Darmstädter Tagblatt 1929


10. März 1929

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Einzelnummer 15 Pfennige

zangrn Erſcheinen vom 1. März
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAuſfrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 69
Sonntag, den 10. März 1929.
192. Jahrgang

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ſtädter und Nationalbank.

Wa dau nd odr den Pomterbmppia.
ſteil Beſchleunigung des Verfahrens und die Anwendung aller geſekzlichen und öffenklichen
ulienz1 Ausſichk. Skreſemann behälk ſich vor, nach Erledigung des Gerichksverfahrens nötigen=
falls
auf die Angelegenheit vor dem Rak zurückzukommen.
halten, nach Erledigung des Gerichtsverfahrens
nötigenfalls auf die Angelegenheit vor dem
Giſchleſiſche Minderheiken=
Völkerbundsrat zurückzukommen.
Dieſe Erklärungen wurden von dem Rat ohne weitere Dis=
beſchwerden

kuſſion aufgenommen. Vorher hatte der Rat die Frage einer
Radioſtation für den Völkerbund und
als Adige Freilaſſung in Ausſicht geſtellk.

* Genf, 9. März. (Priv.=Tel.)
nächien Verhandlungen über den Fall Ulitz, die faſt
2 UrFuchts dauerten und durch Vermittlung Drum=
und diejawaniſchen Untergeneralſekretärs Sugimura zwi=
ſitreſen
u und Zaleſki geführt wurden, haben ſchließlich
einerSſting geführt. Die Erklärung Zaleſkis, die an=
eine
ier ſcharfe Faſſung hatte, iſt ſo weit abgemildert
daß iBext Streſemann möglich iſt, nicht gegen den Rats=
d
zu ämen, ſondern ſich lediglich der Stimme zu ent=
Trhatsſitzung hat wieder ein großes Publikum an=
wie
es an Schlußtagungen meiſt der Fall zu ſein
Adatyſ gab im Falle Ulitz Kenntnis von dem Inhalt
ſchwertes Oberſchleſiſchen Volksbundes vom 13. Februar
id vonr)i Bemerkungen der polniſchen Regierung, wonach
ihaſturrülitz in Uebereinſtimmung mit den geſetzlichen
iſten algt ſei. Adatſchi ſchlug dem Rat vor, die pol=
frllärmn
daß der Fall einer normalen gerichtlichen Unter=
funterzüfe
, zur Kenntnis zu nehmen und ſprach die Ueber=
8 ausxtß die polniſchen juriſtiſchen Inſtanzen ihr mög=
tun
undas Verfahren zu beſchleunigen, und daß man
b einer Fiſe verfahre, die der Minderheit nicht den Ein=
ſhe
, derdie Maßnahme nicht in irgendeiner Form gegen
Miet ſei
Mlntzke Außenminiſter Zaleſki ſtellte ſich auf
den Standpunkk.
in dinem Falle weder ein polniſches noch
ſitermaivnales Organ intervenieren könne
0b die rſicherung, daß die Behörden alles mögliche zur
leunſung des Verfahrens unternehmen wür=
nd
daßr e bei gewöhnlichen Verfahren vor polniſchen Ge=
alleleſ
etzlichen und öffentlichen Garan=
ur
d ich ehandlung dieſes Falles gegeben ſeien,
in keiteBeiſe gegen die Minderheiten richte.
emangieht den Ball Allik durch die Erklärungen
diefkis nicht als erledigt an.
As deu=Fe Ratsmitglied Dr. Streſemann gab darauf=
e
Erkürung ab, in der er u. a. ſagte, er nehme an,
der 9%zeß gegen ulitz mit Sorgfalt und
ellig Ai durchgeführt werde, und daß Zaleſki die
Oefferrhleit des Verfahrens liegenden Garantien ebenſo
(Sſicht ſt Un zu können glaube wie die Garantie dafür, daß
Anichtm einVerfahrengegenulitz in ſeiner
Nchaas Führer der Minderheit handele.
er Wexruü dieſe Feſtſtellungen lege, ſo tue er das deshalb,
Aufmeernreit der Oeffentlichkeit durch Zaleſki ſchon in
2SemrKtung des Völkerbundsrates auf die Angelegen=
heit
gelenkt worden
Moem d hls Zaleſti darauf hingewieſen habe, daß Ulitz
Anllagpehe und nur dank ſeiner Immunität als Abgeord=
m
ſchEihen Seim auf ſreiem Fuß geblieben ſei. Wenn
oeinerral, wie es der Fall Ulitz iſt, in dieſer Weiſe vor
Solterhais, at als beſonders charalteriſtiſch hingeſtellt wor=
D, Do ſt Teit ihn ſchon dieſe Tatſache zu einer Angelegen=
Dun beiertjem politiſchen Intereſſe, deren Bedeutung über
eprakte us einzelnen Falles weit hinausgehe. Ich würdige
Dais DasStirzib der Ungbhängigkeit der ordentlichen Nechts=
Eer Hha D 9 V erſtändnis dafür, daß die Mitglieder des Rates
agr: 2hx priteres in der Lage ſind, zu der gegen Ulitz er=
e
BeßKdugung ſachlich Stellung zu nehmen, aber
Soien bit für mich die Tatſache, daß die deutſche Min=
Snß ierbicie Verhaftung ihres Führers als einen bewußt
Eden Ve Tünten Schlag auffaßt und dadurch in außer=
lentliche
Erregung verſetzt worden iſt.
Henißs Rit Eafſche jan chdie Angelegenheit duch
in Soprt mthaltenen und die von dem Vertreter Polens
degebenen utllätrungen nicht als endgültig erled 4
DeN. Jdhn Vertreter Polens ſelbſt geſagt hat, daß die Be=
Jeschig 2 Siselegenheit auſchließlich von den polniſchen Ge=
Sigcenideni canst it ein endailiges Urtei deribererſtmig=
gen
Flach Gendigung des Verfahrens erwieſen hat, ob
De ir IEth Erlärungen ausgefrochenen Erwartungen 1ut
Mich erfücktanen.
i s R, deshalb, ohne dem Bericht formel zu wider=
SeSi prchtich Iine Iim ausbricklich zuzuſtimmen, vorbe=

eine Reihe von oberſchleſiſchen Minderheiten=
beſchwerden
erledigk.
über die das japaniſche Ratsmitglied Adatſchi Bericht erſtattete.
In der Frage der Anmeldungen für die Volks=
ſchulen
, die ſchon in Lugano behandelt wurde, finden dem=
nächſt
unter Adatſchis Vorſitz und unter Teilnahme des Kom=
miſſars
Calonder in Paris Verhandlungen ſtatt, ſo daß
die Angelegenheit vorläufig zurückgeſtellt wurde. Wenn
die Pariſer Verhandlungen zu Ergebniſſen führen, finden die
neuen Regeln ſofort Anwendung. Andernfalls kommt die Frage
im Juni noch einmal vor den Rat.
In der Beſchwerde des Knappſchaftsſekretärs Lubos, der von
de: Spolka Bracka gemaßregelt worden iſt, wird die polniſche Re=
gierung
, wie der Berichterſtatter mitteilte, unverzüglich eine Un=
terſuchung
einleiten, ob gewiſſe Beamte der Schulverwaltung
einen Druck auf die Angeſtellten der Spolka Bracka ausüben, da=
mit
dieſe ihre Kinder, aus der deutſchen Minderheitenſchule
herausnehmen. Die Beſchwerde des Polenbundes
über den Gebrauch der polniſchen Sprache im Ver=
kehr
mit Eiſenbahnbeamten und über die Paßangelegen=
heit
bei einer Wallfahrt nach Czenſtochau erledigte der Rat
damit, daß er die Erklärung der Reichsregierung zur Kenntnis
nahm.. Der Berichterſtatter ſprach die Hoffnung aus, daß bei
der Ausſtellung von Päſſen die deutſche und die polniſche Regie=
rung
ſich in Zukunft miteinander verſtändigen und daß künftig
bei Fällen ſolcher Art die Verſtändigungsmöglichkeiten ausge=
ſchöpft
werden möchten, die nach der internen Gefetzgebung oder
nach der Genfer Konvention möglich ſeien. Ebenſo erklärte der
Rat ſich von den Mitteilungen der deutſchen Regierung im Falle
der Beſchwerde des Polenbundes wegen des Gebrauchs der deut=
ſchen
Sprache durch polniſche Kinder in den deutſchen Volks=
ſchulen
Oberſchleſiens für befriedigt, und ſprach die Hoffnung
aus, daß ſich dank der getroffenen Maßnahmen ähnliche Fälle nicht
wiederholen würden.
Die Entſcheidung im Fall Ulitz wird auf allen Seiten, wenn
auch nicht mit Begeiſterung, ſo doch mit ſichtlicher Ruhe aufge=
nommen
, zumal man hört, daß in den Verhandlungen zwiſchen
dem polniſchen Geſandten in Berlin, Knoll, und Dr. Streſemann
von polniſcher Seite die alsbaldige Freilaſſung Ulitz’ in Ausſicht
geſtellt iſt, falls Polen durch den Beſchluß des Rats im Falle
Ulitz freie Hand zu einer eigenen Entſcheidung belaſſen werde.
Die Frage der Saar=Anleihe auf den Juni verkagl.
Nach Erledigung des Falles Ulitz wurde das Geſuch der Re=
gierungskommiſſion
des Saargebiets, ihr die Ge=
nehmigung
zur Aufnahme einer 250 Millionen Franken= An=
leihe
zu erteilen, auf die Juniſitzung vertagt, da das
Finanzkomitee es für notwendig hält, verſchiedene techniſche Fra=
gen
noch näher zu klären. Der Präſident der Regierungs= Kom=
miſſion
des Saargebiets, Wilton, der am Ratstiſch Platz genom=
men
hatte, wies darauf hin, daß die Anleihe die Zuſtimmung der
Bevölkerung finde. Es war wohl das erſte Mal, daß ein Mit=
glied
der Regierungskommiſſion des Saargebiets eine Ueberein=
ſtimmung
zwiſchen Regierungskommiſſion und Bevölkerung am
Natstiſch feſtſtellen konnte. Dr. Streſemann erklärte, daß eine
Vertagung der Anleihe notwendig erſcheine, da dabei noch ſehr
wichtige prinzipielle Fragen zu klären ſeien, und daß die Bevölke=
rung
des Saargebietes für dieſe Vertagung volles Verſtänd=
nis
habe.
Die Mitteilung, daß die Vereinigten Staaten eine
neue Möglichkeit zum Beitritt des internatio=
nalen
Gerichtshofes im Haag in Vorſchlag ge=
bracht
haben, wurde vom geſamten Rat mit Befriedigung zur
Kenntnis genommen. Sämtliche Ratsmitglieder ſprachen die
Hoffnung aus, daß das Juriſtenkomitee bei den Beratungen über
die Reviſion des Statuts, des internationalen
Gerichtshofes die Möglichkeit finden würde, dem Beitritt
der Vereinigten Staaten den Weg zu ebnen.
Die öffentliche Sitzung des Rats ſchloß um 12,45 Uhr. Der
Rat trat dann noch in eine nichtöffentliche Sitzung ein.
Die Junikagung des Völkerbundsrakes in Madrid.
In der geheimen Sitzung beſchloß der Rat, die Einla=
dung
der ſpaniſchen Regierung anzunehmen und die
Junitagung des Völkerbundsrates in Madrid
ſtattfinden zu laſſen. Das Ratskomitee zur Behandlung der Min=
derheitenfrage
wird vorausſichtlich am 21. Mai in San Sebaſtian
in Spanien zuſammentreten und die Ratstagung ſelbſt wird ſchon
am 27. Mai in Madrid beginnen. Außerdem beſchloß der Rat,
nachdem nunmehr die finanziellen Vorfragen erledigt ſind, die
Entſendung der Opiumunterſuchungskommiſſion nach dem Fernen
Oſten. Die Kommiſſion wird aus Ekſtrand=Schweden, Max Leo
Gerard=Belgien und Jan Haplaſa=Tſchechoflowakei beſtehen.

Die Woche.

Die Genfer Verhandlungen über die Minderheitenfrage haben
mit einem gewiſſen Mißklang geendet, der vielleicht noch weittra=
gende
Folgen hat. Dabei iſt das Entſcheidende nicht die Löſung,
oder beſſer geſagt die Nicht=Löſung der Minderheitenfrage, ſon=
dern
die Tatſache, daß ſich wieder einmal die angeblich ſchon
längſt nicht mehr vorhandene Kriegsgruppierung der Völker zu=
ſammengefunden
hat, und beſonders, daß die Aeußerungen ſo=
wohl
des britiſchen wie des franzöſiſchen Außenminiſters durch=
aus
die Deutung zulaſſen, daß man in Paris und London ernſt=
haft
beabſichtigt, die Politik von Locarno zu liquidieren.
In einer ſehr ernſten und außerordentlich geſchickten Rede hat
der deutſche Reichsaußenminiſter vor dem Völkerbundsrat das
Minderheiten=Problem umriſſen. Er erinnerte an die bekannte
Note der alliierten und aſſoziierten Mächte vom Jahre 1919 über
Gründe und Ziele des erſten Minderheiten=Vertrages. Die neue
Form des Minderheitenſchutzes, ſo wird dort feſtgeſtellt, ſei eine
notwendige Folge und ein weſentlicher Beſtandteil des durch die
Gründung des Völkerbundes eingeleiteten neuen Syſtems der
internationalen Beziehungen. Unter dem alten Regime ſei die
Garantie für die Durchführung derartiger Beſtimmungen den
Großmächten anvertraut geweſen. Die Erfahrung habe dieſes
Syſtem in der Praxis als unwirkſam erwieſen. Deshalb ſei die
Garantie jetzt dem Völkerbund anvertraut worden. Eine ganz
neue Sachlage ſei zu berückſichtigen. Die durch die Friedensver=
träge
abgetretenen Gebiete ſchlöſſen bedeutende Volksteile in ſich,
die eine andere Sprache ſprächen und von anderer Raſſe ſeien als
die Bevölkerung, der ſie einverleibt würden. Jahre bitterer
Feindſchaft hätten die Raſſen voneinander getrennt. Leichter wür=
den
jene Volksteile ſich an ihre neue Lage gewöhnen, wenn ſie
von vornherein wüßten, daß ſie in wirkſamer Weiſe gegen jede
Gefahr ungerechter Behandlung oder Bedrückung geſichert und
geſchützt ſeien. Schon das Bewußtſein der Tatſache, daß dieſe
Garantien beſtänden, würde praktiſch die erwünſchte Annäherung
erleichtern. Wenn ich mir dieſe prinzipiellen Grundlagen ver=
gegenwärtige
, ſo fuhr Dr. Streſemann nach dieſem Zitat fort,
und wenn ich mit ihnen die Praxis zufammenhalte, wie ſie ſich
tatſächlich vollzieht, ſo kann ich mich nicht des Gefühls erwehren,
daß Theorie und Praxis nichtimmer in Einklang
miteinander geblieben ſind. Wir können jedenfalls
nicht über die unleugbare Tatſache hinwegſehen, daß die Minder=
heiten
ſelbſt in ſehr weitem Maße von dieſem Gefühl und den ſich
daraus ergebenden Sorgen um ihr kulturelles Schickſal beherrſcht
ſind. . . . Der Völkerbund würde ſich ſelbſt aufgeben, wenn er
die Grundſätze aufgäbe, von denen er einſt bei der Annahme des
Minderheitenſchutzes ausgegangen iſt. Nach den vorhergegan=
genen
diplomatiſchen Beſprechungen, beſonders in London, hatte
man wohl damit rechnen dürfen, daß die maßvolle und den tat=
ſächlichen
Verhältniſſen in jeder Beziehung Rechnung tragende
Rede Streſemanns eine andere Aufnahme finden würde, als dies
in der Tat der Fall war. Mit ſeinen mehr oder weniger guten
Witzen hat Briand bei ſeiner Gefolgſchaft im Völkerbundsrat
jedenfalls mehr Beifall gefunden als bei den zahlreichen in Genf
verſammelten Minderheitsvertretern. Der franzöſiſche Außen=
miniſter
hatte offenbar ganz vergeſſen, daß es ſich bei der ganzen
Angelegenheit um das Schickſal von Millionen von Menſchen han=
delt
, über das zu ſpötteln ſchon allein der gute Geſchmack verbieten
ſollte.
Auch der engliſche Außenminiſter hat nach ſeinem Auftreten
in Genf offenbar den Höhepunkt ſeiner Laufbahn längſt über=
ſchritten
, und es macht faſt den Eindruck, als ob ihm nur noch
wenig daran läge, welches Erbe er ſeinem Nachfolger hinterläßt.
Dabei denken wir weniger an die bewußt unfreundlichen, gegen
Streſemann gerichteten Aeußerungen von höchſt überflüſſigen
Anträgen, denn dieſe liegen ja unſtreitig in der Linie der eng=
liſchen
Außenpolitik ſchon während der ganzen letzten 2 Jahre.
Wenn aber ein engliſcher Außenminiſter unter den gegenwärtigen
Umſtänden es für zweckmäßig hält, bei einem Preſſeempfang ſpöt=
tiſche
Bemerkungen über den Kellogg=Pakt zu machen, zur ſelben
Zeit, zu der man in London emſig bemüht iſt, das engliſch= ameri=
kaniſche
Verhältnis wieder etwas zu beſſern, ſo wird man ihn
doch vielleicht in England ſelbſt allmählich für reif für den wohl=
verdienten
Ruheſtand halten. Gewiß, man kann verſtehen, daß es
Herrn Chamberlain einigermaßen peinlich war, daß bei dieſer
Ratstagung die tiefgehende Meinungsverſchiedenheit zwiſchen
dem Mutterland und ſeinem Dominion Kanada ſo unverhüllt
in die Erſcheinung trat. Aber auch das iſt ja zum guten Teil ein
Ergebnis der Chamberlainſchen Politik.
Das poſitive Ergebnis der Genfer Erörterungen iſt ganz ge=
wiß
nicht gerady überwältigend. Erreicht iſt, daß durch die Er=
nennung
eines Dreier=Komitees die ganze Angelegenheit zunächſt
in der Schwebe gehalten wird, wobei allerdings die Zuſammen=
ſetzung
dieſes Komitees die Befürchtung nahe legt, daß es alles
daran ſetzen wird, um eine befriedigende Löſung zu ſabotieren.
Auf der anderen Seite hat dieſes Dreier=Komitee ja lediglich die
Aufgabe, Material zu ſammeln und dieſes Material dem Rat
in ſeiner demnächſtigen Sondertagung vorzulegen, wobei allen
Völkerbundsmitgliedern ausdrücklich die Möglichkeit eingeräumt
iſt, dem Dreier=Komitee Material und Anträge zu überreichen.
Wenn ſich im übrigen das deutſche Reich durch ſein Auftreten
die Sympathien der nationalen Minderheiten erworben hat
die franzöſiſchen Zeitungen ſagen, daß Deutſchland die erſte Rolle
in der Minderheitsfrage an ſich geriſſen habe ſo dürfen wir
das zweifellos als ein Aktivum für unſere Außenpolitik buchen.
Aber demgegenüber iſt nach der negativen Seite hin jeden=
falls
eine Verſchärfung der politiſchen Lage in Kontinental=
Europa durch die Genfer Beratungen feſtzuſtellen, obgleich ſich im
Augenblick noch nicht mit Sicherheit ſagen läßt, wie die perſön=
lichen
Unterhaltungen insbeſondere zwiſchen Briand und Streſe=
man
berlaufen ſind, da die Meinungen hierüber ſehr weit aus=
einandergehen
. Die Entwicklung der deutſch=franzöſiſchen Be=
ziehungen
aber bleibt nach wie vor die Kernfrage der europäiſchen
Politik. Deswegen iſt ja auch die Bedeutung der gegenwärtigen
berſchätzen, ganz abgeſehen von
Pariſer Verhandlunger
der beſonderen Bedeujung, die ſie für uns naturgemäß haben.
Ueber ſie heute ſchon ein Urteil zu fällen, wäre ſelbſtverſtändlich

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Geite 2

Sonntag, den 10. März 1929

verfehlt, da ja die Beratungen hinter verſchloſſenen Türen ſtatt=
finden
. Das aber, was darüber trotzdem an die Oeffentlichkeit
kommt, gibt jedenfalls den Peſſimiſten unrecht, die ein Scheitern
der Verhandlungen ſchon nach kürzeſter Friſt vorausſagen zu
können glaubten. Wir müſſen im Vertrauen darauf, daß die
deutſchen Intereſſen durch unſere Sachverſtändigen ſo gut ver=
treten
werden wie nur möglich, das Endergebnis abwarten. Erſt
dann wird man auch in der Lage ſein, ein endgültiges Urteil zu
fällen über die 54. Tagung des Völkerbundsrates in Genf. M.

Noklage der Arbeitsloſenverſicherung.
Die Reſerven ſind aufgebraucht.
* Berlin, 9. März. (Priv.=Tel.)
Durch die enorme Arbeitsloſigkeit iſt die Reichsanſtalt für
Arbeitsloſenverſicherung in eine finanziell recht unangenehme
Lage geraten. Ihre Reſerven ſind aufgebraucht und
das Reich hat ſich veranlaßt geſehen, ſeine Zuſchüſſe von Monat
zu Monat zu ſteigern. Um eine Kataſtrophe in der Arbeitsloſen=
verſicherung
zu vermeiden, wird es notwendig ſein, das entſpre=
chende
Geſetz ſehr bald einer gründlichen Reviſion zu unterziehen
und vor allem Sicherungen gegen eine Ausbeutung der Anſtalt
einzumauern. Die Linksparteien hatten ſich bisher der Forde=
rung
nach einer Reviſion gegenüber ziemlich ablehnend verhalten,
doch ſcheint ſich jetzt ein Meinungsumſchwung anzubahnen. Jeden=
falls
erfährt man ſchon aus der demokratiſchen Preſſe, daß die
Linksparteien ſich einer Reform nicht mehr verſchließen. Man
darf alſo annehmen, daß ſich der Reichstag binnen kurzem das
Geſetz noch einmal vornimmt, damit die Verſicherungsanſtalt vor
Erſchütterungen bewahrt bleibt. Vor allem wird man dafür
ſorgen müſſen, daß die Reichsanſtalt vom Reiche ſelbſt unab=
hängig
iſt.
Der Rolekak vom Reichsrat verabſchiedek. Ebbe in
den Reichskaſſen.
* Berlin, 9. März. (Priv.=Tel.)
Der Reichsrat hat am Samstag den Notetat verabſchiedet
und an den Reichstag weitergeleitet. Die Regierung verlangt
alſo die Ermächtigung, für die Dauer von drei Monaten ob
das reichen wird? die Einnahmen und Ausgaben im Rahmen
des bisherigen Haushaltes zu ordnen, wobei der Zuſatz getroffen
iſt, daß innerhalb dieſer Zeit die Ausgaben ein Viertel der Etat=
anſätze
des letzten Etatjahres nicht überſchreiten dürfen. Gleich=
zeitig
verlangt die Regierung die Ermächtigung, einen Kredit
von 500 000 Mark aufnehmen zu dürfen, und zwar 400 000 Mark
in Geſtalt von Schatzwechſeln und 100 000 auf Kontokorrent
bei der Reichsbänk. Dieſe Ermächtigung befand ſich bereits im
Nachtragsetat, und das Geld iſt ausgegeben, es handelt ſich alſo
nur um eine formelle Regelung, ſo daß dem Finanzminiſter neue
Geldmittel nicht zur Verfügung ſtehen zur Ueberwindung der
augenblicklichen Ebbe in den Reichshaſſen. Er muß alſo nach
neuen Geldquellen für den kommenden Quartalserſten ſich um=
ſehen
. Es ſcheint, als wenn beabſichtigt iſt, die Sozialverſiche=
rungen
und evtl. ſogar die Poſt heranzuziehen, um auf dieſe
Weiſe vorübergehend Geld zu bekommen, bis die Beträge durch
die eingehenden Steuern wieder abgedeckt werden können.
Die Rückehr der deutſchen Delegakion aus Genſ.
Nach Abſchluß der Ratstagung hat Reichsminiſter Dr. Streſe=
mann
heute mittag die Herren der deutſchen Delegation und der
deutſchen Preſſe zum Fruhſtück um ſich verſammelt. Heute nach=
mittag
erhielt er noch den Beſuch des früheren amerikaniſchen
Staatsſekretärs Elihu Root. Einige Ratsmitglieder verlaſſen Genf
ſchon heute abend, die meiſten im Laufe des Sonntags Die
deutſche Delegation, wird in einzelnen Gruppen nach Berlin
zurückkehren. Das deutſche Ratsmitglied und ſeine wichtigſten Be=
rater
fahren Montagabend. Reichsminiſter Dr. Streſemann kehrt
jedoch nicht ſofort nach Berlin zurück, ſondern tritt vorher einen
Erholungsurlaub an, den er an der italieniſchen Riviera ver=
bringen
will.
*
Die auf Mittwoch, 13. März, anberaumte Sitzung des Reichs=
tags
iſt auf Donnerstag, 14. März, mittags 12 Uhr, ver=
legt
worden, weil der gedruckte Entwurf des Haushaltsplanes für 1929
erſt Anfang nächſter Woche an die Mitglieder verteilt werden kann.
Reichsarbeitsminiſter Wiſſell, der am Sonntag
in Genf eintrifft, wird noch am gleichen Tage eine Zuſammenkunft
mit dem engliſchen und denr franzöſiſchen Arbeitsmiiſter haben. Wie
Loucheur wird auch Wiſſell an den ſam Montag beginnenden Verhand=
lungen
des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts über
die engliſchen Vorſchläge zur teilweiſen Reviſion des Waſhingtoner Ab=
kommens
über den Achtſtundentag teilnehmen.
Der Senior der Danziger Zeitungsverleger und
Beſitzer der Danziger Neueſten Nachrichten Senator a. D. Dr. h. c.
Guſtav Fuchs, iſr in der Nacht vom Samstag noch langem, ſchwerem
Leiden im 72. Lebensjahre geſtorben.

Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus. Samstag, den 9. März 1929.
Naxoleon.

Drama von Chr. D. Grabbe.

Nun unſere Truppen auf dem Lande ſind, bekomme ich
etwas Luft und ſchreibe an Dich. Meine Stube iſt wie eine
Brandſtätte. Zehntauſend Menſchen mögen in den letzten Mo=
naten
mit ihren verſchiedenen Geſuchen, Beſchwerden uſw. dar=
übergegangen
ſein, vielleicht noch mehr. Ich habe auch Pfunde
von Galle ausgeſpien. Haſt Du den Napoleon auch an
Menzel geſchickt? Und kannſt Du denn gar keine Selbſtrezen=
ſionen
befördern? So ſchrieb Grabbe am 8. Mai 1831 aus
Detmold an den Freund und Verleger Kettenbeil nach Stutt=
gart
und kennzeichnete die Umſtände, unter denen Napoleon
entſtanden war.

Unter den ſchwierigſten äußeren Verhältniſſen hatte Grabb
ſeit einem Jahr an dem Drama gearbeitet. Zwiſchen den Pr=
zeſſen
der Soldaten und der Einreihung der Truppen griff e
zu Ventourinis Chronik und zu Fleury de Chaboulon, ſtudierte
die jüngſte Geſchichte und warf die erſten Szenen auf abgeriſſen
Aktenblätter. Das Abenteuer der 100 Tage, die Schlachtenſzen
feſſelten ihn zunächſt. Er ſchrieb in Proſa, aber, wie er hoffte
in lutheriſch kräftig bibliſcher; denn die Artillerie=Trains und
die congreviſchen Raketen konnte er nicht in Verſe zwingen.
Seine Anſicht über Napoleon war zwieſpältig. Grabbe ſal
in ihm einen Mann, den die Selbſtſucht dahin trieb, ſeine Zei
zu benutzen: Außer eigennützigen Zwecken, hat er ſchon al=
Korſe, als Halbfranzoſe nie gewußt, wohin er eigentlich ſtreb
er iſt kleiner als die Revolution, und im Grunde iſt er nu
das Fähnlein an deren Maſte. Auf der Bühne aber hielt e
ihn als Kaiſer hoch; er ſuchte, ihn groß zu machen, weil di
Natur ihn groß machte und groß ſtellte.

Im Herbſt 1830 war das Drama fertig, und Grabbe ſchrieb
es ab. Im Abſchreiben wuchs das Werk über die urſprüngliche
Form hinaus. Der Stoff erſchien ihm ſelbſt rieſenartig. Es ent=
ſtanden
die packenden Volksſzenen und die Schlacht bei Lignp.
So wurde die Dichtung nicht zu einem einheitlichen, ge=
ſtrafften
Drama, wohl aber zu einem wuchtigen Zeit=
gemälde
, das alle dramatiſchen Formen ſprengt, aber von
der Genialität Grabbes durchleuchtet iſt.

*Nobile und Ludwig.
Von unſerem F=Korreſpondenten.
Rom, 7. März.
Emil Ludwig iſt gerade zur ſelben Zeit in Rom, in der Nobile
verurteilt wurde. Ludwig wird es nicht übel nehmen, wenn man
ihn zuſammen mit Nobile nennt; der eine der aufſteigt, der
andere, der heruntergefallen iſt, Ludwig kann es auch nicht übel
nehmen, in dieſem Zuſammenhang zitiert zu werden, denn auch
er hat nichts gegenReklame einzuwenden. Obendrein kann man dem
einen wie dem anderen bei dieſer ſmarten (amerikaniſcher Aus=
druck
mit Rückſicht auf Ludwigs amerikaniſche Erfahrungen)
Reklame den Milderungsgrund zugutehalten, daß weniger die
geprieſenen Tageshelden die Hauptmacher ſind als ihre Hinter=
männer
: beim einen der Verleger, beim andern der fasciſtiſche
Unternehmer. Darum gehören ſie zuſammen.
Man hat Nobile nun verurteilt, immerhin eine beachtens=
werte
Tatſache. Aber es ging wirklich nicht anders. Behounek,
der ſo lange ſtill geweſen war, als er mit dem Beſuche Italiens
rechnen mußte, war nicht totzuſchweigen.
Von ihm mußte man in Rom erwarten, daß er eines Tages
doch auspacken würde. Der Zufall hat es nun mit ſich gebracht,
daß gerade in der Stunde, in der das Urteil über Nobile in Rom
bekannt wurde, die erſten deutſchen Zeitungen ankamen, in denen
Behounek ein offneres Urteil über das Italiaunglück abgab. Und
dieſe Aeußerungen decken ſich bezeichnender Weiſe mit der Mei=
nung
einer ganzen Anzahl von Italienern, die ebenfalls nicht ſo
ſehr in Nobile den am ſchwerſten zu Verurteilenden ſehen, ſondern
das Verhalten von Zappi na, ſagen wir mal vorſichtig höchſt
eigenartig finden.
Es iſt an dieſer Stelle bereits im Juni und Juli des vergan=
genen
Jahres wiederholt darauf hingewieſen worden, daß man
nicht Nobile allein als Sündenbock hinſtellen dürfe. Man hat vor
der Polfahrt gewußt, daß Nobile kein gewiegter Steuermann für
ein Luftſchiff iſt. Man hat es während der Expedition dann be=
ſtätigt
geſehen, als Nobile das gleiche falſche Manöver auf der
Fahrt nach Stolp machte, das die Italia dann bei Spitzbergen
zum Scheitern brachte. Es iſt jenes ſchlechte Steuern, das ſeiner
Zeit Riſſer Larſen erlebte, als er in letzter Minute Nobile
das Steuer aus der Hand ſchlug, um die Expedition nach Alaska
zu retten. Man hat den ungeſchickten Luftſchiffer verurteilt, ob=
wohl
man wiſſen konnte, daß er ungeignet für die ſchwere Fahrt
war. Aber man hat ihn trotzdem auf die Expedition geſchickt und
hat ihm obendrein Aufträge mitgegeben, die ihn in eine Zwangs=
lage
brachten. Die Schuld trifft das Syſtem wurde hier ge=
ſchrieben
, und den Staat, der Mittel, Mannſchaften (es waren
Marineangehörige, keine Zivilangeſtellten, die auf der Italia
Dienſt taten!), Propaganda und Entdeckungsbefehle mit Termin=
beſtimmungen
lieferte‟. Nobile ſollte am Pol an einem italieniſch=
fasciſtiſchen
Feiertag, dem 24. Mai, eintreffen, damit die Nachricht
Reichskanzler g. 9. dr. Luther 59 Jahre all.

Reichskanzler a. D. Dr. Hans Luther
feiert am 10. März ſeinen 50. Geburtstag. Er wirkte 190722
im Kommunaldienſt als Stadtrat in Magdeburg, geſchäftsführen=
dens
Vorſtandsmitglied des Städtetages und Oberbürgermeiſter
in Eſſen. 1922 wurde er Reichsernährungs= 1923 Reichsfinanz=
miniſter
und ſtand 192526 als Reichskanzler an der Spitze der
Reichsregierung. Der Reichskanzler hat zugleich im Namen der
Reichsregierung dem Reichskanzler a. D. Dr. Luther zur Vollen=
dung
ſeines 50. Lebensjahres telegraphiſch die beſten Glückwünſche
übermittelt. Der Reichspräſident hat in einem herzlich gehaltenen
Schreiben gleichfalls ſeine Glückwünſche ausgeſprochen.

Im erſten Teil iſt das Volk der Held, das Volk, das in
allen Schattierungen gezeigt wird: die friedlichen, liberalen
Bürger, die beiden alten Grenadiere, die an Heines Ballade
erinnern, die rohaliſtiſchen Emigranten, der Pöbel, der von
Jouve, dem Demagogen der Straße, geführt wird.
Allmählich taucht hinter dem Volk wie ein gewaltiger
Schatten die Geſtalt des Korſen auf: zur Abfahrt von Elba
rüſtend, in Frankreich landend. Zugleich entwickelt ſich das Ge=
genſpiel
zu dem ſchwachen, farbloſen König, der im Kreiſe ſeines
Hofes kaum Geſtalt gewinnt und durch die Flucht dem Zuſam=
menſtoß
mit Napoleon ausweicht.
Das äußere Geſchehen treibt Napoleon, der in Paris die
Macht ergriffen hat, in den Kampf mit den fremden Mächten. Es
folgen die gewaltigen Schlachtbilder von Ligny und Belle=
Alliance, die mit Napoleons Niederlage enden.
Wo ſteht Grabbe?. Nicht auf der Seite Napoleons, deſ=
ſen
Perſönlichkeit er ſkeptiſch beurteilt. Nicht auf der Seite der
Revolution, über die er im Juli 1831 in einem Briefe an Ket=
tenbeil
urteilt: Ich bin ſehr liberal, aber das jetzige Revolu=
tionsraſen
iſt weiter nichts, als ein notwendiges Uebel, welches
die Menſchheit durch Leiden dahin führen wird, daß jeder ein=
ſieht
, es gibt nur ein Glück, und das iſt, ſich ſelbſt zu refor=
mieren
und klug genug zu ſein, um völlig edel zu ſein. Dann
finden ſich Staats= und Familien=Verhältniſſe von ſelbſt.
Grabbes Sympathien gehören wohl einem Liberalismus wie
ihn Fouche und Carnot vertreten, einer konſtitutionellen Mo=
narchie
. Vor allem aber kommt in den letzten Szenen das ſtarke
Vaterlandsgefühl zum Durchbruch, das dem Weſtfalenſohn ſtets
eigen war.

Die innere Schwierigkeit der Einſtellung zu den einzelnen
geſchichtlichen Erſcheinungen mag dazu beigetragen haben, daß
Grabbe ein geſchloſſenes Drama nicht gelungen iſt, und daß die
Fülle der Erſcheinungen die dramatiſche Form zerbricht. Glän=
zend
aber ſind die einzelnen Szenen, beſonders die Volksſzenen
des erſten Teils. Sie erinnern in ihrer Lebendigkeit an Büchner=
Danton und ſpiegeln das Bild der Zeit packend wieder.
Die hieſige Aufführung, die unter der Leitung von Car
Ebert ſtand, kündigte als ihre beſondere Aufgabe an, durch
dramaturgiſche und ſzeniſche Zuſammenziehung das eigentliche
Napoleondrama herauszuheben; ſie ſah in der Tra
gödie des aufſteigenden Genies, das kämpfend und ſich aufleh
nend in die Nacht ſeiner Herkunft zurückgeſtoßen wird, zugleich
die Tragödie von Napoleon und Grabbe. Die Erfüllung dieſe
Aufgabe iſt um ſo ſchwieriger, als die Größe Napoleons bei
Grabbe wohl infolge der Skepſis, die Grabbe ihm im Grunde
entgegengebracht hat nicht aus ſich ſelbſt wächſt und der letz=

Numme

von ſeiner Pollandung oder ſeinem Kreuzabwurf ge
ſem Feſttage in Italien eintreffen konnte. Dieſe Termimhe
iſt ſpäter geleugnet wurden mit der Erklärung, an moß
Stelle habe man derartige Befehle nie gegeben. Esiſ,
ſtändlich, daß Muſſolini ſolche Vorſchriften nicht macht.
jenigen Leute, die mit Propaganda und lauten Worten
des Regimes zu unterſtützen für nötig halten, haben
abreiſenden Nobile dieſen Termin eingeſchärft. Nobutz
ja in einer unvorſichtigen Stunde ſelbſt geſagt.
Jetzt muß Nobile büßen, nicht nur für ſeine Unfähin
dern auch für ſeinen guten Willen, den Drahtziehern imi
folgen. Er hatte außerdem das Pech, vor ein Richterkoll

ſtellt zu werden, das vorwiegend aus Marineſachverſtärz

ſtand, die viel mehr Intereſſe daran hatten, die Ehn der
angehörigen, zu denen Zappi gehört, hoch zu halten, als
aviatoriſchen Möglichkeiten zu vertiefen. Wer ſollte 7
dem Syſtem Schuld geben, wenn rein äußerlich das Verd
Nobiles Schultern abgeſchüttelt werden konntel Nur unü-
hat
nach dieſer Richtung voll die Wahrheit geäußert, inſuinu
Ritterlichkeit Nobiles immer wieder betont hat. Abu /0 mid M Ne. SS
lichkeit genügt eben nicht immer zu großen Taten, 9 uſtu0 ſ0icheſ b.
jedoch trotz der Verurteilung Nobiles ihm immer nae 0ü der belchlte
Zwangslage anrechnen, in der er ſich auf Grund der asm enl
Anordnungen und der italieniſchen Preſtigegründe befaſſuweit
Schuld iſt die Sucht Italiens nach großen Taten an:.
Preis, Schuld iſt die Sucht nach Reklame. Und darinntächee
für Leute außerhalb dieſes winterlichen Italiens eine Muem
Gar mancher läßt ſich verleiten, mehr für die Reklame 7u/ ſip na
ſeiner Sache gut iſt. Gerade wir Deutſchen müſſen u zmeid
allzuviel darin zu tun. Man iſt etwas eifrig zur Zeit, :Aumendig
wohl manchmal zu reichlich und nicht immer mit geeignenv vorüberge!
teln, beſonders jenſeits des Waſſers. Emil Ludwig hadgeu Empfangnahme
dem angeborenen Talent dieſen Betrieb kennen gelenlftzu ſetzen und
italieniſcher Verleger hat ihn hier mit Wucht in die Prläiuaniſation zu
ſetzt. Rom hat zwei Wochen lang faſt in jeder großen, riue Organi
große Artikel oder kleine Notizen über den bedeutendertyum internati
Hiſtoriker leſen müſſen. Aber es gibt doch auch in mſimnenhang
Leute, die ſagen, daß ebenſo wie Nobile zwar ein Fläyfaulden zu han
kein Kapitän iſt, Ludwig zwar ein geſcheiter und geſchickü=)plitiſchen Org
ſteller aber kein Hiſtoriker iſt. Es genügt nicht, eine Fhen ſoll die Abn
reicher Bücher zu ſchreiben, Biographien in KompilhnunnVerpflichtu
Hiſtoriker ſich nennen zu laſſen. Der Geſchichtsſchreicn HnDiskuſſion
Geſchichtenſchreiber, ſondern ein Forſcher. Und Forſchen ze geſchäftliche
ſehr beſcheiden. Hier in Rom wurde jedenfalls nicht jedar ſormalen Fr.
Herz froh, wenn man las, zu welchen Zwecken ſich La leitet werden
nutzen ließ. Er diente nicht unbedingt dem Deutſchtunt jUn neue Einrig
mehr ſeinem italieniſchen Verleger zugute.
Rau
Nun betont ja allerdings Emil Ludwig gern, da0lt,y
mopolit ſei. Wir draußen, die wir lange Jahre außliz,9,
deutſchen Lande leben, werden alle mehr oder weniag

politen. Aber wenn unſer Herz ſchlägt, dann

Heimat, für Deutſchland. Man hat in der italteniſoſt

hildnerun

Es

nicht ſehr viel von Deutſchland im Zuſammenhang mit 14,nd ſog
wig gehört. Und dabei war auch er wie einſt Nobile b.A,,d.
beim König und beim Duce. Nobile war allerdings in =ſher Arb=
Italiener, der ſeinem Vaterlande zum Ruhm verhelſ den bet
Er iſt dabei geſcheitert. Vielleicht iſt es ſicherer, Kosmoboe; Auflegung
hen Annuitä
Iil ich ſein. Sie k!
Uſuſammenar
* Anlage=Depoſi
Im Warſchauer Senat erklärte der deutſche Senator Dru
eine Schuld des Abgeordneten ulitz nur auuſ ſei über di
gefälſchter Dokumente oder durch Meigeigink ur die Tätie
erſcheinen
weiſen ſei.
Die Unterzeichnung des griechiſch=urd in beſonder
ſchen Freundſchaftsvertrages, die urſprünglichügen dürſte.
tag angeſetzt war, iſt auf Dienstag uüchſter Woche be9 Mzivien z
worden.
uenmen werd:
Die Signatarmächte des Tangerabla ſation

Bom Tage.

Frankreich, England, Italien und Spanien, haben ge
Vülkerbund die Urkunden des Abkommens i0 enndels=
und vielmehr
giſtrierung hinterlegt.
Zuſammenarbeit
Im Thronſaal des Vatikans empfing geſtern ahüler. Tatſächlick
das bei ihm beglaubigte diplomatiſche in Lande der g
Die Meldungen über einen Niederlaſſungsen und mit dieſer
zwiſchen Deutſchland und Rumänien, ſye gMd mkeiner M

ſichen zutreffend. Es handelt ſich um Erleichterungen . 2 Girſuß auf be=
und in den Aufenthaltsbeſtimmungen.

Nach einem offiziellen Communigus hat die Madridig: Ser des Vor
zei im Verlaufe von Studentenunruhen 2Nender n

zahl von Studenten verhaftet, die der politi ſich erden,
tion gegen die ſpaniſche Regierung beſchuldigt werden, T 9erbeizuführ
zui Kürzen Peoldelteis Mlbichelt

Die engliſchen Flottenvoranſchläge ſiüt

Ausgaben von über einer Milliarde Marlinte

Atende 2i.

nommen.

ten Ueberzeugung entbehrt. Napoleon redet mell."
innerer Enwwicklung handelt. Die Proſa in Naholehl.
Frühle
ſchmettern! rief Grabbe einem Freunde zu. Frlh. 2

für Napoleon die Kraft ſeines Organes und die L.ai
Perſönlichkeit ein. Er feſſelte am ſtärkſten, als er G. J
Geſtade von Elba den Entſchluß zum Aufbruch ſeh=
bekannten
Anruf an Amphitrite, die gewalnge
Jungfrau, ſprach; eine prächtige, in ſich geſchloſſeh.
Packend auch wirkten die zu einer nächtlichen.
mengezogenen Auftritte auf dem Greve=Platz umtet.
der Aufzug der Vorſtädter von St. Antoine, die Le
Pöbels durch den tollen Schneider eine biſſie
höhnung der Revolution! , der Anmarſch L
Truppen, der Umfall des Volkstribunen Joude‟.
liche Bild im Rahmen von Wilhelm Rein.!
ration wirkte überzeugend. Bernhard Min‟!"
Jouve ſchauerlich echt in Brutalität und Gehlei
Keßler, das konvulſiviſch zuckende Schneider.
Verfehlt waren die Szenen am Hofe. Sie wo.
telhaftigkeit gedehnt und übertrieben. Das ha."
Wurf Grabbes nicht nötig! Auch nicht, daß die 2"
des Königs bei ſeinem Abſchied durch ein hode
das in meiner Grabbe=Ausgabe nicht zu finden !h.
wird! Den König ſpielte wirkungsvoll im Slt
Richard Fürgas. Mit der ihr an ſich fernlſh.
der Herzogin von Angoulsme fand ſich Kächt.2.
Möglichkeit ab.
Die größten Schwierigkeiten bieten jeder
Schlachten von Ligny und Belle=Alliance: nicd
Form nach, habe ich mich in nichts geniert. S
verdients nicht Lumpenhunde ſind ihr wit
aber ſoll ſie wieder zu den Dichtern kommel,
der geſund bin! ſchreibt Grabbe grimmß
ten kürzte die Regie am ſtärkſten. Sie 90=
Ausſchnitte. Blücher kam zu kurz. Die ſchone
ßiſchen Jäger, auf die Grabbe ſtolz war, ſiet
den Tiſch. Es lag dies wohl im Sinne der ?"
Napoleon=Dramas, ob aber im Sinne Grobo
So hatte die Aufführung in kleineren

Göbel, Gallinger genannt nebe
auch ihre ſtarken Vorzüge. Auf alle Fälle iſt. Le
Grabbes Napoleon ein wertvolles Expelſch

tereſſante Erſcheinung im Spielplan.

[ ][  ][ ]

Bent it inkernakiongle Zahlungen. Ihte

Mſtrukkion und Funkkionen.
EP. Paris, 9. März.
dem iſ längerer Zeit erörterten Plan zur Schaffung
ank füunternationale Zahlungen gibt die Sachverſtän=
iferenz
) ß1 folgenden Bericht aus:
bereitz)er Preſſe mitgeteilt wurde, iſt ein rein vorläu=
an
fürz) Organiſation einer neuen internationalen Bank
ſchverſtäigenkomitee in ſeiner Vollſitzung vom 6. März
itet wmen. Die Beſprechung dieſes Planes hat bereits
n. Shurd in der auf Montag, den 11. März, anbe=
Volläng fortgeſetzt werden. Beſonderes Gewicht iſt
zu legundaß der geſamte, dem Sachverſtändigenkomitee
te Pleknvorläufig einen reinen Verſuchscharakter
bei nnever Prüfung vielleicht ganz oder teilweiſe ab=
werdeyr inm.
das ähberſtändigenkomitee ſich entſchieden hatte, die
leiten umr ſolchen neuen internationalen Bank zu unter=
jat
esſ naturgemäß von dem Gedanken leiten laſſen,
um eimendgültige Regelung des Reparationsproblems
en, ngaw endig ſein wird, allmählich einen gro=
eil
A.u borübergehenden Kriegsorgani=
en
ᛋzu Empfangnahme der Reparationszahlungen
Krantzu ſetzen und, wenn möglich, durch die
ensoſrianiſation zu erſetzen. Es hat ſich ge=
ß
diclntue Organiſation nötig iſt, um die
n neſun internationalen Geldbewegun=
n
Zuuſmmenhang mit den Reparationen
iegsbeulden zu handhaben. Durch die Er=
Tgderſplitiſchen Organiſationen durch die
zielkltſ oll die Abwicklung von Deutſch=
äußeen
Verpflichtungen aus dem Gebiet
litifſhn Diskuſſionen auf das Gebiet der
nlichte geſchäftlichen Auseinanderſetzun=
e
denntormalen Friedenszuſtand charakteri=
berge
itet werden.
in einen blche neue Einrichtung geſchaffen werden ſoll,
jre Hauuaufgabe zunächſt in ihrer Stellung als
änderu ſuchen ſein, indem ſie die zu vereinbarenden
ten vom deutſchland in Empfang nimmt und ſie an die
ernatiorm verteilt. So würde ſie als Bindeglied
en Sihldner und Gläubigern den Trans=
edig
)r Es iſt ferner ins Auge gefaßt, daß die Sach=
unge
und ſogar unter beſtimmten Garantien für große
die umi den Generalbegriff der Sachlieferungen fallen,
ſchen Wel der Arbeit finanzieren würden. Sie ſoll ferner
mittler ndn beteiligten Regierungen und den Emiſſions=
bei
diAuflegung der zur Mobiliſierung
eutfehn Annuitäten zu emittierenden
behillich ſein. Sie könnte mit den bereits beſtehen=
enbankanzuſammenarbeiten
und auf Wunſch von dieſen
Biro= ᛋhü Anlage=Depoſiten annehmen. Die großen Be=
emder
=Lviſen, über die ſie normalerweiſe verfügen
laſſen f+für die Tätigkeit als Ausgleichſtelle be=
geeigmterſcheinen
, ebenſo wie ſie als Reſervoir für
Deviſem ſon beſonderer Bedeutung für die beſtehenden
anken im dürfte.
Grungn zipien, zeigen deutlich, daß, wenn der Plan
angemmnen werden ſollte, die zu ſchaffende
drgamſation jede Konkurrenz mit den
endernHandels= und Emiſſionsbanken
iden md vielmehr, in erſter Linie dazu beitragen
in engg:Zuſammenarbeit mit den beſtehenden Noten=
zu
arbaün. Tatſächlich würde die Bank ihre Tätigkeit
beſtinnmen Lande der Politik der Notenbank dieſes Lan=
ſerordnem
und mit dieſer Bank zuſammenarbeiten. Die
uk wündi keiner Weiſe eine Ueberbank ſein, um einen
henden =Enfluß auf bereits beſtehende Organiſationen
ben. D2eVäter des Vorſchlages glauben vielmehr, daß
veratſimen der neuen Organiſation dazu
agen urden, eine Stärkung der Zuſam=
kbeit
hrbeizuführen, die ſich zwiſchen den Zen=
uten
beuts entwickelt hat und die während der letzten
o bedeunde Dienſte für die Wiederherſtellung des Gold=
9s in der Velt und auch ſonſt zur Stabiliſierung der Fi=
* geleiſisthat. Sie würde die beſtehenden Organiſationen
Zeßen, wern vielmehr nur ergänzen und würde eher
als lellſade Anordnungen geben. Hinſichtlich der Di=
dn
läßt Plan klar erlennen, daß die Bank unpo=
Yinterhational und frei von vorherrſchen=
w

* Frühling.

Von Ernſt Eimer.
Amfel iſt ihn verkündet, den jungen, hellen Morgen
Jaubeixes Sonnenlichtes liegt die feſtliche, neue Welt.
Zumel blrg und die Knoſpen ſchwellen und hunderttauſend
ſigen im Sehnſucht und ihr Liebesglück in den warmen
reicher us die Hände und ſchreiten mit lichten Hoffnun=
blütenr
und blumenbunten Wegen durch die wonne=
Ne Weltl Vir wandern leichtbeſchwingt im tatſrohen
*e des 2bdens durch ſonnengoldene Täler und über
ane HöM und über uns in die reinen, weißen Wolken
A jubelniVerchenlieder.
E Heufe ſind des Glückes und der Dankbarkeit voll in
Rroßem, underſamen Frühlingsgarten.
25 i1 Nr geologiſchen Borzeit Waldbrände
gegeben!
Der Strerllm die Entſtehung des Fuſits zieht immer weitere
Die AluAinſicht, daß dieſes holzkohlige Material der Koh=
der
Waldgaunden auf den Kohlenmooren der Vorzeit ſeine
2 Aaus beehnlt, ſcheint den heutigen Erdkenntniſſen der
Lnldeit niüthtnehr zu entſprechen. Jedenfalls häufen ſich die
Neie die 3 Aeweiſen verſuchen, daß Waldbrand nur in ganz
wekoneterhällen zu der Bildung von Holzkohle beigetragen
Dn dieſe Ehmehr durch eine beſondere Art der Inkohlung
Sileit ſein üſſe. Die einen nehmen an, daß eine beſonders
E Austrocktug das Holz auf dieſen Weg führe, die anderen
ein daß 1 Uegenteil ſolches Holz beſonders ſtark vermodern
Ob. Wctläin d ſie ſich darin einig, daß der Fuſit im Laufe
DeAlungeitezeſſes entſtehe und allmählich ſeinen heutigen,
S der 1hgen Kohle ſtark abweichenden Zuſtand erreicht
Es gibtkin eine ganze Reihe von Tatſachen, z. B. das
Sindſchen bouFu fit in paläozoiſchengBraunkohlen, wie der von
Etnßh, wo 2%r genau den gleichen CCharakter hat wie in den
igen Steiutllen. Ein wichtiger Béweis für die Waldbrand=
Lie Iit fernechas Auftreten von Fuſit in den Dolomitknollen
EApons, rauf zum erſten Male Dr. H. Bode hingewieſen
Syer Wih, die bei der Preußiſchen Geologiſchen Landes=
L Erſchieraliß. (Neue Beobachtungen zur Entſtehung des

Sonntag, den 10. März 1929
den finanziellen Beziehungen, ſein muß. In dem
Direktorium ſollen lediglich Männer von Erſahrung und inter=
nationalem
Ruf ſitzen. In Ergänzung des Direkto=
riums
ſind beratende Komitees vorgeſehen, die ſo zu=
ſammengeſetzt
ſein müſſen, daß ſie vernünftige Natſchläge über
die zu behandelnden Probleme gewährleiſten. Der Sitz der
Bank würde vorausſichtlich in einem der kleineren
Länder liegen, wo eine geeignete Rechtsgrundlage und
Steuerbefreiung gewährt wird.
Es wird erwartet, daß die Tätigleit der Bank für die Schuld=
ner
= und Gläubigernationen in keiner Weiſe Nachteile bringen
wird. Mit der Errichtung einer ſolchen Finanzorganiſation
würde Deutſchland finanziell auf eigenen Füßen
ſtehen, die Verantwortung für die Aufrechter=
haltung
ſeines eigenen Kredits haben und auf
dieſer geſchäftlichen Grundlage mit einer internationalen Finanz=
organiſation
, die auf Grund geſunder Geſchäftsgrundſätze vor=
geht
, zu verhandeln haben. Neben dieſen Vorteilen würde die
Bank in der Lage ſein, die Reichsbank und andere
Zentralbanken bei der Aufrechterhaltung ihrer
Währungen zu unterſtützen, um dadurch das Geſchäfts=
leben
auf eine ſichere Grundlage zu ſtellen. Den Gläubiger=
nationen
würde ſie dadurch wertvolle Dienſte leiſten, daß
ſie einen ununterbrochenen Strom von Zahlun=
gen
erleichtern und größere Möglichkeiten für
die endgültige Kommerzialiſierung der deutſchen
Schutld bieten würde. Die Gläubigernationen würden ferner an
Gewinnen teilhaftig, die die Bank vorausſichtlich machen wird.
Die neue Bank kann dazu dienen, die Lücke auszufüllen, die zur=
zeit
in der Bankorganiſation der Welt beſteht, insbeſondere die

Seite 3

Lücke, die ſich infolge der durch die Reparationen und die Kriegs=
ſchulden
geſchaffene Situation ergeben hat. Es wird erwartet,
daß die Diskuſſion des Komitees in der komnenden Woche das
Projekt klären und dem Komitee die Möglichleit zur Entſcheidung
geben wird, ob dieſer Plan weiter verfolgt oder ob die Diskuſſiom
hierüber zunächſt vertagt werden ſoll.
Von beſtunterrichteter Seite erfahren wir noch folgende Ein=
zelheiten
: Die Bank hätte als Hauptfunktion zu erfüllen: 1. Die
Funktion eines Truſtees oder Treuhänders für die Repara=
tionen
, 2. die Funktion eines Clearinghouſes für Sachliefe=
rungen
, die im weſentlichen unverändert beibehalten werden
dürften, aber beweglicher geſtaltet werden ſollen, 3. die Funk=
tion
eines Kreditinſtituts. Die letztere Funktion iſt in den bis=
her
geführten Verhandlungen der Sachverſtändigenkonferenz
noch nicht völlig geklärt worden. Man denkt daran, daß dieſes
Kreditdepartement vor allem die zur Zahlung
der Reparationen unbedingt notwendige
deutſche Ausfuhr ſtärken und finanzieren ſoll.
Dieſe Steigerung der deutſchen Ausfuhr wiederum
ſetzt eine Belebung des Welthandes voraus, die nur
durch ſehr enges Zuſammenarbeiten mit den No=
tenbanken
möglich iſt. Solchen Ländern, deren Märkte ent=
wickelt
und für die Aufnahme von Ausfuhrartikeln reif gemacht
werden können, ſollen zu dieſem Zweck Kredite gewährt werden.
Eine Emiſſionstätigkeit der Bank kommt nicht in Frage. Der
Sitz der Bank iſt noch nicht beſtimmt. Eine Einigung ſcheint
darüber zu beſtehen, daß dieſer Sitz ſich nicht im Bereich einer
Großmacht befinden wird und vom deutſchen Standpunkt, wohl
in erſter Linie aus Gründen techniſcher Bequemlichkeit, die Er=
richtung
der Bank nach Holland in Frage käme.

* Mainz, 9. März.

Der Landesparteitag der Deutſchen Volkspartei, Landesverband
Heſſen, begann am Samstag nachmittag im Silberſaal der Mainzer
Stadthalle mit der Sitzung des gut beſuchten kommunalpolitiſchen
Landesausſchuſſes, in der die Richtlinien für die Haltung und Einſtel=
lung
zu den im Herbſt ſtattfindenden kommunalen Wahlen beſprochen
wurden. Beigeordneter Dr. v. Hanſemann hielt ein ſihr auf=
ſchlußreiches
Referat über die Grenzen der wirtſchaftlichen Betätigung
der Gemeinden. Einleitend ſtellte der Redner feſt, daß nicht beab=
ſichtigt
ſein könne, den G meinden das Recht zur wirtſchaftlichen Betä=
tigung
grundſätzlich abzuſprechen, daß es aber auch andererſeits nicht
angehe, wie es Sozialdemokraten und Kommuniſten täten und wie es
gelegentlich auch von den Städten befürworhet werde, den Kommunen
das Recht zu geben, ſich unbegrinzt wirtſchaftlich zu betätigen. Die
hiſtoriſch und ſozial bedingte Notwendigkeit wirtſchaftlicher Betätigung
der Gemeinden werde anerkannt, auf der anderen Seite müſſe aber
das Prinzip der Privatwirtſchaft hochgehalten werden. Auch heute
noch ſtelle die Geſamtheit der wirtſchaftlichen Betätigung des einzelnen
Individuums einen unentbehrlichen und ſvertvollen Teil unſeres Volkes
dar. Aus dieſem Geſichtspunkt betreibe die D. V. P. nicht nur Wirt=
ſchaftspolitik
im allgemeinen, ſondern vor allem befürworte ſie auch
eine aktive Mittelſtandspolitik. Die Erhaltung der Privatwirtſchaft und
Steigerung ihrer Leiſtungsfähigkeit auf weite Sicht ſei der einzige Weg,
das finanzielle Rückgrat der Kommunen zu erhalten und zu ſtärken.
Wenn wir die wirtſchaftlichen Privatbetriebe in den Gemeinden immer
mehr auspowerten, ihre Konkurrenzmöglichkeiten im In= und Ausland
erſchütterten und unſere ſozialen Ausgaben ins ungemeſſeno ſteigerten,
ſo müſſe dieſes finanzielle und wirtſchaftliche Syſtem bald zu Bruch
gehen, wenn die Erkenntnis ſeiner Schädlichreit nicht zur Umkehr führte.
Der Redner prüfte dann im einzelnen dio kommunalen wirtſchaftlichen
Betriebe auf ihre Berechtigung noch.
Als zweiter Redner ſprach Dr. Niepoth=Schlitz über

dungen Siedlungs= und Hafengelände zu erlangen, nicht abgeſprochen
werden, da es früher als Feſtung in dieſer Hinſicht behindert war.
Wenn aber Darmſtadt dasſelbe wolle, dann könne das nur den Ab=
ſichten
einer Partei entſprechen, die dadurch ihren tolitiſchen Einfluß
ſtärken wolle. Die öffentliche Finanzpolitik müſſe uuter dem Geſichts=
punkt
ſtehen, was kann die Geſamtwirtſchaft in Form von Steuern
und Beiträgen an Staat und Gemeinde abführen. Aufgabe der D.V.P.
müſſe es ſein, der Bewilligungsfreudigkeit in Staat und Kommunen
Einhalt zu bieten, ſelbſt auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden.
Alle Sozialiſierungsverſuche ſeien entſchieden zu bekämpfen. Die Woh=
nungszwangswirtſchaft
zu beſeitigen und einen geeigneten Schutz für
die Mieter zu ſchaffen, müſſe angeſtrebt werden. Was die Sozialpolitik
anlange, ſo laſſe ſich die D.V.P. hierin von niemand übertreffen,
wende ſich aber ſcharf gegen Auswüchſe und die demogogiſchen For=
derungen
gewiſſer Parteien.
Der Redner trat dann für Beſteuerung der kommunalen Betriebe
ein. Die Realſteuern ſeien überſpannt. Eine unerwünſchte Erſcheinung
ſei, daß alle Ausgaben, die zu Steuererhöhungen führen, nur von
cinem Teil de Behölkerung getragen werden. Zum Schluſſe ſetzte ſich
der Redner mit der Beamtenpolitik auseinander. Die D.V.P. trete für
das Berufsbeamtentum ein unter Berückſichtigung einer ſachlichen Vor=
bildung
und angeneſſener Beſoldung. Das Gemeindebeamtenrecht in
Heſſen könne praktiſcherweiſe nur im Zuſammenhang mit der Reform
der Verwaltung gelöſt werden. Der Redner zog zum Schluß Vergleiche
ewiſchen dem Kommunglprogramri der D.V.P. und dem der übrügen
Parteien. Für die Volkspartei ſei nicht nur das Wohl einer einzelnen
Volksklaſſe, ſondern das Wohl der Geſamtheit der Bevölkcrung maß=
gebend
.
Die Begrüßungsſeier in der Mainzer Stadkhalle.
Die b m Ortsverein Mainz der D.V.P. veranſtaltete Begrüßungs=
feier
am Abend im Rheingoldſaal der Stadthalle war überaus ſtark be=
ſucht
und nahm einen eindrucksvollen Verlauf. Die Begrüßungsanſprgehe
hielt der 2. Vorſitzende der Mainzer Ortsgruppe, Sta tverordneter Poſt=
inſpektor
Strohauer. Neben den ſchon in der Nachmittagsveran=
ſtaltung
anweſenden Genannten wa= auch der Fraktionshorſitzende der
Reichstagsfraktion, Reichsminiſter a. D. Dr. Sholz anweſend. Im
Mittelpunkt des Abends ſtand folgende Rede des Landesverbandsvor=
ſitzenden
,

wobei er zu den wichtigſten kommunalpolitiſchen Fragen Stellung
nahm. Ein amtliches Programm der D.V.P. zur Kommnnalpolitik
liege nicht vor, erklärte er. Die kommunalpolitiſche Vereinigung der
D.V.P. der Rheinprovinz habe aber Richtlinien aufgeſtellt, in denen
die Grundanſchauungen der Partei zum Ausdruck kämen. Die volks=
parteilichen
Vertreter in den Gemeindeparlamenten müßten die allge=
meinen
Grundſätze der Partei einhalten. Bezüglich der Selbſtverwal=
tung
trete die D.V.P. im Sinne der Schöpfer Hardenberg und Stein
für ihre Erhaltung ein. Die Eingriffe des Staates ſollten ſich auf
Geſetzesverletzungen und Einführung untragbarer ſteu rlicher Bela=
ſtungen
beſchränken. Eingemeindungen, die lediglich dem Ehrgeiz und
Größenwahn eines Oberbürgermeiſters entſprängen, ſeien abzulehnen.
Wenn Eingemeindungen dagegen im Intereſſe der kulturellen und
wirtſchaftlichen Entwicklung einer Stadt liegen, müßten ſie b jaht wer=
den
. Der Stadt Mainz könne die Berechtigung, durch Eingemein=

Von Volk und Vaterland reden, heißt klagen von unſeren Sorgen
und Nöten, forſchen nach ihren Urſachen und ſich ſammeln in dem
Willen zur Selbſtrettung.
In dieſer Stadt ſpricht des Vaterlandes Not zu uns mit lauten
Worten der Anklage gegen den Geiſt der Ungerechtigkeit und der Un=
treue
gegen Vrrräge in der Welt! Unſer deutſches Volk iſt durch die
Jahre der Demütigung und Friedloſigkeit hindurchgegangen mit dem
Willen, durch Opfer und Vertragstreue ſeine Freiheit zu ſichern. Unſer
rheiniſches Volk erlebte die Hölle der Jahre des Ruhrkampfes, alle
Nöte der Beſatzung, alle Schmach des Verrates, der Unterdrückung und
der Gewalt beſeelt von dem Willen, die Freiheit ſich, und den deut=
ſchen
Rhein dem deutſchem Vaterland zu ſichern.. Unſere Wirtſchaft hat
Jahr für Jahr geleiſtet und gezahlt, um die Souverämität des Reiches
zu ſchützen. Unſere Waffen haben wir zerſchlagen, unſere Feſtungen
geſchleift, um den toten Buchſtaben der Verträge, wo ſie von Ab=

Fuſits, Mitteilungen der Abteilung für Geſteins=, Erz=, Kohle=
und Salz=Unterſuchungen, Heft 3, 1928.) Dieſe Dolomitknollen
ſtellen bekanntlich einen verſteinerten Urtorf aus den carboniſchen
Steinkohlenmooren dar, und die Tatſache, daß dieſer Urtorf ſchon
Fuſit in der gleichen Form enthält, wie er auch in der übrigen
Steinkohle vorhanden iſt, iſt ein Beweis dafür, daß die Holzkohle
ſchon vor dem Beginn des Inkohlungsprozeſſes als Holzkohle
vorhanden war. Die Waldbrandtheorie iſt damit auf eine feſtere
Baſis geſtellt.

* Aus Berlin wird uns geſchrieben: Von geradezu kultureller
Bedeutung erwies ſich die Spielhagen=Ausſtellung im
Märkiſchen Muſeum, zu welcher die Brandenburgia Geſellſchaft
für Heimatkunde, Einladungen in weite Kreiſe von Intereſſenten
verſchickt hatte. Nicht nur aus dem eigenen Leben des Schrift=
ſtellers
, auch aus dem der Vorfahren war durch Herbei=
ſchaffung
von Porträts, Zeichnungen, Briefen, Beziehungen
zu dem Werdegang des Romanſchriftſtellers hergeſtellt wor=
den
, die ebenſo wie bei Fontane in die Zeit der Refu=
gies
hineinragten und mit deren Erläuterung Direktor
Dr. Stengel ſich eine intereſſante und dankenswerte Aufgabe
gewählt hatte. Zum Schluß bemerkte er, daß es vielleicht heute
manchem ſcheinen möchte, als trenne uns von den Werken Spiel=
hagens
, die einſt in Rußland und Amerika nicht minder begeiſterte
Aufnahme gefunden haben wie in ihrer deutſchen Heimat, ſchon
eine Welt. Es verhalte ſich hier aber ſo wie mit wertvollen Oel=
gemälden
, über welche die Zeit wohl einen Firnis gelegt habe,
durch den jedoch die Augen der Kundigen hindurchzudringen ver=
mögen
bis zu dem echten Gehalt. Solche Gedanken glühten
dann fort in dem eigentlichen Feſtvortrag, den Oberſtudienrat
Dr. Hans Henning am gleichen Abend im Scheervereinshauſe
am Alexanderplatz hielt. Unter den ausgeſtellten Adreſſen, Ehren=
diplomen
uſw., die Spielhagen während eines langen Lebens aus
In= und Ausland zugegangen ſind, befand ſich auch die faſt zu
ſeinen letzten Regierungshandlungen gehörende Urkunde über
Verleihung des Maximiliansordens durch König Ludwig II. von
Bayern 1885.
Die Bonner Franconia, 1845 gegründete Burſchenſchaft,
der Friedrich Spielhagen während ſeiner Studienjahre angehörte,
hatte Delegierte in vollem Wichs entſandt. Auch unter den an=
weſenden
Herren trugen viele das weiß=rot=goldene Band.
Dr. Ella Menſch.

Im Weſten nichts Neues. Wenige Wochen nach
Erſcheinen des Kriegsbuches von Remarque ſind bereits mehr als
100 000 Exemplare abgeſetzt. Dieſer außerordentliche Erfolg eines
tendenzloſen, nur wahrhaftigen, in ſeiner Ehrlichkeit tief künſt=
leriſchen
Romans iſt ein neuer Beweis für die intereſſante Tat=
ſache
, daß heute, 10 Jahre nach Waffenſtillſtand, das Erlebnis des
großen Krieges nicht nur im Künſtler, ſondern auch in den brei=
ten
Maſſen zur Geſtaltung und Klärung drängt.
Am 8. März fand in Berlin die ordentliche Mitgliederverſamm=
lung
der Friedrich Liſt=Geſellſchaft ſtatt. Nach dem Be=
richt
des Vorſitzenden Profeſſor Harms hat die Geſellſchaft im ver=
gangenen
Jahre mehrere wiſſenſchaftliche Konferenzen zwecks Gewin=
nung
von Erkenntnisgrundlagen für die Löſung wichtiger Tagesfragen
der Staats= und Wirtſchaftspolitik veranſtaltet. Die Herausgabe der
Schriften Friedrich Liſts iſt inzwiſchen eifrig gefördert worden. In der
Berichtszeit wurden zwei Bände veröffentlicht, drei weitere Bände ſind
in Vorbereitung. Als nächſte Arbeitsgebiete ſollen in Angriff gen m=
men
werden das Problem des Wirtſchaftserfolges in der Volkswirt=
ſchaft
und ſeiner ſtatiſtiſchen Erfaſſung, die Frage der Bedeutung des
inneren Marktes, ſowie die Entwicklungstendenzen des deutſchen
Meſſeweſens. Die Neuwahl des Vorſtandes ergab die Wiederwahl der
bisherigen Mitglieder und die Zuwahl des Herrn Staatsminiſters
Reichsſparkommiſſars Dr. e. h. Saemiſch als erſten und Herrn
Generalkonſuls Dr. Paul Kempner als zweiten ſtellvertretenden
Vorſitzenden, ſowie des Herrn Miniſterialdirektors Dr. Richter
Leiter der Hochſchul=Abteilung des Preußiſchen Miniſteriums für Wiſ=
ſenſchaft
, Kunſt und Volksbildung, als Mitglied. Dem Mitylied des
Vorſtandes, Präſident der Vereinigten Staaten von Nordamerika Dr.
Hoover, wurde anläßlich ſeines Amtsantritts ein Begrüßungstele=
gramm
geſchickt.

Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Berlin: Dr. E. Schrödinger, o. Prof. der theoretiſchen Phyſik
an der hieſigen Univerſität und Geh. Reg.=Rat Dr. H. Spemann,
v. Prof. der Zoologie an der Univerſität Freiburg Br., wurden von der
Preußiſchen Akadewie der Wiſſenſchaften zu korreſpondierenden Mit=
gliedern
ihrer phyſikaliſch=mathematiſchen Klaſſe gewählt. Der Biblio=
theksrar
an der Preußiſchen Staatsbibliothek Dr. phil. Fritz Prinz=
horn
, dem die nachgeſuchte Entlaſſung aus dem Preuß. Staatsdienſt
erteilt wurde, iſt zum Direktor der Bibliothek der Tcchniſchen Hochſchule
in Danzig als Nachfolger von A. Predeek ernannt worden.
Kiel: Profeſſor D. Dr. Hans Windiſch in Leiden (Holland)
ſtuhl der Neutcſtament=
hat
den an ihn ergangen=
lichen
Theologie an der hieſigen Univerſität als Nachfolger des verſtor=
benen
Prof. Julius Kögel angenommen.

[ ][  ][ ]

s Guftu

Numm

Eonntag, den 10. März 1929

Oate.

vüſtung veden, LGendig zu machen. Unſer Führer Streſemann hat als
deutſcher Außenminiſter in en ſagungsvoller Hingabe ſeiner Kraft an
das Wohl des Volbes Stück für Stück den Weg in die Armoſphäre
der Gleichberechtigung und der Achtung unter den Völfern wieder
geöffnet.
Und doch, nach allen Opfern, nach aller Entſagung das Jahr
1929 hat dem Rheine, hat di ſer Stadt die Freiheit nicht gebracht. Iſt
das die Vertrags veue, die von Frankreich immer verſprochen, iſt das
der Geiſt des Friedens, der von Briand beſchworen wurde? Die Ma=
ſchinengewehre
und Kanonen ſtehen immer noch auf der Zitadelle die=
ſer
Stadt und richtim ihre Mündungen gegen ein friedliches Volk! Und
heute, im Notjahre 1929, ſind wir links und rechts des Rheines im
ganzen deutſchen Volke darin einig, einig auch mit dem Führer der
Außenpolitik darin: keine neuen Opfer für die Räumung des Rheinlan=
des
, auf die wir einen Anſpruch haben! Lieber möge die Vertvagsfriſt
ablaufen. Dann aber zeigen Enttäuſchung, Verbitterung und Miß=
trauen
den Weg, den wir zu gehen haben. An Frankreich wäre es, das
Vertrauen zu ſchaffen, indem es uns Freiheit gibt!
An Frankreich wäre es, den Frieden zu ſichern, indem es zu auf=
richtiger
Zuſammenarbeit die Hand reicht! Will das franzöſiſche Volk
dieſen Ruf nicht hören, will es den Weg der Gewalt und Unter=
drückung
weitergehen, dann wird die deutſche Not der Gegenwart zur
Anklägerin vor dem Richterſtuhl der Geſchichte, wenn ewig Unfriede
in Europa bleiben wird.
Die Tributlaſten, die das Friedensdiktat der deutſchew Wirtſchaft
auferlegt hrr, ſchlagen unſer Leben in Feſſeln. Streſemann war es
gelungen, in den erſten Londoner Verhandlungem dieſe Tributfrage
wenigſtens in der Form in reine Wirtſchaftsverhandlungen umzu=
wandeln
. Heute ſind wir ſo weit, daß die deutſchen Sachver=
ſtändigen
in Paris als gleichberechtigte Unterhändler mit den
Sachverſtändigen der anderen Nationm den Ausweg wirtſchaftlicher
Vernunft ſuchen. Täuſchen wir uns nicht darüber, daß in Paris die
Würfel fallen über unſere geſamte politiſche und wirtſchaftliche Zukunft.
Wie auch immer die Verhandlungen ausgehen, ſie werden einen Wende=
punkt
in der politiſchen Entwicklung für das deutſche Volk bringen.
Führen ſie zu einem erträglichen Ergebnis, ſo wird das deutſche Volk
nur um ſo mehr alle Kräfte zuſammenraffen müſſen, um auf dem end=
lich
errungenen Boden feſter Abmachungen für die nächſten Jahrzehnte
für ſein Staatsleben und für ſeine wirtſchaftlich Entwicklung in
Deutſchland ſelbſt geſunde Vorausſetzungen zu ſchaffen. Enden aber
die Verhandlungen mit einem Mißerfolg, ſo wird das deutſche Volk
zunächſt ſich zu der gewaltigen ſittlichen und nationalen Leiſtung eines
entſchloſſenen Neins hinter ſeinem Führern zuſammenſcharen müſſen.
Was dieſes Nein bedeutet, welcher Hexenſabbat von politiſchen und
wirtſchaftlichen Zwangsmaßnahmen in ſolchem Falle uns bevorſteht,
will ich heute nicht ausmalen.
Die Deutſche Volkspartei hat die traurigen Regierungswirren der
letzten Mongte zum Anlaß genommen, um ihren warnenden Ruf in
das Volk hinausgehen zu laſſen. So, wie es bisher war, darf es nicht
weitergehen! Wir treiben der inneren Zerſetzung und dem wirtſchaft=
lichn
Verfall ſehenden Auges entgegen. Was redliche Arbeit unter
Aufbietung aller Kräfte geſchaffen hat, zerrinnt uns unter den Hän=
den
wieder durch die hemmungsloſe Ausgabenpolitik des Reiches, der
Länder und der Gemeinden. Wir wollen nicht Anklagen gegen andere
erheben, wir alle tragen Schuld an dieſer Entwicklung! Sollen wir
aber dieſe Dinge weiter dulden, ſollen wir gelähmt bei Seite ſtehen,
während, der Blutlauf unſeres Wirtſchaftslebens immer mehr ins
Stocken gerät?
Wohin eine ſolche Paſſivität der politiſchen Führung in Deutſch=
land
führt, ſehe wir heute ſchaudernd wit an. Verdroſſenheit und
dumpfe Verzweiflung, eine lähmende Stimmung der Reſigvation haben
die breiteſten Schichten des deutſchen Vollkes erfaßt. Das iſt der Boden,
auf dem die Zerſtörung des Staatsweſens durch verblendete Gewalt=
ſtreiche
oder auch ſein innerer Zerfall durch den Unwillen der Staats=
bürger
erwächſt. Es iſt noch nicht zu ſpät, um dieſer Entwicklung in
den Arm zu fallen! Es iſt noch nicht zu ſpät für das deutſche Bürger=
tum
, aufzuwachen aus der Stimmung der Gleichgültigkeit und der Ver=
zagtheit
. Aber es iſt höchſte Zeit!
Es iſt vielleicht auch in den Kreiſen der Deutſchen Volkspartei viel
zu wenig beachtet worden, daß mitten in den Kämpfen um den An=

teil der Parteien an den Regierungen in Preußen und im Reich unſer
Führer ſeine Stimme nicht erhoben hat, um dieſem oder jenem An=

ſpruch der Deutſchen Volkspartei Geltung zu verſchaffen, ſondern daß
er als Mahmer und Warner vor das deutſche Volk getreten iſt, um
zu zeigen, ſo geht es nicht weiter! Die Kapitolwächter der vepublika=
niſchen
Staatsform nennen den alden kaiſerlichen Staat einen Obrig=
keitsſtagt
. Sie wollen damit ſagen, daß dawals der vom Kaiſer allein
abhängigen Regierung ein mehr oder minder verantwortungsloſes
Parlament gegenüberſtand. Heute iſt das Parlament die eigentliche
Staatsgewalt goworden, der bevollmächtigte Träger der Souveränität
des Volkes. Nun wohl, wenn das Parlament alle Macht hat, ſo hat es
auch alle Verantwortung! Das iſt zu wenig erkannt, zu wenig befolgt
worden von allen Parteien.. Der Wettlauf der Partoien um die Gunſt
der Wählermaſſen, die Popularitäishaſcherei, die Abhängigkeit von
den Wünſch.m irgendwelcher in Maſſen zuſammengefaßten Organiſa=
tionen
, das waren die Kennzeichen der bisherigen parlamentariſchen
Entwicklung in Deutſchland. Wir wollen davon keine Partei ausneh=
men
. Denn es gibt keine Regierung im den zehn Jahren,, von der man
ſagen körute, daß ſie von dieſen Strömungen unabhängig geweſen ſei.
Wir wollen uns daran erinnern, daß gerade die letzten Regierungen
unter Teilnahme der Deutſchnationalen in der Erfüllung von populären
Verſprechungen und in der Steigerung der unerhörten Ausgaben der
öffentlichen Stellen faſt mehr geleiſtet haben, als die Regierungen vor=
her
. Das beſagt, daß an dieſer unglücklichen Entwicklung unſeres Staa=
tes
alle Partsjen gleichermaßen ihre Schuld haben. Damit beſſern wir
die Zuſtände gewiß nicht, daß wir uns gegenſeitig Vorwürfe machen.
Wir ſind jedenfalls in der Reichstagsfraktion der Deutſchen Volks=
partei
mit unſerem Führer zu der Erkenntnis gelangt, daß wir das
Steuer herumwerfen müſſen; nicht nach rechts, nicht nach links
ſondern einfach auf den klaren Kurs, den die politiſche Vernunft dik=
tiert
! Das erfordert eine ſtarke Widerſtandskraft des Parlaments und
der Parteien. Das fordert auch von jedem Einzelnen von Ihnen Ein=
ſicht
und die feſte Entſchloſſenheit an ſeinem Teile zu eimer Geſundung
der Verhältniſſe beizutragem. Wir wollen eine letzte große An=
ſtrengung
machen, um die Parteien wieder unabhängig zu machen von
den unſachlichen und egoiſtiſchen Wünſchen einzelner Organiſationen
oder Stände.

Dieſes Ziel erreichen wir nicht mit geſetzlichen Maßnahmen irgend=
welche
Art allein. Namentlich ſoll man nicht die Bedeutung der Aen=
derung
des Wahlrechts überſchätzen. Wir haben das alte Wahlrecht im
deutſchen Kaiſerreich noch in Erinnerung. Ich kann nicht finden, daß
kurz vor dem Kriege der Reichstag oder die einzelnen Abgeordneten
unabhängiger und freier von Strömungen der Popularität oder gar
von ihrer Parteimaſchine geweſen wären. Hier drecht es ſich um mehr
als um geſetzliche Maßnahmen, nämlich um eine Reform des politiſchen
Verantwortungsgefühls! Wenn man das Wahlrecht verantwortlich
machen will, ſo darf wan nicht an der Tatſache vorübergehen, daß die
Schrankenloſigkeit dieſes Wahlrechts eigentlich die letzte Urſache für
die politiſche Entwicklung geworden iſt. Sie hat dazu geführt, daß die
Parteien um die Gunſt der Maſſen buhlen müſſen. Sie führte auch
zu einem Eindringen der Intereſſenorganiſadionen in die politiſchen
Parteien. Wir wollen wenigſtens doch in unſerer Partei wieder mit
allen Kräften dafür kämpfen, daß die Perſönlichkeit, und wicht irgend=
welche
Organiſationen, daß der Schwung des perſönlichen Weſens, und
nicht irgendein Beruf oder irgendein Stand entſcheidend ſein ſoll für
die Uebertragung der politiſchen Ehrenämter. Wir wollen verantwor=
tungsvolle
und verantwortungsfreudige Politiker perſönlichen Wertes,
und nicht irgendwelche Berufsvertreter! Es iſt kein Zweifel, daß die
politiſchen Parteien in Deutſchland in eine Erſtarrung und Verkalkung
hineingeraten ſind, die zur Gefahr für den geſamten politiſchen Auf=
bau
unſeres Reiches wird. Wenn Herr Dr. Wirth in lauten, eindring=
lichen
Worten beklagt, daß das Volk nicht mehr in den Parteien, ſon=
dern
neben den Parteien lebt, ſo legt er den Finger auf eine Wunde,
die wir alle fühlen.

Das Mißtrauen gegen die Parteien und der Egoismus der Stände
haben Auflöſung und Lähmung des Bürgertums zur Folge. Der Zer=
fall
des Bürgertums in Berufsparteien, der ſchon begonnen hat, be=
deutet
im Endeffekt den Sieg des Sozialismus! Wir können den Glau=
ben
der ſozialiſtiſchen Maſſen nicht überwinden durch Standesforde=

rungen und wirtſchaftliche Intereſſenbertretungen. Wir 1
Bürgertum wieder etwas von der inneren Hingabe on
ſchen Glauben ſchenken! Das Bürgertum iſt heute in breuut
politiſch glaubenslos geworden. Es kämpft nicht für ſeingu
ſondern für ſeine Intereſſen! Für die Heiligkit des Pr
allein aber zieht niemand ſiegesfreudig in die Schlacht!
Der Dienſt am Volke ſteht über dem Dienſt für Onteru

wir ſo ar3 Werk, dann werden auch die alten Parteig
Inhalt bekommen. Wir wiſſen, daß die Entwicklung un
ſich unter neuen Geſetzen vollzieht. Wir können die 9

ſchließen vor den gewaltigen wirtſchaftlichen Umſchichtunge=
und Nachkriegszeit geſchaffen haben. Wir alle fühlen he.
Einzelne viel ſtärker gebunden iſt an das Schickſal der 0
Wir wollen dieſen Gemeinſchaftsgeiſt zum Programm erll=
ſchrankenloſe
Willkür des Einzelnen auch in der Wirtſchyf
kein Ideal. Auch das Eigentum hat ſeine verpflichtende s
den Staatsbürger. Eigentum als anvertrautes Gut, den ech
als ein Organ des Volkes, und die Politik als Dienſt amſ=
gemeinſchaft
wieder zu erkennen, dafür laſſen Sie uns kämpl
kommt dann ein weiteres:
Fühlen wir nicht alle, die wir es ernſt mit unſerer poutz

tigkeit nehmen, wit Entſetzen, daß zwiſchen uns und dernh
Generation, die aus unſeren Händen die Führung über

eine tiefe, faſt unüberbrückbare, Kluft völliger Verſtänn
klafft? Wo iſt der Nachwuchs der bürgerlichen Parteien, wot
gabe der heranwackſenden Menſchen an die Gedanhen, für
bemühen?. Wir beklagen den Triumph der Körperpflege übtz
des Geiſtes bei der hrutigen Jugend. Wir trauern darücn
die Begeiſterung für Rekordleiſtungen die jungen Menſchen

faßt, als die Auseinanderſetzung über geiſtige Fragen. A. A=
gen
nicht, was wir in den Parteien tun, um uns aufzuſchliein
was dieſer heranwachſ.nden Jugend den Antrieb gebenn9
leben in den Parteien und in den alten Generationen und
leben dahin, und die Jugend draußen lebt das ihrige. Lauy
alle Kraft, alle Liebe einſetzen, um die Wege zu ſinden,
und die jungen Generationen wieder zuſammenführen koln
hier wird es letzten Endes nur die Perſönlichkeit ſein, die
verſchafft. Im Leben ein=s Volkes, wie im Leben des Eicz
die nicht greifbaren, immateriellen Kräfte und Werde immer,

geblieben über die materiellen. Das iſt die Schickaſalsfi
Partei und in den Parteien des Bürgertums in Dutſchlanm/
N.
ob ſie es fertig bringen, das politiſche Leben wieder mit 19 M4
der
der Idee und des Glaubens zu erfüllen.
Was jetzt an Sorgen vor uns ſteht, das ſollte uns Ant fa!u
entſchloſſenen Umkehr. Wir wollen in unſ ner politiſchen 2m
wieder ganz von dieſem Geiſte des Verantwortungsbewußi= im
dringen laſſen, wir wollen lieber die Laſt der Unvopularitm ſet Daſtähuter. b.
len Anklagen wegen nicht erfüllter Wünſche lieber auf uns 43-0= bus der Waf
den Vorwurf tragen, daß wir auch weſter die Dinge tuth / 4 Libl, md den
wie ſie gehen. Füir die Partei wird der Weg nicht leicht na M2rüchrung. M.
deutet Opfer, vielleicht auch einmal Opfer an Stimmen, aElte M.Cabalieriar
einzige Weg zur Geſundung unſeres Volkslebens überhauutt1 Arum bure, Adolf
ihn gehen, dann dürfen wir auch hoffen, die Anziehungskrüy) mur Bafazzo, m
auf die Jugend wieder lebendig werden zu ſehen. Dann m=rmu Tchuldi und
Streſemanns an die Jugend: Hergn an den Staat und 1 7. Gollſchnidt Miete B.
Partei! nicht ungehört verhallen.
m auß gelangnt na hnit
Arbeiten wir ſo für die Zukunft, unter Verzicht auf bidgun 10 Uhr der Schiu
der Gegenwart! Uns trägt dann die ſichere Ueberzeugung, rArza ell, Knot, Stengel
unſerem beſcheidenen Teil mitgearbeitet haben für die G=enmr Minet
Geſundung unſeres Vaterlandes. Not und Sorge iſt dassM2,
Gegenwart. Sorgen wir dafür, daß unſere Enkel ein glück keu.
des Vaterland wieder ihr eigen nennen dürſen! Dann werdch
was in unſerem Munde heute nur als Wunſch erklinge= ) Enmi Leist
Blüh im Glanze dieſes Glückes, blühe deutſches Bau-1./ Airz, ſtot
Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen 1 8.9k0 !
ſammlung ſang ſtehend das Deutſchlandlied. Die Abendls/
war im übrigen von muſikaliſchen und geſanglichen Darböky
Rezitationen durch Mitglieder des Mainzer Ortsvereins fo
umrahmt.

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[ ][  ][ ]

der aandescaupifiavt.
Darmſtadt, 10. März.
Geheimerat Klingelhöffer

enverein. Am 6. März iſt nach längerem
us dem Leben abgerufen worden, das ſie zu einem
9Berken chriſtlicher Nächſtenliebe gewidmet hatte. Seit
ſie auf verſchiedenen Gebieten freiwilliger Hilfs=
hit
earbeitet. Hier ſoll nun ihrer ſelbſtloſen und un=
uer
unter dem Zeichen des Roten Kreuzes während
ur. der ſchweren Nachkriegszeit dankend und rühmend
Isbald nach Kriegsausbruch 1914 hat Frau Geheime=
im
Alten Palais zu Darmſtadt eine Nähſtube zur
ung uu/4 ekleidungs= und Wäſchegegenſtänden für das Rote
Vchypung in den Lazaretten uſw. eingerichtet, in der
Helliſfeaif en unermüdlich tätig waren. Nach Beendigung
ges h) die Nähſtube, die ſpäter in das ehem. Jagdhaus
deblatYbirſiedelte, ausgebaut zu einer ſtändigen Arbeitsſtelle,
ine gm /=Zahl von älteren erwerbsbeſchränkten Frauen der
7 Stäzyl die durch den Krieg und ſeine Folgen in wirtſchaft=
gekormi
ſind, durch Anfertigung von Handarbeiten eine be=
Erwegur glichkeit finden. Auch nachdem Frau Klingelhöffer
undheichtäſichten die Leitung der Nähſtube in andere Hände
ſte, 1m Sieſelbe in ihrem Geiſte fortbetrieben. Sie bildet
iges 034ld an dem Hilfswerk des Alice=Frauenvereins für die
Krirarmten. Dieſe ſegensreiche Einrichtung wird den
hrer Gihnſerin und erſten Leiterin in der Geſchichte des Roten
insl=unlere des Alice=Frauenvereins, lebendig erhalten.
werdemhier namentlich auch die vielen Frauen gedenken, die
Twſt=h7) Hilfe in ſchwverer Zeit gefunden haben.
manmut ul de: Am 1. März: der Hilfsförſter Wilhelm Lehr
mſtada‟ Srund des Artikels 4 des Geſetzes über die Ermäch=
er
Stüuutzrgierung zur Neuregelung der Dienſtbezüge der
Lalforſtmtl ſowie zur Neucinteilung der Förſtereien vom
4 1926 Uumr Vorbehalt der Negelung der Dienſtaltersfolge vom
ur 19219n zum Förſter der Förſterei Städtiſche Tanne.
n denrilrſtand verſetzt wurde: An 1. März: der Lehrer an
ſchulelz Mainzlar, Kreis Gießen, Heinrich Kurz, auf ſein

ſſiſchels gadesthrater. Heite Sonntag, nachmittags 15 Uhr,
m Graßr Daus der Waffenſchmied von Lorßing mit
en Kzal, Liebel, und den Herren Herrmann, Kuhn, Vogt,
her zu u fführung. Muſikaliſche Leitung: Carl Bamberger.
½s gemiE avalleria ruſticana mit Roſe Landwehr,
jebel, iſtira Harre, Adolf Jaeger, Hans Komregg in Szene.
folgt lee Bajazzo mit Regiua Harre, Hans Grahl,
mregan miz Tibaldi und Herbert Grohm. Muſikaliſche Lei=
uthold
Ell ſchmidt (Miete B, Beginn 19,30 Uhr).
Aleinens aus gelangt na hmittags als Vorſtellung der Heſſen=
III Uſ1s Uhr der Schuank Theo macht alles mit
men R: 1a0, Knot:, Stengel und den Herven Gallinger, Bau=
Veſterſeurn, Minetti, Maletzki, Jürgas, Finck zur Aufführung.
an Geſſiſafn 3 ielgemeinſchaft bringt heute abend um 19.30 Uhr
sien Hiu /küthleins Lokalpoſſe Der Glasſchrank zur
Lunt merſämien Emmi Leisner (Berlin) iſt die Soliſtin des am
dem 1hcirz, ſtatifindenden 6. Sinfoniekonzertes. Sie wird
eſterbeiyſtimg Mahlers Kindertotenlieder ſowie Freundliche
und Gäik von Rihaid Strauß zum Vortrag bringen. Das
m des*4e ds umfaß weite- die Duvertüre zu Chriſtelflein
ner u 45 ichard Strauß‟ Aus Italien. Muſikaliſche Lei=
lali
a1 rektor Dr. Böhm.
ſtermze Erſtnufführung gelangte Schauſpiel Napoleon
h.3 41 Jnſz=nierung Cacl Eberts (Bühnenbilder: Wil=
n
9)cFrit Valt in der Titelrelle gelangt Dienstag, den
zur Ehr Wiederholung (Miete A. Beginn 19.30 Uhr).
olgude Neuaufführung von Flotow3 Oper Martha‟
g.1N7 12. März, im Kleinzu Haus wiederholt. Die Ve=
Eiſtaufführung. Muſkallſche Leitung: Berthold
(Beginn 19.30 Uh-)
1r MMinux von Barnhelm in der Inſze=
gelangt
Mittwoch zur Wiederholung.
iſter des Ruhms in der Infzenierung. Günter
d Ay lur Reinkings gelangen Lonnerstag, den 14. März,
Hanüzr Wieberaufführung.
di März, gehen im Großen Haus die Meiſter=
vr
Einſtudierung und Inſzenierung in Szene. Die
ſiuäu, den Damen von Stoſch, Facobs und den Herren
f7) un, Derrmann, Vogt beſetzt.
Ahabert=Gaſtſpiel. Max Adalbert, der in gan;
hem nee Verliner Komiker, wird mit dem Enfemble des
ſeatahurs Berlin ein einmaliges Caſtſviel Sonntra, den
Eit: Laus des Land=stheaters abſolvieren. Zur Auf=0 +. Scwank von Friedmann=Frederich Der Dick=
ſthhſtſpiel
Frankfurt-Darmſtadt. Mon=
Mlt, gaſtiert das Landestlreater mit Flotozus Fatme‟
bielheks 3=aukfurt a. M. Am jleicſen Tage gelangt im Klei=
hierr
u=kuers Schauſpiel Krankheit der Jugend, darge=
na
das ) mble des Frankfurter Schauſpielhauſes, zur Auf=
Naſhr) ſo erfolgy=ſchen Aufführungen von Bruckners Ver=
iM
2hestheater wird es hir das Darmſtädter Publikum
2os von 73 eſſe ſein, auch dieſes Werk des Dramatikers, mit
im Borily Nahre erſtmals an die Lcffentlichkeit trat, kennen zu
Arauschen der Jugend hatte in Berlin einen Sevienerſolg
ligen hue /24 Aufführungen.
Epheumg Eig inal=Kölner Volksbühne. Heute Sonntag, 10. März,
uhr, 4 nbet die Wiederholung von Familie Schmitz,
De in 3 Ehen. ſtatt Der Sonntagskartenverkauf findet ſtatt:
Sbütro Baue b:s 12 Uhr, Kiosk gegenüber dem Verkehrsbiiro
unulliehrochen ab 3 Uhr Orpheumskaſſe. Die Plakat=Vor=
Een habe usnahmsweiſe auch heute Sonntag Gültigkeit. (Siehe
Bicherſter Alffreb Bodenheimer. Das Weiß=Quartett, Wien,
Aübex vorigen Jahres auf Einladung der Bücherſtube
eio aber kunſtberſtändigen Hörerkreis an dem Abend,
E die Veranſtaltungen des Neichsverbandes der Deut=
dien
Anfang nahmen. Die Bücherſtube will diesmal
eis Gelegenheit geben, das Weiß=Quartett zu hören,
Spiel und temperamentvolle Muſizierfreude die hie=
hmrls
einſtimmig hervorhob. Das Programm bringt
von Brahms, Haydn und Verthold Goldſchmitt.
ſt Des am Landestheater tätigen Kapellmeiſters wird
gnläßlich der Genfer Muſikſeſtſpiele aufgeführt,
=kige Anzeige.)

Sehtgang fur Bontfahriasſiege TMr die Sweigberime
vom Roten Kreuz in der Probinz Starkenburg.
Reinlichkeit bedeuker Geſundheil. Die Hygiene des Waſſers. Die Schulung der Schweſtern vom Roten

Kreuz zur neuzeillichen Krankenpflege.
Den geſtrigen Vortragsmorgen im Saale des Muſikvereins (Stein=

Ueif e eiehe e e e e e
arſtaltung nahmen zahlreche Vertreter der Behörden teil.
Ferner bemerkte man unter den Auweſenden unter anderen
Herrn Hauptmann a. D. Lotheißen von der Frewilligen
Sanitätshauptkolonne vom Roten Kreuz. Es ſtanden zwei Vor=
träge
auf der Tagesordnung, die wegen ihres Wertes den Zweigver=
einen
vom Noten Kreuz und den Mitgliedern dureh Sonderdruck zu=
gänglich
gemacht werden ſollen. Zunächſt ſprach der Direkvor der Klinik
für Hautkrankheiten zu Gießen, Prof. Dr. Jeſſioned, über Die
Mitwirkung der Zweigvereine, vom Roten Kreuz
in der Geſundheitspflege, beſonders in der Tuber=
kuloſenfürſorge‟
. Der Redner behandelte aus dieſem großen
Gebiete ein eng umriſſenes Kapitei, und zwar die Grundlage der Ge=
ſunderhaltung
, die Reinlichkeit, die Reinigung und das tägliche Waſchen.
Auf die eininente Bedeutung der Reiuhaltung des ganzen Körpers wies
der Redner furmer wieder hin. Jeder einzelne müſſe im ureigenſten
Intereſſe davon überzeugt werden, taß Reinlichkeit Grundbedingung
für Geſundheit iſt. Dis Reinlichkeitsverſtändnis müſſe gewveckt werden
dann komme das Reinlichkeitsbedürfnis von ſelbſt. Wenn heute auch
jeder ziviliſſerte Menſch die der Beſchmutzung beſonders zugänglichen
Körperteile, Hände und Geſicht, täglich waſche, namentlich morgens
uach dem Schlaf, ſo genüge das noch keineswegs. Man verkenne noch
zu ſehr

Undre cre Wech e eie e e eaugef eice ie
dung innerer und Infektionskrankheiten. Es müſſe mit aller Deutlich=
keit
geſagt werden, daß der Körperpflege unbedingt uehr Beachtung
geſchenkt werde. Er wolle ſeine Forderungen nicht zu hoch ſtellen, aber
nach ſeiner ärztlichen Anſicht wäre es uotuendig, mindeſtens einmal alle
24 Stunden den ganzen Kürper gründlich zu reimigen, die ſelbſtverſtänd=
liche
körperliche Reinigung ſei die primitivſte Vorausſetzung zur Ge=
ſundheit
. Leider ſei die Angſt und Scheu vor Waſſer geradezu noch
unglaublich. An nichts werde mehr geſpart, als an Waſſer zur körper=
lichen
Neinigung. Es wäre ſchon viel gewonnen, wenn jeder vor dem
Zubettgehen eine gründliche Reinigung vornähme, die Hauptwäſche
finde dann morgens ſtatt. Die Wohltat ſolcher Gewohnheiten werde
nen baid erkennen. In jeden Haus, namentlich auch in Neubauten,
müſſe für ausreichende Waſh= und Vadegelagenheiten geſorgt warden.
Dieſe Einrichtung müſſe ſi.z jeder, namentlich auch jeder arbeitstätige
KNenſch ſchaffen. Die Haut des Menſchen ſei voller Leben, und die
Hauttätigkeit hat ganz beſondere Einwirkung auf das Allgemeinwohl=
befinden
. Der Menſch ſuche morgens beim Waſhen mit kaltem Waſſer
inſtinktiv oder im Unterbewußtſein eine gewiſſe angenehme Reizung,
um ſich nach dem Schlaf zu erfriſchen. Die Temperaturreize habe man
am eigenen Körper beobachtet, auch die Tatſache, daß die Temperatur=
reizempfindlichkeit
je nach der Eigenwärme des Körpers ganz verſchie=
den
iſt. Die Eigenwärme der Haut im Ausgleich mit der Außentempe=
ratur
beſtimme das Wohlbefinden. Jeder Menſch und jede Haut habe
ihre beſondere Wärme. Solang= ſich die Haut den äußeren Naturkräften,
den Witterungs= und Temperazureiaflüſſen normal anpaſſen könne,
bleibe der Meuſch geſund. Der Redner ging dann im einzelnen ſehr
ausführlich auf die Funktiener Ser Haut, auf Lie Bedeutung der Eigen=
wärme
ein und bezeichnete Reinlihse:* als gute Prophylaxe gegen
Tuberkuloſe, denn gernde die Tuberkuloſe werde durch krankhafte Haut=
ſtörungen
ſtark gefördert. Alle Menſchen durch Belehrung zu unbeding=
ter
Reinlickkeit zu erziehen, ſei eine der wichtigſten und bedeutendſten
Aufguben der Mitglieder der Zweiyyer eine vom Noten Kreuz.
Präſident Geheimrat v. Hahn dankte auch im Namen der Ver=
ſammlung
für die wertuollen Ausführungen und Anregungen, die durch
den Vortrag gegeben wurden. In einer anſchließenden Ausſprache be=
autwortete
der Herr Referent ſeh: ausführlich noch einige an ihn ge=
richtete
Fragen.

Uebe: Die Schulung zu neuzeitlicher Kranken=
eflege
in den Mutterhäuſern, vom Roten Kreuz
ſprach dann Frau Genergloberin Gräfin Horn=Karlsruhe vom
Badiſchen Landesverein vom Roten Kreuz. Sie kam zu=
uächſt
auf die tiefgreifencen Wandlungen zu ſprechen, die infolge der
veränderten Zeiten in den Mutterhäuſern vorgenommen werden muß=
ten
. Die zeitgemäße Umſtellung der Mutterhäuſer und die bedeutſame
Entwicklung in den S üreſternſchaften hätten einen großen, faſt kriſen=
haften
Umſchwung herborgerufen, in jeder Lage aber ſei der alte Geiſt,
das Gute zu wollen, jedem zu helfen, ungebrochen aus den Wirrniſſen
gereltet worden. So ſei es denn auch gelungen, dank der tatkräftigen
Mithilfe der Schweſtern neue, wertvolle Glieder zu gewinnen und in
gemeinſamem Opferwillen Hanb in Hand mit der jungen Generation
geſchulte und in der neuzeitlichen Krankenpflege dunhaus erfahrene
Scluveſternſchaften zu bilden. Der Werdegang einer Schlveſter ſei heute
ganz anders wie frher, die Ausbildung in der Krankenpflege in
Spezialfällen, der Wohlfahrtspflege uſw. habe das Arbeitsfeld der
Schweſtern enorm erweitert. Es werde aber ärztlich darauf geachtet,
unnötigen Ballaſt bei der Schweſternausbildung zu vermeiden. Die
Auswahl der für den Schweſternberuf geeigneten Perſönlich keiten müſſe
heute ſehr vorſichtig gesroffen werden. Die Schtreſter müſſe auch Nat=
ſchläge
erteilen. Die pſychologiſche Pädagogik müſſe alſo an erſte Stelle
treten, eine intellekinelle Pfychoanalyſe ſei unerläßlich. Die Frau Re=
ferentin
legte eingehend ihre Bedanken über die Schweſternſchulung
dar und ſchloß mit den Worten, man ſehe auf lange, ſchwere Kämpfe
zurück, die Tauſende von Schueſtern in Auforferung ſiegreich beſtehen
halfen, man ſ haue vorwärts auf den Weg der heutigen Entwickluug
mit dem Grundſatz, nicht auf dem Wege zur Verweltlichung, ſonderi
zur Vertiefung des Berufsethos die jungen Schweſten vom Roten
Kreuz in den Mutterhäuſern zu führen.
Lebhafter Beifall dankte auch dieſem ausgezeichneten Referat. Ge=
heimrat
v. Hahn dankte nochmals im Namen der Verſammlung und
betonte, daß der Lehrgang diele wertvolle Anregungen gegeben habe,
und daß man einen großen Schrite vorwärts gekommen ſei auf der
Bahn, auf der das Rote Kreuz voranleuchtet, um die idealen Ziele, die
man ſich geſteckt habe, zu erreichen. Er ſchloß die Tagung mit Dankes=
worten
an alle Teilnehmer und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die
Auregungen reiche, ſegensreiche Früchte tragen mögen.

Nachmittags fand in der Aula der Landesbaugewerkſchule eine höchſt
intereſſante Filuvorführung
Die Schweſter vom Roten Kreuz
ſtatt. In einem Vorſpiel und fünf Hauptteilen wurde der Lebenslauf
einer Rote=Kreuz=Schlsſter gezeiyt. In ganz ausgezeichneter Aus=
wahl
von Familienlebensbildern war unterſtrichen, wie ſchon in jungen
Jahren ſich die Liebe zu dem ſpäter gewählten Beruf zeigt. Dann
folgte in lebensechten Daxſtellungen die Aufnahme der jungen Damen
in das Mutterhaus, ihre Ausbildung zur Schweſter, ihre Tätigkeit in
dem ſchönen, aber verantvortungsvollen Berufe. Es wurde ſehr gut
die Vielgeſtaltigkeit der Arbeiten hervorgehoben und die ſegensreiche
Wirkſamkat der Schweſtern klar vor Augen geführt. Auch die einzelnen
Lebensabſchnitte im Leben einer Schreſter vom Noten Kreuz, die Ehrun=
gen
nach 10jähriger, 25jähriger Dienſtzeit, ihre Tätigkeit als Ober=
ſchueſter
und Oberin wacen ſehr gut herausgehoben. Dabei wirkte der
Film keineswegs ermüdend. Geſchickte Einflcchtungen hübſcher kleiner
Cpiſoden wirkten erfriſchend und anregend. Der Geſamtfilm aber
binterließ bei den Beſuchern einen ſtarken Eindruck von den ſchweren
Aufgaben und von dem Maße der Aufopferunn, den der ideale Beruf
einer Schweſtel vout Roren Kreuz erfordert. Man hätte der Vilmvor=
führung
einen ſtickeren Beſuch gewünſcht, denn der Wert dieſes Films
für die Allgeneinheit, die oft ein ganz falſches Bild von dam Schiveſtern=
beruf
hat, iſt nihnt abzuſtreiten. Vielleicht gelingt es, dieſen Film zu
gegebener Zeit nochmals vorführen zu laſſen.

Theo Heuser
singt Schubert 4164 Hans Simon
am Freitag, den 15. März, abends 8 Uhr im Kleinen Haus.
Karten zu Mk. 3., 2., 1. bei Konzert-Arnold und Kl. Haus.

Am Flügel:

Der Rhein im Lieb! Es ſei an dieſer Stelle nochmals auf die
heute abend 7 Uhr in der B=ſſunger Turnhalle ſtattfindende Frühlings=
feier
mit Vokal= und Inſtrumentalkonzert (Matthigs Weber) hingewie=
ſen
. (Siehe auch Anzeige in heutiger Nummer.)
Aufwertung , Sparguthaben
Die 1928iger Zinſen der Aufwertungsbeträge können gegen
Vorlage der alten Sparkaſſenbücher jederzeit abgehoben werden.
Auch die 20igen Aufwertungsbeträge werden auf
Wunſch ſchon jetzt ausbezahlt, und zwar:
a) Aufwertungsbeträge bis 50. Mk. ohne jeden Abzug,
b)Höhere Beträge gegen Abzug der geſetzlichenZwiſchenzinſen,
ſofern nicht in Füllen nachgewieſener Bedürftigkeit und
hohen Alters auf dieſen Abzug verzichtet werden kann.
Die Ueberſchreibung der Aufwertungsbeträge auf
neue Sparkaſſenbücher (6? Zinſen) kann ebenfalls jederzeit
vorgenommen werden. Aufwertungsſtelle im 1. Siock,
Darmſtadt, den 1. März 1929.

Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt.

Dr. Wauer=Vorträge bei Müller u. Rühle. Wir weiſen darauf
hin, Laß der ſiebente und letzte Vortragsabend des Herrn Dr. Wauer
in den Räumen der Buchhandlung Müller u. Rühle bereits nächſten
Dienstag, den 12. März, abends 8.30 Uhr, ſtattſindet. Herr Dr.
Wauer wird über Theodore Dreiſer und Sinelair Lewis,
zwei Repräſentanten amerikaniſchen Schrifttums der Gegenwart, ſprechem
und Proben ihres Könnens geben. Weitere Mitteilungen folgen.
Der Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſteller=Verein, e. V.,
läßt in ſeinem IK. Literariſchen Abend am Dienstag, den 12. I. M., im
Weißen Saale der Reſtauration Chriſt, Kaiſerſaal, Grafenſtraße, Herrn
Karl Lettenbaur von hier zum Worte kommen. Der Vor=
tragende
, der als vorzüglicher Redner und humorvoller Plauderer ge=
nugſam
bekannt iſt, wird aus ſeinem Werke Luſtiges Leben
in bunter Auswahl heitre Erinnerungsbilder von der Jugend bis zur
Jetztzeit, ſowie kurzweilige Erlebniſſe eines Vielgereiſten (namentlich
aus dem Orient) an den Hörern vorübergleiten laſſen. Der Beginn des
ſicherlich genußreichen und unterhaltenden Abends iſt auf 8½4 Uhr ( pünkt=
lich
) feſtg ſetzt. Von Mitgliedern eingeführte Gäſte (auch Damen) ſind
herzlich willkommen.
Der Krieger= und Militär=Verein Graf von Haeſeler hielt einen
Lichtbildervortrag über Deutſch=Oſtafrika. Kamerad Schlvöbel begrüßte
für den verhinderten 1. Vorſitzenden die Erſchſienenen aufs herzlichſte,
Als Vortragender war Herr Gouvernementsſekretär a. D. Ludwig Dietz,
ein geborener Darmſtädter, gewonnen. Er ſchild rte als alter Oſtafu=
kaner
in einem zweiſtündigen Vortrag lebhaft und eindringlich die dor=
tigen
Verhältniſſe. Die wundervollen Lichtbilder, vom Vortragenden
gemachte Aufnahmen, vertieften den Eindruck des geſchilderten Deutſch=
Oſtafrika und ſeine Erlebniſſe.
Sparuhr. Die von der Städtiſchen Sparkaſſe in Darmſtadt ſeit
Weihnachten 1928 ausgegebenen Heimſparbüchſen in Form
einer Sparuhr finden bei den Einlegern lebhaften Anklang. Bis
jetzt wurden über 1000 Sparuhren an Kunden der Sparkaſſe ab=
gegeben
. Dieſe Sparuhr eignet ſich insbeſondere auch als ein ſehr nütz=
liches
und praktiſch,s Geſchenk anläßlich der kommenden Oſter=
feiertage
. Die Sparuhr iſt jederzeit bei der Sparkaſſe zu haben.
Nähere Auskunft wird an den Schaltern bereitwilligſt erteilt. (Siehe
auch Anzeige in der heutigen Numme

[ ][  ][ ]

Seite 6

Haupkverſammlung des Orksgewerbevereins
und der Handwerkervereinigung Darmſtadk.
Die Hauptverſammlung, die unter dem Vorſitz von Herrn J. O.
Nohl tagte, bot den zahlreich erſchienenen Mitgliedern ein umfaſſendes
und eindrucksvolles Bild von der Organiſationstätigkeit während des
abgelaufenen Geſchäftsjahres. Nachdem der Vorſitzende in warmen
Worten der Toten des Vereins gedacht hatte, erſtattete er einen aus=
führlichen
Tätigkeitsbericht, der allgemeinem Intereſſe begegnete. Die
Aufgaben, die dem Verein auch im letzten Jahre geſtellt waren und deren
er ſich; mit allem Nachdruck angenommen hatte, wieſen gegenüber früher
eine bemerkenswerte Steigerung auf; in ihnen kam die ſchwierige Lage
des um ſeine Exiſtenz ringenden gewerblichen Mittelſtandes klar zum
Ausdruck. In vielen Fällen konnte nachgewieſen werden, daß die Ver=
tretung
durch den Ortsgewerbeverein und die Handwerkervereinigung
dem ortsanſäſſigen Handwerk und Gewerbe zum Erfolg verholfen hatte,
während auf anderen Gebieten im berechtigten Abwehrkampf das er=
hoffte
Ergebnis noch nicht zu erreichen geweſen war. Das Verhalten der
Effentlichen Hand, die Stellungnahme der ſtaatlichen und insbeſondere
auch ſtädtiſchen Stellen gegenübec den gewverblichen Kreiſen Darmſtadts
erfuhren hier eine durch zahlreſiche Beiſpiele belegte ausführliche Dar=
ſtellung
. Als beſonderes Ziel wurde immer wieder vorangeſtellt, im
Intereſſe von Volk und Staat dem gewerblich tätigen Mittelſtand, die
Möglichkeiten einer auskömmlichen privatwirtſchaftlüchen Betätigung zu
erhalten, bzw. ſie ihm auf3 neue wieder zu verſchaffen; der Kampf
gegen die ſchädlichen Regiebetriebe ſowie alle Aus= und Aufſaugbeſtre=
bungen
werde mit aller Entſchiedenheit fortgeführt. In dieſem Zuſam=
menhange
wurde noch erwähnt, daß in den nächſten Tagen eine Depu=
tation
des Vereins bei dem Herrn Oberbürgermeiſter vorſtellig werden
würde. Dem Tätigkeitsbericht war weiterhin zu entnehmen, daß das
Vortragsweſen des Vereins nach wie vor in Darmſtadt an führender
Stelle ſteht. Die Verſammlungen konnten ſih ſämtlich eines gerndezu
ausgezeichneten Beſuches erfreuen, was in gleicher Weiſe für die Be=
deutung
der ausgewvählten Themen und Redner, wie für das große In=
tereſſe
der Mitglieder zeuge. Von den ſonſtigen Veranſtaltungen wurde
beſonders die vorjährige, zu allgemeiner Zufriedenheit duvchgeführte
Rheinfahrt nach Köln zur Preſſa erwähnt Ein Ueberblick über
die veranſtalteten Fach=Bucführungs= und Meiſterprüfungs Vorberei=
tungskurſe
zeigre, daß auf dieſen Gebieten wiederum erfolgreich gear=
beitet
worden war. Die unentgeltliche Beratung der Mitglieder in per=
ſönlichen
und beruflichen Fragen, die wieder durch die Handwerkskam=
mer
=Nebenſtelle Darmſtadt durchgeführt wurde, hatte im Berichtsjahre
einen beſonders großen Umfang angenommen. Der Mitglieder=
beſtand
des Vereins bewegt ſich in aufſteigender Liwie. Es wurde eine
eingehende Statiſtik zur Kenntnis gebracht, aus der hervorging, daß
gegenwärtig rund dreiviertel ſämtlicher ſelbſtändigen Handwerker Darm=
ſtadts
, außer zahlreihen anderen Gewerbetreibenden und Angehörigen
ſonſtiger Berufe, dem Ortsgewerbever=in und der Handwerkervereini=
gung
Darmſtadt angeſchloſſen ſind. Ein Ausblick auf die allgemeine
wirtſchaftliche Entwickelung und die aus ihr erſvachſenden beſonderen
Aufgaben ſchloß den Bericht, der mit lebhaftem Beifall aufgenommen
wurde. Im Anſchluß berichteten die Vorſitzenden von acht Untee=
ausſchüſſen
über die von dieſen im Jahre 1928 geleiſtete Arbeit. Herr
Nohl ſprach im Namen des Vereins insbeſondere dieſen Herren, wie
auch dem Syndikus der Handwerkskammer=Nebenſtelle Darmſtadt für
ſeine Geſchäftsführung herzlichſten Dauk aus. Die Herren Ober=
meiſter
Sproß und Rothe erſtiitete als Rechnungsprüfer ihren Prit=
fungsbericht
, der die muſtergühige Ordnung in den Kaſſenverhältniſſen
answies. Dem Rechner, Heern Müller, wurde mit Worten des Dankes
Cntlaſtung erteilt. Der neue Voranſchlag gelangte nach kurzer Aus=
ſerache
zur einſtimmigen Annahm2. Die ſatzungsmäßige Neuwahl des
Verſtandes ergab Wiederwahl; einſtimmig wurden wiedergewählt die
Herren: Nohl als Vorſitzender, Werner, Illert und Finger als ſtellv.
Vorſitzende, ſowie Dr. Kollbach, Prof. Dr. W. Sonne und Gg. Kraus
als Beiſitzer Unter großem Beifall ſprach Herr Werner dem wieder=
gewöhlten
Vorſitzenden, Herrn Nohl, den herzlichſten Dank der ganzen
Verſammlung aus. Auch die Vorſitzenden der Unterausſchüiſſe wurden
einſtimmig wiedergewählt. Neu errichtet wurde auf Vorſchlag des Vor=
ſitzenden
ein Unterausſchuß für das Darmſtädter Kunſtgewerbe, das in
den verſchiedenſten Berufen des hieſigen Han werks und Gewerbes zahl=
reichcre
Vertreter beſitzt, als man gewöhnlich annimmt; zum Vorſitzen=
den
dieſes Ausſchuſſes wählte die Hauptverſammlung Herrn Dekorations=
maler
R. Klump.
Eine ganz beſondere Bedeutung iſt dem ebenfalls einmütka ange=
nommenen
Beſchluß beizumeſſen, alsbald eine Buch= und Steuerſtelle
fur die Mitglieder zu errichten. Im Hinblick auf den Wert einer ordent=
lichen
Buchfüchrung gegenüber rihtiger Kalkulation und ebenſo gegen=
über
den Steuerbehörden erſchien die getroffene Neueinrichtung geradezu
unerläßlich.
An die weiteren Punkte der Tagesordnung ſchloß ſich eine rege
Ausſprache an. Im Mittelpunkt ſtand dabei das Verhalten der ſtdti=
ſchen
Verwaltung zum Darnftädter Handwerk und Gewverbe. Große
Entrüſtung rief u. a. die Bekanntgabe der Pläne der Stadt hinſichtlich
des Oberwaldhauſes und die Art und Weiſe, wie man nunmehr gegenüber
deſſen langjährigen Pächter zu verfahren gedenke, hervor. Die anweſenden
Stadtverordneten beteiligten ſich lebhaft an dieſer Ausſprache. Im
Namen des Veveins ſagte auch ihnen der Vorſitzende herzlichen Dank
füir ihre Mühewaltung im Stadtparlament. Hinſichtlich der bevor=
ſtehenden
Stodtverordneienwahl herrſchte bei der Hauptverſammlung
übereinſtimmende Auffaſſung; es wurde weiterhin zum Ausdruck ge=
bracht
, daß auch die Wahlen zu den übrigen Selbſtverwaltungskörper=
ſchaften
das ganz beſondere Intereſſe der organiſierten gewerblichen
Kreiſe beanſpruchten. Die mehrſtündigen, in voller Einmütigkeit ver=
laufenen
, anregenden Verhandlungen ſchloß der Vorſitzende mit dem
Hinweis, daß es gelte, auch noch den letzten Gewerbetreibenden als
Mitglied des Vereins zu gewinnen, damit dieſer als berufene Vertre=
tung
des Handwerks und Ortsgewerbes nach Möglichkeit eine noch
größere Bedeutung erringe, als es bereits heute tatſächlich der Fall ſei.

Mifſions=Studienwoche. Der letzte Abend derſelben (Donnerstag.
war ausgefüllt von einem Vortrag des Miſſionsdirektors Dr. Frey=
tag
=Berlin über das Thema: Der Nationalismus Jung=
Aſiens in ſeinem Verhältnis zu Religion und Chri=
ſtentum
. In breit überſchauender Weiſe ſchilderte der Redner, w
die nationale Bewegung unter allen aſiatiſchen Völkern, in der Haup=
ſache
entfacht durch das politiſche Vorgehen Englands und Rußlands
als Gegenſtrömung aufzufaſſen ſei, die bewußt und mit Enrſchiedenhe
alles, was vom Weſten kommt, ablehnt. Die Träger der nationale=
Bewegung ſind heute meiſt ſolche, die ihre Bildung ſich in Europa gehol
haben. Sie erſtreben durch eine bodenſtändige Preſſe, ein bodenſtändige
Schulweſen, weſtlichen Parlamentarismus u. a. ein nationales Eigen=
leben
ihrer Völker. Eine merkwürdige Erſcheinung iſt es, daß die reli
giöſen Gegenſätze innerhalb eines Volkes ſich vereinigen, wenn es gilt
nationale Ziele durchzuſetzen. Noch vor 20 Jahren wäre ſolches unter
allen Umſtänden unmöglich geweſen. Der Nationalismus macht ſid
überall die religiöſen Kräfte dienſtbar, um nach Erreichung ſeiner Zweck
die Religion zu unterdrücken. Dies zeigt ſich beſonders deutlich in In
dien an den Vorgängen, die mit der Perſon des in letzter Zeit wied
viel genannten religiöſen und politiſchen Führers Ghandi in Verbin
dung ſtehen. Was hat die durch die nationale Bewegung geſchaf
fene Lage mit der Miſſion zu tun?. Ueberall iſt der Boden gelockert
für die Aufnahme des Evangeliums; doch beſteht die Gefahr, daß das
ganze Aſien mit Rieſenſchritten in eine Gleichgültigkeit der Religi=
gegenüber
verfällt und durch den Nationalismus völlig auf diesſeitige
Ziele ſich einſtellt. Dies erſchwert die Lage der Miſſion aufs höchſte
Doch erwächſt ihr in den von der nationalen Bewegung erfaßten ein
geborenen Chriſten auch eine ſtarke Hilfe. Dieſe ſuchen das Chriſten
tum in ihr Volkstum einzubauen und ſich mit beiden auf eigene Füß
zu ſtellen. So wollen ſie durch das volksgemäße Chriſtentum ihren Völ=
kern
helfen. Dieſer Gedanke wurde auf der Weltmiſſions=Konferenz in
Jeruſalem (Oſtern 28) wiederholt von den Vertretern der verſchiedener
Nationen ausgeſprochen. Es kommt für die Miſſion darauf an, ſold
chriſtlich=nationales Eigenleben zu ſtärken, ſo lange es nötig iſt, un
dann ſelbſtlos zurückzutreten. Es wird ſich in China ein chineſiſches, i
Japan ein japaniſches, in Indien ein indiſches Chriſtentum ausbilden
Die Aufgabe der Miſſion beſteht u. a. auch darin, dafür zu ſorgen, daß
es eingeborene Chriſten gibt, die in religiöſen und politiſchen Dingen
Führer ſein können; Menſchen mit einer chriſtlichen Weltanſchauung
Menſchen, welche die Aufgabe ihres Volkes im Angeſichte Gottes ſehen
Menſchen, die ihr Volk in der Oeffentlichkeit (Preſſe, Verwaltung uſw.)
vertreten können. Dabei mitzuhelfen, daß ſolche Menſchen von nati
naler Eigenart, und doch völlig erfaßt von der Reinheit des chriſtlicher
Gedankens, wachſen können, iſt Sache aller ernſten Chriſten bei uns i
der Heimat. Jetzt iſt die Zeit in zehn Jahren wird ſie nicht meh
ſein , in der ſich das Schickſal Aſiens entſcheider. Die Kampffront, an
der das Feldgeſchrei lautet: Hier Chriſt!, hie Antichriſt!, beſchränkt ſich
nicht auf Aſien, ſondern ſie geht mitten hindurch durch alle europäiſcher
Völker auch durch unfer Volk. Sorgen wir dafür, daß die Front
an keiner Stelle durchbrochen wird! Mit dieſem Vortrag ſchloß die
Miſſionsſtudienwoche, die reiche Anregung gebracht, den Blick geweite
und, will’s Gott, manches Herz warm gemacht hat für die wichtige
Sache der Miſſion.

Sonntag, den 10. März 1929

Heſſiſcher Verkehrsverband.

Der Geſamtvorſtand des Heſſiſchen Verkehrs=
Verbandes trat am Freitag, den 8. März 1929, in Darmſtadt zu
wichtigen Verhandlungen zuſammen. Vor Eintritt in die Tagesord=
nung
gedachte der Vorſitzende des Ablebens des früheren hochverdienten
Vorſitzenden des Verbandes, Herrn Paul Sieben in Auerbach.
Hierauf berichtete der Vorſitzende über die rege Tätigkeit des Verban=
des
. Der zum zweiten Male herausgegebene Heſſen=Kalender
wurde als eine beſonders gelungene, werbemäßig ſtark wirkende Publi=
kation
lebhaft begrüßt. Es beſteht Einverſtändnis darüber, daß auch
für das nächſte Jahr ein Heſſen=Kalender in womöglich verbeſſerter
Form herausgebracht werden ſoll. Das Bilder= und ſonſtige Material
zum Heſſen=Kalender 1930 muß dem Verband (Anſchrift: Darmſtadt,
Eliſabethenſtraße 14) bis ſpäteſtens 15. Mai zur Verfügung geſtellt
werden, weil der Kalender Anfang Juli fertig ſein muß.
Die Odenwald=Reliefkarte, die den geſamten Odenwald
und die angrenzenden Gebiete weſtlich Mainz und Worms und nörd=
lich
Offenbach und Frankfurt in einer ausgezeichnet überſichtlichen
Weiſe darſtellt, befindet ſich zurzeit im Druck. Eine Reliefkarte für
Oberheſſen wird in dieſem Jahr von dem Verband in Angriff
genommen. Gemeinſam mit dem Rheiniſchen Verkehrsverband gibt der
Heſſiſche Verkehrs=Verband ein ſehr wirkungsvolles Rhein= Pano=
rama
heraus, das in Bälde erſcheint.
Die vom Heſſiſchen Verkehrsverband veröffentlichten regelmäßigen
Wetter= und Schneemeldungen haben, wie die Entwicklung
zeigt, einem lebhaften Bedürfnis entſprochen. Zahlreiche Zeitungen
haben dieſen Bericht regelmäßig wiedergegeben mit der Wirkung, daß
der Winterſportverkehr ſich überall günſtig entwickelt hat.
Wiederholt wurde vom Heſſiſchen Verkehrs=Verband darauf hinge=
wieſen
, welch hohe Bedeutung einer genauen Fremdenverkehrs=
ſtatiſtik
innewohnt. Leider werden die diesbezüglichen Beſtrebungen
in manchen Gemeinden noch immer nicht genügend unterſtützt. Die
erforderlichen Meldungen müſſen vollſtändig und pünktlich erſtattet
werden, wenn die Einrichtung der Fremdenverkehrsſtatiſtik Wert
haben ſoll.
Ein eingehender Bericht wurde über die Entwickelung der Ver=
kehrs
=Verbindungen erſtattet. Hierbei wurde ausgeführt daß
der neue Fahrplan der Reichsbahn im Zeichen einer ſtarken Ver=
mehrung
der FD.=Züge einerſeits und der leider zuſchlagspflich=
tigen
Eilzüge andererſeits ſteht. Hinſichtlich der Dampf=
ſchiffsverbindungen
wurde feſtgeſtellt, daß zwar eine Ver=

Jungdeutſcher Orden e. V., Bruderſchaft Darmſtadt. Man ſchreibt
uns: Der Preſſewart der Bruderſchaft ſprach auf dem letzten Bruder=
abend
über: Der Kampf für den Volksſtaat. Seine Aus=
führungen
gipfelten im folgenden: Die andauernde Kriſe im Partei=
parlamentarismus
unſeres heutigen Staates, die in den letzten Monaten
beſonders groteste Formen annahm, hat das allgemeine Intereſſe in
ſtärker werdendem Maße auf die Frage gelenkt, ob es möglich iſt, das
Deutſche Reich durch eine andere organiſche Staatsſtruktur vor dem
Abgrund zu retten. Die Erörterungen über neue Staatsſtrukturen oder
zum mindeſten über eine grundlegende Reform des Staates kommen
an dem jungdeutſchen Staatsvorſchlag, wie er ſeit Jahr und Tag im
jungdeutſchen Manifeſt niedergelegt iſt, nicht mehr vorbei. Das wach=
ſende
Intereſſe für die jungdeutſche Staatsidee und für die jungdeutſche
Politik zeigte ſich deutlich bei den Erörterungen über die volksnationale
Aktion, die vom jungdeutſchen Orden angeregt worden iſt. Bolfchewis=
mus
einerſeits und Weltplutokratie andererſeits bedrohen die Exiſtenz
des Reiches. Die Staatsſtruktur läßt den Staat zum Raub von Privat=
organiſationen
werden. Aus dieſer Lage gibt es nur einen Ausweg,
nämlich den, daß das deutſche Volk ſelbſt aus eigener Kraft heraus ein
Staatsideal und einen Staatsaufbau ſchafft, diei geeignet ſind, jeden
deutſchen Menſchen wieder zum leidenſchaftlichen Verfechter und zum
entſchiedenen Kämpfer für Deutſchland zu machen.

Hatten Sie Grippe?
Wahrſcheinlich ſpüren Sie die Folgen noch Sie müſſen wieder
möglichſt ſchnell zu Kräften kommen. Nehmen Sie täglich zum
Frühſtück die bewährte
Ovomaltine.
Sie iſt ein konzentriertes Nähr= und Kräftigungsmittel, ſchmeckt
angenehm und wird in ſolchen Fällen vielfach von den Aerzten
verordnet. Schon nach wenigen Tagen ſpuren Sie den Erfolg.
Ovomaltine kann in heißer oder kalter Milch, in heißem oder kaltem
Waſſer, in Kaffee, Tee oder auch trocken genommen werden. Doſe
250 g 2.70 RM., 500 g 5. RM. in allen Apotheken und Drogerien.
Dr. A. Bander, G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen.
(I.1385

Evangel. Stadtmiſſion E. V. Ludwig=Richter= Licht=
bilderabend
. Wohl kein anderer Maler hat ſo wie L. Richter
den Weg in das deutſche Volks= und Familienleben gefunden. In
Nom von Koch und Schnorr beeinflußt, illuſtrierte er ſchon früh mit
Vorliebe volkstümliche Dichtungen, und wußte mit ſeinem echt deut=
ſchen
frommen Gemüt und oft köſtlichem Humor ſeine wundervollen
Schöpfungen zugleich ſo ſprechend zu geſtalten, daß es eine Luſt iſt,
mit ihm an Hand ſeiner Bilder eine Wanderung durch Leid und
Freud des Lebens zu machen. Freunde ſeiner echt deutſchen und wahr=
haft
chriſtlichen Kunſt ſeien auf dieſen Vortrag (mit Lichtbildern) in
der Stadrmiſſion, Mühlſtraße 24, heute abend 8 Uhr, aufmerkſam ge=
macht
. Eintritt frei!
Hausfrauenbund. Am nächſten Dienstag, den 12. März, findet
um 4 Uhr Mitgliederverſammlung ſtatt, in welcher Herr Dr. Sell ſo
freundlich ſein wird, über die erſte Hilfe bei Unglücksfällen zu ſprechen.
Eine Reihe von Lichtbildern wird den Vortrag begleiten.
Volksbühne. Die Mitglieder der Konzertgemeinde der Volksbühne
beſuchen als vierte Veraſtaltung Freitag, den 15. März 1929, im Klei=
nen
Haus des Heſſiſchen Landestheaters den Schubert=Liederabend von
Theo Heuſer. Die Mitglieder der Volksbühne, ſoweit ſie nicht Mitglie=
der
der Konzertgemeinde ſind, erhalten Eintrittskarten zu ermäßigten
Preiſen in der Geſchäftsſtelle der Volksbühne, Eliſabethenſtraße 34 (Haus
Alter).

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Diakonieverein. Wir machem darauf aufmerkſam, daß der Heſſiſche
Diakonieverein am 14 März ſeine diesjährige Haupwerſammlung in
ſeinem Heimathaus, Freiligrathſtraße 9, hält. Das Thema der Verſamm=
lung
lautet: Der evangeliſche Wohlfahrtsdienſt, und wird, von zwei
Seiten hehandelt. Schweſter Kolilee von Zech, die Leiterin des Wies=
badener
evangeliſchen Wohlfahrtsdienſtes Pfarrer Guyot, der Leiter der
hieſigen Wohlfahrtsſchule, behandelt darauf die Ausbildung der für einen
ſolchen evangeliſchen Wohlfahrtsdienſt in Betracht kommenden Kräfte.
Im übrigen verweiſen wir auf die Anzeige in der heutigen Nummer.
Schallplatten=Konzert. Am kommenden Donnerstag, den 14. ds.
Mts., abends 8 Uhr, veranſtaltet die Firma Chriſtian Arnold in der
Aula des Realgymnaſiums (Kapellplatz) ein Schallplatten=Konzert. Das
Programm umfaßt Werke von Beethoven, Mogart, Weber u. a. m. Dem
Publikum, das auf leichte Muſik eingeſtellt iſt, wird im zweiten Teile
des Programms Rechnung getragen. Hinreißende Tanzolatven uſw.,
von erſten Künſtlern geſpielt, werden ihre Wirkung ſicher nicht verfihlen.
Karten zu freiem Eintritt nach Maßgabe der vorhandenen Plätze bei
Chriſtian Armold, nur am weißen Turm.

mehrung der Oberrheinfahrten gegenüber dern
warten ſtehe, daß indeſſen die Einbeziehung d
Teilſtrecke von Worms nach Mainz im
gehenden Schiffsverkehr noch nicht in
Umfang vorgenommen werde. Weitere Verbeſſerungs=
Fahrplan des kommenden Sommers ſeien dringend g).
ßend wurde die nachſtehende Entſchließung einſtimmig
Der Geſamtvorſtand des Heſſiſchen Verkehrss
grüßt die Abſicht der Reichsbahn, die Anzahl der
fahrenden Fernzüge zu erhöhen. Die Vermehr=
Züge liegt gleichermaßen im Intereſſe der Förde
verkehrs wie im eigenen Vorteil der Reichsbahn,
dem ſteigenden Wettbewerb des Flugzeugs und
zweckmäßiger Weiſe entgegentritt.
Die ernſteſten Bedenken müſſen indeſſerd
gemacht werden, daß zum Zwecke der Vermehr=
Züge beſtehende Schnellzüge, zumal
dritten Klaſſe, beſeitigt werden. Ein dord
der beſonders beſchleunigten Durchgangsverbindung

anderer Verbindungen dürfte mit den CM
geſunden Verkehrspolitik nicht zu vereinbaren ſein.
Gegen die unbegreifliche Abſicht deM
wichtige FD.=Züge in Bad=Nauheim, dem
Kurort von Weltruf, ohne Halt durchfahremzEy
entſchieden Verwahrung eingelegt werden.
Unter anderen zahlreichen berechtigten Verker!c
der Geſamtvorſtand des Heſſiſchen Verkehrs=Verbanä=)
Verbeſſerungen des Fahrplans zwiſchen Maingt
einerſeits und Darmſtadt dem Odenwald
ſtraße andererſeits für dringend geboten. Insc
notwendig, der Herſtellung güinſtiger Anſchlüſſe a
verkehr in der Richtung nach Darmſtadt, dem Oex
Bergſtraße ein Augenmerk zuzuwenden.
Das leider auch im kommenden Sommer imn
nicht enthaltene zweite Paar Odenwald=Ne//
iſt zur Verkehrsbedienung des öſtlichen Odenwalde-
leren
Neckartales eine dringende Notwend-i//
Nachdem weiterhin interne Organiſationsfragen ei
waren, wurde als Tagungsort für die diesjährige Hoy//
Ar Kick
Darmſtadt beſtimmt.
Nie

Tierſchutzverein für Heſſen in Darmſtadt, Bech f.
Infolge des anhaltenden ſtrengen Winters fand geſtem
4 Uhr auf den Bäumen in dem Herrngarten dahier eie
Vögel ſtatt. Anweſend waren Amſeln, Droſſeln, Speck=)xn, Pierde, Klein=
ken
und Spatzen. Abordnungen hatten entſandt dieMYfy weitere Ausführ
und Eichhörmgen. Ferngrüße übermittelten Staren, SMit +u, duß das Brühl
Schhranen und Stör=ke. Den Vorſitz führte der Bi1½ hnofeln beſtens
Spccht. Beſchloſſen wurde: Allen Spendern von Futt4beifreicher Fu
und innigſten Dank anszuſprechen für ihre treue, opf- tim geſtaltet ſich di
der Zeit der letzten Not. Al3 beſonders geeignetes ZrMſlmgieln gibt u
gemein anerkannt: Hanf, Sonnenblumenkerne, altback 0l1 kifutters D. L.
1(s Brot, ungeſalzener Zpcck Meiſenringe, Erd=, Hrellküufüter in bew
Nüſſe ſowie Butter wurden von Meiſen, Spechten ur F/ hat Lehmann
ſonders feine Götterſpeiſen gelobt. Um Durchhalten uw/.ſu dieſe Weiſe a.
und un Errichtung neue= Futterplätzchen an geſchützſ)tzmeten kann, m
Fenſterſimſen, in Gärten uſw. wird herzli=hſt gebeten, uu berjahren
Heil und Segen ge ünſcht. Der Vöglein Acht und AMklrälich zu

und unentgeltluh den herrlichen Geſang hören wollen 4.tu. Die Ein
lein Nutznießer ſind. Denn in Vöglein3 Reichen gilt17 Müuende ſollte

alle die Menſchen ausgeſprohen, die helfen könnten, =derung, ſei e
tum Mit den innigſten Wünſchen, den herrlichen F uF4 m Bren=
lieblichen
Liedlein begrüßen zu dürfen, um unſere ed Inſ4, Hien Verfa
kah
freuen, ſchloß die Sitzung.
Die Vögel hungern immer noch! Die gvinmige
gelaſſen, aber nuht die Not um das tägliche Broy in du=
Nahrung iſt noch immer ſelten und de= Hunger machſt
ſo ſcheuen Tieie undorſichtic. Das beweiſt folgende-
uns
eins Tierfreundi ſchreibt: Geſtern mitm.
Wohnzimmerfenſter in der Mathildenſtraße
auf dem Dache des gegenüberliegenden Hauſes eines
Kauarienvogel hing im Käfirf innerhals des Zimmers ert!!
lich; ſchießt der Vogel auf mein Fenſter los und verſucht 1"
nach dem Kanarienvogel zu backen. Trotzdem ich am 7i1
ſuchte er dreimal den Angriff. Es war ein Sperber.
ſehen, wie die Not die Tiere zu den unglaublichſten N
Ich legte ihm ſofort Futter vor das Fenſter in den do
Nauf, der bereits von auderen Vögein vollkommen leer.
Steiber fraß faſt aus der Hand, als er geſüttigt wart
die
Mein Kanarienvogel hat noch lange Zait nachher am
gezittert. Dieſer Vorfall zeigt, daß man die hunger2
ſergeſſen ſoll. Wenn auch die Kälte nachgelaſſen hat.
Futter beſteht immer noch! Vor dem gleichen Fenſteruch
vor einigen Tagen ein vollbommen entkräftetes Vögelchen

ſräter einging und das an einem Fuß einen kleinen R.
ert we
Oie hierunter erſcheinenden Rotizen ſind ausſchließilch als Hinweiſte auf Mur5
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder H7.
Anthropoſophiſche Geiſteswiſſenſ
offenbarung und Lebensgeſtaltung heißt das Thema,
Sigismund von Gleich aus Dortmund am Mittwoch,
abends 8.15 Uhr, in der Akademie für Tonkunſt, Eliſad.

Inſchrift Vogelwarte Helgoland.
Lakale Veranſtalkungen.

ſprechen wird. Dieſer vorläufig letzte Vortrag der Ann
Geſellſchaft bietet Ueberblick und Zuſammenfaſſung zugk
anthropoſophiſchen Weltanſchauung und ihrer Auswit!*
ſche Leben. (Anzeige folgt.)
Hotel Prinz Heinrich. Konzertmi
Hotel Prinz Heinrich findet heute Sonntag abend Kad
ſtatt. Der Beſuch iſt ſehr zu empfehlen.
Kunſtnotizen.
Ceber Werte, Künſtier oder künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachlt re
geſchieht. behält ſich die Redaktion ihr Arteil voſ.
Suſanne Horn=Stoll ſingt am Diensiag
abends 8 Uhr, im Saal der Loge Sandſtraße 10 mit K.*
Flügel eine Auswahl ſeiner ſchönſten Lieder. Die Ruühie.
ſchon reichlich ihr Können bewieſen, unter anderem O
Konzert in Kreuznach. So ſchreibt der Kreuznacher R
Ein beſonderer Genuß waren die Vorträge der Solha.
S. Horn=Stoll aus Darmſtadt, die mit ihrer herrliche
Publikum zu begeiſtern wußte. Deffentlicher Anzeib.
Abenos war S. Horn=Stoll, Darmſtadt. Die Sance
klangvollen, glänzend geſchulten Sopran, der beſonders a
lend rein iſt. Karten bei Konzert=Arnold, Eliſabetyeſe
2560) und an der Abendkaſſe.
Theo Heuſer ſingt, von Hans Simon behle.
im Kleinen Haus des Landestheaters Schubertlſ
geſchätzte Baritoniſt, der ſich ſowohl in der Oper wie."
gemeiner Beliebtheit erfreut, hat gerade als Schuhenſ.
ſamten hieſigen und auswärtigen Preſſe größte Awell.
So bezeichnet beiſpielsweiſe das Düſſeldorfer Tachle.
bertabend als die wertvollſte Veranſtaltung des Koſſt.
bei KonzertArnold, Eliſabethenſtraße B (Telebhon.
Kaſſe des Kleinen Hauſes.
Tageskalender für Sonntag, den 10. M0.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Amſclt
17.30 Uhr, Heſſenlandmiete II: Der Waffenſchme.
19.30 Uhr, Ende B Uhr, B 17: Catzalleria nchtehl.
Bajazzo‟ Klein=s Haus, Anfang 15 Uhr Go
ſenlandmiete III: Theo macht alles. Abn **
22 Uhr, außer Miete: Der Glasſchranl. 9:!0
20 Uhr, Gaſtſpiel Millowitſch: Familie Schmk Schmt
Schloßkaffe, Kaffee Rheingold, Reichshof, Hol. Bre
Poſt, Weinhaus Maxim, Alte Poſt. Reſtanfe
Kaffee Ganßmann. Zur Krone, Bürgerhd
ſchlößchen, Bismarckeck, Reichskrone, Odeon, Spi
mer Auch
melbräu, Hotel Prinz Heinrich, Neckartor, W
Beffunger Turnhalle, 19 Uhr: Voe.
feier Der Rhein im Lied‟ Ludwig?h!
Konzert. Kinpvorſtellungen:
Palaſt=Lichtſpiele.

[ ][  ][ ]

Verwertung erfrorener Kartoffeln.

Dr. O. Nolte, Berlin.

hzü ſetzende und langwährende Froſt iſt diesmal ſo tief in
In/eprungen, daß ſicher ein Teil der in den Mieten lagern=
ſ
enn durch den Froſt beſchädigt wurde, ſo daß ſie nach
hu n im rohen Zuſtande nicht mehr haltbar ſind.
z wert aber durch das Erfrieren ſelbſt nicht ge=
gilt
es, alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet
er eten und nach dem Auftauen dem Verderben aus=
Eſoſchnell und ſo weit als möglich zuret=
ſus
=ugsweiſe der tieriſchen Ernährung nutzbar
emesvegs ſoll man ſich aber durch die hohen Zahlen,
u steil in Mieten erfrorener Kartoffeln genannt werden
auf übertriebenen Schätzungen beruhen, beunruhigen
e; laſſen, die Mieten ſchon bei ſtarkem Froſt zu öffnen,
5ilahrſcheinlichkeit groß iſt, den Schaden unnötig zu ver=
ſtſde
einwandfreie Kartoffeln dem Verderben auszuliefern.
cr. ian in aller Ruhe Lufttemperaturen von höchſtens 3
ſüb= i denen in der Mittagsſonne auch die freilagernde

Me friert, ab, um probeweiſe die Mieten zu öffnen, um
in ül berblick über den Anteil der froſtgeſchädigten Kartof=

weir, und alle Vorbereitungen zu ihrer beſten Nutzung zu
hzekkennt die froſtgeſchädigten Kartoffeln daran, daß ſie
eiütmt dem Meſſer größeren Widerſtand enrgegenſetzen und
erei, Teilen verfärbt ſind.
ßezeit iſt es, daß alle erfrorenen Kartoffeln der
zge führt werden, ehe ſie auftauen, da ſie im
ichſt nde ſchmierig werden, ſich ſchnell zerſetzen und dann
auz, werden können. Die Möglichkeit, die gefrorenen Kar=
Aidſtriellen Verwertung in Stärkefabriken,
r Brennereien zuzuführen, dürfte nach allem was bis=
ie
, nicht allzu groß ſein. Teils haben dieſe Induſtrien
witzlen Kartoffelernte des Vorjahres von 42 Millionen To.
zuiet Ihre Anordnungen und Abſchlüſſe getroffen und ſind
gieunen Geldknappheit auch mit ihren Mitteln bereits feſt=
dc
is ſcheint auch eine Erhöhung des Brennkontingents,
umle. Seite bekanntgegeben wurde, nicht möglich zu ſein.
ay gegebenenfalls jede Möglichkeit der induſtriellen Ver=
ſehtl
( nutzen wird, dürfte ſelbſtverſtändlich ſein, doch dürfen
zem . allzu weit entfernt liegen, da beim Verſand auf grö=
ernzuen
plötzlich eintretendes Tauwetter die gefrorenen Kar=
ſchu
. 1d.rben laſſen kann.
min ir der Hauptſache eine Nutzungals Viehfutter
ſtrwmmen, and zwar zunächſt nach vorangegangenem
emilln größerem Umfange aber erſt nach erfolgter Säue=
lelß
d e Verfütterung gedämpfter Kartoffeln an Schweine,
Sit) Pferde, Kleinvieh und Geflügel iſt ſo viel geſchrieben
/ veitere Ausführungen erübrigen.!) Es ſei nur aus=
betatzt
das Brühwaſſer nicht mit verfüttert werden ſoll
düre (toffeln beſtens genutzt werden, wenn ausreichende
ietisreicher Futtermittel beigegeben werden.
Schtu geſtaltet ſich die Fütterung ſehr einfach, wenn man
Khyffeln gibt und je Tag und Tier ein Kilogramm des
mmf ttters D. L. G. 5e verabfolgt, das aus Getreide=
Ghu fFutter in bewährter und erprobter Miſchung nach An=
Gu Aat Lehmann beſteht.
janx 6 Dieſe Weiſe aber nur beſchränkte Mengen erfrorener
wiken kann, muß man ſie durch geeignete Konſer=
gasſhv
ahren vor dem Verderben ſchützen und ſie der
alk) ich zugänglich machen. Hierfür kommt vorwiegend
äſuſng, ſei es in rohem, ſei es in gedämpftem Zu=
Biſtätt. Die Einſäuerung der gefrorenen Kartoffeln in
Yurde ſollte nur im Notfalle in Anwendung kommen,
Miml an Brennſtoff oder gar Fehlen einer Dämpfanlage
ei et- Verfahren die Verluſte an Nährſtoffen erheblich ſind
zei. beim Einſäuern ſelbſt in guten Behältern eintreten
Ballichkeit ſollen bei dieſem Verfahren die Kartoffeln
t von Schmutz befreit werden, ehe ſie in die Behälter
ligert werden. Da für das Gelingen der Säuerung
lon Luft weſentlich iſt, ſo wird man die Kartoffeln
umpfeiſen, Spaten u. dal. weitgehend zerkleinern
Weiſe feſtſtambfen. Ein Zufatz von Milch=
n
in geeigneter Form, vorſchriftsmäßiger Anwen=
ſe
erhöht die Sicherheit einer erwünſchten Säuerung.?)
Müker mir Stroh, Spreu, Brettern oder anderem geeig=
terzſvied
ein luftdichter Abſchluß durch eine Lehm=
miſt
iens ein Lehmſtrich aufgebracht, auf den eine ſtarke
f50 ird, um die Kartoffeln möglichſt feſt zu
mem Eindringen von Luft zu verhüten.
vung gelingt ſicherer und mit geringeren
denn die Kartoffeln vorher in geeigneter Weiſe ge=
as
im gewöhnlichen Kartoffeldämpfer, dem Henze=
nuichen
Einrichtungen geſchehen kann. Im Mittel be=
10 Kilo Kartoffeln etwa 45 Kilo Steinkohlen oder
Sohlen. Vor dem Dämpfen ſind die Kartoffeln nach
Ru ſchen, um zu vermeiden, daß unnötig Erde in den
g. und die Verdaulichkeit ſinkt. Wenn große Men=
eingeſäuert
werden ſollen, empfiehlt es ſich, die Kar=
inwagen
zu dämpfen. Dazu ſchiebt man durch
teren Kaſtenwand in erwa 5 Zentimeter Höhe über dem
eus ein bis an die Vorderſeite reichendes durchlochtes
entimeter lichter Weite. Das Rohr iſt vorn geſchloſ=
latt
76, D. L. G. und die Flugſchriften der Kartoffel=
, Berlin SW. 11, Bernburger Straße 14.

ſen und ſeitlich mit etwa drei Reihen Löchern verſehen, die am Anfang
des Nohres 6 Millimeter, in der Mitte 5 Millimeter und am Ende
4 Millimeter Durchmeſſer haben, damit der Dampf durch die ganze
Länge des Rohres ſtreicht und die Kartoffeln gleichmäßig dämpft. Der
Wagen wird zwecks beſter Dampfausnutzung mit naſſen ſauberen Säcken
oder Planen, Pappe u. dal. abgedeckt. Durch eine Schlauchleitung ſtellt
man die Verbindung mit der Dampfquelle einer Brennerei oder eines
anderen Nebenbetriebes oder dem Injektor einer Lokomobile her. Auf
dieſe Weiſe kann man mit etwa ſieben Atmoſphären Ueberdruck 20 Dz.
Kartoffeln im Kaſtenwagen in einer knappen Stunde gar dämpfen und
vom Kaſten direkt in die Grube fahren. Bei einer Tagesleiſtung von
125 Doppelzentnern können in einer Woche 750 Doppelzentner ein=
geſäuert
werden, womir zuſammen mit Eiweißfutter beinahe einhundert
Schweine im Sommer gemäſtet werden könnten.
Am beſten geeignet für die Einſäuerung ſind Silos jeglicher Art
oder Gruben. Weſentlich iſt, daß ſie dicht ſind und nach dem Be=
ſchicken
luftdicht abgedeckt werden. Auch wenn dieſe Behälter
ſchon zum Teil mit anderem Silofutter gefüllt ſind, kann unbeſorgt in
geeigneter Weiſe die Kartoffel darüber eingeſäuert werden. Iſt. da=
gegen
kein Silo oder keine Grube vorhnden, ſo handelt es ſich darum,
ſchnell und billig behelfsmäßige Behälter zu ſchaffen. Stehen
leere Fäſſer oder Bottiche zur Verfügung, ſo laſſen ſich dieſe gut
verwerten. Im allgemeinen wird man aber daran denken müſſen, Erd=
gruben
zu machen, deren Herſtellung durch den tiefgefrorenen Boden
nicht ohne große Mühe möglich iſt. Man kann ſich die Erdarbeiten aber
erleichtern, indem man den Boden auftaut, was durch Abbrennen
von Stroh, Reiſig und Holz oder durch Aufſtellen von Kokskörben über
der zu ſchaffenden Grube geſchieht. Sie werden zweckmäßig kreisrund
mit einem Durchmeſſer von 2 Metern und einer Tiefe von 1,52 Me=
tern
angelegt, ſo daß ihr Inhalt ſicher in einer Woche ver=
füttert
werden kann, weil die Kartoffeln nach dem Oeffnen der

hen vom Inſtitut für Gärungsgewerbe, Berlin N. 65,

Grube leicht verderben. Da 1 Kubikmeter Innenraum etwa 9 Doppel=
zentner
ſaure Kartoffeln faßt, kann man die Zahl der Gruben berech=
nen
, die notwendig ſind, um die erfrorenen Kartoffeln aufzunehmen.
Bei Sandboden empfiehlt es ſich, den Boden mit einer Lehm=
ſchicht
zu belegen, die Seitenwände mit Brettern abzuſetzen und den
Zwiſchenraum zwiſchen Brett und Boden mit fettem Lehm auszuſtamp=
fen
. Bei Herſtellung maſſiver Gruben aus Beton oder Ziegelſteinen,
auch wenn ihre Ausführung nur behelfsmäßig gedacht iſt, wird es immer
vorteilhaft ſein, die innere Wandnfläche mit einem vorendichtenden
Silolack als Anſtrich zu verſehen.
Die Gruben laſſen ſich bequem und ohne Zuhilfenahme von Koks=
körben
in Scheunentennen oder ähnlichen überdachten
Näumen einrichten, weil hier der Froſt wegen der geſchützteren Lage
nicht in größere Tiefen dringen konnte. Sie haben zudem den Vorteil,
vor Schädigungen durch Regen bewahrt zu bleiben. Auch die Ecken
emes Kellers oder eines ähnlichen froſtgeſchützten Raumes laſſen ſich
verhältnismäßig leicht durch Bretter zu einem kaſtenförmigen
Silo ausbauen. Das Schließen der Fugen erreicht man durch dorpelte
Verbretterung mit zwiſchengefügter teerfreier Pappe. Die Anchlußfugen
der Wände können im Falz mit Ton oder Aſphaltſtrick gedichtet werden.
Von außen verſteiſt man das Ganze durch kräftige Balken. Auch alte
ausgemauerte Blattmieten können mit Vorteil zur Ein=
ſäuerung
der Kartoffeln benutzt werden, wenn man ſie durch eingeſetzte
Zwiſchenbretter in kleinere Abteilungen von etwa 1,5 Mcter Länge zer=
legt
. In allen Fällen iſt für ſorgfältige Abdichtung nach dem Füllen mit
Kartoffeln zu ſorgen. Die Benutzung leerſtehender Schweine=
buchten
zur Einſäuerung iſt dann angängig, wenn deren Wände
dick genug ſind. Die Trogwand kann mit Brettern in ähnlicher Weiſe,
wie vorhin beſchrieben, abgeſchloſſen werden.
Gelegentlich wird auch empfohlen, die ſauren Kartoffeln ober=
irdiſch
einzumieten, nachdem mon den Boden mit einer Lehmſchicht
bedeckt hat. Um die Verluſte einzuſchränken, empfiehlt es ſich, die Seiten=
wände
nach dem Bedechen mit Brettern und Stroh ebenfalls mit Lehm
zu bewerſen und das Ganze mit Erdreich zu beſchweren.
Was nun die Verfütterung anbetrifft, ſo ſei hier nur darauf auf=
merkſam
gemacht, daß roh eingeſäuerte Kartoffeln bis zu 20
Kilogramm täglich nur an Wiederkäuer, dagegen nicht an Pferde
und Schweine verfüttert werden können. Die nach dem Dämpfen
geſäuerten Kartoffeln können in einwandfreiem, friſchem Zuſtande in
geeigneter Weiſe und Menge an alle landwirtſchaftlichen Haustiere ver=
füttert
werden. In erſter Linie wird man ſie an die Maſtſchweine ver=
füttern
; doch ſei hier darauf aufmerkſam gemacht, daß die Säure der
Kartoffeln das Schwein hindert, ſeinen vollen Bedarf an Kohlen=
hydraten
allein mit eingeſäuerten Kartoffeln zu dechen. Man iſt
deshalb gezwungen, durch ein anderes Beifutter, z. B. von 300 Gramm
Gerſten= oder Maisſchrot oder Kartoffelflocken, die ſauren Kartoffeln
ſchmackhaft zu machen. Bei Befolgung dieſer Vorſchläge kann man wie=
derum
mit täglich 1 Kg. Schnellmaſtfutter D.L.G. 5e vorteilhaft den
Eiweißbedarf des Schweines während der ganzen Maſt decken.
Eine Beifütterung von Kalk und Salz iſt bei der Verfüt=
terung
der Sauerkartoffeln wie üblich notwendig, um den
geringen Mineralſtoffgehalt der Kartoffeln auszugleichen.

Seite 7
Aus Hefſen.
Die landwirtſchaftliche Skellenvermitklung.
Wie bekannt, liegt die Geſamtarbeits= und Stellenvermittlung,
ſo auch die landwirtſchaftliche, in den Händen der Arbeitsämter, eine
gewerbliche Stellenvermittlung iſt nur noch bis Ende des Jahres 1930
mit Genehmigung des Herrn Präſidenten des Landesarbeitsamts Heſſen
in Frankfurt a. M. geſtattet. Das Reich verſucht auf dieſe Weiſe, der
Wirtſchaft die Arbeitskräfte zuzuführen, Einfluß auf dem Arbeitsmarkt
zu gewinnen ſowie, wenn erforderlich, regulierend einzugreifen.
Dieſes Jahr wie auch ſpäter wird eine Herabſetzung des Polen=
kontingents
ſtattfinden. Da eine große Anzahl offener Stellen in der
Landwirtſchaft tatſächlich vorhanden iſt, von ſeiten der Arbeitsämter
aber das Beſtreben beſteht, der Landwirtſchaft in ihrer ſchlechten Lage
durch Beſchaffung von geeigneten Arbeitskräften ſoweit als möglich zu
helfen, dürfte es andererſeits Pflicht der Landwirte ſein, die offenen
Stellen ausführlich und rechtzeitig dem Arbeitsamt Darmſtadt
oder den zuſtändigen Nebenſtellen:
Bensheim a. d. B., Wambolterhof, Fernruf 400;
Erbach i. O., Kreisamt, Fernruf 511;
Dieburg, Ringſtr. 51, Fernruf 286;
Unterſtelle Höchſt i. O., Rathaus, Fernruf 125;
Unterſtelle Reichelsheim i. O., Fernruf 146,
zu melden.
Bei der ſchriftlichen oder fernmündlichen Anmeldung von Arbeits=
kräſten
oder offenen Stellen ſind dem Arbeitsamte, bzw. den Fachver=
mittlern
genaue Angaben zu machen über Art, Alter, beſondere Kennt=
niſſe
und Anforderungen, Familienanſchluß, Bezahlung uſw., damit der
die Vermittlung tätigende Angeſtellte die offene Stelle zur Zufriedenheit
von Arbeitgeber und nehmer beſetzen kann. Eine gleichzeitige An=
meldung
der offenen Stellen an mehreren Arbeitsämtern darf unter kei=
nen
Umſtänden Platz greifen, da die Vermittlung dadurch infolge der
engen Zuſammenarbeit der Arbeitsämter nur erſchwert wird. Sehr
wichtig für entferntere Orte iſt der Umſtand, ob den überwieſenen Arbeit=
nehmern
, bzw. dem Arbeitsamte, das nur den Fahrſchein und kein Geld
aushändigt, die Fahrtkoſten zurückerſtattet werden. Jeder überwicſene
Arbeiter hat als Ausweis eine Zuweiſungskarte des Arbeitsamtes vor=
zuzeigen
, die, verſehen mit der Unterſchrift des Arbeitgebers und der
Bemerkung, ob eingeſtellt oder nicht und Gründe für die Nichteinſtellung,
ſofort zurückzuſenden iſt. Die Vermittlung von Arbeitskräſten jeder
Art geſchieht koſtenlos.
Bei dringenden Angelegenheiten, die nur an Ort und Stelle erledigt
werden können, ſteht uns ein Angeſtellter für den Außendienſt zur Ver=
fügung
, der bemüht ſein wird, die in der Praxis aufkommenden Vor=
kommniſſe
zu regeln.
Die landwirtſchaftliche Arbeitsvermittlung beim Arbeitsamt Darm=
ſtadt
, Mornewegſtr. 1 (alter Bahnhof) iſt während der Dienſtſtunden
von 812½, 14½17½ Uhr (außer Samstag nachm.), unter Telephon=
Nr. 3500, Nebenſtelle 442, zu erreichen und auch ſonſt zur Auskunfts=
erteilung
gerne bereit.
J Griesheim, 9. März. Revue=Gaſtſpiel in Griesheim.
Am Sonntag, den 10. März d8. Js., gaſtiert die wunderſchöne groß=
ſtädtiſche
Ausſtellungs=Revue Rund um den Ozean in 30 flotten Pracht=
bildern
im Feſtſaal Zum grünen Laub‟. Dieſes Gaſtſpiel, das nur
durch einen beſonders günſtigen Umſtand ermöglicht werden konnte,
dürfte in Griesheim mit Recht großes Intereſſe und reichen Zuſpruch
finden. Arrangiert iſt das Gaſtſpiel vom Orpheum in Darmſtadt, was
als eine Bürgſchaft für die Qualität der Darbietung angeſehen werdem
kann. Behördlicherſeits wird erneut darauf hingewieſen, daß das
Abbvennen von Hecken und Buſchwerk gemäß der Polizeiverordnung für
Heſſen vom 31. März 1913 verboten iſt. Ebenſo iſt das Beſchneiden von
Hechen und Buſchwerk in der Zeit vom 1. März bis 1. Oktober eines
jeden Jahres unter Strafe geſtellt. Das Feld= und Forſtſchutzperſonal
iſt zur ſtrengen Handhabung der Vorſchriften angewieſen worden.
Von Montag, den 11. März bis Samstag, den 16. März d3. Js., finden
auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich von 125 Uhr nachmittags
Scharfſchießübungen ſtatt.
Aa. Eberſtadt, 9. März. Todesfall. Werkmeiſter Georg Kern
iſt im Alter von 62 Jahren geſtorben. Er wurde am Freitag mittag
unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. U. a. gaben ihm die
Freiwvillige Feuerwehr und der Geſangverein Frohſinn das letzte Ge=
leite
. Die Schneeſchmelze hat in der hieſigen Gemarkung mit
aller Gewalt eingeſetzt. Zum größten Teil iſt der Schnee auf den Aeckerm
bereits verſchwunden. In den Wäldern dagegen geht die Schneeſchmelze
nur langſam vor ſich. Die Ortsſtraßen ſind in der Hauptſache ſauber,
nur die nicht aſphaltierten Fußſteige ſind ſchwer paſſierbar. Hausbeſitzer
und Ortsverwaltung tun alles, um dieſe Uebergangszeit mit ihren Fol=
gen
ſo ſchnell wie möglich zu beſeitigen. Die Modau wird immer mehr
eisfrei. Ihr Waſſerſtand iſt im leichten Zunehmen begriffen. Die
Schneewaſſer der benachbarten Aecker haben zwiſchen hier und Darmſtadt
in der Nähe der Ludwigshöhe und der Rennbahn teilweiſe das
Schienengleis der Straßenbahn überſchwemmt, fo daß ſich die Heag ver=
anlaßt
ſah, ſofort für Abhilfe und Abfluß des Waſſers zu ſorgen.
O. Pfungſtadt, 9 März. Ein Altveteran geſtorben.
Einer der älteſten hieſigen Einwohner, Friedrich Wiegel, iſt im 80.
Lebensjahr geſtorben. Wiegel war Mitkämpfer im Kriege 1870 und ge=
hörte
als ſolcher dem hieſigen Krieger= und Militärverein an. Seine
Beerdigung findet am Sonntag nachmittag ſtatt. Die Modan
faſt eisfrei. Die Modau iſt von hier bis an ihre Mündung in
den Rhein faſt eisfrei. Die letzten Sprengungen wurden zwiſchen Bruch=
mühle
und Hahnmühle vorgenommen. Man glaubt, daß man bereits
in Kürze die Modau, die gegenwärtig in den Sandbach abgeleitet iſt,
wieder in ihr altes Bachbett führen kann, damit die noch darin befind=
lichen
Eisſchollen von den Waſſermaſſen weggeſpült werden. An neue
Ueberſchwemmungen glaubt man vorerſt nicht.

ahre

A U
Neinen guten und schönen, in erster Linie aber einen deutschen
dal haben will, der die vorgenannten Eigenschatten besitzt.
Kommerzienrat Dr. jur, h. c. ALFRED NEVEN DU MONT, KBLN

E; Ist das Einzigartige dieses Wagens, daß sich bei
seiner Ausführung hohe technische und hohe künst-
lerische
Kapazität paarten. Leistung und Schönheit
sind die Werte dieses groben deutschen Erzeugnisses

Verkaufsstelle in DARMSTADT: Arnold

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Sonntag, den 10. März 1929

Vorfrühling an der Bergſtraße.

Von Marggrete Müller.

* Eine Fahrt an der Bergſtraße entlang, von Darmſtadt nach Heidel=
berg
, iſt immer eimn erfriſchendes Tun. Zumal jetzt, im aufklingenden
Vorfrühling. Die Tage werden wieder merklich länger. Es geht auf=
wärts
mit der Sonne und mit dem neu erwachenden Lebensgefühl und
vorwärts mit den Vorbereitungen zur Auferſtehung der Natur. Erſtes
Frühlingsahnen liegt über dem Land. Bald bedarf der Landmann
abends der Lampe nicht mehr. Jedem mitfühlenden und mitempfinden=
den
Naturfreunde iſt der Vorfrühling ein tiefes Erlebnisbild. Winter
und Sommer, Nacht und Licht wandeln im Gegenrhythmus zueinander.
Das zunehmende Licht verheißt allen Hoffenden, mit Gewißheit den
Frühling. Beglückt erfahren wir im Grau der regneriſchen und win=
digen
Vorfrühlingstage, daß Baldur, der im Herbſt unterlegene Som=
mergott
, wieder die Herrſchaft über den Winter erlangt hat und ſich
ſiegreich zu neuer Lenzes= und Sommerfahrt rüſtet. Mittags hat die
Sonne ſchon köſtliche Kraft, aber in den Nachmittagsſtunden fallen ihre
Strahlen noch immer ſehr ſchräg und weiß. Und die Zeit des Abend=
werdens
bringt nach wie vor die gewohnte Kühle mit ſich. Aber ein un=
gewiß
Etwas über den ſanft abfallenden Hängen und über den ruhe=
vollen
Wieſenflächen macht unſer Herz doch lind ſehmſuchtvoll und unſer
Auge träumeriſch. In den Nächten erſteht der Mond merkwürdig weſen=
los
wie eine dünne Zitronenſcheibe am Himmel. Das Firmament iſt mit
dampfenden Schleiern verhangen.
Morgens verhüllt der Frühdunſt die im Schatten der Berglehnen
liegenden freundlichen Städte und Dörfer. Sobald die Sonne hervor=
kommt
, beginnt der Blick ſich zu weiten. In der Rheinebene dehnen
ſich fahle Wieſenpläne aus, die von Pappelreihen begrenzt ſind. Im
Oſten ſchließen die Kuppen des Odenwalds die Sicht ab. Farbenkräftig
in die Landſchaft geſetzte Siedlungen wehren ſich gegen das Verblaſſen.
Der Odenwald iſt ein gar herrliches Schatzkäſtlein der Natur. In ſeinen
Tälern liegt umſchloſſen, was das ſüdliche Heſſen an landſchaftlichen
Schönheiten als ſein eigen rühmt. Umſtritten in der Bedeutung ſeines
Namens baut ſich das Gebirge aus einem Granitmaſſib ſüdweſtlich und
einer Steinlagerung nordöſtlich einer im allgemeinen von Aſchaffenburg
nach Heidelberg verlaufenden Linie auf. Der größte Teil des bewal=
deten
Berglandes iſt heſſiſch. Im Süden zipfeln die Höhenwellen ins
Badiſche. Im Oſten, am Main, wo ſich landſchaftliche Reize und hiſto=
riſch
bedeutſame Stätten beſonders reich zuſammenſchließen, greifen ſie
auch in den Bereich des bayeriſchen Kreiſes Unterfranken über. Die
Bevölkerung des Odenwaldes iſt rbeinfränkiſch. Aber im Brauch der
Sprache und faſt noch mehr in der Form der Hausanlage iſt vielfältig
die Erinnerung feſtgehalten, daß vor Zeiten fränkiſche und alemanniſche
Siedler gemeinſam die Täler des Waldgebirges bewohnten. Die Dörfer
bergen ein kerniges Volk. Wie allerwärts im Mitteldeutſchland ſind

auch im Odenwald die Bauern etwas ſchwerfällig. Streng halten ſie am
Alten und Hergebrachten feſt. Dem Fremdew begegnen ſie zunächſt mit
Mißtrauen. Dem Erprobten und Bewährten hängen ſie in Treue an. Die
Bauernhäuſer ſind ſchmuck und ſauber. Nur in die den großen Ver=
kehrsſtraßen
nahen Orte iſt der Vorſtadtkaſtenſtil ſtädtiſcher Bauunkultur
eingebrochen und hat das alte Bild, der odenwäldleriſchen Dorfwelt
zerſtört.
Eine ganze Reihe von Kurorten und Sommerfriſchen zieht ſich die
Bergſtraße entlang. Altberühmt ſeiner wundervollen Lage wegen iſt
Jugenheim mit dem maleriſchen Heiligenberg, den ein reizendes Schlöß=
cen
krönt. Nicht weniger bekannt iſt Zwingenberg, das mit ſeinen mit=
telalterlichen
Mauerreſten am ſteilen Hang des Malchenbergs hinaufklet=
tert
und ſein Kirchlein, weithin ſichtbar in die Riedebene, auf einen
kleinen vorſpringenden Hügel geſtellt hat. Oft und hart hat das Städt=
chen
am Eingang zum Orbistal vom frühen Mittelalter an des Krieges
Not erfahren. Vom Turm auf dem Malchenberg, hat man eine unver=
gleichliche
Fernſicht. Im ſchmucken Auerbach iſt noch manches gutes altes
Haus zu finden. Sein Schloß auf dem Auerberg mit der idylliſchen
Nuine wird viel beſucht. Das ehemalige kurmainziſche Städtlein Bens=
heim
iſt uralt. Als Baſinesheim wird es ſchon im achten Jahrhundert
erwähnt. Auch Heppenheim mit ſeinen altertümlichen Stadtbildern voll
traulicher Eigenart hat bereits vor der Zeit Kaifer Karls des Großen
beſtanden. Auf badiſchem Gebiet reihen ſich Weinheim, Schriesheim und
Handſchuhsheim an. Von der Nuine Windeck bei Weinheim kanm der
Blick an ſchönen Tagen bis zur alten Kaiſerſtadt Worms hinüberſchwei=
ſen
, die jenſeits der Rheinkrümmung bei Lampertheim liegt.
Während der Mittagsſtunden überzieht ein dünnes Blau den Him=
mel
. Im Wald riecht es feucht und krautig. Im Holz gärt es. Und in
den Mooſen tropſt und keimt es. Ueberall entfaltet ſich das gleiche Bild.
Selbſt das Kniſtern in den Büſchen, gibt uns Kunde vom erſten zagen
Frühlingsahnen. Die Weiden ſind lenzgewiß. Grüngolden ſchimmern
die Spitzen ihrer Zweige. Die Knoſpen der Mandelbäume beginnen zu
atmen. In den Buchenſtämmen wird der Saft lebendig. Amſeln und
Meiſen verkünden in der Mittagsſonne von efeuumranktem Gemäuer
herab, daß nach Kunigunde die Wärme auch von unten kommt. Wenn
wir genau achtgeben, ſehen wir den dürren Naſen dampfen. Die Zeit
vor Oſtern, wo die erſten zweifarbigen Blüten des Lungenkrauts ſich
öffnen und große Flächen von Waldanemonen zu leuchten beginnen, iſt
nicht mehr fern. In den Stuben der Bauernhöfe läuten jetzt ſchon die
weißen Glöckchen der Schneeblumen den Vorfrühling ein. Wie bald wird
Oſtern ſein. Wie ſchnell nahen die Tage, wo die blanke Sonne über
Wieſen mit Krokus und Gärten voll Veilchem ſteht und wo in den Wäl=
dern
ſeidiges Buchenlaub aus harten, glatten Knoſtpem drängt.

* Nieder=Beerbach, 9. März. Am Montag und Dienstag fand durch
die Heag im Gaſthaus Zum Mühltal eine Werbeveranſtaltung über
die praktiſche Anwendung der Elektrizität im Haushalt ſtatt. Der Leiter
der Veranſtaltung war Herr Albert Heß aus Darmſtadt. Eingeleitet
wurde der erſte Abend durch zwei kurze Filme, die den Staubſauger in
ſeiner Wirkungsweiſe und in ſeiner praktiſchen und vielſeitigen Ver=
wendung
zeigten. Alsdann hielt Herr Heß einen intereſſanten Vortrag
über die Verwendung der elektriſchen Wärmegeräte beim Kochen und
Backen. An Hand der bei dieſer Gelegenheit von der Heag ausgeſtellten
Geräte waren die Ausführungen des Redners ſehr anſchaulich und
leicht verſtändlich und durch ab und zu eingeſtreute humorvolle Bemer=
kungen
nicht im geringſten langweilig. Nebenbei wurden auch ver=
ſchiedene
Apparate praktiſch vorgeführt, und die Koſtppoben, die dabei
abfielen, fanden bei jedermann Anklang und Bewunderung. Reichen
Beifall zollten zum Schluſſe die Erſchienenen den Veranſtaltern des
Abends und allgemein wurde der Wunſch laut, im nächſten Jahr wieder
einen ähnlichen Abend mit der Heag verleben zu können. Daß die Ver=
anſtaltung
Erfolg hatte, zeigten die ſchönen Beſtellungen von elektriſchen
Geräten, die am folgenden Nachmittag in der abgehaltenen Sprechſtunde
gemacht wurden.
G. Ober=Ramſtadt, 9. März. Der Ortsbauplan über die Feſtlegung
der Baufluchtlinien zur Erweiterung der Brückengaſſe von Parzelle 627
bis zur Einmündung in die Darmſtädter Straße liegt vom 11. ds. Mts.
an 14 Tage lang auf der Bürgermeiſterei zur Einſicht der Intereſſenten
und Erhebung etwaiger Einwendungen offen.

O. Erzhauſen, 9. März. Am kommenden Montag, den 11. März,
findet ein Filmvortrag zur Reichsunfallverhütungswoche in der Krone
ſtatt. Am 14. März wird durch Herrn Freiherrn v. Löw ein Lichtbilder=
vortrag
über Reichsunfallverſicherung für land= und forſtwirtſchaftliche
Berufsgenoſſenſchaft (auch in der Krone) ſtattfinden.

Großſeuer in Rüfſelshein.

P. Am Freitag abend kurz nach 9 Uhr wurde unſg=
die
Feuerſirene glarmiert. Am weſtlichen Stadtausgang,
ſtraße nach Biſchofsheim, ſtand innerhalb des neuen efd
die große Holzhalle des Landwirts Lorenz Rudolf in be
Die Halle diente als Aufbewrhrungsort für Dreſchnaſg
behör (landwirtſchaftliche Geräte, Sämaſchinen, Pflüige,
uſw.). Außerdem befand ſich in der Halle ein größes
Stroh. Als die Opelſche Fabritfeuerwehr ſowie die Friäy
rufsfeuerwehr kurz nach der Alarmierung auf dem Brand.
ſtand die geräumige ea. 30 Meter lange Halle in hoe
Um die in unmittelbarer Nähe ſtehenden Wohnhäuſer *
die Feuerwehr genötigt, vor den Löſcharbeiten die Hiu
einzureißen. Die Flammen loderten dann haushoch
aber nach ½ſtündiger Arbeit durch die Motorſprize
wehr und durch die zum erſten Male an das ſtädtiſche a)
werk (Schönauer Hof) angeſchloſſenen Straßenhhdram
abgelöſcht, ſo daß die Wehren nach Zurücklaſſung eines
½11 Uhr wieder abrücken konnten. Die anliegenden ers
Pohnhäuſer erlitten, dank den Bemühungen der Ferut
Schaden. Bezüglich der Urſache des Brandes läßt die
ſache, daß trotz ſpäter Nachtſtunde das vorher verſchl.
Halle offen ſtand, vermuten, daß vorſätzliche Brandſti
Ermittlungen nach dieſer Richtung ſind im Gange. Demnd
Sachſchaden iſt groß und nur zum Teil durch Verſicherumn

Schinnen u. Schuppen
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8. März 1,19 Meter, am 9. März 1,19 Meter.

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96

9
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f. Roßdorf, 9. März. Brennholzverſteigerinf
tag, den 11. d8. Mts., vormittags, findet auf dem Nachas
holzverſteigerung ſtatt. Es gelangt Holz aus den Abteny
50, 54, 55, 56 und 59 des Gemeindewaldes zum Ausgebe.
lingsberatungsſtunde. Die nächſte Beratumgsf
Donnerstag, den 14. März, nachm. von 34 Uhr, in 3
ſchule abgehalten. Herr Dr. med. Heck wird zugegen ſes
pelabgabe. In einer öffentlichen Bekanntmachung v!l
meiſterei darauf hin, daß die Stempclabgabe für Automzb
Muſikwerke und dergleichen, die in Wirtſchaften uſw. auff4
31. 13. Mts. beim Kreisamt zu entrichten ſind; das gefz
Luxus= und Federwagen.
Bm. Hofheim (Ried), 9. März. Unfall. Beim
Rüben verunglickte ein hieſiger Landwirt, indem ihm i
Nachbar mit der Miſtgabel durch die Hand geſtochen mnt
letzte mußte ſofort ärztliche Hilfe in Anſpruch nehmen.
ſchaftsfeier. Die für den 16. 4s. Mts. geplante ,
des hieſigen Fußballvereins 1911 (4=Meiſter Gau Ried 9
aus verſchiedenen Gründen verlegt werden und findet nursh
am 13. April ds. Js. ſtatt. Bis zu dieſem Zeitpunlt wirt,c VW
Kreismeiſterſchaft entſchieden ſein. Nachdem nun die Alg
gen Winters gebrocken iſt, darf man auch den hieſigen 2
verein erwähnen, der zum Schutze der hungernden Vögel 5
hat. Verſchiedene eifrige Mitglieder haben durch Anlegen :
Futterplätzen auf dem hieſigen Friedhof und in den Ey
unſerer Singvögel vom ſicheren Hungertod gerettet. Unf
ſolcher Winter wieder mal einſtellen, ſo werden dieſe 29
mehr tun. Bald wird den edlen Helfern Fink= und 2c1
wärnſte Dank ſein.
O. Klein=Gerau, 9. März. Bau der Waſſerle
Arbeiten für die Anlage einer Waſſerleitung in der hiesV40
ſollen in der neuen Woche aufgenommen werden. Die bem!
rohre liegen bereits zur Verfügung, ſo daß es mit hricht
Arbeit gehen kann.
Oberheſſen.
Gießen, 9. März. Feſtgenommene Vießi
Donnerstag abend ſind von der Polizei in Gießen drei.!4
genommen worden, die zwei Stück Rindvieh verkaufen 1.
der Angabe, ſie hätten, die Tiere in Münſter, in der ſt.
Das Vieh war mit einem Laſtkraftwagen nach Gießen beſi=
Die polizeilichen Ermittlungen ergaben aber, daß dar=n
armen Bauernfrau in der Eifel aus dem Stall geſtohlen
Die beiden Haupttäter ſind ſchon oftmals vorbeſtrafte KUxA
insbeſondere das Intereſſe der Kölner Polizei finden
wieder wegen anderer Strafſachen, darunter wegen Einak=
Güterbahnhof, von der Kölner Polizei geſucht werdem
Diebe und der Laſtkraftwagenführer wurden in Haft genn)

Auch Sie haben das Bestreben, das Ange=
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mit dem Nützlichen zu verbinden.
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Nach langem ſchweren, mit großer Geduld er=
tragenem
Leiden entſchlief heute Nacht ſanft mein
lieber Mann, unſer herzensguter Vater, Großvater,
Schwiegervater,/ Bruder, Schwager und Onkel

Heit Sarod Aopplet

Landgeſtütsaufſeher i. R.

im 57. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Frau M. Köppler
Friedel Köppler
Familie Zakob Trumpfheller

Darmſtadt, Johnſtown UI. S. A., den 8. März 1929.
Wendelſtadtſtr. 46.

Die Beerdigung findet Montag, den 11. März 1929,
nachmittags 2½ Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
innigſtgeliebte Frau, unſere Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter, Schweſter, Schwägerin und Tante

Frau Luiſe Zwingler

geb. Egly
nach langem, ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden
im 59, Lebensjahre zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Leonhard Zwingler.
Darmſtadt, den 8. März 1929.

Die Beerdigung findet Montag, den 11. März, nach=
mittags
3 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſtatt.

Todes=Anzeige.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am
8. d8. Mts., nachmittags 3 Uhr, meinen lieben Mann,
unſeren guten Vater, Schwiegervater, Schwager und
Onkel

Johannes Andres

wenige Tage vor Vollendung des 79 Lebensjahres in
die Evigkeit abzurufen.
Für die trauernd Hinterbliebenen:
Margarete Andres, geb. Schnatz

Darmſtadt, den 9.
Liebfrauenſtr. 50.

März 1929

Die Beerdigung findet am Montag, den 11. März
1929, nachmittags 3 Uhr, auf dem hieſigen Waldfried=
hofe
ſtatt.
Seelenamt am Dienstag, den 12. d. Mts., vormitte
7 Uhr, in der St. Eliſabethenkirche zu Darn

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere liebe, gute Mutter, Großmutter
und Tante
Frau

Bwe. d. Eiſenbahn=Sekretärs Zacob Steuernagel
nach kurzer Krankheit im 83. Lebensjahr
zu ſich zu rufen.

In tiefem Schmerz:
Frau Victoria Früauff Bwe.
Familie Jean Steuernagel
Familie Wilhelm Steuernagel
Frau Emma Steuernagel Wwe.
und 3 Enkel.

Ibersheim, Sodneh (Auſtralia), Hannover,
Darmſtadt (Viktoriaſir. 93), den 8. März 1929.

Die Beerdigung findet Montag, den 11. März,
3½ Uhr nachmittags, auf alten dem Friedhof
an der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.

Todes=Anzeige.

Allen Freunden und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß unſere liebe Mutter, Schwieger=
mutter
, Großmutter, Urgroßmutter, Schweſter
und Tante

geb. Leiderik
heute früh nach kurzem, ſchwerem Leiden im
Alter von 79 Jahren ſanft entſchlafen iſi.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Krebs
Familie Peter Ludwig, Lichtenberg
Familie Joh. Arras Bwe.

Groß=Bieberau, den 9. März 1929.

Die Beerdigung findet am Montag, den 11. März,
nachmittags 1½½ Uhr ſiatt.

Heute mittag 2 Uhr entſchlief ſanft nach kurzem,
ſchweren Leiden unſere innigſtgeliebte, herzensgute
Schweſter, Schwägerin, Tante und Großtante

Fräulein
Auguſte Roner
Handarbeitslehrerin i. R.
im 89. Lebensjahr.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emma Römer, Lehrerin i. R.

Darmſtadt den 8. März 1929.
Gervinusſtr. 68, Lehrerinnenheim.

Die Beerdigung findet am Montag, den 11. März,
vormittags 11 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Am 7. März verſchied ſanft infolge eines
Gehirnſchlages unſer lieber Sohn, Bruder
und Schwager
(4194

In tlefer Trauer
Im Namen der Hinterbliebenen:
Auguſte von Znaniecki
geb. von Grolman.

Die Beerdigung hat in aller Stille ſtattgefunden.

(4130

Abert von shanieckt

Statt beſonderer Anzeige.
Am 7. März entſchlief ſanft mein
ieberMann, unſer guter Vater, Schwieger=
vater
, Großvater und Urgroßvater

Herr
Zernhäte uuner

Gr. Miniſterialkanzliſt i. R.
im 78. Lebensjahr.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Hübner
geb. Reitz.

Die Beiſetzung fand auf dem alten Friedhof
nach dem Wunſche des lieben Entſchlafenen
in aller Stille ſiatt.

Unſere liebe Großmutter

Frau
Zuſnine Tangroc

geb. Köhler

Witwe des profeſſors Ludwig Langrock
iſt heute in ihrem faſt vollendeten 78. Le=
bensjahre
plötzlich verſchieden.
Ilſe Wendelſtadt, geb. Langrock
Leutnant Ludwig Langrock
Soſia Langrock.
Darmſiadt, den 8. März 1929. (4095

Die Beerdigung findet Montag, den 11. 1f. Mis., nach=
mittags
½/, 3 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſiatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Verſtorbenen.

Statt beſonderer Anzeige.

Nach kurzem Krankſein iſt am 7. März meine
liebe Frau, unſre unermüdlich treuſorgende Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter

geb. Seipel
nach faſt vollendetem 80. Lebensjahre zur ewigen
Ruhe heimgegangen.

In tiefer Trauer:
heinrich Landzettel
Familie Nikolaus Konradt
Familie Georg Landzettel
Familie Georg Vollhardt
Familie Heinrich Landzettel
Familie Bernd Zeh.

Darmſtadt, Bad Kreuznach, Griesheim b. D.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſtatt. (*

Statt beſonderer Anzeige.

Nach kurzem Teiden entſchlief ſanft
unſere liebe Mutter und Großmutter

Frau

Ene Magl Lw.

geb. Hirſch

im Alter von 81 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Mahr
Ferdinand Mahr u. Familie

Darmſtadt, 8. März 1929
Heinheimerſtr. 56

Die Beiſetzung findet Montag, 11. März,
um 2 Uhr, auf dem Waldtriedhof ſtatt.

m der frauel
ru Katharfit

Miden erlöſt.
In tiefer
Auguſte Hah
Dr. med. Erich
Minni Hahn.

zſtraße 27, der

Fer

Rodt.1 Danfſt
Durck
kauf
ter ſi.3 b- vielen
Lage.N
räder- uif die
ligem!

H.=Räls
und En
Drurt ſten wir
65, 8
Fr2/ 1 Duf.
Alle
behör iſt
Bekan,
Ber=

Eis

Aenr
eTieſgei
Mis9 Buerwehr, dem
eierunge,
icdepreckt nLded.
Frau 0
Darma l i de traſt
nanße 2 1 Mie tratery

Sine liender Raur
S Sinakidt, Rauy
Sie Jich, Ru fie

Eiceneu
Eai ana, in d.

Lau Gr

ſuack
einet

zweäs
Angebols

Stelimnk.
47 J.

ill.

Aa
guter
all
zwecks
kenn

[ ][  ][ ]

Conntag, den 10. März 1929

Seite 13

Sodes=Anzeige.

Heutwurde mein lieber Mann, unſer guter
ter 1M Fchwiegervater
Herr Sanitätsrat
Mmed. Hahn
ſeiuie Veiden erlöſt.

In tiefer Trauer:
Auguſte Hahn, geb. Staudinger
Dr. med. Erich Hahn
Minni Hahn, geb. Brunner.
ginzc libnizſtraße 27, den 8. März 1929.
n Kondierizbeſuchen und Blumenſpenden bittet
n abyuhen. Die Beerdigung findet Montag,
11. MAr 1929, nachmittags 5 Uhr, von der
ſielhofskapelle Mainz aus ſtatt. (M:.4199

Dankſagung.

für 1. vielen Beweiſe herzlicher Teil=
he
un die reichen Kranzipenden, ſowie
oſtrenten. Worte des Herrn Pfarrer Schott
Graktt neiner lieben Frau, unſerer guten
ter, iſten wir auf dieſem Wege unſeren
ichſien 9 ank.
Daniel Oaab
und Kinder.
nAmltt, den 9. März 1929.
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Ecke Marktplatz

Dankſagung.

die bichaus zahlreichen Beweiſe herzlicher Teil=
be
bei ſm Heimgange unſeres lieben und treuen
Herrn
Peter Hochſtätter
Anwir Iun denen, welche ihm die letzte Ehre er=
en
, um ſin tiefgefühlten Dank. Beſonderen Dank
Freiwial feuerwehr, dem Eiſenbahn=Verein, dem
Mmotivllsſis beſſerungswerk für die Nachrufe am
de, ſongkür die Krunzniederlegungen. Auch Herrn
erer Wla ſar die troſtreichen Worte.
Die trauernden Kinder:
Adam Eich ſtätter u Frau Marle, geb Hanſtein
Guſtatn ihreich u Frau Marie, geb. Hochſtätter
Ooſef Ater u. Frau Käthe, geb. Hochſtätter
dr. Mcr u. Frau Wilhelmine, geb. Hochſtätter
Adoff EAler u. Frau Luiſe, geb. Hochſtätter
Narl 2Mer u. Frau Sophie, geb. Hochſtätter
1rmſtadt Ain 9. März 1929.

Krieger=Verein!
Darmſtadt 1874

Am 8. d. Mts. verſchied unſer
Kamerad und langjähriges, treues
Mitglied
Herr Jakob Köpyler
Landgeſtüts=O.=Aufſeher i. R.
Die Beerdigung findet Montag,
den 11. d. Mts., nachm. 2½ Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Wir bitten um zahlreiche Be=
teiligung

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Gür Aiberaus zahlreichen Beweiſe herz=
Ner Leishhrie beim Heimgange meiner lieben
au undlehen Mutter ſagen wir allen denen,
Ve iMr 4Mlekte Ehre erwieſen, jowie für die
Wand uuhSCumenſpenden unſern tiefgefühlten
ont O2ich falls danken wir den Schweſtern
7 Marcligemeinde für die ſorgtältige und
Vepebolen Mege während ihrer Krankheit
Pea8 bieiders danken wir Herrn Pfarrer
Deinger / bie troſtreichen Worte am Grabe
Im Namen
trauernden Hinterbliebenen:,
Karl Bauer und Kinder.
et, den 9. März 1929.

Für die vielen Beweiſe herz
licher Teilnahme beimHeimgang
unſerer lieben Entſchlafenen
ſprechen wir hiermit unſeren
innigſten Dank aus. Beſonders
danken wir Herrn Pfarrer
Frank für die troſtreichen
Worte am Grabe.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Georg Heleine II.
Wembach, den 9. März 1929. (4205

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Eine der häufigſten Todesurſachen nach
dem 40. Lebensjahre iſt die Adernver=
kalkung
. Wie man dieſer gefährlichen
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Kilo 4Urmelade, 2000 Kilo
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V00 Liters ſſig, 1000 Kilo ge=
Derſte, 5000 Alo grüne Kern. 200
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Dandkäſe, 1i0 Kilo Limburger
Rilo GAner Käſe, 100 Kilo
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M8ein, 500 (Xo Makkaroni, 3000
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Son jeder ſttuang darf nur ein
* angebotens erDden

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Der Aufſchris
erſehen weg
Lannen von
Goddelau.
LeFif

en Muſter müſſen
Ingeboten verpackt
Muſter zum Ange=
Angebotsformu=
ſr
Anſtalt bezogen
(4123
März 1929.
E=Heil= und Pflege=
al
bei Goddelau.

des ſtädt. Wohlfahrts= u. Jugendamtes
in der Zeit vom 1. April 1929
bis 31. März 1930.
Die Lieferung von Lebensmitteln für
die Wohlfahrtsanſtalten pp. ſoll im Wege
der Verdingung vergeben werden. Gs
handelt ſich um folgende Waren:
Zahlucnoder Stellung eines Erbſen. Linſen, Reis 1. Qualität,
Reis 2. Qualität (gute Qualität
Bruchreis), Grieß, Gerſte. Zucker,
Malzkaffee, Fett. Bohnen. Hafer=
flocken
, Weizenmehl (Spezial 0 ſüd=
deutſches
Fabrikat), Nudeln, Marga=
rine
, Kakao,
Fleiſch= und Wurſtwaren für das Al=
tersheim
, das Verſorgungshaus und
die Walderholungsſtatte,
Backwaren (Brot und Brötchen) für
das Altersheim das Verſorgungs=
haus
und die Walderholungsſtätte,
Friſche Fiſche und ſonſtige Fiſchwaren
und
Butter und Käſe.
Die in dem Angebot anzuerkennenden
Lieferungsbedingungen liegen am 12.,
13. und 14. März d. J. auf Zimmer 39
des Amtsgebäudes Mornewegſtraße 1,
offen. Hierſelbſt iſt auch alles Nähere
über die Verdingung zu erfahren.
Die Angebote und die Muſter ſind
bis zum Eröffnungstermin, 15. März,
vormittags 12 Uhr, in verſchloſſenemn
Briefumſchlag, getrennt nach den fün)
Verdingungen, in Zimmer 39 des Amts=
gebäudes
einzureichen. Die Lieferung
iſt vollſtändig frei jeder Anſtalt anzu=
bieten
. Von jeder Gattung darf nur
ein Muſter angeboten werden. Die ein=
zureichenden
Warenmuſter müſſen, ge=
trennt
von den Angeboten verpackt, mit
der Aufſchrift Muſter zum Angebot
verſehen werden. Nach dem 15. März
1929, vormittags 12 Uhr, einlaufende
Angebote können keine Berückſichtigung
mehr finden.
Die Genehmigung der Vergebung ſo=
wie
die Auswahl unter den Anbieten=
den
bleibt dem Herrn Oberbürgermeiſter
(St. 4120
vorbehalten.
Darmſtadt, den 8. März 1929.
Städtiſches Wohlfahrts= u. Jugendamt.

Stammholz=Verſteigerung.
Am Donnerstag, den 14. März d. J.,
vormittags 9.30 Uhr anfangend, finder
unſere diesjährige Stammholzverſteige=
rung
ſtatt. Die Zuſammenkunft iſt an
der Gräfenhäuſer Straße am Merckſchen
Waſſerwerk. Es kommen viele erſtklaſ=
ſige
Ueberſtänder unſerer guten Quali=
tat
, geeignet für Glaſer, zur Verſteige=
rung
. Das Holz iſt gut abzufahren. Es
werden verſteigert:

Klaſſe 2b 84 St. 49,07 Feſtmeter,
Klaſſe 3a 35 St. 29,83 Feſtmeter,
Klaſſe 3b 16 St. 18,90 Feſtmeter,
Klaſſe 5 1 St. 2,86 Feſtmeter.
Weiterſtadt.
Heſſ. Bürgermeiſterei Weiterſtadt.
(4131
Meinhardt.

Klaſſe 2a 43 St. 17,94 Feſtmeter,
Klaſſe 4a 7 St. 10.51 Feſtmeter,
Klaſſe 4b 1 St. 1,91 Feſtmeter.
Auskunft erteilt Förſter Hirſch in

anderſtraße 4,

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2ÜPf.p. St.
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Rohzretonnes Messel),
vielseitig verwendb, ca. 70 cm breit Wo Pf, p. m.
Art. 21;
Hemdentuch & Rentorce,
schneeweiß gebleicht, gute Quali-
tat
, für Wäschestücke besonders
geeignet, ca. 80 cm breit . . . . IE V
Art. 16:
Zelif far kommende Ostern und
Pfingstzeit, in schönen dezenten
hellen und dunklen Mustern, für
Dirndl-, ganz besonders aber für
Haus- und Schulkleider geeignet,
prima Ware, für Blusen besondere
Muster
49. 9
Art. 20:
Barchent (Einet) ca. 70 cm breit
weiß, wollig angeraubt, edle Ware, GD 4-3
Art. 18:
Schfirzenstoff,
dunkelblauer Grund mit bedruc. Mustern, auch für Frauen-
Hauskleider gut geeignel, in der
Wasche ganz vorzüglich, waschecht Vo Nun
Art. 24:
Kissenplatten, vorgereichnete
in Richelieu, aus Haustuch oder
0D . St.
Halbleinen mit Stickgarn .
4rt. 27:
Damenhemaen,
Trägerform, m. Bogensätzen und
dekorativ schönen, dezenten Fält-
Jo 7yu
chen, gute Qualität . .

Die vorſchriftsmäßigen
Rautichter für Bahreiver
Otto Urſchel, Schulſtr. 11 /414,

Vergebung von Kanaliſations
und Maurerarbeiten.
ſowie v. Inſtallationsarbeiten.
Auf Grund der Reichsverdingungs=
ordnung
und der auf dem Amt offen
liegenden beſonderen Bedingungen und
Zeichnungen ſollen die bei Herſtellung
des Anſchluſſes an den ſtädtiſchen Kanal
vorkommenden Kanaliſations= u. Maurer=
arbeiten
, ſowie die Inſtallationsarbeiten
in den Hofreiten Stadtallee 2 und Holz=
hofallee
10 dahier in je 2 Loſen öffent=
lich
vergeben werden.
Einſichtnahme der Bedingungen und
Zeichnungen und Abgabe der Leiſtungs=
verzeichniſſe
kann vom 12. März d8. Js. ab
auf Zimmer Nr. 7 unſeres Amts, Parade=
platz
3, erfelgen. Eröffnungstermin
Montag, den 25. ds. Mts., 10 Uhr. Zu=
(IV.418:
ſchlagsfriſt 5 Tage.

Darmſtadt, den 6. März 1929.
Heſſ. Hochbauamt Darmſtadt.
Becker.

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Näheres unt. L. 192
Geſchäftsſtelle.
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Gr. 37. 8 . 1 Gas=
lampe
3 . 1 Gas=
herd
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Lautenſchläger,
Moosbergſtr. 60. (

V 4046

Art. 37:
Herrensocken,
reine Wolle, gut verarbeitet, in grau O0Pf. Paar
Art. 25:
Kissennlatten, vorgezeichnete,
in Rips, nur in braun mit da-
. 90Pfp. St.
zugehöriger Stickseide
Art. 35:
Parade-Kopfkissen,
aus schneeweiß gebleichtem,
starkfädigen Linon, beste Stra-
pazier
-Qualität Größe 80/80 cm,
mit ca. 8 cm breitem Einsatz
1,50mp.St.
aus guter Stickerei .
Art. 26:
Fischdecken, Gr. 130/160 em
schneeweiß gebleichte Ware,
damastartig merserislert . . 2s00M.nu
Art. 34:
Herren-Hachthemden,
mit Ausschnitt, aus priua stra-
Dazierfähigem Rentorce, ge-
schmackvoll
mit farbigen,
waschechten Bordaren besetst Wacc nn
Art. 712:
Reisedecken,
als Schlafdecken gut geeignet,
Baumwolle mit Kunstseide ver-
arbeitet
, sehr mollig, kann gut
als Ersatz für reine Wolle ver-
wendet
werden, Grund kamel-
haarfarbig
, aparte Neuheit, ganz
besonders zu empfehlen .
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Die Herſtellung von etwa 4000 qm
Gußaſphaltbelag in ſtädtiſchen Straßer
ſoll auf Grund der Reichsverdingungs
ordnung vergeben werden. Die Bedin=
gungen
liegen bei dem unterzei hneten
Amte, Zimmer Nr. 6, während der

Dienſtſtunden zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine abge=
geben
. Auswärtige Bewerber können
nicht berückſichtigt werden. Angebote
ſind bis Donnerstag, den 21. März I. J.,
11 Uhr, bei unterzeichneter Stelle ein=
(St. 4107
zureichen.
Darmſtadt, den 6. März 1929,
zuamt

[ ][  ][ ]

Doit ſaobenlſcen Prebätiemnnert.

Der noch immer fehlende Verkehr auf der Rheinwaſſerſtraße hat
Eas Gaſchäft in Brotgetreide hier nur wenig beeinflußt. Angeſichts der
ſchwächeren Haltung der überſeeiſchen Terminbörſen verſtärkte ſich hier
die Neigung zum Abwarten und es zeigt ſich immer mehr, daß die ſüd=
deutſchen
Großmühlen außerordentlich gut wit Ware verſorgt waren,
die ſie, ſoweit ihre eigenen Silos nicht ausreichten, in fremden Lager=
räumen
untergebracht hatten. Obwohl ſich die Wegeverhältniſſe etwas
gebeſſert haben, blieb das inländiſche Weizenangebot in mäßigen
Grenzen. Wie groß die Auswinterungen in Europa ſein werden, läßt
ſich noch nicht überblicken; in der Rheinebene hat das Wintergetreide
vielfach Not gelitten, ſodaß man zu Unflügungen ſchreiten und Gerſte
anſäen muß. Im Cif=Geſchäft wurde zuletzt im März fälliger Plata=
weizen
um 3040 Cents (1 Cts. 0,42163 Rm.) billiger als März=
Abladung angeboten. Weizen aus Mitteldeutſchland und den ſuddeut=
ſchen
Gebieten ging von 2525,10 Rm. zu Wochenanfang auf 24,75 Rm.
zurſick, wozu mehrfach Abſchlüſſe vorgenommen wurden. Roggen wurde
weiter von Bayern zu 24,1024,25 Rm. angeboten; Knappheit in dieſem
Artikel iſt bisher nicht feſtzuſtellen. Die Käufer für Hafer waren zu=
reickhaltend
, badiſcher und württembergiſcher Herkunft wurde zu unver=
änderten
Preiſen angeboten. Braugerſte hatte ſchleppendes Geſchäft, die
Forderungen gingen teillveiſe um 25 Pfg. die 100 Kg. zurück. Man ver=
langt
heute für badiſche, fränkiſche und württembergiſche Herkunft 24,50
bis 25 Rm., für vorderpfälziſche 2525,50 Rm.; Futtergerſte unverän=
dert
. Greifbarer Mais hat ſich weiter verknappt, die Umſätze blieben
jedoch unbedeutend. Nachfrage trat in größerem Ausmaß für badiſchen
Saatmais hervor. Das Mehlgeſchäft blieb klein; Weizen= und
Roggenmehl, wovon erſteres um 25 Pfg. auf 34,50 Rm. ermäßigt wurde,
werden nur fur den dringendſten Bedarf gekauft: ſüddeutſches Weizen=
brotmehl
26,50, Roggenmehl 6070proz. 3133 3M. mit Sack ab Mühle,
Futtermittel hatten weiter feſten Markt, doch fangen die Käufer
an, vorſichtig zu disgonieren. Preiſe je 100 Ka. in Rm.: Biertreber
2323.50, Malzkeime 2021, Soyaſchrot 24,5025, Trockenſchnitzel 17,50
bis 18, Weizenfuttermehl 1515,50, Haferſchalenmelaſſe 1313,50, Lein=
kuchenmehl
2424,50, gelbes, ſüdafrikaniſches Maisfuttermehl etwa 23,
Weizenkleie 1414,25.

Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Neue, größere Einkäufe bei den
Pflanzern ſind nicht behannt geworden. Während der milden Tage iſt
viel Tabak abgehängt und verwogen worden, um ſofort zur Vevgärung
zuſammengeſetzt zu werden. Nahfrage iſt in größerem Umfange nach
fabrikationsfertigem 1928er Sandblatt hervorgetreten, wofür je nach
Güte und Herkunft 100150 Rm. je Zentner bezahlt wurden. Intereſſe
bekuntet ſich auch bereits für 1928er Obergut. Rippen hatten ruhiges
Geſchäft.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Vorläufig keine weitere Goldabgabe der Reichsbank. Bekanntlich
hat die Reichsbank im Laufe des 7. März Goldabgaben in Höhe von
46 Mill. RM. vornehmen müſſen. Am vorgeſtrigen Freitag (8. März)
ſind nach Informationen des D.H.D. vorläufig keine weiteren Gold=
abgaben
ſeitens der Reichsbank erfolgt, da ſich der Dollar auf unverän=
dert
4,2150 ſtellte. Allerdäings dürften Deviſenabgaben der Reichsbank,
die ſeit Jahresbeginn bekanntlich boreits beträchtlich ſind, wieder not=
wendig
geweſen ſein. Da die Reichsbank ihren Goldvorrat im letzten
Jahre ſehr ſtark aufüllen konnte, geben die erſten Goldabzüge, die in
dieſer Woche ſtattfinden, keinerlei Anlaß zu Bodenken, zumal der Gold=
vorrat
ja nicht eine tote Deckungsreſerve darſtellt, ſondern bei Bedarf
auch zur Ausgleichung der Währungslage herangezogen werden kann.
Falls ſich die Deviſenkurſe in Berlin weiter verſchlechtern ſollten, ſo
muß man jedoch mit der Möglichkeit neuer Abgänge aus dem Golddepot
der Reichsbank rechnen.
Faſt 7½ Milliarden Spareinlagen im Deutſchen Reich. Während
Ende 1928 die Spareinlagen bei den vom Statiſtiſchen Reichsamt er=
faßten
Sparkaſſen des Deutſchen Reiches mit 6,989 Milliarden RM.
die 7=Milliarden=Grenze noch nicht ganz erreicht hatten, ergibt ſich in=
folge
der Rekordhöhe der Einzahlungen im Monat Januar, die 879
Millionen erreichte (gegenüber 621 Millionen RM. im Dezember), nach
Abzug der Auszahlungen von 454 Millionen RM. am Ende des Be=
richtsmonats
ein Geſamtſpareinlagenbeſtand von 7414 Millionen
RM. Dabei iſt allerdings zu berückſichtigen, daß ſich unter den Ein=
zahlungen
116 Millionen RM. Zinſenzuſchlag befinden. Im Scheck=,
Giro=, Kontokorrent= und Depoſitenverkehr iſt der Einlagenbeſtand von
1375 Millionen RM. Ende Dezember auf 1433 Millionen RM. ge=
ſtiegen
.
Die Lage der Kleineiſeninduſtrie im Februar. In der Eiſen= und
Stahlwareninduſtrie des Solinger Beziuks iſt im Februar im Vergleich
zum Januar eine weſentliche Verſchlechterung der Lage eingetreten.
Namentlich gilt dies für die Schneidwareninduſtrie. In zahlreichen
Firmen hat die Beſchäftigung ſo ſtark nachgelaſſen, daß nicht nur die
Arbeitszeit verkürzt werden mußte, ſondern darüber hinaus auch Ent=
laſſungen
unvermeidlich waren. Im Inlande war der Abſatz beſonders
ſchlecht. Die große Kälte der vergangenen Wochen hat zweifellos dazu
beigetragen, das geſchäftliche Leben im neuen Jahre nicht rege werden
zu laſſen. Die Preiſe ſind weiter geſunken. In der Waffeninduſtrie
geben die vos einigen Monaten erteilten Aufträge zurzeit noch genügend
Beſchäftigung. Aber auch hier iſt das reguläre Geſchäft im In= und
Auslande an ſich ſehr gering. In der Schirmgeſtellinduſtrie iſt die
Lage weiter außerordentlich ungünſtig. Die trockene Witterung hat zu
einem vollſtändigen Verſiegen der Aufträge geführt. Die Beſchäfti=
gung
in der Fahrradteilinduſtrie, von der in den letzten Wochen eine
gewiſſe Beſſerung berichtet werden konnte, hat durch den anhaltenden
ſtrengen Froſt einen ſtarken Rückſchlag erlitten.
Unbefriedigende Lage am Röhrenmarkt. Das Röhrengeſchäft zeigte
im Februar 1929 auf dem Inlandmarkt ein weiterhin unbefriedigendes
Bild. Infolge des ſtrengen Floſtwetters, das jede Bautätigkeit ver=
hinderte
, ließ der Auftragseingang ſowohl in Gas= und Siederöhren
wie auch in Muffenköhren weiter nach, ebenſo blieb das Geſchäft in
Qualitätsröhren durch die fortdauernde Zurückhaltung der deurſchen
Reichsbahn lei Vergebung von Lokomotivrohr=Aufträgen ruhig. Auf
den Kontinent= und Ueberſeemärkten hat ſich die Lage wenig geändert,
abgeſehen von einer leichten Belebung des Gasrohrgeſchäfts machte ſich
auch hier ein geringer Rückgang des Auftragseinganges gegenüber dem
Vormonat bemerkbar.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 24. Februar bis 2. März im Ruhrgebiet in
6 Arbeitstagen 2390000 To. Hohle gefördert gegenüber 2350 811 To.
in der vorhergehenben Woche bei ebenfalls 6 Arbeitstagen. Die Koks=
erzeugung
ſtellte ſich in den 7 Tagen der Berichtswoche auf 641 225 To.
gegen 595 319 To, in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung
auf 93 833 To. gegen 90 149 To. in 6 Arbeitstagen.
Gründung einer deutſch=holländiſchen Hypothekenbank. Wie aus
Amſterdam gemeldet wird, wurde mit einem Kapital von 1 Mill. Hfl.
in Amſterdam die N. V. Holland=Deutſchland Hypotheek=Bank gegrün=
det
. Von dem Kapital, das in 1000 Anteile zu je 1000 Hfl. geſtückelt
iſt, ſind 200 Aktien bereits feſt untergebracht. Gründer des Unter=
nehmens
ſind D. C. Endt, H. G. Schadd, A. Hehbroek, N. de Bruine,
Ploos van Amſtel und G. Kramer. Zweck des Unternehmens iſt, in
Deutſchland und Holland gegen erſte Hypotheken Geld auf bewegliche
Güiter auszuleihen, und zwar zu einem Maximum von 75 Prozent des
Geſamtwertes der Unterpfänder gegen Ausgabe von Pfandbriefen.
Buderus’ſche Eiſenwerke A.=G., Wetzlar. Die Bilanzſitzung iſt zum
14. ds. Mts. angeſetzt. Das Geſchäftsjahr 1928 ſei im weſentlichen
wieder befriedigend verlaufen und es iſt vorausſichtlich mit einer Divi=
dende
von unverändert 5 Prozent zu rechnen. Börſenerwartungen
einer Dividende von 6 Prozent dürften irrig ſein. Die naheſtehende

Maſchinenfabrik Breuer A.=G. in Höchſt bleibt bekanntlich wieder
dividendenlos.

Gebrüder Roeder A.=G. Die am 9. März ſtattgehabte 10. ordent
liche General=Verſammlung unſerer Geſellſchaft hat die vom Vorſtand
und Aufſichtsrat vorgeſchlagene Bilanz mit Gewinn= und Verluſtrech=
nung
für das Jahr 1928 genehmigt. Danach beträgt der für das 10. Ge=
ſchäftsjahr
nach Abzug der ſämtlichen Unkoſten und der ordentlichen
Abſchreibungen verbleibende Reingewinn von 250 353,79 Mark zuzüglich
Vortrag aus 1927: 43 524,15 Mark,, zuſammen 293 877,94 Mark, deſſen
Verteilung wie folgt vorgeſchlagen wurde: Werkerneuerungsrücklage
30 000 Mark, 7 Prozent Dividende von 5000 Mark Vorzugsaktien
350 Mark, 4 Prozent Dividende von 1800 000 Mark Stammaktien
72 000 Mark, 6 Prozent Ueberdividende von 1 800 00 Mark Stammaktien
108 000 Mark, Ruhegehaltsrücklage 22 500 Mark, Vortrag für neue
Rechnung 61 027,94 Mark, zuſammen 293 877,94 Mark Von den ſatzungs=
gemäß
aus dem AR. ausſcheidenden Mitgliedern wurde Herr Gene=
raldirektor
Kommerzienrat Adolf Haeffner und Herr Ludwig Roeder
wiedergewählt. Die auf die Stammaktien entfallende Dividende von
10 Prozent kann alsbald gegen Einlieferung der Gewinnanteilſcheine
Nr. 1 bei der Deutſchen Bank, Filiale Darmſtadt, der Deutſchen Bank,
Filiale Frankfurt, ſowie der Geſellſchaftskaſſe erhoben werden.
Mitteldeutſche Metallwarenfabrik A. G., Offenbach a. M. Die G.V.
genehmigte den Verluſtabſchluß für 1928 mit rund 58 006 RM., der ſich
durch Verluſtvertrag aus 1927 auf über 70 000 RM. erhöhte, ſo daß
Mitteilung gemaiht wurde, daß über die Hälfte des A.K. von 140 000
Reichsmark verloren iſt Die Geſellſchaft hat Vergleichsverfahren bean=
tragt
und erſtrebt den Vergleich auf der Grundlage von 4 Prozent.
Der Aufſichtsrat der Bleiſtiftfabrik vorm. Johann Faber A. G.,
Nürnberg, beſchloß in ſeiner Sitzung, der auf den 8. April einzubern=
fenden
o. G.V. die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent auf 26 000
Reichsmark Vorzugsaktien, von 10 Prozent auſ 2 Mill. RM. alte
Stammaktien und von 2½ Prozent auf die ab 1. Oktober 1928 dividen=
denberechtigten
2 Mill. RMN. neuen Stammaktien vorzuſchlagen und
344 405 RM. auf neue Rechnung vorzutragen.
Ermöglichung einer Produktionsſteigerung in Oſtoberſchleſien?
Dieſer Tage fand eine Sitzung der Kommiſſion für Konjunkturforſchung,
die von Warſchau nach Oſtoberſchleſien geſchickt worden war, mit den
Arbeitgebern der oſtoberſchleſiſchen Grubeninduſtrie ſtatt. Die Arbeit=
geber
hatten in Warſchau erklärt, daß bei der gegenwärtigen Wirt=
ſchaft
und ihren Gewinnen keine Möglichkeit beſtehe, Rücklagen zu
machen, um die Betriebe zu mechaniſieren und zu moderniſieren. Eine
Produktionsſteigerung ſei demnach für die Zukunft ausgeſchloſſen. Da
nun aber de: Staat an einer Produktionsſteigerung intereſſiert iſt, will
die Regierung alles tun, um dieſe Steigerung zu ermöglichen. Eine
Spezialkommiſſion ſoll die Angaben der Arbeitgeber an Ort und Stelle
prüfen. Die Unterſuchungen fanden zu gleicher Zeit auf der Giesſche
Grube, der Kleophas=Grube und der Oheim=Grube ſtatt.
20 Milliarden RM. Lagervorräte in Deutſchland! Das Inſtitut

für Konjunkturforſchung ſtellt den intereſſanten Verſuch an, die Lager=
vorräte
in Deutſchland zu ſchätzen. Es geht dabei von der Höhe der

Ausdehnung der Schöfferhof-Vinding-Bürgerbräu A.G., Frank=
furt
a. M. Die Geſellſchaft, die bereits in aſſel die Schöfferhof=
Brauerei ſeit Jahren beſitzt, hat nach unſeren Informationen in Heſſen=
Naſſau nunmehr auch an der Zimmermannſchen Brauerei ( Schwager=
bräu
) in Limburg, die ein Kontingent von etwas über 10 000 Hektoliter
verfügt. Intereſſe genommen. Der Kaufpreis beträgt einige 100 000
Reichsmark. Beſchlüſſe über Fortführung oder evtl. Stillegung dieſer
Brauerei liegen noch nicht vor.
Emag, Elektrizitäts=A. G., Frankfurt a. M. Wie zuverläſſig ver=
kautet
, iſt für das Jahr 1928, das günſtig verlaufen ſei, mit einer Divi=
dendenerhöhuug
von 7 auf 8 Prozent zu rechnen. Bilanzſitzung iſt noch
nicht angeſetzt.

induſtriellen Produktion aus, diei nach dem Stande von 1925 rund
25 Milliarden RM. ausmachte. Die Aktiengeſellſchaften allein wieſen
Ende 1925 Warenbeſtände in Höhe von 4½ Milliarden RM. auf. Nach
dem Verhältnis der Aktiengeſellſchaften zu den übrigen Unternehmungen
ſetzt das Inſtitut für die Geſamtheit der gewerblichen Betriebe die
Warenvorräte mit etwa 8 bis 10 Milliarden RM. an. Demnach käme
die Lagerhaltung der induſtriellen Wertſchöpfung von 4 bis 5 Monaten
gleich. Zu den Vorräten der induſtriellen Betriebe treten die des
Einzelhandels, die für Eride 1925 mit rund 6,1 Milliarden RM. errech=
net
werden konnten (nach beſonderen Unterſuchungen, die ſpäter ver=
öffentlicht
werden). Die Vorräte in der Hand des Großhandels werden
ganz roh mit 3 bis 4 Milliarden RM. veranſchlagt. Die Geſamtheit
der Lagerhaltung von Induſtrie und Handel würde Ende 1925 alſo
nicht ſehr viel weniger als 20 Milliarden RM. ausmachen. Wenn es
gelänge, die induſtrielle Vorratshaltung auch nur um 10 v. H. zu ver=
mindern
, ſo würden demnach Milliardenbeträge an Kapital frei. Aller=
dings
ſind der Vorratsminderung beſtimmte Grenzen gezogen, die man
leicht erkennt, wenn man ſich den volkswirtſchaftlichen Zweck der Lager=
haltung
vergegenwärtigt.
Oeſterreichiſche Verkehrswerbung auf deutſchen Meſſen. Das Bun=
desminiſterium
für Handel und Verkehr hat in den letzten Jahren,
unterſtützt vom öſterreichiſchen Generalkonſul Wildler in Köln, eine be=
ſonders
lebhafte Werbung im Rheinland und Weſtfalem für Oeſterreich
als Reiſeziel entfaltet. In Fortſetzung dieſer Beſtrebungen hat das
Bundesminiſterium, einer Einladung der Kölner Meſſe folgend, für eine
wirkungsvolle Vertretung des öſterreichiſem Fremdenverkehrs auf der
Frühjahrsmeſſe in Köln vom 17. bis 19. März Sorge getragen. Nach
Abſchluß der Kölner Meſſe wird die Koje nach Frankfurt a. M. ge=
bracht
werden, wo ſie auf der Frühjahrsmeſſe zur Schauſtellung gelangt.
Schweizeriſche Eiſenbahnbank, Baſel. Der Verwaltungsrat bringt
bei einem um 229 000 Frs. auf 1,1 Mill. Frs. erhöhten Reingewinn eine
Dividende von 7 (i. V. 6) Prozent auf 12,215 Mill. Frs. Aktienkapital
zur Verteilung. Das Grundkapital ſoll zu=ächſt auf 15 und ſpäter auf
30 Mill. Frs erhöht werden.
Rumäniſche Anleihen. Das rumäniſche Finanzminiſterium hat
Liſten derjenigen Stücke der rumäniſchen Renten herausgegeben, die
als in Lei zahlbare Datoria Publica=Stücke zu betrachten ſind. Ein
Teil der in dieſen Liſten verzeichneten Nummern iſt nicht mit der
Stempel Datoria Publien verſehen und ſomit äußerlich nicht als in
Lei zahlbar abgeſtempelt und erkennbar. Die in den Liſten verzeich=
neten
Stücke ſind an der Frankfurter Börſe nicht lieferbar.
Aktionärverfammlung der Standard Oil Company. In der geſt=
rigem
Aktionärverſammlung der Stamdard Oil Company in Indiana
fiel die mit großer Spannung erwartete Entſcheidung in dem Kampfe,
der von der Nockefellevgruppe gegen den Vorſitzenden des Direktoren=
rates
, Colonel Robert Stewart, um die Kontrolle dieſer größten Petro=
eumgeſellſchaft
in den Vereinigten Staaten geführt wurde. Der Kampf
endete mit einem großen Siege der Rockefellergruppe. Auf Vorſchlag
John D. Rockefeller jun. wurde E. Seubert, der Präſident der Geſell=
ſchaft
, wiedergewählt. Gleichzeitig wurden die hauptſächlichſten Verwal=
tungspoſten
mit den von der Rockefellergruppe unterſtütztem Kandidaten
beſetzt und der Poſten des Vorſitzenden des Direktorenrates abgeſchafft.

Frankfurt a..I
Da zum Wochenſchluß Kundenorders wieder faſt
blieben, konnte ſich kaum nennenswertes Geſchäft au
Grundton der Börſe war jedoch ziemlich freundlich,
ſtimmungen der geſtrigen New Yorker Börſe, hervorg.
etwas günſtigeren Geldmarktverhältniſſe am dortige
vorteilhaften Eindruck hinterließ. Auch das weitere
Spareinlagen im Reich wurde mit Befriedigung auff.
Spekulation verhielt ſich aber trotzdem ſehr reſerviertt
kreiſen den Reparationsverhandlungen wieder mehr B
gegengebracht wurde. Die Grundſtimmung blieb g i
freundlich. Gegenüber der geſtrigen Abendbörſe bli.
zumeiſt behauptet, teilweiſe waren auch kleinere Erhé,
zeichnen. So waren am Elektromarkt Chadeaktien
etwas lebhafter verlangt. Auch von Kaliwerten konmm
2½ Prozent gewinnen. A. E.G. und Siemens bliebee
Umſätzen unverändert. J. G. Farben knapp behaupti
eröffneten eine Kleinigkeit höher. Zellſtoffwerte ,
1 Prozent anziehen. Autowerte uneinheitlich, doch T7
änderungen nach beiden Seiten ganz gering. Deutſck
plus 2 Prozent etwas gefragter. Von Montanaktis
weiter etwas abbröckelnd. Sonſt waren nennenswern
Veränderungen nicht zu verzeichnen. Renten ſtill und
Im Verlaufe drückte die Geſchäftsſtille und die
eine Abſchwächung. Siemens verloren bei größerem
zent. J. G. Farben büßten 2 Prozent, Schuckert X.
A. E. G. 1½ Prozent ein. Auch die übrigen Werte
Kursdruck. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6½
etwas leichter. Am Deviſenmarkt erfuhr Spanien
erneute Abſchwächung. Sonſt nannte man Mark gegen

gegen Pfunde 20.44¾. London=Kabel 4.8507½, Paris /

92.67, Holland 12.11¼.

Bezi

Die Börſe bot bei Eröffnung am heutigen Woche/
ſtilles Bild bei nicht einheitlicher Haltung. Nach Feſtſi
Kurſe neigte die Tendenz weiter zur Schwäche, da 2
Orders fehlten. Im weiteren Verlauf der Börſe er::
denz infolge des anhaltenden Ordermangels. Später :
vom Farbenmarkt, an dem ein größerer Verkauf ſeit.
bank den Kurs um 2 Prozent zurückgehen ließ, eine mat
Abſchwächung ein, die jedoch über 1 Prozent kaum Hiſ.
matte Tendenz hielt bis zum offiziellen Schluß an. N.=
Umſätze nicht mehr zuſtande. Auf Deckungen waren u=
geringfügig
gebeſſert. Die Tendenz blieb aber ſchwen.
Reichsbank 305, Danatbank 278, Hapag 127, Farberz Mlin eines Motorrat
165½, Schade 453, Siemens 371½72, Deſſauer Ge

Mo

Linoleum 328, Salzdetfurth 304, Glanzſtoff ſehr ſchwr
54, Neubeſitz 12,7.

Eie meine neuen

8. 3. 9 3. Hirſch Anpfer . C5.50 Höſch Eiſen". 56.75 58. Hohenlohe Werke. 204. 1202. Kahla Porzellan 66.75 67. Kali Aſchersleben 231.25 j230.25 Salzdetfurth‟ Weſteregeln" 213. (212.75 Lindes Eismaſch. 278.25 (278.25 L. Loewe FCo. 71: 171. Lingel Schuh . 163.75 163.75 Mannesmann Röhre 169.5 168.75 Niederlauſitzer Kohl 50.2 Nordd. Lloyd

A. E. G. . . . . . 1167. 185:
Augsb.=Nürnb. Maſch
Baſalt . ..
Beramann.
Berl. Karlsruhe
Berl. Hand.=Geſ
Braunkohl. Briketts/ 1641/, 1164
Bremer=Wolle
Danatbank.
Deutſche Bank
Diskontogeſ.
Dresdner Bank".
Deutſche Maſchinen I 51.
121.5 120.75 Orenſtein ..
Deutſche Erdöl.
Polyphon ..
Deutſche Betroleun
Tynamtt Nohel
114.75 1113.25 Rütgersnierke
Elektr. Lieferung /161.5 1161. Sachſenwerke
J. G. Färben
2a7.75 ſe45.5 Siemens Glas.
Gelſenk. Berg.
1297
128.25 Ver. Glanzſtoff
Geſ. f. elektr. Untern / 229.75 1227.5 Ver. Stahlwerke
Han. Maſch.=Egeſt.
47. 47 Bolkſtedter Porzellank
Hanſa Dampfſch.
168. (168.75 Wanderer Werke=
Kapag .."
128. 1127. Wiſſner Metall:
Harpener
Wittener Gußſtahl
139.75
272.
Hemoor Zement
*) Die 3 Kaliwerte verſtehen ſich exkl. Bezugsrecht.

lotorräd

Deviſenmarkk.

Gelt Brie Geld Brie Geld Helſingfors. 10.591 10.61 10.591/1e.611 Italien ... 22.04 Wien.... 59.17 9.29 59.165/59.285 Paris ....." 16.44 Prag.." 12.448112 468 2.469/ 12.489 Schweiz ..." 80.98 Budapeſt. 73.38 3.52 73 38 73.52 Spanien ..." 62.04 Sofia .. 3.04 3.008 3.0 3.0 Danzig .... 21.65 Collans.. 168.62/168.961168.63/158 97 Japan. . . . . aigl Cslo ......" 112 24/112.4 1 12.24/112.46 Rio de Janeiro 0.4995.:5 Koxenhagen.. 112.21/1 12.4. 12.20 112 42 Jugollawien". 7.3200 Steckholm ... 112.42/112 6 12.41112.63 Portugal. .. 18.71 London ...." 20.427 20.46 20.427 20.467 Athen ..... 5.44 Buenos Aires 1.770 1.77 1.769 1.773 Konſtantinpel 2.07wI Ncw York ..." 4. 2110/4.219 4. 2110 4.2190 Kanada ... 4.166 Belgien ..... 58.43 58.55 158.44 158.56 Uruguay .. 4.201I0

Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 6. März III
Stichtag des 6. März berechnete Großhandelsindexziffer.
Reichsamts iſt mit 140,1 (139,6) gegenüber der Vorwocn
geſtiegen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziſſern
um 1,1 v. H. auf 135,6 (134,1) angezogen. Die Indexziſt
ſvaren iſt um 0,3 v. H. auf 125,4 (125,8) zurückgegang E=
ziffer
für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren hat IT
leicht angezogen, während diejemige für induſtrielle is
158,0 (158,1) leicht nachgegeben hat.

Frankfurter Kursbericht vom 9. März 1929.

2o Dtſche. Reichs=
anl
. v. 27.
(% Baden Frei=
ſtaat
v. 27
6% Bahern Frei=
ſtaat
v. 27
2% Heſſen Volks=
ſtaat
v. 28.
6% Preuß. Staats=
anl
. v. 28.
69 Sachſen Frei=
ſtaat
v. 27..
7% Thüringer Frei=
ſtaat
v. 27..

Dtſche. Anl. Aluslo=
ſungsſch
. + 1
Ablöſungsanl.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.
+
Otſche. Schutzge=
bietsaftleihe
. ..

82 Bc.d.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24..
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
Frkf. a. M. v. 26
82 Mainz v. 26..
8 Mannh. v. 26
82 Nürberg 26

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöf.-Anl.
+* Ausl. Ser.
* Ser. II

8% Ber .Hyp.=Bf.
8% Frkf. Hyv.Bk.
4½%. Lia. Pfbr.
8%
PfbrBk.
4½Fr- Lig. Pfbr.

87

77.25
79.4

90

84.25

53.85

Ac

93

93.5
91.5
86.9

93.5

52.5
K4

97.5
98
79
98
80.95

82 Heſſ. Landesbk.
s% Heſſ.2d8. Hp.
Bk.=Ligid. Pfbr.
8% Kom. Landes=
bank
Darmſtadt
8% Mein. Hyp.B
4½% Lig. Pfb.
8% Pfälz. Hyp. Bk.
8% Preuß. Ztr.=
Stadt ſchaft. .
8O Rhein.Hyp.=B
4½% Lig. Pfbl
8 Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Cred
Südd. Bob.,
Cred.=Ban1 ..
8% Württ. Hyp.=B.

6% Daimler Benz
von 27......."
% Klöckner=Werke
Berlin v. 26.
%o Mainkrw.v. 26.
7% Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26..
8% VoigtckHäffner
von 26 ..."

J. G. Farben Bondd
v. 28......

5% Bosn. L. E. B.,
v. 1914 ........"
4:/.%0 Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914 ..
4% Oſt. Goldrente
4:/.%0 Rum. Gold
von 1913 .... .."
4% Türk. Admin. .
490
1. Badgab
Zollanl.
41.8 Ungarn 1913

97.25
Rr4

75,

93.9
84.5
98
77.6
94.75

97n5
81.5

97.25

98.5
95

,% Ungarn 1914
4%
Goldr..

Aktien.

n3.7

25

82

93

Allg. Dt. Creditanſt.
Bk. f. Brauinduſtr
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ...!
Eff.-u. Wechſel=
bank
. . . . . . ...
Vereinsbank .
Diskonto=Geſellich
Dresdener Bank ..
Frankf. Bank... . .
Hyp.=Bk. .
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundtr. B./142
Mein. Hyp.=Bank.
Mitteld. Creditbk.
Oſt. Creditanſtalt. .
Pfälz. Hyp.=Ban1,
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbr.
Hyp.=Bank...
Südd. Bod.=Cr. Bk
Wiener Banwerein

36

38.25

A.=G. . Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ..
7% Dt. Reichsbahn
Vorzge. ......
Hapag ........."
Nordd. Lloyd ...."
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

Accum. Berlin. . . .
Adlerw. (v. Kleyer)
6% AEG. Vorzug
57

AEG. Stamm. . . .
Baſt Nürnberg ...!
Bergm. El Werke
BrovnBroverickCie
Brüning & Sohn..
139.25 Buderus Eiſen ..
167 Eemen: Heidelberg
Karlſtadt
195.25 Chem. WerleAlbert.
218 Chade ........."
1.25 Daimler=Benz...
124.75 Dt. Atl.=Telegr.. .
Eiſenh. Berlin.
Erdöl
Gold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt.
151.25 0 - Linoleumwerk.
57.5 Eichbaum, Brauer.)30)
Elektr. Lich u. Kraft
Liefer.=Geſ.
184.5 Eſchw. Bergwer!
34 4 IEttlinger Spinnerel/225
161.5 3. G. Farbenindſtr. /245.5
Feinmech. (Jetter
124.75 Felt. & Guill
209 Frkft. Gae
Hof
14.5 Geiling &
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127
Grün & Bülfinger.
124.75
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Harpener Bergbaul.
Henninger, Kempf.
55.75 Hilpert Armaturfb.

Hindrichs=Aufferm. 103

Hirſch Kupfer .... 1138

102
163.75
169.25
116
1a2.5
Nürnb. Vereinsbr./180 Eßlinger Maſchinen
304
139

169
330
207.5
161.5

166.5
14

148.5
112

137
173
78
454
55.5
131

121

42

88
38.5
83.5
52

230
88.5
96
173
132

139.5
170

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Salzdetfurth.
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1103.5
123
91.75
214
132.75
72.2-
210

214
228
225.5
88
104.5
93

Rütge
Siem. C
Siemen 7-
Strohſt
Südd.

Ee
Tellue E

Thür.

Tucher *.
unterſe.
r.BeZ

246
121
1:0.25
94
187
40.5

Peters Union Fr.:
Phönir Bergbau.

Reiniger. Gebb...
Rh Braunkohlen".
Elektr. Stamm
Stahlwverke ..
Riebeck Montan. . .
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[ ][  ][ ]

Produkkenberichke.
zuktenbörſe e. V. Großhandelseinſtandspreiſe per
ſis z am Freitag, den 8. März: Weizen 24.50, Roggen
4augerſte 24.5024.75, Futtergerſte 20.5021, ſüdd.
l 0) 34, Roggenmehl 01 31.50, feine Weizenkleie
zrnkleie 15.5015.75, Roggenkleie 16, Weizenfutter=
Xais 25, Malzkeime mit Sack 19.50, Biertreber 22.50,
ſ:24,75, Kokoskuchen 23.2526, Palmkuchen 22.75
Shin 21.2521.50, Kleeheu, loſe 1314, geb. 13.5014,
MB.25, Maſchinenſtroh 55.50, Drahtpreßſtroh 5.25
Gcconen 9396. Tendenz: behauptet.
DEtenbericht vom 9. März. Am Produktenmarkt
wmPchenſchluß eine leichte Abſchſvähung geltend, deren
wiiden ſchwächeren Meldungen von Ueberſee, als viel=
une
Wetter zu ſu hſen iſt. Das inländiſche Angebot
m9ggen iſt forrlaufend recht gering, auf geſtrigem
derungen der Verkäufer waren nicht durdzuſetzen.
7k. nicdrigeren Preiſen fand jedoch das herauskom=
ie
den Mühlen und zu Reportagezwecken Unterkunft.
süüte in Weizen kommen gegenwärtig infolge der Kon=
141rzizen nicht zuſtande, man hört bisher verſchiedentlich
1ü4 es Auslandes, und zwar namentlich Italiens und=
mei
erungsmarkt ergaben ſich bei Weizen Preisabſchläge
für Märzroggen kam eine Eröffnungsnoüiz nicht

Sonntag, den 10. März 1929

Eeite 15

ſſe n Sichten ſetztert 1 bis ½ Mk. niedriger ein. In
unſä-lte ſich in den geſtrigen Nachmittagsſtunden auf
704reisbaſis noch einiges Geſchäft für ſpätere Liefe=
ifänkten
ſih die Umſätze in beiden Mehlarten wieder
3Zufe. Hafer liegt bei kleinem Geſchäft weiter ſtetig.

Viehmärkke.

Frühjahrsmarkt verlegt. Die Stadtverordneten=
lge
der diesjährigen ungünſtigen Witterung den
. den letzten Montag im April zu verlegen. Nach
iſan ats kommt zwar ein Pferdemarkt nicht mehr in
ſon irtſchaftlichen Arbeiten ſchon zu weit vorgeſchritten
Hlbe die Geſchäftswelt aus dem Markt einigen
ues=Schweinemarkt vom 9. März. Zugeführt wurden
ukuuft 204 Stück, und zwar Milchſchweine das Stück

Mittund Läufer das Stück von 3550 Mark.
Atzikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 9. März. (Priv.=Tel.)
volls Dr Baumſollmarkt verkehrte am Wochenſchluß in
ſtetitge fmltung. Die ſüdlichen Häuſer ſahen ſich durch die
Mäſkygen aus Liverpool zu Abgaben veranlaßt, doch er=
er
enimfrhelung, da der Handel neue Käufe durchführte und
Mauſorders einliefen, wofür in erſter Linie das un=
Bet und die günſtige Verkehrsſtatiſtik für den verfloſſenen

Monat maßgebend waren. Nach Mitteilung des Verbandes der Neſv
Yorker Baumwollhändler betrug die Proviſion von Stardardbaumwoll=
geweben
im Monat Februar 292 870 000 Yards, während der Abſatz
mit 340 710000 Yards angegeben wird. Die Beſtände Ende Februar
beliefen ſich auf 372950 000 Yards. Der Auftragsbeſtand wird für
Ende Februar mit 472 180 000 Yards angegeben,
Zucker: Am Zuckermarkt gingen die Preiſe zurück, da infolge des
geſteigerten Angebots von Lokoware die kubaniſchen Firmen zu Ab=
gaben
ſchritten und die Spekulation Liqundationen vorahm.
* Chicago, 9. März. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Weizenmarkt eröffnete mit etwas höheren Preiſen,
da aus dem Anbaugebiet Froſt gemelder wird und die höheren Mel=
dungen
aus Liverpool günſtigen Eindruck hinterließen. Der geſtrige
Bericht über die Vorräte der Landwirte iſt offenſichtlich bereits in der
Kursgeſtaltung zum Ausdruck gekommen. Zeitweiſe kam es zu einem
leichten Rückgang, doch wurde die Stimmung bald erneut feſt, ſo daß
eine ziemlich erhebliche Sreigerung der Preiſe feſtzuſtellen iſt.
Mais: Am Maismarkt war die Stimmung ebenfalls überwiegend
feſt, da die Anſicht Ueberhand gewonnen hat, daß die Beſtände in Hän=
den
der Landſwirte nur wenig größer ſeien als im verfloſſenen Jahre,
Roggen: Am Roggenmarkt führten die Lokoſirmen zu Beginn
einige Abgaben per Mai durch. Ein weiteres Moment für die anfäng=
liche
Schwäche war die Ankündigung einer Erwärmung für die Mitte
des Anbaugebietes. Sodann kam es zu einer ſtarken Aufwärtsbewe=
gung
, da öſtliche Intereſſenten lebhafte Nachfrage per Juli und Mai
bekundeten und erneut Befürhtungen aufgetreten ſind, daß die Ernte
durch die Kälte im Süidweſten Schaden genommen habe.
Hafer: Auch der Hafermarkt verkehrte in überwiegend feſter Hal=
tung
, da ſieh beſſere Noclfrage für Lokoware bemerkbar machte und der
geſtrige Bericht übe: die Beſtinde in Händen der Landwirte von ver=
ſchiedenen
Seiten als hauſſegünſtig angeſehen wird. Auch die mäßigen
Zufuhren boten Anregung.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 9. März:
Getreide. Weizen: März 123½, Mai 128½, Juli 131½;
Mais: März 97½, Mai 100½, Juli 103½; Hafer: März 47½,
Mai 50, Juli 49½; Roggen: März 111, Mai 11238, Juli 11234.
Schmalz: März 12,25, Mai 12,60 Juli 12,97½, Sept. 13,27½.
Fleiſch. Rippen: Mai 13,80, Juli 14,27; leichte Schweine
10,6511,35, ſchwere Schweine 10,9011,35; Schweinezufuhren:
Chicago 9000, im Weſten 40 000.
Baumwolle: März 20,53, Mai 20,85.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am9. März:
Getreide. Weizen: Rotwinter 156½, Hartwinter 139½;
Mais, neu angek. Ernte 112¾; Mehl, ſpring wheat clears 5,65
bis 6,00; Fracht: nach England 1,6 bis 1,9 Schilling, nach dem
Kontinent 11 bis 12 Cents.
Talg, extra, loſe 9½.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 78: Loko: 10¾4:
März 10,66, April 10,78, Mai 10,96, Juni 11,09, Juli 11,26,
Auguſt 11,40, September 11,55, Oktober 11,59, Dezember 11,46.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Zum 31. ds. Mts. iſt von der Arbeitnehmerſeite ſowohl der
Reichsmantel= wie der Lohntarif in der deutſchen Zigarreninduſtrie
gekündigt worden. Es wird eine Lohnerhöhung von 12½ Prozent ge=
fordert
. Die vorjährige Lohnbewegung, die bekanntlich mit Arbeits=
kämpfen
(Ausſperrung und Streik) verbunden war, hatte eine Lohn=
erhöhung
gebracht.
Die Wirtſchaftsſage in der Pirmaſenſer Schuhinduſtrie hat ſich in
dieſer Woche wieder verſchlechtert. Einige Fabriken waren gezwungen,
ſihre Arbeitszeit wieder zu reduzieren und auch Entlaſſungen vorzu=
nehmen
. Der Auftragseingang hat gegenüber der Vorwoche merklich
nakgelaſſen.
Die freien Verhandlungen zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitneh=
mern
über die Neufeſtſetzung der Minimaltarife und das Mehrarbeits=
abkommen
im oberſchleſiſchen Bergbau ſind geſcheitert. Es wird daher
der Schlichter angerufen werden.
Nach Angaben des Roheiſenverbandes, Eſſen, bewegte ſich in der
letzten Zeit das Roheiſen=Inlandsgeſchäft in ruhigen Bahnen. Die
Gießereien und Maſchinenfabriken waren ſchwach beſchäftigt und dem=
entſprechend
erfolgten die Abrufe ſchleppend.
Meldungen, daß ein ähnlicher Fabrikationsabgrenzungsvertrag,
wie er zwiſchen Hirſch Kupfer und A. E. G. beſteht, auch zwiſchen Hirſch
Kupfer und Siemens u. Halske vorbereitet werde, werden von zuſtän=
diger
Seite dementiert.
Die Firmen Holtorp u. Co. und Eſpana Badega Comp. G. m.
b. H., Frankfurt a. M., erſtreben einen außergerichtlichen Vergleich.
Den Geſamtverpflichtungen von 500 000 RM. ſtehen etwa 250 000 RM.
Aktiven gegenüber, die ſich jedoch noch nach Befriedigung der bevor=
rechtigten
Gläubiger für die nicht bevorrechtigten auf etwa 100 000 RM.
ermäßigen.
Nach Informationen finden die Bilanzſitzungen des Salzdetfurth=
konzerns
(Salzdetfurth, Weſteregeln, Aſchersleben) am 19. ds. Mts.
ſtatt. Es iſt vorausſichtlich mit den Dividenden in Vorjahrshöhe zu
rechnen.
Das Lohnabkommen für die Kleiderfabriken von München= Glad=
bach
, Reydt und Umgegend iſt von den Gewerkſchaften zum 32. März
gekündigt worden. Sie haben neue Lohnforderungen eingereicht. Für
die einzelnen Akkordlohnſätze werden Erhöhungen von 5 bis 13 Pro=
zent
beantragr.
Wie aus Luxemburg gemeldet wird, werden an der neu zu er=
öffnenden
luxemburgiſchen Börſe u. a. folgende deutſche Wertpapiere
eingeführt werden: Commerz= und Privatbank, Eſchweiler Zergwerks=
verein
, Felten u. Guilleaume Carlswerk, Gelſenkirchener Bergweuks=
verein
, Gesfürel, Ludwig Loewe, Leonhard Tietz, Thüringer Gas=
geſellſchaft
in Leipzig und Vereinigte Stahlwerke A.=G.
Der ſranzöſiſche Zementtruſt Poliet et Chauſſon bringt für 1928
eine Dſividende von 70 (i. V. 40) Frs. pro Aktie zur Verteilung. Für
Abſchreibungen wurben 9 Mill. Frs. verwendet. Die flüſſigen Mittel
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chenschul
-Abteilung (Abt. B/ Diese Abteilung
isd für diejenisen MAdchen gedacht, die nicht
zum Maturum streben Der Lehrplan ist dem-
ent
-prechend mehr von den Bedurini sen des
praktischen Lebens aus gestaltet. (Mehr Deutsch.
eine Fremdsprache wahl krei, gering re Betonung
der Mathomatik zugunsten des gerl. Rech-
nen
; und der Buchtührung, Kurzschrikt Die
die I. Klasse der Abteilunz B Verlassenden
Schdlerinnon erhalten das Abeangszeugnis
oiner 10 klass. Höh. MAdenenschule das die
Berechtigungen der mittleren Reife" einschliebe.
3. Auswürtigen Schdle innen der Elisa bethenschtle
will das Töchterheim, Stiftstr. 9, dienen, das
KEinder aus allen Schulklassen aufnimmt.
Vorzulegen sind: Geburts- und Imptschein;
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Schulzeugnisse.
Die Leitung der Elisabethenschule:
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Die ſchöne Inſel Madeira.

Kreuzer Berlin von der Welkreiſe zurück.

Aussſitßtürme im Hochſpeſſart.
ffemltg. Der Speſſart mit ſeinen
ſen Wießnden an Eichen= und Buchen=
auch
u Ausſichtsgebirge geſtaltet wer=
dend
breits vorhandenen, hauptſächlich
den Be gelegenen, durch Dürme oder
bevov=ünen Ausſichtshöhen ſollen auch
n unn dn Hochſpeſſart gegen das Main=
m
Geyl durch Turmbauten erſchloſſen
erfür zw in Ausſicht genommen der Bail=
hr
, din ſohanmiskanzel bei Lohrer Straße
üickent tze bei Rechtenbach.
rand zu einer Glasſchleiferei.
R. Zßrder Glasſchleiferei Meyer brach
wbekamrm Urſache ein Brand aus, der in
ügenb a tn das ganze Gebäude mitſamt
ung üſcherte. Der Schaden iſt bedeu=
Afll efeusin Bad Freienwalde.
nwwlle (Oder). Geſtern früh, gegen
rach ift er Schneidemühle von Hanke in
ſie bei ihd Freienwalde ein Feuer aus,
ſamtem ſnf Gebäude des Betriebs völlig
Trox ſes ſofordigen Eingreifens der
Landügrwehren konnten nur noch die
Holzllg gerettet werden. Der Schaden
auf eih 250 000 Mark. Man vermutet
mg.
Schwam aus dem Eiſe befreit.
iemüün e. Das Fährſchiff Schwerin
vormitat von den beiden ruſſiſchen Eis=
Fermalx ind Truwor aus dem Packeis
ſrden uan fährt in ihrer Begleitung nach
de. Eu Fährſchiff Micklenburg, iſt
meilen 10 Warnemünde auf dickes Packeis
und has karnemünde daher noch nicht er=
er Scheſturm in Konſtantinopel.
ſtantiypel. Durch einen heftigen
m wurmn hier zwei Häuſer, ein Wagen=
und zallt che Mauern zum Einſturz ge=
m
einer ingeſtürzten Haus brach Feuer
gen 1.9 Petnen kamen in den Flammen um.
3u ulſcher laupkredner des Inker=
ilenk
Kädketages in Sevilla.

ert, Prächent des Deutſchen Städtetages,
cleitet In prominenten Vertretern des
en Wchls Deutſchlands, am Inter=
n
Stäſt ig in Sevilla (18. bis 22.
Eilnehnne Dr. Mulert hat ein Referat
ie winkzaftliche Betätigung der Ge=
Welhen angekündigt.

Der Schulkreuzer Berlin unſerer Reichsmarine
lief nach einer 15monatigen Weltreiſe in Cuxhaven ein. Die blauen Jungens auf dem kleinen
3650=Tonnen=Kreuzer haben unter der Führung des Kapitäns Kolbe ein großes Stück Welt
geſehen. Sie kamen nach Indien, Japan, den Philippinen und Auſtralien und beſuchten die wich=
tigſten
Mittelmeerhäfen. Sie haben viel Schönes in der Welt geſehen und die Erfahrung gemacht,
daß das Schönſte immer wieder die Heimat iſt.
Der Himmel hängk - voller Flugzeuge.

Karte von Madeira.
Die bekannte portugieſiſche Inſel Madeira wurde
durch eine ſchwere Erdrutſchkataſtrophe heimgeſucht.
Regengüſſe hatten auf dem Nordrand der Inſel
die Felſen unterſpült, die plötzlich nachgaben und
mit den darauf befindlichen Häuſern ins Meer
ſtürzten. Ueber 100 Perſonen fanden dadurch ihren
Tod.

Schwere Exploſionskataſtrophe.
Sauerſtoffexploſion in der Bieberacher Gewerbe=
ſchule
.
Bieberach. Vorgeſtern explodierten in der
Gewerbeſchule bei chemiſchen Verſuchen zwei Sauer=
ſtofflaſchen
. Dabei wurden der Lehrer und 8 Schü=
ler
verletzt, ſo daß ſie ſich in ärztliche Behandlung
begeben mußten.
Keſſelexploſion in einer Oelgrube.
Bukareſt. In der Erdölgrube Moreni der
Geſellſchaft Romana=Americana explodierte ein
Keſſel. Zehn Perſonen wurden dabei getötet und
zwölf verletzt. Der Schaden wird auf 10 Millionen
Lei geſchätzt.
28 000 Kanarienvögel auf der Deutſchland.
Mit dem Hapagdampfer Deutſchland ſind am
8. März 28 000 Kanarienvögel nach New York ab=
gegangen
. Die Tiere ſind ſämtlich in Einzlkäfigen
untergebracht und befinden ſich in entſprechend tem=
perierten
, gegen Zugluft beſonders geſchützten Räu=
men
. Vierzehn Wärter ſind für ihre Pflege beſtellt.
* Bernard Shaw der Dulder.
London. Die, die noch immer nicht gemerkt
haben ſollten, daß Bernard Shaw, der vielgeliebte,
vielgehaßte und vielbewunderte engliſche Dichterfürſt,
in dieſelbe Geſellſchaft verliebt iſt, die er mit oft
blutig=roden Waffen bekämpft, dürften nun endgültig
überführt ſein. Zwei Seelen wohnen, ach, in Ber=
nard
Shaws Spötterbruſt. Vor einigen Tagen er=
ſchien
aus der Feder des Dichters eine ſatiriſche
Skizze, die ſich die allergrößte Mühe gab, die Leib=
ärzte
des Königs Georg ſo lächerlich wie möglich zu
machen. Im Grunde genommen hätte man ſich all=
gemein
gewundert, wenn eine ſolche Skizze nicht
erſchienen wäre. Nicht, daß die brawen Mediziner
Anlaß zu irgendwelchem Spott gegeben hätten; o,
nein, nur ſie ſtanden eben eine Zeitlang im Mit=
telpunkt
des öffentlichen Intereſſes und mußten die=
ſerhalb
zum unglücklichen Obfekt Shaws Schaffens
werden. Das geſchah alles, als noch der reſpektloſe,
kalte Winter vom böſen Kontimmt, ungeachtet des
trenmmden Kanals nach den lieblichen Fluren Alt=
englands
gezogen war und dort eine froſtige, aber
deſto geſündere und, was die Hauptſache iſt, nebel=
freie
Atmoſphäre ſchuf. Inzwiſchen hat jedoch der
Golfſtrom den rauhen Geſellen vertrieben, und die
Grippe iſt wieder da, noch reſpektloſer als der Froſt,
denn ſie wagte ſich ſelbſt an den großen Bernard
heran, packte ihn, und zwar tüchtig. So mußte er die
Feder des Spottes auf den Schreibtiſch und ſich ſelbſt
ins Bett legen. Nicht einmal dagegen konnte er ſich
wehren, daß man die Aerzte holte Aeskulap=
jüngern
war Show niewals ſonderlich grün ge=
weſen
, die ſich jetzt redlich um den Kranken be=
wühen
Und Jronie gegen Jronie es ſind die=
ſelben
Aerzte, die er in dem biſſigen Pamphlet
Tima and Tide in Grund und Boden verhöhnt
hatte. Aber, er läßt ſich die Pflege durch ſeine
Feinde, die in Wirklichkeit ſeine Opfer ſind, gerne
gefallen. Armer Bernard Shaw!
Eine amerikaniſche Aerzkin in Berlin
der fahrläſſigen Tökung beſchuldigk.

Ein amerikaniſches Luftgeſchwader in Schlachtlinie
flog bei einem Manöver über San Franzisko. Ziel des Kampfes war die Zerſtörung der Stadt
San Franzisko. Tatſachlich iſt den Fliegern der Beweis gelungen, daß keine Stadt vor einem
Fluggeſchwaderangriff geſchützt werden kann.

Waſſereinbruch in eine Braunkohlengrube.
Afchersleben. Infolge der Schneeſchmelze
gelangten große Waſſermengen durch den Haſſelbach=
graben
in den Abbauraum der Konſolidierten
Braunkohlengrube Georg in Königsaue bei Aſchers=
leben
. Geſtern nacht gegen 1 Uhr wurde die Tech=
niſche
Nothilfe von Aſchersleben eingeſetzt. Sie be=
gab
ſich in mehreren Automobilen zur Unfallſtelle
und nahm unter Verwendung von Sandſäcken Ab=
dämmungsarbeiten
vor. Der Grubenbetrieb muß zu=
nächſt
ſtillgelegt werden. Ein Erſaufen der Grube
im Tagebau konnte verhindert werden.

Ein fingierter Diebſtahl.
Paris. Die Angelegenheit der erſt kürzlich
als geſtohlen bezeichneten, dann aber wieder auf=
gefundenen
Gemälde (ein Murillo und zwei Tin=
toretto
), die bei der Rückbeförderung aus Amerika in
Le Havre angeblich nicht angekommen ſein ſollten,
hat jetzt zu der Entdeckung geführt, daß der Diebſtahl
fingiert war, um in den Beſitz einer Verſicherungs=
ſumme
von 2½ Millionen Franken zu gelangen.
Der Eigentümer der Gemälde, Laffitte, ſowie ein
Helfershelfer, ein Ruſſe namens Schrob, ſind ver=
haftet
worden.

Dr. Alma Arnold,
eine in Berlin tätige, aber nicht approbierte
amerikaniſche Aerztin, wird beſchuldigt, durch

[ ][  ][ ]

Seite 18

Sonntag, den 10. März 1929

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zurk um die Bezirksmeiſterſchaft findet heute nachmittag
E portplatz des Polizeiſportvereins ſtatt. Ueber die Spiel=
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Elf, die in ihrer alten Aufſtellung
Keller
Walter
Brack
Crto
Schmidt
Laumanm
aauber
Jans
Schliffer Baumann
ᛋrnach einer ſo langem Spielpauſe nichts Abſchließendes
nwf wird, da die Polizei zur Meiſterſchaft mindeſtens ein
usholen muß, flott und fair werden. Dies einzige und
Herdbalbſpiel, das heute in Darmſtadt ſtattfindet, wird
Mtößte Intereſſe der Darmſtädter Handballgemeinde er=
i
4ne Platz und die geräumige, überdechte Tribüne dürften
90 Vorausfetzungen für ein gefälliges Spiel bieten.
A den Handball=Pokal der 2.5.5.
ſtuglich am 10. Februar vorgeſehenen Zwiſchenrunden=
di
=wedballpokal der D. S.B. ſollen nunmehr am 17. März
en. In Berlin treffen die Mannſchaſten aus Süd=
up
Berlin zuſammen. Darmſtadt iſt der Schauplatz
u Süd= und Mitteldeutſchland. Mitteldeuſchland
efmmpf folgende Spieler nominiert: Bär=Dresden, Mord=
de
Rentſch=Leipzig; Donath=Halle, Fiedler=Leipzig, Hup=
tal
;wik=Leipzig; Hering=Werdau, Männel=Freital, Böhme=
dgrotze
Nach undr=Dresden. Süddeutſchland: Bender= Schvan=
tentwr
iumſtadt, Einwächter=Mainz; Gebhardt=Fürth. Schmidt=
elbitänd
9.//94t, 2 ünpp=Stuttgart; Fiedler=Darmſtadt, Werner=Darmſtadt,
t Dietz=Worms und Hennemann=Darmſtadt.
veisl. Ve
N. 1000 u. meit
arbeitsfrau /!
Sulsimninen.
deudleAizeibeamke ein Reikungsſchwimmer.
dict Seviſe werden ſchon die Polizeianwärter auf der Lan=
eiſch
=uie Schwimmen ausgebildet. In ſtillev, geduldiger Ar=
mt
16dir zeitige Sportoffizier der Schule, Pol.=Oberlt. Bayer,
en hrk äften, u. a. Oberwachtm. Schrauder, die meiſtens vom
amnen Nichtſchwimmer unter den Anwärtern in die Geheim=
Sihnnnkunſt ein. Als im Juni 1928 im Woog begonnen
ſtonnatz von 62 Anwärtern gerade 9 ſchwimmen. Als am Sams=
9. Mr; 1929, unter Aſſiſtenz des Vertrauensmanns der Deut=
benswaygsgeſellſchaft
, des Herrn Fiſcher vom Städt. Schwimm=
Pu in) zum Grundſchein des Lebensrettungsabzeichens abge=
wam
Haben von den auf 59 angewachſenem Freiſchwimmern
6 d75grüfung beſtanden, trotzdem im Winter nur monatlich
hwirtnunnden zur Verfügung waren. Es iſt für die Schwimm=
in
girt Beichen, wenm ſo viele die Bedingungen, die im Kleider=
wülul
hen, 74M eter, Ausziehen der Kleidung im Waſſey, im Strecken=
8 Pe), im zweimaligen Tieftauchen und Heraufholen eines
ſchwen Begenſtandes, im Ausführen von Rettungs= und Be=
grif
uf-d in Wiederbelebungsverſuchen beſtehen, erfüllten. Die
elebraterſuche erfolgen nach dew modernen Syſtemen von

und älteſter. Es iſt aber auch ein gutes Zeichen für die Be=
hider
ſich die Polizeianwärter ſchwimmſportlich betätigen
md aum bafür, daß ſich auch auf dieſem Sportzweig die geſunden
ervguntvickeln laſſen. Ein ſo guter Erfolg wirkt aneifernd.
mdf körperliche Ausbildung des Polizeibeamten und be=
Fum Dienſte am Volke.

nSAnelt uA liener ſchlägt Daniels nach Punkken.
2re Boxkämpfe im Berlimer Sportpalaſt.
Hrrilae fr Eit und ein intereſſantes Programm bringen auch bei Box=
Flm immer noch oder vielmehr auch wieder ein
U
SA ſer Sportpaltſt war am Freitagabend diesmal trotz hoher
Beilsverkauft. Mit beſonderer Spannung ſah man dem
ſes in Berlin ſehr populären Franz Diener ent=
m
ein Jahr nicht mehr geboxt hatte. Diener zeigte ſich
Eſſert. Beſonders gefiel ſeine famoſe Linksauslage. In
uren Zehnrundenkampf gelang es ihm, den Engländer, der
Etl als ein Verteidigungskünſtler erſten Ranges erwies
lie ſe=Blöße gab, ſicher nach Punkten zu ſchlagen. Diener
chid), Daniels 168 Pfund in den Ring. Die erſte Runde
Whyfie mit größter Vorſicht ans Werk gehen. Auch in der
/ Rusn /ab es noch keine ſtärkere Bewegung. Beide Runden
9ehn. Von der dritten Runde an= griff der Deutſche ſtärker
e:9 ſchon jetzt zu leichten Vorteilen. Die vierte Runde war
u 0on, der fünſten ab aber gab Diener das Heft nicht mehr
Häm. Er griff unendwegt an und war beſonders in den
ver *4Umr ſtark überlegen. Klare Wirkung hatten ſeine Schläge
48 +Ndmn der Engländer wußte ihnen immer wieder die
Drmrkzu nehmen. Allerdings wurde auch Daniels ſeinem Geg=
garz
nt gefährlich. Diener hatte aus den Siegen des Englän=
Der /ähe ing, Breitenſträter und Domgörgen gelernt und be=
rN
Sie Rechte des Gegners aufmerkſam. Der zum Schluß
ndete Punktſieg Dieners, fand ſehr ſtarken Beifall.
*Ein und Zinndorf=Wiesbaden beſorgten die Einlei=
ur
und wirkungsvoller boxende Kölner erſtritt ſich über
e2 mn beifällig aufgenommenen Punktſieg. Sehr intereſſant
ſchrgewichtstreffen zwiſchen Jakob Domgörgen=Köln
tuger Young Spears, der von ſeinen in Deutſchland
** enen Kämpfen noch nicht einen einzigen verloren hat.
2 in äußerſt ſchnellen, techniſch auf hoher Stufe ſtehenden
DDAEeide Boxer wechſelnd im Vorteil waren. Das zum
Mets Unentſchieden fand allgemeine Zuſtimmung. Der
ae 9 9e Joe Ralph konnte ſich im Kampf gegen den öſter=
newichtsmeiſter
Poldi Steinbach nur dank ſeiner
egiher die Diſtanz bringen. Steinbach gewann hoch nach
ganz famoſe Leiſtung zeigte Federgewichtsmeiſter Paul
mff mit dem früheren engliſchen Meiſter Jonny Cur=
beitete
ſeinen Gegner mit Schlagſerien, hatte auch im
Arte Momente und blieb ſchließlich ſehr ſicherer Punkt=
Tiſch=Tennis.
* mnd Eisklub tritt zu dem heute abend um 7 Uhr in
hlle ſtattfindenden Klubwettkampf gegem V.S.D. 1846
Nannſchaft an: Kleinlogel, Eſche, Samesreuther, Beeck,
Fer. Freſemius, Heß, Glückert, Schmidt.
e München 60 Teplitzer FK. für den 7. April an=

n DFB. nicht genehmigt worden.
wenſpiel Union Niederrad V.f.R. Monnheim am 10.
Oa der Niederräder Platz unbeſpielbar iſt.

der Sporkverein, die Quelle der Freude für den
Beruſ.
Ein Wort an die ſchulentlaſſene Jugend.
Kameraden! Offen gefragt: Hat nicht gerade die Friſcheſten und
Geſündeſten von Euch der Sport während Eurer Schulzeit am meiſten be=
geiſtert
? War es nichr herrlich, zu laufen, zu ſpringen und zu werfen,
Fußball, Handball, Schlagball oder Fauſtball zu ſpielen?
Eine ehrliche Antwort: Der Sport machte Euch müde und doch
friſeh. Durch ihn ſeid Ihr das geworden, was man einen ganzen Ker!
nennt.
Nun kommt Ihr in den Beruf.
Die freien Schulnachmittage fallen weg, kein Menſch zwingt Euch
mehr zu Sport und Spiel.
Darum mußt Ihr ſelbſt für Euch ſorgen!
Nüöt den Abend nach der Arbeit, wützt das Wochenende zu wörklicher
Erholung durch Sport und Spiel!
Der Sport macht Euch nicht nur geſund, er löſt noch ganz andere
Kräfte aus, von denen Ihr nuch wemig wwißt.
Sport mocht Euch willensſtark, Ihr gewinnt mehr Energie für die
Erfüllung Eurer Verufspflichten.
Sport bildet und vermehrt Geiſtesgeenwart, die Eigenſchaft aller
Männer, die elwas geworden ſind, und die Ihr täglich bewundert.
Mit dieler Wiſſenſchaftlihkeit beweiſen es Euch heute die Aerzte,
was Ihr am eigenen Körper längſt erfühlt habt.
Auch froh macht der Sport, er entſpannt und erfriſcht und führt
Euch über einen geſunden Schlaf zu neue: Lebensfrende und Leiſtungs=
fähigkeit
.
Es gibt heute wohl keinen Beruf, der nicht irgendwie Eure Geſund=
heit
bedroht. Hier kann nur der Sport ausgleichen und abhelfen. Er
lenkt Euch ab von Aerger und Verdruß, von allen Sorgen und erfriſcht
Leib und Soele.
Euer Beruf läßt Euch nur wenig Zeit, darum nützt ſie richtig!
Tretet einem Sportverein bei, denn dort findet Ihr gepflegte Plätze und
geheizte Uebungsräume. Dort findet Ihr Sportkameraden und Lehrer,
die gerne einen Teil ihrer Zeit für Euch opfern, um Euch anzuleiten.
Auch gleichaltrige Kameraden trefft Ihr dort, mit denen Ihr ſpielen
und üben könnt und unter denen Ihr auch ſicher Freunde fürs Leben
findet.
In jedem guten Sporwverein findet Ihr Gelegenheit zu geſelligem
Zuſammenſein, zu guter Lektüre und zu Anregungen aller Art.
Der Beitrag iſt gering, und was Ihr dafür erhaltet, iſt ſo viel.
Bringt Eure Angehörigen mit, Eure Eltern und Geſchwiſter, denn
heute ſind die Pforten zum Sport für jedes Lebensalter geöffnet.
Wozu wir Euch raten, iſt nur eines: Verſäumt nicht dieſen Verſuch,
denn nenn Ihr den Berſuch erſt gemahr habt, und ſeit Mitglied bei
einem Sportverein des Deutſchen Fußballbundes und der Deutſchen
Sportbehörde für Leihtathletik geworden, werdet Ihr raſch Euch ſelbſt
ein Urteil bilden können und finden:
Wir haben Euch gut geraten.
Das Kreuznacher Oſter=Hockey=Turnier.
Nennungsergebnis.
Das traditionelle Nahetal=Hockey=Turnier, das an den Oſtertagen
vom 29. März bis 1. April zum ſiebentenmrale vom Kreuznacher Hockey=
Club 1913 durchgeführt wird, verſpricht ein großes ſportliches Ereignis
zu werden. Beſte Klaſſenmannſchaften aus Süd= und Weſtdeutſchland
werden, wie alljährlich, draußen in der zu neuem Leben erwachenden
Natur, im herrlichen Stadion Salinental, die Schläger kreuzen, und es
ſind intereſſante Kämpfe auf der ganzen Linie zu erwarten. Bereits
heute haben ſich 24 Herren= und 7 Damen=Mannſchaften gemeldet. E3
ſpielen in der Herrenklaſſe: SC. Burgund Berlin, Deutſcher SC. Han=
nover
, Chemnitzer BC. SC. M.=Gladbach, THC. M.=Gladbach, TV.
Eintracht Dortmund, Limburger HC., VfR. MMannheim, Mülheimer
HTC., KölnMülheim, SC. Saar 05. Saarbrücken, Rheydter SV.,
Schlvarz=Weiß Barmen, FC. Solingen, Turnerbund Bruchſal, Aleman=
nia
Worms, Dürener SC., Kölner SC. 99, Bornſſia Elfkirchen, Main=
zer
TV. 1817, Not=Weiß Frankfurt, Meidericher SV., SC. Wiesbaden,
Kreuznacher HC.; in der Damenklaſſe: SC. M.=Gladbach, Limburger
HC. SC. Wiesbaden, Kreuznocher HC., VfR. Mannheim, Kölner SC.
99, Mainzer TV. 1817.
Dr. Rothſchild verläßt den FSV. Eine der bekannteſtem Vereins=
führerperſönlichkeiten
, der frühere Vorſitzende und jetzige Ehrenvorſitzende
des Fußballſportvereins Frankfurt, Dr. David Rothſchild, iſt aus ſei=
nem
Verein ausgetreten. Dieſe, in außenſtehenden Kreiſen außerordent=
lich
überraſchende Tatſache, iſt auf vereinsinterne Vorgänge zurückzu=
führen
.
Der Städtekampf Berlin-Paris im Fußball gelangt in dieſem
Jahre als ſechſte Austragung am 12. Mai in Berlin zur Durchführung.
Der 28. April als Austragungstermin für das Fußball=Länderſpiel
ItaliemDeutſchland iſt jetzt vom DFB. offiziell den Italienern vorge=
ſchlagen
worden.
Die Weſtdeutſchen Endſpiele beginnen am 14. April. Die Bezirks=
meiſter
müſſen bis zum 2. April gemeldet werden.
Die Frankfurter Stadionbahnrennen ſind auf den 94. März verlegt
worden.
Als Vorbereitung zum Hockeh=Silberſchild tragen die Verbands=
wannſchaften
von Süd= und Weſtdeutſchland am 17. März in Düſſeldorf
in Uebungsſpiel aus.
Wiens neues Stadion wird von Architekt Schweizer=Nürnberg her=
geſtellt
werden, deſſen Nürnberger Entwurf mit der olympiſchen Gold=
medaille
ausgezeichnet wurde.
Die Billard=Meiſterſchaft der deutſchen 2. Klaſſe wurde in Frankfurt
g. M. von Dr. L. N. Meher=Hamburg mit drei Siegen gewonnen.
75 000 Schüler ſpielem nach einer Statiſtik jeden Samstag in Eng=
land
Fußball innerhalb eines eigenen engliſchen Schul=Fußballverbandes.
Teddy Sandwing kämpft am 21. März in London gegem den italie=
niſchen
Schwergewichtsmeiſter Panfilo.

32. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlokkerie.
25. Tag der 5. Klaſſe. In der Vormittags=Biehung vom
8. März fielen: 4 Gewinne zu 10000 RM auf Nr. 65 791, 185 569;
4 Gewinne zu 5000 RM. auf Nr. 146 877, 353 112; 6 Gewinne zu
3000 RM. auf Nr. 308 224, 384 631, 396 179; 16 Gewinne zu 2000 RM.
auf Nr. 1045, 107 717, 209 786 B63B, 315 909, 336 761, 339 661,
344 860; 30 Gewinne zu 1000 RM. auf Nr. 2328, 43 120, 113 080,
138 452, 186 375, 22 526, 213001, 273848, B385, 325 172, 326 621,
334 637, 354 479, 360 754, 380831; ferner wurden gezogen: 80 Ge=
winne
zu 500 RM. und 252 Gewinne zu 300 MMM. In der Nach=
mittags
=Ziehung fielen: 2 Gewinne zu 25000 RMM. auf Nr.
354 588; 4 Gewinne zu 5000 RM. auf Nr. 32226, N5 420; 8 Ge
winne zu 3000 RM. auf Nr. 117829, 157 205, 190 501, 246 982;
14 Gewinne zu 2000 RM. auf Nr. 18 371, 155 732, 170 599, 178 281,
188 165, 241 795, 325 613; 30 Gewinne zu 1000 MM. auf Nr. 4298,
8290, 29 491, 102151, 122 940, 162475, 168 682, 2N 982, 210 812,
217 999, 224 160, 298 057, 356 079, 359 208, B6 713; ferner wurden
gezogen: 82 Gewinne zu 500 RM. und 214 Gewinne zu 300 NM.
Im Gewinnrad verblieben: 3 Prämien zu 500 000 RM.,
2 Gewinne zu 50 000 RM., 12 Gewinne zu 10000 RM., 22 Gewinne
zu 5000 RM., 44 Gewinne zu 3000 RMM., 102 Gewinne zu 2000 RM.,
250 Gewinne zu 1000 RM., 626 Gewinne zu 500 MM., 1612 Gewinne
zu 300 RM. Ohne Gewähr.

Nicht ſelten Eam man die Beobachtung machen, daß auf verſchie=
denen
Aeckern die Kleewüchſigkeit eine ſehr ſchlechte iſt, ſo daß
ſich der Kleebau nicht immer als lohnend erweiſt. Dieſe Kleemüdig=
keit
iſt zweifellos eine typiſche Kalimangelerſcheinung, denn der Klee
iſt wie alle Futterpflanzen ein ſtarbenr Kalizehrer und ſtellt in=
folgedeſſen
die höchſten Anſprüche an den wichtigen Pflanzennährſtoff
Kali. Aus dieſem Grunde iſt der Kleemüdigkeit durch Verabreichung
ſtarker Kaligaben (22½ Zentner 40er Kalidüngeſalz je Morgen) wirk=
ſam
zu begegnen.
Auf der beborſtehenden Nutzkraftwagen=Ausſtellung im Kopenhagen
wird auch die Firma Büſſing ihre bekannten Laſtwagen= und
Omnibus=Fahrgeſtelle zur Schau bringen. Die Beteiligung
der Firma Büſſing an den vorangegangenen großen Automobil= Aus=
ſtellungen
des Auslandes hat erfahrungsgemäß ſtets das Intereſſe der
internationalen Fachwelt in hohem Maße erweckt, ſo daß der Ausſtel=
lungsſtand
der Firma Büſſing auch in Kopenhagen eine hervorragende
Vertretung für Deutſchland ſein und von dem Hochſtande der deutſchen
Nutzkraftwagen=Induſtrie Zeugnis ablegen wird.

Millionen Zentner Ruß und Staub verlaſſen täglich
die Schornſteine, um ſich überall einzuniſten und Bakterienbrutſtätten
zu werden. Staub und Schmutz aber ſind Feinde des Menſchen, Ihnen
gilt ein ewiger Kampf, der gerade jetzt wieder in den Hausputztagen
ganz beſondere Formen annimmt. Energiſch rüickt wan allem zu Leibe.
Zu den guten Geiſtern des Hausputzes gehört vor allem das wegen
ſoiner großen Reinigungs= und Desinfektionskraft ſo ſehr geſchätzte
Perſil, das ſelbſt die gefährlichſten Keime raſch und ſicher unſchäd=
lich
macht und im Verein mit Henko und Ata für wenig Geld be=
hagliche
Friſche ins Heim bringt. Wo Sauberkeit herrſcht, da wohnt
ſich’s geſund!
Ein Reiſekalender für 1929 reich illuſtriert, enthaltend
Reiſewege und ſonſtige Angaben für 184 Geſellſchaftsfahrten nach allen
bedeutenden Reiſegebieten, iſt vor kurzem erſchienen, neben ſechs eben=
falls
illuſtrierten und mit farbigen Landkarten verſehenem Reiſekata=
logen
: 1. Deutſchland und Nordeuropa (Skandinavien, England,
Holland und Belgien), 2.: Alpen und Donauländer (Oeſterreich,
Schweiz, Oberbahern, Krain), 3. Adria (italieniſche und dalmatiniſche
Küſtengebiete, Bosnien, Herzegowina), 4. Italien und Sizilien,
5. Orient und Mittelmeer, 6. Spanien und Frankreich‟. Dieſe
hübſch ausgeſtalteten Schriften werden an die Leſer unſeres Blattes
koſtenlos verabreicht von Siemer u. Co., Verkehrsgeſellſchaft m.
b. H., in München. Herzog=Wilhelm=Straße 33, oder auch von der
örtlichen Vertvetung in Darmſtadt bei Lotterieeinnahme L. F.
Ohnacker, bei Bankgeſchäft Friedrich Zaun, Luiſenplatz 1.

Buchführung Am Montag, den 18. März, abends 7.30 Uhr,
beginnen bei Hans Schlöſſer, Schwanenſtraße 30 I., neue Kurſe
in Buchführung unter Leitung eines Diplom=Kaufmanns. Gründ=
liche
Ausbildung zum bilanzſicheren Buchhalter. Niedriges Honorar,
Anmeldung rechtzeitig erbeten. (Siehe Anzeige.)

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 10. Mirz. 8.30: Kaſſel: Morgenfeier der Evangel.
Chriſtusgemeinde Kaſſel=Wilhelmshöhe. Mitw.: Der Poſaunenchor
und der Kirchenchor der Chriſtusgemeinde, Orgel: Studienrat Möller,
Barikon: Friedr. Schröder, Anſpr.: Studiendirektor Dr. Heußner,
O 11: Jugendbewegung: Bezirksjugenpfleger Grebenſtein: Wo ſchließe
ich mich an? 11.30: Elternſtunde: Dr. Majer=Leonhard: Nicht
für die Schule, ſondern für das Leben! o 12: Dr. Weil und
Dr. Laven: Wie ein moderner Lebensmittel=Filial=Betrieb ſeine Ver=
kaufskräfte
ſchult. o 13: Landwirtſchaftskammer Wiesbaden: Iſt
die Beizung des Saatgutes zur Frühjahrsbeſtellung angebracht?
Die Beſeiligung der Witterungsſchäden in den Wintergetreide=
beſtänden
. Die Bekämpfung der Obſtbaumſchädlinge im Winter.
O 13.10: Bruckner=Zyklus. Siebte Sinfonie in E=dur. o 14.30:
Jugendſtunde: Aus Märchen. Hanna Lüngen: Aus 1001 Nacht:
Saids wunderbare Schickſale. O 15.30: Konzert des Funkorch.: Ope=
retten
. o 17: Stunde des Landes. O

Problem des Einheitsſtaates. O 19: Stunde des Rhein=Mainiſchen
Verbandes für Volksbildung. O 20.30: Konzert des Venezianiſchen
Streichquartetts. Ausf.: Luigi Enrico, Ferro (1. Violine), Vittorio
Fael (2. Violine), Oscar Crepax (Viola), Edoardo Guarnieri ( Violon=
cello
). S Anſchl.: Kaſſel: Das Idyll. Freudenberg: Idyll aus
Die Pfahlbauer. Aus den Werken Salomon Geßner’s.
Niemann: Schleswig=Holſtein’ſche Idyllen. Idyllen der Klaſſiſchen
Zeit. Dowell: Amerikaniſche Waldidyllen. Idyllen der roman=
tiſchen
Zeit. Bodart: Flämiſche Idyllen für Klavier. Idyllen
der neueſten Zeit. Mitw.: Funkorch., Eugen Bodart (Flügel).
Sprecherin: Kriemhilde Kunz. O. Darauf: Tanzmuſik der Kapelle
Pinkus=Langer.
Stuttgart.
Sonntag, 10. März. 11: Jugendweihe des Bundes Sozialiſtiſcher
Freidenker, Stuttgart. O 11.30: Kammermuſik. Ausf.: Prof. Dreis=
bach
(Klar.), C. Heß (Bratſche), L. Schuyer (Cello) W. Hahn
(Klavier) Mozart: Trio für Klarinette, Bratſche und Klavier.
Beethoven: Andante favori in F=dur für Klavier; Trio für Klari=
nette
. O 12.30: Schallplatten. O 14: Märchenſtunde: Alice Fliegel:
Erinnerungen eines Wickelkindes. o 15: E. Descowich: Stapellauf.
O 15.30: Im Volkston. Mitw.: Helene Lachmanski=Schaul, Ernſt
Durs (Geſang), Funkorch., Artur Haagen (Flügel). O 18.15: Mann=
heim
: Margot Amdurski=Schubert: Joſeph Pilſudski. o 18.45:
Dichterſtunde: Lina Ritter. O 20: Aeltere Tänze‟. Funkorch.
Einlagen: Deutſch=ruſſiſches Balalaika=Orch. Fauſt: Der Fackelzug,
Polonaiſe. Strauß: Brennende Liebe, Mazurka. Waldteufel:
Ganz allerliebſt, Walzer. . Jeſſel: Die Parade der Zinnſoldaten,
Rheinländer. Drei Ruſſiſche Tanzlieder. Strauß: Künſtler=
grüße
, Polka. Ziehrer: Wiener Bürger, Walzer. Strauß:
Frauenherz, Mazurka. Fauſt: Quadrille a la cour. Vier
ukrainiſche Volkslieder. Fahrbach: Im Kahlenbergerdöfl, Polka,
Hall: Die Hochzeit der Winde, Walzer. Lüdecke: Jung gefreit,
Rheinländer. Schlichting: Stettiner Kreuzpolka. O 21.30: Die
Trutzige, Bauernkomödie mit Geſang in 3 Akten von Ludwig
Anzengruber. Perſ; Bernhard VSgel, Wirt zur Goldenen Geis;
Johanna deſſen Tochter; Martin Wegmacher; Liſl Hübner; Der
Lipp; Melchior Spielmann, Forſtbeamter; Katharina Zeidlerin, Liſels
Muhme, Anton Kehlmeier; Hielmer Tomerl; Alleutner=Ferdl; Ra=
ſauner
=Poldl; Hielmer=Noudl; Zehentgruber=Mali; Großhaffinger=
Urſei: Der Heger; Bauern; Bäuerinnen; Burſchen und Dirndl; Spiel=
leute
. Ort: Ein Dorf im Gebirge. O Anſchl.: Berlin: Tanzmuſik.

Wetkerbericht.

In ſaſt ganz Deutſchland lagen heute morgen die Temperaturen
über Null. Sie erreichten in der Maingegend bereits 5 Grad und in
unſerem Bezirk durchweg über 3 Grad. Nur Königsberg und Friedrichs=
hafen
meldeten noch leichten Froſt. Da eine weſentliche Aenderung der
Druchverteilung nicht ſtattgefunden hat, ſo iſt für umſer Gebiet mit Fort=
dauer
der herrſchenden Wetterlage zu rechnen.
Ausſichten für Sonntag, den 10. März: Wolkig mit Aufheiterung, trocken,
Temperaturen nachts um Null, tagsüber mild.
Ausſichten für Montag, den 11. März: Wenig Aenderug der Wetterlage.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Veranwortlich für Pollilk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich und
lusland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Cugen Buhimann;
ur den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdlenſt: Andrea Bauer; für
Die Gegenwart‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratenteil: Willp Kuble; Druck
und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Jür unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nict übernemmen.

Die heutige
30 Seiten.

Verkauf durch: 1. Donges & Wlest, Darmsladt, Grafenstraße 43.

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ſiche cht ſo ohne weiteres belehren und überzeugen, der
nde i9in ſprödes Material er will umworben ſein,
worbapan geſchickten Pſychologen, die wohl wiſſen, wie
A 9. was ihn anzupacken haben. Und ſo hat die neue
EViſſenſhft von der Neklame längſt die Mittel und Wege
fundenguit deren Hilfe man eine ſuggeſtive Werbung mit
iſſort ulniB ild durchführen kann.
. Dieklävigkeit der kaufmänniſchen Veklame, mit ſchla=
Nden Edern, kurzen, prägnanten Cexten allerlei Wiſ=
Swenkund Ueberzeugendes in die Köpfe des Publikums
Nuhärzern, macht ſich ſeit einiger Seit auch die ſoziale
Eihorgay ihren verſchiedenen Abarten zunutze, wenn es
Nrum Tg, Oas Volk auf die zur Erhaltung ſeiner Geſund=
vit
notzmöigen Maßnahmen aufmerkſam zu machen. Man
R michnachgerade, daß langatmige behördliche Erläſſe
N Einzam ung der Anſteckungsgefahr bei Grippe=Epide=
Wen 01 Alangweilige Auszüge aus Polizeiverordnungen
Lexhung von Verkehrsunfällen niemals ihre Wirkung
Nz welle miemand lieſt und weil ſie ſelbſt wenn ſie ge=
ein
m ſien nicht die notwendige ſuggeſtive über-
Regench Wirkung ausüben. Der Durchſchnittsmenſch
A eNt Jelin eigenen Wohl oft ſo gleichgültig gegenüber wie
iem uegn Mittel zur Schuhpflege und man muß ihm die
2Wrnolest die zur Erhaltung ſeiner Geſundheit aufgeſtellt
Werdens ien ſo einhämmern, wie das der geſchickte Pro=
Deganda4t einer Konſervenfabrik tun würde. Er muß von
Er Aohendigkeit, Vorſicht zu üben, ebenſo gegen ſeinen
W MDlen2 1n eugt werden wie von der Unübertrefflichkeit der
2 Waßese e. . Hang Ae Me Hidtt Mer Hſd Mie=
ansAkra
tt die Neklame für die Unfallsverhütung!
EinMdeſcheidenen Anfang in dieſer Nichtung haben
iden niltie hren verſchiedene Straßenbahngeſelſchaften und
Ne Betzthrhn gemacht, als ſie im Innern der Verkehrs=
inbdliesl
Akate andrachten, deren Inhalt ſich oft in luſtiger
Mi Dorm 14de Unfalsverhitung bezog. Später iſt mon auf
e ien A bege erfolgreich weitergegangen. Die Berliner
Deoßeksihr z. B. hat unter Schultindern ein Preisaus=
Jarsibs lach einpräglamen Verſen erlaſſen und die oft recht
Mi geilieren warnenden Worte prangen jetzt in tupiſcher
Sicderetit in alen Wagen. Und jetzt haben ſich verſchie=
Sene Lchibationen und behördliche Stellen zulammengetan,
Din Mri Berdung für die Sicherheit großzügig auszuge=
Hanenl 2, eine ganze Woche lang in allen Städten und
DerieMerf Verktehrsmitteln, in Schulen und Betrieben
De Sistchnstrommel für die Unfalverhitung zu rühren. Das
Verdicke der Reichs=Unfalverhütungs=Woche. Von
Sindent Nakaten, durch Millionen Bilder und Schriften
Lit DrMe nich auf lein eigenes Wohlergehen aufmerkſam
Lenaerind belehrt werden, wie er ſich in allen Fällen
Sugen Gefehr zu verhalten hat. Ueberal lauert der Cod
uenili iuerstgerngnennennnesesnnnensenn

auf der Straße in den Bahnen in den Betrieben
ſogar im ſicheren Heim zwiſchen den vier Wänden.
Augen auf! Hallo deine Sicherheit!
Unſere Bilder zeigen in verkleinerter und vereinfachter
Form, mit welchen Mitteln für die Unfallsverhütung ge=
worben
werden ſoll. Sie zeigen vor allem auch, wie oft
hinter der Maske der Harmloſigkeit ſchwere Gefahren
lauern und wollen aufklärend und werbend zugleich wirken.
Das Kind auf der Straße.
Von Elfriede Klein.
Die Straße iſt für das Kind und zumal für das Groß=
ſtadtkind
der Begriff der Freiheit, der Ungebundenheit.
Sie birgt eien unendlichen Schatz von ſehenswerten Dingen,
ſie iſt angefüllt von Erlebniſſen unerhörter Art, ſie iſt ein

Jeden Augenblick lauft ihr bei
ſo leichtſinnigem Verhallen
Todesgefahr.

Geſtreckten Arm langſam auf=
und abbewegen heißt: Largſam

unendliches Märchenreich, in das die Phantaſie des Kindes
eine kleinen Luſtſpiele und Cragödien dichtet. Sie iſt ihm
alles nur nicht jenes gefahrdrohende Gebiet, nur nicht
das Schlachtfeld des Verkehrs, nur nicht das was ſie
uns Erwachſenen vorſtellt.
Der tägliche Weg zur Schule das iſt das wahrhaft
einzige Erlebnis des Kindes das Spiel auf der Straße,
im waſſergefüllten Ninnſtein, zwiſchen Wagen und Autos
und haſtenden Menſchen, das ſcheint ihm das einzige Spiel
zu ſein, das das Leben lebenswert macht. Die gleiche Sehn=
ſucht
, die den Forſcher in unbekannte Lande zieht, regt im
Kinde die Sehnſucht nach der Straße. Swiſchen Schule und
Elternhaus, zwiſchen zwei Polen, die ihm Swang und Unter=
ordnung
unter höheren Willen bedeuten, iſt ihm die Straße
die Welt der Freiheit, in der es nach eigenem Ermeſſen
ſchalten und walten kann. Selbſt Kinder, die auf dem Lande
oder in kleinen Städten aufgewachſen ſind, glückliche Kinder,
denen daheim weite Gärten und Spielplätze zur Verfügung
ſtehen, werden glücklich, wenn ſie ſich einmal auf einer
Straße, einer richtigen ſtaubigen, ſchmutzigen Straße tum-
meln
können, und wer einmal ein wohlbehütetes und
unter ſtrenger Aufſicht einherſchreitendes Kind geſehen hat,
das mit ſehnſuchtsvollen Augen das Spiel der Straßen=
jungen
verfolgt, der mag erahnen, wie unendlich groß der
Reiz dieſer Straße ſein muß
Und nun kommen die Großen mit ihrem Verkehr.
Die Straße dient dem Verkehr! Ein unerbittlicher
Swang, ein mit tödlichen Strafen drohendes Geſetz, ein

furchtbarer Engel mit rächendem Schwert verbietet den
Kindern ihr Paradies. Und wir, die wir wiſſen, wie es
um die Seele des Kindes beſtellt iſt, müſſen ſelbſt zu dräuen-
den
Wächtern dieſes Paradieſes werden, müſſen uns in die
Lippen beißen und ſehnſuchtsvolle Blicke des Kindes
überſehen. Das Kind auf der Straße nein, das iſt
nicht nur ein verkehrstechniſches Problem.
Aufklärung? Ich glaube nicht recht daran. Kinder ken=
nen
keine Furcht, ſie glauben nicht an Gefahren, ſie ſind von
einem heiligen Nechtsgefühl durchdrungen, ſie ſehen nicht

ein, warum der Chauffeur eines Autos, der ſeinen geraden
Weg fährt, plötzlich und aus unbekannten Gründen abbiegen
kann, gerade auf ſie zu . Und Kinder ſind alle
kleine Sportsleute, es macht ihnen hölliſche Freude, gerade
noch über die Straße zu laufen, wenn die Erwachſenen ſchon
vorſichtig am Nande ſtehen bleiben. Und es ſcheint faſt, als
ob die Wirklichkeit ihnen recht geben würde denn die

Unfälle von Kindern ſind eigentlich geringer als man an=
nehmen
müßte, wenn man Großſtadtkinder im Großſtadt=
verkehr
geſehen hat.
Da ſauſen ſie auf ihren Nollern Swei= und Drei=
rädern
mitten durch den Verkehr, da ſchlüpfen ſie wie kleine,
ſchlanke Wieſel mitten durch das Gewühl von Omnibuſſen
und Laſtwagen und raſenden Perſonenautos, da ſchießen ſie
im wilden Spiel urplötzlich aus einem Coreingang auf die
Fahrbahn, ohne nach links, ohne nach rechts zu ſehen, es
gibt furchtbare Augenblicke ſetzt muß das Unglück ge=
ſchehen
und da iſt der kleine Kerl längſt am jenſeitigen
Bürgerſteig und nur ein paar ſchimpfende Chauffeure und
ein paar zufällige Augenzeugen wußten, wie ſchrecklich dieſer
Augenblick geweſen iſt. Das Kind ſelbſt ? Das
Kind weiß es nicht.
Was ſollen wir tun? Aufklärung? Gewiß, Aufklärung
tut not, bei reiferen Schulkindern hat man mit Erfolg
Schulſtunden eingeſchoben, die den Verkehr auf der Straße
behandeln, den Kindern macht es auch Freude, Verkehr zu
ſpielen, man verſucht auch, die älteren Kinder anzuhalten,
die jüngeren auf dem Schulweg zu begleiten und ſie vor den
Gefahren des Verkehrs zu bewahren. Es iſt ſchon möglich,
den Kindern eine gewiſſe Verkehrsdilziplin einzuimpfen, ſie
werden dafür oftmals mehr Verſtändnis aufbringen als die
konſervativen Erwachſenen, aber auch die ſchönſte Kin=
derdiſziplin
wird immer äußere Cünche bleiben. Auch ſie iſt
ihm Spiel und Kinder ſpielen nicht gern immer dasſelbe.
Das Kind iſt unberechenbar. Einmal gerade im gefahr-
drohendſten
Moment wird es über die Stränge hauen, und
dann und dann
Nein: Aufklärung tut not, und man kann damit recht
viel erreichen aber verlaſſen darf ſich auf die Kindes=
vernunft
niemand. Sogar die Erwachſenen unternehmen
immer noch Ozeanflüge, wider aller Vernunftgründe. Warum
ſoll ausgerechnet ein ſechsjähriger Knirps nicht über die ver=
dotene
Straße laufen, wenn es die anderen tun. Soll er in
den Nuf eines Feiglings kommen, nur weil das vernünftig
iſt? Mit ſolchen Argumenten kann man ihm nicht beikom-
men
. Er iſt ein ganzer Kerl. Er läuft über die Straße.
Sehnmal. Hundertmal. Bis einmal doch das Unglück paſ=
ſiert
. Es bleibt uns nichts anderes übrig, wir müſſen dieſes
Kinderparadies, Straße genannt, als böſe Wächter beyüten,
wir müſſen die Kinder unter einen Zwang ſtellen, auch wenn
es uns noch ſo wehe tut. Denn wir und nur wir allein
ſind für unſere Kinder verantwortlich.
Kinder gehören nicht auf die Straße. Schafft ihnen
Spielplätze, erſetzt ihnen das verbotene Paradies, gebt ihnen
die Möglichkeit zum Austollen und verbietet ihnen die
Straße mit der ganzen Gewalt eurer Autorität als Eltern
und Lehrer. Das iſt Unfallverhütung im beſten Sinne !

[ ][  ][ ]

Ganz geſunder und ungeſtörter Schlaf verläuft vollſtändig
traumlos. Das heißt, der geſamte Organismus iſt in ſeiner
Leiſtung auf ein ſolches Mindeſtmaß herabgeſetzt, die Durch=
blutung
des Gehirns iſt ſo vermindert, daß ſelbſt das mbewußte,
nicht vom Willen gelenkte Denken, im Schlaf
Craum genannt, aufhört.
Leider ſind, namentlich Großſtädter, ſo ſehr von
Eindrücken aller Art überlaſtet und überſättigt,
daß das Gehirn auch im Schlafzuſtand nicht völlig
entſpannt iſt, vielmehr die im Wachzuſtand er=
zeugte
Ueberſpannung auch im Schlaf un=
willkürlich
geſpannt und alſo verkrampft bleibt.
Dadurch erfolgt ungewolltes und unbewußtes Wei=
terarbeiten
unſerer Denkmaſchine im Schlaf. Unſer
Geiſtiges iſt dann unbeaufſichtigt. Der Wille, die
Erfahrung, der Swang äußerer Bedingtheiten und
Bedingungen fällt fort, unſere ſogenannte Ver=
nunft
iſt alſo ausgeſchaltet. Dadurch erleben wir
im Schlaf die phantaſtiſchſten Dinge. Vorſtellungen
von Angſt, Freude, Erwartung, Surcht oder Neid,
die wir am Cage durch vernunftgemäße Ueber=
legung
auflöſen, haben freien Betätigungsraum im
Schlaf; die Phantaſie iſt ungebändigt, ſo daß wir
im Schlaf Dinge erleben, die wir, falls der Craum
im Wachzuſtand in unſerer Erinnerung bleibt, als
völlig unmöglich, und, weil ſie unſerer Wachein=
ſicht
vollkommen fernliegen, als befremdend und
oft noch dazu als lächerlich empfinden.
Im Schlaf verquicken ſich die beſonders in un=
ſerm
Unterbewußtſein haften gebliebenen Ein=
drücke
mit unſeren Wünſchen und Hoffnungen.
Wir erleben häufig Erinnerungen in Verbindung
mit faſt unausgedachten, jedenfalls unausgeſproche-
nen
Hoffnungen als Craum.
Craumreize können natürlich auch rein organiſch
bedingt ſein. Um ein ganz primitives Beiſpiel zu
nennen: Das Kind wird mit noch vollem Magen
ſchlafen gelegt; es hat zum Abendeſſen irgendein
Gericht bekommen, das ihm widerſteht. Die Er=
ziehung
, die die Entwicklung zum Leckermäulchen
veimeiden will, beſtand auf reſtloſer Vertilgung
dieſer unangenehmen Speiſe. Durch den Wider=
willen
dauert das Eſſen ſolange, daß das Kind
ungleich ſpäter fertig wird, ſo daß es kurz vor dem
pünktlich feſtgeſetzten Schlafengehen die Mahlzeit
beendet hat. Es träumt nun, es habe ſich in einem
Walde verlaufen und wäre in eine Grube gefallen,
die bis zum Nand mit der unangenehmen Speiſe
gefüllt iſt. Das Kind ſoll ſich nun durcheſſen.
Die Angſt vor der Dunkelheit des Schlafzim=
mers
, die Surcht vor dem Alleinſein, der Wider=
wille
vor der Speiſe und die Erinnerung an irgend=
einen
Waldſpaziergang, der die Phantaſie des Kindes aufregte,
geben die Erklärung für dieſen Craum.
Berechtigterweiſe kann man einen ſolchen Craum will=
kürlich
erzeugt und trotzdem unwillkürlich nennen,
weil der Organismus in dieſem Fall den ſtärkſten Craumreiz gab.
Man hat viele Verſuche, namentlich in Kliniken, gemacht,
um Cräume willkürlich zu erzeugen. Im allgemeinen ſcheinen
Frauen beſſer auf Craumreiz zu reagieren als Männer. Vor
allem behalten Frauen ihre Cräume ſtärker i Erinnerung. Die
Craumart und Größe iſt der Neizſtärke nicht gemäß. Sie hängt
ebenſo wie die Erinnerung von der wechſelnden Konzentration
des Schläfers abz vor allem davon, ob der Craumporgang erſt
kurz vor dem Aufwachen ablief. (Man hat nämlich feſtgeſtellt,
daß auch die längſten Cräume nicht mehr als 2½ bis 5 Minuten
dauern; Cräume, in denen wir ſtunden= oder tagelanges Er=
leben
durchmachen.) Man hat durch Geruchreiz beſtimmte
Cräume zu erregen verſucht, z. B. hielt man Schlafenden ein
Wattebäuſchchen mit Ammoniak unter die Naſe. Es iſt nun
intereſſant, zu ſehen, welche verſchiedenen Craumerlebniſſe dem
gleichen Erlebnis entſprangen. Jedenfalls ſpielt der Schläfer in
ſeinen Cräumen immer die Hauptrolle, hat die phantaſtiſchſten Er=
lebniſſe
, in die er trotz eindeutigen Craumreizes Erinnerungen
aus ſeiner Kindheit, Hoffnungen oder die Geſchehniſſe des Vor=
tages
verwebt. Bei Ammoniak=Einatmung z. B. träumt der
Eine, er befände ſich während ſeines Sommerurlaubs auf einem

Der rote Mantel.
Eine deniſche Anekdote.
Von Gottfried Kölwel.
Es war in jenen verhängnisvollen Herbſttagen des Jahres
1925, als auf dem internationalen Geldmarkt eine Billion Mark
kaum mehr den vierten Ceil eines Dollars galt und die meiſten
Menſchen nicht mehr wußten, woher ſie am nächſten Cag die
neuen Unſummen nehmen ſollten, um ſich das Notwendigſte zu
kaufen. In dieſer Zeit kam ein Mam nach ſtundenlangem
Marſch durch abgelegenes Land an eine Bahnſtation, um von
da aus in eine entfernte Stadt zu fahren. Da er auf dem Wege
Hunger und Durſt bekommen hatte, begab er ſich in die Neſtau=
ration
, die gleich hinter dem Bahnhof ſtand, ließ ſich Wurſt und
Brot geben und trank em Glas Bier dazu.
Als er aber vor Abgang des Zuges bezahlen wollte, ſah er,
ſei Geld, das er ſeit einiger Seit in der Caſche hatte, war der=
art
entwertet, daß er kaum mehr die Seche bezahlen konnte. Su=
dem
aber ſollte er ſich noch eine Fahrkarte löſen.
In dieſer unverſchuldeten Notlage erzählte der fremde Mann
dem Wirt, er habe vor Wochen in einem vier Stunden ent=
fornten
Ort ein kleines Landhaus verkauft. Aber weil nun dieſes
Geld nicht einmal mehr zur Begleichung der Seche und zur =
ſung
einer Jahrkarte reiche, möchte man ihm die Zeche ſtun=
den
und ihm ſo viel Geld borgen, daß er wenigſtens in die Stadt
kommen könne, wo eine Stellung auf ihn warte. Nun war aber
der Wirt ſelber in keiner roſigen Lage und wußte kaum mehr
ſeine Bierſchulden zu bezahlen, ſo viel war er ſchon um die
Sechen geprellt worden, und das Seld, das er ſo manchem Rei=
ſenden
geliehen hatte, der in ähnlicher Lage wie dieſer Mann zu
ihm gekommen war, hatte er nie wieder bekommen. Deshalb

Gutshof, und ſein Hund, an dem er furchtbar hängt, ſei in die
Jauchegrube gefallen. Daran ſchließen ſich, weil er paſſionierter
Jäger iſt, kühne Jagdabenteuer. Ein Anderer, der die Ein=
drücke
des Krieges erinnerungsgemäß noch in keiner Weiſe über=

Begierden vermengt, oder durch falſche Scht
Schwindelgefühl, bei dem man träumend fliegt unn /
türzt, wobei man meiſtens durch den großen Schte
Oder Cräume, die Kriegs= und Krankheitserimerr) AE.
geben, in denen irgendeines der Extiy 1y
putiert werden ſoll, weil ein Arm odütr
falſche Schlaflage eingeſchlafen iſtn!.
Die Kette der willkürlichen Cröm
aufzuſtellen, iſt nur im Nahmen einesth
lich, weil wir halb bewußt und unbros
Schlaf auf die Umwelt, z. B. auf
reagieren. Die dadurch ſich ergebach
reize löſen je nach Körperverfaſſung
die wechſelndſten Craumerlebniſſe aa.
In jedem Fall beſteht aber diai
Wahl=, Wunſch= oder Angſtträumn
andern willkürlich zu erzeugen.
Kapellmeiſter 0
Cragödie in ein paar
Wie die Zeitungen kürzlich melil4
bei einem Konzert in Gent da
ganzen Vorführung ſchon mit /
kämpfende Dirigent van Hoe in
und dirigierte, nachdem ſein nigis
cheſter eingewilligt hatte, einen
ſonders geliebten Trauermarſſ=
letzten
Klangen er tot zuſammetre

wunden hat, träumt bei Ammoniakgeruch von Gasangriffen.
Eine ſehr gute Hausfrau träumt von gründlichem Neinemachen
und hat gleichzeitig Angſtvorſtellungen, daß ſie mit dem Reine-
machen
nicht pünktlich fertig wird, bevor der tyranniſierende
Ehemann nach Hauſe kommt. So wird ein und derſelbe Craum-
reiz
erzeugt durch Geruchreiz, umgedeutet und je nach Bildung,
Veranlagung und momentaner Stimmung verſchieden erlebt.
Erwähnt ſeien auch noch die Cräume im Giftſchlaf, das heißt
nach Genuß von Narkotika, die Kranken gegeben werden, oder
die Cräume, die Süchtige nach Haſchiſch, Aether oder Kokain
haben. Hierbei handelt es ſich meiſtens um Cräume, die ſo wunder-
bare
, phantaſievolle, Erlebniſſe geben, daß aus eben dieſem
Grunde die Süchtigen wieder zu Sift greifen, um ſich durch das
ſchöne Erlebnis des Craumes die häßliche Wirklichkeit zu ver=
ſüßen
. Cräume nach Morphium oder ähnlichen Medikamenten
bei nicht Süchtigen ſind ganz verſchieden. Der Morphium-Schlaf
hat keinerlei Aehnlichkeit mit dem normalen, unnarkotiſierten
Schlaf. Infolgedeſſen weicht das Craumerleben in der Mor=
phiumbetäubung
ſtark vom normalen Schaferleben ab. Manche
Menſchen träumen auch in der Narkoſe, in der ſie meiſtens
ſchöne und ätheriſche Muſik, die ſie immer wieder mit Sphären=
muſik
vergleichen, hören.
Nicht zu vergeſſen ſind auch die ſogenannten Indigueſtions=
träume
, das heißt Albdrücken, das durch Verdauungsſtörungen
bedingt iſt und ſich mit Erinnerungen, Wünſchen und verdrängten

ſagte er: Ich kann Ihnen mit beſtem Willen nicht helfen. Die
Seche müſſen Sie bezahlen.
Da ertönte hinten vom Ofen her, wo eine Gruppe von
Gäſten die Verhandlung zwiſchen dem Wirt und dem fremden
Mann verfolgt hatte, plötzlich eine fragende Stimme: Haben
Sie denn gar nichts bei ſich, was Sie einſtweilen als Pfand
hinterlaſſen könnten? Gleich darauf erhob ſich auch ſchon eine
hagere Geſtalt in einem ſehr abgenützten Gewand, mit einem
fahlgrünen Hut auf dem Kopf. Es war Andreas Hellbach, ein
kleier Händler, der in dieſer Seit mit Gänſen und Hühnern in
die Stadt zog und mit einem ordentlichen Bündel Geld in der
Caſche wieder heimkehrte.
Nichts als dieſen Koffer, ſagte der Fremde, ſah eine kurze
Weile verlegen vor ſich hin, als überlegte er, und dann plötzlich,
wie wenn er einen Entſchluß gefaßt hätte, bat er: Helfen Sie
mir aus und ich laſſe einſtweilen den Koffer hier.
Andreas Hellbach, der ein gutes Auge vom vielen Schätzen
hatte, ſah den Koffer von allen Seiten an, hierauf nahm er ihn
an ſich und gab dem Fremden das Geld für Seche und Fahrkarte,
worauf dieſer eilig aus dem Gaſtzimmer ſtürzte, um den eben
einlaufenden Zug noch zu erreichen.
O, es iſt em ſchöner Koffer, ſagte der Händler zu den um=
ſitzenden
Gäſten, die ihm vorzuſtellen ſuchten, daß er diesmal
wahrſcheinlich ein ſchlechtes Geſchäft gemacht habe. Nei,
nein, wehrte Andreas Hellbach, wie um ſich ſelbſt zu tröſten,
der Koffer iſt rundum aus Leder. Ein gutes Stück. Leder
wird das ſein, klärten ihn die Gäſte auf, das iſt nur Kunſt=
leder
. Deine Augen können wohl Gänſe und Hühner ſchätzen,
aber zu einem Kofferhändler taugſt du noch lange nicht.
Wenn ſchon erwiderte Andreas Hellbach darauf. Was
liegt daran? Der Koffer hat eine ſchöne blanke Schließe, und
die iſt heute auch was wert.
Dabei drückte er auf das Schloß und ſiehe der Koffer

Seitungsſpalten ſind grauſam EDMn bermag der La
zwei, drei Sätzen drängen ſie Cragößue
Eu Meige an K!
und Schickſale, ob ſie nun ein ganzerit
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brauchten oder einen Augenblick, wi
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nackt und ungerührt. Morgen komn;
Fertig ſchreiben mag die großen
Dramen des Cages wer will, die Voeram Unduſtrie
tungsnotizen; hier gibt es nur Akt1it
worte, Kapitelüberſchriften, Extrakt, ſpilz
lüſtet danach in der Haſt der Lektür0
und Gleichgültigkeit der Gedanken:
Ard
Ende fühlen, der mag den furchtbar.n,
MM6 der
Naum zwiſchen der engen Haft der 2
mit den Bildern ſeimer Phantaſie, m / Pen0l
den eignen Herzen. Wen es gelüſtet K-A0.-1 ver=
Leben und ſeine Neporter haben kau/ 0 Epen
Was wiſſen wir von dieſem Mel/)= Mo
an ſeinem Dirigentenpult zuſammenſo/" Mt i ſein.
er? Welches Schickſal hat ſich hier Weiieterliche
ein junges zu Ende oder eim altes, An-
der
ein unglückliches, ein gelittenes:!
ſtrahlend gelebtes, ein ganzes und vad
der vielen halberfüllten und zerſchlages

einſam, war er arm? Oder war er reich an Sreu.!
und Geld? Ob ihn wer geliebt hat? Genug gelielt
lachen konnte? Ob er je ein Kind auf die Arme nn)
Ach, was wiſſen wir von ihm? Nichts.
Nichts, als daß er ein krankes Herz hatte i!
Herz, das mit dem Leben, dem rückſichtsloſen, ſtu ud
Schritt hielt, das keuchte und ſich mühte unter 2
kämpfte und litt, ein Herz, das in Krämpfen ohr)
und dennoch nicht nachgab, ſich dennoch nicht unteigh
wollte, bis zuletzt nicht, als es ans Sterben ging, A*N
tapfere, kranke Herz.
Und als der Cod ſchon nahe war, ſchon hinter 79
Dirigentenpult, der leiſe und mächtige Cod, als 74
ſilberne Netz über ihn geworfen hatte, das feineg!
Geflecht, und der Caktſtock nur noch mühlan /k
konnte, als das tapfere, kranke Herz ſchauernd fuhd‟
um ihn zuſammenzog, dichter und dichter, tiefer anchil.
undurchdringlicher , da, in der Gewalt des höchſeln.
Augenblicks, reckte es lich noch einmal herrlich eſilte.
Kraft, und der verglühnde Wille zum Leben faml f
melhoch, als der leuchtende Wille, das leuchtendn
Sterben, Sterben in Schönheit, Sterben in Rlank
zuchtvoll, gemeiſtert in der Fülle der geliebten 20iſi
Wunderbares, tapferes Muſikerherz!
Wer einmal zu ſterben wüßte wie dul G.Of!

öffnete ſich. Allgemeines Erſtaunen machte ſich Mi
und jeder wollte in den Koffer ſehen. Aber der D0ice
vorerſt noch zu; denn er dachte, daß er ja doch ſeer
hätte den Liſchgäſten mur Anlaß zu einem ſchodßeel
lächter gegeben.
Statt der lachenden Augen gab es jedoch v0ohlß
wunderte, als Hellbach mit einemmal den Reſſe.
fallen ließ und etwas Votes, Nieſiges daraus hervdl.
kein Ende nehmen wollte. Man glaubte zuerſt. PeE i
aber bald erkamte man, daß es ein fertiges Heſdſthit
Das iſt ja ein Scharfrichtermantel lachten die S"
anderen zogen ſchon an allen Enden, um ihn ale Set
Eiſch langte nicht aus, das rote Kleidungsſtüchk. Aais
Enden herunter. Es hatte richtig zwei Aermel !i
gen, in der Mitte eine dicke Schnur herum unde N
daß es war kein Scharfrichtermantel, cber.9
Mantel war.
Iſt das eine Seit heute! jammerte nun eihe.
Gott weiß, welche Frau ihn getragen hat. Diche.

mal lehr reich und hat ihn jetzt verkaufen wiühſel. Le.
chon wieder verſetzt. Heute wandern die Diſge!
zu Hano
Der Mam kann den Mantel wieder hoe.
Hellbach. Ich rühre nichts an. Wenn er Mi. 2
bringt, ſoll er den Koffer ſamt dem Mantel wie.

men. Ich will kein Geſchäft aus der Not adere.
und wollte dem Mam, der mit dem Zug foft R
ſeiner Kalamität helfen.
Der kleine Händler hielt auch lein Wolte
jedehn
monatelang ſtand der Koffer in ſeinem Haus.?
er vom Handel nach Hauſe kam, fragte T. I
Fremde noch immer nicht gekommen lei, ſeilte.
Statt des Fremden aber war jene Seil ?

[ ][  ][ ]

niler Kleinarbeit des Silms, die das Publikum nicht kennt.
Von Otto Behrens.

Naum der Deko
ſelßkz vermag der Laie ſich einen Begriff davon zu
welichr Menge an Kleinarbeit es bedarf, um alle
ſt uutſſgen Dinge vorzubereiten, die den eigentlichen
imen rurunde liegen. Hunderte fleißige Hände ſind damit
ligt, /Drkehrungen zu treffen, die einen reibungsloſen
den mag i. f deet ilnwerdegangs ermöglichen, denn Filme ſind Er=
nes
wer nl e einl4 U nduſtrie, die mit Sahlen rechnet, und bei
er gibt 6 wionel 4 Arbeiten oberſtes Geſetz iſt. Jeder Aufnahmetag
erſchriſten Eengt ilſie tauſend Mark. Die hohen Koſten der Atelier=
der
Heſt N die Zgybühren für Nequiſiten und Koſtüme, die Gagen
it der Vearſtelltg und Arbeitslöhne ſowie die Gehälter des tech=
Pertfaals, der Lichtverbrauch und vieles andere mehr
rn eingenaue Kalkulation, ſo daß alles dieſes bis aufs
Terrntzgt werden muß. Jedem Aufnahmetage iſt ein be=
8 AMtpenſum vorgeſchrieben, das unbedingt einzu=
iſt
. 1.9 Möglichkeit der Durchführung kann natürlich
nn gemten ſein, wenn die Dekorationen zur rechten Seit
die eHrd erlichen Beleuchtungskörper zur Stelle und die
er,Freif koſtümiert und geſchminkt ſind.

Eine abſolut wirtſchaftliche Arbeitsweiſe tritt vor allem in
Hollywood, wo die Wiege des amerikaniſchen Films ſteht,
in Erſcheinung. Bewundernswert iſt die Betriebs=Organiſation
der großen Unternehmen. Wenn wir in Deutſchland noch lange
nicht ſo weit ſind, wie drüben, ſo liegt dieſes daran, daß uns
einesteils die Mittel fehlen. Dann aber auch iſt der Silm drüben
Serienfabrikat. Während wir gewiſſermaßen von Fall
zu Sall produzieren, drehen die bedeutenderen amerikaniſchen
Sirmen ohne Unterbrechung einen Film nach dem anderen. Das
künſtleriſche wie auch das techniſche Perſonal iſt auf Jahre
hinaus feſt verpflichtet und ſtellt ſomit einen gut eingearbeiteten

Die Kleberinnen.


NX
NM
1
ſ
Ri

2 2in . Ae dire Mie. ord dite Hre
Daß 14Tot ſich nur vergrößerte. So war es auch im
Ne Heltchs, wo es in den Inflationstagen gar manchmal
Wrigm Geldſchein gab, jetzt ganz knapp geworden; der
Dei iomke nicht mehr, alles war zum Stehen gekommen.
Dien 1 non Cagen war es für den kleinen Händler nicht
W2 ihe hu, ſeine ſechs Kinder und ſich ſelbſt durchs Leben
)o wünſchte er ſehnlich, der Fremde möchte doch
Murt kzinen Koffer einlöſen.
Tgingen abermals Wochen und Monate, und An=
79/t alle Hoffnung auf die Wiederkehr des Mannes
Kam der Sremde, vom Bahnhofswirt geſchickt,
klich in das Haus des Händlers. Der Fremde
Vegen, überaus freundlich und voll Dankbarkeit
Dellbach ihm damals ausgeholfen habe. Es war
Seit, ſagte er. Aber nun ſei er gekommen, alles
die entliehene Summe ſamt Sinſen zurückzu=
Man für Andreas im aufgewerteten Geld ein hüb=
A geweſen, das er ſehr notwendig hätte brauchen
der Händler war auffällig ſtill und verlegen, als
* Oeldtaſche zog und um den Koffer bat.
9n wohl verkauft und geglaubt, ich käme nicht
Hauft, das hatte Andreas nicht, und er eilte des=
die
Schlafkammer, wo der Koffer ſtand, um ihn
Der Sremde ſah den Koffer an. Nichtig, es war
llig unverſehrt.
Nies gut, ſagte nun der Fremde und wollte dem
Banknote überreichen.
Dm Hellbach eine faſt verzweifelte Aiene an und
RAz nein!. Das geht nicht. Ich kann das Geld
Deiteres nehmen. Und dann, nachdem er den

Beſprechung mit den Haupfdarſtellern.
und unbedingt zuverläſſigen Mitarbeiter=Stab dar, wogegen in
Deutſchland nur von Film zu Silm engagiert wird, und die ver=
ſchiedenen
Mitwirkenden ſich jedesmal neu auf einander einſtellen
müſſen.
Jede amerikaniſche Geſellſchaft beſitzt ihren Neader, einen
literariſch gebildeten Angeſtellten, der lediglich damit beſchäftigt
wird, Bücher, Seitſchriften und Magazine zu leſen und ſowohl
dieſe als auch eingereichte Manuſkripte daraufhin zu prüfen, ob
ſie ſich für eine Verfilmung eignen. Findet ſich unter den vielen
tauſend Vorlagen ein brauchbares Sujet, ſo verfertigt der Leſer
einen kurzen Auszug, um dieſen dem Produktionsleiter vorzu=
legen
. Wird der Stoff von dieſem und den verantwortlichen Lei=

Fremden halb prüfend angeſehen hatte, fügte er hinzu: Sie
müſſen ſchon zuerſt einmal in den Koffer hineinſehen.
Nach dieſen Worten wandte er, während der Fremde öffnete,
das Geſicht weg.
Ach, der Koffer iſt ja leer, ſagte der Fremde erſtaunt.
Haben Sie den roten Mantel herausgenommen?
Ja, Herr, geſtand Andreas kleinlaut, das iſt eine recht
fatale Geſchichte. Aber ich habe wirklich nicht mehr geglaubt,
daß Sie wieder zurückkommen und den Koffer holen würden.
Sie haben alſo den Koffer behalten, aber den Mantel ver=
kauft
, forſchte der Sremde, und man merkte ſeinem Geſicht an,
daß er ziemlich enttäuſcht war. Lieber hätten Sie mir ja den
Koffer hergegeben als den Mantel. Er iſt nämlich ein Stück, das
ich noch von meiner Mutter habe. Das kleine Haus und alle Ein=
richtung
habe ich damals aus Not verkauft. Nur den Mantel,
den meine Großmutter eigenhändig angefertigt hat, und in dem
meine Mutter an einem Schlaganfall geſtorben iſt, habe ich zur
Erinnerung behalten. Freilich, fuhr der Fremde nun weiter,
das konnten Sie alles nicht wiſſen, ſo wie Sie ja auch nicht
wiſſen konnten, ob ich überhaupt wiederkomme und die Sachen
einlöſe. Ich bin ja auch ſehr lange ausgeblieben. Ich mußte mich
inwiſchen erſt wieder etwas emporarbeiten. Jetzt möchte ich auch
das Haus meiner Mutter wieder zurückkaufen, wenn es möglich
iſt. Ihnen aber wäre ich ſehr dankbar, wenn Sie mir ſagen
könnten, wer den roten Mantel gekauft hat. Ich ſcheue keine
Koſten, ihn wieder zurückzubekommen.
Andreas Hellbach hörte alles an, aber er wurde keineswegs
ruhiger ob der guten Worte des Fremden, und ſchließlich ſagte
er: Ja, wenn ich den Mantel verkauft hätte, dann wäre ja alles
gut. Aber er ſetzte eine Weile aus die Sache iſt ſo,
daß Sie den Mantel auch um teures Geld nicht wieder bekommen
können.
Der Fremde blickte mun den Händler erſtaunt an, was denn

tern der Geſellſchaft für gut defunden, dan erhält der Dramaturg
den Auftrag, das Drehbuch bzw. das Szenarium auszuarbeiten.
Hiervon werden gleich mehrere Exemplare angefertigt, damit die
verſchiedenen Abteilungen, die mit der Herſtellung des Films
irgendwie zu tun haben, ihre Koſtenanſchläge machen. Sind
letztere nach oft vielen harten Kämpfen bewilligt, dann be=
ginnen
die einzelnn Stellen mit den Vorbereitungen. In den
Negie=Sitzungen beſpricht man die Engagements der Hauptdar=
ſteller
und legt im Anſchluß hieran die Beſetzung der kleinen
Nollen und Art und Menge der Statiſten, Komparſerie genannt,
feſt. Der Architekt entwirft die Bauten und Dekorationen und
läßt die Einzelzeichnungen herſtellen, um ſie dem Negiſſeur zur
Begutachtung einzureichen. Ein Machtwort ſpricht hierbei der
Kunſt=Sachverſtändige, zumal wenn es ſich um hiſtoriſche bzw.
Koſtüm=Filme handelt. Der Mode=Beirat führt dem Ne=
giſteur
die Modelle der Kleider, die von den Darſtellerinnen ge=
tragen
werden ſollen, vor, und an Hand einer viele tauſend
Bilder enthaltenden Kartothek werden geeignete Motive für die
Außenaufnahmen ausgeſucht. Unendlich viel Kleinarbeit ver=
urſacht
das Auswählen der Requiſiten wie auch das Beſtimmen
der Feinheiten der Ausſtattung, damit alles ſtilgerecht ausfällt
und den Anforderungen der Echtheit des Milieus entſpricht.
Auch die verſchiedenen Arten der Beleuchtung und die der Ein=
ſtellungen
der Aufnahmekamera werden von vornherein in allen
Einzelheiten genau feſtgelegt, damit bei dem Ablauf der Spiel=
zenen
alles wie am Schnürchen geht.
Bemerkenswert ſind noch einige Hilfskräfte, die wir m
Deutſchland bisher ſo gut wie garnicht kennen. Eine wichtige
Perſönlichkeit iſt der Citel=Autor, der nach Fertigſtellung
des Silms die Zwiſchentexte verfaßt. Von außerordentlicher
Wichtigkeit iſt auch die Cätigkeit des Cutters. Dieſer iſt
gewiſſermaßen der Nedakteur des Silms. Seine Arbeit beſteht
darin, den fertigen Film zu ſchneiden und ihm die für die Vor=
führung
beſtimmte endgültige Saſſung zu geben. Da von vielen
Szenen verſchiedene Aufnahmen gemacht werden, muß er unter
dem belichteten Material das Beſte herausſuchen und dieſes
unter gleichzeitiger Einſchaltung der Zwiſchentente zuſammen=
ſetzen
. Sumeiſt erfolgt dieſes in gemeinſchaftlicher Arbeit mit
dem Autor und dem Regiſſeur. Von der geſchickten Montage
eines Films hängt faſt immer der größte Ceil ſeines Erfolges
ab, eine Catſache, die man bei uns in Deutſchland leider immer
noch viel zu ſtark unterſchätzt. Daß beim Schneiden des Silms
auch der Autor herangezogen wird, hat den Vorteil, Streitig=
keiten
aus dem Wege zu gehen, wie ſie bei uns bedauerlicherweiſe
an der Cagesordnung ſind. Immer wieder beklagen ſich deutſche
Autoren, daß ſich der Regiſſeur Eigenmächtigkeiten geſtattet, die
mitunter ſinnentſtellend ſind und vom Cext des Manuſkriptes und
von der Auffaſſung des Verfaſſers grundlegend abweichen, ſo
daß der Autor oft genug im fertigen Silm etwas ganz anderes
erblickt, als das, was er ſich ausgedacht hat.
Die Hilfskräfte des Cutters ſind die Kleberinnen, die die
in größerer Anzahl hergeſtellten Abzüge nach der Vorlage der
vom Cutter geſchnittenen Muſterkopie zuſammenſetzen. Hat
die Senſur ſchließlich noch ihr Ja und Amen geſprochen, dann
kann der fertige Silm ſeinen Weg in die Welt nehmen, um dem
Publikum in den Lichtſpieltheatern vorgeführt zu werden.

Der Citel=Autor läßt ſich den Silm vorführen.

mit dem Mantel geſchehen wäre. Aber Andreas ſagte nichts
mehr, er machte nur die Cür auf und ging eine Weile hinaus.
Als er wieder zurückkam, bat er den Fremden, noch etwas zu
warten. Bald darauf hörte man Stimmen draußen, plötzlich ging
die Cür auf und die ſechs Kinder des Händlers, alle noch ziem-
lich
kleie Mädchen, kamen herein. Sie ſchlugen die Augen
ſchüchtern zu Boden, als ſie den Fremden ſahen, aber dieſer hatte
gar nicht Seit, ihre Geſichter zu muſtern, ſo ſehr nahm etwas
anderes ſeine ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch. Von den drei
jüngſten Mädchen trug nämlich jedes ein rotes Kleid, während
bei den drei älteren nur der Nock aus rotem Stoff war.
Für die hat der Mantel nicht mehr ganz gereicht, ſagte
Andreas, und hielt das Geſicht verſchämt zu Boden gewandt.
Meine Frau hat, wie Sie ſehen, mit dem Mantel Ihrer Mutter
unſere ganze Samilie bekleidet.
Da war der Sremde lange keines Wortes mächtig, ſo berührte
ihn dieſes Wiederſehen mit dem roten Mantel, aber ſchließlich
lächelte er und ſagte: Ihr hättet keinen beſſeren Sweck dafür
erſinnen können."
Hierauf nahm er jedes Mädchen bei der Hand und muſterte
ſie alle von oben bis unten. Ja, ja, es iſt der alte rote Stoff.
ſagte er, ein guter, alter Stoff, den ſchon meine Großmutter in
Händen hatte . . . Und Caſchen habt Ihr ja auch in den Kleid=
chen
, fügte er bewundernd hinzu. Schöne kleine Caſchen!
Er ſteckte jedem Mädchen zur Erinnerung, wie er ſagte, eine
Banknote hinein, und als die Mädchen das Geld nicht nehmen
wollten, ſagte er: Behaltet es nur. Es iſt ein Geſchenk. Er
wollte noch weiterſprechen, aber was ſollte er den Kindern aus=
emanderſetzen
, daß alles gegenſeitig ſei, daß eines dem andern
zu helfen habe, wenn ſich wieder alles ordnen und feſtigen ſoll.
dachte er, vielleicht werden ſie
Nein, jetzt keine Wort
es ſelber einmal begreifen, daß dieſe Geſchichte vom roten Mantel
nicht bloß eine Geſchichte von einem roten Mantel iſt.

[ ][  ][ ]

pie i9

Nachtflug.
Von Hilda von Schad.
Weiß flutet Licht hinaus über den Platz, hebt mit ſcharfen
ſchwarzen Schatten jede Unebenheit. Die übermächtige Gewalt
des Motors und des ſchwirrenden Propellers zittert, vibriert
durch die Maſchine. Ein feingliedriges, nervöſes Vennpferd,
deſſen Ungeſtüm nur die zügelnde Fauſt händigt.
Fertig zum Startl
Monteure ſchieben ein paar laufende Schritte, ſpringen zur Seite.
Leiſe, ſtoßend gleitet das Flugzeug über den Platz hin. Schein=
werfer
leuchten auf, weiſen den Weg, durchſchneiden geſpenſtiſch
das umklammernde Dunkel. Ein paar winkende Hände im
grellen Lichtkegel da, plötzlich löſt ſich das Stoßen, die Erdnähe
in ein Nichts. Wir ſteigen.
Schräg in die Ciefe verſchiebt ſich der ſchwarze Waldrand.
Kreiſend verſinkt der Startplatz in unſerer Spur. Höher, immer
höher trägt uns unfaßbare Gewalt. Wie taumelnde Leuchtkäfer
vergehen die Lichter und ein ſeltſames Gefühl regt ſich in mir:
nicht wir ſteigen, alles unter uns ſinkt fort, wird von unſichtbaren
Händen hinabgezogen in die Ciefe. Alle Erdenſchwere, alles Ge=
bundenſein
fällt ab mit dieſer uns plötzlich ſo fernen, fremden Welt.
Knatternd zerrt der Windzug am Kragen, an den Auf=
ſchlägen
der engen Kappe. Jede Bewegung der Arme, jede
Drehung des Kopfes iſt ein Sieg über feſſelnde Widerſtände.
Wir fliegen, wir fliegen!. Ein Jubel iſt in mir, löſt ſich in
jauchzendem, lachendem Schrei. Sehnſucht ſo manchen Craumes,
Uebermaß menſchlicher Vermeſſenhit nun ſind ſie Wirklich=
keit
geworden. Wir fliegen, geiſterhaft, ohne Schwere, in Weiten,
denen keine Grenze gezogen iſt.
Sch jauchze. Doch der reißende Luftzug wirft den Laut in den
Naum fort, ehe mein Ohr ihn fängt. Das macht mich ſtil und
betroffen.
Nacht um uns her, Nacht, Weite und Ewigkeit. In meiner
leiſe gewordenen Seele iſt nur ein Staunen und tiefe Andacht und
Demut. Nichts ſind wir, ſo nichts, ein fliegendes Staubkorn in
dieſer unendlichen Ausdehnung. Und über uns hängen fimmernd
die Sterne, weichen vor unſerem greifenden Flug in unnahbare
Fremdheit zurück. Kein Laut des Lebens um uns, nur der eherne
Sang des Motors im hellen Schwirren des Propellers. Ich
lauſche wie ſehnſüchtig verwehtem Klang des Lebens nach. Doch
wir ſind allein, allein, ſo bedrückend allein in dem winzig klein
gewordenen Sch. Und fröſtelnd erkenne ich die Kargheit unſeres
Lebens: ein Körnchen Staub hier oben, eine Ameiſe dort unten.
Nicht einmal den Stolz, daß menſchliches Genie uns trägt, kann
ich hinüberretten in meine zagende Einſamkeit.
In einer anderen Welt ſind wir, die da wertet mit Maßſtäben
von furchtbarer Größe. Geduldet nur als Fremdkörper, den der
Wahnſinn der Neugier trägt. Körperhaft iſt, was da unten
abſtrakt war. Die Nacht ein Nieſe, der ſeinen rauſchenden
Mantel über uns und dies Stücklein Welt breitet, die Luft eine
kriſtallklare, ſchwarze ſchneidende Maſſe.
Habe ich Angſt? Lächeln muß ich bei dieſem Gedanken. Angſt
vor dem Sturz?. Nur der Schmerz iſt des Fürchtens wert. Aus
dieſer Höhe würde der Sturz den Schmerz nehmen. Nichts wäre
es als ein mildes Hinüberſinken in eine andere Form. Ader der
Gedanke liegt ſo fern, daß ich mich zwingen muß, ihn abzuwägen,
ehe er mir entgleitet. Das leiſe Sittern der Maſchine iſt mit
meinem Blutſchlag eins geworden. So ſicher trägt uns dieſes

Nummer 301.
Aufgabe 434.
M. Habel (Koſtal) in Weinberge bei Prag.
(Vynzlezy a Pokroky. 1805)
d

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kg2 Dh6 Ta2 1.d6 Se6 5),
Schwarz: K45 Be7 a7 3); 3-.
Aufgabe 435.
Friedrich Köhnlein in Nürnberg.
(Münchener Neueſte Nachrichten, 1908.)
Weiß: Ka1 D17 Ta5 g6 La3 S42 a6 71;
Schwarz: Keß l.45 h4 Se8 Be3 gt g5(7.

Stück Aluminiumblech, ſo unaufhaltſam klettert und ſchraubt es
dem Nachthimmel entgegen, als glitten wir auf feſtem Boden
dahin. Ein Widerſtreit von Gefühlen, ein Aufruhr, den das Er=
lebnis
in mir geweckt hat, erfüllt mich. Aber die Angſt hat keinen
Raum in mir gefunden.
Märchen aus Cauſend und einer Nacht! Ein Saubervogel
trägt uns auf ſeinen Schwingen, entreißt uns all dem, was uns
unten bedrängt und peinigt und führt uns, wohin unſere Sehnſucht
befiehlt. Mit geſchloſſenen Augen laſſe ich mich tragen, willen=
los
, hingegeben, heben und ſenken. Gelöſt iſt jeder Nerv, alle
Bedrücktheit iſt von mir abgeglitten, auf dem Erdball zurückge-
blieben
, der da tief unter uns rollt.
Die Luft iſt eiſig und dünn und ſticht die Haut mit Milionen
Nadeln. Aber ſie iſt von einer erſchütternden Neinheit, die wir
Menſchen dort unten auf dem Grunde für unſere ach ſo künſt=
lichen
Bedürfniſſe hingegeben haben.
Eine bittende Bewegung meiner Hand: wir gleiten hinab. Wir
ſinken der Erde entgegen in einer Geſchwindigkeit, daß die Hände
die Bordwand faſſen. Bis die Maſchine wieder ruhig wird und
in lanften Linien über der Stadt kreiſt. Glitzernd wird der
Himmel über uns, doch in vielfarbigen Lichtern grüßt ſie in die
Nacht. Nah, greifbar nah und in geruhiger Wirklichkeit.
Ergreifend der Gegenſatz dieſer Stunde: in die gewaltige Ma=
jeſtät
der ſchweigenden Nacht drängt ſich dieſe ſtrahlende Be=
jahung
unſeres raſtloſen Seins. Und jetzt finde ich auch mein
Jauchzen wieder für die Herrlichkeit des Fluges. Alle Starrheit,
die meine Seele in der Ewigkeit des Alls bedrängte, iſt gelöſt von
dem Pulsſchlag des unter uns wogenden Lebens. Wir ſind Men=
ſchen
, erdgebunden. Wir empfinden und ehren der Ewigkeit
Majeſtät. Aber wir brauchen die Erde, die Feſſel des Lebens, um
frei zu ſein.
Dies ſonſt ſo wirre Labyrinth von Straßen und Plätzen und
Gaſſenengen iſt zu einem gewaltigen Ganzen verſchmolzen, von
ſtrahlender Heligkeit überflutet. Suchend beuge ich mich über
Bord. So alſo ſieht dieſer Ameiſenbau aus, wenn man auf ihn
von Wolkenhöhe hinunterblickt. Ein Durcheinander von ſtillen,
kreiſenden und kriechenden Lichtern. Eine Handvoll Sternſplitter,
herabgefallen und zuſammengedrängt auf dieſem Stückchen Erde.
Schief die Gebäude in der Perſpektive, gewaltige Häuſerblöcke
ſchrumpfen zu Nichtigkeiten zuſammen. Lichrreklame, im
Schneckentempo kriechende Autos, hell erleuchtete Schaufenſter
alles wie ein zierliches, amüſantes Spielzeug für ein ver=
wöhntes
Kind.
Jetzt kreiſen wir über dem Volksgarten. Wie der lachende
Aufſchrei feiernder Menge ſteigen bunte Naketen zu uns empor.
Unwillkürlich recke ich die Hand, ſie zu fangen. Doch ſie zerſtieben
in ſprühenden Funkenregen weit hinter uns. Sanft trägt uns die
Maſchine ſchon über andere Ceile der Stadt. Dunkle Flecken,
träumen Gärten zwiſchen lichthellen Gebäuden. Und näher dem
Nande dann werden die Lichter ſpärlicher. Noch einige Neflexe
im zitternden Waſſer, gelb, grün, rot der Sluß.
Schlafend liegt die Ebene, weit und dunkel. Doch den Hori=
zont
umſäumt ein neues Band von Lichtern. Leben auch dort, wo
der Blick von der Erde aus nur ins Dunkel ſchaut. Ein Rätſel
dieſes Menſchenland! Sein feſter, kindhafter Schlaf hüllt die
Leidenſchaften, die ſeinen Körper wie ein Sieber verzehren, wenn
der Cag kommt. Die erhabene Schweigſamkeit, die kühle Nuhe
dieſer Nacht offenbart in ſchonungsloſer Klarheit, wie ſinnlos
die entnervende Hetze unſerer Cage, wie tödlich der Kampf
Menſch gegen Menſch notwendig enden muß.

Der Wunſch, dieſen Flug nie zu enden, ihn auszdehnens)
äußerſten Grenze der Möglichkeit, erfüllt mich mit ſchmg
Intenſität. Fliegen, bis die Sonne tief unter uns ernacht
einhüllt in ihr Licht, fliegen über Berge und Meere, M1lſtwöder m Sille 9
fort, erfüllt von Geheimniſſen und ungeahnter Schönetls Lndagsgebide a
Welt liegt offen vor uns, bereit, uns ihre Wunder reilſesk la in hopme3 Gelend
ſchließen. Höhentaumel erfaßt mich in dieſer Stunde volel4 Briendent hot ſich
und Veinheit und läßt mich ahnen, wie der Wahnſim der Ikt Verzierunge dia
flüge zuſtande kam. Sich Herr fühlen über Naum und 3e 1eſ. Auner, jo frog
und Erde zum Dienſt zwingen in unbeuglamer Gier u 1 mnwenich drinn net
ſiht mnch ler.
Macht oder ihrem Schein.
Wie fern all die Nichtigkeiten und Aengſtlichkeiten el rchlg dinn, io ſiüch,
Lebens. Es iſt unmöglich in dieſer Stunde an den Att 14 0 gbeſtz, 10l
denken. Fragen, die ausſchließend den Gedankenraum e41uchAllenner
haben ſich aufgelöſt, verloren in dieſer unbegrenzten 2uc hnrnt, wmn ichen
Es ſind unvergleichliche Ferien vom Ich, ſtundenweie //k; jnwer mitm Ve
und darum reſtlos genoſſen.
7 a3 emol was hiebr
Plötzlich reißt das Seil, an dem wir ſchwingen. Wir M/4 kann. Nag,
jäh heraus aus der Ebene unſeres Fluges, ſtürzen, ſauſen u/4 (aa uffzuweie, die

liche Ciefe. Unter mir lackt die Maſchine ins Bodenoſtl 1ch Mes drinn vert

mi chmit ſich in den Gurten, die mich an ſie feſſeln. Dockt künpel erum mat
ſauſt und preßt betäubend in meinen Ohren. Glashart ſcht Me wärliche‟ Lie
eiſige Luft mir ins Geſicht. Wir ſtürzen. Ich ſuche den 4uſcht nt wench fol
über mir, unter mir, der mit ſeinen Sternen want ud, k Stund ärchent
Der Propeller greift hohl klatſchend in den Naum, ome 904 luregduß
finden. Chaos bricht über mich herein, zerfetzt, vernichatll Pſalt 2 ß4 mer
wirbelt uns wie eine Feder, roißt uns hinab wie einen Seät 9iüt ber 10 Uifalen
-Aaabt, was=es abſe
abſchiednehmendes Erinnern in mir, nur der eine veri Mür eneillo
Gedanke: wir ſtürzen.
lie uritzerot
Aber mitten in der Vernichtung werden wir aufgefang/ ſot,
ſanfter Nucke geht durch uns hin. Ein wenig noch ſütztin reiße B3
Maſchine, unſicher. Ehe mein ſchwindelndes Hirn es z!Mege en Herin
wagt, gleitet ſie graziös und ſpielend in ihre vorgihllich widder
Bahn. Das helle, vertraute Schwingen, der gleichnäfuf lalt io gang
und das unerſchütterliche, klare Himmelsrund über mir ſul1 dormet erhole
liche Gewißheiten eines neu geſchenkten Seins. Oben 141 1 i de Boliedt
Märneume 5it
ſind wieder feſtſtehende Begriffe geworden.
Fragend wende ich mich zu meinem Begleiter. Mutk dehale viek leich
Pelz decken diskret meine fühlbar blaſſen Wangen. decht m Derg aach n
a um damit net
mir aufmunternd zu. Luftloch, brüllt er aus der 90es ſln de Himmel ha
der Lungen. Alles in Ordnung. Sch nicke dankbol. Iſr Redde net a
wird mir Gewißheit, daß dieſer Sturz ins Unendliche 4 5 hlte dh

Bruchteil der Ewigkeiten gedauert hat, durch die i9h 104, dd hott es 7
Leiſe verebbt die Erregung, um einer frohen, geruhigen Schhl
keit Platz zu machen. Und während die Maſchine uns dunltlenkt.
Nacht hebt, ſuchen meine Augen häufiger, liebevole deMcälich
IM9 friedl
fende Land unter uns.
In weiten, ſanften Bogen ſtreben, wir dem Se 200lk Eitzut
Einen letzten, ſcheidenden Blick werfe ich hinauf zum fuchl 1½ Her
Firmament. Schon ſind wir im Bereich der Erde. Lichte.
J
auf uns zu. Wieder rollt die Maſchine, leiſe ſtoßen)
Grund.
Bon hilfsberiten Händen gehoben, gleite ich über de W Zeitge
hinab. Aber die Erde, auf die ich trete, ſchwankt und W
leicht vor meinen Füßen. Das Spiel mit Leben und Co i0 ernung
Nur die Weihe des Erlebens zittert in meiner Seeſe 101t cen 1ut
Bie benden
der verklingende Con der Harfe.
Einte no
In dieſer Nacht war ich einen Schritt, einen wintige ?94 hch m.
ndie ho
näher der Ewigkeit.
en Einten

hut:

Löſungen der Aufgaben 428426.
423. F. Köhnlein. Deutſches Wochenſchach 1904. (Kb1 Te3 Lb2Sc7 g2 Ba3
bte3 42 14 h4; Kg4 Te5 Ld7 Ba6 b3 b6 e4 43 o4 15 h5; 54.) Weiß
droht ein fünfzügiges Matt durch Kbie1d1-e1f2 mit Tg3+. Schwarz
ſtellt dem eine oiiginelle Pattidee entgegen: 1.4 7a 4; Te5a5; b6b5; patt.
Mit dem überraſchenden Verſtellungszug 8. Bb4b5! zerſtört We ß den Pattge=
banken
. Es ergibt ich demnach folgenderdramatiſcher Verlauf: 1. Ket L.a4 2. k41
Ta5 3. Bb5! Lib5 4. Sd5 5. Stöck; 3. . . . T:b5 4. Se8 5. St6c.
424. Dr. J J. D. Keefe. 1. Pr., Melbourne Leader, 1909. (K15 Da4 8d7
7 Bb6 c2 16; Kd6 Td8 Sa5 Ba6 b4 44; 2c.) 1. Bc2e4! Es iſt hier die
Freiheit der ſchw. Bauern gezeigt, die vorbeiziehen oder en passant ſchlagen können.
425. A. J. Muckenzie 1. Pr., Shtneh Morning Herald 190405 (Ka4 Da7
Tb8 o3 La1 a6 Se3 e4 Be5 d5 f3 g3; Kd4 Td7h4 Le8 18 Sd8 Ba5e7
f7gTh5;2. 1. Se3a31 TRd5Ld GFeIF 2. Se4. Be6c. 1.... K4
c3 2. Se4Fireines Matt!). Die groß angelegte Kreuzſchachaufgabe iſt eine hervor=
ragenve
Leiſtung des blinden Verfaſſers.
426. H. 2. Schuld. 2. Pr., Handelsblatt, 1918. (Kd8 Db1 Ta4 Ld2Se4e7
Be5; Kd4 Dh2 La6 g1 Bb7 c5 g2h6; 3ℳ/1. Db1g6! droht 2. Dd6+;
1.... Lg1a3 2. Ta4a31; 1.... Dh2Ke5 2. Se4a5+. Verſchiebene
hübſche Mattführungen.
Löſerliſte: Hans Meidinger in Eberſtadt (418426); Adam
Hammann in Pfungſtadt, G. Seeh in Eberſtadt (alle); A. v. S. (423,
425); Georg Peter (424, 425); Franz Buchty in Mainz (4B3, 424).

ID

ID

Silbenrätſel.
Aus den Sülben: a al an ard back bar bee ber biſch chi
de di diſ dri du du e ei er erd ga gen gen ger gie ha
hab im in ka kan ke le le li lin ling lot ma mi mi nel
no nur rat re rha rin rot rur ſe ſo ten thü tor trat
trud vel wal ze zög zwie ſind 24 Wörter zu bilden, deren An=
fangs
= und Endbuchſtaben, beide von oben nach unten geleſen, einen
Spruch ergeben (ch ein Buchſtabe).
Die Wörter bedeuten: 1 Schöpfer des deutſchen Reichstagsgebäudes,

Wiſſenſchaft, 7 weiblicher Vorname, 8 Krokodilart, 9 berühmter Läufer,
10 Schüler, 11 franzöſiſcher Schriftſteller, 12 männlicher Vorname,
13 Bettpolſter, 14 Goldmünze, 15 König von Iſrael, 16 Art Erzählung,
1. 2. 3 Nabarra, 3, 4, 5 Natibor, 5, 6, 7 Boeme.
17 Zucker, 18 Nutz= und Zierſtrauch, 19 Blume. 20 deutzſche Landſchaft,
Matt in zwei Zügen.
9. 10, 11 Sopia, 11. 12, 13 Afrika, 13, 14, 15 Kalber,
21 Gebäck, 22 Zeitungsanzeige, B Baum, 24 Papſtname.
Druck u Verlag:9. C. Bitichſche Hoſbucktuckerest. Weinſtr. 3. Verantwortlich f.d. Redaktion: Dr. 5. Nete. Ferſpr. 1, 3ch 38. Ale Rteckte vorbehalten. Nachdruick verb. Aliſches: F. butberenb. ti

Frag mich was!
1. 2. 3 4.

Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die wagrech
rechten Reihen gleichlautend folgende Fragen beantwortel
Nätſel reden könnte welches Wort würde es ſagend 2..
flüchtige Subſtanz? 3. Welcher Edelſtein tommt in Sache.
heißt eine bibliſche Stadt2, 5. Woraus trinkt man Kaſſe
Farl?
Auflöſungen der Rätſel aus?"
Kreis=Silbenrätfel.

[ ][  ][ ]

im ich ſh wärklich, wie ich am vorichemol eiwanzfrei
jieſe hAſelſefeſt devo iwwerzoge bin, daß e Landags=
nder
Ayſchwabbel Maß voll Arweid hott, ſo daß=em
ffierny ſir, daß=en en Schubbo, in ſeine Unkenntnis,
in ufffſſchibt, wääche weil er glaabt, der hett die Bollezei=
werſchu
,, ſo hab ich mich doch ſo im Laaf vun de

nade acwidder im Stille gefrogt: ich mecht nor wiſſe,
nu de Landagsgebaide auswennich ſo ſchee feldgrau
hawue ur hawwe’s Gelender mit Goldſchaum brong=
ſogar
1 /Bräfendent hott ſich e nei Schäll geleiſt, mit
verziſin Verzierunge dra, un mit Weſtminſtergong=
k
, oddar o. Awwer, ſo frog ich mich, zu was der ganze
wanm inwenich drinn net gedagt wärd, im Landag,
keithalf feht ewich leer. Ja, meiner Seel, es war de
ender iſtuhig drinn, ſo ſtill, diräckt unhaamlich ſtill.
Stund ab drum als ſo gedenkt, ſolle dann die Landägler am
Ge eher agſhuoch Kallenner mache, odder gar Verſel=
te
2!
offe gozütmie, wann ich=en aach s Kallennermache noch
kennt awwer mit’m Versmache, do haberts bei=en.
3, daß ſenls emol was hiebringe, wo ſich kaa Menſch en
iff maohe kann. Naa, wärkliche. Dichter hawwe
Wiſſenskaa uffzuweiſe, die ſin rar; ſälbſt im Stadtrat,
ſo zinumich alles drinn verdräde is, was ärchendwie‟
ſu ötang ün Näwwel erum macht, alſo ſelbſt do hawwe ſe
an ganzüche wärkliche‟. Dichter uffzuweiſe. Un der is
h, mit ſcht, net wenich ſtolz, daß er pun de Muſe als
e ſchtvche Stund ärchendwohin gekißt wärd, de Herr
he Breir laureaduß‟ . ..
er, win jeſagt, es is mer alſo uffgefalle, daß es im
ſie gany leit her ſo uffallend ſtill gewäſe is. Un ich hab
ners wigabt, was=es abſetze dhet, wann nu uff aamol
ie Meraur eneiklorefomiert dhen wärrn, blaßblaublim=
bläddrmnritzerode
, wilde un ganz wilde, vun dene,
ſangedenktbtt, ſie ſchlage mit de Abſätze die Stärn vum
vi =unner M reiße Bäume aus un wann ſe in=re Blumme=
ſe
, un lige en Hering uffm Knie krumm.
ann habch widder gedenkt, wie ſo gor nix los war: ach
wärds hlt ſo gange ſei, wie=fen all geht. Sie hawwe
falls nmd gornet erhole kenne vun ihre Verwunnerung
er, daß=elin de Bolledick ſo grundehrlich hergeht, un ſie
ſich s Zärn=vum=Himmel=runner=ſchlage, un s Um=
un
s Wedehalde viel leichder vorgeſtellt, un hawwe net
daß himmem Berg aach noch Leit wohne, die wo wiſſe,
5 machkh um damit net grad die allerjingſte un aller=
a
Bäume=h de Himmel waxe; un wo ſe emol gemärkt
daß menſr Redde net grad als Gold gälde läßt, ſunnern
for Blächhalte dhut; un wo ſe ſich e paar mal ’s Manl

Fhawrp, do hott es Feier noochgeloſſe, un ſie ſin zimm=

worrm!
hab ich getenkt.
un ſchlſeilich is es jo im Grund genumme aach viel
cher, w im’s friedlich hergeht, zum mindenſte for die,
ſufellig e Sitzung ziehrn miſſe. Un ſcheinbar in dem
hott aah de Herr Bräſendent am Dienstag die Frieh=

johrsoffenſief in aller Unſchuld ereffent, un hott an nix gedenkt,
un hott ſich ſchun gefraad, weil ſe ſich in de erſte zwaa, drei,
odder fimf Minude ſo ſambftche a geloſſe hawwe, die Herrn Lan=
dägler
. Bis bletzlich wie aus heiderem Himmel de beeſe Geiſt in
ſe nei gefohrn is, wenichſtens in die ganz Linkſe. Un warum?
Wie bei de unerzogene Kinner, nemlich, weil mer’n net gleich
de Wille gedho hott.
Un do hawwe ſe, unner giedicher Mitwirkung vun de Gal=
lerie
(was in dem Fall alſo der heidere Himmel is) en Krach
verfiehrt, daß wer geglaabt hott, ſie ſtelle die ganz Hawitt uff
de Kobb. Ich hab mer ſage loſſe, ſie hedde Mordskriſch geliw=
wert
, un Faſt hette ſe gemacht, un Wörder weern gefalle, alſo
die dhet mer uff kaa Dräckſchibb nemme.
Awwer do hett ſichs dann gezeigt, daß der Herr Bräſendent
am Afang vun de Sitzung bloß ſo unſchuldich gedha hett, un
daß er jetzt im Nu, ſiehſte wie=ſte gucſt, die Gallerie räumiche
hett loſſe, um hett ſemtliche Zaungaſt enausſchmeiße loſſe, vun
A bis Zätt, ohne Aſähe der Perſon (bloß die Zeidungsbrieder
hedde ſitze bleiwe därfe freilich, dann wann ſe die net hedde,
weers aus mit ihre Herrlichkeid).
Dann hab ich mer weider noch verzehle loſſe, hedd de Herr
Bräfendent ſogar gan vun dene Landägler einen namens
Sumbf for die Dier geſtellt, weil er ſich im Hof uagenehm
uffgefiehrt hett, was mer bekanntlich nur i nnwenich därft,
weil ſe do immuhn ſin. Un es is des Geſpräch gange, als wie
wann ſogar die Schubbo audomnobill gemacht hett .."
Zur ſelbiche Zeit, als ſich däß begäwpe hott, hawwe ſe aach
in Preiße driwwe im Landag Randahl gemacht. Nor mit dem
Unnerſchied, daß ſe do de Krach ſällwer mache mußte, die
Gallerie hott’n net geholfe. Dann die breißiſche Wehler, die
halte’s jedenfalls mitm Auguſt vun Sachſe ſeine Abdonkungs=
dewies
. ."
Um damit awwer, daß derardiche Vorfäll net mehr vorfalle,
ſin ſe im Heſfiſche Landag uff die Idee verfalle, kimfdich
Eidrittskadde auszugäwwe, un zwar ſcuwer ratzioniert
uff de Kobb vun de Frackzione, was ſoviel haaßt, als wie, uff
jeden Landagsſitz endfalle ſoundſoviel Kadde, ſo daß alſo die
greeßt Baddei die meiſte Eidrittskadde krickt; vermudlich
wärd alſo vorerſt m Herr Schullehrer Hammann aus Wixhauſe
ſei Baddei die wenichſte krieje.
Un was is do ’s End vum Lied? 2 geht’n im Landag
genau wie dene in Preiße ſie miſſe kimfdich ihrn Krach ſäll=
wer
mache. Un als dichdich Geſchäftsfraa hab ich mir geſagt,
halt, do is e Geſchäft zu mache, do kann mer Geld verdiene, dann
wann die krachluſtich Stimnung halbwähls ſo vier Woche ghelt,
kann ich die Koſte for mei Summerrags erausſchlage.
Nemlich, däß is emol ſo klar wie Kleesbrieh, wann die
Krachmacherei allgemein ei gefiehrt wärd, im Landag, dann
kumme ſe bald mit ihre Stimme net mehr aus, indem daß ſe ſich
dann bald zum Wohl un im Indräſſe vun ihre Wehler heiſer
gekriſche hawwe. Un demnach weer alſo der, wo am lautſte
un am lengſte kreiſche kann, fei eraus, un die annern kennte mit
ihre heiſere Stimmbennel mix mehr mache, als heechſtens e bische
biebſe, un ſin alſo, wann ſe ſich deorchſetze wolle, uff Hilfs
middel a gewieſe. Un die Hilfsmiddel die kennt ich liwwern. Ich
dhet ganz afach vorm Landag en Stand uffſchlage, un do dhet

ich Foaze verkaafe, Drillerpeiſe, verboddene Audomobillhubbe,
Fawrick=Sierehne, verdällerte Saxofone, Blächpeife, Rattſche,
ausranſchierte Blächdeckel, Dunnerſchleeg, Kracher, Poſaune,
Trumele, kabbudene Drehorjele, garandiert ausgeleierte Gram=
mofone
, Sprachrohrn, verknutſchte Ziehhammoniga korz lau=
der
Inſtrumende for Herrn, die wo ſich dorchſetze wolle.
Daß nadierlich in dem Fall, de Herr Bräſendent, des klaane
Heinerche, mit ſeine neie Schäll, net viel afange kennt, däß kann
mer ſich denke; no dem kennt mer jo en Flammeſchbuder um=
henke
, der wo jo net grad Flamme zu ſpeutze braicht, ’s lennt
aach e anner Flüſſichkeid ſei, wo erauskemt . . ."
Alſo jedenfalls, dodorch kemt erſt Läwe in die Bud, un däß
is widder emol en glenzender Eifall vun mir, un glei morje mach
ich e Eigab, um daß ich die Konnfeſſion krieh, zu ſo=eme muſi=
galiſche
Verkaafsſtand vor’m Landgg.
Däß weer e Fräſſe for mein Geldbaidel, der wo ſowieſo die
Auszehrung hott; un ich glaab, bei dem Geſchäft kennt ich mich
geſund mache ..."
Un wann’s nix is, un ſie gäwwe mer die Konnfäfſion net,
for den Inſtrumende=Stand, do mißt ich mich halt emol an un=
ſern
Finanzminiſterich wende, an de Herr Färdnand Kirn=
bärcher
, valleicht greift der mer wääche meine Summerraas
unner die Arm. Dann der hott ſo=en gudmiediche Zug im Ge=
ſicht
, gornet ſo, wie ſünſt als Finanzminiſter, die wo ſo berufs=
meßich
verbidderte Geſichtszieche drage, un demgemäß ausſähe,
wie drei Dag Räjewädder. No un de Herr Kirnbärcher, mit
ſeim gude Härz, un ſeim vorbildliche Obbdimißmuß, der ſchlehkt
mers gewiß net ab, dann er hott jo die Woch ſälbſt geſagt, daß
es unſere heſſiſche Finanze gornet ſo ſchlecht gingt, als wie ſe
ausſähe dhete. Alſo
Allerdings, mich an die Stadt zu wenne, däß wärd wenich
Zwäck un Währd hawwe, wann ſe aach ſich gäächeniwwer,
wie mer die Woch ſo hinnerum geheert hott, gißerſt gäbb=
ſchnitzich
is. In dem Fadl kimmts ihr net ſo genau druff
a" awwer aam wiſſawie, do haaßts immer: Mir hawwe
nix druff!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Alſo wie ich neilich a gedidde
hab", hatte die gedrickte Haushärrn vor, die Eishiwwel uff de
Drottwahs ſich zum ewiche Adenke an den denkwärdiche ſchau=
dereeſe
Winder ei ballſamiern zu loſſe, valleicht mit de
Jahreszahl eneigrawiert. Awwer ſie hawwe’s ſcheints verbaßt,
un mittlerweil hawwe ſich die Eishiwwel direckt zu=ere Exküſe!
Squerei endwiggelt, dann ſie leeſe ſich in de Sunn langſam in
ihr ſemtliche Beſtanddaale uff, nemlich in Dräck um nadier=
lich
iwwer Nacht widder halb zu friern, damit mir Paſſande jo
noch recht lang dra hatwwe.

Wah haffdich, wann mer des Bäch hott, un muß uff ſoeme
vorbildlich verſaude Drottwah endlang wandele, do ſieht mer
gleich unnerum aus, wie e Dräckbehle. ’s weer jetzt an de Zeit,
wann ſich die Herrn Straßereinichungsrät däre Sach emol a=
neime
dhete. 1s is wärklich e dräckich Kabiddel ..."
Vergäſſe Se’s net: Heit awend im Klaane Haus De
Glasſchrank un de Mittwoch awend. De Datterich.
18 gibt widder zwaa echt=darmſtädtiſche Familljefeiern. Un wie
geſagt: Keine Aufmachung! AllesQualität!

Der ſeitgemäße Haushalt.

eeEnt ſnnung von Tintenflecken aus wolle=
Iſen, Trpſichen uſw., gelingt beſonders dann ohne eine
zurüüchle benden Fleclen, wenn man die Arbeit be=
Alange Si Tinte noch feucht iſt. Man ſauge zuerſt alle
beiche nachnicht in den Stoff eingedrungen iſt, mit Löſch=
er
Ba mwolle vorſichtig auf, tröpfelt dann ein wenig
ſich auff dn Tintenfleck und troanet ſie abermals mit
pldchenn iner Watte auf. Dieſes Verfahren muß zwei=
al
wieirholt werden. Iſt der Tintenfleck ſchon alt, ſo
*Milch, ſäger darauf ſtehen bleiben, auch muß der Fleck
29 mit reiem Seifenwaſſer ausgewaſchen und mit einem
Tuche trsn gerieben werden.
IPfern:eVaſchkeſſel und ihre Behandlung.
in alten häuſern oder Einfamilienwohnungen kupferne
ehel im 2Achhaus eingebaut ſind, die vor den emaillier=
Eein den ſißen Vorzug haben, daß in ihnen keine Schäden
Waſche drch Roſtflecke entſtehen können, die durch ab=
E Emaille verurſacht werden, dienen nachſtehende Rat=
den
Hauufauen zur Beachtung. Nach jeder Wäſche müſſen
Verkeſſell m den Seifenwaſſerniederſchlägen durch Aus=
* befreit erden, wozu man ſich eines Lufahlappens be=
hen
man im Ata beſtreute. Nachſpülen mit klarem Waſſer
Pſundliche= Nachreiben mit rockenen Tüchern und etwas
treide ſBedingung, denn jede zurückgebliebene Feuch=
Tagt zur brünſpanbildung bei. Die Kupferkeſſel müſſen
Deher gefrul ſein, wenn unter ihnen Feuer gemacht wird,
Ve ſich nuch durch die Hitze zuſammenziehen und Beulen
en.
mona m=Efſenz aus Südfruchtabſällen
lten ſieine Apfelſine und Zitrone ſollte verbraucht
D9ne de fauch das geringſte Stuckchen der gelben Schale
2 hchſernt turde. Dieſe übergieße man feingewiegt in einer
E mit einerr jarken Löſung von kriſtalliſierter Zitronenſäure
2 auf eime halben Liter Waſſer gerechnet) kochend aufge=
De2 laſſe /45 Wochen in warmem Raume ausziehen.
Sſenz, duurg ein Tuch oder Haarſieb abgegoſſen und in
Nen berksin aufbewahrt, ergibt im Sommer mit Zucker
Mem odm Selterwaſſer vermiſcht, eine ſehr erfriſchende
Nde, die ſuem den Vorzug größter Billig= und Bekömm=
it
hat.
te Buſtenfuppe. Ein halbe Pfund weiße, ant
zubor gineweichte Bohnen werden mit 1 Liter Waſſer
Nochen aungletzt. Inzwiſchen röſte man in 1 Eßlöffel But=
Brfliggseſmittene Zwiebel, füge ein Viertelpfund To=

Sisſark bei, uw gebe dieſes zu der durch ein Hgarſieb gerühr=
Sppe, dieman mit Ealz, eiwas Pfeffer und friſcher
tei würzt.
Lädlef üpe auf Wiener Art. 1 Ei. 1 Taſſe Milch,
Lin 1obies Nehl, daß ein dicker Eierkuchenteig entſteht, wird
Dins und Aoon dunne goldgelbe Eierkuchen gebacken. Dieſe

werden eng zuſammengerollt und auf dem Brett in ganz feine
Streifchen geſchnitten, die man in kräftige Fleiſchbrühe gibt. Mit
gewiegter Peterſilie überſtreut, wird die Suppe mit Salz, wenig
Pfeffer und friſcher Butter abgeſchmeckt.
Kartoffel=Pfannküchel mit Marmelade= Fül=
lung
. (Schmalz=Kaffeegebäck.) 12 Pfund gekochte, geſchälte
und geriebene Kartoffeln miſche man mit 1 Ei, 1 Meſſerſpitze
Salz, dem Abgeriebenen 1 Zitrone, 1 Eßlöffel Süßſtofflöſung und
ſoviel Mehl, daß ein geſchmeidiger Kloßteig entſteht. Von dieſem
forme man mit bemehlten Händen mußgroße Kugeln, in deren
Mitte man je. 1 Teelöffel ſteife Marmelade oder Pflcumenmus
füllt und backe dieſe dann in ſiedendem Schmalz lichtbraun, um
ſie noch warm mit Puderzucker zu beſtreuen.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Rote Bohnenſuppe. Sauerbraten. Geſchm.
Aprikoſen. Montag: Makkaroniauflauf. Dienstag:
Pichelſteiner Gemüſetopf. Mittwoch: Leberknödel mit
Squerkraut. Donnerstag: Gefüllte Krautwickel. Frei=
tag
: Fiſchpudding mit Kapernſoße. Samstag: Weiße
Bohnen mit Pfloumen.

Nachteil.

Humor

Ach hör mal, hier in der Zeitung iſt von mir die Rede.
Wahrhaftig? Was ſteht denn da?
Am letzten Sonntag beförderte die Straßenbahn 15 834 Perſonen.
(Buen Humor, Madrid.)
Einer davon war ich!"

Sixr, Altfi, ein Einbrecher wia du braucht nur materiell
eing’ſtellt z’ſein, aber mein Heiratsſchwindel greift ſeeliſch an!
(Jugend.)
Im grünen Gewölbe. Hans Reiwann erzählt in ſeinem Stachel=
ſchwein
von einem Ehepaar, das das grüne Gewölbe in Dresden beſich=
tigen
will, aber vom Pförtner angehalten wird, weil ſie ihre Pelerinen
über dem Arm tragen; die Pelerinen müßten endweder angezogen oder
an der Garderobe abgegeben werden. Da ſchmettert die weibliche Hälfte
des Ghepaars empört: Ach Sie dängin wohl, mir mauſen? Neel
Solchen Grahm ham mir ſällwr ſatt duheme!
Der Autokauf. Ich glaube, ich werde mir einen neum Wagen zu=
legen
müſſen. Warum denn? Biſt du mit deinem nicht zufrieden?
Das ſchon, aber ich kann ihn nicht abbezahlen.
Stets dieſelbe. Denk dir Robert, in ein paar Jahren werden wir
in einer Stunde nach Paris fliegen können. Du wirſt aber imer noch
drei Stunden brauchen, bis du ferdig biſt.
Nicht zum Aushalten. Haben wir Sie denn nicht immer behandelt,
als wenn Sie zur Familie gehörten, fragt die Hausfrau das kündigende
Mädchen. Ja, erwidert dieſe, aber das kann ich eben nicht länger
aushalten.

[ ][  ][ ]

Modiſche
Scherenſchnitte.
Wer heute ſein Zimmer mit echten oder
beinahe echten Biedermeiermöbeln, hellen
Cretonne=Gardinen und allem Zubehör ein=
richtet
, wie es zu Urgroßmutters Zeiten Sitte
war, der wird ſehr glücklich ſein, wenn unter
dem ererbten Hausrat auch ein paar jener
ſchwarzen Schattenbilder ſind, die man einſt
Silhouette nannte. Man ging ja zu jener
Zeit noch nicht einfach zum Photographen,
wenn man ſein Konterfei beſitzen oder lieben
Freunden verehren wollte! Es galt als eine
der ſelbſtverſtändlichſten Künſte, die man
eben mehr oder weniger beherrſchen mußte,
die Umrißlinien, das Charakteriſtiſche eines
Profils, mit geſchicktem Schnitt aus ſchwar=
zem
Papier herauszuſchnipſeln, und wir
Heutigen freuen uns über den dekorativen
Wert damaliger Scherenkunſt, die ſelbſt in
unſerer techniſch vervollkommneten Epoche
noch immer von einigen begabten Künſtle=
rinnen
eifrig geübt wird. Allerdings haben
wir uns gewöhnt, die eigentliche Bezeichnung
Silhouette immer mehr in übertragenem
Sinne zu gebrauchen: man hört gerade jetzt,
wo die erſten Geheimniſſe der Frühjahrs=
mode
offenbar werden, mehr als je von
Silhouette ſprechen als von der Umriß=
linie
, die unſere neuen Kleider zeigen werden.
Modelinien ſind ja immer das Ergebnis
fleißiger Arbeit mit der Schere. Doch es
ſcheint, als ob die kommende Saiſon uns
wirklich Scherenſchnitte bringen wird, die es
an Kunſtfertigkeit ſicher mit der Arbeit jener
Vorläufer der Portrait=Photographie auf=
nehmen
: man bekennt ſich zu einer Freude
an Komplizierungen der Schnittformen wie
ſeit langem nicht! Da ſich die Mode nun
ſchon ſeit langem entſchloſſen hat, logiſch
vorzugehen, wird ſich die Scherenkunſt beſon=
ders
der Röcke annehmen, deren Ausgeſtal=
tung
ja ſeit den letzten Saiſons immer ein
Steckenpferd der Modeſchöpfer war. Wir
begrüßen da manche alte Bekannte aber
in amüſanter neuer Form! Die Tunika
kennen wir aber die Idee, ſie rückwärts
kurz, nach der vorderen Mitte zu immer
länger werdend, über den geraden engen

Ein Nachn

Der Seidenſtrumpf
mit dem 4 jour eingewebten Zwickel ſoll, auf
Wunſch der Mode, unſerem glatten Seidenſtrumpf
Konkurrenz machen. Es gibt ſehr feine Muſter,
die wie eine ſchlanke Ranke das glänzende Seiden=
gewebe
unterbrechen; aber auch hier gilt die Regel:
Je unauffälliger, deſto ſchöner und vornehmer.
Der Pyjama
aus karierter Seite iſt feſch und außerordentlich
praktiſch und daher für die Reiſe ganz beſonders
beliebt. Unſer Modell, für das ein hellgrundiger,
buntkarierter Taft verwendet iſt, wirkt ſehr flott
durch das dunkle Material, das den Beſatz bildet.
Und ganz beſonders praktiſch iſt es, daß man den
Anzug in ein Täſchchen aus gleichen Stoffen ver=
ſtauen
kann. Natürlich zeigt dieſes Täſchchen den
beliebten praktiſchen Reißverſchluß.

Der moderne Mantel.
Vier Mäntel zeigen wir Ihnen heute auf unſerer
Abbildung vier Mäntel in ſchönen, nach unten mehr
oder weniger erweiterten Formen, die trotz dieſer
unteren Erweiterung abſolut ſchlank, faſt figur=
betonend
wirken. Das liegt an den neuen Schnitt=
formen
, die mit dem allergrößten Raffinement aus=
geklügelt
ſind: jede Naht, jedes Fältchen muß an ſolch
einem Mantel ſitzen! Und das wichtigſte iſt, daß man
die Stoffweite richtig verteilt, daß in der Schulter=
gegend
gerade ſoviel Stoff vorhanden iſt, wie unbe=
dingt
erforderlich, denn die Wirkung der unteren Weite
hängt ganz vom Sitz des oberen Mantelteiles ab;
iſt der Mantel oben und unten gleichmäßig weit, ſo
erinnert er leicht an einen unförmigen Sack! Unſere
vier ſchicken Modelle können aus einfarbigen Woll=
ſtoffen
oder aus Seide gearbeitet werden vielleicht
iſt eine ſchöne Seide in Schwarz, Marineblau oder
Braun noch geeigneter als Wollſtoff. Nehmen wir
einmal an, Sie wollten ſich einen eleganten Seiden=
mantel
beſchaffen, Sie ſehen unſere Modelle, ſie ge=
fallen
Ihnen, aber Sie ſind nicht ganz ſicher, welche
Seide für jedes einzelne Modell am paſſendſten iſt.
Und hierüber wollen wir ein wenig plaudern, vielleicht
können wir Ihnen einen Rat geben. Die ſehr weiche,
ſchmiegſame Form des erſten Modells (a) verlangt
auch ein weiches, ſchmiegſames Material; folglich
wäre, außer einer glänzenden Seide, Crepe ſatin,
Crepe marocain oder der neuartige, ſehr weiche Taft
zu empfehlxi. Da die Schnittform mit dem weiten
Glockenanſaß, den ſchmeichelnden Aermelvolants und
dem breiten, flott um den Hals gelegten Kragenſchal
an ſich ſehr dekorativ iſt, fallen alle abſtechenden Gar=
nierungen
fort. Das zweite Modell (b) iſt ſtrenger,
korrekter in ſeiner Faſſon; als Material kommt, neben
einem ſchweren Crepe ſatin, der für faſt alle Mantel=
arten
genommen werden kann, hauptſächlich ein ſchö=
ner
Moiré in Frage; eventuell kann man den Mantel
auch aus dem beliebten, ſehr haltbaren Ottomane

zwen
OPec
z, weil
ru
Rock eines Tuchkleides fallen
hübſch und neu. Dieſe apartet?
ihr Gegenſpiel am Leibchen, das jnch veſtt zu 10ße=
Treſſengürtel leicht bluſt, in dershe Biſchichte des bilt
jaft zu B
des Ausſchnitts, die durch eineuzuu
blende in abſtechender Farb (y
Treſſeneinfaſſung betont wird. a Hlu Auſölung der 3
zieht harmonierend auch den N qrudhellichen Zuichl
der ſchicken Fechtermanſchette, i pn Mmwic, genügend
gelenk ebenfalls durch ſchmale 2in nnuhte Kiche Ne!
abgeſchloſſen erſcheint (A).
Das gürtelloſe Kleid, das uru 5 lenan erinnern, daß
brachte, gibt natürlich auch a)rmhreier Monate
durch die Kunſt der Schere dißgarnrſchwand, in der
förmig wirkender Flächen abzu wEn=iſſe ſo eingehend
benutzt bei einem Nachmitt.s refür war die ſtille
Crepe ſatin das bewährte Malrma Gatin, wobei d
eingelegten Faltengruppe. Wos)iyr Nuter zugeſproch
im Rock enden, ſetzen ſchräg ab1 Eiſ no ſich auch der
geſchnittene Teile ein, deren ſpiruu d geſchiedenen He
winklige Ueberſchneidungen S Ym0 gron erinnern,
in des Wortes beſter BedeutFoſt= Vemählung allg
Aus dieſer Linienanordnung, Eenisn Annäherung z1
eine gewiſſe Markierung der Qywe.
(wenn auch die Silhouette, au0 /0 wird man ſich viel
ungeteilt bleibt), wächſt eine Bll. 2zu Berwick guch hie
Material des Kleides hervor, Ehleine nach der Auflk
leicht geſchwungenem Ausſſi megie für die Gründ
Weſteneinſatz mit Jabotkragen :4yim und Kolonien
Etwas ſtattlicheren Damen. E5 üe Gründung au
der bizarre Linienverlauf nicht 19 hri das Unterhaus
kommen ſein ſie werden f
kende Scherenſchnitte bevorzuge:
bietet ſie ihnen als beiderſe=
Bogenlinie eingeſette Glockente
abgefütterte Zipfel die Linie des
überſchneiden. Für das Leibch=*
gern bluſigere Form und lehrn
gefälligen Schnitt der Ruſſenb2f
rechtſtehendem Kragen an, der
nicht ſtilgemäßes, aber ſehr f*
ſchnittenes Jabot bekommt. (C)
Ebenfalls für die ſchlanke L2
andere Form ein, bei der vomri
je zwei Volants den Rock bildes:
Volant iſt in tief von den Hin
wärts ſchwingender Linie ange:9
tiefftem Punkt die in die MI4
ſcheinbare Schlußlinie des Kleſü4
am flachrunden, mit Spitzenkia.
Ausſchnitt beginnt und den ſtreeA
ergibt. (D.)
arbeiten, ebenſo wie den darauf folgenden:
An dieſem Modell wird die Wirkung 1I
Seide noch erhöht, wenn man ſie i ie‟
Fadenlage verarbeitet, etwa quer gerippt n
und längs gerippt für den unteren Teillie5
kehrt. Oder man wählt eine der neuartteite
Mantelſeiden, die nicht unpraktiſcher ſind 0s0
ler Wollſtoff. Auch Taft, Moiré und NeE.
in beſonders ſchweren Qualitäten, wurue.
eignen. Und dann kommt das letzte Nou4:
leicht taillierten, tadelloſen Form. Der
ſchweren Seide wird durch die aufgeſer:
aus einem ſtumpfen Material gehoben:=
Crepe ſatin, dann ſtellt man natürlich?
und die glänzende Stoffſeite zuſammen.n
aber darf für dieſes Modell nur ein beſonme.
und edles Gewebe verwendet werden.
Nun zum Schluß noch ein paar Wonsſt
neuen Frühjahrshut. Man wird viel UIS=
geflechte
in winzig kleinen Formen ſeh *
ganz ſchmalem, individuell geformtem !
Rand, teils randlos und kappenartg der
gezogen. Die Farben richten ſich natſich
denen der Mäntel; ſchwarz und g008
Nüancen ſind bevorzugt; lebhafte Tone!
wenigſtens vorläufig, wenig ſehen.
Zu allen Modellen ſind Lyon=Schhe.

Der neue Frühjahrs‟

Das Charakteriſtiſche und wirhig
Frühjahrshüten, den kleinen und De. L=
eine
ungleiche Form, die einſetig, o0.
Form, bedeutend verlängert iſt. S
kann dieſe neue Form die gleichnöße.
dig verdrängen, denn es wird imme. L.
n0
die ein korrektes, ſolideres Genre !
ſamen Extravaganz vorziehen=

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 10. März 1929

Seite 27

Mlenteurer von Ehre.

Aoman von Max Uebelhör.

(Nachdruck verboten.)

=Pedienung klingeln, Sir?
fnete die rechte Fauſt und winkte; Hohlander

hei4/ſcer heraus, weil er ſtandgehalten hatte, weil
nickᛋlmte, wo dieſe alles bedeutenden Papiere in
waug in ſeiner Bruſttaſche, über ſeinem Herzen,
er diAlſtunſinnig pochende, faſt ſchmerzende Herz
an3
Ein Nachwort.
ſere nMbieles zu ſagen, doch das meiſte wird der=
die ſeſchichte des britiſchen Imperiums und der
fliſchem Eeſellſchaft zu Beginn dieſes Jahrhunderts

wifrſet
dſichün Auflöſung der Imperial=League erinnern, ſie

den eirdheitlichen Zuſammenbruch ihres Schöpfers.
s vonnſirwick, genügend erklärt; wie eine ihrer Pfei=
rebem
eiaubte Kirche fiel ſie in wenigen Wochen zu=
d
ſicht ernn erinnern, daß der Name des Herzogs von
hren=ichrerer Monate aus jener Rubrik der großen
Slättwurſchwand, in der über die höſiſchen und ge=
en
Enezu iſſe ſo eingehend berichtet zu werden pflegt.
rundthrfür war die ſtille und raſche Scheidung des
in ſein Gattin, wobei das Kind im Einverſtändnis
ater ſie Mutter zugeſprochen wurde.
M wirnm an ſich auch der ſpaltenlangen Berichte über
lungeer geſchiedenen Herzogin von Berwick mit dem
MieſylErby erinnern, ſehr wahrſcheinlich wird man
eil Ah Vermählung allgemein als ein Zeichen der
ehmennen, Annäherung zwiſchen England und Ruß=
iet
MIN.
öließlſtk wird man ſich vielleicht auch noch erinnern,
zog 1)0 Berwick auch hier tut der Name nichts zur
vige !MRnate nach der Auflöſung der Imperial League
er Elmgie für die Gründung einer das Mutterland
Dommn und Kolonien enger verbindenden Körper=
ſt
, daiß ie Gründung auch ſtattfand und daß ſie raſch
Oberx it das Unterhaus beſtimmenden Einfluß er=

a gu qtloſen Sohlen, und als er draußen auf dem
wvar, 191 er ſtehen, ſtützte ſich mit beiden Händen an
und unike tief auf.
in de ßöhle des Löwen geweſen und kam heil wieder

langte, was ihr Schöpfer, der Herzog, gerade noch erlebte, um
dann auf einer Propagandareiſe in Auſtralien vom Schlag getrof=
fen
und in den Nekrologen der geſamten angelſächſiſchen Preſſe
als guter Bürger des britiſchen Imperiums gefeiert zu werden.
Doch dieſes Werk überlebte ſeinen Schöpfer; es über=
lebte
ihn nur zu gut ...
Von all dem wird der Leſer vielleicht gehört haben, es ſind
dies zum Teil hiſtoriſche Begebenheiten.

Dagegen kann er kaum etwas von Karl Hohlander und dem
vollen Glück wiſſen, das das ſchöne Landhaus in Kent, ein Schloß
faſt, und das elegante Eigenheim in London nach ſeiner Heirat
mit Kathleen erfüllte.
Hohlander, nun ſelbſt für engliſche Begriffe ein außerordent=
lich
reicher Mann, lebte zuſammen wit ſeiner ſchönen Frau an=

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aller Art, neueste Modelle eingetroffen. Es ist Ihr Vorteil,
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fangs das ſo ſichere, vornehme und beherrſchte Leben des Aus
landers von Diſtinrtion uno dann dasjenige des naturaliſierten
Briten die Verwaltung ſeiner Güter und große Geſchafte, di
er im Schutz der pax britannica machte, hatten die Einvurgerung
erheiſcht.
Dank einem ſtillen, aber mächtigen Einfluß ſtanden ihm alt
die ſonſt ſo wohl behüteten Türen der beſten engliſchen Geſell=
ſchaft
und danat der peſten internationalen Geſeltſchaft der Welt
offen, und derart lebte er ſich in dies neue Milieu ein, daß man
ſeine deutſche Abſtammung bald vergeſſen hatte.
Man jah Hohlander nicht nur im vornehmen London, nicht
nur als einen der eleganteſten Reiter der Rotten Row im Hyde=
park
, als einen der markanteſten Gäſte all der großen engliſchen
Feſte,, als einen Teilnehmer der großen Jagden in Scholuland,
als hervorragenden Sportsmann bei allen engliſchen Turnieren,
Regatten, Rennen und Maſches, ſondern man ſah ihn überall,
in Paris, in Petersburg, in Konſtantinopel, in den herrlichen
und üppigen Städten des lateimiſchen Amerika, in den von der
Arbeit und der Jagd nach dem Dollar durchſieberten Städten der
großen nordameritaniſchen Republik.
Man hörte von ihm als dem Erforſcher des zentralen Afrika,
als dem Jäger in den Dſchungeln Indiens, als dem Reiſenden
durch China, Japan, Tibet und die Mongolei, man las von ihm
in den Revuen gelehrter Geſellſchaften kleine und immer ſehr
intereſſante Abhandlungen über menſchliche Kurioſa; mit einer
gezügelten, aber wahrhaft kranihaften Lebensgier warf ſich Hoh=
lander
über die ganze Welt, erforſchte er ſie in allen geographi=
ſchen
Richtungen, in allen Schichten und Klaſſen
Und wer dieſen ruhigen, faſt kalten, korrekten, beherrſchten
und andere, ſo leicht beherrſchenden Mann von Welt ſah, der
mußte der Meinung ſein, es hier mit einem vollkommenen Pro=
dukt
jener engliſchen Schulen zu tun zu haben, auf denen weniger
das Wiſſen als der Charakter herangebildet wird, und die jedes
Jahr Hunderte ſeiner Individuen in das Leben hinausſchicken,
die ihr eigenes, reiches Leben führen, und ſollten ſie einen Beruf.
ergreifen, ſo immer den gleichen, denjenigen der Beherrſchung
der Maſſe Menſch.
Nein, niemand konnte ahnen, daß unter dieſem ſo ruhigen
Aeußeren immer noch der alte Karl Hohlander ſtak, der Aben=
teurer
, wenn auch der Abenteurer von Ehre.
Er ſelbſt wußte dies nicht.
Aber da kam ein Ereignis, das aus dem Menſchen alles
herausholte, was an Gutem und an Schlechtem in ihm war, es
kam der Weltkrieg, er kam eben doch.
Und in wenigen ſchmerzlichen Tagen fiel die durch ſo viele
Jahre geſchaffene Maske ab, der Abenteurer ſtand wieder da,
herriſch, trotzig und tollkühn, und wieder leiſtete dieſer Aben=
teurer
ſeinem Vaterland große Dienſte.

Ende.

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ſcheiden
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zu werten. Sie beſtehen im Vergleich mit den
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[ ][  ][ ]

Seite 28

Sonntag, den 10. März 1929

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2. Bericht über die Ende Oktober, antangs November 1928 stattge-
fundene
gesetzliche Remsion, Erklärung des Aufsichtsrates hierzu
und Beschlußfassung über den Revisionsbericht.
3. Bericht des Aufsichtsrates über die Prütung der Jahresrechnung.
4. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz, Gewinn- und
Verlustrechnung, Gewinnverwendung sowie über die Entlastung
der Verwaltungsorgane.
5. Ergänzungswahl des Autsichtsrates. Es scheiden aus: die Herren
Kalbtuß, Krämer und Mayer, die für die Dauer eines Jahres nicht
wieder wählbar sind. Ferner Ersatzwahl für das am 25. Juni 1928
verstorbene Aufsichtsratsmitglied Emil Vierheller,
Darmstadt, den 1. März 1929.
Der Aufsichtsrat:
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dieses Volksnahrungsmittels
erkannt.
Die deutschen Fabrikbetriebe aber sind
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über, wegen ihrer Reinlichkeit und der
Beachtung der strengen Gesetze der
Hygiene.
Das Produkt bewunderungswürdig,
saubersten, mechanisierten und bygie-
nisch
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hervorragend im Geschmack
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