Einzelnummer 15 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuftrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigeven Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 144
Sonntag, den 26. Mai 1929.
192. Jahrgang
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27 mm breite Zeile im Kreſſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
zelle 500 Reſchemar. Alle Preiſe in Reſchemart
ſ4 Doſſe — 420 Marſt. — Im Falle heherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfällung der Anzelgene
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerichtiſcher Beſtreibung fäll ſeder
Nabatt weg. Bauftonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalbank.
Wieder einmal in der Sackgaſſe. — Keine Einigung über die Zahlen. — Die Beralung der deutſchen
Vor=
behalke vorerſt verſchoben. — Im Falle unüberwindlicher Differenzen kein Abbruch, ſondern Aufſtellung
von drei Berichken. — Anknüpfungsmöglichkeiken für die Polikiker in Madrid.
95:5.
Der Skand der Pariſer Konferenz.
Die Optimiſten ſterben langſam aus; ſelbſt in Paris glaubt
niemand mehr an einen einſtimmigen Bericht der
Sachverſtän=
digen. Die franzöſiſche Preſſe hat bis zum letzten Augenblick ſich
darauf verlaſſen, daß die deutſche Delegation doch noch umfallen
und den Bericht der Gläubigerſtaaten ſchlucken würde. Dieſer
ſchöne Traum iſt gründlich verflogen. Herr Dr. Schacht hat
offiziell erklärt, daß er an den Zahlen des Young=Planes
feſt=
hält, und er hat dabei weitgehl”ide Rückendeckung bei der
Reichs=
regierung, die am Freitag — ohne einen offiziellen Beſchluß zu
faſſen, der ja immerhin als eine Einmiſchung in die Geſchäfte der
Sachverſtändigen gedeutet werden könnte — ebenfalls zu dem
Ergebnis gekommen iſt, daß die Vorſchläge der
Gläu=
biger unannehmbar ſind. Die Konferenz iſt alſo
derart in der Sackgaſſe feſtgerannt, daß kaum noch
irgend=
ein Ausweg bleibt, wenn die Gläubigerdelegierten nicht ihr letztes
Memorandum zurückziehen und ſich mit dem Angebot Youngs
zufrieden geben. Damit iſt aber kaum zu rechnen. Die Engländer
hätten jedenfalls gar zu gerne den Erfolg vor den Wahlen als
Trumpf in der konſervativen Propaganda gehabt. Es mag ihnen
viglleicht auch ſchon leid tun, daß Sir Stamp den Franzoſen
ſoweit entgegengekommen iſt, aber ſie haben ſich doch
wahrſchein=
lich ſchon zu ſehr feſtgelegt, um die Franzoſen durch einen
öffentlichen Rückzug brüskieren zu können. Jedenfalls haben die
Verhandlungen am Samstag eine Einigung
über die Zahlen nicht ergeben. Dieſe ſind aber wieder
der Schlüſſelpunkt des ganzen Berichtes, ſo daß inzwiſchen
die Beſprechungen über die deutſchen
Vorbe=
halte vorderhand aufgeſchoben wurden. Die größere
Wahrſcheinlichkeit ſpricht dafür, daß die Delegierten ſich von der
Unmöglichkeit einer Einigung überzeugen und auf weitere
ſach=
liche Auseinanderſetzungen verzichten, was heißen würde, daß
man zwei oder drei Berichte aufſtellen würde. Die
deutſche Delegation wird natürlich verſuchen, ihren Bericht
ge=
meinſam mit den Amerikanern einzureichen, was inhaltlich
mög=
lich ſein müßte. Vielleicht ſcheuen aber die Amerikaner eine
ſolche enge Verbindung, ſo daß in Einzelfragen alſo ein Bericht
der Gläubigerſtaaten, ein Bericht der Amerikaner
und ein Bericht Dr. Schachts vorliegen würde. Die
Poli=
tiker müßten dann verſuchen, mit dem ihnen von den
Sach=
verſtändigen gelieferten Material etwas Neues zu bauen und
dafür wäre die Tagung des Völkerbundsrates in Madrid anfangs
Juni bereits die erſte Anknüpfungsmöglichkeit.
Aller=
dings iſt vorläufig noch nicht abzuſehen, wie ſich die Politiker
verſtändigen könnten, was den Wirtſchaftlern ſelbſt bei
weit=
gehender Berückſichtigung politiſcher Momente nicht gelang.
Noch keine Einigung.
EP. Paris, 25. Mai.
Die Beſprechungen zwiſchen den deutſchen und alliierten
Sachverſtändigen gehen weiter. Heute haben die Deutſchen mit
dem Vorſitzenden Owen Young und den engliſchen Delegierten
Fühlung genommen; gleichzeitig haben die Alliierten unter ſich
beraten. Zwiſchen dem franzöſiſchen Delegierten Moreau und
dem belgiſchen Delegierten Francqui fand eine Ausſprache ſtatt,
die ſich auf die belgiſche Entſchädigungsforderung für die
Mark=
beſtände bezogen haben ſoll. Trotz allen dieſen
Zuſammenkünf=
ten hat ſich der Verhandlungsſtand, ſeit geſtern nicht geändert.
Die Auffaſſungen ſtehen ſich immer noch ſchroff gegenüber. Auf
der einen Seite beharrt die deutſche Delegation energiſch auf den
Ziffern des Young=Planes, auf der anderen Seite verſteifen ſich
die Gläubigervertreter auf ihr Memorandum vom 22. Mai. Die
Differenz zwiſchen den beiden Zahlekipoſitionen beträgt nach wie
vor 52,8 Millionen Goldmark pro Jahr. Auf beiden Seiten
rech=
net man jedoch damit, daß eine Entſcheidung darüber, ob man
zu einem einheitlichen Bericht kommen kann oder ob man es bei
getrennten Berichten beider Lager bewenden läßt, in aller Kürze
fallen muß. Die deutſche Delegation erklärt erneut, daß ſie einen
einſtimmigen Bericht nur dann unterzeichnen werde, wenn ihr
ſowohl hinſichtlich der Ziffern als auch der letzten noch
umſtritte=
nen Vorbehalte Genugtuung zuteil werde.
Zu Beginn des Nachmittags ſoll dem „Temps” zufolge Dr.
Schacht den alliierten Sachverſtändigen durch Vermittlung des
Vorſitzenden Owen Young eine mündliche und offiziöſe
Mittei=
lung zu dem alliierten Memorandum übermittelt haben. Dieſe
Mitteilung beziehe ſich auf die von Belgien geforderte Sonder=
Annuität von 25 Millionen Goldmark und auf das für die
In=
kraftſetzung des Young=Planes vorgeſchlagene Datum. Die
Dele=
gierten der Gläubigerländer ſind um 4 Uhr zuſammengetreten,
um dieſe deutſchen Mitteilungen zu prüfen. — Der „
Intran=
ſigeant” hält es für möglich, daß die Regelung der belgiſchen
Markfrage den Regierungen überlaſſen wird unter der Bedingung,
daß die Löſung in das endgültige Abkommen, aufgenommen
werde.
Reichsbankpräſident Dr. Schacht und Moreau
verhandeln.
Der Reichsbankpräſident Dr. Schacht hatte heute nachmittag
zum erſtenmal ſeit langen Wochen wieder eine Unterredung mit
dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau, während
Geheimrat Kaſtl mit dem franzöſiſchen Delegierten Quesney zu=
ſammentraf. In beiden Unterhaltungen wurde das alliierte
Me=
morandum vom 22. Mai beſprochen, ohne daß es gelungen wäre,
die beiderſeitigen Standpunkte einander näher zu bringen. Im
Laufe des Sonntagvormittags wird die deutſche Delegation
be=
raten, um über die gegenwärtige Lage und die weiter zu
ergrei=
fenden Schritte Klarheit zu ſchaffen.
Von franzöſiſcher Seite verlautet, daß Dr. Schachts
Einwen=
dungen gegen das alliierte Memorandum heute nachmittag von
Young den Alliierten mitgeteilt wurden. Die
Gläubiger=
vertreter erwarteten morgen eine ſchriftliche
Mitteilung der deutſchen Delegation, zu deren
Prüfung die alliierten Delegierten um halb 12 Uhr eine
gemein=
ſame Sitzung abhalten werden. In den Kreiſen der Delegierten
herrſcht heute abend eine ausgeſprochen peſſimiſtiſche Stimmung
und man iſt der Anſicht, daß ein Mehrheitsbericht und
ein Minderheitsbericht zuſtandekommen wird.
Vollkommene Uebereinſtimmung zwiſchen Berlin
und der deutſchen delegakion.
Berlin, 25. Mai.
Die zuſtändigen Reichsminiſter haben geſtern unter dem
Vor=
ſitz des Reichskanzlers ſehr eingehend die Lage beſprochen, wie ſie
ſich nach den Informationen der deutſchen Delegation nach der
Ueberreichung des alliierten Gegenmemorandums für
Deutſch=
land ergibt. Dabei konnte feſtgeſtellt werden, daß zwiſchen der
deutſchen Delegation in Paris und der Reichsregierung in der
Beurteilung der alliierten Forderungen volle Uebereinſtimmung
beſteht.
Die Arbeiken der franzöſiſchen Kammer.
Der Schaklen der Dollarſchulden.
EP. Paris, 25. Mai.
Die Tagung der Kammer, die am Donnerstag ihren Anfang
genommen hat und nur wenige Wochen dauern wird, kann unter
Umſtänden eine große Bedeutung durch die Beratung der
ſo=
genannten interalliierten Schuldenabkommen, d. h. der von
Frankreich mit den Vereinigten Staaten und England
abge=
ſchloſſenen Vereinbarungen über die Fundierung der franzöſiſchen
Schulden erlangen. Bisher hatte es nicht den Anſchein, daß dieſe
Abkommen bereits in der gegenwärtigen Tagung zur Beratung
kommen würden, da man ſich auf der franzöſiſchen Seite
bekannt=
lich auf den Standpunkt ſtellt, daß einer Ratifizierung dieſer
Ab=
kommen die endgültige Regelung der deutſchen
Reparationsver=
pflichtungen vorausgehen müſſe. Der nunmehr unternommene
Schritt des amerikaniſchen Schatzamtes beim franzöſiſchen
Bot=
ſchafter in Waſhington, wonach die Vereinigten Staaten auf der
Bezahlung der ſogenannten franzöſiſchen Handelsſchuld im
Be=
trage von über 400 Millionen Dollar zum 1. Auguſt beſtehen
wer=
den, falls nicht vor dem Auseinandergehen des Kongreſſes das
Mellon-Bérenger=Abkommen ratifiziert ſein wird, eröffnet
je=
doch eine andere Perſpektive, und es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß
ſchon in dieſer Tagung der Kammer dieſes Abkommen zur
Rati=
fizierung vorgelegt werden wird.
Von den ſonſtigen in Vorbereitung befindlichen
Geſetzentwür=
fen, die die Kammer vorausſichtlich beſchäftigen werden,
verdie=
nen diejenigen beſondere Beachtung, die ſich mit der Organiſation
der elſäſſiſchen Kali=Bergwerke und den ſtaatlichen
Kohlenberg=
werken im Saargebiet befaſſen. Der Geſetzentwurf über die „
Un=
terdrückung der Anſchläge auf die Integrität des nationalen
Ge=
bietes”, der ſich vor allem gegen die elſäſſiſchen Autonomiſten
richtet, wird die Kammer vorausſichtlich ebenfalls beſchäftigen,
wie auch ein Geſetz über die Bekämpfung der Spionage. Aus der
letzten Tagung her ſind noch eine größere Anzahl
InterpcSatio=
nen rückſtändig geblieben und weitere ſind in den Ferien dazu
gekommen. Von den letzteren haben die kommuniſtiſchen
Inter=
pellationen über die Zwiſchenfälle und die Verhaftungen am
1. Mai bereits zu einem Vorſpiel in der Eröffnungsſitzung der
Kammer geführt. Lebhaften Anlaß zur Kritik an den Methoden
der franzöſiſchen Kolonialverwaltung werden die von
kommu=
niſtiſcher und ſozialiſtiſcher Seite eingebrachten Interpellationen
über die Verwendung von eingeborenen Arbeitskräften in
Fran=
zöſiſch=Aequatorial=Afrika bieten.
Im ganzen wird der vorliegende Beratungsſtoff kaum
An=
laß zu beſonderen Senſationen oder gar zu einer Gefährdung
des Kabinetts Poincaré führen, es ſei denn, daß die Frage der
interalliierten Schulden den Keim zu ernſteren Schwierigkeiten
in ſich bergen ſollten.
Ralifikakion des Mellon-Börenger-Abkommens
noch vor dem 1. Auguft?
Wie aus Waſhington gemeldet wird, ſetzte der franzöſiſche
Botſchafter Claudel das Staatsdepartement davon in Kenntnis,
daß die franzöſiſche Regierung hoffe, die Ratifikation des Mellon=
Bérenger=Abkommens noch vor dem 1. Auguſt d. J. durchſetzen
zu können. Die franzöſiſche Regierung habe daher kein
Beden=
ken dagegen, daß das Schatzamt dem Senat den Entwurf eines
Geſetzes über die Hinausſchiebung des Zahlungstermins für die
amerikaniſchen Kriegsmateriallieferungen zuleitet.
Die Woche.
Wieder einmal hat ſich die Lage in Paris außerordentlich
ver=
ſchärft, wieder einmal ſteht alles auf des Meſſers Schneide und
wieder einmal ſcheinen wir die Nerven verlieren zu wollen. Es
iſt gewiß verſtändlich, daß man in Deutſchland, deſſen weitere
wirtſchaftliche Entwicklung ſehr ſtark durch das Ergebnis der
ge=
genwärtigen Verhandlungen bedingt iſt, um ſo unruhiger wird,
je mehr ſich die Sachverſtändigen=Konferenz zu einer
Dauerein=
richtung auszuwachſen ſcheint. Trotzdem bleibt das, was wir in
dieſen letzten Tagen wieder einmal erlebt haben, geradezu
be=
ſchämend, und wenn man immer wieder ſieht, wie gewiſſe
poli=
tiſche Gruppen offenbar grundſätzlich jede nationale Selbſtdiſziplin
ablehnen, ſo könnte man an der Zukunft unſeres Volkes faſt
ver=
zweifeln.
Wie liegen denn die Dinge in Wirklichkeit? Nach
vorange=
gangenen wochenlangen Verhandlungen hat ſeinerzeit Herr Dr.
Schacht, der Präſident der deutſchen Reichsbank und Führer der
deutſchen Delegation in Paris, eine jährliche Tributzahlung von
1600 Millionen Mark als das Maximum bezeichnet, das unter den
gegenwärtigen Umſtänden geleiſtet werden kann. Nachdem eine
Einigung auf dieſer Grundlage unmöglich erſchien, machte der
amerikaniſche Vorſitzende der Sachverſtändigenkonferenz, Owen
Young, einen Vermittlungsvorſchlag, der mit 1650 Millionen
jährliche Zahlung beginnend, dem deutſchen Standpunkt
wenig=
ſtens zunächſt einigermaßen Rechnung trug, um erſt allmählich
im Verlaufe ſpäterer Jahre größere Leiſtungen vorzuſehen. Die
deutſchen Sachverſtändigen nahmen dieſen Youngſchen Vorſchlag
ſchweren Herzens mit gewiſſen weſentlichen Vorbehalten an,
nach=
dem ſie ſich vorher mit den politiſchen und wirtſchaftlichen Kreiſen
in der Heimat in Verbindung geſetzt hatten. Damit war man
deutſcherſeits auf alle Fälle bis an die Grenze des Möglichen
ge=
gangen, für unſere Verhandlungsgegner aber ergaben ſich damit
gewiſſe Schwierigkeiten. Man konnte ſich über die Verteilung des
Bärenfells nicht einigen, und ſo einigte man ſich ſchließlich darauf,
von Deutſchland höhere Zahlungen zu verlangen! Aber nicht nur,
daß man für das Jahr 1929 die volle Dawes=Annuität verlangt,
was gegenüber dem Youngſchen Vorſchlag eine Differenz von
rund 700 Millionen bedeutet. Das weſentliche und bedenklichſte
des neuen Gläubigermemorandums iſt, daß hier der Verſuch
ge=
macht wird, über die deutſchen Vorbehalte (
Aufbringungsmora=
torium uſw.)kurzerhand zur Tagesordnung überzugehen. In
die=
ſem Augenblick tratHerr Dr. Vögler, der Vertreter der deutſchen
In=
duſtrie bei der deutſchen Delegation, zurück. Ob ſein Vorgehen den
deutſchen Intereſſen förderlich war oder nicht, bleibt eine Frage
für ſich. Sie zu erörtern, wird unſtreitig notwendig ſein, wenn
einmal die Geſchichte der Pariſer Sachverſtändigenkonfernz
ge=
ſchrieben werden wird. Herr Dr. Vögler war offenbar der
An=
ſicht, daß bei der Einſtellung der Franzoſen und Engländer ein
poſitives Ergebnis der Pariſer Konferenz nicht mehr zu erwarten
ſei. Wenn er daraus die ihm richtig erſcheinende Folgerung zog,
ſo muß er für dieſen Schritt ſelbſtverſtändlich auch die
Verant=
wortung übernehmen. Für die Welt aber mußte der Rücktritt
Dr. Vöglers ein weithin ſichtbares Warungszeichen ſein, daß eine
Beibehaltung der bisherigen Methoden das Scheitern der
Pa=
riſer Konferenz bedeuten müßte.
Was aber geſchah? Für die Sozialdemokratie und die
Ber=
liner Aſphaltpreſſe war Herr Dr. Vögler, von vornherein nicht
der Vertreter der deutſchen Intereſſen in Paris, ſondern der
Vertreter der verhaßten Schwerinduſtrie, und anſtatt ſich mit
be=
rechtigter Empörung gegen das neue Gläubigermemorandum zu
wenden, ſtürzte man ſich mit hyſteriſchem Geſchrei auf die „
revol=
tierende Schwerinduſtrie”, die uns in einen neuen Ruhrkampf
ſtürzen wolle. Dabei iſt man ſich der abgrundtiefen Torheit und
der grotesken Lächerlichkeit dieſes Vorgehens offenbar gar nicht
einmal bewußt. Einig iſt man ſich doch wohl in ganz
Deutſch=
land darüber, daß das erſte Angebot Dr. Schachts die Grenze
der deutſchen Leiſtungsfähigkeit, zum mindeſten ſchon erreichte,
wenn nicht gar überſchritt. Nun konnte man ja ſicherlich
verſchie=
dener Meinung darüber ſein, ob es unter den
gegenwär=
tigen Umſtänden richtiger war, darüber hinaus unter
ge=
wiſſen Vorbehalten den Young=Vorſchlag anzunehmen oder
lie=
ber die ganze Konferenz ſcheitern zu laſſen. Feſtſteht natürlich
jedenfalls, daß eine Einigung der Pariſer Konferenz auf einer
Grundlage, welche der Tragfähigkeit der deutſchen Wirtſchaft nicht
genügend Rechnung trägt, in abſehbarer Zeit zuneuen
Kom=
plikationen führen muß. Daran aber hat niemand ein
Intereſſe, weder unſere Gläubiger, noch wir ſelbft, noch
insbe=
ſondere unſere berufsmäßigen Friedensapoſtel. Die deutſche
Wirtſchaft — Arbeitgeber ſowohl wie Arbeitnehmer — hat
viel=
mehr das allergrößte Intereſſe daran, daß die Reparationsfrage
in einer Weiſe gelöſt wird, die uns die Lebensmöglichkeit für die
Zukunft läßt. Wenn man nun jetzt aus innerpolitiſchen Gründen
den Rücktritt Dr. Vöglers dazu benutzt, der deutſchen Delegation
in den Rücken zu fallen, ſo bedeutet das doch nichts anderes, als
unſere Verhandlungsgegner zu immer
weiter=
gehenden Forderungen zu ermutigen. Will man
denn wirklich die Pariſer Konferenz ſprengen? Oder iſt man etwa
bereit, die Forderungen unſerer Gläubiger anzunehmen, von
denen wir doch genau wiſſen, daß wir ſie unmöglich erfüllen
können? Oder hat man vielleicht im Lager der Sozialdemokratie
noch immer nicht gelernt, daß der deutſche Arbeiter die uns
auf=
erlegten Tribute ebenſo wie alle anderen Glieder unſeres Volkes
mit einer immer ſteigenden Verteuerung unſerer Lebenshaltung
bezahlen muß?
Nicht der Rücktritt Dr. Vöglers, ſondern die Erörterungen,
die in einem Teil der deutſchen Preſſe daran geknüpft wurden,
haben den deutſchen Intereſſen leider unendlich geſchadet, und es
bleibt nur noch abzuwarten, inwieweit es der deutſchen
Dele=
gation in Paris gelingt, den entſtandenen neuen Gefahren zu
be=
gegnen. Daß wir nunmehr an der Grenze angelangt ſind, über
die hinaus wir nicht mehr gehen können noch wollen, hat Herr
Dr. Schacht bereits mit unmißverſtändlicher Deutlichkeit erklärt.
Daß wir ohne wirtſchaftliches Harakiri nicht weitergehen können,
wiſſen auch unſere Pariſer Verhandlungsgegner. Wir müſſen aber
leider damit rechnen, daß ihre Neigung zur Nachgiebigkeit durch
die Vorgänge der letzten Tage ſicherlich nicht verſtärkt worden iſt,
Sonntag, den 26. Mai 1929
Nummer 144
Geite 2
ſondern daß man ſich in Paris und London ſicherlich in der
fal=
ſchen Hoffnung wiegt, bei den kommenden politiſchen
Verhand=
lungen vielleicht doch noch mehr aus uns herauspreſſen zu
kön=
nen als bei der jetzigen Sachverſtändigenkonferenz. Wenn wir
die Dinge nüchtern und ohne falſchen Optimismus betrachten,
müſſen wir uns ſagen, daß die Ausſichten auf ein tragbares
Er=
gebnis der Pariſer Konferenz ſich außerordentlich verſchlechtert
haben, und daß ein gerüttelt Maß von Schuld an dieſer
Ver=
ſchlimmerung die Kreiſe unſeres Volkes tragen, die über
eng=
ſtirnigen Parteiintereſſen die Lebensintereſſen der Geſamtheit
unſeres Volkes immer wieder vergeſſen. Wann endlich wird ſich
das einmal bei uns ändern?
H.
Die Rolle des engliſchen Agenken Lawrence
in Afghaniſtan.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Gemäß Telegrammen aus Simla iſt König Aman Ullah von
Tſchaman nach Bombay abgereiſt, um ſich von dort weiter nach
Eurova zu begeben. Die Hoffnungen des Exkönigs, den
verlore=
nen Thron wieder zu erobern, ſcheinen demnach vorläufig
geſchei=
tert zu ſein, und der Exräuberhauptmann Habib Ullah iſt jetzt
un=
beſchränkter Herrſcher in Kabul. Niemals hätte Habib Ullah
die=
ſen Erfolg verzeichnen können, wenn England ſeinen Aufſtand
nicht gefördert, ihn mit Geld und Waffen verſehen hätte und wenn
nicht kluge engliſche Agenten ihm beigeſtanden wären. Der
viel=
genannte engliſche Oberſt Lawrence, der während des Weltkrieges
dem britiſchen Reiche urgeheuere Dienſte in Arabien geleiſtet
hatte, hielt ſich unter dem Namen, „Karam Schah”, verkleidet als
arabiſcher Mullah, im Schinwari=Gebiet auf, bezeichnete ſich als
einen Nachkommen des Propheten und hetzte Stämme gegen die
Herrſchaft Aman Ullahs. Er erklärte, daß König Aman Ullah ein
Verräter der Religion geworden ſei, daß er die Sitten und
Ge=
bräuche zerrütte und daß Allah über ſeine Anhänger ſchwere
Stra=
fen verhängen werde. Da Aman Ullah 16 Töchter der
vornehm=
ſten afghaniſchen Familien nach der Türkei zu Studienzwecken
entſandt hatte, ſo wurden dieſe Mädchen im Chaiber=Paß
unter=
wegs von Engländern angehalten, die ſie photographierten. Auf
dieſen Bildern erſchienen die jungen Damen durch eine geſchickte
Fälſchung Arm in Arm mit engliſchen Soldaten. Auch Bilder der
Königin Suraya, wo ſie an der Seite fremder euroväiſcher Herren
ſteht und ſich die Hand küſſen läßt wurden in Tauſenden von
Eremplaren vervielfältigt und in die wildeſten Gegenden
Afgha=
niſtans geſchickt, als Zeichen dafür, daß König und Königin
ab=
trünnig geworden und des Thrones verluſtig erklärt werden
müß=
ten Die Engländer gewannen die Schinwari=Stämme um ſo
leichter ür ſich, als ſie ihnen bisher jährliche Subſidien gezahlt
hatten, damit der Chaiber=Paß von ihnen nicht beläſtigt würde.
Ferner hatten ſie ihnen 12 000 moderne Gewehre für 5 Rupien
pro Stück (ca. 8 Mark) und Patronen und Munition in Menge
geliefert.
Aman Ullah war es gelungen. 1921 von England die
Aner=
kennung der vollen Unabhängigkeit Afahaniſtans zu erzwingen.
Die Engländer ſcheuten ſeitdem kein Mittel, um ein
Mächtig=
werden Afghaniſtans an ihrer indiſchen Grenze, zu verhindern,
denn ſie mußten befürchten, daß die indiſchen Mohammedaner die
in enger Verbindung mit Afghaniſtan ſtehen und die Aman Ullah
als Befreier Aſiens betrachteten, eines Tages, dem Beiſpiel der
Aghanen folgten und ſich gegen die engliſche Herrſchaft auflehnen
würden. Es war ihr Ziel, Afghaniſtan, das König Aman Ullah
der Kultur und dem europäiſchen Einfluß geöffnet hatte, wieder
zum Bollwerk zwiſchen Rußland und Indien und zum
verſchloſſe=
nen Lande zu machen. Die Engländer wünſchen, daß es fortan
in Kabul keine andere ausländiſche Geſandtſchaft außer der
eng=
liſchen gäbe, d. h. Afghaniſtan würde dadurch zu einem engliſchen
Schutzſtaate erniedrigt werden. Gleichzeitig wird Afghaniſtan jetzt
zum Zentrum der antiruſſiſchen Sammlung der vorderaſiatiſchen
Völkerſchaften gemacht. Der Ex=Emir von Buchara hat mit Habib
Ullah einen Bündnisvertrag abgeſchloſſen und zum Heiligen Krieg
gegen Moskau aufgerufen. Auch dahinter dürfte England ſtecken.
Durch die neue Lage in Afghaniſtan entſteht eine Aenderung aller
politiſchen Verhältniſſe in Vorderaſien. Es bleibt abzuwarten,
ob Europa dadurch nicht ein ernſter Nachteil entſtehen wird.
Wie Reuter aus Simla meldet, nimmt man dort an, daß der
ehemalige König von Afghaniſtan Aman Ullah, dem die
indiſche Regierung Begünſtigungen für die Reiſe von Tſchaman
nach Bomban gewährte, ſich nach Rom begeben wird. Nach
den letzten Nachrichten wurde vor der Abreiſe Aman Ullahs der
Reſt ſeiner Truppen von Kräften des Königs von Kabul Habib
Ullah angegriffen. Ein ſchwerer Kampf entſpann ſich der mit
der Niederlage der Truppen Aman Ullahs endete. Dieſer verließ
in der folgenden Nacht Kandahar und flüchtete nach Tſchaman.
Die Kriegserklärung der Nanking=Regierung.
EP. Peking, 25. Mai.
Die formelle Kriegserklärung der Nankingregierung an Feng
Yu=hſiang iſt in zwei Communiquss enthalten, die am 24. Mai
in Peking bzw. Nanking ausgegeben wurden. Die verſchiedenen
diplomatiſchen Körperſchaften haben von Feng eine Note
er=
halten, in der ihnen der chriſtliche General den Kampf bis zum
äußerſten gegen Tſchiang Kai=ſchek ankündigt. — Feng ſei zum
Oberbefehlshaber auserſehen. Er hofft, daß die ausländiſchen
Vom Tage.
Der Berliner Polizeipräſident hat die „Rote Fahne”
aber=
mals auf die Dauer von vier Wochen verboten.
Die deutſchnationale Fraktion des Mecklenburg=Strelitzſchen Land= Angangbare Wege zur herbeiführung geſunder
tags hat die Entſcheidung des Staatsgerichtshofs des
Deutſchen Reiches darüber angerufen, ob die
neugeſchaf=
fene Stelle der Staatsräte in Mecklenburg=
Stre=
litz ſtaatsrechtlich zuläſſig ſei.
Nach einer Mitteilung des „Intranſigeant” iſt der „Temps”
aus dem Beſitz des bisherigen Direktors und
Haupt=
aktionärs Hébrard zum Preiſe von 30 Millionen Franken an
ein Finanz= und Induſtriekonſortium übergegangen.
Aus vertrauenswürdiger Quelle in Angora verlautet, daß die
franzöſiſch=türkiſchen Verhandlungen über die
ſhri=
ſche Grenze am Freitag nachmittag abgebrochen worden
ſeien.
Mit überwältigender Mehrheit haben die beiden
Presbgte=
rianiſchen Kirchen Schottlands am Freitag ſich zu einer
Eini=
gung entſchloſſen. Seit 20 Jahren iſt von beiden Seiten heftig um
dieſe Einigung gekämpft worden.
Nachdem der amerikaniſche Botſchafter in Mexiko
Morrow, der zukünftige Schwiegervater des Oberſten Lindbergh,
bekanntlich zahlreiche Drohbriefe erhalten hat, beſchloß
nun=
mehr die mexikaniſche Regierung, ihm eine Leibwache
von 120 Mann zu ſtellen.
Mächte in ſeinem Kampf gegen Tſchiang Kai=ſchek eine neutrale
Haltung einnehmen und ſeinem Gegner keine Unterſtützung
ge=
währen werden.
Die Nationalregierung hat ihrerſeits den geſtern
angekün=
digten Aufruf herausgebracht, in dem Feng als Aufſtändiſcher
gegen die Regierung und die Nationale Partei gebrandmarkt
wird, und in dem die geſamten chineſiſchen Behörden
aufgefor=
dert werden, ihn zwecks Beſtrafung gefangen zu nehmen. Feng
wird beſchuldigt, einen monatlichen Zuſchuß von 5 Millionen
Rubel von der Sowjetregierung angenommen und einen
Ge=
heimvertrag mit Sowjetrußland abgeſchloſſen zu haben, in dem
er ſich für ein Bündnis mit den Sowjets und für ein
Zuſammen=
arbeiten mit den Kommuniſten erklärt.
* Der ſozialdemokrakiſche Parkeitag.
Gegenſähe innerhalb der Sozialdemokrakie. — Der
Kampf um das Wehrprogramm. — Krikiſche Tage für
Müller=Franken.
Der urſprünglich für März anberaumte, aber wegen der
an=
geblichen Hochwaſſergefahr in Magdeburg auf Ende Mai
ver=
ſchobene Parteitag der deutſchen Sozialdemokratiſchen Partei
wird nun am 26. Mai beginnen. Er wird, zumal eigentlich auch
die Sozialdemokraten andere Sorgen haben ſollten, im Zeichen
des Wehrproblems ſtehen. Von der Parteiführung iſt für den
Parteitag ein Wehrprogramm ausgearbeitet worden, das zwar
die Notwendigkeit der Selbſtverteidigung anerkennt, aber doch in
vielen Punkten ſich erdenkliche Mühe gibt, dem radikalen Flügel
der Partei, der jede Landesverteidigung kategoriſch verneint,
ent=
gegenzukommen. Die Berliner Sozialdemokraten haben noch in
letzter Minute einen Antrag eingebracht, der auf eine Aenderung
der Tagesordnung hinausläuft und die Auseinanderſetzung über
die Wehrfrage auf einen ſpäteren Zeitpunkt verſchieben will. Im
ſozialdemokratiſchen Lager ſcheint aber die Stimmung dieſem
Antrag nicht günſtig zu ſein, ſo daß er vorausſichtlich der
Ab=
lehnung verfällt. Es wird alſo zu einem Machtkampf zwiſchen
dem linken und dem rechten Flügel der Partei an der Wehrfrage
kommen.
In der Ausſprache wird man auch die gegenwärtig aktuellen
Fragen der Politik berühren, zu denen die Reform der
Arbeits=
loſenverſicherung, die kommuniſtiſche Agitation mit dem Mai=
Aufſtand und die finanzielle Notlage des Reiches mit der jüngſt
aufgelegten Reichsanleihe gehören. Namentlich die Finanzpolitik
Dr. Hilferdings und ſeine Anleihe wird die Meinungen und
Anſchauungen ſcharf aufeinanderprallen laſſen. Die
Partei=
leitung hätte es allerdings lieber geſehen, wenn ſich irgendein
Grund zur Verſchiebung des Parteitages gefunden hätte. Seit
dem März, als die angebliche Hochwaſſergefahr einen
erwünſch=
ten Vertagungsgrund abgab, ſtand das Kabinett Müller auf recht
unſicheren Beinen; die Panzerkreuzerfrage war akut, der Etat
noch nicht eingebracht. Die Situation gegenüber heute iſt nicht
viel beſſer geworden, vor allem iſt feſtzuſtellen, daß nicht eines der
ſozialdemokratiſchen Wahlverſprechen inzwiſchen erfüllt wurde,
ſondern daß darüber hinaus das Kabinett Müller Handlungen
vorgenommen hat, die die Sozialdemokratiſche Partei in ſchwere
Bedrängnis gebracht haben. Der Parteitag wird alſo an die
Führerſchaft allerhöchſte Anforderungen ſtellen. Gelingt es ihr
nicht, radikale Entſchließungen zu verhindern, dann iſt es gar
nicht ausgeſchloſſen, daß Herr Müller im Anſchluß an den
Partei=
tag mit ſeinen Miniſter=Genoſſen den Abmarſch aus der
Regie=
rung wird antreten müſſen.
Die Arbeiksloſenverſicherungsnovelle.
finanzieller Verhälkniſſe. — Keine Berückſichtigung
der Mißftände. — 5o gehl es nicht.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett hat am Freitag abend noch in letzter
Stunde ſich entſchieden, die kleine Novelle zur
Arbeitsloſenver=
ſicherung auf die Tagesordnung ſeiner Abendſitzung zu ſtellen.
Zu irgendwelchen Beſchlüſſen kam es aber nicht, da ſich Herr
Wiſſell lediglich darauf beſchränkte, die Grundzüge ſeines
Geſetz=
entwurfes zu erläutern, und die übrigen Miniſter ihre vorläufige
Stellungnahme dazu bekanntgaben. Die Novelle bezweckt im
weſentlichen die Herbeiführung geſunder
finan=
zieller Verhältniſſe in der Reichsanſtalt für
Arbeitsloſenverſicherung. Mit den Mißſtänden
be=
ſchäftigt ſie ſich nicht. Hier hat der Präſident der Anſtalt bereits
durch einen Erlaß auf dem Verwaltungswege für Abhilfe zu
ſorgen geſucht. Da eine abſchließende Reform der Verſicherung
noch nicht ins Auge gefaßt iſt — die große Vorlage befindet ſich
noch in Arbeit — kann es keinem Zweifel unterliegen, daß von
dem Arbeitsminiſter entſprechend dem Wunſche der
Sozialdemo=
kraten eine Erhöhung der Beiträge um 1 Prozent vorgeſchlagen
wird, was eine Mehrbelaſtung für Arbeitnehmer und
Arbeit=
geber in Höhe von 250 Millionen jährlich ausmacht. Wegen
dieſer Beitragserhöhung ſcheinen ſich Meinungsverſchiedenheiten
innerhalb des Kabinettes ergeben zu haben. Die bürgerlichen
Miniſter dürften darauf hingewieſen haben, daß eine derartige
Be=
laſtung nicht tragbar iſt. Möglicherweiſe hat auch der
Reichsfinanz=
miniſter Oppoſition gemacht, weil er befürchten muß, daß durch
die Abzapfung von einer Viertelmilliarde auf dem Wege über
die Beitragserhöhung ſeine Anleihe in der Zeichnung
zurück=
bleibt. Jedenfalls hat man davon abgeſehen, einen Beſchluß zu
faſſen, ſo daß die Verabſchiedung der Nopelle auf eine ſpätere
Kabinettsſitzung verſchoben wurde.
Die Auswirkung des Reichsbahnſchiedsſpruches.
Der Schiedsſpruch im Lohnſtreit der
Reichs=
bahnarbeiter bringt für die Reichsbahn eine
durch=
ſchnittliche Belaſtung von 3,2 Pfg. pro Arbeitsſtunde oder
jährlich 43,2 Millionen mit ſich. Da die Finanzen der
Reichsbahn nach wie vor auf das äußerſte angeſtrengt ſind, wird
die Reichsbahn es auf eine Verbindlichkeitserklärung des
Schieds=
ſpruches durch den Reichsarbeitsminiſter ankommen laſſen. Da
die Reichsbahn, für alle Mehrausgaben Mehreinnahmen
bereit=
ſtellen muß, ſie ihr Beſchaffungs= und Reparaturprogramm nicht
weiter droſſeln kann, kommen wahrſcheinlich als Ausgleich nur
tarifariſche Maßnahmen in Frage, d. h. nicht ſofortige allgemeine
Erhöhungen beim Perſonen= oder Gütertarif, wohl aber werden
Teilerhöhungen ſich nicht vermeiden laſſen, entweder
Hinauf=
ſetzung auf beſonders ſtark beanſpruchten Strecken oder Aufhebung
verſchiedener Ausnahmetarife. Die Mehrausgaben werden alſo
wieder auf die Allgemeinheit abgewälzt.
Die Inkernakionale Arbeitskonferenz.
Die 12. Internationale Arbeitskonferenz, die am
Donners=
tag, den 30. Mai, in Genf beginnt, wird, wie ſchon im vorigen
Jahre, einen Teil ihrer Arbeiten der Beratung des
Konventions=
entwurfes zur Arbeitsunfallverhütung widmen. In einer Reihc
europäiſcher Länder gehen die Unfallverhütungsmaßnahmen
be=
veits über den Rahmen des Konventionsentwurfes hinaus, doch
ſtellt die Konvention, falls ſie angenommen wird, als Ganzes
betrachtet, einen Fortſchritt in den bis jetzt noch rückſtändigen
Ländern dar. Ein zweiter Konventionsentwurf betrifft den
Schutz der Dock= und Werftarbeiter. Die Konferenz wird ferner
einen Konventionsentwurf über den Umfang und die Dauer der
Eingeborenenzwangsarbeit ausarbeiten. Wie in jedem Jahre
wird ſie ſich auch diesmal mit dem Rechenſchaftsbericht des
Direk=
tors des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, befaſſen,
von dem auch ein umfaſſender Bericht über die Probleme der
Arbeitsloſigkeit vorgelegt wird. Gleichzeitig mit der Konferenz,
die drei Wochen tagen ſoll, hält der Verwaltungsrat des
Inter=
nationalen Arbeitsamtes, der ſchon am 27. Mai zuſammentritt,
eine Tagung ab, in der Beſchluß gefaßt werden ſoll über die
Bil=
dung verſchiedener Beiräte für das Internationale Arbeitsamt.
Noch vor dieſen beiden Gremien verſammeln ſich einige
Unter=
kommiſſionen der „Internationalen Arbeitsorganiſation, vow
denen die eine die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und
Lohn=
verhältnſſe im Bergbau, eine zweite den Umfang der
Sozial=
laſten und die Koſten für die Durchführung der
Sozialgeſetz=
gebung in den verſchiedenen Ländern prüfen wird. Nach
Beendi=
gung der Konferenz wird eine weitere Kommiſſion zur
Unter=
ſuchung der Arbeits= und ſozialen Verhältniſſe in der
Textil=
induſtrie zuſammentreten.
* Der Skudenk im Spiegel des
neuzeit=
lichen Skudenkenromans.
Von Prof. Dr. Paul Sſymank=Göttingen.
Die Zeit der alten, zumeiſt etwas rührſeligem Romantik iſt
auch für den neueren Studentenroman endgültig vorüber; eine
ſolche Strömung kann in der nüchternen Gegenwart, der auch der
Student Rechnung tragen muß, nicht mehr fortbeſtehen und wird
als völlig unwahr empfunden. Immerhin gibt es auch jetzt noch
einige Nachzügler dieſer Richtung im ſchöngeiſtigen Schrifttum.
Eine Sammlung von ſolchen munter erzählten, zumeiſt
humori=
ſtiſch wirkenden älteren Studentengeſchichten von Max
Bitt=
rich, Walter Bloem, Rudolf Presber und anderen hat
kürzlich Dr. Herm. Beutten in ſeiner hübſch bebilderten Schrift
„In Freiburg war ich einſt Student” herausgegeben (Berlin
SW. 68. Verlag Dr. Selle=Eysler A.=G.). In den Gedankenkreis
des ſorgloſen Studentendaſeins der Vorkriegszeit gehört auch die
ſchlicht erzählte, problemloſe Studentengeſchichte: „Cicero” von
Ernſt Braun; ſie ſchildert, wie ein hochbegabter Student
in=
folge der Gewöhnung an übermäßigen Trunk im Leben
Schiff=
bruch leidet und ſchließlich in einer Anſtalt der inneren Miſſion
ſtirbt (Hamburg 30. Neuland=Verlag). Den großzügigen Verſuch,
die alte Studentenromantik mit dem Ernſte der heutigen Zeit zu
verbinden, macht Walter Bloem in ſeinem ſtark angefochtenen
Roman: „Brüderlichkeit”, in dem er die völkiſche Richtung des
jetzigen Waffenſtudententums mit aller Macht bekämpft (Leipzig
und Zürich. Grethlein u. Co.), aber der wahre Studentenroman
der Gegenwart, in dem die Fülle und Eigenart des heutigen
aka=
demiſchen Lebens zum Ausdruck kommt, iſt noch nicht geſchrieben.
Nur das Werkſtudententum hat eine eingehende Schilderung
er=
fahren. In ſeiner Blütezeit erſcheint es in einem alles
verklären=
den Licht, und Hugo von Waldeyer=Hartz iſt in ſeinem
Roman: „Werkſtudent und Burſchenband” (Leipzig, K. F.
Koeh=
ler, 1924) ſein begeiſterter Lobredner. Er zeigt, wie ſich das
Farbenſtudentum der herrſchenden Not angepaßt und ſie meiſtert,
und Hans Richter ſchafft in ſeinem oberſchleſiſchen Roman:
„Hochofen I” das leuchtende Ideal eines pflichtbewußten
Werk=
ſtudenten, der zum opferfreudigen Helden der Arbeit wird (
Leip=
zig. Ernſt Keils Nachf. Auguſt Scherl. 1923). Von ganz anderer
Art ſind die Bekenntniſſe eines Werkſtudenten die Ludwig
Wehſe unter dem Titel: „Und ſetzet ihr nicht das Leben ein..."
veröffentlicht het. Was der Held der Erzählung als Bergarbeiter
und als Kellner in einem harten, ungewohnten und oft troſtloſen
Daſein fühlt und leidet, wird uns als Togebuchaufzeichnungen in
voller Friſche und Unmittelbarkeit geboten. Daß er ſich aufrecht
erhält, dankt er ſeiner Charakterſtärke und der Erinnerung an
zwvei Frauengeſtalten, die ihn ſchützend umſchweben. Es ſind ſeine
Mutter und ſeine aus Bergarbeiterkreiſen ſtammende Geliebte,
von welcher er ein entzückendes Bild entwirft (Neiſſe, Schleſien.
Verlag Joſeph Herrmann.)
Als ein bezeichnendes Merkmal der neueſten literariſchen
Entwicklung möchte ich das Bemühen hervorheben, Stoffe aus
der älteren ſtudentiſchen Geſchichte in Romanform zu bearbeiten;
allerdings zeigt ſich dabei leider, daß oft die Vorkenntniſſe nicht
gnügen und daß infolge der Einmiſchung von Modernem eine
unhiſtoriſche Darſtellung zuſtandekommt. Dies macht ſich ſehr
ſtark geltend in dem Roman: „Montur und Burſchenhut” von
Fritz Schultz=Merzdorf. Er führt in die Zeit des
Preußen=
königs Friedrich Wilhelm I., deſſen knorrige Perſönlichkeit uns
lebensplaſtiſch entgegentritt, und ſchildert das Leben zweier
Söhne einer alten preußiſchen Adelsfamilie, von denen der ältere,
durch eigene Schuld aus der Bahn geſchleudert, wechſelvolle
Schickſale erleidet, während der jüngere als Student und
Offi=
zier und zuletzt als Landwirt auf dem väterlichen Gut eine
weni=
ger ereignisreiche Laufbahn einſchlägt (Berlin SW. 11. Deutſche
Landbuchhandlung. 1928). Im Gegenſatz zu dem genannten
Werk bietet der um 1792 ſpielende Studentenroman: „Alt=Jena”
von Hugo von Waldeyer=Hartz ein anſchauliches und
vor=
treffliches, ſowie im allgemeinen richtiges Gemälde der
damali=
gen Zeit, das auf einem verſtändnisvollen Studium ſtudentiſcher
Quellen beruht. Wie geſchickt der Verfaſſer letztere heranzuziehen
weiß, das zeigt die mit Ueberlegung an paſſender Stelle erfolgte
Einfügung des humoriſtiſchen, bierzeitungsartigen Berichtes über
den Auszug der Jenger Studenten nach Nohra im Jahre 1792
(Leipzig. Verlag Koehler und Amelang).
Weniger nahe liegt die Gefahr, ungeſchichtlich zu werden, bei
den Romanen aus der Zeit der Urburſchenſchaft, weil uns das
Studentenleben und die Hochſchulverhältniſſe des beginnenden
neunzehnten Jahrhunderts vertrauter ſind als die Entwicklung
vorher. Als eigenartig erſcheint es, daß ſich ungefähr um dieſelbe
Zeit drei große führende Dichterperſönlichkeiten darangemacht
haben, Werden und Verlauf der Urburſchenſchaftsbewegung
künſtleriſch zu geſtalten. Der verſtorbene Friedrich Lienhard,
der mit Thüringen ſo innig verwachſene elſäſſiſche Dichter,
ſchil=
dert in ſeinem als Dichtung nicht allzu hochſtehenden Roman:
„Das Landhaus bei Eiſenach” die Frühzeit der Burſchenſchaft,
das Aufkeimen der neuen Gedanken, den Kampf gegen die über=
lebten landsmannſchaftlichen Grundſätze und den endlichen Sieg
des Neuen beim Wartburgfeſt 1817. In ſchlichter und feiner
Weiſe führt uns der Dichter in die Stimmung der Zeit ein,
allerdings mehr mittelbar, wie ſie vom alten Profeſſor
Schatten=
mann in ſeinem Landhaus bei Eiſenach gefühlt wird.
Unmittel=
bar zeigt ſie ſich eigentlich nur einmal — da allerdings in
wirk=
licher Größe —, als der Theologe Riemann, der geiſtige Führer
der Jenger Burſchenſchaft, in einem ſtudentiſchen Kreiſe
auf=
tritt. In welch reicher und innerlich tiefer Welt das damalige
Geſchlecht lebt, ſucht der Dichter auch dadurch anſchaulich zu
machen, daß er Perſönlichkeiten wie Goethe und den Turnvater
Jahn handelnd und redend auftreten läßt. (Leipzig. A.
Dei=
chertſche Verlagsbuchhandlung. Dr. Werner Scholl. 1928.)
Das große Wagnis, das Schickſal des Burſchenſchafters Carl
Ludwig Sand, des Mörders von Kotzebue, in einem
dreibän=
digen Roman künſtleriſch zu geſtalten, unternimmt die
öſter=
reichiſche Dichterin Enrica v. Handel=Mazzetti in ihrem
Buch: „Das Roſenwunder”, deſſen zweiter Band den Untertitel:
„Die deutſche Paſſion” und deſſen dritter Band den Untertitel:
„Das Blutzeugnis” führt. Die Dichterin beſitzt die Gabe, ein
großartiges, bis in die Einzelheiten ſcharfes Kulturgemälde der
Zeit um 1819 zu entwerfen: das geſellſchaftliche Leben in dem
engen, klatſchſüchtigen Jena ſchildert ſie mit ebenſo ſicheren
Strichen wie das wimmelnde Getriebe bei einer
Wohlfahrts=
aufführung im Kloſter St. Pölten, wo der höchſte
öſterreichiſch=
ungariſche Adel in ſeiner höfiſchen Eigenart zur Geltung kommt,
oder wie die bewegten Volksſzenen, die ſich vor und bei der
Hinrichtung Sands in Mannheim abſpielen. Und wie ſich dabei
die Dichterin in die Beſonderheiten der einzelnen Volksſtämme
einzufühlen verſteht, das zeigt ſich auch in der guten
Verwen=
dung der Mundart, in der ſie die Bewohner der verſchiedenen
Gegenden Deutſchlands reden läßt. Und obwohl die Dichterin
in dem Beſtreben, die Orts= und Zeitfarbe bei ihren
Schilde=
rungen vollſtändig zu treffen, öfters einer gewiſſen epiſchen
Breite huldigt, wirkt ſie doch niemals ermüdend oder langweilig,
ſondern feſſelt den Leſer von Anfang bis Ende, beſonders auch
in den ergreifenden, aber unwahrſcheinlichen Kerkerſzenen des
dritten Bandes, wo Elſe Walch, als Jüngling verkleidet, mit
Sand Zwieſprache hält.
Die Handlung des Romans umfaßt rund ein Jahr, von der
Zeit kurz vor der Ermordung Kotzebues bis zur Hinrichtung
Sands im Frühling 1820. Aus der Fülle der deutlich
gezeich=
neten Perſönlichkeiten treten drei hervor, die beſonders
lebens=
plaſtiſch wirken; der ſtreng proteſtantiſche, knorrige Univerſitäts=
Nummer 144
Sonntag, den 26. Mai 1929
Seite 3
Rmſche kengrappierang m Miteiehrosg.
Sanens Banonispoinnt.
Zaleſkis Beſuch in Budapeſt. — Das unſichere
Rumä=
nien. — Ein neuer Block gegen die Kleine Enkenke
im Werden.
* Berlin, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Die letzten Tage haben in den Grenz= und Anliegeſtaaten
Deutſchlands und Oeſterreichs, im Oſten, Süden und Weſten eine
politiſche Aktivität gebracht, die durch gegenſeitige Beſuche,
poli=
tiſche Pfingſtartikel und Tagungen gekennzeichnet iſt und die
un=
zweifelhaft erhöhtes Intereſſe beanſprucht. Dem Beſuch des
ungariſchen Außenminiſters Walko in Warſchau, der ſeinerzeit zu
verſchiedenen politiſchen Erörterungen geführt hat, folgte
nun=
mehr ein Gegenbeſuch Zaleſkis in Budapeſt, der, gleichſam um die
Bedeutung der ungariſch=polniſchen Zuſammenarbeit zu
unter=
ſtreichen, von einem Artikel des ungariſchen Miniſterpräſidenten
Bethlen in einem franzöſiſchen Blatt begleitet war, welcher in
Polen ſowohl als auch in Frankreich berechtigtes Aufſehen
er=
regte. Gleichzeitig mit der Belgrader Tagung der Kleinen
En=
tente hat in Budapeſt der polniſche Außenminiſter Zaleſki erklärt,
daß Polen und Ungarn im Begriff ſtehen, enger zuſammen zu
rücken. Dieſer Beſuch Zaleſkis und ſeine Erklärungen folgen
un=
mittelbar auf ein großes ungariſcheitalieniſches
Verbrüderungs=
feſt. Den Abſchluß dieſer Kundgebungen bildet eine amtliche
Mitteilung an die Zeitungen und ausländiſchen Berichterſtatter
von ungariſcher Seite, worin die Gründung einer ſogenannten
Mittelentente zwiſchen Polen, Ungarn und Italien angekündigt
wird. Dieſe neue politiſche Bindung ſoll jedoch nicht jenes feſte
Gefüge erhalten, das zu einem gemeinſamen Marſchieren in allen
Fragen verpflichten würde.
Die Ankündigung geht vorläufig nur von ungariſcher Seite
aus. Vielleicht iſt ſie weitergehend, als auf italieniſcher und vor
allem auf polniſcher Seite jetzt zugegeben wird, aber feſt ſteht doch,
daß die ſeit zwei Jahren angewandte Annäherungspolitik
zwi=
ſchen Italien und Ungarn auf der einen und Polen auf der
ande=
ren Seite zu einem ſehr greifbaren Ergebnis geführt hat. Die
Verhandlungen darüber zwiſchen Ungarn und Polen reichen bis
in das Jahr 1927 zurück. Nachrichten, die laut geworden waren,
wurden dementiert, insbeſondere auch die Behauptung, daß
zwi=
ſchen den beiden Mächten ein Bündnisentwurf vorliege, deſſen
Spitze ſich gegen die Tſchechoſlowakei richtet. Im April 1928
fuhr Zaleſki nach Rom. Im November des gleichen Jahres wurde
der polniſch=ungariſche Vertrag abgeſchloſſen und im Anſchluß
daran verlautete ſofort, daß Polen beabſichtigt, zwiſchen Ungarn
und Rumänien zu vermitteln. Unmittelbar vorher war in
Ru=
mänien das liberale und frankophile Regime geſtürzt worden,
ab=
gelöſt von der Regierung Maniu, die in außenpolitiſcher Hinſicht
unter dem Einfluß des italienfreundlichen England ſteht. Schon
die letzte Konferenz der Kleinen Entente im Sommer 1928 ſtand
unter dem Einfluß Titulescus und enttäuſchte die Hoffnungen
des jugoſlawiſchen Außeminiſters auf wirkſame Rückendeckung
gegen Italien. Ebenſo wenig erfüllte ſich die Hoffnung Dr.
Beneſchs, der mit Hilfe wirtſchaftspolitiſcher Argumente einen
Schritt in der Richtung zur Konſolidierung Mitteleuropas unter
ſeiner Führung zu tun gedachte.
Die Arbeit, die auf der Gegenſeite während der Zeit des
verfloſſenen Jahres geleiſtet wurde, hat ſich nicht nur in der
Budapeſter hochpolitiſchen Pfingſtdemonſtration gezeigt, ſondern
auch auf der Konferenz, die gleichzeitig in Belgrad von der
Kleinen Entente abgehalten wurde. Poſitive Ergebniſſe kann
man in dieſen Beſchlüſſen kaum mehr finden, wohl aber ergibt
ſich, daß die Bündnis=Verträge zwiſchen den Mitgliedern der
Kleinen Entente für „unbeſtimmte Zeit” verlängert worden ſind.
Das iſt zweifellos weniger, als wenn ſie für einen beſtimmten
Zeitraum erneuert worden wären. Es gibt alſo anſcheinend zum
mindeſten einen Partner, der ſich nicht mehr langfriſtig binden
kann, und dieſer Partner heißt Rumänien. Es ſchweben zwiſchen
Rumänien und Ungarn Annäherungsbeſtrebungen, die zwar noch
nicht zum Ziele führten, deren Forderung ſich aber als eine
Hauptaufgabe der polniſchen Politik darſtellt. Vorläufig kann
man nur die erſte Etappe dieſer Annäherungspolitik vorherſehen,
und zwar in Geſtalt der kaum mehr zweifelhaften Verſtändigung
in der Optantenfrage. Als nächſter Programmpunkt wird von
polniſcher Seite die politiſche Einigung zwiſchen Ungarn und
Rumänien bezeichnet. Wie dieſe zuſtande kommen ſoll, darüber
können ſich Fernſtehende heute noch kein Urteil erlauben. Man
kann nur ſagen, daß dieſer Plan anſcheinend von allen
Beteilig=
ten durchaus ernſt genommen wird. Eine neue
Entwicklungs=
phaſe in der Politik von Südoſteuropa zeichnete ſich alſo ſchon
jetzt deutlich ab, die auch die mitteleuropäiſchen Verhältniſſe auf
das ſtärkſte beeinfluſſen muß. Inmitten eines von Italien
ge=
führten Blocks, der aus den Balkanſtaaten und Ungarn beſteht,
iſt Jugoſlawien iſoliert, abgetrennt auch von der ebenſo iſolierten
Tſchechoflowakei. Polen und Rumänien vervollſtändigen dieſes
Syſtem als wohlwollende Neutrale zugunſten der italieniſchen
Gruppierung. Das iſt zwar noch nicht das Bild von heute, aber
zweifellos das Bild von morgen.
Nur einen Punkt gibt es, der beiden Ländern der Kleinen
ſowie der Mittleren Entente zunächſt gemeinſam zu ſein ſcheint:
die Minderheitenfrage. In dieſem Punkte konnte die Belgrader
Konferenz der Kleinen Entente wirkliche Einigkeit erzielen.
Ito=
lien hat bisher auch noch keinen Anlaß zu der Annahme gegeben,
daß ſein Staudpunkt in der Minderheitenfrage von ſtärkerem
Rechtsgefühl getragen ſei. Wie ſich Ungarn in dieſer Hinſicht mit
ſeinen neuen Verbündeten auseinanderſetzen will, iſt ſeine Sache.
Wahrſcheinlich hofft es, im Laufe der Zeit Vorteile für die
eige=
nen abgetrennten Volksgenoſſen zu erhalten ohne beſondene
Rück=
ſicht auf die allgemeine Rechtsauffaſſung oder auf die Intereſſen
anderer Völker, die in ähnlicher Lage ſind.
Dieſe kurze Betrachtung zeigt, daß Deutſchland und das
Deutſchtum auch von dem im Entſtehen begriffenen Block nichts
zu erwarten haben. Es iſt überhaupt kein Grund vorhanden,
von der neuen Gruppierung, ſo wichtig ſie auch iſt, das Heil für
die Feſtigung der Verhältniſſe in Mittel= und Südoſteuropa
un=
bedingt ſchon jetzt zu erwarten. Denn dieſe Feſtigung und
Be=
ruhigung kann als Dauerzuſtand nur dann erreicht werden, wenn
die Frage der nationalen Minderheiten großzügig und im Sinne
der neuen Kulturentwicklung jedes Volkstums gelöſt wird. Dieſe
Forderung finden wir aber nicht auf dem Programm der
ver=
ſchiedenen Ententen, weder der vergehenden noch der werdenden.
Zaleſki über ſeinen Budapeſter Beſuch.
EP. Mailand, 25. Mai.
In einem Interview mit dem Korreſpondenten des „Corriere
della Sera” hat der polniſche Außenminiſter Zaleſki über
ſeinen Budapeſter Beſuch erklärt, dieſer habe eine
Er=
widerung des Warſchauer Beſuches des ungariſchen
Außen=
miniſters Walko bedeutet und daher keine beſonderen Zwecke
verfolgt. Dennoch habe er zu einem Meinungsaustauſch mit dem
Grafen Bethlen und dem Außenminiſter Walko über die
all=
gemeinen politiſchen Probleme und die der beiden Staaten
Ge=
legenheit gehabt. Von einer Vermittlung zwiſchen
Frankreich und Ungarn habe er nie geſprochen und nur
geſagt, daß er mit Vergnügen die Abſicht der verſchiedenen
Staa=
ten wahrnehme, ſich über die ſie beſonders intereſſierenden
Fra=
gen zu verſtändigen. Da Polen eine Friedenspolitik verfolge,
Rykows Nachfolger.
iſt vom Zentralexekutiv=Komitee als Nachfolger Rykows zum
Vorſitzenden des Rates der ruſſiſchen Volkskommiſſare gewählt
worden. Der erſt 36jährige Sowjetführer zählt zu Stalins
beſon=
deren Vertrauten.
würde es eine Wiederannäherung zwiſchen ungarn
und Frankreich mit Freude begrüßen. Die diplomatiſchen
Beziehungen der beiden Staaten benötigten indeſſen keiner
Ver=
mittlung.
Ueber die italieniſch=ungariſche Freundſchaft
ſagte Zaleſki: „Mit Vergnügen begrüße ich die zwiſchen Italien
und Ungarn beſtehende Freundſchaft. Für die verheißungsvolle
Vertiefung der italieniſch=polniſchen
Freund=
ſchaft ſpricht ſchon die Tatſache, daß die italieniſche
Geſandt=
ſchaft in Warſchau und die polniſche in Rom zu Botſchaften
er=
hoben worden ſind. — Eine Wiederannäherung zwiſchen
Ru=
mänien und Ungarn halte ich im Intereſſe der Klärung der
Probleme Mitteleuropas für notwendig. Zwiſchen Ungarn und
Rumänien beſteht eine Verſtändigungsmöglichkeit, und
zweifel=
los könnte ein Uebereinkommen zwiſchen den beiden Staaten zu
einem wichtigen Friedensfaktor in dieſem Winkel Europas
wer=
den. Aus dieſem Grunde trage ich gern zu einer ſolchen
Wieder=
annäherung bei.
Was die Beziehungen der Kleinen Entente
be=
trifft, ſo bietet zweifellos die wirtſchaftliche Seite die größte
Schwierigkeit. Der italieniſche Unterſtaatsſekretär des Aeußern,
Grandi, wird erſt im nächſten Sommer nach Warſchau kommen.
Der italieniſche Botſchafter kann nicht vor Juli auf ſeinen
Poſten zurückkehren, und da ich zu jener Zeit in Madrid an der
Ratstagung teilnehmen muß, wurde vereinbart, daß Grandi
ſeinen Beſuch verſchieben ſoll.
Zaleſbi erklärte zum Schluß, daß er jetzt nicht nach Bukareſt
reiſe, ſondern nach Warſchau zurückkehre, weil er baldmöglichſt
nach Madrid fahren müſſe. Erſt ſpäter werde er ſeine Reiſe nach
Rumänien antreten.
Annahme der Lakeranverkräge im
ikalieniſchen Senak.
Eine ſcharfe Erwiderung Muſſolinis auf die letzte
Rede des Papſtes.
EP. Rom, 25. Mai.
Muſſolini ſchloß heute die Senatsdebatte über die
Lateran=
verträge mit einer neuen ſcharfen polemiſchen Rede. Auf den
überfüllten Tribünen bemerkte man u. a. den
Konſiſtorialadvo=
katen Pacelli und Mſgr. Teſta, die die Verhandlungen für den
Vatikan geführt hatten. Ein Teil der Rede Muſſolinis ſtellt eine
ſcharfe Erwiderung auf die letzte Rede des
Papſtes dar. Muſſolini ſagte u. a.: Meine vorhergehende
Rede war rauh, aber notwendig. Ihre polemiſche Spitze hatte
beſtimmte Ziele, und hat ſie getroffen, weil die Getroffenen den
Empfang beſtätigt haben. Die lange erwarteten und erhofften
Ereigniſſe konnten geiſtige Entgleiſungen hervorrufen. Es war
daher notwendig, eine Atmoſphäre zu klären, die ſo nebelhaft
und gefühlvoll war, daß zuletzt die Umriſſe der Charaktere und
die Bedeutung der Ereigniſſe verändert wurden. Es mußte mit
einem draſtiſchen Satz feſtgeſtellt werden, was in Wirklichkeit
auf politiſchem Gebiete vorgefallen war. Es hieß, die
gegen=
ſeitige Souveränität der Macht des
König=
reiches einerſeits und des Vatikans
anderer=
feſtzuſetzen. Man mußte das Mißverſtändnis zerſtreuen, wonach
man glauben konnte, der Lateranvertrag hätte Italien
vatikani=
ſiert und der Vatikan wäre italianiſiert worden, und daß der
König Küſter des Papſtes geworden wäre, der Papſt aber der
Kaplan des Königs. Nichts von alledem, aber genaue
Unter=
ſcheidung. Wie widerſinnig iſt die Annahme, meine Rede ſei an
die Elemente der Linken gerichtet, die es in der fasciſtiſchen
Par=
tei gar nicht gibt, oder an die Freimaurer, die wir nicht ruhen
laſſen. Nach einigen Zitaten über den Urſprung des
Chriſten=
tums und ſeine Entwicklung von Rom aus ging Muſſolini auf
die Papſtrede ein. Hinſichtlich der Rechte des Vaters auf die
Er=
ziehung ſeines Kindes und den Unterricht möchte ich
Mißver=
ſtändniſſe vermeiden. Beanſprucht der Fascismus etwa ein
rück=
ſichtsloſes Unterrichtsmonopol? Vergißt man, daß unter dem
fasciſtiſchen Regime die erſte katholiſche Univerſität eröffnet und
anerkannt wurde? Es gibt eine Seite der Erziehung, über die
wir ſtarrköpfig, um nicht zu ſagen unverſöhnlich, ſind. Wir
wol=
len von der Wirklichkeit der Lebens ſprechen. Es entſpricht nicht
der Wirklichkeit, zu ſagen, der Unterricht ſei eine Sache der
Familie. Die vom Erwerb und dem Kampf ums Leben in
An=
ſpruch genommene moderne Familie kann niemanden
unter=
richten, ſondern nur der Staat mit ſeinen mannigfachen Mitteln
kann dieſe Aufgabe erfüllen. Nur der Staat kann den
erforder=
lichen Religionsunterricht erteilen und mit anderen Fächern
er=
gänzen. Ganz ausſchließlich dagegen beanſpruchen wir die
Er=
ziehung des Bürgers. Man könnte darauf nur verzichten, wenn
auch die anderen darauf verzichteten, wenn die gegenwärtige
Welt nicht eine Welt grauſamer Wölfe wäre, wie wir ſie kennen,
wenn dieſe auch zufällig Zylinder und an Totengräber erinnernde
Gehröcke tragen. — Der Senat nahm ſchließlich mit 315:6
Stim=
men ein Vertrauensvotum für die Lateranverträge an
profeſſor Walch in Jena, ſeine engelsgleiche, mimoſenhaft zarte,
aber doch auch tapfere Tochter Elſe, die er nach dem Wunſch ihrer
ſterbenden Mutter in deren katholiſchen Glauben hat erziehen
laſſen, und der durch und durch proteſtantiſche, auf ſeine
Sitten=
reinheit ſtolze, echt deutſche Jüngling Sand, der aus heißer Liebe
zu ſeinem Volk den Verderber deutſchen Weſens, den alten
Kotzebue, erdolcht und mit vollem Bewußtſein für ſeine Tat
ein=
ſteht. Obwohl die Dichterin den Mord verabſcheut, verſteht und
liebt ſie die ſittlich reine Geſtalt des Täters, und dieſer hat
bis=
her noch nie eine ſo begeiſterte, hinreißend ſchöne Charakteriſtik
erfahren wie im vorliegenden Roman, deſſen Verfaſſerin aus
ihrer treu katholiſchen Geſinnung nirgends ein Hehl macht. Die
gleiche Liebe und das gleiche tiefe Verſtändnis läßt Enrica von
Handel=Mazzetti, die als echte Herzenskündigerin die menſchliche
Seele bis in ihre feinſten und verborgenſten Regungen zu
ent=
ſchleiern vermag, auch dem alten Walch zuteil werden, aber ihre
herrlichſte Schöpfung iſt die Geſtalt der Elſe Walch, die aus
in=
nigſter chriſtlicher Liebe das Schwerſte und unmöglich Scheinende
vollbringt und ſogar ihr Leben als Blutopfer dahingibt. Was
Gretchen für Fauſt bedeutet, das bedeutet ſie für Sand: „Das
ewig Weibliche zieht uns hinan!” (München. Verlag Joſef Köſel
u. Friedrich Puſtel.)
Würdig neben dieſen künſtleriſch hochwertigen und glänzend
geſchriebenen Roman tritt das ebenfalls treffliche, wenn auch
anders geartete und aufgefaßte Werk ihres Landsmanns Robert
Hohlbaum: „Die Raben des Kyffhäuſer‟. Dieſe Geſchichte
beſteht aus einer Reihe von ſcharf beobachteten, lebensplaſtiſch
und eindrucksvoll dargeſtellten Bildern, die mit dem Vorabend
der Schlacht bei Großgörſchen beginnen, mit den Vorbereitungen
der Frankfurter Nationalverſammlung 1848 abſchließen und ſo
die wichtigſten Etappen der Burſchenſchaftsgeſchichte und der
deut=
ſchen Einheitsbewegung hervorheben. Die locker
aneinanderge=
ſchloſſenen Szenen werden nur durch wenige Perſonen, beſonders
durch die des Heinrich Sonntag, zuſammengehalten, der uns
zu=
erſt als blutjunger Kriegsfreiwilliger, dann als ſtudierender
Bur=
ſchenſchaftler und zuletzt als Arzt im Dienſte der leidenden
Menſchheit entgegentritt. Scharf umriſſen ſind oftmals bei aller
Kürze die Charaktere der einzelnen Perſönlichkeiten, die in dem
großen Wandelgemälde auftreten: der düſtere Carl Ludwig
Sand, der geheimnisvolle, fanatiſche Carl Follen, der innerlich
haltloſe Berufsverſchwörer Rauſchenplat, der ſpätere heſſiſche
Miniſter Haſſenpflug und der aus Fritz Reuter bekannte
entſetz=
liche Unterſuchungsrichter „Unkel‟ Dambach (Leipzig. L.
Staack=
mann Verlag).
Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. — Samstag, den 25. Mai.
Markha.
Oper von Friedrich v. Flotow.
* Mit der muſikaliſchen Leitung der heutigen Aufführung
hat Erwin Palm Ehre eingelegt. Es iſt nicht das erſtemal,
indes auch nicht allzu oft, daß er am Pult ſtand. Jedesmal, und
ſo auch heute, empfahl er ſich durch eine ſehr ſachliche, präziſe
und feingeartete Arbeit, gegründet auf ſtarke muſikaliſche
Be=
anlagung. Seine Stabführung iſt im Ausmaß zurückhaltend,
den=
noch äußerſt temperamentvoll, klar und ohne jede Unſicherheit.
Freilich kann beim „Nachdirigieren” eine perſönliche Note nicht
zum Vorſchein kommen. Es wäre dem jungen Muſiker zu
wün=
ſchen, daß ihm einmal eine Einſtudierung verantwortlich
anver=
traut würde.
Den Lyonel gab heute Martin Kraemer aus
Wies=
baden als Gaſt. Der uns bekannte Sänger ſtattete die dankbare
Rolle mit guter Erſcheinung und ſchönem geſanglichen Können
aus.
v. H.
Zur Wünſchelrukenfrage.
Bei der Preußiſchen Geologiſchen Landesanſtalt iſt jetzt in zweiter
Auflage eine Flugſchrift erſchienen, in der die Verſuche beſchrieben ſind,
die vor einigen Jahren von der Geologiſchen Landesanſtalt mit
Wün=
ſchelrutengängern angeſtellt wurden. Für dieſe Verſuche hatten ſich
drei vom Internationalen Verein der Rutengänger geprüfte Herren
zur Verfügung geſtellt, die unter Kontrolle von Beamten der
Landes=
anſtalt in geologiſch bekannten Gebieten Unterſuchungen auf Waſſer
und nutzbare Mineralien anzuſtellen hatten. Die Rutengänger haben
bei dieſen Verſuchen völlig verſagt, und die Skepſis, welche in
geolo=
giſchen Kreiſen der Wünſchelrute gegenüber ſchon immer herrſcht, hat
ſich damit als berechtigt erwieſen. Wenn man auch auf Grund dieſer
Verſuche das Wünſchelrutenproblem noch nicht für gelöſt betrachten darf,
ſo zeigt doch der Inhalt der rleinen Schrift, wie Vorſicht der praktiſchen
Anwendung der Wünſchelrute gegenüber durchaus geboten iſt. Die ſeit
dem erſten Erſcheinen der Schrift in immer größerer Zahl bekannt
wer=
denden Mißerfolge der Wünſchelrute haben auch ſchon von Seiten
anderer Behörden zu Maßnahmen gegen den mit der Wünſchelrute
ge=
triebenen Unfug geführt.
* Orpheum.
„Annemarie”.
Dieſer Berliner Operettenſchwank von G. Okonkowſky. zu dem
Jean und Robert Gilbert hübſche Muſik und Geſangstexte
ge=
ſchrieben haben, hat für Darmſtadt eine umfaſſende
lokalkolo=
riſtiſche Umarbeitung erfahren, die augenſcheinlich dem geſtrigen
Premierenpublikum ſehr gut gefiel, worauf wenigſtens der
wieder=
holte Beifall bei offener Szene ſchließen ließ. Martha Weiß und
Betty Hemmerle, Hugo Manzoni und Lieſel Ponhard (Titelrolle),
Emil Ammann, Mieze Neidhard und Fritz Daurer ſpielten, ſangen
und tanzten mit Aufopferung und in ausgelaſſener Laune. Wir
kommen auf die Aufführung noch zurück.
— Johann Adam Müller, der Pfälzer Bauernprophet, iſt bereits
zum Mythos geworden; nech heute gibt es Bauern, die auf die
Er=
füllung ſeiner Prophezeiungen warten, von denen manche nachweisbar
eintraf. Irma von Drogalski hat dieſen Mann aus ſeiner Umwelt
heraus begriffen und geſtaltet, die ſpärlichen Quellen, die vor allem
über die Jugend ſich ausſhveigen, gedeutet. Weit über die alten
Be=
riclſte iſt ſie hinausgedrungen durch Studium von Ratsprotokollen,
Ge=
meindeakten, mündliche Volksüberlieferung uſw. Es gelang ihr, den
Bauernpropheten ſelbſt, ſeine bäuerlichen Widerſacher, zu denen außer
dem heute noch „ſpukenden” Schulzen Maurer auch ſeine eigene Frau
gehörte, mit dem ganzen ſchweren Schickſal der damaligen Pfalz zu
einem geſchloſſenen Kulturbilde zu formen. Die „heilige Einfalt” des
ſchlichten Mannes vor den zuchtlofen preußiſchen Offizieren, der
fran=
zöſiſchen Beſatzung, dem eiſernen Gneiſenau und Nettelbeck, und
ſchließ=
lich vor dem preußiſchen Königspaare, zu dem er nach mühevoller
Pilgerſchaft gelangt, erſchuittert trotz des Humors, der an manchen
Stellen hellere Lichter aufſetzt. Von tiefſter Tragik iſt das ſcheinbar
Nutzloſe ſeines ſchli hten Wollens, ſeines unerſchiitterlichen Glaubens
an die himmliſchen Stimmen, die ihn auf den ſchweren Weg trieben, um
in die Weltgeſchichte einzugreifen. Die Geſchichte hat ihm Recht gegeben,
und im Ausklange des Romans, in einer echt geſchauten Szene, müſſen
auch ſeine Widerſacher ſeine innere Größe anerkennen. Der Gefahr,
zu viel des Ueberſinnlichen in den einfachen Mann zu legen, iſt Irma
von Drogalski entgangen, indem ſie ihn und ſeine Umwelt ganz
erd=
nah hineinſtellt in das pfälziſihe Volkstum vor über 100 Jahren mit
ſeinem Aberglauben und ſeinen dunklen Bräuchen. Die Sprache iſt,
ohne daß irgendwie die Allgemeinverſtändlichkeit beeinträchtigt iſt, ſtark
pfälziſch gefärbt und ſchmiegt ſich natürlich dem einfachen
Vorſtellungs=
kreis des Bauern an. Dieſes Buch iſt erſchienen im Braus=Verlag,
Heidelberg, unter dem Titel: „Der Bauernprophet”.
Seite 4
Sonntag, den 26. Mai 1929
Nummer 144
Wir zeigen die Geburt eines
kräftigen Töchterchens an
Dr. Ing. A. Sieper u. Frau
Erna, geb. Eberle.
Darmſtadt, den 24. Mai 1929
z. Zt. Privatklinik Dr. Hoffmann
Riedeſeiſtraße.
Am 24. Mai wurde uns ein
Stammhalter geboren.
Dies zeigen hocherfreut an
Ludwig und Marga Grahn.
Darmſtadt, Gabelsbergerſtr. 5.
Am 28. Mai begehen der
Lackierer=
meiſter Paul Kuba und deſſen
Ehefrau Anna, geb. Schmidt ihre
Silberne Hochzeit.
Glückauf zur Goldenen! (*
Für die uns anläßlich unſerer
Vermählung erwieſenen
Auf=
merkſamkeiten ſagen wir auf
dieſem Wege herzlichſten Dank.
Friedrich Horn und Frau
Anna, geb. Reich.
Statt Karten.
Elise Schwöbel
Peter Büchler
Verlobte
Brensbach, den 26. Mai 1929.
Hermann Rittweger
und Frau Else, geb. Geger
Vermählte
Darmstadt, den 25. Mai 1929.
Kirchl. Trauung: Montag, den 27. Mai, nachm. 2½ Uhr,
in der Petrusklrche.
18912
Statt beſonderer Anzeige.
Heute verſchied nach langem Krankenlager mein
innigſtgeliebter Gatte, Vater, Schwiegervater und
Großvater
Herr
Falk Kaufmann.
In tiefem Schmerz:
Für die Hinterbliebenen:
Minna Kaufmann, geb. Meger.
Darmſtadt, den 25. Mai 1929.
Georgenſtraße 12.
Beiſetzung: Montag, den 27. d. Mts., nachmittags
3 Uhr, auf dem iſrael. Friedhof.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen bitte
Abſtand zu nehmen.
Todes=Anzeige.
Nach langem, mit Geduld ertragenem Krankenlager
iſt unſere liebe Schweſter, Schwägerin und Tante
Frauiein Aund Aoig
im 51. Lebensjahre nach Gottes Wunſch von uns
ab=
berufen worden.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Gutenbergſtraße 41, Mücke, Stuttgart,
den 24. Mai 1929.
Die Beerdigung findet Montag, den 27. Mai,
nach=
mittags 3 Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder=
Ram=
ſtädterſtraße ſiatt.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren lieben Vater, Schwiegervater,
Groß=
vater und Urgroßvater
Georg Münkler
Maurermeiſter
zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Konrad Münkler
Familie Georg Münkler
Familie Georg Hanſtein.
Roßdorf, den 25. Mai 1929.
Dle Beerdigung findet Montag, den 27. Mai,
nachmittags 2½ Uhr ſiatt.
Statt Karten.
Dankſagung.
Allen Denjenigen, die
wäh=
rend ihrer Krankheit an der
liebevollen Pflege und bei dem
Heimgange unſerer lieben
Mutter teilnahmen, ſagen
wir auf dieſem Wege
herz=
lichſien Dank.
Georg Gaubatz
Rb. Aſſ.
und Kinder.
8949)
Weiterſiadt, 25. Mai 1929.
Groß., 2tür eiſ. Tor
vill. z. verk.
Guten=
vergſtr. 31, II.
R4
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Am 22. Mai verſchied ſanft nach kurzem
Krankenlager infolge eines Schlaganfalls mein
lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwieger=
vater, Großvater, Bruder, Schwager und
Onkel, der
Geheime Regierungsrat i. R.
Hoint au Beaueian
im 85. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Henriette de Beauclair
geb. Bitſch.
Auf Wunſch des Verſtorbenen fand die
Ein=
äſcherung in der Stille ſtatt. (8927
Pſalm 90.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
liebe Frau, unſere innigſtgeliebte, treuſorgende
Mutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Ralgarnd Sagner
geb. Dörr
im 68. Lebensjahre zu ſich in die Ewigkeit
abzu=
rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
J d. N.:
Familie Conrad Wagner.
Darmſtadt, den 24. Mai 1929.
Nieder=Ramſtädterſtr. 62.
(8909
Die Beerdigung findet Montag, den 27. Mai,
vor=
mittags ½12 Uhr, auf dem alten Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
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Nummer 144
Sonntag, den 26. Mai 1929
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, 26. Mai.
Was jeder von der Reichsanleihe wiſſen muß.
Zweck der Anleihe.
Das Reich braucht die Anleihe nicht, um ſeine laufenden Ausgaben,
insbeſondere die Verwaltungskoſten, beſtreiten zu können, ſondern um die
Kaſſenlage, die durch verſchiedene Sonderausgaben vorübergehend
an=
geſpannt iſt, zu entlaſten. Es handelt ſich mithin um die Behebung von
augenblicklichen Notſtänden, die ſich in der Kaſſenlage des Reichs
ergeben haben, ohne daß dadurch irgendwelche weitergehenden Schlüſſe
apf die Lage der Reichsfinanzen begründet wären.
Weſen der Anleihe.
Es wird eine 7prozentige Anleihe im Betrage von zunächſt 300
Mil=
lionen RM. aufgelegt. Die Anleihe iſt eingeteilt in Stücke von 100, 500,
1000, 5000, 10 000 und 20000 RM. Die Zinſen werden gezahlt am
2. Januar und am 1. Juli jedes Jahres. Die Verzinſung beginnt vom
1. Juli 1929 ab zu laufen, der erſte Zinsſchein wird alſo am 2. Januar
1930 fällig. Die Anleihe iſt nach der geſetzlichen Vorſchrift mündelſicher.
Bedingungen der Anleihe.
Der Zeichnungspreis, alſo der Emiſſionskurs, beträgt 99 Prozent.
Mit andren Worten: wer 100 RM. Anleihe zeichnen will, hat 99 RM.
einzuzahlen. Bei der Zeichnung wird keine Börſenumfatzſteuer erhoben.
Rückzahlung und Ausloſung.
Die Anleihe kann vom Reich am 1. Januar 1934 mit halbjähriger
Wirkung zum 1. Juli 1934 gekündigt werden. Geſchieht das nicht, ſo
wird ſie ab 1. Juli 1935 jährlich in Höhe von 10 Prozent des
Nenn=
betrages durch Ausloſung getilgt. Die erſte Ausloſung würde für den
Fall, daß die Anleihe nicht gekündigt wird, im Januar 1935 erfolgen.
Ausſtattung mit Steuervorteilen.
Das Reich hat mit der Begebung der Anleihe neuen Boden
beſchrit=
ten: es hat hat ſie mit ſteuerlichen Vorteilen in bisher einzigartigem und
aller Vorausſicht nach nicht wiederkehrendem Ausmaß ausgeſtattet. Die
Anleihe iſt befreit von der Vermögensſteuer, der Erbſchaftsſteuer (ſoweit
es ſich um vom Erblaſſer ſelbſt gezeichnete Anleihe handelt); die Zinſen
und ſonſtigen Erträge aus der Anleihe ſind ferner von der
Einkommen=
ſteuer (und damit auch der Kirchenſteuer) befreit. Schließlich findet auch
ein Steuerabzug vom Kapitalertrag nicht ſtatt.
Wann und wo wird die Anleihe gezeichnet?
Die Zeichnungsfriſt läuft vom 24.—31. Mai 1929. Zeichnungen
neh=
men an: die Reichsbank und alle ihre Nebenſtellen mit
Kaſſeneinrich=
tungen, ferner alle Banken und Bankiers, Sparkaſſen und Kredit=
Ge=
noſſenſchaften.
Einzahlung des gezeichneten Anleihebetrages.
Die gezeichnete Summe braucht nicht mit einem Male eingezahlt
zu werden. Vielmehr ſind Teilzahlungen zugelaſſen, und zwar ſind
zu=
nächſt 40 Prozent bis zum 8. Juni 1929 zu zahlen, weitere 30 Prozent
werden dann bis 5. Juli 1929 fällig, die reſtlichen 30 Prozent bis zum
5. Auguſt dieſes Jahres.
p. Die Anfechtung der hieſigen Oberbürgermeiſterwahl. Dem
Vernehmen nach wird die Angelegenheit am 1. Juni den
Pro=
vinzialausſchuß beſchäftigen.
— Heſſiſches Landestheater. Heute Sonntag, zum letzten Male in
dieſer Spielzeit: „Lohengrin” von Richard Wagner in der
In=
ſzenierung Renato Mordos (Bühnenbilder: Lothar Schenck von Trapp).
In den Hauptpartien: Anny von Stoſch, Elſa Varena, Johs. Biſchoff,
Hans Grahl, Theo Herrmann, Carl Ebert=Beher. Muſikaliſche Leitung:
Max Rudolf. (Miete K; Beginn 18 Uhr.)
Im Kleinen Haus findet heute eine Wiederholung des erfolgreichen
Luſtſpieles „Das Kamel geht, durch das Nadelöhr”, mit
Charlotte Joſt=Jaeke, Kitty Stengel, Hanna Rüggold, Hans Baumeiſter,
Walter Klam, Paul Maletzki, Hugo Keßler, Bernhard Minetti, Curt
Weſtermann ſtatt. (Heſſenlandmiete III; Beginn 19.30 Uhr)
Generalintendant Carl Ebert wurde eingeladen, im Rahmen der
Berliner Feſtſpiele in Inſzenierungen Leopold Jeßners als Fiesco und
m „Amphytrion” zu gaſtieren. Infolge dienſtlicher Verhinderung
konnte er nur ein einmaliges Gaſtſpiel gelegentlich der Feſtvorſtellung
des „Amphytrion” annehmen.
Die nächſte Wiederholung von „Figaros Hochzeit” in der
neuen Inſzenierung Carl Eberts unter Leitung von Generalmuſikdir.
Dr. Karl Böhm findet Dienstag, den 28. Mai, im Kleinen Haus in
der Premierenbeſetzung ſtatt.
Der „Roſenkavalier” von Richard Strauß gelangt Mittwoch,
den 29. Mai, im Großen Haus zur Wiederaufführung.
„Othello” von Verdi wird als nächſte Neueinſtudierung der Oper
im Großen Haus vorbereitet. Die Inſzenierung leitet Carl Ebert, die
muſikaliſche Leitung hat Dr. Karl Böhm, die Bühnenbilder entwirft
Lothar Schenck von Trapp. In den Hauptrollen werden die Damen
von Stoſch, Jacobs, die Herren Grahl, Jaeger, Komregg, Herrmann,
Overlack, Vogt beſchäftigt. Die Erſtaufführung iſt für Mittwoch, den
5. Juni, vorgeſehen.
Der große Operettenerfolg „Mamſell Nitouche” wird am
Donnerstag, den 30. Mai, in der Premierenbeſetzung wiederholt.
Max Pallenberg in Darmſtadt. Max Pallenberg wird
nach vieljähriger Pauſe Dienstag, den 4. Juni, wieder ein Gaſtſpiel in
Darmſtadt abſolvieren. Pallenberg — ſicher eine der bedeutendſten
Er=
ſcheinungen des deutſchen Theaters — wird als Monſieur Topaz in
der ungewöhnlich erfolgreichen Komödie „Das große ABC.” auftreten.
— Orpheum. Sommerſpielzeit Direktor Adalbert Steffter. Heute
Sonntag gelangt die Operettenneuheit „Annemarie” von Jean und
Robert Gilbert zur Aufführung, und ſei darauf hingewieſen, daß die
Vorſtellung um 8 Uhr beginnt. Der Vorverkauf iſt im Verrehrsoureau
Sonntag vormittag von 10—12 Uhr, bis 1 Uhr im Zeitungskiosk
gegen=
über dem Verkehrsbureau und ab 3 Uhr ununterbrochen an der
Theater=
kaſſe. — Montag und täglich finden ebenfalls Wiederholungen der
Ope=
rette „Annemarie” ſtatt.
Neufeſtſetzung der Hebammengebühren. Auf Grund des § 376a
der Reichsverſicherungsordnung hat der Heſſiſche Miniſter für Arbeit
und Wirtſchaft unterm 30. April 1929 eine Bekanntmachung erlaſſen,
die in der „Darmſtädter Zeitung” vom 13. Mai 1929 Nr. 109
veröffent=
licht iſt. Die Bekanntmachung iſt am 15. Mai 1929 in Kraft getreten.
— Kleinhandelspreiſe des Darmſtädter Wochenmarktes (pro Pfd.
bzw. Stück in Pfg.): Gemüſe: Spargeln 1. Sorte 90—100, 2. Sorte
50—60, Kohlrabi 25, Karotten 35—40, Gelbe Rüben 25, Spinat 10—15,
Römiſchkohl 20—25, Erbſen 60, Zwiebeln 15—20, Knoblauch 80,
Rha=
barber 15—20, Tomaten 100—120, Lattich 50, Kopfſalat 25—30,
Salat=
gurken 100—120, Blumenkohl 80—120, Rettich 12—25, Meerrettich 100
bis 120, Radieschen 5; Frühkartoffeln 30—35, Spätkartoffeln 7—8;
Obſt: Kirſchen 70—80, Tafeläpfel 30—60, Wirtſchaftsäpfel 20—30,
Apfelſinen 5—15, Zitronen 8—10, Bananen 65—70: Eßwaren:
Süß=
rahmbutter 210—220, Landbutter 190—200, Weichkäſe 35, Handkäſe 5
bis 15, Friſche Eier 12—14; Wild und Geflügel: Hühner 140
bis 180, Tauben 80—90, Ziegenlämmer 80; Fleiſch= und
Wurſt=
waren: Rindfleiſch, friſch 80—100, Kalbfleiſch 120, Hammefleiſch 100,
Schweinefleiſch 96—124, Dörrfleiſch 160, Ziegenfleiſch 80, Wurſt 70—160,
Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 110.
von douaumonk zum Jungdeutſchen Manneft.
Am. Auf Veranlaſſung der Bruderſchaft Darmſtadt des
Jungdeutſchen Ordens fand am Freitag abend im „Perkeo”
ein Lichtbildervortrag ſtatt, der aus weiteſten
Bevölkerungs=
kreiſen Darmſtadts recht rege beſucht war. Ordensbruder Dr. Alfred
Kuermann aus Höln hielt das Referat des Abends unter dem
Stich=
wort „Von Douaumont zum Jungdeutſchen Manifeſt” und ſprach, von
den erſchütternden Wirkungen des Weltkrieges ausgehend und hierbei
aus eigenem Erleben ſchöpfend, über das von dem Hochmeiſter des
Jungdeutſchen Ordens Arthur Mahraun herrührende „Manifeſt”
deſſen wichtigſte Abſchnitte, Leitſätze und Fordevungen hierbei in
form=
vollendetem Vortrag und mit temperamentvoller Beredſamkeit umreißend.
Wir entnehmen dem Referat folgende Hauptgedanken: „Das
Front=
ſoldatentum iſt heute beiſeite geſchoben und hat nirgends die Vertretung,
die dieſer Generation, dem Frontgeſchlecht, gleichgultig, wo der einzelne
ſteht, gebührt. Was die Stellung des Jungdeutſchen Ordens zum
Pazi=
lismus anbetrifft, ſo betont er die Wehrhaftigkeit des Volkes und hält,
unter Ablehnung jedes öden Chauvinismus, die Freiheit des Volkes
höher als den Frieden.” — Hier ſchaltete der Redner eine Vorleſung aus
dem Werk „Dougumont” von Werner Beumelburg ein, und licß die
Wirkung der packend=wahren Dichtung durch Lichtbilder unterſtreichen,
die die ganze zermalmende Schaurigkeit jenes Trichterfeldes den
atem=
loſen Zuhörern vor Augen führten.
Den Ausführungen über das „Jungdeutſche Manifeſt” lagen etwa
folgende Leitſätze zugrunde: „Die Führung muß aus dem Volke heraus
kommen. National iſt, wer ſein Volk liebt und ſein Leben dafür
einzu=
ſetzen bereit iſt, gleichgültig, welche Farbe er hochhält oder welche
Staats=
form er für richtig hält. Aus der Uebewertung des Beſitzes nach 1870
entſtanden Standesdünkel und Kaſtengeiſt, hieraus und aus dem
Auf=
blühen der Induſtrie der Klaſſenkampf, alles Momente, die zur
Volks=
ſpaltung beitrugen, ganz abgeſehen von dem Dreiklaſſenwahlrecht und
der alten, morſch gewordenen Volksordnung. Gleichheit im
ſtaatsbürger=
lichen Leben iſt nicht nur möglich, ſondern unbedingt erforderlich, im
Wirtſchaftsleben unmöglich. Dem Untertan im alten Sinne ſteht
gegen=
über der Staatsbürger, der politiſch erzogen und mitverantwortlich ſeine
Pflichten gegen das Land erfüllt. Unter unſeren Parteien ſind nur
wenige, die eine Weltanſchauung vertreten, die meiſten Parteien ſind
nackte Intereſſenvertretungen. In der „Nachbarſchaft” erblickt der
Jung=
deutſche Orden die kleinſte Zelle, in der die ſtaatsbürgerliche Erziehung
geleiſtet werden ſoll. Im heutigen Deutſchland ſteht jede Schicht für ſich
allein, denkt nur an ſich und daran, wie ſie gerade den ſtärkſten Einfluß
auf den Staat gewinnen kann. Der Staatsaufbau im Jungdeutſchen
Staat, Führer und Kapitel, ſoll auf dem Stammes= oder
landsmann=
ſchaftlichen Prinzip beruhen. Dieſes Endziel, in dem wir alle den Staat
bilden, iſt ein Vorſchlag, kein Dogma. Es geht darum, ob wir den
Volksſtaat bekommen oder die Diktatur. Die gemeinſame Front unſerer
volksnationalen Aktion muß in gleicher Weiſe gegen die internationale
Plutokratie und den Bolſchewismus gerichtet ſein.”
Dem unzweifelhaft feſſelnden Vortrage folgte lebhafteſter Beifall.
Die Ausſprache, die teilweiſe recht temperamentvolle Formen annahm,
dehnte ſich bis Mitternacht aus.
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Telephon 3034 gegenüber der Schuchardſtr. Telephon 3034
— Promenadekonzert. Das Stadt=Orcheſter unter Leitung ſeines
Kapellmeiſters W. Schlupp konzertiert Sonntag, den 26. Mai, vorm.
11—12 Uhr, im Herungarten nach folgendem Programm: Regensburger
Turner=Marſch, Kleiber. Ouvertüre z. Op. Euryanthe, Weber.
Morgen=
blätter=Walzer, Strauß. Fantaſie über Kreutzer=Melodien, Bohne,
Aufforderung zum Tanz, Rondo, Weber. Mit Standarten, Marſch,
Blon.
Burmſtävter Gaurgiänogih
(8966 b
Sommerausgabe
Preis 80 Pfg.
160 Seiten Umfang / Ueberſichtliche Karte /
Fahr=
preisverzeichnis / Kilometerangabe / Verzeichnis
der amtlichen und privaten Autobuslinien /
Be=
ſondere Zuſammenſtellung der wichtigſten
Verbin=
dungen im Deutſchen Reich / Alphabetiſch geord.
netes Stationsverzeichnis / Ueberſichtl. Anordnung
Erhältlich an allen bekannten Stellen
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 26. Mai,
folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: 1. Dr. Hofmann,
Laute=
ſchlägerſtraße 16, Telephon 3069; 2. Dr. Wagner. Annaſtraße 3,
Telephon 322; 3. Dr. Weyell, Hölgesſtraße 16, Telephon 253.
Begrüßungsabend der Polizeibeamken.
EAm. Anläßlich des 6. ordenrlichen Verbandstages
des Landesverkandes der Polizeibeamten
Heſ=
ſens e. V. veranſtaltete die Darmſtädter Ortsgruppe zur Begrüßung
der Delegierten und Gäſte in ſämtlichen Räumen des Saalbaues einen
Begrüßungs= und Bunten Abend. Trotz mancherlei
Ab=
haltungen anderer Ar= und trotz der tropiſchen Hitze hatte der Abend
einen ſehr ſtarken Zuſpruch gefunden. Unter den Ehrengäſten bemerkten
wir u. a. Heirn Mimiſterialrat Siegert. Herin Landtagspräſident
Delp, Herrn Obeyſt Caracciola=Delbrück, Herrn
Oberſt=
leutnant Schröder, Herrn Negierungsrat Dr. Kayſer, ſowie
Landtagsageordnete und Vertreter der Stadtverwaltung. Nach
einleiten=
den Muſikſtücken, die das Städtiſche Orcheſter unter der beſchwingten
Leitung von Herin Kapellmeiſter Willy Schlupp ausgezeichnet zum
Vortrag brachte, hörte man von der Geſangs= und Muſikabteilung der
Polizeibeamten des Politeiamt? Darmſtedt unter der exakten und
an=
feuernden Stabführung von Horrn Muſikoberlehrer Lambach mehrere
Lieder, die reichen Beifall orzielten. Eine kurze herzliche
Begrüßungs=
anſprache hielt Herr Polizeimeiſter Wink Vorſitzenßer der Ortsgruppe.
Eine heitere Note kam in bas Programm mit dem Auftreten des
„Anſagers”, Herrn Intendanzrat Baumeiſter vom Hefſiſchen
Lan=
destheater, der ſich nicht nur ſeiner Rolle als Anſager mit gewohntem
Elan und köſtlichem Humor entledigte, ſondern auch mir ausgezeichneten
uind wirkungsvollen Solo=Vorträgen das bunte und zwangloſe
Pro=
gramm bereicherte. Herzlich gefeiert wuibe Fräulein Paula Kapper
vom Heſſiſchen Landescheater, die heitere Lieder mit ihrer gepflegten
und warmen Stimme ſang. Am Flügel begleitete ſorgſam Herr Etzold.
Viel wohlverdienten Beifall erhielte Mitglieder der Tanzgruppe des
Heſſiſchen Landestheaters. Zuerſt tanzte Herr Marke recht
tempera=
mentvoll einen ſpaniſchen Tanz, dann produzierten ſich die Damen
Scheinpflug, Mili und Aenne Reiß mit Herrn Marke in
einem Puppentanz, der in Ausführung und Keſtümen gleichermaßen
re zvoll war Originell, wie Heer Sihlupp ſein hinter den Gardinen
befindliches Orcheſter in der Vorhangsſpalte dirigierte. Es folgten noch
diele Lieder von Fräulein Kapper, Vorträge des Anfagens und
ent=
zückende Tänze der Damen, unter denen insbeſondere der Tanz zur
Ballettmuſik aus „Roſamunde” ausnehmend gefiel. So dehnte ſich die
recht animierte Vortragsfolge bis gegen Mitternacht aus, und dann
ſetzte in den oberen Räumen des Saalbaues Stimmungsmuſik und der
von der Jugend (im weiteſten Sinnel) erſehnte Tanz nach rheiniſcher
Art ein, über deſſen Verlauf zu berichten uns die Berufspflicht
ummög=
lich, machte Jedenfalls war der Begrüßungsabend ein voller Erfolg
für die Veranſtalter.
— Gartenbauverein Darmſtadt e. V. Die letzte
Monatsverſamm=
lung, mit der die Wintertätigkeit abſchloß, hatte den Charakter einer
Frühlingsfeier und war, wie ſich im voraus erwarten ließ,
über=
aus ſtark beſucht. Die Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn
Oberrechnungsrats Enders, der auch das reizende „
Frühlingsfeſt=
ſpiel” verfaßt und in Gemeinſchaft mit ſeiner Frau Gemahlin einſtudiert
und ausgeſtattet hatte. Der Grundgedanke der ſchönen Dichtung war
der Kampf des Winters um ſeine Herrſchaft und der Sieg des Lenzes,
der dann triumphierend mit ſeinen Blumengeiſtern in die Lande
ein=
zieht. Der Gang der Handlung paßte ſich ganz den diesjährigen
ab=
normen phänologiſchen Zeitverhältniſſen an: Eine böſe Hexe, unterſtützt
von zwei greulichen Meerkatzen, braut einen Zauberſaft, mit dem ſie alles
Lebende in der Natur in ewige Feſſeln ſchlagen will, um damit die
Herrſchaft des Winters dauernd zu befeſtigen. Da erſcheint rechtzeitig
in holder Knabengeſtalt der Lenz, wirft einen Strauß Waldmeiſter in
den Hexenkeſſel und verwandelt damit das Gebräu in einen ſtärkenden
und belebenden Labetrunk, mit dem er nicht nur die Hexe bekehrt,
ſon=
dern auch ſein Gefolge, die Frühlingsblumengeiſter, erweckt und zu einem
„Maigeſang” anregt. — Anſchließend daran folgte ein von Frl. Frank
einſtudierter Blumentanz, der das allmähliche Erwachen der erſten
Blü=
ten, dies übermütige Spiel des Frühlings, und zuletzt das Verblühen
in reizender Weiſe darſtellte. Die wechſelnde Stimmung wußte Herr
Dieter durch geſchickte Beleuchtungseffekte zu unterſtützen. Unter
dem Klange der „Dorfſchwalben” führten nun acht Turnerinnen von
der Beſſunger Turngemeinde in elfenhafter Kleidung einen hübſchen
Reigen auf, den Herr Turnwart Reinhardt ſehr ſicher eingeübt
hatte. — Frau Horn=Stoll entzückte dann die Anweſenden mit
ihrer gutgeſchulten Stimme und trug verſchiedene paſſende Lieder vor:
das „Frühlingslied” von Umlauft, den Walzer „Parla” von Arditi,
und als Zugabe den „Lenz” von Hildach. —Nunmehr wurde im Tempo
eines flotten Marſches ein „grimmiges‟ Duell (ausgeführt von Fräulein
Elſa und Emilie Grimm), tanzend und unblutig zum Austrag
ge=
bracht, das vielen Beifall fand. — Zum Schluß trug ein Mitglied des
Vereins, Herr Braun, „Frühlingstoaſte” von Häſer, das „
Rhein=
lied” von Humperdinck und als Zugabe das „Schenkenlied” von
Ober=
meher vor; auch er erntete mit ſeinem ausgeglichenen ſympathiſchen
Geſang vollen Beifall. Die Klavierbegleitung zu den Liedern lag bei
Herrn Brohm jun. in guten Händen. — Der Vorſitzende dankte allen
Beteiligten und überreichte jedem Einzelnen eine Blumenſpende. —
Da=
mit hat die Wintertitigkeit des Gartenbauvereins einen ſchönen
Ab=
ſchluß gefunden. Für den 16. Juni iſt ein Ausflug nach Groß=
Um=
ſtadt geplant, um die dortigen Glashauskulturen der Heſſiſchen
Land=
wirtſchaftskammer zu beſichtigen. Näheres erſcheint noch in den
Tages=
zeitungen.
— Rundfunkgeſpräch. Am 26. Mai, 7—7.45 Uhr abends, findet ein
Rundfunkgeſpräch zwiſchen Miniſter a. D. Koch=Weſer, M. d. R., und
Artur Mahraun, Hochmeiſter des Jungdeutſchen Ordens e. V.,
über das Thema „Parlamentarismus, wie er iſt und ſein ſollte”, ſtatt.
Das Geſpräch wird vorausſichtlich von der Deutſchen Welle auch auf
andere deutſche Sender übertragen.
Fp. Verwaltungsgerichtshof. Rechtsbeſchwerde des Auguſt
Oſſen=
kop in Bad=Nauheim gegen ſeine Heranziehung zur
Sondergebäude=
ſteuer. Erſchienen iſt Rechtsanwalt Dr. Pape=Frankfurt a. M., vom
Finanzamt Friedberg niemand. Oſſenkop hat das Wohnhaus
Uhland=
ſtraße 17 von der Baugeſellſchaft Gemeinwohl erworben und erſtrebt
Freiſtellung von der Steuer, weil das Haus nicht mit Beihilfen aus
öffentlichen Mitteln erbaut worden ſei. Das Finanzgericht hat die
Berufung des Beſchwerdeführers verworfen. Die Stadt Bad=Nauheim
hatte der Baugeſellſchaft Gemeinwohl ſchon vor Gewährung der
ſtaat=
lichen Baudarlehen Bauvorſchüſſe gewährt. Es war dies noch in der
Inflationszeit. Der Vertreter des Beſchwerdeführers betont
berichti=
gend, das Haus Uhlandſtraße 17 ſei von der Bamag=Meguin A. G. in
Butzbach erſtellt worden, weil dieſe dringend Arbeiterwohnungen
be=
nötigt habe. Es ſei dies im Jahre 1922 geweſen. Das Finanzgerichr
leitet die Steuerpflicht daraus her, daß die Beihilfe aus öffentlichen
Mitteln mittelbar gewährt worden ſei. Der Verwaltungsgerichtshof
hebt das Erkenntnis des Finanzgerichts auf und weiſt die Sache
zur Verhandlung an dieſes Gericht zurück.
Tageskalender für Sonntag, den 26. Mai 1929.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 18 Uhr, Ende
22.15 Uhr, K 17 :„Lohengrin”. — Kleines Haus, Anfang 19.30 Uhr,
Ende gegen 22 Uhr, Heſſenlandmiete III: „Das Kamel geht durch das
Nadelöhr” Orpheum, abends 20 Uhr: „Annemarie‟. —
Kon=
zerte: Schloßkaffee, Reichshof, Hotel Schmitz, Bockshaut, Sportplatz=
Reſtaurant, Alte Poſt, Darmſtädter Hof, Kaffee Ganßmann, Stadt
Malaga, Waldſchlößchen, Bismarckeck, Schwaneck, Kaffee Jöſt,
Oran=
gerie=Haus, zum Roſengarten, Zur Roſenau, Frankfurter Hof, Hotel
Prinz Heinrich, Hotel zur Poſt, Rummelbräu. — Ludwigshöhe,
nachm. 16 Uhr: Konzert. — Wie erKronenbräukeller,
nach=
mittags 16 Uhr: Großes Frühlingsfeſt im Garten. —
Kinovor=
ſtellungen: Union=Theater, Helia, Palaſt=Lichtſpiele.
Sichre die Zukunft.
die eigene Zukunft — Dein eigenes Alter — und auch die Zukunft
Deiner Kinder! Die Aussteuer der Tochter — die Ausbildung des
Sohns — den Alters-Schutz für Dich und Deine Frau — all das
kannst Du Dir unverlierbar sichern, wenn Du von dem, was Du
verdienst, ein Teilchen monatlich beiseite legst: in fünfzehn,
zwanzig oder dreißig Jahren bist Du Besitzer eines Kapitals!
Und wenn Du NICHT so lange lebst? Wenn eines Tags den
Oeinen der Ernährer fehlt? Es gibt nur EINEN Weg, um
Frau und Kind vor Not zu schützen. Geh diesen Wegl Du hast
die Deinen dann auch für den schlimmsten Fall gesichert —
und wenn Du alt wirst, kannst Du selbst genießen, was Du in
Deinen besten Jahren angesammelt hast:
Verstertte Bert Zeuert.
Je früher Du anfängst, desto billiger ist es Deshalb tue es IETZ71
Ceite 6
Sonntag, den 26. Mai 1929
Nummer 144
20. Haupkverſammlung des Allgemeinen deutſchen
Lehrerinnen-Vereins in Wien.
Der Allgemeine Deutſche Lehrerinnen=Verein, der 40000
reichs=
deutſche Lehrerinnen aller Schulgattungen umfaßt, hielt ſeine 20.
Haupt=
verſammlung in Wien ab. Der Einladung ſeines Mitgliedsvereins
„Mädchenmittelſchule in Oeſterreich” Folge leiſtend, hat er die deutſchen
Lehrerinnen nach Wien gerufen, und eine über alle Erwartung große
Zahl iſt ſeinem Rufe gefolgt. An 2000 Lehrerinnen aus allen Teilen
Deutſchlands, dazu mehrere Hundert öſterreichiſche Kolleginnen und
Lehrerinnen aus den deutſchen Grenzgebieten und deutſchen
Kulturgebie=
ten füllen den prachtvollen Großen Saal des Konzerthauſes in Wien.
Mit einem feſtlichen Begrüßungsabend hat er am Pfingſtſonntag der
Tagung den ſtimmungsvollen Auftakt gegeben.
Nach dem Verleſen des Begrüßungsſchreibens des Herrn
öſterreichi=
ſchen Bundespräſidenten Miklas, der das Ehrenpräſidium der Tagung
übernommen hatte, bekam der außerordentliche Geſandte und Miniſter
des deutſchen Reichs, Graf Hugo Lerchenfeld, das Wort zur Begrüßung.
Mit einem warmen Dank für die glänzende Aufnahme der Stadt Wien
Herband er den Wunſch für die Teilnehmerinnen der Tagung, ſie möchten
neben der Löſung ihrer ſachlichen Aufgaben durch Umgang mit
öſter=
reichiſchen Kolleginnen und Kennenlernen der wunderſamen Stadt Wien
auch reiche perſönliche Werte ſich erwerben. In Vertretung des Herrn
Anterrichtsminiſters und der Schulbehörden ſowie des Herrn
Bürger=
meiſters von Wien ſprachen der Sektionschef Herr Dr. Pohl und der
Herr Präſident Glöckel des Stadtſchulrates in Wien. Den
Be=
grüßungen folgte der Vortrag, von Frau Miniſterialrat Dr. Gertr
Bäumer: „Nationale und internationale Erziehung in der Schule‟
Am Dienstag, den 21. Mai, eröffnete Frau Oberſchulrat Emmy
Beck=
mann um 9,15 Uhr die 2. öffentliche Verſammlung. Nach einer kurzen
Begrüßung durch den Herrn Bundesminiſter für Unterricht Dr. Czermak
Gekommt Frau Prof. Dr. Elſa Köhler aus Wien das Wort für ihren
Vortrag: „Die Kriſe der Pfhchologie und die moderne Pädagogik”. —
Im dichtgefüllten Saale hielt am Abend Frau Roſa Mayreder
eine der großen Führerinnen der Frauenwelt, von Oeſterreichern und
Reichsdeutſchen in gleicher Weiſe verehrt und bewundert, ihren Vortrag:
„Gleichſtellung und Ehe‟
Die öffentlichen Verſammlungen des A. D.L.V. wurden umrahmt
durch die Mitgliederverſammlungen. Sie brachten außer dem ſehr
inter=
eſſanten Geſchäftsbericht, der die weit umfaſſende Arbeit des Vorſtandes
auf allen Gebieten pädagogiſchen Lebens zeigte, vor allem das Referat
von Frau Elſe Oechler über das „Berechtigungsweſen und die deutſche
Schule‟. Soviel über das Berechtigungsweſen in allen Lebenskreiſen
Deutſchlands geſchrieben und geſprochen wird, ſo wenig iſt bisher
ge=
ſchehen, um die Grundforderung, daß bei organiſcher Verbindung aller
Schularten den wirklich Begabten und Arbeitswilligen unſeres deutſchen
Volkes Aufſtiegsmöglichkeiten in alle ihnen gemäßen Berufe gewährleiſtet
werden, zu verwirklichen. Die maßloſe Ueberſteigerung des
Berech=
tigungsweſens hat dazu geführt, daß es heute nach einem Worte
Spran=
gers wichtiger iſt, nach Zeugniſſen als nach Leiſtungen zu ſtreben. Der
A. D. L. V. hat nach ausführlichen Beratungen in all ſeinen Fachverbänden
und Vereinen eine umfaſſende Entſchließung aufgeſtellt, die in der
zwei=
ten Mitgliederverſammlung einſtimmig angenommen wurde.
Aus den weiteren Verhandlungen der Mitgliederverſammlung ſeien
erwähnt die Berichte der Vertreterin des A. D. L. V. im deutſchen
Beam=
tenbund, Frau Panten, der Vorſitzenden des Reichsverbandes „Die
ver=
heiratete Lehrerin” Frau Dr. Wehowſki, der Vertreterin der
Jung=
lehrerinnen, Frau Brode, der Studienreferendarinnen, Frau Draeger.
Folgende Entſchließungen wurden angenommen:
1. Die Pfingſten 1929 in Wien tagende Hauptverſammlung des A. D. L. V.
fordert, daß in den Ländern, in denen noch eine Junglehrernot
be=
ſteht, alles geſchieht, um dieſe zu beſeitigen. Bis zur Erreichung
die=
ſes Zieles muß die wirtſchaftliche Lage dieſer Junglehrer und
Junglehrerinnen ſo geſtaltet werden, daß ſie ſich mit Freudigkeit und
innerer Freiheit ihrem Berufe widmen können.
2. Die Pfingſten 1929 in Wien tagende Hauptverſammlung des A. D. L.V.
ſtellt mit ernſter Beſorgnis um unſer Mädchenſchulweſen feſt, daß
in=
folge der geringen Zahl der Lehrerſtudentinnen in abſehbarer Zeit
ein empfindlicher Mangel an Lehrerinnen namentlich der Volksſchule
eintreten wird. Der A. D.L.V. fordert daher Zulaſſung der
Lehrer=
ſtudentinnen zu allen pädngogiſchen Akademien in einem Maße, daß
der ausſchlaggebende erziehliche Einfluß der Frau auf das
heran=
wachſſende weibliche Geſchleiht unter allen Umſtänden ſichergeſtellt iſt.
Der Höhepunkt der Mitgliederverſammlungen war der Augenblick,
als dem bisherigen geſchäftsführenden Vorſtand mitgeteilt wurde, daß die
Verſammlung ihn einſtimmig durch Zuruf wiedergewählt habe.
Die Behörden der Stadt Wien ehrten den A. D.L.V. außer durch
ihre Begrüßungen durch einen Empfang bei dem Herrn Bundesminiſter
für Unterricht und bei dem Herrn Bürgermeiſter im Rathaus. Die
deut=
ſchen Lehrerinnen ſcheiden von Wien mit einem unendlichen Gefühl der
Dankbarkeit für alles Erleben, das ſie dort gefunden haben und das für
lange Zeit in ihnen nachhallen wird.
„Siegfried Wagner als Menſch und Künſtler”. Im gut beſuchten
Muſikvereinsſaal veranſtalteten die Darmſtädter Gruppen des Bayreuther
Bundes und Bahreuther Bundes der Deutſchen Jugend eine kleine
Feier zu dem bevorſtehenden 60. Geourtstag Siegfricd Wagners. Otto
Daube (Leipyig), der ja in Darmſtadt kein Unbekannter mehr iſt,
hatte den Vortrag und den pianiſtiſchen Teil des Abends übernommen.
Er ſprach vom Menſchen Siegfriod Wagner, um ein weiteres
Verſtind=
nis ſeiner künſtleriſchen Perſönlichkeit anzubahnen, dieſer
Künſtlerper=
ſönlichkeit, deren Schaffen nicht aus äußerer Nachahmung der Werke
ſeines Vaters, ſondern aus eigener innerer Notwendigkeit romantiſch
iſt und ſein muß. Dieſe Romantſik, die in allem, in jeder Regung und
jedem Tun des Menſchen und Künſtlers zutage tritt, ſo auch in ſeiner
Auſchauung vom Geſamtkunſtwerk, vor allem aber auch in ſeiner Treue
zum väterlichen Erbe Bayreuth, in deſſen Hut er ſeime erſte
Lebens=
aufgabe ſieht uns das er in ſchwerſter Zeit zu herrlichem
Wieder=
auferſtehen führte, ſteht dem Intellektualismus der Tagesmoderne
weltenfern. Siegfried Wagner iſt freid i der Gegenwart, er muß
ſih als Schöpfer fremd in ihr fühlen. Aber die Schnellebigkeit unſerer
Zeit iſt ja auch der dauernden Anerkennung der von ihr ſelbſt
hervor=
gebrachten Künſtlererſcheinungen nicht günſtig, vielleicht bewahrt gerade
die Fremdheit gegenüber der heutigen Oeffentlichkeit, die entfernte
Stel=
lung vom Kunſtmarkt des Tages vor ſchnellem Vergeſſen. Die Frage,
die wir ſtellen müſſen, iſt ja nur die: Kommen Siegfried Wagners
Werke aus ſeinem Innern? Sind ſie eigengewachſen? Mußte er ſo
ſchaffen? — Uns unſererſeits mit feiner Schöpferperſönlichkeit
ausein=
nderzuſetzen, bietet ſich ein anderes Mal Gelegenheit, Herr Daube
be=
jaht die Frage vom Menſchen aus, der als Dramatiker, als Muſiker
und fein empfindender Geiſt die Selbſrändigkeit gegenüber Vater und
Großvater im Rahmen ſeiner Begabung durchaus bewahrt und in der
Familie Waguer=Lifzt noch ein nenes, wertvolles künſtleriſches Moment
zeigt: in der Arehitektonik. An Stelle einer Kritik der Perſönlichkeit
des Gefeierten gab Her: Daube, dem weiteren Zwecke des Abends
ent=
ſprechend, in pianiſtiſch feiner Ausführung und geſchickter Auswahi nun
Bruchſtücke aus mehreren Bühnenwerken Wagyers mit kurzen
Erlänte=
rungen zu hören. Er wurde von Frau Siſanne Horn=Stoll und
dem Mainzer, jetzt nac) Cöttingen verpflichteten Opernſänger Wilhelm
Schmidt erfolgreich unterſtützt. Frau Hom=Stoll ſang ſich raſch ein
und trug zivei melodiſch ſ höne, ihr ſehr gut liegende Geſänge aus dem
Kobold” mit feinem Empfinden vor. Herr Schmidt ſang aus „Herzog
Wildfang” und „Banadietrich” von Siegfried Wagner, am meiſten kam
ſein bemerkenswert großes und klangvolles Material aber in der den
Abend beſchließenden Anſprache des Sachs aus den „Meiſterſingern” zur
Geltung. Der junge Säager hat einen echten Heldenbariton, nur iſt
er noch nicht ganz Herr ſoiner an ſich prachtvollen Stimmittel. Eines
hat der Abend, haben die Darlegungen Otto Daubes und das etwis zu
reihlice muſikaliſehe Programm wieder bewieſen: Siegfried Wagner
iſt kein Muſiker, den man einfach beiſeite ſchieben darf. Gewiß zeigt er
in ſeinen dramatiſchen Werken nuht immer ein ſcharfes Profil. Es
fehlt ihm der leidenſchaftliche Atem, die ganze defe Innerlichkeit ſeines
Vaters. Aber er iſt für ſich ein echter Muſiker, ganz romantiſch=deutſch,
mit volkstumlichem Empfinden, das, wo es zutage tritt — im „
Bären=
häuter” zum Beiſpie! —, merkwürdig ſtark an Weber und ſeinen „
Frei=
ſch.:tz” gemahnt. Er ſclvelgt in ſchönen, volkslieſhaften Melodien, für
die er eine ſtarke Erfindungsgabe hat, wie kaum ein Tondichter unſerer
Zeit. Und der eigenartigſte Beveis gegen das oft von ihm behauptete
Epigonentum iſt: ſeine öftere Hinneigung zu abſolut muſikaliſcher
Ge=
ſtaltung, die den dramatiſchen Zweck faſt vergeſſen läßt.
k.
Lokgle Beranſtaltungen.
— Herrngarten=Kaffee. Heute Sonntag, den 26. Mai,
finden im Herrngarten=Kaffee nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr
Künſtlerkonzerte, ausgeführt von einem Enſemble des Stadtorcheſters,
ſtatt.
— Orangeriehaus. Es wird an dieſer Stelle nochmals
den heute abend 8 Uhr ſtattfindenden Rheiniſchen Abend des Staf
orcheſters unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp hingewieſ
(Siehe Anzeige.)
— Im Hotel und Reſtaurant Poſt am Hauptbahnl
findet heute Konzert ſtatt. Küche und Keller bieten das Beſte
Aus Heſſen.
An. Arheilgen, 25. Mai. Diamantenes Ehejubiläum.
Wie ſchon gemeldet, konnte vorgeſtern das Ehepaar Ludwig Fiſcher und
Frau geb. Spalt, ſeinen 60jährigen Hochzeitstag feſtlich begehen. Liebe
Freunde und getreue Nachbarn hatten das Häuschen der beſcheidenen
Leute innen und außen mit friſchem Grün und duftenden Blumen
herrlich geſchmückt. Beſonders die Ehrenſitze, die beiden Seſſel, waren
prächtig geziert, und als der Morgen kam, brachten Kinder und viele
Freunde und Bekannte ihre Ehrengaben und Angebinde zu dieſem
Ehrentage. Reicher Blumenflor und angebrachte Geſchenke wurden in
Menge geſpendet. Mittags 12 Uhr traf ein Glückwunſchtelegramm des
Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg ein und am Nachmittag
über=
brachte Herr Bürgermeiſter Jung ein Ehrenſchreiben des heſſiſchen
Miniſteriums nebſt Geſchenk und ſprach zugleich im Namen der
hie=
ſigen Gemeinde herzliche Worte unter Ueberreichung einer weiteren
Gabe. Auch der Ortsgeiſtliche erſchien und übermittelte die Glückwunſche
der Kirchenbehörde und der hieſigen Kirchengemeinde. Der über 83 Greis ertrug die Strapazen des Tages in jugendlicher Friſche,
während das 80jährige Mütterchen nur auf ein Stündchen erſchien,
um im trauten Familienkreiſe in ſichtlicher Freude ein Täßchen Kaffee
einzunehmen, und ſich dann wieder in ihr heimliches Zimmerchen
zurück=
zog. Ein fahrender Muſiker, der von dem Feſte erfuhr, brachte gegen
Abend ein kleines Ständchen, beſtehend in einigen Trompetenſolis,
und nahm der Tag einen überaus würdigen, dem alten Paare ſicherlich
angenehmen Verlauf. Möge den beiden Alten noch ein recht ſchöner
Lebensabend beſchieden ſein, dies wünſchen auch wir aus vollem Herzen.
Von den Kindern des Paares ſind noch zwei am Leben, eine
unver=
heiratete Tochter, die bei den greiſen Eltern weilt, und ein älterer Sohn,
der im Dienſte der Polizei in Eſſen ſteht. Enkelkinder ſind fünf
vor=
handen, zwei Enkel=Söhne und drei =Töchter. Der Jubilar ſtand
mehrere Jahre im Dienſte der chemiſchen Fabrik Merck und wurden
auch von dieſer Seite Geſchenke überbracht. — Der hieſige Lehrer
Wagenknecht, der vor 14 Tagen durch einen Zuſammenſtoß mit einem
Perſonenkraftwagen ſchwerverletzt in das Herz=Jeſu=Hoſpital zu
Darm=
ſtadt eingeliefert wurde, befindet ſich den Verhältniſſen entſprechend
beſſer. Die Heilung des Schädelbruchs ſchreitet güinſtig vorwärts und iſt
zu hoffen, daß der Verunglückte wieder ganz hergeſtellt wird.
Ovomaltine — leichte Zubereitung
Das iſt der zweite Grund des Erfolges, den Ovomaltine in der Familie,
in Krankenhäuſern und Kliniken hat. Dieſe wichtige
Naturkraft=
nahrung aus Malzextrakt, Milch und Eiern ſollten Sie bei Blutarmut
und Bleichſucht, nervöſer Erſchöpfung, Unterernährung, im Wochenbett
und bei Rekonvaleszenz als Kräftigungsmittel nehmen. Als tägliches
Getränk bewahrt Ovomaltine natürliche Kraft und friſches Ausſehen.
In Apotheken und Drogerien vorrätig; 250 gr Büchſe RM. 2.70,
500 gr. RM. 5.—. Gratisprobe und Druckſachen durch:
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen. ( 1.6277
J. Griesheim, 25. Mai. Promenadekonzert. Das
Bläſer=
korps des Philharmoniſchen Orcheſters, das unter der Leitung des Herrn
K. Müller hier ſteht, veranſtaltet erſtmalig am Sonntag, den 26. Mai,
vormittags 11 Uhr, auf dem neuen Gemeindeplatz an der Neuen
Darm=
ſtädterſtraße, ein Platzkonzert. Programm: 1. „Im Glanze der Sonne‟
Marſch von Blankenburg; 2. „Die Amazone”, Ouvertüre von Kiesler;
3. „Die Friedensboten”, Konzertwalzer von Gottlöber; 4. „
Frühlings=
erwachen”, von Emanuel Bach; 5. „Aus vergangenen Zeiten”,
Pot=
pourri von Starke; 6. „Erinnerung an Riga”, Marſch von Bruſſig. Das
Konzert findet in uneigennütziger Weiſe ſtatt; ein Programmverkauf
er=
folgt nicht. — Der hieſige Geſangverein „Sängerbund” errang bei dem
in Nackenheim ſtattgefundenen Geſangswettſtreit bei ſehr ſtarker
Kon=
kurrenz den zweiten Klaſſenpreis, zweiten Ehrenpreis und beim höchſten
Ehrenſingen den Hauptehrenpreis.
F. Eberſtadt, 25. Mai. Kirchliches. Am Sonntag, den 26. Mai,
findet in der evangeliſchen Kirche um 10 Uhr Chriſtenlehre für die
Mäd=
chen, um 11 Uhr ein Kinder=Gottesdienſt ſtatt. Der übliche
Morgen=
gottesdienſt fällt aus. Um 2 Uhr nachmittags wird in der Kirche
an=
läßlich des Jahresfeſtes des Nied=Modauer Zweigvereins der Guſtav=
Adolf=Stiftung Pfarrer Knab=Guſtavsburg predigen. Sowohl hier, wie
bei der Nachfeier, die ſich um 4 Uhr im „Bergſträßer Hof” (Fiſcher)
an=
ſchließen wird, wirken der Kirchengeſangverein und der Poſaunenchor
mit. — Beratungsſtunde. Am Montag, den 27. Mai, findet
in der Zeit von 3—4 Uhr in der Gutenbergſchule wieder eine
Beratungs=
ſtunde der Mutter= und Säuglingsfürſorge ſtatt. — Anlieferung
von Kleeheu. Die Anlieferung von 30 Zentner Kleeheu ſoll in
öffentlicher Submiſſion vergeben werden. Angebote ſind bis längſtens
30. Mai, nachmittags 5 Uhr, an die Bürgermeiſterei zu richten. — Feſt
der Arbeit. Zur Feier ihres 30jährigen Beſtehens veranſtalten die
hieſigen Gewerkſchaften am 15., 16. und 17. Juni d. J., auf den
Sport=
plätzen im Walde ein „Feſt der Arbeit”. An dem Feſtzuge, der ſich am
Sonntag, den 16. Juni, durch die Ortsſtraßen bewegen wird, beteiligen
ſich ſämtliche hier vertretenen Gewerkſchaftsgruppen. Jede einzelne
Gruppe wird ihren Beruf durch einen Feſtwagen zu verſinnbildlichen
ſuchen. Im ganzen werden hierbei 20 Gruppen in Frage kommen. —
Odenwaldklub. Der Odenwaldklub (Ortsgruppe Eberſtadt) rüſtet
ſich zu ſeiner 6. Wanderung, die ſich auf zwei Tage erſtreckt (1. und 2.
Funi) und über Schotten—Taufſtein—Hoherodskopf-Bermutshain
füh=
ren wird. Die Wanderung wird am 1. Juni mit der Bahn angetreten,
die die Teilnehmer zunächſt nach Schotten bringt. Am Sonntag, den
2. Juni, winkt dann der Aufſtieg zum Hoherodskopf über den Taufſtein.
Wer wandert mit! — Auf Geſangswettſtreit! In dieſem
Jahre gehen drei hieſige Geſangvereine nach auswärts auf
Geſangs=
wettſtreite.
Weiße Hähne: Ghlorodonts
Aa. Eberſtadt, 23. Mai. Gute Kirſchenernte in Sicht.
Nachdem in dieſem Frühjahr die Kirſchbäume ſehr reich geblüht haben
und auch der Fruchtanſatz nichts zu wünſchen übrig läßt, rechnet man
allgemein, vorausgeſetzt, daß nicht unvorhergeſehene Nachwirkungen die
Reife beeinträchtigen, mit einer guten Kirſchenernte. Man glaubt, daß
die Kirſchenernte auf jeden Fall beſſer als die vom vergangenen Jahre
ſein wird. Es kann angenommen werden, daß die erſten Kirſchen
bereits in 3 bis 4 Wochen auf den Markt kommen.
Sie magein ab
an welcher Körperstelle Sie wollen. Ohne
Körper-
bewvegung, ohne Diät, ohne Chemikalien zu nehinen, ohne
Bäder. Rein äußerlicher Gebrauch, sichtbares
Re-
sultat bereits am 6. Tage. — Schreiben Sie an Frau
Schweitzer, Wiesbaden, Goebenstraße 19, welche
Ihnen gern und kostenfrei das einfache und wirksame
Mittel angibt, welches sie selbst mit großem Erfolg
angewendet hat.
(TV.8915
— Gernsheim, 25. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
24. Mai: 0,15 Meter; am 25. Mai: 0,12 Meter.
24. Deutſcher Miekerkag in Mainz.
Auf Wunſch der norddeutſchen Delegierten ſprach nach der
Mittags=
pauſe am Freitag noch Baumeiſter Seidler über die Neuregelung
der Aufwertungsſteuer.
Eine lebhafte Ausſprache ſchloß ſich an, in der auch die
eingebrach=
ten 5 Reſolutionen behandelt wurden, deren endgültige Verabſchiedung
in die geſchloſſene Tagung am Samstag verſchoben wurde. Am Freitag
nachmittag folgte eine Autorundfahrt durch die Stadt zwecks
Beſich=
tigung der Mainzer Siedlungsbauten. In dem herrlichen Mainzer
Stadtpark wurde der Kaffee gemeinſam eingenommen. Am Samstag
vormittag folgte die geſchloſſene Tagung mit Beratung der eingegangenen
Reſolutionen, bei Redaktionsſchluß lag noch keine Verlautbarung des
Bundes über das Ergebnis vor. Am Samstag abend veranſtaltete der
Mainzer Ortsverein einen Rheiniſchen Abend, der unter Mitwirkung
vekannter Mainzer Künſtler einen harmoniſchen, ſtimmungsvollen und
animierten Verlauf nahm. Mit einer Rheinfahrt nach St. Goar und
zurück findet der Mietertag am heutigen Sonntag ſeinen Abſchluß.
Die Bedienung der Schranken in Rüſſelsheim.
Die Reichsbahndirektion Mainz ſchreibt uns:
Die Reinigung und Inganghaltung der Weichen war bis vor kurzem
Aufgabe der im Stellwerk tätigen Beamten. Auf Anregung der
Betei=
ligten ſind mit Zuſtimmung der vorgeſetzten Dienſtſtellen die Arbeiten
für die Zeit von 9,15 Uhr bis 10,00 Uhr dem Schrankenwärter und die
Bedienung der Schranke dem Bedienſteten des Stellwerks übertragen
worden. Es beſtanden keine Bedenken, dieſem Wunſche zu willfahren,
weil in dieſer Zeit lediglich nur der D 137 den Uebergang paſſiert. Die
Weichenſteller ſind auch mit der Schrankenbedienung vertraut, weil ihnen
dienſtplanmäßig in der Abendzeit von 22,00 Uhr bis morgens 6,00 Uhr
die Schrankenbedienung ohnehin obliegt. Zudem befindet ſich die
Schranke nur wenige Meter von dem Stellwerk entfernt. Dieſe
Rege=
lung hat ſich bisher durchaus bewährt und iſt auch nicht nach dem
Un=
falle geändert worden.
Es iſt auch nicht zutreffend, daß am Tage vor dem Unfall von der
Verwaltung der Stadt Rüſſelsheim in einem Schreiben an die
Reichs=
bahnverwaltung auf die unhaltbaren verkehrsgefährlichen Zuſtände an
dem Straßenübergang (Unfallſtelle) nochmals beſonders hingewiefen
worden ſei. Der Reichsbahnverwaltung ſind die durch den ſtarken
Ver=
kehr der Firma Opel bedingten, nicht einfachen Verkehrsverhältniſſe des
Bahnhofs Rüſſelsheim bekannt. Sie iſt ſtändig bemüht, im Intereſſe der
Verkehrsſicherheit bauliche und betriebliche Verbeſſerungen vorzunehmen.
Unter anderem iſt im letzten Jahre an dieſer Stelle eine Unterführung
für Fußgänger und Radfahrer neu gebaut worden.
Worms vor der Zwangsekekiſierung.
Worms, 25. Mai. Wie uns von beſonderer Seite mitgeteilt wird,
wird das heſſiſche Miniſterium ſich mit der Frage zu beſchäftigen haben,
ob für die ehemalige freie Reichsſtadt Worms eine Zwangsetatiſierung
vorgenommen werden ſoll. Der Etat für die 47 000 Einwohner zählende
Stadt konnte für das Jahr 1929/30 noch nicht verabſchiedet werden, da
der Stadtrat (der in Heſſen der preußiſchen
Stadtverordnetenverſamm=
lung entſpricht) das Etatdefizit dem Antrag des Oberbürgermeiſters
entſprechend durch Steuererhöhungen zu decken, abgelehnt hat. Die
Etatsabſtriche, die von der Verwaltung vorgeſchlagen wurden, würden
lediglich eine Reduzierung des Defizits von 1,7 Millionen RM. auf
950 000 RM. bringen. Dabei iſt das finanzielle Ergebnis einer
geplan=
ten Mietserhöhung in den ſtädtiſchen Häuſern, die ohne Rückſicht auf
die Vertragszeit vorgenommen werden ſoll, und die vor allem kleine
Leute treffen wird, bereits berückſichtigt. In der uns vorliegenden
Zu=
ſchrift findet die Politik der Stadtverwaltung ſcharfe Kritik. Ein
An=
trag, den früheren Frankfurter Organiſator Dr. Eicke zur
Durchorgani=
ſation der Verwaltung zu holen, wurde abgelehnt. Falls keine Einigung
zuſtande kommt, bleibt kein anderer Ausweg, als die Zwangsetatiſierung.
j. Aus dem Odenwalde, 25. Mai. Bei einer Jagdverſteigerung im
vorderen heſſiſchen Odenwalde erhielt vor mehreren Monaten ein
Mannheimer den Zuſchlag. Ein Einwohner der betr. Odenwaldgemeinde
erhob gegen den Zuſchlag des Gemeinderats mit der Begründung
Ein=
ſpruch, daß er zur Mitſteigerung nicht zugelaſſen worden ſei, und daß
daher die Jagd nochmals zur Verſteigerung kommen müſſe. Die
Be=
ſchwerde des Einwohners bei dem Kreisamt Heppenheim hatte zur
Folge, daß die Jagd erneut zur Verſteigerung kam. Bei der zweiten
Verſteigerung war der Mannheimer Herr verhindert, derſelben
anzu=
wohnen, ſo daß die Jagd an einen anderen Pächter überging. Nach
einigen Wochen ſtellte das Kreisamt Heppenheim dem Mannheimer
einen Forderungszettel zu, er ſolle den Jagdpachtſtempel mit RM. 160
für 1929 ſofort entrichten. Der Mannheimer erwiderte darauf unrer
Rückgabe der Mahnung, daß dieſe auf einem Irrtum beruhe, da er
ja gar nicht die Jagd zugeſchlagen bekam. Zu ſeiner nicht geringen
Ueberraſchung bekam nunmehr der Mannheimer vom Finanzamt Fürth
i. Odw. die Mahnung zugeſtellt, den Jagdpachtſtempel einſchließlich
MM. 1,30 Mahnſpeſen innerhalb einer Woche zu entrichten,
widrigen=
folls Zwangsvollſtreckung erfolgt. — Man darf geſpannt ſein, ob nun
tatſächlich der obige Betrag zwangsweiſe erhoben werden und wie
dieſe Sache ausgehen wird. — Die Apfelbäume ſtehen im Odenwald
zurzeit in voller Blüte. Bei Kirſch=, Birnen= und Apfelbäumen ſind
die Fruchtanſätze vielverſprechend, aber wenn nicht bald Regen kommt,
ſo würde die Trockenheit nachteilig auf die Fruchtentwicklung einwirken.
— Hirſchhorn, 25. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
24. Mai: 0,80 Meter; am 25. Mai: 0,76 Meter.
Bn. Hirſchhorn, 25. Mai. Ertrunken. Drei junge Leute, zwei
Damen und ein Herr, die hier zur Kur weilten und im Gaſthaus „Zur
Krone” dahier wohnten, ließen ſich geſtern morgen mit einem
Schlepp=
zug in ihrem Paddelboot ſtromaufwärts ziehen. In der Nähe des „
Sei=
delsgrund” riß plötzlich das Befeſtigungsſeil. Während der Herr und
die eine Dame gerettet werden konnten, verſank die zweite Dame aus
Frankfurt a. M., die des Schwimmens anſcheinend unkundig war, mit
dem Paddelboot und ertrank. Die Leiche derſelben konnte bis zur
Stunde noch nicht gefunden werden.
Ck. Groß=Gerau, 25. Mai. Zweiſchwere Unfälle haben ſich
geſtern wieder in der Kreisſtadt ereignet. Am Nachmittag wurde in der
Werkſtatt des Zimmermanns Schmidt in der Gernsheimerſtraße der
Lehrling Veith, wohnhaft am Römerhof, von einem Holzſtück ſo ſchwer
am Kopf getroffen, daß er bewußtlos ins Städt. Krankenhaus gebracht
werden mußte. Er hatte eine ſchwere Kopfverletzung erlitten, anſcheinend
auch eine Gehirnerſchütterung. Geſtern abend gegen 8,30 Uhr ereignete
ſich auf der Frankfurter Straße an der „Kaſtanien=Spitze”, in der Nähe
der Wirtſchaft „Zur Republik”, ein ſchwerer Verkehrsunfall. Der etwa
Tjährige Knabe Hay, Sohn des Chauffeurs Hay, lief über die Straße
und achtete dabei nicht auf ein daher kommendes Motorrad. Der
Motor=
radfahrer, Raiß aus der Helwigſtraße, war nicht mehr imſtande,
aus=
zuweichen oder zu halten. Das Kind kam unter das Rad, der Fahrer
ſtürzte. Beide wurden in die Wirtſchaft „Zur Republik” gebracht, wo
dann Dr. Schad die erſte Hilfe leiſtete. Das Kind hat eine leichte
Ge=
hirnerſchütterung, der Fahrer trug neben ſchweren Kopf= und
Arm=
verletzungen eine ſchwere Gehirnerſchütterung davon. — In den letzten
14 Tagen iſt hier kaum ein Tag ohne Unfall verlaufen, wovon
bekannt=
lich allein drei tödlich ausgingen. — Die Beiſetzung des bei
Rüſſels=
heim tödlich Verunglückten, des Viehhändlers Albert
Hirſch, fand geſtern nachmittag unter ſehr großer Beteiligung von
fern und nah auf dem israelitiſchen Friedhofe zu Groß=Gerau ſtatt.
Unter den Trauergäſten befanden ſich viele aus Mainz, Darmſtadt und
Frankfurt. Die Zahl der am Friedhof aufgefahrenen Autos betrug über
30. Die Grabrede hielt ein Rabbiner aus Mainz, der in herzlichen
Worten die Bedeutung Hirſchs als Geſchäftsmann und Menſch pries.
Welche Stellung er im Wirtſchaftsleben ſeiner Heimat eingenommen
habe, ergebe ſich daraus, daß er im Kriege mit der Verſorgung des
ganzen Kreiſes betraut wurde. Zu dem Unfall ſelbſt erklärte der
Red=
ner, er wolle an dieſer Stelle nicht die Schuldfrage unterſuchen; es ſtehe
aber feſt, daß ein Weſen in der Welt heute nicht mehr viel bedeute.
Um Geld zu ſparen, opfere man Menſchenleben. — Kränze wurden
niedergelegt vom Krieger= und Militärverein Groß=Gerau, von einem
Vertreter der Reichsbahndirektion Mainz und anderen. Am
Grabe weillen außerdem Vertreter des Reichs= und Landesverbandes der
Viehhändler; die Behörden waren vertreten durch Kreisdirektor Dr.
Merck=Groß=Gerau und Bürgermeiſter Dr. Lüdecke.
Nummer 144
Sonntag, den 26. Mai 1929
Seite 7
6S. Perbandstag des Verbandes
der beſſ. landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften.
Der diesjährige Verbandstag der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften war aus allen Teilen des Landes ſo zahlreich beſucht,
daß der Saalbau kaum die Delegierten und Genoſſen zu faſſen
ver=
mochte. Verbandspräſident Molkereidirektor BilI=Oſtheim eröffnete
die Tagung mit einem kurzen Ueberblick über das Jahr 1928, das wohl
eine normale Ernte, aber nicht die erhoffte Beſeitigung der unerträg=
Achen Not der Landwirtſchaft gebracht habe. Die Bemühungen der
Reichsregierung und der Landesregierungen beim Notprogramm müßten
anerkannt werden, doch ſei ohne einen angemeſſenen Zollſchutz und die
genoſſenſchaftliche Hilfe die Erhaltung eines freien und
ſelbſtverant=
wortlichen Bauernſtandes unmöglich. Er begrüßte die Ehrengäſte, unter
ihnen den heſſiſchen Wirtſchaftsminiſter Korell mit den Herren der
Land=
wirtſchaftsabteilung ſeines Miniſteriums, die Spitzen der
Landwirt=
ſchaftskammer, des Reichsverbands der deutſchen Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften, die Vertreter von Reichsbank, Preußenkaſſe, Heſſ.
Landesbank, der heſſ. Landwirtſchaftsämter, die Landtagsabgeordneten
Fenchel, Glaſer und v. Helmolt (Bauernbund), und die Vertreter
be=
freundeter Genoſſenſchaften. Die Verſammlung gedachte des
verſtor=
benen Führers der heſſ. Organiſation, Geh.=Nat Bichmann, und der ein
Menſchenalter im Dienſt der Genoſſenſchaftsorganiſation ſtehende
Oeko=
nomierat Hammann=Biebesheim, Rechner Naiß=Büttelborn und Rechner
Pickard=Dietesheim. — Hierauf nahm
Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft Korell
das Wort zu einer längeren Anſprache, in der er u. a. ausführte:
Die landw. Genoſſenſchaften haben im letzten Jahr, namentlich in
Rheinheſſen, einen anſehnlichen Aufſchwung genommen. Ich teile nicht
die Auffaſſung; dieſe Entwicklung ſei zu ſtürmiſch, volkswirtſchaftlich
zu raſch. Richtig iſt aber, daß Genoſſenſchaftsweſen als
Grundvoraus=
ſetzung Nüchternheit und volkswirtſchaftliche Einſicht bedingt. Hierfür iſt
bei der ſtraffen Leitung Ihres Verbandsdirektors Berg ganz beſtimmt
geſorgt, und auch draußen im Lande wird es angeſichts einiger
Fehl=
ſchläge darauf ankommen, daß die örtlichen Genoſſenſchaftsleiter und
ihre 2Litglieder die wirtſchaftliche Nüchternheit und kaufmänniſch genaue
Rechnung ſtreng einhalten. Auf der anderen Seite kann ich die
häufi=
gen Einwände gegen die Ausbreitung der Genoſſenſchaftsidee nicht als
berechtigt anerkennen. Ich bin der Meinung, daß ſich mit der
Nüchtern=
heit, volkswirtſchaftlichen Einſicht und Ueberſicht paaren muß ein gut
Stück Begeiſterung für den wirtſchaftlichen, für den nationalen und für
den ſittlich=religiöſen Gedanken, der im Genoſſenſchaftsweſen liegt. Wenn
heute große Anternehmungen erklären, ſie könnten ſich im
Weltwirt=
ſchaftskampfe und im inneren deutſchen Wirtſchaftskampfe nur durch
Zuſammenſchluß behaupten, wie kann dann der kleinſte Produzent, der
Bauer, beſtehen, wenn er allein auf ſich geſtellt iſt und ſich nicht zu
gemeinſamem Ein= und Verkauf zuſammenſchließt. Ich weiß, daß
be=
rechtigte wirtſchaftliche Intereſſen anderer Stände ſich zurzeit dadurch
verletzt fühlen, daß die Genoſſenſchaftsbewegung ſo ſtark vorandrängt.
Ich glaube aber, daß bei einer Durchorganiſierung unſerer Bauernſchaft
mit Genoſſenſchaften die wenigen Teile der Volkswirtſchaft, die heute
mit Beſorgnis dieſer Entwicklung entgegenſehen, auch ihren berechtigten
Platz im Warenverkehr und =verteilung bekommen und behalten dürften.
In den Genoſſenſchaften hat aber der Bauer auch eine Urzelle ſeiner
nationalen Verbundenheit, die ſich dann leicht einfügen läßt in die
gro=
ßen Verbände des Zuſammenlebens und der Zuſammenarbeit. Was
aber das Wichtigſte iſt; es muß dahin kommen, daß der Bauer im
Bauern nicht ſeinen Gegner, ſeinen Feind ſieht, gegen den er zu
kämp=
fen hat, ſondern mit dem er zu kämpfen hat. — Der Miniſter
ver=
wies dann auf das Beiſpiel der däniſchen Genoſſenſchaften, denen er in
nächſter Zeit einen Studienbeſuch abſtatten werde, und die vorbildlich
für ganz Europa ſein könnten. Durch die Temperaments= und
Charak=
terunterſchiede der deutſchen Stämme gehe die Entwicklung bei uns
natürlich langſamer vor ſich. Die Genoſſenſchaftsbewegung ſei für den
Bauernſtand eine wirtſchaftlich notwendige, national geſunde und eine
ſittlich wertvolle Einrichtung. Der Miniſter wünſchte den
Genoſſen=
ſchaftern für das neue Genoſſenſchaftsjahr ein herzliches Glückauf! (
Leb=
hafter Beifall)
Stadtinſpektor Goſenheimer überbrachte die Grüße und
Wünſche des Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt und betonte den
ſchickſalsmäßigen Zuſammenſchluß von Stadt= und Landbevölkerung. —
Nach Worten des Vertreters der Preußenkaſſe, Frankfurt a. M.,
Direk=
tor Schotte, der zur Vorſicht am Kreditmarkt dringend mahnte,
ergriff
Verbandsdirektor Berg
das Wort zum Jahresbericht, aus dem wir unter anderem entnehmen:
Die Landwirtſchaft krankt an zwei Uebeln. Das eine iſt akuter
Natur, das ſind die Mißernten, das andere aber iſt chroniſch geworden,
das iſt der Wettbewerb der Landwirtſchaft mit beſſeren Böden,
länge=
rem Sommer, billigerer Arbeitskraft und beſſeren Abſatzmethoden, ſowie
der Verluſt der baren Betriebsreſerven durch die Inflation, die
drük=
kenden Steuer= und Zinslaſten und unverhältnismäßig hohen Löhne.
Weder dem einen noch dem anderen Uebel kann durch Kredit abgeholfen
werden. Auch mit den Schlagwörtern der Standardiſierung” und
„Dienſt am Kunden” iſt der Landwirtſchaft nicht gedient. Die
Abſatz=
frage iſt wohl eines der Mittel, und zwar ein nicht unweſentliches, aber
die Vorausſetzungen, für ihre Auswirkung müſſen nicht zuletzt durch
ſtaatliche Maßnahmen geſchaffen werden. Das Notprogramm der
Land=
wirtſchaft hat außer der Bereitſtellung von Umſchuldungskrediten noch
Mittel bereitgeſtellt zur Förderung des Abſatzes und zur
Vereinheit=
lichung des Genoſſenſchaftsweſens. Hieraus ſind bedeutungsvolle=
Aus=
gaben für die genoſſenſchaftliche Organiſation erwachſen. Dieſelben
wurden in dieſer Richtung unterſtützt durch die zuſtändigen Reichsſtellen
und die Landesregierung. Die Umſchuldungsaktion hat in Heſſen nicht
den gewünſchten Erfolg gebracht. Die Geſundung der finanziellen Lage
muß von innen heraus kommen durch eigene Kapitalbildung. Für die
Genoſſenſchaften lautet die Forderung: „Schafft Reſerven‟. Dies gilt
vor allem in der jetzigen Zeit der wirtſchaftlichen Unſicherheit.
Durch die Vereinheitlichung des landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchafts=
weſens ſoll dieſes in die Lage verſetzt werden, bei der geſpannten
Wirt=
ſchaftslag: den Aufgaben der Finanzierung des landwirtſchaftlichen
Per=
ſonalkredits und des Warenumſatzes in den hierfür zweckmäßigen
Orga=
niſationsformen gerecht zu werden. Die dringenden Probleme der
Standardiſierung der landwirtſchaftlichen Produkte ſowie der
Organi=
ſation des Abſatzes der landwirtſchaftlichen Erzeugniſſe kann die
deut=
ſche Landwirtſchaft nur mit Hilfe eines vereinheitlichten
Genoſſen=
ſchaftsweſens erreichen. Eine Einheitsorganiſation in jedem Land,
ein Verband, eine Zentralkaſſe und eine Zentralgenoſſenſchaft iſt im
In=
tereſſe der Landwirtſchaft und der ländlichen Bevölkerung unbedingt
anzuſtreben.
Mit den übrigen Organiſationen unterhält der Verband
freund=
ſchaftliche Beziehungen und hat im Vorjahr Anregung zur Bildung des
Freien Ausſchuſſes der heſſiſchen Landwirtſchaft gegeben, der inzwiſchen
wiederholt tagte. Eine Zuſammenarbeit der verſchiedenen
Intereſſen=
vertretungen iſt unbedingt erforderlich.
Von den 40 369 ländlichen Genoſſenſchaften im Deutſchen Reich ſind
26 170, alſo 64,7 Prozent, im Reichsverband der deutſchen
landwirt=
ſchaftlichen Genoſſenſchaften vereinigt. Von dieſen 2 170 entfallen
12994, das ſind 49 Prozent, auf die Spar= und Darlehnskaſſen. Heſſen
hat hieran ein Anteil mit 445 Kreditgenoſſenſchaften, das ſind 42,5
Pro=
zent des Geſamtbeſtandes. Die übrigen Genoſſenſchaftsgruppen
neh=
men im Gegenſatz zum Reichsdurchſchnitt einen größeren Teil, und zwar
545 Prozent, des Geſamtbeſtandes, in Anſpruch. Von den übrigen
haben die Abſatzgenoſſenſchaften für Milch und Obſt und Gemüſe im
Berichtsjahr ſtärkeren Zugang aufzuweiſen. Beachtenswert iſt die ſtarke
Intenſität des genoſſenſchaftlichen Warengeſchäfts, was allein aus der
verhältnismäßig großen Zahl von Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften
(377) hervorgeht.
Die Entwicklung der Kreditgenoſſenſchaften iſt als beſonders
er=
freulich zu bezeichnen, da ſie jetzt ſchon über 57,3 Prozent des
Friedens=
ſtandes an Spareinlagen und über 59,6 Prozent des Vorkriegsſtandes
an laufenden Rechnungseinlagen verfügen. Auch die Reſerven
betra=
gen bereits 57,4 Prozent des Vorkriegsſtandes. Die
Kreditgenoſſenſchaf=
ten haben ſich die Förderung des Kleinſparweſens beſonders angelegen
ſein laſſen. Eine wichtige Aufgabe erwächſt den Kreditgenoſſenſchaften
durch die Finanzierung der Abſatzorganiſation für landwirtſchaftliche
Erzeugniſſe.
Die Umſätze der Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften haben ſich auf
mindeſtens der gleichen Höhe wie im Vorjahre gehalten. Beſonders
bewährt hat ſich die Einführung der Düngertabellen, die den
Landwir=
ten Nichtlinien für eine zweckmäßige Anwendung von Kunſtdüngern
geben. — Die Dreſchgenoſſenſchaften fanden angeſichts der guten Ernte
reiche Betätigungsmöglichkeit, das gleiche galt auch für die
Winzergenoſ=
ſenſchaften. Die Milchabſatzorganiſation wurde in allen drei Provinzen
ſtark vorwärts getrieben. Beachtlich iſt die Herſtellung von
Marken=
butter, deren Kontrolle der Verſuchsanſtalt landwirtſchaftlicher
Genoſ=
ſenſchaften als milchwirtſchaftlicher Prüfungsſtelle der
Landwirtſchafts=
kammern Damſtadt. Kaſſel und Waldeck übertragen iſt. Die
neugegrün=
dete Südweſtdeutſche Molkereizentrale e. G. m. b. H. Darmſtadt hat die
Aufgabe in Verbindung mit den übrigen vier gleichartigen Zentralen
des Reiches für die deutſche Molkereiproduktion wieder den Markt zu
erobern. Die Obſt= und Gemüſeverwertungsgenoſſenſchaften haben auch
im Berichtsjahre tatkräftig weiter gearbeitet und den genoſſenſchaftlich
organiſierten Landwirten nicht unerhebliche finanzielle Vortele
ge=
boten. Auch die Entwicklung der Baugenoſſenſchaften und der ſonſtigen
dem Verband angeſchloſſenen Genoſſenſchaften iſt durchaus befriedigend.
Wenn auch die Genoſſenſchaftsarbeit in erheblichem Maße dazu
bei=
getragen hat, die Lage der Landwirtſchaft erträglicher zu geſtalten, ſo
ſind doch dieſer Tätigkeit gewiſſe Grenzen geſetzt. Keinesfalls dürfen die
geſunden kaufmänniſchen Grundſätze außer Acht gelaſſen werden, ſonſt
kann demienigen, der hilft, mehr Schaden zugefügt werden als
denieni=
gen, denen geholfen werden ſoll. Vorausſetzung erfolgreicher
genoſſen=
ſchaftlicher Arbeit iſt das verantwortungsbewußte Mitwirken der
Ver=
waltungsorgane in den einzelnen Gemeinden. Dabei muß jede
Ueber=
ſpannung in der Anwendung des Genoſſenſchaftsgedankens vermieden
werden. Wenn an den geſunden geſchäftlichen und genoſfenſchaftlichen
Grundſätzen feſtgehalten wird, dann kann auch das Genoſſenſchaftsweſen
in der Zukunft Erſprießliches leiſten.
An dieſen Bericht des Direktors Berg ſchloß ſich eine Ausſprache,
in der Generalanwalt Gennes für die Begrüßung dankte und
feſt=
ſtellt, daß die Rentabilität der Landwirtſchaft nicht allein durch die
Ab=
ſatzförderung hergeſtellt werden könne. Notwendig ſei aber auch die
Unterſtützung der Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe. Man müſſe
unbedingt zu einer Einheitsorganiſation der Landwirtſchaft kommen:
das gleiche gelte für das Genoſſenſchaftsweſen. Hier müſſen Garantien
gegeben werden, daß die Bereinigung auch in den Provinzen und
Län=
dern, wo die Hauptkriſtalliſationspunkte liegen, erfolge. Das däniſche
Genoſſenſchaftsweſen könne nicht unbedingt als Vorbild dienen, da dort
die Verhältniſſe anders liegen. Wir müßten in Ruhe weiterarbeiten,
wie dies in Heſſen bisher ſchon geſchehen ſei. — Gutsbeſitzer
Steuer=
nagel=Alsfeld tritt dafür ein, daß Oberheſſen unter allen Umſtänden
bei der Löſurng der Vereinheitlichungsfrage unbedingt bei der heſſiſchen
Organiſation verbleibe, zumal Heſſen urſprünglich der Ausgangspunkt
des ländlichen Genoſſenſchaftsweſens war. Oberheſſen habe keine
Ver=
anlaſſung, eine gut fundierte und geſunde Genoſſenſchaftsorganiſation
zu verlaſſen. — Oekonomierat Fritſch=Dilshofen berichtete über
ſeine Feſtſtellungen am Frankfurter Viehmarkt und empfiehlt, den
Aus=
bau des Viehabſatzes zu organiſieren. Der Markt müſſe auch mit
hoch=
wertiger Qualität beliefert werden. — Gutsbeſitzer Korell=
Boſen=
heim macht den Vorſchlag, die Beſtellungen von Viehbezug in
regelmäßi=
gen Zeitabſtänden zu ſammeln, damit das Geſchäft regelmäßig
durch=
geführt werden kann. — Oekonomierat Dettweiler= Laubenheim
weiſt auf die ſtarke Belaſtung der Genoſſenſchaften durch die
Gewerbe=
ſteuer hin und bittet den Verband um Ergreifung entſprechender
Maß=
nahmen; desgleichen betont Gutsbeſitzer Appel=Bubenheim die
er=
hebliche Mehrbelaſtung der Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften durch
den Hoprozentigen Abzug der Schulden bei der Gewerbeſteuer.
Verbandsdirektor Berg erwidert auf die Ausführungen über
eine eventuelle Vereinheitlichung mit der Naiffeiſenorganiſation, daß in
Heſſen noch keine Verhandlungen gepflogen wurden. Die Löſung des
Frage erſcheine ihm nicht ſchwierig, da der heſſiſche Verband über einz
weitaus größere Zahl von Genoſſenſchaften verfüge als Raiffeiſen; er
muß nach den Nichtlinien zur Aufnahmeorganiſation werden. Die
Ueber=
nahme finanzieller Laſten dürfe jedoch hiermit nicht verbunden ſein. —
Generalſekretär Dr. Strub beſtätigt die ſtarke Mehrbelaſtung durch
die Neuregelung der Gewerbeſteuer. Die Kreditgenoſſenſchaften ſeien
als Sparkaſſen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, anzuſehen und
deshalb von der Gewerbeſteuer freizuſtellen. Wo Veranlagung erfolgt
ſei, müſſe in jedem Einzelfall Einſpruch erhoben werden. Eine
Er=
leichterung für die Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften könne nur
ge=
ſchaffen werden durch Geſetzesänderung. Hierzu müſſe die Hilfe der
wirtſchaftspolitiſchen Parteien in Anſpruch genommen werden. Darauf
ſchloß der Vorſitzende die Ausſprache.
Profeſſor Dr. Gerloff=Frankfurt a. M. hielt anſchließend ein
intereſſantes Referat über:
„Finanzpolitiſche Gegenwartsfragen”.
Er ſtellte zunächſt die Steuergebarung von England und Amerika in
Vergleich zu Deutſchland. Dort halte man zu hohe Steuern für
ſchäd=
lich für die Kapitalbildung. Die Lage in Deutſchland ſei bekanntlich
ſehr gedrückt. Redner erläutert im einzelnen den Reichsetat für 1929,
der 10 Milliarden betrage, und beſprach die einzelnen Poſitionen. Seit
1924 ſeien alle Etatsziffern in kräftigem Steigen begriffen. Er wies
auf den Fehlbetrag von 500—600 Millionen hin. Im einzelnen
behan=
delte er die Einkommenſteuer. Während in Amerika ein Zwanzigſtel
der Bevölkerung an der Einkommenſteuer beteiligt iſt, ſeien es in
Deutſchland ſieben Achtel der Bevölkerung. Dort ſeien Einkommen
von 1500 bis 2500 Dollar für Verheiratete ſteuerfrei, 4000 Dollar
wür=
den mit 1,5 Prozent (1) belaſtet, die folgenden 4000 Dollar mit 3
Pro=
zent. Die Maximalſteuer betrage 25 Prozent. Dies ergebe das Bild,
daß 88,5 Prozent der Bevölkerung ſteuerfrei ſeien, während 11 Prozent
fünf Prozent des geſamten Steueraufkommens tragen, und der Reſt
des Steueraufkommens, alſo 95 Prozent, von 5 Prozent der
Bevölke=
rung (großen Geſellſchaften uſtp.) beſtritten werde. In Deutſchland
habe eine erhebliche Umlagerung des Vermögens ſtattgefunden. Redner
kam nun auf die Realſteuern, Steuern für Grundbeſitz und
Gewerbe=
betriebe und ſchließlich auf die Deckungsmaßnahmen für den Fehlbetrag
im Reichshaushalt zu ſprechen. Mit der Hoffnung, die Genoſſenſchaften
mögen ſich in der ſeitherigen Weiſe weiter entwickeln, ſchloß Referent
ſein ſehr beifällig aufgenommenes Referat. — Eine Diskuſſion
ent=
ſpann ſich nicht.
Es wurde nunmehr Punkt zwei dee Tagesordnung behandelt.
Generalſekretär Dr. Strub brachte die Jahresrechnung und Bilanz
zur Vorlage und erläuterte die einzelnen Poſitionen. Die Prüfung
der Jahresrechnung wurde durch die hierzu beſtimmte Kommiſſion
vor=
genommen und hatte keine Beanſtandungen ergeben. Der Ueberſchuß
ſoll dem Vorſchlag des Verbandsausſchuſſes entſprechend verteilt
wer=
den. Der Punkt fand einſtimmige Annahme. Desgleichen wurde unter
Punkt 3 der Tagesordnung die Entlaſtung des Verbandsdirektors und
des Engeren Ausſchuſſes bezüglich der Geſchäftsführung und
Jahres=
rechnung für 1928 ausgeſprochen. Dem Präſidenten wurde für ſeine
aufopfernde Tätigkeit der Dank der Verſammlung ausgeſprochen. Da
keine weiteren Wortmeldungen vorlagen, wurde gegen halb 2 Uhr die
Tagung, die in allen Teilen einen ſehr guten Verlauf genommen hatte,
geſchkoſſen.
Deutſche Inſekkenforſcher=Tagung in Gießen.
h. Gießen, 24. Mai.
Im Hörſaal der Landesuniverſität begann die dritte
Wander=
verſammlung Deutſcher Entomologen oder Inſektenforſcher.
Begrü=
ßungsenſprachen hielten: der Vorſitzende Dr. M. Dingler vom hieſigen
Forſtinſtitut, Univerſitätsrektor Prof. Dr. Herzog, Forſtrat Schuſter vom
Reichsernährungsminiſterium Berlir, Staatsrat Landforſtmeiſter Heſſe
namens der heſſiſchen Regierung, und Beigeordneter Dr. Hamm namens
der Stadt Gießen. Profeſſor Dr. Borgmann vom Forſtinſtitut Gießen
ſprach über praktiſche und angewandte Inſektenkunde. Sekretär Dr.
Horn=Berlin teilte in ſeinem Geſchäftsbericht mit, daß die Schaffung
eines Entomologiſchen Inſtituts für internationalen Dienſt nebſt
Bib=
liothek beabſichtigt ſei. Dem bekannten Ameiſenforſcher Pater Profeſſor
Dr. Wasmann=Aachen ſoll anläßlich ſeines 70. Geburtstages eine
Feſt=
ſchrift überreicht werden. Hieran ſchloſſen ſich die wiſſenſchaftlichen
Vorträge über alle Gebiete der Inſektenkunde und Inſektenforſchung,
über Sammlungen, Schädlinge, Verwandlung Bau, Färbung, uſw.
Heute nachmittag erfolgte eine Fahrt nach Wetzlar zur Beſichtigung
der Optiſchen Werke von E. Leitz. Heute abend fand im
Geſellſchafts=
hauſe ein Feſteſſen, zu Ehren der etwa 20 Gäſte ſtatt, es wurde von
der Stadt und der heſſiſchen Regierung geboten. Mit Rückſicht auf
den Tod des Stadtverordneten Profeſſor Dr. Krausmüller hatten
mehrere ſtädtiſche Vertreter abgeſagt. Die Begrüßung der Stadt ſprach
Bürgermeiſter Dr. Seib aus. — Eine große Inſekten=Ausſtellung iſt im
Phyſiologiſchen Inſtitut eingerichtet. Die ſehenswverten Sammlungen
umfaſſen Inſekten der verſchiedenſten Weltteile und der verſchiedenſten
Arten. Da die Ausſtellung unentgeltlich geöffnet iſt, erfreut ſie ſich
eines guten Beſuches. Die Tagung nimmt nächſten Sonntag mit einem
Ausflug in den Vogelsberg ihr Ende.
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IV 7372
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Gonntag, den 26. Mai 1929
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ruhiges Fahren."
„:.. der Wagen liegt glänzend in den Kurven,
und in recht schwierigen Situationen hat er
noch nie die Neigung zum Schleudern
ge-
zeigt."
Also absolute Sicherheit, deren Wert man
nicht hoch genug einschätzen kann, dazu ein
Grad von Wirtschaftlichkeit, der selbst einen
höheren Preis rechtfertigte, — es ist schon so,
der „Tatrac ist der Wagen des weitsichtigen
Der„Tatras Auto-Käufers.
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8. Juni 1929, 10 Uhr, einzureichen.
Darmſtadt, am 25. Mai 1929. (st8950
Städt. Hochbauamt.
Betreffend:
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fahren bezüglich
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ſtückes der Eheleute Louis
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Beſchluß.
Das Verfahren — K.: 1/1929 —
wird einſtweilen eingeſtellt. Der
Ver=
ſteigerungstermin vom 28. Mai 1929
wird aufgehoben.
Darmſtadt, den 23. Mai 1929.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Heſſen.
Stammholzverſteigerung des
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Kl. 4: 159 St. — 143,28 Im, Kl. 5: 61
St. — 74,12fm, Kl. 6: 27 St. — 52,81 fm.
Güteklaſſe R
Kl. 4: 1 Stück — 0,56fm, Kl. 5: 1 St.
— 0,99 fm, Kl. 6: 2 St. — 2,99 fm.
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— 6,05 im, Kl. 3: 8 St. — 4,38 im,
Kl. 4: 4 St. — 2,86 fm.
Erlen=Abſchnitte:
Güteklaſſe N"
Kl. 2: 1 Stück — 0.49 fm.
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Kl. 3: 3 Stück — 1,80 im, Kl. 4: 1 St.
— 0,38 fm.
Kiefern=Abſchnitte:
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— 8,93 im, Kl. 4a: 4 St. — 4,82 fm,
Kl. 4b: 2 St. — 2,61 im, Kl. 5: 3 St.
— 5,04 im, Kl. 6: 1 St. — 1,81 fm.
Güteklaſſe N
Kl. 2a: 229 St. — 89,21 fm, Kl. 2b 300
St. — 164,90 im, Kl. 3a: 139 St. —
101,00 fm, Kl. 3b: 48 St. — 42,99 fm,
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Fichten=Abſchnitte:
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St. — 2,99 im, Kl. 2a: 1 St. — 0,58 fm,
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Darmſtadt, den 25. Mai 1929. (8928
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wirtſchaftlichen Vereinigungen der
land=
wirtſchatflichen Arbeitgeber und
Arbeit=
nehmer des Bezirks aufgefordert, bis
zum 8 Juni d. J. Vorſchlagsliſten für
die Beiſitzer und Stellvertreter des
Fach=
ausſchuſſes hierher einzureichen. Zu
be=
ſetzen ſind je 3 Sitze für Arbeitgeber
und Arbeitnehmer. Für jeden Beiſitzer
iſt gleichzeitig ein Stellvertreter
vorzu=
ſchlagen. Auf § 27 des Geſetzes wird
verwieſen.
Ich bitte die wirtſchaftlichen
Ver=
einigungen, unter ſich je eine
Einheits=
liſte für die Arbeitgeber= und
Arbeit=
nehmervorſchläge zu vereinbaren;
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Arbeitgebervereini=
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Conntag, den 26 Mai 1920
Nummer 144
Seite 10
Reich und Ausland.
Einzelhandelskundgebung in Kaſſel.
Am Mittwoch, den 29. Mai 1929, findet in
Ver=
bindung mit einer Vorſtandsſitzung abends 8,30 Uhr
in der Stadthalle in Kaſſel eine mitteldeutſche
Einzel=
handelskundgebung ſtatt, mit folgender
Tagesord=
nung: Begrüßung durch Herr Künkele,
Einzelhandels=
verband für Heſſen, Waldeck und Nachbargebiete,
Kaſſel, Anſprache des Vorſitzenden der
Hauptgemein=
ſchaft des Deutſchen Einzelhandels, Herrn Heinrich
Grünfeld: „Einz lhandel und Konjunktur”. In
Aus=
ſicht genommen, iſt eine Anſprache des Herrn Dr.
J. van Norden, Einzelhandelsverband für Rheinland
und Weſtfalen, über Bildungsfragen im Einzelhandel,
ferner ein Vortrag des Herrn Dr. Kallweit,
Syn=
dikus des Einzelhandelsverbandes für Heſſen,
Wal=
deck und Nachbargebiete, über Arbeitsleiſtung und
Arbeitszeitgeſetzgebung im Einzelhandel.
Schluß=
vort des Herrn Oberregierungsrat Dr. Tiburtius,
Geſchäftsführendes Vorſtandsmitglied der
Hauptge=
meinſchaft des Deutſchen Einzelhandels. Außerdem
hält der Arbeitsausſchuß für Sozialpolitik und
Ar=
beitsrecht eine Sitzung ab, in der über
Ortskranken=
kaſſen. Innungskrankenkaſſen, Betriebskrankenkaſſen
und Vorſchläge zur Reform der
Reichsverſicherungs=
ordnung bezüglich der zuläſſigen Kaſſenarten beraten
wird. Der Ausſchuß für Betriebsführung im
Einzel=
handel wird am 30. Mai 1929 zur zukünftigen
Ge=
ſtaltung der Verkaufsberatung der Hauptgemeinſchaft
des Deutſchen Einzelhandels Stellung nehmen.
Zu dem Brande in der Feudenheimer
Dampfmühle.
Mannheim. Der durch das Großfeuer in der
letzten Nacht und das Löſchwaſſer verurſachte
Scha=
den bei dem Brande der Feudenheimer Dampfmühle
von Sprengel u. Sohn beträgt nach Angabe des
Be=
ſitzers 100—110 000 Reichsmark.
Engliſcher Luftſchiffbeſuch in Deutſchland.
Friedrichshafen. Wie eine engliſche
Preſſe=
agentur wiſſen will, wird nach Fertigſtillung des
eng=
liſchen Luftſchiffes R. 108 dieſes Deutſchland einen
Beſuch abſtatten, der mit einem Gegenbeſuch des
deutſchen Luftſchiffes „Graf Zeppelin” beantwortet
werden wird.
Brand in einem Münchener Vorort.
Drei Feuerwehrleute verletzt.
München. In dem Münchener Vorort Ober=
Menzig brach in einem Anweſen Feuer aus, das raſch
große Ausdehnung annahm. Beim Erſcheinen der
Feuerwehr ſtanden bereits Scheune, Stadel und
Wohnhaus in Flammen. Durch den Einſturz einer
Giebelmauer wurden drei Feuerwehrleute ſo ſchwer
verletzt, daß ſie in ein Krankenhaus gebracht werden
mußten. Das Anweſen brannte bis auf den Grund
nieder.
Elſavatalbahn.
Seit Beſtehen der Bahnlinie Obernburg—
Heim=
buchenthal wurde es von Speſſartwanderfreunden als
ein Mangel empfunden, daß der erſte Zug Sonntags
erſt in Heimbuchenthal ankam, als die Sonne ſchon
hoch ſtand und, da alle Wanderungen im Elſavatal
mit beträchtlichen Bergſteigungen beginnen, dieſe bei
der Hitze ſehr beſchwerlich wurden. Erfreulicherweiſe
hat die Reichsbahndirektion für dieſen Sommer einen
Frühzug Obernburg ab 6,40 Uhr und Heimbuchenthal
an 7.29 Uhr eingelegt. Es iſt ſomit Gelegenheit
ge=
boten, den wunderbaren Hochſpeſſart ſchon in den
kühlen Morgenſtunden zu erreichen. Zu wünſchen
wäre aber, daß dieſer Zug von allen Speſſartfreunden
recht ſtark benutzt wird, damit er erhalten bleibt.
Großer Schaden durch Hagelſchlag.
Hamburg. Ein ſtarkes Gewitter mit
außer=
ordentlich heftigem Hagelſchlag entlud ſich am
Frei=
tag abend gegen 7 Uhr in der Gegend von
Finken=
wärder, Buxtehude, Horneburg und im alten Lande.
Die Hagelſchloßen, die in rieſigen Mengen
nieder=
gingen, waren von außergewöhnlicher Größe. Die
Straßen waren im Nu überſät von abgeſchlagenen
Aeſten und Laubwerk. Vielfach wurden Dachfenſter
und Scheiben in den Treibhäuſern glatt
durch=
ſchlagen. Der ſchwere Hagelſchlag hat auch großen
Schaden an der Baumblüte und an den
Feld=
früchten angerichtet.
Großfeuer in Holzminden an der Weſer.
Hannover. Am Freitag abend brach aus
bis=
her noch nicht geklärte Weiſe ein Brand in der
Dachpappenfabrik in Holzminden aus. Das Feuer
gewann im Augenblick eine rieſige Ausdehnung und
hatte bei Eintreffen der Feuerwehren den größten
Teil der Fabrik ergriffen. Große Vorräte an Teer
und anderem Fabrikationsmaterial ergoſſen ſich
brennend in breiten Strömen von der erhöht
gelege=
nen Fabrik auf die Straßen und bedrohten die
Nach=
bargebäude, ſo daß die Feuerwehr unter größter
An=
ſtrengung Dämme gegen die brennende Maſſe
auf=
werfen mußte. Sämtliche Fabrikgebäude brannten
bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden iſt
bedeutend und ließ ſich bis zur Stunde noch nicht
abſchätzen.
Ein norwegiſches Wikinger=Schiff auf der
Weltreiſe.
Mitte Mai hat ein nach altem Vorbilde erbautes
Wikinger=Schiff unter Führung des Norwegiſchen
Kapitäns Folgerö und mit ſieben Mann Beſatzung
Norwegen verlaſſen, um eine Weltreiſe zu
unter=
nehmen, Kapitän Folgerö hat bereits früher eine
Reiſe mit dem Wikinger=Schiff „Leif Erikſon” über
den Atlantiſchen Ozean unternommen. Das jetzige
Boot heißt „Roald Amundſen” und iſt 60 Fuß lang.
Zunächſt werden einige norwegiſche Häfen angelaufen.
Alsdann Gotenburg, Kopenhagen, Stettin, Hamburg,
London, Paris, Liſſabon, Sevilla, Barcelona, Algier,
Marokko, Madeira, Nord=Broſilien und um Süd=
Amerika herum nach San Franzisko und zurück durch
den Panamakanal nach Drontheim, das im Sommer
1930 erreicht werden ſoll, zu einer Zeit alſo, wo die
Feſtlichkeiten des Stadtjubiläums von Drontheim
ſtattfinden.
Bankraub bei New York.
NewYork. In dem New York benachbarten,
im Staate New Jerſey gelegenen Eaſtorange haben
fünf mit Revolvern bewaffnete Banditen vormittags
in einem ſehr verkehrsreichen Ortsteil eine
Nieder=
laſſung der Eaſtorange Truſt Company überfallen,
die Angeſtellten und zufällig anweſende Kunden, im
ganzen zehn Perſonen, genötigt, ſich mit erhobenen
Händen an die Wand zu ſtellen, und etwa 50 000
Dollar geraubt, mit denen ſie unbehelligt entkamen.
Skädkebauer bebauk.
Angorn woiie barc einen dent
Blick auf Angora. — Rechts: Profeſſor Hermann Janſen.
Die Hauptſtadt der Türkei Angora hat für ihren Bebauungsplan den bekannten deutſchen
Städte=
bauer Prof. Janſen=Berlin gewonnen. Prof. Janſen feiert am 28. Mai d. J. ſeinen 60. Geburtstag.
Vorbereikungen zum erſten Ausgang des Papftes.
Ein Blumenteppich vor dem Vatikan.
Am 30. Mai wird der Papſt zum erſten Male den Vatikan verlaſſen, um die
Fronleichnamsprozeſ=
ſion auf dem Petersplatz zu führen. Seit 1870 hat kein Papſt den Vatikan verlaſſen.
Umfang=
reiche Vorbereitungen werden getroffen, um dieſem Ereignis eine beſondere Weihe zu geben. So
wird ein ſchönes Moſaik aus Blumen angelegt auf dem Wege, über den der Prozeſſionszug führen wird.
Krieg im Frieden. — Ein für Manöverzwecke gebaukes Zieldorf zerſchoſſen.
Bombardement eines Zieldorfes durch franzöſiſche Flieger.
Das Hauptſtück des großen Flugfeſtes in Vincennes bei Paris war die Bombardierung eines zu
dieſem Zwecke aufgebauten Dorfes durch franzöſiſche Fluggeſchwader. 500 000 Zuſchauer konnte
ſo die Schrecken des kommenden Krieges von ſicherem Platze aus betrachten und feſtſtellen, mi
welcher Treffſicherheit die Flieger ſich ihrer Aufgabe entledigten.
Eine verhängnisvolle Verwechſlung.
Regensburg. Ein Steuermann einer hieſigen
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft gab einem Kollegen zur
Stillung von Magenſchmerzen anſtatt Bitterſalz
irr=
tümlicherweiſe Bariumchlorid. Der Mann und die
Frau eines Matroſen nahmen eine kleine Menge
dieſes Salzes, worauf ſich bei beiden
Vergiftungs=
erſcheinungen zeigten, die ihre Ueberführung ins
Krankenhaus notwendig machten, wo der Mann
be=
reits geſtorben iſt. Die Frau befindet ſich wieder auf
dem Wege der Beſſerung. Der Steuermann, der das
verhängnisvolle Gift verabreicht hatte, wurde dem
Unterſuchungsrichter vorgeführt.
Mordprozeß gegen einen Sechsjährigen.
London. Im Mittelpunkt des Intereſſes ſteht
hier der außergewöhnliche Fall eines ſechsjährigen
Knaben, der von einem Londoner Gericht des
Tot=
ſchlages ſchuldig befunden und dazu verurteilt
wor=
den iſt, 15 Jahre in einer Beſſerungsanſtalt zu
ver=
bringen. Der Junge war beſchuldigt, einen
acht=
ährigen Kameraden beim Streit um den Beſitz eines
Stück Eiſens mit dem Gewehr ſeines Vaters
er=
ſchoſſen zu haben. Während der Gerichtsverhandlung
ſpielte der junge Angeklagte gänzlich unbekümmert
mit einigen gleichaltrigen Kameraden in einem der
Gerichtsſäle.
* Geheimnis um Hugo Skinnes.
Zu Beginn der nächſten Woche findet in Berlin
die Hauptverhandlung gegen Hugo Stinnes jun. ſtatt,
der bekanntlich beſchuldigt wird, an dem Schwindel
mit Kriegsanlcihen beteiligt geweſen zu ſein. Es iſt
bisher üblich geweſen, daß vor derartigen Prozeſſen,
die die Allgemeinheit faſt ſtets in erheblichem Maße
intereſſieren, von amtlicher Stelle aus der Preſſe
authentiſche Mitteilungen über den Umfang der
An=
klage und über ihre weſentlichen Punkte zu geben.
Auch diesmal hatte die Juſtizprozeßſtelle in Berlin
eine derartige informatoriſche Sitzung einberufen,
Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, die in den
kommenden Terminen auftreten werden, waren dazu
erſchienen. Als der Vorſitzende in die Materie
ein=
gehen wollte, erbat einer der Stinnesverteidiger das
Wort. Er verwies auf die Vorſchrift der
Strafprozeß=
ordnung, wonach es verboten iſt, Anklageſchriften
oder Teile daraus vor der Hauptverhandlung zu
ver=
öffentlichen. Stinnes würde durch die einſeitige
Dar=
ſtellung des Prozeßſtoffes, wie ihn die
Staatsanwalt=
ſchaft in der Anklageſchrift zuſammengeſtellt hat, in
Beruf und Anſehen ſchwer geſchädigt werden.
Des=
wegen erhebe er Einſpruch gegen die ungeſetzliche
Veröffentlichung. Die Sitzung mußte daher
abge=
brochen werden. Der Verweis auf das Geſetz durch
den Verteidiger iſt allerdings richtig. Nur hat ſich
ſeit Jahren in der Praxis eine andere
Behandlungs=
art herausgebildet, die ſchon wieder ſo etwas wie
Gewohnheitsrecht geworden iſt. Es dürfte überall in
Deutſchland längſt üblich geworden ſein, daß bei
großen Prozeſſen die Allgemeinheit ſachlich
infor=
miert wird, um ſo eher und beſſer dem
Prozeßver=
lauf folgen zu können. Das Vorgehen des
Vertei=
digers des jungen Stinnes iſt daher eher unſachlich zu
nennen, jedenfalls nützt es dem Mandanten nichts,
der in der Oeffentlichkeit in den Verdacht gerät, es
müßten doch ſchlimme Dinge in der Anklageſchrift
ſtehen. Und oft iſt der erſte Eindruck der
nach=
haltigſte.
Verleihung der Leipziger Meßplakette.
Die für beſondere Verdienſte um die Leipziger
Meſſe geſchaffene Maßplakette iſt dem Ehrenamtlichen
Vertreter des Leipziger Meßamts für den Freiſtaat
Danzig, Erich Stumpf, verliehen. Erich Stumpf,
Inhaber der Firma Moritz Stumpf u. Sohn in
Danzig, konnte jetzt nicht nur das 125jährige
Be=
ſtehen ſeiner Firma, ſondern auch das Jubiläum
ſeiner zehnjährigen ehrenamtlichen Vertretertätigkeit
für das Meßamt feiern.
Zahlreiche Opfer eines Wolkenbruches
in Rußland.
Kowno. Wie aus Moskau berichtet wird, iſt am
Freitag morgen über die Stadt Dnjepeopetrowſk ein
Wolkenbruch niedergegangen. Ein großer Teil der
Stadt ſteht unter Waſſer. Nach amtlichen
Feſt=
ſtellungen hat das Unglück bisher 12 Todesopfer
gefordert. Man rechnet aber mit einer Erhöhung
der Zahl der Opfer.
Wolkenbruchkataſtrophe in Beſſarabien.
Bukareſt. In der Nacht zum Freitag iſt im
ſüdlichen Beſſarabien ein ſchwerer Wolkenbruch
nie=
dergegangen, dem zahlreiche Menſchen zum Opfer
fielen. Die Zahl der Toten konnte bis jetzt noch nicht
feſtgeſtellt werden. Viele Häuſer ſtehen unter Waſſer.
Zwei Eiſenbahnunglücke bei Poitiers.
Paris. Als der Schnellzug Paris-Bordeaux
in den Abendſtunden des Freitag mit ſeiner
Höchſt=
geſchwindigkeit die Stadt Poitier verlaſſen hatte,
be=
merkte der Lokomotivführer, daß zahlloſe Steine
gegen die Wagen des Zuges praſſelten. Er forſchte
nach den Gründen und entdeckte, daß die Vorderachſe
der Lokomotive aus dem Gleiſe geſprungen war und
ſich bereits auf einer Länge von 2 Kilometern zwiſchen
den Schienen eine tiefe Spur gegraben hatte.
Geiſtes=
gegenwärtig brachte er den Zug ſofort zum Halten.
Ein Hilfszug wurde aus einer benachbarten Stadt
beordert, der mit Höchſtgeſchwindigkeit heranbrauſte.
Plötzlich bemerkten die Infaſſen des Zuges, daß eine
Feuergarbe über den Zug niederregnete und rieſige
hohe Blöcke durch die Luft flogen. Man glaubte
einem Vulkan beizuwohnen. Die Notbremſe wurde
gezogen und der Zug kam langſam zum Stehen.
Alles ſtürzte zur Lokomotive und machte die
Ent=
deckung, daß der Keſſel geplatzt und das Vorderteil
der Lokomotive eingedrückt war, und daß das Waſſer
von allen Seiten herausfloß. Von der
Lokomotiv=
beſatzung war zunächſt keine Spur zu entdecken, bis
lautes Stöhnen die Anweſenden darauf aufmerkſam
machte, daß der Lokomotioführer und der Heizer
800 Meter weit ſchrecklich verſtümmelt und
blutüber=
ſtrömt auf dem Bahndamm lagen. Während der
eine mit zertrümmerter Wirbelſäule ſofort tot war,
wurde der andere mit eingedrücktem Schädel in
hoff=
nungsloſem Zuſtande ins Krankenhaus eingeliefert.
Gaſtgeſchenke Mailand-Berlin.
Der zurzeit anläßlich der Gaſtſpiele der Mailä
der Scala in Berlin weilende Bürgermeiſter v.
Mailand, Marcheſe Guiſeppe de Capitani d’2
kago, hat im Auftrage ſeiner Stadt dem B
liner Oberbürgermeiſter Dr. Guſtav Böß für d
Stadt Berlin eine große ſilberne Schale üb
reicht. Die Stadt Berlin hat die Aufmerkſamk
Mailands mit einem Gemälde des Malers Er=
Neuſchul erwidert. Unſer Bild zeigt die wund
volle ſilberne Schale der Stadt Mailand
Nummer 144
Conntag, den 26. Mai 1929
Seite 41
Spor Shlet und Tarnen,
Zußball.
Polizei Heſſen — Polizei Rheinland=Weſtfalen.
Zu dem heute nachmittag 4 Uhr auf dem Polizeiſportplatz
ſtattfin=
denden Vorrundenſpiel um die Deutſche Polizei=Fußballmeiſterſchaft hat
Heſſen nun nachſtehende Mannſchaft aufgeſtellt:
Hüppe
Matthes
Metſch
Stephan
K. Bauer
Kaiſer
Bönſel Kaſpar
Kuhl Heck Eisfeller.
Mit dieſer Elf hofft man Heſſens ſtärkſte Vertretung auf die Beine
gebracht zu haben. Inwieweit dieſe Annahme richtig oder verfehlt iſt,
kann nur das Spiel ſelbſt entſcheiden. Hoffen wir, daß ſich beide
Par=
teien einen Kampf liefern, der ihvem ſportlichen Anſehen zur Ehre
ge=
reicht. Der Beſſere möge ſiegen.
Rol-Weiß, V. ſ. R. — Polizei Wiesbaden.
Am Sonntag begibt ſich Rot=Weiß, V.f.R. mit ſeiner Liga und
Liga=
reſerve nach Wiesbaden, um gegen die dortige Polizei die Rückſpiele
auszutragen. — Von den Spielen der Jugendmannſchaften intereſſiert
in erſter Linie das Spiel SpV. 98 1. Jugend — Rot=Weiß 1. Jugend,
halb 10 Uhr Böllenfalltor. Die 2. Jugend Rot=Weiß trifft um 10 Uhr
an der Rheinallee auf SpV. 98 2. Jugend.
Sporkverein 1898 Darmſtadk.
Für den morgigen Sonntag iſt wiederum ein reichhaltiges
Programm vorgeſehenz mit Ausnahme der Fußball=Liga ſind
alle Mannſchaften beſchäftigt. Die neue Meiſtermannſchaft
kann ſich der verdienten Ruhe hingeben und neue Kräfte für die
voraus=
ſichtlich am 2. Juni beginnenden Aufſtiegsſpiele ſammeln. Die
Liga=
erſatzmannſchaft der Fußballer ſpielt in Langen gegen die dortige
Liga=
erſatz, während die 2. aktive Mannſchaft ihr letztes Verbandsſpiel gegen
Dornheim in der ſo ſiegreich beſtrittenen Runde auf eigenem Platze
(1,30 Uhr) austrägt. Die Juniorenmannſchaft tritt in Frankfurt der
1. Mannſchaft des FC. Union gegenüber.
Sportverein 1898 (Jugend).
Junioren — Junioren Niederrad, dort; 1. Jugend — 1. Jugend
Eberſtadt, dort, Abfahrt mit Rad 9,15 Uhr Beſſunger Turnhalle; 2. Jgd.
— 2. Jgd. Arheilgen, dort, Treffpunkt 3411 Uhr Arheilger Mühlchen;
3. Jugend — 2. Jugend VfR.=Rot=Weiß, dort, 3411 Uhr; 4. Jugend —
1 Jugend Meſſel, ½2 Uhr Stadion; 1a Schüler — 1. Schüler Meſſel,
dort, Abfahrt 1,15 Uhr Hauptbahnhof; 1b Schüler — 1. Schüler
Gries=
heim, dort, Abfahrt mit Rad 9,15 Uhr Feſthalle; 2. Schüler — 1. Schül.
Dieburg, dort, Abfahrt 7,30 Uhr Hauptbahnhof; 3. Schüler — 2. Schüler
Meſſel, halb 3 Uhr, Stadion.
FC. Union 1913 e. V. — Turn= u. Sporkv. Raunheim.
Die Verbandsſpiele 1928/29 haben nunmehr ihr Ende erreicht.
Sämtliche Vereine haben ſchon lange auf dieſen Moment gewartet,
um ſich für das neue Verbandsjahr genügende Kräfte heranzuziehen
und dem Mannſchaftsbilde die nötige Stärke zu geben. Union begibt
ſich zum erſten Freundſchaftskampf nach Raunheim. Das Vorſpiel
konnte Union ganz knapp gewinnen, und geht deshalb am kommenden
Sonntag keinen leichten Gang, umſomehr als man auch junge Kräfte
mitnehmen will. Es bleibt daher abzuwarten, wie ſich die Elf bei
dieſem Kampfe finden wird und wie ſich evtl. neue Kräfte dem
Mann=
ſchaftsganzen anfügen. Raunheim ſtellt eine körperlich kräftige und
flinke Mannſchaft ins Feld, die auf eigenem Platze den Sieag nicht laſſen
will. Hoffen wir, daß nunmehr alle Härten bei den Freundſchaftsſpielen
verſchwinden und man dadurch unſerem Sporte weitere Anhänger
zu=
führt. Unions Liga=Reſervemannſchaft trifft ſich mit der zweiten Elf der
hieſigen Hochſchule auf dem Hochſchulſportplatz. Hier wird man
eben=
falls ein Werbeſpiel zu ſehen bekommen, ſo daß man den Sieger nicht
im voraus bezeichnen kann, umſomehr, als man in letzter Zeit ſehr
wenig von der Hochſchulmannſchaft gehört hat. — Unions Juniorenelf
iſt dieſen Sonntag ſpielfrei.
Turn= und Sp.V. Meſſel e. V.
Am erſten Pfingſtfeiertag war die 1. Privatelf des V.f.R.
Mann=
heim Geguer der 1. Elf des Turn= und Sp.V. Meſſel. Nach einem
tech=
niſch hochſtehenden Spiel ſiegte Mannheim 3:2 (1:1). Mannheim
zeigte ein beſtechendes Zuſammenſpiel, welchen Vorteil Meſſel durch
größeren Eifer und Schnelligkeit ausglich. Nah dem Spiel vereinte
man ſich zu einom gemütlichen Beifammenſein. Am Morgen des zweiten
Tages fuhr die V.f.R.=Mannſchaft nach Offenthal, um dort ihr zweites
Spiel auszutragen. Allerdings fehlten hier der glänzende Mittelläufer
und Halbrechte des erſten Tages, welche ſihon am Abend des 1.
Pfingſt=
tages nach Hauſ= mußten. Mannheim verlor in Offenthal
unver=
dient 3:4. Der Schiedsrichter, ein Herr aus Offenthal, benachteiligte
Mannheim ſtark. Am Abend des 2. Tages war die Mannſchaft des
V.f. R. Mannheim wieder Gaſt des Turn= und Sp V. Meſſel. Die
Mann=
ſchaft ſchied mit dem Wunſche, uns nächſtes Jahr in Mannheim zu
be=
grüßen. — Weitere Spiele des 1. Pfingſttages: Meſſel 2. Elf—Ober=
Ramſtadt 2. Elf 1:1. Kurz vor Halbzeit wurde das Spiel abgebrochen.
MMeſſel 1 Schüler—Pfungſtadt 1. Schülen (Pfungſtadt nicht angetreten).
(2:0). Meſſel 1. Elf—Egelsbah 1 Elf 0:3 (0:0). Egelsbach ſiegte
ver=
dient, aber eiwas zu hoch. Meſſels ſchwacher Sturm konnte ſich gegen
die ſtarke Hintermannſchaft nicht durchſetzen. Der Schiedsrichter, ein
Herr aus Dieburg, befriedigte.
FC. Chattia 09 Wolfskehlen B=Meiſter Gau Bergſtraße.
Nachdem das Vorſpiel um die Gaumeiſterſchaft der beiden
Ab=
teilungsmeiſter Wolfskehlen und Erbach am 12. Mai mit 9:5 von den
Chatten gewonnen war, ſtieg am 2. Feiertag im Erbacher Stadion das
Rückſpiel. Von faſt 100 begeiſterten Anhängern begleitet, konnte
Wolfs=
kehlen mit einem 2:1 (1:1) Sieg den Titel an ſich bringen. Von
Be=
ginn des Spiels an zieht Erbach mächtig los und kann auch bald nach
Fehlſchlag des linken Gäſteverteidigers die Führung erringen.
Wolfs=
kehlen drängt nun zum Ausgleich, der auch bald durch Hammann 3.
ge=
lingt. Nach Wiederanſtoß ſetzt Erbach alles ein, um ein 3.
Entſcheidungs=
ſpiel nötig zu machen, aber die Gäſte erzielen zwei Minuten vor Schluß
durch Krummeck das Siegestor. Herr Schad=Plankſtadt konnte nicht
im=
mer als Unparteiiſcher gefallen. Die junge, noch entwicklungsfähige
Wolfskehler Elf wird es bei geeigneter Anleitung auch in der A=Klaſſe
zu Erſprießlichem bringen.
Darmſtädter Sporkkalender.
Sonntag, den 26. Mai 1929.
Handball.
2,30 Uhr: Tgde. Darmſtadt — T. V. Worfelden (am Oſtbahnhof).
2,30 Uhr: Rb. T. u. Sp. V. Darmſtadt — Wiesbaden.
3,00 Uhr: Pol. Sp. V. Damen — Groß=Gerau.
Fußball.
3,30 Uhr: Rot=Weiß — B.S.C. Oberrad (Rheinallee).
4,00 Uhr: Polizei Heſſen — Polizei Rheinland (Pol. Sp.=Platz).
Sporilverveigoche ues no Beiß, B./.n.
vom 2. bis 9. Juni 1929.
In der Zeit vom Sonntag, den 2. Juni, bis zum Sonntag, den
9. Juni, veranſtaltet der Rot=Weiß=VfR. Darmſtadt eine große
Sport=
werbewoche (ſiehe morgige Anzeige). Sämtliche Abteilungen des
Ver=
eins haben ſich in den Dienſt der Sache geſtellt, um eine großzügige
Ver=
anſtaltung durchführen zu können. Alle von Rot=Weiß betriebenen
Sport=
arten werden dabei ausgiebig zu Worte kommen. Fußball, Handball,
Leichtathletik, Schwimmen, Wafferball, Paddeln, Boxen uſw. werden in
dem Programm vertreten ſein, das demnächſt an dieſer Stelle
veröffent=
licht wird. Für die Ligamannſchaften wurden namhafte Gegner
ver=
pflichtet. Aber in erſter Linie ſoll bei dieſer Sportwoche die Jugend zu
ihrem Recht kommen. Deshalb iſt kein Tag ohne eine
Jugendveranſtal=
tung gedacht. Daneben werden ſich noch die Junioren und Alten
Her=
ren an der Sportwoche beteiligen. — Von den Vereinen, die teils in
raſenſportlicher, teils in waſſerſportlicher Beziehung mitwirken, ſeien
hier genannt: Sportverein 98, Polizeiſportverein Darmſtadt,
Schwimm=
klub Jungdeutſchland, Spielvereinigung Arheilgen, SV. Mainz 05, Spv.
Mainz=Kaſtel, 1. Aſchaffenburger Boxklub u. a. — Der Zweck der ganzen
Sportwoche iſt, die Jugend für die edle Sache des Sportes zu begeiſtern.
Hoffen wir, daß der feſtgebende Verein mit ſeiner Veranſtaltung den
gewünſchten Erfolg hat. Wir kommen auf dieſe Sportwoche noch
ein=
gehend zurück.
Handball.
Turngde. 1846 Darmſtadt — Turnverein Worſelden.
Am heutigen Sonntag finden ſich obige Mannſchaften auf dem
Sportplatz am Oſtbahnhof nachmittags 2,30 Uhr zu einem Freundſchafts=
Rückſpiel gegenüber. Worfelden iſt eine gute, techniſch hochſtehende
Mannſchaft und wird den Darmſtädtern ſehr zu ſchaffen machen. Das
Vorſpiel endete 2:2. Worfelden wird alles daranſetzen, um günſtig
ab=
zuſchneiden. Jedenfalls iſt der Beſuch beſtens zu empfehlen. — Vorher
treffen ſich Darmſtadts 3. Mannſchaft und die 1. Mannſchaft von Nieder=
Ramſtadt. Darmſtadt, das die C=Meiſterſchaft erringen konnte, und
nunmehr B=Klaſſe ſpielt, muß ſich daher ernſtere Gegner verpflichten
um zu ſehen, wie es gegen gute Vereine abſchneidet. Auch der Beſuch
dieſes Spieles dürfte ſich lohnen.
Schwimmen.
Turngemeinde 1846, Schwimmabkeilung.
Der Winterſchwimmbetrieb der Schwimmabteilung der Tgde. 1846
für 1928/29 im hieſigen Hallenbade ſchließt mit den Schwimmſtunden am
Montag, den 27. Mai, abends halb 8 Uhr. Der für den Abſchluß
vor=
geſehene Mannſchaftskampf mit der Schwimmabteilung des Mannheimer
Turnvereins von 1846 mußte infolge Abfage der Mannheimer
Turn=
brüder auf den nächſten Herbſt verlegt werden.
Als Auftakt für das Sommerſchwimmen unternahm die Abteilung
am 2. Pfingſtfeiertag bei guter Beteiligung einen Ausflug nach dem
Altrhein. Und nun verlegt die Abteilung mit der kommenden Woche
ihren Schwimmbetrieb an den großen Woog. Die Schwimmſtunden für
die Schwimmer der hieſigen Turnvereine ſind feſtgeſetzt auf Montags
abends ab 7 Uhr und Donnerstag abends ab 5,30 Uhr. Während des
Sommers wird die Schwimmabteilung der Tgde. 1846, wie alljährlich,
im Hallenbad ebenfalls eine Schwimmſtunde beibehalten, und zwar
Mitt=
woch abends. Die Eröffnung der Schwimmſtunden im Großen Woog
bildet das Anſchwimmen, zu dem ſich die Schwimmabteilung der Tgde.
1846 heute, Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Woog einfindet. Alle
ſchwimmkundigen Mitglieder der Tgde. 1846 werden hiermit zur
Teil=
nahme aufgefordert.
Kommt zum Schwimmen! Es iſt das Ideal aller Leibesübungen
und wirkt hervorragend günſtig auf die Geſundheit. Seine volle
Bedeu=
tung hat das Schwimmen aber im Freien, in Sonne, Licht und Luft.
Alle Freunde des Schwimmens ſeien hiermit aufgefordert, ſich in die
Schwimmriegen der Deutſchen Turnerſchaft einzugliedern. Für
diejeni=
gen, die das Schwimmen erlernen wollen, iſt bei der Tgde. 1846
Ge=
legenheit geboten, ſich dem in aller Kürze beginnenden
Schwimmunter=
richt anzuſchließen.
Wafſerballſpiele.
Mit dem Beginn des Sommerſchwimmbetriebes ſetzen auch im
Ge=
biet des Mittelrheinkreiſes der D.T. die Waſſerballrundenſpiele zur
Er=
mittelung des neuen Kreismeiſters ein. In die Sonderklaſſe des Kreiſes
wurden neben Frankfurt und Hanau die 1. Mannſchaften der Tgde.
1846 Darmſtadt und der Tgſ. 1875 eingereiht. Der erſchienene Spielplan
weiſt in der Vorrunde folgende Mannſchaftspaarungen auf:
Tgde. Hanau gegen Tv. 1860 Frankfurt; Tgde. 1846 Darmſtadt
gegen Tgſ. 1875 Darmſtadt; Tv. 1860 Frankfurt gegen Tgde. 1846
Darmſtadt; Tgſ. 1875 Darmſtadt gegen Tgde. Hanau; Tgde. 1846
Darmſtadt gegen Tgde. Hanan; Tv. 1860 Frankfurt gegen Tgf. 1875
Darmſtadt.
Die genauen Spieltage und Zeiten werden noch bekanntgegeben.
Auf den Ausgang dieſer Waſſerballrundenſpiele im Mittelrheinkreis
der DT. darf man geſpannt ſein.
A. 9. A. G.-Molorrad=Länderfahrk.
* Weitere Ausfälle auf der ſechſten Etappe.
Nach einem Ruhetag in Bukareſt, bei welcher Gelegenheit die
Kon=
kurrenten Zeit hatten, ihre Maſchinen gründlich zu reinigen, ging es auf
den Rückweg in die Heimat, der zunächſt mit der 336,4 Kilometer langen
Stappe nach Großwardein eingeleitet wurde. Nach Bewältigung von 150
Kilometern folgte hinter Sinaia wieder längere Gebirgsfahrt. Durch
Kronſtadt und der einſt ſtark befeſtigten Sachſenſtadt Schäßburg führte
der Weg weiter an rebenbepflanzten Hügeln vorbei, dem Etappenziel zu.
Zu den vielfachen Schwierigkeiten der Strecke geſellten ſich noch teilweiſe
recht ſchlechte Straßen, ſodaß es wieder einige Ausfälle gab. Der
Ober=
ſchleſier Hans Kamy zog ſich bei einem Sturz bedauerlicher Weiſe einen
Beinbruch zu, konnte aber durch den bei der Fahrtleitung befindlichen
Arzt ſofort in Obhut genommen werden. Weiter ſchieden die beiden
Damen, Frl. Hanni Köhler=Berlin auf BMW. und Thea Hanzal=
Nürn=
berg, die einzige noch ſtrafpunktfreie Triumphfahrerin, ſowie Schmidt=
Nürnberg auf Triumph, Mauerberger=München und Weſtenberger=
Mün=
chen auf BMW., Iſchinger auf D=Rad, und Kolm=Freiſing auf Wimmer
aus. Insgeſamt befinden ſich noch 44 Teilnehmer auf den letzten 1500
Kilometern im Wettbewerb.
Geſchäftliches.
Das älteſte und maßgebende Herrenbekleidungshaus Philipp
Heß, G. m. b. H., ſteht im Zeichen des Umbaus! Man will der ſtändig
wachſenden Käuferſchar große und moderne Verkaufsräume, einer immer
größer werdenden Auswahl überſichtliche und geräumige Lager ſchaffen.
Kurzum, es ſoll ein Bau entſtehen, der dem alten und reellen Ruf der
Firma Ehre macht und würdig iſt, das größte und modernſte
Spezial=
haus am Platze zu werden. Schnelle Räumung der vorhandenen
Be=
ſtände iſt daher dringend notwendig. Um jedem Beſucher eine ſich
wirk=
lich lohnende Einkaufsgelegenheit zu geben, ſind die Preiſe in allen
Ab=
teilungen des Hauſes ungewöhnlich niedrig, ſogar teilweiſe über
50 Prozent herabgeſetzt. Beachten Sie jeweils die Ankündigungen, ſie
erſcheinen im Zeichen des Umbau=Ausverkaufs.
Radiohörer — mit Batteriebetrieb — hört!
Es gibt jetzt einen ſinnreichen Stecker, der es ermöglicht, ein
Batterie=
gerät auf erſtaunlich einfache Weiſe in ein Netzgerät umzuwandeln, um
ſo der großen Vorteile, den Anoden= ſowie den Heizſtrom aus der
vor=
handenen elektriſchen Lichtleitung zu entnehmen, teilhaftig und von
Abku=
ſowie Anodenbatterie unabhängig zu werden, die immer dann geladen
oder erneuert werden müſſen, wenn man ſie am notwendigſten braucht.
Koſtenloſe und unverbindliche Auskunft ſowie Vorführung bei der
Rheinelektra, Ernſt=Ludwigſtr. 10.
Frankfurt.
Sonntag, 26. Mai. 8: Morgenfeier, veranſtaltet vom
Wart=
burgverein. O Anſchl.: Glockengeläut von der St. Peterskirche,
zu fe ehch e ecle e eie
Volkschors „Frohſinn”. 6 15: Jugendſtunde. Hanna Lüngen: Aus
„Gullivers, Reiſen”. o 16.30: Stunde des Landes. o 17.30:
Stuttgart: Konzert. O 18.30: Stunde des Rhein=Mainiſchen Verb.
für Volksbildung. O 19.30: Sportnachrichten. O 20: Fr. Berge:
Bemerkungen zum franzöſiſchen Roman von heute. o 20.30:
und Klavier. — Mahler: Sinfonie. Soliſt: St. Frenkel (Violine).
O Anſchl.: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus=Langer.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Sonntag, 26. Mai. 6.30: Berlin: Frühkonzert
des Neuen Tonkünſtlerorcheſters. O 8.55: Glockenſpiel der
Pots=
damer Garniſonkirche. O 9: Morgenfeier. Anſprache: Pfarrer Lic.
Koch, Lichterfelde. O Anſchl.: Glockengeläut des Berliner Doms.
O 12: Mittagskonzert, ausgeführt vom Trompeten= und Poſaunenchor
Ludwig Plaß. o 14: Schach. O 14.30: Mitteilungen und
prak=
tiſche Winke für den Landwirt. 15: Prof. Dr. med. et phil.
Mangold: Ernährung des Geflügels. O 15.30: Märchen erzählr
von G. Nube. 16: Dr. Hirſchberg: Sebaſtian Bachs Kantaten
(3. Teil). o 16.30: Cornelie Hoetzſch: Weſen und Bedeutung des
Vaterländiſchen Frauen=Vereins vom Roten Kreuz. e 17:
Unter=
haltungsmuſik. Salonquintett Fritz Abrohl. O 18: Vom frohen
Wandern. Paul Matzdorf und die märkiſche Singſchar. O 18.30:
Dr. Schuftan: Körper und Baum m modernen Ausdruckstanz.
O 19: Zwiegeſpräch zwiſchen Reichsminiſter Dr. Koch=Weſer und
A. Mahraun: Parlamentarismus, wie er iſt und wie er ſein ſollte.
O 19.45: Dr. Dürre: Friedrich Lienhard zum Gedächtnis. o 20:
Berlin: Werke von Franz Lehar und Leo Fall. Dirig.: A.
Gutt=
mann. Berliner Funkorch. Mitw.: Elſe Kochhann (Sopran), Wilh.
Gombert (Tenor), Berliner Funk=Chor. O Danach: Tanzmuſik.
Kapelle Kermbach. Geſangseinlagen: W. Weiß (Tenor). o Pauſe:
Bildfunk.
Wekkerberichl.
Im Norden hat die Luftdruckverteilung keine weſentliche Aenderung
erfahren. Der hohe Druck lagert weiter über der Oſtſee und dem
Balti=
kum, und der tiefe im Raume von Island. Im Südweſten dringt erneut
hoher Luftdruck über Frankreich vor. Der Witterungscharakter erfährt
zunächſt wewig Aenderung, ſo daß ferner wit lokalen Gewitterſtörungen,
denen zeitweiſe Abkühlung folgt, zu rechnen iſt.
Ausſichten für Sonntag, den 26. Mai: Heiter, ſpäter wolkig, lokale
Ge=
witterſtörungen mit leichter Abkühlung.
Ausſichten für Montag, den 27. Mai: Teils wolkig, teils heiter und
warm, aufkommende Gewitterneigung.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuiſleton, Reich und
Ausland und Seſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Wiliv Kuhle; Druc
und Verlag: L. C. Wlitich — ſämtlich in Darmſtadt
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Sonntag, den 26. Mai
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 24. Mai.
In der Lage der franzöſiſchen Induſtrie ſind keine großen
Aende=
rungen zu verzeichnen. Allerdings haben ſich nicht alle Hoffnungen
erfüllt. Insbeſondere die Erhöhung des Exportes will nicht recht
ge=
lingen, vielmehr iſt wider allen Erwartungen ein Rückſchlag zu
ver=
zeichnen, wie dies in der Handelsbilanz klar zum Ausdruck kommt. Der
Import iſt im Steigen begriffen; es iſt kein Wunder, wenn allzu
ängſt=
liche Gemüter übertrieben peſſimiſtiſche Betrachtungen aufſtellen.
Die Zukunft des Kohlenmarktes verurſacht einige Sorgen. Der
ausnahmsweiſe günſtige Geſchäftsgang des vergangenen Winters war
eine Konjunkturerſcheinung, deren Dauer nicht vorauszuſehen iſt. Die
Konkurrenz des engliſchen Kohlenbergbaues wird ſich ſicherlich noch
verſchärfen. Trotzdem zeigt man in führenden Kreiſen des
Kohlen=
bergbaues wenig Intereſſe für eine internationale Regelung der
Koh=
lenproduktion, denn die Beſtrebungen in Frankreich zielen grißtentells
dahin, den Innenmarkt nach Möglichkeit vollſtändig für ſich zu
gewin=
nen. Bei der Organiſation der franzöſiſchen Induſtrie, welche ſich immer
mehr zum Zentralismus entwickelt, werden dieſe Beſtrebungen auch
Er=
folg haben. Die natürliche Konſequenz wird aber die Verreuerung der
Herſtellungskoſten in allen Induſtriezweigen ſein. Die Kohlen= und
Kokspreiſe haben wieder eine Erhöhung erfahren, die zwiſchen 4 und 6
Franken per Tonne varilert. Die Vorräte ſind faſt vollſtändig
ver=
braucht und eben darum ſind die Ausſichten für das Sommergeſchäft
gut.
Auf dem Eiſenmarkt gibt es vorläufig keine Preiserhöhungen,
ausgenommen einige Exportpreiſe. Eine ſehr große Feſtigkeit der Preiſe
iſt für den ganzen Markt charakteriſtiſch. Die Ausſichten des Kartells
werden hier ſehr günſtig beurteilt. Man nimmt an, daß auch Länder
ſich beteiligen werden, welche früher dem Kartell fernſtanden.
Der Kupfermarkt ſcheint nach den vielen ſpekulativen
Preisſchwan=
kungen etwas ruhiger geworden zu ſein. Die Käufe ſind zurükgegangen,
da man vielerorts auf weitere Preisrückgänge rechnet. Unter den
Kupferſorten ſoll nur das Elektrolytkupfer geſucht ſein, was bei dem
allgemein günſtigen Stand der Elektroinduſtrie leicht zu verſtehen iſt.
Angeblich berſucht das Kartell in New York alles, um eine weitere
Baiſſe der Preiſe zu verhindern. Man hat ſogar von dort aus
Ge=
rüchte über eine bevorſtehende mäßige Preiserhöhung verbreiten laſſen.
Die Vorräte ſind ziemlich zurückgegangen, was damit zu erklären iſt,
daß wegen der hohen Preiſe die Unternehmungen nach Möglichkeit nur
für den täglichen Bedarf einkaufen. Der Einfluß der Londoner
Handels=
kreiſe auf dem Kupfermarkt ſoll geringer ſein als früher; alle
Beſtrebungen ſcheinen darauf hinzuzielen, die Auflöſung des
amerika=
nifchen Kartells zu erwirken.
Eine unmittelbare Wirkung der Kupferhauſſe war ein Aufſchwung
des Aluminiummarktes deſſen Lage jetzt ſehr günſtig iſt.
Die Zukunft des Zinnmarktes wird jetzt günſtiger beurteilt,
ob=
wohl in der letzten Zeit keine Preisſteigerungen vorkamen. Man ſpricht
viel von der Bildung eines Zinnkartells, die Durchführung dieſes
Plans ſtößt aber auf manche Schwierigkeiten. Es gab bereits
Ver=
handlungen zwiſchen boliviſchen und holländiſchen Gruppen. Von der
Haltung der franzöſiſchen Produzenren erfuhr man merkwürdigerweiſe
noch nichts. Die franzöſiſchen Zinnminen entwickeln ſich ſehr flott und
ihre Stärke wird, wie auch bei manchen anderen franzöſiſchen
Unter=
nehmungen, der niedrige Herſtellungspreis ſein. — Der Bleimarkt iſt
feſt. Die Preiſe ſind beinahe ſtabil. Die Zinkpreiſe ſind ebenfalls feſt
bei ſtabiler Produktion.
Auf dem Phosphatenmarkte gab es neuerlich einen großen
Aufſchwung. Der Geſchäftsgang war beſſer als ſelbſt die Optimiſten
er=
warteten. Die Ergebniſſe des Geſchäftsjahres 1928 waren für die Phos= Augsb.=Nürnb. Maſch) 78.—
phatgruben allgemein ſehr gut. —
Die Lage des Nitratenmarktes iſt gut. Die Vorräte ſollen
ſich — chileniſcher und künſtlicher Nitrat zuſammen — auf 365 000 To.
belaufen, ſind alſo nicht beträchtlich bei einem Geſamtverbrauch von etwa
zwei Millionen Tonnen. — Ueber den Geſchäftsgang des
Petroleum=
marktes in der nahen Zukunft gehen die Meinungen ſehr auseinander. Deutſche Bank.
Die Führer der Petroleuminduſtrie klagen darüber, daß die Erdöl= Diskontogeſellſchaft. 156.75 151.— MannesmannRöhren!
produktion nicht ertragbringend genug ſei, während bei den
Abneh=
mern die Meinung vorherrſcht, daß die Preiſe noch erheblich herabgeſetzt
werden müſſen, um der Entwicklung der Automobilinduſtrie kein
Hin=
bernis zu bereiten. Beſonders in Frankreich und England, wo die
Petroleumpreiſe vor kurzem erhöht wurden, iſt man ſehr unzufrieden.
Die Frage der Ueberproduktion iſt noch immer nicht gelöſt und es iſt
zweifelhaft, ob ſie in abſehbarer Zeit überhaupt lösbar iſt.
Die Petroleumwerte ſtehen ſeit einiger Zeit — Rohal Dutch
aus=
genommen — ſehr tief, was man auch daraus erklären will, daß die
Konkurrenz des ſynthetiſchen Petroleums als ſehr ernſt angeſehen wird.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom B. Mai hat die geſamte
Kapitalaulage der Bank in Wechſeln und Schecks, Reichsſchatzwechſeln,
Lombards und Effekten in der dritten Maiwoche um 270,1 Mill. RM.
auf 2711,8 Mill. RMk. abgenoummen. Im einzelnen haben ſich die
Be=
ſtände der Bank an Weihſeln und Schecks um 165,0 Mill. auf 2403,4
SMill. MM. und die Lombardsbeſtände um 119,3 auf 97,2 Mill. NMM
ver=
ringert, während die Veſtände an Reichsſchatzwechſeln um 14,3 Mill.
auf 118,2 Mill. RM. angewachſen ſind.
An Reuhsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 175,5
Mill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen, und zwar hat ſich
der Umlauf an Reichsbanknoten um 161,1 Mill. auf 4006,2 Mill. RM.
und der Umlauf an Rentenbankſcheinen um 14,4 Mill. auf 434,7 Mill.
Reſchsmark vermindert. Ein geringfügiger Betrag an
Rentenbank=
ſcheinen in Höhe vor 41 000 RM wurde getilgt. Dementſprechend
be=
laufen ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf
63,2 Mill. RM. Die freden Gelder zeigen mit 642,3 Mill. MM., eine
Albnahme um 6,2 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Debiſen insgeſamt ſind
um 90,2 Mill. auf 1911,1 Mill. RM. angewachſen. Die Zunahme
ent=
fällt auf die Beſtänds an deckungsfähigen Deviſen, die ſich um 90,4 Mill.
Reichsmark auf 146,5 Mill. NMM. vermehrt haben. Die Goldbeſtände
zei=
gen eine geringfügige Abnahme um 189 000 RMM. auf 1764,6 Mill. RMk.
Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold allein beſſerte ſich
von 42,3 Prozent in der Vorwvoche auf 44,0 Prozent, diejenige durch
Gold und deckungsfähige Deviſen von 43,7 Prozent auf 47,7 Prozent.
Mainzer Produktenbericht vom 24 Mai. (
Großhandelseinſtands=
preiſe pro 100 Kilo loko Mainz in RM.): Weizen 24, Roggen 22,50,
Hafer 22,25—23,75, Braugerſte —, Futtergerſte 19,75—20, ſüddeutſches
Weizenmehl Spezial Null 32,50, niederrheiniſches Weizenmehl Spezial
Null 34,75, Roggenmehl 01 30,00, Weizenkleie fein 12,50, Weizenkleie
grob 13,50, Roggenkleie 14, Weizenfuttermehl 13—13,50, Plata=Mais —
Malzkeime mit Sack 19,50 Biertreber 19,50, Erdnußkuchen 20,50—21,
Kokoskuchen 20,75—25,50, Palmkuchen 19,50—20,25, Rapskuchen 19,25 bis
20,00, Kleeheu loſe 13—14, geb. 14—14,50, Wieſenheu 12,50—13,
Ma=
ſchinenſtroh 5,00, Drahtpreßſtroh 5,25, weiße Bohnen 83,00 Tendenz:
ſchwach.
Frankfurter Eierbericht vom 25. Mai. Das größere Angebot von
Eiern, beſonders von Auslandsſeite, drückte auf die Marktlage, und die
Preiſe gaben nach. Die Verbraucherkreiſe hielten ſich zurück, und das
Geſchäft büßte an Umfang betrich=lich ein. Italiener nücht notiert,
Buil=
gariſche 8,25—8,50, Solländiſche 9,50—11,50, Jugoſlawiſche 9—9,20,
Pol=
niſche 6,75—7,25, Ruſſiſche 7½—7,25 Däniſche 9,50—12, Belgiſche 9.50
bis 10, Franzöſiſche 9,50—10, Schleſiſche 9,75—10,50, Bayeriſche 9—9,75,
Norddeurſche 9,50—10, Rumäniſche 8—8,50
Vom Rohhäutemarkt. Der Rohhäutemarkt zeigte weiterhin
gegen=
über dem Vormonat abſchwächende Tendenz, wobei allerdings
bemer=
kenswert iſt, daß die eben zu Ende gegangene Frankfurter Häuteauktion
etwas beſſere Preiſe als die vor einigen Tagen abgehaltenen übrigen
ſüddeutſchen Auktionen ergab. Allerdings mußten verſchiedene Loſe
zurückgezogen werden; im ganzen war aber die Kaufluſt gut.
Biebmärkke.
* Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am Samsrag, den
25. Mai, wurden 325 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 270 Stück,
und zwar Milchſchweine das Stück von 27—40 Mark, Läufer das Stück
von 45—60 Mark.
Mannheim, 24. Mai.
Die abgelaufene Berichtswoche, die durch die Pfingſtfeiertage
unter=
brochen war, umfaßte nur wenige Tage. Die Tendenz war vorwiegend
ruhig, und da auch vom Auslande keine anregenden Berichte vorlagen,
ſo blieben die Umſätze klein. Die Preiſe haben auf der ganzen Linie
eine mehr oder weniger ſtarke Einbuße erlitten. Die heutigen
Notie=
rungen an der Mannheimer Produktenbörſe ſtellten ſich in RM. die
100 Kilo waggonfrei Mannheim: Weizen inländ. 24—24,25, ausländ.
24,50—26,75, Roggen inländ. 22,75—23, ausländ. 23,00, Hafer inländ.
23—24, ausländ. 21,25—22,75, Braugerſte geſtrichen, Futtergerſte 19,50
bis 22,00, Mais gelber mit Sack auf Bezugsſchein 21,00. Futtermittel
lagen bei dem ſchönen Wetter recht ruhig und die Preiſe gaben ſtart
nach. Weizenkleie 12, Malzkeime 18,50—19,50, Biertreber 19—20,
Wie=
ſenheu (loſes) 12,80—13,50, Rotkleeheu 13,60—14,10, Luzernekleeheu 13,80
bis 14,70, Roggen= und Weizenſtroh 5,80—6,40, Hafer= und Gerſtenſtroh
5,50—6,00. Mehl ag in Uebereinſtimmung mit der ſchwachen Haltung
am Brotgetreidemarkt ſtill; ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 32,25,
ſüddeutſches Roggenmehl 29—32 (Großmühlenpreiſe) waggonfrei Mühle.
Hopfen hatten recht ruhigen Markt bei unbedeutenden Umſätzen. Das
Wachstum der jungen Pflanzen macht gute Fortſchritte. Auch Tabak
verkehrte in ruhiger Haltung. Pfälzer Sandblatt 90—140 Mark.
pfäl=
zer Sandgrumpen 65—80, 1928er Zigarrentabak per Sommerlieferung
70—80 RM. per Zentner.
Frankfurt, 25. Mai.
Die Wochenſchlußbörſe ſetzte bei ſehr zurückhaltendem Geſchäft
er=
neut ſchwächer ein, da die ernſthaften Differenzen in den Pariſer
Ver=
handlungen noch nicht behoben ſind, wenn auch mit einem Abbruch der
Konferenz ſchließlich doch nicht zu rechnen iſt. Mehr als dieſe
poli=
tiſche Frage wird die angeſpannte Lage des Geldmarktes als
beſorgnis=
erregend betrachtet, da für die Börſe mit einem flüſſigen Geldmarkte auf
längere Zeit nicht zu rechnen ſei. Immerhin dürfte der Ultimo wegen
der frühen Vorbereitung ziemlich reibungslos bezüglich des Geldmarktes
verlaufen. Da erfahrungsgemäß an der Wochenſchlußbörſe wegen des
frühen Beginnes nur kleine Aufträge einlaufen, konnten die wenigen
Abgaben nur zu teilweiſe ſtärker ermäßigten Kurſen Aufnahme finden.
Die Farbenaktie verlor gegenüber der Abendbörſe 0,75 Prozent, Siemens
2, Schuckert 1,5, AEG. 1 Prozent. Schiffahrtswerte weiter gedrückt,
Nordd. Lloyd 1,5 Prozent niedriger. Auch Montanwerte zeigten weitere
Kursabſchläge im Ausmaße von 1—2 Prozent. Die Karſtadtaktie war
unverändert auf ihrem geſtrigen Stande behauptet. Banken bröckelten
noch leicht ab. Auch für Zellſtoffaktie war die Haltung eher etwas
leich=
ter. Renten umſatzlos. Im ſpäteren Verlaufe konnten auf
Wochenſchluß=
glattſtellungen die meiſten Kurſe ſich erholen, ſo daß die Anfangsverluſte
nicht nur ausgeglichen, ſondern mäßige Beſſerungen erzielt wurden.
Beſonders A. E. G., Siemens, Farbenaktie und Kaliwerte kräftiger
er=
holt. Wenn auch mehrfach noch Schwankungen eintraten, wurde die
Vörſe doch etwas widerſtandsfähiger. Der Geldmarkt zeigt keine
weſent=
liche Veränderung. Tagesgeld 7,5 Prozent, Monatsgeld 9,5 Prozent.
Auch am Deviſenmarkt blieb die Mark gut behauptet. London—New
Yorf 4,847/; Pfunde—Mark 20,35½; Dollar-Mark 4,19,70.
Berlin, 25. Mai.
Nach vollkommen geſchäftsloſem Vormittagsverkehr eröffnete, die
heutige Börſe in ſchwächerer Haltung. Das Geſchäft war außerovdent=
A. E. G..
185:), 185.— Hirſch Kupfer .
77.75 1 Höſch Eiſen
Baſalt .....
49.25 49.50 I Hohenlohe Werke.
Bergmann.
208.— 1207.— 1 Lahla Porzellan.
Berl. Karlsruhe In
58.25 58.50 1 Kali Aſchersleben:)
Berl: Hand.=Geſ.
Fe10,50 lau0.— V . Salzdetfurth*
Braunkohl. Brikettsl 152.— 1158.—
Weſteregeln
Bremev=Wolle.
173.— 174.75 Lindes Eismaſch.
Danatbank.
252.75 les2.50 1 L. Loewe & Co...
158.— us9.50 Lingel Schuh...
Dresdner Bank..
154.75 154.75 Niederlauſitzer Kohlel
49.— Nordd. Lloyd.
Deutſche Maſchinen „/ 49:
Orenſtein...
Deutſche Erdöl..
110.50 110).
Polyphon ..
Deutſche Petroleum / 65.— 65.—
Hynamit Nobel.
Rütgerswerke..
113.— 1112.—
Sachſenwerke
Elektr. Lieferung:
156. — 154.
J. G. Farben.
1242.50 l240.25 Siemens Glas.
Ver. Glanzſtoff
Gelſenk. Berg.
128.50 127.—
Geſ. f. elektr. Ur
215.— 1212,25 Ver. Stahlwerke.
Volkſtedter Porzellan
Han. Maſch.=E.
48.— 48.—
Hanſa Dampfſch.
1142.50 143.25 Wanderer Werke.
Wiſſner Metall".
Hapag ...
115. (115.—
Wittener Gußſtahl".
Harpener
126), 1137.—
Hemoor Zement
280.—
*) Die 3 Kalinerte verſtehen ſich exkl. Bezug2recht.
24. 5.
116.
89.—
80.—
231.50
Fr.
237.75
169.75
198.—
48.—
115=),
139.50
108.—
87.—
444.—
85.75
103.
125.—
113.—
91.75
36.—
73.—
47.—
25. 5.
129.—
116 25
8
79.55
229.50
379.—
2375
168.75
196.—
1113.50
138.50
1107.—
87.—
1447.—
85.—
163.—
127.—
418.
91.50
36.25
72.75
125.—
45.—
Helſingfors..
Wien.......
Prag ......"
Budapeſt ..."
Sofia ...."
Holland ..."
Oslo ........
Kopenhagen..
Stockholm.. ..
London... ..
Buenos Aires.
Newv York...
Belgien......
Geid
10.542
56.89
12.421
73.11
166.59
11174
tinnnst
112.05
1.754
4.1945
58.24
Brief
19.564
59,01
12.44
72.25
2.037 3.003
168. 92
11.9e
111.9s5
ii2 29
20.339/20,378
1.762
4.2025/4
25. 5.
Geld Brie
10.54 10.58
58,87 68.99
12.41312,433
7308
3.027
88.59
111,8s
111.68/111.9
12.07
20.333
1.757
h3.20
2.033
169.86
Mitf.s1
12.29
e20.373
1.761
4. 19251g.2005
58.36 158.23 58.35
Italien ....."
Paris ......."
Schweiz ...."
Spanien...."
Danzig ......"
Japan . . . ...."
Rio de Janeiro
Jugoſlawien..
Portugal. ...
Athen ......"
Konſtantinopel
Kanada . . . . . ."
Uruguay .. . . ."
24.
Geld /Brie
21.945
18.385
s0.74 00.90
59.63
81.33 181.49
1.868
0.499
7373.
18.77
5.445
2.03
4.164
4.056
5.
21.98:
16.42
9.757
1.875
0.50 12
7.362
8.812
5.45
2.04
4.17
4.064 4.066 4.074
25. 5.
Geld Brief
21.95 f41.99
18.383/16.425
80.71580.875
69.52 58.64
R1.28 81.44
1.866/ 1.870
.498 ſo.500
7.368 7.382
He.77 118.21
5.445/ 5.455
2038 2.042
4.160/ 4.168
lich gering. Auslandsorder lagen nicht vor, das Publikum zeigte
eben=
falls noch keine Neigung, ſich wieder an der Vörſe zu betätigen, und
die Spekulation ſchritt, obwohl ihre Engagements im allgemeinen an
ſich ſchon gering ſind, in Anbetracht des bevorſtehenden Ultimos zu
Po=
ſitionslöſungen. Nach den erſten Kurſen wurde es vorübergehend etwas
ſchwächer. Sräter ſetzte ſich aber, von Elektrowerten ausgehend, eine
Erholung um 1 bis 2 Prozent durch. Salzdetfurth, Glanzſtoff und
Poly=
phon zirka 5 Prozent höher. Otovi lebhaft und 1 Mark feſter.
* New York, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Am Wochenſchluß bewegte ſich das Geſchäft am
Baum=
wollmarkt in ruhigen Bahnen. Die ſchwache Veranlagung der
Effekten=
börſe regte lokale und Wallſtreetfirmen zu Abgaben an, die zunächſt
einen Rückgeng der Preiſe hervorriefen, um ſo mehr, als den Verkäufen
keine große Kaufluſt gegenüberſtand. Das Niedergehen von
Regen=
fällen in den weſtlichen und mittleren Anbaugebieten ſowie die
Ankün=
digung, daß zum Wochenende in allen Baumwollgegenden mit
Regen=
ſchauern zu rechnen ſein wird, riefen im Verlauf eine Erholung hervor.
Weizen: Der Weizenmarkt war heute wiederum recht ſchwach
ver=
anlagt auf Grund von Meldungen über wohltuende Regenfälle aus
Kanada und Argentinien. Später trat eine Erholung ein, da ſich auf
dem niederen Preisniveau Kaufneigung bemerkbar machte und
hauſſe=
günſtige Nachrichten aus Kanſas vorlagen.
Mais: Nach ſchwachem Verlauf trat am Maismarkt gegen Schluß
auf Ankündigung ſchlechten Wetters eine leichte Befeſtigung ein.
Roggen: Infolge des im Nord= und mittleren Weſten herrſchenden
fruchtbaren Wetters, der ſchwachen Veranlagung Winnipegs und
ſchwä=
cheren Meldungen aus Europa verkehrte der Roggenmarkt in ſchwacher
Haltung. Erſt gegen Schluß trat im Einklang mit dem Weizenmarkt
eine Erholung ein.
Hafer: Der Hafermarkt war gleichfalls ſchwach veranlagt. Das
günſtige Wetter und die großen Waggonzufuhren nach Chikago waren
in der Hauptſache für die ſchwache Stimmung verantwortlich.
* Chikago, 25. Mai. (Priv.=Tel.)
Fettwaren: Die ſtetige Veranlagung des Schweinemarktes und feſte
Preismeldungen aus Liverpool kamen am heutigen Schmalzmarkt in
einem Anzehen der Preiſe zur Auswirkung. Die Marktlage wurde
ferner durch die ſtetige Tendenz der Lokomärkte günſtig beeinfleißt.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 25. Mai:
Getreide: Weizen, Mai 101½, Juli 104½, Sept. 108½, Dez.
112½: Mais, Mai 84½, Juli 86½, Sept. 87½, Dez. 82½; Hafer,
Mai 44½, Juli 43½, Sept. 42½; Roggen, Mai 85, Juli 84½,
Sept. 87½.
Schmalz: Mai 11,62½, Juli 11,85, Sept. 12,20, Okt. 12,32½.
Fleiſch: Rippen, Mai 12,90, Juli 13, Sept. 13,25; Speck, loco
13: leichte Schweine 10,25—11,35, ſchwere Schweine 10,60—11,15;
Schweinezufuhren Chicago 6000, im Weſten 35 000.
Chicago Bcmwolle: Mai 18,62, Juli 18,51.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 25. Mai:
Getreide: Weizen, Rotwinter 124½, Hartwinter 115½: Mais
neu ang. Ernte 96½; Mehl ſpr. wheat rlears 5,25—5,50; Getr.
Fracht nach England 1,9—2,6 sh, nach dem Kontinent 11—13 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,35; Talg, extr aloſe 778.
In dem Lohnſtreit im Holzgewerbe wurde geſtern abend ein
Schiedsſpruch gefällt, nach weſchem die Tariflöhne in allen
Ecklohn=
ſtüdten ab 2. Juni um 4 Pfennige, ab 1. November um weitere 2
Pfen=
nige erhöht werden. Im gleichen Verhältis werden die beſtehenden
Löhne und Akkordſätze erhöht. Das Lohnabkommen kann mit
ſechs=
wöchiger Friſt erſtmalig zum 1. Auguſt 1930 gekündigt werden. Die
Parteien haben ſich bis zum 2. Juni zu erklären.
Die Zahl der Monatsbilanzen veröffentlichenden deutſchen
Kredit=
banken hat ſich per 30. April gegemüber dem Vormonat um zwei
er=
höht. Dinzugekommen ſind die Hollandſche Kreditbank A. G., Düiſſeldorf,
und die Wurzener Bank, Wurzen.
Die ordendliche Hauptverſammlung der Bank für Landwirtſchaft
A. G., Berlin, gehnemigte einſtimmig die bereits bekannte Dilanz und
beſchloß die Verteilung einer Dividende von wieder 8 Pvozent auf die
Vorzugs= und wieder 4 Prozent auf die Stammaktien.
Am 26. Mai feiert das ſtellvertretende Vorſtandswitglied der
Frank=
furter Hypothekenbank, Anton Ahrens, ſein 50jähriges Dienſtiubiläum.
Am 28. Mai vollender Fabrikdirektor a. D. L. Schärf in Münſter
in Weſti. ſein 70. Lebensjah= und kann auf eine mehr als 30jährige
lei=
tende Tätigkeit in der Kalk= und Zementinduſtrie zurückblicken.
An Stelle des verſtorbenen Bankiers Heller, des Vorſtandes der
Dresdener Börſe, wurde Bankier Maron zum Vorſtand der Dresdener
Börſe gewählt.
Die luxemburgiſche Geſellſchaft Société Internationales des
Con=
buſtibles Liquides, die eine Studiengeſellſchaft zur Erppobung des
Bergiusterfahrens (Kohleverflüſſigung) in Frankreich, Belgien und
Luxemburg iſt, ſetzte im vergangenen Jahre ihre Verſuche fort, ohne
jedoch ein greifbares Reſultat zu erzielen. Die Bankguthaben nahmen
von 1 241 000 Fr. auf 1054 000 Fr. ab. Vom Kapital (6 Mill. Fr.) bleibt
noch die Hälfte einzuzahlen.
Nach einer Veröffentlichung des franzöſiſchen Finanzminiſteriums iſt
der franzöſiſhe Getreidezoll von 35 auf 50 Fr. pro Zentner erhöht
worden. Das Nachlaſſen des Kornanbaues in Frankreich und die
Preis=
baiſſe für ausländiſches Getreide haben die Erhöhung des Zolles zum
Schutze der franzöſiſchen Landwirtſchaft erfordert.
Frankfurter Kursbericht vom 25. Mai 1929.
6%0 Dtſche.
Reichs=
anl. v. 27.....
% Baden
Frei=
ſtaat v. 27 ....."
6% Bahern
Frei=
ſtaat v. 27.....
% Heſſen
Volks=
ſtaat v. 28....."
6% Preuß.
Staats=
anl. v. 28......
6% Sachſen
Frei=
ſtaat v. 27.....
12
ThüringerFrei=
ſtaat v. 27..
—
Di che. Anl.
Auslo=
ungsſch. * I.
Ablöſungsant.
Otſche. Anl. Ablö.
ungsſch. (Neub.)
Diſche.
Schutzge=
bietsanleihe. . ..
*20 Bab.=Vad.v. 26
6%0 Berlin v. 24...
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
8%
720 Frll. 0. M. v.26
8½ Mainz v. 26...
8½ Mannh. v. 26
82 Nürnber 26
Di. Komm.
Sam=
wel-Ablö ſ.-Anl.
* Ausl. Ser. 1
Ser.II
88 Ber „bhp.=Bl.
520 Frkf. Khv. Bk.
4 ½ %r Lig. Pfbr.
Pfbrgk..
2,
8½ %r Lig. Pfbr.
87.25
97.5
97.5
74.25
98
74.75
82 Heſſ. Landesbk.
4X% Heſ.Sbö. Hp.
Bk.=Ligid. Pfbr..
8% Kom.
Landes=
bank Darmſtadt.
18% Mein. Hyp. Bi.
4½% Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
8% Preuß. Ztr.=
Stadt ſchaft. .
18% Rhein. Hhp.=Bk
4½% Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Cred ......
8% Südd. Bod.,
Cred.=Bant...."
8% Württ. Hyp.=B.
6% Daim ler Benz
von 27......."
8% Klöckner=Werke
Berlin v. 26....
72 Maintrw.v. 26.
7% Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26.
8% BoigtckHäffer
von 26 ....."
—
J. G. Farben Bonds
98........"
5 % Bosn. L. E. B.
v. 1914........
4/,% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914 ...
420 Oſt. Goldrente
4),% Rum. Gold
von 1913 ..."
4%5 Türk. Admin.
4% „ 1.Badgad)
4% „ Bollanl.
Uſ. %Ungarn 1913
97.25
85
72.25
94
82.5
97.5
72.6
97.5
97.5
97.75
75.65
97.5
98.5
97.75
67.5
88
80.5
34.25
28.25
Gl.
4,% Ungarn 19141
42
Goldr.,
Antien.
Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatk
Darmiſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ...!
Eff.=u.
Wechſel=
bank .. . . . ...."
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſell ch.
Dresdener Bank ..!
Frankf. Bank . ..
Hhp.=Bk.
Pfdbr.=Bi. . ..
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank.
Mitteld. Creditbk..
Nürnb. Vereinsbk
Oſt. Crebitanſtalt. .
Pfälz. Gyp.=Ban1=
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbt. .
Hyp.=Bank ...
Südb. Bob.-Vr. Bk.
Wiener Banwerein
A.G. . Vertehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ..
7% Dt. Reichsbahn
Borzge .....
Hapag ........."
Nordd. Lloyd ....
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
—
Accum. Berlin.
Adleriv. (v. Klehzer)
6% AEG. Borzug
121.5
161.5
181.5
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21
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66
104.5
67
Mé
205
[ ← ][ ][ → ]
Geite 14
Sonntag, den 26. Mai 1929
Nummer 144
Ueber
DAANTTE
schrieb die „Berliner Montagspost‟:
Ein Film mit starken tragischen Akzenten, aus dem
Leben geschöpft und von Max Glaß lebendig gestaltet.
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Nummer 144
din sanuan ser Nant.
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8)
(Nachdruck verboten.)
„Im allgemeinen,” erklärte er, „iſt eine ärztliche Anſicht, die
ſich auf einer ſo flüchtigen Unterſuchung aufbaut, ſelbſtverſtändlich
nicht unbedingt zuverläſſig. Aber andererſeits hat gerade auch
der erſte Eindruck einen gewiſſen Wert. Alles, was ich ſagen
kann, iſt, daß Miſter Cumberland keine ſofortige Gefahr droht,
aber daß er ganz bedenklich krank iſt. Und weiterhin möchte ich
betonen, daß es ſich keineswegs um eine Alterserſcheinung
handelt.”
Er wollte nicht alles verraten, was er dachte. Noch war nicht
die Zeit.
Sie zuckte zuſammen und faltete krampfhaft die Hände, wie
ein Kind, das für eine Untat beſtraft werden ſoll, die es nicht
be=
gangen hat. Der Doktor hatte den unbeſtimmten Eindruck, daß es
vielleicht angebracht geweſen wäre, ihr den unerfreulichen Befund
in etwas ſchonender Weiſe mitzuteilen.
Er erklärte: „Ich muß den Kranken noch weiter beobachten,
ehe ich mich genauer äußern und eine Behandlung vorſchreiben
kann.”
Ihr Blick wanderte über ihn hinweg. Er hörte den ſchweren
Schritt Buck Daniels hinter ſich.
„Wenigſtens,” flüſterte ſie, „bin ich Ihnen dankbar, daß Sie
offen ſind. Ich möchte nicht, daß Sie mir die Wahrheit
vorent=
halten. Buck, willſt du vielleicht dem Doktor ſein Zimmer
zei=
gen?” Sie zwang ſich zu einem ſchwachen Lächeln. „Es iſt recht
altmodiſch bei uns, Doktor Byrne, aber ich hoffe, daß es uns
ge=
lingt, es Ihnen hier behaglich zu machen. Wenn Sie irgend
et=
was brauchen, werden Sie mich benachrichtigen?”
Der Doktor verbeugte ſich, nahm davon Kenntnis, daß in
einer halben Stunde zum Eſſen gerufen wurde, und das
Mäd=
chen kehrte ins Zimmer zu Joe Cumberland zurück. Sie ging
langſam, gebeugten Kopfes. Eine Frau, der eine Bürde auferlegt
iſt, dachte Byrne. Dann folgte er dem ſporenklirrend
voraus=
ſchreitenden Daniels die Treppe hinauf. Es waren grauſame
Sporen mit rieſigen Rädern, die ſich wie Raubtierfänge in die
Seite eines ungehorſamen Pferdes bohren mußten.
Auch auf dem oberen Vorplatz brannte ein Licht. Buck
Da=
niels öffnete eine Tür und wirtſchaftete eine Weile im Dunkeln
herum, bis es ihm gelungen war, eine mächtige Petroleumlampe
zu entzünden, die in Ketten von der Zimmerdecke herunterhing.
Ihr koloſſaler Rundbrenner verbreitete ein grelles Licht, wie
eine elektriſche Birne. Jede Einzelheit in dem altmodiſch einge=
Sonntag, den 26. Mai 1929
richteten Zimmer kam darin zum Vorſchein — der kahle,
geſtri=
chene Boden, das Bett, das mit den mächtigen Pfoſten, die den
Himmel trugen, ein ganzes Bauwerk für ſich allein ſchien, ein
Ueberbleibſel aus der Zeit, wo die Betten gebaut und nicht
her=
geſtellt wurden, eine Kommode mit anheimelnd gewölbtem Bauch
und ein rechteckiger Spiegel, der eine vergoldete Jahreszahl als
Krone trug. Der immer mehr zunehmende Wind rüttelte an den
Fenſtern. Ein Spalt ſchien ihm Einlaß zu bieten. Die Vorhänge
bebten im Luftzug. Trotzdem war es ein einladender und gemütlicher
Raum, und beim Anblick des Bettes fühlte der Doktor, wie ſeine
Muskeln weh taten und der Schlaf ſchwer auf ſeinem Hirn lag.
Der Wind, der an den Fenſtern rüttelte, öffnete jetzt mit
un=
ſichtbarer Geiſterhand eine Tür in der Seitenwand. Langſam
und geheimnisvoll drehte ſie ſich in ihren Angeln und geſtattete
dem Doktor einen Blick in den Nebenraum. Man konnte nur
den Winkel ſehen, den das Licht vom Zimmer her gerade traf.
In dieſem Winkel lag ein langes, ſchlaffes, bräunliches Etwas,
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das er zunächſt für eine Schlange hielt. Dann erſt erkannte er,
daß es eine Kette von erſchreckenden Abmeſſungen war und am
andern Ende ein gewaltiges ſtählernes Halsband trug. Ein
un=
angenehmes Gefühl der Kälte befiel den Doktor und arbeitete ſich
langſam und peinlich von den Zehen bis zu ſeinem Hirn hinauf.
„Verdammt!” explodierte Buck Daniels. „Wieſo bloß iſt die
Tür aufgegangen?‟ Er warf ſie wütend wieder ins Schloß. „Sie
iſt wieder drin geweſen, denke ich”, murmelte er und trat zurück.
Sein Geſicht war finſter.
„Wer?” erlaubte ſich der Doktor zu fragen.
Buck Daniels fuhr auf ihn los.
„Mann, wenn Sie bloß . ." begann er hitzig, hielt plötzlich
inne, verſchluckte, was er ſonſt noch ſagen wollte, und verließ
ſchweren Schrittes das Zimmer.
Fünftes Kapitel.
Warten.
Langſam, wie geiſtesabweſend, zog der Doktor ſeinen Rock
aus und begann, ſich vom Schmutz und Staub der Reiſe zu
reinigen. Seine Gedanken konzentrierten ſich auf die ſchwere
Kette, die er im Nebenzimmer geſehen hatte. Er war weder
neu=
gierig noch geſchwätzig, aber wenn ihm in dieſem Augenblick
je=
mand angeboten hätte, für tauſend Dollar zu erklären, was es
für eine Bewandtnis mit dieſer Kette hatte, ſo hätte er den Preis
lächerlich geringfügig gefunden
Seite 15
Er ging zum Eſſen hinunter mit dem feſten Entſchluß, ein
wachſames Auge auf Buck Daniels zu haben und auf Kate
Cum=
berland nicht weniger. Aber wenn er aus dem Geſpräch bei Tiſch
nähere Aufſchlüſſe erhofft hatte, ſo wurde er ſchwer enttäuſcht.
Buck Daniels war in das Geſchäft der Nahrungsaufnahme mit
einem Ernſt vertieft, der aller Geſchwätzigkeit abhold war, und
das Mädchen ſaß mit einem gezwungenen Lächeln und völlig
abweſend hinter ſeinem Teller. Hier und da blickte Buck auf, ſah
forſchend zu ihr hinüber und widmete ſich dann mit einer Art
dü=
ſterer Entſchloſſenheit von neuem ſeiner Mahlzeit. Vom Beginn
bis zum Schluß des Eſſens wurde nicht ein Dutzend Worte
ge=
wechſelt.
Nach dem Eſſen gingen alle drei wieder zu dem Kranken
hinein. Er lag genau ſo wie vorher, die abgezehrten Hände über
der Bruſt gekreuzt. Seine buſchigen Augenbrauen waren
zu=
ſammengezogen, die Augen verſchwanden faſt in ihrem Schatten.
Der Doktor, Buck und Kate Cumberland nahmen ſich die Stühle
und ſetzten ſich im Halbkreis um das Lager. Irgend etwas
er=
innerte Byrne in grotesker Weiſe an ein Bild, das er einmal
geſehen hatte und auf dem drei Wölfe um einen verwundeten
Elch herumſaßen und warteten, bis er leblos in den Schnee ſank.
Es ſchien ihm beinah, als ſei der Tod ſchon eingetreten.
Jeden=
falls hätte auch die Totenſtarre den Mann nicht bewegungsloſer
machen können als er ſchon war. Sein Profil hob ſich ſcharf
ge=
gen die dunkle Wand ab. Auf Naſe und Stien zeichnete die
Be=
leuchtung ein ſcharfes Glanzlicht, während der untere Teil des
Geſichts beinah im Schatten lag.
Die Aehnlichkeit mit einem Toten war um ſo
überwärtigen=
der, als auch das ſtarre Lächeln eines Dahingeſchiedenen nicht
fehlte. Erſt als Kate Cumberland die Lampe an einen anderen
Platz ſtellte, ſo daß das Licht voller auf ihren Vater fiel, ſah
Byrne, daß er ſich getäuſcht hatte. Cumberland lächelte nicht, er
hatte die Lippen ſtarr und gewaltſam zuſammengepreßt.
Plötz=
lich erkannte der Doktor, daß der Mann, der hier ſo ſchweigſam
und unbeweglich lag, mit einer fürchterlichen inneren Erregung
kämpfte, und dieſe Erkenntnis trieb ihm den Schweiß auf die
Stirn. Dies war ein Todeskampf, deſſen vollkommene äußere
Ruhe erſchreckender wirkte als das letzte Ringen eines Menſchen,
der ſich mit Heulen und Stöhnen gegen das Kommende zur
Wehr ſetzt. Dies Schweigen war eine furchtbare Säure, die ohne
Flamme Fleiſch und Knochen fraß. Von dieſem Augenblick an
hatte Byrne eine Vorſtellung von der geheimen Macht, die die
Lebenskraft des Viehzüchters aufgezehrt hatte. Seit ſechs
Mo=
naten, hatte Kate geſagt, ſchwand er dahin. Sechs Monate!
Sechs Ewigkeiten in der Glut des Scheiterhaufens!
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Die Seit fährt Autol Das Auto iſt zum Problem
geworden. Doch ſind bereits über hundert Jahre vergangen,
ſeit in Süddeutſchland ein gewiſſer Herr Drais, der ſpätere
Erfinder der in Schienen geſteuerten Draiſine, in einer von
ihm erfundenen Fahrmaſchine ohne Pferde von Mannheim
bis an das Schweizer Nelaishaus und wieder zurück (das
waren vier Poſtſtunden Weg) in einer kleinen Stunde Seit
gefahren iſt. Er hat — wie die Chronik berichtet — mit der
nämlichen Maſchine einen ſteilen, zwei Stunden betragenden
Gebirgsweg von Gernsbach nach Baden in einer Stunde
zurückgelegt, und mehrere Kunſtliebhaber (!)
von der Schnelligkeit dieſer ſehr
intereſſan=
ten Jahrmaſchine überzeugt. Die
Haupt=
idee war dem Schlittſchuhlaufen entnommen
und beruhte auf dem einfachen Gedanken,
den Sitz auf Nädern mit den Füßen vom 5
Boden fortzuſtoßen. Gewiſſermaßen der
Straßenroller unſerer Großeltern. Der
Er=
finder erhielt bald den Citel eines
Pro=
feſſors der Mechanik. Der erſte, der aber
dieſes Jahrzeug mit Cretkurbeln verſah,
war ein Mechaniker aus Meiningen, der
1845 die Welt mit dem Fahrrad über=
S
raſchte. 1871 kam allerdings ſchon der
Flie=
gende Holländer auf, mit dem die Kinder
heute noch gern über das Pflaſter fahren;
jedoch gelang es erſt im Jahre 1875 einem
deutſchen Ingenieur, Siegfried Marcus in
Wien, einen Gasmotor zu bauen, der mit
einem Creibriemen Hinterräder und
Ma=
ſchine verband, ſo daß das Fahrzeug in der
Lage war, ſich fortzubewegen. Mit dieſem
mehr als einfachen Wagen wurden vielerlei
Verſuche unternommen. Doch war der Krach,
den er pruſtend und ratternd verurſachte,
für damalige Ohren ein ſo gewaltiger, daß
die Heilige Hermandad endgültig alle
Ver=
ſuche des Herrn Marcus verbot. Im Stillen
arbeitete jedoch der Erfinder weiter, der ſich die
grund=
legenden Prinzipien ſeiner Gasmaſchine patentamtlich hatte
ſchützen laſſen. Er wurde bald ein Günſtling von Werner
Siemens, der damals bereits der größte und weitblickendſte
Elektriker war. Erſt zehn Jahre ſpäter traten Benz und
Daimler auf den Plan, denen in Amerika bedeutende Gegner
erwuchſen.
Doch liegt zwiſchen den erſten, hilflos anmutenden
Ver=
ſuchen der 80er Jahre und den ausgeklügelten
Kompreſ=
ſionsmotoren, die zwiſchen Miami und Palm Beach hölliſche
Nekorde leiſten, eine gewaltige Strecke. Und es will faſt
anmuten, als ſeien die tropfenförmigen Wagen, mit denen
Männer wie Mafor Segrave und Kapitän Campbell ſich
überbieten, die genialen Phantaſien eines neuen Jules
Verne. Was wird geſchehen, wenn die Nekorde nicht mehr
zu ſteigern ſind? ..
in das große Getriebe der Weltgeſchichte einfügt und die
Entwicklung der Siviliſation und techniſchen
Vervollkomm=
nung ein Stück vorwärts bringt.
Im mittelalterlichen Nürnberg, der Hochburg des
deut=
ſchen Handwerks, baute ein Schloſſer namens Peter
Hen=
lein im Jahre 1508 die erſten Uhren, die man auf Reiſen
mitnehmen konnte. Bis dahin hatte ſich die Kunſt der
Uhr=
macher lediglich darauf beſchränkt, der jeweiligen Seitepoche
entſprechend, Curm= und Wanduhren zu bauen. Auch galten
in der Hauptſache Kirche und Staat als Kunde. Denn
außer wenigen Patriziern oder Fürſten konnte ſich kaum
jemand die Anſchaffung einer Uhr leiſten.
Die Chronik erzählt von Peter Henlein: „Er macht
aus Eiſen kleine Uhren, mit vielen Nädern angeordnet, die
(nämlich die Uhren) beliebig umgedreht werden können, kein
ohne Pferdekraft zu reiſen.
Die erſte elektriſche Straßenbahn fuhr 1881 in Lichterfelde.
— Wir ſind es gewöhnt, unſere eiligen Schriftſachen,
unſere techniſchen Abhandlungen, kurzum, alles, was
unper=
ſönlich iſt, auf der Schreibmaſchine feſtzuhalten. Vor den
ſäuberlich geſchriebenen Manuſkripten unſerer Väter und
Großväter haben wir denſelben Reſpekt, wie vor der
Ge=
duld derer, die dies alles leſen mußten. Man denke ſich,
welchen Aufwand an Seit und Kraft es erforderte,
dick=
bändige Nomane und Abhandlungen niederzuſchreiben,
welches Cempo in den Gerichten und Notariatskanzleien
herrſchte — und wie einfach und bequem wir heute unſere
Gedanken zu Papier bringen können. Die erſte
Schreib=
maſchine, die von einem Deutſchen, Peter Mitterhofer,
ent=
worfen wurde, muß nun gerade keine zeitſparende Erfindung
geweſen ſein. Auch mag wohl die Erlernung der
Schreib=
technik mit Umſtänden verbunden geweſen ſein, die den
glücklichen Kunden erleichtert wieder zur Stahlfeder greifen
ließen. Jedenfalls können wir das erſte Modell in Wien im
Cechniſchen Muſeum gebührend bewundern. Man ſollte aber
nicht mitleidig über dieſe Dinge lächeln, die heute etwas
vergilbt und hilflos ihr Daſein im Muſeum friſten. Es iſt
eine gewaltige Strecke Kulturgeſchichte in einer Erfindung
verborgen, die ſich — wenn auch nur als winziges Nad
Suggewicht haben, 40 Stunden gehen und ſchlagen und im
Buſen oder Geldbeutel getragen werden können.‟ Die
Bauart der Uhren war zulindriſch und erinnert an unſere
Puderdoſen. Man gab ihnen den Spitznamen „
Nürn=
berger Ei”.
Martin Luther bedankte ſich im Geiſte ſeiner Seit für
eine 1527 vom Abt Piſtorius aus Nürnberg erhaltene Uhr
folgendermaßen: „Durch dieſes, mir ſehr willkommene
Ge=
ſchenk fühle ich mich gezwungen, Schüler unſerer
Mathema=
tiker zu werden, damit ich alle Negeln und Geſetze dieſer
einzig in ihrer Art vorliegenden Uhr lerne, denn ich habe
nie vorher Aehnliches geſehen und beobachtet.”
Ein ſolches Kunſtwerk iſt auf dem bekannten Bilde
Holbeins des Jüngeren abgebildet, das den Kaufmann Georg
Gieße aus Danzig darſtellt und im Kaiſer=Friedrich=
Muſeum zu Berlin hängt.
Derartige Uhren wurden bald Mode und paßten ſich in
ihren Verzierungen der Architektonik ihrer Epoche an.
Unter den erſten, die ſich mit den Entwürfen zu kleinen
Uhrwerken befaßten, war auch der geniale Leonardo da
Vinci, der viele Skizzen hinterlaſſen hat und aus denen zu
erſehen iſt, daß er auf den richtigen Bahnen war. Doch
mögen wohl das Mißverſtändnis ſeitens ſeiner Umwelt und
die Eingebungen ſeiner bildenden Kunſt Schuld daran tragen,
daß wir ihm nur zeitweiſe und nur in der Cheorie als
Vorläufer techniſcher ſchöpferiſcher Ideen begegnen. Auch
in der Flugtechnik wirft er ſeinen Schatten voraus: Als der
Gedanke, zu fliegen, der ſeit der Antike viele große Geiſter
beſchäftigte, noch als ein unerfüllbarer Craum der
Menſch=
heit galt, hielt Leonardo da Vinci kühne und klar umriſſene
Pläne feſt, die allerdings der Welt damals unglaubwürdig
erſchienen. Nie hätte ſich jemand gefunden,
der an die Verwirklichung eines ſolchen
Entwurfes geglaubt hätte. Der Meiſter hat
in einer Seit, die noch keinen Dampfkeſſel
und keinen Verbrennungsmotor kannte, ſich
lediglich auf dunamiſche Berechnungen
ver=
legt und als Naturfreund und
Mathema=
tiker dem Vogelflug und der Statik ſeine
phuſikaliſchen Beobachtungen angepaßt. Es
liegen aber 400 Jahre zwiſchen jenen im
Keim erſtickten Erfindungen und den
Su-
wendungen, mit denen Staat und Induſtrie
heute den jüngſten Sportzweig unterſtützen
— den Segelflug! Auch Otto Lilienthal, der
um die Jahrhundertwende ſein Leben der
Idee des Schwingenfluges opferte, war ein
Vorläufer der Cechnik, die die Erfahrungen
der zwei Jahrzehnte Automobilfahrt mit
den geglückten Verſuchen des motorloſen
Gleitfluges verbanden. Whrights gelten als
die eigentlichen Pioniere des Flugweſens.
Und man denkt noch verwundert an die
Ein Wagen aus der galanten Seit. Seiten, da Pégoud ſeine erſten Sturzflüge
Eine Erfindung des 18. Jahrhunderts, zeigte. Wie lange iſt das her? Heute
erwartet man bei jeder Flugveranſtaltung
Loopings, Nollings und andere fliegeriſche
Kunſtücke weit gefährlicherer Art. Und
da=
zwiſchen liegen keine zwanzig Jahre. . . .
Soeben wird in Siemensſtadt bei Berlin das erſte
Schaltwerk=Hochhaus der Siemens=Schuckert=Werke
eröff=
net. Es iſt dies das erſte Hochhaus, das zu
Fabrikations=
zwecken eingerichtet wurde, in dem ſich Werkſtätten,
Be=
triebsleitung, techniſche und kaufmänniſche Büros
befin=
den und das in ſeiner Anlage den höchſten Anforderungen
der Sweckmäßigkeit, Hygiene und Seiterſparnis entſpricht.
Wir haben einen neuen Bauſtil gefunden, der die Süge
unſerer Seit trägt.
Als im Jahre 1881 die erſte elektriſche Straßenbahn
die Siemens=Werkſtätten verließ, hat wohl niemand
ge=
glaubt, daß die ſchwingenden Kolben der Fabriken einmal
das Cempo der Seit angeben würden. Niemand hat damals
an die Cragweite der Neuerungen gedacht, die das Leben
der künftigen Generation in andere Bahnen lenken
wür=
den als die ihrer geruhſamen Väter, die erſt am Vor=
Das „Nürnbergiſche Ei”
Das Daimler Motorrad in ſeiner Jugendzeit.
Rekordverſuche waren gefahrlos.
Der Deutſche Otto Lilienthal,
der mit ſeinem Schwingenflugzeug ſeine Seit in Atem hielt.
abend einer neuen Geſchichtsepoche ſtanden. — Auch uns iſt
es vergönnt geweſen, das Aufblühen junger, lebensfähiger
Induſtrien zu erleben. Wir haben den Weg vom
Groſchen=
kino zum Filmpalaſt, vom hilfloſen, gebärdenlahmen
Ein=
akter zum ausgeglichenen Kammerſpiel erlebt. Und wir
erinnern uns vergnügt der erſten quakenden, raſſelnden
Lautſprecher und warten bereits auf die Verbindung von
Schall= und Bildübertragung.
Unſere Seit hat einen anderen Hunger nach Erleben,
ſie läßt ſich nicht ſättigen. Ihr fehlt das ablehnende
Staunen, mit dem die Väter im Bratenrock und Sulinder
eine neue Erfindung begrüßten. Die Cechnik iſt zu einem
organiſchen Beſtandteil unſerer Welt geworden und wird
uns noch viele neue und eigenartige Wege erſchließen.
Omaruru, S.-W.=Afr., den 30. Januar 1929.
.. . In dem erſten Briefe habe ich eine der ernſten Seiten
unſerer Cätigkeit im Ausland gezeigt, unſer Wirken und
Schaf=
fen für das Deutſchtum. Doch, wo Schatten iſt, iſt auch Licht,
und wo Dornen ſind, gibt es auch Noſen. Dornen gibt es in
Afrika, dem Lande des Dornbaumes und Dornbuſches in Menge,
im wirklichen und im übertragenen Sinne. In dieſem Schreiben
möchte ich einiges von der Lichtſeite bringen. Die ſchöne Seite
genießen wir in den Serien, wenn man frei iſt, wenn die
Reibe=
reien des Betriebes aufhören, wenn wir Dienſt, unliebſame
Mit=
menſchen und alles Unerquickliche daheim laſſen und
hinaus=
ziehen in Gottes freie Natur, weit, weit hinaus in den „Buſch”,
wo oft auf Hunderten von Kilometern kein Menſch anzutreffen
iſt. Und darum will ich Ihnen jetzt einmal beſchreiben, wie wir
unſere diesjährigen Winterferien verlebt haben. Auch einige
Bildchen füge ich zur Erläuterung bei. Beſſer wäre es noch, Sie
begleiteten mich auf dieſer Cour und genöſſen das große
Er=
leben. Alſo, den Stadtrock ausgezogen, eine Jagdhoſe, ein
Jagd=
hemd, ein Paar derbe Schuhe und eine gute, zuverläſſige Büchſe
beſorgt, das iſt alles, was Sie benötigen. Für alles andere ſorge
ich. — Früher benutzte man für ſolche Ausflüge den
Ochſen=
wagen, die Karre, das Pack= und Reittier. Das iſt in letzter Seit
vollſtändig anders geworden, ſeitdem das Auto hier Eingang
gefunden, womit man die rieſigen Gebiete viel ſchneller
durch-
ſtreifen kann. So habe ich mir auch ein Auto zugelegt, um bei
den gewaltigen Entfernungen meine Serien beſſer ausnutzen zu
können, um aber auch von anderen vollſtändig
unab=
hängig zu ſein. Mein Wagen iſt ein Sweiſitzer mit
einem beſonderen Rückſitz. Ein ſolcher Wagen iſt für unſereinen
der geeignetſte; denn der Nückſitz iſt auswechſelbar, und während
der Jagdzeit (Juni/Juli=Ferien) wird er herausgenommen und
dafür wird ein beſonderer Kaſten eingeſetzt. Dann kann man
Decken, Geſchirr, alles, was zum Leben im Buſch benötigt wird,
fein verſtauen, ohne den Wagen zu ruinieren, und vor allen
Dingen kann man das Wild gut verladen, ohne daß der Wagen
beſchädigt wird. Nach der Jagdzeit wird der Kaſten
weg=
genommen, und man hat wieder einen netten Perſonenwagen.
Im Juni waren wir zunächſt mit einer uns befreundeten
Samilie auf der 150 Kilometer entfernten „Spitzkoppe‟ Auf
dieſer Strecke befindet ſich nur die eine Niederlaſſung
Okom=
bahe, beſtehend aus einer evangeliſchen, eine katholiſchen
Miſſionsſtation und einem Store (Kaufladen).
Alſo, die zwei Wagen wurden ſchwer bepackt mit allem,
was zu des Leibes Nahrung und Notdurft gehört für einen
mehrtägigen Aufenthalt im Buſch. Da ſind mehrere Cins
Benzin, mehrere Kannen Waſſer, Decken, Proviant,
Koch=
geſchirre, Schießzeug, Verbandsſtoffe und Gegengifte für evtl.
Schlangenbiſſe mitzunehmen. Meine Frau, mein Sohn und ein
Eingeborener waren mit von der Partie, letzterer als Gehilfe
und Geländekundiger. Denn draußen in der Steppe muß man
einen Führer haben, ſonſt kann man ſich doch einmal in den
unendlichen Flächen verfahren und dem Durſttode preisgegeben
ſein. Auch ſoll man nie mit nur einem Wagen ſolch eine Cour
machen; oft bricht irgend etwas, dann hat man immer noch
den zweiten Wagen zur Nettung.
An einem Nachmittag gegen 2 Uhr fuhren wir los und
gon=
delten ſo bis zum Abend durch das Gelände: nichts als Gras,
Buſch und Baum. Mit Dunkelwerden verfuhr ſich der zweite
Wagen. Glücklicherweiſe hatte ich den Eingeborenen an Bord
und blieb auf der richtigen „Pad”. Einige Signalſchüſſe und
das Spielenlaſſen der Autolaterne brachten dann den Ausreißer
nach etwa einer Stunde wieder herbei. Nun hatten wir für den
erſten Cag aber genug. Ein freier Platz wurde ausgeſucht, um
von Schlangen, Skorpionen und ähnlichem Viehzeug nicht ſo leicht
beläſtigt zu werden, Holz, das in Menge herumliegt, geſammelt,
ein Feuer angezündet, die Wagen abgeladen, Kochgeſchirre
auf=
geſetzt, und bald brodelte und brotzelte es. Nach dem einfachen
aber kräftigen Mahle kommt dann der unerläßlg Kaffee.
Dazu ſchmaucht man das Pfeifchen, ſitzt ums Feuer, erzählt von
dieſemd und jenem oder ſtarrt in die Gluten, ſeinen Gedanken
nachhängend. Währenddem hat der „Junge” das Lager
zurecht=
gemacht. Man „ſtreckt” ſich, raucht noch in den Decken ein
Suſatzpfeifchen, ſchaut hinauf in den Himmelsdom zu den ruhig
ihres Weges wandelnden Sternen empor, lauſcht den Stimmen
der Natur und läßt den Gedanken freien Lauf, die über Länder
und Meere der Heimat zueilen. Plötzlich wird die Stille von dem
Geheul eines Schakales, einer Hyäne oder von dem Gebrumm
eines Ochſen oder ſonſtigen Cieres unterbrochen, und im Nu
ſind die Gedanken wieder zurückgekehrt aus der Heimat, wo man
für einen Augenblick das trauliche Dörfchen, die herrlichen
Wäl=
der, die rauſchenden Waſſer und die grünen Wieſen und die
vogenden Saatfelder geſchaut. Die Lider werden ſchwerer und
ſchwerer, und ſo ſchlummert man in Gottes freier Natur
hin=
über — den Himmel über ſich, die weite Natur, die erhabene
Stille um ſich.
In der Nähe haben ſich die Eingeborenen niedergelaſſen
und für die Nacht einen Baumſtamm aufs Feuer gelgt. Iſt er
verkohlt, dann ſteht ab und zu einer von ihnen auf und legt
Holz nach, damit das Seuer nicht verlöſche. Gerade im Winter
(Juni/Juli) iſt der Aufenthalt im Freien am ſchönſten. Die Kälte
iſt nicht weit her. Nur gegen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang,
wird es empfindlich kühler. Na, da zieht man halt die Decke über
den Kopf. Allmählich rötet ſich im Oſten der Himmel, die
Ein=
geborenen ſind von der Kälte ſchon längſt aus den Decken
ge=
trieben worden, ſie ſitzen um das Seuer, das ſie zu heller Glut
anfachen, ſetzen Waſſer auf, und nach kurzer Seit haben ſie ein
Schälchen „heeßen” fertig. Schnell iſt man nun auch aus den
Decken, reibt ſich die Hände über dem Feuer, betupft die Augen
mit etwas Waſſer — viel darf man nicht vergeuden — nimmt
ein kräftiges Frühſtück ein, packt auf, ſteckt das Pfeifchen in
Brand, und weiter geht’s in der angenehmen Morgenkühle.
So fuhren auch wir am anderen Morgen los. Doch wir
waren kaum 10 Minuten unterwegs, da bot ſich uns ein
wun=
dervolles Bild dar. Links, rechts, vor uns, hinter uns, überall
Wild, Wild in Herden. Da eine Herde von Hunderten von
Springböcken, dort eine andere, gemiſcht mit Gemsböcken, an
einer andern Stelle Strauße uſw. Hineinzuſchießen wäre eine
Noheit geweſen. Manchmal überquerten ſie dicht vor dem Wagen
die Pad, eine Wolke Staubes hinter ſich zurücklaſſend. So ein
Bild muß man geſehen haben, um es glauben zu können. Dieſe
Herden ſind auch nur in der unberührten Steppe anzutreffen. In
den beſiedelten Gebieten gibt es auch noch Wild in Menge, aber
nicht in ſolchen Maſſen wie hier. Wir hielten lange, um das
herrliche Bild ganz in uns aufzunehmen. Langſam, ganz langſam
ſetzten wir unſern Weg fort, immer und immer wieder dies
Schauſpiel betrachtend, denn die Ciere begleiteten uns ſeitwärts
in einiger Entfernung. — Schon tauchte in der Ferne die höchſte
Spitze der Kuppen auf, die in der Nieſenfläche weithin ſichtbar
iſt und die uns von nun ab als Nichtungspunkt diente. Ein
Ver=
fehlen iſt nun unmöglich. Im Laufe des Nachmittags langten
wir denn auch dort an. Ganz plötzlich, ohne beſonderen Fuß,
erheben ſich die Kuppen wie Nieſendome aus der Fläche.
Ange=
langt, ſuchten wir uns ein paſſendes Plätzchen, eine windgeſchützte
Stelle, als Lagerplatz aus. Dort bleiben wir zwei Cage,
beſtiegen einige Kuppen, die nur durch beſtimmte Schluchten
zu=
gänglich ſind. In halber Höhe war ein Plateau, von
Selſen eingefaßt, wo vor nicht zu langer Seit noch Buſchmänner
gehauſt haben in einer natürlichen Seſtung. In den zahlreichen
Höhlen fanden wir viele Buſchmannzeichnungen, u. a. ſolche von
Cieren, die es heute in dortiger Gegend nicht mehr gibt. An
einer anderen Stelle lagen zwei Höhlen mit vorſpringenden Fels=
Dilemma im Srühling.
Von Georg Grabenhorſt.
„Gerade jetzt, wo es Frühling wird, wo es einem wie ein
Quirl im Blute ſteckt, wo man ſo recht liebebedürftig iſt, gerade
jetzt willſt du reiſen, willſt du mich allein laſſen. ..
„Aber ich muß doch.
Jo4
„Warum mußt du??"
„Liebes Kind. *
„Du liebſt mich nicht! Das iſt esl! Weiter nichts. Meinſt
du, ich wüßte nicht...
„Du biſt nicht geſcheit..."
„O, ich weiß, das ſagſt du immer, wenn du ein ſchlechtes
Gewiſſen haſt! Du biſt abſcheulich!”
Sie ſetzte ſich auf einen anderen Stuhl, abſeits vom Ciſch,
ſchlug ihre ſchönen Beine übereinander, wippte heftig mit der
Sußſpitze und ſah vorwurfsovll und hartnäckig in den
Sonnen-
untergang, der quittegelb in das dunkle Geäſt der Bäume tropfte.
Während ſie einer Droſſel zuhörte, die ſie, poetiſch und
eigenſinnig wie ſie nun einmal war, für eine Nachtigall hielt,
während ſie ihren Kummer, ihre verratene und verlaſſene Liebe,
ihre zukünftige Einſamkeit und Sehnſucht mit trotziger,
genieße=
riſch=quälender Phantaſie erfüllte, während ſie verſuchte, mit den
Lippen zu zucken und über ihre entzückend fein geſchwungenen
Schultern leichte, reizende Schauer zu ſpielen (bis hinab in die
ſchmalen, nervöſen Kinderhände!) — während ſie ſo verſuchte,
ihrer wahrhaft rührenden, bemitleidenswerten Gemütsverfaſſung
Ausdruck zu geben, betrachtete ſie zugleich mit dem gewiſſen
Frauen eigenen Vermögen des doppelten Blickes ſich ſelbſt,
gleichſam aus den Augen ihres undankbaren Freundes. Dieſer
eigene Anblick rührte ſie bis ins Ciefſte. Sie fand ihre Lage
nicht nur bemitleidenswert, ſondern empörend unverdient und
traurig und komnte in dieſem ſo lebhaft empfundenen Unglück
nicht verhindern, daß ihr die Cränen in die Augen traten. Sie
fühlte die quillende Feuchtigkeit mit wütender Genugtuung und
unterdrückte ein Schluchzen ſo namenlos geſchickt, ſo unendlich
lieb und reizend, daß es einen Stein hätte erweichen müſſen.
Sehr zart und warm legte er ihr auch ſogleich die Hand auf
die Schulter, ohne jedoch aufzuſtehen oder vorderhand mehr zu
verſprechen, in jener ihm eigentümlichen, unerſchütterlich ruhigen,
väterlich begütigenden Art, die ſie jedesmal verwirrte, in ihren
tieferen Abſichten unterbrach und darum reizte.
„Antike Statuen willſt du da unten ſtudieren, ſagſt du? Och
fürchte nur, ſie werden ſehr modern und ſehr lebendig ſein, und
du wirſt ihnen nicht ſo väterlich die Hand auf die Schulter
legen...
„Aber, liebes Kind.."
„Und ich bekomme inzwiſchen Anſichtspoſtkarten, wo darauf
ſteht, daß du ſehr beſchäftigt biſt, daß die Sonne ſcheint, der
Chianti abends am beſten ſchmeckt, und die Nächte erguickend
und voller angenehmer Cräume ſind. . . . Ich kann das glauben
oder nicht glauben und mir dabei denken, was ich will, mir die
Haare ausreißen und vor Sehnſucht vergehen — und dich läßt
das alles kalt, es amüſiert dich nur, wenn ich es in meine Briefe
ſchreibe. Du nennſt mich liebes Kind wie immer und verſprichſt
mir goldene Berge für den Sommer, für das Wiederſehen. . .."
Was habe ich jetzt davon, jetzt, heute, morgen, übermorgen.
dieſen ganzen langen wunderbaren ſchrecklichen Frühling hin=
durch? Was helfen mir deine infamen Poſtkarten? Verrückt
machen ſie mich! Ich ſage dir, es geſchieht etwas, wenn du jetzt
fortgehſt! Es geſchieht etwas!!“
Es iſt ganz ohne Sweifel, dachte er, am hübſcheſten iſt ſie ſo,
wenn ſie wütend iſt, wenn ſie droht, wenn ſie Gewitter macht
mit Ahnung und Schickſal. Sie iſt und bleibt doch ein unerhört
lieber, netter Kerl!
Ganz oben in den Wipfeln hing noch ein letzter Schein des
Cages. In der Veranda wurde ſchon das Licht angezündet. Der
Garten war von Gäſten leer. In der Ferne hörte man die
Eiſenbahn.
Sie gingen den Waldweg zurück. Lange ohne ein Wort.
Wir werden wieder an dieſer gefährlichen Stelle vorbeikommen,
wo die Anemonen ſtehen, dachte er und ſchob ſeinen Arm wie
zufällig und in Gedanken in den ihren.
Sie ließ es geſchehen und fragte plötzlich, unvermittelt:
„Geht eigentlich Holgersſon mit?‟
„Nein, er kann leider nicht, er wird . . ."
Ihm kam, zugleich mit dem Erſtaunen über dieſe, wie ihm
ſchien frappierend folgerichtige und natürliche Frage, ein
Ge=
danke, den er für geeignet hielt, ihren Kummer, der ſich ja ſchon
auf richtiger Fährte befand, vollends zum beruhigenden Siele zu
führen.
„Weißt du,” ſagte er leichthin, „ich werde Holgersſon bitten,
dir einmal Geſellſchaft zu leiſten! Er iſt mein Freund. Ich habe
dir oft geſagt, wie ſehr ich ihn ſchätze. Er hat gute Manieren.
Er verſteht es ausgezeichnet, einem die Seit zu vertreiben, hat ein
entſchiedenes Calent zu tröſten und rückſichtsvoll zu ſein, hat
außerdem ſehr ſchöne große graue Augen, in die man mit
Ver=
gnügen hineinguckt, und geht ſo tadellos angezogen, wie man es
platten derart übereinander, daß es ausſah wie zwei
Bal=
kone an einem hohen Hauſe. Auch Löwenſpuren waren zu
ſehen, von den Löwen aber nichts. Nach zwei Cagen fuhren wir
wieder los, während unſere Begleiter noch blieben, um zu
zeichnen. — Unterwegs ergänzten wir unſeren Mundvorrat,
indem ich zwei Springböcke umlegte. Dieſe Ciere haben,
nebenbei bemerkt, ein ſehr zartes Fleiſch. Gegen Abend ſuchten
wir uns wieder eine gute Lagerſtätte aus, die Ciere wurden
auf=
gehängt, ausgeweidet, aus dem Fell geſchlagen, damit das Fleiſch
während der Nacht tüchtig durchkühle. Nun gab’s gebratene
Leber mit einem Schluck „Windhuker”. Herrlich ſchmeckte das!
Europiens Genüſſe hätte ich nicht dagegen eingetauſcht. Der
ge=
ſunde Appetit in der friſchen Luft, die Bewegung, dann die
abſo=
lute Nuhe: das kräftigt, ſtärkt die Nerven, bräunt die Wangen.
So geht es Cag für Cag. Oft bleibt meine Frau im Lager zurück,
und ich gehe mit dem Jungen allein los, einen Bogen von einigen
Kilometern um das Lager ſchlagend, um etwas für die Küche zu
beſorgen. Kehrt man zurück, ſo ſteht der Kaffee bereit; ohne
dieſen kann man ſich in Afrika keine Pad denken.
Gekräftigt und befriedigt kehrt man in ſein Heim zurück,
wo man nach einer gründlichen Neinigung wieder menſchenähnlich
wird. Aber die Ferien werden noch weiter ausgenutzt. Nach ein
bis zwei Cagen geht’s wieder hinaus nach einer anderen
Nich=
tung. So auch damals. Wir fuhren nun nach dem etwa 25
Kilo=
meter entfernten Okapekaha=Damm. Ein herrliches
Plätzchen: Büſche, Bäume, Waſſer und — Wild. Etwa zwei
Kilometer vom Waſſer entfernt richteten wir uns häuslich ein.
Auch hier ſpielte ſich das Padleben in der oben beſchriebenen
Weiſe ab. Wir ſtiegen in den Bergen umher, beſichtigten die
Swiebel=Höhle mit ihren Buſchmann=Seichnungen.
Wäh=
rend der heißen Cageszeit liegt man im Schatten der
Kamel=
dornbäume. In der Morgenkühle oder am ſpäten Nachmittag
macht man eine kleine Fahrt oder einen Gang, wobei natürlich
immer die Büchſe zur Hand ſein muß, weil man ſie oft aus den
verſchiedenſten Gründen benötigt. Sehr ſchön iſt es, nachts das
Wild an der Waſſerſtelle zu beobachten. Einzeln oder in Nudeln
kommen die mächtigen Kudubullen ans Waſſer. Man ſitzt
ver=
ſteckt, und in den hellen Mondnächten läßt ſich das Cierleben
guf ſtudieren. Wo Wild iſt, ſind natürlich auch Naubtiere
Hyänen und Ciger (Leoparden) ſtatten dieſer Waſſerſtelle
eben=
falls ihren Beſuch ab, teils um zu trinken, teils um Beute zu
machen. — Mit Sonnenuntergang fallen dann die Wachteln in
großen Scharen ein. Hat man Verlangen nach Wachtelbraten,
na, dann hält man mit der Schrotſpritze dazwiſchen, und ohne eine
größere Sahl kehrt man nicht zum Lager zurück. In dieſer
Ge=
gend verbrachten wir mehrere Cage, dann ging es wieder an den
häuslichen Herd zurück. Meine Lieben hatten nun vorläufig
ein=
mal genug von dem Padleben. Deshalb fuhr ich mit dem
Ein=
geborenen allein los, wieder nach einer neuen Nichtung,
ver=
ſchiedene Farmer, die mich eingeladen, zu beſuchen. Den erſten
Halt gab es etwa in 40 Kilometer Entfernung bei einem guten
Bekannten, auf deſſen Damm ich mir einige Wildenten
ver=
ſchrieb. Nach weiteren 40 Kilometern kam ich zu einem gewiſſen
Hoffmann, der, weil er ſelbſt kein Jäger, mich und andere
ge=
beten, doch einiges Wild, das ihm die Weide zerſtörte,
wegzu=
ſchießen. Er hat nämlich eingezäunt, und über 1000 Springböcke
ſind miteingezäunt worden. Bei der ſtarken Vermehrung der
Ciere kann man ſich denken, was da an Weide vernichtet wird.
Am erſten Abend war wenig zu ſehen; die Ciere hatten ſich
ſchon verzogen, und ich brachte nur einen Bock und einige
Perl=
hühner mit. Aber am anderen Morgen ſtieß ich nach etwa vier
Kilometern auf eine weiße Herde. Von einer Stelle aus — ich
brauchte mich buchſtäblich nur auf dem Abſatz herumzudrehen —
legte ich fünf Ciere um. Bald darauf verließen wir mit einem
von Jagdbeute vollbeladenen Wagen auch dieſe gaſtliche Stätte.
Mittlerweile hatte unſer Miſſionar, der gleichzeitig die weiße
Gemeinde bedient, für die Farmer draußen einen
Feldgottes=
dienſt angeſagt. Wir fuhren ebenfalls hinaus nach Etendero,
der Farm eines Deutſchen. Im Gelände wurde eine paſſende
Stelle ausgeſucht, ein mächtiger Kameldornbaum, unter dem eine
halbe Kompagnie hätte lagern können. Die meiſten Farmer der
Umgegend waren hier zuſammengekommen. Nach dem
Gottesdienſt war gemütliches Beiſammenſein bei Sang und einem
kühlen Crunk. Gegen Abend eilte dann jeder wieder ſeiner
Heimat zu.
Aber, o weh, die Ferien, wo waren ſie hingekommen? Nur
noch zwei Cage, und die mußten noch einmal recht afrikaniſch
genoſſen werden. Alſo, mit meinem Eingeborenen nochmals in
die Berge, um die Fleiſchkammer für den Wiederbeginn des
Penſionatsbetriebes zu füllen. In den Erongobergen kam mir
auch bald ein mächtiger Kudubulle vor die Slinte. Mein Junge
blieb am Wagen, da ich den Bullen bald zu haben gedachte. Ich
ſtieg dem Ciere nach, aber es war mir nie ganz ſchußgerecht. So
lockte es mich durch Schluchten, über Höhen weiter, immer
weiter. Endlich verhoffte es auf einem vorſpringenden Grat, nach
dem Verfolger Ausſchau haltend, nicht ahnend, daß der ſo nahe.
Es war gegen Abend. Wundervoll hob ſich das majeſtätiſche
Cier vom Abendhimmel ab, mir auf kaum 100 Meter das Blatt
darbietend. Es tat mir leid, die Büchſe anzulegen, und nicht
ganz frei von einem gewiſſen Gefühl hob ich zögernd das Gewehr.
Verſchiedenes regte ſich in meiner Bruſt; aber der Gedanke an
der Bekannten hämiſche Bemerkungen vom Sonntagsjäger
ließen mich den Abzug berühren. Ein Krach, ein Hochſprung, und
das Cier regte ſich nicht mehr. Ich war allein, die Sonne wollte
verſchwinden, der Nückweg war beſchwerlich, dazu das Gelände
mir wenig bekannt. Alſo ſchnell handeln. Ich brach es auf,
zverblendete” es, d. h. es wird mit Aſten und Dornen derart
bedeckt, daß während der Abweſenheit kein Naubvogel (
Aas=
geier) und auch kein Schakal daran kann. Nun aber der Abſtieg
und Heimweg. Auf der alten Spur zurückgehen mochte ich nicht,
alſo vorwärts, da ich den Wagen in der angenommenen
Nich=
tung vermutete. Ich kletterte und kletterte, kam durch
Schluch=
ten, über Kämme, immer einen hohen Berg im Auge behaltend.
Es wurde dunkel, der Schweiß rann, die Feldflaſche war leer.
Schon begannen ſich Sweifel zu regen, ob ich den richtigen Weg
eingeſchlagen, und ſchon erwog ich den Gedanken, ein Seuer
an=
zuzünden, die Nacht zu ruhen, um den hellen Morgen abzuwarten.
Noch einmal erkletterte ich einen Kamm, und ſiehe da, in der
Ferne, in der von mir angenommenen Nichtung war ein Seuer
zu ſehen. Alſo war ich doch richtig gegangen, nur in der
Ent=
fernung hatte ich mich getäuſcht; in der Hitze der Jagd hatte ich
nicht bedacht, wie weit ich abgekommen. Drei Signalſchüſſe aus
meiner Büchſe belehrten den Jungen am Wagen, daß ſein Feuer
bemerkt ſei und ich mich nähere. In Afrika iſt es für die
Per=
ſon am Wagen ſtehende Negel, daß ſie mit Einbruch der
Dunkel=
heit, wenn der Gefährte noch draußen iſt, ein weithin ſichtbares
Seuer anzündet und unterhält. Nach einer halben Stunde war ich
im Lager. Nun im ſichern Port, braucht man ſich keine
Ent=
behrung mehr aufzuerlegen, und ſo wurde das vorhandene
Ge=
tränk reſtlos vertilgt. Für dieſen Eag hatte ich genug. Ich ließ
Wild Wild ſein und fuhr heim, da ich zudem am nächſten
Mor=
gen mit nur einem Jungen doch nichts hätte anfangen können.
Noch vor Sonnenaufgang ging es dann am andern Morgen mit
drei Jungen los. Och fand mich auch wieder gut zur Jagdbeute
hin. Nachdem ich das ſtattliche Cier auf die Platte gebannt hatte,
wurde es aus der Haut geſchlagen, zerlegt und in
Stappen nach dem Wagen geſchafft. Das war in den Bergen,
durch die Schluchten bei der Hitze ein Vergnügen! Hätte man ſo
etwas auf Befehl tun müſſen, dann wäre nicht ſchlecht geſchimpft
worden. Aber da es freier Wille war, ging’s. Von dem, was
zu leiſten war, kann man ſich einen Begriff machen, wenn ich
erwähne, daß an dem Kopf mit Horn ein Mann genug zu tragen
hat. Na, nachmittags um 4 Uhr langten wir zu Hauſe an,
nach=
dem ich unterwegs noch ein Böckchen (Duiker) hatte mitgehen
heißen.
Nun aber waren die Winterferien herum, und „des Dienſtes
ewig gleichgeſtellte Uhr” beherrſchte wieder unſer Leben. Aber
noch lange denkt man zurück an das Leben und Creiben im
Sreien. Das Herumſtreifen im Buſch hat Geiſt und Körper
erfriſcht. Alles, was mit Dienſt und ſeinen Neibereien
zuſam=
menhängt, war während dieſer Seit vollſtändig aus dem
Ge=
dankenkreis verdrängt, verbannt, und der Körper kommt
inſo=
fern zu ſeinem Necht, als er oft bis zum äußerſten angeſtrengt
wird. Im voraus werden dann wieder Pläne geſchmiedet fürs
kommende Jahr. Ausflüge ins Gebirge wie in Europa gibt es
hier nicht. Hier geht es hinaus in Gottes freie Natur, und man
braucht nicht zu fürchten, bei jedem Schritt über einen
Mit=
menſchen zu ſtolpern. Draußen allein, Hunderte von Kilometern
von jeder menſchlichen Stätte entfernt, auf ſich und ſeine gute
Büchſe angewieſen, da iſt Genuß, Erholung. Aber auch hier
dringt die Beſiedlung immer weiter vor. Nun, da geht man halt
noch ein Endchen weiter; noch gibt es ja ungeheuer rieſige
Ge=
biete, die noch keines weißen Mannes Fuß betreten hat, Draußen
in der erhabenen Steppe — da iſt man Menſch, da kann man’s
ſein.
So, nun kehren Sie wieder zurück nach Darmſtadt in das
Menſchengewimmel — brrr. Die Wangen ſind braun geworden,
der Körper hat etwas von ſeiner Fülle dem Buſch abgegeben,
die Haut iſt mit einer gewiſſen Kruſte überzogen, die nur durch
Seife und Bürſte wieder entfernt werden kann, kleine Wunden,
die man mitgebracht, heilen bald, die Kleider ſchenkt man am
beſten dem Eingeborenen, weil daheim doch nicht mehr zu
ge=
brauchen; aber blanke Augen hats gegeben und Nerven: geſtählt
und wie Celegraphendrähte!
von einem Maler nicht erwartet. Ich werde ihn alſo bitten,
natürlich, das werde ich tun, und .. ."
„... was würdeſt du ſagen, wenn dein Freund Holgerſon.
mit den ſchönen Augen und den guten Manieren, ſich in mich
— verliebte??
„Aber ich bitte dich! Das erwarte, das verlange ich
geradezu von ihm! Er wird um ſo aufmerkſamer ſein und meine
Bitte mit um ſo mehr Hingabe und Bemühung erfüllen.. ."
Sie biß ſich auf die Lippen. Er ſah es zwar nicht, dazu war
es zu dunkel, aber er wußte es, er ſpürte es ſozuſagen im
Hand=
gelenk.
Dann ſagte ſie langſam, mit überlegter und ſehr effektvoller
Betonung:
„Und ... wenn ich mich nun — in ihn verliebte, . . . was
Hie
würdeſt du dann ſagen.. 22"
Er lachte. Es war boshaft, wie ſorglos und herzlich er
das tat.
„Liebes Kind, dazu biſt du viel zu geſcheit
Sie bebte vor Sorn und Empörung.
„Und wenn ich nun einmal mit voller Abſicht nicht
ge=
ſcheit bin, wenn ich mich richtig und leidenſchaftlich in ihn
verliebe, was dann ??”
Er zog ſeinen Arm aus dem ihren und legte ihn ſanft und
ſorglos um ihre Schulter.
„Dummerchen!” ſagte er und ſtreichelte mit der anderen
Hand über das kühle und etwas feuchte Haar. „Neg dich doch
nicht ſo auf! Das wäre doch auch noch kein Malheur..."
„Was??‟ Das wäre kein Malheur??! Daß du dickh
nicht ſchämſt! Gehl Laß mich! O, wie grauſam ihr Männer
ſeid, wie brutal!!
„Aber, liebes Kind, was willſt du? Ich mache dir ja nich
den geringſten Vorwurf! Ich würde dich ſogar vollkommen
ver=
ſtehen! Ich wüßte gar nicht, warum ich grauſam ſein ſollte
warum . . ."
„Das iſt es jal! Wenn du mich liebteſt, würdeſt du
mich erdroſſeln, wenn ich mich in Holgerſon verliebte, würdeſt du
mir die Augen auskratzen, mich auf der Stelle umbringen! Aber
du, was tuſt du? Es wäre kein Malheur!! Als ob
du froh biſt, mich vielleicht auf anſtändige Weiſe loszuwerden!
O, ich kenne euch! So ſeid ihr alle! Allel Alle!”
Es iſt durchaus fatal, dachte er. Da hat man ſich nun
glück=
lich ſo weit durchgerungen, daß man ſeinen Freundinnen
Eifer=
ſuchtsſzenen unbedingt zu erſparen entſchloſſen iſt — da hat man
ſich aus einer Summe der peinlichſten Erfahrungen dieſe
einiger=
maßen taktvolle und wie mir ſcheint vorurteilsfreie, wirklich
großzügige Art der Lebensbejahung herausdividiert — da iſt man
un, ſozuſagen am eigenen Leibe, bereit, das
Selbſtbeſtimmungs-
recht der Frau zu beweiſen, auf die Seuerprobe zu ſtellen, ja, es
koſte was es wolle, rückſichtslos, gegen das eigene Herz, mit
fanatiſcher Überzeugung und hundert glühenden kategoriſchen
Imperativen zum Siege zu führen — und man erlebt
kopfſchüt=
elnd die Überraſchung, daß einem dieſe Bemühungen nicht als
Verdienſt, ſondern als Verbrechen angerechnet werden, daß
man für grauſam gilt, für brutal (ol), wenn man ſich zart und
voller Verſtändnis zeigt!
So dachte er mit einiger Verſtimmung und ebenſoviel
Be=
hagen, denn er blieb dabei, daß ſie ſo, in dieſer gewittrigen
Stim=
mung, am reizendſten war.
Außerdem war der Weg unausſprechlich ſchön. Sterne
fun=
kelten, Glühwürmchen ſchwarmten, und von drüben, von der
Gartenwirtſchaft herüber klang manchmal, undeutlich und wie
verweht, untergetaucht in das ruhende, atmende, flüſternde
Dunkel, in dieſes Meer der geheimnisvollen, leiſe, tief und
mäch=
tig wogenden Nacht, eine dünne, wehmütig=ſüße Muſik. Die
Luft war ſchwül, ſeltſam flackrig und ſchwer — und wieder auch
plötzlich kühl und, als ob ſie ſich aneinander feſthalten müßten, ſo
haltlos auf einmal, unſicher und gefährlich.
Als ſie an jene Stelle kamen, wo im Mooſe die Anemonen
blühen (magiſch leuchteten ſie herauf!), da mußte ſie ſich auf
ſeinen Arm ſtützen, ſo ſchwer wurde ihr das Gehen, da mußte ſie
ſich an ihn anlehnen und beide Arme um ſeinen Hals legen. Und
weil ihm ſelbſt die Knie auf einmal unſicher wurden vom langen
dunklen Wege, ruhten ſie aus im Mooſe und pflückten
Ane=
monen. Er beteuerte ihr dabei, daß er eiferſüchtig ſei „bis aufs
Meſſer”, und ſie zog ihm die Ohren lang und neckte ihn mit
ſeinen antiken Statuen ...
Aber nachher, ſehr viel ſpäter, in der Haustür, fragte ſie,
nachdem ſie ſich ſchon lange und ausführlich verabſchiedet hatten,
hinter ihm her, zufällig, ohne Akzent, ganz ohne Gewicht, wie
man nur noch einmal etwas längſt Verabredetes erinnert und
wiederholt:
„2.. und vergiß ja nicht, Holgerſon darum zu bitten, hörſt
du
Sie ſagte das mit einem ganz unnachahmlich rührenden
Con=
fall in ihrer Stimme, darin über einem ſehr innigen,
entzückend=
verhaltenen Abſchiedskummer, über einer reizend=hilfloſen,
ſchick=
ſalergebenen Verlaſſenheit wie ein Hauch ein ganz leiſer, ganz
heimlicher Vorwurf lag und ein ganz leiſer, ganz heimlicher
Criumph!
Dämoniſche Srauen.
Von Dr. Ella Menſch.
Seigt ſie uns das Leben? Die Literatur? Aber getrennt
laſſen ſich dieſe beiden Gebiete wohl nicht anſchauen, „denn ewig
iſt die arme Kunſt gezwungen, zu betteln, von des Lebens
Ueber=
fluß” geſteht die Grilparzerſche Sappho.
Aber auf die Frage: ſind dir ſchon viele dämoniſche Frauen
begegnet? müſſen wir ein ehrliches Nein antworten. Sollte ſo
etwas wie Dämonie ſich nur in früheren, faſt noch vom Dämmer=
grau der Sage umwitterten Seiten entwickelt haben, oder in
jenen geſchichtlichen Epochen, wo der Eigenwille ungebändigter
Kraftnaturen ungehemmt über das Mittelmaß hinauswachſen
konnte?
Vielleicht fällt die legendär=hiſtoriſche Semiramis, die
Judith der bibliſchen Ueberlieferung, die Fredegunde aus
der wilden Merovingerzeit unter den Begriff des Dämoniſchen
wie er uns geläufig geworden iſt als eine Aiſchung dunkler
In=
ſtinkte und rückſichtsloſer Herrſchſucht. Aber nachprüfen können
wir das nicht. Auch die braune Nilſchlange, die äguptiſche
Kle=
opatra, die den Vömer Antonius ins Verderben riß, war
letzten Endes nur eine leichtfertige Lebedame großen Formats,
die von der Dichtung dann ins Diaboliſche umfriſiert worden iſt.
Ueber die Lukrezia Borgia gehen die Anſichten der
Nachwelt ſtark auseinander. Die vielen, mit mehr oder minder
Glück vorgenommenen Ehrenrottungen haben aus der
ränkelüch=
tigen Giftmiſcherin ſchließlich ein hilfloſes Milieugeſchöpf
ge=
modelt, das unfreiwillig in die Untaten der männlichen
Ver=
wandten verſtrickt wurde. Aus der Dichtung ſtrömen uns die
Bei=
ſpiele für weibliche Dämonie um ſo reicher zu. Die Wagnerſchen
Frauen wie Ortrud, Kundry ſind ausgeprägte dämoniſche
Naturen, die aus den Urtiefen ihres Weſens heraus für ſich und
andere das Schickſalsnetz weben.
Nicht ſo ohne weiteres kann man in der Dichtung des Lebens
klarſtes Spiegelbild gewahren, beſonders nicht da, wo ſie ſich ſchon
zum Mythos verdichtet und ihre Geſtalten ſinnbildliche Bedeutung
gewonnen haben. Denn immer iſt es Aufgabe der Poeſie, die
vereinzelten Strahlen wie in einem Brennpunkt
zuſammenzu=
faſſen und das, was in der Wirklichkeit, im Guten wie im
Schlimmen, auf verſchiedene Weſen ſich verteilte, in
konzentrier=
ter Form darzubieten. Je reicher und ausgiebiger die Quellen
über geſchichtliche Perſonen uns zuſtrömen, je mehr wir imſtande
ſind, zu ergründen, deſto ſeltener ſtoßen wir auf die Erſcheinung
ausgeſprochener Dämonie. Auch die großen Verbrecherinnen der
Weltgeſchichte wie Katharina von Medici, von deren Bilde ſich
die Blutflocken der Bartholomäusnacht nicht abwaſchen laſſen,
iſt war eine gefährliche Intriguantin, aber keine eigentlich
dämo=
niſche Natur. Die ſpaniſche Maria Cudor, ausgeſtattet mit
allen Eigenſchaften religiöſen Fanatismus, iſt im Kerne ihres
Weſens eine enge Philiſterin. Die ſtaatskluge und in ihrem
Prwatleben zügelloſe Katharina II. von Nußland iſt viel zu
nüchtern und berechnend, um in die Gattung der dämoniſchen
Frauen zu fallen.
Wäre dieſe alſo am Ende ein Phantaſiegebilde, dem keine
Nealität entſpricht, wenigſtens nicht mehr entſpricht? Faſt ſind
wir geneigt, hierauf mit „Ja” zu antworten.
In früheren Seiten, als die Maſſe der Frauen in ſtreng
ge=
bundenen Formen und unantaſtbaren Ueberlieferungen lebte,
ge=
ſchah es nur ſelten, daß eine Geſtalt mit beſonderer Eigenprägung
ſich aus der Menge hervorhob. Was man einige Jahrhunderte
ſpäter kurzweg mit „emanzipiert” bezeichnete, hieß damals
„dämoniſch”
Die weiblichen Sportleiſtungen von heute, die
Wettſchwimme-
rinnen und Olympiaſiegerinnen könnten gut und gerne das Maß
für die Walküren und Brünhilden ſtellen!
Frank Wedekind gefiel ſich in der Annahme, er habe in ſeiner
„Lulu” und deren Erotomanie den Cyp einer vollendeten Dämonie
herausgeſtellt. Aber ſeine äſthetiſchen Anſprüche nach dieſer
Rich=
tung müſſen lehr beſcheiden geweſen ſein, denn von Lulus
Wede=
kindſcher Faſſung wimmelt es in den Großſtädten, lie fallen auf
die Nerven, infolge ihrer — Monotonie. Auf ſie könnte
allen=
falls die Behauptung Otto Meininges, daß ihre Qualitäten an
ihrem Nicht=Sein, an ihrer Weſenloligkeit hangen, Anwendung
finden, ebenſo daß die Furcht des Mannes vor dem Weibe, die
Furcht vor der Sinnloſigkeit, vor dem lockenden Abgrund das
Nichts ſei.
Aber gerade die Männer, in denen ſolche Furcht wach iſt und
die ſich niemals die Mühe auferlegen, nach Frauen zu ſuchen, die
ihnen auch etwas wie Ehrfurcht einflößen könnten — ich gebe zu,
daß die Suche ſo anſtrengend ſein kann wie die Fahrten des
Parſifal nach dem Gral —, ſind eilig bereit, da, wo Materie ſie
in Bann ſchlägt, Dämonie zu wittern.
So viel ſteht feſt: erweiterte pſuchologiſche Kenntniſſe, die die
hergebrachten Schemata entwerten, führen dahin, daß man mit
dieſem Begriff etwas ſparſamer umgeht.
Charakter, Gang und geiſtige
Enwicklung.
Von NuthGoetz.
Kenner, die ſich mit dem Gang der Frau beſchäftigt haben,
ziehen aus ihren Beobachtungen Schlüſſe auf den Charakter.
Nicht nur auf das Weſen, ſondern auch auf die Anſprüche, die
eine Frau zu ſtellen gewohnt iſt. Ein Gang kann
herausfor=
dernd, ſelbſtbewußt oder demütig und beſcheiden ſein. Und trotz
alledem drückt die Mode dem Gang ihren Stempel auf. Je nach
der Linie muß die Frau ihn wandeln, ohne das Charakteriſtiſche
ihrer Perlönlichkeit zu verwiſchen. Früher mußten die Frauen
„ſchwoben‟. Heute würdo es komiſch wirken, wenn ſie mit
tänze=
riſcher Grazie über die Straßen mit ihrem Haſten und Jagen
eilen würden. Durch den modernen Schuh iſt die Frau der
Gegenwart von dem Swange befreit, kleine Füße vorzutäuſchen.
Die modiſch eleganten Fußbekleidungen geſtatten den
Vertrete=
rinnen des ſchönen Geſchlochts, ihre Füße in natürlicher Form
und Größe zu zeigen. Der Schuh ſteht nicht mehr im
Mißver=
hältnis zum Gang. Er iſt das Weiblichſte an der Frauenkleidung.
Graziös, kokett, mit Sierat beſetzt, wie man ihn kaum je am
Frauenſchuh beobachten konnte, er hat Spangen und Geflechte,
iſt bunt, beſitzt alſo das wirkſamſte Mittel, um eine Eleganz zu
beleben: die Farbe. Er iſt ausgeſchnitten und verrät den Strumpf,
das unerläßlichſte Reguiſit des Frauenganges. Es iſt nämlich nicht
gleichgültig, ob ſie auf ſeidenen oder wollenen Sohlen
einher=
ſchreitet. Ihr flotter, leichtfüßiger Gang beruht eben darauf, daß
ſie dünne oder ſeidene Strümpfe trägt. Sie fordern Aufmerke=
ſamkeit und Geſchmack. Sie verleihen der Crägerin den Hauch
der Gepflegtheit, der eine Frau — ſelbſt wenn ſie nicht mit allen
Neizen von der Natur ausgeſtattet iſt — ſo anziehend macht.
Nicht aus Sufall bevorzugt, man den Schuh heute in ſeiner
natürlichen Größe. Modephiloſophen erklären, daß dieſe Mode
mit der geiſtigen Entwicklung und mit der charaktermäßigen
Vervollkommnung der Frau zuſammenhängt. Die ſchaffende Frau
— ob geiſtig oder körperlich tätig — hat den barbariſchen
Be=
griff der kleinen Füße abgeſchüttelt. Sie kann im Leben nur
ihren Mann ſtehen, wenn ſie gute und paſſende Schuhe trägt.
Eine Frau, die auf ihre Entfaltung Wert legt, die von dem
Drange beſeelt iſt, hinaufzuſtreben, wird kleine drückende oder
nicht ſitzende Schuhe ablehnen. Die Grazie des Ganges läßt auf
eine Grazie des Geiſtes ſchließen. Frauen ohne Kultur achten
nicht darauf, wie ſie ihre Füße ſetzen und wie der Körper von dem
Suß getragen wird. Natürliche Menſchen gehen auch natürlich,
ſie ſetzen ihre Gußſpitzen beim Gehen geradeaus. Wer die Jüße
ſehr nach außen ſtelt, und wer dieſes Nachaußenſtellen wilkürlich
betont, der iſt zu den Menſchen zu rechnen, die nicht ganz
auf=
richtig ſind und gern eine fremde Poſe annehmen. Sehr innerlich
und geiſtig veranlagte Menſchen ſtellen die Füße ein wenig nach
innen. Wer ſich gern Schuhe anquält, in denen der Fuß
ver=
krampft ſitzt, hat meiſtens auch einen verkrampften Charakter.
Frauen mit aufrechtem Sinn werden niemals Schuhe tragen, die
ihren Gang beeinträchtigen. Der moderne Schuh ſoll dem Körper
leine Arbeit erleichtern. Je beſſer er ſitzt, deſto mehr beweiſt er
die fortſchreitende Kultur. Die Griechen und Vömer trugen die
Sandalen, ein ebenſo ſchönes wie zweckmäßiges Gußgewand. Auch
heute wird die Sandale wieder getragen. Freilich in einer
modi=
ſchen Form, die ſich dem Getriebe der Stadt, den Forderungen
von Metall oder Leder „geſchmückt” waren. Je nach dem Stande
trugen die Menſchen Ungeheuer von Schuhen, die mit einer Spitze
von Metall oder Leder „geſchmückt” waren. In nach dem Stande
der Perſonen waren ſie länger oder kürzer. Hohe Herrſchaften
hatten Spitzen, die etwa zwei Juß lang waren, an ihren Schuhen.
Darin lag der protzige Ausdruck ihres Neichtums und ihres
Standes. Sie ſagten damit aus, daß ſie zu den Leuten gehören,
die auf großem Fuße leben durften.
Nummer 312.
Partie Nr. 60.
Im Spätſommer dieſes Jahres iſt ein Wettkampf um die
Schach=
weltmeiſterſchaft zwiſchen dem derzeitigen Weltmeiſter Dr. Aljechin
und dem bekannten, in Deutſchland lebenden Großmeiſter
Bogol=
jubow geplant. Von den 30 beabſichtigten Partien ſollen 18 in
Wies=
baden geſpielt werden. — Bisher hat ſich bei ihren Zuſammentreffen in
Turnieren Aljechin als der Beſſere gezeigt. Die folgende Partie, die wir
mit Anmerkungen dem ausgezeichneten Buche Aljechens „Meine beſten
Partien” entnehmen, gibt einen Eindruck von des Weltmeiſters
gro=
ßem Spiel.
Damen=Indiſch.
Geſpielt im Juli 1921 im Meiſterturnier zu Triberg.
Schwarz:
Weiß:
eine Quelle aller möglichen Schwierigkeiten
Bogoljubow
Dr. Ajechin
für Schwarz.
1.43—44
Oa8—k8.
9. S73—d4 Aber nicht 9. 813—e5
eſ.e.
2. 881—13
wegen 9. Dd8—7 10. Lel—f4,
b7—58
3. 65—o4
S16—n5 uſw.
4. a9—g8
Le8—b7
Lc5xd4
g...
ef-e5
5. I11-g2
Schwarz will ſich von der Schwäche des
Dieſer Zug überläßt Weiß die Wahl zwie d. Bauer befreien und überläßt deshalb
ſchenzweiEntwicklungsmöglichkeiten. Außer Weiß den Vorteil zweier Läufer, die in
6. d4xaß, wie in der Partie konnte Weiß dieſer Stellung außerordentlich ſtark ſind.
auch mit recht guten Chancen 6. d4—d5, Anderſeits war auch die Alternative: 9....
eGRd 5 7. 813—h4 (von Rubinſtein vor= 8b8—o6 10.,844 B06, I.b 7Ke611Ie1) ſpielen.— Der beſte Zug für g5. Leb-e7 12. Ta1—e1 uſw. nicht
Schwarz iſt b. If8—e) in Verbine biel beſſer,
Sb8—c6
dung mit 6. 0—0, 0—0 7. 8b1—03. d7— 10. 5d1zd4
45 8. 8t3—e5, Dd8—o8 (von Sämiſch 11. D44-h4
a5Fe4
vorgeſchlagen) mit befriedigendem Spiel. In der Hoffnung, durch 8e6—a5 oder
6. 448a5 Wie aus dem folgenden a6 —eb ein beinahe gleiches Spiel zu
er=
erſichtlich, kommt Weiß auch durch dieſen langen, nachdem dieweißeDamedenBauern
einfachen Zug dank dem Druck auf der d= geſchlagen haben wird. Stat deſſen zieht
Linie in Borteil.
aber Weiß vor, ſofort den Angriff auf die
L18Xc5
...!
feindliche Königsſtellung zubeginnen, deren
Die Stellung dieſes Läufers iſt gar nicht Feſtigkeit nur ſcheinbar iſt.
ſo ſtark, wie ſie ausſieht: die weiße Ro=
12. Nf1.—d1 Da8—a8
chabeſtellung iſt genügend befeſtigt. Erzwungen! Wenn 12.... Dd8—ef.
7. 0—0
G-O
dann 13. Lcl—g5, h7—h6 14. Lg5s16,
8. 8b1—es
47. 45
De741615. Dh4Xf6,g7KT6 16.741—
überläßtdem Gegnerdie Möglichkeit, ſeinen 4 7, und Weiß gewinnt zwei Figuren für
Königsläufer mit Vorteil aufzudecken. Et= den Turm.
was beſſer wäre 8. . .. 9b8—a6. aber
13. Lc1—g5!
Sf6—d5
auchdann wäre die Schwäche des d.Bauern Oder 13.. . . 9r6—d7 14. 803—e4 uſw.
mit ſtarkem Angriff. Durch den Tertzug und Weiß gewinnt. Nach dem Textzuge
hoffte Schwarz den Abtauſch des feindlichen verliert Schwarz die Dame für Turm und
Königsläufer durch ſeinen 15. Zug zu Läufer, und der Sieg des Weißen iſt nur
eine Frage der Zeit.
erzwingen.
zu
e6xd5
14. 8 3Xd5
15. Td18051 Dieſerunerwartete Zug,
der auf den erſten Blick den Turm dem
Angriff des Läufers b7 ausſetzt, widerlegt
die Pläne des Gegners. Wie das weitere
17. Te 4818!.
18. Pa5—d84
19. Igbxa8
20. Na1—41
21. bh4-84
T1815
Da8as
N2828
Nk5—77
9b4—43
zeigt iſtbieſerZuginallenParianten korrekt. Ein harmloſes Manöber. Schwarz iſt end=
Le6—b4
15...
gültig geſchlagen, und es bleibt ihm nichts,
Es iſt klar, daß andere Züge nicht beſſer als auf ein Wunder zu hoffen.
Weßsa8
waren.
22. 624d3
16. Lg2—e41 Entſcheibend, wie aus 23. d3½64
na8—48
den angeführten Varianten erſichtlich.
Nkf—e7
24. 12—14
h7—h8
16.17—15 Andere Varianten ſind nicht 25. Kg1—12
IbF—e8
beſſer,z. B.: 1. 16. . h7—h6 17. Lg5T 26 Tä1-81
h6, 17— 15 18. Dh4—g5, Doß—a7 19. 27. D84—48
Teſ—47
UhöSe7. Do7xe720,DgbKg 74, Ke88 28. Df3—45
gf.g5.
g7 21. Nd5—d7 mit weiterem 1e43 29. Pe1—5
g5sf4
b7. und Weiß gewinnt, II. 16. ..gf— 30. g3414. Schwarz gibt auf.
g6 17. I.g5—t6, 8b 4Rd518. Le48d5,
Mai e
Nach richtiger Ordnung der Silben enthalten die wagerechten und
ſenkrechten Reihen gleichlautende Wörter.
Carl Deubel.
B1 CALR
IF 10 00
RIE VA VA
Silbenrätſel.
Aus den Silben: al an bron che de de e er form fre gat
gau glo hard i kra ko les ma men ment muſ ni ni nichts
nim nutz o rak raſ rich rod ſa ſing ſter fu tät te the ti
ti tra u u ul ven ver preau ze zi ſind 19 Wörter zu bilden,
deren Anfangs= und Endbuchſtaben, beide von oben nach unten geleſen,
einen Spruch ergeben ſch — ein Buchſtabe).
Die Wörter bedeuten: 1 Deutſcher Dichter, 2 Amtskleidung 3
Sunda=
inſeln. 4 Name von Gotenkönigen, 5 Bildungsanſtalt, 6 großer Jäger,
7 Widerruf, 8 Metallmiſchung, 9 Humaniſt. 10 heilige Handlung,
11 Leder, 12 Nebenraum dor Wohnung, 13 männlicher Vorname,
14 altes Krieosſchiff, 15 brühmter Maler, 16 Land in Vorderaſien,
17 Stadt an der Oder, 18 Kleidunosſtick, 19 „Tagenichts”.
Auflöſung der Rätſel aus Nummer 20.
Kreuzworträtſel.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboter=
[ ← ][ ][ → ] S is nor e Glick, daß’s Wädder bloß ganer macht, un daß
dem niemand enei zu redde hott, dann däß, was dodebei
eraus=
kemt, beiſpielsmeßich beim ballamendariſche Syſtem, däß mecht ich
emol bei Dag ſähe. Un beſunners is es e Glick, daß s an
Pingſte nor vun aam gemacht wärd. Dann grad an Pingſte
gehn die Sonder=Inderäſſe beziechlich vum Wädder ausenanner,
wie A’ſichte iwwer die Färngasverſorgung, wo’s aach gärn der
gane gebacke, der anner geſodde, un der Dritte gekocht hawwe
meecht.
Diß Johr hott awwer, ſollt mer a’nemme, des Pingſtwädder
jedem Wunſch Rächnung gedrage; es hott gleichermaße
ge=
räfend un die Sunn geſchiene uff Gerechte un Ungerechte. Wer
alſo recht in Freuden wandern wollt, der hott alle Kraft
zu=
ſamme genumme, die Luſt un aach den Schmerz, un is de Sunn
endgääche gange, aanerlaa, wo er ſe gedroffe hott. Wer
dohärngääche Luſt hatt, mit Sorje dehaam zu bleiwe, dem war
aach nix in Wähk gelegt, er konnt dehaam bleiwe un braucht
ſich kaa Vorwärf driwwer zu mache; dann ſchließlich; hinner’m
Owe is es blackeweis aach ganz ſchee.
Was mich bedrifft, ſo hab ich’s mit dene gehalte, die wo de
Sunn endgääche gange ſin. Un ich hab zu dem Zwäck ſchun am
Samsdag morjend, eh nor de Giggel zum erſtemal gekreht hott,
alle Bricke hinner mer abgebroche, un hab mich vun=ere gude
Seel ins Audo ſetze loſſe, un bin gemiedlich de Bergſtroß
end=
lang, dorch de Schwazzwald, gääche Freiborch zu, wo mer grad
recht kumme ſin zu=eme Gitzbrode, un wo ſe ſich grad zu=eme
große Sengerfeſt geriſt hawwe, un wo der freundliche Gaſthalter
däßhalb gemaant hott, uns dhet er s allerbeſte Wädder un viel
Sunn winſche, ſich dohärngääche en ausgiewiche Landräje,
da=
mit die feicht=freehliche badiſche Sengerkähle den unvermeidliche
Senger=Dorſcht in de Stadt leſche dhete, un net uffim Feſtblatz.
— No, mir hawwe for den kriſtliche Wunſch heeflichſt gedankt
un äwenfalls diddo mit Soos gewunſche, ſin m „Hellendhal”
enuff, um de Titiſee erum, enunner nooch Sangt Blaſien, hawwe
geſchwind die Leit bedauert, die wo ſich dort, drotz däre ſcheene
Gäjend, geſundheitshalwer uffhalte miſſe, ſin dann iwwer
Waldshut nooch Schaffhauſe un hawwe noch vor’m Nachteſſe de
Rheinfall genoſſe, un zwar bei Mondſchei, weil die „bengaliſch
Beleichdung” noch net im Bedrieb war. (!.. !. .)
Am erſte Feierdag ſin mer dann e Stick dorch die Schweiz,
hawwe uns erei= un erauszus fiſſidiern, äxaminiern un bidd=
ſchiern loſſe, ſin dann am „Hohentwiel” vabei, hawwe an de
Scheffel gedenkt, un an ſein Ekkehard, un hawwe gleichdruff beim
Middagäſſe in Konſtanz zu unſerm Bedauern feſtſtelle miſſe, daß
die Blaufelche äwenfalls net dem Zug des Härzens, ſundern
des Schickſals Stimme folche un immer klenner un deierer wärrn,
ſinn dann iwwer’n Bodenſee gegondelt, hawwe uff de
Meers=
burg en Aageblick an de Annädd dun Droſte ihrm Stärwebedd
geſtanne, ſin dann noch am Noochmiddag weider, dorch’s
Donau=
dhal an de alde Hohenzollernborch vabei, nooch Sigmaringe, wo
die nei’ ſteht un an jedem Eck äxdra noch emol e Denkmal;
hawwe dodruffhie ausgezeichnet geſchlofe, un ſin am zwaade
Feierdag weider an de Borch Lichtenſtaa vabei, hawwe die
Näw=
welhöhl beſichdicht, an de Wilhelm Hauff gedenkt, un in Tübinge
zu Middag gäſſe; hawwe uns in Stugadd den „
Vagabundekong=
gräß” geſchenkt, un dann in Heilbronn ’s ganze Middelalder uff
uns wirke loſſe, hawwe an’s „Käddche” gedenkt, die wo die Kiddi
Stengel im Theater ſo ſchee noochmache kann; un de Götz vun
Berlichinge is uns ei gefalle, der wo eichentlich de
Friedensver=
drag in Wärrſai mit ſeine eiſerne Hand hett unnerſchreiwe
kenne, indem die wenichſtens hinnenooch net verdorrn konnt;
hawwe dann noch raſch däß liewe, alde Wimpfe begrießt, in
Neckargemind noch emol die Hack ei’geſtellt, un hawwe ſchließlich
brogrammeßich um elf Uhr de awend dehaam im Haijo gelääche.
— Vor’m Eiſchloofe is mer dann noch unſer Schorſch Weber
ei gefalle, der wo immer ſo gärn geſunge hott: „Ihr glicklichen
Augen, was je ihr geſehn, es ſei wie es wolle, es war doch ſo
ſchön..
Ja, wärklich, es war e dreidägich Fahrt dorch de Friehling,
un der Bliedezauwer in Berg un Dhal war geradezu alsemol
beengſtichend. Do war kaa Baam, der wo net weiß odder rod
iwwerſeet war. Un wann mer aach a’nemme kann, daß net
alle Bliededräume reife, ſo därfe mer doch ſicher ſei, daß mer
diß Johr was zu ſchmiern hawwe, un daß aach der ärmſte
Hausbeſitzer ſei Brot net bloß mit Drehne zu eſſe brauch. . . .
Un domit kemt ich widder aus meim Pingſtdraum eraus un
uff die rauhe Wärklichkeit zu babbele.
Ja, alſo, die Hausbeſitzer! — Nemlich gääche den
Haus=
beſitzerſtand hab ich frieher e härzhaft Abneichung gehatt, un hab
bei all un jeder Geläächenheit vorſchriftsmeßich Achernis an=en
genumme, un hab ſe badduh net verbutze kenne, ſundern hab ſe
im Gäächedaal nooch Leiweskräfte beneid. Dann net wahr, ſo e
Hausbeſitzer hott doch frieher e herrlich Daſein gehatt, un
for=e a genehm Unnerhaldung war ſtets geſorcht: morjends
hott=
er ſei Mieder ſchiganiert, middags hott=er die Hausmiet
ge=
ſteichert, un Awends hott=er dem Freikunnzärt zugeheert, däß
wo=em ſei Hibbedheke uff=em Dag vorgeſpielt hawwe; in de
iwwriche Zeid hott=er mit=ere Schneidmaſchien Kubboh
abge=
ſchnitte. . . .
Drotzdem mecht ich hier e Ei’ſchiebſel mache, un mecht
be=
kenne un ſage, daß glicklicherweis der Kelch, Hausbeſitzer zu
wärrn, bisher gnädich an mir vorbei gange is. Vun dem
Un=
heil bin ich wenichſtens verſchont gebliwwe.
Dann, offe geſtanne, heit Hausbeſitzer zu ſei, däß is eKreiz
un e Jammer, un do brauch mer net mehr zu ſage: „Gott ſtrof
mich!” dann do iſt mer geſtroft genuch. — Ja, frieher, do hott ſoe
vierſtöckicher Hausbeſitzer ausgeſähe wie’s Läwe, un hott e Ank
gehatt for zwaa. Heit?! — Ach du liewer Himmel! — Ich kenn
gan, der hott frieher zwaa Stiehl gebraucht. Heit guckt er aus
ſeim Azug wie e Maus, die wo ſich in die Feſthall verärrt hott;
un in ſeim Hoſeboddem hott, außer ihm, noch e vierkebbich
Fa=
milje bequem Blatz. Un wie ich neilich zu=em geſagt hab, er ſollt
doch emol zum Dockter geh, dann do mißt unbedingt was
ge=
ſchähe, er dhet jo ganz vum Flaaſch falle, un er kennt ſich’s doch
leiſte, er, als Hausbeſitzer, do ſeecht er zu mer: „Sie brauche aach
noch zu uhze, vun wääche Hausbeſitzer; wann Sie wißte!”
ſecht=er. Un dann hott=er mer ſei Laad geklagt, un geſagt, er wer
nix anners als de Hausknecht for Staat und Gemeinde. Er
mißt ſich bloge Dog un Nacht un mißt rechne, daß em de Kobb
raache dhet. Alle fimf Minnude weern annere Umlage un
Ge=
biehrn fellich, un immer rickwirkend, ſo daß er gornet wißt, wo
die Rickwirkung affange un wo de Afang rickwirke dhet; un
for lauder Zuſchleech, Umſchleech un Eiſchleech, un for lauder
Addickel, Paddiggel un Kanniggel wißt=er net mehr, wo=em de
Kobb ſtind, un uff=en griene Zweich kemt er iwwerhaubt net
mehr, for lauder bezahle un bezahle. — Un jetzt kemt die Stadt
ſchun widder mit neie Steiern, un wollt ihr Deffeſidd an de
Hausbeſitzer erausbräſſe. Awwer, ſeecht=er, er wer’s jetzt ſatt, er
dhet ſich jetzt en Strick kaafe, die Koſte dhet=er uff ſei Mieter
umleeche, ſich ſälwer awwer den Strick um de Hals, un dann
dhet er ſich an de erſte beſte laafende Inſtandſetzungsnagel henke,
noochher mecht die Stadt ſähe. . .
Ich kann dem Mann net Unrecht gäwwe. — Awwer domit
is es aach net gedha, un wo ſoll däß hiefiehrn, wann ſich
ſchließ=
lich alle Hausbeſitzer mit aam Schlag uffhenke wollte. Ich mecht
däßhalb en Vorſchlag zur Giede mache, un wann mer den
Vor=
ſchlag befolcht, dann wärd die Not vun de Hausbeſitzer mit aam
Schlag aus de Welt geſchafft ſei. Nemlich: die Stadt zieht
kimfdich ihrerſeits die Miet diräkt vun de Mieter ei,
un die Hausbeſitzer ſin allem annere endhowe, ſie brauche dann
kaa Berechnunge mehr zu mache, kaa Steiern un Gebiehrn zu
be=
zahle, ſich net mehr mit de Mieder erum zu ärchern un kenne ſich
wenichſtens widder ihres Läwens freie. — Däß is doch e
glen=
zend Leeſung un ſo ei fach wie nor was.
Freilich, ob mer mein Rat befolcht, däß glaab ich net, dann
ſoviel ich die Umſtandskremer bei de Stadt kenn, wärrn die ſich
gääche ſo e Reechelung mit Hend un Fieß weern; dann dene
ihr Grundſatz is doch; warum äbbes ei fach mache, wann 1s
umſtendlich aach geht. Die Hausbeſitzer wärrn alſo weiderhie
diffediern, addiern, muldibliziern un ſubbdrachiern därfe, bis ſe
ſchwazz wärrn, um eines Dags, als Obfer ihres Berufs, an de
Gelbſucht ei zugeh. . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Ich hab mer ſage loſſe, daß uff
die Pingſte aach unſer Streichorchäſter (Str. R. D. —
„Streiche ruhich dahin!”) ſcheneralſtreikmeßiche Affäll gehatt
hett. Gemerkt hott mer weider nix devo, daß Schibb un Bäſem
„in Ruh” warn; dann die Straße warn drotzdem „wie gekehrt”.
— No, in dem Fall hott jo unſer Stadtverwaltung aach zwaa
Streikbrächer, odder ſozuſage e „Täſchnich Nodhilf” uff
die ſe ſich bickelfeſt verloſſe kann, nemlich de Räje un de Wind.
Die zwaa ſchaffe Brieder hawwe, wann Nod an Mann war,
unſere verängſtichte Stadtverwaldung noch immer im rechte
Mo=
mend unner die Arm gegriffe. — Annererſeiz mecht ich awwer
aach mit dem Lob net zurickhalde, daß in bezug uff Sauwerkeid
unſer Städtche widder en vorkriegsmeßiche A’ſtrich hott. Nemlich
vor’m Krieg war däß unſer Stolz, als die ſaiwerſt Stadt vun
ganz Eiroba zu gälde. Däß hott nemlich e engliſch
Studie=
kommiſſion, ſo um neunzeh’hunnerdzehe erum, aktemeßich
feſt=
gehalte, indem die e Studieraas dorch ſemtliche nahmhaffde
Städt vun Eiroba gemacht hott. . . . Jawoll, domols hott
Darm=
ſtadt noch zu de nahmhaffſte Städt vun Eiroba gezehlt —
gäll do guckſte!
Alſo in bezug uff Sauwerkeid, do hammer unſern
Vorkriegs=
ruhm widder errunge; däß därfe mer ruhich ſage (mit einiche
Ei’ſchrenkunge; der Setzerlehrling). Neierdings henke ſe jetzt
aach noch Babierkörb uff; proweweis ſcheinbar, dann ſie
wiſſe vermudlich noch net, wo ſich die hoffnungsgriene Körbcher
am beſte ins „Stadtbild” eifieche loſſe. Jedenfalls, do wo aans
henkt, do ſieht mer die meiſte Babiernſchnibbſel uff de Erd lieje.
Däß kimmt doher, weil die meiſte net richdich ziele kenne.
No, valleicht dhut mer emol en Kurſuß ei richte, wo’s ad okuloß
gezeicht wärd, wie mer verknutſchte Babbiercher odder Billjädde
zielſicher in ſo=en Abfallkorb eneifeiern kann.
Der zeitgemäße Haushalt.
Sie ſpringt dann in Blättern ab und reißt den Schmutz mit ſich.
Dann rühre man Zinkweiß mit Milch zu dünner Miſchung an und
überziehe die Figur mit dieſer und einem weichen Haarpinſel.
ID1
Humor / I
Wie ich Wollreſte gut verwende. Im Frühjahr
und Sommer laſſe ich es mir angelegen ſein, jede Minute im
Freien, beim Beaufſichtigen meiner Kinder, durch Arbeiten
aus=
zufüllen, die ich auch vor kritiſchen Augen ſehen laſſen kann, was
doch mit Flick= und Stopfarbeiten nur ſelten der Fall iſt. Da
ſie nichts koſten ſollen und dürfen, ſuche ich alle Woll=, Stoff= und
Garnreſte dazu zuſammen und beſtimme ſie zur jeweiligen
Ver=
arbeitung. Aus Trikot=, Barchent= und Baumwollſtoffreſten
ſchneide ich Topflappen mit abgerundeten Ecken und
um=
häkle ſie, je zwei Stück aufeinandergelegt, mit feſten, tief
geſtoche=
nen Maſchen und dichtem Henkel. Kleinſte Woll= und
Baumwoll=
reſte ergeben, mit einfachem Stäbchenſtich, recht bunt abwechſelnd
in Streifen gehäkelt, Ueberzüge über Kleiderbügel.
Größere bunte Wollreſte bieten das Material zu
Kaffee=
mützen, Schlummerrollen oder Kiſſen aus Streifen
zuſammengeſetzt. Auch Pulswärmer, Schals und
Bett=
ſchuhe ſind aus größeren Reſten weicher Strick= und Stickwolle
zu fertigen. Iſt das neue Garn verarbeitet, dann trenne ich alte
geſtrickte Herrenſocken, Sport= und Knabenſtrümpfe auf, knüpfe
es, wie es kommt zuſammen, wickle aus je vier Knäulen dieſes
al=
ten Garnes, nur einen Knäuel mit vierfachem Faden und häkle
von dieſem, mit etwa 40 cm langer, feſter Stäbchenreihe
begin=
nend, ein Oval, das ein beſonders originelles Ausſehen erhält,
wenn auch ein alter, weißer Baumwollfaden mitläuft. Hat dieſes
Dval die Größe eines Bettvorlegers erreicht, durch eine heiße
Citocollöſung in ſehr leuchtender Farbe, wodurch ſich das
Baum=
wollgarn kräftig tönt, laſſe es flachliegend über zwei Stangen
austrocknen, unterfüttere es mit billigſter, grauer Watte und
Neſſel, oder grauem Leinen und bin nun gewiß, mit ihm, wie
mit allen anderen, koſtenlos angefertigten Dingen, zu
Geburts=
tagen, wie ſpäter zu Weihnachten, viel Freude zu machen. Ein
Oval habe ich immer angefangen liegen, um weiter
ausrangier=
tes daran verarbeiten zu können, was der Wirkung wegen, viel
H.
Freude macht.
Ranziges Speiſeöl wieder friſchmeckend zu
machen. Man gieße in die in Frage kommende Oelflaſche einige
Tropfen Salpetergeiſt und laſſe die Flaſche in heißem Waſſerbad
20 Minuten ſtehen. Wieder erkaltet, iſt der ranzige Geſchmack des
Oeles vollkommen verſchwunden. Um es vor neuem
Ranzigwer=
den zu ſchützen, füge man dem Oel ½ Teelöffel Salz bei und be=
M.
wahre die Flaſche ſtets feſt verkorkt, kühlſtehend auf.
Delikateſſen=Soße. Eine halbe grüne Gurke, ſowie
2 Tomaten geſchält und in Würfel geſchnitten, dämpfe man in 50
Gramm Butter in der Pfanne und ſtäube 1 mäßig gehäuften
Eß=
löffel Mehl darüber. Dann mit ½½ Liter Fleiſchbrühe oder
hei=
ßem Waſſer aufgefüllt, laſſe man die Soße 10—15 Minuten
lang=
ſam ausquellen und ſchmecke ſie mit Zitronenſaft und 1 Meſſer=
H.
ſpitze Roſenpaprika ab.
Gipsfiguren auf „neu” zu reinigen. Man
über=
ſtreiche ſie gleichmäßig mit gekochter Stärke und laſſe dieſe trocknen.
Kartoffelſalat mit Radieschen. Einen
Kartoffel=
ſalat mit oder ohne Mayonnaiſe angemacht, untermiſche man mit
reichlich 2 Bündchen in Scheiben geſchnittenen Radieschen.
Ruſſiſche Eier mit Radieschen. Die hartgekochten,
halbierten und pikant gefüllten Eier, auf flacher Schüſſel mit
Sar=
dellen oder Lachsſtreifen gefällig garniert, umlege man mit einem
Kranz geſcheibelter Radieschen.
Verkittet die Fugen eurer Fußböden. Die beſte
Zeit dieſer notwendigen Arbeit iſt jene, ehe ein neuer Anſtrich der
Fußböden erfolgt. Dabei nehmen ſonſt offene Fugen nicht nur
zu=
viel Farbe auf, ſondern der fugenloſe Fußboden bietet auch die
ſicherſte Gewähr gegen eingeſchleppte Flöhe und anderes
Un=
geziefer, gegen das man ſich namentlich im Sommer nicht immer
ſchützen kann. Ein ausgezeichneter, bewährter Kitt dafür iſt
Quark mit Gips und geſiebten Sägeſpänen zu gleichen Teilen
ver=
miſcht und nur in kleinſten Mengen zubereitet, doch müſſen
be=
wegliche Dielen zuvor durch Fugendübel befeſtigt werden.
Angebrannter Milch den brenzligen
Ge=
ſchmack zu nehmen. Derartige Milch verliert den ſchlechten
Geſchmack, wenn man ſie ſofort in ein anderes Gefäß gießt, etwas
guten Branntwein beifügt und damit nochmals aufkochen läßt.
Käſebutter als pikanter Semmelaufſtrich.
½ Pfd. Butter verrühre man mit ſoviel griebenem
Parmeſan=
oder Kräuterkäſe, daß ſie ſich noch ſtreichen läßt. Auf kleine
Semmelſcheibchen geſtrichen, werden dieſe mit feinem
Schnitt=
lauch beſtreut.
A. N.
GedämpfterSeelachsmit Sahnenmeerrettich.
Zu dem mit Wurzelwerk gedämpften Seelachs reiche man
Sahnen=
meerrettich, wozu man reichlich 2 Eßlöffel geriebenen Meerrettich
mit 3—4 Eßlöffel ungeſüßter Schlagſahne verrührt.
Meerrettich=Butterſoße zu geſpicktem
Schell=
fiſch. Hierzu laſſe man ½ Pfund friſche Butter in der Pfanne
zergehen und verrühre dieſe mit 1—3 Eßlöffel geriebenen Meer=
K. M.
rettich.
Blätterteig von Quark zu bereiten. 1 Pfund
trockenen Quarck verrühre man mit 1 Pfd. zerlaſſener Butter oder
Margarine, Zucker nach Geſchmack, der abgeriebenen Schale 1
Zitrone und 1 Pfd. Mehl zu geſchmeidigem Teig, den man 1—2
Stunden kaltgeſtellt ruhen läßt. Dann auf bemehltem Brett
aus=
gemangelt, forme man davon Hörnchen, Kuverts, Halbmonde oder
andere Formen und backe dieſe mit Butter beſtrichen lichtgelb.
Noch warm werden ſie mit weißer Zuckerglaſur überzogen. V.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Peterſilienſuppe, Roaſtbeef mit Allerlei,
Apfel=
ſinenereme. — Montag: Kalbsgulaſch mit dickem Neis.
Dienstag: Kümmelkraut mit Hammelfleiſch. — Mittwoch:
Kalbsgekröſe mit Roſinenſoße. — Donnerstag:
Sauerkraut=
auflauf. — Freitag: Geſp. Schellfiſch mit Sahnenmeerrettich.
— Samstag: Fleiſcheierkuchen mit grünem Salat.
„Vater, erklär mir doch, wieſo ſich die Erde immerzu dreht.”
„Junge, Junge! Biſt du ſchon wieder an meinem
Wein=
ſchrank geweſen?”
Anſchauungsunterricht. DDer Lehrer wollte ſeinen kleinen Schülern
erklären, wie Luft zuſammengedrückt wird, und brachte ſein Zweirad ins
Klaſſenzimmer. „Nun paßt mal auf,” ſagte er, indem er auf den
Vor=
derreifen zeigte, unter dieſer äußeren Decke befindet ſich eine
ver=
borgene Kraft. Kann mir einer von Euch ſagen, was das iſt?‟ —
„Gummi!” rief ein Junge. — „Falſch, weiter!” ſagte der Lehrer. —
Verſchiedene andere Jungen zerbrachen ſich den Kopf, aber es war nie
das Richtige, was ſie ſagten. Da hob ein ganz Kleiner den Finger, der
die Maſchine unterdeſſen einer eingehenden Beſichtigung unterzogem
hatte. „Ich weiß, was es iſt”, erklärte er ſtolz. „Es iſt Wind, nichts als
Wind. Ich habe mit einer Nadel hineingeſtochen, und das einzige, was
herauskam, iſt Wind!”
Kein Kunſtſtück. „Denk mal, da habe ich im Zirkus eine Kunſtreiterin
geſehen, die ritt auf dem Hals und dann ſogar auf dem Schwanz des
Pferdes.” — „Was iſt denn da dabei. Das habe ich alles auch gemacht,
als ich das erſte Mal ritt.”
Der rechte Mann. „Mein Sohn iſt geradezu unerſättlich; er
ver=
langt alles, was er ſieht”, ſagte der reiche Herr. — „Könnten Sie ihn
nicht mit meiner älteſten Tochter behannt wachen?” fragte Frau Schmidt.
Caft=Seiden.
Mitunter leiſtet ſich die Mode
ganz ſeltene Späße, denn nichts
liegt eigentlich unſerer Zeit, die
durchaus der rein ſportlichen Note
huldigt, ferner, als die ſtarre, ein
wenig anſpruchsvolle Taftſeide, die
immer an die Mode unſerer
Müt=
ter, an Vitrine und Lavendelduft
gemahnt. Es iſt alſo eigentlich
nicht ganz klar, daß dieſes
Mate=
rial ſich trotz alledem durchzuſetzen
vermag, und laum verſtändlich,
wie es überhaupt in einem ſolchen
Maße hervortreten konnte.
Die Erklärung ſcheint aber darin
zu liegen, daß man — bei der
ſtän=
digen Suche nach Neuheiten — auf
die Taftſeide verſiel, die denn auch
den Beifall der eleganten Frau
fand.
Das Intereſſanteſte an dieſer
Neuerſcheinung iſt ſicherlich der
Umſtand, daß in der
Verwendungs=
art des Taftes ein ganz auffälliger
Umſchwung eingetreten iſt, denn
während man dieſe Seide im
Ver=
laufe der vergangenen Saiſons
ausſchließlich für abendliche
Ge=
legenheiten heranzog, verarbeitet
man ſie jetzt nur für die
Prome=
nadekleidung.
Und das Verdienſt, dem Tafte in
dieſer Form neuerlich zum Erfolge
verholfen zu haben, gebührt
frag=
los den großen Modeateliers, deren
ſubtile Einfühlungsgabe es
ver=
ſtanden hat, dieſe Seiden mit dem
Geſchmacke der gegenwärtigen Mode
in Einklang zu bringen und daraus
wirrlich beachtenswerte
Schaffun=
gen erſtehen zu laſſen.
Da man den Taft — wie
er=
wähnt — nur für die Promenade
heranzuziehen gedenkt, ſind ſeine
Farben auch immer gedeckt und
unauffällig. Ein ſchreiender Ton
wäre hier unbedingt ein Fehlgriff,
denn er müßte die dezente
Wir=
kung unfehlbarundergraben. Darum
ſieht man Taft jetzt hauptſächlich in
dunkelblau oder ſchwarz, mitunter
aber auch in einem feinen beige,
deſſen man nicht leicht müde wird.
Die Verarbeitungsmöglichkeiten
ſind keineswegs eng umgrenzt, denn
man kann die wieder in Mode
ge=
kommene Taftſeide ſowohl für Kleider als auch für einfach
ge=
ſchnittene Koſtüme, aber auch für den eleganten Mantel
verwen=
den, der für nachmittägliche und abendliche Zwecke vortreffliche
Dienſte leiſtet.
Sehr beliebt iſt Taft auch als Garnierungsmaterial in
Blen=
denform in ähnlicher Verwendung und ſpielt auch in dieſer
Hin=
ſicht in der frühſommerlichen Mode eine nicht zu unterſchätzende
Rolle.
Da der Taft an ſich ſchon durch ſeinen Glanz und ſeine
eigen=
artige Struktur außerordentlich ſtark wirkt, bedarf es nur in den
ſeltenſten Fällen eines fremden Aufputzes. Blenden und Rüſchen
aus dem gleichen Gewebe ſichern nämlich — wenn ſie in
verſchie=
dener Fadenlage verarbeitet ſind und demzufolge einen ſchönen
Glanzkontraſt ergeben — Wirkungen von vornehmſter Eleganz.
Ein paar Skizzen, die wir in unſerer Gruppe feſtgehalien
haben, mögen einen Ueberblick über die Eigenart dieſer neuen
Mode geben.
Was man ſicherlich am häufigſten zu ſehen bekommen wird,
iſt das Taft=Koſtüm, denn es iſt anſpruchslos und elegant
und vermag dewentſprechend gelegentlich auch ein
nachmittäg=
liches Kleid vollkommen zu erſetzen; es nimmt ſich in marineblau
oder ſchwarz am beſten aus, beſteht aus einem in breite Hohl=
falten gelegten Rocke und einem
ge=
raden Jäckchen mit Gürtelverſchluß,
eingeſchnittenen Taſchen und
mar=
kanter Blendenrandung und wird
mit einem hellen, viereckig
aus=
geſchnittenen Seidenjumper in
Ver=
bindung gebracht, wobei aber
dar=
auf zu achten iſt, daß dieſe Bluſe
niemals aus glänzender, ſondern
unbedingt aus matter Seide
verfer=
tigt werde, um zu dem Glanz des
Taftes den entſprechenden Kontraſt
zu bilden. Weißer, roſafarbener
oder beige Georgette ſei hier
beſon=
ders empfohlen. (Bild 3.)
Das jugendliche
Nachmittags=
modell, das wir als zweite Skizze
vor Augen führen, zeigt ganz
deut=
lich, wie reizvoll ſich die Taftmode
in dieſer neuartigen Aufmachung
präſentiert. Es handelt ſich hier
um ein ganz ſchlichtes Kleid mit
einer weiten, glockig gearbeiteten
Rockpartie, deren unterer Rand mit
ſchmalen Taftrüſchen garniert wird.
Der breitgelegte Gürtel iſt
rück=
wärts zu binden. Der den Hals
eng umſchließende „Infanten=
Kragen”, mit den dazugehörigem
Stulpenmanſchetten aus
elfenbein=
farbener Guipure=Spitze, die
neuer=
dings dem lebhafteſten Intereſſe
be=
gegnet und von der letzten Mode
ſehr beachtet wird, ergibt eine
Gar=
mitur von eigenartigſtem Reiz.
Auch ein Kleid dieſer Art wird
man — ſchon des aparten
Kon=
traſtes mit der Spitze wegen —
am liebſten aus buntem Taft
arbei=
ten. — Der elegante
frühſommer=
liche Nachmittagsmantel, der den
Vorteil bietet, auch für abendliche
Gelegenheiten herangezogen
wer=
den zu können, iſt im letzten Bilde
zu ſehen. Er iſt oben leicht
ge=
ſchweift, unten glockig und am
Rande mit großen Roſetten aus
gerüſchten Streifen des gleichen
Materiales geputzt. Hier kommt
ein breitrandiger Strohhut mit
eine Phantaſiekrempe aus
Roß=
haarſpitze ausgezeichnet zur
Gel=
tung.
Daß der Taft auch als
Garnie=
rungsmaterial eine ſehr bedeutende
Rolle ſpielt, erkennt man aus dem
erſten Bilde, das eines der
moder=
nen Imprims=Kleider vor Augen
führt, über denen ein paletotartiger,
ſchwarzer Georgettemantel ſehr fein ausſieht, weil er die Seide
leicht durchſchimmern und mit verhältnismäßig geringen Mitteln
einen außerordentlich eleganten Effekt erreichen läßt. Um nun
dieſem mattwirkenden Georgettemantel lebhafte Akzente zu
geben, kann man ihn mit einer Taftblende ringsum
abkanten (das Halsleiſtchen wird übrigens verlängert und
vorne gebunden). Außerdem nehmen ſich mehrere, zum unteren
Rande parallel laufende Taftbahnen ſehr gut aus
und werden mit dem gleichen Effekt an den Aermeln in
Ueber=
einſtimmung gebracht.
Willy Ungar.
Der Bademantel
iſt nicht nur ſchick und ungemein flott, ſondern auch
außerordent=
lich gut verwendbar, denn er erſetzt, ſowohl einen Bademantel als
auch die Strandumhülle, die zwar mehr oder weniger entbehrlich
iſt, ſich aber für den Badeplatz ſchon während des vergangenen
Sommers durchzuſetzen begonnen hat.
Den neuen halblangen Paletot trägt man alſo ſowohl über
dem Badeanzuge als auch über dem Strandpyjama; um ihn aber
einerſeits dekorativ zu arbeiten, ſtellt man ihn aus einem
groß=
geblümten, licht= und farbechten Frottierſtoff her, indem man ihn
überdies in Blendenform mit einfarbigem Materiale abkantet
und auch die Aermel in der gleichen Weiſe beſetzt.
In unſerem Bilde zeigen wir ein ſolches Paletotmodell in
Verbindung mit dem einfarbigem Strandanzug und einem
Son=
nenſchirme, der aus dem gleichen Materiale wie der Paletot
ver=
fertigt ſein kann, um ſo mehr, als Frotté=Schirme der allerletzten
Mode angehören.
R. HI.
Sum Spiel
im Garten, in der Parkanlage oder auf der Wieſe braucht das
Kind ein Kleidungsſtück, das ſelbſt gegen die ſtärkſte S4rapaz un=
empfindlich iſt und bei dem es letzten Endes auch keine Rolle
ſpielen darf, wenn es beſchmutzt oder gelegentlich auch beſchädigt
wird.
Denn nur wenn das Kind ſich von ſeiner Kleidung in jeder
Hinſicht ungehemmt fühlt, kann es ganz ſorglos ſein, wogegen
es ſicherlich verfehlt wäre, die Kleinen derart anzuziehen, daß
ſie fürchten müſſen beſtraft zu werden, wenn ſie ihre Kleidung in
Unordnung bringen.
Für die Spielanzüge ſind Waſchſtoffe am
empfehlenswerte=
ſten und zwar nehmen ſich beſonders die geblumten Gewebe ganz
entzückend aus. Der Schnitt dieſer Spielkleidung iſt entweder der
des Over=Alls (das heißt Hemd und Hoſe in einem gearbeitet)
oder aber die in Höschen und Oberteil geteilte Form, bei der
man gerne auch zweierlei Material verarbeitet. (Wir haben beide
Typen in unſerer Skizze feſtgehalten.)
R. H.
Der Schlafrock
ſoll inſofern praktiſch gearbeitet werden, als ſeine Form niemals
kompliziert ſein darf, damit er leicht zu reinigen und inſtandzu=
halten ſei. Außerdem verſieht man ihn gerne mit einer
auswech=
ſelbaren Garnitur, die gerade bei Hauskleidern außerordentlich
appetitlich wirkt und dem ganzen Stücke einen netten Eindruck
verleiht.
Immer wieder iſt es die mantelartige Form, die die meiſten
Anhängerinnen findet, denn ſie hat ſich im Laufe der Jahre als
reſtlos verwendbar erwieſen.
Man verarbeitet den Schlafrock für den Alltagsgebrauch
ent=
weder aus einem großgeblumten, ſommerlichen, flanellartigen
Waſchſteffe oder aber aus einem farbechten, ſatinartig glänzenden
Materiale, oft auch aus reiner Seide, die keineswegs unpraktiſch,
ſondern ganz im Gegenteil oft außerordentlich ſtrapazfähig
er=
ſcheint.
In unſerem Bilde zeigen wir ein einfaches, mantelartig
ge=
ſchnittenes, großgeblumtes Hauskleid, das mit Bindbändern
verſchloſſen und mit einer gezackten, waſchbaren Garnitur (in
Form eines Schalkragens und Manſchettenſtulpen als Kantung
der trompetenförmig erweiterten, halblangen Aermel) verſehen iſt.
Ein Schlafrock dieſer Art iſt keineswegs nur als Hausgewand,
ſondern gelegentlich auch als Gartenkleid gut brauchbar. R. H.