklärung findet.
Auch die Enge oder Weite einer Schrift wird hierbei in
Betracht gezogen werden müſſen. Eine enge, große Schrift wird
uns immer einen ſeeliſchen Swieſpalt der Schrifturheberin offen=
baren
, denn in der Enge machen ſich Hemmungsmerkmale gel=
tend
, und werden wir dieſe Eigentümlichkeiten vor allem in Hand=
ſchriften
von Frauen finden, deren Selbſtbewußtſein mehr inner=
licher
Natur iſt, welche nach außen ſchüchtern und zurückhaltend,
innerlich aber ſich ihres Wertes ſehr bewußt ſind; inwieweit dieſe
Selbſtſchätzung berechtigt erſcheint, muß dann der übrige Duktus
der Handſchrift offenbaren. In jenen Fällen dagegen, wo die
Schrift höch und breit erſcheint, iſt auch das Selbſtbewußt=
ſein
offenkundig und wird ſich im Auftreten, im Gehaben und in
den Geſten der Schreiberin ohne weiteres ausprägen. Eine
große, weite Schrift mit breiten Swiſchenräumen und ungleich-
mäßiger
Naumausnützung verrät uns die Verſchwenderin, welche
gewohnt iſt, aus dem Vollen zu ſchöpfen, und daher auch ihre
Ausgaben mit den Einnahmen nicht immer in Einklang zu bringen
verſteht. Hier mag auch des nach unten links breiter werdenden
Schriftrandes Erwähnung getan werden, den wir häufig in
Handſchriften von ſolchen Frauen finden, die durch glückliche
Umſtände, etwa durch eine Heirat, aus beſcheidenen Verhältniſſen
zu Reichtum gelangt ſind denen das Sparen ſozuſagen noch
im Blute liegt, die es aber verſtehen, den geänderten Ver=
hältniſſen
Rechnung zu tragen. Begegnen wir in großen Schrif=
ten
der Arkadenform, das heißt, zeigen die Buchſtaben, vor
allem m und n bogenförmige Bildungen, dann haben wir
es mit ſehr zurückhaltenden, oft ariſtokratiſchen Naturen zu
tun, welche ſtets Neſerve üben und eine gewiſſe Diſtanz zu ihrer
Umwelt beobachten, maßvoll und bedachtſam in ihrer Haltung
und in ihren Geſten ſind; dieſes Schriftmerkmal finden wir auch
vornehmlich in Handſchriften adeliger Damen. Nicht unerwähnt
wollen wir laſſen, daß ſich geſteigertes Selbſtbewußtſein, beſſer
Bedeutungsbedürfnis, noch in vergrößerten Baſisſchleifen der
B (Kurrentſchrift), D (Lateinſchrift) und T. (Kurrent= und
Lateinſchrift) äußert, wogegen ſich Selbſtſchätzung und Selbſt=
bewunderung
vor allem in unter das Wort vorgeworfenen
Schleifen, wie beiſpielsweiſe bei dem Buchſtaben E‟ ( Kurrent=
ſchrift
), kundtun. Auch in der Adreſſe dokumentiert ſich an=
ſpruchsvolles
, anmaßendes Weſen in großen, breitſpurigen, den
ganzen zur Verfügung ſtehenden Naum in Anſpruch nehmenden
Schriftzügen.
Die Handſchrift jener Frauen dagegen, welche gewohnt ſind,
an das Leben nur beſcheidene Anſprüche zu ſtellen, wird durch
Einfachheit der Formen und Kleinheit der Schrift, Mangel an
Schnörkeln und Verzierungen charakteriſiert ſein.
Sum Schluſſe ſei darauf hingewieſen, daß ſich Beſcheidenheit
und anſpruchsloſes Weſen vielfach auch noch durch tiefgeſetzte
Querſtriche kundgeben und in der Briefadreſſe durch nach unten
rechts gerückten Namen des Adreſſaten und Beſtimmungsortes
zum Ausdruck gelangen!
Das Handtuch.
Von W. K. v. Nobara.
Kaum hatten wir uns in dem kleinen Gaſthof Simmer geben
laſſen, als der Wirt fragte, ob wir baden wollten. So iſt das
immer in Japan: Erſt baden, dann eſſen. Die Mädchen wür=
den
uns zum Baderaum führen.
Nach japaniſcher Sitte erwartet man von uns, daß wir alle
zuſammen baden, erklärte ich Lill und ihrem Gatten, aber da
Sie das doch nicht gewohnt ſind, laſſe ich Ihnen den Vortritt.
Ich bade nachher.
Lills Gatte ließ das nicht gelten. Unſinn! rief er, im
Lande der Japaner fügt man ſich der japaniſchen Sitte.
Sie mögen Necht haben, gab ich zu, aber , und ich
warf einen raſchen Blick auf Lill, die unſchlüſſig ſtand.
Sie werden doch nicht ausgerechnet im Bad gegen den
Strom ſchwimmen! lachte Lills Gatte und kommen Sie, kom=
men
Sie! drängte er uns aus dem Simmer.
Die Mädchen führten uns zum Baderaum und ließen uns
eintreten. Der Dampf des heißen Waſſers wogte wie ein war=
mer
Nebel. Außer uns war niemand im Naum: ein reiner Su=
fall
, denn in der japaniſchen Provinz badet immer noch alles zu=
ſammen
.

lachen, denn ſie meinten nicht anders, als er würde die weiße
Bärin hinter ſich ziehen.
Ei, da verging ihnen wohl das Lachen, als ſie die wunder=
wunderſchöne
Mondſcheinprinzeſſin mit den herrlichen Augen
hereinkommen ſahen! Der König aber lief ſeinem liebſten Sohn
entgegen, umarmte ihn und ſetzte ihn auf den Ehrenplatz.
Kaum hatte der Zauberer die Mondſcheintochter geſehen, als
er voll Wut auf ſie zuſprang und ſie erwürgen wollte. Sie
lächelte ihn an, hob ihre Arme empor und lagte:
Deine Macht iſt aus, ſchlimmer Sauberer. Du ſollſt den
Frieden und die Milde nicht mehr verzaubern, damit deine böſe
Fauſt über die Menſchen herrſchen kann!
Die Decke im Saal tat ſich auf, und von ſieben ſilbernen
Pferden gezogen kam der Mondkönig auf dem Mondwagen her=
abgefahren
, nahm ein ſilbernes Schwert, rührte damit den Sau=
berer
und Perlenzahn an und ſprach:
Werdet, was ihr wart!
Sofort verwandelte ſich der alte Sauberer in eine häßliche,
dicke Spinne und ſeine Cochter in eine kleine, giftige Natter.
Die Natter ſtach ihren armen Gemahl, und er fiel um und war
tot. Danach waren Spinne und Schlange verſchwunden.
Der Mondkönig ſegnete das junge Paar und ſprach:
Herrſcht auf der Erde, ſolange ihr ſterblich ſeid, danach aben
ſollt ihr den ſilbernen Mond beherrſchen!

Als er das geſagt hatte, flog er auf ſeinem Mondwagen wie=
der
davon. Der junge König und die Mondtochter aber herrſch=
ten
nach dem alten König weiſe und milde, bis ſie alt waren.
Danach holte ſie der Mondwagen ab und trug ſie in ihr ſilbernes
Reich.

[ ][  ][ ]

Lill aber ſchien doch Hemmungen zu empfinden. Es iſt
ſchließlich etwas ganz anderes, wenn man am Strand oder im
Luftbad
Ach was, rief der Gatte fröhlich, hie Rhodus, hie galta!
Und mit einem entſchloſſenen Nuck entkleidete ſich Lill.
Die Mädchen, die übrigens ungeniert aus und ein gingen, uns
den Rücken wuſchen oder mit brühheißem Waſſer übergoſſen,
brachten uns Handtücher, die ſchmalen, langen, mit bunten Bil=
dern
bedruckten Cenugui, die als Badelappen und Handtuch zu=
gleich
dienen.
Hübſch, nicht wahr? ſagte ich, jedes mit einem anderen
Muſter, jedes reizvoll und bunt. Da erzählte mir der Wirt eben
eine Handtuch=Geſchichte von der Küſte hier: An beſtimmten
Abenden erſcheinen geheimnisvolle, gelbgrüne Flammen auf dem
Waſſer der Bai
Phosphorenszenz, unterbrach mich Lills Gatte, indem er
ſich energiſch den bereits etwas fetten Nücken ſchrubbte.
Zweifellos. Eine Erſcheinung etwa wie das Meeresleuchten
im Süden, nur viel ſtärker und heller. Die Fiſcher nennen es
Ceufelsfeuer, und wenn die Siſcherfrauen die Flammen auf dem
Waſſer ſehen, werfen ſie die Cenugui ihrer Männer ins Meer.
Wenn eine Frau am andern Morgen das Cenugui ihres Mannes
auf dem Fellen dort drüben in der Mitte der Bai findet, von
Wind und Welle angeſpült, ſo weiß ſie, daß ihr Gatte ſie
betrügt.
Blödſinniger Aberglaube, ſagte Lills Gatte, machen ſie
das heute noch?"
Seltener, ſagt der Wirt; meiſt nur romantiſche junge
Seelen.
Lill aber fragte, nur mit dem Kopf über den Nand der Bade=
wanne
guckend: Gilt die Vegel auch umgekehrt?
Gewiß. Junge Männer werfen oft die Handtücher ihrer
Geliebten oder Frauen ins Meer, um die gleiche Creueprobe zu
machen.
Als wir vom Bad kamen, fanden wir das Abendeſſen bereits
ſerviert, die Papierwände des Simmers waren zur Seite ge=
ſchoben
und man genoß einen wundervollen Blick über den gra=
ziös
geſchwungenen Strand mit den Fiſcherbooten, die Bai und
die Felſeninſel in ihrer Mitte. Das Eſſen zog ſich wie das bei
allen Dingen in Japan der Fall iſt in die Länge, und zum
Schluß ſagte Lills Gatte, ſich erhebend:
Ich weiß nicht, was Ihr vorhabt; ich aber gehe zu Bott.
In einer ſo ſchönen Nacht und bei ſo einem Mond fragte
ich vorwurfsvoll.
Für mich iſt die Nacht am ſchönſten, die man ganz durch=
ſchläft
, meinte er.
Ein Mädchen warf ſich vor der Schwelle auf die Knie und
meldete, daß die Betten bereitet wären. Lills Gatte blickte
durch die Cür in den Schlafraum: Da lagen unter dem weiten,
grünen Moskitonetz die dicken, ſeidenen Decken und Polter,
Entſpannung und Nuhe verſprechend wahrlich ein verlocken=
der
Anblick.
Lill klagte: Wir wollten doch bei Mondſchein baden und
Boot fahren und am Strand liegen und Feuer anzünden
das haſt du mir doch alles verſprochen!
Aber der Gatte war nicht zu erweichen. Nein, er wies
auf das Nachtlager das iſt zu appetitlich. Und damit ver=
ſchwand
er.
Lill und ich blieben eine Weile ſchweigend zurück. Groß
ſchaute der Mond mit halbem Geſicht durch das offene Fenſter.
Dann gingen wir zu dritt an den Strand: Lill, der Mond und ich.
Die Mädchen brachten uns die Handtücher nach: Für den
Fall, daß Sie baden möchten.
Wollen wir ein Boot nehmen? , fragte ich Lill.
O, ſchön!
und zum Felſen hinüberrudern?
Der Mond fuhr mit.
Der Felſen wies auf der einen Seite einen ſanft abfallenden
Streifen Sand auf. Das Boot fuhr auf.
Hier könnte man wundervoll baden, meinte Lil, der Sand,
das ſeichte Waſſer
Wir haben die Badeanzüge nicht bei uns, Frau Lill.
Nach der Szene eben im Badezimmer iſt das doch ganz egal.
Oder nicht?
Es lag eine Art gepreßter Capferkeit in ihrer Stimme.
Wir badeten; der Mond ſah zu.
Nachher lagen wir auf dem Sandſtreifen, die Handtücher
legten wir auf den Fellen, der noch von der Sonne des Cages
warm war. Kleine Wellen leckten zu unſeren Füßen herauf und
wüperten.
Sehen Sie doch! Sehen Sie doch! rief auf einmal Lill,
glind das nicht die Ceufelsfeuer?
Ich richtete mich auf und blickte aufs Meer hinaus. Es
waren die Ceufelsfeuer. Sie tauchten mit den Wellen auf, ver=
ſchwanden
mit ihnen und unterſchieden ſich deutlich durch ihren
geheimnisvollen Schimmer vom Refoer des Mondes.
Das ganze Meer ſchien in einer ſchwülen, gelbgrünen Lohe
zu brennen. Es war unheimlich, erregend, ſchön.

Wir legten uns wieder zurück und ſchwiegen. Die Nacht
ſchwieg mit. Da lang eine Zikade. Wie hat ſie ſich ſo weit
verirren können, auf dieſen Felſen ohne Baum und Gras, dachte
ich. Die Sikade ſang ein einziges. kurzes Lied, nur fünf oder
lechs Cöne, wie einer, der auf der Oboe präludiert. Immer wie=
der
das gleiche kurze Lied.
Da als ich mir gerade ſagte, wie hoffnungslos es doch
für das kleine Cier ſei, in dieſer Einſamkeit allein ſein Liebeslied
zu ſingen antwortete eine andere Sikade, leiſer, zarter, doch
mit dem gleichen Lied, dem gleichen kurzen aber ſehnlüchtigen
Lied.
Am anderen Morgen Lills Gatte und ich waren Frühauf=
ſteher
, während Lill ſelbſt noch ſchlief machten wir beiden
Männer einen Spaziergang am Strand. Ich blickte im Gehen
über die Bai, hinaus nach der Felſeninſel, und da auf einer
Hacke ſah ich etwas Weißes ſchimmern. Im ſelben Moment
fiel mir ſiedendheiß die Frage ein: Haben wir vergangene Nacht
unſere Handtücher von der Inſel zurückgebracht? Ich hatte
gewiß, ich hatte mein Handtuch zur Morgentoilette benutzt; es
war allo da; aber Lills?
Möglichſt unauffällig lenkte ich die Aufmerkſamkeit ihres
Gatten auf die Schönheit der Berglandſchaft hinter dem Dorf,
und auf Umwegen, die keinen Ausblick auf das Meer geſtatteten,
führte ich ihn zum Gaſthof zurück.
Bis zum Frühſtück blieben mir zehn Minuten. Ich nahm ein
Boot und ruderte eilig nach der Inſel hinaus. Da hing noch
das Cuch am Felſen; ich nahm es herunter: Es war Lills Cuch,
dasſelbe, das ſie im Bad von dem Mädchen bekommen und ſpäter
zum Abtrocknen nach dem Schwimmen benutzt hatte.
Als ich mit dem zuſammengeknüllten Luch aus dem Boot
ſtieg, wartete eine Magd aus dem Gaſthof am Strand auf mich,
ein ſchmales, hübſches Ding, das mir ſchon am Abend vorher auf=
gefallen
war. Sie machte ein gequältes Geſicht, für eine Japa=
nerin
ein außerordentlich gequältes Geſicht und ſagte: Ver=
zeihen
Sie, Herr, aber ich glaube, das iſt mein Cenugui; ich warf
es geſtern nacht ins Meer.
Du irrſt, entgegnete ich, das iſt nicht deins. Und dabei
achtlos entfaltete ich das Cuch.
En erlöſtes Leuchten ging über das Geſicht des Mädchens.
Nein. Das iſt nicht mein Cenugui, ſagte ſie froh. Doch
plötzlich bekam ſie ganz große, ſchwarze, erſchrockene Augen:
ader es iſt das der ſchönen weißen Frau mit den gelben
Haaren!

Blüht das Geſchäft?
Eine luſtige Geſchichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht.
VVon Hans Karl Abel.
Profeſſor Simmermann war immer ſehr zerſtreut. Das iſt
bei einem älteren Univerſitätslehrer nicht gerade etwas Außer=
ordentliches
; ſeine Serſtreutheit aber war gepaart mit einer ab=
londerlichen
Gewiſſenhaftigkeit, die ſo weit ging, daß er bei=
ſpielsweiſe
beim Abteſtieren die vielen kleinen Haarſtriche an
ſeiner Unterſchrift mit der Spitze ſeiner Feder immer und immer
wieder zählte, aus lauter Angſt, er könnte eines von den nur
durch ein Vergrößerungsglas erkenntlichen Strichelchen ausge=
laſſen
haben. Wir Studenten vergingen dabei faſt vor Ungeduld,
aber es half nichts, daß wir ihn beinahe von ſeinem Katheder
herunterdrängten, er zählte und zählte die Buchſtaben ſeines
ohnehin langen Namens mit einer fanatiſchen Geduld, und ſeine
Lippen flüſterten zur beſſeren Kontrolle: 1 Punkt m
m erm a n n.
Eines Abends war er beim Dämmerſchöppchen lange nach-
denklich
hinter ſeinem Bierglas geſeſſen, und als er dann auf=
ſtand
, griff er, immer noch in Gedanken verſunken, mechaniſch
nach leinem Hut und ebenſo mechaniſch nach dem neben ihm

ſtehenden Schirmſtänder, aus dem ſeine Hand einen fremden
Herrenregenſchirm herauslangte. Schon wollte er ſich entfernen,

da ſchreckte ihn die darſche Anrede eines andern, an einem
Nebentiſche befindlichen Stammgaſtes aus ſeinen Cräumen:
Ohol. Was wollen Sie denn mit meinem Schirm? Der Schirm

gehört mir! Erſchrocken gab der gewiſſenhafte alte Herr den
Gegenſtand ſeinem rechtmäßigen Beſitzer zurück und ſtotterte die
Entſchuldigung: Ach, verzeihen Sie, ich war der Meinung, ich
hätte einen Schirm mitgenommen, als ich daheim fortging.
Ganz geknickt darüber, daß er dadurch in einen falſchen Ver=
dacht
gekommen war er, der ein ſo peinliches ſittliches Be=
wußtſein
in ſich trug , mußte er beim Betreten der Straße be=
merken
, daß es zu regnen begann. Und weil er ſich nun erinnerte,
daß ſein Schirm in Neparatur war, ging er nicht gleich heim,
londern in den Laden, um ihn zu holen. Die Dame in dem Ge=
ſchäft
fragte ihn, ob er nicht auch die beiden andern Schirme,
die ſeine Frau gleichzeitig zum Flicken geſchickt hätte, mitnehmen
wollte, da es doch Negen gäbe und alle drei fertig ſeien.
Warum hätte er das auch nicht tun ſollen!
Er nahm daher den ſeinigen und die beiden Damenſchirme,
die lie ihm hinreichte, unter den Arm und letzte lich bald darauf
imn eine Crambahn, um nicht mit drei Schirmen durch die Stadt
zu laufen.
Als er ſo daſaß und den Schirmvorrat ſeiner Familie zwiſchen
den Knien hielt, bemerkte er, wie ſpöttiſch ihn ein ihm gegen=

überſitzender fremder Mann betrachtete. Er fühlte ſich ordentlich
beläſtigt von dem herausfordernden Ausdruck ſeines Gegenüber
und konnte ſich nicht erklären, warum ihn dieſer freche Menſch
ſo beobachtete. Um baldmöglichſt aus dieſer unangenehmen Situ=
ation
herauszukommen, ſtieg er ſchon bei der nächſten Halteſtelle
wieder aus, in der Abſicht, den Weg nun doch zu Guß zu machen.
Da rief ihm der Fremde, dem ſeine Verlegenheit und ſein raſches
Verſchwinden aus dem Wagen nun doppelt verdächtig erſchienen,
mit einem boshaften Lächeln nach: Na, blüht das Geſchäft?
... Er mußte ſich, als er auf dem Pflaſter ſtand, den Sinn dieſer
Worte überlegen.
Das war ja derſelbe Kerl, der ihn im Bräuſtübchen wegen
ſeines Schirmes angefahren hatte, er hatte ihn an der Stimme
wiedererkannt!
Offenbar glaubte der nun von ihm, daß er ſich die Schirme
da zuſammengeſtohlen hatte, und er konnte ſich nicht rein waſchen
von dieſer ſchändlichen Verdächtigung!. Wehrlos mußte er’s
einſtecken, dieſes höhniſche: Blüht das Geſchäft?
Es war zum Heulen.

Schach

Nummer 315.
Partieſtellung Nr. 6.
Die mit einem Schönheitspreis ausgezeſchnete Partie VajdaſAhues
aus dem Keskemeter Turnier 1927 führte nach dem 28. Zug zu folgen=
der
Stellung:
Schwarz: Ahues.

a b
4

Deßt. Bobe.

34. Th1- h7- Kg7
Es folgt eine ſchöne Schlußkombination:
TgGBe4
35. g5Xk6! Nun droht ſowohl Matt
29. h.4Fg5!
30. Dd3Ke4il ne8Re4
als auch Turmgewinn durch t74. Schwarz
748-e8
31. Id38e4
muß alſo die Dame zurückgeben.
32. Le4sh7t Kg8g7
Gs wäre fürihn nicht günſtiger wenner
Ausſichtslos wäre auch das Zurückopfern, im 81. Zuge den Turm etwa nach a8 ge=
der
Dame, denn nach 32.
Dh7: 33, ſtellt hätte. In dieſem Falle müßte er nun
Th7: Kh7: 84. gt hat Weiß zwei Bau=, das Matt durch einen Läuferzug parieren,
ern mehr und gewinnt glatt.
und Weiß gewänne durch 36. 8g5.
7d5
33. Uh715l
Es folgte noch: 35. . . . Dih: 36.gt
Auf Dd81 gewinnt Weiß durch 84. Th81 Kh7:37 Kg2Ld8 28. Sg5+ Kn6 39.
z. B.: Le7 35. Ng6+ K18 36. gt I.t6: 8k7r Kh7 40. Uhlr Kg8 41. 8g5
37. g5. Dieſe Variante mußte bei der Tes 42Ah7Ta 2: 43.174 Kis 4.Soct
Opferung der Dame vorausberechnet ſein, aufgegeben.
(Turnierbuch geeskemet 1937.)
Aufgabe 455.
George Hume in Nottingham.
(Fata Morgana 198.)
Weiß: Ke4 Ib6 g4 Se8 h8 Ba5 d3 18 (8);
Schwan: Ke6 Le8 8t5 Ba6 b7 44 d8 d7ergßg6 uy.
Selbſtmatt in zwei Zügen.

Vagerecht: 2 Gegenteil von ſtets, 4 Milchprodukt, 6 Fluß
in Kärnten, 7 ehemaliger Herrſchertitel, 9 Stadt an der Thaha,
10 Göttin, 11 Fluß im Elſaß, 13 Teil des Baumes, 14 Beſtandteil des
Käſeſtoffes, 16 iraniſcher Volksſtamm: ſenkrecht: 1 Straße
(lateiniſch), 2 Umſtandswort, 3 metalliſches Geſtein, 4 Rauch, Dampf,
5 beliebtes Nahrungsmittel, 6 Monat, 8 Farbe, 12 altes Gewicht,
13 Teil des Thegterſtückes, 1 Käſemagen.
Carl Deubel.

Sülbenrätfel.
Aus den Silben: m bar ber buf chei da den der des
ee ei el es gat hut in in ipſ kar ko kra ku la lam li
luf me mel mi mon nar ne ne nent wo nur o on on pi vo
vo ra rat re rha ri ni ſau ſe ſe ſen ſen ſi ſo te tes u
bal vi wa wald, wich ſind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs=
und Endbuchſtaben beide von oben nach unten geleſen einen Spruch
epgeben. (ch 1 Puchſtabe.) Die Wörter bedeuten: 1 Zeitungsanzeige,
2 Bekannter Strect4 iſer, 3 Mythiſcher Grfinder der bildenden Künſte
bei den Griechen, zenläd tiſche Größe, 5 Gemüſepflanze, 6 Muſe der
Tragödie, 7 Ge 4 Mathercke ſch
laterne, 1 Teil zirge 8 jungetd. Pferde. 2. Marchendichter, 10. Poper=
aben
. 14 Nachtcon Rumänten, 12 Engliſche Stadt, 19 Bera der Steier=
I7 Auslaſlung gſeiſt. 15 Mündungzarn der Weichel, 10 Deutſche Stoß,
so Iſtalieniſche Landſchaft, 19 Faſchings=
zeit
, 20 Bibliſenes Buchſtabel Aerztliche Maßnahme, 2 griechiſcher
Philofoph. eße am Kr.
Aum. Aber, ihr 2Rätſel ans Nummer 23.
c und St in Zahlen=Wirrwarr.
Die römiſchen Zahlen deuten an, die wievielten Buchſtaben der
grabiſchen voranſtehenden Zahlen zu nehmen ſind; man erhält:
Zahlen beweiſen.
Streichholz=Rätſel.

Durch Umlegen der 8 ſtarken Hölzchen entſteht ein deutſches Land.

Druck. Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389 2392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.

[ ][  ][ ]

Aa un for allemol, es geheert ſich net, un ich kanns for mein
Dod net verknuſe, wann vadduh Leit, die wo vun Haus aus
net dezu brädeſtiniert ſin, duſchur mit Fremdwörter um ſich
ſchmeiße, un meiſtens ganz abadd mit ſolchene, die wo ſe abbſe=
ludemang
net kabbiern, un dhun ſe däßwäje gleich ah groh ver=
kehrt
awenne.
Noja, mer kennte jo die horriwele Dickdhuer, die ſiffiſande,
un mer waaß aach, daß die ganz borniert Fremdwortelerei bloß
druff enaus laaft, daß mer glaawe ſoll, derjeniche wo dodemit
ſei Geſchwätz brämiert, der weer wunners wie geſcheid, un ganz
ſqumeßich gebild un hett ’s Gumminaſium abſolwiert im alde
Waiſehaus, un hett e humoriſtiſch Bildung genoſſe; un mittlerer=
weil
hotts em kaum bis zu de dritte Glaß uffm Ballaum ge=
langt
, vun wo mer’n, wääche Altersſchwäche un Addollerie=
verkalkung
vum Schulbeſuch ſußpenſiert hott.
Däß is nadierlich bei uns Inndälläckduwälle was anner=
ſter
, dann Gott ſei Dank, mer hott was gelärnt, un is im Aus=
land
gewäſe, in Schimmeldewubbdich un Watzekneil, vum Kuh=
ſchwanzeck
gornet zu ſchwätze, wo ſe heit noch im Jargoh balliern,
wie geſchmiert.
Wie geſogt, wir geiſtiſch Hochſtehende, mir ſin firm, un kenne
uns aus am fremdſprachliche Worſchtkeſſel. Un wann ſpäziäll
mir perſönlich hie un do emol e Fremdwort unnerlaaft, ſo hott
däß ſein gude Grund, dann mer hotts in ſich; un wanns druff
akimmt, ballier ich net bloß franzöſiſch wie Waſſer, zum Bei=
ſpiel
, komana wu Frankenthal, odder engliſch wie Eel, zum Bei=
ſpiel
, Micks Bickels hau du wie du, odder ſogar ladeiniſch, wie
nollenz koblenz, buines eires, odder ſchnabula raſa, was ſoviel
haaßt, wie, mer will im Geſicht raſſiert ſei.
No un iwwrichens, wo kemde wir Indelläckduwälle dann
aach hie, wann mer net in alle dode, un ſo zimmlich in de meiſte
lewendiche Sprache ſich auskenne dhet? Ei noch net die a fachſt
Thegterkridick kennt mer läſe, vum verſteh ganz abge=
ſähe
, däß hellt gam ſowieſo als ſchwer, aach ohne Fremdwörter.
Jedenfalls, wer bloß Geld, un ſunſt nix gelärnt hott, un
wer net mindeſtens mit m Hinnern uff de alde Piudräbb geſotze
hott, der ſoll liewer mit de Fremdwörder ſo ſparſam umgeh, wie
meechlich. Freilich, s blamiert ſich jeder, in de Geſchwindichkeid,
ſo gud er kann, un liewer ſeecht ganer, er hett ſei Lokahl renno=
wiern
loſſe, als wie daß er ſeecht, er hetts ganz nei renno=
wiern
loſſe, wo mer ſich doch wenichſtens was drunner vorſtelle
bann. Un for gebilde Leit is es ganz zweifelsohne, daß mer
in=ere Reſtauration räſtauriert un net etwa bloß dunkt
un waaſcht, wie draus uffm Kranichſtaa . .
Die ſchlimmſte Fremdwörter ſin awwer die bollidiſche, wie
zum Beiſpiel Recht, Gerechdichkeid, Ehrlichkeit un ſo, dann
unner dene kamn mer ſich iwwerhaubt nix vorſtelle. Wohärn=
gääche
mer ſich unner dem Wort Ballamendarismuß ſo zimm=
lich
alles wenſchunmeechliche vorſtelle kann, bloß nis Ver=
nimfdiches
.

Da lob ich mir doch mei ehrlich Deitſch, beſunners wanns
Frackdur is, do verſtehn ſe gam dann, un märke daß mer
deitſch witen ſchwätzt, wie de alde Luther ſeelich gefagt hott.
No un drotz meine unniverſionälle Bildung, die wo ich an mer
hab, ſo glaab ich doch, daß mers ſo zimmlich kabbiert hott, daß ich
domit net brilliandiern will, ſundern daß ich konnſigwend, un ſo
weit als meechlich, alle Fremdwörter konnſtand vermeide dhu.
Dann wie geſagt, die ganz Fremdwortelerei is weider wix, als
wie e ſcudumm Brotzerei, un e lächerlich Vornehmduerei, wo nig
richdiches dehinner ſtickt. Un wer jetzt genau acht gibt, wo ſich
naner kratzt, der wärd aach märke, wen’s beißt
Ich awwer mecht widder mol mein lahme Dichtersgaul
ausm Stall zoddele, un mecht in meim geliebte Heinerdeitſch en
klaane Ridd rißgiern

Ich mecht emol widder gans ſinge,
Mei Härz is ſo leicht un ſo froh,
Drum wärrn e paar Vers mir gelinge,
Iwwer die Zeit un die Umſtend un ſo Holldrio!
Iwwer die umſtendlich Zait un ſo.

Was ſoll dann aach ewich der Kummer,
Es is doch noch ſchee uff de Wäld,
Ich halts, dann mir ſin jo im Summer,
Vorerſt mit de Lillje im Feld ohne Geld!
Mit de Li, La, Lu, Lillje im Feld.
Drum mach ich mer weiders kaa Sorje,
Es bimmt jo doch, wie es kimmt;
Un will mir kaaner was borje,
So bin ich dorchaus net verſtimmt ganz beſtimmt,
Ich bin froh, wann mir kagner was mimmt.

Zwar 8 Finanzamt däß kann mer nix mache,
Bei wir hotts de Aſchluß verbaßt,
Drum kann aach ſo freehlich ich lache,
Un läb, wie de Spatz uffm Aſt ohne Laſt,
Wie de Spa, Spi, Spu, Spatz uffm Aſt.
Ich konnt drum aach leider wix zeichne
Uff die Reichsaleih, die badent,
Ich muß erſt mei Schulde endeichne,
Un zwar mit 100 Prozent, ſabbremend,
Do hott all mei Elend e End.
Un was in Baries die beſchloſſe,
Vun wääche’m Bezahle mei' Gott!
Däß muß mer de Zeit iwwerloſſe,
E Lumb gibt mehr, als er hott, ohne Spott,
Beim Bankrott, do is alles kabodd!
In Marienbad unnerdeſſe,
Macht e Glauwerſalzkur unſer Schacht,
Dieweil in Baries all däß Eſſe,
Rickwirkend Beſchwerde ihm macht, daß es kracht!
Ganz forſchtbor Beſchwerde noch macht.

Maddridd, däß is aach ſo e Gäjend,
Un beinoh ſo ſchee, als wie Gemf
Die Sunn, wanns net zufellich räjend,
Beſcheind ſtets deſällwiche Semf, was for Kremf!
In Maddridd, genau wie in Gemf.
De Streeſemann, ſo heert mer’s leite,
Hott dort gleich gans ei’ ſich gelackt,
Vun wääche de Minderheide,
De Stier an de Hörner gepackt, daß es knackt,
Als Torrero, de Stier agepackt.
Ich hoff aach, er dhuts net verſäume,
Indem jetzt der Krieg liquidiert,
Un redd. um ſchläunichſt zu räume‟,
Mit’m Briand en Stoß unſcheniert, daß er’s ſpiert!
En kräfdiche Stoß unſchewiert.
In Darmſtadt is glicklich erledicht
Die Ower=Frag ſonder Fehl,
Vum Brovinzial=Ausſchuß beſtädicht,
Umſunſt war der ganz Kragehl, meinerſeel!
No gottlob, jetzt is alles aa Mehl!
Nu loßt aach des Maul net mehr henke,
Un hofft uffin ginſtiche Stärn,
De Rudie wärdds Schiffche ſchun lenke,
In ſchläächter, wie’s is, kanns net wärrn, meine Härrn,
Odder ich mißt ganz barwariſch mich ſchnärrn!
Drum: wäck mit de Grille un Sorje,
Guckt rings, wie es duft, wie es blieht,
Was ſoll do däß kräxe un worje,
Solang uns des Lembche noch glieht im Gemied,
Däß La, Li, Lu, Lembche noch glieht.
Un gibts ſtatts ſchee Wädder aach Räje,
Un s wärd die Nadur eich verhunzt,
Kennt uff de Madildeheh ſähe,
Ihr den ſcheene Menſch in der Kunſt faſt umſunſt,
Er un Sie, puddelnackt in de Kunſt.

Aach ’s Therjader dhut eich ergetze,
Spielt. Brodweh mit rieſichem Schmiß,
Jazz, Girls, Schiewer, Mord un Enſetze!
Mer waaß als net mehr wo mer is ganz gewiß,
So e Kunſt die hott heit des Geriß!

Drum loßt eich die Zeit net verdrieße,
Un ſin gach die Umſtend net ſchee,
Dhut froh eiern Summer genieße,
Um Woog an de See uff re Heeh. Dullijee
Ich mach Schluß, dann des Maul dhut mer weh! .."
Bienche Bimmbernell=

Poſtſchkribbdumm: Wann ich in Obichem beilaifich ſo
frei war, un mir zu bemärke erlaabt hab, daß mer ſich unnerm
Balamendarißmuß alles menſchunmeechliche vorſtelle kennt, bloß
wix Vernimfdiches, ſo lann ich for die Behaubdung de Wahrheiz=
beweis
jederzeit adräde, indem ich mich bloß uff die Landags=
ſitzunge
vun däre Woch (außer im Freidag!) zu beruffe brauch.
Wärklich, wann ich mer ſo däß Therjader aguck, ſo kimmt mer’s
vor, als wann’s dene Landägler in Darmſtadt ganz erheblich
beſſer gefalle dhet, als wie dehaam; odder als wann ſe in
ihrm Brifadberuf genzlich iwwerfliſſich weern. Dann ſunſt dhete
ſe im Landag mit ihrm ewiche Geredd doch net die Zeit ſo nutz=
los
dodſchlage. Ei hol mich de Guggug, die redde jo drufflos,
als dhete die Däg diß Johr gornet all wärrn . . . Was domit
for=e Zeit verblemmbert wärd, däß is net am Himmel zu mole.
Wann do net jeder ganzlinge alle Dag e paar Adräg geſtellt,
odder die Reſchierung mit=ere ſogenannte Klaane Affrag aus
ihrm Verſteck uffgeſcheicht hott, dann is=em net wohl. Un jeder
ſchwätzt dodebei, vun ſich aus, immer vun Sparſamkeid, un lebt
drotzdem in ſeine Redde als in de Dag enei, nadierlich uff Koſte
vun uns ärmliche Steierzahler. Wann ſe doch emol an ſich
affange dhete, un weern mit m Redde ſparſamer, un dhete dofor
liewer hie un do emol en geſcheide Gedanke zu Dag fördern.
Awwer dadrinn ſin ſe diräckt knauſerich. Sundern ſie ſitze ſtunde=
lang
unnernanner eum, un verdrödele mit ihrm Geredd die Zeit,
un ſchwätze vun Dauſend un drei Sache, un ſage ſich gäächeſeidich
allerhand knolliche Liewenswärdichkeide ins Geſicht.
Un neierdings erſcheine die allerfreiheitlichſte ſogar im Moß=
gauer
Dienſta zug, umgeſchwallt, un die Kabb uff=em Kobb, un
grieße ihr Kolleeche vun de annern Fackeldhete bloß noch wille=
deriſch
mit Vorbeigeh in grader Haldung Ich kennt mir
denke, daß ſich jetzt die annern net lumbe loſſe, ſoweit ſe vum
Leitnand uffwärts ärchendwie Saldad worn, un erſcheine
äwenfalls in Galla=Uniform; a Ehr is die anner wert. Un
wann ich do unſerm klaane Landagsbräſendend en gude Rat
gäwwe därf, ſo ſoll er ſchleunichſt Mitglied wärrn bei de frei=
williche
Feierwehr, däß is erſtens e genzlich neidraler Drubbe=
körber
, un zweidens, unner me Feierwehrhälm macht er de
annern wiſſawie doch immerhie en forſchterweckende Eidruck;
un wann=er ſich gor noch die Feierſpritz mitbringt, dann will
ich emol ſähe
Iwwrichens, iwwer die Brijjelſtrof in de Schul mag
ner denke wie mer will, jedenfalls ich hab mei Daal aach krickt,
un bin net dra geſtorwe, ſundern vermudlich hawwe die Riß bei
mir ihrn Zweck erfillt, däß därf ich ruhich ſage. Es gibt awwer
ſo e Sort Lauszibbel, dene dhete noch geheern, wann ſe lengſt
aus de Schul ſin, un zwar ſin däß die, die wo nachts nig
beſſeres wiſſe, als wie de Leit ihr Sach zu demmoliern, Firme=
ſchilder
abzureiße, Aushengkäſte ei zuſchlage, un die gärtneriſche
Tlage zu verwieſte. For ſo Delickte gibts kaa anner
Strof als wie fimfunzwanzich uff de Bloße, do vergingt=ſen
Ich ſtelle anheim".

Der zeitgemäße Haushalt.

Vorjährige Sandaletten im neuen Gewande‟
Die diesjährige Frühjahrs= und Sommermode bringt für die
Frauenwelt wieder die mit mehr oder weniger reichem Durch=
bruch
am Vorderblatt verſehenen, farbigen Sandaletten, die ſich
ſowohl in den zarteſten Paſtelltönen, wie in den kräftigſten Far=
ben
, ja oft ſogar zweifarbig, präſentieren. Alle diejenigen Frauen
und Mädchen, die ſich noch im Beſitz guterhaltener vorjähriger
Sandaletten befinden, können dieſer Modeforderung leicht nach=
kommen
, wenn ſie ſich der kleinen Mühe des Selbſtauffriſchens
unterziehen. Nachdem die Sandaletten, zuvor auf Leiſten ge=
zogen
, von Schuhereme=Reſten durch Abreiben mit Terpentin oder
Salmiakgeiſt befreit wurden, werden ſie nach gründlichem Trock=
nen
mit Wilbra ſtrichweiſe dünn und gleichmäßig in einer von
der vorjährigen Farbe abweichenden Tönung eingepinſelt, wobei
etwaige Zierränder noch abſtechend andersfarbig abgeſetzt werden
können. Am nächſten Tage mit wollenem Lappen matt oder nach
vorherigen Eincremen hochglänzend gerieben, verraten ſie in
keiner Weiſe mehr, daß es ſich um vorjährige Schuhe handelt.
Rhabarber=Gelee als Nachtiſch. Von 1 Pfund
gekochtem Rhabarber fülle man den Saft ab (den zurückgeblie=
benen
Rhabarber verwende man als Kuchenauflage oder Kom=
pott
), ſüße ihn nach Bedarf, ſchmecke ihn mit dem Saft einer
ausgepreßten Zitrone, 1 Gläschen Arrak oder Rum und etwas
Vanillezucker ab und verrühre ihn mit aufgelöſter Gelatine (halb
rot, halb weiß), von der man 6 Blatt auf ½ Liter Flüſſigkeit
rechnet. In Glasſchälchen oder Gläſer gefüllt, reicht man das
M.
Gelee mit Schlagſahne beſpritzt.
Kirſchreis als Nachtiſch. 20 Gramm kalt abgequirl=
ten
Reis quelle man in ½ Liter Milch aus, verrühre ihn mit
½ Teelöffel Salz. 2 Eßlöffel Süßſtofflöſung, 1 Eßlöffel Butter
und 23 Eigelb, füge noch 1 Eßlöffel Grieß und zuletzt den ſtei=
fen
Schnee der Eiweiße bei. Mit 1 Pfund ſüßen Schwarzkirſchen
untermiſcht, fülle man den Reis in eine eingefettete Auflaufform
und backe die Speiſe bei Mittelhitze 31 Stunde. Heiß in der
Form und mit einer ſchaumigen Chadeauſoße ſervieren.

Ein gutes Erfriſchungsgetränk für Kranke.
½ Pfund Schwarzbrot ſchneide man in Würfel, röſte dieſe in
trockener Pfanne und übergieße ſie mit 1 Liter kochendem Waſſer.
Nach dem Erkalten durch ein Haarſieb gegoſſen, füge man dem
Saft ½1 Zitrone und Zucker nach Geſchmack bei und gebe das
H.
Getränk kühl in kleinen Mengen.
Angeſchnittene Zitronen vor dem Schimmeln
zu bewahren. Wenn man angeſchnittene Zitronen bis zum
anderen oder mehrere Tage aufheben und dieſe vor dem Schim=
meln
ſchützen will, ſo beſtreue man einen ſauberen Teller mit
Salz und lege die Zitrone mit der Schnittfläche auf das Salz.
E.
Dieſes wirkt konſervierend.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Stachelbeerkaltſchale mit Schaumklößchen. Stangen=
ſpargel
mit Kalbskoteletten. Erdbeeren.
Montag: Grüne Bohnen mit Hammelfleiſch.
Dienstag: Junge Karotten mit grünen Erbſen und gebr.
Leber.
Mittwoch: Fleiſchgefüllte Eierkuchen mit Gurken=Staudenſalat.
Donnerstag: Sauerſüßes Gurkengemüſe mit Siedewürſtchen.
Freitag: Seelachs, gebackenen, mit Dillſoße. Staudenſalat.
Samstag: Spinat mit Setzeiern und Röſtkartoffeln.

A
Humor IE

Sein Geſchäft. Der Neger ſprach den Herrn um eine kleine Gabe
an. Dieſer, der ihn kannte, ſagte: Aber Sam, du wirſt doch nicht
betteln, du haſt mir doch einmal erzählt, du hätteſt ein Geſchäft.
Hatte ich auch, nickte der Farbige, es war eine Wäſcherei mit einem
Arbeiter, aber ich habe es ſchließen müſſen. Wie kam denn das?
Ja, ſie wollte nicht mehr und ließ ſich von mir ſcheiden.
Die Wilden ſind doch beſſere Menſchen. Haben Sie nicht alte Klei=
der
für die Wilden? bat der Miſſionar. Meine Tochter hat eine
Menge abgelegte Toiletten, erwiderte der wohltätige Herr, aber ich
fürchte, die Wilden werden ſie nicht tragen.
Verdächtig. Auf der Polizei wird angerufen: Hier bei mir im
Laden iſt ein verdächtiger Mann. Er will einen alten Kraftwagen bar
bezahlen!

Mahnbriefe, die aus dem Himmel kommen,

Da fällt wir ein, Max, haſt du heute die Elektrizitätsrechnung
(Sönntagsniſſe Strix.)
bezahlt?
Unterſchied. Wenn man einem Mann etwas erzählt, dann geht es
zu einem Ohr rein und zum andern wieder rous. Und wenn man
einer Frau etwas erzählt, erwiderte er, dann geht es zu beiden Ohren
rein und zum Munde wieder raus.
Gute Ausſichten. Iſt Edith glücklich verheiratet? O ja, ihr
Mann hat große Angſt vor ihr.
Seltene Gelegenheit. Wenn Sie ihr ſagen: Bitte recht freundlich!
dann machen Sie mich doch noch darauf aufmerkſam, ſagte der Gatte
eifrig zum Photographen. Es iſt ſo lange her, daß ich das nicht
geſehen habe.
Die Ahnungsloſe. Die alte Dame kann auf dem großen Paſſagier=
dampfer
ihre Kabine nicht finden. Wie war denn die Nummer? fragte
der Steward. An die kann ich mich nicht mehr erinnern, meint die
Dame, aber ich weiß ganz genau; ſie lag dem Leuchtturm gerade
egenüben

[ ][  ][ ]

Die Mode
für den Cennisplatz.
Früher einmal war der Tennisſport für ge=
wöhnliche
Sterbliche eine unerſchwingliche Ange=
legenheit
und blieb darum eine Sache der oberſten
Zehntauſend. In den letzten Jahren aber hat
der Sport in jeder Form die weiteſten Bevölke=
rungsſchichten
ergriffen, Vereine und Verbände
ſchloſſen ſich zu gemeinſamen ſportlichen Intereſ=
ſen
zuſammen, und ſo kam es auch, daß der
Tennisſport für viele erreichbar wurde, indem die
damit verbundenen Koſten auf ein Minimum her=
abgeſetzt
wurden. Heute iſt er auch nicht mehr
jener Sport, dem Tauſende als Zaungäſte zuſehen
müſſen, ſondern eines der vielen ſportlichen Spiele,
die während der letzten Jahre Gemeingut wurden.
Wie jeder Sport iſt auch das Tennis nur dann
ſchön und bereitet nur danm reſtloſes Vergnügen,
wenn man über eine entſprechende und für dieſen
Zweck notwendige Aufmachung verfügt, denn nicht
tadellos oder gar unzweckmäßig gekleidet zu ſein,
trübt zweifellos jede Sportfreude.
Nun iſt es keineswegs ſchwierig, hier eine rich=
tige
Dreß zu ſinden, denn zum Tennis ſieht man
nur dann reſtlos elegant aus, wenn man unendlich
einfach gekleidet iſt, weil jedes Zuviel nicht nur
unſportlich und unpraktiſch, ſondern auch abſolut
unelegant iſt.
Wichtig erſcheint natürlich vor allen Dimgen
das Material, das man für dieſen Zweck her=
anzieht
; es muß nämlich immer ausgezeichnet
waſchbar ſein, denn gerade während der warmen
Jahreszeit muß man damit rechnen, ein Tennis=
kleid
oftmals zu reinigen, und zwar ohne beſondere
Vorſicht, ſo daß ein empfindliches Material über=
haupt
nicht in Frage gezogen werden darf.
Die Tenniskleidung iſt in der Regel weiß; zwar
verſucht man imer wieder verſchiedene helle
Paſtelltöne zu bringen, doch haben ſie zwei große
Nachteile (wiewohl man ſich eingeſtehen muß, daß
ſie ganz entzückend ausſehen und das Bild des Tenisplatzes
farbenfroh und flott geſtalten). Der eine Nachteil beſteht nämlich
darin, daß die Waſchbarkeit eines Kleides in Paſtellſchattierung
bedeutend beeinträchtgt wird, der andere iſt in der Tatſache zu
ſuchen, daß die zarten hellen Farben im grellen Sonnenlichte ſehr
leiden und nur allzu leicht ausblaſſen.
In der Regel ſind es darum die Waſchſtoffe, die zum Tennis
Verwendung finden, doch verarbeitet man gerne auch die ver=
ſchiedenen
Rohſeiden, daneben aber auch jene Seidengewebe, die

ſonſt für Herrenhemden herangezogen werden. Die Form des
Tenniskleides ſoll immer außerordentlich einfach ſein. Weſent=
lich
iſt, daß der Rock unter allen Umſtänden eine entſprechende
Weite hat, um genügend Bewegungsfreiheit zu ſichern; darum
pflegt man die gefältelten Röcke zu bringen, die den Anforderun=
gen
immer am beſten entſprechen.
Der Oberteil des Tenniskleides hat faſt ausnahmslos
Jumperform und iſt in der Regel ärmellos: falls aber doch
wie etwa bei den herrenhemdähnlichen Typen lange Aermel

vorgeſehen werden, muß man ſie während des
Spieles entſprechend aufrollen.
Wichtig iſt auch eine entſprechende Umhülle
in Form eines loſen Paletots oder einer kurzen
Jacke, die man nach dem Training braucht, um ſich
vor Erkältungen zu ſchützen. Selbſt für ſchöne,
warme Tage benötigt man nach dem Spiele etwas
(und ſei es der kleinſte Schutz), um nicht wenn
man erhitzt iſt bei einem Luftzuge Schaden zu
leiden: es genügt dann mitunter eines der ſlotten
Halstücher, das jede Frau bekanntlich gerne trägt.
Ein paar Anregungen für ſlotte Tenmiskleider,
die wan leicht ſelbſt herſtellen kann und die auf
den ſportlichen Bedarf Rückſicht nehwen, zeigen
wir in unſerer Skizze:
Im erſten Bilde bemerkt man eine der ge=
bräuchlichen
Hemdbluſen, die der Herrenmode nach=
empfunden
ſind; der kleine Bubenkragen läßt ſich
natürlich öffnen, die Knopfleiſte, die durch die
Mitte führt, erleichtert die raſche Reinigung. Die
enge Paſſe kann entweder mit der Bluſe in Ver=
bindung
ſein oder ſeparat als eine Art Gürtel ge=
tragen
werden. Sie hat den Vorteil, der Figur
beim Spiel den nörigen Halt zu geben.
Zu einem Tenniskleide dieſer Art ſieht die far=
bige
Flanell=Jacke mit zweireihigem Knopfver=
ſchluß
ſehr flott aus; ſie wird entweder in Marine=
blau
, Rot oder Grün gearbeitet und mit einem ent=
ſprechend
gemuſterten, ſchalartigen Halstuche in
Verbindung gebracht (Bild 2).
Einen breiten Raum in der Tennismode neh=
men
die Strickſachen ein, denn die Wollinduſtrie iſt
wie man weiß ſeit vielen Jahren unermüd=
lich
tätig, um die ſportliche Mode immer mehr
auszugeſtalten. Für dieſe Saiſon ſtehen die ſoge=
nannten
grob=geſtrickten Sachen, die in ihrer
poröſen Machart ungemein originell ſind, im Vor=
dergrunde
des Indereſſes. Bei dieſen Jumpern,
die das Produkt einer ganz ſpeziellen maſchinellen
Technik ſind, vermag oft ſelbſt der Fachmann den
Unterſchied von handgearbeiteten Sachen kaum zu
erkennen; wir zeigen ein ſolches Stück in unſerem
vorletzten Bilde: es handelt ſich hier um einen
weißen Strickjumper mit bunten Kanten. Dazu wirkt der gefäl=
telte
ſtrickpliſſierte Rock und ein loſes, farbiges Jächchen ſehr gut;
ebenſo ſieht ein kleines Seidentuch wit eingeſtickten Racket=
Emblemen ganz entzückend aus.
Im letzten Bilde bemerkt man ein einfaches Kleid aus in=
ſich
=geſtreifter Herrenhemdſeide, wobei der Jumper quer, der
Rock aber in Längsrichtung verarbeitet iſt. Ein leichter, flauſchi=
ger
Raglam iſt die Umhülle, die immer gute Dienſte leiſtet und
für jedwede Gelegenheit in Frage kommt.

Kariertes Sämiſchleder in ſeiner vielfachen
Verwendung.
Immer wieder trachtet man, die verſchiedenen Lederſorten
in eigenardiger Weiſe zu präparieren und, ſei es aus dem Glanze
oder umgekehrt: aus einer aparten Mattierung, aus der Farbe
oder einer Spezialbearbeitung, intereſſante Effekte zu holen.

Seit langer Zeit nun wird verſucht, das Leder in der Art
der modernen Imprimé=Stoffe zu bedrucken oder zu bemalen,
und bei dem matten Sämiſchleder konnte man tatſächlich ſchöne
Erfolge erzielen. Gianz beſonders ſind es die verſchiedenen bun=
ten
Karomuſter, die ſich großer Beliebtheit erfreuen und in den
verſchiedenſten Arten verarbeitet werden.
Es gibt auch ſchon ganze Umhüllen aus dieſem ge=
muſterten
Leder, die viel aparter wirken als die herkömmlichen

Ledermäntel. Auch der kleine ſportliche Hut ſieht in dieſem
Material ausgezeichnet aus.
Natürlich werden auch verſchiedene Toilettendetails aus
ornamentalem Leder hergeſtellt; dazu gehören vornehmlich die
flachen Tratteur=Handtaſchen, die man immer ſehr gut verwen=
den
kanm.
W. U.

Das ſommerliche Kleid
für Haus und Garten.
Während der warmen Tage trägt man gerne
eim Hauskleid, das ein Mittelding zwiſchen einem
Strapazierſtück und einem Schlafrock darſtellt, im=
mer
nett ausſieht, leicht waſchbar iſt, gut paßt und
mit geringen materiellen Opfern hergeſtellt wer=
den
kann.
Bei ſolchen Dingen wäre es ein großer Fehler,
koſtſpieliges Material heranzuziehen, weil damit
der Sinn des Gartenkleides verlorenginge.
Ganz im Gegenteil verarbeitet man hier nur
Waſchſtoffe, die mitunter ſehr ſchick wirken können;
ſo zum Beiſpiel ſind oft mit Kreton oder mit Roh=
leinen
ſehr gute Effekte zu erzielen, ganz abgeſehen
von den Waſch= und Rohſeiden, die natürlich un=
verwüſtlich
und ſehr leicht waſchbar ſind.
Selbſt bei ſo primitiven Dingen wie bei ſchlich=
ten
Hauskleidern, von denen heute die Rede ſein
ſoll, hat ſich der Complet=Gedanke durchgeſetzt,
denn man begegnet vielfach Jumperkleidern mit
dazu paſſenden Jäckchen, und zwar ſind die Kleider
ärmellos, ſo daß das Jäcchen hier die logiſche Er=
gänzung
darſtellt, denn beſonders an kühlen
Sommerabenden trägt man ſowohl im Hauſe als
auch im Garten oder bei einer Hleinen Promenade
nach dem Nachteſſen gerne eine kurze Jacke, die vor
kühler Zugluft zu ſchützen vermag.
Nicht ſelten ſind die Gartenkleider auch mit
Handarbeiten verſehen; natürlich handelt es ſich
hier niemals um eine komplizierte Arbeit, ſondern
nur um eine ſolche, die effektvoll wirkt und leicht
herzuſtellen iſt. Kreuzſtichſtickereien, Applikationen
aller Art oder grobe Wollſückereien (auf deren
Waſchechtheit beſonderer Wert gelegt werden muß),
nehmen ſich immer ſehr gut aus.
Die Formen der Hauskleider ſollen ſehr einfach
ſein, denn gerade im der Schlichtheit liegt ihr eigen=
ardiger
Reiz; darum ſind es auch faſt immer die
Jumpertypen, die den größten Beifall finden.
Die Jäckchen ſind entweder gerade oder in der Art der
Smoking=Sakkos rund abgekantet, manchmal auch ganz kurz, in
der Art von Boleros.
Immer trachtet man, das Kleid zweigeteilt zu arbeiten,
um es beſſer reinigen zu können, auch vermeidet man jeden kom=
plizierten
Verſchluß, der beim Waſchen des Kleides Schwierig=
keiten
macht.
Die Röcke der Hauskleider dürfen nicht zu eng ſein, um die
Bewegungsfreiheit nicht zu behindern, ſo daß man ſie meiſt fäl=

telt, und zwar in Form kleiner Legfaltem oder in Geſtalt breiter
Hohlfalten. Pliſſés werden unter allen Umſtänden verwieden,
weil ihre Reinigung nicht im Hauſe vorgenommen werden kann,
ſo daß ſich die Inſtandhaltung eines ſolchen Kleides viel zu ſehr
verteuern würde.
Einfarbige Gartenkleider garniert man nicht ſelten mit
Schals und Tüchern alber Art. Wie gut das bunte Tuch wirkt,
ſieht man zum Beiſpiel in unſerer letzten Sckizze, die ein
Rohſeidenkleid darſtellt, deſſen Rock in Hohlfalten gelegt

iſt, während die ärmelloſe, viereckig ausgeſchnittene
und an den Rock angetnöpfte Bluſe ganz glatt ge=
arbeitet
wird. Ein breiter Gartenhut aus Stroh
ſieht immer flott aus.
Das einfache Jaclchen aus der gleichen Roh=
ſeide
oder aus entſprechend abſchattiertem Flanell
in aparter Smoking=Form mit eingeſchnittenen
Taſchen iſt außerordentlich ſchick. (Vorletztes Bild.)
Daß man ſelbſt aus gewöhnlichem Leinen vor=
treffliche
Wirkungen holen kann, beweiſt die dritte
Figur unſerer Gruppe, aus der man auch zu ent=
nehmen
vermag, daß bei all dieſen Dingen der
gute Geſchmack das wichtigſte iſt; den Hohlfalten=
rock
hat man ſich hier aus marineblauem Roh=
leinen
verfertigt zu denken, der ärmelloſe Jumper
iſt aus großgeblumtem Kreton hergeſtellt, die ge=
rade
Jacke aber aus hellem Leinen in der Grund=
farbe
des Kretons. Es ergibt ſich hier demnach ein
ſehr ſchickes Garten=Complet, deſſen Herſtellung
unbedingt Freude bereiten wird. Anſtelle der Ver=
ſchiedenfarbigkeit
von Jacke und Rock kann mam
dafür natürlich auch eine Schattierung wählen,
aber auch den Jumper aus gleichem Leinen
arbeiten und ihn mit bunter Wolle beſticken. Eine
ſolche Handarbeit iſt natürlich ungemein dekorativ;
anſtatt des Gartenhutes trägt mam gerne auch
wie man dies in unſerer Skizze ſieht ein um
den Kopf geſchlungenes buntes Tuch, das rück=
wärts
verknotet wird und die Haare gut zu=
ſammenhält
, was bei der Arbeit im Haus und
im Garten wie auch beim Spaziergang in der
Sommerfriſche ſehr angenehm empfunden wird.
Wie man Kreuzſticharbeiten gut zu verwerten
vermag, zeigt das zweite Bild, ein ganz entzücken=
des
, ärmelloſes Jumperkleid, das aus grobfädigem
Bauernleinen, und zwar in ſeiner Naturfarbe, her=
zuſtellen
wäre. Das Halsleiſtchen, eine kurze Bahn
durch die vordere Mitte, die Blenden am Arm=
anſatz
und eine Paſſe am Jumperrande werden
beſtickt. Auch hier iſt ein Jäckchen in der Art des
früher beſprochenen Modells keine üble Idee.
Der Schlafrock, den man für Haus und Garten
braucht, wird aus Popeline oder aus einem ſati=
nierten
Materiale gearbeitet, deſſen Glanz immer
gut zur Geltung kommt (und zwar ſowohl buntgemuſterte Ge=
webe
als auch einfarbiges Material),
Unſere letzte Skizze bringt einen ſehr ſchicken, paletotartig
geſchnittenen Schlafrock aus zweierlei Farben, etwa hellbraun=
dunkelbraun
, mittelblau=marine, aber auch roſa mit blau o. dgl.
Der Schalkragen aber iſt immer ganz licht (weiß oder beige),
macht einen ſehr freundlichen Eindruck und muß unſchwer waſch=
bar
ſein, kann immer leicht ausgewechſelt werden und ſieht dem=
nach
jederzeit appetitlich aus.

[ ][  ][ ]

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Waffeln
Heute nachm. und abends
Großes Garten-Konzert
Eintritt frei
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Luftkurort

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Telephon 951
Heute nachmittag ab 4 Uhr
Großes Konzert
Große Beſetzung (10042
(Stadtorcheſter) perſönliche Leitung
Kapellmeiſter Willy Schlupp
Eintritt 50 Z. Zehnerkarten haben Gültigkeit.
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Leitung: Kapellmeiſter Willy Schlupp
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Abendts 2 Uhr: Kiuu Minzin Naut
Abschleds-Vorstellung
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Die Fortsetzung der Sommerspielzeit Dir. A. Steftters ist ab
Dienstag, 2. Jult mit der Operette: Schwarzwaldmädel‟

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