Darmstädter Tagblatt 1929


26. Mai 1929

[  ][ ]

Einzelnummer 15 Pfennige

Bezugspreis:
Bel wöchentlich 7 maligem Erſcheinen vom 1. Mal
bis 31. Mal 2.18 Reichsmark und 22 Pfennig
Abtragegebühr, abgeholt 2.28 Reſchemark, durch die
Agenturen 2.40 Reichsmark frei Haus. Poſibezugspreis
im Mal ohne Beſtellgeld monatlich 2.25 Reichsmark.
Verantwortlichkeit für Aufnahme von Anzelgen an
beſtimmten Tagen wird nicht übernommen. Nicht=
erſcheinen
einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf obne Verbindlſchkelt für uns. Poſtſchecktonto
Franifurt a. M. 4301.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuftrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigeven Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geſtattet.
Nummer 144
Sonntag, den 26. Mai 1929.
192. Jahrgang

Anzeigenpreis:

27 mm breite Zeile im Kreſſe Darmſtadt 25 Reichspfg.

zelle 500 Reſchemar. Alle Preiſe in Reſchemart
ſ4 Doſſe 420 Marſt. Im Falle heherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfällung der Anzelgene
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerichtiſcher Beſtreibung fäll ſeder
Nabatt weg. Bauftonto Deutſche Bank und Darm=
ſädter
und Nationalbank.

Wieder einmal in der Sackgaſſe. Keine Einigung über die Zahlen. Die Beralung der deutſchen Vor=
behalke
vorerſt verſchoben. Im Falle unüberwindlicher Differenzen kein Abbruch, ſondern Aufſtellung
von drei Berichken. Anknüpfungsmöglichkeiken für die Polikiker in Madrid.

95:5.
Der Skand der Pariſer Konferenz.
Die Optimiſten ſterben langſam aus; ſelbſt in Paris glaubt
niemand mehr an einen einſtimmigen Bericht der Sachverſtän=
digen
. Die franzöſiſche Preſſe hat bis zum letzten Augenblick ſich
darauf verlaſſen, daß die deutſche Delegation doch noch umfallen
und den Bericht der Gläubigerſtaaten ſchlucken würde. Dieſer
ſchöne Traum iſt gründlich verflogen. Herr Dr. Schacht hat
offiziell erklärt, daß er an den Zahlen des Young=Planes feſt=
hält
, und er hat dabei weitgehlide Rückendeckung bei der Reichs=
regierung
, die am Freitag ohne einen offiziellen Beſchluß zu
faſſen, der ja immerhin als eine Einmiſchung in die Geſchäfte der
Sachverſtändigen gedeutet werden könnte ebenfalls zu dem
Ergebnis gekommen iſt, daß die Vorſchläge der Gläu=
biger
unannehmbar ſind. Die Konferenz iſt alſo
derart in der Sackgaſſe feſtgerannt, daß kaum noch irgend=
ein
Ausweg bleibt, wenn die Gläubigerdelegierten nicht ihr letztes
Memorandum zurückziehen und ſich mit dem Angebot Youngs
zufrieden geben. Damit iſt aber kaum zu rechnen. Die Engländer
hätten jedenfalls gar zu gerne den Erfolg vor den Wahlen als
Trumpf in der konſervativen Propaganda gehabt. Es mag ihnen
viglleicht auch ſchon leid tun, daß Sir Stamp den Franzoſen
ſoweit entgegengekommen iſt, aber ſie haben ſich doch wahrſchein=
lich
ſchon zu ſehr feſtgelegt, um die Franzoſen durch einen
öffentlichen Rückzug brüskieren zu können. Jedenfalls haben die
Verhandlungen am Samstag eine Einigung
über die Zahlen nicht ergeben. Dieſe ſind aber wieder
der Schlüſſelpunkt des ganzen Berichtes, ſo daß inzwiſchen
die Beſprechungen über die deutſchen Vorbe=
halte
vorderhand aufgeſchoben wurden. Die größere
Wahrſcheinlichkeit ſpricht dafür, daß die Delegierten ſich von der
Unmöglichkeit einer Einigung überzeugen und auf weitere ſach=
liche
Auseinanderſetzungen verzichten, was heißen würde, daß
man zwei oder drei Berichte aufſtellen würde. Die
deutſche Delegation wird natürlich verſuchen, ihren Bericht ge=
meinſam
mit den Amerikanern einzureichen, was inhaltlich mög=
lich
ſein müßte. Vielleicht ſcheuen aber die Amerikaner eine
ſolche enge Verbindung, ſo daß in Einzelfragen alſo ein Bericht
der Gläubigerſtaaten, ein Bericht der Amerikaner
und ein Bericht Dr. Schachts vorliegen würde. Die Poli=
tiker
müßten dann verſuchen, mit dem ihnen von den Sach=
verſtändigen
gelieferten Material etwas Neues zu bauen und
dafür wäre die Tagung des Völkerbundsrates in Madrid anfangs
Juni bereits die erſte Anknüpfungsmöglichkeit. Aller=
dings
iſt vorläufig noch nicht abzuſehen, wie ſich die Politiker
verſtändigen könnten, was den Wirtſchaftlern ſelbſt bei weit=
gehender
Berückſichtigung politiſcher Momente nicht gelang.
Noch keine Einigung.
EP. Paris, 25. Mai.
Die Beſprechungen zwiſchen den deutſchen und alliierten
Sachverſtändigen gehen weiter. Heute haben die Deutſchen mit
dem Vorſitzenden Owen Young und den engliſchen Delegierten
Fühlung genommen; gleichzeitig haben die Alliierten unter ſich
beraten. Zwiſchen dem franzöſiſchen Delegierten Moreau und
dem belgiſchen Delegierten Francqui fand eine Ausſprache ſtatt,
die ſich auf die belgiſche Entſchädigungsforderung für die Mark=
beſtände
bezogen haben ſoll. Trotz allen dieſen Zuſammenkünf=
ten
hat ſich der Verhandlungsſtand, ſeit geſtern nicht geändert.
Die Auffaſſungen ſtehen ſich immer noch ſchroff gegenüber. Auf
der einen Seite beharrt die deutſche Delegation energiſch auf den
Ziffern des Young=Planes, auf der anderen Seite verſteifen ſich
die Gläubigervertreter auf ihr Memorandum vom 22. Mai. Die
Differenz zwiſchen den beiden Zahlekipoſitionen beträgt nach wie
vor 52,8 Millionen Goldmark pro Jahr. Auf beiden Seiten rech=
net
man jedoch damit, daß eine Entſcheidung darüber, ob man
zu einem einheitlichen Bericht kommen kann oder ob man es bei
getrennten Berichten beider Lager bewenden läßt, in aller Kürze
fallen muß. Die deutſche Delegation erklärt erneut, daß ſie einen
einſtimmigen Bericht nur dann unterzeichnen werde, wenn ihr
ſowohl hinſichtlich der Ziffern als auch der letzten noch umſtritte=
nen
Vorbehalte Genugtuung zuteil werde.
Zu Beginn des Nachmittags ſoll dem Temps zufolge Dr.
Schacht den alliierten Sachverſtändigen durch Vermittlung des
Vorſitzenden Owen Young eine mündliche und offiziöſe Mittei=
lung
zu dem alliierten Memorandum übermittelt haben. Dieſe
Mitteilung beziehe ſich auf die von Belgien geforderte Sonder=
Annuität von 25 Millionen Goldmark und auf das für die In=
kraftſetzung
des Young=Planes vorgeſchlagene Datum. Die Dele=
gierten
der Gläubigerländer ſind um 4 Uhr zuſammengetreten,
um dieſe deutſchen Mitteilungen zu prüfen. Der Intran=
ſigeant
hält es für möglich, daß die Regelung der belgiſchen
Markfrage den Regierungen überlaſſen wird unter der Bedingung,
daß die Löſung in das endgültige Abkommen, aufgenommen
werde.
Reichsbankpräſident Dr. Schacht und Moreau
verhandeln.
Der Reichsbankpräſident Dr. Schacht hatte heute nachmittag
zum erſtenmal ſeit langen Wochen wieder eine Unterredung mit
dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau, während
Geheimrat Kaſtl mit dem franzöſiſchen Delegierten Quesney zu=

ſammentraf. In beiden Unterhaltungen wurde das alliierte Me=
morandum
vom 22. Mai beſprochen, ohne daß es gelungen wäre,
die beiderſeitigen Standpunkte einander näher zu bringen. Im
Laufe des Sonntagvormittags wird die deutſche Delegation be=
raten
, um über die gegenwärtige Lage und die weiter zu ergrei=
fenden
Schritte Klarheit zu ſchaffen.
Von franzöſiſcher Seite verlautet, daß Dr. Schachts Einwen=
dungen
gegen das alliierte Memorandum heute nachmittag von
Young den Alliierten mitgeteilt wurden. Die Gläubiger=
vertreter
erwarteten morgen eine ſchriftliche
Mitteilung der deutſchen Delegation, zu deren
Prüfung die alliierten Delegierten um halb 12 Uhr eine gemein=
ſame
Sitzung abhalten werden. In den Kreiſen der Delegierten
herrſcht heute abend eine ausgeſprochen peſſimiſtiſche Stimmung
und man iſt der Anſicht, daß ein Mehrheitsbericht und
ein Minderheitsbericht zuſtandekommen wird.
Vollkommene Uebereinſtimmung zwiſchen Berlin
und der deutſchen delegakion.
Berlin, 25. Mai.
Die zuſtändigen Reichsminiſter haben geſtern unter dem Vor=
ſitz
des Reichskanzlers ſehr eingehend die Lage beſprochen, wie ſie
ſich nach den Informationen der deutſchen Delegation nach der
Ueberreichung des alliierten Gegenmemorandums für Deutſch=
land
ergibt. Dabei konnte feſtgeſtellt werden, daß zwiſchen der
deutſchen Delegation in Paris und der Reichsregierung in der
Beurteilung der alliierten Forderungen volle Uebereinſtimmung
beſteht.
Die Arbeiken der franzöſiſchen Kammer.
Der Schaklen der Dollarſchulden.
EP. Paris, 25. Mai.
Die Tagung der Kammer, die am Donnerstag ihren Anfang
genommen hat und nur wenige Wochen dauern wird, kann unter
Umſtänden eine große Bedeutung durch die Beratung der ſo=
genannten
interalliierten Schuldenabkommen, d. h. der von
Frankreich mit den Vereinigten Staaten und England abge=
ſchloſſenen
Vereinbarungen über die Fundierung der franzöſiſchen
Schulden erlangen. Bisher hatte es nicht den Anſchein, daß dieſe
Abkommen bereits in der gegenwärtigen Tagung zur Beratung
kommen würden, da man ſich auf der franzöſiſchen Seite bekannt=
lich
auf den Standpunkt ſtellt, daß einer Ratifizierung dieſer Ab=
kommen
die endgültige Regelung der deutſchen Reparationsver=
pflichtungen
vorausgehen müſſe. Der nunmehr unternommene
Schritt des amerikaniſchen Schatzamtes beim franzöſiſchen Bot=
ſchafter
in Waſhington, wonach die Vereinigten Staaten auf der
Bezahlung der ſogenannten franzöſiſchen Handelsſchuld im Be=
trage
von über 400 Millionen Dollar zum 1. Auguſt beſtehen wer=
den
, falls nicht vor dem Auseinandergehen des Kongreſſes das
Mellon-Bérenger=Abkommen ratifiziert ſein wird, eröffnet je=
doch
eine andere Perſpektive, und es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß
ſchon in dieſer Tagung der Kammer dieſes Abkommen zur Rati=
fizierung
vorgelegt werden wird.
Von den ſonſtigen in Vorbereitung befindlichen Geſetzentwür=
fen
, die die Kammer vorausſichtlich beſchäftigen werden, verdie=
nen
diejenigen beſondere Beachtung, die ſich mit der Organiſation
der elſäſſiſchen Kali=Bergwerke und den ſtaatlichen Kohlenberg=
werken
im Saargebiet befaſſen. Der Geſetzentwurf über die Un=
terdrückung
der Anſchläge auf die Integrität des nationalen Ge=
bietes
, der ſich vor allem gegen die elſäſſiſchen Autonomiſten
richtet, wird die Kammer vorausſichtlich ebenfalls beſchäftigen,
wie auch ein Geſetz über die Bekämpfung der Spionage. Aus der
letzten Tagung her ſind noch eine größere Anzahl InterpcSatio=
nen
rückſtändig geblieben und weitere ſind in den Ferien dazu
gekommen. Von den letzteren haben die kommuniſtiſchen Inter=
pellationen
über die Zwiſchenfälle und die Verhaftungen am
1. Mai bereits zu einem Vorſpiel in der Eröffnungsſitzung der
Kammer geführt. Lebhaften Anlaß zur Kritik an den Methoden
der franzöſiſchen Kolonialverwaltung werden die von kommu=
niſtiſcher
und ſozialiſtiſcher Seite eingebrachten Interpellationen
über die Verwendung von eingeborenen Arbeitskräften in Fran=
zöſiſch
=Aequatorial=Afrika bieten.
Im ganzen wird der vorliegende Beratungsſtoff kaum An=
laß
zu beſonderen Senſationen oder gar zu einer Gefährdung
des Kabinetts Poincaré führen, es ſei denn, daß die Frage der
interalliierten Schulden den Keim zu ernſteren Schwierigkeiten
in ſich bergen ſollten.
Ralifikakion des Mellon-Börenger-Abkommens
noch vor dem 1. Auguft?
Wie aus Waſhington gemeldet wird, ſetzte der franzöſiſche
Botſchafter Claudel das Staatsdepartement davon in Kenntnis,
daß die franzöſiſche Regierung hoffe, die Ratifikation des Mellon=
Bérenger=Abkommens noch vor dem 1. Auguſt d. J. durchſetzen
zu können. Die franzöſiſche Regierung habe daher kein Beden=
ken
dagegen, daß das Schatzamt dem Senat den Entwurf eines
Geſetzes über die Hinausſchiebung des Zahlungstermins für die
amerikaniſchen Kriegsmateriallieferungen zuleitet.

Die Woche.
Wieder einmal hat ſich die Lage in Paris außerordentlich ver=
ſchärft
, wieder einmal ſteht alles auf des Meſſers Schneide und
wieder einmal ſcheinen wir die Nerven verlieren zu wollen. Es
iſt gewiß verſtändlich, daß man in Deutſchland, deſſen weitere
wirtſchaftliche Entwicklung ſehr ſtark durch das Ergebnis der ge=
genwärtigen
Verhandlungen bedingt iſt, um ſo unruhiger wird,
je mehr ſich die Sachverſtändigen=Konferenz zu einer Dauerein=
richtung
auszuwachſen ſcheint. Trotzdem bleibt das, was wir in
dieſen letzten Tagen wieder einmal erlebt haben, geradezu be=
ſchämend
, und wenn man immer wieder ſieht, wie gewiſſe poli=
tiſche
Gruppen offenbar grundſätzlich jede nationale Selbſtdiſziplin
ablehnen, ſo könnte man an der Zukunft unſeres Volkes faſt ver=
zweifeln
.
Wie liegen denn die Dinge in Wirklichkeit? Nach vorange=
gangenen
wochenlangen Verhandlungen hat ſeinerzeit Herr Dr.
Schacht, der Präſident der deutſchen Reichsbank und Führer der
deutſchen Delegation in Paris, eine jährliche Tributzahlung von
1600 Millionen Mark als das Maximum bezeichnet, das unter den
gegenwärtigen Umſtänden geleiſtet werden kann. Nachdem eine
Einigung auf dieſer Grundlage unmöglich erſchien, machte der
amerikaniſche Vorſitzende der Sachverſtändigenkonferenz, Owen
Young, einen Vermittlungsvorſchlag, der mit 1650 Millionen
jährliche Zahlung beginnend, dem deutſchen Standpunkt wenig=
ſtens
zunächſt einigermaßen Rechnung trug, um erſt allmählich
im Verlaufe ſpäterer Jahre größere Leiſtungen vorzuſehen. Die
deutſchen Sachverſtändigen nahmen dieſen Youngſchen Vorſchlag
ſchweren Herzens mit gewiſſen weſentlichen Vorbehalten an, nach=
dem
ſie ſich vorher mit den politiſchen und wirtſchaftlichen Kreiſen
in der Heimat in Verbindung geſetzt hatten. Damit war man
deutſcherſeits auf alle Fälle bis an die Grenze des Möglichen ge=
gangen
, für unſere Verhandlungsgegner aber ergaben ſich damit
gewiſſe Schwierigkeiten. Man konnte ſich über die Verteilung des
Bärenfells nicht einigen, und ſo einigte man ſich ſchließlich darauf,
von Deutſchland höhere Zahlungen zu verlangen! Aber nicht nur,
daß man für das Jahr 1929 die volle Dawes=Annuität verlangt,
was gegenüber dem Youngſchen Vorſchlag eine Differenz von
rund 700 Millionen bedeutet. Das weſentliche und bedenklichſte
des neuen Gläubigermemorandums iſt, daß hier der Verſuch ge=
macht
wird, über die deutſchen Vorbehalte ( Aufbringungsmora=
torium
uſw.)kurzerhand zur Tagesordnung überzugehen. In die=
ſem
Augenblick tratHerr Dr. Vögler, der Vertreter der deutſchen In=
duſtrie
bei der deutſchen Delegation, zurück. Ob ſein Vorgehen den
deutſchen Intereſſen förderlich war oder nicht, bleibt eine Frage
für ſich. Sie zu erörtern, wird unſtreitig notwendig ſein, wenn
einmal die Geſchichte der Pariſer Sachverſtändigenkonfernz ge=
ſchrieben
werden wird. Herr Dr. Vögler war offenbar der An=
ſicht
, daß bei der Einſtellung der Franzoſen und Engländer ein
poſitives Ergebnis der Pariſer Konferenz nicht mehr zu erwarten
ſei. Wenn er daraus die ihm richtig erſcheinende Folgerung zog,
ſo muß er für dieſen Schritt ſelbſtverſtändlich auch die Verant=
wortung
übernehmen. Für die Welt aber mußte der Rücktritt
Dr. Vöglers ein weithin ſichtbares Warungszeichen ſein, daß eine
Beibehaltung der bisherigen Methoden das Scheitern der Pa=
riſer
Konferenz bedeuten müßte.
Was aber geſchah? Für die Sozialdemokratie und die Ber=
liner
Aſphaltpreſſe war Herr Dr. Vögler, von vornherein nicht
der Vertreter der deutſchen Intereſſen in Paris, ſondern der
Vertreter der verhaßten Schwerinduſtrie, und anſtatt ſich mit be=
rechtigter
Empörung gegen das neue Gläubigermemorandum zu
wenden, ſtürzte man ſich mit hyſteriſchem Geſchrei auf die revol=
tierende
Schwerinduſtrie, die uns in einen neuen Ruhrkampf
ſtürzen wolle. Dabei iſt man ſich der abgrundtiefen Torheit und
der grotesken Lächerlichkeit dieſes Vorgehens offenbar gar nicht
einmal bewußt. Einig iſt man ſich doch wohl in ganz Deutſch=
land
darüber, daß das erſte Angebot Dr. Schachts die Grenze
der deutſchen Leiſtungsfähigkeit, zum mindeſten ſchon erreichte,
wenn nicht gar überſchritt. Nun konnte man ja ſicherlich verſchie=
dener
Meinung darüber ſein, ob es unter den gegenwär=
tigen
Umſtänden richtiger war, darüber hinaus unter ge=
wiſſen
Vorbehalten den Young=Vorſchlag anzunehmen oder lie=
ber
die ganze Konferenz ſcheitern zu laſſen. Feſtſteht natürlich
jedenfalls, daß eine Einigung der Pariſer Konferenz auf einer
Grundlage, welche der Tragfähigkeit der deutſchen Wirtſchaft nicht
genügend Rechnung trägt, in abſehbarer Zeit zuneuen Kom=
plikationen
führen muß. Daran aber hat niemand ein
Intereſſe, weder unſere Gläubiger, noch wir ſelbft, noch insbe=
ſondere
unſere berufsmäßigen Friedensapoſtel. Die deutſche
Wirtſchaft Arbeitgeber ſowohl wie Arbeitnehmer hat viel=
mehr
das allergrößte Intereſſe daran, daß die Reparationsfrage
in einer Weiſe gelöſt wird, die uns die Lebensmöglichkeit für die
Zukunft läßt. Wenn man nun jetzt aus innerpolitiſchen Gründen
den Rücktritt Dr. Vöglers dazu benutzt, der deutſchen Delegation
in den Rücken zu fallen, ſo bedeutet das doch nichts anderes, als
unſere Verhandlungsgegner zu immer weiter=
gehenden
Forderungen zu ermutigen. Will man
denn wirklich die Pariſer Konferenz ſprengen? Oder iſt man etwa
bereit, die Forderungen unſerer Gläubiger anzunehmen, von
denen wir doch genau wiſſen, daß wir ſie unmöglich erfüllen
können? Oder hat man vielleicht im Lager der Sozialdemokratie
noch immer nicht gelernt, daß der deutſche Arbeiter die uns auf=
erlegten
Tribute ebenſo wie alle anderen Glieder unſeres Volkes
mit einer immer ſteigenden Verteuerung unſerer Lebenshaltung
bezahlen muß?
Nicht der Rücktritt Dr. Vöglers, ſondern die Erörterungen,
die in einem Teil der deutſchen Preſſe daran geknüpft wurden,
haben den deutſchen Intereſſen leider unendlich geſchadet, und es
bleibt nur noch abzuwarten, inwieweit es der deutſchen Dele=
gation
in Paris gelingt, den entſtandenen neuen Gefahren zu be=
gegnen
. Daß wir nunmehr an der Grenze angelangt ſind, über
die hinaus wir nicht mehr gehen können noch wollen, hat Herr
Dr. Schacht bereits mit unmißverſtändlicher Deutlichkeit erklärt.
Daß wir ohne wirtſchaftliches Harakiri nicht weitergehen können,
wiſſen auch unſere Pariſer Verhandlungsgegner. Wir müſſen aber
leider damit rechnen, daß ihre Neigung zur Nachgiebigkeit durch
die Vorgänge der letzten Tage ſicherlich nicht verſtärkt worden iſt,

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

Geite 2
ſondern daß man ſich in Paris und London ſicherlich in der fal=
ſchen
Hoffnung wiegt, bei den kommenden politiſchen Verhand=
lungen
vielleicht doch noch mehr aus uns herauspreſſen zu kön=
nen
als bei der jetzigen Sachverſtändigenkonferenz. Wenn wir
die Dinge nüchtern und ohne falſchen Optimismus betrachten,
müſſen wir uns ſagen, daß die Ausſichten auf ein tragbares Er=
gebnis
der Pariſer Konferenz ſich außerordentlich verſchlechtert
haben, und daß ein gerüttelt Maß von Schuld an dieſer Ver=
ſchlimmerung
die Kreiſe unſeres Volkes tragen, die über eng=
ſtirnigen
Parteiintereſſen die Lebensintereſſen der Geſamtheit
unſeres Volkes immer wieder vergeſſen. Wann endlich wird ſich
das einmal bei uns ändern?
H.

Die Rolle des engliſchen Agenken Lawrence
in Afghaniſtan.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Gemäß Telegrammen aus Simla iſt König Aman Ullah von
Tſchaman nach Bombay abgereiſt, um ſich von dort weiter nach
Eurova zu begeben. Die Hoffnungen des Exkönigs, den verlore=
nen
Thron wieder zu erobern, ſcheinen demnach vorläufig geſchei=
tert
zu ſein, und der Exräuberhauptmann Habib Ullah iſt jetzt un=
beſchränkter
Herrſcher in Kabul. Niemals hätte Habib Ullah die=
ſen
Erfolg verzeichnen können, wenn England ſeinen Aufſtand
nicht gefördert, ihn mit Geld und Waffen verſehen hätte und wenn
nicht kluge engliſche Agenten ihm beigeſtanden wären. Der viel=
genannte
engliſche Oberſt Lawrence, der während des Weltkrieges
dem britiſchen Reiche urgeheuere Dienſte in Arabien geleiſtet
hatte, hielt ſich unter dem Namen, Karam Schah, verkleidet als
arabiſcher Mullah, im Schinwari=Gebiet auf, bezeichnete ſich als
einen Nachkommen des Propheten und hetzte Stämme gegen die
Herrſchaft Aman Ullahs. Er erklärte, daß König Aman Ullah ein
Verräter der Religion geworden ſei, daß er die Sitten und Ge=
bräuche
zerrütte und daß Allah über ſeine Anhänger ſchwere Stra=
fen
verhängen werde. Da Aman Ullah 16 Töchter der vornehm=
ſten
afghaniſchen Familien nach der Türkei zu Studienzwecken
entſandt hatte, ſo wurden dieſe Mädchen im Chaiber=Paß unter=
wegs
von Engländern angehalten, die ſie photographierten. Auf
dieſen Bildern erſchienen die jungen Damen durch eine geſchickte
Fälſchung Arm in Arm mit engliſchen Soldaten. Auch Bilder der
Königin Suraya, wo ſie an der Seite fremder euroväiſcher Herren
ſteht und ſich die Hand küſſen läßt wurden in Tauſenden von
Eremplaren vervielfältigt und in die wildeſten Gegenden Afgha=
niſtans
geſchickt, als Zeichen dafür, daß König und Königin ab=
trünnig
geworden und des Thrones verluſtig erklärt werden müß=
ten
Die Engländer gewannen die Schinwari=Stämme um ſo
leichter ür ſich, als ſie ihnen bisher jährliche Subſidien gezahlt
hatten, damit der Chaiber=Paß von ihnen nicht beläſtigt würde.
Ferner hatten ſie ihnen 12 000 moderne Gewehre für 5 Rupien
pro Stück (ca. 8 Mark) und Patronen und Munition in Menge
geliefert.
Aman Ullah war es gelungen. 1921 von England die Aner=
kennung
der vollen Unabhängigkeit Afahaniſtans zu erzwingen.
Die Engländer ſcheuten ſeitdem kein Mittel, um ein Mächtig=
werden
Afghaniſtans an ihrer indiſchen Grenze, zu verhindern,
denn ſie mußten befürchten, daß die indiſchen Mohammedaner die
in enger Verbindung mit Afghaniſtan ſtehen und die Aman Ullah
als Befreier Aſiens betrachteten, eines Tages, dem Beiſpiel der
Aghanen folgten und ſich gegen die engliſche Herrſchaft auflehnen
würden. Es war ihr Ziel, Afghaniſtan, das König Aman Ullah
der Kultur und dem europäiſchen Einfluß geöffnet hatte, wieder
zum Bollwerk zwiſchen Rußland und Indien und zum verſchloſſe=
nen
Lande zu machen. Die Engländer wünſchen, daß es fortan
in Kabul keine andere ausländiſche Geſandtſchaft außer der eng=
liſchen
gäbe, d. h. Afghaniſtan würde dadurch zu einem engliſchen
Schutzſtaate erniedrigt werden. Gleichzeitig wird Afghaniſtan jetzt
zum Zentrum der antiruſſiſchen Sammlung der vorderaſiatiſchen
Völkerſchaften gemacht. Der Ex=Emir von Buchara hat mit Habib
Ullah einen Bündnisvertrag abgeſchloſſen und zum Heiligen Krieg
gegen Moskau aufgerufen. Auch dahinter dürfte England ſtecken.
Durch die neue Lage in Afghaniſtan entſteht eine Aenderung aller
politiſchen Verhältniſſe in Vorderaſien. Es bleibt abzuwarten,
ob Europa dadurch nicht ein ernſter Nachteil entſtehen wird.

Wie Reuter aus Simla meldet, nimmt man dort an, daß der
ehemalige König von Afghaniſtan Aman Ullah, dem die
indiſche Regierung Begünſtigungen für die Reiſe von Tſchaman
nach Bomban gewährte, ſich nach Rom begeben wird. Nach
den letzten Nachrichten wurde vor der Abreiſe Aman Ullahs der
Reſt ſeiner Truppen von Kräften des Königs von Kabul Habib
Ullah angegriffen. Ein ſchwerer Kampf entſpann ſich der mit
der Niederlage der Truppen Aman Ullahs endete. Dieſer verließ
in der folgenden Nacht Kandahar und flüchtete nach Tſchaman.
Die Kriegserklärung der Nanking=Regierung.
EP. Peking, 25. Mai.
Die formelle Kriegserklärung der Nankingregierung an Feng
Yu=hſiang iſt in zwei Communiquss enthalten, die am 24. Mai
in Peking bzw. Nanking ausgegeben wurden. Die verſchiedenen
diplomatiſchen Körperſchaften haben von Feng eine Note er=
halten
, in der ihnen der chriſtliche General den Kampf bis zum
äußerſten gegen Tſchiang Kai=ſchek ankündigt. Feng ſei zum
Oberbefehlshaber auserſehen. Er hofft, daß die ausländiſchen

Vom Tage.
Der Berliner Polizeipräſident hat die Rote Fahne aber=
mals
auf die Dauer von vier Wochen verboten.
Die deutſchnationale Fraktion des Mecklenburg=Strelitzſchen Land= Angangbare Wege zur herbeiführung geſunder
tags hat die Entſcheidung des Staatsgerichtshofs des
Deutſchen Reiches darüber angerufen, ob die neugeſchaf=
fene
Stelle der Staatsräte in Mecklenburg= Stre=
litz
ſtaatsrechtlich zuläſſig ſei.
Nach einer Mitteilung des Intranſigeant iſt der Temps
aus dem Beſitz des bisherigen Direktors und Haupt=
aktionärs
Hébrard zum Preiſe von 30 Millionen Franken an
ein Finanz= und Induſtriekonſortium übergegangen.
Aus vertrauenswürdiger Quelle in Angora verlautet, daß die
franzöſiſch=türkiſchen Verhandlungen über die ſhri=
ſche
Grenze am Freitag nachmittag abgebrochen worden
ſeien.
Mit überwältigender Mehrheit haben die beiden Presbgte=
rianiſchen
Kirchen Schottlands am Freitag ſich zu einer Eini=
gung
entſchloſſen. Seit 20 Jahren iſt von beiden Seiten heftig um
dieſe Einigung gekämpft worden.
Nachdem der amerikaniſche Botſchafter in Mexiko
Morrow, der zukünftige Schwiegervater des Oberſten Lindbergh,
bekanntlich zahlreiche Drohbriefe erhalten hat, beſchloß nun=
mehr
die mexikaniſche Regierung, ihm eine Leibwache
von 120 Mann zu ſtellen.

Mächte in ſeinem Kampf gegen Tſchiang Kai=ſchek eine neutrale
Haltung einnehmen und ſeinem Gegner keine Unterſtützung ge=
währen
werden.
Die Nationalregierung hat ihrerſeits den geſtern angekün=
digten
Aufruf herausgebracht, in dem Feng als Aufſtändiſcher
gegen die Regierung und die Nationale Partei gebrandmarkt
wird, und in dem die geſamten chineſiſchen Behörden aufgefor=
dert
werden, ihn zwecks Beſtrafung gefangen zu nehmen. Feng
wird beſchuldigt, einen monatlichen Zuſchuß von 5 Millionen
Rubel von der Sowjetregierung angenommen und einen Ge=
heimvertrag
mit Sowjetrußland abgeſchloſſen zu haben, in dem
er ſich für ein Bündnis mit den Sowjets und für ein Zuſammen=
arbeiten
mit den Kommuniſten erklärt.
* Der ſozialdemokrakiſche Parkeitag.
Gegenſähe innerhalb der Sozialdemokrakie. Der
Kampf um das Wehrprogramm. Krikiſche Tage für
Müller=Franken.
Der urſprünglich für März anberaumte, aber wegen der an=
geblichen
Hochwaſſergefahr in Magdeburg auf Ende Mai ver=
ſchobene
Parteitag der deutſchen Sozialdemokratiſchen Partei
wird nun am 26. Mai beginnen. Er wird, zumal eigentlich auch
die Sozialdemokraten andere Sorgen haben ſollten, im Zeichen
des Wehrproblems ſtehen. Von der Parteiführung iſt für den
Parteitag ein Wehrprogramm ausgearbeitet worden, das zwar
die Notwendigkeit der Selbſtverteidigung anerkennt, aber doch in
vielen Punkten ſich erdenkliche Mühe gibt, dem radikalen Flügel
der Partei, der jede Landesverteidigung kategoriſch verneint, ent=
gegenzukommen
. Die Berliner Sozialdemokraten haben noch in
letzter Minute einen Antrag eingebracht, der auf eine Aenderung
der Tagesordnung hinausläuft und die Auseinanderſetzung über
die Wehrfrage auf einen ſpäteren Zeitpunkt verſchieben will. Im
ſozialdemokratiſchen Lager ſcheint aber die Stimmung dieſem
Antrag nicht günſtig zu ſein, ſo daß er vorausſichtlich der Ab=
lehnung
verfällt. Es wird alſo zu einem Machtkampf zwiſchen
dem linken und dem rechten Flügel der Partei an der Wehrfrage
kommen.
In der Ausſprache wird man auch die gegenwärtig aktuellen
Fragen der Politik berühren, zu denen die Reform der Arbeits=
loſenverſicherung
, die kommuniſtiſche Agitation mit dem Mai=
Aufſtand und die finanzielle Notlage des Reiches mit der jüngſt
aufgelegten Reichsanleihe gehören. Namentlich die Finanzpolitik
Dr. Hilferdings und ſeine Anleihe wird die Meinungen und
Anſchauungen ſcharf aufeinanderprallen laſſen. Die Partei=
leitung
hätte es allerdings lieber geſehen, wenn ſich irgendein
Grund zur Verſchiebung des Parteitages gefunden hätte. Seit
dem März, als die angebliche Hochwaſſergefahr einen erwünſch=
ten
Vertagungsgrund abgab, ſtand das Kabinett Müller auf recht
unſicheren Beinen; die Panzerkreuzerfrage war akut, der Etat
noch nicht eingebracht. Die Situation gegenüber heute iſt nicht
viel beſſer geworden, vor allem iſt feſtzuſtellen, daß nicht eines der
ſozialdemokratiſchen Wahlverſprechen inzwiſchen erfüllt wurde,
ſondern daß darüber hinaus das Kabinett Müller Handlungen
vorgenommen hat, die die Sozialdemokratiſche Partei in ſchwere
Bedrängnis gebracht haben. Der Parteitag wird alſo an die
Führerſchaft allerhöchſte Anforderungen ſtellen. Gelingt es ihr
nicht, radikale Entſchließungen zu verhindern, dann iſt es gar
nicht ausgeſchloſſen, daß Herr Müller im Anſchluß an den Partei=
tag
mit ſeinen Miniſter=Genoſſen den Abmarſch aus der Regie=
rung
wird antreten müſſen.

Die Arbeiksloſenverſicherungsnovelle.
finanzieller Verhälkniſſe. Keine Berückſichtigung
der Mißftände. 5o gehl es nicht.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett hat am Freitag abend noch in letzter
Stunde ſich entſchieden, die kleine Novelle zur Arbeitsloſenver=
ſicherung
auf die Tagesordnung ſeiner Abendſitzung zu ſtellen.
Zu irgendwelchen Beſchlüſſen kam es aber nicht, da ſich Herr
Wiſſell lediglich darauf beſchränkte, die Grundzüge ſeines Geſetz=
entwurfes
zu erläutern, und die übrigen Miniſter ihre vorläufige
Stellungnahme dazu bekanntgaben. Die Novelle bezweckt im
weſentlichen die Herbeiführung geſunder finan=
zieller
Verhältniſſe in der Reichsanſtalt für
Arbeitsloſenverſicherung. Mit den Mißſtänden be=
ſchäftigt
ſie ſich nicht. Hier hat der Präſident der Anſtalt bereits
durch einen Erlaß auf dem Verwaltungswege für Abhilfe zu
ſorgen geſucht. Da eine abſchließende Reform der Verſicherung
noch nicht ins Auge gefaßt iſt die große Vorlage befindet ſich
noch in Arbeit kann es keinem Zweifel unterliegen, daß von
dem Arbeitsminiſter entſprechend dem Wunſche der Sozialdemo=
kraten
eine Erhöhung der Beiträge um 1 Prozent vorgeſchlagen
wird, was eine Mehrbelaſtung für Arbeitnehmer und Arbeit=
geber
in Höhe von 250 Millionen jährlich ausmacht. Wegen
dieſer Beitragserhöhung ſcheinen ſich Meinungsverſchiedenheiten
innerhalb des Kabinettes ergeben zu haben. Die bürgerlichen
Miniſter dürften darauf hingewieſen haben, daß eine derartige Be=
laſtung
nicht tragbar iſt. Möglicherweiſe hat auch der Reichsfinanz=
miniſter
Oppoſition gemacht, weil er befürchten muß, daß durch
die Abzapfung von einer Viertelmilliarde auf dem Wege über
die Beitragserhöhung ſeine Anleihe in der Zeichnung zurück=
bleibt
. Jedenfalls hat man davon abgeſehen, einen Beſchluß zu
faſſen, ſo daß die Verabſchiedung der Nopelle auf eine ſpätere
Kabinettsſitzung verſchoben wurde.
Die Auswirkung des Reichsbahnſchiedsſpruches.
Der Schiedsſpruch im Lohnſtreit der Reichs=
bahnarbeiter
bringt für die Reichsbahn eine durch=
ſchnittliche
Belaſtung von 3,2 Pfg. pro Arbeitsſtunde oder
jährlich 43,2 Millionen mit ſich. Da die Finanzen der
Reichsbahn nach wie vor auf das äußerſte angeſtrengt ſind, wird
die Reichsbahn es auf eine Verbindlichkeitserklärung des Schieds=
ſpruches
durch den Reichsarbeitsminiſter ankommen laſſen. Da
die Reichsbahn, für alle Mehrausgaben Mehreinnahmen bereit=
ſtellen
muß, ſie ihr Beſchaffungs= und Reparaturprogramm nicht
weiter droſſeln kann, kommen wahrſcheinlich als Ausgleich nur
tarifariſche Maßnahmen in Frage, d. h. nicht ſofortige allgemeine
Erhöhungen beim Perſonen= oder Gütertarif, wohl aber werden
Teilerhöhungen ſich nicht vermeiden laſſen, entweder Hinauf=
ſetzung
auf beſonders ſtark beanſpruchten Strecken oder Aufhebung
verſchiedener Ausnahmetarife. Die Mehrausgaben werden alſo
wieder auf die Allgemeinheit abgewälzt.
Die Inkernakionale Arbeitskonferenz.
Die 12. Internationale Arbeitskonferenz, die am Donners=
tag
, den 30. Mai, in Genf beginnt, wird, wie ſchon im vorigen
Jahre, einen Teil ihrer Arbeiten der Beratung des Konventions=
entwurfes
zur Arbeitsunfallverhütung widmen. In einer Reihc
europäiſcher Länder gehen die Unfallverhütungsmaßnahmen be=
veits
über den Rahmen des Konventionsentwurfes hinaus, doch
ſtellt die Konvention, falls ſie angenommen wird, als Ganzes
betrachtet, einen Fortſchritt in den bis jetzt noch rückſtändigen
Ländern dar. Ein zweiter Konventionsentwurf betrifft den
Schutz der Dock= und Werftarbeiter. Die Konferenz wird ferner
einen Konventionsentwurf über den Umfang und die Dauer der
Eingeborenenzwangsarbeit ausarbeiten. Wie in jedem Jahre
wird ſie ſich auch diesmal mit dem Rechenſchaftsbericht des Direk=
tors
des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, befaſſen,
von dem auch ein umfaſſender Bericht über die Probleme der
Arbeitsloſigkeit vorgelegt wird. Gleichzeitig mit der Konferenz,
die drei Wochen tagen ſoll, hält der Verwaltungsrat des Inter=
nationalen
Arbeitsamtes, der ſchon am 27. Mai zuſammentritt,
eine Tagung ab, in der Beſchluß gefaßt werden ſoll über die Bil=
dung
verſchiedener Beiräte für das Internationale Arbeitsamt.
Noch vor dieſen beiden Gremien verſammeln ſich einige Unter=
kommiſſionen
der Internationalen Arbeitsorganiſation, vow
denen die eine die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Lohn=
verhältnſſe
im Bergbau, eine zweite den Umfang der Sozial=
laſten
und die Koſten für die Durchführung der Sozialgeſetz=
gebung
in den verſchiedenen Ländern prüfen wird. Nach Beendi=
gung
der Konferenz wird eine weitere Kommiſſion zur Unter=
ſuchung
der Arbeits= und ſozialen Verhältniſſe in der Textil=
induſtrie
zuſammentreten.

* Der Skudenk im Spiegel des neuzeit=
lichen
Skudenkenromans.
Von Prof. Dr. Paul Sſymank=Göttingen.
Die Zeit der alten, zumeiſt etwas rührſeligem Romantik iſt
auch für den neueren Studentenroman endgültig vorüber; eine
ſolche Strömung kann in der nüchternen Gegenwart, der auch der
Student Rechnung tragen muß, nicht mehr fortbeſtehen und wird
als völlig unwahr empfunden. Immerhin gibt es auch jetzt noch
einige Nachzügler dieſer Richtung im ſchöngeiſtigen Schrifttum.
Eine Sammlung von ſolchen munter erzählten, zumeiſt humori=
ſtiſch
wirkenden älteren Studentengeſchichten von Max Bitt=
rich
, Walter Bloem, Rudolf Presber und anderen hat
kürzlich Dr. Herm. Beutten in ſeiner hübſch bebilderten Schrift
In Freiburg war ich einſt Student herausgegeben (Berlin
SW. 68. Verlag Dr. Selle=Eysler A.=G.). In den Gedankenkreis
des ſorgloſen Studentendaſeins der Vorkriegszeit gehört auch die
ſchlicht erzählte, problemloſe Studentengeſchichte: Cicero von
Ernſt Braun; ſie ſchildert, wie ein hochbegabter Student in=
folge
der Gewöhnung an übermäßigen Trunk im Leben Schiff=
bruch
leidet und ſchließlich in einer Anſtalt der inneren Miſſion
ſtirbt (Hamburg 30. Neuland=Verlag). Den großzügigen Verſuch,
die alte Studentenromantik mit dem Ernſte der heutigen Zeit zu
verbinden, macht Walter Bloem in ſeinem ſtark angefochtenen
Roman: Brüderlichkeit, in dem er die völkiſche Richtung des
jetzigen Waffenſtudententums mit aller Macht bekämpft (Leipzig
und Zürich. Grethlein u. Co.), aber der wahre Studentenroman
der Gegenwart, in dem die Fülle und Eigenart des heutigen aka=
demiſchen
Lebens zum Ausdruck kommt, iſt noch nicht geſchrieben.
Nur das Werkſtudententum hat eine eingehende Schilderung er=
fahren
. In ſeiner Blütezeit erſcheint es in einem alles verklären=
den
Licht, und Hugo von Waldeyer=Hartz iſt in ſeinem
Roman: Werkſtudent und Burſchenband (Leipzig, K. F. Koeh=
ler
, 1924) ſein begeiſterter Lobredner. Er zeigt, wie ſich das
Farbenſtudentum der herrſchenden Not angepaßt und ſie meiſtert,
und Hans Richter ſchafft in ſeinem oberſchleſiſchen Roman:
Hochofen I das leuchtende Ideal eines pflichtbewußten Werk=
ſtudenten
, der zum opferfreudigen Helden der Arbeit wird ( Leip=
zig
. Ernſt Keils Nachf. Auguſt Scherl. 1923). Von ganz anderer
Art ſind die Bekenntniſſe eines Werkſtudenten die Ludwig
Wehſe unter dem Titel: Und ſetzet ihr nicht das Leben ein..."
veröffentlicht het. Was der Held der Erzählung als Bergarbeiter

und als Kellner in einem harten, ungewohnten und oft troſtloſen
Daſein fühlt und leidet, wird uns als Togebuchaufzeichnungen in
voller Friſche und Unmittelbarkeit geboten. Daß er ſich aufrecht
erhält, dankt er ſeiner Charakterſtärke und der Erinnerung an
zwvei Frauengeſtalten, die ihn ſchützend umſchweben. Es ſind ſeine
Mutter und ſeine aus Bergarbeiterkreiſen ſtammende Geliebte,
von welcher er ein entzückendes Bild entwirft (Neiſſe, Schleſien.
Verlag Joſeph Herrmann.)
Als ein bezeichnendes Merkmal der neueſten literariſchen
Entwicklung möchte ich das Bemühen hervorheben, Stoffe aus
der älteren ſtudentiſchen Geſchichte in Romanform zu bearbeiten;
allerdings zeigt ſich dabei leider, daß oft die Vorkenntniſſe nicht
gnügen und daß infolge der Einmiſchung von Modernem eine
unhiſtoriſche Darſtellung zuſtandekommt. Dies macht ſich ſehr
ſtark geltend in dem Roman: Montur und Burſchenhut von
Fritz Schultz=Merzdorf. Er führt in die Zeit des Preußen=
königs
Friedrich Wilhelm I., deſſen knorrige Perſönlichkeit uns
lebensplaſtiſch entgegentritt, und ſchildert das Leben zweier
Söhne einer alten preußiſchen Adelsfamilie, von denen der ältere,
durch eigene Schuld aus der Bahn geſchleudert, wechſelvolle
Schickſale erleidet, während der jüngere als Student und Offi=
zier
und zuletzt als Landwirt auf dem väterlichen Gut eine weni=
ger
ereignisreiche Laufbahn einſchlägt (Berlin SW. 11. Deutſche
Landbuchhandlung. 1928). Im Gegenſatz zu dem genannten
Werk bietet der um 1792 ſpielende Studentenroman: Alt=Jena
von Hugo von Waldeyer=Hartz ein anſchauliches und vor=
treffliches
, ſowie im allgemeinen richtiges Gemälde der damali=
gen
Zeit, das auf einem verſtändnisvollen Studium ſtudentiſcher
Quellen beruht. Wie geſchickt der Verfaſſer letztere heranzuziehen
weiß, das zeigt die mit Ueberlegung an paſſender Stelle erfolgte
Einfügung des humoriſtiſchen, bierzeitungsartigen Berichtes über
den Auszug der Jenger Studenten nach Nohra im Jahre 1792
(Leipzig. Verlag Koehler und Amelang).
Weniger nahe liegt die Gefahr, ungeſchichtlich zu werden, bei
den Romanen aus der Zeit der Urburſchenſchaft, weil uns das
Studentenleben und die Hochſchulverhältniſſe des beginnenden
neunzehnten Jahrhunderts vertrauter ſind als die Entwicklung
vorher. Als eigenartig erſcheint es, daß ſich ungefähr um dieſelbe
Zeit drei große führende Dichterperſönlichkeiten darangemacht
haben, Werden und Verlauf der Urburſchenſchaftsbewegung
künſtleriſch zu geſtalten. Der verſtorbene Friedrich Lienhard,
der mit Thüringen ſo innig verwachſene elſäſſiſche Dichter, ſchil=
dert
in ſeinem als Dichtung nicht allzu hochſtehenden Roman:
Das Landhaus bei Eiſenach die Frühzeit der Burſchenſchaft,
das Aufkeimen der neuen Gedanken, den Kampf gegen die über=

lebten landsmannſchaftlichen Grundſätze und den endlichen Sieg
des Neuen beim Wartburgfeſt 1817. In ſchlichter und feiner
Weiſe führt uns der Dichter in die Stimmung der Zeit ein,
allerdings mehr mittelbar, wie ſie vom alten Profeſſor Schatten=
mann
in ſeinem Landhaus bei Eiſenach gefühlt wird. Unmittel=
bar
zeigt ſie ſich eigentlich nur einmal da allerdings in wirk=
licher
Größe , als der Theologe Riemann, der geiſtige Führer
der Jenger Burſchenſchaft, in einem ſtudentiſchen Kreiſe auf=
tritt
. In welch reicher und innerlich tiefer Welt das damalige
Geſchlecht lebt, ſucht der Dichter auch dadurch anſchaulich zu
machen, daß er Perſönlichkeiten wie Goethe und den Turnvater
Jahn handelnd und redend auftreten läßt. (Leipzig. A. Dei=
chertſche
Verlagsbuchhandlung. Dr. Werner Scholl. 1928.)
Das große Wagnis, das Schickſal des Burſchenſchafters Carl
Ludwig Sand, des Mörders von Kotzebue, in einem dreibän=
digen
Roman künſtleriſch zu geſtalten, unternimmt die öſter=
reichiſche
Dichterin Enrica v. Handel=Mazzetti in ihrem
Buch: Das Roſenwunder, deſſen zweiter Band den Untertitel:
Die deutſche Paſſion und deſſen dritter Band den Untertitel:
Das Blutzeugnis führt. Die Dichterin beſitzt die Gabe, ein
großartiges, bis in die Einzelheiten ſcharfes Kulturgemälde der
Zeit um 1819 zu entwerfen: das geſellſchaftliche Leben in dem
engen, klatſchſüchtigen Jena ſchildert ſie mit ebenſo ſicheren
Strichen wie das wimmelnde Getriebe bei einer Wohlfahrts=
aufführung
im Kloſter St. Pölten, wo der höchſte öſterreichiſch=
ungariſche
Adel in ſeiner höfiſchen Eigenart zur Geltung kommt,
oder wie die bewegten Volksſzenen, die ſich vor und bei der
Hinrichtung Sands in Mannheim abſpielen. Und wie ſich dabei
die Dichterin in die Beſonderheiten der einzelnen Volksſtämme
einzufühlen verſteht, das zeigt ſich auch in der guten Verwen=
dung
der Mundart, in der ſie die Bewohner der verſchiedenen
Gegenden Deutſchlands reden läßt. Und obwohl die Dichterin
in dem Beſtreben, die Orts= und Zeitfarbe bei ihren Schilde=
rungen
vollſtändig zu treffen, öfters einer gewiſſen epiſchen
Breite huldigt, wirkt ſie doch niemals ermüdend oder langweilig,
ſondern feſſelt den Leſer von Anfang bis Ende, beſonders auch
in den ergreifenden, aber unwahrſcheinlichen Kerkerſzenen des
dritten Bandes, wo Elſe Walch, als Jüngling verkleidet, mit
Sand Zwieſprache hält.
Die Handlung des Romans umfaßt rund ein Jahr, von der
Zeit kurz vor der Ermordung Kotzebues bis zur Hinrichtung
Sands im Frühling 1820. Aus der Fülle der deutlich gezeich=
neten
Perſönlichkeiten treten drei hervor, die beſonders lebens=
plaſtiſch
wirken; der ſtreng proteſtantiſche, knorrige Univerſitäts=

[ ][  ][ ]

Nummer 144

Sonntag, den 26. Mai 1929

Seite 3

Rmſche kengrappierang m Miteiehrosg.

Sanens Banonispoinnt.
Zaleſkis Beſuch in Budapeſt. Das unſichere Rumä=
nien
. Ein neuer Block gegen die Kleine Enkenke
im Werden.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Die letzten Tage haben in den Grenz= und Anliegeſtaaten
Deutſchlands und Oeſterreichs, im Oſten, Süden und Weſten eine
politiſche Aktivität gebracht, die durch gegenſeitige Beſuche, poli=
tiſche
Pfingſtartikel und Tagungen gekennzeichnet iſt und die un=
zweifelhaft
erhöhtes Intereſſe beanſprucht. Dem Beſuch des
ungariſchen Außenminiſters Walko in Warſchau, der ſeinerzeit zu
verſchiedenen politiſchen Erörterungen geführt hat, folgte nun=
mehr
ein Gegenbeſuch Zaleſkis in Budapeſt, der, gleichſam um die
Bedeutung der ungariſch=polniſchen Zuſammenarbeit zu unter=
ſtreichen
, von einem Artikel des ungariſchen Miniſterpräſidenten
Bethlen in einem franzöſiſchen Blatt begleitet war, welcher in
Polen ſowohl als auch in Frankreich berechtigtes Aufſehen er=
regte
. Gleichzeitig mit der Belgrader Tagung der Kleinen En=
tente
hat in Budapeſt der polniſche Außenminiſter Zaleſki erklärt,
daß Polen und Ungarn im Begriff ſtehen, enger zuſammen zu
rücken. Dieſer Beſuch Zaleſkis und ſeine Erklärungen folgen un=
mittelbar
auf ein großes ungariſcheitalieniſches Verbrüderungs=
feſt
. Den Abſchluß dieſer Kundgebungen bildet eine amtliche
Mitteilung an die Zeitungen und ausländiſchen Berichterſtatter
von ungariſcher Seite, worin die Gründung einer ſogenannten
Mittelentente zwiſchen Polen, Ungarn und Italien angekündigt
wird. Dieſe neue politiſche Bindung ſoll jedoch nicht jenes feſte
Gefüge erhalten, das zu einem gemeinſamen Marſchieren in allen
Fragen verpflichten würde.
Die Ankündigung geht vorläufig nur von ungariſcher Seite
aus. Vielleicht iſt ſie weitergehend, als auf italieniſcher und vor
allem auf polniſcher Seite jetzt zugegeben wird, aber feſt ſteht doch,
daß die ſeit zwei Jahren angewandte Annäherungspolitik zwi=
ſchen
Italien und Ungarn auf der einen und Polen auf der ande=
ren
Seite zu einem ſehr greifbaren Ergebnis geführt hat. Die
Verhandlungen darüber zwiſchen Ungarn und Polen reichen bis
in das Jahr 1927 zurück. Nachrichten, die laut geworden waren,
wurden dementiert, insbeſondere auch die Behauptung, daß zwi=
ſchen
den beiden Mächten ein Bündnisentwurf vorliege, deſſen
Spitze ſich gegen die Tſchechoſlowakei richtet. Im April 1928
fuhr Zaleſki nach Rom. Im November des gleichen Jahres wurde
der polniſch=ungariſche Vertrag abgeſchloſſen und im Anſchluß
daran verlautete ſofort, daß Polen beabſichtigt, zwiſchen Ungarn
und Rumänien zu vermitteln. Unmittelbar vorher war in Ru=
mänien
das liberale und frankophile Regime geſtürzt worden, ab=
gelöſt
von der Regierung Maniu, die in außenpolitiſcher Hinſicht
unter dem Einfluß des italienfreundlichen England ſteht. Schon
die letzte Konferenz der Kleinen Entente im Sommer 1928 ſtand
unter dem Einfluß Titulescus und enttäuſchte die Hoffnungen
des jugoſlawiſchen Außeminiſters auf wirkſame Rückendeckung
gegen Italien. Ebenſo wenig erfüllte ſich die Hoffnung Dr.
Beneſchs, der mit Hilfe wirtſchaftspolitiſcher Argumente einen
Schritt in der Richtung zur Konſolidierung Mitteleuropas unter
ſeiner Führung zu tun gedachte.
Die Arbeit, die auf der Gegenſeite während der Zeit des
verfloſſenen Jahres geleiſtet wurde, hat ſich nicht nur in der
Budapeſter hochpolitiſchen Pfingſtdemonſtration gezeigt, ſondern
auch auf der Konferenz, die gleichzeitig in Belgrad von der
Kleinen Entente abgehalten wurde. Poſitive Ergebniſſe kann
man in dieſen Beſchlüſſen kaum mehr finden, wohl aber ergibt
ſich, daß die Bündnis=Verträge zwiſchen den Mitgliedern der
Kleinen Entente für unbeſtimmte Zeit verlängert worden ſind.
Das iſt zweifellos weniger, als wenn ſie für einen beſtimmten
Zeitraum erneuert worden wären. Es gibt alſo anſcheinend zum
mindeſten einen Partner, der ſich nicht mehr langfriſtig binden
kann, und dieſer Partner heißt Rumänien. Es ſchweben zwiſchen
Rumänien und Ungarn Annäherungsbeſtrebungen, die zwar noch
nicht zum Ziele führten, deren Forderung ſich aber als eine
Hauptaufgabe der polniſchen Politik darſtellt. Vorläufig kann
man nur die erſte Etappe dieſer Annäherungspolitik vorherſehen,
und zwar in Geſtalt der kaum mehr zweifelhaften Verſtändigung
in der Optantenfrage. Als nächſter Programmpunkt wird von
polniſcher Seite die politiſche Einigung zwiſchen Ungarn und
Rumänien bezeichnet. Wie dieſe zuſtande kommen ſoll, darüber
können ſich Fernſtehende heute noch kein Urteil erlauben. Man
kann nur ſagen, daß dieſer Plan anſcheinend von allen Beteilig=
ten
durchaus ernſt genommen wird. Eine neue Entwicklungs=
phaſe
in der Politik von Südoſteuropa zeichnete ſich alſo ſchon

jetzt deutlich ab, die auch die mitteleuropäiſchen Verhältniſſe auf
das ſtärkſte beeinfluſſen muß. Inmitten eines von Italien ge=
führten
Blocks, der aus den Balkanſtaaten und Ungarn beſteht,
iſt Jugoſlawien iſoliert, abgetrennt auch von der ebenſo iſolierten
Tſchechoflowakei. Polen und Rumänien vervollſtändigen dieſes
Syſtem als wohlwollende Neutrale zugunſten der italieniſchen
Gruppierung. Das iſt zwar noch nicht das Bild von heute, aber
zweifellos das Bild von morgen.
Nur einen Punkt gibt es, der beiden Ländern der Kleinen
ſowie der Mittleren Entente zunächſt gemeinſam zu ſein ſcheint:
die Minderheitenfrage. In dieſem Punkte konnte die Belgrader
Konferenz der Kleinen Entente wirkliche Einigkeit erzielen. Ito=
lien
hat bisher auch noch keinen Anlaß zu der Annahme gegeben,
daß ſein Staudpunkt in der Minderheitenfrage von ſtärkerem
Rechtsgefühl getragen ſei. Wie ſich Ungarn in dieſer Hinſicht mit
ſeinen neuen Verbündeten auseinanderſetzen will, iſt ſeine Sache.
Wahrſcheinlich hofft es, im Laufe der Zeit Vorteile für die eige=
nen
abgetrennten Volksgenoſſen zu erhalten ohne beſondene Rück=
ſicht
auf die allgemeine Rechtsauffaſſung oder auf die Intereſſen
anderer Völker, die in ähnlicher Lage ſind.
Dieſe kurze Betrachtung zeigt, daß Deutſchland und das
Deutſchtum auch von dem im Entſtehen begriffenen Block nichts
zu erwarten haben. Es iſt überhaupt kein Grund vorhanden,
von der neuen Gruppierung, ſo wichtig ſie auch iſt, das Heil für
die Feſtigung der Verhältniſſe in Mittel= und Südoſteuropa un=
bedingt
ſchon jetzt zu erwarten. Denn dieſe Feſtigung und Be=
ruhigung
kann als Dauerzuſtand nur dann erreicht werden, wenn
die Frage der nationalen Minderheiten großzügig und im Sinne
der neuen Kulturentwicklung jedes Volkstums gelöſt wird. Dieſe
Forderung finden wir aber nicht auf dem Programm der ver=
ſchiedenen
Ententen, weder der vergehenden noch der werdenden.
Zaleſki über ſeinen Budapeſter Beſuch.
EP. Mailand, 25. Mai.
In einem Interview mit dem Korreſpondenten des Corriere
della Sera hat der polniſche Außenminiſter Zaleſki über
ſeinen Budapeſter Beſuch erklärt, dieſer habe eine Er=
widerung
des Warſchauer Beſuches des ungariſchen Außen=
miniſters
Walko bedeutet und daher keine beſonderen Zwecke
verfolgt. Dennoch habe er zu einem Meinungsaustauſch mit dem
Grafen Bethlen und dem Außenminiſter Walko über die all=
gemeinen
politiſchen Probleme und die der beiden Staaten Ge=
legenheit
gehabt. Von einer Vermittlung zwiſchen
Frankreich und Ungarn habe er nie geſprochen und nur
geſagt, daß er mit Vergnügen die Abſicht der verſchiedenen Staa=
ten
wahrnehme, ſich über die ſie beſonders intereſſierenden Fra=
gen
zu verſtändigen. Da Polen eine Friedenspolitik verfolge,

Rykows Nachfolger.

iſt vom Zentralexekutiv=Komitee als Nachfolger Rykows zum
Vorſitzenden des Rates der ruſſiſchen Volkskommiſſare gewählt
worden. Der erſt 36jährige Sowjetführer zählt zu Stalins beſon=
deren
Vertrauten.

würde es eine Wiederannäherung zwiſchen ungarn
und Frankreich mit Freude begrüßen. Die diplomatiſchen
Beziehungen der beiden Staaten benötigten indeſſen keiner Ver=
mittlung
.
Ueber die italieniſch=ungariſche Freundſchaft
ſagte Zaleſki: Mit Vergnügen begrüße ich die zwiſchen Italien
und Ungarn beſtehende Freundſchaft. Für die verheißungsvolle
Vertiefung der italieniſch=polniſchen Freund=
ſchaft
ſpricht ſchon die Tatſache, daß die italieniſche Geſandt=
ſchaft
in Warſchau und die polniſche in Rom zu Botſchaften er=
hoben
worden ſind. Eine Wiederannäherung zwiſchen Ru=
mänien
und Ungarn halte ich im Intereſſe der Klärung der
Probleme Mitteleuropas für notwendig. Zwiſchen Ungarn und
Rumänien beſteht eine Verſtändigungsmöglichkeit, und zweifel=
los
könnte ein Uebereinkommen zwiſchen den beiden Staaten zu
einem wichtigen Friedensfaktor in dieſem Winkel Europas wer=
den
. Aus dieſem Grunde trage ich gern zu einer ſolchen Wieder=
annäherung
bei.
Was die Beziehungen der Kleinen Entente be=
trifft
, ſo bietet zweifellos die wirtſchaftliche Seite die größte
Schwierigkeit. Der italieniſche Unterſtaatsſekretär des Aeußern,
Grandi, wird erſt im nächſten Sommer nach Warſchau kommen.
Der italieniſche Botſchafter kann nicht vor Juli auf ſeinen
Poſten zurückkehren, und da ich zu jener Zeit in Madrid an der
Ratstagung teilnehmen muß, wurde vereinbart, daß Grandi
ſeinen Beſuch verſchieben ſoll.
Zaleſbi erklärte zum Schluß, daß er jetzt nicht nach Bukareſt
reiſe, ſondern nach Warſchau zurückkehre, weil er baldmöglichſt
nach Madrid fahren müſſe. Erſt ſpäter werde er ſeine Reiſe nach
Rumänien antreten.
Annahme der Lakeranverkräge im
ikalieniſchen Senak.
Eine ſcharfe Erwiderung Muſſolinis auf die letzte
Rede des Papſtes.
EP. Rom, 25. Mai.
Muſſolini ſchloß heute die Senatsdebatte über die Lateran=
verträge
mit einer neuen ſcharfen polemiſchen Rede. Auf den
überfüllten Tribünen bemerkte man u. a. den Konſiſtorialadvo=
katen
Pacelli und Mſgr. Teſta, die die Verhandlungen für den
Vatikan geführt hatten. Ein Teil der Rede Muſſolinis ſtellt eine
ſcharfe Erwiderung auf die letzte Rede des
Papſtes dar. Muſſolini ſagte u. a.: Meine vorhergehende
Rede war rauh, aber notwendig. Ihre polemiſche Spitze hatte
beſtimmte Ziele, und hat ſie getroffen, weil die Getroffenen den
Empfang beſtätigt haben. Die lange erwarteten und erhofften
Ereigniſſe konnten geiſtige Entgleiſungen hervorrufen. Es war
daher notwendig, eine Atmoſphäre zu klären, die ſo nebelhaft
und gefühlvoll war, daß zuletzt die Umriſſe der Charaktere und
die Bedeutung der Ereigniſſe verändert wurden. Es mußte mit
einem draſtiſchen Satz feſtgeſtellt werden, was in Wirklichkeit
auf politiſchem Gebiete vorgefallen war. Es hieß, die gegen=
ſeitige
Souveränität der Macht des König=
reiches
einerſeits und des Vatikans anderer=
feſtzuſetzen
. Man mußte das Mißverſtändnis zerſtreuen, wonach
man glauben konnte, der Lateranvertrag hätte Italien vatikani=
ſiert
und der Vatikan wäre italianiſiert worden, und daß der
König Küſter des Papſtes geworden wäre, der Papſt aber der
Kaplan des Königs. Nichts von alledem, aber genaue Unter=
ſcheidung
. Wie widerſinnig iſt die Annahme, meine Rede ſei an
die Elemente der Linken gerichtet, die es in der fasciſtiſchen Par=
tei
gar nicht gibt, oder an die Freimaurer, die wir nicht ruhen
laſſen. Nach einigen Zitaten über den Urſprung des Chriſten=
tums
und ſeine Entwicklung von Rom aus ging Muſſolini auf
die Papſtrede ein. Hinſichtlich der Rechte des Vaters auf die Er=
ziehung
ſeines Kindes und den Unterricht möchte ich Mißver=
ſtändniſſe
vermeiden. Beanſprucht der Fascismus etwa ein rück=
ſichtsloſes
Unterrichtsmonopol? Vergißt man, daß unter dem
fasciſtiſchen Regime die erſte katholiſche Univerſität eröffnet und
anerkannt wurde? Es gibt eine Seite der Erziehung, über die
wir ſtarrköpfig, um nicht zu ſagen unverſöhnlich, ſind. Wir wol=
len
von der Wirklichkeit der Lebens ſprechen. Es entſpricht nicht
der Wirklichkeit, zu ſagen, der Unterricht ſei eine Sache der
Familie. Die vom Erwerb und dem Kampf ums Leben in An=
ſpruch
genommene moderne Familie kann niemanden unter=
richten
, ſondern nur der Staat mit ſeinen mannigfachen Mitteln
kann dieſe Aufgabe erfüllen. Nur der Staat kann den erforder=
lichen
Religionsunterricht erteilen und mit anderen Fächern er=
gänzen
. Ganz ausſchließlich dagegen beanſpruchen wir die Er=
ziehung
des Bürgers. Man könnte darauf nur verzichten, wenn
auch die anderen darauf verzichteten, wenn die gegenwärtige
Welt nicht eine Welt grauſamer Wölfe wäre, wie wir ſie kennen,
wenn dieſe auch zufällig Zylinder und an Totengräber erinnernde
Gehröcke tragen. Der Senat nahm ſchließlich mit 315:6 Stim=
men
ein Vertrauensvotum für die Lateranverträge an

profeſſor Walch in Jena, ſeine engelsgleiche, mimoſenhaft zarte,
aber doch auch tapfere Tochter Elſe, die er nach dem Wunſch ihrer
ſterbenden Mutter in deren katholiſchen Glauben hat erziehen
laſſen, und der durch und durch proteſtantiſche, auf ſeine Sitten=
reinheit
ſtolze, echt deutſche Jüngling Sand, der aus heißer Liebe
zu ſeinem Volk den Verderber deutſchen Weſens, den alten
Kotzebue, erdolcht und mit vollem Bewußtſein für ſeine Tat ein=
ſteht
. Obwohl die Dichterin den Mord verabſcheut, verſteht und
liebt ſie die ſittlich reine Geſtalt des Täters, und dieſer hat bis=
her
noch nie eine ſo begeiſterte, hinreißend ſchöne Charakteriſtik
erfahren wie im vorliegenden Roman, deſſen Verfaſſerin aus
ihrer treu katholiſchen Geſinnung nirgends ein Hehl macht. Die
gleiche Liebe und das gleiche tiefe Verſtändnis läßt Enrica von
Handel=Mazzetti, die als echte Herzenskündigerin die menſchliche
Seele bis in ihre feinſten und verborgenſten Regungen zu ent=
ſchleiern
vermag, auch dem alten Walch zuteil werden, aber ihre
herrlichſte Schöpfung iſt die Geſtalt der Elſe Walch, die aus in=
nigſter
chriſtlicher Liebe das Schwerſte und unmöglich Scheinende
vollbringt und ſogar ihr Leben als Blutopfer dahingibt. Was
Gretchen für Fauſt bedeutet, das bedeutet ſie für Sand: Das
ewig Weibliche zieht uns hinan! (München. Verlag Joſef Köſel
u. Friedrich Puſtel.)
Würdig neben dieſen künſtleriſch hochwertigen und glänzend
geſchriebenen Roman tritt das ebenfalls treffliche, wenn auch
anders geartete und aufgefaßte Werk ihres Landsmanns Robert
Hohlbaum: Die Raben des Kyffhäuſer‟. Dieſe Geſchichte
beſteht aus einer Reihe von ſcharf beobachteten, lebensplaſtiſch
und eindrucksvoll dargeſtellten Bildern, die mit dem Vorabend
der Schlacht bei Großgörſchen beginnen, mit den Vorbereitungen
der Frankfurter Nationalverſammlung 1848 abſchließen und ſo
die wichtigſten Etappen der Burſchenſchaftsgeſchichte und der deut=
ſchen
Einheitsbewegung hervorheben. Die locker aneinanderge=
ſchloſſenen
Szenen werden nur durch wenige Perſonen, beſonders
durch die des Heinrich Sonntag, zuſammengehalten, der uns zu=
erſt
als blutjunger Kriegsfreiwilliger, dann als ſtudierender Bur=
ſchenſchaftler
und zuletzt als Arzt im Dienſte der leidenden
Menſchheit entgegentritt. Scharf umriſſen ſind oftmals bei aller
Kürze die Charaktere der einzelnen Perſönlichkeiten, die in dem
großen Wandelgemälde auftreten: der düſtere Carl Ludwig
Sand, der geheimnisvolle, fanatiſche Carl Follen, der innerlich
haltloſe Berufsverſchwörer Rauſchenplat, der ſpätere heſſiſche
Miniſter Haſſenpflug und der aus Fritz Reuter bekannte entſetz=
liche
Unterſuchungsrichter Unkel‟ Dambach (Leipzig. L. Staack=
mann
Verlag).

Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. Samstag, den 25. Mai.
Markha.
Oper von Friedrich v. Flotow.
* Mit der muſikaliſchen Leitung der heutigen Aufführung
hat Erwin Palm Ehre eingelegt. Es iſt nicht das erſtemal,
indes auch nicht allzu oft, daß er am Pult ſtand. Jedesmal, und
ſo auch heute, empfahl er ſich durch eine ſehr ſachliche, präziſe
und feingeartete Arbeit, gegründet auf ſtarke muſikaliſche Be=
anlagung
. Seine Stabführung iſt im Ausmaß zurückhaltend, den=
noch
äußerſt temperamentvoll, klar und ohne jede Unſicherheit.
Freilich kann beim Nachdirigieren eine perſönliche Note nicht
zum Vorſchein kommen. Es wäre dem jungen Muſiker zu wün=
ſchen
, daß ihm einmal eine Einſtudierung verantwortlich anver=
traut
würde.
Den Lyonel gab heute Martin Kraemer aus Wies=
baden
als Gaſt. Der uns bekannte Sänger ſtattete die dankbare
Rolle mit guter Erſcheinung und ſchönem geſanglichen Können
aus.
v. H.
Zur Wünſchelrukenfrage.
Bei der Preußiſchen Geologiſchen Landesanſtalt iſt jetzt in zweiter
Auflage eine Flugſchrift erſchienen, in der die Verſuche beſchrieben ſind,
die vor einigen Jahren von der Geologiſchen Landesanſtalt mit Wün=
ſchelrutengängern
angeſtellt wurden. Für dieſe Verſuche hatten ſich
drei vom Internationalen Verein der Rutengänger geprüfte Herren
zur Verfügung geſtellt, die unter Kontrolle von Beamten der Landes=
anſtalt
in geologiſch bekannten Gebieten Unterſuchungen auf Waſſer
und nutzbare Mineralien anzuſtellen hatten. Die Rutengänger haben
bei dieſen Verſuchen völlig verſagt, und die Skepſis, welche in geolo=
giſchen
Kreiſen der Wünſchelrute gegenüber ſchon immer herrſcht, hat
ſich damit als berechtigt erwieſen. Wenn man auch auf Grund dieſer
Verſuche das Wünſchelrutenproblem noch nicht für gelöſt betrachten darf,
ſo zeigt doch der Inhalt der rleinen Schrift, wie Vorſicht der praktiſchen
Anwendung der Wünſchelrute gegenüber durchaus geboten iſt. Die ſeit
dem erſten Erſcheinen der Schrift in immer größerer Zahl bekannt wer=
denden
Mißerfolge der Wünſchelrute haben auch ſchon von Seiten
anderer Behörden zu Maßnahmen gegen den mit der Wünſchelrute ge=
triebenen
Unfug geführt.

* Orpheum.
Annemarie.
Dieſer Berliner Operettenſchwank von G. Okonkowſky. zu dem
Jean und Robert Gilbert hübſche Muſik und Geſangstexte ge=
ſchrieben
haben, hat für Darmſtadt eine umfaſſende lokalkolo=
riſtiſche
Umarbeitung erfahren, die augenſcheinlich dem geſtrigen
Premierenpublikum ſehr gut gefiel, worauf wenigſtens der wieder=
holte
Beifall bei offener Szene ſchließen ließ. Martha Weiß und
Betty Hemmerle, Hugo Manzoni und Lieſel Ponhard (Titelrolle),
Emil Ammann, Mieze Neidhard und Fritz Daurer ſpielten, ſangen
und tanzten mit Aufopferung und in ausgelaſſener Laune. Wir
kommen auf die Aufführung noch zurück.

Johann Adam Müller, der Pfälzer Bauernprophet, iſt bereits
zum Mythos geworden; nech heute gibt es Bauern, die auf die Er=
füllung
ſeiner Prophezeiungen warten, von denen manche nachweisbar
eintraf. Irma von Drogalski hat dieſen Mann aus ſeiner Umwelt
heraus begriffen und geſtaltet, die ſpärlichen Quellen, die vor allem
über die Jugend ſich ausſhveigen, gedeutet. Weit über die alten Be=
riclſte
iſt ſie hinausgedrungen durch Studium von Ratsprotokollen, Ge=
meindeakten
, mündliche Volksüberlieferung uſw. Es gelang ihr, den
Bauernpropheten ſelbſt, ſeine bäuerlichen Widerſacher, zu denen außer
dem heute noch ſpukenden Schulzen Maurer auch ſeine eigene Frau
gehörte, mit dem ganzen ſchweren Schickſal der damaligen Pfalz zu
einem geſchloſſenen Kulturbilde zu formen. Die heilige Einfalt des
ſchlichten Mannes vor den zuchtlofen preußiſchen Offizieren, der fran=
zöſiſchen
Beſatzung, dem eiſernen Gneiſenau und Nettelbeck, und ſchließ=
lich
vor dem preußiſchen Königspaare, zu dem er nach mühevoller
Pilgerſchaft gelangt, erſchuittert trotz des Humors, der an manchen
Stellen hellere Lichter aufſetzt. Von tiefſter Tragik iſt das ſcheinbar
Nutzloſe ſeines ſchli hten Wollens, ſeines unerſchiitterlichen Glaubens
an die himmliſchen Stimmen, die ihn auf den ſchweren Weg trieben, um
in die Weltgeſchichte einzugreifen. Die Geſchichte hat ihm Recht gegeben,
und im Ausklange des Romans, in einer echt geſchauten Szene, müſſen
auch ſeine Widerſacher ſeine innere Größe anerkennen. Der Gefahr,
zu viel des Ueberſinnlichen in den einfachen Mann zu legen, iſt Irma
von Drogalski entgangen, indem ſie ihn und ſeine Umwelt ganz erd=
nah
hineinſtellt in das pfälziſihe Volkstum vor über 100 Jahren mit
ſeinem Aberglauben und ſeinen dunklen Bräuchen. Die Sprache iſt,
ohne daß irgendwie die Allgemeinverſtändlichkeit beeinträchtigt iſt, ſtark
pfälziſch gefärbt und ſchmiegt ſich natürlich dem einfachen Vorſtellungs=
kreis
des Bauern an. Dieſes Buch iſt erſchienen im Braus=Verlag,
Heidelberg, unter dem Titel: Der Bauernprophet.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

Wir zeigen die Geburt eines
kräftigen Töchterchens an
Dr. Ing. A. Sieper u. Frau
Erna, geb. Eberle.
Darmſtadt, den 24. Mai 1929
z. Zt. Privatklinik Dr. Hoffmann
Riedeſeiſtraße.

Am 24. Mai wurde uns ein
Stammhalter geboren.
Dies zeigen hocherfreut an
Ludwig und Marga Grahn.
Darmſtadt, Gabelsbergerſtr. 5.

Am 28. Mai begehen der Lackierer=
meiſter
Paul Kuba und deſſen
Ehefrau Anna, geb. Schmidt ihre
Silberne Hochzeit.
Glückauf zur Goldenen! (*
Für die uns anläßlich unſerer
Vermählung erwieſenen Auf=
merkſamkeiten
ſagen wir auf
dieſem Wege herzlichſten Dank.
Friedrich Horn und Frau
Anna, geb. Reich.

Statt Karten.

Elise Schwöbel
Peter Büchler
Verlobte
Brensbach, den 26. Mai 1929.

Hermann Rittweger
und Frau Else, geb. Geger
Vermählte
Darmstadt, den 25. Mai 1929.
Kirchl. Trauung: Montag, den 27. Mai, nachm. 2½ Uhr,
in der Petrusklrche.
18912

Statt beſonderer Anzeige.
Heute verſchied nach langem Krankenlager mein
innigſtgeliebter Gatte, Vater, Schwiegervater und
Großvater
Herr
Falk Kaufmann.
In tiefem Schmerz:
Für die Hinterbliebenen:
Minna Kaufmann, geb. Meger.

Darmſtadt, den 25. Mai 1929.
Georgenſtraße 12.

Beiſetzung: Montag, den 27. d. Mts., nachmittags
3 Uhr, auf dem iſrael. Friedhof.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen bitte
Abſtand zu nehmen.

Todes=Anzeige.

Nach langem, mit Geduld ertragenem Krankenlager
iſt unſere liebe Schweſter, Schwägerin und Tante
Frauiein Aund Aoig
im 51. Lebensjahre nach Gottes Wunſch von uns ab=
berufen
worden.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Gutenbergſtraße 41, Mücke, Stuttgart,
den 24. Mai 1929.
Die Beerdigung findet Montag, den 27. Mai, nach=
mittags
3 Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
ſiatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren lieben Vater, Schwiegervater, Groß=
vater
und Urgroßvater
Georg Münkler
Maurermeiſter
zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Konrad Münkler
Familie Georg Münkler
Familie Georg Hanſtein.
Roßdorf, den 25. Mai 1929.
Dle Beerdigung findet Montag, den 27. Mai,
nachmittags 2½ Uhr ſiatt.

Statt Karten.
Dankſagung.
Allen Denjenigen, die wäh=
rend
ihrer Krankheit an der
liebevollen Pflege und bei dem
Heimgange unſerer lieben
Mutter teilnahmen, ſagen
wir auf dieſem Wege herz=
lichſien
Dank.
Georg Gaubatz
Rb. Aſſ.
und Kinder.
8949)
Weiterſiadt, 25. Mai 1929.

Groß., 2tür eiſ. Tor
vill. z. verk. Guten=
vergſtr
. 31, II.
R4

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Am 22. Mai verſchied ſanft nach kurzem
Krankenlager infolge eines Schlaganfalls mein
lieber Mann, unſer guter Vater, Schwieger=
vater
, Großvater, Bruder, Schwager und
Onkel, der
Geheime Regierungsrat i. R.
Hoint au Beaueian
im 85. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Henriette de Beauclair
geb. Bitſch.
Auf Wunſch des Verſtorbenen fand die Ein=
äſcherung
in der Stille ſtatt. (8927

Pſalm 90.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
liebe Frau, unſere innigſtgeliebte, treuſorgende
Mutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Ralgarnd Sagner
geb. Dörr
im 68. Lebensjahre zu ſich in die Ewigkeit abzu=
rufen
.
Die trauernden Hinterbliebenen:
J d. N.:
Familie Conrad Wagner.
Darmſtadt, den 24. Mai 1929.
Nieder=Ramſtädterſtr. 62.
(8909
Die Beerdigung findet Montag, den 27. Mai, vor=
mittags
½12 Uhr, auf dem alten Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.

Bedeutend unen Preis!
KaSeIStOTIe
Ein Posten Trachtenstoffe
Wasch-Mousseline
dunkel und hellfarbig, nur echtfarbige Qualitäten
Meter 0.78,
G10
Wasch-Kunstseide
prachtvolle neue Dessins, allergrößte Sortimente
Meter 1.25,
Schweizer Voll-Voile
herrliche Blumen-Muster, 100 cm breit, außergewöhnlich
.. . Meter 1.65, Nead
billig . .. . . ..
Geschäftshaus

ByRellieiu

Ludwigstraße 15.
Das Haus der Vertrauensgualitäten.

die allerbesten indanthrenfarbigen Oualitäten
Wert bis 4,65, zum Aussuchen, Ileter Gadd
Woll-Mousseline
die allerbesten Fabrikate, prachtvolle Dessins, besonders
... . Meter 275, No0
billig

Kadläosolenöge (. R. P. Wz. Nr. 313844)
die radiumhaltigen Brunnentabletten. Aerztlich empfohlen und
klinisch erprobt bei
Arterienverkalkung, Schwindelanfällen,
hohem Blutdruck, Gicht, Rheumatismus
Orig.-Röhre 2,50, Orig.-Packung mit 5 Röhren 11., Kurpackung
(10 Röhren) 20,. Zu haben in allen Apotheken. Fragen Sie Ihren
Arzt oder verlangen Sie Literatur mit ärztlichen Gutachten u. klinischen
Berichten, kostenlos durch das General-Depot: Elefanten- Apotheke
Berlin A 90, Leipeiger Strasse 74, am Dönhoffplatz.
Hersteller: Radiosclerin-Ges. m. b. H., Berlin SW. 68. (IV.3922

Schön. Sommer=
aufenkhalt

in Privathaus
(neu) in herrl. Lage
d. Odenwalds, ab=
ſolut
ſtaubfrei und
ruhig, wunderbare
Ausſicht, gute Ver=
pflegung
, Bahnſtat.
Ang. u. B. 96 an
die Geſchſt. (8252b

HA
f. Herren u. Damen
verden gereinigt u.
nach neueſt. Modell
imgepreßt, jetzt 2.
Frankfurt. Hutlager
Ecke Grafen= (*
und Bismarckſtraße.

320 Wanderer
ffen, wie neu, ſehr
8815a
preiswert.
Donges & Wieſt.

Ver-
m
mie-
Aulo is KaSpel
Kahlertstraße 31
Telephon-Anrut
R
34
R4
4696a

Mein neues
Heilverfahren
Mein neues Heilverfahren (eig, Syſtem) wird manchem unge=
heilten
hoffnungsloſen Kranken Geſundheit und neues Leben
bringen. Spez. f veraltete Leiden. Manche Operation wurde
durch mein Wirken verhindert. Für Beinieidende Spezialbe=
handkung
, Kurze Behandlungsdauer ohne Bettruhe.
Für blutarme, ſkrofuloſe und rachitiſche Kinder iſt mein neues
(8742b
Heilverfahren von beſonderer Wirkung.
Sprechſtunden von 96 Uhr Darmſtadt, Telephon 3622
Montags u. Freitags Sprechſt. i. Worms, Telephon 723

N.

Darmſtadt

Bismarckſtr. 53

u

die bei Krankheits-und
Unglückskällen ent-
Hel
Astehenden hohen Kosten e
Die Regensburger Kranken= und Sterbeverſicherungs=
anſtalt
für den Mittelſtand, V. a. G. Sitz Regensburg,
Bezirksdirektion Frankfurt am Main, Taunusſtr. 52-60
(Induſtriehaus Taunus), Telephon Hanſa 6079.
Wir bieten
gegen mäßige Beiträge hohe Erſtattungsſätze
Freie Arztwahl; keine Krankenſcheine, daher Behand=
lung
als Privatpatient.
Vergütung der Arzt= und Arzneikoſten nach Tarif.
Krankenhausbehandlung, hohe Zuſchüſſe für Heil=
miitel
, Wochenhilfe u. ſ. w.
Erſtattung von Sonderleiſtungen, Operationskoſten
und Zahnbehandlung, ſowie Zahnerſatz nach Tarif.
Einſchluß von Sterbegeld bis zu Mk. 200.. Erhöhung
des Sterbegeldes bis auf Mk. 1000. gegen mäßige
vierteljährliche Zuſchläge.
Fordern Sie heute noch Aufnahmebedingungen durch Eeih
die oben bezeichnete Bezirksdirektion.
Vertragskaſſe großer Mittelſtands=Korporationen.
Ortsverwaltungen und Vertretungen werden noch
A an allen Plätzen Heſſens und Heſſen=Naſſau vergeben. k
Nähere Auskunft:
Verwaltungsſtelle Darmſtadt
ALuiſenſtraße 8. (8115a) Telephon 3927.

Heilstätte
A
gegen Seelen-, Nerven-Leiden
und körperl. Krankheiten
auch Beinleiden, Geschwüre usw.
Ueber 30jährige Heilerfahrungen.
Darmstadt
FT. Hornberger, Waldstr. 48, Tel 3447.
Sprechst. tägl. 812, Montag u. Don-
nerstag
auch 36 Uhr, (8935b

liefert billigſt
Popier Eifler
Mühlſtraße 28.
Tel. 1518, (6655a

Gul. Danzenras
35 zu verkauf
Soderſtr. 5, Manſ. (*

fachgemäß, billig und gut
Pfannmöller, Gartenbaubetrieb
Wohnung: Alter Schlachthausplatz 1
(6001e
rüher M. Schubkegel.

BP4
Heren- und Biasensteine
werdet Muerdner 4. ei V. W. mod
werrans kombintertes Präparataufgelöst
und gehmerslos beseltist. Urkolge einzis:
Patontantlich Feschützt.
LIthofrif Keine Ol- und Teokur.
In Apotheken, wonicht vorrätig, Zusendung
direkt portofrei p. Nachn, d. Versand-Apoth.
Orig. 16,50,halbeg, 50,Ausk u- Prosp.kostenl.
Dr.med ioerrens, G.m. b. H. Berin-Freptow 117

Hämorrhoiden
können nachweisbar in kurzer Zeit
ohne Operation danernd geheilt
werden. Aerztliche Sprechſtunden in
Frankfurt, Mainzer=Landſtr. 133, I.,
jeden Mittwoch und Samstag von
(W 8438
8 bis 12 Uhr.

Badeöfen, Badewannen,
Einbauwannen
finden Sie in großer Auswahl bei
Lupwie KLING
Installations-deschäft
Luisen-Straße 2 Telephon 2822

Fanfraden
Erſatz= und Zubehörteile,
Babyräder und Roller
kaufen Sie billigſt bei (5471a
Erbacher=
BAUMERT ſraße Nr. 1

Mkerienverkalſfe

Kff

Eine der häufigſten Todesurſachen nach
dem 40. Lebensjahre iſt die Adernver=
kalkung
. Wie man dieſer gefährlichen
Krankheit vorbeugen und weiteres Fort=
ſchreiten
(Schlaganfall) verhindern kann,
ſagt eine ſoeben erſchienene Broſchüre
von Geheim. Med.=Rat Dr. med. H.
Schroeder, die jedem auf Verlangen
koſtenlos u. portofrei durch R. H. Kühn,
Berlin=Kaulsdorf 70. zugeſandt wird.

Metsll-
Stahl-
Hol- Betten mt.
Kinderb Polster, Schlafzim., Chaiselong.
an Priv.. Ratenzahlung, Kat. 219 frei.
Eisenmöbelfabrik Suhl (Thür.)
(II.Mgd. 363)

loſſen
Damen=Sohle
und Fleck.
Herren=Sohle
S.od und Fleck.
Schuhmacherel
Heinr. Hübner
Rheinſtr. 47, Gr. Ochſengaſſe 22,
Heinheimerſir. 48. Tel. 3325.

[ ][  ][ ]

Nummer 144

Sonntag, den 26. Mai 1929

Seite 5

Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, 26. Mai.
Was jeder von der Reichsanleihe wiſſen muß.
Zweck der Anleihe.
Das Reich braucht die Anleihe nicht, um ſeine laufenden Ausgaben,
insbeſondere die Verwaltungskoſten, beſtreiten zu können, ſondern um die
Kaſſenlage, die durch verſchiedene Sonderausgaben vorübergehend an=
geſpannt
iſt, zu entlaſten. Es handelt ſich mithin um die Behebung von
augenblicklichen Notſtänden, die ſich in der Kaſſenlage des Reichs
ergeben haben, ohne daß dadurch irgendwelche weitergehenden Schlüſſe
apf die Lage der Reichsfinanzen begründet wären.
Weſen der Anleihe.
Es wird eine 7prozentige Anleihe im Betrage von zunächſt 300 Mil=
lionen
RM. aufgelegt. Die Anleihe iſt eingeteilt in Stücke von 100, 500,
1000, 5000, 10 000 und 20000 RM. Die Zinſen werden gezahlt am
2. Januar und am 1. Juli jedes Jahres. Die Verzinſung beginnt vom
1. Juli 1929 ab zu laufen, der erſte Zinsſchein wird alſo am 2. Januar
1930 fällig. Die Anleihe iſt nach der geſetzlichen Vorſchrift mündelſicher.
Bedingungen der Anleihe.
Der Zeichnungspreis, alſo der Emiſſionskurs, beträgt 99 Prozent.
Mit andren Worten: wer 100 RM. Anleihe zeichnen will, hat 99 RM.
einzuzahlen. Bei der Zeichnung wird keine Börſenumfatzſteuer erhoben.
Rückzahlung und Ausloſung.
Die Anleihe kann vom Reich am 1. Januar 1934 mit halbjähriger
Wirkung zum 1. Juli 1934 gekündigt werden. Geſchieht das nicht, ſo
wird ſie ab 1. Juli 1935 jährlich in Höhe von 10 Prozent des Nenn=
betrages
durch Ausloſung getilgt. Die erſte Ausloſung würde für den
Fall, daß die Anleihe nicht gekündigt wird, im Januar 1935 erfolgen.
Ausſtattung mit Steuervorteilen.
Das Reich hat mit der Begebung der Anleihe neuen Boden beſchrit=
ten
: es hat hat ſie mit ſteuerlichen Vorteilen in bisher einzigartigem und
aller Vorausſicht nach nicht wiederkehrendem Ausmaß ausgeſtattet. Die
Anleihe iſt befreit von der Vermögensſteuer, der Erbſchaftsſteuer (ſoweit
es ſich um vom Erblaſſer ſelbſt gezeichnete Anleihe handelt); die Zinſen
und ſonſtigen Erträge aus der Anleihe ſind ferner von der Einkommen=
ſteuer
(und damit auch der Kirchenſteuer) befreit. Schließlich findet auch
ein Steuerabzug vom Kapitalertrag nicht ſtatt.
Wann und wo wird die Anleihe gezeichnet?
Die Zeichnungsfriſt läuft vom 24.31. Mai 1929. Zeichnungen neh=
men
an: die Reichsbank und alle ihre Nebenſtellen mit Kaſſeneinrich=
tungen
, ferner alle Banken und Bankiers, Sparkaſſen und Kredit= Ge=
noſſenſchaften
.
Einzahlung des gezeichneten Anleihebetrages.
Die gezeichnete Summe braucht nicht mit einem Male eingezahlt
zu werden. Vielmehr ſind Teilzahlungen zugelaſſen, und zwar ſind zu=
nächſt
40 Prozent bis zum 8. Juni 1929 zu zahlen, weitere 30 Prozent
werden dann bis 5. Juli 1929 fällig, die reſtlichen 30 Prozent bis zum
5. Auguſt dieſes Jahres.

p. Die Anfechtung der hieſigen Oberbürgermeiſterwahl. Dem
Vernehmen nach wird die Angelegenheit am 1. Juni den Pro=
vinzialausſchuß
beſchäftigen.
Heſſiſches Landestheater. Heute Sonntag, zum letzten Male in
dieſer Spielzeit: Lohengrin von Richard Wagner in der In=
ſzenierung
Renato Mordos (Bühnenbilder: Lothar Schenck von Trapp).
In den Hauptpartien: Anny von Stoſch, Elſa Varena, Johs. Biſchoff,
Hans Grahl, Theo Herrmann, Carl Ebert=Beher. Muſikaliſche Leitung:
Max Rudolf. (Miete K; Beginn 18 Uhr.)
Im Kleinen Haus findet heute eine Wiederholung des erfolgreichen
Luſtſpieles Das Kamel geht, durch das Nadelöhr, mit
Charlotte Joſt=Jaeke, Kitty Stengel, Hanna Rüggold, Hans Baumeiſter,
Walter Klam, Paul Maletzki, Hugo Keßler, Bernhard Minetti, Curt
Weſtermann ſtatt. (Heſſenlandmiete III; Beginn 19.30 Uhr)
Generalintendant Carl Ebert wurde eingeladen, im Rahmen der
Berliner Feſtſpiele in Inſzenierungen Leopold Jeßners als Fiesco und
m Amphytrion zu gaſtieren. Infolge dienſtlicher Verhinderung
konnte er nur ein einmaliges Gaſtſpiel gelegentlich der Feſtvorſtellung
des Amphytrion annehmen.
Die nächſte Wiederholung von Figaros Hochzeit in der
neuen Inſzenierung Carl Eberts unter Leitung von Generalmuſikdir.
Dr. Karl Böhm findet Dienstag, den 28. Mai, im Kleinen Haus in
der Premierenbeſetzung ſtatt.
Der Roſenkavalier von Richard Strauß gelangt Mittwoch,
den 29. Mai, im Großen Haus zur Wiederaufführung.
Othello von Verdi wird als nächſte Neueinſtudierung der Oper
im Großen Haus vorbereitet. Die Inſzenierung leitet Carl Ebert, die
muſikaliſche Leitung hat Dr. Karl Böhm, die Bühnenbilder entwirft
Lothar Schenck von Trapp. In den Hauptrollen werden die Damen
von Stoſch, Jacobs, die Herren Grahl, Jaeger, Komregg, Herrmann,
Overlack, Vogt beſchäftigt. Die Erſtaufführung iſt für Mittwoch, den
5. Juni, vorgeſehen.
Der große Operettenerfolg Mamſell Nitouche wird am
Donnerstag, den 30. Mai, in der Premierenbeſetzung wiederholt.
Max Pallenberg in Darmſtadt. Max Pallenberg wird
nach vieljähriger Pauſe Dienstag, den 4. Juni, wieder ein Gaſtſpiel in
Darmſtadt abſolvieren. Pallenberg ſicher eine der bedeutendſten Er=
ſcheinungen
des deutſchen Theaters wird als Monſieur Topaz in
der ungewöhnlich erfolgreichen Komödie Das große ABC. auftreten.
Orpheum. Sommerſpielzeit Direktor Adalbert Steffter. Heute
Sonntag gelangt die Operettenneuheit Annemarie von Jean und
Robert Gilbert zur Aufführung, und ſei darauf hingewieſen, daß die
Vorſtellung um 8 Uhr beginnt. Der Vorverkauf iſt im Verrehrsoureau
Sonntag vormittag von 1012 Uhr, bis 1 Uhr im Zeitungskiosk gegen=
über
dem Verkehrsbureau und ab 3 Uhr ununterbrochen an der Theater=
kaſſe
. Montag und täglich finden ebenfalls Wiederholungen der Ope=
rette
Annemarie ſtatt.
Neufeſtſetzung der Hebammengebühren. Auf Grund des § 376a
der Reichsverſicherungsordnung hat der Heſſiſche Miniſter für Arbeit
und Wirtſchaft unterm 30. April 1929 eine Bekanntmachung erlaſſen,
die in der Darmſtädter Zeitung vom 13. Mai 1929 Nr. 109 veröffent=
licht
iſt. Die Bekanntmachung iſt am 15. Mai 1929 in Kraft getreten.
Kleinhandelspreiſe des Darmſtädter Wochenmarktes (pro Pfd.
bzw. Stück in Pfg.): Gemüſe: Spargeln 1. Sorte 90100, 2. Sorte
5060, Kohlrabi 25, Karotten 3540, Gelbe Rüben 25, Spinat 1015,
Römiſchkohl 2025, Erbſen 60, Zwiebeln 1520, Knoblauch 80, Rha=
barber
1520, Tomaten 100120, Lattich 50, Kopfſalat 2530, Salat=
gurken
100120, Blumenkohl 80120, Rettich 1225, Meerrettich 100
bis 120, Radieschen 5; Frühkartoffeln 3035, Spätkartoffeln 78;
Obſt: Kirſchen 7080, Tafeläpfel 3060, Wirtſchaftsäpfel 2030,
Apfelſinen 515, Zitronen 810, Bananen 6570: Eßwaren: Süß=
rahmbutter
210220, Landbutter 190200, Weichkäſe 35, Handkäſe 5
bis 15, Friſche Eier 1214; Wild und Geflügel: Hühner 140
bis 180, Tauben 8090, Ziegenlämmer 80; Fleiſch= und Wurſt=
waren
: Rindfleiſch, friſch 80100, Kalbfleiſch 120, Hammefleiſch 100,
Schweinefleiſch 96124, Dörrfleiſch 160, Ziegenfleiſch 80, Wurſt 70160,
Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 110.

von douaumonk zum Jungdeutſchen Manneft.
Am. Auf Veranlaſſung der Bruderſchaft Darmſtadt des
Jungdeutſchen Ordens fand am Freitag abend im Perkeo
ein Lichtbildervortrag ſtatt, der aus weiteſten Bevölkerungs=
kreiſen
Darmſtadts recht rege beſucht war. Ordensbruder Dr. Alfred
Kuermann aus Höln hielt das Referat des Abends unter dem Stich=
wort
Von Douaumont zum Jungdeutſchen Manifeſt und ſprach, von
den erſchütternden Wirkungen des Weltkrieges ausgehend und hierbei
aus eigenem Erleben ſchöpfend, über das von dem Hochmeiſter des
Jungdeutſchen Ordens Arthur Mahraun herrührende Manifeſt
deſſen wichtigſte Abſchnitte, Leitſätze und Fordevungen hierbei in form=
vollendetem
Vortrag und mit temperamentvoller Beredſamkeit umreißend.
Wir entnehmen dem Referat folgende Hauptgedanken: Das Front=
ſoldatentum
iſt heute beiſeite geſchoben und hat nirgends die Vertretung,
die dieſer Generation, dem Frontgeſchlecht, gleichgultig, wo der einzelne
ſteht, gebührt. Was die Stellung des Jungdeutſchen Ordens zum Pazi=
lismus
anbetrifft, ſo betont er die Wehrhaftigkeit des Volkes und hält,
unter Ablehnung jedes öden Chauvinismus, die Freiheit des Volkes
höher als den Frieden. Hier ſchaltete der Redner eine Vorleſung aus
dem Werk Dougumont von Werner Beumelburg ein, und licß die
Wirkung der packend=wahren Dichtung durch Lichtbilder unterſtreichen,
die die ganze zermalmende Schaurigkeit jenes Trichterfeldes den atem=
loſen
Zuhörern vor Augen führten.
Den Ausführungen über das Jungdeutſche Manifeſt lagen etwa
folgende Leitſätze zugrunde: Die Führung muß aus dem Volke heraus
kommen. National iſt, wer ſein Volk liebt und ſein Leben dafür einzu=
ſetzen
bereit iſt, gleichgültig, welche Farbe er hochhält oder welche Staats=
form
er für richtig hält. Aus der Uebewertung des Beſitzes nach 1870
entſtanden Standesdünkel und Kaſtengeiſt, hieraus und aus dem Auf=
blühen
der Induſtrie der Klaſſenkampf, alles Momente, die zur Volks=
ſpaltung
beitrugen, ganz abgeſehen von dem Dreiklaſſenwahlrecht und
der alten, morſch gewordenen Volksordnung. Gleichheit im ſtaatsbürger=
lichen
Leben iſt nicht nur möglich, ſondern unbedingt erforderlich, im
Wirtſchaftsleben unmöglich. Dem Untertan im alten Sinne ſteht gegen=
über
der Staatsbürger, der politiſch erzogen und mitverantwortlich ſeine
Pflichten gegen das Land erfüllt. Unter unſeren Parteien ſind nur
wenige, die eine Weltanſchauung vertreten, die meiſten Parteien ſind
nackte Intereſſenvertretungen. In der Nachbarſchaft erblickt der Jung=
deutſche
Orden die kleinſte Zelle, in der die ſtaatsbürgerliche Erziehung
geleiſtet werden ſoll. Im heutigen Deutſchland ſteht jede Schicht für ſich
allein, denkt nur an ſich und daran, wie ſie gerade den ſtärkſten Einfluß
auf den Staat gewinnen kann. Der Staatsaufbau im Jungdeutſchen
Staat, Führer und Kapitel, ſoll auf dem Stammes= oder landsmann=
ſchaftlichen
Prinzip beruhen. Dieſes Endziel, in dem wir alle den Staat
bilden, iſt ein Vorſchlag, kein Dogma. Es geht darum, ob wir den
Volksſtaat bekommen oder die Diktatur. Die gemeinſame Front unſerer
volksnationalen Aktion muß in gleicher Weiſe gegen die internationale
Plutokratie und den Bolſchewismus gerichtet ſein.
Dem unzweifelhaft feſſelnden Vortrage folgte lebhafteſter Beifall.
Die Ausſprache, die teilweiſe recht temperamentvolle Formen annahm,
dehnte ſich bis Mitternacht aus.
H. W. W.

Gnnſiige driegenherl
einen guten, modernen und billigen
Anzugſt
für Beruf, Straße oder Geſellſchaft zu erſiehen, bieten Ihnen
meine

Werbetage vom 22. Mai bis 8. Juni
Um mit meinen ſehr großen Tagerbeſtänden zu räumen, gewähre
ich in dieſer Zeit auf obige Stoffe einen Kaſſe Skonto von
Toe
Rcfute Jung
An
Ernſt=Ludwigſiraße 16, 1. Stock
Telephon 3034 gegenüber der Schuchardſtr. Telephon 3034

Promenadekonzert. Das Stadt=Orcheſter unter Leitung ſeines
Kapellmeiſters W. Schlupp konzertiert Sonntag, den 26. Mai, vorm.
1112 Uhr, im Herungarten nach folgendem Programm: Regensburger
Turner=Marſch, Kleiber. Ouvertüre z. Op. Euryanthe, Weber. Morgen=
blätter
=Walzer, Strauß. Fantaſie über Kreutzer=Melodien, Bohne,
Aufforderung zum Tanz, Rondo, Weber. Mit Standarten, Marſch,
Blon.

Burmſtävter Gaurgiänogih
(8966 b
Sommerausgabe
Preis 80 Pfg.
160 Seiten Umfang / Ueberſichtliche Karte / Fahr=
preisverzeichnis
/ Kilometerangabe / Verzeichnis
der amtlichen und privaten Autobuslinien / Be=
ſondere
Zuſammenſtellung der wichtigſten Verbin=
dungen
im Deutſchen Reich / Alphabetiſch geord.
netes Stationsverzeichnis / Ueberſichtl. Anordnung

Erhältlich an allen bekannten Stellen

Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 26. Mai,
folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: 1. Dr. Hofmann, Laute=
ſchlägerſtraße
16, Telephon 3069; 2. Dr. Wagner. Annaſtraße 3,
Telephon 322; 3. Dr. Weyell, Hölgesſtraße 16, Telephon 253.

Begrüßungsabend der Polizeibeamken.
EAm. Anläßlich des 6. ordenrlichen Verbandstages
des Landesverkandes der Polizeibeamten Heſ=
ſens
e. V. veranſtaltete die Darmſtädter Ortsgruppe zur Begrüßung
der Delegierten und Gäſte in ſämtlichen Räumen des Saalbaues einen
Begrüßungs= und Bunten Abend. Trotz mancherlei Ab=
haltungen
anderer Ar= und trotz der tropiſchen Hitze hatte der Abend
einen ſehr ſtarken Zuſpruch gefunden. Unter den Ehrengäſten bemerkten
wir u. a. Heirn Mimiſterialrat Siegert. Herin Landtagspräſident
Delp, Herrn Obeyſt Caracciola=Delbrück, Herrn Oberſt=
leutnant
Schröder, Herrn Negierungsrat Dr. Kayſer, ſowie
Landtagsageordnete und Vertreter der Stadtverwaltung. Nach einleiten=
den
Muſikſtücken, die das Städtiſche Orcheſter unter der beſchwingten
Leitung von Herin Kapellmeiſter Willy Schlupp ausgezeichnet zum
Vortrag brachte, hörte man von der Geſangs= und Muſikabteilung der
Polizeibeamten des Politeiamt? Darmſtedt unter der exakten und an=
feuernden
Stabführung von Horrn Muſikoberlehrer Lambach mehrere
Lieder, die reichen Beifall orzielten. Eine kurze herzliche Begrüßungs=
anſprache
hielt Herr Polizeimeiſter Wink Vorſitzenßer der Ortsgruppe.
Eine heitere Note kam in bas Programm mit dem Auftreten des
Anſagers, Herrn Intendanzrat Baumeiſter vom Hefſiſchen Lan=
destheater
, der ſich nicht nur ſeiner Rolle als Anſager mit gewohntem
Elan und köſtlichem Humor entledigte, ſondern auch mir ausgezeichneten
uind wirkungsvollen Solo=Vorträgen das bunte und zwangloſe Pro=
gramm
bereicherte. Herzlich gefeiert wuibe Fräulein Paula Kapper
vom Heſſiſchen Landescheater, die heitere Lieder mit ihrer gepflegten
und warmen Stimme ſang. Am Flügel begleitete ſorgſam Herr Etzold.
Viel wohlverdienten Beifall erhielte Mitglieder der Tanzgruppe des
Heſſiſchen Landestheaters. Zuerſt tanzte Herr Marke recht tempera=
mentvoll
einen ſpaniſchen Tanz, dann produzierten ſich die Damen
Scheinpflug, Mili und Aenne Reiß mit Herrn Marke in
einem Puppentanz, der in Ausführung und Keſtümen gleichermaßen
re zvoll war Originell, wie Heer Sihlupp ſein hinter den Gardinen
befindliches Orcheſter in der Vorhangsſpalte dirigierte. Es folgten noch
diele Lieder von Fräulein Kapper, Vorträge des Anfagens und ent=
zückende
Tänze der Damen, unter denen insbeſondere der Tanz zur
Ballettmuſik aus Roſamunde ausnehmend gefiel. So dehnte ſich die
recht animierte Vortragsfolge bis gegen Mitternacht aus, und dann
ſetzte in den oberen Räumen des Saalbaues Stimmungsmuſik und der
von der Jugend (im weiteſten Sinnel) erſehnte Tanz nach rheiniſcher
Art ein, über deſſen Verlauf zu berichten uns die Berufspflicht ummög=
lich
, machte Jedenfalls war der Begrüßungsabend ein voller Erfolg
für die Veranſtalter.

Gartenbauverein Darmſtadt e. V. Die letzte Monatsverſamm=
lung
, mit der die Wintertätigkeit abſchloß, hatte den Charakter einer
Frühlingsfeier und war, wie ſich im voraus erwarten ließ, über=
aus
ſtark beſucht. Die Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn
Oberrechnungsrats Enders, der auch das reizende Frühlingsfeſt=
ſpiel
verfaßt und in Gemeinſchaft mit ſeiner Frau Gemahlin einſtudiert
und ausgeſtattet hatte. Der Grundgedanke der ſchönen Dichtung war
der Kampf des Winters um ſeine Herrſchaft und der Sieg des Lenzes,
der dann triumphierend mit ſeinen Blumengeiſtern in die Lande ein=
zieht
. Der Gang der Handlung paßte ſich ganz den diesjährigen ab=
normen
phänologiſchen Zeitverhältniſſen an: Eine böſe Hexe, unterſtützt
von zwei greulichen Meerkatzen, braut einen Zauberſaft, mit dem ſie alles
Lebende in der Natur in ewige Feſſeln ſchlagen will, um damit die
Herrſchaft des Winters dauernd zu befeſtigen. Da erſcheint rechtzeitig
in holder Knabengeſtalt der Lenz, wirft einen Strauß Waldmeiſter in
den Hexenkeſſel und verwandelt damit das Gebräu in einen ſtärkenden
und belebenden Labetrunk, mit dem er nicht nur die Hexe bekehrt, ſon=
dern
auch ſein Gefolge, die Frühlingsblumengeiſter, erweckt und zu einem
Maigeſang anregt. Anſchließend daran folgte ein von Frl. Frank
einſtudierter Blumentanz, der das allmähliche Erwachen der erſten Blü=
ten
, dies übermütige Spiel des Frühlings, und zuletzt das Verblühen
in reizender Weiſe darſtellte. Die wechſelnde Stimmung wußte Herr
Dieter durch geſchickte Beleuchtungseffekte zu unterſtützen. Unter
dem Klange der Dorfſchwalben führten nun acht Turnerinnen von
der Beſſunger Turngemeinde in elfenhafter Kleidung einen hübſchen
Reigen auf, den Herr Turnwart Reinhardt ſehr ſicher eingeübt
hatte. Frau Horn=Stoll entzückte dann die Anweſenden mit
ihrer gutgeſchulten Stimme und trug verſchiedene paſſende Lieder vor:
das Frühlingslied von Umlauft, den Walzer Parla von Arditi,
und als Zugabe den Lenz von Hildach. Nunmehr wurde im Tempo
eines flotten Marſches ein grimmiges‟ Duell (ausgeführt von Fräulein
Elſa und Emilie Grimm), tanzend und unblutig zum Austrag ge=
bracht
, das vielen Beifall fand. Zum Schluß trug ein Mitglied des
Vereins, Herr Braun, Frühlingstoaſte von Häſer, das Rhein=
lied
von Humperdinck und als Zugabe das Schenkenlied von Ober=
meher
vor; auch er erntete mit ſeinem ausgeglichenen ſympathiſchen
Geſang vollen Beifall. Die Klavierbegleitung zu den Liedern lag bei
Herrn Brohm jun. in guten Händen. Der Vorſitzende dankte allen
Beteiligten und überreichte jedem Einzelnen eine Blumenſpende. Da=
mit
hat die Wintertitigkeit des Gartenbauvereins einen ſchönen Ab=
ſchluß
gefunden. Für den 16. Juni iſt ein Ausflug nach Groß= Um=
ſtadt
geplant, um die dortigen Glashauskulturen der Heſſiſchen Land=
wirtſchaftskammer
zu beſichtigen. Näheres erſcheint noch in den Tages=
zeitungen
.
Rundfunkgeſpräch. Am 26. Mai, 77.45 Uhr abends, findet ein
Rundfunkgeſpräch zwiſchen Miniſter a. D. Koch=Weſer, M. d. R., und
Artur Mahraun, Hochmeiſter des Jungdeutſchen Ordens e. V.,
über das Thema Parlamentarismus, wie er iſt und ſein ſollte, ſtatt.
Das Geſpräch wird vorausſichtlich von der Deutſchen Welle auch auf
andere deutſche Sender übertragen.
Fp. Verwaltungsgerichtshof. Rechtsbeſchwerde des Auguſt Oſſen=
kop
in Bad=Nauheim gegen ſeine Heranziehung zur Sondergebäude=
ſteuer
. Erſchienen iſt Rechtsanwalt Dr. Pape=Frankfurt a. M., vom
Finanzamt Friedberg niemand. Oſſenkop hat das Wohnhaus Uhland=
ſtraße
17 von der Baugeſellſchaft Gemeinwohl erworben und erſtrebt
Freiſtellung von der Steuer, weil das Haus nicht mit Beihilfen aus
öffentlichen Mitteln erbaut worden ſei. Das Finanzgericht hat die
Berufung des Beſchwerdeführers verworfen. Die Stadt Bad=Nauheim
hatte der Baugeſellſchaft Gemeinwohl ſchon vor Gewährung der ſtaat=
lichen
Baudarlehen Bauvorſchüſſe gewährt. Es war dies noch in der
Inflationszeit. Der Vertreter des Beſchwerdeführers betont berichti=
gend
, das Haus Uhlandſtraße 17 ſei von der Bamag=Meguin A. G. in
Butzbach erſtellt worden, weil dieſe dringend Arbeiterwohnungen be=
nötigt
habe. Es ſei dies im Jahre 1922 geweſen. Das Finanzgerichr
leitet die Steuerpflicht daraus her, daß die Beihilfe aus öffentlichen
Mitteln mittelbar gewährt worden ſei. Der Verwaltungsgerichtshof
hebt das Erkenntnis des Finanzgerichts auf und weiſt die Sache
zur Verhandlung an dieſes Gericht zurück.

Tageskalender für Sonntag, den 26. Mai 1929.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 18 Uhr, Ende
22.15 Uhr, K 17 :Lohengrin. Kleines Haus, Anfang 19.30 Uhr,
Ende gegen 22 Uhr, Heſſenlandmiete III: Das Kamel geht durch das
Nadelöhr Orpheum, abends 20 Uhr: Annemarie‟. Kon=
zerte
: Schloßkaffee, Reichshof, Hotel Schmitz, Bockshaut, Sportplatz=
Reſtaurant, Alte Poſt, Darmſtädter Hof, Kaffee Ganßmann, Stadt
Malaga, Waldſchlößchen, Bismarckeck, Schwaneck, Kaffee Jöſt, Oran=
gerie
=Haus, zum Roſengarten, Zur Roſenau, Frankfurter Hof, Hotel
Prinz Heinrich, Hotel zur Poſt, Rummelbräu. Ludwigshöhe,
nachm. 16 Uhr: Konzert. Wie erKronenbräukeller, nach=
mittags
16 Uhr: Großes Frühlingsfeſt im Garten. Kinovor=
ſtellungen
: Union=Theater, Helia, Palaſt=Lichtſpiele.

Sichre die Zukunft.

die eigene Zukunft Dein eigenes Alter und auch die Zukunft
Deiner Kinder! Die Aussteuer der Tochter die Ausbildung des
Sohns den Alters-Schutz für Dich und Deine Frau all das
kannst Du Dir unverlierbar sichern, wenn Du von dem, was Du
verdienst, ein Teilchen monatlich beiseite legst: in fünfzehn,
zwanzig oder dreißig Jahren bist Du Besitzer eines Kapitals!

Und wenn Du NICHT so lange lebst? Wenn eines Tags den
Oeinen der Ernährer fehlt? Es gibt nur EINEN Weg, um
Frau und Kind vor Not zu schützen. Geh diesen Wegl Du hast
die Deinen dann auch für den schlimmsten Fall gesichert
und wenn Du alt wirst, kannst Du selbst genießen, was Du in
Deinen besten Jahren angesammelt hast:

Verstertte Bert Zeuert.
Je früher Du anfängst, desto billiger ist es Deshalb tue es IETZ71

[ ][  ][ ]

Ceite 6

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

20. Haupkverſammlung des Allgemeinen deutſchen
Lehrerinnen-Vereins in Wien.
Der Allgemeine Deutſche Lehrerinnen=Verein, der 40000 reichs=
deutſche
Lehrerinnen aller Schulgattungen umfaßt, hielt ſeine 20. Haupt=
verſammlung
in Wien ab. Der Einladung ſeines Mitgliedsvereins
Mädchenmittelſchule in Oeſterreich Folge leiſtend, hat er die deutſchen
Lehrerinnen nach Wien gerufen, und eine über alle Erwartung große
Zahl iſt ſeinem Rufe gefolgt. An 2000 Lehrerinnen aus allen Teilen
Deutſchlands, dazu mehrere Hundert öſterreichiſche Kolleginnen und
Lehrerinnen aus den deutſchen Grenzgebieten und deutſchen Kulturgebie=
ten
füllen den prachtvollen Großen Saal des Konzerthauſes in Wien.
Mit einem feſtlichen Begrüßungsabend hat er am Pfingſtſonntag der
Tagung den ſtimmungsvollen Auftakt gegeben.
Nach dem Verleſen des Begrüßungsſchreibens des Herrn öſterreichi=
ſchen
Bundespräſidenten Miklas, der das Ehrenpräſidium der Tagung
übernommen hatte, bekam der außerordentliche Geſandte und Miniſter
des deutſchen Reichs, Graf Hugo Lerchenfeld, das Wort zur Begrüßung.
Mit einem warmen Dank für die glänzende Aufnahme der Stadt Wien
Herband er den Wunſch für die Teilnehmerinnen der Tagung, ſie möchten
neben der Löſung ihrer ſachlichen Aufgaben durch Umgang mit öſter=
reichiſchen
Kolleginnen und Kennenlernen der wunderſamen Stadt Wien
auch reiche perſönliche Werte ſich erwerben. In Vertretung des Herrn
Anterrichtsminiſters und der Schulbehörden ſowie des Herrn Bürger=
meiſters
von Wien ſprachen der Sektionschef Herr Dr. Pohl und der
Herr Präſident Glöckel des Stadtſchulrates in Wien. Den Be=
grüßungen
folgte der Vortrag, von Frau Miniſterialrat Dr. Gertr
Bäumer: Nationale und internationale Erziehung in der Schule‟
Am Dienstag, den 21. Mai, eröffnete Frau Oberſchulrat Emmy Beck=
mann
um 9,15 Uhr die 2. öffentliche Verſammlung. Nach einer kurzen
Begrüßung durch den Herrn Bundesminiſter für Unterricht Dr. Czermak
Gekommt Frau Prof. Dr. Elſa Köhler aus Wien das Wort für ihren
Vortrag: Die Kriſe der Pfhchologie und die moderne Pädagogik.
Im dichtgefüllten Saale hielt am Abend Frau Roſa Mayreder
eine der großen Führerinnen der Frauenwelt, von Oeſterreichern und
Reichsdeutſchen in gleicher Weiſe verehrt und bewundert, ihren Vortrag:
Gleichſtellung und Ehe‟
Die öffentlichen Verſammlungen des A. D.L.V. wurden umrahmt
durch die Mitgliederverſammlungen. Sie brachten außer dem ſehr inter=
eſſanten
Geſchäftsbericht, der die weit umfaſſende Arbeit des Vorſtandes
auf allen Gebieten pädagogiſchen Lebens zeigte, vor allem das Referat
von Frau Elſe Oechler über das Berechtigungsweſen und die deutſche
Schule‟. Soviel über das Berechtigungsweſen in allen Lebenskreiſen
Deutſchlands geſchrieben und geſprochen wird, ſo wenig iſt bisher ge=
ſchehen
, um die Grundforderung, daß bei organiſcher Verbindung aller
Schularten den wirklich Begabten und Arbeitswilligen unſeres deutſchen
Volkes Aufſtiegsmöglichkeiten in alle ihnen gemäßen Berufe gewährleiſtet
werden, zu verwirklichen. Die maßloſe Ueberſteigerung des Berech=
tigungsweſens
hat dazu geführt, daß es heute nach einem Worte Spran=
gers
wichtiger iſt, nach Zeugniſſen als nach Leiſtungen zu ſtreben. Der
A. D. L. V. hat nach ausführlichen Beratungen in all ſeinen Fachverbänden
und Vereinen eine umfaſſende Entſchließung aufgeſtellt, die in der zwei=
ten
Mitgliederverſammlung einſtimmig angenommen wurde.
Aus den weiteren Verhandlungen der Mitgliederverſammlung ſeien
erwähnt die Berichte der Vertreterin des A. D. L. V. im deutſchen Beam=
tenbund
, Frau Panten, der Vorſitzenden des Reichsverbandes Die ver=
heiratete
Lehrerin Frau Dr. Wehowſki, der Vertreterin der Jung=
lehrerinnen
, Frau Brode, der Studienreferendarinnen, Frau Draeger.
Folgende Entſchließungen wurden angenommen:
1. Die Pfingſten 1929 in Wien tagende Hauptverſammlung des A. D. L. V.
fordert, daß in den Ländern, in denen noch eine Junglehrernot be=
ſteht
, alles geſchieht, um dieſe zu beſeitigen. Bis zur Erreichung die=
ſes
Zieles muß die wirtſchaftliche Lage dieſer Junglehrer und
Junglehrerinnen ſo geſtaltet werden, daß ſie ſich mit Freudigkeit und
innerer Freiheit ihrem Berufe widmen können.
2. Die Pfingſten 1929 in Wien tagende Hauptverſammlung des A. D. L.V.
ſtellt mit ernſter Beſorgnis um unſer Mädchenſchulweſen feſt, daß in=
folge
der geringen Zahl der Lehrerſtudentinnen in abſehbarer Zeit
ein empfindlicher Mangel an Lehrerinnen namentlich der Volksſchule
eintreten wird. Der A. D.L.V. fordert daher Zulaſſung der Lehrer=
ſtudentinnen
zu allen pädngogiſchen Akademien in einem Maße, daß
der ausſchlaggebende erziehliche Einfluß der Frau auf das heran=
wachſſende
weibliche Geſchleiht unter allen Umſtänden ſichergeſtellt iſt.
Der Höhepunkt der Mitgliederverſammlungen war der Augenblick,
als dem bisherigen geſchäftsführenden Vorſtand mitgeteilt wurde, daß die
Verſammlung ihn einſtimmig durch Zuruf wiedergewählt habe.
Die Behörden der Stadt Wien ehrten den A. D.L.V. außer durch
ihre Begrüßungen durch einen Empfang bei dem Herrn Bundesminiſter
für Unterricht und bei dem Herrn Bürgermeiſter im Rathaus. Die deut=
ſchen
Lehrerinnen ſcheiden von Wien mit einem unendlichen Gefühl der
Dankbarkeit für alles Erleben, das ſie dort gefunden haben und das für
lange Zeit in ihnen nachhallen wird.

Siegfried Wagner als Menſch und Künſtler. Im gut beſuchten
Muſikvereinsſaal veranſtalteten die Darmſtädter Gruppen des Bayreuther
Bundes und Bahreuther Bundes der Deutſchen Jugend eine kleine
Feier zu dem bevorſtehenden 60. Geourtstag Siegfricd Wagners. Otto
Daube (Leipyig), der ja in Darmſtadt kein Unbekannter mehr iſt,
hatte den Vortrag und den pianiſtiſchen Teil des Abends übernommen.
Er ſprach vom Menſchen Siegfriod Wagner, um ein weiteres Verſtind=
nis
ſeiner künſtleriſchen Perſönlichkeit anzubahnen, dieſer Künſtlerper=
ſönlichkeit
, deren Schaffen nicht aus äußerer Nachahmung der Werke
ſeines Vaters, ſondern aus eigener innerer Notwendigkeit romantiſch
iſt und ſein muß. Dieſe Romantſik, die in allem, in jeder Regung und
jedem Tun des Menſchen und Künſtlers zutage tritt, ſo auch in ſeiner
Auſchauung vom Geſamtkunſtwerk, vor allem aber auch in ſeiner Treue
zum väterlichen Erbe Bayreuth, in deſſen Hut er ſeime erſte Lebens=
aufgabe
ſieht uns das er in ſchwerſter Zeit zu herrlichem Wieder=
auferſtehen
führte, ſteht dem Intellektualismus der Tagesmoderne
weltenfern. Siegfried Wagner iſt freid i der Gegenwart, er muß
ſih als Schöpfer fremd in ihr fühlen. Aber die Schnellebigkeit unſerer
Zeit iſt ja auch der dauernden Anerkennung der von ihr ſelbſt hervor=
gebrachten
Künſtlererſcheinungen nicht günſtig, vielleicht bewahrt gerade
die Fremdheit gegenüber der heutigen Oeffentlichkeit, die entfernte Stel=
lung
vom Kunſtmarkt des Tages vor ſchnellem Vergeſſen. Die Frage,
die wir ſtellen müſſen, iſt ja nur die: Kommen Siegfried Wagners
Werke aus ſeinem Innern? Sind ſie eigengewachſen? Mußte er ſo
ſchaffen? Uns unſererſeits mit feiner Schöpferperſönlichkeit ausein=
nderzuſetzen
, bietet ſich ein anderes Mal Gelegenheit, Herr Daube be=
jaht
die Frage vom Menſchen aus, der als Dramatiker, als Muſiker
und fein empfindender Geiſt die Selbſrändigkeit gegenüber Vater und
Großvater im Rahmen ſeiner Begabung durchaus bewahrt und in der
Familie Waguer=Lifzt noch ein nenes, wertvolles künſtleriſches Moment
zeigt: in der Arehitektonik. An Stelle einer Kritik der Perſönlichkeit
des Gefeierten gab Her: Daube, dem weiteren Zwecke des Abends ent=
ſprechend
, in pianiſtiſch feiner Ausführung und geſchickter Auswahi nun
Bruchſtücke aus mehreren Bühnenwerken Wagyers mit kurzen Erlänte=
rungen
zu hören. Er wurde von Frau Siſanne Horn=Stoll und
dem Mainzer, jetzt nac) Cöttingen verpflichteten Opernſänger Wilhelm
Schmidt erfolgreich unterſtützt. Frau Hom=Stoll ſang ſich raſch ein
und trug zivei melodiſch ſ höne, ihr ſehr gut liegende Geſänge aus dem
Kobold mit feinem Empfinden vor. Herr Schmidt ſang aus Herzog
Wildfang und Banadietrich von Siegfried Wagner, am meiſten kam
ſein bemerkenswert großes und klangvolles Material aber in der den
Abend beſchließenden Anſprache des Sachs aus den Meiſterſingern zur
Geltung. Der junge Säager hat einen echten Heldenbariton, nur iſt
er noch nicht ganz Herr ſoiner an ſich prachtvollen Stimmittel. Eines
hat der Abend, haben die Darlegungen Otto Daubes und das etwis zu
reihlice muſikaliſehe Programm wieder bewieſen: Siegfried Wagner
iſt kein Muſiker, den man einfach beiſeite ſchieben darf. Gewiß zeigt er
in ſeinen dramatiſchen Werken nuht immer ein ſcharfes Profil. Es
fehlt ihm der leidenſchaftliche Atem, die ganze defe Innerlichkeit ſeines
Vaters. Aber er iſt für ſich ein echter Muſiker, ganz romantiſch=deutſch,
mit volkstumlichem Empfinden, das, wo es zutage tritt im Bären=
häuter
zum Beiſpie! , merkwürdig ſtark an Weber und ſeinen Frei=
ſch
.:tz gemahnt. Er ſclvelgt in ſchönen, volkslieſhaften Melodien, für
die er eine ſtarke Erfindungsgabe hat, wie kaum ein Tondichter unſerer
Zeit. Und der eigenartigſte Beveis gegen das oft von ihm behauptete
Epigonentum iſt: ſeine öftere Hinneigung zu abſolut muſikaliſcher Ge=
ſtaltung
, die den dramatiſchen Zweck faſt vergeſſen läßt.
k.

Lokgle Beranſtaltungen.

Herrngarten=Kaffee. Heute Sonntag, den 26. Mai,
finden im Herrngarten=Kaffee nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr
Künſtlerkonzerte, ausgeführt von einem Enſemble des Stadtorcheſters,
ſtatt.

Orangeriehaus. Es wird an dieſer Stelle nochmals
den heute abend 8 Uhr ſtattfindenden Rheiniſchen Abend des Staf
orcheſters unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp hingewieſ
(Siehe Anzeige.)
Im Hotel und Reſtaurant Poſt am Hauptbahnl
findet heute Konzert ſtatt. Küche und Keller bieten das Beſte

Aus Heſſen.
An. Arheilgen, 25. Mai. Diamantenes Ehejubiläum.
Wie ſchon gemeldet, konnte vorgeſtern das Ehepaar Ludwig Fiſcher und
Frau geb. Spalt, ſeinen 60jährigen Hochzeitstag feſtlich begehen. Liebe
Freunde und getreue Nachbarn hatten das Häuschen der beſcheidenen
Leute innen und außen mit friſchem Grün und duftenden Blumen
herrlich geſchmückt. Beſonders die Ehrenſitze, die beiden Seſſel, waren
prächtig geziert, und als der Morgen kam, brachten Kinder und viele
Freunde und Bekannte ihre Ehrengaben und Angebinde zu dieſem
Ehrentage. Reicher Blumenflor und angebrachte Geſchenke wurden in
Menge geſpendet. Mittags 12 Uhr traf ein Glückwunſchtelegramm des
Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg ein und am Nachmittag über=
brachte
Herr Bürgermeiſter Jung ein Ehrenſchreiben des heſſiſchen
Miniſteriums nebſt Geſchenk und ſprach zugleich im Namen der hie=
ſigen
Gemeinde herzliche Worte unter Ueberreichung einer weiteren
Gabe. Auch der Ortsgeiſtliche erſchien und übermittelte die Glückwunſche
der Kirchenbehörde und der hieſigen Kirchengemeinde. Der über 83 Greis ertrug die Strapazen des Tages in jugendlicher Friſche,
während das 80jährige Mütterchen nur auf ein Stündchen erſchien,
um im trauten Familienkreiſe in ſichtlicher Freude ein Täßchen Kaffee
einzunehmen, und ſich dann wieder in ihr heimliches Zimmerchen zurück=
zog
. Ein fahrender Muſiker, der von dem Feſte erfuhr, brachte gegen
Abend ein kleines Ständchen, beſtehend in einigen Trompetenſolis,
und nahm der Tag einen überaus würdigen, dem alten Paare ſicherlich
angenehmen Verlauf. Möge den beiden Alten noch ein recht ſchöner
Lebensabend beſchieden ſein, dies wünſchen auch wir aus vollem Herzen.
Von den Kindern des Paares ſind noch zwei am Leben, eine unver=
heiratete
Tochter, die bei den greiſen Eltern weilt, und ein älterer Sohn,
der im Dienſte der Polizei in Eſſen ſteht. Enkelkinder ſind fünf vor=
handen
, zwei Enkel=Söhne und drei =Töchter. Der Jubilar ſtand
mehrere Jahre im Dienſte der chemiſchen Fabrik Merck und wurden
auch von dieſer Seite Geſchenke überbracht. Der hieſige Lehrer
Wagenknecht, der vor 14 Tagen durch einen Zuſammenſtoß mit einem
Perſonenkraftwagen ſchwerverletzt in das Herz=Jeſu=Hoſpital zu Darm=
ſtadt
eingeliefert wurde, befindet ſich den Verhältniſſen entſprechend
beſſer. Die Heilung des Schädelbruchs ſchreitet güinſtig vorwärts und iſt
zu hoffen, daß der Verunglückte wieder ganz hergeſtellt wird.

Ovomaltine leichte Zubereitung
Das iſt der zweite Grund des Erfolges, den Ovomaltine in der Familie,
in Krankenhäuſern und Kliniken hat. Dieſe wichtige Naturkraft=
nahrung
aus Malzextrakt, Milch und Eiern ſollten Sie bei Blutarmut
und Bleichſucht, nervöſer Erſchöpfung, Unterernährung, im Wochenbett
und bei Rekonvaleszenz als Kräftigungsmittel nehmen. Als tägliches
Getränk bewahrt Ovomaltine natürliche Kraft und friſches Ausſehen.
In Apotheken und Drogerien vorrätig; 250 gr Büchſe RM. 2.70,
500 gr. RM. 5.. Gratisprobe und Druckſachen durch:
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen. ( 1.6277

J. Griesheim, 25. Mai. Promenadekonzert. Das Bläſer=
korps
des Philharmoniſchen Orcheſters, das unter der Leitung des Herrn
K. Müller hier ſteht, veranſtaltet erſtmalig am Sonntag, den 26. Mai,
vormittags 11 Uhr, auf dem neuen Gemeindeplatz an der Neuen Darm=
ſtädterſtraße
, ein Platzkonzert. Programm: 1. Im Glanze der Sonne‟
Marſch von Blankenburg; 2. Die Amazone, Ouvertüre von Kiesler;
3. Die Friedensboten, Konzertwalzer von Gottlöber; 4. Frühlings=
erwachen
, von Emanuel Bach; 5. Aus vergangenen Zeiten, Pot=
pourri
von Starke; 6. Erinnerung an Riga, Marſch von Bruſſig. Das
Konzert findet in uneigennütziger Weiſe ſtatt; ein Programmverkauf er=
folgt
nicht. Der hieſige Geſangverein Sängerbund errang bei dem
in Nackenheim ſtattgefundenen Geſangswettſtreit bei ſehr ſtarker Kon=
kurrenz
den zweiten Klaſſenpreis, zweiten Ehrenpreis und beim höchſten
Ehrenſingen den Hauptehrenpreis.

F. Eberſtadt, 25. Mai. Kirchliches. Am Sonntag, den 26. Mai,
findet in der evangeliſchen Kirche um 10 Uhr Chriſtenlehre für die Mäd=
chen
, um 11 Uhr ein Kinder=Gottesdienſt ſtatt. Der übliche Morgen=
gottesdienſt
fällt aus. Um 2 Uhr nachmittags wird in der Kirche an=
läßlich
des Jahresfeſtes des Nied=Modauer Zweigvereins der Guſtav=
Adolf=Stiftung Pfarrer Knab=Guſtavsburg predigen. Sowohl hier, wie
bei der Nachfeier, die ſich um 4 Uhr im Bergſträßer Hof (Fiſcher) an=
ſchließen
wird, wirken der Kirchengeſangverein und der Poſaunenchor
mit. Beratungsſtunde. Am Montag, den 27. Mai, findet
in der Zeit von 34 Uhr in der Gutenbergſchule wieder eine Beratungs=
ſtunde
der Mutter= und Säuglingsfürſorge ſtatt. Anlieferung
von Kleeheu. Die Anlieferung von 30 Zentner Kleeheu ſoll in
öffentlicher Submiſſion vergeben werden. Angebote ſind bis längſtens
30. Mai, nachmittags 5 Uhr, an die Bürgermeiſterei zu richten. Feſt
der Arbeit. Zur Feier ihres 30jährigen Beſtehens veranſtalten die
hieſigen Gewerkſchaften am 15., 16. und 17. Juni d. J., auf den Sport=
plätzen
im Walde ein Feſt der Arbeit. An dem Feſtzuge, der ſich am
Sonntag, den 16. Juni, durch die Ortsſtraßen bewegen wird, beteiligen
ſich ſämtliche hier vertretenen Gewerkſchaftsgruppen. Jede einzelne
Gruppe wird ihren Beruf durch einen Feſtwagen zu verſinnbildlichen
ſuchen. Im ganzen werden hierbei 20 Gruppen in Frage kommen.
Odenwaldklub. Der Odenwaldklub (Ortsgruppe Eberſtadt) rüſtet
ſich zu ſeiner 6. Wanderung, die ſich auf zwei Tage erſtreckt (1. und 2.
Funi) und über SchottenTaufſteinHoherodskopf-Bermutshain füh=
ren
wird. Die Wanderung wird am 1. Juni mit der Bahn angetreten,
die die Teilnehmer zunächſt nach Schotten bringt. Am Sonntag, den
2. Juni, winkt dann der Aufſtieg zum Hoherodskopf über den Taufſtein.
Wer wandert mit! Auf Geſangswettſtreit! In dieſem
Jahre gehen drei hieſige Geſangvereine nach auswärts auf Geſangs=
wettſtreite
.

Weiße Hähne: Ghlorodonts

Aa. Eberſtadt, 23. Mai. Gute Kirſchenernte in Sicht.
Nachdem in dieſem Frühjahr die Kirſchbäume ſehr reich geblüht haben
und auch der Fruchtanſatz nichts zu wünſchen übrig läßt, rechnet man
allgemein, vorausgeſetzt, daß nicht unvorhergeſehene Nachwirkungen die
Reife beeinträchtigen, mit einer guten Kirſchenernte. Man glaubt, daß
die Kirſchenernte auf jeden Fall beſſer als die vom vergangenen Jahre
ſein wird. Es kann angenommen werden, daß die erſten Kirſchen
bereits in 3 bis 4 Wochen auf den Markt kommen.

Sie magein ab
an welcher Körperstelle Sie wollen. Ohne Körper-
bewvegung
, ohne Diät, ohne Chemikalien zu nehinen, ohne
Bäder. Rein äußerlicher Gebrauch, sichtbares Re-
sultat
bereits am 6. Tage. Schreiben Sie an Frau
Schweitzer, Wiesbaden, Goebenstraße 19, welche
Ihnen gern und kostenfrei das einfache und wirksame
Mittel angibt, welches sie selbst mit großem Erfolg
angewendet hat.
(TV.8915
Gernsheim, 25. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
24. Mai: 0,15 Meter; am 25. Mai: 0,12 Meter.

24. Deutſcher Miekerkag in Mainz.
Auf Wunſch der norddeutſchen Delegierten ſprach nach der Mittags=
pauſe
am Freitag noch Baumeiſter Seidler über die Neuregelung
der Aufwertungsſteuer.
Eine lebhafte Ausſprache ſchloß ſich an, in der auch die eingebrach=
ten
5 Reſolutionen behandelt wurden, deren endgültige Verabſchiedung
in die geſchloſſene Tagung am Samstag verſchoben wurde. Am Freitag
nachmittag folgte eine Autorundfahrt durch die Stadt zwecks Beſich=
tigung
der Mainzer Siedlungsbauten. In dem herrlichen Mainzer
Stadtpark wurde der Kaffee gemeinſam eingenommen. Am Samstag
vormittag folgte die geſchloſſene Tagung mit Beratung der eingegangenen
Reſolutionen, bei Redaktionsſchluß lag noch keine Verlautbarung des
Bundes über das Ergebnis vor. Am Samstag abend veranſtaltete der
Mainzer Ortsverein einen Rheiniſchen Abend, der unter Mitwirkung
vekannter Mainzer Künſtler einen harmoniſchen, ſtimmungsvollen und
animierten Verlauf nahm. Mit einer Rheinfahrt nach St. Goar und
zurück findet der Mietertag am heutigen Sonntag ſeinen Abſchluß.

Die Bedienung der Schranken in Rüſſelsheim.
Die Reichsbahndirektion Mainz ſchreibt uns:
Die Reinigung und Inganghaltung der Weichen war bis vor kurzem
Aufgabe der im Stellwerk tätigen Beamten. Auf Anregung der Betei=
ligten
ſind mit Zuſtimmung der vorgeſetzten Dienſtſtellen die Arbeiten
für die Zeit von 9,15 Uhr bis 10,00 Uhr dem Schrankenwärter und die
Bedienung der Schranke dem Bedienſteten des Stellwerks übertragen
worden. Es beſtanden keine Bedenken, dieſem Wunſche zu willfahren,
weil in dieſer Zeit lediglich nur der D 137 den Uebergang paſſiert. Die
Weichenſteller ſind auch mit der Schrankenbedienung vertraut, weil ihnen
dienſtplanmäßig in der Abendzeit von 22,00 Uhr bis morgens 6,00 Uhr
die Schrankenbedienung ohnehin obliegt. Zudem befindet ſich die
Schranke nur wenige Meter von dem Stellwerk entfernt. Dieſe Rege=
lung
hat ſich bisher durchaus bewährt und iſt auch nicht nach dem Un=
falle
geändert worden.
Es iſt auch nicht zutreffend, daß am Tage vor dem Unfall von der
Verwaltung der Stadt Rüſſelsheim in einem Schreiben an die Reichs=
bahnverwaltung
auf die unhaltbaren verkehrsgefährlichen Zuſtände an
dem Straßenübergang (Unfallſtelle) nochmals beſonders hingewiefen
worden ſei. Der Reichsbahnverwaltung ſind die durch den ſtarken Ver=
kehr
der Firma Opel bedingten, nicht einfachen Verkehrsverhältniſſe des
Bahnhofs Rüſſelsheim bekannt. Sie iſt ſtändig bemüht, im Intereſſe der
Verkehrsſicherheit bauliche und betriebliche Verbeſſerungen vorzunehmen.
Unter anderem iſt im letzten Jahre an dieſer Stelle eine Unterführung
für Fußgänger und Radfahrer neu gebaut worden.

Worms vor der Zwangsekekiſierung.
Worms, 25. Mai. Wie uns von beſonderer Seite mitgeteilt wird,
wird das heſſiſche Miniſterium ſich mit der Frage zu beſchäftigen haben,
ob für die ehemalige freie Reichsſtadt Worms eine Zwangsetatiſierung
vorgenommen werden ſoll. Der Etat für die 47 000 Einwohner zählende
Stadt konnte für das Jahr 1929/30 noch nicht verabſchiedet werden, da
der Stadtrat (der in Heſſen der preußiſchen Stadtverordnetenverſamm=
lung
entſpricht) das Etatdefizit dem Antrag des Oberbürgermeiſters
entſprechend durch Steuererhöhungen zu decken, abgelehnt hat. Die
Etatsabſtriche, die von der Verwaltung vorgeſchlagen wurden, würden
lediglich eine Reduzierung des Defizits von 1,7 Millionen RM. auf
950 000 RM. bringen. Dabei iſt das finanzielle Ergebnis einer geplan=
ten
Mietserhöhung in den ſtädtiſchen Häuſern, die ohne Rückſicht auf
die Vertragszeit vorgenommen werden ſoll, und die vor allem kleine
Leute treffen wird, bereits berückſichtigt. In der uns vorliegenden Zu=
ſchrift
findet die Politik der Stadtverwaltung ſcharfe Kritik. Ein An=
trag
, den früheren Frankfurter Organiſator Dr. Eicke zur Durchorgani=
ſation
der Verwaltung zu holen, wurde abgelehnt. Falls keine Einigung
zuſtande kommt, bleibt kein anderer Ausweg, als die Zwangsetatiſierung.

j. Aus dem Odenwalde, 25. Mai. Bei einer Jagdverſteigerung im
vorderen heſſiſchen Odenwalde erhielt vor mehreren Monaten ein
Mannheimer den Zuſchlag. Ein Einwohner der betr. Odenwaldgemeinde
erhob gegen den Zuſchlag des Gemeinderats mit der Begründung Ein=
ſpruch
, daß er zur Mitſteigerung nicht zugelaſſen worden ſei, und daß
daher die Jagd nochmals zur Verſteigerung kommen müſſe. Die Be=
ſchwerde
des Einwohners bei dem Kreisamt Heppenheim hatte zur
Folge, daß die Jagd erneut zur Verſteigerung kam. Bei der zweiten
Verſteigerung war der Mannheimer Herr verhindert, derſelben anzu=
wohnen
, ſo daß die Jagd an einen anderen Pächter überging. Nach
einigen Wochen ſtellte das Kreisamt Heppenheim dem Mannheimer
einen Forderungszettel zu, er ſolle den Jagdpachtſtempel mit RM. 160
für 1929 ſofort entrichten. Der Mannheimer erwiderte darauf unrer
Rückgabe der Mahnung, daß dieſe auf einem Irrtum beruhe, da er
ja gar nicht die Jagd zugeſchlagen bekam. Zu ſeiner nicht geringen
Ueberraſchung bekam nunmehr der Mannheimer vom Finanzamt Fürth
i. Odw. die Mahnung zugeſtellt, den Jagdpachtſtempel einſchließlich
MM. 1,30 Mahnſpeſen innerhalb einer Woche zu entrichten, widrigen=
folls
Zwangsvollſtreckung erfolgt. Man darf geſpannt ſein, ob nun
tatſächlich der obige Betrag zwangsweiſe erhoben werden und wie
dieſe Sache ausgehen wird. Die Apfelbäume ſtehen im Odenwald
zurzeit in voller Blüte. Bei Kirſch=, Birnen= und Apfelbäumen ſind
die Fruchtanſätze vielverſprechend, aber wenn nicht bald Regen kommt,
ſo würde die Trockenheit nachteilig auf die Fruchtentwicklung einwirken.
Hirſchhorn, 25. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
24. Mai: 0,80 Meter; am 25. Mai: 0,76 Meter.
Bn. Hirſchhorn, 25. Mai. Ertrunken. Drei junge Leute, zwei
Damen und ein Herr, die hier zur Kur weilten und im Gaſthaus Zur
Krone dahier wohnten, ließen ſich geſtern morgen mit einem Schlepp=
zug
in ihrem Paddelboot ſtromaufwärts ziehen. In der Nähe des Sei=
delsgrund
riß plötzlich das Befeſtigungsſeil. Während der Herr und
die eine Dame gerettet werden konnten, verſank die zweite Dame aus
Frankfurt a. M., die des Schwimmens anſcheinend unkundig war, mit
dem Paddelboot und ertrank. Die Leiche derſelben konnte bis zur
Stunde noch nicht gefunden werden.
Ck. Groß=Gerau, 25. Mai. Zweiſchwere Unfälle haben ſich
geſtern wieder in der Kreisſtadt ereignet. Am Nachmittag wurde in der
Werkſtatt des Zimmermanns Schmidt in der Gernsheimerſtraße der
Lehrling Veith, wohnhaft am Römerhof, von einem Holzſtück ſo ſchwer
am Kopf getroffen, daß er bewußtlos ins Städt. Krankenhaus gebracht
werden mußte. Er hatte eine ſchwere Kopfverletzung erlitten, anſcheinend
auch eine Gehirnerſchütterung. Geſtern abend gegen 8,30 Uhr ereignete
ſich auf der Frankfurter Straße an der Kaſtanien=Spitze, in der Nähe
der Wirtſchaft Zur Republik, ein ſchwerer Verkehrsunfall. Der etwa
Tjährige Knabe Hay, Sohn des Chauffeurs Hay, lief über die Straße
und achtete dabei nicht auf ein daher kommendes Motorrad. Der Motor=
radfahrer
, Raiß aus der Helwigſtraße, war nicht mehr imſtande, aus=
zuweichen
oder zu halten. Das Kind kam unter das Rad, der Fahrer
ſtürzte. Beide wurden in die Wirtſchaft Zur Republik gebracht, wo
dann Dr. Schad die erſte Hilfe leiſtete. Das Kind hat eine leichte Ge=
hirnerſchütterung
, der Fahrer trug neben ſchweren Kopf= und Arm=
verletzungen
eine ſchwere Gehirnerſchütterung davon. In den letzten
14 Tagen iſt hier kaum ein Tag ohne Unfall verlaufen, wovon bekannt=
lich
allein drei tödlich ausgingen. Die Beiſetzung des bei Rüſſels=
heim
tödlich Verunglückten, des Viehhändlers Albert
Hirſch, fand geſtern nachmittag unter ſehr großer Beteiligung von
fern und nah auf dem israelitiſchen Friedhofe zu Groß=Gerau ſtatt.
Unter den Trauergäſten befanden ſich viele aus Mainz, Darmſtadt und
Frankfurt. Die Zahl der am Friedhof aufgefahrenen Autos betrug über
30. Die Grabrede hielt ein Rabbiner aus Mainz, der in herzlichen
Worten die Bedeutung Hirſchs als Geſchäftsmann und Menſch pries.
Welche Stellung er im Wirtſchaftsleben ſeiner Heimat eingenommen
habe, ergebe ſich daraus, daß er im Kriege mit der Verſorgung des
ganzen Kreiſes betraut wurde. Zu dem Unfall ſelbſt erklärte der Red=
ner
, er wolle an dieſer Stelle nicht die Schuldfrage unterſuchen; es ſtehe
aber feſt, daß ein Weſen in der Welt heute nicht mehr viel bedeute.
Um Geld zu ſparen, opfere man Menſchenleben. Kränze wurden
niedergelegt vom Krieger= und Militärverein Groß=Gerau, von einem
Vertreter der Reichsbahndirektion Mainz und anderen. Am
Grabe weillen außerdem Vertreter des Reichs= und Landesverbandes der
Viehhändler; die Behörden waren vertreten durch Kreisdirektor Dr.
Merck=Groß=Gerau und Bürgermeiſter Dr. Lüdecke.

[ ][  ][ ]

Nummer 144

Sonntag, den 26. Mai 1929

Seite 7

6S. Perbandstag des Verbandes
der beſſ. landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften.

Der diesjährige Verbandstag der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften war aus allen Teilen des Landes ſo zahlreich beſucht,
daß der Saalbau kaum die Delegierten und Genoſſen zu faſſen ver=
mochte
. Verbandspräſident Molkereidirektor BilI=Oſtheim eröffnete
die Tagung mit einem kurzen Ueberblick über das Jahr 1928, das wohl
eine normale Ernte, aber nicht die erhoffte Beſeitigung der unerträg=
Achen Not der Landwirtſchaft gebracht habe. Die Bemühungen der
Reichsregierung und der Landesregierungen beim Notprogramm müßten
anerkannt werden, doch ſei ohne einen angemeſſenen Zollſchutz und die
genoſſenſchaftliche Hilfe die Erhaltung eines freien und ſelbſtverant=
wortlichen
Bauernſtandes unmöglich. Er begrüßte die Ehrengäſte, unter
ihnen den heſſiſchen Wirtſchaftsminiſter Korell mit den Herren der Land=
wirtſchaftsabteilung
ſeines Miniſteriums, die Spitzen der Landwirt=
ſchaftskammer
, des Reichsverbands der deutſchen Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften, die Vertreter von Reichsbank, Preußenkaſſe, Heſſ.
Landesbank, der heſſ. Landwirtſchaftsämter, die Landtagsabgeordneten
Fenchel, Glaſer und v. Helmolt (Bauernbund), und die Vertreter be=
freundeter
Genoſſenſchaften. Die Verſammlung gedachte des verſtor=
benen
Führers der heſſ. Organiſation, Geh.=Nat Bichmann, und der ein
Menſchenalter im Dienſt der Genoſſenſchaftsorganiſation ſtehende Oeko=
nomierat
Hammann=Biebesheim, Rechner Naiß=Büttelborn und Rechner
Pickard=Dietesheim. Hierauf nahm
Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft Korell
das Wort zu einer längeren Anſprache, in der er u. a. ausführte:
Die landw. Genoſſenſchaften haben im letzten Jahr, namentlich in
Rheinheſſen, einen anſehnlichen Aufſchwung genommen. Ich teile nicht
die Auffaſſung; dieſe Entwicklung ſei zu ſtürmiſch, volkswirtſchaftlich
zu raſch. Richtig iſt aber, daß Genoſſenſchaftsweſen als Grundvoraus=
ſetzung
Nüchternheit und volkswirtſchaftliche Einſicht bedingt. Hierfür iſt
bei der ſtraffen Leitung Ihres Verbandsdirektors Berg ganz beſtimmt
geſorgt, und auch draußen im Lande wird es angeſichts einiger Fehl=
ſchläge
darauf ankommen, daß die örtlichen Genoſſenſchaftsleiter und
ihre 2Litglieder die wirtſchaftliche Nüchternheit und kaufmänniſch genaue
Rechnung ſtreng einhalten. Auf der anderen Seite kann ich die häufi=
gen
Einwände gegen die Ausbreitung der Genoſſenſchaftsidee nicht als
berechtigt anerkennen. Ich bin der Meinung, daß ſich mit der Nüchtern=
heit
, volkswirtſchaftlichen Einſicht und Ueberſicht paaren muß ein gut
Stück Begeiſterung für den wirtſchaftlichen, für den nationalen und für
den ſittlich=religiöſen Gedanken, der im Genoſſenſchaftsweſen liegt. Wenn
heute große Anternehmungen erklären, ſie könnten ſich im Weltwirt=
ſchaftskampfe
und im inneren deutſchen Wirtſchaftskampfe nur durch
Zuſammenſchluß behaupten, wie kann dann der kleinſte Produzent, der
Bauer, beſtehen, wenn er allein auf ſich geſtellt iſt und ſich nicht zu
gemeinſamem Ein= und Verkauf zuſammenſchließt. Ich weiß, daß be=
rechtigte
wirtſchaftliche Intereſſen anderer Stände ſich zurzeit dadurch
verletzt fühlen, daß die Genoſſenſchaftsbewegung ſo ſtark vorandrängt.
Ich glaube aber, daß bei einer Durchorganiſierung unſerer Bauernſchaft
mit Genoſſenſchaften die wenigen Teile der Volkswirtſchaft, die heute
mit Beſorgnis dieſer Entwicklung entgegenſehen, auch ihren berechtigten
Platz im Warenverkehr und =verteilung bekommen und behalten dürften.
In den Genoſſenſchaften hat aber der Bauer auch eine Urzelle ſeiner
nationalen Verbundenheit, die ſich dann leicht einfügen läßt in die gro=
ßen
Verbände des Zuſammenlebens und der Zuſammenarbeit. Was
aber das Wichtigſte iſt; es muß dahin kommen, daß der Bauer im
Bauern nicht ſeinen Gegner, ſeinen Feind ſieht, gegen den er zu kämp=
fen
hat, ſondern mit dem er zu kämpfen hat. Der Miniſter ver=
wies
dann auf das Beiſpiel der däniſchen Genoſſenſchaften, denen er in
nächſter Zeit einen Studienbeſuch abſtatten werde, und die vorbildlich
für ganz Europa ſein könnten. Durch die Temperaments= und Charak=
terunterſchiede
der deutſchen Stämme gehe die Entwicklung bei uns
natürlich langſamer vor ſich. Die Genoſſenſchaftsbewegung ſei für den
Bauernſtand eine wirtſchaftlich notwendige, national geſunde und eine
ſittlich wertvolle Einrichtung. Der Miniſter wünſchte den Genoſſen=
ſchaftern
für das neue Genoſſenſchaftsjahr ein herzliches Glückauf! ( Leb=
hafter
Beifall)
Stadtinſpektor Goſenheimer überbrachte die Grüße und
Wünſche des Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt und betonte den
ſchickſalsmäßigen Zuſammenſchluß von Stadt= und Landbevölkerung.
Nach Worten des Vertreters der Preußenkaſſe, Frankfurt a. M., Direk=
tor
Schotte, der zur Vorſicht am Kreditmarkt dringend mahnte,
ergriff
Verbandsdirektor Berg
das Wort zum Jahresbericht, aus dem wir unter anderem entnehmen:
Die Landwirtſchaft krankt an zwei Uebeln. Das eine iſt akuter
Natur, das ſind die Mißernten, das andere aber iſt chroniſch geworden,
das iſt der Wettbewerb der Landwirtſchaft mit beſſeren Böden, länge=
rem
Sommer, billigerer Arbeitskraft und beſſeren Abſatzmethoden, ſowie
der Verluſt der baren Betriebsreſerven durch die Inflation, die drük=
kenden
Steuer= und Zinslaſten und unverhältnismäßig hohen Löhne.
Weder dem einen noch dem anderen Uebel kann durch Kredit abgeholfen
werden. Auch mit den Schlagwörtern der Standardiſierung und
Dienſt am Kunden iſt der Landwirtſchaft nicht gedient. Die Abſatz=
frage
iſt wohl eines der Mittel, und zwar ein nicht unweſentliches, aber
die Vorausſetzungen, für ihre Auswirkung müſſen nicht zuletzt durch
ſtaatliche Maßnahmen geſchaffen werden. Das Notprogramm der Land=
wirtſchaft
hat außer der Bereitſtellung von Umſchuldungskrediten noch
Mittel bereitgeſtellt zur Förderung des Abſatzes und zur Vereinheit=
lichung
des Genoſſenſchaftsweſens. Hieraus ſind bedeutungsvolle= Aus=
gaben
für die genoſſenſchaftliche Organiſation erwachſen. Dieſelben
wurden in dieſer Richtung unterſtützt durch die zuſtändigen Reichsſtellen

und die Landesregierung. Die Umſchuldungsaktion hat in Heſſen nicht
den gewünſchten Erfolg gebracht. Die Geſundung der finanziellen Lage
muß von innen heraus kommen durch eigene Kapitalbildung. Für die
Genoſſenſchaften lautet die Forderung: Schafft Reſerven‟. Dies gilt
vor allem in der jetzigen Zeit der wirtſchaftlichen Unſicherheit.
Durch die Vereinheitlichung des landwirtſchaftlichen Genoſſenſchafts=
weſens
ſoll dieſes in die Lage verſetzt werden, bei der geſpannten Wirt=
ſchaftslag
: den Aufgaben der Finanzierung des landwirtſchaftlichen Per=
ſonalkredits
und des Warenumſatzes in den hierfür zweckmäßigen Orga=
niſationsformen
gerecht zu werden. Die dringenden Probleme der
Standardiſierung der landwirtſchaftlichen Produkte ſowie der Organi=
ſation
des Abſatzes der landwirtſchaftlichen Erzeugniſſe kann die deut=
ſche
Landwirtſchaft nur mit Hilfe eines vereinheitlichten Genoſſen=
ſchaftsweſens
erreichen. Eine Einheitsorganiſation in jedem Land,
ein Verband, eine Zentralkaſſe und eine Zentralgenoſſenſchaft iſt im In=
tereſſe
der Landwirtſchaft und der ländlichen Bevölkerung unbedingt
anzuſtreben.
Mit den übrigen Organiſationen unterhält der Verband freund=
ſchaftliche
Beziehungen und hat im Vorjahr Anregung zur Bildung des
Freien Ausſchuſſes der heſſiſchen Landwirtſchaft gegeben, der inzwiſchen
wiederholt tagte. Eine Zuſammenarbeit der verſchiedenen Intereſſen=
vertretungen
iſt unbedingt erforderlich.
Von den 40 369 ländlichen Genoſſenſchaften im Deutſchen Reich ſind
26 170, alſo 64,7 Prozent, im Reichsverband der deutſchen landwirt=
ſchaftlichen
Genoſſenſchaften vereinigt. Von dieſen 2 170 entfallen
12994, das ſind 49 Prozent, auf die Spar= und Darlehnskaſſen. Heſſen
hat hieran ein Anteil mit 445 Kreditgenoſſenſchaften, das ſind 42,5 Pro=
zent
des Geſamtbeſtandes. Die übrigen Genoſſenſchaftsgruppen neh=
men
im Gegenſatz zum Reichsdurchſchnitt einen größeren Teil, und zwar
545 Prozent, des Geſamtbeſtandes, in Anſpruch. Von den übrigen
haben die Abſatzgenoſſenſchaften für Milch und Obſt und Gemüſe im
Berichtsjahr ſtärkeren Zugang aufzuweiſen. Beachtenswert iſt die ſtarke
Intenſität des genoſſenſchaftlichen Warengeſchäfts, was allein aus der
verhältnismäßig großen Zahl von Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften
(377) hervorgeht.
Die Entwicklung der Kreditgenoſſenſchaften iſt als beſonders er=
freulich
zu bezeichnen, da ſie jetzt ſchon über 57,3 Prozent des Friedens=
ſtandes
an Spareinlagen und über 59,6 Prozent des Vorkriegsſtandes
an laufenden Rechnungseinlagen verfügen. Auch die Reſerven betra=
gen
bereits 57,4 Prozent des Vorkriegsſtandes. Die Kreditgenoſſenſchaf=
ten
haben ſich die Förderung des Kleinſparweſens beſonders angelegen
ſein laſſen. Eine wichtige Aufgabe erwächſt den Kreditgenoſſenſchaften
durch die Finanzierung der Abſatzorganiſation für landwirtſchaftliche
Erzeugniſſe.
Die Umſätze der Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften haben ſich auf
mindeſtens der gleichen Höhe wie im Vorjahre gehalten. Beſonders
bewährt hat ſich die Einführung der Düngertabellen, die den Landwir=
ten
Nichtlinien für eine zweckmäßige Anwendung von Kunſtdüngern
geben. Die Dreſchgenoſſenſchaften fanden angeſichts der guten Ernte
reiche Betätigungsmöglichkeit, das gleiche galt auch für die Winzergenoſ=
ſenſchaften
. Die Milchabſatzorganiſation wurde in allen drei Provinzen
ſtark vorwärts getrieben. Beachtlich iſt die Herſtellung von Marken=
butter
, deren Kontrolle der Verſuchsanſtalt landwirtſchaftlicher Genoſ=
ſenſchaften
als milchwirtſchaftlicher Prüfungsſtelle der Landwirtſchafts=
kammern
Damſtadt. Kaſſel und Waldeck übertragen iſt. Die neugegrün=
dete
Südweſtdeutſche Molkereizentrale e. G. m. b. H. Darmſtadt hat die
Aufgabe in Verbindung mit den übrigen vier gleichartigen Zentralen
des Reiches für die deutſche Molkereiproduktion wieder den Markt zu
erobern. Die Obſt= und Gemüſeverwertungsgenoſſenſchaften haben auch
im Berichtsjahre tatkräftig weiter gearbeitet und den genoſſenſchaftlich
organiſierten Landwirten nicht unerhebliche finanzielle Vortele ge=
boten
. Auch die Entwicklung der Baugenoſſenſchaften und der ſonſtigen
dem Verband angeſchloſſenen Genoſſenſchaften iſt durchaus befriedigend.
Wenn auch die Genoſſenſchaftsarbeit in erheblichem Maße dazu bei=
getragen
hat, die Lage der Landwirtſchaft erträglicher zu geſtalten, ſo
ſind doch dieſer Tätigkeit gewiſſe Grenzen geſetzt. Keinesfalls dürfen die
geſunden kaufmänniſchen Grundſätze außer Acht gelaſſen werden, ſonſt
kann demienigen, der hilft, mehr Schaden zugefügt werden als denieni=
gen
, denen geholfen werden ſoll. Vorausſetzung erfolgreicher genoſſen=
ſchaftlicher
Arbeit iſt das verantwortungsbewußte Mitwirken der Ver=
waltungsorgane
in den einzelnen Gemeinden. Dabei muß jede Ueber=
ſpannung
in der Anwendung des Genoſſenſchaftsgedankens vermieden
werden. Wenn an den geſunden geſchäftlichen und genoſfenſchaftlichen
Grundſätzen feſtgehalten wird, dann kann auch das Genoſſenſchaftsweſen
in der Zukunft Erſprießliches leiſten.
An dieſen Bericht des Direktors Berg ſchloß ſich eine Ausſprache,
in der Generalanwalt Gennes für die Begrüßung dankte und feſt=
ſtellt
, daß die Rentabilität der Landwirtſchaft nicht allein durch die Ab=
ſatzförderung
hergeſtellt werden könne. Notwendig ſei aber auch die
Unterſtützung der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe. Man müſſe
unbedingt zu einer Einheitsorganiſation der Landwirtſchaft kommen:
das gleiche gelte für das Genoſſenſchaftsweſen. Hier müſſen Garantien
gegeben werden, daß die Bereinigung auch in den Provinzen und Län=
dern
, wo die Hauptkriſtalliſationspunkte liegen, erfolge. Das däniſche
Genoſſenſchaftsweſen könne nicht unbedingt als Vorbild dienen, da dort
die Verhältniſſe anders liegen. Wir müßten in Ruhe weiterarbeiten,
wie dies in Heſſen bisher ſchon geſchehen ſei. Gutsbeſitzer Steuer=
nagel
=Alsfeld tritt dafür ein, daß Oberheſſen unter allen Umſtänden
bei der Löſurng der Vereinheitlichungsfrage unbedingt bei der heſſiſchen
Organiſation verbleibe, zumal Heſſen urſprünglich der Ausgangspunkt
des ländlichen Genoſſenſchaftsweſens war. Oberheſſen habe keine Ver=
anlaſſung
, eine gut fundierte und geſunde Genoſſenſchaftsorganiſation

zu verlaſſen. Oekonomierat Fritſch=Dilshofen berichtete über
ſeine Feſtſtellungen am Frankfurter Viehmarkt und empfiehlt, den Aus=
bau
des Viehabſatzes zu organiſieren. Der Markt müſſe auch mit hoch=
wertiger
Qualität beliefert werden. Gutsbeſitzer Korell= Boſen=
heim
macht den Vorſchlag, die Beſtellungen von Viehbezug in regelmäßi=
gen
Zeitabſtänden zu ſammeln, damit das Geſchäft regelmäßig durch=
geführt
werden kann. Oekonomierat Dettweiler= Laubenheim
weiſt auf die ſtarke Belaſtung der Genoſſenſchaften durch die Gewerbe=
ſteuer
hin und bittet den Verband um Ergreifung entſprechender Maß=
nahmen
; desgleichen betont Gutsbeſitzer Appel=Bubenheim die er=
hebliche
Mehrbelaſtung der Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften durch
den Hoprozentigen Abzug der Schulden bei der Gewerbeſteuer.
Verbandsdirektor Berg erwidert auf die Ausführungen über
eine eventuelle Vereinheitlichung mit der Naiffeiſenorganiſation, daß in
Heſſen noch keine Verhandlungen gepflogen wurden. Die Löſung des
Frage erſcheine ihm nicht ſchwierig, da der heſſiſche Verband über einz
weitaus größere Zahl von Genoſſenſchaften verfüge als Raiffeiſen; er
muß nach den Nichtlinien zur Aufnahmeorganiſation werden. Die Ueber=
nahme
finanzieller Laſten dürfe jedoch hiermit nicht verbunden ſein.
Generalſekretär Dr. Strub beſtätigt die ſtarke Mehrbelaſtung durch
die Neuregelung der Gewerbeſteuer. Die Kreditgenoſſenſchaften ſeien
als Sparkaſſen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, anzuſehen und
deshalb von der Gewerbeſteuer freizuſtellen. Wo Veranlagung erfolgt
ſei, müſſe in jedem Einzelfall Einſpruch erhoben werden. Eine Er=
leichterung
für die Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften könne nur ge=
ſchaffen
werden durch Geſetzesänderung. Hierzu müſſe die Hilfe der
wirtſchaftspolitiſchen Parteien in Anſpruch genommen werden. Darauf
ſchloß der Vorſitzende die Ausſprache.
Profeſſor Dr. Gerloff=Frankfurt a. M. hielt anſchließend ein
intereſſantes Referat über:
Finanzpolitiſche Gegenwartsfragen.
Er ſtellte zunächſt die Steuergebarung von England und Amerika in
Vergleich zu Deutſchland. Dort halte man zu hohe Steuern für ſchäd=
lich
für die Kapitalbildung. Die Lage in Deutſchland ſei bekanntlich
ſehr gedrückt. Redner erläutert im einzelnen den Reichsetat für 1929,
der 10 Milliarden betrage, und beſprach die einzelnen Poſitionen. Seit
1924 ſeien alle Etatsziffern in kräftigem Steigen begriffen. Er wies
auf den Fehlbetrag von 500600 Millionen hin. Im einzelnen behan=
delte
er die Einkommenſteuer. Während in Amerika ein Zwanzigſtel
der Bevölkerung an der Einkommenſteuer beteiligt iſt, ſeien es in
Deutſchland ſieben Achtel der Bevölkerung. Dort ſeien Einkommen
von 1500 bis 2500 Dollar für Verheiratete ſteuerfrei, 4000 Dollar wür=
den
mit 1,5 Prozent (1) belaſtet, die folgenden 4000 Dollar mit 3 Pro=
zent
. Die Maximalſteuer betrage 25 Prozent. Dies ergebe das Bild,
daß 88,5 Prozent der Bevölkerung ſteuerfrei ſeien, während 11 Prozent
fünf Prozent des geſamten Steueraufkommens tragen, und der Reſt
des Steueraufkommens, alſo 95 Prozent, von 5 Prozent der Bevölke=
rung
(großen Geſellſchaften uſtp.) beſtritten werde. In Deutſchland
habe eine erhebliche Umlagerung des Vermögens ſtattgefunden. Redner
kam nun auf die Realſteuern, Steuern für Grundbeſitz und Gewerbe=
betriebe
und ſchließlich auf die Deckungsmaßnahmen für den Fehlbetrag
im Reichshaushalt zu ſprechen. Mit der Hoffnung, die Genoſſenſchaften
mögen ſich in der ſeitherigen Weiſe weiter entwickeln, ſchloß Referent
ſein ſehr beifällig aufgenommenes Referat. Eine Diskuſſion ent=
ſpann
ſich nicht.
Es wurde nunmehr Punkt zwei dee Tagesordnung behandelt.
Generalſekretär Dr. Strub brachte die Jahresrechnung und Bilanz
zur Vorlage und erläuterte die einzelnen Poſitionen. Die Prüfung
der Jahresrechnung wurde durch die hierzu beſtimmte Kommiſſion vor=
genommen
und hatte keine Beanſtandungen ergeben. Der Ueberſchuß
ſoll dem Vorſchlag des Verbandsausſchuſſes entſprechend verteilt wer=
den
. Der Punkt fand einſtimmige Annahme. Desgleichen wurde unter
Punkt 3 der Tagesordnung die Entlaſtung des Verbandsdirektors und
des Engeren Ausſchuſſes bezüglich der Geſchäftsführung und Jahres=
rechnung
für 1928 ausgeſprochen. Dem Präſidenten wurde für ſeine
aufopfernde Tätigkeit der Dank der Verſammlung ausgeſprochen. Da
keine weiteren Wortmeldungen vorlagen, wurde gegen halb 2 Uhr die
Tagung, die in allen Teilen einen ſehr guten Verlauf genommen hatte,
geſchkoſſen.
Deutſche Inſekkenforſcher=Tagung in Gießen.
h. Gießen, 24. Mai.
Im Hörſaal der Landesuniverſität begann die dritte Wander=
verſammlung
Deutſcher Entomologen oder Inſektenforſcher. Begrü=
ßungsenſprachen
hielten: der Vorſitzende Dr. M. Dingler vom hieſigen
Forſtinſtitut, Univerſitätsrektor Prof. Dr. Herzog, Forſtrat Schuſter vom
Reichsernährungsminiſterium Berlir, Staatsrat Landforſtmeiſter Heſſe
namens der heſſiſchen Regierung, und Beigeordneter Dr. Hamm namens
der Stadt Gießen. Profeſſor Dr. Borgmann vom Forſtinſtitut Gießen
ſprach über praktiſche und angewandte Inſektenkunde. Sekretär Dr.
Horn=Berlin teilte in ſeinem Geſchäftsbericht mit, daß die Schaffung
eines Entomologiſchen Inſtituts für internationalen Dienſt nebſt Bib=
liothek
beabſichtigt ſei. Dem bekannten Ameiſenforſcher Pater Profeſſor
Dr. Wasmann=Aachen ſoll anläßlich ſeines 70. Geburtstages eine Feſt=
ſchrift
überreicht werden. Hieran ſchloſſen ſich die wiſſenſchaftlichen
Vorträge über alle Gebiete der Inſektenkunde und Inſektenforſchung,
über Sammlungen, Schädlinge, Verwandlung Bau, Färbung, uſw.
Heute nachmittag erfolgte eine Fahrt nach Wetzlar zur Beſichtigung
der Optiſchen Werke von E. Leitz. Heute abend fand im Geſellſchafts=
hauſe
ein Feſteſſen, zu Ehren der etwa 20 Gäſte ſtatt, es wurde von
der Stadt und der heſſiſchen Regierung geboten. Mit Rückſicht auf
den Tod des Stadtverordneten Profeſſor Dr. Krausmüller hatten
mehrere ſtädtiſche Vertreter abgeſagt. Die Begrüßung der Stadt ſprach
Bürgermeiſter Dr. Seib aus. Eine große Inſekten=Ausſtellung iſt im
Phyſiologiſchen Inſtitut eingerichtet. Die ſehenswverten Sammlungen
umfaſſen Inſekten der verſchiedenſten Weltteile und der verſchiedenſten
Arten. Da die Ausſtellung unentgeltlich geöffnet iſt, erfreut ſie ſich
eines guten Beſuches. Die Tagung nimmt nächſten Sonntag mit einem
Ausflug in den Vogelsberg ihr Ende.

Länder- und Städtewappen aller Erdteile in Gold- und Silberdruck: Die FREUDE des KURMARK-RAUCHERS.
bebet mil mir die Hand zum.
HURMHRK-GRUSSI

Unfer diescm Erkennugs-Zeichen.
babet. Ihr mich für mirdig gehalfen)
Suer Führer zu. scin.
Merfter Gieserd. Sckdenntnderkeichen
seib Ihr unlöslich verbunden
in Vertrauen und Treue
zu. der Cigareffe

KURMERK

SPEZ/AL-MAZEDONEN-MISCHUNG

Kuut

Als Repräsentationspackung für Geschenke und Feste, den Rauch- und Schreibtisch fordern Sie KURMARK-FRIVATPRCKUINC- Cohne Preisaufschlag)

IV 7372

[ ][  ][ ]

Seite 8

Gonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

Die schönste

TAMMIOTAEEISOlS

finden Sie immer wieder bei

I9
EN

Heinr. Luckhardt
Bchulstraße 7 (8958) Telefon 221

Maßkei-Schnelz-
(VI.8913
Zugwagen
Gen.-Vertr. Hugo Dettmer, Frankturt
a. M., Schillerplatz 7, Tel. Römer 1866

Krafrfagrſchute
Aral-Tankstelle daragen
(8743a
Richard Buſch
Telephou 2515 Lauteſchlägerſtraße 30.

Beiladung
Mannheim, Heidel=
berg
, Frankfurt,
Offenbach j. Woche
23 mal. Auch Um=
züge
werd, prompt
ausgeführt. Herzog
Steinackerſtraße 18.
Tel. 4165.

Sämtl. Anſtreicher=
arbeiten
werd. gut
und billigſt ausge=
führt
. Anfr. unte=
F. 5 a. d. Gſchſt. (*

Wichtig f. Schneide=
rei
u. Weißnähen!
Kordinieren
Stoffkanten aller
Art. Einkandeln v.
Spitze in Wäſche,
Applikation Dehn.
Kaſinoſtr. 12, III. (*

Gewiſſenhafte
Fahrradreparaturen
ſchnellſtens bei bil=
ligſter
Berechnung.
Carl Lorſch, Fahr=
zeuge
, Rep.=Werkſt.,
Pankratiusſtr. 2½4,
Tel. 1613. (8394a

Größte Produk-
tion
der Welt,
daher staunend
niedrigstePreise
durch die Generalvertretung
der Opelwerke
Haas & Bernhard
Rheinstr. 19 (8365a

Lattänneren vermichenn

Hausbau
5X4 Zim., zu verg.
Preis p. cbm Rauh=,
Back= u Tuffſtein a.
10 P. Offert. unter
E. 81 Geſchſt. (*

Gratis
lernen Sie ſchreiben
bei Kauf einer
Schreibmaſchine
auf Raten 4 3.75
Anfrag, unt. E 110
an die Geſchäftsſt.

4057a)

Gg. Thiele, Obergasse 32

Abnehmer
für täglich 100130
Liter Vollmilch geſ.
Angeb. unt E. 121
a. d. Geſchäftsſt.

Polierte und eichene
Schlafzimmer
Speisezimmer
Küchen
nur Qualitäts-Arbeit, neueste Modelle
Möpel-Hederle
10 Mathildenplatz 10 8809a

Ke

Bauu IHriner

fInden Sie in
grosser Auswahl
biligsten Preisen
bei
MeePosker

Ecke Frankfurter- u. Land-
wehrstraße
, Telephon 4453.
Beachten Sle meine 2
Schaufenster, (8740b

B.S.A New Imperial Vertreter: Baumert Darmstadt
3141a
ZAufklärungs-Tage
Montag, 27. Mal 1929 und
Dienstag, 28. Mal 1929
Kostenlose Beratun

Miele-Herke A.-G.
Geschäftsstelle Darmstadt.
Unsere Büro- und Lager-
räume
befinden sich seit
dem 15. Mai in unserem
Neubau, gegenüber dem
Hauptbahnhof. (Tel. 1543)

TEEPIIZ!
Echte XAPONGE 2 St. Mk. 6.40 einſchl.
1 Pak. Anſatztee frko Nachn geben ca. 300 Ltr.
Getränk. Verblüffende Wirkung bei Arte=
rienverkalk
., Gicht, Rheuma, Abgeſpannth.
Extrakt=Werk, i. Schöna, Sächſ. Schweiz. (IV.526

Kinderwagen-Verdeche

werden tadellos neu bezogen.

(4610a

Sattlermeiſter,
Karl Möser, 7. Ramſtädterſtr.2r.

8737
Wegen Aufgabe des Artikels
eine Anzahl neuer
Herren-Fahrräder
Spottbillig zu verkaufen.
Fr. Spengler, Darmstadt
Mornewegstr. 29 (8883b) Ahastr. 24

gebraucht, gut
Motorräder erhalten, verk.

Baumert Erbacherſtr. 1

Tel. 4374, (25122

MerFFEäfNt inSFräf
esnest GKRMNSTKOTT

Erstes und ältestes
pezialunternehmen
am Platze.
Rat u. Auskunft in
allen Angelegen-
heiten
(7703a

und Fußuntersuchung
(*908
durch den Pedisana-Fußspezialisten im
Schuh-
haus
Heintten Benonberger
Darmstadt
Nieder-Ramstädterstr. 22

Es gibt keine Situation, in der Sie nicht Ihren
Tatrac vollständig in der Hand haben. Sie
fahren in ihm so sicher und bequem, als säßen
Sie zu Hause in Ihrem Kubsessel.
Lassen wir aber Tatrac-Besitzer selbst
sprechen:
..: die wunderbare Schwingachse gestattet
auf den schlechtesten Straßen ein wundervoll
ruhiges Fahren."
:.. der Wagen liegt glänzend in den Kurven,
und in recht schwierigen Situationen hat er
noch nie die Neigung zum Schleudern ge-
zeigt
."
Also absolute Sicherheit, deren Wert man
nicht hoch genug einschätzen kann, dazu ein
Grad von Wirtschaftlichkeit, der selbst einen
höheren Preis rechtfertigte, es ist schon so,
der Tatrac ist der Wagen des weitsichtigen
DerTatras Auto-Käufers.
kostet mehr Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an, wann
und ist wir Ihnen den Tatrac vorführen dürfen. Aus-
doch
billiger führliche Druckschriften erhalten Sie auf An-
frage
prompt, beides unverbindlich.
Die Adresse ist:
DETRAIFRANKFURT A. MAIN
Franken-Allee 98/ro2,Fernruf Maingau 70471

Kdhlanlagen
maſchinell und vollautomatiſch arbeitend in jeder Größe für
Gewerbe ſowie Milchwirtſchaft Kein Amoniak, Schwefel
uſw. vollſtändig geruchlos 0,5-1 Atm. Betriebsdruck
liefert bei 202 Anzahlung bis zu 28 Monate Ziel.
Anfragen erbeten unter Z 139 an die Geſchäftsſtelle.
7898b
Vertreter gesucht!
Bauſtoffe aller Art
wie Zement. Schwarz= u. Weißkalke,
Tonrohre, Dachpappe, Ziegel.
waggonweiſe und ab Lager. (7862a
Guſtav Groß Nachf.
Bismarckſtr. 17. Teleph. 3110,

Schleifen und
Reparaturen
jämtlich. Stahlwaren
Verſand nach aus=
wärts
.
Hohlſchleiferei
Carl Ziegler
Rheinſtr. 51, (4665a

Katzen-
u
. Hunde=Kloſetts,
geruchlos. Proſpekt
Nr. 32frei. A. Schmidt
Dresden 1, Annen=
ſtraße
10. (IIDr5828

Ruckſack mit Wäſche=
ſtücken
verloren Ar=
tilleriekaſ
. bis Poſt=
amt
Hermannſtr geg.
Abgabe Fundbüro,
Hügelſtraße.

583 Zim.Haus
in gutem Zuſtand.
Preis 13 000 . b.
4000 Anzahlung
ſofort zu verkaufen.
Offerten unt. E. 82
a. d. Geſchäftsſt. (*

Einfamilienhaus
ſofort beziehbar, 7
Zimmer, Bad und
Zubehör, ca. 500 qm
Garten, NähePaulus=
kirche
Preis 45000 .
Anzahlg. Vereinbar
Ang. u. E 83 Gſchſt. /*

mit größ. Grabgarten
(auch Baugelänge)
mit Scheuer u. Stal=
lung
(für Hühnerfarm
geeig.) billig zu vert.
Wohnung vorhanden.
Näh. Geſchäftsſt. (*8g

Haus
m. Hinter= od. Ne=
bengebäuden
in der
Nähe d. alt. Bahn
hofs od. Umgegend
kaufen geſ Agen=
ten
zweckl. Gfl. An=
geb
. unt E. 119 an
die Geſchäftsſt.

Hoherodskopf
im Vogelsberg.
Jägerheim
Landhaus des Vo=
gelsberger
Höhen=
Club (VHC.) 767m
ü. d. M. Sommer=
friſche
u. Wochenend
f Familien, 6 voll=
ſtändig
eingerichtete
Räume (4 Schlafz.)
Kochgelegenh., tag=
liche
Miete ganz 10,
geteilt 5 RM. An=
fragen
an die Ge=
ſchäftsſtelle
d. VHC.
Schotten, Fernr. 56.
(Nfs783)

Zigarren
Kolonialwaren
od. ſonſt. Geſchäft zu
kauf. od. miet. geſ.
ev. auch Übernahme
ein. Bäckereifiliale
Angeb. unter E. 56
a. d. Geſchäftsſt. (*

Beit, deiegenbersskadt
Eine Lautſprecher=Anlage m. 5 Röhr.=
Verſtärker, Lenzola=Lautſprecher, weg
Platzmangel m. 15% unter Fabrik=
Netto=Preis abzugeb. Raſch entſchloſſ.
ernſth. Reflekt. unter B 101 an die
Geſchäftsſt. erbeten.

K
Imperia=Motorräder
500 ccm Sport
ſtabil, raſſig und dabei ſtaunend billig,
kaufen Sie nur bei (8709a
Darmſtadt
Benz & Comp., Grafenſtraße 20/22
Zorführung jederzeit! Ratenzahlung geſtattet!

Selbstgekelterten,

glanzhellen

50 Pfg. die Flasche
Johannisbeerwein suß, Fl. 90 3
Obstschaumwein Fl. Mk. 2.
Deutscher Weinbrand
von 3 Mk. an
Lwetschennasser, Kirschnasser
Arrak, Rum, Liköre
in Flaschen und ausgemessen
Hatürliche Mineralwasser
aller gebräuchlichen Brunnen
Vilbeler Elisabethenguelle
/, Flasche 22 Pfg.
Kalser Friedrich-Queile
/, Flasche 40 Pfg. 11544a
Martin Jahn
Pallaswiesenstr. 30 Tel. 305

5 Zimmer-
Etagenhaus
in der Friedrichſir., in gutem, baulichem Zu=
ſiand
, zum äußerſten Preis von Mr. 26 000
bei einer Anzahlung von Mk. 8 10 000 ver=
käuflich
. Näheres über Verkaufsbedingungen
durch den Alleinbeauftragten
Berdn. Braun
Immobilien=Verwertung (*gi
Karlſiraße 66
Fernruf 517

Wer Grundbesitz
Villa od. Wohnhans, Geſchäftshaus
jeder Art, wie Wirtſchaft, Bäckerei,
Metzgerei uſw. diskret und gut kaufen
oder verkaufen will, der wende ſich an
die Immobilienfirma
Weber & Götz
Darmſtadt, Viktoriaſtraße 85 (2270a

Gaſtſtäkte
auf dem Lande bei
68000 Anz. zu
kaufen geſ. Preis=
off
. an Gutes Gaſt=
haus
poſtl. Offen=
bach
a. M. (8837b
Haus geſucht ( Ein=
fam
. oder Etagen)
mit bald od. ſpäter
freiwerd. ca. 5 Zim.
part. oder 1. Stock.
Angeb. mit Lage,
Preis, Anzahl., Be=
laſtung
u. F. 3 an
die Geſchäftsſt. (*

Beſſ. Ekagenhs.
vierſtöckig. 1. Stock
4 Zim, u. Nebenr.,
für Käufer frei, zu
verkauf. Feſt. Preis
30 000 Mk. (8616a
Näheres durch das
Immobilienbüro
Auguſt Brück,
Schützenſtraße 8, I.
Telephon 1778.

Geſchäftshaus
Nordviert. geſ.(*
Off. u. E.70Geſch. (*gi

[ ][  ][ ]

Die inneren und äußeren Weißbinder=
arbeiten
, ſowie die Glaſerarbeiten bei
der Errichtung von 30 Einfamilien=
Häuſern am Philipp=Röthweg ſollen
auf Grund der Reichsverdingungsordnung
vergeben werden.
Die Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtr. Nr. 30
I., Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis Samstag, den
8. Juni 1929, 10 Uhr, einzureichen.
Darmſtadt, am 25. Mai 1929. (st8950
Städt. Hochbauamt.

Betreffend: Zwangsverſteigerungsver=
fahren
bezüglich desGrund=
ſtückes
der Eheleute Louis
Oppenheimer und Cäcilie
Oppenheimer geb. Lorſch
in Darmſtadt, Wendel=
ſtadtſtraße
26. (8955
Beſchluß.
Das Verfahren K.: 1/1929
wird einſtweilen eingeſtellt. Der Ver=
ſteigerungstermin
vom 28. Mai 1929
wird aufgehoben.
Darmſtadt, den 23. Mai 1929.
Heſſiſches Amtsgericht I.

Heſſen.
Stammholzverſteigerung des
Seift. Borſantd Morfervell.
Am Dienstag, den 18. Juni 1929,
von vormittags 9 Uhr ab, werden
zu Mörfelden (Bahnſtrecke Frankfurt
Mannheim) im Gaſthaus zum Saalbau,
Bahnhofſtr. 5, bei Avemary, folgende
Stammhölzer verſteigert (Klaſſierung
nach Homa):
Eichen=Abſchnitte:
Güteklaſſe A
Kl. 3: 5 Stück 3,20 fm, Kl. 4: 12 St.
13.45 im, Kl. 5: 13 St. 16,19 fm,
Kl. 6: 4 St. 7,42 fm.
Güteklaſſe N
Kl. 1: 2 Stück 0,45 fm, Kl. 2: 124 St.
40,54 fm. Kl. 3: 181 St. 102,92 fm,
Kl. 4: 159 St. 143,28 Im, Kl. 5: 61
St. 74,12fm, Kl. 6: 27 St. 52,81 fm.
Güteklaſſe R
Kl. 4: 1 Stück 0,56fm, Kl. 5: 1 St.
0,99 fm, Kl. 6: 2 St. 2,99 fm.
Eſchen=Abſchnitte:
Güteklaſſe N
Kl. 1: 3 Stück 0,60 fm, Kl. 2: 22 St.
6,05 im, Kl. 3: 8 St. 4,38 im,
Kl. 4: 4 St. 2,86 fm.
Erlen=Abſchnitte:
Güteklaſſe N"
Kl. 2: 1 Stück 0.49 fm.
Linden=Abſchnitte:
Güteklaſſe N
Kl. 3: 3 Stück 1,80 im, Kl. 4: 1 St.
0,38 fm.
Kiefern=Abſchnitte:
Güteklaſſe A
Kl. 3a: 1 Stück 1,03 fm, Kl. 3b: 7 St.
8,93 im, Kl. 4a: 4 St. 4,82 fm,
Kl. 4b: 2 St. 2,61 im, Kl. 5: 3 St.
5,04 im, Kl. 6: 1 St. 1,81 fm.
Güteklaſſe N
Kl. 2a: 229 St. 89,21 fm, Kl. 2b 300
St. 164,90 im, Kl. 3a: 139 St.
101,00 fm, Kl. 3b: 48 St. 42,99 fm,
Kl. 4a: 19 St. 23,16 fm, Kl. 4b: 10 St.
13,00 fm, Kl. 5: 9 St. 15,08 im.
Fichten=Abſchnitte:
Güteklaſſe N
Kl. 1a: 11 Stück 1,59 im, Kl. 1b: 9
St. 2,99 im, Kl. 2a: 1 St. 0,58 fm,
Kl. 3a: 2 St. 1,80 fm, Kl. 4b: 1 St.
1,21 im, Kl. 5: 1 St. 1,27 fm.
Stammauszüge liefert das Forſtamt
gegen 2 RM. Das Holz iſt ohne Rinde
gemeſſen. Das Nadelholz iſt entrindet.
Günſtige Abfuhr, ebene Lage. Entfer=
nung
zur Station Mörfelden bis 4 km.
Leiſtungsfähige Fuhrleute am Ort Mör=
felden
. Nähere Auskunft erteilen das
Forſtamt und die Herren Förſter Vög=
lin
zu Forſthaus Schlichter, Sommer=
lad
zu Forſthaus Wieſental, Löſch zu
Forſthaus Apfelbachbrücke bei Mörfelden.
Zur Beſichtigung wird auf Wunſch
Führung geſtellt. Anmeldung hierzu bis
ſpäteſtens vormittags des Tages vorher
erbeten (Telephon Mörfelden Nr. 1).
Außerdem kommt zum Verkauf: Ein
auf einem kameralfiskaliſchen Baugrund=
ſtück
in der Ortſchaft Walldorf bei Mör=
felden
in der Kelſterbacher Straße zwi= Habe billig abzug.
ſchen den Häuſern Nr. 58 und 62 lagern= /1 Gasherd, 3fl.,
der Wallnußſtamm von rund 2,40 m
Länge und rund 0,70 m Mittelſtärke (mit / 1 Gaskoch., 3fl.
Rinde), Wurzelanlauf und Aeſteanſatz
ſind am Stamm belaſſen (Maſerholz), /1 Gasherd, 4fI.
Den Stamm zeigt vor Güteraufſeher / 1 Kohl,Badeof. 25.-
Jakob zu Walldorf, Ludwigſtr. 61. 1 Zinkbadew. 18.
Mörfelden (Kreis Groß=Gerau), den / 1 Kloſettſitz.
24. Mai 1929.
(8951
Heſſ. Forſtamt Mörfelden.

FAHRRADER
zu 59. 68. 19., 98,,
110., 119., 124. usw.
Besondere Vorteilei
Höchste Leistungstähigkeit,
spielend leichter Laut,
bezaubernde Geschmeidigkeit!
Sie kaufen nirgends besser und
billiger als bei mir!
Günstigste Zahlungsweise!
FR. GüTTING
Schuchardstr. 10 8939

Am Dienstag, den 28. Mai 1929,
vorm. 9 Uhr, verſteigere ich an Ort
und Stelle in Griesheim b. D. im
ſokal Obendorferſtraße 23 folgende
Pfänder zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 Kaffeemaſchine (Expreſſo),
1 bofa, 4 2hete.
Verſteigerung beſtimmt.
Darmſtadt, den 25. Mai 1929. (8928
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.

Schuhe färben
kein Vernichten des Gerbſtoffes
kein Anſtreichen der Schuhe
Jacob Hörr, Karlſtraße 57
5154a

WENN DIE WARE NICEIT ENTSBRICHT.
Bestellen Sie! Kas
UND SIE WERDEN BEGEISTERTERHAMTNER-KUIND

Nr.
Dessin-
15 Wischtücher, rot oder blau kariert, Gr.
45/45 em
p. Stek, ,16
12 Küchenhandtücher, Gr. ea. 44100 em ,20
41 Vorgezeichn, Klssenplatten, in Richelfen
ans Haustuch od. Linon, dr. ea. 4050 cm w HEr M.,Z5
M Frottéhandtücher, weiß mit farb. Streifen,
wasch- and kochecht, ea. 40180 om
B Ungebl. Baumwolltuch (Roheret.), ea.
70 cm breit
v.m ,33
17 Hemden- u. Blusenzefir, gute Strapazier-
ware
, farb. gestr., pr. Onal., ea. 70 cm br. G0
21 Hemdentuch. gute Onalität, ea. 80 qm
breit
vinz. 42
4 Ungebl. Baumwolltuch, starkfädig und
kräftig, fast unverwüstlich

B Baumwoll-Mousseline, in sehr schönen,
dezent. Must., zwet- u. mehrfarb., 8 cm
breit
.. 46
B Welßes Baumwolltuch, für gute Bett-
wäsche
u. sonst. Stücke geeig., pr. Oual, 0Z
18 Schürzenstoff (auch für Kleider geeig.),
schön gedruckte Muster, waschecht
. ,65
2 Kissenplatten, vorgezeich., aus Richellen,
aus Hanst. od. Halbleinen mit Stlekg, p. Stek. 00
m Stangenleinen (Dimiti), Streifsat- ea.
30 om breit
69

Mechan. Weberel
TV 4046

H.
29.
46

p. Stek.

Nr.
Dossln=
2 Klssenplatten, vorgezeich., in Rips, nur
in braun mit dazugehörig. Stickseide p. Stck.
N Damenhemden, Trägerf. mit Bogen Eins.
u. dekor, schön. dez. Fältch., gute Oual.
* Paradekopfkissen, aus schneew. gebl.
starkf. Linon, beste Strapaziergnal.,
mit ea. 8 em breit. Einsatz aus guter
Stickerei. Größe 80/80
643 Waschsamte, echtf., f. Damen- u. Kinder-
kleidung
. in viel. Farbtön., ea. 70 cm br. p. m
26 Tischdecken, weiß, damastartig merceri-
siert
, Gr. 130/160 cm
M Herrennachthemden, mit Ausschn. aus pr.
strapazierfähig. Renforoe, geschmackv.
mit farb. waschecht. Bordüren besetzt
143 Tischgedeck, 7teilig, gebleicht, mereeri-
siert
in lila, gold u. blau. 130/160 cm
2 Trikotklefd, Rock n. Pnll., m. Gürtel n.
2 Tasch., gut strapazierb., auch best-
k
. Sport u. Reise geeig. 1. versch. Farb.,
blau, grün, rosenh.
M3 Relsedecken, als Schlafd. zut geeignet,
Baumw. mit Kunsts. verarbeit., sehr
mollig, kann gut als Ersats f. reine
Wolle verw. werd., Grand kamelhaarf.,
aparte Neuheit, ganz bes, zu empfehl.
Fordem Sie uns. Katalog, den wir Ihnen kostenlos

,95
,95
1,50
1,64
2,50
3,95
3.95
4,95
6.
zusena.

Aar Aalläfdirn

Wir erlauben uns, unsere werte Kund-
schaft
darauf aufmerksam zu machen,
daß unser über 50 Jahre bestehendes
MSbeltransport- Spedi=
Hions- und Lagerdeschäft
verbunden mit
Abteilung für Wohnungs-
kausch
und Wohnungs-

in unveränderter Weise unter der
seitherigen Leitung weitergeführt wird.

AOTAA
Möbel- u. Kunstgewerbehaus GmbH.
Fernspr. 209 DARMSTADT Elisabethenstr. 34

8945

Junk. & Ruh 24.
mit Tiſch
3.
(Alkoda) . 1:
Ludwig Kling
Inſtallationsgeſch.,
Luiſen=Straße 2. (*

Laden=
Einrichtung

ſpeziell für
mittelgeſchäft
verkäufl. Näh.
Ferdinand B=
Karlſtraße 66
ruf 517.

Wenn Sie
zunächlt noch rechnen müllen
dann kaufen Sie unbedingt
gegenbequene Ratenzahlung

Sehr gut erhaltenes
DeRad
m. el. Licht. Sozius
uſw., preiswert zu
verk. Anzuſeh. heute
Heinrichſtraße 44. (* Manderer
das beſte deutſche
Fahrrad kaufen Sie
zu Fabrikpreiſen bei
Donges & Wieſt,
Eliſabethenſtr. 25½
(8042a Fahrräder
nirgends billiger
und beſſer wie bei
Donges & Wieſt,
Eliſabethenſtr. 25½.
(8041a DT Ze N

Hausfrauenbund.
Kleiderſt., Woogs=
platz
3, Verkauf u.
Annahme v. guterh.
Kleidern, Schuhen,
Wäſche für Frauen,
Männer u. Kinder.
Geöffn. Mont. Mitt=
woch
u. Freitags v.
10-12 u 3-6. (2667a

Motorrad N.S.II.,
4 PS., ſehr gut erh.,
billig zu verk. An=
zuſ
. Sonntg. 12-
Gr.=Gerauerweg 7.*

puleite
makrahen
von 12 an. Beſ
Anfertig, innerhalk
24 Std. v. 14 an.

Schoner-
ſecken

von 6 an.


Auflege=

makrahen
einteilig . . 18 ,
dreiteilig mit Keil,
Wollfüllg., 29.50 .

Mekallbekk.
von 20 an.
Holzbettſtellen .
1½ſchläfig, fertig
lackiert . . 39.50
Nachkkiſche
17, . lack, 18.
Ohne Aufpreis
werden alle ge=
wünſcht
. Möbel=
ſtücke
paſſ. lack.
Möbel-Berkrieb
Rob Heerwagen
Grß. Ochſengaſſe 10.
Verkaufe nur
neue Mobel. (*

Hof in Bayerna 171

Landwirkſchafl. Sachausſchuß
beim Arbeitsamt Darmſtadk.

Fortzugshalber
Verkauf Dienstag
weißlack. Bett.
Waſch=, Nachttiſch.
Akku=Lade=Station,
mehr. Herr.=Anzüge.
3 Mäntel, 1 Teppich
P. Jagdſtiefel (43),
100 Briefordner.
Lartei und andere
Züro=Utenſilien. (*go
Bienerſtr. 54, 2. St.

Extra billiges
Angebot!
3 naturlaſ.
Küchen
in allerneueſtem
Stile, wunder=
volle
Qualitäts=
arbeit
. (8964
Büfett, Anrichte,
Tiſch, 2 Stühle.
Mk. 245
Mk. 320
Mk. 465
Möbel-
Müller
Haic Ha
Fahrräder
Ia Marken=Räder u.
Reparatur. bill. be
Emil Eckel
Sandbergſtr. 34. (*

amt Darmſtadt mit dem Sitz in Darm=
ſtadt
angeordnet. Auf Grund von § 27
des Geſetzes über Arbeitsvermittlung
und Arbeitsloſenverſicherung ( Reichs=
geſetzblatt
1927 I S. 187), werden die
wirtſchaftlichen Vereinigungen der land=
wirtſchatflichen
Arbeitgeber und Arbeit=
nehmer
des Bezirks aufgefordert, bis
zum 8 Juni d. J. Vorſchlagsliſten für
die Beiſitzer und Stellvertreter des Fach=
ausſchuſſes
hierher einzureichen. Zu be=
ſetzen
ſind je 3 Sitze für Arbeitgeber
und Arbeitnehmer. Für jeden Beiſitzer
iſt gleichzeitig ein Stellvertreter vorzu=
ſchlagen
. Auf § 27 des Geſetzes wird
verwieſen.
Ich bitte die wirtſchaftlichen Ver=
einigungen
, unter ſich je eine Einheits=
liſte
für die Arbeitgeber= und Arbeit=
nehmervorſchläge
zu vereinbaren; an=
dernfalls
iſt für die Arbeitgebervereini=
gungen
die Zahl der beſchäftigten
Arbeitnehmer, für die Arbeitnehmer=
vereinigungen
die der Mitglieder im
Bezirk der Fachabteilung anzugeben.
Darmſtadt, den 25. Mai 1929.
Arbeitsamt Darmſtadt. (8921
Der Vorſitzende: Jockel.

ir haben einen größeren Transport

hochtrag. 1. abgerdrerct
Kühe, krächkige Rinder
1. Zuchkrinder
(Holländer Raſſe) zum Verkauf ſtehen.
Warkensleben 4 Levi
Darmſtadt, Heinheimerſtr. 11.
Gebrauchte (8741a Auto=Gelegenheits=

Mokorräder
verkauft Ph. Huck,
Alexanderſtraße 6.

Kleinere

mit Gasherd zu vk.
Anzuſehen Montag
Schloßgartenſtr. 19.*

Klein=Auto, 4/20
PS. 4=Sitzer 6fach
bereift, tadell. erh.,
fahrber., Pr. 800
Angeb. unter E. 77
a. d. Geſchſt. (*gi

Audi 8222 P5.
ſehr gut erhalten
ffen, vierſitzig, bill.
zu verkauf Heidel=
bergerſtr
. 9½4, pt. (*
Gut erhaltenes
Mokorrad
Triumph, fahrbe=
reit
, billig zu verk.
Müllerſtr. 30, II. (*

D.Rad
gut erhalt., billig zu
verk., 27er Modell
Walk, Illigweg 60. (*

Gebr., guterh. Tiſch=
Schrank= u. Koffer=
Sprechapparake
evtl. auf Teilzahlg
billig zu verkaufen.
Fr. Spengler.
Ahaſtraße 24. (8882k

kauf! 12/40 Steyr.
6=Sitzer. 6 Zylind.,
mit abnehmb Lim.=
Aufſ., garant. erſt=
laſſ
. u. einwandfr.,
umſtändehalber zu
4 2000. abzugeb.
Lange.
Offenbach a. M.
Querſtr. 3. (8930

Perſonenwag.,
6=Sitzer,
auch für Lieferwagen
geeignet, 8/24 Bren=
nabor
, in beſtem Zu=
ſtend
, vollkommen
durchrepariert, bil=
ligſt
, auch gegen Ra=
tenzahlungen
, zu ver=
kauf
, Herderſtr. 15.(*

Damen=Nad
noch neu, zu verkauf.
Kahlertſtraße 10. (*

Guterhaltene
Mokorräder
von Mk. 50. an.
Eliſabethenſtr 49,
Werkſtätte. (8813a

Moderner heller
Sünglingsanzug
(Maßarb.) reineWolle
noch neu, f. 18.4 z. vk.
* Riedeſelſt. 39, IV.

Hühnerſtall. Gashd.
u. Tiſch zu verkf.
Gutenbergſtr. 40, I.

MARR AIS0 ab Werk

General-Vertretung:
Haascbermiäru
Darmstadt Rheinstraße 19.

[ ][  ][ ]

Conntag, den 26 Mai 1920

Nummer 144

Seite 10

Reich und Ausland.
Einzelhandelskundgebung in Kaſſel.
Am Mittwoch, den 29. Mai 1929, findet in Ver=
bindung
mit einer Vorſtandsſitzung abends 8,30 Uhr
in der Stadthalle in Kaſſel eine mitteldeutſche Einzel=
handelskundgebung
ſtatt, mit folgender Tagesord=
nung
: Begrüßung durch Herr Künkele, Einzelhandels=
verband
für Heſſen, Waldeck und Nachbargebiete,
Kaſſel, Anſprache des Vorſitzenden der Hauptgemein=
ſchaft
des Deutſchen Einzelhandels, Herrn Heinrich
Grünfeld: Einz lhandel und Konjunktur. In Aus=
ſicht
genommen, iſt eine Anſprache des Herrn Dr.
J. van Norden, Einzelhandelsverband für Rheinland
und Weſtfalen, über Bildungsfragen im Einzelhandel,
ferner ein Vortrag des Herrn Dr. Kallweit, Syn=
dikus
des Einzelhandelsverbandes für Heſſen, Wal=
deck
und Nachbargebiete, über Arbeitsleiſtung und
Arbeitszeitgeſetzgebung im Einzelhandel. Schluß=
vort
des Herrn Oberregierungsrat Dr. Tiburtius,
Geſchäftsführendes Vorſtandsmitglied der Hauptge=
meinſchaft
des Deutſchen Einzelhandels. Außerdem
hält der Arbeitsausſchuß für Sozialpolitik und Ar=
beitsrecht
eine Sitzung ab, in der über Ortskranken=
kaſſen
. Innungskrankenkaſſen, Betriebskrankenkaſſen
und Vorſchläge zur Reform der Reichsverſicherungs=
ordnung
bezüglich der zuläſſigen Kaſſenarten beraten
wird. Der Ausſchuß für Betriebsführung im Einzel=
handel
wird am 30. Mai 1929 zur zukünftigen Ge=
ſtaltung
der Verkaufsberatung der Hauptgemeinſchaft
des Deutſchen Einzelhandels Stellung nehmen.
Zu dem Brande in der Feudenheimer
Dampfmühle.
Mannheim. Der durch das Großfeuer in der
letzten Nacht und das Löſchwaſſer verurſachte Scha=
den
bei dem Brande der Feudenheimer Dampfmühle
von Sprengel u. Sohn beträgt nach Angabe des Be=
ſitzers
100110 000 Reichsmark.
Engliſcher Luftſchiffbeſuch in Deutſchland.
Friedrichshafen. Wie eine engliſche Preſſe=
agentur
wiſſen will, wird nach Fertigſtillung des eng=
liſchen
Luftſchiffes R. 108 dieſes Deutſchland einen
Beſuch abſtatten, der mit einem Gegenbeſuch des
deutſchen Luftſchiffes Graf Zeppelin beantwortet
werden wird.
Brand in einem Münchener Vorort.
Drei Feuerwehrleute verletzt.
München. In dem Münchener Vorort Ober=
Menzig brach in einem Anweſen Feuer aus, das raſch
große Ausdehnung annahm. Beim Erſcheinen der
Feuerwehr ſtanden bereits Scheune, Stadel und
Wohnhaus in Flammen. Durch den Einſturz einer
Giebelmauer wurden drei Feuerwehrleute ſo ſchwer
verletzt, daß ſie in ein Krankenhaus gebracht werden
mußten. Das Anweſen brannte bis auf den Grund
nieder.
Elſavatalbahn.
Seit Beſtehen der Bahnlinie Obernburg Heim=
buchenthal
wurde es von Speſſartwanderfreunden als
ein Mangel empfunden, daß der erſte Zug Sonntags
erſt in Heimbuchenthal ankam, als die Sonne ſchon
hoch ſtand und, da alle Wanderungen im Elſavatal
mit beträchtlichen Bergſteigungen beginnen, dieſe bei
der Hitze ſehr beſchwerlich wurden. Erfreulicherweiſe
hat die Reichsbahndirektion für dieſen Sommer einen
Frühzug Obernburg ab 6,40 Uhr und Heimbuchenthal
an 7.29 Uhr eingelegt. Es iſt ſomit Gelegenheit ge=
boten
, den wunderbaren Hochſpeſſart ſchon in den
kühlen Morgenſtunden zu erreichen. Zu wünſchen
wäre aber, daß dieſer Zug von allen Speſſartfreunden
recht ſtark benutzt wird, damit er erhalten bleibt.
Großer Schaden durch Hagelſchlag.
Hamburg. Ein ſtarkes Gewitter mit außer=
ordentlich
heftigem Hagelſchlag entlud ſich am Frei=
tag
abend gegen 7 Uhr in der Gegend von Finken=
wärder
, Buxtehude, Horneburg und im alten Lande.
Die Hagelſchloßen, die in rieſigen Mengen nieder=
gingen
, waren von außergewöhnlicher Größe. Die
Straßen waren im Nu überſät von abgeſchlagenen
Aeſten und Laubwerk. Vielfach wurden Dachfenſter
und Scheiben in den Treibhäuſern glatt durch=
ſchlagen
. Der ſchwere Hagelſchlag hat auch großen
Schaden an der Baumblüte und an den Feld=
früchten
angerichtet.
Großfeuer in Holzminden an der Weſer.
Hannover. Am Freitag abend brach aus bis=
her
noch nicht geklärte Weiſe ein Brand in der
Dachpappenfabrik in Holzminden aus. Das Feuer
gewann im Augenblick eine rieſige Ausdehnung und
hatte bei Eintreffen der Feuerwehren den größten
Teil der Fabrik ergriffen. Große Vorräte an Teer
und anderem Fabrikationsmaterial ergoſſen ſich
brennend in breiten Strömen von der erhöht gelege=
nen
Fabrik auf die Straßen und bedrohten die Nach=
bargebäude
, ſo daß die Feuerwehr unter größter An=
ſtrengung
Dämme gegen die brennende Maſſe auf=
werfen
mußte. Sämtliche Fabrikgebäude brannten
bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden iſt
bedeutend und ließ ſich bis zur Stunde noch nicht
abſchätzen.
Ein norwegiſches Wikinger=Schiff auf der
Weltreiſe.
Mitte Mai hat ein nach altem Vorbilde erbautes
Wikinger=Schiff unter Führung des Norwegiſchen
Kapitäns Folgerö und mit ſieben Mann Beſatzung
Norwegen verlaſſen, um eine Weltreiſe zu unter=
nehmen
, Kapitän Folgerö hat bereits früher eine
Reiſe mit dem Wikinger=Schiff Leif Erikſon über
den Atlantiſchen Ozean unternommen. Das jetzige
Boot heißt Roald Amundſen und iſt 60 Fuß lang.
Zunächſt werden einige norwegiſche Häfen angelaufen.
Alsdann Gotenburg, Kopenhagen, Stettin, Hamburg,
London, Paris, Liſſabon, Sevilla, Barcelona, Algier,
Marokko, Madeira, Nord=Broſilien und um Süd=
Amerika herum nach San Franzisko und zurück durch
den Panamakanal nach Drontheim, das im Sommer
1930 erreicht werden ſoll, zu einer Zeit alſo, wo die
Feſtlichkeiten des Stadtjubiläums von Drontheim
ſtattfinden.
Bankraub bei New York.
NewYork. In dem New York benachbarten,
im Staate New Jerſey gelegenen Eaſtorange haben
fünf mit Revolvern bewaffnete Banditen vormittags
in einem ſehr verkehrsreichen Ortsteil eine Nieder=
laſſung
der Eaſtorange Truſt Company überfallen,
die Angeſtellten und zufällig anweſende Kunden, im
ganzen zehn Perſonen, genötigt, ſich mit erhobenen
Händen an die Wand zu ſtellen, und etwa 50 000
Dollar geraubt, mit denen ſie unbehelligt entkamen.

Skädkebauer bebauk.
Angorn woiie barc einen dent

Blick auf Angora. Rechts: Profeſſor Hermann Janſen.
Die Hauptſtadt der Türkei Angora hat für ihren Bebauungsplan den bekannten deutſchen Städte=
bauer
Prof. Janſen=Berlin gewonnen. Prof. Janſen feiert am 28. Mai d. J. ſeinen 60. Geburtstag.

Vorbereikungen zum erſten Ausgang des Papftes.

Ein Blumenteppich vor dem Vatikan.
Am 30. Mai wird der Papſt zum erſten Male den Vatikan verlaſſen, um die Fronleichnamsprozeſ=
ſion
auf dem Petersplatz zu führen. Seit 1870 hat kein Papſt den Vatikan verlaſſen. Umfang=
reiche
Vorbereitungen werden getroffen, um dieſem Ereignis eine beſondere Weihe zu geben. So
wird ein ſchönes Moſaik aus Blumen angelegt auf dem Wege, über den der Prozeſſionszug führen wird.

Krieg im Frieden. Ein für Manöverzwecke gebaukes Zieldorf zerſchoſſen.

Bombardement eines Zieldorfes durch franzöſiſche Flieger.

Das Hauptſtück des großen Flugfeſtes in Vincennes bei Paris war die Bombardierung eines zu
dieſem Zwecke aufgebauten Dorfes durch franzöſiſche Fluggeſchwader. 500 000 Zuſchauer konnte
ſo die Schrecken des kommenden Krieges von ſicherem Platze aus betrachten und feſtſtellen, mi
welcher Treffſicherheit die Flieger ſich ihrer Aufgabe entledigten.

Eine verhängnisvolle Verwechſlung.
Regensburg. Ein Steuermann einer hieſigen
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft gab einem Kollegen zur
Stillung von Magenſchmerzen anſtatt Bitterſalz irr=
tümlicherweiſe
Bariumchlorid. Der Mann und die
Frau eines Matroſen nahmen eine kleine Menge
dieſes Salzes, worauf ſich bei beiden Vergiftungs=
erſcheinungen
zeigten, die ihre Ueberführung ins
Krankenhaus notwendig machten, wo der Mann be=
reits
geſtorben iſt. Die Frau befindet ſich wieder auf
dem Wege der Beſſerung. Der Steuermann, der das
verhängnisvolle Gift verabreicht hatte, wurde dem
Unterſuchungsrichter vorgeführt.

Mordprozeß gegen einen Sechsjährigen.
London. Im Mittelpunkt des Intereſſes ſteht
hier der außergewöhnliche Fall eines ſechsjährigen
Knaben, der von einem Londoner Gericht des Tot=
ſchlages
ſchuldig befunden und dazu verurteilt wor=
den
iſt, 15 Jahre in einer Beſſerungsanſtalt zu ver=
bringen
. Der Junge war beſchuldigt, einen acht=
ährigen
Kameraden beim Streit um den Beſitz eines
Stück Eiſens mit dem Gewehr ſeines Vaters er=
ſchoſſen
zu haben. Während der Gerichtsverhandlung
ſpielte der junge Angeklagte gänzlich unbekümmert
mit einigen gleichaltrigen Kameraden in einem der
Gerichtsſäle.

* Geheimnis um Hugo Skinnes.
Zu Beginn der nächſten Woche findet in Berlin
die Hauptverhandlung gegen Hugo Stinnes jun. ſtatt,
der bekanntlich beſchuldigt wird, an dem Schwindel
mit Kriegsanlcihen beteiligt geweſen zu ſein. Es iſt
bisher üblich geweſen, daß vor derartigen Prozeſſen,
die die Allgemeinheit faſt ſtets in erheblichem Maße
intereſſieren, von amtlicher Stelle aus der Preſſe
authentiſche Mitteilungen über den Umfang der An=
klage
und über ihre weſentlichen Punkte zu geben.
Auch diesmal hatte die Juſtizprozeßſtelle in Berlin
eine derartige informatoriſche Sitzung einberufen,
Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, die in den
kommenden Terminen auftreten werden, waren dazu
erſchienen. Als der Vorſitzende in die Materie ein=
gehen
wollte, erbat einer der Stinnesverteidiger das
Wort. Er verwies auf die Vorſchrift der Strafprozeß=
ordnung
, wonach es verboten iſt, Anklageſchriften
oder Teile daraus vor der Hauptverhandlung zu ver=
öffentlichen
. Stinnes würde durch die einſeitige Dar=
ſtellung
des Prozeßſtoffes, wie ihn die Staatsanwalt=
ſchaft
in der Anklageſchrift zuſammengeſtellt hat, in
Beruf und Anſehen ſchwer geſchädigt werden. Des=
wegen
erhebe er Einſpruch gegen die ungeſetzliche
Veröffentlichung. Die Sitzung mußte daher abge=
brochen
werden. Der Verweis auf das Geſetz durch
den Verteidiger iſt allerdings richtig. Nur hat ſich
ſeit Jahren in der Praxis eine andere Behandlungs=
art
herausgebildet, die ſchon wieder ſo etwas wie
Gewohnheitsrecht geworden iſt. Es dürfte überall in
Deutſchland längſt üblich geworden ſein, daß bei
großen Prozeſſen die Allgemeinheit ſachlich infor=
miert
wird, um ſo eher und beſſer dem Prozeßver=
lauf
folgen zu können. Das Vorgehen des Vertei=
digers
des jungen Stinnes iſt daher eher unſachlich zu
nennen, jedenfalls nützt es dem Mandanten nichts,
der in der Oeffentlichkeit in den Verdacht gerät, es
müßten doch ſchlimme Dinge in der Anklageſchrift
ſtehen. Und oft iſt der erſte Eindruck der nach=
haltigſte
.
Verleihung der Leipziger Meßplakette.
Die für beſondere Verdienſte um die Leipziger
Meſſe geſchaffene Maßplakette iſt dem Ehrenamtlichen
Vertreter des Leipziger Meßamts für den Freiſtaat
Danzig, Erich Stumpf, verliehen. Erich Stumpf,
Inhaber der Firma Moritz Stumpf u. Sohn in
Danzig, konnte jetzt nicht nur das 125jährige Be=
ſtehen
ſeiner Firma, ſondern auch das Jubiläum
ſeiner zehnjährigen ehrenamtlichen Vertretertätigkeit
für das Meßamt feiern.
Zahlreiche Opfer eines Wolkenbruches
in Rußland.
Kowno. Wie aus Moskau berichtet wird, iſt am
Freitag morgen über die Stadt Dnjepeopetrowſk ein
Wolkenbruch niedergegangen. Ein großer Teil der
Stadt ſteht unter Waſſer. Nach amtlichen Feſt=
ſtellungen
hat das Unglück bisher 12 Todesopfer
gefordert. Man rechnet aber mit einer Erhöhung
der Zahl der Opfer.
Wolkenbruchkataſtrophe in Beſſarabien.
Bukareſt. In der Nacht zum Freitag iſt im
ſüdlichen Beſſarabien ein ſchwerer Wolkenbruch nie=
dergegangen
, dem zahlreiche Menſchen zum Opfer
fielen. Die Zahl der Toten konnte bis jetzt noch nicht
feſtgeſtellt werden. Viele Häuſer ſtehen unter Waſſer.
Zwei Eiſenbahnunglücke bei Poitiers.
Paris. Als der Schnellzug Paris-Bordeaux
in den Abendſtunden des Freitag mit ſeiner Höchſt=
geſchwindigkeit
die Stadt Poitier verlaſſen hatte, be=
merkte
der Lokomotivführer, daß zahlloſe Steine
gegen die Wagen des Zuges praſſelten. Er forſchte
nach den Gründen und entdeckte, daß die Vorderachſe
der Lokomotive aus dem Gleiſe geſprungen war und
ſich bereits auf einer Länge von 2 Kilometern zwiſchen
den Schienen eine tiefe Spur gegraben hatte. Geiſtes=
gegenwärtig
brachte er den Zug ſofort zum Halten.
Ein Hilfszug wurde aus einer benachbarten Stadt
beordert, der mit Höchſtgeſchwindigkeit heranbrauſte.
Plötzlich bemerkten die Infaſſen des Zuges, daß eine
Feuergarbe über den Zug niederregnete und rieſige
hohe Blöcke durch die Luft flogen. Man glaubte
einem Vulkan beizuwohnen. Die Notbremſe wurde
gezogen und der Zug kam langſam zum Stehen.
Alles ſtürzte zur Lokomotive und machte die Ent=
deckung
, daß der Keſſel geplatzt und das Vorderteil
der Lokomotive eingedrückt war, und daß das Waſſer
von allen Seiten herausfloß. Von der Lokomotiv=
beſatzung
war zunächſt keine Spur zu entdecken, bis
lautes Stöhnen die Anweſenden darauf aufmerkſam
machte, daß der Lokomotioführer und der Heizer
800 Meter weit ſchrecklich verſtümmelt und blutüber=
ſtrömt
auf dem Bahndamm lagen. Während der
eine mit zertrümmerter Wirbelſäule ſofort tot war,
wurde der andere mit eingedrücktem Schädel in hoff=
nungsloſem
Zuſtande ins Krankenhaus eingeliefert.
Gaſtgeſchenke Mailand-Berlin.

Der zurzeit anläßlich der Gaſtſpiele der Mailä
der Scala in Berlin weilende Bürgermeiſter v.
Mailand, Marcheſe Guiſeppe de Capitani d’2
kago, hat im Auftrage ſeiner Stadt dem B
liner Oberbürgermeiſter Dr. Guſtav Böß für d
Stadt Berlin eine große ſilberne Schale üb
reicht. Die Stadt Berlin hat die Aufmerkſamk
Mailands mit einem Gemälde des Malers Er=
Neuſchul erwidert. Unſer Bild zeigt die wund
volle ſilberne Schale der Stadt Mailand

[ ][  ][ ]

Nummer 144

Conntag, den 26. Mai 1929

Seite 41

Spor Shlet und Tarnen,

Zußball.
Polizei Heſſen Polizei Rheinland=Weſtfalen.
Zu dem heute nachmittag 4 Uhr auf dem Polizeiſportplatz ſtattfin=
denden
Vorrundenſpiel um die Deutſche Polizei=Fußballmeiſterſchaft hat
Heſſen nun nachſtehende Mannſchaft aufgeſtellt:
Hüppe
Matthes
Metſch
Stephan
K. Bauer
Kaiſer
Bönſel Kaſpar
Kuhl Heck Eisfeller.
Mit dieſer Elf hofft man Heſſens ſtärkſte Vertretung auf die Beine
gebracht zu haben. Inwieweit dieſe Annahme richtig oder verfehlt iſt,
kann nur das Spiel ſelbſt entſcheiden. Hoffen wir, daß ſich beide Par=
teien
einen Kampf liefern, der ihvem ſportlichen Anſehen zur Ehre ge=
reicht
. Der Beſſere möge ſiegen.
Rol-Weiß, V. ſ. R. Polizei Wiesbaden.
Am Sonntag begibt ſich Rot=Weiß, V.f.R. mit ſeiner Liga und Liga=
reſerve
nach Wiesbaden, um gegen die dortige Polizei die Rückſpiele
auszutragen. Von den Spielen der Jugendmannſchaften intereſſiert
in erſter Linie das Spiel SpV. 98 1. Jugend Rot=Weiß 1. Jugend,
halb 10 Uhr Böllenfalltor. Die 2. Jugend Rot=Weiß trifft um 10 Uhr
an der Rheinallee auf SpV. 98 2. Jugend.
Sporkverein 1898 Darmſtadk.
Für den morgigen Sonntag iſt wiederum ein reichhaltiges
Programm vorgeſehenz mit Ausnahme der Fußball=Liga ſind
alle Mannſchaften beſchäftigt. Die neue Meiſtermannſchaft
kann ſich der verdienten Ruhe hingeben und neue Kräfte für die voraus=
ſichtlich
am 2. Juni beginnenden Aufſtiegsſpiele ſammeln. Die Liga=
erſatzmannſchaft
der Fußballer ſpielt in Langen gegen die dortige Liga=
erſatz
, während die 2. aktive Mannſchaft ihr letztes Verbandsſpiel gegen
Dornheim in der ſo ſiegreich beſtrittenen Runde auf eigenem Platze
(1,30 Uhr) austrägt. Die Juniorenmannſchaft tritt in Frankfurt der
1. Mannſchaft des FC. Union gegenüber.
Sportverein 1898 (Jugend).
Junioren Junioren Niederrad, dort; 1. Jugend 1. Jugend
Eberſtadt, dort, Abfahrt mit Rad 9,15 Uhr Beſſunger Turnhalle; 2. Jgd.
2. Jgd. Arheilgen, dort, Treffpunkt 3411 Uhr Arheilger Mühlchen;
3. Jugend 2. Jugend VfR.=Rot=Weiß, dort, 3411 Uhr; 4. Jugend
1 Jugend Meſſel, ½2 Uhr Stadion; 1a Schüler 1. Schüler Meſſel,
dort, Abfahrt 1,15 Uhr Hauptbahnhof; 1b Schüler 1. Schüler Gries=
heim
, dort, Abfahrt mit Rad 9,15 Uhr Feſthalle; 2. Schüler 1. Schül.
Dieburg, dort, Abfahrt 7,30 Uhr Hauptbahnhof; 3. Schüler 2. Schüler
Meſſel, halb 3 Uhr, Stadion.
FC. Union 1913 e. V. Turn= u. Sporkv. Raunheim.
Die Verbandsſpiele 1928/29 haben nunmehr ihr Ende erreicht.
Sämtliche Vereine haben ſchon lange auf dieſen Moment gewartet,
um ſich für das neue Verbandsjahr genügende Kräfte heranzuziehen
und dem Mannſchaftsbilde die nötige Stärke zu geben. Union begibt
ſich zum erſten Freundſchaftskampf nach Raunheim. Das Vorſpiel
konnte Union ganz knapp gewinnen, und geht deshalb am kommenden
Sonntag keinen leichten Gang, umſomehr als man auch junge Kräfte
mitnehmen will. Es bleibt daher abzuwarten, wie ſich die Elf bei
dieſem Kampfe finden wird und wie ſich evtl. neue Kräfte dem Mann=
ſchaftsganzen
anfügen. Raunheim ſtellt eine körperlich kräftige und
flinke Mannſchaft ins Feld, die auf eigenem Platze den Sieag nicht laſſen
will. Hoffen wir, daß nunmehr alle Härten bei den Freundſchaftsſpielen
verſchwinden und man dadurch unſerem Sporte weitere Anhänger zu=
führt
. Unions Liga=Reſervemannſchaft trifft ſich mit der zweiten Elf der
hieſigen Hochſchule auf dem Hochſchulſportplatz. Hier wird man eben=
falls
ein Werbeſpiel zu ſehen bekommen, ſo daß man den Sieger nicht
im voraus bezeichnen kann, umſomehr, als man in letzter Zeit ſehr
wenig von der Hochſchulmannſchaft gehört hat. Unions Juniorenelf
iſt dieſen Sonntag ſpielfrei.
Turn= und Sp.V. Meſſel e. V.
Am erſten Pfingſtfeiertag war die 1. Privatelf des V.f.R. Mann=
heim
Geguer der 1. Elf des Turn= und Sp.V. Meſſel. Nach einem tech=
niſch
hochſtehenden Spiel ſiegte Mannheim 3:2 (1:1). Mannheim
zeigte ein beſtechendes Zuſammenſpiel, welchen Vorteil Meſſel durch
größeren Eifer und Schnelligkeit ausglich. Nah dem Spiel vereinte
man ſich zu einom gemütlichen Beifammenſein. Am Morgen des zweiten
Tages fuhr die V.f.R.=Mannſchaft nach Offenthal, um dort ihr zweites
Spiel auszutragen. Allerdings fehlten hier der glänzende Mittelläufer
und Halbrechte des erſten Tages, welche ſihon am Abend des 1. Pfingſt=
tages
nach Hauſ= mußten. Mannheim verlor in Offenthal unver=
dient
3:4. Der Schiedsrichter, ein Herr aus Offenthal, benachteiligte
Mannheim ſtark. Am Abend des 2. Tages war die Mannſchaft des
V.f. R. Mannheim wieder Gaſt des Turn= und Sp V. Meſſel. Die Mann=
ſchaft
ſchied mit dem Wunſche, uns nächſtes Jahr in Mannheim zu be=
grüßen
. Weitere Spiele des 1. Pfingſttages: Meſſel 2. ElfOber=
Ramſtadt 2. Elf 1:1. Kurz vor Halbzeit wurde das Spiel abgebrochen.
MMeſſel 1 SchülerPfungſtadt 1. Schülen (Pfungſtadt nicht angetreten).

(2:0). Meſſel 1. ElfEgelsbah 1 Elf 0:3 (0:0). Egelsbach ſiegte ver=
dient
, aber eiwas zu hoch. Meſſels ſchwacher Sturm konnte ſich gegen
die ſtarke Hintermannſchaft nicht durchſetzen. Der Schiedsrichter, ein
Herr aus Dieburg, befriedigte.
FC. Chattia 09 Wolfskehlen B=Meiſter Gau Bergſtraße.
Nachdem das Vorſpiel um die Gaumeiſterſchaft der beiden Ab=
teilungsmeiſter
Wolfskehlen und Erbach am 12. Mai mit 9:5 von den
Chatten gewonnen war, ſtieg am 2. Feiertag im Erbacher Stadion das
Rückſpiel. Von faſt 100 begeiſterten Anhängern begleitet, konnte Wolfs=
kehlen
mit einem 2:1 (1:1) Sieg den Titel an ſich bringen. Von Be=
ginn
des Spiels an zieht Erbach mächtig los und kann auch bald nach
Fehlſchlag des linken Gäſteverteidigers die Führung erringen. Wolfs=
kehlen
drängt nun zum Ausgleich, der auch bald durch Hammann 3. ge=
lingt
. Nach Wiederanſtoß ſetzt Erbach alles ein, um ein 3. Entſcheidungs=
ſpiel
nötig zu machen, aber die Gäſte erzielen zwei Minuten vor Schluß
durch Krummeck das Siegestor. Herr Schad=Plankſtadt konnte nicht im=
mer
als Unparteiiſcher gefallen. Die junge, noch entwicklungsfähige
Wolfskehler Elf wird es bei geeigneter Anleitung auch in der A=Klaſſe
zu Erſprießlichem bringen.

Darmſtädter Sporkkalender.
Sonntag, den 26. Mai 1929.
Handball.
2,30 Uhr: Tgde. Darmſtadt T. V. Worfelden (am Oſtbahnhof).
2,30 Uhr: Rb. T. u. Sp. V. Darmſtadt Wiesbaden.
3,00 Uhr: Pol. Sp. V. Damen Groß=Gerau.
Fußball.
3,30 Uhr: Rot=Weiß B.S.C. Oberrad (Rheinallee).
4,00 Uhr: Polizei Heſſen Polizei Rheinland (Pol. Sp.=Platz).

Sporilverveigoche ues no Beiß, B./.n.
vom 2. bis 9. Juni 1929.
In der Zeit vom Sonntag, den 2. Juni, bis zum Sonntag, den
9. Juni, veranſtaltet der Rot=Weiß=VfR. Darmſtadt eine große Sport=
werbewoche
(ſiehe morgige Anzeige). Sämtliche Abteilungen des Ver=
eins
haben ſich in den Dienſt der Sache geſtellt, um eine großzügige Ver=
anſtaltung
durchführen zu können. Alle von Rot=Weiß betriebenen Sport=
arten
werden dabei ausgiebig zu Worte kommen. Fußball, Handball,
Leichtathletik, Schwimmen, Wafferball, Paddeln, Boxen uſw. werden in
dem Programm vertreten ſein, das demnächſt an dieſer Stelle veröffent=
licht
wird. Für die Ligamannſchaften wurden namhafte Gegner ver=
pflichtet
. Aber in erſter Linie ſoll bei dieſer Sportwoche die Jugend zu
ihrem Recht kommen. Deshalb iſt kein Tag ohne eine Jugendveranſtal=
tung
gedacht. Daneben werden ſich noch die Junioren und Alten Her=
ren
an der Sportwoche beteiligen. Von den Vereinen, die teils in
raſenſportlicher, teils in waſſerſportlicher Beziehung mitwirken, ſeien
hier genannt: Sportverein 98, Polizeiſportverein Darmſtadt, Schwimm=
klub
Jungdeutſchland, Spielvereinigung Arheilgen, SV. Mainz 05, Spv.
Mainz=Kaſtel, 1. Aſchaffenburger Boxklub u. a. Der Zweck der ganzen
Sportwoche iſt, die Jugend für die edle Sache des Sportes zu begeiſtern.
Hoffen wir, daß der feſtgebende Verein mit ſeiner Veranſtaltung den
gewünſchten Erfolg hat. Wir kommen auf dieſe Sportwoche noch ein=
gehend
zurück.
Handball.
Turngde. 1846 Darmſtadt Turnverein Worſelden.
Am heutigen Sonntag finden ſich obige Mannſchaften auf dem
Sportplatz am Oſtbahnhof nachmittags 2,30 Uhr zu einem Freundſchafts=
Rückſpiel gegenüber. Worfelden iſt eine gute, techniſch hochſtehende
Mannſchaft und wird den Darmſtädtern ſehr zu ſchaffen machen. Das
Vorſpiel endete 2:2. Worfelden wird alles daranſetzen, um günſtig ab=
zuſchneiden
. Jedenfalls iſt der Beſuch beſtens zu empfehlen. Vorher
treffen ſich Darmſtadts 3. Mannſchaft und die 1. Mannſchaft von Nieder=
Ramſtadt. Darmſtadt, das die C=Meiſterſchaft erringen konnte, und
nunmehr B=Klaſſe ſpielt, muß ſich daher ernſtere Gegner verpflichten
um zu ſehen, wie es gegen gute Vereine abſchneidet. Auch der Beſuch
dieſes Spieles dürfte ſich lohnen.
Schwimmen.
Turngemeinde 1846, Schwimmabkeilung.
Der Winterſchwimmbetrieb der Schwimmabteilung der Tgde. 1846
für 1928/29 im hieſigen Hallenbade ſchließt mit den Schwimmſtunden am
Montag, den 27. Mai, abends halb 8 Uhr. Der für den Abſchluß vor=
geſehene
Mannſchaftskampf mit der Schwimmabteilung des Mannheimer
Turnvereins von 1846 mußte infolge Abfage der Mannheimer Turn=
brüder
auf den nächſten Herbſt verlegt werden.
Als Auftakt für das Sommerſchwimmen unternahm die Abteilung
am 2. Pfingſtfeiertag bei guter Beteiligung einen Ausflug nach dem
Altrhein. Und nun verlegt die Abteilung mit der kommenden Woche
ihren Schwimmbetrieb an den großen Woog. Die Schwimmſtunden für
die Schwimmer der hieſigen Turnvereine ſind feſtgeſetzt auf Montags
abends ab 7 Uhr und Donnerstag abends ab 5,30 Uhr. Während des
Sommers wird die Schwimmabteilung der Tgde. 1846, wie alljährlich,
im Hallenbad ebenfalls eine Schwimmſtunde beibehalten, und zwar Mitt=
woch
abends. Die Eröffnung der Schwimmſtunden im Großen Woog
bildet das Anſchwimmen, zu dem ſich die Schwimmabteilung der Tgde.
1846 heute, Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Woog einfindet. Alle
ſchwimmkundigen Mitglieder der Tgde. 1846 werden hiermit zur Teil=
nahme
aufgefordert.
Kommt zum Schwimmen! Es iſt das Ideal aller Leibesübungen
und wirkt hervorragend günſtig auf die Geſundheit. Seine volle Bedeu=
tung
hat das Schwimmen aber im Freien, in Sonne, Licht und Luft.
Alle Freunde des Schwimmens ſeien hiermit aufgefordert, ſich in die
Schwimmriegen der Deutſchen Turnerſchaft einzugliedern. Für diejeni=
gen
, die das Schwimmen erlernen wollen, iſt bei der Tgde. 1846 Ge=
legenheit
geboten, ſich dem in aller Kürze beginnenden Schwimmunter=
richt
anzuſchließen.
Wafſerballſpiele.
Mit dem Beginn des Sommerſchwimmbetriebes ſetzen auch im Ge=
biet
des Mittelrheinkreiſes der D.T. die Waſſerballrundenſpiele zur Er=
mittelung
des neuen Kreismeiſters ein. In die Sonderklaſſe des Kreiſes
wurden neben Frankfurt und Hanau die 1. Mannſchaften der Tgde.
1846 Darmſtadt und der Tgſ. 1875 eingereiht. Der erſchienene Spielplan
weiſt in der Vorrunde folgende Mannſchaftspaarungen auf:
Tgde. Hanau gegen Tv. 1860 Frankfurt; Tgde. 1846 Darmſtadt
gegen Tgſ. 1875 Darmſtadt; Tv. 1860 Frankfurt gegen Tgde. 1846
Darmſtadt; Tgſ. 1875 Darmſtadt gegen Tgde. Hanau; Tgde. 1846
Darmſtadt gegen Tgde. Hanan; Tv. 1860 Frankfurt gegen Tgf. 1875
Darmſtadt.
Die genauen Spieltage und Zeiten werden noch bekanntgegeben.
Auf den Ausgang dieſer Waſſerballrundenſpiele im Mittelrheinkreis
der DT. darf man geſpannt ſein.

A. 9. A. G.-Molorrad=Länderfahrk.

* Weitere Ausfälle auf der ſechſten Etappe.
Nach einem Ruhetag in Bukareſt, bei welcher Gelegenheit die Kon=
kurrenten
Zeit hatten, ihre Maſchinen gründlich zu reinigen, ging es auf
den Rückweg in die Heimat, der zunächſt mit der 336,4 Kilometer langen
Stappe nach Großwardein eingeleitet wurde. Nach Bewältigung von 150
Kilometern folgte hinter Sinaia wieder längere Gebirgsfahrt. Durch
Kronſtadt und der einſt ſtark befeſtigten Sachſenſtadt Schäßburg führte
der Weg weiter an rebenbepflanzten Hügeln vorbei, dem Etappenziel zu.
Zu den vielfachen Schwierigkeiten der Strecke geſellten ſich noch teilweiſe
recht ſchlechte Straßen, ſodaß es wieder einige Ausfälle gab. Der Ober=
ſchleſier
Hans Kamy zog ſich bei einem Sturz bedauerlicher Weiſe einen
Beinbruch zu, konnte aber durch den bei der Fahrtleitung befindlichen
Arzt ſofort in Obhut genommen werden. Weiter ſchieden die beiden
Damen, Frl. Hanni Köhler=Berlin auf BMW. und Thea Hanzal= Nürn=
berg
, die einzige noch ſtrafpunktfreie Triumphfahrerin, ſowie Schmidt=
Nürnberg auf Triumph, Mauerberger=München und Weſtenberger= Mün=
chen
auf BMW., Iſchinger auf D=Rad, und Kolm=Freiſing auf Wimmer
aus. Insgeſamt befinden ſich noch 44 Teilnehmer auf den letzten 1500
Kilometern im Wettbewerb.

Geſchäftliches.

Das älteſte und maßgebende Herrenbekleidungshaus Philipp
Heß, G. m. b. H., ſteht im Zeichen des Umbaus! Man will der ſtändig
wachſenden Käuferſchar große und moderne Verkaufsräume, einer immer
größer werdenden Auswahl überſichtliche und geräumige Lager ſchaffen.
Kurzum, es ſoll ein Bau entſtehen, der dem alten und reellen Ruf der
Firma Ehre macht und würdig iſt, das größte und modernſte Spezial=
haus
am Platze zu werden. Schnelle Räumung der vorhandenen Be=
ſtände
iſt daher dringend notwendig. Um jedem Beſucher eine ſich wirk=
lich
lohnende Einkaufsgelegenheit zu geben, ſind die Preiſe in allen Ab=
teilungen
des Hauſes ungewöhnlich niedrig, ſogar teilweiſe über
50 Prozent herabgeſetzt. Beachten Sie jeweils die Ankündigungen, ſie
erſcheinen im Zeichen des Umbau=Ausverkaufs.

Radiohörer mit Batteriebetrieb hört!
Es gibt jetzt einen ſinnreichen Stecker, der es ermöglicht, ein Batterie=
gerät
auf erſtaunlich einfache Weiſe in ein Netzgerät umzuwandeln, um
ſo der großen Vorteile, den Anoden= ſowie den Heizſtrom aus der vor=
handenen
elektriſchen Lichtleitung zu entnehmen, teilhaftig und von Abku=
ſowie
Anodenbatterie unabhängig zu werden, die immer dann geladen
oder erneuert werden müſſen, wenn man ſie am notwendigſten braucht.
Koſtenloſe und unverbindliche Auskunft ſowie Vorführung bei der
Rheinelektra, Ernſt=Ludwigſtr. 10.

Frankfurt.
Sonntag, 26. Mai. 8: Morgenfeier, veranſtaltet vom Wart=
burgverein
. O Anſchl.: Glockengeläut von der St. Peterskirche,

zu fe ehch e ecle e eie
Volkschors Frohſinn. 6 15: Jugendſtunde. Hanna Lüngen: Aus
Gullivers, Reiſen. o 16.30: Stunde des Landes. o 17.30:
Stuttgart: Konzert. O 18.30: Stunde des Rhein=Mainiſchen Verb.
für Volksbildung. O 19.30: Sportnachrichten. O 20: Fr. Berge:
Bemerkungen zum franzöſiſchen Roman von heute. o 20.30:

und Klavier. Mahler: Sinfonie. Soliſt: St. Frenkel (Violine).
O Anſchl.: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus=Langer.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Sonntag, 26. Mai. 6.30: Berlin: Frühkonzert
des Neuen Tonkünſtlerorcheſters. O 8.55: Glockenſpiel der Pots=
damer
Garniſonkirche. O 9: Morgenfeier. Anſprache: Pfarrer Lic.
Koch, Lichterfelde. O Anſchl.: Glockengeläut des Berliner Doms.
O 12: Mittagskonzert, ausgeführt vom Trompeten= und Poſaunenchor
Ludwig Plaß. o 14: Schach. O 14.30: Mitteilungen und prak=
tiſche
Winke für den Landwirt. 15: Prof. Dr. med. et phil.
Mangold: Ernährung des Geflügels. O 15.30: Märchen erzählr
von G. Nube. 16: Dr. Hirſchberg: Sebaſtian Bachs Kantaten
(3. Teil). o 16.30: Cornelie Hoetzſch: Weſen und Bedeutung des
Vaterländiſchen Frauen=Vereins vom Roten Kreuz. e 17: Unter=
haltungsmuſik
. Salonquintett Fritz Abrohl. O 18: Vom frohen
Wandern. Paul Matzdorf und die märkiſche Singſchar. O 18.30:
Dr. Schuftan: Körper und Baum m modernen Ausdruckstanz.
O 19: Zwiegeſpräch zwiſchen Reichsminiſter Dr. Koch=Weſer und
A. Mahraun: Parlamentarismus, wie er iſt und wie er ſein ſollte.
O 19.45: Dr. Dürre: Friedrich Lienhard zum Gedächtnis. o 20:
Berlin: Werke von Franz Lehar und Leo Fall. Dirig.: A. Gutt=
mann
. Berliner Funkorch. Mitw.: Elſe Kochhann (Sopran), Wilh.
Gombert (Tenor), Berliner Funk=Chor. O Danach: Tanzmuſik.
Kapelle Kermbach. Geſangseinlagen: W. Weiß (Tenor). o Pauſe:
Bildfunk.

Wekkerberichl.

Im Norden hat die Luftdruckverteilung keine weſentliche Aenderung
erfahren. Der hohe Druck lagert weiter über der Oſtſee und dem Balti=
kum
, und der tiefe im Raume von Island. Im Südweſten dringt erneut
hoher Luftdruck über Frankreich vor. Der Witterungscharakter erfährt
zunächſt wewig Aenderung, ſo daß ferner wit lokalen Gewitterſtörungen,
denen zeitweiſe Abkühlung folgt, zu rechnen iſt.
Ausſichten für Sonntag, den 26. Mai: Heiter, ſpäter wolkig, lokale Ge=
witterſtörungen
mit leichter Abkühlung.
Ausſichten für Montag, den 27. Mai: Teils wolkig, teils heiter und
warm, aufkommende Gewitterneigung.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuiſleton, Reich und
Ausland und Seſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Wiliv Kuhle; Druc
und Verlag: L. C. Wlitich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſſripte wird Garantte der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 22 Geiten

Dixi hefördert 8 Personen mit Gepäck

Im Dixi 3-4-Sitzer haben auch 2 Ewachsene und 2 Kinder bequem Platz,
Beim Zweisitzer ist anstelle des Rücksitzes ein größerer Gepäckraum vorgesehen.
Dixi ist der Wagen der kleinen
Familie und des Selbsttahrers!

F5kg 6Okg 8Ska 30kg.

Ca. 400 Vertretungen im Reiche

DIAf. PREISE
Sportzweisitzer
Tourenwagen 3-4sitig RMLL00
2sitz. Coupé.
Limousine 3-4sitzig MM2o00
Teilzahlungen bis zu 24 Monatsraten

BMW AUTOMOBLL-VERKAUFSGESELLSCHAFT M. B. H., ElSENACH

I Mch 4874

U. DONGES & WIEST, ELISABETHENSTRASSE 25

[ ][  ][ ]

Geite 12

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

Nur das Spezialgeschäft gibt die Gewähr für beste Herstellung
der Waren und individuelle Zehandlung der Kundschaft.

Deckbetten mit echtfarbig, roten Inlett, Federn-, Halbdaunen-
u
. Dannenfüllung Mk. 19.50 23.50 27. 34.50 41.
45. bis 79.
Kissen
Mk. 6. 8. 10. 12.50 bis 21.
Matratzen, eig. Anfertigung, aus besten Stoffen, 3teilig mit
Keil, Seegras, Wolle, Kapok und Rosshaar
Mk. 23. 27. 34. 39. 44. 48. 52. 87.
95. 109. 125. bis 210.
Reform-Unterbetten, Reform-Kissen
Betten-Spenial-Haus

Bettfedern und Wa mmen
in allen Preislagen
Mk. 1.35, 2.10,3., 4.50, bis 19.*

Der Einkauf von BETTEN
ist VERTRAUENSSACHEI

O

MANMLICH

Mie
tüchtige
Vertreter
f. Holzrollos, Selbſt=
roller
=Rollos und
Rollwände geg. Pro=
viſion
. (l.K6.8919
Carl Göize
Holzdrahtweberei u.
Rouleauxfabrik
Düſſeldorf
Heresbachſtraße 26

Wir ſuchen zur For=
cierung
unſerer be=
kannten
. Ihnataler
Käſeprodukte in dor=
tig
. Gegend beſtens
eingeführte, ſeriöſe
Berkteter
gegen hohe Proviſ.
Eilofferte unt. An=
gabe
von Referen=
zen
an die Molke=
reigenoſſenſchaft

Gollnow (Pomm.)
erbeten. (8901

Wir ſuchen für unſere faſt 100 Jahre alte Firma für

den hieſigen Bezirk

(II.Hbg. 8875

Vertreter
für unſere Spezialitäten:
Bordeaux= und Südweine
Maßmann & Niſſen, Weingroßhandlung, Lübek.
Evt. zu melden vom 28. bis 30. Juni bei unſerem Herrn
G. Reimpell, hier, Hotel Traube‟.

Spezialfabrik für Stopfbüchſenpackungen
chem. techn. Fettpräparate
vergibt für größeren Bezirk
Generalvertretung
gegen höchſte Proviſionen. Herren mit langjährigen
wertvollen Beziehungen zu Induſtrie, Staats= und
Gemeindebehörden wollen Angebote unter E 88
an die Geſchäftsſtelle ds. Bl. einreichen. (8900

Lehrling
für Werkſtatt u. für
Büro geſ. Ludwig
Kling Inſtallations=
geſchäft
, Luiſen=Str. 2
Schuhmacherlehrlg.
geſucht. Zu erfr. in
der Geſchäftsſt.
Alkalische
Mineralguelle
Vflbel

die gute Beziehun=
Verireler zu jeglich. Art von
Ladengeſchäften haben, geſucht.
Off. erbeten unt. F. M. 6508 an
Ala Haaſenſtein & Vogler, Frank=
(k18838
furt a. M.

Vertreter geſucht f.
Darlehn. Hypothek.
Fin.=Bur. Spandau,
Moritzſtraße Nr. 5.
((Bln8574)
23 jg. Schmiede=
gehilf
. ſof geſ. (8909
Lauteſchlägerſtr. 14.

gründlichen technischen Kenntnissen, um
Gruppenführungen durch unser Werk zu
machen. Angebote im Telegrammstil mit
Bild, kurzem Lebenslauf, Gehaltsansprüchen
und frühestem Eintrittstermin unter E 99
an die Geschättsstelle d. Bl.
(3925

Bei Prafung aller Angebote werden Sie finden, daß es keine
bessere Einkaufsmöglichkeit gibt
Steppdecken in prima Ausführung, in allen Farben, Halb-
woll
- und Wollfüllung Mk. 16.50 19.50 21. 25. 29.
34. 39. bis zu den feinsten Mk. 65.
Wolldecken, erste Qualitäten, Mk. 9.75 bis 69.
Daunen-Steppdecken in viel. Farb. Mk. 69. bis 120.
Metall-Bettstellen, Holz-Bettstellen in hundertfacher
Auswahl für Erwachsene und Kinder
(8910
SalllUatIA
Darmstadt, Markt 11 Mainz, Flachsmarktstr. 24
Telephon 2261
Telophon 2188
R
3a. Ghaufen CAdR
Führerſch 3b. ſich.
Fahr., Stenotypiſt,
geſucht!
Bilanzbuchhalter,
paſſ. Stellung, auch Zur Errſchtung einer Fabrikniederlage
Unternehmen sucht für täglich 4 bis 6 als Chauffeur und ſucht großes Berliner Werk einen Laden
Kaufmann. Angeb. mit Nebenraum, zirka 100 qm groß, im
Stunden einen gebildeten Herrn (möglichst Aerbeten unt E. 94 Zentrum der Stadt gelegen. Geſi.
Ingenieur, entl. pensionierten Beamten) mit a. d. Geſchäftsſt. (* Angeb. unter E 98 Geſchätsſt.

VERDIENST

Bremer Kaffee-
Import- Verſand-
haus
bietet Ihnen ständigen guten und
standesgemäßen Nebenverdienst durch
provisionsweisen Verkauf seiner edlen
iberleeiſchen Erzeugnisse. Benutzen
Sie Ihre guten Beziehungen. Kaffee
und Tee braucht jedermann. Schrelben
Sie sofort R 6282 an Wilh. Scheller,
Annoncen-Expeditlon, BREMEN.
(IV.8874)
DSSSSassss

Wir ſuchen
für einfache Regiſtrier=Arbeiten Ablegen
und Vorlegen von Akten eine hierfür
geeignete Hilfskraft
Angebote mit Lohnforderungen und An=
gabe
der ſeitherigen Tätigkeit erbittet
Herkur, Auskunftei und Inkaſſo=Inſtitut,
Rheinſiraße 22.

Suche zum ſofortig.
Eintritt in Geſchäfts=
haushalt
ein ſaub
junges Mädchen
zur Aushilfe, am
liebſten vom Lande.
Ang. u. E97 Gſchſt (*
O

WElBLICM

Skenokypiſtin
mit gut. buchhalter.
Kenntn. f. hieſ. Ver=
ſicherungsbüro
ſof.
geſucht. Im Fach er=
fahrene
. Bewerbe=
rinnen
bevorzugt.
Angeb. mit Zeugn
u. Referenz. unter
E. 76 Geſchſt. (*
Aelt. Frl., i. Haus=
halt
u. Nähen erf.,
ſucht Stell, z. Ver=
tretung
der Hausfr.
od. Führung beſſer.
frauenloſen Haush
Angeb. unter E. 71
a. d. Geſchäftsſt. (*

Dekorakenr
perfekt i. Lackſchrei=
ben
u. Inſeratentw.
iſt noch einige Tage
frei, g. auch ausw.
Offert. unt E 109
a. d. Geſchäftsſt. (

Jg. Kaufmann,
in allen kaufm. Ar=
beiten
vertr., ſucht
ſof. Stellg. Angeb.
u. P. 103 Geſchſt. (*

Chauffeur
28 J., ledia, Auto=
ſchoſſer
, Führerſch. 2
u. 3b, langj., ſicherer
Fahrer, ſucht Stellg.
Angebote unt. E 8
an die Geſchſt. (8902

Junger Mann, 2.
J. alt, mit Führer=
ſchein
f. Perſon.. Laſtwag,, ſucht
Stellung. Ang. und
F. 2 Geſchäftsſt. (*

Junger Mann ſucht
Stellung f. Lager,
Büro od. ſonſt. Ver=
trauenspoſten
. Ang.
u. E. 122 Gſchſt. (*

A

Gul möbl. Zim.
geſucht. Off unter
E. 106 Geſchſt.

Geſucht

5-6-Zim.-Wohn.

in ruhiger, ſchöner Lage. Ev. mit
Garage. Anzeigen erbeten unter
D. 111 an die Geſchäftsſtelle. (*fg

=Wohnung mit Bad
in zentraler, Lage
geſucht. Angeb
E. 117 a. d. Gſchſt.
Beſchlagnahmefreie
3=Zim.=Wohn. p. ſo=
fort
od. ſp. z. miet.
geſ. Ang. mit Preis
u. E. 95 Geſchſt. (*

3 Zim.=Wohn., evtl.
auch teilw. möbliert
in Darmſtadt oder
nächſte Umgeb. von
jungem, kiuderloſen
Ehepaar ſof. od. auch
ſpät. geſ. Angeb. m
Pr. u. B. 104Gſchſt

1 leer. Zimmer m.
Küche oder 2 leere
Zim. m. Kochgelgh.
geſucht. Angeb. u.
E. 120 Geſchſt.

Suche Wohnung
von 5, evtl. 4 größ.
Zimmern mit Zub.
in ruh. Hauſe, ruh.
freier Lage. Auf
Wunſch läng. Miet=
vorauszahlg
., evtl.
Abſtand. Tauſchwoh=
nung
von 5 Zimm.
vorhanden. Genaue
Angaben erb unt.
E. 123 a. d. Gſch. (*

Möbl. Wohn= u.
Schlafzim. in ruh.
Lage, mögl. m. Bad
u. el. Straßenbahn=
verb
.. Nähe Ernſt=
Ludwigplatz z. 1. 6.
geſ. Angeb unter
E. 108 Geſchſt. (*

Junger Kau mann
ſucht pr. 1 Junimöbl.
Zim. m. Penſ. Mögl,
Zentr. Ang. m. Preis
u. E 111 Geſchſt. (*

Hassia-Sprudef
Diatetisches Tafel-Getränk mit eigener naßärlicher Duellenkohlensäure.

Wegen seines hohen Gehaltes an Natron-, Kalk-, Magnesia- Generalvertretung
und Lithionsalzen von heilwirkendem Einduß
Heinrich Ostertag
bei Harn- und Verdauungsbeschwerden. Erkrankungen der
Leber- und Callenwege sowie Kat arrhen aller Art Hügelstraße 27 Telephon 2468
(7296a
Zu haben in allen Stadtteilen.

A
Dg. Berornient
Schmierölvertreter

für die Oelabteilung erster Motorenfabrik in den Bezirken
Fankfurt a. M. u. Umgegend
Hessen und Pfatz
gesucht. Gute Dotierung.
Nur branchekundige Herren wollen sich melden unt.
E 90 an die Geschäftsstelle ds. Bl.
(8906

für Stapel= und Spezialfenfiter zum
1. Juli geſucht. Bewerbungen mit
Lichtbild unter E 98 an die Geſchſt.
(89 8

Die empſehen.
Alleinmädchen
Zimmermädchen
Haushälterinnen
Beſchließerinnen
Säuglingspflegerinnen
Arbeitsamt Darmſtadt

K

Junge Friſeuſe
welche gut ondul.,
ſucht Nicklas,
Grafenſtraße 24.
Tel. 3723.

Wir bieten größten Verdienſt
durch Uebernahme des Alleinvertriebs unſerer gar, konkurrenzlos daſtehenden Neuheiten
gleicher Effekt u. Wirkung wie die
1. Jages Leuchtſchild nur für Schaufenſter Zeuchtſchilder ohne Strom auf
Lieferautos. Unſere ſenſationelle, umwälzende Neuheit beſteht darin, daß wir
keinen Text, ſondern nur auswechſelbare Buchſtaben liefern, ſodaß der Ladeninhaber
ſich in einer Minute jeden beliebigen Text zuſammenſtellen kann. Ferner kann,
was bisher ebenfalls unmöglich geweſen, jede Minute die Farbe der Buchſtaben
geändert werden. Komplettes Schild in Größe 70 cm kann bereits mit RM. 20.
bis 25. detailliert werden, daher größter Maſſen=Umſatz geboten.
beanſprucht keinen Platz. 70 cm hoch, 76 cm
2. Siſch mit einlegbaren Füßen im Quadrat, Gewicht5 Kilo Füßeeingelegt
iſt der Tiſch nur 3½, em ſtark. Ein derartig vorteilhafter und preiswerter Alleinmädchen
Tiſch war bisher nicht zu haben und bietet derſelbe infolge der verſchiedenen
Ausführungen unbegrenzte Verwendungs= und Abſatzmöglichkeiten
Wir ſind von ſämtlichen Artikeln Selbſtfabrikanten und Eigentümer der Patent= Hausarbeit erfahr.,
und Schutzrechte. Die Artikel werden auf Wunſch auch einzeln vergeben und
iſt Bedingung, daß je nach Artikel und Größe des Bezirks Abſchluß mit ent=
ſprechender
Sicherheit getätigt werden muß. An Kapital ſind 10005000 Mark geſucht.
erforderlich. Um unnötige Verhandlungen zu vermeiden, erbitten nur Offerten,
die unſeren Anforderungen entſprechen. Muſterverſand erfolgt nicht und werden
Intereſſenten von unſerem Bevollmächtigten perſönlich beſucht. Block=Geſ. m.
b. H., Berlin W 9, Potsdamerſtraße 19, Prlmus=Palaſt.
(TV.8877

Kraftfahrzeug-V
Fsioät
ruggs-Gesellschaft

sucht erfahrene

Her

W
Oief
für den Bezirk Darmstadt. Meldung unter E 68
an die Geschäftestelle ds. Bl.
IV8873

welches bügeln kann
ſucht
Diakonissenhaus
Elisabethenstift
Darmſtadt.

Ich ſuche zum Eintritt am 1. Juli
2 durchaus gewandte

Angebote mit Lichtbild, Zeugnis=
abſchriften
uſw. unter E 17 an
die Geſchäftsſtelle ds. Bl. (8801b

Luiſenplatz
Der Vorſitzende: J. V.:

(8922
Hopf.

Ehrliches
mit gut. Zeugniſſ.,
das im Kochen und
bei gutem Lohn z.
1. Juni oder ſpäter
(8775b
Bismarckſtr. 39, pt.
Penſ. Beamt. ſucht
zur Führung des
Haushaltes u. perſ.
Pflege tagsüb. ge=
eignete
Perſönlichk.
Angeb. unt. E. 86
u. d. Geſchäftsſt. (
Elleinmädchen
mt gut. Zeugn. geſ:
Vorm. vorzuſt. be
Fender, Kar ſtr. 14.
(8943
Aleinmädchen
ſof od. 1 JJuni zu
2 Damen geſ. (8954
Lichtenbergſtr. 58, I.
Zuverläſſ., ehrliches
Nädchen
baldigſt geſucht.
Studienrat Schmidt
Beckſtraße 91, II.

frau oder Büro zu
reinigen. Angeb. u.
E. 112 Geſchſt.
Braves, zuverläſſiges
Mädchen
16 Jahre, fortbil=
dungsſchulpflichtig
,
ſucht Stellung in Pri=
vathaus
, am liebſten
zu Kindern. Anfrag.
a. W. Kuſchke, Lehrer,
Niedernhauſen im
Odenwald. (8924
Perf. Schneiderin
mit beſt. Empf. hat
noch Tage frei. Ang.
u. E. 125 Geſchſt. (

Einf möbl. Zimm. /Witwe), in gutem

Jg. Dame aus gut.
Fam. ſucht zum 1.
Juni i. erſtkl. Hauſe
(Künſtlerkolonie)
eleg. möbl. Wohn=
u
. Schlafzimmer m.
Kaffee. Schnelle,
ausführl. Angeb. u.
F 4 Geſchäftsſt

Kleine frdl. Manſ.=
Wohnung für einz.
Dame (Rechtsanw.=

Jange Fkal geſucht. Ang. m. Pr. Hauſe geſ. Angeb.
ſucht Stelle a. Putz= u. F. 8 Geſchſt. (* u. E. 93 Geſchſt. (*

Jg Ehep. mit 1 Kd.
ſucht 1 leer. Zimm.
mit Küche. Ang. u.
E. 80 Geſchſt.

Re
Elektromotor
ca. ½, PS., Dreh=
ſtrom
, 220/380 Volt,
zu kaufen geſucht.
Angeb. unter E 92
an die Geſch. (8911

hell und zuſammenhängend, in guter
Tage mindeſtens 600 qm pro Etage
(Parterre nicht unbedingt erforderlich) für
IEAMRONeERN
am liebſten im Neubau zu mieten geſucht. An=
gebote
unter Ia 2552 an Annoncen-
Albachary, Berlin W. 35. (1V892)

HelokIA KR.ZU
200 ccm steuertrei führerscheintrei
MelOkAR.K. SS
350 CCM.
GONSTIGSTE RATENZAHLUNGSBEDINGUNGEN
GONSTGSTE RATENZAHLUNGSBEOINGUNGEM
Bitte besichtigen Sie die neuen 1922er Modelle General-Vertreter:
oder verlangen Sie unverbindliche Vorführung bei phil, Huck, Darmstadt
Alexanderstraße 6 Telephon 4116

[ ][  ][ ]

Nummer 144

Sonntag, den 26. Mai

Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 24. Mai.
In der Lage der franzöſiſchen Induſtrie ſind keine großen Aende=
rungen
zu verzeichnen. Allerdings haben ſich nicht alle Hoffnungen
erfüllt. Insbeſondere die Erhöhung des Exportes will nicht recht ge=
lingen
, vielmehr iſt wider allen Erwartungen ein Rückſchlag zu ver=
zeichnen
, wie dies in der Handelsbilanz klar zum Ausdruck kommt. Der
Import iſt im Steigen begriffen; es iſt kein Wunder, wenn allzu ängſt=
liche
Gemüter übertrieben peſſimiſtiſche Betrachtungen aufſtellen.
Die Zukunft des Kohlenmarktes verurſacht einige Sorgen. Der
ausnahmsweiſe günſtige Geſchäftsgang des vergangenen Winters war
eine Konjunkturerſcheinung, deren Dauer nicht vorauszuſehen iſt. Die
Konkurrenz des engliſchen Kohlenbergbaues wird ſich ſicherlich noch
verſchärfen. Trotzdem zeigt man in führenden Kreiſen des Kohlen=
bergbaues
wenig Intereſſe für eine internationale Regelung der Koh=
lenproduktion
, denn die Beſtrebungen in Frankreich zielen grißtentells
dahin, den Innenmarkt nach Möglichkeit vollſtändig für ſich zu gewin=
nen
. Bei der Organiſation der franzöſiſchen Induſtrie, welche ſich immer
mehr zum Zentralismus entwickelt, werden dieſe Beſtrebungen auch Er=
folg
haben. Die natürliche Konſequenz wird aber die Verreuerung der
Herſtellungskoſten in allen Induſtriezweigen ſein. Die Kohlen= und
Kokspreiſe haben wieder eine Erhöhung erfahren, die zwiſchen 4 und 6
Franken per Tonne varilert. Die Vorräte ſind faſt vollſtändig ver=
braucht
und eben darum ſind die Ausſichten für das Sommergeſchäft
gut.
Auf dem Eiſenmarkt gibt es vorläufig keine Preiserhöhungen,
ausgenommen einige Exportpreiſe. Eine ſehr große Feſtigkeit der Preiſe
iſt für den ganzen Markt charakteriſtiſch. Die Ausſichten des Kartells
werden hier ſehr günſtig beurteilt. Man nimmt an, daß auch Länder
ſich beteiligen werden, welche früher dem Kartell fernſtanden.
Der Kupfermarkt ſcheint nach den vielen ſpekulativen Preisſchwan=
kungen
etwas ruhiger geworden zu ſein. Die Käufe ſind zurükgegangen,
da man vielerorts auf weitere Preisrückgänge rechnet. Unter den
Kupferſorten ſoll nur das Elektrolytkupfer geſucht ſein, was bei dem
allgemein günſtigen Stand der Elektroinduſtrie leicht zu verſtehen iſt.
Angeblich berſucht das Kartell in New York alles, um eine weitere
Baiſſe der Preiſe zu verhindern. Man hat ſogar von dort aus Ge=
rüchte
über eine bevorſtehende mäßige Preiserhöhung verbreiten laſſen.
Die Vorräte ſind ziemlich zurückgegangen, was damit zu erklären iſt,
daß wegen der hohen Preiſe die Unternehmungen nach Möglichkeit nur
für den täglichen Bedarf einkaufen. Der Einfluß der Londoner Handels=
kreiſe
auf dem Kupfermarkt ſoll geringer ſein als früher; alle
Beſtrebungen ſcheinen darauf hinzuzielen, die Auflöſung des amerika=
nifchen
Kartells zu erwirken.
Eine unmittelbare Wirkung der Kupferhauſſe war ein Aufſchwung
des Aluminiummarktes deſſen Lage jetzt ſehr günſtig iſt.
Die Zukunft des Zinnmarktes wird jetzt günſtiger beurteilt, ob=
wohl
in der letzten Zeit keine Preisſteigerungen vorkamen. Man ſpricht
viel von der Bildung eines Zinnkartells, die Durchführung dieſes
Plans ſtößt aber auf manche Schwierigkeiten. Es gab bereits Ver=
handlungen
zwiſchen boliviſchen und holländiſchen Gruppen. Von der
Haltung der franzöſiſchen Produzenren erfuhr man merkwürdigerweiſe
noch nichts. Die franzöſiſchen Zinnminen entwickeln ſich ſehr flott und
ihre Stärke wird, wie auch bei manchen anderen franzöſiſchen Unter=
nehmungen
, der niedrige Herſtellungspreis ſein. Der Bleimarkt iſt
feſt. Die Preiſe ſind beinahe ſtabil. Die Zinkpreiſe ſind ebenfalls feſt
bei ſtabiler Produktion.
Auf dem Phosphatenmarkte gab es neuerlich einen großen
Aufſchwung. Der Geſchäftsgang war beſſer als ſelbſt die Optimiſten er=
warteten
. Die Ergebniſſe des Geſchäftsjahres 1928 waren für die Phos= Augsb.=Nürnb. Maſch) 78.
phatgruben allgemein ſehr gut.
Die Lage des Nitratenmarktes iſt gut. Die Vorräte ſollen
ſich chileniſcher und künſtlicher Nitrat zuſammen auf 365 000 To.
belaufen, ſind alſo nicht beträchtlich bei einem Geſamtverbrauch von etwa
zwei Millionen Tonnen. Ueber den Geſchäftsgang des Petroleum=
marktes
in der nahen Zukunft gehen die Meinungen ſehr auseinander. Deutſche Bank.
Die Führer der Petroleuminduſtrie klagen darüber, daß die Erdöl= Diskontogeſellſchaft. 156.75 151. MannesmannRöhren!
produktion nicht ertragbringend genug ſei, während bei den Abneh=
mern
die Meinung vorherrſcht, daß die Preiſe noch erheblich herabgeſetzt
werden müſſen, um der Entwicklung der Automobilinduſtrie kein Hin=
bernis
zu bereiten. Beſonders in Frankreich und England, wo die
Petroleumpreiſe vor kurzem erhöht wurden, iſt man ſehr unzufrieden.
Die Frage der Ueberproduktion iſt noch immer nicht gelöſt und es iſt
zweifelhaft, ob ſie in abſehbarer Zeit überhaupt lösbar iſt.
Die Petroleumwerte ſtehen ſeit einiger Zeit Rohal Dutch aus=
genommen
ſehr tief, was man auch daraus erklären will, daß die
Konkurrenz des ſynthetiſchen Petroleums als ſehr ernſt angeſehen wird.

Nach dem Ausweis der Reichsbank vom B. Mai hat die geſamte
Kapitalaulage der Bank in Wechſeln und Schecks, Reichsſchatzwechſeln,
Lombards und Effekten in der dritten Maiwoche um 270,1 Mill. RM.
auf 2711,8 Mill. RMk. abgenoummen. Im einzelnen haben ſich die Be=
ſtände
der Bank an Weihſeln und Schecks um 165,0 Mill. auf 2403,4
SMill. MM. und die Lombardsbeſtände um 119,3 auf 97,2 Mill. NMM ver=
ringert
, während die Veſtände an Reichsſchatzwechſeln um 14,3 Mill.
auf 118,2 Mill. RM. angewachſen ſind.
An Reuhsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 175,5
Mill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen, und zwar hat ſich
der Umlauf an Reichsbanknoten um 161,1 Mill. auf 4006,2 Mill. RM.
und der Umlauf an Rentenbankſcheinen um 14,4 Mill. auf 434,7 Mill.
Reſchsmark vermindert. Ein geringfügiger Betrag an Rentenbank=
ſcheinen
in Höhe vor 41 000 RM wurde getilgt. Dementſprechend be=
laufen
ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf
63,2 Mill. RM. Die freden Gelder zeigen mit 642,3 Mill. MM., eine
Albnahme um 6,2 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Debiſen insgeſamt ſind
um 90,2 Mill. auf 1911,1 Mill. RM. angewachſen. Die Zunahme ent=
fällt
auf die Beſtänds an deckungsfähigen Deviſen, die ſich um 90,4 Mill.
Reichsmark auf 146,5 Mill. NMM. vermehrt haben. Die Goldbeſtände zei=
gen
eine geringfügige Abnahme um 189 000 RMM. auf 1764,6 Mill. RMk.
Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold allein beſſerte ſich
von 42,3 Prozent in der Vorwvoche auf 44,0 Prozent, diejenige durch
Gold und deckungsfähige Deviſen von 43,7 Prozent auf 47,7 Prozent.

Mainzer Produktenbericht vom 24 Mai. ( Großhandelseinſtands=
preiſe
pro 100 Kilo loko Mainz in RM.): Weizen 24, Roggen 22,50,
Hafer 22,2523,75, Braugerſte , Futtergerſte 19,7520, ſüddeutſches
Weizenmehl Spezial Null 32,50, niederrheiniſches Weizenmehl Spezial
Null 34,75, Roggenmehl 01 30,00, Weizenkleie fein 12,50, Weizenkleie
grob 13,50, Roggenkleie 14, Weizenfuttermehl 1313,50, Plata=Mais
Malzkeime mit Sack 19,50 Biertreber 19,50, Erdnußkuchen 20,5021,
Kokoskuchen 20,7525,50, Palmkuchen 19,5020,25, Rapskuchen 19,25 bis
20,00, Kleeheu loſe 1314, geb. 1414,50, Wieſenheu 12,5013, Ma=
ſchinenſtroh
5,00, Drahtpreßſtroh 5,25, weiße Bohnen 83,00 Tendenz:
ſchwach.
Frankfurter Eierbericht vom 25. Mai. Das größere Angebot von
Eiern, beſonders von Auslandsſeite, drückte auf die Marktlage, und die
Preiſe gaben nach. Die Verbraucherkreiſe hielten ſich zurück, und das
Geſchäft büßte an Umfang betrich=lich ein. Italiener nücht notiert, Buil=
gariſche
8,258,50, Solländiſche 9,5011,50, Jugoſlawiſche 99,20, Pol=
niſche
6,757,25, Ruſſiſche 7½7,25 Däniſche 9,5012, Belgiſche 9.50
bis 10, Franzöſiſche 9,5010, Schleſiſche 9,7510,50, Bayeriſche 99,75,
Norddeurſche 9,5010, Rumäniſche 88,50
Vom Rohhäutemarkt. Der Rohhäutemarkt zeigte weiterhin gegen=
über
dem Vormonat abſchwächende Tendenz, wobei allerdings bemer=
kenswert
iſt, daß die eben zu Ende gegangene Frankfurter Häuteauktion
etwas beſſere Preiſe als die vor einigen Tagen abgehaltenen übrigen
ſüddeutſchen Auktionen ergab. Allerdings mußten verſchiedene Loſe
zurückgezogen werden; im ganzen war aber die Kaufluſt gut.
Biebmärkke.
* Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am Samsrag, den
25. Mai, wurden 325 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 270 Stück,
und zwar Milchſchweine das Stück von 2740 Mark, Läufer das Stück
von 4560 Mark.

Mannheim, 24. Mai.
Die abgelaufene Berichtswoche, die durch die Pfingſtfeiertage unter=
brochen
war, umfaßte nur wenige Tage. Die Tendenz war vorwiegend
ruhig, und da auch vom Auslande keine anregenden Berichte vorlagen,
ſo blieben die Umſätze klein. Die Preiſe haben auf der ganzen Linie
eine mehr oder weniger ſtarke Einbuße erlitten. Die heutigen Notie=
rungen
an der Mannheimer Produktenbörſe ſtellten ſich in RM. die
100 Kilo waggonfrei Mannheim: Weizen inländ. 2424,25, ausländ.
24,5026,75, Roggen inländ. 22,7523, ausländ. 23,00, Hafer inländ.
2324, ausländ. 21,2522,75, Braugerſte geſtrichen, Futtergerſte 19,50
bis 22,00, Mais gelber mit Sack auf Bezugsſchein 21,00. Futtermittel
lagen bei dem ſchönen Wetter recht ruhig und die Preiſe gaben ſtart
nach. Weizenkleie 12, Malzkeime 18,5019,50, Biertreber 1920, Wie=
ſenheu
(loſes) 12,8013,50, Rotkleeheu 13,6014,10, Luzernekleeheu 13,80
bis 14,70, Roggen= und Weizenſtroh 5,806,40, Hafer= und Gerſtenſtroh
5,506,00. Mehl ag in Uebereinſtimmung mit der ſchwachen Haltung
am Brotgetreidemarkt ſtill; ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 32,25,
ſüddeutſches Roggenmehl 2932 (Großmühlenpreiſe) waggonfrei Mühle.
Hopfen hatten recht ruhigen Markt bei unbedeutenden Umſätzen. Das
Wachstum der jungen Pflanzen macht gute Fortſchritte. Auch Tabak
verkehrte in ruhiger Haltung. Pfälzer Sandblatt 90140 Mark. pfäl=
zer
Sandgrumpen 6580, 1928er Zigarrentabak per Sommerlieferung
7080 RM. per Zentner.

Frankfurt, 25. Mai.
Die Wochenſchlußbörſe ſetzte bei ſehr zurückhaltendem Geſchäft er=
neut
ſchwächer ein, da die ernſthaften Differenzen in den Pariſer Ver=
handlungen
noch nicht behoben ſind, wenn auch mit einem Abbruch der
Konferenz ſchließlich doch nicht zu rechnen iſt. Mehr als dieſe poli=
tiſche
Frage wird die angeſpannte Lage des Geldmarktes als beſorgnis=
erregend
betrachtet, da für die Börſe mit einem flüſſigen Geldmarkte auf
längere Zeit nicht zu rechnen ſei. Immerhin dürfte der Ultimo wegen
der frühen Vorbereitung ziemlich reibungslos bezüglich des Geldmarktes
verlaufen. Da erfahrungsgemäß an der Wochenſchlußbörſe wegen des
frühen Beginnes nur kleine Aufträge einlaufen, konnten die wenigen
Abgaben nur zu teilweiſe ſtärker ermäßigten Kurſen Aufnahme finden.
Die Farbenaktie verlor gegenüber der Abendbörſe 0,75 Prozent, Siemens
2, Schuckert 1,5, AEG. 1 Prozent. Schiffahrtswerte weiter gedrückt,
Nordd. Lloyd 1,5 Prozent niedriger. Auch Montanwerte zeigten weitere
Kursabſchläge im Ausmaße von 12 Prozent. Die Karſtadtaktie war
unverändert auf ihrem geſtrigen Stande behauptet. Banken bröckelten
noch leicht ab. Auch für Zellſtoffaktie war die Haltung eher etwas leich=
ter
. Renten umſatzlos. Im ſpäteren Verlaufe konnten auf Wochenſchluß=
glattſtellungen
die meiſten Kurſe ſich erholen, ſo daß die Anfangsverluſte
nicht nur ausgeglichen, ſondern mäßige Beſſerungen erzielt wurden.
Beſonders A. E. G., Siemens, Farbenaktie und Kaliwerte kräftiger er=
holt
. Wenn auch mehrfach noch Schwankungen eintraten, wurde die
Vörſe doch etwas widerſtandsfähiger. Der Geldmarkt zeigt keine weſent=
liche
Veränderung. Tagesgeld 7,5 Prozent, Monatsgeld 9,5 Prozent.
Auch am Deviſenmarkt blieb die Mark gut behauptet. LondonNew
Yorf 4,847/; PfundeMark 20,35½; Dollar-Mark 4,19,70.
Berlin, 25. Mai.
Nach vollkommen geſchäftsloſem Vormittagsverkehr eröffnete, die
heutige Börſe in ſchwächerer Haltung. Das Geſchäft war außerovdent=

A. E. G..
185:), 185. Hirſch Kupfer .
77.75 1 Höſch Eiſen
Baſalt .....
49.25 49.50 I Hohenlohe Werke.
Bergmann.
208. 1207. 1 Lahla Porzellan.
Berl. Karlsruhe In
58.25 58.50 1 Kali Aſchersleben:)
Berl: Hand.=Geſ.
Fe10,50 lau0. V . Salzdetfurth*
Braunkohl. Brikettsl 152. 1158.
Weſteregeln
Bremev=Wolle.
173. 174.75 Lindes Eismaſch.
Danatbank.
252.75 les2.50 1 L. Loewe & Co...
158. us9.50 Lingel Schuh...
Dresdner Bank..
154.75 154.75 Niederlauſitzer Kohlel
49. Nordd. Lloyd.
Deutſche Maſchinen / 49:
Orenſtein...
Deutſche Erdöl..
110.50 110).
Polyphon ..
Deutſche Petroleum / 65. 65.
Hynamit Nobel.
Rütgerswerke..
113. 1112.
Sachſenwerke
Elektr. Lieferung:
156. 154.
J. G. Farben.
1242.50 l240.25 Siemens Glas.
Ver. Glanzſtoff
Gelſenk. Berg.
128.50 127.
Geſ. f. elektr. Ur
215. 1212,25 Ver. Stahlwerke.
Volkſtedter Porzellan
Han. Maſch.=E.
48. 48.
Hanſa Dampfſch.
1142.50 143.25 Wanderer Werke.
Wiſſner Metall".
Hapag ...
115. (115.
Wittener Gußſtahl".
Harpener
126), 1137.
Hemoor Zement
280.
*) Die 3 Kalinerte verſtehen ſich exkl. Bezug2recht.

24. 5.
116.
89.
80.
231.50
Fr.
237.75
169.75
198.
48.
115=),
139.50
108.
87.
444.
85.75
103.
125.
113.
91.75
36.
73.
47.

25. 5.
129.
116 25
8
79.55
229.50
379.
2375
168.75
196.
1113.50
138.50
1107.
87.
1447.
85.
163.
127.
418.
91.50
36.25
72.75
125.
45.

Helſingfors..
Wien.......
Prag ......"
Budapeſt ..."
Sofia ...."
Holland ..."
Oslo ........
Kopenhagen..
Stockholm.. ..
London... ..
Buenos Aires.
Newv York...
Belgien......

Geid
10.542
56.89
12.421
73.11
166.59
11174
tinnnst
112.05
1.754
4.1945
58.24

Brief
19.564
59,01
12.44
72.25
2.037 3.003
168. 92
11.9e
111.9s5
ii2 29
20.339/20,378
1.762
4.2025/4

25. 5.
Geld Brie
10.54 10.58
58,87 68.99
12.41312,433

7308
3.027
88.59
111,8s
111.68/111.9
12.07
20.333
1.757

h3.20
2.033
169.86
Mitf.s1
12.29
e20.373
1.761
4. 19251g.2005

58.36 158.23 58.35

Italien ....."
Paris ......."
Schweiz ...."
Spanien...."
Danzig ......"
Japan . . . ...."
Rio de Janeiro
Jugoſlawien..
Portugal. ...
Athen ......"
Konſtantinopel
Kanada . . . . . ."
Uruguay .. . . ."

24.
Geld /Brie
21.945
18.385
s0.74 00.90
59.63
81.33 181.49
1.868
0.499
7373.
18.77
5.445
2.03
4.164
4.056

5.
21.98:
16.42
9.757
1.875
0.50 12
7.362
8.812
5.45
2.04
4.17

4.064 4.066 4.074

25. 5.
Geld Brief
21.95 f41.99
18.383/16.425
80.71580.875
69.52 58.64
R1.28 81.44
1.866/ 1.870
.498 ſo.500
7.368 7.382
He.77 118.21
5.445/ 5.455
2038 2.042
4.160/ 4.168

lich gering. Auslandsorder lagen nicht vor, das Publikum zeigte eben=
falls
noch keine Neigung, ſich wieder an der Vörſe zu betätigen, und
die Spekulation ſchritt, obwohl ihre Engagements im allgemeinen an
ſich ſchon gering ſind, in Anbetracht des bevorſtehenden Ultimos zu Po=
ſitionslöſungen
. Nach den erſten Kurſen wurde es vorübergehend etwas
ſchwächer. Sräter ſetzte ſich aber, von Elektrowerten ausgehend, eine
Erholung um 1 bis 2 Prozent durch. Salzdetfurth, Glanzſtoff und Poly=
phon
zirka 5 Prozent höher. Otovi lebhaft und 1 Mark feſter.

* New York, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Am Wochenſchluß bewegte ſich das Geſchäft am Baum=
wollmarkt
in ruhigen Bahnen. Die ſchwache Veranlagung der Effekten=
börſe
regte lokale und Wallſtreetfirmen zu Abgaben an, die zunächſt
einen Rückgeng der Preiſe hervorriefen, um ſo mehr, als den Verkäufen
keine große Kaufluſt gegenüberſtand. Das Niedergehen von Regen=
fällen
in den weſtlichen und mittleren Anbaugebieten ſowie die Ankün=
digung
, daß zum Wochenende in allen Baumwollgegenden mit Regen=
ſchauern
zu rechnen ſein wird, riefen im Verlauf eine Erholung hervor.
Weizen: Der Weizenmarkt war heute wiederum recht ſchwach ver=
anlagt
auf Grund von Meldungen über wohltuende Regenfälle aus
Kanada und Argentinien. Später trat eine Erholung ein, da ſich auf
dem niederen Preisniveau Kaufneigung bemerkbar machte und hauſſe=
günſtige
Nachrichten aus Kanſas vorlagen.
Mais: Nach ſchwachem Verlauf trat am Maismarkt gegen Schluß
auf Ankündigung ſchlechten Wetters eine leichte Befeſtigung ein.
Roggen: Infolge des im Nord= und mittleren Weſten herrſchenden
fruchtbaren Wetters, der ſchwachen Veranlagung Winnipegs und ſchwä=
cheren
Meldungen aus Europa verkehrte der Roggenmarkt in ſchwacher
Haltung. Erſt gegen Schluß trat im Einklang mit dem Weizenmarkt
eine Erholung ein.
Hafer: Der Hafermarkt war gleichfalls ſchwach veranlagt. Das
günſtige Wetter und die großen Waggonzufuhren nach Chikago waren
in der Hauptſache für die ſchwache Stimmung verantwortlich.
* Chikago, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Fettwaren: Die ſtetige Veranlagung des Schweinemarktes und feſte
Preismeldungen aus Liverpool kamen am heutigen Schmalzmarkt in
einem Anzehen der Preiſe zur Auswirkung. Die Marktlage wurde
ferner durch die ſtetige Tendenz der Lokomärkte günſtig beeinfleißt.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 25. Mai:
Getreide: Weizen, Mai 101½, Juli 104½, Sept. 108½, Dez.
112½: Mais, Mai 84½, Juli 86½, Sept. 87½, Dez. 82½; Hafer,
Mai 44½, Juli 43½, Sept. 42½; Roggen, Mai 85, Juli 84½,
Sept. 87½.
Schmalz: Mai 11,62½, Juli 11,85, Sept. 12,20, Okt. 12,32½.
Fleiſch: Rippen, Mai 12,90, Juli 13, Sept. 13,25; Speck, loco
13: leichte Schweine 10,2511,35, ſchwere Schweine 10,6011,15;
Schweinezufuhren Chicago 6000, im Weſten 35 000.
Chicago Bcmwolle: Mai 18,62, Juli 18,51.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 25. Mai:
Getreide: Weizen, Rotwinter 124½, Hartwinter 115½: Mais
neu ang. Ernte 96½; Mehl ſpr. wheat rlears 5,255,50; Getr.
Fracht nach England 1,92,6 sh, nach dem Kontinent 1113 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,35; Talg, extr aloſe 778.

In dem Lohnſtreit im Holzgewerbe wurde geſtern abend ein
Schiedsſpruch gefällt, nach weſchem die Tariflöhne in allen Ecklohn=
ſtüdten
ab 2. Juni um 4 Pfennige, ab 1. November um weitere 2 Pfen=
nige
erhöht werden. Im gleichen Verhältis werden die beſtehenden
Löhne und Akkordſätze erhöht. Das Lohnabkommen kann mit ſechs=
wöchiger
Friſt erſtmalig zum 1. Auguſt 1930 gekündigt werden. Die
Parteien haben ſich bis zum 2. Juni zu erklären.
Die Zahl der Monatsbilanzen veröffentlichenden deutſchen Kredit=
banken
hat ſich per 30. April gegemüber dem Vormonat um zwei er=
höht
. Dinzugekommen ſind die Hollandſche Kreditbank A. G., Düiſſeldorf,
und die Wurzener Bank, Wurzen.
Die ordendliche Hauptverſammlung der Bank für Landwirtſchaft
A. G., Berlin, gehnemigte einſtimmig die bereits bekannte Dilanz und
beſchloß die Verteilung einer Dividende von wieder 8 Pvozent auf die
Vorzugs= und wieder 4 Prozent auf die Stammaktien.
Am 26. Mai feiert das ſtellvertretende Vorſtandswitglied der Frank=
furter
Hypothekenbank, Anton Ahrens, ſein 50jähriges Dienſtiubiläum.
Am 28. Mai vollender Fabrikdirektor a. D. L. Schärf in Münſter
in Weſti. ſein 70. Lebensjah= und kann auf eine mehr als 30jährige lei=
tende
Tätigkeit in der Kalk= und Zementinduſtrie zurückblicken.
An Stelle des verſtorbenen Bankiers Heller, des Vorſtandes der
Dresdener Börſe, wurde Bankier Maron zum Vorſtand der Dresdener
Börſe gewählt.
Die luxemburgiſche Geſellſchaft Société Internationales des Con=
buſtibles
Liquides, die eine Studiengeſellſchaft zur Erppobung des
Bergiusterfahrens (Kohleverflüſſigung) in Frankreich, Belgien und
Luxemburg iſt, ſetzte im vergangenen Jahre ihre Verſuche fort, ohne
jedoch ein greifbares Reſultat zu erzielen. Die Bankguthaben nahmen
von 1 241 000 Fr. auf 1054 000 Fr. ab. Vom Kapital (6 Mill. Fr.) bleibt
noch die Hälfte einzuzahlen.
Nach einer Veröffentlichung des franzöſiſchen Finanzminiſteriums iſt
der franzöſiſhe Getreidezoll von 35 auf 50 Fr. pro Zentner erhöht
worden. Das Nachlaſſen des Kornanbaues in Frankreich und die Preis=
baiſſe
für ausländiſches Getreide haben die Erhöhung des Zolles zum
Schutze der franzöſiſchen Landwirtſchaft erfordert.

Frankfurter Kursbericht vom 25. Mai 1929.

6%0 Dtſche. Reichs=
anl
. v. 27.....
% Baden Frei=
ſtaat
v. 27 ....."
6% Bahern Frei=
ſtaat
v. 27.....
% Heſſen Volks=
ſtaat
v. 28....."
6% Preuß. Staats=
anl
. v. 28......
6% Sachſen Frei=
ſtaat
v. 27.....
12 ThüringerFrei=
ſtaat
v. 27..

Di che. Anl. Auslo=
ungsſch
. * I.
Ablöſungsant.
Otſche. Anl. Ablö.
ungsſch. (Neub.)
Diſche. Schutzge=
bietsanleihe
. . ..
*20 Bab.=Vad.v. 26
6%0 Berlin v. 24...
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
8%
720 Frll. 0. M. v.26
8½ Mainz v. 26...
8½ Mannh. v. 26
82 Nürnber 26
Di. Komm. Sam=
wel
-Ablö ſ.-Anl.
* Ausl. Ser. 1
Ser.II
88 Ber bhp.=Bl.
520 Frkf. Khv. Bk.
4 ½ %r Lig. Pfbr.
Pfbrgk..
2,
8½ %r Lig. Pfbr.

87.25

97.5
97.5
74.25
98
74.75

82 Heſſ. Landesbk.
4X% Heſ.Sbö. Hp.
Bk.=Ligid. Pfbr..
8% Kom. Landes=
bank
Darmſtadt.
18% Mein. Hyp. Bi.
4½% Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
8% Preuß. Ztr.=
Stadt ſchaft. .
18% Rhein. Hhp.=Bk
4½% Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Cred ......
8% Südd. Bod.,
Cred.=Bant...."
8% Württ. Hyp.=B.
6% Daim ler Benz
von 27......."
8% Klöckner=Werke
Berlin v. 26....
72 Maintrw.v. 26.
7% Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26.
8% BoigtckHäffer
von 26 ....."

J. G. Farben Bonds
98........"
5 % Bosn. L. E. B.
v. 1914........
4/,% Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914 ...
420 Oſt. Goldrente
4),% Rum. Gold
von 1913 ..."
4%5 Türk. Admin.
4% 1.Badgad)
4% Bollanl.
Uſ. %Ungarn 1913

97.25
85
72.25
94
82.5
97.5
72.6
97.5
97.5
97.75
75.65
97.5
98.5
97.75

67.5

88
80.5

34.25
28.25

Gl.

4,% Ungarn 19141
42
Goldr.,

Antien.
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatk
Darmiſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ...!
Eff.=u. Wechſel=
bank
.. . . . ...."
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſell ch.
Dresdener Bank ..!
Frankf. Bank . ..
Hhp.=Bk.
Pfdbr.=Bi. . ..
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank.
Mitteld. Creditbk..
Nürnb. Vereinsbk
Oſt. Crebitanſtalt. .
Pfälz. Gyp.=Ban1=
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbt. .
Hyp.=Bank ...
Südb. Bob.-Vr. Bk.
Wiener Banwerein
A.G. . Vertehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ..
7% Dt. Reichsbahn
Borzge .....
Hapag ........."
Nordd. Lloyd ....
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

Accum. Berlin.
Adleriv. (v. Klehzer)
6% AEG. Borzug

121.5
161.5
181.5
252.5
158.75
125
99
150
1541,
04
134.25
A

180
15)
31.5
3oo
125.2.5
150
13

155
86
114
107.5
124

NEG. Stamm..
Baſt Nürnberg ..
Bergm. G. Werke
BrownBroverickCie
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen ...!
Eement Heidelbergl134
Karlſtadt!,
Chem.WerkeAllbert.
Chade ...........
Daimler=Benz....!
Dt. Atl.=Telegr.. ..
Eiſenh. Berlin.
Erböl ......
Gold= u. Silb.=Anſtalt
Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer./30)
Eleftr. Lich u. Kraftl212
Liefer.=Geſ.
Eſchw. Bergwer:.
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnereil210
J. G. Farbenindſtr. /2411),
Feinmech. (Fetter).
Fel t. & Guilleaum.
Frkft. Gas ..... . . 1130
Hof ......../ 77.25
Geiling & Cie ..../ 45
Gelſen 1. Bergwer!/128.5
Gef. elektr. Un=ſ.
ternehmungen . 1213
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinenl 78.25
Grün e Bufinger 1167
Dafenmühle Frkft. 1130
Hammerſen (Oen.
Harpener Bergbau/136.25
Henninger, Kempf. /171
Gilpert Armaturfb./ 89
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch aupfer ... 130

Ve

140
105

172

109.75
159
322

36
8773

Hochtief Eſſen ..."
Holzmann, Phil. .
Holzverk.=Induſtrie
F lſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm
Kali Aſchers leben.
Salzdetfurth,
Weſteregeln.
Kämmgarnſpinn
Karſtadt, N...... .!.I
Klein, Schanzl. . .
Klöcknerwerke ....
Kraftw. Alt=Württ.
Lahmeyer & Co...11
Lech, Augsburg...
Löwenbr. Münch..
Lüdenſcheid Metalt
Lutz Gebr. Darmſt.
Maintr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. ..
Mannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb.,
Mars=Werke .....
Metallgeſ. Frantft. 125
Miag. Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motorenfb. Darmſt.
Neckar). Fahrzeug..
Nicolah, Hofbr....
Oberbedarf. ......"
Oſterr. Alpine Mo.
Otavi Minen ..
Beters Union Fr. 1./414
Phönix Bergbau.
Reiniger, Gebb.. . . 1102.5
Rh. Braunkohlen" .
Elektr. Stamm 11
Stahlwerke. . . !.
Riebeck Montan ..
Roeder ob. Dar =

99
109
90
207
116.5

198
95

165.25

285
89

53
59.5

145

65.5
85.5

112

Rütgerswerie
Sachtleben A. G....
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr..
Schwarz Storchen. 163
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halste.
Strohſtoff. Ver....
Südd. Immobilien!
Bucker=AG.)/1
Svenske Tändſtick
Tellu sBergbau..
Thür. Lie ſ.=Geſ...
Tucher=Brauerei..
Unterfr. Krs.=Elek=),
tr.=Ver .......
Beithwerke ....."
Ver. ſ. Chem. Ind
Gummifabri!
Berlin=Fran 11
Laurahütte ..
Stahlwerke ..
Ultramarin . . /148.5
Zeliſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin
Voigt & Haeffner.. 1
Wayß & Freytag.
Wegelin Rußfabrikl116
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſchaffbg. 1177.75
Memel. . . . . .
Waldho ...."

Mai
190
340
123.5
239.75

Allianz u. Stuttg.
Verſticherung ..
Frkft Allg. Verſ..6
Frankona Rück= u.
Mitv. . .. ."
Mannh. Verſich. . .

102
21
84.25
66
104.5
67

205

[ ][  ][ ]

Geite 14

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

Ueber

DAANTTE
schrieb die Berliner Montagspost‟:
Ein Film mit starken tragischen Akzenten, aus dem
Leben geschöpft und von Max Glaß lebendig gestaltet.
In der straffen Regie von Jaap Spever zu packender
Wirkung gebracht. Heinrich George massiv, trieb-
haft
, kindlich, brutal, hilflos, in jeder Bewegung echt.
Maria Jacobini spielerisch, sinnlich, gelangweilt, zer-
quält
, zerbrochen, immer von wunderbarer Belebt-
heit
der Miene.
So urkeilte dle gesamte Presse!
Außerdem läuft noch:
Was eine schöne Frau begehrt!
mit Blllle Dove.
Beginn 3 Uhr.

Palast-Lichtspiele
Grafenstraße

Nur noch heute:
Die Bettlerin
dort Kansal
Maciste
und die Javanerin
2 der bedeutendsten
Sensations-Großfilme
Beginn 3 Uhr.

Urode Harsherrorbientang
Kinder zahlen 50 , 75 und 1., Erwachsene nor-
male
Preise.

Nur noch heute!

Alle Besucher dieses Programms können ohne
Jachzahlung unser ebentalls für Jugendliche zuge-
assenes
Großprogramm anschließend sehen:
Die neue Heimat
Ein Auswandererschicksal in 7 Akten und
Die Atlanticfahrt des Ver=
messungsschiffes
Meteor
(TV.8961

Tel. 4348. Jnh. Hans Tod, Dieburgerſtr. 97
Heute Sonntag von 4 Uhr ab
Großes
Panlnzstest
im Garten
Konzert s
von 8 Uhr ab
Tanz im Saal,
Tanz und Eintritt frei
Gut bürgerlicher Mittagstisch
Reichhaltige Abendkarte.

Konditorei Kaffee Reſiaurant
Morneweg
Am Haupt=
dlatz
3
bahnhef TOTT
NONZERI

(51a)

Kammeldrau*Sarien
Rheinſtr. 101 gegenüb. d. Feſthalle Telef. 2519
Heute nachmittag 47 Uhr
und abends 811½ Uhr
KONZERT
Mittagstiſch von 122 Uhr von Mk. 1. an
Preiswerte Abendkarte
Eis Kaffee Torten
Im Ausſchank:
Rummel=Spezial=Bier
Inh. K. Heidenreich

eiintgälien sCan
Sonntag, den 26. Mai
Künſiler=Konzert
Stadt=Orcheſter
nachm. 4 Uhr st.8963 abends 8 Uhr

vro Beäntage
verbringt man am schönsten im
Boorbtäre Hestäarant ann
Gäue Aur Bonentantdr
Sonnige Terrassen, schattiger
staubfreier Garten. (8946
Konzert
Jeden Mittwoch und Samstag
Kaffee- und Kuchen-Tag
Täglich Konzert
Mittwoch, 29. Mai: Venezianische Nacht

Luftkurort
Ludwigshöhe
Telephon 591 (8957
Heute nachmittag ab 4 Uhr
Grosses Konzert
(Stadtorcheſter)perſönliche Leitung
Kapellmeiſter Willy Schlupp.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.

ſchnell u. gut. (7811s
Alb. Fraatz,
Wilhelminenplatz 2
Teleph. 1126.

Achrung.

nur prima Quali=
tät
, zu den kulante=
ſten
Bedingungen.
Auch Stückware. Er=
bitten
Sie unverb.
Vertreterbeſuch.
StrengſteDiskretion
zugeſich. Angeb. u.
E. 75 a. d. Geſch. (*

HOTEL UND RESTAURANT
POST
inks vom Hauptbahnhof

Heute Konzert
Das beste aus Küche u. Keller

Hessisches
Landestheater
Sonntag,
26. Mai

1822.15 Uhr
K 17

Hessenland-
Miete III, 11
KleinesHaus 19.3022 Uhr

Lohengrin
Bühnenweihfestspiel von R. Wagner
Preise: 110 Mk.

Das Kamel geht durch das Hadelöhr
Lustspiel von Frantisek Langer
Preise: 1.206 Mk.

AMERIKA auswandern

wollen, so tragen Sie zuerst unseren
Vertreter, der Ihnen kostenlos Auskunft
über die Einreisebestimmungen, Be-
schaffung
des Visums u. a. erteilt und
Ihnen bei der Platzbelegung behilflich ist.
WHITE STARLINIE
Vertreten durch:
Friedr. Horn in Fa. Adam Horn
Darmstadt, Kirchstraße 14 II.Bln.7312

Sämtliche Arten
Tennisſchläger=
Reparakuren
werd. fachmänniſch.
ſchnell und billig
ausgeführt. (8923
Friedrichſtr. 18, III.
Woog, 25. Mai 1929.
Waſſerhöhe . 3,87 m
Luftwärme . 180 C.
Waſſerwärme vor=
mittags
7 Uhr 200 C.
Woogs=Polizei=Wache

Orangeriehaus
Sonntag, den 26. Mai
Haernsscher Hachn
Stadt-Orchester
Leitung:
Kapellmeister W. Schlupp
Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg
Zehnerkarten haben Gültigkeit.
Voller Restaurationsbetrieb.
Mittag- und Abendessen
von Mk. 1.30 an. (8962)

AMNENTARTA

Heute abend ab 7.30 Uhr
NOllZeT!
mit
7759a
Tanz-Einlagen

Heitder änrsisttärchech
Ecke Bismarck- u. Wendelstadtstr.
Inh.: Ph. Doerr Telephon 4157
Heute abend /8947
Kohzer!
Schattiger Garten.
Bekannt für vorzüglichen, preiswerten
Mittagtisch. Reichhaltige Abendkarte.

KONLER!
heute abend im
RESTAURANT ODEON
Marienplatz (8917) Verstärkt. Blasorchester

A
Aonopel
Neuer Besitzer: Arthur Meyer.
Bleichstraße 43
Heute
uls vent geunner
Im Ausschank: (890
Bier, Wein und Kaltee
A

Borrsdahte.

Samstag, den 1. Juni 1929. 20 Uhr,
im Saalbau
Buragseke!
unter Mitwirkung von Frau Regina
Harre und Fräul. Maria Kienzl
und der Herren Baumeiſter. De=
harde
und Tibaldi (am Flügel
Herr Bamberger) ſowie des
Schnurrbuſch=Quartetts.
Die Mitglieder und Freunde der
Volksbühne ſind zu dieſer Feier herz=
lichſt
eingeladen
Die Preiſe für Eintritt u. Tanz betragen:
a) im Vorverkauf in der Geſchäftsſtelle
der Volksbühne. Eliſabethenſtr. 34
(Haus Alter);
1. für Mitglieder auf jede vorge=
legte
Mitgliedskarte zwei Ein=
trittskarten
je 1.
2. für Nichtmitglieder 1.30 .
b) an der Abendkaſſe im Saalbau 1.50
Der Vorverkauf beginnt Mon=
tag
, den 27. Mai 1929. 16 Uhr. (8904

Bürgerliches Spelsehaus
mit eigener Metzgerei
FRANZ BUTTLER
ntere Landwehrſtr. 62
Tel. 3187
Speiſen für Sonntag, den 26. Mai 1929.
1 Mark
80 Pfennige
Legierte Reisſuppe Legierte Reisſuppe
efüllte Kalbsbruſt / Schweine=Koteletts
Stangenſpargel
Kartoffel
Raxtoffel. Van. Eis / Kopfſalat
70 Pfg. Legierte Reisſuppe, Spinat mit
Spiegelei, Kartoffel
Im Ausſchank ff. Rummelbier.
Täglich auswahlreicher Mittagstiſch.

eoe

bei Darmſtadt, am Meſſeler Park.

Diners und Soupers
Kalte und warme Speiſen
zu jeder Tageszeit.
Kaffee und Kuchen.
Telephon Darmſtadt 44. (8948b

Zur Einkehr in Traisa
empfiehlt, ſich das altbekannte Gaſthaus
mit Metzgerei
Zur Traube früher I. Waller.
Bürgerliche Küche, guter Mittagsti ch,
Rumme bräu gut geflegie Weine.
Herrlicher Garten.
Feſellſchaftszimmer mit neuem Klavier.
Beſitzer: Fr. Altmann.

Gardinen ſpannen
Lantenſchläger, Moosbergſtr. 60,

Neues Schießhaus
F Heute ab 4 Uhr
TANZ

Gute Speiſen und Getränke.

(5984a

Das große Wordseebad
die grüne Stadttam Meer
derSendott für Vordseeas=
HürreBillige Helgotervifahten
Keine Kurtage keine Scisonpreise
Heiteschritdrh Babenshng
wilhelmshauen, Rathaus:
oder duch die Reisebüiros

TV.7126

Kleidung u. Wäsche
für Damen und Kinder (auch
421a Knabenkleidung)werden nach den
neueſten Modellen angefertigt.
B. Mungessen
Darmſtadt
Grafenſtraße 39

Dautthn
Motorsagen
in allen Preislagen:
Wanderer Lim. 5= Sitzer 10/50
6 Zylinder . . ℳK 7995. a.W.
dixi Lim. 5 Sitzer 9/40
6 Zylinder . . K 5750. a.W
Brennabor 6/25
4=Sitzer, offen 3980. a.W
4=Sitzer. Lim 4750. a.W
4=Sitz=Cabriolet 4950. a.W.
Dixi 3/45 Lim.
2500. a.W
offen . . . . 2 200. a.W.
Laſſen Sie ſich vor Kauf einen dieſer
Wagen vorführen.
J. Donges &Wieſt
Grafenſtraße 43/45 (6989a

Der Bund‟
Zentrale Kiel
hat nachweislich ſchor
vielenTauſenden zum
Erfolg verholfen. Es
iſt auch notariell feſt=
geſtellt
, daß ſchon ſehr
oft nach wenigen
Monaten durch den
Bund ein reiches
Lebensglück gefunden
wurde. Keine Ver
mittlung, vorſchuß
rei! Viele Ein=
heiraten
. Bundes=
ſchrift
A. 15 gegen
30 Pfg. Rückporto
koſtenfrei durch:
Der Bund
Zentrale Kiel.
(1P.5133)

Nett. fleiß. Arbeit.,
25 J. alt, wünſcht
mit brav. Mädchen
zw. ſpät Heirat bek.
zu werd. Etw. Aus=
ſteuer
erw. Ang. u
E. 85 a. d. Geſch. (*

Gebild. Herr
(Hochſchule), mittl.
Jahre, in geſichert.
Poſition, repräſent.
Erſch., hier fremd.
wünſcht nette Dame
bis Mitte 30, o. K.,
zwecks ev. Heirat k.
zu lern. Nichtanon.
Antw. erb. u. E. 105
a. d. Geſchäftsſt. (

Reelle Heiraten
durch d. Büro Frau
G. Schuchmann,
Darmſt., Stiftſtr. 46.
Einheiraten f. Da=
men
u. Herren.

Doktor
vierziger, Junggeſ.
Inhaber groß. Fabrik=
unternehm
., wünſcht
auf dieſem nicht mehr
ngewöhnlich. Wege
eine Gattin. Ang. u.
11655an AlaHaaſen=
ſtein
& Vogler, Ber=
in
W. 3,5. (II. BIn. 8914

1000 Mar.
Hypothek auf ein.
Neubau von Beam=
ten
a. Privathand
geſucht. Angeb. unt.
E. 74 an die Ge=
ſchäftsſtelle
.

Reichsbeamte
der. Monatspenſ=
225 RM. über=
ſteigt
, erhalt. dch.
Aktiengeſellſchaft
größ. Darlehen
mit 20 jähriger
Laufzeit zu gün=
ſtig
. Bedingungen
Fa. Gg. Ebert
Darmſtadt
Saalbauſtraße 60.
Tel. 1117. (*mfg

Angeſt ſucht kurzfr.
v. Selbſtgeb. 150
geg. gute Sicherh. u.
hohe Zinſ. Ang. u.
118 a. d. Gſchſt.
I. Hypotheken
8% Zinſ.,
95 %0 Auszahlg.,
9½% Zinſ,
98 % Auszahlg.
II. Kypotheken
12%6 Zinſ,
100 % Auszahlg.
Bauzwiſchen=
kredite
.
H. Meldmann
Bankvertreter
Martinſtr. 62, pt.
Tel. 4251. (8008a

Hchantplätten Auswahl.

in (8772a
großer
Muſikhaus Bund. Schuchardſtraße 9.

Opel=Fahrräder e
bei Gg. Hahn & Co.. Gr. Ochſengaſſe 12.(7158a

derr. 48 J., wünſcht
einf. Bekanntſch. zw.
v. Heirat. Ang.
E. 107 Geſchſt.

Bäriehen
an Beamte u. Feſt=
beſoldete
ohne Vor=
ſpeſen
. Selbſtgeber
W. Baller & Co.,
G.m.b.H. Stettin,
Hohenzollernſtr 70.
(II. Bln. 8315)
Hypotheken
Baugeld
Darlehen
Aſtets prompt und
diskret durch Fa
Ga Ebert, Darmſt.,
Saalbauſtr. 60.
Tel. 1117. (Fdeg

Suche f. m. Nichte
v. Lande, 24 J., ev.,
m. ſchön. Verm., d.
es an Herrenbek. f.
ſol. Gatten, d. mehr
ine Hausfrau als
Moded. ſucht. Mittl.
Beamt. o. Lehr. v.
Lande bevorz. Nur
ernſtgem. Off. unt.
E. 31 a. d. Geſch. (
19. Wilwe
31 Jahre, ev., 2 Kin
der (4 u. 5 J.). in
ſehr guten geordn
Verhältniſſ. lebend
wünſcht ſich mit Ge=
ſchäftsmann
o. Be=
amten
nicht üb. 40
Jahre zu verheirat.
Ausführliche Ange
bote, möglichſt mit
Lichtbild, unter E.
50 a. d. Geſchäfts=
ſtelle
d. Bl. erbet.
Diskretion zugeſ. (

Appotheken
für Wohn= Geſchäftshäuſer, Villen
Güter= und Induſtriebeleihungen bei
prompter Auszahlung haben anzulegen.
Seriöſe Vermittleranträge erbeten.
Karl Sohulze & C0.
Kommandit- Geſellſchaft
Berlin N0 18. Landsberger Str. 12
Königſt, 4334 (Am Alexanderpl.)
I. Bin. 8483)

Bis 3. 40000 M.
gibt zinslos un=
kündbar
zur Erlan=
gung
eines eigenen
Heims durch Neu=
bau
. Umbau. Kauf
od. Hypothekenablö=
ſung
Zweckſparver=
band
f. Eigenheime
. V., Geſchäftsſtelle
Darmſtadt. Wilhelm
Hillebrecht, Heidel=
bergerſtr
. 129, III.,
Sprechſt. 810.

[ ][  ][ ]

Nummer 144

din sanuan ser Nant.
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
8)
(Nachdruck verboten.)
Im allgemeinen, erklärte er, iſt eine ärztliche Anſicht, die
ſich auf einer ſo flüchtigen Unterſuchung aufbaut, ſelbſtverſtändlich
nicht unbedingt zuverläſſig. Aber andererſeits hat gerade auch
der erſte Eindruck einen gewiſſen Wert. Alles, was ich ſagen
kann, iſt, daß Miſter Cumberland keine ſofortige Gefahr droht,
aber daß er ganz bedenklich krank iſt. Und weiterhin möchte ich
betonen, daß es ſich keineswegs um eine Alterserſcheinung
handelt.
Er wollte nicht alles verraten, was er dachte. Noch war nicht
die Zeit.
Sie zuckte zuſammen und faltete krampfhaft die Hände, wie
ein Kind, das für eine Untat beſtraft werden ſoll, die es nicht be=
gangen
hat. Der Doktor hatte den unbeſtimmten Eindruck, daß es
vielleicht angebracht geweſen wäre, ihr den unerfreulichen Befund
in etwas ſchonender Weiſe mitzuteilen.
Er erklärte: Ich muß den Kranken noch weiter beobachten,
ehe ich mich genauer äußern und eine Behandlung vorſchreiben
kann.
Ihr Blick wanderte über ihn hinweg. Er hörte den ſchweren
Schritt Buck Daniels hinter ſich.
Wenigſtens, flüſterte ſie, bin ich Ihnen dankbar, daß Sie
offen ſind. Ich möchte nicht, daß Sie mir die Wahrheit vorent=
halten
. Buck, willſt du vielleicht dem Doktor ſein Zimmer zei=
gen
? Sie zwang ſich zu einem ſchwachen Lächeln. Es iſt recht
altmodiſch bei uns, Doktor Byrne, aber ich hoffe, daß es uns ge=
lingt
, es Ihnen hier behaglich zu machen. Wenn Sie irgend et=
was
brauchen, werden Sie mich benachrichtigen?
Der Doktor verbeugte ſich, nahm davon Kenntnis, daß in
einer halben Stunde zum Eſſen gerufen wurde, und das Mäd=
chen
kehrte ins Zimmer zu Joe Cumberland zurück. Sie ging
langſam, gebeugten Kopfes. Eine Frau, der eine Bürde auferlegt
iſt, dachte Byrne. Dann folgte er dem ſporenklirrend voraus=
ſchreitenden
Daniels die Treppe hinauf. Es waren grauſame
Sporen mit rieſigen Rädern, die ſich wie Raubtierfänge in die
Seite eines ungehorſamen Pferdes bohren mußten.
Auch auf dem oberen Vorplatz brannte ein Licht. Buck Da=
niels
öffnete eine Tür und wirtſchaftete eine Weile im Dunkeln
herum, bis es ihm gelungen war, eine mächtige Petroleumlampe
zu entzünden, die in Ketten von der Zimmerdecke herunterhing.
Ihr koloſſaler Rundbrenner verbreitete ein grelles Licht, wie
eine elektriſche Birne. Jede Einzelheit in dem altmodiſch einge=

Sonntag, den 26. Mai 1929
richteten Zimmer kam darin zum Vorſchein der kahle, geſtri=
chene
Boden, das Bett, das mit den mächtigen Pfoſten, die den
Himmel trugen, ein ganzes Bauwerk für ſich allein ſchien, ein
Ueberbleibſel aus der Zeit, wo die Betten gebaut und nicht her=
geſtellt
wurden, eine Kommode mit anheimelnd gewölbtem Bauch
und ein rechteckiger Spiegel, der eine vergoldete Jahreszahl als
Krone trug. Der immer mehr zunehmende Wind rüttelte an den
Fenſtern. Ein Spalt ſchien ihm Einlaß zu bieten. Die Vorhänge
bebten im Luftzug. Trotzdem war es ein einladender und gemütlicher
Raum, und beim Anblick des Bettes fühlte der Doktor, wie ſeine
Muskeln weh taten und der Schlaf ſchwer auf ſeinem Hirn lag.
Der Wind, der an den Fenſtern rüttelte, öffnete jetzt mit un=
ſichtbarer
Geiſterhand eine Tür in der Seitenwand. Langſam
und geheimnisvoll drehte ſie ſich in ihren Angeln und geſtattete
dem Doktor einen Blick in den Nebenraum. Man konnte nur
den Winkel ſehen, den das Licht vom Zimmer her gerade traf.
In dieſem Winkel lag ein langes, ſchlaffes, bräunliches Etwas,

Kin derwagen
(34a
aller Art, neuest= Modelle eingetroffen. Es ist Inr Vorteil
wenn Sie unsere Wagen besichtigen und die Preise hören
1. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25½

das er zunächſt für eine Schlange hielt. Dann erſt erkannte er,
daß es eine Kette von erſchreckenden Abmeſſungen war und am
andern Ende ein gewaltiges ſtählernes Halsband trug. Ein un=
angenehmes
Gefühl der Kälte befiel den Doktor und arbeitete ſich
langſam und peinlich von den Zehen bis zu ſeinem Hirn hinauf.
Verdammt! explodierte Buck Daniels. Wieſo bloß iſt die
Tür aufgegangen? Er warf ſie wütend wieder ins Schloß. Sie
iſt wieder drin geweſen, denke ich, murmelte er und trat zurück.
Sein Geſicht war finſter.
Wer? erlaubte ſich der Doktor zu fragen.
Buck Daniels fuhr auf ihn los.
Mann, wenn Sie bloß . ." begann er hitzig, hielt plötzlich
inne, verſchluckte, was er ſonſt noch ſagen wollte, und verließ
ſchweren Schrittes das Zimmer.
Fünftes Kapitel.
Warten.
Langſam, wie geiſtesabweſend, zog der Doktor ſeinen Rock
aus und begann, ſich vom Schmutz und Staub der Reiſe zu
reinigen. Seine Gedanken konzentrierten ſich auf die ſchwere
Kette, die er im Nebenzimmer geſehen hatte. Er war weder neu=
gierig
noch geſchwätzig, aber wenn ihm in dieſem Augenblick je=
mand
angeboten hätte, für tauſend Dollar zu erklären, was es
für eine Bewandtnis mit dieſer Kette hatte, ſo hätte er den Preis
lächerlich geringfügig gefunden

Seite 15

Er ging zum Eſſen hinunter mit dem feſten Entſchluß, ein
wachſames Auge auf Buck Daniels zu haben und auf Kate Cum=
berland
nicht weniger. Aber wenn er aus dem Geſpräch bei Tiſch
nähere Aufſchlüſſe erhofft hatte, ſo wurde er ſchwer enttäuſcht.
Buck Daniels war in das Geſchäft der Nahrungsaufnahme mit
einem Ernſt vertieft, der aller Geſchwätzigkeit abhold war, und
das Mädchen ſaß mit einem gezwungenen Lächeln und völlig
abweſend hinter ſeinem Teller. Hier und da blickte Buck auf, ſah
forſchend zu ihr hinüber und widmete ſich dann mit einer Art =
ſterer
Entſchloſſenheit von neuem ſeiner Mahlzeit. Vom Beginn
bis zum Schluß des Eſſens wurde nicht ein Dutzend Worte ge=
wechſelt
.
Nach dem Eſſen gingen alle drei wieder zu dem Kranken
hinein. Er lag genau ſo wie vorher, die abgezehrten Hände über
der Bruſt gekreuzt. Seine buſchigen Augenbrauen waren zu=
ſammengezogen
, die Augen verſchwanden faſt in ihrem Schatten.
Der Doktor, Buck und Kate Cumberland nahmen ſich die Stühle
und ſetzten ſich im Halbkreis um das Lager. Irgend etwas er=
innerte
Byrne in grotesker Weiſe an ein Bild, das er einmal
geſehen hatte und auf dem drei Wölfe um einen verwundeten
Elch herumſaßen und warteten, bis er leblos in den Schnee ſank.
Es ſchien ihm beinah, als ſei der Tod ſchon eingetreten. Jeden=
falls
hätte auch die Totenſtarre den Mann nicht bewegungsloſer
machen können als er ſchon war. Sein Profil hob ſich ſcharf ge=
gen
die dunkle Wand ab. Auf Naſe und Stien zeichnete die Be=
leuchtung
ein ſcharfes Glanzlicht, während der untere Teil des
Geſichts beinah im Schatten lag.
Die Aehnlichkeit mit einem Toten war um ſo überwärtigen=
der
, als auch das ſtarre Lächeln eines Dahingeſchiedenen nicht
fehlte. Erſt als Kate Cumberland die Lampe an einen anderen
Platz ſtellte, ſo daß das Licht voller auf ihren Vater fiel, ſah
Byrne, daß er ſich getäuſcht hatte. Cumberland lächelte nicht, er
hatte die Lippen ſtarr und gewaltſam zuſammengepreßt. Plötz=
lich
erkannte der Doktor, daß der Mann, der hier ſo ſchweigſam
und unbeweglich lag, mit einer fürchterlichen inneren Erregung
kämpfte, und dieſe Erkenntnis trieb ihm den Schweiß auf die
Stirn. Dies war ein Todeskampf, deſſen vollkommene äußere
Ruhe erſchreckender wirkte als das letzte Ringen eines Menſchen,
der ſich mit Heulen und Stöhnen gegen das Kommende zur
Wehr ſetzt. Dies Schweigen war eine furchtbare Säure, die ohne
Flamme Fleiſch und Knochen fraß. Von dieſem Augenblick an
hatte Byrne eine Vorſtellung von der geheimen Macht, die die
Lebenskraft des Viehzüchters aufgezehrt hatte. Seit ſechs Mo=
naten
, hatte Kate geſagt, ſchwand er dahin. Sechs Monate!
Sechs Ewigkeiten in der Glut des Scheiterhaufens!
(Fortſetzung folgt.)

IMdg. 1918

Wohnungs-
kausch
.
Geboten: Gute 6 Z.=
Wohnung,Rheinſtr.,
II. Etage. Fr.=M
1200 Mk.
Geſucht: 6 Zimmer=
Wohnung in ruhig.
(8944
Lage.
Alters Wohnungs=
tauſch
=Büro
Eliſabethenſtraße 34.

Wohn.-Tauſch

Geb. ſchöne 3=Zim.
Wohn, in gut. Lage

paſſ. für ält. Ehep.
Geſ.: 45=Zimmer=
Wohnung mit Bad.
Angeb. unter E. 73
a. d. Geſchäftsſt. (*

Tauſche m. ſch. ſonn.
2=Zim.=Woh. (Zen
trum) geg. 3=Z.=W.
(Südoſtv.). Off.
E. 77 a. d. Geſch. (*

Wohn.-Tauſch
Geboten: 7 Zimm.,
Bad, Zentralhz. i.
Zentrum. Geſucht
45 Zimm. i. gut.
Lage. Angeb. unt.
E. 91 a. d. Geſch.

Wohnungstauſch Wen
Im Oſtviert, ſchöne 4 3.:
Wohn. p., Miete 540./
Nähe d. Woogs 4gr. u.
2kl. Zim.=Wohn. (6Zim.)
Im Johannispt, gr.3 3.:
Wohn., 1. Et., ſr. Lage.
Im Sodervt. 4 3.=W. m.
jed. Zub.,el. L.,M. 550
Nähe d Blumenthalſtr.
gr. 43 =W., jetz.M. 700 Wee
Nähe d. Bahn gr. 45)
3.=Wohn., ruh. Wohnl.
Im Südviertel 453*
Wohng., freieWohnlate
Im Hüdoſtviert. 45 3.*
Wohn., b. 160 M. mtl.
In gut.Wohnl 3 Zimm.=
Wohn keine Doppelw.
Nähe d. Bismarchſtr. gr.
4- 53.=W. b. 12004 Miete In d. Kiesſtr. ſch.3 3.W.,
neu renov.,, Miete 46.,4,
für einz. Damegeeignet Nähe d.Bahn4 53. W.,
1.o. 2. Et.. b.9004 Miete:
Evtl. Umzugsvergltung. Zur Fertigſtellung einiger Ringtauſche
auch andere Angebote erwünſcht.
Wohn.=Tauſch=Büro FriedrichKraft
Karlſtraße 3

Wohn.-Tauſch!
Gebe: 6 3. u. Zub.,
Georgenſtraße.
Suche: Mod. 45=
Z.=Wohn. in freier
Lage. Angeb. unt.
E. 124 Geſchſt. (*

Schöne 3 Zimmer=
Wohnung,gut möbl.
od. leer, an ſolvent.
Dauermieter abzug.
Beſte Lage. Jugen=
heim
a. d. B., Lin=
denſtraße
11. (*gid

(*gm
Wohnungskauſch!
Suche eine 57=Zim.=Wohnung, Lage
einerlei. Biete eine ſchone 3=Z.=Wohn.
im ſüdlich. Stadtteil, Friedensm. 280 ,
eine 2=Z.=Wohn. mit allem Zubehör in
derſelb. Lage mit gutgeh. alteingeführt.
Lebensmittelgeſchäft. Letzteres kann auch
allein übernommen werden; Bedingung
iſt jedoch, daß eine 45=Zim.=Wohnung
in Tauſch gegeben wird. Zur Ueber=
nahme
des Lebensmittelgeſchäftes ſind
2500 erforderlich. Näh. durch L. Eber=
hardt
, Möbeltransport u. Wohnungs=
tauſchbüro
. Forſtmeiſterſtr. 14. Tel. 685.

3 große beſchlagna
freie Räume
ca. 110 Quadratmeter, in einer Fluch=
im
Zentrum, beſte Geſchäftslage, ſepa=
rater
Eingang, für Wohnung od. Büro,
Arzt. Rechtsanwalt, ſofort billig ver
mietbar.
(*gm
Rheinſtraße 14, II.

Villenviertel
Hohlerweg
2 Zim. u. Küche
beſchlagnahmefrei.
an ruh. Mieter ab
1. Juni zu vermie=
en
. Angeb. u. F. 1
a. d. Geſchſt. (8956

Liebigſtraße 47, I.
gut möbl. Zimmer
nit elektr, Licht an
berufst. beſſ. Herrn
zu verm.

Im Zentrum
23 möbl. Zimmer
ohne Bedienung, m.
Klavier, im 1. Stock,
Hinterb., an ruhigen,
anſtänd, ſaub. Mieter
zu verm Zu erfrag.
Ernſt=Ludwigſtr. 5, I.,
bei Duft

Gut möbl.
Wohn=u. Echlafz.
mit el. L. u. Balk. in
beſſ. H.a. berufst. Hrn.
ſof. od. ſpät. zu vm.
Näh. Geſchäftsſt. (*

Stiftſtr. 23. II., mbl.
Zim. zu verm.

Marienpl. 1, Z. 29,
ſep. möbl. Zim. mit
1 evtl. 2 Betten ſof.
od. ſpät. zu vm. (*gi

Frankfurk a. M.
Sofart beziehbar!
Beſchlagnahmefreie Komfort=Wohnungen:
8 Zimmer 160. Miete, 1500. Zuſchuß
einſchließlich ) 3 Zimmer 190. Miete, 2400. Zuſchuß
Heizung und 4 Zimmer 190. Miete 2000. Zuſchuß
Warmwaſſer) 4 Zimmer 200. Miete, 2800. Zuſchuß
(1I. 7375) 4 Zimmer 225 Miete, 3000. Zuſchuß
Baugesellschaft Textorstraße A.-G.
Bruchſtraße 23. Porm 101, nachm. 37 Uhr.

Für die

SLAOSAlBOTA
Frottierstoffe
Fün Bademänkel
in Riesenauswahl, 160 und 150 cm breit
Mk. 7.50, 7.00, 6.50, 6.00, A.50
Badetdcher
Mk. 9.50, 6.50, 4.00, 2.90
Prottienn
Handtdchen
Mk. 1.70, 1.50, 1.20, 70. AS3
Hessische
Teludg‟
Gegellschaft

Darms

Schützenstraße 4

Luiſenſtr. 34, III.
(b. Schmidt) möbl.
Zim. ſp. b. 1 6. m.
od. ohne Penſ. z. v.*

In Villenkol. Eber=
ſtadt
frdl. möbl. Z.
20 zu vermiet.
Näh. Geſchäftsſt. (*

Neue Niederſtr.
(Hts. pt. r.) möbl.
Zimmer an berufs=
jät
. Herrn z. vm. (*

Gervinusſtr. 49, III.
(b. Hendler) hübſch
möbl. Zim. mit el.
Licht ſof. z. vm. (*
Wilhelmſtr. 6, pt.
vorn. möbl. Zimm.
in beſter, ruhiger
Lage zu vermiet. (
Heidelbergerſt. 23, p.
gut möbl. Zim. mit
1. Licht. ſep. Eing.
an berufst. Herrn
für ſof. zu verm. (*

Garage
zu vermieten
Fuhrmannſtr. 14, pr

Für Skudenken
verbindung
chöne luft. Kneip=
räume
zu verm.
Anfr. u. E.115 Gſch.

slokal
für mehrere Tage
noch zu vermieten.
Anfragen u. E. 116
a. d. Geſchäftsſt. (*

A

Große, helle
Beſchäftsräume
a. 90 qm, i. Zentr.
d Stadt zu verm.
Anfrag, unt. E. 114
a. d. Geſchäftsſt. (

Helle Fabrikal.
od. Lagerräume
in der Liebigſtraße,
600 qm Bodenfläche,
zuſ. od. getr. z. vm.
Gleisanſchl. vorhd
Aufſchluß ert. Aug.
Brück, Schützenſtr
Nr. 8, I. (7696a

Laden!
Welche Großfirma
hat Intereſſe an ei=
nem
zu errichtenden
gr. Laden in groß.
Vorort, Ia Lage?
Zuſchr. unt D. 115
a. d. Geſchſt. (*go

Trodk. Werkſtal.

u. Lagerraum=

lichkeiten, ca. 170I
Mtr., mit el. Licht,
Kraft und Waſſer,
ganz od. geteilt ſo=
fort
zu vermieten.
Zu erfrag. Kranich=
ſteinerſtr
. 37, I.
((8744b)

Narlſtraße 12
helle Werkſtatt
50 qm, mit Licht u.
raft zu verm. Näh.
Vorderh. 1. St. /7442a

Lagerraum
evtl. als Werkſtätte
zu benutzen, mit
Bodenraum u. klei=
nem
Büro, ſofort z.
vermieten. Näheres
Viktoriaſtraße 30
(Kontor).
(*fe

Guterhaltenes
Motorrad
am liebſten ſteuer= n.
führerſcheinfrei, zu
kaufen geſ. Angebote
u E 84 Geſchſt.

Mathematik, reine u.
angewvdt., d. akad. geb.
Lehre. Vorber. a. alle
Ziele. Nachh. Witt=
mannſtr
. 30 I. (B.139

Langjähr. Bühnen=
ſänger
ert. Unterr
Op., Konzert, Haus
Std. 2 . Anfrag. u.
E 100 Geſchäftsſt.

Guterhaltene, Z= b.
einzöllige
Waſſerleit.=Rohre
Winkel u. Zubehör
z. Legung ein. Gar=
tenwaſſerleit
, gegen
bar zu kaufen geſ. (
Off. u. E. 72 Geſchſt.

ca. 140 cm. breit,
2 m. hoch, mit Fa=
chern
u. Schubkäſt.
zu kauf. geſ. Off. u.
E. 79 Geſchſt.

Herren-Anzug
gr. Figur, aus nur
gut. Hauſe zu kau=
fen
geſucht, Ang.
F. 7 a. d. Geſchſt. (1

Zu Vorbereitungs
(Abend)kurs f. An=
fänger
werden noch
einige Teilnehmer
geſucht. Gefl. An=
meldungen
an Höh.
Privatſchule, Grün.
Weg 19.
8726k

Briun=

Neue Kurſe
in
Schönſchreiben
Buchhaltung
Reichskurzſchrift
Maſchinenſchreiben
beginnen
Anfang Juni.

Oskar Dierker
Priv.=Handelsſchule
Rheinſtr. 2, II.
(8758b)

Ot

Guterhaltene.
tadellos hergericht.
Mokorwagen
von 212 St.=PS.
erhalten Sie unter
Garantie bei (8816a
Donges & Wieſt.

Zu verkaufen:
1,1 Engl. Herz=
Kröpfer (blau)
1,1 Brünner Kröpf.
(weiß), 1.1 Altdſch.
Kröpf. (weiß). Karl
Göbel, Pankratius=
ſtraße
26½.

Wachſ. Hofhund
(Dtſch. Schäferhund)
billig abzugeben.
Schwanenſtraße 49.

Jüng. Rehpinſcher
ſchwarz, glatthaar., a.
Hündin, iu nur gute
Hände zu kauf. geſ.
Gefl. Ang. u. E 102
an die Geſchäftsſt. (*

Jung. Kähchen
nur in gute Hände
zu verſchenken.
Ringſtraße 110.

KRAGEN-WASCHEREI
Waldstraße 20
KOABUS Fernspr.943 (7306a

Gasbadedfen

Bezugdurchdie Fachgeschäfte
lilustrierte Drucksachen kostenlos

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 26. Mai 1929

Nummer 144

NTOTT

Irnrner, wenn wir mit einem Spezial-Angebot herauskornrnen, beweisen wir erneut,
daß wir in dieser Abteilung in Bezug auf Auswahl, Gualität und Preise Großes leisten!

T oile rayé
in streng modernen, aparten Streifen,
gute kunstseidene Qualitäten . . 3.95,
T oi le rayé
die guten, reinseidenen Oualitäten, in
den neuesten Sommerkarben, Ton in Ton,
.. . 6.75, 6.25,
80 cm breit ..
Toile de soie
die reinseidene, 80 cm breite moderne
Webart, in den neuen Sommerkarben
Honan la Qualität
echt asiatische, reinseidene Ware, 80 cm
breit, in großem Farbsortiment ..

Unsere bewährten, kunstseidenen

Bedruckte Foulardseide
in besonders streng modern, hübschen
Mustern, 94 cm breit . . . 6.25, 5.90,
Crepe de chine-Druck
neue entzückende Sommer-Muster, rein-
seidene
Qualitäten, doppelbr. 40.50, 9.80,
Crépe-Satin-Druck
in den neuesten Dessins, reinseidene,
schöndließende Qual., doppelbr. 13.50,
Crépe-Georgette-Druck
für das duftige Sommerkleid, in be-
sonders
vornehmen Mustern, reine
Seide, doppelbreit .. . 13,50, 1275,
Bedruckte Waschseide
in großer Auswahl, hübsche Muster,
bewährte, kunstseidene Gual. 1.50, 1.25.

92

-Qualitäten

140 cm breit, in allen beliebten
bellen und dunklen Farben

Atlas-Trikot
Tramatine
Milanaise
Charmeuse

395 2.95
4.50
8.50
8.75

Crepe Georgette
A
reine Seide, doppelbreit, in allen mod.
Farben . . . . . . . . . . . . 795,
Petite rei ne
das gute, reinseidene Gewebe, 80 cm
6
breit, in vielen Farben ......

Rohseide, naturfarbig.
in nur guten, reinseidenen Qualitäten,
. . 2.80, 2.25,
80 em breit.
Orepe de chine
unsere bewährten, reinseidenen Oualit,
doppelbr., in großer Farbenauswahl 6.50,
Preiswerter Veloutine
reine Seide mit Wolle, in allen mod.
hellen und dunklen Farben, doppel-
.. 790, 6.90, 8
breit ..."
Gute Crepe-Satins
die beliebten, reinseidenen Oualit., in
viel. mod. Parben, doppelbr. 10.90, 8.50,
Einfarbige Waschseide
in großem Farbensortim., kunstseidene
II.
Qualitäten

Orepe de chine
Kunstseide, doppelbreit, in großem
Parbsortiment ....."
A u ra-Sei de
besonders feines, kunstseidenes Gewebe,
elegante Streifen, 80 cm breit

190

95

9

Rit

DARMSTAD

MAEk

Markisen

tertigt an
und repariert
Möbelhaus
1. Uenfer
Darmstadt
Bleichstr. 17

Pliſſees,
Hohlſäume,
Stichkereien,
Handmalerei
moderne Ausführung
im
Spezialgeſchäft F. Breitermann
Schulſtraße 9, im Hauſe Fauldraht
Eingang durch die Torhalle
Gobe

bei Baumert
Schallplatten Erbaherſt. 1. P5ég

Badewanne
Gasbadeöfen
Gasautomaten
Closettanlagen
bei
Friedrich Iselin
Elisabethenstraße 33 (5084a

Tapeten, Linoleum
Groß- und Kleinverkauf.
Reste in jeder Menge zu weit
herabgesetzten Preisen.
Verlegen des Linoleums durch Fach-
arbeiter
unter Garantie.
Yung. Zorn e Co.
vorm. Frankturter Tapetentabrik
Schlelermacherstr. 23 (am derlcht).
Telefon 1513
(6471a

O
Paslaann Ein
nicht kurzweg eine Flaſche Waſſer, ſondern for=
dern
Sie ausdrücklich

Ruitun

Keine grauen Haare!!
Man verwende
zur Haarpflege
Imeriean Hair-Restorer

Weil unsere Fabrik am Platze ist
ersparen wir alle Versandspesen und
Zeit, deshalb ertolgt Lieterung s0
schnell gut und billig

Eärdere RellgOle iau

Elisabethenstraße 28
Telefon 736

Cbemische
Uasch.
Kranichsteinerstraße 28

Marktpassage

Bitte genau aut Firma und Straße

Telefon 736
zu achten! E
gos.

Pfeil=
Fahrräder
beſtes deutſches Fa=
brikat
, mod. Form.
ſtabile Bauart, ſpie=
lend
leichter Lauf.
kaufen Sie zu bil=
ligſten
Preiſen bei
Benz & Comp.
Grafenſtraße 20/22.
Ratenzahlung
geſtattet. (7981a

Deiesſs Liche
wird nach Jugenheim
angenomm. Handw.
Anfr. unt. E. 89 an
die Geſchäftsſt. /8903b

Srindrit
Guasche
Laſſen Sle ſich kein anderes Waſſer vorſetzen als
K. F. Qu.!
Großvertrieb:
Martin Jahn,Darmstadt
Pallaswiesenstraße 30
Telephon 305.

Dresisantert
Kinderwagan unn
Kagzwugen
neue te Model e, wundervolle Farben
stehen zur Auswahl bereit. Versäumen
Sie nicht, unser Lager zu besuchen e
sh lar Vortell.
(33389
I. Donges & Wiest,Elisabethenstr. 25½

Alleinverkauf im
Damen- u. Herren-Frisier-Salon
zuoe
BEIN
Elisabethenstr. 34 / Tel. 3968
3000 Hark
eſoarter Ladenmiete kommen meiner Kund=
ſchaft
jährl. zugute. Wollen auch Sie dieſen
Vorteil genießen, ſo kommen Sie bitte zu
mir, ehe Sie ein Bild kaufen odereinrahmen
laſſen. In meinen Ausſtellungs=Räumen
finden Sie alles, vom einfachſten Farben=
druckbis
zum beſt. Oelgemälde ganz beſonders
preiswerte Wohn= und Schlafzimmerbilder.
Konkurrenzlos im Preis (8438 a
Eliſabethenſtraße 30,
Bilder=König Eingang d.o Torhalle.
Auto=Kühlerbau
und lufttechn. Anlagen
Reparaturen uud Neuaufertigung
jeder Art werden fachgemäß ausgeführt
Billigſte Berechnung 6305a
Wannemacher
Heidelbergerſtr. 49. Artilleriekaſerne.
Telephon 4443.

Sohlen u. Fleck (Lederstärke nach Wunsch):

A
Darnen
He
2
Müller Schuhbesohlung
ELäder Nur Ernst-Ludwigstraße 14 und Elisabethenstraße 35

Mi

beiB. Orio, Karlstr.1416,
grödtes Fahrradhaus Darmstadls.

Fußbodenölfarbe
die beſte Kilo 1.20, empf. Drog.
Secker Nachf., Ludwigshöhſtr. 1. (85118
Tep
TUNS
ohne Anzahlung aut 12 Mo.
natsraten. Verlangen Sie Katalog
Leisner & Co.,
(T0.6614
Berlin. Leipzigerstraße 38

[ ][  ][ ]

Nummer 21

Kinderſchuhe der Cechnik
Von Dorothea Siegel.
Die Seit fährt Autol Das Auto iſt zum Problem
geworden. Doch ſind bereits über hundert Jahre vergangen,
ſeit in Süddeutſchland ein gewiſſer Herr Drais, der ſpätere
Erfinder der in Schienen geſteuerten Draiſine, in einer von
ihm erfundenen Fahrmaſchine ohne Pferde von Mannheim
bis an das Schweizer Nelaishaus und wieder zurück (das
waren vier Poſtſtunden Weg) in einer kleinen Stunde Seit
gefahren iſt. Er hat wie die Chronik berichtet mit der
nämlichen Maſchine einen ſteilen, zwei Stunden betragenden
Gebirgsweg von Gernsbach nach Baden in einer Stunde
zurückgelegt, und mehrere Kunſtliebhaber (!)
von der Schnelligkeit dieſer ſehr intereſſan=
ten
Jahrmaſchine überzeugt. Die Haupt=
idee
war dem Schlittſchuhlaufen entnommen
und beruhte auf dem einfachen Gedanken,
den Sitz auf Nädern mit den Füßen vom 5
Boden fortzuſtoßen. Gewiſſermaßen der
Straßenroller unſerer Großeltern. Der Er=
finder
erhielt bald den Citel eines Pro=
feſſors
der Mechanik. Der erſte, der aber
dieſes Jahrzeug mit Cretkurbeln verſah,
war ein Mechaniker aus Meiningen, der
1845 die Welt mit dem Fahrrad über=
S
raſchte. 1871 kam allerdings ſchon der Flie=
gende
Holländer auf, mit dem die Kinder
heute noch gern über das Pflaſter fahren;
jedoch gelang es erſt im Jahre 1875 einem
deutſchen Ingenieur, Siegfried Marcus in
Wien, einen Gasmotor zu bauen, der mit
einem Creibriemen Hinterräder und Ma=
ſchine
verband, ſo daß das Fahrzeug in der
Lage war, ſich fortzubewegen. Mit dieſem
mehr als einfachen Wagen wurden vielerlei
Verſuche unternommen. Doch war der Krach,
den er pruſtend und ratternd verurſachte,
für damalige Ohren ein ſo gewaltiger, daß
die Heilige Hermandad endgültig alle Ver=
ſuche
des Herrn Marcus verbot. Im Stillen
arbeitete jedoch der Erfinder weiter, der ſich die grund=
legenden
Prinzipien ſeiner Gasmaſchine patentamtlich hatte
ſchützen laſſen. Er wurde bald ein Günſtling von Werner
Siemens, der damals bereits der größte und weitblickendſte
Elektriker war. Erſt zehn Jahre ſpäter traten Benz und
Daimler auf den Plan, denen in Amerika bedeutende Gegner
erwuchſen.
Doch liegt zwiſchen den erſten, hilflos anmutenden Ver=
ſuchen
der 80er Jahre und den ausgeklügelten Kompreſ=
ſionsmotoren
, die zwiſchen Miami und Palm Beach hölliſche
Nekorde leiſten, eine gewaltige Strecke. Und es will faſt
anmuten, als ſeien die tropfenförmigen Wagen, mit denen
Männer wie Mafor Segrave und Kapitän Campbell ſich
überbieten, die genialen Phantaſien eines neuen Jules
Verne. Was wird geſchehen, wenn die Nekorde nicht mehr
zu ſteigern ſind? ..

in das große Getriebe der Weltgeſchichte einfügt und die
Entwicklung der Siviliſation und techniſchen Vervollkomm=
nung
ein Stück vorwärts bringt.
Im mittelalterlichen Nürnberg, der Hochburg des deut=
ſchen
Handwerks, baute ein Schloſſer namens Peter Hen=
lein
im Jahre 1508 die erſten Uhren, die man auf Reiſen
mitnehmen konnte. Bis dahin hatte ſich die Kunſt der Uhr=
macher
lediglich darauf beſchränkt, der jeweiligen Seitepoche
entſprechend, Curm= und Wanduhren zu bauen. Auch galten
in der Hauptſache Kirche und Staat als Kunde. Denn
außer wenigen Patriziern oder Fürſten konnte ſich kaum
jemand die Anſchaffung einer Uhr leiſten.
Die Chronik erzählt von Peter Henlein: Er macht
aus Eiſen kleine Uhren, mit vielen Nädern angeordnet, die
(nämlich die Uhren) beliebig umgedreht werden können, kein

ohne Pferdekraft zu reiſen.

Die erſte elektriſche Straßenbahn fuhr 1881 in Lichterfelde.
Wir ſind es gewöhnt, unſere eiligen Schriftſachen,
unſere techniſchen Abhandlungen, kurzum, alles, was unper=
ſönlich
iſt, auf der Schreibmaſchine feſtzuhalten. Vor den
ſäuberlich geſchriebenen Manuſkripten unſerer Väter und
Großväter haben wir denſelben Reſpekt, wie vor der Ge=
duld
derer, die dies alles leſen mußten. Man denke ſich,
welchen Aufwand an Seit und Kraft es erforderte, dick=
bändige
Nomane und Abhandlungen niederzuſchreiben,
welches Cempo in den Gerichten und Notariatskanzleien
herrſchte und wie einfach und bequem wir heute unſere
Gedanken zu Papier bringen können. Die erſte Schreib=
maſchine
, die von einem Deutſchen, Peter Mitterhofer, ent=
worfen
wurde, muß nun gerade keine zeitſparende Erfindung
geweſen ſein. Auch mag wohl die Erlernung der Schreib=
technik
mit Umſtänden verbunden geweſen ſein, die den
glücklichen Kunden erleichtert wieder zur Stahlfeder greifen
ließen. Jedenfalls können wir das erſte Modell in Wien im
Cechniſchen Muſeum gebührend bewundern. Man ſollte aber
nicht mitleidig über dieſe Dinge lächeln, die heute etwas
vergilbt und hilflos ihr Daſein im Muſeum friſten. Es iſt
eine gewaltige Strecke Kulturgeſchichte in einer Erfindung
verborgen, die ſich wenn auch nur als winziges Nad

Suggewicht haben, 40 Stunden gehen und ſchlagen und im
Buſen oder Geldbeutel getragen werden können. Die
Bauart der Uhren war zulindriſch und erinnert an unſere
Puderdoſen. Man gab ihnen den Spitznamen Nürn=
berger
Ei.
Martin Luther bedankte ſich im Geiſte ſeiner Seit für
eine 1527 vom Abt Piſtorius aus Nürnberg erhaltene Uhr
folgendermaßen: Durch dieſes, mir ſehr willkommene Ge=
ſchenk
fühle ich mich gezwungen, Schüler unſerer Mathema=
tiker
zu werden, damit ich alle Negeln und Geſetze dieſer
einzig in ihrer Art vorliegenden Uhr lerne, denn ich habe
nie vorher Aehnliches geſehen und beobachtet.
Ein ſolches Kunſtwerk iſt auf dem bekannten Bilde
Holbeins des Jüngeren abgebildet, das den Kaufmann Georg
Gieße aus Danzig darſtellt und im Kaiſer=Friedrich=
Muſeum zu Berlin hängt.

Derartige Uhren wurden bald Mode und paßten ſich in
ihren Verzierungen der Architektonik ihrer Epoche an.
Unter den erſten, die ſich mit den Entwürfen zu kleinen
Uhrwerken befaßten, war auch der geniale Leonardo da
Vinci, der viele Skizzen hinterlaſſen hat und aus denen zu
erſehen iſt, daß er auf den richtigen Bahnen war. Doch
mögen wohl das Mißverſtändnis ſeitens ſeiner Umwelt und
die Eingebungen ſeiner bildenden Kunſt Schuld daran tragen,
daß wir ihm nur zeitweiſe und nur in der Cheorie als
Vorläufer techniſcher ſchöpferiſcher Ideen begegnen. Auch
in der Flugtechnik wirft er ſeinen Schatten voraus: Als der
Gedanke, zu fliegen, der ſeit der Antike viele große Geiſter
beſchäftigte, noch als ein unerfüllbarer Craum der Menſch=
heit
galt, hielt Leonardo da Vinci kühne und klar umriſſene
Pläne feſt, die allerdings der Welt damals unglaubwürdig
erſchienen. Nie hätte ſich jemand gefunden,
der an die Verwirklichung eines ſolchen
Entwurfes geglaubt hätte. Der Meiſter hat
in einer Seit, die noch keinen Dampfkeſſel
und keinen Verbrennungsmotor kannte, ſich
lediglich auf dunamiſche Berechnungen ver=
legt
und als Naturfreund und Mathema=
tiker
dem Vogelflug und der Statik ſeine
phuſikaliſchen Beobachtungen angepaßt. Es
liegen aber 400 Jahre zwiſchen jenen im
Keim erſtickten Erfindungen und den Su-
wendungen
, mit denen Staat und Induſtrie
heute den jüngſten Sportzweig unterſtützen
den Segelflug! Auch Otto Lilienthal, der
um die Jahrhundertwende ſein Leben der
Idee des Schwingenfluges opferte, war ein
Vorläufer der Cechnik, die die Erfahrungen
der zwei Jahrzehnte Automobilfahrt mit
den geglückten Verſuchen des motorloſen
Gleitfluges verbanden. Whrights gelten als
die eigentlichen Pioniere des Flugweſens.
Und man denkt noch verwundert an die
Ein Wagen aus der galanten Seit. Seiten, da Pégoud ſeine erſten Sturzflüge
Eine Erfindung des 18. Jahrhunderts, zeigte. Wie lange iſt das her? Heute
erwartet man bei jeder Flugveranſtaltung
Loopings, Nollings und andere fliegeriſche
Kunſtücke weit gefährlicherer Art. Und da=
zwiſchen
liegen keine zwanzig Jahre. . . .
Soeben wird in Siemensſtadt bei Berlin das erſte
Schaltwerk=Hochhaus der Siemens=Schuckert=Werke eröff=
net
. Es iſt dies das erſte Hochhaus, das zu Fabrikations=
zwecken
eingerichtet wurde, in dem ſich Werkſtätten, Be=
triebsleitung
, techniſche und kaufmänniſche Büros befin=
den
und das in ſeiner Anlage den höchſten Anforderungen
der Sweckmäßigkeit, Hygiene und Seiterſparnis entſpricht.
Wir haben einen neuen Bauſtil gefunden, der die Süge
unſerer Seit trägt.
Als im Jahre 1881 die erſte elektriſche Straßenbahn
die Siemens=Werkſtätten verließ, hat wohl niemand ge=
glaubt
, daß die ſchwingenden Kolben der Fabriken einmal
das Cempo der Seit angeben würden. Niemand hat damals
an die Cragweite der Neuerungen gedacht, die das Leben
der künftigen Generation in andere Bahnen lenken wür=
den
als die ihrer geruhſamen Väter, die erſt am Vor=

Das Nürnbergiſche Ei

Das Daimler Motorrad in ſeiner Jugendzeit.
Rekordverſuche waren gefahrlos.

Der Deutſche Otto Lilienthal,
der mit ſeinem Schwingenflugzeug ſeine Seit in Atem hielt.
abend einer neuen Geſchichtsepoche ſtanden. Auch uns iſt
es vergönnt geweſen, das Aufblühen junger, lebensfähiger
Induſtrien zu erleben. Wir haben den Weg vom Groſchen=
kino
zum Filmpalaſt, vom hilfloſen, gebärdenlahmen Ein=
akter
zum ausgeglichenen Kammerſpiel erlebt. Und wir
erinnern uns vergnügt der erſten quakenden, raſſelnden
Lautſprecher und warten bereits auf die Verbindung von
Schall= und Bildübertragung.
Unſere Seit hat einen anderen Hunger nach Erleben,
ſie läßt ſich nicht ſättigen. Ihr fehlt das ablehnende
Staunen, mit dem die Väter im Bratenrock und Sulinder
eine neue Erfindung begrüßten. Die Cechnik iſt zu einem
organiſchen Beſtandteil unſerer Welt geworden und wird
uns noch viele neue und eigenartige Wege erſchließen.

[ ][  ][ ]

Omaruru, S.-W.=Afr., den 30. Januar 1929.
.. . In dem erſten Briefe habe ich eine der ernſten Seiten
unſerer Cätigkeit im Ausland gezeigt, unſer Wirken und Schaf=
fen
für das Deutſchtum. Doch, wo Schatten iſt, iſt auch Licht,
und wo Dornen ſind, gibt es auch Noſen. Dornen gibt es in
Afrika, dem Lande des Dornbaumes und Dornbuſches in Menge,
im wirklichen und im übertragenen Sinne. In dieſem Schreiben
möchte ich einiges von der Lichtſeite bringen. Die ſchöne Seite
genießen wir in den Serien, wenn man frei iſt, wenn die Reibe=
reien
des Betriebes aufhören, wenn wir Dienſt, unliebſame Mit=
menſchen
und alles Unerquickliche daheim laſſen und hinaus=
ziehen
in Gottes freie Natur, weit, weit hinaus in den Buſch,
wo oft auf Hunderten von Kilometern kein Menſch anzutreffen
iſt. Und darum will ich Ihnen jetzt einmal beſchreiben, wie wir
unſere diesjährigen Winterferien verlebt haben. Auch einige
Bildchen füge ich zur Erläuterung bei. Beſſer wäre es noch, Sie
begleiteten mich auf dieſer Cour und genöſſen das große Er=
leben
. Alſo, den Stadtrock ausgezogen, eine Jagdhoſe, ein Jagd=
hemd
, ein Paar derbe Schuhe und eine gute, zuverläſſige Büchſe
beſorgt, das iſt alles, was Sie benötigen. Für alles andere ſorge
ich. Früher benutzte man für ſolche Ausflüge den Ochſen=
wagen
, die Karre, das Pack= und Reittier. Das iſt in letzter Seit
vollſtändig anders geworden, ſeitdem das Auto hier Eingang
gefunden, womit man die rieſigen Gebiete viel ſchneller durch-
ſtreifen
kann. So habe ich mir auch ein Auto zugelegt, um bei
den gewaltigen Entfernungen meine Serien beſſer ausnutzen zu
können, um aber auch von anderen vollſtändig unab=
hängig
zu ſein. Mein Wagen iſt ein Sweiſitzer mit
einem beſonderen Rückſitz. Ein ſolcher Wagen iſt für unſereinen
der geeignetſte; denn der Nückſitz iſt auswechſelbar, und während
der Jagdzeit (Juni/Juli=Ferien) wird er herausgenommen und
dafür wird ein beſonderer Kaſten eingeſetzt. Dann kann man
Decken, Geſchirr, alles, was zum Leben im Buſch benötigt wird,
fein verſtauen, ohne den Wagen zu ruinieren, und vor allen
Dingen kann man das Wild gut verladen, ohne daß der Wagen
beſchädigt wird. Nach der Jagdzeit wird der Kaſten weg=
genommen
, und man hat wieder einen netten Perſonenwagen.
Im Juni waren wir zunächſt mit einer uns befreundeten
Samilie auf der 150 Kilometer entfernten Spitzkoppe‟ Auf
dieſer Strecke befindet ſich nur die eine Niederlaſſung Okom=
bahe
, beſtehend aus einer evangeliſchen, eine katholiſchen
Miſſionsſtation und einem Store (Kaufladen).
Alſo, die zwei Wagen wurden ſchwer bepackt mit allem,
was zu des Leibes Nahrung und Notdurft gehört für einen
mehrtägigen Aufenthalt im Buſch. Da ſind mehrere Cins
Benzin, mehrere Kannen Waſſer, Decken, Proviant, Koch=
geſchirre
, Schießzeug, Verbandsſtoffe und Gegengifte für evtl.
Schlangenbiſſe mitzunehmen. Meine Frau, mein Sohn und ein

Eingeborener waren mit von der Partie, letzterer als Gehilfe
und Geländekundiger. Denn draußen in der Steppe muß man
einen Führer haben, ſonſt kann man ſich doch einmal in den
unendlichen Flächen verfahren und dem Durſttode preisgegeben
ſein. Auch ſoll man nie mit nur einem Wagen ſolch eine Cour
machen; oft bricht irgend etwas, dann hat man immer noch
den zweiten Wagen zur Nettung.
An einem Nachmittag gegen 2 Uhr fuhren wir los und gon=
delten
ſo bis zum Abend durch das Gelände: nichts als Gras,
Buſch und Baum. Mit Dunkelwerden verfuhr ſich der zweite
Wagen. Glücklicherweiſe hatte ich den Eingeborenen an Bord
und blieb auf der richtigen Pad. Einige Signalſchüſſe und
das Spielenlaſſen der Autolaterne brachten dann den Ausreißer
nach etwa einer Stunde wieder herbei. Nun hatten wir für den
erſten Cag aber genug. Ein freier Platz wurde ausgeſucht, um
von Schlangen, Skorpionen und ähnlichem Viehzeug nicht ſo leicht
beläſtigt zu werden, Holz, das in Menge herumliegt, geſammelt,
ein Feuer angezündet, die Wagen abgeladen, Kochgeſchirre auf=
geſetzt
, und bald brodelte und brotzelte es. Nach dem einfachen
aber kräftigen Mahle kommt dann der unerläßlg Kaffee.

Dazu ſchmaucht man das Pfeifchen, ſitzt ums Feuer, erzählt von
dieſemd und jenem oder ſtarrt in die Gluten, ſeinen Gedanken
nachhängend. Währenddem hat der Junge das Lager zurecht=
gemacht
. Man ſtreckt ſich, raucht noch in den Decken ein
Suſatzpfeifchen, ſchaut hinauf in den Himmelsdom zu den ruhig
ihres Weges wandelnden Sternen empor, lauſcht den Stimmen
der Natur und läßt den Gedanken freien Lauf, die über Länder
und Meere der Heimat zueilen. Plötzlich wird die Stille von dem
Geheul eines Schakales, einer Hyäne oder von dem Gebrumm
eines Ochſen oder ſonſtigen Cieres unterbrochen, und im Nu
ſind die Gedanken wieder zurückgekehrt aus der Heimat, wo man
für einen Augenblick das trauliche Dörfchen, die herrlichen Wäl=
der
, die rauſchenden Waſſer und die grünen Wieſen und die
vogenden Saatfelder geſchaut. Die Lider werden ſchwerer und
ſchwerer, und ſo ſchlummert man in Gottes freier Natur hin=
über
den Himmel über ſich, die weite Natur, die erhabene
Stille um ſich.
In der Nähe haben ſich die Eingeborenen niedergelaſſen
und für die Nacht einen Baumſtamm aufs Feuer gelgt. Iſt er
verkohlt, dann ſteht ab und zu einer von ihnen auf und legt
Holz nach, damit das Seuer nicht verlöſche. Gerade im Winter
(Juni/Juli) iſt der Aufenthalt im Freien am ſchönſten. Die Kälte
iſt nicht weit her. Nur gegen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang,
wird es empfindlich kühler. Na, da zieht man halt die Decke über
den Kopf. Allmählich rötet ſich im Oſten der Himmel, die Ein=
geborenen
ſind von der Kälte ſchon längſt aus den Decken ge=
trieben
worden, ſie ſitzen um das Seuer, das ſie zu heller Glut
anfachen, ſetzen Waſſer auf, und nach kurzer Seit haben ſie ein
Schälchen heeßen fertig. Schnell iſt man nun auch aus den
Decken, reibt ſich die Hände über dem Feuer, betupft die Augen
mit etwas Waſſer viel darf man nicht vergeuden nimmt
ein kräftiges Frühſtück ein, packt auf, ſteckt das Pfeifchen in
Brand, und weiter geht’s in der angenehmen Morgenkühle.
So fuhren auch wir am anderen Morgen los. Doch wir
waren kaum 10 Minuten unterwegs, da bot ſich uns ein wun=
dervolles
Bild dar. Links, rechts, vor uns, hinter uns, überall
Wild, Wild in Herden. Da eine Herde von Hunderten von
Springböcken, dort eine andere, gemiſcht mit Gemsböcken, an
einer andern Stelle Strauße uſw. Hineinzuſchießen wäre eine
Noheit geweſen. Manchmal überquerten ſie dicht vor dem Wagen
die Pad, eine Wolke Staubes hinter ſich zurücklaſſend. So ein
Bild muß man geſehen haben, um es glauben zu können. Dieſe
Herden ſind auch nur in der unberührten Steppe anzutreffen. In
den beſiedelten Gebieten gibt es auch noch Wild in Menge, aber
nicht in ſolchen Maſſen wie hier. Wir hielten lange, um das
herrliche Bild ganz in uns aufzunehmen. Langſam, ganz langſam
ſetzten wir unſern Weg fort, immer und immer wieder dies
Schauſpiel betrachtend, denn die Ciere begleiteten uns ſeitwärts
in einiger Entfernung. Schon tauchte in der Ferne die höchſte
Spitze der Kuppen auf, die in der Nieſenfläche weithin ſichtbar
iſt und die uns von nun ab als Nichtungspunkt diente. Ein Ver=
fehlen
iſt nun unmöglich. Im Laufe des Nachmittags langten
wir denn auch dort an. Ganz plötzlich, ohne beſonderen Fuß,
erheben ſich die Kuppen wie Nieſendome aus der Fläche. Ange=
langt
, ſuchten wir uns ein paſſendes Plätzchen, eine windgeſchützte
Stelle, als Lagerplatz aus. Dort bleiben wir zwei Cage,
beſtiegen einige Kuppen, die nur durch beſtimmte Schluchten zu=
gänglich
ſind. In halber Höhe war ein Plateau, von
Selſen eingefaßt, wo vor nicht zu langer Seit noch Buſchmänner
gehauſt haben in einer natürlichen Seſtung. In den zahlreichen
Höhlen fanden wir viele Buſchmannzeichnungen, u. a. ſolche von
Cieren, die es heute in dortiger Gegend nicht mehr gibt. An
einer anderen Stelle lagen zwei Höhlen mit vorſpringenden Fels=

Dilemma im Srühling.
Von Georg Grabenhorſt.
Gerade jetzt, wo es Frühling wird, wo es einem wie ein
Quirl im Blute ſteckt, wo man ſo recht liebebedürftig iſt, gerade
jetzt willſt du reiſen, willſt du mich allein laſſen. ..
Aber ich muß doch.
Jo4
Warum mußt du??"
Liebes Kind. *
Du liebſt mich nicht! Das iſt esl! Weiter nichts. Meinſt
du, ich wüßte nicht...
Du biſt nicht geſcheit..."
O, ich weiß, das ſagſt du immer, wenn du ein ſchlechtes
Gewiſſen haſt! Du biſt abſcheulich!
Sie ſetzte ſich auf einen anderen Stuhl, abſeits vom Ciſch,
ſchlug ihre ſchönen Beine übereinander, wippte heftig mit der
Sußſpitze und ſah vorwurfsovll und hartnäckig in den Sonnen-
untergang
, der quittegelb in das dunkle Geäſt der Bäume tropfte.
Während ſie einer Droſſel zuhörte, die ſie, poetiſch und
eigenſinnig wie ſie nun einmal war, für eine Nachtigall hielt,
während ſie ihren Kummer, ihre verratene und verlaſſene Liebe,
ihre zukünftige Einſamkeit und Sehnſucht mit trotziger, genieße=
riſch
=quälender Phantaſie erfüllte, während ſie verſuchte, mit den
Lippen zu zucken und über ihre entzückend fein geſchwungenen
Schultern leichte, reizende Schauer zu ſpielen (bis hinab in die
ſchmalen, nervöſen Kinderhände!) während ſie ſo verſuchte,
ihrer wahrhaft rührenden, bemitleidenswerten Gemütsverfaſſung
Ausdruck zu geben, betrachtete ſie zugleich mit dem gewiſſen

Frauen eigenen Vermögen des doppelten Blickes ſich ſelbſt,
gleichſam aus den Augen ihres undankbaren Freundes. Dieſer
eigene Anblick rührte ſie bis ins Ciefſte. Sie fand ihre Lage
nicht nur bemitleidenswert, ſondern empörend unverdient und
traurig und komnte in dieſem ſo lebhaft empfundenen Unglück
nicht verhindern, daß ihr die Cränen in die Augen traten. Sie
fühlte die quillende Feuchtigkeit mit wütender Genugtuung und
unterdrückte ein Schluchzen ſo namenlos geſchickt, ſo unendlich
lieb und reizend, daß es einen Stein hätte erweichen müſſen.
Sehr zart und warm legte er ihr auch ſogleich die Hand auf
die Schulter, ohne jedoch aufzuſtehen oder vorderhand mehr zu
verſprechen, in jener ihm eigentümlichen, unerſchütterlich ruhigen,
väterlich begütigenden Art, die ſie jedesmal verwirrte, in ihren
tieferen Abſichten unterbrach und darum reizte.
Antike Statuen willſt du da unten ſtudieren, ſagſt du? Och
fürchte nur, ſie werden ſehr modern und ſehr lebendig ſein, und
du wirſt ihnen nicht ſo väterlich die Hand auf die Schulter
legen...
Aber, liebes Kind.."
Und ich bekomme inzwiſchen Anſichtspoſtkarten, wo darauf
ſteht, daß du ſehr beſchäftigt biſt, daß die Sonne ſcheint, der
Chianti abends am beſten ſchmeckt, und die Nächte erguickend
und voller angenehmer Cräume ſind. . . . Ich kann das glauben
oder nicht glauben und mir dabei denken, was ich will, mir die
Haare ausreißen und vor Sehnſucht vergehen und dich läßt
das alles kalt, es amüſiert dich nur, wenn ich es in meine Briefe
ſchreibe. Du nennſt mich liebes Kind wie immer und verſprichſt
mir goldene Berge für den Sommer, für das Wiederſehen. . .."
Was habe ich jetzt davon, jetzt, heute, morgen, übermorgen.
dieſen ganzen langen wunderbaren ſchrecklichen Frühling hin=

durch? Was helfen mir deine infamen Poſtkarten? Verrückt
machen ſie mich! Ich ſage dir, es geſchieht etwas, wenn du jetzt
fortgehſt! Es geſchieht etwas!!
Es iſt ganz ohne Sweifel, dachte er, am hübſcheſten iſt ſie ſo,
wenn ſie wütend iſt, wenn ſie droht, wenn ſie Gewitter macht
mit Ahnung und Schickſal. Sie iſt und bleibt doch ein unerhört
lieber, netter Kerl!
Ganz oben in den Wipfeln hing noch ein letzter Schein des
Cages. In der Veranda wurde ſchon das Licht angezündet. Der
Garten war von Gäſten leer. In der Ferne hörte man die
Eiſenbahn.
Sie gingen den Waldweg zurück. Lange ohne ein Wort.
Wir werden wieder an dieſer gefährlichen Stelle vorbeikommen,
wo die Anemonen ſtehen, dachte er und ſchob ſeinen Arm wie
zufällig und in Gedanken in den ihren.
Sie ließ es geſchehen und fragte plötzlich, unvermittelt:
Geht eigentlich Holgersſon mit?
Nein, er kann leider nicht, er wird . . ."
Ihm kam, zugleich mit dem Erſtaunen über dieſe, wie ihm
ſchien frappierend folgerichtige und natürliche Frage, ein Ge=
danke
, den er für geeignet hielt, ihren Kummer, der ſich ja ſchon
auf richtiger Fährte befand, vollends zum beruhigenden Siele zu
führen.
Weißt du, ſagte er leichthin, ich werde Holgersſon bitten,
dir einmal Geſellſchaft zu leiſten! Er iſt mein Freund. Ich habe
dir oft geſagt, wie ſehr ich ihn ſchätze. Er hat gute Manieren.
Er verſteht es ausgezeichnet, einem die Seit zu vertreiben, hat ein
entſchiedenes Calent zu tröſten und rückſichtsvoll zu ſein, hat
außerdem ſehr ſchöne große graue Augen, in die man mit Ver=
gnügen
hineinguckt, und geht ſo tadellos angezogen, wie man es

[ ][  ][ ]

platten derart übereinander, daß es ausſah wie zwei Bal=
kone
an einem hohen Hauſe. Auch Löwenſpuren waren zu
ſehen, von den Löwen aber nichts. Nach zwei Cagen fuhren wir
wieder los, während unſere Begleiter noch blieben, um zu
zeichnen. Unterwegs ergänzten wir unſeren Mundvorrat,
indem ich zwei Springböcke umlegte. Dieſe Ciere haben,
nebenbei bemerkt, ein ſehr zartes Fleiſch. Gegen Abend ſuchten
wir uns wieder eine gute Lagerſtätte aus, die Ciere wurden auf=
gehängt
, ausgeweidet, aus dem Fell geſchlagen, damit das Fleiſch
während der Nacht tüchtig durchkühle. Nun gab’s gebratene
Leber mit einem Schluck Windhuker. Herrlich ſchmeckte das!
Europiens Genüſſe hätte ich nicht dagegen eingetauſcht. Der ge=
ſunde
Appetit in der friſchen Luft, die Bewegung, dann die abſo=
lute
Nuhe: das kräftigt, ſtärkt die Nerven, bräunt die Wangen.
So geht es Cag für Cag. Oft bleibt meine Frau im Lager zurück,
und ich gehe mit dem Jungen allein los, einen Bogen von einigen
Kilometern um das Lager ſchlagend, um etwas für die Küche zu
beſorgen. Kehrt man zurück, ſo ſteht der Kaffee bereit; ohne
dieſen kann man ſich in Afrika keine Pad denken.
Gekräftigt und befriedigt kehrt man in ſein Heim zurück,
wo man nach einer gründlichen Neinigung wieder menſchenähnlich
wird. Aber die Ferien werden noch weiter ausgenutzt. Nach ein
bis zwei Cagen geht’s wieder hinaus nach einer anderen Nich=
tung
. So auch damals. Wir fuhren nun nach dem etwa 25 Kilo=
meter
entfernten Okapekaha=Damm. Ein herrliches
Plätzchen: Büſche, Bäume, Waſſer und Wild. Etwa zwei
Kilometer vom Waſſer entfernt richteten wir uns häuslich ein.
Auch hier ſpielte ſich das Padleben in der oben beſchriebenen
Weiſe ab. Wir ſtiegen in den Bergen umher, beſichtigten die
Swiebel=Höhle mit ihren Buſchmann=Seichnungen. Wäh=
rend
der heißen Cageszeit liegt man im Schatten der Kamel=
dornbäume
. In der Morgenkühle oder am ſpäten Nachmittag
macht man eine kleine Fahrt oder einen Gang, wobei natürlich
immer die Büchſe zur Hand ſein muß, weil man ſie oft aus den
verſchiedenſten Gründen benötigt. Sehr ſchön iſt es, nachts das
Wild an der Waſſerſtelle zu beobachten. Einzeln oder in Nudeln
kommen die mächtigen Kudubullen ans Waſſer. Man ſitzt ver=
ſteckt
, und in den hellen Mondnächten läßt ſich das Cierleben

guf ſtudieren. Wo Wild iſt, ſind natürlich auch Naubtiere
Hyänen und Ciger (Leoparden) ſtatten dieſer Waſſerſtelle eben=
falls
ihren Beſuch ab, teils um zu trinken, teils um Beute zu
machen. Mit Sonnenuntergang fallen dann die Wachteln in
großen Scharen ein. Hat man Verlangen nach Wachtelbraten,
na, dann hält man mit der Schrotſpritze dazwiſchen, und ohne eine
größere Sahl kehrt man nicht zum Lager zurück. In dieſer Ge=
gend
verbrachten wir mehrere Cage, dann ging es wieder an den
häuslichen Herd zurück. Meine Lieben hatten nun vorläufig ein=
mal
genug von dem Padleben. Deshalb fuhr ich mit dem Ein=
geborenen
allein los, wieder nach einer neuen Nichtung, ver=
ſchiedene
Farmer, die mich eingeladen, zu beſuchen. Den erſten
Halt gab es etwa in 40 Kilometer Entfernung bei einem guten
Bekannten, auf deſſen Damm ich mir einige Wildenten ver=
ſchrieb
. Nach weiteren 40 Kilometern kam ich zu einem gewiſſen
Hoffmann, der, weil er ſelbſt kein Jäger, mich und andere ge=
beten
, doch einiges Wild, das ihm die Weide zerſtörte, wegzu=
ſchießen
. Er hat nämlich eingezäunt, und über 1000 Springböcke
ſind miteingezäunt worden. Bei der ſtarken Vermehrung der
Ciere kann man ſich denken, was da an Weide vernichtet wird.

Am erſten Abend war wenig zu ſehen; die Ciere hatten ſich
ſchon verzogen, und ich brachte nur einen Bock und einige Perl=
hühner
mit. Aber am anderen Morgen ſtieß ich nach etwa vier
Kilometern auf eine weiße Herde. Von einer Stelle aus ich
brauchte mich buchſtäblich nur auf dem Abſatz herumzudrehen
legte ich fünf Ciere um. Bald darauf verließen wir mit einem
von Jagdbeute vollbeladenen Wagen auch dieſe gaſtliche Stätte.

Mittlerweile hatte unſer Miſſionar, der gleichzeitig die weiße
Gemeinde bedient, für die Farmer draußen einen Feldgottes=
dienſt
angeſagt. Wir fuhren ebenfalls hinaus nach Etendero,
der Farm eines Deutſchen. Im Gelände wurde eine paſſende
Stelle ausgeſucht, ein mächtiger Kameldornbaum, unter dem eine
halbe Kompagnie hätte lagern können. Die meiſten Farmer der
Umgegend waren hier zuſammengekommen. Nach dem
Gottesdienſt war gemütliches Beiſammenſein bei Sang und einem

kühlen Crunk. Gegen Abend eilte dann jeder wieder ſeiner
Heimat zu.
Aber, o weh, die Ferien, wo waren ſie hingekommen? Nur
noch zwei Cage, und die mußten noch einmal recht afrikaniſch
genoſſen werden. Alſo, mit meinem Eingeborenen nochmals in
die Berge, um die Fleiſchkammer für den Wiederbeginn des
Penſionatsbetriebes zu füllen. In den Erongobergen kam mir
auch bald ein mächtiger Kudubulle vor die Slinte. Mein Junge
blieb am Wagen, da ich den Bullen bald zu haben gedachte. Ich
ſtieg dem Ciere nach, aber es war mir nie ganz ſchußgerecht. So
lockte es mich durch Schluchten, über Höhen weiter, immer
weiter. Endlich verhoffte es auf einem vorſpringenden Grat, nach
dem Verfolger Ausſchau haltend, nicht ahnend, daß der ſo nahe.
Es war gegen Abend. Wundervoll hob ſich das majeſtätiſche
Cier vom Abendhimmel ab, mir auf kaum 100 Meter das Blatt
darbietend. Es tat mir leid, die Büchſe anzulegen, und nicht
ganz frei von einem gewiſſen Gefühl hob ich zögernd das Gewehr.
Verſchiedenes regte ſich in meiner Bruſt; aber der Gedanke an
der Bekannten hämiſche Bemerkungen vom Sonntagsjäger
ließen mich den Abzug berühren. Ein Krach, ein Hochſprung, und
das Cier regte ſich nicht mehr. Ich war allein, die Sonne wollte
verſchwinden, der Nückweg war beſchwerlich, dazu das Gelände
mir wenig bekannt. Alſo ſchnell handeln. Ich brach es auf,
zverblendete es, d. h. es wird mit Aſten und Dornen derart
bedeckt, daß während der Abweſenheit kein Naubvogel ( Aas=
geier
) und auch kein Schakal daran kann. Nun aber der Abſtieg
und Heimweg. Auf der alten Spur zurückgehen mochte ich nicht,
alſo vorwärts, da ich den Wagen in der angenommenen Nich=
tung
vermutete. Ich kletterte und kletterte, kam durch Schluch=
ten
, über Kämme, immer einen hohen Berg im Auge behaltend.
Es wurde dunkel, der Schweiß rann, die Feldflaſche war leer.
Schon begannen ſich Sweifel zu regen, ob ich den richtigen Weg
eingeſchlagen, und ſchon erwog ich den Gedanken, ein Seuer an=
zuzünden
, die Nacht zu ruhen, um den hellen Morgen abzuwarten.
Noch einmal erkletterte ich einen Kamm, und ſiehe da, in der
Ferne, in der von mir angenommenen Nichtung war ein Seuer
zu ſehen. Alſo war ich doch richtig gegangen, nur in der Ent=
fernung
hatte ich mich getäuſcht; in der Hitze der Jagd hatte ich
nicht bedacht, wie weit ich abgekommen. Drei Signalſchüſſe aus
meiner Büchſe belehrten den Jungen am Wagen, daß ſein Feuer
bemerkt ſei und ich mich nähere. In Afrika iſt es für die Per=
ſon
am Wagen ſtehende Negel, daß ſie mit Einbruch der Dunkel=
heit
, wenn der Gefährte noch draußen iſt, ein weithin ſichtbares
Seuer anzündet und unterhält. Nach einer halben Stunde war ich
im Lager. Nun im ſichern Port, braucht man ſich keine Ent=
behrung
mehr aufzuerlegen, und ſo wurde das vorhandene Ge=
tränk
reſtlos vertilgt. Für dieſen Eag hatte ich genug. Ich ließ
Wild Wild ſein und fuhr heim, da ich zudem am nächſten Mor=
gen
mit nur einem Jungen doch nichts hätte anfangen können.
Noch vor Sonnenaufgang ging es dann am andern Morgen mit
drei Jungen los. Och fand mich auch wieder gut zur Jagdbeute
hin. Nachdem ich das ſtattliche Cier auf die Platte gebannt hatte,
wurde es aus der Haut geſchlagen, zerlegt und in
Stappen nach dem Wagen geſchafft. Das war in den Bergen,
durch die Schluchten bei der Hitze ein Vergnügen! Hätte man ſo
etwas auf Befehl tun müſſen, dann wäre nicht ſchlecht geſchimpft
worden. Aber da es freier Wille war, ging’s. Von dem, was
zu leiſten war, kann man ſich einen Begriff machen, wenn ich
erwähne, daß an dem Kopf mit Horn ein Mann genug zu tragen
hat. Na, nachmittags um 4 Uhr langten wir zu Hauſe an, nach=
dem
ich unterwegs noch ein Böckchen (Duiker) hatte mitgehen
heißen.
Nun aber waren die Winterferien herum, und des Dienſtes
ewig gleichgeſtellte Uhr beherrſchte wieder unſer Leben. Aber
noch lange denkt man zurück an das Leben und Creiben im
Sreien. Das Herumſtreifen im Buſch hat Geiſt und Körper
erfriſcht. Alles, was mit Dienſt und ſeinen Neibereien zuſam=
menhängt
, war während dieſer Seit vollſtändig aus dem Ge=
dankenkreis
verdrängt, verbannt, und der Körper kommt inſo=
fern
zu ſeinem Necht, als er oft bis zum äußerſten angeſtrengt
wird. Im voraus werden dann wieder Pläne geſchmiedet fürs
kommende Jahr. Ausflüge ins Gebirge wie in Europa gibt es
hier nicht. Hier geht es hinaus in Gottes freie Natur, und man
braucht nicht zu fürchten, bei jedem Schritt über einen Mit=
menſchen
zu ſtolpern. Draußen allein, Hunderte von Kilometern
von jeder menſchlichen Stätte entfernt, auf ſich und ſeine gute
Büchſe angewieſen, da iſt Genuß, Erholung. Aber auch hier
dringt die Beſiedlung immer weiter vor. Nun, da geht man halt
noch ein Endchen weiter; noch gibt es ja ungeheuer rieſige Ge=
biete
, die noch keines weißen Mannes Fuß betreten hat, Draußen
in der erhabenen Steppe da iſt man Menſch, da kann man’s
ſein.
So, nun kehren Sie wieder zurück nach Darmſtadt in das
Menſchengewimmel brrr. Die Wangen ſind braun geworden,
der Körper hat etwas von ſeiner Fülle dem Buſch abgegeben,
die Haut iſt mit einer gewiſſen Kruſte überzogen, die nur durch
Seife und Bürſte wieder entfernt werden kann, kleine Wunden,
die man mitgebracht, heilen bald, die Kleider ſchenkt man am
beſten dem Eingeborenen, weil daheim doch nicht mehr zu ge=
brauchen
; aber blanke Augen hats gegeben und Nerven: geſtählt
und wie Celegraphendrähte!

von einem Maler nicht erwartet. Ich werde ihn alſo bitten,
natürlich, das werde ich tun, und .. ."
... was würdeſt du ſagen, wenn dein Freund Holgerſon.
mit den ſchönen Augen und den guten Manieren, ſich in mich
verliebte??
Aber ich bitte dich! Das erwarte, das verlange ich
geradezu von ihm! Er wird um ſo aufmerkſamer ſein und meine
Bitte mit um ſo mehr Hingabe und Bemühung erfüllen.. ."
Sie biß ſich auf die Lippen. Er ſah es zwar nicht, dazu war
es zu dunkel, aber er wußte es, er ſpürte es ſozuſagen im Hand=
gelenk
.
Dann ſagte ſie langſam, mit überlegter und ſehr effektvoller
Betonung:
Und ... wenn ich mich nun in ihn verliebte, . . . was
Hie
würdeſt du dann ſagen.. 22"
Er lachte. Es war boshaft, wie ſorglos und herzlich er
das tat.
Liebes Kind, dazu biſt du viel zu geſcheit
Sie bebte vor Sorn und Empörung.
Und wenn ich nun einmal mit voller Abſicht nicht ge=
ſcheit
bin, wenn ich mich richtig und leidenſchaftlich in ihn
verliebe, was dann ??
Er zog ſeinen Arm aus dem ihren und legte ihn ſanft und
ſorglos um ihre Schulter.
Dummerchen! ſagte er und ſtreichelte mit der anderen
Hand über das kühle und etwas feuchte Haar. Neg dich doch
nicht ſo auf! Das wäre doch auch noch kein Malheur..."
Was?? Das wäre kein Malheur??! Daß du dickh
nicht ſchämſt! Gehl Laß mich! O, wie grauſam ihr Männer
ſeid, wie brutal!!

Aber, liebes Kind, was willſt du? Ich mache dir ja nich
den geringſten Vorwurf! Ich würde dich ſogar vollkommen ver=
ſtehen
! Ich wüßte gar nicht, warum ich grauſam ſein ſollte
warum . . ."
Das iſt es jal! Wenn du mich liebteſt, würdeſt du
mich erdroſſeln, wenn ich mich in Holgerſon verliebte, würdeſt du
mir die Augen auskratzen, mich auf der Stelle umbringen! Aber
du, was tuſt du? Es wäre kein Malheur!! Als ob
du froh biſt, mich vielleicht auf anſtändige Weiſe loszuwerden!
O, ich kenne euch! So ſeid ihr alle! Allel Alle!
Es iſt durchaus fatal, dachte er. Da hat man ſich nun glück=
lich
ſo weit durchgerungen, daß man ſeinen Freundinnen Eifer=
ſuchtsſzenen
unbedingt zu erſparen entſchloſſen iſt da hat man
ſich aus einer Summe der peinlichſten Erfahrungen dieſe einiger=
maßen
taktvolle und wie mir ſcheint vorurteilsfreie, wirklich
großzügige Art der Lebensbejahung herausdividiert da iſt man
un, ſozuſagen am eigenen Leibe, bereit, das Selbſtbeſtimmungs-
recht
der Frau zu beweiſen, auf die Seuerprobe zu ſtellen, ja, es
koſte was es wolle, rückſichtslos, gegen das eigene Herz, mit
fanatiſcher Überzeugung und hundert glühenden kategoriſchen
Imperativen zum Siege zu führen und man erlebt kopfſchüt=
elnd
die Überraſchung, daß einem dieſe Bemühungen nicht als
Verdienſt, ſondern als Verbrechen angerechnet werden, daß
man für grauſam gilt, für brutal (ol), wenn man ſich zart und
voller Verſtändnis zeigt!
So dachte er mit einiger Verſtimmung und ebenſoviel Be=
hagen
, denn er blieb dabei, daß ſie ſo, in dieſer gewittrigen Stim=
mung
, am reizendſten war.
Außerdem war der Weg unausſprechlich ſchön. Sterne fun=
kelten
, Glühwürmchen ſchwarmten, und von drüben, von der

Gartenwirtſchaft herüber klang manchmal, undeutlich und wie
verweht, untergetaucht in das ruhende, atmende, flüſternde
Dunkel, in dieſes Meer der geheimnisvollen, leiſe, tief und mäch=
tig
wogenden Nacht, eine dünne, wehmütig=ſüße Muſik. Die
Luft war ſchwül, ſeltſam flackrig und ſchwer und wieder auch
plötzlich kühl und, als ob ſie ſich aneinander feſthalten müßten, ſo
haltlos auf einmal, unſicher und gefährlich.
Als ſie an jene Stelle kamen, wo im Mooſe die Anemonen
blühen (magiſch leuchteten ſie herauf!), da mußte ſie ſich auf
ſeinen Arm ſtützen, ſo ſchwer wurde ihr das Gehen, da mußte ſie
ſich an ihn anlehnen und beide Arme um ſeinen Hals legen. Und
weil ihm ſelbſt die Knie auf einmal unſicher wurden vom langen
dunklen Wege, ruhten ſie aus im Mooſe und pflückten Ane=
monen
. Er beteuerte ihr dabei, daß er eiferſüchtig ſei bis aufs
Meſſer, und ſie zog ihm die Ohren lang und neckte ihn mit
ſeinen antiken Statuen ...

Aber nachher, ſehr viel ſpäter, in der Haustür, fragte ſie,
nachdem ſie ſich ſchon lange und ausführlich verabſchiedet hatten,
hinter ihm her, zufällig, ohne Akzent, ganz ohne Gewicht, wie
man nur noch einmal etwas längſt Verabredetes erinnert und
wiederholt:
2.. und vergiß ja nicht, Holgerſon darum zu bitten, hörſt
du
Sie ſagte das mit einem ganz unnachahmlich rührenden Con=
fall
in ihrer Stimme, darin über einem ſehr innigen, entzückend=
verhaltenen
Abſchiedskummer, über einer reizend=hilfloſen, ſchick=
ſalergebenen
Verlaſſenheit wie ein Hauch ein ganz leiſer, ganz
heimlicher Vorwurf lag und ein ganz leiſer, ganz heimlicher
Criumph!

[ ][  ][ ]

Dämoniſche Srauen.
Von Dr. Ella Menſch.
Seigt ſie uns das Leben? Die Literatur? Aber getrennt
laſſen ſich dieſe beiden Gebiete wohl nicht anſchauen, denn ewig
iſt die arme Kunſt gezwungen, zu betteln, von des Lebens Ueber=
fluß
geſteht die Grilparzerſche Sappho.
Aber auf die Frage: ſind dir ſchon viele dämoniſche Frauen
begegnet? müſſen wir ein ehrliches Nein antworten. Sollte ſo
etwas wie Dämonie ſich nur in früheren, faſt noch vom Dämmer=

grau der Sage umwitterten Seiten entwickelt haben, oder in
jenen geſchichtlichen Epochen, wo der Eigenwille ungebändigter
Kraftnaturen ungehemmt über das Mittelmaß hinauswachſen
konnte?
Vielleicht fällt die legendär=hiſtoriſche Semiramis, die
Judith der bibliſchen Ueberlieferung, die Fredegunde aus
der wilden Merovingerzeit unter den Begriff des Dämoniſchen
wie er uns geläufig geworden iſt als eine Aiſchung dunkler In=
ſtinkte
und rückſichtsloſer Herrſchſucht. Aber nachprüfen können
wir das nicht. Auch die braune Nilſchlange, die äguptiſche Kle=
opatra
, die den Vömer Antonius ins Verderben riß, war
letzten Endes nur eine leichtfertige Lebedame großen Formats,
die von der Dichtung dann ins Diaboliſche umfriſiert worden iſt.
Ueber die Lukrezia Borgia gehen die Anſichten der
Nachwelt ſtark auseinander. Die vielen, mit mehr oder minder
Glück vorgenommenen Ehrenrottungen haben aus der ränkelüch=
tigen
Giftmiſcherin ſchließlich ein hilfloſes Milieugeſchöpf ge=
modelt
, das unfreiwillig in die Untaten der männlichen Ver=
wandten
verſtrickt wurde. Aus der Dichtung ſtrömen uns die Bei=
ſpiele
für weibliche Dämonie um ſo reicher zu. Die Wagnerſchen
Frauen wie Ortrud, Kundry ſind ausgeprägte dämoniſche
Naturen, die aus den Urtiefen ihres Weſens heraus für ſich und
andere das Schickſalsnetz weben.
Nicht ſo ohne weiteres kann man in der Dichtung des Lebens
klarſtes Spiegelbild gewahren, beſonders nicht da, wo ſie ſich ſchon
zum Mythos verdichtet und ihre Geſtalten ſinnbildliche Bedeutung
gewonnen haben. Denn immer iſt es Aufgabe der Poeſie, die
vereinzelten Strahlen wie in einem Brennpunkt zuſammenzu=
faſſen
und das, was in der Wirklichkeit, im Guten wie im
Schlimmen, auf verſchiedene Weſen ſich verteilte, in konzentrier=
ter
Form darzubieten. Je reicher und ausgiebiger die Quellen
über geſchichtliche Perſonen uns zuſtrömen, je mehr wir imſtande
ſind, zu ergründen, deſto ſeltener ſtoßen wir auf die Erſcheinung
ausgeſprochener Dämonie. Auch die großen Verbrecherinnen der
Weltgeſchichte wie Katharina von Medici, von deren Bilde ſich
die Blutflocken der Bartholomäusnacht nicht abwaſchen laſſen,
iſt war eine gefährliche Intriguantin, aber keine eigentlich dämo=
niſche
Natur. Die ſpaniſche Maria Cudor, ausgeſtattet mit
allen Eigenſchaften religiöſen Fanatismus, iſt im Kerne ihres
Weſens eine enge Philiſterin. Die ſtaatskluge und in ihrem
Prwatleben zügelloſe Katharina II. von Nußland iſt viel zu
nüchtern und berechnend, um in die Gattung der dämoniſchen
Frauen zu fallen.
Wäre dieſe alſo am Ende ein Phantaſiegebilde, dem keine
Nealität entſpricht, wenigſtens nicht mehr entſpricht? Faſt ſind
wir geneigt, hierauf mit Ja zu antworten.
In früheren Seiten, als die Maſſe der Frauen in ſtreng ge=
bundenen
Formen und unantaſtbaren Ueberlieferungen lebte, ge=
ſchah
es nur ſelten, daß eine Geſtalt mit beſonderer Eigenprägung

ſich aus der Menge hervorhob. Was man einige Jahrhunderte
ſpäter kurzweg mit emanzipiert bezeichnete, hieß damals
dämoniſch
Die weiblichen Sportleiſtungen von heute, die Wettſchwimme-
rinnen
und Olympiaſiegerinnen könnten gut und gerne das Maß
für die Walküren und Brünhilden ſtellen!
Frank Wedekind gefiel ſich in der Annahme, er habe in ſeiner
Lulu und deren Erotomanie den Cyp einer vollendeten Dämonie
herausgeſtellt. Aber ſeine äſthetiſchen Anſprüche nach dieſer Rich=
tung
müſſen lehr beſcheiden geweſen ſein, denn von Lulus Wede=
kindſcher
Faſſung wimmelt es in den Großſtädten, lie fallen auf
die Nerven, infolge ihrer Monotonie. Auf ſie könnte allen=
falls
die Behauptung Otto Meininges, daß ihre Qualitäten an
ihrem Nicht=Sein, an ihrer Weſenloligkeit hangen, Anwendung
finden, ebenſo daß die Furcht des Mannes vor dem Weibe, die
Furcht vor der Sinnloſigkeit, vor dem lockenden Abgrund das
Nichts ſei.
Aber gerade die Männer, in denen ſolche Furcht wach iſt und
die ſich niemals die Mühe auferlegen, nach Frauen zu ſuchen, die
ihnen auch etwas wie Ehrfurcht einflößen könnten ich gebe zu,
daß die Suche ſo anſtrengend ſein kann wie die Fahrten des
Parſifal nach dem Gral , ſind eilig bereit, da, wo Materie ſie
in Bann ſchlägt, Dämonie zu wittern.
So viel ſteht feſt: erweiterte pſuchologiſche Kenntniſſe, die die
hergebrachten Schemata entwerten, führen dahin, daß man mit
dieſem Begriff etwas ſparſamer umgeht.

Charakter, Gang und geiſtige
Enwicklung.
Von NuthGoetz.
Kenner, die ſich mit dem Gang der Frau beſchäftigt haben,
ziehen aus ihren Beobachtungen Schlüſſe auf den Charakter.
Nicht nur auf das Weſen, ſondern auch auf die Anſprüche, die
eine Frau zu ſtellen gewohnt iſt. Ein Gang kann herausfor=
dernd
, ſelbſtbewußt oder demütig und beſcheiden ſein. Und trotz
alledem drückt die Mode dem Gang ihren Stempel auf. Je nach
der Linie muß die Frau ihn wandeln, ohne das Charakteriſtiſche
ihrer Perlönlichkeit zu verwiſchen. Früher mußten die Frauen
ſchwoben‟. Heute würdo es komiſch wirken, wenn ſie mit tänze=
riſcher
Grazie über die Straßen mit ihrem Haſten und Jagen
eilen würden. Durch den modernen Schuh iſt die Frau der
Gegenwart von dem Swange befreit, kleine Füße vorzutäuſchen.
Die modiſch eleganten Fußbekleidungen geſtatten den Vertrete=
rinnen
des ſchönen Geſchlochts, ihre Füße in natürlicher Form
und Größe zu zeigen. Der Schuh ſteht nicht mehr im Mißver=
hältnis
zum Gang. Er iſt das Weiblichſte an der Frauenkleidung.
Graziös, kokett, mit Sierat beſetzt, wie man ihn kaum je am
Frauenſchuh beobachten konnte, er hat Spangen und Geflechte,
iſt bunt, beſitzt alſo das wirkſamſte Mittel, um eine Eleganz zu
beleben: die Farbe. Er iſt ausgeſchnitten und verrät den Strumpf,
das unerläßlichſte Reguiſit des Frauenganges. Es iſt nämlich nicht
gleichgültig, ob ſie auf ſeidenen oder wollenen Sohlen einher=
ſchreitet
. Ihr flotter, leichtfüßiger Gang beruht eben darauf, daß
ſie dünne oder ſeidene Strümpfe trägt. Sie fordern Aufmerke=

ſamkeit und Geſchmack. Sie verleihen der Crägerin den Hauch
der Gepflegtheit, der eine Frau ſelbſt wenn ſie nicht mit allen
Neizen von der Natur ausgeſtattet iſt ſo anziehend macht.
Nicht aus Sufall bevorzugt, man den Schuh heute in ſeiner
natürlichen Größe. Modephiloſophen erklären, daß dieſe Mode
mit der geiſtigen Entwicklung und mit der charaktermäßigen
Vervollkommnung der Frau zuſammenhängt. Die ſchaffende Frau
ob geiſtig oder körperlich tätig hat den barbariſchen Be=
griff
der kleinen Füße abgeſchüttelt. Sie kann im Leben nur
ihren Mann ſtehen, wenn ſie gute und paſſende Schuhe trägt.
Eine Frau, die auf ihre Entfaltung Wert legt, die von dem
Drange beſeelt iſt, hinaufzuſtreben, wird kleine drückende oder
nicht ſitzende Schuhe ablehnen. Die Grazie des Ganges läßt auf
eine Grazie des Geiſtes ſchließen. Frauen ohne Kultur achten
nicht darauf, wie ſie ihre Füße ſetzen und wie der Körper von dem
Suß getragen wird. Natürliche Menſchen gehen auch natürlich,
ſie ſetzen ihre Gußſpitzen beim Gehen geradeaus. Wer die Jüße
ſehr nach außen ſtelt, und wer dieſes Nachaußenſtellen wilkürlich
betont, der iſt zu den Menſchen zu rechnen, die nicht ganz auf=
richtig
ſind und gern eine fremde Poſe annehmen. Sehr innerlich
und geiſtig veranlagte Menſchen ſtellen die Füße ein wenig nach
innen. Wer ſich gern Schuhe anquält, in denen der Fuß ver=
krampft
ſitzt, hat meiſtens auch einen verkrampften Charakter.
Frauen mit aufrechtem Sinn werden niemals Schuhe tragen, die
ihren Gang beeinträchtigen. Der moderne Schuh ſoll dem Körper
leine Arbeit erleichtern. Je beſſer er ſitzt, deſto mehr beweiſt er
die fortſchreitende Kultur. Die Griechen und Vömer trugen die
Sandalen, ein ebenſo ſchönes wie zweckmäßiges Gußgewand. Auch
heute wird die Sandale wieder getragen. Freilich in einer modi=
ſchen
Form, die ſich dem Getriebe der Stadt, den Forderungen
von Metall oder Leder geſchmückt waren. Je nach dem Stande
trugen die Menſchen Ungeheuer von Schuhen, die mit einer Spitze
von Metall oder Leder geſchmückt waren. In nach dem Stande
der Perſonen waren ſie länger oder kürzer. Hohe Herrſchaften
hatten Spitzen, die etwa zwei Juß lang waren, an ihren Schuhen.
Darin lag der protzige Ausdruck ihres Neichtums und ihres
Standes. Sie ſagten damit aus, daß ſie zu den Leuten gehören,
die auf großem Fuße leben durften.

Nummer 312.
Partie Nr. 60.
Im Spätſommer dieſes Jahres iſt ein Wettkampf um die Schach=
weltmeiſterſchaft
zwiſchen dem derzeitigen Weltmeiſter Dr. Aljechin
und dem bekannten, in Deutſchland lebenden Großmeiſter Bogol=
jubow
geplant. Von den 30 beabſichtigten Partien ſollen 18 in Wies=
baden
geſpielt werden. Bisher hat ſich bei ihren Zuſammentreffen in
Turnieren Aljechin als der Beſſere gezeigt. Die folgende Partie, die wir
mit Anmerkungen dem ausgezeichneten Buche Aljechens Meine beſten
Partien entnehmen, gibt einen Eindruck von des Weltmeiſters gro=
ßem
Spiel.
Damen=Indiſch.
Geſpielt im Juli 1921 im Meiſterturnier zu Triberg.
Schwarz:
Weiß:
eine Quelle aller möglichen Schwierigkeiten
Bogoljubow
Dr. Ajechin
für Schwarz.
1.4344
Oa8k8.
9. S73d4 Aber nicht 9. 813e5
eſ.e.
2. 88113
wegen 9. Dd87 10. Lelf4,
b758
3. 65o4
S16n5 uſw.
4. a9g8
Le8b7
Lc5xd4
g...
ef-e5
5. I11-g2
Schwarz will ſich von der Schwäche des
Dieſer Zug überläßt Weiß die Wahl zwie d. Bauer befreien und überläßt deshalb
ſchenzweiEntwicklungsmöglichkeiten. Außer Weiß den Vorteil zweier Läufer, die in
6. d4xaß, wie in der Partie konnte Weiß dieſer Stellung außerordentlich ſtark ſind.
auch mit recht guten Chancen 6. d4d5, Anderſeits war auch die Alternative: 9....
eGRd 5 7. 813h4 (von Rubinſtein vor= 8b8o6 10.,844 B06, I.b 7Ke611Ie1) ſpielen. Der beſte Zug für g5. Leb-e7 12. Ta1e1 uſw. nicht
Schwarz iſt b. If8e) in Verbine biel beſſer,
Sb8c6
dung mit 6. 00, 00 7. 8b103. d7 10. 5d1zd4
45 8. 8t3e5, Dd8o8 (von Sämiſch 11. D44-h4
a5Fe4
vorgeſchlagen) mit befriedigendem Spiel. In der Hoffnung, durch 8e6a5 oder
6. 448a5 Wie aus dem folgenden a6 eb ein beinahe gleiches Spiel zu er=
erſichtlich
, kommt Weiß auch durch dieſen langen, nachdem dieweißeDamedenBauern
einfachen Zug dank dem Druck auf der d= geſchlagen haben wird. Stat deſſen zieht
Linie in Borteil.
aber Weiß vor, ſofort den Angriff auf die
L18Xc5
...!
feindliche Königsſtellung zubeginnen, deren
Die Stellung dieſes Läufers iſt gar nicht Feſtigkeit nur ſcheinbar iſt.
ſo ſtark, wie ſie ausſieht: die weiße Ro=
12. Nf1.d1 Da8a8
chabeſtellung iſt genügend befeſtigt. Erzwungen! Wenn 12.... Dd8ef.
7. 00
G-O
dann 13. Lclg5, h7h6 14. Lg5s16,
8. 8b1es
47. 45
De741615. Dh4Xf6,g7KT6 16.741
überläßtdem Gegnerdie Möglichkeit, ſeinen 4 7, und Weiß gewinnt zwei Figuren für
Königsläufer mit Vorteil aufzudecken. Et= den Turm.
was beſſer wäre 8. . .. 9b8a6. aber
13. Lc1g5!
Sf6d5
auchdann wäre die Schwäche des d.Bauern Oder 13.. . . 9r6d7 14. 803e4 uſw.

mit ſtarkem Angriff. Durch den Tertzug und Weiß gewinnt. Nach dem Textzuge
hoffte Schwarz den Abtauſch des feindlichen verliert Schwarz die Dame für Turm und
Königsläufer durch ſeinen 15. Zug zu Läufer, und der Sieg des Weißen iſt nur
eine Frage der Zeit.
erzwingen.
zu

e6xd5
14. 8 3Xd5
15. Td18051 Dieſerunerwartete Zug,
der auf den erſten Blick den Turm dem
Angriff des Läufers b7 ausſetzt, widerlegt
die Pläne des Gegners. Wie das weitere

17. Te 4818!.
18. Pa5d84
19. Igbxa8
20. Na141
21. bh4-84

T1815
Da8as
N2828
Nk577
9b443

zeigt iſtbieſerZuginallenParianten korrekt. Ein harmloſes Manöber. Schwarz iſt end=
Le6b4
15...
gültig geſchlagen, und es bleibt ihm nichts,
Es iſt klar, daß andere Züge nicht beſſer als auf ein Wunder zu hoffen.
Weßsa8
waren.
22. 624d3
16. Lg2e41 Entſcheibend, wie aus 23. d3½64
na848
den angeführten Varianten erſichtlich.
Nkfe7
24. 1214
h7h8
16.1715 Andere Varianten ſind nicht 25. Kg112
IbFe8
beſſer,z. B.: 1. 16. . h7h6 17. Lg5T 26 1-81
h6, 17 15 18. Dh4g5, Doßa7 19. 27. D8448
Teſ47
UhöSe7. Do7xe720,DgbKg 74, Ke88 28. Df345
gf.g5.
g7 21. Nd5d7 mit weiterem 1e43 29. Pe15
g5sf4
b7. und Weiß gewinnt, II. 16. ..gf 30. g3414. Schwarz gibt auf.
g6 17. I.g5t6, 8b 4Rd518. Le48d5,

Mai e
Nach richtiger Ordnung der Silben enthalten die wagerechten und
ſenkrechten Reihen gleichlautende Wörter.
Carl Deubel.
B1 CALR
IF 10 00
RIE VA VA
Silbenrätſel.
Aus den Silben: al an bron che de de e er form fre gat
gau glo hard i kra ko les ma men ment muſ ni ni nichts
nim nutz o rak raſ rich rod ſa ſing ſter fu tät te the ti
ti tra u u ul ven ver preau ze zi ſind 19 Wörter zu bilden,
deren Anfangs= und Endbuchſtaben, beide von oben nach unten geleſen,
einen Spruch ergeben ſch ein Buchſtabe).
Die Wörter bedeuten: 1 Deutſcher Dichter, 2 Amtskleidung 3 Sunda=
inſeln
. 4 Name von Gotenkönigen, 5 Bildungsanſtalt, 6 großer Jäger,
7 Widerruf, 8 Metallmiſchung, 9 Humaniſt. 10 heilige Handlung,
11 Leder, 12 Nebenraum dor Wohnung, 13 männlicher Vorname,
14 altes Krieosſchiff, 15 brühmter Maler, 16 Land in Vorderaſien,
17 Stadt an der Oder, 18 Kleidunosſtick, 19 Tagenichts.

Auflöſung der Rätſel aus Nummer 20.
Kreuzworträtſel.

Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt, Fernſpr. 1, 23892392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboter=

[ ][  ][ ]

S is nor e Glick, daß’s Wädder bloß ganer macht, un daß
dem niemand enei zu redde hott, dann däß, was dodebei eraus=
kemt
, beiſpielsmeßich beim ballamendariſche Syſtem, däß mecht ich
emol bei Dag ſähe. Un beſunners is es e Glick, daß s an
Pingſte nor vun aam gemacht wärd. Dann grad an Pingſte
gehn die Sonder=Inderäſſe beziechlich vum Wädder ausenanner,
wie A’ſichte iwwer die Färngasverſorgung, wo’s aach gärn der
gane gebacke, der anner geſodde, un der Dritte gekocht hawwe
meecht.
Diß Johr hott awwer, ſollt mer a’nemme, des Pingſtwädder
jedem Wunſch Rächnung gedrage; es hott gleichermaße ge=
räfend
un die Sunn geſchiene uff Gerechte un Ungerechte. Wer
alſo recht in Freuden wandern wollt, der hott alle Kraft zu=
ſamme
genumme, die Luſt un aach den Schmerz, un is de Sunn
endgääche gange, aanerlaa, wo er ſe gedroffe hott. Wer
dohärngääche Luſt hatt, mit Sorje dehaam zu bleiwe, dem war
aach nix in Wähk gelegt, er konnt dehaam bleiwe un braucht
ſich kaa Vorwärf driwwer zu mache; dann ſchließlich; hinner’m
Owe is es blackeweis aach ganz ſchee.
Was mich bedrifft, ſo hab ich’s mit dene gehalte, die wo de
Sunn endgääche gange ſin. Un ich hab zu dem Zwäck ſchun am
Samsdag morjend, eh nor de Giggel zum erſtemal gekreht hott,
alle Bricke hinner mer abgebroche, un hab mich vun=ere gude
Seel ins Audo ſetze loſſe, un bin gemiedlich de Bergſtroß end=
lang
, dorch de Schwazzwald, gääche Freiborch zu, wo mer grad
recht kumme ſin zu=eme Gitzbrode, un wo ſe ſich grad zu=eme
große Sengerfeſt geriſt hawwe, un wo der freundliche Gaſthalter
däßhalb gemaant hott, uns dhet er s allerbeſte Wädder un viel
Sunn winſche, ſich dohärngääche en ausgiewiche Landräje, da=
mit
die feicht=freehliche badiſche Sengerkähle den unvermeidliche
Senger=Dorſcht in de Stadt leſche dhete, un net uffim Feſtblatz.
No, mir hawwe for den kriſtliche Wunſch heeflichſt gedankt
un äwenfalls diddo mit Soos gewunſche, ſin m Hellendhal
enuff, um de Titiſee erum, enunner nooch Sangt Blaſien, hawwe
geſchwind die Leit bedauert, die wo ſich dort, drotz däre ſcheene
Gäjend, geſundheitshalwer uffhalte miſſe, ſin dann iwwer
Waldshut nooch Schaffhauſe un hawwe noch vor’m Nachteſſe de
Rheinfall genoſſe, un zwar bei Mondſchei, weil die bengaliſch
Beleichdung noch net im Bedrieb war. (!.. !. .)
Am erſte Feierdag ſin mer dann e Stick dorch die Schweiz,
hawwe uns erei= un erauszus fiſſidiern, äxaminiern un bidd=

ſchiern loſſe, ſin dann am Hohentwiel vabei, hawwe an de
Scheffel gedenkt, un an ſein Ekkehard, un hawwe gleichdruff beim
Middagäſſe in Konſtanz zu unſerm Bedauern feſtſtelle miſſe, daß
die Blaufelche äwenfalls net dem Zug des Härzens, ſundern
des Schickſals Stimme folche un immer klenner un deierer wärrn,
ſinn dann iwwer’n Bodenſee gegondelt, hawwe uff de Meers=
burg
en Aageblick an de Annädd dun Droſte ihrm Stärwebedd
geſtanne, ſin dann noch am Noochmiddag weider, dorch’s Donau=
dhal
an de alde Hohenzollernborch vabei, nooch Sigmaringe, wo
die nei’ ſteht un an jedem Eck äxdra noch emol e Denkmal;

hawwe dodruffhie ausgezeichnet geſchlofe, un ſin am zwaade
Feierdag weider an de Borch Lichtenſtaa vabei, hawwe die Näw=
welhöhl
beſichdicht, an de Wilhelm Hauff gedenkt, un in Tübinge
zu Middag gäſſe; hawwe uns in Stugadd den Vagabundekong=
gräß
geſchenkt, un dann in Heilbronn ’s ganze Middelalder uff
uns wirke loſſe, hawwe an’s Käddche gedenkt, die wo die Kiddi
Stengel im Theater ſo ſchee noochmache kann; un de Götz vun
Berlichinge is uns ei gefalle, der wo eichentlich de Friedensver=
drag
in Wärrſai mit ſeine eiſerne Hand hett unnerſchreiwe
kenne, indem die wenichſtens hinnenooch net verdorrn konnt;
hawwe dann noch raſch däß liewe, alde Wimpfe begrießt, in
Neckargemind noch emol die Hack ei’geſtellt, un hawwe ſchließlich
brogrammeßich um elf Uhr de awend dehaam im Haijo gelääche.
Vor’m Eiſchloofe is mer dann noch unſer Schorſch Weber
ei gefalle, der wo immer ſo gärn geſunge hott: Ihr glicklichen
Augen, was je ihr geſehn, es ſei wie es wolle, es war doch ſo
ſchön..
Ja, wärklich, es war e dreidägich Fahrt dorch de Friehling,
un der Bliedezauwer in Berg un Dhal war geradezu alsemol
beengſtichend. Do war kaa Baam, der wo net weiß odder rod
iwwerſeet war. Un wann mer aach a’nemme kann, daß net
alle Bliededräume reife, ſo därfe mer doch ſicher ſei, daß mer
diß Johr was zu ſchmiern hawwe, un daß aach der ärmſte
Hausbeſitzer ſei Brot net bloß mit Drehne zu eſſe brauch. . . .
Un domit kemt ich widder aus meim Pingſtdraum eraus un
uff die rauhe Wärklichkeit zu babbele.
Ja, alſo, die Hausbeſitzer! Nemlich gääche den Haus=
beſitzerſtand
hab ich frieher e härzhaft Abneichung gehatt, un hab
bei all un jeder Geläächenheit vorſchriftsmeßich Achernis an=en
genumme, un hab ſe badduh net verbutze kenne, ſundern hab ſe
im Gäächedaal nooch Leiweskräfte beneid. Dann net wahr, ſo e
Hausbeſitzer hott doch frieher e herrlich Daſein gehatt, un
for=e a genehm Unnerhaldung war ſtets geſorcht: morjends hott=
er
ſei Mieder ſchiganiert, middags hott=er die Hausmiet ge=
ſteichert
, un Awends hott=er dem Freikunnzärt zugeheert, däß
wo=em ſei Hibbedheke uff=em Dag vorgeſpielt hawwe; in de
iwwriche Zeid hott=er mit=ere Schneidmaſchien Kubboh abge=
ſchnitte
. . . .
Drotzdem mecht ich hier e Ei’ſchiebſel mache, un mecht be=
kenne
un ſage, daß glicklicherweis der Kelch, Hausbeſitzer zu
wärrn, bisher gnädich an mir vorbei gange is. Vun dem Un=
heil
bin ich wenichſtens verſchont gebliwwe.
Dann, offe geſtanne, heit Hausbeſitzer zu ſei, däß is eKreiz
un e Jammer, un do brauch mer net mehr zu ſage: Gott ſtrof
mich! dann do iſt mer geſtroft genuch. Ja, frieher, do hott ſoe
vierſtöckicher Hausbeſitzer ausgeſähe wie’s Läwe, un hott e Ank
gehatt for zwaa. Heit?! Ach du liewer Himmel! Ich kenn
gan, der hott frieher zwaa Stiehl gebraucht. Heit guckt er aus

ſeim Azug wie e Maus, die wo ſich in die Feſthall verärrt hott;
un in ſeim Hoſeboddem hott, außer ihm, noch e vierkebbich Fa=
milje
bequem Blatz. Un wie ich neilich zu=em geſagt hab, er ſollt
doch emol zum Dockter geh, dann do mißt unbedingt was ge=
ſchähe
, er dhet jo ganz vum Flaaſch falle, un er kennt ſich’s doch

leiſte, er, als Hausbeſitzer, do ſeecht er zu mer: Sie brauche aach
noch zu uhze, vun wääche Hausbeſitzer; wann Sie wißte!
ſecht=er. Un dann hott=er mer ſei Laad geklagt, un geſagt, er wer
nix anners als de Hausknecht for Staat und Gemeinde. Er
mißt ſich bloge Dog un Nacht un mißt rechne, daß em de Kobb
raache dhet. Alle fimf Minnude weern annere Umlage un Ge=
biehrn
fellich, un immer rickwirkend, ſo daß er gornet wißt, wo
die Rickwirkung affange un wo de Afang rickwirke dhet; un
for lauder Zuſchleech, Umſchleech un Eiſchleech, un for lauder
Addickel, Paddiggel un Kanniggel wißt=er net mehr, wo=em de
Kobb ſtind, un uff=en griene Zweich kemt er iwwerhaubt net
mehr, for lauder bezahle un bezahle. Un jetzt kemt die Stadt
ſchun widder mit neie Steiern, un wollt ihr Deffeſidd an de
Hausbeſitzer erausbräſſe. Awwer, ſeecht=er, er wer’s jetzt ſatt, er
dhet ſich jetzt en Strick kaafe, die Koſte dhet=er uff ſei Mieter
umleeche, ſich ſälwer awwer den Strick um de Hals, un dann
dhet er ſich an de erſte beſte laafende Inſtandſetzungsnagel henke,
noochher mecht die Stadt ſähe. . .
Ich kann dem Mann net Unrecht gäwwe. Awwer domit
is es aach net gedha, un wo ſoll däß hiefiehrn, wann ſich ſchließ=
lich
alle Hausbeſitzer mit aam Schlag uffhenke wollte. Ich mecht
däßhalb en Vorſchlag zur Giede mache, un wann mer den Vor=
ſchlag
befolcht, dann wärd die Not vun de Hausbeſitzer mit aam
Schlag aus de Welt geſchafft ſei. Nemlich: die Stadt zieht
kimfdich ihrerſeits die Miet diräkt vun de Mieter ei,
un die Hausbeſitzer ſin allem annere endhowe, ſie brauche dann
kaa Berechnunge mehr zu mache, kaa Steiern un Gebiehrn zu be=
zahle
, ſich net mehr mit de Mieder erum zu ärchern un kenne ſich
wenichſtens widder ihres Läwens freie. Däß is doch e glen=
zend
Leeſung un ſo ei fach wie nor was.
Freilich, ob mer mein Rat befolcht, däß glaab ich net, dann
ſoviel ich die Umſtandskremer bei de Stadt kenn, wärrn die ſich
gääche ſo e Reechelung mit Hend un Fieß weern; dann dene
ihr Grundſatz is doch; warum äbbes ei fach mache, wann 1s
umſtendlich aach geht. Die Hausbeſitzer wärrn alſo weiderhie
diffediern, addiern, muldibliziern un ſubbdrachiern därfe, bis ſe
ſchwazz wärrn, um eines Dags, als Obfer ihres Berufs, an de
Gelbſucht ei zugeh. . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Ich hab mer ſage loſſe, daß uff
die Pingſte aach unſer Streichorchäſter (Str. R. D.
Streiche ruhich dahin!) ſcheneralſtreikmeßiche Affäll gehatt
hett. Gemerkt hott mer weider nix devo, daß Schibb un Bäſem
in Ruh warn; dann die Straße warn drotzdem wie gekehrt.
No, in dem Fall hott jo unſer Stadtverwaltung aach zwaa
Streikbrächer, odder ſozuſage e Täſchnich Nodhilf uff
die ſe ſich bickelfeſt verloſſe kann, nemlich de Räje un de Wind.
Die zwaa ſchaffe Brieder hawwe, wann Nod an Mann war,
unſere verängſtichte Stadtverwaldung noch immer im rechte Mo=
mend
unner die Arm gegriffe. Annererſeiz mecht ich awwer
aach mit dem Lob net zurickhalde, daß in bezug uff Sauwerkeid
unſer Städtche widder en vorkriegsmeßiche A’ſtrich hott. Nemlich
vor’m Krieg war däß unſer Stolz, als die ſaiwerſt Stadt vun
ganz Eiroba zu gälde. Däß hott nemlich e engliſch Studie=
kommiſſion
, ſo um neunzeh’hunnerdzehe erum, aktemeßich feſt=
gehalte
, indem die e Studieraas dorch ſemtliche nahmhaffde
Städt vun Eiroba gemacht hott. . . . Jawoll, domols hott Darm=
ſtadt
noch zu de nahmhaffſte Städt vun Eiroba gezehlt
gäll do guckſte!
Alſo in bezug uff Sauwerkeid, do hammer unſern Vorkriegs=
ruhm
widder errunge; däß därfe mer ruhich ſage (mit einiche
Ei’ſchrenkunge; der Setzerlehrling). Neierdings henke ſe jetzt
aach noch Babierkörb uff; proweweis ſcheinbar, dann ſie
wiſſe vermudlich noch net, wo ſich die hoffnungsgriene Körbcher
am beſte ins Stadtbild eifieche loſſe. Jedenfalls, do wo aans
henkt, do ſieht mer die meiſte Babiernſchnibbſel uff de Erd lieje.
Däß kimmt doher, weil die meiſte net richdich ziele kenne.
No, valleicht dhut mer emol en Kurſuß ei richte, wo’s ad okuloß
gezeicht wärd, wie mer verknutſchte Babbiercher odder Billjädde
zielſicher in ſo=en Abfallkorb eneifeiern kann.

Der zeitgemäße Haushalt.

Sie ſpringt dann in Blättern ab und reißt den Schmutz mit ſich.
Dann rühre man Zinkweiß mit Milch zu dünner Miſchung an und
überziehe die Figur mit dieſer und einem weichen Haarpinſel.

ID1
Humor / I

Wie ich Wollreſte gut verwende. Im Frühjahr
und Sommer laſſe ich es mir angelegen ſein, jede Minute im
Freien, beim Beaufſichtigen meiner Kinder, durch Arbeiten aus=
zufüllen
, die ich auch vor kritiſchen Augen ſehen laſſen kann, was
doch mit Flick= und Stopfarbeiten nur ſelten der Fall iſt. Da
ſie nichts koſten ſollen und dürfen, ſuche ich alle Woll=, Stoff= und
Garnreſte dazu zuſammen und beſtimme ſie zur jeweiligen Ver=
arbeitung
. Aus Trikot=, Barchent= und Baumwollſtoffreſten
ſchneide ich Topflappen mit abgerundeten Ecken und um=
häkle
ſie, je zwei Stück aufeinandergelegt, mit feſten, tief geſtoche=
nen
Maſchen und dichtem Henkel. Kleinſte Woll= und Baumwoll=
reſte
ergeben, mit einfachem Stäbchenſtich, recht bunt abwechſelnd
in Streifen gehäkelt, Ueberzüge über Kleiderbügel.
Größere bunte Wollreſte bieten das Material zu Kaffee=
mützen
, Schlummerrollen oder Kiſſen aus Streifen
zuſammengeſetzt. Auch Pulswärmer, Schals und Bett=
ſchuhe
ſind aus größeren Reſten weicher Strick= und Stickwolle
zu fertigen. Iſt das neue Garn verarbeitet, dann trenne ich alte
geſtrickte Herrenſocken, Sport= und Knabenſtrümpfe auf, knüpfe
es, wie es kommt zuſammen, wickle aus je vier Knäulen dieſes al=
ten
Garnes, nur einen Knäuel mit vierfachem Faden und häkle
von dieſem, mit etwa 40 cm langer, feſter Stäbchenreihe begin=
nend
, ein Oval, das ein beſonders originelles Ausſehen erhält,
wenn auch ein alter, weißer Baumwollfaden mitläuft. Hat dieſes
Dval die Größe eines Bettvorlegers erreicht, durch eine heiße
Citocollöſung in ſehr leuchtender Farbe, wodurch ſich das Baum=
wollgarn
kräftig tönt, laſſe es flachliegend über zwei Stangen
austrocknen, unterfüttere es mit billigſter, grauer Watte und
Neſſel, oder grauem Leinen und bin nun gewiß, mit ihm, wie
mit allen anderen, koſtenlos angefertigten Dingen, zu Geburts=
tagen
, wie ſpäter zu Weihnachten, viel Freude zu machen. Ein
Oval habe ich immer angefangen liegen, um weiter ausrangier=
tes
daran verarbeiten zu können, was der Wirkung wegen, viel
H.
Freude macht.
Ranziges Speiſeöl wieder friſchmeckend zu
machen. Man gieße in die in Frage kommende Oelflaſche einige
Tropfen Salpetergeiſt und laſſe die Flaſche in heißem Waſſerbad
20 Minuten ſtehen. Wieder erkaltet, iſt der ranzige Geſchmack des
Oeles vollkommen verſchwunden. Um es vor neuem Ranzigwer=
den
zu ſchützen, füge man dem Oel ½ Teelöffel Salz bei und be=
M.
wahre die Flaſche ſtets feſt verkorkt, kühlſtehend auf.
Delikateſſen=Soße. Eine halbe grüne Gurke, ſowie
2 Tomaten geſchält und in Würfel geſchnitten, dämpfe man in 50
Gramm Butter in der Pfanne und ſtäube 1 mäßig gehäuften =
löffel
Mehl darüber. Dann mit ½½ Liter Fleiſchbrühe oder hei=
ßem
Waſſer aufgefüllt, laſſe man die Soße 1015 Minuten lang=
ſam
ausquellen und ſchmecke ſie mit Zitronenſaft und 1 Meſſer=
H.
ſpitze Roſenpaprika ab.
Gipsfiguren auf neu zu reinigen. Man über=
ſtreiche
ſie gleichmäßig mit gekochter Stärke und laſſe dieſe trocknen.

Kartoffelſalat mit Radieschen. Einen Kartoffel=
ſalat
mit oder ohne Mayonnaiſe angemacht, untermiſche man mit
reichlich 2 Bündchen in Scheiben geſchnittenen Radieschen.
Ruſſiſche Eier mit Radieschen. Die hartgekochten,
halbierten und pikant gefüllten Eier, auf flacher Schüſſel mit Sar=
dellen
oder Lachsſtreifen gefällig garniert, umlege man mit einem
Kranz geſcheibelter Radieschen.
Verkittet die Fugen eurer Fußböden. Die beſte
Zeit dieſer notwendigen Arbeit iſt jene, ehe ein neuer Anſtrich der
Fußböden erfolgt. Dabei nehmen ſonſt offene Fugen nicht nur zu=
viel
Farbe auf, ſondern der fugenloſe Fußboden bietet auch die
ſicherſte Gewähr gegen eingeſchleppte Flöhe und anderes Un=
geziefer
, gegen das man ſich namentlich im Sommer nicht immer
ſchützen kann. Ein ausgezeichneter, bewährter Kitt dafür iſt
Quark mit Gips und geſiebten Sägeſpänen zu gleichen Teilen ver=
miſcht
und nur in kleinſten Mengen zubereitet, doch müſſen be=
wegliche
Dielen zuvor durch Fugendübel befeſtigt werden.
Angebrannter Milch den brenzligen Ge=
ſchmack
zu nehmen. Derartige Milch verliert den ſchlechten
Geſchmack, wenn man ſie ſofort in ein anderes Gefäß gießt, etwas
guten Branntwein beifügt und damit nochmals aufkochen läßt.
Käſebutter als pikanter Semmelaufſtrich.
½ Pfd. Butter verrühre man mit ſoviel griebenem Parmeſan=
oder
Kräuterkäſe, daß ſie ſich noch ſtreichen läßt. Auf kleine
Semmelſcheibchen geſtrichen, werden dieſe mit feinem Schnitt=
lauch
beſtreut.
A. N.
GedämpfterSeelachsmit Sahnenmeerrettich.
Zu dem mit Wurzelwerk gedämpften Seelachs reiche man Sahnen=
meerrettich
, wozu man reichlich 2 Eßlöffel geriebenen Meerrettich
mit 34 Eßlöffel ungeſüßter Schlagſahne verrührt.
Meerrettich=Butterſoße zu geſpicktem Schell=
fiſch
. Hierzu laſſe man ½ Pfund friſche Butter in der Pfanne
zergehen und verrühre dieſe mit 13 Eßlöffel geriebenen Meer=
K. M.
rettich.
Blätterteig von Quark zu bereiten. 1 Pfund
trockenen Quarck verrühre man mit 1 Pfd. zerlaſſener Butter oder
Margarine, Zucker nach Geſchmack, der abgeriebenen Schale 1
Zitrone und 1 Pfd. Mehl zu geſchmeidigem Teig, den man 12
Stunden kaltgeſtellt ruhen läßt. Dann auf bemehltem Brett aus=
gemangelt
, forme man davon Hörnchen, Kuverts, Halbmonde oder
andere Formen und backe dieſe mit Butter beſtrichen lichtgelb.
Noch warm werden ſie mit weißer Zuckerglaſur überzogen. V.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Peterſilienſuppe, Roaſtbeef mit Allerlei, Apfel=
ſinenereme
. Montag: Kalbsgulaſch mit dickem Neis.
Dienstag: Kümmelkraut mit Hammelfleiſch. Mittwoch:
Kalbsgekröſe mit Roſinenſoße. Donnerstag: Sauerkraut=
auflauf
. Freitag: Geſp. Schellfiſch mit Sahnenmeerrettich.
Samstag: Fleiſcheierkuchen mit grünem Salat.

Vater, erklär mir doch, wieſo ſich die Erde immerzu dreht.
Junge, Junge! Biſt du ſchon wieder an meinem Wein=
ſchrank
geweſen?
Anſchauungsunterricht. DDer Lehrer wollte ſeinen kleinen Schülern
erklären, wie Luft zuſammengedrückt wird, und brachte ſein Zweirad ins
Klaſſenzimmer. Nun paßt mal auf, ſagte er, indem er auf den Vor=
derreifen
zeigte, unter dieſer äußeren Decke befindet ſich eine ver=
borgene
Kraft. Kann mir einer von Euch ſagen, was das iſt?
Gummi! rief ein Junge. Falſch, weiter! ſagte der Lehrer.
Verſchiedene andere Jungen zerbrachen ſich den Kopf, aber es war nie
das Richtige, was ſie ſagten. Da hob ein ganz Kleiner den Finger, der
die Maſchine unterdeſſen einer eingehenden Beſichtigung unterzogem
hatte. Ich weiß, was es iſt, erklärte er ſtolz. Es iſt Wind, nichts als
Wind. Ich habe mit einer Nadel hineingeſtochen, und das einzige, was
herauskam, iſt Wind!
Kein Kunſtſtück. Denk mal, da habe ich im Zirkus eine Kunſtreiterin
geſehen, die ritt auf dem Hals und dann ſogar auf dem Schwanz des
Pferdes. Was iſt denn da dabei. Das habe ich alles auch gemacht,
als ich das erſte Mal ritt.
Der rechte Mann. Mein Sohn iſt geradezu unerſättlich; er ver=
langt
alles, was er ſieht, ſagte der reiche Herr. Könnten Sie ihn
nicht mit meiner älteſten Tochter behannt wachen? fragte Frau Schmidt.

[ ][  ]

Caft=Seiden.
Mitunter leiſtet ſich die Mode
ganz ſeltene Späße, denn nichts
liegt eigentlich unſerer Zeit, die
durchaus der rein ſportlichen Note
huldigt, ferner, als die ſtarre, ein
wenig anſpruchsvolle Taftſeide, die
immer an die Mode unſerer Müt=
ter
, an Vitrine und Lavendelduft
gemahnt. Es iſt alſo eigentlich
nicht ganz klar, daß dieſes Mate=
rial
ſich trotz alledem durchzuſetzen
vermag, und laum verſtändlich,
wie es überhaupt in einem ſolchen
Maße hervortreten konnte.
Die Erklärung ſcheint aber darin
zu liegen, daß man bei der ſtän=
digen
Suche nach Neuheiten auf
die Taftſeide verſiel, die denn auch
den Beifall der eleganten Frau
fand.
Das Intereſſanteſte an dieſer
Neuerſcheinung iſt ſicherlich der
Umſtand, daß in der Verwendungs=
art
des Taftes ein ganz auffälliger
Umſchwung eingetreten iſt, denn
während man dieſe Seide im Ver=
laufe
der vergangenen Saiſons
ausſchließlich für abendliche Ge=
legenheiten
heranzog, verarbeitet
man ſie jetzt nur für die Prome=
nadekleidung
.
Und das Verdienſt, dem Tafte in
dieſer Form neuerlich zum Erfolge
verholfen zu haben, gebührt frag=
los
den großen Modeateliers, deren
ſubtile Einfühlungsgabe es ver=
ſtanden
hat, dieſe Seiden mit dem
Geſchmacke der gegenwärtigen Mode
in Einklang zu bringen und daraus
wirrlich beachtenswerte Schaffun=
gen
erſtehen zu laſſen.
Da man den Taft wie er=
wähnt
nur für die Promenade
heranzuziehen gedenkt, ſind ſeine
Farben auch immer gedeckt und
unauffällig. Ein ſchreiender Ton
wäre hier unbedingt ein Fehlgriff,
denn er müßte die dezente Wir=
kung
unfehlbarundergraben. Darum
ſieht man Taft jetzt hauptſächlich in
dunkelblau oder ſchwarz, mitunter
aber auch in einem feinen beige,
deſſen man nicht leicht müde wird.
Die Verarbeitungsmöglichkeiten
ſind keineswegs eng umgrenzt, denn
man kann die wieder in Mode ge=
kommene
Taftſeide ſowohl für Kleider als auch für einfach ge=
ſchnittene
Koſtüme, aber auch für den eleganten Mantel verwen=
den
, der für nachmittägliche und abendliche Zwecke vortreffliche
Dienſte leiſtet.
Sehr beliebt iſt Taft auch als Garnierungsmaterial in Blen=
denform
in ähnlicher Verwendung und ſpielt auch in dieſer Hin=
ſicht
in der frühſommerlichen Mode eine nicht zu unterſchätzende
Rolle.
Da der Taft an ſich ſchon durch ſeinen Glanz und ſeine eigen=
artige
Struktur außerordentlich ſtark wirkt, bedarf es nur in den
ſeltenſten Fällen eines fremden Aufputzes. Blenden und Rüſchen

aus dem gleichen Gewebe ſichern nämlich wenn ſie in verſchie=
dener
Fadenlage verarbeitet ſind und demzufolge einen ſchönen
Glanzkontraſt ergeben Wirkungen von vornehmſter Eleganz.
Ein paar Skizzen, die wir in unſerer Gruppe feſtgehalien
haben, mögen einen Ueberblick über die Eigenart dieſer neuen
Mode geben.
Was man ſicherlich am häufigſten zu ſehen bekommen wird,
iſt das Taft=Koſtüm, denn es iſt anſpruchslos und elegant
und vermag dewentſprechend gelegentlich auch ein nachmittäg=
liches
Kleid vollkommen zu erſetzen; es nimmt ſich in marineblau
oder ſchwarz am beſten aus, beſteht aus einem in breite Hohl=

falten gelegten Rocke und einem ge=
raden
Jäckchen mit Gürtelverſchluß,
eingeſchnittenen Taſchen und mar=
kanter
Blendenrandung und wird
mit einem hellen, viereckig aus=
geſchnittenen
Seidenjumper in Ver=
bindung
gebracht, wobei aber dar=
auf
zu achten iſt, daß dieſe Bluſe
niemals aus glänzender, ſondern
unbedingt aus matter Seide verfer=
tigt
werde, um zu dem Glanz des
Taftes den entſprechenden Kontraſt
zu bilden. Weißer, roſafarbener
oder beige Georgette ſei hier beſon=
ders
empfohlen. (Bild 3.)
Das jugendliche Nachmittags=
modell
, das wir als zweite Skizze
vor Augen führen, zeigt ganz deut=
lich
, wie reizvoll ſich die Taftmode
in dieſer neuartigen Aufmachung
präſentiert. Es handelt ſich hier
um ein ganz ſchlichtes Kleid mit
einer weiten, glockig gearbeiteten
Rockpartie, deren unterer Rand mit
ſchmalen Taftrüſchen garniert wird.
Der breitgelegte Gürtel iſt rück=
wärts
zu binden. Der den Hals
eng umſchließende Infanten=
Kragen, mit den dazugehörigem
Stulpenmanſchetten aus elfenbein=
farbener
Guipure=Spitze, die neuer=
dings
dem lebhafteſten Intereſſe be=
gegnet
und von der letzten Mode
ſehr beachtet wird, ergibt eine Gar=
mitur
von eigenartigſtem Reiz.
Auch ein Kleid dieſer Art wird
man ſchon des aparten Kon=
traſtes
mit der Spitze wegen
am liebſten aus buntem Taft arbei=
ten
. Der elegante frühſommer=
liche
Nachmittagsmantel, der den
Vorteil bietet, auch für abendliche
Gelegenheiten herangezogen wer=
den
zu können, iſt im letzten Bilde
zu ſehen. Er iſt oben leicht ge=
ſchweift
, unten glockig und am
Rande mit großen Roſetten aus
gerüſchten Streifen des gleichen
Materiales geputzt. Hier kommt
ein breitrandiger Strohhut mit
eine Phantaſiekrempe aus Roß=
haarſpitze
ausgezeichnet zur Gel=
tung
.
Daß der Taft auch als Garnie=
rungsmaterial
eine ſehr bedeutende
Rolle ſpielt, erkennt man aus dem
erſten Bilde, das eines der moder=
nen
Imprims=Kleider vor Augen
führt, über denen ein paletotartiger,
ſchwarzer Georgettemantel ſehr fein ausſieht, weil er die Seide
leicht durchſchimmern und mit verhältnismäßig geringen Mitteln
einen außerordentlich eleganten Effekt erreichen läßt. Um nun
dieſem mattwirkenden Georgettemantel lebhafte Akzente zu
geben, kann man ihn mit einer Taftblende ringsum
abkanten (das Halsleiſtchen wird übrigens verlängert und
vorne gebunden). Außerdem nehmen ſich mehrere, zum unteren
Rande parallel laufende Taftbahnen ſehr gut aus
und werden mit dem gleichen Effekt an den Aermeln in Ueber=
einſtimmung
gebracht.
Willy Ungar.

Der Bademantel
iſt nicht nur ſchick und ungemein flott, ſondern auch außerordent=
lich
gut verwendbar, denn er erſetzt, ſowohl einen Bademantel als

auch die Strandumhülle, die zwar mehr oder weniger entbehrlich
iſt, ſich aber für den Badeplatz ſchon während des vergangenen
Sommers durchzuſetzen begonnen hat.
Den neuen halblangen Paletot trägt man alſo ſowohl über
dem Badeanzuge als auch über dem Strandpyjama; um ihn aber
einerſeits dekorativ zu arbeiten, ſtellt man ihn aus einem groß=
geblümten
, licht= und farbechten Frottierſtoff her, indem man ihn
überdies in Blendenform mit einfarbigem Materiale abkantet
und auch die Aermel in der gleichen Weiſe beſetzt.
In unſerem Bilde zeigen wir ein ſolches Paletotmodell in
Verbindung mit dem einfarbigem Strandanzug und einem Son=
nenſchirme
, der aus dem gleichen Materiale wie der Paletot ver=
fertigt
ſein kann, um ſo mehr, als Frotté=Schirme der allerletzten
Mode angehören.
R. HI.
Sum Spiel
im Garten, in der Parkanlage oder auf der Wieſe braucht das
Kind ein Kleidungsſtück, das ſelbſt gegen die ſtärkſte S4rapaz un=

empfindlich iſt und bei dem es letzten Endes auch keine Rolle
ſpielen darf, wenn es beſchmutzt oder gelegentlich auch beſchädigt
wird.
Denn nur wenn das Kind ſich von ſeiner Kleidung in jeder
Hinſicht ungehemmt fühlt, kann es ganz ſorglos ſein, wogegen
es ſicherlich verfehlt wäre, die Kleinen derart anzuziehen, daß
ſie fürchten müſſen beſtraft zu werden, wenn ſie ihre Kleidung in
Unordnung bringen.
Für die Spielanzüge ſind Waſchſtoffe am empfehlenswerte=
ſten
und zwar nehmen ſich beſonders die geblumten Gewebe ganz

entzückend aus. Der Schnitt dieſer Spielkleidung iſt entweder der
des Over=Alls (das heißt Hemd und Hoſe in einem gearbeitet)
oder aber die in Höschen und Oberteil geteilte Form, bei der
man gerne auch zweierlei Material verarbeitet. (Wir haben beide
Typen in unſerer Skizze feſtgehalten.)
R. H.

Der Schlafrock
ſoll inſofern praktiſch gearbeitet werden, als ſeine Form niemals
kompliziert ſein darf, damit er leicht zu reinigen und inſtandzu=

halten ſei. Außerdem verſieht man ihn gerne mit einer auswech=
ſelbaren
Garnitur, die gerade bei Hauskleidern außerordentlich
appetitlich wirkt und dem ganzen Stücke einen netten Eindruck
verleiht.

Immer wieder iſt es die mantelartige Form, die die meiſten
Anhängerinnen findet, denn ſie hat ſich im Laufe der Jahre als
reſtlos verwendbar erwieſen.
Man verarbeitet den Schlafrock für den Alltagsgebrauch ent=
weder
aus einem großgeblumten, ſommerlichen, flanellartigen
Waſchſteffe oder aber aus einem farbechten, ſatinartig glänzenden
Materiale, oft auch aus reiner Seide, die keineswegs unpraktiſch,
ſondern ganz im Gegenteil oft außerordentlich ſtrapazfähig er=
ſcheint
.
In unſerem Bilde zeigen wir ein einfaches, mantelartig ge=
ſchnittenes
, großgeblumtes Hauskleid, das mit Bindbändern
verſchloſſen und mit einer gezackten, waſchbaren Garnitur (in
Form eines Schalkragens und Manſchettenſtulpen als Kantung
der trompetenförmig erweiterten, halblangen Aermel) verſehen iſt.
Ein Schlafrock dieſer Art iſt keineswegs nur als Hausgewand,
ſondern gelegentlich auch als Gartenkleid gut brauchbar. R. H.