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Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929.
192. Jahrgang
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Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Natſonalbant.
Große Minderheiten=Alusſprache in Madrid
Dieefenann Aor den Kampf Richt auf. fHriſten. Wie auch die Auscfichrugeft in den mehrtäigen Könniſons=
Deulſchland krift auch ferner für Klärung der Minder= über auf deutſcher Seite in der Sitzung der Kommiſſon ſelbſt
ausge=
heitenfrage ein.
Der Völkerbundsrat nahm heute vormittag vor vollbeſetztem in vollem Umfange aufrecht erhalten wird. Ich darf darauf hinweiſen,
Hauſe und vor zahlreich erſchienenem Publikum die Schluß= daß die Anregung der deutſchen Denkſchrift auf Einſetzung eines
ſtän=
beratung der Minderheitendebatte vor. Sie wurde digen Komitees auch in einer vor wenigen Wochen in dieſer ſo
gaſt=
eingeleitet mit einem ausführlichen Bericht und dem Reſolutions= freundlichen Stadt abgehaltenen Tagung der Völkevbundsliga zum
Aus=
entwurf Adatſchis, in dem die im Ratskomitee feſtgelegten ſechs, ſich die Propagierung des Völkerbundsgedankens in allen Ländern zur
formalen Aenderungen des Verfahrens noch einmal wiederholt Aufgabe ſetzen und die diejenige organiſierte Bewegung darſtellen, von.
und auf Beſchluß des Rates den Staaten mit Minderheitenver= der der Völkerbundsgedanke bei unſeren Völkern getvagen wird. —
bilichtungen mitgeteilt werden, ebenſo wie der Londoner Dreier= Alles in der Welt iſt Entwicklung! Ich ſehe deshalb auch dieſe
Ent=
bericht, die 16 Minderheitendenkſchriften, ſowie die ſtenographi= wicklung nicht für abgeſchloſſen an, und es iſt von einer Körperſchaft
ſchen Berichte der Sitzungen des Ratskomitees und der gegen= wie dem Völkerhundsrat
wärtigen Ratstagung, die gleichzeitig auch veröffentlicht werden.
Dandurand erklärte ſich durch die bemerkenswerten Fort= Zu erwarken, daß die jehzt beſchloſſene Regelung
ſchritte in der Verbeſſerung des Minderheitenverfahrens, vor allen
Dingen der Oeffentlichkeit des Verfahrens, befriedigt, und ſagte,
Laß ausdrücklich dem Rat zugeſtanden worden ſei, daß die Dreier= wenn die prabtiſche Durchführung den gehegten Erwartungen nicht
komitees für ihre Information keinerlei Beſchränkung unterwor= entſprechen ſollte. Nach dieſer Richtung hin wird jedes Ratsmitglied
fen ſeien und daß ſie ſelbſt ſogar die Minderheiten zu Befragun= ſich volle Freiheit für die weitere Bhandlung der jetzt zur
Durchfüh=
gen heranziehen könnten.
Minderheilenverfahren.
„Herr Präſident! Der Bericht, den Sie, verehrter Herr Präſident in dieſes geſamte Aaterial allen Mitgliedern des Völkerbundes zuzuſtellen,
Ihrer Eigenſchaft als Berichterſtatter uns heute unterbreitet haben, wird dieſen Gelegenheit geben, zu prüfen, ob nicht in dieſer Frage eine
wurzelt in den Beſchlüſſen, die der Rat als Kommiſſion gefaßt hat und / Einigung erzielt werden kann und erzielt werden muß. Auch denjenigen
die, wie von allen Seiten anerkannt werden wird, eine weſentliche Ver= Mächten, die dem Rat nicht angehören, die aber ihr Intereſſe an der
beſſerung der bisherigen Behandlung der Minderheitenfrage in ſich Behandlung des Problems bereits bekundet haben, ſteht
ſelbſtverſtänd=
bergen. Wenn die mit der Vorprüfung der Petitionen beauftragten lich das Recht zu, ihrerſeits zu dem ihnen übermittelten Bericht Stellung
Komitees von jetzt ab die Pflicht haben, das Ergebnis ihrer Arbeit den zu nehmen, ebenſo wie jedes Mitglied des Völkerbundes, ſich
vorbehal=
gliedern die Entſcheidung darüber, ob ſie weſentliche Fragen vor den keiten zur Klärung dieſer Frage in Anſpruch zu nehmen. — Dem Be=
Atat bringen wollen, weſentlich erleichtert werden. Der vom Nat aus= richt in der jetzt vorliegenden Form und Faſſung ſtimme ich zu!”
geſprochene Wunſch, daß das Ergebnis der Verhandlungen ſo oft wie
nur möglich der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wird, wird weſentlich
zur Beruhigung beitragen, da, wenn das Komitee ſich dieſen Wunſch
bei jedem einzelnen Falle vor Augen hält, die Möglichkeit gegeben
wird, daß die Petenten ſchon nach Abſchluß des Vorverfahrens
wenig=
ſtens auf dieſem Wege von dem Schickſal ihrer Beſchwerde Kenntnis polniſche Außenminiſter Zaleſki und der rumäniſche
erhalten. Die Arbeit des Rats auf dieſem Gebiet, für die wir auch Delegierte Titulescu ebenfalls für die Annahme der
Reſo=
bisher den damit beauftragten Komitees jederzeit dankbar geweſen ſind, lution aus, jedoch unter dem Vorbehalt, daß die Verbeſſerungen
wird weſentlich auch dadurch an Bedeutung gewinnen, daß der General= als ein Teil des Londoner Berichts betrachtet würden. — Dann
ſekretär des Völkerbundes jährlich ſtatiſtiſche Nachweiſe über die Arbeit gab Briand unter teilweiſer Wiederholung ſeiner ſchon im
des Völkerbundsrates auf dem Gebiete der Minderheitsbeſchwerden März gebrauchten Argumente über das allmähliche Aufgehen
veröffenklichen wird, wodurch die Oeffentlichkeit die Gewißheit erhält, der Minderheiten in der Staatsnation einen
aus=
daß jede eingegangene Beſchwerde gewiſſenhaft geprüft wird. Wenn
dank der Intervention des verehrten Vertreters von Kanada weiter führlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit des Völkerbundes
in den vorangegangenen Debatten zweifelsfrei klargeſtellt worden iſt, auf dem Gebiet des Minderheitenſchutzes. Der Rat habe auch
ein wertvoller Gewinn unſerer Beratungen zu ſein. — Wenn ſchließ= ſeine Anerkennung für den Geiſt der Verſöhnlichkeit aus, den
lich der Ratspräſident die Freiheit hat, in beſonderen Fällen vier ſeiner
tees im Intereſſe der Beſchleunigung des Verfahrens erforderlichenfalls habe.
auch zwiſchen den Ratsſitzungen zuſammentreten können, ſo ſind auch
dieſe Beſchlüſſe ein weiterer Schritt auf dem Wege zu einer wirkſameren wiſſe Bemerkungen des franzöſiſchen Außenminiſters könnten die
Tätigkeit des Völkerbundes auf dieſem Gebiet. Ich verkenne in keiner wißverſtändliche Auffaſſung aufkommen laſſen, als ſei Briand
Weiſe die tatſächliche und pſychologiſche Wirkung dieſes unzweifelhaft ein Anhänger der Verſchmelzung der Minderheiten mit der
verbeſſerten Verfahrens, und ich begrüße es als einen Fortſchritt auf
dem Wege der Anregungen, die der verehrte Vertreter von Kanada ge= Staatsnation. Er glaube aber doch, Briands Worte dahin
aus=
geben hat, deſſen an mich in den Kommiſſionsverhandlungen gerichteten legen zu können, daß Briand von den Minderheiten keine Auf=
Gebiete vorwärts zu kommen, denjenigen Mitgliedern des Rates, die
ſenhafter Arbeit bemüht haben, uns das Ergebnis ihrer Prüfungen zuſtimmen wie gerade er.
und Ueberlegungen zur Kenntnis zu bringen.
berichtes jedoch unbaltbar.
Ich lege beſonderen Wert darauf, feſtzuſtellen, daß ich den Ausdruck
dieſer Anerkennung als eine Verpflichtung empfinde auch wenn ich
ſchen Denkſchrift begründet worden iſt, nicht die Zuſtimmung des Rates ergänzt werden müſſen, wenn ihre praktiſche Durchführung den
Beſchwerden. Ich habe die Abſicht angekündigt, dieſe Fragen in der
beratungen veröffentlicht werden wird, kann ich auf die Begründung hin= Anrufung des Ständiſchen Internationalen, Gerichtshofes im
weiſen, die in der deutſchen Denkſchrift enthalten iſt. Den dort ange= Haag, wie das auch in der heutigen Erklärung Dr. Streſemanns
ſein, wenn wir von dem Mißtrauen der Völkerbundsſtaaten ausgehen
anerkennen. Die Arbeit der Mächte, die hier im Völkerbundsrat ver= nicht vor, und die Dinge werden weiter verfolgt und entwickelt
Wege zu finden, um unter Anerkennung überſtaatlicher Gedanken, neben lich allein ſteht. Trotzdem wurde eine Aenderung des
Verfah=
dieſe Gedanken hier weiter zu vertiefen, nachdem der Bericht
ausdrück=
lich vorſieht, daß die Werhandlungen der Kommiſſion dem Bericht ſelbſt
zugefügt werden, ſo daß allen Mitgliedern des Völkerbundes und der
Oeffentlichkeit Gelegenheit gegeben iſt, ſowohl die Begründung der
Denk=
beratungen zur Kenntnis zu nehmen. — Ich verſage es mir deshalb auch,
Anſtechterhaliung der deuiſchen Borbehalte. auf die vielfache irrtümliche Auffaſſung hinzuweifen, die ſich an die
deutſche Anzegung knüpft, eine ſtändige Kommiſſion zur Verfolgung der
Minderheitenfrage einzurichten, und beſchränke mich auf das, was
dar=
führt worden iſt. — Wenn ich dem Bericht zuſtimme, weil ich die
Ver=
beſſerungen anerkenne, die er mit ſich bringt, ſo muß ich doch gleichzeitig
feſtſtellen, daß der grundſätzliche Standpunkt, wie er in der deutſchen
* Madrid, 18. Juni. (Priv=Tel.) Denkſchrift und in den Erklärungen in der Kommiſſion niedergelegt iſt,
druck gekommen iſt, ein Wunſch gerade derjenigen Organiſationen, die
durch weitere Berbeſſerungen ergänzt wird.
rung gekommenen Anregung vorbehalten müſſen. Der Bericht, der uns
vorgelegt iſt, bedeutet in ſeinen ppaktiſchen Folgerungen einen
Löſungs=
verſuch, der dem Völkerbundsrat eine wertvolle Handhabe für die
Hreſemann anerkennt die Beibeſſerungen im Praxis gibt. Er wird denjienigen, welche die dem Bericht beigegebenen
Unterlagen ſtudieren, zeigen, welche großen Probleme ſich hinter dieſer
ppaktiſchen Arbeit verbergen. Eine grundſätzliche Einigung der
Auffaſ=
ſungen über Umfang und Begrenzung der dem Völkerbundsrat zu=
Sodann ergriff Dr. Streſemann das Wort zu folgender Nede; ſtehenden Rechte und Pflichten iſt nicht erfolgt. Der Beſchluß des Rates,
einzelnen Ratsmitgliedern mitzuteilen, ſo wird dadurch den Ratsmit= ten muß, alle in den Satzungen des Völkerbundes gegebenen Möglich=
Briands Minderheikenkheſe.
Nach der großen Rede Dr. Streſemanns ſprachen ſich der
daß die Komitees hinſichtlich der Beſchaffung des nötigen Materials die Aufgabe, die Souveränität der Staaten zu ſchützen und ſich
für die Aufklärung der vorliegenden Fälle, keinerlei Beſchränkungen nicht von den Organen der Unzufriedenen beeinfluſſen zu laſſen,
unterliegen, alſo ergänzende Informationen in geeigneter Form auch die die Abſichten des Völkerbundes hemmten und ſeine Tätigkeit
von den Beſchwerdeführern einholen können, ſo ſcheint mir auch dies verdunkeln wollten. Briand ſprach wiederholt Dr. Streſemann
Kollegen zur Teilnahme an der Vorprüfung, der Beſchwerden heran= Streſemann bewieſen habe, ein Geiſt, von dem man aus der
zuziehen, und wenn auf die Möglichkeit hingewieſen iſt, daß die Komi= jahrelangen Tätigkeit des Völkerbundsrats ſchon viele Proben
Dr. Streſemann entgegnete auf die Rede Briands, ge=
Appell, dieſen Verbeſſerungen meine Zuſtimmung zu geben, ich mich gabe ihres Sondercharakters als Raſſe, als Sprach= und
Kultur=
nicht entziehen will, ohne damit jedoch meine Geſamteinſtellung zu einheit verlonge. Auch Chamberlain habe den Standpunkt der
ändern. Neben dem Vertreter Kanadas gebührt der Dank des Rates. Aſſimilierung ſchon im März abgelehnt. Wenn Briand glaube,
für die intenſive Arbeit zur Erforſchung der Möglichkeiten, auf dieſem die Souveränität der Staaten müſſe durch den Völkerbund
ge=
auf Beſchluß ſeiner letzten Beratungen ſich in langwieriger und gewiſ= ſchützt werden, ſo könne ihm in dieſem Punkt niemand herzlicher
Der Rat hat ſich alſo heute für den dritten der von Dr.
Die Grundguffaſſung des Londoner Minderheiken- Streſemann am letzten Dienstag empfohlenen Wege für die
wei=
tere Behandlung des Minderheitenproblems entſchieden, nämlich
für den der Verabſchiedung der Verbeſſerungen, über die eine
Einigung erzielt werden konnte, während alle Fragen
grundſätz=
lichen Charakters der Zukunft vorbehalten bleiben ſollen. Die
dem uns von dieſem Komitee übermittelten Londoner Bericht aus Grün= deutſche Delegation ſieht, wie dies Dr. Streſemann heute
aus=
den, die aus der deutſchen Denkſchrift erſichtlich ſind, nicht zuſtimmen drücklich erklärte, die Entwicklung nicht für abgeſchloſſen an. Die
kann. Ich bebauere insbeſondere, daß eine Anregung, die in der deut= jetzt beſchloſſene Regelung wird durch weitere Verbeſſerungen
gefunden hat. Sie betrifft die Frage der Ausſchließung der Vertreter gehegten Erwartungen nicht entſprechen ſollte. Nach dieſer
Rich=
ſtammverwandter Länder von der Teilnahme an der Vorprüfung der tung müſſe ſich jedes Ratsmitglied volle Freiheit für die weitere
heutigen Ratsſitzung noch einmal vom deutſchen Standpunkt aus zu er= Behandlung der jetzt zur Durchführung angenommenen
An=
örtern. Nachdem der Bericht vorſchlägt, daß nicht nur die Denkſchriften regungen vorbehalten. Vorbehalten bleibt ferner auch die vom
der cinzelnen Staaten, ſondern auch das Protokoll der Kommiſſions= deutſchen Ratsmitglied am Dienstag aufgeworfene Frage der
führten Argumenten darf ich das eine hinzufügen und beſonders unter= zum Ausdruck kam, daß „jedes Mitglied des Völkerbundes ſich
ſtreichen: Die Anvegung der deutſchen Regierung entſpricht dem Geiſte vorbehalten müſſe, alle in der Satzung des Völkerbundes
gege=
des Völterbundes. Unſere Arbeit wird ſtets zum Mißerfolg verdammt, benen Möglichkeiten zur Klärung der Minderheitenfrage in An=
und wenn wir nicht Wunſch und Pflicht der Objektivität untereinander ſpruch zu nehmen.‟ Eine endgültige Entſcheidung liegt alſo
einigt ſind, kann nicht darin beſtehen. Intereſſenkämpfe untereinander werden müſſen. Was die Lage ſelbſt anlanat, ſo kann kein
Zwei=
auszukämpfen. Sinn and Geiſt des Völkerbundes iſt, darüber hinaus fel beſtehen, daß Deutſchland in der grundſätzlichen Frage
ziem=
dem natungemäßen nationalen Empfinden den Ausgleich zwiſchen den Auf= rens erreicht, aus der bei richtiger konſequenter Anwendung für
gaben der Staaten und Bölker zu ſuchen. — 3ch darf /8 mir berſagen, die Minderheiten erhebliche Vorteile erwachſen können. Vor
(Fortſetzung Seite 2, dritte Spalte,)
Weißes Kapital und farbige Arbeit.
Von
Otto Corbach, Berlin.
Eine kürzlich (24. Mai 1929) vom Völkerbunde
herausge=
gebene Schrift „Weltproduktion und Welthandel” enthält den
ziffernmäßigen Nachweis, daß der ungefähre Anteil an der
Ge=
ſamterzeugung der wichtigſten Welthandelsgüter ſeit 1913 um
20 Prozent geſtiegen iſt, während derjenige Europas um 9 Proz.
ſank. In dieſen Ziffern ſpiegelt ſich deutlich die wachſende
Be=
drohlichkeit der Verbindung zwiſchen weißem Kapital und
far=
biger Arbeit wider. „Weißes” Kapital mobiliſiert die gewaltigen
Arbeitsreſerven farbiger Raſſen, während es in den Ländern der
Völker der weißen Raſſe die Arbeitsloſenheere anſchwellen und
die Produktionsapparate in immer größerem Umfange leer
lau=
fen läßt. Jungfräuliche Gebiete von gewaltiger Ausdehnung
innerhalb des europäiſch=amerikaniſchen Kulturkreiſes bleiben
unentwickelt, weil es an Kapital fehlt, ſie durch Bau von Bahnen,
Straßen, Städten uſw. für dieAufnahme großerEinwanderermaſſen
aus übervölkerten Teilen Europas vorzubereiten, während ſich die
Finanzgruppen der „Weltmächte” auf den Arbeitsmärkten für
Farbige in unwürdiger Weiſe gegenſeitig den Rang abzulaufen
ſuchen. Das mit Hilfe farbiger Arbeiter und Krieger beſiegte
Deutſchland wird gezwungen, ſeine Kapitalquellen durch
Repa=
rationszahlungen zu erſchöpfen, damit das beſchleunigte Tempo
des Kapitalexports der Siegerländer nach kolonialen und
halb=
kolonialen Arbeitsmärkten ja nicht nachlaſſe. Niemals waren
die weltwirtſchaftlichen Kommandogewalten in weniger Händen
vereinigt und niemals wurden ſie verantwortungsloſer im Sinne
einer Wahrung des Kulturerbes der Völker weißer Raſſe
miß=
braucht.
In Afrika iſt die politiſche Herrſchaft des weißen Mannes im
ganzen genommen, immer noch am wenigſten gefährdet, und es
würde noch für alle abſehbare Zukunft ein Eldorado für weiße
Kapitaliſten bleiben, wenn nicht gerade in den ehemaligen
Jagd=
gefilden des Sklavenhandels die einheimiſchen Arbeitsreſerven
am raſcheſten zu erſchöpfen drohten. Die Greuel der
Sklaven=
jagden früherer Jahrhunderte rächen ſich an den Erben
kolo=
nialer Eroberer. Auf dem rieſigen Hochlande, das den größten
Teil Afrikas ſüdlich des Aequators, außerhalb des Kongobeckens,
bildet, das ſich in durchſchnittlicher Höhe von 1200 Meter von der
Gegend nördlich Kapſtadts bis in die Nachbarſchaft der großen
Seen erſtreckt, wohnen in einem Raume, wo ſich in Europa 300
Millionen Menſchen drängen, nur gegen 25 Millionen Schwarze.
Das kleine Belgien hat faſt ſo viel Einwohner wie der achtzig
Mal ſo große Kongoſtaat. Die britiſchen Beſitzungen Rhodeſia,
Nyaſſaland, Tanganyika, Kenya und Uganda umfaſſen eine
Ge=
ſamtfläche, die mehr als doppelt ſo groß iſt wie Deutſchland,
Frankreich und Italien zuſammengenommen, und haben noch
keine 14 Millionen Einwohner, weniger als die Tſchechoflowakei.
Was Wunder, daß der Hunger nach billigen Arbeitskräften die
Kolonialverwaltungen mehr und mehr zu Methoden der „
An=
werbung” verführt, die zu der heuchleriſchen Mandatspolitik des
Völkerbundes in ſchreiendem Gegenſatz ſteht. In der
ſüdafri=
kaniſchen Union verfügen gegen 1½ Millionen Weiße über 232
Millionen Acres (1 Acre — 0,/4 Hektar) Landbeſitz, die gegen fünf
Millionen Eingeborenen hingegen weniger als 26 Millionen
Acres. Aehnlich liegen die Dinge in anderen Kolonialgebieten.
Ohne Land iſt der Schwarze gezwungen, ſeine Arbeitskraft auf
den Arbeitsmärkten der Weißen anzubieten. Dieſelbe Wirkung
haben hohe Steuern, da der Eingeborene in der Regel ſich das
dazu nötige Geld erſt im Dienſte Weißer beſchaffen kann. In
manchen Gegenden ſind zahlreiche einheimiſche Arbeitskräfte durch
die Einrichtung der patriarchaliſchen Hausſklaverei gebunden.
Gegen dieſe Sklaverei richtet ſich der ſittliche Eifer der Politik
des Völkerbundes. Der Arbeitszwang für öffentliche Arbeiten,
durch den die Kolonialverwaltungen alle Arbeitskräfte erfaſſen,
die trotz aller mittelbaren Druckmittel dem „freien”
Arbeits=
markt nicht zuſtrömen, darf ſich ungehemmt entfalten, trotzdem
durch ihn auch eine umfangreiche Sklaverei in Dienſten privater
Unternehmer verſchleiert wird. Trotz aller dieſer Maßnahmen
ſind in manchen Teilen Afrikas die Quellen der Arbeiterzufuhr
in weitem Umkreiſe erſchöpft. In Süd=Rhodeſia iſt bereits die
Hälfte der von Weißen beſchäftigten ſchwarzen Arbeiter aus
anderen Gegenden eingewandert. Ueber 100 000 Neger aus
Por=
tugieſiſch=Oſtafrika arbeiten in den Goldbergwerken bei
Johannis=
burg. Ganz Afrika gleicht einem rieſigen aufgeſtörten
Ameiſen=
haufen. Die Eingeborenen werden maſſenhaft von der Scholle
gelöſt, aus dem Stammesverbande herausgeriſſen, auf Tauſende
von Kilometern verſchleppt. Trotzdem beginnen ſie ſich ihres
ſteigenden Seltenheitswertes bewußt zu werden. Die „
Farben=
ſchranke”, die ſie beſonders in Südafrika bisher von den
beſſer=
bezahlten Stellungen „gelernter” Arbeiter ausſchloß, wird
über=
all durchbrochen und ſchwarze Gewerkſchaften ſchulen immer
größere Maſſen einheimiſcher Arbeiter für einen organiſierten
Kampf gegen das weiße Kapital, der mit der Zeit in einen
poli=
tiſchen Befreiungskampf unter der Parole „Afrika den Afrikanern”,
umſchlagen muß.
Gerade umgekehrt liegen die Verhältniſſe in den aſiatiſchen
Intereſſenſphären des weißen Kapitals. Indiens dreihundert
und Chinas vierhundert Millionen bieten unbegrenzte
Möglich=
keiten für die Rekrutierung induſtrieller Reſervearmeen. Ohne
einen revolutionären Nationalismus einheimiſcher groß= und
kleinbürgerlicher Schichten wäre auch jede gewerkſchaftliche
Be=
wegung in Betrieben, die von fvemden Kapitaliſten kontrolliert
werden, zur Ohnmacht verurteilt. Für jeden Streikenden
könn=
ten Tauſende Streikbrecher aus den jeweiligen Hungergebieten
herangezogen werden. England hat ſeine Herrſchaft in Indien
mehr als anderthalb Jahrhunderte dadurch zu ſichern vermocht,
daß es ſeine alten Gewerbe durch ein Handelsmonopol
zer=
rüttete und jedem wirtſchaftlichen Fortſchritt ſo enge Schranken
ſetzte, daß er ihm nicht gefährlich werden konnte. Zu ſeinem
Unglück hat die weltpolitiſche Situation, die ſich aus dem
Welt=
kriege ergab, zu dem Zwange geführt, die moderne induſtrielle
Entwicklung Indiens mit eigenen Händen zu fördern, ſtatt, wie
früher, zu hemmen. In einem neuen Weltkriege würde Englands
Seite 2
Freitag, den 14. Juni 1929
Nummer 163
Herrſchaft in Indien die Achillesferſe des britiſchen Imperiums
bedeuten, zugleich aber auch die wichtigſte Baſis für die
Ver=
teidigung aller Machtſtellungen im oder am Indiſchen und Stillen
Ozean. Das erfordert eine beſchleunigte Induſtriealiſierung
Indiens, da England als induſtrielle Baſis für eine moderne
Kriegführung in Aſien zu entlegen iſt. Aus dieſem Wandel der
Einſtellung gegenüber Indien erklären ſich ſehr einfach die
wach=
ſenden Schwierigkeiten für die Aufrechterhaltung der britiſchen
Herrſchaft in Indien. Im Schatten des britiſchen
Imperialis=
mus entfaltet ſich in tropiſch üppigem Wachstum eine einheimiſche
Unternehmerſchicht, die ſich ihrer nationalen Würde bewußt wird
und der die britiſche Herrſchaft unterwühlenden revolutionären
Propaganda in Arbeiter= und Bauernkreiſen ihren Lauf läßt.
Viel leichter haben es natürlich die nationalen Revolutionäre
in China. Wenn auch das Syſtem der „ungleichen Verträge‟
nur eine verſchleierte Form tatſächlicher Beherrſchung durch
fremde Imperialiſten bedeutete, ſo waren dieſe doch unter ſich
nicht einig. Man konnte die eine Gruppe gegen die andere
aus=
ſpielen und nach Ueberwindung innerer Gegner ihre
grundſätz=
liche Zuſtimmung zur Aufhebung jener Verträge erliſten.
Die Verbindung von weißem Kapital und farbiger Arbeit
bedeutet nur ſo lange eine ſichere Gewinnquelle für den weißen
Kapitalismus überhaupt, wie die politiſchen Verhältniſſe in den
Ländern mit farbiger Bevölkerung von den Vormächten der
weißen Raſſe kontrolliert werden. Ein auf die Dauer
unver=
meidlicher weltpolitiſcher Umſchwung zu Gunſten der farbigen
Völker wird gerade durch die Hemmungsloſigkeit beſchleunigt,
mit der in den Mittelpunkten der Weltfinanz heute
Kapital=
ſtröme aus Gebieten der weißen Raſſe in ſolche farbiger Völker
gelenkt werden. Es iſt höchſte Zeit, daß ſich die führenden
Staats=
männer der europäiſch=amerikaniſchen Kulturwelt dieſer
verhäng=
nisvollen Entwicklung bewußt werden und auf Mittel und Wege
ſinnen, einer Freizügigkeit des Kapitals Schranken zu ſetzen, die die
wirtſchaftliche Entwicklung afrikaniſcher und aſiatiſcher Länder auf
Koſten europäiſcher und amerikaniſcher begünſtigt.
Mäumungstonferenz im Jall.
Keine Mehrheit im Reichskag für den Young=Plan
ohne die Räumung.
* Berlin, 12. Juni. (Priv.=Tel.)
Bei den ungünſtigen Fernverbindungen für vertrauliche
Mit=
teilungen zwiſchen Madrid und Berlin liegen genaue Berichte
über die bisherige deutſch=franzöſiſche Ausſprache
an amtlichen Berliner Stellen noch nicht vor. Es fällt indeſſen
auf, daß die franzöſiſche Preſſe den deutſchen
An=
ſpruch auf Räumung nach der Ratifizierung des Young=
Planes anerkennt, dabei indeſſen gleichzeitig
wiederdie Forderungnach einer Dauerkontrolle
des entmilitariſierten Gebietes erhebt, eine
Alternative, die für Deutſchland unannehmbar iſt. Die
deutſche Regierung hat, wie wir wiſſen, die Abſicht, beim Beginn
der politiſchen Konferenz im Juli gleich von Anfang an die
Forderung auf unverzügliche, bedingungsloſe
Räumung des beſetzten Gebietes zu erheben, wobei
die „berühmte” Schlichtungs= und Feſtſtellungskommiſſion
höch=
ſtens bis zum Jahre 1935 in Frage kommen kann. Darüber
hinaus iſt ein Zugeſtändnis unter keinen Umſtänden zu haben.
Das iſt auch die Stellung der Sozialdemokraten. Die deutſche
Regierung wird es auch energiſch ablehnen, über den 1.
Sep=
tember hinaus Beſatzungskoſten zu zahlen. Die Franzoſen ſehen
auch die Dinge ganz richtig, daß ohne die Näumung eine
Mehrheit für den Youngplan im Reichstag nicht
zu haben ſein wird. Geſtehen die Franzoſen die Räumung
nicht zu, dann haben ſie auch die Verantwortung dafür zu tragen,
wenn an ihrer Halsſtarrigkeit ſchließlich das Ergebnis der
Sach=
verändigen zerſchellen ſollte.
Llond George für Rheinlandräumung.
EP. London, 13. Juni.
Lloyd George hat die mit Spannung erwartete Haltung
ſeiner Partei gegenüber der neuen Regierung am Donnerstag auf
einem Frühſtück im Liberalen Klub dargelegt. Er führte u. a.
aus: Wir werden mit Intereſſe die bevorſtehende Erklärung über
die Politik des neuen Kabinetts abwarten. Wir weiſen aber
darauf hin, daß, ſoweit es in unſerer Macht ſteht, das Mandat
der ſozialiſtiſchen Regierung beendet ſein wird, ſobald ſie nicht
eine liberale Politik verfolgt. In derſelben Stunde, in der das
Miniſterium ſich entſchließt, ausgeſprochen ſozialiſtiſche
Partei=
politik zu treiben, iſt ſein Ende nahe. Falls die gegenwärtige
Regierung poſitiv Gutes in der Sache des Weltfriedens
leiſten will, muß ſie das ſinnloſe Abkommen der
Kon=
ſervativen Regierung aufgeben, wonach die
Armeereſerven bei irgendwelchen Abrüſtungs=
Vom Tage.
Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ſind die
Ratifikatious=
urkunden zum deutſch=ſüdafrikaniſchen
Handelsver=
trag ausgetauſcht worden. Der Vertrag iſt damit in Kraft
ge=
treten.
Die den Franzoſen dieſer Tage in Marokko von Aufſtändiſchen
bei=
gebrachte Niederlage beſchäftigte in erſter Linie den Pariſer Miniſterrat.
Nach den neueſten Meldungen beträgt die Zahl der toten oder
vermiß=
ten Franzoſen jetzt 81 und die der Verletzten 37. Der Poſten von Aft
Yakub iſt von allen Seiten eingeſchloſſen und äußerſt hartnäckigen
An=
griffen ausgeſetzt. Die Aufſtändiſchen ſcheinen ſich in größerer Zahl zu
Lefinden, als bisher angenommen wurde.
Die Finanzkommiſſion der franzöſiſchen Kammer beſchäftigte ſich
mit dem vom Miniſterpräſidenten Poincaré eingeholten juriſtiſchen
Gut=
achten, das zu dem Schluß kommt, daß die interalliierten
Schuldenab=
kommen von der Regierung durch Dekret ratifiziert werden können. Die
Kommiſſion ſprach ſich mit großer Mehrheit gegen dieſes Prinzip aus.
Sie verlangt, daß die Ratifizierung nur durch das Parlament erfolge.
In der Verſammlung der Liberalen Partei lurde Lloyd
George einſtimmig zum Parteiführer
wieder=
gewählt.
Der neue amerikaniſche Botſchafter in London, General Dawes,
wird am Freitag in London eintreffen und vorausſichtlich am Samstag
dem engliſchen König ſein Beglaubigungsſchreiben aushändigen.
Dar=
auf wird ſich Dawes nach Schottland begeben, um Macdonald eine
Ein=
ladung Hoovers zu übergeben.
Zwiſchen Paris und London ſind in den letzten Tagen
Verhandlun=
gen über die Einſetzung eines Ausgleichskomitees für die
entmilitari=
fierte Rheinlandzone eingeleitet worden.
Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebniſſen der Wahlen in
der ſüdafrikaniſchen Union haben bis jetzt die
Südafrika=
niſche Partei (General Smuts) 38, die Nationaliſten (General Herzog)
7, die Arbeiterparte: (Oberſt Creswell) 7 und die Unabhängigen 1 Sitz
errungen.
In Finanzkreiſen Londons erfahren verſchiedene Teile des
Sach=
verſtändigenberichts eine ſcharfe Kritik. Insbeſondere wird kritiſiert
Frankreichs Anteil von 25 Millionen Pfund an den bedingungsloſen
deutſchen Jahresleiſtungen von 33 Millionen; ferner das Weiterbeſtehen
der deutſchen Sachlieferungen auf zehn Jahre und die Gründung der
Internationalen Zahlungsbank, über deren einwandfreies Arbeiten
Zweifel laut werden.
Nach Anſicht engliſcher Sachverſtändiger iſt es nicht
unwahr=
ſcheinlich, daß die Reparations= und alle
interalli=
ierten Schuldenabkommen vor eine neue
Weltkon=
ferenz gebracht werden.
Die türkiſche Regierung hat die
Aufenthaltser=
laubnis für Trotzki bis zum 1. Januar 1930 verlängerr.
verhandlungen unberückſichtigt bleiben ſollen.
Die Wiederaufnahme der diplomatiſchen
Be=
ziehungen mit Sowjetrußland und die ſofortige
Räumung des Rheinlandes fügte Lloyd George den
Bedingungen der Liberalen für ein erſprießliches
Zu=
ſammenarbeiten mit der Arbeiterregierung hinzu. „Wir ſind eine
vollkommen unabhängige Partei”, ſagte Lloyd George zum
Schluß, und werden bei jeder Gelegenheit kühn und furchtlos
handeln."
Rheinlandkonkrolle dem Frieden hinderlich.
Köln, 13. Juni.
Fünf große politiſche Parteien des Rheinlandes, und zwar die
Zentrumspartei, die Deutſche Volkspartei, die Deutſchnationale
Volkspartei die Deutſche Demokratiſche Partei und die
Reichs=
partei des Deutſchen Mittelſtandes (Wirtſchaftspartei) faßten zur
Rheinlandräumung folgende Entſchließung:
„Die nach Abſchluß der Reparationskonferenz in den
Vorder=
grund des öffentlichen Intereſſes tretende Frage der
Rhein=
landräumung veranlaßt die unterzeichneten politiſchen
Par=
teien des Rheinlandes erneut, dem einmütigen Willen der
rhei=
niſchen Bevolkerung feierlichen Ausdruck zu verleihen. Das
Recht Deutſchlands auf ſofortige Räumung des geſamten
be=
ſetzten Gebietes kann ernſthaft nicht beſtritten werden. Auch
nach vollzogener Räumung bedeuten die einſeitigen
Entmili=
tariſierungsbeſtrebungen des Friedensdiktates eine untragbare
Belaſtung des Rheinlandes. Widerrechtlich iſt Frankreichs
hart=
näckiger Verſuch, die Einſetzung einer ſtändigen Feſtſtellungs=
und Vergleichskommiſſion im Rheinlande gegen die Räumung
einzuhandeln. Die Einſetzung einer ſolchen Kommiſſion würde
den Abzug der Beſatzung wirkungslos machen. Sie würde eine
weitere Einſchränkung der deutſchen Souveränität und eine
neue dauernde Entrechtung des rheiniſchen Gebietes bedeuten.
Auch die wirtſchaftliche Freiheit und damit die wirtſchaftliche
Kraft der Rheinlande würden hierdurch auf das ſchwerſte
be=
troffen. Eine ſolche Kommiſſion entſpricht, wenn auch ſie den
Namen „Verſöhnungskommiſſion” trägt, nicht dem Streben nach
Frieden, in dem ſich alle vernünftigen Menſchen einig ſind,
ſon=
dern ſie bedeutet die Verewigung des Unfriedens. Mit einem
ſolchen untragbaren Opfer will die rheiniſche Bevölkerung die
Räumung niemals erkauft wiſſen. Sie lehnt eine ſolche
Kon=
trollkommiſſion einmütig und einſchränkungslos ab. Hierin iſt
ſie ſich einig mit dem ganzen deutſchen Volke. Die
Reichsregie=
rung wird bei der Ablehnung dieſer neuen Bindung über alle
Parteigrenzen hinaus ſtärkſten Rückhalt in der geſamten
Be=
völkerung finden.”
Die Entſchließung iſt von den obengenannten Parteien des
Rheinlandes unterzeichnet.
Annahme des Poſt= und Juſtizekaks
im Reichstag.
Die Beſprechungen über die Arbeiksloſenverſicherung
gehen weiter.
Herr Loebe hat eingeſehen, daß es bei der jetzt gezeigten
Redewut nicht ſo weitergehen kann, da der Etat am 1. Juli
ver=
abſchiedet ſein muß. Er hat daher das Hohe Haus ſehr ernſthaft
ermahnt, das Redebedürfnis tunlichſt einzuſchränken und er hat
insbeſondere die Nationalſozialiſten heftig abgekanzelt,
überflüſ=
ſige Obſtruktion doch zu unterlaſſen. Das hat inſofern auch
Ein=
druck gemacht, als am Donnerstag nicht nur die Abſtimmung
über den Poſtetat, ſondern auch die Ausſprache über
den Juſtizetat zu Ende geführt werden konnte. Wenn man
ein Jahrzehnt zurückdenkt, wird man den Eindruck nicht los,
daß ſich im Verhältnis zur Juſtiz nicht viel verändert hat.
Immer noch bringen die Sozialdemokraten ihre alten Klagen
von der Vertrauenskriſe vor, wenn auch Herr Dr. Levi
aner=
kennt, daß dieſe Kriſe etwas zurückgegangen iſt, bei allerdings
gleichzeitiger Verſchlechterung der Lage am Reichsgericht. Die
bürgerlichen Parteien lehnen dieſe Uebertreibungen ab und ſo
redet man aneinander vorbei. Herr v. Gucrard gab als
Juſtiz=
miniſter ſeine Viſitenkarte ab. Er ſcheint ſich in ſein Amt noch
nicht genügend eingearbeitet zu haben, um ein vollſtändiges
Pro=
gramm vorlegen zu können. Staatsſekretär Joel hatte dafür die
undankbare Aufgabe, den Reichsanwalt Jörns herauszupauken.
Hinter den Kuliſſen ſchleppen ſich die vertraulichen
Beſprechungen über die
Arbeitsloſenverſiche=
rung weiter. Sie ſind auch am Donnerstag nicht zu Ende
ge=
führt worden. Die Parteien kommen ſich nicht näher. Die
Sozial=
demokraten halten an ihrer Forderung nach Beitragserhöhung
feſt. Die Bayern und die Demokraten, die vorübergehend
zuge=
ſtimmt hatten, haben das nachträglich als ein Mißverſtändnis
bezeichnet und wollen auch — vorläufig wenigſtens — von einer
Beitragserhöhung nichts wiſſen. Die von allen Seiten
einge=
brachten Vorſchläge werden immer noch vom
Arbeitsmini=
ſterium geprüft. Die Unterhändler haben aber doch beſchloſſen,
einen Zwiſchenbeſcheid, ihrer Fraktionen herbeizuführen. Sie
wollen ihnen die Frage vorlegen, ob weiterverhandelt werden
ſoll, oder ob die Regierung veranlaßt werden ſoll, ein
Sofort=
programm auszuarbeiten, unter Ausſchaltung der Streitpunkte,
dieſes dem Reichstag einzureichen und zu ſehen, wie ſie dort
eine Mehrheit bekommt. Dabei ſpielt noch ein Zentrumsvorſchlag
eine Rolle, eine kleine Beitragserhöhung für eine begrenzte Zeit
feſtzuſetzen, um der Anſtalt die Schaffung eines Reſervefonds für
den Winter zu ermöglichen.
Minderheiken=Ausſprache in Madrid.
(Fortſetzung vom Seite 1, zweite Spalte.)
allem werden die Arbeiten des für die Prüfung der einzelnen
Beſchwerdefälle eingeſetzten Dreierkomitees aus dem bisherigen
Dunkel in das volle Licht der Oeffentlichkeit gerückt werden. Die
Tatſache, daß künftig die Oeffentlichkeit mit ihrer Kritik einſetzen
kann, wird die Dreierkomitees ſtark dahin beeinfluſſen, ſich mit
der Intenſität und Objektivität an die Arbeit zu machen, die dieſe
wichtigen Fragen verdienen. Weiter wird der Umſtand, daß das
Völkerbundsſekretariat jährlich über die Verhandlungen der
Dreierkomitees Bericht erſtatten muß, dazu beitragen, immer
weitere Kreiſe am Minderheitenproblem zu intereſſieren und die
ganze Frage in Fluß zu halten. Bei dieſem Cahrakter der heute
vom Völkerbundsrat beſchloſſenen Verbeſſerungen kann geſagt
werden, daß der im Kampf um die Wahrung der Rechte der
Minderheiten in Madrid erreichte Abſchluß natürlich nur eine
Etappe bedeutet und eine Grundlage darſtellt, die vielleicht ſchon
im nächſten September weitere Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
In ſeiner Anwort an Briand fand Dr. Streſemann übrigens
eine ſehr glückliche Wendung. Der franzöſiſche Außenminiſter
hakte gegenüber den Rechten der Minderheiten die Bedeutung
der vollen Souveränität der einzelnen Staaten für das
Zuſam=
menleben der Völker betont und die Souveränität als
Grund=
pfeiler des Friedens bezeichnet. Das deutſche Ratsmitglied
konnte dieſem Gedanken um ſo lebhafter zuſtimmen, als
Deutſch=
land gerade jetzt begründete Hoffnung hat, die volle Souveränität
über ſein geſamtes Gebiet endlich wiederzuerlangen.
Weltbankgründung in Baden-Baden.
Nach einer Berliner Meldung dürfte die Sitzung des
Orga=
niſationskomitees der Reparationsbank Ende Juni in Baden=
Baden beginnen. Das Arbeitsprogramm umfaßt folgende Punkte:
1. Ausarbeitung der Statuten der Reparationsbank: 2.
Ueber=
wachung der Subſkription zum Gründungskapital und
Vorberei=
tung zur erſten Aufſichtsratsſitzung; 3. Anpaſſung der
innerdeut=
ſchen Geſetzgebung, die auf Grund des Dawes=Planes erlaſſen
worden iſt (Reichsbank, Reichsbahn uſw.) an die neuen
Verhält=
niſſe unter dem Young=Plan. 4. Uebergang der Befugniſſe der
Dawes=Organismen an die Reparationsbank.
yO. d.
Von Ernſt Jünger.
Geſellſchaft für Deutſches Schrifttum.
Die wachſende Anziehungskraft, die der Krieg auf die
Lite=
ratur ausübt, mag auf den erſten Blick überraſchend anmuten.
Es liegen ihr jedoch Geſetze von hoher Notwendigkeit zu Grunde,
Geſetze, die nicht dem literariſchen Bereiche angehören, ſondern
in die Literatur hineinwirken, — in jener Art, in der das Leben
ſelbſt mit ſeinen tiefſten Erfahrungen und ſeinen dramatiſchſten
Konflikten ſich ſeinen Einfluß auf jedes Schaffen erzwingt. Es
iſt dies in Deutſchland ſeit ſehr langer Zeit das erſte Mal, daß
das Schrifttum eine ſo unmittelbare Einwirkung erfährt.
Schon vor Jahren ſprach ſich Ponten in der „Literariſchen
Welt” über das Mißverhältnis aus, das zwiſchen dem gewaltigen
Schatz an lebendiger Erfahrung, den unſere Generation
angeſam=
melt hat, und den abgeſtandenen Problemſtellungen des
litera=
riſchen Betriebes beſteht. Freilich iſt es ſeltſam zu beobachten,
wie man über ein Jahrzehnt um den heißen Brei
herumge=
ſchlichen iſt. Nach einer Flut von unerhörten Ereigniſſen
tauch=
ten die literariſchen Größen der Vorkriegszeit wieder auf und
begannen, vom gefährlichen Scheine des Feuers abgewandt, die
Federn zu rühren in einer Weiſe, die nichts zu wiſſen ſchien von
dem, was vorgegangen war.
Es iſt ſehr bezeichnend, wie ſtörend ſich das in den Krieg
einmündende Ende des bedeutendſten Romans der
Nachkriegs=
zeit an den durchaus ziviliſatoriſchen Inhalt ſchließt. Der Krieg
iſt kein ziviliſatoriſcher, er iſt ein elementarer Akt. Wer ſich mit
ihm beſchäftigt, muß weniger ein Verhältnis zur ziviliſatoriſchen
Decke unſeres Lebens beſitzen, als zu ſeinem elementaren Kern.
Dies ahnen auch jene weſtleriſchen Gemüter, denen alles
Elemen=
tare ein Greuel iſt, mit ſicherem Inſtinkt. So hat Herr Kerr, der
ehemalige Verfaſſer der altbekannten Kriegsgedichte und heutige
Nachfolger Leſſings, von ſeinem Standpunkte aus ſehr recht,
wenn er immer wieder mit ängſtlicher Befliſſenheit ſelbſt vor
liberaliſtiſchen oder pazifiſtiſchen Schilderungen des Krieges
warnt. Denn der Gang der Dinge iſt folgender: Zunächſt hat
man das Kriegserlebnis ignoriert. Als es ſich dann ſtärker und
unabweisbarer in das Bewußtſein ſchob, verſuchte man es
ein=
zufangen und das Elementare an ihm zu lähmen, indem man
es mit ziviliſatoriſchen Mitteln behandelte. An dieſem Punkte,
der ſich durch eine Flutwelle von Büchern markiert, ſtehen wir
heute. Der Prozeß geht jedoch weiter, und es iſt ſchon jetzt
abzuſehen, daß ſein Verlauf die Befürchtungen des „berühmten”
Verfaſſers der Gottlieb=Gedichte von anno 1914 durchaus
recht=
fertigen wird. Man kann den Krieg auf die Dauer nicht mit
Mitteln behandeln, die ſeinem Weſen entgegengeſetzt ſind. Der
Krieg iſt keine humanitäre Erſcheinung, daher iſt es lächerlich,
wenn man ihn künſtleriſch in humanitäre Formen faſſen will,
Hier bleibt ein Reſt, — jener ewige Reſt, jenes Unerklärliche, in
dem alle wirklichen Konflikte ſchlummern, und das die klare und
mathematiſche Auflöſung des Lebens niemals zulaſſen wird.
In=
dem man das Elementare mit ziviliſatoriſchen Mitteln zu faſſen
verſucht, reicht man ihm den kleinen Finger; es iſt nur
folge=
richtig, wenn es alsbald den ganzen Arm ergreift.
Als erſtes Beiſpiel einer grundſätzlichen Wandlung ſei ein
ſoeben veröffentlichtes Buch genannt, höchſt intereſſant durch
ſeinen Inhalt, intereſſant durch ſeinen Verfaſſer, intereſſant durch
den Verlag, in dem es erſchienen iſt. Es iſt der Roman „O. S.‟
von Arnolt Bronnen, herausgebracht durch den Ernſt Rowohlt
Verlag, Berlin. Er behandelt die Kämpfe in Oberſchleſien.
Hier iſt bereits die Umkehrung des Prozeſſes deutlich zu
be=
obachten. Rein am Stil und Aufbau gemeſſen, gehört dieſer
Roman jenem engen Kreiſe von Erſcheinungen an, der den
An=
ſpruch auf Zugehörigkeit zur „modernen Literatur” umſchließt.
Dafür zeugt die Sprache, die an eine Arbeit erinnert, die durch
den Gang von Maſchinen hindurchgegangen iſt, eine Proſa, die
die überflüſſige Mühe der ſchönen Rede ſcheut, auf lange Strecken
mehr geſtanzt als gefeilt, ferner die Traditionsloſigkeit, der völlige
Mangel an überkommenen ethiſchen Wertungen, die abſolute
Reſpektloſigkeit. Dies alles in einem Maße, das auch dem, der
es noch nicht wußte, deutlich macht, daß im Ziviliſatoriſchen das
Barbariſche als eine notwendige Konſequenz enthalten iſt.
Ebenſo unverkennbar (und vom Verfaſſer wird das mit
ſtärk=
ſten Mitteln betont) iſt das Ziviliſatoriſche hier nicht mehr
Selbſt=
zweck, es verſucht nicht mehr, das Elementare von ſich aus
anzu=
greifen, ſondern es hat ſich ihm unterſtellt. Die Literatur ſpielt
hier eine ähnliche Rolle, wie die Maſchine in der modernen
Schlacht. Das heißt, das Werk ſtellt ſich nicht mehr in den Dienſt
einer Argumentation über Gut und Böſe, Recht und Unrecht,
Fortſchritt und Reaktion, ſondern in den Dienſt der lebendigen
Kraft in der vollen Summe ihrer Möglichkeiten. Ihre Mächte,
die Nation, der Krieger, der Revolutionär, werden weder von der
Seite des Fortſchrittes, noch von der der Tradition geſehen; ſie
werden vielmehr von einer Haltung aufgefaßt, die durch dieſe
Zuſtände ſchon hindurchgeſchritten iſt. Sie argumentieren nicht,
— ſie ſind; ſie leben und kämpfen, töten und ſterben, genau
ſo wie das Leben zu töten und zu ſterben pflegt, ohne jenen
lächerlichen Wuſt von Phraſen, von Anklagen, Beweiſen,
Ent=
ſchuldigungen und pſychologiſchen Fineſſen, die der Deutſche
unſerer Zeit als Literatur hinzunehmen ſich angewöhnt hat.
Freilich wird dieſe Haltung ebenſo wenig auf das
Wohl=
wollen eines Patriotismus alten Stiles wie auf das des
Fort=
ſchrittes ſtoßen, und vor allem iſt für den Aeſtheten blutwenig
mit ihr anzufangen. Ein Ohr für ſie iſt nur bei der Generation
des Krieges vorauszuſetzen, die ſo lange den Torniſter über die
Marſchſtraßen ſchleppte, daß ſie gottlob nicht Zeit fand, ſich mit
weſentlichen Vorurteilen zu beladen, — bei denen, von denen
Bronnen ſagt: Burſchen wie wir, alles Wiſſens, aller
Möglich=
keiten voll, fliegend auf Siegen, und geduckt durch Niederlagen,
in Wüſten kämpfend und in volkreichen Städten, gefeit vor Gas,
Geſtein, Stahl, Maſchinen und Irrſinn, bereit zum ſtündlichen
Sterben und zum nackteſten Leben, ungebrochen und ſicher in der
Gewalt unſeres Daſeins, werden nie wiederkommen.”
Hier auch erfahren wir Nationaliſten Unterſtützung von einer
Seite, auf die wir ſchon lange gewartet haben. Der verzweifelte
Kampf weniger, zum äußerſten entſchloſſener Männer für
deut=
ſchen Boden, der kampflos preisgegeben werden ſollte, die
ein=
ſamen Gräber im Baltikum, im Ruhrgebiet und am Annaberge,
die wir nicht vergeſſen werden, die Zellen der Zuchthäuſer, die
ſich heute noch öffnen für Handlungen, die im Bannkreiſe
furcht=
barer Gefahren und im ſelbſtloſen Dienſte für die Nation
not=
wendig wurden, und die jetzt kaltblütig von der Sicherheit der
grünen Tiſche herab nach den Maßſtäben einer verlogenen und
verſtunkenen Humanitätsmoral abgeurteilt werden, — ja, wenn
dieſes himmelſchreiende, verbrecheriſche Mißverhältnis, dieſe
ſchamloſe Vergewaltigung des beſten, bereiteſten Blutes der
Nation durch einen abgeſtorbenen Geiſt nicht im Herzen des
Dichters empfunden wird, wo ſoll das denn ſonſt empfunden
werden? Für die Bücher, die heute das Jaccuſe in die Nation
ſchleudern müſſen, gibt es ganz andere Ungeheuerlichkeiten als
die Dretfuß=Affäre, freilich gehören auch anderen Augen dazu,
ſie zu ſehen. Dieſer Roman iſt ein erſtes Zeichen, daß hier
Verantwortung beſteht, daher iſt er ebenſo bedeutſam als
Einzel=
fall wie als Symptom. Daß hier eine empfindliche Lücke gebrochen
iſt, wird auch das Wehgeſchrei des Ziviliſationsliteratentums
an=
zeigen, das ſich unfehlbar in Kürze über dieſes Buch erheben wird.
Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 3
Preußens
mit dem Papſt.
Widerſtände bei den demokraken.
Vatikan, der am Freitag vormittag paraphiert werden ſoll, iſt innerhalb der demokratiſchen Fraktion auch gegen den Inhalt
aus den Veröffentlichungen der letzten Monate im weſentlichen des Konkordats ſehr erheblich ſind. Die eingebildete Mehrheit
bekannt. Die preußiſche Regierung iſt ſtolz, daß das Wort des Herrn Braun verflüchtigt ſich damit immer weiter.
Konkordat darin nicht enthalten
Das zeigt deutlich der Beſchluß der demokratiſchen Fraktion,
der wie eine Senſation gewirkt hat, da er nicht nur — im
Ge=
konkordals.
genſatz zum Miniſterpräſidenten Braun — ſofortige
Verhand=
lungen mit der Evangeliſchen Kirche, ſondern darüber hinaus
Bedenken gegen die ſtaaklichen Zugeſtändniſſe. eine eingehende Kommiſſionsberatung verlangt. Auch im übrigen
* Berlin, 13. Juni. (Priv.=Tel.) iſt die Formulierung des Beſchluſſes ſehr kühl und zurückhaltend,
Der Inhalt des Staatsvertrages zwiſchen Preußen und dem woraus zum mindeſten zu entnehmen iſt, daß die Widerſtände
iſt. Das iſt aber eine reine
Formſache. Die Bindungen des Unkerzeichnung des Friedensverkrags zwiſchen dem Heil. Sfuhl und Italien.
Staatsvertrages ſind genau die
gleichen wie beim Konkordat.
Sie laufen „ewig”, wenn nicht
beide Teile mit einer
Aende=
rung einverſtanden ſind. Es
wird weiter auch von
demokra=
tiſcherSeite verſichert, daß
derIn=
halt ziemlich harmlos wäre. Das
mag inſoweit zutreffen, als es
ſich um verwaltungsrechtliche,
um finanzielle Fragen und um
die Feſtlegung der Bistümer
handelt, trotzdem ſind aber noch
eine ganze Anzahl von
Beſtim=
mungen vorhanden, die zwar
ſehr vorſichtig gefaßt ſind, aber
vom Standpunkte des ſtaatlichen
Hoheitsrechtes aus berechtigte
Kritik herausfordern.
Die Sozialdemokraten reden
ſich darauf hinaus, daß die
Schule überhaupt nicht erwähnt
ſei. Sie überſehen dabei, daß
die Univerſitäten doch auch zu
den Schulen gehören, und daß
hier dem zuſtändigen Biſchof ein
Einſpruchsrecht gegen jeden
amtierenden Profeſſor der
katho=
liſchenFakultät zugeſtanden wird,
ſoweit ſeine Lehre oder ſein
Lebenswandel dem Biſchof nicht
mehr gefällt. Ebenſo anfechtbar
iſt das Zugeſtändnis des Staa= Der Unterzeichnungsakt im Vatikan. In der Mitte; Kardinal Gaſparri; links von ihm Advokat
Pacelli und Muſſolini (in der Uniform des Miniſterpräſidenten).
tes der Gleichberechtigung der
Ausbildung an deutſchen
Uni=
verſitäten mit dem Collegium Germanicum in Rom. Die
not=
wendige Folge iſt, daß die katholiſche Geiſtlichkeit ihre tüchtigſten Heute Paraphierung des preußiſchen Konkordals.
Kräfte in Rom erzieht, und daß in einigen Jahrzehnten das
deutſche Epiſkopat aus der deutſchen Kulturgeſchichte
heraus=
wächſt. Auch die Neuwahl der Biſchöfe bringt allerlei
Aende=
rungen. Künftig wird darnach von dem beteiligten Domkapitel
eine Liſte von Kandidaten aufgeſtellt und dem Vatikan
einge=
reicht. Eine weitere Liſte reichen die deutſchen Biſchöfe ein, und
der Vatikan ſtellt, ohne zur Berückſichtigung dieſer Liſten
gezwun=
gen zu ſein, eine neue Liſte von 3 Kandidaten auf, aus denen
das Domkapitel einen wählt, bei dem der Staat ein
Einſpruchs=
recht hat. Daß hier gegenüber dem bisherigen Zuſtand der
Ein=
fluß des Staates bis auf den Nullpunkt herabgedrückt wird,
be=
darf keiner Erwähnung, zumal der Staat bisher auch auf die
Zuſammenſetzung des Domkapitels zur Hälfte mitbeſtimmend
war. Es beſtand alſo bisher die Gewähr, daß auch an
national=
gefährdeten Plätzen nur national zuverläſſige Biſchöfe ernannt
Nuntius Pacelli und Miniſterpräſident Braun
werden konnten. Dieſe Garantie wird künftighin wegfallen. Bei
paraphieren am heutigen Freitag das preußiſche Konkordat mit
den berechtigten Forderungen der Katholiken wird ſich gegen die
dem Vatikan.
Errichtung des Erzbistums Paderborn und des Bistums Berlin
kaum etwas ſagen laſſen. Aber die kurze Aufzählung einiger
Punkte gibt doch einen Geſchmack von den Schwierigkeiten, die Edangeliſche Kiiche und Preußen Konkordal.
Nachdem die Konkordatsverhandlungen der Preußiſchen
zu überwinden ſein werden. Bei den Sozialdemokraten hat ſich
in der Fraktionsſitzung eine nicht unerhebliche Minderheit gegen Regierung mit der Kurie faſt zum Abſchluß gebracht worden
die Annahme des Staatsvertrages ausgeſprochen. Herr Braun ſind, erläßt das Präſidium des Evangeliſchen Bundes folgende
hat es aber durchgeſetzt, daß Fraktionszwang beſchloſſen wurde, Erklärung:
Die Verhandlungen der preußiſchen Regierung mit der
daß alſo die Minderheit ſich nicht zur Geltung bringen, ſondern
höchſtens der Abſtimmung fernbleiben kann. Immerhin wird römiſchen Kurie über den Abſchluß eines ſogenannten
förm=
der Widerſtand in den übrigen Parteien ſo ſtark ſein, daß man lichen Vertrages haben auch für die evangeliſchen
Landeskir=
an eine raſche Erledigung noch vor der Sommerpauſe nicht recht chen Preußens eine unerwartet folgenſchwere Wendung
her=
beigeführt.
glauben kann.
Der Evangeliſche Bund hält es für ſeine Pflicht, in dieſem
verantwortungsvollen Augenblick zu erklären, daß er
ſelbſt=
verſtändlich der Forderung der evangeliſchen Kirchen auf
gleich=
zeitige und gleichwertige vertragliche Sicherung ihrer Rechte
zuſtimmt. Mit dem geſamten evangeliſchen Kirchenvolk
Preu=
ßens empfindet er die Behandlung der evangeliſchen Wünſche
ſeit dem Abbruch der Verhandlungen im Jahre 1927 als eine
unbegründete Kränkung. Insbeſondere teilt er die tiefe
Ent=
rüſtung über die unerhörte Unſachlichkeit und Schroffheit der
Regierungserklärungen der letzten Tage.
Der Evangeliſche Bund richtet an alle ſeine Mitglieder und
darüber hinaus an das geſamte evangeliſche Kirchenvolk
Preu=
ßens die dringende Bitte, einmütig und tatkräftig einzutreten
für Ehre und Recht der evangeliſchen Sache.
Von den preußiſchen Miniſtern und Parlamentariern
ver=
langt er mit aller Entſchiedenheit, ſich den berechtigten
For=
derungen der evangeliſchen Kirchen und der zwei Drittel des
preußiſchen Volkes umfaſſenden evangeliſchen Mehrheit nicht
zu verſagen.
Zu Form und Inhalt des beabſichtigten ſogenannten
förm=
lichen Vertrags mit der römiſchen Kurie wird der Evangeliſche
Bund wie bisher ſo auch zur Stunde der Veröffentlichung
ſeine Stellung zur Wahrung der deutſchproteſtantiſchen
In=
tereſſen zu nehmen wiſſen. Die Lage iſt überaus ernſt.
1
Halten wir uns zu treuer Pflichterfüllung bereit!
Bevorſtehende Einberufung der Generalſynode.
Der Beſchluß des Kirchenſenats, ſofort die Generalſynode
einzuberufen, falls die preußiſche Staatsregierung dem Landtag
einen Staatsvertrag nur mit der katholiſchen Kirche vorlegen
ſollte, ſcheint verwirklicht zu werden. Die Mitglieder der
Gene=
ralſynode haben von amtlicher Stelle eine Mitteilung erhalten,
in der ſie gebeten werden, ſich für eine außerordentliche Tagung
der Generalſynode bereitzuhalten. Als Termin iſt vorläufig der
22. Juni in Ausſicht genommen.
Brauns wankende Mehrheit.
* Berlin, 13. Juni. (Priv.=Tel.)
Der Staatsgerichtshof wird demnächſt vor eine intereſſante
Frage geſtellt, die für die Ausbalancierung der Mehrheit im
Preußiſchen Landtag von weittragender Bedeutung ſein kann.
Nachdem der Staatsgerichtshof die württembergiſchen
Landtags=
wahlen inſofern für ungültig erklärt hat, als dadurch eine
Kür=
zung der Stimmen der Splitterparteien herbeigeführt wurde,
haben nun auch die kleinen Gruppen in Preußen eine ähnliche
Klage eingereicht. Das preußiſche Wahlgeſetz beſtimmt in
grund=
ſätzlicher Uebereinſtimmung mit dem Reichswahlgeſetz, daß auf
je 40 000 Stimmen je ein Abgeordneter kommt, nur mit der
Ein=
ſchränkung, daß auf die Landeswahlliſten nur ſoviel Abgardnete
entfallen, als in einzelnem Wahlkreiſen gewählt ſind. Dieſe
Be=
ſtimmung hat den an ſich vernünftigen Zweck, daß das ganze
Parteiweſen ſich nicht in eine Reihe da kleinen Gruppen auflöſt.
Sie hat auch tatſächlich dazu geführt, daß die kleineren
Splitter=
parteien bei der Mandatsverteilung benachteiligt worden ſind,
namentlich die Nationalſozialiſten, die bei der letzten Wahl
346 000 Stimmen erhalten haben. Darauf müßten 9 Mandate
entfallen. Da ſie aber nur in 3 Wahlkreiſen einen Kandidaten
durchgebracht haben, ſind ihnen auf die Landesbiſte ebenfalls
nur 3 Mandate zugeteilt worden, ſo daß ſie eigentlich um 3 Sitze
gekürzt ſind. Aehnlich ging es der Volksrechtpartei und den
Völ=
kiſchen. Fällt dieſe Einſchränkungsbeſtimmung weg, dann
wür=
den auch noch die Linkskommuniſten, Bauernpartei, die
Chriſt=
lich=ſoziale Reichspartei und die ſogenannten Nationalen
Min=
derheiten Mandate bekommen, ſo daß die Stärke des Landtags
von 450 auf 467 Mandate ſteigt. Dieſe Mehrſtimmen würden
aber alle der Oppoſiton zufallen, ſo daß die Mehrheit der
Wei=
marer Koalition, die zurzeit 228: 222 beträgt, in eine Minderheit
verwandelt würde. Die Regierungsparteien haben dieſes
Rechen=
exempel natürlich längſt gemacht, kommen allerdings zu dem
Schluß, daß ihre Mehrheit nicht erſchüttert würde. Den Beweis
bleiben ſie allerdings ſchuldig. Immerhin iſt es zweifelhaft, ob
der Staatsgerichtshof zu einer derartigen Entſcheidung kommt.
Deutſches Bach=Feſt in Leipzig.
Daß die Neue Bachgeſellſchaft in dieſem Jahre Leipzig als
Feſtort wählte, hatte ſeinen beſonderen Grund. Galt es doch,
die Jubelaufführung der Matthäuspaſſion, zweihundert Jahre
nach ihrem erſten Erklingen, in einem beſonders feſtlichen
Rah=
men zu begehen. Einen ſolchen aber hätte wohl keine Stadt in
gleich glücklicher Weiſe zur Verfügung ſtellen können wie die
Bachſtadt Leipzig. So bildete denn auch die ungekürzte
Auf=
führung der Paſſion unter Leitung Karl Straubes in der
Thomaskirche, unſerer geweihten Bachſtätte, den Höhepunkt der
künſtleriſchen Veranſtaltungen des Feſtes. Gewandhauschor und
Gewandhausorcheſter zeigten ihre innige Vertrautheit mit dem
Werk im hellſten Licht, und Soliſten vom Range eines Karl Erb
(Evangeliſt), Max Kloos (Chriſtus), Anny Quiſtorp und
Frieda Dierolf wußten die hohe Feierſtimmung der
verſam=
melten Bachgemeinde in jedem Augenblick wach zu erhalten.
Der Paſſionsaufführung gingen im Verlauf des Feſtes ein
antatenabend, zwei Kammermuſikkonzerte, ein Orcheſter= und
Orgelkonzert voraus, deren Spielfolge wahrhaft
muſtergül=
g ausgewählt war und die ſich auch in der Frage der
Aus=
hrung durchweg auf wirklicher Feſteshöhe hielten. Mit
größ=
r Freude begrüßte man zwei Uraufführungen von
Wer=
en Antonio Vivaldis, mit deſſen Schaffen ſich Bach
be=
nutlich Zeit ſeines Lebens beſonders intenſiv befaßt hat. Ein
inzert für zwei Hörner „da caccia”, zwei Oboen, konzertierende
ioline und Streichorcheſter darf in ſeinem Ideenreichtum und
ner üppigen Klangphantaſie als ein Hauptwerk der
Concerto=
roſſo=Literatur angeſprochen werden. Das zweite als
Urauf=
hrung gebotene Vivaldi=Werk des Feſtes iſt ein überaus fein
ſeliertes Konzert für eine Violine, eine entfernt aufgeſtellte
cho=Violine und Streicherbegleitung. Der techniſchen Faktur
ach ein Concerto groſſo, aber ohne jede kontrapunktiſche
Kompli=
erung, nur auf klanglichen Wohllaut bedacht. Der wurde dem
ebenswürdigen Werk denn auch dank der Wiedergabe durch
dgar Wollgandt und Cark Münch in reichſtem Maße
uteil.
Einen beſonders bemerkenswerten Höhepunkt in der
Gipfel=
anderung dieſes Feſtes ſtellte der von dem
bewunderungswür=
gen Paar Adolf Buſch und Rudolf Serkin beſtrittene
Kam=
ermuſikabend dar, in deſſen Verlauf man ſich wieder einer
Ur=
tfführung erfreuen durfte. Beide Künſtler ſpielten mit
unnach=
hmlicher Meiſterſchaft die jüngſt aus Eiſenacher Privatbeſitz
ans Licht gekommene G=Dur=Sonate Bachs für Violine und
Continuo und verhalfen dieſer „Neuheit” zu einem ſtürmiſchen
Erfolg. — Aus der Fülle der beglückenden Ereigniſſe dieſes
Feſtes ſei noch der ſehr eindrucksvollen Orgelſtunde Karl Hoyers
in der Nikolaikirche gedacht. Die wöchentliche Motette in der
Thomaskirche, aus dieſem Anlaß beſonders reich, auch mit
Orgel=
vorträgen Günther Ramins ausgeſtaltet, und ein
Feſtgottes=
dienſt mit der reichen muſikaliſchen Liturgie des Bachzeitalters
ergänzten die konzertmäßigen Veranſtaltungen aufs glücklichſte.
Die Stadt Leipzig nahm an dieſem Jubiläumsfeſt
inten=
ſivſten Anteil. Ein großer Empfang im neuen Rathaus
ver=
einigte nach dem Kantatenabend die Beſucher des Bachfeſtes als
Gäſte der Stadt. Das Stadtgeſchichtliche Muſeum veranſtaltete im
Verein mit der Leipziger Stadtbibliothek im alten Rathaus eine
außerordentlich hochwertige Sonderausſtellung „Die Leipziger
Thomaskantoren”, die vor allem auch kaum bekannt gewordene
Dokumente aus Bachs Leipziger „Beamtenzeit” enthielt. Mit
beſonderer Feierlichkeit wurde ſchließlich während des Feſtes die
neu hergeſtellte, von Künſtlerhand würdig ausgeſtaltete
Bach=
gruft in der Johanniskirche in die Obhut der Neuen
Bach=
geſellſchaft übergeben. Bachs Sarkophag ſteht jetzt zuſammen
mit dem Chr. F. Gellerts in einem Raum, der ſicher nunmehr
das Pilgerziel vieler Bachfreunde werden wird.
Dr. Adolf Aber.
* Frankfurker Opernhaus.
Gaſtſpiele Umberto Urbano’s.
Herr Urbano, dem Publikum durch zwei Konzerte und eine
venig erfreuliche Reklame bekannt, ſang als Gaſt den Renée im
„Maskenball” und den Rigoletto. Die in der Beſprechung der
Konzerte bereits feſtgeſtellten erheblichen ſtimmtechniſchen
Män=
gel ließen keine Freude an der Leiſtung Urbano’s aufkommen,
tmal auch das darſtelleriſche Können einen normalen
Durch=
chnitt nicht überſchritt. Es wäre an der Zeit, daß dieſer
Urbano=
ſummel endlich ſein Ende findet. Ein Gutes hatten dieſe
Gaſt=
viele allerdings: Sie zeigten — insbeſondere in dem „
Masken=
all” — was unſere Oper zu leiſten vermag. Die Anweſenheit
es Gaſtes, der zwar mit der großen italieniſchen Geſangskunſt
ur die Heimat gemeinſam hat, mag den Ehrgeiz unſerer
So=
ſten geſtachelt haben. So ergab ſich gerade im Maskenball, der
in dem Generalmuſikdirektor Krips (Karlsruhe) ausgezeichnet
leitet wurde, eine ſtimmlich hervorragende Aufführung, in deren
Mittelpunkt Frau Lauer=Kottlar, M. Spiegel und John Gläſer
ſtanden. Der Rigoletto ſtand nicht auf gleichem Niveau. Karl
Hauß (Hannover) ſang als Gaſt mit ſympathiſcher und gepflegter
Stimme den Herzog. Die einheimiſche Gilda der Clara Ebers
ließ manche Wünſche offen. Mächtig in Stimme und Ausdruck
gab H. Erl den Sparafucile.
Dr. W. Kn.
* Sland der Ausgrabungen in Aegypken.
In außerordentlich feſſelnden Ausführungen ſprach der
Kuſtos der Aegyptiſchen Abteilung der Berliner ſtaatlichen
Muſeen, Prof. Dr. Scharff, in der Frankfurter Univerſität über
das obige Thema. Die z. T. auf Grund eigner
Ausgrabungs=
tätigkeit geſchöpften Darlegungen des Redners wurden durch
zahlreiche Lichtbilder plaſtiſcher gemacht. Man erfuhr von den
Arbeitsfeldern der Oeſterreicher und Amerikaner, die im Gebiet
von Gizeh die Sphinx und die daran anſtoßenden
Friedhofs=
bauten freigelegt und wiſſenſchaftlich durchforſcht haben.
Be=
ſonders intereſſant waren die Ausführungen über die Tätigkeit
der Amerikaner beim Tempel Medinet Habu, in deſſen Nähe
man den einzigen völlig erhaltenen Umriß eines ägyptiſchen
Königspalaſtes auffinden konnte. — Die Ausgrabungen der
ägyptiſchen Behörden bei Sekkare förderten Ergebniſſe der
ägyptiſchen Steinarchitektur aus älteſter, bisher nicht erforſchter
Zeit zutage, die in ihrer leichten Geſtaltung in einem
Entwick=
lungszuſammenhang mit der ſpäteren, maſſiven Form zu
brin=
gen ſind. — Der mit dankbarem Beifall aufgenommene Vortrag
wurde von einem ſyſtematiſchen Ueberblick über die
Ausgra=
bungstätigkeit der letzten Jahre und deren Ergebniſſe im
allge=
meinen anſchaulich eingeleitet.
W. K.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Freiburg i. Br.: Dr. jur. Hans Liermann, Privatdozent, iſt
als Nachfolger des verſt. Geheimen Rates E. Sehling zum Ordinarius
für Kirchenrecht an der Univerſität Erlangen in Ausſicht genommen.
München: Dem hieſigen Kunſtmaler Dr. phil. Joſeph Plenk iſt
die a. o. Profeſſor für Zeichnen und Malen an der Techniſchen
Hoch=
ſchule Darmſtadt mit der Amtsbezeichnung „perſönlicher Ordinarius”
übertragen worden.
Bonn: Profeſſor Dr. Moritz Schlick in Wien hat den an ihn
ergangenen Ruf auf den Lehrſtuhl der Philoſophie an der hieſigen
Univerſität als Nachfolger des Geheimen Rats G. Störring abgelehnt,
Dr. Schlick lehrte früher in Roſtock und Kiel.
Seite 4
Heſſiſcher Landkag.
Das Alkersgrenzengeſetz bleibt.
Präſident Delp eröffnet die 50. Sitzung des Heſſiſchen Landtags
um 10 Uhr 20 Minuten.
Auf eine Kleine Anfrage des Abg. Laudenbacher, in der
ge=
ſagt wurde, daß bei der Vergebung von 400 Kleiderſchränken für die
Schutzpolizei das Schreinerhandwerk mit der Begründung von der
enge=
ren Wettbewerbung ausgeſchloſſen worden ſei, weil es nicht
leiſtungs=
fähig ſei, antwortete die Regierung, daß ſie das nicht geſagt habe. Die
Vergebung an größere Firmen ſei erfolgt, um hinſichtlich des zu
ver=
wendenden Holzes und der Ausführung einheitliche und gleichmäßig
tadel=
loſe Lieferung zu erzielen. Eine Zurücknahme des erteilten Auftrags
komme nicht in Frage.
Auf die Kleine Anfrage des Abg. Dr. Werner, das Offenhalten
der Läden auf dem Lande betr., antwortete der Miniſter für Arbeit
und Wirtſchaft:
„Im Hinblick auf die zwingende Vorſchrift des § 9 der Verordnung
über die Regelung der Arbeitszeit der Angeſtellten vom 18. März 1919
in der Faſſung des Geſetzes zur Abänderung der Arbeitszeitverordnung
vom 14. April 1927 (R. G.Bl. I S. 109), wonach offene Verkaufsſtellen
von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens für den geſchäftlichen Verkehr
geſchloſſen ſein müſſen, vermag ich das Offenhalten der Läden auf dem
Lande über 7 Uhr abends hinaus allgemein nicht zu geſtatten, zumal
mir der § 10 der angezogenen Verordnung keine genügende Handhabe
hierzu bietet.
In dem Entwurf eines Arbeitsſchutzgeſetzes iſt jedoch vorgeſehen,
daß an höchſtens 100 Tagen, im Jahr das Offenhalten der Läden bis 8 Uhr
abends geſtattet werden kann. Sollte der Entwurf in dieſer Faſſung Geſetz
werden, dann würde zu prüfen ſein, ob in Heſſen ein Bedürfnis für
den Achtuhr=Ladenſchluß auf dem Lande, wenigſtens in den
Sommer=
monaten, vorliegt.”
Einer Regierungsvorlage, in der für fünf weitere Geſchäftsanteile
des Heſſiſchen Staates an der Firma Oberheſſiſche Obſtwerke zu
Bü=
dingen 2000 Mark und eine Erhöhung der Haftſumme um 500 Mark
gefordert wird, ſtimmt das Haus ohne Ausſprache zu.
Ein Antrag Dr. Beſt (V. R.P.), der vermehrte Ausſchüttung aus
dem Pfandbriefaufwertungsſtock der Heſſiſchen Landeshypothekenbank
wüinſcht, wird durch die ablehnende Regierungsantwort für erledigt
er=
klärt.
Es wird dann die geſtern zurückgeſtellte Abſtimmung über die
Notariatsanträge nachgeholr. Mit der Annahme des von uns in der
geſtrigen Nummer veröffentlichten Antrags Schreiber=Dr. v. Helmolt
werden alle übrigen Anträge für erledigt erklärt oder der Regierung
Freitag, den 14. Juni 1929
Nummer 163
als Material überwieſen. — Es folgt die Beratung des Antrags Dr.
Beſt und Gen., Dr. Werner, Böhm und Gen. auf Aufhebung des
Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten. Dr. Beſt
begrün=
det den Antrag, der ſich mit einer Frage beſchäftigt, die in den
letz=
ten Jahren ſchon wiederholt Gegenſtand der Beratung war.
Abg. Reiber (Dem.) wendet ſich in ſcharfer Form gegen den
Beſtſchen Antrag. Es ſei notwendig, der Jugend, den Anwärtern und
jüngeren Beamten Platz zu machen; vor allem auch aus politiſchen
Gründen, um dem Staat poſitiv eingeſtellte Kräfte zuzuführen.
Abg. Dr. Leuchtgens (Ldbd.) polemiſiert gegen die
Ausführun=
gen des Abg. Reiber. Er iſt aus finanziellen Gründen für die
Auf=
hebung der Zwangspenſionierung mit dem 65. Jahre.
Abg. Dr. Keller (D.V.P.) erklärt für einen Teil ſeiner
Frak=
tion, daß ſie mit der Tendenz des Antrags einverſtanden ſei, während
er auf dem Standpunkt ſtehe, daß das Altersgrenzengeſetz zur Zeit,
namentlich im Hinblick auf die Not der Anwärter, beibehalten werden
müſſe. Heſſen könne keine Sonderregelung vornehmen. Redner
ver=
ſpricht ſich auch keine Vorteile von der Erhöhung der Altersgrenze, da
die behaupteten Einſparungen durch erhöhte Ausgaben für
Stellver=
tretung und Aushilfspoſten mehr als ausgeglichen würden. Politiſch
dürfe die Frage nicht betrachtet werden.
Abg. Winter (Z.) unterſtreicht beſonders die Not der Beamten=
Anwärter. Die heutige überhaſtete Zeit verbrauche raſcher als früher
die Nerven der Beamten, ſo daß das Altersgrenzengeſetz ſeine
Be=
rechtigung habe.
Abg. Storck (Soz.) iſt aus ſachlichen und politiſchen Gründen
für die Ablehnung des Antrags.
Nach perſönlichen Bemerkungen des Abg. Reiber wird der
An=
trag gegen die Stimmen des Landbundes, der Volksrechtpartei und der
Deutſchnationalen abgelehnt.
Verſchiedene Anträge und Vorſtellungen, die Verkehrsverhältniſſe
betr., werden, dem Ergebnis der Verhandlungen mit der Reichsbahn
entſprechend, für erledigt erklärt. In einem Falle wird die Negierung
aufgefordert, in Verhandlungen mit der Reichsbahndirektion Frar kfurt
am Main einzutreten.
Auf verſchiedene Kleine Anfragen der Kommuniſten wegen des
Verbotes von Rotfront und wegen angeblicher Uebergriffe bei
Beſchlag=
nahmungen erklärt die Regierung, daß das Verbot auf formales
Er=
ſuchen des Innenmin=ſters erfolgt ſei und daß ihr von Uebergriffen
bisher nichts bekannt geworden ſei.
Ein volksparteilicher Antrag, den Parzellenſteinſatz bei
Abmar=
kungen wieder wie früher den Feldgeſchworenen zu übertagen, wird
von dem Abg. Schott (D.V.P.) und Glaſer (Ldbd.) warm
befür=
wortet, während ſich Weckler (3.) dagegen ausſpricht. Der Antrag
wird abgelehnt.
Eine Aenderung des Geſetzes über anſteckende Krankheiten findet
debattelos Annahme.
Ein Zentrumsantrag auf Prüfung der Möglichkeit, die Koſten der
Neuvermeſſung landwirtſchaftlicher Grundſtücke auf die Staatskaſſe zu
übernehmen, wird durch Zufallsmehrheit mit 21 zu 19 Srimmen
an=
genommen.
Ein Antrag auf Herabſetzung der Hundeſteuer verfällt der
Ab=
lehnung.
Der volksparteiliche Antrag auf dreimonarige Steuerſtundung für
froſtbeſchädigte Betriebe wird durch die entgegenkommende
Regierungs=
antwort elnſtimmig für erledigt erklärt.
Stellv. Präſident Blanck ſchließt die Sitzung um halb 2 Uhr und
beraumr die nächſte Sitzung auf Mittwoch kommender Woche,
10 Uhr, an.
Der volksparteiliche Landtagsabgeordnete Kunkel hat im
Land=
tag folgende Kleine Anfrage eingebracht:
„Nach Zeitungsmeldungen ſteht die heſſiſche Regierung mit einem
Warenhauskonzern in Verhandlungen, die zum Verkauf des
Palais=
gartens in Darmſtadt führen ſollen. Es beſteht aber kein Zweifel, daß
mit der Errichtung eines neuen Warenhauſes Einzelhandel und
Ge=
werbe und damit der Mittelſtand ſchwer geſchädigt und in ſeiner
Exi=
ſtenz bedroht würde. Eine Entwicklung, die nicht im Intereſſe des
Staates liegen kann.
Ich frac= daher an: 1. Beruhen die Zeitungsmeldungen auf
Wahr=
heit? 2. Wie rechtfertigt die Regierung ihre Abſicht?
Kunkel.”
Darmſtadt, den 13. Juni 1929.
Abg. Dr. Werner hat folgende große Anfrage im Landtag
eingebracht: Die Klagen der Bevölkerung von Trais und Horloff und
Umgegend über geſundheitliche und ſonſtige Schäden durch das
Schwel=
werk der Stadt Frankfurt wollen nicht verſtummen. — Iſt die
Regie=
rung bereit und in der Lage, die beklagten Schäden und Schädigungen
abzuſtellen?
England will die Acht-Stunden=Konvenkion
rakifizieren.
* Genf, 13. Juni. (Priv.=Tel.)
Auf der Internationalen
Arbeiterkon=
ferenz gab der engliſche Regierungsvertreter Wolfe die
Erklärung ab, die britiſche Regierung werde unverzüglich Schritte
unternehmen, um das Waſhingtoner Abkommen über den
Acht=
ſtundentag zu ratifizieren. Das Abkommen ſolle ein britiſches
Landesgeſetz werden. Wolfe kündigte ferner auch die Ratifizierung
des Internationalen Abkommens über die Mindeſtlöhne an.
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Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 5
Aus der Lunershaasifiäot.
Darmſtadt, 14. Juni.
Skaliſtiſches von der Landesuniverſikät Gießen.
gn. Im Sommerſemeſter betrug die Zahl der immatrikulierten
Studierenden 1742, dazu kommen 5 Hoſpitantinnen und 105 Gaſthörer
und =hörerinnen, insgeſamt 1854. Auf die einzelnen Fächer verteilt ſich
die Zahl der immatrikulierten Studierenden wie folgt: Theologie 124
(dabon weibl. 1), Jura 341 (davon weibl. 6), Medizin 254 (davon weibl
17), Veterinärmedizin 133 (—), Mathematik 135 (davon weibl. 5)
Naturwiſſenſchaften 127 (davon weibl. 12), Chemie 59 (—), Pharmazie.
(davon weibl. 1), Forſtwiſſenſchaft 66 (—), Landwirtſchaft 55 (—),
Philo=
ſophie 55 (davon weibl. 11) Geſchichte 2 (—), Klaſſiſche Philologie 47
(davon weibl. 1), Neuere Philologie 202 (davon weibl. 33),
Staatswiſſen=
ſchaften 106 (davon weibl. 2). — Im Sommerſemeſter 1928 betrug die
Zahl der Immatrikulierten 1638, im Winterſemeſter 28/29 1562.
— Dienſtjubiläum. Am nächſten Sonntag, den 16. Juni, ſind es
25 Jahre geworden, daß Herr Georg Laun aus Rüſſelsheim als
Leibfahrer in den Dienſt des Großherzogs von Heſſen eingetreten iſt.
Während dieſer langen Zeit hat Herr Laun viele hunderttauſend
Kilo=
meter mit den ihm anvertrauten Wagen ohne jeden Unfall zurückgelegt.
Er iſt weiten Kreiſen im Heſſenlande bekannt geworden. Heute noch
übt der Jubilar in voller Friſche ſein verantwortungsvolles Amt aus
und darf ſich als Fachmann eines beſonderen Anſehens und großer
Be=
liebtheit erfreuen. Schon im Jahre 1899 war Herr Gg. Laun in den
Opelwerken zu Rüſſelsheim beim Automobilbau tätig, hat auch ſeit
1904 nur Opelwagen gefahren. Er iſt überhaupt einer der älteſten
heute noch aktiven Autofahrer. Die zahlreichen Freunde von Herrn
Laun nünſchen ihm, der in beſtem Einvernehmen ſein Berufsjubiläum
felern kann, auch fernerhin alles Gute.
— Dienſtjubiläum. Herr Franz Fritſch, 1. Requiſiteur am Heſſ.
Landestheater, begeht am Samstag, 15. Juni, ſein 40jähriges
Dühnen=
jubiläum. Zwölf Jahre iſt er am hieſigen Inſtitut beſchäftigt und hat
ſich während dieſer Zeit das Wohlwollen ſeiner Vorgeſetzten und die
Achtung ſeiner Kollegen erworben.
— Heſſiſches Landestheater. Kulturfilmbühne des
Klei=
nen Hauſes. „Pori”, ein Großfilm aus dem afrikaniſchen Buſch
(Regie: Freiherr von Dungern) läuft von Montag, den 17., bis
Don=
nerstag, den 20. Juni, täglich um 16 und 20 Uhr in der
Kulturfilm=
bühne des Landestheaters im Kleinen Haus. Der Film übertrifft alle
Anſprüche, die man bisher an einen Naturfilm zu ſtellen gewohnt
war. Ein derartig ſpannender und erlebnisreicher Afrikafilm, der die
großartigſten Aufnahmen aus dem oſtafrikaniſchen Buſchland enthält,
iſt vor „Pori” noch niemals zu ſehen geweſen.
Heute Freitag gelangt im Großen Haus Wolf=Ferraris große Oper
„SIy” mit Hans Grahl in der Titelrolle, Roſe Landwehr und Hans
Komregg in den anderen Hauptrollen, unter muſikaliſcher Leitung von
Dr. Karl Böhm zur Wiederaufführung. (Miete D; Beginn 19.30 Uhr.)
„Broadway”, das amerikaniſche Senſationsſtück, das mit ſo
ungewöhnlichem Erfolg bei Puhlikum und Preſſe aufgenommen
wor=
den iſt, gelangt morgen Samstag in der Premierenbeſetzung zur erſten
Wiederholung. (Miete E; Beginn 19.30 Uhr.)
Goethes „Egmont” in der Inſzenierung Carl Eberts wird am
Sonntag, den 16. Juni, zum erſten Male in dieſer Spielzeit wieder
aufgeführt. Ein großer Teil der Hauptrollen wurde nei beſetzt:
Oranien: Hans Jungbauer, Regentin: Traute Merwardt=Sebold;
Fer=
dinand: Walter Klam; als Alba gaſtiert Fritz Reiff vom Stadttheater
Düſſeldorf, als Brackenburg Franz Dehlmann. Den Egmont ſpielt
Carl Ebert.
Zum erſten Male „Die ſchöne Galathee”, Suppés
Operetre „Die ſchöne Galathee” gelangt in neuer Textbearbeitung von
Edwin Orr Denby am Sonntag, den 16. Juni, 19.30 Uhr, im Kleinen
Haus zum erſten Male zur Aufführung. Die Beſetzung iſt folgende:
Titelrolle: Käthe Walter, Pygmalion: Guſtav Deharde, Lais: Doris
Karzau, Hebe: Ellen Vhilips, Midas: Richard Jürgas, Ganymed:
Werner Hinz, Poliziſt: Paul Maletzki. Außer der „Schönen Galathee‟
kommen die burleske Operette „Schwergewicht” von Krenek mit
Käthe Walter, Regina Harre, Heinrich Kuhn, Eugen Vogt, Carl Ebert=
Beyer, Guſtav Deharde, und das Ballett „Paradc” von Satie,
aus=
geführt durch die Tanzgruppe, zur Erſtaufführung. Inſzenierung:
Arthur Maria Rabenalt und Wilhelm Reinking. Muſikaliſche Leitung:
Max Rudolf. Choreographie: Cläre Eckſtein. — Die im Rahmen der
Schönen Galathee” ſtattfindende Damenmodenſchau wird von der
Firma C. Schürmann beigeſtellt, während die Herrenbekleidung von
Willy Schwab, die Wäſche von der Firma Eichbergs Nachfolger, die
Möbel von der Firma Joſeph Trier, die Sportgeräte von der Firma
L. Adelmann, die Lichtreklame von der Fa. G. Geil, das
Geſellſchafts=
kleid von Frl. Walter von der Fa. Marie Babel, die Krawatten von
der Fa. Bergmann, die Bureaumöbel von der Fa. Lautz geliefert wurden.
— Revue=Gaſtſpiel „Schlag auf Schlag‟ Za dem intereſſanten
Gaſtſpiel der neuen Röder=Revue ab Montag, 17. Juni, iſt aus
heutiger Anzeige im Inſeratenteil Näheres erſichtlich. — Die Halleſche
Preſſe ſchreibt anläßlich der Uraufführung am 1. Juni im
Walhalla=
theater: . . Der Titel konnte nicht beſſer ſein. Gewürzte Dialoge,
ſprudelnde Muſik, reizvolle Ausſtattung. Unvergeßlich die köſtlichen
„Syras” und Titze und Traſſow mit Mlle, Lydia — höchſt originelle
Gäſte aus Paris. Konſtantin Jakobi und Lia Tänzer Glanzpunkte des
Abends — kurz, das Ganze ein glänzender Erfolg! — Die
Eintritts=
preiſe ſind für das Gaſtſpiel nicht erhöht, jedoch ſind Vergü
iſtigun=
gen aufgehoben. (Siehe Anzeige.)
— Opernſchule der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. Die
Opern=
ſchule der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt veranſtaltet auch in
die=
ſem Jahre wieder einen Opernabend im Kleinen Haus des
Heſſi=
ſchen Landestheaters. Zur Aufführung gelangen zwei Einakter: erſtens
„Mozarts Singſpiel „Baſtien und Baſtienne”, zweitens als
Erſtauffüh=
rung in Darmſtadt: „Der Mantel” von Puccini. In die muſikaliſche
Leitung teilen ſich der Städtiſche Muſikdirektor W. Schmitt (Baſtien:
und Baſtienne) und Hofrat Paul Ottenheimer (Der Mantel). Die
Inſzenierung und die Spielleitung liegen in den Händen des
Opern=
ſängers Heinrich Kuhn. Die einzelnen Partien werden von den
Stu=
dierenden der Opernſchule ausgeführt; das Orcheſter ſtellt der
Inſtru=
mentalverein (Orcheſter der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt), ergänzt
durch Mitglieder des Stadtorcheſters. Die Aufführung findet ſtatt am
Freitag, den 28. Juni, um 20 Uhr. Näheres wird noch bekanntgegeben.
Vorausbeſtellungen auf Karten nimmt jetzt ſchon das Sekretariat der
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36, entgegen.
— Kunſtverein. Trotzdem zu der am vergangenen Sonntag
erfolg=
ten Eröffnung der Ausſtellung in der Kunſthalle am Rheintor
Ein=
ladungen nicht ergangen waren, hatten ſich doch zahlreiche Kunſtfreunde
zu deren Beſichtigung eingefunden. Erfreulicherweiſe war feſtzuſtellen,
daß die gezeigten Arbeiten allgemein ſehr beifällig aufgenommen
wur=
den. Es wäre noch nachzutragen, daß auch von Bildhauer Scheich im
Oberlichtſaal zwei Plaſtiken aufgeſtellt ſind: eine Porträtbüſte von
Bernd Zeh und eine ſolche, die unſeren Opernſänger Komregg als
Jochanaan darſtellt. Es ſoll auch noch darauf hingewieſen werden, daß
in dem einen Kabinett Walter Reitzel zahlreiche kleinere, ſehr
preis=
werte Oelſkizzen und, eine Neuheit, eine Sammlung von Originalen
zu Preſſezeichnungen von Darmſtädter hervorragenden Perſönlichkeiten
bringt, die bei dem Publikum großes Intereſſe erwecken dürften. Von
dieſen Oelſkizzen hat der Kunſtverein das „Jſartal” und den „Altrhein
an der Nordſpitze” für ſeine Weihnachtsverloſung erworben, ebenſo von
Karl Scheld die Aquarelle „Begegnung” und „Ackerleute‟. Der Beſuch
der Ausſtellung kann nur nochmals warm empfohlen werden.
Alk=Darmſtadt.
Vereinigung für Orksgeſchichte und Heimakkunde.
272. Veranſtaltung. Zu einem Kolonialen Abend hatte Alt=
Darm=
ſtadt ſih zuſammengefunden. Es war ein Ausflug nich unſerer ſchönen
Kolonie in Deutſch=Oſtafrika. Der Abend ſtand unter dem Motto=
„Ernſte und heitere Erinerungen eines Darmſtädters in Oſtafrika”
Herr Gouvernementsſekretär Dietz, ein alter Afrikaner, ging aus von
ſeinen Jugenderinnerungen, die jeder echte „Heiner” beim Indianerſpiel
auf der Ziegelhütte erlebt hat und die jedes Bubenherz höher ſchlagen
laſſen und führte dann weiter aus, wie dann ſpäter ſeine Jugamdträume
erfüllt ſurden und er als Pionier für das Deutſchtum Jahrzohntelang
im Kolonialdienſt wirken und ſchnffen durfte. 1895 zog er hinaus ngch
Lſtafrikn und lernte Land und Leute aus eigenſter Anſchauung kennen.
Er ſchilderte in anſchaulicher Weiſe das Loben und Treiben auf den
Pflanzuugen, das Verhäftnis der weißen Pflanzer zu den Eingeborenen.
Führte ein in die Sitten und Gebräuche der Negerſtämme und gab dabei
dor allem ein Kulrurbild don der Eigenart des afrikaniſchen Volkes.
Er ſuußte ven Jagden auf Großivild zu erzählen, von den Liſten uns
Tüicken der Schwarzen, denen es eir beſonderes Vergnügen macht, den
Neuling zu betringen, die aber auch vor deutſcher Energie Achtung haben.
Weiter ſchilderte der Redner die Vielſeitigkeit, die ein Europäer in den
Troden haben mß, und wie der Kolenialbeaute ſo ziemlich alles ſein
muß. Vaumeiſter und Pflanzer, Jäger und Arzt, Steuereinnehmer und
Ffleiſchbeſchauer, Verwaltungsbeamter und Schutztruppler. Ueberall
Selbſthilfe und klarrer Blick. Das große Gebiet, größer als unſer
Heſſen=
land, war duich deutſchen Fleiß in eine Muſterkolonie umgewandelt
ſorden, die eine große volkswirtſhaftliche Bedeutung für die Heimat
hatte. Weiter zeigte der Redner den Dienſt der Schutztruppe und ſprach
den der ulturarbeit des Friedens, wie die Deutſchen ein vorbildlihes
Verkehrsweſen draußen ſchufen, Poſt und Telegraph, Telephon und
Eiſenbahn, Rechtſprechung, Schulen und Miſſion und ſo manches andre
ins Leben gerufen haben. Ein= und Ausfuhr blühten auf und gingen
in die Höhe. Ein beſonderes Verdienſt hatte, ſich dabei die deutſche
Wiſſenſchaft erworben, die mit zäher Beharrlichkeit die viclen
Tropen=
krankheiten, wie Schwarzwaſſerſieber, Malaria, Pocken und
Fieberkrank=
heiten bekämpften und zur Hebung der Volksgeſundheit beitrugen
Blühen und Gedeihen ſei der große Leitgedanken geweſen, ſo lange das
Land unter deutſcher Flagge ſtand. Der Redner ſprach danm von der
großen Tragik, die durch den Weltkvieg über uns gekommen iſt, und
wobei wir auch das, was deutſcher Fleiß erarbeitet hat, unſere Kolonien,
verloren haben, und richtet die Mahnung an die zahlreſche
Verſamm=
lung, mitzuhelfen, daß der Gedanke in allen Bevölkerungsſchichten
platz=
greife, daß Deutſchland ſeine ihm unrechtwäßig geraubten Kolonien
wwieder bekommen müſſe. Der von dem großen deutſchen Gedanken
ge=
tragene Vortrag wurde durch eine Serie guter Lichtbilder, die der
Red=
ner an Ort und Skelle aufgenommen hatte, bereichert. Mit lebhaftem
Veifall wurden die Ausführungen von der zahlreichen Verſammlung
aufgenommen und in ſeinen Dankesworten an den Redner betonte der
Vorſitzende, Herr Philipp Weber, die doppelte Freude, an dieſem
Abend von einem alten Darmſtädter auf afrikaniſchen Boden geführt
worden zu ſein. Nächſter Vortragsabend am 20. Juni. Es ſpricht Herr
Hugo Sticſi der jüngere über: Flurnamen in der Gemarkung
Darm=
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ein Paket für 60 Pfg. zu kaufen oder unsere Tabletten zu 0.25 u. 1.50 RM zu versuchen, E
luchSie werden von der prompten Wirkung überrascht sein. Nur echt in blauer
itdem Bilde des Erfinders. A. W. & C. W. Bullrich, Berlin W57.
— Hiſtoriſcher Verein. Der Verband der heſſiſchen Geſchichts= und
Altertumsvereine hält ſeine diesjährige Jahresverſammlung
am 22. und 23. Juni in Oppenheim. Wie alljährlich, verbindet
der Hiſtoriſche Verein damit einen ſeiner Ausflüge. Die
Veran=
ſtaltungen beginnen am 22. Juni, 20 Uhr, mit einem Vortrag von
Pro=
feſſor Dr. Neeb=Mainz: „Der Wein und die Kunſt” Am 23. Juni,
11.15 Uhr, iſt Hauptberſammlung im neuen Volksſchulgebäude am
Gau=
tor. — Für die Mitglieder des Hiſtoriſchen Vereins, die nur am
Sonn=
tag teilnehmen wollen, gehen am 23. 6. um 9 Uhr pünktlich Kraftwagen
vom Luiſenplatz ab. Für dieſe Mitglieder findet während der
geſchäft=
lichen Sitzung eine Führung durch Alt=Oppenheim ſtatt. 13 Uhr
gemeinſames Mittageſſen auf der Landskrone (1,80 Mk.) 15 Uhr
Feſt=
ſpiel: „Ein Küfertag zu Oppenheim 1354” und Küfertanz. Führung
zur Katharinenkirche für die Teilnehmer, die an der Führung
mor=
gens nicht beteiligt waren. Rückfahrt etwa 18 Uhr. Wer an der
Kraft=
wagenfahrt teilnehmen will, wird gebeten, ſich eine Fahrkarte für Hin=
und Rückfahrt zu 2,50 Mark im Staatsarchiv zu löſen, und zwar bis
Donnerstag, den 20. Juni, mittags 12 Uhr. Ebenſo wird um
Voran=
weldung zum Mittageſſen bis dahin gebeten. Auch Mitglieder der
an=
geſchloſſenen Vereine, die nicht dem Hiſtoriſchen Verein angehören,
ſind zur Mitfahrt herzlich eingeladen.
— Werner Fink, der von ſeiner Tätigkeit am Landestheater in
Darmſtadt bekannte Schauſpieler, wurde vom Berliner Rundfunk für
das Funkbrettel verpflichtet, wo er eigne Gedichte ſprechen wird. Die
Veranſtaltung wird am Samstag, den 15. Juni, von 20,30 Uhr bis
22 Uhr übertragen.
— Die Kunſt des Kochens. Die Zeiten ſind vorbei, wo die
Haus=
frau erſtaunt fragte „Geht denn das?”, wenn ſie zufällig einmal vom
elektriſchen Kochen hörte. Die elektriſche Küche ſetzt ſich durch; heute iſt
ſie der Wunſch weiter Kreiſe. So wurde auch in dem vergangene
Woche hier gezeigten Film „Die Kunſt des Kochens” nur elektriſch
ge=
kocht, gebraten, gebacken, weil es keine andere Energieform gibt, deren
Handhabung einfacher iſt oder welche in bezug auf Gefahrloſigkeit,
Sau=
berkeit und vielſeitiger Anwendbarkeit der Elektrowärme ihr gleichkäme.
Die Verwendung der Elektrizität für Licht und Kraft hat ſich
erfolg=
reich durchgeſetzt; die Vorzüge der reſtloſen Elektrizitätsanwendung in
der Küche, d. h. alſo auch für die Wärme= und Kälte=Erzeugung, ſind
ſo hervorragend, daß die Hausfrauenvereinigungen die Einführung des
elektriſchen Betriebes in die Hauswirtſchaft wünſchen.
Arbeitserleichte=
rung und Zeiterſparnis, dabei aber beſſere Ausnutzung des Kochgutes,
Schonung der Geſundheit durch Wegfall von Rauch, Ruß, ſowie
Ab=
gaſen, helfen mit, die Einführung des elektriſchen Küchenherdes zu
er=
leichtern, zumal ſich der Wohnungstarif dem geſteigerten
Haushalts=
bedarf anpaßt und in Ergänzung deſſen der billige Nachtſtrom für die
Heißwaſſerbereitung eingeführt wurde. — Im Heaghaus, Luiſenſtraße
wird heute abend Fräulein Hellwig, über elektriſche Küchenherde
ſprechen, dabei die elektriſchen Haushalts= und Küchengeräte erklären
und im Betrieb, vorführen, ſo daß der Beſuch ſehr zu empfehlen iſt.
Feſtnahmen. Der 19jährige Fürſorgezögling Hans Rebenich
aus Bickenbach, der ſich ſeit längever Zeit von ſeiner Arbeitsſtelle in
Homberg a. d. Ohm entfernt hatte und deshalb geſucht wurde, konnte
hier in einer Feldſcheune, in der er nächtigte, feſtgenommen werden,
— Wegen Paßvergehens wurde feſtgenommen Arbeiter Ludwig
Wal=
ter, geboren am 22. April 1898 zu Altrokize in Polen.
Vermißt. Die 16jährige Luiſe Löſch aus Griesheim hat ſich
am 8. Juni von zu Hauſe entfernt und iſt bis jetzt noch nicht
zurück=
gekehrt. Sachdienliche Angaben über ihren Aufenthalt werden bei dem
Polizeiamt Darmſtadt, Kriminalabteilung, Hügelſtraße 31—33, Zimmer
Nr. 3, entgegengenommen.
Monakskalender des Aquarien= und
Terrarien=
vereins „Hokkonia” Darmſtadi.
Im Monat Juni wimmelt es in den Zimmer=Aquarien von
Jung=
brut. Soll ſich nun die Nachzucht zur Zufriedenheit entwickeln, darf
der Liebhaber beim Herbeiſchaffen von Futter nicht nachläſſig ſein. Die
Behälter der tropiſchen Fiſche bedürfen, wenn die Tiere Brut haben,
an den kühlen Tagen noch einer zeitweiſen Heizung. Das Thermometer
iſt daher ſtets zu beobachten. An heißen Tagen ſind die Becken mit
Kaltwaſſerfiſchen gut zu durchlüften, andernfalls Verluſte eintreten
können. Iſt in dieſen Behältern das Waſſer ſehr warm geworden,
ſo empfiehlt es ſich, teilweiſen Waſſerwechſel vorzunehmen. Hiermit
ſoll aber nicht geſagt werden, daß das Becken nun unter die brauſende
Waſſerleitung geſtellt wird, wie dies vielfach zu beobachten iſt, um
die Tiere dann wieder einzuſetzen. Der Waſſerwechſel hat alſo
all=
mählich zu erfolgen. Guter Pflanzenwuchs oder kräftige Durchlüftung
machen den Waſſerwechſel meiſt überflüſſig. Von Waſſerpflanzen
blü=
hen in dieſem Monat ſchon eine ganze Anzahl, ſo der Waſſerſchlauch,
die Waſſer=Aloe, verſchiedene Laichkräuter und Hahnenfußgewächſe,
fer=
ner die weiße, und gelbe Seeroſe, die Waſſernuß, der ſchwammende
Froſchlöffel, das gemeine Pfeilkraut, die Schwertlilie uſw.
Schwertlilien, Froſchlöffel und Kalmus eignen ſich vorzüiglich als
Uferbepflanzung in Freilandanlagen und wirken eben ſo ſchön im
Sumpfacuarium für das Zimmer. Freilandanlagen für Schildkröten,
Fröſche, Kröten und andere Terrarientiere werden von vielen
Lieb=
habern, die dazu Gelegenheit haben, eingerichtet. Natürlich müſſen
ſie durch einen dichten Bretterzaun, der auch das Durchgraben unter
der Erde verhindert, eingefriedigt ſein. Der Tierbeſtand der Terrarien
iſt von Zeit zu Zeit zu kontrollieren, ſowohl auf ſeine Vollzähligkeit
hin, als auch auf den Geſundheitszuſtand der Pfleglinge. Tote und
kranke Tiere müſſen ſofort entfernt werden. Mit der zunehmenden
Wärme entfalten die Reptilien eine größere Lebendigkeit. Die
Schlan=
gen häuten ſich. Die Ringel= und Würfelnättern, auch die
Blind=
ſchleiche ſind in der Paarung. Von Amphibien ſind Waſſerfroſch,
Feuer= und Kreuzkröte noch in Paarung und findet ſich daher auch
vielfach der Laich dieſer Tiere. Larven werden jetzt ſchon vom
Waſ=
ſerfroſch gefunden, die Larven des Grasfroſches und der Erdkröte haben
zu Ende dieſes Monats ſchon vielfach ihre Verwandlung beendet.
Ganz beſondere Sorgfalt iſt den Seewaſſer=Aquarien zu ſchenken.
Die Durchlüftung, die dem Waſſer den verbrauchten Sauerſtoff wieder
erſetzen ſoll, darf unter keinen Umſtänden abgeſtellt werden. Die
Füitterung kann ebei ſogar täglich geſchehen und zwar in kleinen
Portionen. Unſere Blumentiere des Meeres lohnen es uns durch
ſtete Entfaltung. Selbſt unſere kleinen, lebend geborenen Pferde=
Aktinien füttert man ſtändig mit entſprechenden Stückchin
Regen=
wurm, Eachyträen oder dergleichen. Das gereichte Futter wird von
unſeren Kleinen mit den ausgebreiteten Tentakeln ſofort angenommen.
Die Häutung der Krabben geſchieht nun faſt monatlich. Der
abge=
ſtoßene Panzer iſt in dem Becken zu belaſſen, da er von dem Tier
wieder aufgezehrt wird, um ſo dem neuen Panzerkleid den nötigen
Kalkzuſatz zu geben.
Mitgeteilt vom Verein für Aquarien= und Terrarienkunde Hottonia
in Darmſtadt. Vereinsabende jeden erſten und dritten Samstag im
Monat. Eigene Fiſcherei und Freilandanlage am ſogenannten
Juden=
teich. Gäſte ſtets willkommen.
P. K.
Die Ausſtellung „Der ſchöne Menſch” Mathildenhöhe 1929
wird am Sonntag, den 16. Juni, 11,30 Uhr, feierlich eröffnet
werden, wozu beſondere Einladungen ergangen ſind. Für das
Publikum iſt der Eintritt an dieſem Tage von 14—18 Uhr, vom
17. Juni alsdann von 10 bis 18 Uhr.
— Beamtenverſammlung. Faſt im ganzen Reiche hat ſich ein großer
Teil der evangeliſchen Beamten zur Wahrung ihrer Intereſſen
zuſam=
mengeſchloſſen. Für Heſſen wird nunmehr dasſelbe erſtrebt. Im
An=
ſchluß an den Evangeliſchen Bund ſoll ein evangeliſcher Beamtenbund
ins Leben gerufen werden., der ſich als Aufgabenkreis insbeſondere ein
zielbeſußtes Eintreten für eine wahre Parität, der Wahrung der
Auf=
ſtiegsmöglichkeiten und der Pflege einer vertieften Berufsauffaſſung
geſtellt hat. In der Gründungsverſammlung am Samstag,
den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr, im Rummelbräu zu Darmſtadt wird
der Vorſitzende deutſcher evangeliſcher Beamtenvereine, Pfarrer von der
Heydt=Koblenz, über „Notwendigkeit und Ziele der evangeliſchen
Beamtenbewegung” ſprechen.
— Kriegerkameradſchaft Hafſia — Verband der Kriegsbeſchädigten
und Kriegerhinterbliebenen — Landesgruppe Heſſen — gibt bekannt,
daß vom 15. d. M., ab die Bearbeitung der
Verſorgungsangelegen=
heiten der kriegsbeſchädigten Kameraden pp. — in Darmſtadt — nur
durch die Gefſchäftsſtelle Darmſtadt, Ahaſtraße 5, Fernruf 3574,
Sprech=
ſtunden täglich von 8—12 Uhr vorm. und 2—5 Uhr nachm. erfolgt. Die
Fürſorgetätigkeit erſtreckt ſich auf die Verſorgung unſerer Altveteranen,
ſowie deren Witwen, Altrentner, Kriegsbeſchädigte und
Kriegshinter=
bliebene, Unfall und Invalidenrentner, ſowie deren Witwen und
Waiſen, Kleinrentner ſowie Verſorgungsberechtigte der neuen
Wehr=
macht und der Polizei. Unſere Vertretungen erfolgen von ſämtlichen
Aemtern, Gerichten und der ſozialen Fürſorge. Inſonderheit wird
be=
kannt gegeben, daß auch Vertretungen vor den Arbeitsgerichten
über=
nommen werden. Sämtliche Bearbeitungen und Vertretungen unſerer
Kameraden erfolgen gänzlich koſtenlos. Die Beratungen, die bisher in
der Hochſtraße 10 ſtattgefunden haben, finden alſo nunmehr in der
Ahaſtraße 5 ſtatt.
— Orpheum — Sommerſpielzeit Direktor Adalbert Steffter. Heute
Freitag, Samstag und Sonntag finden die letzten Aufführungen der
erfolgreichen Operette „Eine einzige Nacht” ſtatt. Als Gäſte wirken
mit die Opernſängerin Paula Kapper, Ria Urban und Fritz Geiger.
Sonntag abend findet das Abſchiedsgaſtſpiel der beliebten
Darmſtädter Opernſängerin Paula Kapper in der Rolle als „Ora”
ſtatt. — Auf beſonderen Wunſch findet Sonntag nachmittag, 4 Uhr, zu
ganz kleinen Preiſen von 30 Pfg. an eine Kindervorſtellung ſtatt;
ge=
geben wird das Kindermärchen „Hänſel und Gretel” mit Ria
Urban und Alice Engers. Wer ſeinen Kindern eine Freude bereiten
will, verſäume nicht, ſich rechtzeitig Karten zu ſichern. — Wegen des
kurzen Gaſtſvieles am Stadttheater Baſel findet eine kurze
Unterbre=
chung der Sommerſpielzeit Steffter ſtatt. Die erſte Vorſtellung nach
dem Baſeler Gaſtſpiel iſt am 2. Juli mit der Operette „
Schwarzwald=
mädel” mit Ria Urban in der Titelrolle. — Fräulein Paula
Kap=
per vom Landestheater Darmſtadt wurde ſoeben von Direktor Steffter
zu einem Gaſtſpiel an das Stadttheater Baſel als Ora in „Eine
einzige Nacht” verpflichtet.
Tagesordnung zur öffentlichen Sitzung des Provinzialausſchufſes
am 19. Juni, vormittags 9 Uhr: 1. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes
Bahreuth=Stadt gegen den Bezirksfürſorgeverband Dieburg wegen
Er=
ſatz von Fürſorgekoſten für den Kaufmann Paul Schrödter. 2.
An=
trag des Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt auf Eröffnung des
Dienſtſtrafverfahrens mit dem Ziele der Dienſtentlaſſung gegen den
Pfandmeiſteraſſiſtenten Georg Salomon in Darmſtadt. 3. Berufung
der Frau Katharina Hofmann zu Groß=Rohrheim gegen den
Be=
ſchluß des Kreisausſchuſſes des Kreiſes Bensheim vom 7. März 1929
wegen Ablehnung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft.
4. Berufung des Heſſiſchen Staates, vertreten durch das Forſtamt
Darmſtadt, des Karl Darmſtädter u. a. gegen den Enteignungsbeſcheid
des Bezirkswohnungskommiſſars beim Kreisamt Darmſtadt vom 25. 4.
29.
(VI.225
Wk=
1 K „ „ U H
HAARNASSE9
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Freitag, den 14. Juni 1929
Nummer 163
Tagung der Heſſiſchen Miſſionskonferenz.
m. Stockheim i. O., 12. Juni.
Dem Bericht über den geſtrigen, erſten Tag des Kurſus, dem Tag
der Miſſionskonferenz, iſt noch nachzutragen, daß abends Herr
Miſſions=
direktor Dr. Ihmels=Leipzig einen Lichtbildervortrag hielt „Rund um
Afrika” nach eigenen Aufnahmen bei einer Afrikareiſe; hierbei wirkten
mit die Kirchenchöre Erbach und Michelſtadt und der Poſaunenchor von
Michelſtadt. Bilder und Vortrag vereinten ſich zu einem lebensvollen
Ganzen, und mit der muſikaliſchen Umrahmung wurde etwas geboten,
das die zahlreich Anweſenden hoch befriedigte. — Den Vorſitz am
zwei=
ten Vormittag führte Herr Schulrat Gerbig=Erbach, der in ſeiner
Be=
grüßung einen Zuſammenhang herſtellte zwiſchen geſtern und heute
und Herrn D. Dr. Diehl nach beſonderem Willkomm das Wort erteilte
zu dem Vortrag „Luthers Katechismus als Volksbuch”. Redner wurde
mit Beifall empfangen und ſchuf zunächſt einen hochintereſſanten
ge=
ſchichtlichen Unterbau. Aus dem Vortrag ſei Einzelnes wiedergegeben:
Eine der intereſſanteſten, aber auch unbekannteſten Epochen bildet die
Zeit der Reformation nach der Reformation. Gewöhnlich wird dieſer
Zeitabſchnitt von einſeitigem Geſichtspunkt aus beurteilt, man
berück=
ſichtigt nicht, daß es eine kalviniſtiſche, eine lutheriſche und eine
katho=
liſche Reformation der Reformation gab. Die Landesväter und andere
maßgebende Perſönlichkeiten hatten das Recht, die Religion zu
beſtim=
men, man darf die damaligen Geſchehniſſe darum nicht von unſerem
Standpunkt aus beurteilen. — Nach dem Augsburger Religionsfrieden
brachen zwei Ströme mit großer Wucht hervor: der wiedererwachte
Katholizismus und der Kalvinismus, und ſtörten das Luthertum aus
ſeiner Paſſivität empor, es ſetzte ſich zur Wehr. In Rheinheſſen z. B.
gab es Gebietsteile, die 14 Reformationen erlebten; die Folge war,
daß damals 25—30 000 Pfarrer und Lehrer aus ihren Aemtern
hinaus=
geworfen wurden und auf der Landſtraße lagen, letztere wimmelten von
Unglücklichen dieſer Art, und man ſah ſelbſt im 30jährigen Krieg nicht
ſo viel Elend als hier. Dieſe Elendszeit war aber auch eine
wunder=
bare Zeit, eine Geburtszeit von Helden= und Märtyrertum. Etwa
10 000 Männer hatten das Konkordienbuch unterſchrieben und gerieten
darum größtenteils ins Elend. Die Lutheriſchen entwickelten am meiſten
Heroismus, weil ſie ihren Katechismus nicht aufgeben wollten. Als
Herzog Moritz von Sachſen an demſelben einige Aenderungen
vor=
nehmen wollte, gaben 65 Geiſtliche ihre Stellung auf, weil ſie nicht
auf ihren unveränderten Lutherkatechismus verzichten wollten. Und
warum dieſer den damaligen Menſchen ſo wertvoll? Sie hatten keine
Schulen, keine Bücher, keine Bibel, das einzige Buch war der
Katechis=
mus; in dieſem ſtanden die Buchſtaben und leiteten zum Leſen an. Das
Mittelalter war eine Zeit der Zerriſſenheit, der Fürſt war nicht einmal
Herr in ſeinem Lande, eine Volksgemeinſchaft war unmöglich, dagegen
ums Jahr 1580 war eine Einheitlichkeit, eine Volksgemeinſchaft
ge=
ſchaffen, der Katechismus hatte ſolches bewirkt, er war ein
Fürſteu=
ſpiegel und ein Bauernkalender; die Volksgemeinſchaft erhellt aus der
Art, wie die Untertanen und Fürſten miteinander verkehrten. Und iſt
Luthers Katechismus ſo wertvoll? Die Anſichten darüber wechſelten,
im Jahr 1830 kann man nicht weniger als 350 Katechismen zählen.
Dar=
aus erkennt man, Luthers Katechismus ſoll man nehmen ſo, wie er iſt,
nicht ſo, wie ihn die Theologen machen. Redner zeigte nun an den
Ar=
tikeln und Geboten, wie bei Luther das Bekenntnis aus dem Erlebnis
herauswuchs, wie er alles ſo praktiſch anfaßte und auslegte. Damals
alſo war Luthers Katechismus ein Volksbuch, heute muß er’s wieder
werden. — All das Schöne, was Redner über das Thema weiter zu
ſagen wußte, kann hier nicht einmal angedeutet werden.
Langanhalten=
der Beifall folgte dem Schluß. Herr Schulrat Gerbig ſprach Herrn
Prälat Diehl den Dank der Verſammelten aus. An der Ausſprache
be=
teiligten ſich außer dem Vortragenden folgende Herren: Paſtor D.
Jo=
hannſen=Eſſen, Pfarrer Müller=Fürſtenau, Profeſſor Werner=Friedberg,
Dekan Bernbeck.
Nach der Mittagspauſe folgte der Vortrag von Herrn Lie. Dr.
Knevels=Heidelberg über „Das Religiöſe in der modernen weltlichen
Dichtung”, Redner zeigte, wie ſich das Fühlen und Denken eines
Volkes widerſpiegelt in den Dichtungen desſelben. Es gab eine Zeit
der Gott=Ferne in der Literatur, ſeit etwa dem Jahr 1900 trat eine
Wendung, auch in der modernen Dichtung trat eine Wandlung ein, es
iſt wieder modern geworden, auch von Göttlichem zu dichten, wenn man
es auch nicht mit dem Wort Gott bezeichnet. Oft muß man acht geben,
es zu finden, man muß den Stoff religionspſychologiſch durchdringen.
Redner zeigte auf dem Gebiet von Lyrik und Drama die religiöſen
An=
klänge und gruppierte ſeine Beiſpiele wie folgt: Sehnſucht und
Erfül=
lung. — Natur und Seele, — Gott und ich. — Eigenperſönlichkeit und
Gemeinſchaft. — Auch dieſe tiefgründigen Betrachtungen fanden regen
Beifall, und Herr Dekan Bernbeck ſtattete dem Redner den Dank der
Verſammelten ab. — An der Ausſprache beteiligten ſich außer dem
Vor=
tragenden Herr Oberſtudiendirektor Dr. Weiner und Herr Dekan
Bern=
beck. Nachdem letzterer ſeiner Befriedigung Ausdruck gegeben hatte über
den guten Beſuch und den ſchönen Verlauf der diesjährigen Tagung,
ſchloß er dieſelbe, und Herr Dr. Weiner dankte namens der
Tagungs=
teilnehmer Herrn Dekan Bernbeck und Herrn Schulrat Gerbig für das
Gebotene.
* Bezirksſchöffengericht.
p. Unter vier zur Verhandlung anſtehenden Fällen befinden ſich
drei ſolcher wegen Urkundenfälſchung.
1. Ein in Mannheim geborener Kaufmann ſoll, um ſich Proviſion
zu verſchaffen, Verſicherungsanträge für eine Berliner Geſellſchaft, die
Sparverſicherung betreibt, fälſchlich angefertigt und Verſicherungsgelder
für ſich verwendet haben. Er betont die Schwierigkeit der
Heranbrin=
gung von Verſicherungsnehmern, da die Geſellſchaft noch zu wenig
ein=
geführt geweſen ſei. Er gibt die fälſchliche Herſtellung von
Verſicherungs=
anträgen zwecks Proviſionsverſchaffung zu, beſtreitet aber teilweiſe ihm
zur Laſt gelegte Unterſchlagung von Verſicherungsgeldern. Aus der
Beweisaufnahme geht hervor, daß die Geſellſchaft ſchon ſeit 1848 beſteht.
Das Urteil erkennt unter Freiſprechung im übrigen (2 Fällen) auf
3 Monate 1 Woche Gefängnis und rechnet 1 Monat 1 Woche der
Unter=
ſuchungshaft an.
2. Ein weiterer Fall betrifft gleichfalls die Verſicherungsbranche.
Es ſollen hinſichtlich des Alters des zu Verſichernden im
Verſicherungs=
antrag unrichtige Angaben beurkundet worden ſein. Anläßlich eines
Krankheitsfalls kam die Sache heraus. Die Verſicherte bekam nach
An=
gabe des Angeklagten von der Krankenkaſſe nichts und trat aus. Der
weitere Fall der Anklage iſt ähnlich gelagert. Die Sache liegt in beiden
Fällen vier Jahre zurück. Das Urteil erkennt wegen Betrugs in zwei
Fällen auf 2 Wochen Gefängnis.
3. Ein lediger Bauarbeiter von Böckingen hat in Walldorf und in
Darmſtadt bei entfernten Verwandten Goldſachen, Kleider und Geld
(letzteres auch durch Leeren einer Sparbüchſe) entwendet. Urteil: 1 Jahr
2 Monate Gefängnis.
4. Ein Handelsmann iſt angeklagt, Ziegenbockfleiſch für Ziegenfleiſch
verkauft und es mit einem Stempel, der dem des Fleiſchbeſchauers
ent=
fernt ähnelte, verſehen zu haben; er beſtreitet die Tat und will in der
Anzeige einen Racheakt ſehen. Der Kreisveterinärarzt hat Fleiſch, das
ihm vorgelegt wurde, als Ziegenbockfleiſch am Geruche feſtgeſtellt. Nach
der Beweisaufnahme ſtank das Fleiſch ſehr und war erſt im
eingepöckel=
ten Zuſtande genießbar. Das Urteil erkennt auf 7 Monate Gefängnis.
— Die Auszahlung der Zuſatzunterſtützung für Sozialrentner
er=
folgt diesmal am Montag, den 17. Juni d. Js., vormittags, in
dem Schalterraum der Stadtkaſſe.
— Die Auszahlung der laufenden Zuſatzrenten für nicht im
Er=
werbsleben ſtehende Schwerkriegsbeſchädigte, Kriegshinterbliebene,
Alt=
rentner und Altrentnerinnen erfolgt am Samstag, den 15. Juni,
vormittags von 8—12 Uhr, durch die Stadtkaſſe.
TAm. Donnerstags=Konzert des Stadtorcheſters. Das zweite der
Donnerstags=Konzerte des Städtiſchen Orcheſters im ſchönen und
ſchat=
tigen Saalbaugarten, die ſich raſch eingebürgert haben und bei
dem Publikum ſich großer Beliebtheit erfreuen, fand am geſtrigen
Don=
nerstagabend trotz des dräuenden Himmels regen Zuſpruch. Schön
auch, daß die Zahl der Zaungäſte ſo groß war, noch ſchöner wäre es
freilich geweſen, wenn diejenigen; von ihnen, die ſich den niedrigen
Cintrittspreis leiſten können, im Garten geweſen wären und ſo ihre
Anerkennung für die Leiſtungen des Stadtorcheſters, das dieſe
Aner=
kennung wirklich verdient, unmittelbar bekundet hätten. Die Muſikfolge
brachte Strauß, und ſo rauſchten die unvergänglichen heiteren und
melodiöſen Wiener Kläne in den beiden Teilen der Muſikfolge an den
Ohren der Zuhörer in elektriſierendem Rhythmus vorüber. Mit dem
feurigen Radetzky=Marſch beginnend, kamen die Roſen aus dem Süden,
kamen Zigeunerbaron, Fledermaus und der luſtige Krieg zum Vortrag,
auch die immer wieder gern gehörten Geſchichten aus dem Wiener Wald
wurden höchſt beifällig aufgenommen. Das Orcheſter, das ſich
ausge=
zeichnet eingeſpielt hat, leiſtete unter ſeinem Dirigenten, Kapellmeiſter
W. Schlupp der ſeine Künſtlerſchar ſicher und eindringlich führte
ganz Vorzüglichs. — Im Rahmen dieſer Beſprechung, als zum Begriff
des Gartenkonzertes gehörig, ſoll auch erwähnt werden, daß die
Saal=
bau=Reſtauration allen Anſprüchen gerecht wird.
— Herrngarten=Kaffee. Heute Freitag, den 14. Juni, findet — wie
jeden Dienstag und Freitag —, abends 8 Uhr ein
Künſtlerkon=
zert ſtatt; dasſelbe wird von einem Enſemble des Stadtorcheſters
ausgeführt.
— Promenade=Konzert. Heute Freitag, den 14. Juni veranitaltet
das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp
ſein dieswöchiges Promenadekonzert von 5—6 Uhr auf dem
Mathil=
denplatz nach folgendem Programm: Düppelſchanzen=Marſch von
Piefke; Ouvertüre zur Operette „Banditenſtreiche” von Suppé;
Traum=
walzer von Millöcker; „Loin du Bal” von Gillet; „Ein Feſt in
Aran=
juez” von Demmerſemann; Torgauer Marſch.
— Erdferkel im Frankfurter Zoo. Als wertvolles,
hochwillkomme=
nes Geſchenk der bekannten Tiergroßhandlung L. Ruhe in Alfeld=
Leine ſind kürzlich zwei abeſſiniſche Erdferkel in den Frankfurter
Zoo gelangt, ganz abſonderliche Geſchöpfe, die das Intereſſe aller
Tier=
freunde auf ſich lenken. Sie ſind im „Rundbau” neben dem
Ameiſen=
freſſer untergebracht worden, ſo daß man die beiden grotesken
Tier=
geſtalten unmittelbar miteinander zu vergleichen Gelegenheit hat.
Ob=
wohl das Erdferkel für die afrikaniſchen Steppengebiete eine ähnliche
Rolle ſpielt wie der Ameiſenfreſſer in Südamerika, denn beide ſind
Vertilger der in den Tropenländern ſo zahlreich vorkommenden
Ter=
miten und Ameiſen, iſt die äußerliche Aehnlichkeit beider nur gering und
im anotomiſchen Bau zeigen ſich ſehr beträchtliche Unterſchiede.
— Beſichtigung des Botaniſchen Gartens. Kürzlich beſichtigten eine
Anzahl Mitglieder des Vereins Freunde der Darmſtädter Realanſtalten
mit Gäſten unter Führung des Herrn Garteninſpektors Klein, den
hieſigen Botaniſchen Garten. Beſonders gefiel das reichhaltige Kakteen=
und Sukkulenten=Sortiment des Gartens, wohl das größte in ganz
Deutſchland, welches der frühere Gartendirektor Purpus durch ſeinen
Bruder, welcher bereits über 50 Jahre in Mexiko Kakteenſammler iſt,
angeſchafft hat. Des weiteren ſahen wir eine große Anzahl
fleiſch=
freſſender Pflanzen; daran anſchließend ſtatteten wir den
Gewächs=
häuſern (Kalt= und Warmhäuſer mit tropiſchen Nutzpflanzen, wie
Kaf=
fee=, Kakao= Zimt= und Kampferbaum) einen Beſuch ab und ſehen
dabei eine blühende Agave, was wohl zu den größten Seltenheiten
gehören dürfte. Im Freien fielen dann beſonders die Farngruppe,
das Alpinum mit reichhaltiger Bepflanzung, zum Teil bli hende
Rho=
dodendron, die durch den harten Winter ſtark gelitten haben, ſowie
verſchiedene ſchöne Nadelhölzer und Heidekräuter ins Auge. Es iſt
er=
ſtaunlich, mit welch beſcheidenen Mitteln der jetzige Garteninſpektor
Keſſelring den Garten in einen derartig ſchönen Park
verwan=
delt hat. Die Stadt Darmſtadt kann ſtolz darauf ſein; einen ſolchen
Botaniſchen Garten zu haben, der aber leider von der Allgemeinkeit
der Bevölkerung zu wenig gewürdigt wird. Im Anſchluß daran fand
eine Beſichtigung des Licht= und Luftbades unter Führung des Herrn
Fabrikanten Schmank ſtatt.
—Billiger Sonntag im Frankfurter Zoo. Am Sonntag, den 16.
Juni d. J. iſt der Zoologiſche Garten und das Aquarium während des
ganzen Tages zu halben Eintrittspreiſen zugänglich. Nachmittags 4 Uhr
und abends 8 Uhr finden Konzerte unter Leitung des Kapellmeiſters
Otte ſtatt. Bei günſtiger Witterung Reit= und Fahrbetrieb im
Wäldchen.
Lokale Beranſtalkungen.
Die süortr erſcheinenden Nrtiyen ſind ausſchlietlich als Hinweife auf Anseigen m
in ſeinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krikk.
— Konzert. Im Wiener=Kronenbräu=Keller findet heute das
ſchon angekündigte große Infanterie=Konzert ſtatt. Bei dieſem Konzert
werden Fanfarenmärſche, Schlachtenpotpourri uſw. zu Gehör gebracht.
Die Kapelle wird von Herrn Kapellmeiſter Willy Schlupp dirigiert.
— Sonntag abend 8 Uhr Schallplatten=Konzert, übertragen durch
Kraft=
verſtärker=Anlage und Lautſprecher von der Firma Hans Schmidt. (S.
Anzeige.)
Aus den Parkeien.
— An der am kommenden Sonntag, den 16. Juni, ſtattfindenden
Rheinfahrt der Deutſchen Volkspartei kann jedermann, alſo
nicht nur die Mitglieder der Partei, teilnehmen. Der Dampfer fährt
vormittags halb. 10 Uhr vom Rheinkai vor der Stadthalle in Mainz
gab, fährt bis zur Loreley, dort wird gewendet und nach Bingen
zurück=
gefahren, wo ein Sommerfeſt in der dortigen Feſthalle, bei welchem
für beſte Unterhaltung geſorgt iſt, die Teilnehmer vereint. Nach etwa
dreiſtündigem Aufenthalt wird um 7 Uhr abends die Rückfahrt nach
Mainz angetreten. Ungefähr um 9 Uhr abends wird der Dampfer in
Mainz wieder landen. Die Dampferfahrt koſtet nur 4 Mk. für Hin=
und Nückreiſe (Normalpreis 8,50 Mk.); Kinder zahlen die Hälfte,
Kar=
ten ſind zu haben auf der Geſchäftsſtelle der Deutſchen Volkspartei,
Zimmerſtraße 1 (von 9—1 und 3—6.30 Uhr), Fernſprecher 3540 und
1304, und auf dem Verkehrsbuveau, Ernſt=Ludwigsplatz (Fernſprecher
582) ſowie am Sonntag vormittag auf dem Dampfer. Die Darmſtädter
Teilntehmer fahren mit dem Zug 7.53 Uhr vormittags Darmſtadt ab
nach Mainz=Süd; Rückfahrt abends von Mainz=Süd um 9.41 Uhr
An=
kunft in Darmſtadt abends 10.30 Uhr. Es empfiehlt ſich, die
Eiſen=
bahnkarten ſchon am Samstag abend bei dem Verkehrsverein, Ernſt=
Ludwigsplatz) zu kaufen (Preis für Sonntagskarte nach Mainz=Süd 1,70
Mark), damit der Andrang an den Schaltern am Bahnhof Sonntag
vormittag nicht zu groß wird.
Tageskalender für Freitag, den 14. Juni 1929.
Heſſ. Landestheiter, Großes Haus, Anfang 19.30 Uhr, Ende
22½ Uhr, D 27: „Sly”. — Kleines Haus: Keine Vorſtellung. —
Orpheum, abends 20.15 Uhr: „Eine einzige Nacht”. —
Kon=
zerte: Schloßkaffee, Hotel Schmitz, Reichshof, Sportplatz=
Reſtau=
rant, Kaffee Ganßmann. — Herrngartenkaffee, abends
20 Uhr: Künſtler=Konzert. — Wiener Kronenbräukeller,
abends 20 Uhr: Infanteriemuſik des Stadtorcheſters. —
Heag=
haus, abends 20 Uhr: Vortrag von Frl. Hellwig. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
Skarkenburg.
4a. Arheilgen, 13. Juni. Akademiſche Feier. Als Auftakt
zum Jubelfeſte des Arbeitergeſangvereins Treue fand eine akademiſche
Feier im Löwenſaale ſtatt, die einen hurchaus befriedigenden Verlcnf
nahm. Unter Mitwirkung der Orcheſtervereinigung fanden Anſprache
des Präſidenten, Begrüßung durch den Bezirtsvorſitzenden ſtatt, und
Chöre des feſtgebenden Vereins vervoll’ſtändigten die Feier 36 Gründer
nahmen an der Feier teil und wurden durch Ueberreichung der ſilbernen
Bundesnadel geehrt. Mitbegründer Müller dankte für die Ehrung und
überreichte eine Aufnahme der Gründungsmitglieder. Glückwünſche
de=
hieſigen Vereine und der Gemeinde folgten. Ded derzeitige Dirigent
ſprach kurz uber den Wert und die Ziele des Geſangs. Die Feier nahm
einen ſehr würdigen Abſchluß. Am kommenden Sonntage folgt die
Hauptfeier. — Die hieſige Darmſtädterſtraße iſt laut Bekanntgabe
des Kreisamts Guoß=Gerau von der Dieburgerſtraße bis Mühlſtraße in
nord=ſüdlicher Richtung, die Auguſt=Bebelſtraße (ſog. Reitbahn) von der
Etteſtraße bis zur Dieburgerſtraße in ſüdnördlicher Richtung für den
Durchgangsverkehr geſperrt. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 1. Juli
ds. Js. in Kraft. Zuwiderhandlungen werden mit Geldſtrafe bis 150
Mark beſtraft.
Arheilgen, 13. Juni. Freitag, abends ½9 Uhr, hält im
Gemeinde=
haus Pfarrer Lemp aus Stan/slau in Galizien einen Lichtbilder=Vortrag
über „Deutſch=evang. Leben in Galizien und der Ukraine‟. Es wird
viele geben, die ſchon von den großartigen Werken chriſtliher Liebe in
Stanislau gehört haben, die von Pfaruer Zöcklen, dem Sohn eines
Heſſen, dort ins Leben gerufen wurden. Sie ſind immer mehr Zentrum
alles evang.=deutſchen Lebens dort geworden und heute Mittelpunkt
einer weit in die Ukraine reichenden evang. Bewvegung, die unſer
ſtärk=
ſtes Intereſſe beanſprucht.
An. Arheilgen, 13. Juni. Der hieſige Blaukreuzverein
feiert nächſten Sonntag ſein 20). Jahresfeſt im hieſigen evangeliſchen
Ge=
meindehaus. Im vormittäglichen Feſtgottesdienſt ſpricht Herr Pfarrer
Grünewald aus Frankfurt a. M. — Das 25jährige Jubelfeſt der
hie=
ſigen Sportvereinigung 04 findet vom 6. bis 8. Juli d. J. auf
dem Anthesſchen Grundſtück in der Guten=Gartenſtraße ſtatt.
E. Wixhauſen, 13. Juni. Einem 19jährigen jungen Mann, der eine
Schuſwaffe in der Hoſentnſche bei ſich trug, ging dieſe plötzlich los.
Dabei wurde ſeine eine Hand ſehr ſchwer verletzt. Wegen der
Gefährlic=
keit der Verletzung wurde er ſofort durch ein Darmſtädter Kranten uto
in das Darmſtädter Krankenhaus eingeliefert.
Aa. Eberſtadt, 13. Juni. „Neue Gaswerke A.=G.
Eber=
ſtadt‟. Die „Neue Gaswerke A.=G. Eberſtadt” ſind auf Grund eines
Geſellſchaftsvertrages Ende April d. J. gegründet worden. Gegenſtand
des Unternehmens iſt die Erzeugung und der Vertrieb von Gas ſowie
die Verarbeitung und der Vertrieb der Nebenerzeugniſſe, insbeſondere
im Bezirk der Landgemeinde Eberſtadt, ferner die Beteiligung bei
an=
deren Unternehmungen jeder Art und jeder Form ſowie die Führung
von Geſchäften aller Art, die den Geſchäftszweck zu fördern geeignet
ſind. Das Grundkapital beträgt 250 000 Mark und iſt in 250
Aktien zu je 1000 Mark eingeteilt, die auf den Inhaber lauten. Die
Aktien werden zum Nennwert ausgegeben. Bei einer Kapitalerhöhung
iſt die Ausgabe der Aktien zu einem höheren Betrag als dem Nennwert
geſtattet. Der erſte Vorſtand iſt von den Gründern beſtellt worden,
und zwar Bürgermeiſter Dr. Curt Uecker und Oberſteuerſekretär Heißt
in Eberſtadt. Gründer der Geſellſchaft ſind die Landgemeinde
Eber=
ſtadt, Beigeordneter Peter Flick, Landwirt Heinrich Dächert 4.,
Ober=
ſteuerſekretär Peter Heißt und Reichsbahnangeſtellter Karl Meidinger 1.
Die Gründer haben ſämtliche Aktien übernommen. Mitglieder des
Aufſichtsrats ſind Beigeordneter Peter Flick, Landwirt Heinrich
Dächert 4. und Reichsbahnangeſtellter Karl Meidinger 1. in Eberſtadt.
Die Geſellſchaft iſt unter dem 29. Mai d. J. in das Handelsregiſter
des Heſſiſchen Amtsgerichts II Darmſtadt eingetragen worden.
Aa. Eberſtadt, 13. Juni. Waiſenſchutz=Jubiläum.
An=
läßlich des 25jährigen Jubiläums des hieſigen Zweigvereins des
Heſſi=
ſchen Fechtvereins Waiſenſchutz wurde der Mitbegründer Dr. med.
Theodor Aſcher zum Generalfechtwart ernannt. Außerdem wurden die
verdienſtvollen Mitglieder Johann Back, Johann Bauer und Albrecht
Heilmann Generalfechtwarte. Hauptfechtwarte wurden Heinrich
Ber=
ger, Heinrich Beſt, Albert Sauer, Friedrich Stey und Peter Wagner.
Oberfechtwarte wurden Pfarrer Braun, Pfarrer Paul, Karl Berns,
Rudolf Evers, Peter Scharſchmidt, Adam Reichardt, Friedrich Pfeiffer=
Eſchollbrücken, Wilhelm Kirſcher und Georg Hartmann. Außerdem
wurde 26 Mitgliedern die Titelbezeichnung „Fechtwart” verliehen. Das
Jubiläum wurde in einfacher Weiſe in einem Feſtkommers gefeiert, bei
dem die Turnerinnen der Turngeſellſchaft E.V. der Geſangverein
Sängerluſt”, der verſtärkte Muſikverein „Edelweiß” und mehrere
So=
liſten mitwirkten. Außerdem wurde ein Blumentag abgehalten. — Der
Zitherkranz Eberſtadt (Zither= und Mandolinenklub) beteiligte ſich
am Sonntag an einem großen Zither= und Mandolinenklubwettſtreit
in Eppertshauſen, der anläßlich des zehnjährigen Beſtehens des
Wan=
derklubs Eppertshauſen ſtattfand. Trotz ſtarker Konkurrenz errang die
Mandolinenabteilung des Zitherkranzes Eberſtadt in der A=Klaſſe den
dritten Preis. Sie erreichte 109 Punkte. — Neubautätigkeit.
Im vergangenen Jahre wurden in Eberſtadt 38 bauolizeilich
abgenom=
mene Neubauten errichtet. Im Jahre 1927 waren es 56 Neubauten.
Der Zugang an neuen Wohnungen betrug im vergangenen Jahre 62
gegen 89 im Jahre 1927.
4a. Eberſtadt, 13. Juni Unfall. Ein hieſiger Bäckerburſche
wurde auf der Darmſtädter Straße mit ſeinem Fahrrad von einem
Per=
ſonenauto aus Mannheim angefahren. Das Rad wurde vollkomen
zertrümmert. Wie durch ein Wunder kam der junge Mann ſelbſt ohne
größere Verletzungen davon. — Die hieſige Volksſchule plant, Anfang
Juli von Mainz aus eine größere Rheinfahrt (Dampferfahrt) zu
unternehmen.
Aa Pfungſtadt, 13. Juni. Sammlung fürs Rote Kreuz.
Der hieſige Frauenverein nimmt am kommenden Sonntag eine
Samm=
lung für das Rote Kreuz vor. — Heugrasverſteigerung.
Montog, den 17. Juni (nachmittag3 2 Uhr), wird im Rathausſaal eine
Heugrasverſteigerung vorgenommen.
Aa. Pfungſtadt, 13. Juni. Rückgang des
Schweinebeſtan=
des. Die Schweinezwiſchenzählung von Anfang dieſes Monats. ergab
hier einen Schweinebeſtand von 1232 Tieren. Die Zahl der Schweine
iſt hier im Vergleich zur vorletzten Zählung um rund 525 Stück
zurück=
gegangen.
4a. Malchen, 13. Juni. Wäſchediebſtahl. In einer der letzten
Nächte brachen unbekannte Diebe in eine Waſchſtube in Malchen ein
und erbeuteten einen größeren Poſten Wäſche. Es wurde ſofort ein
Polizeihund eingeſetzt, der auch eine gewiſſe Spur verfolgte.
Hoffent=
lich gelingt es, die Täter zu überführen. — Kreisfeuerwehrfeſt.
Die Vorbereitungen zu dem Kreisfeuerwehrfeſt, am 29. und 30. Juni,
ſind in vollem Gange. Abends findet ein Kommers ſtatt. Sonntags
vormittags wird eine größere Uebung abgehalten. Die Feſtrede am
Feſtnachmittag, der durch einen Feſtzug eingeleitet wird, hält Pfarrer
Hofmann=Nieder=Beerbach. Montags iſt ein allgemeines Volksfeſt
vor=
geſehen. Die Freiwillige Feuerwehr Malchen verbindet mit dem Feſt
die Abhaltung ihres 50jährigen Jubiläumsfeſtes.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 13. Juni.= Krieger= und Veteranen=
Verein. Zum Zwecke der gründlichen Ausſprache aller das am 6.
und 7. Juli l. Js. ſtatrfindenden Feſt der Weihe der neuen Fahne
betref=
fenden Fragen findet am kommenden Samstag, abends 8.30 Uhr, eine
Verſammlung bei Kamerad Jean Leißler ſtatt. — Spar= und
Dar=
lehenskafſeverein e G. m. u. H. Die am kommenden
Sams=
tag, abends 8.30 Uhr, im Gaſthaus „Zur Poſt” (Breidert) ſtattfindende
Hauptverſammlung iſt für die Mitglieder von ganz beſonderer
Beden=
tung. In ihr werden alle Fragen nochmals eingehend zur Erörterung
kommen, die vor einiger Zeit die Gemüter allzuſehr erregt hatten.
C. Ober=Ramſtadt, 13. Juni. Autounfall. Auf der Hahner
Chauſſee fuhr geſtern, wahrſcheinlich infolge Verſagens der Steuerung,
ein Perſonenkraftwagen aus Darmſtadt gegen einen Baum. Die
In=
ſaſſen kamen mit dem Schrecken davon, während der Wagen erheblich
beſchädigt wurde. — Schweinezwiſchenzählung. Die kürzlich
ſtattgefundene Schweinezwiſchenzählung ergab einen
Geſamtſchweine=
beſtand von 682 Stück. — Bis zum 15. Juni ds. J3. iſt laut
Auffor=
derung der Bürgermeiſterei das noch im Wald befindliche Nutz= und
Brennholz abzufahren.
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Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 7
* Auf dem Kühkopf.
Erinnerungen an vergangene Zeiten.
Man braucht ſich nicht zu wundern, daß gerade unſer heſſiſches
Naturſchutzgebiet, der Kühkopf, in letzter Zeit wieder außerordentlich
ſtark bevölkert iſt. Zwar hatten ſich bisher verhältnismäßig wenig
Paddeler eingefunden, dafür aber bringt der Dampfer „Rheingold”
aus Mainz, der regelmäßige Sonntagsdampfer, ſtets unzählige
Ausflügler mit. Sehr ſtark war der Zugang von Erfelden und dann
auch von Stockſtadt her. Was gleich geſagt werden muß, man ſollte
doch auch die Radler auf dem Kühkopf verbieten. Nicht nur auf
brei=
teren Waldwegen, ſogar auf den Dämmen und Wieſenwegen findet
man unzählige Radler. Wer nach dem Kühkopf will, der ſollte zu Fuß
kommen. Unſer heſſiſches Paradies bietet auch wirklich noch Gelegenheit
zur Erholung. Weite herrliche Waldwege, in denen der Kuckuck noch
ruft und wo die Nachtigall ſo wundervoll ſchlägt, Dämme mit der
herr=
lichſten Apfelbaumblütenpracht, Wieſen, die ſo ſaftig, daſtehen, wechſeln
mit wilden Uferlandſchaften des Altrheins, in denen wir noch allerlei
fremde Vögel treffen, die nur noch auf dem Kühkopf heimiſch ſind. Das
alles macht einem das Herz weit und läßt den Alltag vergeſſen. Und
wenn wir nach einem ausgedehnten Spaziergang — zuletzt noch an dem
ſchmucken Gute des Freiherrn v. Heyl „Schmittshauſen” vorbeikommen
und den buntgefiederten Pfauen ein wenig unſere Aufmerkſamkeit
ge=
widmet haben, dann ladet uns das Forſthaus Kühkopf zu einem
Abend=
ſchoppen ein. Heute iſt allerdings das Forſthaus ein ſtark beſuchtes
Lokal, das in vielen Wirtsſtuben, einer Terraſſe und einer „
Garten=
wirtſchaft” einer großen Zahl Gäſte Erfriſchungen bietet.
Wenn man etwa 20 Jahre zurückdenkt, dann muß man ſagen, daß
auf dem Kühkopf doch auch ſo manches anders geworden iſt.
Damals traf man weit und breit ſelten nur einen Menſchen, der ſich
zur Erholung eingefunden hatte. Meiſt war es nur der Förſter oder
ein Forſtgehilfe, der uns begegnete. Wunderſame Stille herrſchte auf
der Inſel. Stille von Menſchen, dafür war die Vogelwelt umſo
leb=
hafter, die hier heimiſch war und heute noch zum Teil iſt. Nach
ſtunden=
langem Wandern kam man an das alte Forſthaus Kühkopf. Drei Tiſche
nur deuten an, daß der Förſter auch Gaſtgeber iſt. Er hat ein gutes
Glas Milch, eine gute Portion Speck mit Eier und ein gutes Stück
ſelbſtgebackenes Brot für ſeine Gäſte bereit. Und dann erzählt er von
den verſchiedenen Vögeln, von dem Rotwild und vom Kuckuck, und
zu=
letzt gibt er uns noch 2 Kuckuckseier mit, die wir von einer Henne —
leider ohne Erfolg — ausbrüten laſſen.
Und vor dem Forſthaus, da ſtanden zwiſchen ſchattigen Bäumen
ver=
ſchiedene primitive Tiſche und Bänke, die denen, die das Forſthaus nicht
aufſuchen oder im Freien ruhen wollten, beſtimmt waren und auch —
was ſehr ſelten vorkam — Vereinen, die mit Schiffen nach dem
Alt=
rhein kamen, Gelegenheit zur Unterkunft boten. Heute ſind allerdings
die ſchönen ſchattigen Plätzchen beim Forſthaus verſchwunden. Große
Waldſtücke wurden vor einigen Jahren im Auftrage der Franzoſen
ab=
geholzt. Schade! Und das alte Forſthaus, es dient heute als
Ver=
ſteigerungslokal, und wenn Vereine kommen, als Tanzboden. So hat
auf dem Kühkopf der Zahn der Zeit auch manches geändert, aber in
der Urwüchſigkeit iſt die Inſel doch geblieben.
is.
Hunpltſcr in Kraniafftein.
Von Gerhard Heſſe.
Allmählich graut es im Oſten. Noch ruft die Eule ihr wildſchauriges
Lied, noch ſchweben zwiſchen den Stämmen die graudunklen Schatten
der Nacht. Ueber den taufeuchten Schneiſen und Geſtellen liegt ein
bläu=
licher Dunſtſchein. Der Frühwind ruſchelt im Unterholz und ſummt in
den zartbelaubten Kronen der knorrigen, alten Eichen. Wie drohende
Geſpenſter ſtehen die Wachholderbüſche am Grabenrand.
Behutſam pürſih= ich bis an die große Wieſe. Dort lehne ich mich
an den Stamm des alten Buchen=Ueberhälters und warte, bis es hell
wird. Neben mir im Beſtand raſchelt es verſtohlen. Ueberall kriechen
Schnecken in dem faulen Laub, und Kröten watſcheln ſchwerfällig auf
den durchnäßten Wegen.
Jetzt flötet dort hinten eine Amſel. Die Eule iſt längſt verſtummt.
Im Oſten färht ſich der zartbewölkte Himmel roſarot. Ganz langſam,
wie ein blutroller Ball ſteigt die Sonne über die dunklen Fichten und
überflutet mit ihrem wärmenden Zauberlicht das zarte Grün. Nun
be=
ginnt ein vielſhimmriges Konzert. Ningsum ſchmettern die Finken, läuten
Fitis und Meiſe und flöten die Droſſeln. Braunelle und Grasmücke
zwitſchern, in den Eichen pfeifen die Stare, und wie ein Jauchzen klingt
das ſilberhelle Lachen der Spechte durch den ſonnigen Maienwald.
Häher ſtreichen lärmend von Baum zu Baum, und weit hinten über der
Wieſe, in dem ſturmzerzauſten Wipfel einer rieſigen Fichte ruft laut und
herriſch ein Rigeltauber ſein wildes Minnelied. Hell ſchimmert ſeine
breite Bruſt im Glanze der goldenen Frühſonne.
Eben bricht es leiſe hinter mir im Beſtand. Vorſühtig, drehe ich
mich um und nehme das Elas an die Augen. Ein Altreh zieht vertraut
zwiſchen den Brombeerbüſchen hindurch an mir vorbei. Jetzt verhofft es
und äugt mich aus ſeinen ſchönen, dunklen Lichrern an. Unruhig tritt
es mit den Vorderläufen hin und her, nickt mit dem Grint, windet und
wechſelt dann über die Schneiſe, um gleich darauf im raumen
Stangen=
holz unterzutauchen. Geräufchlos verlaſſe ich meinen Platz und pürſche
an dem Geſtell entlang.
Auf der kleinen Lichtung mümeln zwei Haſen eifrig, das junge
Gras, doch nirgends zeigt ſich zwiſchen den grünen Büſchen ein voter
Fleck. Ein Eichhorn fährt raſſelnd an dem Stamm der alten Fichte
hoch und faucht aus ſicherer Höhe. Plötzlich warnt weiter vorne ein
Häher. Ich bleibe ſtehen und nehme das Glas hoch. Jetzt bricht es in
der Dickung zur Nechten, und achtzig Gänge vor mir tritt ein Bock auf
die Schneiſe. Heil leuchten die weißen Enden des Gehörns über den
dunklen Lauſchern. Sofort hat er mich eräugt, und mit dröhnendem
Baſſe ſpringt er ab. Ganz behutſam, auf alles dürre Geknück achtend,
ſchleiche ich weiter. Die Sonne ſteht ſchon hoch über den Kronen. Ihr
rubinroter Schein hüllt alles in ein gleißendes Gold. Auf den platten,
grauen Stämmen der hochſchäftigen Buchen ſpielen zauberhafte Flecken,
vergoldet ſcheint die braunrote Borke der hohen Kieſern, hell lodert das
fahle Vorjahrslaub am Boden, und wie ferne Träume leuchtet der
ſchlan=
ken Birken ſchwarz=weiße Rinde. Blitzende Fliegen ſpielen in der klaren
Luft, und buntſchillernde Falter gaukeln in unſtetem Fluge dahin.
Immer weiter pürſche ich durch den ſonnigen Morgen. Ein Rudel
Kahlwild zieht an mir vorbei, überfällt den Graben und wechſelt in die
ſchutzende Dickung. Weit hinten im hohen Holz läutet ein Kuckuck und
überall kurren die Täuber. Plötzlich bleibe ich ſtehen, ſinke langſam in
mich zuſammen und tauche im Graben unter, denn vor mir, halb
ver=
deikt von dem dichten Unterholz, ſtehen drei Geweihte. „Ich nehme
vor=
ſichtig das Glas an die Augen, kann aber wegen den Büſchen nichts
ſehen. So krieche ich denn auf der Grabenſohle weiter. Wie ich mich
endlich aufrichte, haben ſich die Hirſche niedergetan und döſen mit
halb=
geöffneten Lichtern vor ſich hin.
Ich mache es mir bequem und warte, denn lange bleiben die drei
da doch nicht ſitzen, das weiß ich. Vor mir im tnockenen Heidekraut
ſonnt ſich eine grünſchillernde Eidechfe. Ich nehme einen langen Halm
und necke ſie damit. Ein paar mal ſchnappt ſie danach, dann wird es
ihr zu dumm, und blitzſchnell verſchwindet ſie in ihrer Brombeerburg.
Das Warten wird mir nicht lange. Erſt ſehe ich den Ameiſen zu, dann
beobachte ich einen buntſchillernden Laufkäfer, der wie irrſinnig auf der
Grabenſohle hin und her rennt. Ein Tauber fällt auf dem Hornzacken
der alten Eiche ein und äugt wild umher. Erſt ſitzt er eine Weile ſtill,
ſich an der Sonne labend, dann zupft er ſſein blaugraues Kleid zurecht,
bläſt den Kropf auf, pluſtert ſich, ſchüttelt ſich und ſchnurrt leiſe vor ſich
hin. Plötzlich ſteigt er mit klatſchendem Flügelſchlag über die Kronen,
um ſich wieder im Sturzflug zu ſenken. Am Blauhimmel kreiſen
Buſſarde mit lautem Katzenſchrei und jagen ſich im wilden Minmeſpiel.
Um die Blüten ſummen Hummeln, und ganze Schwärme von Schnaken
tanzen in der ſtillen Luft. Zwiſchen den Stämmen brütet die Hitze, und
traumocrloren klingt des Rotkehlchens Silberlied durch die tiefe Stille.
Endlich werden die drei Gewehten hoch, ſchüitteln die blinden
Flie=
gen vom Baſt und ziehen dann langſam in die Dickung. Befriedigt gebe
ſch heimwärts durch den ſonnigen Maienmorgen.
Cm. Wollerſtädten, 13. Juni. Ein leichter Verkehrsunfall ereignete
ſich wieder an der Straßenkreuzung bei Burkardt. Dort wollte ein
Rad=
fahrer die Kurve nehmen, als in demſelben Augenblick ein Auto von der
Fahrſtraße kam. Der Wagenführer fuhr unter Außerachtlaſſung der
einfachſten Verkehrsvorſchrift auf der linken Straßenſeite. Der
Rad=
fahrer konnte ſich durch Abſpringen noch retten, ſein Rad wurde ſtark
beſehädigt. — Der Schaden, den vor einigen Tagen ein Laſtkraftwagen
au gleicher Stelle am Hauſe Burkavdt angerichtet hat, wurde mit 1700
Mark veranſhlagt. Das Haus wird zur Zeit repariert.
Gernsheim, 13. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
12. Juni 1,85 Meter, am 13. Juni 1,83 Meter.
Ca. Lorſch, 11. Juni. Die Srraße Lorſch-Bürſtadt ſcheint ſich
all=
mählich zu einer Unglücksſtrecke zu entwickeln. Nachdem erſt kürzlich
ein Autounfall mit einem Todesfall endigte, ereignete ſich kürzlich ſchon
wieder ein Unfall, der allerdings etwas glimpflicher abging. Ein
Liefer=
wvagen von Mutterſtadt ſtieß auf einen Perſonenwagen, der kurz vorher
überholt hatte und in eine Seitenſtraße einbiegen wollte, auf und wurde
ſo ſtark beſchädigt, daß er abgeſchleppt werden mußte, wührend das
Perſonenauto mit leichteren Beſchiidigungem davonkam. Eine
Frauens=
perſon erlitt unbedeutende Verletzungen. Die Schuldfrage iſt noch nicht
geklärt. Ermittelungen ſind im Gange.
— Ober=Roden, 13. Juni. Eine ſchwer geprüfte Familie.
Vom Schickſal ſchwer geprüft wird die Familie des Landwirts und
Händlers Michael Kraus 2. von hier. Landwirt Kraus hatte ſich
Ge=
ſchäfte halber nach Frankfurt begeben. Als er abends nicht
zurück=
kehrte, erfuhren die ihn ſuchenden Angehörigen ſchließlich, daß er
unter=
wegs von einem Auto überfahren worden iſt und mit einem ſchweren
Schädelbruch in ein Frankfurter Krankenhaus eingeliefert wurde. Er
iſt ſeinen ſchweren Verletzungen inzwiſchen erlegen. Eine Witwe und
acht Kinder trauern um ihn. Vor 19 Jahren war am gleichen Tage
ſeine erſte Frau an ſchweren Brandwunden geſtorben. Vor zwei
Jah=
ren verlor die Familie durch Feuer Scheune und Stallung der Hofreite.
Aa. Langen, 13. Juni. Tödlicher Unfall. Der Sohn des
Landwirts Breidert, Philiep Martin Breidert, der in der vergangenen
Woche beim Sandholen vom eigenen Fuhrwerk überfahren wurde, iſt
jetzt im Krankenhaus Langen ſeinen ſchweren Verletzungen erlegen.
Der junge Mann war 24 Jahre alt. U. a. war er Mitglied der
Frei=
willigen Feuerwehr.
Oberheſſen.
h. Butzbach, 13. Juni. Ein heſſiſcher Dragonertag mit
Denkmalewihe, finder am 29. und 20. Juni in unſerer
ehemali=
gen Dragoner=Garniſonsſtadt ſtatt. Es handelt ſich um die Weihe eines
Denkſteines zur Erinnerung an die einſtigen weißen Dragoner Nr. 24,
von denen zwei Eskadronen hier ſtanden. Er kommt in den ſchönen
Anlagen der Ludwigſtraße Ecke Guldengaſſe zur Aufſtellung; als
Hin=
tergrund dient die alte Stadtmauer, die umſtehenden Bäume umrahmen
das Ganze. Der Gedenkſtein erhält Manneshöhe und trägt eine Pla=
kette mit dem Reiterſtandbild eines Heſſiſchen Dragoners. Der
Stadtz=
rat hat faſt einſtimmig die Aufſtellung genehmigt. Nach den bis jetzt
aus allen Teilen des Reichs eingelaufenen Anmeldungen kann mit einem
Beſuch von mehreren Tauſend ehemaligen Dragonern gerechnet werden.
h. Butzbach, 12. Juni. Die Einführung des fünfſtünn
digen Vormittagsunterrichts on der ſtädtiſchen
Volks=
ſchule wurde vom Schulvorſtand unter dem Vorſitze von Bürgermeiſter
Dr. Janſen einſtimmig beſchloſſen. Die Angelegenheit wurde
kürzlich von ſozialdemokratiſchen Stadträten angeregt und darauf dem
zuſtändigen Schulvorſtand überwieſen.
Butzbach, 13. Juni. Eine Tagung der geſamten Kleing
gärtner des Heſſenlandes findet am 27. und 28. Juli hier
ſtatt.
h. Klein=Linden, 13. Juli. Das 11. Bundesfeſt des
Rad=
fahrerbundes Oberheſſen wird hier anläßlich des 25
jäh=
rigen Jubelfeſtes des Radfahrervereins 1904 vom
22.—24. Juni abgehalten. Es treffen nahezu 40 Radfahrervereine aus
allen Teilen Oberheſſens und des Lahntales ein, darunter auch die
Vereine Alsfeld, Hungen, Lich, Laubach, Londorf uſw.
Romrod bei Alsfeld, 12. Jum. Zum Ehrenbürger unſeres
Städtchens wurde Forſtrat Nikolaus, der nunmehr nach Gießen
überſiedelt, ernannt. Der Bürgermeiſter überreichte dem Scheidenden,
der ſich während ſeiner 15jährigen hieſigen Tätigkeit große Verdienſte
um das Wohl der Gemeinde gemacht hat, eine prachtvolle Ehrenurkunde
und kredenzte ihm den Ehrentrunk der Stadt Romrod aus einem der
biſtoriſchen Becher.
Seite 8
Freitag, den 14. Juni 1929
Nummer 163
OUM
HNT
Ingeborg
Eliſabeth
ie glückliche Geburt einer Tochter
— beehren ſich anzuzeigen
Buchdruckereibeſitzer Guſiav Rebel
und Frau Eliſabeth, geb. Zimmermann
Darmſtadt, Hügelſtr. 3, den 13. Juni 1929.
— Zt. Alice=Hoſpital, Wöchnerinnen=Abteilung.
Am Donnerstag, den 13. Juni, entſchlief nach
langem, ſchweren Leiden unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter,
Schwäge=
rin und Tante
geb. Fuchs
im Alter von 63 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Wilh. Niebel.
Familie Hch. Schwarz.
Darmſtadt, den 13. Juni 1929. (9948
Die Beerdigung findet Samstag, den 15. Juni,
nach=
mittags 1/,3 Uhr, vom Portal des Alten Friedhofs
aus ſtatt.
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Geſtern verſchied nach langem ſchweren Leiden
unſere liebe Tochter, meine liebe Mutter
im 32. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten die trauernden
Hinterbliebenen:
Georg Schanz und Frau
wendelſtadtſtr. 18 Walter Auſtermann, Sohn
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag 3 Uhr
auf dem Waldfriedhof von der Kapelle aus ſtatt. *
Darmſtadt,
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme bei
dem Heimgange meiner lieben Frau, für die vielen
Kranzſpenden, insbeſondere des 1. Bezirks der
Straßen=
reiniger, Herrn Kaplan Schüler für ſeine troſtreiche
Grabrede, den Schweſtern des Städt. Krankenhauſes
für ihre liebevolle Pflege, den Barmherzigen Schweſtern
für ihren hilfreichen Beiſtand ſagt herzlichen Dank
Philipp Schäfer, Straßenreiniger
und Kinder Eliſabeth und Martha.
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Herrn
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Die Beiſetzung findet am
Frei=
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auf dem Waldfriedhof ſkatt.
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brauchſt du von dieſer billigen Bodenwichſe
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Markt 12
Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 9
Gefclcien das diel Ben.
Miß Europa in Nöken.
(r) Budapeſt. Verſchiedene Leute behaupten, die ungariſche
Hauptſtadt wäre, als der Sohn Lord Rothermeres, der „dachentötende
Siegfried”, wie ihn die überſchwengliche Magharenſeele nannte, die
ungariſche Grenze überſchritten hatte, nicht in ſo heller Aufregung und
Begeiſterung geweſen wie bei der Rückkehr Böske Simons, der Miß Europa,
Eon ihrem Siegeszug durch zwei Welten. Es ſei dahingeſtellt, ob die
kleine Böske wirklich das ſchönſte Mädchen Ungarns, geſchweige denn
das ſchönſte Europas ſei. Auf jeden Fall jubelt man in Ungarn jedem
zu, der den Namen und das Elend dieſes Landes außerhalb ſeiner
engen, grauſamen Grenzen bekannt macht. Nur geht man bei dieſen
Dingen manchmal etwas zu weit. Und man mag ſeine eigenen Gedanken
bekommen, wenn man in der Budapeſter Boulevardpreſſe ſpaltenlange
Berichte darüber lieſt, wann Böske Simon erwacht, was ſie von acht bis
24 Uhr und darüber hinaus tut, welche Briefe ſie bekommt, was ihr
Sckretär ſagt, — ſie hat natüirlich einen Sekretär —, was ihre Mutter
ſagt, was ihr Bruder macht, wie ihre Kleider und Schuhe beſchaffen
ſind uſw. uſw. Wie geſagt, man mag dabei ſeine eigenen Gedanken
bekommen, und mag ſich auch erinnern, daß Miß Europa bereits an
ihrem erſten Tage in Paris erklärt hatte, daß ſie zwar ſehr zufrieden,
aber auch ſehr müde ſei.
Ein Hunderkjähriger kocht den beſten Kaffee der Welt
(4) Konſtantinopel.
Gar kein Zweifel, daß der „jüngſte” Kaffeehausbeſitzer von
Konſtantinopel, der „nur” hundertjährige Abrahams Nafiz, den
beſten, aromatiſchſten Kaffee auf Erden kocht. War er doch bis
zum Tode ſeines hohen Herrn der „Leibkaffeekoch” des Sultans
Abdul Hamid. Und darüber hinaus der einzige Vertrauensmann
des ungemein mißtrauiſchen Herrſchers aller Türken. Abdul Hamid
lebte nämlich (gleich den meiſten ruſſiſchen Zaren) in ſteter Angſt
um ſein Leben, witterte in jedem Menſchen einen Verſchwörer,
und in der Hofküche arbeitete eine richtiggehende „chemiſche
Ver=
ſuchsanſtalt”, um alle dem Sultan vorzulegenden Speiſen und
Getränke aufs gründlichſte zu analyſieren. Alle Diener und
Be=
ſucher mußten in der Geſellſchaft Abdul Hamids die Hände hoch
halten; auf dieſe Weiſe wollte ſich der ängſtliche Herrſcher vor
improviſierten Attentaten ſichern. Einmal wurde ein Miniſter
zum Tode verurteilt, weil er verſehentlich in ſeine Rocktaſche griff,
um ein Taſchentuch hervorzuholen. Abraham Hafiz war alſo der
Einzige, vor dem Abdul Hamid keine Angſt hatte; der Kaffeekoch
war von dem „Hands up!”=Befehl befreit. Mit hochgehobenen
Händen hätte er ja auch nicht gut bedienen können! Denn
Abra=
ham Nafiz wurde zu jeder Tages= und Nachtzeit zum Sultan
be=
fohlen! Abdul Hamid war ein leidenſchaftlicher Kaffeefreund, der
täglich durchſchnittlich ſiebzig Taſſen „türkiſchen” Mokkas
ver=
tilgte . . .
Mehr will aber der beſte Kaffeekoch der Welt nicht erzählen;
er iſt wie zuvor ein vorbildlich treuer Diener ſeines längſt
ver=
ſtorbenen kaiſerlichen Herrn geblieben, der die Geheimniſſe des
türkiſchen Sultanhofes auf keinen Fall preisgeben möchte.
Das Kochbuch.
(r) Kopenhagen.
in Oslo abſpielte. Kurz vor Abfahrt des für die Hochzeitsreiſe
beſtimmten Sonderzuges ſchmuggelte ſich ein etwa zwölfjähriges
Mädelchen durch die Abſperrung, lief ſchnurſtracks auf die künftige
Landesmutter zu und überreichte ihr mit einem verlegenen Knicks
ein kleines Päckchen: „Eine intereſſante Reiſelektüre, Königliche
Hoheit!‟ Die Kleine erhielt einen warmen Kuß, der Zug ſetzte
ſich in Bewegung und die Kronprinzeſſin beſah ſich das verſpätete
Hochzeitsgeſchenk. Das Päckchen enthielt zur nicht geringen
Ueber=
raſchung des Kronprinzenpaares ein — — Kochbuch! Allem
Anſchein nach hielt es ein biederer norwegiſcher Bürger für äußerſt
wichtig, daß die junge Frau das Kochen erlerne, um dereinſt ihren
„Haushalt” einwandfrei führen zu können. Leider geht aus den
Zeitungsmeldungen nicht hervor, ob die Kronprinzeſſin ſich
be=
reits in das Studium des Buches vertieft.
Der Meiſterchirurg.
(5) London.
Berühmte Aerzte gibt es nicht nur in London. Berlin und
New York, ſondern auch auf den Fidſchi=Inſeln. Der berühmteſte
der dortigen Junger Aeskulaps iſt der Chirurg Dr. Kononga, ein
Eingeborener. Schon die Vorfahren dieſes Arztes beſchäftigten ſich
mit dem menſchlichen Körper. Allerdings nicht in der edlen,
hilfs=
bereiten Abſicht des heilenden Arztes, ſondern — als Kannibalen,
als Menſchenfreſſer. Noch der Großvater Dr. Konongas war als
grauſamer Häuptling und Oberkannibale bekannt. Wer ihm unter
das plumpe Meſſer kam, war verloren. Wer ſich heute dem feinen
Meſſer ſeines Enkels anvertraut, gilt als gerettet.
Der kägliche Kuß als — Zwangsarbeif.
(a) New York.
Makkade heißt der Unglückswurm, den ein gemütlicher New
Yorker Richter zu einer bisher beſtimmt nicht dageweſenen
Zwangsarbeit verurteilte: ſechs Monate hindurch muß er täglich
ſeine beſſere Hälfte küſſen! Als „ausgleichende” Strafe dafür, daß
er ſie vor dem denkwürdigen Gerichtsurteil ſechs Monate lang
täg=
lich mißhandelte. Im Verweigerungsfalle wird die Zwangsarbeit
in eine ſechsmonatige Gefängnisſtrafe umgewandelt. Makkade biß
zunächſt in den ſauren Apfel und verſprach, den geſetzlich
auferleg=
ten Zärtlichkeitsverpflichtungen” pünktlich nachzukommen. Er
beabſichtigt jedoch. Berufung gegen das — unmenſchlich
harte Urteil einzulegen. Die letzte Entſcheidung liegt demnach
bei Miſter Hoover ...
Amerikaniſcher Aberglaube.
(a) New York. Der amerikaniſche Staat Pennſylvania
hat nunmehr beſchloſſen, die energiſchſten Maßregeln gegen eines der
größten Uebel anzuwenden, die vor allem im Oſten der Vereinigten
Staaten im Schwange ſind: den Hexenaberglauben. Jawohl,
das iſt kein Druckfehler: im ſelben Amerika, in dem Ediſon ſeine
umwälzenden Erfindungen gemacht hat, wo Ford das Volk am
laufen=
den Bande mit Automobilen verſorgt, wo die Hühner maſchinell
aus=
gebrütet und die ABC=Schützen im Chinching ausgebildet werden,
glaubt man noch an Hexen, Teufelswerk und Verzauberungen.
Den Anſtoß zu dem lange hinausgeſchobenen Vorgehen der
Behör=
den hat die ſcheußliche Ermordung des bejahrten Nelſon
Reh=
meyer gegeben, der von zwei jungen Nachbarn hingeſchlachtet wurde,
weil er angeblich deren Federvieh verhext hatte und ſich außerdem
wei=
gerte, einem Kranken eine Locke ſeines Haupthaars zur „Vertreibung der
böſen Geiſter” herzugeben. Dieſe Mordtat hat den Vorhang von
einem wahren Abgrund mittelalterlichen Geſpenſterglaubens
zurück=
gezogen.
Wie der Coroner (amtlicher Leichenbeſchauer) von York=County
mitteilt, glaubt mindeſtens die Hälfte der Bewohnerſchaft dieſes Diſtrikts
noch an Hexerei, aber nicht das allein, nein, ſie richten ſich in ihren
ſämtlichen Handlungen und geſchäftlichen Maßnahmen nach dem, was
ihnen dieſer Aberglaube eingibt. Seit Rehmeyers Tod iſt die
Unter=
ſuchungsbehörde zur Kenntnis von fünf Fällen in den beiden letzten
Jahren gelangt, in denen unmündige Kinder auf Anordnung
ſogenannter „pow=wow”=Doktoren, Quackſalbern, die ihre
Ent=
ſcheidung auf Aberglauben baſieren, hingemordet worden ſind. In
Lancaſter=County ſteht es mindeſtens ebenſo ſchlimm und in
ſämt=
lichen 67 Countys bdes Staates Penſylvania ſoll jetzt rückſichtslos
reiner Tiſch gemacht werden.
York, das die größte Eismaſchinen=Fabrikation der Welt beſitzt,
iſt das ärgſte Zentrum dieſes unglaublichen Unweſens. Die ältere
Gene=
ration lebt noch mitten in der Finſternis jener Anſchauungen, die die
erſten Koloniſten aus Europa mit herübergebracht haben. Sie ſollen
jetzt mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden; die höchſte Zeit in
einem Lande, das man ſich gemeinhin nur als unter der Fahne des
Fortſchrittes ſchreitend vorzuſtellen pflegt!
Geſchäftliches.
Schlankheit — Elaſtizität — Jugendfriſche, dieſes Stueben der
heutigen Zeit hat ſeine Berechtigung — nicht um der Mode willen —
ſondern aus geſundheitlichen Gründen; denn es iſt nicht zu leugnen,
daß ſchlanke Menſchen mehr Lebensfreude empfinden, ſich friſcher und
froher fühlen und beweglicher und leiſtungsfähiger ſind, als korpulente.
Das ſoll aber kein Anlaß ſein, gefährliche, difthalige und
ſchädliche Entfettungsmittel anzuwenden, um eine
Gewichts=
abnahme zu erzwingen. Man kann auch auf bequeme, geſunde
Weiſe ſchlank werden, wenn man den bekannten Dr. Ernſt
Nich=
ters Fruhſtuckskräutertee trinkt, das angenehme, wohlſchmeckende
Ge=
tränk, das ärztlich erprobt und empfohlen und überall verbreitet iſt.
Ausführliche Broſchüren und Proben erhalten Sie koſtenlos von der
Fabrik „Hermes” München SW. 7, Güllſtr. 7.
Freilicht! Freiluft! und Sonne!. Genießen Sie ſie
von Herzen. Aber beachten Sie eins: Reiben Sie vor jeder
Sonnen=
beſtrahlung, vor jedem Licht= und Luftbad alle freien oder nur wenig
bedeckten Körperſtellen kräftig mit Nivea=Creme ein. Sie
vermin=
dern dadurch die Gefahr eines ſchmerzhaften Sonnenbrandes, Sie
er=
halten geſunde Haut und ſchön gebräuntes Ausſehen.
Kennen Sie den Samstags=Geruch? Wenn Sie
Ihrem Heim den ſonntäglichen Glanz geben, wird Ihnen der ſcharfe
Geruch des Bohnerwachſes ſchon öfters unangenehm in die Naſe
ge=
ſtochen haben. Dieſer Geruch gehört nicht unbedingt zum Bohnern.
Nehmen Sie ein beſſeres Wachs — nehmen Sie das mit gutem
ameri=
kaniſchen Terpentinöl hergeſtellte Wichsmädel” — und Sie
wer=
den nur einen ganz ſchwachen, milden Geruch bemerken. Laſſen Sie ſich
einmal eine Doſe öffnen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Freitag. 14. Juni. 12.15: Schallplatten. O 15.05:
Jugend=
ſtunde. 16.35: Hausfrauen=Nachmittag des Frankfurter
Haus=
frauenvereins. O 17.15: Vortragszyklus des Frauenverbandes Heſſen=
Naſſau und Waldeck. O 17.45: Stuttgart: Konzert des Funkorch.
O 18.10: Aus dem Memoirenwerk: „Vierzig Jahre aus dem Leben
eines Toten”, Sprecher: E. Möllmann. O 18.30: B. v. Brentano:
Ueber den Ernſt des Lebens”, ein Eſſay. 18.50: Stunde des
Südweſtdeutſchen Radioklubs. O 19.10: Stenograph.
Fortbildungs=
kurſus. 6 19.30: Fortſchritte in Wiſſenſchaft und Technik. o 19.50:
Film=Wochenſchau. O 20.15: Opernübertragung: Lakmé. e 21:
Stuttgart: Der Liebestrank. Schwank in drei Aufzügen von Fr.
Wedekind. Perſ.: Fürſt Iwan Michailowitſch Rogoſchin; Liſaweta
Nikolgjewna, ſeine Gemahlin; Katharina Alexandrowna, Gräfi
Trotzky; Fritz Schwigerling: Cöleſtin Leboeuf, Kammerdiener;
Tatjana, Kammermädchen: Reitknechte. Das Stück ſpielt auf dem
Gute des Fürſten Rogoſchin in der Nähe von St. Petersburg.
22: Stuttgart: Unterhaltungskonzert des Philharmon. Orcheſters
Handn: Arie „Mit Würd” und Hoheit angetan” aus „Die
Schöpfung” — Schubert: Ouv. zu „Roſamunde‟ — Wolf: Zwei
Lieder mit Orcheſter: Anakreons Grab; Der Rattenfänger. — Strauß:
Fantaſie aus „Elektra”; Lieder mit Orcheſter; Watzer aus „Der
Roſenkavalier”, Soliſt: Fr. Windgaſſen (Tenor).
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Freitag, 14. Juni. 5.50: Wetter für den
Landwirt. 6 12: Dr. Wollmann und Prof. Dr. Lampe: Hochtouren
und ihre Gefahren. O 12.25: Wetter für den Landwirt. 12.30:
Mitteil, des Verb. der Preuß. Landgemeinden. O 12.55: Nauener
Zeit. O 14.30: Kinderlieder: „Droben im Oberland, da iſt’s ſo
wunderfein” 15: Prof. Dr. Hellpach: Wetterfühligkeit,
kos=
miſche Einklüſſe auf die Geſundheit. O 15.30: Wetter und Börſe.
D 15.40: Frauenſtunde: Dr. Ilſe Reicke: Die internationalen
Frauen=
organiſationen. O 16: Ober=Stud.=Dir. Dr. Johanneſſon: Buch
und Kind. O 16.30: Muſikverſtehen: Prof., Dr. Mersmann:
Ein=
führung in Sonate und Symphonie. O 17: Leipzig:
Opernnach=
mittag. Mitw.: Eva Graf. Funkorch. O 18: Dir. Hubert, Lenz:
Sinn und Unſinn des Berechtigungsweſens. O 18.30: Engliſch für
Fortgeſchr. O 18.55: Dr. Zarek: Neuere geiſtesgeſchichtliche Werke.
0 19.20: Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Zahnärzte. O 19.55: Wetter
ſür den Landwirt. 20: Sendeſpiele: „Die Stumme von
Por=
tici Große Oper in fünf Teilen von D. F. E. Auber.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
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Reich und Ausland.
Bundestag des Reichsbundes der
Zivildienſt=
berechtigten in Dortmund.
Vom 23. bis 26. Juni d. J. hält der Neichsbund
der Zivildienſtberechtigten in Dortmund ſeinen
32. Bundestag ab. Der Reichsbund iſt die allgemeine
Spitzenorganiſation und Vertretung von 125 000
ehe=
maligen aktiven Berufsſoldaten der alten und der
neuen Wehrmacht ſowie derjenigen Angehörigen der
Schutzpolizeien und des Reichswaſſerſchutzes, die mit
dem Polizeiverſorgungsſchein ausgeſchieden ſind. Der
Bundestag wird mit einer großen öffentlichen
Kund=
gebung am Sonntag, den 25. Jum, in der
Weſtfalen=
halle eingeleitet. Das Hauptreferat hat der bekannte
Beamtenrechtler Miniſterialdirektor a. D. Dr. Falck
übernommen. Im Hinblick auf die ernſten
Aus=
ſprachen bei Beratung des Reichswehretats darf man
der Hoffnung Ausdruck geben, daß es dem
Bundes=
tag gelingen wird, Vorſchläge zu finden, die eine
Ab=
ſtellung der Mängel auf dem Gebiete der
Zivilver=
ſorgung herbeiführen. Ohne eine gute
Zivilverſor=
gung dürfte Aufban und Erhaltung der Wehrmacht
kaum möglich ſein.
Tödlicher Autounfall.
Frankfurt a. M. Auf der Wilhelmsbrücke
wurde der Landwirt Michael Krau aus Oberroden
mit ſeinem Rade von einem Auto angefahren. Er
wurde ſo ſchwer verletzt, daß er ins Krankenhaus
gebracht werden mußte, wo er bald nach ſeiner
Ein=
lieferung ſtarb.
Schweres Unglück auf der Grube Altenburg
bei Borken.
Kaſſel. Auf der Grube Altenburg bei Borken
ereignete ſich in der Nacht zum Donnerstag, gegen
12 Uhr, ein ſchwerer Unglücksfall. Ein Förderwagen,
der vom Seil gelöſt war, ſquſte plötzlich in die Tiefe
und ſtürzte auf mehrere am Fußpunkt des
Brems=
werkes arbeitende Leute. Zwei Arbeiter wurden ſo
ſchwer verletzt, daß ſie noch im Laufe der Nacht ihren
Verletzungen erlagen. Einige weitere Arbeiter kamen
mit leichteren Verletzungen davon. Die Unterſuchung
über die Urſache des Unglücks iſt noch im Gange.
Verwegener Fluchtverſuch im Gerichtsſaal.
Kaſſel. In einem Berufungsprozeß wurde
gegen einen Steinſetzer aus Stendal und einen
Schmied aus Oberzwehren verhandelt, die Mitte
April wegen Diebſtahls und Hehlerei zu ſechs, bzw.
drei Jahren Zuchthaus vewrteilt worden waren. Der
Steinſetzer und der Schmied waren ſchon mehrfach
aus der Strafhaft entkommen, weshalb ſie beſonders
bewacht wurden. Die Strafkammer verwarf für den
Steinſetzer die Berufung und ermäßigte die Strafe
für den Schmied auf zwei Jahre Zuchthaus. Beide
Angeklagte nahmen das Urteil an. Als der
Wacht=
meiſter ſich noch mit dem Steinſetzer beſchäftigte,
rannte der Schmied in ſeiner blauen Jacke plötzlich
durch den Saal auf den Flur. Dort trat ihm ein
Kriminalbeamter entgegen, dem er einen Schlag vor
den Leib gab. Beide fielen zur Erde, doch konnte
der Verbrecher durch einen Beamten und einen
Jour=
naliſten feſtgehalten werden.
Lavaſtaub in der Stratoſphäre.
Heidelberg. Seit zwei Tagen macht ſich in
Heidelberg, wie das „Tagebl.” berichtet, in den
höchſten Höhen der Atmoſphäre eine feine weißliche
Verſchleierung des blauen Himmels bemerkbar. Der
Direktor der Sternwarte auf dem Königſtuhl,
Ge=
heimrat Wolf, vermutet auf Grund ähnlicher
Erfah=
rungen bei früheren Vulkanausbrüchen, daß es ſich
um Lavaſtaub vom Veſuv handelt, der in feinſter
Verteilung ſich in der Stratoſphäre befindet.
Das Urteil gegen die Kulmbacher Bahnräuber.
Bamberg. Der 32 Jahre alte Maler
Wil=
helm Werner, machte mit ſeinem Raubgenoſſen
Braun im vovigen Jahre den Kreis Oberfranken
un=
ſicher. Die beiden drangen u. a. in die Bahnſtation
Oberhaid bei Bamberg ein und raubten dort die
Kaſſe aus. Ein ähnliches Verbrechen begingen ſie im
Poſtamt Wending, wobei drei Beamte durch
Revol=
verſchüſſe verletzt wurden. Bei weiteren Raubzügen
und auf der Flucht wurden noch ein
Hauptwacht=
meiſter ſchwer verletzt und der Stationskommandant
Krauß erſchoſſen. Während Braun Selbſtmord
be=
ging, wurde Werner feſtgenommen. Das
Schwur=
gericht Bayreuth verurteilte ihn jetzt wegen
Tot=
ſchlags zu 15 Jahren Zuchthaus.
Das Gefallenendenkmal der balkiſchen
Landeswehr in Riga geſprengl.
Freitag, den 1 1. Juni 1929
Das Denkmal vor und nach der Zerſtörung.
Auf das Denkmal für die Gefallenen der
bal=
tiſchen Landeswehr wurde von unbekannten
Tätern ein Attentat verübt, das den Stein
völlig zerſtörte. Das Denkmal war durch eine
Sammlung unter den Deutſch=Balten errichtet
worden. Die Motive ſind in der politiſchen
Ver=
hetzung lettiſcher Nationaliſten zu ſuchen.
Die Mainbrücke in Klingenberg eingeftürzk.
Der eingeſtürzte Brückenbogen.
Infolge von Ueberlaſtung durch eine an einem Brückenpfeiler befeſtigte Ramme ſtürzte ein Teil
der Mainbrücke ein, die Stadt und Bahnſtation Klingenberg bei Wertheim verbindet. Ein Arbeiter
wurde getötet, vier weitere wurden ſchwer verletzt.
Zum Frauen=Weltkongreß in Berlin.
Die Führerinnen des „Weltbundes für Frauenſtimmrecht und ſtaatsbürgerliche Frauenarbeit”.
Am 17. Juni tagt in Berlin die Generalverſammlung des „Weltbundes für Frauenſtimmrecht und
ſtaatsbürgerliche Frauenarbeit”, zu der die bekannteſten Frauenrechtlerinnen, der Welt in der
Reichshauptſtadt zuſammenkommen. Unſer Bild zeigt die prominenteſten Führerinnen des Bundes:
ſitzend von links nach rechts: Franziska Plaminkova (Tſchechoſlowakei), Präſidentin Frau Corbett=
Afhby (England) Hoda Charaoui (Aegypten), Germaine Malaterre=Sellier (Frankreich). Stehend:
Adele Schreiber (Deutſchland), Ingeborg Wallin (Schweden), Roſa Manus (Holland).
Das engliſche Kabinett wird kongefilmk.
Macdonald und ſeine Kabinettsmitglieder werden im Garten des Miniſterpräſidenten=Palais für
einen Tonfilm aufgenommen.
Nach einer erſten Sitzung des neuen Arbeiterkabinetts, die im Garten des Miniſterpräſidenten=
Palais ſtattfand, wurde das Kabinett für einen Tonfilm aufgenommen. Unſer Bild zeigt
Mac=
donald mit ſeinen Kabinettsmitgliedern im Geſpräch vor der Aufnahmeapparatur.
Elf Inſaſſen eines ſächſiſchen Ueberland=
Autobuſſes verletzt.
Meißen. Auf der vor kurzem eingerichteten
ſtaatlichen Linie Meißen-Nünchritz fuhr ein mit
20 Perſonen beſetzter Autobus gegen einen
Straßen=
baum und ſchlug um. Von den Infaſſen wurden
drei ſchwer und acht leichter verletzt. Die
Schwerver=
letzten wurden ins Landeskrankenhaus in Meißen
ge=
bracht. Der Führer des Wagens kam mit dem
Schrecken davon.
Großfeuer.
Aachen. Im Holzlager einer
Bauſtoffgroß=
handlung in Aachen brach ein Großfeuer aus, das
auch auf das Wohnhaus des Inhabers und auf eine
Auto= und Motorrad=Reparaturwerkſtätte übergriff.
Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, daß das
Lager ſowie das Wohnhaus völlig, die Werkſtätte
zum größten Teil abbrannten. Zahlreiche Autos und
Motorräder fielen dabei den Flammen zum Opfer.
Ein Feuerwehrmann kam durch Berührung der
Starkſtromleitung ums Leben.
Der Generaldirekkor des Luftſchiffbaus
Zeppelin zurückgekreken..
Dr.=Ing. Kommerzienrat Alfred Colsmanx.
der langjährige Generaldirektor des „
Luftſchiff=
baus Zeppelin” in Friedrichshafen, einer der
älteſten Mitarbeiter des alten Grafen v.
Zeppe=
lin, iſt wie bereits geſtern gemeldet, von
ſei=
nem Poſten zurückgetreten, um ſich
volkswirt=
ſchaftlichen Aufgaben zu widmen.
Tödlicher Unfall beim Sprengen.
Birkenfeld. Ein tödlicher Unfall ereignete
ſich beim Sprengen in einem Schieferbruch bei
Bun=
denbach. Ein Sprengſchuß, den man als Blindgänger
angeſehen hatte, entlud ſich nachträglich. Durch die
herumfliegenden Sprengſtücke wurde ein Arbeiter guf
der Stelle getötet, mehrere andeve leicht verletzt.
Der Amerikaflug mit Hinderniſſen.
Reykjavik. Nachdem der ſchwediſche
Flieger=
hauptmann Ahrenberg die Reparaturen an ſeinem
Flugzeug beendet hat, beabſichtigte er, am
Donners=
tag — wahrſcheinlich zum ſechſten Male — zu
ver=
ſuchen, mit dem Flugzeug „Schweden” über
Grön=
land nach New York zu fliegen. Der Finanzier dieſes
Fluges, Bankdivektor Cenvin, Chef des Stockholmer
Flughafens, rät Ahrenberg von ſeinem Weiterfluge
ab, während andere Sachverſtändige dagegen
optimi=
ſtiſcher ſind und dem ſchwediſchen Flieger die
Fort=
ſetzung ſeines Fluges anraten. Die Wetterausſichten
für den Flug ſind im übrigen gegenwärtig nicht
günſtig.
Mißgeſchick des italieniſchen Flugzeug:
Geſchwaders.
Bukareſt. Das auf der Inſel Suition, bel
Konſtanza verankerte italieniſche Flugzeuggeſchwader
wurde durch einen Sturm ſtark mitgenommen.
Mehrere Flugzeuge, darunter das des
Unterſtaats=
ſekretärs Balbo und des Weltfliegers De Pinedo,
wurden an das Ufer geſchleudert und ſchwer
be=
ſchädigt.
Unwetter im Gebiet von Szamos.
Klauſenburg. In der Szamoſer Gegend
iſt in der Nacht zum Mittwoch ein rieſiger, mit
Hagelſchlag verbundener Wolkenbwuch niedergegangen,
der mehrere Ortſchaften unter Waſſer ſetzte. Sechzehn
Perſonen fanden infolge der Ueberſchwemmung den
Tod. Der Sachſchaden ſoll mehrere Millionen Lei
betragen. Einzelheiten fehlen noch, da die Telephon=
und Telegraphenleitungen durch das Unwetter
zer=
ſtört worden ſind.
Heftiges Unwetter über Brüffel.
Brüſſel. Ein äußerſt ſchweres Gewitter mit
wolkenbruchartigem Regen ging am Mittwoch über
Brüſſel und einem Teil Belgiens nieder. Das
Un=
wetter richtete großen Schaden auf den Feldern und
in den Obſtgärten an. Auch wurden viele Häuſer
beſchädigt.
Unwetterſchäden im Puſtertal.
Mailand. Ein heftiges Gewitter richtete im
Puſtertal großen Schaden an. Der wolkenbruchartige
Regen führte zu Ueberſchwemmungen und
Erdrut=
ſchen. In Villa Otromi wurden zehn Häuſer durch
Erdmaſſen zum Teil zerſtört. Die Landſtraße Henerg
—Campo-Tures wurde in einer Ausdehnung von
hundert Metern zerſtört. Der Geſamtſchaden beläuft
ſich auf über eine Million Lire.
Verhängnisvoller Blitzſchlag.
Belgrad. In der Umgebung, von Zajecar
(Altſerbien) wütete am Dienstag ein verheerender
Orkan mit Gewitter. Der Blitz ſchlug in einen
Baum ein, unter dem mehrere Ernteaubeiter Schutz
geſucht hatten. Sechs Bauern wurden von dem Blitz
auf der Stelle getötet, fünf andere erlitten ſchwere
Verletzungen.
Zyklon über Numänien.
Bukareſt. Ein über ganz Rumänien
hinweg=
gegangener Zyklon hat in verſchiedenen Provinzen
große Verheerungen angerichtet und zahlreiche Opfer
an Menſchenleben gefordert. In Somes (
Sieben=
bürgen) wurden die Felder überſchwemmt und die
Ernte durch Hagelſchlag teilweiſe vermichtet. Im Dorf
Ernac ſind ſechs Perſonen ertrunken, darunter eine
Mutter mit zwei Kindern. In Divade iſt eine
drei=
köpfige Familie infolge der Ueberſchwemmung
um=
gekommen. Durch das heftige Gewitter ſind Hunderte
von Telegraphenſtangen in der Nähe von Bukareſt
umgelegt worden; ebenſo wurde eine Eiſenbahnbrücke
beſchädigt. Die verſchiedenen Eiſenbahnlinien wurden
durch umgeſtürzte Bäume und Telegvaphenſtangen
auf eine weite Strecke geſperrt. — Aus Kiew in der
Ukraine kommen Berichte über noch größere
Ver=
heerungen. In Kiew allein ſeien 300 Häuſer
einge=
ſtürzt, wobei zahlreiche Perſonen ums Leben
gekom=
men ſeien. Ganze Herden von Vieh wurden
ver=
nichtet. — Auch in Beſſarabien hat der Cyklon große
Verheerungen angerichtet.
Verheerender Sturm im mittleren Weſten
Amerikas.
New York. Im Verlaufe eines heftigen
Stur=
mes, der über acht Staaten im mittleren Weſten
Amerikas hinwegging, wurden 10 Perſonen getötet.
Außerdem wurde beträchtlicher Sachſchaden
ange=
richtet.
Eine griechiſche Tabaksfabrik niedergebrannt.
Belgrad. Nach einer Meldung der „Politika‟
aus Saloniki, iſt die Tabakfabrik Sguros in Kavalla
durch einen Brand vernichtet worden. Der Schaden
jeträgt 35 Millionen Drachmen.
Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 11
Spoth Shlet und Tarnen,
Merdeiport.
Inkernakionale Sechs-Tage=Fahrk für Mokorräder.
Die Internationale Sechstagefahrt für Motorräder findet vom
26. bis 31. Auguſt ſtatt. Im Gegenſatz zu früheren Jahren, wo
die Durchführung immer in den Händen eines einzelnen Landes lag,
führt dieſe große Prüfungsfahrt 1929, in dem 25. Jubiläumsjahre des
F. J. C.M., durch fünf Länder, und zwar Deutſchland, Oeſterreich, die
Schweiz, Italien und Frankreich. Die Abnahme und der Start ſind in
München; die erſte Etappe führt von München auf Umwegen nach
Garmiſch=Partenkirchen. Die Organiſation dieſes Tages liegt in den
Händen der Oberſten Motorradſportbehörde von Deutſchland (O.M. B.).
Die Geſumtſtrecke der Fahrt beträgt ungefähr 1600 Kilometer. Dieſe
Fahrt wird, it einer Geſchwindigkeitsprüfung in der Nähe von Genf
abgeſchloſſen. Die Veranſtaltung wird von einem internationalen
Ko=
mitee geleitet, in dem Deutſchland durch die Herren Dörnke=Hannover
und Dr. Wettſtädt=Berlin vertreten ſind. — Zur Nennung iſt jeder
Inhaber einer internationalen Lizenz berechtigt. Charakteriſtiſch für
die Sis Days ſind die Mannſchaftswettbewerbe. Jedes Land iſt
be=
rechtigt, ein nationales Team zu nennen, das aus zwei
Solomotor=
rädern und einer Beiwagenmaſchine zuſammengeſetzt iſt. Die Fahrer
dieſes Teams müſſen Angehörige, die Motorräder ein Erzeugnis des
meldenden Landes ſein. Dieſes nationcle Team ſtartet um die ſogen.
„International Trophy” Außerdem findet ein Wettbewerb um die
„International Silver Vaſe” zwiſchen nationalen Teams von drei
Fah=
rern ſtatt, die Motorräder beliebigen Fabrikates ſteuern. Außerdem iſt
noch ein Wettbewerb von Fabrikteams um die „Große Goldene
Me=
daille der F. J. C.M.” ausgeſchrieben. Die Fahrt iſt ausgeſchrieben für
Motorräder, Motorräder mit Seitenwagen und Chclecars. Die
Tages=
etappen bewegen ſich zwiſchen 200 und 300 Kilometer; die
Durchſchnitts=
geſchwindigkeit beträgt 40 Kilometer.
Handball.
Turngem. Darmſtadt 1846 — Turnverein Arheilgen
1. Mannſchafken.
Am kommenden Samstag, den 15. ds. Mts., ſtehen ſich abends 7.15
Uhr, obige Mannſchaften in einem Freundſchaftsſpiel an dem
Sport=
platze am Oſtbahnhof gegenüber. Die Turngemeinde iſt
gezwun=
gen, einige Umſtellungen in der Mannſchaft vorzunehmen, und muß
man abwarten, wie ſich dieſe bewährt.
Leichkakhletik.
Um die Zehntelſekunde. — Simpſon läuft die 100 Yards in 9,4 Sekunden.
Seit Jahren haben ſich die ſchnellſten Sprinten der Welt bemüht,
den von Paddock mit 9,5 Sekunden aufgeſtellten Weltrekord im 100=
Yards=Laufen, die kürzeſte international gewertete Strecke, zu
verbeſ=
ſern, aber es gelang keinem, um den zehnten Teil einer Sekunde
ſchnel=
ler zu laufen. Wohl wurden wiederholt Zeiten von 9,5 Sekunden
er=
zielt, auch 9,4 wurden ſchon geſtoppt, aber bei Ueberprüfung der
betref=
fenden Leiſtung ſtellte ſich dann jedesmal heraus, daß irgend etwas mit
den internationalen Regeln nicht übereinſtimmt. Der große Wurf ſoll
jetzt aber doch einwandfrei geglückt ſein. Natürlich in Amerika. Bei
den nationalen Meiſterſchaften des Staates Ohio, die im Stagg Field=
Stadion zu Chicago ausgetragen wurden, ſiegte der zwanzigjährige
Student George Simpſon im Endlauf der 100 Yards um
Bruſt=
breite gegen Claude Bracey und den Neger Eddie Tolan. Die Zeit des
Siegers wurde von drei Zeitnehmern mit 9,4 Sekunden angegeben,
die beiden andern Zeitnehmer hatten ſogar 9,3 Sekunden geſtoppt.
Einen weiteren Erfolg hatte Simpſon noch im 220 Yard=Laufen zu
ver=
zeichnen, das er in der fabelhaften Zeit von 2,8 Sekunden gegen Telan
und Bracey gewann.
Waſſerball.
Rol=Weiß, V. ſ. R. — Frankfurker Schwimmverein.
Heute, Freitag, abends 8 Uhr, findet im großen Woog das
Waſ=
ſerballverbandsſpiel zwiſchen den Ligamannſchaften des Rot=Weiß,
V. f. R., und des Frankfurter Schwimmvereins ſtatt. Das Vorſpiel,
das am Dienstag in Frankfurt ausgetragen wurde, verloren die
Darm=
ſtädter 5:4. Rot=Weiß war bei dieſem Spiel ſichtlich vom Pech verfolgt.
Nachdem die Mannſchaft bereits mit 2 Toren in Führung lag, mußte
einer der Darmſtädter Spieler wegen Wadenkrampf längere Zeit das
Waſſer verlaſſen, ſo daß die Frankfurter mühelos drei Tore erzielen
konnten. Als die Rot=Weiß=Mannſchaft wieder komplett war, holte ſie
mächtig auf, konnte jedoch nicht mehr wegen der knappen Zeit
gleich=
ziehen. Heute abend müſſen die Darmſtädter unbedingt gewinnen, wenn
ſie nicht in Gefahr kommen wollen, den letzten Platz zu zieren. Die
Frankfurter haben ſich gegen früher wieder weſentlich verbeſſert, ſo daß
die Rot=Weiß=Mannſchaft alle Regiſter ihres Könnens und den größten
Eifer aufziehen muß, um als Sieger aus dem Treffen hervorzugehen.
Zußball.
9. J. K. Deniſchland - Holland.
In allen Sportkreiſen der Pfalz, Badens, Heſſens erwartet man
mit Spannung den Ausgang dieſes Ländertreffens (Sonntag, 16. Juni,
nachmittags 4.15 Uhr, Sportgelände Ebertpark, Ludwigshafen a. Rh.).
Die D. J. K.=Spielſtärke hat ſich weſentlich gehoben. Sie hat in der
Mann=
ſchaftsaufſtellung einen entſprechenden Ausdruck gefunden. Es ſpielen:
Weidenbacher (Sparta Nürnberg); Fontein (Homberg), Keller (
Frei=
burg); Baumgärtel (Sp. Nbg.), Breuer (Düſſeldorf), Keppeler (Sp.
Nbg.); Lechleitner (Mannheim), Roppolt, Jobſt, Bickel (Sp. Nbg.),
Maes (Düſſeldorf). Dazu 4 Erſatzleute. Grundgefüge bildet der
Reichs=
meiſter Sparta aus der Fußballhochburg Nürnberg. Die geſamte
Auswahl=
gründet ſich auf einen Lehrgang an der Reichslehrſtätte in Münſter
i. W. Hoffen wir ſomit zuverſichtlich auf einen erſten deutſchen Sieg
gegen die Holländer Klaſſenmannſchaft. — Vorauf geht ein Städte=
Handballſpiel D. J. K.=Ludwigshafen—Mannheim.
Pferdeſpork.
Frankfurter Rennen vom 13. Junf.
Am zweiten Renntage de3 Frankfurter Juni=Meetings ließ der
Beſuch auf allen Plätzen ſehr zu wünſchen übrig. Viele mag aber auc)
das regendrohende Wetter davon abgehalten haben. Die Rennen ſelbſt
verliefen, mit Ausnahme des erſten, an dem nur zwei Pferde
teil=
nahmen, ſehr ſpannend, und beſonders im Preis von Buchenrode gab
es ausgezeichneten Sport. Nachdem Credulite mit Bandola und Sans
Pareil über den größten Teil der Strecke geführt hatten, nahm im
letz=
ten Bogen Mantagne Ruſſe das Rennen auf, fiel aber infolge eines
ſchweren Remplers wielder zurück, und Sans Pareil kam zu einem
überaus leichten Sieg. Credulite wurde noch guter Dritter vor Dada 2.
Bandola wurde von dem übergroßen Gewicht erdrückt und iſt zudem
noch weit von ihrer HöHſtform entfert. Den Preis von Weſterberg
holte ſich Roſenquauz in überaus leichter Manier. Sein Start wurde
erſt im letzten Augenblick beſchloſſen. Im abſchließenden Preis von
Frauenhof wurden durch Südwind die Farben des Niederräder
Trai=
ners Metzig, zu einem populären Erfolg getragen. Auf Südwind
konnte H. Schmidt ſeinen zveiten Sieg am Tage reiten. Ebenſo
ge=
lang dem Stall von Opel ein zweifacher Erfolg mit Dalibor und
Delifee. In dem zuerſt gelaufenen Königſtein=Jagdrennen ging im
letzten Sprung Johannisfeuer kopfüber und blieb einige Zeit
regungs=
los liegen. Die Stute erholte ſich aber bald wieder. Nur auf dieſe
Weiſe kam Stattliche zu einem billigen Erfolg. Ergebniſſe:
1. Preis von Grafenbruch: 1. Frau J. von Opels Dalibor (K. Narr),
2. Original, 3. Falkner. Tot.: 14, Pl. 12, 15. 1½—2 2g. Ferner:
Miles, Elconore.
2. Ganelon=Preis. Ausgleich II: 1. Frau J. von Opels Delifee (
Kai=
ſer), 2. Krönung, 3. Reiherbeize. Tot.: 49, Pl. 19, 14, 16. Ferner:
Prinz Eugen, Myar, Patgulli, Albana.
8. Königſteiner Jagdrennen: 1. Heinrich u. Hermann
Baumgärt=
ners Stattliche (Beſitzer), 2. Johannisfeuer (gefallen). Tot.: 16.
4. Preis von Falkenſtein: 1. J. Indens Heruler (H. Schmidt),
2. Bonboniere, 3. Takata. Tot.: 39, Pl. 14, 14, 22. 1½—Hals.
Fer=
ner: Grimm, Chivico, Farmerin, Brombeere, Luſane, Milo, Gaftel.
5. Preis von Weſterberg: 1. A. Daubs Roſenquarz (Vinzenz),
2. Sergius, 3 Tarzan. Tot.: 20, Pl. 11, 11. 4—5 Lg. Ferner:
Hei=
lige Johanna, Redopp.
6. Buchenrode Jagdrennen: 1. Frau A. Keims Sans Pareil (Lt.
von Horn), 2. Montagne Ruſſe, 3. Credulite. Tot.: 106, Pl. 22, 19,
18. Ferner: Bandola, Fateider, Dada 2., Fruszi, My Lord 2.
7. Preis vom Feauenhof: 1. R. Mätzigs Südwind (H. Schmidt),
2. Damon, 3. Goldelſe. Tot: 46, Pl. 15, 17, 57. 5.—½Kopf.
Fer=
ner: F. Lagia, Timgad, Mira 2., Ruiſſeau dOr, Winska, Souge dOr,
Le Parodien.
Die Schwimm=Meiſterſchaften der D.T. werden am 17. und 18.
Auguſt im S=Luimm=Sdation zu Altona ausgetragen.
Die Frauenmeiſterſchaften der D. S.B. bringen am 20. und 21. Juli
im Frankfurter Stadion Ditelkämpfe in zwölf Wettbewerben.
Frl. Krahwinkel ſchlug am vierten Tage der holländiſchen
Tennis=
meiſterſchaften die belgiſche Meiſterſpielerin Frl. Sigard leicht 6:4, 6:1.
Der Fußball=Länderkampf Norwegen—Holland in Oslo endete mit
einem Unentſchieden von 4:4 (2:3). Die Holländer hätten einen Sieg
verdient gehabt, hatten aber viel Pech.
Frankreichs Fußballmeiſter Olympique Marſeille ſpielt am 15. Juni
in München gegen Wacker/S.V. 1860 komb, und am Tage darauf gegen
die Frankfurter Eintracht.
Der Wiener Fußballmeiſter Rapid wurde in Prag von der dortigen
Sparta glatt mit 3:1 (2:0) Treffern geſchlagen.
Deutſche Leichtathleten waren ſchon am erſten Tage des Meetings
in Helſingfors (Finnland) erfolgreich. Körnig ſiegte über 100 Meter
in 11,1 Sek., Schlößke über 200 Meter in 22,1 Sek., Böcher über 1000
Meter in 2:33,1 Min., Meier im Weitſprung mit 7,05 Meterm und
Hirſchfeld im Diskuswerfen mit 43,33 Metern.
Wetterberichk.
An der Vorderſeite der nordweſtlichen Störung hat die Warmluft
bereits zu Bewölkung und auch in unſerem Bezirk zu vereinzelten
Nie=
derſchlägen geführt. Da wir durch die Störung in den Bereich
ozeani=
ſcher Luftmaſſen gelangen, ſo bleibt die Witterung zunächſt etwas
un=
beſtändig. Vereinzelt treten Niederſchläge auf. Jedoch führt der neue
Druckanſtieg ſpäter wieder zur Beruhigung und Bewölkungsabnahme.
Ausſichten für Freitag, den 14. Juni: Wolkiges Wetter mit
Aufheite=
rung, warm, ſtrichweiſe Niederſchläge, teilweiſe gewitterhafter Natur.
Ausſichten für Samstag, den 15. Juni: Wechſelnde Bewölkung mit
zeit=
weiſe ſtärkerer Aufheiterung, leichte Abkühlung wahrſcheinlich.
berg
Taunus Waſſ.=
Kuppe Feld=
berg
Cana
wald Zug=
ſpitze Kahler Fich=
Aſten telberg Schnee=
koppe Wetter
Nebel Nebel wolkig Nebel Nebel wolkig wolkig Temperatur ((C) 12 11 12 13 6 Wind SW. wsw sSW. SSO S8O, WNW. Niederſchlag mm) 15 0,1 Schneedecke (cm)
Hauptſchriftleitung: Rudelf Maupe
Veranwwortlch für Pollikk und Wirtſchaft: Rudelf Mauve; für Feulilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andrea” Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſergtenteil: Willp Kuble; Drug
und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſteipte wird Garantie der Rückſendung nich / übernommen.
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dernf. Strafantr. b. d.
Staatsanwaltſch. (*
Hecetin
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Finfach durchbärsten
In Drogerien non. 75 Pfg.
Necetin-Gesellschaft,
Leipzig C1
Nummer 163
Freitag, den 14. Juni
Von Dr. Aufermann, Darmſtadt.
Nachdem erſt vor kurzem die Bemühungen, den ſog.
dreijähri=
gen Durchſchnitt bei der Einkommenſteuerberechnung in ähnlicher
Form einzuführen, wie er in früheren Jahren bei einigen
Landes=
einkommenſteuern beſtand, von der Reichsregierung abgelehnt
wurden, kommt ein Beſchluß der Koalitionsparteien des
Reichs=
tages etwas überraſchend, die Anrechnung des ſteuerlichen
Verluſt=
vortrages neu zu regeln, da zwiſchen den Problemen der
Durch=
ſchnittsrechnung und einer Anrechnung der Verluſtvorträge enge
Zuſammenhänge beſtehen.
Vom Standpunkt der betriebswirtſchaftlichen Steuerlehre kann
kein Zweifel darüber beſtehen, daß die Anrechnung früherer
Ver=
luſte in ſpäteren Gewinnjahren zu fordern iſt, dies im beſonderen
in Hinſicht auf die den Ertragsſteuerbilanzen, d. h.
Einkommen=
ſteuerbilanzen und Körverſchaftsſteuerbilanzen zugrunde gelegte
Bilanzanſchaung. Die Steuerbilanzen des gegebenen Rechts
er=
geben ſich als Partialbilanzen, deren „relative Richtigkeit” man
nur dann akzeptieren kann, wenn man die Einzelperiode nicht als
einen iſoliert daſtehenden Rechnungsabſchnitt, ſondern als Teil
der Geſamtlebensſpanne eines Betriebes anſieht. Es iſt dies ein
Gedanke, der im beſonderen von Schmalenbach (Köln) verteidigt
wird und welcher ſelbſtverſtändlich auch dort ſeine Richtigkeit
be=
hält, wo aus praktiſchen Gründen die Aufrechterhaltung der
Glei=
chung: Summe der Jahresgewinne — Geſamtgewinn — d. h.
Lebensertrag des Betriebes — auf allzu große Schwierigkeiten
ſtößt. Trotz dieſem muß der ſogenannte Kongruenzgedanke zum
mindeſten als eine prinzipielle Einſtellung dem bilanzierenden
Kaufmann vorſchweben, was in beſonderen Fällen die
Kompen=
ſationsfähigkeit früherer Verluſte mit ſpäteren Gewinnen fordert.
Die Steuergeſetze ſind bisher dieſem, aus der ſoeben
ange=
deuteten Grundidee hergeleiteten Verlangen, nur in ſehr
unge=
nügender Form entgegengekommen. Zwar heißt es in § 15 des
Korp. St. G., daß Beträge die zur Beſeitigung eines aus einem
früheren Steuerabſchnitt ſtammenden Verluſtes dienen, im
allge=
meinen dann ſteuerfrei bleiben, wenn der Verluſtvortrag das
„Stammkapital” angegriffen hatte. Dies braucht nicht unbedingt
der Fall zu ſein, es beſteht die Möglichkeit, daß dem
Verluſtvor=
trag eine offene Reſerve gegenüberſteht. Wenn nun in einem
ſolchen Fall das Geſetz eine Vorkompenſation erzwingt, d. h. im
weiteren die Rekonſtruktion der Reſerve als ſteuerpflichtig
an=
ſieht, dann iſt dies in betriebswirtſchaftlicher Hinſicht durch nichts
begründet und nur als ein Ausfluß handelsrechtlicher
Vorſtellun=
gen zu bewerten, wie dieſe aus der Evidenthaltung des
eigent=
lichen Kapitalkontos ſich entwickeln laſſen.
Die bei einer Einkommenſteuerbilanz unmögliche
Kompenſa=
tion eines Verluſtvortrages und ſpäterer Gewinne wird in erſter
Linie damit begrundet, daß hierdurch der Inhalt des
Einkommen=
begriffes bei dem bilanzierenden Kaufmann ein anderer wird als
bei Privaten. Dies muß ohne weiteres zugegeben werden, kann
aber nicht ausſchlaggebend ſein, iſt doch die Differenzierung des
Inhaltes eines Einkommenbegriffes bereits im Geſetz von 1925
entbalten. Es genügt, daran zu erinnern, daß das Einkommen
ſich das eine mal als Ueberſchuß der Einnahmen über die
Aus=
gaben, das andere mal aber als „Vermogensüberſchuß”
präſen=
tieren kann.
Die Regierungsparteien des Reichstages haben ſich denn auch
über die oben angeführten Bedenken hinweggeſetzt und die
Kom=
penſationsidee für Einkommenſteuerbilanzen übernommen. Seit
einigen Tagen liegt die Formulierung des Steuerausſchuſſes des
Reichstages vor, wonach dem § 15 Eink. St.G. eine vierte Ziffer
wie folgt eingefügt werden ſoll:
„Ausgaben ſind bei Steuerpflichtigen, die Bücher im Sinne
der §8 13, 28 führen, die Beträge, die zur Beſeitigung eines
Verluſtes verwendet werden, der in den beiden
unmittelbar=
vorangegangenen Steuerabſchnitten nach den Ergebniſſen der
Buchführung entſtanden iſt (Verluſtvortrag). Ob und in welcher
Höhe ein Verluſt gegeben iſt, beſtimmt ſich nach den Vorſchriften
über die Ermittelung des Einkommens (§ 7 Abſ. 3, S§ 11 bis 25,
S 30 Abſ. 2)
Die vorgeſehene Regelung muß nun zu großen Bedenken
An=
laß geben. Eine Befriſtung der Anrechnung auf zwei Jahre iſt
natürlich ein Kompromiß, der in theoretiſcher Hinſicht durch nichts
verteidigt werden kann und der dadurch nicht berechtigter wird,
daß ähnlich befriſtete Anrechnungsmöglichkeiten auch im engliſchen
und franzöſiſchen Rechtsſyſtem vorliegen. Sieht man aber von
dem ab und betrachtet man die praktiſche Seite, dann zeigen ſich
Bedenken, die zum mindeſten von gleicher Bedeutung ſind. Man
iſt verſucht, von einer Art Verjährung der
Kompenſationsmög=
lichkeit zu ſprechen, und es iſt jetzt ſchon vorauszuſehen, daß die
Betriebe verſuchen werden, im beſonderen am Ende des zweiten
„Anrechnungsjahres” das Endvermögen möglichſt hoch anzuſetzen,
um die volle Kompenſation noch vor Ablauf der zweijährigen
Friſt zu ermöglichen. Es wird daher eine Aufgabe der
Steuer=
behörde ſein, nicht wie bisher in der Hauptſache nur
Unterbewer=
tungen zu beanſtanden, ſondern auch Ueberbewertungen zu
er=
faſſen. Man denke einmal an den Fall, wo bei einem
Anfangs=
vermögen von 100 000 Mark im erſten Jahre ein Verluſt von
10 000 Mark vorliegt und im zweiten Jahre ein Gewinn den
Ver=
luſt auf 9000 Mark drückt. Der Betriebsinhaber wird hier kaum
der Verſuchung entgehen, das Endvermögen im dritten Jahr
wie=
der auf 100 000 Mark zu ſteigern, dies unter Umſtänden durch
Bewertungsmanipulationen, die den Wertungsprinzipien des
Steuergeſetzes widerſprechen. Ein ſteuerbarer Gewinn wird ſich
hierbei ſolange nicht ergeben, als früherer Verluſt und neue
Ver=
mögenswertſteigerung ſich gegenſeitig aufheben. Erreicht wird aber
ein aufgeblähtes Vermögen in der Wiedereröffnungsbilanz des
vierten Jahres, welches ſich bei einem Vergleich mit dem End=
Regelung ſtets eine ſolche ſein, daß der ethiſche Grundſatz Geltung
beſitzt, welcher es verbietet, ſeine Mitmenſchen ohne dringende
Notwendigkeit in Verſuchung zu führen.
Eine Sonderregelung für den Steuerabſchnitt 1929 faßt die
Friſt, für welche die Kompenſationsfähigke” gegeben iſt, noch
kürzer. Anrechnungsfähig ſind nur Verluſte Kus 1928. Die ſo
ge=
gebene Abkürzung der Anrechnungsfriſt für die Uebergangszeit
findet ebenfalls keinerlei wirtſchaftliche Begründung. Volle
Be=
rechtigung verdient dagegen die Forderung nach einem Vergleich
der Steuerbilanzen und nicht der handelsrechtlichen Bilanzen, um
Verluſt und Gegengewinne zu ermitteln.
Es iſt leider wenig Wahrſcheinlichkeit vorhanden, daß die
Neuregelung des Verluſtvortrages im Eink. St. G. und Körp. St. G.
noch im letzten Moment eine andere Formulierung erfährt. Von
ſeiten des Fiskus wird natürlich gerade im gegenwärtigen
Zeit=
punkt jede Minderung des Steueraufbringens am meiſten
be=
fürchtet. Fraglich iſt es aber, ob die ſich aus einem Verzicht auf
die Befriſtung herſchreibenden Ausfälle weſentlich höher ſein
wür=
den als die Koſten der nun notgedrungen erhöhten Kontrollarbeit
durch Veranlagungsbeamte und Buchprüfer. Aber ſelbſt wenn ein
geringfügiger Ausfall an Steuerertrag nicht verneint werden
könnte, dann iſt es doch noch ſehr zweifelhaft, ob nicht in Hinblick
auf die Erhaltung und Hebung der Steuermoral und in Hinblick
auf Grundſätze betriebswirtſchaftlichen Erkennens ein ſolcher
Aus=
fall trotz allem mit in den Kauf genommen werden ſollte.
* Darmſtädter Viehmarkt vom 13. Juni. Aufgetrieben waren:
9 Ochſen, 140 Kälber, 1 Ziege. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber:
a) 72—78, b) 65—71, c) 58—64 Pfg. pro Pfd. Marktverlauf: lebhaft
geräumt.
Mannheimer Viehmarkt vom 13. Jnni. Dem heutigen
Kleinvieh=
markt waren zugefahren und wurden die 50 Kilo Lebendgewicht je nach
Klaſſe in Reichsmarkt gehandelt: 141 Kälber 56—76 182 Schweine 75
bis 80 556 Ferkel und Läufer, für Ferkel bis vier Wochen 30—36, über
vier Wochen 38—46, Läufer 54—60. Marktverlauf: Mit Kälbern
ſchleppend; mit Schweinen mittelmäßig, geräumt; mit Ferkeln und
Läufern lebhaft.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. Juni. Auftrieb: 1234 Kälber, 74
Schafe, 806 Schweine. Marktverlauf: Kälber ruhig, geräumt; Schweine
xuhig; nahezu ausverkauft, Fettſchweine ſchwer verkäuflich. Hälder
b) 79—81, c) 71—78, 5) 60—70, Schweine b) 75—78, c) und d) 77—80,
e) 72—75 — Fleiſchguoßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1. Qual. 100—105,
Lto 2 Qual. 90—100, Bullenfleiſch 90—98, Kuhfleiſch 2. Qual. 60—75,
3. Qual. 45—55, Kalbfleiſch 2. Qual. 109—110, Schweinefleiſch 1. Qual.
25——105. Gefrierfleiſch (Nindfleiſch): Vorderviertel 56, Hinterviertel 62.
Geſchäftsgaug: ruhig.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 13. Juni.
Die Vörſe ſetzte wiederum ſehr luſtlos und weiter abgeſchwächt ein
Es ſind di=ſelben Gründe, wie in den letzten Tagen, wenig
Auslands=
aufträge, weiteres Fernbleiben der Bankenkundſchaſt, Verſtimmung über
die innerpolitiſche Diskuſſion und das Ergebnis über die Reichsanleihe
und die Erwartung eines ziemlich angeſpannten HalbjahreZultimos.
Zwar iſt der kurzfriſtige Geldmarkt ſehr flüſſig. Die Spekulation tritt
am Markte weiter als Abgeber auf. Es verloren Ver. Glanzſtoff
7 Prozent. Am Elektromarkt waren Siemens 1, Schuckert 2½ A. E. G.
½ Prozent, Licht und Kraft 1¾ Prozent niedriger. Die Farbenaktie
zunächſt 1½ Prozent, dann raſch nochmals ¼ Prozent ſchwächer.
Rhein=
ſtahl 1 Prozent niedriger. Auch Montanwerte bei allerdings kleinſtem
Geſchaft weiter abröckelnd. Phönix ½, Harpener 1, Klöckner 2 Prozenr
niedriger. Banken, die geſtern teilweiſe ſtärker befeſtigt waren,
bröckel=
ten ab. Am Zellſtoffmarkt gaben Aſchaffenburger um 2, Waldhof 1½
Prozent nach. Von Schiffahrtswerten Hapag 2½4, Norddeutſcher Lloyd
1½ Prozent ſ=hiuä her. Am Automobilmarkt Daimler trotz der
Ver=
kaufsverhandlungen der Mariendorfer Anlage 1 Prozent ſchwächer,
Adlerwerke dagegen 3 Prozent höher. Am Rentenmarkt Ungarn
etwas feſter, Türken auf dem geſtern ermäßigten Niveau etwa
gehal=
ten. Der Börſenverlauf blieb ſehr geſchäftsunluſtig und war
weiter=
hin eher ſchwächer. Tagesgeld 6 Prozent. London-New York 4,8485,
Pfunde gegen Mark 20,34, Dollar gegen Mark 4.1955.
Die Abendbörſe war faſt geſchäftslos, die Kurſe meiſt nomi
nell, jedoch ließ ſich bei den meiſten Werten eine kleine Steigerung, die
jedoch kaum über 0,25 Prozent betrug, feſtſtellen. Dagegen ſetzten
Glanzſtoff ihre Abwärtsbewegung um 2 Proz. fort. Auch Adlerwerke
um 1 Proz. ſchwächer. Montanwerte faſt vollkommen vernachläſſigt.
Auch Renten vollkommen geſchäftslos. Kunſtſeidenwerte eine
Kleinig=
keit ſchwächer. Der Verlauf blieb auch in den Anfangskurſen behauptet
und zeigte weitere Geſchäftsloſigkeit. An der Nachbörſe: Farben 258,25.
Von Einheitskurſen ſind zu nennen: Dresdener Bank 164, Reichsbank
328,50, Gelſenkirchen 135,50, Nordd. Lloyd 111, Farbeninduſtrie 257,50,
Geſ. für El. 226‟ Metallgeſellſchaft 129.
Berlin, 13. Juni.
Nach völlig geſchäftsloſem vorbörslichem Verkehr waren die Umſätze
an der heutigen Börſe wieder außerordentlich gering. Ausland und
Publikum fehlten faſt ganz und die Börſe blieb infolgedeſſen unter ſich.
Trotz überwiegender Kursabſchwächungen von 1—3 Prozent konnte
man jedoch die Tendenz nicht als unfreundlich bezeichnen.
Verſchie=
dene anregende Momente, die heute vorlagen, übten keine Wirkung
aus. New York war geſtern feſt; die Verhandlungen über den
Aus=
landskredit für das Reich bzw. die Reichsbahn ſollen nach engliſchen
und amerikaniſchen Nachrichten bald zum Abſchluß kommen. Nach den
erſten Kurſen hielt die Geſchäftsloſigkeit weiter an und es ergaben ſich
neue Verluſte von 1—2 Prozent. Polyphon blieben lebhaft, gingen
aber 6 Prozent zurück. Bemberg, Nordd. Wolle und R.W.E. verloren
3 Prozent, Salzdetfurth 4,5 Prozent. Am Geldmarkt machte die
Er=
leichterung weitere Fortſchritte. Tagesgeld war mit 6—8,5 Prozent,
teilweiſe ſogar darunter, erhältlich. Monatsgeld ſtellte ſich auf 9,5—10,5
Prozent. Deviſen waren angeboten, Pfunde abgeſchwächt.
A. E. G...
Augsb.=Nürnb. Maſ
Baſalt ..
Bergmann.
Berl. Karlsruhe 2
Berl. Hand.=C
Braunkohl. Briket
Bremer=Wolle.
Danatbank.
Deutſche Bank..
Diskontogeſellſchaft.
Dresdner Bank...!
Deutſche Maſchinen
Lieferung:
J. G. Farben. . ..
Gelſenk. Berg....
54.50
118.50 207.50 173.—
15e.— 172.50 Lingel Schu 54.50
116. — 157.— 1 Mannesma= 165.— 163.— Niederlauſit 147.50 14750 50.50 50.50 Nordd. Llo 113.— 111.55 113.25
62.50 112.—
60.— Orenſtein 941/,
435.— 93.50
445.— Polyphon 119.—
160.25 119.—
160.— Rütgerswer 92.50
108.— 92.—
105.25 Sachſenwer 259.— 256.— Siemens Glas 128.— 125. — 136.25 135.50 Ver. Glanzſtof 462.— 456.— 228.— 224.50 Ver. Stahlwerke 100.— 99.75 Volkſtedter 38 — 38.— Wanderer Werke 92.— 92.— 1121.25 11181, Wiſſner Metall 139. 129.50 55.— 53.50
Han. Maſch.=Egeſt. . . / 45.— 45.—
Hanſa Dampfſch. . . ./ 151.75 (150.—
Hapag .."
143.— (142.— Wittener Gußſtah
Harpener .
Hemoor Zement .. .1 271.50 1271.50 1
*) Die 3 Kalin erte verſtehen ſich exkl. Bezugsrecht.
Wien ....."
Prag ....."
Budapeſt.
Soſia ...."
Holland.
Oslo ....."
Stockholmi=
London ..."
New York.
Belgien...
Italien ...."
Paris ....."
Schweiz ..."
Spanien ..."
Danzig ...."
Japan . . .."
Rio de Janeir
Jugoſlawien.
Portugal. . . ..
Athen ......
Konſtantinopel/ 2023/ 2.02
Kanada . . . . ..
Uruguay ..
Goldmark=Kommunal=Obligationen bei der Reichsbank zugelaffſen.
Die von der Preußiſchen Landespfandbriefanſtalt ausgegebenen 8proz.
Goldmark, Kommunal=Obligationen Reihe Xſl im Geſamtbetrage von
10 000 000 RM. ſind zur Beleihung bei der Reichsbank in Klaſſe A
zu=
gelaſſen.
Zinsſätze in Zahlungsbefehlen. Seit eimigen Jahren beſtand auf
Grund eines Beſchluſſes der Prozeßrichtervereinigung Groß=Berlin die
Uebung, daß in Zahlungsbefehlen, die von Gewerbetreibenden
bean=
tragt wurden, ein Zinsſatz von 12 Prozent zugeſprochen, aber ein
An=
trag, in dem bis zu 18 Prozent Zinſen gefordert werden, nicht
bean=
ſtandet wurde. Angeſichts der inzwiſchen eingetretenen Veränderungen
hat die Prozeßrichtervereinigung ihren Beſchluß jetzt dahin geändert,
daß ein Zinsſatz bis zu 2 Prozent über Reichsbanldiskont, alſo
gegen=
wärtig 9½ Prozent Zinſen, ſowohl für die bürgerlichen wie für die
Handelsſachen als üblich bezeichnet werden. Auch höhere Zinsſätze
wer=
den zugeſprochen. Hierfür wird aber geſordert, daß eim beſonderer
Rechtsgrund für den höheren Zinsſatz oder der Nachweis eines höheren
Schadens als 9½ Prozent erbraiht wird.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Bingen: Mechanikermeiſter Johann Heide in
Genſingen; Af. 24. 6., Prft. 28. 6. — Laubach: Sägewerkebeſitzer Wilh.
Jung II. in Villingen; Af. 30. 6., GlV. 18. 6., Prft. 3. 7. — Mainz:
Firma Alter Eickemeyer A.G.; Af. 20. 6., GlV. und Prft. 27. 6. —
Waldmichelbach: Kfm. Hans Heid II. und Kfm. Georg Egner II.,
In=
haber der Fa. Heid u. Egner.; Af. 29. 6., Prft. 16. 7. — Zwingenberg:
Verſt. Kfm. Adolf von Königslöw in Seeheim; Af. Prft. 1. 7. —
Be=
endete Konkurſe: Bensheim: Kfm. Siegfried Wertheimer,
In=
haber des Kaufhauſes Merkur. — Darmſtadt: Kfm. Alfred Wagner in
Fa. Bluſen= und Modehaus Alfred Wagner. — Höchſt: Verſt. Auguſt
Eiſenhauer in König. — Offenbach: Gemüſehdl. Karl Bernhard
Stü=
bemer. — Neue Vergleichsverfahren: Friedberg: Sally
Wolf, Inh. des Frankfurter Bluſenhauſes; VerglT. 28. 6. — Gießen:
Händler Herm. Rothſchild in Großen=Buſeck; VerglT. 28. 6. —
Auf=
gehobene Vergleichsverfahren: Büdingen: Grün in Fa.
Heinrich Scheid Nachf.
Ludwig Gans A. G., Mainz. Nach dem Geſchäftsbericht für 1928
haben ſich die Erwartungen infolge der Ausſperrung im Nuhrgebiet
und der ungeklärten Reparationsfrage nicht völlig erfüllt, venn auch
die Umſatzſteigerung des Vorjahres erhalten werden konnte. Es
muß=
ten weitere langfriſtige Kredite aufgenommen werden, da weitgehende
Zahlungserleichterungen im Hinblick auf die allgemeine Wirtſchaftslage
nicht zu vermeiden waven. Die Kapitalerhöhung auf 2 Millionen RM.
iſt einſtweilen nur um 600 000 RM. auf 1,10 Mill. RM. durchgeführt
worden. Aus einem Reingewinn von 124 118 (91 776) RM. werden
wieder 10 Prozent Dividende auf die 500 000 NM. alte Aktien
vor=
geſchlagen, während die neuen 600 000 RM. Aktien 5 Prozent erhalten
ſollen. In der Bilanz ſtiegen Kreditoren auf (in Mill. RM.) 0,722
(0,469), langfriſtige Kredite auf 1,604 (1,338), Bankſchulden auf 0,902
(0,577); andererſeits Außenſtände auf 1,237 (0,933), Kaſſe und Wechſel
auf 0,268 (0,146), Bank= und ſonſtige Guthaben auf 0,128 (0,008),
Vor=
räte auf 2,925 (1,985). Das laufende Geſchäftsjahr habe in den erſten
Monaten nicht befriedigt, der Umſatz ſei in der letzten Zeit jedoch
wie=
der erheblich geſtiegen. Das Herbſtgeſchäft verſpreche beſſer zu werden.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metall=Notierungen vom 13. Juni 1929 ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer 170.75 RM., Originalhüttenaluminium 190 RM.,
des=
gleichen in Walzen oder Drahtbarren 194 MM., Reinnickel 350 RM.,
Antimon Regulus 70—75 RM., Feinſilber 72.00—73.75 RMM.
Produkkenberichke.
Mannheimer Produktenbericht vom 13. Juni. Die Auslandsbörſen
ſtehen noch immer unter dem Einfluß der ungewiſſen Haltung
hinſicht=
lich des Farmer=Reliefgeſetzes. Am hieſigen Platze iſt man
infolge=
deſſen zurückhaltend, da man nicht weiß, wie die Preisgeſtaltung ſich
weiter entwickeln wird. Man nannte im nichtoffiziellen Verbehr gegen
12.30 Uhr in Reichsmark pro 100 Kilo waggonfrei Mannheim: Weizen
ausländiſchen mit 24—26,50, Roggen inländ. mit 22,75, ausländ. mit
22,50—22,75, Hafer inländ. mit 22,50—23, ausländ. 20,50—21,50,
Futter=
gerſte mit 19,50—20,50, Mais mit Sack 20,50, ſüddeutſches Weizenmehl.
Spezial Null offizieller Großmühlenpreis mit 32,50, ſüddeutſches
Rog=
genmehl mit 29—32,50, Weizenkleie mit 11 und Biertreber mit Sack
mit 16,75—18,50.
Frankfurter Produktenbericht vom 13. Juni. Die Frankfurter
Ge=
treidehörſe lag ruhig. Mais iſt teilweiſe um 25 Pf. geſtiegen. Die
übrigen Preiſe ſind unverändert. E3 notierten je 100 Kg.: Weizen
23,50, Roggen 21,75, Souriergerſte 23, Hafer 22, Mais 20—20,25, ſüdd.
Weizenmehl 32—32,50, dto. niederrhein. 31,75—32, Roggenmehl 28—28,50,
Weizenkleie 10,75, Roggenkleie 11,50.
Berliner Produktenbericht vom 13. Juni. Den ſchwächeren
Schluß=
meldungen von den nordamerikaniſchen Terminmärkten ſchenkte man
an der heutigen Produktenbörſe nur wenig Beachtung, da das
Inlands=
angebot von Brotgetreide weiterhin recht knapp bleibt und außerdem
Liverpool im Verlaufe eine Befeſtigung zeigte, die mit beſſerer
Kauf=
luſt für Auslandsweizen begründet wurde. Am Lieferungsmarkte
er=
folgten daraufhin Deckungskäufe, die das Preisniveau für Weizen um
1,50—2,25 Mark hoben, während Roggen in beiden Sichten etwa 3 Mk.
anziehen konnte. Während im Vormittagsverkehr Weizen und Roggen
im Anſchluß an die ſchwächeren Meldungen von Ueberſee etwas ſtärker
angeboten war und auch auf ermäßigtem Preisnivenu vereinzelt
Um=
ſätze zuſtande kamen, bekundeten die Inlandseigner bei Börſenbeginn
ſtarke Zurückhaltung, ſo daß ſich das Geſchäft in engen Grenzen hielt.
Auch Auslandsgetreide wurde trotz ermäßigter Cif=Offerten nur in
klei=
neren Partien umgeſetzt. Mehl hat bei unveränderten
Mühlenforde=
rungen weiter ruhiges Geſchäft.
Frankfurter Kursbericht vom 13. Juni 1929.
Fae
anl. v. 27......
P Baden
Frei=
ſtaat v. 27...."
6% Bahern
Frei=
ſtaat v. 27....
* 26 Heſſen Volks
ſtaat v. 28.....
6% Preuß. Staats
anl. v. 28......"
6% Sachſen
Frei=
ſtaat v. 27.....
726
ThüringerFrei=
ſtaat v. 27...."
Diche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. +
Ablöſungsan!.
Otſche. Anl.
Ablö=
ungsſch. (Neub.
Diſche. Schurzge.
bietsanleihe. . . .
8% Bad.=Bad.v. 26
6% Berlin v. 24..
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
7% Frtl. a. M. v. 26
8% Mainz v. 26.
80 Mannh. v. 26.
8% Nürnber 1 26
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.-Anl.
* Ausl. Ser.
„ Ser. II
8% Ber Hhp.=B
8% Frkf. Hyp.Bk.
4½%, Lig. Pfbr.
4%. PfbrBk.
8½%.- Lig. Pfbr.
87.3
76.5
8775
91.4
79.5
50.9
10.6
83
50
64
97.5
77I.
80 Heſſ. Landesbk.
4½, % Heſſ. 2d3. Hp.
Bk.=Ligid. Pfbr.
8% Kom.
Landes=
bank Darmſtadt.
8% Mein.Hhp. B
4½% „ Lig. Pfbr
8% Pfälz. Hyp.Bl
8% Preuß. Ztr.=
Stadtſchaft.
8% Rhein. Hyp.=B
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bb.=Cred 1... .."
8% Südd. Bod.=
Cred.=Ban 1....
8% Württ. Hyp.=2
6% Daimler Benz
von 27........"
3% Klöckner=Werke
Berlin v. 26.. .
7% Mainkrw. v. 26
7% Ver. Stahlwkel
mit Opt. v. 26.
8% VoigtckHäffner
von 26 ......."
—
J. G. Farben Bonds
28.........."
5% Bosn. 2. E. B.
v. 1914... . ..
4:/,% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914 ..
4% Oſt. Goldrente
4:ſ.% Rum. Goldl
von 1913
4% Türk. Admin.
4% „ 1.Badgad
Bollanl.
4), % ungarn 1913
Rac
84.5
73‟.
W.5
97.5
76.25
97.5
97.5
97.75
79½.
97.5
98.5
97.75
72.5
88.75
80.5
82.75
91
135.75
34.75
29.4
4:/,% Ungarn 1914/ 2!
Goldr., 23.8
4%
Aktien.
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nt.=Bk
Deutſche Bank ...
„Eff.-u.
Wechſel=
bank .. . . . . . ..
„ Vereinsbank
Diskonto=Geſellſch.
Dresdener Banl ..
Frankf. Bank . . . . .
Hyp.=Bk..
„ Pfdbr.=Bt..
Gotha. Grundkr.
Mein. Hyp.=Bank
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsbk:
Oſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Ban1.
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbt. ..
„ Hyp.=Bant ...
Südd. Bod.=Cr. Bt.
Wiener Bankverein
A..=G. Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ...
7% Dt. Reichsbahn
Vorzge
Hapag ........"
Nordd. Lloyd ...."
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Accum. Berlin. ..
Adlerw. (v. Kleher)
6% AEG. Vorzu
128.75
223
188.7:
278
171.7.
126.5
100
157
164
104.5
139.75
140
132
130.5
155
30.8
13.
328.5
122
152.5
170
160
119
111
124
52.25
92:.
93
AEG. Stamm. . . . 191
Baſt Nürnberg
Bergm. El. Werke/223.5
BrownBroverickCiel138
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen .../ 721/,
Eement Heidelberg
Karlſtadt
Chem. WerkeAlbert.
Chade ...
Daimler=Benz....! 61.25
Dt. Atl.=Telegr.. /117
„ Eiſenh. Berlin.
Erdöl
Gold= u. Silb
ſcheide=Anſtalt
„ Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer. /300
Elektr. Lich u. Kraft
Liefer.=Geſ
Eſchw. Bergwer! /198
Eßlinger Maſchiner
Ettlinger Spinnereil215
F. G. Farbenindſtr.
Feinmech. (Jetter)
Fel 1. & Guill
Frift. Gas
„ Hof
Geiling ECie
Gelſen I. Bergwer 11136
Geſ. elektr. u7
ternehmungen
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchiner
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frlf1.
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau/141
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ...""
101
136.5
177
... . . /440
1111.5
164
350
219
42
2561,
24.5
137
126
77.5
820
72.5
168
130
170
92.5
3
29
Hochtief Eſſen ..."
Holzmann, Phil. ..
Holzverk.=Induſtri
Flſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm
Ka)i Aſchers leben.!
Salzdetfurth
Weſteregeln
Kammgarnſpinn
Karſtadt, R. . .
Klein, Schanz!.
Klöcknerwerke
Kraftw. Alt=Württ
Lahmeyer & Co...
Lech, Augsburg ...
Löwenbr. Münch. 1290
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br.. .
Mannesm. Nöhren /116.25
Mansfeld. Bergb.,
Mars=Werke".
Metallgeſ. Frankft.
Miag. Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren fb. Darmſt.
Neckar). Fahrzeug..
Nicolay, Hofbr..."
Oberbedarf . . . . . ."
Oſterr. Alpine Mo.
Otavi Minen ....."
Peters Union Fr
Phönir Bergbau.
Reiniger, Gebb.. .."
Rh. Braunkohlen
„ Elektr. Stamn
„ Stahlwerke. . .
Riebeck Montan ...
Roeder Gb. Barmſt
112.5
90.75
121.*
76.5
240
403
95
104.5
83
170
106.5
86
106.5
129
84
129
123
54
126.25
93.75
104.25
165
126
145
115.5
Rütgerswerke ....
Sachtleben A. G...
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempe
Schucker: Elektr..
Schwarz Storchen.
Siem Glasinduſtr.
Siemen3 & Halsfe.
Strohſtof ſ. Ver....
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Svenska Tändſticks
Tellu =Bergbau.
Thür. Lie ſ.=Geſ...
Tucher=Brauerei..
Anterfr. Krs.=
Elei=
tr.=Ver . .....
Veithwerke ...."
Ver. t. Chem. Ind.
Gummifabri
Berlin=Fran 1
„ Laurahütte".
„ Stahlwerte
„ Ultramarin ..
„ Zellſt. Berlin.
Vogtland. Maſchin.
Voigt & Haeffner..
Wayß & Freytag..
Wegelin Rußfabril
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſcha ffbg. 1195
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123.75
242
165
17
79
145.5
420
118
102.5
147
102
1.5
100
149.5
113
6'
223
104
119
203
142
Re
244.5
960
Nummer 163
Freitag, den 14. Juni 1929
Seite 13
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
* New York, 13. Juni. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Die ſchwächeren Liverpooler Kabel und das herrſchende
ſchöne Wetter wurden ausgeglichen durch ungünſtige Wetterprognoſen
für den öſtlichen Anbaugürtel und Käufe der Kommiſſionshäuſer. Die
Abſchlüſſe waren jedoch gering.
Zucker: Beſſere Nachfrage der Raffinerien ſchuf eine feſtere
Stim=
mung, ſo daß die Preiſe anziehen konnten. Das Angebot war nur
gering und das Deckungsbedürfnis hielt an.
Kaffee: Im Zuſammenhang mit der Feſtigkeit der Märkte in den
Urſprungsländern und Käufe und Anſchaffungen konnten die Preiſe
anziehen, zumal das Angebot gering war.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Juni:
Getreide. Weizen: Juli 107, Sept. 111½, Dez. 116½; Mais:
Fuli 92½, Sept. 91½, Dez. 86½: Hafer: Juli 44½, Sept. 43½4,
Dez. 45½; Roggen: Juli 82½, Sept. 85½, Dez. 8938.
Schmalz: Juli 11,95, Sept. 12.30, Okt. 12,45, Dez. 12,25.
Fleiſch: Rippen Juli 13,25, Sept. 13,55; Speck, loko 13,50;
leichte Schweine 10,85 bis 11,55, ſchwere Schweine 10,85 bis 11,35,
Schweinezufuhren: Chicago 21 000, im Weſten 80000.
Baumwolle: Juli 18,95, Sept. 18,87.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 13. Juni:
Getreide. Weizen: Rotwinter 127½, Hartwinter 129; Mais,
neu angek. Ernte 105½: Mehl, ſpring wheat clears 5,35 bis 5,65;
Fracht: nach England 1,9 bis 2,6 Schilling, nach dem Kontinent
11 bis 13 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,60; Talg, extra, loſe 7½.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die Preiſe auf den europäiſchen Kohlenmärkten zeigen ſeit
einiger Zeit eine bemerkenswerte Feſtigkeit. Während ſonſt um
dieſe Jahreszeit das Angebot die Nachfrage ſtark zu überſteigen
pflegt, bekunden diesmal die Bergwerksgeſellſchaften, namentlich
die Steinkohlenreviere, eine auffallende Zurückhaltung und
neh=
men langfriſtige Beſtellungen nur mit ſtrengen Hauſſe=Klauſeln
herein.
kaufsverhandlungen für die Mariendorfer Betriebsanlagen wiſſen
wollen. Doch dauern die Verhandlungen wegen der Größe des
Objektes zurzeit noch an. Die Verhandlungen werden auch nicht
nur mit einem Intereſſenten geführt. Es ſeien verſchiedene
Reflek=
tanten vorhanden.
Die Lohnverhandlungen in der niederſchleſiſchen
Metallindu=
ſtrie werden am 18. d. M. vor dem Schlichter wieder
aufgenom=
men. Falls es wiederum zu keiner Einigung kommt, iſt die
Bil=
dung einer Schlichterkammer in Ausſicht genommen, deren Spruch
maßgebend ſein ſoll.
Der Schiffsverkehr auf dem Mittelrhein hat nicht unerheblich
nachgelaſſen. Infolge der geringeren Verſchiffungen von
Maſſen=
gütern hatte insbeſondere der Schleppverkehr gegenüber den
Vor=
wochen zu leiden.
Geſtern tagte in Karlsruhe die aus allen Teilen des Reiches
ſtark beſuchte Hauptverſammlung des Zentralverbandes der
Koh=
lenhändler Deutſchlands e. V. Unter den Ehrengäſten ſah man
Staatspräſident Dr. Schmitt und andere Mitglieder der badiſchen
Regierung, ferner Vertreter des Vorläufigen
Reichswirtſchafts=
rates und des ſchweizeriſchen Kohlenhändlerverbandes. Präſident
Senator Ludw. Wieſinger=Hamburg eröffnete die Tagung.
3 Pfg. erhöht. Die Vereinbarung gilt bis 30. April 1930.
Im 71. Lebensjahre ſtarb nach kurzem Krankſein in Straß=
Ebersbach der Großinduſtrielle und Mitbegründer des Heſſen=
Naſſauiſchen Hüttenvereins, Kommerzienrat Guſtav Jung, deſſen
Name in enger Verbindung mit der zu großer wirtſchaftlicher
Be=
deutung gelangten Eiſeninduſtrie im naſſauiſchen Bezirk ſteht.
Die am 19. Juni ſtattfindende Sitzung des Internationalen
Schienenkartells (Irma) in Paris wird ſich mit der Geſtaltung
der Preisfrage zu beſchäftigen haben, da einzelne Beteiligte eine
Erhöhung der Preiſe anſtreben. Dieſe Wünſche werden mit der
inzwiſchen erfolgten Erhöhung der Brennſtoffpreiſe und der Löhne
in den meiſten europäiſchen Ländern begründet.
Die franzöſiſche Werft Provencale de Conſtructions Naveles
verteilt entſprechend dem Beſchluß der Hauptverſammlung eine
Dividende von 40 Fr. pro Vorzugsaktie und 10 Fr. pro Stammaktie.
Der Londoner Goldpreis gemäß Verordnung zur
Durchfüh=
rung des Geſetzes über wertbeſtändige Hypotheken beträgt vom
12. Juni ab für eine Unze Feingold 84 Schilling 11½ Pence. für
ein Gramm Feingold demnach 32,7696 Pence.
Im Gegenſatz zu einer polniſchen Agentur=Meldung, wonach
die deutſche Abordnung für die Handelsvertragsverhandlungen
mit Polen am 16 d. M. wieder in Warſchau eintreffen ſoll wird
von Berliner zuſtändiger Stelle mitgeteilt, daß am 16. d. M.
lediglich private Beſprechungen, an denen Vertreter der
elektro=
techniſchen und der Maſchineninduſtrie teilnehmen werden,
be=
ginnen.
Der ſchweizeriſche Ständerat hat auf Antrag der zuſtändigen
Kommiſſion das Zuſatzabkommen zum Handelsvertrag mit
Deutſch=
land einſtimmig gutgeheißen. Der Nationalrat hat das
Zuſatz=
abkommen bereits genehmigt.
Voranzeige!
Das Ereignis
rur Barmstadtg
ist vom 17. bis 23. Juni das Gastspiel
der neuen Rolf Röder
(Possen-Sketch- und Varleté-)
D mit fortlaufender Handlung a
verfasst und insceniert von Dir. Rolf Röder
Musikalische Leitung: Prof. Theodor Pallos
Aus der Bilderfolge:
DerKuß der Lucretiaßorgial
Vergißmeinnicht!
Auf nach Beluela!
usw. Die Varieté-Attraktionen: usw.
Titzé und Tarassow
vom Folies Bergere, Paris
Mlle, Lydia, vom Fol. Berg., Paris
The Spyras
Der Mann ohne Getühl S
Der Giptel der komischen Eequilibristik
TITI Die Elite-Girls 1 11I
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Seite 14
Freitag, den 14. Juni 1929
Nummer 163
din srman der Nagt.
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.
24)
Buck Daniels ſtarrte ihn an, blinzelte und fing an zu
lachen. Ein unerfreuliches Lachen.
Satan, in ſeinem Gehege, warf den Kopf hoch, trabte an die
Einzäunung und wieherte leiſe. Barry wandte den Kopf und
lächelte ihm zu.
Dann ſagte er: „Scheint mir, wenn Jerry Strann ſtirbt, dann
bin ich Mac etwas ſchuldig. Denke wenigſtens, es iſt ſo. 18 iſt
in einer Art meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit,
dazu=
bleiben und Mac Strann ine Chance zu laſſen.
„Jawoll,” platzte Buck Daniels los, „und ich hoffe in aller
Heiligen Namen, daß er Hackfleiſch aus dir macht. 8 iſt juſt das,
was ich hoffe.”
Dan Barry riß erſtaunt die Augen auf.
„Warum denn?” fragte er ſanfmütig.
Daniels verlor von neuem die Sprache.
„Iſt ſo etwas menſchenmöglich?” grollte er. Er ſprach mehr
mit ſich ſelbſt als mit Dan. „Biſt du ein Menſch von Fleiſch
und Blut und denkſt mehr an deinen Gaul und an deinen
ver=
dammten Hund als an ein Menſchenleben! Dan, antworte mir
aufrichtig, iſt das alles ſo, wie ſich’s gehört?”
Dan ſtreckte ihm ſeine ſo zerbrechlich ausſehenden Hände
ent=
gegen, die Handflächen nach oben.
„Siehſt du denn nicht, Buck, 8 iſt nicht mein Wunſch, daß
ich ſo bin. Ich kann juſt nicht dagegen an.”
„Dann helf der Himmel dem armen alten Joe Cumberland.
— 8 iſt der Mann, Dan, der dich in der Einöde aufgeleſen hat —
der dich großgefüttert hat — der dich gehätſchelt hat wie ſein
eige=
nes Kind — er hat dich lieber gehabt als ſeine eigene Tochter —
und jetzt liegt er mit glühenden Augen darnieder und wartet auf
dich. Mann, wenn du wüßteſt, wie er wartet und wartet und
wartet. Dan, wenn du ihn ſehen könnteſt, auf die Knie würdeſt
du dich werfen und ihn um Verzeihung bitten.”
„Kann ſein”, murmelte Barry nachdenklich.
„Dan, du wirſt mit mir gehen.”
„Ich weiß nicht, ’8 iſt noch nicht die Zeit für mich gekommen.”
„Iſt das alles, was du zu ſagen haſt?”
„Denke wohl, ’8 iſt ſo Buck.”
„Nützt denn gar nichts, auch wenn ich dich an die alten Zeiten
erinnere und an alles, was wir miteinander durchgemacht haben?
Macht dir das gar nichts aus?”
Die großen ſanften Augen ſeines Gefährten waren weit —
weit in die Ferne gerichtet. Sie ſtarrten in das matte, dunſtige
Blau des Frühlingshimmels hinaus.
„Denke, ich habe keine Luſt mehr zum Reden, Buck”, ſagte
er ſchließlich.
Buck Daniels ſtand auf und ſchlich ſich geſenkten Kopfes
hinweg. Hinter ihm ſtieß plötzlich der Rappe ein lautes und
triumphierendes Wiehern aus. Es klang ſo herausfordernd, daß
Buck ſich umdrehte und mit einem dumpfen Fluch dem Tier mit
der Fauſt drohte.
Vierzehntes Kapitel.
Muſik für Freund Hein.
Ein Einfall wirkt manchmal wie ein Sporn. Wem plötzlich
ein guter Einfall kommt, der trägt wieder den Kopf hoch wie ein
Pferd, dem der Reiter die Sporen gegeben hat, und wenn ſein
Schritt vorher matt war, ſo wird er unmerklich wieder feſt und
kräftig. Buck Daniels hatte einen ſolchen Einfall, als er die
Sſtufen zur Hotelveranda hinaufſchritt. Unbedingt erfreulich
ſchien dieſer Einfall allerdings nicht zu ſein, denn er biß plötzlich
die Zähne zuſammen und die Farbe verſchwand aus ſeinem
Ge=
ſicht. Im nächſten Augenblick lockerte er den Revolver in dem
Halfter an ſeinem Gürtel.
Es war ein Einfall, der anſcheinend reiflich Ueberlegung
erforderte. Er ließ ſich in einen geflochtenen Seſſel fallen, der
da auf der Veranda ſtand. Dort ſaß er mit gebeugtem Kopf,
zün=
dete eine Zigarette nach der anderen an und ſchleuderte die
ab=
gebrannten Stummel über das Geländer. Mehr als einmal
preßte er, wie von einem plötzlichen Schmerz heimgeſucht, die
Lippen zuſammen. Sein Geſicht blieb bleich und nahm nach und
nach einen immer ausgeprägteren Ausdruck der Entſchloſſenheit
an. Ein Plan ſchien langſam in ihm zu reifen. Sein Geſicht
bot in dieſem Augenblick keinen angenehmen Anblick.
Geraume Zeit verſtrich, ehe er auch nur einen Muskel
be=
wegte, aber ſchließlich drang von der Hinterfront des Hotels her
in feines, klares Pfeifen an ſein Ohr. Es war keine erkennbare
Melodie. Es war ein wilde, eigentümliche Improviſation,
ſtür=
mende unbändige Läufe und Triller mit Bruchſtücken dazwiſchen,
die eine ſangbare Melodie ergeben hätten. Es klang, wie wenn
ein beſonders begnadeter Vogel in blinder Verzückung ſein Lied
aus voller Kehle herausſchmettert. Buck hob plötzlich den Kopf.
Schließlich riß er ſich von den Tönen los und ging ins Innere
des Hotels.
Er ſtieß auf die Magd, die ihm ſein Eſſen gebracht hatte, und
erkundigte ſich nach dem Namen des Arztes, der den verwundeten
Jerry Strann behandelte.
„Der hat keinen Doktor,” ſagte ſie, „Fatty Matthews, der
Konſtabler, hat ſich ſeiner angenommen, und will’s Gott, daß er
ihn um die Ecke bringt. Fatty iſt jetzt hier unten im
Schlafzim=
mer. Aber was iſt los? Mann, Ihr ſeht aus, als hörtet Ihr was
Beſonderes.”
„Stimmt,” erwiderte Daniels rätſelhaft, „ich höre etwas, und
Hein würde das Herz im Leibe lachen, wenn er’s hörte.”
Damit drehte er ſich auf dem Abſatz herum und ging ins
Schankzimmer hinüber. Fatty ſtand an der Bar und goß ſich drei
Finger hoch ungemiſchten Whisky in die Kehle. Daniels ſtellte
ſich neben ihn, ſchenkte ſich ebenfalls zu trinken ein und ſpielte
un=
entſchloſſen mit dem Glas.
„Werde noch einen nachgießen,” ſagte Fatty, „hab’s verdammt
nötig.”
„Schlechter Tag geweſen heute?” fragte O’Brien voller
Mit=
gefühl.
Aiüu
In der ganzen Fani lie Freut man
sich auf diese Tage der Ausspannung
und Erholung. Gerade in unserer
schnel lebigen Zeit müssen wir dew
Körper eine Ruhepause gönnen.
Sie werden in Ihrer Ferienzeit
nicht auf eine Tasse guten
Bohnen-
kaffee verzichten wollen; zugleich
wollen Sie aber Herz und Nerven
schonen. Vählen Sie daher Kaffee
Hag, den einzigen coffeinfreien
Bohnenkaffee der Ihnen al le
Kaffeefreuden vernittelt, dabei
aber vollkommen unschädlich ist.
Kaffee Hag erhalten Sie heute in
allen Bädern und Kurorten, Ver-
1angen Sie ihn.
(I.Hbg. 2569
„Kann man ſagen, Mann — ein Tag iſt wie der andere.
Menſch, O’Brien, ich ſage dir, es gehört ine verdammte Maſſe
Courage dazu, da oben im Zimmer zu ſitzen, wenn man weiß,
daß Jerry jeden Augenblick auslöſchen kann wie ein Licht, und
wenn Mac Strann, der verflixte Teufel, in ſeiner Ecke ſitzt und
einem nachſtarrt bei jedem Schritt, den man tut. Ich will dir
was ſagen, 8 iſt mir juſt ſo, als würde mir der Kerl an die
Kehle gehen in dem Augenblick, wo Jerry ſeinen letzten Seufzer
tut."
„Danebengeſchoſſen, Fatty” antwortete O=Brien. 18 iſt juſt
nicht die Art, wie’s bei ihm losgeht. Der nimmt ſich Zeit, wenn
er einen abſchlachten will. Der wartet, bis er einen auf der
Straße ſtellen kann vor ſoundſoviel Zeugen, und dann ſorgt er
dafür, daß der andere mit dem Rummel zuerſt anfängt. Juſt das
iſt Mac Stranns Art. Denk' an Fitzpatrick.”
„Keine Hoffnung mehr für Jerry Strann?” fragte Buck
Daniels dazwiſchen.
„Nicht mal tauſend gegen eins” huſtete Fatty, der ein
neues rieſiges Quantum Whisky hinter die Binde gegoſſen hatte.
„Und wenn Jerry ſtirbt, dann meint Ihr, wird Mac ſich an
den andern heranmachen, an Dan Barry?”
„Wer hat Ihnen das geſteckt?” fragte O=Brien trocken. „
Seid=
wohl ine Art von Gedankenleſer, Fremder?”
(Fortſetzung folgt.)
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