Darmstädter Tagblatt 1928


26. Oktober 1928

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAuſkrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 298
Freitag, den 26. Oktober 1928.
191. Jahrgang

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breitl=Reichsmark.Anzelgen von auswärte 40 Reichspfg.
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zeile
300 Reichemark. Alle Preſſe in Reſchemark
4 Dollar 420 Markl. Im Falle, höherer
Gewalt, wie Krſeg, Aufruhr. Streil uſw., erſiſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der Anzeigen=
auffräge
und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konturs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Banktonto Deuiſche Bank und Darme
ſädter und Natſonalbank.

Parker Gilberts Bericht.

Beſprechungen in der Reichskanzlei.
Der Zuſammentritt der Reparations=
Kommiſſon ſchergeſſel.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reparationsagent Parker Gilbert hat noch am Tage berufung der Sachverſtändigen=Konferenz handle.
ſeiner Rückkehr nach Berlin von der Rundreiſe über London,
Paris und Brüſſel an einem Eſſen beim Reichsfinanzminiſter
teilgenommen und hat dann am Donnerstag vormitag in Poincaré werde von der Kammer die Ratifizierung des franzö=
einer
Beſprechung in der Reichskanzlei, an der neben dem ſiſch=amerikaniſchen Schuldenabkommens verlangen wird in
bankpräſident teilnahmen, über das Ergebnis ſeiner Reiſe be= tung der franzöſiſchen Regierung zur Frage der endgültigen
in die Vorbereitung der neuen Reparationskonferenz hineinſteckt.
Es ſcheint ihm auch gelungen zu ſein, beſtimmte Fortſchritte zu
erzielen, inſofern als das engliſche Schatzamt die Abneigung, die
mehr in den Weg legt. Der Zuſammentritt der Kommiſſion in
nur noch darum, ihre Aufgaben näher zu umgrenzen. Ihr Zweck
iſt in Genf dahin definiert worden, daß ſie eine endgültige und
vollſtändige Regelung des Reparationsproblems finden ſollte.
Aber hier ſetzen die erſten Schwierigkeiten ein. Die Fort=
ſchritte
, die Parker Gibert mitbringt, ſind techniſcher Art. Sach=
lich
beſteht nach dem erſten Eindruck die Gefahr, daß ſich materiell
ſeine Rundreiſe als ein Mißerfolg herausſtellen wird, als der
Preis, den England ſich für ſeine Bereitwilligkeit zahlen ließ, in
einer Ringbildung unſerer Gläubiger beſteht, die ſich alſo über
das, was ſie ſich von Deutſchland zahlen laſſen wollen, im weſent=
lichen
im klaren ſind, ſo daß in der Konferenz dann der Kampf
im weſentlichen nur noch ausgefochten werden könnte, um die
politiſchen Zahlen, über die man ſich mit uns verſtändigen will,
während für uns das Entſcheidende iſt, die ganze Angelegenheit
aus der politiſchen Atmoſphäre in das Gebiet des wirtſchaftlich
und finanziell Möglichen oder Erträglichen hinüberzuretten. Die
deutſche Regierung iſt nach wie vor ſchweigſam. Wir erfahreu weſen, um den für ihr Land notwendigen Geſamtbetrag für die
lediglich, daß der Kanzler in den nächſten Tagen dem Kabinett
Bericht erſtatten wird. Ob eine derartige Zurückhaltung immer
noch am Platze iſt, darüber drängen ſich aber allmählich doch ſehr
ſtarke Zweifel auf. Die deutſche Regierung hat bisher noch nicht
zu erkennen gegeben, wie ſie überhaupt zu taktieren gedenkt. Das
erſcheint uns als ein Fehler. Sie wollte nicht der Verſuchung
unterliegen, in den internationalen Streit über die Höhe der
Milliarden hineingezogen zu werden, was ſehr richtig war. Trotz=
dem
hätte ſie ſich aber bemühen ſollen, die Ausſprache in eine
beſtimmte Richtung zu lenken. Sie ſteht heut der Tatſache gegen=
über
daß Herr Parker Gilbert nicht nur von den Eindrücken ſei=
ner
Reiſe erzählt hat, die er gewonnen hat, ſondern auch bereits
allgemeine Löſungsverſuche, zunächſt nur für ſeine eigene Perſon,
formuliert. Indes, dieſe Löſungsverſuche ſind doch aller Wahr=
ſcheinlichkeit
nach weſentlich beeinflußt von dem, was er in Lon=
don
und Paris hat hören müſſen, ſo daß alſo die Kommiſſion,
wenn über ihre Zuſammenſetzung und ihren Aufgabenkreis erſt
einmal eine Verſtändigung erzielt iſt, auch in den Ergebniſſen, zu
denen ſie kommen kann, nicht mehr unbegrenzt freie Hand hat.
Sie würde alſo, ſoweit wenigſtens die Vertreter Englands,
Frankreichs und Belgiens in Frage kommen, ſchon mit dem vor=
ausſichtlichen
Ziel ihre Arbeiten beginnen. Dieſes Ziel richtet ſich
darauf, Deutſchland möglichſt wie einen Schwamm auszupreſſen.
um ſo notwendiger iſt es, daß von unſerer Seite der einzige
Trumpf ausgeſpielt wird, den wir haben: alſo den Verzicht auf
den Transferſchutz, ohne den die Negelung nicht durchzuführen iſt.
Dieſen Verzicht können wir aber nur ausſprechen, wenn eine
Endlöſung gefunden wird, die in der Höhe der Geſamtſumme
und in der Höhe der Jahresleiſtungen den deutſchen Lebens=
notwendigkeiten
weitgehende Nückſicht trägt.
Die Veparations=Verhandlungen.
Poincaré und die Ratifizierung
des Waſhingtoner Abkommens.
London, 25. Oktober.
Zu dem Stande der Reparationsverhandlungen berichtet die
Times, die Unterhandlungen in Paris hätten zunächſt meh=
rere
Fragen geklärt, die zwiſchen England und Frankreich ſchweb=
ten
und infolge des Notenwechſels ſehr verwickelt waren. Fer=
ner
habe Poincaré ſeinen Widerſtand gegen die Ratifizierung
der Schuldenabkommen Mellon=Berenger und Churchill= Cail=
laux
aufgegeben; dann aber habe man ſich auch darüber geeinigt,
daß ſich die Aufgabe der Sachverſtändigen auf die Feſtſetzung
der Höhe der Reparationszahlung und insbeſondere auf die
Höhe der deutſchen Jahreszahlungen beſchränken ſollte, die nach
ten. Frankreich habe den engliſchen Standpunkt, wie er in der
Balfournote ausgeſprochen wird, anerkannt, während England
eine wohlwollende Haltung zu der franzöſiſchen Forderung nach
alliierten Schulden als Ueberſchuß auf dem Konto der Kriegs=
ſchäden
in den von Deutſchland während des Krieges beſetzten
daß die Sachverſtändigen ſobald wie möglich, jedenfalls noch vor erkennen gegeben.
Ende des Jahres, zuſammentreten. Ueber den Ort der Zu=
tiel
davon ab, zu welchen Schlußfolgerungen Deutſchland kom=

men werde, ſobald das Ergebnis der Reiſe Parker Gilberts be=
kannt
geworden iſt. Erörterungen über Zahlungen im einzel=
nen
hätten im Augenblick nur hypothetiſchen Charakter. Es ſei
ein tatſächlicher Fortſchritt gemacht, und die Ausſichten ſeien be=
reits
günſtiger als noch vor zehn Tagen. Der diplomatiſche
Korreſpondent des Daily Telegraph bemerkt hierzu ergänzend,
Allierten erwartet werden könnten, ſoweit es ſich um die Ein=
Die in den letzten Tagen mehrfach aufgetauchten Nachrichten,
Reichskanzler die beteiligten Reſſortminiſter und der Reichs= einem längeren Artihel des amtlichen Excelſior über die Hal= großen Schritt vorwärts bedeuten ſo verſichert man wenigſtens
richtet. Herr Gilbert hat den Ehrgeiz, der erſte und letzte Repa= Reparationsregelung ſo gut wie beſtätigt. Das Blatt ſchreibt zöſiſcherſeits gewiſſe Grenzen feſtlegen, innerhalb deren die Arbeit
rationsagent zu ſein; daraus erklärt ſich die ſtarke Energie, die er u. a., die friedliche und verſöhnliche Abſicht der franzöſiſchen Re= des Sachverſtändigenkomitees vor ſich gehen ſoll, und dann ſollte
wäre ein Irrtum, zu glauben, daß die bevorſtehende Fälligkeit
von 400 Millionen Dollar für die Vereinigten Staaten auf der
es bisher gegen den Beginn der Beſprechung zeigte, überwunden franzöſiſchen Politik laſte. Nichts dränge die Regierung die für fand, nicht zur genauen Feſtlegung eines gemeinſamen engliſch=
hat
und dem Zuſammentreten der Kommiſſion, kein Hindernis die Warenſchulden die freie Wahl zwiſchen der glatten Ratiſizie=
rung
des Mellon=Berenger=Abkommens oder irgendeiner Aus=
den
nächſten Wochen iſt alſo wohl ſichergeſtellt. Es handelt ſich landsanleihe habe, für die ſchon vielfach Angebote vorlägen. Es
ſei möglich, wenn nicht ſogar wahrſcheinlich, daß Poincaré, ſo=
bald
er die Stunde für gekommen halte, die Ratifikation des
Waſhingtoner Abkommens verlangen werde.
Die Allierten prüfen die Höhe ihrer
Reparationsforderungen.
TU. London, 25. Oktober.
Wie der diplomatiſche Korreſpondent des Daily Telegraph
berichtet, hält man es in maßgebenden Kreiſen Londons für un=
wahrſcheinlich
, daß die Allierten vor Abſchluß der Beſprechungen
Parker Gilberts mit der deutſchen Regierung weitere Schritte
für die Bildung eines Finanzkomitees zur Prüfung der endgül=
tigen
Regelung der Reparationsfrage tun werden. Die Finanz=
ſachverſtändigen
der verſchiedenen an der Regelung der Repara=
tionsfrage
intereſſierten Länder ſeien inzwiſchen eifrig tätig ge=
Deckung der Schuldenverpflichtungen zu ermitteln.
a
Neuer Beſatzungs=Zwiſchenfant
Landau (Pfalz), 25. Oktober.
Am Mittwoch abend wurde ein junges Mädchen aus Eden=
koben
, das ſich in Begleitung eines jungen Mannes in Erwartung
der elektriſchen Oberlandbahn in der Nähe einer Halteſtelle bei
den Fortanlagen befand, von drei algeriſchen Schützen, Ange=
hörigen
der Landauer Beſatzungsgarniſon, überfallen und am
Halſe gewürgt. Sie konnte ſich jedoch befreien und flüchten.
Ueber den Zwiſchenfall erfahren wir noch folgende Cinzel=
heiten
: Ein in Landau bedienſtetes Mädchen hatte den Zug der
elektriſchen Oberlandbahn verſäumt und ging in Erwartung des
nächſten Zuges durch die Stadt zur nächſten Halteſtelle vor der
Stadt ſpazieren. Ein Bekannter begleitete ſie. Als ſie durch die
Fortanlagen ging, hörte ſie plötzlich aus einem Gebüſch Geräuſch.
Beim Hinleuchten mit einer elektriſchen Lampe ſahen ſie ſich einer
Gruppe franzöſiſcher Soldaten gegenüber, von denen ſich einer
loslöſte und mit einem Stock auf die beiden losging. Dadurch
wurden die beiden Deutſchen getrennt. Die Franzoſen verfolgten
das Mädchen und trieben es in die Anlagen hinein. Der junge
Mann eilte fort, um Hilfe herbeizuholen. Das Mädchen ſtieß in
der Verwirrung gegen einen Baum.
Dann erreichten die drei Soldaten das Mädchen und um=
ringten
es. Das Mädchen hatte noch ſo viel Kraft, ihrem Au=
greifer
einen Stoß zu verſetzen, ſo daß der Soldat taumelte.
Darauf konnte ſie den dreien entkommen und ſtieß nach längerem
Umherirren auf ein in den Parkanlagen gelegenes Haus. Von nicht auf ein Wachſen der Volkstümlichkeit der Union nationale
dort aus wurde die deutſche Polizei ſofort telephoniſch ver=
ſtändigt
, die gemeinſam mit den franzöſiſchen Behörden nach den
Tätern fahndete. Dieſe Fahndung hatte nur den Erfolg, daß
man einen Stiefel des Mädchens wiederfand, den es auf der
Flucht verloren hatte.
Wieder drei Deutſche von den Franzoſen
verhaftet.
Am Abend des 22. Oktobers wurden in Worms durch die
franzöſiſche Kriminalpolizei wieder drei Deutſche verhaftet, und
Fuhrmann Sackreuter und der 28jährige Schornſteinfeger Ham=
ſcher
. Der Verhaftung ging folgendes voraus: Am 21. Oktober
ſtanden gegen Mitternacht in der Färbergaſſe zwei Ziviliſten bei
einer Frauensperſon. Jäger, der vorbeiging, ſtieß verſehentlich
einen Ziviliſten an, worauf ihm dieſer in deutſcher Sprache zu=
rief
: Du frecher Burſche! Hierauf entſtand zwiſchen Jäger und
den beiden Ziviliſten eine Schlägerei, in deren Verlauf die bei= der Regierung gegenüber nicht unter einem ſo ſchweren mora=
einer
etwaigen Rebiſion des Dawesblanes in Araſt treten könn= den Bekannten Jägers, Sackreuter und Hamſcher, die in der liſchen Druick hie damals, als S ſich umn die Netzung Des Fral=
Nähe vorbeigingen, dieſem zu Hilfe kamen. Die beiden Ziviliſten
gingen dann mit der Frauensperſon flüchtig. Am nächſten Tage
kam es zur Verhaftung der drei Deutſchen. Den Ziviliſten war
Siner. Sumne Lingenonmen habe, die nach Zahlung der inter= es nicht anzumerken, daß ſie Franzoſen waren und es war auch erfülbare Forderungen ſtelle, auf den 11. Nobember vertagt.
nicht anzunehmen, daß die bei dem Straßenmädchen Stehenden
Gebieten Frantreich verbleiben ſollte. Es ſei wünſchenswert, chen, noch ſich als Offiziere oder Angehörige der Beſatzung zu begriffen und die Grenzen werden von Banden aus der Türkei
ſammenkunft ſei allerdings noch nichts vereinbart, doch ſprä= fahren aus der unſichtbaren Beſatzung für die Bevölkerung Franzoſen verantwortlich macht. In Wirklichkeit iſt dieſe ſchlechte
chen zahlreiche Gründe für Berlin. Ferner ſei noch zu entſchei= des keſetzten Gebietes entſtehen. Die deutſchen Stellen haben Wirtſchaftslage eine logiſche Folge der neuen Verhältniſſe, es
den, welche Regierung die Initiative ergreifen ſolle. Es hänge ſofort Schritte unternommen, die auf die Freilaſſung der Ver= ſtünde gar nicht einmal in der Macht Frankreichs, ſie zu ändern.
hafteten hinzielen.

Wieder einmal
das Reparationsproblem.
Allerhand Sorgen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, Ende Oktober.
Das Reparationsproblem ſteht jetzt wieder einmal im Mittel=
daß
nach engliſcher Auffaſſung keine weiteren Schritte von den punkte der Weltpolitik, und es gruppieren ſich dazu eine ganze
Reihe von ſchwierigen Fragen, die nicht gelöſt werden können,
ſolange das Reparationsproblem nicht erledigt iſt. Ueberall hofft
man jetzt auf eine großzügige Negelung der finanzpolitiſchen Ver=
hältniſſe
in Europa. Die Pariſer Beſprechungen Churchills mit
Poincaré und Parker Gilbert ſollen in dieſer Richtung einen
hier. Vorerſt handelte es ſich um zwei Fragen: man wollte fran=
gierung
dürfe nicht mißverſtanden und verdrängt werden. Es die Zuſammenſtellung des Sachverſtändigenkomitees beſprochen
werden. Man bemerkt nun überall, daß die verhältnismößig
kurze Beſprechung, welche zwiſchen Churchill und Poincaré ſtatt=
franzöſiſchen
Vorgehens dienen konnte. Das iſt nur natürlich.
Aber ihre Bedeutung bleibt dennoch ſehr groß.
In Frankreich wurde der Sinn der Beſprechungen zwiſchen
Churchill, Poincaré und Parker Gilbert optimiſtiſch ausgelegt.
So optimiſtiſch ſogar, daß man offiziös es für nötig hielt, den
allzu großen Optimismus in der Reparationsfrage zu dämpfen.
Und das iſt jedenfalls richtig, denn ohne Zweifel ſind noch ſehr
ſchwierige und langwierige Verhandlungen zu erwarten. Die
reale Löſung der Reparationsfrage wird nicht nur innerhalb der
Grenzen, welche die einzelnen Regierungen feſtlegen, ſich voll=
ziehen
, ſondern auch innerhalb der Grenzen des Möglichen. Ge=
wiſſe
aſtronomiſch anmutende Zahlen, die man hört, diktieren
einem dieſe Reflexion. Doch das iſt Sache der Zukunft. In der
Regelung der Reparationsfrage, wie ſie auch ausfallen wird, muß
man aber auf einen unberechenbaren Faktor Rückſicht nehmen.
Dieſer Faktor heißt Amerika. Die Frage der interallierten Schul=
den
gibt in Frankreich wieder einmal den Stoff aller Debatten.
Man behandelt ſie mit größerer Aufregung als die Reparations=
frage
. Gegenwärtig ſtehen die Ausſichten der Franzoſen in der
Frage der interallierten Schulden recht ungünſtig. Vorerſt hängt
alles von der amerikaniſchen Präſidentenwahl ab, und dieſe ſcheint
keine günſtige Wendung zu bringen. Man hält hier den Wahlſieg
Hoovers faſt für ſicher. Und Hoover hat in unzweideutiger Weiſe
gegen jede Nachgiebigkeit in der Frage der Schulden Stellung
genommen. Unverbeſſerliche Optimiſten bemerken dazu, daß in
Amerika die Anſicht des Kandidaten nicht immer die Anſicht des
Präſidenten ſei, doch man ſieht ſchwer ein, weshalb Hoover
gerade in dieſem Punkte inkonſequent ſein ſollte. Kenner der
amerikaniſchen Verhältniſſe behaupten, daß ſolange die Liberty=
bonds
die innere Kriegsanleihe Amerikas, welche hauptſächlich
bei den kleinen Leuten untergebracht wurde nicht zurückgezahlt
ſind, es für jeden Politiker eine äußerſt unpopuläre Maßnahme
wäre, ſich auf eine Reviſion der Schuldenfrage einzulaſſen.
Andererſeits iſt es wahr, daß eines Tages ſchließlich auch die
Frage der interallierten Schulden irgendwie gelöſt werden muß.
Dabei wird die politiſche Rolle, welche die einzelnen intereſſierten
Mächte bei der Negelung der Reparationsfrage ſpielen werden,
hier ſehr verſchieden beurteilt. Insbeſondere wird ſehr viel über
die Haltung Englands debattiert. Sie war bisher in der Repa=
rationsfrage
tatſächlich nicht ganz eindeutig.
In der franzöſiſchen Innenpolitik herrſcht jetzt ein unklare
Lage. Die Kommunalwahlen haben nicht viel zu ihrer Klärung
beigetragen. Immerhin iſt das Ergebnis der Kommunalwahlen
für Poincaré nicht beſonders günſtig. Ein kleiner Ruck nach dem
Extremen; die Sozialiſten und die innerhalb der Regierungs=
koglition
die äußerſte Rechte bildende Gruppe Louis Marins
haben auf Koſten der Mitte einen kleinen Sieg errungen, die
Autonomiſten im Elſaß haben Erfolge erzielt, all das deutet
hin. Die Gefahr einer Regierungskriſe ſcheint nichtsdeſtoweniger
gebannt. Der Miniſterrat, in dem über die zwei ſtrittigen Artikel
des Finanzgeſetzes verhandelt wurde, hat zwar keine Klärung
gebracht. Immerhin ſcheint es, daß die Regierung gewillt iſt, der
Oppoſition nachzugeben. Dadurch iſt der Plan der Oppoſition,
die Regierung zu ſtürzen, durchkreuzt. Man muß auf eine andere
Gelegenheit warten. Man ſpricht auch in der letzten Zeit ſehr
viel von einer weiteren Rechtsſchwenkung der Radikalen. Den=
noch
iſt es unleugbar, daß in der Kammer Kräfte
daran arbeiten, die Regierung zu ſtürzen.
Man glaubt, daß Poincaré in der Kammer dieſelbe Taktik
zwar der 31jährige Chauffeur Jäger, der ebenfalls 31jährige, befolgen wird wie ſeinerzeit bei der Debatte über das Zündholz=
monopol
. Das heißt, er wird es einfach vermeiden, bei der Ver=
handlung
gefährlicher Fragen das Vertrauensvotum zu ſtellen.
Es iſt unzweifelhaft, daß Frankreich auch jetzt vor der Löſung von
ſchwerwiegenden Fragen ſteht und daß eine Regierungskriſe nach=
teilige
Folgen nach ſich ziehen könnte. Doch ſteht jetzt die Kammer
ken handelte.
Die Verwaltung Syriens macht Frankreich wieder Sorgen.
Die ſyriſche Nationalverſammlung wurde ſeinerzeit, als ſie un=
Der 11. November naht, und die Verhältniſſe haben ſich nur ver=
franzöſiſche
Offiziere ſeien. Sie haben weder franzöſiſch geſpro= ſchlimmert. Der Einfluß des Sultans Attraſch iſt zm Wachſen
und dem Frak bedroht. Dazu kommt noch die kataſtrophal
Auch dieſer Zwiſchenfall zeigt wiederum deutlich, welche Ge= ſchlechte Wirtſchaftslage, für welche die Bevölkerung nur die
Doch das macht die Lage nur noch ſchlechter.

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Seite 2

Freitag, den 26. Oktober 1928

Nummer 298

4Sebering gegen den Stahlhelm.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Deutſche Beamtenbund hält in dieſen Tagen ſeine
Hauptverſammlung in Berlin ab, die er mit einer machtvollen
Kundgebung am Donnerstag vormittag einleitete, um damit
auch nach außen hin ſeine Stärke und ſein Verantwortungs=
bewußtſein
zur Geltung zu bringen. Es war ein Gebot der Höf=
lichkeit
, daß auch die Reichsregierung den Bund, die größte Be=
amtenorganiſation
der Welt, begrüßte. Sie hatte dazu den
Reichsinnenminiſter delegiert, der leider bei dieſer Aufgabe ent=
gleiſte
. Er legte zwar ein Bekenntnis zum Berufsbeamtentum
ab, benutzte aber auch dieſe Gelegenheit, ſeine engherzige Auf=
faſſung
über die Pflichten des Beamten an den Tag zu legen,
indem er davon ſprach, daß die Regierung einen ſtarken Tren=
nungsſtrich
zwiſchen den Beamten und allen Organiſationen, die
den Haß gegen die Republik auf ihre Fahnen ſchrieben, ziehen
müſſe. Das iſt in dem Zuſammenhang die Ankündigung, daß
der Innenminiſter Severing die Beamten, ſoweit ſie etwa Mit=
glieder
des Stahlhelms ſind, zwingen will, aus dieſem Verband
auszutreten. Eine ſolche Forderung findet in der Verfaſſung
leinen Rückhalt, würde im Gegenteil im Widerſpruch ſtehen mit
der Zuſicherung der freien Meinungsäußerung. Der Staat hat
ſelbſtverſtändlich das Recht, von ſeinem Beamten zu verlangen,
daß ſie ihm treu dienen, darf aber keinen Geſinnungszwang aus=
üben
, den Herr Severing offenbar ankündigen wollte. Das wäre
im Grunde nichts anderes, als ein Sozialiſtengeſetz mit umge=
drehtem
Vorzeichen. Es iſt deshalb begreiflich, daß die Rede
einen recht peinlichen Eindruck auf die Verſammlung ausübte,
den der Vorſitzende vergeblich auszugleichen ſich bemühte, der
dann noch verſtärkt wurde, als der Kommuniſt Torgler die letz=
ten
Grenzen, die Herr Severing noch beobachtet hatte, über=
ſprang
, und eine kommuniſtiſche Wahlrede hielt, die dann aller=
dings
von dem Vorſitzenden mit dem Hinweis auf die politiſche
Neutralität des Bundes zurückgewieſen wurde.
Eine Kundgebung
des Deutſchen Beamtenbundes
Eine Rede Severings.
Berlin, 25. Oktober.
Der Deutſche Beamtenbund ſetzte am Donnerstag mit einer
großen öffentlichen Kundgebung ſeinen Bundestag fort. Unter
anderem bemerkte man als Vertreter der Reichsregierung den
Reichsinnenminiſter Severing, ferner den preußiſchen Finanz=
miniſter
Höpker=Aſchoff, Staatsſekretär Dr. Abegg und Mini=
ſterialdirektor
Dr. Brecht. Der Bundesvorſitzende Flügel hieß
beſonders herzlich die Vertreter des Beamtenbundes aus Danzig
und dem Saargebiet willkommen. Gemeinſam ſang die Verſamm=
lung
darauf das Deutſchlandlied. Für die Reichsregierung ſprach
Reichsinnenminiſter Severing.
Die Reichsregicrung, ſo erklärte er, wiſſe ſich verbunden mit
einem freudigen, ſtaatsbejahenden Beamtentum. Neben der
Opferwilligkeit und Verantwortlichkeit der deutſchen Arbeiter=
ſchaft
ſei es das Berufsbeamtentum geweſen, das 1918 Volk und
gelte für die Zeit des Kapp=Putſches. Das Reich wiſſe dieſe
Dienſte zu ſchätzen und denke nicht daran, die Rechte des Berufs=
beamtentums
abzuſchaffen oder zu mindern. Die baldige Vor=
legung
des Beamtenvertretungsgeſetzes und der Beamtenrechts=
vorlage
ſagte der Miniſter zu. Es ſei ein Irrtum, zu glauben, Tſchiang Kai=ſcheks gegangen ſei. Dieſe Nachricht hat General
daß eine Verwaltungsreform durch einen Abbau von Beamten Ludendorff ſofort dementiert. Jetzt wird die Nachricht verbreitet,
zu erreichen ſei. Nicht die Entlaſſung von Funktionären, ſondern
die Abſchaffung von Funktionen führe Erſparnismaßnahmen Auch das iſt falſch. Der Urſprung all dieſer Gerüchte iſt aber in
herbei. Erfreulicherweiſe habe die Länderkonferenz ein großes
Hindernis aus dem Wege geräumt, nämlich die Atmoſphäre des China aufgehalten hat und daß man ſeinen Aufenthalt auf chine=
Mißtrauens zwiſchen Nord und Süd. Auch die Süddeutſchen
hätten ſich bereit erklärt, an einer Vereinheitlichung der Verwal=
tung
mitzuarbeiten. Der Miniſter dankte dem Vorſitzenden für dung von Militärmiſſionen oder von Inſtruktoren militäriſche
das Bekenntnis, daß ſich das Berufsbeamtentum feſt, mit der Hilfe leiſte. An alledem iſt kein wahres Wort. Falſch ſind auch
Republik verbunden fühle, und appellierte an den Beamtenbund, andere Nachrichten, wonach Angehörige der Reichswehr oder
die Beamten, die dieſen Standpunkt nicht teilten, auf den rich=
tigen
Weg der Republik zu bringen. Er trete für eine Beſſerung
der ſozialen Stellung der Beamten und für die freie Meinungs=
äußerung
ein, habe aber auch die Republik gegenüber ſolchen unter einer ſcharfen Kontrolle ſtehen, und daß man jeden ihrer
Feinden zu ſchützen, die in den Reihen des Berufsbeamtentums

Vom Tage.

Anfangs November will Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
ſeine Geſchäfte wieder aufnehmen. Er hat den Parteivorſtand
der Volkspartei auf den 2. November einberufen, der wahrſchein=
lich
in Heidelberg tagen wird. Am 24. November wird der Zentral=
vorſtand
der D. V. P. in Berlin ſich verſammeln.
Reichspräſident v. Hindenburg empfing geſtern den Reichs=
arkeitsminiſter
Wiſſell zum Vortrag. Ferner empfing der Reichs=
präſident
im Laufe des geſtrigen Tages den württembergiſchen Staats=
präſidenten
Dr. e.h. Bolz, der von dem württembergiſchen Geſandten engliſche Politik, die ſich bereits in dem geſchickten Schachzu
Dr. Bosler begleitet war.
Nachdem beſchloſſen worden iſt, zwei Unterausſchüſſe in Sachen der
Verfaſſungs= und Verwaltungsreform zu bilden, iſt
treter ſie in dieſe beiden Ausſchüſſe zu entſenden gedenken. Die Aus=
ſchüſſe
werden dann alsbald zuſammentreten.
Nach endloſen Verhandlungen iſt es endlich gelungen, eine neue
Regierung für Thüringen zu bilden. Die Löſung geht
dahin, daß das alte Kabinett wieder hergeſtellt wird. An die Stelle
des Staatsminiſters Leutheußer wird jedoch Amtsgerichtsrat Dr. Rie=
del
=Jena, der der Deutſchen Volkspartei angehört, in das Kabinett
eintreten.
Nach Meldungen aus Konſtantinopel ſtehr die Unterzeichnung des
türkiſch bulgariſchen Sch.dsgerichtsvertrages unmittelbar bevor. Der
bulgariſche Geſandte hat der türkiſchen Regierung einen Entwurf über=
reicht
, der gegenwärtig in Angora geprüft wird.
Aus Athen wird gemeldet, daß Veniſelos mit dem griechiſchen Ge=
ſandten
in Angora, Pappas, eine neue Unterredung hatte, die ſich auf
die griehiſch=türkiſchen Verhandlungen bezog. Pappas wird voraus= Deutſche ein Zipfelchen Recht, an das wir uns klammern müſſen
ſichtlich am Sonntag nach Angora abreiſen.
Nach Meldungen der tſchechiſchen Preſſe iſt der Miniſterpräſident
Sbehla ſo ſchwer erkrankt, daß jeden Augenblick mit ſeinem Ableben
gerechnet werden kann.
Wie aus Mexiko berichtet wird, hat eine Bande von 300 Rebellen
die Stadt Autlan im Staate Jalisco überfallen. Es wurden darauf
Bundestruppen nach dieſer Stadt entſandt, und es entſpann ſich ein
Gefecht mit den Rebellen, das 14 Stunden dauerte. Zuletzt wurden die
Rebellen in die Fluch: geſchlagen. Sie ließen 20 Tote auf dem Schlacht=
ſeld
. Die Bundestruppen hatten drei Lote und zehn Verletzte zu
beklagen.

ſtänden. Wenn ſich Verbände im Deutſchen Reich auftäten, die
den Haß gegen die Rerublik auf ihre Fahnen ſchrieben, dann
hätten die verantwortlichen Stellen die Verpflichtung, dieſe Ver=
bände
daraufhin zu prüfen, ob nicht auch Berufsbeamte dabei
ſeien; denn es gebe nicht nur Beamtenrechte, ſondern auch Be=
ſtimmungen
im Republikſchutzgeſetz, die dieſe Rechte begrenzten.
Finanzminiſter Höpker=Aſchoff ſprach für die preußiſche
Regierung. Das Ziel müſſe ſein: gleiche Beſoldung, gleiche Aus=
bildung
und die Freizügigkeit der Beamten im Einheitsſtaat.
Reichstagsabgeordneter Lemmers teilte mit, daß die Ver=
handlungen
zwiſchen dem Gewerkſchaftsring deutſcher Arbeiter=,
Angeſtellten= und Beamtenverbände mit dem Deutſchen Beamten=
bund
zu einem Uebereinkommen geführt haben. Es folgten
dann Neden der Danziger und der Saar=Beamtenbünde. Beide
legten ein Bekenntnis zum Deutſchtum ab. Das Hauptreferat
über den Beamten im Volksſtaat hielt der ſozialdemokratiſche
Reichstagsabgeordnete Dr. David. Oberverwaltungsgerichtsrat
Dr. v. Dultzig ſprach über die Verwaltungsreform im Reiche und
in den Ländern.
Die angebliche deutſche Militärmiſſion.
* Berlin, 25. Oktober. (Priv.=Tel.)
Wie ſcharf die deutſchen Staatsbürger im Auslande von
unſeren ehemaligen Kriegsgegnern überwacht werden, zeigt wie=
Land vor dem ſchlimmſten Chaos bewahrt habe. Das gleiche der einmal eine Notiz, die durch die engliſche Preſſe geht, wonach
die chineſiſche Regierung die Abſicht habe, eine deutſche Militär=
miſſion
nach China zu rufen, die dort bei der Reorganiſation der
chineſiſchen Armee behilflich ſein ſoll. So iſt vor einigen Tagen
behauptet worden, daß General Ludendorff in die Dienſte
wonach Oberſt Bauer chineſiſche Dienſte angenommen haben ſoll.
der Tatſache zu ſuchen, daß Oberſt Bauer ſich als Privatmann in
ſiſchem Boden ſofort dazu benutzt hat, um Deutſchland zu ver=
dächtigen
, daß es den Chineſen auf dem Umwege der Entſen=
Reichsmarine ſich in amtlicher Eigenſchaft in China aufhalten.
Jedenfalls zeigt aber die propagandiſtiſche Auswirkung der Reiſe
des Oberſten Bauer, daß die Auslandsdeutſchen nach wie vor
Schritte genau überwacht.

Der Wert Deutſch=Oſtafrika
für Deutſchland.
* Verlin, 25. Oktober. (Priv.=Tel.)
Ueber deutſches Land in Oſtafrika teilt die Deutſche Kolonia
geſellſchaft folgendes mit: Es iſt bekannt, daß England ſich gerad
jetzt bemüht, den Raub Deutſch=Oſtafrikas zu vollenden. Di.
gegen Wilſon bewährte, indem ſie ſeinen Friedensgrundſatz kein
Annexionen durch das famoſe Mandatsſyſtem des ſüdafrikan=
bereits
an die Länderregierungen die Anfrage ergangen, welche Ver= ſchen Premierminiſters Smuts umging, hat durch die in Lon
don aufgeſtellten Mandatsbeſtimmungen für Deutſch=Oſtafrika in
Widerſpruch zur Völkerbundsſatzung erreicht, daß Deutſch
Oſtafrika mit den angrenzenden engliſchen Gebieten zu einer Ver
waltungseinheit verbunden werden kann und ſo die politiſch
Einheit unter voller engliſcher Oberhoheit vorbereitet wird. Den
das Mandatsſyſtem hatte vor allem den Zweck, eine Anrechnun
des Wertes der deutſchen Kolonien auf Reparationskonto zu um
gehen, indem durch das Mandat die Fiktion aufrechterhalter
wird, daß die Kolonien nicht annektiert, ſondern nur in Verwal
tung genommen wurden. So hat man uns um den Wert Deutſch
Oſtafrikas betrogen. Engliſche Sachverſtändige haben den Wer
Deutſch=Oſtafrikas als ebenſo hoch geſchätzt wie die geſamten eng
liſchen Kriegsſchulden. Hier erſcheint im Verſailler Vertrag für uns
Denn ſobald England ſeine Annexionspläne in Deutſch=Oſtafrike
verwirklicht, erſteht für uns ein Anſpruch auf Gutſchrift des Wer=
tes
dieſer deutſchen Kolonie auf Reparationskonto. Die Geltend=
machung
dieſes deutſchen Rechtes aber würde den ganzen Repa=
rationsplan
zu unſeren Gunſten umſtürzen. Vor dem Kriege
haben es in Deutſchland ſehr viele nicht gewußt, welchen großen
Wirtſchaftswert Deutſch=Oſtafrika darſtellte und welche Zukunfts=
möglichkeiten
in dieſem noch unerſchloſſenen Lande ſchlummerten,
Es leuchtet ohne weiteres ein, daß die deutſche Bevölkerungs=
überfülle
in Deutſch=Oſtafrika ein Ventil finden würde, ohne daß
die abſtrömende Bevölkerung der deutſchen Kultur= und Wirt=
ſchaftsgemeinſchaft
verloren ginge. Jährlich gehen jetzt wieder
Hunderte von Deutſchen nach Deutſchoſt. Im Norden der Kolo=
nie
, am Kilimandſcharo, trifft man heute faſt wieder ſoviel Deut=
ſche
wir vor dem Kriege. Die engliſche Mandatsverwaltung ſieht
die deutſchen Farmer gerne, weil kein Farmer ſo genügſam, ſo
arbeitſam und ſo erfolgreich iſt wie der deutſche. Sollen wir aber
ſtets nur Kulturdünger ſein für fremde Nationen? Deutſchland
kann ſeine wachſende Kultur= und Wirtſchaftsgemeinſchaft nur
unverſehrt erhalten durch Erweiterung ſeines Lebens= und Wirt=
ſchaftsraumes
. Und dazu gehört der Wiedererwerb Deutſch=
Oſtafrikas.
Die Thüringer Regierung gebildet.
Weimar, 25. Oktober.
Heute vormittag konnte der Unterhändler für die Regierungs=
bildung
, Abgeordneter Bauer, dem Landtagspräſidenten folgende
Miniſterliſte vorlegen: 1. Dr. Paulſen, Miniſter für Volksbildung
und Wirtſchaft; 2. Dr. Riedel=Jena (Deutſche Volkspartei) Mie
niſter für Inneres und Juſtiz; 3. Toelle, Finanzen; Staatsräte;
1. Port=Reuß (Landbund), 2. Mackeldey=Rudolſtadt (Landbund),
3. Krauſe=Stadt Roda (Wirtſchaftspartei), 4. Woenne=Gotho
(Wirtſchaftspartei), 5. Glöckner=Sonneberg (Demokrat).
Das Großreinemachen bei den Kommuniſten
beginnt. Auch Galm=Offenbach kaltgeſiellt.
Die Folgen der Unterwerfung der kommuniſtiſchen Partei=
führung
unter die Moskauer Strafverfügung beginnen jetzt ihren
erſten ſichtbaren Ausdruck zu zeigen. Die eigentlichen Partei=
blätter
der Kommuniſten ſchweigen ſich zwar tunlichſt über die
Fälle aus, aber die unabhängigem Kommniſten und ihre
Freunde weiter rechts achten natürlich mit Argusgugen auf alle
die Vorgänge, die in der ruſſiſchen Filiale ſich ereignen. Tatſäch=
lich
herrſcht in der Kommuniſtiſchen Partei ein Drei=Köpfe=
Direktorium aus Thälmann, Remmele und Heinz Neumann, das
praktiſch das geſamte Zentralkomitee ausſchaltet. Gleichzeitig
ſetzt das Strafgericht ein. Heckert und Eberlein ſind bereits in
Moskau. Ewert, der ſich ſchon als Nachfolger Thälmanns
fühlte, hat Marſchorder mach Moskau erhalten, ebenſo wie die
anderen ehemaligen Größen Gerhardt, Merker, Ulbricht, Dengel
und Schneller. Der Führer der heſſiſchen Kommuniſten, Galm=
Offenbach, und mit ihm ſein Freund Hauſen, die gegen Thäl=
mann
Stellung genommen hatten, ſind kaltgeſtellt und werden
demnächſt nach Moslau transportiert, um dort ihren Urteils=
ſpruch
zu erwarten. Es kann noch ganz hübſch werden, bis das
Großreinemachen bei den Kommuniſten einmal zu Ende iſt.

*Ait recht Thaer.
Zu ſeinem 100. Todestage am 26. Oktober.
Von Wienand Walther.
Südweſtlich von Wriezen an der alten Oder liegt das Pfuhlen=
land
, das nach dem Geſchlechte der Pfuels, die dort anſäſſig
waren, ſeinen Namen haben ſoll, in Wirklichkeit aber wohl nach
den zahlloſen kreisrunden, tief gelegenen Teichen ſo heißt, die
das Land wie ein Sieb durchlöchern. Dort iſt eine gute Stunde
von Wriezen das Dorf Moeglin gelegen, in einer Bodenmulde
eine geringe Anzahl Häuſer, jetzt wieder in Stille und Abgeſchie=
denheit
verſunken. Und man ſieht es heute der beſcheidenen Sied=
lung
nicht mehr an, daß ſie vor einem Jahrhundert eine deutſche,
ja euroräiſche Berühmtheit war. Denn hier lag das Muſtergut
und die landwirtſchaftliche Lehranſtalt Albrecht Daniel Thaers,
des Begründers einer wiſſenſchaftlichen Landwirtſchaftslehre, von
dem eine neue Aera der Landwiutſchaft ausging.
Thaer ſtammte aus Celle, wo ſein Vater ein angeſehener Arzt
und Hofmedikus war. Der begabte Albrecht Daniel, der aber nur
einen unregelmäßigen Unterricht empfing, wollte ſich der Chirur=
gie
widmen, entdeclte aber, daß er bei der erſten Operation, der
er beiwohnte, in Ohnmacht fiel, und ſo jedesmal, wenn er einen
neuen Verſuch machte. Da wandte er ſich mit Feuereifer der
inneren Medizin zu und war zugleich während ſeiner Göttinger
Univerſitätszeit in enger Verbindung mit der Literatur, beſon=
ders
mit Leiſcwitz; und es iſt wahrſcheinlich, daß Leſſings be=
rühmtes
Wolfenbüttler Fragment Ueber die Erziehung des
Menſchengeſchlechts von ihm ſtammt und von Leſſing nur über=
arbeitet
iſt.
In ſeine Vaterſtadt zurückgekehrt, übte Thaer neben ſeinem
Vater Praxis aus, fand ſich aber trotz wachſender Beliebtheit un=
zufrieden
und bedrückt. Sein Vater, der berühmte Arzt, traf
einſt einen Bauer auf der Treppe ſeines Hauſes, der ihn nach
dem Doktor Thaer fragte. Der bin ich! ſagte der Hofmedikus.
Jo, he is de olle, ich will aberſch den Jungſchen ſpräke, de is
klöger, war die Antwort.
So ſtellte ſich allmählich Wohlhabenheit ein, der junge Thaer
konnte ſich Haus und Garten kaufen; und dieſer Garten wurde
ſein Schickſal. Er begann Blumenzucht zu treiben, er züchtete
neue Sorten von Aurickeln und Nelken, und nur der Zufall, daß
er ſpäter von den großen Problemen der Landwirtſchaft mehr er=
faßt
wurde, mag es verhindert haben, daß er damals nicht ſchon
die Geſetze der Befruchtung und Vererbung entdeckte, die lange
nach ihm der Lehrer Sprangel und der Abt Mendel aufklärten.
Bald genügte der Garten am Hauſe nicht mehr, vor der Stadt
wurde ein Stück Land gekauft, vergrößert, angebaut und mit
Leidenſchaft gefördert; Thaer ſchuf aus dem bisher faſt unfrucht=

baren Boden eine Experimentalwirtſchaft. Daneben ſtudierte er
aufs eifrigſte die engliſchen Schriften über Landwirtſchaft. Er
ſetzte ſich Aufgaben, er erkannte, daß es möglich ſei, die ſogenannte
Brache, das Ausruhenlaſſen eines Feldes während eines ganzen
Jahres, zu überwinden durch geeignete Fruchtfolge; er beobach=
tete
aber auch, daß neben der Fruchtfolge die Beſchaffenheit des
Bodens entſcheidend ſei, und prägte den Satz, daß ein Landwirt,
der alles baue, was er brauche, einem Schneider vergleichbar ſei,
der ſich ſeine Schuhe ſelber mache. Seine Gedanken über die land=
wirtſchaftlichen
Erfolge in England faßte er 1798 in einem Werk
zuſammen, das er Einleitung zur Kenntnis der engliſchen
Landwirtſchaft betitelte, ein Buch, das bis 1804 auf drei Bände
anwuchs und epochemachend war. Der Erfolg war ſo ſtark und
Thaer wurde derart von allen Seiten um Rat und Hilfe ange=
gangen
, daß er ſich 1802 entſchloß, auf ſeinem Gute vor der
Stadt Celle eine landwirtſchaftliche Akademie ins Leben zu
rufen. Als nun durch die Beſetzung der hannoverſchen Lande
durch die Franzoſen die Lage in Celle für Thaer unerträglich
wurde, entſchloß er ſich, einem Rufe des Königs von Preußen zu
folgen und ſeine Akademie in deſſen Gebiet zu errichten. So
entſtand Moeglin. Seinem Leitſatz folgend, daß der Boden die
Kultur vor allem beſtimmen müſſe, fand er im Pfuhlenlande die
Bedingungen für Schafzucht beſonders günſtig, und ſo war eins
ſeiner vielen Ziele, die Raſſe der Schafe zu verbeſſern und eine
edlere Wolle heranzupflegen. Zeigen Sie mir, pflegte er in
Erinnerung an ſeine Blumenexperimente und ſeine erfolgreichen
Tierzüchtereien zu ſagen, irgend ein Vließ, wie Sie es zu haben
wünſchen, und ich werde Ihnen in der dritten oder vierten Ge=
neration
einen Stamm herſtellen, der nur ſolche Vließe liefert.
Heute ſind ſolche Dinge alltäglich und jeder Züchter beherrſcht
ſie; damals waren ſie abſolut neu und mußten eben gefunden
werden. So erreichte Thaer, daß ſeine Wolle unvergleichlich war
und nur ein Viertel teurer bezahlt wurde als jede andere Wolle.
Als Thaer ſeine Akademie in Moeglin eröffnen wollte, war
der Herbſt 1806 herangekommen, und ſtatt der erwarteten zwei
Dutzend kamen nur drei junge Leute. Thaer hatte die Anſtalt,
da Preußen zögerte, als ein Aktienunternehmen gegründet. Die
Schlacht bei Jena und ihre Folgen ſtürzten ihn in große Schwie=
rigkeiten
: die gezeichneten Beträge konnten nicht gezahlt werden,
die Schüler blieben, da ihre Eltern einnahmelos waren, aus.
Trotzdem ſetzte Thaer, in den Befreiungskriegen nochmals in
größter Verlegenheit, ſeinen Plan durch, und ſeit 1819 hieß ſein
Inſtitut in Moeglin Königliche akademiſche Lehranſtalt des
Landbaus. Schon vorher, in den ſchwerſten Jahren, von 1810
bis 1812 war Thaers Standwerk Grundzüge der rationellen
Landwirtſchaft in vier Bänden erſchienen und hatte mithelfen
müſſen, die Not des Autors zu mindern. Das letzte Lebens=
jahrzehnt
ſah Thaer ſeine Lehranſtalt blühen und gedeihen, und
das Gefühl, die deutſche Landwirtſchaft aus blinder Gedanken=

loſigkeit und Nachläuferei zu einer bewußten Kunſt gehoben zu
haben, verklärte ſein Alter. In den zwanziger Jahren konnte er
ſeinen Beſitz durch Zukauf mehrerer Rittergüter bedeutend ver=
gtößern
, und 1824 feierte er unter der Anteilnahme Europas ſein
50. Doktorjubiläum. Auch Goethe befand ſich unter den Gratu=
lanten
, deſſen Strophen Zu Thaers Jubelfeſt von Zelter kom=
poniert
, dem verdienten Manne am 14. Mai in ſeinem Moegliner
Heime als Gruß erklangen und deren letzte lautet:
Der Boden rührt ſich ungeſäumt
Im Wechſel jedes Jahr,
Ein Feld ſo nah dem andern keimt
Und reift und fruchtet baar;
So fruchtets auch von Geiſt zu Geiſt
Und nützt von Ort zu Ort.
Gewiß, Ihr fragt nicht, wie er heißt,
Sein Name lebe fort!

* Anna Bornemann,
die geſchätzte Darmſtädter Künſtlerin, hat zurzeit in der Bücher=
ſtube
Bodenheimer eine größere Kollektion von Schwarz=
Weiß=Blättern und Kartons ausgeſtellt. Es handelt ſich wohl
meiſt um Studien, aber auch um fertige Skizzen, Kohle= und
Bleiſtiftzeichnungen. Es iſt von Intereſſe, dieſe Arbeiten der
Künſtlerin zu ſehen, die ſich von ihren Oelgemälden vielfach
weſentlich unterſcheiden. Es iſt eine außerordentlich flotte, ſichere
und den Vorwurf gut erfaſſende Linien= und Strichführung, aber
auch darüber hinaus, den ſicheren Blick für das grundlegende
Bildmäßige verraten viele dieſer Zeichnungen. Ihre Vorwürfe
findet die Künſtlerin auf vielſeitigem Gebiet. Landſchafts= und
Straßenbilder, Ruinen, Tierſtudien, Köpfe= und Charakterſtudien
geben den Beweis für die ſichere Erfaſſung des Künſtleriſchen.
Auch in den ſehr flotten, vielfach nur andeutenden Studien=
blättern
weiß die Künſtlerin grundlegend zu charakteriſieren.
Eine Anzahl Skizzen vom Krankenlager uſw. ſprechen beſonders
hierfür. Auf jeden Fall dürfte die ausgeſtellte Kollektion ſtarke
Beachtung finden.
Von weiterem Intereſſe für die Beſucher der Bücherſtube ſind
einige koſtbare Oelgemälde franzöſiſcher Künſtler und auch neuere.
Piperdrucke, die immer wieder beweiſen, daß die Drucktechnit
gerade dieſer Bilder unerreicht iſt.

Der Nobelpreisträger für Medizin.
Geſtern hat das Nobelpreiskomitee den diesjährigen Preis
für Medizin dem Leiter des Paſteur=Inſtſtuts in Tunis, Profeſſor
Nicolle, zuerkannt.

[ ][  ][ ]

Nummer 298

Freitag, den 26 Oktober 1928

Seite 3

* Ein Todesurteil.
Michele della Maggiore, der vom Tribunale Speziale, dem
fasciſtiſchen oberſten Kriegsgericht, in dieſen Tagen in Lucca
zum Tode verurteilt wurde, iſt am Tage nach ſeiner Verurteilung
erſchoſſen worden. Damit iſt ſeit Beſtehen des neuen Italiens
zum erſtenmal wieder die Todesſtrafe verhängt und ausgeführt
worden. Dieſe Hinrichtung muß von zwei Seiten beurteilt wer=
den
. Die rein juriſtiſche Seite iſt für die Betrachtung ziemlich un=
weſentlich
. Das neue Geſetz zum Schutze des Regimes hat die
Todesſtrafe in Italien eingeführt. In dieſem Prozeß ſollte ein
Exempel ſtatuiert werden. Man war ſich vorher ſchon klar, daß
dieſer della Maggiore dem Tode verfallen war. Er war heimlich
aus Frankreich nach Italien zurückgekehrt, war ein Antifasciſt,
hatte offenbar mit Ueberlegung getötet und den Mord an zwei
Fasciſten ausgeführt. An dieſen Tatſachen war kaum zu rüttela.
Nur das Motiv, das offenkundig auf politiſchem Haß ſich auf=
baute
, hatte den für politiſche Verbrechen üblichen Grund mil=
dernder
Umſtände ermöglicht, und damit wie bisher bei ähn=
lichen
Vorgängen ein Urteil auf lebenslängliches Zuchthaus
ermöglicht. Aber diesmal handelte es ſich von vornherein darum,
eine Verurteilung zur Abſchreckung zu ſchaffen. Della Maggio=
res
Hinrichtung ſollte den antifasciſtiſchen Fuoriscitis, den italie=
niſchen
Emigranten, zeigen, daß Italiens Fascismus nicht mit
ſich ſpaßen laſſe. Die Umtriebe der geheimen Sendboten waren
bedenklich geworden, und es ſollte ihnen die Luſt ausgetrieben
werden, ſich weiter in Italien zu betätigen. Dieſe Seite des
Urteilsſpruches und ſeiner Ausführung kann dem Auslande kein
beſonderes Intereſſe abnötigen, ſoweit nicht das prinzipielle
Für und Gegen bei der Todesſtrafe die Gemüter erregt.
Anders liegt es mit der zweiten Seite dieſes Falls, die eine
hochpolitiſche Auswirkung hat. Das Todesurteil muß innerhalb
24 Stunden vollſtreckt werden. Dem Verurteilten ſteht das Recht
auf den Gnadenweg zu, der von ſeinem Verteidiger eingeſchlagen
werden muß und worden iſt. Das Gnadengeſuch wurde an den
Korpskommandanten des Bezirks von Lucca gerichtet. Dieſer
gab es ſeinerſeits ſofort an den römiſchen Korpskommandanten
weiter, der es dem Kriegsminiſter Muſſolini, und dieſer dem
König hätte zuſtellen müſſen. Statt deſſen kam ohne Befragung
dieſer beiden letzten Inſtanzen vom römiſchen Kommandanten
die Mitteilung, daß dem Geſuch nicht ſtattgegeben werden könne.
Darauf wurde der Verurteilte noch innerhalb der 24 Stunden
nach ſeiner Verurteilung erſchoſſen. Die Erſchießung wurde von
fasciſtiſcher Miliz ausgeführt, nicht von Soldaten des aktiven
Heeres.
Das Geſetz, mit dem dieſer Gerichtshof zum Schutze der fas=
ciſtiſchen
Revolution ernannt wurde, verfügt nun ausdrücklich,
daß die Gnade des Souveräns angerufen werden kann. Bis=
her
wurde mit dem Begriff des Souveräns noch immer die Per=
ſönlichkeit
des Königs identifiziert, nicht die eines kommandieren=
den
Generals. Hier liegt alſo ein wichtiger neuer Präzedenzfall
vor. Der König iſt ſeines eigentlich letzten Rechts beraubt
worden: Gnade zu üben. Das Hoheitsrecht des Königs wurde
an ſeiner empfindlichſten Stelle verletzt. Der König von Italien,
der in ſeinem Lande ſchon ſo gut wie nichts mehr zu ſagen hat,
iſt auch dort beiſeite geſchoben worden, wo überall in der ganzen
Welt des repräſentative Oberhaupt eines Staates, auch wenn es
ſonſt wenig oder gar keinen Einfluß auf die Regierung ſeines
Landes nehmen kann, den Beweis ſeines Vorhandenſeins und
einer Notwendigkeit erbringen konnte: den Beweis der Gnade.
Die Vollſtreckung der Todesſtraſe an della Maggiore ohne
Anrufung der Gnade des Königs kommt alſo einem Todesurteil
über die letzten ſouveränen Rechte des Königs von Italien gleich.
Im Grunde genommen ſind dieſe Vorgänge nur die logiſche Kon=
ſequenz
, die Muſſolini und das fasciſtiſche Regime aus der Schaf=
fung
des Großen Rats des Fascismus ziehen mußten. Da
dieſer Großrat ausdrücklich in ſeiner Verfaſſung das Recht für
ſich in Anſpruch nimmt, auch über die Thronfolge zu entſcheiden,
und damit dem König ſelbſt ſeine Hausrechte und die traditionelle
Beſtimmung über das Schickſal des Hauſes von Savoyen ent=
windet
, ſo mußte ſich der König eigentlich auf eine derartige Ent=
wicklung
gefaßt machen. Von Rechts wegen aber hätte dann an=
ſtelle
der Gnade des Königs die ſouveräne Gnade des Großen
Rats angerufen werden müſſen. Soweit aber ſcheint die Ueber=
legung
in Rom noch nicht gediehen.
Ueber den Rahmen dieſer politiſchen Seite des Todesurteils
an della Maggiore hinaus aber geht eine ſtaatsrechtliche Folge=
rung
, die man ziehen muß, wenn man das Verhältnis des fasciſti=
ſchen
Staates von Italien zum Vatikan betrachtet. Der Oſſer=
vatore
Ramono ſelbſt hat unlängſt ſich gerade wieder einmal
mit dem Thema der römiſchen Frage beſchäftigt, als er auf
einen Artikel von Muſſolinis Popolo d’Italia antwvortete. Der
Popolo hatte behauptet, die römiſche Frage ſei jetzt reif zu
einer Löſung. Und zwar ſei einzig und allein der Große Rat des
Fascismus zur Behandlung der Beziehungen zwiſchen dem ita=

lieniſchen Staat und der römiſchen Kirche zuſtändig. Darauf er=
klärte
der vatikaniſche Oſſervatore ausdrücklich: dieſer Großrat
ſei für die Behandlung der Frage nicht zuſtändig, da der Artikel 7
ſeiner Statuten klar feſtlege, daß er nur ein konſultatives Organ
ſei. Er beſitze deshalb nicht die nötigen Vollmachten, die nach der
italieniſchen Verfaſſung allein dem König, dem Senat und der
Kammer zuſtänden.
Der Vatikan lehnt alſo bisher ab, den Großrat als den
Souverän Italiens anzuerkennen. Er tut dies nicht aus
Liebe zum Hauſe von Savoyen. Sicherlich nicht. Denn die
Tatſache der Exiſtenz des Königshauſes, das den Papſt aus
ſeiner weltlichen Herrſchaft vertrieben hat, hat dem Vatikan ja
gerade immer /A5 einen offenſichtlichen Grund gegeben, die
Fiktion von der FWefangenſchaft des Papſtes aufrechtzuerhalten.
Und ehe man in 2r Kurie ſich nicht ganz klar darüber ſein wird,
ob es zweckdienlich iſt, ſich dieſer Fiktion zu begeben, eher wird
ſich kaum ein Papſt finden, der ſich mit einem neuen Italien auf
einer neuen Baſis auseinanderſetzen wird. Allerdings kann nun
ſehr wohl bald der Zeitpunkt kommen, an dem ſich der Vatikan
entſchließen muß, ſich zwecks Löſung der römiſchen Frage neu zu
orientieren. Denn die Souveränität des italieniſchen Königs iſt
jetzt ſchon mehr Fiktion als die Gefangenſchaft der Päpſte. Die
Schüſſe der Milizſoldaten bei Lucca haben nicht nur den Mörder,
ſondern auch die Krone des Hauſes Savoyen getroffen.
Churchill über die Abrüſiungsfrage.
w. London, 2. Oktober.
Schatzkanzler Churchill ſagte geſtern abend in einer Rede, die
Veröffentlichung des Weißbuches habe gezeigt, daß nichts ge=
ſchehen
ſei, wogegen irgendjemand Einwendungen erheben könne.
Er fügte hinzu: Wenn zwiſchen Großbritannien und Frankreich
vereinbart worden iſt, gewiſſe Punkte der gegenſeitigen Rüftun=
gen
nicht mehr zu kritiſieren, ſo bedeutet das einen Fortſchritt in
Richtung auf eine eventuelle Einigung über die Weltabrüſtung.
Die Erörterungen der letzten zwei Jahre haben eine Neigung
hervorgerufen, Fragen der Rüſtungen zu Lande, zu Waſſer und
in der Luft eine internationale Wichtigkeit zu geben, die ange=
ſichts
der jetzigen friedlichen Weltlage gar nicht berechtigt iſt.
Amerika und die Abrüſiung.
EP. London, 25. Oktober.
Engliſchen Berichten aus Waſhington zufolge ſcheint weder
Präſident Coolidge noch das Staats= oder Marinedepartement
zur Zeit ingendeinen Fortſchritt in der Seeabrüſtung zu erwarten.
Als früheſten Termin für die Beſprechung der Frage ſieht man
die Konferenz im Jahre 1931 an, die entſprechend den Beſtim=
mungen
des Waſhingtoner Abkommens einberufen wird. Vorher
ſchenit man im Marinedepartement nichts unternehmen zu
wollen.
13. Sitzung der Hygiene=Kommiſſion.
EP. Genf, 25. Oktober.
Das Hygiene=Komitee des Völkerbundes hat heute in Genf
ſeine 13. Sitzung eröffnet und wird neben den Berichten über die
ſeit der letzten Sitzung im April vorgenommenen Arbeiten die
Berichte der verſchiedenen Unterkommiſſionen für Malaria, Krebs,
Pocken, Syphilis, Tuberkuloſe und die Studien entgegennehmen,
die im vergangenen Jahre in Lateinamerika durchgeführt worden
ſind. Das Komitee wird ſich beſonders auch mit der durch die
Dengue=Epidemie in Griechenland und den anderen Mittelmeer=
ländern
geſchaffene Situation befaſſen. An den Beratungen neh=
men
23 bekannte internationale Mediziner unter dem Vorſitzdes
Präſidenten Dr. Madſen=Dänemark teil. Deutſchland iſt durch
Dr. Hamel und Profeſſor Nocht, Japan durch Dr. Tſurumi
vertreten.
Konferenz zur Beſeitigung der Doppel=
beſieuerung
.
EP. Genf, 25. Oktober.
Die Konferenz zur Beſeitigung der Doppelbeſteuerung hat
heute das Prinzip angenommen, daß Seeſchiffahrts=, Flußſchiff=
fahrts
= und Luftſchiffahrtsgeſellſchaften nur von dem Staat be=
ſteuert
werden können, in dem die Leitung der Geſellſchaft ihren
Sitz hat. Desgleichen wurde ein ſowjetruſſiſcher Vorſchlag an=
genommen
, nach dem Schiffahrtsgeſellſchaften von den Heimat=
ſtaaten
nur für den Teil ihrer Gewinne beſteuert werden können,
den ſie aus der Schiffahrt ſelber ziehen, daß jedoch Gewinne aus
Handels= und Bankunternehmungen der Schiffahrtsgeſellſchaften
in denjenigen Ländern verſteuert werden, in denen dieſe Ge=
winne
erzielt werden.

Die Zwiſchenfälle bei den fran=
zöſiſchen
Generalrats=Wahlen.
Franzöſiſche Preſſeſiimmen.
EP. Paris, 25. Oktober.
Die Zwiſchenfälle bei den geſtrigen Generalratsſitzungen im
Elſaß beſchäftigen die Preſſe in hohem Maße. Man äußert er=
hebliche
Verwunderung und teilweiſe Erbitverung darüber, daß
alle Verſuche, die elſäſſiſche Mißſtimmung beizulegen, ſich immer
wieder als fruchtlos erwieſen. Die Victoire ſchreibt, daß die
Lage im Elſaß immer verwirrter werde. Die Zeitung wirft der
Regierung Ungeſchicklichkeit vor. Sie habe bisher nichts getan,
um die rechtlich verwickelte Lage von Ricklin und Roſſe zu klären.
Es ſei begreiflich, daß ihre Wähler den Eindruck gewinnen müß=
ten
, man reſpektiere ihre politiſche Meinung nicht übermäßig.
Der Figaro bezeichnet die geſtrigen Zwiſchenfälle als höchſt
peinlich. Man habe vor einiger Zeit von Befriedung der Ge=
müter
geſprochen. Man müſſe ſich fragen, wo dieſe Befriedung
zu ſuchen ſei. Die elſäſſiſche Frage bleibe eine der ernſteſten
Regierungsſorgen. Die Regierung habe das große Unrecht, nicht
einſehen zu wollen, daß die Grundlage der elſäſſiſchen Unruhen
eine religiöſe Frage ſei, die eben, wie mon zu vergeſſen ſcheine,
im Elſaß eine größere Rolle ſpiele, als innere Fragen. Der
Gaulois überſchreibt ſeinen Artikel mit der ängſtlichen Frage;
Gehen wir Unruhen im Elſaß entgegen?
Die Zeitung mißt die ganze Schuld dem Kartell und ſeiner
religionsfeindlichen Politik bei und kommt zu dem Schluß, daß
die Schwierigkeiten am Rhein das Ende des republikanſchen Re=
gimes
bedeuten könnten. Die Volonté dagegen will den
Grund der Mißſtimmung darin erblicken, daß den Elſäſſern von
Anfang an eine bevorzugte Stellung in Frankreich eingeräumt
worden ſei. Damit ſei ihnen der Appetit gewachſen und ſio for=
derten
jetzt immer neue Privilegien. Der Quotidien iſt der
gleichen Anſicht. Der nationale Block ſei an der Lage ſchuld.
Wenn er von Anfang an ſofort nach dem Kriege energiſch gegen
die Elſäſſer aufgetreten wäre, ſo wäre es ſchon gelungen, dieſe
Dickſchädel zu meiſtern.
Um die Verbeſſerung der Wriſchaftsſiatiſtik.
EP. Paris, 25. Oktober.
Der Völkerbund hat auf den 26. November eine Vorkonferenz zur
Verbeſſerung der Wirtſchaftsſtatiſtik nach Genf einberufen. Im Hin=
blick
hierauf hat die Internationale Handelskammer bereits im Februar
dieſes Jahres einen beſonderen Ausſchuß eingeſetzt, dem von deutſcher
Seite Geheimrat Kaſtl als Vizepräſident und Oskar Funcke=Hagen i. W.
als Mitglied angehören. Zur Vorbereitung ſeiner Beſchlüſſe ſind in
den letzten Monaten verſchiedene Sachverſtändigenausſchüſſe für die
zunächſt in Betracht kommenden Wirtſchaftszweige: Kohle, Braunkohle,
Koks, Schiffbau, Roheiſen, Zellſtoff, metallurgiſche Halbfabrikate, in der
Internationalen Handelskammer zuſammengetreten. Weitere Ausſchüſſe
für Wolle, Seide und Baumwolle werden noch tagen. An dieſen Be=
ratungen
haben regelmäßig Vertreter des Völkerbundes und der in den
verſchiedenen Branchen beſtehenden internationalen Vereinigungen teil=
genommen
. Am 14. November tritt der Geſamtausſchuß erneut zuſam=
men
, um über die Richtlinien für die Delegation der Internationalen
Handelskammer auf der Völkerbundskonferenz Beſchluß zu faſſen. Die
Zuſammenſetzung dieſer Delegation ſteht noch nicht feſt, jedoch iſt, wie
die Internationale Handelskammer mitteilt, damit zu rechnen, daß als
ihre Mitglieder in erſter Linie die Mitglieder des Präſidiums und der
Berichterſtatter des Ausſchuſſes der Kammer in Frage kommen, d. h.
Olivetti=Rom, Loucheur=Paris, Geheimrat Kaſtl=Berlin, Nugent=London
und de Lavergne=Paris.
Wieder Oppoſition in Moskau.
Moskau, 24. Oktober.
Unter dem Einfluß der gegenwärtigen wirtſchaftlichen
Schwierigkeiten iſt die Kritik innerhalb der ruſſiſchen kommuni=
ſtiſchen
Partei an den Richtlinien und wirtſchaftlichen Maßnahmen
des Zentralkomitees ſo ſtark geworden, daß das letzteve mit aller
Schärfe den Kampf gegen dieſe ſog. Rechtsneigungen und Kom=
promißſtimmungen
aufgenommen hat. Es wurde bereits eine
Anzahl Moskauer Parteiführer ihrer Aemter enthoben. Vor
dem Plenum der Moskauer Organiſation begründete Stalin in
einer Rede die Maßnahme des Zentralkomitees. Er erklärte die
Rechtstendenzen innerhalb der Partei für die ſchwerſte Gefahr
des Augenblicks, da ſie auf ihrem Wege fort vom Leninismus
und zur bourgeoiſen Ideologie führt. Stalin betonte, daß ſich
unter dem Moskauer Führern Elemente zeigten, die von der bol=
ſchewiſtiſchen
Linie abwichen und ſich für grundſätzliche Irr=
tümer
der Theorie einſetzten oder tatenlos die Gefahr der Rechts=
tendenzen
unterſchätzten. Stalin erklärte die rückſichtsloſe Ueber=
windung
der ſchwankenden und kleinmütigen Stimmung, für
dringend notwendig.

*Pasquinaten.
Von der Piazza Navona in Rom führt am Palazzo Braſchi
vorbei eine kleine Gaſſe, der Vicolo Pasquino zur Piazza Pas=
quino
. An der ſtumpfen Ecke des Palazzo Braſchi ſteht hier ein
antiker Marmortorſo, den der Volksmund Pasquino neunt,
und der dem Platze den Namen gegeben hat. Der allwiſſende
Baedecker ſagt darüber: Am Sankt Markustage (25. April)
pflegten Profeſſoren und Studenten des römiſchen Archiginnaſio
lateiniſche und italieniſche Epigramme am Pasquino anzuhef=
ten
, zunächſt nicht in ausgeſprochen ſatyriſcher Abſicht. Den
Namen erhielt die Marmorgruppe von einem gegenüberwohnen=
den
Schulmeiſter. Erſt als die Pasquinaten um die Mitte des
ſechszehnten Jahrhunderts, beſonders infolge der Reformation,
einen ſcharf ſatyriſchen Charakter annahmen, wurde der Nanie
mit einem durch ſeine böſe Zunge bekannten Schneider Pasquino
zuſammengebracht. Die Pasquillendichtung hat ſich ſeitdem bis
auf die Gegenwart herab in Rom einer ganz beſonderen Pflege
erſreut, an die Blüte der antiken Satyre erinnernd.
Als Baedecker dies ſchrieb, gab es in Rom noch allerlei Witz=
klätter
, die ihren Mund gewaltig weit aufmachten. Die Zeiten
des Pasquino ſihienen dann aber unter dem fasciſtiſchen Regime
ſeit Einſührung der Preſſezenſur endgültig vorüber. Aber in
dieſem alten Rom, in dieſem Italien läßt ſich auch unter Beil
und Rutenbündel auf die Dauer die loſe Zunge der Italiener
niut bändigen. Zwar in der Oeffentlichkeit wagt kein Menſch
ein witziges oder ſatyriſches Wort über die jetzigen Machthaber
oder Zuſtände zu ſagen, aber je unbequemer und kärglicher die
Verhältniſſe werden, deſto mehr geht der alte Pasquino wieder
durch die Gaſſen und ſagt ſeine Spottſprüchlein leiſe, ganz leiſe
und heimlich her. Von Haus zu Haus wandern wieder Pas=
quinaten
aber ganz terſichtig nur, von Mund zu Ohr geraunt,
wenn kein Lauſ:her in der Nähe iſt. Dieſe Pasquille ſind bezeich=
nender
ſur die Zuſtände, wie ſie wirklich ſind, als alle ſchönen
Berichte, Statiſtiken und Neden.
Die Proben, die der Fremde mit Glück und Gunſt erlauſchen
keunte, ſind echt und wörtlich ſo wiedergegeben, wie ſie in Win=
keln
der Gaſſen und im kleinſten Kreiſe, der Familien belacht
werden.
Frage: Wie iſt die Telephonnummer des Königs?
Antſport: 610
Auf italieniſh ausgeiprochen heißt das: Sei uno zero.
Wenn man dieſe Zahlen dann aber nicht als Zahlbenen=
nung
betrachtet, ſondern als Worte ausſpricht, dann heißt dieſes
Sei uno zero‟: Du biſt eine Null.
*
Die große innere Anleihe, die vor Jahr und Tag als eine
Lwangsanleihe in Italien dem Volke auferlegt wurde, wird zu

Ehren des fasciſtiſchen Liktorenbündels die Littorio=Anleihe‟
genannt. Tatſächlich kam ſie einer Vermögensenteignung gleich.
Grade jetzt wird wieder von neuem geſchröpft, indem zum Beweis
ihres Patriotismus die Leute, die noch etwas Geld haben, auf=
geſordert
werden, freiwillig Beträge aus ihrem Beſitz an Lit=
tcrio
=Anleihe zu Zwecken der Amortiſation und der Kursſtützung
herzugeben. Tenn dieſe Anleihe ſteht nicht gerade ſehr gut auf
der Borſe.
Nun fragt man in Italien: Wie heißt die chineſiſche Ueber=
ſetzung
von Littorio=Anleihe?"
Die Antwort laut:t dann auch ſehr chineſiſch klingend:
Tſchau, tſchau ſahei.
Das Tſchau, das ſich auf Italieniſch Ciao ſchreibt, ent=
ſtammt
einer alten öſterreichiſchen Erbſchaft. Denn oben in der
Lombardei und in Venetien bis weit hinunter in das echtere
Italien begrußt man ſich noch heute zum Abſchied mit dieſem
Tſchau Lebe wohl, Sghei aber iſt ein lokaler Mailänder
Ausdruck für Geld
Das chineſiſche Tſchau, tſchau ſghei heißt alſo: Leb' wohl
mein Geld.
In faſt allen großen Städten Italiens und vielen kleinen
ſpurden nach kurzer Amtsdauer unlängſt wieder einmal die Po=
deſtas
, die Burgermeiſter, abgeſetzt.
Ein Hund läuft über die Grenze Italiens nach der Schweiz
hinein und begegnet dabei einem Eſel, der grade aus der Schweiz
nach Italien wandern will.
Der Eſel ſragt: Warum läufſt du aus dem ſchönen Italien
weg
Der Hund antwortet: Weil ich dort nicht einmal mehr
bellen darſ. Und warum, lieber Eſel, willſt du denn gerade jetzt
nach Jiglien hineigs
Da jaht der ſel: Weil ich dort eine gute Stellung finden
kann. Man wehſelt doch ununterbrochen die Podeſtas.
Und nun das bitterſte Pasquill:
II Papn ammonisee,
II Re non capisce,
Volpi si arrichisce
II ponolo languisce,
Guando fnisce?"
In das geliebte Deutſch möglichſt wortgetren u. ragen;
Es warnt der Papſt. Gar wenig
Verſteht ja nur der König.
Der Duce lugt. Zugleich
Graf Volpi macht ſich reick).
Das Volk ſeufzt voller Pein:
Wann wird das Ende ſein?

Ap. Dinkelsbühl. Der Weg der Kultur. Von Raoul Francé.
Mit acht Kunſtdrucktafeln. Gebd. 2,60 Mk. Verlag von Dürr u. Weber,
Leipzig C 1, Querſtraße 14. Wie längſt verſchollene Sagen geht es
heute noch lebendig durch das altfränkiſche Idyll, das tauſendjährige
Dinkelsbühl, eine der Miniaturſtadtrepubliken alter Reichsfreiheit. Die
fernſten Erinnerungen deutſcher Geſchichte ſind hier noch Leben und
Wirklichkeiten. Hier wohnten einſt die Kaiſer Karl V. und Maxi=
milian
II. und Guſtav Adolf und die franzöſiſchen Generäle Napoleons
Die Stadt war ein Organismus, der alles Unſelige, Not und Bedräng=
nis
, die Feindſchaft einer ganzen Welt überdauerte, und nun ſchön und
uralt zugleich ins dritte Deutſche Reich hineinlebt. Verfaſſer des Buchs
ſtellt die Fragen: Worauf beruht dieſe Unſterblichkeit? Was verlieh
dieſer alten Stadt ihre Dauer?. Was iſt ihr Geheimnis?. Was machte
ſie ſo ſchön, ſo bedeutungsvoll, daß noch heute das Leben in ihr ſo
behaglich und lebenswert iſt? Hier ſuchen wir ein Geſetz, eines, das
weit über die Exiſtenz einer Stadt, ja eines Reiches und einer Zeit
hinausgreift, das ewig und gemeingültig iſt und alle Menſchen angeht.
Das Geſetz der Kultur. Deutſchland iſt in einer ähnlichen Lage, wie
es Dinkelsbühl faſt in jedem Jahrhundert ſeiner ſchmerzensreichen
Geſchichte war: immer drangſaliert, immer am Rande des Abgrundes,
überfordert von den Verhältniſſen, im Kampfe ums Daſein. Von
Dinkelsbühl kann man lernen. Dieſe kleine Stadt iſt ein Paradigma
dafür, wie eine Gemeinſchaft Dauer, Kraft, Bedeutung und Schönheit
erlangen kann. Der ſie ſinnend betrachtende Philoſoph entdeckt in ihr
Naturgeſetze und damit den Weg der Kultur. Indem der als Biologe
und Soziolege bekannte Verfaſſer dies in dem angegebenen allgemein=
gültigen
Sinne in bezug auf den Begriff der Kultur und der Ideale
des menſchlichen Lebens weiter ausführt, gewinnt das Buch eine weit
über eine Inbiläumsſchrift hinausgehende Bedeutung.

Ap. Der magiſche Menſch Abbé Vachére. Der Wundertäter von
Mirebeau und Aachen. Von Dr. Henri Birven. Preis broſchiert
3,00 RM. (Verlag von J. Wieſike, Brandenburg a. d. H.) Der Ver=
faſſer
dieſes ſpannenden Buches, das die dunkelſten und verworrenſten
Fragen des Okkultismus, der Parapſychologie und der ſogen. Magie
behandelt, berichtet über die an die Perſon des exkommunizierten fran=
zöſiſchen
Abbé Vachere ſich knüpfenden, einzig daſtehenden Wunder=
erſcheinungen
, die darin beſtanden, daß in der Kapelle des Abbé in
Mirebeau im Jahre 1911 den Jeſusbildern und Hoſtien Tränen und
Blut entquollen, und zwar nicht nur einmal, ſondern in mehr als 30
Fällen. Dies wiederholte ſich, als der Abbé auf einer Reiſe ſich im
Jahre 1920 in Aachen bei einer frommen Dame daſelbſt aufhielt. Dieſe
okkulten Phänomene erregten ungeheures Aufſehen. Der Verfaſſer
ſtützt ſich in ſeinen Mitteilungen auf einwandfreie Augenzeugen, bringt
mehrere frappante Originalaufnahmen der blutigen Bilder und weiſt
nach, daß es ſich dabei unmöglich um einen Schwindel handeln konnte
und ſucht in einer Reihe von Kapiteln in die Seele des Wundertäters
zu dringen, in der er den Schlüſſel zu den Phänomenen ſucht, und
unterzieht den Sinn und Nichtſinn des Wunders, den Sinn des Okkul=
ten
und das Weſen des magiſchen Menſchen einer eingehenden Erörte=
rung
. Allen, die ſich für Fragen des Okkultismus und der Magie
intereſſieren, werden dieſe Mitteilungen über die merkwürdige Perſon
dieſes Thaumaturgen des 20. Jahrhunderts und die Ausführungen
des Verfaſſers über die magiſchen Seelenzuſtände und wunderbaren
Fähigkeiten des ſogen. Wundertäters Stoff zum Nachdenken und Ein=
dringen
in die Geheimniſſe der menſchlichen Seele bieten.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Freitag, den 26 Oktober 1928

Nummet 298

Familiennachrichten

Im Silberkranz.
Das Feſt der Silbernen Hochzeit
begehen am kommenden Sonntag, den
28. Oktober Herr Lehrer Eckſtein
und ſeine Frau Gemahlin.
Glückauf zur Goldenen!
Groß=Bieberau, 25. Oktober 1928.
Af
Stat Karten.
Ae

Für die mir anläßlich meines acht=
zigſten
Geburtstages, in ſo reichem
Maße zugegangenen Glückwünſche und
Blumenſpenden ſage ich hiermit herz=
lichen
Dank.
28040) Eliſe Schmidt Wwe.

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[ ][  ][ ]

Nummer 298

Freitag, den 26. Oktober 1928

Seite 3

Aus der Landeshauptſtadt.

Darmſtadt, 26. Oktober.
Darmſtadt im beſten Licht.
Schaufenſterbeleuchtungs=Wettbewerb.
Welche Firma beſitzt die beſten Schaufenſter?
Mit dieſer Frage wendet ſich die Heag im Rahmen der Ver=
nſtaltung
Darmſtadt im beſten Licht vom 29. Oktober
nd ladet dazu ein, ſich an einer Bewertung der im Schaufenſter=
eleuchtungs
=Wettbewerb ſtehenden Firmen durch Stimmabgabe
u beteiligen. Jeder Teilnehmer an dieſer Bewertung beſitzt
Ausſicht auf einen wertvollen Gewinn
ine Reihe von Gutſcheinen als Troſtpreiſe zur Verteilung.
zendung, welche am Verkehrsbureau, in den Zeitungskiosken am ein paſſender und würdiger Rahmen für dieſe erhebende Feier. Bei
uiſen= und Ernſt=Ludwigsplatz, ſowie im Schalterraum der
geſſiſchen Eiſenbahn A.G. koſtenlos erhältlich ſind. Auf dieſer
Stimmkarte bezeichnet der Teilnehmer diejenige Firma, deren
ſchaufenſter in ihrer Geſamtheit am beſten beleuchtet ſind,
ußerdem gibt er darauf noch ſeinen Namen und Wohnort an.
is darf nur eine Firma genannt werden. Die ausgefüllte Karte
pird an den vorbeſagten Empfangsſtellen wieder abgegeben,
ann aber auch durch die Poſt an die Heag eingeſandt werden.
Von der Geſamtheit der abgegebenen Stimmen nehmen die=
enigen
au der Gewinnausloſung teil, welche auf die vier meiſt=
genannten
Firmen lauten. Unter Beiwohnung je einer Ver=
rauensperſon
aus dem Publikum und der Kaufmannſchaft wer=
den
zunächſt die vier Hauptgewinne (Heißwaſſerſpeicher, Herd,
Staubſauger, Bratröhre) ausgeloſt, alsdann die Gutſcheine im
Berte von 5, 4, 3 und 2 Mark, welche beim Kauf elektriſcher Ge=
äte
in Zahlung gegeben werden können. Auf je 100 der an der
Berloſung teilnehmenden Stimmen entfallen 10 Gutſcheine; je=
och
beträgt die Geſamtzahl der Gutſcheine nicht mehr als je
00 Stück der vier angegebenen Werte.
Nachdem im vorigen Jahre die Beſitzer der fünf beſtbeleuch=
eten
Schaufenſter mit einem Preis bedacht worden ſind, ſoll in
dieſem Jahre.
das Publikum ſelbſt ſeine Stimme für die Bewertung der
Schaufenſterbeleuchtung abgeben und Preisträger ſein.
Die Wichtigkeit einer guten Schaufenſterbeleuchtung iſt in den
etzten Jahren mehr und mehr erkannt worden, ſo daß in dieſer
Beziehung weſentliche Verbeſſerungen vorgenommen worden
ind. Dennoch gibt es viele Schaufenſterauslagen, die ihren
Zweck nicht erfüllen, dadurch, daß ſie infolge unzureichender oder
alſcher Beleuchtung nicht wirkſam genug in Erſcheinung treten.
Die Entſcheidung des Publikums, was es unter einer guten Be=
euchtung
verſteht, ſoll den mehr oder weniger gut beratenen
Ladenbeſitzern zu erkennen geben, welchen Wert die Käuferſchaft
iner guten Schaufenſterbeleuchtung beilegt.
Mit einem Schaufenſterbeleuchtungs=Wettbewerb dieſer Art
zlaubt die Heag den Intereſſen der Käufer und Verkäufer beſtens
zu dienen und bittet um recht rege Beteiligung an dieſer Bewer=
ung
. So einfach wie die Teilnahmebedingungen, ſo
günſtig ſind die Gewinnausſichten!
Wenn ſich Darmſtadt im beſten Licht zeigt, ſoll auch
eine gute und richtige Schaufenſterbeleuchtung zu ihrem Teile
zum Ruhme Darmſtadts beigetragen haben!

Grnannt wurde am 22. Oktober der Finanzpraktikant Otto
Nikolai zu Darmſtadt zum Miniſterialreviſor bei dem Miniſterium
für Arbeit und Wirtſchaft mit Wirkung vom 1. Oktober an.
In den Ruheſtand verſetzt wurde am 18. Oktober der Kanzlei=
aſſiſtent
bei dem Amtsgericht Darmſtadt I Ludwig Pabſt auf Nach=
ſuchen
mit Wirkung vom 1. Januar 1929 an.
Erledigt ſind: eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer
an der Vollsſchule in Bechtheim (Kreis Worms), Dienſtwohnung
iſt vorhanden und kann ſofort bezogen werden; eine Lehrerſtelle für
einen evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule zu Biſchofsheim
(Kreis Groß=Gerau). Dem Inhaber können die Dienſtgeſchäfte eines
Rektors übertragen werden.
Heſſiſches Landestheater. Heute Freitag geht Honeggers Oper
Judith in der Inſzenierung Arthur Maria Rabenalts und Wilh.
Meinkings in Szene. Muſikaliſche Leitung: Generalmuſikdirektor Dr.
Böhm. Die Beſetzung iſt die der Erſtaufführung. Die Vorſtellung,
die der Miete K Bühnenvolksbund) zugeteilt iſt, beginnt um 19 Uhr
30 Min.
Morgen Samstag findet die erſte Wiederholung von Gerh. Menzels
Schauſpiel Toboggan in der Inſzenierung Günther Haenels und
8.
Vilhelm Reinkings ſtatt. Die Hauptrolle ſpielt Fritz Valt. Die der
Miete B zugeteilte Vorſtellung beginnt um 20 Uhr.
Morgen Samstag findet im Kleinen Haus das Operettengaſtſpiel
der Frankfurter Operettendirektion Sander=Dewald ſtatt. Unter Mit=
wirkung
des von dieſer Direktion geſtellten eigenen Enſembles, Chors
und Orcheſters gelangt die Luſtige Witwe von Lehar zur Auf=
führung
. Die Vorſtellung beginnt um 19 Uhr 30 Min.
Vilhelm Michel, Carl Ebert und Fritz Valk ſind die Mitwirkenden
der Sonntag, den 28. Oktober, um 11 Uhr 30 Min, im Kleinen Haus
ſtattfindenden Tolſtoifeier.
Für das erſte, Montag, den 29. Oktober, ſtattfindende Sinfonie=
Konzert des Landestheaters hat der Vorverkauf begonnen. Zur
Aufführung gelangt Mozarts Sinfonie Bs=Dur, das Klavier=Konzert
G=Moll (Mitwirkende: die Pianiſtin Zeanne Jaſpare) und die
Noſſiniana=Suite von Reſpighi. Die Leirung des Konzerts hat General=
muſikdirektor
Dr. Böhm.
Anſtelle der Aufführung Die Stumme von Portici, die infolge
Erkrankungen im Perſonal verſchoben werden muß, geht Sonntag,
den 28. Oktober, im Großen Haus Puccinis Oper Tosca in
Szene. Die Hauptrollen ſind mit Fräulein Landwehr und den Herren
Grahl und Komregg beſetzt. Die Vorſtellung, die der Miete 1. zuge=
teilt
iſt, beginnt um 19 Uhr 30 Min.
Der erſte Schubert=Abend des Drumm=Quartetts iſt
für Montag, den 5. November, im Kleinen Haus feſtgeſetzt.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Im Rahmen ihrer Veranſtal=
tungen
hat die Bücherſtube Bodenheimer den bekannten Berliner Archi=
tekt
Dipl. Ing. Erich Mendelſohn zu einem Lichtbildervortnag ein=
geladen
. Mendelſohn ſpricht über: Rußland Amerikä, ein architek=
toniſcher
Querſchnitt Mendelſohn rechnet zu den bedeutendſtem Archi=
tekten
der Gegenwart, deſſen Werke im Vordergrund der Grörterungen
über moderne Architektur ſtehen. Der Vortrag findet am Montag, den
5. Nobember, im großen Hörſaal der Techniſchen Hochſchule ſtatt. Kar=
ten
in der Bücherſtube erhältlich.

Feierliche Rektoratsübergabe.
Der Bericht des Prorektors über das Studienjahr 1927/28. Einführung
des neugewählen Rektors.Verſeſhlung der Wörde eines Doktor=Zngenieus
ehrenhalber an den heſſiſchen Staatspräſidenten.
Das Winterſemeſter an Deutſchlands Hochſchulen hat begonnen.
Anläßlich der Tagung des Eiſenbauverbandes am 18.20. Oktober
Auch in den Straßen Darmſtadts herrſcht regeres Leben: bunte Mützen d. Js. in Darmſtadt, bei der die wiſſenſchaftlichen Vorträge in unſerer

is einſchließlich 4. November 1928 an das geſchätzte Publikum in großer Zahl zeigen, daß die Studenten bereits eingezogen ſind. Hochſchule gehalten wurden, wurde unſerer Techniſchen Hochſchule von
Wie alljährlich, fand geſtern vormittag in der Otto=Berndt=Halle die
feierliche Rektoratsübergabe ſtatt. Einige elektriſche Beleuchtungskörper,
die beſonders der Bühne Licht ſpendeten, und das einſtrömende Tages= Ingenieurlaboratorium der Hochſchule verwandt werden ſoll.
licht gaben dem weiten Raum, der bis zum letzten Platz beſetzt war,
ein ernſtes, feierliches Gepräge. Unter den Klängen des Triumph=
marſches
aus Alda, geſpielt von der Kapelle ehem. Militärmuſiker,
Form eines elektriſchen Gegenſtandes; daneben kommen noch unter Leitung ihres vorzüglichen Dirigenten Obermuſikermeiſter Weber,
zogen mit ihren Fahnen die Chargierten der ſtudentiſchen Verbindun=
Für die Stimmabgabe kommen vorgedruckte Karten zur An= gen in Wichs ein und gruppierten ſich auf und vor der Bühne um das aus hren Ziuserträgen würdige Studerende unterſtitzt. Dieſe Stiſ=
Rednerpult, ſo ein farbenprächtiges Bild den Feſtteilnehmern bietend,
dem vorzüglichen Spiel des Judas Maccabäus von Händel zogen
dann die Profeſſoren in Amtstracht ein, an der Spitze Profeſſor Dr.
Lammer, geſchmückt mit der Rektoratskette.
Der ſcheidende Rektor begrüßte in herzlichen Worten den anweſen=
den
Staatspräſidenten und Kultusminiſter Adelung, der Oberbürger=
Gießen S. Magnifizenz Profeſſor Dr. Herzog, die Vertreter der Behör= Verfügung geſtellt werde, welcher im Verlaufe des letzten Jahres die
den, alle Ehrengäſte, Anweſenden, und beſonders herzlich die Studenten=
ſchaft
.
Profeſſr Kammer erſtattete ſodann Bericht über das verfloſſene Namen der im verfloſſenen Jahre mit der Würde eines Dr.=Ing. ehr.
Amtsjahr und gedachte zunächſt der Verſtorbenen, des Geh. Hofrats
Dr. Wirtz, o. Profeſſor der Elektrotechnik, des a. o. Profeſſors für
Zeichnen und Malen Hartmann, des Geh. Studienrats Dr. Horſt, Do=
zent
für engliſche Sprache, des o. Honorarprofeſſors Dr. Schleiermacher,
der verſtorbenen Ehrendoktoren und 14 junger Studenten, die der Tod
allzu früh hinweggenommen hatte.
Im letzten Jahre ſind in dem Lehrkörper der Hochſchule folgende
Veränderungen eingetreten: Am 1. April 1928 iſt Herr Geh. Hofrat
Proſeſſor Dr. Reinhold Müller, von ſeinen Lehrpflichten entbunden
worden. In dem letzten Studienjahr wurden an die Hochſchule berufen:
Dr. Alwin Walther, Privatdozent an der Univerſität Göttingen, als
v. Profeſſor für Mathematik, am 1. April 1928; Dr.=Ing. Ludwig
Wagner, Stadtrat und Vorſtand des Städtiſchen Hochbauamtetz in
Nürnberg, als v. Profeſſor, für Baukunſt am 16. Mai 1928
Dr.
Friedrich Oehlkers, a. o. Profeſſor an der Univerſität Tübingen,
als o. Profeſſor für Botanik am 1. Oktober 1928. Herrn Dr.=Ing.
Ernſt Hueter wurde die renia legendi für Elektrotechnik am 2. Mai
1928 erteilt. Ernannt wurden: Privatdozent Dr. Paul Knipping zum
außerplanmäßigen a. o. Profeſſor für Röntgenphlyſik und Röntgen=
technik
am 1. Juni 1928: Herr Profeſſor Dr. Fritz Limmer vom nicht=
planmäßigen
a. v. Profeſſor zum außerplanmäßigen o. Honorarprofeſſor
für Lichtbildweſen am 27. Juli 1938, und der Privatdozent Dr.=Ing.
Ernſt Hueter zum o. Profeſſor der Elektrotechnik am 1. Oktober 1928.
Lehraufträge wurden erteilt: dem Privatdozenten Dr.=Ing. Prager
für Ausgewählte Kapitel aus der theoretiſchen Mechanik; dem Ober=
landwirtſchaftsrat
Guſtav Bauer für Landwirtſchaftslehre; dem Ober=
ingenieur
der Firma Dyckerhof u. Widmann Regierungsbaumeiſter a. D.
Habild für Maſchinenlehre für Studierende der Abteilung für Bau=
ingenieurweſen
.
Das Recht zum Abhalten von Vorleſungen wurde erteilt: dem
Leiter des Frankfurter Forſchungsinſtituts für Getreidechemie Dr. phil.
Ernſt Berliner, dem Herausgeber der Zeitſchrift für das geſamte Müh=
lenweſen
Dr.=Ing. Otto Haltmeier, dem Privatdozenten an der Lan=
desuniverſität
Gießen Dr. Friedrich Maurer, dem Regierungsrat Dr.
jur. Theohor Krebs, dem Dipl.=Ing. Johannes Schaer. Für das
Winterſemeſter 1927/98 war mit der Abhaltung von Uebungen im
Entwerfen von Gebäuden des inzwiſchen emeritierten Miniſterialrats
Profeſſor Dr. Ing. e h. Hofmann Profeſſor Hummel betraut. Die Vor=
leſung
Grundzüge der Landwirtſchaftslehre im Winterſemeſter 1927=
1928 wurde von Direktor Seeger abgehalten. Im Winterſemeſter 1927=
1928 und Sommerſemeſter 1928 war Privatdozent Dr. Heil mit der
Abhaltung der Botaniſchen Vorleſungen und Uebungen und mit der
Vertretung des Vorſtandes des Botaniſchen Inſtituts beauftragt. Wei=
ter
gab der Herr Prerektor die Namen der im letzten Jahre beurlaub=
ten
Herren bekannt und gedachte verſchiedener Jubilare.
In dem abgelaufenen Studienjahre haben die wiſſenſchaftlichen
Einrichtungen und Inſtitute der Techniſchen Hochſchule eine ſtetige und
gedeihliche Weiterentwicklung erfahren. Die von der Abteilung für
Maſchinenbau ſowie den Senaten der Hochſchule beſchloſſene Aenderung
der Diplomprüfungsordnung iſt vom Kultusminiſterium genehmigt
worden. Weiterhin wurden in der Abteilung für Maſchinenbau neue
Fachrichtungen für Gas=Ingenieurweſen und Flugzeug=Ingenieure,
bei der Abteilung für Chemie die Fachrichtung Celluloſechemie neu ge=
ſchaffen
und mit Rückſicht darauf die Diplomprüfungsordnung der Tech=
niſchen
Hrchſchule durch Einführung von Prüfungen in dieſen neu
geſchaffenen Fachrichtungen erweitert.
Die Einrichtungen ſowohl des Kraftwerkes unſerer Hochſchule als
auch des Maſchinenlaboratoriums I entſprechen in ihrem jetzigen Zu=
ſtande
in keiner Weiſe dem mehr, was bei der großen Bedeutung
dieſer Inſtitute für die Verſorgung der Hochſchule mit Kraft und Hei=
zung
bzw. für die praktiſche Ausbildung der Studierenden des Ma=
ſchinenbaues
und der Elektrotechnik an betriebsfähigen Wärmekraft=
maſchinen
gefordert werden muß. Nachdem ſich dankenswerterweiſe
ſowohl Kultus= als auch Finanzminiſterium für die Neuforderungen
der Techniſchen Hochſchule eingeſetzt haben, wurde am 28. September
d. Js. vom Finanzausſchuß des Landtags ein Betrag von 742 500 Mk.
für den Ausbau des Kraftwerkes und des Maſchinen=
bau
=Laboratoriums I bewilligt. Auch im letzten Studien=
jahre
iſt
der Beſuch der Hochſchule
ſeitens der Studierenden ſtark geweſen. Er hat ſich auf derſelben Höhe
gehalten wie im vorhergehenden Berichtsjahre, nämlich auf rund 2600
Beſuchern. So erfreulich dieſe Tatſache iſt, muß doch damit gerechnet
werden, daß ganz allgemein in den nächſten Jahren ein Zurückgehen
der Zahl der Studierenden an Techniſchen Hochſchulen zu erwarten iſt.
Nun haben aber alle Techniſchen Hochſchulen in Deutſchland m. den
letzten Jahren die äußerſten Anſtrengungen im großzügigen Weiter=
ausbau
ihrer wiſſenſchaftlichen Einrichtungen gemacht. Es liegt daher
im dringenden Intereſſe des Gedeihens unſerer Hochſchule, daß alles
geſchieht, deren Weiterentwicklung zu fördern, damit ſie ihren wohl=
gegründeten
Ruf und ihre ſtarke Anziehungskraft auch in Zukunft auf=
recht
zu erhalten vermag. Hier erwächſt dem Staat und auch der Hoch=
ſchulſtadt
Darmſtadt die Pflicht, unſerer almz mater tatkräftige Unter=
ſtützung
und Förderung angedeihen zu laſſen.
Von den im Berichtsjahre geſtellten Preisaufgaben ſind die folgen=
genden
Arbeiten ausgezeichnet worden: In der Abteilung für Architek=
tur
diejenigen der Studierenden Heinz Hildner und Juſtus Scherb,
in der Abteilung für Maſchinenbau die des Studierenden Hch. Wags,
in der Abteilung für Chemie die Arbeit des Dipl.=Ing. Georg Wal=
ther
, in der Abteilung für Mathematik und Naturwiſſenſchaften die=
jenige
des Studierenden Hermann A gt. Die Plakette der Müller=
Alwyn=Stiftung für die beſten Prüfungen im Berichtsjahre wurde
durch Beſchluß von Rektor und Senat den Diplom=Ingenieuren Helmut
Anſchütz aus Düſſeldorf (Abteilung, für Elektrotechnik) und Alfred
Schmidt aus Wilhelmsburg (Abteilung für Chemie) verliehen.

e ſeiten dieſes Verbandes die Summe von 5000 Mark zur Verfügung
geſtellt, die zu Forſchungen auf dem Gebiete des Eiſenbaues in dem
Als eine bedauerliche Folgeerſcheinung der Nachkriegszeit muß das
Wegſallen von Stipendien bezeichnet werden, die vor dem Kriege un=
bemittelten
und begabten Studierenden das Studium erleichterten. Da
iſt es denn erfreulich, daß ſeit einem Jahre die Otto=Berndt=Stiftung
tung in Höhe von mehr als 50 000 Mk. wurde ſeitens der Ernſt= Lud=
wig
=Hochſchulgeſellſchaft ins Leben gerufen anläßlich des 70. Geburts=
tages
ihres Mitbegründers, langjährigen Vorſitzenden und Ehrenmit=
gliedes
Herrn Geheimrat Profeſſor Dr.=Ing. e. h. Otto Berndt.
Weiterbin hat in dieſem Berichtsjahre Herr Direktor Dr.=Ing. e. h.
Adolf Winther in Frankfurt a. M. der Abteilung für Chemie und
der Abteilung für Maſchinenbau je 1000 RM. zur Verfügung geſtellt
= und genehmigt, daß dieſer Betrag bei Anlaß der Rektoratsübergabe
meiſter der Stadt Darmſtadt Dr. Gläſſing, den Nektor der Univerſität erſtmalig 1929 je einem Studierenden der beiden Abteilungen zur
beſte Diplom= oder Doktor=Arbeit eingereicht hat.
In Ergänzung des Berichts gab Herr Prof. Dr. Kammer die
und eines Ehrenſenators ausgezeichneten Herren bekannt.
Auch unter den Aemtern der Darmſtädter Studentenſchaft herrſchte
im letzten Jahre reges Leben. Tüchtige Arbeit wurde in den verſchie=
denſten
Zweigen der ſtudentiſchen Selbſtverwaltung geleiſtet. Zum Bei=
ſpiel
iſt es gelungen, den größeren Teil der erforderlichen Mittel für
den Bau des ſchon lange geplanten Verbindungsbaues zwiſchen der
Otto=Berndt=Halle und dem Studentenheim zuſammenzubringen. Dieſer
Bau wurde nach dem Entwurf des bewährten Baureferenten Profeſſor
Roth unter Aſſiſtenz des Herrn Dipl.=Ing. Lieſer während des
Sommerſemeſters ausgeführt durch den Vorſitzenden des Bauausſchuſſes,
den immer noch unermüdlich für unſere Hochſchule tätigen Geheimrat
Berndt, und konnte jetzt ſchon zum Teil der Benutzung übergeben
werden.
Weiter ging der Redner auf die Tätigkeit auf dem neuen Hochſchul=
Sportplatz ein, deſſen Beſuchsziffer im Laufe des Sommerſemeſters auf
700 täglich geſtiegen iſt. Er erwähnt lobend die Erfolge, die Studie=
rende
der Hochſchule anläßlich der Deutſchen Hochſchulmeiſterſchaften
im Sommer 1928 im Schwimmen erzielt haben.
Der ſcheidende Rektor dankte all denen herzlich, die ihm im Laufe
2 Jahres die Bürde des Amtes erleichtert haben und ſtets mit ihm
der
für die Belange der Hochſchule eingetreten ſind, insbeſondere ſeinen
Kollegen und den Studierenden der Techniſchen Hochſchule.
Ueberreichung der Amtskette.
Zum Schluſſe nahm Prof. Dr. Kammer ſeine letzte Amtshand=
lung
mit folgenden Worten vor:
Und nunmehr komme ich zu meiner letzten Amtshandlung. Ich
bitte den neugewählten Rektor, Herrn Profeſſor Dr. Rau, aus meinen
Händen das äußere Zeichen ſeines Amtes, die Amtskette der Hochſchule,
entgegennehmen zu wollen. Mit dieſer Kette übergebe ich Ihnen, ver=
ehrter
Herr Kollege, die Würde und damit auch die Bürde des Rektor=
Antes. Magnifizenz! Es iſt mir eine große Freude, als Erſter Sie
als unſeren neuen Rektor begrüßen zu dürfen. Wir haben Sie für
das kommende Jahr zum Führer unſerer Hochſchule gewählt, weil wir
das Vertrauen haben, daß unter Ihrer Führung das Schifflein der
Hochſchule ſicher durch alle Fährniſſe hindurchgeſteuert werden, wird.
Ich wünſche Ihnen glückliche Fahrt! Möge Ihre Amtsführung Ihben
Befriedigung bringen, der Hochſchule zum Segen gereichen!
Magnifizenz Prof. Dr. Rau
übernahm mit warmen Worten des Dankes für das hohe Vertrauen
das Amt eines Rektors der Techniſchen Hochſchule und bat auch für das
kommende Jahr um Mitarbeit ſeiner Kollegen und der Studenteuſchaft,
um das Erreichte zu erhalten und, wo nötig, zu verbeſſern zum Wohle
der Techniſchen Hochſchule. Als erſte Amtshandlung nahm er eine
Ehrung des heſſiſchen Staatspräſidenten
vor, dem die höchſte Würde der Hochſchule, die Würde eines Dr.=Ing.
ehrenhalber, auf einſtimmigen Beſchluß des Rektors und Senats ver=
liehen
wurde. Dem Herrn Staatspräſidenten wurde ein Didlom mit
folgendem Wortlaut überreicht: Nektor und Senat der Techniſchen
Hochſchule Darmſtadt haben auf einſtimmigen Antrag der Abteilung
für Kultur und Staatswiſſenſchaften dem Staatspräſidenten des Volks=
ſtaates
Heſſen, Herrn Bernhard Adelung in Darmſtadt, im Hinblick
auf ſeine außerordentlichen Verdienſte um die Förderung der kulturel=
len
und wirtſchaftlichen Intereſſen des Heſſenlandes, insbeſondere der
durch die Beſatzung ſchwer belaſteten Provinz Rheinheſſen die Würde
eines Doktor=Ingenieurs Ehrenhalber verliehen.
Siaatspräſident Dr.=Ing. ehrenhalber
Adelung
dankte S. Magnifizenz für die außerordentliche Ehrung, in der er den
Ausdruck des gegenſeitigen Vertrauens ſehe. Er gelobte, ſich wie ſeither
für Erhaltung und den Ausbau der Hochſchuleeinzuſetzen und ſich ſo der
großen Ehre würdig zu erweiſen.
Der 1. Vorſitzende der Studentenſchaft, Herr Kand. Schmuck
(Akad. Chor), dankte in ſeiner Anſprache zunächſt dem Herrn Pro=
rektor
, der während ſeiner Amtstätigkeit das Vertrauen zwiſchen Dozen=
ten
und Studentenſchaft allzeit gefeſtigt habe. Er gelobte auch
S. Magnifizenz treue Mitarbeit im Sinne des Herrn Rektors und der
Profeſſoren.
Anſchließend hielt Herr Prof. Dr. Rau als Antrittsrede einen
eingehenden intereſſanten Fachvortrag über Die neueſte Entwicklung
Atomphyſik‟. Er gab einen Ueberblick über die Entwicklung der
Atomphhyſik. Dieſe hat nach Ueberwindung der Schwierigkeiten der
Bohrſchen Atomtheorie durch die Arbeiten von Heiſenberg, Börn, Jor=
dan
und anderer einerſeits, durch die Arbeiten von de Broglie und
Schrödniger andererſeits erſtaunliche Fortſchritte erzielt. Der Vortrag
ging noch beſonders auf die verſchiedenen Auffaſſungsmöglichkeiten und
die noch beſtehenden Schwierigkeiten ein.
Unter den Klängen eines von einem früheren Kabellmeiſter der
115er, des Darmſtädters Hilge, vertonten Marſches Frei iſt der Burſch
zogen die Chargen, Rektor und Senat in feierlichem Zuge aus der
Halle.
p. Prüfungsordnung zur Vornahme der Geſellenprüfungen in Hefſen.
Mit Wirkung vom 1. Oklober 1938 iſt die Prüfungsordnung dahin er=
günzt
: Das Prüfungszeugnis (der Geſellenbrief, kann von dem Geſellen=
prüfungsausſchuß
für ungültig erblärt werden, wenn feſtgeſtellt wird,
daß der Prüfling bei der Meldung zur Prüfung oder bei deren Ab=
legung
den Geſellenprüfungsausſchuß argliſtig ge=
täuſchthat
.

SektAuswahl
vorlangt
Vertrauen!
Auf

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kannst Du bauen.

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18534

TIEHE

Vertrotung und Lager für Darmstadt: CARL PRIL. MULLER, Landgraf-Georgstraße Nr. 62, Telephon Nr. 106z.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Freitag den 26 Oktober 1928

Nummer 298

Die Städtiſche Feuerwache.

Zur Beſichtigung der Anlagen, die dem Schutz des Publikums vor
Feuersgefahr bzw. der Bekämpfung einmal ausgebrochener Brände die=
nen
, hatten ſich die Vertveter der hieſigen Preſſe in der Feuerwache
hinter der Stadtkirche eingefunden. Baurar Schelling, Amtmann Krei=
tev
und Branddirektor Winter hielten zunächſt eingehende Berichte über
die Entwicklung und den Stand des Damſtädter Feuerlöſchweſens. In
früheren Zeiten waren alle Bewohner der Stadt nach Möglichkeit ver=
pflichtet
, ſich bei Brändem vettend zu beteiligen. Sie hatten dazu auch
in ihren Häuſern die Feuereimer, eine Einrichtung, die eiſt in ſpäterer
Zeit durch einen Geldbeitrag, das ſog. Feuereimergeld, abgelöſt wurde.
Bis zum Jahre 1894 lag der geſamte Feuerlöſchdienſt dann in Händen
der Freiwilligen Feuerwehr, die im Jahre 1849 gegründet worden war.
Allmählich machte es die zunehmende Ausdehnung der Stadt nötig, an=
ſtelle
der Freiwilligem Feuerwehr eine Ständige Feuerwache einzu=
richten
. Zu dieſem Dienſt wurden die einzelnen Züge der Freiwilligen
Feuerwehr abwechſelnd herangezogen. Außerdem wurde die Alarm=
leitung
ausgebaut, die von der Ständigen Wache nach den Wohnungen
der einzelnen Wehrleute führt. So iſt es möglich, die Feuerwehr zu
alarmieven, ohne daß dazu die Oeffentlichkeit durch Sturmläuden un=
nötig
aufgeregt wird. Im Jahre 1902 wurde der Perſonalbeſtand der
Ständigen Feuerwache vergrößert und ein Raum des hinter der Stadt=
Ekirche gelegenen Schulhauſes bezogen. Zugleich wurden für die Stal=
lungen
der Pferde und die Gerätſchaften größere Räume erworben.
Das Zuſammenſein der Feuerwache und der Schule in einem Hauſe
hatte ſich auf die Dauer als für beide Teile äußerſt unangenehm er=
wieſem
. Erſt 1923 konnte aber die Schule ganz verlegt und der Bau
hinter der Stadtkirche nur den Zwechen der Feuerwehr zur Verfügung
geſtellt werden. Im Jahre 1902 beſtand die Wache im ganzen aus 13
Mann. Im gleichen Jahre wurden angeſchafft: eine fahrbare 20 Meter
hohe Drehleiter und eine Saug= und Druckpumpe. Um den Erforder=
niſſen
der neueſten Technik zu entſprechen, war es notwendig geworden,
die Gerätſchaften, insbeſondere die Pumpenwagen nach und nach zu
motoriſieven. Im Jahre 1911 wurden auch 25000 Mark bewilligt, die
zur Anſchaffung einer Automobilſpritze verwendet wurden. Im Jahre
1916 wurde dann die automatiſche Drehleiter angeſchafft, die noch heute
in Betrieb iſt. Im Jahre 1914 wurden die Wehrleute, damals 12 Mann,
in ein feſtes Dienſtverhältnis zur Stadt gebracht, aus dem ſie 1925 in
das Beamten= bzw. Angeſtelltenverhültnis überführt wurden. Der Per=
fonalbeſtand
iſt zurzeit: 1 Branddirektor, 3 Brandmeiſter, 8 Ober=
feuerwehrleute
und 18 Feuerwehrleute, weitere 6 Feuerwehrleute im
Avbeiterverhältnis. Dieſe letzteren werden aus den Städtiſchen Betrie=
ben
auf eine mehrmonatige Friſt zur Ausbildung als Feuerwehrmann
überwieſen und jeweils dann gewechſelt. Auf dieſe Weiſe iſt es mög=
lich
, allmählich in den Städtiſchen Betrieben die notwendigen Reſerve=
mannſchaften
jederzeit zur Verfügung zu habem. Da die Stadtkaſſe, die
vor dem Kriege nur einen Beitvag von 30000 Mark leiſtete, heute faſt
150 000 Mark zuſchießen muß, iſt es erforderlich, um weitere Budget=
überlaſtung
zu verhüten, die Zahl der Feuerwehrleute nach Möglichkeit
einzuſchränken. Das wurde dadurch erreicht, daß ſämtliche Feuerwehr=
leute
im Rettungsdienſt und umgekehrt die Sanitäter im Feuerwehr=
dienſt
ausgebildet wurden. Als nämlich nach der Inflation die Sani=
tätswache
vom Roden Kreuz auf eigene Weiterexiſtenz verzichten mußte,

Volksbühne. Zu der Sonntag, den 28. d. M., im Kleinen Haus,
11½ Uhr, ſtattfindendem Tolſtoi=Feier erhalten unſere Mitglieder Karten
zu bedeutend ermäßigten Preiſem in unſerer Geſchäftsſtelle Eliſabethen=
ſtraße
34 (Haus Alter). Gleichzeitig machen wir auf die im Nahmen der
Vorleſungen der Volkshochſchule ſtattfindenden Vorträge des Schrift=
ſtellers
, Herrn Wilhelm Michel aufmerkſam. Mit dieſen Vorträgen wird
beabſichtigt, in den Ideenkreis der Schauſpiele, die in der Spielzeit 1928=
29 im Heſſiſchen Landestheater zur Aufführung kommen, einzuführen.
Anmeldungen nimmt unſere Geſchäftsſtelle entgegen.
Geſellſchaft heſſiſcher Bücherfreunde. Dank der Freigebigkeit eines
Mitgliedes war es dem Vorſtand der Geſellſchaft heſſiſcher Büicher=
freunde
möglich, den Beſuchern der Wiener Tagung der Weimarer
Bibliophilen=Geſellſchaft eine ſchöne Feſtgabe in Geſtalt des Buches
3,Jehanne Arc von Karl von der Heydt zu ſtiften. Der Vorſtand war
nun in der Lage, auch für ſämtliche Mitglieder der Geſellſchaft je ein
Exemplar zu erwirken. Er geſtattet ſich daher, die verehrlichen Mit=
glieder
darauf aufmerbſam zu machen, daß dieſes Exemplar an jedem
Wochentag zwiſchen 9½1 Uhr und 36 Uhr im Geſchäftszimmer der
Geſellſchaft (im Reſidenzſchloß, Eingang vom Markt aus) abgeholt wer=
den
kann. Mitglieder, die die Zuſendung per Poſt wunſchen, werden
gebeten, entweder den Betrag von 50 Pf. für Porto und Verpackung
einzuſenden, oder eine Erklärung abzugeben, daß dieſer Betrag bei der
Zuſendung per Nachnahme erhoben werden kann.
Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft. Auf Einladung der
Freien Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft ſpricht Profeſſor Albert
Schweitzer, der berühmte Arzt, Muſiker und Philoſoph, am näch=
ſten
Mittwoch, den 31. Oktober, 8 Uhr im Großen Saal des Städtiſchen
Saalbaus über ſein Urwaldſpital im Kongo. Albert Schwei=
tzer
, der ſich für kurze Zeit in Europa aufhält, wird nicht nur über
ſeine eigene ärztliche Tätigkeit inmitten des Urwalds berichten, ſondern
vor allem über die hochintereſſanten Probleme ſprechen, die ſich aus der
Berührung der primitiven Völker mit europäiſcher Kultur und europä=
iſchem
Handel ergeben. Der Vortrag wird von einer Reihe ausgewähl=
ter
Lichtbilder begleitet. (S. Anz.)
Aus Anlaß des 50. Gedenktages des Sozialiſtengeſetzes veranſtal=
tet
die S.P.D. eine Kulturtagung. Bei der geſtrigen Eröffnung der
Ausſtellung im Saalbau ſprachen Landtagsabgeordneter Storck, Schul=
rat
Haſſinger und a ließend der ehemalige Staatspräſident Ulrich.

wurde ſie von der Stadt mitüübernommen und aus ihren Räumen in der
Bismarchſtvaße ebenfalls in die Ständige Feuerwache überführt. Die
außerordentliche Steigerung des Städtiſchen Zuſchuſſes zur Feuerwehr
iſt darauf zurückzuführen, daß die Brandverſicherungen, die vor dem
Krieg noch 55 000 Mark Zuſchuß zahlten, heute nur noch 15 000 Mark
entrichten.
An die Ausführungen der verſchiedenen Herren ſchloß ſich ein Rund=
gang
an, durch die Schlaf= und Wohnräume der Wache, die jeweils 24
Stundem Dienſtzeit mit nachfolgender ebenfalls 24ſtündiger Ruhepauſe
haben. Intereſſamt iſt, daß die Wachen von ihren Schlafräumen auf
Kletterſtangen direkt in den Geräteraum hinunterrutſchen können. Die
Räume ſind alle ſauber und ordentlich gehalten, wenn auch eine gründ=
liche
Renovation ihnen nichts ſchaden könnte. Aber es iſt ja nicht aus=
geſchloſſen
, daß die geſamte Ständige Feuerwache verlegt wivd. Nach
einer kurzen Beſichtigung des Alarmraumes, der u. a. zwei Telephon=
apparate
mit der Stadt und eine direkte Verbindung mit dem Landes=
theater
aufweiſt, wurden die verſchiedenen Wagen in den unterem
Hallen beſichtigt. Es ſind vorhanden: zwei Automobilpumpwagen mit
einer Minutenleiſtung von 2000 bzw. 1000 Litern bei einer Wurſweite
des Strahles von 45 bzw. 40 Metern. Außer den großen Löſchapparaten
ſind kleinere Handlöſcher angebracht, die ermöglichen, bei Bränden, die
mit Waſſer nicht gelöſcht werdem können, wie z. B. Benzinbränden, ein=
zugreifen
. Die Automobildrehleiter arbeitet ebenfalls motoriſch und iſt
in der Lage, wach Umſchalten des 75 PS Motors in kürzeſter Zeit die
24 Meter hohe Leiter aufzurichtem und auszuziehen. Ein Rüſtwagen
vervollſtändigt die notwendige Ausrüſtung, die in allen ihren Teilen
gut gearbeitet und blitzblank gehalten iſt. So werden die Schläuche
von denen insgeſamt zirka 4000 Meter vorhanden ſind, nach jeder
Benutzung in dem ſeitlich gelegenen Steigturm gewoſchen und zum Trock=
nen
aufgehängt. Anſchließend wurde dann eine kurze Alarmübung
ausgeführt. Die Alarmglocke ertönte, der Wachthabende ſetzte durch den
Druck auf einen einzigen Knopf die Klingel in allen Räumen, das elek=
triſche
Licht und außerdem eine Vorrichtung, die die Tore zu den Ge=
räteſchuppen
öffnet, zu gleicher Zeit in Tätigkeit. In kürzeſter Zeit
knapp 1½ Minuten nach Ertönen der Alarmglocke waren die Wagen
zur Ausfahrt fertig. Es wurde angenommen, daß ein Treppenhaus=
brand
ausgebrochen ſei, der allmählich in dem Dachſtuhl übergreife. Zu=
nächſt
verſuchte man ihm von innen beizukommen und den Brandherd
einzudämmen. Erſt, als ſich das als unmöglich herausſtellte, wurde das
Feuter auch von außen her angegriffen. Die ſämtlichen Uebungen wur=
dem
in der größten Ruhe und mit außerordentlicher Gewandtheit und
Schnelligkeit ausgeführt. Noch bewundernswerter war es, als mit=
ten
in dieſer Uebung der (Schein)glarm zum zweiten Male ertönte.
In kürzeſter Friſt wurden nun die Uebungsgeräte abmontiert und ein=
fach
liegen gelaſſen, während die für den Ernſtfall benötigten Schläuche
raſch aufgenommen und dann losgefahren wurde. Auch dieſe Uebung
dauerte kaum 2 Minuten. Gegen halb 12 Uhr konnte man die Feuer=
wache
verlaſſen, mit dem beruhigenden Gefühl, daß im Falle der Ge=
fahr
es genügt, möglichſt roſch telephoniſch die Feuerwache anzurufen,
die dann in kürzeſter Zeit zur Stelle ſein wird, handelt es ſich nun um
einen Brand, einen Kaminbrand, oder einen der häufigen Autounfälle.
W. S.

*Oftober=Sitzung des Hiſioriſchen Vereins.
Georg Büchner lautete das Thema, das ſich Profeſſor Dr. Karl
Viétor=Gießen gewählt hatte. Büchner war geboren zu Goddelau am
17. Oktober 1813. Sein Vater begann ſeine ärztliche Laufbahn als hol=
ländiſcher
Militärarzt, trat ſpäter mit ſeinem Regiment in fran=
zöſiſche
Dienſte und gehörte als ſolcher eine Zeitlang der alten Garde an,
In ſein Vaterland zurückgekehrt, wurde er zuerſt zweiter Arzt am
Hoſpital Hofheim, in welcher Zeit ihm ſein Sohn Georg geboren wurde.
Dieſer war alſo kein geborener Darmſtädter, wie es hier und da zu leſen
iſt, ſondern kam erſt mit der Verſetzung ſeines Vaters als Phyſikus nach
Darmſtadt. Der Vortragende führte über die Dichtungen Georg Büch,
ners etwa folgendes aus:
Die Zeit nach dem Idealismus eines Schiller war Literaten= Lite=
ratur
des jungen Deutſchlands. Büchner unterſcheidet ſich aber
durchaus davon. Während dieſe nur den Abſchluß der bürgerlichen Ent=
wicklung
bilden, faßt Büchner die ſozialen Gegenſätze Kapitalismus und
Arbeiter in ſeinen Dramen ins Auge. Heine war noch Ariſtokrat gegen=
über
dem Arbeiter. Büchner geht aufs Ganze, er will eine neue Kul=
tur
, eine materialiſtiſche Weltanſchauung auf naturlviſſenſchaftlicher
Grundlage. Ausgehend von dem Saint Simonismus ſchreibt er
Flugblätter, die unter dem Motto: Friede den Hütten, Krieg den
Paläſten, als Heſſiſcher Landbote, von Weidig für das Landvolt
zugeſehnitten, unter den oberheſſiſchen Bauern verbreitet wurden. Für
die große Klaſſe, ſchreibt er an Gutzkow, gibt nur zwei Hebel, mate=
rielles
Elend und religiöſer Fanadismus. Jede Partei, welche dieſe
Hebel anzuſetzen verſteht, wird ſiegen. Unſere Zeit braucht Eifen und
Brot . . . Ich glaube, man muß in ſozialen Dingen von einem abſoluten
Rechtsgrundſatz ausgehen, die Bildung eines neuen geiſtigen Lebens im
Volke ſuchen und die abgelebte moderne Geſellſchaft zum Teufei gehen
laſſen. Seiner Verhaftung entzog er ſich durch die Flucht nach Straß=
burg
. Hier zog er ſich von der Policik zurück und widmete ſich dem
Studinm der neueren Philoſophie. Sein erſtes Drama verherrlicht die
franzöſiſche Revolution, Dantons Tod (1835), es behandelt die
Endkriſis der Revolution, den Kampf Dantons gegen Robespierre, ſein
Tod iſt nur die woſentliche und nowendige Einleitung zu Robespierres
Fall. Die Menſchen ſind ihm, Büchner, wie von unbekannten Gewalten
am Draht gezogen, er weiß nichts mehr von vernünftiger Konſequenz der
Welt, Verhängnis, dämoniſches Fatum, die Welt entgöttert. Das zweite
Drama Woizzeck geht auf einen Leipziger Kriminalfall zuruck, ein
Proletarier erſticht ſeine Gelſehte. Ueber die Frage der Zurechnungs=
fähigkeit
entſpinnt ſich ein Streit zwiſchen Gerichtsarzt und Juriſten,
Büchner ſucht in das Seelenleben des einfachſten Menſchen einzu=
dringen
und es zu begreifen. Es iſt das erſte deutſche ſoziale Drama,
Das Luſtſpiel Leonce und Lena, es wird darin das Schickſal des
Dichters Lenz behandelt. Dieſer war zuletzt ein Wahnſinniger, Leonce
leidet an der Modekrankheit des Spleens und der Blaſiertheit. Büchner
wandelt hier auf Spuren Ludwig Tiecks.
Georg Büchner ſtarb, noch nicht 24jährig, in Zürich als Privatdozent
der vergleichenden Anatomie. Er war um mindeſtens ein Menſchen=
alter
ſeiner Zeit voraus. Er hatte die ſozialen Dramen des ſpäteren
Hebbel fchon überholt. Eine Fortſetzung von ihm ſind die Dramen von
Gerhardt Hauptmann.
Reicher Beifall lohnte den Redner für ſeine vorzüglichen Darlegun=
gen
, wovon dieſer kurze Bericht nur ein ſchwaches Bild gibt. Der Vor=
ſitzende
dankte ihm im Namen des Vereins.
K. Noack.

Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Wir
erinnern unſere Mitglieder und deren Angehörige an unſeren nächſten
Lichtbilder=Vortrag am Mittwoch, den 31. Oktober, abends
8 Uhr, und empfehlen ihnen, ſich dieſen Abend unter allem Umſtänden
freizuhalten, da ſie zweifellos dann einige hochintereſſante Stunden er=
ben
werden

Ob Anzuge Mäntel, Kleider,
Wäsche, Schuhe oder gar
Aater Rat!
Möbel, Teppiche
alles kauft man am besten nach dem bewährten Grundsatz

Ranun mgrgaittn Matn
zu den leichtesten Zahlungs-Bedingungen im
Rankaus Jniorrlae

Darmſtadt

(17165b

Eliſabethenſtraße 44.

Verein zur Abhaltung lutheriſcher Gotesdienſte in der Schloß=
kirche
. Der Vorſtand machr die verehrlichen Mitglieder des Vereins
fteundlichſt darauf aufmerkſam, daß die Sammel=Predigten aus dem
Gießener Univerſitäts=Gottesdienſt, auf die im letzten Gottesdienſt hin=
geſvieſen
wurde, nunmehr eingetroffen ſind und an jedem Wochentage
im Büro des Grafen von Hardenberg im Schloß (Eingang vom Markt
aus) zwiſchen 912½ und 36 Uhr obgeholt werden können.
Orpheum. Terofals Schlierſeer ernten mit ihrem neuen, ſtark
humoriſtiſchen Stück: Kuni laßt aus! viel Beifall. Die humorvolle
Darſtellung durch die Oberbahern erweckt geradezu Heiterkeitsſtürme.
Da am nächſten Sonntag bereits der Spielplan gewechſelt wird, kann
dieſer Lachſchlager nur noch heute, Freitag, und morgen, Samstag, ge=
geben
werdem. Das Gaſtſpiel läuft am 31. d. M. ab und wird nicht ver=
längert
. Am Sonntag nachmittag iſt wieder Volks= und Fremden=
vorſtellung
zu ermäßigten Preiſen. (S. Anz.)

Die Frauengruppe des Gewerkſchaftsbundes der Angeſtellten ver=
anſtaltete
am Mittwoch, den 24. d. M., im Heime des G.D.A. einen
Frauen=Vortrag: Der weibliche Körper und ſeine Geſundheitspflege‟.
Frau Dr. Herta Kalcher hatte ſich in liebenswürdiger Weiſe bereit er=
klärt
, dieſen Vortrag zu übernehmen. Frau Dr. Kalcher ging davon
aus, daß der weibliche Körper ſich in ganz weſentlichen Punkten von
dem des Mannes unterſcheidet. Schon das Knochengerüſt ſei ganz an=
ders
gebaut wie das des Mannes, daraus ergebe ſich, daß auch der weib=
liche
Körper einer ganz beſonderen Pflege bedarf. Frau Dr. Kalcher
ging dann auf die einzelnen Punkte noch beſonders ein, wies im einzel=
nen
nach, was beſonders zu beachten iſt. Mit großem Intereſſe folgten
die Anweſenden den Ausführungen von Frau Dr. Kalcher. Beſonders
hervorzuheben iſt, daß ſich dieſer Vortrag ganz weſentlich von den Ver=
anſtaltungen
unterſchied, wie ſie ſehr oft auch in der Oeffentlichkeit er=
ſcheinen
. Er war frei von jedweder Senſation, war aufgebaut auf dem
Gedanken, daß die Geſundheit das koſtbarſte Gut iſt. Es ſei viel beſſer,
durch eine vernünftige Lebensweiſe die Geſundheit zu erhalten als ſpäter
Schäden wieder ausheilen zu müſſen. Selbſtverſtändlich wies ſie dann
auch davauf hin, daß eintretende Schäden in der Gefundheit nicht ver=
nachläſſigt
werden dürfen. Auch hier zeigte es ſich wieder, daß der Ge=
werkſchaftsbund
der Angeſtellten eine aufklärende Arbeit im Dienſte der
Allgemeinheit geleiſtet hat, denn ein großer Zuhörerkreis folgte dieſen
wichtigen Ausführungen.

15

SINDBAD, DER

SALEM-RAUCHER,
erzählt weiter:
.
Der König Nabopollasar lief wütend in seinem Palaste auf und
ab. Wo ist mein Tabakmeister Ibasid? Ha, er soll einen Kopf
kürzer gemacht werden zur Strafe, daß er mich mit seinen kümmer-
lichen
Cigarettenmischungen langweilt und ärgert!
Da nahte demütig und ergeben der alte Ibasid und überreichte
eine neue Sorte von Cigaretten. Mit finsterer Miene nahm der
König eine von den neuen Papyros, aber er hatte kaum einige
Züge getan, als er plötzlich heiter zu strahlen begann und sagte:
O, Ibasid, wie heißt diese edle Mischung, mit der Du mein Herz
erfreust?
Ibasid sprach: Mein König, es ist eine Mischung nach dem
Rezept eines Mannes Sindbad. Er nennt die Cigarette
SALAINA
AUSLESE
Heute in Deutschland in allen Spezialgeschäften erhältlich.
K

IBIn 8893

[ ][  ][ ]

Nummer 298

Freitag, den 26. Oktober 1928

Geite 7

ſin

Ein Lied von der Arbeit.

Vor mehr als Jahresfriſt hat das Heſſiſche Miniſterium den Ra=
dierer
Kätelhön beauftragt, das Bild des Staatspräſidenten Ulrich
in einer Radierung feſtzuhalten. Im Anſchluß daran entſtand der
weitere Auſtrag auf ein Porträt des früheren Finanzminiſters Hen=
rich
. Eine Ausſtellung, die am 25. ds. Mts. im Gewerbemuſeum
eröffnet wurde, bringt mit anderen Arbeiten des Künſtlers auch dieſe
beiden Bilder zum erſtenmal weiteren Kreiſen zur Kenntnis.
Der Oberheſſe Hermann Kätelhön iſt ein Kind unſerer Zeit. Er
lebt und leidet mit ihr wie wenig andere, und ſucht mit ſeiner Arbeit
an ſeinem Teil an der Ueberwindung ihrer Nöte zu helfen. Seine
Radierungen gehören jedenfalls zu dem Gewaltigſten, was die heutige
Kunſt beſitzt. Wie Rieſenblöcke ragen ſie aus dem Strudel von 1000
Tropfen. Als ein Ringender und Suchender hat der Künſtler ſich an
das Größte gewagt. Was ihn quält und woran er ſich hält, iſt die Ar=
beit
. Der tiefe Zuſammenhang, der ſie in ihrer ſchwerſten Geſtalt, in
körperlicher Ermattung und ſeeliſcher Not, mit den elemendarſten Kräf=
den
des Kosos und mit dem Aufſchwung des Geiſtes verbindet, der
iſt es, der ſein ganzes Schaffen erfüllt. Zu einem Hohen Lied von der
Arbeit ſollem ſich einſt alle ſeine Einzelblätter vereinen. Dieſe Aufgabe
hat er mit einer faſt übermenſchlichen Energie angefaßt. Er hat die
Arbeit aufgeſucht, wo ſie ſich uns in der eindringlichſten Geſtalt zeigt.
Seit Jahren iſt er im Induſtriegebiet mit den Bergarbeitern eingefah=
ven
, hat mit ihnen gelebt, ihre Sorgen geteilt und ihr Vertrauen ge=
wonnen
. Von dem Fürſten geiſtiger Arbeit, Führern der Induſtrie und
Gelehrten, hat er Bildniſſe gefertigt von ſo eindringlicher Tiefe, als
hätten die Dargeſtellten ſelbſt in geheimer Offenbarung ihr Weſen ent=
hüllt
. Und im Schweizer Hochgebirge hat er unter ſchwerſten körper=
lichen
Strapazen die Natur belauſcht, wo ihr Blutſchlag am ſtärkſten
rauſcht. Es iſt ein Rieſenwerk, das dem Künſtler auf der Seele liegt,
und er ringt um ſeine Vollendung mit Ehrfurcht. Wir ſehen die Arbeit
unter Tag ud den Bergmannstod, Blätter, die der Künſtler in
großer Auflage dem Arbeitern ſelhſt zugänglich gemacht hat und die ihm
reichen Dank eingetragen haben. Wir ſehen die Hochöfen und den Kampf
von Licht und Finſternis. Wir ſehen Kirdorf und Thyßen und Koppers
und viele andere. Der Kopf des Geheimrat Markus tritt uns in einem
genialen Porträt entgegen. Firnen leuchten ewig unberührt und im
Waldesdämmern wechſeln Werden und Vergehen. Aus jedem Blatt
ſpricht eine gewaltige Tendenz. Kätelhön will uns ans Herz greifen.
Aber er hat auch dem Beruf dazu. Nur ein Mann von ſo überragendem
Können und ſolcher Unerbittlichkeit gegen ſich ſelbſt kann derartiges
wagen.
Es war ein dankenswerter Entſchluß des Miniſteriums, daß es ge=
vade
dieſem Künſtler ſeine Aufträge anvertraute. Die Zeichmmng nach
dem Staatspräſidenten Ulrich gibt ſehr viel, und die große Bleiſtift=
zeichnung
nach dem Finanzminiſter Henrich, die als Unterlage für die
Radierung angefertigt wurde, iſt ein Seelengemälde von erſchütternder
Größe. Wer Menſchen und Dinge mit ſolchen Augen ſehen kann, hat
der Welt viel zu geben.
Haupt.

Deutſche Jugendherbergen, Gau Südheſſen. Heiloh! Unſer Guck=
käſtlein
, Freudenborn Lebensborn und Kalender Deutſches
Wandern 1929 ſind wieder im Land. Das Guckkäſtlein 1929
(10 Pfg.) wird unſeren kleinſten Küken von 710 Jahren wieder recht
viel Freude machen. Die Erzählungen uſw. wollen zum Nachdenken
anregen, die Bilder mit Buntſtift ausgemalt werden. Jeder Monats=
baum
trägt wunderliche Früchte: Neujahrsglocken, Hampelmänner,
Oſtereier, Regenſchirme uſw. Auf den Freudenborn 1929 (20
Pfg.) freuen ſich ſchon die größeren Küken. Ein Kalender bietet Raum
zum Notieren der Geburtstage, Neſtabende uſw. G. E. Leſſing
erheitert und ermahnt, A. Feuerbach erfreut uns mit ſeinen Bil=
dern
. Der Freudenborn iſt eine wahre Quelle für die Fahrt ins
Leben. Der Lebensborn 1929 (Preis 1 Mk.) will den Aelteren
und Eltern Wege weiſen, wie man ſelbſt zu einem beſſeren Leben kommt
und dadurch im Hauſe, in Dorf und Stadt, im ganzen Lande beſſern
kann. Viel Gutes finden wir zum Beiſpiel in den Abſchnitten: Im
Kreiſe der Lieben, Unſere Heimat, Für beſſeres Volkstum, Du und die
Anderen. Und unſer ſchöner Kalender Deutſches Wandern
1929 wird alle jungen und alten Wanderer erfreuen. Viele Aufnahmen
von deutſchen Jugendherbergen, auch aus unſerem ſchönen
Odenwald, künden von ſozialer Geſinnung und wahrhaft vater=
ländiſcher
Tat; prächtige Landſchaftsbilder erziehen zur Heimatliebe.
Kaufe Dir den Kalender Deutſches Wandern 1929 (Preis 2 Mark).
Wirb im Freundeskreis und beſonders in den Schulen, bis alle Kinder
das Guckkäſtlein oder den Freudenborn beſitzen, bis in jedem Haus
der Lebensborn ſich befindet und der Kalender Deutſches Wandern
hängt. Zu haben in allen Buch= und Papierhandlungen ſowie bei dem
Gau Südheſſen des Reichsverbandes für Deutſche Jugendherbergen,
Darmſtadt (Schließfach 200), und ſeinen Ortsgruppen und Aus=

gabeſtellen.
Volkshochſchule. Der Kurſus Geſchichte der füngſten Vergangen=
heit
kann wegen Erkrankung des Dozenten, Herrn Studienrats
Jacob, am Freitag, dem 26. Okrober, noch nicht beginnen. Für
den Kurſus Zeitgewäße Säuglingspflege werden noch Anmeldungen
entgegengenommen. Nächſter Abend Dienstag, ben 30. Oktober, Runde=
turmſchule
.
H.8. Aus der Heſſiſchen Sängerbundbewegung. Dieſer Tage weilte
der Muſeumsdirektor Plonka vom Muſeum des Deutſchen Sänger=
bundes
in Nürnberg zu Gaſt beim Geſangverein Liederkranz in einer
Singſtunde in der Aula des Realgymnaſiums. Der Gaſt wurde mit dem
Deutſchen Sängerbundes=Spruch begrüßt. Herr Plonka hielt hierauf
eine herzliche Anſprache. Einige Herren der Liedertafel
Allauda =Hannover waren beim Lieberkranz zu Gaſt. Es
wurde im Saalbau zu Fhren der Gäſte eine kleine Feier veranſtaltet,
bei der Chöre und Anſprachen wechſelten.
p. Genehmigung einer rechtsfähigen Stiftung. Das Geſamtminiſte=
rium
hat die Stiftung der Heſſiſchen evangeliſchen Landeskirche und des
Diakoniſſenhauſes Eliſabethenſtift in Darmſtadt Evangeliſche
Mädchenheimſtiftung in Darmſtadt als rechtskräftige
genehmigt.

Kunſtnotizen.
dou Warfe, Künfſier oder fünftleriſche Veranſtaltungen, denen im Nachſiehenden Grmchmne
geſchieht, behält ſich die Rebakton ihr ürtell voe
Liſe Maria Mayer, die erſte öſterreichiſche
Dirigentin, leitet im Januar in Berlin ein Orcheſterkonzert der
Berliner Philharmoniker und bringt daſelbſt u. a auch ihre bereits in
Wien mit ſenſationellem Erfolge aufgeführte Symphonie Kokain
zur Berliner Erſtaufführung.
Rudolf Prick, unſer neues Mitglied des Heſſiſchen Landes=
theatevorcheſters
, gibt am Dienstag, den 6. November, abends 8 Uhr, im
Saal des Mozart=Vereins, Schulſtr. 8, einem Violinabend. Herr Prick
hat im anderen Städten Deutſchlands reichlich ſeine Kunſt in Konzerten
gezeigt und verſpricht auch das Programm einen durchaus genußreichen
Abend. Die Begleitung am Flügel hat der uns allſeits bekannte Pianiſt
Karl Dietrich übernommen. Karten bei Konzert=Arnold, Eliſa=
bethenſtraße
28 (Tel. 2560), und an der Wbendkaſſe.

Tageskalender für Freitag, den 26. Oktober 1928.
Vandestheater, Großes Haus, Anfang 19½ Uhr, Ende 21½ Uhr,
K 1: Judith. Kleines Haus, abends 20 Uhr: Feierſtunde der
ſozialiſtiſchen Arbeiterjugend. Orpheum abends 20,15 Uhr:
Kuni laßt aus
Konzerte: Schloß=Kaffee, Kaffee Rheingold,
Hotel Schmitz, Reſtaurant Bender, Weinhaus Maxim, Rheingauer
Weinſtube, Kaffee Haſſia, Sportplatzkaffce. Städt. Akademie
f. Tonkunſt, Eliſabethenſtr., abends 20½ Uhr, Vortrag: Spiritis=
mus
und chriſtliche Erkenntnis. Kinovorſtellungen: Helia,
Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Theater.

*Schwurgericht.

p. Unter der Anklage des Meineides ſteht ein lediger Handwerks=
meiſter
; er ſoll am 4. Januar 1928 den ihm auferlegten Offenbarungs=
eid
wiſſentlich falſch geſchworen haben, indem er in dem beſchworenen
Vermögensverzeichniſſe eine ihm gegen eine dritte Perſon zuſtehende,
an ihn abgetretene, Forderung nicht angab, vielmehr verſchwieg. Die
ſeitherigen Ermittlungen ergaben:
Angeklagter beſtreitet eine ſtrafbare Handlung mit der Begrün=
dung
, daß er die fragliche Forderung bereits am 26. Dezember 1927
an eine in der Schweiz wohnende Verwandte abgetreten gehabt habe.
Dieſe Behauptung ſteht mit der Tatſache in Widerſpruch, daß er im
Mai 1928 dieſe Forderung im Mahnverfahren geltend machte oder zu
machen verſuchte. Die betreffende Verwandte bekundet zudem, daß ſie
ſeit über 20 Jahren keinen Verkehr mit der Familie des Angeklagten
habe.
Hinzr tritt, daß der Kapitalbetrag des ſeinerzeit von dieſer Ver=
wandten
an den Vater des Angeklagten gegebenen Darlehens erheblich
niedriger war, als die jetzt angeblich abgetretene Forderung, und daß es
bei der verzweifel: ſchlechten Vermögenslage des Angeklagten und ſeines
Vaters beide haben am 4. Januar ds. Js. den Offenbarungseid
geleiſtet ganz ausgeſchloſſen iſt, daß Angeklagter nun plötzlich nach
über 20 Jahren die Schuld ſeines Vaters zurückbezahlt haben ſollte.
Der Staatsanwalt betont, daß die Offenbarungseide nicht mehr
mit der Sorgfalt geleiſtet werden, wie dies das Geſetz vorſchreibt. Es
ird die A’Teſtſtrafe beantragt.
Der Berteidiger will nicht in rechtspolitiſche Erörterungen ein=
treten
, zur Anklage ſtehe lediglich, ob der Angeklagte hier einen Mein=
eid
geleiſtet habe. Vater und Sohn hätten gerade drängende Gläu=
biger
an die in Rede ſtehende Forderung nicht herankommen laſſen
wollen. Dazu hätten ſie wohl im Einverſtändnis die Form der Zeſſion
gewählt. Der Gedanke an einen Familiengläubiger liege hier nahe.
Solche Schiebung, möge man ſie billigen oder nicht, komme tagtäglich
vor, ſie ſei nicht verboten. Der Angeklagte ſei auch von ſeinem
Mannheimer Anwalt als ein reichlich ungeſchickter Menſch geſchildert
worden. Eiie ſtrefbare Handlung ſei dem Angeklagten nicht nach=
weisbar
. Der Staatsanwalt erwidert, Meineidsanklagen würden
nur erhoben, wenn genügende Unterlagen für eine Durchführung vor=
handen
ſeien. Der Angeklagte erklärt auch im Schlußwort, es habe
ihm nur daran gelegen, das Geld der Tante zu ſichern.
Das Urteil erkennt wegen Meineids auf 1 Jahr Zuchthaus; die
bürgerlichen Ehrenrechte werden auf die Dauer von 3 Jahren ab=
erkannt
: 4 Wochen der Unterſuchungshaft werden angerechnet. Eine
Zeſſion an die Schweizer Verwandte hat das Gericht nicht als er=
wieſen
angenommen.

bilkigste Weg
Ior
gei
Kär alle Sode-Benutzor

ist heute mehr denn je das

V9888

Rr
Habeln mait dern Audolf Mosse-Code

Bleibt doch auch nach dem 1. Oktober 1929 laut
Beschluß der Brüsseler Code-Konferenz das Zehn-
buchstaben
-Codewort zum alten Tarif in Kraft. Daher
bleibt der Rudolf Mosse-Code in vollem Umfange
in allen seinen Ausgaben (deltsch, englisch, französisch,
spanisch) verwendbar als der einfachste, sicherste
und billiaste Code der Welt.
Preis: Deutsch Mark 42,, englisch, französisch,
spanisch: je Mark 63, franko überallhin.

Rudolf Mosse, Code-Abteilung, Berlin SW19/2
Jerusalemer Strasse 4649.
Postscheckkonto Berlin 26517

Lokale Veranſtaltungen.
Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritſk.
Kriegerverein bittet alle ſeine Mitglieder, der Einladung
der hieſigen Vereinigung der ehem. Jäger zu Pferde zu deren Herbſt=
feier
am Sonntag, den 28. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Bürgerhof
(Eliſabethenſtraße) Folge zu leiſten.
Marine=Verain Darmſtadt und Umgegend,
gegr. 1899. Der Verein ladet ſeine Mitglieder mit Familienangehörigen
und die Jugendgruppe zu dem vom Turnverein Jahn am Samstag.
dem 27. Oktober, abends 8,15 Uhr, im Prinz Karl, Ecke Schul= und
Karlſtraße, vevanſtalteten Unterhaltngsabend ein. Unter anderem Vor=
trag
des Herrn Dingeldey: Einiges von meiner Weltreiſe mit der
Emden, mit Lichtbildern). Der Verein ehemaliger Jäger zu Pferd
Nr. 3 ladet obenfalls unſere Kameraden zu ſeinem Herbſtfeſt und
Wiederſehensfeier am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, im Bürgerhof ein.
Verein ehemaliger Angehöriger des Großh.
Artilleriekorps. Der Verein ehemaliger Jäger zu Pferd Nr. 3
hat uns zu ſeinem am Sonntag, dem 28. Oktober, ſtattfindenden Herbſt=
feſt
, verbunden mit Wiederſehensfeier, eingeladen. Die Veranſtaltng
findet nachmittags um 4 Uhr im Bürgerhof ſtatt. Wir bitten unſere
Kameraden um recht zahlreiche Beteiligung.

7=
St. 1onnen die Haltbarteit Ihrer waſche verlangern!
Vermeiden Sie alle ſcharfen Waſchmittel und benutzen Sie nur
Naumann’s weiße Kernſeife Ertrafeine Qualität‟. Die vielen
Millionen kleiner Seifenbläschen ſind Heinzelmännchen, die den
Schmutz löſen. Leichtes Nachwaſchen macht die Wäſche ſchneeweiß.
(TV.15862)

Gottesdienſt der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße).
Freitag; den 26. Oktober: Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 00 Min.
Samstag, den 27. Okt.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min.
Sabbatausgang 6 Uhr 00 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen:
Morgens 7 Uhr 15 Min. Abends 6 Uhr 00 Minuten.
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 27. Okt.: Vorabend 4 Uhr 45 Min. Morgens
3 Uhr. Nachm. 4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 00 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr 30 Min. Abends 4 Uhr
45 Minuten.

Aus Heſſen.
Starkenburg.
Aa. Eberſtadt, 24. Okt. Wohnungsbau. Die Gemeinde er=
richtet
bekanntlich im Siedlungsviertel Am Lämmchesberg drei neue
Wohnhäuſer. Die Neubauten gehen ihrer Fertigſtellung entgegen.
Wie verlautet, ſollen die Häuſer noch im Laufe des November bezugs=
fertig
ſein. Geflügelfarm. Wie verlautet, will ein Hühner=
züchter
zwiſchen Marienhöhe und Prinzenberg eine größere Geflügel=
farm
errichten. In jener Gegend beſteht bereits ſeit längerer Zeit
die Geflügelfarm eines Eberſtädter Gärtners.
Aa. Eberſtadt, 24. Okt. Kritikſingen. Wie zuverläſſig ver=
lautet
, hat der älteſte Geſangverein Eberſtadts, der Geſangverein Froh=
ſinn
, beſchloſſen, im kommenden Jahre einen Liedertag mit Kritik=
ſingen
abzuhalten. Als Termin iſt der 21. April in Ausſicht genommen.
An dem Liedertag werden ſich auch auswärtige Vereine beteiligen.
Die Vorbereitungen ſind innerhalb eines beſond exn Ausſchuſſes bereits
im Gange. Aus den Turnvereinen. Der Turnverein 1876
hielt am Samstag abend in ſeinem Vereinslokal (Gruß) eine wichtige
Mitgliederverſammlung ab. Die Turngeſellſchaft E. V. hält am
Dennerstag abend im Vereinslokal (Fiſcher Wwe.) eine Mitglieder=
verſammlung
ab.
Aa. Pfungſtadt, 25. Okt. Ueberreichung der Geſellen=
briefe
. Die Ueberreichung der Geſellenbriefe feitens des Prüfungs=
ausſchuſſes
des Ortsgewerbevereins und der Handwerkervereinigung
Pfungſtadt, findet am Samstag, den 27. Januar, abends 8,30 Uhr, im
Gaſthaus Zur Krone (Herbert) ſtatt. Wie verlautet, wirken bei der
kleinen Feier ein Orcheſter und die Singmannſchaft des Turnvereins
Pfungſtadt mit. Die Lehrmeiſter der Junggeſellen, dieſe ſelbſt mit
ihren Eltern und Angehörigen ſowie die Mitglieder des Gewerbe=
vereins
ſind herzlich eingeladen. Gleichzeitig wird eine Ausſtellung
der Geſellenſtücke veranſtaltet. Die Ausſtellung findet ebenfalls in der
Krone ſtatt und iſt vom Samstag nachmittag bis zum Sonntag abend
zugängig. Die Süddeutſche Zuckerfabrik in Gernsheim läßt hier
mitteilen, daß die Zuckerkampagne am Freitag, den 26. Oktober, be=
ginn

* Traiſa, 24. Okt. Die hieſige Turngemeinde 1879 hielt im Saal
Scherer ein Schauturnen ab, das ſehr zahlreich beſucht war. Die
verſchiedenen turneriſchen Darbietungen, insbeſondere die Leiſtungen
der jüngſten Turner und Turnerinnen riefen lebhaften Beifall hervor.
An das Schauturnen ſchloß ſich eine Ehrung für diejenigen Turner
an, die dem Verein ſeit 25 Jahren angehören. Den Herren F. Kilian,
G. Spieß, J. v. d. Heyden und F. Göckel wurden durch den Alters=
vorſitzenden
H. Rindfrey ein Ehrendiplom überreicht. Der Vorſitzende
gedachte dabei auch derer, die durch den Weltkrieg weggerafft wurden
und ſo nicht mehr an der ſchönen Jubelfeier teilnehmen konnten. Die
Turngemeinde, die ja bekanntlich im Jahre 1879 gegründet wurde,
wird im nächſten Jahre ihr 50jähriges Stiftungsfeſt feiern. Die Ein=
wohnerſchaft
wurde ſchon jetzt aufgefordert, ſich an dieſer Feier recht
rege zu beteiligen.
f. Roßdorf, 25. Okt. Feldbereinigung. Gegen die Ein=
leitung
des Feldbereinigungsverfahrens hatten eine Reihe hieſiger
Landwirte Beſchwerde eingelegt, die durch die Entſcheidung der er=
weiterten
Landeskommiſſion als unbegründet verworfen wurde. Auch
dem Wunſche der Mehrheit des Gemeinderats, die Durchführung des
Feldbereinigungsverfahrens mit Rückſicht auf die beſtehende Notlage
der Landwirtſchaft auf 5 Jahre zurückzuſtellen, wurde nicht entſprochen.
In den Entſcheidungsgründen heißt es u a., daß die mangelnde Ein=
ſicht
von Landwirten über die ſegensreiche Wirkung der Feldberei=
nigung
nicht von Einfluß ſein kann für die Entſcheidung von Land=
wirten
, die in verſtändnisvoller Würdigung der Erfolge der Feld=
bereinigung
ſich mit ihrer Unterſchrift für eine baldige Durchführung
eingeſetzt hätten.
Niedernhauſen, 25. Okt. Begräbnis. Am Montag wurde
unter großer Beteiligung der Bevölkerung und des Kriegervereins
der 88jährige Altveteran Georg Meiſenbach zu Grabe getragen. Er
war Kriegsteilnehmer von 1866 und Burſche des von Heſſen als auch
von Preußen hochgeſchätzten Hauptmanns Königer. In dem Gefecht bei
Frohnhofen fiel ſein Hauptmann an ſeiner Seite. Er ſelbſt wurde
auch verwundet. In ſeinem ganzen Leben iſt er innerlich immer
Soldat geblieben. Gern erzählte er ſeinen Enkelkindern mit leuchtenden
Augen Einzelheiten ſeines Feldzuges. Lange war er 1. Vorſitzender
des Kriegervereins. Altersſchwäche zwang ihn ſchließlich ſein Amt
niederzulegen. Durch unermüdlichen Fleiß und Sparſamkeit brachte
er es zu Wohlſtand. Nachdem Pfarrer Flöring unter anerkennenden
Worten den Toten geehrt hatte, donnerte die Ehrenſalve über das
Grab des alten Soldaten.
Le. Groß=Umſtadt, 25. Okt. Evangeliſcher Bund: Nächſten
Sonntag, den 28. ds. Mts., hält der evangeliſche Bund, Ortsgruppe
Groß=Umſtadt, ſeinen diesjährigen zweiten Familienabend ab. Im
Mittelpunkt desſelben ſteht der Vortrag des Herrn Pfarrers Bernbeck
aus Mainz über ſeine Reiſe nach Aegypten und Paläſtina, der durch
zahlreiche Lichtbilder illuſtriert wird. Der Kirchengeſangverein hat
in dankenswerter Weiſe ſeine Mitwirkung zugeſagt. Mitglieder des
Bundes ſowie Gäſte ſind herzlich willkommen. Der Vortragsabend
findet im großen Saale des Gaſthauſes Zum Lamm, abends 8 Uhr,
ſtatt.
Reinheim, 24. Okt. Turnverein e. V. (D. T.) feiert am 28.
Oktober ſein 40jähr. Stiftungsfeſt, um dieſen Tag würdig zu begehen,
findet am Morgen gemeinſchaftlicher Kirchgang ſtatt, ſodann anſchlie=
ßend
auf dem Friedhof Gedenkfeier für die verſtorbenen und im Welt=
krieg
gefallenen Turnbrüder. Am Nachmittag wird man ſich auf dem
Turnplatz ſammeln und Turnvater Jahn zu ſeinem 150. Geburtstage
eine Eiche zu pflanzen, hierauf finden Vereinswettkämpfe ſtatt. Den
Abend wird eine Jahnfeier, Ehrung der Gründer und Jubilare, und
Schauturnen im Saalbau Gg. Dörr ausfüllen. Es werden hierbei
ſämtliche Abteilungen des Vereins beteiligt und beſtrebt ſein, ihr
Beſtes zu zeigen.
Al. Höchſt i. O., 23. Okt. Gemeinderatsſitzung. Ein An=
trag
der Witwe Gumbinger um Bewilligung der üblichem Bauholzver=
gütung
in Höhe von 100 Mark fand Genehmigung. Der Abgabe von
Bauplätzen am Breiten=Weg an Guſtav Friedel von 520 Quadratmeter
und A. Seiboldt von 571 Quadratmeter zum Preiſe von 2,40 Mark pro
Quadratmeter wurde zugeſtimmt. Die Zahlung des Kaufpreiſes ſoll
eventuell durch die hieſige Sparhaſſe veguliert werden. Die Ab= und
Neuanſchaffung eines Gemeindeebers wurde beſchloſſen. Der Tauſch
von Gemeindegelände am Breiten=Weg mit Friedrich Lang 3. wurde
nach längerer Diskuſſion zurückgeſtellt, da wegen einer anderweitigen
Regelung mit Herrn Lang und dem Verweſſungsamt noch eimmal Rück=
ſprache
genommen werdem ſoll. Die freigewordene 3 Zimmerwohnung
im Verweſſungsamte ſoll möglichſt in dem ſeitherigen Umfang beſtehen
bleibem und dem Wohnungsſuchendem Förſter Diehl zugewieſen werden.
Die Zeitſchrift Heſſiſche Landgemeinde ſoll in einigen Exemplaren
zur Probe beſtellt werden. Obwohl die Begelung der Gehaltserhöh=
ungen
der Gemeindebedienſteten vom der Finanzkommiſſion für die
öffentliche Sitzung vorgeſehem war, wurde dieſer Punkt, auf Wunſch der
Gemeindebeamten, in geheimer Beratung erledigt und faſt durchſchnitt=
lich
die vorgeſehenen Erhöhungen, die meiſt recht erheblich ſind, trotz
der nicht geradezu roſigem Wirtſchaftslage der Gemeinde, genehmigt.
Im Intereſſe der Steuerzahler und der Ortsbürger wäre eine öffent=
liche
Behandlung dieſe Angelegenheit am Platze geweſen, wie dies auch
in anderen Gemeinden der Fall war. Der Reſt der Tagesordnung fand
in der anſchließenden geheimen Sitzung ſeine Enledigung. Licht=
bildervortrag
. Der Kriegerverein Höchſt veranſtaltet am kom=
menden
Sonntag, 28. Okrober, abends 8 Uhr, im Saale des Gaſthauſes
Zur Burg Breuberg einen Lichtbildervortrag über das Thema Vom
Schiffsjungem bis zum Kapitän. Als Redner wurde Herr Kapitän von
Senden gewonnen.

Un den ersten 10 Jahren

sollte jede Mutter ihr Kind nur mit
der reinen, milden
NIVEA
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waschen und baden. Das Kind wird
es ihr einst danken, weil ihm da-
durch
später manche Sorge um die
Erhaltung seines guten Leints er-
spart
bleibt. Nivea-Kinderseife ist
überfettet und nach ärztlicher Vor-
schrift
besonders für die empfind-
liche
Haut der Kinder hergestellt.
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Dei mGEN

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11
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Seite 8

Aj. Vielbrunn, 25. Okt. Nachklänge zur Denkmalsfeier
in Vielbrunn. Veaklungen ſind die feierlichen Weiſen der Feſt=
muſik
, verhällt die ernſten Lieder, verſtummt die eindrucksvollen Feſt=
reden
und Anſprachen, die auswärtigen Gäſte haben den Ort verlaſſen
und ein ernſt=freudiges, erhebendes Gefühl ſchwingt noch in den Ge=
miitern
nach. Die über den Aufgängen zum Denkmalsplatz flatternden
Reichsbanner grüßen die Beſucher, und die Straßenpaſſanten gehen an
dieſer bedeutungsvollen Süätte nict vorüber, ohne die Stufen zu er=
ſteigen
und einige Minuten in ſtillem Gedenken vor dem Denkmal zu
terhalten, welches unaßläſſig in ernſter Sprache zu uns redet, indem es
uns die Namen derer ſagt, um die ſo diele Tränen vergoſſen wurden,
und uns und ſpätere Geſchlechter an unſere ſchwerſte Zeit gemahnt, an
die Zeit, da ſo viel unſchuldiges Menſchenblut draußen im Kampf gegen
die zahlrei hen Feinde für die Heimat gefloſſen iſt. Es iſt nicht entſtan=
ben
um äußerlicher Schönheitsgründe willen, ſondern es iſt der dauernde
ſichtbare Ausdruck des dankbaren, ehrenden Gedenkens, das die Ge=
meindeglieder
für ihre Helden hegen. Auch ſtellt es nächſt ſeiner hehren
Beſtimmung einen Markſtein in unſerer Ortsgeſchichte dar, und aus
unſerer Ortschronik werden ſpätere Generationen erſehen, daß ebenſo
wie unſere Helden ſich für die Hsimat geopfert haben, ebenſo die Hei=
mat
ſie ehrte und ihnen dankte in der Errichtung eines Denkmals und
zu dieſem edlen Zweck durch freiwillige Gaben 2029 Mark aufbrachte Da
jesoch die Erricktung des Denkmals 3600 Mark erfordert, iſt zu hoffen,
daß der noch fehlende Betrag von nahezu 600 Mark durch eine noch=
malige
Hausſammlung aufgebracht wird. In die Ortschronik wird die
Sammelliſte aufgenommen, ſie enthält die Namen der auswärtigen und
hieſigen Spender nebſt den geſpendeten Berrägen und unentgeltlichen
Hilfeleiſtungen, ſowie die Namen der Nichrſpender.
b. Grbach i. O., 24. Okt. Vierländerfahrt. Der Motorrad=
Club Worms, der an den Deutzſchen Motorradfahrerverband angeſchloſ=
ſen
iſt, veranſtaltet am Sonntag, den 4. November d. J., zum dritten
Male ſeine Vierländerfahrt. Dieſelbe geht von Worms über Heppen=
heim
, Weinheim, Fürth nach Erbach, wo die erſte Kontrolle vorgeſehen
iſt, von da weiter nach Höchſt, König, Neuſtadt, Oberburg, nach Aſchaffen=
burg
(Kontvolle) von hier nach Offenbach (Kontvolle), über Darmſtadt,
Bensheim zurück nach Worms. Den Empfang der Teilnehmer über=
nimmt
die Stadtverwaltung gemeinſchaftlich mit dem Verkehrsverein,
Näheres über das Eintreſfen der Fahrer teilen wir noch mit.
b. Erbach i. O., B. Okt. Krüppelfürſorge. Um den Eltern
von unbemittelten Kindern mit Wochstumſtörungen bei der jetzigen
Jahreszeit den Beſuch einer unentgeltlichen Beratungsftunde zu erleich=
tern
, hat die Bezirksfürſorgeſtelle hierzu in einer amtlichen Bekannt=
machung
auf den 31. Oktober 1928, vormitdags 9 Uhr, im Kreiskranken=
haus
zu Erbach eingeladen. Die Beratungsſtunde, die von jeher ſtark
in Anſpruch genommen wurde, hat ſtets den Hilfeſuchenden einen be=
friedigenden
Erfolg gewährleiſtet, Sie unterſteht der fachmänniſchen Lei=
tung
des Herrn Dr. Kohlſchütter, Facharzt für Orthopädie, Darmſtadt.
Ab. Unter=Mofſau, 25. Okt. Autounfall. Ein hieſiger Motor=
rodfahrer
fand dieſer Tage abſeits der Straße Unter=MoſſauErbach
im Walde ein umgeſtürztes Auto. Er verſuchte, die Türen aufzü=
machen
, um gegebenenfalls verunglückten Fahrern Hilfe zu leiſten. Die
Fahrer waren jedoch ſchon weg und ließen den Wagen nach Erbach ab=
ſchleppen
. Wie man hört, war das Auto in der Dunkelheit auf einer
ſchmierigen Straßenſtelle ins Rutſchen geraten und hatte ſich dann
überſchlagen.
m. Hetzbach i. O., B. Okt. Kreis=Feuerwahrtag. Zu dem am
Sonntag hier ſtattgehaöten Herbſt=Kreisfeuerwehrtag hatten ſämtl. Freiw.
Wehren des Kreiſes Erbach ihre Vertreter entſandt. Den Beratungen
ging eine Uebung der hieſigen Wehr vovaus, die die anweſenden Gäſte
und auch Herrn Kreisfeuerwehrinſpektor Meyer=Erbach befriedigte. Die
Tagung war im Willenbücherſchen Saale, wo der Vorſitzende des Kreis=
verbandes
, Herr Bürgermeiſter Dengler=Erbach, die Anweſenden be=
grüßte
. Unter anderem hielt der Berufsfeuerwehr=Inſpektor der Merck=
ſchen
Fabrik Darmſtadt einen ſehr lehrreichen und feſſelnden Vortrag
über das Feuerlöſchweſen im allgemeinen, der reichen Beifall auslöſte.
Ueber die Pflichten der Freiwilligen Feuerwehren verbreitete ſich Herr
Iuſpektor Meher=Erbach in ausführlicher Weiſe. Für die anweſenden
Wehrleute war von großem Intereſſ= die Vorführung einer aus Darm=
ſradt
beigeſchafften Motorſpritze, deren Betrieb und Handhabung ſie
kennen lernen durften Die ganze Tagung war dazu angetan, das
Intereſſe der Anweſenden für das Feuerlöſchweſen zu erhöhen und zu
vertiefen und ſie für Ausübung ihres ſchweren und aufopferungsvollen
Berufes zu ertüchtigen. Der Kreisfenerwehrtag im Fruhjahr wird in
Michelſtadt abgehalten werden.

Freitag, den 26. Oktober 1928

Würzberg, 23. Okt. Nächſten Sonntag, B. d. M., hält die hieſige
Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Schlußübung am Jagdſchloß
Eulbach ab. Da dort das Waſſer aus dem See im Engliſchen Garten
geholt werdem muß, ſo müſſen ſämtliche Landwirte mit Pferden, mit
Fäſſerm an der Uebung teilnehmen. Abends findet danm in der Römer=
burg
der Herbſtball der Feuerwehr ſtatt.
Hirſchhorn, 24. Okt. Auszeichnung. Bei der am Samstag
und Sonntag abgehaltenen Anlage= und Gebrauchsprüfung in Treucht=
klingen
(Bayern) erhielt Herr K. Holſchuh=Hirſchhorn mit ſeiner
Wachtelhündin Othi von der Lüß einen 2. und einen 3. Preis. Die
Hündin iſt ſomit mit drei Preiſen bei Prüfungsſuchen und einem
Preis bei Au ſtellung ausgezeichnet.
* Hirſchhorn, 25. Okt. Waſſerſtand des Neckars, am
24. Oktober: 0,89 Meter; am 25. Oktober: 0,84 Meter.
4. Zotzenbach, 23. Okt. Das Kirchweihfeſt am Sonntag und
Montag hatte trotz des ſchlecten Wetters doch noch viele Kirchweihgäſte,
auch von auswäris, angelockt, ſo daß doch ziemlicher Kerwebetrieb
herrſchte, wenn auch die Geldknappheit bei den Landwirten ſich geltend
machte. Es fehlte das Obſtgeld, mit dem man ſonſt die Kärb hielt.
A. Fürth, 23. Okt. Erntedankfeſt. In ber feſtlich geſchmückten
Kirche feierte die evangeliſche Gemeinde am letzten Sonntag das Ernte=
dankfeſt
. Wenn dieſes Jahr die Erntehoffnungen ſich teilweiſe nicht er=
füllten
(Obſt und Nüſſe), ſo war das Ergebnis bei der Getreide= und
Kartoffelernte doch ſehr befriedigend.

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II. Birkenau, 25. Okt. Gemarkungsrundgang. Am nächſten
Samstag nachmittag, den 27. ds. Mts., findet unter der Leitung des
Kreisobſtbauinſpektors Ohrtmann aus Heppenheim ein Rundgang in
der hieſigen Gemarkung ſtatt mit praktiſchen Unterweiſungen. Abends
um 8 Uhr wird in der Gaſtwirtſchaft Zum Bahnhof eine Ver=
ſammlung
der hieſigen Ortsgruppe des Obſtbauvereins abgehalten.
Dabei wird referiert über das Thema: Obſt= und Gemüſebau. Schließ=
lich
findet eine Blumenverloſung ſtatt.
Bickenbach, 23. Okt.
Der Männergeſangverein
Bickenbach, der nebenbei erwähnt, einer der älteſten in der Runde
iſt (gegründet 1859), hatte zu einem Liedertage eingeladen, der eine
Anzahl auswärtiger Brudervereine nach hier führte; die meiſten der
letzteren ſtehen unter der Chorleitung des Herrn Merker aus Gries=
heim
. Den inſtrumentalen Teil dieſes Liedertages hatte die Muſik=
kapelle
Breitwieſer aus Roßdorf übernommen. Der 1. Teil ſpielte ſich
auf dem neuerrichteten Marktplatz ab, wo 2 Maſſenchöre der Merkerſchen
Vereine Hymne an die Nacht und Hymne an die Kunſt und ein
Muſikvortrag geboten wurde. Der 2. Teil war in dem Saal des Gaſt=
hauſes
zum Hirſch verlegt. Dort wechſelten Muſikvorträge und Chöre
miteinander in unterhaltender Weiſe ab. Verſchiedene der Geſänge
mußten, dem allgemeinen Wunſch entſprechend, wiederholt werden. Be=
ſonders
lebhaft verlangt wurde die vom ſeſtgebenden Verein geſungene
komiſche Serenade aus der Poſſe Die falſche Pepita, welche meiſter=
haft
wiedergegeben ward. Der Männergeſangverein Bickenbach hat
mit dieſem Liedertag den Beweis erbracht, daß er zu arrangieren
vermag, und wenn er im nächſten Jahre die Feier ſeines 70jährigen
Beſtehens abhält, wird er hoffentlich denſelben guten Erfolg buchen
können, wie bei dem diesjährigen Liedertag.
Jugenheim, 23. Okt. Die evang. Kirchengemeinde=
vertretung
trat am Sonntag zu ihrer Sitzung nach den Neu=
wahlen
zuſammen, um nach der Verpflichtung der neugewählten Mit=
glieder
zur Neuwahl des Kirchenvorſtandes zu ſchreiten. Das Ergeb=
nis
war Wiederwahl der ſeitherigen 5 Mitglieder und Zuwahl von
Herrn Lehrer Löwenhaupt. Im Namen der alten Kirchenvorſtands=
mitglieder
dankte Herr Bürgermeiſter Burkhardt für das ihnen erwie=

Nummer 298

ſene Vertrauen, das er auch fernerhin durch treuliche Mitarbeit an
den Angelegenheiten der Kirchengemeinde zu rechtfertigen in, in aller
Namen verſprach. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde eingehend
der Plan erörtert, für die mancherlei evangeliſche Vereinsarbeit der
Gemeinde ſowie zu kleineren Verſammlungen (wie etwa bei Bibel=
ſtunden
, Lichtbildvorführungen und dgl.) ein evangeliſches Vereins=
und Gemeindehaus zu erbauen, wenn auch nur in beſcheidenen Aus=
maßen
. Auch für die Gemeinde= und Krankenſchweſter ſoll in dieſem
Bau eine Wohnung mit eingebaut werden. Auch hier ergriff Herr
Bürgermeiſter Burkhardt das Wort, um vor allem das Intereſſe zu
betonen, das die ganze Gemeinde an der Beſchaffung einer Schweſtern=
wohnung
habe, und um außerdem anzuregen, daß die Beſchaffung eines
Bauplatzes, die Ausarbeitung der Baupläne uſw. möglichſt bald in An=
griff
genommen werden möge. Die gegebenen Anregungen fanden
allgemeine Zuſtimmung.
Bo. Bensheim, 24. Okt. Auf Anregung des Deutſchen Sprach=
vereins
, deſſen Beſtrebungen auch hier und in der Umgebung in allen
Kreiſen volles Verſtändnis und eifrige Unterſtützung gefunden haben,
ſprach vorgeſtern abend Herr Prof. Dr. Löffler im Saale des Bahnhof=
hotels
vor einer zahlreichen Zuhörerſchaft über Mutterſprache
und Vaterland‟. Sein etwa 1½ Stunden währender Vortrag
gipfelte in dem Satz: Sprache iſt Volkstum, Volkstum iſt Vaterland,
Redner verſtand es, an der Hand zahlreicher Beiſpiele zu zeigen, wie
ſehr der Deutſche immer geneigt iſt, ſeine edle, ſchöne deutſche Sprache
mit Fremdwörtern zu durchſetzen, ein Gebaren, das einerſeits für die
Menge des Volkes zur Folge hat, auf Verſtändnisloſigkeit zu ſtoßen,
andererſeits die deutſche Sprache, damit aber auch den Deutſchen ſelbſt
im Ausland mißliebig zu machen. Gerade der Franzoſe und der
Engländer halten ihre Sprache hoch und rein, ganz im Gegenteil zum
Deutſchen, der überall ſich des fremden Ausdruckes, oft ganz unbewußt,
bedient. Selbſt das deutſche Zeitungsweſen begeht in zahlreichen Fallen
dieſen Fehler und verſündigt ſich dadurch an unſerer Mutterſprache.
Der Vortragende richtete die warmherzige Aufforderung ( Appell
würde man vielfach zu hören bekommen ) an die deutſchen Männer
und Frauen, an ihrem Teil beizutragen, die deutſche Sprache rein zu
halten von fremder Ausdrucksweiſe. Seine überzeugenden Darlegungen
hatten den Erfolg, daß ſich auch in Bensheim ſofort eine Ortsgruppe
des Deutſchen Sprachvereins bildete, der viele der Anweſenden bei=
traten
. In der Ausſprache gab Baurat Jakobs ſeinem Wunſche Aus=
druck
, daß die deutſche Sprache auch das Kleid tragen möge, daß die
deutſche Schrift und nicht die lateiniſche wieder mehr Allgemeingut
des Volkes werde. Auch hierfür ſetzt ſich der Deutſche Sprachverein
mit voller Tatkraft ein.
W. Heppenheim a. b. B., 23. Okt. Kath. Deutſcher Frauen=
bund
. Der Karholiſche Frauenbund Heppenheim verſammelte ſich ge=
ſtern
abend ſehr zahlreich zu einem Vortrag von Frau Geheime Ober=
finanzrat
Dr. Heßberger=Berlin. Die Nednerin, die Vorſitzende des
Frauenbundes Berlin und Mitglied des Preußiſchen Landtags iſt, ver=
ſtand
es in vorzüglicher Weiſe, ihre Zuhörerinnen zu feſſeln. Sie be=
handelte
das Thema Ehefragen und berichtete zum Schluß des Vor=
trages
noch über ihre zweimaligen Beſuche in Konnersreuth. Am
gleichen Albend verſammelte ſich im Kath. Vereinshaus die Kath. Ar=
beitergruppe
Heppenheim. Herr Arbeiterſekretär EvenMainz hielt
einen ſehr intereſſanten Vortrag über wickſtige Arbeiterfragen und gab
eine Einleitung zu dem im Winter 1928/29 beginnenden Kurſus. Der
Vortrag fand bei den zahlreichen Beſuhern allgemeinen Anklang.
z. Kelſterbach, 24. Okt. Das ſeltene Feſt der Diamantenen
Hochzeit feierten am 25. d. M. Jakob Cezanne und Frau, geb.
Treutel. Beide Ehegatten ſtehen im 84. Lebensjahr und ſind noch rüſtig.
Rheinheſſen.
Ad. Nackenheim, 94. Okt. Neuer Rektor. Dem von Bibelnheim
hierher verſetzten Lehrer Phil. Schnell wurde nicht nur die bakante erſte
Schulſtelle, ſodern auch das Rektorat über die hieſigen Schulen über=
tragen
. Außerdem wurde dem erſten Rektor in Nackenheim die ſchöne,
geräumige Wohnung zugewieſen, die früher der in den Ruheſtand ver=
ſetzte
Lehrer Ruh inne hatte.
U. Nieder=Ingelheim, 25. Okt. Die erſte Aufführung des Rhein=
Mainiſchen Verbandstheaters in dieſem Winter, die in der hieſigen
Turnhalle ſtattfand, hatte leider nur einen geringen Zuſpruch ſeitens der
Bevölkerung erfahren. Gegeben wurde, vor etwa 250 Zuſchauern, Lud=
wig
Fuldas Luſtſpiel Die Gegenkandidaten‟. Der drittälteſte Bür=
ger
der Gemeinde, Herr Mihael Hatzenberger, fcierte in beſter Geſund=
heit
ſeinen 87. Geburtstag. Er iſt der älteſte von vier noch lebenden
Geſckhviſtern, die alle die 70 bereits überſhritten haben.

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Nummer 298

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Freitag, den 26 Oktober 41928

Nummer 298

Seix

10

Reich und Ausland.
Der neue Präſident der Dichter=
Akademie.

Walter v. Molo,
der Dichter des Schiller=Romans, der Trilogie Ein
Volk wacht auf, der Legende vom Herrn und der
Schauſpiele Lebensballade und Ordnung im
Chaos wurde als Nachfolger des zurückgetretenen
Wilhelm v. Scholz zum Präſidenten der preußiſchen
Dichtevakademie gewählt. Er iſt 1880 in Sternberg
in Mähren geboren, war als Ingenieur von 1904 bis
1915 im öſterreichiſchen Staatsdienſte und lebt ſeither
in Berlin.
Anklage wegen Totſchlages.
Berlin. Auf Antrag der Staatsanwaltſchaft
iſt vom Schwurgericht gegen zwei Berliner Arbeiter
ein Verfahren wegen Totſchlags eingeleitet worden.
Den Beſchuldigten wird ein Verbrechen zur Laſt ge=
legt
, das elf Jahre zurückliegt. Beide hatten am
11. November 1917 einen auf Urlaub befindlichen
Soldaten, der ſie beim Gänſeſtehlen in dem Pots=
damer
Geſchäft ſeiner Mutter ertappte, erſtochen.
Die Tat kam dadurch ans Tageslicht, daß die Ehe=
frau
des einen Täters, nachdem ſie ſich mit ihrem
Mann überworfen hatte, dieſen und deſſen Mittäter
anzeigte. Der Prozeß wird in Kürze vor dem
Schwurgericht in Potsdam zur Verhandlung kommen.
Ein Berliner Unterprimaner an Kinderlähmung
erkrankt.
In einer Klaſſe des Fichte=Gymnaſiums in Wil=
mersdorf
iſt ein Fall von ſpinaler Kinderlähmung
aufgetreten. Ein Unterppimaner iſt von dieſer Krank=
heit
befallen worden. Die Schließung der Klaſſe iſt
durch die Geſundheitsbehörde veranlaßt worden.
Der Schiffsunfall in der Straße von Meſſina.
Hamburg. Wie die Woermann=Linie mit=
teilt
, handelt es ſich bei dem am B. Oktober abends
bei Cap Spartivento auf Grund gelaufenen Schiff
um den Dampfer Adolph Woermann, Abſchlepp=
verſuche
ſind im Gange. Für Paſſagiere und Mann=
ſchaft
beſteht keine Gefahr.
Eine Gedächtnisfeier für Amundſen.
OSlo. Die norwegiſche Geographiſche Geſell=
ſchaft
hielt Mittwoch abend in der bis zum letzten
Platz gefüllten Aula der Univerſität eine dem Ge=
dächtnis
Amundſens gewidmete Sitzung ab. Unter
den Erſchienenen bemerkte man Mitglieder der Re=
gierung
, ferner Miß Boyd, die Flieger Riiſer Larſen,
Lützow Holm, Lambrechtſen und Otto Sverdrup, die
Verwandten Amundſens und viele andere hervor=
ragende
Perſönlichkeiten. Der Präſident der Geo=
graphiſchen
Geſellſchaft, Dr. Skattum, hielt einen
Wortrag über die vielen Entdeckungen Amundſens,
angefangen von der Fahrt der Gioa bis zur Fahrt
mit dem Luftſchiff über dem Polarbaſſin. Nach dem
Vortrag wurden Lichtbilder mit Amundſens Porträt
gezeigt, wobei ſich die Verſammelten von den Plätzen
erhoben und eine Minute ſtehend und ſchweigend
verharrten. Darauf beſtieg Profeſſor Frithjof Nan=
ſen
die Rednertwibüne und führte u. a. aus: Für
alle Zeiten wird Roald Amundſen als beſonderer
Typ in der Geſchichte der Forſchung daſtehen, als
Typ geraden Weges, aus dem Herzen des norwegi=
ſchen
Volkes entſprungen. Er kam als ein leuchtender
Stern an den bewölkten Himmel des norwegiſchen
Volkes auf, ein Stern, der plötzlich erloſch. Hoch
oben im Norden fand er ſein Grab; ſein Name aber
wird von dort leuchten. Frithjof Nanſen war ſicht=
lich
bewegt, und die Rede, die einen außerordentlich
ſtarken Eindruck machte, erntete langanhaltenden
Beifall. Zum Schluß wurde das letzte Bild gezeigt,
das von Amundſen aufgenommen worden iſt, und
das den Forſcher unmittelbar vor dem Start in
Tromſoe, auf der Latham ſtehend, darſtellt.
Eine Stadt in Apulien überſchwemmt.
Rom. Nach dem Meſſagero, ging über die
kleine Stadt Matera in Apulien ein ſchweres Ge=
witter
nieder, wodurch die Stadt überſchwemmt
wurde. Bei den Rettungsarbeiten kam ein Polizei=
beamter
ums Leben, zwei weitere Perſonen werden
vermißt; fünf Perſonen erlitten Gasvergiftungen.
Ein Schiff mit 45 Mann Beſatzung
untergegangen.
London. Nach Meldungen aus Philadelphia
wird das amerikaniſche Schiff D. C. Re‟, 5674
Tonnen, mit einer Beſatzung von 45 Mann vermißt,
das vergangenen Montag von Java nach Philadel=
phia
ausgefahren war. Man glaubt, daß es im
Sturm untergegangen iſt. Der amerikaniſche Dampfer
Weſt=Carnifax, der einen SOS=Ruf des vermißten
Schiffes beantwortete, hatte dieſes an der angegebe=
nen
Stelle in der Nähe der Azoren nicht gefunden.
Vier Tote bei einem Zugzuſammenſtoß
in Schottland.
London. Der Nachtſchnellzug LondonAberdeen
ſtieß in der Nacht zum Donnerstag um 3,15 Uhr bei
Lockerbie (Schottland) mit einem Güterzug zuſam=
men
. Hierbei wurden die beiden Zugführer und die
beiden Heizer getötet.
Verſchiebung der Rückreiſe des Graf Zeppelin.
New York. Aus Lakehurſt wird gemeldet, daß
das Luftſchiff Graf Zeppelin erſt am Mittwoch
nächſter Woche, alſo am 31. Oktober, die Rückreiſe
nach Deutſchland antreten werde, da die Reparaturen
mehr Zeit beanſpruchen, als urſprünglich vorauszu=
ſehen
war.

Bauten der Technik.
Ausſtellung techniſcher Bauwerke in Eſſen.

Verladebrücken der Krupp=Werke.
Die in Eſſen eröffnete Ausſtellung techniſcher Bauwerke zeigt eine Anzahl gewaltiger Konſtruk=
tionen
. Sie geben nicht nur von der Macht, ſondern auch von der impoſanten Schönheit der
modernen Technik ein anſchauliches Bild.

Moderner Strafvollzug in Deutſchland.

Eine gefangene Mutter im Frauengefängnis.
Der neue Geiſt des Strafvollzugs iſt beſtrebt, das Los jener Gefangenen, die Schonung und Rück=
ſicht
verdienen, zu erleichtern. Beſonders trifft das auf junge Mütter zu, deren Kinder das erſte
Lebensjahr nicht überſchritten haben. Dieſe tief bedauernswerten, zumeiſt nur verirrten, doch
keineswegs verbrecheriſchen Geſchöpfe werden in hellen, freundlichen Räumen untergebracht, wo ſie
Gelegenheit haben, die unſchuldigen Kinder zu pflegen. Unſer Bild ſtellt eine ſolche mit Kinder=
bett
ausgeſtattete Zelle dar.

6
Der AonatienensMaro Krogeß m eifen.

Noch 90 Zeugen zu vernehmen.
Eſſen. Die Beweisaufnahme im Gladbecker Pro=
zeß
dürfte kaum bis Samstag beeendet ſein, da noch
rund 90 Zeugen zu vernehmen ſind. Am Mittwoch
hatte man den Eindruck, als ob Hußmann ſich zum
erſten Male bloßſtellte, indem er ſelbſt belangloſe
Vorfälle auf Schülerfahrten abſtritt. Die Ver=
handlungen
am Donnerstag werden wieder unter
Ausſchluß der Oeffentlichkeit geführt. Zunächſt wer=
den
die Zeugen vernommen, die über den Metzger
Oſtendorf ausſagen ſollen, der ſich im Juni erſchoß.
Als erſter Zeuge wurde daher Theodor Uphus ſen.
vernommen. Der Zeuge konnte über den Grund des
Selbſtmordes ſeines Neffen keine Angaben machen.
Staatsanwalt Roſenbaum fragte den Zeugen, ob der
Neffe geäußert habe, Hußmann ſei ein geriſſener Kerl
und werde ſich ſchon herauslügen. Der Zeuge ver=
neint
das. Der Neffe habe geſagt: Hußmann ſei
ein gebildeter Menſch. Der Verteidiger fragt den
Zeugen, ob ſein Neffe in einer Wirtſchaft in Buer
Streit gehabt habe. Der Zeuge erwiderte darauf,
ſein Neffe habe etwas von einer Wirtſchaft erzählt.
Er könne ſich aber nicht darauf beſinnen. Der Neffe
habe auch nicht erzählt, daß er aus einer Wirtſchaft
herausgeſetzt worden ſei. Hußmann gab an, daß er
beim Nachhauſegehen keine Perſonen bemerkt habe.
Der nächſte Zeuge, Uphus jun., kann keine Angaben
machen. Zeugin Frau Oſtendorf, die Muttter des
Selbſtmörders, will an ihrem Sohn michts beſonderes
bemerkt haben.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung wies der
Erſte Staatsanwalt, Dr. Schneider, darauf hin, daß
ſich die Schüler und Studenten in ihren Ausſagen be=
engt
fühlten. Auf ſeinen Antrag hin wurden die
anweſenden Lehrer veranlaßt, den Saal zu verlaſſen.
Bezütglich der Wagenfahrt am Maria Laacher See,
bei der Hußmann den Daube furchtbar mißhandelt
haben ſoll, ſagt ein Primaner aus, Hußmann habe
Daube gewürgt und gequetſcht und ihn an der Gur=

Rückgang des Hochwaſſers im Rhone=
und Iſere=Tal.
Paris. Nach einer Meldung aus Gap geht das
ſchwaſſer im Rhone= und Iſere=Tal; zurück. Der
h ämmer unterbundene Eiſenbahnverkehr wird
ch Automobilverkehr erſetzt. Das gute Wet=
begünſtigt
die Aufräumungsarbeiten. Der ange=
tete
Schaden geht in die Millionen. In manchen
en ſtürzten mehrere Häuſer ein. In Motrane
d man die Leiche eines Maſchinenſetzers, der in
em Hauſe von den Fluten überraſcht wurde.

gel gefaßt und hierbei geäußert: Am liebſten möchte
ich dir die Kehle abdrücken oder abbeißen. Huß=
mann
habe auf ihn den Eindruck eines Irren gemacht.
Auf eine Zwiſchenfrage des Verteidigers gab der
Zeuge K. zu, daß er längere Zeit kopfleidend ge=
weſen
ſei. Hußmann unterſtützte den Verteidiger, in
dem er ausſagte, daß der Zeuge ihm ſelbſt erklärt
habe, er könne wegen der Kopfkrankheit in der
Schule mur ſchlecht vorwärts kommen.
Ein zweiter Teilnehmer der Wagenfahrt ſagt aus,
Daube habe Hußmann und der Hußmann den Daube
geneckt, wie Freunde ſich nechen. Von einer Ver=
feindung
zwiſchen beiden habe er nichts bemerkt. Ein
anderer Teilnehmer der Wagenfahrt hatte den Ein=
druck
, daß es ſich nicht um eine harmloſe Balgerei
gehandelt habe.
Ueber die Wagenfahrt und die Balgerei zwiſchen
Hußmann und Daube wurden darauf zahlreiche Ober=
primaner
und Studenten vernommen, die während
der Fahrt auf dem Wagen zugegen waren. Faſt alle
bekundeten, daß ſie aus Furcht vor Hußmann dem
weinenden Daube nicht zu Hilfe gekommen ſeien.
Teils haben dieſe Zeugen die Aeußerung Hußmanns
die Gurgel abdrücken, vernommen, teils ſtreiten ſie
dieſe aber auch ab. Auch die Erklärungen über den
Geſichtsausdruck Hußmanns, während der ungefähr
einviertelſtündigen Quälerei des Daube ſind ſchwan=
kend
und geben kein völlig klares Bild des Vor=
ganges
. Zum Teil behaupten die Zeugen, Ausdrücke
wie teufliches Lächeln und andere ſeien ihnen in
der Vorunterſuchung in den Mund gelegt worden,
weil es da ſo dargeſtellt worden ſei, als ſei Huß=
mann
bereits der Dat überführt. Auf die Frage des
Sachverſtändigen, Profeſſor Müller=Heß, warum denn
keiner der Mitſchüler dem Daube gegen Hußmann
geholfen habe, wurde von verſchiedenen Zeugen die
Antwort gegeben, daß ſie in dieſer Balgerei nichts
außerordentliches erblickt hätten.
Es gelangten zwei weitere Vorfälle zur Verhand=
lung
, die Hußmann etwas zu belaſten ſcheinen.

Ein belgiſcher Meiſterhochſtapler.
Brüſſel. Der berüchtigte belgiſche, erſt Wjähr.
Schwindler Otto Stephan iſt wegen unerlaubten Tra=
gens
der belgiſchen Uniform und zahlreicher Orden
wieder einmal zu drei Monaten Gefängnis verur=
teilt
worden. Stephan iſt beſonders dadurch bekannt
geworden, daß er vor mehreren Jahren in der Uni=
form
eines hohen belgiſchen Offiziers dem Ober=
kommandierenden
, der amerikaniſchen Truppen im
Rheinland, General Allen, einen Orden an die Bruſt
heftete

Der zweite Kölner Schwei
verbrecher gefaßt.

Köln. Nach einer uns zugegangenen Meldw
iſt der Raubmörder Heidger bei dem heftigen Kam
der ſich in dem Oppenheimſchen Hauſe abſpielt
nicht, wie anfänglich angenommen wurde, getöte
ſondern lebensgefährlich verletzt worden. Er wur
ins Kranbenhaus gebracht. Bei dem Kampf mit de
Verbrecher wurde auch ein Polizeibeamter leben
gefährlich verletzt.

Wie der Raubmörder Heidger verhaftet wurd

Köln. Die Nachricht von der Verhaftung d
Raubmörders Heidger hat die Kölner Bevölkerut
von einem wahren Alpdruck befreit. Donnerstag mo
gen gegen 9 Uhr wurde der Polizei berichtet, de
Heidger ſich in einem Manſardenzimmer der Vil
Colonia=Verſicherungs=Geſellſchaft an der E=
Riehler Wall=Niederländer Ufer aufhalte. Heidge
hatte ſich zunächſt vermutlich an der Faſſade de
Hauſes zu den oberen Räumen begeben. Er bedroh
die Dienſtmädchen und forderte ſie auf, ruhig z
bleiben. Dieſe benachrichtigten aber Generaldirelte
Dr. Oertel, der zunächſt ſeine Kinder einſchloß. Al
er auf nachdrücklichen Wunſch ſeiner Gattin die Kit
der zu ſich herüberholen wollte, ſtand hinter der
im Eßzimmer bereits der Mörder. Er hielt d
Piſtole auf die Bruſt mit einer Bewegung, ſich ruhi
zu verhalten. Der Generaldirektor flüchtete in ſei
Badezimmer. Dieſe Begegnung hatte der Chauffeu
beobachtet, der ſofort auf die Straße lief und Alarn
ſchüſſe abgab. Hierdurch wurden die Streifen de
Polizei aufmerkſam, und das Ueberfallkommand
konnte benachrichtigt werden. Schon nach wenige
Minuten war Heidger eingekreiſt. Jetzt begann da
ſchwierige Werk, feſtzuſtellen, in welchem Naum e
ſich verborgen hielt. Die Kriminalpolizei und Schupt
leute drangen in das Haus ein und durchforſchte
jeden Raum, bis man endlich in das ſüdöſtliche Ed
zimmer der oberſten Etage kam, wo ſich Heidger ber
borgen hatte. Als er merkte, daß die Verfolger ihr
auf den Ferſen waren, rückte er ſämtliche Möbe
gegen die Tür. Die Polizeimannſchaften verſuchter
die Tür einzudrücken, was aber nur teilweiſe gelang
da es eine ſehr ſchwere Tür war. Bei dieſer Ge
legenheit bekam ein Oberwachtmeiſter einen ſchwerer
Kopfſchuß. Man nahm nunmehr Handgranaten z.
Hilfe, und damit wurde zunächſt die Tür geſprengt
Die Polizeimannſchaften warfen eine zweite Granat
in den Raum hinein, und Heidger wurde aufgefor
dert, herauszukommen. Nach der zweiten Hand
granate lud er nochmals ſeine Piſtole und erſt nad
der dritten Handgranate ſchrie er, kam aber imme
noch nicht heraus. Er ſaß unmittelbar neben de=
Tür zuſammengekauert und hielt in jeder Hand einer
ſchußfertigen Revolver, bis ſchließlich ein Beamte.
der Schutzpolizei vom Gang in die Tür ſprang und
ſeine Piſtole mehrmals auf ihn abſchoß. Heidger brad
zuſammen, die Piſtole in der rechten Hand. C
wurde auf eine Bahre gelegt und nach dem Vinzenz
Hoſpital gebracht. Man fand zwei Piſtolen bei ihm
Heidger hat in der linken Bruſtſeite einen Schuß mi.
Ausfchuß. Die Wunde iſt nicht gefährlich. Er ha=
einen
zweiten Schuß in der Magengegend. D
Kugel iſt noch nicht gefunden. Auch dieſe Wunde iſ
nicht unbedingt tödlich. Er hat ferner eine Mengi
kleiner, nicht gefährlicher Handgranatenverletzungen
Er iſt völlig bei Beſinnung. Sobald es der Arzt er=
laubt
, wird er nach dem Gefängnis übergeführt. Der
Oberwachtmeiſter Maiboom liegt im Marien= Hoſpi=
tal
. Die Kugel des Stirnſchuſſes iſt entfernt. Es be=
ſteht
ſchwere Lebensgefahr, doch iſt die Hoffnung, ihn
zu erhalten, noch nicht aufgegeben. Bei Heidger ſind
Briefe aufgefunden worden, die er auf Bogen aus
Schreibblocks, die ſich in dem Zimmer befanden, wäh=
rend
der Belagerung geſchrieben hat. Dieſe Briefe
ſind an den Vater, an die Geſchwiſter, an ein Mäd=
chen
und an die Staatsanwaltſchaft gerichtet.
Raubmörder Heidger iſt Donnerstag abend
gegen 8 Uhr an Herzlähmung geſtorben.

hurter

Einſturz=Epidemie.

Schweres Einſturzunglück in Köln.

Köln. Am Dienstag abend erfolgte Ecke Ven=
loer
= und Bismarckſtraße der Einſturz einer Kanal=
baugrube
, die zur Anlegung einer Gleisentwäſſerung
für die Straßenbahn diente. Von zwei in der Grube
beſchäftigten Arbeiter konnte ſich nur der eine recht=
zeitig
in Sicherheit bringen, der andere wurde ver=
ſchüttet
, doch lag ſein Kopf frei, ſo daß ihm Stär=
kungsmittel
gereicht werden konnten. Trotz aller Be=
mühungen
der Feuerwehr ging die Bergungsarbeit
infolge ungewöhnlicher Bodenſchwierigkeiten ſehr
langſam vor ſich. Als man den Unglücklichen in der
Nacht ausgegraben hatte, erfolgte ein neuer Erd=
ſturz
, der den Verunglückten wieder bis zum Kopf
zudeckte. Man ſah ſich nun veranlaßt, einen Quer=
ſtollen
zu der Unglücksſtelle zu treiben, um ein wei=
teres
Nachſtürzen der Erdmaſſen zu verhindern. Erſt
am Mittwoch mittag, nach 14ſtündiger fieberhafter
Arbeit, konnte der Arbeiter aus ſeiner furchtbaren
Lage befreit werden. Es war jedoch zu ſpät, denn
kurz zuvor verſchied der Unglückliche infolge Herz
lähmung. Der Verunglückte hatte während der
ganzen Zeit das Bewußtſein nicht verloren.

Straßenbahnunglück in New York.
New York. Ein von Manhattän über die
Brooklyner Brücke nach Brooklyn fahrender Stra=
ßenbahnwagen
entgleiſte in voller Fahrt und fuhr
gegen das Eiſengeländer der Brücke. Unter den Paſ=
ſagieren
des Wagens brach eine allgemeine Panil
aus. Sämtliche Fenſter des Wagens wurden durch
den Anprall zertrümmert. 25 Perſonen wurden durch
Glasſplitter und Quetſchungen verletzt.

Mexikaniſches Banditentum.
NewYork. Aus Wexiko wird gemeldet, daß
eine Bande under Führung des bekannten Banden
führers Benjami Bendoza, deſſen Bande im letzten
Jahr 100 Reiſende eines Zuges tötete, in einer Stadt
in der Nähe von Mexiko einen neuen Handſtreich ver=
übt
hat. Die Banditen zogen die Umiform von Sol
daten an, die ſie getötet hatten. Dann begaben ſie ſich
in die Stadt und warben Freiwillige unter dem Vor=
wand
, daß ſie beabſichtigten, Banditen zu verfolgen.
27 Bewohner ließen ſich anwerben. Nachdem die
Freiwilligen die Stadt verlaſſen hatten, wurden ſie
von den Banditen niedergemetzelt und ausgeraubr.

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Nummer 298

Freitag, den 26. Oktober 1928

Seite 11

Sport, Spiel und Zurnen.

Hoß
tin die
ter den
r* hi
ſich

Turnen.
Aus dem Main=Rhein=Gau D. Z.
Ausbildungs=Lehrgänge.
Die Ausbildung der Maſſe auf dem Gebiete der Leibesübungen war
in immer das Ziel der Deutſchen Turnerſchaft, und ſo erwuchs ihr
die Aufgabe, um dieſes erreichen zu können, Fühver und Leiter her=
ubilden
. Die Schaffung der neuen Turnſchule in Berlin, die jüngſt
Pforten geöffnet hat, ſoll hierzu in erſter Linie grundlegend und
tunggebend werden. Wohl wird es ſich dort nicht ermöglichen laſſen,
erforderlichen Hilfskräfte, die in dem umfangreichen Arbeitsgebiet
deutſchen Turnens erforderlich ſind, auszubilden, ſondern auch die
ungen der Unterverbände, wie Kreiſe und Gaue werden eingreifen
ſen, die Ausbildungsarbeit zu fördern und zu ergänzen. Unter den
* 500 Gauen, die in der Deutſchen Turnerſchaft zuſammeugeſchloſſen
hat es ſich vornehmlich der Main=Rhein=Gau ſeit einer Reihe von
ſren angelegen ſein laſſen, Führer und Leiter für die einzelnen Ver=
heran
= und auszubilden und hierfür beſondere Sorgfalt aufge=
rdt
. Auch für Herbſt 1928 und Frühjahr 1929 ſind Lehrgänge auf
verſchiedenen Gebieten der Leibesübungen vorgeſehen und iſt vor
ger Friſt damit begonnen worden. Der zurzeit jeden Samstag und
indag in der Turnhalle der Liebigs=Oberrealſchule zu Darmſtadt
tfindende Lehrgang für das Männerturnen, unter Leitung von
t=Oberturnwart Hofferbert=Darmſtadt, der wieder von den einzelnen
hwarten des Gaues unterſtützt wird, erfreut ſich eines guten Beſuches
ſelner Gauvereine. Der Lehrplan umfaßt neben Geräte= und Volks=
nen
, Körper= und Laufſchule u. a. auch wervvolle Vorträge über
faniſationsfragen, Jugendführertum und erſte Hilfeleiſtung bei Un=
csfällen
. Der zweite Lehrgang iſt der Ausbildung von Leiter und
terinnen im Frauenturnen vorbehalten, umfaßt 44 Lehrſtunden, die
nufalls ſich auf die nächſten Samstage und Sonntage verteilen wer=
Dieſer Lehrgang findet in Bensheim ſtatt und ſteht unter Leitung
Gauwartes für das Fvauenturnen, L. Klenk=Bensheim. Auch für
Ausbildung der Trommler und Pfeiferobteilungen, die in einer gro=
Anzahl von Gauvereinen beſtehen, iſt Sorge getragen, zumal die=
jen
bei größeren Veranſtaltungen zu größeren Abteilungen zuſammen=
aßt
werden ſollen. Hierfür iſt ein beſonderer Lehrgang notwendig
vorden und ſoll in dieſem Notenkenntnis vermittelt, ſowie einwand=
es
techniſches Können und Zuſammenſpiel gelehrt werden. Erſtmalig
en die Spielleute des Gaues, Sonntag den 28. Oktober im Turn=
ſe
der Turngemeinde Darmſtadt, Woogsplatz, zuſammen. Für
ſwimmen, Volksturnen, Kinderturnen und Spielen werdem geſonderte
irgänge im Winter 1928 bzw. Frühjahr 1929 vow der betreffenden
ufachwarten abgehaltem.

Fußball.

Sportverein Darmſtadt 1898 FV. Sprendlingen.
Von den Vereinem der Starkenburg=Kreisliga iſt, nachdem am ver=
igenen
Sonntag Walldorf in Oberroden eine Niederlage einſtecken
ßte, nur noch der FV. Sprendlingen, der ſomit auch die Tabelle an=
rt
, ungeſchlagen. Nach 7 Spielſonntagen ſcheinen für die Meiſter=
ft
vorerſt noch neben dem derzeitigen Tabellenerſtem Walldorf, Sport=
ein
1898 und Urberach im Frage zu kommen. Das Spiel des kom=
nden
Sonntags gegen FV. Sprendlingen auf dem Platze am
Uenfalltor dürfte für die Meiſterſchaft von höchſter Bedeutung ſein.
länge es in dieſem Spiele dem FV. Sprendlingen, zum Siege zu
imen, ſo wäre ſein Vorſprung vor den 98ern mit ſechs Punkten ſo
ß, daß die 98er für die Meiſterſchaft wohl endgültig ausgeſchaltet
ven. Im umgekehrten Falle käme jedoch der Sportverein 1898 bis
zwei Punkte an den Tabellenführer heran, ſo daß deſſen Spitzen=
lung
erheblich gefährdet wäve, zumal Sprendlingen bisher keine
vereren Spiele auf auswärtigem Plätzen auszutrogen hatte. Trotz
Niederlage gegem Union ſind alſo die 98er noch nicht aus dem Nen=
r
getvorfen; der kommende Sonntag wird vielmehr erſt die Klärung
ngen. Der FV. Sprendlingem hat im Spiel des vergangenen Sonn=
3 auf dem Schupoſportplatz ein überraſchend gutes Können gezeigt.
upbſächlich ſein Sturm leiſtete wirklich Muſtergültiges; aber guch die
igen Mannſchaftsteile waren gut beſetzt. Dem Sporwerein 1898
d es daher nicht leicht gemacht werden, ſeinen Anſchluß an die
bellenführer zu erhalten. Vor dem Spiel, das um 3 Uhr beginnt,
ffen ſich die beiderſeitigen Liggerſatzmannſchaften.
Sportverein Weiterſtadt 1. Germania Eberſtadt 1. 1:0 (0:0).
Am vergangenem Sonntag mußte die erſte und zweite Mannſchaft
3 Sportvereins Weiterſtadt nach Eberſtadt, um gegen die gleichen
annſchaften der Germania anzutreten. Obwohl man in Gberſtadt mit
tev glatten Niederlage Weiterſtadts gerechnet hat, mußte man erfah=
daß
man den Dag nicht vor dem Abend loben ſoll und ein Spiel
ht eher verloren geben ſoll, als bis es zu Ende geführt iſt. Beide
annſchaften waren ſich gleichſwvertig und boden ein wirklich ſchönes und
res Spiel. Der Schiedsrichter, Herr Siebert, Blankſtadt, war ein
rechter Leiter. Die zweite Mannſchaft unterlag gegen die gleiche
annſchaft Eberſtadts 3:0. Die erſte Jugendmannſchaft verlor eben=
1s gegen die gleiche Eberſtadts 5:0.
Pferderennen im Grunewald.
Walnuß=Rennen; Lehrlingsreiten. 3000 Mark, 1800 Meter: 1. M.
erdings Wien (E. Böhlke), 2. Goldalma, 3. Noſtra. Ferner liefen:
alada, Parade, Mogroma. Tot. 16, Pl. 13, 28:10. 43 Lg.
Weichſel=Rennen; für Zweijährige. 6800 Mk., 1200 Meter: 1. Stall
önwalts Botſchafter (E. Hahnes), 2. Grenadier, 3. Holofernes. Tot.
1:10. 2½5 Lg. Drei liefen.
Eisblumen=Nennen; für Dreijährige; 5500 Mk., 1400 Meter: 1. M.
erdings Fakir (E. Böhlke), 2. St. Nobert, 3, Ferrara. Ferner: Lo=
18, Lykaſte, Honoria, Selecta, Offenſive, Ota, Pelopea. Tot. 21, Pl.
24, 28:10. ¼ Lg.Kopf.
Winter=Preis; 10 800 Mark, 2800 Meter: 1. Graf Seidlitz=Sandretz=
Patrizier (P. Ludwig), 2. Gero, 3. Palamedes. Ferner: Le
Cargna, Askari, Pompefus, Himalaya, Munin, Glücksritter, Skalde,
rmin, Markolf. Tot. 44, Pl. 13, 12, 15:10. 62 Lg.
Herbſtlaub=Preis; für Zweijährige. 6800 Mark, 1200 Meter:
Stall Hönwalts Friedrun (A. Ebert), 2. Redekunſt, 3. Brunftzeit.
ſt. 49:10. 15ſ Lg. Drei liefen.
Wintermärchen=Rennen; für Zweijährige. 3000 Mk., 1000 Meter:
Fellers Surya (Otto Müller), 2. Lea, 3. Judica. Ferner:
aſall, Elias, Noris, Cameron, Liaiſon, Grasnelke, Machs doll, Nor=
na
. Tot. 80, Pl. 19, 21, 14:10. 1½ Lg.
Halali=Nennen: 3000 Mark, 1600 Meter (1. Abteilung): 1. J. von
ibbentrops Pjotr (E. Huguenin), 2. Mydear, 3. Pagode. Ferner:
Kignon, Duena, Ottogebe, Gerald, Tarnhelm, Olymp, Die Treue,
formoſita. Tot. 39, Pl. 14, 16, 16:10. Hals1 Lg. 2. Abteilung:
W. Welps Empfehlung (Otto Schmidt), und 1.+ L. Leuchtags
ogarithmus (B. Klotz), 3. Trianon. Ferner: Burgwart, Andovera,
Ninna, Rinaldo, Hochalp, Palladio, Windſpiel, Streitfrage, Venezia=
erin
. Tot. 18, 79, Pl. 18, 39, 62:10. tot.1 Lg.

Handball.
Sportverein 04 Arheilgen Sportverein 98
Darmſiadt.
Die völlig unerwartete Niederlage der 98er vom vorigen Sonntag
hät ſowohl in den Reihen der Anhänger wie in der Tabelle eine be=
deutungsvolle
Verwirrung hervorgerufen. Die Darmſtädter ſind nun
drei Punkte im Rückſtand und ſehen damit ihre Ausſichten auf Wieder=
erringung
der Meiſterſchaft in der Gruppe A des Bezirks Heſſen er=
heblich
geſunken. Denn eine Aufholung des Verluſtes dürfte bei der
zurzeit ſehr guten Form der Poliziſten kaum möglich ſein, ſei es denn,
daß letztere ſelbſt noch unerwartet Punkte einbüßen. Trotzdem wird der
ſüddeutſche Meiſter in den kommenden Spielen alles daranſetzen, um vor
weiteren Punkvverluſten verſchont zu bleiben. Am kommenden Sonntag
(nachmittags 3 Uhr) haben die 98er gegen den Arheilger Liganeuling
am Mühlchen anzutreten. Obwohl die Arheilger am vergangenen
Sonntag gegen den anderen Favoriten Schyvanheim auf deſſen Gelände
unverdient hoch verloren, iſt ſeit dem Vorſpiel gegen Spv. 98 eine
weſentliche Formverbeſſerung unverkennbar. Die Leute vom Arheilger
Mühlchen haben inzwiſchen ihre Mannſchaft durch Spiclerzugang er=
heblich
verſtärkt. Die Mannſchaft hat ſich bis jetzt wider Erwarten gut
gehalten und nimmt zurzeit einen guten Mittelplatz in der Tabelle ein.
Die 98er werden alſo ſchon mit harter Gegenwehr rechnen müſſen.
Jedenfalls iſt ein hochintereſſantes Treffen am Arheilger Mühlchen zu
erwarten, deſſen Beſuch ſich für jeden Handballbegeiſterten lohnen wird.
Obwohl auch dieſes Spiel immerhin einem gewiſſen lokalen Charakter
tragen wird ſind unliebſame Vorfälle bei der anſtändigen Spielweiſe
beider Mannſchaften nicht zu erwarten.

RolrWeiß V. F.

Gründungs-Versammlung
im Fürstensaal
am Samstag, den 27. Oktober 1928, 8½ Uhr

Süddeutſche Pokalmannſchaft Darmſtädter
Städtemannſchaft.
Die füddeutſche Vertretung in der Pokal=Vorrunde Norddeutſchland
gegen Süiddeutſchland, deren Aufſtellung wir bereits mitteilten, ſpielt
am 4. November, nachmittags 15 Uhr, auf dem Platze des Spv. 98
gegen folgende Darmſtädter Städtemannſchaft. (Schiedsrichter: Schrei=
ber
=Darmſtadt.)
Trautwein
SpV. Dſt. 98
Förſter Hanſen
VfL. Not=Weiß 22
Schmidt
Allwohn
Delp
SpV. Dſt. 98 PSV. Dſt.=Bab. SpV. Dſt. 98
Schliffer Koch
Rettig Hörr
Fuchs
VfL. Rot=Weiß SpV. Dſt. 98 PSV. Dſt. Bab.
Erſatz: Bordt und Laumann vom PSV. Dſt.=Bab., Rothenburger und
Freund vom SpV. Dſt. 98.
Kleidung: blau.
Linienrichter: Bauer, SpVgg. Arheilgen; Daniel, SpV. Dſt. 98; Harth
und Iwienſky vom Akad. SpCl. Dſt.
Schiedsrichter in ihren Vereinsfavben,
Aus Anlaß obigen Uebungsſpieles wird am 11. 11. 28 ab 12 Uhr
Spielſperre für ſämtliche Handballmannſchaften des Kreiſes Starkenburg
erlaſſen. Die Handballverbandsſpiele ſind gemäß Teminliſte vormit=
tags
auszutragen. Einer Aenderung des Spielbeginns auf nachmittags
kann daher nicht für den 4. 11. 28 ſtattgegeben werden.
Das Berliner Sechstagerennen, das im Berliner Sportpalaſt ſtatt=
finden
ſollte, wird aus techniſchen Gründen nun doch nicht zur Aus=
führung
kommen. Dagegen ſoll zwei Monate lang ein größeres hallen=
ſportliches
Programm zur Abwicklung gebracht werden.
22 Fahrer ſind bisher für das erſte Kölner Sechstagerennen in der
Rheinoldihalle vom 2.8. November verpflichtet worden.
Drei Länderkämpfe im Ringen hat der Deutſche Athletik= Sportver=
band
vor ſich, gegen Schweden, Frankreich und Dänemark.
Die Londoner Automobil=Schau ſoll 1929 ausfallen und überhaupt
nur noch alle zwei Jahre agehalten werden.
Baſiliens Fußballmannſchaft, die anerkannte Spielſtärke beſitzt, wird
im nächſten Jahre nach Europa kommen und in Nordeuropa Spiele
austragen.

Geſchäftliches.
Der Mey=Kragen
iſt der ideale Herrenkragen. Er beſteht aus feinem Wäſcheſtoff wit einer
ſchmiegſamen Einlage und gleicht der Stärkewäſche ſo natürlich, daß er
von dieſer nicht zu unterſcheiden iſt. Wer mit der Zeit geht und ſich
den Fortſchritt zunutze machen will, trage dieſe Kragen. Sie ſind ſehr
egant, praktiſch und hygieniſch, denn ſie werden nicht gewaſchen, ſon=
dern
fortgeworfen, wenn ſie unſauber ſind. Die Abgabe geſchieht in
Dutzenpackungen zum Preiſe von 2,102,80 Mark das Dutzend je nach
Form.
1898 rund fünf Millionen 1928 mehr als dreiunddreißig Millionen
Taſſen täglich. Der Fortſchritt iſt nicht aufzuhalten. Unbegründete
Vorurteile, die früher beſtanden haben mögen, ſind noch immer bei
ernſthaftem Verſuch gefallen. Vergleichsweiſe trinkt heute jeder zweite
Deutſche täglich ſeine Taſſe Kathreiners Malzkaffee.
Ein kleines Kunſtwerk für ſich iſt der ſeidene Strumpf, der heute zu
jeder gut angezogenen Dame gehört. Wie oft wird aber auf ſeine Er=
haltung
und Pflege nicht die nötige Sorgfalt verwandt! Das feiné
empfindliche Gewebe und die zarte Farbe müſſen leiden, wenn man ſie
ſcharfen, bleichenden Waſchmitteln ausſetzt! Die führenden Fabribanten
der Kunſtſeide beſtätigen, daß Lux Seifenflocken für Kunſtſeide wie auch
für Wolle und Seide das Ideale und vollkommen ſchonende Waſch=
mittel
ſind. Jeder, der Lux Seifenflocken einmal ſelbſt ausprobieren
möchte, beachte die heutige Anzeige der Sunlicht=Geſellſchaft die einen
Gutſchein für ein Paket Lux Seifenflocken enthält. Man braucht ihn
der Sunlicht=Geſellſchaft Mannheim nur einzuſenden und bekommt dann
ſofort koſtenlos das Probepaket Lux Seifenflocken.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Freitag, 26. Olt. 6.30: Gymnaſtik. o 13: Schallplatten.
15.05: Jugendſtunde. Mittelſchullehrer Rößler: Vom Lehm zum
Aluminiumtopf. O 16.35: Hausfrauen=Nachmittag. Rektor Merkel:
Helen Keller, die blinde Taubſtumme. o 17.35: Stuttgart: Funk=
orch
.: Konzert. o 18.10: Leſeſtunde. Aus den Briefen Napoleons.
6 18.30: Südweſtdeutſcher Radioklub. O 19: Dr. W. Heuckmann:
Kelter= und Kellerbehandlung des 28er Weines. o 19.30: Wiſſen=
ſchaft
und Technik. O 19.50: Film=Wochenſchau. o 20: Stuttgart:
Sinfonie=Konzert der Muſeumsgeſellſchaft. Mitw.: Roſette Anday
(Sopran). Cornelius: Ouv. Der Barbier von Bagdad‟. Wolf:
Geſänge mit Orcheſter. Mahler: Sinfonie in D=dur. o Anſchl.:
Kaſſel: Militär=Konzert.
Stuttgart.
Freitag, 26. Okt. 10.30: Schaliplatten. o 12.30: Schall=
platten
. O 13: Mittagsſtändchen. 0 16.15: Funkorch.: Nachmittags=
konzert
. Mitw.: Julie Heinrich, o 18: Ueberſicht über die Haupt=
veranſtaltungen
der kommenden Woche in Eſperanto. G 18.15: Frei=
burg
: Gaſton Heymann: Die Lebensdauer der Waren. o 18.45:
tuttgart: Oekonomierat Nipeiller: Zum 100. Todestag von
Albrecht Thaer. 6 19.15: Engliſch für Anfänger. 6 19.30: Frankfurt:
Freitagskonzert der Frankfurter Muſeumsgeſellſchaft. Soliſtin:
Roſette Anday (Wien). Cornelius: Ouv. zu Der Barbier von
Bagdad Lieder von Hugo Wolf Mahler: Erſte Sinfonie,
Anſchl.: Stuttgart: Georg=Büchner=Stunde (125. Geburtstag),
Mitw.: P. Enderling, C. Elwenſpoek, Th. Brandt, E. Stockinger,
Funkorch. Einführung: Georg Büchner, der Revolutionär, in Leben
und Dichtung. Neuer Sturm und Drang. Büchners Nachwirkung

Briefe. Verſe aus

Aus dem Heſſiſchen Landboten
Leonce und Lena Aus der Novelle Lenz. Herwegh: Zum
Andenken an Georg Büchner.
Berlin.
Freitag, 26. Olt. 15.30: Zwei Frauen ſprechen über Die neuen
Mütter‟ (Ein Dialog zwiſchen Elſe Kamnitzer und Polly Tieck.)
2 16: H. Stroh: Wie der Kleiſtpreis entſtand. O 16.30: Schubert=
Lieder. W. Schmidt (Tenor), O. Wappenſchmitt (Flügel). O. An=
ſchl
.: Unterhaltungsmuſik. Kapelle Emil Rooſz. 0 18.30: Fremd=
ſprachliche
Vorträge: Franzöſiſch. O 19: Dr. Heyde: Der Seeverkehr.
0 19.30: Staatsſekretär z. D. Prof. Dr. Hirſch: Neue Entwicklungs=
tendenzen
in Wirtſchaft und Geſellſchaft. o 20: Frank Wedekind
(aus dem Nachlaß). Einl. Worte: A. Kahane. Meiner Mutter;
An wen?; Der erſte Schritt; Liebesklänge; Der andere; Tingel=
tangel
; Rückblick. Geleſen von Tilly Wedekind. o 20.30: Internat,
Programmaustauſch. Uebertragung von der Polskie Radio, War=
ſchau
. Orcheſter=Konzert. Dirigent: E. Mlynarſki. Soliſtin: Irena

Dichtung. Jarecki: Chimera, ſinfoniſche Dichtung. o Anſchl.:
Tagesnachrichten.
Stettin. 13.05: Sondermitteilungen für den Landwirt. o 16:
Prof. Dr. Seeliger: Können wir mit andern Weltkörpern in Ver=
bindung
treten?
Deutſche Welle. Freitag, 26, Okt. 10: Langenbeck=Virchowhaus:
Prof. Fiſcher: Eugenik und Anthropologie. Anläßlich der eugeniſchen
Tagung des deutſchen Bundes für Volksaufartung und Erbkunde.
12: Schriftſteller Eipper: Wie wilde Tiere freſſen und gefüttert
werden. O 13.30: Berlin: Nachrichten. o 14.30: Kinderlieder:
Vom Wind, vom Wind, vom himmliſchen Kind. 0 15: Dr. Blum:
Ueber Zahnerſatz und ſeine Pflege. O 15.30: Wetter und Börſe.
15.40: Künſtleriſche Handarbeit für Frauen und Mädchen: Em
Lampenſchirm. o 16: Dr. Lange; Werkſtoffkunde für die Schule,
O 16.30: Dr. Günther: Einführung in das Verſtändnis des Dramas.
(Arbeitsgemeinſchaft.) o 17: Leipzig: Aus Operetten.
Anſchl.:
Schallplatten. O 18: Landgerichtsdirektor Dr. Lehmann: Brennende
Rechtsfragen: Richter und Dichter. o 18.30: Engliſch für Fortgeſchr.
6 18.55: Werkmeiſterlehrgang. Min.=Rat Horſtmann: Mechanik
und Feſtigkeitslehre. O 19.20: Wiſſenſchaftl. Vortrag für Tierärzte.
20: Dr. Würzburger: Deutſchland heute (Bücherſtunde). O 20.30=
Staatsminiſter Dr. Schmidt: Volk und Juſtiz. D. Anſchl.: Berlin
Internationaler Programmaustauſch. Uebertragung von der Polſkie
Radio, Warſchau. (Orcheſterkonzert.) o. Anſchl.: Preſſenachrichten.
O 22.30: München: Nachtkonzert des Funkorch.

Wetterbericht.
Das Nordmeertief flacht ſich langſam ab und zieht nach Skandina=
vien
hin weiter. Allgemeiner Barometeranſtieg, der über Nordweſt=
und Mitteleuropa einſetzt, dürfte auch in unſerem Gebiet zunächſt zur
Bewölkungsabnahme und Nachlaſſen der Niederſchläge führen. Da
gleichzeitig mit dem Umdrehen der Winde nach Weſtem kühlere Luft=
maſſen
eindringen, ſo werden vorläufig die Temperatuvem wieder ſinkem.
Ausſichten für Freitag, den 26. Oktober Wolkig mit Aufheiterung, etwas
friſcher, meiſt trocken, arm Weſt drehende Winde.
Ausſichten für Samstag, den 27. Oktober: Wenig Aenderung der Wetter=
lage
.

Ort: Wetter: Temp.
in C Wind: Mie
ſchlag
in mm Schnee=
decke

in cm Gießen: Regen K. S0. 26 Aachen: bedeckt 12 SSW. 0,2 Hamburg: wolkig 13 SSW. gef. D Berlin: wolkig 11 w München: Nebel ſtill u Königsberg: wolkig 88O, Breslau: Nebel ſtill Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen.
25 Feldberg
Taunus Regen SW. Waſſerkuppe wolkig 10 Feldberg:
Schwarzw.) heiter , Zugſpitze: heiter R Kahler Aſten: bedeckt 10 6 Fichtelberg: wolkenlos SSN, Schneekoppe: wolkenlos 3 SW, 30

Hauptſchriftleitung. Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Cugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schſußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart: Dr. Herbert Neite; für den Inſeratentell: Willv Kuhle: Druck
und Verlag: L. C. Wittſch ſämtlich in Darmſiadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantle der Rückſendung nicht Übernommen.

Die heutige Nummer hat 14 Geiten.

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Der Erzbergbau im September.
Siegerland: Die letzte Erhöhung der Löhne und Soziallaſten
ſowie die im Oktober eintretende Verteuerung der Eiſenbahnfrachten
wirken ſich bei den Siegerländer Gruben ſehr ungünſtig aus, ſo daß
eine Lage befürchtet werden muß, wie ſie im Frühjahr 1926 beſtand,
als ein großer Teil der Gruben zum Erliegen kam. Die Beſtände auf
den Gruben nehmen von Monat zu Monat zu, ſo daß mehrere Gruben
in Kürze genötigt ſein werden, die Förderung längere Zeit ganz einzu=
ſtellen
. Zurzeit werden zwei weitere Siegerländer Hochofenwerke ab=
gebrochen
, der Erzabſatz an Siegerländer Hütten verringert ſich immer
mehr.
Lahn=Dillgebiet einſchl. Oberheſſen: Beim Eiſe
erzbau des Lahn=Dillgebietes einſchl. Oberheſſen ſind im September 1928
wieder die Haldenbeſtände angewachſen. Die wirtſchaftliche Lage droht
immer ſchwieriger zu werden. Eiſenbahntariferhöhung und der
Schiedsſpruch des Schlichters, der eine Lohnerhöhung verfügt, treffen
den Eiſenſteinbergbau aufs ſchwerſte. Nur das baldige Einſetzen der
geplanten Hilfsmaßnahmen kann weitere Stillegungen verhindern.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Normung in der Fahrrad=Induſtrie. Der Fachnormenausſchuß der
Fahrrad=Induſtrie (FAFA) trat unter dem Vorſitz von Herrn Gene=
raldirektor
Kramer=Bielefeld unter ſtarker Beteiligung der an der
Normung in der Fahrrad=Induſtrie beteiligten Behörden, Verbände
ſowie Verbraucher zu der fünften offiziellen Sitzung kes FAFA. in
Düſſeldorf zuſammen, nachdem in den letzten Monaten in zahlreichen
Einzelverhandlungen mit den beteiligten Herſtellern die Normungs=
arbeiten
große Fortſchritte gemacht hatten. Der Fachnormenausſchuß
hat für folgende Fahrradteile und Zubehör die Normenblätter end=
gültig
verabſchiedet, die nunmehr in der Praxis eingeführt werden:
nahtloſe Stahlrohre, Reifen aller Art, Pedale, Pedalgummi und Fahr=
radtaſchen
. Ferner wurden endgültige Entwürfe für Gewinde, Vorder=
naben
, Speichen und Nippel, Luftpumpen uſw. aufgeſtellt. Der Aus=
ſchuß
beſchäftigt ſich noch mit der Normung der Schlauchventile und
der geſchweißten Stahlrohre.
Südweſtdeutſche Gas=A.G., Frankfurt a. M. Die Geſellſchaft,
deren Aktien bisher je zur Hälfte auf die Frankfurter Gas=A. G. und
die Stadt Mannheim verteilt ſind, beabſichtigt, wie wir erfahren, dem=
nächſt
ihr Kapital von 50 000 RM. auf eine Million Reichsmark zu er=
höhen
. Durch den kürzlichen Beitritt der Stadt Karlsruhe zur Geſell=
ſchaft
wird dieſe eine 10prozentige Beteiligung am Aktienkapital er=
halten
.
Wieder Verluſtabſchluß bei H. Fuchs, Waggonfabrik A. G., Heidel=
berg
. Wie von uns ſchon früher berichtet, ſchließt das Geſchäftsjahr
1927/28 auch nach der Sanierung mit Verluſt ab, der nunmehr in Höhe
von rund 166 000 Mark zu bewerten ſei. Die Belegſchaft mußte von
1400 Mann zu Beginn des alten Jahres auf heute nicht ganz 700 Mann
vermindert werden.
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 25. Oktober ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam ( No=
tierung
der Vereinigung für die D. Elektrolytkupfernotiz) 147 RM.
Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallborſenvorſtandes
(die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieſe=
rung
und Bezahlung) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium, 98 bis
99 Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190 RM., desgleichen
in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 194 RM., Reinnickel, 9899
Prozent, 350 RM., Antimon Regulus 8588 RM., Feinſilber (1 Kg.
fein) 79,2580,75 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 25. Oktober ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 135,50 (135,75), Februar 135,50 (135,50), März,
April, Mai 135,50 (135,75), Juni 135,50 (135,75), Juli 135,75 (135,75),
Auguſt, September 135,75 (136), Oktober 135,25 (136,25), November,
Dezember 135,50 (135,75). Tendenz: feſt. Für Blei: Januar, Fe=
bruar
, März, April, Mai, Juni, Juli, Auguſt, September 43,50 (43,75),
Oktober 44 (45), November 43,50 (44), Dezember 43,50 (43,75). Tendenz:
*
hig. Für Zink: Januar 47 (47,75), Februar 47 (47,50), März,
vil 47,50 (47,75), Mai, Juni 47,775 (48), Juli 47,75 (48,25), Auguſt
48 (48), September 48 (48,50), Oktober 46,50 (47,25), November 46,50 (47),
Dezember 46,75 (47,25). Tendenz: lebhaft. Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 25. Oktober
ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz: ſtramm): Standard p. Kaſſe 66¾
bis 66¾4, 3 Monate 672/46½, Settl. Preis 66¾, Elektrolyt 723473
beſt ſelected 7071½, Elektrowirebars 73; Zinn (Tendenz: unregel
mäßig): Standard p. Kaſſe 22034½, 3 Monate 2195834, Settl. Preis
220½, Banka (inoff. Not.) 222, Straits (inoff. Not.) 221½; Blei
(Tendenz: ſtetig): ausländ, prompt 22½, entft. Sichten
2134, Settl.
Preis 22½; Zink (Tendenz: ruhig): gewöhnl. prompt 231/1g, entft.
Sichten 94½, Settl. Preis 237; Queckſilber (inoff. Not.) 23½,
Wolframerz (inoff. Not.) 16½.
Produktenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 25, Oktober. Bei unveränderten
Auslandsfovderungen für Brotgetreide verlief die Produktenbörſe in
ſehr ruhiger Haltung. Inlandsroggen etwas ſchwächer, Hafer befeſtigt.
Man verlangte für die 10 Kg. ohne Sack waggonfrei Mannheim in
Reichsmark: Weizen inl. 24 bis 24,25, ausl. 26 bis 28,50, inl. Roggen
23, inl. Hafer 23,25 bis 24, ausl. 23.25 bis 24, Braugerſte, badiſche
heſſiſche und württembergiſche, 25,75 bis 2650, pfälziſche 26,50 bis 27,75,
Futtergerſte 20 bis 20,50, Mais mit Sack 22,50, ſüddeutſches Weizenmehl,
SFezial Nnll, 34,25, ſüddeutſches Roggenmehl, je nach Ausmahlung, 30,50
bis 33. Weizenkleie 14
Frankfurter Produktenbericht vom 25. Oktober. Die Frankfurter
Getreidebörſe lag ruhig. Die Preiſe waren faſt unverändert bis auf
Roggenmehl, was 25 Pfg. nachgab. Es notierten je 100 Kilo: Weizen
23,5023,65, Roggen 22,5022,75, Sommergerſte 2525,50, Hafer inl.
2.25
23,50, Mais 21,5021,75, Weizenmehl 33,7534,25, Noggen=
mehl
3030,75, Weizenkleie 1414,10, Roggenkleie 14,50.
Berliner Produktenbericht vom 25. Oktober. Im Gegenſatz zu
geſtern war die Tendenz im Berliner Getreidegeſchäft heute zum aller=
größten
Teil wieder ſchwächer, wenn auch die ermäßigten amerikaniſchen
Cif= und Terminpreiſe, die heute in niedrigeren Anfangsnotierungen
Liverpools ihre Fortſetzung fanden, einen beachtenswerten Einfluß nicht
ausübten. Vielmehr bleibt für die Tendenzbildung am hieſigen Platze
die Zurückhaltung der Mühlen einzig von Ausſchlag. Lieferungsweizen
war nur billiger unterzubringen. Roggen hatte bei vereinzeltem Ex=
portgeſchäft
für vordere Sichten feſtere Kurſe, ſonſt ſchwächer. Gerſte
unverändert, Hafer gut behanptet.

* Darmſtädter Viehmarkt vom 25. Oktober. Aufgetrieben waren
110 Kälber, 23 Schafe und 7 Ochſen. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber
a) auf 6872, b) 6067, c) 5459, für Schafe auf 3842 Pfg. pro
Pfund. Marktverlauf: geräumt.
Mannheimer Kleinviehmtarkt vom 25. Oktober. Zum Kleinviehmarkt
waren zugeführt und wurden die 50 Kg. Lebendgewicht, je nach Klaſſe,
gehandelt: 57 Kälber 50 bis 74, 10 Schafe 42 bis 45, 147 Schweine 73
bis 78, 482 Ferkel und Läufer, Ferkel bis 4 Wochen 8 bis 14, über vier
Wochen 15 bis 22, Läufer 25 bis 30. Marktverlauf: Mit Kälbern ruhig,
langſam geräum; mit Schweinen ruhig, Ueberſtand; mit Ferkeln und
Läufern mittelmäßig.
Frankfurter Biehmarktbericht vom 25. Oktoben. Der Auftrieb des
heutigen Nebenmarktes beſtand aus 86 Rindern, 999 Kälbern, 736 Scha=
fen
und 604 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Nebenmark=
tes
der Vorwoche waren 140 Kälber, 120 Schafe und 130 Schweine mehr
angetrieben. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht: Kälber:
0) 7075, c) 6469, d) 5563: Schafe: a) 4348, b) 3842, c) 3037;
Schweine: b) 7578, ) 7578, d) 7376. Im Vergleich mit den
Notierungen des letzten Hauptmarktes gaben Kälber 12 M., Schweine
23 Mark nach. Schafe waren zirka 1 Mark billiger. Marktverlauf:
Schweine ſchleppend, erheblicher Ueberſtand; Kälber und Schafe ruhig,
ausverkauft. Fleiſchgroßmarkt: Ochſenfleiſch I 9095, II 8090, Bul=
lenfleiſch
7884, Kuhfleiſch II 5060, III 3050, Kalbfleiſch T 100110,
II 90100, Hammelfleiſch 95100, Schweinefleiſch 90100. Gefrier=
fleiſch
: Rindfleiſch Vorderviertel zollfrei 54, verzollt 70, Hinterviertel
80 bzw. 80.

Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 25. Oktober.
Nachdem vorbörslich die Stimmung allgemein feſter war, drückte
zu Beginn des offiziellen Verkehrs die unverändert große Geſchäftsſtille
wieder auf den Markt. Zur Zurückhaltung mahnte außerdem der
morgige Prämienerklärungstag, doch erwartet man, daß der Ultime
keine beſonderen Schwierigkeiten bereiten wird, da die noch beſtehenden
Engagements im allgemeinen nicht mehr umfangreich ſein dürften und
am Geldmarkt infolge umfangreicher Vorbereitungen das Angebot,
namentlich in Reportgeld, reichlich iſt. Nicht ganz unbeachtet blieben
die neuen Kursſteigerungen an der geſtrigen New Yorker Börſe. Die
Grundſtimmung war daher nicht unfreundlich, und die Kuliſſe nahm
auf einigen Märkten weiter kleine Deckungskäufe vor. Die Umſätze
waren aber wieder minimal bei im allgemeinen behaupteten Kurſen.
Einiges Intereſſe beſtand für Reichsbank, die 2 Prozent anzogen. Ueber=
wiegend
etwas feſter lagen ferner die Montanwerte, von denen Har=
pener
mit plus 1,5 Prozent bevorzugt waren. Am Elektromarkt waren
Siemens 1,5 Prozent gebeſſert, AEG. und Licht u. Kraft dagegen leicht
gedrückt. J.G. Farben eröffneten 1 Prozent niedriger. Angeboten
waren ferner Diskontogeſellſchaft mit minus 1,5 Prozent. Im übrigen
waren die Kursveränderungen gegen die geſtrige Abendbörſe nicht
nennenswert. Deutſche Anleihen lagen faſt geſchäftslos, auch auslän=
diſche
Renten ruhig, Anatolier leicht anziehend; im Freiverkehr Ruſſen
weiter etwas gefragt. Im Verlaufe blieb das Geſchäft außerordentlich
ſtill, die Stimmung war aber weiter freundlich. Reichsbank zogen er=
neut
1,5 Prozent an; J. G. Farben leicht erholt. Am Geldmarkt trat
im Verlauf plötzlich ſtarkere Nachfrage hervor, ſo daß der Satz für
Tagesgeld auf 6,75 Prozent erhöht wurde. Deviſen zogen weiter
etwas an. Mark gegen Dollar 4.1978, gegen Pfunde 20.358, London
Kabel 4.8500, Paris 124.14, Mailand 92.59, Madrid 30.10, Hol=
land
12.0968.
Tendenz: weiter abgeſchwächt. Die Abendbörſe eröffnete bei klein=
ſten
Umſätzen ſchwächer. Die Geſchäftstätigkeit wurde auch im weiteren
Verlauf unterbunden, zumal Gerüchte von Schlvierigkeiten an auswär=
tigen
Plätzen verbreitet waren, Tatſächliches aber nicht bekannt wurde
Die Berliner Schlußkurſe wurden, im großen und gangen betrachtet,
allgemein um 11½ Prozent unterſchritten. Farben lagen zunächſt
etwas höher, gaben dann aber um 5/s Prozent auf 249 nach. Aud
Siemens um 2 Prozent auf 386 gedrückt. Am Nentenmarkt überwog
mit Ausnahme der Türken Bagdad Serie II und Zolltürken das An=
gebot
Im einzelnen nannte man: Commerzbank 184, Danat 289,5
Metallbank 133, Reichsbank 301, Hapag 150, Nordd. Lloyd 147, Adler=
werke
Kleyer 100, AEG. 179,75, Metallgeſellſchaft 184, Farben 249,5.
Berlin, 25. Oktober.

Die Börſe zeigte bei Beginn eine freundlichere Grundſtimmung,
wenn auch eine merkliche Geſchäftsbelebung kaum zu verzeichnen war.
Die Erholungen des Vortages konnten ſich gut behaupten. Teilweiſe
eröffnete die Börſe auch befeſtigt. Nach Feſtſetzung der erſten Kurſe
blieb die Tendenz zunächſt weiter freundlich. Etwas regeres Geſchäft
entwickelte ſich in Kali= und Harpener Aktien. Im Verlauf flaute das
Geſchäft ſtark ab und das Kursniveau gab durchweg wieder leicht nach.
Gegen Schluß des offiziellen Verkehrs ſchwächte ſich die Tendenz ſchar
ab, da man von einem ungünſtigen Stand der Schlichtungsverhandlun=
gen
im Lohnkonflikt der Eiſen= und Hütteninduſtrie wiſſen wollte und
zudem allerdings unbeſtätigte Gerüchte über die Inſolvenz eines Ber=
liner
Hauſes im Umlauf waren. Die Börſe ſchloß ausgeſprochen matt.
Auch nachbörslich neigten die Kurſe weiter zum Nachgeben.

A. E. G.
Augsb.=Nürnb. Maſch
Baſalt .. . . . . . . . . . ."
Bergmann. . . . . . . .
Berl. Karlsruhe Ind.
Berl. Hand.=Geſ... .
Braunkohl. Briketts
Bremer Wolle. . . . .
Danatbank. . . . . . . . .
Deutſche Bank. . . . .
Diskontogeſ. . . . . . . ."
Dresdner Bank. . . . .
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl .. .."
Deutſche Petroleum,
Tynamit Nobel ....
lektr. Lieferung ...
J. G. Farben... . . ..
Gelſenk. Berg. .....
G. f. elektr. Untern. . .
San. Maſch.=Egeſt. . .
Hanſa Dampfſch. . .
Hapag ...... ......
Harpner. . . . . . . . . ."
Semoor Zement. . . .

124. 1 25 10. 24. 10 5. 10. 1181. 2 181. Hirſch Kupfer ...... 30. 29.5 99.8 99.5 höſch Eiſen ........ 112r
6 Ra 66.125 Hohenlohe Berke .. 5 68 204.5 Rke Kahla Porzellan . . .". f127.5 28. *5 Kali Aſchersleben .. . 779. 79. 288.5 Salzdetfurth ... 471.5 774.5 Weſteregeln .. 280. 82.75 1221. 7 Lindes Eismaſch. . . 170. 70. 9 L. Loewe & Co. ... .." 245.5 166.25 165.25 Lingel Schuh .. . . .. 32.75 32.! 161.5 161.; Mannesmann Röhren 123 23.; 168.75 169. Niederlauſitzer Kohle 159. 159. 51. 50.75 Nordd. Lloyd ....." 47. 148.125 134. 134.5 Orenſtein. . . . . . . . . . 110.,75 109.75 84.5 84.75 Polyphon ........" 6. 176. 8.7.
17. Rütgerswerke .. . . ." 100. 101. 174. Sachſenwerke . . . . . . 137. A
1: 30.75 251.125 Siemens Glas ....." 43.125 145. 22 122. Ver. Glanzſtoff.. .. 52. 566. 59. 267.5 Ver. Stahlwerke. . . . 92. 92.625 42. 42. Volkſtedter Porzellan . 1.75 34. 183 Wanderer Werke. . . 1885 131.5 50.5 150.75 Wiſſner Metall. . . . . 60. 250.25 137.
250.5 Wittener Gußſtahl .. 54. 54.

Oeviſenmarkt.

Helſingfors
Wien ....."
Prag ......
Budapeſt . . .
Sofia ......
Holland ..."
Lslo ......"
Kopenhager
Stockholm ..
London .. ..
Buenos Aire
Neu=York .
Belgien ..."

24. 10. 25. 10. 24. 10. 25. 10. Geld /Brief Gel Brie Geld /Brie Geld Brie 0.547 10.56 10.547 10.567 Italien ........ 1.97 22.01 1.965 2.0 03 18.94 19.06 58.965 59.085 Paris ........" 16-375 16.415 16.375 16.415 12.428112.448 2.42 12.448 Schweiz .. . . . . 1.06 0.82 0.,67 0.83 73 03/73.17 3.05 73.19 Spanien. . . . . . 67.47 67.61 67.51 6 7.65 3.031 3.037 3.03 3.037 Danzig ........ 81.3 81.48 81. 81.4 168.08 168.421 158.07 168.41 Japan. . . . . . ." 1.96 1.9- .99 1.994 111.75 11.97 11.74 111.96 Rio de Janeiro J.501 1.503 9.501 11.80 112.021 11.78 112.0c Jugoſlavien ... 7.385 7.374 365 1 12.03/1 12.25 112.04 112 26 Portugal ....." 18.9 19.02 18. 93 17. 20.336/20.376 20.334 20.374 Athen ........" 5.425 5.-435 5.425 5.4 1.764 1.768 1.76. 1.768 Konſtantinopel 2.107 2.111 2.1 15 2.119 1930 1.2010 1.1934 4.2010 Kanada. . . . . ... 1.192 1.200 .1925 4.2005 58.27 18.39 138.27 58.39 Uruguay.. . . . .. 4.253 4.26 4.25 6 4.264

Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chikago, 25. Oktober. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt verkehrte heute in ſtetiger Haltung und
Preisſchwankungen hielten ſich in engen Grenzen. Für Rechnung
licher Firmen wurden Käufe beobachtet und die beſſeren Kabel a
Liverpool und Buenos Aires regten an, ſodaß die Termine bis 2/g üb
geſtern ſchließen konnten.
Mais: Auch hier konnten ſich heute die Termine wieder erhole
da die Loko= und Exportnachfrage recht gut war und die Kabel a
Buenos Aires und Liverpool ſtimulierten.
Noggen: Beſſeres Geſchäft nach dem Kontinent und die ungünſtie
lautenden Wetterberichte ließen auch hier die Preiſe über das geſtri
Nivean ſteigen.
Hafer: Geringere Farmerablieferungen und beſſere Lokonachfra
bewirkten einen ſtetigen Marktverlauf.
* New York, 25. Oktober. (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Anfangs zeigte ſich nach dem Bekanntwerden der Er
körnungsziffer rege Kaufluſt. Dann wurden umfangreiche Hedgin,
verkäufe für den Süden beobachtet. Ferner bewirkten Käufe des Ha
dels eine teilweiſe Erholung. Der auf Glattſtellungen zurückzuführen
Preiszuſammenbruch für den laufenden Monat löſte aber erneut
Abgleiten der Preiſe aus.
Kaffee: Anfangs erfolgten umfangreiche Liquidationen und Abgab
für ausländiſche Rechnung, zum Teil auf die verflauenden braſilia
ſchen und Hamburger Kabel. Gegen Schluß trat eine Erholung ein,
Zucker: Anfangs wirkten Käufe des Handels befeſtigend. Als da
ſtärkeres Angebot herauskam, dem nur kleinere Kaufluſt gegenübe
ſtand, trat eine Abſchwächung ein.
O,
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 25.
Getreide: Weizen, Dez. 113½, März 118½, Mai 121½: Mai
Dez. 81½, März 82½, Mai 85½; Hafer, Dez. 43, März 43½, M
44½: Roggen, Dez. 100½, März 1025, Mai 105½.
Fette: Schmalz, Okt. 11,55, Nov. 11,55, Dez. 11,65, Jan. 19
12,075; Rippen, Okt. 12,75, Dez. 12: Speck loco 14. Leich
Schweine 8,659,15, ſchwere Schweine 8,759,15; Schweinez
fuhr Chicago 38 000, im Weſten 105 000.
Baumwolle: Dez. 18,8618,87, Januar 1929 18,88.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 25. Ok.
Getreide: Weizen, Hartwinter 127½; Mais neu angek. Er,
94½; Mehl ſpr. wheat clears 5,856,25; Fracht nach Englan
23, nach dem Kontinent 1416.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,25; Talg extra loſe 9½.
Kakao: Tendenz willig, Umſatz in lots 111, loco 10%, Oktob
10,20, November 10,27, Dezember 10,46, Januar 1929 10,63, 7
bruar 10,66, März 10,74, April 10,79, Mar 10,85, Juli 10,92.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Endwicklung des Rohkupferwarktes entſprechend hat die Ve
kaufsſtelle des Kupferblechſyndikates in Kaſſel den Grundpreis
Kupferblechfabrikate mit Wirkung vom 24. Oktober ab auf 206 RM.
100 Kg. feſtgeſetzt. Die letzte Erhöhung erfolgte am 4. Okvober a
204 Mark.
Der Verein Deutſcher Eiſenhüttenleute bält ſeine diesjährige Haut
verſammlung am 8. und 9. Dezember inDüſſeldorf ab.
Das Statiſtiſche Reichsamt gibt die vorläufigen Ergebniſſe der
rechnung von Zuckergewinnung und Zuckerabſatz im September 19
bekannt. Danach belief ſich die geſamte Zuckerherſtellung in Rohzuck
im Berichtsmonat auf 66 733 Doppelzentner gegen 43 617 Doppelzentn
mm September 1927.
Geſtern vormittag iſt in allen Kohlengruben von Peronnes, Roſſai
Leval, Mont=Saint=Aldegonde und Genok ein Streik ausgebrochen. 2
Ausſtändigen, deren Zahl ſich auf mehrere Tauſend beläuft, verlange
Lohnerhöhung.
Die S. A. de Crédit 4 UInduſtrie Frangaiſe, die vor kurzem haub
ſächlich mit Beteiligung der Société Generale gegründet worden wa
plant, ihr Aktienkaxital von 50 auf 100 Millionen Franken zu erhöhe
Eine Konferenz in Neis York, an der 20 amerikaniſche Petroleun
geſellſchaften beteiligt waren, hat einſtimmig die Gründung einer Au=
fuhrgeſellſchaft
beſchloſſen.
Der Agence Economique et Financiére zufolge werden von de
45 Millionen Kronen=Obligationen=Anleihe des Schwediſchen Zündhol
Truſts 8½ Milliynen Kronen in der Schweiz zur Ausgabe gelangen.
In Montreal iſt mit einem Kapital von 12 Millionen Dollar unte
der Firma French and Foreign Inseſting Corporation eine Finanzgeſel
ſchaft gegründet worden, die vor allem die Placierung von Anleihen
Frankreich vornehmen wird.
Die Societé Frangaiſe de Tubize (Kunſtſeide) wird in ihrer auße
ordentlichen Hauptverſammlung vom 14. November über die Erhöhun
des Aktienkapitals von 115 auf 165 Millionen Franken beraten.
Die Société Lyonnaiſe de Soie Artificielle plant ihrerſeits eine Er
höhung des Aktienkapitals von 44 auf 54 Millionen Franken.
Die belgiſchen Eiſenbahnen vereinnahmten im September 1928 N
gegen 250 Mill. Frs. im gleichen Monat des Vorjahres. Der Rein
ſewinn im September ds. Js. beträgt 50 gegenüber 51 Mill. Frs. De
Reingewinn beläuft ſich im laufenden Jahre bisher auf 371 Mill. Fr.
gegenüber 328 Mill. Frs. in der gleichen Zeit 1927.
Die Ratifikationsurkunden des deu ſch=ſiameſiſchen Freundſchafts
Handels= und Schiffahrtsvectrages vom 7. April 1928 ſind in Bangke
am 24. Oktober ds. Js. ausgetauſcht worben. Der Vertrag iſt damit al
dieſem Tage in Kraft getreten.

2 Dtſche. Reichs=
anleihe
von 1927
Baden Frei
ſtaat von 1927.
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 ....."
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927.
7% ThüringerFrei
ſtaat von 1927..
Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. +
lblöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö
ſungsſch. (Neub.)
Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
. . . ."
80 Bad.=Bad. v. 26
60 Berlin v. 24...
Darmſtadt v. 26
Frkf. a.M. v. 26
7% Mainz v. 26.. .
2 Mannh. v. 26.
8% Nürnberg v. 26
80 Berl. Hyp.;Bk
% Frkf. Hyp.Bk..
%
Pfbr. ,
Heſſ,. Landesbk.

Kom. Landes
ank Darmſtadt

Mein. Hyv. Bk
Pfälz. Hyp. Bl
Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. . .

AJ
77
79

88.25
51
15.1
6.1
79
86.75
91.5
94.5
97.
97.!
97.25
89
88
93.8
85
81.5
98
97

30 Rhein. Hhp.=Bk.
3% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit ... .
80 Südd. Bob.,
Cred.=Bank ....
8% Württ, Hyp.=B.
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser.
*. Ser.II

6% Daimler Ben;
von 27......"
3½ Klöckner=Werke
Berlin v. 26. . . .
% Mainkrw.v. 26.
% Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26..
8% VoigtckHäffner
von 26 ... . ..."

6% Bosn. L. E. B
v. 1914 ......"
41/.% Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914 ..
4% Oſt. Goldrente
4/.% Rum. Gold
von 1913 ....."
%0 Türk. Admin. .
1.Badgad
Zollanl.
4/.9 1913 Ungarn
41/,%1914
Ung. Goldr
Aktien.
Allg. Dt. Creditanſt.
k. f. Brauinduſtr.
Berl. Handelsgeſ..
Comm. u. Privatb.

97.75

98
94.5

69

Re
84
92
43
32.3
2A5
12.4

26"

135
168
184.75

Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank .."
Eff.=u. Wechſel=
bank
.. . . . .."
Vereinsbank".
Diskonto=Geſellſch.
Dresdener Bank ..
Frankf. Bank. . . .
Hyp.=Bk. .. ..
Pfdbr.=Bk.. ..
Gotha. Grundkr. B
Mein. Hyp.=Bank.
Metallbank. . . . . ."
Mitteld. Crebitbk..
Nürnb. Vereinsbk.
Oſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Bank.
Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Creditbk. . .
Hyp.=Bank ...
Südd. Bod.=Cr. Bk
Wiener Bankerein

A.=G. t. Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ...
7% Dt. Reichsbahr
Vorzge. .......
Hapag........."
Nordd. Lloyd ....
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

15½,

174
165.75
91.2:
150.25
147
Ae

Accum. Berlin..
lerw. (v. Kleher)/101.75

6% AEG. Vorzug
AEG. Stamm.

81
85.2
180.75

Baſt Nürnberg ..

Bergm. El. Werke
BrownBroverickCiel152.75
Brüning & Sohn.. 1125.5

Holzverk.=Induſtriel 91.5
Buderus Eiſen ...!

Cement Heidelberg
Karlſtadt
Chem.Werke Albert
Fabrik Milch
Daimler=Benz...
Dt. Atl.=Telegr. . . .
Eiſenh. Berlin
Erdöl
Gold= u. Silb.;
ſcheide=Anſtalt.
Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer
Elektr. Licht u. Kraft
Liefer.=Gef.
Eſchw. Bergwerk
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnere
Faber, Joh., Bleiſt.
G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter).
Frkft. Gas .......
Hof......."

Geiling ECie. ...
Gelſenk. Bergwer
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
.
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bülfinger
dafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf. /183
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ... . 1133
Hochtief Eſſen ..."
Holzmann, Phil. . .I

135.5
75.5
79

A. é
140

210

237
174.5
212
225
37.5
Baé
80.1
90
72.5

98.4
122.:
168
138.5
135.75
9
103
77

Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben.
Salzdetfurth.
Weſteregeln
Kammgarnſpinn
Karſtadt, R.. . . . . .
Klein. Schanzl. . . .
Klöcknerwerke ..
Kraftw. Alt=Württ
Lahmeher & Co...
Lech, Augsburg ..
Löwenbr. Münch..
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br.. . .
Nannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb..
Mars=Werle ..."
etallgeſ. Frankft
Miag. Mühlenbau
Motorenfb. Darmſt.
Neckar). Fahrzeug..
Nicolay, Hofbr...
Oberbedar;
Oſterr. AlpineMon.
Otavi Minen .....

Beters Union Frrf. /106.5
Phönix Bergbau. . 24.5
Reiniger, Gebb.
Rh. Braunkohlen .127
Elektr. Stamm
Stahlwerke 134.75
Riebeck Montan.
Roeder Gb. Darmſt. 125
Rütgerswerke .. . . 1100

110.5
88
278
72
250.5
*
108.5
3:.
112
311
95
20
16.6
266
23.1
116.5
184.5

30.5
1e0
105
14.5
55.1
1*

Schachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr
Schriftg. Stempel
Schuckert Elektr.
Schwarz Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ver.. ..
Tellus Bergbau...
Thür. Lief.=Geſ..
Tucher=Brauerei.
Unterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Verſ. ......"
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind
Gummifabrik
Berlin=Frank
Laurahütte ..
Stahlwerke.
Ultran
in .
Zellſt. Berlin
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner. /215.5
Wahß & Frehztag. 132.25
Wegelin Rußfabrik
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſchaffbg.
Memel. . . . . 139.75
Waldhof ....

Alltanz u. Stuttg.
Verſicherung ...
Frkft. Allg. Verſ.=E.
Frankona Rück= u
Nitv. . . . . . . . . . /225

200
327.5

94.5
S
278
118.5
106.1

106.76
T,
88.7

32.5
156.5
5
157
a
206

BR
187

Mannh. Verſich. .. 1147

[ ][  ][ ]

Nummer 298

Freitag, den 26. Oktober 1928

Seite 13

Mlarn.
Roman von H. A. von Byern.
rheberrechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau (Sa.).

Nachdruck verboten.
1. Kapitel.
Graf Koloman Tarouka ſchob den verwitterten Jagdfilz,
r das dunkelgebräunte Geſicht wit dem kleinen, ſchwarzen, kurz=
rſchnittenen
Schnurrbärtchen beſchattete, aus der Stirn.
Schüſſeltrieb! Meine Damen und Herren, darf ich bitten,
e Geſvehre zu entladen?
Unter den alten Steineichen, deren gelbes Laab lautlos, wie
n goldener Regen herniederrieſelte, waren ein paar einfache,
hnloſe Bände neben dem Tiſch aus Tannenholz aufgeſchlagen,
id über dem züngelnden, kniſternden Reiſigfeuer brodelte in
nem mächtigen Keſſel die prächtig duftende Erbsſuppe.
Hanns=Martin von Raſſow beugte ſich vor:
Geſtatten Sie, Gräfin?
Aber bitte! Komteſſe Tarouka blickte lächelnd empor und
ickte dann ein wenig zur Seite, während die beiden Diener
abletts mit wunderbar feingeſchliffenen Rubingläſern, in denen
r Chateau d’Yquem funkelte, anboten.
Na, wie gefällt es Ihnen dem in Czillary=Hart=Pußta,
err von Raſſowv? wandte ſich der Vizegeſpan Graf Johann
rdödy an Hanns=Martin.
O meine kühnſten Erwartungen ſind weit übertrof=
n
, 640 Faſanenhähne in vier Trieben, ſo etwas gibt es bei uns
Norddeutſchland freilich nicht!
Ach, Sie ſind Reichsdeutſcher? Frau Sophie von Sza=
ony
, eine lebhafte Brünette, Vollblutmagyarin vom reinſten
chlag, wippte an ihrem Glas.
Wo haben Sie nur eigentlich meinen Vetter kennen ge=
rnt
?
Im rumäniſchen Feldzug, gnädige Frau. Koloman ſtand
ei den Honbeds, und ich führte eine Huſarenſchwadron.
Ja, und bei einer paſſenden Gelegenheit hat Herr von
aſſow meinen liebwerten Vetter einmal aus einer ekligen
lemme herausgehauen, ergänzte Herr Sandor von Szagony.
Pröſtchen, Herr von Raſſow!
Nun kamen auch Franz Joſeph Ritter von Molnar, der Lei=
r
des magyariſchen Zuckerrübenkonzerns, und der gräflich Ta=
oukaſche
Oberförſter Schilling, ein Bayher, der das Verladen der
Strecke auf die Wildwagem beaufſichtigt hatte, heran. Hanns=
kartin
rückte etwas zu und löffelte ſeine Suppe, dabei be=
bachtete
er verſtohlen ſeine Nachbarin. In dem ſchlichten, eng=
nliegenden
Lodenkleid, das alle Formen plaſtiſch hervortreten
ieß, erſchiem ihm Gräfin Sylvia noch reizender als am Abend
uvor. Wie flüſſiges Gold ſchimmerte das tizianrote Haar über
er weißen Stirn, ein paar zart gezeichnete, dunkle Brauen wölb=

ten ſich über den großen, tiefdunklen Augen, und hinter der
etwas kurzen Oberlippe des kleinen, kirſchroten Mundes blitzten
elfenbeinweiß die ſpitzen, feſtgeſchloſſenen Zähnchen.
In tiefen, mit Tüchern umwickeltem Terrinen ſervierten die
Diener das dampfende Gulyas; rieſige Schüſſeln mit belegten
Brötchen wurden herumgereicht.
Sind Sie immer ſo ſchweigſam, Herr von Raſſow?
Hanns=Martin ſchreckte zuſammen.
Verzeihung, Gräfin, ich wollte nicht unhöflich ſein.
Ach was! das junge Mädchen lachte, Sie brauchen ſich
nicht zu entſchuldigen, aber ſehen Sie einmal dort drüben, die
Treiber, iſt das nicht ein maleriſcher Anblick? Ich will die Ge=
ſellſchaft
nachher photographieren, da können Sie ſich danm ein
Bild als Andenken nach Hoheneichen mitnehmen, oder haben
Sie bei ſich zu Haus, in der Mark, auch ſolche Baſſermannſche
Geſtalten?
Nein, und ich vermute, Sie würden überhaupt ſehr ent=
täuſcht
ſein, denn meine Klitſche umfaßt ganze 6000 Morgen,
ungefähr den zehnten Teil von Czillary=Hart=Pußta.
Aber die Jagd ſoll doch ſehr gut ſein, wie mir Koloman
ſagte?"
Ja, für reichsdeutſche Verhältniſſe, ich ſchieße drei oder vier
jagdbare Zehner und Zwölfer, hin und wieder ein Stück
Schwarzwild, ſo ein paar Dutzend ganz braver Böcke pro Jahr,
aber Niederwildſtrecken wie hier gibt es bei uns nicht, höchſtens
in Sachſen und Schleſien, unſere Mark iſt eben bekanntlich des
heiligen römiſchen Reiches deutſcher Nation Streuſandbüchſe.
Und doch muß es ein ſchönes Erdfleckchem ſein, wenigſtens
behauptet das mein Bruder, ich ſelbſt kenne Ihre Heimat ja
leider micht.
Hanns=Martin ſpielte mit dem Meſſerbänüchen.
Vielleicht machen Sie mir die große Freude und beſuchen=
mich
einmal mit Koloman zuſammen zur Bockbirſch, im Juli
oder Auguſt -
Vielleicht darf ich Ihnen einen Grafenſteiner ſchälen,
Herr von Raſſow?
Sehr liebenswürdig, Gräfin, ich bitte darum.
Graf Tarouka klingelte mit ſeinem Obſtmeſſer an das Glas:
Meine Damen und Herren! Da die Zeit ſchon ziemlich weit
vorgeſchritten iſt, und unſere lieben Gäſte, mit Ausnahme meines
Freundes Hanns=Martin, Czillary=Hart=Puſta leider ſchon heute
abend verlaſſen wollen, können wir nur noch einen größeren
Trieb nehmen. Rehwild, Haſen und Hennen bitte ich zu ſchonen;
darf ich bitten, die Patronenvorräte noch einmal nachzuſehen
und dann an die Gewehre!
Halt! proteſtierte Sylvia, erſt will ich ſchnell noch eine
Aufnahme machen; Janocz, geben Sie doch mal meinen Ko=
dak
her!
Alſo, was die Frau will will Gott! ſagte Graf Kolo=
man
lächelnd. Aber bitte kurz und ſchmerzlos, Kleine!
Das junge Mädchen ſtellte den Apparat ein.
Herr von Molnar, den Kopf bitte ſtill halten; Sophy, leg‟
bitte mal die Zigarette weg, Knipps ſo, danke, und nun
noch die Treiber und die Strecke.

Der Jagdherr trat ſchon ungeduldig von einem Bein auf
das andere.
Darf ich bitten, nur zu folgen? Herr Oberförſter, Sie kon=
trollieren
wohl das Anſtellen der Treiber und nehmen dann die
Flanke.
In einem Abſtand von fünfzig Metern ſchritten Sylvia und
Hanns=Martin hinter den anderen her.
Mein Bruder freut ſich ſo, daß Sie einmal bei uns ſind,
Herr von Raſſow, die ganze Zeit über hat er mir ſchon von
Ihnen vorgeſchwärmt.
O weh, da werden Sie freilich arg enttäuſcht ſein, Gräfin,
und offen geſagt ich habe mir ſchon Vorwürfe gemacht,
daß ich ſo unbeſcheiden war, die liebenswurdige Einladung gleich
für drei Wochen anzunehmen.
Sie warf ihm einen kurzen Blick zu:
Das iſt doch wohl nicht Ihr Ernſt? Außer zu den Jagden
ſehen wir hier oft monatelang keinen Menſchen, höchſtens, daß
mal Sandor und Sophy für ein paar Stunden von Kisz=Erdö
herüberkommen, oder Herr von Moluar, aber der ſpricht dann
auch über nichts anderes als Dividende, Aktien, Bonus und
ihnliche ſterbenslangweilige Dinge.
Raſſow lächelte.
Für eine Dame mögen dieſe Themata allerdings nicht über=
mäßig
intereſſant ſein; übrigens, ich hatte geglaubt, daß Sie den
Winter in Budapeſt oder Wien verleben, Gräfin? Wenigſtens
erzählte mir Koloman, daß
Ja, früher, als meine Eltern noch lebten, fiel ſie lebhaft
ein, aber jetzt, während der Kriegs= und Revolutionsjahre,
ich bitte Sie, da iſt ja alles drunter und drüber gegangen.
Hm, dann freilich
Graf Tarouka wandte ſich um:
Hanns=Martin, willſt du, bitte, gleich hier ſtehen bleiben?
Weidmannsheil!
Raſſow trat in den aus Fichtenreiſig hergeſtellten Schirm,
hinter ihm faßte ein Waldwärter mit dem Reſervegewehr und
den Patronen Poſto. In einem Abſtand von fünfzig zu fünfzig
Schritten wurden die Schützen auf dem etwa dreißig Meter brei=
ten
, mit kurzem, olivfarbenem Gras beſtandenen Schießſtand
aufgeſtellt: Gräfin Sylvia, der Vizegeſpan Graf Erdödy, Frau
Sophy von Szagony, Ritter von Molnar, Herr von Szagony,
und ſchließlich, hart an der Feldkante, der Jagdherr.
Der Trieb beſtand aus einer etwa 350 Schritt breiten und
200 Meter langen Erlenaupflanzung, die dicht wit Schilf, Wei=
den
, Brenneſſeln, Fichten und hohem Raygras unterwachſen
war, während auf der einen Längsſeite ein ſilberklarer Bach,
nach dem Feld zu ein mannshoher Topinamburſtreifen das Trei=
ben
abgrenzte.
Wolkenlos klar, gleich einer kriſtallenem Glocke, blaute der
Novemberhimmel, und nur ganz fern, im Nordweſten, ſchwam=
men
wie winzige weiße Wattebauſche, an den Rändern /roſa=
farben
angehauicht, Zirruswölkchen im Aether.
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10 Uhr, bei unterzeichneter Stelle ein=
zureichen
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Darmſtadt, den 25. Okt. 1928.
Tiefbauamt.
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Pelanntmachung.
Die Rechnung der iſraelitiſchen Reli=
gionsgemeinde
Darmſtadt für Rj. 1927
liegt vom 26. d8. Mts. ab ſieben Tage
lang auf unſerem Gen eindebüro, Fried=
richſtraße
2, während der Amtsſtunden
vormittags von 912 Uhr zur Ein=
ſicht
für die Gemeindemitglieder offen.
Etwaige Einwendungen ſind inner=
halb
der Offenlegungsfriſt ſchriftlich
bei dem unterzeichneten Vorſtande ein=
zureichen
.
(17127
Darmſtadt, den 24. Okt. 1928.
Der Vorftand
der iſraelitiſch, Religionsgemeinde.

Die Bahnhofswirtſchaft Bingerbrück
tird zum 1 Januar 1929 neu vergeben.
Die bisherige Pacht betrug 10% vom Um=
ſatz
, die Mindeſtpacht 15000 RM.
Die Pachtbedingungen enthalten wei=
tere
Angaben; ſie ſind nebſt Angebotbogen
ssgen 1 RM bar (nicht in Briefmarken)
vom Präſidialbüro der Reichsbahndirektion
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Ueber die örtlichen Verhältniſſe der
Bahnhofswirtſchaf, kann mündlich Auskunft
eingeholt werden: vom Bahnhofzvorſtand
in Bingerbrück, von der Bahnmeiſterei in
Bingerbrück und vom Reichsbahnbetriebs=
amt
Bingen, wo auch die Pachtbedingun=
gen
zur Einſicht ausliegen.
Am Dezember Samstag), vormit=
tags
11 Uhr, findet die Oeffnung der An=
gebote
in unſerem Verwaltungsgebäude
in Mainz, Kaiſerſtraße 3, in Gegenwart
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[ ][  ]

Seite 14

Volks-Konzert

des

Volks-Chors Darmstadt

unter Leitung von Prot. Dr. Friedr. Noack
und Mitwirkung von: Martha Kuhn-
Liebel, Mitgl. des Hess. Landestheaters
Darmstadt, Hans Hoeftlin, Mitgl. des
Stadttheaters Mainz, Hans Komregg,
Mitgl. des Hessischen Landestheaters
Darmstadt, Peter Schäter, Darmstadt,
sowie des Landestheater-Orchesters

Vortragsfolge:
1. Sängerspruch, Julio Goslar
2. Beherzigung . . J. Fr. Reichardt (17921814)

(.-W. Gocthe) Bearbeitung Alfred Guttmann
3. Rosamunde, Musik zu dem Drama von Helmine
v. Chezy . . . . . . . . . . Franz Schubert
Pause
(17183

4. Die erste Walpurgisnacht (Ballade von Goethe)
Für Chor, Orchester und Soli
von Felix-Mendelssohn-Bartholdy

Eintritt: Mk. 1.00, 2.00, 3.00. Die Inhaber von
Dauerkarten haben eine Zusatzkarte zum Preise
v. 0.50, 1.00 od. 1.50 an der Abendkasse zu lösen.

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